Nr. 89. Abonnements- Bedingungen: • bonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 mt., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags. summer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Post- Beitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 80 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf. stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. in Dienstag, den 14. April 1908.. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Mr. 1984. einzelnen der Konfektionswerkstätten bis tief in gefährlichen Pläne mißbrauchen, wollen eben nicht lernen. Ihnen die Nacht hinein, beschäftigt. In 6 Fällen wurde ist die Gewerbeinspektion genau so ein Dorn im Auge wie Die preußische Gewerbeinfpektion. trafantrag gestellt, in dem siebenten wurde hiervon die Organisationen der Arbeiter es find. Daher ihr Widerabgesehen, da der Unternehmer die Regelung der Arbeitszeit stand gegen einen weiteren Ausbau der Gewerbeaufsicht, vor Die soeben erschienenen Jahresberichte der preußischen seinem Meister überlassen hatte und dieser bei Feststellung des allem gegen die Hinzuziehung von Arbeitern, ein Widerstand, Regierungs- und Gewerberäte für 1907 bieten im großen Vergehens aus seiner Stellung entlassen war. Die An- der wohl nicht eher gebrochen wird, als bis das Dreiganzen dasselbe Bild wie die für die voraufgegangenen Jahre. geklagten wurden zu Geldstrafen von sage und schreibetlassenwahlsystem zertrümmert am Boden Zwar bemühen sich die Beamten im allgemeinen, ihrer Auf- durchschnittlich zehn Mart verurteilt. Im Bezirk Frank- liegt. Das Dreitlassenwahlsystem, das ärgste gabe gerecht zu werden, aber sie haben dabei fortgesezt mit furt a. D. wurde der Meister einer Ziegelei, der einen Hindernis gegen die tulturelle Entwickelung Schwierigkeiten zu kämpfen, Schwierigkeiten, über die Jahr elfjährigen Knaben beschäftigt hatte, mit Preußens, steht auch der sozialen Ausgestal. aus Jahr ein geklagt wird, an deren Beseitigung aber unter drei Mark bestraft, in erster Instanz war er sogar tung des Instituts der Gewerbeinspettion der Herrschaft des Dreiklassenwahlsysteins nicht zu denken ist. freigesprochen worden. Die gleiche horrende Strafe traf Be- hindernd im Wege. Noch immer ist die Zahl der Beamten völlig un- fizer und Meister einer zweiten Ziegelei, die einen Knaben zureichend, ihre Befugnisse sind viel zu gering, unter 14 Jahren täglich 10 Stunden und zwei Arbeiterinnen das Verständnis, das die Unternehmer der Gewerbeaufsicht täglich 112 Stunden beschäftigt hatten. Ein anderer\ entgegenbringen, läßt vielfach alles zu wünschen übrig, ja oft Ziegeleibefizer hatte trok Verwarnungen des Gewerbegenug scheitert die Durchführung der zum Schuße von Leben inspektors geduldet, daß schulpflichtige Kinder während der Jm„ Vorwärts"-Verlag erscheint dieser Tage eine neubearbeitete und Gesundheit der Arbeiter erlassenen Geseze und Verord- schulfreien Zeit seinen im Stücklohn beschäftigten Arbeitern Hülfe und vielfach erweiterte Auflage des Handbuches für sozial. nungen an der Profitwut der Unternehmer, die leisteten. Resultat: In erster Instanz Freispruch, in zweiter bemokratische Landtagswähler", das Genoffe Hirsch den Arbeiter einzig und allein als Ausbeutungsobjekt be- Instanz schwebt das Verfahren noch! Als der Gewerbeinspektor unter Mitwirkung einer Anzahl von Parteigenossen herausgegeben hat. trachten. in Guben zufällig nachts bei einer Tuchfabrik vorbeikam, Das nahezu 600 Seiten umfassende Handbuch enthält eine Fülle von von Munition für den Wahlkampf. " Besonders zahlreich sind die Verstöße gegen das wurde aus dieser gerade eine Anzahl Arbeiterinnen, darunter Material für den Wahlkampf. Kinderschutzgesez. Der Beamte für den Regierungs- drei jugendliche, entlassen. Die Feststellungen führten zur Ein- Wir entnehmen der trefflichen Agitationsschrift, deren Studium bezirt Oppeln z. B. Klagt darüber, daß das Verbot der leitung des Strafverfahrens. Selbstverständlich waren nur dies wir allen im Wahlkampfe agitatorisch tätigen Genoffen nur aufs Beschäftigung von Schultfindern auf Bauten eine Mal einer dringenden Veranlassung wegen die Arbeite- wärmste empfehlen können, einige Tatsachen über den Eifer", mit noch nicht überall gebührend beachtet wird. Ein Bauunter- rinnen so lange zurückbehalten, und ebenso hatte der Fabrik- dem die bürgerlichen Parteien in der Vergangenheit für nehmer mußte bestraft werden, weil er außer anderen schul- befizer feine Ahnung von dem, was in seiner Fabrik vorging; die Beseitigung des elendesten aller Wahlsysteme eingetreten find. pflichtigen Kindern einen erst neunjährigen Knaben lediglich aus Uebereifer hatte ein Angestellter die längere BeIm Jahre 1878 war es das Zentrum, das unter Führung mit dem Heranholen von Mörtel Steinen und Wasser beim schäftigung veranlaßt. Dieser übereifrige junge Mann tam mit indthorsts die Anpassung des Landtagswahlrechts an das Bau beschäftigt hatte. Viele Bäder wurden bestraft, weil sie einer Geldstrafe von 20 M. davon, der ahnungslose Besizer ging Reichstagswahlrecht beantragte. Dieser Antrag wurde abgelehnt, trotz aller Verwarnung durch schlpflichtige Kinder in früher gänzlich frei aus. Berufung einzulegen war dem Ge- trobem in jener Seffion das Abgeordnetenhaus eineswegs Es zählte nämlich neben Morgenstunde Backwaren austragen ließen. Das Verbot werbeinspektor nicht möglich, da er von dem Ausgange des fonfervativ zusammengesezt war. wurde jedoch öfter dadurch umgangen, daß jetzt die Eltern Verfahrens erst Kenntnis erhielt, als das Urteil rechtsfräftig 6 Konservativen, 24 Neufonservativen, 35 Freifonservativen, 3 Verder kleinen Backwarenausträger die Ware vom Bäcker geworden war auch ein Zeichen für die Wertschätzung, die tretern des liberalen Zentrums, 174 Nationalliberale, kauften, sich als Händler aufspielten und dann ihre die Gewerbeinspektionsbeamten bei manchen Drganen der 68 Fortschrittler, 88 Sentrumsabgeordnete und 18 Polen. Aber nicht nur Schwerer war das Ware weiter durch ihre Kinder austragen ließen. die Nationalliberalen Bei preußischen Justizbehörden besitzen. der Leichtigkeit des Abschlusses den Antrag zu Fall, Scheinverkäufen Geschick, das den Besitzer einer Ziegelei in Pommern, einen brachten Fall, sondern auch waschechte ชน ist hier der Umgehung des Gesetzes Tür und Tor Amtsvorsteher, und seinen Betriebsleiter traf, die Arbeiterinnen Fortschrittler trugen dazu bei, ihn sang- und flanglos in geöffnet. Ueberhaupt bietet, wie der Gewerbeinspettor für gese widrig ohne Genehmigung länger als 11 Stunden der Versenkung verschwinden zu lassen. Das Haus beschloß nämlich Oppeln hervorhebt, die Durchführung der Vorschriften über täglich beschäftigt hatten; sie wurden gerichtlich mit je 10 m. nicht einmal eine Rommissionsberatung, sondern die Beschäftigung eigener" Kinder die größten Schwierig. Geldstrafe belegt. Und da wage noch einer zu behaupten, vertagte" den Antrag auf sechs Monate, das heißt auf den Sankt feiten. Die nur zu oft in den dürftigsten Verhältnissen daß die Arbeiter in Preußen nicht genügend geschützt sind! Nimmerleinstag! Für die Vertagung, die mit 271 gegen 94 Stimmen lebenden Eltern vermögen noch immer nicht einzusehen, daß Interessant sind die Mitteilungen der Beamten über beschlossen wurde, stimmten auch die Fortschrittler Dr. Hänel, sie über die Arbeitstraft ihrer Kinder nicht mehr ebenso ver- den Alkoholgenuß in den Betrieben. Je weiter wir irchmann, Klop, Dr. Mommsen, Parisius, Eugen fügen dürfen, wie einst über ihre eigene verfügt wurde. Am uns vom Osten nach dem Westen entfernen, desto mehr Richter und Ridert. traurigsten sieht es bezüglich der Kinderbeschäftigung noch nehmen die Klagen über den Alkoholismus ab, die beste BeNach dieser glänzenden Aktion zugunsten des allgemeinen gleichen immer bei der Weberbevölkerung von Ratscher, stätigung für die Richtigkeit unserer Anschauung, daß die Wahlrechts trat eine lange, lange Pause ein. Das Zentrum Leobschütz und Umgegend aus. Wenn dort auch eine Hebung der Lage der Arbeiterklasse in Verbindung mit der rührte mehrere Jahrzehntelang feinen Finger gegen das fleine Besserung im Vergleich mit den Vorjahren eingetreten von der Partei und den Gewerkschaften betriebenen Auf- Dreillaffenwahlrecht. Auch der Freifinn ließ sich sehr die Zeit. Endist, so waren doch nach den Angaben der Streisschulinspektionen flärungsarbeit das wichtigste Mittel gegen den Alkoholteufel lich, zehn resp. dreizehn Jahre später, beantragte der demokratische noch häufig eigene" Kinder von weniger als zehn ist. In vielen Betrieben hängt der Alkoholgenuß mit der Abgeordnete Dr. Stern 1883 und 1886 mit Unterstützung der Jahren, vereinzelt fogar solche von 6 Jahren, mit Ruten- Eigenart des Betriebes selbst zusammen, die Leute müssen Fortschrittspartei zwar nicht die Einführung des Reichstagsstecken und Chenillewickeln bei der Teppich, Plüsch- und trinken, weil sie in heißen Räumen oder bei starker Staub- wahlrechts, sondern den Ersatz der öffentlichen Strimmerherstellung tätig. Die Armut der Weberbevölkerung entwickelung arbeiten. So anerkennenswert auch die Be- Stimmabgabe durch die geheime. Diese Anträge wurden veranlaßte, daß ihr gegenüber von Strafanträgen noch ab- ftrebungen mancher Arbeitgeber sind, ihren Arbeitern Ersatz- mit großer Majorität abgelehnt. Das gleiche gesehen und der Weg gütlicher Einwirkung weiter beschritten getränke für den Alkohol zur Verfügung zu stellen, so fehlt Schidsal widerfuhr den bon 1890 ab verschiedentlich wurde. Diese Behandlung ergab sich auch aus der auf- es doch auch nicht an Beispielen, daß die Unternehmer oder von den freisinnigen Parteien eingebrachten Anträgen auf fallenden Wahrnehmung, daß in jener Gegend die an der die Meister direkt den Schnapskonsum fördern, weil Neueinteilung der Landtagswahlkreise. Mit es wie mit dem gleichen Anösterreichischen Grenze Wohnenden ihre Kinder nach sie Inhaber einer Kantine sind. Solche Fälle diefen Anträgen ging Desterreich in die Arbeit schickten. Während der werden u. a. aus vielen Ziegeleien im Bezirk Potsdam mitgeteilt. trag am 10. Januar d. J.: die Nationalliberalen Schulferien wurden aus cinem einzigen Grenzdorfe Die Einkünfte aus der Kantine bilden meist einen erheblichen stimmten dafür, während das an der Benachteiligung der Städte 15 Kinder, darunter sechs noch nicht zwölf- Teil des Gehalts der Ziegelmeister, der den an barem Gelde und Juduſtriezentren intereffierte Zentrum gemeinsam mit den jährige, in einer österreichischen Stadt von häufig beträchtlich übersteigt. Es liegt in der Natur der Sache, Konservativen diese Anträge niederstimmte! früh bis abends als Handlanger auf Neu- daß in solchem Falle der Ziegelmeister auf den Alkohol- Dann kam es im Jahre 1904 noch einmal zu einer großen bauten beschäftigt. Ob wohl auch für diesen Teil des verbrauch insofern einen wesentlichen Einfluß ausübt, als die Wahlrechtsaktion". Zu einer Aftion allerdings, die Dr. Barth in preußischen Volkes die Kompottschüssel voll ist? Arbeiter wissen, daß derjenige, der viel trinkt und dadurch der Nation" als eine faft und kraftlose Aktion" " Auch aus dem Regierungsbezirk Röslin wird über seinem Meister zu verdienen gibt, feine Sorge um guten und bezeichnete. Bezeichnend für den Freifinn ist es, daß er die cine starte Beschäftigung von Schulkindern berichtet. Etwa sicheren Verdienst zu haben braucht. Die Gesetzgebung ber- bon ben Nationalliberalen ausgehende Aftion unterstützte, obwohl 15 schulpflichtige Kinder wurden auf einem zu einer Torfstreu- sagt da völlig, das einzige Mittel besteht nach Ansicht des die aufgestellten Forderungen nicht einmal das Bostulat der fabrik gehörenden Torfmoore bei dem Sammeln trockener Torf- Beamten, der mit Recht die Unternehmer oder Meister für geheimen Wahl einschloß eine Forderung, wofür auch das steine angetroffen. Von der Stellung eines Strafantrags derartige Mißstände verantwortlich macht, darin, daß den 8entrum zu haben gewesen wäre- sondern nur das Verlangen wurde jedoch Abstand genommen, weil es zweifel- Meistern oder ihren Angehörigen keine Schnapstonzession mehr nach einer anderen Wahlkreiseinteilung und einer Erhaft war, ob das Torfmoor überhaupt als Teil der gewerb gegeben wird. leichterung zur Abwickelung des Wahlgeschäfts enthielten. Mit Recht lichen Torfstrenfabrit oder als landwirtschaftlicher Nebenbetrieb Schließlich noch ein Wort über den Verkehr zwischen bemerkt das Handbuch zu diesem Verzicht auf jedes liberale anzusehen ist. Der Betriebsleiter hat die sofortige Einstellung den Gewerbeinspettoren und den Arbeiter Prinzip: Daß die beiden freisinnigen Parteien diesen An der Kinderbeschäftigung angeordnet. Gegen die Besitzer einer organisationen. Fast alle Berichte erkennen, wenn trag.... unterschrieben haben, wirft auf ihre wahlZiegelei wurde wegen ungefegmäßiger Kinderbeschäftigung das auch nicht immer mit direkten Worten, den großen Nugen der reformerischen Bestrebungen ein grelles Licht. Man gerichtliche Strafverfahren eingeleitet, aber bon der gewerkschaftlichen Organisationen an. So der Bericht für muß sich angesichts dieser Tatsache fragen, ob es den Freifinnigen mit Staatsanwaltschaft wieder eingestellt, weil Stönigsberg und Allenstein, der rühmend die Bestrebungen des ihren Forderungen auf Einführung des allgemeinen gleichen direkten die Kinder nur gelegentlich ohne Auftrag turze Zeit der Arbeiterfekretariats in Königsberg auf Aufklärung der Arbeiter und geheimen Landtagswahlrechts überhaupt ernft ift." Mutter bei der Arbeit geholfen hatten. In einer anderen und auf Verwendung zugunsten von Lehrlingen hervorhebt, Nach den Erfahrungen der letzten Jahre, namentlich den Ziegelei war ein schulpflichtiger Knabe aus freien Willen(?) und ebenso der Bericht aus Berlin, der der Form der von den Früchten der Blodpolitit, haben sich diese 8 weifel an Turze Zeit für die an der Arbeit verhinderte ältere Schwester Organisationen und der Gewerkschaftskommission ausgehenden dem ehrlichen Eintreten des Freisinns für seine angeblichen cingesprungen. Beschwerdeschriften besondere Anerkennung zollt und auch fachlich Prinzipien für alle politisch Urteilsfähigen zur Gewißheit verDiese wenigen Beispiele, die sich bis ins unendliche ber- die Berechtigung des größten Teils der Beschwerden zugibt. dichtet! mehren ließen, beweisen deutlich, wie mäßig der Kinderschutz Es ist ja nicht das erste Mal, daß die Gewerbeaufsichtsbeamten, im Grunde genommen noch ist und welchen schweren Fehler die in engem Verkehr mit den Arbeiterorganisationen stehen ,, der Reichstag durch Ablehnung der sozialdemokratischen An- deren im Interesse der Kultur gelegene Arbeit ohne Vorträge begangen hat, die das Gesetz zu einer wirksamen Waffe eingenommenheit beurteilen. im Kampfe gegen die Ausbeutung der kindlichen Arbeitskraft Vielleicht erkundigen sich unsere Scharfmacher einmal bei gestalten wollten. den Fabrikinspektoren nach dem Wert und der Bedeutung der Dem ,, einigen" Liberalismus ins Stammbuch. Nachstehendes Zorneslied ließ die eiserne Lerche", Aber auch gegen die Ausbeutung der Arbeits- Arbeiterorganisationen, sie würden dann wohl eine Auskunft Georg Herwegh, ber jetzt 37 Jahren erklingen, als das fraft Erwachsener wird mit Strafen vorgegangen, die erhalten, die diese Gebilde denn doch in einem etwas deutsche Bürgertum im Siegestaumel von 1871 vor dem noch) so niedrig sind, daß sie eine Prämie für die Uebertretung des gerechteren Lichte erscheinen läßt. Freilich wagen wir nicht furz vorher von ihm gehaßten Bismarck in die Knie sant. Gesetzes darstellen. So wurden im Regierungsbezirk zu hoffen, daß sie unserem Rate folgen werden. Die Herwegh sah mit scharfem Blick, um welchen Preis diese EinPotsdam in 7 Anlagen, darunter 4 Konfektionswerkstätten, Scharfmacher, die besonders im preußischen Landtage ihr heit des Reichs erkauft war. Höhnend rief er in seinem Liede: Arbeiterinnen über die gefeßlich die gesetzlich zulässige Zeit hinaus, Szepter schwingen und dies Parlament für ihre gemeiu- Den Siegestrunkenen" zu: »Ihr habt ein neues deutsches Reich Bon Junker Händen aufgerichtet.. Und Wohin diese Einheit führen würde, kündete er voll Ingrimm: Ihr wähnt Euch einig, weil die Pest Der Knechtschaft sich verallgemeinert, Weil täglich noch der kleine Rest Lebendiger Seelen sich verkleinert? Ihr wähnt Euch einig, weil Ein Mann Darf über Krieg und frieden schalten Und zur Schlachtbank führen kann Mit der Parol': das Maul gehalten l Ach, Einheit ist ein leerer Schall, Wenn sie nicht Einheit ist im Guten, Wenn ihr korinthisches Metall Uns mahnt an Mord und Städtegluten! Ach, Einheit ist ein tönend Erz, Wenn sie nur pochend auf Kanonen Zu reden weist an unser Herz— Und klingt es anders von den Thronen?-» Einheit des Rechtes ist kein Schild. Der uns bewahrt vor Unterdrückung; Nur wo als Recht daS Rechte gilt, Wird sie zum Segen, zur Beglückung. Rur diese war's, die wir erstrebt. Die Einheit, die man auf den Namen Der Freiheit aus der Taufe hebt; Doch Eure stammt vom Teufel: Amen! Der Dichter hat recht behalten— der dreieinige Block. Junker. Nationalliberale und Freisinn, hat beim Vereinsgcsetz bewiesen, daß er einander wert ist; seine Einheit ist auf den Namen des Teufels Reaktion aus der Taufe gehoben!— Auf nillilcher Stufe! Lemberg, 12. April. Heute nachmittag gab ein Mann auf den Statthalter Grafen P o t o ck i, während er Audienzen erteilte, drei Revoloerschüsse ab, durch die der Statthalter tödlich verletzt wurde. Um 3 Uhr 15 Min. ist jGraf Potocki gestorben. Der Täter, der verhaftet wurde, ist ein ruthenischer Student namens Miroslaw Siezinski. Er ist Hörer der Philosophie im dritte» Jahrgang an der Lemberger Universität. Die schamlose Wirtschaft der polnischen Junkerschast hat Galizien nun völlig ans das Niveau des verrotteten Zaren- reichs heruntergebracht. Den Bestialitäten der Schlachtascheraen antwortet der politische Mord, Junkerblut für Bauernblut 1 Die Unterdrückung der Ruthenen durch die in Galizien herrschenden Polen ist derselbe europäische Skandal, wie die Polenunterdrückungspolitik Preußens. Gemäß den halb- astatischen Lebensformen des Landes, das die Wiener Zentralregierung den polnischen Herren vorbehaltlos überliefert hat, nimmt der Kamps zivischcn der unterdrückenden und der unterdrückten Nation Formen an, die an die Nationali- tätenkämpfe erinnern, wie sie die mazedonischen Banden führen. In eigentümlicher Weise führten die polnischen Be- Hörden die Wahlen, häufen sie Ungesetzlichkeit auf Ungesetzlich- keit, eine freche Verhöhnung des Rechts auf die andere. Dia Akten des Wiener Parlaments enthalten dokumentarische Nachweisungen von Wahlpraktiken, die an Unverschämtheit alle Phantasie weit hinter sich lassen. Und wenn sich die Be- trogenen, die brutal Vergewaltigten zu gewaltsamem Protest hinreißen ließen, so war das den polnischen Gendarmen nur ein willkommener Anlaß. Nuthenenblut zu vergießen. Die Geschichte der polnischen Reichsrats- und Landtagswahlen ist mit Bauernblut, mit Nuthenenblut geschrieben. Und schließ- lich mordeten die polnischen Schergen, auch wenn sich die infam Provozierten nicht zu gewaltsanwr Auflehnung treiben ließen. Der Attentäter hat die skandalösen Vergewaltigungen der Ruthenen bei den letzten Reichsrats- und Landtagswahlen als die Veranlassung zu seiner Tat bezeichnet und im be- sonderen das Verbrechen von Kropetz genannt, das er zu rächen hatte. In diesem Orte wurde am 4. Februar während der Wahlkampagne der ruthenische Bauer Marko Kahanetz, Mitglied des erweiterten ruthenischen Nationalrates, von zwei Gendarmen durch Bajonetlstiche getötet. Seine ganze Schuld bestand darin, daß er gegen die Fälschung der Wähler- listen protestiert und am Vortage seines Todes ein Tele- gramm wegen der gefälschten Wählerlisten an den Bezirks- Hauptmann abgeschickt hatte. Am 4. Februar wurde Kahanetz auf dem Wege zur Gemeindekanzlei von Gendarmen ver- haftet und am hellichten Tage in Anwesenheit einer großen Menschenmenge und im Angesichte seines Bruders und seiner Frau, ohne daß er sich sonst etwas hätte zuschulden kommen lassen, von den Wächtern der öffentlichen Sicherheit einfach umgebracht. Siezinski wußte, daß es für diesen feigen Mord vor den galizischen Richtern keine Sühne geben werde. Die Justiz der Schlachta entspricht ihrer Verwaltung. Und von Wien ist nichts zu hoffen. Hatte doch der Statthalter gerade erst bei den letzten Wahlen alle Verfügungen der Zentralregierung einfach unbeachtet gelassen und Recht und Gesetz von seinen Kreaturen mit Füßen treten lassen wie ein trunkener asiatischer Despot. Kein Wunder, wenn die Ruthenen an der Möglichkeit, auf gesetzlichem Wege Besserung zu erreichen, ver- zweifelten, wenn besonders erregbaren Gemütern der Fana- tiSmus des politischen Märtyrers sich entzündete. Daß dieser Fanatismus ganze Familien ergreift, daß eine Mutter sich rühmt, ihrem Sohn die Mordwaffe in die Hand gedrückt zu haben, daß eine Schar von Landsleuten dem Attentäter eine stürmische Huldigung bringt! Wild schäumen die Wogen des nationalen Hasses auf' Polnische Studenten beschließen, die ruthenischen von der Universität zu verjagen! Die nächsten Tage können noch furchtbare Ausbrüche des Nationalitätenhaders bringen. Das Blut kommt aufs Haupt der polnischen Junker. Die Nachrichten lauten: Lemberg, 12. April. Bei seiner polizeilichen Vernehmung er- klärte der Student Siezinski, der den Anschlag auf den Statthalter verübt hat, daß er keine Mitschuldigen habe. Er hätte die Tat nicht aus persönlicher Feindschaft, sondern ans rein politischen Motiven in der Absicht begangen, den Statthalter aus dem Wege zu schaffen. Siezinski, der schon vor mehreren Jahren wegen Teil- nähme an Ausschreitungen ruthenischer Studenten verurteilt worden war, galt in nationalruthenischen Kreisen als seht eifriger Agitator. Lemberg, 12. April. Der Student Siezinski hat bei seinem Verhör weiter angegeben, er habe sich infolge der letzten galizischen Wahlen, insbesonoere infolge der blutigen Vorfälle im Bezirk von Buzek zu der Tat entschlossen, weil die schuldigen Organe nicht be- straft worden seien. Lemberg, 12. April. Auch die Mutter des Studenten SiczinSki ist verhaftet worden. Lemberg, 13. April. Außer der Mutter des Attentäters Siezinski wurden nunmehr auch seine beiden Schwestern verhastet. Außerdem hat die Polizei bei Personen, welche mit dem Attentäter engeren Verkehr hatten, sowie bei zahlreichen ruthenischen Stu- denten Herussuchnngen vorgenommen, die aber resultatlos verlaufen sind. Wie von. einer dem ermordeten Grafen Potocki nahestehenden Seite versichert wird, hat der Graf in der letzten Zeit wiederholt seinen Bcsorgnisten über ein Uebergreifen gefährlicher Bewegungen aus Rußland nach Galizien Ausdruck gegeben. In polnischen Kreisen hegt man die Befürchtung, daß noch weitere Attentate gegen hochgestellte polnische Amtspersonen seitens der Ruthenen erfolgen werden, da die letzteren über den Ausfall der letzten Land- tagswahlen erbittert sind. Aus anderen Meldungen stellen wir die folgenden Ein- zelheiten zusammen:. Der Attentäter erklärte, er habe die Tat bei vollkommenem Bewußtsein begangen und in der Ueberzeugung, daß der Tod des Statthalters dem bisherigen System ein Ende bereiten werde. Er bereue die Tat durchaus nicht; so werde es jedem Feinde des ruthe- nischen Volkes ergehen, der es an seiner kulturellen Entwickelung hemmen wolle. Die Mutter des Mörders, die ihren ständigen Wohnsitz in Lemberg hat, wurde aus dem Grunde verhaftet, weil sie die Tat ihres Sohnes gelobt hat. Beim Verhöre gab sie an, daß sie ihn zum Morde angestiftet habe, was er selbst aber entschieden in Abrede stellt, indem er erklärt, daß er ganz selbständig, ohne Milwisser und ohne jede Beeinflussung durch andere Personen gehandelt habe. Als Siezinski von der Polizei in das Landesgericht geführt wurde, fanden sich vor dem Eingange etwa SU ruthenische Studenten ein und bereiteten ihm, als er dem Wagen entstieg, eine stürmische Huldigung. Auf die Nachricht von dem Attentate versammelten sich vor dem Mickiewiez-Dcnkmal etwa 8 00 polnische Akademiker zu einer Trauerkundgebung für den Statthalter. Es wurden Reden gehalten, in denen Graf Potocki als Märtyrer des polnischen Volkes gefeiert wurde. In leidenschaft- lichen Worten brandmarkten die Redner die Mordtat und forderten zur Boykottier ung der ruthenischen Studenten auf. Es wurde die Parole ausgegeben, den ruthenischen Studenten den Eintritt in die Universität zu verwehren und die Abhaltung von Vorlesungen in ruthenischer Sprache zu verhindern. Nach diesen Ansprachen zogen die polnischen Studenten vor das ruthenische Akademiker- haus, wo unter stürmischen Schmäbrusen alle Fenster- scheiden eingeworfen wurden. Die Kombenexplosion auf dem llnlou Square. New Jork, 2. April.(Eig. Ber.) Die Bombenexplosion bei der vorgestrigen Arbeitslosen- demonstration auf dem Union Square in New Aork, worüber der Telegraph bereits berichtet hat, gibt der kapitalistischen Presse willkommenen Anlaß zu einer frisch-fröhlichen Hetze gegen Anarchisten und Sozialisten, zwischen denen das Preß- gesindel nach berühmten Mustern keinen Unterschied macht. Allzugerne hätte man den Sozialisten, die in letzter Zeit allenthalben eine rührige und erfolgreiche Propaganda entfalteten, den angeblichen Bombenwerfer Selig Cohen genannt Silberstein an' die Rockschöße gehängt. Aber selbst die Polizei muß jetzt bekennen, daß ihre anfänglichen Ausstreuungen. als ob es sich bei dem Bombenwurf um ein von den„Reds" sden Roten) geschmiedetes Komplott gehandelt habe, voll- ständig haltlos ist. Auch die andere Sensation, der zufolge in Silbersteins Wohnung Briefe anarchistischer und sozia- listischer Führer mit der Aufforderung zu Attentaten gegen die Polizei gefunden worden sind, ist elend verpufft; die Briefe entpuppten sich als harmlose Zirkulare in yiddischem Jargon. So bleibt denn der Preßmeute nur der Knochen der verlogenen Phrase von den„intellektuellen Urhebern des Attentats", den Sozialisten. Und doch hätte die kapitalistische Presse gerade im vor- liegenden Falle alle Ursache, den Mund weniger voll zu nehmen. Wer waren denn die eigentlichen Schuldigen? Die Antwort auf diese Frage geben die Vorgänge vor und während der Demonstration. Die Arbeitslosenkonferenz von New Jork, eine von Sozialisten ins Leben gerufene Körper- schaft von den Gewerkschaftsvertretern, hatte anfangs März einen Arbeitslosenumzug geplant, um die allgemeine Auf- merksamkeit auf das furchtbare Elend zu lenken.(In New Jork sind über Lvv lXKI Arbeiter beschäftigungslos.) Nachträglich wurde von der Ausführung dieser Idee Abstand ge- nommen und beschlossen, am 28. März auf dem Union Square, einem öffentlichen Park im Herzen New Aorks, ein Massen- Meeting zu veranstalten. Polizeikommissar Binghan- von New Jork wurde um die formelle Erlaubnis zum Abhalten dieser Versammlung unter freiem Himmel ersucht, der Polizeikommissar erklärte aber, Union Square sei ein Park und die Veranstalter möchten sich deshalb an den Park- kommissar Smith wenden. Smith wiederum verwies die Vertreter der Arbeitslosenkonferenz an Binghan, der seiner- seits erklärte, die Sache gehe ausschließlich den Parkkommissar an. Auf erneute Vorstellungen lehnte Smith es ab, die Er- laubnis zur Versammlung zu erteilen, allerdings wie heute bekannt wird, auf eine direkte Aufforderung verschiedener, im Solde der Demokraten und Republikaner stehenden Gewerk- schaftsführer. Aber die Konferenz beruhigte sich nicht bei dieser Ab- Weisung. Durfte sich auch nicht beruhigen, weil die Ver- Weigerung der Erlaubnis ein Eingriff in das freie Versammlungsrecht und ein flagranter V e r st o ß gegen die verfassungsmäßigen Rechte der Bürger war. Besagt doch die Verfassung der Vereinigten Staaten:„Der Kongreß darf kein Gesetz er- lassen zur Beschränkung der Rede- und Preß- freiheit oder des Rechts des Volkes, sich zu v e r s a m m e l n." Deshalb ersuchte die Arbeitslosen- konferenz den Richter O'Gorman unter Berufung auf die klare und unzweideutige Bestimmung der Verfassung um einen Einhaltsbefehl gegen die in Aussicht gestellte Polizei- liche Jnhibierung der Demonstration. Am Vormittag des 28. März lehnte der Richter das Ersuchen ab. Die auf den Nachmittag des gleichen Tages angesetzte Demonstration ab- zusagen, war nicht mehr möglich, und so strömten denn etwa 30 000 Arbeiter und Arbeiterinnen nach dem Union Square. Die Demonstranten fanden das riesige Square von berittener Polizei und Mannschaften zu Fuß(insgesamt 1200 Mann) abegesperrt. Anfangs wurden die sich ansammelnden Massen von den Polizisten nur zum Weitergehen aufgefordert, schließ- lich aber gab der Polizciinspektor Schnittberger, der das. Kommando über die Mannschaften führte, den Befehl zum Säubern aller nach dem Square führenden Seitenstraßen. Dieser Befehl war das Signal zu unerhörten Brutalitäten. Links und rechts hieben die Polizisten mit ihren Knüppeln auf die Köpfe der Arbeitslosen ein, während die berittenen Mannschafte» ihre Pferde auf die Trottoirs mitten in die dichten Menschenknäuel trieben und sogar die Freitreppe zu einem Theater hinaufritten, um die dorthin Geflüchteten zu vertreiben. Als der Polizeiinspektor Schnitt- beraer auf die Brutalitäten seiner Leute aufmerksam gemacht ui»d unter Berufung auf die erwähnke Bestimmung der Verfassung auf das Ungesetzliche der VersammlungKauflösung überhaupt hingewiesen wurde, flegelte er also los:..Mein Polizeiknüppel ist mächtiger als die Verfassun g." Die Brutalitäten wurden fortgesetzt, bis alle Straßen in der Nachbarschaft geräumt waren. Nach dieser„Arbeit" kehrten die Polizei- Mannschaften nach dem Union Square zurück, um dort kolonnenweise anzibtreten und dann nach ihren Revieren ab- zuziehen. In ziemlicher Entfernung dieser Kolonnen explodierte eine Bnanbe, welche Selig Silberstein der Polizei- lichen Darstellung jtifolge in der Hand gehalten(wohlgemerkt g'ehalten). Ein Arbeitsloser wurde getötet, Silberstein wurden ein Arm mnd ein Stück des Kopfes abgerissen und außerdem wurde er auf beiden Augen geblendet. Zwei Poli- zisten wurden unbedeutend verletzt. Während Silberstein blutüberströmt am Boden lag. soll er den Polizei- beamten, die auf ihn losgestürzt waren, die Tat eingestanden und dieses Geständnis später im Hospital wiederholt haben, wobei er angeblich beifügte, er sei Anarchist und sei mit der Absicht nach dem UnLon Square gekommen, sich an der Polizei zu rächen. Diesen Angabe,» der Polizei(bei dem Geständnis war niemand zugegen) stehen die Aussagen verschiedener ein- wandsfreier Zeugen diametral gegenüber. Diesen Aussagen zufolge hat ein großer Mann(Silberstein ist von schmächtiger Gestalt) die Bombe geworfen und ist dann raschen Schrittes weitergegangen, ohne von der P>slizei angehalten zu werden, während alle sonstigem in der Nähe stehenden Personen ver- haftet worden sind. Und obendrein erklärte Silberstein seiner Schwester, die ihn im Hospital besuchte, er habe weder die Bombe geworfe. n noch der Polizei ein Ge- ständnis abgelegt. Auf jeden Fall bedarf das Attentat noch sehr der Auf- klärung, die nach den Enthüllungen im Prozeß Haywood über die Tätigkeit von Spitzeln doppelt nötig erscheint. Die von der sozialistischen Pantei eingeleitete Untersuchung dürfte bald die erwünschte Klarheit bringen. poUtifchc Oeberficht* verlin. den 13. April 1908. Kon zesfionsschnlzes. DaS„Berliner TaLeblatt" ist bekanntlich das einzige größere Freistnnsorgan PieeußenS gewesen, das die Partei- offizielle Freisinnspolitik, die Blockpolitik mit ihren er« niedrigenden, prinzipienwidrigen Konzessionen an die bülowistische Junkerpolittk und den jämmerlichen Wahlrechtsverrat entschieden gebrandmarlt hat. Aber auch das»Verl. Tagebl." beginnt bedenklich zu wanken! In dem ehemaligen Wahlbezirk Teltow-BeeSkow, der ehedem zwei Landtagsabgeordnete zu uiählen hatte, jetzt aber in drei be- sondere Wahlbezirke geteilt wanden ist, nämlich in Schöneberg- R i x d o r f und Charlottenburg, wo je ein Abgeordneter zu wählen ist. und in den LandkreLs, der zwei Abgeordnete zu wählen hat, ist es zu einem freisinnigen Bruderkrieg gekommen. In einem dieser Wahlbezirke, nämtich in Teütow-BeeSkow-Land hatte die Frei- sinnige Bereinigung dde Herren Gädke und Breit- scheid als Kandidaten aufgestellt. Daß diese Herren just in diesem aussichtslosen Wahlbezirk kandidierten, bewies schon die Einflutzlosigkeit der hinter ihnen stehenden Gruppe. Aber eS kommt noch bester I Die Freisinnige Volkspartei stellte diesen beiden fteifinnigen Kandidaten Gegenkandidaten gegenüber. nämlich den Volksparleiler Tubenthal und den National- liberalen st) LieMannl Und was sagt dazu daS»Berliner Tageblatt'? Statt die von ihm begünstigten Kandidaturen Gädke und Breitscheid um so energischer zu mUerstützen, rät es zum Vergleich, zum KonzessionSschulzentum! Sämtliche vier Kandidaten sollten niederlegen, und dann sollen von VolkSparteilern und Vereinigungsmännern gemeinsam zwei neue Kompromiß- Kandidaten aufgestellt werden I Und natürlich werden die neuen Kompromißkandidaten keine entschiedenen Liberalen sein! Aber die.Einigkeit' geht dem. B e x I. T a g e b l.' auf einmal über alle»! Sagt es doch über den freisinnigen Kandidaten in Char» lottenburg. den Profestcr v. L i S z t: »In Charlottenburg ist es mit Mühe und Not gelungen. Herrn v. LiSzt alS gemeinsamen freisinnigen Kandidaten durchzusetzen, wenn auch nur unter der Bedingung, daß Herr v. Liszt das Kleid deS liberalen Wahl Vereins, das er seit zehn Jahren getragen hat. auszieht und in die Jacke eines Hospitanten der Freisinnigen BolkS Partei schlüpft. Dieser FraltionSwechsel war ent- weder eine reine Formensache, und dann war er überflüssig, oder er bedeutet zugleich einen Frontwechsel, und dann ist er bedenklich. Aber die Freisinnigen sind doch wenigstens einig.' Wenn eS dem.Verl. Tagebl.' auf weiter nichts als Einig- keit unter den Freisinnigen ankommt— ja, warum um alles in der Welt hat eS dann seit mehr als Jahresfrist erst daS Kriegsbeil geschärft, mit dem die Barth. Bceitscheid und Gerlach aus die»Klapperbeinigen' losschlugen?!— „Liberale" Jammerlappe». Wie schon in vielen Wahlkreisen, so haben auch im IS. schleswig« holsteinischen LandtagSwahltreise(Wandsbeck-Stormarn) die»Frei- sinnigen' Anschluß nach rechts gesucht und gesunde», ein Belveis dafür, daß sie den Wahlkanipf als einen Wahlrech iSkampf nicht zu sichren gedenken. Die.Vertrauensmänner' dieser un- entwegten.Liberalen' haben sich aus die n a t i o n a l l i b e r a l e Kandidatur geeinigt. Kandidat der Nationalliberalen ist der Wandsbecker Gymnasiallehrer S p r o e s s e l. der als Vorsitzender der Hausagrarier ein wütender Gegner der vom Landrat, dem jetzigen Inhaber des Abgeordnetenmandats, und anderen höheren Beamten deS Kreises protegierten Baugenosseiischaft ist, der als Stadtverordneter gegen die Herabsetzung des die Arbeiterschaft von der kommunalen Betätigung ausschlteßeiiden hohen Wahl- z e n s u S sowie gegen die Anstellung von Schulärzten und gegen die Errichrung einer Warmbadeanstalt gestimmt hat und der selbstverständlich für eine„Reform' des LandtagswahlrechtS inr Sinne seiner Partei einzutreten gedenkt.■ Und solch einen Mann, dem gegenüber sogar der„geborene Gesetzgeber' des Kreises, ein Freikoniervatider. die fortschrittlichere Richtung vertritt, halten die „Freisinnigen' für geeignet,„liberale" Ideen im Abgeordnetenhause zur Geltung zu bringen I—_ Der Diner-Block. Ein liberales Blatt hatte sich jüngst darüber entrüstet, daß bei einem vom Reichskanzler veranstalteten Diner die Herren zum Teil mit ihren Damen, zu«, Teil ohne ihre Damen eingeladen waren, wobei angeblich die Dimren von bürgerlichen Parlamentariern über- gangen sein sollten. T ie„Norddeutsche Allgemeine Zeitung' ist zum Glück sür das Ansehen der Blockära in der Lage zu versichern, daß es dem Fürsten Bülow durchaus fernliegt, einen Unterschied»wische« adlig und bürgerlich zu machen, und datz die Damen einzelner Par- lameiitarier einfach deshalb nicht eingeladen worden sind, weil ihre Herren für sie keine Karten abgegeben hatten. Die. K ö l n i s ch e Z c i t u n g- ist über diese Ehrenrettung des groben Blockdiplomaten höchlichst entzückt und hofft, daß der Reichs- kanzler„den an sich bedeulungslosen Vorfall zum Anlas; nimmt, auf die Kreise, auf die er Einfluf; hat, dahin zu wirken, daß sie mehr als bisher nach seinem Vorbild auch in gesellschaftlichem Sinne Blockpolitik treiben, denn auch daZ ist notwendig, wenn der politische Block Bestand haben und weiter Früchte zeitigen soll." Der Bülowblock wird erst dann zuni wahren Kulturblock, wenn sich die liberal-konservative Paarung auch auf die Auster, �ie Trüffel und den Sekt erstreckt..Es lebe der Diner-Block.— Kanzler und Zentrum. Bevor Fürst Bülow zum Besuch nach Rom abgereist ist, hat er für das Zentrum noch eine bittere Pille präpariert. Die oft aus dem Reichskanzleramt inspirierte„Süddeutsche Reichskorr.* bringt eine Berliner Auslassung, in der die römische Kririe gegen das Zentrum ausgespielt wird. ES heißt darin: Fürst Bülow wird in Rom die Ehre eines Empfange? durch König Viktor Emanuel haben, und es ist nur natürlich, daß er auch im Vatikan einen Besuch abstattet. Ein römisches Telegramm deö„Temps" hebt richtig hervor, daß es sich dabei nicht um poli- tische Dinge, wie z, B. die alte Seeschlange von der Errichtung einer päpstlichen Nuntiatur in Berlin oder um sonstige besondere Anlässe handelt. Im übrigen sind die Beziehungen des Reiches wie Preußens zur Kurie ilngetrübt, und im Vatikan ist man weit entfernt davon, den Reichskanzler etwa mit dem komischen , Haß der Zentrumspresse anzusehen. Es ist noch nicht lange her, daß zu einer Zeit, wo die Zentrumsdlätter besonders giftig gegen den Kanzler schrieben, Pap st Pius X. einem preußischen Diplomaten, der nach Berlin reiste, Grüße und gute Wünsche für den Fürsten Bülow auftrug. Die Verwechslung von Katholisch und Zentrum wird in Rom nicht gemacht: in den politischen Teil der Polenfrage hat sich dankenswerterweise die Kurie nicht eingemischt.— Das braunschweigische Landtagswahlrecht. Die zur Beratung deS Antrages betreffend die Abänderung deS Gesetzes über die Zusammensetzung des braunschweigigen Landtages und deS Wahlgesetzes eingesetzte Komission hat ihren Bericht vor- gelegt. Die Kommission erkennt an, daß die Verteilung der Mandate nicht ganz der Verschiebung der Bevölkerung entspricht. Sie steht aber davon ab, eine Aenderung zu beantragen, da der eben er- wähnte Mangel sich auf andere Weise fast ausgleiche. Was die Wahlen zum Landtage betrifft, fo schlägt die Kommission vor, die Zahl der llrlväbler in feder Stadt» und Land- gemeinde in der ersten Klasse von mindestens 5 auf mindestens 30 Proz, aller Wahlberechtigten zu erhöhen; die folgenden 20 Prozent bilden die zweite, die übrigen 70 Prozent die dritte Klasse. Jeder Wähler der ersten Klaffe hat S Stimmen, der zweiten 2 und der dritten Klasse 1 Stimme. Von anderen Faktoren, wie Bildungsgang, Alter, Ehestand usw. hat die Kom- Mission Abstand genommen und verlangt als Boraussetzung für Berechtigung zur Wahl zweijährige Ansässigkeit im Herzogtum. Durch dieses Pluralwahlfystem soll verhindert werden, daß eine größere Anzahl von Sozialdemokraten in den Landtag einzieht. Nnstiminlgkciten im Flottenverei«. Der geschäftsführende Ausschuß de« Flotten- Vereins verbreitet durch das offiziöse Depeschenbureau folgende Nachricht: Berlin» 12. April. In der heute hier stattgehabten Sitzung deS Gesamtvorstandes des Deutschen Flottenvereins wurde nach- stehende Resolution ohne Widerspruch angenommen: Gemäß K 2 seiner Satzungen ist der Deutsche Flnltenvcrein ein Verein, der zwecks Schaffung einer st a r k e n Flotte Vater- ländische Aufgaben zu verfolgen hat und über den Parteien und Konfessionen steht.— Nachdem die drei anwesenden Mitglieder des alten Prä- s i d i u m s die Erklärung abgegeben hatten, daß sie unter den jetzigen Verhältnissen eine Wiederwahl nicht annehmen könnten, wurde der Antrag der Thüringer Landesverbände auf Wiederwahl des alten Präsi- d i u m S abgelehnt und eine Kommission zur Vorbereitung der Wahl deö neuen Präsidiums gewählt.— Die Verhandlungen fanden unter strengstem Ausschluß der Oeffentlichkelt statt. Trotzdem weiß eine Zeitungskotrespondenz zu berichten, daß es in der Sitzung sehr stürmisch zugegangen sei, und daß es nach den schroffen Zwistigkeite» im Geiamtvorstand, höchstwahrscheinlich auch in der Danziger Hauplversamm- lung, zu schärfsten Zusammenstößen, wahrscheinlich sogar zu einer Spaltung kommen werde.— Erhöhung der Mannschaftslohnungen. Wie die„Berliner Neuesten Nachrichten" melden, sollen schon in den nächsten Reichs-Etat die erforderlichen Mittel für die vom Reichstag angeregte Erhöhung der Mannschaftslöhnungen eingestellt tverden. In Aussicht genommen ist eine Erhöhung von 10 Pf. pro Tag. Außerdem sollen auch die Mittel beantragt werden, welche zur Beschaffung deS PutzmaterialS für die Mannschaften erforderlich sind, da diese Materialien in Zukunft nicht inchr auf Kosten der Manm'chastcn, sondern auf Kosten der Heeresverwaltung besorgt werden._ Koloniale Kulturträger! In einem Prospekt der Afrikanischen Kom- p a n i e A.-G., abgedruckt in Nr. 166 des„Berl. Tagebl." vom 31. März, heißt es u. a.: Entsprechend den niedrigen Preisen auf dem Weltmarkte haben wir gemeinsam mit den übrigen interessierten Handelsfirmen die Einkaufspreise und Löhne in Afrika herabgesetzt. Da sich die Eingeborenen schnell an die Reduzierung gewöhnt haben, so steht zu erwarten, daß das neue Geschäftsjahr ebenfalls günstige Resultate aufweisen wird. Herr Dernburg spricht von der Notwendigkeit, die Be- dürfnisse der Neger zu steigern, und die Kolonial- spekulanten organisieren Lohndriickerkartclle!— Ein sondertarer MajestätsbeleidigungSprozeß fand am Sonn- abend vor der Strafkammer in Weimar sein Ende. Im August 1900, als die Tagespreffe eingehend über die Tippelskirch-Affäre berichtete, soll die Geschäftsreisende Frau Mohr aus Dresden in der Wohnung des Schneiders Lange in Apolda den deutschen Kaiser beleidigt haben. Lange denunzierte sechs Wochen darauf, als die Angeklagte gegen den Lange wegen Persönlicher Beleidigung eine Klage anhängig gemacht hatte, die Frau. Obivohl eS klar lag. daß eS sich um einen Racheakt handelte, kam eS trotzdem zu einem Prozeß vor der Strafkammer. Lange und dessen Frau gaben sich die größte Mühe, die Angeklagte möglichst zu belasten. Der Staatsanwalt beantragte aber schon damals Freisprechung. DaS Gericht war anderer Meinung und verurteilte die Angeklagte zu zwei Monaten Gefängnis. Das Reichsgericht verwies jedoch die Sache auf eingelegte Revision zur nochmaligen Verhandlung an die Straf- kammer in Weimar. Wieder, wie in der ersten Verhandlung, spielte der Haß des Anzeigers und Zeuge» Lange eine große Rolle. Der Staatsanwalt kam gleichfalls zu dem früheren Resultat. Er stellte den Antrag auf Freisprechung. Der Verteidiger der Angeklagte» berief sich nun noch auf die Novelle zum MajestätsbeleidigungS- Paragraphen, daß die Beleidigung der Majestät nur strafbar sei. wenn sie in der Absicht der Ehrverletzung böswillig und mit Absicht begangen sei. Und das zog. Die Strafkammer kam lediglich auS diesem Grunde nunmehr zu einer Freisprechung der Missetäterin.— Ter niederträchtige Schwindelterroriönius, mit dem der zelotische Haß dre Zentrumstinchristen die Arbeiter niederhetzen möchte, welche den schändlichen Brotwucher und die Pfäffische Verdummung des Volkes nicht mitmachen wollen, erfuhr wieder einmal vor dem Schöffengericht in Zoppot am 7. April die wohlverdiente Kennzeichnung. Selbst die verhärtetste ReichSlügenverbandsmoral muß beschämt vor den gehässigen Hetzorgien des zentrumlichen Denunziations- Terrorismus zurückstehen. An» 27. März d. I. verbrach das seiner besonderen Unwahr- haftigkeit wegen berüchtigte zentrumsjesuitische„Westpreußische Volks- blatt" in Danzig einen VerleumdungSartikel, der ohne bestimmte faßbare Angaben den freiorganisierten Maurer Kamin herunterriß, weil er den christlichen Maurer V o r ch a r t wegen roher Be- leidigung verklagt hatte. Das Zoppoter Schöffengericht vertagte den Termin am 26� März zur Ladung weiterer Zeugen. Diese Tat- fache genügte dem.Westpreußischen Volksblatt", um den Kamin öffentlich zu verlästern. Vornehmlich wohl zu dem Zweck, um die Schöffen in den, klerikal gestimmten Zoppot zu dem neuen Termin gegen den„roten" Kläger Kamin scharf zu machen. „Die sozialdemokratische Agitaliousweise", schrie das swwarze Blatt entrüstet auf,„werde durch diesen Prozeß besonders be- leuchtet." sAm 7. April beendete nun das Schöffengericht den Prozeß durch die Verurteilung des— frommen Zentrumschristen Borch ertl Und nun schweigt, das züchtige„Westpreußische Volksblatt" wunderbarerweise in sieben Sprachen. Deshalb ist es nicht nur ein Gebot der Wahrhaftigkeit, sondem auch der sittlichen Pflicht, den Zentrumsverleumdern durch die objektive Darstellung der Grundlagen des Prozesses wieder einmal die Heuchlermaske abzureißen. Im August de? Jahres 1907 arbeiteten an der Eilenbahnusiter- führung in Zoppot neben mehreren freiorganisierten Maurern auch einige Christliche. Dabei machte es sich nun der christliche Maurer Borchert zur besonderen Aufgabe, sich in den Arbeitspausen vor- nehmlich an dem freiorganisierten Kamin wegen seiner Gesinnung und Verbandszugehörigkeit zu reiben. Kamin, ein völlig unbeschol- tener und unbestraster Mann von 61 Jahren, ging dem frommen Christenmanne Borchert um so ehrfurchtsvoller ans dem Wege, als dieser bei seinen 34 Jahren zuletzt noch im Jahre 1900 mit 18 Monaten wegen schwerer Körperverletzung bestraft war »nd allgemein als unverträglich bekannt ist. Die Abneigung Kamins gegen ein« nähere Berührung mit dem Borchert verdroß diesen Tugendhelden so, daß er den Kamin durch rohe Beschimpfungen ans einige führende Danziger Genoffen zu reizen suchte. K. wies diese verleumderischen Lügen kurz zurück, worau der Zentrumschrist ihn selbst mit einer Flut roher Beschimpfungen übergoß, mit einem geöffneten Messer auf K. eindrang und ihm drohte:„Du kommst mir nicht lebendig aus der Bude heraus". Kamin rief nun zu seinem Schutz gegen diese ideale christliche Toleranz den Staatsanwalt an. Dieser lehnte aber das Einschreiten mit der Begründung ab: Borchert habe nur zugegeben, daß er„Schweinehund" geschimpft habe. Alles wettere bestreite er. Da weitere Augen- und Ohrenzeugen nicht zu ermitteln waren, könne das Zeugnis des Bedrohten allein nicht genügen. Hieraus strengte Kamin die Privatklage an, Trotz seines teilweise» Geständnisses in der Voruntersuchung leugnete nun der fromme Borchert vor dem Schöffengericht dreist alles ab. Er wollte die rohen Schimpsioorle:„Du Schuft",„Lausangel", „Schweinehund" usw, erst überhaupt nicht gebraucht haben. Dann änderte er seine Taktil und erklärte ganz im Stil der Zentruins- Pharisäer des„Westpreußischen Volksblatt": er sei von Kamin gereizt worden, weil dieser Gott und die kaiserliche Majestät gelästert hahe! Der christliche Maurer Hildebrandt sekundierte seinem Freund Borchert denn auch mit der Erklärung, daß Kamin„Gott geleugnet" habe. Da- gegen erklärte der katholische Polier llckley, daß Borchert den Kamin herausgefordert und beleidigt habe. Schon beim Beginn der Verhandlung hielt eö der Borsitzende für angebracht, dem Kläger vorzuhalten, weshalb er denn wieder neue Zeugen geladen habe. Er schwieg darauf aber recht bezeichnend. als Kamin kurz erwiderte, daß die neuen Zeugen gegen ihn von Borchert geladen wären. Auch während der Verhandlung stellte der Richter an Kamin plötzlich die Frage:„AlsoSie lengnenGoftl" Die Zentrumstngend apostrophierte er: Und Sie glauben an Gott! Das Urieil lautete schließlich doch gegen Borchert auf 3 M, Geldstrafe oder 1 Tag Gefängnis und Tragung der Kosten. Zu dieser äußerst auffälligen Milde war das Gericht unter Berücksichtigung des mildernden llmstandes gekommen, daß der Angeklagte durch einen Streit über den Glauben gereizt war! Gerade in Danzig und Umgegend hat die zentrümliche Knüppelpraxis in brutalster Unduldsamkeit wahre Orgien gefeiert, Im Jahre 1903 schlug eine Horde eben auS der Kirche kommender froinmcr ZentniniSbarbaren einige friedliche sozial- demolratische Flugblattverbreiter erbarmungslos blutig und wollte sie im Radaunefluß ersäufen! Und bei der Gewerbegerichts ivahl im Jahre 1903 forderte ein katholischer Geistlicher seine Getreuen im dortige» St. Josephshanse ganz offen gegen einen Sozialdemokraten auf: Schlagt den Hund mit dem Knüppel überm Kopf! Soll man sich nach solchen Untaten über diese Zoppoter Vorgänge überhaupt noch Wundern?_ franhrneb. Die Bombe vor dem Polizeibureau. Toiircoing, 12. April. Heule nacht explodierte im Eingange zu dem Gebäude des Polizeikommissariats des dritten Arrondiffements eine Bombe, die auf die Schwelle gelegt worden war. Ein Chauffeur, der den Zünder der Bombe hatte auslöschen wollen, wurde sehr schwer im Gesicht verwundet. Im Kommissariat und den benachbarten Gebäuden zersprangen sämtliche Fensterscheiben. Ein aus Belgien stammender Anarchist wurde ver- haftet. Lelgien. Das Mauifest des GeneralrateS über die Kougoanuexion. Brüssel, 10. April.(Eig, Bcr.) In einem in kraftvoller Sprache gehaltenen Manifest wendet sich der G e n e r a l r a t der belgi- scheu Partei an die Wähler und die Bevölkerung, um in kurzen, scharfen Zügen die Gefahren und Folgen der K o l o ni a l p o l i ti k für Belgien ins Licht zu rücken. Das Manifest verweist auf die unausbleiblichen finanziellen Lasten, die Belgien auf der Grundlage des Leopoldinilchen Vertrage« zufallen würden. Nach einer Darlegung der finanziellen Grundzüge des Vertrages wird an den Ausspruch deö ehemaligen Ministerpräsidenten Smet de Naeyer erinnert, nach welchem die Ausrüstung der Kolonie eine Milliarde erfordert. und dann auf die i n t e r- nationalen Verwickelungen verwiesen, in die die Uebernahme Belgien hineinziehen würde, sowie auf die Unmöglichkeit, bei den enormen materiellen Lasten, die die Kolonie nicht zuletzt durch die militärischen Erfordernisse dem Lande aufbürden würde, soziale Reformen durchzuführen. DaS Manifest schließt, indem es die Wähler an die Bolksbedürfnisse und die Notwendigkeit der Niederwerfung der klerikalen Macht gemahnt, mit einem:»Nieder mit dem Kongo!" Snglanck. Die sozialistische Presse über den Miinsterwechsel. London, lt. April. Die„Justice" und der„Labour Leadcr" be» handeln in Leitartikel» den Ministerwechsel. Das Organ der sozial» demokratischen Partei spricht sich sehr abfällig über den neuen Premier» minister aus und sieht in ihm den Sieg der Whigs(der gemäßigten Liberalen) über die Radikalen, während sich der„Labour Leadcr' eingehender mit Aöquith beschäftigt, von dem gesagt wird: „Mr. Asqnith, der neue Premierminister, ist ei» unerforschlichcr Mann. Niemand kann sagen, welcher Art seine Ueberzengnng ist, die sich hinter seinem kalten, fast zynischen Aeußern verbirgt. Bis jetzt hat er sich als ein Mann gezeigt, dem jede sozialpolitische B:- geisterung abgeht und der nur ein advokaten- und berufsmäßiger Politiker ist. Eingestaiidenermaßen ein Imperialist, dürfte er doch unfähig sein, umfassend zu denken und über die engen Grenzen der Parteipolitik hinaus zu blicken. Er hat weder etwas gesagt noch getan, waS ihm die Bewunderung des Volkes einbringen könnte. Als Rechtsanwalt verteidigte er Cunninaham-Graham und John Burns,— der jetzt sein Kabinetts- kollege tst—, alS sie im Jahre 18L0 wegen Aufreizung angeklagt waren. Sein Name erhielt einen schlechten Klang, als er seine Ein- willigung zur Requirierung von Truppen gegen die Streikenden in Featherftone gab.'wo drei Menschen niedergeschossen wurden. Seit- dem spielte er die Rolle eines ehrgeizigen, wenn auch zaudernden und nicht sehr loyalen Parteianfängers. Seine Opposition gegen die Frauenbewegung ist allgemein bekannt. Aber er ist. wie gesagt, ein unerforschlicher Mann. Im gegenwärtigen Augenblick ist seine Führerschaft ein gefundenes Fressen für die liberale Parlci. Er loird sie vielleicht zu der vorradikalen Aera zurückführen, oder er wird sie vielleicht überraschen durch einen kühnen Schritt vorwärts zu einem„vernünftiqen Sozialismus", oder aber er wird vielleicht überhaupt nichts tun. Auf jeden Fall ist eS nicht wahrscheinlich. daß er die Partei vor Uneinigkeit und Niederlage retten wird, die ihr droben." ASquith dürfte jedoch kaum so unerforschlich sein, wie der „Labour Leader" annimmt. Der Beifall, mit dem Asguiths Premierschaft von der konservativen Presse befürwortet und auf- genommen wurde, zeigt besser als alles andere, daß ASquith keine rollenwidrige Sprünge machen wird.— Rußland. Blntarbcit. Lodz, 12. April. Gestern morgen sind hier 6 Terroristen hingerichtet worden. Serbien. Neuwahlen. Belgrad, 12. April. Die Skupschtina ist aufgelöst worden. Die Neuwahlen finden am 31. Mai statt. Huö der partei. Eine Arbeiter-BildungSschule in Brüssel. Brüssel, 8. April.(Eig. Wer.) Mit der Gründung der für den November in Aussicht genommenen„Sozialistischen Sonntagsschule" hat die belgische Partei einem langgefüh!- ten Bedürfnis Erfüllung gewährt. Die Institution ist, gleich äjiu- lich gearteten in Deutschland und Oesterreich, berufen, die Lücken im sozialistischen Wissen der Parteikämpser auszufüllen, sie ,»ii der wissenschaftlichen Fassung der sozialistischen Begriffswclt bc- tannt zu machen. Der von V a n d e r v e l d e vor einiger Zeit im„Peuple" cnt- wickelte und warm befürwortete Plan einer derartigen Gründung hat nunmehr die unterstützende Zusage des GeneralrateS erhalten, desgleichen hat der Parteisekretär MalS seine tätige Mithülfe in Aussicht gestellt. Das Programm sieht 62 Lektionen zu je zwei Stunden vor und umfaßt einen ziemlich großen Teil des sozia- listischen und nationalökonomischen Wissensgebietes. Unter anderen wird Prof. De G r e e f von der„Universite Nouvelle" übet in- dustrielle Entwickelung vortragen, McysmanS über Arbeiter- gesetzgebung, Vandervelde über sozialistische Systeme, D e Brouckere, Bertrand und HuhsmanS über das sozio- listische Programm. Vinck über Kommunalsozialismus, Lux übec Arbeiterliteratur. Am Endendes Jahres soll eine Art zwangloser Prüfung in Form von Fragen stattfinden und ein Zeugnis den austretenden Schülern bescheinigen, daß sie sich in der Sonntags- schule die notwendigen Kenntnisse der sozialistischen Lehre angecig- »et haben. Doch werden über diesen Punkt wie über andere Details erst endgültige Beschlüsse gefaßt werden. AlL Beitrag für Lektion und Person ist ein Betrag von 10 Centimes vorgesehen, mit welcher Einnahme, neben dem Unterstützungsbeitrag des Generalrates, die Kosten für die zu verteilenden Broschüren u. dergl. gedeckt werden sollen.— Bezeichnenderweise taucht dieses Projekt eben zu einer Zeit auf, da die klerikalen Parteiführer aufs neue ihre Schulfeindlichkeit und ihren Widerwillen gegen den obligato- rischen Unterricht bezeugt haben: Die sozialistische Sonntagsschulc hat in Belgien auch noch vor anderen Ländern den Zweck voraus, die Unterlassungssünden deö Staats wettzumachen, durch die das heranwachsende Arbcitergeschlecht auch noch um das bescheidene Maß methodischer Wiffensgrundlagen geprellt wird, die ein regel- mäßiger Schulunterricht schafft. Parteiliteratur. Im Berlage der Buchhandlung Vorwärts sind er- schienen: Die Wahlrechtsreform im Dreiklassenparlament. Die VerHand- lungcn des preußischen Abgeordnetenhauses vom 10. Januar 1908, Nebst einem Vorlvort. Preis 60 Pf. Lassalle, Ferdinand, Die Wissenschaft und die Arbeiter Eine Verteidigungsrede vor dem Berliner Kriminalgericht gegen die Anllage, die besitzlosen Klassen zum Haß und zur Verachtung gegen die Besitzenden öffentlich angereizt zu haben. Neue Ausgabe mit einer Vorbemerkung und Anmerkungen von Eduard Bern st ein, Preis 40 Pf._ Unsere Toten. In T h a k e starb der Genosse Heinrich S i e d e n t o p f, der unten» Sozialisteitgesetz in Quedlinburg eifrig für die Partei gearbeitet hat. Da ihn die Banuntcrnehnier OuedlinburgS maßregelten, gründete er sich in Thale eine neue Existenz als selbständiger Bauunternehmer. Auch in dieser neuen Stellung hat er der Partei ohne Wanken die Treu gehalten. Personaliei». In die Redaktion der. B o l k S z e i t u n g" zu Düsseldorf ist der Genosse Peter P e r k u S eingetreten. Er hat die Parteischule besucht. Genosse H ö ch, der bisher in Vertretung in der Redaktion tätig war, scheidet wieder auS. poltzcüiches, Gerichtliches ulw. „Scharfmacher" im GerichtSsaak. Am 23, April lvird sich vor der Strafkammer in Elberfeld Genosse E. Kirchpfenig von der ,. Bergischen Arbeiter- stimme" zu Solingen wegen Beleidigung eine? Amtsrichters und eines Amtsanwalts zu verantworten haben. Im Gefolge eines großen, noch heute andauernden Streits bei der Großsirma Gottlicb Hammesfahr in Fache« Solingen hatten sich beim Schöffen- gericht zu Solingen mehrfach Streikende wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbeordnung zu verantworten. Fast regel- mäßig sind auch verurteilende Erkenntnisse erfolgt. Das Sonder- bare dabei ist nun, daß in der Berufungsinstanz fast ausnahmslos die Urteile Abändernngeii erfahren haben, fei es, daß die„Verbrecher" ganz freigesprochen oder daß das Strafmaß erheblich herabgesetzt wurde. Anläßlich einer solchen Verhandlung beim Schöffengericht machte der Vertreter der Staatsanwaltschaft die Be- mcrkung:„Für seine Strafe kann der Angeklagte sich ja beim Metallarbeiterverband bedanke n." Der Amts ri chter sagte bei der Urteilsbegründung:„Fort- gesetzt werden die Arbeitswilligen vom Metall- arbeiterverband verfolgt."— Der Bericht unseres Solinger Parteiblattes über diese Verhandlung war eine scharfe Kritik. Weil darin„nicht erweislich wahre Tatsachen" enthalten seien, soll nun Genosse Kirchpfenig bestraft werden. Die Perhandlung wird sich wahrscheinlich sehr interessant gestalten, da unserer Parteiredakliou Tehr reichhaltiges Material zur Verfügung steht. Die Verteidigung wird auf die Verhandlungen wegen Streitbergehen Zariffündigung im Glafergewerbe. Barteien, wenn sich mindestens fünf der sieben Rommissions Laut Versammlungsbericht des Lutas", Verbandsorgan der mitglieder dafür erklären. gelegentlich des letzten Schreinerstreiks, in denen mehrmals jämt Glaserinnungen und Arbeitgeberverbände im Glasergewerbe, haben Es ist anerkennenswert, daß die schwedische Regierung sich in liche Entlastungszeugen nicht vernommen und dann auf die alleinigen die Mitglieder des Verbandes der Glasereien am 30. März in ihrer dieser Weise bemüht, den Kampf beizulegen. Die Arbeiter werden Aussagen der Belastungszeugen hin dann die Urteile gefällt wurden, Generalversammlung beschlossen, den Berliner Lohntarif am wohl im allgemeinen die Vorschläge des Ministers gutheißen. Sie zurückgreifen können. Sicherlich wird die Verhandlung interessante 1. Mai zu fündigen. Der Tarifvertrag läuft am 1. Auguſt cr. ab. waren ja von vornherein bereit, nachdem die Tarife am 1. April Feststellungen zur Kennzeichnung der Spruchpraxis in preußisch- Dem Zentralverband der Glaser ist bisher noch keine offizielle abgelaufen waren, vorläufig zu den alten Löhnen weiterzuarbeiten, deutschen Gerichtsfälen liefern. Nachricht zugegangen. während die Unternehmer die Verhandlungen abbrachen und ihnen die Lohnherabseßungen aufzuzwingen suchten. Jm Malerberuf bringen die Arbeiter allerdings ein schweres Opfer, wenn sie nun die Arbeit zu den alten Bedingungen wieder aufnehmen. Nach dem in diesem Gewerbe noch geltenden Tarifvertrag sollte am 1. April eine Lohnerhöhung eintreten; die Unternehmer aber brachen den Vertrag, und darum waren auch die Maler die ersten, die in den Streit traten. Gewerkschaftliches. Unternehmer- ,, Wohltaten". Es ist ja nur zu bekannt und in der deutschen ,, Arbeitgeber- Zeitung" wurde es ja auch vor einiger Zeit offen zugegeben, daß die Unternehmer sogenannte Wohlfahrts einrichtungen in ihren Betrieben nur als Mittel zum Zwed, d. h. der besseren Ausbeutung der Arbeiter, der Fesselung an den Betrieb usw. betrachten. Zwei nette Beispiele aus der legten Zeit beweisen das geradezu klassisch: Bei der durch den Siemens- Prozeß und andere Vortommnisse nicht gerade vorteilhaft bekannten Firma Siemens, Glasfabriken, bestehen auch so verfchiedene Wohlfahrts- Einrichtungen", auf die die Arbeiter gern samt und sonders verzichten würden, wenn sie nur bessere Arbeitsverhältnisse hätten. U. a. bestand auch die Gepflogenheit, der Firma ergebenen Arbeitern resp. deren Kindern, die die Schule verlassen, einen Konfirmationsanzug zu schenken. " Achtung, Klavierarbeiter! In der Pianofabrik von Hedke, NeuLichtenberg, befinden sich die Kollegen wegen Lohnabzügen im Streit. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Branchenabteilung des Holzarbeiterverbandes. Deutsches Reich. Arbeitgebern einen Tarifentwurf unterbreitet. Sie verlangen Die organisierten säckergehülfen von Solingen haben ihren als Mindestwochenlohn für sechs Arbeitsschichten 25 M. Wo zurzeit jedoch schon beffere Lohn- und Arbeitsbedingungen bestehen, dürfen diese nicht verschlechtert werden. Die Arbeitsdauer soll nach den bom Bundesrat erlassenen Vorschriften bemessen werden. Für die Nacht zum Sonntag wird Arbeitsruhe verlangt. Für Ueberstunden und eb. nötige Sonntags- bezw. Festtagsarbeit sollen 50 Pf. Entschädigung gezahlt werden. Berlangt werden ferner: Abschaffung des Soft- und Logiszwanges beim Arbeitgeber, Gewährung von drei Ferientagen im Sommer bei Fortzahlung des Lohnes nach einjähriger Beschäftigung, paritätischer Arbeitsnachweis unter Ston trolle des Tarifamtes; lezieres soll unter Leitung des Gewerbegerichtsvorsitzenden über etwaige Tarifftreitigkeiten entscheiden. Der Tarif soll zwei Jahre Geltung haben. Zur Aussperrung der Pflasterer in Rheinland- Westfalen schreibt man uns: Der von verschiedenen bürgerlichen Zeitungen gebrachte BeDie Brauereiarbeiter von St. Louis, in dem nordamerikanischen Unionstaat Missouri, haben innerhalb zweier Wochen einen glänzenden Sieg über die vereinigten Brauereibesiber der Stadt errungen. Die Unternehmer versuchten, die mächtige Gewerkschaft zu spalten, um sie zu zerstören, aber die 3500 ausgesperrten Arbeiter standen einmütig zusammen, sämtliche Gewerkschaften rüdten zur Hülfe an und ein Boykott über Bier aus St. Louis wurde verhängt, der in seiner Wirkung und Ausdehnung alle Erwartungen der Arbeiter übertraf. Es dauerte feine zwei Wochen, da nahmen die Unternehmer alle Bedingungen der Arbeiter an und Mann für Mann wurde wieder eingestellt, troßdem sie vorher erklärt hatten, fie tönnten sich unter 75 000 Arbeitslosen in St. Louis ihre Leute auswählen. Letzte Nachrichten und Depefchen. Flammen aufschlugen. In kurzer Zeit war das ganze Dach in ein Feuermeer gehüllt. Die Feuerwehr war sogleich in bedeutender Stärke angerüdt, aber sie war machtlos gegenüber der Gewalt dieses Brandes. Unaufhörlich wurden von den Nachbarhäusern Wasserstrahlen in die lodernden Flammen hineingeschleudert, aber es fonnte nicht verhindert werden, daß der ganze Dachstuhl vernichtet wurde. Die Glut verbreitete einen weithin sichtbaren Feuerschein, der den Nachthimmel rötete und bis in die entferntesten Stadtteile hinein bemerkt wurde. Aus allen Richtungen strömten viele Tausende von Schaulustigen In diesem Jahre nun besteht schon seit zirka sechs Wochen die Sperre über die Firma und sie wirkt so gut, zumal die Die Berliner Garnisonkirche in Flammen. Firma in aller Welt bekannt ist, daß tatsächlich nur zwei Die alte Berliner Garnisonkirche in der Glasmacher in dieser Zeit angefangen, eine ganze Reihe aber richt, daß die Einigungsverhandlungen zwischen dem Verband der neuen Friedrichstraße ist gestern( Montag) abend aufgehört haben, um bessere Arbeitspläge aufzusuchen. Nun Pflastermeister von Rheinland und Westfalen" und den Arbeitern wurde vor einigen Wochen, um diesem Uebelstande zu am 9. April im Rathaus zu Essen unter Vorsitz des Herrn Feuer muß längere Zeit geschwelt haben, ehe es zum Auszu einem Ergebnis geführt haben, ist unrichtig. Richtig ist nur, daß durch eine gewaltige Feuersbrunst zerstört worden. Das begegnen, ein Utas angeschlagen, daß in diesem Jahre die Dr. Wiedfeld Einigungsverhandlungen stattfanden, bie aber ab- bruch kam. Es wurde erst bemerkt, als schon die hellen üblichen Anzüge nur dann verteilt würden, folut zu keinem befriedigenden Resultate führten, weil die Verwenn die Sperre über die Firma aufgehoben treter des Pflastermeisterverbandes zu irgendwelchen akzeptablen würde. Auf vieles Betteln der Getreuen der Firma, die Bugeständnissen nicht zu bewegen waren, obwohl die Arbeiter davon auch betroffen wurden, erhielten sie schließlich 20 m. vertreter die weitgehendsten Konzessionen machten. Unrichtig sind zur Einkleidung, dafür mußten sie aber ihre Kinder auf ferner in den angezogenen Artiteln auch die dort angegebenen zwei resp. vier Jahre der Firma zur Arbeit bisher de facto gezahlten Lohnfäße, ja direkt unrichtig sind diese zur Verfügung stellen! Wer die Arbeit in Glas- Ob diese Zahlen nun von den Interessenten bewußt unrichtig angezur Verfügung stellen! Wer die Arbeit in Glas- Bahlen auch bei Angabe der bisher tariflich vereinbarten Löhne. Brandes. Unaufhörlich wurden von den Nachbarhäusern hütten kennt, weiß, wie leicht die Gesundheit der Kinder für geben sind oder es sich nur um ein Manöver handelt, die öffentliche immer zerstört werden kann, Das nennt man dann Wohl- Meinung irre zu führen, wissen wir ja leider nicht. Wir konsta fahrt: Nur wer fuscht, bekommt einen Bissen. tieren aber, daß diese Zahlen den wirklichen Tatsachen nicht entBei der Firma Biefolt u. Lode, Nähmaschinenfabrik sprechen und auch gar keine Absicht in den Kreisen der Arbeiter bein Meißen, besteht ein Geselligkeitsverein, in dem die Firma steht, sich durch solche Scheinmanöver irretieren zu lassen. ihre Getreuen gesammelt hat. Früher bekamen die Arbeiter Ebenfalls fann von einer Einigung und von einer Wiederaufnach 25jähriger Tätigkeit im Betriebe als Jubiläumsgeschenk nahme der Arbeit nach Ostern bis jest absolut nicht die Rede heran und besetzten die Straßen in der Umgebung der Brandeine Summe Geldes oder sonstige Sachen. Jetzt nur noch sein. Da müßten erst die Herren Pflastermeister ein anderes Ent- stätte. An diese selber wurde niemand herangelassen. Sie die Mitglieder des Geselligkeitsvereins. Mit allen Mitteľn Mit allen Mitteln gegenkommen zeigen als bisher. Die Arbeiter haben neuerdings in den einzelnen Städten die war umringt von einem ganz ungewöhnlich starken Polizeiarbeiten die Kreaturen der Firma daran, die Arbeiter ihrer örtlichen Gewerbegerichte zu nochmaligen Einigungsverhandlungen aufgebot, das jede Annäherung verhinderte. Wer durch die Organisation abspenstig zu machen. So prangte am Aus- angerufen und dies den in Frage kommenden Behörden mitgeteilt Bostenkette hindurchzuschlüpfen versuchte, wurde fast so hängebrett jetzt die Mitteilung, daß die Mitglieder des unter- und auch um deren Vermittelung gebeten, und geben sich die Ar- energisch gepadt und zurüdbefördert, wie wenn es gälte, eine nehmertreuen Geselligkeitsvereins Sohlen zum Selbst- beiter der Hoffnung hin, daß diese Instanzen die Wiederherstellung energisch gepackt und zurückbefördert, wie wenn es gälte, eine Wahlrechtsdemonstration mit der Polizeifaust zu untertostenpreis erhalten können. So sucht man auf jede Art des sozialen Friedens mit beschließen werden. und Weise die Arbeiter der Firma ihrer Organisation ab- Die Aussperrung der Maler und Anstreicher in Süd- und Mittelspenstig zu machen. Gelingen wird es hoffentlich nur in den seltensten Fällen. Die allgemeine Arbeiterschaft, die als Käufer der Produkte dieser Firma auch wesentlich in Frage kommt, wird jedenfalls beweisen, daß die Firma geschäftlichen Nutzen von ihren Manipulationen nicht hat. Berlin und Umgegend. Die Situation im Baugewerbe. Die Tarifverhandlungen der Maurer und Bauarbeiter in Berlin haben am Montag ihren vorläufigen Abschluß gefunden. Strittig bleiben zehn Bunkte, unter denen die Lohnfrage eine der bedeutendsten ist. deutschland drücken. Streit in der Sement- Industrie. Wolgast, 18. April.( Privatdepesche des Vorwärts".) Heute ( Montag) abend legten fämtliche Arbeiter der Wolgaster ZementIndustrie die Arbeit nieder, nachdem die Vergleichsverhandlungen gescheitert waren.( Zuzug nach Wolgast ist strengstens fernzuhalten. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdrud ges beten.) Aussperrungen. hat entgegen dem Programm der Scharfmacher im Malergewerbe fehr schwach eingesetzt. Nur wenige Malermeister sind dem Stampfrufe der Herren vom Arbeitgeberverbande gefolgt. Von den 12 000 Arbeitern, oder gar 60 000, wie einzelne Blätter berichteten, die ausgesperrt werden sollten, find es nur ungefähr 2300 geworden. Nach den bis jetzt bei der Verbandsleitung vorliegenden Resultaten wurden ausgesperrt: In Frankfurt a. M. 600, in Dffenbach 200, Darmstadt 400, anau 140, Homburg 80, Mannheim, 13. April.( B. H.) Außer den Malergehülfen Höchst 60, 23iesbaden 300, Friedberg und Soden je 20, annheim 400. In Freiburg i. B. sperrten nur einige wurden am Sonnabendabend auch die Arbeiter der Sägewerke Firmen aus. In Karlsruhe und ganz Württemberg verweigerten die und Holzladepläge ausgesperrt. Bekanntlich unterbreitete der Verband der Baugeschäfte den Meister dem Arbeitgeberverbande die Heeresfolge vollständig: es Stockholm, 13. April.( W. T. B.) Da der vor längerer Arbeiterorganisationen einen Vertragsentwurf, der außer den all- wurden feine Aussperrungen vorgenommen. So ist die Aussperrung Zeit ausgebrochene Ausstand in der Bauindustrie noch fortgemeinen Bestimmungen, die in der gemeinsamen Verhandlung der für die Arbeitgeber ein Schlag ins Wasser. Zentralvorstände in Berlin vereinbart wurden, noch eine Anzahl dauert, hat der Arbeitgeberverband heute beschlossen, eine Lohnbewegung der Textilarbeiter. Im industriereichen Bufäge enthielt, die gegen den bis Mitte Mai 1907 geltenden Ver- Münstertale im Oberelsaß haben die im Deutschen Textil umfangreiche Aussperrung in allen Arbeitszweigen vorzutrag ganz erhebliche Wenderungen enthalten. Der hier vorgeschlagene arbeiterverband organisierten Arbeiter den Fabrikanten folgende nehmen, die zur Bauindustrie in Beziehung stehen. Die Zahl Lohn beträgt für Maurer 65 Pf., während der alte Vertrag 75 f. Forderungen eingereicht: 1. 10% stündige Arbeitszeit. 2. Ge- der durch die Aussperrung betroffenen Arbeiter ist sehr groß. borsah, und der Lohn für Bauarbeiter soll 45 Pf. betragen, wogegen währung einer zehnprozentigen Lohnerhöhung, Bezahlung nach diese Kategorie früher 50 Pf. erhielt. Metern, statt nach Stück. 3. Entschädigung für Warten auf Material usw. 4. Anerkennung von Arbeiterausschüssen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß es zu einem schweren Kampfe kommen wird. Bereits sind einige Arbeiter in führender Stellung gemaßregelt Zwischen der ersten und zweiten Sigung formulierten nun auch die Arbeiter ihre Gegenforderungen. Sie beschränkten sich aber auf fünf Anträge, von denen der wichtigste die Lohnhöhe betrifft. worden. Nach diesem soll die Lohnhöhe für Maurer und Bauarbeiter Rusland. nach den Säßen des im vorigen Jahre durch das Einigungsamt des Die allgemeine Aussperrung im Baugewerbe Stockholms und die Berliner Gewerbegerichts gefällten Schiedsspruch bemessen werden, dem, wie bekannt, damals der Verband der Arbeitgeber die Zustimmung erteilte. Schwierigkeiten. Regierung als Friedensstifter. Der Zentrale Arbeitgeberberband hat Ende der verflossenen Mangel an gewerkschaftlicher Schulung. erhöhung drangen in Riesenberg 25 Eisenbahnarbeiter in das Graudenz, 13. April.( B. H.) Wegen verweigerter LohnMagistratsgebäude, um dort ihre Forderung durchzusehen. Da die Polizeibeamten der Uebermacht nicht gewachsen waren, wurde eine Abteilung des 5. Kürassierregiments erbeten. Zwanzig Arbeiter wurden verhaftet. " Rouen, 13. April.( W. T. B.) Etwa 700 ausständige KohlenWoche seine Mitglieder im Baugewerbe Stockholms aufgefordert, träger machten heute den Versuch, ihre nichtorganisierten Kameraden Die Anträge der Unternehmer find in zuvorkommender Weise alle Arbeiter vom Montag, den 13. April, ab auszusperren, zur Arbeitsniederlegung zu bewegen. Als ihnen dies nicht gelang, geprüft worden und erklärten die Arbeitervertreter, daß fie für die soweit sie nicht auf Treu und Glauben erklären, bemarfen sie die Arbeitswilligen mit Kohlenstücken, drangen dann auf die Schiffe und mißhandelten die dort Beschäftigten. Drei Annahme von elf derselben bei ihren Mitgliedern eintreten würden. teiner der Arbeiterorganisationen anzuge= Zu zweien dieser Anträge wurde eine Wenderung respektive die hören, mit denen der Arbeitgeberverband zurzeit im Konflift Arbeiter wurden verletzt und zwei Verhaftungen vorgenommen. Streichung eines bestimmten Teiles beantragt und nur drei derselben steht, und sich nicht verpflichten, solange der Konflikt dauert, Nationalliberale Berleumdung. wurden für unannehmbar betrachtet. teinerlei Beiträge zu den Streittassen zu zahlen. Zugleich forderte der Arbeitgeberverband seine Mitglieder im ganzen Lande Nürnberg, 13. April.( B. H.) Das hiesige Landgericht hob das Bei der Beratung der Lohnfrage bildeten sich recht erhebliche auf, keinen Arbeiter der Bauberufe einzu- Schöffengerichtsurteil auf, welches den Redakteur Tannert von der stellen, der während der letzten bier Monate in einem der Orte hiesigen nationalliberalen Fränkischen Morgenzeitung" wegen Be Die Unternehmer halten die Lohnfäße, die der Schiedsspruch gearbeitet hat, wo in diesen Berufen Streit, Aussperrung oder leidigung der Fränkischen Tagespoft" zu 100 Mart Geldstrafe ver vorsah, für zu hoch und zurzeit für undurchführbar. Sie meinen, Lohnbewegung herrscht, oder der von einem dieser Orte kommt. Es urteilte, und erhöhte die Strafe auf 400 Mart. Tannert hatte die diese Sätze würden nicht aufrecht erhalten werden können infolge der find dies die Städte Stodholm, Norrköping, infö" Fränkische Tagespost" befchuldigt, sie hätte redaktionelle Angriffe Konkurrenz aus Arbeitgeber- und auch Arbeitnehmerkreisen. Schließ- ping, Nyköping, Kalmar, Kristianstad und öf. auf einen Geschäftsverband eingestellt, als dieser mit Entziehung der Eslöf. lich verlangten sie, daß die Arbeiter ihre Forderungen zurückziehen Die Aussperrung, die die Unternehmerorganisation in Stock: möchten, und so lange dies nicht geschehen, würden sie keine Angebote Holm und Umgegend durchzuführen sucht, wird, obwohl sie sich auf Inseratenaufträge drohte. ein Gebiet von 30 Kilometer vom Mittelpunkt der Stadt an ge= auf die bereits vorgeschlagenen Löhne machen. Die Arbeitervertreter waren dagegen der Meinung, daß die an- treffen, da ja schon bei all den Arbeitgebern gestreift wird, die die rechnet erstrecken foll, keine besonders große Zahl von Arbeitern gebotenen Löhne so niedrig seien und den Verhältnissen so wenig Lohnherabsehungsbeschlüsse ihrer Organisation durchsetzen wollten. entsprechen, daß über diese völlig unzulänglichen Sätze nicht gesprochen Die sich an diese Beschlüsse nicht kehrten, werden gewiß auch den werden könne. Außerdem sei es folgerichtig, daß die Unternehmer Aussperrungsbeschluß nicht beachten, zumal nun die schwedische auf die Gegenforderung der Arbeiter neue Angebote machen. Geschehe Regierung als Friedensstifter auftritt. dies, so seien die Arbeitervertreter nicht abgeneigt, bei ihren Mitgliedern für die Zurücknahme der im verflossenen Schiedsspruch enthaltenen Lohnfäße einzutreten. Neberschwemmung in China. Shanghai, 13. April.( W. T. B.) In Hankau herrscht eine furchtbare Ueberschwemmung, es sollen etwa 2000 Personen er trunken und 700 Dschunken wrack geworden und gesunken fein. Anarchistenprozeß. Frankfurt a. M., 13. April.( B. H.) Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde heute vor der Straftammer ein Anarchisten. prozeß verhandelt, und zwar gegen den 27jährigen Fabritarbeiter Jakob Roth aus Großzimmern und dessen 26 Jahre alte Ehefrau Katharina Roth sowie gegen den 23jährigen Fabritarbeiter Reinhold Voigt aus Picniß( Kreis Döbeln), die beschuldigt sind, eine anarchistische Broschüre Krieg dem Kriege" von dem holländischen Anarchisten Nieuwenhuis sowie ein Soldatenbrevier verbreitet zu haben. Die Straffammer verurteilte Roth zu einer Strafe von drei Monaten Gefängnis, Boigt erhielt acht Monate Gefängnis, während die Ehefrau Noths freigesprochen wurde. Der Minister des Innern Hugo Hamilton hat am Freitag den Vorschlag gemacht, eine Kommission zur Schlichtung der Streitigkeiten einzusehen. Ausersehen sind dazu zwei Vertreter der Arbeitnehmer der Vorsitzende der Landesorganisation der Da die Arbeitgeber bei ihrem Verlangen beharrten, so mußten Gewerkschaften Herman Lindquist und der Maurerverbandsdie Verhandlungen abgebrochen werden. Die Unternehmer vorsitzende N'ils Persson zwei Vertreter der Arbeitgeber hielten nunmehr die Einsegung einer Unterkommission, welche in der und drei unparteiische Leute. Zur Voraussetzung dieser Kom Lohnfrage weitere Verhandlung pflegen sollte, für überflüssig. missionsverhandlung wird gemacht, daß die Arbeit am 21. April, Die verbleibenden Differenzpunkte sollen der für Ende diefes also am Dienstag nach Ostern, in allen Bauberufen wieder auf Monats vorgesehenen Verhandlung der Zentralvorstände der in genommen wird; daß die Löhne, wie sie im März dieses Frage kommenden Organisationen zur Erledigung überwiesen werden. Jahres galten, weiter bezahlt werden, bis samt liche Streitpunkte erledigt sind, und daß gleichzeitig zur Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten Einigungsverhandlungen in den einzelnen Berufen unter Mitwirkung des Staatsbeamten angeknüpft werden, die bis zum 15. Mai beendet sein müssen. Die Hagen i. W., 13. April.( W. T. B.) Das Schwurgericht verhier zustande kommenden Einigungsvorschläge werden der allge- urteilte den wegen Mordes an Hedwig Hartmann angeklagten Wald meinen Schlichtungskommission vorgelegt und find bindend für die arbeiter Hesse zum Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl. Aus Frankfurt a. M. meldet eine Privatdepesche unter dem 13. April: Die Verhandlungen im Baugewerbe find an der Lohnfrage gescheitert. Berantw. Redakt.: Georg Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw.: Todesurteil. Mr. 89. 25. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. 3. Verbandstag der Steinarbeiter Deutschlands. Raffel, 11. April 1908. Sechster Berhandlungstag. Ueber den Buntt Statiftit referiert Siebold: Geit zwei Jahrzehnten befassen sich die Stein. arbeiter mit statistischen Aufnahmen. Der erste Grund hierzu war die Einführung des Alters- und Invalidengesetzes. Durch diese Aufnahmen bewiesen die Steinmeßen, daß sie nicht das 70. Jahr erreichten und deshalb Befreiung von der Klebepflicht forderten. Redner beweist an Beispielen des Entwidelungsgefeßes, daß die statistischen Aufnahmen in feinem Staatsgebilde fehlen tönnen; wohl tönnen die amtlichen Statistiken als photographische Aufnahme der Bevölkerung gelten, für die Arbeiter. bewegung bieten sie aber nicht genug. Aus diesem Grunde muß die Arbeiterschaft selbst die Statistit pflegen, um die gesundheits. schädliche Einwirkung des Berufes sowie die Lebensdauer der Steinarbeiter und den Durchschnittsverdienst festzustellen. Durch Annahme einer Resolution werden die Mitglieder ber. pflichtet, die persönlichen Auskunftstarten gewissenhafter wie bisher auszufüllen. Die Kommission erstattet Bericht und beantragt, den Siz des Verbandes in Leipzig und den Ausschußsik in Dresden zu belassen. Es wird demgemäß beschlossen und der bisherige Vore ftand wiedergewählt. Ueber die Regelung der Gehälter entspinnt sich eine lebhafte Debatte, in der Knoll und Staudinger energisch für Beibehaltung des Wohnungsgeldzuschusses der Gauleiter eintreten. Das Grundgehalt derselben soll 1900 M. betragen und jährlich um 50 M. steigen bis zum Höchstgehalt von 2200 M., ebenfalls soll der Wohnungszuschuß von 100 M. weiter gezahlt werden. Auch die Regelung der Tagegelder für die Beamten, Besucher des Kursus in Berlin und der Verbandstagsdelegierten wird vorgenommen und um ein geringes erhöht. haben, sondern in verschiedenen Organisationen verstreut find. Ueber die Vereinigung der Steinarbeiter der einzelnen Länder macht Kolb- Zürich als Sekretär der internationalen Verbindung folgende Ausführungen betreffs Lohn und Arbeitszeit: Name der Drganisation Steinarbeiter• Verband Deutschland Fédération des travalleurs de la pierre, Belgique Steinarbeiter Verband Desterreich. Stenhuggarenförbund Schweden Steinarbeiter Ungarn Steinarbeiter Serbien • Mitglieder 1902 Verbandbeitrag m. monatl w.wöchentl. Höhe der Löhne pro Tag Ct. Fr. Höhe der Arbeitszeit pro Tag Stunden 20 000 p. 56-75 8,75-7,50 8-10 5 000 m. 20 4-5 11-11% 4 187 to. 82-55 3,15-6,30 9-11 5 200 1 262 70 260 tv. 50 to. 33 tv. 30 m. 40 2000 t. 25 de 2 800 Stenhouwer Holland Steinarbeiter Verband der Schweiz. Federaine Espanola Trabajadores in pietra Spanien. Stein- und Marmorhauer Dänemark. Stenhuggerenforbung Norwegen . . • 88 to. 45 700 3,50-6,30 10 8,50-6,50 9-10% 2,5-6 10-12 5-6 10-12 4,50-8 9-10 3,50-5 T 8-10 Steinarbeiter Verband Böh men( Prag) 8 248. 82-48 2,60-6,309%-10% in 34 Geftionen organisiert find. Die Arbeitszeit schwankt zwischen In Finnland sind zirka 5000 Steinarbeiter, von denen 2000 9 und 10 Stunden, der Stundenlohn zwischen 50 und 90 Pf. Zum Gewerkschaftstongreß werden drei Kollegen gewählt. Der Antrag Elberfeld:„ Der Borstand hat die Wege zur Ver. Bon Italien liegt kein Bericht vor, doch erklärt Redner, daß die schmelzung zu einem gemeinsamen Bauarbeiterverband einzuleiten, dortigen Steinarbeiter emfig bemüht find, die Aufklärung ihrer wobei jebe jetzt bestehende Organisation als Geftion weiter zu besitglieder zu fördern. Im Jahre 1907 waren dort 8728 Stein ſtehen hat, wenn selbige 25 000 Mitglieder zählt", wird dem Vor- arbeiter in 59 Sektionen organisiert. stand zur Berüdsichtigung überwiesen. Ferner bestimmt der Verbandstag, daß einigen Bahlstellen, denen die Gemaßregelten- und Streifunterstüßung vom Vorstand au Unrecht verweigert wurde, nachträglich bezahlt wird. Das Protokoll der Berhandlungen soll zum Selbstkostenpreis abgegeben werden. Von der Mitgliedschaft Berlin gelangt ein Brief zur Ver. Von der Mitgliedschaft Berlin gelangt ein Brief zur Berlefung, worin die Behauptung, daß die Berliner Streitarbeit beim Streif im Muschelfalfgebiet angefertigt haben, energisch zurück. gewiesen wird. Damit find die Verhandlungen des dritten Verbandstages crledigt. Heute nachmittag 3 Uhr soll der internationale Steinarbeiter. fongreß beginnen. Ueber feinen Berlauf melden wir in einem besonderen Bericht. Internationaler Steinarbeiterkongreh. Raffel, 11. April 1908. Der Kongres tagt ebenfalls im Staffeler Gewerkschaftshaus". Er wird vom Gefretär Kolb Zürich mit einem Rüdblid auf die Bortommnisse, die die Einberufung des Kongreffes verzögert haben, Die Arbeitszeit schwanki zwischen 7% und 10 Stunden. Der Mindeststundenlohn zwischen 20 und 60 Cent. die Aufgaben des Sekretärs festgelegt. Danach sind die Aufgaben In einem Regulativ werden die Anschlußbedingungen sowie unter den einzelnen Steinarbeitern, soweit sie das internationale des Sekretärs folgende: 1. Führung der Kasse; 2. die Beziehungen Interesse betreffen, zu vermitteln; 8. alle wichtigen Vorkommniffe und Henderungen in den Landesorganisationen durch vierteljährliche Berichte jedem Lande zuzustellen; 4. womöglich hat das Sekretariat jedes Jahr einen vollständigen Bericht zu veröffentlichen. 1. Juli 1905 bis 81. Juni 1907 2027,45 Frant, die Ausgabe Die Einnahme des internationalen Setretärs betrug bom 2114,21 Frant. Um hierin eine bessere Regelung zu schaffen, sieht das Regulativ einen Beitrag pro Mitglied und pro Jahr von vier Rappen vor. Eine größere Auseinandersehung erforderte die Regelung der Nußnießung der Unterstüßungsfäße, die in den einzelnen Ländern eingeführt sind. Die Materie wird damit erledigt, daß der dies. bezügliche Vorschlag der deutschen Delegation, wonach die in anderen Ländern gezahlten Beiträge nach den jeweiligen Beiträgen des Aufenthaltslandes für die Unterstüßungsberechtigung umgerechnet werden. eröffnet. Bur Leitung der Tagung wird Starte Deutschland, Der Reichsverband zur Bekämpfung Jensen Kopenhagen und Schrenter Budapest gewählt. Die internationale Verbindung der Steinarbeiter umfaßt zurgeit 11 Länder. Mit England und Holland schweben die VerhandLungen betreffs Anschlusses noch, doch wird der Delegierte Hollands stimmberechtigt zu den Verhandlungen augelaffen. Es sind 20 vollberechtigte Stimmen vertreten, von denen Deutschland 8 zählt, die übrigen verteilen fich auf die Schweiz, Desterreich, Ungarn, Dänemart, Holland und Schweden. Als Ueberseber fungieren 3anjon Berlin und Podgornik Hamburg, außerdem ist noll als Sekretär der internationalen Steinarbeiterorganisation der Generaltommiffion und Welter Vertreter der Organisation der Bildhauer. Letterer erklärt seine Anwesenheit damit, daß die Bildhauer die bisher eigene internationale Verbindungen pflegten und beshalb nicht angeschlossen waren, nunmehr gewillt seien, den Anschluß bei den Holzarbeitern und Steinarbeitern zu vollziehen, da die eigene Bewegung aus dem Grunde so ziemlich versagt hat, weil die Bildhauer der anderen Länder keine eigene Organisation Kleines feuilleton. Theater. Lustspielhaus: ante Cramers Testament", Luftspiel von Edgard Hoyer. Der Komödie läßt sich, bei aller Dürftigkeit der Erfindung, als Milderungsgrund und Vorzug nach rühmen, daß sie in ein paar Rollen dem Humor der Darsteller Gelegenheit zu höchst belustigendem Spiele bot. Marie Wendt, die sonst allerhand Badfische und junge Frauen im herkömmlichen Lustspielstile zu geben bat, entfaltete als Dienstmädchen Karoline cinen unerwarteten Reichtum drolliger, urwüchfig natürlicher Chas rakterisierungskunst, der allein schon für die sonstigen Defigits des Schwants entschädigen fonnte. Solange man fie mit ihrem ländlich glatt an den Scheitel geflatschtem Haar, dem rundlichen, bald einfältig, bald höchft durchtrieben dreinschauenden Gesichte sah, solange gab es auch in den trivialsten Szenen Spannung und überraschenden Wechsel. Ob sie den Tisch zu Weihnacht deckte, mit ihren Freundinnen in der leeren Wohnung Feste feierte, sich tapfer gegen die ungerechte Beschuldigung des Diebstahls wehrte oder mit ihrem schüchternen Berehrer, dem semmelblonden Sörensen, über Liebe philosophierte, immer blitten neue, fomische Rüancen in Ton und Miene auf. Herr Impetoven als seelenvoll verliebter Lagerist, die Damen Feligita erigioli und Lucie Euler als Karolinens Kollegenschaft, Herr Bach in der Figur eines ewig alfcholische inspirierten Komponisten fühlten sich gleichfalls in ihren Rollen sichtlich wohl und bildeten so gute Leiter der warmen Seiterfeitstemperatur, die von der Wendtschen Karoline als Ben trale ausströmte. Der Autor hatte in diesen Partien für einen munteren Dialog gesorgt. Der Rest, auf den der Titel deutet, die Geschichte von der weisen Erotante, die ihre liederlichen Verwandten experimentierend auf Probe stellt, war simpler Ballast, doch nicht so schlimmer Art, daß er die luftige Stimmung, die das Episodenspiel hervorrief, niederdrückte. dt. der Sozialdemokratie als Kläger. Rassel, den 13. April. ( Telegraphischer Bericht.) Dienstag, 14. April 1908. selbst als befangen ablehnten. Es mußten infolgedessen aiver Neuschöffen zur Stelle geschafft werden. 127 Genosse au schilb erklärte, daß er die Brivatläger nicht habe persönlich beleidigen wollen. Ebensowenig wie diese dürften sich die anderen Tausende von Mitgliedern des Reichsverbandes in Kassel und anderswo beleidigt fühlen. Er habe lediglich den Reichsberband im allgemeinen treffen wollen. Bert. Frant: Ich will den Nachweis führen, daß eine ganze Anzahl befannter Politifer, die Gegner der Sozialdemokratie find, in genau derselben Weise und in demselben Ton wie der Angeklagte, über die Tätigkeit des Reichsverbandes geurteilt haben. Ich will nachweisen, daß Beute verschiedener politischer Richtung fich abgestoßen fühlen fonnten durch die Kampfesweise dieses Verbandes, die für unser politisches Leben, für das sittliche Empfinden der Nation schwer schädigend gewirkt bat. Ich verweise zunächst auf May Lorenz, der sich in der Antisozialdemokratischen Korrespondenz" sehr scharf gegen den Reichsverband ausgesprochen hat. Loreng war früher selber Sozialdemokrat; er ist dann ausgetreten und hat die Korrespondenz herausgegeben, die sich die Bekämpfung der Sozialdemokratie aur Aufgabe gefekt hatte. Politisch ist Lorenz freifonservativ. Dieser Mann, der die Geschichte und die Organisation der Sozialdemokratie genau fennt, erklärte in seiner Korrespondenz, daß er sich direkt abgestoßen fühle durch die persönlich verlegende Manier, mit der der Reichsverband gegen die Sozialdemokratie vorgeht. Der freifinnige Politifer Dr. Breitscheid hat sich in einer Echrift ähnlich scharf gegen den Reichsverband ausgesprochen: Wer fie", die Reichsverbändler, an der Arbeit gesehen oder an der Hand ihrer Bresse ihre Tätigkeit verfolgt hat, wird sich des Gefühls der Ver achtung nicht erwehren tönnen." Ferner verweise ich auf die Ausführungen des Lehrers Wahl, der in einer liberalen Bersammlung in Staffel gesagt hat, es sei die Aufgabe der Liberalen, der schamlofen Kampfesweise des Reichsverbandes entgegenzutreten. In diefer Versammlung hat Pfarrer Korell den Reichsverband eine Gesellschaft genannt, die so ziemlich am weitesten von jedem Geist sönlicher Verleumbung nicht mitmachen. Jm Nürnberger Anzeiger" und Anstand entfernt ist. Der Liberalismus dürfe diese Art perhaben die Nationalsozialen" von Erlangen begründet, weshalb siz im Wahlkampf auf die Unterstützung des Reichsverbandes verzichtet haben. Sie erklärten, baß der Reichsverband eine Organisation fei, die durch Prinzipienlosigkeit und Unanständigkeit das politische Leben unferes Volkes vergiftet. Das einzige Brinzip biefer prinzipienlosen Organisation sei die erbärmlichste Heuchelei, mit der man unter dem Deckmantel der nationalen Gesinnung die eigenen Geschäfte Dr. Died auf dem Parteitag der freifinnigen Volkspartei, der betreiben wolle. Endlich berufe ich mich auf das Zeugnis des demokratie noch übertroffen". Auch nationalliberale Politiker haben gesagt hat, der Reichsverband habe den Sauherdenton der Sozialfich in ähnlicher Weise über ben Reichsverband ausgesprochen. In Jena hat Paul 8immermann, der Führer der Jungliberalen, aufgefordert, gegen die unsaubere Methode des Reichsverbandes Front zu machen. In der Diskussion hat Professor Harms um öffentlichen Leben. Schließlich hat in Grlangen Graf den Reichsverband charakterisiert als eine unerfreuliche Erscheinung Bothmer aus München ben Reichsverband öffentlich als eine Sumpfpflanze bezeichnet, die nur von Verleumdungen gegen die Sozialdemokratischen Führer lebe. Der Reichsverband sei„ das niederträchtigste, armseligste und erbärmlichste Gebilde, bas in Deutschland besteht". Die Frankfurter Beitung" hat gesprochen ton armseligen Agitatoren", die für färglichen Lohn heute reaktionäre, morgen liberale und übermorgen fleritale Politik treiben müssen". In Darmstadt hat der Reichsverband sich sogar gleichzeitig zwei bürgerlichen Kandidaten zur Unterstüßung angeboten. Der Reichstagsabgeordnete Stüdlen wird als Zeuge befunden, daß die Urteile der bürgerlichen Politiker gegründet find nicht bloß auf den ästhetischen Gesamteinbrud, sondern auf eine Fülle von Borkomm niffen, bei benen in geradezu ungewöhnlicher Weise von der Politif berzerrte Darstellungen gegeben werden. Ich verweise nur darauf, daß der Verband bis in die neueste Beit hinein von Wilhelm Liebfnecht behauptete, er habe 1870 die heimkehrenden Krieger mit zweibeinigen Tieren verglichen. Er hat ferner, trotzdem das Gegenteil erwiesen ist, bon den Schwelgereien in der Banter Stadtverordnetenversammlung gesprochen und schließlich behauptet, die Mannheimer Volksstimme" habe die Urheber der letzten Reichsfinanzreform eine Verbrecherbande genannt. Diese drei Behauptungen find sämtlich unrichtig. Liebknechts Artikel im Boltsstaat hat gerabe die entgegengesette Tendens, die Schwelgerei in Bant besteht darin, daß die Banter Stadtverordneten, die zumeist aus Arbeitern bestehen, während längerer Sitzungen Bier getrunken und Zigarren geraucht haben. Die Mannheimer Boltsstimme" schließlich hat niemals den ihr untergeschobenen Ausbrud gebraucht. Rechtsanwalt Weiß bittet, alle Anträge abzulehnen. Es handle sich hier nicht um einen politischen Prozeß, sondern es komme " Die Plastik beherrscht Maillot mit einer ruhenden, weiblichen Figur. Oppler ftellt eine Reihe Bildnisse aus. Bon Bottner find feine Tier- Keramilen zu erwähnen. Die Privatbeleidigungsflage von 16 hervorragenden Mitgliedern der Kaffeler Filiale des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie gegen das Boltsblatt" fam heute vor dem Echöffengericht zur Verhandlung. Den Vorsitz führte Assessor Vinscher, die Kläger bertritt Rechtsanwalt weiß( Staffel), während Reichstagsabgeordneter Rechtsanwalt Dr. Frant( Mannheim) dem angeklagten Redakteur des„ Boltsblatts", Genossen ausbild, als Rechtsbeistand zur Seite steht. Als Beuge ist Reichstagsabgeordneter Stüdlen anwesend. Der Zuhörerraum war überfüllt. Der Beginn der Verhandlung zog sich sehr lange hin, da beide Schöffen Mitglieder des Reichsverbandes waren und sich Besetzungen mögen im einzelnen noch besser gewesen sein), die um fichtige Regie, die die Kontraste scharf herausarbeitet und doch den zufammenfaffenden Ton findet, hätten es verdient. Die töftlichen Charaftertypen des Wachtmeisters Bolfe( prachtvoll abgerundet von Das Ausland ist nicht zahlreich vertreten. Cézanne, Denis, Hans Marr), der Bimmervermieterin Schwumbe( Fr. Albrecht) Gogh und vor allem ein Daumier aus dem Befiz der Nationalund des verbummelten Studenten( Karl& ore ft) erschöpften die galerie. Stala träftiger fomischer Wirkungen. Das luftige Durcheinander Im wesentlichen also die alte Garbe, beren aielbewußtes Fortverfchiedenster Dialette tam sehr ergöglich heraus. Dem gegenüber schreiten der Kritiker mit Genugtuung und Freude registriert. verblaßt der ernstere Teil der Komödie, die Wolzogen zu einer Tragikomödie hatte steigern wollen. Die beiden weltfremden Jdealisten, die Gebrüder Kern, wurden von Emanuel Reicher und Willi Grunwald- in der leicht angedeuteten Maste der UrMusikchronit. Die Morwig- Dper wird eine typen mit bistreter Nuancierung und der feineren Komit, die Novität mitbringen: das Mufitdrama offuung auf Segen", aus dem Kontrast zwischen Jdeal und Wirklichkeit erwächst, vers das nach Heijermans Schauspiel bearbeitet und von dem Holländer törpert. Die tränenreiche Frau Elfe war in der Gestaltung Fräulein Charles Grelinger fomponiert ist. Die Oper wurde bereits in Orloffs ganz Bartheit und Gefühl. Holland verschiedentlich aufgeführt. Kunft. -. Notizen. - Ein Bola Dentmal, das fünstlerisch bedeutungslos zu sein scheint, wurde in Suresnes bei Baris enthüllt. Die von Montag war Vorbesichtigung der Sezeffion. ber Segeffion. Ueber- ben Nationalisten bombastisch angekündigte Störung des Festes, an raschungen gab es teine. Das Niveau ist ein gleichmäßigeres, dem ein leibhaftiger Minister nicht teilzunehmen wagte, beschränkte rubigeres. Man sucht die Schönheit des Ausgleichs und tommt so sich auf ein paar Dumme- Jungen- Rufe. immer näher dem Ziel, das Künstlerische in der Form zu suchen. Ein Rütlibund gegen die Freibilletts. Wenn so der Eindruck des Großen, Bedeutenden ausbleibt, so 16 Barifer Theaterdirettoren und zwei Direktorinnen Savah ist als Ersay dafür die Vielfältigkeit anzufehen, die es gestattet, die Bernhardt und die Réjane haben in einer bewegten Versamm mannigfachen Bestrebungen in moderner Malerei an den verschiedenen lung den Beschluß gefaßt, teine Freibilletts und Billetts zu halben Dbjeften fennen zu lernen. Bis in die geheimsten Tendenzen der Ent Breisen mehr abzugeben. Eine Ausnahme foll nur für Personen widelung wird hineingeleuchtet; wer ein feines, achtsames Auge befigt, bestehen, die in einem Register der Autorengesellschaft einzutragen wird viel Interessantes wahrnehmen. Es ist der Leitung gelungen, find, außerdem wird jedem Direktor die Befugnis zugestanden, einen Durchschnitt zu geben, ber in seiner Uebersichtlichkeit fehr täglich zwanzig persönliche Freunde" in sein Haus gratis einzulaffen. lehrreich ist. Der Beschluß soll allerdings erst am 1. September in Den Mittelpunkt bildet das Kabinett, das Beibl gewidmet ist. Straft treten und so hat bie große Gemeinde der Freis Man sieht hier Werte verschiedener Zeiten; Werke der breiten berger" genügend geit, gegen die angedrohte Expropriation malerischen Art, Werte der genauen, verfeinerten Form. Man eine Bewegung zu entfeffeln. Eine Reihe von Direktoren fcheint fühlt, daß man hier einem Künstler gegenübersteht, der den alten heute schon teine befondere Luft zu haben, sich der Bestimmung zu Meistern nabekommt. Schönheit des Malerischen und Charakter der fügen. Niemand wird die Uebel leugnen, die das Freikartenwesen Erscheinung ist in dem Wert zu einem ruhigen Eindrud verbunden. und besonders das System ber um den halben Breis" abgegebenen Neben Leibl ist Trübner zu nennen, beffen Kollektion im billets de feveur" zur Folge hat, das in Wirklichkeit sehr oft Hauptfaal bängt. Werte von nicht neuer Prägung, die das sichere darauf hinausläuft, daß naive Leute für solche Billetts den normalen können auch in alten Bildern des Meisters zeigen. Breis bezahlen. Aber andererseits ist es nicht zu bestreiten, daß die Dies sind die einzigen Stollektionen. Schauspieler vor einem wattierten" Parterre lieber spielen als bor einem gähnend leeren, und daß das zahlende Publikum ein Recht darauf hat, nicht unter einer von den„ bielen, die nicht da sind" verschuldeten Stimmungslosigkeit der Aufführung unnötigerweise zu Lessing Theater. Wolzogens Komödie Das Bumpengefinder" bat feit 1891, ihrem Erscheinungsjahr, in mancherlei bänderung immer wieder die Bühne zu erobern versucht und hat es doch nicht zu einem rechten Repertoirestick bringen können. Im Porträt fällt Liebermann mit drei glanzvollen Bild Man möchte meinen, wir hätten einen großen Ueberfluß an humo- niffen auf: danach ist Slevogt mit einem Porträt bon momenristischen Zustandsschilderungen und lustigen Persiflagen. Aber babon tauer Auffassung und Bantot zu nennen. fann ja nicht die Rede sein. Und so ist man denn einigermaßen Leistikom und Münch zeigen stimmungsvolle und fühne leiden. verwundert, daß diese einzige deutsche Bohèmetomödie, die trop Naturausschnitte. ihrer Sentimentalitäten und ihren verfehlten Anleihen bet Jm Stilleben sind die bekannten Arbeiten von Weiß hervor. Rahrungsmittelfälschung und zwar der erste seiner Art, einem ernsten Problem eine Fülle guter Beobachtung, charaf zuheben. Desgleichen ein Aft desselben Künstlers, bem fich eine wird im September in Genf stattfinden. Er wird vom Nolen teristischer Gestaltung und wirksamer Somit enthält. fein gleiche Arbeit von Ortit anichließt. Streuz" organisiert. Der Kongreß soll unter anderem einen anderes Schidial fand. Db die neueste Ausgrabung des Leffing- Dekorative Malereien rühren von Tuch, ettner, Hofer, Nahrungsmittelfoder schaffen, ber die genauen Bestimmungen für Theaters viel daran ändern wird? Die gute Darstellung( frühere Stud, Strathmann her die als unverfälscht zu bezeichnenden Produkte enthält. Ein internationaler Kongreß gegen か tmt darauf B>. ob dasjenige, was der GegNer behauptet hat, als erwiesen anzunehmen sei oder nicht. Es handle sich um Beleidi- gungen, und es komme auch gar nicht daraus an, was die bürger- lichen Politiker vom Reichsverband denken. Bert. Frank bestreitet den 16 Mitgliedern des Reichsver- bandes überhaupt die Aktivlegitiination zur Klage. Wenn allgemein vom Reichsverband gesprochen werde, dürfen nicht die einzelnen Mitglieder klagen. Das Gericht beschliesit nach kurzer Beratung, daß die einzelnen Mitglieder sehr wohl die beleidigende» Ausdrücke auf sich beziehen konnten und deshalb berechtigt sind, Strafantrag zu stellen. Aus der Form der Ausdrücke gehe die Absicht der Beleidigung hervor. Mm, könne nicht beweisen, daß jemand ein Trottel oder Idiot sei. Alle dahingehenden Beweisanträge werden daher abgelehnt. Da- gegen sei es für das Strafmaß erheblich, ob die Behauptungen des ReichsverbandcS über Liebknechts Aeußerung, über die Banter Stadtverordneten und über die„Mannheimer Volksstimme" wider besseres Wissen gemacht worden sind oder nicht. Davon könnte even- tuell abhängen, ob auf eine Freiheitsstrafe oder auf eine Geld- strafe zu erkennen sei. Das Gericht beschließt daher, den Landtags- abgeordneten H u a- Bant und den Redakteur Oskar Geck von oer „Mannheimer Volksstimme" über die vom Verteidiger Frank be- haupteten Tatsachen zu vernehmen.— Verl. Frank erklärt, daß er weitere Vernehmungen beantragen werde, vor allem die Ver- r,ehmung des Vorsitzenden des Reichsverbandes, Generalleutnant von Liebert. Ferner wolle er beweisen, daß der Reichsverband die drei bürgerlichen Reichstagsabgeordneten Naumann, Pfundtner und Dove deswegen beschimpft hat, weil sie an dem Leichenbegängnis des sozialdemokratischen Führers Jgnaz Auer teilgenommen haben. Das Gericht setzt hierauf die Verhandlung auf unbestimmte Zeit aus. um weitere Beweisanträge von beiden Seiten entgegen- zunehmen._ Hus Induftrle und FtandeL Warenpreise im März 1908. Im März d. I. war für eine Reihe wichtiger Waren der Preis höher als im gleichen Monat des Vorjahres. Die Zusammen- stellungen der„Statistischen Correspondenz" ergeben, nach den Marktpreisen an 230 Orten, folgende Durchschnitte pro 1060 kg in M. im März 1907 1908 Weizen....... 181 205 Roggen....... 168 188 Gerste....... 161 165 Hafer........ 175 159 Erbsen....... 247 263 Speisebohuen..... 311 290 Linsen....... 582 529 Eßkartoffeln..... 50 63,7 Richtstroh...... 49,2 51,3 Heu........ 54,2 72,2 Rindfleisch...... 1273 1224 Demnach waren im März 1908 die Preise für Rindfleisch, Hafer, Speisebohnen und Linsen niedriger, dagegen höher, und zum Teil recht erheblich, für Weizen, Roggen, Gerste. Erbsen. Kartoffeln und Heu. Im Kleinhandel zeigt sich für Butter und Mehl ein er- heblich höheres Preisniveau. Es kostete nämlich 1 kg in Pf. in 1903 im März Zunahme 1907 1908 in Proz. Eßbutier...... 244 265 8,6 Weizenmehl..... 32 36 12,5 Roggenmehl..... 28 32 14,3 Die hohen Mehlpreise bedingen auch exorbitante Preise für Brot und sonstige Backware». Bei vermindertem Einkommen*norm- gestiegene Preise für die wichtigsten Lebensmittel. Das ist die Situation für Millionen Arbeiter, und die Aktionäre emten jetzt die Dividenden der Hochkonjunktur._ Umsiibe der GroßeinkaufSgcsellschaftcn der Konsumvertine. 1907 Vermehrung in M. gegen 1906 Proz. England: C. W. S.. Manchester. 495 731 360'41791 400 9,12 Schottland: S. E. W. S.. Glasgow 152 069 200 9 265 540 6,09 Deutschland: G. E. G.. Hamburg 59 866 220 13 362 983 28. 7 Schweiz: V. S. K.. Basel... 11 483 348 2 965 079 34. 8 Ungarn: Hangha, Budapest.,. 10 130 776 2 397 982 23,65 Frankreich: Wh d. G., Paris*.. 3 098 400—— Dänemark: Jällesforeningen.. 40 989 099 6 390 840 15,59 *) Umsatz in 14 Monaten sSeplember 1906 bis November 1907). Außenhandel in Holz. lieber die Ein- und Ausfuhr Deutschlands an Holz in der Zeit von 1890 bis 1905 ergibt sich nach der„Stat. Korr." aus den soeben erschienenen Amtlichen Nachrichten aus der Forstabteilung des Land- wirtschastsministerinms, daß 1905 in das deutsche Zollgebiet an Holz 50 012 166 Doppelzentner ein-, 4 790 782 ausgeführt wurden. Der Ueberschuß der Einfuhr betrug mithin 55 121 384 Doppelzentner und übertraf den vordem unerreichten des Jahres 1904 noch um 7,3 Hundertteile. Besonders zugenommen hat wieder die Einfuhr von Schleifholz und Holz zur Zellstofffabrikation, seit 1902 um mehr als das Doppelte, seit 1890 und 1801 von 176 938 bezw. 119 698 Doppel- zentner bis auf 3 896 188 Doppelzentner. Dagegen erzielten die Holzkohlen zunächst noch einen bedeutenden AuSfnhrnberschutz. der in der zweiten Hälfte des fraglichen Zeitraumes aber in das Gegenteil umschlug. Die Ausfuhr übertraf die Einfuhr 1800 um 1252100, 1897 noch NM 35 480 Doppelzentner, blieb aber von nun an ständig hinter dieser zurück. Den größten und wichtigsten Teil des Holz- Verkehrs beansprucht aber das Bau- und Nutzholz, von dem 1890 ein- und ausgeführt wurden 32 805 857 lind 2 988 858 Doppel- zentner, 1905 dagegen 53108 566 und 3 085 030; der Einsuhr- Überschuß ist mithin seit 1390 um 67,8 v. H. gestiegen. Gesellschaft für elektrische Unternehmungen in Berlin, lieber die Unternehmungen, an denen die Gesellschaft beteiligt ist, wird im Geschäftsbericht u. a. mitgeteilt: Die British Thomson Houston Eoinpanl) wird auch für 1007 nicht in der Lage sein, eine Dividende auf ihre Stammaktien zu verteilen. Die Aktiengesellschaft für elektrische und Berkehrsnnternehmungen in Budapest wird lvieder 7 Proz. Dividende, die Sociöte Financivre de Transports et d'Entreprises Industrielles 7 Proz., die Societe Gönörale Belge d'Entreprises Electrigues in Brüssel 7Vz Proz. Dividende ansschulten. Bei der Eleklrizitätslverk Südwest Äkliengesellschaft in Schöneberg werden für 1907 8 Proz. (i. B. 7 Proz.) zur Verteilung gelangen. Die Deutsch-Ueberseeische Elekirizitätsgeselljchast in Berlin wird, wie im Vorjahre(O'/s Proz.) ergeben. Bei der Kiewer Eleklrizitätsgesellschaft loird die Dividende voraussichtlich 6 Proz. auf das Aktienkapital von 4000000Rubel betragen gegen 5 Proz. im Borjahre. Die Südliche Berliner Vorortbahn wird eine Dividende auch für das Jahr 1907 nicht verteilen. Die Gesellschaft der Brünner elektrischen Straßenbahnen wird für 1907 wieder 1*1 a Proz., die Aktiengesellschaft der Rigaer Straßenbahnen 6 Proz. lgegen 3 Proz. im Vorjahre) zur Verteilung bringen. Die Kjobenhovnske Sporvcje in Kopenhagen wird wieder eine Dividende von 6 Proz. wie im Vorjahre verteilen. Bei der Kristiana Sporveisselsknb in Christiana wird die Dividende 7 Proz. betragen gegen Q\!? Proz. für 1906. Die Sociötü Anonyme des TramwayS Provinclanx de Naplcs in Brüssel wird für 1067 lö'/g Fr.(gegen 14 Fr. im Vorjahre), die TramwayS de Bareelone in Brüssel 7'/„ Proz. aus- schütten. Die TramwayS et Electrieits de Bilbao in Brüssel werden eine Dividende von 4,08 Proz. pro rata tomporis ver- teilen. Die im Besitze der Societe Anonyme des TramwayS Unis de Bucarest in Brüssel befindlichen Bukarester Pferde- bahnen haben für 1906 zum ersten Male eine Dividende von 2 Prozent verteilt und werden für das Jahr 1907 voraussichtlich etwas mehr ausschütten können. Bei der Gesellschaft für elektrische Unternehmungen betrug im Jahre 1907 der Gewinn aus Dividenden und Zinsen 3 940 348 M.(i. V. 3 590 444 M.) und aus Verkäufen 1 419 207 M.(1 792 915 M.). wozu der Vortrag mit 188 743 M. (150 783 M.) tritt. Der Reingewinn stellt sich auf 3 686 108 M. /z Uhr findet für die Bezirke 157—160 und 259 im Gewerkschafts- Haus, Saal 7 ein Extrazahlabend statt. Die Mitglieder werden er- sucht, recht zahlreich zu erscheinen. Am Karfreitag findet eine Herrenpartie statt. Treffpunkt Station Eichkamp. Zu erreichen mit der Bahn Stadtbahn— Grüne- wald oder mit der Straßenbahn bis Westend(Endstation), von da Vi Stunde zu Fuß bis Eichkamp. Abmarsch von Eichkamp Punkt 10 Ubr nach Pichelswerder zum Alten Freund,(Mittagspause), dann zurück über Westend. Lichtenberg. Heute abend SV, Uhr findet im.Schwarzen Adler', Frankfurter Chauffee 5, eine Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1.„Die politische Lage und die bevoZrstehendenLandtagSwahlen". Referent: Redakteur Genosse Ströbel. 2. Ersatzwahl zum Vorstand. 3. Vereins- ongelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Britz-Buckow. Am heutigen Dienstag, abends Vz9 Uhr, findet bei Weniger, Werderstraße 23, die Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Die bevorstehende Landtagswahl. 3. Verschiedenes. Wegen der Wichtigkeit der Tages- ordnung, besonders des zweiten Punktes, erwartet das Erscheinen sämtlicher Mitglieder Der Vorstand. Grünau. Heute Dienstag findet die regelmäßige Versammlung des WahlvcreinS statt. Da die Landlagswahlen auf der Tages- ordnung stehen, so ist eS notwendig, daß alle Mitglieder erscheinen. Der Vorstand. Königs-Wusterhausen und Umgegend. Den Parteigenossen zur Kenntnis, daß am Mittwoch, den 15. April, abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn Wedhorn eine Wahlvereinsversammlung stattfindet. Tages- ordnung: Berichterstattungen und Stellungnahme zur Maifeier. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Weißens«. Heute Dienstag, den 14. April er., findet abends «'/s Uhr im Vereinshause, Charlottenburger Straße 150, eine öffent- liche Versammlung statt. Genosse Hirsch-Charlottenbnrg spricht über die Landtagswahlen. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen aller Genossen ist Pflicht. Der Vorstand. Hohen-Schönhausen. Am heutigen Dienstag abends 8 Uhr findet im Lokal des Genossen Herschleb, Berliner Straße 93, die Ver- sammluug des Wahlvereins statt. Genosse Emil Kloth wird über die LandtaaSwahl referieren. Es ist Pflicht der Parteigenossen, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. Wilhelmsruh- Nicder-Schönhause»(West). Heute Dienstag, abends 8 Uhr: Mitgliederversammlung bei Barth, Viktoriastr. 7. Vortrag über die Technil der Landtagswahl. Rege Beteiligung ist Pflicht._ Der Vorstand. Berliner J�acbricbten. Furcht vor dem Sozialisteubazillus auf dem Tempelhofer Felde. Auf dem militärfiskalischen Tempelhofer Felde tummeln sich fast das ganze Jahr hindurch, wenn es die Witterung irgend erlaubt, vor allem an den Sonntagen zahlreiche Sport vereine in fröhlichem Spiel. Der Form halber muß das Gcneralkommaudo des Gardekorps alljährlich von neuem um die Spielerlaubnis ersucht werden, die auch immer anstandslos erteilt wird. Sehr erstaunt war daher der Berliner Sport' klub„Arminia", als er auf sein übliches Gesuch in diesem Jahre an Stelle der gewohnten Zusage dieses Schreiben erhielt: Gardekorps. Berlin C. 2., den 14. März 1908. Geueralkommando. Hinter dein Gicßhause. Sekt. Ib Nr. 3566. Die durch das Schreiben vom 11. 3. d. I. erneut nachgesuchte Erlaubnis zum Spielen auf dem Tempelhofer Felde kau» nicht erteilt werden, weil sich unter den Mitgliedern des Vereins ein Sozialdemokrat befindet. Von feiten des Generalkomniandos Der Chef des GcneralstabeS. i. V. v. Eberhardt, Generalmajor. Der Vorstand des harmlosen Fußballkubs„Arminia" tvandte sich, um nähere Aufklärung bittend, von neuem an das Geueralkommando des Gardekorps mit der Beinerkung, daß der Klub mit Politik oder Sozialdemokratie nicht das ge ringste zu tun habe. Darauf antwortete das Generalkommando unterin 23. März er.: Auf das Schreiben vom 18. d. M. teilt das General- konnnando mit, daß mit dem im Schreiben vom 14. d. M. erwähnten Sozialdemokraten der in dem Mitgliederverzeichuis(ein- gereicht 12. IL) vermerkte Schriftgießer Felix W.... gemeint ist. Von feiten des Generalkommandos. Der Chef des Generalstabes. V. v. Eberhardt, Generalmajor. Interessant ist an diesem neuesten Beitrag der Sozialisten bekämpfung durch die Militärbehörden das offenbar mit größter Gelvissenhastigkeit ausgebaute Spitzelsystem. Weil man glücklich herausgefunden hat— mit oder ohne Hülfe der Polizei— daß ein Mitglied des Sportklubs auch im sozial demokratischen Wahlverein organisiert ist, wird der gänzlich unpolitische Fußballklub in Acht und Bann getan, wahr scheinlich in der stillen Hoffnung, daß er schleunigst das räudige Schaf aus seinen Reihen entfernt. Diese Art der Sozialistenbekämpfung durch ein königlich preußisches Generalkommando erweckt recht hübsche Per- spektiven für die Zukunft. Vielleicht verbietet das Generalkommando des Gardekorps künftig jedem Sozial- dcmokraten das Betreten des Tempelhofer Feldes überhaupt. Die Schwierigkeiten des Erkennens der roten Umstürzler sind nicht allzu große, wenn man etwa nach dem Grundsatz ver- fahren wollte, daß jeder gewöhnliche Zivilist, der das geheiligte Terrain des St. Militarismus betritt, entweder eine Mitglieds- karte des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdcmo- kratie besitzen oder jedem Kontrollbeamten an Eidesstatt ver- sichern muß, daß er unbedingter Anhänger der gegenwärtigen Staats- und Gesellschaftsordnung ist. Wer diese Bedingungen nicht erfüllt, wird vom Genüsse der frischen Lust auf dem Tempelhofer Felde ausgeschlossen. ?robatum est!_ Ucber die Zukunft des Aquarium? sagt in einer Eingabe an den Berliner Magistrat der Direktor des Instituts Dr. Hermes: „Die Direktion hat sich mit der Verwaltung deS Zoologischen Gartens in Verbindung gesetzt, von der Ansicht ausgehend, daß der Zoologische Garten der geignetste Platz für die Erbauung einer neuen Anstalt sein würde, weil durch eine solche Angliedcrung die gesamte Tierwelt an einer Stelle— von den höchstorganisiertcn Tieren den anthropomorphen Affen, bis zu den niedrigsten Tieren, den einzelligen Lebewesen— vereinigt wäre und so den Besuchern �ein Gesamtbild des Tierlebens geboten werden könnte. Die Ver- � waltung des Zoolgischen Gartens begrüßte die gegebene Anregung , und erklärte sich bereit, einen geeigneten Platz im Zoologischen Garten am Kurfürstendamm dann zur Verfügung zu stellen, wenn ihm ein Ersatz durch Ueberlassung eines anderen Platzes seitens der Tiergarten-Verwaltung geboten würde. Der Finanzminister, der dem neuen Unternehmen lebhaftes Interesse entgegenbringt, hat bereits den dahingehenden Antrag der Verwaltung des Zoologischen Gartens genehmigt. Der am Kurfürstendamm, rechts vom Eingang zum Zoologischen Garten gelegene Platz hat eine Größe von 65 mal 35 Meter. Nach oberflächlicher Berechnung wird der Bau etwa 700 000 M. kosten. In der neuen Anstalt sollen die in dem alten Institut vorhandenen Abteilungen für Affen und Vögel fortfallen, dagegen eine neue Abteilung für die Ausstellung lebender Insekten — einheimische und exotische Schmetterlinge, Käfer, Heuschrecken usw.— und wissenschaftliche Laboratorien zu Studienzwccken ein- gerichtet werden. Zur Verwirklichung dieses Planes soll eine Gesellschaft ge- bildet werden unter der Voraussetzung, daß die städtischen Behörden ihren Bestrebungen entgegenkommt. Die Stadt Berlin gewährt dem bestehenden Berliner Aquarium eine Unterstützung von jährlich 23 000 M., wofür den Zöglingen der städtischen höheren Lehr- anstalten, der Gemeindeschulen, der Taubstummenschule und der Schulen der Waisenverwaltung freier Eintritt in das Aquarium gestattet wird; außerdem ist die Gesellschaft verpflichtet, lebendes und konserviertes Unterrichtsmaterial aus ihrer zoologischen Station zu Rovigno auf Verlangen zur Verfügung zu stellen. Der Vertrag mit dem Zoologischen Garten soll nach der erfolgten Verabredung auf 40 Jahre abgeschlossen werden. Wenn die städtischen Behörden bereit wären, den jährlichen Zuschuß um einige Tausend Mark zu erhöhen und ihn für die Dauer des Vertrages zu bewilligen, so würde es der neuen Gesellschaft möglich sein, ein Kapital von 500 000 M. durch Ausgabe von 4 oder 4�proz. Obligationen zu beschaffen, indem durch die Unterstützung der Stadt die Verzinsung und Amortisation dieses Kapitals gesichert wäre. Die über 500 000 M. hinausgehenden Kosten für den Bau und die Ein- richtung des neuen Instituts sind von der Gesellschaft aufzubringen. Nach 40 Jahren soll die Anstalt unentgeltlich in den Besitz des Zoologischen Gartens übergehen. Aller Voraussicht nach wird mit Rücksicht auf die Vereinigung mit dem Zoologischen Garten, mit Rücksicht auf die günstige Lage und die mit der Erweiterung ihrer Aufgaben erhöhte Anziehungskraft die neue Anstalt größere Ein- nahmen erzielen als die jetzige. Der erzielte Neingewinn könnte, wenigstens zum größten Teil, für die schnellere Amortisation des Gesamtkapitals verwendet weroen. Es sei bemerkt, daß das über 500 000 M. hinausgehende Kapital nickt über 5 v. H. verzinst werden, die Gesellschaft also nicht den Charakter einer Erwerbs- gcsellschaft annehmen soll. Der cvent. zu gründenden Gesell- schaft(Dr. Hermes usw.) ist nur daran gelegen, das Pro- jekt zu verwirklichen. Die Hauptsache bleibt die Unterstützung seitens der Stadt Berlin, ohne welche die Errichtung eines dem Berliner Aquarium ähnlichen Instituts aussichtslos erscheint. Die Gesellschafter hoffen, daß nach den Vorgängen in bezug auf die Erhaltung der Treptoiver Sternwarte sich auch für die neu zu gründende Anstalt ein Weg finden wird, um der Rcichshauptstaot ein Institut zu schaffen, das sich— wie das Berliner Aquarium— der allgemeinen Sympathie erfreuen dürfte." Auch wir wünschen die Erhaltung des Instituts und Unter stützung durch die Stadt Berlin; nur möchten wir bei dieser Ge legcnheit den Wunsch aussprechen, daß den Schülern und Schülerinnen unserer Schulen mehr wie bisher die Sehenswürdig' leiten des Aquariums zugänglich gemacht werden. Hoffentlich be achtet auch bei neuen Verhandlungen der Magistrat den von unserem Genossen Borgmann anläßlich der Etatsberatungen vor getragenen Wunsch auf Berücksichtigung der Kinder unservr Riesel' felderschulcn._ Abholung von Postpaketen. Die Einlieferung von Paketen durch die Pakctbestellcinrichtungen der Post wird immer noch so wenig benutzt, daß die Postverwaltung hierdurch von neuem darauf hinweisen läßt. Sämtliche im Dienste befindliche Paketbesteller sind zur Entgegennahme gewöhnlicher Pakete und zur Einlieserung bei der nächsten Postanstalt verpflichtet. Sie nehmen die Pakete inner- halb der Häuser, die sie zum Zwecke der Bestellung oder Abholung betreten, und an den Postwagen entgegen. Die Abholung kann auch schriftlich bestellt werden. Man richtet ein Bestellschreiben oder eine Bcstellkarte an das kaiserliche Paketpostamt in Berlin dl. 24 in der Oranienburger Straße 70. Die Pakete werden dann aus den Woh- nungen abgeholt, die in dem Schreiben angegeben sind. Die Bestell- schreiben und Bcstellkarten werden unentgeltlich befördert. Für die von den Paketbestellern auf ihren Bestellfahrten eingesammelten Pakete wird außer dem Porto eine Gebühr von 10 Pf. erhoben. Wozu die Rettungswache im katholischen Hedwigskrankenhaus, Gr. Hamburger Straße, nicht da ist. Wir erhalten folgende Zu- schrift: Am 8. d. M. fiel der neunjährige Sohn des Schneidermeisters Hohmut in der Gr. Hamburger Straße 38 auf dem Koppenplatze hin und erlitt einen Beinbruch. Mitleidige Passanten trugen ihn darauf zur Rettungswache des Hcdwigskrankcnhauses. Hier wurhe das Kind zwar mit Röntgenstrahlen untersucht, erhielt aber keinen Notverband, trotzdem die Mutter es bezahlen wollte; es wurde ihr gesagt, sich einen anderen Arzt zu suchen. Nun wurde das Kind ohne Notverband nach der vier Treppen hoch belegenen elterlichen Wohnung gebracht. Da die Eltern in ihrer Angst nicht wußten, wo sie. so schnell einen Arzt herbekommen sollten, schickten sie nach dem jüdischen Krankenhaus und baten um Hülfe, worauf das Kind dann dort erst den Notverband erhielt. Für das Kind hätte das Hin- und Hertransportiercn böse Folgen Wben können." Uns ist das Verhalten des aussichtführenden Herrn der Rettungswache unverständlich. Endlich. Mit der Abtragung des MüllbergeS am Stralaucr Anger ist gestern begonnen worden, nachdem in den letzten Tagen bereits Arbeiter mit Planiernngsarbeiten beschäftigt waren. DaS „Berliner Tageblatt" teilt mit:„Der Unternehmer, dem die Fort- schaffung der 180 000 Kubikmeter Müll übertragen ist, rechnet vor- läufig mit der Einstellung von— sage und schreibe— 50 bis 100 Arbeitern; der Verdienst des einzelnen Arbeiters wird bei zehn- stündiger Arbeitszeit durckschnittlick täglich 3.50 M. betragen. DaS Müll wird in Kähnen nach Köpenick gebracht. Bis zum Herbst wird der Schuttplatz geräumt sein." Langsam, sehr langsam gehen demnach die sogenannten Not- standSaroeiten von statten. Was die Angabe über den gezahlten Lohn anbetrifft, so steht sie mit der Mitteilung deS Stadtrats Fisch- beck, daß 4 M. bezahlt würden, in Widerspruch. Der Geschichtsunterricht in der Ardeiterbildungsschule am kommenden Sonnabend fällt Ostern wegen aus. Der Knabenmord. Den Bemühungen der Kriminalpolizei ist eS jetzt gelungen, die Person des im Tiergarten zerstückelt aufgefundenen Knaben fcstzu- stellen. Der Tote ist der am 9. März 1893 zu Köresmetzo in Ungarn geborene Knabe Hermann Bleicher, der zuletzt bei dem Schneider- meister Laub in der Steiustr. 1 in der Lehre war. Blecher hatte einen unbezähmbaren Hang zum Umhertreiben. Am 6. April wurde er zum letzten Male gesehen. Am Abend dieses Tages um 9'A Uhr entlief er seinem Meister, ohne daß dieser eine Anzeige erstattete. Blechcr sollte am 9. d. M. in einem Prozeß als Entlastungszeuge für einen Mann namens Lehrer aus der Grenadierstraße 13 auftreten, erschien aber nicht. Nun wurde der Verdacht rege, daß Blecher möglicherweise der ermordete Knabe sein könnte, und die Kriminalkommissare-Wannowski und Peters ver- folgten die Spur besonders sorgfältig und mit Erfolg. Zunächst wurde ermittelt, daß der'zerstückelte Knabe erst kurz vor seiner Er- niordung an einem linksseitigen Leistenbruche in ärztlicher BeHand- lung gewesen sein mußte. Nachforschungen in Krankenhäusern er- gaben daß vor einiger Zeit im jüdischen Krankcnhause ein Knabe im Alter des Ermordeten an einem Bruchleiden behandelt wurde. Es konnte dann auch der Bandagist ermittelt werden, bei dem Blecher ein Bruchband gekauft hatte. Dieser Bandagist und Dr. Carv vom jüdischen Krankenhause bezeichneten dann im Schauhause bestimmt die Leiche des Zerstückelten als die ihres Patienten Blecher. Jetzt wurde auch der in der Lothringer Straße 71 wohnende Vater des Ermordeten herbeigeholt, der tln der Leiche seinen Sohn er- kannte. Bon anderer Seite wird zu dem Knabenmord noch gemeldet: Der ermordete Knabe ist der am 5. März 1893 zu Köresmetzo in Ungarn geborene jüdische Schneiderlehrling Fectas genannt Her- mann Blccher, der seit einem halben Jahre bei dem Schneidermeister Laub, auch einem Ungarn, in der Steinstr. 1 in der Lehre tvar. Der Vater des Ermordeten ist Kassierer in dem Abzahlungsgeschäft von Baron in der Auguststr. 45 und wohnt als Witwer bei der Plätterin Frau Lorbeer in der Lothringer Straße 71. Die letzten Spuren von Blecher deuten darauf hin, daß er in der Dienstag- nacht im Abbruchquartier des Scheuncnviertcls ermordet und zcr- stückelt worden ist. Der Stein, der das im Faulen Graben ge- sundcne Paket beschwerte, ist nach sachverständigem Gutachten nicht ein Stück von einer Straßcnfliese, sondern von einem Flurbelag. Vorgestern hat die Kriminalpolizei sofort die ganze Gegend, in der der Ermordete zuletzt gesehen wurde, nach einem ähnlichen Stein abgesucht. An der Abbruchecke im' Scheunenviertel, aus dem Dreieck zwischen der Kleinen Alexander-, Grenadier-, Linien- und Schön- Häuser Straße fand sie ein Stück von gleichem Bruch, gleicher Stärke und gleichen Maßen. Die Bekanntschaft Blechers in jener Gegend, sein letzter Aufenthalt dort und der Stein deuten auf das Scheunen- viertel als Tatort. Wahrscheinlich ist der Knabe in einem Keller. auf einem Boden oder in irgend einem jener vielen Häuser des Scheuncnviertels. die dem Abbruch geweiht und nicht mehr bewohnt sind, erdrosselt und zerstückelt worden. Alle diese Häuser werden jetzt auf das genaueste durchsucht, bis vorgestern abend noch ohne Erfolg. Gestern wurden diese Nachforschungen fortgesetzt. Zugleich wurden alle Leute, die dort irgendwie zu tun haben und die vor- gestern nicht zu erreichen waren, gestern über etivaige Wahr- nehmungen vernommen. Der Täter ist noch nicht ermittelt worden Für den Fortgang der Untersuchung kommt es jetzt unter anderen. darauf an, über den letzten Aufenthalt Blcchers noch Einzelheiten zu ermitteln. Eine weitere Nachricht besagt: Ein Heer von Beamten hat sich über das Sckeunenviertel ergossen. Bei ihren Nachforschungen nach dem Tatort, der offenbar im Scheunenviertel liegt, fanden Kriminal- beamte in dem aus den Abbruch leerstehenden zweiten Hause der Amalienstratze von der Ecke der Hirtenstraße aus, an dem großen Platze, an dem die meisten Häuser schon gefallen sind, in einer Küche des zweiten Stockwerkes eine Blutlache, die noch nicht allzu. lange dagewesen zu sein scheint. Auch an der Wand und in den Aschenrcsten in der Kochmaschine entdeckten sie Blutspuren, an- scheinend Spritzer. Die Blutspuren müssen aber noch genau durch den Gerichtschemikcr untersucht werden. Das Haus wurde einst- weilen gesperrt. Auf Grund der Zeitungsmitteilungen ist weiter festgestellt worden, daß sich Blccher am Montag abend, nachdem er um 10 Uhr in der Münzstraße gesehen worden war. später noch längere Zeit in einem Lokal in der Alexanderstratze aufgehalten hat. Er sprach dort auch mit mehreren anderen Gästen und ging dann fort. Ucber seinen weiteren Verbleib konntck noch nichts ermittelt werden. Ein Berzweiflungsschritt. Mit ihrem Kind stürzte sich vorgestern die 33 Jahre alte Wirk- schafterjn Klara Schwarz aus der Katzlerstr. 15 in den Neuen See. Die Mutter wurde noch lebend aus dem Wasser gezogen und der Charite als Polizeigcfangene überwiesen, während ihre neun Monate alte Tochter Erna nur als Leiche geborgen wurde. Die Motive des Mordes und des Selbstmordversuches der unglücklichen Mutter sind in bitterer Not zu suchen. Klara Schwarz hatte mit dem Metalldrehcr Oskar K. ein Verhältnis unterhalten. K. soll aber weder für seine Geliebte noch für die kleine Erna gesorgt haben, so daß die Mutter schließlich mit ihrem Kinde aus dem Leben zu scheiden beschloß._ Drei schwere Unglücksfälle im Eisenbahnbetriebe. Ein entsetz- licher Unfall hat sich auf der Stettiner Bahn zugetragen. Ein Viehtransporteur, der für die Zentrale für Viehverwertung einen Transport Ochsen zu begleiten hatte, stürzte zwischen den Stationen Pankow und Eberswalde aus dem Gepäckwagen des Güterzuges heraus und fiel unglücklicherweise auf das Nebengleis, auf dem in diesem Augenblick ein anderer Güterzug herangcfahren kam. Bevor man den Verunglückten noch zurückreißen konnte, war er von der Maschine erfaßt und vollständig zerstückelt worden. Die Leichenteile wurden beschlagnahmt.— Einen tödlichen Verlauf nahm auch ein zweiter Un- glücksfall, der sich im Vorortsverkehr ereignet hat. Zwischen den Stationen Erkner und Friedrichshagen wurde der 35 Jahre alte Streckenwärter beim Kontrollieren der Gleise von einem Vorortzug erfaßt und überfahren. Der Bedauernswerte wurde auf der Stelle getötet.— Große Aufregung rief ein Unfall hervor, der sich Sonntag abend auf dem Stettiner Bahnhof zugetragen hat. Der Gepäckträger August Zimmer war im Begriff gewesen, an den kurz vor 10 Uhr eintreffenden Personenzug Heranzugehen, um Gepäck- stücke abzuholen. Er hielt sich dicht am Gleise und wurde infolge- dessen von der Maschine ersaßt und auf die Gleise herunter- geschleudert. Der Lokomotivführer brachte den Zug sofort zum Stehen. Z. war schrecklich zugerichtet worden. Die Ferse war ihm vollständig abgefahren und der rechte Oberarm zermalmt worden. Der Schwerverletzte fand in der Charite Aufnahme. Unter dem Auto. Das Opfer eines schweren Automobilunfalls ist der 11jährige Schüler Georg Schreiber aus der Hollmannstr. 24 geworden. Der Knabe hatte von seinem Vater den Auftrag er- halten, einen fertiggestellten Anzug nach der Blücherstraße zu tragen. Als er an der Heilig-Kreuzkirche den Fahrdamm über- schritt, wurde er von einem vorübcrsausenden Droschkcnautomobil umgerissen und unter die Räoer geschleudert. In besinnungslosem Zustande trugen Passanten den Verunglückten nach der nahen Un- fallsstation, wo der Arzt schwere innere Verletzungen bei ihm fest- stellte. Sch. fand im Krankenhause Am Urban Aufnahme. Großfcuer in Stralau. Ein gewaltiger Brand wütete in der SonntagSnacht in Stralau. Das umfangreiche Lagerhaus für Polsterwaren von der Firma August G o l z e. Alt-Stralau 13, wurde vollständig ver- nichtet, fodaß der Brandschaden etwa 200 000 M. beträgt. Bei den Ablöschungsarbeiten. an denen sich auch zwei Züge der Berliner Feuerwehr beteiligten, verunglückten leider einige Feuermänner. DaS Feuer entstand auf bisher noch nicht erniittelte Weise im Innern eines sechzig Meter langen und zwölfMeter breiten l'/z stöckigen Fabrikgebäudes, das von der Firma August Golze zuLagerzwccken fürPolsterwaren. wie Werg, SeegraS, Jute und Jndiafasern benutzt wurde. Als man gegen Mitternacht, durch das laute Geheul eines Bernhardinerhundes aus dem Schlaf geschreckt, die Gefahr bemerlte, schlugen schon aus mehreren Fenstern die hellen Flammen hervor. Mit unheimlicher Schnelligkeit breitete sich nun das Feuer aus. so daß bei Ankunft der Ortsfeuerwehr bereit» da» ganze Gebäude lichterloh brannte. Bald eilten auf den Feuerschein hin auch die freiwilligen Feuerwehren von Ober-Schöneweide, Boxhagen-RummelSburg und K a r l Z h o r st zur Hülfe- leistung herbei. Von allen Seiten drangen die Rohrfiihrer vor, ohne daß es gelingen wollte, dem Feuer Einhalt zu gebieten. Die Flammen fanden immer neue Nahrung und drohten auf die Anchbargebäube überzuspringen. Namentlich war die angrenzende GenossenschaftSbrauorei. Alt Stralau 14/15, stark ge fährdet. Angesichts dieser bedrohlichen Situation wurde nunmehr auch die Berliner Feuerwehr um Hülfe angegangen. Sofort rückte Brandmeister Berg mit zwei Löschzügen nach der entfernt liegenden Brandstelle aus. Eine Berliner Dampfspritze legte direkt an der Spree an, während die zweite das Wasier einein Hydranten entnahm. Im Verein mit den freiwilligen Wehren wurde schließlich mit vierzehn Rohren Wasser gegeben. Die Löschmannschaften hatten sehr unter Hitze und Rauch zu leiden. Teilweise Hobe die Rohrführer Türen von benachbarten Schuppen aus und stellten sich hinter diese, um Schutz vor der enormen Hitze zu suchen. Trotzdem unausgesetzt gewaltige Wassermengen in die Glut gesandt wurden, konnte dein Fener doch nur langsam Terrain abgewonnen werden. Erst gegen 4 Uhr galt die Hauptgefahr für beseitigt. Etwa vierzig Pferde, die zum größten Teil der Genossenschafts brauerei gehören, konnten noch rechtzeitig in Sicherheit ge bracht werden. Dagegen ist der wertvolle Bernhardinerhund, der zuerst Lärm geschlagen hatte, nntverbrannt. Man fand ihn in einem Kontorrmim, wohin er sich in der Angst durch ein F e n st e geflüchtet hatte, tot vor. Das mit IVO OOO M. versicherte Lagerhaus ist mit seinem Inhalte vollständig zerstört, nur die Umfasiungs mauern stehen noch. Neben der Firma G o l z e, die etwa für 70 000 M. Waren verloren hat, erleidet noch die Schiffsschrauben fabrik von Oskar Lahser und die Schmiede von Pfeif fe größere Verluste. In der fünften Morgenstunde verließen die Berliner Löschzüge, sowie die OrtSwehren aus Oberschöneweide, Boxhagen-Runimelsburg und KarlShorst den Brandplatz. Einige Fenerleute mußten sich in ärztliche Behandlung begeben, da sie sich Rauchvergiftungen zugezogen hatten. Von der Stralauer Ortö wehr, die gestern noch den ganzen Tag über mit den Aufräumnngs arbeiten zu tun hatte, verunglückte ein Feuermann dadurch, daß einen Axthieb über die rechte Hand erhielt. Auch in Berlin selbst kam in der SonntagSnacht Brand rniS, und zwar in der A d a l b e r t st r. 20. die Wehr mit drei Schlauchleitungen eingreifen, um die den D a ch st u h l des rechten Seitenflügels und erfaßt hatten, zu ersticken. Während der AblöschnngZarbeiten er- krankten zwei Feuermänner(Hahn und Heideureich) infolge starker Raucheinatmung.— Endlich braimte noch der Dachstuhl des Vorder- hause« Junkerstr. 10. Hier stellte die Wehr zwei ver- schiedene Brandherde fest, sodaß eS sich wieder einmal um böswillige Brandstiftung handelt. er ein großer Hier mußte die Flammen. Ouergebäudes Ei» eigenartiger Vorgang spielte sich Sonntagabend gegen 10'/z Uhr in der Restauration von Woltersdorf, Manteuffelstr. 42. ab. Dort hatte sich unter anderen Gästen auch ein Droschkenkutscher eingesunden. Plötzlich gewahrten einige Gäste, daß der alte Mann vollständig betäubt dasaß. Sie eilten hinzu und brachten ihn durch verschiedenerlei Erfrischungen wieder zur Besinnung. Eine Frau gab an, daß sie einen Mann beobachtet habe, der vis-a-vis von dem alten Kutscher gesessen und ihm etwas unter die Nase gehalten habe. Der Fremde sei jedoch, als der Vetäubungszustand merkbar lvnrde, schnell vcrschtvunde». Eine Verfolgung des Täters war crgrbnkSlos. Im Theater an der Spree gelangte am Sonnabend„D e r Omtel aus K o t t b u s",«ine Berliner Posse mit Gesang und' Tanz in fünf Bildern, zur Aufführung. Selbst der Theaterzettel mutz zugeben, daß es sich um nichts Neues handelt, denn er sagt selbst:»Nach älteren Motiven" bearbeitet. In Wirklichkeit ist das auch der Fall. Rentier Kulike aus Äottbus kommt nach Berlin und erlebt iln Automat, im Zoologischen Garten, im Panoptikum, bei einer Chansonetie usw. die tollsten Abenteuer. Es lohnt nicht, mehr darüber zu sagen, es sei denn, daß die Musik wenigstens einigermaßen und das Spiel recht frisch war. Arbciter-Sängerbund Berlins und Umgegend. Die Aus- s ch u tz s i h u n g am iL. April beschäftigte sich fast ausschließlich mit Bunde sangekegenheitc». Zunächst gelangte die Maifeier zur Besprechung und wurden die einzelnen Vereine de» zur Maifeier bestimmten Lokalen zugeteilt. Der Ausschuß fordert hierdurch samt lichc Sangeöbrüdcr nochmals auf, sich vollzählig an der Maifeier zu beteiligen; ebenso wird erwartet, daß die Sangcsbrüder nach Mösp lichkeit die VormittagSversammlungen besuchen, um mit dazu bei- zutrage», dieselben, dein Tage entsprechend, würdig zu geltalten Da die zweite Auflage des Liederbuches bcrgriffen ist, so teilt der Vorstand mit. daß sich die Neuauflage in Druck befindet und binnen kurzer Zeit zur Ausgabe gelangt. Bestellungen nimmt der erste Kassierer schon zesst entgegen.— Seitens des Vorstandes tverden dem Ausschuß vier Lieder vorgeschlagen; der Ausschuß entscheidet sich zur Anschaffung von ,.O wie herbe ist da« Scheiden" von Silcher und„Wanderschaft" von Zöllner. Diese Lieder lverden die Vereine baldigst erhallen. Zu dem am 2, August stattfindende» Sängerfest werden die größeren Chöre ersucht, sofern sie gewillt sind programmäßig mit- zuwirken, mit Angabe von vier Liedern sich schnellstens beim Vor- stand zu melden.— Nochmals werden die noch ausstehenden Vereine um schleunigste Rücksendung der in letzter Ausschußsitzung behändig- ten Fragebogen ersucht.— Die Vereine„Glück zu",„Loreleh,„Ge- sundbrunner Liederkranz" und„Rosenrot" haben sich unter dem Namen„Gesundbrunncr Harmonie" zu einem 74 Mitglieder zählenden Chor vereinigt. Radrennen zu Treptow. Der Name Nobl war der Maanet, der trotz deS unfreundlichen Wetters eine zahlreiche Zuschauerichar nach der Rennbahn in Treptow gelockt hatte. In einem 50 Kilo- »i e t e r- R e n n e n standen sich Robl, Rosenlöcher und Haberer gegenüber. Letzterer, ein noch junger Fahrer, riß zum Begmn die Führung an sich und überrundete seine beiden Gegner schon während der ersten 10 Kilometer. Bis nach dem 30. Kilometer hält er die Spitze, die er nur kurze Zeit vorher an Rosenlöcher einmal abtreten , nutzte, sie»ver wieder zurückeroberte, dann aber legte sich Robl ins Zeug. Der erste Angriff auf Haberer mißlang, bis dann in der 106. Runde ei» zweiter Aiigriff Erfolg hatte und bald danach Robl die Spitze»ahm. um bis Schluß mit zwei Runden Vorsprung vor Haberer in 43 Minuten M1/# Sekunden als Sieger das Ziel zu passieren. Rosenlöcher endete 4020 Meter zurück, da gegen den Schluß des Rennens seine Führung versagte.— In dem Kleinen 50 Kilometer-Renncn starteten H o s f m a n n, Przyrembel. Bäumler und Steffen. Der erstere hatte von Beginn an die Spitze und hielt fit da? ganze Rennen hindurch. Steffen schied schon beim 15. Kilometer durch Sturz aus. und die beiden anderen Fahrer endeten 2090 bezw 10 120 Meter zurück.-- In dem Fliegerrennen siegte Hamann vor Edmond und TrinkS in sicherer Weise. Radrennen in Zehlendors. Die Zehlendorfer Bahn hatte als erstes Rennen den Großen Frühling sprei» über 150 Kilo- meter vorgesehen, der azi drei Tagen über je 50 Kilometer auS» gefahren wird. D u b a s ch n y konnte den ersten Platz vor E r x« leben belegen, der gleichfalls sehr gut fuhr, aber durch Motor- defekte behindert war, D e u t s ch m a n n halte aufgegeben.— In deit beiden Fliegerrennen belegten die Treptower Fahrer Stabe und Rabe die ersten Plätze. ZlrkuS Albert Schumann verläßt in der nächsten Woche lurz nach dem Osterfest Berlin und siedelt nach Wien übe» Vorort-JNaebnehtem Lichtenberg. Der Ausschuß deS Kanalisations-Zweckverbandes der vorstehen- den Gemeinden nahm am 8. April in öffentlicher Sitzung wieder einmal Stellung zu dem von unseren Parteigenossen festgenagelten Fischzuge der Tiefbauunternehmer. Das„amtliche Publikations- organ der Gemeindebehörden in Lichtenberg", das bis dahin in wohlverstandenem Interesse der Unternehmer in echter Reichs- Verbandsmanier den Enthüller des versuchten FischzugS insultierte, brachte in Nr. 281 vom 30. November 1907 eine„Erklärung", in der auch die„Macher" dieses Blattes zugaben, daß die Unternehmer unlauterer Handlungen verdächtig seien und forderte dieselben auf. sich durch Klage zu reinigen. Die Erklärung schloß: Sie(die Unternehmer sind bei dem jetzigen Stande der Dinge ge zwungen. die Gerichte anzurufen, wenn si überhaupt noch Anspruch machen tv ollen, di Achtung anständiger Menschen zu genießen!— Unsere Genossen wiederholten darauf in öffentlicher Sitzung und Versammlung ihre schweren Anschuldigungen Der Zweckverbands. ausschuß hielt es nun doch noch für richtig, dem Herrn Fiebig die Arbeit zu übertragen, trotzdem der Baumeister des Verbandes au das Bedenkliche hinwies, daß man ihm zumute, nun mit dem Herrn Fiebig die Arbeiten ausführen zu müssen. Zu dem komme, daß das Gutachten einer Beamtenautorität vorliege, wonach das An gebot, soweit es jetzt noch in Frage kommt, 87 000 M. über dem normalenPreise einer solchen Arbeit liege! I— Die Schützen und Drummcn wurden vergeben zum Angebot von 5200 M.; die Firma Fiebig hatte in ihrer Offerte 17 191 M. gefordert; die el anderen Teilnehmer: 7000 M. bis 27 000 M. Der Unternehmer Fiebig soll sich nun verpflichten, anzuerkennen, daß der Zweckverband sich vorbehält, Schadenersatzansprüche gegen ihn geltend zu machen' Das wird er schon, tun. Die Gemeinde kann ihn dann verklagen, am Ende wird Fiebig schon eine Gegenrechnung aufmachen I Um das geradezu ungeheuerliche Vorkommnis ganz zu verstehen, sei hier noch einmal wiederholt: Auf die Aus schreibung des ZweckverbandeS haben 17 Unternehmer sich an der Submission beteiligt, davon 12 für die ganze Arbeit. Nachweislich haben die Firmen P. Fiebig und Brick u. Co. eine Berechnung aufgemacht, wonach Fiebig 373 000 M. und Brick u. Co. 409 000 M als angemessenen Preis berechneten und diese Offerte einzureichen im Begriff waren. Nun trat aber ein Ingenieur Dr. Krause in Aktion. Die Submittenten wurden zusammengerufen.(Woher waren die Adressen bekannt?) Die Folge dieses Zusammenseins war» daß die Offerte Fiebig von 378 000 auf 53? 00? M. und die Offerte Brick u. Co. von 40? 000 auf 555 10? M. erhöht wurden Die elf Mitbietenden hielten ihre Angebote um einige Tausend Mark höher, so daß Fiebig als Mindestbietender, wie ver abredet, den Zuschlag erhielt, nachdem aus seiner Offerte das Druckrohr und die Schützen und Drummen ausgeschieden waren. Also 101 000 M. bei Fiebig und 140 000 M. bei Brick. waren die Summen, die die Vereinigung der Ausschreibenden über den mit gutem Verdienst kalkulierten normalen Preis hinaus verdienen wollte! Und nun der Zweckverband? Auf dem Dache sitzt ein Greis der sich nicht zu helfen weiß!— Von Interesse auch für weitere Kreise dürften die Namen bezw. Firmen der 12 Beteiligten sein Dies um so mehr, als sie angeblich alle auf dem Standpunkt stehen, daß solche Verabredungen ebenso die Unterstützung der nicht berück- sichktgten Firmen ans Kosten der ausschreibenden Behökden, sowie die Annahme einer auf diese Art erzielten Unterstützung in dem .schivelletdeu strafrechtlichen Ermitteliingsversahren als unbedenk- lich bezeichnet werden und es deshalb zur Erhebung der Anklage gar nicht erst kommen würde.— Es sind die Firmen: Paul Fiebig- Berlin. Gommert- Dahlem, Wöltinger-Rixdorf. Below-Rixdorf. Hagen u. Co.-Berlin, Wosch u. Co.-Berlin. Schüßler-Lichtenberg, Brick u. Co.-Lichtenberg, Stosem feld-Berlin, Krause u. Co.-Berlin, Sprickerhof-Grunewald, R. Mast Berlin. Tie Herren Schüßler und Brick gehören auch zu den Hausbesitzern in Lichtenberg, die nach dem Ausspruch eines „liberalen ManncS" ein größeres Interesse an der EntWickelung der Gemeinde haben und darum mindestens die Hälfte der Stadt- verordnetensitze innehaben müssen! Rixdorf. Ei» Todesfall, der noch der Aufklärung bedarf, beschäftigt die Polizeibehörde. In der Sonntagnacht wurde in eine», Torweg in der Herthastraße die Leiche einer etwa 25 Jahre alten Frauenö Person aufgesunden. Die Polizei ermittelte in der Toten die Prostituierte Marie Göbel. Da die Todesursache nicht festgestellt lverden konnte, so wurde die Leiche beschlagnahmt und zur Obduktion nach den, Schanhause gebracht. Charlottenburg. Eine Sternwarte auf Westend. Eine Sternwarte will der Char lottenburgcr Magistrat auf Westend errichten. Die hohe Lage auf Westend und die dort vorherrschende klare Luft, die nur wenig von den, Rauch der Industrie getrübt ist, lassen den Ort für die Auf- tcllung eine» Sternwarte besonders geeignet erscheinen. Die Sternlvarte soll auf dem Neubau des Neform-Realgymnasiums er- richtet und für den Unterricht der höheren Klassen in der mathema- tischen Geographie nutzbar gemacht werden. Es sollen Beobachtungen vorgenommen werden, wie die Feststellung der geographischen Breite des Beobachtungsortes, die Verfolgung der scheinbaren Bahnen der Planeten usw. Die Sternwarte soll«inen Turm mit drehbarem Dach erhalten. Als innere Einrichtung ist zunächst je ein Refraktor. Universalinstrument und eine Pendeluhr mit elektrischem Registrier- apparat vorgesehen. Die Sternwarte soll nicht nur den Schülern des Neform-Realgymnasiums. sondern auch Schülern anderer An- kalten Gelegenheit bieten, praktischen Unterricht in der Sternkunde zu treiben. Für die Anlage fordert jetzt der Magistrat 18 500 M. von den Stadtverordneten. Dir Elektrizitätszählrrfabrik von Aron, schreibt uns, bezug- nehmend auf unsere Meldung von dem durch giftige Dämpfe her- vorgerufenen Unglück in ihrem Betriebe:„Die beiden Arbeiter. von denen der eine 10 Jahre, der andere ö Jahre mit dieser Arbeit in unserem Betriebe beschäftigt waren, hatten die streng« An- Weisung, sofort nach Ansetzen der Brennsaure den Raum zu ver- lassen. Beide sind entgegen dieser Anweisung trotz der EntWickelung von Dämpfen im Raum geblieben und wurden erst durch den Meister, der zur Kontrolle hinzukam, Herausgewlesen. Eine Be- täubung der Arbeiter ist nicht erfolgt, vielmehr verrichteten beide ihre gewöhnliche Arbeit weiter. Ein Unwohlsein trat erst später auf dem Nachhausewege ein; ferner sind entgegen Ihrer Mitteilung in unserem Brennraum noch niemals Arbejtcr ohnmächtig ge- worden." Zu dem Vorgang, auf den sich die borstehende Zuschrift bezieht, bat sich auch ein Sachverständiger, der Professor Dr. Sommerfeld, in einem Artikel im„Berliner Tageblatt" näher geäußert. Er meint, daß man damit rechnen müsse, daß Arbeiter manchmal nicht alle Anweisungen— hier das Verlassen des Raumes während des Ansehens der Brcnnfäure— befolgten, deswegen müßten aber doch Maßregeln getroffen werden, die den Arbeiter auch ohne sein Zu- tun und selbst gegen seinen Willen schützen.„Wenn irgendwo, so ist diese Vorsicht bei dein Beizen von Messingwarcn angebracht, wobei ich die äußerst giftigen nitrosen Gase entwickeln, die niederen Oxydationsstufen des Stickstoffes, wie Stickstoffdioxyd, Stickoxyd. Salpetrigsäurcanhydrid und salpetrige Säure. Die Empfindlich- tcit gegen diese Gase ist bei den einzelnen Individuen jehr schwankend, und oft Werden die Gase stundenlang ohne Störung ertragen, wenn die Atmur.gsluft nicht zu stark mit ihnen erfüllt ist. Die krankhaften Störungen bei Einatmung größerer Mengen bestehen in Reizcrschcinungen in den Luftwegen, wie Gefühl von Zusammen- schnürung der Kehle, krampfartiger Hasten, Beklemmung aus der Brust, kalter Schweiß, Hervorquellen dk,r Augen, dann krampfhafte Hustcnanfälle, bläuliche Verfärbung des Gesichts und Trübung des Bewußtseins, bis der Tod, meist dirrch Lungenwassersucht, die Qualen beendet. Die Mahnahmen, die solchem schweren Unheil vorbeugen, sind recht einfacher Natur und würden, wcrrn die Fabrikleiter von zu- ständiger Seite Belehrung erhielten, auch zweifellos durchgeführt werden. Zweckmäßiger allerdings ist es, die Hygiene der Metall- beizereien reichsgesetzlich zu regeln. Nebe n sorgfäUiger Durchlüftung des Beizraumes empfiehlt es sich vor ollem, über den die giftigen Säuren enthaltenden Gefäßen Hauben anzubringen, die mit einem kräftigen Ventilator in Verbindung sftchen oder als Notbehelf in einen Schornstein münden, in dem eine Lockslamme die Absaugung der Dämpfe bewirkt. Die Arbeiter snVber sind immer aufs neue auf die Gefahren ihrer Arbeit hinzuwctisen und streng anzuhalten, daß sie in dem Beizraume nur so langjc verweilen, wie ihre Arbeit unbedingt erfordert." Wilmersdorf. Selbstmord eines Gymnasiasten. 5f>er 15 Jahre alte Sohn des Rentiers R. aus der Spichernslrahe bar sich vorgestern abend durch Erhängen das Leben genommen. Der junge Harry R., der eine höhere Lehranstalt besuchte, hatte ein schlechtes Zeugnis erhalten. Seine Eltern besuchten vorgestern abend ohne ihn ein Theater. Während ihrer Abwesenheit erhängte sick> der junge Harry im Ab- ort. Ein nach Entdeckung der Tat herCrigerrifencr Arzt konnte ihn nicht wieder ins Leben zurückrufen. Steglitz. Unter einstürzenden Erbmassen versichüttet. Ein schwerer Unfall, wobei zwei Personen schwer zu Schadien kamen, hat sich bei oem Neubau des hiesigen Hauptpostamtes-erebgnet. An der Ecke der Berg- und Körnerstraße waren mehrere Arbeiter mit dem Legen von"Zementröhren für die unterirdischer! Kabelleitungen beschäftigt. Plötzlich gab das Erdreich nach und uvcter den einstürzenden Erd- Massen wurden zwei der Leute begraben.. Die Kollegen machten sich sofort an die Rettung der beiden Verunizlückten, die erhebliche Verletzungen davongetragen hatten. Tempelhof. Eine Baukatastrophe, bei-der drei Arbeiter schwer verletzt wurden, hat sich am Sonnabendabend aus dem Gelände des hiesigen Garnison- lazaretts ereignet. Dort wird gegenlv>ärttg ein Anbau aufgeführt, der bereits bis zum dritten Stockwerl gediehen ist. Als am Sonn- abend kurz vor Feierabend mehrere Atanrer im dritten Stockwerl bei der Arbeit waren, brach plötzlich ein Teil der Bodenrüstung durch und drei der Leute lvurden mit in die Tiefe gerissen. Sie stürzten bis zur untersten Etage durch und erlitten schwere Ver- letzungeu. Der Maurer Karl Blüschfe aus der Kantstr. 83 hatte schwere innere und äußere Verletzung«» davongetragen und wurde nach dem Krankenhaus Westend transportiert. Die beiden anderen Verunglückten, die Maurer Grotian und Elle, erhielten in dem Lazarett die erste ärztliche Hülfe. Neinickendorf. Ein Unglücksfall hat sich am Sonnabendmittag auf dem Reu. bau Hoppestr. 16 zugetragen. Dort stürzte der Maurerpolier Bengsch, in Berlin, Koloniestraße wohnhaft, infolge eines Fehl- trittes vom Balkonvorsprung aus der Höhe der zweiten Etage auf die Straße hinab und zog sich schwere innere Verletzungen zu. Der Perunglüöste fand Ausnahme im Lazarus-Ärankenhause. Nownwes. In der gut besuchten WaHlverainSversammlung widmete vor Eintritt in die Tagesordnung der Borsitzende Genosse Krohnberg dem verstorbenen Genossen Gärtner einen warm empfundenen Nach- ruf, den die Versammlung stehend anhörte. Sodann referierte Gc- meindevertreter Genosse Gruhl über den Haushaltungsplan der Gemeinde. Der Redner erläuterte denselben in allen Teilen und zergliederte die einzelnen Positionen. Mit der Leitung der Wahl- arbeiten zum preußischen Landtag wurde der Vorstand deS Wahl- vcreins bestimmt, der durch die Genossen Gruhl, Tasser, Futterer, Weinert, Stuck und Gomoll unterstützt werden soll. Der Vorsitzende weist darauf hin, daß die Wählerlisten vom 4. bis 6. Mai ausliegen. Für diejenigen Wähler, denen die Zeit zur Einsichtnahme fehlt, stellen sich die Genossen Gruhl, Gomoll und Zöllner zur Verfügung, um diese Arbeit zu übernehmen. Zum Schluß der Versänmttung crmahnte der Vorsitzende die Anlvesenden, ihr ganzes Können ein- zusetzen, auf daß der 3. Juni ein Siegestag für die Sozialdemokratie und ein SchreckenStag für die preußische Reaktion werde. Neu auf» genommen wurden 10 Mitglieder. Spandau. Dir Festungswälle Spandaus sollen nun, nachdem der Vertrag zwischen dem Kriegsminister und der Stadtgemeinde vollzogen und eingetroffen ist, verschwinde». Bereits vor achtzehn Jahren wurde der Wunsch unter einem Teile der Spandauer Bevölkerung laut, die Wälle beseitigt zu sehen, da, wie auch später von militärischen Fach» leuten eingestanden wurde, die Stadtumwallungen einen militärischen Wert längst nicht mehr hatten. Am 27. Januar 1903 wurde Spandau vom Kaiser der jahrhundertelangen Festungslasten enthoben und als offene Stadt erklärt. Es wird sich nun am morgigen Mittwoch eine Sitzung der Stadtverordneten mit der Aufnahme einer Anleihe zur Deckung der Entfestigungskosten beschäftigen. Sodann soll mit der Einebnung des Festungsgebiets begonnen werden. Berein ebemaliaer Beeliber lZlbteilmwB,) Morgen(Mittwoch) abend'/-? Uhr bei GöhlSdort, Brurmenftr. 8. Gäste willkommen. Amtlicher Marktbericht der städtischen den Großhandel in den Zentral-Marktballen. usuhr stark, Geschäft rege, Preise unverändert, > eschäst ahne Bedeutung. Bretse behauptet, I gering, Geschäft etwas lebhafter, Preis« hoch. Markthallen-Direktton über Marktlage: Fleisch: Wild: Zufuhr minimal. seflügel: Zufuhr ganz Fische: Zusuhr maßig Geschäft ruhig, Preise wenig verändert, Butter und Käse:' Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Zufuhr ziemlich reichlich, gedrückt. in Blumenkohl knapp, Südfrüchte: Geschäft schleppend, Preise Waffcrstandö-Bachrtchte« der LandeZanstalt für Gewässerkunde, mllgelew vom Beritner Wetterbureau, Wasserstand Memel, Tilsit vregel, Jnsterdurg Weichsel, Thvrn Oder, Rattbor , Krosien „ Frankfurt Warthe, Schrimm LandZberg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmeritz , Dresden , Barby Magdeburg Wasserstand Saal«, Grvchlitz Havel, Spandau») , Rathenow') Spree, Spremberg') . B-cSkow Weser, Münden Minden Rhein, MaximllianSau , Kaub Kiln Neckar, Heilbron» Main, Wertheim Mosel, Trier Fall,—') Unterpegel—•) heute um S Uhr »)+ bedeutet Wuchs,— morgen« 573 cm. Wetterprognose für Dienstag, den 14. April 1308. Zeitweise aus klärend, vorwiegend trübe mit ctwaS Regen mld mäßigen östlichen Winden: Temperatur wenig verändert, Berliner W-«terk>nr»an. Briefkaften der Redaktion. erben will. Erbt fie nach märkischem Recht, so wird die Masse, die durch erteilt. Veteranenftr. 7. Diese Fragen find im Gesetz nicht ausdrücklich Busammenwerfung des Vermögens beider Ehegatten gebildet wird, ge- beantwortet. In Anlehnung an Entscheidungen des OberverwaltungsDie furistische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter hälftet, die eine Hälfte erhält die Witwe, die andere die Kinder des Bergerichts würden wir die gestellten Fragen bejahen. B. 32. Ein Sof, dritter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl Gesetzbuches, so wird lediglich das vom Vater hinterlassene, der väter- Waren auf der Straße verkaufen wollen. Richten Sie das Gesuch an storbenen. Erbt sie, was wahrscheinlich, nach dem Recht des Bürgerlichen Wandergewerbeschein ist erforderlich, wenn Si in mehreren Gemeinden wochentäglich abends von 7 bis 9% 1hr statt. Geöffnet 7 Uhr Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Aufrage ift ein liche Nachlaß, zur Erbteilung gestellt. Die Kinder des Vaters erben das Polizeipräsidium. Maßgebend find die§§ 44, 44a, 55 ff. der GewerbeBuchstabe und eine Zahl als werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort hiervon 4, die Witwe/ Die Sündigung der Hypotheken erfolgt nicht ordnung. Dieselbe können Sie in den öffentlichen Bibliotheken einsehen. wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. durch Gericht, sondern durch den Gläubiger. M. 2. 111. Nein. M. M. 500. 1. bis 3. Ja. G. S. 33. 1. Strafantrag ist 5. B. 14. Die Klage hätte wenig Aussicht auf Erfolg, weil Sie be- innerhalb dreier Monate zu stellen. 2. In dem Hinweis auf den eventuellen 2.2. 32. 1. Knauersche Ausgabe 5 M. 2. Freytag, Taschenatlas weisen müßten, daß der Schaden schon beim Stauf vorhanden war, diefer Strafantrag tann eine strafbare Erpressung erblidt werden. 3,80 M., Andree, Handatlas 32 M. Eilige An 3. Bloek, Auszug aus der alten, Beweis aber recht schwierig ist. D. R. 111. Sie sind im Recht, flagen fragen sind, wie Sie aus der Ueberschrift ersehen, in der juristischen Sprech mittleren und neuen Geschichte 3 M. derselbe, Hauptdaten der Welt Sie gegen die Kaffe bei der Gewerbedeputation des Magistrats, Stralauer stunde zu stellen. M. S. 32. 1. u. 2. Nein. 5. Sch. 117. 1. it. geschichte 70 Bf. Tischler. 1. Ja. 2. und 3. Bach- und Schließgesell. Straße 1-3. Rigdorf 108. 1. Zum Strafantrag sind Sie nicht ver 2. Rein. Albert A. E. G. 1. Sie bleiben Erfahreservist, haben also schaft Groß- Berlin, SW. 68, Friedrichstr. 202. A. D. 1002. Fragen pflichtet. 2. Nein: der Schadenersaz ist zu zahlen. 3. Nein, auf Wette nicht zwei Jahre zu dienen. 2. Nein. 2. A. 32. 1. Nein. 2. bis 1. Ja. Sie an beim Verband der Friseure, Rosenthalerstr. 57, Restaurant Pfeffer. beträge tann nur geklagt werden, wenn dieselben hinterlegt find. 4. Bei Die Einzelfragen sind ausführlich in einem Atifel des Vorwärts" vom G1. A. 8. 1. Ja. 2. Ihre Schwester soll an die Berufsgenossenschaft der Behörde, die in Ihrer Veranlagung als Reklamationsbehörde ans 20. März d. 3. behandelt worden. 5. In der Regel ja; indessen können den Antrag richten, ihr die ihr zustehende Rente zu zahlen. F. B. 3. angegeben ist. P. S. 19. 1. Wenden Sie sich an den Direktor einer Ausnahmen gemacht werden. Für die Zukunft fällt die Anmeldung fort. 1. En der Regel nein. 2. Der Mietsvertrag bleibt gültig. D. R. 100. der Handwerksschulen. 2. und 3. Es genügt bie Anmeldung beim G. D. 21. Die Zinsen fönnen abgerechnet werden, das weitere nicht. Ist in Shrem Vertrage nichts bereinbart, so hat der Wirt die Reparatur Patentamt, dort wird Ihnen bereitwilligst Auskunft erteilt. Gelsenkirchen. Die Adressen finden Sie im Adreßkalender für Paris. herzustellen, und Sie können ihn auf Bezahlung der Reparatur berklagen. M. P. E. Darüber, ob die Luftbarkeitssteuer mit Recht erhoben ist, wir lehnen es grundsäglich ab, bestimmte Firmen zu nennen. Thiele. In der Regel enthält aber der in Berlin übliche gedrudte Mietsvertrag eine läßt sich ohne Kenntnis des dortigen Stommunalstatuts nicht urteilen. Die Der Vater haftet für Schäden, die seine über 18 Jahre alten Seinder an gegenteilige Berteilung der Pflichten. Sehen Sie also erst in Ihrem Ver. Beschwerde ist bei der dortigen Polizei einzureichen und an das gerichtet haben, überhaupt nicht. Für Schäden, die jüngere Kinder an frage nach, ob Sie nicht etwa alle Reparaturpflichten übernommen haben. Landratsamt zu richten. S. W. 21. Nein. Beelik. Das gerichtet haben, haftet er, wenn er feine Aufsichtspflicht über das sind unterO. B. 41. Wenn nicht ausdrücklich vereinbart war, daß der Einkommen der Ehefrau wird zugerechnet. 2. 9. 8. Leider nein. lassen und dadurch mittelbar den Schaden des anderen herbeigeführt hat. Raum freibleiben solle, so hätte eine Klage wenig Aussicht auf Erfolg. E. F. 35. 1. bis 3. Modelle, für welche der Schuk als Gebrauchs Thiele 1879. 1. Die Aufnahmeprüfung zum Seminar fällt in diesem 33. N. Der Vertrag bleibt nach wie vor bestehen. Sie tun am besten, muster verlangt wird, sind bei dem Batentamt schriftlich anzumelden. Die Falle fort. 2., Nein. 3. Die Zahlungsweigerung wird taum von Erfolg die Miete zu hinterlegen. M. S. 1. Wenden Sie sich an den russischen Anmeldung muß angeben, unter welcher Bezeichnung das Modell ein sein. Die Adresse des ärztlichen Ehrengerichts finden Sie im AdreßKonsul. 2. Ja. 2. 3. Wenn nicht besondere Umstände entgegenstehen, getragen werden und welche neue Gestaltung oder Borrichtung dem Arbeits- talender. D. H. 66. Benden Ste fich an die Stiftungsdeputation, türde man annehmen, daß die Bestimmungen über die Kündigungsfrist, oder Gebrauchszwed dienen soll. Der Anmeldung ist eine Nache oder Ab: Poftstraße. M. D. Sie sind im Irrtum. 10 bis 20 M, und außers die für den alten Vertrag galten, auch für den neuen in Geltung find. bildung des Modells beizufügen. Die Gebühr von 15. ist gleichzeitig dem für den Gang 50 Pf. bis 2 M. werden als angemessen erachtet. S. R. 40. Liegt fein Testament bor, so tann die Witwe erklären, ob mit der Anmeldung einzuzahlen. 4. Auf dem Patentamt selbst, am besten fie nach märkischem Recht oder nach dem Recht des Bürgerlichen Gesetzbuches zwischen 11 und 12 Uhr, wird Ihnen Auskunft und nach Möglichkeit Rat Für den Inhalt der Inverate Lortzing- Oper. übernimmt die Redaktion dem Schiller- Theater. Publikum gegenüber teinerlei Belle- Alliance- Straße 7/8. Schiller- Theater O.( Wallner- beater). Verantwortung. Theater. Dienstag, den 14. April. Anfang 7 Uhr. Königl. Opernhaus. Die Baltüre, Königl. Schauspielhaus. Wallens fteins Tod. Deutiches. Das Wintermärchen. Kammerspiele. Lysistrata.( Anfang 8 Uhr.) Abends 8 Uhr: Die Zauberflöte. Mittwoch: Bar und Zimmermann. Donnerstag: Der Trompeter von Sädingen. Freitag: Relig. geistliches Konzert. Residenz- Theater. Direktion: Richard Alexander. Anfang 8 Uhr. Bustivielbans. Tante Cramers Der Floh im Ohr. Testament. Anfang 8 Ubr. Neues Schauspielhaus. Dummtopf. Der Schwank in drei Aften von( Georges Feydeau. Deutsch von Wolff- Jacoby. Donnerstag und Sonnabend: Der Hüttenbesitzer. Neues Operetten. Der Mann mit Sonntag und Montag nachm. 3 Uhr: den drei Frauen. Leffing. Der Teufel. Neues. Die gute Partie. Qorting. Die Zauberflöte. Berliner. Wintersport. Scitller 0. Haben Sie nichts zu verzollen? Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: aner- beater.) Tante Cramers Testament. Der Widerspenstigen Zähmung. Schiller Charlottenburg. Philister. Luisen- Theater. Lore. Theater an der Spree. Der Dntel aus Rottbus. Komische Oper. Die Fledermaus. Kleines. 2x2= 5. Neichenberger Straße 34. Abends 8 1hr: Friedrich Wilhelmstädt. Schau. Die Spree- Athener. spielhaus. Der Privatdozent. Hebbel. Liebe. Weiten. Ein Balzertraum. Residenz. Der Floh im Dhr. Luisen. Die Spree- Athener. Thalia. Geschlossen. Mittwoch: Der wilde Reutlingen. Donnerstag zu halben Preisen: Des Mädchens Lebenswege. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Geschlossen. Trianon. Seine erste Frau. Die Theater an der Spree Hand. Bernhard Rose. Die Loreley. Metropol. Das muß man seh'n. 2pollo. Der Kleine Chevalier. Spezialitäten. Gebr. Herrnfeld. Hausierer Jodele. Endlich allein. Stlabrias- Partie. Kajino. Ein Dorfroman. Bürgerl. Schauspielhaus. Autorität. Die Der Köpenicker Straße 68. Täglich 8 Uhr: Onkel aus Kottbus. Bosse mit Gesang und Tanz. Der Freischüt. Die Raben. DERNHARD ROSE THEATED fteinerin oder: Ein Balzertraum. Rofenmontag.( Anfang 8% Uhr.) Wintergarten. Spezialitäten. Vanage. Ota Gygi. Spezialitäten. Reichsballen. Stettiner Sänger. Gustav Behrens. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Bergère. Liane d'Eve. Spezialitäten. Sr. Frankfurter Str. 132. Täglich: Die Loreley. Romantisches Boltsschauspiel mit Gesang und Tanz von Hersch. Anfang 8 Uhr. Wochentagspreise. Balajt. Ringtaimpf- konturrenz. Spe- Metropol- Theater zialitäten. Urauta. Taubenstraße 48/49. Nachm. 4 Uhr: Sizilien. Abends 8 Uhr: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Statarakt. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Ensemble- Gastspiel des Neuen Schauspielhauses: Wintersport. Zum 209. Male: Dienstag, abends 8 Uhr: Der Widerspenstigen Zähmung. Lustspiel in 5 Aufz. v. W. Shakespeare. Mittwoch, abends 8 Uhr: College Crampton. Donnerstag, abends8Uhr: Kaiser und Galiläer. Schiller- Theater Charlottenburg. Dienstag, abends 8 Uhr: Quftspiel in 3 Aufz. v. Joh. Wiegand. Philister. Hierauf: Die Lore. Romödie in 1 Aft v. D. E. Hartleben. Witttooch, abends 8 Ubr: Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Weg zum Herzen. Stein unter Steinen. Deutsche Konzerthallen An der Spandauer Brücke 3. Täglich Große Massen- Konzerte Spezialitäten- Vorstellung. Nur noch kurze Zeit! Zirkus Schumann Heute 28 Uhr abends: Brillante Vorstellung. Das Tagesgespräch von Berlin! W. Noacks Theater Direktion: Rob. Dill. Brummenstr. 16. Heute: Geschlossen! An allen drei Feiertagen: Verführt und entehrt. Bolfsstüd in 4 Aften von R. Heine. Anf. 8 Uhr. Entree 30 Pf. Tanz. Kasino- Theater. Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr: Nur noch kurze Zeit! Der menschl. Chimpanse in Dorf- Roman. Sonntag 4 Uhr( 1. Feiert.): Nick Carter. Montag 4 Uhr( 2 feiert.): Biederleute. Konsul Peter. Borher bas glänz. April- Programm. Resisto, das elektrische Rätsel. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Theater nachmittags 4 Uhr: Sizilien. 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Dr. Simmel Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. dicht am Allgemeine Orts- Krankenkasse Stratentafe Deutscher Holzarbeiter- Verband. für die vereinigt. Gewerbebetriebe Charlottenburgs. Wir laden hiermit die Delegierten zu einer Ordentlichen GeneralMorgen Mittwoch, abends 8%, Uhr, bei Freyer, Koppenstr. 29: Vertrauensmänner- Versammlung verfammlung auf Montag, den für sämtliche Bezirke und Branchen. 27. April cr., abends 9 Uhr, nach dem großen Saale des Volls hauses hierselbst, Rosinenstr. 3, ein mit der Tagesordnung: 1. Bericht des Borstandes über das Zages Ordnung: 1. Stellungnahme zum 1. Mai. 2. Streits und Differenzen. Bertrauensmännerkarte nebst Mitgliedsbuch legitimiert. Jede Berkstatt muß vertreten sein. Die Ortsverwaltung. Geschäftsjahr 1907— je ein Erem Achtung! je ein rem Achtung! Rahmenmacher. Achtung! plar des Geschäftsberichts ist den Delegierten mit besonderer Einladung zugegangen. Herrenpartie 2. Bericht der Revisions- Kommission am Karfreitag nach Schmöckwitz. Treffpunkt früh 8 Uhr Görliger über die Prüfung der Jahres- Bahnhof; für Nachzügler: Gasthof" Bur Palme". Abmarsch 11 Uhr über rechnung. 272/16 Wernsdorfer Schleuse Gosener Berge. 3. Antrag des Borstandes auf Entlaftung. 4. Verschiedenes. Delegierte, deren Mandat traft Prinzenstr. 41, Moritzplatz, Statut erloschen ist, haben keinen Zu 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2+ 4. tritt zu der Versammlung. Hüte tauft man ami vorteil hafteften beim Fachmann 83/2 Zentralverband der Dachdecker Verwaltungsstelle Berlin. Donnerstag, den 16. d. Mts., abds. 8 Uhr, bei Kern, Weinstr. 11: Delegierte, welche in der General bersammlung Beschwerden gegen den Kassenvorstand vorbringen wollen, werden gebeten, ihre Absicht vor Beginn der Generalversammlung im Staffenlokal mitzuteilen, weil andernfalls der Vorstand ohne Kenntnis der 3. Borgänge nicht in der Lage ist, eine Ernst Wancke, Hutmacher, austum zu erteilen. Brückenstr. Ga * an der Jannowitzbrücke. Charlottenburg, den 13. April 1908. Der Kaffenvorstand. Wilh. Ahrens. Emil Wittes Waldfdhlößchen Eichwalde, Kaiser Friedrichstr. 1. Versammlung. Tages Ordnung: Verbandsangelegenheiten. 1. Kaffenbericht vom 1. Quartal 1908. 2. Abrechnung vom Streilfonds. Bahlreiches Erscheinen erwartet 54/6 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Rixdorf. Donnerstag, 16. April, abends 8 Uhr, bei Thiel, Bergstr. 151/152: General- Versammlung. Zages- Ordnung: 83/1 1. Abrechnung vom 1. Duartal 1908. 2. Bortrag. 3. VerbandsDie Ortsverwaltung. Empfehle allen Bereinen und Getverkschaften zu Ausflügen und Partien mein herrlich am Wald gelegenes Lokal, drei Minuten vom Bahnhof. Großer Saal. Schattiger Garten. Kegelbahn. Auch mit dem alten angelegenheiten. Brauch wird nicht gebrochen, Familien tönnen Kaffee tochen. Um geneigten Zuspruch bittet Emil 27172* Deutscher Metallarheiter- Verband. Starfreitag: Großzez Schlachtefeft. Deutscher Restaurant ,, Zur Mühle" Miersdorf bei Zenthen. 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Amt 3, 1987. Der Feiertage wegen findet die Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung in folgender veränderter Weise statt: am Dienstag, den 14. April für den 13, und 14. April, am Mittwoch, den 15. April für den 15. und 16. April, am Donnerstag, den 16. April für den 17. und 18. April, am Sonnabend, den 18. April für den 20. und 21. April. Die erste reguläre Zahlung findet am Donnerstag, den 23. April für den 22. April statt. Am 3. Feiertag bleibt der Arbeitsnachweis den ganzen Tag geschlossen. Die franken Kollegen erhalten ihre Unterstützung: am Dienstag, den 14. April für Dienstag und Mittwoch, am Mittwoch, den 15. April für Donnerstag und Freitag, am den und Montag, am Sonnabend, den 18. April für Dienstag, den 21. April 115/6 Am Karfreitag und 1., 2. und 3. Osterfeiertag bleibt die Krankenabteilung geschlossen. Die Ortsverwaltung. Gelegenheitskauf! 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Prinzenstraße 91, Ecke Ritterstraße. Rosenthaler Straße 48, Ecke Neue Schönhauser Straße. Uhlandstraße 33, E. Lietzenburger Str. Wallstraße 14a, Ecke Neue Grünstraße. Wiener Straße 22, Ecke Grünauer Str. Rixdorf, Bergstr. 146. Weitere Verkaufstellen in Vororten und Umgebung: Adlershof, Bismarckstr. 48. Bernau, Berliner Straße 257. Buckow, Königstr. 8. Köpenick: Bahnhofstr. 7a und Grünstr. 22. Eichwalde b. Schmöckwitz, Bahnhofstr. 5. Kgs.- Wusterhausen, Bahnhofstr. 1. Niederschöneweide, Bahnhof. Potsdam, Nauener Straße 46. Stralau- Rummelsburg, Bahnhof. Zeuthen, E. Kollmann. 25851* Monats- Garderoben- Haus Prinzenstraße 6 Die schönsten 2559L* Herren- Sommer- Paletots und-Anzüge in getragener, speziell Monats- Garderobe. Von Kavalieren getragene Sachen, fast neu, für jede Figur passend, speziell Bauchanzüge, sind in großer Auswahl stets zu staunend billigen Preisen zu haben im Laden Paul Lowicki, Prinzenstr. 6. Hochbahnstation: Prinzenstraße. 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Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Dienstag, 14. April 1908. Verfammlungen. Versammlungen wurde unter anderem beschlossen, daß den aus ein Jahr das Anrecht auf die Unterstügungen der höheren Beitragsländischen organisierten Arbeitern teine besonderen Schwierigkeiten Klasse, der sie borher angehörten, haben; bei einer Mitgliedschaft gemacht werden sollen, wenn sie in den Verband eintreten, sie sollen von zehn Jahren soll dies Anrecht noch brei Jahre währen. Für Der Zentralverband der Schuhmacher hält am 15. Juni in Gothaleine neue Rarenzzeit durchzumachen haben. Daß Ertra- die Beit der Krankheit oder Arbeitslosigkeit wird Befreiung von den feinen Verbandstag ab. Dazu liegen feitens der Bahlstellen eine steuern bis zu einer Mark erhoben werden tönnen, wie es der Beiträgen beantragt. Mit einer Erhöhung der Reiseunterstützung Reihe von Anträgen vor, welche eine Aenderung der Statuten be- pauptborstand tolinscht, verwerfen die Mitglieder und wollen die sind die Mitglieder einverstanden. Die Borschläge des Zentralzweden. Die Ortsverwaltung Berlin hatte die Mitglieder am öhe auf 50 f. beschränken. In bezug auf Unterstügungen wurde vorstandes fanden im übrigen Anerkennung. Als Delegierte sum 25. März und am 9. April zu einer außerordentlichen General- beschlossen, daß alte oder invalide Mitglieder, die einer niedrigeren Verbandstag wurden gewählt: Bendig, Weißenborn, Tiege, Hamann bersammlung resp. der Fortsetzung derfelbeu eingeladen. In diesen Beitragstlasse angehören, nach fünf Jahren Mitgliedschaft noch auf und Sannig. BAER SOHN Entzückende KnabenPaletots von 4.50 M. an Chausseestr. 29-30 11 Brückenstr. 11 Gr. Frankfurterstr. 20 Praktische LodenPelerinen von 4.75 M. Der Haupt Katalog No. 34 Knaben. a. 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Nachdem nun die Einheitlichkeit der Berliner Genossenschaftsbewegung angebahnt ist, boffen wir, daß alle organisierten Arbeiter fotole alle, welche am Bezuge auter, unverfälschter Lebensmittel intereffiert find, fich fobald als möglich aufnehmen lassen werden. Bel 300 Aufnahmen in einem Bezirk von girla 20 Minuten Ausdehnung werden neue Berkaufsstellen eröffnet. Die gemeinsame Einkaufs. fumme( Geschäftsanteil) fann zum größten Teil von der Müdvergütung( Dividende) aufgespart werden. Arbeiter Frauen! Hinein in die Konsumvereine! Die Verwaltungen beider Vereine. Speziell für die Swede ber Agitation fowie Anfragen und Ausgabe von Material wird von Donnerstag, ben 16. April ab Grüner Weg 11 im Kontor, wochentags von 6-8 lhe an, ein Genoffe anwesend sein und bitten wir mündliche und schriftliche Bestellungen außer den bisher üblichen Stellen babin richten zu wollen. Ferner machen wir auf die Eröffnung ber 20. Berkaufsstelle der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend am aufmerksam. 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Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.