Nr. SV. Bbonnements-Bcdingungen: AionnomentS- Preis pränumerando I Lierleljährl. SM Mk., monatl. 1,10®cf., wöchcntlicki 28 Üfg. frei inä Haus. einzelne Nuimner 5 Pfg. SmmlagZ. nummer mit illustrierter Sonntags« Beilage»Die Neue Welt' 10 Pfg. Post« «bonnement: I.lll Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungZ- Vrcisiisle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesierreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland Z Mark pro Monat. Postabonnemenrs nehmen an: Belgien. Dänemarh Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, länieil. Schweden und die Schweis, 35. Jahrg. cklchtll» tZgllch»livtl Msittt». Vevlinev Volksblcrkk. vi« Inserlionz-Lebiil), betrügt für die sechsgespaltene ltolonsid geile oder deren Raum b0 Psg., für politische und gewcrkschastliche Vereins- und Versammlung?- Anzeigen SO Psg. „Kinne Hnrngcn". das erste(fett« gedruckte? Wort 20 Pfg., jedes neuere Wort 10 Psg. Stellengesuche mch Schlaf- stcllcn-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedeS weitere Wort b Pfg. Worte über 15 Buchstabe» zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedilion Ibgcgeden werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm> Adresse: „Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der rozialdemohratifchen Partei Deutfcblands. Redaktion: SA. 68, Ltndcnstrass« 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Expedition: EM. 68. Lindcnetraeee 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1984. Zur AahltaKM I Parteigenossen! Die Landeskommission hat sich in ihrer Sitzung am 3. April mit der Taktik bei den Landtags- wählen beschäftigt. Dabei ist zunächst der hier in Frage koniincnde Beschluß des Mainzer Parteitages beachtet worden, der wie folgt lautet: „In denjenigen deutschen Staaten, in denen das Drei- klassen-Wahlsystem besteht, sind die Parteigenossen der- pflichtet, bei den nächsten Wahlen mit eigenen Wahlmännern in die Wahlagitation einzutreten. Für die Landtagswahlen in Preußen bildet der Partei- borstand das Zentralwahlkomitee. Ohne dessen Zustimmung dürfen die Parteigenossen in den einzelnen Wahlkreisen keine Abniachungen mit bürgerlichen Parteien treffen." Auf Grund dieses Beschlusses hat die preußische Landes- kommission folgende Grundsätze als maßgebend für die Taktik bei den preußischen Landtagswahlen aufgestellt: A. Stellungnahme zu den Nrwahlen. 1. Wo es irgendwie gelingt— und sei es auch nur in einem Orte eines Landtagswahlkreiscs— sozialdemokratische Wahlmänncr zu finden, müssen sich die Genossen an den Ur- wählen in allen drei Wählerklassen beteiligen. Bei den Urwahlen dürfen Sozialdemokraten nur für sozialdemokratische, also keinesfalls für bürgerliche Wahl- mäin.er stimmen. 2. Für die eventuell stattfindenden Stichwahlen zwischen bürgerlichen Parteien bei den Urwahlen gelten folgende Regeln: a) In den Landtagstvahlkreiscn, in denen nur ein Abgeordneter zu wählen ist, unterstützt die Sozialdemokratie in der Stichwahl die Wahlntänner der bürgerlichen Parteien nur dann, wenn deren Abgeordnetcnkandidat mindestens fünf Tage vor den Urwahlen schriftlich zu Händen des sozial demokratischen Wahlkomitces auf dessen Anfrage erklärt hat, daß er für den Fall seiner Wahl ins Abgeord uctenhaus in der Session 1908 die Uebertragnng des Reichs tagswahlrcchts auf Preußen sowie neue Wahlkreiseinteilung beantragen oder für einen solchen Antrag stimmen wird. wenn er von anderer Seite beantragt wird. Bor der Entscheidung ist außerdem die Zu- st immun 5 des Zentralwahlkomitees in Berlin einzuholen. b) In Landtagswahlkreisen, in denen mehr als ein Abgeordneter zu wählen ist, unterstützt die Sozialdemo kratie in der Stichwahl die Wahlinänner derjenigen bürgcr lichen Parteien, deren Wahlkoniitee sich bereit erklärt, ein Mandat der Sozialdemokratie abzutreten, vorausgesetzt, daß der zur Stichwahl stehende Wahlinann mindestens drei Tage vor der Wahl die Erklärung abgegeben hat. daß er u n a b h ä n g i g genug ist, bei den Abgeordneten wählen für einen sozialdemokratischen Kandidaten stimmen zu können. Erfüllen das bürgerliche Wahlkomitee und sein Wahlmann diese Bedingungen nicht, so ist st r i k t c S t i m m- enthaltung bei den Stichwahlen zu üben.� Tic bürger- lichen Walilkomitees sind sofort über unsere Stellungnahme zu den Stichwahlen zu informieren. B. Stellungnahme zur Abgeordnetenwahl. I. Bei der Abgeordnetcnwahl müssen die sozialdemo- kratischen Wahlmänner im ersten Wahlgang für die sozial- demokratischen Kandidaten stimmen, soweit nicht unter Ziffer 3 und 4 Ausnahmen zugelassen sind. 2. Finden in Landtagswahlkreisen mit einem Abgeordneten die Stichwahlen zwischen bürgerlichen Parteien statt, so dürfen nur solche Kandidaten unterstützt werden, deren Unterstützung das Zcn- tralwahlkomitee in Berlin empfiehlt, nach- dem sie sich vorher für Ucbertragung des Reichstagswahl- rechts auf Preußen in der unter A2a, angegebenen Form schriftlich erklärt haben. 3. Könnte in Landtagswahlkrcisen mit mehr als einem Abgeordneten die Sozialdemokratie den Ausschlag bei der Stichwahl geben, so hat die Sozialdemokratie bereits vor den Urwahlen die Abtretung eines M a n d a t s zu fordern. Wird diese Forderung bewilligt, so stimmen die sozialdemokratischen Wahlmänncr schon im ersten Wahlgang außer für einen sozialdemokratischen Kandidaten für die Kau- didaten der betreffenden bürgerlichen Partei. Wird diese Forderung nicht bewilligt, so stimmen die sozialdemokratischen Wahlmänner in der Hauptwahl nur für ihre Kandidaten und enthalten sich bei den Stichwahlen der Stimme. 4. Eine Ausnahme von den Vorschriften unter Ziffer 3 Satz 2 kann nur m i t Genehmigung des Zentral- wahlkomitees in Berlin gemacht werden, wenn eine Vereinbarung darüber zustande kommt, daß in bestimmten >! reisen die sozialdemokratischen Wahlmänner schon im ersten Wahlgang für bürgerliche Kandidaten stimmen und dafür als Gegenleistung in bestiminten anderen Kreisen bürgerliche Wahlmänner schon im ersten Wahlgang für iozialdemo- krattsche Kandidaten stimmen."-- Durch diesen Beschluß ist die auf der Landeskonferenz am 26. April 1963 zur Wahltaktik beschlossene Resolution wesentlich verschärft worden. Ihre Rechtfertigung findet diese Verschärfung in dem Verhalten des Blockfreisinns. Besonders wollen wir hervorheben, daß nach dem Be- schlutz jegliche Verabredung mit bürgerlichen Par- teien der Zustimmung des Zentralwahlkomitees bedarf, um ein einheitliches und geschlossenes Vorgehen der Partei zu ermöglichen. Parteigenossen! Wir fordern Euch auf, diesen Beschluß streng zu beachten. Berlin. 14. April 1908. Mit Partcigruß Das Zeutralwahlkomitec. « Die obigen Bestimmungen über die Wahltaktik decken sich in ihren Grundzllgen mit den Beschlüssen, die bereits für die Landtagswahl des Jahres 1903 gefaßt worden waren. In einzelnen Punkten freilich bedeuten sie, wie bereits das Zentral- Wahlkomitee hervorgehoben, eine Verschärfung gegenüber den Ve- schlüssen des JahreS 1903. Diese Verschärfungen bestehen in folgendem: Auch die von der preußischen Landeskonferenz am 26. April 1903 beschlossene Reso lution ging von dem Beschluß des Mainzer Parteitages aus, der die Genosicn verpflichtete,„mit eigenen Wahlmänneni in die Wahlagitation einzutreten." Diese Bestimmung ist in den neuen Grund sähen durch den Pasius besonders unterstrichen worden:„Bei den Urwahlen dürfen Sozialdeniokraten nur für sozialdemo k r a t i s ch e, also keinesfalls für bürgerliche Wahlmänner stimmen." Ferner hieß es in der Resolution vom 26. April: „Kommt eS bei den Urlvahlen zur Stichwahl, in der nach Ausfall der Sozialdemokraten liberale Kandidaten solchen anderer Parteien gegenüberstehen, so wird im allgemeinen für die libe- raten Kandidaten zu stimmen sein." Demgegenüber hat die Landeskommisston am 3. April d. I. beschlossen, bei solchen Wahlmännerstichwahlen liberale Wahlmänner nur dann zu unter- stützen, wenn deren Abgeordnetcnkandidat schriftlich bestimmte Zusicherungen gegeben hat. Nun ist eS ja unverkennbar, daß die bloßen Zusicherungen noch keineswegs irgend welche Gewähr für das wirklich ernsthafte Ein- treten der betreffenden Liberalen für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht bieten. Das Versprechen, im neuen Land- tage die Ucbertragung deS Reichstagswahlrechts auf Preußen zu beantragen, resp. einen solchen Antrag zu unterstützen, würde ganz zweifellos jeder Freisinnige. auch der w i n d i g st e B l 0 ck l a k a i, abgeben. Denn die Einlösung des Ver- sprechcnS brauchte ja nur die Wiederholung der Farce vom 10. Januar dieses JahreS zu bedeuten! Aber einmal gibt es keine Formel, die freisinnigen Kandidaten unverbrüchlicher sestzulegen. und zweitens werden die Parteiinstanzen den steisinnigen Blockhörigen das Spiel denn doch ein wenig erschweren. Denn in den Grundsätzen der Landeskommission heißt es ausdrücklich: ,V 0 r der Entscheidung ist außerdem die Z u st i m m u n g des Zentralwahlkomitees in Berlin einzuholen." Diese Bestimmung soll verhüten, daß den Handlangern des Bülow- blocks für ihre Verrätereien am Wahlrecht und Koalitionsrecht etwa gar noch von Sozialdemokraten zu einem Mandat ver- Holsen wird. Die Genossen im Lande und das Zentral- Wahlkomitee in Berlin werden sich die freisinnigen Kandidaten ganz genau ansehen und die Zuverlässigkeit ihrer Versprechungen nach ihren bisherigen Handlungen bewerten! Außerdem wird selbstverständlich auch das Verhalten des Freisinns in den Wählkreisen mit mehreren Abgeord- neten ausschlaggebend sein! Die bisher erwähnten Bestimmungen beziehen sich nur auf Wahlkreise mit einem Abgeordneten. In Wahlkreisen, in denen mehrere Abgeordnete zu wählen sind, ist die Unterstützung bürger- licher Wahlmänner und Abgeordnetenkandidaten nur dann zulässig, wenn die betreffende bürgerliche Partei sich umgekehrt zur Unter- ftützung der Sozialdemokratie verpflichtet. Die Sorte Freisinn, die ihre Wahlrechtsfreundschast damit beweist, daß sie einem Wahl- rechtöfeind zum Siege über die Sozialdemokratie verHilst, ist genau so viel wert, wie die Reaktion selbst. Der Durchfall solcher Frcifinnskandidaten braucht der Sozialdemokratie nicht die geringsten Gewissensskrupel zu bereiten. Auf zweierlei muß eS der Sozialdemokratie— soweit da? un- mittelbare Wahlergebnis in Frage steht— bei den bevorstehenden LandtagSwahlen ankommen:Auf die Eroberung sozial- demokratischer Mandate und die Stärkung wirklich demokratischer Elemente innerhalb des Liberal irsmuS. Diesen beiden Absichten sollen die Beschlüsse der Landeskommission vom 3. April dienen. Leben im Freisinn auch nur noch ewige Fünkchcn jenes ehrlich liberalen und demokratischen Geistes, den wieder anzufachen sich bis jetzt nur ein paar freisinnige Außenseiter mühten, so bietet gerade die bevor- stehende Landtagswahl die beste Gelegenheit zur Betätigung dieses Geistes. Sozialdemokratie und bürgerliche Demokratie könnten sich gegenseitig unterstützen, könnten der Reaktion manches Mandat entreißen. Aber freilich, für heute gilt genau daS° selbe, was der„Vorwärts" am 28. April 1903 über die Be- schlüsse der damaligen Landeskonferenz schrieb:„Es darf den liberalen Parteien kein Zweifel darüber gelassen werden, daß wir ihnen nicht das geringste Zutrauen schenken. daß wir Taten von ihnen sehen wollen. Wenn auf liberaler Seite noch irgend eine geheime Hoffnung bestanden hat, daß die sozialdemokratische Partei sich vor ihren Wagen spannen würde, so ist sie... gänzlich zerstört worden. Ziehen Freisinnige oder Liberale es vor, für einen Reaktionär statt für einen Sozialdemokraten zu stimmen, ist ihnen der Liberalismus nicht so viel wert, Sozialdemo- traten zu wählen, um die Reaktion zu bekämpfen, dann kann es uns auch gleichgültig sein, ob statt eines sich liberal nennenden Schwächlings ein offener Reaktionär gewählt ivird." Die bürgerliche Demokratte zu stärken, ist auch die Absicht der Bestimmungen über die Urwahlen in denjenigen Wahlkreisen, in denen nur ein Abgeordneter zu wählen ist. Versagt hier der wirk- lichc Liberalismus, werden uns hier Wiemerianer und Mugdanesen präsentiert, so wird die Sozialdemokratie diesen Freisinn seelenruhig seinem Schicksal überlassen. Die Sozialdemokratie vermag sich nach den Erfahrungen der letzten Jahre, nach der beispiellosen politischen Lerlottcrung des Freisinns, natürlich keinerlei Illusion über seine Haltung bei den bevorstehenden LandtagSwahlen hinzugeben. Trotzdem hat die preußische LandcSkoinmission sich wiederum auf den Standpunkt des Jahres 1903 gestellt und jeden ehrlichen bürgerlichen Kämpfer für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht unter genau präzisierten Bedingungen der sozialdemokratischen Unter- ftützung versichert. Will sich der Freisinn trotzdem der Reaktion an den Hals werfen— um so schlimmer für ihn, um so besser für uns! Denn dieser abermalige schmachvolle Verrat deS Freisinns würde mir Wasser auf die Mühle der Sozialdemokratie leiten, ivürde nur erneut die Notwendigkeit des wuchtigsten proletarischen Klasscnkainpfes beweisen!_ üialjlmhtsattaciUD. Im SchwnrgerichtSsaale zu Moabit begann am Dienstag» morgen der große Aufrnhrprozeß gegen 19 Angeklagte, der daS gerichtliche Nachspiel der machtvollen Straßendcmonstrationen de? Berliner Proletariats vom IL. Januar ist. Ein kleines Nach- spiel eines großen Vorgangs. Die empörte Antwort der cnt« rechteten Massen auf die provozierende Wahlrechtsverweigerung im Dreiklassenparlamente, die friedlich- wuchtige Demonstration der Wahlrechtskämpfor erscheint vor dem Stuhl der deutschen Justiz als freche Auflehnung wider die gesetzliche Ordnung, als verbrecherischer Aufruhr, der Ruf nach dem Wahlrecht als ruhestvrcnder Lärm, die Kundgebung lvider Bülow und die Junker als grober Unfug, der begeisternde Maffengesang stolzer Freiheitslieder als»nißtönendes Johlen und Gröhlen eines radaulustigen Janhagels. Polizei- und Richterohrcn hören anders als Proletaricrohrcn. Der große Hintergrund dieses ProzcffeS verschwindet in den Verhandlungen fast völlig vor den klenien Einzelheiten polizeilicher Protokolle»oider unbotmäßige Untertanen. Acußerlich unterscheidet sich vorerst der Prozeß kaum von irgend einem beliebigen gleich- gültigen Krawallprozcß. Der erste Tag hat lediglich einen neuen Beitrag zu dem großen Kapitel vom Verhältnis des Bürgers zum Polizisten geliefert. Den blutigen Vorgängen an der Gcrtraudtenbrücke galten neun Zehntel der Beweisaufnahme. Sie ergab das alte gewohnte Bild, das wir immer sehen, wenn Bürgcr und Polizei in Preußen auf« einanderstoßen. Die Polizei, die immer recht handelt, stets im Rechte ist, die Masse, die voll böser, verbrecherischer Gelüste ist. Während der Herr Polizeihauptmann Stephan versichert, daß er seinen Be- amten größte Zurückhaltung anempfohlen, daß er ihnen Schonung von Frauen und Kindern streng befohlen hat und daß er überzeugt ist. diese Weisungen sind sttikte befolgt worden, treten so und so viele nichtbeamtete Zeugen auf, die die Schutzleute ans Fliehende und am Boden Liegende haben einhaucn sehen. Während sie der festen Ueberzeugung sind, daß die Menge auf das Halt der Polizeikette langsam zurückging, behaupten die Polizeizengen, die Menge sei nicht vom Platze gewichen, ja habe auf die Klette der Beamten zugedrängt. Die eine Seite spricht von ruhiger. würdiger Haltung der Demonstranten. die andere hat eine johlende Menge gesehen. darunter sich Janhagel aller Art gemischt hatte. Herr Polizeihanptmann Stephan glaubte sich in großer Gefahr, nberrannt zu werden, während dieselbe Demonstrantenschar kurz vorher am Mühlendamm vor einer Schutz- mannskette friedlich Kehrt gemacht hatte. Die Aufregung der Polizciorgane scheint das Wahrnehmungsvermögen in erheblicher Weise beeinttächtigt zu haben. Von einem Automobil, das inmitten der Demonstranten fuhr und das die absperrende Polizei» kette passiert hat, weiß kein Beamter etwas zu vermelden. Keiner von ihnen hat das Gefährt bemerkt. Während übereinstimmend von zahlreichen Zeugen ausgesagt wird, der vielberufcne Schuß sei erfolgt, als die Hauerei längst im Gange war, meinte ein Schutzmann bestimmt zu wissen, erst infolge deS Schusses sei dreingehaucn worden. Eine starte Trübung des Polizei- lichen Erinnerungsvermögens verrät die Bekundung, vor der Polizei- lichen Säbelattacke habe ein Schutzmann einen Stoß in den Rücken erhalten, daß er zu Boden stürzte. Ein Schutzmann, der den Demonstranten selbstverständlich die Front zugekehrt hatte! Dieselbe Verwechselung des vorher und nachher liegt offenbar auch bei der polizeilichen Bekundung vor, die Denionstranten hätten vor dem EinHauen mit Stöcken und Schirmen gedroht. Oder sollten die Beamten das Erheben des rechten Armes beim Hochruf auf das Wahlrecht, den die Masse nach dem Zeugnis des Polizeihauptmanns Stephan ausbrachte, falsch gedeutet haben? Heute wird die Beweiserhebung über die Affäre beendet werden und zugleich werden wir hören, wie das Gericht über die Vernehmung der beiden polizeilichen Wahlrcchtsdemonstranten Kaffnbe und Drabcr denkt, die der Verteidiger Heinemann aufs neue beantragt hat. nachdem der Polizeipräsident diese»„VerttmienSpersonen" zunächst die Aussage über ihre dienstliche Tätigkeit am 12. Januar verbot« Meeschen davon, daß dcrariige ministerielle Erklärungen wenig' gu bedeuten baben, blieb das Sprachvcrbot dann immer noch für alle andern als Lohn- und Arbeitsbedingungen betreffenden Fragen bestehen, und sonnt auch die Tatsache, das; Herr Behrens bereit war, den Polen die Bereins- und Berfa mmlungsfrei- l, eit und das Recht der Muttersprache zu rauben. Diese Tatfache sollte genügen, um den„Politiker",„Arbeiter- führcr" und„Christen" Behrens in feiner ganzen llnwürdigkeit zu kennzeichnen. Je mehr übrigens dieser Jammermann sich heraus- zurmtzen versucht, desto tiefer gerät er in die Tinte. Er hat„ur- sprünglich" die Absicht gehabt, den Z 7 abzulehnen; dann läßt er sich durch eine unverbindliche Erklärung des Ministers bc- wegen, für den Paragraphen zu stimmen; in der dritten Lesung genügt ihm die Erklärung wieder nicht, er lehnt den 6) 7 a b und enthalt sich bei der Gesamtabstinimung über das Geich der Stimme. Mehr an„Konsequenz" hat wohl selten ein Politiker gc- leistet, wie dieser junge Mann des Herrn Lizcntiatcn Mumm. Herr Behrens befand sich allerdings in einer üblen Lage. Als christlichsozialer Abgeordnet«? r gehört er zum Block, als Generalsekretär des Zentrums gewcrkver- einS christlicher Bergleute zum A n t r b l o ck. Je nach» dem, ob er von der einen oder von der andern Seite gezogen wurde, war er polnisch oder antipolnisch. In der zweiten Lesung hielt er zum Block und stimmte für das Sprachcnvcrbot; da bekcun er einen Wink vom GcwertschaftSvcrcin in Essen, worauf er sich zum Anti- block schlug» und in der dritten Lesung gegen den 7 stimmte. Und um es in der Gcsamtabstimmung mit niemanden, zu verderben und um zu bekunden, daß das Gesetz einerseits sein„GutcS", andrerseits sein Schlechtes habe, enthielt er sich der Abstimmung. Ob cS ihm damit gelungen ist, sich in seiner Toppelstellung als Blockmann bei Stöckcr und als Antiblockmann beim Gewerkvcrein zu sichern, muß ibgowartct werden._ Mittelalterliches aus der Gegenwart. Als ein bezeichnendes Kultlirdokument ist ein Brief zu betrachten, den ein katholischer Geistlicher in einem Orte der , Diözese Bamberg an ein Mädchen geschrieben hat, die sich mit einem protestantischen Mann verheiraten will» von dem sie mehrere Kinder hat. In dem Briefe heißt es u. a.: „... Sie waren am letzten Sonnabend mit ihrem Bräutigam beim protestantischen Pfarrer. haben den Vertrag unterschrieben, der auf protestantische Kindererziehung lautet, und stehen im Begriff, sich protestantisch trauen zu lassen. Sie über- liefern also Ihre Kinder der Ketzerei, welche ein von der lath. Kirche abgefallener Priester gegründet hat. In der heil. Schrift heifct cS, dah es für den, der die Kinder ärgert, besser wäre, wenn man ihm einen Mühlstein an den HalS hängen und ihn in der Tiefe des MecreS versenken würde. WaZ würde Jesus Christus, der Sohn Gottes... für eine Strafe über eine Mutter verhängt haben, die nicht nur ihre Kinder ge- ärgert, sondern sie auch der Ketzerei überliefert und sie dadurch unglücklich gemacht hätte?— Sie sind nunmehr vom Empfang der hl. Sakramente der Buße und de» Altars ausgeschlossen, kein katholischer Priester kann Sie mehr gültig lossprechen, wenn Sie diese Sünde, der Sie sich dadurch schuldig machen, bei einem Priester in der Beichte verschweigen, so würde» Sie einen Gottesraub begehen. Ebenso werden Ihnen die hl. Sterbe- sakramente in der Todesgefahr verweigert, solange bis Sie erklären, den Fehler gut zu machen und den katholischen Kirchenvrrtrag mit Ihren, Manne eingehen zu wollen. Daß diese» keine leeren Drohunqen sind, werden Sie vielleicht bald erfahren. Ich bc- trachte Sie als eine von der kath. Kirche abgefallene Person, und ivenn Sie plötzlich und ohne Belehrung sterben würden, würde ich Ihnen das kath. Begräbnis verweigern. E« kommt die Zeit des letzten Gerichts, wo ich und Sie vor dem elvigen Richter einander gegenüber gestellt werden. Der Richter wird mich fragen:„Hast du diese Katholikin aufmerksam gemacht, bast du ihr vor- gestellt, welch große Sünde sie begeht, wenn sie sich protestantisch i'emcn läßt und ihre arme» Kinder der Ketzerei über- liefert?" Ich kann dann ruhig sogen:„Herr, ,» habe eS gethan I"— Wehe Ihnen, wenn Sie dann sagen müssen:„Und ich Hab« nicht gesolgt!"— Bei allem, was mir heilig ist, beim Blute Christi beschwöre ich Sie, kehren Sie jetzt noch um. lieber leben Sie mit Ihren Kindern allein, als daß Sie ein Leben an« fangen, auf dem der Segen Gottes nicht ruhen kann. Das kath. Pfarramt. S. P,. Pfarrer." Derartige Briefe werden massenhaft geschrieben, sie kommen nur nicht an die Oeffentlichkeit. weil die Betreffenden sich dem geistlichen TerroriSmuS fügen, der lieber die Kinder einer Katholikin vaterlos sieht, als daß diese sich protestantisch trauen läßt._ Tie Tagesordnung des Frankfurter freisinnigen Parteitages. Für den in der Ostcrwoche— am 2l,, 22, und 23. April— in Frankfurt a. M. stattfindenden dritten Parteitag des„Wahlvereins der Liberalen" lFreisinnige Vereinigung) ist jetzt die Tagesordnung endgültig festgesetzt. Am DicnStag. den 2l. April, nachmittags 2>/» Uhr erstattet der Vorsitzende Abg. Schräder den poli- tischen Jahresbericht, darauf der Generalsekretär Weinhausen den Geschäftsbericht. Am M i t t w o ch, den 22. April vormittags werden nach der Neuwahl des Vorstandes und der Kontroll- kommisfion Geheimer Justizrat Dorn. Banldlrektor Mommsen über „Börsengesetz und RcichSfiuanzreform' sowie Dr. Struve über„Das Reichsvcrcinögesetz" referiere». Am Nachmittag folgen Referate dcS Dr. Fr. Nauman» und des ArbeitersckretärS Fischer-Reuttingen über „Liberalismus und Arbeiterfrage". DonnerStagvormittag sprechen Fräulein Else LüderS-Berlin und Stadtpfarrer Dr. Lehmann- Hornberg i. B. über„Liberalismus und Frauenfrage".— Liberale Arbeiter und freisinnige Steuerpolitik. Der fortschrittliche Arbeitertag von Rhein» lau d- W e st f a len. der am 23. Februar in Essen stattfand, stellte an den Liberalismus vor allen Dingen drei Forderungen: 1. eine energische Propaganda zugunsten des allgemeinen. gleichen, geheimen und direkten Wahlrecht» in Preußen. 2. die Ablehnung des§ 7 des Reichsverein«- gesetzeü, 3. die Verwerfung jeder weiteren in- direkten Steuer. Was das Wahlrecht betrifft, so ist ein Teil deS Liberalismus eingestandenermaßen der Einführung des NeickStagSwahlrechts in Preußen abgeneigt; im übrigen ist die Propaganda für das allgemeine, gleiche, geheime und direlte Wahlrecht auf freisinniger Seite derart, daß sie auch der Nachsichtigste nicht als energisch de- zeichnen kann. Bezüglich des NeichsvereinSgesetzeS haben die Libe- ralen bis zum äußersten Flügel nach links durch die Tat bewiesen, daß sie an reaktionärer Gesinnung mit den Konservativen den Vergleich aushalten; sie haben nicht nur den ß 7 bewilligt, sie sind durch den Ausschluß der Jugendlichen aus politischen Vereinen und Versammlungen auch noch über die Forderungen der Regierung hinausgegangen. Und»uii die indirekten Steuern! Da kommt zur Belehrung der freisinnigen Arbeiter gerade der Antrag D o v e- Mommsen an den bevorstehenden Parteitag der Freisinnigen Bereinianng mit der lieblichen Wendung, daß für die Finanzreform nicht allein direkte Steuern oder solche Steuert, genügen, die die vermögenden Klassen treffen, sondern, es muß auch auf geeignete Verbrauchs st euern zurückgegriffen werden". Da haben die fortschrittlichen Arbeiter die Antwort auf ihre Wünsche und diese Antwort kommt von einer Seit«, auf die sie ihre größte Hoffnung setzten, die sie gewissermaßen als die zuverlässigste Kerntruppe des Liberalismus, namentlich auch in sozialpolitischer Hinsicht hielten: von der Fretfinnigen veretnigungi In der Resolution des Fortschrittlichen ArbeitertageS, worin jene drei Forderungen erhoben wurden, fand sich auch die Stelle: „Der Liberalismus kann nur dann daraus rechnen, die letzten Re st e der Arbeiterschaft zu behalten und das verloren gegangene Vertrauen der Arbeiter wieder zu gewinnen, wenn er in Zukunft mehr als bis- Herden Wünschen der arbeitenden Bevölkerung auf dem Gebiete der Sozialreform Rechnung trägt und eine kraft» volle liberal-demokratische Politik treibt." Wie der Liberalismus eine„kraftvolle demokratische Politik" ireibt, sieht man an seiner mehr als zweifelhaften und schlappen Haltung in der WahlrechtSfragr; wie er die Wünsche der Arbeiter- schast berücksichtigt, zeigt seine Abstimmung bei dem Reichs- vcrrinsgesrtz und der Antrag Dove-Mommsen bezüglich der Steuer- Politik. Werden die liberalen Arbeiter immer noch nicht klug werden, wollen sie, die letzten Reste vom prolc- tarischen Gefolge dcS Liberalismus, immer noch die Hoff- nung nicht aufgeben, daß aus dieser verrotteten Gesellschaft noch etwas für die Sache des Voltes zu gewinnen sei? Wollen sich Arbeiter nach diesen Erfabrungen noch weiter als Handlanger hergeben für Parteien, die für ein Lächeln Bülows und einen Händedruck der Junker die Rechte der Arbeiter dutzendwcis preisgeben?-» Strafmandate gegen Wahlrechtskämpfsr. Die Düsseldorfer Straskammcr verhandelte gestern in Sachen der Straßendcmonstratioii vom 12. Januar. Nach Schluß der Protestvcrsammlungcn zogen die Teilnehmer, zirka löllll bis 2000 Personen, vom Karlsplatz über den Graf Adolphplah und die Königsallce. um zum Rcgierungsgcbäude und zum'Rathause zu gelange». Die Polizei verhinderte dies jedoch. Zwei Vorstandsmitglieder der Partei W. und Z.. die als Leiter und Ver- anstaltcr>des Aufzuges von der Polizei angesehen wurden, erhielten wegen Ucbcr tretung der Polizcivcrordnuug, welche die Veranstaltung ösfeutlicher Umzüge ohne Genehmigung verbietet, Straf in andate in Höhe von 33 Mark. Das Schöffengericht erkannte auf die Berufung der Angeklagten ans F r c i s p r u ch, da nicht nachgewiesen werden konnte, daß sie die Veranstalter des Umzuges gewesen seien. Gegen dieses llrtcil hatte der Amtsanwalt Bc- rufung eingelegt. In der gestrigen Verhandlung machte der Ver- tcidigcr geltend, daß die betreffende Polizeiverord- nung ungültig sei. da die Angelegenheit durch das viel gc- »auer gefaßte preußische VcrcinSgesetz vom Jahre 1851 geregelt iverde. Tie BcrufuugSkammcr hob die Strafvcrfügung auf, da nach den, Urteil die Polizei nicht befugt war, in einer durch das Vercinsgcsctz geregelten Angelegen- hett eine Strafverfügung zu erlassen. Zu den Gemrindcratswahlcn im Reichslande. Der Zentrums- verein in Strahburg beschloß, bei den Wahlen zum Gemeinde- rat im Juni 1938 mit den bürgerlichen Parteien ein Kompromiß zu schließen. Auch in Mülhausen komint es zu einem Zusammenschluß der bürgerlichen Parteien, ebenso in Kalmar. Ueberall herrscht das Bestreben, sozialdemokratische Mehrheiten in den Gemeinde- raten, die man erwartet, zu verhindern.— Einen Feldzng gegen«»getreue und eigensüchtige Gcmeindcbcanite. der Stadt Stuttgart hat unser dortiges Parteiorgan, die „Schwäbische Tagwacht' unternommen. Drei höhere Gc- mcindebeamte haben bereits den Dienst quittiert. Jetzt nagelt unser Parteiorgan einen vierten Beamten fessi einen Baurat Ra i t y, Vorstand der Straßcnbauinspcktion. Der überaus notwendigen Durchführung einer Straße zur neuen Gasfabrik haben sich mimlich unerwartete Hindernig« entgegengestellt. Der frühere-Gas». w c r k S d i r e k t o r L c n d n c r hat die Grundjtücke, die die Stadt tir Turchführnng der Straße benötigt, in seinen Besitz gebracht. r verlangt dafür einen Preis, den die Stadt nicht zahlen kann und will. Unser Parteiorgan beschuldigt nun den Baurat Raith, der die Durchführung der Straße zu betreiben und die Interessen derStadt gegen Lendncr wahrzune hm e n bat, das; er mit dem frühere» GaSwerksdircktor Lendncr»nter einer Decke stecke; Raith sei mitbeteiligt an dem GrundstückZbcsttz und der Spekulation. Die Stadtverwaltung wie der Beschuldigte selbst, haben sich bisher über diese neue Anklage vollständig auSgcschwicgcu. Ein Knscrnenbild! Mit welch unerhörten Schikanen und Drangsälie- r u n g e n die Söhne des Volke» beim Militär von den„Soldaten- crziehern" bedacht werden, zeigte wieder einmal eine Verhandlung vor dem Dresdener Kriegsgericht. Wegen M i ß h a n d- lungen, vorschriftswidriger Behandlung und A n- maßung einer Befehlsbefugnis hatte sich der 188S in Elstcrberg geborene Unteroffizier Felix Helmut Geiler zu veranlworten. Ais Objekt hatte er sich den Re- kr uten Seidel auSerschen. Diesen hat der Auge- klagte seine Stiefel zun. Putzen gegeben. Nachdem der Soldat dieselben zweimal hintereinander hat putzen müssen, wurde er noch mal raus geschickt, weil die Stiefel tinmer noch nicht nach dem Wunsche des„Herrn Untcroffizicrü" gewesen sein sollen. Als dann der Soldat zum drittenmal die Stiefel dem Angeklagten Vor- zeigte, versetzte ihn dieser kurzerhand eine kräftige Ohrfeige. Ein andermal hatte der Angeklagte demselben Soldaten ohne triftigen Grund„Strafputzen" zudiktiert und als der Rekrut während des Putzen» einmal aufsah(1). versetzte ihn der„Stell- Vertreter" einen heftigen Stoß mit der Faust an den Oberarm. Deiiselben Soldaten hat der Angeklagte während deS Fechten» so lange in der Fechter- ftellung stehen lassen, bis es dieser vor Schmerzen nicht mehr aushalten konnte, an zu zittern fing und schließlich schwindelig wurde. Leute, die mal etivas nicht nach den Wünschen des Angeklagten ausführten, strafte der„Herr Unteroffizier" damit, daß diese einfach den Platz deS Unteroffiziers i» der Stube scheuern mußten und selbst dann, wenn dieser kurzvorhergescheuert ivorden war. Diese Schikane und Mißhandlungen wäre» gar nicht herausgekommen, wenn nicht Seidel seinen Eltern gegen- über einmal sein Leid geklagt hätte(zur Meldung besaß er nicht den Mut), worauf diese«ine Eingabe an den Haupt- mann machten, und nun wurde eine Untersuchung eingeleitet. Der Vertreter der Anklage führte in seiner Anklagerede, die förmlich zu einer Verteidigungsrede wurde, au», eö sei möglich, daß der Angeklagte im„st e b e r e i f e r" gehandelt habe. Es sei auch sehr schwer für einen Unteroffizier, die Grenze des Erlaubten und Unerlaubten zu unter- s ch e i d e n( I!), Er beantragte gegen den als„strebsamen" und „brauchbaren" Untcrosfizicr geschilderten Angeklagten mit Rücksicht auf die„belanglosen"(!) Vorfälle eine geringe Arreststrafe. Das Kriegsgericht verurteilte de» Soldatenschi, wer nur wegen vorschriftswidriger Behandlung in drei Fällen und wegen Anmaßung einer BefehlsbefugiuS zu einer„Gesamtstrafe" von— acht Tagen mittleren Arrest I tl Und da spricht man vom Kamps gegen die Soldaten Mißhandlungen??-- Bestialität und Perversität in der Kaserne. Wegen Mißhandlung und vorschriftswidriger Behandlung Untergebener sowie Vornahme un- züchtiger Handlungen mit Untergebenen wurde vor einigen Wochen der Unteroffizier Schwasta von der zehnten Kompagnie deö 84. Jiifantcrlcregiment» zu Rendsburg vom Krieg»- gericht der 18. Division zu d r e, Monaten Gefängnis ver- urteilt. Der Gerichtsherr legte gegen das ihm zu milde erscheinende Urteil Berufung ein, die am Sonnabend vor dem Oberkriegsgericht dcS 0. Armeekorps(Altona) zur Verhandlung kam.„Um gute Resultate hu erzielen", hat er wiederholt sechs bis sieben Mann von seiner Korporalschaft mit Kolbenstößen gegen die Seite ge« stoßen, sie mit dem Seitengewehr gegen die Beine und mit der Klopfpeitsche ins Gesicht u n d a n f S G e s ä ß geschlagen und ihnen Fauststöße gegen die Nase ver- setzt! Auch ein Freund von„Geistererscheinungen" war der saubere Patron, der nachts seine Leute im Hemd über die Spinden klettern ließ. Wenn die Leute im Belt lagen, mußten sie auf Kommando die Decken„lüften", worauf er sie„beleuchtete". Die weiteren unsauberen Dinge wurden unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelt. Die Verhandlung endete mit der Verurteilung dcS«Stell- Vertreters" zu einen, Jahre G e f ä u g u i s und D e g r a- dation.---_ franfcmeb. Antimilitaristische Arbeitersyndikats. Die Vertreter der Syuditate. die der Arbeitsbörse angehören, wählte» gestern iu die AussichtSkon, missiqn entschiedene Antimilita- risten, von denen drei erst kürzlich die ihnen wegen antipatriotischcr und aniimilitaristischcr Treibereien znerkaimtei, Gefängnisstrafen ver- büßt haben. Velgien. Im Sturmschritt. Brüssel, 13. April. tEig. Bcr.) Sie ist entschicdci, nicht wieder zu erkennen, die belgische Kammer mit ihrem ArbcUSfleig.... Gestern, während draußen die belgischen Fahnen zu Ehren des 74 jährigen Wiegenfeste» Leopolds tn der hellen FrllhlingSsoime flatterten, saßen die braven Deputierten im BeratungSsaal und hörten dem Speech des Ministers DcScampS über die Not- wendigleit des Klerikalismuö zu. Aber die klerikale ivtajoritüt vergißt nicht nur ihren König, sie vergißt sogar ihr an- aeblich Allerhöchstes: die Religion. Nicht allein PormtttagS- sitzungen hat sich der Eifer der Älerilalen in der höchsten Not abgerungen— sie haben auch, mit einer„siegreichen" Majorität von sünf Stimmen allerdings, beschlossen, am.Karfreitag Sitzung zu halten. Vergeblich,- daß der Radikale I a>, s o n die Ver- tagung über die Karwoche hinaus bcanlragte, um den Dcputicrlen das Studium der Dokumente für die Kongodebatte zu er- möglichen! Vergeblich, daß die Sozialisten(wie oft hat man cS iu der Budgetdebatte erst in den letzten Tagen gehört, daß die Religion allein im Schöße der Klerikarcu Schutz findet...) die' Klerikalen, die Monopolisten der Religion, in einen, Antrage gemahnten, die religiösen Gc- fühle zu respektieren: die Kammer bcharrte dabei, am helligen Freitag zu tagen. Ist die Welt aus den Fugen, daß diese berüchtigte foule Kammer Golt und König vergißt, um zu„arbeiten"? Nun, wie der liebe Gott über die Handlung der klerikalen Majorität denkt, ist nicht so leicht zu ermitteln; aber der König wird's den Klerikalen gewiß nicht Übel genommen haben, daß, wäbrend jeder Magistratsbeamte„feierte", die Kamnier„arbeitete". Gelten doch Gesinnungsopfer und Fleiß der Klerikalen dem edlen Zweck, die Annexion d u r ch z u- peitschen, den glücklichen Belgiern die 233 Millionen-Lasten auf- zuhalsen. Selbstverständlich koiiimen die Helden, die die Vor- inittagSsitzlnigen beschlossen haben, nicht einmal zu den— NacknnittagSsitzungen und gestern konnte wieder einmal eine Abstimmung nicht stattfinden, weil ganze 75 Mitglieder zur Stelle waren. Aber das hindert nicht, daß man im Sturmschritt vorwärts„arbeitet"— der Kongodebatte und der Abstimmung entgegen.... Im Senat hat uiflerdeS der Antrag auf Durchführung eines Referendums über die prinzipielle Frage der Annexion und der Vorlage, die der Liberale H a u'r e z' mit' inet rechtschaffenem� Eifer- vertritt. eine Niederlage erlitten. Obwohl die Regierung auch im Senat versicherte, daß Belgien die Annexion will, hat der Ministerpräsident nichtsdestoweniger mit großer Beredsamkeit, wenngleich mit gmnd- falschen Argumenten/ da« ReftÄnuniprojek, bekanipft. Der Senat hat die Pexatung über daL Referendum mit 47 gegen 23 Stimmen verworfen.— Bemerkenswert nt der Beschluß der ScnatS-Liberalcn, in der s e na t o ri a le u XVII. Kongokomnilssion solange nicht an- eine Beratung der Kongovorlage gehen zu wollen, bis nicht die Deputiertenkammer ihre KoNgobcratung abgeschlossen hat. Auch die abgeklärten SrnatSliberawn widersetzen sich de», niederträchtigen DurchpettschungSmanöver der Regierung.— Spanien. Das Urteil im Barcclonacr Bombe, iprozes,. In dem Terroristenprozetz wurden Juan Rull, Hcrmencgilde Rull und Maria Oueralto zum Tode, Amadea TrillaS zu 24 Jahre», Josö Rull zu 17 Jahren, Franctno TrigueraS zu 14 Jahren, Raimondo Bmyet zu 4 Monaten Zwangsarbeit verurteilt. Perello und Perals wurde,, freigesprochen. Dänemark. Reform des EemrindcwahlrechtS. Kopenhagen, 14. April. Das F o I k c t h i n g nahm heute cnS- gültig den bereits vom Landsthing angenommenen Regie rungS- gefetzenttvurf betreffend Einführung des«dligv meinen Wahlrechts für alte steuerzahlcnden Männer und Frauen über 25 Jahre, sowie für alle verheirateten Frauen, deren Männer Steuern bezahlen, a». Der Enttvurs verleiht das Wahlrecht zu allen kommunalen Körperschaften, anSgenouimen zu den Kreis- tagen, wo die höchst besteuerten Wühler ein Drittel der Wahl- männer bilden sollen, während sie jetzt die Hälfte der Wahlmänner ausinachen. Die. Wahlen werden nach der Proportionalloahl- Methode vorgenommen. Die Annahme des Gesetzentwurfes erfolgte mit 34 gegen 35 Sitmmen; dafür stimmten die Rcformpartei der Linken, die gemäßigte Linke und zive, Mitglieder der Rechten, da- gegen stimmten die Eozialdeinokraten, die radikale Linke und fünf Mitglieder der Rechten. Rußland. Die RcicklSduma nahm heute in erster Lesung die Gesetzes- Vorlage de» Ministeriums für Volksaufklärung an betreffend die Beivilliguug von 0 903 033 Rubeln jährlich für die Einführung des allgemeinen Elementarunterrichts. 6cwevfcrcbaftlicbc9s Berlin und rlmgegend. Verleumdungen. Die bürgerliche Presse verbreitet Berichte, die von U c b c r f ä l l e n auf A r b e i t ö iv i l l i g e der Fabrik von Härtung iu Moabit handeln. Rath den, einen Bericht sollen in der Nacht zum Sonntag vor dem Hause Fennstr.&> zwei bei Härtung beschäftigte Arbeiter überfallen worden sein. Der Former Karl Dummer und der Schmied Paul H a a s e sahen sich nach diesem Bericht plötzlich nenn Männern gegenüber, von denen sie niedergeschlagen wurden. Haase habe sich in der höchsten Not an seinen Revolver erinnert und damit f ü n f Schüsse abgegeben, von denen zwei trafen. Der Schlosser Wunderlich und der Arbeiter S k o b e ck wurden verwundet, der letztere schwer, während Wunderlich nur einen Streifschuß erhielt und wieder entlassen werden konnte, nach- dem er auf der Unfallstation verbunden worden war. Skobeck da- gegen mußte nach dem Pirchow-KraiikenhquS gebracht werden. Es wird ohne weiteres aus dieser Affäre geschlossen, daß hier ein Racheakt vorliegt, weil Haase und Dummer bei Härtung als Streikbrecher gearbeitet haben, und die Schlägerei wird mit dem Streik ohne Bedenken in Berbindung gebracht. hat. Der gefährlichen Vernehmung de* Polizeipräsidenten über die zweierlei Praxis gegenüber Demonstrationen ist das Gericht aus- gewichen durch die Erllärung, dast es daS Behauptete, soweit eS er- heblich sei, als wahr unterstelle. Was als erheblich angesehen wird, das erfuhr man noch nicht. Ob's die folgenden Tage ergeben Frdfinn und Hoalitlonsrccht. Die frcifinnig-volksparteilichcn Blätter sind noch immer eifrig beiniiht, das Reichsvercinsgesctz als einen großen Fort- schritt hinzustellen und. damit ihre Zustimmung zu dem Z 7 des Gesetzes zu entschuldigen, der den Gebrauch einer fremden Sprache in öffentlichen Versammlungen nur in solchen Be- zirten gestattet, in denen die„alteingesessene" fremdsprachige Bevölkerung inindestens 60 Proz. der Gesanitbevölkerung beträgt. Die Befürchtung, dieser Sprachenparagraph könnte dazu � benutzt werden, das 5?oalitionsrccht der Arbeiter noch mehr als bisher einzuschränken und besonders in gemischt- sprachigen Gegenden eine gegenseitige Verständigung der Arbeiter bei Streiks und Aussperrungen zu verhindern, wird als lächerliche Schwarzseherei verlacht, und die einzelnen kleinen Verbesserungen des Gesetzes als große Errungen- schaften der blockpolitischeu Aera gepriesen. Allerdings ist dieser Optimismus, der die gewerkschaftlichen Bedenken als naive Wahnvorstellungen behandelt, nicht echt. Er entspring! lediglich dem Bemühen, die Tatsachen zu verschleiern, daß der Freisinn, um sich die Gunst der Börsenspekulanten zu er- halten, Volksrechtc gegen BLrscnfreihciten verkauft hat. Wären tatsächlich die freisinnigen Politiker davon überzeugt. daß die Versicherung des Herrn v. Bethmann-Hollweg, der § 7 werde nicht gegen Arbeitcrkoalitionen angewendet werden, einen Wert hat, warum stellten sie dann hinterher im preu- ßischen Abgeordnetenhaus den Autrag, die preußische Re- gierung solle Ansführungsbestimmungen zu dem Neichsgesetz erlassen, die die Ausnutzung des§ 7 gegen daS Koalitionsrecht verhindern? Warum beantragte» sie dann im Reichstage eine Erweiterung des§ 152 der Gewerbeordnung(des Koa- litionsparagraphen)? Dadurch, daß sie diese Anträge stellten, haben die frei- sinnigen Abgeordneten selbst zugegeben, daß sie eine Aus- Nutzung des§ 7 gegen das Koalitionsrecht für wahrscheinlich halten. Aber trotzdem der Freisinn die Gefährlichkeit des § 7 recht wohl erkannte, stiinmte er für ihn. um dann hinter- her aus Furcht vor dem Abfall der noch immer zur Freisinns- fahne schwörenden Arbeiter im Reichs- und Landtage Anträge einzubringen, die das eben erst mit freisinniger Hülfe in das Gesetz hineinpraktizierte Gift diesem wieder entziehen sollten. Ein Manöver, das um so widerlicher ist, als die Antragsteller vorher ganz genau wußten, daß ihr kurz vor dem Schluß der Legislaturperiode eingebrachter Antrag dort nicht mehr zur Beratung kommen würde, und daß die von ihnen vorge- schlagene Ergänzung des§ 152 der Gewerbeordnung erstens keine Aussicht auf Annahme hat und zweitens an der heutigen gegen die Gewerkschaften gerichteten Polizei- und Gerichts- Praxis nichts ändert. Das wird jetzt dem Freisinn sogar von einem Mann bescheinigt, der stets alle sozialistischen Ansichten energisch bekämpft hat: vom Professor Luio Brentano. In einein „Die links! ibcralen Antrqge zum Koali- tians recht" überschriebencn Artikel des„Berliner Tage- blatts" sagt er: „Beide Anträge sind Anträge des schlechten Gewissens. Alle Arbeitervereine im Deutschen Reiche, ganz besonders auch die . wenigen, die sich noch zu den Liberalen zählen, haben eindring- lichst vor der Annahme des Z 7 gewarnt. In unwiderleglicher Weise wurde von einzelnen ihrer Wortführer dargetan, wie durch ihn das KoalitionLrecht gerade in den Gebieten in Frage gestellt wird, in denen eö noch am heißesten um die praktische Anerken- ,mng seitens dcS industriellen Magnaten zu kämpfen gilt. Aber es war alles umsonst. Man erkannte die Richtigkeit der Aus» führungen an und— erklärte als Inbegriff der politischen Weis- heit, daß der Tapfere mutig zurückweicht. Dann aber bekam man es augenscheinlich mit der Angst, dieses Verhalten könne auch die letzten Arbeiter, die noch zu den Liberalen halten, ab- spenstig machen. War doch daS KoalitionLrecht und seine Wah- rung, wenn nicht daS einzige, so doch das vornehmste Inventar- stück der liberalen Sozialpolitik. Nun hatte man auch dieses preisgegeben. Zur Bezeugung, daß man trotz der Verleugnung der alten Liebe, als es darauf ankam, sich zu ihr zu bekennen, ihr doch eine freundliche Erinnerung bewahrte� stellte man die beiden Anträge." Dann kommt er auf den am 1. April von den vereinigten linksliberalen Parteien im Reichstage eingebrachten Antrag zum§ 152 der Gewerbeordnung zu sprechen und meint: „Ebensowenig ist der linksliberale, im Reichstag eingebrachte Antrag zum 8 152 der Gewerbeordnung ernsthaft zu nehmen. Er erweckt die Vorstellung, als sei die übelwollende Auslegung, die dieser§ 7 bei einzelnen Gerichten gefunden hat, die einzige Be- schwerde, wozu das deutsche Koalitionsrecht Veranlasiung gibt. Die KI 152 und 153 der Gewerbeordnung sind aber von An- fang bis Ende nichts als eine schreiende Ano- malte in unserem Rechtsleben, und wer den deutschen Arbeitern die volle Koalitionsfreiheit sichern zu wollen vorgibt und nichts anderes vorzubringen hat als solches Herum» stümpern zur Verhinderung rückständiger Ge- sctzeSinterpretationcn. zeigt, daß er trotz jahrelanger Reklamationen über die Notwendigkeit, den Arbeitern volles Koa- litionSrccht zu schaffen, von dem Sitz der bestehenden U ebelstände gar keine Ahnung hat. Der Sitz dieser Uebelstände sind die Bestimmungen über die Arbeitswilligen. Der K 152 Absatz 1 der Gewerbeordnung gestattet den Arbei- tern„Verbindungen und Vereinigungen zum Behufe der Erlan- gung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen" und Absatz 2 besagt:„Jedem Teilnehmer steht der Rücktritt von solchen Ver- einigungcn und Verbindungen frei, und eS findet aus letzteren weder Klage noch Einrede statt." Also die Anomalie einer Ge- setzesbcstimmung, welche einen Vertrag für erlaubt und gleichzeitig für unverbindlich erklärt! Nun haben die Libe- ralen doch bei den Termingeschäften reichlich Gelegenheit gehabt, sich über die Sittlichkeit von Bestimmungen zu unterrichten, die es ermöglichen, die Erfüllung eingegangener Verpflichtungen jederzeit abzulehnen Die Anomalie wird aber verschärft, wenn wir dem§ 152 Absatz 2 die Behandlung entgegenstellen, die analogen Verabredungen der Unternehmer zu» teil wird. Während daö Reichsgericht in einer Entscheidung vom 5. Juli 1890 erklärt hat, daß Kartelle der Produzenten keineswegs an sich rechtswidrig seien und Vereinbarungen der kartellierten Unternehmer gerichtlich eingeklagt werden können, enthält besagter Absatz 2 geradezu eine Ausfordcrung zum Abfall von vertragsmäßig übernommenen Verpflichtungen.... Unser Strafgesetzbuch kennt keine Strafen wegen Ehrverletzung. Ja» fern sie keine Beleidigung enthält oder die etwa darin enthaltene beleidigende Aeußerung wahr ist. Anders, wenn ein Arbeiter einem Streikbrecher Vorwürfe macht; er wird nach K 153 der Gewerbeordnung, und zwar eben weil dps Ssreikbrechen un- ehrenhast sei, wegen Ehrverletzung mit Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft. Unser Strafgesetzbuch kennt keine Strafe wegen Verrufserklärung, und ungestraft wird in allen Gesell- schaftsklassen von Verrufserklärungen gegenüber solchen Gebrauch gemacht, welche gegen die Interessen und Anschauungen der Kreise, denen sie angehören, verstoßen. Namentlich wird von den Kartellen die Verrufserklärung als wirksamstes Mittel gegen solche Firmen gehandhabt, welche unter den Kartellpreisen ver- kaufen. Als dagegen während des Streiks der Brcslaucr Bau- arbeiter im Jahre 1886 in der„Volksmacht" folgende Bekannt- machung erschien:„Die Kommission für Bauarbeiter gibt hiermit bekannt, daß folgende Arbeiter auf folgenden Bauten in Be- schäftigung stehen":(nun folgen die Namen der Bauten und Ar- bester), wurde der Vorsitzende der Kommission gemäß K 153 der Gewerbeordnung wegen Verrufserklärung zu zwei Monaten und der Redakteur des Blattes wegen Vergehens gegen das Preß- gcsctz zu vierzehn Tagen Gefängnis verurteilt. Unser Straf- gcsetzbuch kennt ferner keine Strafbcstimmungen, wenn einem anderen zu erlaubtem Zweck mit einer Handlung oder Unter- lassung gedroht wird, zu der der Drohende berechtigt ist; dagegen wurde der Verfasser eines Streikflugblattcs, worin es heißt: „Bis jetzt ist es den Unternehmern nicht gelungen, auswärtige Kollegen heranzuziehen; daß es auch in Zukunft nicht geschieht, daS wird unsere Sorge sein", gemäß§ 153 wegen Bedrohung zu vierzehn Tagen Gefängnis verurteilt... Alle diese Gefahren, welche den Gebrauch des KoalitionL- rechtes seitens der deutschen Arbeiter bedrohen, werden nun ins Unberechenbare durch den K 7 des VereinsgesetzcS vergrößert. Auf welche Weise sollen deutsche Arbeiter auf fremdsprachige Arbeits- willige friedlich einwirken, wenn ihnen versagt wird,-durch Per- sonen, welche deren Sprache kennen, m Versammlungen zu ihnen zu reden?" Besser kann die absolute Wertlosigkeit der freisinnigen Anträge kaum charakterisiert werden. Falsch ist nur die An- nähme, die freisinnigen Parteien wollten im Ernst als„soziale Reformer" gelten. Ihre beiden Anträge sind nicht deshalb eingebracht, um das Koalitionsrecht zu verteidigen, sondern um die wirklich liberalen Elemente, die sich gegen die frei- sinnige Scharfmacherpolitik auflehnen, zu beschwichtigen und sie bei der bevorstehenden Landtagswahl bei der Freisinns- sahne festzuhalten._ Das Attentat in cemderg. DaS Attentat auf den Statthalter von Galizien hat nicht nur in Galizien. sondern in ganz Oesterreich-Ungarn nachhaltige Er- regung hervorgerufen. Besonders gibt natürlich die polnische und polenfreundliche Presse ihrem«bscheu über die Tat des ruthcnischen Studenten SiczinSti Ausdruck, der als feiger Meuchelmörder und verkommenes Subjekt hingestellt wird, während der Graf Potocki als Muster eines liebenswürdigen, gerechten Staatsmannes gefeiert wird. In der ersten Reihe marschiert natürlich bei diesem Treiben da« Wiener.Fremdenblatt", das sich folgendes Urteil leistet: „Die Tat des ruthenische» Studenten SlczinSkt ist feiger Meuchelmord. Zum Abscheu über da« nichtswürdige Verbrechen gesellt sich die Empfindung der völligen Grundlosigkeit der Blut- tat. Niemals ist der ruthenischcn Skalion, die zu rächen der Mörder vorgibt, größeres Entgegenkommen bezeigt worden, als unter der Statthalterschaft PotockiS, der fich gern in den Dienst der Politik der Regierung stellte, die ehrlich bestrebt ist. den ruthenischcn Wünschen im Einvernehmen mit den Polen Geltung zu verschaffen. Es kann unmöglich daS Schicksal seiner Nation sein, das SiczinSki zum Morde getrieben bat. Er scheint von Parteifanatismus fortgerissen worden zu sein, daS„russische" Beispiel dürste ihn angesteckt und zum Mörder gemacht haben." Wie falsch dieses Urteil ist, zeigt allein schon die Tat- ache, daß der Attentäter nicht nur von den ruthenischcn Studenten als Märtyrer gefeiert wird, sondern selbst unter gereiften Männern Sympathie findet. So äußerte sich z. B., wie telegraphisch aus Wien gemeldet wird, der dort zurzeit weileude geschäftsführende Obmann des RuthenenflubS, Ritter v. W a s s i l i k o:„Ich habe kürzlich im Bndgetauaschusse ganz unzweideutig erklärt, daß die ruthenische Bevölkerung im höchsten Maße erbittert ist. daß, falls mit dem herrschenden System der Unterdrückung nicht gebrochen wird, die bedenklichsten Zustände heraufbeschworen werden können. Nicht der Sozialdemokratie, die in ihre» Gnindsätzen als viel zu gemäßigt angesehen wird, werden sich die Rutheuen in die Arme tverfen, sondern eS werden Verhältnisse eintreten, die nur in Rußland und in Rumänien eine Analogie finden." Abgeordneter Budzynowski sagte:„Die Nachricht von der Beseitigung des galizischen Statthalters Potocki konnte niemanden, der die furchtbare Gärung unter den galizischen Ruthenen kennt, überraschen. Da« System der brutalen Unterdrückung der Ruthenen durch dle Polen muß fallen, die Wirtschast, daß die wichtigsten kulturellen Fragen in Galizien durch Ausnahmegesetze geregelt werden, kann nicht weiter bestehen. Eines muß betont werden und auch Siczinski elbst hat es ausgesprochen: nicht die Person des Potocki. andern die Verkörperung eines Systems sollte in dem Getöteten getroffen werden." Abgeordneter Dr. OkuniewSki kennzeichnete seine Ansicht folgendermaßen: „Der jahrzehntelange Druck der galizischen Verwaltungsbehörden, gegen den nirgends Abhülfe zu finden war, und die jüngsten Land- tagSwahlen, die trotz der verheißenen Gerechtigkeit mit den alten Wahlpraktiken durchgeführt wurden, haben an sich diesen fürchterlichen Racheakt verursacht." Tatsächlich ist es die brutale Unterdrückung der Ruthenen durch die Polen in Galizien, die daS Attentat heraufbeschworen hat. Die polnische Schlachta hat in Galizien ein Stück der alten polnischen Adelsrepublik aufgerichtet. Mit allen Mitteln werden die Ruthenen. meist Bauern, obgleich sie beinahe die Hälfte der Be- völkerung ausmachen, vom polnischen Adel niedergehalten und vom staatlichen Regiment ausgeschlossen. Charakteristisch dafür ist. daß bei den letzten vor sechs Wochen stattgefundenen Landtagswahlen die Ruthenen von 161 Mandaten nur 21 erhielten.' •* Lemberg, 14. April. Aus Anlaß deS Leichenbegängnisses des Grafen Potocki herrschte seit den frühesten Morgenstunden in allen Straßen. welche der Trauerzug zu passieren hatte. owie vor dem DtatthalterpalaiS lebhaste Bewegung. Auf dem Wege bis zur Bernhardiner-Kirche bildeten Schulkinder Spalter. vor der Kirche hatten sich die Spitzen der Behörden, die gesamte Beamtenschast und zahlreiche Deputierte eingefunden. Vor dem 3alaiS hielt Landmarschall Graf Stanislaus Badem, nachdem der Sarg aus dem Trauergemach getragen worden war, dem Verstorbenen einen tiefempfundenen Nachruf. Darauf nahm der Trauerzug, den die Geistlichkeit eröffnete, mit den Leidtragenden, dem Vertreter des Kaisers, Oberzeremonienmeister Graf EholoniewSki, dem Ministerpräsidenten greiherrn v. Beck, den Ministem Freiherren v. Bienerth und b. Korhtowski und den anderen hier eingetroffenen Würden- träger» seinen Weg zur Bernhardiner-Kirche. Lemberg, 14. April. Gestern abend ereigneten sich große anti- ruthenische Siraßendemonstrationen, welche bis spät in die Nacht dauerten und schließlich in arge Exzesse ausarteten. Die Polizei mußte einschreiten und von der blanken Waffe Gebrauch machen. politische Qeberlicbt Berlin, den 14. April 1008. Keine neue Partei. Die angeblichen Begründer der von der„Fr eis. Ztg/ so genannten„D e m a g o g e n p ar t ei" bestreiten energisch. daß sie irgendwie die Absicht hegten, eine neue freisinnige Partei zu gründen. DaS erklärt sowohl die„Volks-Ztg." wie die„Hess. L a n d es- Z t g.". deren Herausgeber ja Herr v. Gerlach selbst ist. Die Herren Barth, Breitschcid, Gerlach usw. scheinen also immer no.ch zu hoffen, daß es ihnen gelingen könnte, den von ihnen vertretenen entschiedenen Liberalismus im Rahmen der alten Frcisinnsparteien oder wenigstens innerhalb der„Frei- sinnigen Vereinigung" zur Geltung zu bringen. Vielleicht fühlen sie sich auch nur zu s ch lv a ch und isoliert, um den Versuch zu wagen, eine lvirlliche bürgerlich-demo- kratische Partei zu gründen. Ihre Gegner freilich suchen mit um so größerer Rück- sichtslosigkcit die paar entschieden Freisinnigen auS der freisinnigen Frakttonsgenicinschaft herauszudrängen. Schon vor Wochen denimzierte ja das Wiemer-Blatt die Barth Gruppe als die„Demagogcnpartci". Und die„Voss. Zeitung" feiert zwar heute abend in den höchsten Tönen die Einigkeit aller drei Frcisinnsparteien. deren völlige Verschmelzung sie als nicht mehr fern bezeichnet: aber sie macht um so entschiedener zur Ve dingung dieser Verschmelzung, daß die Barth- Breitscheid Gerlach-Gncppe der freisinnigen Vereinigung nicht in die neue, geeinte Freisinnspartci miteinbezogen wird! Der Blockfrcisinn scheint also trotz aller antiliberalcn Handlungen seiner Macht über die Masse seiner Wähler so sicher zu sein, daß er rücksichtslos auf reinliche Scheidung drängen zu dürfen glaubt. Die entschieden Liberalen dagegen scheinen jede ernstbafte Kraftprobe um so ernstlicher zu scheuen!— Tie Mitschuldigen! Die ultramontane Parteiprcssc im Verein mit der christlichen Arbeiterpresse, soweit sie zum Zentrum hält, jammert über die Missetaten deS Freisinns in der Frage des ReichSvercinsgesetzcS. „Der Verrat ist vollführt. Die Freisinnigen haben am Samstag, den 4. April 1803, Freiheit und Menschen- rechte mit Füßen getreten"— schreibt die„West- deutsche Arbeiterzeitung"(M.-Gladbach). Und um nur eine von den zahlreichen ZentrumLsttmmcn anzugeben, sci hierher gesetzt, was das ultramontane„WuppertalcrBolkS- blatt" schreibt: „So hat der Freisinn im vollen Bewußtsein der Tragweite seiner Handlungen ein Vercinsgesctz angenommen, das nicht bloß den Polen das wichtig st c Natur recht raubt, das auch die Arbeiterorganisationen auf einem für sie ungemein wichtigen Gebiete von der Betätigung abhält und de» Arbeiter- stand gegenüber dem Import von Streikbrechern und Lohn- drückern ivchrloS macht." Wir haben durchaus nicht die Absicht, die Schärfe dieser Kritik einzuschränken, nur möchten wir die entrüstete Zentrums- und Christenprcssc an folgendes erinnern: Wer war es denn, der bei der letzten R ei ch s t a g swah l im Januar und Februar 1807 da. wo es sich um einen Sozialdemokraten oder um einen Blockbruder handelte, sich mit allem Eifer für den Block- bruder ins Zeug legte? War eS nicht daS Zentrum? Wer trat in Lennep-Mettmann-Rcmschcid für den Freisinnigen Eick- hoff, in Barmen-Elbcrfcld für den christlichsozialcn Linz ein, der sich dann nach der Wahl zu den freikonscrvativcn Scharfmachern schlug? Waren es nichh die Herren GievbertS und Konsorten, die die ch r i st l i ch e n Arbeiter zur Wahl von Leuten auf- forderten, die jetzt„Freiheit und Menschenwürde mit Füßen treten"? Es war ein christliches GcwerkschaftLblatt, der „Deutsche Holzarbeiter", daS den Ausfall der Hauptwahl am 25. Januar jubelnd begrüßte, weil die Sozialdemokratie eine Anzahl Mandate eingebüßt hatte.„Die gesamten bürgcr- lichen Parteien erfuhren eine Stärkung durch die Schwächung der Sozialdemokratie"— schrieb daS Blatt, und es bat, nicht zu vergessen, daß, wenn die Sozial- demokratie„auf der ganzen Linie zurückgeworfen" worden sci, die christliche Arbeiterbewegung„ihr redlich Teil dazu bei- getragen" habe. Und ähnlich war eS in anderen christlichen Blättern zu lesen. Die Toren jubelten, daß an Stelle von sozialdemokratischen Ar- bcitervertrctern Junker. Scharfmacher und freisinnige Bülow- Günstlinge in den Reichstag eingezogen waren. Der Hoß gegen die Sozialdemokratie nahm ihnen daS bißchen Einsicht, daö nötig ist, um zu wissen, daß, je weniger Sozialdemokraten gewählt wurden, desto mehr Arbriterfcinde in den Reichstag einzogen. Wenn eine Dlockmehrheit zustande gekommen, wenn ein arbeiterfeindliches, frciheitswidrigcs ReichSvereinSgtfctz angenommen worden ist, dann mag das Zentrum, das jetzt über den Verrat der Freisinnigen schreit, daran denken, daß es selber diesen Verrat ermöglicht hat. Und die ch r i st l i ch c n A r b c i t c r. deren Presse sich entrüstet, daß„Freiheit und Menschcnrccht mit Füßen gc- treten" worden ist, wollen sich crinncrii. daß sie, die sich rühmen. an dem MandatSvcrlust der Sozialdemokratie„ihr redlich Teil beigetragen" zu haben, damit auch an dem Zustandekommen deS ReichSvereinSgesetzeS' mit seinen Schikanen. Unfreiheiten und Aus- nahmebestimmungen ihr„redlich Teil" Schuld tragen!— „Arbeitervcrtrcter" Behrens und der Sprachenparagraph des Ncichsvcrcinögesetzcs. Herr Franz Behrens, der in zweiter Lesung für den§ 7 deS ReickSvereinSgesevcZ stimmte und bei der Gcsamtabstimmung sich der Stimme enthielt, hat im Evangelischen Arbeiterverein in Rüttenscheid seine Haltung zu rechtfertigen versucht. Seine Anficht zum Bminsgesetz, sagte er dort, sei die. daß e» im großen und ganzen einen bedeutenden Fortschritt gegenüber den« bisherigen preußischen Vereins- und Versammlungsrecht darstelle. Mit de» sehr erheblichen Verbesserungen könne man auch schließlich den häßlichen Sprachenparagraphen in Kauf nehmen. Er habe ursprünglich die Absicht gehabt. den 8 7 abzulehnen, weil er zu einem Hemmni» der Arbeiterbewegung hatte werden können. Nachdem es den christltch- sezialen Abgeordneten jedoch gelungen sei, von dein Minister von Bethmann-Hollloeg die in öffentlicher Rede gegebene Zusage zu er- hallen, daß der K 7 auf Versammlungen zur Beratung von Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht angervendet werden sollte, habe er für dsn Paragraphen gestimmt Demgegenüber können wir nach eingezogenen Erkunde yungen feststellen, daß iveder Wunderlich noch Skobeck zu den Streikenden gehörten und daß von keinem der übrigen sieben Männer, die angeblich den Ueberfall ausgeführt haben, festgestellt werden konnte, daß sie zu den Streikenden gehörten. Dem Streikkomitee ist nichts dergleichen bekannt geworden. Wie kommt mau dazu, eine nächtliche Nevolverschießerei don zwei Arbeitswilligen der Hartungschen Fabrik sofort den streikenden Arbeitern an die Rockschöße zu hängen? Der ein- zige Anhalt dafür wird geboten durch die Zeugeuschaft eines Streikenden, der zufällig in jener Nacht in der Nähe des Tat- ortcs sich befand, aber bei seiner Vernehmung als Zeuge so- fort erklärte, daß die Streikenden in keiner Weise mit der Affäre in Verbindung stehen. Er gab diese Erklärung ab, als die Angegriffenen auf der Polizeiwache den Verdacht aus- sprachen, daß ein Racheakt der Streikenden vorliege. Die Streikenden wiesen es entschieden zurück, für die Raufereien der Arbeitswilligen von Härtung, wobei der Re- volver gewöhnlich eine Rolle spielt, in irgend einer Weise ver- antwortlich gemacht zu werden. Noch toller klingt ein Bericht, der einer sehr trüben Quelle, nämlich dem Organ der Gelben, dem„Bund", entnommen ist. ..Die Post" nimmt besonders Veranlassung, auf Grund dieses Berichts ihrer tiefen moralischen Entrüstung Ausdruck zu geben und gegen die„sozialdemokratischen Terroristen" zu hetzen. Sie druckte am Sonntag aus dem„Bund" das Folgende ab: „Am Montag hatte der Unterstiitzlmgsvemn der Firma Harwng feine Generalversammlung abgehalten, und die Kollegen begaben sich nach Schluß dieser Versammlung einzeln auf den Heimweg. Unsere Freunde, die Former Paul Salenger, Gustav Weber und Fr. Zederberg, gingen nach dein Bahnhof Putlitzstrasie und passierten den Putlitz- steg. Da fielen plötzlich ungefähr 30 Mann, die vom Bahnhof herkamen, und 3l) Mann von der entgegengesetzten Richtimg aus über unsere Kollegen her, die nicht rück-, nicht vorwärts konnten. Nur dem Former Zcderberg ist cS gelungen, davonzukommen. Doch auch ihm wurden große Steine in den Rücken und nach dem Kops geworfen. Die anderen beiden Kollegen Salenger und Weber, beide Familienväter init sechs und sieben Kindern, sind Zeit ihres Lebens zum Krüppel gemacht worden. Es lourden diese beiden Kollegen durch Dolchstiche und große Steine von den feigen Gegnern so zugerichtet, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Bis zur Unkenntlichkeit zugerichtet, liegen sie im Kranken- hause Moabit im Fieber und jaminern um ihre Kinder und um ihre Frauen, welche durch eine rohe und durch ihre Führer ver- hetzte Bande ihres Ernährers, ihres Vaters beraubt sind," Von dieser ganzen Angelegenheit ist dem Streikkomitee durchaus nichts bekannt. Streikende Arbeiter von Härtung sind auch niit dieser Sache nicht in Verbindung zu bringen, soweit festgestellt werden konnte. Die Streikenden wissen nichts von dieser Altgelegenheit und sind entrüstet, daß sie für jede Raufszene der Arbeitswilligen von Härtung verant- wortlich gehalten werden. Erst kürzlich haben wir Gelegen- heit gehabt zu schildern, wie provozierend jene Arbeits- luilligen in einem Bierlokal austraten und Schlägereien hcranssorderten. Von ihrer Rauflust zeugt auch eine Postkarte, die das Streikkomitee erhielt und die folgenden Inhalt hatte: Geehrtes Streikkomitee! Fn Anlaß der letzten Schlägerei bitten wir Sie zu berück- sichtigen, daß wir Arbeitswilligen Alle sehr gut belvaffnet sind, und im Falle eines Ueberfalles laut polizeilichen Gebotes von der Waffe unbedingt Gebrauch machen werden. Arbeitswillige der Firma Hugo Härtung. Das schlechte Gewiffen, das sie ihren Mitarbeitern gegen- über haben, niag viel dazu beitragen, daß die Leute sich stets in Gefahr wähnen, dazu koinmt die Erlaubnis zum Waffen- tragen und die Nachsicht von feiten der Polizei. Das alles verioickelt sie schnell in allerlei Händel und dann geraten die nützlichen Elemente auf. diese Weise mal an die Unrechten. " Die Streikenden aber haben damit nichts zu tun. Ter Holzarbeiterverband nahm am Sonntag die Wahl der Delegierten zum diesjährigen Berbaudstage in Stettin und eines Delegierten zum Gewerkschaftskongreß vor. Bei der Wahl der Ver- baudstagsdelegiertcn wurden 4 5-16 S t i mm e n, darunter 380 ungültige, abgegeben. Gewählt wurden Perlmuttarbeitcr Ernst, Modelltischler G l ä tz, Tischler Glocke, Tischler G ü t h, Stell- macher H i c b e l, Stockarbeiter Hildebrand, Maschincnarbeitcr H i r s i n g, Maschinenarbeiter H ü b n c r, Tischler K o w a l k e, Korbiuacher Krause, Einsetzer Krößner. Tischler Lang- Hammer, Einsetzer Lanzly, Klavierarbeiter Leopold, Tischler Leopold. Tischler Maatz, Kistenmacher Märten, Maschinenarbeiter Neu mann, Vcrgolder Dehler t, Drechsler Pattloch, Tischler Reiche, Bürstenmacher S ch m a I b a ch, Polierer Schreiber, Tischler S tusche uui> Bodenleger Thiele. Zur Delegiertenwahl zum Gewerkschaftskongreß wurden 4509 Stimmen abgegeben; Glocke erhielt 4040, 374 Stimmen fielen aus 33 andere Mitglieder und 95 Stimmen waren ungültig. Schmiede und Metallarbeiter. Der Zentralverband der Schmiede hält im Mai in Dresden seinen Vcrbandstag ab, aus dem Anträge zu einer Verschmelzung mit dem Metallarbeiterverbande zur Beratung stehen werden. Di-e Ortsverwaltung Berlin besprach diese Anträge in einer außerordent- lichen Generalversammlung, die am Montagabend bei Boeker in der Weberstraße stattfand. Die GcgiwrjDcr Verschmelzung machten Bedenken geltend, daß die Gruppe der Schmiede an Selbständigkeit und Bewegungsfreiheit verlieren würde, wenn sie sich mit dem Metallarbeiterverband vereinigt. Die Freunde der Verschmelzung erklärten, daß diese Bedenken grundlos seien, weil einerseits die Bewegungsfreiheit der Schmiede für sich nicht so groß sei als mancher annehme, und andererseits der Metallarbeiterverband eine Selbstmordtaktik treiben würde, wenn er die Bewegungsfreiheit der einzelnen Gruppen einschränken wollte. Die Gegner waren unter den Diskussionsrednern in der Majorität, wenn auch einige davon die praktischen Gründe in den Vordergrund stellten med sich prinzipiell ebenfalls für die Verschmelzungsidce erklärten. Die Diskussion wurd-e geschlossen, ohne daß eine bestimmte Willens- Meinung der Versammlung zur Richtschnur für die Delegierten zum Verbandstag vorlag. Gewählt wurden die folgenden Delegierten: G. Battrner. A. Haberland. W. Hentschel, F. Krie» ming, I. Samereier, A. S ch l i n s k h, E. Schubert. Von diesen hatte sich ebenfalls die Mehrzahl gegen die Verschmelzung erklärt. Die Wahl eines Bureaubeamten für die Registratur und den Arbeitsnachweis fiel auf A. Schlinsky. An die Fliesenleger und Hülfsarbeiier Deutschlands! Nachdem die 6. Konferenz der Fliesenleger Deutschlands getagt hat und dort von der Mehrheit der Delegierten die Einigungs- bedingungen angenommen worden sind und der Uebertritt unserer bisherigen Vereinigung zum Zentralverband der Maurer Deutsch- lands beschlossen ist, hätte wohl niemand geglaubt, daß es noch Leute geben würde, welche die Konferenzbeschlüsse einfach ablehnen würden. Am allerwenigsten aber hätte man dieses von denjenigen Ortsvereinen erwartet, welche ihren Delegierten den Auftrag erteilten, für die Verschmelzung zu stimmen oder die den Dele- Verantw. Nedakt.: Georg Davidfohn, Berlin, Inseratenteil verantw. gierten freie Hand gelassen hatten, wie dies bei den Berliner Delegierten der Fall war, die dann auf der Konferenz geschlossen für den Uebertritt stimmten. Noch bevor die Fliesenleger die Zustimmung zu den Einigungs- Verhandlungen gegeben hatten, wurde von dem Hauptvorstand ein Rundschreiben an die einzelnen Ortsvereine gesandt, welchem auch eine Resolution beigefügt und den Vereinen zur Beratung und An- nähme empfohlen wurde. Der Schlußsatz dieser Resolution lautet: Ist dieses geschehen(daß Verhandlungen stattgefunden haben), so ist umgehend die 6. Konserenz der Fliesen- leger und Hülfsarbeiter Deutschlands ein zu- berufen, welche für uns den endgültigen Be- schlutz in der Einigungssrage zu treffen hat. Auch diese Resolution wurde von der großen Mehrzahl der Orisvereine angenommen, die sich damit ohne Zweifel den Kon- ferenzbeschluß schon vorher zu eigen gemacht haben. Auch der Bcr- liner Ortsverein stimmte dafür. Trotzdem wurde dann am 30. März in der Versammlung des Berliner Ortsvereins mit 40 gegen 72 Stimmen der Konfcrenzbeschluß abgelehnt. Dieses Resultat ist die Folge einer bewußten Irreführung durch einige Leute aus den Reihen der Fliesenleger selbst und den persönlich dabei inter- essierten Personen aus der„Einigkeit". Wie letztere dabei zu Werke gingen, das mag der Umstand illustrieren, daß Versammlungsberichte des Berliner Ortsvereins einfach nicht aufgenommen wurden, weil sie der Redaktion nicht ge- fielen. Man wollte verhindern, daß die Wahrheit an die Oeffent- lichkeit kam. Dazu kommt aber bei der Einigungsfrage mit den Fliesenlegern, daß ein großer Teil, welcher gegen die Verschmelzung stimmte, Angst hatte vor der Konkurrenz der Maurer, was eine der Haupttriebfedern bei Ablehnung des Uebertritts war. Wer etwa daran zweifeln sollte, den verweisen wir auf den Versammlungs- bericht in der Nr. 15 der„Einigkeit" vom Ortsverein Essen. Man findet darin eine Rückständigkeit der Anschauungen, die einem das Resultat der Einigung mit den Fliesenlegern nur erklärlich er- scheinen läßt. Auf die Grundsätze der Freien Vereinigung, wenn solche vorhanden sind, pfeifen diese Leute. Ihre Haltung diktiert die Angst um das liebe Brot. Kollegen! Wir fordern Euch auf, trotz des Beschlusses des Ber- liner Ortsvereins, der nach all dem Vorhergegangenen niemals gefaßt werden durfte, Euch dem Konferenzbcschlusse zu fügen. Schließt Euch der Sektion der Fliesenleger im Zentral- verband an, um dann gemeinsam mit diesem, von dem uns durch- aus keine prinzipiellen Unterschiede trennen, für die Verbesserung unserer Lage zu kämpfen. Nehmt Euch ein Beispiel an den Unter- nehnicrn, welche uns als eine geschlossene Organisation gegenüber- stehen und die durch unsere Zerrissenheit nur profitieren. Laßt Euch in Zukunft nicht lcithammeln von Phrasenhelden, die nur aus Eigenliebe und Egoismus immer und immer wieder neue Treu- nungspunkte hervorsuchcn zum alleinigen Schaden der Arbeiter- schaft. Kollegen? Fliesenleger allerorts? In der Sonntagsnummer vom 5. April habe ich eine kurze Notiz veröffentlicht zwecks Um- tausch der Bücher zum Zentralverband. Gleich kommen dunkle Ehrenmänner, die unsere Einigung hintertrieben haben und ziehen nicht allein über mich her, sondern auch über die Redaktion des „Vorwärts" und den Parteiborstand. In Nr. 11 der„Einigkeit" wird unter der Ueberschrift:„Die Hurra-Dcmokratie" vom neu« gebackenen Vorsitzenden und eingebildeten Sozialisten gefaselt. Das alles soll den außerhalb Berlins wohnenden Kollegen Sand in die Augen streuen. Ich bin 49 Jahre alt und habe stets in der Ar- beiterschaft meinen. Mann gestanden. Dann steht weiter, daß ich mich dem Zentralvcrband der Maurer„prostituiere". Ja, daß ich dem Partcivorstand..Zuhälterdienste leiste". Kollegen allerorts? Mit Abscheu muß man sich von derartigen Leuten wenden, die bei jeder Gelegenheit den Parteivorstand und mit ihm die Sozialdemokratie in den Kot ziehen. Tretet ein in die Sektion des Maurerverbandes zeigt, daß Ihr mit solchen Leuten nichts mehr zu tun haben wollt! Hoch die Einigung der Fliesenleger! Friedrich Huppkc, Am Friedrichshain 26. Alle Arbciterblättcr werden um Abdruck gebeten! Der Streik in der Pianofortefabrik von Hebke zu Lichtenberg, wird von den 20 Klavierarbeibern zur Abwehr großer Lohnreduk- tionen geführt. Er dauert bereits die zweite Woche, und die aus- gestellten Streikposten werden von dem Fabrikbesitzer mit immer böseren Blicken betrachtet. Herr Hedke nahm sogar einen Streik- Posten, der so kühn war. sich bis aus den Hof zu wagen, sehr energisch beim Arm und führte ihn hinaus, wobei er es an verschiedenen sehr kräftigen Begleitworten nicht fehlen ließ. Dergleichen bekannte Zwischenfälle schrecken die Streikenden aber nicht ab, auch fernerhin dafür zu sorge», daß der Zuzug von Klavierarbcitern ferngehalten wird. Sie können sich die angekündigten Lohnkürzungen, die von 6 bis 25 Proz. betragen, nicht gefallen lassen. Viel Kopfzerbrechen macht dem Buchdrucker Ebel in Rixdorf ein Widerspruch im„Vorwärts", der kein Widerspruch ist. In der Monatsversammlung des dortigen Ortsvereins der Buchdrucker hielt er einen Vortrag über„Gewerkschaftliche Zwecke und Ziele' und verwies nach dem„Korrespondent" in seinem Schlußwort„noch besonders auf die sonderbare Haltung der Parteiblätter, in erster Linie des„Vorwärts", hinsichtlich unserer scinerzeitigen Tarifverhandlungen gegenüber der Stellungnahme zu dem jetzt abgeschlossene Verttage der Maurer, der doch in keiner Weise die Arbeiter befriedigen könne." Wenn der Buchdrnckertarif seinerzeit den Gehilfen nichts weiter gebracht hätte, als unzureichende materielle Zugeständnisse, so hätten wir leine Feder zur Kritik desselben an- gesetzt. Die Buchdrucker gingen aber für die Arbeiterschaft neue Wege. Dazu mußte die Arbeiterpreffe Stellung nehmen. Den Abwehrkamps der Bauarbeiter in der schlimmsten Zeit der Krise mit den Tarifverhandlungen der Buchdrucker zur Zeit der Hochkonjunktur auf eine Stufe zu stellen, sind wir nicht töricht genug. Deutfehes Reich. Der Metallarbeiterverband im Jahre 1907. Während die Konkurrenzorganisationen des Metallarbeiter- Verbandes im letzten Jahre wenig oder keinen Zuwachs erhielten und der Hirsch-Dunckersche Gewerkvercin der Maschinenbau- und Metallarbeiter sogar einen Rückgang von 8000 aufzuweisen hat, nahm der Deutsche Metallarbeiterverband um 27 129 zu, so daß er am Jahresschluß 362 204 Mitglieder zählte. Davon betrug die Zahl der männlichen Mitglieder mit einem Wochenbeitrag von 60 Pf. 344 526, die übrigen 17 678 Mitglieder(3180 jugendliche und 14 493 weibliche) zahlen einen Wochenbeitrag von 25 Pf. Die Gesamteinnahme der Hauptkasse betrug 9 882 771,79 M. (1906: 8615 771,53 M.), Sie Reineinnahme 9 524 488,19 M. (8011509,67 M.). Von den Ausgaben der Hauptkasse seien hier nur die bedeuten- den Summen für Unterstützungszwecke angeführt; es wurden dafür zusammen ausbezahlt 5 758 267.41 M., und zwar für Reisegeld 294 997,82 M., Umzugsunterstützung 100 347,57 M., Erwerbslosen- Unterstützung: a) bei Krankheit 2 152 565,20 M., d) bei Arbeits- losigkeit 952 820,50 M., Streikunterstützung 1 767 927,84 M., Maß- regelungen 305 792 M., besondere Notfälle 54 666.28 M., Sterbegeld 56 165,75 M., Rcchtschntz 72 984.45 M. Außer diesen Leistungen der Hauptkasse sind aus den Mitteln der Lokalkassen noch große Auf- Wendungen für die gleichen Zwecke gemacht worden, worüber ge- sonderte Abrechnung erfolgen wird._ M. Glocke, Berlin. Druck u, Verlag: PorwärtsBuchdr, u.Verlagsmfftalt �" DäZ VermögM Bei See Haupikasse vermehrte sich LR 1 433 820,50 Mark, es betrug am Jahresschluß 4 033 471,49 M. Durch die Abrechnung wird in bündigster Weise die kürzlich itt der bürgerlichen Presse erschienene Notiz widerlegt, nach der der Verband an Wkitgliedern abgenommen haben sollte. Hiisland. Der Kampf im Pariser Baugewerbe vor der Kammer. In der Deputiertenkammer kam am letzten Sitzungstage MS Aussperrung im Pariser Baugewerbe zur Sprache. Der Genosse Dejeante forderte, wie schon telegraphisch gemeldet wurde, einen Kredit von 200 000 Frank für die Familien der Ausgesperrten. Der Arbeitsministcr Viviani antwortete, es seien die Kredite vor« handen, die zu diesem Zwecke verwendet werden könnten und ver» wendet werden würden. Der Ministerrat habe 60 000 Frank zur Verfügung gestellt. Die Angelegenheit wurde einer Kommission überwiesen. Nun aber hielt es Georges Berry für angebracht, den Unternehmern zu Hülfe zu eilen. Was denn die Regierung zu tun gedenke, um der Situation ein Ende zu machen. Dabei machte er der Regierung das zweifelhafte Kompliment, daß durch ihr energisches Eingreifen verschiedene frühere Streiks zu einem raschen Ende geführt worden seien. Hier in diesem Falle sei es um so mehr nötig, da wir am Vorabend des 1. Mai stünden, und cS fei gefährlich, um diese Zeit so große Massen Arbeitsloser zu haben. Viviani antwortete hierauf, daß er es von Anfang an für seine Pflicht gebaltcn habe, zwischen den Parteien vermittelnd einzu» greifen. Er habe sich Herrn Villemin kommen lassen und dessen Vorschläge gehört. Diese seien von den Arbeitern bekanntlich nicht akzeptiert worden. Der Minister schildert dann die jetzige Situation; nach den offiziellen Berichten arbeiteten noch Ende voriger Woche in Paris und den Vororten insgesamt 4343 Maurer; von der Aussperrung waren zurzeit 17 000 betroffen. Dauere aber der Konflikt an, so würden nach Ansicht des Ministers zirka 65 000 Arbeiter direkt und indirekt von der Aussperrung betroffen werden. Viviani erörtert sodann die Verantwortlichkeit der Unternehmer im Falle der Nichtinnehaltung der abgeschlossenen Kontrakte. Die Re- giernng sei entschlossen, aus Einhaltung derselben zu bestehen. Was die Befürchtungen Berrys anlangen, so seien diese um so weniger begründet, als die Arbeiter bislang die größte Ruhe und Kalt- blütigkcit gezeigt hätten.— Hierauf nimmt der Genosse Willm noch das Wort. Er erinnert daran, daß die Unternehmer die Aus- sperrung seit ihrem Kongreß in Bordeaux vorbereiteten, um die Organisation der Arbeiter zu vernichten. Bei dem Streik der Elektriker habe die Regierung sofort Militär zur Verfügung ge- stellt, jetzt bei der Aussperrung trete sie den Unternehmern viel nachsichtiger entgegen. Man werde ihnen wohl Mahnungen schicken, die Arbeiten an den öffentlichen Bauten fortzusetzen, in 14 Tagen werde vielleicht eine zweite energischere Mahnung ergehen, bis mittlerweile der Konflikt beendet sei.— Damit wurde dieser Gegenstand verlassen. In einer darauf folgenden Sitzung des Ministerrates wurde beschlossen, daß alle Ministerien, welche offizielle Bauten im Gange haben, die betreffenden Unternehmer aus die Jnnehaltung der Kontraitc aufmerksam zu machen haben. Mittlerweile haben die Unternehmer einen neuen verzweifelten Versuch unternommen, die Aussperrung im Gange zu erhalten. Sie resolvicrten in einer Sitzung, daß sie den Kampf hätten unter- nehmen müssen, um damit zu dorumentieren, daß sie der Sabotage, deren sie seitens der Arbeiter seit zwei Jahren unterworfen wären, einheitlich entgegentreten müssen. Sie wollten, so heißt es weiter, beweisen, daß sie den Willen haben, diejenigen Bedingungen ausrecht zu erhalten, die zur Leitung der Betriebe notwendig seien. Die Autorität des Chefs müsse unangetastet bleiben. Sodann wird er» klärt, daß höhere Löhne, als die von den Unternehmern angebotenen, nicht bezahlt werden könnten. Die zehnstündige Arbeitszeit wiro als unumgänglich für das Saisongewerbe hingestellt. Nun aber wollen die Unternehmer ihre Bereitwilligkeit zeigen, den Arbeitern entgegenzukommen und zwar, indem sie beschlossen, eine gelbe Gewerkschaft zu gründen. Diese neue„Union" soll den Arbeitern einen Minimallohn aus der Basis eines„Minimums von Arbeits- stundeil" garantieren. Aber den Arbeitern ist noch viel mehr Gutes zugedacht. Diese famose von den Unternehmern finanziell zu unterstützende Vereinigung soll dahin Wirten, die Lage ocr Arbeiter durch die Verbreitung der„Ideen des Sparen»" zu verbessern. Es sollen Unterstützungskaffcn für die Fälle der Krankheit, für Witwen und Waisen gegründet werden. Den Beitritt stellen die freund» lichen Unternehmer allen Arbeitern, den organisierten wie den Nichtorganisierten, frei uno— die Arbeiterfreundlichkeit der Herren Unternehmer findet fast keine Grenzen— sobald sich genügend Arbeiter gemeldet haben, werden die Bauten geöffnet. Letzte JVachricbtcn und Dcpefchm Roosevclt als Marinefex. Washington, 14. April.(Auf deutsch-atlantischem Kabcl.js Präsident Roosevelt hat dem Kongreß eine Sonderbotschajt zu- gehen lassen, welche den Bau von vier Schlachtschiffen vom besten modernsten Typ befürwortet. Tie Botschaft führt aus: Nachdem eine Vereinbarung unmöglich gewesen und eine radikale Acnderung im Schiffbau erfolgt sei, welche die Großmächte veranlaßte, die modernsten Schiffe zu bauen,'würde es einen Rückschritt für Amerika bedeuten, wenn es jährlich nur ein oder zwei Schlacht- schiffe baute. Eine solche Politik wäre doppelt unklug, da Amerika von zwei Ozeanen bespült werde. Er könne sich keine Umstände denken,* unter denen Amerika einen Krieg beginnen iverde. Die Marine sei aber die sicherste Friedensgarantie. Amerika sei keine Miltärnation, wohl aber eine reiche Nation. Ter Reichtum verleite leicht zu einem Angriff! Die Botschaft schließt: Wenn wir Beleidi- Zungen zu entgehen wünschen, müssen wir fähig sein, sie zurück- zuweisen. Wenn wir den Frieden, einen der mächtigsten Faktoren unserer Wohlfahrt, zu erhalten wünschen, dann muß bekannt sein, daß wir allezeit kriegsbereit sind. Proletariertod. Paris, 14. April.(W. T. B.) Bei dem Bau eines Docks am Quai Austerlitz wurden heute nachmittag durch den Einsturz einer Mauer sechs Arbeiter verschüttet. Vier davon wurden als Leichen aus den Trümmern gezogen, während die beiden anderen mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Fabrikbrand. Neustadt a. Haardt, 14. April.(B. H.) Die Mosaikplatten- sabrik Deidesheimer u. Co. Aktiengesellschaft steht in Flammen. Wie berichtet wird, entstand das Feuer infolge der Explosion eincs der zum Brennen der Toumosaiken dienenden Oefen, die aus zirka 900 Grad CclsiuS erhitzt waren. Durch die Explosion stürzte der Ofen ein, und bald stand das ganze, erst im vorigen Jahr neu- erbaute dreistöckige Hauptgebäude in hellen Flammen. Tie Feuer- wehr mußte sich darauf beschränken, die angrenzenden Neben- gebäude zu retten, Ums ihr auch gelang. Die Decken des Haupt« gebäudes sind eingestürzt. Dm großen Borräte an Mosaikplatten sind zum größten Teil zerstört, ebenso die Maschinen. Die Fabrik ist hei verschiedenen Versicherungsgesellschaften versichert. Zwei Leichen im Berliner Landwchrkanal. Berlin, 14. April.(B. H.) Im Laufe des heutigen Nach- mittags wurden aus dem Landwchrkanal unweit des Halleschen Tores die Leichen einer ungefähr 35jährigen Frau und etwa 100 Meter davon entfernt die eines 40 bis 45 Jahre alten Mannes ge- zogen. Die Leichen dürften nach dem Gutachten der Aerzte schon zirka 3 Wochen im Wasser gelegen haben. Anscheinend handelt cs sich um Selbstmord. Die Leichen wurden nach dem Schauhauje gebracht.__ Paul Singer L- Co., Berlin S�V. Hierzu 3 Beilagen u.Unterhaltungsbl. Nr.W. 25. Jahrgang. 1. KeilU des Jonöirts" Krlim WksdlR Mitwch> 15. April 1908. Die Vereinbarung Ober die Iflaifeler und die Gewerhfcbaften. In einer Konferenz von Berliner Zahlstellenvertretern der CBe werkschaften wurde über die zwischen Generalkommission und Partei. vorstand getroffene Vereinbarung zur Regelung der Maidemonstration verhandelt. Arbeitersekretär Ritter hielt das Referat. Er hob hervor, daff es sich bei der Angelegenheit nicht um eine prinzipielle Auseinandersetzung, sondern um eine Zweckmäßigkeitsfrage handle, und gab dann eine Uebersicht über die EntWickelung der Maifeier- frage und die Beschlüsse, die von den Parteitagen und Gewerkschafts- kongressen gefaßt wurden, bis schließlich die deutsche Delegation des internationalen Kongresses in Stuttgart dem Partei- vorstand und der Generalkommission anheimgab, die Frage gemeinsam zu regeln. Die Vereinbarung, die zwischen diesen Körperschaften getroffen und den Kartellen in einem Rund- schreiben vom 7. März mitgeteilt wurde, hielt der Redner nicht für zloeckmäßig. Auch meinte der Redner, daß, wenn die Sache in dieser Weise geregelt werden sollte, man die Kartelle um ihre Meinung befragt haben müßte. Generalkommission und Partei- vorstand hätten nicht das Recht, so ohne weiteres zu verfügen, was die Kartelle hier tun sollten, und es dränge sich die Frage auf, ob den Kartellen nicht eine direkte Vertretung auf den Gewerkschafts- kongressen gesichert werden müsse. Daß nach der Vereinbarung zur Unterstützung der Maigematz regelten ein Fonds durch Saminlungen und freiwillige Beiträge aufgebracht werden solle. hielt der Redner für besonders unzweckmäßig. In den Zentralverbänden habe man das Sammelwesen glücklicherweise so ziemlich überwunden, hier aber wolle man es von neuem einführen. Auch daß die Unterstützung erst von der zweiten Woche ab gezahlt werden sollte, sei nicht zu empfehlen. Zentralvorstände von Gewerkschaften, die jetzt vom zweiten oder dritten Tage ab die Maiunterstützung zahlten, würden vielleicht danach trachten, dieselbe Regelung einzuführen, was der Maidemonstration zum Schaden ge- reichen müßte. Der Redner bezweifelte es, daß durch die Fonds irgendwie ausreichend� Unterstützungsmittel aufgebracht werden könnten. Sv Proz. der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter ge- hörten ja auch den Wahlvereinen an, und sie müßten doppelt zahlen, wenn man mit einer nennenswerten Summe rechnen wolle. Merkwürdig wäre es auch, daß in der Vereinbarung das Wort„Arbeitsruhe' nicht zu finden fei. Die ganze Sache sei zu- Ungunsten der Kartelle verschoben. Die Mehrheit des Ausschustes der Gewerkschastskommission müffe die Ablehnung der Vereinbarung empfehlen. Für die bevorstehende Maifeier sei es ja so wie so schon zu spät, der Vereinbarung gemäß zu verfahren. Nun könne man wohl sagen, es sei leicht, die Vereinbarung abzulehnen, aber schwer, bessere Vorschläge zu machen. Aber es müßten eben neue Ver- Handlungen stattfinden, und vielleicht könne man die Sache auch so regeln, daß die Unkosten, prozentual in vier Teile geteilt, von den Zentralen und den Ortsabteilungen der Partei- und jGewerkschafts- organisation aufgebracht würden.— Der Redner brachte im Namen der Mehrheit des Ausschusses folgende Resolution in Vorschlag: Die am 13. April 1903 versammelten Delegierten und Vor- stände der der Berliner Gewerkschaftskommission ongeschloffenen Gewerkschaften haben von dem Inhalt der zwischen General- kommission und Parteivorstand getroffenen Vereinbarung betreffend die zukünftige Gestaltung der Unterstützimgsftage aus Anlaß der Maffeier Kenntnis genommen. Zunächst sprechen die Versammelten ihre Verwunderung darüber aus, daß beide vorgenannte Instanzen es nicht für nötig befanden, in einer die Kartelle und örtlichen Parteileitungen so tief berührenden Angelegenheit wenigstens deren Meinung z« hören. In der Sache selbst erblicken die Versammelten in der ge- troffenen Vereinbarung keine Lösung der Angelegenheit, sondern die Verschiebung auf eine Basis, die es zur Unmöglichkeit macht, die Maifeier in bisheriger Weise zu begehen. Die Berliner Gewerkschaftskommission ist nicht in der Lage, die ihr durch die Vereinbarung auferlegten Verpflichtungen in der Praxis zu erfüllen und mutz es daher ablehnen, die für die dies- malige Maifeier getroffene Vereinbarung als für sich verbindlich zu betrachten; sie eüvartet von Generalkommission und Partei- vorstand die rechtzeitige erneute Aufnahme von Verhandlungen zur Herbeiführung einer allgemein befriedigenden Lösung. Es folgte eine lebhaste Debatte. Glocke, Vertreter der Holz- arbeiter, sprach gegen die Resolution und führte aus, daß, wenn sie kleines feuilleton. Arnold Dodel ist am Sonnabend in Zürich nach kurzer Krankheit gestorben. Die Künde wird in der Arbeiterschaft ein Echo echter Trauer wecken. Denn Dodel ist für die breiten Massen ein Lehrer und Führer zur Erkenntnis gewesen. Kein bloßer Gelehrter, der einer reinen Wissenschaft— die es gar nicht gibt— im einsamen Tempel opfert, sondern ein freudiger Milteiler seines Reichtums, ein Volkspädagoge, der die Saat der Wissenschaft aus- streute im Volke, zur Aufklärung und zur Freude der vielen, die es heiß nachLicht verlangt. Dodel war amllö. Oktober 1843 zu Affeltrangen im Kanton Thurgan geboren, war zuerst Schulmeister gewesen und erst allmählich zum Studium der Naturwissenschaften gekommen. 1870 hatte er dann die akademische Lehrtätigkeit in Zürich auf- genommen, wo er von 1880—1903 als Professor der Botanik wirkte. Dodel drängte, die Ergebnisse der Forschungen konsequent zu ziehen, seine Welt- und Lebensanschauung mit ihnen in Einklang zu setzen und sie offen zu bekennen. Die drängenden Fragen, deren Beant- wortung das dem Kirchenglauben entwachsene Volk verlangte, hat er in mustergültig populärer und kampfeSmntiger Form behandelt. Vor allem hat die Streitschrift„Moses oder Darwin, die zuerst 1839 und dann in vielen weiteren Auflagen und Uebersetzungen erschien, vielen Tausenden die ersehnte Klarheit gegeben. In zahlreichen anderen volkstümlichen Schriften, die wie die erste bei Dietz in Stuttgart verlegt wurden, behandelte er soziale, naturwissenschaftliche und pädagogische Fragen oder bot er anschauliche Schilderungen. Alle diese Schriften, die noch auf lange hinaus eine Quelle der Belehrung und genußreichen Studiums sein loerden, sind unter dem Titel„Aus Leben und Wissen- schaff in mehreren Serien gesammelt erschienen. Dodel war einer der frühesten, der sich zu den Konsequenzen des Darwinismus bekannte und mit dem Eifer und dem Mute der lleberzeugung für sie eintrat.„Die neuere Schöpfungsgeschichte", die er 187S erscheinen ließ, legt Zeugnis davon ab. Von seinen wissenschaftlichen Arbeiten find heute noch der große anatomisch- physiologische Atlas der Botanik, und der biologische Atlas der Botanik geschätzte Studienmittel. Wie sich Dodel dem Emporringen der neuen-Wissenschaft hingab, so hatte er auch das Herz und das Verständnis für das Aufsteigen der neuen Klasse, die berufen ist, der reine Träger aller echten Wissenschaft zu werden. Dodel war Sozialdemokrat. AIS Demokrat fühlte er mit uns und als Wissenschaftler ging er mit uns. In Vorträgen und Artikeln trat er immer lviedcr in lebendige Fühlung mit der Arbeiterschaft, der sein bestes Streben gehörte. Eine rechte Freude war es ihm so auch, der Herausgeber und Biograph des ihm gesinnungsverwandten Bauernphilosophen Konrad Deubler zu werden. Die Dodel näher standen, sind des Lobes voll über seine warme und schöne Menschlichkeit; unS allen aber war er und wird er bleiben ein Vorbild wahrer Wissenschaftlichkeit und echter Bekennen treue. t angenommen werde, noch immer nicht gesagt sei. was nun gemacht ' werden solle. An sich sei es ja berechtigt zu verlangen, daß die Organisationen, die die Maifeier stützten, auch über die Regelung gehört würden. Aber die Frage sei dann, ob alle Gewerkschafts- kartelle herzugezogen werden sollten. Das sei jedoch nicht gut mög- lich. Da müßte man vielleicht eine Urabstimmung vornehmen; aber eine wirkliche Klärung sei damit auch nicht zu erzielen. Das ein- zige, was möglich, wäre, daß die großen Kartelle mit beraten sollten. Wenn man die Vereinbarung einfach ablehne, müsse man damit rechnen, daß sich die Zentralvorstände bei der llnterstützungs- frage darauf berufen würden. Auf jeden Fall müsse man beschließen, daß die Maifeier so viel wie nur möglich durch ArbeitSruhe begangen werde. Man müsse für diesmal, da es ja für die strikte Durchführung der Vereinbarung zu spät sei, den Gewerkschaften empfehlen, der Gewerkschaftskommlssion die Zahl ihrer gemaßregelten Mitglieder bekannt zu geben, damit sie die Sache mit der Parteiorganisation regeln könne. Cohen, Metallarbeiter, erklärte, er könne nur dem einen PaffuS der Resolution zustimmen, daß es diesmal nicht mehr möglich sei, die Vereinbarung durchzuführen. Was sonst noch darin stehe, lehne er entschieden ab. Vielleicht hätte man dafür sorgen können, daß den Berliner Gewerkschaftsvertretern etwas früher Gelegenheit gegeben würde, über die Vereinbarung zu beraten. Für die nächste Maifeier seien ja 12 Monate Zeit, um nähere Aufklärung über die Beschlüsse und ihre Ausführung zu schaffen. Der gute und gesunde Gedanke, der gemäß den Beschlüssen der deutschen Delegation darin Ausdruck finde, werde die gute Folge haben, daß man allerorts zu einer Mai- feier gelange, die den Machtverhältniffen und finanziellen Kräften der Arbeiterschaft entspricht. Wenn auch das Wort„Arbeitsruhe" nicht in der Vereinbarung stehe, so sei es doch selbstverständlich, daß sie sich nur darauf beziehe. Man müsse nicht allein die Resolution ablehnen, sondern auch für eine würdige Maifeier sorgen. Die Berliner Gewerkschaften hätten es wahrhaftig nicht nötig, sich mit den Zentralinstanzen der Arbeiterbewegung in Widerspruch zu setzen. Der Redner empfahl dem Ausschuß, seine Resolution zurückzuziehen. Arbeitersekretär Link sprach ebenfalls entschieden für Ab- lehnung der Resolution. Man könne gar nicht dazu kommen, die Vereinbarung zu verwerfen, ivenn man nicht etwas hineinlege, das gar nicht darin stehe. Die Vereinbarung entspreche unzweifelhaft den Beschlüssen der deutschen Delegation; ebenso wie es den Partei- tagsbeschlüssen entspreche, daß man sich mit der Maifeier den Ver- Hältnissen anpasse. Er, Redner, sei sicherlich frei von jedem Autoritätsdusel, wenn jedoch nach gründlicher Beratung die Zentral- instanzen diese Regelung vorgeschlagen, so sei es doch nicht an- gebracht, sie einfach zu verwerfen. Gewerkschaftssekretär K ö r st e n äußerte sich im Sinne des Referenten und der Resolution für Ablehnung der Vereinbarung. Seit den fast 20 Jahren, daß die Gewerkschaftskommission bestehe, sei sie nur eine vermittelnde Instanz zwischen den Gewerkschaften gewesen und nun solle ihr eine ausführende Tätigkeit auferlegt werden. Wenn es sich um eine brennende Frage handelte, dann sei das wohl einmal angängig, nicht aber hier bei einer dauernden Einrichtung. Zur Unterstützung der Maigemaßregelten gehörten ganz andere Summen, als durch die Sammlungen aufgebracht werden könnten. Wenn nun gesammelt würde, da würden die Mitglieder mit Recht auf Unterstützung pochen. Der Redner führte die Summen an, die seiner Schätzung nach not- wendig wären, um nach den Regeln der Vereinbarung einen Fonds zu sammeln. Geiierallommffsion und Parteivorstand hätten eben die ganze Last den Körperschaften aufgehalst, die nicht bei der Beratung waren. Die Mehrheit des Ausschusses habe sich keineswegs durch Beschlüsse anderer Gewerkschaftskartelle beeinflussen lassen, sondern sei ganz spontan zu derselben Auffassung gekommen, die Vereinbarung abzulehnen. Rk a s s i n i, Buchdrucker, sprach in gleichem Sinne. Die Gewerk- schaften, sagte er. müßten selbst den Mut haben, die Maifeier würdig zu gestalten. Die Unterstützungsfrage dürfe nicht zu einer Bettel- frage gemacht werden. K u b e, Zimmerer, äußerte sich für die Vereinbarung, die man keineswegs endgültig beiseite legen dürfe, wenn es auch diesmal nicht mehr möglich sei, sie durchzuführen. Parteivorstand und Generalkommission seien durchaus legitimiert gewesen, die Verein- barung zu treffen. Befriedigende Regelung der Uuterstützungsfrage sei nur möglich, wenn beide Richtungen der Arbeiterorganisation zu- fammenwirkten. Aufgabe der in der Vereinbarung vorgesehenen örtlichen Kommissionen sei es nicht etwa, rücksichtslos und unüber- legt für allgemeine Arbeitsruhe einzutreten, sondern vielmehr gründ- lich zu überlegen, was unter den obwaltenden Umständen möglich sei. Darum sei auch eine örtliche Regelung vorzuziehen.— Der Liedermann über Leibi. Bei der Eröffnung der Sezession hielt Liebermann die Begrüßungsrede. Er sprach über Leibi, das frühere Ehrenmitglied der Sezession, dessen Werke den Glanzpunkt der Aus- stellung bilden. Liebermanns Rede warfein prononciertes Programm, eine scharfe Absage an gewisse Leute, die die Künste konnnandieren möchten, die würdige Antwort eines aufrechten Malers. Die Haupt- fätze lauteten:„Leibis Ruhm brauchen wir nicht mehr zu verkünden: besser als wir es vermöchten loben die Werke ihren Meister. Auch liegt es uns fern, seine Kunst als die allein seligmachende hinstellen z» wollen. Noch weniger sollen wir versuchen, ihn nach- zuahmen. Wtan täte unserem Meister bitteres Unrecht, wie das bi�- weilen immer noch geschieht, wenn man ihn nur als eminent ge- schickten Maler hinstellte. Leibi war nicht nur ein Meistennaler. der sein Metier verstand wie keiner seit den Zeiten van Eycks und Holbeins, er war auch ein eminenter Künstler. Man hat Leibi Mangel an Phantasie vorgeworfen, und freilich, statt Götter und Helden hat er nur einfache Menschen gemalt. Aber gerade in dieser Einfachheit der Naturauffassung, in diesem gänzlichen Verzicht auf die Anekdote, in diesem Sichversenkcn in die Natur zeigt sich die Tiefe seiner malerifchen Phantasie um so schöner. Wie er die Wange einer jungen Bäuerin malt, oder daS durchfurchte Gesicht eines Jägers, die schwielige Hand eines Bauern, oder den zarten Teint einer Dame: dazu ist höchste malerische Phantasie erforderlich. Immer noch existiert die irrige Meinung, als ob intime Natur- Nachahmung einen Mangel an Erfindung bedeute. Für uns, die wir den Inhalt in der bildenden Kunst nur insoweit gelten lassen, als er geeignet ist, die Qualitäten des Künstlers zu zeigen, kann die Er- findung nur in der Ausführung beruhen. Alle Malerei basiert aus Nachahmung der Natur, der sie ihre Stoffe entlehnt; also nur in der Art, wie die Natur nachgeahmt wird, kann die Kunst beruhen. Was ein jeder Künstler aus der Natur herausholt, macht seine Künstlerschaft aus.... Was aber heißt malerische Phantasie anderes als die Fähigkeit, durch den malerischen Schein das innere Sein auch dem profanen Auge zu offenbaren? Gerade jetzt, wo uns eine allerdings äußerst geschmackvolle, aber greisenhafte Kunst, wie wir sie in den englischen Porträts des acht- zehnten Jahrhunderts gesehen haben, vorbildlich hingestellt wird. haben wir geglaubt, Ihnen in Leibi Werke zeigen zurollen, die aus dem ewigen Jungbrunnen der Nawr geschöpft sind. Vor Leibis Werk will uns scheinen, als ob Talent und Charakter gleichbedeutend seien, und gerade heute, in der Zeit der Kompromisse und des Eklektizismus, sollen wir in Leibi neben dem großen Künstler den aufrechten Mann ehren, der sich von niemand Ge- setze vorschreiben ließ, es fei denn von feiner Kunst; der keinem anderen Ziele nachstrebte als seinem eigenen Ideal. In der Bewunderung der Meisterwerke, die unS überkonnnen sind, stehen wir niemand nach, aber es erscheint uns als verderblichster Irrtum der Aefthetik, ein feststehendes Ideal, dem jeder Künstler nachstreben soll, statuieren zu wollen. Nur voraussetzungsloses Studium der .Natur— die Kunstgeschichte aller Zeitelt lehrt cS— kann zu einer ' Renaissance der Kunst führen." Redner empfahl, die ersten drei Abschnitte der Resolution äbzu« lehnen und dem letzten eine andere Fassung zu geben, in dem Sinne, daß die Gewerkschaftskommission für den kommenden 1. Mai die Vereinbarung nicht durchführen könne, aber für die Zukunft einer weiteren Kommentierung der Vereinbarung entgegensehe. Glocke sprach dann nochmals sehr entschieden gegen die Neso- lution. Von M a s s i n i, meinte Redner, sei zu wünschen, daher in seiner Gewerkschaft mit derselben Entschiedenheit wie hier für die Maifeier eintrete.(M a s s i n i ruft: Machen lvir!) Daß die Maiunterstützungsmittel durch Santmlungen aufgebracht werden müßten, stehe ja gar nicht in der Vereinbarung, und von Bettel könne nicht die Rede sein. Der Ausschuß habe ja auch gar keinen Fingerzeig in seiner Resolutton gegeben, wie denn die Sache gemacht werden solle. M i e s b a ch, Bildhauer, erklärte, daß die Frage nicht gleichsam durch ein Konkurrenzverfahren erledigt werden könnte. Diesmal müsse man die Maifeier wie bisher regeln. Nachdem Ritter in seinem Schlußwort nochmals die Auf« fassung der Ausschuhmehrheit vertreten, und auf die verschiedenen Einwendungen geantwortet hatte, wurde die von ihm vorgelegte Resolution mit 84 gegen 45 Stimmen angenommen. Sodann teilte K ö rst e n mit. daß' auf Antrag der Schneider und unter Mitwirkung ihrer Vertretung Verhandlungen zwischen dem Ausschuß der Gewerkschaftskommission und dem Aktions- ausschuß über die Behandlung der Boykottangelegenheiten im Annoncenteil des„Vorwärts" gepflogen worden sind und daß eine Verständigung erzielt wurde, die darauf hinanslänft, daß, während Differenzen vorliegen, im„Vorwärts" Neutralität geübt wird. Im übrigen soll hinsichtlich der Annoncen bei Boykotts noch eine all- gemein befriedigende Regelung getroffen loerden.— Kunze, als Vertreter der Schneider, erklärte, daß die Art und Weise, wie im „Mitteilungsblatt" am 6. Dezember ein Boykott vom 1. Januar ab für aufgehoben erklärt wurde, nicht zu billigen sei. Deswegen hätten sich die Schneider beschwerdesührend an die Gewerkschaftskommission gewandt. Nun sei gesagt worden, die Schneider hätten die Partei nicht über die Boykottangelegenheiten rechtzeitig Bericht gegeben. Der Vorwurf sei jedoch ganz un- berechtigt. Wiederholt hätten sie sich bereit erklärt, darüber zu be- richten, aber der Aktionsausschuß habe, wie es ja bei den da- nialigen Verhälttttssen erklärlich sei, keine Zeit gehabt, sich mit der Sache zu befassen.— Als Vertreter des Aktionsausschusses antwortete Wels, daß der Beschluß über die Aufhebung jenes Boykotts nicht zur Veröffentlichung un„Mitteilungsblatt" bestimmt gewesen sei, daß auch nicht die Absicht vorlag, sondern lediglich ein Versehen des Redakteurs. Im übrigen müsse wohl dafür gesorgt werden, daß Boykotts nicht versanden, weil sonst diese Waffe der Arbeiterschaft ihre Schärfe einbüße._ Polizeikarapf gegen das Candtagswablmbt. Im großen Schwurgerichtssaale begannen am Dienstag vor der 1. Strafkammer des Landgerichts I die Verhandlungen gegen 19 Angeklagte, die bei den Wahlrechtsdemonstrationen im Januar von der Polizei festgenommen worden sind. Angeklagt sind: 1. Ingenieur Guido A d l er, 2. Metallarbeiter Richard P a s ch k e, 3. Tischlergeselle Bruno Mermuth, 4. Schlossergeselle Otto Ludwig, 5. Arbeiter Johann Krause, 0. Schleisenmeister Wilhelm Oden, 7. Monteur Max Binder, 8. Tischler Rudolf G a r t h e i s, 9. Bäckergeselle Wilh. N e u g e- bauer, 10. Anstreicher Arthur T h u be, 11. Arbeiter Richard Reichel, 12. Metallarbeiter Arthur Jaeckel, 13. Maurer Nich. K r e u tzb e r g, 14. Arbeiter Eduard Ludwig, 15. Kutscher Karl Kohl. 10. Tischler Hermann P r i e b e, 17. Zuschneider Otto Vogel, 18. Former Emil Bochmann, 19. Dachdecker Hermann M e h r l e i n. Von den Angeklagten ist der erste, Ingenieur Adler, nicht erschienen, ebenso fehlt sein Verteidiger, der Justizrat Wr eschner. Die Anklage beschuldigt den Kutscher Kohl: am 10. Januar, die sämtlichen übrigen Angeklagten: am 12. Januar an einer öffenl- lichen Zusammenrottung teilgenommen zu haben, bei welcher eine der in den 113 und 114 bezeichneten Handlungen mit vereinten Kräften begangen wurde, bezw. den Anordnungen der Schutzleute nicht Folge geleistet, Widerstand geleistet, bezw. die Polizeibeamten beleidigt zu haben. Den Vorsitz im Gerichtshofe führt Landgerichtsdirektor B l a n ck m e i st e r, die Anklage vertritt Staatsanwalt T ö p f f e r. Multatuli als Geschäftsverderber. Einige Leute von der Sorte jener Befliffenen, die durch Anbringung von Gedenktafeln und der- gleichen für die Unsterblichkeit bedeutender Männer sorgen zu müffen glauben, haben die Absicht, an dem Hause, das seinerzeit der Verfasser deS„Max Hovelaar" in Brüssel bewohnte, eine Gedenkplakette anbringen zu lassei,. Ein Komiteemitglied begab sich zu diesem Zweck zu dem Kaufmann, dem jetzt das HauS gehört und fragte um die Erlaubnis an. Der vorsichtige Kaufmann erkundigte sich vorerst, wer eigentlich der Mann mit dem komischen Namen „Multatuli" sei. Man erklärte ihm: ein Schriftsteller. Aber die Zeiten sind schlecht und„man kann nicht wissen", und so erkundigte sich der biedere Besitzer nach den Werken des berühmten holländischen Schriftstellers, die ihm alsdann das Komiteemitglied zu schicken versprach. Unter diesen befand sich auch Multatulis Buch über die Kolonien.... Als das Komiteemitglied nach kurzem sich die Alst- wort holen kam, fiel sie folgendermaßen aus: Hören Sie, Ver- ehrtester, ich bin Kaufmann und habe mit aller Welt zu tun. Ich habe keine Lust, mich wegen dieses„Herrn", den ich nicht kenne, in die Kongogeschichten zu mischen!... Und so hat die Angst des schlichten Kaufmanns, der tote holländische Dichter könnte einen das Geschäft störenden Einfluß auf die Kolonialpolitik Belgiens nehmen, es verhindert, daß, Multatuli" zu seiner Gedenktafel in Brüssel kommt. Was freilich seiner Größe keinen Eintrag tun wird.— Humor und Satire. --Französische Menschlichkeit. Bei dem letzten Blut- bad, das die Franzosen in Marokko anrichteten, konnte nur ein kleiner Knabe sein Leben retten. Er war zu den Raubtieren in die Wüste geflüchtet. — Harte Strafe.«Sie haben also drei Jahre Ehrverlust. Wissen Sie, was das heißt?"—„Na?"—„Sie dürfen zum Bei- spiel baö Wahlrecht nicht ausüben."—„Au weh, a Preuß' soll i wcr'n."_(„Simplieissimus".) Notizen. — Theaterchronik. Im Neuen Schauspielhaus finden Donnerstag und Sonnabcno Vorstellungen zu ermäßigten Preisen statt und zwar„Judith" und„Alt-Heidelderg".— Im Neuen Operetten-Theater führt an den gleichen Tagen das Deutsche Theater„Frühlingserwachen" und„GygeS und sein Ring" auf.— Im Hebbel-Theater wird vom 25. April ab eine holländische Truppe mit Werken Heijermans' auftreten. — M u s i k ch r o n i k. Im Neuen Schauspielhaus bringt am Karfreitag der Mozart- Chor mit den, Mozart-Orchester Hänoels Oratorium„Der Messias" zur Aufführung. — Kunstchronik. Zur Erinnerung an Julius L e s s i n g wird i», Lichthofe des Kunstgewerbemuseums die letzte größere Veröffentlichung seines langjährigen Leiters: das Tafelwerk über die Gewebesammlung ausgestellt. Die Ausstellung, die drei- hundert Tafeln bildet, ist bis zum 30. April geöffnet. die Dcrteidigung führen die Rechtsanwälte Dr. Heinemann, Dr. Kurt Rosenfeld. Leonh. F r i e d m a n n und M u tz k a t. Die Zahl der geladenen Zeugen beträgt über Hundert, darunter mehr als 6V von der Verteidigung geladene Entlastungszeugen. Als Belastungszeugen sind 32 Polizeibeamte und einige Zivilzeugen zur Stelle. Vernehmung der Angeklagten. Der Angeklagte Kohl behauptet, daß er am 16. Januar abends ganz ohne sein Zutun und rein zufällig in einen in der Schön- hauser Allee gebildeten Auflauf hineingeraten sei. Er habe dann am Bahnhof plötzlich von einem Schutzmann einen Faustfchlag ins Genick erhalten. Aergerlich hierüber, habe er den»«Ahutznuran zugerufen:.Sie Lump!" Hierauf sei er festgenommen worden. Die Angeklagten P a s ch k e, Mermuth und Ludwig, die an dem Vorfall an der Friedrichsgracht beteiligt sein sollen, behaupten fast übereinstimmend folgendes: Paschke will in der Koppenstratze in den Zug hineingeraten sein. Mehr aus Neu- gierde fei er mitgegangen; an der Friedrichsgracht habe er dann einen Säbelhieb über den Kopf erhalten. Er habe bei einer dort wohnhaften Frau Aufnahme gefunden, sei dann nach der Unfall- statwn gegangen, wo ihn ein Schutzmann in Empfang genommen habe. Mermuth wollte nach der Versammlung im Feen-Palast. Auch er hat an der Friedrichsgracht einen Säbelhieb erhalten und ist dann zu Boden gerissen worden. Auf der Mache habe dann später ein Schutzmann zu ihm gesagt:.Wenn man in den Krieg zieht, so müffe man damit rechnen, daß man etwas abbekommt!" Ludwig wollte einen Freund besuchen. An der Getraudtcnbrücke wäre plötzlich von hinten auf ihn eingeschlagen worden. Auf Befragen des Rechtsanwalts M u ß k a t erklärt Ludwig, daß er weder Sozial- demokrat sei, noch den„Vorwärts" oder eine andere Zeitung lese. Er sei erst ein Jahr in Berlin und habe, sich um nichts bekümmert. er wußte nicht einmal, daß Versammlungen stattfinden. Der Angeklagte Krause will gleichfalls in den Strudel mit hineingerisscn und in die Neustädtische Kirchstraße durch berittene Schutzleute hineingedrängt worden sein. Er sei zu Boden geivorfen, als er sich wieder erhoben, sei er von Schutzleuten gepackt und gegen das Maucrlverk gestoßen worden. Dann sei er mit anderen aus der Menge gerissen und nach der Poljzeiwacl>e transportiert worden. Auf der Treppe zur Mache habe er noch Faustschläge ins Gesicht bekommen. Angeklagter Oden bestreitet, sich an einer Demonstration be- teiligt zu haben. Er sei mit seinem Bruder vom Bahnhof Friedrich- straße gekommen und plötzlich in eine Menschenmenge hineingeraten. Alte Leute seien umgeworfen worden und die Schutzleute seien darüber weggestürmt. Ein Schutzmann war„ganz aus der Puste" und als er zu seinem Bruder sagte:„Sieh' mal. wie d c r pustet!", sei er festgenommen, geknebelt und nach der Mache transportiert worden. Er hat Schimpfworte wie„Lausejungen!".nicht gehört und nicht gesehen, daß die Schutzleute Fußtritte und Faustschläge er- halten haben. Die Angeklagten Bruder und Gartheis sollen ge- lärmt haben. Beide erklären, daß sie den„Vorwärts" nicht lesen und von den Demonstrationen nichts gewußt haben. Als Gartheis festgenommen wurde, soll er den Schutzmann gegen die Brust ge- stoßen haben. Beide bestreiten ihre Schuld, Gartheis mit großem Nachdruck. Er behauptet, ein Schutzmann habe ihm„die Glocke" vom Kopf geschlagen, und als der Beamte ihn nochmals ins Gesicht schlagen wollte, habe er sich ihn mit dem Arm abgewehrt. Angeklagter N e u g e b a u e r soll sich Unter den Linden in der Menschenmenge befunden und gejohlt haben. Er bestreitet, an einem Zuge teilgenommen zu haben und hat auch nicht gesehen, daß Schutzleute geschlagen wurden. Der Angeklagte Thube soll versucht haben, die Postenkette zu durchbrechen, auch soll er:„Pfui, Ihr Schweinehunde!" und„Ihr Bluthunde!" gerufen haben. Er bestreitet, sich irgendwie strafbar gemacht zu haben und gibt an, er fei ahnungslos die Lindckn entlang gegangen, als er plötzlich wegen„Null Komma nischt" übcrritten lourde. Er habe einem Schutzmann zugerufen:„Du kannst wohl schlecht kncistenl" Ein Schutzmann habe ihn außerdem an die Nase gefaßt, diese.rumgedreht", so daß sie ein paar Tage schief gestairdcn habe. Ferner haben Schutzleute ihn mit dem Säbel in die Knie ge- schlagen, so daß er gerufen habe, sie sollen ihn in Ruhe lassen, da er Invalide sei und einen steifen Arm habe. I a e ck e l und R e i ch c l t waren ebenfalls Unter den Linden und sollen versucht haben, die Schutzmannskctte zu sprengen und „Bluthunde" gerufen haben. Beide bestreiten jede Beleidigung. R e i ch e l t erklärt, daß die Schutzleute,„wie ein Löwe auf einen kleinen Vogel losgeht", auf die Menschenmenge losgegangen seien. Der Angeklagte Kreuzberg soll sich ebenso wie die übrigen folgenden Angeklagten nur des Widerstands schuldig gemacht haben. Er bestreitet dies und behauptet, daß der Kriminalschutzmann Graf, der ihn sestgcnonnncn habe, sich geweigert habe, die Er- kennungsmarke zu zeigen. Als sie G. endlich vorwies, habe er gesagt:„Drch'n Sie dct Dings doch mal ruml" Der Beamte habe ihn darauf gleich am Kragen gepackt, der dabei entzwei gegangen, und nach der Wache gebracht. Eduard Ludwig soll bei dem Vorfall am Königstor gerufen haben:„Stinkbolzen, Du hast ja nischt zu fressen!" Er bestreitet dies, ebenso bestreiten Mehr lein und Pricbc, die sich des Widerstands schuldig gemacht haben sollen, jede Schuld. Der Angeklagte Vogel ist bei cinerü Vorfall in der Holzmarkt- straße beteiligt. Er soll ein rotes Plakat mit der Inschrift:„Heraus mit dem Landtags-Wahlrechtl" getragen haben. Er soll dann durch die Schutzmannskette sich durchgewunden und der Menschenmenge zugerufen haben:„Lauft doch durch die Schutzmaniiskette durch!" Der Angeklagte bestreitet dies. Er habe keine Ahnung gehabt, daß es sich um einen Demonstrationszug handelte. Das Plakat sei ihm angeboten worden, es sei übrigens grün und zusammengefaltet ge- Wesen und er habe es an seinen Hut gesteckt. Angeklagter B e ch m a n n soll am Büschingplatz Widerstand ge- geleistet haben. Er habe, so führt er u. a. aus, sich mit anderen in einem Lokal„einen angetrudelt", als jemand hineingekommen sei und gerufen habe:„Draußen hauen sie sich!" Da sei er hinaus- gegangen, um sich die Sache anzusehen, da sei einer von hinten gekommen, habe ihn am Genick gepackt und ihn mitgenommen. Von Rufen, wie„Blaue!", Achtgroschenjungens l" u. dgl. habe er nichts gehört, ebenso wisse er nicht, daß gegen ein Lokal, in das sich ein Kriminalschutzmann geflüchtet hatte, mit Steinen geworfen war- den sei. Die Vernehmung der Angeklagten ist hiermit beendet. Beweisanträge. Rechtsanwalt Dr. Heinemann hatte beantragt, die Kriminalschutzleute Drebcr und Kassube zu laden. Dieselben sollten bezeugen, daß sie sich unter die Menge an der Friedrichsgracht gemischt und selb st sehr stark gejohlt und geschrien haben. Der Polizeipräsident hat den Beamten die Erlaubnis zur Aussage über amtliche Dinge nicht erteilt. Nunmehr beantragt Dr. He i n e m a n n, die beiden Schutzleute über tatsächliche Dinge zu vernehmen. U. a. soll Kassube bekunden, daß er von Polizeibeamten von hinten geschlagen worden sei. ohne irgendwelchen Widerstand geleistet zu haben. Ferner wiederholt Rechtsanwalt Dr. Heinemann seinen Antrag, den Polizei- Präsident v. Borries darüber zu vernehmen, daß Straßendemon- strationen nicht immer von der Polizei als absolut zu verbietende angesehen werden, wie ja die polizeilichen Eingriffe gegen die Demonstranten vor dem Rcichskanzlerpalais am Wahltage gerügt worden seien. Hierauf beginnt die Beweisaufnahme. Zunächst wird der kleine Borfall in der Schönhauser Allee «ledigt, an dem der Angeklagte Kohl allein beteiligt sein soll. Der Polizeiwachtmeister H e n k w i n a t und der Schutzmann E i t n e r bekunden, daß Kohl sich in der Menschenmenge, die sonst ruhig weiterging, durch laute Rufe auffällig gemacht habe. Da er der Hauptkrakeeler gewesen, sei er mit den übrigen Leuten nach dem Bahnhof Schönhauser Allee geeilt. Hier drehte sich Kohl um und rief:«Wartet man, Ihr blauen Hunde, morgen kommt Ihr in den„Vorwärts"." Erst jetzt sei er sistiert worden.— Rechtsanwalt Roscnfeld versucht durch Fragen festzustellen, ob Kohl von einem Beamten einen Schlag ins Genick erhalten hat, wie von ihm behauptet wird. Beide Zeugen bestreiten unter ihrem Eide, den Angeklagten geschlagen zu haben. Die RcstaurateurSfrau Gorgorenz bekundet, daß der An- geklagte bis abends 11 Uhr in ihrem Lokal gewesen sei, dann mit ihr noch eine Zeitlang vor der Tür gestanden habe. Später habe sie von ihrem Fenster aus gesehen, daß Schutzleute ihn arretiert hatten. Er habe sich bei ihr stets anständig benommen. Die Polizeiattacke in der Friedrichsgracht. Polizeihauptmann Stephan macht Bekundungen über die Vorgänge am 12. Januar an der Friedrichsgracht. Die Polizei hatte die Aufgabe, zu verhindern, daß Demonstranten vor das Schloß zogen. Er habe plötzlich an der Friedrichsgracht furcht- bares Geschrei gehört, und als er hinging, habe er die Friedrichs- gracht von etwa 3606 Menschen gefüllt gefunden, ebenso die Grün- straße und die Wallstratze. Der Zug, der anmarschiert war, schrie: „Nieder mit Bülow! Hoch das allgemeine Wahlrecht!" Ter Zeuge ordnete Absperrung an; die Menge wurde unter Hinweis auf 8 116 aufgefordert, auseinander zu gehen. Als nicht Folge geleistet wurde, wurde zum zweiten Male die Aufforderung zum Auseinandergehen erlassen, mit der Warnung, daß eventuell von der Waffe Gebrauch gemacht werden würde. Diese Aufforderung wurde mit Gejohle beantwortet. Dann kam die dritte Aufforderung mit dem Hinweis, daß sofort von der Waffe Gebrauch gemacht werden würde. Als darauf die Marseillaise gesungen wurde und die Menge vorwärts drängte, kommandierte der Zeuge:„Säbel heraus!" Darauf stießen der Zug und die Schutzleute auf- einander. Die Beamten standen mit hochgezogenem Säbel da. Er, so betont der Zeuge, habe keinen Befehl zum Einhauen ge- geben; die Beamten hätten aber plötzlich von beiden Seiten ein- gehauen. Sobald die Ersten in der Menschenmenge Kehrt machten, habe er durch ein lautes„Halt!" seine Leute, die natürlich etwas anfgeregt waren, namentlich nachdem ein Schuß gefallen war, zum Stillstand gebracht. Die Demonstranten hatten Zeit, sich zurück- zuziehen. Auf dem Rückzüge der Menge sei von den Polizei- beamten von der Waffe kein Gebrauch gemacht und niemand sei auf den Rücken geschlagen worden. Ganz ausgeschlossen sei es, daß die Menge etwa in eine„Mausefalle" getrieben worden sei. Der Zeuge bekundet weiter, daß er außerdem am Tage vorher den Befehl gegeben habe, daß gegen Frauen im Zuge mit der größten Rücksicht und ritterlich zu verfahren und Kinder absolut zu schonen seien; ferner daß niemand etwaige Verfolgungen in die Häuser aufnehmen solle. Die Menge wurde durch einen Mann angeführt, der einen Zettel mit der Inschrift:„Heraus mit dem allgemeinen Wahlrecht!" trug. Der Zug bestand zumeist aus Leuten, die wohl aus Versammlungen gekommen waren, es war aber auch viel Janhagel, 16- bis 18jährige Burschen, dabei. Nachdem sich die Menge zerstreut hatte, lagen auf der Straße eine Menge Hüte, Stöcke, Schirme und dergleichen.— Rechtsanwalt Rosenfeld: Ist Ihnen bekannt, daß sich Kriminalbeamte im Zuge befanden?— Zeuge: Es ist mir nachher gemeldet worden, daß ein Kriminalbeamter im Zuge gewesen sei, Säbelhiebe bekommen habe und die Ilnfallstation habe aufsuchen müssen. Uebcr Einzelheiten des Zusammenstoßes richten Staatsanwalt Toepffer und die Rechtsanwälte Dr. Rosenfeld und M u ß k a t noch eine Reihe von Fragen an den Zeugen, die dieser im Sinne seiner vorhergegangenen Darlegungen beantwortet. Den Schuß habe er gehört und auch eine große Feuergarbe gesehen. Polizeileutnant P u s ch hatte Aufstellung an der Gertraudten- brücke. Als der Zug herankam, wurde die Marseillaise gesungen; ein Führer, der ein grünes Plakat trug, ging voraus. Der zwei- maligen Aufforderung zum Zurückgehen wurde nicht Folge ge- leistet, die Leute blieben vielmehr stehen. Der Zeuge hatte blank gezogen, ebenso seine Sektion. Geschlagen wurde aber nicht. Auch dieser Zeuge hat den Schuß fallen hören; er hat die Meinung, daß der Schuß von dem Bauzaun der Untergrundbahn herkam. Von einem Automobil, das nach der Behauptung noch zu hörender Zeugen durch die Schutzmannslette hindurchgefahren sein soll, hat der Zeuge nichts bemerkt. Polizeileutnant Dr. Koch, der zunächst hinter der Petrikirche d, bestätigt die Darstellung des Hauptmanns Stephan. Im Gedränge ist mit einem Stock nach Polizeihauptmann Stephan geschlagen worden, der Zeuge hat den Hieb mit dem Säbel pariert, bekam dann aber selbst den Stockhieb und hat demgegenüber von 'einer Waffe Gebrauch gemacht. Es wurde auch behauptet, daß zwei Schüsse gefallen seien; ein Mann behauptete bestimmt, daß aus dem Hause Friedrichsgracht 39 aus einem Fenster ge- schössen sei. Im Anschluß an diese Zeugenvernehmungen stellen die Per- leidiger eine ganze Reihe von Fragen, deren Tendenz dahin geht, daß in dem Wirrwarr v.iele Leute in der Menge die Aufforderung des Polizeihauptmanns bezw. der Polizcioffizierenichtgehörthabenkönncn, ferner, daß Jemand, der in der Menge war, überhaupt nicht mehr heraus- kam, sondern fortgerissen wurde, er mochte wollen oder nicht; endlich, daß die Haltung der Menge zunächst gar nicht drohend gewesen sei, die Schirme und Stöcke vielmehr erst erhoben worden seien, als dieSchutzleutelosschlugen; letzteres sei geschehen, als die Menge schon im Zurückgehen begriffen war. Seitens der Polizei- beamten wird dieser Darstellung widersprochen. Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld: Es scheint mir wichtig zu sein, daß die Vertrauensperson vernommen wird, auf die der Kriminalkommissar Dcgner seine Angabe stützt. Vielleicht weiß der Zeuge, wer diese Vertraucnsperson, dieser Spitzel ist, der unter der Menge war. Zeuge: Herr Präsident! Darf ich um Belehrung bitten, was der Verteidiger unter Spitzel versteht. Ich verstehe darunter eine Person, die den Auftrag hat, sich unter die Menge zu mischen und dadurch der Behörde Gelegenheit zum Einschreiten zu geben. Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld: Nein, ich verstehe darunter eine Person, die den Auftrag hat, sich unerkannt unter die Menge zu mischen und Beobachtungen zu machen. Zeuge: Ich gehöre der Exekutive an und weiß darüber nichts. Zeuge Musterzeichner Schutt enberg hat von seinem Fenster in dem Hause Friedrichsgracht 39 aus, den Zug ankommen sehen. Ein Mann ging voraus, der sich als Führer gerierte. Zeuge hat bann gesehen, wie die Schutzleute plötzlich blank zogen und Leute niederstürzten. Die Menge stob in wilder Flucht auseinander, sie wurde aber auf. gehalten, weil plötzlich ein Mann im Kanal lag. Polizeibeamte riefen nach dem Fenster des Zeugen nach einer Waschleine herauf. inzwischen wurde der Mann im Kanal aber durch Zuloerfcn des Rettungsballes gerettet. Während dieser Rettungsarbeit fiel von der Wallstraße her ein Schuß, der nach den Beamten gerichtet zu sein schien. Es schien so, als ob- der Schuß hinter oder durch einen dort stehenden Bauzaun abgefeuert worden wäre. Tann zeigte plötzlich ein Herr immer nach dem Fenster des Zeugen hinauf und rief:„Hier aus diesem Fenster ist geschossen wordenl" Als der Zeuge dies bestritt, erhielt er zur Antwort:„Jawohl, Sie waren es!" Dann gingen 2 Offiziere und 3 Schutzleute hinauf, der Zeuge wies entrüstet die Behauptung, daß aus seinem Fenster geschossen sei, zurück, aber der eine Schutzmann sagte:„Gestehen Sie es nur ein, da unten ist ein Zeuge, der es gesehen hat!" Nach drei Stunden ist dann, wie der Zeuge Schattenbcrg hinzuseht, bei ihm Haussuchung abgehalten worden. Der Zeuge weist auch vor Gericht jeden Verdacht, als ob aus seinem Fenster geschossen worden sei, aufs bestimmteste zurück und erklärt auf einige Fragen der Per- teidigcr, daß er gesehen habe, wie ein Automobil, in welchem zwei Herren gesessen haben, an der Getraudtcnbrücke durch die Schutz- mannskette hindurchgelassen wurde, ferner, daß die Menge schon im Rückwärtsgehen gewesen sei, als auf sie eingeschlagen wurde und daß die Menge fest aneinandergcballt war und es dem cinzeliM? gar nicht möglich war, den Platz zu räumen. Vorschullchrer H i r ch c aus Rixdors hat, als er mit der Straßenbahn an der Getraudtenbrücke ankam, die Menschenmenge gesehen, ist abgesprungen und hat am Gertraudtensteg Aufstellung genommen. Ein Mann schien die Führung des Zuges zu haben und die Menge zu dirigieren. Nach Ansicht des Zeugen war die Menge schon im Nückwnrtsbeniegcn, als auf sie geschlagen wurde. Der Zeuge bleibt auch dabei, daß er eine von einem Schuß her- rührende Rauchwolke aus der ersten Etage des Hauses Friedrichs- gracht 39 bemerkt habe. Er wird von dem Zeugen Schattenbcrg in erregtester Weise darüber zur Rede gestellt, daß er es gewesen sei, der die Behauptung aufgestellt: e r(Schattenbcrg) habe geschossen. Ein Automobil hat der Zeuge nicht gesehen. Der Zeuge neigt der Ansicht zu, daß Stöcke und Schirme aus der Menge nur zur Abwehr erhoben worden seien. Das Gericht zieht sich hieruf zur Beratung über die im Laufe der Verhandlung von Rechtsanwalt Dr. Heinemann gestellten Beweisanträge zurück. Vorher stellte Rechtsanwalt Leonh. Fried- mann noch den Antrag, den Bruder des Angeklagten Thube zu vernehmen, der bekunden soll, daß dieser zurzeit stockheiser ge- Wesen war und demnach gar nicht, wie seitens der Polizeibeamten behauptet wird, laut gejohlt und gebrüllt haben kann. Das Gericht beschließt, dem Antrage auf Ladung der Kriminalschutzleute Traber und Kassube sowie des Kriminalkommissars Degner stattzugeben, sobald der Polizeipräsident die hierzu erforderliche Genebniigung erteilt hat. Die Ladung des Regierungspräsidenten v. Borries wurde ab- gelehnt, dagegen die Ladung der weiter benannten Zeugen b e- schlössen. Es tritt hierauf eine halbstündige Mittagspause ein. nach welcher eine Reihe von Anwohnern der Häuser an der Friedrichsgracht ver- nommen werden, welche die Lorfälle vom Fenster aus beobachtet haben sollen. ES sind dies: Frau S t e i n in e tz l e r, Frau Thiele, Frau Hein, Frau V o r r a t h, der Schuhmachermeister N o v a tz k i, der Kaufmannslehrling N o v a tz k i und verschiedene andere. Die Zeugen haben die Vorgänge zum Teil erst von dem Augenblick au beobachtet, in dem ein Mann— wie ein Zeuge sagte—,„um sich vor dem Schutzmannssäbel zu retten" m das Wasser sprang. Zwei Zeugen haben überhaupt nichts gesehen. Eine Zeugin bekundet, daß die Menschen nicht flüchten konnten, da sie sonst mehrere zu Boden gerissene Leute hätten tottreten müssen. Die Leute hätten förmlich in Haufen gelegen. Ein anderer bekundet, daß der Schuß erst gefallen sei, nachdem die Schutzleute mit dem Säbel eingeschlagen hätten. Der darauf vernommene Zeuge, der in demselben Hause wohnhaft ist, bekundet wiederum, daß zuerst eingeschlagen und dann geschossen worden sei. Der Tischler Müller, der Friedrichsgrachl 37 wohnt,"bekundet, daß sich, als die Schutzleute mit dem Säbel auf die Leute eindrangen, mehrere Personen, darunter viele Frauen und Mädchen, in seine Werkstatt flüchteten. Er will auch beobachtet haben, daß Schutzleute mit geschwungenem Säbel hinter flüchtigen Personen herliefen und auf sie einschlugeu. Der Grünkramhändler Fischer erklärt, daß der Zug nach seiner Ansicht in würdiger Weise dahergekommen sei. Der Zeuge R a u h p e t e r hat Rufe:„Die Mörder, die Schutz- leute, haut sie doch!" gehört, auch hat er gesehen, daß ein Mann hinter einem Bauzaun hervor mit einem Revolver schoß, der Schlitze war ein Zivilist. Vor dem Blankziehen hat kein Widerstand seitens der Menge stattgefunden. Er hat sich gewundert, warum gegen die Menschenmenge mit Säbel- hieben vorgegangen wurde. Als die Leute ankamen, sangen sie die Marseillaise und riefen:. Wahlrecht hoch!" Da von einigen Zeugen den Schutzleuten der Vorwurf gemacht wurde, daß sie die Menge weiter verfolgt hätten, als nötig gewesen wäre, beantragte Staatsanwalt Dr. Toepffer noch die Ver- nehmung einiger Schutzleute. Auch Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld bittet noch uni Vernehmung einiger Anwohner der Friedrichsgracht. Der Zeuge, Heizer S ch m e t t a u, bekundet folgendes: Vor dem Zuge ging ein Mann mit einem Plakat am Hut. An der Gertrau'dtenbrücke, als der Zug auf die Schutzmannskette stieß. sprach der Führer mit einem Polizeibeamten, drehte sich da«» um und winkte der Menge zum Zurückgehen zu. Widerstand wurde nicht geleistet, aber plötzlich schlugen dir Schutzleute mit dem Säbel ein. Ein Automobil niil drei Insassen wurde durch die Schutzmanns- leite hiudiirchgelassen. Der Fabrikant L ö s k e kann nur bekunden, daß die Menge schrie und johlte und die Schutzleute sich sehr ruhig und nicht im geringsten aufgeregt benommen haben. Schlächtermeister B e r n d t: Der Zug ging an meinem Hause ruhig nud anständig vorbei. Gastwirt Arnold: Die Menschenmenge staute sich so, goß kein Mensch v o r n o ch r ü ck W ä r t s t o n n t e. Kurz vor der „Hauerei" zog sich die Menge schon langsam zurück. Die Menge ging vorher zurück, ehe blankgezoge» wurde. Er hat nicht gesehen, daß aus der Menge mit Stöcken und Schirmen gedroht wurde. So lange er da war. hätte ev es sehen müssen, wenn es geschehen wäre. Der Polizeilentnant FleiS bekundet: Als er den Befehl zum Borrücken gab, fand er an der Friedrichsgracht eine johlende und. schreiende Menschenmenge von über viertausend Köpfen dem Polizeilentnant Pusch gegenüber. Der Zeuge schildert die Vorgänge ebenso wie Hauptmann Stephan und Leutnant Pusch. Als das Kommando„Säbel raus" gegeben war. drehte sich ein Mann an der Spitze, der ein Führer zu sein schien, um und riet den Leuten, zurückzugehen. Dann fiel ei» Schutz, die Vordersten drängten noch etwas vor oder wurden von hinten vorgedrängt, da»u wurde eingehauen. Kaum nach einer Minute kommandiertc Hauptmann Stephan„Halt!" und die Mannschaften blieben stehen; sie hatten die Leute höchstens 5— 6 Schritte verfolgt. Der Zeuge hat das Aufheben von Stöcken und Schirmen gesehen, es sah ihm so aus, als ob diese Gebärden drohend gemeint waren. Polizeilentnant Thiele: Als Hauptmann Stephan die Auf- forderung zum Zurückgehen gegeben, machten die vordersten Reihen zwar Miene, etwas zurückzugehen, tonnten aber nicht, denn sie wurden vou hinten vorgedrängt. Erst als es ernst wurde, machten sie schnell Kehrt. Schutzmann S ch w e b l e r: Drei Leute holten aus, um ihn zu schlagen, er habe deshalb von seinem Säbel Gebrauch gemacht. Der Vorsitzende teilt hierauf mit, daß vom Polizeipräsidenten eine Aeußeruug dahin eingegangen ist, daß den Kriminakschutzleuten Traber und Kassube nnd dem Kommissar Degncr die Erlaubnis versagt worden ist, über Beobachtungen, die sie in Ausübung ihres Dienstes gemacht haben, auszusagen. Rechtsanwalt Dr. Heinemann: Ich bitte dann um Gerichts- bcschluß. Der Polizeipräsident kann in diesem Falle gar nicht die Erlaubnis versagen, denn es handelt sich nicht um Beobachtungen, die in Ausübung des Dienstes gemacht wurden. Ich behaupte, daß Draber und Kassube gar nicht im Austrage handelten, als sie sich an dem Zuge' beteiligten. Staatsanwalt Dr. Toepffer: Als was sollen sie denn über- Haupt dabei gewesen sein, wenn nicht dienstlich? Rechisanwalt Dr. Heinemann: Vielleicht als Polizeispitzel. Beisitzer Laudgerichtörat D i e tz: Sollen sie denn keinen Dienst gehabt haben? Rechtsanw. Heinemann: Nein. Sie haben vielleicht aus Privatlirbhaberei gespitzelt. Vielleicht sind sie auch nicht im Auf- trage ihrer Behörde Mitglieder von sozialdemokratischen Wahl- vereinen geworden, sondern aus Privatvergnügen. Der Schlossermeister G o t t h e l f gibt dem Angeklagten Otto L n d w i g. der bei ihm beschäftigt ist, das Zeugnis eines seiner besten Arbeiter, der sich nienials um Politik gekümmert habe, dem er nicht zutraut, bewnßterweise sich einein Demonstrationszuge angeschlossen zu haben. Nachdem noch mehrere Schutzleute gehört waren, wird die Wirtschafterin Anna Kohl vernommen, die bei dem Gastwirt Arnold in Stellung ist. Sie Hot gesehen, wie die Schutzleute ein- schlugen. Die Menschenmenge ging da schon langsam zurück. Die Verhandlung Ivird hierauf um 53/i Uhr abgebrochen und auf Mittwoch O'/e Uhr vertagt. Huö der Partei. Fortschritte der Sozialdemokratie bei den diesjährigen Gemeinde- wählen in der Mark Brandenburg. Den kürzlich im„Vorwärts"(Nr. 84) mitgeteilten Wahlerfolgen unserer Partei aus dem Verbreitungsbezirl der„Märkischen Volks- stimme", wonach dort in 15 Ortschaften 34 sozialdemokratische Gemeindevertreter gewählt sind, reibt sich eine stattliche Anzahl von Wahlsiegen aus dem Verbreitimgsgebiet der„Brandenburger Zeitung", das den Regierungsbezirk Potsdam mit Ausnahme der zu Grost-Berlin zählenden Vorortgemeinden umsaht, an. Es wurden hier insgesamt 20 Mandate für unsere Partei er- obert, davon zwei in der zweiten, die übrigen in der dritten Wählerabteilung. Infolgedessen ziehen neue Vertreter der Sozialdemokratie ein in die Gemeindeparlamente von Velten, Bölzow, Caputh(2), Drewitz, Löwendorf bei Trebbin, Glindow, Michendorf(2), M i ch e l s d o r f bei Lehnin(2). Göttin. Schmerzke und Wust bei Brandenburg. Damm bei Jüterbog. Marwitz, Hennigsdorf, Germen- darf und Heegermühle(2); auherdem trugen unsere Genossen in Steckelsdorf bei Rathenow den Sieg davon, während in Neufriedrichsdorf und in Rietz bei Brandenburg die für unsere Partei ungünstig verlaufene Wahl infolge festgestellter Unregelmähigkeiten für ungültig erklärt wurde, so daß noch aussichtsreiche Nachwahlen stattzufinden haben. Die beiden Mandate zweiter Klasse wurden in Michendorf und Michelsdorf(Kreis Zauch-Velzig) erobert und zwar dank der fleihigen Wahlbeteiligung der in Berlin beschäftigten Maurer aus diesen Orten. Wäre von der organisierten Arbeiterschaft in allen Orten der Mark mit gleichem Eifer wie hier das Gemeindewahlrecht ausgeübt worden, so könnte die Zahl der errungenen Mandate noch erheblich gröher fem. Besonders hätten dann die Niederlagen in der näheren Umgebung Potsdams, in Bornstedt. Bornim usw. vermieden werden können. wo den Gegnern der„Sieg" allerdings durch den Gewissenszwang erleichtert wurde, unter dem die zahlreichen„königlichen" Garten- arbeiter und sonstige gedrückte Proletarier ihre Stimmen abgeben muhten. Der Einfluh, den die Sozialdemokratie durch die aufgezählten Wahlerfolge in den Landgemeinden gewonnen hat, wird umso höher zu bewerten sein, je tatkräftiger die gewählten Vertreter ihr Mandat aus- zuüben wissen. ES verdient deshalb Nachahmung, wenn die Ge- nassen in verschiedenen ländlichen Ortschaften beschlossen haben, tür ihre Gemeindevertreter die„Kommunale Praxis" auf Parteikosten zu abonnieren. Bei dieser Gelegenheit sei noch mitgeteilt, dah auch in der aufblühenden Industriestadt Wittenberge(Westprignitz) bei der vor einigen Tagen stattgefundenen Stadtverordnetenersatzwahl zum ersten Male ein sozialdemokratischer Vertreter mit groher Mehrheit gewählt wurde._ Wider den Blockfrcisinn. In Hof, dem Landtagswahlkreise Müller-MeiningenS. fand am Sonntag, den 12. Apnl eine von sozialdemokratischer Seite einberufene öffentliche Protestversamm« lung gegen den Prinzipienverrat des Liberalismus beim Reichsvereins- gesctz statt. Der gröhte Saal Hofs, das Kolosseum, war überfüllt. Die Versammlung nahm einen imposanten Verlauf. Müller- Meiningen-Hof war brieflich ersucht worden, in der Versammlung zu erscheinen, um den Wählern des von ihm vertretenen Wahlkreises Rechenschaft abzulegen; er hatte es jedoch mit einer ebenso bom- bastischen wie nichtssagenden Erklärung abgelehnt, dem Wunsche der Wähler zu entsprechen. Referent war Reichstagsabg. Stücklen, der in einer 1'/, stündigen Rede die letzten Früchte der gloriosen Blockpolitik, das Treiben des Freisinns, dieser politischen Ruine im allgemeinen und ihren„hervorragenden Führer" Müller-Meiniiigen- Hof im besonderen einer, stellenweise von schärfstem SarkaSmus ge« würzte» scharfen Kritik unterzog und lebhaften Beifall fand. Den zahlreich anwesenden politischen Freunden des Abg. Müllcr-Meiiiingen war es unmöglich, das Treiben ihres Abgeordneten auch nur zu beschönigen— sie blieben stumm I Gegen eine Stimme gelaugte zum Schluh der eindrucksvollen Protestkundgebung folgende Reiolution zur Annahme: Die heutige von mehr als 1200 Personen besuchte Volks- Versammlung erklärt die Haltung der freisinnigen Parteien bei der Beratung des ReickisvereinSgesetzes als offenen Verrat freiheitlicher Prinzipien und insbesondere die Haltung des Abg. Müller-Meiningen als in striktem Widerspruch stehend mit seinen früheren, gelegentlich der Landtagswahl gegebenen Versprechungen und kann ihn daher als ernsten Politiker und Mann von Charakter nicht betrachten, um so mehr er nicht den Mut hatte, trotz zugesicherter Redefreiheit in der heutigen Versammlung zu erscheinen. Die Versammelten verpflichten sich, der sozialdemokratischen Organisation und Presse mehr Anhänger zuzuführen, und halten es für eine Ehrensache der Hofer Arbeiterschaft alles in die Wege zu leiten, um eine Wiederwahl freisinniger Abgeordneten unmöglich zu machen. Die Versammlung wurde mit einem brausenden Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. 25 000 Flugblätter gegen das Reichsvereinsgesctz find in den letzten Tagen unter den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern Stuttgarts und Umgebung zur Verbreitung ge- langt. Tas Flugblatt enthält die wichtigsten Partien der Reden unserer Genossen Heine, Hildenbrand, Hue. Legten usw. zum Reichsbüttelgesetz; es macht ferner sehr deutlich auf die Notwendigkeit der politischen Organisation aufmerksam. Zehnjähriges Jubiläum des Züricher„Volksrecht". Unser Züricher Bruderblatt feiert mit der Herausgabe einer illustrierten, 22 Seiten starken Festnummer das Jubiläum seines zehnjährigen Bestehens. Es durfte dieses Jubliäum feiern und darauf stolz sein, denn seine zehnjährige Geschichte erzählt von ungeahnten großen Schwierigkeiten, die zu überwinden waren, um seine Existenz zu sichern. Es war die so oft bewährte internationale sozialdemo- kratische Solidarität, deren rettende Hülfe immer rechtzeitig erschien, wenn die Not am größten war. Unter den journalistischen Beiträgen für die Festnummer befinden sich auch solche der Genossen Bebel in Berlin und des früher brutal ausgewiesenen Redakteurs des„Volks- recht", Emil Hauth in Mannheim. Tas„Volrsrccht" erscheint heute in einer Auslage von 10 000 Exemplaren und ist das leitend« Organ der schweizerischen sozialdemokratischen Arbeiterpresse. Wir wün- schen ihm weiteres Blühen und Gedeihen und Erfolge im Kampfe für die unterdrückte Arbeiterschaft! poliieUicbes, Omclitlicbco ulw. Ter verantwortliche Redakteur des Bochumer„Volksblatt", Ge- nasse Steinkamp, wurde vom Schöffengericht in Bochum wegen angeblicher Beleidigung einer Lehrerin zu 80 M. Geldstrafe der- urteilt. Die Beleidigung wurde in einem Artikel gefunden, in dem das Auftreten der Lehrerin in einer Gerichtsverhandlung chargkteri- siert wurde._ Soziales* Delegationen der Ortskrankcnkasscn zu Kongresse». Bekanntlich hat vor kurzem das Oberverwaltungsgericht in Sachsen ebenso wie das Kammcrgericht in Preußen entswicden, daß Delegationen aus Kassenmitteln' bestritten werden dürfen. Das sächsische Ministerium des Innern hat nun ein Schreiben an die Aufsichtsbehörden gesandt, das folgenden Wortlaut hat: Dresden, 7. März. In der Verwaltungspraxis und Wissenschaft ist die Frage bisher verschieden beantwortei worden, obdieaufdemKrankenversicherungsgesetz beruhenden Kassen und Kasseneinrichwugen Reisekosten erstatten dürften, die durch die Entsendung von Vertretern zu Versammlungen oder Kongressen entstehen. In einer Entscheidung vom 4. Januar 1008 hat sich das sächsische Oberverwaltungsgericht in dieser Frage der Auffassung des preußischen Oberverwaltungsgerichts angeschloffen. Danach sei es Pflicht der Kasieuorgane, die Verwaltung innerhalb der ihnen vom Gesetz gezogenen Grenzen nach verstandigem Er- meffen zu betätigen, wobei ihnen fteilich auch die Aufwendung von Reisekosten zu dem Zweck nicht grundsätzlich versagt ist, ihren Organen die Aufklärung über die gesetzlichen Aufgaben der Kasse und über ihre eigenen Aufgaben gegenüber der Kasse sowie ihren Mitgliedern zu ermöglichen. Dagegen ist— fo lange der K 20 nicht dahin abgeändert wird, wie dieS der> Zentralverband der Ortskrankenkassen nach dem Berichte in der Arbeiterversorgung 1903 Seite 690 anstrebt— die Verwendung von Kassenmitteln für die Entsendung von Vertretern zu anderen Kongressen und dergleichen, die sich mit anderen als de» gesetzlichen Aufgaben der Kassen besassen(z. B. der Bekämpfung des Alkoholis- muS. der Tuberkulose, der Wohnungsfrage) nicht zulässig. Nach dem Dafürhalten des ObervxrivaltungSgerichts ist die vom preußischen OberverwaltungSgerichte und ün wesentlichen noch von Hahn (Krankcnverstchcrungsgesetz ö. Aufl. ß 29, Anmerlung 2, Seite 186) ver- tretene Ansicht mit der Fassung des 8 29 Absatz 2 recht Wohl vereinbar. Sie wahre einerseits die Interessen der Kassen und werde anderseits den Anforderungen gerecht, die an eine mit der Neuzeit fortschreitende Kassenvcrwaltung gestellt werden. Das Ober- verwaltungsgcricht hat daher keine Bedenken getragen, anzuerkennen. daß die Beschickung von Versammlungen größerer Ver» bände von Ortskrankenkassen auf Kosten der beteiligten einzelnen Kassen, auch wenn die Verbände nicht unter 8§ 16 und 46a fallen, grundsätzlich nicht zu beanstanden sei, vorausgesetzt, daß sich die betreffenden Versammlungen in der Hauptsache mit den gesctz- Ischen Aufgaben der Kassen und ihrer Organe befassen und ferner, daß die Verausgabung der Reiselosten nach den Regeln einer ordnungsmäßigen Verwaltung erfolgt, d. h. daß sie sich in an- gemessenen Grenzen hält und der Vermögenslage der Rasse ent- Die KreiShauptmannschaften wollen die Kassenaufsichtsbehörden anweisen, diese Grundsätze künftig zur Richtschnur zu nehmen, soweit nicht die Kasscnsatzungen. weitergehende Beschränkungen der Kassen» organe hinsichtlich der Erstattung solcher Kosten enthalten. Ministerium des Innern. (gez.) Hohenthal. Versammlungen. Dir Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend beschäftigte sich in einer außerordentlichen Generalversammlung mit den zunächst- liegenden praktischen Schritten zur Vereinigung mit der in Betracht kommende» Konsumentenorganisatlou dem Berliner Konsumverein. Die Vorschläge de« AufsichtSrates gingen dahin, an Stelle des von seinem Posten zurücktretenden Genossen Menzel den bisherigen Ges.,äftssührer des Berliner Konsumvereins Genossen R. Junger als Geschäftsführer anzustellen und demselben bis zur definitiven Verschmelzung geeignete HülfSkräfte zur Seite zu stellen. Die da- durch herbeigeführte Personalunion wurde von der Versammlung gutgeheißen. Da der Berliner Konsumverein bereits die zur Ver- schmelzung führenden notwendigen Beschlüsse gefaßt hat, so würde nach Erledigung der Formalitälcn die Verschmelzung spätestens mit Ablauf dieses Jahres perfekt werden. In den Aussickitsrat wurden »eugewählt Max B u ch h o l z, Tischler; Bruno D ö r i n z, Töpfer; Fr. Hanel, Tischler; R. Löschmann, Arbeiter und Paul Humbert, Schneider._ BrUfhaften der Redahtton. Die jtirlftllitic Svrcchstiind« flnbet Lindenftraste vir. 3, zweiter Hos, dritter Wlugang, vier Treppen, MV" F a l> r st» h l-M» Wochen,««li» abend» von?>/, dt«»>/- Übe statt,«vcössnet 7 Nlir Evunabeuds begiiint die Sprechftnnd« um G Uhr. Jeder Anfrage ist ei» Auchftab« und eine Kahl als Aterkzeichen betzusiigeu. Bricslichc Antwort wird nicht erteil«. Eilige Fragen trage man in der Svrechstundc vor. G. 7. 1. biS 3. Die erbberechtigten Folgen des KütcrstandcS, der vor dem Bürgerlichen Gesetzbuch herrschte, sind durch da« Bürgerliche Gesetzbuch in Preußen im allgemeinen unberührt geblieben. Der überlebende Ehegatte hat aber die Bcsugnts, statt des nach früherem Recht ihm zuslehenden Erb» recht« nach seiner Wahl da« Erbrecht des Bürgerliche» Gesetzbuches zu wählen. Nähere die einzelnen RcchtSshsteme beircssenden Bcslimniungen enthalten die Artikel 44— SS des preußischen AuSsührungSgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch. Sie«nützten den Ort(möglichst unter Zusatz des Kreises) angeben, an welchem die Betreffenden nach der Heirat Wohnsitz genommen hatten. Sonst ist die Ermittelung, welche Art Gütergemein- schall dort bestanden hat und inwieweit dieselbe auch nach dem Tode des einer Ehegatten noch Wlrlungcn äußert, unmöglich. 4. Anspruch aus Lohn für geleistete Arbeit haben tu Ihrem Falle die Kinder ntltzr — N. 300. Die Schadenersatzklage hätte keine Aussicht aus Erfolg.— F. K. 30. 1. Ja. 2. Nein, aber dem Wirt steht das gurückbehaltungS- recht zu, falls nicht etwa durch Vertrag das PcrwaltungSrccht dcS Che- manncS ausgeschlossen ist,— K. L. 07. 1. Unter den von Ihnen ge- schilderten Umständen braucht keineswegs ein strasbarcr Falscheid vorzu- liegen. 2. Die Kosten richten sich nicht nach der lilnzahl der Termine. 3. Nein.— B. M. 33. 1. Ja. 2. Wegen deS Ersatzes verloren ge- gangener OuittungSkarten müssen Sie sich möglichst bald an die Polizei ivenden. Je länger Sie den Antrag aus Ausstellung von Ersatz-Bcschci- nlgungcn aufzuschieben, desto schwieriger und langwieriger wird das Versahren. KvIiUIvr- Schiller- Thealer 0.(Wallner-Tbealer). Mittwoch, abends 8 Uhr: Cnllegv Cranipton. Komödie in 5 Alten u. G. Hauptmann. Donnerstag, abe» dsS Uhr: Kaiser and Galllüer. Freitag: Geschlossen._ Theater. Sciilllor-Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 U b r: Iber Weg znin Herzen. Lustspiel in 4 Allen v. Adolf L'Arronge. Donnerstag, abcndssUhr: Stein auter Steinen. Freitag- Geschlossen. Für den Inhalt der Jnierale Aderniniint die gledatlio» dem Pudlitnin gegenüber teinerlci Zternnlworrnng. Ukearer. Mittwoch, den 15. April. • Ansang VI, Uhr. Könlgl. Opernbaus. D.Hugenottin. Königl. Schauspielhaus. Wilhelm Tell. Deutsches. Was ihr wollt. Kammersplele. Lhsistrata.(An- sang 8 Uhr.) Lnstivieihnus. Tante CramcrS Testament. Anfang 8 Uhr. Nene» Schauspielhans. Der Dummkops. Neues Operetten. Der Mach, mit den drei Frauen. Lefstng. Die versunkene Glocke. Neues. Die gute Partie. Lorlting. Zar und Zimmermaim. Berliner. Wintersport. Sri» ili er«». Zöllner.Thealer.) Kollege Erampton. Schiller Charloltenbnrg. Der Weg zum Herzen. Theater an der Spree. Der Onkel aus Kottbus. Komische Oper. Die verkaufte Braut. Kleines. 2X2— 5. Friedrich, Wilhelmstädt. Schau- spielhaus. Mackams Laus Qsno. Hebbel. Liebe. iiSeiien. Ein Walzerlraum. Residenz. Der Floh im Ohr. Luisen. Der wilde Neullingen. Thalia. Die Brunnen-Nymphe. Triauoii. Seine erste Frau. Die Hand. Bernhard Mose. Die Loreletz. Ntetropol. Das muß man leh'n. Apollo. Der kleine Chevalier.— Spezialitälcn. Gebr.-Serrnfeld. Hausierer Jockele. Endlich allein. KlabriaS-Partie. Kasino. Ein Dorfroman. Bürgerl. SchanspielhanS. Die Autorität. Parodie. Der Freisibüh. Die Raben. stcinerin oder: Ein Galzertraum. Rosenmontag.(Ansang 8*1, Uhr.) Wintergarten. Spezialiläten. Baiinge. Ota Gygi. Spezialitäten MriitiSbaNen. Sleliiner«änger. Gustav Behrens. Spezialitäten. Earl Haverlaud. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. FolieS Vergöre. Spezialitäten. Liane d'Eve. Palast. Geschlossen. IIr»»ia. T»vrnstrahe 48/49. Nachm. 4 Uhr: Uebcr den Brenner nach Venedig. Abends 8 Uhr: Kairo und die Pyramiden. Sternwarte, Juvalldenstr. 57/62. Berliner Tkeater. Abends 8 Uhr: Ensemble-Gastspiel dcS Neuen SchauIptelhauseS: Wintersport. Luisen-Theater. AbcndS 8 Uhr: Der wilde Reutlingen. DonnciStag zu halbe« Preisen t Des MädchenS Lebenswege. Freiiag und Sonnabend: Geschlossen. Sonntag nachm.: DcS Mädchen» Lebenswege. Abends: Der wilde Reutlingen. Montag nachm.: Die Eamelicndame. Abends zum I. Male: Der Mann mit vier Frauen. Dienstag nachm.: Maria Stuart. Abends: Die Spree-Athen er. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Die gute(Partie. Donnerstag: Sirnfon. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Uebcr den Wassern. Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. 2 mal 2= 5* Donnerstag: 2 mal 2= 6. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: 2 mal 2= 5. Sonnlag 5 Uhr: Ein Puppenheim (Nora). 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Neues OpereUen-Theater Der Mann mit den drei Frauen. Donnerslag: Gastspiel des Denischen ThealerS: Frühling» Grtvache». Resideiiz-Tlieater. — Direktion: Richard Alexander.— Ansang 8 Uhr. Der Floh im Ohr* Schwank in drei Akte» van Georges Feydcau. Deutsch von Wolff-Jaeoby. Donnerstag und Sonnabend: Der Hüttenbesiher. Sonntag mid Montag nachm. 8 Uhr: Haben Sie nicht» z» verzollen? Theater des Westens. 8 Uhr: Ein Wnlzertrnnm. An den Osterseiertagcn nachm. 3'/, Uhr halbe Pr.: vie lastige Witwe. Friedricli-Willielnistädtisclies Schauspielhaus. Die Rantzau uud die Pogviseti. Anfang 8 Uhr. Donnerstag zum ersten Male: Die Brüder von St. Bernhard. Schau« spiel in 5 Auszügen v. Anton Ohorn. R.u»tspwlk»us. Abends 8 Uhr: Tünte Lramers Testsment. »',>rfieHiillg. ttr Heute Mittwoch, abends 8'/, Uhr, bei Freyer, Koppenftrafie SS VertraikksiiiWiier- Ncrsaiiuiiliiiig für sämtliche Bezirke und Branchen. Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zum 1. Mai. 2. Streiks und Differenzen.� BM- Vertrauensmännerkarte nebst Mitgliedsbuch legitimiert. Lcde Werkstatt mutz vertreten sein. Die Ortsverwaltung, HäS* Waldburg, Conradshöhe. s . MM, Allen Ausflüglern und Vereinen empsehle zu den Feiertagen mein W � Lokal als besten und schönsten Ausflugsort.— sfür Speisen und Getränke bestens gesorgt.:: Gr. Tanzsaal.:: Ruderboote. R. Klelezkl. Leb. Karpfen Pfd. 80-90 Pf. Leb. Rechte Pfd. 110-120 Pf. Schellfische in allen Größen Pfd. SO-40 Pf. Große im Anschnitt Pfd. 35—40 Pf. Gabliau Pfd.«5 Pf. im Anschnitt .30 Pf. M•»•«'«'•OroMKMdluBj und Vtrtind Kr . Nordsee-, Ostsee- u. Süsswasser-Fisch# l �NLoob. lttds». Uiiw, tiiiem, Hischtla eit ' t.ta...»UM». ruM- tu. UUU.««1», "SSSÄ Seelachs Pfd. 18-20 Pf. Seehecht im Anschnitt Pfd. 22-25 Pf Pfd. 40-45 Pf. 3p,pfd.�iopf! ff- FluOzander 70-�75 n. Alle anderen Floß- and Seefische ebenfalls billig. Bratschollen -1�3 Ackerhalle 1�2 Stand IS and SS.- Prima Rindfleisch, Schierbraten, Oberschale Schausclbraten, Fllet. Fehlrippe und Ou nerrippe.. Rinderbrust....... „„ Suppenfleisch......... Georg Wölfl, ickerhalle, Stand 12 u. 38. 90 90 79 79 05 Achtung! Achtnng S Fliesenleger Äbt. I und IL Donnerstag, den SB. April, abends 8'/, Uhr, im Zieaen Klubhans, Kommandantenstrahe Nr. TS: General Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung der Kassierer vom ersten Quartal Abteilung I und II. 2. Vortrag des Genossen F. Kater. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. XL. Kollegen, die Versammlung muffte besonderer Umstände wegen um acht Tage verschoben werden. Erscheint olle Mann sür Mann! Der Vorstand. I. A.: F. Schwarz. s286/6 Schiff- und Bootsbauep Berlins und Umgegend. Arbeitsnachweis: Stralauer Allee 17 E. Tonnerstag. den 16. April 1908, abends 8 Uhr: HUF" V ersammluns"Wff im ArbettsnachwetS-Lokal. RIP' Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. Die Wichttgkett derselben macht das Erscheinen sämtlicher Kollegen notwendig. 236/5 Ree Vorstand. I. St.: Ernst Streichhan. Bekanntmachung. Aus Beschlutz des unterzeichneten Borstandes findet zu Berlin am Donnerstag, den 31. Mai d. I., nachmittags 5 Uhr» im Saal 11 des Gewertschaftshauses, Engeluser 15, eine flußerordentlkln General■ Versammlung der Nationalen Kranken- n. Sterhekasse der Droschhenhutscher und verwandten BerufSgenoffen(E. H.-K. Nr. 75) statt. TageS-Ordnung: Aenderung des tz 11 des sünsten Nachtrags zum vierten revidierten Statut sowie§ 52 des vierten revidierten Statuts. Die in den Mitgliederversammlungen zu wählenden Abgeordneten sind zu dieser Versammlung hierdurch eingeladen. Der Vorstand. W. Knütter, Vorsitzender. W Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. HauPtbureau: Hos I. Amt 3, 1230. ChariwstraBe 3. Hos III. Amt 3, 1987. Der Feiertage wegen bleibt das Bureau an folgenden Tagen geschlossen: Freitag» den 17. April, den ganzen Tag, Sonnabend, den 18. April, nachmittags, Montag, den iiv. April, den ganzen Tag, Dienstag, de« Ä1. April, nachmittags. Der Arbeitsnachweis ist an diesen Tagen"W6i vollständig geschloffen. l15'!0 Die OrtsvoiMvnltnng. Passage-Panoptikum. TZ-Vg-Volkstageü! Jed. Erwachsene ein Kind frei! Jedes Kind erhalt ein Geschenk I »"-r. Das „Die lange Bora' gr.Wund., Gesamthöhe 2,19 m. SMP* Alle Darbietungen frei I Alles ohne Extra-EntrOe. Eintritt 50 Pf. Kinder ohne Begleitung und Soldaten 25 Pf. Sanssouci, S'V Direktion: Wilhelm Reimer. WegenVarbereitungen z. Osterfest: geschlossen. An allen drei Peiertagen: Große Extra-Fest- und Spezialitäten-Vorstellung. Hochaktuelles Programm. Tanzkränzchen. Austtct. v. HofTiiiann« Norddeutsche Sänger u. hervorrag. Spezialitäten. Relclisbailen-Tlieater. Sleier Sanier. Z. Schluß, z. IIS. Male: Husaren-Streiche. Ans.woch.811. Sonnt. 7 U. Relchshallen- Restaurant; RilltUr- Ronzert. teppvecken größte Auswahl, sehr preiswert, direktin d. Fabril a»ruhar>l Strohruaudef, ,«1sn7SWallftr.7S,� (zwischen Roß- u. Jnfelftr.). pw auch alle Steppdecken ausgearb. werd. Gwinemünder Straße 44 Greisenhagener Straße 84 Prinzen-Allre 85 Willdenowftraßr 30 Gartenftraße 3 Wirlesstraße 31 Ebelingstraße 14 Arndtstraße 5 GrSfestraße 40 Maxstraß« 13» IS.€1. m. b. H. Winsstraße 64 Bötzowstraße 34 Zimmerstraße 22 Tempelhof, Berliner Str. 41/42 Schönrberg,ApostelPaulusstr.27 „ Gothenstraße 1 Weißensee, Friedrichstraße 12 Rixdorf, Weisestrnhe 65/66 „ Emser Straße 33 „ Wildrnbruchstr. 61/62 Michaelkirchplatz 4 MarkuSstraße 37 Zorndorfer Straße 61 Büschingstraße 12 Forster Straße 26 Liebigstraße 7 Kopernikusstraße 33 Rostocker Straße 35 Emdenee Straße 50 Havelberger Straße 6 ErasmuSstraße 5 Stralauer Allee 2V» RummelSdurg, Türrschmtdtstr.6 Lichtenberg, Kronprinzenstraße 1 „ Frankf.Chnussee1G3 Karlshorst, Gundelfingenerstr.51 Mitgltederzahl zusammen etwa 15 OVO.— Jährlicher Umsatz zirka S Millionen Mark. SefchüstsM: 8— t lwd 8—8 Hr; Sontlabends bis 9 Uhr, Sonntags geschlossen. Von Montag, dm S7. April ab befindet sich«outor und Zeutrallager taggü-IImstös. I Die Sensation Berlins I Telephon TU»301 Wir bitten unsere Verl jen Mitglieder sowie Lleseranten und sonstigen Interessenten dieS beachten zu wollen. Aufnahmen von Mitgliedern finden in allen oben ausgeführten Verkaussstellen sowie in der Zentrale stall. Eintrittsgeld 50 Pf. Nachdem nun die Eiuheitlichkeit der Berliner Genoffenschastsbewegung angebahnt ist, hoffen wir. datz alle organisierten Arbeiter sowie alle, welche am Bezüge guter,««verfälschter Lebensmittel interessiert sind, sich sobald als möglich ausnebm-n lassen werden. Bei 300 Aufnahmen in einem Bezirk von zirka 20 Minuten Ausdehnung werden neue Verkaussstellm eröffnet. Die gemeinsame Einkauss« summe(Geschästsanteil) kann zum größten Teil von der Rückvergülung(Dwidende) ausgespart werden. Arbkitkk- Frille«! Aimi« iit die Kichimmlik! Sie Verwaltungen beider Vereine. Speziell für die Zwecke der Agitation sowie Anfragen und AuSgade von Material wird von Donnerstag, de« IS. April ad Grüner Weg II im Kontor, wochentags von S-8 Uhr an, ein Genosse anwesend sein und bitten wir mündliche und schristliche Bestellungen außer den bisher üblichen Stellen dahin richten zu wollen. Femer machen wir aus die Eröffnung der 20. Berkaussstelle der Konsumgenossenschast Berlin und Umgegend am I I ����erksam. Mittwoch, den 13. April, Zimmerstrasse 32 ttnhe Frikdnchßraße, J der Mann mit den 3 Geigen. Otto HUhr, der Humorist am Flügel. Rita Tuncs. Lieder zur i Violine. Herrn. Strebel, der Unwiderstehliche. Rakoczy- Sextett, die reiz. UngarmädcheD, u. d. kolossale| April- Programm! !! Gewöhnliche Preise!! Gustav Behrens Theater. Berlin W., Goltzstr. 9. Das phänomenale April-Programm! WAH| Les Leocartis. Akrobat..Polp. JlCU i Hübele-Trio, Melange-Akt. Wpii s«in lustiger Witwer. V,,,,| JlCll! Posse mit Gesang)1clU SO erstklassige Xummern.. Ansang 8 Uhr Sonntags 5'/, Uhr früher Lipps.— Am Königstor. Oelonom: Ernst Liehing. Vom 19. bis 26. April: G. M. Ziehtet aus Wien. Hosfapellmeister, Dirigent der kaiserL fönigl. österr. Hosball- musik mit aus 60 Künstler verstärltem Ord�ster. Verantwortlicher Redakteur: Georg Davidsoh», Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag.'Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Kr. 90. 23. Jahrgang. 2. DtilM des.AmSets" Kcrlim Nslksdlsll Mtwch. 15. Jpril 1908. Der Knabciimörder verhaktet. Endlich ist es gelungen, das bestialische Verbrechen an den Knaben Blecher aufzuhellen. Der Mörder des Schneiderlehrlings Blecher ist gestern früh in der Person des 43 Jahre alten, ver- heirateten Schuhmachers, Aushülfskellncrs und Couleurdieners August Heider, Lietzmannstraße 2, verhaftet worden. Die Frau HeiderS, die sich seit Monaten im Krankenhaus befindet und von dem furcht- baren Verbrechen keine Ahnung hatte, hat die Schürze, die in dem Paket mit den Leichenteilen lag, als ihr Eigentum erkannt. Es kann ruhig anerkannt werden, daß im vorliegenden Falle die Kriminalpolizei glücklicher war als in den vielen vorhergehenden, es mutz aber immer wieder darauf aufmerksam gemacht werden, datz dieser Erfolg nur erzielt werden konnte durch Unterstützung durch die Presse und das Publikum. Ueber die letzten Ermittelungen, die zum Ziele führten, werden folgende Einzelheiten mitgeteilt: Nachdem der Aufenthalt des ermordeten Blecher zunächst bis zum S. April abends 10 Uhr festgestellt worden war, ermittelte die Kriminalpolizei einen Tag später, datz er um 11'/., Uhr den Bouillonkeller von Hoffinann in der Alexanderstratze 63 aufgesucht hat und dort bis Dienstag früh um S'/z Uhr geblieben war. Jetzt kam man bald weiter, denn mit ihm waren zwei Männer ge- kommen, die eingehend beschrieben werden konnten, wenn sie auch dem Namen nach nicht bekannt waren. Blecher hatte > in der Mexanderstratze den ihm bekannten.jüdischen Knaben Zwiebaum getroffen und ihm sein Leid geklagt. Sein Meister habe ihn hinausgeworfen, und nun habe er kein Essen und Trinken und kein Obdach mehr. Zwiebaum gab ihm einen Groschen und ging dann mit ihm nach dem Bouillonkeller zu, in dem Blecher die Nacht über bleiben wollte. In diesem Augenblick traten zwei Männer an die beiden heran, gaben jedem 5 Pf. und bedeuteten ihnen, sie sollten nach dem Bouillonkeller gehen, wohin sie beide gleich nachkommen würden. Zwiebaum aber lehnte das ab. Er ging nach dem Bahnhof, um seinen Vater abzuholen, der seinen Onkel zur Abreise begleitet hatte. Blecher begab sich also allein nach dem Bouillonkeller, wohin ihm die beiden unbekannten Männer unbemerkt auf dem Futze folgten. Diese gaben ihm Schokolade und Bouillon und umerhielten sich mit ihm und anderen Gästen, bis er mit dem Kopf auf dem Tische einschlief. Morgens früh lietzen sie dem Jungen ein Beefsteak mit Zwiebeln und Brat- kartoffeln geben. Nachdem er das gcgeffen hatte, brach man um ß'/a Uhr auf. Einer der Unbekannten ging mit dem Aushülfskellner, der die Nacht hindurch bei Hoffmann bedient hatte, nach der Wirtschaft von Schmidt am Königsgraben, der den Spitznamen Affen-Schmidt führt. Von dort wurde der Aushülfskellner durch die Polizei weggeholt und unter dem Verdacht des Diebstahls nach dem Untersuchungs- gefängnis gebracht. Das alles erfuhr man erst von dem Kellner, nachdem man ihn gesucht und in Moabit gefunden hatte. Ucber den zweiten unbekannten Mann konnte der verhaftete Kellner auch nicht viel sagen. Wo er mit dem Jungen geblieben war, wutzte er nicht. Er erinnerte sich nur, datz er vor 14 Tagen einmal mit einem Mädchen im Bonillonkeller gewesen war und in Verkehr gestanden hatte. Der Name dieses Mädchens war auch nicht bekannt, aber es konnte so genau beschrieben werden, datz man es alsbald als die 18jährige Eckardt ermittelte, die augenblicklich im Krankenhause des städtischen Obdachs in der Fröbelstratze lag. Schleunigst fuhren Beamte dorthin. Das Mädchen aber kannte jenen Mann auch nicht. weil eS ihn nur einmal gesehen hatte. Aber es hatte ihn damals nach seiner Wohnung begleitet, und das gab einen neuen und den wichtigsten Anhalt, zumal da der Unbekannte in jener Nacht seine Begleiterin gewürgt hatte, weil sie Anforderungen, die er an sie stellte, nicht erfüllen wollte. Zwar loutzte das Mädchen weder Siratze noch Hausnummer, aber es glaubte doch, datz sie das HauS und die Wohnung herausfinden werde, wenn man sie in dem Viertel herumfahre. Alle Versuche nach dieser Richtung blieben jedoch zunächst fruchtlos. Man fuhr, den Weisungen des Mädchens entsprechend, hierhin und dorthin, kam aber nicht zum Ziel. Erst als man jetzt den Bonillonkeller zum Ausgangspunkt der Fahrt machte, fand sich das Mädchen zurecht. Jetzt ging es nach dem Scheunenviertel und nach der Lietzmaunstratze; doch zunächst irrte sich die Eckardt noch in der Wohnung und fand sich im Hause nicht zurecht. Da kain aber die Kriminalgolizei aus einen Mann der seit fünf Monaten einsam dort hauste, weil seine Frau im Krankenhause liegt. Bei diesem klopfte man an. erhielt aber keine Antwort. Weil nun das Mädchen bestimmt erklärte, datz es sich in dem Hanse nicht irren könne und dieses die einzige Wohnung war, die noch in Betracht kommen konnte, so öffnete man sie in Abwesenheit des Mieters und führte die Eckardt hinein. Jetzt erkannte sie sofort die Räume und die Einrichtung wieder. Alles war dort sehr sauber und ordentlich, nichts lietz erkennen, datz schon so lange die Hausfrau fehlte. Mit gespannter Erwartung ging man an eine Durchsuchung der Behältnisse. Da kam auch schon aus einem Spind eine Hose zum Vorschein, die über und über mit Blut besudelt ist. Und weiter fand man ein grotzes Frauenhcmd voll dicke» geronnenen- Bluteö. Kein Zweifel, datz hier der Tatort gefunden war. In einer Photographie des Mieters erkannte die Eckardt sogleich auch den Mann wieder, den sie damals kennen gelernt und begleitet harte. Jetzt war es auch klar, weshalb keine Frau diese charakteristische Schürze vermißt hatte. Ihre Eigeutiimerin Frau Heider lag im Krankenhause und wutzte nichts von allen den schaurigen Dingen. So schloß man, und es erwies sich als richtig. Die Frau wurde im Hedwigskraukenhause ermittelt. Eine Schwester zeigte ihr unauffällig die Schürze, und sie wunderte sich, wie die dort hinkomme. Auf die Frage, wo sie sie denn verloren habe, ant- wartete sie, verloren habe sie sie nirgends, sondern in ihrer Wohnung zurückgelassen. Frau Heider erkannte ihre Schürze sofort und bestimmt wieder, auch an den Stopfungen und dem Flicken. Sie hat sie vor zwölf Jahren im Zelt 2, als sie dort beschäftigt war, von einer Kassiererin bekommen. Jetzt wunderte sie sich, datz sie nicht mehr so sauber sei, wie sie sie in der Wohnung zurückgelassen habe. Die Frau, die an Nervenreitzen leidet, wurde alsbald eingehender vernommen. Unlerdeffen traf die Kriminal- Polizei auch alle Matzregeln, um den unbekannten Mörder bei seiner etwaigen Rückkehr in die Wohnung oder sonstwo auch festzunehmen. Die Kommissare WannowSki und Peters bildeten mit ihren Wacht- meistern und Kriminalbeamten Patrouille, denen der Wirt deS Bouillonkellers, der Aushülfskellner. das Mädchen Berta Eckardt und ein anderer Bekannter des Heider zugeteilt wurden. Gegen 2 Uhr traf die eine Patrouille den Gesuchten in der Alten Schützenstratze, wo die Verhaftung erfolgte. Heider ist ein stattlicher, etwa 1,70 Meter großer Mann, der sich stets gut kleidet und im allgemeinen einen nicht unsympathischen Ein- druck macht. In seiner Wohnung lebt er vollkommen zurückgezogen; 1 (er lietz sich nur mit Nachbarn in Gespräche ein. Morgens früh ging er fort und erst spät abends oder nachts kehrte er heim. Seit Sep- j tembcr vorigen Jahres wohnte er im Hause Lietzmannstr. 2. Er war seit drei Jahren kinderlos verheiratet; seine Frau hatte er vor etwa vier Wochen wegen eines Gelenkleidens in das katholische Kranken- haus gebracht, wo sie zurzeit schwer darniederliegt. Heider besaß vor niehreren Jahren eine Studentenkneipe in der Linienstratze, diese mutzte er wegen Vermögensverfalles schließen, dann war er nacheinander Hausdiener oder Couleurbnrsche bei Studenten- Vereinigungen. Der Mörder, der sich gegenwärtig im Polizeipräsidium unter der Obhut zweier Beamten befindet, scheint nicht sehr gedrückt zu sein. Es steht fest, datz er vollkommen pervers ver- anlagt ist. Bereits zugegeben hat Heider, datz er mit dem cnnordetcn Knaben bis zum Morgen um','2 6 Uhr zusammen war; er hat auch zugegeben, datz er in seiner Wohnung grotzes Reine- machen vorgenommen hat, um die Blutspuren zu vertilgen. Die Angabe seiner Gattin, die die Schürze mit Bestimmtheit rekognosziert hat, bezeichnet er als Lüge. Es ist jedoch gelungen, noch andere Personen zu ermitteln, die gleichfalls die Schürze als der Frau gehörig bezeichnen können. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste. Im sechsten Kreis hat das Lokal von Zacharias, Stromstr. 28, den Besitzer gewechselt; das- selbe wird von Herrn A. Spohn unter dem Namen „Danziger Ball-Salon" weiter geführt. Die „ B 0 r u s s i a- F e st s ä l e", Ackerstr. 6/7, sind von Herrn Georg Wolsfgramm übernommen. Beide Lokale stehen der Arbeiterschaft nach wie vor zur Verfügung. In Biesenthal sind sämtliche Saallokale gc- sperrt. Verkchrslokal: Franz Stoll, Biesenthal, Breite Straße. Wir ersuchen speziell die Arbeiter- Rad- fahrer, vorstehendes beachten zu wollen. Die Lokalkommission. Trebbin. Am Donnerstag, den 16. April, abends 8 Uhr, bei Wolf: Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Abrechnung vom ersten Quartal. 3. Vortrag des Genossen Kurt H e i n i g über:»Die bevorstehende LandtagSwahl". 4. Verschiedenes. Berliner JVacbricbten. Einen Beitrag zur Selbstverwaltung der Gemeinde liefert die Tatsache, datz der Kaiser seine Genehmigung zur Auf- stellung des Virchow-DenkmalS auf dem Karlsplatze verweigert. Es liegt zwar noch keine amtliche Bestätigung vor, allein in eingeweihten Kreisen hält man diese Nachricht für zuverlässig. Auch der Künstler Klimsch hat erklärt, datz er Grund zu der Annahme der Richtigkeit deS kaiserlichen Entschlusses habe. Dem Kaiser sei gelegentlich eine Photographie des Denkmals vorgelegt worden und er soll am Rande derselben einige abfällige Bemer- kungen über das Kunstwerk gemacht haben. Nun kann man sich zwar schwerlich über ein plastisches Bildwerk ein Urteil auf Grund einer photographischen Aufnahme machen, allein man mutz mit der Talsache rechnen, daß der Kaiser die Aufstellung deS Denkmals nicht zu wünschen scheint. Und was der Kaiser nicht wünscht, ist für viele Leute Befehl. Aber abgesehen davon wird wieder die Frage aufgeworfen: Hat der Kaiser überhaupt ein Recht, seine Genehmigung zu erteilen oder zu verweigern? Diese Frage hat schon vor Jahren die städtischen Behörden anlätzlich der Märcheiibrunncnangelegcnheit beschäfligt. Zur Be- gründung dafür, daß der Kaiser ein Genehmigungsrecht für Auf stellung von Denkmälern habe, wird eigentümlicherweise nicht auf ein Gesetz, sondern auf ein Ministerialreskript verwiesen. Die Verfügung deS Ministers des Innern, in Verttetung gezeichnet Braunbehrens, ist am 17. Juni 18117 an den Polizeipräsidenten ergangen und dem Magistrat mitgeteilt worden. Es heißt darin: „Zur Aufstellung jedes öffentlichen Denkmals in der Haupt und Residenzstadt Berlin und in den Residenzstädten Potsdam und Charlottenburg ist die Genehmigung Sr. Majestät des Kaisers und Königs im Hinblick auf§ 10 des Gesetzes vom 2. Juli 1873 be- treffend die Anlegung und Veränderung von Straßen und Plätzen - in Städten und ländlichen Ortschaften einzuholen.... Die An» träge sind rechtzeitig im Instanzenwege vorzulegen, etwa nach Her stellung deS Modells... Den Berichten ist eine das Denkmal veranschaulichende Zeichnung oder Photographie beizufügen... Die Bestimmung des Gesetzes vom 2. Juli 1875, aus die in der Ministerialherfügung Bezug genommen wird, lautet:„Zur Fest' setzung neuer oder Abänderung schon bestehender Bebauungspläne in den Städten Berlin, Potsdam, Charlottenburg und deren nächster Umgebung bedarf es königlicher Genehmigung.' Hieraus das Recht herzuleiten, datz auch bei Ausstellung von Denkmälern der König gefragt werden müsse, ist ganz unmöglich. Die Berliner Städtische Baudeputation. Abteilung II. gezeichnet Zelle. Krause, hat am 8. Ol tober 1897, dem Polizeipräsidium erwidert, „daß eine Fluchtliuicnsestsctzung für Denkmäler bisher niemals erfordert worden ist. Sollte indessen eine solche künftighin verlangt werden, so mützren für Anlagen anderer Art, welche auf öffentlichen Straßen und Plätzen errichtet werden sollen, wie Springbrunnen, Bedürfnisanstalten usw. ebenfalls Fluchtlinien zur Festsetzung ge- bracht werden. Demnach glauben wir. datz der fragliche Erlaß nicht die Festsetzung von Denkmalsbauten im engeren Sinne im Auge hat. Alsdann erübrigt sich aber unseres Erachtcns auch die Ein- holung der Allerhöchsten Genehmigung zur Errichtung der Denk- mäler, denn die Bestimmung im§ 10 I. 0. spricht nur von der Genehmigung von Fluchtliniensestsetzungen." Der Magistrat trat dieser Auffassung bei. Am 17. Oktober 1901 erklärte der Oberbürgermeister Kirschncr in der Stadtverordneten- Versammlung: „Wir(der Magistrat) haben damals eingehend erwogen, ob wir dieses Ministerialreskript als rechtsgültig in dem Sinne an- erkennen können, daß es den Satz ausspricht, zu jeder Errichtung eines Denkmals in der Stadt Berlin sei die vorgängige Allerhöchste Genehmigung erforderlich, und wir haben diese Frage verneint. In der Zwischenzeit hat sich nichts ereignet, was uns in dieser Rechtsauffassung irgendwie hätte zweifelhaft machen können.... Ich glaube deshalb, datz der Magistrat und datz die geehrte Versamm- lung verpflichtet ist. an diesem Rechtsstandpunkt unter allen Umständen festzuhalten." Jetzt wird die Frage, ob der Kaiser überhaupt ein Recht habe, zu verlangen, datz bei Aufstellung von Denkmälern in Berlin feine Genehmigung eingeholt werde, wieder aktuell. Wir verneinen sie mit dem Berliner Magistrat grundsätzlich; es wird nur nicht viel helfen. 1 Der vorstehende Fall ist wieder einmal so recht geeignet, das Selbstverwaltnngsrecht der Kommune im hellsten Lichte erstrahlen zu lassen. Genosse Singer hatte nur zu recht, als er vor Fahren er- klärte, in Berlin könne kaum ein Stein an eine andere Stelle gesetzt werden, ohne datz hierzu aus dem Schlosse die Genehmigung ein- geholt werden müsse. Eine schöne Selbstverwaltung I Die städtische Berkrhrsdeputatron erledigte in ihrer gestrigen Sitzung eine umfangreiche Tagesordnung. Der Mieterverein„Pankow" hatte petitioniert, eine direkte Linie mit dem Wedding durch Verbindung der im Bau befindlichen städtischen Linie mit der Siemens-Bahn herzustellen. Es wurde be- fchlossen, bei der Siemens-Bahn anzufragen, ob diese die Verbindung herstellen will. Bezüglich der Weiterführung der städtischen Linie vom Balten- platz nach dem Osten wurde beschlossen, dieselbe bis nach R u m m e l S b n r g durchzuführen und deswegen mit der betreffenden Gemeindeverwaltung in Verhandlungen einzutreten. Der Antrag der Parkdeputation, den Wilhelmsplatz nach Fertigstellung der Untergrundbahn, nicht nach dem Geitnerschen Projekt, sondern nach dem der Parkdeputation umzugestalten, wurde ab- gelehnt. Es bleibt also bei dem bereits beschlossenen und genehmigten Projekt. Die Verlängerung der Hohen-Schönhauser Straßenbahn bis zur „Kurze Straße" wird genehmigl, obwohl die Art, wie die Gesellschaft ihr Projekt gefördert hat, nicht gebilligt werden kann. Der Stahlwerksverband hat sich über eine Mitteilung des„V 0 r- w ä r t s" beschwert, wonach der Verband keine bestimmten LieferungS- bedingungen für die zum Bau der städtischen Sttatzenbahn notwendigen Schienen akzeptiert habe. Es wird festgestellt, datz der hiesige Vertreter des Verbandes es abgelehnt hatte auf eine Konventionalstrafe einzugehen, falls die Schienen nicht rechtzeitig geliefert würden. Das heißt eben auf gut Deutsch, sie verpflichten sich nicht, die Lieferzeiten einzuhalten. Neben einer Reihe wesentlicher Punkte, die kurzerhand ihre Erledigung fanden, beschäftigte sich die Deputation mit dem Bericht über die Konferenz, welche kürzlich beim Minister bezüglich der Tunnelprojekte der.Großen" und der städtischen Pro- jette stattfand. Bei diesen Verhandlungen ist es wieder offenkundig� zutage getreten, in welch unerhörter Weise die privatkapitalistische Straßen- bahngesellschafr von der Regierung begünstigt wird, wie die groß- städiische Bevölkerung an der Nase herumgeführt wird, wie anderer- seit» der größte Teil der bürgerlichen Presse das Publikum belügt im Interesse des Großkapitals und wie vor allen Dingen die städtische Selbstverwaltung geradezu mit Füßen getreten wird. Es kann ruhig ausgesprochen werden, die Große Berliner Straßenbahn kann ein Projekt bringen, welches sie will und kann es vorlegen, wie sie es will, die Zusiimmung der Regierung hat sie immer in der Tasche. Der städtischen Verwaltung ist wiederholt der Vorwurf gemacht worden, bewußt oder unbewußt, datz sie so langsam arbeite und datz die Verkehrsprojekte nicht vor- wärts kommen. Die Stadtverwaltung hat das bestritten und mit Recht, denn in der Konferenz hat der Direktor Micke sämt- liche Projekte zurückgezogen bis auf das, welches die Gesellschaft Anfang März, also vor vier Wochen, eingereicht hat. Dieses Projekt, welches viergleisig, eine sogenannte„Schnellbahn" mit vorsieht, die ganze Breite der Leipzigerstratze ja zum Teil bis in die Grundstücke hinein einnimmt, datz die so viel gerühmten „Meisterwerke" der Technik die.Gleisverschlingungen fallen läßt, das den Magdeburger Platz, Gendarmenmarkt, den Dönhoffplatz durch Rampenanlagen verhunzt, den Spittel markt mit einer Hochbahn überschreitet, das von der Kurfürstenstratze bis zum Spittelmarkt anstatt zwölf nur fünf Haltestellen vorsteht, war der städttschen Verwaltung ohne jede Erläuterung eingereicht worden. Als diese nun nachverlangt wurde, erklärte die„Große":. 0 a S Projekt sei so sorgfältig durchgearbeitet, datz eS keiner Erläuterung Bedürfe. Acht Tage später mutz Herr Micke in der Konferenz beim Minister zugeben. datz das Projekt nur eine Skizze sei. Und diese Skizze hält der Minister für geeignet zur Einleitung des Ergänzungsverfahrens. Es ist das sechste Projekt, welches jetzt vorliegt, alle anderen sind ob ihrer technischen Unmöglichkeilen gefallen, nicht zum wenigsten durch die sachverständigen Gutachten, welche auf Veranlassung der städtischen Verwaltung veröffentlicht wurden. Der Minister hat ja anerkannt, daß dieses sechste Projekt noch unzulänglich sei, aber eS könne ja verbessert werden. Hieraus geht aber klar hervor, datz die Verbeficrung unserer Verkehrsverhältnisse durch die Regierung und ihres SchützlmgS, der Grotzen Berliner Straßenbahn, verhindert wird. Die Verkehrsdeputalion war einhellig der Meinung, datz mit aller Energie die Interessen des öffentlichen Verkehrs und der Selbst- Verwaltung hochgehalten werden müßten und die öffentliche Meinung aufzuklären sei, über solche nebelhafte Projekte, die keine Erleichterung des Verkehrs darstellen sondern eine schwere Beeinträchtigung des- selben._ Die Gamisonkirche ist bis auf die Umfassungsmauern niedergebrannt. Die Ursache des Brandes ist noch nicht ermittelt worden. Die Kirche ist ein sehr altes Gebäude; am 24. September 1701 wurde der Grundstein ge- legt. Am 12. August 1720 explodierte ein in der Nähe der Kirche stehender Pulverturm; der Turm ging in Stücke, welche zum Teil auf die Westseite der Kirche fielen und diese zertrümmerten. Noch im September 1720 wurde cm neuer Bau begonnen und am 22. Mai 1722 vollendet und eingeweiht. Ueber den Brand selbst sind noch folgende Einzelheiten zu be- richten: Ein Brandherd lag in der Nähe der Orgel. Der Haupt- brand befand sich aber auf dem Dachboden. Der Qualm war so stark, datz die Rohrführer mit Sauerstoffapparaten ausgerüstet werden mutzten, um dort nur einige Zeit auszuhalten. Zu dem Boden führte nur eine schmale Treppe. Dort hatte» diq Flammen an dem alten, aber kernigen und reichen Gebälk schnell Nahrung gefunden. Obgleich mit 5 L-Rohren und 17 L-Rohren, also mit 22 Schlauchleitungen von 10 Dampfspritzen unausgesetzt Wasser gegeben wurde, gewann das entfesselte Elemente an Terrain. Branddirektor Reichel begab sich bei seinem Eintreffen in das Innere der Kirche und brachte das goldene Kruzifix vom Altar in Sicherheit. Brandmeister Steiner, ber znsällig mit dem Brandinspektor Julius vorbeigekommen war, holte die bereits brennende Fahne des 24. französischen Jnfanterierginients heraus. Ein Feuermann barg den Rest einer anderen sranzösischen Fahne. Die übrigen Fahnen aus den Feldzllgcn von 1813/14, 1864, 1866 und 1370/71 waren nicht mehr zu retten. Ihr Standort war zu hoch und die meisten brannten bereits. Zentnerschwere Stücke der neuen Rabitzdecke des Schiffes fielen bereits auf das Gestühl der Kirche, und in der Nähe des einen Krön- leuchters zeigten sich die ersten Flammen. Das Innere der Kirche mußte nun geräumt werden. Die Lösch- und Rettungsmannschaften postierten sich unter den Emporen. Gleich darauf stürzte der erste und dann der zweite Kronleuchter krachend herab. Jetzt gingen auch die schönen alten Wandgemälde und der Altar in Flammen auf, die Orgel tvar bereits verbrannt. Um 9 Uhr stürzten Teile des Schieferdaches ein. Eine halbe Stunde später neigte sich der eiserne Glockenturm und stürzte in das Innere der Kirche. Dieser Einsturz verlief ohne Unfall. Die Mannschaften unter den Emporen hielten auch jetzt noch wacker stand. Nur in der Neuen Friedrichstraße, wohin der Turm zu stürzen drohte, mutzten die Mannschaften einen Augenblick zurück- gehen. Sie nahmen aber die Löschung gleich wieder ans. Von den übrigen drei Seiten der Sttatze„Hinter der Garnisonkirche" war die Feuerwehr trotz der ungeheueren Hitze auch jetzt nicht gewichen. Die dort vefindliche 21. und 24. Gemeindedoppelschule sowie Halle dieler Schule finden bereits an zu brennen. Ein Regen von faustdicken glühenden Holzstllcten ging hernieder und bedeckte Dächer und Höfe. Die Aufregimg war unbeschreibliche Die Feuerivehr beseitigte aber diese Gefahr durch kräftiges Löschen. Nach Mitternacht begann es zu regnen. Nässe von oben und von unten, dazu der Aschenregen, Brandgeruch und drohende Ein sturzgefahren erschwerten die Arbeit der Feuerwehr. Gerüchte von Menichenverlusten erwiesen sich glücklicherweise als unbegründet. Erst wurde ein Feucrmann, dann der Organist gesucht, die sich aber später einfanden. Auch die Berletznngen des Oberfeuermannes Binde! vom 20. Zuge und des FcuermannS Lehmann erwiesen fich als nicht erheblich. Gestern früh erfolgte dann abermals neue Ablösung durch drei Züge, die noch unausgesetzt zu tun hatten. Die Kellergewölbe haben nicht gelitten. Die Särge sind nnvcrsehri geblieben. Das Archiv der Kirche ist aus der Sakristei gerettet worden. Die Glocken sind nicht geschmolzen, sondern nur zersprungen. Die Kirche ist mit 700000 M. bei der Thuringia, Feuerversichsrungs- Gesellschaft versichert. Der Schaden soll rund 600 000 M. betragen. * Auf der Brandstätte hatten drei Löschzüge der Feuerwehr gestern noch den ganzen Tag über zu tun. Es galt, die noch glimmenden Trümmer auseincmdcrzu reihen und abzulöschen. Leider ereignete sich im Verlauf dieser Arbeit am Nachmittag ein schwerer Unfall. Ter Feucrmann F e h r in a n n wurde von auflodernden Stichflammen erfaßt uird erlitt derartige Brand- Wunden, daß er sofort nach dem Moabiiei Krankenhaus geschafft werden mutzte.— Um 7 Uhr abends rückten die drei Löschzüge vom Brandplatze ab, nur eine Brandwache von mehreren geuerleutcn blieb zurück. Heute werden neue Züge nach der Brandstelle beordert werden, um die Aufräumungsarbcitm zu beenden. Aus der Praxis der Abzahlungsgeschäfte. Wer Möbel auf Abzahlung kauft, der setzt sich der Gefahr aus. daß eines Tages, wenn er mal nicht zahlen kann, er die Möbel wieder hergeben muß und den bereits ab gezahlten Geldbetrag vollständig einbüßt. Ar sonders unangenehm ist das für den Abzählungokäufer dann, wenn er schon den größten Teil der Kaufsumine bezahlt hat und er nun kurz vor dem Ziel nicht mehr weiter kann. Für iden Verkäufer aber ist gerade das das bortcilhaftcste; denn gerade dann bringt's ihm den meisten Profit, dem zahlungsunfähig gewordenen Käufer die Möbel wieder abzunehmen. Doch es kann einem noch viel schliinmer ergehen, wenn man sich mit einem AbzahlungZgesckiäft einläßt. Schon mancher AbzahInngSkäufcr ist sogar auf die An Ilagebank gekommen, weil er nicht einzusehen vermochte, daß er die Möbel, die er fast vollständig bezahlt hatte, immer noch nicht als sein Eigentum sollte b c trachten dürfen. Inhaber von Abzahlungsgeschäften können sehr ungemütlich werden, wenn ein Käufer über die von ihm g« kauften Sachen verfügt, che er den letzten Pfennig bezahlt hn Oft wird der Frevler, der das..Besitzrccht" des Verkäufers nicht respektiert hat, selbst dann ans Messer geliefert, wenn dabei der Verkäufer keinen nennenswerten Schaden oder überhaupt keinen Schaden crliiteii hat. Vor der 133. Schöffenabteilung des Amtsgerichts Bcrlin-Mitte wurde am Montag über einen hierher gehörigen Fall verhandelr, bei dem man sich fragen muß, ob es wirklich nötig war, spornstreichs den Strafrichtcr in Bewegung zu fetzen. Ein Arbeiter H. war angeklagt der Unterschlagung eines Wäscht spiudes, das et von einem Möbclhändler Gicbler auf Abzahlung gekauft hatte. Herr Gicbler hat früher ein Möbelgeschäft in der Großen Frankfurter Straße betrieben, heute nährt er sich von dem Ertrag des Mietshauses Tilsitcr Straße 33. H. hatte geglaubt, alles abgezahlt zu haben, was cr dam Giebler für die bei ihm ge- kaufte Wirtschaft schuldig gewesen war. � Da behauptete daß noch ein Rest von 0 Mark zu bezahlen sei. H. bestritt das und berief sich auf fei» OuittbngSvuch nebst Postqüittungen, aus denen er sich die volle Koufsumme als bezahlt herausrechnen- zu müssen glaubte. Aber G. verklagte ihn, und sein Anspruch wurde als berechtigt anerkannt. Öiernach hatte L>. die 0 Mark«och zu zählen, andernfalls sollte G. sich an einem Möbelstück schadlos halten. Run hatte aber H. schon seit zehn Monaten keine rechte Arbeit mehr gehabt und war bereits für vier Monate mit der Miete im Rückstand geblieben. Aus seiner Wohnung wurde er exmittiert, die Armenvcrwaltung gab ihyi nichts weiter als 20 Mark— dagrifferseineWirtschaftan. Ein Wäsche- spind, auf das Herr Gicbler seine Hand hatte legen wollen, wurde von H. verkauft. Dem Herrn Giebler blieb nur übrig, sich an einem alten Sofa schadlos zu hallen. Ob cr dabei seine 9 Mark voll gekriegt hat oder nicht, das wurde in der Gerichtsverhandlung nicht ganz klar. Der Angeklagte versicherte, G. sei nicht ge- schädigt worden, und von Herrn Giebler, der als Zeuge geladen war, wurde das nicht direkt bestritten. Ä. wird ja wohl auch so viel au diesem Käufer verdient haben, daß cr ohnedies mit seinem Profit zufrieden sein konnte. Hatte cr nötig, den Mann nun»och vor den Strafrichter zu schleppen? Jni Termin vermochte H. nicht zu begreifen, daß cr irgendeinen Gesetzesparngraphen übertreten habe. Aber das©ericht inachte nicht viele Umstände mit ihm. G. bekundete» H. habe das Wäschespind verkauft, damit er, Gicbler, nicht zu seinem Gelde kominen sollte. Anfänglich habe H. auch noch das Sofa beiseite geschafft, hinterher habe er es aber doch herausgegeben. Zum Dank für die lange dauernde Geduld, die G. — so sagte G. vor Gericht— mit dem Schuldner gehabt habe, sei er von H. noch durch eine Postkarte verhöhnt worden. H. habe ihm bezüglich des Sofas geschrieben, cr freue sich, daß der Wurmfraß abgeholt worden sei, wenn mir jemand mehr als 15 Pfennig dafür geboten hätte, so würde cr auch das noch verkauft haben. Diese Karte, die der Zeuge dem Gericht vorlegte, wurde dem Angeklagten zum Verderben. Die Unterschlagung wurde als er- iv lesen angesehen, und H. wurde zu 25 M. Geldstrafe event. 5 Tagen Gefängnis verurteilt. Herr Giebler aber ging zu- frieden von dannen.__ Brieskchlthe. Briefkasten an den Wohnungstüren sind ein alter Wunsch der Postverwaltung und oft empfohlen worden. Doch ist der Anregung iiilr hier und da entsprochen worden! Sie habe» lange nicht die Verbreitung gefundeii, die sie verdienen. Die Haus- bricfkastcn ermöglichen vor allem eine beschleunigte Ausführung der Bricfbestellung. Ei» ziveitcr Vorteil ist die größere Sicherheit, mit der Seildungcii in die Hände der Empfänger gelangen. Ist � V. niemand in der Wohnung mizuireffcn, so muß der Briefträger versuchen, die Sendungen durch die Türspalte zu stecken oder der- gleichen. Im Briefkasten ruhen sie gesichert vor fremden Händen bis zur Rückkehr des Empfängers. Ein dritter Vorteil der Brief- kästen, der u. a. auch in Betracht kommt, ist die größer« Geheim- Haltung der Sendungen. Diese werden durch den Kasten vor neu- gierigen Augen Unberufener acschiitzt. Briefkasten läßt die Post deshalb jetzt»vn neuem empfehlen. An die Stelle der Kasten können auch Briefschlitze an den Wohmmgstüven trete». Doch müssen dann dahinter an der Innenseite der Türen Behältnisse zur Aufahme der Briefe angebracht werden. Am besten ist es, wenn schon bei Neubauten von vornherein an den EingangStüren zu den einzelnen Wohnungen Einwurfsspalten und dahinter an der'Innen- seile der Türe« Bricfkastcn augebracht werden. Der Kasten hinter dem Schlitz darf nicht fehle», weil die auf dein Fußboden verstreuten Briefe sonst leicht in Verlust geraten können. Ter Einwurfsspalte jvird zweckmäßig ein solche Weite gu geben sein, daß es möglich ist, auch stärkere Ätiese, Drucksache» und Zeitungen durchzustecken. Der BebauungSptan fiir Groh-Berlin kam Montag abend zu einer eingehenden Besprechung in der Sitzung des Vereins Deut- scher Gartenkünstler, die unter starker Beteiligung in den Räumen des Klub der Landwirte tagte. Regie ru n gsba um c iste r Hcimanu Zeigte zunächst, wie in Wie» die Frage des Wald- und Wiesen- gürtelS gelöst worden sei. In Berlin sei die Lösung dieser Auf- gäbe bedeutend schwieriger, da hier die Gcundstücköpreise erheblich die Turn- l höher seien und auch die Befugnisse der Aufsichtsbehörden viel | weiter gingen als. i» Wien. Bon der Schaffung eines Wald- und i WiesengürtelS um Groß-Berlin könne bei der eigenartigen Lage Berlins iiicljt gesprochen werden. Es könne sich hier nur darum handeln, für die ständig wachsende Bevölkerung einen BebauungS- plan zu schaffen, der den Forderungen der Gesundheit, des Ver- kehrs mid der Schönheit entspricht. Da die Terrains von Groß- Berlin zum größten Teil'chon in den Händen von Baugesellschaften seien, werde sich die Anlage genügend großer Freiflächen, Parks usw. nur ermöglichen lassen, wenn durch eine Aenderung der Vau- ordnung die jetzt schon von der Bebauung freibleibenden Teile der Grundstücke zusammengezogen werden können. Für den Weit- beweib würden, voraussichtlich nur wenige Bewerber in Frage kommen, da die Beteiligung daran doch große Aufwendungen an Zeit und Geld erfordere. Die mit dem Wettbewerb verbundene Ausschreibung von Plänen für einzelne Gebiete gebe aber allen Freunden von Städtebau und Gartenkunst Gelegenheit, sich an ihrem Teile an der Lösung der Aufgabe zu beteiligen.— In der Besprechung des Vortrages wurde von mehreren Rednern bemängelt, daß im Preisrichterkollegium für den Weit- bewerb nur ein Gartenkünstler neben so vielen Architekten sitze. Gerade die Gartenkünstlcr hätten doch ein reges Interesse an der Gestaltung des Bobauungsplancs und das Urteil eines einzelnen Vertreters der Gartenkunst werde immer einseitig sein. Re- gierungsbaumeister Heimann bemerkte hierzu, die Heranziehung weiterer Gartenkünstkcr zum Preisrichterkollegium werde sich nicht ermöglichen lassen, da in diesem Kollegium doch Vertreter aller de- teiligten Gemeinden und Kreise sitzen müssen, so daß die Zahl der Preisrichter jetzt schon unverhältnismäßig groß sei. Aus der Ver- sammlung heraus wurde weiter dem Wunsch Ausdruck gegeben, daß auf eine Aenderung des Bebauungsplanes in der Richtung hin- gewirkt werden-möge, daß in den Vororten an Stell« der unzweck- mäßigen Bauwichs, Reihenhäuser zugelassen werden möchten; dann könnten die freibleibenden Flächen zu größeren Garten- anlagen zusammengezogen werden. Auch die kleinen Vorgärten sollten verschwinden, wenn sie nicht inindestenS eine Tiefe von fünf Metern haben. Im andern Falle sollte, das Vorgarteifterrain zur Straße hinzuHonommen ivcrdcn und die Gemeinden könnten auf diesen verbreiterten Straßen Anlagen schaffen. Regicrungsbau- meister Heimann stimmte diesen Anregungen zu. Mangelhafte Banpolizeivorschriften. Oester kann man in der Presse Nachrichten finden über Unglücksfälle an Fahrstühlen, selten aber liest man davon, ob auch alles getan ist, um diese Unglücksfälle zu verhüten. Erst vorige Woche ereignete sich in Charlottenburg in der Fasanenstratze ein solches Unglück, bei welchem der Portier Kätarzinski und dessen Frau ihr Leben eingebüßt haben. Zu diesem Fall wird berichtet, daß K. beim Tragen der schweren Last übersah, daß er den Fahrstuhl noch nicht vom vierten Stock hcruntergeleitet hatte. Hierzu wird uns von sachverständiger Seite geschrieben: Wenn eS in Berlin scharfe Aussicht über Fahrstühle und eine ernste Hand habung der bestehenden Fahrstuhlvorschristen gäbe, wäre ein solches Unglück vollständig ausgeschlossen. Die Schachttür darf vor einem richtig konstruierten Fahrstuhl gar nicht aufgehen, wenn der Fahrstuhl nicht vor dem Geschoß hält. Es wäre also gar nicht möglich gewesen, daß die K.schen Eheleute in den Schacht stürzen konnten, wenn nicht trotz der bestehenden Polizeivorichriften die leichtsinnigsten Fahrstuhl konstruktionen ganz allgemein gestattet wären. Vor Iahren ging durch die Presse die Nachricht, das Polizei Präsidium Hütte einen' besonderen Banbcmnten ausschließlich zur Be mifsschtiguug und Prüfung von Fahrsti'.ylkonstruktionen angestellt Entweder war diese Nachricht unrichtig oder der Beamte ist, wenn er existiert, noch immer nicht genügend in die Technik der wirklich notwendigen Sicherheiten für FahrstuhlkonstruktioneN eingedrungen. Jedenfalls gestattet die Berliner Baupolizei bis heute die gcfähr- lichsten und schlechtesten Fahrstuhlanlagen. Da immer die Aermsten es sind, welche in diesen nichtswürdigen Menschensallen Leben und Gesundheit verlieren, so dürfen wir nicht mühe werden, immer von neuem der Behörde die Bediiigungen vorzuhalten, die an die Bctriebsgenehmtgung für Sicherheitsfahrstühle zu lnüpfen find 1. Ein Pcrsonciisahrstuhl darf sich nicht au? dem Stockwerk fortbewegen können, in dem die Schackittür offen steht. 2. Eine Schächttür darf nicht zu öffnen fein, wenn der Fahr stuhl nicht vor der betreffenden Schachttür steht. Geradezu haarsträubend und kennzeichnend für unsere Bau Polizeiaufsicht ist die Schlußbemerkung des Zeitungsberichts:.Der Fahrstuhl selbst erwies sich als vollkommen intakt." Auf deutsch der Fahrstuhl war tadellos betriebsfähig.— Ja wohl, vollkommen intakt für eine Polizei, die den Unternehmern jederzeit das größte Wohlwollen cutgegeubringt und bei ihnen anfragt, wie z. B. im Bäckerftreik, ob sie fich durch Streikbrecher belästigt fühlen. Hätten wir aber eine ernstliche Wohlfahrtspolizei, die auch nur eine geringe Neigung für vorbeugende Sicherheitsmaß- regeln hätte, wie sie den recht- und schutzlosen Arbeitern täglich und stündlich vorenthalten werden, dann wäre es völlig unmöglich, daß ein armes Ehepaar an einer fluchwürdigen fahrlässigen Fahr stuhlkonstruktion sein Leben verlieren könnte. Vom Spiel in de» Tod. Die Leiche eines ertrunkenen Knaben ist gestern ans dem Schiffahriskanal gelandet worden. Der Tote ist der elfjährige Schüler Otto Weithe aus der Perleberger Straße öS. W. hatte mit anderen Knaben an der Putlitzbrücke gespielt und dabei war er zu nahe an das Ufer des Spandauer Schi'ffahrtskanals hrrangerntcn und die Böschung herunter ins Wasser gestürzt. Od wohl bald Hülfe zur Stelle war, ertrank der Knabe. Schwere Brandwunde» erlitt gestern nachmittag der in der Anilinfabrik am Schlesischen Tor beschäftigte fünfzehn Jahre alte Arbeiter Alfred Frisch. Der junge Mensch hat hier die Aufgabe, Gläser zu reinigen sowie Staub zu wischen. Gestern nachmittag wollte er in einem Regal, in dem unter andcrm eine fünfzehn Kilo schwere Flasche mit Essigsäure stand, frisches Papier legen. Er hob zu diesem Zweck die Flasche heraus und wollte sie auf den Tisch stellen; doch die Flasche entglitt seinen Händen und fiel zur Erde. Die ätzende Flüsstgkeii spritzte de», jungen Menscheu an den Körper und verursachte eine Reihe Brandwunden. Der sofort hinzu. Arzt legte dem Verunglückte einen Notverband an, wörallf seine schaffung erfolgte. Dieses Unglück wäre zu verhüten gewesen, wenn nicht der jstmge Mensch, sondern ein älterer Arbeiter mit dieser Arbeit betraut worden wäre. Die Ebcrthstrasse von der Landsberger Allee bis zur Zorndorfcr Straße wird behufs Legung von Straßenbahngleisen sofort bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Zwei yrSßere Brände riefen die Feuerwehr gestern in der vierten Nachmittagsstunde nach der Trebbin er Straße 7 und nach dem Weinbergsweg 11. An der ersten Stelle stand auf dem dörtigen Eiseuvahnterrain ein Lagerraum fiir Utensilien und ein Wagen mit Pichwolle, Oel und Petroleum ni Flammen. Die Wehr mußte mit drei Schlauchleitungen eingreifen, um das Feuer zu er- sticken. Am Weinbergswcg 11 brannte bei Äiikiinft der Löschzüge der D a ch st u h l des rechten Seitenflügels in großer Ausdehnung. Auch hier bedurft« es längere» Wassergeboiis, um dt« Gefahr zu beseitigen.— Ein zweiter Dachstnhlbrattd, der aber mir einen ge- ringen Umfang erreichte, kam dann in dem Eckhaus« Marsilius- straßeLS— Große Frankfurter Straße zum Ausbruch. In diesen, Falle konnte Brnndtnspektor Leybvld vorsätzliche Brand sttftu n g feststellen. Im Berliner Aquarium ragt aus der bunten Bielgestaltigkeit der marine» Geschöpfe, welche aus den slldeuropälschcn Meeres- gebieten, eintrafen, ganz besonders«in neuer großer Tintenfisch hervor. Es ist ein echter Achtfuß oder Krake(Oetopus), der im unteren Grottengang ein Fclsenbecken für sich angewiesen bekommen hat. Nicht nur die eigentümlich« Gestalt, der sackförmige Leibes- montel, die große» Augen, die mit zwei Reihen Saugnäpfen be- setzten acht starken, schlangenarlig bewegten Arme machen ihn zu einem der merkwürdigsten und anziehendsten Lebewesen, sondern auch und mehr noch einige biologische Eigenheiten. Bon Farbe gewöhnlich grau, kann die Saut infolge des bei ihm mehr als bei anderen Tieren entwickelten Vermögens des FarbivechsclS in äußerster Schnelle alle möglichen Tönungen annehmen, namentlich wenn cr in Zorn und Aufregung rasche, heftig« Atembewegungdi, macht; die im allgemeincii glatte Haut wird im felsigen Versteck runzelig und warzig, so daß sich das Tier ganz dem Felsen, kaum zu umerscheidcn, anähnelt. Häufig genügt ihn, der natürliche Unterschlupf aber nicht, und dann schleppt cr mittels feiner kräf- ti'gen Fangarms Steine von Apfel- bis Rübengröße zusammen, um sie zu einem schützenden Wall oder Steinnest aufzuschichten. Ebenso interessant ist er in seinen Sckstvimm- und Gehbewegungen, ftinex Jagdwcise usw._ Vorort- J�aebriebtem Schöneberg. Stadtverordnetenversammlung. Zu Beginn der Sitzung machte der Vorsteher davon Mitteilung, daß"der Stadtverordnete'Dr. O e st r e i ch(Liberale Fraktion) sein Stadtverordnetenmandat ans Gründen allgemeiner politischer Natur niedergelegt hat. Sodann erfolgte die Einführung und Verpflichtung der neuen Stadträte K a tz und Schüler durch den Oberbürgermeister. Di« rechtsstehende» Fraktionc» waren bei dieser Gelegenheit in der Ver- sammlung nicht vertreten: einzelne Herren, die bereits anwesend waren, hatten demonstrativ den Saal verlassen. Sehr auffallend waren auch die wenige» kühlen BegrüßungSwortc, die der Vorsteher im Namen der �Versammelten"(nicht Versammlung) an bte neuen Stadträte richtete. Der abgeänderten Freibankordnung wurde ohne Debatte zugestimmt, ebenso wurden die Mittel zur Prüfung der Siegfried- und Fricdenauer Brücke bewilligt. Der Borlage des Magistrats betr. Beteiligung an dem Preis- ausschreiben zwecks Erlangung eines Bebau ungöplancs für Groß-Berlin wird zugestimmt. Die nach dem KostenverteilungS- plane erforderlichen Mittel tn der Höhe von 10 000 M. werden bewilligt. Die Vorlage betr. Genehmigung des Neubaues eines SanitätS- gebäudcs auf dem Hofe der Hauptfcucrwache wird zunächst einem Ausschuß überwiesen. Die Versammlung beschäftigte sich darauf mit der Wahl von zwei Mitgliedern in die S ch u l d e p u t a t i o n. An Stelle des zum Stadtrat gewählten Herrn Schüler wird der Stadtv. M c r r e (Unabh, Vereinig.) gewählt. Für den nichtbestättgten Stadtv. Molkenbuhr wird seitens der sozialdemokratischen Fraktton wiederum unser Genosse Molkenbuhr vorgeschlagen. Hiergegen ivurde von der rechten Seite Einspruch erhoben. In ntchtöffentlichcr Sitzung wurde sodann beschlossen, die Angelegenheit nochmals den? Wahlausschuß zu überweisen._____ Charlottenburg. Ein Bauunfall ereignete sich gestern in der Windscheidstraße 3. Von de», dortigen Neubau siel den, Maurerlehrlmg Mittel ein Mauerstein ins Kreuz, so daß er schwerverletzt nach der Unfallstatton gebracht werden mußte. Bereits am Freitag mittag ereignete sich auf diesem Neubau ein tödlicher Unfall. Steglitz. Ein vedanerlichcr Borfall hat sich auf dem Gelände der Metzschcii Gärtnerei in der Schloßstraßc zugetragen. Das drei- silbrige Töchterchen des Obergärtners Wittmer hatte mit dem Bruder in den Anlagen der Gärtnerei gespielt. Im Trcibbausc vergnügten sich dann die beiden Kinder damit, in einem großen Goldfisch- bassin nach den Fischen zu greifen. Das Mädchen verlor dabei das Gleichgewicht und stürzte in das Bassin, Bevor Hülfe herbei- gerufen werden konnte, hatte die Kleine den Tod im Wasser gefunden. Johannisthal. Die BcrsamiiiliingZlciter der vom Wahlverein der Liberalen zu Köpenick in Johannisthal einberufenen öffentlichen Versammlung ersuckien uns mitzuteilen, daß der Referent nicht gesagt habe, es sei den Polen ganz recht, wenn ihnen die Anwendung der polnischen Sprache in Versammlungen nach den Bestimmungen des§ 7 des Gesetzes verboten wird. Bielmehr habe derselbe in seinem Schluß- wort den tz 7 als ein Ausnahmegesetz bezeichnet, das den Grundsatz „Gleiches Recht für alle" schwer verletze. Wen» sich der Referent, wie hier angegeben, geäußert hat, so ist allerdings schwer verständ- ltch, weshalb sich unter den in großer Anzahl anwesenden Genosseii eine Entrüstung über die Ausführungen des Redners bemerkbar machte; denn damit hätte derselbe ja nichts anderes gesagt, als was die Sozialdemokratie den Freisinnigen— den Parteigenossen des Referenten gegenüber— betont hat. Trebbin(Kreis Teltow). In einer von 350 Personen besuchten öffentlichen Versammlung referierte am Sonntag in: Schützcnhause Genosse Fritz Zubeil. Redner machte es sich hauptsächlich zur Aufgabe, die Verräb der Freisinnigen zu keniizeichnen. � Verrätereieu _ I„. Gelegenheit hierzu bot ihm hin» länglich das am 15. Mai in Kraft tretende, von den fteistimigen Blocklumpanen mit beschlossene ReichsvereinSgesetz. Zum Schluß seines mit großem Beifall aufaenommoi,en Vortrages forderte Redner die anwesende» Frauen aus, nun auch bald von dem Recht, sich der politische» Organisation anzuschließen, regen Gebrauch zumachen. Sodann gab der Vorsitzende bekannt, daß der Magistrat den Antrag des Gewcrkschastskartells, völlig unbemittelt Zugereisten mindesteiiL 30 Pf. anstatt der jetzt üblichen 10 Pf. zu gewähren, mit der Motivierung abgelehnt habe, daß ihm bei der Gewährung von 30 Pf. zu viel auf den Hals gelaufen kämen. An eine gebührende Kenn- zeichuung dieser so eigenartig begründeten Ablehnung deS Magistrats ließ eS der Vorsitzende natürlich« nicht fehlen. BeeSkotv. Ein fölgenschwerrr Zusainnienstok zwischen zwei Güterzügen hat vorgestern bei der hiesigen Station stattaefunden. Ein von Bccskow abgefahrener Güterzug stieß mit einem zum Abladen bereit «che, iden Zug zusammen. Der Anprall erfolgte mit solcher Gewalt. daß mehrere Waggons stark besckiädiat wurden. Ei» Arbeiter, der mit dem Abladen von Kohlen beschäftigt gewesen war, lonrde auf die Gleise gelvorfe» und er mußte schwerverletzt nach dem Kranken« haus gebracht werden. Der Zusammenstoß erfolgte angeblich infolge ■alscher Weicheustclluug. Nieder-Tchönhaufen. Ein tätiger Genosse, der Arbeiter Max Kaulfuß, lst am Vergangenen Freitag freiwillig aus dem Leben geschieden. Die Be- erdignng findet am Donnerstag, den 1«. April, nachmittags ö Uhr. auf dein Nicder-Schönhausener Kirchhof, Auchholzerstraße, statt. Die Genossen werden um recht rege Beteiligung gebeten. MahlSdorf a. d. Ostbahn. In der Mitgliederversammlung des Wahlverekus referierte Genosse O. Fraukc-Rixdorf über:„Acrfassungskämpfe in Preußen". — Der Vortragende ning nach einem historische» Rückblick auf die Ursachen der«er Volkserhebung ein und zeigte hierauf, wie durch den Wortbruch der Regierung und die würdelose Haltung des Bürgertums die der Reakttou abgerungene» Freiheiteii t» kurzer Zeit wieder verloren gingen. Es sei gerade jetzt, angesichts der de- vorstehenden Landtagswahlcn, notwendig, Protest zu erheben gegen das schreiende Wahlunrccht. und zwar durch Ttimmcnabgabc für die öztaldcinokrattschcn Kandidaten.— Eine Diskussion über den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag wurde der vorgerückten Zeit wegen avgelchnt.— Hierauf sprach Genosse Weihrauch tibcr das Ergebnis und dt« hleraüs zu ziehenden Lehren der letzten Gr- msindeverttttettvahlen. Po» 430 eingeschritrbenen Wählern der dritten Klasse haben nur 176 gestimmt, und zwar 128 sozialdemo- kramsch, 48 liberal. Unter den von der Wahl Acrngevlievenen bc- finden sich IM Arbeiter, darunter allein 12 Maurer; diese gelte cä.'mnt, über ihre lalassenlage aufzuklären, damit sie bei den Land- tagöwahlen da» Versäumte Ivicdcr nachbalcn. Weiter wurden die in der zweiten Klasse wählenden Geschäftsleute, welche sonst die Arbeitergroschcn gern annehmen, aber bei der Wahl unter nichtigen Ausreden fernblieben oder gegen uns stimmten, der besonderen Bc» rücksichtigung der Genossen cnipfohlen.— Zur Maifeier wurde bc- schloffen, am Vormittag in KaulSdorf eine Versammlung und Nach- mittag in Mahlsdorf eine Feier zu veranstalten, zu der Eintritts. karten a 25 Pf. ausgegeben werden. Tie feiernden gewerkschaftlich organisierten Genossen können vormittags S Uhr bei Schliefe als Ausweis ihren Organisationen gegenüber, eine Abstempelung er- halten. Zum Schluß teilte Genosse Scheibe mit. daß der Vorstand sich habe entschließen müssen, die Spedition des„Vorwärts" nach Kaulsdorf mit dem 1. Mai cinzustellep, da die besonderen Umstände die Lieferung dermaßen verteuern, daß jedes Exemplar einen Zu- schütz von 30 Pf. pro Monat erfordert. Französisch-Buchholz. Mit den bevorstehenden LaiiMagSwahlen beschäftigte sich die letzte Mitgliederversammlung des ÜSahlvereinZ. Nach eingehenden Erläuterungen über die Wahltechnik wurde ein Komitee von fünf Per- sone» gewählt und die Genossen ersucht, sich demselben bereitwilligst zur Wahlarbeit zur Verfügung zu stellen. Ferner wurde darauf hingewiesen, daß am 1. Mai im Lokale von Kähne vormittags 10 Uhr eine Versammlung und nachmittags eine festliche Veranstaltnng stattfindet. Die Genoffen werden ersucht, für einen würdigen Verlauf des Feste» zu agitieren. Spandau. In der letzten Generalversammlung des Wahlvereins gab Genosse Schuster den Kassenbericht. Derselbe iveist für die Zeit vom 27. Dezember 1007 bis 23. März 1308 eine Einnahme von 773,03 M. und eine ebenso hohe Ausgabe, darunter 158,59 M, die an den Kreis abgeliefert wurden, auf. Genosse Hornig bemängelt die Drittelung von 75,30 M., welcher Betrag für örtliche Zwecke bezw. zur Deckung von örtlichen Unlosien aufgebracht worden sei. Hierauf referierte Genosse Scior iiber die„Erhöhung der Beiträge". Er empfahl die Annahme des Antrages deS ÄreisvorftandeS au Einführung von Wochenbeiträgen pro Woche 10 Pf. Wenn dieser auch auf der Tagesordnung der KrciSkonferenz stehende Antrag an- genommen werde, fei die Möglichkeit gegeben, einen Parteibeamten für den Kreis, mit dem Sitz in Spandau, anzustellen. Sämtliche Redner sprachen sich für den Antrag ans, worauf derselbe einstimmige Annahme fand. Als Delegierte zur KrciSkonferenz wurden gewählt die Genoffen Schubert, Piewr und Richter. Genosse Pieser gab bekannt, daß der in der vorletzten Versammlung beschlossene AuSschlutzantrag gegen den Genossen Marzillger nicht aufrecht erhalten werden könne, da die Sache auf falscher In- fonnation beruhe. Hierauf entspann sich eine scharfe Debatte Lbir die Aufnahme des bisherigen in Pichelsdorf gelegenen Sieinsbergfchen Lokals in die Lokalliste. Es wurde angrsührr, daß der jetzige In Haber, Genoffe Rupprecht, einen Kontrakt eingegangen fei, dein zufolge er das Lokal der Partei zu BersammlungSzweckcn nicht zur Verfügung stellen darf. Der Vorstand sowohl wie die örtliche Lokal- kommisston erklärten, daß sie in bezug auf die Freigabe des Lokals weder gefragt, noch irgendwie informiert worden seien, und daß die Frei- gäbe einzig und allein durch den GenossenLinz geschehen ist. Sin Antrag, daß daS in der Lokalliste als frei bezeichnete Lokal sofort wieder gestrichen respektive die Freigabe durch die Berliner Lokalkommission im„Vorwärt»" widerrufen werde, wurde mit allen gegen zwei Stimmen angenommen. Des weiteren wurden die Delegierten zur .KreiSkonferenz beauftragt, zu beantragen, daß der Punkt„Lokal- frage" auf die Tagesordnung der Kreiskonferenz kommt und als einer der ersten verhandelt wird. An Stelle des Genossen Siebert lvurde der Genosse Paul Glomm zum Schriftführer gewählt. Potsdam. Tie letzte Sladtverirbnetenvtrsammlung bewilligte 750 Mk. für den bevorstehenden Besuch französischer Studenten und Professoren, die gelegentlich der Anwesenheit in Berlin auch Potsdam befichtigen wollen.— Für eine Hebamme, die in der Brandenburger Vor stadt Wohnung nehmen soll, werden 300 Mk. Unterstützung be willigt. Durch den Mangel einer derartigen Helferin in dortiger Gegend soll übrige«# vor einigen Tagen ein Kind erstickt sein. Die Wahl von 5 Stadträten, deren Amtöperiode im September abläuft, »ud für einen verstorbenen Stadtrat und ProvinziallandtagS abgeordneten soll in der Sitzung nach Ostern stattfinden. Unter höchst eigenartigen Umständen hat sich hier ein Wechsel in den Dezernaten der unbesoldeten Stadträte vollzogen. Ter Tezenrent für die Straßenbahn, ein Kgl. Oberingcnieur a. T., der anerkannt tüchtig bei dem Umbau der Pferdebahn in den elektrischen Betrieb mitgewirkt hatte, hoffte ittzt nach Beendigung dieser Ar- bciten eine Art Gratifikation als sogenannte Bouprämie von der Stadt zu erhalten. Er hatte für dies Erhoffte, wofür man wohl mit Recht im Magistralskollegium kein Verständnis zeigte, auch schon eine Verwendung in Aussicht. Nicht zum persönlichen Vor- teil sollte es ctiva Verwendung finden, sondern er wollte wohl- tätig fem. Zum Grundstock eines PensionSfonds für die Angestellten der Straßenbahn War es bestimmt. Nachdem nun diese Pläne zu Wasser geivorden sind, kann der Herr Stadtrat dieses Dezernat— angeblich wegen zu großer Vcrantlvortlichkeit— nicht mehr ausführen, sondern wird in Zukunft die BcleuchtungS- und Waffer» bersorgnngsabteilung übernehmen. Hoffentlich wird man aber in Zukunft städtischerseitS für PensionSeinrichtungen oder Rulie- gehälter für die Straßenbahnangcstcllten sorgen, wie solch« z. 8J. bei der Feuerwehr und den städtischen Arbeitern bereits bestehen. Die Wahlvereinsverfammlung beschäftigte sich vor allem mit der für den Kreis notwendigen Erhöhung der Beiträge. ES Wurde gegen eine starke Minderheit beschlossen, die Delegierten Waak, Stoos und Krakau zu bcauktragen, für den wöchentlichen Beitrag von t0 Pf.(bisher immatlich 20 Pf.) auf der Generalversammlung zu stimmen, da man sich nur durch eine Erhöhüng eine von allen Mitgliedern gewünschte bessere Bearbeitung des Kreises vcr- sprechen' kann.— Die Maifeier soll in der bisher üblichen Weise gefeiert werden. Ein(Jmgehen aus den vom Parteivorstaich und der Generaltomnilssitzn gemachten Vorschlag wurde avgelehnt. Mit dem 22. April wird ein VortragSzhkluS. umfassend vier Abende, vorn Bildungsausschuß abgehalten werden. Vortragender ist Genoffe I. Borchardt und Thema:„Die Geschichte der politischen Parteien Teutschlands". Zum Schluß wählte die Versammlung den Ge- Nossen Stöwesandt zum Schriftführer und den Genossen Schiot zum Revisor._______ Gerichts-Leitung. Der Kampf um das Versammlungsrecht bildete den Hintergrund einer Anklage gegen den Gastwirt Braach in Siegen wegen Beleidigung des Polizeiwachtineisters Müller. In erster Instanz ist Braach zu 20 M. Geldstrafe verurteilt worden. Die Verhandlung vor dem Landgericht, die zu demselben Er- gebnis führte, zeigte so recht, warum einzelne Gastwirte in bc- scndcrs liebreicher Weise von feiten der Polizei behandelt werden. Fn seinen einleitenden Ausführungen sagte der Angeklagte, daß er früher immer gut mit der Polizei ausgekommen sei. Seit dem Fahre 1905 aber bestehe eine Spannung mit der Polizei. Eines Tages wurde er zur Polizei beschieden, wo der Herr Polizeiinspektor Hoch zu ihm sagte:„Was machen Sie denn nun, Sie habe» ja d i e HochburgderSossialdemokratieinJhremHaus c." „Davon ist mir nichts bekannt," erwiderte Braach,„wenn da einige Leute verkehren, so haben sich diese stets anständig betragen!" Braach bat den Inspektor, ihm einige Zeit zu lassen. Darauf wollte sich derselbe aber nicht einlassen, fom dorn sagte;„N ein, der Erste, der kommt, dem verweisen Sic das Lokal!"— An dem betreffenden Tage, wo der Auftritt mit dem Wachtmeister Müller war, war eine Maurerversammlung. Vorsitzender:„War das eine sozial- d e m o k r a t i s ch c M a u r e r v c r s a m m l n n g?" Angeklagter: „Das war eine Versammlung von den freien Gewerkschaften, eine sozialdemokratische Versammlung war bei mir noch nicht gewesen. Ich wurde wegen allen möglichen Sachen bestraft. Dem Poltzeibcamtcn Michel wurde eine Strafanzeige gegen mich vorgelegt, derselbe weigerte sich jedoch diese zu unterschreiben, Dem Polizeibeamten Michel wurde eine Strafanzeige gegen mich vorgelegt, derselbe loeigerte sich jedoch diese zu unterschreiben, weil eine llebcrtretung der Polizei stunde von mirgarnicht vorlag.— An dem Tage des Austritts mit Müller schlug derselbe die Türe zu, wie es in meinem Hause noch nicht vorgekommen ist. Ich sagte: Betragen Sie sich anständig in meinem Hause, worauf Müller sagte: Wenn ich in Ihrem Hause bin, dann bin ich Herr Im Hause, ich tue es nur der Versammlung zu Liebe, sonst würde ich Sie herausbringen. In das Versammlungslokal ging ich dann nach Müller hinein, indem ich sagte: Wen» Sie eine Versammlung überwachen, erscheinen Sie un� vorschriftsmäßigen Dienstanzug. Darauf sagte Miller: Stecken Sie erst mal die Laterne über der Haustür an, und ich werde Sie schon kriegen. Ich sagte: Man kann mir vom Rachaus jeden Beamten schicken, nur Sic.nicht." Die weitere Vernehmung des Angeklagten ergibt, daß über sein Lokal der Militärboykott verhängt wurde. Zeuge Schutzmann Gärtner erklärt auf Befragen, daß früher einmal vor Braach gelvarnt worden ist. Auf eine Frage des Angeklagten, ob Wacht- mcister Müller den Beamte» gesagt hat:„Wenn Sie einen scharf nehmen wollen, dann treten Sic ihn auf die Füße, dann fällt der Mann auf Sic und Sic können ruhig daruf schlagen. Vor Gericht können Sie dann ruhig schivören, daß Sie angefallen sind." Zeuge:„Eines Nachmittags war in Siegen etwas vorgefallen, da ist dieses von Herrn Wachtmeister gesagt worden, das hätte man im Kohlenrevier so gemacht." Zeuge wiederholt auf Befragen die Worte.„Wie wir von der Wache fortginge», sagte darnach ein Kollege, das sollte mir einfallen, das) ich eine» falsche» Eid leiste." Zeuge Maurer Berns hausen erklärt nach Schilderung des Vorganges am Abend der Versammlung, daß ihm bei seiner Polizei- lichen Vernehmung in der Sache auf dem Bureau ein fertiges Protokoll vorgelegt wurde. Nach Durchlesen desselben habe er sich geweigert, es zu unterschreiben. Erst daraufhm sei ein neues Protokoll angefertigt worden. Mehrere andere Zeugen haben Schunpsworte des Wachtmeisters Müller gehört. Zeuge Polizeiinspektor Hoch bestreitet zwar die Unterredung des An- geklagten mit ihm, gibt aber zu, daß ihm gesagt worden sei, er müsse wissen, w a s e r z u t u n habe. Der beleidigte Wachtmeister Müller erklärt in seiner eidlichen Aussage unter anderem:„In Siegen iMben die freien Gewerkschaften Fuß zu fassen versucht, und ist nachgeforscht worden, ob Bersaminlnngc» stattfinden, die nicht nngcuieldct waren. Von feite» der Führer der christlichen Gewerkschaften sei mitgeteilt worden, das« in meh- reren Wirtschaften sozialdemokratische Versammlungen stattfinden. darauf habe ich die Beamten angewiesen, solche Versammlungen zur Anzeige zu bringen. DaS Urteil lautete, wie oben schon mitgeteilt, wiederum auf 20 M. Geldstrafe wegen Beleidigung. Geradezu empörend ist die beschworene Tatsache, daß die Führer der christlichen Geivcrksch asten der Po- lizei Denunzianten dienst« geleistet haben, um das Auf- kommen der freien Gewerkschaften im Orte zu verhindern. Hier zeigt es sich, wie weit der von Unternehmern und Pfaffen geschürte Haß die„christlichen" Arbeiter treibt. Wie Schiffsjungen behandelt«erden. Am Montagnachmittag hatte sich vor der Strafkammer H de? Landgerichts Hamburg der Kapitän deS großen Segelschiffes „Dorado", Peter Nikolai Jensen, wegen Ueberschreitung der Disziplinargewalt und gefährlicher Körperverlctznng zu veranlworten. Auf der Reife von Hamburg nach Chile hat er wiederholt die beiden Schiffsjungen mit einem Tauende, einer Klopfpeitsche und einein Koffernagel über Kopf und Rücken geschlagen, so daß die Miß- bandelten am ganzen Körper» zerschunden waren. Ans der Rückreise trieb er ti noch ärger, indem er dem einen Jungen F u ß t r i t t e g e g c n den Kopf versetzte. Der Junge hat auf dem einen Ohr das Gehör beinahe ganz verloren. In Hamburg angelangt, wurde der Schiffsgewaltigc t» Haft genommen, aber bald darauf gegen eine Kaution von 3000 M. auf freien Fuß gesetzt. Der brutale Kapitän will fort- gesetzt Äcrger mit seinen Offizieren gehabt haben, die eine große Unordnung hätten einreißen lassen. Die Verhandlung entrollt ein geradezu empörende? Bild, so daß der Staat?anwakt eine GefSngni?- firafe von einem Jahre beantragte. DaS Gericht erkannte auf neun Monate Gefängnis und sofortige Verhaftung. Be- gründend wurde ausgeführt, wie die Seeleute unterer Chargen bei DiSziplinarwidrigkeite» scharf bestraft würden, müßten sie auf der anderen Seite auch durch scharfe Strafen vor Ucberschreitungen der Kommandogewalt vonseiten der Schiffsleitnng geschützt werden. DaS Gericht nahm an, daß der brutale Kapitän sich in mindestens neun Fällen in schwerer Weise vergangen hat. Jngwerbier brausicucrpflichtig? Vom Landgericht F l evasserstandS. Stachrichte» der LlMdeSanitalt für Keivälscrkimde, mitgeteilt vom Berliner Wettcrbureau. Wasserstand Memel, Tilsit Bregcl, Jnstervurg Weichsel, Tborn Oder. Ratlbor , Krassen , granksurt Warthe, Schlimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Lcilmcritz , Dresden . Barby » Magdeburg am 13.« am 571-) 309 289 279 2t4 297 112 ,38 89 124 45 371 321 seit 12.4. cm') —3 —16 —6 —37 +5 +2 0 -2 —19 —10 -8 0 +3 Wasserstand Saal«, Kroch lltz Havel, Spandau') , Ziathcnow') Spree, Sprembcrg') , Bccskvio Weser, Münden » Minden Rhein, MarlmilianSan . Kaub Köln Neckar, Heilbronn M a i ii, Wrrthclm Mosel, Trier am |13. 4. cm 256 137 177 120 165 89 168 442 275 324 145 218 seit 12. 4. em')' —20 +7 —1 +21 -1 -II —10 -*3 — 7 —3 -12 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall,—-) Unlerpeget—•) heute um 6 Uhr morgens 567 om. Deutsche Dampmseherei- Gesellschaft„NORDSEE", Hauptgeschäft: C. 2 Toi. Amt in«, Bahnhof Börse Bog. 8/10. No. 8804. Achten Sie genau auf unsere volle Firma t Am Wir empfehlon besonders: WZ"« d in diesettl Auf Jeden Tisch—ff £% 1 1 1 1 CCllJfe}• wie in jedem Jahr|gill Qcrictlt PlSCh®• Gr. Sehellfisch"."132?.». Cabliau 25 Pf!C. Seeiachs 25 Alle übrigen Sorten Seefische zu den billigsten Tagespreisen! im ÄnBChnitt pro Pkd. 40 Pfg. Kochon Sie Schellfisch 15 Minuten in SaliwaBser, gebe» Sie daau Soufbauce, Senfbutter oder braune Butter i Vcrkaaffeatetlcn: im ADschnltt im Ansohnitt Seelisch- Kochbücher iratls I Schneiden Sic Cabliau in Scheiben, salzen Sie, panieren Sie mit Ei und geriobenor Setumol, braten Sie in Fett! Seefisch- Kochbücher gratis! Seolaohu wird zubereitet wie Cabliau und Buhellflsch, schmeckt auch besonders gut in Bier gekocht 1 Vcrkanfggf eilen: VcrknnfVistullcii 1 Tegel. Treskowstr. B. Schlieporstri 114. u i itr. 1 14. I Pfg. Räucherfische, Marinaden, aus eigener Räuchere) und Marinioranstalt zu den billigsten Tagespreisen! Son der Reise jnrfl« 14348 S<'rancnarzt Dr. E. M. Simons Kouigsberger Strafte 25. Orts- Krankenkasse für den Gelvtrbebttrikbd.Kalljlknte, Haudklsleute u. Apothfker. Donnerstag, den ZV. April. abends 8'/« Uhr: Ordenfl. General•Versammlüng tu Meiers(fr. Fraukes) Festsälen. Sebastianstr. SS. Tagesordnung I. Abnahme der JahreSrechmmg pro 1307 und Bericht der Re- viforen. L. Antrag de! Vorstandes wegen ülbändcrung deS Kaffenstatuts. 8. Wahl eines Vorstandsmitgliedes aus den Reihen der Arbeitgeber bis Ende 1908. 1424b Der Vorstand. 8t. Nürnberg. Vorsitzender. Jonas Stahl, Schristsührer. Orts- Krankenkasse der Graveure»fw. zu Berlin. Freitag, den 24. April 1908, abends 7 Uhr, im„Dresdener«»arten", Dresdener Straße 4b: tarAl-Verssmmhmg. Tagesordnung: 1. Geschäftsberichte a) deS Vorsitzenden, b) des Rendanten, c) der Revisoren. 2. Verschiedenes. Die Herren Delegierten werden ersuchl, pünlUich und vollzählig zu erscheinen. 272, l8 Der Borstand. ZeiitriillimMliffe der Maurer (Zahlstelle Weiftensee). Donnerstag, den 10. April 1308, abend Z 8 Uhr: 272,13 Bersammlnng. Abrechnung vom ersten Quartal. Stichwahl zur Eeneral-Verfammlung. li&J Montiplalz...., FWÄ imlheatenaal TäCJllCra» Ulbert Böhme i Das brillante April-Programm. 1 11. a.: Lina Golft, Artur Wolff, •XU, Beudtx, Alexander Bros. NoranaS Ttsterö. ! Ansang 8 Uhr. SonMagS 7 Uhr. ! Enlree 60 Pf. Sonnt, reserv. I M. 1 Parl.0,7b, Entree 50Ps., in d. Woche Familienbillctts S St. 2 M. Im unteren Konzertsaal: Täglich: Konzert._ Up. Simmel Spezial-Arzt für Haut* und Harnleiden. PriDzenstr.4I,„-icr?Ä, 10— 2, 5— 7. Sormta�s 10— 12, 2—4. Gardinen- Haus Leopold Brascb Kommandantenstraße 17. Verkauf der renommierten Vog!!snlli8eden Jabrikate. GarilifieD d. Stores. Portiereo, Decken, lepplebB zu den denkbar billigsten Preisen. Bei Resten von l bis 3 Fenster bedeutende Preisermäßigung.[24002* Gustav Lindenhayn, Bastviirtscbaft. IStÄ Rprmail Friedrich- Str. L. (II Ulla»!, 5 Minuten vom Bahnhos. Groller Garten. Vereinszimmer. Fremdenlocis. 26612* Vorzügliche Speisen und Gelranke in g rBBier Auswahl zu soliden Preisen. � Wir verkaufen jetzt«och billigst □ �4 Mark«, in Petershagen, Osibahn, LZk 8 Mark-m Seegefeld, am Lahnhos, CIIR Mb Mark an Hohen- Reueudorf, Nordbahn, [□k Hk Mark Kaulsdorf, am Bahnhof, LUk Hb Mark Bahnhof Sadowa. Biesdorf- KanlSdorf-Süd, lU k SO Mark an Biesdorf, Stadtbahn, a. Bahnhof. Perlaussstell. a. d. Bahnhöfen. »jescbslke& Nilsehe Berlin, Neue Könlgstr. 16. Ihr Gewicht wert in Gold« trotzdem Mml Meder-Schonmeide. MSüiai Allen Parleigenosfen, SangeSbrüdern, Freundm und Bekannten zur Nachricht, daß ich das 27032* Weißs und BayerischsBierlokal Grünauer Strafte 5. direkt am Bahnhof, Tel. Nr. 21, übernommen habe. r Herrlicher Naturgarten.— Familien können Kaffee kochen. � Für gute Speisen und Getränke ist besten« gesorgt. Um geneigten Zuspruch bittet Otto Venmann früher Berlin O., Fürstenwalder Straße 17. I I: Im groBen Saale des Gewerkschaftshauses« am Enselnfer 15. spricht am Donnerstag, 16. April, abends SVi Uhr: e. über: isHi Katni Ziehung; 29. April 1908 Bis zu diesem Termin c I n z t g e Lose a Mk. 1.— Frankfurter Lose = p. stttcknk. i.—= 11 St. M. 10.-, 22 SL Mk. 20.- 23„„ 25.— Porto u. Liste 30 Pf. gegen Voreinsendung des Betrages p. Postanweisung oder Marken, Coupons, auch unter Nachn. versendet die «Hicks-Kollckte iir-Ui Frankfurt a. M-, Große Bockenheimerstraße 6. 1387b* 1 ele Aussprache.— Eintritt frei.— Gäste willkommen. 1 Erfinder! Patente billigst, ev. Finanzierung. Ratenzahlung geiiattet. 1235b* Patentbureau l.indner& Co., Berlin, Großbeercnstraße 25. Sonntags 12— 1. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Hiermit diene den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser lang- jähriges Mitglied, der Arbeiter (A. E. G.) Max Kanlfnß am 10. d. M. im Alter von 33 Jahren plötzlich gestorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 16. d. M., nach- mittags i'l, Uhr, von der Leichen- halle des Gcmcinde-Friedhoses in Nieder-Schönhausen, Buchholzer- straße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 68/11 Die Verwaltung II. Für die liebevolle Beteiligung und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung unserer lieben Tochter, Schwester und Braut Ell«« Eck sagen wir allen Beteiligten unseren herzlichsten Dank. 1441b Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. die vielen Beweise der herz» lichen Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Nestau- ratcurs Wilhelm Kenmann, sagen wir allen Verwandten und Bekannten, den Kolonisten der Pflaumenkolonic, sowie dem Gesang- verein.Flölcrscher Männerchor" unseren herzlichsten Dank. 27442 Witwe llathllde Kenmann nebst Söhnen. Danksagnng. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, dem Verein der Droschken- führcr Berlins, den Kollegen vom Fuhrhof Dick und von der Eichendorff- straße, sowie allen anderen Kollegen sage ich hierdurch für die vielen Bc- weise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, deS Droschenführers Otto()usppe meinen herzlichsten Dank. ilnjrnste Qnappe 14426 nebst Tochter. Danksagung. Für die rege Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters sagen wir allen Verwandten, Bekannten und Verewen unseren herzlichsten Dank. tlsls Hsickaus nebst Kindern. Nur 3 Tage!!! M9ÄnciVh ia vis Ostern soll null mul! mein used bobeu Tausenden-Sbienckes i-aser >mrensir3Tai» einfachster, mittlerer hochfeinster Konfektion 9!eu! Wichtig für olle pp. Verwaltungen »ob Krankenkassen. GewerkschaftSverbindeu, Bereine re. re. DaS Problem ist endlich gelöst! find durch das Kaiserliche Patentamt Berlin als D. R. G. M. Nr. 105569 auf 10 Jahre geschützt.[27312* Nach langjährigem Bemühen ist e» mir gelungen, jetzt OutttungSmarten herzustellen, die zum zweiten Male nicht wieder verwertet werden können, auch können meine Patent- marken nach meinem neuen System von keiner Konkurrenz nachgemacht werden I Verlangen Sie meinen ausführlichen Prospekt Hochachtungsvoll denn Holze, in Finna; Jeatl Holze& Co., Hamburg, Besenbinderbof Nr. 70 neben dem ClewerkschaftshanH, Hamburg. Unserem allen treuen Genosse» Nermenn Wandrey zu seinem 70 jährigen Geburtstag ein dreimal donnerndes Hoch k Die Cienossen 14326 der 24. Abteilung. Todes-Anzeige. Am Donnerstag, den 3. April, verstarb plötzlich im Alter von 47 Jahren mein lieber guter Mann, unser lieber treusorgender Vater, Bruder, Schwager und Onkel, der Töpfer 1444b Wilhelm Lösch. Die? zeigt ticfbetrübt allen Ver- wandten. Freunden und Bekannten hiermit an Emilie L-Uscb nebft Jlinbem. Die Beerdigung findet am 16. April, nachmillags 43/4 Uhr, vom Trauerhausc,'Adolsstr. 6, aus nach dem städtischen Friedhos, Müllerstraße, Ecke Seestraße, statt. i Sozialdemokratiseber Wablvereiti i für den 8. Berllaer Reichstags-Wahlkreis. Todes-Anzeigen. Am 9. April verstarb unser Mitglied, der Töpser Wilhelm Losch Adolsstr. 6. 226/12 Ehre feinem Andenken k Die Beerdigung findet am 16. April, nachmittags 4'/, Uhr, vom Trauerhause Adolsstr. 6 aus nach dem Charits. Friedhos, Müller» Ecke Seestraße statL Am 9. April verstarb unser Mit- glied, der Arbeiter Movsins Krüger Stromstr. 37. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 15. April, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des HeilandskirchhofeS in Plötzensee au« statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Zentralverband der Töpter Deutschlands. Filiale Berlin. Todes-Anzeige. Am Donnerstag, den 3. April, schied der Kollege und Revisor der FUiale Berlin Wilhelm Losch freiwillig aus dem Leben. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 16. Zlpril, nach- mittags i'l, Uhr, vom Trauer- Hause, Adolsstr. 6, aus nach dem alten Charits- Kirchhos in der Müllerstraße, Ecke Seestraße, statt. Zahlreiche Beteiligung wünscht 132/8 Der Borstand. bostobonck ans Pitt, bonos, Umt UM Blusen. Röcken. Min. Jatt.! selbst für allerstärkste Figuren vorrätig, darunter zirka 1200 Original-JRodelle, ftsisemuster Kopien' in 6 Seiien 1 1 2 bisher bis M.ISV.I bis M. 26.- heato M. t'/.l M. VI, bis M. 39.- bis M. 65.— M. 18.- M. 98.—| M. 140.— usw. 1 M. 32'/, 1 M. 46.— m. i2.- 1 m bis II 350.— jetzt nur M. 100 verkauft werden. ca. 1000 Uebergangsmantel, m6�- jetzt nur M. 8.- pr. Stock Anss'Xm! Um die Räumung schnellstens zu bewirken, gebe ich bei Einkauf von M. 20— an ein gefüttertes Kammgarn-Frühjahrs-Jackett gratis! BegTrauer-MaeaZin Man haaDroa dio Einkäufe In meinen fi.ni.e Beachtung der Geschäften möglichst»ormiltags, firma und Hausnummer legt m B. fl h»» inrtr.n,... •inenen Interesse I Auswahl& PVeiSC 1 da nachmittags der Andrang zu eigenen imeresse.>__>_______|(tark ist, Eckhaus gÄ ßerliD ff., Mobrenstr. 81a, Ko..nn.den, ---■-■*■" 2. Haus an der Andreasstraße. ,°°d Große Frankfurterstr. IIS. Deutscher Metallarbeiter-Verbandl Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachrtcht, haß I unser Mitglied, der Metallarbeiter| Aloysius Krüger am 9. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung finde! heute I Mittwoch, den 15. April, nach«! mittags 4 Uhr, von der Leichen-! Halle des Heiland- Kirchhofes w I Plötzensee au« statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Zentral-Verband der Zimtnerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin u. Umgegend. (Bezirk 16.) Den B-rujSgcnossen zur Nach- richt, daß unser Mitglich Vildelm Nödiel am 13. d. M. verstorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. Slpnl, nachmittags 2 Uhr, von der BieSdorser Leichen- halle auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 254/6 De» Vorstand. Sonntagabend I schlief sanft IC/, Uhr ent- und unerwartet am Herzschlag meine inniggeliebte Frau, unsere gute Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Kmllie Wendschlag geb. Wagner im 52. Lebensjahre. 14336 Die Beerdigung findet Donners- tag, den 16. April, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhauj« War- schauer Straße 22, nach dem Georgen- Friedhos, Landsberger Allce statt. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Neri Wendschlag. verantwortlichea Redaltrur:&tna Daaidfoho, Berlin. Kür denJnseratenteil verantw.i Th. Glocke, Berlin. Druck u.Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& So« Berlin SW» Dr. 90. 25. Jahrgang. 3. Knlm ii» JütBärtä" ßnlintr Poltelilnll. Mittwoch. 15. April 1908. Huö der frauenbewegung. Frauen-Wahlverein. Außer von den bereits bekannt gegebenen Geziossinncn kvcrden in Berlin noch Anmeldungen zum Frauen-Wahlverein entgegen genomnien: Frau Förster, Stralauer Allee 17, HI. Frau Kohler, Schreiner-Straße 66, v. II. Anmeldestellen für Niederbarnim sind folgende: Lichtenberg bei Frau Lieberinann, Gürtelstr. 2, IV. Weißens« bei Frau Kahl. Friedrichsir. 3, H. I. Rummelsburg bei Frau Zickert, Neue-Prinz-Alvert-Straste 14, I. Tegel und Borsigwalde bei Frau Kienast, Borsigwalde, Räuschstr. 16. Wilhelmsruh bei Frau Ziihlke, Linden-Allee 22, 1. Rcinickeirdorf-Lst bei Frau Albetzki, Winterstr. 36. Reinickcndorf-Wcst bei Frau Grothe, Eichbornstr. 70. Pankow-Nieder- Schönhauscn bei Frau Stiller, Pankow, Binzstr. 8, Ouergeb. II. Erkner bei Frau Uliczka, Friedrichstr. 21. Friedrichshagcn bei Frau Lindenberg, Friedrichstr. 8, I. Ranlsdorf und Mnhledorf bei Frau Buchmann, Kaulsdorf, Hönower- strahe 1. Larlshorst und FriedrichSfclde bei Frau Küter, KarlShorst, Krause- straße 6. Austerdem bei der KreiSvertrauenSperson Fr. Neu- niann. Frankfurter Allee 178, IH. Hus Industrie und Handel. Rekordleistungen im Brückeuba«. In der.Zeitschrift de? Verein? deutscher Ingenieure" wird von F. Dircksen.Der Brückenbau in den Vereinigten Staaten von Nordamerika" in eingehender und interessanter Weise beschrieben und durch viele Abbildungen und Zeichnungen erläutert. Es ist erstaunlich, in welch kurzer Zeit dort große eiserne Brücken montiert werden. Als Regel gilt, daß eine eiserne Brücke von 00 bis 70 Meter Spannweite an einem Tage soweit zusammengeballt wird, daß sie sich frei trägt. Eine Brücke mit drei Oeffnungen zu je 66 Meter wurde von zwanzig Mann in zwölf Arbeitstagen vollständig betriebsfähig zusammengebaul: wobei erst das Montagegerüst er- richtet und der alte Holzüberbau der Brücke abgebrochen werden mußte. Die Kairo-Brücke über den Ohio mit einer Spannweite von 163 Meter und 900 Tonnen Eisengewicht wurde in 6 Tagen be- triebssähig hergestellt. Die Mingo-Brücke über den Ohio, mit drei Oeffnungen von 90—210—90 Meter und einem Eisengewicht von 6000 Tonnen, wurde von 65 Arbeitern in 60 Tagen montiert. Beim Bau der Hochbahn in Brooklyn wurde folgende Höchstleistung erzielt: an einem achtstündigen Arbeits- tage montierten 22 Arbeiter 17 Oeffnungen von je fünfzehn Meter Spannweite und je 50 Tonneu Eisengewicht. Bei der Montage der Cambridgebrücke in Boston, einer 32 Meter breiten Bogen- brücke mit 11 Oeffnungen von 44 bis 57 Meter und einem Eisen- gewicht von 8000 Tonnen haben 85 Arbeiter nur 155 Tage geschafft. Diese erstaunlichen Leistungen sind allerdings nur möglich, iveil die Amerikaner Hükfsgeräte und Maschinen zur Montage verwenden. die in Deutschland noch ganz unbekannt sind. Wie der Verfasser anführt— deshalb, weil die Arbeiterlöhne in Deutschland so niedrig sind, daß sich die zum Teil sehr teuren technischen Hülfsmittel bei uns nicht rentieren würden. Diese Tatsache ist ein Beweis dafür, daß niedrige Arbciterlöhne den technischen und kulturellen Fortschritt hemmen. Liquidation einer englischen Getreidcfirma. Eine Aktionär- Versammlung der Getreidefirma F. Lenderö ii. Co. Limited beschloß die Liquidation der Gesellschaft. Man glaubt, daß ungefähr 75 Proz. in der Masse liegen. Dazu wird gemeldet, daß der Entschluß der freiwilligen Liquidation in den Kreisen der Getreidehändler ein Ge- iühl der Erleichterung hervorgerufen habe, da man die Befürchtung hegte, daß, wenn die Firma die Zwangsliquidation abwarten würde, dies den gesamten Gctreidemarkt ernstlich stören würde. Die Ver- bindlichkeiten der Firma werden von privater Seite auf eine halbe Million Pfund Sterling geschätzt. Die österreichischen Agrarier gegen die Eisenindustrie. Eine der gehaßtesten Kapitalistengruppen in Oesterreich ist die des Eisenkartells. Die parlamentarische Vertretung der Agrarier hat am 9. April in der gesetzgebenden Körperschaft einen Antrag auf besondere Be- steuerung der Eisciiindustriegesellschaften eingebracht. Danach sollen die Aktiengesellschaften, welche die Gewinnung und Verarbeitung von Eisen betreiben, Ivenn ihr Gelvinn 10 Proz. des Anlagekapitals übersteigt, einer besonderen Steuer unterworfen werden. Das Ausmaß derselben beträgt für Gewinnanteile Steuersatz von 10—12 Proz.... 10 Proz. ,. 12-15 ,.... 15 ,. „ 15-20„... 20.. „ 20-30„... 25.. über 30..... 30„ jenen Gewinnstanteils, welcher die lOprozentige KapitalSverzinfung übertrifft. Die neue Besteuerung soll auf alle Bilanzen Anwendung finden, welche nach dem 1. Januar 1909 abgeschlossen werden. Außer diesem Antrage haben die deutschen Agrarier, denen sich voraussichtlich die übrigen anschließen werden, einen Antrag wegen Besteuerung der Tantiemen, die die VerwaltungSräte von Aktien- gesellschaften beziehen, eingebracht. Kurz. eS ist ein förmlicher Sturm gegen die Eisenwuchcrer I Trotzdem darf man daran zweifeln, ob die zwei Anträge höher als eine Demonstration zu lverten sind. Erwägt>nan, daß an den, Kartell gar hohe Herren und Latifundienbesitzer interessiert sind, dann wird man es begreifen, daß die feudalen Großagrarier den Anschlag der kleineren und mittleren Landwirte nicht sehr zu fürchten haben. Auch ist eS nicht gar so sicher, ob nicht diese selbst mit ihren An- trägen nm den Zweck im Auge haben, ihren bäuerlichen Wählern ein BeruhigungSpulvcr zu reichen. Wenn man sich aber etwa ein« bildet, mit solchen Anträgen die Monopolstellung des Eisenkartell? ernstlich erschüttern zu können, dann werden sie sich bald von» Gegenteil überzeuge». taMe« Kredit für Damen und Herren in fabelhafter Auswahl. Wir betonen extra, dass trotz der enorm billigen Preise nur beste Ware zum Verkauf gelangt. Kleinste Anzahlung und äusserst niedrige Raten sind bei uns an der Tagesordnung. J«dam Stock ein' Tellzth- long». prell I Elegants IZW-MM «fc 22oo k Anzahlg. v. 5 Mk.� an Schicke MIMl« Mi 3000 Anzahl g- v. 5 Mk an Brtfe informier. Sie ■ich über unser Piel«:!». «ch.el- benl Damen- Mi. 2030 �Anzahlg, t 4Mk. an Schneidige Mk. 26oo Anzahlg. y. 5 Mk. an Gediegene Jacfiett-lnlEi' Ii IS-« Anzablg. v 5 Mk � an Prima Manzüse' ui 26°° Anzablg. r. 6 Mk an jedem |StQck ein Kasia- prelsl Jupons, 'ilSEDjMt.'1 Mk. 1200 Anzahlg v. 3 Mk. an Extrafeine ii 24«« Anzahl v. 6 Mk., an Schneidige PnieiDts n. 2300 Anzahlg. y. 5 Mk an Bitte informier. Sie eich über ujiser Proisaus- •chrel- benl Elegante Paletots ii 280° k Anzahlg. y. 6 Mk an _ Die erste Grossmacht HGIoiau CMismonihC o. Alte Jakobstp. 73t Ecke Ores- Reinickendorfer Strasse 15 dener-u. Ecke Roeastr.— 5 Etagen. Ecke Ravensstp.— Am Weddingplalz Paul Heuseltauer Hachfls. CharlottenburBp Wilmersdorferstr. 31. eTmarsnsTH■iTwen AUSSTEIFUNG MÜNCHEN 1908 U.d.PföftUtöfate S.K.H.d. Prinzregenten LtntpoTF VW» ßayern.im neuen Ausstciiunqspark.MaibisOKtobcr AUSSTELLUNG MÜNCHEN 1908 Alles, was In die Erscheinung tritt, wird durch einfache, sachliche Gestaltung die Beziehungen der angewandten Kunst zu Münchens Leben und Schaffen erhennenlas» Sen: HandfferK-Jndustrie-Handel-Oeffcntliche Einriebt• ungen- Sportl. Wettbewerbe u. Spiele- Auf führungen auf der neuen Schaubühne-Konzert Veranstalfi ungen- Künstlerfeste-VergnügungsparK.oooo rl Kur noch küifze Zeit! Inventur-Eitrapreise Kar einmal jährlich im G ardinen- Spezialhaus Emil Lefevre Berlin, Oraniensfr. 158 Kiesen-Auswahl! Gardinen, Portieren, Stores, Vltragcn, Tüll- Bettdecken etc. Einzelne Fenster spottbillig I Prieil-hUHp gratis und franko. Haben Sie Stoff? Ichjertize davon Anzug od. fialetot nach Mass, schick, dauerh, Zutaten, von 20 M ark an. Moritz Labandt Neue PromenadeSji.(Stdib. Börse). -V V r Steinebachs Volksprten, Kakenfelds. Einzigstes Parteilokal am Spandauer Stadtwald. Karfreitag: Gr, Schlachtefest. ES ladet sieundlichst ei» 126932*1 Der Wirf. Schutt uud Erde kann abgeladen werden. Kutscher er- halten Trinkgeld. Lcnbachstrasze. nahe Wannseebahnhos Friedenau. Max Busse Berlin N. Brunnen ff Straße 175 vis-a-vis Greifenhagen. Größte Auswahl in Dhreo, Brillaoleii, Oold-, Silber- and Alfenide- Waren. Streng reelle und billige Bedienung. von M. 3.00 an. = 22.- �>'�Le�><�i'ad>«et!«>ine�>vr�I�vi»>s� Ä 25.— 30.— »�PS�'AÄ-SGKOOOGO�t Hut-Rrnold Dresdenerstr. 116 (Kein Laden) am Oranienplatz Huf u.Mützen Engros- Qeschäft Einzelverkauf zu auffallend hilligen aber festen Preisen Steife Herrenhüte v. 2,00-7,00 Weiche do. v. 1.50-6,00 Herren-Mützen v. 0,40-2,50 Kinder-Mützen v. 0,40-3,00 Herren-Strohhüte v.0,50-1 3�0 Kinder-Strohhüte v. 0,40-3,00 Garn. Damenhüte v. 1,00-5,25 Nur lehlerfrcie moderne Ware Zahnärztliche Klinik 3W., Belle-Alliancestraße 106 1, u„b N., Brunnenstraße 1851, gegenüber Warenhaus Jandors, am Rosenthaler Tor. Zahnziehen unentgeltlich. Bei künstl. Zähnen u. Plomben w. d. Un- often berechnet.— Geöffnet von 9—6 Uhr. Sonntags 9—12 Uhr. 24812* Cignrren- Händlern bequemste» Einkauf zu billigste« Preisen bietet das größte und reichhaltigst ausgestattete Cigarktteu-Eugroslllger Carl Röcker, Aerlin, Grüner Weg HZ(Fernspr. VIT, 3861). Offeriere folg. Marlen z. Original-Fabrikpreis von 100 St. an einer Sorte: Berliner Marken: Garbäth, Josctti. Manoli. Problem. Phänomen, Kapitän, Hcrbstoli, Carmen Sylva, Tellus, Kreffin. Dresdener Marke»: Salem Aleikum, Sulima,(MalrapaS sc.), Tuma, Boiero-Zenith, Reunion, Laferme. Ferner: Muratti, Kyriazi FrereS, EgYPtian Comp., österreichische und ungarische Regie-Cigaretten und»Tabake, Waldors Slstoria usw. Generalvertrieb sür Deutschland der dänischen Napitän-Kautabake. Rauch- und Schnupstabate i Haupwied erläge der Kaulabak-Fabriken G. A. Sanettiacker und Grimm A Triepel in Nordhausen: Brödr Braun in Kopenhagen, sowie I. Goldfarbs Schnupf- tabake, Pr. Stargard. Bei kisuoinrieliiungeq von Cigarren-Gszohältsii bitte mein bestsortiertes Cigarren-Engroslager zu besichtigen. Ich führe nur gutgelagerte, feinste Qualitäten w allen Preislagen. C. Röcker, Serlin ll., Grülltt Meg 112. � Slmt VII, 38«1. s m 9 » . Uekeßninewalilsipaße| * Kleine Anzahlung Bilder, Spisgel, Uhren, Ketten, Teppiche, Steppdecken, Tischdecken, Portieren, Gardinen, Stores, Betten, Gaskronen Pfennige Wochenrate Diener& Kreisling, A,stracße8n42auiser frltz Kapphahn Erste Bezugsquelle für Kaffee, Zucker, Tee, □ □ □ □ Konserven u. Fleischwaren!! □ □ □ □ Zum bevorstehenden Osterfeste empfehle Ungarisches Auszug-Mehl........ 5 Pfd. 1,1« M. Kaiser-Auszug-Mehl.......... S Pfd. 0,05 M. Ferner empfehle: ütaiicleln. Rosinen, Sultaninen --------- in bester Qualität. Jeden Mittwoch o. Sonnabend treffen frische Braun- I Schweiger o. Thüringer Fleiscbwaren ein!! Waldstraße 19. ♦ ♦ Z ♦ ♦ i I Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.t das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstabe» zählen doppelt. 1 Kleine Anzeigen S»-q ANZEIGEN nächste Nummer werden in den Annahme- Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis Haupt-E.'.pedltlon, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. DeppichcmllFarbensehIernFabrit- Nlederlage tiirotze stransturierNraste 0, parierte kein Laden. Mauerboff. VorwärtSleser 6 Prozent Rabatt, ss-27 Gardine» va»» i�rozeftrqnfiiiriir» ftratze v, parterre. Kein Laden. Mauerboff. s-27 Stevpdeiten billigst Fobrik Gros,« Fraiikiurlerftratzi 9. varlerre. f27 Pfaudteihhaus, Küstrinerplatz 7, am Grünemveg. Verfallener Psänder- verlaus. ipottbilliger Gardinenver- kauf. Porilerenverkauf, Wäscheverkaus, Deckenverkaus, Slnzügeverkaus, Uhren. verkauf, Goldsachen, Silbersachen passende EinseznungSgeschenke. 331K klrd erbettelt. Stand UM, groge ILM, Psandleihbaus, Küstrinerplatz 7. Tischdecken spottbillig._ 332K* Fahrräder, Teilzahlungen. Jnoa- lidenstrasie 20 Skalitzerstratze 40. 32051- Installateure und Händler taufen GaStronen, Zugampeln, Beleuchtungs- gegenstände, Hängelicht, Gaskocher nllerbilligst bei Baumann, Alle Jakob- sirahe 125, Speziai-Grobhandiung.' . Inventur-üwsverkaus, Teppiche mit Farbensehiern und Fabrikmuster mit i» Prozent Rabatt. E. Weißen- bergs TeppichhauS, Große Frank- surterstrage ISL. 349K+ Gardine«, Stores, etwas am geschmutzt, Fenster 1,2S, 1,8S, 2,50, 3,75, 3,85, 4,50 usw._ 35051* Steppdecken. Fabrikmuster, Stück 3,65, 4,50, 5.85, 6,75 usw. 351K* Plüsch- und Tuchportteren, Fenster 3,85, 4.65. 5.25, 6,50, 7.50 usw. Grotze Franks urterstrahe 125. 352K* Dischdelkcu, Wolle und Plüsch, 1,65, 1,85, 2,35, 2,85, 3,50, 5,00 usw. Läuferreste in allen Längen und Breiten zu Spottpreisen. 884®* Sosabeziige(Reste), Wolle und Plüsch, mit 15 Prozent Rabatt. E. WeitzenbergS TeppichhauS, Grojze Franlsurterstratze 125. 355K* Gaskrourii, Petroleumkronen obne Anzahlung, Woche 1,00. LouisBöttcher (selbst): Boxbagcnersttatze 32(Baku- Verbindung Warschauerstratze), Ret- nickendorserstratze 116, Schönhauser Allee 8V, PotSdamcrstratze 81, Rix- dors, Kaiser Friedrichstratze 247.* Steppdecken(pottbillig, Fabrik Groge Franksurterftrave 60. 2gS3K* Herrenfahrrad, Damensabrrad wie neu, 45,00. Hotz. Blumen- ftratze 3Sb._ 2t2K* Devpiltie!(sehlervatle) in allen Grötzen sür die Häisle de« W-rie« tut Teppitv Inger Brünn. Hackelcher Marfl 4.«avitdos Börse. 264,11- Nähmaschinen. Vergüte bis 20.00 wer Teilzabiung taust oder nachweist. Sämtliche Systeme. Postkarte. Brauser, Frantsurler Allee 101, Laden. 207051* Teppiche. VorwärtSleser erhalten trotz spottbilliger Jnvenwrpreise 5 Prozent Extrarabatt. Teppich- Thomas, Oranietistratze 160. Oranien- Mab. 573K" MonatögarderobenhauS. Hoch- elegante Monalspalctots, einzelne Hosen, sehr preiswerf nur Andreas- stratze 54._ 578K Vtoiiatsgarderodcnhaus. Elegante Monatsanzüge in allen Preis- lagen nnr Andreasstrahe 54. b77K Nähmaschinen � � glltung. Großes Fabriklager aller Systeme. Teilzahlung. Hruda, Rosen- thalerstratze 19._ tl32* Zahle höchste 33 et- gabt- LcibhnnS Prinzenstratze 28, 1, Ecke Rttterstiatze: verfallene Psänder, Brillanten, Goldsachen, Uhren,.Ketten spottbillig zujederGelegenheii. l2805K Anzüge, Paletots nach Matz. Aus I a Stoffresten, Monats- und nicht abgeholte Sachen staunend billig. Matzschneiderei Potz, Brunnenstratze 3, eine Treppe, am Rosenthalerfor. Herrenfahrrad, 25,00. Wenk, Bcrgstratze 49._ fTO Herrenfahrrad, Damcnsahrrad, sofort wegen Slrbeilslosigkeit. Seyler, Bernauerstratze 9La, Ouergcbäude III. Herrenfahrrad, Damcnsahrrad, hochelegckitt. Frau Minch, Berg- stratze 49._ t"0 PfandlcihhanS! Hermannplatz 6. Für Slrm und Reich I Jedermanns spottbilligste Einkaussquclle I Stau- nend billige Hochseine Sommerpale. tot« l Herrenanzüge l Extragrotzer Psänderverkaus I Gardinenoerkaus I Bcttcnverkaus I Wäscheverkaus! Tep- pichverkauf! Plüschtischdecken l Stepp- decken I Uhrenverkausl Kcttenverkaus I Ringeverkausl Schmucksachen! Näh- Maschinen I Riesenauswahl l Sonn- tagS ebenfalls geöffnet!_ flOl Federbetten, schöne, breite, Stand 20 Mark, Neue Königstratze 29, vorn I rechts. 250/18- Brouzegaokronen t!! GaSzug- lamven I 9.00. Schausensterlicht I Hängelicht spottbillig! Gaslyrcnl l'/r Zweilochgaskocher I 3,00. Wohlaurr, Wallnertbealcrslratzc 32. 519K Plüschportiere». Vorwärtsleser erhallen trotz spottbilliger Inventur- preise 5 Proz. Exttarabatt. Thomas, Oranienstratze 160. Oranienplatz. Gardinen werden wegen Erb- schaflsregulierung und Auslösung des Geschäfts unter Preis ausverkauft. Grüner Weg 80, parterre. 5765t* Similiseidene Steppdecken 4,15 (Seidcnersatz), Wollatlas-Strppdcckcn 5,85, Inventur- AuSnahincprcise. Nur noch lurze Zeit. Teppichhaus Emil Lesovre, Oranienstratze 158. TeppichhauS Lese vre, Oranien- stratze 158, jetzt Jnvcntur-RäunmngS» preise. Extraliste gratis. Nur noch kurze Zeit._ 109SI* Herrenfahrrad, Doppelglockcn- lager, sast neu, krankhellshalber vcr- kaust Sdilemminger, Jnsterburgcr- stratze 4 NI. 613K* Lauben- Banmaterialien. ge- brauchte und neue, wie: Kantholz, Bretter, Latten, Leisten, Türen, Fenster, Dachpappe, in größter Aus- wähl, billigst. Hasenhcide 2(am Her- mannplatz). 990b' Asche, gesiebte, sür Rabitz- und Einschalwände billig. Staatcrasche hat billig abzugeben. Amt Rixdors 1069. Pumpenwolsf. Ackcrstratzc 81, hat 500 Abessinier eigenhändig aufgestellt. Pumpen von 8,00 bis 100,00, ge- brauchte 5,00. Gartenspritzen, Leihcrd- bohrer umsonst.+70» Ranartenhähne, Zuchiweibchen, Vorsänger, ganze Heckeneim-ichtung. Aquarien. Schleierschwänze, Giradinus auigabehalber spottbillig, abends. Schulzcndors, Petersburgerstratze 17. Anzüge, elegante, 10,00, 15,00, 20,00, Freischwinger 10,00 Gubener- stratze 3-4, Pfandleihe._+29* Sportwagen, Gummiräder ver- kausi Kotzta, Friedrichstratze 121. Billige Zigarren. 30—60 Mark pro Mille, verkaust Steher, Weitzeit- sce, PistoriuSstratze 118b III. f82* Tandem verkaust Witthaus, Luisen- user 57._ flT* 500 gebrauchte Fahrräder wegen Lagerüberlüllung 5.—, 10,—, 15,—, 20,—, 25,—. Günstigste Gelegenheit lür Händler, Psandleiher. Machnow, jetzt Weinmeisterstratze l4. 622K* Herrenfahrrad, Damensahrrad, hochelegant, nmtz billig verlausen. Drontheimerstratze 40, vorn ll geradezu._ f6I Brennaborrad. Freilauf, 33,00, dringend Pankstratze 21c, parterre rechts.__ t61 Betten, Stand 11,00, zweischläfrig 16,00, Gardinen, Tischdecken spottbillig Gubenerstratze 3—4. Pfandleihe.* Littauer- Nähmaschinen ohne An- zablung, wöchentlich 1,00, gebrauchte spottbillig, Wietierstratze 1—6, War- schauerstratze 67. 1440b Bioiiatsanzuge und Sommer- paleiois von 5 Mark sowie Hosen von 1,50, Gebrockanzüge von 12,00, Fracks von 2,50. sowie sür korpulente Figuren. Neue Garderobe zu staunend billigen Preisen, aus Psandleihen oersallene Sachen taust man am billigsten bei Naß. Mulacklttatze 14 Brantleute, Umzügler I Spott billigster Bettenvcrkous, Gardinen- verkauf, Tcppichverkaus, Wäscheverkaus, Steppdecken, Anzügeverkauf, Paletot- verkauf, Schmucksachen, Trauringe, Ubrenvcrkauf, Verschiedenes, Renommiertestes PsandhauS, Weidenwcg neunzehn. Sonntag den ganzen Tag geöffnet. 619K PaletolS, MonätSanzüge, wenig gettagene, von 5 Marl an, große Auswahl sür jede Figur, auch neue elegante Garderobe aus erster Be- zugSquelle, 20 Prozent billiger wie im Laden, direkt vom Schneider- meisler Pauk Fürftenzelk, nur Roien- thalerftratze 10. Sonntag ganzen Tag geöffnet. 266,8* GeschäftsverkSufe. Parteilokal mit Zahlstelle und Vereinen zu verkaufen. Zu erfragen Pctersburgerplatz 4, Expedition. 750 Möbel. Auf Teilzahlung Klciderspinde, VertikoS, Solas, komplette bunte Küchen. Polsterwaren jeder Art. Anzahlung von 3 Mark ag. Woche 1 sti-ark..Berolina", Kastanien- allce 49. 1275b� Auf Teilzahlung Möbeleinrichtung Stube und Lküche. Anzahlung von 15 Mark an.„Berolina", Kastanien- allce 49. 1275b* Billige Möbel aus Beisteigcrinigcn, Auslösungen, Schränke, VertikoS 27,—, Bettstellen 25,—, Taschensosas 45,—, hochelegante Salonaarnituren, Büfette, Trunteaus 33,—, Bücherschränke 58,—. Schreibtische, Verzugtische, Ledcrstühle, Klubsessel, LedersosaS, bunte Küchen, Kronen, Octgemälde, kolossale Aus- wähl billiger Wirtschaften, sellene Ge- legenheitskäuse kompletter Speise- ztmmer, Herrenzimmer, Salons, Schlafzimmer, Küchen. Lennert, Lothtingerstratze 55. 618K* Möbelvcrkauf Neue Königstratze 29, nahe Alexandcrplatz, am Lager br- finden sich viele gebrauchte, verliehen gewesene und neue Möbel, welche billig ocrkaust werden: Muschelklciderspind, Muschelvertiko 28 Atari, Ausziehtisch 16. Rohrsitzslühle 3. Bettstelle mit Matratze 20, Pfellerspicgel 12, Schlaf. sosa 36, Ruhebett 25, Muschelbettstellen mit Matratzen und Keilkissen 39, Herrenschreiblisch 50, geschnitztes Nutz- baumbüsett 120, Lederstüble 10, Plüsch- garnitur 98, Garderobenschrank 38, Kommode LI, Waschtoilette 20. Vier- zuglisch, bunte Küchenmöbel, Bücher- spind, englische Schlafzimmer, An- kleidcschrank 80. Federbeltenstaiid 20, Teppich 8. Teilzahlung gestattet. Transport frei. 250,12» Plüichsofas, reell gearbeitet, mit schönen Bezügen, große Auswahl, billigst, auch Ratenzahlung. Kahlen, Stallschreibcrstr. 43. I. Möbelverkausk Durch günstigen Eiiikaus selten billig, auch Teilzahlung. Besichtigung erbeten. Kastanien- Allee 58. 40651* Möbelfabrik Oranienstratze 172/173, Brautleute, die gediegene Möbel lausen wollen, sollen nicht versäumen, meine bedeutenden Lager zu besichtigen. Billiger als Händler. Einrichtungen von 285,00, 438,00, elegante 650,00 bis 5000,00, englischesSchlaszimmer 272,00 eichenes Herrenzimmer, Speisezimmer, Salons, Nutzbaum oder Mahagoni, Zaschensosa 60,00, Trumeau 38,00, Kleiderschrank, Vertiko 45,00, Küchen, moderner Anstrich, 58,00. Verliehene und zurückgesetzte billig. Auch Teil- zahlung�_ 4035t* Möbel billig. In meiner seit 1880 bestehenden Möbelfabrik, Gneisenau- stratze 15, am Halleschcn Tore, stehen viele Wohnungs-Einrichtungen, vcr- liehen gewesene und neue Aus- stattungen zu sehr billigem Verlaus. Teilzahlung bei geringer Anzahlung gestattet. Beamten ohne Anzahlung. Ich liefere gediegene Einrichtungen sür 150-, 200,-, 300,-, 400,- Mark. hochelegante 500,— bis 10 000 Mark. Besonders empfehlenswert ist der große Vorrat verliehen gewesener Möbel, die noch sast neu und im Preise bedeutend herabgesetzt sind. Kleiderfpind 20.—, Sosa mit AnSzug 30,—, Bettstelle mit Sprungfeder- malratze 23,—, Muschelspinde, Vertiko 34,—, Ruhebett 18,—, Säuleiilrumcau 30,—, Taschendiwan 43,—, Paneelsosa mit Satteltaschen 73,—, englische Plüschgarnitur 95,—, Muschelbcttstelle mit Matratze 36,—, Schreibtisch 25,—, geschnitztes Büfett 115,—, englisches Schlafzimmer, Speisezimmer, besonders preiswert« Salons. Gekaufte Möbel werden lostensrei ausbewahrt, durch eigene Gespann« geliejert. Muslerbuch gratis. Sonntags von 8—10 und 12—2 Uhr geöffnet. 3885t* Englische Bettstelle mit prima Staubschutz-Malratze 45 Mark, Kleider- schrank, zweitürig 27, Vertiko 27, Sosatisch 17, Schlassosa 38, moderne Küche, lontplett 60, Wanduhr 16, Lothrtngerstratzc 26, Schönhauser Tor, Hos, Speicher. 1427b* Wegen Umbau mutz die Lager- Vorräte räumen, einzelne Möbel, ganze Einrichtungen zu Spottpreisen. Hirschowitz, Brunnenstratze 30. 1445b Herrenzimmer, eiche, gute Arbeit. 520, Loihringerstratze 26, Speicher.* Fran verlaust zwei Bettstellen, Nutzbaum, Plüschsosa. Garnitur, Schränke. Trumcau, Waschtoitette, Ausziehtisch. Küchentisch, Stühle. Schu- mannstratze 11, III links. Händler oerbeten. l26,ll Plüschsofa, Säulentrumeau, Stiel. derschrank, Vertiko, Ausziehtisch. Teppich, Portieren, zwei englische Bettstellen, Büfett, Ankleideschrank, Chaiselongue, Wanduhr, moderne Küche wegen Verkleinerung sofort billigst verkäuslich. Möbel sast neu! Fräulein Bölling, Ehausseestratze 52, vorn II. 1426b Sie kaufen ewe Einrichtung oder einzelnes Möbelstück am billigsten, wenn man die Gelegeuhcitskäuse sich ansieht von SascmannS Möbel- Speicher. Täglich noch ganz neue Möbel werden bis 30 Prozent billiger vertäust als dieselben regulär losten! Einrichtungen löv— 200, 300, 400. 15 0001 Große Auswahl in fünf Etagen! Ankleideschränke, Schreib- tische, PlüschsosaS, tiefe Kleiderfpiiiden, Vertiko, Ausziehtische, Säulen- trumeau, Chaiselongue, Gaskroncn, moderne Küchen! Auch gebe nur reellen Leuten bei vorheriger Ver- einbarung Möbel aus Teilzahlung I Loihringerstratze 26, Hos, Speicher. Aus herrschasllichem Besitz: Speise- zimmer.Herrenzimmer. Salon, Schlaf- zimmer.. Gaskronen. Standuhr. Klub- sessel, Ledersosa, Nuschwcytisch, An- Ncidcschrank, Fiistertoilelte, moderne Küche. Zirka sür die Hülste des Wertest Lothringersttatze 26, Hos, Speicher, Schönhauser Tor. 62tK Thieles Speichermöbel nur Brunnen- stratze 182, Gelegcnhcitstäuse ganzer Wohnungseinrichtungen wie einzelner Möbel. Säulentrumeau, Taschensosas, Muschelbctten, Englischbetten, Muschel- vertiko, Teppiche, Muschelschrank 23,—, Spiegel, Spicaclspinden, Kommoden, moderne Stachen, Marmortoiletten, Ausziehtische, Sosatisch« und viele andere Gegenstände spottbillig. 45LK* Versdneclenes. Patentanwalt Wessel. Gilschiner- stratze 94»._ 25555t* Wer ein Gcichäsl kausen oder verkaufen will, wende sich an Voll- rath u. Co., Elsafferstratze 21, Amt 3a, 4375. 145K* Lernt die Muttersvrache beherrtchcn! Ersolgreichcn, leicht satzlichen Unterricht in Wort und Schrift der deulschen Sprache erfeilt Damen und Herren (separat) auch abends ein tüchtiger und gewissenhafter Privaltcbrer. Die Stunde tostet eine Mark. Eine Unter- richtSstunde wöchentlich genügt Ge« fällige Angebote sind unter Ö. 4 an Exvedttion des„Vorwärts* zu richten. Kunffstopferei oan grau KokoSky, Schlachteosee, Kursttatzc 8, HI. Bäckerei. Offeriere meiner werten Kundschaft Mehl, Bärme, grotz-S Brot, 5 Stück wcitze Ware. A. Künschcr. 5tastanien-Allee 57. 1405b Ptatinabfälle, Gold, Silber, Ge- bisse, Kehrgold, sämtliche gotd- und silberhaltige» Rückstände kaust Gold- und SUberschmelzc Köpenickerstrstze 29. Telephon IV. 6958._ 126,10* Saal, Kegelbahnen frei, Flick, Hermmlnfttatze 170._______ tl77* Ruderboot(Ausleget) gesucht. Max. Postamt 109._ 14376* Handelsakademie Moabit. Gc- wtssenhaste Ausbildung. Mackrodt, Turmstratze 85, AnninmSPlatz. 14466 Vermietungen. Läden, bester Geschäftsgegend, nahe Bahnhos Hermannstratze, zu jedem Gcschäst passend, auch Restau- rant nnt Konzession sofort zu ver- mieten. Rixdors, Warthestratze 64. �Vokminzen. Z« vermieten Stube und Küche, Lokal, Stralsunderstratze 67. f70 Zimmer. Möbliertes Zimmer für 1 oder 2 Herren vermielei Frau Jacobey, Wiescnstratze 10, II. Möbliertes Zimmer sür einen oder zwei Herren: Baumschulenweg, Trojanslratze 6, am Bahnhof. 707b Möbliertes Flurzimmer, 1 oder 2 Herren, Stralsunderstratze 3t, WUchladen._ fTO Möbliertes Zimmer für Genoffen Kroffenerstcatze 20, lV. Franke. Scklskstellen. Möblierte Schlafstelle dennielel Scheunpslug, Eisenbahnslratze 33, vorn 2 Treppen. 14386 Schlafstelle, separat. Blumen. stratze 27, Mack. 14366 HcrrenlogiS frei, Monat 10,00 (allein), Wochcnzahlung. Kastanien- allce 102, Seitcmlüget IV. 190 Freundliche Schtasstellc, 2 oder 3 Herren, Prinzcffinnenstr. 22, IV. Nähe Moritzplatz.- 1431b �rbeitsmarkt. Stellengesuche. Dirigent leitet „B." Postamt 16. Gelangverein. 271/17 Stellenangebote. Koloristinnen, auch autzcrmHause, verlangt Pieper, Nazarethkirchstratze48. Botenfrauen finden dauernde und sehr lohnende Beschäsfigung Pols» damerstratze 33. 125,15* Im Arbcitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten SO Pf. die Zeile. Mtvng! Aelitung! Klavierarbeiter! Wegen enormer Lohnabzüge haben die Kollegen der Fabrik jtfcaftzld die Arbeit niedergelegt. Wegen dieser Differenz ist auch der Zwischen- meisterbctricb von E. Schlcnuer, Rixdors, Pstügerftr. 52, gesperrt. Zuzug ist streng fernzuhatte» t Bcrciuiguiig* der Mufikiiistrumenten-Arbeiter. Hmiabine-8tellen für„Kleine Hnzeigen" Zentrum: Frist Zinke. Mauerstr. 89. A. Hahnisch. Auguststr. SO. Wcutcu: ffi. Schmidt, Kirchbachstr. 14 Osten: W. Mann, Pctersburgerplatz 4. R. Wcngels, RüderSdorserstr. Z. Gustav Bogel, Koppenjtr. 83. IVoi-, lotsten: L. Zucht, Jmmanuelkirchstr. 12. I. Öicut, Baruimitr. 42. Norden: H. Raschle, Ackeritr. 36. F. Trapp, Stettinerstr. 10. Karl MarS, Lychenerstr. 123. Karl Wethe, Razarethkirchstr. 49. L. Techaud, Ruheplatzstr. 24 H. Bogel, Lortzingstr. 37. A. Tiest, Jnvalidenstr. 124 Bkondiveoten: Karl AuderS. Salzwedclerstr. ll. W. Schralle, Gotzkowsiqftr. 29. tzsUdnesten: ?. Werner, Gileiscnauitr. 72. . Schröder, Hageibcrgcrstr. 27. �Uden: St. Frist. Prinzcnstr. 31. F. Gutschmidl, Kotlbuscr Tamm 8- Südosten: Paul Böhm, Lausitzcr Platz 14/1S. P. Horsch, Eugel-Ujer 15. Blmrlottenbui-x: G. Scharuprrg, Scscuheimerstr. 1. Ei'Iedl-IeNisders: O. Settel, Kwonprinzenstt. 50. Klxdorf: 901. Heinrich, Neckarstr. 7. Conrad. Hermannstr. 50. Iliimmels'ibui'K: A. Nosciikranz, Alt-Boxhagea 8& Scliiiuobcrsr: Wilh.Bniimlcr, Marlin Liitherstr.Sl. Weilleniiec: Ä. Fuhrmann, Sedanttr. 105. Int. Schillert. König-Ehauffee 39» Iteinleliendorl: P. Gurich, Provinzstratze, Eck) Grünerweg. Treptosv: 215,2* R. Gramcnz, Kicsbolzstt. 412. lvimg zujeoertVetegenyett. geraoezu. uo. tuuji,- ymtjc_ xw**,—— i— ho— je— e Lerantwortlicher Redakteur.' GeorgTaiidsohn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: TH.GlockcVBerlin. Druck u. Verlag-Vorwärts Buchdruckerei u. Vcrlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW,