Nr. 94. Abonnements- Bedingungen: Ebonnements Preis pränumerando Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 fg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage, Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost- BeitungsBreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz # Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 50 Pig., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 30 Big. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Big. jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 fg., fedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition is bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dokumente Mittwoch, den 22. April 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Und wenn darüber wurde dadurch noch besonders erschwert, daß die aus- lichen Stimmabgabe nicht viel zu sagen. Wie aber wird es bei den gehängten Verzeichnisse teilweise durch neue ersetzt waren, daß Reichstagswahlen werden? Kann und darf oder muß das kom in anderen die Tage, an denen länger gearbeitet werden durfte, promittierliche Bündnis da aufrecht erhalten werden? eingetragen wurden oder daß gar die Unter- nun das Zentrum wieber Regierungspartei wird, was doch nur eine wegradierten. Der Bericht über die Gruppe der männ das Gespenst der Sozialdemokratie ins riesenhafte! Man glaubt Die Arbeiterschutzgesetzgebung ist trotz aller feierlichen An- lichen Arbeiter zeigt, daß die absteigende Konjunktur nicht, welche lächerlich wirkende Angst vor der Sozialdemokratie die fündigungen sozialpolitischer Geseze in den ersten Anfängen die männlichen Arbeiter zuerst und am schärfsten trifft. radikalen Polenführer und ihre Presse unausgesetzt zeigen, mit stecken geblieben, und nur die allerkraffeste Ausbeutung der Während noch im vorigen Jahre in den der Gewerbeinspektion welch wahnsinniger Wut fie diese bekämpfen, um jeden Preis, mit Arbeitskraft ist durch Schutzgeseze hintangehalten. Aber selbst unterstellten Betrieben eine Zunahme der Arbeiter um 16 318 allen Mitteln giftiger Lüge und Berleumdung dem polnischen Volke diesen geringen Anfängen eines Arbeiterschutzes steht in vielen gezählt wurde, war es im vergangenen Jahre nur ein Mehr zu berekeln fuchen. Sie wissen beffer wie es die SozialFällen das Unternehmertum feindlich gegenüber. So finden wir von 3423. Die Stockungen und Abflauungen machten sich demokratie bis jetzt selbst weiß wie schwach ihre Herrschaft gedenn auch im Jahresbericht der kgl. preußischen Gewerberäte für besonders in der Holzindustrie und im Baugewerbe bemerkbar. gründet ist, wie bald auch das polnische Proletariat der Sozial 1907 an verschiedenen Stellen die Klagen der Berichterstatter, daß Die ganze Schwere der schlechten Konjunktur wird freilich erst demokratie verfallen kann und wird. Und sie fürchten mit Recht, Differenzen mit Unternehmern entstanden, im nächsten Berichtsjahre in die Erscheinung treten. Denn daß der Versuch, die polnischen Arbeiter jest wieder dem Zentrum weil die Gewerberäte die Einhaltung der mit dem Ende des Jahres segte, wie bekannt, die Arbeits- zuzuführen, ihrer Herrschaft noch viel schneller wie im entwickelungsArbeiterschutzvorschriften berlangten. Für losigkeit in ihrer ganzen Schwere ein. gemäßen Verlauf ein Ende machen könnte. die Arbeiterschaft ist der beste Arbeiterschutz ein freies Ein sehr interessantes Dokument für die Notwendigkeit Immerhin, für jetzt ist das Geschäft abgeschlossen, die radis Koalitionsrecht, und die gesetzlichen Arbeiterschutz- der Verkürzung der Arbeitszeit liefert der Berichterstatter, in faleren Elemente fonnten sich mit Erfolg nicht widersezen, ohne eine bestimmungen werden am ehesten dort eingehalten, wo eine dem er feststellt, daß der Direktor einer Gasanstalt, der noch Spaltung der Polenpartei herbeizuführen und für den Augenblick starke gewerkschaftliche Drganisation dem einzelnen Arbeiter im Vorjahre ein Gegner der Achtstundenschicht war, jetzt zu ist das Geschäft auch kein schlechtes, weder für die Polen, noch für einen Rückhalt gegen übermäßige Auspowerung bietet. einem unbedingten Anhänger der achtstündigen das Zentrum: die Polen werden mit Hülfe ihrer Verbündeten in fozialpolitischer Rückständigkeit.emer Fälschungen begingen, indem fie die Eintragungen Frage der Zeit iſt? Da wächst den polniſchen Nationaldemagogen Trotzdem die einzelnen Berichte bekanntlich durch die Arbeitszeit geworden ist. Wie dieser Direktor Oberschlesien drei, vielleicht vier neue Landtagsmandate erlangen Zentralinstanz sorgfältig durchgesehen und zensiert werden, finden dem Gewerberat erklärte, hat er durch scharfe Beobachtung und zwar ganz sicher. Ebenso viele, vielleicht noch mehr Mandate wir doch hier und da Stellen, die von einigem Verständnis seiner Leute feine frühere Befürchtung, daß diese kann das Zentrum mit Hülfe der Polen in Oberschlesien erlangen, für die Notwendigkeit der Organisation und die vermehrte freie Zeit in wenig ersprießlicher Weise aus- wiewohl das nicht ebenso sicher ist, wie der Mandatgewinn der Polen. der damit verbundenen geistigen und sittlichen müßen würden, vollständig widerlegt gefunden. Die Außerdem aber werden die Polen auch in Rheinland- Westfalen ihrem Hebung der Arbeiterschaft zeugen. So erkennt Arbeiter benugen ihre Zeit zu einer gefunden Er- Bundesgenossen wertvolle Unterstügung zukommen lassen. der Berichterstatter für den Landespolizeibezirk Berlin aus holung, und der Direttor erwartet, durch die achtstündige Bei diesem Mandatgeschäft handelt es sich nicht um ein Tauschen drücklich an, daß die eingelaufenen Schreiben in der Form Arbeitszeit einen tüchtigen, zuverlässigen und dauernd leistungs- oder gegenseitiges Abtreten von im Besitze der einen oder anderen im allgemeinen sachlich und höflich waren und daß fähigen Stamm von Arbeitern zu erhalten. der beiden Parteien befindlichen Mandate. Wenigstens in Ober in dieser Beziehung namentlich die Organisationen Zum Schluß des Berichts wird der Einfluß alto fchlesien geht es vielmehr um ein halbes Dugend Landtagsmandate, und Gewerkschaftskommissionen mit gutem holischer Getränke auf die Lebenshaltung der Arbeiter das gegenivärtig im Besize der Nationalliberalen und FreiBeispiel vorangehen. borgeführt und erfreulicherweise konstatiert, daß der Genuß fonfervativen ist. Und auch in Rheinland- Westfalen dürfte ein Gr Wenn wir im folgenden den Bericht für den Landes- alfoholischer Geträufe im allgemeinen nachgelassen folg der Verbündeten nur auf Stosten der Nationalliberalen zustande polizeibezirk Berlin in großen Zügen besprechen, so hat. In einzelnen Betrieben ist durch die Beschaffung billiger tommen. Das erklärt denn auch den giftigen Spott, mit welchem müssen wir mit Bedauern feststellen, daß die Zahl der Revisionen und warmer Getränke, z. B. Staffee, Tee und Statao, der Bier- die breimal geeichten„ Patrioten" das Bündnis des„ unnationalen bon 11871 in 1906 auf 11142 in 1907 heruntergegangen ist, genus ganz erheblich zurückgegangen. Der Branntiveingenuß Bentrums mit den„ Landesverräterischen" Bolen überschüttet. Merger trotzdem die Zahl der Fabrikbetriebe sich im gleichen Zeitraum hält sich in den Berliner Betrieben in engen Grengen. und Wut über den drohenden Mandatsverlust haben die" patriotische um 1671 vermehrt hat. Wie notwendig aber eine dauernde Den bisher ganz unzulänglichen Arbeiterschuß weiter aus- Entrüftung" der Herren verursacht. und uneingeschränkte Kontrolle der Betriebe ist, lehrt die zugestalten, ist eine der wichtigsten Aufgaben der ArbeiterFür die Frage der Wahlrechtsreform im neuen Landtage, die Tatsache, daß in 59 ermittelten Fällen die Profitgier die bewegung. Nur durch starke Arbeiterorganisationen ist diese uns vor allem interefftert, ist das Bündnis von Bolen und Zentrum Unternehmer veranlaßte, die doch nur auf das allernotwendigste Aufgabe zu lösen. bon keiner Bedeutung. Die polnischen Abgeordneten, im Reichstage Maß beschränkte Kinderschutzgesetzgebung zu durchbrechen. Es Die liberalen Abgeordneten haben bei der Beratung des wie im Landtage, standen schon bisher völlig im Banne der zweiwurde in mehreren Fällen ermittelt, daß Kinder Reichsvereinsgefeges gezeigt, wie wenig fie gewillt sind, die deutigen, voltsverräterischen Sentrumspolitit, troß gelegentlicher Ver darunter solche von fünf und sechs Jahren Intereffen der gewerkschaftlichen Organisationen wahrzu- stimmung zwischen Zentrumsbruder und Bruder Bolat. Und so wird - ihre gewerbliche Tätigkeit regelmäßig fchon gegen nehmen. Die kommenden Wahlen werden ihnen zeigen, es bleiben- bis einmal das arbeitende polnische Voll genug hat 5 Uhr morgens aufnehmen mußten! Lächer- daß man nicht ungestraft Boltsinterressen verraten darf! lich gering find die Strafen, die wegen solch barbarischer Ausbeutung des findlichen Körpers verhängt wurden. Sieht ein Arbeiter einen Streifbrecher scheel an und nennt er ihn gar beim richtigen Namen, so sind ihm einige Wochen oder Polen und Zentrum. von der nationalen Demagogie und in die Parlamente Vertreter feiner wirtschaftlichen und politischen Interessen schickt: So aialdemokraten! Tm Bunde mit den Wahlrechtsfeinden. " " gar Monate Gefängnis sicher; preßt aber ein rücksichtsloser Das Wahlbündnis zwischen Polen und gentrum ist perfekt, obund brutaler Unternehmer dem Kinde das Mart aus den wohl beide Verbündete öffentlich nicht gern davon sprechen. Daß Die, Germania" unternimmt den krampfhaften Knochen, dann werden, wie der Bericht feststellt, 1-30 Mark fich die beiden arg verfeindeten Brüder so bald wieder gefunden, ist Versuch, das Zentrum von dem Makel zu reinigen, der Geldstrafe verhängt! Als ob nicht das Vielfache dieser Strafe ein freilich ungewolltes Verdienst der„ genialen" Bülowschen Blod wahlrechtsfeindlichsten Reaktion die schnödesten Handlangerschon längst durch die Uebertretung der Schußgeseze verdient politif. Wäre das Zentrum Regierungspartei geblieben und hätte dienste zu leisten. ist, che es überhaupt zu einer Bestrafung kommt. es als solches die Polenpolitik Bülows weiter soutenieren Das ultramontane Hauptorgan will beweisen, daß das Nicht weniger schlimm sieht es mit der ungefeklichen Be- oder wenigstens wohltvollend dulden müssen, dulden müssen, dann hätte Sentrum es mit seiner Forderung des allgemeinen, gleichen, schäftigung jugendlicher Arbeiter von 14-16 Jahren von einer Verständigung oder gar von einem Bündnis direkten und geheimen Wahlrechts ehrlich meine. Und wie aus. Auch in dieser Gruppe bewegen sich die verhängten zwischen Polen und Zentrum nicht die Rede sein können, trotzdem die führt es diesen Beweis? Etiva durch den Hinweis auj Strafen in niedrigen Grenzen. Mit 5-75 M. mußten die Bolen ebenso gute Söhne der katholischen Kirche find, wie das eifrige parlamentarische und außerparla. betroffenen Unternehmer ihre Profitgier„ büßen". So wurde Bentrumsleute sein können. Jezt aber ist das Zentrum wieder mentarische Aktionen des Zentrums für das Wahlbeispielsweise zu der Höchststrafe ein Druckereibefizer Oppositionspartei und fann eine Lippe riskieren, wenn es sich um recht? Nein, das kann die Germania" nicht, denn eine verurteilt, weil er jugendliche Arbeiter wiederholt die Verteidigung des verfolgten polnischen Bruders handelt. In Aktion zugunsten des allgemeinen und gleichen Wahlrechts 11 Stunden, einmal sogar bis nachts 1/21 Uhr be- der Tat können sich die Bolen nicht beklagen, das Zentrum hat seine hat das Zentrum seit 1873 nie mehr unternommen! Die schäftigte. Wie wenig einzelnen Unternehmern an Leben Sache beim Enteignungsgesetz im Landtage wie beim Sprachen Germania" versucht die angesichts der Haltung des und Gesundheit der beschäftigten Arbeiter liegt, lehrt paragraphen im Reichstage gut und manchmal besser gemacht, wie Zentrums nur zu begreiflichen Zweifel an der Aufdie Tatsache, daß in einigen Fällen die Wartung von die Polen selbst. richtigkeit seiner Freundschaft für das allgemeine und Dampffesseln durch jugendliche Arbeiter inhibiert werden Aber ganz ungetrübte Freude über den neuen Herzensbund will gleiche Landtagswahlrecht dadurch zu zerstreuen, daß sie mußte! Billige Arbeitskraft ist das Ideal vieler Unternehmer, doch bei keinem der beiden aufkommen. Das bis vor kurzem so nachzuweisen sucht, daß sich das Zentrum auch bei der Ueberund so sehen wir denn in einer Tischfabrit fast alle regierungsfromme und auch jetzt jeden Augenblid wieder regierungs- tragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen an Mandaten Holzbearbeitungsmaschinen von jugendlichen Arbeitern fähige" Bentrum ist in weiten Schichten feiner Anhänger tren- nicht schlechter stehen werde wie beim Dreitlassenwahlrecht. besetzt, deren Beaufsichtigung durch einen Ewachsenen und einen deutsch", stramm„ national" geworden. Es empfindet daher die Der Beweis hat ein großes Loch! achtzehnjährigen Arbeiter erfolgt. Intimität mit den hochberräterischen" Bolen, besonders mit Denn mit der Uebertragung des Reichstagswahlrechts Die moderne Technik mit ihrer Zeilarbeit gibt den Unter- deren linfem Flügel, fehr peinlich. Das Verhalten der Kopp, auf Preußen müßte selbstverständlich auch eine gleichmäßige nehmern die Möglichkeit, an Stelle der etwas teureren männ- Ballestrem und anderer hat das genugsam gezeigt und das heftige Neneinteilung der Wahlkreise verbunden sein. Und auch dann, lichen Arbeitskraft weibliche Arbeiter einzustellen. Von Jahr zu Widerstreben oberschlesischer und anderer deutscher Zentrumsblätter wenn das Zentrum selbst davon keinen Mandatsverlust Jahr wächst denn auch die Zahl der Arbeiterinnen in den Fabriken. bei Erörterung der Bündnisfrage geht in gleicher Richtung. Nicht zu befürchten hätte das wirklich gleiche und allgemeine Die bestehenden Schutzvorschriften für Arbeiterinnen werden anders aber ist es bei den Polen. Freudig begrüßt wird die neue Wahlrecht würde die Rechte dezimieren und die Linke überschritten, weiß doch der Unternehmer, daß nur geringfügige Situation freilich von den konservativen Elementen der Bolenpartei, bedeutend stärken. Deshalb hat ja auch das Zentrum Strafen seiner warten. Der Bericht tonstatiert Verstöße gegen den polnischen Junkern und ihren Freunden und Parteigängern im am 10. Januar 1908 gegen die Neueinteilung der Wahlkreise die Vorschriften über die Dauer der Arbeitszeit besonders Bürgertum. Diese waren im Herzen immer beim Zentrum und gestimmt, also für Aufrechterhaltung jenes ungeheuerlichen zahlreich in Druckereien und Konfektionswerkstätten. Wie haben sich nur, der Not gehorchend, äußerlich von diesem fern. Bustandes, der das industrielle Proletariat noch mehr wenig sich einzelne Unternehmer um die gefeßlichen Be- gehalten, als die Stimmung des polnischen Bolles dem regierungs- entre chtet, dafür den Konservativen ein noch größeres stimmungen scheren, lehrt die Tatsache, daß ein Druckerei- freundlichen Zentrum immer feindlicher wurde. Uebergewicht verleiht! " besizer in seiner Arbeitsordnung für die Nachtarbeit Ganz anders bei den radikalen Elementen der Polenpartei. Gie Daß aber das Zentum mit vollem Bewußtsein, mit wohlseiner weiblichen Arbeiterinnen einen erhaben jetzt seit Jahren das Zentrum als boltsverräterisch, als berechneter Absicht gerade die Konservativen stärkt und schirmt, höhten Stundenlohn vorgesehen hatte, trog- reattionär, als ärgste Feindin des polnischen Volles dargestellt und bewies ja die fürzlich vom ,, Vorwärts" wiedergegebene Ausdem in solchen Betrieben Nachtarbeit weiblicher Arbeitskräfte wie die Reichstagswahlerfolge zeigten, dafür nur zu guten Glauben Tassung der Zentrumspresse, die empfahl, die gefeglich verboten ist. gerade bei den proletarischen Schichten des Volkes gefunden. Nun Konservativen bei der Landtagswahl mit allen Kräften zu Die Durchlöcherung des Gesetzes durch besondere Aus- aber müssen sie plößlich ihre au fo guten Saffern des Zentrums unterstützen, um eine freifonservativ(!) nationalliberal- frcinahmebestimmungen gibt den Unternehmern die Möglichkeit, erzogenen Parteigenossen diesem Zentrum als Wähler wieder zu sinnig- sozialdemokratische( 1) Mehrheit zu verhindern. Das in besonderen Fällen die Arbeitskraft der Arbeiterin in er- führen. Vielleicht, ja sehr wahrscheinlich gelingt dies Stückchen den Motiv dieses Bündnisses mit der wahlrechtsfeindlichsten höhtem Maße auszubeuten. Der Bericht konstatiert denn auch, Herren angesichts der gegenwärtigen Situation noch leidlich. Freilich agrarischen Reaktion enthüllt die Märt. Boltsztg.", der daß besonders in der Konfektionsindustrie vielfach die Aus- die besseren Elemente berlieren sie zum Teil schon jetzt und zwar Ableger der Germania", in der Nr. 91 ganz offen mit den nahmebestimmungen voll ausgenutzt werden. Die Kontrolle lan die Sozialdemokratie. Das hat bei der öffent- Worten: „Wenn wir den liberalen Parteien in die Hände arbeiten und mithelfen würden, daß der Liberalismus groß wird, dann würden wir ja selbst die Waffen schmieden, mit denen der Kampf gegen die christliche Schule zu unserem Nachteil geführt werden könnte. Die Erhaltung der christliche» Bolkscrzichuug steht für uns in erster Linie.. Also das Wahlrecht ist dem Zentrum absolut gleich- gültig! So gleichgültig, daß es den bösartigste» Wahl- rechtsgegnern in die Hände arbeitet, wenn dadurch nur die Berpfaffuug der Schule sichergestellt ist! Denn es ist ja bodenlos dummes Zeug, wenn das Blatt gleich darauf behauptet, das Zentrum sei gleichzeitig be- müht, auch noch eine aus Freisinnigen. Sozialdemokraten und Ultramoutanen bestehende zweite Mehrheit für eine demo- kratische Wahlreform zustande zu bringen! Sagt doch die „Germania" am gleichen Tage:„daß das Reichstagswahlrccht unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht zu erreiche» ist, weiß jedes Kind". In der Tat, wenn das Eintreten des Zentrums für die W a h l r e f o r m in der Nnterstütznng der Konservativen besteht, ist das Reichstagswahlrecht natürlich nicht zu erreichen! Das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht ist unter solchen Umständen nur dann zu erreichen, wenn die ge- nasführten, entrechteten Wählermassen endlich über die schäm- losen Verrätereie» des Zentrums nicht weniger als des Frei- sinnö aufgeklärt und zum gemeinsamen proletarischen Wahlkauipfe und Wahlrechtskampfe vereinigt werden! Das Selngeset?. Der„ReichSanzeiger" hat den Entwurf eines neuen WeingefetzeS veröffentlicht, durch daS den Klagen der Winzer über die Kon- kurrenz, die ihren Erzeugnissen auS den Weinfälschungen erwächst, abgeholfen werden soll. Eine erschöpfende Regelung der Materie bietet der Entwurf nicht, und vermag er schon deshalb nicht zu bieten, weil mit dem Fortschritt der Wiffen- schaft und der praktischen Erfahrung sich die Frage, welche Stoffe zur Weinbereitung unentbehrlich find und wie sie die Zusammen- setzung deS WeinS beeinflussen, ständig verschiebt. So hat denn auch der Gesetzentwurf die Frage, ob der Znckerzusatz gestattet sein soll und in welchem Maße, in einer sehr milden Weise entschieden. Bei ungenügender Reife der Trauben darf dem Traubenmost oder dem Weine bei Herstellung von Rotwein, sowie auch der vollen Trauben- maine so viel Zucker oder Zuckerwasser zugesetzt werden als er- forderlich ist, um Wein zu erzielen, der nach seinem Gehalt an Alkohol und Säure dem aus Trauben gleicher Art und Her- kunst in Jahren der Reife ohne Zusatz erzielten Weine cnt- spricht. Der Zusatz an Zuckerwasser darf jedoch in keinem Falle mehr als ein Fünftel des in die Mischung ge- langenden Mostes oder Weines betragen. Die Zuckerung darf«ur innerhalb des Weinbaugebietes vorgenommen werden, aus dem die Trauben stammen, und ferner soll die Zuckerung nur in der Zeit vom Beginne der Weinlese bis zum Schluß des Kalenderjahres stattfinden. Diese Bestimmungen sind im eigenen Interesse der Winzer aufgenommen; denn würde der Zuckerzusatz überhaupt verboten, so würden dadurch in schlechten Erntejahren die Winzer selbst am schwersten getroffen. Sie müßten dann ihren Most einfach fort- schütten oder zur Essigfabrikation verwenden. Ausgenommen von den Bestimmungen über den Zuckerzusatz ist natürlich die Herstellung von Wein zur Schaumweinbereitung und die Umgärung kranken Weines. Das Verschneiden(Vermengen) der Weine ist gestattet, auch der Rotweitzverschnitt. Ein Verschnitt von Weißwein mit Dessertwein P Monate 2 Wochen und 3 Tage Gefängnis, 1789 Kronen Geldstrafe. Politisieren ohne Zeitungskaution: 4 Monate Gefängnis, 369 Kronen Geldstrafe. Verwaltungsgerichtliche Urteile: 173 Tage 216 Stunden Ee- fängnis, 2946 Kronen Geldstrafe. Die Einnahmen der Parteiblätter� betrugen im Berichtsjahre 1996/1997 274 999 Kronen, während sie im Jahre 1997/1998 363 999 Kronen betrugen. Die Einnahmen des Partei- sekretariats betrugen 1997/1998 79 999 Kronen. Davon wurden zur Unterstützung von Inhaftierten 7176 Kronen verwendet. Alles in allem zeigt der Bericht von einem erfreulichen, stetigen Anwachsen der Sozialdemokratie, und gerade die Verfolgungen, die Willkür der Behörden sind cs, welche diesen Zahlen eine viel größere Bedeutung verleihen, als sie auszudrücken vermochten. Als Gäste sind zur Tagung erschienen vom Internationalen Sozialistischen Bureau der Sekretär Genosse Huysmans und von der österreichischen Buderpartei Parteisekretär Genosse S k a r c t. In seiner Eröffnungsrede hob Genosse Gar bat die enorme Wichtigkeit gerade dieses Kongresses hervor, dessen Beschlüsse Ungarns Politik beeinflussen sollen. Aber nicht nur die Politik, sondern auch das wirtschaftliche Leben Ungarns. Die Sozial- dcmokratie ist jener Faktor, welcher allein dem Lande eine gesunde Politik und eine gesunde wirtschaftliche Entwickclung bringen känn. Heute werden alle jene, welche ihre Stimme für das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht erheben, im Parlamente als Leute hingestellt, welche die Nationalitäten in Ungarn zu bevorzugen, die Superiorität Ungarns zu untergraben gewillt sind. Aufgabe der Sozialdemokraten ist es, diese Behauptung zu widerlegen. Nachdem der Redner kurz die wichtigsten Geschehnisse des ab- gelaufenen Jahres berührt hatte, wünschte er den Beratungen des Kongresses vollen Erfolg. Falle, welcher zur Entdeckung der Fälschung führte, war die Spitze der Nadel unbemerkt abgebrochen und stecken geblieben. Daß der- artig präparierte Orangen außerdem gesundheitsschädlich sind, da das Anilin auf den Organismus giftig wirkt, braucht nicht weiter betont zu werden. Die sprechende Uhr. Wie die„Patentwacht' mitteilt, wird dem- nächst von einem Berliner Mechaniker eine sprechende Uhr beim kaiserlichen Patentamt angemeldet. Sie besteht aus einer Art Regulator, verbunden mit einem Phonographen in einem akustischen Holzgehäuse. Durch eine Federverbindung zwischen der Uhr und dem Phonographen wird der letztere bei jeder halben und vollen Stunde in Beivegung gesetzt und ruft klar und deutlich die durch die Uhr angegebene Zeit aus einem unter der Uhr befindlichen Schall- trichter. Der Phonograph wird nach Ablauf der betreffenden Zeit durch eine Feder sofort wieder abgestellt. Auch die Tageszeit wird durch den Apparat ausgerufen, wie z. B.„Halb elf Uhr vormittag". Wenn sich diese Erfindung einbürgert, wird sie wohl bald auch eine Umwälzung in den Wendungen der Umgangssprache mit sich bringen, und die Zeit ist wohl dann nicht mehr fern, in der man sagen wird: Der weiß, was die Uhr gerufen hat l" Em Schutz gegen Unfälle durch Elektrizität. Die Wirkung von Starkströmen auf den nienschlichen Organismus ist eine individuell sehr verschiedene und wird zudem seltsamer Weise in hohem Maße durch den vsychologischen Vorgang im Augenblick des Stromeintritts in den menschlichen Körper beeinflußt. Man gewinnt beinahe den Eindruck, als vermöge die Willenskraft sich gleichsam als Puffer der tödlichen Nervenerschütterung entgegenzustemmen, vorausgesetzt, daß die Hochspannungsleilung absichtlich und in Voraussicht des ChooS berührt wird. Elektrotechniker vermögen infolge dieser seltsamen Tatsache kaltblütig ström- führende Leitungen anzufassen, die ihnen bei einem zufälligen oder unerwarteten Kontakt sicheren Tod brächten. Die Berührung von Leitungen aber, die irrtümlich für stromlos gehalten werden, bedeutet unter allen Umständen eine tödliche Gefahr, der dieJngenieure, Monteure und Arbeiter in elektrotechnischen Betrieben unaufhörlich ausgesetzt sind. In Frankreicb hat die Gesellschaft der Industriellen vor etwa drei Jahren einen Preis für einen Apparat ausgeschrieben, der an- zeigt, ob eine Leitung stromlos ist oder nicht. Die preisgekrönte Vorrichtung, eine Erfindung des Ingenieurs Miet, die in neuester Zeit der Praxis übergeben wurde, stellt im wesentlichen ein Aluminiumblatt-Elektroikop an isollertem Handgriff dar. Man berührt die zu prüfende Leitung einfach mit dem Knopf des Elektroskops. Bei einem Strom von 390 Ävlt zeigt sich bereits ein erkennbarer Ausschlag der Blättchen, der bei 1999 Volt schon recht beträchtlich wird, während bei ganz hohen Spannungen schon die Annäherung des Apparates an das Kabel genügt, um die An- ivesenbeit des Stromes zu erkennen. Ob es sich uin Gleich- oder Wechselstrom handelt, spielt dabei keine Rolle. Der Apparat ist zweifellos in manchen Fällen recht brauchbar, so bei Reparaturen in weitläufigen Netzen, die Hochspannungsströme führen. Allerdings sind unter getvissen Umständen auch schon Spannungen unter 309 Volt sehr bedenklich, so daß ein Jdealverfahren in der elektroskopischen Prüfung wohl noch nicht vorliegt. Genosse Huysmans begrüßte den Kongreß namens des Internationalen Bureaus und fuhr dann fort: Sie stehen vor wichtigen Fragen, welche nicht für Sie, sondern für die ganze große Bewegung von Wichtigkeit sind. Es sind die Fragen des all- gemeinen Wahlrechts und die Landfrage. Ich komme aus einem Lande, das zum ersten Male den politischen Massenstreik in» szeniert hat und in welchem— leider— das Pluralwahlrecht erfunden worden ist. Und ich kann Ihnen das eine sagen: das Pluralwahlrccht, wenigstens in unserem Lande— ist ein Schwindel- recht.(Zwischenrufe: Bei uns wird's auch nichts anderes sein!h Der Pariser Kongreß im Jahre 1999, der Stuttgarter Kongreß, auf dem auch Sie vertreten waren, zeigen das stete Anwachsen der Macht der sozialdemokratischen Partei, und ich halte die Jntcr- nationale für unüberwindlich, wenn sie nur gescheit und mann- Haft ist und bleibt. Ihre Partei bleibt für Ungarn die einzige Hoffnung. Mit Ihrem Siege wird die klerikale wie auch die feudale Wirtschaft verschwinden. Und nun wünsche ich dem Kongreß zu seinen Beratungen vollen Erfolg.(Lebhafter Beifall.h Genosse S k a r e t, begrüßt den Parteitag namens der östcr- reichischen Genossen und fuhr dann fort: Ungefähr so, wie die Wahlrechtsfrage heute bei Ihnen steht, so ungefähr sah die Sache vor zwei Jahren bei uns aus. Noch in der letzten Minute, als bereits fast die ganze öffentliche Meiung für das allgemeine» gleiche Wahlrecht gewonnen war, gab es Leute vom Schlage der Geschäfts- und Ausbeuterpolitiker, welche an Stelle des allgc- meinen, gleichen Wahlrechts das Pluralwahlrccht gesetzt wissen wollten. Wir haben den Herrschaften darauf erwidert: entweder der Bürger wird im Staate als gleichwertig anerkannt, dann das allgemeine, gleiche Wahlrecht, oder überhaupt kein Wahlrecht, denn dann gibt cs keinen Staat.(Lebhafter Beifall.) Sehr geehrte Parteigenossen! Sie haben schon vor Jahren bewiesen, daß das ungarische Proletariat nicht nur nicht zugrunde gegangen ist, sondern im Gegenteil, stetig erstarkt. Und ich bin überzeugt, kommt es zum Kampf, so werden auch die Ungarn imstande sein, ihren Mann zu stellen. Man spricht in Ungarn viel von der Ein- führung des Pluralwahlrechtes. Man will das Pluralwahlrecht, weil man die Privilegien der Besitzenden nicht aufgeben will. Man will ein Scheinwahlrecht, um das Volk, den großen Lümmel, zufrieden zu stellen und um ihm einreden zu können, nun habe cs ein Wahlrecht. Besser kein Wahlrecht(stürmischer Beifall) als das Pluralwahlrecht, das nur eine Verfälschung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts wäre und ich bin überzeugt, die gleichen Erfahrungen, welche unsere Genossen in Belgien mit dem Pluralwahlrecht gemacht haben, die gleichen Erfahrungen würden auch Sie machen und sich bald davon überzeugen, welchen Schwindel man in Ungarn mit dem Pluralwahlrecht ausführen will. Lassen Sie nicht nach. Im geeigneten Moment hinein in den Kampf und nicht früher geruht, bis nicht auch Sie sich das allgemeine, gleiche Wahlrecht errungen haben!(Langanhaltender, stürmischer Beifall.) Begrüßungsschreiben sandten u. a. die sozialdemokratische Partei Deutschlands, die sozialdemokratische Partei der Ungarn Amerikas, die Staatsgefangenen von Väc usw. Namens der Mandatsprüfungs-Kommission berichtete Genosse F o r g a e s, daß an den Beratungen insgesamt 176 Delegierte teilnehmen. Präsidenten des ersten Tages sind die Genossen G a r b a i, K l a r i k und Marios. Nach der Wahl der Kommissionen wird ein Begrüßungsschreiben der Proletarierinnen Oesterreichs er- widert. Hierauf bittet vor der Tagesordnung Genosse I ü c s a k das Wort und berichtet, unter EntrüstungSkundgebungcn des Kon- gresses, über das Vorgehen eines Budapester deutschen Blattes, des „Neuen'Pcster Journals", das in einem Artikel die Regierung auffordert, die russischen Fremdlinge, die sich an der Peripherie der Stadt niedergelassen haben, auszuweisen, weil sie Einschlepper des Hungertyphus sein sollen, am 1. Mai, an welchem das neue Fremdengcsetz ins Leben tritt. Da cs sich hier um mehr als 19 999 russische Emigranten handelt und ein großer Teil derselben aus revolutionären Flüchtlingen besteht, so widerspricht dieses Vorgehen jeder Humanität, zumal der Hungertyphus gar nicht in den Massenquartieren dieser Emigranten, sondern gerade iip den Armenquartieren der Hauptstadt ausgebrochen ist, welche Armen- quartiere der Oberaufsicht des Gesundheitsamtes unterliegen. Der Kongreß spricht seine Entrüstung über das Vorgehen der Polizei und des genannten Blattes aus. Gleichfalls vor der Tagesordnung berichtet Genosse Vago über das allem Vereins- und Versammlungsrecht spottende Vor- Humor und Satire. — Der Ausbau der Toteninsel. Ein wichtige? Er- gebnis der letzten Kaiserreise ist zu verzeichnen: es wurde beschlossen. das bei Korfu gelegene Vorbild von Böcklins„Toteninsel" nach den Plänen der Architekten Ihne und Ebhard stilgetreu zu restaurieren. — Das Familienplakat.„Gnädiges Fräulein haben sich verlobt, wie ich höre. Ergebenen Glückwunsch. Darf ich fragen, was Ihr Herr Bräutigam ist?" �„Sein Bruder ist Leutnant, Herr Geheimrat."_(„SimplicissimuS".) Notizen. — Die Freie Volksbühne bringt am Freitagabend 8'/, Uhr im Luifentheater Max Halbes„Mutter Erd e", am kommenden Sonntag im Berliner Theater Ludwig AnzengruberS Drama„D e r l e d i g e H p f" zur Aufführung. Am Sonnabend wird der 29. K u n st a b e» d im Rathaus abgehalten(Eintritts- preis 35 Pf). Herr Fritz Richard vom Deutschen Theater rezitiert aus den Dichtungen der jungösterreichischen Autoren. Gastkarten zu den Abendvorstellungen liegeir in allen Zahlstellen aus. — Die„geheimnisvolle Frau" spielt nicht bloß in den Kolportageromancn und den Haussagen regierender Geschlechter eine bedeutungsvolle Rolle. Sie soll nun auch in die dramatische Literatur eingeführt werden. Ernst v. Wildenbruch arbeitet an seinem Lebens- werk, die deutsche Geschichte im Hinblick auf die Hohenzollcrn zu drama- tisieren, rüstig iveiter. Ueber seine neuesten Pläne hat er ausgeplaudert: „Die deutsche Geschichte, so überreich an Unterlassungen, so überarm an großem Vollbringen, enthält einen Vorgang von reiner Herrlich- keit, das ist die Uebertragung der Königskrone von Kaiser Konrad L, dem Rheinfranken, auf Heinrich den Ludolfinger, den Sachsen. Weil er unter dem harmlosen Namen des„Finllers" in der Erinnerung fortlobt, wissen und ahnen kaum einige, daß ein solcher Mann nicht der hätte werden können, der er war und ward, wenn er nicht elementare Gewalten in seinem Selbst niederzuringen gehabt hätte. In Merse- bürg war die geheimnisvolle Frau, war Hateburg geboren, die so tief in seiner Seele gewirkt hat. Die Geschichte weiß und sagt von ihr wenig." Das weitere wird Wildenbruch besorgen. Vermutlich wird die gegen solche Attentate wehrlose Frau— lein MajestätSbeleidigungs« Paragraphen schützt sie— aus dem Kaffeesatz dcS ReidjzS Herrlichkeit unter den Hohenzollcrn prophezeien müssen. — D i e technische Vertvertung der Meeres- wellen hat, wie die„Franks. Ztg." berichtet, eine neue Lösung gefunden, die allem Anschein nach ernst zu nehmen ist. Es handelt sich um einen„Mamnotorö" genannten Apparat, den Major A. Ravelli vom italienischen Generalstab erfunden, bei allen Staaten Europas und Amerikas patentiert und an der ligurischcn Küste erprobt hat. Der Apparat besteht aus einer mit Schienen versehenen schiefen Ebene, die so beweglich ist, daß sie der wechselnden Flut sich anpassen kann und auf den Schienen einen ebenfalls leicht beweglichen Karren mit Pumpen trägt, deren Tätigkeit den Druck der Wellen mit komprimierte Luft oder Elektrizität umsetzt. Der Erfinder berechnet, daß durch seinen Apparat die Koste» für motorische Kraft um die Hälfte geringer werden. fieljen der Polizei, welche den Kongreß der jugendlichen Arbeiter verboten hat. Der Kongreß spricht seine Eni- rustung aus gegen dieses Attentat auf das Versammlungsrecht. �.amit wurden die Vormittagsverhandlungen beendet. *» Budapest, 21. April. Trotz des polizeilichen Verbotes wurde hier der Kongreß der jugendlichen Arbeiter ab- gehalten. Die Delegierten hatten auf einem Donauarme mehrere Boote gemietet, sie miteinander verbunden und zu einem Floß vereinigt, auf dem der Kongreß abgehalten wurde. Die Polizei erfuhr davon zu spät und konnte oicht mehr eingreifen. Der Kongreß der belgischen Arbeiterpartei. Bnigscl, 20. April.(Eig. Oer.) In den Ostertagen hat im hiefigen„Maison du Psuple" die Arbeiterpartei ihren Jahreskongreß abgehalten. ES nahmen an ihm 477 Delegierte teil, die 2S1 hjarteiorganisalionen vertraten. Die Verhandlungen begannen mit einer Diskussion über den Bericht der Fraktion. Eine Reihe von Delegierten erhoben Beschwerde gegen den lässigen Besuch der Par.lame»tssiyungen von feiten der sozialistischen Abgeordneten. Der Sekretär der Metall- arbeiter, Genosse V.aek forderte, daß die Präsenzliste der Deputierten inr„Penple" veröffentlicht werde. Der Arbeiter, der in der Werkstatt sronde und seine Parteipflichten erfülle, finde eine solche Nachlässigkeit unverzeihlich. Die sozialistischen Senatoren aber finden eS nicht einmal der Mühe wert, den Sitzungen des GenerakrateS der Partei beizuwohnen, wo sie daS Programm der Partei besser kennen lernen könnten.(An- spielung auf den Senator und Kongo- Annexionisten E d m o n d P i c a r d). Deputierter Hubin erklärte, die einzig« mögliche Lösung bestehe in einer Kontrolle der Föderationen. Aber eine ausnahms- lose Anwesenheir der Abgeordneten sei nicht möglich, ohne daß das Parteiinteresse selbst darunter litte. Wenn die Abgeordneten den Sitzungen bis zum Schluß beiwohnen müßten, wären sie gezwungen, in Brüssel zu wohnen und in zehn Jahren wäre eS dann um die belgische Arbeiterpartei geschehen. Man habe keine Ursache, Zu- stände wie in Frankreich' zu schaffen, wo die in Paris festgehaltenen Abgeordneten den Kontakt mit dem Proletariat verlören und Berufs- Politiker würden. V o l k a e r t griff die Senatoren Picard und G r i m a r d an, die ihr Talent aufgewendet hätten, um den Spiel- Pächter M a r g u e l vor der Strenge des Gesetzes gegen die Hazard- spieler zu bewahren. Er verlangte auch eine Aufklärung der sozialistischen Senatoren über ihre Haltung in der Kongofrage. Lafontaine erwiderte für seine Person: Er sei ein ent- schiedener Gegner des Entwurfes betreffend die Uebernahme des Kongo, aber Anhänger der internationalen Kolonisation. Er sei auch der Meinung, daß Belgien in Anbetracht der gebrachten Opfer wohl den Anspruch darauf hätte, von den Mächten ein Mandat zur Ver- waltung des Kongo zu verlangen. Die Leistungen der sozialistischen Senatoren träten infolge ungenügender Berichterstattung in der Parteipresse nicht entsprechend zutage. Schließlich Ivurde ein Antrag B a n d e r v e l d e S, der die Sorge für den regelmäßigen Parlamentsbesuch den Föderationen überträgt, angenoinmen. Der Bericht der sozialistischen Gemeinderäte verzeichnet die Zugehörigkeit von SOS sozialistischen Gemeinderäten zum Verbände der sozialistischen Gemeindevertreter. Die Gesamtzahl der in den kommunalen Versammlungen sitzenden Sozialisten be- trägt 900, darunter IIS Stadträte. Bei den letzten Gemeindewahlen sind ISO Sitze gewonnen worden. Eine sehr ausführliche Beratung war wiederum der Kongo- frage gewidmet. Neue Gesichtspunkte kamen nicht zum Vorschein. Vandervelde antwortete aus alle Angriffe mit der alten Er- klärung, er sei gegen den vorgelegten Kongovertraa, aber halte die Annexion für unvermeidlich und im Interesse der Ein- geborenen auch für wünschenswert. Er sei bereit, sein Mandat, aber nicht seine Ueberzeugung in diesem Punkte aufzugeben. Andere Redner wiesen darauf hin, daß die jetzige Einmütigkeit der sozialistischen Fraktion gegen da? jetzige Projekt keine Gewähr für die Zukunft sei. Denn wenn es geändert würde, wie würde Vandervelde dann stimmen? Der Kongreß müsse darüber Klarheit schaffen, ob man zugleich Sozialist und Kolonialpolitiker fein könne. De Broukvre meinte, man könne sich mit der Einstimmigkeit der Fraktion gegen den jetzigen Kommissions» entlvurf, die auch bei de» sozialistischen Senatoren bestehe, begnügen. Wenn das Projekt modifiziert würde, was wenig wahrscheinlich sei, werde die Partei zur Entscheidung berufen sein. Der Kongreß aber habe nur zu zeigen, daß die Mehrheit der Sozialisten gegen die Annexion sei und daß die Parteidisziplin über die persön- lichen Meinungen triumphieren werde. Vandervelde replizierte, zwischen Belgien und dem Kongo bestünde ein Band, das die Partei nicht zerreißen könne. Aber das Kongogeschäft des Königs habe in ihm immer einen Gegner gefunden und er habe die ParteidiSziplin nicht einen Augenblick außer acht gelassen. Am Tage, wo er sich einer neuen Situation gegenüber befinden werde, werde er das Urteil der Partei anrufe». Auf Antrag A n s e e l e S beschloß der Kongreß schließlich die vom letzten Parteitag angenommene Resolution gegen die Annexion z u bestätigen und gegen das Annexionsprojekt eine intensive Propaganda zu organisieren. Holländische Ardeiterhongreiie. Der Gewerkschaftskongreß. Am 13. und 14. April fand in Amsterdam der dritte allge- meine Kongreß des Verbandes der niederländischen Gewerkschaften statt. Der Jahresbericht, der dem Kongreß vorgelegt wurde, zeugt im allgemeinen von einer starken EntWickelung des Verbandes wie der einzelnen Organisationen. Am 1. Januar 1907 waren dem Verbände 18 Organisationen mit 23S98 Mitgliedern angeschlossen, am 1. Januar 1903 war die Zahl der Organisationen auf 24 ge- stiegen, die der Mitglieder auf 32 270, unter ihnen 1S53 weibliche. 22 Organisationen gaben eigene Fachblätter heraus, die in zu- sammen 40 000 Exemplaren erscheinen. 14 Organisationen haben internationale Verbindungen. Die Einnahmen betrugen im ver- flossonen Jahre 7S3S0S Gulden, die Ausgaben 417 270 Gulden. Für Lohnlämpfc in den eigenen Berufen wurden 88 193 Gulden. als Beihülfc zu Lahnkämpfen in anderen Berufen 18 172 Gulden ausgegeben. Das Vermögen der Organisationen machte am Jahres- schluß die Summe von 1 050 454 Gulden aus. Die Mitteilungen des Jahresberichtes über Lohnbewegungen und Streiks sind, weil von einem Teil der Organisationen die Aus- künfte fehlten, ziemlich mangelhaft. ES ist jedoch festgestellt, daß in einer großen Anzahl von Gewerben annehmbare Lohnerhöhungen, Verkürzung der Arbeitszeit und andere Vorteile erzielt wurden. Ter Verband der niederländischen Gewerkschaften ist im ver- flossenen Jahre in das Internationale Gewerkschaftssekretariat auf- genommen worden, an Stelle des«Nationalen Arbeitersekretariat", der im Absterben begriffenen anarchistelnden Zentrale der Gcwerk- schaften Niederlands. Der Verbandsvorsitzende Henri Polak sagte in seiner Er« öffnungsrede zum Koügreß, es wäre nicht gut, sich allzulange mit dem Gedanken an den Fortschritt der Organisation zu beschäftigen. «Denn was erreicht ist, ist nur bedeutend, wenn man es mit der Vergangenheit vergleicht. An sich ist der Fortschritt nicht so stark. wie man es mit Rücksicht auf das, was noch zu tun ist, wünschen anützte. Läßt man den Diamantarbciterverband außer Rechnung, weil dieser Verband nicht mehr wachsen kann, dann sind die Or- ganisationen, die schon 1908 angeschlossen waren, um 8503 Mit- glieder oder um 43 Proz. gewachsen. DicS Wachstum beschränkt sich obendrein auf nur einzelne Verbände, andere stehen still, mit einigen geht eS zurück. Die Werbekraft der niederländischen Ge- werkschaftSbeivegung scheint noch nicht besonders groß zu sein. Woher kommt das doch? So habe ich mich selbst oft gefragt, ohne eine entscheidende Antwort zu finden. Niederland ist kein groß- industrielles Land, sagt man: aber da weise ich auf Dänemark hin, das noch viel weniger Industrie hat. An unseren Organisations- formen und Kampfmitteln! kann es nicht liegen, denn einige der angeschlossenen Organisationen haben die besten Resultate'damit erzielt." Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen antwortete der Redner auf verschiedene kritische Bemerkungen, die von dem Dia- mantarbeiter B. van Prag und anderen der radikalen Richtung angehörenden Parteigenossen, wie Frau Roland-Holst und C o t o n in„De Tribüne" und in„De nieuwe Tisd" an die Tätigkeit des Gewerkschaftsverbandes geknüpft wurden. Die der- schiedenen Kritiker hatten teils ausgeführt, daß der Gewerkschafts- verband in sozialpolitischer Hinsicht nicht genug leiste, teils, daß die Zentralisation, die der Verband beförderte, zu straff sei, teils, daß feine Stellung zu den Ortskartellen nicht richtig fei, und teils, daß der Verband den Streik der Hafenarbeiter von Rotterdam, als einen Klassenkampf, hätte unterstützen sollen. Was diesen Vor- wurf anbetrifft, so erwiderte Polak, daß der Schiffs- und Boots» arbeiterverband sich um die übrige Gewerkschaftsbewegung allzu wenig gekümmert, sich immer abseits gestellt habe, und daß im übrigen der Streik, um den es sich hier handelte, ein Ausfluß der dummen und reaktionären Aktion gegen die Getreideelevatoren gewesen sei. In der Debatte über den Jahresbericht handelte eS sich Haupt- sächlich um jene kritischen Bemerkungen. Die mit der radikalen Parteigruppe oder den Marxisten sympathisierenden Delegierten verurteilten auch die Art, wie der Redakteur Oudageest im Verbandsorgan„De Vakbcweging" die Streitfragen behandelt hatte. Es wurden zwei Resolutionen eingebracht; eine für unbe- dingte Anerkennung der Tätigkeit des Vorstandes und mit dem Wunsche, daß er in derselben Richtung weiter arbeiten sollte, und eine andeke, in der die Vorstandstätigkeit wohl gutgeheißen, jedoch der Ton in Oudegeests Artikel bedauert wurde. Mc beiden Resolutionen wurden aber zurückgezogen; worauf der Kon- a sich per Akklamation mit dem Jahresbericht einverstanden er- e. Oudegeest wurde als erster Verbandssekretär einstimmig wiedergewählt. Am zweiten Verhandlungstage wurden zunächst die Beiträge zum Verband festgesetzt, und zwar so, daß Organisationen mit 500 oder weniger Mitgliedern 15 Cent pro Mitglied und Jahr zu zahlen haben, Organisationen mit 501 bis 1000 Mitgliedern 20 Cent und solche mit über 1000 Mitgliedern 25 Cent. Ein Antrag des Möbeltischlerverbandes, der bei Streiks und Aussperrungen statt der jetzt noch üblichen Sammellisten eine Verpflichtung der angeschlossenen Organisationen zu be- stimmten Extrabeiträgen zum Ziele hatte, wurde abgelehnt. Wohl war eine derartige Regelung der Streikbeiträge schon bei Gründung des Gewerkschafts- Verbandes in Aussicht genommen, doch meint man, daß die Organi- sationen die dazu nötige Tragfähigkeit auch jetzt noch nicht erreicht haben. ES wird jedoch weiter danach gestrebt, diese, ja in den skandinavischen Gewerkschaftszentralen bestehende StreikbeitragS- Pflicht auch in Holland durchzuführen. Hierauf kam die Stellung des Verbandes zur Wahlrechts- bewegung zur Verhandlung. Der Vorstand, der früher von einer dlrekten Beteiligung dcS Verbandes am Wahlrechtskampf ab- geraten hatte, weil die meisten der Organisationen noch nicht dem Wahlrechtskomitee angeschlossen waren, einige sich sogar davon zurückgezogen hatten, empfahl nun im Einverständnis mit dem Parteivorstand folgende Resolution: «In Erwägung, daß das allgemeine Wahlrecht eine starke Waffe im Klassenkampf ist, soweit er auf politischem Gebiet ge- führt wird; daß gute Arbeitsgesetzgebung und vor allem befriedigende ge- setzliche Verkürzung der Arbeitszeit nur von einem Parlament zu erwarten ist, das durch die ganze arbeitende Klasse mitgewählt worden ist; daß der Anschluß an daS Komitee für allgemeines Wahlrecht nicht Sache des Verbandes der Gewerkschaften ist, da diese Korper- schaft in politischen Angelegenheiten keine Leitung ausüben kann oder darf, noch dafür irgendwelche Verantwortung tragen darf; daß gleichtoohl das groß« Interesse, welches alle Arbeiter an der Einführung des allgemeinen Wahlrechts haben, die GeWerk- schaftsorganifationen nötigt, die Aktion dafür kräftig zu unter- stutzen, um zu schleuniger Einführung des allgemeinen Wahl- rechts zu gelangen, und daß die Sozialdemokratische Arbeiter» Partei die Aufgabe hat, die Arbeiter aufzurufen und zu führen in dem Kampf für das allgemeine Wahlrecht. erteilt die Generalversammlung des Verbandes der Gewerkschaften dem Vorstand den Auftrag, wenn die Partei den Verband in diesem Kampf zur Hülfeleistung aufrufen sollte, diese Hülfe so kräftig wie M ö g l i ch z u verleihen., soweit es die Umstände erfordern; beschlieht die Generalversammlung, daß der GcwerkschaftS- verband bei der allgemeinen Wahlrechtsdemonstration vertreten fein soll, und fordert die angeschlossenen Organi- sationen auf, nach besten Kräften die Aktion für das allgemeine Wahlrecht�u unter st ütze it." Diese Resolution wurde mit stürmischem Beifall e i n st i m m i g angenommen. Zum folgenden Punkt„Gesetzgebung" lag ein Antrag des Malerverbandes vor, der Gewerkschaftsverband möge für eine solche Ergänzung der Unfallgesctzgebung agitieren, daß die Unfallent- fchädigung auch bei Berufskrankheiten, wie Bleiweißvergiftung, ge- zählt wird. Der Vorsitzende Polak empfahl Ablehnung des An- träges, weil das sozialpolitische Programm des GcwerkschaftS- Verbandes jetzt schon überfüllt sei und außerdem die Folgen von Berufskrankheiten nicht gut im UnfallgeKtz untergebracht werden könnten. Der Kongreß gab dem Vorstand den Auftrag, im Laufe des Jahres die Regierung durch eine Adresse auf die fürchterlichen Folgen der Bleiweißvergiftung aufmerksam zu machen, und auf Gegenmahregeln zu drängen. Schließlich wurde noch über di« Organisation der Arbeitslosenversicherung verhandelt, wobei neben der Selbsthülfe der Gewerkschaften besonders auf die Notwendigkeit einer NeichS-Arbeitsloscnversicherung hingewiesen wurde. DaS Vor- gehen einzelner Gemeinden, wie namentlich der Stadt Haag, wo man durch ein verwerflietjes System kommunaler Arbeitslosenunterstützung die Gewerkschaften zu schädigen sucht, wurde ent- schieden abgelehnt. Aus Borschlag deS Vorstandes nahm der Kon- greß eine Resolution, die in den Hauptpunkten wie folgt lautet. einstimmig an: „Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit gibt eS unter den heutigen Produktionsverhältnissen nur unzureichende Mittel. Diese Mittel sind: a) Große Einschränkung der Arbeitszeit bei gleichzeitiger Einstellung einer entsprechenden Anzahl Arbeitsloser; b) Abschluß von Tarifverträgen auf kurze Dauer, wobei daS unter a Angeführte ausdrücklich festgelegt werden muß; c) Errichtung von Arbeitsbörsen, um das nötige Material zur Ausführung der Punkte a und b zu erhalten. Diese Arbeits- nachweise sollen wenn möglich unter Verwaltung der Gewerk- schaften stehen und. wenn dies nicht möglich, unter Gemcindever- waltung bei Mitwirkung der Arbeiterorganisationen. Neben der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit hat die GeWerk- schaftSbcwegung die Aufgabe, die wirtschaftlichen Folgen der Ar- beitSlosigkeit zu lindern, weshalb gestrebt werden muß nach: 1. Arbeitslosenversicherung direkt und ausschließlich durch die Zcntralverbände für ihre Mitglieder wie für jene, die auf Grund von Uebercinkommen mit anderen Korporationen als solche gelten. 2. Reichszuschüsse, die direkt den Gewerkschaften zufließen sollen." Als letzter Punkt stand die Frage der OrtSkarkelle auf der Tagesordnung, die bekanntlich bisher aus Vertretern der ge- lvcrkschaftlichen und politischen Organisationen bestehen, nach einem Vorschlag des Vorstandes der Diamantarbeiter aber zu reinen Ge- werkschastSkartellen gemacht werden sollen. Die Sache wurde jedoch vertagt, da man nicht mehr Zeit genug hatte, darüber zu verhau- dein. Im übrigen hielt man die Frage auch nicht für dringlich. Konferenz sozialdemokratischer Frauenklubs von Holland. Ar»heim. 18. April 1903. Am heutigen Sonnabend, dem Vorabend des während der Oster« tage zu Arn heim tagenden Parteitages der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, hatten die sozialdemokratischen Frauenpropaganda- klubS Hollands eine Konlerenz veranstaltet, zusammenberufen vom Amsterdamer Klub. Zweck der Konferenz war. einen engeren Zusammenschluß zu erzielen. Die sezial- demokratischen Srauenklnbs sollen ausschließlich aus Frauen, die Mitglieder der Partei sind, besteben; serner sollen die KlubS zu einem Verband zusammengeschlossen werden. Auf solche Weise soll aus den bisher selbständigen Klubs eine unmittelbar trat der sozialdemokratischen Arbeiterpartei verbundene proletarische Frauenbewegung herauswachsen, die einen systematischen Kampf auf ihrem speziellen Gebiet zu führen hat. Erreickit wird hierdurch Einheit in der Propaganda und in der Aktion für daS Arbeilerinnen-Wahlrecht für Säuglings-, Mutterschutz u. a. m. Die Konferenz, die im„Bolksgebäude" stattfand, wurde von der Genossi» Frau Wibout mit einer Ansprache eröffnet, worin sie mitteilte, daß die Zahl der KlubS seit dem vorigen Jahre von 8 auf 12 ge- stiegen ist und deren Mitglieder von 455 auf 580 zugenommen haben, daß die holländischen KlubS internationale Beziehungen pflegen, in derem Auftrag der Amsterdamer Klub eine Delegierte nach dem Stuttgarter Kongreß entsandt hatte, und daß die alle 14 Tage er- scheliiende«Proletarische Cromo" das Organ der gesamten Klubs geworden ist. Vertreten waren 10 KlubS, während zwei finanzieller Gründe wegen keine Delegierte abgeordnet hatten. Nach eingehender Beratung wurde mit 7 gegen 3 Stimmen die Gründung eineö«Verbandes der sozialdemokratischen Frauen- Propagandaklubs' beschlossen. Dem Beschluß hatten die beiden nicht vertretenen KlubS im voraus ihre Sympathie bezeugt. Ferner wurde beschlossen, dem Parteitage in Erwägung zu geben, vcm neuen Verbände auf den Parteitagen direlle Vertretung und das Recht, Anträge einreichen zu können, zuzubilligen Der Amsterdamer Klub, als derjenige, der seinen Sitz im selben Orte wie der Parteivorstand hat, wurde an- gewiesen, die drei Verbandsausschußmitglieder zu ernennen, während die Klubs Middelburg, Scheveningen und Leeuwarden zu der bereits gewählten Genossin RooSje Stel-WoS noch drei weitere Borstands- Mitglieder ernennen sollen. Redaktion und Administration wurden durch Akklamation wiedergewählt. Mit einem kurzen anspornenden Worte der Vorsitzenden wurde die Konferenz geschlossen. 14. Parteitag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Hoslanvs. A rnh e i m, 19. April. Heute wurde hier der Parteitag von dem Genossen W. H. Vliegen mit einer Rede eröffnet, worin er auf das Wachstum der Partei im letzten Jahre sowohl an Abteilungen als Mitgliedern bei den Gemeinderatswahlcn und den Wahlen für die Pcovinzial- staaten hinwies. Ein Beweis des Wachstums der Partei ist über- dies, daß die bürgerlichen Parteien sich stets enger gegen die Ar- beiterbewegung aneinanderschließcn. Die Auflage der Broschüren und Manifeste ist nie so bocb gewesen. Mit Freude werde auch daS Wachstum der Gewerkschaftsbewegung begrüßt, und daS engere Band, das zwischen ihr und der Partei geknüpft wurde, speziell durch den Beschluß des in letzter Woche tagenden Kongresses der Gewerkschaftszentrale, wodurch die Gewerkschaftsbewegung ihre Mitwirkung am WahlrcchtSkampf zugesagt und sich zu diesem Zwecke unter die Führung der S. D. A. P. gestellt hat. Auch die Arbeiter-Genossenschaften machten gute Fortschritte. Im Jahre 1907 haben sie für die politische und Gewerkschaftsbewegung aus ihren Gewinnen 17 340 Gulden gegen 14 700 Gulden im Jahre 1906 bei- getragen. Genosse Vliegen drückte den Wunsch aus, daß die Ge- nossenschaften in Zukunft auch die Arbeiterpresse mehr mit Geld- Unterstützungen bcispringcn. Der Redner wies dann hin auf die Krisis mit ihrem Gefolge an Elend, das sie über die Arbeiterklasse bringt, die Notwendigkeit des Sozialismus, den Kampf der Diamantarbeiter und ihre vorbildliche Solidarität trotz der Krisis, die sie besonders traf. Unter langanhaltendem Beifall gedachte Vliegen der verurteilten russischen sozialdemokratischen Dumamit- glieder, deS bedrohten Finnlands, des Internationalen Kongresses zu Stuttgart, der ein Lichtpunkt in der internationalen Arbeiter- bewegung war. Die inländische Politik bot nichts Besonderes, nur daß die liberale Regierung von der christlichen abgelöst wurde. Die erste konnte nichts Ordentliches für das allgemeine Wahlrecht tun, die letztere kann und will auch nichts tun. Die Arbeiterklasse muß auf ihre eigene Kraft zur Eroberung deS allgemeinen Wahlrechts vertrauen. Zum Schluß erinnert« Redner an die Aeier des sechzig- jährigen Jubiläums des Kommunistischen Manifestes, des fünf- undzwanzigjährigcn Todestages von Karl Marx und der dahin- geschiedenen Genossen deS In- und Auslandes, unter anderen der Genossen P. L. T a k, Jgnaz Auer und M o t t e l e r. Genosse P. I. T r o e l st r a kann zum ersten Male seit dem Bestehen der Partei dem Parteitage wegen eines hartnäckigen Leidens nicht bei- wohnen. Es wird beschlossen, ihm die Teilnahme deS Parteitages telegraphisch auszudrücken. Die dann eröffnete Diskussion über den Jahresbericht des Parteisekretärs van Kuykhof brachte eine breite, sachliche Kritik der marxistischen Richtung an Parteivorstand, Kammerfraktion und insbesondere an der Redaktion von„Het Volk". An dieser Kritik nahmen besonderen Anteil die Delegierten der Abteilungen Amster- dam III, V, VI, das Parteivorstandsmitglied Genosse Mendels, die Genossen van der Goes, Henriette Roland-Holst u. a. Die Kritik richtete sich gegen den Revisionismus in den leiten« den Parteiinstitutionen, der sich äußert in scharfen Angriffen aus Artikel der Marxisten, während eine Gruppe sozialistischer sogen. moderner Pfarrer und ihre Anhänger, die besonders im Norden Hollands zu finden sind, mehr oder weniger in Schutz genommen werden, obgleich ihre aus ethischen Gesichtspunkten erfließenden Aeußerungen nicht selten in Beleidigungen der Partei und in der Verneinung deS historischen Materialismus gipfeln. Genosse Mendels verteidigt eine Auslassung des Genossen van Raven- stcyn, Redakteur des Rotlerdamcr PartciwochenblatteS„Voor- waartS", worin die absolute Verelendung der Arbeiter während der letzten zehn Jahre als Folge der Steigerung der Lebensmittelpreise demonstriert worden war. Eine Acutzcrung des nunmehrigen Parteimitgliedes van der Vorst, früheren Paters CoelestinuS, in dessen kürzlich erschienener Broschüre, Karl Marx habe daS Geistes- leben verneint, und der historische Materialismus sei abzuweisen, sowie weitere ähnliche Dummheiten seien von der„Het Volk". Redaktion nicht zurückgewiesen, die Broschüre vielmehr mit Genug- tuung angenommen worden. Der Vorsitzende der Partei, Genosse Vliegen, habe in einem Artikel über den Stuttgarter Kongreß in einer bürgerlichen Zeitschrift vom englischen Genossen Hyndman gesagt, dieser werde von niemand ernst genommen, während„Het Volk" in einem kürzlich erschienenen Artikel Hyndman als den eng- lischen van Kol gefeiert habe. Redner hält seine Kandidatur als Houpt-Redakteur von«Het Volk" als Protest gegen die jetzige rein demokratische Redaktion bezw. gegen ihre Richtung aufrecht. In der NachmittagSsitznng spricht Genosse van der GoeS ein Wort für das Recht der freien Meinungsäußerung der marxi- stischen Minderheit; die Redaktion von«Het Volk" verstände nicht, oie Meinungsunterschiede sachlich zu besprechen, sie hetze die Ge- nassen gegen die Personen der Minderheit auf. Speziell in den Artikeln über die ausländische Arbeiterbewegung(Redakteur Ge» nasse Vliegen) werde für den Revisionismus, gegen den Marxis- muS geschrieben. Wie diese Artikel, so sei auch die Resolution deS Mrechtcr Kongresses auf verkehrt wiedergegebenen Auslassungen deS Redners gegen Jaures begründet. In der bürgerlichen Zeitschri Mit frcistnnig-dcmokratischer Redaktion„De Vragen des Tyds habe Vliegen in einem Artikel über den Stuttgarter Kongreß die russische Tclegation als urteilsunfähig in kolonialen Fragen dis qualifiziert und die Marxisten darin mit denselben Gründen b* kämpft wie diese bürgerliche Redaktion. Der Redner verteidigt die Angriffe des Rotterdamer Genossen van Ravcnsteyn, Redakteur des dortigen Partei-Wochenblattes„Voorwaarts". auf die sozial- demokratischen Gemeinderatsmitglieder Genosien van Hinte und Spinkman. Der erstcre hatte im Gemeinderat erklärt, daß er nicht die Arbeiterintcressen, sondern das allgemeinen Interesse zu der- treten habe, worauf Ravenstehn ihm vorwarf, daß er damit seinen proletarischen Ursprung und das Parteiprogramm verleugnet habe Redner erklärt sich einverstanden mit dem Inhalt der„Tribüne". Was diese gesagt habe habe über van Vorst und die gläubigen Pfarrer sei richtig. Kirchenglaube sei mit Marxismus nicht ver- einbar, daß man zugleich Anhänger der Kirche und Marxist sei. könne Redner nicht begreifen. Die folgende Rednerin, Genossin Roland-Holst, ver- teidigte ihren Artikel„Umschwung" in der„Tribüne", worin sie ihrer Ansicht Ausbruch gegeben hatte, daß infolge ökonomisch-histo- rischcr Ursachen sich anti-sozialistische Tendenzen in die Partei ein. geschlichen hätten. Rednerin führt hierfür eine Reihe von Ge- schchnissen an, wie die Haltung der Kammerfraktion sowie ver- schiedcner sozialdemokratischer Gcmeinderatsmitglieder; das Nicht- unterstützen der Rotterdamer Hafenarbeiter in ihrem Kampfe gegen das Hafenkapital und die ihm mit Militär zu Hülfe kommende Re gierung; die sehr schwache Verteidigung des Streik, und Vereint' gungSrechts durch die Kammcrfraktion. Es sei lächerlich von der „Het Volk"-Redaktion, ihr Abgleiten in den Anarchismus vorzu- werfen, ihre Versuche, die Köpfe der Arbeiter zu erleuchten und ihnen neue Waffen im Klassenkampfe suchen zu helfen, seien ganz waS anderes. Ebenso sei es mit der Behauptung, sie glaube an den großen Kladderadatsch. Sie habe in einem Kursus über die Geschichte der Arbeiterbewegung in der Amsterdamer Fedcration die Zunahme der politischen Reaktion in der Mitte der neunziger Jahre, und zwar als Folge der Prosperität konstatiert; sie habe gerade den Gegensatz zwischen dem UtopiSmuS und der sogenannten alten sozialistischen Bewegung Hollands und der jetzigen, mehr wissenschaftlich begründeten hervorgehoben. Sie befürworte den Massenstreik als kräftigstes Kampfmittel im Befreiungskampfe der Arbeiter. Der Angriff der„Het Volk"-Redaktion sei unwürdig in der Form und beruhe auf verkehrt wiedergegebenem.Inhalt. ES sind noch 16 Diskussionsredner eingezeichnet, so daß eine Abcndsitzung nötig wurde._ Die KnrtllNllllgkMen nnd Akrtosttungsbemtell traten am Sonntagmorgen zur Weiterberatung ihrer Verbands. angslegenheitcn um 8Vi Uhr zusammen. Vor Eintritt in die Tages» ordnung wünschte der Vorsitzende Bauer den letzten Absatz in dem „VorwärtS"-B«richt über die Bureauangcstellten dahin zu berichti» gen, daß nicht den Ausschuß der Allgemeinen OrtSkranken- lasse Berlin, sondern den Kassenvorsitzenden der Vorwurf trifft, einer Delegiertin beim Erteilen von Urlaub zum Verbands- tag Schwierigkeiten gemacht zu haben. Uebrigens ist der 3. Feier- tag noch zum Urlaub bewilligt worden. Die Versammlung nahm darauf den 6. Punkt der TageSord- nung auf. Zuerst referierte Giebel über das Thema: Der Tarifvertrag der Krankenkassenangestellten. Wenig hoffnungsvoll schien die Tarifbewegung, so führte er aus, als die Angestellten der Krankenkassen im Jahre ISOS eine Agitation entfalteten, um eine tarifliche Regelung ihrer Arbeitsvcr- Hältnisse herbeizuführen. Es gelang dem Verband trotz vieler Widerstände, einen Tarifabschluß zustande zu bringen. Die Not- wendigkcit eines Tarifes ist für die Beamten nicht zu verkennen; es gilt die Sicherung der Existenz, die Verbesserung der Gehälter und die Regelung der Arbeitszeit. Nach den Berichten von IIb OrtSkrankenkasscn sind 7S mit zusammen W7 060 Mitgliedern als durchaus tariftrcu zu bezeichnen. Der Redner wies zahlenmäßig die vielen Verbesserungen nach, die durch die Einführung«ineS Tarifs erzielt wurden und selbst bei solchen Kassen, wo die Ange- stellten relativ in guten Verhältnissen sich befanden. Daß der Um- fang, den die Tarifbewcgung gewonnen hat, befriedigend sei, könne man freilich nicht sagen. Es ist eine starke Strömung gegen die Bestrebungen, Tarife einzuführen, vorhanden. Von vielen Kassen- vorständen wird aus Unkenntnis und Unfähigkeit viel Opposition gemacht. Eine politische Hetze wird häufig gegen die Tarifbcwegung inszeniert. Ter Abgeordnete M u g d a n hat im Reichstage gegen den Tarifvertrag bei den Krankenkassen in einer Weife geeifert, daß jeder Sachkenner sich sagen muhte: Entweder kennt Mugdan die Tarifbcstimmungcn gar nicht oder er hat sie nicht verstanden. Gegen die ganz grundlose politische Hetze muß Protest erhobdn wer- den, denn die Einführung des im Interesse der Angestellten so not- wendigen Tarifs wird dadurch erschwert. Die vielen Einwände, die gegen Einführung von Tarifen erhoben werden, wies der Redner ,n längeren Ausführungen zurück und erklärte, daß der Tarif über- all, auch bei den kleineren Kassen, eingeführt werden könne, wo nur der gute Wille dazu vorhanden sei. Gegen verschiedene falsche Auslegungen des Tarifs wandte sich dann der Redner und ermahnte zu einer kräftigen Organisation an allen Orten, wo der Tarif eine feste Stütze braucht. Auf Giebel folgte Bauer mit einem Referat in derselben Sache für die Bureauangestelltcn. Er sprach über: Tie Negulativbcwcgung der Anwaltsangestellten. Schon im Jahre 1836 haben sich die Anwaltsangcstellten bc- müht, Tarife einzuführen, aber in den Kreisen der Kollegen selbst wurde die Bewegung damals noch verlacht oder höhnisch betrachtet. Der Verband deutscher Bureaubcamten zu Leipzig verhielt sich völlig ablehnend. Trotzdem machte eine tapfere Minderheit unter den Kollegen in Berlin einen Vorstoß, aber die Sache verlief vor- läufig resultatlos. bis M>3 ein neuer Vorstoß gelvagt wurde. Die Ansichten hatten sich jetzt in einem großen Teil der Kollegenschaft geändert, der alte Glaube an die Harmonie der Interessen war geschwunden und es gelang, die verschiedenen Vereine in Berlin unter einen Hut zu bringen. Die Forderungen der Anwaltsange- stellten waren sehr minimal, aber sie wurden sämtlich abgelehnt. Der Redner erklärte die Wichtigkeit der Bewegung unter den An- waltSangestellten, wenn auch keine greifbaren Resultate sogleich er- zielt werden.. Es gelte, die Kollegen aus dem Schlaf zu rütteln und das soziale Gewissen der auf ihre BcrufSehrc so stolzen Rechtsanwälte wachzurufen. Mit Schärfe wandte sich der Redner gegen die maßlose Ausbeutungssucht der Rechtsanwälte, besonders jugend- lichcn Angestellten gegenüber. Die Rechtsanwälte sind durch ihre Öebiihrentaxe gegen jede Schmuhkonkurrcnz geschützt und könnten leicht genug den Angestellten bessere Bedingungen gewähren. Sie müssen vor allen Dingen gezwungen werden, ihren Herrenstand- Punkt aufzugeben und das Recht der Angestellten anzuerkennen. sich zu verbinden, um ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern. Der Redner hofft, daß jetzt die Vereinigung der beiden Verbände der Agitation neue Stützpunkte an vielen Orten bieten wird. Die Diskussion über die beiden Referate wurde von S t u m p«- Berlin eröffnet. Die Beteiligung war sehr lebhaft und die Wichtigkeit des Tarifvertrages wurde von allen Seiten an- erkannt. Fräulein Schaub verteidigte energisch die Rechte der weiblichen Angestellten bei den Krankenkassen und wies auf einen Eall bei einer als tariftreu geltenden Ortskrankenkass« hin. die die erheiratung und Schwangerschaft einer Angestellten als Grund zur Lösung des Tarifvertrages in Anspruch nimmt Giebel machte in seinem Schlußwort darckuf aufmerksam, daß der Tarifvertrag keine Ausnahmestellung zuungunsten weib- lichcr Angestellten enthalten darf. Ferner erklärte er, daß die Verpflichtung der gewerkschaftlichen Ortskrankenkassen gegenüber den Forderungen des Verbandes der Bureauangestellten streng be, tont werden müsse. Ein Antrag, daß die Bezirksgruppe Sachsen-Anhalt. gegen die Klagen vorlagen, sich in jeder Beziehung den Bcstimmun- gen des Tarifs zu fügen habe, wurde vom Verbandstage angenom- men. Ebenso gelangte ein Antrag aus Hamburg zur Annahme, nach welchem der Zentralvorstand bis zum nächsten Verbandstage Lohnstatistiken für die bei Kranken, und Sterbekassen beschäftigten Kollegen zwecks rechtzeitiger Stellungnahme zum Ablauf des Tarif- Vertrages vornehmen solle. Zum nächsten Punkt der Tagesordnung: Unsere Forderungen au die Gesetzgebung« übernahm H. Lehmann das Referat, dessen hauptsächlicher In- halt in den folgenden Resolutionen ausgedrückt ist: Zur gesetzlichen Regelung der Berufsverhält nisse der Bureauangestellten. Der Verbandstag wiederholt das seit Jahren erhobene Ver langen deS Zentralvereins der Bureauangestellten Deutschlands nach Regelung der Berussverhältnisse auf dem Wege der Reicks- gesetzgebung. Er fordert zunächst für die Bureauangestellten die rechtliche Gleichstellung mit den Handlungsgehülfen durch Ein- fügung von Bestimmungen in die Gewerbeordnung, durch die fol- gende Punkte in gleicher Weise wie für die Handlungsgehülfen geregelt werden. Die Ausbildung und die Beschränkung der Zahl der Sehl' linge und die der jugendlichen Bureauangestellten unter 18 Jahren. Die Kündigungsfristen. Die Entlaffungsgründe. Das Recht auf Zeugnisse, insbesondere nach erfolgter Kün digung. Die Fortzahlung deS Gehalts ist Krankheitsfällen. Der Schutz gegen die gesundheitlichen und sittlichen Gefahren bei der Arbeit. Der Verbandstag fordert weitergehend durch Abänderung der Gewerbeordnung: Verbot der Sonntagsarbeit. Einen achtstündigen Maximalarbeitstag. Einen zusammenhängenden Urlaub von mindestens 14 Tagen im Jahre unter Fortzählung des Gehalts. Den Prinzipalen oder deren Vertretern unter Androhung von Strafen zu verbieten, andere dahin zu bestimmen, daß den Bureauangestellten die gesetzlich zulässige Auflösung oder der Ab- schluß eines Arbeitsvertrages beschränkt oder behindert wird. Außerdem fordert der Verbandstag: Errichtung von Kammern für die Streitigkeiten auS dem Arbeitsverhältnis der Dureauangestellten bei den Kaufmanns- gerichten. Einbeziehung der Bureanbetriebe in die Gewerbeinfpeltion Errichtung von Arbeiterkammern für alle gegen Lohn oder Gehalt beschäftigten Personen unter gleichzeitiger Errichtung von Abteilungen für Bureauangeftellte bei diesen Arbeiterkammern. Ausbau der Invalidenversicherung zu einer ausreichenden staatlichen Invaliden-, Witwen- und Waisenverfichcrung für alle gegen Lohn oder Gehalt beschäftigten Personen. Ausdehnung der Unfallversicherung auf die Bureau angestellten. Die verbündeten Regierungen haben das wiederholte Ersuchen deS Reichstages, einen Gesetzentwurf zum Schutze der Bureau angestellten vorzulegen, unbeachtet gelassen. Tie Generalversammlung erwartet daher von dem Reich?' tage, daß er nunmehr Schritte unternimmt, seinerseits die Reichs rcgierung zu veranlassen, dem Ersuchen des Reichstages zu ent sprechen. Zur Zidilprozeßreform. Der Verbandstag hält es gegenüber der Erklärung der Rechtsanwälte, die sie treffenden wirtschaftlichen Nachteile der Zivilprozeßreform auf die Angestellten abwälzen zu wollen, für ein« unausweichliche Pflicht, durch gesetzliche Regelung. inSbeson. dere durch Erfüllung der in der 1. Resolution aufgestellten For derungen, die Angestellten der Rechtsanwälte und Notare vor einer weiteren Verschlechterung ihrer Erwerbsbedingungen zu schützen. Dies um so mehr. alS durch die Zivilprozeßreform un- zweifelhaft ein großer Teil des Personals der Rechtsanwälte und Notare überflüssig wird. Als Mittel zur Abwendung der den Angestellten drohenden Verschlechterung der Existenzverhältnisse erachtet der Verbands- tag die durch die gesetzgeberischen Reformen(Zivilprozeßreform, Wechselprotestreform) existenzlos werdenden Angestellten von Rechtsanwälten und Notaren bei Besetzung der durch Verlegung des Schreibwerks nach den Bureaus der Gerichte zu schaffenden neuen Stellen in erster Reihe zu berücksichtigen und sie mit den in gleicher Stellung befindlichen Beamten wirtschaftlich und rechj. lich gleichzustellen, andernfalls sie entsprechend zu entschädigen.� Zur staatlichen PensionSversichcrung. Der Verbandstag betont die Notwendigkeit einer Wirtschaft- lichen und sozialen Solidarität der Privatangestellten und der Arbeiter als Angehörig« der Arbeiterklasse. Er wendet sich daher gegen alle Bestrebungen, die die Privatangestelltcn aus der heutigen Arbritcrfchutz- und ArbeiterverficherungS-Gefetzgebung herauslösen wollen. Deshalb fordert der Verbandstag auch in der Frag« der staatlichen Pensionsversicherung der Privatangestelllcn einen zweckdienlichen Ausbau der bestehenden Invalidenversicherung auf folgender Grundlage: 1. Ausdehnung der Versicherungspflicht auf alle gegen Lohn oder Gehalt beschäftigten Personen, sofern ihr jährlicher Arbeits verdienst 5000 M. nicht übersteigt. 2. Unzulässigkeit aller privaten Ersatzinstitute. 3. Der Höchstbetrag der Invalidenrente soll nach 40 Jahren der Versicherung mindestens 50 Proz. des bei der Berechnung der Beiträge zugrunde gelegten Arbeitsdurchschnittsverdienstes be tragen. 4. Invalidität besteht, sofern der Versicherte nicht mehr im- stände ist. in seinem bisherigen oder einem ähnlichen Berufe durch eine seinen Kräften und Fähigkeiten entsprechende Tätigkeit, die ihm unter voller Berücksichtigung seiner Ausbildung und seiner bisherigen Beschäftigung zugemutet werden kann, die Hälfte deS- jenigcn zu erwerben, was körperlich und geistig gesunde Personen derselben ErwerbSart mit ähnlicher Ausbildung in derselben Gegend durch Arbeit zu verdienen pflegen. 5. Die Altersrente ist nach Vollendung des 65. Lebensjahres fällig. Sie ist nach Höhe und Zahl der geleisteten Beiträge zu berechnen, beträgt aber mindestens 50 Proz. des bei der Bercch. nung der Beiträge zugrunde gelegten Arboilsdurchschnittsver- dienstcs. 6. Die Witwenrente beträgt die Hälfte, die Waisenrente ein Sechstel und bei Vollwaisen ein Viertel der Invalidenrente. Die Waisenrenten werden bis zum vollendeten 16. Lebens- jähr gezahlt. 7. Die Kosten sind zu gleichen Teilen auszubringen durch das Reich. Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Belastung des Reiches ist auö direkten Reichssteuern zu decken. 8. Die Zahl der Beitragsklasscn ist auf zehn zu erhöhen, cnt- sprechend der Erweiterung der Verdienstgrenzc. Der nach dem Arbeitsverdienst zu berechnende Prozentsatz der Beiträge ist für die niedrigen Klassen geringer als für die höheren Klassen zu bemessen. 9. völlige Selbstverwaltung durch die Versicherten. Nach der Diskussion über den Vortrag und der einstimmigen Annahme der vorliegenden Resolutionen hörten die Delegierten ein ehr beifällig aufgenommenes Referat von Kleeis- Würzen in Sachsen, über die Reform der Arbeiterversichcrung. Kleeis kritisierte streng die Behauptung der Gegner einer Selbst- Verwaltung der Krankenkassen, daß die Sozialdemokratie einen über- wiegenden Einfluß dabei geltend mache und Mißbrauch damit treibe. ES handele sich bei solchen Verdächtigungen nur um die Abficht, Material zu gewinnen, um da» Vertrauen in die Selbst- Verwaltung zu erschüttern und diese selbst zu zerstören. Die fol- gende Erklärung wurde zu diesem Punkte vorgefchtagen, uie tiru stimmig angenommen wurde: „Der Verbandstag hält eine, die Interessen der Versicherten tvahrende. durchgreifende Reform der Arbciterversicherung für «ine unaufschiebbare Notwendigkeit. Zu fordern ist eine Verein- heitlichung der Versicherung durch Zusammenlegung oder miirde- stens organische Verbindung der einzelnen Versichcrungszwcige. Weiterhin ist eine Demokratisierung der Berncherung und etwaiger Nebenorganisaiionen(Wohlfahrtsämter usw.) dadurch herbeizuführen, daß bei sämtlichen Bersicherungseinrichtungen den Versicherten in den Verwaltungskörperschaften der maßgebende Einfluß eingeräumt wird. Ter Verbandstag wendet sich daher gegen die nach den AuS- führungen des Staatssekretärs Dr. v. Bcthmann-Hollwea in der Reichstagssitzung vom 2. Dezember 1307 bestehende Absicht der Re"''Sregicrung. bei der Reform der Arbeiterversicherung„Maßregeln zur Sicherung der Vertvoltung der Ortskrankenkesssen gegen politischen Mißbrauch" vorzusehen. Hierunter ist nichts anderes als eine weitere Beschränkung des SelbstverwaltungS- rechtes der Versicherten in den OrtÄrankenkaffcn zu verstehen. Tiefen Absichten gegenüber erklärt der Verbandstag. daß in der gesamten Arbeiierverficherung nur die unbeschränkte Selbst- Verwaltung durch die Versicherten eine den sozialen Zweck der Arbeiterversicherung erreichende Anwendung garantiert. Außerdem würde durch eine Beschränkung der heutigen Selbstverwaltung der Krankenversicherung für die Kassenange- stelltcn, wie sie schon auf ihrem Verbandstag 1305 in Breslau erklärten, eine Bedrohung ihrer Existenz durch die Einstellung von Militäranwärtern zu befürchten fein. Die Selbftvcrivaltung der Versicherten bietet den Angestellten die Sicherheit, daß sie in der Ausübung ihrer staatsbürgerlichen Rechte nicht beschränkt werden. Nur durch Zurückdrängung aller die Selbstverwaltung bedrohen- den rückschrittlichen Tendenzen wird den Angestellten die Erhal- tung ihrer wirtschaftlichen und politischen Rechte gewährleistet. Deshalb würde auch die Durchführung und Erweiterung der Selbstverwaltung durch die Versicherten in allen VersicherungS- zweigen den ivirtfchaftlichen Interessen der Angestellten in der gesamten Arbeiterversicherung entsprechen. Schließlich ist der Verbandstag einmütig der Ansicht, daß vor Einbringung eines Gesetzentwurfes an die gesetzgebenden Körperschaften die Kassenangestellten durch ihre Organisation über den Inhalt und die Ausgestaltung der Verfichcrungsreform zu hören feien. Der Verbandstag fordert daher die Zuziehung von Vertretern der Angcfielltenorganifation bei den Vorbecatun- gen zu dem Entwurf." Ein Antrag, Vertreter zu dem demnächst stattfindende» Krankenkassenkongreß zu senden, wurde angenommen. Gewählt Wurde» Kleeis. ' iebel und Lehmann. Damit wurde der zweite Verhandlungstag geschlossen. Am Montagmorgen traten die Delegierten in den S. Punkt der Tagesordnung ein: „Die Prüfung von Angestellten in CrtSkrankcnkaflcn." E. W e n d l a n d t referierte darüber in einer kurzen Rede, als deren Extrakt eine Resolution vorlag, die wie folgt lautet: „1. Die Krankenkassen als öffentlich rechtliche Korporationen mit Selbstverwaltung sind auf die Erfüllung sozialer Aufgaben basiert. Als Sclbstverwaltungskörperschaften bedürfen sie deS steten Zustroms der im Volke lebenden Kräfte. Die von ihnen zur Ausübung der Vcrwaltungstätigkeit berufenen Funktionäre müssen in steter Fühlung mit dem Volle stehen. 2. Als ein Hindernis für diese EntWickelung muß sich der Gersuch erweisen, Prüfungen in Krankenkassen anzuwenden. Prüftingen sind ein Ueberbleibsel mittelalterlicher Zunftord- nungen, die im Zeitalter der Gewerbefreiheit als überlebt gelten müssen. Sie führen zur Einseitigkeit und erbringen nicht den Nachweis des nötigen allgemeinen Wissens, noch der besonderen Fertigkeiten in der Ausübung der einzelnen Funktionen, sie wirken aktiv burcaukratisicrend und sind mit dem Prinzip der Selbst- Verwaltung der Krankenkassen unvereinbar. Die Erfahrungen der Praxis in der Krankenkassenverwal- tung haben auch irgend welche Notwendigkeit solcher Prüfungen nicht ergeben. Aber auch die praktische Durchführbarkeit muß verneint Iverden, weil eine geeignet« und anerkannte Prüfungs» instanz innerhalb der Kasscnverwaltungcn nicht möglich ist. 3. Die Einführung von Prüfungen ist daher abzulehnen. Wo durch die differenzierte Tätigkeit in den einzelnen Kassen besondere Fähigkeiten und Kenntnisse verlangt werden müssen. ist als ein geeignetes Mittel hierzu eine kollegial geregelte und ausgeübte Wechfelbefchäftigung, insonderheit der HüIfSarbeiter, anzuwenden. Diese wird alle schlummernden geistigen Kräfte und Fähigkeiten zur Entfaltung bringen können." Diese Resolution fand einstimmige Annahme, nachdem eine an- geregte Diskussion vorausgegangen war. in der der Widersinn mancher Prüfungen humorvoll beleuchtet wund«. Die Beschickung des internationalen Kongresses ür Arbeiterversicherung in Rom lehnte der Bcr, bandstag mit großer Mehrheit ab. Julius Cohn erstattete Bericht über die KommissionSbera- tunaen zum Statutenentwurf für eine PensionSkassc des Ver- banocS. Die AbändcrungSbestimmungen und darauf der Entwurf im ganzen wurden von den Versammelten angenommen, und damit ist die Einrichtung einer Pensionskasse beschlossen, die am 1. Oktober dieses JahreS in Kraft treten soll, falls sich bis dahin 500 Mit» glieder dazu gemeldet haben. Einige kleinere Anträge gelangten zur Verhandlung. Be- chlosscn wurde, dem schon im ersten Bericht über den Verbandstag >cr Bureauangestellten erwähnten Antrag, die Schlichtung von Grcnzstreitigkciten zwischen Verbänden betreffend, zuzustimmen. trotzdem Legien als Vertreter der Generalkommission erklärte, daß praktisch der Antrag geringen Wert haben werde. Fräulein Schaub regte an, die Frauenfrage im Verbände zum Gegenstände von Beratungen zu machen, wenn nicht eher, aus dem nächsten Verbandstage. Die Anregung wird dem Vorstande zur Berücksichtigung überwiesen. Hadd ach-Bremen erstattete Bericht über die Arbeiten der Statutenkommission, die an dem ersten Entwurf einige Aendcrungen vorgenommen hat. Eine rege Diskussion folgte über die neuzuschaffenden Statuten und der Entwurf mit den vorge- chlagcnen Aenderungcn wurde angenommen. Eine Empfehlung wrselbcn Kommission, bei den Ortsgruppen die Organisation der jugendlichen Mitarbeiter bis zu 17 Jahren anzuregen, fand eben- älls Annahme. Nach den neuen Statuten führt die Organisation den Namen: Verband der Bureauangestcllten und der Berwe.ltungSbcamten der Krankenkassen und BerusSgcnossenschaften Deutschlands. Er erstreckt sich über ganz Teutschland und hat seinen Sitz in Berlin. Der monatliche Beitrag beträgt in Klasse l für Mitglieder im Alter über 20 Jahre 1,20 Mk.. in Klasse II für Mitglieder unter 20 Jahren 60 Pf. Unterstützung an arbeitsunfähige kranke Mitglieder kann vom Beginn der dritten Woche der Arbeitseinstellung infolge Krankheit an gewährt werden: 1. nach einjähriger Mitgliedschaft und Zahlung von 12 Monats« beitragen: Klasse I 6 Mk. pro Woche auf die Dauer von 13 Wochen, Klasse II 3 Mk. pro Woche auf die Dauer von 13 Wochen. 2. Nach zweijähriger Mitgliedschaft und Zahlung von 24 Mo» natsbeiträgen: Klasse I 7 Mk. pro Woche auf die Dauer von 13 Wochen, Klasse II 3,50 Mk. pro Woche auf die Dauer von 13 Wochen. Unterstützung an stellenlose Mitglieder kann nach Verlauf von zwei Wochen Erwerbslosigkeit gewährt werden: 1. nach einjähriger Mitgliedschaft und Zahlung von 12 Monats. beitragen: Klaffe I 10 Mi. pro Woche auf die Dauer von 6 Wochen» Klaffe II S Mk. pro Woche auf die Dan« von 0 Woche» 2. Nach zweijShrlgn Mtglkedschast uni Zahlung bon 34 Mon«S. beitragen: Klasse l.12 Ml. pro Woche auf die Dauer von 10 Wochen, Klaffe II 6 MI. pro Woche auf die Dauer von 10 Wochen. 3. Nach fünfjähriger Mitgliedschaft und Zahlung bon 60 Monatsbeiträgen: Klasse I 12 MI. pro Woche auf die Dauer von 13 Wochen. Liegt der Stellenlosigleit Maßregelung wegen Tätigleit für den Verband zugrunde, so können auf Beschluß des Verbandsvor. standes vom ersten Tage der Erwerbslosigkeit an die Sätze der Stellenlosenunterstützung bis zu eineinhalbfacher Höhe gewährt werden. Die Höhe der Unterstützung bei Arbeitseinstellung bestimmt der Verbandsvorstand nach Anhörung der Ortsleitung. Die Aus- zahlung der Unterstützung erfolgt wöchentlich postnumerando; sie verfällt, wenn sie innerhalb einer Woche nach dem Zahltage nicht erhoben ist. Das Organ deS Verbandes ist.Der Bureauangestellte". Alle Bekanntmachungen des Verbandsvorstandes und Ausschusses sind in ihm zu veröffentlichen. „Der Bureauangestellte" wird jedem Mitgliede in einem Exem- pl«r kostenlos geliefert. Außerdem wird für Rechnung und im Interesse des Verbandes, jedoch nicht in seinem Namen, eine fachwissenschaftliche Zeitschrift unter dem Titel:„Volkstümliche Zeitschrift für praktische Arbeiter- Versicherung, Organ des Verbandes der Bureauangestellten und der Verwaltungsbeamten der Krankenkassen und Berufsgenossenschaften Deutschlands" herausgegeben. Das neue Statut tritt vom I. Juli 1908 ab in Kraft. Die Nachmittagssitzung des dritten Tages wurde eingeleitet mit einem Referat von Bauer über: Unsere Agitation. Er legte dar, wie schwer die Bureaubeamten für die Agitation zu gewinnen seien. Standesdünkel und Verkennuna der Wirtschaft lichen Zusammenhänge halten sie einer Verbindung fern, die energisch Stellung gegen die Arbeitgeber nimmt und Anschluß an Arbeiterverbände sucht. Man schreckt die Bureaubeamten mit der Sozialdemokratie und die gegnerischen Verbände versuchen damit besonders gern ihr Glück. Der Redner gab viele Ratschläge für die Kleinarbeit in der Agitation. �lieber dasselbe Thema wurde ein zweites Referat von Rückert gehört, der sich in ähnlichen Ausführungen erging und das Ver- trauensmännerstistem neben anderen Mitteln zu einer erfolgreichen Agitation empfahl. Eine rege Diskussion folgte den Vorträgen. Der Bcrbandstag setzte dann die jährlichen Entschädigungen für die Verbandsbeamten fest, und zwar wurden für den Vorsitzenden 3300 M., für den Bureauangestellten 2320 M. und für'den Redak- tcur der„Volkstümlichen Zeitschrift" 1500 M. bewilligt. Die vorzunehmenden Wahlen ergaben das folgende Resultat: Verbandsvorsitzcnder Giebel; als dessen Stellvertreter Bauer; Redakteur der„Volkstümlichen Zeitschrift" Wen Man dt; Redakteur des„Burcauangestellten" Lehmann; Vorsitzender des Aus- schusses Brendke; Sitz des Ausschusses ist Leipzig; Vor- sitzender der Pensionskasse Bauer; Kassenverwalter der Pensionskasse Giebel; Vorsitzender der Bcrufungskommission der- selben Kasse L a t a I; Sitz dieser Kommission ist Hamburg. Als Delegierte zum Gewerkschaftskongreß wurden Bauer und Giebel gewählt. Tie für das Zentralamt der Tarifgemeinschaft Gewählten bestätigte der Vcrbandstag. Als Ort des nächsten Ver- bandstages wurde Köln bestimmt. Nach Erledigung dieser Angelegenheiten erhielt L e g i e n das Wort zu einer kurzen Ansprache, in der er seiner Genugtuung über die Vereinigung der beiden Verbände Ausdruck gab. Der Vorsitzend« Giebel schloß darauf den Verbandstag mit einem kräftigen Appell an die Delegierten zu weiterer Organi- fationSarbeit., Neunte Generalversammlung des Verbandes der Maschinisten und Heizer Deutschlands Köln, 10. April 1008. Am Ostersonntag wurde die Generalversammlung im Kölner Gcwerkschaftshause eröffnet. Den gedruckt vorliegenden Bericht des Vorstandes ergänzt der Vorsitzende Scheffel-Bcrlin. Selbiger spricht seine Freude über das gute Zusammenarbeiten sämtlicher Ver- bandSfunktimiäre sowie der Kollegen aus. Dadurch hat eine ge- sunde EntWickelung des Verbandes stattgefunden. Zweifellos hat der letzte Verbandstag durch Anstellung von Beamten einem wirk- lichen Bedürfnis Rechnung getragen. Nicht nur der Mitglieder- stand hat sich gehoben, sondern auch finanziell hat sich der Verband gefestigt und ist dadurch kampffähiger geworden. Die meisten Zahlstellen haben sich dank der rührigen Slgitatio» in erfreulicher Weise entwickelt. Der Mitgliederbestand ist von 11383 auf 18 346 gestiegen, die Zahlstellen sind von 190 auf 265 angewachsen. Mithin ein Zuwachs von 6963 vollzahlendcn Mitgliedern und 66 Zahlstellen, inklusive der Rheinschtffahrt, welcher 986 und der Elbschiffahrt, der 497 Mitglieder angehören. Die Fluktuation icr Mitglieder ist trotz der guten Unterstützungseinrichtungen recht stark gewesen. In der Berichtsperiode haben 113 Streiks statt- zefunden, und in 66 Fällen sind die Zwistigkciten ohne Streiks tzsschlichtet. In Betracht kamen 4410 Kollegen in 570 Betrieben. In 160 Fällen wurden Lohnforderungen und Arbeitszeitverkürzung zugleich, in 23 Fällen nur Arbeitszeitverkürzung beansprucht. Voller Erfolg wurde in 18 Fällen, in 83 Fällen nur teilweiser Erfolg erzielt. Ganz erfolglos sind nur 3 Fälle verlaufen. Tarife existieren zurzeit ungefähr 150. Durch die Bewegungen wurden die Arbeitszeit und die Löhne geregelt, als Durchschnitt der Ar- beitszeit kann 12 Stunden angenommen werden; obwohl in 493 Betrieben länger als 12 Stunden gearbeitet wird, darunter be- finden sich 18 Betriebe mit 14stündiger, 12 mit löstündiger, 10 mit 16stündiger, 2 mit 17stündiger, 8 mit 18stündiger, 2 mit 20stündiger, einer mit 22stündiger und einer mit 30stündiger Arbeitszeit. Ferner ist in 18 Betrieben die 24stündige Wechselschicht durch den Verband beseitigt worden. Der Redner führt weiter aus: Der letzte Vcrbandstag in Mannheim beschloß, dem Vorstand 8 Gauleiter als Hülfskräfte zur Seite zu stellen. Ihre Tätig- keitSbezirke sollten in der Weise abgegrenzt werden, daß einer für den Süden, einer für den Westen und einer für den Osten des Reiches bestimmt werden sollte, während der Norden dem Zentral- vorstand vorbehalten blieb. Diese theoretische Aufgabe war jedoch praktisch nicht so leicht zu lösen, da Deutschland infolge einer jahrhundertelangen Eroberungspolitik nicht einfach ein Quadrat darstellt. Nach langer eingehender Prüfung habe man sich darauf geeinigt Düsseldorf, Chemnitz und Breslau als Sitz der Gauleiter zu bestimmen und der Vorstand habe das Bewußt- sein, damit den Auftrag der Mannheimer Generalversammlung zwar nicht wörtlich aber seinem Sinne nach erfüllt zu haben. Zwar haben einige Bezirke Beschwerden und Klagen erhoben, weil sie sich nicht genügend berücksichtigt fühlen mochten, doch werden bei der geringen Zahl von nur 3 Gauleitern derartige Klagen nicht zu umgehen sein. Ihnen würde nur durch eine weitere An- stcllung von neuen Gauleitern abgeholfen werden. Des weiteren habe der Vorstand neue Verbandsplakate zur Ausgabe gelangen lassen, die infolge ihrer Ausstattung ihren agitatorischen Zweck weit besser als die frühere» Plakate erfüllen. Drei der besoldeten Verbandsleiter seien vom Vorstand zum Besuche der Gcwerkschaftskurse delegiert worden. Es seien aber leider alle drei Teilnehmer vor Beendigung des Kursus infolge Lohnbewegungen abberufen worden, ein Uebelstand, der von der Generalkommission mit Recht als unhaltbar und unstatthaft be» zeichnet wurde. Um auch weiteren Kreisen einen Teil der Aus- Niyrungeli v?r Eewerischaffiskurse zugänglich zu machen, seien die Vorträge des Genossen U m b r e i t über die Arbeitcrschutz- gesctzgebung in 300 gedruckten Exemplaren verbreitet worden. lieber das Verhältnis zu anderen Organisationen sei zu be- merken, daß der Vorstand sich mit diesen über entstehende Grenz- streitigkeiten stets in kollegialer Weise verständigt habe. Wirklich ernste Differenzen seien nur entstanden mit dem Verbände der Seeleute. Hier habe schließlich die Generalkommission inter- bcnieren müssen, die Streitigkeiten selber aber haben die Auf- lösung des Kartellverhältnisses zwischen beiden Organisationen zur Folge gehabt. Redner erwähnt dann noch eine Konferenz zwischen 5 Zentral- verbändcn vom Jahre 1906, welche die Frage der Verschmelzung dieser Verbände zu einer allgemeinen Transportarbeiter-Union zum Gegenstand hatte. Er persönlich ist kein Befürworter dieser Verschmelzung, weil erstens die Maschinisten und Heizer noch keine Veranlassung dazu hätten und außerdem eine Verschmelzung mit dem Transportarbeiterverband schon aus dem Grunde nicht zu empfehlen sei. lveil die Berufsinteressen der Maschinisten und Heizer keinerlei Berührungspunkte mit den Berufsinteressen der Transportarbeiter haben. Redner schließt, indem er die Ueberzeugung ausspricht, daß sowohl der Gesamtvorstand wie er persönlich alles getan haben um die großen Aufgaben, die er bei Antritt seines Postens seit der Generalversammlung in Mannheim übernommen habe, zur Ausführung zu bringen. Die Debatte gestaltet sich kurz und wird eine Anfrage seitens Berliner Delc- gierten betreffs der hohen Mitgliederzahl der Zahlstelle Hamburg, die nicht mit der Beitragsleistung übereinstimmt, dadurch aufge- klärt, daß die Hafenstädte in der Regel viel Mitglieder zählen, die monatelang sich auf der Fahrt befinden und daher unregel- mätzig Beitrag zahlen. Dem gedruckten Kassenbericht, der vom Kassierer Klein ergänzt wird, entnehmen wir folgende Zahlen: Die Einnahme betrug in den letzten beiden Jahren 404 490,32 M., der sich eine Ausgabe von 372 939,54 M. gegen- überstellt. Die Hauptausgaben entfallen auf folgende Posten: im Jahre 1906 betrug die geleistete Streikunterstützung 38 865,23 M., 1907 waren es 40 312,09 M. Im Jahre 1906 wurde an Arbeits- losenunterstützung 20 185,58 M. und 1907 für Erwerbslosenunterstützung 79 648,79 M., für Unterstützung gemaßregelter Kollegen 1906 16 913,85 M. und 1907 9306,11 M. gezahlt. Für Agitation in den verschiedenen Bezirken wurden 1906 12 038,43 M. und im Jahre 1907 16112,33 M. verausgabt. Die Unterstützung bei Sterbefällen erforderte 9615 resp. 10 950 M. Ferner sind noch bedeutende Summen für Unterstützung an andere streikende Or- ganisationen gezahlt worden. Der Kassierer gibt dem Wunsche auf pünklichcre Quartalsabrechnung seitens der Filialen Ausdruck. Die Zeitschrift„Deutscher Maschinist und Heizer" brachte eine Gesamteinnahme von 28 850,67 M. und erforderte eine Aus- gäbe von 28 758 M. Das Fachorgan war ursprünglich lediglich eine technische Fachzeitschrist, durch die wirtschaftliche Veränderung und durch den Anschluß an die Generalkommission wurde den ver- änderten Anschauungen Rechnung getragen. Auf dem Verbandstag in Altenburg wurde bestimmt, daß die Fachzeitung auch Artikel gewerblich-sozialen Inhalts bringen sollte. Damit war dem Organ der Weg gewiesen und langsam entwickelte sich dasselbe zum Führer im Kampf nicht allein gegen ein prosithungriges Unternehmer» tum, sondern auch als Führer gegen die der Arbeiterschaft feindlich gegenüberstehenden reaktionären politischen Parteien. Der Ausschußbericht bietet für die Oeffentlichkeit kein Interesse, da es sich zumeist nur um Beschwerden wegen zu wenig gezahlter Unterstützungen handelt. Nach dem Bericht der Mandats- Prüfungskommission nehmen 74 Delegierte an der General- Versammlung teil, außerdem der Zentralvorstand, ein Vertreter der Generalkommission sowie ein Vertreter der österreichischen Bruderorganisation. Eine Anfrage, warum die holländische Organisation nicht ein- geladen sei, beantwortet der Verbandsvorsitzende Scheffel dahin- gebend, daß die holländische Organisation auf vollständig anar- chistischem Boden stehe. Zwar hat sich die Zahlstelle Dortrecht vom anarchistischen Verbände abgesplittert, doch sei an diese einzelne Zahlstelle eine Einladung deshalb nicht ergangen, weil das eine Durchbrechung des zcntralistischen Prinzips sei. Sei ein Ver- treter dieser Zahlstelle als Gast anwesend, so sei er als solcher gern willkommen. Damit sind die öffentlichen Verhandlungen für den ersten Tag erledigt, da nachmittags in geschlossener Sitzung über die Taktik bei Streiks und Lohnbewegungen beraten wird. durchberaiung der Anträge wird einer vglicdrigek» Kommisssot» überwiesen. Längere Ausführungen rufen die Anträge hervor. die sich auf die Wiederaufnahme früher freiwillig ausgetretener oder wegen Rcstierung der Beiträge ausgeschlossener Mitglieder be- ziehen. Es sind Anträge gestellt, wonach diese Kollegen 2 M. Eintrittsgeld bezahlen sollen. Vom Vorstand des Verbandes wird eine Erhöhung der Streikunterstützung vorgeschlagen, doch soll bei Streiks, die nicht länger als eine Woche dauern, für die ersten drei Tage keine Unterstützung gezahlt werden. Verbandsvor- sitzender Scheffel begründet die Erhöhung mit den herrschenden Teuerungsverhältnissen. Ferner stellt der Vorstand den Antrag. die Erwcrbslosenunterstützung in Kranken- und Erwerbslosen- Unterstützung zu trennen und die erstere um 1 M. pro Woche zu ermäßigen, dagegen die Arbeitslosenunterstützung zu erhöhen. Scheffel begründet den Antrag damit, daß die erkrankten Mit- glieder immer noch durch den Bezug des Krankengeldes vor äußerster Not geichützt sind, während der arbeitslose Kollege weiter keine Einnahme hat. Die Debatte hierüber ist recht lebhaft; an derselben beteiligt sich auch S a b b a t h, Vertreter der Generalkommission, der den Vorschlägen des Vorstandes zustimmt. Eine Anzahl Anträge verlangen eine vollständige Umge- staltung des Fachorgans, als achttägiges Erscheinen, Rotations. druck und Aenderung des Formats, vollständiger Wegfall des In. seratenwesens, Aenderung des Inhalts insofern, als nicht aus- schließlich fachgewerbliche sondern mehr agitatorisch wirkende Ar- tikel gebracht werden sollen, die geeignet sind, die wirtschaftliche und politische Aufklärung der Mitglieder zu fördern. Ä i r s ch n i ck, als Redakteur, unterzieht die gestellten An- träge einer Besprechung. Er betont, daß auch an der fachlichen Ausbildung der Maschinisten und Kesselwärter nicht nur diese, sondern weite Kreise der Arbeiterschaft ein dringendes Interesse haben, da Gesundheit und Leben großer Arbeiterkreise oft von der guten Fachausbildung des Maschinisten abhängig sei, deshalb habe er auch der Aufklärung auf diesem Gebiete stets großes Interesse zugewandt. Er nimmt aber auch für sich in Anspruch, die politische Aufklärung und die Pflege des guten Einvernehmens zwischen Partei und Gewerkschaft nicht vernachlässigt zu haben. Ganz be- sonders sei dies unter der jetzigen Vcrbandsleitung geschehen, die es an Rippenstößen nach der Seite hin nicht habe fehlen lassen. Er geht dann auf die finanziellen Fragen ein und erwähnt, daß man seinerzeit Kalkulationen vom„Vorwärts" über die Her- stellung des Blattes eingefordert habe; doch sei diese um 35 Proz. höher als der jetzige Preis gewesen. Die jetzige Druckerei be- schäftige ebenfalls nur organisierte Arbeiter und erfülle alle Be- dingungen, die die Organisation an einen Verlag stellen kann. Redner schließt, indem er betont, vielleicht nie ein Drauf- gänger im Sinne mancher noch wenig geschulten Mitglieder ge- wesen zu sein, jedoch stets sein ganzes Können zum Ausbau der Fachpresse verwandt zu haben. Der Vertreter der österreichischen Organisation verabschiedet sich mit herzlichen Worten und gibt dem Wunsche Ausdruck, daß die Generalversammlung den Vorsitzenden beauftragen möge, mit Oesterreich einen Gegenseitigkeitsvertrag betreffs Uebernahme der reisenden Mitglieder abzuschließen. Nach Verlesung einiger Begrüßungstelegramme erfolgt Schluß der heutigen Verhandlung. Köln. 20. April 1903. In der internen Sitzung am gestrigen Tage gab der Vorsitzende Scheffel in längeren Ausführungen praktische Fingerzeige, um die Agitation erfolgreicher zu betreiben als wie bisher. Auch die Taktik, die bei Streiks und Aussperrungen einzuschlagen ist, wurde nach allen Seiten hin erörtert und diesbezügliche Beschlüsse gefaßt. Auf Vorschlag des Bureaus werden alle Anträge, die den inneren Ausbau der Organisation betreffen, in der Generaldebatte behandelt. Der Vorsitzende Scheffel bringt die Meinung de» Vorstandes betreffs Beitragserhöhung zum Ausdruck. Redner er- läutert, daß die geringe Beitragserhöhung der Mannheimer Generalversammlung nicht ausreiche, um allen Unterstützungsein- richtungen zu genügen, in Zukunft aber erst recht nicht ausreichen wird, da die wirtschaftlichen Kämpfe zur Zeit fcc Krisis schärfer und krasser werden. Daher ist die Mahnung:„Tue Geld in Deinen Beutel" nur allzu berechtigt. Der Einführung der Staffelbeiträge kann der Vorstand wohl in der Theorie, nicht aber in der Praxis zustimmen. Der Vorstand empfiehlt daher, den Beitrag auf 50 Pf. zu erhöhen, dem Vorstand aber das Recht zu geben, dort, wo die Löhne ungeheuer schlecht sind, den 40 Pf.» Wochenbeitraa weiter zu belassen. Der Kassierer spricht ebenfalls zu diesem Punkt und beweist die Notwendigkeit, da zurzeit bereits 42 Zahlstellen einen Vorschuß von 50— 800 M. haben, der notwendig war, weil die Zahlstellen nicht die Krankenunterstützung zahlen konnten. Reiferscheit- Schlesien tritt ebenfalls für Beibehaltung deS 40 Pf.-Beitrages für jene Gegenden ein, wo die Arbeits- bedingungen als schlecht bezeichnet werden müssen, wie dies in Schlesien der Fall ist. Dort bestehen noch Monatslöhne für Ober- Heizer von 60 M. bei 1 6 st ü n d i g e r Arbeitszeit. In Langen- bielau werden gar Wochenlöhne für Familienväter bei 1 8 st ü n- d i g e r Arbeitszeit von 15,55 M. gezahlt. Der Beschluß des Vorstandes wird angenommen. Des weiteren macht der Borstand den Vorschlag, 2 Gauleiter und einen stellvertretenden Vorsitzenden neu einzustellen. Verschiedene Anträge der Zahlstellen decken sich in dieser Frage mit den Vorstandswünschen. In der Debatte wird der Verschmelzung der Zahlstellen das Wort geredet, weil dadurch die Möglichkeit der Anstellung von Lokalbeamten gegeben ist. Stern als Vertreter des Kreises Nürnberg ist Gegner der Anstellung weiterer Gauleiter. Derselbe hält die Ausbauung der Erwerbslosenunterstühung weit mehr geeignet den Verband zu fördern als wie die Anstellung von Gauleitern. Die verschiedenen Redner versuchen die Notwendigkeit der weiteren Beamten für ihren Bezirk zu begründen. Beschlossen wird: Zwei weitere Gauleiter anzustellen, deren Tätigkeitsfeld vom Vorstand festgelegt wird, ebenfalls wird der Anstellung des besoldeten zweiten Vorsitzenden zugestimmt. Weiter wird der Verbandsvorstand ermächtigt, bei Zahlstellen von über 500 Mitgliedern auf deren Antrag einen Lokalbeamten anzustellen und bis zur Hälfte dessen Gehalt aus der Zcntralkasse zu bezahlen. Anträge zwecks Regelung der Uebertrittsbestimmungen aus anderen Verbänden der modernen Arbeiterbewegung werden durch die Anregungen der Vorständekonferenz, die besagen, daß die ge- zahlten Beiträge beim Uebertritt aufgerechnet werden und nicht das Datum des Eintritts entscheiden soll, erledigt. Die Spezial- Berichte-Zeitung, Weigerung be» Angestellten, an unlautere« Handlang?« Ml- zunehmen. Mit dem Konflikt eines Angestellten zwischen Gehorsamspflicht gegenüber dem Chef und Gewissenszwang hatte sich gestern die dritte Kammer des KaufmannSgerichtS zu beschäftigen. Der Buch, Halter Paul M. war von dem Agenten für Lebensmittel M«I Söhn mit 120 M. Monatsgehalt engagiert worden. K. suchte einen Teil- Haber mit Kapital und übertrug dem Buchhalter die Aufgabe, die sich in seiner Abwesenheit meldenden Reflektanten zu empfangen und mit ihnen die Verhandlungen zu führen. Am Ende d«S ersten Monats weigerte sich K., dem M. den rückständigen GehaltSrest von 80 M. zu zahlen, weshalb letzterer sofort die Stellung verließ und Klage erhob. Der Beklagte motivierte das Einbehalten der 80 M. damit, daß der Kläger ihn in seinen Geschäftsinteressen geschädigt habe. Er habe, wenn Reflektanten auf die Teilhaberschaft sich ein- stellten, den Lehrling aus dem Zimmer geschickt und dann wahr- scheinlich die Herren zur Beteiligung nicht ermuntert, denn cS hat sich keiner der Reflektanten dazu entschlossen, ein Sozietätsverhält- nis mit ihm einzugehen. Der Kläger hingegen führt aus, daß der Beklagte ihn in einen schlimmen Konflikt zwischen Gewissens- und Gehorsamspflicht gebracht hatte. Schon als er aus verschiedenen Aktenstücken ersah, daß K. erst kurz vorher wegen unlauterer ge- schäftlicher Manipulationen bestraft worden war, machte er sich klar, daß er in den Auskünften gegenüber den Reflektanten Vorsicht üben müsse. Als asser der Chef von ihm verlangte, er solle den Interessenten die unwahre Angabe machen, der Prinzipal habe einen eigenen Stand in der Markthalle, da habe er dies Ansinnen direkt abgelehnt, um sich nicht selbst eines Betruges schuldig zu machen. Das Kaufmannsgericht stimmte den Ausführungen deS Klä. gerS zu und verurteilte den Beklagten zur Zahlung der restierenden 80 M. Das Verhalten des Klägers gab dem Beklagten nach keiner Richtung hin ein Recht, ihm die Zahlung deS GchaltsanspruchS zu verweigern. Paragraph 153. Weil er versucht hatte, zwei Arbeitswillige durch«Drohungen" zur Teilnahme an einem Streik zu veranlassen, wurde ein Schuh. machergehülfe auf Grund des 8 153 der Gewerbeordnung vom Schöffengericht in Krefeld zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Gegen dieses Urteil legte der Schuhmacher Berufung ein mit der Begrün- dung, daß der genannte Paragraph zu Unrecht angewandt worden sei, denn bei dem Streik habe es sich nicht um Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen gehandelt, vielmehr wurde bezweckt, den Unternehmer zu veranlassen, zwei wegen ihrer OrganisationS- angehörigkeit gematzrcgelte Arbeiter wieder einzustellen. Der Staatsanwalt an der Krefelder Strafkammer wollte diese Begrün» dung nicht gelten lassen, er stellte sich vielmehr auf den Standpunkt. der Gesetzgeber habe selbstverständlich gewollt, daß alle derartige Streikvcrgehen, ganz gleichgültig, aus welchem Grunde der Streik entstanden, durch§ 153 geahndet würden. Das Gericht sprach den Schuhmacher aber frei, in§ 153 der Gewerbeordnung werde auf den § 152 Bezug genommen, und in diesem sei nur von Arbeitsein. stellungen zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen die Rede, eine solche kam hier aber nicht in Frage, deshalb mußte Freisprechung erfolgen._ Wasf erstandö-Nachrtchte» der LandeSanftalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wcttcrbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit L r e g e l. Jmierburg Weichsel. Thoru Oder, Raübor , Krassen . Frankiurt Warthe, schnnnn , LandSberg Netz«, Vordamm Elbe, Leitmcritz , Dresden , Barby . Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandaul , Rathenow') Spree, Svremberg') , BeeSkow Weser, Münden . Minden Rhein, MaximilianSau . Kaub . Köln Neckar, Heilbronn Main, Wcrlheim Mosel, Trier _______________')+ bedeutet Wuch»,— Fall,—») Unterpegel. Lergntwortlicher Redakteur: Georg Tavidsohn, Berlin. Für denJuferatenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u.Verlag:VorwärtSBuchdruckcrci u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW.- Nr. 94. 25. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Mittwo, 22. april 1908. Ein neuer Hardenprozeß. München, den 21. April 1908. ( Telegraphischer Bericht.) weiteres aufdecke. Der hinter einem dichten Gebüsch onanierte ich zum ersten Male mit Vors. Haben Sie miteinander Unzucht getrieben? ihm. Später ist am Starnberger See nichts mehr vorgekommen, 3euge bleibt gegenüber allen Vorhaltungen dabei, daß verbotene der Fürst kam nur noch einmal in Begleitung des Fischermeisters Handlungen nach§ 175 zwischen ihm und dem Grafen Eulenburg Jakob Ernst zu mir. Ich habe dann den Fürsten Eulenburg wieder- nicht vorgekommen feien. Vors.: Hat Graf Eulenburg Sie holt in nicht gefüßt oder Sie sonst irgendwie berührt? Zeuge Ernst seiner Wohnung in München, Promenadenplay 21, verneint auch diese Frage zunächst eine Zeitlang, gibt dann aber Vor dem Schöffengericht München I gelangte heute unter dem 2 Treppen, besucht. Ich habe mich sogar einmal unerlaubt von auf weitere eindringlichere Fragen des Berteidigers, nun sichtlich Vorsitz des Oberlandesgerichtsrats Mayer die Beleidigungsflage meinem Regiment in Augsburg entfernt und ihn in München auf- von einer schweren Last befreit, zu, daß er auf ständiges Drängen zur Verhandlung, die der Herausgeber der" Zukunft", Magi- gesucht. Auch nach meiner Entlassung vom Militär bin ich noch des Fürsten Eulenburg unzüchtige Handlungen an diesem borge milian Harden in Berlin, gegen den verantwortlichen Re- öfters bei ihm gewesen. Fürst Eulenburg hat mir im ganzen nommen habe, die dieser zuerst an sich selber vorgenommen hatte. dakteur der„ Neuen Freien Volkszeitung" in München, Anton 500 m. gegeben, später verweigerte er mir weitere Geldmittel. Die Wirkung dieser Aussage des 3eugen ist Staedele, angestrengt hat. Maximilian Harden hat gegen die Als ich ihn von Augsburg aus besuchte, traf ich bei ihm einen sensationell und für den Fürsten Gulenburg Neue Freie Volkszeitung", das Organ des bayerischen Bauernbundes, die Klage auf Grund eines Artikels erhoben, in dem die jungen Herrn, mit dem ich bei ihm zusammen aß und Wein trant. gegenüber seinen früheren eidlichen Aussagen eidliche Aussage des Fürsten Eulenburg in den bekannten Prozessen Mann allein zurück, nachdem er mir 10 M. gegeben hatte. Der Dann ging Graf Eulenburg weg und ließ mich mit dem jungen vernichtend. Der Zeuge gibt schließlich noch an, daß auch Graf Eulenburg Bülow- Brand und Moltke- Harden erörtert und dabei bemerkt junge Mann veranlaßte mich dann, mit ihm Bäderastie zu treiben an ihm unzüchtige Handlungen vorgenommen wurde, es gehe das Gerücht," Harden habe von dem Fürsten und gab mir nachher auch 10 M. dafür. Als ich jekt die Ver- habe. Der Graf habe die unzüchtigen Handlungen sogar zuerst 1 Million Mark erhalten", damit er schweige und nichts handlungen im Hardenprozeß las, sagte ich zu verschiedenen Ber- an ihm vorgenommen, und er habe sie dann auf des Grafen Zu dem heutigen Termin ist Harden persönlich mit seinem deutete an, was ich meinte. Mehrere Bekannte sagten mir, das Ernst wird am Schlusse seiner Vernehmung von einem leichten un sonen, ich wisse auch etwas von dem Fürsten Eulenburg und Gulenburg Aufforderung hin an ihm wiederholt. Der Zeuge bekannten Verteidiger Justizrat Bernstein erschienen. Der beklagte müßte ich dem Justizrat Bernstein mitteilen. Als ich dann in wohlsein befallen, bleibt aber nun dabei, daß alles, was er jezt Redakteur Staedele, der ohne Verteidiger erschienen ist, erklärt, daß der Zeitung die eidlichen Aussagen des Fürsten Eulenburg las, gesagt habe, reine Wahrheit sei. er die Verantwortlichkeit für den zum Gegenstand der Klage ge- bin ich zum Justizrat Bernstein gegangen und habe ihm alles ermachten Artikel der„ Neuen Freien Volkszeitung" übernehme. Was er behauptet habe, sei nicht strafbar. Er habe einfach von einem zählt, was vorgefallen war. Eindruck gesprochen. Diesen Eindruck hätten Hunderttausende ge= habt; und er habe keinen Grund gehabt, zu verschweigen, daß auch er ihn teile. Er habe anfangs Harden gegenüber eine durchaus wohlwollende Stellung eingenommen und erst eine Schwenkung nach der eidlichen Aussage des Fürsten Philipp Gulenburg borgenommen. Fürst Gulenburg, der bekanntlich in dem Schöffen: gerichtsprozeß Moltke- Harden nicht erschienen war, habe im Bülow: Brand- Prozeß unter seinem Eide ausgesagt, daß er sich niemals gegen den§ 175 vergangen habe. Als dann in der Moltke- HardenSache die Staatsanwaltschaft die öffentliche Anklage erhob und der Prozeß erneut vor der Strafkammer zur Verhandlung kam, habe der Fürst seine Aussage dahin erweitert, daß er überhaupt niemals Schmußereien betrieben habe". Harden, der vorher in der Zukunft" den Fürsten Eulenburg ganz unzweideutig als homosexuell hingestellt hatte, und sein Verteidiger, der behauptet hatte, daß Fürst Eulenburg dem Berliner Polizeipräsidenten als Bäderast bekannt sei, hätten diese eidliche Aussage des Fürsten Eulenburg auch nicht mit dem geringsten Gegenbeweis zu entkräften versucht. Danach mußte jedermann den Eindruck gewinnen, daß entweder Harden keinerlei Material gegen den Fürsten hatte, oder man mußte an den rollenden Rubel denken. Er habe in seinem Artikel nur diesen Gedankengang dargelegt und erwarte daher zuversichtlich seine Freisprechung. Auf eine Anfrage des Vorsitzenden erklärt der Privatbeklagte, daß er einen Vergleich unbedingt ablehnen müsse. Namens des Klägers gibt Justizrat Bernstein die Versicherung ab, daß auch er bor der Bernehmung der von ihm geladenen 12 Zeugen jeden Vergleich ablehnen müsse. Justizrat Bernstein begrüßt dann als Verteidiger des so schier angegriffenen Harden diese Verhandlung, die Gelegenheit bieten könne und werde, zu beweisen, daß der gegen Harden erhobene häßliche Vorwurf unwahr sei. Er sei in der glücklichen Lage, sich nicht damit begnügen zu brauchen, daß er fage: der beleidigende Vorwurf in dem Artikel ist nicht erweislich wahr, sondern er könne durch die geladenen Zeugen den Beweis dafür führen, daß dieser Vorwurf direkt unwahr sei und daß Harden absolut forrett gehandelt habe. Justizrat Bernstein erörterte dann eingehend die Aussagen Brand- Prozeß sei Fürst. Eulenburg nur berufen gewesen, Zeugnis dez Fürsten Gulenburg in den beiden Prozessen. In den Bülowabzulegen über den lächerlichen Vorwurf gegen den Reichskanzler Fürsten Bülow, daß auch er homosexuell beranlagt sei. Fürst Eulenburg habe wahrheitsgemäß ausgesagt, daß ihm davon nichts bekannt sei. Er habe aber bei dieser Gelegenheit von dem Vorfizenden die Erlaubnis erbeten und erhalten, auch über seine eigene angebliche homofeguelle Veranlagung zu sprechen. Auch diese Ausfage stand unter Eid, und wenn Fürst Eulenburg sie machte, so übernahm er die Verpflichtung der Gides formel, nichts zu verschweigen und nichts hinzuzufeßen. Das gleiche trifft für die Aussage des Fürsten Eulenburg im zweiten Moltke- Harden- Prozeß zu, daß er sich niemals homosexuell betätigt und niemals Schweinereien getrieben habe. Die heutige Verhandlung werde zeigen, daß Fürst Eulenburg doch nicht alles gesagt habe, und danach werde man beurteilen fönnen, was von der eidlichen Zeugenaussage des Fürsten Eulenburg überhaupt zu halten sei. Dem Antrage auf Bernehmung der geladenen Zeugen schließt sich auch der Privatläger Maximilian Harden selbst an. Die Aussagen der Zeugen würden Klarheit darüber schaffen, ob er sich in den wechselnden Phafen des Prozesses mit dem Grafen Moltke frivol oder rüdsichtsvoll, feig oder maßvoll benommen habe. Nur an diesem Plake, nur vor Gericht könne das Urteil darüber gefällt werden. Das Gericht beschließt, die angebotenen Beweise zuzulassen, beschließt aber weiter, Bors: Wiffen Sie denn genau, daß es Fürst Philipp Gulenburg war, mit dem Sie damals zusammen waren? 3euge: Er nannte sich Graf Philipp Eulenburg und wohnte Promenadenplatz 21. Stockwerk. Mitteilung des Polizeipräsidiums von München wohnte Graf Vors.: Nach einer inzwischen bei mir eingelaufenen Philipp Gulenburg damals allerdings Promenadenplatz 21, zweites Justizrat Bernstein: Wie haben Sie den Fürsten angesprochen? Zeuge: Wir haben zueinander Du gefagt. Justizrat Bernstein: Kennen Sie den Grafen Kuno 3euge: Fürst Eulenburg hat ihn mir einmal gezeigt; damals war Graf Moltke noch Rittmeister. Justizrat Bernstein: Haben Sie jemals die Unterschrift des Fürsten Eulenburg gelesen? Beuge: Jawohl, er unterschrieb sich auch Graf Philipp Eulenburg. Bors.: Wußten Sie, daß Graf Philipp Gulenburg berheiratet war? Moltke? Vors. Oberlandesgerichtsrat Meher rät nach dieser sensationellen Aufklärung den Abschluß eines Vergleiches an. Redakteur Staedele erklärt sich angesichts der Unhaltbarkeit seiner Behauptungen dazu bereit, doch wird von Justizrat Bernstein dem Abschluß eines Vergleiches widersprochen. Harden habe ein Recht darauf, daß ein Gerichtsspruch ihm seine pollkommene journalistische und moralische Intaktheit bestätige. Beide Parteien verzichten angesichts der neuen Sachlage auf jede weitere Beweisaufnahme. Justizrat Bernstein plädiert in furzer Rede für die Verurteilung des Privatbeklagten. Die lägerische Partei habe jedoch kein Interesse an einer Freiheitsstrafe, stelle vielmehr eine geringe Geldstrafe anheim, da der betlagte Redakteur offenbar loyal und gutgläubig gehandelt habe. Der Privatkläger Harden schließt sich in einer längeren Erklärung( die wir noch ausführlich nachtragen) diesem Antrage an. Beklagter Redakteur Siacdele bittet um seine Freis sprechung. Er habe ja nur geschrieben, daß in den unteren Volfsschichten die seltsame Mär gehe, Harden habe eine Million Mark von seinem Gegner dem Fürsten Eulenburg erhalten, damit er schweige und nichts weiter aufdecke. Daß diese Mär tatsächlich verbreitet gewesen sei, werde niemand bestreiten können, auch der nicht, der wie er ohne weiteres zugebe, glaube, daß daran feine Silbe wahr sein könne. Er bitte um seine Freisprechung follte er aber 3euge: Jawohl, ich sah ja bei ihm auch seine Kinder. verurteilt werden, so verlasse er diesen Gerichtssaal mit dem Be strafbar ist? Vorf: Wußten Sie nicht, daß das, was Sie getan haben, wußtsein, daß er auch so dem Rechte zum Sieg verholfen habe. mich informiert, ob ich mir jetzt noch eine Strafverfolgung zu gebens der Beleidigung nach§ 186 R.-St.-G.-B.( Behauptung 3euge: Bevor ich zum Justizrat Bernstein ging, hatte ich lautete: Der Beklagte Redakteur Staedele ist schuldig des Ver. ziehen könnte. Starnberger See. Nächster Zeuge ist der Fischermeister Jakob Ernst vom nicht erweislich wahrer Tatsachen) und wird zu einer Geldstrafe bombon 100 M. evtl. 10 Tagen Gefängnis und sämtlichen Kosten berlagten das Urteil einmal in der„ Neuen Freien Volkszeitung" zu von 100 m. evtl. 10 Tagen Gefängnis und sämtlichen Kosten verurteilt. Der Privatfläger erhält das Recht, auf Kosten des Beveröffentlichen. Begründend führte der Vorsitzende aus, daß der ulenburg in Händen habe, vollständig gelungen sei. Beweis, daß Harden Material gegen den Fürsten Se sei jeder Verdacht ausgeschlossen, daß er von irgend jemandent Geld angenommen und dann geschwiegen habe. Die" Freie Volkszeitung" habe sich durch die Wiedergabe des Gerüchtes einer schweren ber loyalen Saltung des Redakteurs auf eine geringere Strafe Beleidigung schuldig gemacht. Angesichts der gänzlichen Halt lefigkeit und der Schwere ihrer unwahren Behauptung habe trots nicht erkannt werden können. der loyalen Haltung des Redakteurs auf eine geringere Strafe 80er Jahren häufig auf dem Starnberger See spazieren gefahren Er bekundet, daß Graf Eulenburg in den ist. Unerlaubte oder anstößige Anerbietungen habe er ihm niemals gemacht. Auch habe er niemals davon gehört, daß etwas unerlaubtes oder Anstößiges vorgekommen oder auch nur gesprochen worden sei. Er habe den Fürsten nur zweimal auf seinem Gute Liebenberg besucht, die Reisekosten habe Graf Eulenburg bezahlt. Er sei aber nur zum Fischfang eingeladen gewefen, und es sei niemals zu irgend welchen Vertraulichkeiten gekommen. Die beiden nächsten Zeugen, ein Fischermeister und ein Baumeister aus fleinen Ortschaften am Starnberger See, find in worden, wissen aber nichts. Ungünstiges über seinen Lebenswandel den 80er Jahren dort mit dem Grafen Gulenburg befannt gezu berichten. Hierauf trat eine längere Pause ein. Nach der Pause wird in der Beweisaufnahme fortgefahren. 1885 mit dem Zeugen Riedel bei den Chevauglegers in Augsburg. Zeuge Blumenhändler Riedel- München diente von 1882 bis Riedel war ein guter Kamerad. Er fuhr öfter nach München und brachte dann immer Geld mit zurüd. Gine Lüge hat ihm niemand zugetraut, er war bei Vorgesetzten und Kameraden beliebt. Einmal hat der Zeuge dem Riedel auch Geld zur Reise nach München geliehen, Riedel gab es ihm dann sofort wieder und erzählte ihm, er habe in München einen Onkel, einen Baron, von dem er immer Geld erhalte. Das Urteil IX. Verbandstag des Zentralverbandes der Dachdecker. Mannheim, 18. April 1908. 21. April, die Delegierten des Dachdeckerverbandes zum 9. VerIm hiesigen Gewerkschaftshause traten am Dienstag, den bandstag zusammen. Organisation einen gewaltigen Schritt vorwärts gemacht und sich Seit der letzten Tagung in Braunschweig( 1905) hat die sowohl in bezug auf die Mitgliederzahl, als auch der Finanzen in vorzüglicher Weise entwickelt. Nach dem seitens der Zentralleitung an den Verbandstag erstatteten Bericht, hat sich die Mitgliederzahl, trotz der ungünstigen Geschäftslage im Beruf, um etwa 1500 erUeber die Glaubwürdigkeit der Aussagen des Zeugen Riedel höht und umfaßt gegenwärtig in 194 Bahlstellen 6684 Mitglieder, gegen den Fürsten Gulenburg wird dann Polizeikommissar gegen 5180 im Jahre 1905. Besonders beachtenswert ist aber der Seyffert vernommen. Er schildert den Riedel als einen rach- gewaltige Unterschied in den Kassenverhältnissen gegensüchtigen, streitfüchtigen und eigensinnigen Menschen, der häufig über den Vorjahren. Während in dem Zeitraum von 1903-1905 grundlose Anzeigen erstattete. Er hält Riedel für einen Denun- die Gesamteinnahmen nur 73 685,83 M. betrugen, vereinnahmte zianten und traut ihm eine bewußt unwahre eidliche Aussage die Organisation in den letzten zwei Jahren 247 495,56 M. Das wohl zu. ist eine Mehreinnahme von 171 110,00 M. oder Justizrat Bernstein: Kennen Sie denn den Riedel persönlich von etwa 220 Proz. Dieser Fortschritt wurde erzielt auf fchon seit längerer Zeil? 3euge: Nein, mein Urteil stützt sich Grund der auf dem legten Verbandstage eingeführten Klassennur auf seine Strafakten und auf das, was ich von seinen Nach- beiträge. Wie notwendig diese Reform war, ergibt sich aus einer barn gehört habe. Justizrat Bernstein fragt dann den Vor- Gegenüberstellung der Leistungen für Lohnbewegungen und Streiks. gedächte. fibenden, in welchem Umfange er die Beweisaufnahme vorzunehmen Die beiden letzten Jahre waren für die Dachdecker Kampfesjahre Vorf.: Ich glaube, es kann für unseren Prozeß ge- in des Wortes bestem Sinne. Die Ausgaben für wirtschaftliche feinerzeit in Berlin abgelehnt worden ist. Justizrat Bernstein gegen die Jahre 1903-1905 nügen, wenn wir diejenigen Zeugen vernehmen, deren Ladung Kämpfe betrugen 128 413,77 M., oder pro Kopf 21 M. Das ist bittet dann noch einmal, den Zeugen Ernst vorzurufen, dessen Aus- 500 Proz. Der Hauptanteil dieser gewaltigen Summe wurde für - eine Steigerung von 100 796,85 M., also von fast Zeuge Milchhändler Georg Riedel- München soll über fage am Vormittag ihm einen wenig glaubwürdiger Gindrud ge- die Berliner Aussperrung gebraucht. Erfreulicherweise stellt der seinen Berkehr mit dem Fürsten Gulenburg aussagen. Vor feiner gerade ihn zum Reisebegleiter genommen habe, da seine Leistungen Erfolg beendigt wurden. Für 2165 Kollegen wurden die Löhne im Er fragt ihn eindringlich, wieso Fürst Eulenburg Bericht fest, daß die Lohnbewegungen und Streits regelmäßig mit Bernehmung erklärt Justizrat Bernstein, daß er die Ladung als Kammerdiener doch offenbar nicht ausreichten.- 3euge weiß Durchschnitt um etwa 2,30 M. pro Woche erhöht und in anderen dieses Zeugen schon in den Berliner Prozessen beantragt habe, daß dafür keinen Grund anzugeben. fie aber damals vom Gericht abgelehnt worden sei. Der Zeuge Sie von dem Fürsten nicht unverhältnismäßig große Summen abgewehrt. Gänzlich erfolglos war nur ein Streik in FrankJustizrat Bernstein: Haben Fällen bei etwa 800 Kollegen eine Verschlechterung der Tarife habe ihm Vorfälle, über die er heute aussagen solle, schon früher erhalten, unter anderem in seinem Bureau erzählt. Damals habe der Zeuge Riedel ihm erzählt, Fürst Eulenburg habe ihn 1882 dazu verleitet und dafür bezahlt, mit ihm Onanie zu treiben, und Fürst Eulenburg habe ihn weiter dafür bezahlt, daßerin der Wohnung des Fürsten mit einem anderen Päderastie triebe. die Deffentlichkeit auszuschließen, Ein da eine Gefährdung der Sittlichkeit zu befürchten sei. Justizrat Bernstein bittet, die Vertreter der Presse zuzulassen. Schweigegebot für die Prozeßbeteiligten sei ja sowieso nicht zulässig. Das Gericht gibt auch diesem Antrage statt. Es wird nunmehr in die Zeugenbernehmung eingetreten. macht habe. in München. Auf Vorhalten des Vorsitzenden muß er zugeben, daß getreten sind. murden wo nur 27 616,56 m. verbraucht furt a. D. Besonders hat sich in der Berichtszeit das Unter12 000 M. Sypotheken nehmertum in diesem Beruf organisiert, das jetzt in seiner großen zum Ankauf einer Villa? von seiner Mutter. Zeuge Ernst: Von ihm nicht, aber Mehrzahl den Unternehmerverbänden im Baugewerbe angeschlossen Vorf.: Wie tamen Sie denn dazu, sich an und mit diesem durch dick und dünn geht. Auf Rechnung dieser die Mutter des Fürsten Eulenburg zu wenden? Der 46jährige Zeuge Riedel ist der Sohn eines Fischereis habs halt versucht. Entwickelung ist die verhältnismäßig große Zahl von Aussperrungen Zeuge: Ich Bors: Sie wollen also dabei bleiben, daß zurückzuführen. In Brieg, Köln a. Mh., Lüneburg, Wilhelms. ökonomen am Starnberger See und seit neun Jahren Milchhändler Sie mit dem Fürsten Eulenburg in keinerlei nähere Beziehungen haben, Dresden, Ludwigshafen und Rostock erprobten die Unterer sehr oft vorbestraft ist. Beuge Riedel: Ich bin eben ein geringste vorgekommen. 3euge: Jawohl, es ist zwischen uns nicht das nehmer dieses neue Kampfmittel, wobei sie auf der ganzen Linie Bors. Aber bedenken Sie doch, daß eine jämmerliche Niederlage erlitten. Gegenwärtig tobt noch ein Diklopf; aber ich habe mich nie an fremdes Eigentum bergriffen wir Ihnen das so unmöglich glauben können. Der Fürst nimmt solcher Kampf in Celle, wo die Dachdecker bereits seit 32 Wochen und nie jemanden betrügerisch geschädigt. Vorf.: Aber es ist Sie, einen Fischer, plößlich als Kammerdiener an, nimmt Sie auf ausgesperrt sind. Auch haben sich die Unternehmer im Dachdeckerdoch richtig, daß Sie einmal wegen verleumderischer Beleidigung Reisen mit, läßt Sie nach Liebenberg in der Uckermark kommen, gewerbe für alle zukünftigen Kämpfe die Hülfe der Scharfmacher eines Oberamtsrichters vorbestraft sind. Zeuge Jawohl. Bors.: Haben Sie jemals schwere Strankheiten durchgemacht? gibt Ihnen 12 000 m. Hypotheken, da muß doch irgend was dahinter im Baugewerbe gesichert, wie ihr Verhalten bei den augenblicklichen stecken. Wollen Sie nicht Ihr Gewissen erleichtern und uns die Lohnbewegungen in Rheinland- Westfalen und Bayern beweist. Beuge: Nein. Wors: Dann erzählen Sie einmal, was Sie volle Wahrheit sagen? Denten Sie an die schweren irdischen und auch von ihrer Seite aus ist an die Dachdeckermeister im ganzen vom Fürsten Eulenburg wissen. Zeuge Riedel: Ich war als 19jähriger Bursche Fischerknecht Ihre Eidespflicht verlegten. himmlischen Strafen, die über Sie kommen würden, wenn Sie hier Reich die Parole ausgegeben worden, daß alle im Jahre 1908 zu vereinbarenden Tarifverträge bis zum 31. März 1910 oder bis zum beim Fischmeister Steininger am Starnberger See. Am 14. Sep- nichts Unanständiges vorgekommen. Zeuge Ernst( zögernd): Nein, es ist 31. März 1908 und in weiterer Folge bis zum 31. März 1910 abVors. Zeuge Ernst, schon tember 1882 mußte ich einen vornehmen Herrn über den See fahren. die unsichere Art, mit der Sie jetzt Ihre Aussage machen, zeigt, daß zuschließen sind, ferner daß alle im Jahre 1908 zu vereinbarenden Der noble Herr fing an, sich mit mir zu unterhalten und erkundigte Sie irgend etwas verschweigen. Sagen Sie doch die Wahrheit frei Tarifverträge nur unter Vorbehalt der Genehmigung durch die fich eingehend nach meinen Verhältnissen. Er sei, so sagte er mir, heraus. der Fürst Eulenburg und sei Zeuge Ernst denkt einen Augenblid nach und bricht Bundesleitung abgeschlossen werden dürfen; cine Verkürzung der dann plößlich in die Worte aus: Graf Eulenburg hat mit mir Arbeitszeit, sofern diese nicht über zehn Stunden beträgt, nur nach boraufgegangenem verlorenen Streit und mit Genehmigung des Lumpereien Bundesvorstandes eintreten soll; und schließlich daß der 1. Mai in feinem Vertrage als Feiertag zugestanden werden darf. Man ersieht daraus, daß die kleinen Scharfmacher im Dachdedergewerbe ihrem großen Bruder genau abgesehen haben, wie er sich räuspert und wie er spuckt. Offizier im Leibrüraffierregiment zu Breslau. Später sagte er mir, er sei jetzt Begationsrat bei der gemacht.( Große langanhaltende Bewegung.) Auf eindringliches preußischen Gesandtschaft in München und erzählte weiter, daß Befragen des Borsitzenden, der dem Zeugen immer wieder seine er schon in Afrika gewesen sei, wo die Schwarzen nadt herumliefen, Eidespflicht vorhält, erzählt dann der Zeuge Ernst: der Graf hat was schön anzuschauen sei.( Heiterkeit.) Tann fragte er mich, mit mir angefangen, von geschlechtlichen Dingen zu reden und hat ob ich schon einmal onaniert hätte, was ich verneinen mußte. Später mich gefragt, ob ich die Selbstbefriedigung kenne. Dann hat er tam Fürst Gulenburg wieder zu mir und ließ sich von mir auf mir solange zugesetzt, bis wir sie jeder an sich vorgenommen haben. bem Starnberger See herumfahren. Er veranlaßte mich, in die Das hat 1883 begonnen und ist in Gugenau am Starenberger See Binsen in der Nähe des Ufers zu fahren, wir sogen uns aus und und auf den Reisen, aber niemals in Liebenberg, fortgesetzt worden, Diese Verhältnisse im Unternehmerlager veranlaßten den Zentralverband seinerseits, ebenfalls der Agitation mehr Aufmerks famkeit zu schenken. Der erste Schritt wurde in Berlin gemacht, wo durch die Anstellung eines Gaubeamten der Agitation neue weiterer Gauleiter zu rechnen ist. Besonders start tritt diese NotWege eröffnet fourden. Kurze Zeit darauf sah fich der Zentralaf wurde aufgenommen. Eine neue Epoche begann mit der Gründung Mehrere Mitglieder betonten übereinstimmend, wie schmerzlich vorstand genötigt, auch auf der anderen Seite Deutschlands, in elektrischer Zentralen in den verschiedenen Kulturstaaten, und sie es als Mütter empfänden, auch ihren Kindern so gar keine Rheinland und Westfalen, je einen Gaubeamten einzusetzen, die Fusionen mit anderen Unternehmen gaben der Gesellschaft eine neue Künstlerische Anregung bieten zu können. Frau Mittag hob dies beide sehr gute Resultate erzielten, so daß mit der Anstellung breitere Basis. Zu den Abschlüssen von Interessengemeinschaften ebenfalls hervor und meinte, es wäre eigentlich eine dringende Pflicht unseres Arbeiterinnenvereins, auch für die Erziehung der wendigkeit in Sachsen und Thüringen sowie in Braunschweig und traten Neugründungen, die einmal den Zweck hatten, die Verwaltung Jugend etwas zu schaffen. Hannover hervor. Die Tätigkeit der Gaubeamten wirkte bei Bohn- zu vereinfachen, nicht zuletzt aber auch, neue Absatzquellen zu er Von anderer Seite wurde diese Anregung aufgegriffen und der bewegungen und Aussperrungen vorzüglich. Besonders haben sich schließen und die Finanzierungspläne durchzuführen. Heute hat die Antrag gestellt, der Vorstand möge schon in nächster Zeit eine Verdadurch die inneren Verhältnisse in den Filialen sehr gehoben. Gesellschaft ein Aktienkapital von 100 Min. Mart, während das ge- anstaltung für die weibliche Jugend treffen. Die Borsigende ließ Mit Bolzei und Gerichten hatten die Verbands- famte werbende Kapital sich auf 184 Mill. Mart beläuft. In 700 über den Antrag abstimmen, der einstimmig von der Bersammlung funktionäre besonders in Berlin, Köln, Karlsruhe, Remscheid und in- und außerdeutschen Städten unterhält die Gesellschaft elektrische angenommen wurde. Potsdam zu tun. In 16 Fällen lagen Streitbergehen vor, und Die nächste Vereinsversammlung findet am 27. April im Neuen wurden Strafen von 14 Tagen bis 4 Monaten Gefängnis verhängt. Zentralen. Die Verkaufsorganisation umschließt 45 Bureaus in Bon anderer als dieser behördlichen Wachsamkeit weiß der Be Deutschland, 85 Bureaus und selbständige Unternehmen sowie 40 Ber- lubhaus, Kommandantenstr. 72, statt. Auf der Tagesordnung steht: Fortsetzung des Vortragszyklus: 8ur Entwickelung der richt nichts zu melden. So haben vor allen Dingen die Behörden tretungen im Auslande. Frau". bei dem Bauarbeiterschub regelmäßig bersagt und wird in Bersammlungen Veranstaltungen. dem Bericht ganz ausdrücklich festgestellt, daß in den letzten zwei fich das Bruttoerträgnis auf 8 452 904 M., gleich 17,61 Proz. des Oberschlesische Eisenbahnbedarfs- A.- G. Für das letzte Jahr stellt Jahren hierin fast nirgends eine Besserung eintrat. Die" Dach 48 Millionen Mark betragenden Aktentapitals, gegen 7 396 664 M., Charlottenburg. Mittwoch, den 22. April, 8 Uhr, im Volkshaus, decker- Zeitung" berichtet in jeder Nummer über Unglücksfälle. Allein 1907 find 152 solcher registriert, wobei zu beachten ist, daß gleich 10,45 Proz. des Kapitals von 45 Millionen im Vorjahre. Da Rosinenstr. 3: Vortrag. Frau Johanna Meyer- Charlottenburg. diese Zahl nur ein Teil der wirklichen Unfälle ist. Etwa 80 bis für das letzte Jahr die Abschreibungen über 1 Million Mark höher Treptow- Baumschulenweg. Mittwoch, den 22. April, 8 Uhr, bei 100 Kollegen haben bei diesen mangelhaften Zuständen auf Bauten angesezt sind als für 1906, nämlich auf 4023 765 M., ist der legtChrist, Marienthaler Straße, Ede Ernststraße: Bortrag. Herr ihren Tod gefunden oder sind zum Teil für immer arbeitsunfähig jährige Reingewinn um 589 856 M. geringer. Die Aktionäre er- Unger:" Der neue Heiland". geworden. Auch die Dachdecker warten noch immer vergebens auf halten 6 Proz. Dividenden. Die Tantiemen absorbieren 264 998 M. cine reichsgesehliche Regelung des Bauarbeiterschutzes. Besonders lebhaft wurde in den letzten beiden Jahren die Verschmelzung mit dem Maurerverbande diskutiert und in einer Ende Februar vorgenommenen Urabstimmung gegen eine überaus starte Minorität vorläufig abgelehnt. Doch dürfte diese Frage auch in der nächsten Zeit nicht ganz von der Tagesordnung verschwinden. Da der Zusammenschluß der Unternehmer im Baugewerbe bei einem Lohutampfe faft regelmäßig auch die Dachdecker in Mitleidenschaft zieht, so wird früher oder später die Verschmelzung, kommen müssen. Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen in Berlin. Nach dem Geschäftsbericht stellt sich der Betriebsgewinn aus dem legten Jahre auf 2 695 455 M. oder 305 165 M. mehr als das Vorjahr erbracht hat. Als Reingewinn werden 1739 517 M. ausgewiefen, gegen 1716 286 M. im Vorjahre. Briefkaften der Redaktion. Die juviftifche Ebrechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, gweiter Sof, Dritter Eingang, bier Treppen, wochentäglich abende von 7%, bis 9% 11hr statt. Geöffnet 7 1hr Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Aufrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Gilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Im Zeichen der Krise. Die Continental Caoutchouc und Guttapercha Compagnie, die bei einem Aktienkapital von 6 Millionen über 8 474 000 m. an Reserven und Rückstellungen Bronze 4. Unbekannt. 2. W. 30. Sie müssen Alimente zahlen. verfügt, erzielte für 1907 einen Reingewinn von 3 957 972 M., M. S. 3a. Sönnen wir nicht empfehlen. W. H. 100. In diesem Das Unterstützungswesen ist noch schwach ausgebaut. wovon die Aktionäre wie in den beiden Vorjahren 40 Prozent Falle wird feine Rente gezahlt. 2. 34. Es ist nur Kündigung laut Zurzeit zahlt der Verband nur Sterbe-, Reise-, Rechtsschuß- und Dividende erhalten. Sontralt zuläffig. M. M. 65. Neint. Sehen Sie aber die Wählerliste Umzugsunterstüßung. Den Verbandstage in Mannheim liegen Einen weniger hohen, aber noch immer anständigen Entbehrungs- ein und erheben Sie eventuell Brotest. B. 100. Eine morganatische etwa 30 Anträge auf Einführung der Kranken- und 10 Anträge auf Lohn erhalten die Aftionäre der Hannoverschen Gummihe ist eine Ehe zur linken Hand", bie Che eines Fürsten oder einer Einführung der Arbeitslosen- Unterstützung vor. Der Zentral- Ramm- Comp. Bei einem Aktienkapital von 1%, Millionen Mart Standesperson mit einer„ nicht ebenbürtigen" Frau, die durch die Ehe auch S. 101. Professor Birchow. vorstand hat sich für Einführung einer Krankenunterstüßung ent- und bei Extraabschreibungen in Höhe von 178 000 m. erzielte die nicht zum Range des Mannes erhoben wird. Safe 31. 1. Ja. Ueber 1500 Mart. 2. Augur" hieß die Ausstellung, schieben. Die Debatten darüber dürften ziemlich heftig werden. Gesellschaft, die gleich ihrer vorhin erwähnten Schwestergesellschaft umfassend Geschäftsbedarf und Reklame. H. Hg. 1. Der Reichskanzler Giwa 40 Zahlstellen haben Anträge auf Erhöhung der Beiträge nur mäßige Löhne zahlt, einen Reingewinn von 603 395 M. Die erhält 100 000 Mart Gehalt. 2. Nein. Die Steuerfage find sehr verschieden. eingebracht der Grundbeitrag beträgt jetzt 30, der höchste 50 f. Dividende ist auf 21 Prozent feſtgefent. 3. und 4. Der Kaiser und die Prinzen zahlen teine Steuern. 5. Ja. Borgeschlagen find 35-80 f. Die Zentralheizungswerte attiengesellschaft.. 31, G. 2. 27 und 1464 Jlse. Wenden Sie sich an die ZentralMüller 115. Benden Das Verbandsorgan erscheint jetzt noch alle 14 Tage. Hierzu Sannover- hainholz zahlen 14 Prozent, die Woll- tommission der Strankenkassen, Engel- Ufer 15. find 21 Anträge gestellt, die ein wöchentliches Erscheinen wünschen. wäscherei und Kämmerei in Döhren bei Hannover Sie sich an die Universitäts- Politlinit für Hautfrankheiten, Luisenstr. 2, Der Stimmung nach zu urteilen, dürfte ein wöchentliches Er- 12 Prozent, die Mechanische weberei zu inden 11 Bro-. 82. 1. Ihre Frau muß reflamieren. 2. 1. Januar bis 31. Dezember. geöffnet von 10%-12 Uhr, außer Sonntags. Rigdorf 25. Ja. scheinen in Mannheim die Majorität finden. Auch über die Anzent, das Eisenwert würfel und die Hannoversche 3. Ja. G. S. 25. 1. Ein spezielles Stenographiesystem empfehlen wir stellung eines eigenen Redakteurs wird der Verbandstag zu sprechen 28 aggonfabrik A- G. Ridlingen bei Hannover je nicht. 2. Richtig ist: für den. 5. 2000. Wegen Beantwortung der haben, da diesbezügliche Anregungen bereits wiederholt gemacht 10 Prozent. Fragen wenden Sie sich an: v. Reichenau, Legationsrat, außerordentlicher Als Aktionär läßt es sich, wie Figura zeigt, auch während der Gesandter in Rio de Janeiro, Brasilien. 2. B. 17. Der Antrag lann Krise noch einigermaßen leben. jederzeit gestellt werden. R. D. 58. Steht im Belieben der Militärbehörde. R. 5. 30. Ja. M. R. 34. Wenden Sie fich ant den Verein für die Intereffen der Hausangestellten, zu Händen des Fräulein Ida Baar, Wilmersdorf, Staiferplatz 17. Arnold, München. Nicht bekannt. Grulich, Waldemarstraße. Ist vom Kaiser angetauft worden. Deutsch. Ift beides richtig. N. G. Jumet. Wenden Sie sich an das argentinische Konsulat in Brüffel. G. G. 1. Die Anstalt nimmt von der Stadt Berlin überwiesene lifte ein und erheben Sie eventuell Protest gegen Ihre Nichtaufnahme. Arme auf. B. S. 774. Sie find Preuße. Sehen Sie die Wäbler. 68 153. wurden. Die internationalen Beziehungen find nicht besonders groß. Sie bestehen nur mit der Schweiz, Defterreich und Lugemburg. In anderen Ländern scheint die Dachdeckerbewegung noch wenig Gingang gefunden zu haben. Die Unterrichtsturse der Generalfommission fonnten bisher noch nicht so berücksichtigt werden, wie es der Verbandsvorstand gern gewünscht; nur ein Kollege nahm an denselben teil. Dem Bericht selbst ist als Anhang noch eine allgemeine Statistik über Erwerbslosigkeit beigefügt, die 165 Bahlstellen um faßt und einen Einblick in eine Welt voll Summer, Not und Sorge gestattet und welche der Organisation neue Wege für die Aufgaben der nächsten Jahre zuweist. Alles in allem haben die Dachdecker Ursache, mit den Erfolgen der letzten zwei Jahre zufrieden zu sein, und der Verbandstag in Mannheim wird Mittel und Wege finden, den nächsten Jahren noch beffere Waffen zu liefern. Hus Induftrie und Handel. Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft. Aus der Frauenbewegung. Im Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse hielt am führungen Herr Dr. Kaesbach einen Vortrag über das Thema:„ Wie Montag, den 13. April, im Anschluß an vorangegangene Museums betrachtet man Kunstwerte?" führungen ein, ohne eine Demonstration an den Bildwerken ſelbſt über Stunst und Kunstbetrachtung zu sprechen. Und es fei noch weit schwerer für ihn, dessen tiefsten Lebensinhalt die Kunst darstelle, feine Gedanken darüber in einem Kreise von Arbeitern und Arbeiterinnen mitzuteilen, in deren Dasein sie leider eine nur sehr geringe Rolle ſpiele. Zunächst müsse man fragen: Was ift überhaupt ein Kunstwerk? Darauf gäbe es vielleicht mur die Antwort: Ein Kunstwerk ift der Formen, Linien Es sei unendlich schwer, so etwa leitete der Redner seine Ausin -O -Mein.- A. B. N. Hat Anspruch auf Gewinnanteil. Sozialdemokratischer Leses und Diskutierklub Heinrich Heine". heute abend 8 Uhr bei Bolze, Rodenbergstr. 8. Lese- und Diskutierklub" Eintracht". Heute abend 8, Uhr bei Beek, Goßlerstr. 10/11. Lese- und Diskutierklub" Südost". Heute abend 8%, Uhr bei Tollsdorf, Görliger Straße 58. Witterungsübersicht vom 21. April 1908, morgens 8 Uhr. Berlin 753 23 757 NW Better Stationen Better 2 bedeat 2 Schnee Zemp. n. 6. 6 beiter 5 Schnee 2 heiter 2 heiter 2 Haparanda 744 G 3 Scilly 0 Petersburg 750 WSW 2 Aberdeen 762 NÆ 756 N 4 bedeďt 7 3 bededt -1 Baris 5 761 WSW 1 halb bd. Sozialdemokratischer Agitationsverein für den Reichstags: Wahlkreis Kalau- Luckau.( Siz Berlin.) Sonntag, den 26. d. M., findet im Kreise Flugblattverbreitung zur bevorstehenden Landtagswahl statt. Die oder Farben ausgedrückte Empfindungs- betreffenden Genossen und solche, die noch helfen wollen, werden ersucht, fich inhalt eines Künstlers. Der Empfindungsinhalt denn morgen( Donnerstag), abends 8%, Uhr, bei Weihnacht, Grünstraße 21, cin In diesen Tagen feiert die A. E. G. das Fest ihres 25jährigen Kunstwerts an, vielmehr einzig darauf, ob ein schöpferisches Tem nicht auf den behandelten Stoff tomme es bei der Bewertung des zufinden. Jubiläums. Eine prächtig ausgestattete Festschrift, die die Firma perament, eine originale Menschenpersönlichkeit sich darin offenbare. herausgegeben hat, schildert in Wort und Bild die Entwickelung des In welchem Stoff sich diese Künstlerpersönlichkeit verkörpert, das Unternehmens. Und dieses Werden reflektiert das Emporwachsen der wandelt sich fortdauernd mit den Anschauungsformen der Großindustrie in Deutschland überhaupt. Von den Bedürfniffen der Zeiten, wie es abhängig sei von der besonderen Eigenart des großgewerblichen Unternehmen, des öffentlichen Verkehrs usw. an- Künstlers. Nur müsse man fich bon dem Glauben I08- Stationen geregt, wurde die Elektrizitätsindustrie ein Befruchter auf allen Ge- reißen, als tönne der große Gegenstand dem Kunstwerk felbft bieten industriellen Lebens; sie selbst wuchs sich zu einem starten alter Madonnen- oder Heiligenbilder zusammen, so sprechen trotz schon Größe oder Bedeutung geben. Stellt man eine beliebige Zahl Zweig gewerblicher Betätigung aus, fchuf eine ganze Reihe neuer des äußerlich erhabenen malerischen Vorwurfs nur wenige zu Swinembe 750 Unternehmen und hob bestehende auf eine höhere Stufe der Pro- unserer Seele, diejenigen nur, die einem wahrhaften und innigen Bamburg 743 9535 duktionsform. Die Festschrift gibt auch einen Anschauungsunterricht Gefühl entströmten. Unsere Zeit hat andere Ideale, andere Franfj.a M757 über eine in sozialer und politischer Beziehung bedeutsame Ver- Empfindungen als das Mittelalter; sie sucht deshalb andere Stoffe. Münden 4 bedeckt änderung: der Fabriksaal hat das von Mudern und Spießern Der moderne Künstler hat die Natur in einem ganz neuen Sinne Bien 754 N 1 bedeckt immer noch ins Haus verwiesene Weib aufgenommen. Zu Hunderten fehen gelernt. Claude Monet z. B., einer der Bahnbrecher Wetterprognose für Mittwoch, den 22. April 1908. fieht man da die Proletarierinnen in den großen Arbeitssälen an den moderner Malerei, verförperte seine Bildnerträume in den Beitweise heiter, nachts etwas wärmer, am Tage wieder fühler und sehr in Reih' und Glied( wie Soldaten auf dem Kafernenhof) aufgestellten Heuschober draußen im Sonnenlicht und seine schöpferische nordwestlichen Winden. allereinfachsten, scheinbar nüchternsten Stoffen. Er sieht einen unbeständig mit Regen, Schnee- oder Graupelschauern und ziemlich starten Arbeitstischen und Maschinen beschäftigt. Die flinken Finger Bhantasie erschaut in diesem alltäglichsten aller Dinge Wunder von Berliner Wetterbureau. hantieren nicht mit Kochlöffel und Stricknadel, nicht pflegen Farbenspielen, Glanz und Licht, die vor ihm noch fein Auge sah. fie den jungen Nachwuchs, dem unersättlichen eisernen Er malt den Heuschober wieder und wieder, immer in anderer Be Thrannen ist ihre Aufmerksamkeit gewidmet, die Stetshungrigen zu leuchtung, anderer Ferbenstimmung und wieder und wieder ersteht befriedigen ist ihre Aufgabe; sie schaffen kapitalistischen Mehrwert. bor unseren Blicken ein neues, schöpferisches Wunderwerk. Das Weib ist in gewerblicher Beziehung dem Manne gleich ge- dem Stünstler lebt etwas von ber göttlichen Kraft, die die Welt worden nun schreit es aber auch nach politischer, staatsbürger- modernen Maler lehrten uns, die Natur aus sich heraus erschafft. Monet und die anderen großen licher Gleichberechtigung. Und die wirtschaftliche Entwickelung ist wir sie früher nie gesehen hatten. zu fehen, wie Sie schufen wirklich sein Bundesgenosse. Die Technit ist der größte Revolutionär und für uns neue Töne und Formen. Deshalb sollen wir aus der Gefie wird als solcher weiter wirksam bleiben. besonders auch durch schichte der Malerei vor allem eines lernen, und das sei auch die die Elektrizitätsindustrie. Diese hat mit fühnem Schwunge die Grundbedingung jeder echten Kunstbetrachtung: Ehrfurcht vor dem nationalen Grenzen übersprungen. Die A. E. G. ist eine inter- Künstler und seinem Wert. Wir müssen dem Künstler gegenüberberteilt. Leihhaus Gelegenheitskäufe verfall. Goldund Silbersachen, Brillanten etc. Seit 25 Jahren Prinzenstr.28 Ecke Ritterstr. Wir verkaufen jekt noch billigst R 4 Mark an in Petershagen, Ostbahn, OR 8 Mark an Seegefeld, am Bahnhof, an OR 10 Mark Hohen Neuendorf, Nordbahn, # OR 10 Mark an Kantsdorf, am Bahnhof, OR 10 Mark Bahnhof Sadowa, Biesdorf Kaulsdorf Süd, * nationale Firma; ihre Intereſſenſphäre, ihre Berbindungen, ihre treten nicht, wie es leider so oft geschieht, mit der Stritit bes BefferIntereffengemeinschaften, ihre selbständigen Unternehmen find ge- wissenden, sondern wie dem Lehrer und Meister, von dem wir wissermaßen ein Rez, das die ganze Welt umfpannt. Und sie war empfangen möchten, und wir müssen in Andacht warten, ob das nicht bloß produzierend tätig; sie gründete neue Unternehmen, um feine Vorschrift und kein Muß der Kunst gegenüber, die sich stets Stunstwert uns fein inneres Leben nicht erschließen werde. Es gibt das Feld des Abfazes au erweitern und ein erheblicher Teil des entwidelt, stets neue Wege sucht und sie suchen wird, so lange der den Aktionären aufließenden Gewinnes ist den Finanzierungs- Menschengeist weiter schreitet. geschäften der Gesellschaft entsprungen. Sie ist auch über die Gr hoffe, so schloß der Redner seine warm empfundenen Worte, Strifenklippen gut hinweg gelommen. Seit 1887 hat fie nicht unter daß die Museumsführung, die ja der Ausgangspunkt dieses Vor7 Prozent Dividende verteilt. In den letzten 10 Jahren wurden trages war, der Versammlung recht reiche Anregung zu eigenen zweimal 8, je einmal 9, 10, 11 und 12, und dreimal 15 Prozent Aeußerungen in der Diskussion gegeben habe, wie es denn für ihn besonders interessant sein würde, gerade von den Arbeiterinnen selbst Ueber den Werdegang des Unternehmens macht die Festschrift etwas über ihre Anschauungen und fünstlerischen Eindrücke zu hören. unter anderem folgende Angaben: Die Internationale Elektrizitäts- hafte Debatte. Von mehreren Seiten wurde darauf hingewiesen, Es entspann sich denn auch nach dem Vortrage eine recht lebausstellung in Paris im Jahre 1881 regte Emil Nathenau zu dem daß im Proletariat ein tiefes Intereffe für die Kunst bestehe; aber Gedanken an, die finanzielle Ausbeutung des Edisonschen Systems leider habe die Arbeiterschaft unendliche Schwierigkeiten zu über elektrischer Glühbirnen zu betreiben. Der Gebante reifte zur Tat. winden, um zum Kunstgenuß zu gelangen. Nicht nur sei sie überall Im Jahre 1883 wurde von ihm in Berlin die Edison Gesellschaft in ihrer Kunstfreude durch den Mangel an Zeit und an Mitteln gegegründet. Das Aktienkapital betrug zunächst 5 Millionen Mart, hemmt, sondern es fehle auch jede künstlerische Erziehung, jede AusZweck der Gesellschaft war Fabrikation und Verwertung elektrischer bildung des Schönheitsfinnes in der Schule wie im Hause. Glühbirnen wie überhaupt die Ausnutzung Edisonscher Batente. nach selbst bei den beschränkten Mitteln der Arbeiterschaft der leb Fräulein Ruffel machte darauf aufmerksam, daß ihrer Meinung Nieschalke& Nitsche Aber schon bald zog die Gesellschaft den Kreis ihrer Tätigkeit weiter. hafte Wunsch nach schöner Umgebung manches im Proletarierheim Bereits im Jahre 1884 schloß fie mit der Stadt Berlin einen fünstlerischer gestalten ließe; gerade in letzter Zeit bemühe man sich, 30 Jahre dauernden Vertrag, der die Gesellschaft ermächtigte, die auch für Arbeiterwohnungen einfache, in schönen Linien gehaltene Straßen der Stadt zur Bergung von Elektrizitätsleitungen zweds Einrichtungen herzustellen. Hiergegen wandte sich der Referent mit Abgabe von Kraft an private, kommunale und staatliche Konsumenten dem Bedenken, ob bei dem unendlich beschränkten Raum und der zu benutzen. Und immer weiter wurden die Grenzen elenden Ausstattung unserer Mietstafernen wirklich etwas Harder Tätigkeit gesteckt. Im Jahre 1887 erfolgte die Erhöhung monisches zu schaffen wäre. des Aktienkapitals auf 12 Millionen Mark und der Name der denen er auf das Erblühen und Vergehen großer fünstlerischer Frau Wurm fnüpfte an die Ausführungen des Rebners, in Gesellschaft wurde in Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft geändert. Epochen in den verschiedenen Ländern hingewiesen hatte, die BeDer Bau elektrischer Bahnen und anderer elektrischer industrieller merkung, daß die wirtschaftlichen Zustände der Völker die GrundUnternehmen, die Fabritation von Dynamos und Elettromotoren ursache ihrer fünstlerischen Broduktion seien. OR 30 Mark an Biesdorf, Stadtbahn, a. Bahnhof. Berlaufsstell. a. d, Bahnhöfen. Berlin, Neue Königstr. 16. Am besten kaufen Sie Hygienische Bedarisartikel jeder Art vet 127382* 10 Jahre Garantie Mensch lies bles die Preise! 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Theater. Mittwoch, den 22. April Anfang 7 Uhr. Königl. Opernhaus. Cosi fan tutto. Königl. Schauspielhaus. Die Rabensteinerin. Berliner. Alt- Heidelberg. Anfang 8 Uhr. Beutiches. Die Räuber. Rammerspiele. Gyges und fein Ring. Lessing. Lebendige Stunden. Neues Schauspielhaus. Dumtopf. Neues. Die gute Bartie. • Der Stiller 0. Wallner Theater.) Kaiser und Galilaer. Schiller Charlottenburg. Der Weg zum Herzen. Kleines. 2X2= 5. Sebbel. Liebe. Friedrich Wilhelmstädt. Schau Die Brüder von spielhaus. St. Bernhard. Luftivielbaus. Frl. Freshbolzen. Der Brandstifter. Lorging. Undine. Komische Oper. Die Fledermaus. Westen. Ein Balzeitraum. Neues Operetten. Der Mann mit den drei Frauen. Residenz. Der Floh im Dhr. Luisen. Der Mann mit den bier Frauen. Thalia. Die Brunnennymphe. Trianon. Seine erste Frau. Die Hand. Theater an der Spree. Der Dnle! aus Kottbus. Bernhard Noje. Die Loreley. Metropol. Das muß man seh'n. Cipollo. Der fleine Chevalier. Spezialitäten. Gebr. Herrnfeld. Elfe aus der Bar. Es lebe das Nachtleben! Kasino. Ein Dorfroman. Wintergarten. Spezialitäten. Basage. Ota Gygi. Spezialitäten Parodie. Tannhäuser. Nachtafyl. Monna Banna. Gustav Behrens. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Walhalla. Svezialitäten. Folies Bergère. Spezialitäten. Llane d'Eve. Balast. Spezialitäten. Folies Caprice. Mal was anderes. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Nachm. 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Benedig. Abends 8 Uhr: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Katarakt. Sternwirte, Znvalidenstr. 57/62. Berliner Theater. Abends 7%, Uhr: Alt Heidelberg. Donnerstag 7, Uhr: Alt- Heidelberg. Anfang 8 Uhr. Neues Theater. Die gute Partie. Morgen und folgende Tage 8 Uhr: Die gute Partie. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- beater).| Mittwoch, abends 8 Uhr: Kaiser und Galiläer. Belthistorisches Schauspiel von Hemrit Zbsen. Deutsch von E. Brausewetter. Erfter Teil: Cäsars Abfall. Schauspiel in 5 Aften. Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Weg zum Herzen. Freitag, abends 8 Uhr: Hans Huckebein. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Theater abends 8 Uhr: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Katarakt. Schiller- Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Weg zum Herzen. Quftspiel in 4Aften v. Adolf L'Arronge. Donnerstag, abends8u5r: Der Widerspenstigen Zähmung. Freitag, abends 8 Uhr: Der Widerspenstigen Zähmung. Letzter Tag Zirkus Schumann Heute Mittwoch, abends 1,8 Uhr: Luisen- Theater. Dank- Abschiedsvorstellg. Reichenberger Straße 34. Abends 8 Uhr: Der Mann mit den vier Frauen. Donnerstag: Gebildete Menhen. Freitag zum erstenmal: Mutter Grbe. Sonnabend: Unsere Don Juans. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der wilde Reutlingen. Abends 8 Uhr: Der Mann mit den bier Frauen. Montag: Der wilde Reutlingen. Gala Brogramm unter persönlicher Mitwirkung des Direttor Alb. Schumann und feiner Elite- Gesellschaft. Die großen Attraktionen wie: Resisto, das elektrische Wunder Konsul Peter, der menschliche Chimpanse. Gediegenheit der Ausführung des Programms im bornehmsten Rahmen ist auch Theater an der Spree beute Barole. Stopenider Straße 68. Täglich 8 Uhr: Der Onkel aus Kottbus. Große Poffe mit Gesang und Tanz in 5 Bildern. Morgen: Der Ontel aus Stottbus. Metropol- Theater. Bum 214. Male: Das muß man seh'n. Revue in 12 Bildern m. Gef. und Tanz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Sonntag, 26. April, nachm. 3 Uhr: Die Herren von Maxim Passage- Theater. Abends 8 Uhr: Die Sensation Berlins! Ota Gugi der Mann mit den 3 Gelgen. Rita Tanca und das kolossale April- Programm! Palast- Theater Burgstr. 24. Bhf. Börse. Täglich 8 Uhr: Das Kleines Theater. erstklass. April- Programm. Abends 8 Uhr: 2 mal 25. Donnerstag: 2 mal 2= 5. Freitag: 2 mal 2= 5. • Sonnabend: 2 mal 2= 5. Theater des Westens. 8 Uhr: Ein Walzertraum. Sonntag nachm. 3, Uhr, halbe Breise: Die lustige Witwe. Neues Operetten- Theater Schiffbauerdamm 25, an der Luisenstr. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Mann mit den drei Frauen. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Die Brüder von St. Bernhard. Anfang 8 Uhr. Donnerstag: Die Brüder von St. Bernhard. Freitag: Der Privatdozent. Sonnabend: Kriemhilds Rache. Residenz- Theater. Direftion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Der Floh im Ohr. Schwant in brei Alten von( Seorges Feydeau. Deutsch von Wolff- Jacoby. Sonntag, den 26. April, 3 Uhr: Saben Sie nichts zu verzollen? Königgräger Hebbel- Theater, Gr. 57/58. 811hr Liebe. Uhr. Donnerstag: Frau Warrens Gewerbe. 8 Uhr. Lustspielhaus. Anfang 8 Uhr. Gaftspiel en ride Bries: Der Brandstifter. Bierauf: Fräulein Freschbolzen. DERNHARD ROSE THEATED Gr. Frankfurter Str. 132. Abends 8 Uhr: Die Loreley. Anfang 8 Uhr. Wochentagspreise. Morgen und folgende Tage: Die Loreley. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Trompeter von Sälfingen 1. a.: Agnes Krembser, Jongleur- Att. Bollstümliche Breise. 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Prostitution und Mädchenhandel.( Aljährlich werden 15 000 deutsche Töchter nach dem Auslande verlauft.) Die wahre Erziehung zur Ehe. darf man heiraten? Vererbung und Blutsverwandtschaft. Flitterwochen, Mutterschaft. Bersehen der Frauen. Wie man die Ehe glücklich gestaltet und wodurch fie oft unglüdlich wird. Eifersucht und Untreue. Kindersterblichkeit. Kinderlose und finderreiche Ehen. Die Entstehung der Geschlechter.. Die Furcht vor dem Kinde und die Freude Die falsche Scham der Eltern und die wahre Moral. Der Fluch der doppelten Moral. Das Erhalten der jungen Leute in Unwissenheit, fast die einzige Ursache ihres Verderbens und des Fehltritts. Die Geschlechtskrankheiten. Nur wahrhaft moralische und rein denkende Eltern tönnen ebensolche Stinder erziehen. Die heutige Brüderie und falsche Erziehung. Die Körperpflege. Kleidung, Diät und Berufsleben. Jungfrau und Gattin. Die am Ninde. Der Liebestraum und der Brautstand. Mutterschaft und das Kind. Die Sünden in und vor der Ehe und die daraus resultierenden Frauenleiden und Kindergebrechen. Was sagen die Aerzte zur Beschränkung der Kinderzahl? Wann ist sie gesetzlich erlaubt? II. TEIL. Die 30 Schönheiten des Weibes. Wie erhalten wir uns gesunde, glückliche and schöne Franen bis ins hohe Alter? Wie verhüten wir das Verblühen der Frauen? Wie werde ich schön?( Methoden werden bekanntgegeben.) Wie begründet und erhält sich die Fran das Eheglüd? Berheiratet und doch glücklich sein. Rönnen nicht Die Die Kunst, einen gesunden Mann zu bekommen. Warum gibt es so biele trante Frauen und Mädchen? viele Operationen durch rechtzeitige Aufflärung vermieden werden? Strankheiten der Wechseljahre. Die größtmögliche Verhütung des Strebses durch rechtzeitige Untersuchungen. Wie bewahrt sich die Frau und das Mädchen vor Knidungen, Senfungen, falschen Lagen, Verwachsungen, WeißBuß, Blutungen, Entzündungen, Gewächsen und anderen weiblichen Leiden? Warum gibt es so viele kalte Frauen? 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Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 94. 25. Jahrgang. 3. KeilM des Jotmärts" Knlim Jlolblilati. 22. Jptil 1908, Partei- Angelegenheiten. Zossen. Heute, Mittwoch, den 22. April. abendL 8 Uhr, Wahl. dereinSversammlung im Lokal von P. Kurzner(früher Schimke). Die Tagesordnung wird dort bekanntgegeben. Das Erscheinen fämt. Cichct Mitglieder ist unbedingt notwendig. Berliner JVacbncbtcn* Bitte— aveS an seinem Platz. ..Wannsce— alles aussteigen!" Mso'raus. Wie wär's, wenn wir uns'mal Kleists Grab ansähen Seit sieben Jahren war ich nicht hier. Wir gehen also am Bahndamm entlang durch die Anlagen. Aha, da ist noch die Tafel:„Zum Grabe H. v. Kleists". Lebensbäume sind da- vor gewachsen, so daß man die Schrift kaum noch erblickt. ..Bismarckstraße" steht aber aufdringlich an einem blauen Schild zu lesen. Ausgerechnet Bismarckstraße I Na, sie hatten eben noch keine, und da mußte denn diese herhalten. Häuser sind nicht zu sehen. Doch, da hinten. Und Straßen Pflaster sogar— wie im Grunewald. Ein paar schöne Villen liegen einsam da. Wo ist nun aber das Grab geblieben? Früher wiesen einen mehrere Tafeln zurecht. Jetzt existiert nur ein dunkles, kleines Holzbrett, auf dem in schamroten Lettern ein paar Worte verkünden, daß hier der Weg abgeht. Wir sind zuerst daran vorbeigelaufen— eine Viertelstunde in den Wald hinein, um das einst so still ge logene Grab da zu suchen. Und kehren zurück an den Weg. der zwischen einem frisch aufgewühlten Baugrund und einem frisch angelegten Garten dem See zuführt. Da liegt auch ein großes Gebäude, irgend ein Klubhaus oder dergleichen. Suchend sehen wir uns um. Wo ist denn nun das Grab? Ach richtig: da. in die Ecke gedrückt, hart am Abhänge. Zorn und Widerwillen erfassen einen, wenn man dies sieht. Wenn man weiß, wie still und abgeschieden noch vor wenigen Jahren diese Stelle lag, mitten im Wald, über dem Wasser. Nur ein paar Stämme sind stehen geblieben, in einer Breite von wenigen Metern. Auf der einen Seite das moderne Klub hauS, auf der anderen der aufgewühlte Baugrund. Pfui Teufel. Wir eignen uns eine CrocuS-Blüte an, die da her vorschimmert und eilen davon. Ein Dichtergrab ist ja am Ende etwas so fabelhaft Hohes nicht. Aber man muß wissen, wie die Bourgeoisie vor kurzem sich gegen die Verlegung dcS Grabes gesträubt hat. Wie man von Pietätlosigkeit schrieb. Und wie man endlich mit Genug- . tining konstatierte, daß der Protest geholfen habe; daß die Stätte unversehrt bleibe. . Hätte man sie doch lieber versehrt! Sie aus dieser Um gebuug entfernt, da ja die Umgebung nun einmal parzelliert werden sollte, um für Sommerwohnungen Raum zu schaffen... ES dämmert. Dir klettern wieder in die Stadtbahn Abfahren!... und klappern davon, nach Hause. Elend kalt ist eS. Geheizt wird nicht mehr, wenn auch das Therma meter um ein paar Grad über Null zeigt. Diese verdammte Knausereil DaL Defizit ist so groß... da können auch noch einige Tausend für Heizung aufgewendet werden. Oder man brauchte nur ein einziges Mal weniger zu schießen aus jenen Riesenmordwerkzeugen, die mit jedem Geschoß viele Taufende verschlingen. Ueberhaupt diese Stadtbahn! Im Winter die Finsternis auf den Bahnhöfen und im Frühlina die Kälte, in den Wagen. Zu bestimmten Stunden wird das Licht ausgedreht. Zu be> stimmten Daten auch die Heizung abgedreht. Alle Welt schimpft darüber, aber alle Welt läßt sichs gleichwohl gefallen. DaS ganze Land ist total verburcaukratet. Das Kleist Denkmal steht an seinem alten Platz, wenn auch die ganze Umgebung für immer verhunzt ist. Wenn auch keine Spur vom Zauber dieser Stelle übrig blieb. Wenn auch ein frecher und lächerlicher Bau sich nebenan breit macht. Bitte— das Kleist-Denkmal steht an seinem Platz. Das Stadtbahnpublikum verdirbt sich die Augen, indem eS trotz der ägyptischen Finsternis, in der Dämmerung heim fahrend, die endlose Langeweile der Fahrt mit Lesen zu ver- treiben sucht. Bitte— alles an seinem Platz: Um 7 Uhr l Minute geht die Sonne unter. Danach richten wir uns. Frierend schlägt man den Mantelkragen hoch, schließt die Fenster und druckt sich in die Ecke. Dreiviertel Stunden Fahrt! Die Erkältung wird gut. Schon meldet sich ein Schnupfen. Bitte— alles an seinem Platz: Wir schreiben den 20. April und Sic ivissen, daß am 15. die Heizung auf hört. Wären Sie vor acht Tagen gefahren... Zu diesem Heiznngsprinzip paßt das preußische Rcgierungs- Prinzip. Dem fünfzehnten-- Jahrhundert entspricht eS und nach ihm richtet es sich. ES ivird nicht anders werden, ehe das Publikum selber anfängt einzuschreitein_ Steuern vom Nicht»! Daß Personen, die kein Einkommen haben, manchmal dennoch zur Einkommensteuer veranlagt werden, dafür haben wir letzthin mehrere Beispiele angeführt. Die Lifte der Besteuerung»- Merkwürdigkeiten ist hiermit keineswegs erschöpft. Bon den neuen Fällen, die un» inzwischen bekannt geworden sind, wollen wir den folgenden mitteilen. Ein ehemaliger Zimmergeseve F., der jetzt im sechzigsten Lebensjahre steht, ist feit längerer Zeit lungenkrank. Nachdem er im Jahre 1307 vom Mai bis zum Oktober in einem Krankenhause gelegen hatte und erfolglos behandelt worden war, wurde im Oktober fein Anspruch auf Invalidenrente anerkannt. Seine Rente wurde ihm zugebilligt für die Zeit von Mai an. doch mußte er sich die nachzuzahlende Summe um drei halbe Monats- betröge kürzen lassen, die für die Krankenhausbehandluna ein- behalten wurden. Nun war aber F. für das Steuerjahr I9V7/08 mit einem Einkommen von 900—1050 M. eingeschätzt und zu einer Einkommensteuer von 6 M. veranlagt worden. Er hatte reklamiert. doch wird bekanntlich die vorläufige Zahlung der veranlagten Steuer hierdurch nicht aufgehalten. Während F. vom Frühiahr bi» zum Herbst, wie schon gesagt, im Krankenhause lag, ersuchte man ihn pünktlich in jedem Vierteljahr, seine Steuern zu berappen. Im August wurde er zur Vernehmung nack der Jüdcnsiraße vorgeladen. Auf eine dorthin gesandte schriftliche Mitteilung gab'S keine Antwort, und im November kam dann wieder der Steuererhebcr und präsentierte seinen Zettel. Erst im Februar 1308 kriegte F. eine nochmalige Vorladung, und nun wurde endlich unterm 21. März 1308 verfügt, daß F. für das Steuerjahr 1307/03 von der Einkommen st euer z u befreien sei. Die Benachrichtigung wurde itta Z. am 28. März 1008 zugestellt, drei Tage vor Schluß des Steuerjahres. daö mit dem 31. März ablief. Inzwischen war schon wieder für das neue Steuerjahr 1908/03 die Einkommenschätzung vorgenommen worden und im Anschluß daran war die Steuerveranlagung für dieses Jahr erfolgt. �Ta aber ein Einspruch gegen die Veranlagung für das Vorjahr, über den noch nicht entschieden worden ist, keine Wirkung auf die Vcr- anlagung für das folgende Jahr ausübt, so war zu befürchten. daß F. auch für 1908/09 wieder zu 6 M. Einkommensteuer ver- anlagt und dann genötigt sein würde, von neuem zu reklamieren. . Indes, diesmal kam's anders. Diesmal nämlich wurde F. nicht zu 6 M. veranlagt, sondern— zu 36 M.Z Bei 36 M. Einkommensteuer müßte er ein Jahreseinkommen von 2100 bis 2100 M. haben. Man sieht, wie kräftig die Steuerschraube angezogen worden war gegen einen kranken Arbeiter, der kein anderes Einkommen alS sein armselig bißchen Invalidenrente hat! Die Benachrichtigungen, daß F.— nach der Meinung der Ein- schätzungs- bezw. der Vcranlagungskommisston— sich nunmehr eines Jahreseinkommens von 2100—2400 M. erfreue und demnach für 1908/09 die Kleinigkeit von 36 M. abzugeben habe, gingen dem Glücklichen zu, bevor noch die oben erwähnte Zuschrift über die endlich erfolgte Steuerbefreiung für 1907/08 in seine Hände gelangt war. Möge er ietzt sehen, ob er auf die erneute Re- klamation, die nötig geworden ist, einen Bescheid kriegt, bevor das Steuerjahr 1909/10 herankommt und die Herren von der Einschätzungskommission ihm noch wieder eine Einkommenserhöhung beschert haben. Von Verdienen ist zwar bei F. keine Rede, mindestens gegenwärtig nicht, wo er infolge Verschlimmerung seines ZustandeS s i ch schon wieder seit zwölf Wochen in ärztlicher Behandlung befindet. Aber das hindert die Kommission nicht, ihm ein Jahreseinkommen bis zu 2400 M. zu„geben", leider nur auf dem Papier. Wer mag da die Recherche ausgeführt haben, die vor jeder Einschätzung aus- geführt werden soll? Man muh geradezu annehmen, baß manche Einschätzung» kommissionen es für zulässig halten, ins Blaue hineinzufchätzen. weil ja der etwa Ucberschätzte das Abwehrmittcl der Reklamation habe. WaS aber geschieht, wenn das Opfer solcher blind zu- greifenden Besteuerungswut aus Unkenntnis der Bestimmungen die Reklamation unterläßt? Dann muß er zahlen— gleichgültig. ob er's dazu hat oder nickt! Denn zur Willkürlickkcit bei der Ein- kommenschatzung gesellt sich Rücksichtslosigkeit bei der Steuere, nziehung. Die Erfahrungen, die man da machen kann, werden uns geschildert vonthinem Manne, der seit dem Herbst ohne Beschäftigung ist und den Winter hindurch teils von Er- sparnisscn aus besserer Zeit, teils von Unterstützungen durch Vcr- wandte gelebt hat. Er hatte reklamiert, aber dadurch wird weder der Stcuererhcbcr noch der Exekutor aufgehalten. Die Pfändung, die bei ihm vorgenommen wurde, war nicht erfolglos: es wurden noch bare 19 M. bei ihm gefunden. Er bat. ihm dieses Geld zu lassen, da er nach sechsmonatiger Arbeitslosigkeit soeben wieder Stellung gekriegt habe und dort eine kleine Kaution erlegen müsse. Mer die Steucrverwaltung gibt keinen Pardon und fordert Steuern auch vom Nichts. Kaltherzig nahm man dem Manne feine 19 M. ab. Er konnte infolgedessen feine Stellung nicht antreten und steht nun wieder brotlos da. Weiße Ostern waren uns diesmal bcschieden. Durch sein« Launen hat der Wettergott die Hoffnungen so vieler Tausender schmählich zerstört. Am ersten Feiertag herrschte ein ungemein un- frcundliö 3 W-�tcr. Am Nachmittag gab es Hagel. Schnee und Regem In der Umgebung Berlins gingen größere Schncemcngen nieder und strichweise gab es starke Hagelschläge. Natürlich hatte der Ostcrverkehr unter der beständig wechselnden Witterung ganz außerordentlich zu leiden. Erst der zweite Feiertag brachte eine Besserung. Wenn auch ein wenig Kälte vorherrscht«, so ließen sich «m Nachmittag die Berliner doch nicht davon abhalten, Ausflüge nach der Umgebung zu unternehmen. Die Gastwirte der Aus- flugslokale wurden für den ihnen verloren gegangenen ersten Feiertag wenigstens«tlvas entschädigt. In den Forsten, im Grüne- wald, in den Müggelbergen usw. herrschte ein recht regcS Leben und Treiben. Auch auf den Gewässern in der Umgebung, auf der .Havel, der Spree, dem Wannsee und dem Müggelsee, hatte sich ein stark-r Ruderer- und Seglerverkehr entwickelt. Es sollte auch nicht an den üblichen Bootsunfällen fehlen Glücklicherweise nahmen sie jedoch alle einen günstigen Verlauf. Ter Minister über die Verwirrung in der Bezeichnung der schnellfahrciiden Züge. In der Bezeichnung der schnellfahrenden Züge herrscht seit der Einführung der Eilzüge, wie wir vor kurzem ausgeführt haben, immer noch ein« gewisse Verwirrung. Eine Ver- fügung des Ministers der öffentlichen Arbeiten an die Eisenbahn- direktionen spricht dies jetzt ebenfalls aus, indem sie sich darüber beklagt, daß auf den Fahrplantafcln für das Publikum in den An- gaben über die verschiedenen Arten von Zügen nicht gleichmäßig verfahren wird. Der Minister ordnet deshalb jetzt folgendes ein* heitliche Verfahren für diese Tafeln an. Die LuruSzüge sowie sämt- liche Schnell- und Eilzüge erhalten rote Zeitziffern. Den Ziffern ist bei den Lux�szügen an der linken Seite in roter Farbe ein L, bei den D-Zügen ein D und bei den übrigen zuschlagpflichtigen Schnellzügen eine punktierte starke Linie... vorzusetzen. Die Eilzüge sind nur durch den roten Druck der Zeitziffern zu kenn- zeichnen. Die Abfahrtszeiten der Personenzüge sind mit schwarzen Ziffern darzustellen. Eine besondere Bezeichnung der Vorortzüge, abweichend von den Personenzügen des Fernverkehrs, soll nur da erfolgen, wo nach den örtlichen Verhältnissen eine Unterscheidung nötig ist. Am Fuße der Tafeln sind folgende Bemerkungen auf- zunehmen:(Lj; Luxuszüge;(D): D-Züge, zuschlagpflichtig; (...): zuschlagpflichtige Schnellzüge;(rot): Eilzüge;(schwarz): Personenzüge;(hellblau oder hellgrün): Vorortzüge; WW-Zuge verkehren nur Werktags; 8?-Züge verkehren nur Sonn- und Feiertags. Die Miliutenziffem der Nachtzeiten von 6.00 abends bis 5.53 morgens sind unterstrichen. Die in den vorstehenden Be- mcrkungen, Irnls neben den Zugbczeichnunycn stehenden Buchstaben, Zeichen und Worte sind auf den Tafeln nicht einzuklammern, son- dorn mit roter, schwarzer, hellblauer oder hellgrüner Farbe, ihrer Bedeutung entsprechend, darzustellen. Im übrigen sind die Be- mcrkungen schwarz zu drucken. Nach Umtvandlung der Zuschlag- Pflichtigen Schnellzüge in D-Züge fällt die punktierte Linie mit der zugehörigen Erläuterung fort. Auch für die gedruckten Fahr- Pläne dürfte eine ähnliche Verfügung angezeigt erscheinen. Ein- zelne Entwürfe für den kommenden Sommerfahrplan sprechen immer noch von zuschlagfreicn Schnellzügen� waö«S doch nach ge- nauem Wortgebrauch nicht mehr gibt. Weitere Ausdehnung der Sonntagsruhe. Die städtische Unter- uchungSstation I für die Untersuchung des von außerhalb nach Berlin eingeführten Fleisches in der Dircksenstraße. Stadtbahnbogen 125, ist von jetzt ab an den Sonntagen vonnittagS für den Verkehr nicht mehr geöffnet, sondern bleibt in der Znt von Sonnabend abends 7 Uhr bis Sonntag nachts 12 Uhr geschloffen. Byzantiner an der Arbeit. Der Brand der alten Garnisonkirche gibt den Leuten ohne Rückgrat wieder mal erwünschten Anlaß, in Byzantinismus zu schwelgen. In einer Sonderausgabe des„Lokal- Anzeiger" vom Ostersonnabend lesen wir die folgenden erbaulichen Sätze: „Auch daß die Scheiben einiger Fenster heil geblieben find und des Feuers ungeheurer Glut widerstanden haben, entgeht der Menge nicht und wird von ihr mit Recht als ein Wunder bestaunt und be- trachtet. Auch das preußische Herz regt sich, und eS schlägt höher. als die Blicke gewahren, wie die Medaillons an der Außenfront un- berührt geblieben find und wie das Feuer de» Flug des darauf zur Sonne strebenden Adlers nicht zu stören vermochte. Auch daß die Inschrift über dem Haupttor noch mit hell glänzenden Buchstaben den Zweck lind das EntstehungSjahr der Kirche verkündet, wird freudig begrüßt und empfunden." Wir vermissen den Zusatz, daß August Scherl aus Dankbarkeit für seine Orden resp. für die ihm noch zustrebenden„Adler" die neue Orgel stiften wird. In der Sonntagönummer des HofblatteS a. D. wird sogar schon angeregt, aus dem geschmolzenen Metall der Kirchen- bedachung— Gedenkmünzen prägen zu lassen. Die städtische Fortbildungsschule für schwachbeanlagte Jünglinge und junge Mädchen hat das neue Schuljahr bereis begonnen. Sie wurde im vergangenen Winter von 230 Schülern und Schiilerimm" besucht. Die Jünglinge haben Montags und Donnerstags, die Mädchen Dienstags und Freitags Unterricht und zwar in Deutsch, Rechnen und Handarbeit. Für die Jünglinge wird von jetzt an auch ein ZeichenlurfuS, für die Mädchen eine HauShaltungSschule eingerichtet. Anmeldungen nimmt der Leiter der Schule an den Schultagcn von 5—6 Uhr im Schulhause, Brunnenstr. 136, 2. Hof (Nähe des Rosenthaler Thores), auch jetzt noch entgegen. Um das Virchow-Dcukmal. Das„Verl. Tageblatt" weiß zu melden: Ter ablehnende Bescheid des Kaisers in Sachen des Virchow-Denkmals ist jetzt im Rathause eingetroffen. Das Schreiben des Zivilkabinctts geht dahin, daß der Kaiser sich nicht in der Lage habe sehen können, dem eingereichten Plan der Aufstellung eines Virchow-Denkmals auf dem Karlsplatze seine Zustimmung zu geben. Der Magistrat wird sich in seiner nächsten Sitzung mit diesem Bescheid des Kaisers beschäftigen, um die Rechtsgrundlage für eine Aufstellung des Denkmals an anderer Stelle ohne Genehmigung de» Kaisers zu erörtern. Unsere Ansicht, daß der Kaiser gar kein Recht habe, eine solche Genehmigung zu erteilen oder zu verweigern, haben wir kürzlich schon dargelegt. Eine Ministerialvcrfügung kann dieses Recht nichr konstruieren. Es entsteht aber die Frage: Wer hat den Kaiser überhaupt um seine Genehmigung gebeten? Neue Ermittelungen gegen den Knabenmörder. Durch die neuerlichen Feststellungen der Kriminalpolizei wird der verhaftete Knabenmördcr, der Schuhmacher August Herder, noch weiter schwer belastet. Der Knochen, der in der Asche des Kachelofens gefunden wurde, ist als ein Fingerglied bestimmt festgestellt worden. In der Asche wurden auf chemischem Wege Ucberbleibsel von vcr- brannten Knochen festgestellt; außerdem fand man darin Hosen- knöpfe, wie der Schneidermeister Raab, der Lehrherr des ermordeten Blcchcr, sie verwendet und Ocscn von Schnürschuhen. Die Schnür- schuhe des Ermordeten hatten nur Oese«. ES ist nach diesen Er- Mittelungen nicht mehr daran zu zweifeln, daß Heidcr die Klei- dungSstücke des Ermordeten im Kachelofen verbrannt hat. Heidcr behauptet, daß er in der letzten Zeit von seinen Ersparnissen gelebt habe. Wahrscheinlich hat er jedoch im wesentlichen von Erpressungen sich ernährt. Die Hundrsteuermarken für das Etatsjahr 1307/1308 behalten noch bis Ende nächsten Monat» Gültigkeit, weil die Einziehung der Steuer nicht mehr im April durchgeführt werden kann. Hunde- besitz«, bei denen die Abholung der Steuer nicht rechtzeitig erfolgt. sind verpflichtet, das Geld selbst bei der Steuerkaffe«inzuzahlen. Später auf der Straße umherlaufende Hunde, welche die neue Steuermarke nicht tragen, unterliegen dem Fangrecht deS deutschen TierschutzvercinS. Eine eilige Rechnung erhielt am zweiten Feiertag auf dein ThomaS-Kirchhof ein Vater, der seinen 2öjährigen Sohn zur letzten Ruhe bestattet hatte, vom Kirchendiener zugestellt. Herr D.. so heißt der Vater des Verstorbenen, hatte den Leichenkommissar mit der Besorgung der Beerdigungsgeschäfte betraut. Bei der Ausstellung der Kosten waren jedoch 1,50 M. für Kerzen vergessen worden. Als der Beerdigungsalt vorüber war und die Leidtragenden das Grab verlassen ivolhen, trat plötzlich ein Kirchendiener an Herrn D. heran nnd betonte, daß et noch 1,50 M. für Kerzen zu bezahlen habe. Der Kirchendiener wurde gebeten, doch die Rechnung ein- zuschicken, da der Augenblick für die Abwickelung solcher Geschäfte nicht besonders günstig sei. Doch der Kirchendiener hatte es eilig. die Rechnung mußte sofort bezahlt werden. Bei dem zahlreichen Trauergefolge löste die Hast, mit der der Kirchendiener seines Amtes waltete, ganz eigenartige Gefühle auS. Mutter und Tochter in den Tod. In der Nacht zum ersten Ostertage sind die 66jährjge Witwe Ida Stähr und ihre 25jährige Pflegetochter Emilie gemeinsam in den Tod gegangen. Beide wohnten seit über 20 Jahren im dritten Stock des Hauses Prinzen- strahc 76. Das junge Mädchen arbeitete als Silbcrputzerin und bestritt einen großen Teil des HauSaufwandcS. Am Sonnabend- abend brachte Frau Stähr eine Freundin, an die sie ein Zimmer vermietet hatte, bis zur Straßenbahn. Als die Freundin am Ostersonntag zurückkehrte, fand fle die Wohnung verschlossen. Sie � benachrichtigte die Polizei, die die Korridortür öffnen ließ. In der Wohnstube fand man Frau Stähr angekleidet auf dem Sofa und ihre Pflegetochter auf dem Fußboden tot liegen. Auf dem Tisch standen zwei Kaffeetassen. Wie die Untersuchung ergab, hatten die beiden Frauen eine Zyankalilösung mit Kaffee getrunken. Nah- rungSsorgcn scheinen das Motw zur Tat gewesen zu. sein. Zeichen der Zeit. Ein„Hof-Prediger" mit dem Leierkasten ist seit mehreren Wochen eine neue Erscheinung im Berliner Straßen- bilde. Der etwa 40 Jahre alte Mann hat langwallendes, weit über die Schultern fallendes Haar, wie ein richtiger Christuskopf. Seine ziemlich altertümliche Drehorgel spielt nur geistliche Lieder. Nach edem Liede hält der Mann eine Ansprache, die in Ermahnungen, daß die Menschen sich besten, mögen, und in ein Gebet ausklingt. Namentlich in der ersten Hälfte dcS vorigen Jahrhunderts hatte Berlin eine ganze Anzahl solcher sonderbaren Heiligen, die als Originale galten und dementsprechend behandelt wurden. Man nabrn sie damals schon nickt allzuernst und behauptete, daß derartige Leutchen im stillen Kämmerlein gerade daS Gegenteil taten von dem, ivaS sie öffentlich auf der Straße und auf den Höfen predigten. Immerhin ist eS ein charakteristisches Zeichen unserer wieder tark inS Mystische und Frömmelnde gehenden Zeit, daß solche Straßenerscheinung möglich ist und ihre Existenz findet. Uebrigenö wählt sich dieser moderne Straßen- und Hofprediger ganz nach der Art seiner Heimgegangenen Vorbilder mit Borliebe die inneren. ältesten Stadtteile als Operationsfeld. Da gehört er mit seinen Ermahnungen auch hin. Die Unfallchronit in der Anilinfabrik(Aktiengesellschaft) vor den, Schlesischcn Tor wächst. Erst kürzlich mußten wir über einen Unfall in diesem Betriebe berichten, bei dem sich ein Arbeiter mit Essigsäure die Füße schwer verletzte und heute Ivird uns nachträglich über einen am Donnerstag erfolgten weiteren Unfall berichtet. An diesem Tage morgens 8 Uhr fiel der Arbeiter Barnitt von einer nach dem Wasser- reservoir führenden Leiter ab und erlitt, wie später auf der Unsallstation festgestellt wurde, eine doppelte Verstauchung des rechten Fußes. Wie wir hören, soll die Leiter nicht vorschriftsmäßig fein, da sie keine Haken enthält, mn festgehakt werden zu können. Dadurch sei die Leiter ins Rutschen gekommen und der Arbeiter abgestürzt. Nachdem der Unfall passiert war, habe man Barnitt in den Speisesaal gebracht und hier habe der Aermste in seinen Schmerzen warten sollen, bis ein im Betriebe angestellter ärztlicher Herr erscheine. Da dieser Herr aber erst gegen 10 Uhr zu kommen pflege, hätten Arbeiter sich darüber beschwert, daß der Verunglückte zwei Stunden ohne ärztliche Hülfe bleiben solle, woraus Abhülfe erfolgt sei; aber eine Stunde hat der vor Schmerzen stöhnende Arbeiter doch aushalten müssen, Die Gesellschaft HZtte alle Ursache, dafür zu sorgen, daß ihre Arbeiter nach Möglichkeit vor Unfallgefahr geschützt werden und ihnen bei Eintritt eines Unfalls sofortige ärztliche Hilfe werde. Das kann man von einem Belriebe, der 22 Prozent Dividende für Aktionäre herauswirtschastet, schon verlangen. Eine zähe Gläubigem scheint die Buchhandlungsfirma Körth (Inhaber Körth u. Siebert, Werftstraße 7) zu sein, wie aus folgendem Vorkommnis ersichtlich sein dürste. Vor 9 Jahren be- stellte ein Kaufmann W. bei der Firma Meyers Lexikon und vcr- einbarte Ratenzahlung. W. zahlte 9 Mar! an, monatlich sollten ,3 Mark abgezahlt werden. Nach Abzahlung des für die ersten fünf Bände vereinbarten Betrages sollte Weiter- lieferung erfolgen. W. wurde aber bald nach der Bestellung krank und konnte beim besten Willen nicht weiter zahlen. W. verstandigle sich mit der Firma wegen Rücknahme der Bücher, wurde aber ab- gewiesen. Die Firma klagte aus Abnahme der fünf Bände und er- stritt ein obsiegendes Urteil. Aus Grund dieses Urteils ließ die Firma nun die fünf Bände pfänden und verkaufen. Beim Verkauf sollen S M. erzielt worden sein; Käuferin soll angeblich die Firma selbst gewesen sein, so daß ihr ein Schaden nicht erwachsen ist. Seit sieben Jahren ist diese Firma nun unausgesetzt bemüht, ihr Recht auszuüben und ihre vollstreckbare Forderung in Höhe von 41 M. an W. geltend zu machen. W. hat, wie er uns mitteilt, deshalb schon einige Stellen aufgeben müssen, weil die Firma die Arbeitsstellen auskundschaftet und Beschlag auf das Ge- halt legen läßt, woran wiederum bestimmte Arbeitgeber Anstoß nehmen. Wir nehmen von borstehendem nur Notiz, um zu zeigen, wie vorsichtig man sein mutz beim Unterschreiben von Reversen. Es gibt zähe Gläubiger, die nicht müde werden, ihr Recht zu wahren, sei es auch nur formales Recht._ Revolverattentat eines Fünfzehnjährigen. In ber Nacht zum Ostersonntag wurde in der Anhaltstraße ein Revolverattentat verübt. Der ISjährige Kochlehrling Willy Rütting feuerte auf seinen Küchenchef Theodor Bülow zwei Schüsse ab und verletzte ihn lebensgefährlich. Ueber den Vorfall wird folgendes gemeldet: Der 28jährige Koch Theodor Bülow ist seit mehreren Jahren in dem Restaurant„Zum alten Askanier" in der Anhaltstratze 14 beschäftigt und gilt als solide und zuverlässig. Seit Mitte vorigen Jahres war dort auch der Ibjährige Willy Rütting als Kochlehrling angestellt. Der junge Mensch zeigte sich in letzter Zeit bei seiner Arbeit widerspenstig und zog sich mehrere Rügen des Küchenchefs zu. Am Sonnabend früh kam er nicht aus seiner Schlafstube herab und Bülow stellte ihn deshalb zur Rede. Anstatt die Arbeit auf- zunehmen, ging der Lehrling zu seiner Mutter und redete ihr vor, er müsse sich auf Verlangen seines Chefs sofort ein großes Messer kaufen. Er erhielt 3 M. und entfernte sich. Bald darauf kehrte er nochmals in die elterliche Wohnung zurück und gab vor, das Messer koste 5 M. Die Mutter schenkte ihrem Sohne auch die fehlenden 2 M. Für das Geld erwarb sich der Junge aber kein Messer, sondern einen Revolver. Dann eilte er nach der Anhaltstratze und lauerte dem Küchenchef um Mitternacht auf. Als dieser nach beendetem Dienst auf die Stratze trat, feuerte Rütting zwei Schüsse auf seinen Lehrherrn ab. Schwer getroffen sank dieser zu Boden. Er schleppte sich nach dem Restaurant zurück und erreichte blutüberströmt die Küche. Dann verlor er das Bcwutztsein. Nach Anlegung von Not- verbänden wurde Bülow nach dem Krankenhause am Urban ge- schafft, wo er fast hoffnungslos danieder liegt. Der junge Atten, täter wurde von einem Angestellten der Wach, und Schlietzgesell- fchoft festgenommen und der Polizei übergeben. Bei seinem Ver. hör gab er als Motiv der Tat Rache an. Rütting wurde dem Unter- suchungsrichter vorgeführt._ Die Einbrecherzunft Berlin? war an den beiden Osterfeiertagen tüchtig bei der„Arbeit". Bei der Polizei in Berlin und in den Vororten sind eine ganze Reihe von Einbruchsdiobstählen gemeldet worden. So wurde bei dem Schlächtermeister G. am Kottbuser Damm 40 ein grötzerer Gelddiebstahl verübt. Einbrecher drangen in die Geschäftsräume, erbrachen den Kassenbehälter und raubten daraus 5000 M. in Gold, Silber und Papiergeld. Eine andere Einbrecherbande stattete dem Konfektionsgeschäft von Behrendt in der Schillerstr. 31 eine nächtliche Visite ab. Die Täter packten beträchtlich« Borräte von Stoffen und fertigen Anzügen in Bündeln zusammen und schleppten sie unbehindert davon. Der Bestohlene ist um 4000 M. durch den Einbruchsdiebstahl geschädigt worden. Reiche Beute machte eine Diebesbande, die den Schneidermeister Soll in der Schlüterstr. 68 heunsuchte. Mittels Dietrichs und Nach- schlüssels verschafften sich die Burschen Eingang zu dem Lager- räum, wo sie Stoffe und Anzüge im Werte von mehr als 4000 M. entwendeten. Acht Buchmacher verhaftet. Während des OsterrenntageS in Karlshorst hat die Kriminalpolizei acht Buchmacher verhaftet, die dem Untersuchungsrichter wegen gewcrbsmätzigen Glücksspiels vor- geführt werden. Szene auf einem„Rummelplatz". Am Ostermontagabend spielte sich auf einem Berliner Rummelplatz eine blutige Szene ab. Abends gegen 9% Uhr feuerte auf dem Diezschen Rummelplatz, Landsberger Allee 80— 91, der stellungslose Musiker Paul Sko- ruppa auf die verehelichte Henriette Petsch aus der Schönhauser Allee 80 zwei Schüsse aus einem mit sechs scharfen Patronen ge- ladenen Revolver ab. Der erste Schutz ging fehl. Die zweite Kugel verletzte Frau Petsch schwer am Munde und in der Mundhöhle und streifte eine Frau Karoline Fehrmann. Als sich der Ehemann der Ueberfallenen auf den Täter stürzen wollte, schotz dieser noch eine Kugel ab, öhne zu treffen. Skoruppa wurde überwältigt und ge- lyncht. Er hatte mit der. Frau ein Verhältnis angeknüpft und die Tat aus Eifersucht begangen. In einem Tobsuchtsanfall suchte am �ersten Osterfeiertage der in der Grünthaler Stratze 30 wohnende Schuhmacher Willicnn G. unter den Rädern eines Stratzenibahnwagens den Tod. G. war schreiend und lärmend die Grünthaler Stratze bis zur Bellermann- stratze entlang gelaufen, als in der letzteren ein Strahenbahnzug der städtischen Stratzenbahnlinie Mittelstratze— Pankow herannahte. Der Schuhmacher warf sich unmittelbar vor dem Motor- Ivaggon auf die Schienen, wurde jedoch von der Plattform erfaßt und zur Seite geschleudert. Ein Schutzmann brachte den Tobenden, der übrigens von der Polizei gesucht worden war, nach der Unfall- station in der Badstratze, woselbst der Arzt' feststellte, daß der Mann nur unerhebliche Verletzungen am Kopf und an beiden Beinen erlitten hatte. Nachdem G. einen Notverband erhalten, wurde er als Polizeigefangener nach der Irrenanstalt Dalldorf übergeführt. Flucht dreier Untersuchungsgefangener au» Moabit. Am Vor- nnttage des ersten Ofterfeiertages sind aus dem Moabiter Unter- suchungsgefängnis drei Insassen entflohen. Ueber die Mauer hinweg entkamen zwei von ihnen nach der Rathenowerstratze. Einer der Flüchtlinge konnte durch einen Soldaten ergriffen werden. Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrank- Helten veranstaltet am Freitag, den 24. April, abends 8 Uhr, im Bürgersaal des Berliner Rathauses einen öffentlichen Vor- tragsabend mit folgender Tagesordnung: 1. Geschäftliche Mitteilungen. 2. Vortrag des Herrn Geh. Medizinalrat Professor Dr. A. N e i s s e r über die Bedeutung der neueren Syphiltsforschuna für den Kampf gegen die venerischen Krankheiten.»- Eintritt— auch für Nichtmit-� glieder— frei. Die Eiserne Brücke wird behufZ Ausführung von Erneuerungsarbeiten vom 23. d. Ms. ab bis auf weitere» für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Radrennen zu Steglitz, 20. April. Nachdem am Sonntag der herrschende Regen die Abhaltung der Rennen unmöglich machte. konnten dieselben am Montag bei etwas kühlem, doch trockenem Wetter und sehr gutem Besuch ausgefahren werden. Der G r o tz e Osterpreis über eine Stunde(1800, 1200. 1200, 1000, 800 M.) wurde von dem Berliner D e m k e mit 72,340 Kilometer überlegen gewonnen vor R o b l(79,430 Kilometer), R y s e r(73,480 Kilometer). V e r b i st(73,250 Kilometer) und Hall(69,520 Kilometer). Demke hatte vom Start an die Spitze, er überholte zuerst Hall, dann Robl. Ryser hatte gleich anfangs Motordefekt und blieb zurück. Verbist leistete noch am längsten Widerstand, doch beim 16. Kilo- meter wurde auch er überholt, da er später von seiner Führung ab- fiel, geriet er immer mehr ins Hintertreffen. Beim 50. Kilometer hatte Demke schon fünf Runden Vorsprung, dann bützte er durch einen Motorschaden etwa drei Runden ein, doch da er dann einen anderen Motor erhielt und er von seinem Verlust etwas aufholte, so konnte ihm der erste Platz nicht mehr entgehen. Sein Sieg wurde mit lautem Beifall aufgenoinmen.— Im Hauptfahren (1000 Meter 100, 75, 60, 50 M.) siegte T h e i l e vor Wegener, Scheuermann und Kudela.— Das Prämienfahren(3000 Meter 36, 20, 15, 10 M.) gewann Conrad vor Bareiß, Techmer und Althosf. � Im Vorgabesahren(3000 Meter, 75. 50, 20, 10 M.) belegte T h e i l e(Mal) den ersten Platz vor Scheuermann(10), Techmer (50), Schwab(30) und Budel(100 Meter Vorgabe).— Das Tandemfahren(2000 Meter, 120, 80, 60, 40, 30 M.) gewannen Theile-Peter vor Schenermann-Wegener, Tadewald-Techmer, Conrad-Althoff und Schwab-Siabe. Radrennen in Treptow. Auch dieser Bahn spielte das Wetter einen Streich. Die Rennen, die am Sonntag und Dienstag statt- finden sollten, wurden zusammengezogen in ein 50 Kilometer-Rennen, da der Start Günthers am Diensiag nicht erfolgen konnte. Der „Große Ost erpreis" sah infolgedessen nur vier Teilnehmer: Haberer, Puhlmann, de Roos und Schadebrodt am Start und hatte einen ungünstigen Verlauf, da Puhlmann und de Roos zu Fall kamen. Ersterer erschien später wieder im Rennen, doch waren seine Gewinnaussichten dahin, nachdem er sich am Anfang als der beste gezeigt hatte, de Roos trug einen Schlüsselbeinbruch davon. Somit errang Haberer einen leichten Sieg über Puhlmann und Schade- brodt. Er beendete das Rennen in 43 Min. 46� Sek.; Schadebrodt folgte mit 2860 Meter als Zweiter und Puhlmann mit 23,040 Meter Abstand als Dritter. Sämtliche anderen Rennen mutzten zugunsten des Sportklub„Komet" zurückstehen, der an diesem Tage das „Championat der Streckenläufer" abhielt. Hier blieb S v a n b e r g- Stockholm Sieger, der da? 25 Kilometer-Laufen in 1 Std. 30 Min. 12>/z Sek. vor Nettelbeck und Müller-Berlin gewann. Im Stein stoßen war Lichtenberger mit 7,57 Meter der beste, während im Stabhochspringen Kuhnke und Abraham 3 Meter erreichten. Radrennen zu Zehlcndorf. Die für beide Ostertage angesetzten Rennen fielen aus; am Sonntag des Regens wegen und am Montag veranlaßte der am Vormittag herniedcrgehende dichte Schneefall den Besitzer der Bahn, das Rennßn abzusagen. Orgelkonzerte. Mittwoch, den 22. April, abends 7'/,. nicht 8 Uhr, veranstaltet der kgl. Musikdirektor Bernh. Jrrgang in der St. Marien-Kirche das nächste Orgelkonzerl unter Mit- Wirkung von Frl. Fanny Opfer(Sopran). Frau Emmy Pease(Alt) und Herrn kgl. Kamniervirtuosen Adalb. Gülzow(Violine). Oster- Programm I Eintritt frei! Programm mit Text 10 Pf.— In der Z i o n s k i r ch e(Zionskirchplatz) wird Herr Organist Arnold Dreyer in seinem Orgelkonzert am Donnerstag, den 23. d. Sit., abends 7J/3 Uhr, die Kantate„Christ lag in Todesbanden" von Bach, das „Benedictus" von Mozart u. a. aufführen. Solisten: Martha Dreyer-Wolss(Sopran), Julia Michaels(Akt) und die kgl. Hof- und Domsänger Neubauer(Tenor) und P. Hermann(Baß). Der Ein- tritt ist frei. Im Zirkus Albert Schnmann findet heute Mttwoch die Ab- fchiedsvorstellung der diesjährigen Saison statt. Der Zirkus siedelt sofort nach Schluß derselben mittels Extrazuge» nach Wien über. Feucrwehrbericht. Gestern nachmittag um 1 Uhr wurde die Feuerwehr von drei Seiten nach der Bernauer Straße 3 gerufen. Als die Feuerwehr in großer Stärke erschien, war das Treppenhaus total verqualmt. Brandmeister Steiner ließ sofort Mannschaften über einen Hakenleitergang in die brennende Wohnung eindringen und gleichzeittg überall Lust machen. Dies beruhigte die Haus- bewohner. Es brannten Betten. Möbel, Fußböden, Schaldecken, Türen u, a. Blinder Lärm lag Feuermeldungen nach dem Hospital zum heiligen Geist und St. Georg in der Exerzierstr. 12 und dem Prater-Thea�r in der Schönhauser Allee zugrunde. Nachts um 12 Uhr alarmierte der Brand eines Benzinautos die Feuerwehr nach der Dorckstr. 89. In der Hasenheide 61 war ein Kanalisationsrohr geplatzt und ein Gasrohr undicht geworden. Grober Unfug lag einer Feuermeldung zugrunde, die nachts um 1 Uhr aus der Chaussee- straße 22 einlief. Außerdem wurde die Wehr während der Feiertage noch 13inal alarmiert._ Vorort- JVacbricbtcin Steglitz. Der Brand«ineS GcschSftSautomobilS der Firma A. Wertheim veranlaßte in der Nacht zum ersten Osterfeiertag die Alarmierung der hiesigen Feuerwehr. Der Wagen, der infolge eines Defektes auf der Chaussee längere Zeit liegen geblieben war. sollte nach beendeter Reparatur nach dem Depot in Berlin gebracht werden, als plötzlich auS dem Benzinbehälter Flammen emporschössen. Der Chauffeur konnte sich nur mit Mühe und Not retten. Da» Automobil ver- brannte vollständig. Charlottendurg. Freie Volksbühne Eharlottenburg. Die Aprilvorstellung findet statt für die 1. Abteilung: Donnerstag, den 23. April; für die 2. Abteilung: Freitag, den 24. April. Gespielt wird:„Der Widerspenstigen Zähmung". Lustspiel von Shakespeare. Die Marken müssen in jeder Abteilung am Tage vor der Vorstellung geklebt sein. Zeuthen. Ein Raub der Flammen wurde hier am Sonnabendnachmittaa die dem Kaufmann Rudolf Hertzog gehörige Motor-Rennjacht. Auf der Höhe des„Seglerschloß" explodierte aus bisher noch un- aufgeklärter Ursache der Motor des Bootes und binnen weniger Minuten stand dasselbe in Flammen. Herr Hertzog und Frau sowie zwei weitere Fahrgäste konnten sich durch sofortiges Ueberbord- springen in Sicherheit bringen; das gleiche gelang ohne weiteren Schaden an Leben und Gesundheit dem Steuermann des Bootes. Dagegen hatten die beiden im Maschinenräume tätigen Monteure bereits furchtbare Brandwunden davongetragen, als sie von den zur Hülfe herbeigeeilten Booten aufgenommen werden konnten. Die Jacht selbst, deren Wert etwa 50 000 M. betrug, wurde völlig ein Raub der Flammen, mit ihm ein Pelz im Werte von 20 000 M. und eine Geldbörse, deren Wert ohne Inhalt 6000 M. betragen soll. Für die Eigentümer des verbrannten Gute», von dessen Wert eine Anzahl armer Familien auS der bittersten Not erlöst worden wären, hat der Verlust sicher keine Schmerzen hinterlaffen. Borsigwalde-Wittena«. Kuriose Postvcrhältnisse bestehen in der hiesigen Gemeinde. Ob- wohl Borstgwalde-Wittenau einen Gemeindebezirk bildet, wird zweierlei Porto für Postsendungen erhoben. Ein Brief, den man in Wittenau an jemand schickt, kostet 5 Pf. Porto, während man für einen Brief von Wittenau nach Borsigwalde lO Pf. zahlen muß. Ein Leser unseres Blattes ließ vor einigen Tagen durch seinen Sohn auf dem Postamt anfragen, wieviel Porto für die Beförderung eines Briefes von Wittenau nach Borsigivalde zu bezahlen sei. Es wurde ihm geantwortet, daß der Brief 5 Pf. loste. Er sandte dann auch den Brief ab; doch nach vier Tagen erhielt der Absender denselben zurück und mußte 15 Pf. Strafporto entrichten. Das Eigentümliche an der Sache ist, daß selbst der Auskunst gebende Beamte nicht Kenntnis von den kuriosen Postverhältnissen zu haben schien. Vermischtes. Ein schweres Eisenbahnunglück in Australien, den» zahlreiche Osterausflügler zum Opfer gefallen sind, hat sich gestern in der Nähe von Melbourne ereignet. Eine Meldung hierüber aus Melbourne besagt: In unmittel- barer Nähe von Melbourne ereignete sich am Spätabend des zweiten Ofterfeiertages ein schweres Eisenbahnunglück. Der Schnellzug von Bendigo rannte in einen Personenzug, der, mit Verspätung von Ballarat kommend, auf einer sieben englische Meilen von Melbourne entfernten Station zur Abfahrt bereitstand. Bier Waggons des Personenzuges wurden zertrümmert und verbrannten. Bis jetzt sind 41 Tote und 50 Schwerverletzte geborgen. Wie der Führer des von Bendigo kommenden Schnellzuges behauptet, hat er kurz vor der Einfahrt in die Station die Westinghousebremse in Tätigkeit gesetzt; die Bremse habe jedoch den Dienst versagt.— Nach einer späteren Meldung wurden 42 Personen getötet und 83 verwundet. Drei Wagen schoben sich ineinander. Durch das in den Trümmern ausgebrochene Feuer trugen mehrere Personen emsthafte Brandwunden davon. Weiße Ostern hat eS, wie auS einer Reihe Meldungen hervor» geht, in weiten Gebieten des Reiches gegeben. Breslau, 21. April. In den letzten Tagen gingen im Jser» gebirge große Schneemaffen nieder. Wie die„Schlesische Volkszeitung" aus Lauban meldet, bietet der gesamte Jserlamm ein völlig winterliches Bild. Rostock, 21. April. Hier herrscht seit dem frühen Morgen un« unterbrochenes heftiges Schneetreiben. Auch aus anderen Gegenden Mecklenburgs laufen Meldungen über Schneefälle ein. Köln, 20. April. Seit voriger Nacht herrscht hier mit Unter« brechnngen Schneefall, zeitweise trat starkes Schneegestöber ein. Kiel, 21. April. In ganz Schleswig-Holstein trat in der ver» gangenen Nacht bei plötzlichem Sinken der Temperatur Schnee« fall ein. Auch au» Thüringen und dem Harz werden Schneefälle gemeldet. Die echten Pocken sind, wie uns gemeldet wird, in Breslau aus» gebrochen. Der Polizeipräsident hat Warnungen und VerhaltungS« maßregeln erlassen. 29 Personen verletzt. Ueber einen schweren Unglücksfall im Straßengetriebe wird aus Lissabon berichtet: Durch einen Zu« sammenstoß eines Straßenbahnwagens mit einem Omnibus wurden 29 Personen, unter ihnen mehrere tödlich, verletzt. Eisenbahnzusammenstoß. Hierüber wird aus Mailand be« richtet: In der vergangenen Nacht stieß bei Sesto Calende ein Personenzug mit einem Güterzug zusammen; zehn Personen erlitten Verletzungen. Eine große FeuerSbrunst zerstörte, wie aus Marseille berichtet wird, in der vergangenen Nacht eine große Oelfabrik. Der Material- schaden beziffert sich aus eine Million Frank. Bei den RettungS« arbeiten wurden zwei Feuerwehrleute verletzt; einer derselben lebens« gefährlich._ Eingegangene Druchfcbnfteti. Der Kunstwart. Halb monatschau für AuSdruckSkuItur auf allen LeienSaeblelen. Herausgeber: Ferdinand AvenariuS. Verlag von Georg D. W. Callwey in München.(Vierteljährlich 4 M., das einzelne Heft 75 Pj.) Dr. Semmelblond als ErbjchajtSoerwalter. Von 31. Ehlers, M. i, Verlag H. Walther, Berlin Vi. 30. vrrltuer Markevreile. Au» dem amtlichen Bericht der städtischen Vlarktballen-Direttlon.(Grohhandel.) Ochsenstetich l» 88—70 er. 100 Psd., n» 62-67,(IIa 64—57, Bullenfleisch la 63—68, IIa 52—62, Kühe, seit 46—56. do. mager 34—42, Fresser 48—56, Bullen, dänische 40-61, Kalbsteisch, Doppellender 103—125, Mastkälber ta 87-95, IIa 76-83, Kälber ger. gen. 33—68, do. Holl. 50—33. Hammelsteiich Mast- lömmer 71—74, Hammel la 63—67, Na 57—62. ungar. 0,00, Schase 42—55. schweinesteisch 52—58. Rotwild, per Psd. 0,50—0,58, Wildschweine, per Psd. 0,40. Kaninchen, stück 0,80—0,90. Schneehühner, Stck. 0,90. Birkhähne, Stck. 0,00. Birkhemien, Stck. 0,00. Schnepsen, la Stück 2,25— 2,75, do. IIa 1,50—2,00. Fasanenhähne, junge, Stck. 0,00, do. alte 0,00. Hübner, la per Stück 1,50 BIS 2,75, dito Na Stück 0,60—1,40, dito Wolga-, Stück 1,40—1,75. 5rim- burger Küken, Stück l.00— 1,35, PouletS 0,80—1,20. Kapaunen, deutsche, per Stück 0,00. Tauben, junge, Stück 0,45—0,60, dito alte 0,40—0,50, dito italienische 0,00. Enlen, per Psund 0,00, dito per Stück 1,50 bis 3,00, dito Hamburger, per Stück 2,50—4,25.(flöitfe per Vtd. 0,00, do. russische 0,00, do. junge Hamburger 0,85—1,10. Puten la per Psd. 0,75—0,90, do. Na. und alte 0,50—0,60. Hechte per tOO Psd. 0,00, do. mittel 0,00, do. groß 0,00, do. groß-mittcl 0,00, do. matt 0,00. Zander, mittel, matt 0,00, do. groß 0,00. do. groß- mittel 0,00. Schleie, groß 0,00, do. uns. Na 0.00, dito klew Na 0.00. Aale, klein 0,00, do. mittel 0,00, do. groß 0,00. Karpsen 30— 35er 0,00, do. 40er 0,00, do. 50— 60er 0,00, do. 50er Lau sitz er 0,00, do. 70er 0,00. Roddow 0,00. Plötzen 0,00, dito groß 52—56. Aland 0,00. Quappen, klein 0,00. Wels 0,00. Bunte Fisch-, klein 0,00. do. 0,00. Barse, gr. 78, do. klein 0,00. Bleie, klein 0,00. Bleijische 0,00. Karantchen 0,00. Winter-RbcinlachS, p. 100 Psd. 0,00, Amerilan. rlachS la, p. 100 Psund 110—130, do. Na 90—100. Seelachs, p. 100 Psund 20—25. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6. do. mittel, Kiste 0,00, do. Hamb. Stiege 3—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 1—3,00, Nor 0.00. Bücklinge. Kieler ver Wall 0,00, schwedische 0,00, englische 0,00, Stralsunder 3,00. Sprotten. Danziger, Kitte 0,00, do. Rügenwalder, Kiste 0,50. State, grog per Psd. 1,10—1,60, do. mittelgroß 0.90—1.20. klein 0.60—0,90. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellfische, Kiste 4,00—5,00. dito'/, Kiste 2,00—2,50. Sardellen. 1902 er per Sinket 98, 1904er 98, 1905er 98, l 906er 85— 90. Schottilche Vollheriuge 1905 0,00, large 40—44, füll. 38—40, med. 36—42, deutsche 30-10. Heringe, neue MatjeS, vcr'/, To. 0,00. Sardinen, ruf)., Faß 1,50—1,60. Bratberinge Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen, Schocksaß 8, do.«eine 4—5. do. Riesen- 10. Krebse per Schock. 0,00, große 0.00, do. mittelgroße 6,50, dito steine 10—11 am 0,00, do. unsortiert 0,00, Galizier, klein 2.60. Seemuscheln 100 St. 1,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,00—3,60, do. große 3,40—4,00. Butte, ver 100 Psd. la 119—121. tta 116—120. lila 110—116, absallende 103—110, Saure Gurken Schock 4,50—5. Psessergurken Schock 4,50—5. Kartoiscln per 100 Ptund Dabcrsche 3,00—3,25. weiße runde 2.30—3,00, mag. bon. 2,75—3,23. Porree, per Schock 1,00—1,50. Meerrettich, schock 8—14. Spinal per 100 Ptund 10—18. Selleiie, per Schock 8—20, do. pomm. 0,00. Zwiebeln per 100 Psd. 4,00—5,00. Beierfilie, grün, schockbund 1,00—1,50. Rettich, bayrischer, per Stück 0,03—0,12, junger, per Stück 0,25. Mohrrüben, 100 Psund 3.50— 4,00. Karotten, per 100 Psund 14—30. Wirfingkohl, Holl. v. Schock 13—22. Rotkobl, Schock 14—15. Weißkohl p. 100 Psd. 6—7. Blumenkohl, hiefiger 100 Stück 0,00, do. Ersurter 0,00, do. italienilcher 100 Stück 60—75, do. in Körben 13 Stück 3,50-4,00. Rosenkohl, stanz., per 100 Psund 0,00. Grünkohl 0,00. Kohlrüben, Schock 3,00—5,00. Peterstlienwurzcl», p. 100 Pfd. 5,00—6,00, Schockbund 5,00-6,00. Schnittlauch, Schockbund 1,00. Tomaten, kanarische, per Kiste 5,00— 6,00. Rote Rüben, per 100 Psund 7,00—8,00. Rhabarber 100 Bund 4—6. Rabunzen 20 bis 40. Rübchen 0 00. Eskarol, 100 Stck. 0,00. Endtoien. 100 Stck. 30. Radieschen, Schock 2,75— 3,00. Waldmeister, Mandel 0,75—1,00. Morcheln 2,00—2,50. Sproßkohl, 100 Psd. 14—16. Birnen, Kochbtrnen hiesige, per 100 Psd. 6-10,00. Taselbirnen la 30-32, do. IIa 6-17, Italiener la 25-28, do. Ha 18-20. Aepsel, per 100 Psund. Tiroler la 0,00, do. IIa 22, do. lose, per 100 Psund 0,00, do. in Kisten 120 Psd. 30-50. Most-, hies., 100 Psd. 3—14, Koch- 5-12, Tasel. äpsel la 15—23, do. IIa 0,00, Amerikaner, per Faß 21—34, Italiener, lose, 100 Pfd. 8—14, do. in Körben per 100 Psd. 10—16, do. in Kisten 10—25. Welntrauben, Almeria, per Faß 12—20. Ananas I, per Psund 0,70—0,78, do. II 0,50. Bananen, kanar., per 100 Psd. 23—27, Jamaica 24,00—25,00. Maroneu, italienische, per lOO Psund 0,00. Feigen, Kranz- per 100 Psd. 22-25, do. Trommel- per tOO Psd. 40, do. in Kisten 22—43. Traubenrosinen per 100 Psd. 0,00, Ztlronen, Melsina, 300 Stück 6,50—9,50. do. 360 Stück 7—10, do. 200 Stück 0.00, do. 150 Stück 0,00. Apselsinen, Murcta, 200 Stück 7,50—10,00 do. 300 Stück 8.00-12.00, do. Blut. 200 St. 8,50-12.00, do. Blut- 300 Stück 10.00—13,00. do. Valencia 420 Stück 14,00-18,00, do. 714 Stück 19-25,00, do. Mesjina 160 Stück 9-12,00, do. 200 Stück 10—12.50, do. 300 Stück 12-13,00, do. Blut. 100 Stück 7—8,00, do. 150 Stück 7-8.00, do. 80 Stück 6.50-7,00, do. 160 Stück 12-l5, do. 200 Stück 12-15, do. Kalis. 0,00. Datteln, per 100 Kart. 45, do. per 10 Psd. 6.00, to. Kalij. 100 Pjimd 23-56, Kasimira Banaczklewisz Albert Wischkowski Verlobte. Unferem Freunde und Ge noffen Wilhelm Fleischhammel zu seinem heutigen Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch! 1552b Seine Freunde M. M. L. D. Unserem Genossen Willi Fechner nebst Braut zu Ihrer heutigen Vermählungsfeier ein dreifach donnerndes Hoch! Die Genossen des 7. Bezirks Lichtenberg. 15505 Dem Jubelpaar August Melitzkat nebft Frau die besten Glüdwünsche zur Silbernen Hochzeit. Die Genossen des 117. Bez. T. I. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Nachruf. Am 17. April verstarb im Lazarus- Krankenhause unser Mitglied, der Gastwirt Wilhelm Verleih Aderstr. 58. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung hat 21. April bereits stattgefunden. 226/13 Der Vorstand. am Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied. der Schlosser Georg Weißheimer am 18. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 22. April, nach mittags 5 Uhr, bon der Leichenhalle des Kirchhofes in Straus berg aus ftatt. 115/14 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unsere Kollegen Paul Rottke am 12. April 1908 und Wilhelm Krause Verband der Maler, Maler, H Lackierer, Anstreicher S. Melchiorstraße 28. Filiale Berlin. Fernsprecher Amt IV Nr. 4787. am 15. Upril 1908, verstorben find Donnerstag, den 23. April, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Ehre ihrem Andenken! 68/13 Die Verwaltung I. Am Sonntag, den 19. April 1908, abends 6 Uhr, entschlief fanft nach langen, schweren Leiden mein lieber Mann, Vater und Schwiegervater, der Tischler August Block im 63. Lebensjahre. Dies zeigen tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Eichwalde, 20. 4. 1908. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 23. d. M., nachmittags 31, Uhr, von der Leichen. halle in Eichwalde aus statt. Todes- Anzeige. Engelufer 15: General- Versammlung Sages Ordnung: 1. Reichsverband gegen die Sozialdemokratie. Referent: Gewerkschaftsfefretär R. Fendel. 2. Abrechnung vom 1. Duartal 1908. 3. Verbandsangelegenheit. Die Ortsverwaltung. 131/ 19* Verband der Sattler. Legehühner am Achtung! Nach längeren, schweren Lelden verstarb am 20. April meine innigst geliebte Gattin, unsere gute Mutter Hedwig Apfelgrün geb. Grabs im foeben vollendeten 32. Lebens. jahre. 1548b Mit der Bitte um stille Teilnahme zeigen dies tiefbetrübt an Der trauernde Gatte nebst Kindern. Die Beerdigung erfolgt am Freitag, 24. April, nachm. 5 Uhr, auf dem Friedhof der Freireligiösen Gemeinde in Berlin, Pappelallee. Pflanzer- Verein ,, Bundschuh". Am 20. April 1908 verstarb unser Mitglied Hedwig Apfelgrün geb. Grabs nach langen, schweren Leiden. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 24. April 1908, auf dem Friedhof der Freireligiösen Gemeinde, Pappel- Allee, nachmittags 5 Uhr statt. 286/2 Danksagung. Für das ehrende Geleit sowie für die schönen Kranzspenden bei der Be Allgemeine Kranken- u. Sterbe- erbigung meines Sohnes kasse d. Drechsler u. Berufsgen. ( E. H. 86 Hamburg.) Verwaltungsstelle Berlin A. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied 15635 Heinrich Frenzel am 19. April verstorben ist. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 22. April, nachmittags 2, Uhr, von der Leichenhalle des Zentral Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Beerdigungsverein Berliner Zimmerleute. Nachruf. Am 17. April starb im hohen Aliter von 80%. Jahren unser Mitglied, der Zimmerer Wilhelm Zigler. Ehre seinem Andenken! am Die Beerdigung fand Dienstag, den 21. d. Mts., auf Adolf Thies in Rottbus am 17. 4. 08 fagen allen feinen Stollegen und Arbeiterinnen ber Algem. Elektrizitäts Gesellschaft Berlin, Schlegelstr., herzlichsten Dant. Familie A. Thies, Rottbus. Sage allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem fozialdemokratischen Wahlverein, dem Pflanzerverein Kolonie Mittelweg", dem Stat und Sparverein Bor wärts" und den Kollegen der Pianofabrit Union für die zahlreichen Kranzspeuden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters meinen herzlichsten Dank. Witwe Karoline Scheide und Kinder. Dr. Simmel Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. dicht am Prinzenstr. 41, Moritzplatz, 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Ortsverwaltung Berlin. Koffermacher! junge, befte Leger, 2,50 M., feftfizende Brutputen, Bruteier hochedelst. Raffen emps. unt. Garantief Reell. Wegner, Achtung! Berlin So., Mariannenstr. 34. Donnerstag, 23. April, abends 8, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 7: Außerordentliche Versammlung. Zages Drdnung: 1. Der Stand unserer Lohnbewegung. 2. Verschiedenes. Jeder Stoffermacher ist verpflichtet, diese Bersammlung zu besuchen. Die Branchenleitung. 156/17. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Ortsverwaltung Berlin. Maschinen- Arbeiter. Donnerstag, den 23. April, abends 8%, Uhr: Branchen- Versammlung in Boekers Festfälen, Weberstr. 17. Zages Ordnung: 1. Bortrag bes Benoffen Kaliski über: Krife, Trufts und Kartelle. 2. Distuffton. 3. Der 1. Mai. 4. Branchenangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Branchenkommission. ygienische Bedarfsartikel, Gummiwaren, 1000e Anerk. V. Prof. u. Aerzt. empf., bill. Apoth. S. Schweitzers Fab. hyg. Präp., Berlin 0., Holzmarktstr. 69-70. Preis!. gratis. Zur Maifeier! Rote Rosen, Nelken, Achtung! 99 für Vereine usw. 100 Std. 1 M. Herm. Hesse, Dresden- A., Scheffelftr. 10-12. Vereine! Landsberger Elysium" Allee 40/41. 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