Kr. 92. Bbonnt mt nts-Bedlngungtn: «LominnentS- Preis prSmim?r-md»» Lierieljährl. ZLV Ml, monatl. 1.10 Ml, wöchentlicki 28 Psg. frei ms Haus. Einzelne Nummer S Psg. Eonnlags» nummer mit illustrierter KonnlagS- Beilage»Die Neue Well" 10 Psg. Post- klSonnemenl: 1.10 Mark vro Monat. Eingetragen in die Pojt.Zeitmlgs- «rcislislc. Unter Kreuzband lür Deutichland und Oeslerreich» Ungarn 2 Marl, siir das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Poslabonnemews nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. vllinänien, Schweden und die Schweij. CrtditlBt tZgllld aaScr BIontM». 25. Jahrg. Vevlinev Vollisblstk. Zentralorgan der Pozialdcmokrati f eben partd Dcutfcblands. Die Tnfertlons'GebQhr leträgl für die icchsgespaltenc ßolonel« »eile oder deren Raum 00 Psg, sär politische und gewerlschastliche BereinS» Und Versammlung! �Anzeigen 80 Psg. �Kleine Sn-cig-n", das erste sfeU- gedrutlle) Wort 20 Psg, jedes weiiere «ort 10 Psg. Stellengesuche und Schlas- stcllcN'Anzeigcn das erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte übe« lö Buchstaben zählen sür zwei Worte. Lnscrajc für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition «dgegcben werden. Die Expedition ijl bis 7 Uhr abends geöffnei, Delegranim-Adresse: fcSczUlitBifkrät Rcrllu'* Redaktion: 803. 68, Lindenatrasee 69, Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. 6}cpedition: 8M. 68, Lindenstraeec 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Quittung. Im Monat März gingen bei dem Unterzeichneten folgende Partcibeiträge ein: Groh-Berlin a Konto seiner acht Wahlkreise 12 000,—(darunter Werkstatl Griewitsch 10,—, Herbstverguügen 0. Abteil. 86,45, Frau Kühne 0.60. 8. Abteil. 1. 3. 08 21,20, 4. Abt. 2,40, Schneider 1.—, Reisenberschiih K. K. 2,—, Arbeiter d. Tischlerei Berning-Rixdorf 10,—, Arbeiter u. Arbeiterinnen d. Firma Kann 19,—, All 10,—, Arbeiter d. Nileswcrke Ober-Schöncweidc 69,—. Gesangv..Südwest" z. Wahl- kämpf 3,—, Uion den Stellmachern d. Firma Gründler, Liebenwalder Strohe 31 12,—, Ges.v.Gaudesb.Jul.Scholz3.11, Pflanzerv.. Veilchen" beim Abcndtisch 3,20, Zum Wahlfonds von den Schlossern und Fräsern der Firma Müller jun., Cuvrystrahe, 63,25, Arbeiter der Firma Schälke, Boxhagener Strohe 33(auher 4 Mann) 11,50, Ueber schuh vom Märzkranz(Abteilung Militärbau der Finna H. F. Eckert) 7,60, Muh 10,—, von den Arbeitern der Firma Stock-Marieudor 17,20, Monatsbeitrag von Raschle 10,—. Bierprozente der Argus- Motoren-Gesellschaft 8,20, Amerikanische Auktion am 6. 3. bei Würze! 3,20, Buchdruckerei A. W. Schade 20,—, Vom 655. Bezirk bei der Besichtigung d. Vorwärts-Drnckerei 2.55, Betriebskolonne Ludwig Loewe (Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik) 8,20, Märzkranzüberschuh von Bergeman», Dronlheimer Strohe 4,95, Von den Kollegen der Finna Jachmann 15,25, Kranzüberschub des 749. Bezirks 3,30, Von den Kollegen der Karbone-Licht-Gesellschaft 21,70, Amerikanische Auktion beim Genossen Bertram Jacob 10,—, Vom 464. Bezirk 3,—, lieber- schuh der Märzkranzspende der Genossen von Ziegler 10,90, Lebens quelle. Kommandantenstrahe, durch Wehrle 2,—, Vierprozente der Kollegen der Arguö-Motoren-Ges. 10.—, Karl Berger 1,50, Kran. Überschuh von der Firma G. Lend Nachf. 4,30, Bleistegs-Bierkas durch Hönisch 5,45, Märzkranzüberschuh der Maschinenfabrik von Kappler 7,65. a konto sür Marken 2000.—. Familien- abend des 83. Stadtbezirks 10,55, Ueberfchuh vom Ver- gnügungskomitce durch Zimmer 1,20, Arbeiter und Arbeiterillnen der Firma Kann, gearbeitet wider Willen 19,—, ge- sammelt auf dem Maskenball des Lotterievercins„Ein krocht" und Musikverein„Harmonie" 3,65, Stukkateure Bau Schall- Horn, Rofenheimerstr. 1,05, Sechserkasse der Tischlerei Richter u. Scherler 20,—, Kranzübersch. der Patienten der Lungenheilstätte Beelitz 37,25, S. M. 7 3,—. M. H. 20.—, Bon den Arbeitern und Arbeiterinnen der Fa. R. Boffe u. Co. 20,—, Bergmanns Elektrisch« Werke, Rudower Strohe, Ab. Schulz 10,—, lieberschuh der Kranzspende der Firma Hagenow u. Bierbrauer 3,90, A. F. 4,—, vom 18. März, Arbeiter der Firma C.. Kliemt 99,—, roter Kern in schwarz-weiher Schale 6,—, Ueberschuh der Kranz spende v. 13. März v. d. Arb. d. Int. Balking Wisseton 12,65, des gleichen von den Arb. der Fa. Kaminrich, Fcnnstr. 27 10.—. Uebersch d. Kranzsp. Köpenicker Strohe 32 1,75, desgleichen von den organi sierten Person. Schultheihbrauerei 34.55, Bierprozente Taxameter fabrik Basdorf, Pieper 52,50, Märzkranzüberschuh der Arbeiter v. Frister u. Rohmann 26,55, desgleichen d. Arb. v. Dittiüann 8,30) Berlin, diverse Beiträge: Aus der Groschenkasse der Fa. Zemlin 5,— Eisbein-Essen, Sebastianstrahe 3,20.„Junggesellen" 10,—. Machetes 5,—.„Abt" 5,—. Zur Kranzsp. d. Märzgefallenen. G. W. 3,—. Uebersch. d. Kranzsp. v. 18. 3., v. d. Teiln. a. gewerksch. Unterrichtskursus 8,10. Jule II. Ritterstr. 11,20. Dr. L. A. 100,—. Uebersch. v. Märzkranz v. d. Arb. d. Fa. Engelbrecht u. Schumann, Pankow 13,40. Des- gleichen v. d. Arb. d. Anilinfabr. Rummelsburg 6,40. Munition zum Wahlkampf, ges. v. einigen Verbandskollegen d. Fa. Hempel u. Co. 8,25. Dr. K. R. 25.—. Uebersch. v. Märzkranz der freiorga nisierten Arbeiter d. mech. Werkst, d. Kabelwerkes Oberspree 22,95. Die Kontobucharbeiter vom Wedding 5,—. Bon d. Kollegen d. Fa Panzer. A.-G., an Stelle der Kranzsp. für die Märzgefallenen 58.70. Uebersch. v. Märzkranz, ges. v. d. Arb. d. Fa. Flohr 89,35. Desgleichen von den organisierten Bäckern der Goldackerschen Grohbäckerci 6,05. Desgleichen von den klasjenbewuhten Arbeitern der Siemens- Werke 200.—. Jule, Ritterstr. 85, 1. Quartal 13,10. Die Hälfte des Uebersch. d. Märzkr. von den Arbeitern der Englischen Gasanstalten 37,05. Kranzübersch. v. d Arb. der Norddeutschen Eisen- und Stahlwerke, Ober-Schöneweide 5.90. An Stelle eines Märzkranzes ges. von den Arbeitern der Fa. Medizinisches Warenhaus, Haidestr. 16,50. A. B. 50,—. P. S. 50,—. „Wie einst im März" 4,—. Zur Landtagswahl, Sechserkasse der Kaffeerösterei Emil Tengelmann 10.—. Uebersch. d. Märzkr. V. d. Handwerkern d. Böhm. Brauh. 2,30. Monoline 30.—. Buchdruckerei Hülfsarb. d.„Borwärts", Rotationssaal, 1. u. 2. Rate 08 10,—. Knabe 5,—. Butzbach. C. K. 5,—. Bremerhaven. Zentralwahlverein f. d. 19. hannov. Wahlkr. u. Bremerhaven 364,30. Buxtehude, von den Alten durch Weber 2,—. Biberach, sozialdemokr. Verein des 16. Württemberg. Wahlkr. 4. Quart. 07 11,32. Bitterfeld-Delitzfch, Wahlkreisbeitrag für 1907/08 150,—. Brandenburg-Westhavelland, Zentralwahlverein 2. Halbjahr 07 530,40. Dresden,.Aus Unverstand und Bosheit' 1,—. Falkenberg(Oberschl.) 3.—. Friedenau, X. 5,—. Hamburg. 1. Wahlkreis 6000,—. Hamburg, 2. Wahlkreis 3000,—. Hamburg, 3. Wahlkreis 10000,—. Halle und Saalkreis 400,—. Hannover, Wahlkreisbeitrag a Konto für Januar und Februar 1000,—. Hamburg, eingegangen in der Expedition des„Hamburger Echo" 118,70. Köln a. Rh., Reg.-W. 20,—. Luckenwalde, Beitrag des Wahlkreises, 4. Quart. 07 135,75. Luckenwalde. Ruius 5,—. Linibach. 15. sächs. Wahlkreis 1. Quart. 08 400,—. Leipzig-Land, sozialdemokr. Verein f. d. 13. sächs. Wahlkr. 1. Quart. 08 6000.—. Minden-Lübbecke. sozial- demokr. Verein f. d. Wahlkr., 1. Halbjahr 1907/08 69,87. Meerane, 17. sächs. Wablkr. 100,—. Nienburg a. W., Beitrag dcS 7. hannov. Wahlkreises 123,25. Nürnberg, Gau Nordbayern. Wahlkreise: Regens- bürg 27,90; Amberg 4,68; Neumarkt 2,25; Neunburg 3.51; Neustadt a. W. N. 13.62; Hof 130.80: Bayreuth 123.15; Forchheim-Kulmbach 28,89; Kronach-LichtenfelS 70,89; Bamberg 36.03; Nürnberg 1024,08; Erlangen-Fürth 448,92; Ansbach- Schwabach 85,74; Eichstätt 10,62; DinkelSbühl 14.01; Rothenburg 6.21; Kitzingcn 9,18; Neustadt a. S. 9.84; Schweinfurt 63,39; Würzburg 60,45, Summa 2174,16. Poeßneck, a Konto für Rcichstagswahlkreise Meiningen I. U. II., 4. Quart. 07 264,94. Rixdorf, von den Arbeitern der Knorr-Bremse 30,60. Saargemünd- -Forbach, sozialdemokr. KreiSver., 2. Halbjahr 07 5.80. Schramberg. Beitrag des Wahlkreises 81,12. Stettin, Provinz Pommern, Wahl- Ircife; Stettin 204,—; Randow-Grrifenhagen 236,24; Ueckcr- I münde-Wollin 80,—; Greifswald-Grimmen 39,92; Stralsimd- f Rügen 63,16; Anklam-Demmin 17,32; Äöslin-Kolberg 58,24; Stolp- Laüeiiburg 3,96; Naugard-Regenwalde 9,—; Pyritz-Saatzig 14,76; Greifenberg- kämmin 4,—; Neustettin 5,20; Bütow- Rummelsburg 5,20, Summa 746,—. Saarbrücken, G 23. 3,—. Tecklenburg- Steinfurt, Wahlkr., 8. u. 4. Quart. 07 15,60. Tegel, G. S. 2,—. Borwärts-Buchhandlung 10000,—. Zwickau. 18. sächs. Wahlkreis 600,—. Zahnarzt, früher Wiesbaden, durch die Sledaktion des „Vorwärts" 1900,—. Die in der Quittung in Nr. 65 des„Vorwärts" v. 17. März dieses Jahres aufgeführten 6,85 sind nicht von der Berliner Konsum- genossenschast als solcher gegeben, sondern eine Spende einzelner Mitglieder. Berlin, den 16. April 1908. Für den Partcivorstand: A. G e r i s ch, Lindenstr. 69. Zweierlei Kecht. Junker Brandenstein und die ihm gleichgesinnten Scharf- machen des verflossenen Dreiklassenhauses werden enttäuscht das Haupt schütteln, wenn sie die Verhandlungen und das Urteil im Aufruhrprozeß Paschke und Genossen lesen. Das ist nicht das Nachspiel zur großen proletarischen Wahlrechts demonstration des 12. Januar, das sie brünstig ersehnt und rachgierig gefordert haben. Einen zerschmetternden Schlag wider die Sozialdemokratie haben sie erwartet— ihre Phantasie hatte in der Vorstellung grausamer Strafen über sozialdemokratische Führer wollüstig geschwelgt. Sie schrien nach schneller Prozedur, nach rücksichtslosem, unbedenklichem Verfahren, nach einem Staatsanwalt, erfüllt mit Testen- dorffchem Gerste, der über juristische Zwirnsfäden nicht stolpert, der robusten Gewissens konstruiert, wo er Beweis Material nicht findet. Rädelsführer wollten sie zur Strecke gebracht sehen. So glaubten sie den WahlrcchtSkamps des Proletariats aufhalten, die Arbeiterschaft also einschüchtern zu können, daß sie das Mittel der Straßenkundgebung fahren laste, daß sie sich stillschweigend und demütig darein füge, auch auf diesem Gebiete minderen Rechts zu sein als die Gur gesinnten, denen die Straße für ihre lärmenden Demonstra tionen bereitwillig freigegeben wurde. Harte Verurteilungen sollten den Eindruck der Demonstrationen auslöschen; Furch und Schrecken sollten sie in die Reihen der Wahlrechtskämpser tragen, die neue Kraft und Zuversicht aus dem gewaltigen Ereignis gewonnen hatten, das die Kraft und die Ent- schlossenheit des Proletariats so augenfällig offenbart hatte. Verständnisvoll ging Preußens Justizminister auf die Wut und Angst atmenden Forderungen des Vrandcnstein und seiner Mitjunker ein. Er versprach ihnen, daß die Anklage- behörde alles tun werde, um sie zufrieden zu stellen, daß die Schwierigkeit des Werkes die Staatsanwaltschaft nicht abschrecken, daß sie die„Rädelsführer" packen werde. Und wenn der oberste Chef der Antlagebehörde also vor der Oeffentlichkeit redet, so darf man überzeugt sein, daß es den unteren Organen an Eifer nicht gefehlt haben wird. Dennoch ist es nicht gelungen, den großen Aufruhrprozeß zustande zu bringen, der das Sehnen der Junker gestillt hätte. Die Anklagebehörde erwies sich einsichtiger, denn die tobenden, racheheischenden Brandensteiner. Man fand keine Rädelsführer, weil keine vorhanden waren, und es fand sich kein Tessendorf, der sie mit einer über den Sinn der Ge- setze und die Tatsachen skrupellos hinwcgschreitendcn Aus- legungskunst aus dem Boden stampfte. Es wäre auch Wohl eine Aufgabe gewesen, an der selbst dieser berüchtigte, von juristischen Bedenken nicht geplagte Sozialistenverfolgcr der siebziger Jahre hätte verzweifeln müssen. Wo nichts ist, da hat auch ein Tessendorf sein Recht oder richtiger Unrecht verloren. So bleiben die wilden Rachegelüste der Brandensteiner ungekühlt. Anstatt des erhofften fetten Bratens müssen sie sich mit einem mageren Knochen begnügen. Anstatt des großen politischen Prozesses, der die Sozialdemokratie an Haupt und Gliedern treffen, der den Wahlrechtskampf des Proletariats diskreditieren sollte vor der Oeffentlichkeit, kam ein in seinem größeren Teil kleiner, unpolitischer Prozeß heraus gegen etliche Exzedenten, die in der erregten Atmo- phäre des großen Tages sich zu Aeußerungen der Erbitterung und der Wut wider die rücksichtslos vorgehende Polizei, zu Handlungen hinreißen ließen, die in der Enge Polizeistaat- licher Rechtsauslegung als Widerstand gegen die Staats- gewalt gelten. Krachend brach die Anklage des Aufruhrs, die die Staatsanwaltschaft mühsam zusammengezimmert hatke, bei den meisten der Angeklagten zusammen. Nur zwei sind in den engen Maschen des Netzes hängen geblieben, das die Rechtsprechung aus dem des Strafgesetzbuches gemacht hat. Der Zusammenbruch war so eklatant, daß der Vertreter der Staatsanwaltschaft selbst ihn anerkennen mußte, daß er n den meisten Fällen die Anklage auf Aufruhr glatt fallen assen mußte. Uebrig blieben. Handlungen Einzelner, wie sie die Schöffengerichte alle Tage zu Dutzenden abzuurteilen haben und mit kleinen Strafen zu belegen pflegen. Hier sind die Strafen allerdings erheblich härter auS- gefallen. Wie wir schon gestern sagten, so ist es gekommen: der Schatten des großen Ereignisses, der auf den Prozeß fiel, hat die Taten der Angeklagten den Vertretern der Justiz in dunklerer Färbung erscheinen lassen, als es geschehen wäre. wenn der gewaltige politische Hintergrund nicht gewesen wäre. Das Gericht hat das in der Urteilsbegründung damit motiviert, daß die Gefährlichkeit der Beleidigung, des Wider- standes gesteigert werde, sofern sie bei Ansammlung großer Menschenmassen geschehen. Uns möcht's scheinen, daß die Erregung, in die die Beteiligung an einer großen Menschen- ansammlung den Einzelnen erfahrungsgemäß versetzt, eher ein Milderungsgruud sein müßte. Aber selbst wenn man die obige Deduktion des Gerichts anerkennen wollte, bleiben die Urteile für die Beleidigungen und Widerstands» leistungen, die den einzelnen Angeklagten zur Last gelegt werden, noch hart genug. Am härtesten aber sind die beiden Angeklagten bestraft worden, die keine Beleidigung der Schutzleute, keinerlei Wider- stand gegen Beamte begangen haben, die beiden„Aufruhrer" Paschke und Wermuth. Ihr ganzes Verbrechen besteht darin, daß sie sich in dem Zug der Wahlrechtsdcmonstrantcn de- funden haben, dem Polizeihauptmann Stephan eine Schlacht in der Friedrichsgracht geliefert hat, und daß sie bei der schneidigen Attacke verwundet wurden, was sie dann der Polizei in"die Arme geführt hat. Mit ihnen noch einen dritten, den An- geklagten O. Ludwig, der aber freigesprochen wurde, weil ihm, dem Jüngling mit der guten Gesinnung, dem ordent- lichen Menschen, der keine Zeitung liest, geglaubt wurde, daß er nur zufällig in den Zug geraten sei. Paschke und Wermuth dagegen haben nicht geleugnet, daß sie durch Beteiligung am Zuge demonstriert haben. Sie sind nach Ansicht des Gerichts des Aufruhrs schuldig. Die gerichtliche Deduktion, die das erschließt, bildet den politischen Einschlag des Prozesses, ist jenes Moment, das die Ueberschrift unseres Artikels rechtfertigt. Daß zweierlei Recht in Preußen gilt, hat sich hier wieder in aller Schärfe er- wiesen. Nur mit Hülfe des berüchtigten dolus eventualis hat der Gerichtshof die Konstruktion der Aufruhrfeststcllung errichten können. Ten Teilnehmern des Zuges, die in der Friedrichs- gracht den Polizeisäbcl zu kosten bekamen, soll bewußt gewesen sein, daß es wahrscheinlich nicht ohne Zusammenstöße mit der Polizei abgehen werde, daß es dabei zu Bedrohungen und Handlungen wider die Beamten kommen könne und damit sollen sie im Boraus einverstanden gewesen sein. Weshalb aber mußten sie sich das alles sagen? Weil der Polizei- Präsident bekannt gemacht hatte, daß Demonstrationen zu Zusammenstößen führen könnten und daß die Polizei ein- schreiten werde I Daß die Demonstranten aus der polizeilichen Duldung, ja Ermunterung der Demonstrationen dcr Ordnungs- parteiler in den Wahlnächten des Januar und Februar 1907, aus den Ansprachen des Reichskanzlers und des Kaisers an diese Demonstranten den Schluß ziehen mußten, im Staate Preußen, wo nach der Verfasiung alle Bürger vor dem Gesetz gleich sind, müsse danach den Angehörigen aller Parteien dgS Recht auf die Straße zustehen, diese Tatsache hat cmf das Gericht keinerlei Eindruck gemacht. Vergeblich haben hier die Verteidiger angesetzt, haben die Genossen Heincmann und Dr. Rosenfcld in treffsicheren Ausführungen" auf diese wunde Stelle der Anklage hingewiesen. Ebenso wie es ver- geblich war, daß sie aus dem Zweck, den die Demonstrationen verfolgten, die Wahlrechts forderung als die Forderung der Massen zu erweisen, den Herrschenden die nach dem gleichen Wahlrecht Verlangenden, die die Schmach des Dreiklassen- Wahlrechts Empfindenden greifbar, körperlich vorzuftihren, nachwiesen, daß die Absicht, Straßenkämpfe mit der Polizei herbeizuführen, ausgeschlossen war. Umsonst auch die scharfsinnigen juristischen Darlegungen, zu denen auch der dritte Verteidiger Friedmann Vortreffliches fügte. Der Gerichtshof ging von seiner ersten unzutreffenden Annahme weiter und verkündete offen das zweierlei Recht. Die behördliche Billigung und Ermunterung der Denionstra- tionen der Ordnungsparteiler berechtigt seiner Ansicht nach die Wahlrechtskämpser nicht, gleichfalls auf die Straße zu gehen. Denn welche Demonstrationen sie zulassen will, das hat die Polizei in jedem einzelnen Falle zu prüfen und zu cutscheiden. Das heißt: Ordnungsparteilcr dürfen demonstrieren, Sozialdemo- kraten nicht. Und weil die Polizei sie als minderen Rechts behandelt, so ist es klar, daß sie niit Aufrührergelüstcn auf die Straße gehen I Nach dieser Leistung des Gericht? ist es nicht mehr verwunderlich, daß ihm die Feststellung, der Demonstrations- zug in der Friedrichsgracht hat Handlungen begangen, die den weiteren Tatbestand des Ausruhrparagraphcn erfüllen, nicht schwer gefallen ist. Die gravierende Tatsache, daß, wie der Vergleich der Aussagen des Polizeihauptnianns Stephan und des Polizeileutnants Pusch ergibt, der Zug der Demon- stranten bereits erheblich zurückgewichen war, als der Haupt- inann einhauen ließ, daß er also absolut keine Neigung ge- habt haben kann, sich in eine Schlacht mit der Polizei ein- zulassen, hat auf das Gericht offenbar gar keinen Eindruck gemacht. Ebensowenig, daß diese Tatsache auch noch am letzten Tage der Verhandlung durch unbeteiligte Zeugen aufs neue erwiesen wurde. Ihm genügten die Aussagen der beteiligten und erregten Schutzleute, um festzustellen, daß der Zug nicht rückwärts, sondern vorwärts wollte und daß aus ihm heraus die Polizeibcamten bedroht worden seien vor dem Einhauen der Polizeisäbel. Und so müssen Paschke und Wermuth wegen Aufruhrs 6 Monate ins Gefängnis. . Diese Opfer dauern uns. Aber den Prozeß hat die So- zialdemokratie nicht zu bedauern. Er hat erwiesen, daß die aroße, stolze Kundgebung des Proletgriats vom 12. Jutuas die scharfe Prüfung des Gerichtsverfahrens nicht zu scheuen hat, daß diese Demonstration ebenso würdig wie groß und bedeutend war, daß die Entgleisungen weniger Einzelner den erhebenden Gesamteindruck dieser proletarischen Tat nicht trüben können. Wenn unsere Gegner gehofft haben sollten, der Prozeß werde Material zur Diskreditierung der Wahl- rcchtsdemonstration liefern, so werden sie sich ebenso betrogen fühlen wie die nach Rache schreienden Brandensteiner. Bloß- gestellt ist dagegen wieder einmal die Berliner Polizei, deren Spitzelwirtschaft trotz des vorsichtigen Ausweichens des Po- lizeipräsidenten dank der Bemühungen der Verteidigung wenigstens in einer Stichprobe ins Licht der Oeffent- tlichkeit gestellt worden, deren sinnloses Dreinhauen auf 'riedliche Bürger die Beweisaufnahme über die Schlacht in »er Friedrichsgracht offen gelegt hat. S i e ist die Leidtragende ?icses Prozesses und nicht die Sozialdemokratie, die ihren Weg unbeirrt fortsetzt und ihren Wahlrechtskampf weiter impfen wird trotz aller Brandensteiner und Polizeiaufgebole. freisinnige Demagogie. Die freisinnige Wahlrechtsdemagogie wurde unlängst durch den Chefredakteur Dr. Herrmann der börsenfreisinnigen„D a n z i g e r Leitung" in wirklich klassischer Weise dargestellt. In Tanzig .inden im Herbst d. I. die StadtUerordnetenwahlen statt, denen �cr im höchsten Grade reaktionäre Rathausfreisinn nicht gerade nit den hoffnungsfreudigsten Gefühlen entgegensieht. Deshalb werden nun alle Register seines üblichen demagogischen Rcklatne- cummels gezogen. Obgleich die hiesige Stadtverordnetendersamm- kung nicht nur in der gesetzlichen Höhe von 50 Proz., sondern durch oie freisinnige„Demokratie" sogar zu Proz. aus Hausagrariern — von 63 Stadtverordneten sind 40 Hausbesitzer— besteht, hielt ocr journalistische Chef der freisinnigen Hausagrarier am 6. März ,m Mieterverein eine kampfdrohende Anklagerede gegen„das Haus- bcsitzertzorrecht bei den Kommunalwahlen". In diesem Vortrage ging Dr. Herrmann nun aber sehr erheblich über die Grenzen seines Themas hinaus. Er behandelte das kommunale Dreiklassenunrecht in vollem Umfange und führte in durchaus vollendeter Weise den schlüssigen Beweis für seine krasie Ungerechtigkeit. Wer den Mann reden hörte, konnte nichts anderes annehmen, als: Hier redet ein völlig überzeugter Freund des gleichen, allgemeinen, direkten und geheimen Wahlrechts. Diese Worte und diese entrüstete Verurteilung konnte— für ein ahnungsloses Gemüt— doch nur ein unversöhn- licher Feind aller Interessen- und Privilegienunrechte finden. Für die Notwendigkeit des gleichen und geheimen Wahlrechts für die Städte berief Dr. H. sich auf die Steinsche Städteordnung von 1b08. die bekanntlich dieses Wahlrecht ohne jede Bevorrechtung be- reitS kannte. In der ausführlichen Wiedergabe seines Vortrages in der„Danzlger Zeitung" und einer besonderen Broschüre hebt er die völlige Wahlgleichheit aller Bürger in der Steinschen Ordnung sogar durch Fettdruck besonders hervor! Und enthusiasmiert schloß er seinen Vortrag mit der kühnen Aufforderung: Es handelt sich um eine Forderung der Gerechtigkeit, der kein gerecht und unbefangen Denkender wider- sprechenkann. ZurückzumGeistdesgroßenStein! Zwar bemerkte der glühende Schwärmer für die Steinsche Rechts- gleichheit nebenbei auch, daß er nur die Abschaffung der ö f f e n t- l i ch c n Wahl, die—„Revision"(!) der Dreiklassenfesseln und die Aufhebung des Hausbesitzervorrechts wünscht. Der Gesamteindruck seiner Ausführungen war aber zweifellos der, daß ihm auch für die städtischen Bürger das f r e i e st e Wahl- recht gerade gut genug sei. Am 6. März hielt Herr Dr. Herrmann seine wahlrechtsfreundliche Anklagerede und druckte sie in mehreren Fortsetzungen fast wörtlich in seiner„Danziger Zeitung" ab. Der letzte Aufsatz stand in der Abendausgabe vom 27. März. In derselben Nummer brachte aber das Blatt ein Stimmungs- bild über die ReichStagSverhandlung, die sich mit der sozialdemo- kratischen Wahlrechtsresolution beschäftigte. Und in diesem Aufsatz geht nun Dr. Herrmann, der kühne Siegfried des gleichen und ge- Heimen Wahlrechts, seinem eigenen Vortrage und seiner„frei. sinnigen" Volksfreundlichkeit in dieser sicher ganz unzweideutigen Weise zu Leibe: „Das allgemeine und gleiche Wahlrecht würde die unduldsam st e Partei, die Sozialdemokratie. ans Ruder kommen lassen. Das würde besonders dann zum Ausdruck gelangen, wenn auch das— freilich von keinem vernünftige» Liberalen verlangte— gleiche Wahlrecht in den großen Kommunen eingeführt würde." Die Worte„keinem" und„Kommunen" hat Herr Dr. Herrmann selbst unterstrichen! Da dieser wahlrechtsschwärmerische Haus- agrariertöter zweifellos energisch protestieren würde, wenn man ihn nach seiner eigenen Logik für unvernünftig halten wollte, so hat er eben als„vernünftiger Liberaler" in seinem Vortrage also bloß das direkte Gegenteil seiner wirklichen re» aktionären Ueberzeugung ge— mimt! Trotz dieses Bekenntnisses zur Privilegiertenwahl druckte der vielseitige Frei- sinnSdoktor aber noch in der Morgenausgabe vom 28. März die freiheitlichen Bestimmungen der Steinschen Städteordnung, sogar in vollem Wortlaut mit Fettdruck, als Beweis für die dringende Notwendigkeit eines völlig gleichen und geheimen Kommunalwahl- rechts ab! So sind sie alle, die Herren vom Börsen- und Blockfreisinn! Ihre Lippen triefen von liberalen Phrasen, während sie im Herzen das allgemeine und gleiche Wahlrecht ebenso verabscheuen wie die Nationalliberalenl Noch nicht reif genug! Auch der schleswig-holsteinische Freisinn hatte versucht, mit den Nationalliberalen ein Wahlbündnis ein- zugehen. Auf dem Parteitage der nationalliberalen Jugend soll nun behauptet worden sein, daß der schleswig-holsteinische Freisinn das Scheitern des nationalliberal-freisinnigen Wahl- bündnisseS verschuldet und dadurch ein allgemeines Wahlbündnis dieser Art für ganz Preußen vereitelt habe. Diese furchtbare Anklage konnte der s ch l e s w i g» holsteinische Freisinn natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Der Landtagsabgeordnete Hoff- Kiel verwendet den Raum eines ganzen langen Leitartikels im„Verl. T a g e b l." darauf, um dieser schnöden„Legendenbildung" entgegen- zutreten. Der schleswig-holsteinische Freisinn, so führt er aus, sei nicht nur bereit gewesen, mit den Nationalliberalen zu- sammenzugehen, sondern er habe sogar den ersten Schritt zur Verhandlung getan. Nicht am guten Willen des Freisinns sei das Bündnis gescheitert, sondern an dem Widerstand der Nationalliberalen. Diese hätten einstweilen noch die Konservativen für die Bündnis- fähigeren gehalten. Zwar hätten Konservative und Dcutschsoziale bei der letzten R e i ch s t a g s w a h l in der ganzen Provinz zusammen kaum- 18000 Stimmen erhalten, doch werde das Stimmenverhältnis von den Nationalliberalen nicht als zuverlässiger Maßstab der Stärke der Konservativen betrachtet, hätten doch bei den ReichstagSwahlen die Konfer- vativen in der Regel für die Nationalliberalen gestimmt, während bei den Landtagswahlen die Nationalliberalen den Konservativen in einer Anzahl von Wahlkreisen gutwillig das Feld überlassen hätten. Seit etwa 25 Jahren habe dies schöne Verhältnis der konservativ- national- liberalen Waffenbrüderschaft bestanden l So habe der Liebesantrag der Freisinnigen keine Gegen- liebe gefunden. Trotz der Sprödigkeit des konservativen Zu- mutungen so zugänglichen Nattonalliberalismus hätten indes, so betont Herr Hoff, die abgeblitzten freisinnigen Frei- Werber keineswegs die Gekränkten gespielt. Im Gegen- teil, in das letzte Verhandlungsprotokoll in Altona sei mit Zustimmung sämtlicher Delegierter ein Satz aufgenommen worden, der inhaltlich etwa lautete: „Die beiderseitigen Delegierten bedauern. daß sich zurzeit ein Zusammengehen zwischen de» Nationalliberalen und den Freisinnigen in Schleswig-Holstein auf breiterer Grund- läge nicht ermöglichen läßt; sie erhoffen aber ein solches von einer späteren Zukunft!" Wie schade, daß der schleswig- holsteinische Freisinn nicht schon diesmal mit den Nattonalliberalen zusammengehen kann. Es wäre eine konservativ- liberale Paarung im kleinen ge- wesen I Denn dieser Nationalliberalismus, der seit einem Menschenalter bei der Neichstagswahl unÄer nationalliberaler, bei der Landtagswahl unter konservativer Flagge segelt, wäre der cbenbürttge Bettgenosse des Freisinns gewesen! liiilitarisrnns und Sparpolltilt. Die Kosten für den Militarismus wachsen täglich. Der Land-, Wasser- und Kolonialmilitansmus verschlingt schon gegenwärtig die Riesensumme von 1500 Millionen pro Jahr, das heißt mehr, als sämtliche Reichseinnahmen zu- sammen ausmachen! Wenn von den bürgerlichen Parteien bei Wahlen immer die Forderung„größerer Sparsam- keit" erhoben wird, so ist das nichts als frivolste Heuchelei, denn Ersparnisse ließen sich einzig auf dem Gebiete des Militarismus, der Flotten- und Kolonial- Politik machen. Für Kulturaufgabcn wendet ja das Reich sowohl wie Preußen so bitter wenig, so unzuläng- lich wenig aus. daß sich da beim besten Willen keine Er- sparnisse machen lassen. Daran, beim Land- oder Wassermilitarismus Ersparnisse zu machen, denkt aber keine einzige aller bürgerlichen Parteien. Der Freisinn lehnte früher gelegentlich Militär-, Marine- oder Kolonialforderungen ab, aber seit seiner Blockpaarung sind diese Zeiten unwiderbringlich dahin. Das beweist am besten die Tatsache, daß der Freisinn trotz der ungeheuerlichen Finanzklemme des Reiches, trotz des Riesendefizits, trotz der enormen neuen Anleihen die neue Marinevorlage glatt be- willigt, ja sogar versprochen hat. in ein paar Jahren über eine allerneueste Marinevorlage mit sich reden- zu lassen! Wir hatten vor der Abstimmung unwidcrlegt nachgewiesen, daß die Behauptung, die Marinevorlage sei notwendig, um die deutsche Flotte zu verjüngen, unrichtig war. Wir hatten gezeigt, daß keine Flotte prozentual so zahlreiche Schiffe jugendlichen Alters besitzt, wie gerade die deutsche Flotte. Wir hatten femer unwiderleglich gezeigt, daß die ganzen Schiffsbaupläne auf nichts anderes hinaus- liefen, als das Reich zunc uunnterbrocheneu, immer uferloseren Flottenrüsten zu zwingen. Trotz alledem und trotzdem der Freisinn wußte, daß die neue Marinevorlage die unauS- bleibliche Steuerschröpfnng der Massen durch neue indirekte Steuern noch verheerender für die Volkscrnähmng gestalten würde, bewilligte er auch diese militärische Mehrbelastung. Damit ist das Reichsdefizit auf 500 Millionen Mark— ohne die 90 Millionen für die so dringende Gehalts- aufbesserung der Beamten I— hinaufgeschraubt worden l Aber der Militarismus fordert immer neue Ausgaben. So be- rechnet der ehemalige Oberst G ä d k e. daß die in Aussicht genommene Erhöhung der Löhnung der Mannschaften jährlich 18 Millionen Mark mehr erfordem werde, ganz abgesehen von der Erhöhung der Offiziersgehälter und Unteroffiziers- löhnungen. Nun ist es gerade die Sozialdemokratie gewesen, die für die Erhöhung der Löhnung der Mannschaften und Unteroffiziere eingetreten ist, die von den Konservativen abgelehnt wurde I Und die Sozialdemokratte wird alles auf- bieten, um diese Mehrausgaben durchzudrücken l Hier kann. hier darf nicht„gespart" werden! Und wenn das Volk nicht will, daß die Last der indiretten Steuern vollends unerträg- lich wird, so muß es eben dafür sorgen, daß den Kolonial- fexe»«nd Panzerplattenpatrioten das Handwerk gelegt wird! poUtifcbe Qeberlicbt. Berlin, den 16. April 1908. Zur Reichsfinanzlage. Die Einnahme des Reichs aus der Reichsstempelabgabe bleibt für das am 31. März beendet« Etatsjahr Ivo? weit hinter den Vor- anschlagen zurück— hauptsächlich infolge der Abflauung des Wirt. schaftslebens, der Abnahme der Emissionen und AnschaffungS- gefchäfte. Während der Emissionsstempel im EtatSjahr 1066 40 484 786 M. brachte und für 1907 auf 28 299 460 M. veranschlagt tvar. hat er tatsächlich im letzten EtatSjahr nur 24 252 196 M. er. geben, also über 4 Millionen Mark weniger. Einen noch größeren Ausfall wird der andere Teil der Börsensteuer, der Stempel für Kauf- und sonstige AnschaffungSgcschäfte ergeben. Die Einnahme aus ihm ist auf 19 602 060 M. veranschlagt, während die 11 Mo- nate, über die bisher Nachrichten vorliegen, eine Einnahme von nur 8 708 341 M. gebracht haben. Im ganzen ergibt sich demnach ein Fehlbetrag von 14 Millionen Mark. In Anbetracht der miserablen Reichsfinanzlage ist das ein recht empfindlicher EinnahmeauSfall. Doch was quälts den Rc- gierungSblock. Er wurstelt weiter.— Der freikonservative Wahlaufruf. Auch die Partei der Zedlitz, Arnedt, Gan,p und Lkevert hat nunmehr ihren Wahlaufruf zur LandtagSwahl erscheinen lassen. Die allgemeinen Redensarten über die erhabenen Ziele dieser Partei der Scharfmacher interessiere» die breitere Oeffentlichkeit kaum; niedriger zu hängen ist jedoch der Teil, der vom preußischen Wahlrecht handelt. Hierüber besagt der Aufruf: „Mit der Staatsregierung teilen wir die Ueberzeugung, daß unser Wahlrecht verbesserungsfähig ist. Die in Aussicht gestellte Borlage zur Aenderung des Wahlrechts für das Abgeordnetenhaus werden wir mit Unbefangenheit, aber auch mit Bedacht und Vorsicht prüfen. Lediglich die Rücksicht auf dauernden Gewinn für das Staatswohl wird für unsere Eni- scheidung maßgebend sein. Die Uebertragung des Reichs- Wahlrechts auf Preußen lehnen wir ab. Bestehend« Wahlkreise dürfen wegen geringe rerBevölkerunaö« zahl nicht beseitigtwerden. Jede WahIkrelSetntetkung. welche einem Teile der Wahlkreise eine Verkürzung seiner bis- herigen, historisch gewordenen Vertretung im Abgeordnetenhausc bringt, ist zu verwerfen." Die Freikonservativen lehnen also die Uebertragung deS Reichstags Wahlrechts auf Preußen entschieden, ab, ebenso jede Neueinteilung der Wahlkreise gemäß dem jeweiligen Bevölkerungsstande, lieber die Art der Wahlreform selbst hüllt sich der Ausruf in undurchdringliches Schweigen. In Wirklichkeit sind gerade die Freikouservativen Feinde jeder Wahlreform, die einen solchen Namen überhaupt verdiente. Das ist kein Wunder, denn keine Partei steht sich bei dem herrschenden Wahl- unrecht besser, als gerade die Freikonservativen. Bei 48 000 Ur- wählerstimmen erhielt diese Partei 60 Mandate I DaS heißt, auf je 8lX) Urwähler entfiel bei den Freikonservativen ein Abgeord- neter, während die Sozialdemokratie bei 314000 Urwählern auch nicht einmal einen einzigen Abgeordneten durchbrachte l_ Ausführung des Reichsvereinsgesetzes. Nach den Bestimmungen der ZK 6, 9 und 12 des ReichsvereinZ- gesetzes entscheidet die Landeszentralbehörde über die Art der öffent- lichen Bekanntmachungen der Versammlungen, ferner über Ver- sammlungen unter freiem Himmel und öffentliche Aufzüge und auch darüber, inwieweit die Verhandlungen nur in deutscher Sprache zu führen sind. In Anbetracht dieser Bestimmungen hat die sozialdemokratisch: Fraktion des badischen Landtages einen Antrag ausgearbeitet, in dem die Regierung ersucht wird, dem Landtage unverzüglich einen Gesetzentwurf vorzulegen, in welchem alle die Milderungen des Reichsvereinsgesetzcs für die Bevölkerung Badens sichergestellt werden. Insbesondere soll den zahlreichen, in Baden lebenden Aus- ländern der uneingeschränkte Gebrauch ihrer Muttersprache gewähr- leistet werden. Der sozialdemokratische Antrag wird der Kammer sofort nach ihrem Wiederzusammentritt vorgelegt werden.— Ein Wahlbund der Industrielle«. Seit einiger Zeit sind Bestrebungen im Gange, einen industri» ellcn und gewerblichen„Arbeitgeber"»Bund nach dem Modell des Bundes der Landwirte ins Leben zu rufen, um in ähnlicher Weise wie diese auf die Wahlen einzuwirken und für eine bessere Ver- tretung der industriellen Interessen in den parlamentarischen Körperschaften zu sorgen. Kürzlich hieß es, diese Vereinigung, der sich auch der Zentralverband deutscher Industrieller angeschlossen habe, würde vielleicht noch vor den preußischen Landtagswahlcu ihre Tätigkeit aufnehmen können. Demgegenüber läßt der Zentral- verband in den„Verl. Pol. Nachr." erklären: „Wir sind von zuständiger Seite- ermächtigt worden, hier festzustellen, daß zwischen dem Träger des die neue politische Ver- cinigung der Arbeitgeber betreffenden Gedankens und dem stell» vertretenden Vorsitzenden deS Zentralverbandes Deutscher Iii- dustrieller zwar vorläufige Besprechungen stattgefunden haben, in denen, wie nicht anders zu erwarten war jener Gedanke sym- pathisch aufgenommen wurde; diese Besprechungen sind jedoch un- verbindlich für den Zentralverband Deutscher Industrieller ge- führt lvorden, dessen Organe noch keinen Anlaß und keine Ge- legenheit gehabt haben, sich mit dem in Rede stehenden Plane zu beschäftigen. Das soll erst in einer Sitzung des Direktoriums zu Beginn des nächsten Monats geschehen."— Ein Nachspiel zum Hardenprozetz. Wie die„Münchencr Neuesten Nachrichten" melden, wurde dem Justizrat Bernstein heute die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft am Landgericht Berlin l wegen Beleidigung des Fürsten zu Eulen- bürg zugestellt. Die Beleidigung wird in einigen Aeutzerungen gefunden, die Justizrat Bernstein beim ersten Hardenprozeß getan hat.__ Die Gleichheit der Mecklenburger vor dem Gesetz. Der Kuhfütterer Hesse hatte seinen Arbeitgeber, den Gutsbesitzer von Haeseler um seine Invaliden karte gebeten, weil er auf seinem Nachtlager wegen des dort vor- handenen Ungeziefers keine Ruhe finden könne. Der.Herr" hatte den Mann kurzerhand an die Arbeit geschickt und ihn dabei mit„Du" angeredet. Hesse hatte geantwortet, indem er den v. Haeseler ebenfalls mit Du anredete. ES wurde deshalb gegen Hesse O f f i z i a l- klage erhoben und dieser am 29. Februar d. I. vor dem Criwitzcr Schöffengericht wegen Beleidigung zu 10 M. Geldstrafe verurteilr. (Der Amtsanwalt batie vier Tage Haft beantragt.) Selbstverständlich legte Hess« Berufung ein. Dieser Tage kam die Berufung vor der Schweriner Strafkammer zur Verhandlung. Der Junker erklärte, er habe sich beleidigt gefühlt. Der Staatsanwalt beantragte Verwerfung der Berufung. Die Berufung wurde nach kurzer Beratung verworfen. Das Gerickt hat nicht zu der Ueberzeugung tonanen können, daß auf den vorliegenden Fall der§ 199 in Anwendung zu kommen habe, weil von Haeseler nicht das Bewußtsein gehabt habe, Hesse zu be- leidigen, wenngleich angenommen werden möge, daß sich Hesse beleidigt gefühlt habe. Dagegen könne es leinem Zweifel unterliegen, daß Hesse das. Du" mit der Absicht gebraucht habe, dem Haeseler seine Mißachtung zum Ausdruck zu bringen. Jedes Wort der Krück würde gegenüber diesem Urteil nur ab- schwächend wirken!_ Zentrum und Wahlrecht. Wie ein Wagen, der weder geschoben noch gezogen wird. vorwärts kommen soll, wird Herr Reichstagsabgeordneter GieSbertS zu beweisen haben. Der Herr hielt aus Einladung der Solinger Zentrumsleitung einen Vortrag über„Unsere Stellung zum preußischen Landtagswahlrecht". GiesbertS fand zwar recht kräftige Worte der Kritik gegen daS bestehende Preußen-Wahlrecht und forderte auch seine Parteigenossen zur Agitation für die Uebertragung deS allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts auf Preußen auf; andererieitS aber konnte er es nicht unterlassen, der Sozialdemokratie vorzuwerfen, sie stärke durch ihre geräuschvollen Wahlrechtsdemonstrationen die Reaktion.„Arbeiten Sie so in der Stille, wie wir!" ermahnte uns Herr GiesbertS. Wenn so derjenige der ZentnimSmannen, den man zu den „Radikalen" zählt,„passive Resistenz" im WahlrechtSkampf predigt, welchen Rückschluß darf man dann auf die Stellung der gesamten Zentrumspartei ziehen! Das Resultat aller Betrachtungen über die WahlrechlSfreundschaft deS Zentrums wird fein: Freisinn und Zentrum sind gleich unzuvrrlSsfigt Wahlrechtösrcundc!_ Der Eid des Schutzmanns. Am Sonnabendmorgen hatten sich beim Schöffengericht zu Solingen wieder mehrere Wahlrechtsdemonstranten zu vcraniworten. Am 26. Januar konstituierte sich in einer großen Versammlung der Zentralwahlverein der sozialdemokratischen Parte- für den Kreis Solingen. Nach Schluß der Versammlung, als sich die Teilnehmer nach Hause begeben wollten, was naturgemäß, da daS Versammlungslokal außerhalb des Stadtzentrums lag und auch viele auswärtige Genossen dem Bahnhof zustrebten. was in großen, lose zusammenhängenden Massen geschah, kam es zu Zusammenstöße» mit der Polizei, die die Liege versperrte. Eine ganze Anzahl Don Genossen. die angeblich gelärmt und ge- schrien haben sollen, hatte sich dieserhalb bereits vor dem Straf- richter zu verantworten. So auch Sonnabend. Es wurde dabei ein Genosse verurteilt, obwohl er sich erbot, Zeugen beizubringen, die bekunden würden, daß er zu der Zeit, als die„Demonstrationen" stattfanden, an einem anderen Orte gewesen sei. Auf den Eid des Schutzmanns hin aber wurde sein Beweisantrag abgelehnt. Das Interessante ist nun, daß bor einigen Wochen in einem ähnlichen Falle bereits eine Frau, die durch zwei Zeuginnen beweisen konnte, daß sie zu Hause gewesen sei, trotz des Schutzmanns- eideSfreige sprachen werden mutzte. In diesem neuen Falle wird Berufung eingelegt und es sich dann ja herausstellen, ob der Eid eines Schutzmannes jede Möglichkeit eines Irrtums ausschliefet. Datz man aber endlich einmal die Lehre daraus zieht, und anderen Sterb- lichen dieselbe Wahrheitsliebe zutraut wie Schutzleuten, wagen.wir stark zu bezweifeln.—_ Herabsetzung des Gemeindewahlzensus. Die Stadtverordneten der Stadt Velbert(Rhld.) beschlossen auf Antrag des sozialdemokratischen Wahlvereins, den Zensus für die Wahlberechtigung zum Gemeinderat von 900 auf 600 M. herabzusetzen. Gegen den Antrag st raubten sich mit aller M a ch t d i e freisinnigen Stadtverordneten, während die Zentrums- fraktion des Stadtparlaments mit unseren Genossen stimmte. Durch Mißhandlung zur Selbstverstümmelung getrieben. Aus Halle a. S. berichtet man uns unterm Ib. April: Am I. Februar d. I. zertrümmerte sich der Kürassier Hermann Graf von dem Kürassierregiment Nr. 7 in Halberstadt mit einem Kara- biner, der mit einer Platzpatrone geladen war. das letzte Glied des linken Zeigefingers, um vom Militärdienst loszukommen. Er» Mittelungen ergaben, datz Graf, der zur Zeit noch Rekrut war, von dem Unteroffizier Schmidt geohrfeigt und durch die Worte „katholischer Bock" beleidigt worden war. Während Graf vor dem Kriegsgericht der 8. Division in Halberstadt erklärte, von dem Unter- offizier öfter mißhandelt worden zu sein, so datz er, der Unter- gebene, sich sogar mit Selbstmordgedanken getragen habe, meinte Schmidt, er könne sich gar nicht mehr auf so etwas besinnen. Der als Zeuge geladene Kürassier Hase stellte zunächst glattweg in Abrede, datz der Unteroffizier den Untergebenen mißhandelt habe. Als man den Zeugen aber in Abwesenheit des Unteroffiziers ver- nahm, da räumte Hase ein, die dem Graf von Schmidt verabreichte Ohrfeige sei„schön und kräftig" gewesen. Graf wurde zu vier Monaten Gefängnis verurteilt— Schmidt kam mit sechs Tagen gelinden Arrest davon!_ Militärische Schicksale eines geistig Minderwertigen. Der Musketier Bock vom Regiment S1 in Breslau hatte auf der Festung Neisse eine Strafe von 18 Monaten wegen Vergehens gegen die Disziplin verbüßt. Zur Truppe entlassen, betrank er sich und beging verschiedene Delikte. Wegen eines bunten Straußes von Straftaten hatte das Kriegsgericht den Sünder zu einem Jahre drei Monaten einem Tag Gefängnis ver- urteilt. Bock legte Berufung ein. In der Irrenanstalt Bunzlau ward er auf seinen Geisteszustand beobachtet. Oberarzt Dr. Ziertmann hält ihn nicht für geisteskrank, aber für degeneriert und geistig minderwertig veranlagt, an der Grenze stehend zwischen geistiger Gesundheit und Krankheit. Im Arrest machte er einen Selbstmordversuch. Von den Militärärzten ist er wieder versuchsweise in die Truppe eingestellt worden. Das Gutachten der zwei militärischen Sachverständigen geht dahin, da Bock an dem Tage große Mengen Alkohol genossen, sei es möglich, datz bei seinen Taten im Affekt die freie Willens- bestimmung ausgeschlossen war, der Irrenarzt aber nimmt infolge Alkoholgenusses krankhafte Störung des Geistes an, welche die freie Willensbestimmung ausschloß. Kriegsgerichtsrat Pruck beantragt, Verwerfung der Berufung. Das Gericht er- kannte auf zehn Monate und einen Tag Gefängnis, indem es keine Sinnlosigkeit annahm, rechnete aber drei Monate von der Untersuchungshaft als verbüßt an. Oc rtcrrnch-CIngarti. Zum Lemberger Attentat. Die Untersuchung gegen den Mörder des Grafen Potocki ist soweit vorgeschritten, datz auf Beschlutz des Untersuchungsrichters der verhaftete Akademiker Camora und die drei verhafteten Schwestern Siczhnskis als unschuldig auf freien Fuß gesetzt wurden. Auch der Student Ccglinski und die Witwe des ÄrzteS Koroluk, die im Zusammenhang mit der Ernwrdung des Grafen Potocki ver- haftet wurden, sind gestern abend aus der Haft entlassen worden. Grostserbische Agitation, in Bosnien. Die grotzserbische Agitation in den okkupierten Provinzen in Bosnien und Herzegowina scheint ziemlich bedenkliche Dimensionen angenommen zu haben, denn die ganze Bewegung wird unter die Wirksamkeit der seit 1878 nur äußerst selten gehandhabten stand- rechtlichen Proklamation gestellt. Dadurch gelangt auch die gegen die Redaktion der„Otac Bina" eingeleitete Untersuchung wegen Hock>vcrrats vor das Militärgericht. Der verantwortliche Redakteur des Blattes, ein gewesener Kellner, der geistige Leiter Jankowitsch und der Mitarbeiter Prokope sowie weitere 34 Personen in an- gesehenen Stellungen wurden auf Grund bei ihnen vorgenommenen Haussuchungen wegen Hochverrats verhaftet. franfcrdcb. Bombenexplosio». Narbonne, 16. April. Letzte Nacht explodierten vor der WoH. niirtg des Bürgermeisters und im Garten eines wohlhabenden Grundbesitzers zwei Bomben, die aber nur Schaden materieller Natur anrichteten. Ferner fand man vor dem Hause eines Eigen- tümers eine dritte Bombe, deren Lunte ausgegangen war. Man vermutet, datz diese Attentate mit dem Ausstand der Landarbeiter im Zusammenhang stehen, der nunmehr seit 20 Tagen andauert. Sie sollen offenbar den Borwand zur gewaltsamen Unterdrückung des Streikes geben. Italien. Ein gerichtliches Nachspiel des römische« Blutbades. Die römische Polizei sucht Material zu gewinnen für einen Prozeß, den sie gegen die Demonstranten vom Piazza del Gesu einleiten will. Sic stellt die Behauptung auf, die Syndikalisten hätten den Konflikt vorbereitet, damit es aus diese Weise zu einem Generalstreik käme. Es wird ferner die Behauptung aufgestellt, daß die Demonstranten geschossen hätten. Nun sind aber nur Kugeln gefunden worden, in den Leichen und in den Gliedern der Verwundeten, während die Äarabinieri nur einige Beulen von Steinwürfen abgekriegt haben. Trotz alledem will man eine Anzahl Leute anklagen, wegen Aufruhr beziehentlich Verleitung zum Auf- rühr. Das ganze wird gemacht, um nachträglich die Brutalitäten der Polizisten zu rechtfertigen. Cnglancl. Das Kabinett Asquith und die Jrländer. Die Jrländer erwarten von dem neuen Ministerium einen starken Widerstand gegen ihre separatistischen Pläne und rücken des- halb gegen das Kabinett zum Angriff vor. Wie das„Berliner Tageblatt" meldet, erklärte gestern Redmond, der Führer der Iren, in Dublin dem gegenwärtigen Kabinett den Krieg. Eine baldige Auflösung des Parlaments, sagt er. sei notwendig. Bei den Neuwahlen müsse Home-Rule im Vordergründe des Interesses stehen. Es sei daher Torheit, den Ablauf der Regicruugspecwde des Ka- binetts abzuwarten, und eS wäre Torheit, wenn die Ire» den Handelsminister Churchill bot der Nachwahl in Manchester unterstützen würde«. Der von Churchill mit unbeschreiblichem Kraft aufwand geführte Kampf um sein Mandat in Manchester wird daher immer schwieriger. JMarohho. FriedenSvorschläge Muley Hafids. Paris, 16. April. Aus Tanger wird gemeldet, datz der Kaid Sidi Aissa, der das Amt des Ministers des Aeutzeren Muley HafidS bekleidet, durch seinen Sohn, den Gouverneur von Saffi, dem dortigen französischen Konsul das Anerbieten unterbreitet habe, in Friedensverhandlungen einzutreten. Man frage sich, ob dieses An- erbieten ehrlich gemeint sei oder ob es nicht vielmehr den Zweck verfolge, neuerdings Zeit zu gewinnen. » Tanger, 16. April. Die kaiserlich-fcherifische Mahalla in einer Stärke von 7000 Mann und 25 Geschützen geht nächsten Donnerstag nach Fez, und zwar wird sie unter Befehl deS ÄriegsministerS über Lairache und Pcniasson vorrücken und rn 4 Kolonnen gestellt sein Hud Induftrie und Handel Streiflichter auf die Geschäftslage. Den gewaltigen Betriebserweiterungen in der großen Industrie, die dem Konsum weit vorauseilten, sind Einschränkungen der Pro- duktion erfolgt, die das Einkommen und den Verdienst weiter Kreise schmälern. Dabei stehen die Lebensmittelpreise nach wie vor hoch und ist ein Ende der Teuerung gar nicht abzusehen. Das internationale Spiegelglasshndikat hat mit Rücksicht auf den schwachen Einlaus von Aufträgen aus Amerika und England eine Bctriebsreduktion in der SpiegelglaSindustrie be- schlössen. Das Ausmatz der Reduktion wird den Industriellen der einzelnen Staaten überlassen. Die Maßregel trifft vor allem die Hauptproduktionsländer, also Deutschland und Belgien. wo die Beschäftigung schon lange sehr zu wünschen übrig läßt. Schlimm liegen auch die Dinge in der Textilbranche. Heute mutz die deutsche Textilindustrie mit der englischen Konkurrenz, die sich vordem gar nicht ftihlbar machte, schwer kämpfen, und beide kommen sich insbesondere auf den ausländischen Märkten ins Gehege. Die deutsche Maschinenindnstrte sucht gleichfalls im Auslände zu retten, was sie im Jnlande verloren. Ihr Angebot ist so drängend, datz die österreichischen Maschinenfabriken sich gezwungen sahen, ein Kartell zu bilden. Die Situation der eisenverarbeitenden Industrien hat sich nicht gebessert. Der Abruf der heimischen Verbraucher soll sich zwar in den letzten Wochen etwas gebessert haben, aber was will das gegen das Vorjahr und gegen 1905—1906 bedeuten I Nur hinsichtlich des Eisenbahnmaterials ist man von sanguinischen Hoffnungen erfüllt. Einstweilen bilden für die Eisenindustrie die Abschlüsse in Rillenschienen(für städtische Stratzenbahnen) und in Grubenschienen. einen Haüptarbeiterstock, indes Aufträge für Feldbahnschienen noch auf sich warten lassen. UebrigenS bereiten die ausländischen Werke den deutschen Werken in diesen Artikeln erhebliche Konkurrenz. DaS wichtigste Faktum, daS die Wirtschaftslage am drastischsten kennzeichnet, ist aber die rückläufigeKohlenkonjunktur Dabei ist die Förderung stärker denn je. und daS rheinisch-westfälische Syndikat erreichte im Februar und März Rekordziffern. Aber die Abnahme stößt auf wachsende Schwierigkeiten. Zwar ist die Nach- frage nach GaSköhle befriedigend, in Hausbrand- und Jndustriekohle aber macht sich eine ungewohnt? Abschwächung fühlbar. Dasselbe gilt von Koks und Briketts. Der Versand geht zurück und die Läger füllen sich.__ ProduktlonSeinschränkunz. Wie die„Kölnische Volkszeitung' be- richtet, planen die rheiuisch-westfälischen Baumwollspinnereien eine zwanzigprozentige ProduktionSeinschränkung. Sie beschlossen, Fühlung mit den sächsischen und süddeutschen Spinnern zu nehmen, um ein gemeinsames Vorgehen zu erzielen. Eine„Einbringmigssteuer" regt in ihrem soeben erschienenen Aprilhest die volkswirticbaftliche Revue„Die Bank" an. Nicht eine Aktien» oder eine Dividendensteuer, sondern eine„Einbringungs- steuer" tue not.„Sie halte sich auf alle Einbringungen und Er- Werbungen zu erstrecken, die bei der Gründung oder später gemacht werden Hier liegt eine gerechte und überdies jungfräuliche Steuer- quelle, die sehr ergiebig wäre, denn sieben Achtel aller Gründungen sind Jllationsgründungen. Sollte die Steuer— die eine Art der „Werizuwachssteuer" ist— dahin wirken, datz viele Umgründungen unterbleiben, oder datz mehr Gesellschaften als heute als reine Bar- gründungen errichtet würden, so wäre das gleichbedeutend mit einer Gesundung deS deutschen Gescllschastsweienö."— Wir meinen, man könne das eine tun und brauche das andere nicht zu lassen. Die einmalige Einbringiingssteuer wäre ein ganz angenehme Zugabe zur stets flietzenden Quelle der Dividendensteuer. Biehmarktbanken. Der Gegensatz zwischen Viehhändlern und Fleischern bat in der letzten Zeit zu der Errichtung einiger Biehmarkt- bankeil geführt, die den Händlern sehr unangenehm sind. Die amtliche Zeitung deS Deutschen Fleischerverbandes meint, datz in vielen Grotzstädten nur noch der günstige Augenblick abgewartet würde, um gleichfalls Viehmarktbanken zu errichten. In Hannover betreibe die Fleischerinnung mit grotzem Erfolge ein Viehkonlinisstons- geschäft in Gestalt einer Viehmarktbank. Die Kölner Biehmarkt- bank erfreue sich trotz ihres kurzen Bestehens einer ziemlich regen Benutzung ihrer Kommissionsabteilung. Auch die Viehmarktbanl in Frankfurt a. M. werbe prosperieren. In Halle. Zwickau und München stehe die Errichtung solcher Banken in allernächster Zeit bevor. Wie die Fleischer sich vom Handel unabhängig zu mackien suchen, so wollen sie auch� im Verkehr mit den Landwirten schon Vergünstigungen erzielen. Sie stotzen freilich hier aus die genossen- schastliche Biehverwertunjj der Landwirte, die ihnen ihre Be- strebungen erichwert. Die Fleischerinnung in Landsberg a. d. W. hat Ende vorigen Jahres beschlossen, lebendes Vieh nur noch mit 5 Proz. Abzug von dem auf Grund des Lebendgewichtes ermittelten Preise von den Landwirten � zu kaufen. Einen'ähnlichen Beschlutz fatzten die Fleischermeister im Südharz. Durch dieses Vorgehen werden nun auch wieder die Landwirte für den Gedanken eines ge-. nossenschastlichen Zusammengehens mobil gemacht. So scheint denn die Emanzipation der Fleischer vom Viehhandel dazu zu führen, datz territoriale Organisationen von den Landwirten auf der einen Seite und von den Fleischern auf der anderen Seite sich bilden, um die Versorgung der Städte und gewerblichen Zentren mit Schlachtvieh zu übernehmen. Leider ist wenig Hoffnung, datz dqbei der Konsum gewinnt: die Fleischer halten zähe an den hohen Preisen fest. Ein deutsches Petroleummonopol. In der chemischen Grotz- induftrie hat man sich in letzter Zeit besonders lebhaft mit der staat- lichen Monopolisierung des Petroleumhandels beschäftigt. Der Chemiker Prof. Dr. Krämer will nicht nur den Handel, sondern auch die Gewinnung und Herstellung des Petroleums vom Reiche be- wirken lasten. Als Bezugsquelle für das Erdöl kämen besonders Galizien und Rumänien in Betracht und sind in der Erdölindustrie dieser beiden Länder recht bedeutende Kapitalien angelegt. Von der etwa rund 18 Millionen Doppelzentner betragenden Gesamt- erzeugung Galiziens und Rumäniens könnte nach seinen» Vor- schlag ein sehr beträchtlicher Teil an Deutschland abgegeben werden. Dieses Erdöl würde vom Deutschen Reiche gekauft und in deutschen(staatlichen oder privaten) Betriebsstätten verarbeitet werden, so daß n»cht nur das Leuchtpetroleum, sondern auch die daraus erhältichen Fabrikate wie Benzin, Gasöl und Schmieröl in dem Monopol mit einbegriffen wären. Für die Wichtigkeit des letzteren Punktes spricht der Hinweis daraus, datz die Erdölfabrikate kaum ersetzbar sind und daher für ExplosionSmaschinen, für Unter» seeboote, lenkbare Luftschiffe, Kraftfahrzeuge und für Schiffskörper allgemein als unentbehrlich bezeichnet werden müffen. Baumwollindnstrie von Nordamerika. Ueber eine Studienreise in die Baumwollindustriegebiete von Nordamerika wird der Monats- schrift für Textilindustrie berichtet. DaS dortige Industriegebiet»eilt sich in zwei Bezirke, in die Nordstaaten(Neuenglaudstaaten) und die Südstaaten, wobei Washington als Scheidegrenze angesehen werden kann. In den Neuenglandstaaten sind 16,5 Millionen Spindeln und die dazu gehörige Anzahl Webstühle in Betrieb gegen 9,75 Millionen in ganz Deutschland. Der bedeutendste Jndustrieplatz ist Fall River, 92 Spinnereien und Webereien werden von 41 Gesellschaften be- trieben: die Gesamtzahl der Arbeiter beläuft sich auf 32000, in jeder Woche werden rund 230 000 Dollar an Löhnen ausgezahlt. Je mehr mau nach dem Süden kommt, desto kleiner und unbedeutender werden die Fabriken im Vergleich zu denjenigen in Neuengland. Im Süden ist die Armut der Bevölkerung besonders grotz, überall schlechte Wohnungen und unzeitgemätze hygienische Zustände. Trotz- den, hat die Baumwollindustrie in den Südstaaten in der allerletzten Zeit einen riesigen Aufschwung genommen. Heute sind 9 Millionen Spindeln und die entsprechende Anzahl Webstühle vorhanden, für den Unternehmer ist die Arbeiternot zu einer Kalamität geworden, iveil fremder Zuzug nicht zu erwarten ist. Die Einwanderer ziehen lieber nach dem Norden, weil sie außer den höheren Löhnen dort bessere Existenzbedingungen vorfinden. Soziales. Ein Bergrat als Scharfmacher. Auf dem Kohlenbergiverk Hertha am Deister brach im Spät- fommer des vorigen Jahres ein Streik ans, der nach sechswöchiger Dauer erfolglos abgebrochen werden mutzte. Im Jahresbericht der preutzischen Bergbehörden für 1907 fällt nun der Bergrat Most über diesen Streik folgendes auffällige Urteil: „Der vom 31. August bis 21. Oktober 1907 dauernde Aus- stand auf dem Kohlenwerk Hertha bei Bredenbach, Kreis Linden, Regierungsbezirk Hannover, ist wohl als eine Folge des vor« jährigen«usstandes anzusehen, bei welchem fich d» Werksleitung etwas gar zu nachgiebig gezeigt. Auch dieser Ausstand ist, wie der vorjährige, auf die Aufreizung der Belegschaft durch Vertrauens- leute des Deutschen Bergarbeitcr-Vrrbandes zurückzuführen. Den äutzeren Anlatz gab auch diesmal die Gedingefestfetzung für den Wagen Kohle." Weder war der Streik„eine Folge des vorjährigen AuSstandeS" noch „wie der vorjährige auf die Aufreizung der Belegschaft durch Vertrauens- leute des Deutschen Bergarbeiter-Verbandes zurückzuführen". Einzig die Gedingesestsetzung war die Ursache, nicht nur der„äußere Anlatz". Wenn also irgend jemand die Belegschaft aufgereizt hat, dann nicht die Vertrauensleute des Bergarbeiter- Verbandes. sondern lediglich die Werksleitung, und zwar durch Kürzung des Gedinges. Das sonderbare Urteil berührt um so eigenartiger, weil die streikenden Arbeiter Herrn Most um Vermittelung angegangen waren, dieser aber von der Werksleitung einen Korb erhalten hatte. Ist denn dem Beamten bei der Nieder- s-drift nicht der Gedanke gekommen, datz sein Urteil einer grund- losen Scharfmacherei verteufelt ähnlich sieht und wie eine solche wirken könnte? Und da wundern sich die staatlichen AufsichtSbeamten noch, daß die Arbeiter ihnen mit wenig Vertrauen entgegenkommen. CS gibt leine Klassenjustiz. Zwei Verhandlungen bor dem Landgericht in Memmingcn (Schwaben). 1. Fast: Der Besitzer einer Kiesgrube hat in seinem Betrieb aus Gewinnsucht die Vorsichtsmaßregeln zum Schutze von Gesundheit und Leben der Arbeiter nicht getroffen. Die Folge war die Verschüttung zweier Arbeiter. Einem glücklichen Zufall ist es zu danken, daß die verschütteten Arbeiter von ihren schweren Verletzungen wieder genesen sind. Urteil: 100 M. Geldstrafe. 2. Fall: Ein Mädchen hat eine Unterschlagung begangen. Sie hat sich zum Antritt einer neuen Stellung drei Schürzen ge- kauft, sie aber nicht bezahlt. DaS Bergehen liegt schon 4 Jahre zurück,»» Urteil; 3 Monate und 1 Tag Gefängnis. GewerKlcdaftlicKe**. Der preußische Eisenbahnfiskus als Arbeitgeber. In jedem Jahre wird von einem Mitgliedo des preußischen Wgeordnetenhauscs, dem Ingenieur H. Macco, eine Denk- schrift ausgearbeitet, die den Abgeordneten bei der Beratung zum preußischen Eisenbahnetat als Material dient. Diese Arbeit ist für das Jahr 1906 jetzt fertiggestellt, im Buchhandel erschienen und verdient auch von uns beachtet zu werden. Macco untersucht die geschichtliche Entwickelung und den Stand der Eisenbahnen Preußens, den Personenverkehr, den Fuhrpark und seine Leistilftgen, die finanziellen Ergebnisse des Verkehrs, die Höhe des Aulagekapitals, die Verwendung der Ueberschüsse und die Einkommensverhältnisse der Beamten und Arbeiter. Ganz besonders interessiert uns natürlich das Zahlen- material, welches er über das letzte Kapitel bringt. Wir lassen diese Tabelle deshalb folgen: Anzahl der Perion. Bezeichnung 5 22 34 1 413 10 115 191 2t 872 106 411 14 902 6 649 15 671 29 876 17 133 1561 69156 61625 72 540 Ministerialdirektoren Präsidenten des Zentralamts und der Direktionen Vortragende Räte Eisenbahndirektor Mitglieder des ZentralamtcS und der Direktionen Eisenbahilbail- bezw. Maschinenbeamte Eisenbahnbau- und Betriebsinspektoren Regierungsbaumeister Technische Belriebskontrolleur» * Eisenbahnsekreläre 0 BetriebSiekretäre „ Bureauaisistenten Lokomotivführer, VchiffSmaschinisttN\ Zugführer und Steuermänner. Heizer Weichensteller, Wagenwärter usw. Bahnwärter. Nachtioräter usw. Arbeiter im inneren Dienst BeiriebSarbeiter Werkstättenarbeiter Bahnunterhaltungsarbeiter Jahreseinkommen in Mark 15000 11000 ä 500—11 000 7 200 4 200 3 600-5 700 und 1000 M. Stellenzul. 3 600—6 700 2 700—3 600 ! 2100—4200 1500-3000 1 400—2 200 1 400—1 900 1 000—1 500 900—1 400 800-1000 ) 1041 im JabreS- J durchschnitt 1208 do. 772 do. Aus dieser Zahlenzusammetistellung geht klar und un- leugbar hervor, daß auch hier der preußische Staat, abgesehen von einigen gut dotierten Stellen der oberen' und oberste» Beamten, seine Arbeiter und Unterbcamten in geradezu skanda- löjer Weise entlohnt. Wenn wir nur als Beispiel die Gehalts- grenzen der Lokomotivführer betrachten, so kommt das Höchsteinkommen von 2200 Mark natürlich in den allerseltensten Fällen und zwar bei der höchsten Dienstzeit in Anwendung. Als Durchschnitt darf man vielleicht 1800 bis 1900 Mark annehmen, das entspricht einem Monatsgehalte von 160 Mark, einem Einkommen, welches in Rücksicht auf die Anstrengungen des Dienstes, auf das Maß von Verantwortung, das in diesen Funktionen gefordert wird. als vollständig unzureichend zu bezeichnen ist. Genau so steht cs mit den Einkonimenszahlen der Zugführer, Heizer, Weichen- steller und den Arbeitern im Betrieb, in der Werkstatt und auf der Strecke. Wenn alljährlich ein derartiger Etat ohne nennenswerten Widerspruch angenommen wird, so ist das dem preußischen Abgeordnetenhaus durchaus würdig. Man würde zuviel ver- langen, wollte nian bei dem preußischen Landtag eine größer� sozialpolitische Einsicht voraussetzen, die er nun einmal auf Grund der Zusammensetzung seiner Mitglieder nicht haben kann.—_ Berlin und Ilmgegend« Holzarbeiter und Maifeier. Die Holzarbeiter beschlossen am Mittwoch in einer Ver« trauensmännerversammlung für sämtliche Be- zirke und Branchen über die bevorstehende Maifeier. Die Versammlung füllte den großen Saal von Freyer in der Koppenstraße. Der Vorsitzende Glocke hatte das Referat über- nommen und führte aus: Wie die Holzarbeiter Berlins alljährlich den 1. Mai durch Arbeitsruhe feierten, so werde die Ortsverwaltung auch diesmal den Vertrauensmännern vorschlagen, das gleiche zu beschließen. Dabei sei jedoch zweierlei zu erwähnen, nämlich die Vereinbarung zwischen Generalkommission und Parteivorstand. sowie die ungünstige Wirtschaftslage. Jene Vereinbarung sei, ob- gleich sie von den Berliner Gewerkschaftsvorständen abgelehnt wurde, und wenn man auch über einzelne Punkte anderer Meinung sein könnte, mit Freuden zu begrüßen. Wäre in der Gewerkschafts- kommisfion entsprechend den Mitglicderzahlen der Gewerkschaften abgestimmt worden, so wäre sicherlich ein anderes Ergebnis heraus- gekommen, denn die gegen die Ablehnung der Vereinbarung stinimten, das seien hauptsächlich die Vertreter der großen Organi- sationen gewesen. Es sei ein Irrtum, wenn man meine, es müßten nun auf Grund der Vereinbarung unbedingt durch Sammlungen und freiwillige Beiträge zur Unterstützung der Maigemaßregelten Fonds geschaffen werden. Besage doch die Vereinbarung ausdrück- lich:«Bedarf es eines solchen Fonds nicht, oder reichen die Mittel eines solchen Fonds zur Unterstützung der Aus- gesperrten nicht aus, so sind die Unkosten am Orte von der Parteiorganisation und den Gewerk- s ch a f t e n, denen die Ausgesperrten angehören, zu decken." Da- nach bleibe für die Holzarbeiter Berlins, die ja ihre Maiaus- gesperrten bisher schon aus örtlichen Mitteln unterstützten, alles wie bisher, nur mit dem Unterschied, daß, wenn es nötig werden sollte, die Parteiorganisation zu den Unkosten herangezogen werden könne. Was nun die schlechte Konjunktur angehe, die es mit sich brachte, daß der Holzarbeiterverband hier am Orte schon seit No- vember 3000 bis 4000 Arbeitslose hat, so sei zu bedenken, daß die Holzarbeiter auch früher schon unter sehr kritischen Umständen und den Aussperrungsbeschlüssen der Unternehmer zum Trotz am t. Mai die Arbeit ruhen ließen. Wollten sie diesmal davon abgehen, so würde man in den folgenden Jahren wahrscheinlich um so schwerere Kämpfe für den 1. Mai zu führen haben. Aus diesen Grün- den könne die Ortsverwaltung den Vertrauens- männern keinen anderen Maifeierbeschluß, als den in den vorhergegangenen Jahren gefaßten, empfehlen. Da nun die Unternehmer wiederum beschlössen, die Maifeiernden, und zwar bis zum b. Mai. auszusperren, werde es wohl notwendig sein, am 2. Mai wieder eine Vertrauensmänner- Versammlung einzuberufen, um die Zahl der Ausgesperrten fest- zustellen und über die Unterstützung zu beschließen.— Der Redner empfahl im Namen der Ortsverwaltung folgende Resylution: «Die Versammlung sämtlicher Vertrauensmänner stellt sich auf den Boden der früheren Beschlüsse und des Berbandstages in Köln und ist der Ansicht, daß nur durch strikte Ar- b e i t s r u h e die Feier des 1. Mai würdig gestaltet wird. ES ist deshalb Pflicht jedes einzelnen Vertrauensmannes, darauf hinzuwirken, daß alle Kollegen am 1. Mai die Arbeit ruhen lassen."— In der kurzen Diskussion zeigte es sich, daß die Holzarbeiter nicht daran denken, auf die allgemeine Arbeitsruhe am 1. Mai zu verzichten. Die Resolution wurde dann auch einstimmig an- genommen. Uebcr Streiks und Differenzen berichtete dann noch der Obmann M a a ß. Trotz der Krise gelang es, die große Anzahl von Differenzen in Betrieben verschiedener Branchen meist mit gutem Erfolg zu regeln. Zum Streik kam es in 10 Werkstättenz 7 dieser Streiks sind beendet und zwar zum Vorteil der Arbeiter. Im übrigen kam es zu Differenzen, größtenteils wegen zu niedriger Bezahlung, in 42 Vertragsbetrieben und in 49 Betrieben, die außer- halb des Vertrages stehen.— In der Branche der Stock- a r b e i t e r ist es gelungen, nach 19 Sitzungen einen Tarif. vertrag abzuschließen, der auf 2 Jahre gelten soll und den Ar- bcitern so viel Vorteil brachte, daß auch sie sich damit einverstanden erklärten. Jn der Ladcntischlcr- und Kontormöbel- branche riefen die Unternehmer wegen Differenzen über die Montagegelder das Einigungsamt an. Die Arbeitnehmervcrtreter hatten selbstverständlich, dem Vertrags entsprechend, die Auffassung verfochten, daß der Aufschlag für Montagearbeit in allen Fällen gezahlt werden müsse. Das Einigungsamt fällte jedoch den Schieds- spruch, daß das Montagegeld bei einem Kilometer und weiterer Entfernung von der Werkstätte zu zahlen ist. Ein Weg von 10 Mi- nuten soll einem Kilometer gleichgerechnet werden. An den Bericht schloß sich eine längere Debatte, in der über ver- schieden« Punkte weitere Aufklärung gegeben wurde. Der Streik der Speicherarbeiter vom Lehrter-Speicher ist be- endet. Es haben bereits am Montag nachmittag unter Hinzu- ziehung von Vertretern des Transportarbeiterverbandes Verhand- lungen stattgefunden, bei welchen die Firma recht nennenswerte Zugeständnisse machte. Am Dienstag abend fand im Gewerk- schaftshause eine allgemeine Speicherarbeiterversammlung statt, in der die Lohnkommission Bericht erstattete. Es wurde beschlossen. daß in einzelnen Punkten des Tarifs noch kleine Aufbesserungen gefordert werden sollten, und im übrigen den im Streik stehenden Arbeitern anHeim gegeben, es von den weiteren Zugeständnissen seitens der Firma abhängig zu machen, ob der Streit beendet oder weitergeführt wird. Es haben dann am Mittwoch erneut VerHand- lungen stattgefunden, wobei Aufbesserungen der Akkordsätze erzielt worden sind. Die Streikenden erklärten sich nunmehr mit den Zu- geständnissen einverstanden, und wurde beschlossen, die neuen Ab- machungen auf ein Jahr tariflich festzulegen, und zwar bis 1. April 1909. Die ursprünglich in Aussicht genommene Lohnreduktion be- trug etwa 33so Proz. Nach dem neuen Abkommen beträgt die Re- duktion etwa 12 bis 15 Proz. In Rücksicht darauf, daß die Lager- und Verladegebühren, welche seitens der Kaufmannschaft an den Speichern gezahlt werden, nachweislich bedeutend niedriger sind als in den letzten Jahren, war die Reduktion wie geschehen, nicht ab- guloenden. Die auf dem Lohnspeicher in der Kaiserin-Augusta-Allee tätigen Arbeiter erhalten einen Wochenlohn von 30 M.. mit der Maßgabe, daß diejenigen Feiertage, welche auf einen Wochentag fallen, mit bezahlt werden. Maßregelungen finden nicht statt. Ein Teil der Arbeiter hat bereits am Donnerstag früh die Arbeit wie- der aufgenommen. Die übrigen werden je nach Bedarf in den nächsten Tagen eingestellt. �verantw. Rcdakt.: Georg Davidsvhn. Berlin. Inseratenteil verantw.! Um bre! Feiertage im Jahr?, den Ostermontag. Pfingstmontag und den zweiten Weih- nachts festtag frei zu bekommen, führen die organisierten Bar- bier- und Friseurgchülfen, zumal in Berlin, einen hartnäckigen Kampf. Für über 100 Städte, worunter Hamburg, München, Köln a. Rh., Frankfurt a. M., Hannover, Stuttgart usw. ist diese Bewegung längst gegenstandslos ge- worden, indem die Selbständigen auf Grund des Z 41b der Gewerbeordnung die völlige Geschäftsruhe während der zweiten Feiertage herbeigeführt haben. Den Berliner Prinzipalen würde es natürlich leicht fallen, dem gegebenen Beispiel zu folgen. Allein in Berlin hat die verkörperte Reaktion des Barbier- und Friseurgewerbes, der Bund der Barbierinnungen seinen Sitz, dem jedwede fortschrittliche Regung, sofern sie nicht die Erhöhung der Preise betrifft, als eine tödliche Verletzung seiner„altbewährten" rückschrittlichen Prinzipien erscheint. Obschon auch in Berlin ein großer Teil der Prinzipale, vor allem die ohne Hülfskräfte tätigen, allein arbeitenden Selbständigen, welche noch weniger freie Zeit haben als die Gehülfen, für den Geschäfts- s ch l u tz an den zweiten Feiertagen ist, gelingt es ohne die Innung nicht, die erforderliche Zweidrittclmajorität für diese Reform zu gewinnen. Die organisierte Gehülfenschaft mußte sich daher zunächst da- mit begnügen, daß die geregelten Betriebe die Gehülfen an den zweiten Feiertagen von der Arbeit frei lassen, und es im übrigen dem Ermessen der einzelnen Arbeitgeber überlassen, das Geschäft zu schließen oder aber allein zu arbeiten. An die organisierte Arbeiterschaft Berlins und Um» gegen d richten wir nun die dringende Bitte, den Besuch der Bar- bier- und Friseurgeschäft am Ostermontag auf alle Fälle zu vermeiden. Im Interesse der Durchführung dieser so sehr berech- tigten Reform mutz eine Benachteiligung der wenigen einsichtigeren Geschäftsinhaber, welche ihre Geschäfte geschlossen halten, wie auch derjenigen, die von der Beschäftigung ihres Personals absehen, möglichst, vermieden werden. Da es sich, hierbei zumeist um aus- schließlich von Arbeiterkundschaft frequentierte Betriebe handelt, ist dies wohl möglich, wenn jeder Arbeiter unserem Wunsche die nottvcndige Beachtung widmet. Mögen die Jnnungsbrüder dann machen, was sie wollen; die mit der Arbeiterschaft in Verbindung stehenden Angehörigen des Barbier- und Friseurgewerbes, in dem ein freier Sonn- oder Festtag in Berlin heute noch ein böhmisches Dorf ist, werden sich wenigstens drei freier Tage im Jahre, der drei zweiten Festtage erfteuen können. Achtung, Schuhmacher! Bei der Firma Mäschle, Zimmer« straße 21 sind Differenzen ausgebrochen. Die OrtZverwaltung. Achtung, Gastwirtsgchiilfen! Der Inhaber des Etablissements«Zur- Krampenburg" bei Schmöckwitz, Herr Gastwirt Voigt, hat durch sein Verhalten in der letzten Zeit zu erkennen gegeben, daß er die Bestimmungen für den kostenlosen Arbeitsnachweis des Verbandes deutscher Gastwirtsgehülfen nicht mehr anerkennen will. Aus diesem Grunde ist es zwischen ihm und derOrgani- sation der Gastwirtsgehülfen zu Differenzen gekommen. Wiederholte Verhandlungen führten zu keinem Resultat. Organisierte Gehülfen arbeiten zurzeit nicht in dem Betriebe. Deutkcbes Kelch. Die Verhandlungen in der Holzindustrie. Zu stürmischen Debatten kam cs in einer Versammlung der Bautischler Posens, in der über die Annahme eines neuen Lohn- und Arbeitsvertrages Beschluß gefaßt werden sollte. Als der Vorsitzende des Zentralocrbandes MatuSzcwski, den Erschienenen, die sich aus Mitgliedern der vier in der Lohnbewegung befindlichen Orga- nisationen. nämlich des Zentralverbandes, des polnischen, des Hirsch-Dunckerffchen und des christlichen Verbandes zusammen- setzten, die Mitteilung machte, daß es der Lohnkommission während den dreitägigen Verhandlungen mit dem Arbeitgeberbunde in Leipzig nicht gelungen sei, die von den Posenern Tischlern ver- langte Lohnerhöhung von 33 auf 36 Pf. pro Stunde zu erringen, erhob sich in der Versammlung allgemeiner Unwillen und Eni- rüstung. Man hatte fest darauf gerechnet, daß die Lohnkommission die gestellte Lohnforderung unter allen Umständen durchsetzen oder aber die Verhandlungen abbrechen werde. Nach der Versicherung des Vortragenden sind zur Erreichung besserer Lohn- und Arbeits- bcdingungen während der gemeinsamen Verhandlungen der Arbeit- nehmer aus 23 Orten, in welchen die bestehenden Tarifverträge ab- gelaufen waren, die menschenmöglichsten Anstrengungen gemacht worden, die indessen an dem einmütigen Verhalten der jetzt fest organisierten Arbeitgeber gescheitert sind. Der Mindestlohn wurde für die dreijährige, bis 24. Februar 1911 dauernde Vertragsperiode im ersten Jahre auf 34, im zweiten Jahre während des ersten Halbjahres aus 35, während des zweiten Halbjahres auf 36 Pf. und im Jahre 1910 auf 37 Pf. festgesetzt. In Werkstätten, in denen höhere Akkordlöhne erzielt werden, soll der Durchschnittsverdienst der letzten drei Monate der Stundenlohnberechnung zu Grunde ge- legt werden. Bei den Akkord- bezw. Stücklöhnen wurden bei etwa zehn Positionen höhere Löhne erzielt. An Verkürzung der Arbeits- zeit wurden wöchentlich 1 bezw. 2 Stunden zugestanden.— An die Ausführungen des Referenten knüpften sich längere und erregte Auseinandersetzungen, die oft genug das persönliche Gebiet streif- ten. Schließlich wurde in schriftlicher Abstimmung der neue Lohn- und Arbeitsvertrag mit 58 gegen 28 Stimmen angenommen. Die Generalversammlung der Arbeitgeber in Frankfurt a. M. lehyte die Annahme des am 6. d. M. in Leipzig gefällten Schieds- spruches einstimmig ab. Eine demnächst einzuberufende General- Versammlung soll unter Zuziehung des Arbeitgeberschutzverbandcs für das deutsche Holzgewerbe die weiteren Schritte beraten. Die Schuhfabrik I. W. Herrnstadt in L.i s s a in Posen sucht Arveiter, die unorganifiert sind. Wir bitten alle unsere Kollegen, diejenigen, die bei besagter Firma Arbeit anzunehmen gedenken, davon abzuhalten, da es sich um Streikarbeit handelt. Die Firma hat 20 organisierte Arbeiter hinausgeworfen. Zentralverband der Schuhmacher. Gau 8 Schlesien. Die Lohnbewegung der Stukkateure in Dresden. Die Verhandlungen sind abgebrochen worden, da die Meister jede weitere Verhandlungen ablehnen, trotzdem die Streikenden von den jüngst aufgestellten Forderungen Abstand genommen hatten. Es handelt sich in der Hauptsache um die Verkürzung der Arbeits- zeit auf 8 resp. 8V2 Stunden. Der Stand der Bewegung ist ein für die Gehülfen günstiger� da noch niemand umgefallen ist. Zuzug ist streng fernzuhalten._ Zur Dresdener Bäckcrbewegung. In einer Versammlung der Dresdener organisierten Bäcker, die am Dienstag stattfand, wurde bekannt gegeben, daß die Innung es ablehnt, mit der von den Gesellen gewählten Kommission zu ver- handeln, dagegen hat sie sich bereit erklärt, mit dem Gesellen- ausschuß zu verhandeln. Die Gesellen erklärten sich, um mit allen Mitteln auf friedlichem Wege zum Abschluß eines Tarifes zu ge° langen, auch damit einverstanden. Sie halten aber daran fest, daß bei den eventuell zustande kommenden Verhandlungen Vertreter der Lohnkommission hinzugezogen werden. Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Vcrlagsanstalt Ein neuer Scharfmacherverbansti Die bayerischen Unternehmer in der Holzindustrie haben sich zu einem Arbeitgeberschutzvcrband zusammengeschlossen. Dieser Verband hat sich dem Rahardschen Bunde angeschlossen. Zu Vor- sitzenden wählte man die Möbelfabrikantcn Eysser in Nürnberg und Otto in Fürth. Der Verband umfaßt ganz Bayern rechts des Rheins und hat bereits in 14 Städten Bezirksvcrbände errichtet. Als Zweck wird angegeben: Das allgemeine wirtschaftliche Wohl des bayerischen Holzgewcrbes zu fördern,„unberechtigte An- forderungen der Arbeiter abzuwehren und in Streikfällen den Mitgliedern weitgehend st en Schutz zu gewähren". Die Beiträge sind ganz niedrig be- messen, um auch die kleinen Handwerker unter den großen Scharf- machcrhut zu bringen._ Der Streik der Kölner Schuhmacher ist beendet. Die erzielten Lohnerhöhungen betragen auf Herrenböden in allen Klassen 50 Pf., auf Damenböden 70 Pf. bis 1 M., auf Schaftstiefel 1 bis 1,50 M. Auch aus andere Arbeiten find Erhöhungen vereinbart, so daß die wöchentliche Lohnerhöhung 3 M. betragen wird, lieber die Geschäfte, die den Tarif nicht anerkennen, wurde die Sperre verhängt. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Husiand, Die allgemeine Aussperrung im Baugewerbe Stockholms ist nun, soweit der Einfluß des Arbeitgeberverbandes dazu ausreichte. durchgeführt worden. Eine besonders große Zahl von Arbeitern ist nicht dadurch betroffen worden, da ja schon bei den Unternehmern und in den Bauberufen, wo die Löhne herabgesetzt werden sollten, die Arbeit allgemein eingestellt war. Zu den Arbeitern, die nun von den Unternehmern in den Kampf getrieben worden sind, gehören auch die Fuhrleute des Baugewerbes. Der Vermittelungsvorschlag des Ministers des Innern zur Einsetzung einer besonderen Ver- Handlungskommission hat im allgemeinen die Zustimmung der Arbeiterorganisationen gefunden, wenngleich ihnen hinsichtlich der vorgeschlagenen Zusammensetzung der Kommission eine Aenderung erforderlich erscheint. Die reaktionäre Presse ist erbost über das Eingreifen der, übrigens konservativen Regierung, die ja insofern den Wünschen der Arbeiter Rechnung getragen hat, als sie die Unternehmer veranlassen will, ihre so fest beschlossenen Lohn» Herabsetzungen vorläufig rückgängig zu machen. Die Unternehmer sagen sich auch wohl und mit Recht, daß wenn verhandelt wird und die Vertreter der Parteien sich nicht einigen können, die unpar- teiischen Leute, die dann zu entscheiden haben, doch vielleicht irgend. welche Lohnverschlechterungen nicht gutheißen werden, schon mit Rücksicht auf die vielen Geschäftsinhaber und Gewerbetreibenden. deren Einkommen und Existenz davon abhängig ist, daß die Arbeiter einen einigermaßen auskömmlichen Lohn erzielen. Große Arbeitslosigkeit im Baugewerbe KopenhageaG, dir Regierung und die Stadtverwaltung. Dankkrach und Baukrise haben unter den Arbeitern de? Bau» gewerbcs in Kopenhagen furchtbare Arbeitslosigkeit hervorgerufen. Von 9750 organisierten Arbeitern der Bauberufe meldeten sich Ende März rund 4500 arbeitslos. Das war zu einer Zeit, wo viele Arbeitslose bei den Umzügen Beschäftigung gefunden hatten und deshalb nicht mitgezählt werden konnten. Die Zabl der Ar- beitSloscn ist also in Wirklichkeit noch viel größer, und ist z. B. bei den Maurern fast 20mal so groß als im März vorigen Jahres. Damals zählten die Maurer unter 2343 Mitgliedern nur 66 arbeitslose, jetzt aber, nachdem ihre Mitgliederzahl infolge der Krise auf 2200 zurückgegangen ist, meldeten sich 1257 arbeitslos. Die Gewerkschaften Kopenhagen? haben nun einen besonderen Ausschuß gewählt, der nach Kräften für Arbeit sorgen und vor allem darauf dringen soll, daß bei den großen staatlichen und städtischen Bauunternehmen eine größere Zahl von Arbeitern als bisher beschäftigt werden. Bei dem größten Bairunternehmen dcS dänischen Staates, dem neuen Zentralbahnhof, find bei den auf 264 000 Kronen berechneten Zimmercrarbeiten nur 3 Mann tätig, und Maurer arbeiten auf dem gewaltigen Terrain nur 5. Drei der Mitglieder des Ausschusses sind bereits beim Der« kehrsminister Höysbro vorstellig geworden, um auf bessere Förderung der bereits begonnenen und Inangriffnahme der pro- jektierten Staatsarbeiten zu drängen. Sie verlangten auch, daß ihnen Zutritt zu den Staatsbauplätzen gewährt werde, um sich selbst von dem Stand der Dinge zu unterrichten. In dieser Hin- ficht wurde ihnen kein Hindernis bereitet, und auch im übrigen äußerte sich der Minister sehr entgegenkommend.«Es ist fürchtcr» lich mit dieser Arbeitslosigkeit," sagte er.«Ich bedauere im höchsten Grade, daß die Verhältnisse zurzeit so traurig sind und cs berührt mich peinlich, daß so viele Menschen ohne Beschäftigung sind. Alleö, was in meiner Macht liegt, werde ich tun, um die unter meinem Ressort stehenden Bauarbeiten zu fördern. Ich will die Arbeit mit aller Kraft forcieren und die Herren sollen eine gute Stütze an mir finden." Die Stadt Kopenhagen projektiert zurzeit nicht weniger als 13 große Bau- und Straßenbauarbeiten, darunter 5 neue Ge« meindefchulen, ein Hospital, das 750 000 Kronen kosten wird. Der Bau einer großen Fleischhalle, der dieselbe Summe erfordert, ist am Montag endgültig beschlossen worden. Mit diesem Bau soll, wie der sozialdemokratische Bürgermeister Jensen erklärte, sofort begonnen werden, und auch im übrigen wird die Stadtverwaltung jedenfalls dafür sorgen, daß bei den städtischen Arbeiten soviel wie möglich Arbeiter Beschäftigung finden. Dafür bürgt schon der starke Einfluß der Sozialdemokratie auf die städtische Verwaltung. Letzte JVaebnehten und DcpcFchcrt Ostern in Marokko. Ain Sefra, 18. April.(Meldung der«Agence HabaS".) Eine Kolonne unter dem Kommando des Obersten Pierron ist mit einer Harka zusammengestoßen. Im Norden. Osten und Westen von Talzaza hat sich ein heftiger Kampf entsponnen. Seit Tagesanbruch hörte man Kanonendonner._ Im Eisenbahngetrkebe. Peuthe«, 18. April.(B. H.) Auf der„Gottessegengrube" ge« riet der Lokomotivführer Wypich zwischen die Puffer zweier Wagen und wurde total zerquetscht. Er war sofort tot. » Köln, 18. April.(Amtliche Meldung.) Heute nachmittag 5 11hl 10 Minuten fuhr der Eilzug 228 von Cleve bei der Einfahrt in den Hauptbahnhof Köln auf den hydraulischen Prellbock. Durch den An- prall erbielt eine Anzahl Reisender geringfügige Verletzungen. Materialschaden-".ring. Betrieb nicht gestört. Untersuchung ist eingeleitet. Kanonier Anton Trott— Frankfurt a. M., 16. April.(B. H.) Bei der Goctheruhe Kurde heute früh ein Soldat gefunden, der sich durch fünf Schüsse getötet hatte. Er hatte eine Postkarte mit der Adresse Kanonier Anton Trott in Ingolstadt(Bayern) bei sich, Konkurse über Konkurse. London, 16. April.(W. T. B.) Die bedeutende Baumtvoll- firma Crutchfield u. Co. hat nach einem New Dorker Tele, gramm hiesiger Zeitungen ihre Zahlungen eingestellt. PauISinger L- Co., Berlin SW. Hierzu 5 Beilagen«.UnterhaltungSbt. Nr. 92. 25. Jahrgang. 1. KilM des, Amiirls" Atliitet AlksdlM. knitag. 17. Agni 1908. Pollzelhampf gegen das candtagmahlrecht. Dritter Tag. Anl dritten und letzten Tage der Verhandlung wurden zu- nächst einige nachträglich von der Verteidigung geladene Zeugender- nommen. Drechsler Hammer, der in dem Zuge Unter den Linden ge- Wesen ist, bekundet, daß der Angeklagte Mehrlein ohne jeden Grund verhastet und ruhig mit den Schutzleuten mitgegangen sei. Der Oberkellner des Cafä L'Europe hat den Zug in der Friedrichsgracht gesehen und macht Mitteilungen über den Ort, wo es zum Zusammenstoß gekommen ist. Genauere Angaben über die Vorfälle in der Friedrichsgracht nracht der Kaufmann Zink, der im Hause Friedrichsgracht 41 ge- ivohnt und einen Teil der Vorgänge von seinem in der ersten Etage belegenen Fenster beobachtet hat. Als er an das Feiisler trat, habe er die Menschenmenge gesehen, die schon im Begriff war, »ach der Grünstraße hin sich zn bewegen. Die Leute standen dicht- gedrängt und suchte» den auf sie eindringenden Schutzleuten zu ent- kommen. Der Zeuge hat dann gesehen, daß die Polizcibeamten trästig auf die Leute einschlugen. Die Leute flüchtete», 20 bis 30 Mann flüchteten angsterfüllt auch in das Haus des Zeugen. In die Küche sei ein Mann gekommen, der einen Säbelhieb über die Stirne erhalten hatte und sich in der Küche vom Blute reinigte. Nach der weiteren Wahrnehmung des Zeugen hatte in der Menge ein Mann von hinten einen Schlag über den Kopf bekommen und als er sich umdrehte und anscheinend den Schutzmann fragte, warum er geschlagen werde, schlug ihn der letztere noch einmal über den Kopf. Der Zeuge und seine Wirtin haben die Ueberzeugung gehabt, daß die Leute im Borwärtsicwcgcn waren und zwei bis drei Schutzleute genügt hätten, »m die Leute ohne Blutvergießen in Orduung zu halten, wie eS ja »uch bei Paraden der Fall war. Die Frage, ob er denn gehört habe, daß der Polizeihauptmann dreimal zum Auseinandergehen auf- gefordert habe, verneint der Zeuge. Der Vorsitzende stellt danach fest, daß die Beobachtungen des Zeugen erst in einem späteren Stadium begannen. Von Rechtsanwalt Heinemann sind noch einige Zeugen geladen, die über das Verhalten des Kriminalschntzmanns Traber im Temoustrationöznge Auskunft geben sollen. Maler Rudolf Budde teilt mit. daß der Kriminalbeamte D r a b e r sich unter dem Namen Gräfling bei dem Grünkro.mhändler Blaczek in der Neaudcrstr. 2 angemeldet habe. In Wirklichkeit habe er in der A u g u st st r a ß e 62 geivohnt, Ivo er Hausverwalter ge- wcsen sei. Draber sei seit fünf Monaten unter falschem Namen Mitglied des sozialdemokratischen Wahlvereins gewesen und habe sich unter dem Namen Gräfling auch beiin Lotterieklub„Preußen" angemeldet. Als Zeuge ihm das Mitgliedsbuch überbringen wollte, erfuhr er, daß der an- gebliche Gräfling in Wirklichkeit der Kriminalbeamte Draber sei. Er. Zeuge, habe ihn in seiner richtigen Wohnung ausgesucht, um ihm das Mitgliedsbuch zu bringe». Draber habe das Buch zurück- gewiesen und gesagt:„Ich will nichts mehr mit Ihnen zu tun haben." Der Zeuge habe darauf gesagt:„So? Früher wohl, aber jetzt, wo Sie entdeckt sind, nicht mehr." Am 12. Januar habe er den Draber dann im Zuge durch zwei andere Genossen beobachten lassen, Draber habe sich unter den Demonstranten befuudeu und fort- gesetzt gerufen: „Hoch das allgemeine Wahlrecht! Nieder mit Bülow! Staatsanwalt T ö p f f e r beantragt, die weiter über dasselbe Thema gelndcuen Zeugen nicht mehr zu vernehme». Es sei doch gleichgültig, ob noch andere Leute im Zuge gerufen haben, ebenso sei es für diesen Prozeß gleichgültig, ob sich jemand unter einem falschen Namen im sozialdemokratischen Wahlverciu hat auf- nehmen lassen. Nechtsanw. Dr. Heinemann: Das ist doch nicht so gleich gültig. Ich will durch die Zeugen beweisen, daß nicht die Massen als solche, sondern Spitzel die Rufe ausgestoßen haben. Nechtsanw. Dr. R o s e n f e l d: Es ist diese Vernehmung um so wichtiger, als ja feststeht, daß auch an der Friedrichsgracht ein 'Kriminalbeamter Kasiube am Zuge teilgenommen und sich wobl auch durch Rufe hervorgetan hat. Kaffube ist sogar von einem Schutzmann mit einem Säbel geschlagen worden.— Rechtsanw. Dr. Heine- mann: Kriminalschutzmann Draber hat die Leute im Zuge ob serviert; er ist sogar hin und wieder in Polizeibureaus hinein- gegangen, um zu berichten, und hat sich dann dem Zuge wieder an geschlossen. Der Gerichtshof beschließt, die Zeugen zu vernehmen. Zeuge Töpfer Eugen W i s y s k y bestätigt im allgemeinen die Angaben des Zeugen Budde. Er hat den Draber im„Fecupalast in der dort stattgefundenen Versammlung schon beobachtet, weil dieser schon etwas verdächtig geworden war und hat ihn nachher auch im Zuge gesehen, wo er„-Hoch das allgemeine Wahlrecht, nieder mit Bülow!" rief. Richtig sei es. daß der Mann, der sich als Gräfling im Wahlverein angemeldet hatte, als der Kriminalschutzmann Draber entlarvt worden ist. Arbeiter Justin Braun hat den angeblichen Gräfling in der Versammlung im Feenpalast und nachher im Zuge beobachtet und ihn nicht aus dem Auge gelassen. Derselbe habe sich dem Zuge an- geschlossen und genau so gerufen wie alle anderen Teilnehmer. Er sei wiederholt aus dem Zuge ausgetreten, einmal habe er sich an einen Polizeihauptmann gewendet, in der Dircksenstraße mit zwei anderen Kriminalbeamten gesprochen, verschiedene Male sei er auf kurze Zeit in Häusern verschwunden, in welchen sich Polizcibnreaus befinden. Schließlich sei Draber auf den Hinter perron ein Straßenbahnwagens gesprungen, er sder Zeuge) habe den Vorderperron bestiegen und gesehen, wie Draber in das Polizei Präsidium am Alcxanderplatz hineinging. Am Zahlabend nach den Demonstrationsversammlungen babe er ihm auf den Kopf zugesagt, wer er sei, Draber habe alles bestritten. Auf weiteres Befragen der Verteidigung erklärt Zeuge Budde noch: Als er dem Draber Vorhaltungen machte, hat dieser erwidert, er werde beim Partcivorstaud den Antrag stellen, daß er, Budde, ausgestoßen werde. Irgendwelche Schritte, sich im Wahlvereiu zu rehabilitieren, hat Draber nicht getan. Als Zeuge nach der Auguststr. 63 kam, habe er den angeblichen Gräfling gesehen, wie er gerade mit einem Mülleimer auf den Ho' kam. Da habe er zu ihm gesagt:„Guten Tag. Herr Draber. ich bringe Ihnen hier das Ouittungsbuch." Der also Angesprochene habe das Buch ihm vor die Füße geworfen und sich ins Haus zurück- begeben. Er sei ihm dahin gefolgt und habe gesehen, wie er in eine Wohnung trat, an deren Tür ein Schild mit dem Namen„Draber befestigt war. Er habe ihm noch nachgerufen:„Gestern noch an' stolzen Rossen, heute sind Sie entlarvt!" Der Lorsitzende richtet an die Zeugen verschiedene Fragen um festzustellen, ob und wie denn nun unzweifelhaft festgestellt worden, daß der angebliche Gräfling, der im Zuge die bekundeten Rufe ausgestoßen haben soll, auch wirklich der Kriminalschutzmann Draber war. Rechtsanwalt Dr. R o s e n f e l d läßt sich von dem Zeugen Budde bestätigen, daß im„Vorwärts" und in vielen anderen Zeitungen die Affäre Draber-Gräfling mitgeteilt und im Reichstage von dem Abgeordneten Fischer von der Tribüne herab behandelt worden ist. Nechtsanw. Dr. H e i n e m a n n beanttagt, falls der Gerichtsho noch irgendwelche Zweifel haben sollte, daß es sich tatsächlich um den Kriminalschutzmann Draber handelt, den letzteren selbst und die Grünkramhäudlcrin zu vernehmen, bei der er sich unter dem Namen Gräfling angemeldet hatte. Der Gerichtshof hat vorläufig keine Veranlassung, auf diesen Eventualantrag einzugehen. Auf Antrag des Staatsanwalts werden sämtliche wegen Auf ruhrs Angeklagte darauf hingewiesen, daß sie. eventuell auch wegen Widerstandes verurteilt werden könnten. Nach Schluß der Beweisaufnahme begründet Staatsanwalt T ö p f s e r seine Strafanträge. Die Angeklagten, die an den Vor- gänaen in der Friedrichsgracht beteiligt gewesen seien, seien sich zweifellos bewußt gewesen, daß sie sich in einer Menge befinden, der es nicht darauf ankommt, auch strafbare Handlungen zu begehen, sie wußten, daß sich in einer solchen Menschenmenge immer so viel kleines feuilleton. „Gesperrte Kunst." Der„K u n st w a rt' fühlt sich als Kultur- Wärter in einem Artikel:„Von gesperrter Kunst", der die Münchener Musikeikrise betrachtet, dem„sozialdemokratischen Mnsikcrverband" in Berlin einige Steine in den Weg wirft und zuletzt die Sozial- demokraten scharf zu machen versucht gegen die„banansische Schematisiererci des Verbandes". Mit Verlaub I Wie stehen die Dinge in München? Nach den Vorgängen im Kaim-Orchester, bei denen ein unerlaubter Zusammenhang zwischen dem ersten Dirigenten und einem Musikkritiker, die beide gegen das Orchester intrigierten, nachgewiesen ist(Vorgänge, die wir als bekannt voraussetzen), hat der Allgemeine Deutsche Musikcrverband. die wirtschaftliche Organi- sation von zirka 12 000 deutschen Zivilmusikern, mit dem Sitz in Berlin, die Sperre über Hofrat Kaiin, der sein Orchester brutal auf die Straße geworfen hat, und das Kainrsche Konzertinstitnt in München verhängt. Die gleichzeitig über die„Ausstellung München 1ö08" verhängte sperre ist wieder aufgehoben worden. Erstens, weil das famose Mnsikkomitee, das aus persönlichen Motiven gegen das ehemaligcKaim-Orchestcr so lange gehetzt hat, bis es zurKataslrophe kam, mit Herrn von HauSegger von der Spitze inzwischen zurückgetreten ist, zweitens weil die AuSstellungSleitung die Absicht aussprach, das fo tapfer um die soziale Besserung des ganzen deutschen Zivilmnsiker- standes kämpfende ehemalige Kaim-Orchester, jetzt.Münchener Ton- künstlerorchestcr", als Ausstellungsorchestcr zu engagieren und in- zwischen vernünftigerweise diese Absicht auch verwirklicht hat. Um dieses Tonkünstlerorchester geht jetzt der Streit. Ein liberal- nltramontan- parteiloses Preßkartell hat die Konzerte des Tonkünstlerorchesters mit kritischem Bohkott belegt aus Rache dafür, weil diese Musiker sich im wirtschaftlichen Existenz- kämpfe Mittel bedient hätten, die der Künstler" nicht würdig seien, die nur Arbeiter und Handlanger anwendeten!' Diese Maßregel zeugt von merkwürdiger sozialer Ein ficht. Der„Äunstlvart" bläst mit seinen Angriffen in das Horn des Münchener Preßkartells, ohne die Sachlage ans eigener Anschauung zu kennen. Der„Kunstwart" setzt sich mit seinem blinden Eifer für ein im verflossenen Münchener„Kuustminister- kabinett" vereinigtes Konsortium glänzender Namen(wenn wir die Namen Hausegger, Schillings und Heß glänzend nennen wollen) in offenen Widerspruch mit den hervorragendsten österreichischen Diri- genten und Tonkünstlern. Als nämlich vor einigen Wochen die 63 deutschen Orchester eine Sympathieknndgebung für das bedrängte T. K. O. erlassen hatten, setzte sich das Musikkomitce auf die Holen und schnorrte seinerseits die deutschen und österreichischen Dirigenten um eine Sympathiebezeugung an. Die Herren erhielten auch Aitt- Worten. Aber die Münchener Boykottpresse hat keine von diesen Antworten mitgeteilt. Hier ist eine, die das künstlerische Solidantäts- gefühl zwischen Dirigenten und Musikern in der schönsten Weise erhellt: „Auf den vom Musikkomitee an die Dirigenten und Orchester gerichteten offenen Brief gestatten wir österreichische Musiker uns eine ebenso offene Antwort. Daß hervorragende Männer unserer Kunst, namhafte Komponisten und Dirigenten, die Organisation der Musiker anfallen, erfüllt uns mit Trauer, Beschämung und Ent- lüstung. Eine Gefährdung des gesamten Musiklebens Deutschlands geht keineswegs von den Musikern und ihrer Organisation ans. kann aber durch den mutwilligen, gehässigen Angriff des Musib komitees leicht bewirkt werden. Wir fühlen uns daher allerdings zum schärfsten Einspruch da gegen verpflichtet, daß die Herren des Musikkomitees einen förmlichen Boykott über das Münchener Tonkllustlcr-Orchester verhängen und den verwegene» Versuch unternehmen, den A. D. Musikerverband herabzusetzen, die öffentliche Meinung gegen die Musiker im allgemeinen und gegen die organisierten Musiker im besonderen auf- zuwiegeln, wie Zwiespalt zu säen zwischen den Orchestern und ihren Dirigenten. Dies den geehrten Herren vom Musikkomitee der Ausstellung 1908 in ehrlichem Deutsch mitzuteilen war uns ein Herzens- bedürfuis, die wir uns mit den Musikern Deutschlands wie der ganzen zivilisierten Welt eins und in treuestcr Waffenbrüderschaft verbunden wissen." Unter den Unterzeichnern dieser mannhaften Kundgebung finden wir Namen wie Hofkapellmeister Gillc-Wien, Joseph Reiser, Direktor des Salzburgcr Mozarteums, Komponist Hummel-Salzburg. Die vom schiecht unterrichtete»„Kunstwart" gegen die Organi- sation der deutschen Musiker und das an der Spitze kämpfende M. T. O. gemachten Angriffe sind somit grundlos. Theater. LustspielhanS:„Fräulein Fresch bolzen" von Klara Licbig;„Der Brandstifter" von Hermann H c i j e r m a n s. Der Eindruck, den Klara Viebigs warm cmpfun- dcne und klar gcschaute„Komödie" aus dem Einakterzhklus„Der Kampf um den Mann" in der Aufführung des Lustspielhauscs her- vorrief, blieb hinter der starken Wirkung, die sie bei der Erst- aufführung der Volksbühne mit Rosa Bextens in der Titelrolle er- zielte, zurück. Die Bcrtens hatte, wie es dem durchgängig auf Hcrausarbeitung des Sozialtypischen gerichteten Stil des Werkchcns entsprach, in Ton und Maske die Gclbstcrn-Vergangenheit der Freschbolzen fein markiert, jeden Zug mit sicherer Meisterschaft dieser bestimmten sozialen Atmosphäre angepaßt. Im Spiel des Frl. Asta H i l l c r, die im übrigen manch wohlgclungcnc Momente hatte, fehlte diese Art der Fardcngebung fast vollständig. Ebensowenig konnte sich der Gustav von Werner Franz mit der Figur aus einem Gusse messen, die Strobl auf die Beine stellte. Besser als damals waren manche der Nähmädchen- rollen besetzt; nur hätte man das Tempo des Ensembles rascher ge- wünscht. In der Art, wie durch die Mittel konsequent natura» listifchcr Wiedergabe eine Stimmung tiefen menschlichen Mitleids erregt und bis zum Schluß stetig gesteigert wird, zeigt dieses Stückchen eine gewisse Verwandtschaft mit Heijermanscher Dar- stellungsweisc. Das einaktige, schon anderthalb Jahrzehnte alte Drama des holländischen Dichters, mit dem die Vorstellung schloß,„D c r B r a n d st i f t c r". gehört zu seinen schwachen Leistungen und trägt keinerlei besondere Physiognomie. Ein Untersuchungsrichter, der zuerst einen armen Idioten wegen Brandstiftung in Verdacht hat. gewinnt durch ein gefchicktcs Kreuzverhör der nacheinander an- tretenden Zeugen zwingende Indizien, daß dessen Bruder, der Eigentümer des abgebrannten Häuschens, der sein eigenes Kind in den Flammen verlor« der Uebeltäter ist, und ringt ihm das Gc» Zündstoff ansammelt, daß es nur eines kleinen Anstoßes bedarf, um das Feuer zu entflammen. Die Polizei habe sich durchaus maßvoll benommen, sie hätte so lange gewartet, bis sie sich sagen mußte, jetzt werden wir überraunt und dann ist es mit der Autorität der Polizei vorbei. Die Menge habe die Aufforderung zum Auseinandergehen damit beantwortet, daß sie die Marseillaise gesungen und nachher drohend Stöcke erhoben habe. Ob die An- geklagten selbst Widerstand geleistet hätten, sei gleichgültig, es ge- nüge die bloße Beteiligung an der Zusammenrottung von Menschen, die Widerstand leisten. Er beantrage daher, alle diese Angeklagten zu verurteilen. Der Angeklagte Kohl habe sich nur der Beleidi- gung schuldig gemacht. Auch die Angeklagten, die an den Vorfällen Unter den Linden beteiligt gewesen, hätten strafbare Handlungen be- gangen, teils hätten sie sich des Aufruhrs schuldig gemacht, teils ruhe- störenden Lärm verursacht oder die Stratzenpolizeiverordnung übertreten. Bei der Abmessung der Strafe müsse Gewicht gelegt werden nicht darauf, daß der Anlaß ein politischer gewesen sei. Er sei weit entfernt davon, hierin einen strafverschärfenden Umstand zu erblicken. Aber mau dürfe nicht vergessen, daß die Absicht dahin ging, ans die Re« gicrnng einen Druck auszuüben, um sie für die Einführung desjenigen Wahlrechts geneigt zu machen, das die sozialdemokratische Partei gerade jür gut und richtig hält. Dies müsse in dem Strafmaß in- sofern zum Ausdruck kommen, als nicht aus die geringste Strafe erkannt werden dürfe. Er erkenne im übrigen an, daß man es bei den Angeklagten mit Personen zu tun habe, die nicht etwa die Neigung haben, sich sonst gegen die Gesetze zu vergehen. Im einzelnen beantragte der Staatsanwalt gegen Paschke, Mermuth, Krause und Oden je neun Monate Gefängnis, gegen Otto Ludwig sechs Monate, gegen T h u b e vier Monate, gegen Gartheis, Neugebauer und Ed. L u d w i g je drei Monate, gegen M ä h r l e i n zwei Monate zwei Wochen, gegen Reichelt, Jäckel, Kohl und Kreutz- b e r g je sechs Wochen, gegen P r i e b e einen Monat Gefängnis» gegen Bechmann und Binder je zwei Wochen Hast, gegen Vogel eine Woche Hast. Rechtsanwalt Dr. Heinemann: Im Falle Kohl scheidet der Begriff des Aufruhr? ohne weitere? aus. Was die Vorgänge in der Friedrichsgrocht betrifft, so ist für den Begriff des Aufruhrs unbedingt erforderlich, daß die An- geklagten mit dem Bewußtsein in der Menge sind und bleiben, daß es zn Gewalttätigkeiten kommen wird. Daß es bei Hinzu- tritt anderer Umstände möglicherweise zu Gewalttätigkeiten kommen kann, reicht nicht aus, der äoluo ovontualis kann hier nicht angenommen werden. Auch das Reichsgericht hat in einem Urteil ausgesprochen, daß die Absicht darauf ge- richtet sein muß, daß es zu Gewalttätigkeiten kommt und daß man, indem man in der Menge bleibt, den gefahrdrohenden Charakter der Menge unterstützt. Der Zweck mutz darauf gerichtet sein, durch feine eigene Anwesenheit diesen gefahrdrohenden Charakter der Menge zu verstärken. Wie verhält es sich nun mit den Angeklagten? Die Frage, ob die Menge gewalttätige und bedrohliche Zwecke verfolgt hat, muß mau verneinen. Die Menge wollte demonstrieren, aber wer demonstrieren will, der will nicht durch irgend eine Handlung, sondem durch sein bloßes Auftreten wirken. Im vorliegenden Falle war es ganz klar, was die Angeklagten mit ihrem Zuge bezweckten; es hatten in der Wnhlnacht DcmonstrationS- züge stattgefunden von derjenigen Partei, die in Berlin unterlegen war und hier mir eine kleine Zahl darstellt. Nun galt eS, zu zeigen. daß diejenige Partei, die in Berlin die Mehrheit hat, mit diesen Leuten nichts zu tun hat. es galt zu zeigen, daß das allgemeine. gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für Preußen gefordert wird und daß das keine Parteisache ist, sondern eine Sache der Masse des Volkes. Man wollte zeigen: die Masse, die hier erscheint, besteht ans denen, die durch die preustische Gesetzgebung zu Heloten gemacht sind. wir die wir die große Mehrheit bilden, wir haben kein Recht, denn das Wahlrecht widerspricht aller Gerechtigkeit und Kultur. Also die rechtlosen Heloten zeigten sich, sie wollten sagen: hier seht uns an, wir haben keinen Anteil am Wahlrecht. Es war lediglich der Zweck der Massenwirkung. Wenn man sich das vor Augen hält, wird man sagen müssen, daß rein äußerlich ein in seiner Rcchtswidrigkeit er- kennbarer bedrohlicher Zweck nicht vorhanden ist. Sogar der Polizei- Hauptmann Stephan hat unmittelbar, nachdem er gesehen hatte, daß ständnis ab. Das Interessante waren die Verwandlungskünste, die Henri de V r i e s, ein Gast aus Holland, in dem Stück ent- faltete. Er trat abwechselnd als der ungerecht beschuldigte, gut- wütige Trottel, der lieber die Gefängnisstrafe auf sich nehmen, wie den Bruder verraten will, als der trotzige Verbrecher mit blassem, leidenschaftdurchwühltcm Antlitz und m fünf ganz verschiedenen Zcugcnrollen auf. Brillant verstand er, all die Gestalten gegen- einander zu kontrastieren, und feine Darstellung des Verbrechers ließ sogar auf Augenblicke vergessen, daß das Ganze schließlich dock nur ein Virtuosencxpcriment war. Et. Humor und Satire. Vor K o r f u. Der exklusive Aegir: Nu macht euch aber dünne, ihr armseliges griechische«! Göttergesindel. Bon jetzt ab werden hier nur gutsituierte preußische Hofgottheiten geduldet I — Spuk. Die Markgrafen: Ach herrje, die Blamage mit der Hohkönigsburg! die hat ja früher ganz anders ausgesehen I— Der Roland: Haltet den Schnabel I Ihr habt doch selber damals nicht so ausgesehen wie heutet — Ein Freigeist.„Na. Nitschlen, geh'n Se mit zur Karten- legen»?"—„Neel— Erschtens gloobe ick»ich dran, un zweetenS fcrcht' ich mich I"_(„Lustige Blätter".) Notizen. D i e Schrift st eller st ipen dien in Schweden werden auf Vorschlag der Schwedischen Akademie in diesem Jahre an acht Schriftsteller verteilt, unter denen auch K. G. O s s i a n- N i l s s o ii 800 Kronen erhalten soll. Dieser sehr begabte Dichter teht politisch aus Seite der Sozialdemokratie. Er hat unter an- derem„Arbetersanger" Herausgegeben, sowie unter dem Titel: „Kreuzigt den schändlichen kirchenseiiidlichen Dichter" andere freiheit- liche Dichtungen, die in der sozialdemokratischen Arbeiterschaft ebenso viel Anklang gefunden haben, wie sie Mißfallen innerhalb der Herr- che» den Klasse erregten. — P a u I H e y s e hat der Münchener Hof- und Staats- bibliothek eine Sammlung von gegen 600 Dramen (größtenteils Bühnenmanuskriptc) aus den letzten Jahrzehnten und etwa 200 Werke zur schönen Literatur Italiens überwiesen. — Rezniceks komische Oper„Donna Diana" wird Ende des Monats erstmalig im O p e r n h a u s e aufgeführt werden. — Der Maler Professor Fritz Werner, ordentliches Mit- glicd der Berliner Akademie der Künste, ist, 80 Jahre alt. gestorben. Der Verstorbene, der in ähnlicher Weise, wie Menzel, seine Motive der friedericianischen Zeit entnahm, kam vom Kupferstich her. den er handwerksmäßig erlernt hatte. Eine künstlerische Ausbildung eignete er sich in Frankreich an, wo er sich jahrelang aufhielt. Die Aufmerksamkeit der Ocffentlichkeit lenkte er zum ersten Male durch ein(1869) im Pariser Salon ausgestelltes Bild„Der Montmatre tu Regenstimmung" auf sich. — Der Badische Schwarz waldverein bereitet die Herausgabe eines reich illustrierten Prachtwerkes:„DasPflanzen- eben im S ck w a r z lv a l d" vor. Die Zahl der bunten Tafeln mit Pflanzenabbildimgen ist auf 70—73 angesetzt. — Eine Gesellschaft zur archäologischen Er« forschung Aegyptens hat sich in Italien begründet. Me Menge fficljt, der Front den Nucken zugewandt und sickl zu seinen Beamten umgedreht und diesen gesagt:„Haltet ein I" Er hielt den Feind also für so wenig gefährlich, das; er ihm den Rücken zudrehte, Handlungen, nach ß 113 und 114 sind zweifellos im Laufe der Zeit begangen worden. eS ist ein Schusz gefallen, es ist mit Stöcken gedroht, eS ist auch geschlagen worden, aber das entscheidende Moment ist, wann sind diese Sachen begangen? Und das kann niemand sagen, Auch der Polizeihauptmnnn hat erklärt, dost die Dinge sich mit so rasender Schnelligkeit abspielten, aber daß»icniaud die Reihenfolge der Einzelheiten schildern kann. Bewiesen ist nur das eine, daß der Schuß erst nach dein Einschlagen abgegeben ist. Bon wem, ist nicht bewiesen. Aber die Möglichkeit, daß er von einem Spitzel abgegeben ist, ist nicht von der Hand zu weisen, Daft Spitzel im Zuge waren, steht ja wohl nach der Beweisaufnahme absolut fest. Die bloße Tatsache, daß der Polizeipräsident nicht erlaubt hat, daß die Zeugen Kafsabe und Draber aussagen, beweist das zur Genüge. Die heutige Beweisaufnahme hat mit absoluter Sicherheit ergeben, daß Draber mit Gräfling identisch ist und zu denen gehörte, die ganz besonders laut im Zuge geschrien haben:„Hoch das allgemeine Wahlrecht I Nieder mit Bülow 1" Hier haben wir es nicht mehr mit einem einfachen Spitzel z» tun, sondern direkt mit einem sgent provocateur. Hat der Gerichtshof noch irgend einen Zweifel an der Identität, so würde ich bitten, noch de» Bericht über die Reichstagssitzung zum Gegenstand der Berhandlung zu machen, in der der Abgeordnete R i ch a r d F i s ch e r das Treiben des Draber enthüllt hat. Weiter ist durch die Aussage des Hauptmann Stephan bewiesen, daß ei» Kriminalbeamter im Zuge ivar, der verwundet wurde. Das ist eben Kafsube. Wenn er aber verwundet ist, dann muß er eine führende Rolle zu spielen versucht haben, denn sonst würde er sich doch ganz besonders in acht genommen haben. Also eS ist direkt festgestellt nicht bloß, daß Spitzel im Zuge waren, sondern auch, daß Handluiigen»ach Art eines /Izent provocateur vorgekommen sind. Wemi man aber weiß, zu welchen Mitteln ein.A�siit provocateur greift und wie leicht es möglich ist. dadurch Menschen in Erregung zu bringen, so muß man sagen, daß den Demonstranten gar nichts nachgewiesen ist. Das Einschlagen ans die Beamten erfolgte zweifellos erst, nachdem die Beamten von der Waffe Gebrauch gemacht hatten. Zum mindesten muß man nach dieser Richtung zu einem non ligust kommen. Wer etwa mit Bestimmtheit hier sagen wollte, von welcher Seite zuerst geschlagen ist, der sagt objektiv etwas Unwahres, der ist sich nicht klar über die Irrtümer, die hier obwalten können, der ist leichtferrig. Ich erinnere nur daran, wieviel Widersprüche sich bei dem Lokal- termin ergeben haben. Der Staatsanwalt befindet sich in einem Rechtsirrtum, wenn er sagt, das Reichsgericht steh! auf dem Standpunkte, es genüge, wenn ein einzelner aus der Menge Handlungen begeht. Gewiß, aber es fehlt der Zusatz:„und die Menge billigend dahinter steht". ES muß also der eine Täter und die anderen Gehülfe sein. Der objektive Tatbestand ist demnach nicht gegeben. Die subjektive Seite wird noch viel weniger bewiesen werden können. Der Erlaß des Polizeipräsidenten, durch den vor Demonstrationen gewarnt wird, kann nicht die Bedeutung haben, die die Anklagebehörde ihm gibt. Ich erinnere an den Erlaß des Polizeipräsidenten über die Wahlnacht; da ist von einer johlenden, singenden und pfeifenden Menge die Rede, und der Polizeipräsident erklärte ausdrücklich, daß er solchen Umzug, der nach dem Bcicinsgcsctz verboten ist, erlaubt, er spricht dem Publikum gegenüber sein Bc- dauern über daS Einschreiten der Beamten aus und sagt, das soll nicht wieder vorkommen. Der Gesichtspunkt des Polizeipräsidenten ist ja durchaus zu billigen. Ein polirisch reifes Volk kann ohne Demonstration nicht auskommen, solche Denionstrationen sind das Zeichen politischer Reife. Darin liegt nichts Strafverschärfcndes, im Gegenteil, eS ist das gute Recht zu demonstneren. Die Angeklagten durften sich doch wohl sagen, daß die Polizei die Strafgesetze nicht nach politischen Ueberzeugungen auslegt, sondern daß Gleichheit vor dem Gesetze besteht, und daß die Straße nicht für eine Partei da ist, sondern für die gesamte Bevölkerung. Der Polizeipräsident sagt übrigens in seiner Bekanntmachung nicht, daß er unter allen Umständen Demonstratioiiszüge verhindern will, sondern nur. daß er cinschreilen würde, falls es zu Ruhestörungen kommen würde. Angenommen nun aber, die Demonstranlen hätten gewußt, daß die Polizei keine Demonstratioiiszüge dulden werde, so wäre damit doch nichts anderes bewiesen, als daß man die Absicht hatte, wenn die Polizei Gewalt anwenden würde, dieser Gewalt zu weichen. Tatsächlich hat die Beweis- aufnähme ergeben, daß dies die Ansicht der Masse war. Die vorderen Reihen sind zurückgegangen, aber sie konnten nicht so schnell, weil die hinterc», die die Situation offenbar nicht Übersehen komilrn, nachdrängten. Die Aufforderung des Hauptmanns erfolgte an einer Stelle, wo die hinteren Reihen sie gar nicht hören konnten. Der Zug war bereits zurückgegangen, und so wenig ich geneigt bin, den Hauptmann Stephan mir dem Hauptmann zu vergleichen, mit dem wir eS bei dem vorigen Prozeß hier zu tun hatten, so»inß ich doch sagen: Sei» Eiuiireiscn war in diesem Falle kein glückliches, er hatte die Situation falsch angesehen. Dem Leutnant Busch ist es gelungen, die Masse ohne Waffe zurückzudrängen. Das hätte auch dem Hauptmann gelingen können. Der Verteidiger gehl sodann ausführlich auf die Vorgänge Unter den Linden ein und weist nach, daß auch hier von einem Aufruhr keine Rede sein könne, da sämmtliche Taibestaiidsmerkmale hierfür fehlen. Die Leute, die in die Neustädliscke Kirchstraße gedrängt wurden, habe» zum Teil gar nicht geivußt, um was es sich handelte, sie sind durch die Maßnahme des Hauptmanns H a c c i u s dort hineingedrängt worden, der lediglich den engen Schlütersteg für die tausende von Personen freigab, die an einem Sonntag die Linden passierten, und durch diese Maßnahme erst die Züge for- mierte. Hier könne keine Rede davon sein, daß mit vereinten Kräften Widerstand geleistet sei. Höchstens haben einige Personen, die sich bereits räumlich von der Masse getrennt hatten. Widersetz- lichkeiten begangen. Gerade der Umstand, daß die Leute für daS Wahlrecht demon- strierte», müßte als Mildernngsgnmd angesehen werden. Irgendwelche strafverschärfende Gründe aber liegen auf keinen Fall vor. Wegen Aufruhrs kaim keiner der Angeklagten verurteilt werden. höchstens einige wegen Widerstand, und dann wäre nichr auf Frei- Heilsstrafe, sondern auf Geldstrafe zu erkennen. Der Gesetzgeber bat sich den Aufruhrparagraphen nickt so gedacht: Mitgefangen, mit- gehangen! Das tut auch daS Reichsgencht nicht. Verteidiger Dr. Kurt Rosenseld: Den Angeklagten Paschke und Mermuth, die des Auf- cuhrS beschuldigt sind, ist nichts nachgewiesen. Verhalten sich Aufruhrer so, wie die beiden Angeklagten es am Wahlrechtssonntag getan haben? Sie haben sich einem Zuge von Demonstranten angeschlossen, von Leuten. die ihre Rechtlosigkeit zeigen wollten. Sie wollten zeigen, daß die Gleichheit aller Preußen, die in der Verfassung garantiert ist, tatsächlich nicht besteht. Sie wollten zeigen, daß das Drciklasseiiwahlsystem diesem Rechts- grundsatz ins Gesicht schlägt, daß im Gegensatz dazu in Preußen ein System herrscht, das die Rechtsiingleichheit bedeutet. Ein Wahlsystem, auf Grund dessen L Millionen Wähler noch nicht einmal soviel Recht haben, wie die eine Million der Besitzende», ist kein gerechtes Wahl- systcm. Es wird zuzugeben sein, daß die Bevölkerung unter einem solchen Wahlsystem aufs schwerste leidet, daß gerade der Teil der Bevölkerung, der durch seine Armut verdammt ist, ewig in der dritten Klasse zu wählen, die NechtSungleichheit besonders schwer ist er nicht vertreten, in Versammlungen hat er seit Jahren die Ein- sühnrng deS allgemeinen Wahlrechts verlangt, aber die Forderungen sind ungehört verhallt, man hat sie überhaupt nicht beachtet. Was liegt nun näher, als daß diejenigen,. denen eS ernst ist mit der Durchführung eines der- nünftigen Wahlsystems, auf einen Weg sannen, ans dem es ihnen möglich ist. zu erreicken. daß die Wünsche und Forderungen des Volkes nicht länger tolgeschwicgcn werden! So kam man denn dazu, die Idee zu fassen, aus die Straße zu gehen, um aller Welt zu zeigen, wie rechtlos das Volk ist und daß das Volk diese Rechtlosigkeit begriffen hat. Es hat denen, die mit Bewußtsein an den Demonstrationsziigen teilgenommen haben, durchaus ferngelegen, etwas anderes zu lun, als' durch die Beteiligung zu zeigen, daß auch sie den unwürdigen Zustand be- griffen haben. Wäre auch nur ein Mensch in diesen Züge» gewesen, dem es darauf angekommen wäre, mehr zu tun, als zu zeigen, daß auch er zur Stelle ist, wenn es gilt, zu demonstrieren, dann wäre es zu ganz anderen Szenen ge- kommen. Der Umstand, daß Zehntausende in den Straßen demon- filierten, daß sie sich zu Zügen vereinigen konnten, ohne daß die Ruhe in erheblicher Weise gestört ist, beweist ja gerade, wie ernst es der Masse deS Volkes war und wie weit man davon entfernt war, dem Gegner Gelegenheit zu geben zu sagen, ihr seid ja nicht imstande, würdig zu demonstrieren. AuS der geringen Zahl von Zusammenstößen muß man schließen, daß den Demonstranten jeder andere Zweck als der der Demonstration fern gelegen hat. Selbst wenn die Demonstranten geglaubt hätten, daß sie keinen Zug bilden dürften, so hätten sie in dem Moment, wo sie in die Friedrichsgracht einbogen, dies Bewußtsein wieder verlieren müssen, denn der Zug ist von der K o p p e n st r a ß e aus marschiert, er war an unzählige Schutzmannsketten herangekommen, ohne daß das geringste passiert wäre. Er war den Weisungen der Schutzleute gefolgt und hatte damit gezeigt, daß eS eben nicht daraus ankam, Schutzmannsketten zu sprengen Die Demonstranten mußten die Uebcrzeugung erlangt haben, daß die Polizei die Züge ruhig dulde, wenn nur kein Exzeß vorliege. Wie friedliebend die Menge in der Friedricksgracht war, ergibt sich daraus, daß die Leute auf Aufforderung deS Leutnants Pusch um- gekehrt und weitergegangen sind. Keiner von allen Zeugen hat bekundet, daß eS in dem Zug besonders lärmend hergegangen sei. im Gegenteil, eine große Reihe hat ausgesagt, daß der Zug einen sehr guten Eindruck gemacht habe. Obwohl die Leute auf die Auf forderung des Leuliiants Pusch zurückgewichen, erscheint auf einmal der Hauptmann Stephan, der in der Reserve an der Petrilirche gc legen hat. begierig auf den Mament, wo eS etwas zu tun gibt. Die Schutzleute wittern den Feind, der Hauptmann setzt sich an die Spitze seiner Mannschaft und im Laufschritt geht es die Friedrichsgracht hinab. Man muß sich einmal in die Seele der Volks menge hineindenken, die dort stand und nun auf einmal die Schutz- lcute im Laufschritt ankommen sah. Ich glaube sehr wohl, daß die Menge daS Gefühl halte, die Polizei wolle ihr etwas tun und daß sie auch das Bewußtsein gehabt hat, daß die Polizei ihr Unrechr tat. Die Aufforderung, auseinander zu gehen, kann nur von einem ganz kleinen Teil der Menge gehört sein. Nun soll im Moment der Auf- forderung zum Auseinandergehen mit Stöcken ued Schirmen gedroht sein. Es ist. ja sckon an sich schwierig, festzustellen, ob ein Ereignis vor einem gewissen Moment eingetreten stt oder nachher, aber ganz besonders können die Schutzleute, die im Laufschritt heran kommen und in Erregung waren, nicht so ruhig gewesen sein, um richtige Beobachtungen zu machen. Zwei unbeteiligte Zeugen haben genau bekundet, daß vor der Aufforderung keine' Drohungen aus der Menge erfolgt sind. Die Schutzleute haben ja überhaupt souderbare Beobachtungen gemacht. Einer will gesehen haben, daß die Menge angesichts der Schutzleute Tritt faßte, ein anderer will sogar einen Stoß in den Rücken vekouimen haben, als er mit der Front vor den Demoiistranten stand. Die Aussagen dieser Schutzleute können keine große Bc deutung haben, daS Hauptgelvicht wird auf die Aussagen der un- beleiligten Zeugen zu legen sein. Auch der Schuß ist jedenfalls erst nach dem Eiuhauen erfolgt. Die Angeklagten können nur dann verurteilt werden, wenn fest- gestellt wird, daß sie das Bewußtsein gehabt haben, sich in einer zuiammengerottelen Menschenmenge zu befinden und darin zu verbleiben. Dies Bewußtsein har ihnen ganz gewiß ge- fehlt. Die Polizeioffiziere haben ja auch nicht gesagt, daß die Menge stehen geblieben ist. Selbst Hauptmann Stephan hat gesagt, daß die vorderen weg wollten, aber nicht konnten, weil die Menge fest zusammengeballt war. Daß die Menge zurück wollte, ergibt sich ja auch aus dem Bericht des Kriminal- kommissars Degener, dessen mündliche Wiederholung leider unmöglich gemacht worden ist. Wenn weiter bewiesen ist, daß Kriminalbeamte im Zuge waren, so wird das Gericht nicht feststellen können, wer denn die Schirme und Stöcke hochgehoben hat, aber eine Verurteilung ist doch nur dann möglich, wenn damit gerechnet wird, daß Demonstranten das getan haben. Besteht dagegen die Möglichkeit, daß Kriminal- beamte die Stöcke hochgehoben und Rufe auSgestosien haben, so kann man doch nickt von einer Menge reden, die die Beamten bedroht hat. Die Tatsache, daß der Polizeipräsident die- Genehmigung zur Aussage verweigert hat, beweist doch die Richtigkeit der Behauptung der Verteidigung. Ten»» wenn die Kriminalbeamten die Möglichkeit gehabt hätten, sich durch die eidliche Aussage rein zu »vaschcn, dann tvnrde ihnen der Polizeipräsident die Gelegenheit dazu sicher gegeben haben. Daß er das nicht getan hat, beweist klar, daß sie sich nicht reinigen können. Der Kriminalbeamte in der Friedrichsgrachl kann durch sein Beispiel eine große Anzahl von Leuten verführt haben, jedenfalls ist aber mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die Drohungen von Leuten ausgestoßen sind, die mit den Demonstranten nichts zu tun hallen. Es sind vor dem Einschlagen mit der Waffe keine gesetzwidrigen Handlangen verübt worden und es lag auch für den Gebrauch der Waffe nicht die geringste Veranlassung vor. Leutnant Pusch ist ja. nachdem er die Menge zurückgedrängt hatte, auf seinen Platz an der Gertraudtcnbiücke zurückgekehrt; er war der Meinung, daß kein Grund zum Eingreifen vorliege. Ich verstehe überhaupt nicht, was den Hauptmann Stephan veranlaßt hat, die Waffe zu gebrauchen, den» selbst wenn die Menge nicht zurückgegangen, sondern stehen geblieben wäre, hätte er kein Recht dazu gehabt. Aus tatsächlichen und reckilicken Gründen beantragt der Ler- leidiger für seine Klienten die Freisprechung. Rechtsanwalt Leonhard Friedmann: Juristisch ist kein Unterschied zwischen den Tcuionsiranten vom 12. Januar und denen der Wahlrechlsnacht, denn es ist ganz gleich- gültig, ob eine Menge im regierungsfreuildtichen oder im regierungs- feindlichen Sinne demonstriert. Die Schreier und Hetzer außerhalb beS GerichtSsaaleS, die im Parlament gefordert haben, daß schneller geurteilt, das heißt ver- urteilt werde, interessieren uns hier gar nicht. Der§ IIS steht ja im Rahmen des allgemeinen Strafgesetzes als ein Ausnahmcgeietz da; es ist der Judikatur überlassen. waS der Gesetzgeber eigentlich unter dem Begriff der Zusammenrottung verstanden haben will. Wir müssen uns deshalb mehr oder minder auf das subjektive Ge- biet zurückziehen. Dieselben Leute, die sich heute zusammenrotten, zu diesem Zweck mit dieser Gesinnung und sich dadurch strafbar machen, können sich morgen zu einem anderen Zweck und mit an- derer Gesinnung zusammenrotten, ohne sich strafbar zu machen. Es stoßen mit der Polizei kommen würde, war nicht vorauszusehen. Für den absichllich friedlichen Charakter ist für mich besonders eines von großer Bedeutung. Glaubt man denn, wenn 3()iKI Leute 42 Schutzleuten gegenüberstehen, baß es ihnen, wenn sie von ihrer Macht Gebrauch machen wollten, den SchutzmannSsäbeln gegenüber nicht möglich gewesen wäre, das z» tun? Es wird in Berlin nicht revolutioniert. Man hat hier noch Respekt nicht vor dem Säbel, son- dorn vor der Ordnung, man will nicht mit Gewalt etwas erreichen, sondern man will Ideen propagieren. Ob man die Ideen billigt oder nicht, ist gleichgültig. Jedenfalls bestand die Absicht, durch die Macht der Massen zu imponieren. Den Teilnehmern an dem Zug, der in die Neustädtische Kirchstrahe gedrängt ist, fehlte jede Absicht, Widerstand zu leisten, der subjektive Tatbestand des Z 115 ist nicht vorhanden. Der Verteidiger geht sodann auf die einzelnen seinen Klienten zur Last gelegten Handlungen ein und weist auf die großen Fehler- quellen hin, die in jeder Zeugenaussage liegen. Einige der Angc- klagten werden des Widerstandes beschuldigt. Was heißt Wider- stand? Jede tätliche positive Erschwerung der Ausübung des Amtes. Jedesmal wird uns vor Gericht erzählt, der Gefangene suche sich loszureißen und stemme sich mit den Füßen gegen die Erde. Ist man denn wirklich verpflichtet, im Geschwindschritt mitzugehen? Ein Schutzmann sieht natürlich jedes Hemmnis als positiven Widerstand an. Die Schutzleute haben es durch die Uebung gelernt, in allein einen Widerstand zu finden. Aber wenn ein Schutzmann einen ansaht und man sich dagegen wehrt und sich losreißt, aber ruhig mitgeht, so ist das doch kein Widerstand, denn die Ausübung deS Amtes ist nicht erschwert. Einige Worte zum Strafmaß. Was der Staatsanwalt als straferschwerend ansieht, darin erblicke ich einen Milderungsgrund, nämlich baß die Zlngeklagten für das, was ihnen als hohes Ideal erscheint, ins Feld gezogen sind. Ich gebe zu, daß die Schutzleute einen schtveren Stand haben, aber der eigentliche Zweck der Schuh- leute ist doch der, das Publikum zu schützen. Selbst wenn die Grenzen des Strafgesetzes überschritten sind, so wird man zugeben müssen, daß das menschlich begreiflich ist. Die Menschen haben auch eine Galle in sich, und wenn sie nun tatsächlich— man mag darüber denken, wie man will, minderen Rechtes sind, und wenn sie zu der Uebcrzeugung kommen, baß ihnen das allgemeine, gleiche Wahlrecht werden muß,— ist es dann ihnen zu verübel», wenn sie über die schroffe Absage deS Fürsten Bülow empört werden? Ich habe mich von jeher bemüht, die Gründe meiner politischen Gegner zu verstehen, indem ich mich in ihre Seele hineinzuversetzen suchte. Auf diesen Standpunkt muß sich auch das Gericht stellen, das doch über den Parteien steht. Ich möchte nickt, daß Dinge, die sonst mit gelinden Geldstrafen geahndet werden, hier mit Monaten von Ge- fängnis bestraft werden. Sonst würde man sich sagen müssen: Es ist nicht dasselbe, ob ich heute etwas t»e oder morgen, eS ist nicht dasselbe, ob A. etwas tut oder ob B. etwas tut. Von den Strafen, die die Staatsanwaltschaft beantragt hat, kann gar nicht die Rede sein. Verteidiger Muszkat tritt für die Freisprechung seines Klienten Ludwig ein. In der Replik bestreitet StaatSanw. Töpffer, daß nach» gewiesen sei, daß sich unter den Demonstranten Spitzel befunden hätten. Die Berufung auf die Nackt der Reichstagswahl sei gänzlich unzulässig. Denn die Demonstranten hätten nicht erwarten können. daß eine Regierung, die die Uebertragnng des Reichslagswahlrechts auf Preußen soeben noch schroff ablehnte, eine Demonstration für dieses Wahlrecht ruhig mit ansehen würde. Die Demonstranten seien auch keine harmlosen Spaziergänger gewesen. Verteidiger Dr. Rosenseld. Der Staatsanwalt sagt, daß die Menge nach der Erklärung BükowS nicht annehmen konnte, daß Demonstrationen erlaubt sind, er übersieht aber, daß dieselbe Menschenmenge ungehindert stunden- lang ans der Straße demonstriert hat und daß es nur an ganz loenig Stellen zum Zusammenstoß gekommen ist. Was die Spitze! betrifft, so wurde die Behauptung, daß die Polizei Spitzel beschästige, im vorigen Prozeß noch mit Entrüstung zurückgewiesen. Heute ist das klipp und klar nachgewiesen. Ich habe auch darüber keine» Zweifel, daß Polizeibcamte im Zuge gewesen sind. ES ist also nicht nur festgestellt, daß eS Spitzel bei der Berliner Polizei gibt, sondern auch, daß sich Spitzel an den DeinonstrationSzügen beteiligt haben. Verteidiger Rechtsauwalt MuSzkat tritt der Annahme des Staatsanwalts entgegen, daß die Demon- stranten sich bei Einschreiten der Polizei noch hälten entfernen könne». Ein Mann, der sich flüchten wollte, wußte ins Wasser springen, und man kann doch bei der Januartemperatur nicht annehmen, daß das Bad ihm Spaß gemacht habe. Im Schlußwort der Angeklagten kommt es zu einer lebhaften Szene. Angckl. Mermuth sagt, eS sei ihm unerklärlich, warum er auf der Änllagebauk sitze. Man hätte lieber die Polizisten, diese Bestien...Vors. stmterbrechendj: Wollen Sie die Polizcibeamten als Bestien bezeichnen?— A n g e k l.: Nein, ich will nur sagen, daß diejenigen, die wie Beslicu aus uns eingeschlagen haben, hier auf die Anklagebank gehöre».— Vors.: Das geht weil über das zulässige Maß der Verteidigung hinaus. Sollten Sie diese Aeußerung wieder- holen, so müßte ich Sie sofort in eine Oidmiugsslrafe nehmen. Die übrigen Angeklagten bitten um ihre Freisprechung. Das Urteil. Nach zlveieinhalbstnndiger Beratung verkündete der Vorsitzende. Landgericktsdirektor Blanckmeister, das Urteil. Er schied zunächst den Vorfall in der Nacht vom 10. Januar aus, an dem der An- geklagte Kohl beteiligt ist. Aufruhr sei nicht erwiesen, aber Beamtenbeleidigung durch den Ruf:„Verfluchter Lump!" und ein recht renitentes Benehmen. Was die Vorgänge vom 12. Januar. die eigentlichen Wahlrechtsdemonstrationen anbetrifft, so führte er im allgemeinen aus: Für die Frage, ob man von Ausruhr sprechen kann, ist es notwendig, zunächst den Zweck der Demonstrationen festzustellen. Zweck der Demonstrationen war nach Auffassung des Gerichts, den Einwohnern Berlins klarzumachen, daß eine große 'Menge von Leuten mit dem gegeuivnrtigeii Wahlrecht zum preußischen ?lbgeordnelcnbaiise nicht zufrieden ist und eine Aendermig wünscht. Außerdem sollte, wenn möglich, in dieser Richtung ein gewisser Druck auf die Regierung ausgeübt werden. Der Zweck sollte erreicht werden, indem möglichst große Scharen von Demonstranten durch die Stadt zogen und die allgemeine Aufmerksamkeit erregten. Sie hallen natürlich gar kein Interesse daran, diesen Zug am Gürtel der Siadt herumzuleiten, sondern das natürliche Bestreben war. ihn in die Mitte der Stadt, in die be- lebtesten Stadtteile zu führen und vor allem wenn möglich zu der wichtig st en Stelle von Berlin, dem königlichen Schloß. Der Gerichtshof will sämtlichen Angeklagte» und Teil- nehmem an der Demonstration glauben, daß sie nicht von vornherein die bestimmte Absicht hatten, st ras- bare Handlungen zu begehen und mit der Polizei in Konflikt zu kommen. Aber andererseits mußte sich jeder sagen, daß große DemonsiralionSzüge von vielen tausend Menschen nicht ohne weiteres durch sämtliche Straßen Berlins durchgelassen werden würden und daß da eine Gelegenheit zu Konflilten mit der Polizei in außer- ordentlich reichem Maße gegeben war. An solchem Tage sammelt sich Zündstoff in so großer Menge, daß er sehr leicht explodiere» kann. Die Angeklagten hatten, wenn auch nicht den Wunsch und die bestimmte Absicht, so doch die Möglichkeit, solcher Koufitkte vor Augen und haben durch die Teilnahme an dem Zuge für den�Fall, daß eS zu Konflikten mit der Polizei, ins« empfindet und es für seine Pflicht hält, diesen Zustand zu beseitigen., nicht verboten worden. Man war der Ansicht, daß ein ruhiges Wie hat nun dieser Teil des Volkes die Möglichkeit, auf die Be- i Ziehen durch die Straßen dem Gesetz nicht widerspricht und weiter seitigung des Wahlunrechts hinzuwirken? Im preußischen Landtage � wollten ja auch die Teilnehmer nichts. Daß es zu Zusammen» ist auf die Warnung des Polizeipräsidenten hingewiesen, aber man besondere zur Durchbrechung von Schutzmannsketten kommen sollte, . �«...----.r.r. i.f, v;. äicfcii Erfolg gebilligt und gewünscht. Nun ist es zwar richtig, daß nach der ReickstagSivahl im Januar vorigen Jahres solche Demonstratioiiszüge von der Polizei zwar gehindert, diese An- ordmiiigen der Polizei aber von der höheren Instanz nickt gc- billigt worden sind. Gleichwohl hatte» die Angeklagicn keinen Grund, an die Zulässigkcit ihrer Demonstratioiiszüge z» glauben. ES mag kann daraus direkt das Gegenteil herauslese», nämlich, daß die Demonstrationen an sich nicht verboten sind, sondern nur die Ans- schreitungen. Und tatsächlich sind ja auch die DcuiousirationSzüge dahingestellt bleiben, ob nicht daZ unwikllnrliche Vorgehen der Polizei gegen jene Dcinonslrationen gercchlfertigt und dem Gesetz entsprechend Ivar. Jedenfalls aber»nust man die Temoustrativilen nach den jeweiligen Verhältnisscu beurteilen, und vor dem 12. Januar hatte die Polizei keinen Zweifel gelassen, daß sie die Züge nicht zulassen würde. Die Angeklagten haben weiter zu ihren Gniisten vorgebracht, daß Kriminalbeamte in den Zügen ge- Wesen und wenigstens durch Rufe„Nieder mit Bülow" und „Hoch daS Wahlrecht" an den Demonstrationen teilgenommen und vielleicht dadurch die Menge aufgereizt haben. Die heutige» Zeugeuaussageu haben für die Wahrheit dieser Behauptung manches beigebracht, ein schlüssiger Beweis konnte aber in der bisherigen Bcrhnudlnng dafür uicht erbracht werden, weil der Polizeipräsident den Kriminalbeamten die Genehmigung zur Aussage versagt hat. Jedenfalls hat der Gerichtshof zngunsteu der Angeklagte» unterstellt, daß hin und wieder das tatsächlich der Fall gewesen sein mag, ohne indessen damit sage» zu wolle», daß die Kriminalschnhleute das mit Wisse» oder im Auftrage ihrer vorgcsclzteu Behörde getan haben. Sie könnten auch ans Uebereifer gehandelt oder ihre Pflichten mißverständlich aufgefaßt haben.— Es fragte sich nun, ob Aufruhr vorliegt. Dazu gehört die öffentliche Zusammeiirotiung einer großen Menschemnenge in der Absicht, unerlaubte Handlungen zu begehen, daß tatsäcvlich Widerstand geleistet wird und daß der einzelne Teil- nehmer gewußt hat, daß strafbare Handlungen beabsichtigt sind. Es darf also keiner wegen Aufruhrs bestraft werden, der wider seinen Willen in den Zug hineingekornnicu ist oder sich, sobald er de» strafbaren Zweck erkannte, entfernt hat oder entfernen wollte. An die Friedrichsgracht kam ein Zug, der sich bis dahin an- gemessen bewegt hatte, wurde aber von der Schutzinannskette zurückgewiesen und geriet nun in ein Hin- und Herschwanken, weil die hinteren Reihen entweder nicht zurückgehen wollten, oder nicht wußten, worum eS handele. Inzwischen kam Hauptmann Stephan mit der Reserve im Laufschritt angerückt und forderte dreimal zum Weggehen auf. Die Stelle, wo er die Aufforderung erließ, hat sich nicht genau ermitteln lassen. Er hat seine Angaben gewiß in bester Ucberzcugung gemacht, aber Polizeileutiiant Pusch und viele andere Zeugen bezeichnete» eine audcrc Stelle. Nach der zweiten Aufforderung johlte und schrie die Menge, Stocke und Schirme wurden drohend gegen die Beamten erhoben und eS erscholl der Ruf: „BorwärlS, nicht rückivärtS". Daß eine Frau einem Schutzmann an den Hals sprang und ein Schuß fiel, kann der Menge nicht zur Last gelegt werden, ist vielleicht auch erst nach dem Einbauen erfolgt. Demnach ist die Frage des Aufruhrs bei dem Angeklagten Ludtvig verneint worden, weil der Gerichtshof ihm glaubte, daß er nur zufällig in den Zug geraten sei. Er ist demnach freigesprochen. Paschte und Wcrmuth»varen schon längere Zeit im Zuge. ES mag ihnen ichiver geworden sein, sich nachher zu entfernen, weil die Hinteren Reihen nicht Platz machten, aber da war daS Vergehen des Aufruhrs schon vollendet. Was die Lorgänge Unter den Linden anbetrifft, so ist wegen Aufruhr niemand verurteilt worden, weil nicht nachgewiesen ist, daß die Menge, mit vereinten Kräften strafbare Handlungen beging. Die Augeklagten sind im einzelnen des Widerslandes �iind der Beamtenbeleidigung schuldig. Bei K r e u tz b e r g, der die Sache anfangs mehr als Ulk behandelte, bei T h u b e, der angetrunken war. und bei I a e ck e l liegt der Fall besonders milde. Der Fall P riebe ist nicht genügend aufgeklärt, so daß auch hier Fr e i s p r n ch erfolgte. Bei der Strafzumessung ist im übrigen berücksichtigt worden, daß die Gefährlichkeit deS Widerstandes und der Beleidigung wächst, wenn hinter den Missetälern eine tausendkvpfige Menge steht, bereit, sie zu schützen. Im einzelnen ganz vernünftig, werden sie dann zu Hailplschreiern. Bei Paschke und Werinuth war da? jugendliche Alter Mildeningsgnind. Indessen hätten sie bedenken sollen, daß in apdereu Kreis::, Leute ihres Alters»och in die Schule gehen, statt für politische Rechte zu dcuioitstrjtce», und sich schon deshalb zurückhalten sollen Das Sirafinindestmaß für Aufruhr ist aber>o erheblich, daß das Gericht nicht darüber hiuausgegaugcn ist. ES sind danach vcr- urleilr: � Paschke und W e r m u t h wegen Slufnchrs zu je O Monateil Gcfan>;»iS, Krause wegc» Widerstandes zu 3 Monaten, Oden wegen Widerstands und Ve- leidigling zn 4 Monaten Gefängnis, Binder wegen groben Ünfngs zn 50 M., G a r t h e i st wegen Wider- stands zn 3 Monate», Neugebauer desgleichen zu ti Monate», T h u b e wegen Widerstands und Be- leidigung zu S Monate». Reichelt und Jäckel wegen Widerstands z« 1 Monat, desgleichen M ehr- lein wegen Beleidigung, Eduard Ludwig wegen Widerstands und Beleidigung z« 6 Wochen Gesänguis, Krenstberg wegen Widerstands zu 100 M., Bogel wegen Aufforderung zu strafbaren Hnndluugc» zu 30 M., B c ch ut nun wegen groben Unfugs zu öO M., Kohl wegen Beleidigung zu t Monat Eefängnis. Tie An- geklagten P r i c b c und Otto Ludwig wurde» frei- gesprochen._ Em der Partei. Berlmud junger Arbeiter und Arbeiterinnen Teutschlands. (Sitz Mannheim.) Ter Vorstand beruft hiermit auf Sonntag, den 3. Mai, vormittags 10 Uhr, nach Tarmstadt eine außerordentliche Gcncralversanilnluug mit folgender Tagesordnung ein: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Das neue Vereinsgesetz und unsere Organisation. Die Ortsgruppen werden aufgefordert, hierzu sofort Stellung zu nehmen. Sämtliche Partciblätter werden um Abdruck der Notiz gebeten. Mit Parteigruß _ Paul Körner. Zur Maifeier nahm eine überfüllte Parteiversammlung in R o st o ck Stellung. Nach einem Referate des Parteisekretärs Genossen Kröger wurde ein aus der Mitte der Versammlung gestellter Antrag mit über- wiegender Majorität angenommen, der dahin ging, die Maifeier in altgewohnter Weise zu begehen. Die Schaffung eines Unter st ützungLfonds nach den Vorschlägen des Parteivorstandes und der Generalkom- Mission wurde abgelehnt. In den Gewerkschaften soll, wie in früheren Jahren, für die Arbeitsruhe Propaganda gemacht werden.— Das Gewerkschaftskartcll in Güstrow nahm in Sachen der Maifeier diese Resolution an:„Das Kartell lehnt die zwischen Parteivorstand und Generalkommission getroffenen Vereinbarungen als unannehmbar ab. DaS Kartell erblickt in diesen Abmachungen den Versuch, die Arbeitsruhc am 1. Mai indirekt zu beschränken und in diesem Sinne auf die Gewerkschaften ein» zuWirten. Ten weiteren Versuch, die von den zentralen Körper- sckaften gefaßten Beschlüsse den Parteigenossen bezw. Gewerkschaften ohne weiteres zu oktroyieren, weist das Kartell, als gegen das Prinzip der Zentralisation verstoßend, zurück. Vom nächsten Partei- tag und Gewerkschaftsiongreß wird Neuregelung der Frage ver- langt." Einen nnerwartrtcn Ausgang nahm vor dem Schöffengericht ln Gera-Reuß eine Privatklagesache, die der Redakteur des frei» sinnigen„Geraischen Tageblatte S". Karl Ochlmann, gegen den verantwortlichen Redakteur unseres Parteiblattes, Ge- nassen S e i f a r t h von der„R e u ß i s ch c n Tribüne" an- gestrengt hatte. Im vorjährigen Landtagswahlkampf hatte das „Tageblatt" in einem Artikel behauptet, ein sozialdemokratischer Abgeordneter sei auf eine Unwahrheit festgenagelt worden und habe dann erklärt: Nach der Wahl widerrufe ich alles, vor der Wahl nichts! Aehnlich dächten auch die Geraer Sozial- demokraten. Unser Parteiblatt blieb die Antwort auf diesen An- Wurf nicht schuldig, bezeichnete die angeblichen Worte des sozial- demokratischen Abgeordneten als eine Lüge und den Redakteur Oehlmann als einen Verleumder, wenn er nicht den Namen des sozialdemokratischen Abgeordneten nenne. Später nannte das „Geraische Tageblatt" den Genossen A. v. E l m. Gleichzeitig erhob Oehlmann gegen unseren Genossen Seifarth Beleidigungsklage. Am 9. April kam die Klage zur Verhandlung und endete mir folgendem Vergleich: Genosse Seifarth nahm an Gcrichtsstelle die in dem Ar- tikel enthaltenen Beleidigungen zurück und trägt die Kosten des Rechtsstreits. Oehlmann dagegen erklärt öffentlich im„Gera- ischen Tageblatt", daß er die dem Genossen v. Elm in den Mund gelegten Worte unter dem Ausdruck des Bedauerns zurücknimmt und sich überzeugt hat. daß Elm die Worte nicht gesprochen habe. Diese Erklärung ist jetzt im redaktionellen Teile des„Gcraischen Tageblattes" veröffentlicht worden und somit wieder eine Reichsverbandslüge geplatzt. Ein Parteiorgan für den Wahlkreis Bayreuth. In einer Parteiversammlung zu Bayreuth entwickelte der Vorsitzende der Preßkomission ein von dieser aufgestelltes Projekt für die Heraus- gäbe einer eigenen Zeitung an Stelle der bisher als Kopfblatt der „Tagespost" im Kreise gelesenen„Fränkischen Volkstribüne". Das Projekt hat bereits die Genehmigung des Gauvorstandes gefunden, so daß die Herausgabe ab 1. Oktober d. I. erfolgen kann. Es wurde auch von der Versammlung in allen Teilen für gut befunden und angenommen._ Aie Ctnkralvrrsamilnng des Krnses Notsdam-Zpanda» tagte am Sonntag, den 12. April, in Bornim bei Potsdam. Durch einige Lieder des dortigen Arbeiter-Gesangvereins eingeleitet, nahm sie zuerst den Vorstandsbericht entgegen, welchen der Kreis- Vorsitzende Genosse Paris. Velten, erstattete. Leider vermochte er nicht gerade über große Erfolge bezüglich der EntWickelung der Organisation zu berichten. In einigen Orten ist sogar die durch die intensive Wahlagitation des Vorjahres gestiegene Mitglieder- zahl zurückgegangen. So in Velten, wo ein außerordentlicher Rück- gang der Industrie eine Schwächung der arbeitenden Bevölkerung und damit auch der Organisation mit sich brachte. Hinderlich ist der Agitation der Loknlmangel. In Orten, in welchen bei der letzten Reichstagswahl zwei Drittel der abgegebenen Stimmen sozialdcmo- kratisch waren, steht der Partei kein Lokal zur Verfügung. Immer- hin ist es aber gegen früher besser hierin geworden, besonders in den größeren Orten des Kreises. Durch regelmäßige Verbreitung der„Fackel" wird die Agitation unter den Schiffern ebenso wie in einigen ländlichen Ortschaften betrieben. Während in Spandau und Potsdam durch die Lauheit der Arbeiterschaft bei den Kommunalwahlcn Erfolge nicht zu erringen waren, gelana es in Marwitz, Hennigsdorf, Velten und Bötzow sozialdemokratischen Gemeindevertretern den Einzug in die Dorf- Parlamente zu verschaffen. Der Kassenbericht weist einen Bestand von LlX) M. auf. Eine lebhafte Debatte rief der Antrag des Zentral- Vorstandes hervor, den Beitrag von monatlich 25 Pf. auf 10 Pf. pro Woche zu erhöhen. Dieser Antrag, der vom Vorstand der miß- lichcn Finanzlage wegen gestellt war, wurde von den Spandauer und Falkenhagener Genossen ganz besonders mit der Motivierung unterstützt, daß dieser Beitrag die ihrer Meinung nach notwendige Anstellung eines Sekretärs für den Kreis ermögliche. Der Antrag wurde in namentlicher Abstimmung mit 15 gegen 16 Stimmen der ländlichen Ortsvereinsvcrtreter abgelehnt. Dasselbe Schicksal er- fuhr der Antrag, einen Sekretär mit dem Sitz in Spandau anzu- stellen, während ein anderer, der die Gründung eines eigenen Organs forderte, vor der Abstimmung zurückgezogen wurde. Die Freigabe deS früher gesperrten ReinSbergschen Lokals in Pichels- dcrf, nach llebernahme desselben durch einen Parteigenossen, ob- wohl derselbe weder den Revers der Lokalkommission unterschrieben noch sonst das Lokal zur Verfügung stellt, wurde lebhaft gerügt und zur Untersuchung und Erledigung einer Kommission von drei Ee- uosseii überwiesen. lieber die Wahlen zum preußischen Landtag referierte der Genosse Schmidt- Velten. Nach einigen Rück- blicken auf die Entstehung des heutigen Wahlgesetzes gab er eine eingehende Schilderung der Wahltechnik und der zu beobachtenden gesetzlichen Bestimmungen. Der Kreisvorstand wurde hierauf zum Zcntralwahlkomitee für die beiden LandtagSwahlkreise Potsdam und Spandau-Osthavelland bestellt. AIS Tagungsort der nächsten Generalversammlung wurde Kremmen bestimmt._ ßeriebtö- Zeitung Ein cmpfchlenswcrtcr Arbeitgclior. Unsittliche Attentate gegen weibliche Angestellte beschäftigen in letzter Zeit außerordentlich häufig das Kaustnannsgericht. Leider kommen die meisten Vergehen nicht zur strafrechtlichen Ahndung, weil die jungen Mädchen es größtenteils aus Scham unterlassen, Anzeige zu erstatten. Ein besonders krasser Fall von Verführung durch den Chef be- schäftigte gestern die zweite Kammer des KaufniannSgerichts. Die 17jährige Gertrud H. trat als Klägerin gegen den Kaufmann Her m. Bendler, Nieder-Schön hause», Waldemar- st r a tz e 16, auf. Sie war vom Beklagten als Verkäuferin und Kontoristin engagiert worden. Eines Tages fehlten ihr in der von ihr verwalteten Gefchäftskasse 26 Mark. Da sie fürckitete, in den Verdacht der Untersckilagung zu kommen, so fing sie an zu weinen und erklärte schluchzend dem Prinzipal, sie werde die fehlenden 26 M. ersetzen. Der Chef soll nuilinehr nach der Angabe der Klägerin zu ihr gesagt haben, sie solle sich wegen des Fehlbetrages nur keine Kopfschmerzen machen, darüber würde man schon hinwegkommen. Am Abend desselben TageS habe sie der Chef eingeladen, mit ihm auszugehen; sie hätten CafsS und Restaurants in Begleitung eines Bekannten deS Chefs und eines jungen Mädchens besucht, und zuletzt habe sie der Chef ein« geladen, mit ihm in einem Hotel am Alxander- platz zu übernachten. Die Klägerin will sich unter bitter- l i ch e in Weinen gesträubt, aber schließlich ihrem mit Drohen und Bitten auf sie einredenden Brotherrn nach- gegeben haben. Am nächsten Tage beschloß sie, ihre Stellimg sofort auszugeben, eS wurde ihr aber sowohl Gehalt verweigert, wie auch die Papiere und das Zeugnis vorenthalten. Der Beklagte bestritt im ersten Termin alles: die umfassende Veweisaufiiahme ergab aber die R i ch t i g k e i t der Behauptungen der Klägerin. Ein Zeuge V. sah und hörte, wie der, Beklagte die sich sträu- bende Klägerin l ü ß t e und sie mit vertraulichen Worten wie.„K ind- chen" usw. anredete: die auswärts kommissarisch vernommene Zeugin H. bestätigte auch den gemeinsamen Hotel- b e s u ch. Der Beklagte hatte wohl nicht erwartet, daß eS der Klägerin gelingen würde, die Belastiii, gSzeugen aufzutreiben, denn er erschien zwar zuin Termin, war aber bei Aufruf der Sacbe verschwunden. Er wurde irr ooirtuwaoiam verurreilt, 66 M. zu zahlen und Zeugnis und Papiere der Klägerin auszuliefern. Ein sehr enipsehleiiswerter Arbeitgeber, dieser liebebedürflige Herr Bendler, der seine wirtsttiastliche Uebcrmacht dazu benutzt. Augestellte zu verführen und hinterher den traurigen Mut besitzt, seine Verfehluiigeii rundweg abzuleugnen. Hoffentlich erlebt die Suche noch ein Nachspiel vor dem Slrasrichter. Rahrungsniittelvcrgehen. Der Schlächtermeister Biedermann hat das NahrungSmittel- gesetz dadurch übertreten, baß er Schabefleisch mit Präservesalz ver- setzte und es unter Verschweig»!, g des UmstandeS verkaufte. Das Landgericht UI verurteilte ihn zu einer Woche Gefängnis. V. legte dagegen Revision ein. Der zweite Strafsenat des Kammergerichts verwarf die Revision mit folgender Begründniig: Der Zusatz von P r ä s e r v e s a l z zu Schabefleisch sei ziveisellos eine Verfälschung im Sinne des Nahruiigsmitlelgesetzes. ES köiinte sich hier nur srageii, ob cm Verkaufen vorlag. DaS Gericht nehme an, daß ein Verkaufen im Sinne des Nabruiigsmittelgesetzes darin liege, iveini der P.'lizei Proben gegen Entgelt gemäß dem§ 2 deS Ge- setzeZ überlassen würden._ Vermischtes. „Geldschrankknacker" auf Reisen. Wie ans Frankfurt a. Li. berichtet wird, drangen in der vergangenen Nacht Einbrecher in den Kaffenrainn der dortigen Ortskrankenkasse ein und entwendeten daraus etwa 4666 M. bares Geld üt Gold und Silber. Sie ließen 3166 M. Papiergeld und das ganze Diebeshandwerkzeug zurück. Es handelt sich aiischeiiiend um Berliner Geldschrankknacker. Im Streit erstochen. Aus G l e i Iv i tz wird gemeldet. Im be- ilachbarten Ruda erstachen zwei Brüder den Schneider Formulls, mit dem sie in Streit geraten waren; ForimillS war sofort tot. Ein Elendsbild. Wie die„Stettiner Abendpost" ans Torgelolv meldet, stürzte sich vorgestern abend die Frau des dem Trünke er- gebenen Gelegenheitsarbeiters Schinidt aus Nahrungssorgen mit ihren beiden Kindern i» die Uecker. Die Frau und ein Kind er- traukeil, während das zweite Kind gerettet werden lounte. Hochwasserschäden im Missourigebict. In Montana verursachte der Missourifluß New Aorker Meldung zusolge am Grcat Hauser Lake einen Danunbruch. Mächtige Fluten schweunnten ganze Ortschaften hinweg. Schwer bedroht ist jetzt Great Falls mit 15 666 Einwohnern sowie daS größte Schmelzwerk der Welt, der Boston und Montaiiaanlagen. Ein weiteres Telegramm aus New Dork besagt: Der Damm- bruch 15 Meilen oberhalb von Helena im Staate Montana hat die Zerftöruiig von zwei Ortschaften zur Folge gehabt. Reiter sprengten mit verhängten Zügeln vor der vernichtenden Flut einher, um die Bevölkerung vor der drohenden Gefahr zu warnen. So weit bis jetzt bekannt ist. sind zwei Menschen und zahlreiches Vieh um- gekommen. Die Verunglückten deS Dampfers„Goetulls". Wie eine Meldung aus Gotenburg besagt, sind von den auf dem gekeiiterten Dainpfer„Goetulls" vcruiiglückten Personen bis jetzt neun als Leichen geborgen worden. Die Taucher erklärten, daß mindestens noch fünf Leichen im Innern des Dampfers sich befinden. eingegangene Oruchrcbrlften. Don der„Renen Zeit»(Stuttgart, Paul Singer) ist soeden das 29. Hest des 26. Jahrgang« erlchienen. Es hat folgenden Inhalt: Der Freisinn und unser Wahlkampf. Don Karl Emil.— DaS Reichs« vereiiiögcsctz. Don Haus Block.— Bäloius Börsonresorm. Bon Ludwig Frank.— Der Kamps ums Wahlrecht. Von Georg Davidsohn.— Kolonial- politische Nundschnu. Don ParvuS.— Der Kost- und LogiSzwang im Handwerk. Don P. Blum(Berlin).— Literarische Rundschau: Paul Pflug er, Pfarrer iiißZürtch, Grundriß eineS modernen Moral- und Religionsmiter- richtcs für die reifere Jugend. Von tr. soll.— Zeitschristelilchau.— Bibliographie des Sozialismus. Das Ergänzungsheft Nr. 2. welches dieser Nummer belgegeben ist. enthält: Die Entwickelung des japanischen Familienrechtes. Von Gustav Eckstein. Die.Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Blich- Handlungen. Poslanstalleii und Kolporleure zum Preise von 3,25 Ni. pro Quartal zu beziehen: jedoch tan» dieselbe bei der Post nur pro Ouarlal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Versügung. Von der„Gleichheit--, Zeitschrist für die Interessen der Arbeltertniien (Slultgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 8 bes 18. Jahrgangs zugegangen. Der Inhalt besteht aus den Artikeln: Aufruf der Generauoiiuiiissioii der Gewerlschafte» Deutschlands zum sechsten©c- wcrlschastskougreß in Hamburg.— Die wahre Bedeutung.— Die Heim- arbeitsauSstellung in Franlsurt a. M. Von II. u. S.— Da? Rcichsvereins- gesetz.— Unter der Teuerung. Von Gustav Hoch.— Die Frauen in der Slaiistik der Kranlenversicherung. Von Fr. KleeiS.— Aus der Bewegung: Von der Agitation.— Politische Rundschau. Von 13. B.— Gc- werkschastliche Rundschau.— Genossenschaftliche Rundschau. Van B. FL— Notizenteil: Dienstboleusrage.— Frauenstimmrecht.— Sozialistische Frauenbewegung im Ausland.— Fürsorge sür Mutter und Kind.— Feuilleton: In Tyrannos. Aus„Der Mütter Bittgang". Von EmiPideS.(Gedicht.) — Die Distel. Von Elisabeth Gnauck-Kühne. Für unsere Kinder: Der Frühling. Von HanS Benzmann. (Gedicht.)— Der Wettstreit der Feste. Von Neuland.— Ostern. AuS Goethes„Faust".(Gedicht.)— Meiert vom„kleinen Bund". Erzählung aus der russischen Revolution von David Kassel. Uebcrsetzt von S. Lewitm. Die zwei Hähne. Fabel von Ludwig Pfau.(Gedicht.)— Die Sage vom Hirschgulden. Von Wilhelm Haust.(Fortsetzung.)— Der Osterhas. Von Friedrich Güll.(Gedicht.)— Warum Familie Maulwurj ausziehen mußte. Von E. M. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen beträgt der Aboimemeutspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pj., unter Kreuzband LS Pj. JahreSabounemeut 2.60 M. Vom„Wahren Jacob- ist uns soeben die 8. Nummer des 25. Jahr» ganges zugegangen. Ans ihrem Inhalt erwähnen wir die beide» sarbtgen Bilder„Preußische Selbswerwaltuug" und„siieichssteuerresorm", sowie die Illustrationen„Vom guten Ton",„Pimperl Wichtig",„Die Düpierung der Beamten",„Nesignatiou",„Der rechte Name",„Hoffnung",„DaS Geschäst blüht",„Wie sich der kleine Schorschi den Blockwagen vorstellt",„Die Realistin",„Der Unterschied",„Der Freisinn in Nöten",„Zur Alloholsrage", „Blinder Alarm im Zaienschloß" und„Im Eiser". Der textliche Teil der Nummer bringt die Gedichte„Triumphgesaug der Blockparlameutarler", „Das Lied vom Steuerzahieu",„Fischbeck",„Säch'sche Schmerzen",„Ein braver Manu",„Blocklomödie",„Frühlingsgejühle",„Geld l"„Willst du daS wahre Elend sehn...",„Kaseruensprüche" und außer zahlreichen kleineren Beilrügen noch das Poiizeidrama in ü Akten.Kriminalbeamtendietrtch", sowie die satirischen Feuilletons„Der gertohlene Ehekoutratt des Kaisers von Ehina",„Ein Wiedersehen" und„Leilsaden der Preußischen Geschichie". Der Preis der 16 Seiten starten Nummer ist 10 Pj. Serbien und die Revolulionsbewegmig in Mazedonien. Von Dr. zur H. Mareuje. 3 M. Verlag: W. Kraus, Berlin SW. 68. Jngendfnrsorge nud Jugendvereine. Herausgegeben von Dr. Aug. Pieper. M.-Giadbach, VollovereiuSnerlag. Preis 2 M., geb. 2,70 W. -Hahilenkampf. Eine Komödie von Helmich Laulensack. Verlag: A. R. Meyer, Berliii-Wilmerödors. Kredit. Roman von August Niemann. 2,50 M. Verlag: E. Pierson in Dresden. Zimtlicher Marktbericht der städtischen Markthallcii-Dtrektion über den Großhandel in den ZenwaUMarkthallen. Marktlage s Fleisch: Zufuhr sehr stark, Geschäft lebhast, Preise unverändert. Wild: Zufuhr in Wildgeflügel inmiiiial, Geschäst schleppend, Preise behauptet. Geflügel: Zufuhr genügend, Geschäft sehr rege, Preise hoch. Fische: Zusuhr sehr reichlich, Geschäst sehr schleppend, geringere Seesische kaum absetzbar, Preise nachgebend. Butter und Käse: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäst in Gemüse sehr flott, in Obst ruhig, Preise zum Teil höher. Lriekkasten 6er R.eäal'.tion. DI« lnrlftlsche Sprechstunde finde» Lindenstrahe Nr. S, zweiter Sos, dritter Eingang, vier Treppen, BV Fahr st u Ii l"SWA wochentäglich abends von dl« i)1/, Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr Soiinabeiid» bcgiui» die Sprechstiiude»m o Uhr. Jeder Zlntrag- ist ei» Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen bciznkngcu. Briefliche Äuttvort wird»ich» erieiit. Giline Frage» trage mau i» der Eprechstnude bar. R. B. 30. Die Gehalisstage der Steuererheber im Frühjahr 1907 ist in der Stadtverordnetenversaiiimlung durch einsache Abstimmung erledigt worden, weshalb eine genaue Festslellimg. wie die einzelnen Fraktionen bezw. Stadtverordnete!! gestimmt haben, nicht möglich ist. DaS kau» nur geschehen, wenn die Abstimmung eine namentliche ist. ie.»m Wnsgft Man beachte folgende TliTliT—WiriWT enom billige Ausnahme- Preise: �eZtSll. delleUtenSStk ZMUNV/lll'eN' Fabrik DgütSthlaHflS. weldtB auBBthliesslirii Eigene Geschäfte unterhält* M. M. Herren-Boxhorse- Schnürstiefel elegante Straßenstiefel Herren- braun Chevreau-Schnür- Stiefel, hochmoderne Form, bonkarrenzloa billig;. Herren-Schnürstiefel �.H�te IQ 50 hocheleg. Fass., Orig.-Goodyear-Welt lw M. Madchen-Boxhorse- Schnürstiefel moderne, breite Form, elegante Schulstiefel Gr. 25—26 27-28 29-30 31-33 34—35 50 990 no ISO 190 M. SM. TM. TM. TM. 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Nicht nur ist das notwendig, damit die Frauen bei den bereits begonnenen Wahlarbeiten wichtige Funktionen über- nehmen und tadellos ausführen können; eine starke Mitglied- schaft ist auch erforderlich, damit die Genossinnen mit dem Inkrafttreten des neuen Vereinsgesetzes in einer der Be- wegutig entsprechenden Stärke korporativ in die Wahlvereine der Männer eintreten können. Genossinnen! An die Arbeit; benutzt die Feiertage zu einer lebhaften, intensiven Agitation I Der Wahlverein der Frauen mutz tausende Mit- glieder zählen._ Das Elend der bürgerlichen Frauenbewegung. In einem Eingesandt läßt eine Studentin unter der Stichmarke »Was uns fehlt I" ein Streiflicht auf das Elend der bürgerlichen �rauenbewegun�ai� „Soeben komme ich auS der Versammlung eine? Vereins, der sich die Erlangung des Frauenstimmrechts als Hauptpunkt seines ProgrammeS gesetzt hat. AlS 1. Punkt der Tagesordnung stand zur Verhandlung:„Anregung betreffend aktiveres Vorgehen in Sachen des Frauenstimmrechts".— Die Abstinenten hatten den Vorschlag gemacht, einen Initiativantrag einbringen zu«vollen zugunsten der Einsuhrung des Frauenivahlrechts in Kirchen-, Schul- und Gemeindeangelcgenheiten. Es sollte darüber beraten werden, ob dieser Vorschlag angenommen und wsp geHolsen werden sollte. Nach längerem Hin und Her, Dawider und Dafür, wlirde der Vorschlag gemacht:„man müsse bei diesen Fragen Eile mit Weile walten lassen; es käme ja gar nicht daraus an. ob eS noch zwei bis drei Jahre länger ging, ehe wir das Stiminrecht erlangten". — Und diese Meinung schien die vorwiegende zu sein. Ist es«virklich richtig, datz wir wieder und wieder warten. wägen, überlegen sollen? Haben wir im Gegenteil nicht fast schon zu lange gewartet, statt zu wagen? I Trostlos, diese unselige Frauentugend, die sich Geduld. Geduld und wieder Geduld nennt! Was haben wir denn besser gemacht durch diese duldsame Geduld, die wir nun seit Jahrzehnten üben?... Der Mut fehlt zum Wagen! Das ist, was unS so arm macht: der Mut zu wagen fehlt, der Wagemut! Den müssen wir finden I Den müssen wlr lernen von jenen wenigen, die ihn noch haben: ein großes Herz voll großer Pläne, einen großen Mut für ein großes&el." Auch dieser Ruf aus der Wüste idcologer Auffassung wird unerhört verhallen. Gewiß, ein gewisser Mut fehlt. ES ist der Mut der Konsequenz, der zu Klassenbewußtsein und damit zu Klassenkampf führt. Dagegen sträubt man sich und bleibt im Elend der Halbheit stecken._ Der Bund für Mutterschutz veranstaltet am 25. und 28. d. MS. eine außerordentliche Generalversammlung im Architektenhaus, Wilhelmstr. SSM. Am Sonnabend, den 25., sind die Verhandlungen von nachmittags 5—8 Uhr angesetzt, Sonntags vormittags 10—2 und nachmittags 5—8 Uhr. Der Generalversammlmig geht eine Tagung der Ortsgruppe Berlin voran am Freitag, den Lt., abends 8 Uhr bei Frederich, Potsdamer Straße 12. Eingegangene vruckfckiriften. Haberlandö Unterrichtsbriefe für das Sclbststndinin der eng» llfcheii Sprache, herausgegeben von Prof. Dr. Thierge» und Alexander Clay, dl. A. Aweitcr Kursus(Vlies 31—35). Brief 75 Pf.— Französische Unterrichtsbriefe von Rektor H. Michaelis und Prof. Dr. P. Paffq. II. Kursus, Brief 3t— 35. Brief 75 Pf.— Anleitung zur Blumen- Malerei in Waffersarben. Von Jul. Höppner. Preis 80 Pf. Verlag von E. Haberland in Leipzig-R., Eilcnburgcrftr. 10/11. Jerliner Äröeiter- Raifalirer-Verein" Mitglied des Arbeiter» Radiabrer-Bundes »Solidarität«. Touren zu Ostern. Sonnabend, nachm. 3 und 7 Uhr: Stettin. Start: Prenzlauer Allee, Ecke Danziger Straße. Für Bahnfahrer: 1. Feierlag, früh 5'/, Uhr: Stettiner Bahnhof bis Angermünde. 1, Abt. l. Feiertag, früh 7-,, Uhr: Fichtenau, nachm. 2 Uhr: Friedrichs. vage». 2. 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Feiertag VI, Uhr: Brenden. 1 Uhr: Bernau(Waldgarten). 3. Abt. 2. Feiertag 7 Uhr: Red. litz. l'/, Ubr: Picheiswerder(Freund). totartS: Waldstraße 8. 0. LISI 1. Feiertag, vorm. 10 UM: nach Stettin, Start: Stettiner Bahn- bos. Nachm. 1 Uhr: Oranienburg. Start: tochiMngstr. 15/18. 10. Abt. 2. Feiertag 6«/a Uhr: Eberiwalde. VI, Uhr: Schönwalve. 3. Feiertag: Schönholz. SlarlS: Kasmo-Theater. Motursahrer. 1. Feiertag 8 Uhr: EberSwalde. Start: Prenzlauer Allee, Ecke Danziger Straße. Panlow-�chönhausen 1. Feiertag, früh 8 Uhr: Zchdenlck(2 Tage). Start: Mühlen straße, Bahnbrücke. Donnerstag, den S3. April, abeiivS 9 Uhr: Vereins-Faiirwart- Sitzung bei Lehmann. Neue Fricdrichftr. 1. Heute am Karfreitag t 3 große Lielilbilder-Vorlräge (und Kinemathographj 1. Ballfchmieder. Badstrahe. 2. Arminhallen, Kommandantenstr. 3. Andreas-Festfälc«, AndreaSstr. Rege Beteiligung erwartet 11/8 Das Komitee. 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' Sonnabend 8 Uhr: üeber den Wassern. Sonntag und Montag: Die gute Partie._ Kleines Thealer. Heute: Geschlossen. Sonnabend 8 Uhr: 2 mal 3= 5* Sonntag 3 Uhr: Ein Puppenheim (Nora). 8 Uhr: 2 mal 2— 5. Theater des Westens. Heute 8 Uhr: Aufführung des Pfannschmidtschen Chors Paulus mit Alex. Heinemann. Sonnabend: Geschloffen._ friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Heute: Geschlossen. Sonnabend 8 Uhr: Die Brüder von St. Bernhard. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der blinde Passagier. Abends 3 Uhr: Sein Prinzeffchen.__ Heues Operetten-Theater Schiffbauerdamm 25, an der Luifcnstr. Heute: Geschlossen. Morgen: Gyges und fein Ring. Lortsing-vper. NeUe-ch.lllnnce-8tcnLe 7/8. Abends 8 Uhr: Religiös geistliches Konzert. Sonnabend: Der Waffenschmied. Somitag nachm. 3 Uhr: Zar und Zimmermann. 8 Uhr: Fra Diavolo. Montag nachm. 3 Uhr: Der Trou- badour. 8 Uhr: Rigoletto. Hehhet-Theater, fh'Ä Heute: Geschlossen. Sonnabend 8 Uhr: Frau Warrens Gewerbe. Sonntag: Liebe. Montag: Frau WarrenS Gewerbe. 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Reicheuberger Strafte 34. Heute und Sonnabend: Geschlossen. onntag nachm.: DeS Mädchens Lebenswege. Abends: Der wUde Reutlingen. Montag nachm.: Die Camellendame. Abends zum 1. Male: Der Mann mit vier Frauen. Dienstag nachm.: Maria Stuart. Abends: Die Spree-Athener. MIIMIMIM >Ar. Frankturier Str.>32. Freitag und Sonnabend: Geschlossen. Sonntag(t. Osterscicrtag): Gle Lioreley. Ansang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Veichensresser. Montag(2. Osterseiertag): Die Loreley. Nachm. 3 Uhr wandten. Die zärtlichen Per- Köpenickcr Straße 58. Heute: Geschlossen. Sonnabend: Ausgewiesen* Soziales Drama in vier Akten. Sonntag: Der Onkel aus KottbuS. Melropol-Theater Heute: Geschlossen. Morgen Sonnabend, den 18. AprU 1908: Zum letzten Male: DsiBiicIikI-Haiis. Mimodrama in 3 Akt. o. Blanchard de la Bretefche. Musil v. Charles Thony Ansang 8 Uhr. Oster-Sonntag und Oster-Montag nachmittags 3 Uhr: Die Herren von naxlm. Abends 8 Uhr: Das muß man seh'n! Heute: Geschlossen. Sonnabend, den 18. April er: Kätchen Lotsset Elfentücke FinaMontjoie «tue Bell Rots Rafaäly Mlttelmeerre Bertha Geerts Geisha Remond Kun Rrpad Enrico Caruso sAuxetopbon). se des Kaisers. Sin beiden Ostelsetertageli nachm. 3'/, Uhr: Familien< Borftelluug. Kleine Preise._ Gebn Herrnfeld- Theater. Ansang 8 Uhr. Porverk. ll— 2Uhr. Heute(Karsrcitag) geschlossen. Morgen Ionnabend. den 13. April: Herrnfeld-Zyklus 11. Serie;_ Zum letzten Male: rt Komödie in 3 Akten. Vom 19. bis inkl. 23. April: III. Serie: Elfe aus der Bar. Es lebe daS Nachtleben! Vom 24. bis inkl. 29. April: I V. Serie: Lebte Ehre. Fall Blumentopf. Schluß diesjähriger Spielsaison Mittwoch, den 29. April er. Sanssouci, Direktion: Wilhelm Reimer. WegenBorbereitungen z. Osterfest: geschlossen. An allen drei fewrtagen: GfüSe Extra-Fesl- und Spezialitäten- Vorstellung. Hochaktuelles Programm. Tunzkrilnzchen. Austret. v. liolTnianns Norddeutsche Sänger u. hervorrag. Spezialitäten. Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. Freitag: Geschlossen. Sonnabend, abends«Uhr: Der Hexenkessel. Schauspiel in 3 Alten o. Georg Engel. Eieraus:.InngTer Immergrün oiksstücki. 1 Akt v. Ernst v.WIldcudruch. « o»» i a g. nachm. 3 Uhr: Der Hexenkessel. Hieraus:«lunsi'cr ImmergrUn Sonntag, abends 8 Uor: Die Drant von Hessina. Saison-Schluft 33. April. Heute geschloffen.-WW Morgen Sonnabend'/,3 Uhr: Crande Soireo High Lite. Glänzend beurteilt von Presse und Publikum ilN Bill. Cftpse Konsul Peter. daS gr. Naturwunder der Gegenw. Die groBe Ausstatt.-Pantomime ■ Amerika■ mit eigens dazu engagierten tÄO fchiuluztu Leutkll. I Besisto, das elektrische Rätsel| Ostcrsonntag und Ostermontag I 2 Vorst., nachm.'/., 4 u. abds.'/z8 Uhr. Weinbergsweg 19/20, Rosenthaler Tor. Heute: Geschlossen. Sonnabend abends 8 Uhr: Das neue April-Programm. Der gehelmnisiolle Geldschrank? Grete Gallus! und die übrigen glänzenden Varietekräfte. Tunnel: Konzerte.- Theaterbesucher freien Eintritt. Passage-Theater. Die Sensation Berlins) Ota Gygtf der Mann mit den 3 Geigen. Otto Kühr, der Humorist am PlügeL Rita Tunca, Lieder cur Violine. Herrn. Strebet, der Unwiderstehliche. I Hak oczy-Sextett, die reiz. Ungairnädchen, u. d. Kolossale a April-Programm! h !! Gewöhnliche Preise II{ W.Koacks Theater Dlcetlluii: Hob. Dill. VriinueuiU. Id. Heute: ßffdjlojjfn! An allen drei Felcrtagcn: Verkükrt und enteki-t. Dolksstück in 4 Akten von R. Heine. Ans. H Uhr. Entree 30 Pf. Tanz. KasinoTTheäten- Lothringer Strage 37. Täglich 8 Uhr: Nur noch kurze Zeit! Ein Dorf-Noman* Porher daS glänz. Zlpril-Programm. Sonntag 4 Uhr».Feiert.): Hieb Garler. Montag 4 Uhr(2 Feiert.): Biederleute. Palast-Theater 1 Burgftr. 34. Bhf. Börse. 17., 18. Apn! geschlossen W 19. April(1. Feiertag): Ansang 8 Uhr. Volkstümliche Preise. v!«! Ab 8. Feiertag(21. April) haben die ausgegebenen Familien- und Ehrenkarten sowie Gutscheine wieder Güllig keit. Gustav Behrens- Theater. Berlin W., Goltzstr. 9. Das phänomenale Apiil-Programm! Wo«. I Les Leocarlis, Akrobat.-Potp JlKU i Hübele-Trio, Melange-LIkt. W«,, I Ein luftiger Wittocr.Wp«| JlBUI Posse mit Gesang. jAtJUl SO erstklassige Kümmern Ansang 8 Uhr Sonntags 6'/, Uhr Heute geschlossen. Morgen Sonnabend Passage-Panoptikum. inu�Tri? Volkslage!!! Jed. Erwachsene ein Kind frei! Jedes Kind erhBlt ein Geschenk! „Die lange Dora". Das gr.Wund., Gesamthöhe 2,19 na. OV Alle Darbietungen frei I Alles ohne Exlra-Entrie. WGj Eintritt 50 PI. Kinder ohne Begleitung xmd Soldaten 25 Pf. Brunnen-Theater «adstraße 58. Direkt.: Bernh. Rose. Heute(Karfreitag): Geschlossen 1. Osterseiertag, den 19. April 1908, nachmittags 3 Ubr: Vi« Almlrau. ZlbendS 7 Uhr: Der Hcrrgottschnitzer von Ammergau. Vorverkauf vormittags 10—1 Uhr. Kasseneröffnung 6 Uhr. Llns. 7 Uhr. Keielizdallen-Tliealel'. f»U Heute: Keine Soiree. Blorgcn (Sonnabend) Elite-Soiree. Anfang tt 8 Uhr. a Montiplatz...... S . imlheatsrjaal taguCTVJ• jllhert Söhnte Das brillante April-Programm. U. a.: Lina Golh, Artur Wotff, M. Bendix, Alexauder Bros. NoranaS Siftcrs. Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pf. Sonnt, reserv. 1 M. Pari. 0,75, Entree 50 Pf., in d. Woche Familicnbilletts 5 St. 2 M. Im unleren Konzertiaal: Täglich: Konzert._ Slgsimn Landsberger Allee 40-41. Sonnlag. 2ö. April, mittags 12 Uhr: ZIatlnee. Priok- Krause- Sänger. Am 2. N. 3. Feiertag: 3 Kapellen. Gi'ottvr Hall. Im Garten: i'ret-Konzert. Familien> Kaffcckoehen. Avis. Sonnabende sind im Mai bis Juli mit Sängergeiellschaften. Garten u. Saat gratis zu vergeben. Amt 7, 2817. Karl Hlsermann. Karlsgarten Rixdori. 1., 3. und 3. Osterseiertag: Gr. yrtJtnrniibfti'fioiqfd. 3lm 3 Feiertag: u zum lehten Male die beliebten n Wickler LänxLr. Ansang 8 Uhr. Von Sonntag, den 86. Zlpril, ab im großen A I> u Saale v X->/A�.I�,. 3 Kegelbahnen find noch ewige Tage zu vergeben. Für Somuicrfeste noch einige Sonnabende frei. lVo,jclechoHVshI. Invalienstr. 135 Robert Bohn1 Bessere fierreo-CanierolieD Riesen- A nswahl. Spottbillig. Beeil. Gustav Lindenhayn, Gaslwlrtsclialt. ÄSTÄ Prltnail Prledrlch- Str. 3. UI UlictU. 5 Minuten vom Bahnhos. Großer Garten. Vereinszimmer. Premdcnlogis. 26611/* VorzQgllche Speison und GetrSnke in grBSler Auswahl zu soliden Preisen. Empfehle auch diesen Sommer mew Lokal zu Land- u. Wasserpartien. Genro Ehrhardt5 JggOftlBUS �nnan. Bnhuhofstraße 1.— Ecke Fricdrichstrnße. ————— Fernsprecher Amt Grünau 68.———— Den geehrten Gewerkschaftcu und Vereinen erlaube Ich mir er« gebenst mitzuteilen, daß ich mein biommcrlokal durch Hinzunnhine deS viS-a-viS gelegenen WnssergruiidstückS bedeutend vergrößert habe.— Grosser schattiger Raturgarten.— Dampser-Anlegestellc.— Zwei Kaffee- luchen.— 4000 Sitzplätze.— Herrlicher Ausblick aus den Langcn-See und Alüggetberge.— Freundliche Sommcrwulinungcn.— Borzüg- liche Speisen und Getränke.— Parken mit Thcaterdühne. 27S1L» Um geneigten Zuspruch bittet Georg Ehrhardt* EEU ifeu-Sichtenberg. Telephon: 151. 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Srste große Dampf er-Sxtraf ah vf en ab SchilllngsbrQckB Oder-Spree-Kanal. Pf., Rückfahrt 50 Pf.. 27782* j Pichl, Gastwirt. ___... 3. und 3. Ofterfeirrtag 1 früh O'/j Nhr, am 3. Feiertag 5 auch nachmittags zirka L Uhr I nach Piehrs Resiauran! zum Am 1. und 3. Feiertag Hinfahrt 50 am 3. Feiertag hin»nd zurück 50 Pf. Um freundlichen Zuspruch bittet ■M 2. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Montag, den 20. April(2. Osterf eiertag): Zwei Matineen |g| in den Lokalen 210/12*|jbJ Kliems Pestsäle, Iii Berliner Bock-Brauerei, Hasenheid# 13/15. III Tempelhofer Berg. Mitwirkende:„Spree-Alhener", Berliner SSnger-Gesellschaft(Direktion H. Zerner) und „Norddeutsche Sänger"(Direktion H. Zimmermann). Anfang pünktlich 12 Uhr. x x x x Eintritt 20 Pf. Billetta sind bei den Abteilungs- u. Bezirksfdhrern, den mit Plakaten belegten Geschäften and an der Kasse zu haben. Um rege Beteiligung ersucht Das Komitee. m :E: r i 3. Wahlkreis. Sointag, den 19. April(I. Osterfciertag), im großen Saale des„Deutschen Hofes44, Luckauerstr. 15: Große Matinee. Konzert ausgeführt vos Zivilberufsmusikem unter Mitwirkung von Frau Margarete Walkott© und des Humoristen Herrn Hans Fredy. Am Flügel: Herr Bernhard Kitzsche. Anfang prtzise 12 Uhr. Billett 30 Pt. 8W Programm an der Kasse gratis.'WB 213/4* 31 ♦ o f I i ; i I: Ä Sozialdetnokratiseher Wahlverein S. Berliner Jleiehstags-Wahlkreis Sonntag, den 19. Hpril 1908(1. Ofterfelertag) Grosse Matinee in den JMuoiher-festöälcn(großer Saal) Kaifer-CClilhetmetr. ,8m 221/7 Konzert, Gelang, ernfte fowie bumorirtirchc Unterhaltung Hnfang mittags tz Clbr. Zahlreichen ßefucb erwartet Sinlaßharte 25 pf. Das Komitee. Sozialdemokratischer Wahlverein für den IV. Berliner Reichstagswahlkreis Sonntag, den 19. April(ersten Osterfeiertag); Große Matineen in folgenden Lokalen: Kellers FestsSlen(Inh. Freyer) Koppen-Strasse 29: J? Konzert J? lonzerthacs„Sanssoiel" Kottbuser Strasse 6: J? Konzert& direkt au# d» Fabrik. Kein Laden! Nach beendeter Engros-Salson enorm Uebergangs- Paletots Capes Jacketts Staubmäntel Kostüme Kostüm-Röcke Mädchen- Paletots Robert Baumgarten Haosvogtel-Platz II. L Etage (an der JeruialemeratraBe). Bei Vorzeigung dleeet In- •eralet au der Kaste werden 6 Pros. Rabatt vergütet. Auch Senntags geöffnet. Auftreten des Berliner Ulk-Trio. I Gesangv. Norddeutsche Schleife. Eröffnung 11 Uhr.— Anfang pünktlich 12 Uhr. Billett 30 Pf. Billett 80 Pf Sozialdcmokratilcl/w ölablvercin des VI. Berliner Reichstags»Slahlkrciles. Montag, den 20. April— Zweiter Osterfeiertag: Neun große Matineen in folgenden Lokalen: Kronen-Brauerei, Ait-Moab« 47/49 Pharus-Säie, Müuerstr. 142 Germania-Säle, �«««1,. no Cranz' Festsäle, Köstmerstr.« Baliscbmieders Etablissement, Badstr. 16 Bernhard Rose-Theater, tadstr. Franke(früber Schirm), u Berliner Prater- Theater, Kastanien-Allee 7—9 Fröbels Aiieriei- Theater, SctaSnbanser-Allee 148 220,0* llitwirkende: Volkssänger- Gesellschaften H. Anke, Strzelewicz, Schmelzer Henry Balze, Otto Steidels Hamburger Sänger, Apollo-Sänger, Steyrisches Jodler- Duett Renoit u. Huber, Berliner Ulk-Trio, Gnörich-Jescheck-Ensemble, Magarete Walkotte, Konzertsänger Herr Franz und andere Künstler und Spezialitäten. Gesangvereine: Liederlust II, Nord, Freier Männerchor, Nordwacht, Freiheit Nord. »sss Großes Konzert«««* Anfang pünktlich 12 Uhr.— Billetts 25 Pf. Tische und Stühle dürfen nicht reserviert werden. Die Komitees. 7 7« Smil Schmidt, Rewtaaraut, LlndenstraB# 3, 2. Hof parterre. 1. Feiertag, vormittags 10 Uhr: Wild □ West Eisbein und Feuerwasser Ist dal Zahir. Besuch erwartet Oer Vorstand. Humbolilt-Akadeinie. Im II. Quartal veranstaltet die Akademie 104 gemeinverständlicbe Vortragszyklen,(darunter viele mit Liebt» bildem) aus allen Gebieten des Wissens, and ünterrichtskurse in klassischen o. modernen Sprachen. Das neue Lehrquartal beginnt Hittwoey-ZUprOlSOB. Das neue vollständige Vorlesungsverzeichnis ist für 10 Pf. u. a. in folgenden Verkaufsbureaus zu haben: Invalidondank, Unter den Linden 24; in den Buchhandlungen v. B. Haase, Potsdamer- Straße 116a; Osellius, Mohrenstr.52; S. Hahne, Prinzenstr. 54; Th. Fröhlich, Landsbergerstr.32; Sicker, Gipsstr. 18 etc. Das Zentralbureau he- findet sich Potsdamerstraße 27 b, Villa 2; Bureaustunden 1-3 Uhr. Irauerei Friedrichshaim Qek.: Ernst Lieblng. Am Kflnlgstor. Voranzeige; vom 19. SagUSmu. 26. Apni taglich; Populäres Konzert von Ca ffla Ziehrer aus Wien HofkapeMmeister, Dirigent der k. k. österr Hoffaallmuslk, mit auf sechzig Künstler verstärktem Orchester. I Anfang an Wochentagen?'/„ an Sonn- u. Festtagen 6 Uhr. Billett* im Vorverkauf bei Bote& Bock— Wertheim- Leipziger Straße— Invalidendank— Kaufhaus des Westens j und in den mit Plakaten belegten Geschäften. HERREN KNABEN ' CHARLOTTENBURG i SCHARREN STR. 36 Total- Ausverkauf J Wogen Aufgabe meines feit über w 40 Jahren bestehenden GeschästeS mutz daS envrn» grelle U.ager aller 7¥Sayten auf Ab« Sndcrung deS ß 47 Abs. 8 und 4 des Statuts. 3..Die Selbstverwaltung und ihr Einfluß aus die Krankensürjorge.' Referent: Herr A Kohn. Berlin. 15. Llpril 1908. Der Torstand. I. A.: Baser. Orts-Kravkrlikllfft Lichtenberg. Dienstag, den 28. April, abends 8 Uhr: Ordentltedo General-Versammlung im Schwarzen Adlerrd«atll«li«— General-fersainmiang der Vertreter der Kassenmitglieder und Arbeitgeber unserer Kaffe statt. TageS-Ordnung: 1. Verlesung der Protokolle. 2. Bericht deS RechnungSauSschuffeS und Dechargeertciiung. 3. Abänderung de» tz 29 de« Statuts. 4. Ersatzwahl«ineS VorstaudSmil- gliedeS der Arbeitnehmer. 5. Verschiedenes. 146Sb Der Vorstand. Orts- Krankenkasse der Kanäsekukmsoker ». veno. Gewerbe z« Verl«». Am Sonnabend, den 2S. April, abends 9 Uhr. findet ewe Oeffentliche Versammlung der Arbeitgeber im Lokale Brunneuftr.»1 Sei S e l l e statt. 273/4 Tagesordnung: 1. Wahl zweier Arbeiigever zum Vorstande. 2. Verschiedenes. yOF Hieran anschließend und in demselben Lokale» Ordentl. General-Versammlung der Delegierten. Tagesordnung: 1. Bericht de» Rendanten pro 1907. 2. Bericht der Revisoren und Decharge- Erteilung. 3. Verschiedenes. Berlin, den 17. April 1903. Der Vorstand. I. A.: Herrn. Hinz, Borfltzender. Qu.-Meter nur 40 Pf. an, in Bernau, Land und Bald. firuMhofer, Berlin, Nollendorsstr. 3. Grts- Krankenkasse für das Goldscbmiede-Gevertie. Am Sonnabend, den SS. April 1998. abends 8'/, Uhr. findet im Engel- Ufer 15. Saal 5. die Ordentliche ßeneral-Versaratnlnng sämtlicher Herren Delegierten statt-„. 272/17 TageS« Ordnung, 1. Jahresbericht pro 1907. 2. ve. richt der Revisoren. 3. Besprechung über den Antrag Hoffmeisler. 4. Ber- IchiedeneS. VIB- Dte Versammlung wird pünttlich eröffnet. Der Borstanb. I.A.: 0Ne Slmendlnger, Vorfitzender, Lanaenbeckslr. 4, vorn IV, Muge Hertz, Schristsührer. jS/andr&rperfdr Herren-Sfiefel BÄ • �1» SäMtUoii« modernen Parben von 4.90 5.80, 6.30, 7.40 n s w C'i» C 1 tvI» Proraonadon-Schoho uamen-�neiei � BtaMend billigen Prolson. Knaben-u. Üläcldien-Sfiefel in kolossaler Anewahl zn sehr soliden Preisen. Sonnabend bis 10 Uhr abends geöffnet. vom rauchen Fehlfarben der 7 Pf»»Clsarre Wo. SB - 10 Stück 50 Pf., 7Ve Pf*»Clgarre Mo. XI - 10 Stück 60 Pf., 10 Pf.'Cigrarre So. HO - 10 Stück 75 Pf. J. NEIIMINN Cigarren-Fabrlken.— 150 Zweiggeschäfte, davon in Berlin: Brunnenstraße 32, Ecke Anklamer Str. Chausseestraße 22, Ecke Invalidenstr. Chausseestraße 43, E. SchwartzkopSstr. Dresdener Straße 5, Ecke Adalberts tr. Friedrichstraße 171, E. Französischestr. Invalidenstraße 148, Ecke Bergstraße. Jerusalemer Straße 41, Ecke Krausenstr. Kaiser-Wilhelrastraße 19, Ecke Münze tr. Königstraße Ecke Spandauer Straße 66. Markgrafenstraße 17, Ecke Junkerstr. Oramenstraße 30, Ecke Adalbertstraße. Potsdamer Straße 57-58, Ecke Bülowstr, Frinzenstraße 91, Ecke Ritterstraße. Bosenthaler Straße 48, Ecke Neue Schönhauser Straße. IJhlandstraße 33, E. Lietzenbnrger Str. Wallstraße 14a, Ecke Neue Gninstraße. Wiener Straße 22, Ecke Grünauer Str. Hizdorf, Bergs tr. 146. Weitere Verkanfhtellen in Vororten und l'mgebani;: Adlershof, Bismarcks tr. 48. Bernau, Berliner Straße 257. Buckow, Königetr. 8. Köpenick: Bahnhofstr. 7a und Grünstr. 22. Eichwalde b. Schmöckwitz, Bahnhofstr. 5. Kgs.-Wusterhausen, Bahnhofstr. 1. Nieder- schöneweide, Bahnhof. Potsdam, Nauener Straße 46. Stralau-Rummelsburg, Bahnhof. Zeuthen, E. Kollmann._ 2585L* utf abrik Carl Renz Berlin SO., 1 Charlottenburg, Ornnlen-StraBe 8.| Kant-StraBe 184a. Hüte« Schirme• _ SC billigsten Preisen.-M> SSSSS Vorzeiger dieses Tneerata erhält S 0/0 Rabatt. Die Hntfabrlk°°n M. Radtke (ftfchcr Kraufftr. 50) befindet sich jetzt: � Gruner Weg 87 am Andreasplan. 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Ebenso imiß aus der Anmeldung der tägliche, wöchentliche oder monatliche lSesamt-ArbeitSverdienst, welchen ber Anzumeldende beziehen wird, zu er- sehen sein. § IS erhält folgende Faffnng, Für die Bemeffung der Höhe der Kassenleistungen und Beiträge werden die Kaffenmstglicder in 5 Klusjen ein- geteilt. I. Klaffe. MitgNeder. deren Arbeits« verdienst für den Arbeits. tag 4 M. und mehr de- trögt. II. Klaffe. Mitglieder, deren Arbeits- verdienst siir den Arbeits- tag 3—3,99 M. beträgt. III. Klaffe. Mitglieder, deren Arbeit«- verdienst siir den Arbeitstag 2—2,99 M. beträgt. IV. Klaffe. Mitglieder, deren ArbeitS- verdienst für den Arbeits- tag 1,60—1,99 W. beträgt. V. Klaffe. Mitglieder, deren Arbeitt- verdienst sür den Arbeitt- tag 1,49 39. und weniger beträgt. Der durchschnittliche Tagelohn ist SIS aus weiteres festgesetzt: a) Für Mitgl. der 1 Kl. aus 4,50 M. d)... II-.. 3.50. o)»#* III. p# 2,50„ d)»»» 1�-»» 1.75, v)... V... 1.00. Jedes Kaffenmltglied wird aus Grund seiner Anmeldung nach Maß- gäbe deS darin angegebenen Arbeits- Verdienste« durch die. Kassenverwaltung einer Klaffe zugetellt. Versetzungen In«ine höhere oder niedrigere Klasse finden bei verändertem Arbeilsver- dienst, jedoch nur monatlich, von dem der Anzeige folgenden Monat an, Natt. Acnderungen in dem täglichen Ar- beitSverdienit eines Kaffenmilgliedes, welche die Bersetzung in eine andere Mitgliederllaffe zur Folge haben, find spätestens am dntten Tage nach Ein. tritt der Veränderung der Kaffen- Verwaltung zu melden. Beschwerden der Mitglieder gegen die Feslsetzuna der Klassen werden von der«ussichtSbehörde(§ 68) entschieden. § 13 erhält folgende Fassung: Als Kranleiumlerstützung wird pp. gewährt:.. ad 1. Unverändert. ad 2. Unverändert. ad 3. Im Falle der Eriverbs- unsähigleit vom ersten Tage nach dem Tage der Erkrankung ab sür jeden KrankheitSlag die Halste de« im 9 12 sestgesetzten durchschnittlichen Zage- lohne«»IS Krankengeld und zwar: a) Für Mitglieder der 1. KI. 2LS SB. b) 0 0 m II., 1,75 m C) 9»• IG-• lä-5# d).., IV.. 0,875. c)»•• V., 0�0 0 ad 4. Unverändert. Die Krankenunterstützung wird usw. S S« erhält folgende Faffnng t Für den Todesfall eines Mitgliedes gewährt die Kaffe ein Sterbegeld, und zwar: a) Für Mitglieder der 1 KL 90 SB, b)•» 0• kO• c),,, ITI., 50„ d),..IV.. 35. e)... V.. 20. Absatz 2 und 3 unverändert. § LS erhält folgende Faffnng, DaS Recht aus die Unterstützung beginnt sür diejenigen, welche der Kasse aus Grund des g 2 angehören. mit dem Tage des Beginn« der Mitgliedschaft. Wsatz 2 unverändert. § 86 Abs. 1 erhält folgende Fassung: Die Auszahlung des Krankengeldes erfolgt nach Ablauf einer Woche gegen Einlieserung eines vom Kassenärzte auSzustellcnden Krankenschein», in welchem dte Zahl der Tage, während welcher der Erkrankte erwerbsunfähig war. angegeben sein muß. Fällt der Zahltag nicht aus einen Werttag, so erfolgt die Zahlung am nächsworher- gehenden Werttage. § S8 erhält folgende Faffnng, Die Unterstützung für Wöchneriimen wird erstmalig gegen� Einlieserung einer Bescheinigung des Standesamts über die Eintragung des GeburtS- salleS nach Ablauf einer Woche und demnächst nach Abiaus jeder weiteren Woche gezahlt. Fällt der Zahltag nicht aus«wen Werttag, so erfolgt die Zahlung am nächstvorhergehenden Werllage. § 39 erhält folgende Faffung» Das Eintrittsgeld beträgt: a) Für Mitgl. der 1. Klaffe 2�— SB. b)» 0.11.« 1,50. c)-»» III.. 1,—, d). 00 XV.. 0.75. e).»» V,. 0,50. Befreit vom Eintrittsgeld» find pp. ß 31 erhält folgende Fassung: Die wöchentlichen Kasseubettrage betragen 3-/, Prozent: a) Für Mitglieder der 1. Kl 93 Ps. °!:: S,: S °!:;;»;:a; Die Beiträge find pp. 9 57. Zu stteichen find die Worte:> .und die Höhe der von ihm p stellenden Sicherhest". Pankow, 24. Januar 1908. Der Vorstand der Ort«'Krankenkasse Pankow. O. Gütig, Richard Aolj, Borfitzender. Schristsührer. Genehmigt. P o t S d a m. 13. Mär, 1903. Ramens beS VeztrkSauSschnffes- (L. 8.) Der Vorsitzende. Ö. 2595. I. B: gez. Büttner. Vorstehender Nachtrag tritt o« Montag, den 87. April 1998, in Kraft. Pankow. 6. April 1908. Der Borstand 273/3 der Ort«-Krankenkasse Pankow. v. Gütig. Verfitzend er. Willy Laube sttr Hochzeit ein dreifach Hoch! Die Bezirksführer der t. Abteilung Weihenfee. völltsetiös �slsilZkbeitgl.Vgkdzil«! Verwaltungsstelle Berlin. Vöde«. Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, dah folgende Mitglieder verstorben find: Der Büchsenmacher indreas Humnik Di« Beerdigung findet am Freitag, den 17. April, nach. mittags L Uhr. von der Leichen- halle deS Sebaflian-KirchhoicS in Reinickendorf aus statt. Der Arbeiter idolf Thies. Die Beerdigung findet am Frestag, den 17. April, nach. mittags 2 Uhr, in KoitbuS statt. Der Metallarbeiter Oskar Biermann. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 18. April, nach- mittags 5'/, Uhr, von der Leichenhalle de« EmmauS-KirchhofcS in Rixdorf, Hermannstratze, aus statt. Ehre ihrem Andenke«: Rege. Beteiligung erwartet 115/18 VI» Ortavarwalhmg. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Hiermit diene den Mitgliedern zur Nachricht, dast unser lang. sähriges treueZ Mtglied, der Hausdiener Vlldelm Stransfeld am 15. d. MtS. im Alter von öS Jahren an Lungm-Wassersuchi gestorben ist. 68/12 Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 18. d. MtS., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle deS Rirdorser Ge- metndefriedboseS. Mariendorfer Weg, aus statt. VI» Verwaltang II. IMIer-MzoDeri Ii. HB Ao. 80. Den Mitgliedern zur Nachricht, l daß unser Mitglied Belnrlek Liedke am 10. Aprll im Alter von iS Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet heute Freitag, den 17. April, nach. mittags 4 Uhr, aus dem Kirchhos der St. Golgatha- Gemeinde, BarsuSstratze, statt. He». Vorstand. ZeDtral-Verband der Maurer Deutsehlands. Zweigvcrein Berlin« Sektion der Patzer. Unseren sowie den Mitgliedern des Gesangvereins zur Nachricht, dafi unser Mitglied Ulbert öekrenät im Alter von 60 Jahren am 16. April an der Zuckerkrankheit verstorben ist.... Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung finde» am 10. April(1. Lfterseiertag), nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen. Halle deS Schönebcrger Fried« hoseS, Maxstrage, auS statt Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Nachruf, Am Sonntag verschied tm Sl. Lebensjahre unser« Mit. arbeiterm Lina Kobahn Wir werden der Heimgegange- I nen, die 28 Jahr« unsere Kollegin war und noch zwei Tage vor ihrem Tode in unserer Milte wellte, ein dauerndes Andenken | bewahren. 14685 Berlin, den 15. April 1808. Fabrikpersonal der Firma JUefnrf«' Ich Freese. Dienstagabend 8 Uhr entschliei ianst und unvermutet am Herz- schlag meine inniggeliebt« Frau, unsere gut« Mutter, Großmutter, Schwester und Tante. Frau Ataris Reinboth, «6. Eltner/ tm 65. Lebensjahre. 14856 Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 15. April, nachmittag» 3V, Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-Friedhofe», Friedrichs- jelde, au« statt. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Rudolf Reinbotb. ferband der banperblieben Bisarbeiter Deutschlands.. Zweigverein Berlin u. Umgegend. Bezirk Pankow. Am MUtwoch, den 15. April, verstarb unser langjähriger treuer Kollege Hermaim Weiland. Ehre feinen Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den>S. April lt. Öfter- seiertag), nachmittags 3 Uhr. von der Leichenhalle deS Paukower KirchhoseS Nr. 3 aus statt. 30/3 Um recht rege Beteiligung ersucht Oer ZwelgversinevoriUed. Norddeutsche Schleife. Todes* Anzeige. Mittwoch, den 15. April, verschied nach schwerem Leiden unser langjähriges Mitglied tugust Sieberl. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntan. den 18. April, nach- mittags'/, 4 Uhr, äus demThoma«. Kirchhos statt. l48lb Der Dorstand. Todes-Anzeige. Men verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach. richt, daß meine Frau, unsere liebe Tochter, Schwester und Schwägerin Elisabetti Möller nach langem Leiden am Dienstag, den 14. Aprll, sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 18. d. M., nach. mittags 4 Uhr, von derLeichenhall« des Dorothecnstädttschen Kirch- HoseS auS statt. Karl nailer, Glaser. Familie Jähncrt. Danksagung. Für die liebevolle, zahlreiche Be« teiligung und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben ManneS, unseres guten Vater» sagen wir allen Verwandten, Freunden, Bekannten, dem Zeiittalverband der TSpser Deutschland», den Kollegen der FUtale Berlin, sowie den Genossen deS s. Wahlkreises unseren herzlichsten Dank. 11426 Witwe B. liOsch nebst Kindern. Danksagnng. die bei der Beerdigung unseres Bruders, de» Former« lieben Sohne» und Karl König bezeugt« ausrichttg« Teilnahme sagen wir allen Freunden und Kollegen unseren herzlichsten Dank. Ol» trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. die vielen Beweise der Teil« nahm« bei der Beerdigung unserer Tochter 63/12 Frida Bruns sagen wir hiermit unsem herzlichsten Dank._ Familie O. Hm ns. Für die Gratulation sag» ich den Genossen der 24. Llbtclluiig meinen verbindlichsten Dank. 277SL Hermann Wandrey. Dr. Schiinemann Sveztal-Arzi(Qr 2529L» Hant* and Harnleiden, Frauenkrankheiten. Prledricbstr. 203, Ecke«chüvenstr. »0-», S— 7, Sonnt. 10— I» Übt Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. PriozensiMUX™*, 10—2.5—7. Sonntsre 10—12.2—4. Sand- und Bvnldpnrzellen. nahe Bahnhos Fredersdorf, well au» erster Hand, noch von 4 Mark an. Otto Brenecke, PeterShage» Womi«?{a infiflfpn meine 8 Amen, TV Clin uic iviijiicii, vuiß billig aber d0Ch zekiek und(est, oornehtn und gediegen Sis im Haupt* KSoebirit >,m,d DrukLfraulllurterstr.llS. Eckhaua Kolonnaden, i Haus an der AndreasstraBe. »eh kleiden können, gewiß keine ginnte zögern, Frühjahrs- und Sommer-Toiletten SHf nur dort zn decken!!!-M> EntzOcksnde Kostome neuester Pariser und Londoner FrOhJahrsmeda In tansendfnch verschiedener AasrUtarang fflDssen jetr.t nach beendeter Saison total und zb jedem Preit ausverttault werden!!! Mäntel Jeder Art, Staub*, Reise* u. 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Pfd. 1.20 Kolonialwaren Mischung IV III n I Pomm. Schinkenspeck. Ger. Rippchen... Eisbein(oickbein)., Delikatess-Süize. Ital. Salat...... Schweinekoteletts ! « ■ t •*« Pfd. 0.98 Pfd. 0.70 Pfd 0.55 fd 0.80 Pfd 0.90 Pfd. 0.80 LN 0.90 L10 130 1.50 Mark« tl»d»»»«» am rerzDtllchea Geschmacks aHseMg Sekeant Ronserven Kirschsaft garantiert rein.,'/i Hasche 90 Pf. Himbeersaft garantiert rein Vi Hasche 90 Pf. Likör-Ostereier... 60 98 Pf. 1.75 Apfelmuss........ 0.35 Erdbeeren........ 0.50 Aprikosen, V, Frucht.... 0.60 Mirabellen........ 0.40 0.60 0.90 1.15 0.70 Gemischte Früchte... ganz vorzOgflch Im QMchmadc, ausgewogen Pfund 0.60) Glas, netto Inhalt 11 Pfund 6.60 Kopfsalat— o.io fiui Salatgurken �0.50 Apfelsinenou 40,50,60». Clfroncn 35, 45» Sonnabend, den 16. April er. sind unsere Verkaufsräume ssr bis lO UKr abends'MW geöffnet. liVSZ5E5a5?i;2SES2S2Sa5ES?SaSaSZ5ZS2SHSZ525S5HS?Sa5a5a5Z5Z5E5ZS2S2SE52SasasaSZUSESSB5asaS2Sa52SaS2SZSESZSaSHSa£rasa5SSaSHSHSE52SE52SaSH525; Peek& Cloppenburg Qertraudten-Straße 25-26-27 bei der Petri-Kirche SpezlaleQeschäft für moderne Herren- und Knaben-Bekleidung. 2889 L* Zum Frühjahr: Sacco-Anzüge Serie 2 �9�- Ser. 3 24�' Ser* 4 27�' Ser' 5 32�- Unsere Anzüge in genannten Serien sind äußerst preiswert mit Bezug auf Qualität und Ausführung, Jeder Kauf ist eine Empfehlung für uns. Hohe Leistungsfähigkeit durch eigene Erzeugung unserer Fabrikate. Straßenbahnlinien: 38, 47. 48, 88. 59. 62. 64 bis 72, 74. 78. 79, 80.(6. 9. 83, 84. 87, 88. 91, 92). Pi 1 Manoli Abbas Beste3Pfg. Cigarette. Arbeiter-Bekleidung OrttBteH SpesiMlffeachatt Kohnen& Jöring Hauptgeschäft; Alexanderstrate 12 zwfsch. Alexanderpl. u. Jannowitxbr, 2. Geschäft: Landsberger Allee 148, Ecke LangenbeoketraBe. Serujskleidnng I. alle Zweige d. 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Die Genoffen wollen sich rechtzeitig mit Einlagkarten versehen und für zahlreichen Besuch agitieren. Der Vorstand. Alt-Glicnicke. Am heutigen Freitag, nachmittags 4 Uhr, findet die Generalversammlung des Wahlvereins bei Fröhlich statt. Ge- nosse Dr. Borchardt-Cbarlottenburg wird über die Landtagswahl referieren. Es ist Pflicht aller Parteigenossen, pünktlich zu er- scheinen. Berliner JVacbricbten» In Beelitz. „Nach Beelitz?"«Hier dieser Zug Wir folgen der Weisung und klettern in einen Wagen, der durch eine römische IV gezeichnet ist, die uns stumm daran erinnert, daß wir in einer Gesellschaft leben, die aus der- schiedenen Klassen besteht, deren Wert nach der Größe ihres Gcldsacks eingeschätzt wird. Im Innern des Wagens stoßen wir auf ein wüstes Tohu-Wabohu von großen und ganz kleinen Menschen, die jämmerlich zwischen wildzerklüfteten Bergen von Körben, Kästen, Paketen und Kisten eingekeilt sind. Mühsam erreichen wir eine Stelle, wo es unfern Füßen vergönnt ist, knapp zusamnienpreßt zu stehen. Und immer neue Menschen zwängen sich herein, es ist, als wollte sich der Perron„nimmer erschöpfen und leeren". Endlich ist der Wagen gefüllt wie eine Heringstonne, und nachdem sich der Schaffner ge wissenhaft überzeugt hat, daß wirklich keiner mehr hineinzustopfen ist, bleibt die Tür geschloffen, während draußen Frauen mit Kindern kopflos und kreischend an dem Zuge hin und her rennen und Männer schimpfend und fluchend nach einem Abteil suchen, wo sie, selbst auf die Gefahr hin, alle Rippen gebrochen zu bekommen, noch Einlaß finden könnten. Jetzt gibt der Vorsteher das Zeichen zur Abfahrt, und langsam setzt sich der Zug in Bewegung. Aus der rußigen, düsteren Halle geht es an hohen, mit schreienden Reklame bildern bedeckten Häusergibcln vorbei, auf welche die kräftige Frühliugssonne prallt. Es ist ein selten schöner Mittag und nebenbei in der Lungenheilstätte Beelitz Besuchstag, daher die Fülle von Menschen in dem Zuge. Und während wir uns mit einer Hand an dem herabhängenden Lcdergriff festhalten, trotzdem aber wie der Klöppel einer Glocke hin und her pendeln, greift um uns eine rege Unterhaltung Platz. Sie alle besuchen ja ihre Lieben, die da draußen abgeschlossen, ihre Gesundheit, ihre zu frühe geknickte Jugendfrische wieder zu erlangen hoffen und das gleiche Los macht die Seelen rasch miteinander vertraut. An der nächsten Station entsteht ein heftiger Wortwechsel zipischen einigen Passagieren und den Bahnbcamten, die durch aus noch mehr Menschen in die Wagen verstauen wollen. Der Vorsteher und Schaffner kommen sogar persönlich in unseren Wagen, um sich von der Wahrheit des Protestes zu überzeugen.„Wenn Sie zusammenrücken, gehen noch mehr herein," meinen die Beamten ganz treuherzig. Nun platzt aber ein energischer Herr los:„Ja was denken Sie denn eigentlich, sind wir denn Schweine? Wir sind anständige Leute und wollen ahren wie Menschen und nicht wie's Vieh. Wir fahren des halb IV. Klasse, weil ivir nicht das Geld für die erste haben, aber wie Heringe brauchen wir uns doch nicht verpacken zu lassen. Uebrigens sind die Abteile jetzt schon weit über die polizeiliche Vorschrift überfüllt. Hängen Sie noch Wagen an oder setzen Sie die Leute in die I. und Tl. Klasse, die sind doch leer, sonst beschwere ich mich". Das half zwar nicht gleich, aber doch in Wannsee, denn da wurde ein Wagen an gehängt. Endlich langten wir schweißgebadet an unserem Bestim mungsort an. Nicht weit hinter dem Bahnhof erheben sich die einzelnen Gebäude in einsamer Waldesruhe. Männer und Frauenpavillon sind durch die Straße getrennt. Die Insassen der verschiedenen Abteilungen werden nach der Farbe ihrer Kleider in Blaue. Graue und Grüne benannt. Wir wenden uns nach der Seite der Männer, um einige Freunde aufzusuchen, die wir denn auch bei den„Grauen" finden. Auf offener Veranda liegen sie. auf ihren schmalen, verstellbaren Betten ausgestreckt und in dicke Decken gewickelt. Es ist Schlafenszeit, während welcher keiner auf- stehen darf, es sei denn, daß er Besuch erhält. Viele lesen den„Vorwärts", andere träumen vor sich hin, einige wiegen sich in den Armen Morpheus. Wir scheuchen unsere Bekannten «us ihrem Schlummer auf, die darob durchaus nicht böse sind, nenn ein Besuch, ganz gleich von wem, ist da immer ein frohes Ereignis. Wir nehmen unter ihrer Führung die Ge- bäude mit ihren hohen, vorzüglich ventilierten Gängen und Zimmern, ihren blitzblanken Waschräumen und Toiletten und ihren allen modernen hygienischen und sanitären Anforderungen entsprechenden Einrichtungen, in Augenschein. Nachher blicken wir von der Galerie herab in den Speisesaal, wo an langen Tafeln 9X32 Mann ihre Milch mit Brötchen verzehren. Und nun suchen wir den Wald auf, den schönen, stillen, weiten Wald. An den Büschen wagen sich die ersten, zarten Blütchen hervor, in den Kronen der hohen Kiefern und Fichten zittert das goldige Sonnenlicht und auf dem schwanken Aste einer weißstämmigen Birke schaukelt sich ein munterer Buchfink und schmettert seinen melodischen Ruf in den neu erwachten Frühling hinaus. Die Lunge weitet sich in dieser reinen, ozonhaltigen Luft, und in tiefen Zügen atmen wir den köstlichen Harzduft ein. Mit Stolz wird uns noch ein„Nuinmelplatz" gezeigt, der unter den geschickten und erfinderischen Händen der Insassen entstanden ist. Eine Hütte, die eine Menge„sehenswürdiger" Raritäten und Reliquien birgt, ein Springbrunnen, der durch zwei Fässer, die hoch in der Luft das Wasserreservoir bilden, gespeist wird, eine Pcrsonenwagc, die sinnreich erfunden ist. ein Musikantomat, der nach Empfang eines„Puppens" � ein „Schifferklavier" erklingen läßt, einen Eulenkäfig und viele andere Dinge noch. Inzwischen verkündet die Glocke die Essenszeit und im Nu strömt alles in dem großen Saal zusammen. Es gibt Bockwurst und Kartoffelsalat. Die Wurst ist so lang, daß unsere hiesigen Fleischer zwei daraus machen würden, und Salat erhält jeder nach Belieben; außerdem wird noch Tee und Käsebrot verabreicht und einige, die„man so mikrig" aussehen, erhalten noch extra einen Klecks Butter. Später schreiben etliche in den praktisch und bequem eingerichteten Schreibzimmern, andere vertreiben sich die Zeit durch Spiel und einzelne stehen mit großem Ernst und Fleiß über den Strickrahmcn gebeugt und verfertigen sehr hübsche Bettdecken und Tischläufer für„Muttern". Um 9 Uhr geht's zu Bett. So werden hier die Wunden notdürftig geheilt, die der Lebenskampf und die mörderische Wirkung deS Kapitalismus dem arbeitenden Volke schlägt, um nach kürzerer oder längerer Zeit aufs neue aufzubrechen. Muß das so sein? Nein, aber es ist vorläufig so; daß es aber einmal anders wird, soll unsere Aufgabe sein. An die Bahnbehörde aber richten wir den dringenden Wunsch, die Verkehrsverhältnisse nach Beelitz einer schleunigen und gründlichen Revision zu unterziehen und an den Besuchs- tagen günstige Fahrverbindungen einzurichten, um den An- forderungen des Personenverkehrs gerecht zu werden. Uebrigens wären 50 Pf. für eine Fahrt auch genug und die armen Familien könnten dann eher einmal ihre Lieben be- suchen. An die Heilstättenverwaltung wenden wir uns mit der von sämtlichen- Besuchern geäußerten Bitte, gegen Entgelt warmes Essen zu verabfolgen. Es ist hart, wenn Familien von morgens bis abends von Stullen leben müssen. Sind wirklich, wie es heißt, Bestecke früher entwendet worden, so möge sie sich durch entsprechende Pfandgelder vor solchen un- schönen Handlungen schützen. Die Bezirke der Gewerbeinspcktionen im Landesbezirk Berlin, Adreffen der Berliner Gewerbcinspektoren. umfassend die Stadtkreise Berlin, Charlottenburg, Schöncberg, Rixdorf und Deutsch-Wilmersdorf, find wie folgt abgegrenzt: Berlin C.(Reo. 1, 2, 12—16, 19—21, 27, 38 und 40.) Schu mann, Gewerbeinspektor. Bureau: NO. 18, Elisabethstr. 50/51 Becker, Gewerbeassessor. Frl. Reichert, Gewerbeinfpektions Assistentin. Berlin O.(Rev. 22—24, 44, 45, 52, 65, 66, 93—96, 102, 103, 108, 110 und III.) Dr. Welzel, Geioerbeinspektor. Bureau: O 34, Warschauer Straße 70. Fernspr.-Amt VII, 12 702. Zäuner, Gewerbereferendar. Berlin SO.(Rcv. 23, 26, 29, 43, 49, 53—55, 70, 79, 86, 87 und Stadtkreis Rixdorf.) Dr. Fischer, Gewerbeinspektor. Bureau: SO 16, Elisabethufer 45. Fernspr.-Amt IV, 8069. Lipschitz, Ge Werbeassessor. Frl. Kümmert, Gcwerbeinspektions-Assistentiiu Berlin S.(Rev. 28, 30, 41, 42, 47. 48, 67, 72, 78 und 85.) Knoll, Gewerberat. Bureau: S 53, Gneisenaustr. 55. Fernspr. Amt VI, 10 096. Barten, Gcwerbereferendar. Berlin SVV.(Rev. 3, 31—37� 39, 56, 63, Stadtkreise Schöncberg und Dt.-Wilmersdorf.) Bureau: W. 30, Eiscnachcr Straße 87/88. 4087. Pessara, Gewevbereferendar. Berlin W.(Rev. 4, 64, 74—76, 83, 84, Stadtkreis Charlottcnburg.) Dr. Bender, 71, 73, 77 und die Hesse, Gewerberat. Fernspr.-Amt IV. 100 und 104 sowie Gewerbeinspektor. Bureau: Charlottenburg 4, Sybelstr. 64. Fernspr.-Amt Lb. 13321 Gerling, Gewerberefercndar. Berlin NW.(Rev. 5—8, 57, 58, 69, 82, 91, 101 und 107.) Pelgry, Gewerbeinspektor. Bureau: N 39, Müllerstr. 159a. Fern- sprech-Amt II, 7193. Platow, Gewerberefercndar. Berlin N.(Rev. 9, 10, 11, 17, 46, 50, 59—62, 88—90, 97, 99 und 109.) Dr. Ruhnau, Gewerbcinspcltor. Bureau: N 20, Prinzen- Allee 88. Fernspr.-Amt II, 4037. Schmidt, Gcwerbereferendar. Frl. Conrad!, Gewcrbeinspcktions-Assistentin. Berlin NO.(Rev. 18, 51. 68, 80. 81. 92, 98, 105 und 106.) Dr. Blatter, Gewerbeassessor. Bureau: NO 18, Elbingcr Straße 19. Die Gcwerbcaufsichtsbeamten sind in den die Gewerbeaufficht betreffenden Angelegenheiten in den oben bezeichneten Dienst- lokalen Zu den nachbenanntcn Zeiten zu sprechen: A.) Für Arbeiter und Arbeitgeber: Dienstags und Freitags von 1 bis 2 Uhr mittags. B.) Für Arbeiter allein: Donnerstags von 7 bis 8 Uhr abends und am ersten Sonntag des Monats von 9 bis 10 Uhr vor- mittags. 0.) Für Arbeiterinnen allein halten die GewerbeinspektionS- assistentinnen, Fräulein Reichert, Fräulein Kümmert und Fräu- lein Conradt, zu den unter B angegebenen Zeiten Sprechstunden in den Räumen der Gewerbeinspektion Berlin C. bezw. SO. und N. ab. Außerdem sind zur Auskunftserteilung über alle die Gewerbe- aufsicht betreffenden Angelegenheiten täglich von 1 bis 3 Uhr Gewerbeaufsichtsbcamte in den Dienstlokalcn der Gcwcrbeinspektion anwesend.'_ Moloch zählt seine Opfer« Eine leichte Brise streicht über das Tempelhofer Feld. Ein tiefblauer, wolkenloser Himmel wölbt sich darüber und die lachende Morgensonne gießt ihre warmen, goldigen Strahlen verschwenderisch aus. Truppweise ziehen gut gekleidete Männer im besten Alter über die grünende Ebene, um dann ihre Schritte nach den hochaufragenden Militärgebäuden zu lenken. Die Straßenbahnwagen, die das Militärkommando berühren, speien zahlreiche Ankömmlinge aus. Ab und zu fährt eine Droschke oder ein Auto vor, dem ein nach dem neuesten Schnitt gekleideter Herr entsteigt, der mit einer nonchalanten Hand öewegung und einem kaum merklichen Neigen des wohl frisierten Hauptes dem Kutscher das Fahrgeld überreicht. Ordonnanzen drängen sich eilfertig durch die Gruppen, und Offiziere mit strenger, eisiger Miene biegen in den Torweg ein. Soben wird der Posten abgelöst.„Ablösung vor!" schmettert jetzt eine Heldenstimme und gleich darauf patschen die Stiefel auf den Boden, daß es kracht. Die Reservisten sehen dem ulkigen Puppenspiel mit gemischten Gefühlen zu. Ein paar Kriegervereinlern leuchtet die helle Freude aus den nicht gerade sehr geistreichen Gesichtern. Die große Menge aber blickt iiur gleichgültig hinüber, die meisten lächeln mit- leidig. Sie kennen den zweifelhaften Wert dieses Aufzugs, kennen den düsteren Hintergrund, von dem sich diese Vor- gänge so scheinbar harmlos abheben. Und dann geht für viele der Arbeitsverdienst für einen halben Tag durch diesen Rummel wieder flöten. Zwar heißt es, daß derartige Ver- säumnisse nicht vom Wochenlohn abgezogen werden dürfen, aber die Herren Unternehmer wissen immer den Gesetzgebern ein Schnippchen zu schlagen. Auch sonst bringt der Tag noch manches mit sich, was den freien Bürger höchst befremdend anmutet. An diesem Tage unterstehen die Gerufenen der militärischen Disziplin, ein unschuldiges Wort, ein leiser Widerspruch, ein unüberlegter Streich kann dem Betreffenden verhängnisvoll werden. Hinter Festungs- und Zuchthaus- mauern verbluten sprechende Zeugen unserer„altbewährten preußischen Zucht" ihr Leben. So will es unsere christliche Staatseinrichtung und die Nachfolger jenes Zinnnernianns- sohnes, der seinen Peinigern noch am Kjreuze großmütig verzieh, segnen in zynischer Heuchelei diese gottgewollte In» stitution. Wehe dem Unglücklichen, der an diesem geheiligten Tage zu einem ehemaligen Schulfreunde oder zu einem Ar- beitskollegen, der die Tressen hat und infolgedessen während 24 Stunden„Vorgesetzter" ist, in gehobener Bierlaune „Quatschkopp�' sagt, oder ihm in der Erregung beim Skar- spiel einen Schubs gibt, er kann sicher sein, daß er strengere Richter findet, als der aktive Unteroffizier, der seine Rekruten Speichel auflecken läßt oder sie mit Backpfeifen und Fuß- tritten,„schmerzlosen" selbstverständlich,„erzieht". Im Grase sitzt ein weißhaariger Krüppel, der seinem Leierkasten klägliche Töne entlockt. Fast alle werfen ihm etwas zu. Die Arnien haben immer noch eine Kleinigkeit für die Aermsten übrig. Allmählich wird das Feld leer; der Moloch hat seine Opfer gezählt. Eine andere Heerschau wird am 1. Mai stattfinden. An diesem Tage wird der Sozialismus, als Gegner des Milita- rismus, seine Anhänger zählen. Hoffen wir, daß diese Zählung eine imposante wird. Fcucrsbrünste in Alt-Berlin. Der Brand der alten Garnisonkirche lenkt den Blick in jent Vergangenheit Alt-Berlins zurück, da der Bau entstand. Damals drohte noch mit ganz anderer furchtbarer Häufigkeit die Brand- gcfahr, und besonders die Gebäude der engen Altstadt waren stän- dig Feuersbrünsten ausgesetzt. In seinem inhaltsreichen und intcr- essantcn Buche über Alt-Bdrlin gibt Ernst Consentius eine an- schauliche Darstellung von diesen bedrohlichen Zuständen, da der Nachtwächter noch jede Nacht sein frommes Sprüchlein zur Abwehr der Feuersnot durch die Gassen sang und der ruhige Bürger sich mit der steten Furcht schlafen legte, vom roten Hahn auf seinem Dache geweckt zu werden. Die Feuerordnung, die eine gewisse Sicherheit zu schaffen suchte, bot doch nur geringen Schutz. So wur» den in der Berliner Feuerordnung von 1727 die gefährlichen Stroh-, Rohr- und Schindeldächer verboten.„Auch hölzerne Altane, oder die mit gepichten Brettern beleget scyn", Gallerten in den Höfen, durften„keinesweges geduldet werden."„Zwischen denen Häusern" sollten„keine gepichte hölzerne Dach-Rinnen mehr ge- litten werden, sondern es soll ein jeglicher entweder solche inwendig mit Blech beschlagen, oder anstatt derselben blecherne legen, oder mit Steinen das Regen* Wasser so fassen lassen, daß es ablauffen, und dem Nachbar keinen Schaden zufügen könne." Vor allem muß- ten die Schornsteine„völlig von Grund an bis oben ausgemauert" und so weit sein, daß sie„ein Mensch durchaus besteigen und kehren" könnte. Wenn der Schornstein brannte, so hatte der HauL» eigcntümer drei bis vier Taler Strafe zu zahlen, weil er am Schornsteinfegerlohn gespart; denn er war verpflichtet, mindestens viermal im Jahre den Schornsteinfeger kommen zu lassen, damit der Ruß herausgekratzt würde. Die Brandgefahr war trotzdem sehr groß. Deshalb sollten auch im kleinsten Hause zwei bis drei lädcrne Feuereimer zu finden sein, und am Dach sollte eine Leiter stehen, und während des Sommers auf dem obersten Boden ein Zober mit Wasser. Die Bürger durften auch nur eüie ganz be- stimmte Menge Holz und nicht mehr als ein Fuder Heu und Stroh in der Stadt haben. Besonders mußten„die verordneten Feuer- Herren", d. h. die Feuerpolizei, den Schmieden, Tischlern und Seilern aufs Handwerk sehen. So durften Böttcher und Drechs- ler,„Handwerker, welche mit Holtz und Spähnen umgehen", nie» mals bei einem Schmiede oder„andern Handtoerks-Leuten, so ihre Arbeit im Feuer machen", wohnen. Bei' Seifensiedern und Licht- ziehern konnten die Nachbarn verlangen,„daß dergleichen Pro- fessiones, so große Feuers-Gcfahr, auch Gestanck und Jnfection mit sich führen", in der Vorstadt oder in abgelegenen Gassen betrieben werden. Die Feuersbrunst war der gefährlichste Feind der Stadt. und olle Bürger fühlten sich einig in dem Gedanken, bei solch cnt- stehendem Unglück, einander zu helfen und beizustehen. Denn trotz der„guten Feucranstalten" der Verordnung von 1727 brach schon 1730 ein gewaltiger Brand aus, als in der Nacht vom zweiten zum dritten Pfingstfeiertag der Blitz in den hohen Turm der P e t r i- kirche schlug. In vier Stunden waren die Kirche und die Häuser rings um die Kirche,„unter welchen so viele massive Gebäude waren," eingeäschert,„daß fast kein Stein auf dem andern wird bleiben können." Und man konnte noch von Glück sagen, daß„beh dem gantz entsetzlichen Brande kein sonderlicher starker Wind" wehte; hätte ein„Sturm- oder Wirbelwind" die Funken weiter ge- tragen:„die gantze Stadt" hätte„an vielen Orten zugleich in den Brand" geraten müssen. Mim sah ein, daß die vortreffliche Feuer- ord:mng trotz ihrer ausführlichen Vorschriften keinen rechten Schutz biete und man erkannte auch den wahren Grund, daß mit Brand- mauern so großem Unheil vorgebaut werden könne. Daß ein Hau? in richtigen Brandmauern stünde, lvar bisher noch nicht verlangt worden, nun sucht« man darauf hinzuwirken. Man erklärte cS für„höchstnöthig", wenn„allemahl zwischen vier, fünff oder auch sechs Häusern, von einer Straßen bis zu andern, eine Brandfreye Mauer" aufgeführt würde; es könnten dann immer nur diese vier oder fünf Häuser dem Feuer zum Opfer fallen, die übrigen ge- rettet lverden. Aber dem Bau solcher Mauern stellten sich gewich- tige Schwierigkeiten entgegen; die Hauswirte, denen die Aufgabe zur Last fiel, sträubten sich gegen die großen Kosten. So wurde denn aus„unterschiedenen Ursachen von der veranlasse ten Anferti» ugng der Brand-Mauren" gänzlich abgegangen und alles blieb beim alten. Man mußte sich also das weitere Abbrennen der Häuser gefallen lassen, aber der Hauseigentümer erhielt dafür die Pflicht, das niedergebrannte Gebäude möglichst schnell wieder aufzubauen zu beständiger Erhaltung der Stadt". Es taten sich daher alle Hausbesitzer Berlins zu einer allgemeinen Sozietät zusammen, die „vornehmlich dahin abzielet, daß die Stadt und Häuser sofort wieder im guten Stande gesetzet lverden sollen". Alle Häuser wur- den daher abtaxiert,„wobey was oberhalb der Erden befindlich, nicht aber der Grund, oder was in die Erde gebauet, angeschlagen" wurde, und der Schaden wurde dann in Höhe dieser Summe in drei bis vier Wochen nach dem Feuer ersetzt. Nur wenn der Schaden sehr hoch war, d. h. über 5000 Taler, dann konnte die Hälfte in den ersten drei Wochen und die andere Hälfte nach drei Monaten bezahlt werden, damit die armen kleinen Hauseigentümer, die ebenfalls der Gesellschaft angehörten, nicht in so kurzer Zeit all- zuviel aufbringen müßten. Es war ein gemeinsames Band, das fi) alle Bürger Berlins umschlang, sie fühlten sich alle einträchtig und gleich vor der gewaltigen Naturmacht des Feuers. Arbeiter- Bildunqsschnle Berlin, Grenadierstraße 37. Der Unterricht in Gesetzeskunde fällt am nächsten Montag ans und wird am Mittwoch, den 22. April, nach- qeholt. Auch in Steglitz fällt der Unterricht am nächsten Montag aus. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß der Geschichtsunterricht am Sonnabend ausfällt» Die juristische Sprechstunde fällt am kommenden Sonnabend nnd am«ächsten Dienstag (dritten Feiertag) ans._ Ein verdächtiger Freund der Arbeiterbewegung? Man schreibt uns:„Der Deutsche Monistcnbund veranstaltete am 25. und 30. März und am 3. April er. drei öffent- lichc Vorträge mit Lichtbildern über die Euiwickelungsgeschichtc der Lebewesen. Zu diesen Vorträgen wurde besonders in den Kreisen der organisierten Arbeiterschaft Propaganda gemacht und waren die Vorträge auch zum größten Teil von Angestellten und Arbeitern besticht,©er Vortragende. Herr Dozent B a e g e. führte in bofls tümlicher und verständlicher Weise aus, wie die Naturwissenschaft, im Gegensatz zu den dogmatischen Religionen, die Entstehung und EntWickelung der Lebewesen, einschlieszlich des Menschen, aus der Urzclle erklärt, und wie weit diese naturwissenschaftliche Erkenntnis heute durch die verschiedenen Epezialwissenschaften beiviescn wird. Diese Vorträge waren ausserordentlich lehrreich und können auch die Anerkennung der gewerkschaftlich und politisch organisierten Ar- beiterschaft finden. Die Vorträge waren jedoch nur ein Aushänge- schild über der Absicht, die Arbeiter zum Beitritt zu dem Monisten- bundc zu veranlassen. Am Schlüsse des letzten Vortrages nahm nämlich der Vorsitzende der Ortsgruppe Berlin, Herr Dr. Koerbcr, Gelegenheit, in längeren Ausführungen auf das Programm und die stiele des Deutschen Monistenbundes einzugehen. Er wollte den Arbeitern bor Augen führen, dass es doch möglich sein müsse, alle Elemente, die freiheitlich denken, in einem grossen Bunde zu- sammcnzufassen. um so in absehbarer Zeit eine Reihe von Forde- xungen zu verwirklichen. Herr Dr. K. verwies bei diesen Ausführungen auf die Zen- trumspartei, der es ja auch gelungen sei, so viele verschiedene Köpfe unter einen Hut zu bringen, und auf die freisinnigen Parteien. Er meinte, es sei ja bekannt, wie unbedeutend bis vor kurzem die freisinnigen Parteien gewesen sind, und wie sie von allen Seiten lediglich mit Hohn und Nichtachtung behandelt wurden, und wie sich da? jetzt so wesentlich geändert hätte. Weiter verbreitete sich Herr Dr. K. dann über dies Thema nicht; ihm fiel wohl ein, dass er vor einer Versammlung von zum grössten Teil organisierten Arbeitern sein liberales Herz besser nicht völlig ausschütte. Welche Bewegungen der Monistenbund zusammenfassen möchte, sagte Herr Dr. Kocbcr zwar nicht genau, er führte aber eine Reihe von Vereinen auf, so u. a.: Antialkoholvcreine, vegetarische Vereine, bodcnreformerische Vereine, freireligiöse Gemeinden usw. Von der grötzten Kulturbewegung der Gegenwart, der Sozialdemokratie. scheint Herr Dr. K. nichts gehört zu haben, denn diese Bewegung führte er nicht mit auf. Er erzählte dann, wie sich bereits in Jena ein solches Kartell gegründet hätte und verlas den Auszug eines Programms dieser Vereinigung. Dasselbe war zwar sehr lang- atmig, jedoch stand in demselben eigentlich weiter nichts, als einige § orderungen in bezug auf die Verwcltlichung der Schule, freie orschung, überhaupt freies Geistesleben, welche viel klarer und entschiedener in dem Programm der Sozialdemokratie enthalten sind. Der Redner meinte, der deutsche Arbeiter sei eigentlich ma- tcriell schon ganz gut gestellt, denn das beweise ja der Besuch dieser Vorträge, zu wclcfcn sich eine grosse Anzahl von Leuten zusammen- gefunden hätten, denen es möglich wäre, nach getaner Tagesarbcit einen immerhin nicht leichten Vortrag anzuhören. Dieselben hätten mithin dafür genügend freie Zeit und Mittel an Hand. Es ist nicht möglich, alles anzuführen, was dieser Herr Schiefes über die Arbeiterbewegung ausführte. Zum Schlüsse forderte Herr Dr. K. die Arbeiterschaft auf, sich dem Deutschen Monistcnbunde anzuschliessen und mit aller Kraft für die Erfüllung der Forde- rungcn dieses Bundes einzutreten. Infolge der vorgerückten Zeit war es leider nicht möglich, auf eine Diskussion einzugehen. In einem Flugblatt, das jedem Versammlungsbesucher über- reicht wurde, ist ausgeführt, dass der Deutsche Monistcnlmnd sich seinen Platz an der Sonne im Kommunal- und Staatslebcn er- kämvfen wolle; das heisst also, dass er eine eigene Parteipolitik treiben will. M. E. würde dies lediglich auf eine Zersplitterung und Schwächung derjenigen Bewegung hinauslaufen, die bisher am entschiedensten für eine freie Bestätigung der politischen und reli- gichen Uebcrzeugung eingetreten ist. nämlich der Sozialdemokratie. Es liegt hier anscheinend der Versuch vor. die Arbeiter auf eine neue Art und Weise von der Sozialdemokratie loszulösen und dieselben in das Fahrwasser einer seichten„unpolitischen Bewegung" zu steuern. Ganz besonders gefährlich ist hierbei, dass der Monisten- bund für diesen Zweck ein wissenschaftliches Aushängeschild benutzt. Solange der Monistenbund das hier kurz skizzierte Programm auf- recht hält, solange muß vor dem Beitritt zu diesem Bunde gewarnt werden. Herr Dr. 5k. übersieht ganz, dass es den Arbeitern erst nach langem Kampfe gelungen ist, ihre Lage so zu heben, dass sie Anteil an geistigen Fragen nehmen können. In den Vorträgen selbst bot sich Gc''cnheit, zu beobachten, dass eine Reihe von Teil- nehmern den Ausführungen des Vortragenden nicht folgen konnten, da sie von der Arbeitsstätte kamen und nun mit der Müdigkeit zu kämpfen hatten. In erster Linie kann und muss für den Arbeiter die g e- werk schaftli che und politische Betätigung stehen. die Erkämpfung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen, und schliesslich die Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung überhaupt, die Bildung und Wissen zu einem Privileg der bc- sitzenden Klasse macht und die arbeitende und wisscnshungrige Mehr- heit des Volkes von diesen Kulturgütern ausschlictzt." Wir können unS den vorstehenden Darlegungen im wesentlichen nur anschlichen._ Lcrrrdn'ma betreffend SoimtagSriche und Besch SftigungSzrit au den Öfter- und Pfingstfeicrtagcn 1908. I. Gemäss 105d Absatz 2, 105 s und 4l a der ReichS-Gcwerbe- ordnung wird fiir die Stadikrcise Berlin, Eharlottenburg, Schöne- berg, Rixdorf, Dcutsch-Wilinersdorf und Lichtenberg sotoie für den Gemeindebezirk Boxhagen-RnmmelSburg bestimmt und hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, dass im Handel Sa ewcrbe am ersten Ost er- und Pfing st feiertags 1008, soweit der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen stattfindet, Gebülfen, Lehrlinge und Arbeiter nur nach Massgabe der folgenden Bestimninngen und während folgender Zeiträume be- fchäfligt werden dürfen: 1. im Handel mit Milch A. in Berlin, Charlottcnburg, Rixdorf. Deutsch-WilmerSdorf und Lichwuberg von 5 bis 10 Uhr vormittags und von 12 bis 2 Uhr nachmittags. II. in Sckwneberg und Doxhagen-Rnminelsburg von 8 bis O'/z Uhr vormittags und von ll'/j bis 2 Uhr nachmittags; 2. im Handel mit Back- und Konditorwaren einschliesslich Kon fitüren und mit Flcischwarcn A. in Berlin. Charlottenburg. Rixdorf, Deutsch-WilmerSdorf und Lichtenberg von 5 bis 10 Uhr vormitlagS, B. in Schöneberg und Boxhagen-Ruinmelsburg von 5 bis S'/z Uhr Vormittags; 3. im Handel mit Kolonialwaren, mit Vorkostwaren, mit Bier Und Wein, mit Tabak und Zigarren A. in Berlin, Charlottenburg. Rixdorf, Deutsch-WilmerSdorf und Lichtenberg von 8 bis 10 Uhr vormittags, B. in Schöneberg und Boxhagen-RnmmelSburg von 7'/? bis H'/a Uhr vormittags; 4. im Handel mit Roheis A. in Berlin, Eharlottenburg, Rixdorf, Deutsch-WilmerSdorf und Lichtenberg von L bis 10 Uhr vormittags. B. in Schöneberg und Boxhagen-RunimelZburg von S bis 0'/s llhr vormittags; S. in den Zeitungsspeditionen in Berlin. Charlottenburg. Schöne- berg, Rixdorf, Deutsch- Wilmersdorf, Lichtenberg und Boxhagen- Rummeisburg von 4 bis 0 Uhr vormittags. 6. im Betriebe de» Handels mit Blumen ist nach den Ver- Ordnungen vom 19. Dezember 1906 tAiiitsblatt S. 535) bezw. vom 1. März 1907(Amtsblatt S. 102), 7. Juni 1907(Amtsblatt S. 286) und vom heutigen Tage(11. April 1908) die Beschäftigung von Ge- hülfen, Lehrlingen und Arbeitern gestattet: am erstenOsterfeiertage A, in Berlin. Charlottcnburg, Rixdorf, Deutsch-WilmerSdorf >md Lichtenberg von S vis 10 Uhr vormittags und von 12 bis 2 Uhr nachmittags, B. in Schöneberg und Boxhagen-RnmmelSburg von 8'/, bis 9Va Uhr vormittags und von 12 bis 2 Uhr nachmittags- am ersten Pfingstfeiertage A. in Berlin, Charlottcnburg, Rixdorf, Deutsch-WilmerSdorf und Lichtenberg von 8 bis 10 Uhr vormittags, B. in Schöneberg und Boxhagen- RummelSburg von 7Va bis O'/a Uhr vormittags. Am zweiten Oster- und Pfingstfeiertage finden lediglich die all- gemeinen Vorschriften über die Sonntagsruhe im Hmidelsgewerbe Anwendung, wie sie an den gewöhnlichen Sonntagen gelten. Das Schiedsgericht in Sachen deS bekaunten Streites zwischen der Stadt Berlin und der Grossen Berliner Strassen- bahngesellschast hat nach zweitägigen Verhandlungen, die auf dem Anhalter Bahnhof in Berlin stattfanden, seine Beratungen beendet. Das Schiedsgericht, bestehend aus dem Vorsitzenden Geh. Rat K i r ch h o f f und den Beisitzenden Geh. Vaurat E g e r. Kammcrgerichtsrat Ring, Gerichtsrat B r e d a r i, sowie dem Abgeordneten v. Zedlitz-Neukirch. hat folgenden Schiedsspruch gefällt: „Die Hoch- und Untergrundbahn-Gefell- s ch a f t kann die Untergrundbahn vom Spittelmarkt nach dem Alexanderplatz und der Schönhauser Allee sowie die Hochbahn in der Schönhauser Allee bis zum Ringbahnhof frei nnd ohue jede Entschädigung ausführen und betreiben, dagegen kann die Stadt Berlin die Untergrundbahn Süd-Nord, Kreuzberg- Wedding nur gegen eine Entschädigung bauen und betreiben." | Die Große Berliner Straßenbahn- Gesellschaft hatte den Ausfall ihrer Einnahmen, der ihr durch den Betrieb einer Hoch- und Untergrundbahn vom Spittelmarkt nach der Schön- hauser Allee(Ringbahnhof) entstehen würde, auf jährlich über 2 Millionen Mark berechnet. Eine Berufung gegen das Schiedsgericht ist nach dem Vertrage zwischen der Stadt Berlin und der Großen Berliner Straßenbahn-Gesellschaft nicht zulässig. Kommune und Arbeitslosigkeit. Der Stadtverordnetenausschuss zur Borberatung des sozial demokratischen Antrages, den Berliner Magistrat aufzufordern. schleimigst Massnahmen zur Bekämpfung der zurzeit herrschenden Arbeitslosigkeit zu treffen, beschäftigte sich in einer am Mittwoch stattgefundenen Sitzung mit einer Reihe von Anträgen. In diesen Anträgen wird der Magistrat aufgefordert, mit der Stadtverordneten- Versammlung in gemischler Deputation über die Einrichtung einer Arbeitslosenversicherung für Bertin in Beratung zu treten Ferner wird der Magistrar ersucht, dafür Sorge zu tragen, dass bei dem Ein- tritt einer wirtschaftlichen Krise alle Vorbereitungen getroffen sind, damit bisher zurückgestellte städtische Arbeiten sur gelernte und ungelernte Arbeiter sogleich in Angriff genommen werden können. Weiter ersucht die Versammlung den Magistrat, ständig dafür Sorge u tragen, insbesondere durch Anweisung an die Deputationen, dass >ei Jilangriffnahme städtischer Arbeiten in zweckentsprechender Weise seile Arbeiten während der Wintermonate mit ihrer erfahrungsgemäss wachsenden Arbeitslosigkeit zur Ausführung gelangen. Ein weiterer Antrag ersucht den Magistrat um eine Vorlage, auf Grund deren durch bleibende organisatorische Bestimmungen eine Statistil über die Lage des Berliner Arbeits Marktes, insbesondere auch über den Grad der in Berlin herrschenden Arbeitslosigkeit, die Arbeitslosen in Kategorien gesondert, fortlaufend zur Veröffentlichung gelangen können. Zur sofortigen Ilntcrstntzimg der Arbeitslosen wird der Magistrat ersucht, eine größere Summe bereit zu halten. Die ersten vier Anträge, die von Dr. Nathan mit Unterstützung unserer Genossen gestellt wurden, fanden teilweise Zustimmung sowohl bei den Magistrat-svertretern als auch dem grössten Teil der biirger- licven Ausschussmitglieder, während der letzte Antrag, der von unseren Genossen allein gcstellr wurde, ein Entgegenkommen seitens der obigen Ausschussmitglieder, soweit sie an der Debatte beteiligt waren, nicht fand. Die Verhandlungen wurden nach mehrstündiger Debatte zum 5. Mai vertagt._ Keine Postalische Umgemeindnng. Eine postalische Umgemeiw dung war. wie wir berichtet hatten, für die Mitte des Monats in Aussicht genommen. Die Samoastraße sollte zum Bcstellbezirk des Postamts Nr. 39 kommen. Wie uns die kaiserliche Ober-Post- direktion mitteilen lässt. kommt diese Umgemeindung bis auf weiteres nicht zur Ausführung. Nachtbetried der Straßenbahn zn Ostern und in der Osterwoche. Ein bedeutend erweiterter Nachtbetrieb wird von der Grossen Berliner Strassenbahn an den Osterfeiertagen und in der Osterwoche ein- gerichtet. Ununterbrochenen Betrieb vom Sonnabend über die Feier- tage und in der ganzen Osterwoche erhält die Linie 74 Schöneberg- Knieprodestrasse, Ununterbrochenen Betrieb vom Soniiabend lvähreiid der Feiertage bis Dienstag erhalten die Linien t Stadtring und 34 Gesundbrullnen-Krenzberg. In den Nächten zloischen Sonnabend vor Ostern und DwnStag nach Ostern erhallen ferner folgende Linien verlängerte!» Nachtbelrieb: 6 ab Moabit, GotzkowSkhstrasse bis 2.29, ab Spittelmarkt bis 3.17, 40 ab Schöneberg, Eiscnacher Strasse bis 1.39, ab Swinemünder Strasse bis 2.48, 53 ab Rixdorf bis 2.05, ab Vehr.nstrasse bis 3.00, 57 ab Rieder-Schönhausen bis 12.10, ab Viktoria- Luise- Platz bis 1.29, 64 ab Ringbahnhof Landsberger Allee bis 12.37; ab Bahnhof Zoologischer Garten his 1.17; 69 ab FriebrichSfelde bis 12.55, ab Wartburgplatz bis HnbertuSstrasse bis 2.23; 78 ab LudioigS-Kirchplatz bis 3.00, ab Frankslirter Allee bis 3.00; 81 ab Charlottenburger Strassenbahnhos bis 1.36, ab Charlotten- Ecke Französischestrasse bis 2.25; 87 ab Treptolv, Eisenstrasse bis 2.20, ab Leipziger Platz bis 3.00; 91 ab Haleniee bis 12.50, ab Spittelmarkt bis 1.55; A ab Halensee bis 1.23, ab Stollendorsplatz bis 2.07; Q ab Stadtbahnhof Eharlottenburg bis 2.00, ab Stettiner Bahnhof bis 3.15. Die Züge folgen in Abständen von 16 Minuten. Eine Rücksichtslosigkeit sondergleichen hat sich die Eisenbahn. bchörde gegen die Angehörigen eines auf der Stettiner Bahn Ver- unglückten zuschulden kommen lassen. Am 8. d. M. fuhr der bei der„Vichzentrale" beschäftigte Vieh- begleiter Paul Paschke. lvohnhaft in FricdrichSfelde, Luisenstr. 16. mit einem Transport Ochjcn nach Groß-Christinenberg bei Alt- dam», in Pommern. Zun» Transport wurde der Eilgüterzug 6035, welcher zwischen 11 und 12 Uhr nachts den Rangicrbahnhof Pankow verlieh, benutzt. Pcrschke befand sich im Packwagen beim Zugführer. Zwischen Chorin und Hcrzsprung wurde Paschke plötzlich durch den Zugführer vermißt. In der richtigen Annahme, daß ein Unglück passiert sei, mußte der Zug in Herzsprnng halten und die Strecke wurde abgesucht. Sonderbarerweise will man anfangs den Ver- mißten nicht gefunden haben, und die Strecke wurde frei gegeben. Bei späterem nochmaligen Absuchen wurde der Körper des Paschke durch einen Streckenwärter auf dem Nebengleise entdeckt. In diesem Augenblick nahte der von Angermünde 3.43 abfahrende Zug und zerstückelte den Verunglückten. Dieser Vorgang bedarf dringend der Aufklärung. Die Leiche wurde nach Serwest gebracht und durch eine Gerichtskommission aus Angermünde besichtigt und zur Beerdigung frei gegeben. Nachdem durch den Zugführer unzweifelhaft festgestellt war, woher der Verunglückte kani, mußten doch selbstverständlich etwaige Anfragen auf dem Magerviehhof in FricdrichSfelde die näheren Personalien des Verunglückten ergeben. Wie der behördliche Ermittelungsapparat arbeitete, wird wie folgt illustriert: Am 10. April, abends gegen 6 Uhr, erhielt die Ehefrau deS Verunglückten von dem Bahnhofsvorsteher Friedrichs- fcldc, Magcrvichhof, folgende Mitteilung: „Laut telephonischer Nachricht von Station Angermünde ist Ihr Ehemann, welcher am 8. d. M. eine Sendung Vieh nach Groß-Christincilberg begleiten sollte, aus dem Zuge heraus- gefallen und tödlich verunglückt. Der Bahnhofsvorsteher.(Unterschrift,).' s Zu einer telephonischen Nachricht wurden hier also 26 Stunden gebraucht. Es kommt aber noch besser. Die Frau frug nun bei der Güterabfertigung Chorin an und erbat sofortige Mitteilung, wo sich ihr verunglückter Mann zurzeit befindet, und ob die Leiche frei gegeben ist. Tie Antwort ist be- zeichnend; hier ist sie: Chorin. den 12. April 1908. „Auf Ihr gefälliges Schreiben vom II. d. M. teile ich Ihnen ergebenst mit, daß die Leiche Ihres verstorbenen Mannes bereits am Freitag in Serwest beerdigt worden ist. Der Bahnhofsverwaltcr. Forbrich." Tie Leiche ist also schon nach 36 Stunden beerdigt worden, sogar früher als die Frau tclephonische Nachricht erhielt. Ehe obiges Schreiben in die Hände der Frau Paschke gelangte, war dieselbe bereits nach Chorin gefahren, um die notwendigen Anordnungen bezüglich der Beerdigung zu treffen. Hier wurde ihr denn auch mündlich die Nachricht, daß ihr Ehemann schon am Frei« tag in Serwest als„Unbekannt" beerdigt sei. Auf Beschwerde beim Gemeindeborstehcr in Serwest, wie so etwas möglich sei, erteilte dieser den freundlichen Rat, sie könne ja ihren Mann wieder aus- graben lassen.... Mit Recht muß man fragen:„Wie ist so etwas möglich?" Würden nicht die schriftlichen Dokumente vorliegen, würde man den Vorgang für unglaubhaft halten können. Wie ungenügend die Unglücksstelle durch die Kommission be» sichtigt sein muß. geht daraus hervor, daß am Sonntag, also nach 3xh Tagen, die Frau Paschke auf dem Bahndamm das Portemonnaie ihres verunglückten Mannes fand; eigentümlicherweise war dasselbe gänzlich leer. Auch andere kleine Sachen lagen noch dort. Die ganze Angelegenheit bedarf einer genauen behördlichen Nachprüfung. Es ist, wie noch bemerkt sein mag, der Frau noch nicht mal möglich gewesen, eine Todcsurkunde ihres Mannes zu erlangen. Das sind wirklich skandalöse Vorgänge. Wer sind hier die Schuldigen? Hoffentlich äußert sich die Eisenbahnverwaltung bal- digst. die Pflicht hat sie._ Eine Bcrmißtensuche. Wenn in Berlin einer auf der Straße verunglückt, sa fehlt es meist nicht an Leuten, die ihm beistehen. Man bringt ihn zur nächsten Unfallstation, er erhält dort die erste Hülfe, nötigen- falls wird schleunigste Uebcrführung in ein Krankenhaus angeordnet. Oft wirkt dabei auch irgend ein Schutzmann mit, der viel- leicht nur hinzugekommen war. um diensteifrig den entstandenen .Auflauf" zu zerstreuen, und nun instruktionsgemäß« sich des Ver- '------>- Wer ck t e n hier die Pflicht, der Familie Meldung zu machen? Im„Vorwärts� ist mehrfach darüber berichtet worden, daß bei Unfällen die Angehöri» gen des Verunglückten zunächst unbenachrichtigt geblieben waren. Wir müssen heute die Liste dieser Fälle um einen neuen und sehr merkwürdigen Fall vermehren. Ein sechzehnjähriger Arbeitsbursche M., der die FortbildungS, schule in der Niederwallstraße besucht, verunglückte in dieser Straße, als er nach Schluß des Unterrichts den Heimweg antrat. Er blieb mit dem Fuß in einem Loch des Bohlenbelags stecken, der den Tunnel der Untergrundbahn deckt,-und erlitt im Fallen eine Äniever- stanchung. Ein Mitschüler übergab den Verunglückten einem Schutzmann, dieser brachte ihn nach der Unfallstation i n d e r Kr o n e n st r a ß e. und dort wurde sofortige Uebcrführung in das Friedrichshain-Kran kenhaus als nötig er- kannt. Das war am Dienstag voriger Woche, abends nach 8 Uhr« M. war bei vollem Bewußtsein, in seiner Kleidung steckte seine Radfahrcrkarte mit genauer Adresse, auch wurde auf der Unfall- station wie im Krankenhaus der Name nebst Wohnung richtig gc» bucht. Wer hätte nun die Eltern benachrichtigen müssen? Getan hat es niemand. Die Eltern warteten vergeblich die ganze Nacht hindurch auf die Rückkehr des Sohnes und mußten schließlich annehmen, daß er verunglückt sei. Am Mittwoch ging Frau M. zunächst nach dem Geschäft, in dem der Sohn angestellt ist, und fragte an, ob er da sei. Sie begab sich dann zur Fort- bildungsschule und erfuhr dort, daß er am Unterricht teilgenommen hatte. Als sie nach dem Geschäft zurückging, um Mitteilung hier- von zu machen, bemerkte sie an den Säulen die roten Zettel, die die eben erfolgte Auffindung einer zerstückelten Leiche bekannt gaben. Ein Schreck durchzuckte sie: ihr Sohn war's, den sie ermordet hatten! Entsetzt lief sie zum Schauhaus und ließ sich Teile der Leiche zeigen, aber sie konitte nicht erkennen, daß der Ermordete ihr Sohn sei. Sie erstattete dann auf dem Bureau chres Polizei- rcviers(Stcphanstraße) Meldung über daS Verschwinden ihres Sohnes. Man anttvortete ihr dort, der werde sch on wiederkommen. Einstweilen kam er nicht wieder. Am Donnerstag besah auch der Vater im Schauhaus die zerstückelte Leiche. Von da ging Herr M. zum Polizeipräsidium und fragte an, ob sein Sohn als ver- unglückt gemeldet fei. Man verneinte das. Am Nachmittag er- stattete er nochmalige Meldung auf dem Bureau seines Polizei- revicrs(Stcphanstraße) und ließ Personalien. Merlmale usw. zu Protokoll nehmen. Als er äußerte, er wolle in Krankenhäusern nachfragen, bekam er die?lntwort:„Das machen wir." Am Frei- tag ging er wieder nach dem SchouhauS, um zu fragen, ob eine Leiche eingeliefert worden fei. An demselben Tage nachmittags erkundigte sich Frau M. auf dem Polizeiburcau, ob Bescheid von den Krankenhäusern sei. Sie bekam eine Antwort, aus der sie schloß, daß man erst noch anfragen wolle. Ain Abend ging sie wieder zur Fortbildungsschule und erfuhr nun von einem Schüler, daß ihr Sohn verunglückt war. Frau M. bekam dann auf der Unfallstation die Auskunft, der Verunglückte liege im Friedrichshain-Krankenhaus. Dorthin bc- gaben sich die Eltern am Vormittag deS Sonnabends. Sie wünschten, den Sohn sofort zu sehen, aber der Oberarzt ließ ihnen sagen« un» M 2 Uhr sei Besuchsstunde, da möchten sie wiederkommen. Frau erklärte, ihren Sohn suche sie nun seit Dienstag, jetzt wolle sie ihn sofort sehen, sie werde sich nicht abweisen lassen, andernfalls werde sie zun» Stadtrat gehen. Es bedurfte noch langer VerHand- lungen. ehe der Arzt sich dazu bequemte, die Eltern vorzulassen. Frau M. mußte ihn zuvor um„Verzeihung" bitten; der anschei- ncnd sehr selbstbewußte Herr fühlte sich nämlich gekränkt durch die �Drohung" mit dem Stadtrat. An demselben Tage meldete Frau M. auf dem Polizeiburcau. daß sie selber ihren Sohn ermittelt hat. Die Polizei trug befriedigt einen entsprechenden Permerk in ihr Aktenstück ein, und für sie war die Angelegenheit erledigt. Wen traf die Schuld, daß die Eltern ohne Nachricht geblieben waren? Um Antwort wird gebeten. Gegen den unter dem dringenden Verdachte des KnabcnmordeS verhafteten Couleurdiener August Heider häuft sich das Belastungs- Material auch nach anderen Richtungen. Ein Arzt teilt der Krimi- nalpolizci einen wichtigen Vorgang mit, der schon 10 Jahre zurück- liegt. Damals stand Hcider in Osnabrück vor den Geschworenen unter dem Verdacht des Mordes an einem neunjährigen Mädchen, dessen Leiche zerstückelt aufgefunden wurde. Ter Arzt war damals Sachverständiger und erinnerte sich jetzt, als er die Zeitungsberichte über das schauderhafte Verbrechen und die Verhaftung des Täters las, sofort des Heider und der Gerichtsverhandlung. Der Ange- klagte wurde in Osnabrück wegen Mangels an Beweisen freigc» 'prochen. Ter Arzt hatte seitdem nichts mehr von ihm gehört. Aus einen Akten ersah er jetzt, daß der jetzt Verhaftete der damalige An- geklagte ist. Gestern morgen meldete sich bei der Kriminalpolizei ein Junge. der sowohl Heider als auch Blecher kennt. Seine Eltern sind in der Zentralmarkthalle beschäftigt, und er selbst kommt auch oft dorthin. Der Junge sah Hcider und Blcchcr wiederholt beisammen in der Markthalle, sie haben sich also schon länger gekannt. Der dritte Manu, der außer Hcider und dem AuShülfskellner mit Blecher bis zuletzt im Hoftmannschen Bouillonkeller war, ist }€ft auch ermittelt Serben. Melden konnte er sich nicht, weil er im Stadtvoigteigefäk.�nis satz und von dem Leichenfund und dem Morde noch nichts gehört hatte. Dieser Mann, ein Arbeiter Max W.. der also von allen Vorgängen und Aussagen anderer noch nicht die geringste Kenntnis hatte, bestätigte durch seine Bekundungen genau die Mitteilungen Kukcnbergs. Auch er sagt, daß sich Heider mit Blecher nach der Lothringer Straße zu entfernte, mit dem Be merken, daß er dort wohne und den Jungen zu seinem Vater bringen wolle. Beachtenswert sind besonders auch die Aussagen der Leute, mit denen Heider in der Anstalt Heinersdors zusammen war. Hiernach schlachtete er aus Wollust alles kleine Getier, Hühner und dergleichen, was ihm in die Finger kam. Nach diesen Bckun düngen ist anzunehmen, daß Heider den Blecher planmäßig aus sadi strichen Beweggründen ermordet hat. Der Gerichtschemiker Dr. Jeserich hat jetzt das im Kachelofen gefundene Fingerglied den Gerichtsärztcn Medizinalrat Tr Stoermer und Dr. Strauch übergeben. Diese sollen prüfen, ob die auch sonst noch in der Asche gefundenen Knochcnreste von einem Auenschen gleichen Alters herrühren. Diese Untersuchung wird längere Zeit in Anspruch nehmen, möglich ist aber die Feststellung durchaus. Das AuSflüglerrestaurant„Zum Storchnest" an der Oberspree ist in der gestrigen Nacht ein Raub der Flammen geworden. Opfer des Strassenverkehrs. /,— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von S— 1 und Z— 6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit SIS Zeitungen und Zeitschristen jeder Art und Richtung au».— Die AuSleih-Bibliothek ist bis aus weiteres geschlossen. Freireligiöse tSeinetude. In der Schule, Kleine Franlsurter Straße 6, halten Sonntag, den I. Feiertag. Herr Dr. Bruno Wille, Montag, den 2. Feiertag, Herr Prosessor Dr. Sl. Gehrke die Festreden.— Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Sparverein für Freidenker(zur Ausführung der FeuerSestaltuna). Heute nachmittag s Uhr: Generalversammlung, Neue Köniaftr. 73, ,m .Klubhause der Königstadt'. Zentral» Verband freier selbständiger Gewerbetreibender. Hausierer und verwandter Berufsgenosse»(Sektion Berlin). Morgei» Sonnabend, abendS 9 Uhr. Witterungsübersicht vom IS. April 1008, morgens 8 Uhr. » s C-- ti M tb Stvwemde Hamburg Berlin Frants.aM München Wien 77t NO 772 NO 770 O 766 NO 765 O 768 Still 2halbbd. 4 halb bd. 2 heiter 2 beiter 3 heiter wllllenl eiclUan Ö C c 2 ö f OUttt Havaranda 762 SW Petersburg!—!— Scillh Aberdee» Pari» 765 NO 770 WNW 763 NO 2 halb dd. 5 bedeckt 2 wolkig 2wolkciil c* ti Äa Wetterprognose für Freitag, den 17. April 1908. Trocken jedoch etwas kühler bei ziemlich frischen nordwestlichen Winden und ansangs zunehmender, später wieder abnehmender Bewölkung. Berliner Wetterb u'rea«. »er LandeZaiistalt WasserstandS-Nachrichte« ür Gewässerlunbe, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilsit P r e g« l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ralibor « Krassen , Fraulsurt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, Bordamm Elbe, Leltmerttz » Dresden » Barby , Magdeburg am 15.4. cm 564') 279 300 233 221 217 III 132 74 118 37 360 311 seit 14. 4. orn1) -3 —18 +14 —9 +4 -H — I —5 +1 4-5 — 9 — 4 —9 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau») , Rathenow') Spree. Spremberg') , BeeSlow Weser, Münden , Minden Rhein. MaximilianSau , Kaub . Köln Neckar, Hcilbronn Main, Wcrtheim Mosel, Trier am 15. 4. CIN 246 137 177 124 162 89 180 434 256 301 121 202 110 seit 14.4. orn1) —4 —1 0 —2 —1 —8 —12 —8 —12 —13 —9 —7 -11 0+ bedeutet Wuchs,— Fall,—') Unlerpkgel—•) heute um 6 Uhr morgens 563 cm. Oster-Ctaschenke in gfrosster Auswahl. ftalmniita L. Sin lTZTa De***' U�T Stras8e 35' VSZMVlllv 42 Sl0M � llepkanf und Königstrasse 46, HcheÄinwo,. Kollier« mit modernen Anhängern, mit Edel- ateinen gefas.t, 20 I BLOnlffstrasse 46« Bitte genan auf Hansn ummer 46 ao achten, da häufig Ver- wecha Hungen vorgekommen. In SO m langer Auslage finden Sie Tausenae Schmuckgegen- stäodo mi deutlicher Preia- notieroxig ausgestellt, ir TOD an. In Gold plattiert von 7— 15 Mark. Kettenarmbänder In echt Silber Ton M. 1.50—8.—.»ach mit reie, Anhängen» In Gold plattiert, von M 3-15. Geld. Glieder- n. Ketten Arm- bänder, mit Edelsteiaen versiert, in allen Freielegen. Geld. Krawatten- Nadeln in renehied. Mastern t> A__ von«> m Bellende ManacbettenknSpfe von 2.50— 18 M. Fabrikation En gro«,_ Export Verkauf Ein Meisterwerk vollendeter Ulirenfalirlkatlon! 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Mittelgrauer Cheviot mit«nmu-b«. streue«.. Dunks! melierter Cheviot SL'Ä Braun genrnstertor Cheviot modeme ron«... Heiigrauer Cheviot Mitteigrauer Cover- coat ...—.■_ Wa!« Ovv-AiW Modebraun meliert Covert-coat feh/lfÄ"- Braun meliert Cheviot SÄesÄm.8"!1: M VOHTd Phovinf mit feinen Streifen, eebr»oUde ITIffl OllglrÜllOi lüi und vornehm Serie IX" serie x Mitteihraun meliert Cheviot 5„'tüis.'. v-vbeit. Serie XI Serie XII : Heilgrauer Cheviot ÄÄvefÄS Mittelbraun meliert Cheviot �r,Ä0vwb2i? Graumeliert engl. Cover-coat S«u,bÄ" Mellon-Cheviot 12.00 14.00 17.00 20.00 23.00 26.00 30.00 30.00 33.00 38.00 43.00 48.00 53.00 f m 44J 3 Der Apbelter-RadTahrepbnnd„Solidarität", welcher sich über ganz Deutschland die Schweiz und einen Teil Oesterreichs erstreckt und die größte radsportliche Organisation ist, bietet seinen Mitgliedern für ein Eintpittsgfeld von 60 Prg. und einen DonatsbeltPag von 20 Pfg. folgendes: 1. Das monatlich zweimal erscheinende Bundesorgan:„Der Arbeltep-Radfahpep", 2. Enfall-Unterstützung und zwar im 1. Jahre der Mitgliedschaft 1 Mb., im 2. Jahre 1,25 Mk. und im 3. Jahre 1,50 Mk. pro Tag für die Dauer von 13 Wochen, für Rad- und Motorrad-Unfälle. Bei Unfällen mit tödlichem Ausgang 50 Mk. und nach einer einjährigen Mitgliedschaft 100 Mk. 3. Stepbe-CntepstUtanng nach einer einjährigen Mitgliedschaft an die Hinterbliebenen 50 Mark. 4. Gewäbpnng von Becbtsschntz in Fällen, welche für das Radfahrwesen von Bedeutung sind. 6. Zollfreie Uebepschreltnng der Grenzen nach allen Ländern für Rad- und Motorfahrer. 6. Wegekarten für Rad- und Motorfahrer werden an die Bundesvereine gratis sowie an die Mitglieder zu ermäßigten Preisen abgegeben. Alle Sportsgenossinnen und-Genossen, welche unserem Bunde noch fernstehen, fordern wir sieb unserem Bunde als Mitglieder anzuschließen. Tretet ein in die Reihen Euerer KlassengenoBtien, in den Arbeiter-Radfahrerband„Solidarität". 11/4 Alle Zuschriften resp. Meldungen sind zu richten an die Geschäftsstelle: Karl Fischer, Offenbach a. M., Bismarckstraße 32. Aufnahmen für Berlin und Umgegend werden bei den Unterzeichneten entgegengenommen. Auskunft schriftlich und mündlich erteilen bereitwilligst Richard Hanisch, A. Petruschke, raateoratrafie SO, Seitenflügel H, Berlin O. 34. Boxhagener StraBe 17a, ♦ sowie die Geschäftsstellen der Solidarität Pahrrad=Industrie Linkaufsstelle für die Mitglieder des Ärbeiter-Radfahrer-Bundes„Solidarität" Walter Wittig A Co., Hauptgeschäft: Brnnnenstr. 85, Tel. Ist a» 4348. Eiliale: Kottbnser Straße 9, Tel. IV, 1172h. Solidarität-Fahrrad-Industrie Einkaufsstelle für die Mitglieder des Ärbeiter-Radfahrer-Bundes„Solidarität" Walter Wittig& Co. Hauptgeschäft: Filiale: Brunnenstr. 35. Kottbuser Str. 9. Telephon: lila, 4949. Telephon: IV, 11726. Wir empfehlen den verehrl. Bundesgenossen sowie der gesamten Arbeiterschaft: Frisch aufl-Fahrräder mitdein�T�Srsetrieb# Kunst- und Saalmaschinen. i Laternen, Glocken etc. Wollwaren: Mützen, Sweater ete. I Sämtliche Fahrradbestandtelle Gummi: Lautdecken, Schläuche etc. I Alle Zabebörteile. Eigene Reparatur-Werkstatt mit elektrischem Kraftbetrieb. a Abteilung III Herren-Hosen aus besondert �uten u. haltbaren Stoffen In den modernsten Kammgarn- Streifen ... 2.90 3.50 3.90 4.50 4.90 5.90 6.90 MK. 7.90 8.90 9.90 11.50 12.50 14.50 ■j; MP Die Knaben-Abteilung Sonnabend bis 10 Uhr abends geöffnet. bietet eine sehr grosse Auswahl In reizend., sehr schicken Anzügen u. Paletots. Tfigl. Eingang v. Neuheiten 1 Kleine Anzahlung Bilder, Spiegel, Uhren, Kelten, Teppiche, Steppdecken, Tischdecken, Portieren, Gardinen, Stores, Betten, Gaskronen Pfennige Vochen- rate O.Heinzei I Diener& Kreisling,*"str�rr sastr. 6. 2�0 besonders billig. fleparatur., Emailllrung., Vernlckel. Begründet 1879. 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Druck u.Berlag:VorwärtSBuchdruckerci u. Vcrlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. tz Nr. 93. 25. IahrMg. 5. KeilM Ks Jotiüiitlü" Ictliiwt Freitag, 17. April 1908. Soziales* Gememdevertrctrrwahl und Witwcnvollmacht. Bei der Gemeindevertreterwahl in Obervellmar(Hessen-Nastau) wurden am!2. März 1906 in der S. Abteilung der Schmiedemeister Löwer mit 22 Stimnien und der Sattlermeister Rudolph mit 23 Stimmen gewählt, während die Arbeiter Pötter und Plehmann als Gegenkandidaten je 19 Stimmen erhielten. Die Wahlen wurden vom Fabrikarbeiter Kochensberger und Genosien angefochten, weil die Vertreter von vier in die Wählerliste eingetragenen Witwen, die für die Gewählten stimmten, sich nicht vor der Wahl legitimiert hätten. Die Gemeindevertretung erklärte die Wahlen von Löwer und Rudolph für gültig, nachdem sie auf den Einspruch der Kläger hin von jenen vier Witwen schriftliche Erklärungen erhalten hatte, daß ste mit ihrer Vertretung durch den und den ein» verstanden geivesen seien. Kochensberger und Genossen klagten mm gegen die Gemeindevertretung. A»S den tatsächlichen Fest- stellungen ist noch zu erwähnen, datz in die Wählerliste hinter den Namen der dort eingettagenen Witwen als„Vertreter� diejenigen genannt waren, welche nach Meinung des Bürgermeisters und der damaligen Gemeindevertteler wegen ihrer nahen Verwandschaft- lichen oder sonstigen Beziehungen als Vertreter der Witwen wahr- scheinlich in Betracht kamen. Der Bezirksausschuß in Kassel, der gleich dem Kreis- auSschuß die Kläger abwies, hielt jenen durch keine gesetzliche Bestimmung erforderten Umstand für ganz unerheblich. Er ließ die Vertreter(abgesehen von einem nicht wahlfähigen) als be- vollmächtigte Vertreter gelten, weil sich die Witwen nachträglich mir der Vertmung einverstanden erklärt hätten und so die Annahme des WahlvorstandcS, die Leute seien befugte Vertreter, bestätigt worden sei. Da auch beim Ausscheiden eines Vertreters die Ge- wöhlteu noch die absolute Mehrheit hätten, so seien die Wahlen gültig. Die Kläger legten Revision ein. Der erste Senat des Ober- verwaltungsgerichts hob auch die Vorentscheidungen auf und erklärte nach dem Antrage der Kläger und ihres Anwalts die Wahlen der Herren Löwer und Rudolph für ungültig. Begründend wurde ausgeführt: Die Entscheidung hänge davon ab, ob anzuerkennen sei. daß die Vertretung der in die Liste eingetragenen Witwen eine ordnungS- mäßige war oder nicht. ES stehe fest, daß der Bürgermeister als ihre Ver- trelcr die ihnen nä chst st ehenden Gemeindemitglieder eingetragen hatte, die als solche dem Bürgermeister und den Gc- memdevertreiern genau bekannt waren. Das sei nicht ausreichend, um eine Befugnis der Vertreter zu begründen. Das Gericht halte nun zwar eine schriftliche Bevollmächtigung nicht für nötig. Es genüge auch die mündliche Form. Es müsse aber a n S dem Protokoll oder seinen Anlagen oder überhaupt auS der Wahlhandlung mit Sicherheit entnommen werden können, daß wirklich eine Uebertragung der Vertretung stattgefunden habe. Das sei nicht der Fall. Es könne aber die nachträgliche Genehmigung nicht als genügend erachtet werden, eine Verttetungsbefugnis zu begründen. Ziehe inan kbie Stimmen jener Vertreter ab, dann bleibe den Gewählten nicht mehr die absolute Mehrheit._ Hurra das GcrmanisierungSgesetz! Die Knebelbestimmungen des Reichsvereinsgesetzes hindern nun- mehr die gewerkschaftliche Aufklärung der fremdsprachigen Arbeiter und so wird deren Ausbeutung eine lohnende Profitquelle. Die Ausländerhetze der Werkspresse ist verstummt und aufs neue sind kapitalistische Sklavenhändler auf Arbeiterfang ins Ausland geschickt. In M e i d e r i ch kam am Montag eine größere Anzahl junger Polen an und wurde mittels einiger Möbelwagen nach der Gewerkschaft.Deutscher Kaiser' transportiert, für welche sie ein Agent an der russischen Grenze angeworben hatte. Auch für den Bahnhofsumbau in Mülheim-Ruhr sind ganze Züge italienischer Arbeiter angetvorben, während die dorttgen Werke mit Feierschichten arbeiten und die Ausgabe des Arbeits- markteS vor den ZeitungSexpeditionen täglich von zahlreichen ein- heimischen Arbeitern umlagert wird.— Der Z 7 des neuen VereinS- gesetzcS wirkt schon jetzt, aber nicht etwa„germanisierend'. Neue SubmissionSbcdiiigungen hat der Stndtmagistrat Nürnberg erlasien. An Mitglieder der städtischen Verwaltung und der Armen- pflege dürfen städtische Arbeiten und Lieferungen nicht vergeben werden, man Hai sich aber ein Hintertürchen offen gelassen, daß Ausnahmen gemacht werden können, wenn auf anderem Wege die Arbeit nicht in gleicher Güte zu erlangen ist. Unternehmer, die ihre Arbeiten an Unterakkordanlen oder an Strafanstalten vergeben, sind von den Submissionen ausgeschlossen. Bei gleichwertigen Angeboten sind stets zuerst die inländiichen, unter diesen die in Nürnberg an- sässigen und unter diesen wieder die zur Führung des Meistertitels berechtigten Unternehmer zuerst zu berücksichtigen. Die niedrigsten Gebote sollen keineswegs unbedingt berücksichtigt werden und über- Haupt nicht, wenn die Endsumme von den Endsummen der anderen Angebote einen zu großen Abstand zeigt. Aus den VergebungS- bedingungen hat man die Streikklausel noch immer nicht entfernt, wenn sie auch anscheinend etwas gemildert wurde. Wenn der Unternehmer glaubt, infolge eines Streiks den Termin nicht ein- halten zu können, so hat er dies dem Magistrat sofort anzuzeigen; dieser behält sich vor, sowohl bei Streiks als auch bei Arbeiter- aussperrungen die Lieferfristen zu verlängern. Die Unternehmer haben vorzugsweise inländische und von diesen wieder in erster Linie die in Nürnberg beheiniateten oder schon länger ansässigen Arbeiter zu beschästigen. Lehrlinge dürfen nur bei leichten und ungefährlichen Arbeiten verwendet werden. Falls sich beim Magistrat Arbeitslose um Beschäftigung melden, sind die Unternehmer ver- pflichtet, solche einzustellen und nach Leistung zu entlohnen. Weiter werden die Unternehmer haftbar gemacht für die genaue Erfüllung der gesetzlichen Bestimmungen über Versicherung der Arbeiter und Einhaltung der Arbeiterschutzbcstimmungen. Endlich sind sie ver- pflichtet, über die Einhaltung der Verträge mit ihren Arbeitern unter Vorlegung der Lohnlisten und sonstiger Unterlagen dem Bau- amt jederzeit auf Verlangen Aufschluß zu geben. Handwcrksrettuiig mit Hindernissen. Um das Handwerk zu fördern, haben verschiedene amtliche Stellen Arbeiten im ganzen an große Innungen vergeben, die den Auftrag dann in, einzelnen an die Mitglieder übertragen. Die Schneiderzwangsiunung in Köln hat auf diese Art Uniformröcke von dem 8. Armeekorps und von der Stadt Köln erhalten, und von der Post- und der Eisenbahn- direktion wurden ihr solche Arbeiten in Aussicht gestellt. In der jüngsten Sitzung berichtete der Obermeister der Innung über die Erfahrungen, die man mit diesen Aufträgen ge- macht hat: Die Innung habe vom> 8. Armeekorps 500 Waffenröcke in Auftrag erhalten. An den ersten 20 Röcken wurden 90 M. zugelegt. Während daS 40. und da« 65. Regiment die Röcke ziemlich glatt abnahmen, machte das S8. Infanterie- regiment große Schwierigkeiten. Erst wurden zwei Proberöcke ver- langt, die mit achtzehn Beanstandungen zurück» gesandt wurden. An einem neuen Proberock wurden in elf Punkten Aussetzungen gemacht. Schließlich wurde b e i 206 Röcken die Annahme verweigert, weil sie kleine Fehler hätten. Der Obermeister meinte, da müsse einem doch die Lust vergehen, denn von Verdienst könne unter diesen Umständen keine Rede sein. Man scheine hier das Handwerk mit einer ver- salzenen Suppe retten zu wollen. Bom Kolonnenputz. Der Putzer RaschinSki als Kolonneuführer hatte für bestimmte Putzarbeiten noch eine Nebcnkolonue. die Kolonne Sch., heran- gezogen. Die Putzarbeiten wurden für den Unternehmer Brauer gemacht. Die Kolonne Sch. hatte schließlich einen Restanspruch von 261 M. und klagte gegen Brauer beim Gewerbegericht auf Zahlung. Raschinski als.Oberschieber' erhielt demnächst von Brauer 360 M. Diese Summe verteilte er zwischen beiden Kolonnen. Die eine erhielt 161 M., die andere den Rest. Demzufolge kam eS doch in Sachen Schroter und Ge- nassen wider Brauer zur Verhandlung vor dem Gewerbcgericht. Die Kolonne wollte voll beftiedigt sein. Der Beklagte Brauer wandte ein, er habe Raschinski jene 300 M. mit der ausdrücklichen Betonung gegeben, davon vor a l l e m die Kolonne Schröter gänzlich zu befriedigen. Die Kammer 3 unter Vorsitz des Magiitratsassessors Dr. Prerauer erachtete durch die Beweiserhebung für wahrscheinlich gemacht, daß die Behauptung des Beklagten zutreffe und der Obcrkolonnensührer durch die von ihm vorgenommene Ver- teiluug der Anweisung Brauers zuwider gehandelt habe. Es wurde folgendes bedingte Endurteil gefällt:.Der Beklagte Brauer hat einen Eid zu leisten dahin, daß er dem Kolonnenftihrer Raschinski 300 M. mit dem ausdrücklichen Auftrage gegeben habe, dem jetzigen Kläger die Klagesumme zu zahlen. Leistet er den Eid, so werden die Kläger mit ihrer Klage gegen Brauer abgewiesen.' enaa vv Wegen der vielen Angriffe"»» unserer verehrten Konkurrenz haben wir uns entschlossen, das Schöneberger Geschäft, Hauptstr. 10 und meine anderen 5 Geschäfte aufzugeben, das heißt, wir werden das gesamte Unternehmen in eine Gesellschaft umwandeln und zwar am 31. Dezember 1908. Aus diesem Grunde veranstalten wir einen 50% unter Preis 50% 0 Wir haben uns entschlossen, bis zum 25. 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