Ur. 87. flbonnementS'Bedingunacn: «lonncmentS. Preis pränumerando, Bierteljährl. 330 SKI., monatL 1,10 3Kt, wöchentlich 28 Pig. frei ins Haus, Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nunimer mit Mustrierter Sonntags- Vellage.Die Neue Well" 10 Psg. Post- Wonnemenl: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 25. Jahrg. ÖWitiDt MI» auütf mostitt. Berliner Volksblntl. Die TnlertionS'Gebübr beträgt für die scchsgespallenc Kolonet« zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gcwerlichaslliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen L0 Psg. „Aieine Znaeigen", das erste(seit- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaj- stcllen-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expediüo» «hgegebcn werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöfsnct. Telegramm-Adresse! „SozialdtMlirat Berllo". Zcntralorgan der fozialdemohrati fchen Partei Deutfchlands. Redahtion: SM. 68» Lindetistraese 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1083. Sonnabend, den 11. April 1908. Expedition: SM. 68» Lindenstrasee 69. Fernsprecher: Amt IT Nr. 1084. ller Freisinn im Aahlkampf. EZ ivird einige Zeit dauern, bis matt aus dem Gewirr ocr Nachrichten über Landtagskandidaturen sichere Schlüsse über den Umfang, in dem der Wahlkampf zwischen den bürgerlichen Parteien ausgekämpft wird, wird ziehen können. Jedoch eine Tatsache steht heute schon fest: in allen bürgerlichen Parteien lebt als höchstes Ziel, den Besitzstand zu erhalten, und nirgends ist diese Sehnsucht lebendiger als gerade im Freisinn. Schon bei den letzten Landtagswahlen kam es an vielen Orten zu Kompromissen zwischen Freisinnigen und rechts- stehenden Parteien, während der Freisinn jede Verständigung mit der Sozialdemokratie ablehnte, lind heute laufen fortgesetzt Nachrichten ein. die zeigen, daß der Freisinn überall Anschluß nach rechts sucht und vor allem mit den National- liberalen gemeinsam vorgehen will. Namentlich ist es die freisinnige Volkspartei, welche diese Politik einschlägt, aber auch in der freisinnigen Vereinigung ist nicht der geringste Widerstand dagegen zu merken. Die Kompromißpolitik bei den Landtagswahlen ist aller- dings die notwendige Folge der Blockpolitik im Reiche. Da die Freisinnigen in der Tat zu Nationalliberalcn ge- worden sind, und als Blockgcfangcne konservative Politik inachen, ist wirklich kein Grund vorhanden, daß die Vcr- kündeten aus dem Reichstag sich bei der Landtagswahl be- sonders scharf befehden sollten. Man wird zwar in einigen Kreisen, wo aus lokalen Ursachen das Kompromiß scheitert, ein paar Scheinkämpfe aufführen, aber man wird das im Be- wußtsein tun, daß das nicht so ernst gemeint ist und daß sich nach der Wahl in den Couloirs des Landtages schon alles finden wird. Jedoch trennt die Stellung zur Wahlrechts- frage nicht die bürgerlichen Parteien und soll die Wahl- rechtsfrage nicht zur Wahlparole werden? Die Frage kann heute überhaupt nur mehr in einem Sinne beantwortet werden. Die Freisinnigen werden gewiß ihr Wort geben, für die Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen un- entwegt eintreten zu wollen. Aber jeder weiß, daß sie ihr Wort nie einlösen werden. Eine Partei, die im Reichstage auf Geheiß der Konservativen für die Ausnahmebestimmungen im Vereinsgesetz gestimmt hat, kann im Landtage nicht Plötz- lich ihren Lakaiencharakter verleugnen. Und wenn man noch zweifeln konnte, so wäre es nach der Motivierung der Ab- stimmung durch Herrn v. P a y e r ganz unmöglich. Eine Partei, die erklären läßt, daß sie für das Gesetz stimmt in demselben Augenblick, wo sie zugeben muß, daß es gegen ihre Grund- s ä tz e verstößt, bloß deshalb, um Regierungspartei zu bleiben, eine solche Partei kann natürlich in wichtigeren entscheiden- deren Fragen nicht plötzlich eine unabhängige oppositionelle Haltung annehmen. Der Freisinn e x i st i e r t nun einmal als demokratische Partei nicht mehr. Es ist wichtig, dies zu erkennen, weil es unsere Taktik bei den Landtagswahlen bestimmt. Man konnte in unseren Reihen über die Stellung des Freisinns verschiedener Meinung sein, so lange irgend eine Aussicht bestand, im Freisinn einen halbwegs zuverlässigen und vor allem von der Regierung un- abhängigen Verfechter einer ehrlichen Wahlreform zu sehen. Diese Zweifel können jetzt überhaupt nicht mehr aufkommen. Und die zahlreichen Kompromisse, die der Freisinn vom Anbeginn der Wahlbewegung an mit den Nationalliberalen, und wenn nicht alles trügt, an einzelnen Orten auch mit den Frei- konservativen, eingeht, beweisen nur wiederum, daß ihm nichts ferner liegt, als den Wahlkampf zu einem Wahlrcchtskampf zu gestalten. Aber, könnte man sagen, wenn auch das Gros des Freisinn jeden Liberalismus abgeschworen hat, existiert nicht doch in seinen eigenen Reihen eine demokratische Opposition, die die Sozialdemokratie bei den Wahlen unter- stützen müßte? Aber auch dieses Problem scheint eine sehr einfache Lösung finden zu wollen. Bisher erfährt man nichts davon, daß einer der entschiedenen Liberalen auch nur zu einer aussichtslosen Kandidatur zugelassen würde. Ja es scheint fast, daß, wo diese Gefahr besteht, die Frei- sinnige Volkspartei im Bunde mit den Nationalliberalen zu Gegenkandidaturen schreiten wird. Gewiß, die Nachrichten sind bis jetzt noch sehr unvollständig. Doch gewinnt es immer mehr den Anschein, als ob die Fälle, in denen die Sozial- dcmokratie überhaupt einen Ausschlag zwischen bürgerlichen Parteien wird geben können, so wenig zahlreich sein werden, daß sie in keiner Weise besonders schwer ins Gewicht fallen. Ist dies aber der Fall, dann wird es gut sein, sich nicht der Illusion hinzugeben, als würden die Landtagswahlen die Zusammensetzung des künftigen Landtags entscheidend ändern. Für die Sozialdemokratie muß es sehr wichtig sein, gerade die Dinge in Preußen nüchtern zu be- trachten. Das Dreiklassenwahlrecht ist ein sehr starkes Boll- Werk und es wäre töricht zu hoffen, daß es so leicht über- rannt werden kann. Die Reform des Wahlrechts ist nicht zu erreichen durch eine Verschiebung innerhalb der Landtagspartcicn, die unter dem Dreiklassenwahl- recht heute nur mehr in geringem Umfange mög- lich ist. An die schlimmsten Feinde des Wahlrechts, an die Konservativen und Freikonservativen, können wir kaum heran. Auch das Zentrum ist durch die Natur seiner Wahl- kreise gesichert, Nationalliberalc und Freisinnige durch den plutokratischcn Charakter des Systems- Die Wahlrcform wird gewiß vom Landtag gemacht, aber sie wird gemacht werden nur dann, wenn die Volksbewegung außerhalb ides Landtages stark genug wird, um die Privilegierten zu Zugeständnissen zu zwingen. Und das Ausmatz dieser Zugeständnisse wird in weit höherem Maße von der Intensität der Volksbewegung draußen abhängen als von dem Umstände, ob eine oder die andere der LandtagSfraktionen, die einem reaktionären Wahlrecht entsprungen, noch reaktionärer sind als die gleichgenannten Reichstagsfraktionell, ein halbes Dutzend Mandate mehr oder weniger erhalten. Wir stimmen ganz mit Genossen Heine überein, der neulich einmal schrieb, daß das Dreiklassenwahlrecht unvereinbar sei mit jeder ruhigen, natür- lichen Fortentwickclung Deutschlands. Aber wir meinen, daß eben den Herrschenden diese Unvereinbarkeit der ruhigen Ent- Wickelung mit der Aufrechterhaltung der Wahlentrechtung auch tvirklich wird demonstriert werden müssen. Deshalb niutz unser Wahlkampf vor allem ein Wahl- r c ch t s k a m p f sein! Wir müssen die ganzen Feinde der politischen Gleichberechtigung des Proletariats bekämpfen und können dabei die lauen Freunde nicht schonen. Der Wahltag muß durch die Zahl der Stimmen eine gewaltige Manifestation für das gleiche politische Recht werden I Wenn wir alle unsere Kräfte aufbieten, wird es gelingen, dem preußischen Proletariat einige Vertreter zu vcr- schaffen, die innerhalb des Landtages den Kampf mitführen helfen wollen, den die Massen draußen führen müssen. Denn darüber dürfen wir uns nicht täuschen: dieser Wahlkampf kann nur eine Episode in unserem Wahlrechtskampf sein! Er muß das Bewußtsein von der Notwendigkeit des gleichen Rechts in die Massen tragen und in ihnen den Willen entzünden, alles daran zu setzen, es zu erringen, koste es was es wolle! Am Wahltag selbst werden wir uns zählen. Aber am Tage nach der Wahl müssen wir daran gehen, das Gewicht unserer Z a h l in die Wagschale zu werfen. Der Kampf um das Wahlrecht bleibt,»venu auch der Wahlkampf vorüber ist. evangelische Hrbcilerhandidaturcn. Die evangelischen Arbeitervereine streben seit langem danach, durch Leute aus ihrer Mitte im Reichstage und im preußischen Abgcordnctenhause vertreten zu sein. Bislang aber haben ihnen die Parteien, auf deren Hülfe sie dabei rechnen, die Nationalliberalen und Konservativen, den Ge� fallen nicht getan, Arbeiterkandidaturen aufzustellen. In Duis- bürg zwar fanden sich bei der letzten Reichstagswahl die National liberalen bereit, einem Arbeiter, dem Former Jung, die Ehre einer Kandidatur zu gönnen, aber dieser Kandidat machte nicht einmal den evangelischen Arbeitern Freude und nachträglich ist Herr Jung denn auch von den eigenen Gesinnungsgenossen ab- geschüttelt worden. Nun haben sich, nach der eifrigen Wahlhülfe bei den letzten Reichstagswahlcn, die evangelischen Arbeiter wenigstens für die bevorstehenden Landtagswahlen Hoffnung auf einige Kandidaturen gemacht, aber sie müssen auch zctzt wieder eine allgemeine Ens täuschung erleben. Der„R h c i n i s ch- w e st f ä l i s ch e A r> beitcrbote", das Blatt des Gesamtverbandes evangelischer Ar� beitervereine, findet es„tief bedauerlich, daß die konservative Partei, die eine so große Zahl sicherer Mandate hat, sich nicht dazu verstehen kann, einem in seine?' Grundanschauungcn konservativ gerichtete» Arbeiter ein Mandat zur Verfügung zu stellen. Und daß ein fach- verständiger Arbeiter den Konservativen iin Parlament öfter fehlt, unterliegt keinem Zweifel. Aber bis die konservative Partei so einsichtig wird, werden wir wohl noch lange ivarten können." Sodann kommt das Blatt auf die Resolution der Dortmunder Nationalliberalcn zu sprechen, die beschlossen haben, von einer A r b c 1 t c r k a n d i d a t u r abzusehen, da sich in den Reihen der evangelischen Arbeiter nicht ein Vertreter hat finden lassen, der,„auf dein Boden der nationalliberalen Partei stehend, sich der verantwortungsvollen Aufgabe als Abgeordneter des Kreises gewachsen fühlt." Der„Arbeiterbote" meint, die Auf- stellung eines evangelischen Arbeiters für den Landtag wäre eine nationale und liberale Tat, die Dortmunder Resolution aber sei ein nationallibcrales Armutszeugnis. Besonders scharf gehen im rheinisch-westfälischen Industrie gebiet die Ehristlichsozialen» die sich hier als die berufenen Vcr- treter der evangelischen Arbeiter aufspielen, mit den Naiionab liberalen ins Gericht. Die christlichsozialc Ortsgruppe Essen wird auf der am 3. Mai in Dortmund stattfindenden Ruhrkonferenz der Christlichsozialen beantragen, bei der Landtagswahl in allen Ruhrkreisen strengste Wahlenthaltung z u ü b e n, weil die Oeffcntlichkeit der Wahl dem Terra- riLmus Tür und Tor öffne und den evangelischen Ar- bcitern keine entsprechende Anzahl von Man- baten eingeräumt worden sei; die Parteikonferenz soll einen entsprechenden Wahlenthaltungsaufruf an die Christlichsozialen und die evangelischen Arbeitervereine des Ruhrgcbiets erlassen. Dieser Beschluß richtet sich gegen die Nationalliberalen und die christlichsoziale Wochenschrift die in Duisburg erscheinende „Arbeit" kündigt am Schluß eines gegen die Nationalliberalcn gerichteten Artikels an:„So ganz ohne Ueberraschungen werden die Nationalliberalen trotz aller Wachsamkeit nicht durch die Wahl- kämpfe kommen, denn auch die Christlichsozialen stehen ihren Gegnern wohlgerüstet gegenüber." Mail braucht nun derartige Acußerungen nicht allzu ernst zu nehmen. Die evangelischen Arbeitervereine sind zu gut„erzogen", als daß ihre Mitglieder zu einer entschiedenen Stellungnahme gegen- über den bürgerlichen Parteien fähig wären; ihre Rückständig- k e i t ist dadurch zur Genüge erwiesen, daß sie überhaupt von den Nationalliberaleu und Konservativen eine Vertretung der Arbciterintcrcsscn crwartcnk Und was die Christlichsozialen betrifft, so ist es diesen Leuten, deren Anhang im umgekehrten Verhältnis zur Großmäuligkcit ihrer Führer steht, nur darum zu tun, den leitenden Personen einige Mandate zu verschasscn— mögen sie diese Mandate auch aus de» Hände» der denkbar arbeiterfeindlichste» Parteien empfangen. Was diese Sorte von Politikern zu bedeuten hat, beweist der Umstand, daß ihr Führer, der Abgeordnete Behrens, sich jüngst bereit erklärt hat, die R u h r w ah Ik r e i s c, die jetzt durch Sozialdemokraten im Reichstage vertreten sind, den grosi- industriellen Scharfmachern zuzuschanzen, weil anders der Ruhr- bcrgbau nicht genügend im Parlament vertreten sei. Die„Kölnische Zeitung" findet, daß die Wahlcnt- Haltung der Christlichsozialen nicht mehr und nicht weniger als die mittelbare Unterstützung des Zentrums und der Sozialdemokratie bedeute. Aufgabe der liberalen Par- tcien im Industriegebiet werde es sein, dem weiteren Vorgehen der Christlichsozialen aufmerksam zu folgen und mit kräftiger Abwehr zu begegnen. Man kann sich denken, daß den Nationalliberalcn in den in- dustricllen Wahlkreisen wegen ihrer Sünden beim Reichsvcreins- gesetz nicht wohl z» Mute ist, aber vielleicht finden sich bis zu den Landtagswahlen die verwandten Seelen wieder zusammen, sintemalen doch auch die Christlichsozialen zum Block gehören und Herr Behrens als getreuer Blockbruder für den Sprachenpara- graphen gestimmt hat. Bei so enger politischer Verwandtschaft sollte eine Wahlgegncrschaft von Rechts wegen ausgeschlossen sein! Ser neue tiiittelstand und das preußische Sahlrecht. Aus Jnbustnebeamtenkreiscu wird uns geschrieben?: In der Sozialpolitik hat man sich in den letzten Jahren angewöhnt, sehr viel üon dem neuen Mittelstand zu reden- Man bezeichnet damit alle jene Berufs schichten der Angestellten der Großindustrie. Diese Schichten sind erst durch die kapitali- stische EntWickelung hervorgebracht worden und die Bezeich- nung Mittelstand ist total falsch. Auch der Angestellte im Großbetrieb ist Lohnarbeiter, der seine Ware Arbeitskraft ebenso verkaufen muß wie der Handarbeiter. Charakteristisch für diese sich neu bildenden Schichten ist ihre politische Haltlosigkeit und Indifferenz. Während in der Arbeiterschaft die Wahlrechtsfrage die Massen lebhaft be- wegt, während jeder Einzelne von ihnen die Situation be- griffen hat und seinen Mann stellen wird, steht der neue Mittelstand dieser wichtigen Frage recht teilnahmlos gegen- über. Es ist, als wenn die Wahlrechtsreform' für ihn keinen Wert hätte. In den großen politischen Fragen gibt es keine Klasse, keine große Volksschicht, die so isoliert und so gott- verlassen dasteht wie dieser„neue Mittelstand". Und doch vereinigt er in sich im nationalökonomischcn Sinne mit die wichtigsten Elemente unseres Volkslebens. Was wäre ine Großindustrie, wenn nicht der geistige Arbeiter der Technik immer neue Werkzeuge und Arbeitsmaschinen konstniiert, immer neue Arbeitsmethoden ersonnen hätte? Was ist heute in Wirklichkeit der moderne Großunternehmer im Riesenwerk im Vergleich zum Angestellten? Nur zu oft ein Parasit, der die eigentlichen Unternehmerfunktionen, die Arbeit der Leitung und Verwaltung seinen Angestellten über- läßt. So wichtig volkswirtschaftlich also ohne Zweifel der „neue Mittelstand" ist, so ist er doch eine Masse ohne Führer, ohne politische Köpfe. Ans ihren Reihen sind noch keine Männer der Oeffentlichkeit hervorgegangen. Wo sind die Ingenieure und Chemiker, die Bctriebsbeamten und Werk- meistcr, die in den Parlamenten für ihre Klassengenosscn wirken? Man kann im Ernst den deutschnationalen Schreier und Demagogen Schock nicht als Angestelltenführer bezeichnen, ebensowenig trifft es für den Syndikus des Werkmeisterver- bandes, für den Freisinnigen Potthoff'zu. Die tüchtigen Köpfe, die in der Angestelltenbewegung vorhanden sind, müssen erst in hingebender Gewerkschaftstätigkcit ihre Kräfte be- tätigen, müssen erst durch organisatorischen Zusammenschluß die zersplitterten Massen zusammenfügen, nni im-ein Wirt- schaftlichen Kampf die elementarsten Grundrechte des freien Arbeitsvertrages zu erstreiten. Hat die Zeit kaum einen politischen Führer hervor- gebracht, so haben die Führer der alten bürgerlichen Parteien kläglich versagt. Wohl hat in den Parlamenten zu wieder- holten Malen ein Wettlaufen um die Gunst der Privatbeamten stattgefunden, aber es sind doch nur platonische Liebes- erklärungen gewesen; man ist nur auf den Stimmenfang ge- gangen. Positives für die Angestellten ist dabei herzlich wenig herausgekommen. Die nationalliberalen Helden a la Strescmann denken nicht daran und dürfen nicht daran denken, ernsthafte An- gestelltcnpolitik zu treiben; sie stehen in Scharftiiachersdiensten und haben die Gesckjäfte des Großkapitals zu besorgen. Ebenso treibt das Zentrum hier wie bei allen anderen Gelegenheiten verlogene Schachcrpolitik, wenn es für die Angestellten ein- tritt; es ist nicht ehrliches Interesse, sondern parteipolitische Spiegelfechterei, die dabei getrieben wird. Nicht minder un- zuverlässig haben sich auch die Freisinnsparteien gezeigt. Um nur den sogenannten«.entschiedenen Freisinn" um ÄaMiaM penttlt tnl Nuge Zu fassen, so k>at sich hier in üb'erraschenL kurzer Zeit die Situation geändert. Es kann nicht geleugnet werden, daß gerade Naumann eine ganze Zeitlang in An- jgcstellteskreisen viele Anhänger besaß. Er galt manchen Optimisten als der kommende Mann, der nun wirklich eine demokratische Volkspartei schaffen werde, die Schulter an Schutter mit der Arbeiterpartei kätnpfe. Diese Erwartungen baben sich nicht erfüllt. Naumann hat nicht nur keinen Versuch gemacht, an dem Zusammenbruch der per- siden Blockpolitik zu arbeiten, sondern er hat nach einigen Seitensprüngen alle Freisinnsverrätemen mitgemacht. Seine Charakterlosigkeit in der Blockpolitik und in der Wahlrechts- frage bedeutet nicht nur einen Verrat an der Arbeiterklasse, fondern auch an dem neuen Mittel st and. Gerade die Wahlreckitsfrage ist für den Angestellten ebenso wichtig wie für den Arbeiter, weil er materiell ebenso dürftig gestellt und wirtschaftlich ebenso abhängig ist wie der Arbeiter. Alle statistischen Erhebungen aus Ängestelltenkreisen haben uns ge- geigt, daß der geistige Industriearbeiter auf Grund seiner materiellen Lebenshaltung ein Proletarierdasein führt. Auch er ist ein Besitzloser, der in der dritten Masse zu wählen hat. Auch die O e f f e n t l i ch k e i t der Landtagswahl macht für den Angestellten das Wahlrecht geradezu illuso- r i s ch. Nicht nur preußisch-deutsche Minister dulden keine Angestellten und Arbetter nnt freier Gesinnung in ihren Be- trieben, sondern auch die Kndufttiebarone sehen im Angestellten ihren geistigen Kuli, ihren gefügigen Lohnsklaven! Jede freie Regung wird unterdrückt und die Gesinnungsheuchelei und Gesinnungslosigkeit als das Haupterfordernis eines tüchtigen Jndustriebeamten betrachtet. Daß trotzdem die Angestelltenfrcundc vom Schlage Nau- mann den Wahlrechtskampf preisgaben, liefert den Beweis ihrer politischen Unfähigkeit oder Unehrlichkeit. Deshalb ist es Sache der Angestellten selbst, sich von diesen falschen Freunden zu befreien und sich der Sozialdemokratie anzu- schließen, der einzigen Partei, die entschlossen ist, das Boll- werk der heutigen preußischen Drciklassenschmach niederzu- reißen und ein wahrhaft demokratisches Wahlrecht zu er- kämpfen I_ politifcbe Ocberftcbt. Berlin, den 10. April 1908. Freisinnige für neue indirekte Steuern! Wie sehr der Freisinn auf das Niveau der Stationalliicralcu, sa der Freikonscrviitiven herabgekommen ist, beweist folgende Resolution, die die Abgg. D o v e und M o m m s e n dem bevorstehenden Partei- tag der„Freisinnigen Vereinigung" unterbreiten wollen: „Die baldige und für die Ankunft ausreichende Deckung der finanziellen Bedürfnisse des Reichs ist eine unbedingte Rot- wendigleit im Interesse der Aufrechtcrhaltung unseres poli- tischen und wirtschaftlichen Ansehens im Inlands und Auslände. Zur dauernden Deckung des Mehrbedarfs an laufenden Ausgaben und des Bedarfs, der zur Herab- Minderung des Änleihebedürfnisses außerdem erforderlich ist, g e- nllgen nicht allein direkte Steuern oder Steuern, die die vermögenden Klassen treffen, es muß auch auf geeignete Verbrauchssteuern zurückgegriffen werden...." Das ist ganz genau d.erselbe Standpunkt, den die Herren Bas s ermann und Zedlitz vertreten I Die nichtbesitzende Masse des Volkes soll durch die Reichsfinanzreform abermals in Gestalt neuer indirekter Steuern um Hunderte von Millionen geschröpft werden! Aber um dies unerhörte Attentat auf die Taschen des Volkes zu beschönigen, sollen auch ein paar .Dutzend Millionen direkter Steuern eingeführt werden I Die Notwendigkeit solcher direkter Steuern hat Herr Basfermann bereits seit Jahr und Tag betont! Aber auch der Frei- konservative v. Zedlitz redete ja am 12. März d. I. den verbündeten Regierungen zu, doch in den sauren Apfel direkter Reichssteuern zu beißen, um dadurch den bürgerlichen Parteien die Zustimmung zu einer um so gigantischeren Steuerschröpfung der Massen durch neue indirekte Steuern zu erleichtern. Herr v. Zedlitz, der Freikonservative, beschwor die Regierungen, doch„so weise" zu sein, durch das arglistige Danaergeschenk direkter Reichssteuern die Möglichkeit zu geben, „durch kleine Ilonzessionen den größten Teil des Mehrbedarfs im Reiche durch eigene indirekte Reichssteuern zu verschaffen". Die„Freisinnigen" Dove und Mommsen sind also auch im Punkte der Steuerpolitik mit Nationalliberalen und Frei- konservativen ein Herz und eine Seele.— Auch ein Erfolg deutscher Auslandspolitik. Die New Aorker Briefe der„Kreuzzeitung" gehören zu den besten Berichten der deutschen Presse aus dem Nankee- lande. Ter Verfasser beurteilt zwar das wirtschaftliche und politische Leben der Vereinigten Staaten von Amerika vom streng konservativen Standpunkt aus und ist kein Verehrer Uncle Sams; aber er besitzt Beobachtungsgabe und Menschen- kenntnis. Um so gewichtiger ist es, daß auch er in seinem heute von der„Kreuzzeitung" veröffentlichten Brief über den„Fall Hill" die Ansicht vertritt, daß die Nachrichten über die Ab- lehnung Hills als amerikanischen Botschafters in Berlin im amerikanischen Volk eine„große Erregung" hervorgerufen und die Beziehungen der Union zu Deutschland wesentlich verschlechtert haben. Wörtlich schreibt er: „Gleichwohl ist es für die Förderung der deutsch-amerika- nischen Beziehungen nicht erfreulich, daß die Hill-Lffäre erst akut wurde, nachdem Hill bereits ernannt war. Zwar meldet ein Telegramm der„Associated Preß" auS Venedig, der deutsche Kaiser habe erklärt, er hätte keinen Einwand gegen Hill erhoben, wenn» er auch sein Bedauern ausgesprochen habe, daß Charlemagne Tower den Botschafterpostcn verlassen müsse; aber zugleich wird behauptet, daß andere hochgestellte Personen ihn nicht für geeignet befunden hätten. Wenn ich darüber näheres mitteile, so bemerke ich ausdrücklich, daß ich nur über hiesige Blättermeldungen referiere. So wird von Charlemagne Tower mitgeteilt, daß er schon im Herbst vorigen Jahres dem Präsidenten geschrieben habe, er wolle nach Amerika zurück- - kehren. Das nach diesem Briefe erwartete förmliche Demissions- gesuch sei aber nicht eingetroffen und deshalb habe Staats. sekretär Noot einige Wochen später bei Tower angefragt, ob er denn wirklich zurücktreten wolle; Tower habe geantwortet, er gedenke dies zum Frühjahr 1308 zu tun. Darauf habe Root fem Augenmerk auf Hill geworfen, der schon längst gern nach Berlin gehen wollte, um die dortigen großen Bibliotheken zu studieren, weil er an einer„Geschichte der europäischen Diplomatie" arbeitet, von der schon zwei Bände erschienen sind, uill» die er in Berlin zu vollenden gedachte. Charlemagne Tower habe diesen Worschlag persönlich dem Kaiser übermittelt, der sich sofort damit einverstanden erklärte. Auf diese Meldung erachtete man im Staatsdepartement die Ernennung Hills für per» fckt und ernannte schon für seinen jetzigen Posten im Haag den Gesandten Beauprä in Buenos Aires, während Spencer Eddy, erster Sekretär in Berlin, nach Buenos Aires berufen aurfce,.., Darauf wurde plötzlich gemeldet, der Kaiser habe bei einem Diner bei Charlemagne Tower den anwesenden amerikanischen Vizekonsul in Berlin, der nach Amerika reisen wollte, aufgetragen, den Präsidenten Roosevelt zu grüßen und ihm mitzuteilen, er sei sehr böse auf ihn, weil er Charlemagne Tower abberufen wolle. Dies habe man für einen Scherz gehalten, gleich darauf sei aber ein Brief des Kaisers an den Präsidenten avisiert, in dem es geheißen habe, der Kaiser habe zwar im November v. I. der Ernennung Hills zu, gestimmt, nachher aber andere Informationen erhalten, die ihn vcranlatztcn, den Präsidenten zu bitten, dieselben nicht auf- recht zu erhalten. Dieser Brief soll nur avisiert, d. h. noch nicht eingetroffen sein. Wie behauptet wird, sei nämlich der chiffrierte Wortlaut von Charlemagne Tower an das Staats- departement telegraphiert worden. Zugleich wird in Washingtoner Blättern versichert, daß der deutsche Botschafter Frhr. Speck v. Sternburg von der ganzen Sache nichts wisse. Im übrigen erklärt die inspirierte Presse, daß es bei der Er- nennung Hills fein Bewenden haben müsse. Natürlich sei es das Recht jeder Regierung, einen ihr nicht genehmen Kandidaten abzulehnen, und wenn Hill sofort als persans minus xrsts dezeichnet sei, würde ein anderer Herr ernannt sein, aber man könne sich auf nachträgliche Einwendungen nicht einlassen." Der sehr vorsichtig abgefaßte Bericht bestätigt, was sich deutlich aus der amerikanischen Presse ergibt, nämlich, daß die Hill-Affäre dem Ansehen Deutschlands in den Vereinigten Staaten mehr geschadet hat, als jemals alle Professorenaus- tausche sowie Prinzen- und Statuenverschickungen auszugleichen vermögen. Um so bedauerlicher ist es, daß Bülow nicht im Reichstag wegen dieser Angelegenheit interpelliert worden ist. Möglich, daß er. wie so oft, auch diese Sache erst nachträglich durch die Zeitungen erfahren hat; nichtsdestoweniger bleibt er als nomineller Leiter der auswärtigen Politik für sie verantwortlich.— Wer befahl den Sprachenparagraphen? Eine Dortmunder Zuschrift des„Berliner Tageblatt' beleuchtet kritisch das von Bethmann- Hollweg bei der dritten Lesung des ReichSvereinSgesetzes im Austrage BülowS abgegebene Dementi der Behauptung, die rheinisch- westfälischen Großindustriellen seien die Veranlasser der Einsetzung deS§ 7 in die ReichLvereinSgesetz« Vorlage gewesen. Es heißt in dem Schreiben: .... Ich kann Ihnen nun folgende Tatsache mitteilen, die kein Dementi ans der Welt schafft. Hier in Dortmund sprach in einer großen öffentlichen Versammlung, die von der Leitung der nationälliberalen Partei einberufen worden war, Abgeordneter Bassermann über„Des Reiches Polittk", einige Zeit nach seinem Besuch beim Reichskanzler in Norderney. Gerade damals war in einigen Blättern die Meldung aufgetaucht, d a S Vereinsgesetz enthalte ein Verbot des Ge- brauches fremder Sprachen. Lebhast, ja mit einer auffallenden Schärfe wandte sich der Abgeordnete Bassermann gegen diese Behauptung. Das Gesetz, so erklärte er, enthält keinen„Sprachenparagraphen". Fürst Bülow habe an eine solche Bestimmung absolut nicht gedacht. Allerdings aber werde in gewissen Gegenden, etwa hier im Jndustriebezirk, eine gewisse Eindämmung der polnischen Agitatton nötig sein. Abgeordneter Bassermann hat dann aber später auf der Landesversamnilung der württembergischen deutschen Partei die Erklärung, der Entwurf cnt- halte kein Sprachenverbot, mit Nachdruck wiederholt. Offenbar entsprach das, was er mitteilte, dem Stande der Dinge oder dem Inhalte des Entwurfes zur Zeit der Norderney er Unter- Haltungen, er war aber nicht unterrichtet darüber, daß in- zwischen der Entwurf durch die Beratung im preußischen StaalS- Ministerium um den Sprachenparagraphen bereichert worden war." Die Zuschrift weist weiter darauf hin, wenn der Staatssekretär im Namen des Reichskanzlers erklärte, eine„Einwirkung der Industriellen auf den Reichskanzler" sei weder direkt noch indirekt versucht worden, so dementiere er etwas, was gar nicht behauptet worden sei.„Als die Person, an die sich die Großindustriellen mit ihrem Verlangen gewandt haben, ist nicht der Reichs- k a n z l e r, sondern ein anderer preußischer Minister bezeichnet worden, den mit den großindustriellen Kreisen verwandtschaftliche und freundschaftliche Beziehungen verbinden. Hat der Staatssekretär nun aus eigener Schuld danebcndementiert, oder war das auch in seinem Auftrage enthalten?" Das letztere ist das wahrscheinlichere. Offizielle Dementis sind, wie das Exempel zeigt, gerade soviel wert wie offiziöse. D. h. gar nichts!—_ Eine nationale Gefahr. Der reichliche Ordenssegen, der sich alljährlich über jene Würdigen ergießt, die sich nach allerhöchster Ansicht um das sogen. öffentliche Wohl irgendwie verdient gemacht haben, hat die Kassen der Generalordenskommission sehr erschöpft. Es ergibt sich daher die Notwendigkeit, entweder die reichlichen Ordensverleihungen einzuschränken oder neue Mittel für die Anschaffung von Orden jeranzuschaffen. Die Einschränkung deS Ordensregens ist jedoch in Preußen unmöglich, denn darunter würde unzweifelhaft die patriottsche Begeisterung, vornehmlich der Kommerzienräte, Finanziers, freisinniger Blockparlamentarier, LegattonSräte usw. wesentlich leiden, und diese Abkühlung der vaterländischen Ge- fühle könnte leicht für die nationale Gesinnung verhängnisvoll werden. So bleibt nur der Ausweg, die Kassen der General- ordenSkommission aufzufüllen. Tatsächlich ging denn auch schon vor einigen Tagen durch die Presse die Notiz, daß bei der ständig zunehmenden Zahl der Ordensverleihungen eine Erhöhung des EtatStitelS„Anschaffung und Unterhaltung der OrdenSinsignicn" erforderlich werden würde. Aber woher sollen die Mittel ge- nommen werden? Auch diese Frage hat die Regierung nach einer längeren geistigen Anstrengung gelöst. Man will, wie die„Berk. Neust. Nachr." melden, einen Reichszuschuß zu den Ordenskosten verlangen, unter Hinweis darauf, daß neuerdings besonders viele Ordensverleihungen an Reichsbeamte, Schutztruppenoffizicre usw. (auch RcichStagsabgeordnete) erfolgt seien. ES bietet sich also für Ordenssüchtige Aussicht, auch einen Adler vierter Klaffe zu erlangen; denn der nationale Block kann unmöglich solche Forderung ablehnen, erstens nicht aus Rücksicht auf die Erhaltung des patriottschen Gefühls, und zweitens nicht, weil sich dadurch die liberalen Parlamentarier selbst der Möglich. keit berauben würden, ihre Brust verziert zu sehen.— Pluralwahlrecht für Sachsen. ÄuS Dresden wird unterm 10. April gemeldet, daß das neue Landtagswahlrecht im wesentlichen fertig sei. Die Meldung be- stätigt im Grunde nur, was unser Dresdener Korrespondent schon vor einiger Zeit mitteilte, daß die Nationalliberalen und der größere Teil der Konservativen sich auf ein Pluralwahlrecht geeinigt haben, das je eine Mehrstimme für ein gewisses Alter, für Besitz und „Bildung" festsetzt. Neu ist, daß die Regierung geneigt sein soll, auf diese? Kompromiß, das ihre Vorschläge beiseite schiebt, ein- zugehen. Doch wird angedeutet, daß ihren Ideen auch irgendeine Konzession in dem System gemacht werden wird. Die zwischen den Nationalliberalen und Konservativen strittige Frage der Wahlkreiseinteilung(die Konservativen wollen die ihnen günstige Scheidung der Wahlkreise in städtische und ländliche bei- behalten, die Nationalliberalen sie beseitigen) so? gleichfav? Aussicht auf Lösung haben. Sie werde wahrscheinlich so geregelt werden, daß die Großstädte besondere Kreise bilden und die kleineren Städte mit ländlichen Wahlkreisen zusammengelegt werden. Die Ver- Handlungen darüber sind indes noch nicht abgeschlossen. Nach dem„Verl. Tagebl." ist noch eine besondere Teufelei aus- geheckt worden, um das Proletariat zu benachteiligen. Das aktivc Wahlrecht soll mit zweijähriger, das passive mit vier- jähriger Staatsangehörigkeit erworben werden. Nach demselben Blatte werden die Präsidenten des Landtages und bekannte Partei- führer mit der Regierung während der Osterferien weiter ver- handeln. Danach scheint die Sache doch noch nicht so weit zu sein, wie die Meldungen behaupten. Die Konservierung eines Wahlunrechts ist eben eine schwierige Sache, zumal, wenn die Furcht vor der Sozialdemokratie den Gesetzesmachern und Regierungsvertretern im Nacken sitzt und daneben noch jede Koterie ihren Sondcrgewinn zu machen bestrebt ist. Die sächsische Sozialdemokratie hat übrigens auch noch allerlei dazu zu bemerken und sie wird das zu geeigneter Zeit zweifellos deutlich und laut genug tun. So ganz ungestört werden die bürgerlichen Parteien ihre volksfeindlichen Machenschaften nicht zu Ende bringen.—_ Der Hundeweibchenprozetz des Zentrumsabgeordnetcn Dr. Heim fand vor dem Landgericht in Augsburg eine Neuauflage. Der Vorsitzende des liberalen Ver- eins in Diesen am Ammerscc wurde vor einiger Zeit vom Schöffen- gcricht in Landsbcrg a. L. wegen Beleidigung des Abg. Heim zu 30 M. Geldstrafe verurteilt. Es handelte sich um Beleidigungen in einer Wählcrvcrsammlung. Der Prozeß hatte seinerzeit be- sondere? Interesse erregt, weil zur Sprache gekommen war. daß Dr. Heim zu einem Zentrumspfarrer gesagt habe:„Sagt mirs doch ins Gesicht, aber macht es nicht hinter dem Rücken, wie ein verschnittenes Hundeweibchen, das um den Eckstein schifft, sondern geradeaus wie ein männlicher Hund; ich hasse jedes onanistische hinterrücks gehende Wesen."— Der Zentrumspfarrcr gehört zu jener Clique innerhalb des Zentrums, welcher der demokratische Zug des Dr. Heim nicht gefällt.— Die Berufung des seinerzeit Verurteilten wurde verworfen. Ei» unhaltbares Urteil! Wegen Förderung der Fahnenflucht mußte sich der Reservist Simar vor dem Dresdener Kriegs- g e r i ch t verantworten. Der Angeklagte hat seine Dienstzeit beim Dragoner-Regiment in Koblenz abgeleistet, ivährend welcher er sich eine Bestrafung zuzog. Nach ihrer Verbüßung kam Simar in die Militär-Arbeiterabteilung nach Ehrenbreitstein. Am 30. Sep- tember 1007 sollte nun der Angeklagte entlassen werden. Um sich Zivilkleidung zu laufen und mit Geldmitteln einigermaßen versehen zu sein, setzte er sich mit einem anderen Arbeitssoldaten, namens Kriemer, in Verbindung, um sich von diesem einen Geldbetrag zu borgen. Kricmer willigte ein und der Vermögensverwalter sandte auf Ver- anlassung Kriemers 232 M. an Simar. Inzwischen war für den Angeklagten von dessen Bruder ein größerer Geldbetrag eingetroffen. Am 30. September, dem EntlassungStage, begab sich nun Simar nach der Post, um den von Kriemer geliehenen und für ihn ein- getroffenen Geldbetrag abzuheben. Die Summe sollte Kriemer bald wieder zurückerhalten. Noch an demselben Tage, nachts, reiste der Angeklagte von Ehrenbreitstein nach Dresden ab. Nun trat aber das für Simar Verhängnisvolle ein. In derselben Nacht, wo er abreiste, wurde kriemer mit einem anderen Arbeitssoldaten fahnenflüchtig, und bis heute sind sie spurlos verschwunden. Alle angestellten Nachforschungen sind bisher ergebnislos geblieben. Während man der beiden Fahnenflüchtigen mcht habhaft werden konnte, erhob man aber gegen Simar eine Anklage wegen Förde- rung zur Fahnenflucht. Die Anklage nimmt an, daß der angeblich geliehene Geldbetrag von 232 M. nicht für Simar, sondern für Kriemer bestimmt war, und daß Simar den Betrag nur abgehoben hat, um diesen an Kriemer auszuhändigen und so die Flucht zu fördern. Der Angeklagte bestreitet mit aller Entschiedenheit, etwas von der Fahnenflucht gewußt zu haben und daß irgend eine Verabredung nach dieser Rtchlung bestanden habe. Das Geld habe er für sich verbraucht und nicht an Kriemer abgeliefert. Er bezeichnet die Fahnenflucht, von der er erst bei Einleitung seines Strafverfahrens erfahren hat, als einen allerdings auffälligen, aber dennoch unglücklichen Zufall. Das Kriegsgericht erachtete den Angeklaglen der ihm zur Last gelegten Straftat für überführt und verurteilte ihn gemäß dem Antrage der Vertreter der Anklage zu der gesetzlich geringsten Strafe von— sechs Monate» Gefängnis(II) und Versetzung in die zweite Klasse des SoldaicnstandeS. Ein eigenartiges Verfahren des Gerichts gegen den Angeklagten soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Nach Ver- kündung des Urteils wurde Simar entlassen. Schon hatte ein anderer Angeklagter auf der Armensünderbank Platz genommen, da kamen die Mitglieder des Gerichts auf einmal auf den Ge- danken, den Verurteilten mit Rücksicht auf die Höhe der erkannten Strafe sofort in Haft zu nehmen. Flugs mußte der Gerichts- diener den Angeklagten suchen. Dieser hatte bereits das GerichtSgebäude verlassen, über auch das hielt das Gericht nicht davon ab, diesen d'urch den Gerichtsdiener wieder zurückholen zu lassenl! Als Simar wieder den Berhandlungssaal betreten hatte, wurde in die Beratung über die Inhaftnahme eingetreten. Der Vertreter der Anklage beantragte die Verhaftung Simars. Der Angeklagte bat jedoch davon abzusehen. Das Gericht beschloß' aber die sofortige Verhaftung in der Annahme, daß der Gerichtsherr den Hastbefehl wieder aufhöben werde. Darauf wurde der Verurteilte abgeführt. Arbeiterschaft kontra sächsische Justiz. Bekanntlich wurde vor kurzem Genosse Reich elt und mit ihm Genosse Haubold wegen angeblicher Körperverletzung und Nötigung, begangen bei den Vertrctcrwahlen zur Ortskrankenlasse an dem nationalen Wahlleiter Schneider Krön er, zu unterhält- nismäßig hohen Gefängnisstrafen verurteilt. In der famosen Urteilsbegründung wurde unter Hinweis auf die unter dem Sozialistengesetz und im Dienste der Arbeiterbewegung von Reichelt erlittenen Strafen von Rcichclts„Vergangenheit" und davon ge- sprachen, wer denn„solchem Mann" noch Gefolgschaft leistet. Reichelt ist Gauleiter des Chemnitzer Bezirks des Deutschen Textil- arbeiterverbandes. Die Filiale Chemnitz hat nun in ihrer letzten Versammlung folgende Resolution einmütig angenommen: „Die Mitgliederversammlung spricht dem Kollegen Gau» leiter Albin Reichelt ihr volles Vertrauen aus. Die Kollegen und Kolleginnen haben nicht die Absicht, wegen der„Vergangen- hcit" eines„solchen Manne»" von der Gefolgschaft, die sie ihm leisten, abzusehen. Die Anwesenden wissen, daß Kollege Reichelt sein ganzes Leben, seine Gesundheit, seine Freiheit im Dienste der Arbeiterbewegung geopfert hat und sie hoffen, daß es den Textilarbeitern noch lange vergönnt sein möge, ihn in ihrer Mitte zu haben. Sie versprechen, nach wie vor den Kollegen Reichelt zu schätzen und zu achten. Ueber das gegen ihn gefällte Urteil enthält sich die Versammlung jeder Kritik." Das wird der Amtsrichter Grützner natürlich wieder nicht verstehen, wie er die ganze moderne Arbeiterbewegung nicht versteht und doch als Richter sein Urteil über Klassenkämpfer des Proletariats fällt. Unparteiisch natürlich. Und von Rechts wegen. franhmcb. Polizistenvermutungen. Paris, 10. April. Die Polizei verhaftete auf einem Boule- vard drei bekannte Anarchisten, Sioussel, Kühn und Roux, die auf einem Handwagen verschiedene Einrichtungsstücke wegschafften, unter denen eine Anzahl Dynamitpatrsncn und sonstige Sprengstoffe verborgen waten. Die Verhafteten behaupten, sie hätten fieti Austrag bekommen, die Sachen an einen bestimmten Ort zu schaffen. Die Polizei vermutet jedoch, daß es sich um Vorbereitungen für einen Anschlag aus Anlaß des 1. Mai handelt. Weitere Verhaftungen sollen bevorstehen. Paris, 10. April. Die verhafteten drei Anarchisten trugen Pakete, welche zehn Dynamitpatroncn von je 100 Gramm Gewicht, drei Meter Bickfordsche Zündschnur und sechs Zünder enthielten. Einer der Anarchisten war mit eineni geladenen Revolver bc- waffnet. Das städtische Laboratorium erklärt, die Dynamitmcnge würde genügt haben, um sechs starke Bomben zu verfertigen. Die Amnestievorlage. Paris, 10. April. Der Senat hat die A:n n c st i c v o r I a g c geändert. Er hat die Amnestie für die bei dem Winzeraufstand begangenen Vergehen sowie die Uebcrtretungen der Sonntagsruhe angenommen, dagegen alle anderen von der Kammer beschlossenen Erweiterungen abgelehnt._ Erleichterung der Militärlasten. Paris, 0. April. Die Deputiertcnkammer nahm mit 634 gegen 6 Stimmen die Herabsetzung der Uebungs- z e i t e n der Mannschaften des Beurlaubtenstandes an. Danach wird die Dauer der ersten Rcserveübung auf 22 Tage, der zweiten auf 17 Tage und der Landwchrübung auf 0 Tage festgesetzt. Portugal. Die Unruhen in Lissabon. Lissabon, 0. April. Tie Regierung hat eine Untersuchung angeordnet, um über das Verhalten der Munizipalgarde bei den Unruhen am Sonntag Klarheit zu schaffen. Man ist der Meinung, daß cS sich um getrennte Kundgebungen handelte, welche den Charakter einer Provokation hatten, um die Bildung eines neuen Kabinetts zu rechtfertigen. Es heißt, daß die Polizei in der Kirche San Domingo den Chor besetzt und von dort auf die Menge geschossen habe. Bei mehreren Personen, die bei den Zusammenstößen verhaftet wurden, fand man be- deutende Geldsummen vor, die nicht im Verhältnis zu ihren Vermögensumständen standen. Die Presse äußert sich befriedigt über den Entschluß der Regierung, eine Untersuchung zu veranstalten. Die Zahl der bei dem Zusammenstoß am Sonntag Getöteten beträgt nach den bisherigen Feststellungen elf. Der Zustand der Meisten Verwundeten ist c r n st. Privatnachrichten zufolge hat in der Kirche St. Tomingo ein förmliches Blutbad stattgefunden. Die Munizipal- garde besetzte den Thor der Kirche und feuerte von dort auf die Menge. In den Straßen fand der Kampf seine Fortsetzung, die Menge setzte sich zur Wehre und bewarf die Gardisten mit Steinen. Salve auf Salve wurde abgegeben und Hunderte wurden verwundet. Lissabon, 10. April. Nach neueren Feststellungen sind auch in Sctubal zwei Republikaner gewählt worden, so daß die neue Deputiertenkammer sieben Republikaner, achtund- fünfzig Progressisten und nur einen Nationalisten aufweist. Cürhei. Die mazedonischen Reformen. Die„Kölnische Zeitung" meldet au» Berlin: die deutsche Regierung hat der russischen Regierung mitgeteilt, daß sie im Grundsätze mit den russischen Vorschlägen zur Reform der Verwaltung in Mazedonien einverstanden ist. OipoUs. Eine Gelegenheit für Kolonial-Erwcrbi'.ngeu? In D e r n a(Tripolis) ist ein italienischer Staatsangehöriger ermordet worden. Noch weiß man nicht, von ivern, aber schon läßt Italien ein Kriegsschiff abgehen. Es wird telegraphiert: Rom, 9. April.(Meldung der„Agenzia Stefani".) Ueber die Ermordung des italienischen Franziskaners P. G i u st i n o in Derna (Tripolis) sind zwei Veisionen in Umlauf: die eine besagt, daß der Kaimakan von Derna in das Verbrechen verwickelt fei, die andere. welche durch die Pforte dein italienischen Botschafter auf Grund von Depeschen deö Mutessariff Bengassi zur Kennt>n< gebracht wurde, geht dahin, daß Verdachtsgründc gegen eincii anderen italienischen Pater der Mission beständen.— Der Minister des Acußern Tittoni hat an» gesichts dieser Sachlage nach Konstantinopel relegraphische Weisung gegeben, daß der Konsulatsrichter Menzinger und der erste Botschafts- Dragoman Clangia sich nach Derna begeben, um daselbst mit Unter» stützung deö Vizekonsuls eine eingehende Uiilersuchung vorzunehmen. Menzinger und Clangia werden sich mit dem italienischen Stations- schiff nach Ludn begeben, von wo sie mit dem Varese nach Derna weiterfahren. Das Schiff bleibt in Derna, bis die Untersuchung beendet sein wird. Hmcnka. Anarchistenhast. Präsident Roos evelt ist, ja näher die Wahlen heranrücken, desto milder in dem Kampf gegen die„reichen Räuber", wie er treffend die Trustmagnaten titulierte, geworden. Dafür kehrt er jetzt um so mehr die Seite des GcscllschaftSretterS hervor. Anlaß dazu gaben ihm einige sinnlose Attentate in Chicago, New Dork und Philadelphia, die in der letzten Zeit stattgefunden haben. Er hat nun eine Spczialbotschaft an den Kongreß erlassen, worin er gesetzliche Maßnahmen zur Unterdrückung deS Anarchismus fordert und dem Kongreß ein Gutachten des Gcneral-Staatsanwalts vorlf.'gt, wonach der Gencralpost- m e i st c r berechtigt ist, anarchistische Veröffentlichungen vom Post- vertrieb auszuschließen. Der Präsident kündigt an, er werde infolge dieses Gutachtens den Generalpostmeister anweisen, der- gleichen Veröffentlichungen in Zukunft zur Postbcförderung nicht mehr zuzulassen, und fiigt hinzu, im Vergleich zu der Unterdrückung des Anarchismus schrumpfe jede andere Frage zur Bedeutungs- losigkeit zusammen.(!) Der Anarchist sei der Feind der Gesell- schaft, ja der Feind der ganzen Menschheit. Hus der Partei. Die Sozialdemokratie in Norbbapern. Der Vorstand der sozialdemokratischen Partei, Gau Nord- bahern, veröffentlicht seinen Bericht an den am 25. und 20. April in Würzburg stattfindenden Gautag. Der Bericht erstreckt sich auf die letzten zwei Jahre. Der letzte Gautag �in Bamberg beschloß, für den Gaubezirk einen eigenen Gausekretär anzustellen, da die Bewältigung der immer mehr sich häufenden Arbeiten im Neben- amte nicht mehr möglich war. Als Sekretär wurde der Genosse Max Walthcr-Nürnberg gewählt. Auf Grund einer Vereinbarung mit dem Hauptvorstand in Berlin übernahm dieser die Anstellung deS Sekretärs, so daß der Gaukasse hierfür keinerlei Kosten er- wachsen. Zur OrganisationSftage wird berichtet, daß die Hauptaufgabe des Vorstandes in der Angliederung der vorhandenen Organ!« sationen an die durch die Beschlüsse des deutschen Parteitages zu cna und des ba>ierischcn Parteitages zu Schweinfurt geschaffene cuorganisation der Partei bestand. Trotz mancher Schwierig- keiten ist es erreicht worden, daß heute alle 20 Reichstagswahl- kreise KreiSorganisationcn besitzen. Nur ein einziger Verein erhebt noch den Mindestbeitrag von 20 Pf., die anderen haben ihren Beitrag auf 25 Pf. erhöht, einige Vereine erheben sogar 30 Pf. Intensive Tätigkeit zur weiteren Ausbreitung der Organisation macht sich um so notwendiger, als auch die Gegner fleißig am Werke sind, um neue ihnen gefügige Organisationen zu schaffen. So gründet das Zentrum allenthalben Arbeiterwahlvereine, katholische Prcßvcrcinc, Arbeitervereine usw., die christlichen Ge- wcrkschaftcn bemühen sich eifrig um die Arbeiter, während die Liberalen die deutsche Jugend in junalibcralcn Vereinen zu Icumnclu suchen und überall liberale Ltrbeiterbcreiue gründen� s deren Mitglieder durch sanften Druck des liberalen Unternehmer- tums und seiner Trabanten„gewonnen" werden. Auch der Reichs- lügcnverband sucht sich als selbständige politische Organisation zu betätigen. Die Mitgliederzahl in den seit Ende 1005 von 90 auf 155 gestiegenen Sektionen der sozialdemokratischen Organisation betrug Ende 1007 20 038 und ist in den letzten zwei Jahren um 8713 gewachsen. Der Hauptanteil entfällt aus den Wahlkreis Nürnberg mit rund 12 000 Mitgliedern. Im ganzen Gau sind 24,0 Proz. der sozialdemokratischen NcichstagSwählcr sozialdemokratisch or- ganisiert. Für die Reichstagswahlcn wurden aus der Gankasse 21 191 M. aufgewendet, lvährend die einzelnen Wahlkreise 25 848 M. aus eigenen Mitteln aufbrachten. Zu den Wahlkostcn hat der Partei- vorstand in Berlin einen Zuschuß von 29 900 M. geleistet. Nürn- bcrg hat seine 0609 M. betragenden Wahlkosten ganz aus eigenen Mitteln aufgebracht. Für die Landtagswahlen wendete die Gau- kasse 12 205 M. auf, 27 328 M. brachten die Wahlkreise aus eigenen Mitteln auf. Die P a r t e i p r e s s e ist im Gau durch folgende Blätter vertreten: „Fränkische Tagespost" für alle mittelfränkischen Wahlkreise mit Ausnahme des Wahlkreises Fürth und für die Oberpfalz mit 2l590,„Fürth er B ü r g e r z e i t u n g" für den Wahlkreis Fürth- Erlangen mit 7009,„Oberfränkische V o l k s z e i t u n g"-Hof für den Wahlkreis Hof mit 3809 und die „Fränkische Ä o l k s t r i b ü n c" für alle übrigen ober- und ■unterfränkischen Wahlkreise mit 0000 Auflage.„Fürther Bürger« Zeitung" und„Fränkische Volkstribüne' sind Äopsblättcr der „Fränkischen Tagespost" in Nürnberg. Im kommenden Herbst werden mit der'Partcipresse große Aendcrungcii vor sich gehen. Die Fränkische Berlagsanstalt in Nürnberg er» richtet in der Breiten Gasse einen großen Neubau. Das Geschäft wird dabei vollständig neu und mit den modernsten Hülfs- Mitteln eingerichtet werden. Das Format der„Tagespost" wird auf das Format des„Vorwärts" verkleinert. Die Genossen in Fürth befassen sich mit dem Gedanken, ihr Parteiblatt mit der „Fränkischen Tagespost" zu verschmelzen, wodurch eine ftühere Zu. stcllung möglich wäro Die„Fränkische Tagespost" wird trotz des kleineren Formats ihren Umfang bedeutend v e r- g r ö ß e r n. Eine Vermehrung der Redaktion ist des- halb ins Auge gefaßt worden. Interessant ist der Abschnitt über die Sozialdemokratie in den Gemeinden. Er zeigt die Rechtlosigkeit der batzcrischen Arbeiterschaft auf komnrunalcm Gebiete. Nur in 7 Gemeinden mit stadtischer Verfassung ist die Sozialdemokratie vertreten und zwar in Fürth, Würzburg, Bayreuth, Schwabach, Hcidingsfeld, Weißen- stadt und Pegnitz. In Fürth hat sie 3 Magistratssitze und 12 Kol- legiumsitzc, in Würzburg je einen Sitz, in Schwabach und HeidingL- seid je zwei KollegiumSsitzc, in Pegnitz und Bayreuth je einen Kollcgiumssitz innc. In 48 Gemeinden mit ländlicher Verfassung sitzen zusammen 99 Partcigenosscii in der Kommunalvertretung, darunter mehrere als Bürgermeister und Beigeordnete(Bürger- meisterstcllvertreter). Nürnberg, das Zentrum der Sozialdcrno- kratie in Nordbayern, hat überhaupt keine Arbeitervertreter in der Gemeindeverwaltung. Nach dem Kassenbericht wurden in den IVa Jahren vom 1. Juli 1906 bis 31. Dezember 1907 an die Gaukasse 15 040, an die Landeskasse 5101, an die Zcntralkasse 8728 M. abgeliefert. Vom Fortschritt der Presse. Die„V o l k s z e i t u n g" zu Zittau, das neugegründetc Organ für die Obcrlausitz, hat auf den ersten Hieb an 11009 Abonnenten in den drei Kreisen der Obcrlausitz gewonnen. Das seit 1. März in H c i l b r o n n a. N. erscheinende Partei. blatt„Neckar- Echo" hat in den vier Wochen seine» Bestehens seine Auflage derart gesteigert, daß in den nächsten Tagen ein? Rotations Maschine in Auftrag gegeben werden muß, weil die kaum aufgestellte Doppelmaschine nicht ausreicht. Der„Thüringer V olks freund", das Parteiorgan zu Sonneberg, das bisher zum Teil von der Geraer Parteidruckerei mit Say versehen wurde, hat sich nach kaum sechSiiiunatigem Bestehen selbständig gemacht. In die Redaktion ist neben Genossen v. Lojewsli der Genosse Richard Barth eingetreten. Für die Druckerei werden zwei Setzmaschinen angeschafft. Ein VolkShauZ in Weimar. Unsere Genossen in Weimar sehen einen längst gehegten Wunsch in den nächsten Wochen in Erfüllung gehen. Sie können am Sonntag nach Ostern, an, 20. April, ihr ncuerstelltes Volks- haus feierlich einweihen. Der Hcrbergevcrkehr für die Gewerk- schaftsmitgticder wird erst am 1. Mai der Benutzung übergeben. Schon seit einiger Zeit erscheinen in der bürgerlichen Presse in Thüringen kleinere oder größere Notizen, die den Bau in der für die Weimarer Genossen schmeichelhaftesten Weise loben. ES sei der Bau äußerlich ein wahrer Schmuck für den betreffenden Stadtbezirk. Die Opferfreudigkeit und die Ausdauer der Wei- marer Genossen wird voller Neid allen bürgerlichen Parteien zur Nachahmung empfohlen._ Personalien. Zum Redakteur» und Verleger des.Volksblatt" z» Offen bürg wurde der Genosse Winter gewählt. Er hat die Parteischule besucht. polireilicstea, Oericbtltches ufw. Straskonto der Presse. Vor dem Landgericht Oldenburg hatte sich am Mittwoch der frühere verantwortliche Redakteur des„Nord- deutschen Volksblatt" in Bant, Genosse A. Stahl, der erst vorige Woche eine Strafe von 1990 M. von demselben Gericht zudiktiert erhielt, wegen Beleidigung des früheren Bürgermeisters von Wilhelmshaven, Dr. Zicgncr-Gnüchtel. zu verantworten. Dieser hatte sich nach verhältnismäßig kurzer Dienstzeit pensionieren lassen. angeblich wegen eine» Augenleidens, und übt jetzt in Tharandt bei Dresden die Rechtsanwaltspraxis aus. Die„Wilhelmshaven«! Zeitung" druckte dann einen Brief ab, der als Antwort auf eine Anfrage nach dem«Befinden" des Exbürgcrmeisters eingegangen war. In diesem wurde die juristische Tätigkeit deS Herrn Dr. Ziegne�Gnuchtel in Tharandt bestätigt und u. a. bemerkt, daß das Augenleiden nicht von Belang sein könne, da Herr Dr. Z. keine Brille trage. Gegen die„Wilhelmshavcncr Zeitung" stand vor einiger Zeit Termin an, der mit einem Vergleich endete. In der Verhandlung gegen Genossen Stahl beantragte der Staatsanwall zwei Monate Gefängnis, da die Kritik des Verhaltens des Dr. Z. geeignet sei, diesen in der Achtung seiner früheren und fetzigen Mitbürger herabzusehen. Der Verteidiger plädierte für eine ge- ringe Geldstrafe, während auch der Rechtsbeistand des Klägers Frei- heitsstrafc beantragte. Das Gericht verurteilte Stahl zu 1000 M, Geldstrafe event. 100 Tage Gefängnis, Publikationsbefugnis in drei Zeitungen und Tragung der Kosten, Soziales. Ein Detulllistcnverrin als Handlanger industrieller Scharfmacher. Der Vorstand des Dctaillistenvcrelns zu Köln gibt seinen Mitgliedern durch ein uns vorliegendes Zirkular„Kenntnis von einem soeben erhaltenen Schreiben der Rheinischen Glas- hütten-Aktiengesellschaft zu Köln- Ehrenfeld, welches folgenden Wortlaut hat": Wir sind leider gezwungen, Ihnen mitzuteilen, daß wir mit unseren Packern und Kommissionsmachern in Lohndiffe- r e n z e n stehen, die dadurch hervorgerufen sind, weil die Leute eine generelle Lohnaufbesserung erstreben, die wir ihnen nicht bewilligen können. Wir sind durch unsere VerkaufSistederkage Köln Mitglied Ihrer Bereinigung und bitten Sie daher höflichst nnd dringend. dafür sorgen zu wollen, daß ihre Mitglieder keiuoa unserer Arb eiter, die sich evevtuell bei ihnen melden sollten, annehmen, nnd dürfen wir wohl bestimmt erwarten, daß Sie unserem Wunsche entsprechen werden. Für Ihre Freundlichkeit sagen wir Ihnen sin Voraus unser» besten Dank und zeichnen Hochachtungsvoll Rheinische GlaShütten-Aktieugescllschaft. Der Vorstand des Kölner Detaillifienvereins, an dessen Spitze hervorragende Zentrumleute st ehen, scheut sich also nicht, dem schamlosen Ansinnen der Glashüttenleitmig zu willfahren und damit Arbeitern die Daseinsmöglichkeit zu unter- binden, die lveiter nichts unternommen haben, als daß sie in diesen teuren Zeiten„eine generelle Lohnaufbesserung erstreben." Ortskrankcnkassenwahl in Düsseldorf. Bei den Vertreterwahlen zur gemeinsamen Ortskrankenkasse in Düsseldorf errangen die freien Gewerkschaften einen glänzenden Sieg. Trotz der riesigsten Anstrengungen brachten die„Christlichen" nur 974 Stimmen aus, während die Kandidaten der freien Ge- werkschaften 3193 Stimmen erhielten. Bei den Vertrcterwahlen der Krankenkasse in Geldern brachten unsere Genossen ihre Listen in zwei Gruppen(Metallarbeiter und Tabakarbeiter) durch._ Die Landwirtschaft in Mecklenburg. Der Bericht der Landwirtschaftlichen Berufsgenofienschaft für Mecklenbnrg-Strelitz erwähnt, daß die letzte allgemeine Revision der BetriebSabschätzmigen seitens der Berussgenossenschnften im Jahre 1896 staitgesunden habe I„Nun sind aber seitdem in vielen Groß« betrieben so erhebliche und so einschneidende Veränderungen nicht bloß in bezug auf den Umfang der Betriebe und sonstige äußere Verhältnisse, sondern auch in der Wirtschaftsweise, z. B. durch Vermehrang des Rübenbaues und andererfeits gesteigerte Anwendung der Ma« s ch i n e n k r a f t eingetreten." Deshalb wurde eine Nachprüfung endlich beschlossen. Bei dieier Eelegeuhett wurde auch die«Frage der Ber- sicherungSpflichtigkeit bezw.-Fähigkeit der mit der Bewirt- s ch a f t u n g von Deputatland der Hoftagelöhner und Deputatierten regelmäßig verbundenen Viehwirt» s ch a f i" geprüft. Da» Aeichsverficherungsamt habe durch neuere Entscheidungen den bisherigen Standpunkt der Bcrufsgenossenschaft, diese„bedinguiigs- und voraussetzungslos" in die Versicherung miteinzubeziehen, in Zioeifel gezogen. Nach laugen Beratunzen habe der GenosseuschaftSvorstaud jedoch beschlossen, an dem Stand- punkte festzuhalten, daß die Viehhaltung der Hoftagelöhner regelmäßig als versichert zu gelten habe, während das Reich-versiche- ruilgsamt die Viehhaltung dieser Tagelöhner, dem l a n d w i r t- schaftlichen Betriebe des Grundherrn zurechnen wollte, weil die lanswirtschastliche Nutzung der Tagelöhner nur„in jähr» lich wechselndem Deputatland besteht." Die Groß- Grundbesitzer wollten also keine„neue Belastung". Denn der Vor- fitzende deS Bundes, Junker v. Dewitz, ruft zum Schlüsse aus, daß die bedrängte Landwirtschaft mehr geschorst werden müsse—„denn das eine ist klar: wird der Bogen zu straff gespannt, werden die Ansprüche an die Leistungsfähigkeit des Unternehmers überspannt, so droht dem ganzen stolzen Gebäude der Arbeitervcrsichermig der Ein- stürz." Bums! Ist es nicht zum Lachen, wenn die Junker von dem „stolzen Gebäude der Arbeiterversichcrung" reden. Die Zunahme der Unfälle der in Biene»Haltung gab der Berufs- genossenschaft auch zu denken Anlaß und wurde beschlossen die Bienen- Haltung als nicht versicherungsfähig zu erkennen, wo nur einHaus- oder Ziergarten bebaut ivird. Auffällig ist eö, daß die BerniSgenossen- schaft nur 93 4 Betriebsbeamte und Facharbeiter zählt, deren wirkliche Löhne bei der Berechnung der Rente berücksichtigt werden, trotzdem der Bericht bemerkt,„daß in den letzte» Jahre» größere Güter mehr nnd mehr dazu übergegangen sind. ihre laufenden Baureparaturen und sonstige kleinere Wirtschaftsbauten in eigener Regie, ohne II e b e r» t r a g u n g au selbständige BaugewerbStreibende, ausfuhren zu lassen." Heuchlerisch wird der Junker trotzdem für die „Rettung des Kleinhandwerks" den Befähigungsnachweis verlangen. Und warum halten sich so wenig gewerbliche Arbeiter in der Landwirtschaft? Der Bericht erklärt selbst, daß der durch- schnittliche Jahresverdienst dieser Facharbeiter sich auf 0 8 9 Vi.„mit Einrechnung des Geldwertes der Naturalbezüge" beläuft.„Die minimale Anzahl der Facharbeiter in Fachklaffe III(Handels gärtneret) erklärt sich daran», daß deren Verdien st hier zu Lande fast ausnahmslos noch unter dem Durch- schnittS-Verdienst gewöhnlicher land Wirtschaft- licher Arbeiter bleibt"! Auf nach Mecklenburg I Angezeigt wurden im Berichtsjahre 520 Unfälle und nur 20 Proz.— 105 entschädigt. Die Vermehrung der Zahl der Be- rufungen führt der Bericht darauf zurück,„daß im benachbarten Lübeck von der sozialdemokratischen Partei eine Rechtsauskunftsstelle unterhalten wird. DaS ist ärgerlich l_ Hus der frauenbewegung, Genossinnen! Der Termin der Landtagswahren ist nunmehr bekannt- gegeben. Am 3. Juni finden die Wahlmännerwahlen und am 16. Juni die Abgeordnetenwahlen statt. Mit dem Tage der Wahlausschreibung bis zur Beendigung des Wahlgeschäfts haben auch die Frauen daL Recht, sich politisch zu orgmiisiercn. Schon im Jahre 1903 bei der Rcichstagswahl und der bald darauf folgenden LandtagSwahl haben die Berliner Genossinnen einen Frauenwahlverein ge- gründet. Das ist auch jetzt wieder geschehest. Mit dem heutigen Tage tritt der Frauenwahlverein ins Leben. Genossinnen! Lange genug haben die Frauen unter der Entrechtung durch daL preußische Bereinsgesetz zu leiden gehabt. Mit Kindern und Unmündigen, ja mit Idioten hat man uns auf eine Swfc gestellt, indem man uns per- wehrte,. Mitglied pplitischcr Vereine zu werden. Es benutze daher jetzt jede Frau die Gelegenheit, sich politisch zu� organisieren. Vom 13. Mai ab haben wir durch das Inkrafttreten des neuen Reichsvereinsgesehes das Recht, den Wahlvercincn der Männer beizutreten. Vorläufig trete aber jede Frau dem Fraucn-Wahlvcrein bei; nach den Wahlen tritt dieser. korporativ dein Wahlverein der Männer bei. Genossinnen! Das neue Vereinsgesetz hat unS erst einen kleinen Schritt vorwärts gebracht. Djpsem ersten Schrit muß ein zweiter folgen. Man muß uns auch das Wahl- recht zu allen gesetzgebenden Körperschaften gewähren. Wir wollen mitreden, wenn Gesetze gemacht werden, denen wir genau so unterstehen, wie alle anderen Staatsbürger. Die Sozialdemokratie allein tritt als Partei für das Frauenwahl- recht ein, sie fordert nicht nur ein freies Wahlrecht für die Männer, sondern aitch für die Frauen. Genossinnen! Wir stehen in dieser Beziehung noch einer Welt von Feinden gegenüber. Die Herrschenden denken nicht daran, das Reichs tagswahlrccht auf den Landtag zu übertragen, sie denken erst recht nicht daran, das Frauen-' Wahlrecht für beide Parlamente einzuführen. Aber wir wissen auch, daß der jetzige Zustand ans die Dauer unhaltbar ist. Die Entwickelung treibt vorwärts, man wird in n allzuscrncr Zeit sich genötigt sehen, den Frauen das A chl- recht zu gewähren. Die Frist bis dahin nach Möe ststeit abzukürzen mich unsere Anjgobe sein. JortwüÄr«» tsiiijsen* wir unsere Forderungen wiederholen, um endlich zu erringen, was man uns jetzt noch vorenthält. Ms P r o t e st gegen die politische Unterdrückung und um die Männer im Kampfe zn unterstützen, gründen wir jetzt den F r a u e n w a h l v e r c i n. Die Bedeutung des Protestes wächst mit der Zahl der Frauen, die dem Verein sofort beitreten. Jede Prolctarcrin setze ihren Stolz darin, mitzukämpfen, um dem elendesten aller Wahl- systeme den Garaus zu machen. Der Vorstand des Vereins hat seinen Hauptsitz Linden- straße 3. I. Hof 4 Treppen. Weibliche Kontraktkulis. Von der Insel Java werden alljährlich taufende Eingeborener nach der Landschaft Deli auf Sumatra verschickt, wo sie als so- genannte Kontraktkulis, darunter viele Frauen, zumeist auf den Tabakpflanzungen tätig sind. In den letzten 10 Jahren sind nicht weniger als 30 000 javanische Frauen nach Deli gezogen, um dort ihren Lebensunterhalt zu suchen. Ihr„Arbeitskontrakt" gilt ge» wohnlich auf 3 Jahre. Diese Kontraktkulis wurden so unver- schämt ausgebeutet, mißhandelt und oft noch um ihren elenden Arbeitslohn betrogen, daß die niederländische Regierung sich endlich genötigt sah, für Anstellung von Aufsichtsbeamten und für Schutz- maßregeln zu sorgen. Seitdem die Arbeitsinspektion besteht, sollen sich, wie das„Surabapa Handelsblad" schreibt, die Zustände gebessert haben. Dasselbe Blatt teilt jedoch auch mit, daß die Kontraktkulis, wenn sie nach Deli kommen, bei dem Unternehmer schon eine Schuld von 50 Dollars haben und zwar für auf Java empfangene Vorschüsse, für Reisekosten und Kommissionsgelder an den Kulilieferanten. Nun verdienen diese Frauen im ganzen Monat iVs bis höchstens 6 Dollars(kaum 9 M.). Davon wird den Frauen wie den Männern mit Zustimmung der Arbeitsinspektion der vierte Teil zwecks Abzahlung der Schuld abgezogen. Von dem Rest einigermaßen ordentlich zu leben, ist selbst bei den so außer- ordentlich bescheidenen Ansprüchen eines Kulis nicht gut möglich. Die Leute degenerieren. Daher kommt es auch, daß sich trotz der massenhaften Einwanderung in Deli keine javanischen Kampongs oder Gemeinden bilden. Die Frauen sind nach Ablauf ihres drei- jährigen Kontraktes bollständig heruntergekommen. Tausende sind abgelebt vor der Zeit und gehen elend zugrunde. Der Kapitalismus hat sie verbraucht. Neue Menschenmassen treten an ihre Stelle. Gewerkfcbaftlicbe;». Ter Uebertritt der früher lokalorganisierten Arbeiter in die Zcntralvcrbände macht trotz aller Quertreibereien weitere Fortschritte. Auch die Ziffer der in der Freien Vor- cinigung verbliebenen Berliner Zimmerer ist anscheinend so gering, daß der„Einigkeit" das Triumphgefühl über die Zer- splitterung in diesem Berufe völlig ausgegangen ist. Sie be- gnügt sich mit hämischen Anwürfen siegen die Freunde der Einigung, statt die berühmten„prinzipiellen" Gegensätze zu den Zentralverbänden festzustellen. Neuen Acrgcr und neuen Schmerz bereiten ihr jetzt die Fliesenleger. Diese waren bekanntlich eine Zentral- organisation im Sinne der an die Generalkommission an- geschlossenen Gewerkschaften. Sie hatten nur keinen Anschluß an die Gcneralkommission gefunden, weil der Zentralverband der Maurer im Interesse seiner Sektion der Fliesenleger gegen die Aufnahme der Fliesenleger als besondere Organisation Einspruch erhob. Für die Fliesenleger hieß also eigentlich die Frage nicht: Freie Vereinigung oder Zentralverband, sondern: Eigene Zentralisation oder Verbandssektion. Der prinzipielle Widerspruch war vielfach größer mit der Freien Vereinigung, als mit dem Zentralverbande. Unter solchen Umständen war es nicht wunderbar, wenn die große Mehrzahl der Fliesenleger aus den eingeleiteten Einigungs- Verhandlungen die Konsequenz zog. sich der Fliesenleger-Sek- tion des Maurerverbandes anzuschließen. Die lokalorganisierten Berliner Fliesenleger nun, soweit sie noch nicht zur Fliesenleger-Sektion des Maurerverbandes übergetreten sind, hielten ain Donnerstag eine außerordent- liche Generalversammlung ihres Ortsvereins ab. Es waren nur etwa 50 Personen anwesend, von denen sich später noch herausstellte, daß ein großer Teil gewillt war, sich noch dem Verbände anzuschließen. Die Verhandlung wurde von dem bisherigen Vorsitzenden H u p p k e geleitet, der damit auch, wie der größte Teil der Vorstandsmitglieder, wegen des Ucbertritts zur Sektion seine Tätigkeit für den Verein be- endete. Die Ergänzungswahlen zum Vorstand, der Revisoren, des Ausschusses und der Türkontrolleure staiwen auf der Tagesordnung und wurden vollzogen. Als erster Vorsitzender wurde G i e s ch e, als zweiter Franz Schwarz gewählt, als erster Schriftführer Holz, als zweiter Pikosch. Später befaßte man sich mit einigen Organisations- angelegenheitcn. Der Hauptkassierer Kliemann von der Freien Vereinigung der Fliesenleger Deutschlands klagte darüber, daß nun, nachdem auch der Geschäftsleiter P u t t l i tz sein Amt niederlegte, nicht mehr statutengemäß über die Kasscnangelegenheiten beschlossen werden könnte. Er werde aber auch unter diesen Umständen die Kassengeschäfte nach bestem Wissen und Gewissen verwalten, unter Mitwirkung der noch übrig gebliebenen Mitglieder der Geschäftsleitung. — Man tröstete sich damit, daß deinnächst wohl wieder eine Konferenz stattfinden werde, um die Geschäftsleitung zu er- gänzen. Vom Vorstand deS Ortsvereins Berlin ist ein Rund- schreiben an die Ortsvcreine im Reich erlassen, um ihre jetzige Stellung zu der gegenseitigen Verbindung zu crmfttcln. Antworten waren nicht eingelaufen. Die Versammlung beschloß sodann, den lange arbeits- losen Mitgliedern eine Ostcrunterstützung zu gewähren. In einem kurzen Schlußwort erklärte Huppke, daß nach Auffassung der zum Verband übertretenden Mitglieder gemäß den Konferenzbeschlüssen die Freie Vereini- gung der Fliesenleger Deutschlands»licht mehr bestehe!_ Berlin und llmgegend. Zum Streik.der Spcichcrarbeiter auf dem Lehrter S P c i ch e r ist zu berichten, daß sich auf dem Akkordspeichcr bis jetzt nicht ein einziger Arbeitswilliger gefunden hat. Die Arbeit ruht daselbst nach wie vor vollständig. Auf dem neuen Speicher in der Augusta-Allee ist insofern eine Aenderung ein- getreten, als die Wäger, welche durch den Streik auf dem Akkord- fpeicher überflüssig geworden sind, nunmehr in der Augusta-Allcc Streikarbeit verrichten.— Dadurch können selbstverständlich die vorhandenen Arbeiten nicht bewältigt werden. Die Streikenden halten fest zusammen und richten an alle Speicherarbeiter das dringende Ersuchen, während des Streiks die strengste Soli- Parität zu üben. Kein Speicherarbeiter darf auf den Speichern de» Herrn Donner Arbeit annehmen. Tarifverhandlungen im Badegewerbe. Zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern der Privatbadc- enstalten Groß-Berlinö besteht ein Tarifverbältnis. Kontrahenten desselben sind nach dem Vertrage vom 19. August 1904 der V e r- ein der Badeanstaltsbesitzer und die Freie V e r- ein! gung der Badeanstaltsbesitzer von Berlin und Vororten einerseits, die B a d c a n st a l t s a n g e st e l l- ten-Sektion des Gemeindearbeiterverbandcs und der Verein der Bademeister und Bademeisterinncn Berlins und der Vororte andererseits. Beide Arbeit- nehmergruppen kündigten zum 31. Dezember 1907 den Tarif, be- gegneten aber dem Widerspruch der Arbeitgeber, indem diese formelle Verstöße geltend machten. Die Admiralsgartenbad-Ge- sellschaft beanspruchte, da sie ebenfalls— wenn auch später als die Arbeitgeber-Vereinigungen— den Tarif anerkannt habe, eine be- sondere Kündigung. Ferner verweigerte der Verein der Bade- anstaltsbesitzer die Annahme der Kündigung seitens der Gemeinde- arbeitcr-Sektion, da diese erst am I. Oktober, also nicht drei Monate vor Ablauf des Vertrages eingereicht fei. Ueber beide Differenz- punkte konnte zwischen den Gegnern in der zur Ueberwachung des Tarifs bestehenden Schlichtungskommission eine Verständigung nicht erzielt werden. Es wurde darauf das Einigungsamt des Berliner Gcwerbegerichts angerufen, das in seiner Sitzung am 3. Januar, den Ausführungen der Arbeitnehmer folgend, die Admiralsgarten« bad-Gesellschaft mit ihrem Anspruch abwies; die Kündigung der genannten Arbeitnehmergruppe dagegen wurde als nach den Ver- tragSbestimmungen zu spät erfolgt bezeichnet. Die Arbeitgeber gaben aber schließlich ihren Widerspruch in diesem Punkte auf, so daß in der Schlichtungskommission der von den Arbeitnehmern vorgelegte neue Tarifentwurf in Beratung genommen werden konnte. Dieser stellte als Leitmotiv die Beseitigung der gegen- wärtig üblichen Bezahlung nach Bedicnungsgeldern auf. In den privaten Badeanstalten besteht nämlich noch ein geradezu gegen die guten Sitten verstoßendes Entlohnungssystcm. Die Angestellten bekommen keinen Pfennig Lohn, sondern sind auf die vom Publi- kum zu zahlenden Bedienungs-, richtiger gesagt Trinkgelder an- gewiesen. Die Herren Arbeitgeber garantieren lediglich ein Mini- maleinkommen dergestalt, daß, wenn die aufgerechneten Bc- dienungsgelder dieses nicht erreichen, sie den Rest hinzuzahlen. Wie leicht eine solche Eventualität durch Einschränkung des Personals u. dcrgl. ausgeschaltet werden kann, bedarf nicht erst des Beweises. Kein Wunder also, wenn die Unternehmer dieses bequeme System verewigen möchten und daher alle diesbezüglichen Abänderungs- anträge der Arbeitnehmer brüsk ablehnten. Leider muß hierbei gesagt werden, daß die wenig geschickte Form dieser Anträge, an loelchcr der lokalistische und dem Kartell angeschlossene Verein der Bademeister beharrlich festhielt, den Arbeitgebern ihre Stellung- nähme erleichterte. Ebenfalls an dem Widerstand der letzteren scheiterte eine Verständigung über die Verkürzung der Arbeitszeit und die Einführung von Pausen. Nach dem alten Tarif war die Bädcrannahme von morgens 7% Uhr ununterbrochen bis abends 8Vj Uhr(im Winter 8 bis 8% Uhr) festgesetzt; hierzu kommen je- doch noch etwa 2 Stunden täglich für die Bedienung der nach Schluß der Bäderannahme noch anwesenden Gäste und für Reinigung der Baderäume, so daß insgesamt eine Arbeitszeit von zirka 14 Stunden bestand. Für die Sonntage verlangten die Arbeitnehmer eine Verkürzung von 7 bis 12 Ubr auf 7 bis 11 Uhr. Den paritätischen Arbeitsnachweis wie alle übrigen Vorschläge der Arbeitnehmer lehnten die Arbeitgeber trotz langwieriger wiederholter VerHand- lungcn ebenfalls ab, und nur mit Mühe gelang es. sie zur gemein- samcn Anrufung des Einigungsamtcs zu bewegen. Am 31. März bat dieses nun seinen Schiedsspruch gefällt, dem sich nach einer Be- ftimmung des alten Tarifs die Parteien zu unterwerfen haben. Den Parteien wird empfohlen, aus Grundlage des alten einen neuen Tarif auf zwei Jahre zu schließen. Darin ist das garantierte Mindesteinkommen für männliche Angestellte um 20 bis 30 Mk., für weibliche Angestellte um 10 bis 25 Mk. zu erhöhen. Die Gc» samtarbeitszeit soll festgelegt werden von 8 Uhr früh bis 9 Uhr abends. Sonn- und Feiertags von 7 bis 1 Uhr. Schließlich gibt der unter Vorsitz des Magistratsrats v. Schulz gefällte Schieds- spruch den Parteien anHeim,„bei Abschluß eines späteren Ver- träges nach Möglichkeit statt des bisherigen garantierten Mindest- einkommcns feste Lohnsätze, und zwar Wockicnlöhne einzufübren". Alles in allein ist also so gut wie nichts bei der ganzen Sache herausgekommen: nur die Schlußbenierkung des Schiedsspruchs hat, so sehr sie auch Kautschuk ist(„nach Möglichkeit" wird gesagt), einige Bedeutung. Es bleibt abzuwarten, ob die darin liegende moralische Verurteilung des Unternchmcrstandpunktes diesen zu erschüttern ge- eignet ist. Hier werden die Angestellten ergänzend eingreifen müssen durck, Zusammenschluß aller Kräfte in Anlehnung an die moderne Arbeiterbewegung, um mit deren Unterstützung die elenden Arbeitsverhältnisse in den Badeanstalten zu beseitigen. Die letzten, häufig der Planmäßigkeit entbehrenden Tarifverhandlungen haben bewiesen, wie hemmend die gegenwärtige Organisations- Zersplitterung wirkt. Die beteiligten Arbeiter sollten daraus die Konsequenz ziehen._ Achtung, Friseurgehlllfen? Differenzen sind entstanden bei Malcherek, Falkensteinstr. 45, durch den Gehülfcn Chmi- lewski. Ausgeschlossen sind folgende Kollegen: Otte und Gotter, beschäftigt Rüdersdorfcr Straße 43, und Hollstdn, Libauer Straße 14. Die Forderungen bewilligt hat der Arbeitgeber Pfenzig, Waldemarstr. 52. Verband deutscher Barbier-, Friseur- und Perückenmacher- gehülfen Berlins. Bureau: Steinstr. 2. Tel.: Amt 3, 4049. Der Vorstand. I. A.: Baum gart. veutfcbes Reich. Die Verhandlungen im Baugewerbe. In Berlin werden die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen geführt, so daß sich Verbürgtes über dieselben nicht be- richten läßt. In Posen ist es zu einer Einigung gekommen. Die dortige Lohnkommission der Maurer und Zimmerer hat mit den Vertretern der dortigen Unternehmer einen Tarif ausgearbeitet, welcher die Zustimmung beider Teile fand. Der Lohn der Zimmerer, welcher bis jetzt 49 Pf. betrug, beträgt fortan 62'/z Pf., dasselbe gilt für die Maurer, bei denen allerdings der Stundenlohn jetzt schon 52 Pfennig bctmg. Außerdem sind von einigen weiteren kleineren Verbesserungen, für Nachtarbeit in Zukunft 15 Pfennig pro Stunde vorgesehen, bis jetzt gab es dafür 10 Pf. Der Vertrag gilt für zwei Jahre, also bis zum 1. April 1910. Das friedliche Zustandekommen des Vertrages in Posen und Umgegend ist umsomehr zu schätzen, als es gerade ein Posener Unternehmer war, welcher auf der Konferenz des Arbeit- geberbundeS betonte, daß dieses Jahr die Arbeiter infolge der durch die flaue Winterkonjunktur hervorgerufenen Notlage„besonder» ge» fügig" sein würden. Die Tarifverhandlungen für das Baugewerbe in Rheinland- Westfalen, die zu Essen in getrennten Kommissionen fort- geführt wurden, haben zu keiner Einigung geführt. Die Forde- rung der Arbeiter nach einer Lohnerhöhung im zweiten Jahre wurde von den Arbeitgebern— die ihren Ruin schon vor Augen sehen— bestimmt abgelehnt. Außerdem liegen noch verschiedene andere Streitfragen vor. Die Verhandlungen sollen durch die Zentralvorstände beider Organisationen Ende deS Monats in Berlin weitergeführt werden. Der deutsche Töpferverband ist mit den Deutschen Ton- und Steinzeugwerken. Sitz Charlottenburg, A.-G., in einen ziemlich umfangreichen Kampf verwickelt worden. Das genannte Aktienunternehmen, das Filialen in Charlottenburg, irauschwitz, Bettenhausen bei Kassel, L u g k n i tz- MuSkau und Münsterberg i. Schi betreibt und in nächster Zeit auch in Amerika ein Unternehmen eröffnet, kündigte in K r a u s ch- Witz den mit den Arbeitern vor einem Jahre abgeschlossenen Lohn- tarif, selbstverständlich um den Arbeitern recht bedeutende Abzüge aufzuoktroyieren. Echt großkapitalistisch ging dabei das Krauschwitzer Werk nach bekanntem scharfmacherischem Muster vor: eS warf zu- nächst den Ortsvorsitzenden hinaus, nahm sodann umfangreiche Eni» lassungen vor und kündigte weitere Entlassungen an, falls die geplanten Abzüge nicht von den Arbeitern akzeptiert würden.— So glaubte man an Einschüchterung genügend getan zu haben. Die Rechnung schlug aber fehl, fast du gesamten Töpfer des Werkes, zirka 100 an der Zahl, traten in den Ausstand. Der Streik sprang auch sofort aus das benachbarte Lugknitz über, wo zirka 00 Arbeiter in den Streik traten. Die in diesem Werke vor- handenen krassen Zustände, die zu großer Erbitterung der Arbeiter geführt haben, erhellt wohl zur Genüge die Tatsache, daß ein von dem Unternehmen schon zirka zwanzig Jahre beschäftigter unorgani» sierter Breiiiuneister, der Mitglied des KriegervereinS und Orts» richter ist, sich gleichfalls dem Ausstande angeschlossen hat.— Da eS im übrigen ja auch von vornherein wenig Aussicht auf Erfolg hätte, wenn der Kampf gegen die deutschen Ton- und Steinzeugwerke nur in einem Werke geführt würde, dieser vielmehr auf m ö g» lich st breite st er Grundlage ausgesochten werden muß. werden in den nächsten Tagen auch die Töpfer in Betten» Hausen, wo hauptsächlich die sogenannte Großtöpferei betrieben wird, sich dem Ausstande gleichfalls anschließen.— In C h a r» lottenburg ist der Betrieb von minderer Bedeutung, jedoch sollen auch hier die nötigen Schritte eingeleitet werden. In Betracht käme für denKanlpf weiter noch Münsteroergi. Schi, hier hataber der Töpfer- Verband trotz großer Bemühung noch nicht Eingang zu finden ver» mocht, hier herrschen unumschränkt die christlichen Gewerkschaften. Der Ort erscheint aber in diesem Kampfe weniger ausschlaggebend, da dort vornehinlich Röhrensabrikation, während in den anderen Filialen der Werke die komplizierte Herstellung von Steinzeug- gefäßen, Kühlschlangen usw. zu chemischen Zwecken betrieben ivird. — Was die deutschen Ton- und Steinzeugwerke in geschäftlicher Hinsicht betrifft, so kann für deren rigoroses Vorgehen keinesfalls etwa Geschästönot ins Feld geführt werden. Das Unternehmen ver- teilte erst im vergangenen Geschäftsjahr 10 Proz. Dividende, auch stellte der Geschäftsbericht für das laufende Jahr einen größeren Absatz als im vergangenen in Aussicht. Alle Anzeichen deuten darauf hm. daß eS sich für die Werke vor allem um die Lahm» legung der so unbequemen Arbeiterorganisation handelt.— Die Arbeiter aber werden diesen Schlag zu parieren wisien. Zuzug von Arbeitern aller Art ist nach den bedrohten Orten streng fernzuhalten I—_ Nach 15 wöchentlichem Streik. Ter seit Dezember vorigen Jahres währende Streik der Kartonnagenarbeiter und-Arbeiterinnen der Firma Oestcrheld in Gotha ist zugunsten der Arbeiterschaft bc- endet. Das charakteristische hierbei ist, daß Arbeiterinnen das Hauptkontingent bildeten und daß auch nicht eine einzige abtrünnig geworden ist. Ganz besonders, wenn man in Er- wägung zieht, daß der„Verband der Kartonnagen-Fabrikanten" das menschenmöglichste geleistet hatte, um Uneinigkeit in die Reihen der Arbeiterinnen zu bringen. Der glückliche Abschluß— wird noch bedeutungsvoller, weil die dortige Zahlstelle erst seit Jahresfrist besteht— brachte durchschnittlich 10 Proz. Lohnerhöhungen. Alle Streikenden werden nrieder eingestellt; Maßregelungen wegen Zu» gehörigtcit zum Verbände dürfen nicht siattfinden. Wegen Er- richtung eines ArbeiterauSschusses, Revidicrung der Geschäfts- ordnung, Verwendung der Strafgelder wird sich die Firma mit dem Personal verständigen. Außerdem wurden noch andere kleine Vor- teile der Arbeiterschaft zugestanden. Ausland. Der Kampf gegen die Streikposten. Die Züricher Kantonsregierung niacht einen neuen Versuch, dia Arbeiterklasse zu entrechten. Nack dem Wortlaut des neuen§ 87 des Strafgesetzbuches soll künftighin wegen„Störung des Haus» friedenS" mit Gefängnis oder Buße bestraft werden, wer in dio Wohnung, in die dazu gehörende eingefriedigte Umgebung, in den Geschäftsraum, Werkplatz oder Bauplatz eines anderen widerrechtlich eindringt oder trotz der Aufforderung, sich zu entfernen. darin verweilt.— Diese Bestimmung richtet sich, wemi es auch nicht gesagt ist, gegen die Streikposten. Wenn Arbeiter im Kampfe um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen stehen, so werden sie not- gedrungen ihre nichtstreikenden Genossen auf dein Arbeitsplay, Bau- platz usiv. aufsuchen müsien, um sie über den Zweck der Bewegung, die Notwendigkeit des Zusammenschlusses und die Schande eines treulosen Verrates an der Sache der Arbeiterschaft aufzuklären. Ohne diese Möglichkeit wird der Streik erfolglos bleiben müsien oder doch erheblich erschwert. Die Züricher Arbeiterschaft muß sich also von neuem gegen einen erzreaktionärcn Vorstoß der„demo- kratischeit" Bürgerschaft rüsten. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Die Krifis in der Tiamantindustrie, die in Amsterdam und Antwerpen ausgebrochen ist, wird zum großen Teil verursacht durch die Diamantschleifereien, welche auf dem Lande cnt- standen sind. Diese arbeiten mit jugendlichen Arbeitskräften und können deswegen billiger liefern. Tie Diamantarbciter von Amstcr- dam und Antwerpen bilden dagegen in sich fest abgeschlossene Ge- werbe, sozusagen modernisierte Zunftgenossenschaftcn, die immer nur eine bestimmten Prozentsatz von Lehrlingen zulassen und weitere gewerbliche Schranken aufgerichtet haben. Ob sich diese Exklusivität auf die Dauer ausrecht erhalten läßt, ist schwer zu sagen. Die Antwcrpencr Diamantarbeitcr, die dieser Tage eine stark besuchte Versaminlung abhielten, scheinen selbst daran zu ver- zweifeln und suchen deswegen auch die Unternehmer zu veranlassen, sich fester zu organisieren. Sie erwarten davon die Möglichkeit, die Schmutzkonkurrenz der Provinz zu unterdrücken. Auch die französischen Diamantarbeiter von Saint Claude haben sich der Bewegung angeschlossen. In Antwerpen sind auch gegen 300 polnische Arbeiter in der Diamantindustrie beschäftigt; diese haben sich jetzt ebenfalls dem Streik angeschlossen. Letzte JVacbr ichtcn und Depefeben. Große Aussperrung im deutschen Malergewerbe. Der süddeutsche Maler- und Tünchermeisterverbaud be» schloß im EinbcrstaudniS mit dem Hauptvcrband deutscher Arbeitgeber-Verbände im Malergcwerbe(Sitz Berlin) 12(XX) Malergehülfcn in 30 Städten auszusperren. Die Aussperrung soll heute, Sonnabend, den 11'. April, erfolgen._ Ein sozialdemokratischer Antrag. Pari», 10. April(B. H.) In der heutigen Kammersitzung brachte der Abgeordnete Dcjeante einen Antrag ein, betreffs Ge- Währung eines Kredites von 200 000 Franks für die Familien der durch die Aussperrung im Baugewerbe betroffenen Arbeiter. Der Antrag wurde dem Budgetausschuß überwiesen. Nach preußischem Muster. Petersburg, 10. April(W. T. 23.) Der Reichsrat hat einschneidende Beränderungen an dem von der Rcichsduma angenommenen Gesetzentwurf betreffend die Einfühning des polnischen Sprachunterrichts an den Lehrerseminaren des Cholm- gebietes vorgenommen, die einschränkende Bestimmungen in der Anwendung der polnischen Sprache enthalten. Der Ge- sctzcntwurf wurde mit großer Mehrheit an die Reichsduma zurückverwiesen. Dies ist der erste derartige Fall seit der Einführung der Verfassung. DiPhthcritiS- Epidemie. Göttingru, 10. April.(B. H.) In Holtensen ist eine Diph» theritis-Epidemie anSgebrocken, welche bereits 10 Opfer gefordert hat. vierantw. RebaN.: Georg Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw.:TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsgnstglt Paul Singer& Eo� Berlin SW, Hierzu 3 Beilagen u.UntcrhaltungSbl, *. 87. 25. i. Deilllge des Lomarts" Kerlilttt Wlksdlllü. SM".« m'WS. M—P— P—«I—■■■■■I1IMIII II......... t«, � � � �. Sozlalckemokrstiicher Aahlverein der frauen Serlin; und Umgegend. Auch die Genossinnen Berlins und Umgegend gedenken tn dem bevorstehenden Landtagswahlkampf mit aller Tatkraft einzutreten. Zu diesem Zwecke ist unter dem obigen Namen ein Verein ins Leben gerufen, der folgende Bestimmungen in seinen Statuten enthält: § 1. Der Verein bezweckt die Agitation für die Landtags- Wahlen 1808. § 2. Jede erwachsene weibliche Person kann Mitglied des Vereins werden. Z 3. Der monatliche Beitrag ist auf 20 Pfennig festgesetzt. § 4. Der Borstand besteht aus drei Personen: einer Vor- sitzenden, einer Schriftführerin, einer Kassiererin. § 5. Nach Beendigung der Lanbtagswahlen löst der Verein sich auf. Etwa noch vorhandene Gelder werden im Jnteresie der Arbeiterbewegung verwendet. Hus Induftrlc und Handel* Umgehung der ZawachSsteuer? Um der Zuwachssteuer, wie sie in Halle vor kurzem beschlossen wurde, zu entgehen, machen große Grundstücksbesitzer mancherlei Versuche. So hat, wie der„Bodenreformer" schreibt, der Ritterguts- besitzer Beyer in Dresden durch„lästigen Vertrag" sein Eigentum seinen Söhnen abgetreten. Der Uebernahmepreis beträgt drei Millionen Mark. Dadurch glaubt Herr Beyer der Bestimmung der Steuerordnung, soweit sie rückwirkende Kraft auf 20 Jahre hat, ent- gangen zu sein. Einen ähnlichen Weg hat ein größerer Grundbesitzer in Cröllwitz eingeschlagen. Unter dem Namen.Hallische Bodengesellsckiast" haben Fabrikbesitzer Wernicke und Kaufmann Häring eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung gegründet zur Verwertung ihrer Liegen- schaften. Die Haftsumme beträgt 400 000 Mark. Auch in diesem Falle handelt es sich wohl in der Hauptsache darum, der Zuwachssteuer die rückwirkende Kraft zu nehmen.— Die einfachste Korrektur der hier zutage tretenden zweifellos vorhandenen Mißstände würde darin bestehen, daß die Stadt Halle nun sofort die Steuer nach dem gemeinen Wert einführt. Wird dann der Verkaufs- oder Uebernahmepreis bei der Be- rechnnng des gemeinen Wertes zugrunde gelegt, so hat die Gesamt- heit aus den oben erwähnten Verschiebungen lediglich Vorteil, indem sie sich eine stete reiche Steucrquelle erschließt. Die Zuwachssteuer steht eben ohne die Steuer nach dem gemeiiten Wert zu einem guten Teile in der Luft, während andererseits die Zuwachssteucr ein vor- züglicher Regulator der Steuer nach dem gemeinen Werte wird. In Köln haben sich an dem Tage nach der Annahme der Zuwachs- steuer etwa 200 Baustellenbesitzer darüber beschwert, daß der gemeine Wert ihrer Grundstücke bisher zu niedrig eingeschätzt sei— Steuer- reklamationen, denen im Interesse der Gerechtigkeit natürlich sofort entsprochen wurde._ Der ,�iberi,ia"-Pr»zeß hat nun sein Ende bor dem Reichs- gericht gefunden. Bekanntlich hatte der Fiskus Klage erhoben auf Ungültigkeitserklärung des Beschlusses der Generalversammlung vom 4. Dezember 1806, wonach das Aktienkapital um 10 Millionen Mark erhöhl werden sollte durch Ausgabe von 10 000 neuer Vorzugs- aktien. Das Bezugsrecht der Aktionäre sollte aber ausgeschlossen sein. Das Angebot de» Fiskus, diese Aktien zu 120 Proz. ihm zu überlassen, wurde abgelehnt. Die Aktien übernahm ein Bank- konsortium. Die Klage war vom Landgericht Bochum abgewiesen, ebenso hatte die beim Oöerlandesgcricht Hamm eingelegte Berufung keinen Erfolg. Auch die vom Fiskus beim Reichsgericht beantragte Revision ist jetzt vom ersten Zivilsenat diese? höchsten Gerichtshofes zurückgewiesen. Dymit hat diese Klage des F'�kus ein ebensolches Ende genommen, wie der vor zirka 2 Jahren angestrengte Prozeß, der sich auch gegen damalige Beschlüsse von einer Generalversamm- lung der„Hibernia" richtete. Eine starke Zunahme hat die Kohlenversorgung der Großstädte im Februar erfahren. Dic Kohlcnzufuhr zu zwanzig deutschen Groß- städten stellte sich nämlich im Februar auf 1614 638 Tonnen gegen 1384 444 Tonnen im Februar 1807. Sie war also in diesem Jahre um beinahe 10 Proz. höher als damals. Im Januar und Februar zusammen wurden 2 376 318 Tonnen Kohle deutschen Großstädten zugeführt, gegen 2 808 353 Tonnen im vorigen Jahre. Es ragen im Februar vor allem Königsberg, Berlin, Altona, Lübeck, ferner Magdeburg, Köln und Nürnberg mtt äußerst kräftigen Zunahmen hervor. Die Steigerung der Kohlenversorgung Berlins beträgt mehr als 12 Proz., Königsberg bezog gar 30 Proz. mehr Kohle als 1807. Stettins Kohlenzusuhren gingen von 23 838 Tonnen im Februar 1307 auf 34 580 Tonnen im laufenden Jahre oder um zirka 20 Proz. hinaus. Die Steigerung von Altonas Kohlenzusiihr stellt sich auf mehr als 40 Proz. Den Rekord aber hat Lübeck erzielt, das seine Kohlcnbezüge im Februar gegenüber dem Vorjahre verdoppelte. Teilweise dürste die stärkere Zufuhr darauf zurückzuführen sein, daß die Händler einfach genötigt werden, große Mengen ab- zunehmen. Weigern sie sich dessen, erblüht ihnen die Aussicht ge- sperrt zu werden. Die Wirkungen der Krise machen sich auch in der Seeschiffahrt bemerkbar. Der Verkehr Hantburgs weist für das erste Vierteljahr 1803 noch eine Zunahme des Verkehrs gegenüber der gleichen Epoche im Vorjahre auf. Dagegen lassen die Ziffern für Rotterdam und Antwerpen nicht unbeträchtliche Rückgänge erkennen, in denen die Krisenwirkung deutlich zum Ausdruck kommt. Es liefen ein: 1807 1803 1808 Schiffe Ton? Schiffe Ton« Schiffe Tons Hamburg 3265 2 616 281 3621 2 860 440-j-356+ 245148 Antwerpen 1553 2 337 683 1452 2 200 085—101—137 608 Rotterdam 2088 2178 622 1836 2 006 716—152—172 622 Hamburg weist zwar noch einen weiteren Aufschwung auf, doch hegt man allseitig die Befürchtung, daß diese Erscheinung nicht an- haltend sein wird. Der englische Außenhandel. Die Handelsstatistik für den ver- gangenen Monat zeigt, daß daS englische Wirtschaftsleben sich in einer stark rückläufigen Bewegung befindet. Im Vergleich mit dem Parallelmonat des Jahres 1807 ist der englische Außenhandel im März 1303 um 8,5 Millionen Pfund Sterling gefallen, die Einfuhr um 5.6 Millionen, die Ausfuhr um 1,8 und der Transithandel um 2.1 Millionen. Im März 1807 belief sich die Einfuhr auf 57,7, die Ausfuhr auf 34,7. der Transithandel auf 8,1. Im März 1303 waren diese Zahlen 52,1, 32,8, 5,8. Die Ausfuhr von Metallwaren fiel um 1,1 Million, Textilwaren um 1,3 Million Pfund Sterling. Lotterie und Industrie. Die Japaner sind schlaue Geschäfts- leute. Sie haben die Spielleidenschast in ihre geschäftlichen Kalku- lationen mit eingezogen. Und daß sie damit gut gerechnet haben. scheinen auch andere Leute zu— fürchten. Aus Hongkong wird unterm 10. April gemeldet: Die Handelskammer richtete an eine Anzahl von Handels- kammern in England und China ein Rundschreiben, worin sie eine diplomattsche Aktion anregt gegen den Plan japanischer Baumwoll- spinner, tn die Ballen Baumwollgarn Lvtteriescheine einzuschließen, da auf diese Weise der japanische Handel aum Nachteil des indischen künstlich durch Anrufen der chinesischen Spielwut gefördert würde. öembts- Deining. Vom LoS einer Sachsengängerin. Eine zweifache Kindesaussetzung führte gestern die Land- arbeiterin Josefa Wawrzineck vor die 4. Strafkammer des Land- gcrichts II. Die Verhandlung emrollte ein trauriges Bild über die unter den sogenannten ausländischen„Sachsengängern" be- stehenden Verhältnisse. Die Angeklagte gehört zu jenen Land- arbcitern, die als„Sachsengänger" alljährlich aus ihrer russisch. polnischxn Heimat mit Sack und Pack und Kind und Kegel nach Deutschlaitd kommen, um sich hier in landwirtschaftlichen Be- trieben zu verdingen. Im vergangenen Jahre stand die Angeklagre mit einer großen Anzahl ihrer Landsleute auf dem Gute Düppel bei Potsdam im Dienst. Sie brachte ihre sechs zumeist noch ganz kleinen saußerchelichen) Kinder mit. Ein halbjähriges Mädchen hatte sie bei einer Frau G. in Zehlcndorf in Pflege gegeben. Da sie aber keinen Pfennig bezahlte, wurde ihr das Kind bald wieder zurückgebracht. Um sich des ihr unbequem gewordenen kleinen Wesens zu entledigen, legte sie eS eines Morgens in aller Frühe in der Nähe der Wohnung der Frau G. auf die Straße und ging ihres Weges. Das Kind wurde nach einiger Zeit aufgefunden und der Polizei übergeben. An demselben Tage entledigre sich die An- geklagte auch noch eines zweiten ihr unbequem gewordenen Spröß- lings, eines zweijährigen Knaben. Die in der Kieler Straße in Steglitz wohnhafte Frau Ouandt bemerkte einige Stunden nach dem ersten Vorfall vor der katholischen Kirche in Steglitz einen kleinen nur notdürftig gekleideten Knaben, der jämmerlich weinte und schrie. Nachdem Frau O. erst noch geraume Zeft gewartet hatte in der Annahme, die Mutter sei in die Kirche hineingegangen, begab sie sich auf die Straße. Da es sich ergab, daß das Kind tasächlich mutterseelenallein war, nahm sie es mit sich und machte der Polizei Mitteilung. Sie wurde an das Fundbureau gewiesen, wo ihr aber gesagt wurde, die Polizeibeamten wären keine Kinder- mädchen, sie solle daS Kind nur ruhig bei sich behalten! Erst am Nachmittag stellte es sich heraus, daß die Angeklagte den Knaben vor der Kirchentür ausgesetzt hatte.— Das Gericht nahm in dem ersten Falle an, daß das Kind nicht in hülfloser Lage war, da es schon nach einigen Minuten aufgefunden werden mußte und er- kannte in diesem Falle auf Freisprechung. Wegen des zweiten Falles lautete das Urteil auf sechs Monate Gefängnis. Welche falschen Vorspiegelungen von Werbeagenten mögen die Angeklagte zu der irrigen Ansicht verleitet haben, es würde auf dem Gut ein Lohn gezahlt, der hinreichte, eine siebenköpfigr Familie zu ernähren!_ Von der Polizeiattacke gegen die Arbeitslosen. In unserem Bericht über den Prozeß wegen„Aufruhrs"«sw. steht zu lesen, ein Zeuge habe ausgesagt, daß an der Kronprinzen- brücke ein Polizeioffizier die Schutzleute zur Attacke angefeuert habe mit dem Ruf:„Nun, Kerle, haut, was Ihr könnt!" Das Wort„Kerle" ist ein Druckfehler. Der Zeuge hat ausgesagt, es sei dort von einem Polizeioffizier kommandiert worden:„Nun, Leute, haut, was Ihr könnt!" In dieser Form ist das Kommando an einer anderen Stelle unseres Berichtes, in dem Plaidoyer des Rechtsanwalts Dr. Rosenfeld, richtig wiedergegeben.„Kerle" wird wohl kein Polizeioffizier seine Schutzleute nennen, wenn er sie zur Attacke gegen Arbeiter kommandiert. Als„Kerle" gelten ihm die Arbeiter, auf die er einHauen läßt. Ei» Heiratsschwindler stand am 5. Februar bor dem Landgerichte Braunschweig in der Person des Reisenden Hermann Knackstrdt. Er wurde wegen je eines Falles des Betruges, der Urkundenfälschung und der Unter- schlagung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Die Tochter des Tischlermeisters T. hatte in den„Neuesten Nachrichten" ein Heirats- gesuch veröffentlicht und sehnte sich nach der Bekanntschaft mit einem sogenannten besseren Herrn, am liebsten mit einem Beamten. Der Angeklagte schrieb ihr nun einen Brief und sagte darin, er sei 34 Jahre alt und als Eisenbahnbeamter in sicherer Stellung mit einem Gehalte von 2400 M. Den Brief unterzeichnete er mit„Hermann Brandes, Eisenbahnbeamter". Es folgte dann die persönliche Bekanntschaft und das Verlöbnis. Auch die weiteren Liebesbriefe unterzeichnete der Angeklagte mit dem falschen Namen. Unter dem Vorgeben, er wolle die Ausstattung in Möbeln bei einem Vetter kaufen, erschwindelte er von dem Vater des Mädchens 1175 M.; eine Obligation, die ihm das Mädchen gegeben hatte, unterschlug er. Die Briefe wurden vom Gerichte als Urkunden zum Nachweis des Verlöbnisses angesehen.— Auf die Revision des Angeklagten hob am Donnerstag das Reichsgericht das Urteil wegen Betruges und Unterschlagung wegen eines Formfehlers auf. Bezüglich der Urkundenfälschung wurde die Revision verworfen. Die Wahlrechtsdemonstration vor dem Spanbauer Schöffengericht. Der Schlosser Hermann Richter, der Schlosser und Stadtver» ordnete Paul Schmidt, der Arbeiter Richard Böhm und der Dreher Paul Holldorf zu Spandau hatten jeder ein polizeiliches Straf- mandat in Höhe von 6 M. erhalten, weil sie am 12. Januar d. I. gelegentlich der Stratzendemonstrationen den zur Sicherheit und Bequemlichkeit erlassenen Anordnungen der Polizeibeamten keine Folge geleistet haben sollen. Infolge Widerspruches der Angeklagten fand Verhandlung vor dem Spandauer Schöffengericht statt. Auch nicht einer der vier Beamten vermochte etwas dafür anzugeben, daß einer der Angeklagten sich der Uebertretung schuldig gemacht, deren sie nach dem Strafmandat beschuldigt sind. Der Zeuge Polizeikommissar Marks weiß über die einzelnren Personen selbst nichts anzugeben. Er hat nur allgemein die Sache überwacht und seinem Auftrag gemäß gehandelt, Ansammlungen von Menschen zu zersprengen. Holldorf und Böhm hatten sich der Aufforderung des Polizeikommissars Genz in der Klosterstraße, sich zu zer- streuen, nachkommend, die innere Ringchaussee entlang begeben. Sie gingen nachher durch die Charlottensttaße nach der Pots- damer Straße zu, weil sie glaubten, daß dort gar keine Ansamm- lung mehr war. An der Ecke der Charlotten- und Potsdamer Straße hat Holldorf einen Stoß vom Polizeikommissar Marks er- halten mit der Aufforderung, wieder die Charlottenstratze zurück- zugehen. Bride wollten dies befolgen, konnten dies aber nicht, weil der Polizeisergeant Böhm mit seinem Pferd aus dem Bürgersteig hielt und sie zurückdrängte. In dem Augenblick wurden der Künstlerwell und Presse, die entweder ebenfalls bei Namen genannt, oder in leicht erkenntlicher Verkleidung vorgeführt werden. Andere Personen, die in unserer Partei stehen, lassen sich gleichfalls unschwer wiedererkennen. Damit haben wir aber sofort auch den wenig künstlerischen Charakter de» RomanS bezeichnet. Allerdings scheint dem Pseudonymen Verfasser„VcteranuS" in erster Linie an etwas anderm gelegen zu haben. Wenn man im übrigen, wie er, über eine brillante flüssige Feder gebietet, die trotz des hastigen impressionistischen ArbeitenS doch so abgerundete, leben- atmende Situationen zu geben vermag, dann kann man auch schon einen kecken Seitensprung riskieren, ohne gleich zu straucheln. Dom Verfasser scheint es ein tiefes Bedürfnis gewesen zu sein, sich einmal gründlich zu entladen und aus seinem Herzen keine Mördergrube zu machen. Seine polittsche Anschauung steht zwar abseits von der auSge- sprochcnsozialistischen: glcichwohlscheint„VeteranuS" nicht bloß Fühlung mit der höfischen, zum mindesten aristokrattschen und plutokratischen Gesellschaft von Berlin W. zu unterhalten, sondern auch in unserer Partei vertraut zu sein. Der preußische Byzantinismus ekell ihn gehörig an. Gegen ihn richtet er feine spitzen Pfeile. Mag daS Thema„Hurra-Schreier" auch schon so alt sein, wie eS Potentaten gibt, mag es immerbin bereits früher eine romanhafte Behandlung gefunden haben— es wirkt doch stets neu und sensationell. Und daß die„Hofkultur" in unserer Gegenwart kaum vom Zeitalter des Absolutismus und Despotismus uberboten wird, oder daß sie ebenso geile Schößlinge treibt wie diese Epoche, das wird schwerlich in Abrede gestellt werden können. In diesem Zeittoman wird manch tapferes Wort gesprochen. Brillant ist da namentlich die sarkastische Schilderung der„Potem- kinschen Dörfer"— wenn„Majestät" zur Fabrikbesichtigung kommt. Der stoffliche Vorwurf, das Gerüst der Romanhandlung sozusagen, ist ja nicht neu; aber die schillernde Drapierung ist es desto mehr. Dazu ist er allzu flach projiziert. Indessen wird er doch gerade seinen tendenziösen Zweck erreichen, weil der Leser gewissermaßen spielend in das Getriebe hineingeführt wird, indem er ihm durch noch nicht ganz verschwitzte Zeitungsschilderungen aus der jüngsten Vergangenheit, die noch mit der Gegenwart eins ist, alle jene Vor- kommniffe und Ereignisse im Konttast mit einer oppositionellen An« schauung vorS geistige Auge zaubert. o. k. Notizen. — Theaterchronik. Im Thalia-Theater geht am Mittwoch, den 16. d. M., ein neuer Schwank von Stobitzer u. Neal: „Die Brunnennymphe" in Szene.— Donnerstag, den 16., und Sonnabend, den 13. d. M., gastiert das Leffing-Thcater im Thalia-Theater mit„Nora" und„Borkmann". — Musikchronik. Im Theater des Westens bringt am Karfreitagabend der Pfamiichmidtsche Chor Mendelssohns Oratorium„PauluS" zur Aufführung.— Die Morwitz-Oper wird auch in diesem Jahre im Schisler-Theaterv. ein Gast« spiel gebe» und zw« vom IS. Juni au. kleines feuilleton. Jnbianerbüchcr und Detektivgeschichten. Die Lektüre der heranwachsenden Jugend ist, wenn sie nicht unter die Kontrolle der zu höheren und ernsteren Zielen erziehenden sozialistischen Jugend- Organisation gestellt wird, im wesentlichen die Indianer- und die Detektivgeschichte. Heinrich Wolgast, der verdiente Vorkämpfer der Jugendschriftenbewegung, kennzeichnete diese Kost, die der Jugend durch das neue Vcreinsgesctz erhalten bleiben soll, in einem Vortrage, den er in einem Dresdener Frauenbildungsvercin hielt. Wenn man von der Tatsache ausgeht, führte er aus, daß die Jndiancrbücher früherer Jahrzehnte verschwunden sind, so könnte man meinen, die Hauptarbeit sei getan. Allerdings, diese Art Jndianergeschichten sind nicht mehr zu sehen. Aber an ihre Stelle ist noch schlimmeres getreten. Aus den immerhin weniger gefähr- lichcn Jndianerbüchern sind Räubergeschichten und sensationelle Dctektivgeschichten geworden. Nick Carter, Bufallo Bill, Ethel King und wie die Titel über vielversprechenden Bildern alle heißen, alle diese Hefte spekulieren auf die äußere Sensation. Blutrünstiger noch als ihre Vorgänger tragen sie noch.alS besonderes Merkmal einen Zug ins äußerst Perverse an sich, die grauenhaftesten Greuel. taten sind nicht grauenhaft genug, sie werden noch künstlich ge- steigert. Woher diese Veränderung? ES ist, als seien die Nerven der Leser abgestumpft, als seien sie noch sensationslüsterner ge- worden. Diese Literatur ist nicht nur Jugendlettüre, sie wird auch von Erwachsenen gelesen. In vielen Fällen kauft der Vater diese Schwarten, liest sie und gibt sie dann seinen Kindern. Die all- gemeinen Kolportageromane scheinen zurückgedrängt; das ist aber erklärlich, da diese Hefte ähnlich jenen innerhalb einer Folge immer denselben Helden zum Gegenstand ihrer Verherrlichung haben. An diesen Heften werden nicht weniger als 100 Proz. verdient. In Hamburg beträgt die Ausgabe des Volkes für diesen Schund ebenso- viel, als der Aufwand an Schulgeld für sämtliche Volksschulen. Weiter wird der Kampf gegen diese Sintflut dadurch erschwert, daß die Autoren niemals genannt sind, ebenso wie sich der Verleger meistens hinter irgend einen Geschäftsnamen versteckt. Dadurch wird eine Kennzeichnung unmöglich gemacht. Wolgast besprach dann die Mittel zur Bekämpfung dieser Schundliteratur, erinnerte an die Bestrebungen der Jugend- schriftenausschüsse und lobte das energische Eingreifen der Sozial- demokratie, die von allen Parteien am meisten bemüht war, dem Uebel zu steuern. Die Sozialdemokratie besitzt— sagte er— einen Prüfungsausschuß für Jugendschriften, dessen Bücherverzeichnis als mustergültig anerkannt werden muß. Sie ist fast die einzige Partei, die diese Frage ernst nimmt, die bürgerlichen Parteien haben die Verpflichtung, sich dem anzuschließen. Auch könnten sich pädagogische Elternvereine mit dieser Sache beschäftigen. Der An. reiz dazu müßte gerade hier ein Parker sein, da es sich doch um die geistige Zukunft eines ganzen Volkes handelt. Aber eS wäre schon viel erreicht, wenn wenigstens jede Mutter ernst darüber nachdenken würde, was sie ihren Kindern zu lesen geben soll. Gegen diese Ratschläge läßt sich nichts einwenden. Aber eine Utopie ist es, wenn Wolgast die Bildung eines Kollegiums vor- schlägt, das über Partei und Konfession stehen und dazu berufen sein soll, in solchen Fragen als Sachverständige zu wirken. Von einem Vorgehen der Gesetzgeburkg vollends halten wir gar nichts. Es trifft sich gerade gut, daß die Aprilnummer der„A r- beitcnden Jugend" einen temperamentvollen Artikel über ähnliche Fragen bringt. Es werden darin die Schäden, die Schmutzliteratur, Kinematographenzaub«r und Automatenspiel- Höllen anrichten, beleuchtet und im Gegensätze dazu auf den sitt- lichen Einfluß der Jugendorganisation hin- gewiesen. Hier ist wirksam einzusetzen. Hier sind junge, frische Geister für eine edlere, höhere Lebensauffassung zu gewinnen. Setzen wir die Worte her, in denen die„Arbeitende Jugend" sich ihre Aufgaben selbst vorzeichnet: „Wir wissen ein schon in der jetzigen Gesellschaft vorzüglich wirkendes Mittel, die Jugend vor den Gefahren der Schmutz. literatur, Kinematographen und Spielautomaten zu bewahren: die Stärkung der freien Jugendorganisation. Ihre Mitglieder meiden diese Unternehmungen und verrichten in ihren Kollegen- kreisen eine intensive Aufklärungsarbeit über die Schädlichkeit dieser für die arbeitende Jugend. Unsere Organisation macht die Jugend empfänglich für höhere Genüsse: wahre bildende, künst- lerische. Sie gibt der Jugend ein Ideal, für das zu kämpfen sie berufen wird und interessiert sie für große Fragen. Statt aber unsere Organisation zu stärken, bekämpfen dieselben Leute sie, die jetzt über die Verwahrlosung der Jugend Zetermordio schreien. Nur gut, daß unseren Vereinen dadurch nur wenig Schaden zu« gefügt wird, sonst würden sie es sein, die die Verwahrlosung der Jugend fördern. Eine geistig stupide, verwahrloste, sittlich ver. kommene Jugend ist aber den Unternehmern sehr viel lieber, als eine geistig und sittlich hochstehende, ein besseres Leben des Volkes erkämpfende, organisierte Jugend. Und warum ist ihnen nichts verhaßter, als die Aufklärung und Bildung der Jugend.... Wer die Jugend sittlich heben will, der bekämpft nicht die freie Jugend. organisation, der stärkt sie." Literarisches. V. E. TeranuS: Hurra-Schreier, ein Zeitroman Progr. Bchönhurn, Humorist Terra Brothers Ghmnastikalt. Anton Sattler, Aftral- Sänger. TheSCornells muslk. Lome- dians. Gr. Erfolg I Siiirm. Beisalll Ein Dorf-Romau. Sonntaa 4 Uhr: Tie Freuden der Häuslichkeit. Schiller Schlllve. Theater D.tWallner-Tdeaier). Sonnabend, abends 8Uhr: Der Widerspenstigen Zähmnng. Lustspiel in 5 Ausz. v. W. Shakespeare. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Da««litok In» Wind«». Sonntag, abend» 8 Uhr: Der Weg zum Herzen. Montag, abend» 8 Uhr: vor Widerspenstigen Zähmung. M- llCfttd*« Schiller-Theater Charlottenburg. Sonnabend, nachm. 8 Uhr: Wilhelm Teil. Schauspiel in 5 Akt von Fr. Schiller. Sonnabend, abend« 8 Uhr: Der Revl«or. Lustspiel in SÄlkten v. Nikolaus Gogol . Deutsch von E. v. SchabelLki. Sonnlag, nachm. 8 Uhr: Da» vierte Hehot. Sonntag, abend» 8 Uhr: Hätz von Berllehlneen. Montag, abends 8 Uhr: 8teln unter Steinen. Ca c 4-#a n 9 g: Panoptikum Cl 9 B-£t II 9 165 Friedrichstr. 165 Der größte Mann der Welt. Kein Extra=Entree!— Nur noch kurze Zelt! Heute'/.ß Uhr abends: Grande Soiree High Life. Glänzend beurteilt von Presse und Publikum. Der menschliche Chimpausr Koniu) Peter, das größte Naturwunder der Gegenwart Die gr. sens. Ausstaii. Pantomime Imerih» mit eigens da- UAfH schwarzen zu engagierten■ÄW Leuten. Resisto, das elektrische Rittsei. Avis! Biels. Wünschen Rech. nnng tragend, Sonntag nachm. die ersten drei Akte aus Aulerika | ungekürzt wie in der Abendvorst. Das neue April. Programm und Bingkampl-Konhnrrenz. Großer Entscheidungskampf. Um den Preis von 10 000 M. ringen Iwan Padoubny, Meistersohakteringer der Welt (Eußland), gegen Laurent leBeaucairois Meisterschaftsringer der Welt (Frankreich). Antonitch, Biese?"***** Max Schneider, Berlin. 9',. Uhr 1 Täglich 9'U Uhr I Der kleine ChkHlicr Muflkalischss Lustspiel v A. M. Willner. Musik von H. Lierts. Ab 6 Ubr: Tie»enen unerreichten Spezialitüten-Ariraktioue» mit: Paul SpadonI, Geisha»emond, loset «edl, Kätchen Loissot u. a. m. BUrgorl. Schaasplelhaa« früher Prater-Theater Kastanien-Allee 7—9. Heute Sonnabend: Anns-Liese. Morgen: Die AntorUät. Urania. Wissenschäftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Theater nachmittags 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. 8 Uhr: Prof. Dr. B. Donath: Die neuen Fortschritte der Farbenphotographie und ihre physikalische Grundlage. IGebr. Hermfeld-j Theater. I Ansang 8 Uhr. Vorvcrk. 11— 2Uhr. �Herrnfeld- Zyklus I. Serie(bis inll. 15. April): « uhr- Hausierer Meie. 9 Uhr: Eniüieli allein. i io u�: flrig. Rlalirias-Partlg. Donnerstag, den 16.,«onnabend, den 18. April: II. Serie: Tie MeyerhainS. vom 19. bis inkl. 23. April: III. Serie: Elfe auS der Bar. G» lebe das Nachtleben! vom 24. bis inll. 29. April: IV. Serie: Letzte Ehre. Fall Blumentopf. (Schluß diesjähriger Spielsaison Mittwoch, den 29. April er. Palast-Theater * Burgftr. 84. Bhf. Börse. Entscheidungskämpfe: Streng:- Steinbach Berlin. Wien. Kornatzki- Bau Polen. Elberseld. Wolff- Daumas Belgien. Frankreich. —• Beginn der Kämpse 9 Uhr. Passags-Panopllkm. laViarVclkslagal!!! Jed. Erwachsene ein Kind freil | Jedes Kind erhält ein Geschenk I< ,„Die lange Dora". Dasj gr.Wund., Gesamthöhe 2,19 m. j Alle Darbietungen frei I | Alle* ohne Extra-Entrie. riMZ, Eintritt 50 Pf. I Kinder ohne Begleitung und I Soldaten 25 Pt fö San imsafS Kotihuscr 1O&8CI1 strafle 6. Direktion: Wilhelm Reimer. Sonntag. Montag und Donnerstag: HokTnionn« w ikkhnll» Welnbsrgsxsg 19/29, Rosenthaler Ter. Anfang 8 Uhr. Das neue April- Programm. verlins Lieblings-SoubpeR« Grete Cralius, Erstklassige Spezialitatsn. Tunnel: HllltUr• Konzerte. Theaterbesucher ireie» Eintritt, Trlanon-Theatef. Gastspiel Charlotte Wiehd. Seim erste Frau. Die Gand(1» rnainj. Ansang 8 Uhr. grauere! Frle(tflchshaln< früher Lipps.— Am KönIgStor. Oekonom: Ernst Llsblng. Vom 19. bis 16. April: 8. M. Zieiiror aus Wien. Hoskapellmrister, Dirigent der I kaiieri tönigl. österr. tzosball- i musik mit aus t»v Künstler| verstärktem Orchester. und Tanzkränzchen Beg. Sonnt. 5, wochent.3 U. Morgen: Gr. Elite-Soirce. Tanz. Reiehshallen-Thealer. ir Mm. Z. Schluß, z. 108. Male: Husaren-Streiche. Anj.wochBU. Sonnt. 7U. llelchshallen- Restaurant: HllltUr. Konzert. 4 Montiplati., imlhcatorsaal Ta�llCrÜ» |JllbertBöhtne[ 1 Das brillante April-Programm. 1 U. a.: Lina Goltz, Zlrtur Wolff,, I M. Beudix, Alexander Bros, NoranaS Sisterö. >'Anfang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. j Entree 50 Pf. Sonnt, reser*. t M.. ( Park. 0,75, Enttee 50Pj.,ind. Woche! ' Familienbilletts 5 St. 2 M. Im unteren Konzertsaal: I Sonnabend: Liienep. Konzert.\ : Nur ganz n kurze Zeit! Ganz Sedin spricht!!! über die enorm billigen Preise des Sehr günstige j Gelegenheit! Konkurs Massen Ausverkaufs - und anderer Waren■ 184 Brunnen-Straß© 184 der G. 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Sonntag, den 158. April, vormittags 10 Uhr bis 58 Uhr nachmittag? finden die «2/19 mr Wahlen der Delegierten zum Yerbaudstage In Stettin und eines Delegierten zum Gewerkschaftskongreß in folgenden Lokalen statt: Habel, Bergmannstr. 3—7. Möhring, Admiralstr. 18«;. Muhs, Manteuffelstr. 95. Litfin, Memelerstraf/e 67. Boeker, Weberstr. 17. Obiglo» Schwedterfir. 583. Raabe, Kolbergerstr. 583. Ahrens, Turmstr. 585—58«. Die Stimmzettel werden am Eingang zu den Wahllokalen verteilt. Jeder Kollege kann in dem Lokal wählen, welches für ihn am be- quemsten zu erreichen ist. Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Die Aerkstätten-Vertrauensleute werden ersucht, ihren Kollegen die Mitgliedsbücher auszuhändigen. 01« Oi-tsvvU>w»ltmis. Am i«. Aprii. Urania- Vorstellung. Eröffnung vormittags 10 Uhr.— Vorstellung 11 Uhr: Kairo und die Pyramiden. Billetts find aus dem Bureau Engelufer 14/1S zu haben. Die Billetts zum 20. April find vergriffen. �_ T. Die Ortsverwaltung. sowie Berustjenosseii Deutsehlaniis. Verwaltungsstelle Groß- Berlin. Sonntag, den im Englischen IL April, nachmittags S'l, Uhr, _ n Garten, Alexanderstr. 87c: Oeffentiiche?rotestußrsammlung gegen den neuen Reichsvereinsgesetzentwurf" Genvsse W u s ch i ck. Zahlreiches Erscheinen erwartet!»!« Ortsverwaltnng. 145/9 Referent: J. A.: Semmerfeld. � 2658L* Car) Segens jCrauermagazinf Brunnenstr. 16. Große Auswahl in; 1 Kleidern von AS M. an I Binsen von 3,— M. an Httte von 8,50 M. an.[ | Röcke von 8, SO M. an j and■ttmtllche Iniallenstr. 180 rRobert Bohrf Bessere flerren-Oarderobefl Riesen- Anawahl. Spottbillig. Beeil. ll Deutscher Holzarbeiter- Verband! Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Heinrich Latschinske! am 7. April gestorben ist. Ehre feinem Andenken l Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 11. April, nach- mittag» 3ff, Uhr, von der Leichen- halle des neuen Rixdorser Ge- meindesriedhoseS am Mariendorser Weg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 82/8 Die Ortsrerwaltung. Freit TllklltkjW Mors-Krih. Todes- Anzeige. Am 2. April er. verstarb Plötz- lich unser lieber Turnschüler Htahard (II. Schüler-Abteilung). Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 11. April, nach- mittags 3 Uhr, auf dem neuen Rixdorfer Kirchhof statt. 288/2 Um rege Beteiligung ersucht Der Verstand. Zentral-Men- o. Sterbekasse der deutschen Wageuhauer. Ortsverwaltung Berlin III. Den Mitgliedern zur Nachricht, dast unser Mitglied 1339b Eimst Weidner am 9. April verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mon« tag, den 13. April, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des St. Elisabeth-Kirchhoses, Prinzen- Allee, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die OrtSverwaltung. Am Donnerstag, den 9. April, vcrschte&jnach kurzem Leiden mein ver lieber Mann, Schankwirt ehemalige 1340b Wiikeim Qrewig. DieS zeigt hiermit allen Freun- den und Bekannten an Else Grewlg nebst Kindern. Di« Beerdigung findet am Sonntag, nachmittag« 3 Uhr, von der Leichenhalle des Rixdorfer Gemeinde-FriedhofeS, Marien- dorfer Weg, aus statt. Allen Freunden, Verwandten und Bekannten die traurige Nach- ncht, dah am 9. April, abends 8'/, Uhr, meine inniggeliebte Frau und unsere gute Mutter Hartha Sebonfeid geb. Hahn nach langem schweren Leiden sanft entschlasen ist. Dies zeigt ttesbetrüdt an im Namen der Irauernden Hinter- bliebenen Wllh. Schönfeld. Die Beerdigung findet Montag, den 13. d. M., nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause Hertzbergsir. 22 aus nach dem neuen Rixdorser Mariendorser Weg, statt. Kwjjhos� AeliesteS Teilzahl.-Gefchäft fül Drennabor- Räder! Kein Laden l Günstigste Bedingungen. Berlin SO., Louis Barth, Briickenstr. 10a, pL Am Donnerstag, den 9. April,( verstarb nach langem schweren« Leiden im 44. Lebensjahre mein lieber Mann, unser guter Vater frtsdrtGh Otto tteickaus. DieS zeigt tiesbetrübt allen Be- kannten hiermit an 2S78L Klsra Heickaus nebst Kindern. Die Beerdigung findet am, Sonnlag, den 12. April, nach- mittags 2'!, Uhr, von der Leichen- Halle deS neuen Jakobi-Kirchhoses in der Hermannftrahe aus statt. ÄWlilkWkl'Mh.Wsdlvei'eiO! Kixdorf. Todes-Anselge. Den Parteigenoffen zur Nachricht,| daß unser langjähriges Mitglied,| der Gastwirt Otto Heickaus nach langem Leiden verstorben ist.| Ehre seinem Andenken Die Beerdigung findet am i Sonntag, nachmittags 21/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi-Kirchhoss(Hermannstrage) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 234/19 Der Vorstand. Verband der treten Bast-! u. Schankwirte Beutsclilandsl Ortsverwaltung Rixderf. Den Kollegen zur Nachricht,\ daß unser Mitglied, der Gastwirt f Otto Heickaus am Donnerstag, den 9. April, j vormittags 9 Uhr gestorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am! Sonntag nachmittag 21/, Uhr von der Leichenhalle deS neuen Ja- kobi- KirchhosS, Hermannstraffe, auS statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet I 74/18 Oer Verstand. Iferiiaiiti der Kiiplersdufliedei Deutsehlaiids. Filiale Berlin. Allen Kollegen zur Nachricht, baff am 3. April der Kollege �d. Krell im Alter von 40 Jahren an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 11. April, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Getbsemane-Friedhoses in Nordend(Nieder-Schonhausen) auS statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Die Filialverwaltung. Danksagung. Für die liebevolle uno zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres Schwiegersohnes und SchlvagerS sagen wir Verwandten, Freunden und Kollegen unseren herzlichsten Dank. Antonie S/mmarck.[1335b Wilhelm Feichert u. Familie. Danksagung. Für die vielen Beweise herzstcher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau herz» lichen Dank. Oshar Steiniger nebst Angehörigen. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Priuzeiislr.4l,£w 10— 2. 5— 7. Sonntage 10— 12. 2— 4. ISozialdeniokratischer WahMn für den Todes-Aniselge. Am 7. April verstarb unser Mit- glied, der Hausdiener Karl Jagow Franseckistraffe 27. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den Iki April, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Friedhofes der Frei- religiösen Gemeinde, Pappel-Allee, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 226/9 Her Vorstand. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Hiermit diene den Mitgliedern zur Nachricht, daff unser lang« jähriges Mitglied, der Hausdiener KsHl Jagow 3 am 7. d. Mts. im Alter von 68 Jahren an Herzschwäche ge- storben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 12. d. M., nach. mittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofs der Freireligiösen Gemeinde, Pappel-Allee, aus statt. Um zahlreiche Betelligung ersucht 68/7 Die Verwaltung Ä. Allen Freunden, Bekannten und Verwandten die traurige Nach- richt, daff mein lieber Mann, unser guter Vater, der Former Frsni Prillwitz im Aller von 54 Jahren am Dienstag, den 7. d. M.. freiivillig in den Tod gegangen ist.— Die Beerdigung findet heute Sonn- obend nachmittags 5 Uhr von der Halle des Nazareth- Kirchhose«, Reinickendorf, auS statt. 1337b Dies zeigt tiesbetrübt an Witwe Anna PFlllwltz nebst Kindern. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige, Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Franz prillwitz am 7. d. Mts. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonn- abend, den 11. April, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle deS neuen Lazareth- Kirchhofes in Reinickendorf, Kögelstratze, aus statt. 115/5 Rege Beteiligung erwartet Die Orisverwalinng. [j Todes-Anaseige. Am 9. April, vormittags 11 Uhr, verstarb mein lieber Mann, der Tischlermeister Julius Wolf nach kurzem aber schwerem Krankenlager im vollendeten 69. Lebensjahre. Dies zeigt, um stille» Beileid bittend, tiesbetrübt an Anna Wolf als Frau. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 12. April, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Sedanstr. 92, aus statt. Danksagung. Wir sagen allen Verwandten und Bekannten sowie den Kollegen der Firma steumann& Bunar sür die Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Manne», unfereS guten Vaters, den beste» Dank. Witwe Reiche nebst Kindern. Arbeitsnachweis: Hof I. Amt 3. 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: CharitSstraBe 3. Hos III. Amt 3, 1987. Achtung! Schlosser. Achtung! Montag, den 13. „Musiker-Festsalen". Atzril, abends 8'/g Uhr, in den aiser-Wilhelm-Stratze 18»»: Mgemews VerKsmmlnng der Schlosser Berlins und Umgegend. I. Vortrag bewegung In J. Schlofferinnung. E» mr Hohenschöu Berliner Sl 115/4 Tages-Ordnung: Jhle aus Hamburg über:»Die Schlosser- ;b der neue Schloffertarif der KönigSberger Lehren ziehen wir daraus?* 2. Verschiedenes. jeden Kollegen, dort zu erscheinen. egen znr Kenntnis, dah in Neu- im Lokal des Herrn Scheich, , eine Zahlstelle, errichtet worden ist. IMo Ortsverwaltnng. „Problem"- Raucher! Zur Aufklärung? Die von einzelnen Cigarrenhändlern verbreitete Behauptung, daß in meiner Fabrik gestreikt wird, ist vollständig unwahr und hat nur den Zweck, die Problem-Raucher irre zu führen. Ich erkläre daher ausdrücklich, daß keine Differenzen mit meinen Arbeitern vorgekommen sind, und daß das beste Einvernehmen zwischen Firma und Personal besteht. Die Ursache der Ausschaltung meiner Marke beruht lediglich auf wirtschaftliche Interessen der Cigarrenhändler. Cigarettenfabrik„Problem". I fVarenhäus Wilhelm Siein Berlin N>, Chausswstrasse 70-7 L 4 große Lebensmittel-Tage Ton Sonnabend, den IL bis Dienstag, den 14. April so lange Vorrat. Backartikel zum Pestkuchen: Kaiser-Iaszapehl........ 0,85 Budapesier irl 5 Ptod.......... 0,95 Diamanl-Mehl 5........... 1,05 Backmehl............. 0,85 Backpulver s Pakete 0,25 Backessenzen 3�* 0,25 Sultanin-RoslneB L Pfund........ 0,70 n.,........ 0,60 Große Rosinen pfuna........... 0,60 Korinthen pw.............. 0,88 99 Zucker 5 Pfund 1,05 Süße Handeln 1 Rand......... 1.20 „„ �-».......... 1.10 Bittere Handeln pftmd.......... 1,20 Zitronat pf�a............... 0.75 Yaniliezucker z p�.......... 0,25 Orangeat pfma.............. 0.75 Kasseler Rippespeer pfuna.. 0,l Rlleltenlen pw....... 0,58 Eisbein(Dickbein) Rand 0,55 Pommer. Schinkenspeck Pfand. 0,98 Anläßlich des Osterfestes verabfolgen wir von Sonttaliend, den 11. bis Donnerstag, den 16. April doppelte Anzahl Sparmarken.0 Wir geben sonst bei einem Einkauf von 1 Mark 4 Sparmarken, an diesen Tagen jedoch 8 8parmarken. Sonntag, den 12. 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Die Sozialdemokraten, denen ein Mandat zugefallen war, haben, nachdem sie erfahren hatten, daß Herr Dr. Penzig von seinen liberalen Freunden fallen gelassen war, ihn als ihren Kandidaten vorgeschlagen. DaS einzige Verdienst des Freisinns besteht darin, daß er diesem Vorschlage zugestimmt hat. Seine Pflicht wäre eS gewesen, nach der Behandlung, die die Regierung ihrem Parteifreunde hatte zuteil werden lassen, ihn aus eigenem Antriebe zu präsentieren. Daß er das nicht getan hat. sondern erst von den Sozialdemokraten an seine Pflicht erinnert werden mußte, zeigt wieder einmal, wie wenig zuverlässig der Freisinn ini Grunde genommen doch ist. Die Regierung aber steht da als blamierter Europäer: den von den Liberalen in die Schuldcputation gewählten Herrn Dr. Penzig hat sie nicht bestätigt, demselben Herrn aber hat sie mit dem Augenblick, wo die Sozialdemokraten ihn auf den Schild hoben, die Bestätigung als Mitglied de» Magistrats anstandslos erteilt. Für ungültig erklärt hat das Obervcrwaltungsgericht die Wahlen der im Oktober 1906 gewählten Stadtv. L e m m. Pactcl, Thieme, die sämtlich der liberalen Fraktion an- gehören bezw. angehörten, Herr Thieme ist inzwischen bereits aus der Versammlung ausgeschieden, da sein Mandat am 31. Dezember 1907 ablief, er hat also die ganze Zeit, obwohl unrechtmäßig gc- wählt, in der Versammlung gesessen. Die beiden anderen Herren gehörten der Versammlung bis heute an. Die UngültigkeitS- erklärung erfolate, weil die Wahlen in einem Wahlgang vor- genommen wurden, obwohl die Wahlperioden verschieden waren. Für die Neuwahlen kommt unsere Partei nicht in Betracht, da es sich um Erkorene der beiden obersten Klassen handelt. Rixdorf. Eia Schauturnen veranstaltet am Sonntag, den 12. April, nach- mittags 5 Uhr. die Frauenabteilung der in Arbeiterkreiscn bekannten Freie» Turnerschaft Rixdork- Britz. Der Borstand dieser an Zahl recht stattlichen Abteilung lädt dazu ivie z» dem sich anschließenden geselligen Teil alle Freunde und insonderheit Freundinnen gesunder Leibesübungen nach Thiels Saal. B-rgstr. 151/52, ein. Cö kann nur lewünscht werden, daß dem durch die neuesten preußischen Polizei- Gewaltakte gegen die Jugendabteilungeu w einen harten Kampf �«jtWingien Vereine die ungeteilte Sympathie der Arbeiter und Ar- beiterftauen zuteil wird. Karten zu der obigen Veranstaltung sind kostenlos bei den Mitgliedorn und ,m genannten Lokal zu haben. Lichtenberg. Am 9. und 19. April haben die Ersatzwahlen zur Stadt- verordneten-Versammlung für die acht zu unbesoldeten Stadt- räten gewählten Mitglieder der Versammlung stattgefunden. Von den 296 Wählern des 1. Bezirks der 2. Klasse, die drei der ihrigen in den Magistrat entsandt haben, beteiligten sich im ganzen 62 Wähler gegen 130 Wähler bei der Hauptwahl. Die Kandidaten „derer um die Vorschußbank" wurden ohne Widerspruch„gewählt"! Die Heren der 1. Klasse stellten fünf Stadträte. Von den 78 Wählern, die ebenso wie die 10 000 Wähler der 3. Klasse 16 Stadtverordnete zu stellen haben, fanden sich 35 zur Wahl von fünf Ersatzmännern im Ratskeller ein. Während vier der Kandi- daten mit 35 bezw. 34 Stimmen„gewählt" wurden, erhielt der fünfte nur 23 Stimmen. Mit diesem letzteren zieht nach langer Kunstpause wieder der Sänger eines schönen Liedes, das den Kommers des Grundbefitzervereins des Ostens einst verherrlichte, in die Stadtverwaltung ein. Nur eine Strophe dieses Liedchens finde hier Platz:„Es blühet unser Osten, Sind alle wir auf dem Posten. Herrlicher mit jedem Jahr. Mieter, die nicht Miete zahlen, Kommen in das schwarze Buch, Die, die viele Kinder haben,. Bringen wir schleunigst auf den Zug!"— Es ist die Stadtverwaltung nun vollzählig. Danach haben die 78 Wähler der 1. Klasse 16 Stadt verordnete und 5 Stadträte, die 1100 Wähler der 2. Klasse 16 Stadt verordnete und 3 Stadträte, also rund 12 Wähler 32 Stadtverordnete und 8 Stadträte, während rund 12 009 Wähler der 3. Klasse auch 16 Stadtverordnete(darunter 15 Sozialdemokraten) stellen durften Sollten das keine„aufreizenden" Zahlen sein? Obwohl der „bürgerliche Block" auch einen seiner Kandidaten in der 3. Klasse durckgebracht hat(fragt mich nur nicht wie?), hat derselbe die 3. Klasse vom„Magistrat" ferngehalten. Zum Vorsitzenden der Einkommenstcuer-Kommission sowie der Gewerbestcuer-Ausschüsse der Klassen III und lV der Kreise Nieder Barnim und Lichtenberg ist der Rcgierungsrat Hababitzki ernannt worden. Da die Ausschüsse zur Gewerbesteuer neu gebildet werden müssen, haben die Gewerbetreibenden des Kreises Lichtenberg alle Ursache, die Vorarbeiten sofort in die Hand zu nehmen. Zu den neuen Einrichtungen der Stadt gehört auch die städtische Sparkasse, die am 15. April im Rathause ihre Pforten öffnen wird. Da die Kasse entgegen den Kassen anderer Gemeinden den Zinsfuß auf 314 Proz. heraufgesetzt hat. Spareinlagen auch dann für den vollen Monat verzinsen will, wenn die Einzahlung in den ersten Tagen des Monats erfolgt, auch Rückzahlungen sehr er- leichtert werden sollen, richtet sich die Kasse auf einen größeren Zuspruch ein und garantiert schnelle Abfertigung. Der Ver- waltungSetat sieht in seinem Entwurf zunächst nur 2400 M. als Ausgabe vor. da die Beamten und Räume vorerst von der Stadt vorgehalten werden. Johannisthal. Zu einer Auseinandersetzung zwischen unseren Genossen und den Liberalen kam es in einer vom liberalen Verein von Köpenick nach dem„Ritterhaus" einberufenen Agitationsversammlung. Außer 60—70 unserer Genossen hatten sich etwa 15 Bürgerliche eingefunden, um sich ein Referat eines Herrn Lehrers Foth-Köpcnick über„Libe- ralismus und Reaktion" anzuhören. Unsere Genossen benutzten in der Diskussion die Gelegenheit, um das ganze reaktionäre Gebaren der Freisinnigen bei Beratung dcö Reichsvereinsgesetzes zu kenn- zeichnen. Der Referent, der sich übrigens als ein Anhänger„Barth scher Richtung" bezeichnete, brachte cS noch fertig, zu sagen, es ge schehe den Polen ganz recht, wenn ihnen die Anwendung der polnischen Sprache in Versammlungen nach den Bestimmungen des ß 7 des Gesetzes verboten wird. Diese Ausführungen entfesselten einen Entrüstungssturm bei den Versammelten. Der Rodner hatte damit bewiesen, daß er auch nicht im geringsten von freiheitlicher Anschauung durchdrungen war. Mit Hochrufen auf die Sozial- demokratie verliefen unsere Genossen am Schlüsse der Versammlung den Saal. Nieder-Schöuhaufen. Aus der Gemeindevertretung. Die geplante Untersuchung des gegenwärtig schlecht brennenden GascS durch den Chemiker Pro- fcssor Drehschmidt kann vorläufig nicht vorgenommen werden, weil derselbe augenblicklich zu sehr mit Arbeiten überlastet ist. Der Nach- trag zur Grundsteuerordnung ist dem KreiSausschuß zur Genehmi- gung eingereicht worden; derselbe hat auch keine Bedenken gegen die Erhöhung, doch wünscht er, daß daS Verhältnis der Belastung zwischen bebauten und unbebauten Grundstücken genau festgestellt werde. Es wunde beschlossen, den Satz in den Nachtrag einzufügen, daß für unbebaute Grundstücke ein 14 höherer Satz als für bebaute Grundstücke zu erheben ist. Die Terrainaitiengesellschaft hat eine Reihe von Straßen auS- gebaut; die Garantiezeit hierzu war am 1. Januar 1907 abgelaufen. Die Baukommission stellte den Antrag auf Uebernahme der Straßen, derselbe wurde angenommen. Zum Punkt Beschlußfassung über die Gültigkeit der am 11. und 12. März vorgenommenen Wahlen zur Gemeindevertretung beantragte Bürgermeister Abraham, die Wahlen für gültig zu erklaren, da Einsprüche nicht erhoben worden sind. Die Vertretung stimmte dem Antrage zu. Hierauf erfolgte nicht- öffentliche Sitzung. Zepernick. Eine sonderbare Ungültigkeitserklilrung. Bei der am 18. März dieses Jahres stattgefundenen Gemeindewahl wurde zum ersten Male ein Sozialdemokrat gewählt. Die? war den Dorfvätern äußerst unangenehm; man trachtete danach, dem unbequemen Ein- dringling den Eintritt in das Dorfparlament zu verwehren. Da Genosse Schultz mit 60 gegen 50 Stimmen gewählt war, alle Formalitäten erfüllt und keine Gründe gegen die Gültigkeit ge- funden wurden, kam man auf den rettenden Gedanken, welcher ranz Schultz ist gewählt. Franz Schultz Vater oder Franz Schultz iohn? Man hatte mit Bauernfchlauhcit die Ungültigkeit heraus- getüftelt und beschlossen:„Da bei der Wahl nicht er- -ichtlich, welcher Franz Schultz gewählt ist, wird die Wahl ur ungültig erklärt." Schultz hat bereit? vor zwei Jahren ändidiert, wurde am Tage der Wahl durch den amtlichen Protokoll- fllhrcr gefragt:„Wie schreiben sie ihren Namen?" Es war also kein Zweifel, wer gemeint war. Demzufolge kann auch setzt kein Zweifel bestehen, denn wenn man nicht weiß, welcher Schultzc ge. meint ist, hätte man beide Schultz von der Ungültigkeit ihrer Wahl benachrichtigen müssen; so aber hat man nur den zu Recht Gewählten von dem Beschluß in Kenntnis gefetzt und feiner Adresse ogar das Wort senior zugefügt. Klage ist bereits im Ver- waltungestreitverfahren erhoben. Glücklicherweise hatten die Arbeiter bereits eine Viertelstunde vor- her die Werkslätte verlassen, so daß kein Verlust an Menschenleben zu beklagen ist. Die Zensuren. Wie aus Bernburg berichtet wurde, haben sich gestern ein neunzehnjähriger Oberprimaner und ein zweiter Gymnasiast nach Ausstellung der Zensuren erschossen. Der Frühling! AuS Wien wird gemeldet: Tie winterliche Witterung hält an; eS schneit hier heftig. AuS Steiermark und dem Salzkammergut werden starke Schneestürme gemeldet. In Ungarn sind große Ueberschwemmuugen eingetreten. Ueberschwemmungen in Spanien. Wie aus San Sebastian berichtet wird, richteten in ganz Nordspanien Ueberlchwemmungen großen Schaden an. In den Provinzen Novara, Santander und Burgos find die Flüsse um zwei Meter gestiegen und führen zahl- reiche Viehleichen mit sich. Personen sind, soweit bisher bekannt. nicht ums Leben gekommen. Der Exprcßzug Madrid— Santander mußte infolge Dammbruches liegen bleiben. Der Verkehr ist vor- läufig unterbunden. Eine Grubenexplofio«. Räch einer Meldung aus London fand im Kohlenbergwerk von Morton Hill«ine Explosion statt, bei welcher zwei Bergleute getötet wurden. Etwa 10 Personen werden vermißt._ Oessentliche Bibliothek und Lesehalle»u unentgeltlicher Be- Nutzung sür jedermann, SW,, Zllexandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von 51/,— 10 Uhr abends, an Sonn« und Feiertagen von 9—1 und Z— 6 Uhr. In den Lelelälen liegen zurzeit SIS Zeitungen und Zcitlchristen jeder Art und Richtung auS.— Die Ausleih-Bibliothel ist bis aus weiteres geschlossen. Verband der Schneider und Schneiderinue». Die w der.Fach- zeitung sür Schneider" bekanntgegebene Versammlung findet umständehalber am Montag, den 13. April nicht statt. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter (E. H. 29, Hamburg), Filiale Berlins: Heute abend ftzS Uhr bei Heuselder, Dragoncrstr. IS. Verein der Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter«nd Arbeiterinnen Berlins und Umgegend. Abteilung 10: Heute abend 8 Uhr bei Wils, Schulstr. 73.— Abteilung 13: Heute abend in Obiglos Fest- sälen, Schtvedierstr. 23.— Abteilung Charlottenburg: Heute abend 8 Uhr im„VolkshauS", Rofinenftr. 3. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 12. April er., vormittags 8'/, Uhr, in der neuen Gemeindehalle, Pappel-Allee 15—17: Versammlung mit freireligiöser Vorlesung.— Sonntag, vormittags 10'/, Uhr. in der Schulaula, Kleine Franlsnrter Straße ö: Vortrag von Herrn Adolf Stern: .Hellas und Judäa m ihrer Bedeutung sür die Kulturgeschichte der Mensch- heil". Damen und Herreu als Gäste sehr willkommen. Vermischtes. Dampfer gestrandet. Nach einer Llohdmeldung au» Las Palmas >tzte dort der Dampfer„HanS Woermann" einen Teil der Mann- chaft des britischen Dav vfcrS„Star of Japan' ans Land, welcher in der Nähe der wcstafrikanischen Küste gestrandet ist. Der Kapitän mit dem Rest der Mannschaft blieb an Bord deS Sckisfcs, das als verloren betrachtet wird. llebersall ans einen Gclbbrieftriiger. Aus Halle wird vom gestrigen Tage gemeldet: Heute nachmittag 4 Uhr wurde in dem > klngange des Hauses Magdeburger Straße 40 auf einen Geldbricf» träger, der 4000 M. bei sich führte, von mehreren jungen Burschen ein räuberischer llcberfall verübt. Dem Beamten, der einen Schlag über Kopf und Arm erhielt, gelang cS jedoch, sich seiner Angreifer u erwehre», die mit Hülfe hcrzueilender Personen festgenommen wurden. Die Verletzungen des Beamte» sind unbedeutend. Eine Vulvcrmühle fliegt in die Luft! Die Pulvccmühle in Rüdersdorf ist, wie aus Graz berichtet wird, in die Luft geflogen. Berliner Marktvretle. Au» vem amtlichen Bericht der städtilcheu Karktballen-Direktion.(Großhandel) Ochsensteisch 1» 68—70 dr. 100 Psd., Da 62-67, lila 54-57, Bullenfleisch la 63—68. Na 52-62. Kühe, seit 46—56, do. mager 34— 12, Fresser 48—56, Bullen, dänische 40—6'. Kalbfleisch, Doppellender 105—125, Maftkälber la 87—95, lla 76—85, Kälber ger. gen. 53—63, do. Holl. 50—55. Hammelfieiich Mast- lämmer 71—74, Hammel la 65—67. Na 57—62. ungar. 0.00, Scheie 42—53. Schweinefieisch 52—58. Rotwild, per Psd. 0,00, �Witd» schwewe, per Psd. 0,00. Kaninchen, Stück 0,60—0,90. schrie.» Hühner, Stck. 0,75— 0,90. Birkhähne, Sick 0.00. Birkhennen, Stck. 0,00. Schnepfen, la Stück 3—3,50. do. IIa 2—2,50. Fasan enhähne, junge, Ltck. 0,00, do. alle 0,00. Hübner, la per Stück 1,50 bis 3,00, dito Na Stück 0,60-1.40, dito Wolga-. Stück l.80-1.90. Ham« burger Küken, Stück 1,30, Poulels 0.00. Kapaunen, deutsche, per Stück 0,00. Taube», junge, Stück 0,50—0,70, dito alte 0,15, dito italienische 0,00. Enten, per Pfund 0,00, dito per Stück 2 bis 3,25. dito Hamburger, per Stück 3,00— 4.75. Gäule, gefroren, per Psd. 0,00. do. russische 0,35—0,45. do. junge Hamburger 0,88—1,15. Puten la per Psd. 0,80, do. IIa. mid alle 0,00. Hechte per 100 Psd. 84—94, do. mittel 0,00, do. groß 0,00, do. grotz-millek 105, do. matt 0,00. Zander, mittel, matt 140, do. groß 0,00, do. grotz- mittel 0.00. Schleie, gross 121. do. uns. IIa 100-118, dito Nein Na O.OO. Haie, Dein 60—80, do. mittel 113—126, do. gross 119—133. Karpfen 30— 35er 0,00, do. 40er 0,00, do. 50— 60er 0,00, do. 50er Laufitzer 0,00, do. 70er 0,00. Roddow 0,00. Btötzen 34— 42, dito gross 60. Aland 46—58. Quappen, klein 0,00. Bei» 0,00. Bmite Fische, klein 0,00, do. 0,00. Barfe, gr. 78, do. llcin 0,00. Bleie, klein 0,00. Bleifische 0,00. Karauschen 0,00. Winter-RheinlachS, p. 100 Pjd. 0,00, Amerika». Lachs la, p. 100 Psund 110—130, do. Na 90—100. Seelachs, p. 100 Psund 20—25. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6, do. mittel, Kitte 0,00, do. Hamb. Stiege 3—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la schock 1—1,75, Na 0,00. Bücklinge. Kieler per Wall 0.00, Ichwebische 0,00, englische 0,00, Stralsunder 3—3,50. Sprotten, Danzigcr, Kiste 0,40, do. Rügeuwalder, Kiste 0,00. Aale, grog per Psv. 1,10 do. mittclgross 0,80— 1,10, Nein 0,80—0,80. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellfische, Kitte 6,00-6,00, dito?/, Kiste 2,50. Sardellen. 1902 et ver Anker 93, l 904er 98, 1905er 98, l 906er 85— 90. Schotttlche Bollherinze 1905 0.00, large 40-44. knU. 38—10, med. 36-42. deutsche 30—40. Heringe, neue Matje», ver'/, To. 0,00. Sardinen, russ., Fass 1,50—1,60. Bralberinge Fass 1,20—1.40, do. Büchse(4 Liter) 1,40-1.70. Neunaugen. Schocksass 8. do. kleine 4—5, do. Rlelen. 10. Krebse per Schock. 0,00, grosse 0.00, do. mittelgrosse 0,00, dito kleine 10—11 em 5— 7 do. unsortiert 0,00, Galizier, klein 2.60. Seemuscheln 100 St 1,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,20—3,35, do. groge 3,40— 4,00. Butter per 100 Psd. la 119—121. Na 118-120, INa 110—116, abiallende 105-110. Saure Gurken Schock 4,50— 5 Psetsergnrken Schock 4,50— 5. Kartoffeln per 100 Pfund Dabersche 3,00—3,25, weisse runde 2,50—3,00. mag. bcm. 2,75—3,25. Porree, per Schock 1,00—1,50. Meerrettich. Schock 8—14. Spinal per 100 Psund 8—15. Sellerie, per Schock 6—16, do. pomm. 0,00. Zwiebeln per 100 Psd. 4,00—5,00. Peterstiie, grün. Schockbund 1.00—1.50. Rettich, bavrsscher, per Stück 0,03—0,12, junger,• per Stück 0,25. Mohrrüben, 100 Psund 3,00—3,50. Karotten, per 100 Psund 12—25. Wirsingkohl, Holl. o. Schock 18—22. Rotlohl, Schock 15—17. Aeisskohl p. 100 Pjd. 5—7. Blumenkohl, hiesiger 100 stück 0,00, do. Erfurter 0,00, do. itaiienilcher 100 Stück 35—50, do. in Körben 13 Stück 3,50—4,50. Ziosentohl, stanz., per 100 Psund 40. Grünkohl 0,00. Kohlrüben. Schock 2,1)0—4,00. Petersilienwurzelli, 100 Psd. 1,50—5,00, Schockbund 5,00—6,00. Schnittlauch, Schockbund 1,00, Tomaten, kanarische, per Kiste 1,25- 3,00, Rote Rüben, ver 100 Psund 7,00— 8,00. Rhabarber 100 Bund 6—10. Rabunzen 15 bis 20, Rübchen 0,00. Eskarol. 100 Stck. 0,00. Endivieu, 100 Stck. 0,00. Radleichen. Schock 2,30-2,75. Waldmeister. Mandel t»— 1.35. Morcheln 3,50—1,00. Sprosskohl. 100 Psd. 18-20. Birnen. Kochbirne» hiesige, per 100 Psd. 8-10,00, Taselbirnen la 14-32. do. IIa 6-17, Lialiencr la 25-28, do. IIa 13—20. Aepsel. ver 100 Psund. Tiroler la 20-28, do. IIa 22, do. lose, per 100 Psund 0.00. do. In Kiste» 120 Psd. 30-50, Most., hies., 100 Pjd. 3-12. Koch- 5-14. Tasel- äpsel la 15—23. do. lla 8-16. Amerikaner, per Fass 21—35. Italiener, lose, 100 Pjd. 8—18, do. in Körben per 100 Psd. 10—16, do. in Kisten 10—25. 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