Nr. 95. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pränumerando Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 Mr., möchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Big. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Post- Zeitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mar! pro Monat. Bostabonnements nehmen ast: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Cricheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 25. Jahrg. Die Infertions Gebühr Seträgt für die fechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 60 Pig., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf, stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Big., fedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Das Ende des Freifinns. Donnerstag, den 23. April 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. stehe die Gefahr, daß der Freisinn sich zum National- machen suchten, blieben sie in der kläglichen Minderheit, sahen liberalismus entwidele. Auch Dr. Breitscheid bezeichnete sie sich der liberalen Gefolgschaft bis auf klägliche Neste die Fraktionsgemeinschaft und die Blockpolitik als den Ueber- beraubt! Vom Sumpf auf den Höhen. Sie haben recht. Aber sie sehen nur die eine, .. Eine der Plöglichkeiten, die unser Staatsleben charakteris fieren, fegt die Eulenburg und Moltke aus den Aemtern. Die Aftion Hardens und seiner Hintermänner ist geglüdt. Die Gestürzten sehen sich von aller Welt verlassen. Die amtlichen Gewalten weigern dem Grafen Moltke die Mitwirkung bei seinem Vorgehen gegen den erfolgreichen Angreifer. Die Staatsanwaltschaft vermag fein. öffentliches Interesse zu entdecken an der Stlage eines Mannes, dem so hieß es jetzt der Kaiser das Amt abgenommen hat, damit er frei von allen Rücksichten sich reinigen, damit er das Dtterngezücht zertreten kann. Dann aber, nachdem der Schöffengerichtsprozeß einen Standal werden ließ, der nicht nur die ge stürzte Kamarilla unheilbar kompromittierte, sondern monarchische Staatsordnung selbst mit bloßstellte, dann kommt die Erleuchtung von oben, daß die Sache öffentliches Interesse hat. gang zum Nationalliberalismus. Und Dr. Dohrn be- Das sollte den Kreisen der Arbeiterschaft, die bisher das Der Parteitag der Freisinnigen Vereini- stätigte diese Auffassung: Breitscheid habe recht, wenn aber Wesen und die Notwendigkeit des proletarischen Klassengung in Frankfurt kann allen denjenigen, die politischen Dr. Barht aus der Freisinnigen Vereinigung ausscheide, so kampfes noch nicht begriffen haben, doch endlich ein vollgültiger Ideologien einen größeren Einfluß auf die Politit beimessen, werde diese Entwickelung zum Nationalliberalismus sich noch Beweis dafür sein, daß im politischen Kampfe einzig die wirtzum besonderen Studium empfohlen werden. Dieser Partei- schneller vollziehen. Dr. Hohmann bekämpfte die Darlegungen schaftlichen Interessen entscheidend sind! tag verdiente besondere Beachtung, weil man wußte, daß es Dr. Cohns. Die von ihm vorgetragenen Ansichten über die Die kläglich mißlungene Kraftprobe auf ihm zwischen der Richtung Barth, Gerlach, Breitscheid und der Sozialdemokratie, daß sie eine größere Gefahr darstelle, als zwischen den letzten Vertretern eines wirklichen Freisinns Richtung Bachnide, Heckscher usw. zu einer Kraftprobe kommen die Reaktion, seien veraltet. Die Linke des Freisinns habe und dem Blockfreisinn beweist, daß fürderhin von einem würde. Er sollte zeigen, ob die ehrlich demokratischen und geglaubt, über solche Vorstellungen hinweg zu sein. " Freisinn" feine Rede mehr sein fann! liberalen Elemente im Freifinn noch irgend etwas Erhebliches So appellierten die entschiedenen Freisinnigen an den hinter sich haben, ob die wirtschaftlichen Inter- mehr als 400föpfigen Parteitag. Und weder Bachnide, essen oder die liberalen Prinzipien, die demo- noch Heckscher, noch Naumann wußten dieser Auffassung fratischen Argumente über die Tattit des Ribe- etwas entgegenzusetzen. Denn die kindliche Auffassung des ralismus entscheiden. Herrn Naumann, daß der Liberalismus erst groß werden Bon Fürst Philipp Eulenburgs Zusammenbruch schreiben die Die Barth- Gerlach- Breitscheid- Gruppe wußte, daß ihr in müsse, und zwar dadurch groß werden müsse, daß er sich mit Blätter, die die Enthüllungen des Münchener Harden- Prozesses Frankfurt der Prozeß gemacht werden sollte. Die leitende der Reaktion bereinige, um dann gemeinsam mit würdigen. Instanz der freisinnigen Fraktionsgemeinschaft, die Frei- der Sozialdemokratie die Reaktion um so wirksamer minder wichtige Seite der Sache. Die Bombe, die im Münchener finnige Beitung". hatte ja rund heraus erklärt, daß bekämpfen zu können, wurde von v. Gerlach hinlänglich ver- Gerichtssaal geplagt ist, hat mehr zerschmettert als den einſtigen ein weiteres Zusammenarbeiten mit der Freisinnigen spottet, der darauf hinwies, daß die Erziehung zur reaktionären Botschafter des Deutschen Reiches und mächtigen Freund des Kaisers. Vereinigung nur dann möglich sei, wenn die Barth, Gerlach, Blockpolitik doch wahrhaftig keine Vorschule zum gemeinsamen Die preußische Justiz hat eine schwere Wunde davongetragen. Herr Breitscheid und ihre Freunde ausgeschifft würden. Die mit Vorgehen mit der Sozialdemokratie gegen die Reaktion fein Oberstaatsanwalt Jfenbiel mag jezt im Stillen die Stunde verdem Ausschluß bedrohten Herren wußten, daß es sich für sie könne. Naumanns wundersame Taktik sei dasselbe, als wenn wünschen, da er in feierlicher Gerichtssigung für die Integrität des um Sein oder Nichtsein innerhalb der Freisinnigen Bereinigung man in einen Storb fauler Alepfel ein paar frische Aepfel Fürsten Gutenburg eintrat, da er den Justizrat Bernstein wieder und handelte. Sie hatten sich deshalb gründlich zum Stampf werfe in dem Wahn, dadurch die faulen Aepfel wieder zu wieder moralisch zu zwingen versuchte, eine Ehrenerklärung für den trainiert. Und es muß gesagt werden, daß sie in dem Stampf frischen machen zu können! Auch der skandalöse Aneigentlichen Angeklagten des Hardenprozesses zu geben. Hätte er mit den Bachnicke, Heckscher und Konsorten wader ihren Mann trag Dove- Mommsen, der den reaktionären Steuer- damals weniger entschieden die Partei Eulenburgs genommen, so gestanden haben! Ihre Reden waren eine glänzende Recht anschlägen auf die Masse bereitwilligst dadurch entgegen- tönnte er heute ruhiger auf die Enthüllungen von München schauen. fertigung ihres oppositionellen Standpunktes und eine ver- kommt, daß die Freisinnigen sich bereit erklären sollen, gegen Aber was der Oberstaatsanwalt damals für Eulenburg tat, das nichtende Kritik der für die Fraktionsgemeinschaft und die einige Duhend Millionen direkter Steuern war nicht eine Handlung, die einzig seiner eigenen Initiative entBlockpolitik begeisterten Mehrheit der Fraftion. Dabei standen diverse Hundert Millionen indirekter Steuern zu bewilligen, sprang. Das erwuchs vielmehr mit Notwendigkeit aus der Aufgabe die Gerlach, Barth, Breitscheid in ihrem Kampfe durchaus nicht wurde von der Opposition in die Debatte gezogen und ge- heraus, die dem öffentlichen Ankläger in diesem Falle gestellt war, allein. Eine Reihe namhafterer Politiker der Freifinnigen Ver- bührend gekennzeichnet. Herr Heckscher dagegen erklärte aus dem„ öffentlichen Interesse", das ihn nachträglich zur Klage einigung stellte sich mehr oder minder entschieden auf ihre Seite, ostentativ, daß er diesen Antrag Dove- Mommsen begrüße, wider Harden bewogen hatte. Dieses Eintreten des Oberstaatsso die Herren Gothein, Corell, Dr. Hohmann usw. da er den Beweis liefere, daß auch der Freisinn nun anwalts für Eulenburg ist nur recht zu würdigen, wenn man sich Die paar Arbeitervertreter setundierten gleichfalls der Oppo- endlich einmal positib" mitarbeiten wolle! den politischen Charakter des zweiten Hardenprozesses bergegenwärtigt. sition. Wenn man die Debatte, die wir in unserer heutigen Man sieht, die Nechte sowohl wie die Linke der Dele- wir haben darüber nach dem Abschluß des Prozesses in der Nummer Nummer ausführlich wiedergegeben haben, verfolgt, erhält giertenversammlung ließen es an Offenheit des Tones nicht des 4. Januar geschrieben: man den Eindruck, daß die Opposition sich energisch und sieg- fehlen. Demokratie und Antidemokratie, Freifinn und Pseudohaft in der Offensive befunden hat, daß dagegen die Stellung liberalismus standen sich in schroffstem Gegensatz gegenüber. der Blockbrüderschaft eine überaus klägliche war. Auch die Und die Linke vertrat ihren Standpunkt mit allem Nachdruck, Rede des Herrn Naumann, der einen vermittelnden mit aller rednerischen Geschicklichkeit. Die Mehrheit hingegen Standpunkt einnahm, freilich mehr zugunsten der Blockpolitik, als begnügte sich damit, nur einige Redner vorzuschicken und sich zugunsten der von Barth und seinen Freunden verfochtenen auf die äußerste Defensive zu beschränken. Und trotz alledem Taftit, war inhaltlich so schwach, daß sie für halbwegs erlitt die Opposition eine glänzende Niederlage! denkende Hörer die schneidende Kritik der Barth, Gerlach, Bei der Abstimmung über den Antrag Dr. HerzBreitscheid, Gothein, Corell usw. wahrhaftig nicht zu ent- Hamburg, der das Bedauern über die Rustimmung der fräften vermochte. Und was war gleichwohl das Fraktion zum§ 7 des Vereinsgesetzes aussprach, weil darin Resultat dieses von der Dpposition mit ebenso viel eine Verlegung der Grundlagen des LiberaEhren wie von den Repräsentanten des Bloc- lismus erblickt werden müsse, offenbarte sich die Scheidung freisinns mit so viel Unehren bestandenen Rede- der Geister. Der Rechtsanwalt Dr. Braband- Hamburg duells? Die in Die in der Freisiunigen Zeitung" gegebene hatte noch ein übriges getan und die Resolution Herz derOrder der Kopsch, Fischbeck und Wiemer wurde prompt ans- gestalt abgeschwächt, daß zwar die Stellungnahme geführt: Die Barth, Gerlach, Breitscheid und ihre Freunde der Fraktion bedauert, wohl aber der Beweggrund wurden durch die Abstimmung über die entscheidende Reso- zu dieser Stellungnahme gewürdigt" wurde. Diesem lution derartig brüsfiert und isoliert, daß ihnen nichts Rompromiß stemmten sich jedoch die Vertreter der Mehrheit übrig blieb, als ihren Austritt aus der Frei- der Reichstagsfraktion, die Bachnicke, Heckscher, Naumann usw. entgegen. sinnigen Vereinigung zu erklären! Sie erklärten, daß sie in der Annahme dieser Die triftigsten Gründe, die schlagendsten Argumente, der Resolution ein Mißtrauensvotum erblicken und die flammendste Appell an die liberalen Prinzipien alles das Konsequenzen daraus ziehen würden. Darauf erklärte nügte nichts! Alle rednerischen Erfolge versagten. Troßdem namens der Minderheit der Reichstagsabgeordnete Dr. sich die Pachnide, Heckscher und Naumann nur schwächlich ver- Botthoff, daß sie umgekehrt in der Ablehnung dieses teidigten, stand die übergroße Mehrheit der Delegierten getreu Antrages ein Mißtrauensvotum erbliden würden und zur Fraktionsgemeinschaft und zum Blod. Herr Cohn, der entschlossen seien, die Konsequenzen zu ziehen. Deffauer Delegierte, hatte recht behalten mit seinen Aus- Trotzdem wurde der Antrag der Minderheit mit 315 führungen, daß nicht politische Prinzipien, sondern gegen 98 Stimmen bei 18 Stimmenthaltungen abgelehnt! wirtschaftliche Gegensäge den Ausschlag Der Gruppe Barth, Gerlach, Breitscheid war damit der Stuhl geben, daß also infolge der wirtschaftlichen Gegenfäße der vor die Tür gesetzt worden. Sie zog denn auch die KonseBourgeoisie gegenüber dem Proletariat der Freisinn nicht quenzen dadurch, daß 20 Mitglieder von Berlin und einigen auf der Seite der emporstrebenden demokratischen Bevöl- süddeutschen Städten ihren Austritt aus der Freisinnigen ferungselemente stehen kann, sondern nur auf der Seite der Vereinigung erklärten. 20 Delegierte von mehr als 400! Die Die große Reinigung, die die Staatsraison forderte, erschien Unterdrücker des Volkes! Herren Dohrn, Gothein, Botthoff, Corell usw. aber noch nicht vollendet, solange der Verdacht homosexueller Be Herr Dr. Barth übte an der Blodpolitik und ihren blieben der Freifinnigen Vereinigung treu, trotzdem sie vorher tätigung auf dem Fürsten Gulenburg haften blieb. Und um so beFrüchten vernichtendste Kritik. Er charakterisierte das er in der Debatte so lebhaft die Befürchtung geäußert hatten, bentlicher sein Verhalten in den beiden Prozessen war, um so einsgeset als durchaus reaktionäres Machwerk. Er daß nach einem Ausscheiden der Barth und Gerlach die Frei- mehr bemühte sich deshalb der öffentliche Antläger, die Verberief sich auf einen Verwaltungsbeamten, den Bürgermeister finnige Vereinigung umso rascher in der Freisinnigen Volks- teidigung des Fürsten zu führen, die Harden und Bernstein durch Schücking, der im Berliner Tageblatt" überzeugend aus- partei und schließlich im Nationalliberalismus aufgehen wiederholte Appelle an ihre Ehre mürbe zu machen für ein einandergesezt hatte, daß in Preußen alles wie bisher bleiben würde! Die Ausgeschiedenen werden damit um eine Erfah- Bugeständnis, das als eine Reinigung des Eulenburgers passieren werde, nur werde man die fremden Sprachen unterdrüden rung reicher sein. Sie werden einsehen lernen, wie wenig auf fonnte. Schien doch die Situation dafür nach dem Zusammenbruch und die Jugendlichen ausschließen. Er geißelte die Zustimmung das schönste Bathos und auf die enthusiastischsten Freund- der Hardenschen Anklage wider Moltke, bei dem wenig würdigen zu dem§ 7 des Vereinsgesetzes als Verlegung der staats- fchaftserflärungen zu geben ist. Selbst die Gothein, Corell Rückzug, den Harden angetreten hatte, um der Verurteilung zu bürgerlichen Rechtsgleichheit. Aber er begnügte sich nicht und Dohrn halten es lieber mit dem Nationalliberalismus entgehen, besonders günstig. Aber in diesem einem Bunfte blieben mit der Brandmarkung dieses reaktionären Handlanger- als mit der wirklichen Demokratie! Harden und sein Verteidiger fest. Wie heute aller Welt offenbar dienstes des Freisinns, sondern er charakterisierte die ganze Vor allen Dingen aber sollte die Arbeiterschaft aus diesem ist, mit Recht. Blockpolitik als eine antidemokratische Politik. Der Abge- Vorgang lernen. Die Herren Barth, Gerlach und Breitscheid Der politische Prozeß ist es, der im Münchener Prozesse ordnete Gothein stimmte ihm lebhaft zu. Auch er erklärte find feine Sozialdemokraten! Sie stehen durchaus auf dem gerichtet worden ist. Der politische Prozeß, der nicht verschwinden die Zustimmung zum§ 7 des Vereinsgefeßes für einen Ver- Standpunkte des Kapitalismus, fie bekämpfen die sozialistische tann aus der deutschen Justiz, da die Staatsanwaltschaft nicht ein stoß gegen die liberalen Grundprinzipien, für ein unzweifel. Gesellschaftsordnung, weil sie wähnen, daß auch auf dem Boden ausschließliches Instrument der Rechtspflege, sondern zugleich ein haftes Ausnahmegeset. Wohl sei es möglich gewesen, daß des Kapitalismus die Forderungen der besiglosen Klassen be- Werkzeug der Staatsraison ist, ihre Träger als abhängige Bes der Freisinn die Reaktion wirklich bekämpfen konnte, wenn friedigt werden könnten. Sie glaubten durch ihre Bestre- amte den Weisungen der Regierung zu folgen haben. das liberale Bürgertum und die Sozialdemokratie sich zu- bungen nicht den Liberalismus zu bekämpfen und die Sozial- Von dieser Seite der Sache schreiben die bürgerlichen Blätter sammengeschlossen hätten. Die Blockpolitik bedeute aber den demokratie zu bekämpfen, sondern im Gegenteil dem& ibe- nicht. Wohlweislich nicht, denn sie rühren damit an ihre eigene Anschluß der Liberalen nach rechts, die Unterstüßung der ralismus neues Leben einflößen und den So- Schande. Sind sie doch mit wenigen Ausnahmen, als nach Reaktion. Es sei dringend notwendig, endlich mit der Blodaialismus als irrig nach meifen zu können. Als dem Schöffengerichtsprozeß jener plögliche Frontwechsel der Bureau politik ein Ende au machen. Geschehe das nicht, so befie aber eine Probe auf die Ehrlichkeit des Liberalismus au tratie gegen garden erfolgte, in gewohnter Charakterlosigkeit mig die des Harden hatte zu viel bewiesen, zu sehr gefiegt.( Er selbst hat es im Schlußwort der Freitagsverhandlung melancholisch fonstatiert.) Die anpassungsfähige regierende Bureaukratie nahm einen schnellen Frontwechsel vor. Bülow hatte bergnüglich zuschauen können, wie jene Leute, die ihm das Dhr Kaisers streitig machten, die seine Politit störten, ins Verderben gerieten. Er durfte im eigenen Interesse diese Rolle nicht mehr fortsetzen, als das Ansehen der Krone durch die Affäre felbst geschädigt erschien und als die herrschende Junkerklasse in den Enthüllungen des Schöffengerichtsprozesses sich insgesamt getroffen fah. Und so mußte Harden denn als Opfer der Staatsrason fallen. Mit regem Eifer nimmt sich nun plöglich die Staatsanwaltschaft der anfänglich im Stich Gelaffenen an, stößt des Schöffengerichtsprozeß als völlig bedeutungslos beiseite mad tehrt alle Mittet ihres Amtes gegen den Angeklagten. Hinter verschlossenen Türen wird das Hauptstück des Prozesses geführt und zum Schluß die Deffentlichkeit vor die Erklärung gestellt, daß alles widerlegt ist, was die erste Verhandlung ergeben hatte, daß Eulenburg niemals unverantwortliche Politik gemacht hat, daß eine Kamarilla derer von Liebenberg nur in der Phantasie jener existiert hat, die von ihr sprachen...." ilmgeschwenkt. Haben sie doch mit vollen Lungen eingestimmt in die allgemeine Hetze wider den Mann, der wenige Monate vorher als Vaterlandsretter gefeiert worden war. DaS in den Eni- hüllungen des Schöffengerichtsprozesses schwer kompromittierte Junkertum, das bloßgestellte System konnte damals wahrlich zu- frieden fein mit dieser Presse, die auf Befehl von oben skrupellos verbrannte, was sie angebetet hatte, die auf den Pfiff der Herrschen. den sich zur wilden Hetze, zur blöden Vertuschungsaktion diensteifrig drängte, die bewies, daß sie zu allem zu brauchen sei. All das ist nun vergeblich gewesen. Der verstopfte Schmutz brunnen ist wieder aufgebrochen, der Nebel, der über dem Sumpf auf den Höhen lagern sollte im angeblichen Interesse des deutschen Volkes, er ist zerrissen und wieder ein neues Stück Morast zeigt sich. ES geht uns nicht um die sexuellen Handlungen des Fürsten Eulen bürg. Sie kümmern uns nicht. Er hat nicht, wie die Hohenau und Lynar, unter Mißbrauch der Dienstgewalt Untergebene seinen Gc- lüften gefügig gemacht. Das Gold war für ihn der gefällige Kuppler. Ob Fürst Eulenburg strafbare Handlungen begangen hat. läßt sich nach dem, was aus den Verhandlungen des unter AuS schluß der Oeffentlichkeit geführten Prozesses bekannt geworden ist. nicht mit Bestimmtheit erkennen. Es scheint aber, als ob er die Klippen des 8 175 sorgsam zu umschiffen gewußt habe. Denn gegenseitige Onanie unter Männern fällt nach mehreren höchst- gerichtlichen Erkenntnissen nicht unter diesen Paragraphen. Um so sicherer ist dagegen, daß der Fürst zu Eulenburg und Herlefeld die Eidespflicht verletzt hat. Der Meineid liegt offen zu Tage. Er kann nicht mehr aus der Welt geschafft werden. Herr Jsenbiel hat auf Anfragen verschiedener Berliner Blätter versichert, daß er rücksichtslos gegen den Fürsten vorgehen werde, wenn ihm die Akten deS Münchener Prozesses zugegangen sind und ihm die Unterlage dazu geben. An dem letzteren kann füglich nicht mehr gezweifelt werden. Wenn die Staatsanwaltschaft auch auf die Berichte der Zeitungen hin nichts unternehmen zu können erklärt, so steht doch fest, daß die Akten deS Münchener Prozesses nicht weniger als diese Berichte enthalten werden. Ueber den Fürsten Eulenburg ist das Urteil gesprochen. Die Herrschenden Deutschlands sind die Leidtragenden dabei. Denn der Verurteilte ist Fleisch von ihrem Fleisch und Bein von ihrem Bein. Und er ist kein Vereinzelter. Der Münchener Prozeß vervollständigt nur das Bild, das die beiden Berliner Prozesse begonnen haben. Das Bild des stinkenden Sumpfes auf den Höhen unserer Gesell- schaft, daS Bild einer herrschenden Kaste, die in Ueppigkeit und Lüsten verfault, deren Sinne und Intellekt degeneriert sind, die ihre Schwären mit dem Mantel der Heuchelei deckt und die in ver- messenem Hochmut sich dennoch als die gute Gesellschaft dünkt, als die Elite der Nation. Die die Zügel deS Staates in Händen hält und nach den Kleinkalibrigen und dem SchutzmannSsäbel ruft. wenn daS arbeitende Volk gleiches Recht im Staate fordert, wenn eS sich der Leitung dieser Herrschenden entziehen will. Während das Proletariat die Waffen zum Wahlkampf, zum Wahlrechtskampf schärft, vermehrt der Münchener Prozeß die Kette der Skandale, die den Niedergang der Herrschenden markieren, um ein weiteres Glied. Und stürzen Skandale auch eine herrschende Klasse nicht, sie zeigen den Kämpfern um gleiches Recht doch, wie die festen Bollwerke, dahinter ihre Gegner fechten, mehr und mehr ver- faulen..... Zentrum und Kurie. Die ultramontane Presse vermag sich noch immer nicht zu be- ruhigen über des Reichskanzlers Visite im Vatikan und die daran von der offiziösen Presse geknüpften Betrachtungen über das Ver- hältnis der römischen Kurie zur Zentrumspartei. Wären die Be- ziehungen deS Zentrums zum Vatikan noch so gute wie unter Leo Xlll, so würde sich seine Presse recht wenig darum quälen, wie Blätter von der Qualität der„Nordd. Allgem. Ztg." über die Frage denken: Billigt der heilige Stuhl die Politik des Zentrums? Die leitenden klerikalen Blätter, wie die „Germania" und die„Köln. Volksztg.", würden einfach die Redens- arten mit einigen satirischen Spöttereien abfertigen und damit wäre die Sache erledigt. Aber heute hat tatsächlich diese Frage eine einschneidende Bedeutung für das Zentrum. Daß es sich durch seine Stellungnahme zur Dernburgschen Kolonialpolitik um die Gunst der Regierung gebracht hat und nun nicht mehr als Regierungspartei die sogenannten katholischen Interessen, d. h. die Interessen der kirch- lichen Hierarchie vertreten kann, wird dem deutschen Zentrum von der römischen wie von der deutschen Kurie um so mehr ver- dacht, als das Papsttum in Frankreich seine einstige mächtige Stellung mehr und mehr verloren hat. Die materiellen Interessen der Zentrumsanhänger kommen für die Kurie erst in dritter oder vierter Linie in Betracht; für sie sind das Vornehmste und Wich- tigste ihre kirchlichen Interessen, und diese findet sie weit besser gewahrt, wenn das Zentrum Regierungspartei spielt und für die Zugeständnisse auf weltlichem Gebiete Borteile für die katholische Kirche verlangt, als wenn es eine Oppositionsstellung einnimmt. Mag äußerlich auch die Kurie ablehnen, der Zentrumspartei irgend welche Direktiven zu geben, um nickst die schöne Behauptung zu widerlegen, daß das Zentrum keine konfessionelle Partei sei uird selbst vom Papst sich nicht in seine Politik hineinreden lasse; hinter den Kulissen werden die Leiter des Zentrums von dem hohen Klerus um so kräftiger bearbeitet, damit es nicht wieder in solche Obstruk. tionSfehler verfällt, wie vor dem 13. Dezember ISOö und sich auf feine künftige Rolle im konservativ-klerikalen Block vorbereitet. Selbst die ehrsame„Germania" wagt denn auch nicht zu be- streiten, daß man in Rom mit der heutigen OppositionSstellung des deutschen Zentrum? unzufrieden ist. „Daß man im Vatikan wünscht," schreibt sie,„die Stellung deS Zentrums zur Regierung möchte ander? sein, und daß man Glaubt, den katholischen Interessen sei mit einer anderen Stellung besser gedient, ist ja nicht unwahrscheinlich. Nur ist zu beachten, daß nicht das Zentrum diese Stellung gewollt und herbeigeführt. sondern daß Fürst Bülow den Streit vom Zaun gebrochen und ihm den Fehdehandschuh hingeworfen hat. Er hat es„ausge- schaltet" und tut alles, um es mit dem Block zu regieren. Es war ihm lästig, mit dem Zentrum zu arbeiten, und deshalb hat er mit ihm gebrochen; nicht aber ist das Zentrum in die Oppo- sitionsstellung gegangen. Wenn die„Nordd. Allg. Ztg." sagt — und wohl auch Fürst Bülow im Vatikan gesagt hat—, die gegenwärtige Stellung des Zentrums sei durch katholische Interessen jedenfalls nicht geboten und ebenso- wenig zu erklären, so heißt das doch die Dinge auf den Kopf stellen. Wann hätte denn das Zentrum so etwas behauptet? Die Stellung des Zentrums erklärt sich, wie gesagt, ganz einfach daraus, daß Fürst Bülow ihm plötzlich einen Fußtritt versetzt hat. niemals ist es aber dem Zentrum eingefallen zu behaupten. cS müsse wegen der kirchlichen Interessen in die„Opposition" treten. Soweit von diesen überhaupt die Rede gewesen ist, ist immer nur gesagt worden: Fürst Bülow hat das ganze Kulturkämpfertum jetzt auf seiner Seite; alle Kotholikcnfcind« jubeln ihm zu, weil er dem Zentrum den Krieg erklärt hat, er hat die Blockmehrheit nur erlangt, weil die Katholikenfeinde sich einigten und man von ihm erwartet, daß er eine den katholischen Interessen un- freundliche Politik treiben werde. An diesen Tatsachen ändert es nichts, daß Fürst Bülow persönlich nicht zur Kulturkämpferei• neigt und auch den Vatikan von seinem ehrlichen Willen, Parität walten zu lassen, überzeugt haben mag." Sonst liebt eS die Zcntrumspresse, sich aufs hohe Pferd zu setzen und zu behaupten, die Zentrumspartei fühle sich in ihrer jetzigen Lage außerordentlich wohl; hier wird mit journalistischer Ungeschicklichkeit offen zugegeben, daß man erstens im Vatikan mit der jetzigen Stellung des Zentrums ganz unzufrieden ist. zweitens, daß das Zentrum diese S t e l. lung nicht gewollt hat und wider seinen Wllen in sie hineingeraten ist. und drittens, daß diese seine gegenwärtige Stel- lung„durch das katholische Interesse jedenfalls nicht geboten" ist, das heißt, in gewöhnliches Deutsch über- setzt, nicht dem katholischen Kircheninteresse entspricht. Böte sich die Aussicht, die frühere Stellung heute oder morgen zurückzu- erlangen, das Zentrum würde keinen Moment zögern und sich be fleißigen, nie wieder in Obstruktionsfehler zu verfallen, die zu einer RcichstagSauflösung führen könnten. Campbcll-ßannerman. Aus London kommt die Nachricht, daß Campbell-Banner� man Mittwoch vormittag gestorben ist. zwei Wochen nach seinem durch die Krankheit erzwungenen Rücktritt vom Ministerium. Wir haben das Wirken dieses denwkratischen Staatsmannes erst vor kurzem ausführlich dargestellt. Campbell Bannerman war ein hervorragender Typus jener englischen Politiker, für die die Demokratie noch eine Weltanschauung be deutete. Er empfing die Eindrücke, die sein politisches Denken bestimmten, zu einer Zeit, da der Gegensatz zwischen Bürgertum und Arbeiterklasse überbrückbar schien und tatsächlich auch eine Zeitlang überbrückt wurde durch das Programm demokratischer Politik, freier und ungehinderter Entfaltung der Arbeiter organisationen und energischer staatlicher Sozialreform. Campbell-Bannerman war ein bedeutender Vertreter dieser Politik, deren Idealen, die stets kühner und höher waren als die des kontinentalen Liberalismus, er immer und in den schwierigsten Krisen seiner Partei treu geblieben ist. Und stets blieb in ihm jenes alte Humanitätsideal lebendig, das einst unsere klassischen Dichter und Denker verherrlicht hatten und s das deutsche Bürgertum von heute frech verspottet oder— noch schlimmer— zu seinen Festreden miß braucht. In Bannennan wie in vielen der alten englischen Radikalen aber war es lebendig. und wirk- ämes Motiv ihres Handelns. So war Bannerman ein überzeugter Verfechter der Abrüstungsidee und nicht seine Schuld war es. wenn seine Idee aus der Haager Friedeukonferenz zu einer lächerlichen Farce wurde. Aber gerade dies zeigt zu gleich die Grenzen einer Politik, die illusionär werden muß, weil für sie die politische Demokratie eine Lösung des Klassenkampfes scheint, während sie nur die höchste Form ur die Klassenkämpfe unserer Zeit bedeutet. CampbeC Bannerman selbst erlebte noch die große Tatsache der inneren englischen Entwicklung der neuesten Zeit: das Entstehen und den raschen Aufstieg der unabhängigen Ar beiterpartei, die Loslösung der Arbeiter auch vom eng tischen, dem energischesten und lebenskräftigsten Zweig des Liberalismus. Und wenn der Gegensatz zwischen der Arbeiter und der liberalen Partei auch noch parlamentarisch bisweilen gemildert werden konnte, so erschien das als Verdienst der Person mehr als des politischen Prinzips, das Campbell- Bannerman verkörperte, und sein Tod setzt diesem Wirken das Ende. Leise und allmählich— nach Art der englischen Eni- Wicklung— aber doch unverkennbar löst sich der Bund der bürgerlichen Demokratie und der Arbeiter auch in England. Die Erben Campbell-BannermanL können nicht mehr seine Testamentsvollstrecker sein. Jim dem Maklksmpf. Wozu die Junker die freisinnigen Blockhörigen gebrauchen! Aus dem Parteilag der Freisinnigen Vereinigung in Frank- furt a. M. waren sich alle Vertreter eines wirklichen Liberalismus darin einig, daß die Konservativen und ihr Handlanger, der Fürst Bülow, den Block nur dazu benutze, um die in der Sozial- demokratie organisierte Arbeiterklasse zu be- kämpfen. Der Block sei nichts als eine andere Form des Reichs- Verbandes zur Bekänipsung der Sozialdemokratie. Wie richtig das ist, beweist folgende Auslassung der„ K r e u z- Z t g.": „Die A r b e i t e r p o l i t i k ist es zumeist, die daS Z e n t r u m immer weiter von den Konservativen im Reichstage entfernt. Und ebensoweit wie die Konservativen sich in diesen Fragen vom Zentrum fern halten, würden sie sich von den Frei- sinnigen fernhalten, wenn diese eines TageS den Herrn Naumann, V. Gerlach usw. die Führung in sozialpolitischen Dinge» übertrügen. Man wirst uns Sozialistciifurcht vor, weil wir offen und laut die sozialistische Stellung zum Schiboleth machen. Aber uns leitet nicht die Furcht, sondern die Pflicht, das Reich vor inneren Erschütterungen zu bewahren, die seinen politischen und wirtschaftlichen Ruin, vielleicht sogar blutige Nevolulionen zur Folge haben würden. In diesem Bestrebe» stehen unS die Freunde d er.Vossischen Zeitung" und der. Freisinnigen Zeitung" jetzt näher als das Zentrum, und darin wolle denn auch die.Bossische Ztg." die einfache Erklärung dafür suchen, daß die Konservative» ein wichtiges Staatsinteresse in der Beteiligung des Freisinns an der Gesetzgebung erblicken.... Sollte aber auch im Block eines Tages dir Rucksichl aus die Stimmen der Arbeitermasscn den Ausschlag gebe», dann würden die Konservativen ihm den Rücken tchren müssen." Und wie beantwortet der Freisinn diese Herabwürdigung deS Freisinns zu einem junkerlich scharfmachcrischen Werkzeug gegen die Arbeiterklasse? Etwa dadurch, daß er die Attentate gegen daS Koalitionsrecht, die er durch Bewilligung des Sprachen- und deS Jugendlichen- Paragraphen deS Reichs- vereinögesetzeS unterstützt hat. durch künftige doppelte Rücksicht aus die Interessen der nichtbesitzenden Klasse wieder gut zu machen sucht?! Im Gegenteil! Gerade dadurch, daß er. wie der Antrag Dove-Mommsen aus dem Parteitage der Frei- sinnigen Bereinigung beweist, die weitgehendste Geneigtheit bekundet, dem mit neuen Knebel- und Ausnahmegesetzen be- glückten Proletariats auch noch neue indirekte Steuern in Höhe von Hunderten von Millionen aufzubürden! Je unverschämtere Zumutungen die Konservativen dem„Freistun" stellen, desto schmiegsamer wird der Freistnnl— Liberale Oster-Gedankc«. Die„Posen er Zeitung", ein„liberales" Blatt, be- geistert sich für das allgemeine und gleiche Wahlrecht in einem Oster-Artikel folgendermaßen: „Ein Teil der Liberalen fordert für Preußen daS Rei chö- tagswahlrecht. weil eS allem gerecht sei. Erbeharrt so fest auf seinem Standpunkt, baß eS schwer wird, ihn zu bekehren. Aber der Versuch hierzu sei doch gemacht. Ist nicht das Wahlrecht viel mehr eine Zweckmäßigkeits- denn eine juristische Frage? Was heißt gerecht? Wollte man die sogen. Gerechtigkeit konsequent durchführen, wollte man alles„gerecht" verteilen, so würde man bald die Versümpfnng der Menschheit bis zur geistigen Anarchie erleben. Dann würde bald nach sozialdemokratischem Rezept die Herrschaft der unsähigen Massen über alle Individualität, die Herrschast der Plattheit über die Be- gabung eintreten. Davor bewahre unS der Himmel! Beim Wahlrecht kann es sich nur um die Frage handeln: ist es dem Vaierlonde am dienlichsten. Hat man ein diese Frage be- friedigend beantwortendes Wahlrecht gefunden. so ist eS das jeweils beste. Freilich ist's ein schönes Ideal, daß das allgemeine. gleiche Wahlrecht zugleich das beste, das dem Lande dienlichste ist. Jeder liberale Mann wird es in seinem H e r� e n tragen müssen. Aber leider ist Prenßen für dieses Ideal noch nicht reif. Man verweise in Bestreitung dessen nicht auf das ReichStagswahlrecht. Es ist allgemein und g l e i ch, das ist richtig. Und doch kann es unmöglich als„gerecht" bezeichnet werden." Das' Blatt, das so schreibt, galt seinerzeit als Sprach- rohr Eugen Richterschen Freisinns I Aber das Blatt will doch wenigstens„liberal" sein. Und selbst die Nationalliberalen, die äußerste Rechte des Libc- ralisinnS, haben doch am 10. Januar 1908 im preußischen Abgeordnetenhause wenigstens den Antrag auf gleichmäßige Neueinteiluug der Wahlkreise eingebracht. Aber selbst diese Forderung gibt das„liberale" Posener Blatt preis, indem es schreibt: „Hätten wir„gerecht" e i n g e t e il t e W a h l k r e i se, so hänen wir ein Ueberwiegen der Sozialdemo- kratie, daß die Revolution und damit der Untergang unseres Reiches unausbleiblich wären; oder aber die deutsche Kultur würde zwischen der schwarzen und der roten Internationale zcr- malmt werden. Nein, niit dem ReichStagswahlrecht komme man uns nicht! ES ist nur scheinbar gut. weil eS in der Wahlkreiseinteilunz ein Gegengewicht gegen seine Mängel befitzt." So sieht der Liberalismus in der P r o v i n z kann sich neben dem von der„ F r e i f. Z t g." „Voss. Ztg." verzapften mit Ehren sehen lassen! aus I und Er der poUtilcbc ölberlicbt Berlin, den 22. April 1908. Efelsfusttritte. Der aus der Freisinnigen Vereinigung aus- geschiedenen Minderheit verabfolgt die„ F r c i s. Ztg.", das kommandierende Organ der Frakionsgemeinschaft der drei freisinnigen Parteien, folgende Eselsfußtritte: „ES ist darum auch eine schiefe Darstellung, nach dem Aus- tritt der Barth-Gruppe von einer.Spaltung" zu sprechen. Viel- mehr handelt es sich nur»m Absplitterung eines kleinen Teiles, haupffächlich von„Offizieren", die so gut wie gor keine Truppen hinter sich haben. Sckion aus diesem Grunde wäre es durchaus dcplaziert, etwa zu behaupten, daß der entschiedene Liberalismus durch die Sezession auch nur numerisch eine Schwächung erhalten hätte... Aber auch abgesehen davon wird man den Austritt der Barth- Gruppe im Interesse deS entschiedenen Liberalismus um so freudiger begrüßen dürfen, als dadurch endlich einigermaßen klare Ver- hältnisse geschaffen sind und dem inneren Zerwürfnis, das die Werbekrafl einer Partei unter allen Umständen schwer schädigen muß, ein Ziel gesetzt ist— wir wollen das wenigstens hosten trotz der Aeußerung eines BarthianerS auf dem Parteitage, daß, wenn auch Barth ginge, die Barthsche Richtung in der Freisinnigen Ver- einigung bleiben werde. Außerhalb deS sreisinnigen Parteiverbandes hat das Dcniagogentum gar keinen Einfluß. Was die Barth-Gruppe jetzt tun wird, darf man mit Ruhe abwarten. Ihre Organe bestreiten, daß die Bildung einer neuen Partei geplant sei. Abg. I). Naumann hat ja unlängst»och aus Grund eigener Erfahrung auseinandergesetzt, daß zwischen dem Freisinn und der Sozialdcinokralie leine neue Partei mehr bestehen kann. Aber nachdem die Desperados bereits so viel Torheiten begangen haben, ist ihnen schon zuzutrauen, daß es ihnen aus eine weitere nicht ankommen wird. Indessen, das soll nicht unsere Sorge sein. Für uns muß eS vorläufig genügen. daß die Demagogen durch ihren Austritt für den entschiedenen Liberalismus nahezu unschädlich gemacht sind."... Die„ F r e i s. Ztg." nimmt also au, daß der Heraus« Wurf der Handvoll ehrlich liberaler„Offiziere" aus dem Freisinn der Partei nicht daS geringste schaden wird l Das führende FreisiimS-Orijan hält also die freisinnigen Arbeiter für so st u ni p f s i n n t g, daß sie auch diesen„Tritt vor den Bauch" ohne Mucksen ertragen werden! Wir als unparteiische Dritte wollen die Antwort den Hirsch-Dunckcrschen Arbeitern selbst überlassen I Halbe Wahrheiten. In der Hauptversammlung des Bundes deutscher Boden- reforme r sprach Professor Adolf Wagner Über eine staat- liche Wertzuwachs st euer. Die Berechtigung der Wertzuwachssteuer werde immer weniger bestritten. Der Wertzuwachs sei aus die menschliche Tätigkeit zurück- zuführen, aber hier arbeiten die einen und die anderen ernten. Diese Erscheinung sei nirgends in dieser ausgeprägten Form zu finden wie beim Grund und Boden. In der letzten Zeit habe sich Deutsch- land außerordentlich entwickelt, zugleich aber auch der Wertzuwachs und die Spekulation auf die wahrscheinliche Wertsieigerung. Wo bei dieser Spekulation etwas riskiert wird, ist die Arbeit dafür sehr klein, die Gewinne aber sind unverbälinismäßig groß, und zwar aus Kosten der späteren Generalion. Die feudalen Lasten waren gering gegen diese Lasten, die den künstigen Mietergenerationen auferlegt werden. Namenilich im Mittel- punlt der Städte seien die Fälle am häufigsten, wo eine ganz kolossale, unverdiente Werlsteigerung vorhanden ist. Be- onderS sollte man in S ü d d e u t s ch l a n d den Gemeinden das Recht geben, diese Wertzuwachssteuer zu erheben. In Preußen rate a die Regierung bereits zu dieser Steuer. Eine werbende enthusiastische Agitation müsse sich dieser Forderung annehmen, die- Theoretiker allein können sie nicht durchsetzen. In Finanz- und Sleuerfragcn sei Deutschland geradezu ein knickerigeü Volk. Jede geplante Reichsstcuer finde eine Majorität von Gegnern, aber keine eine Majorität von Freunden. �Heiterkeit.) Man werde auch die B i e r st e u e r. die Branntweinsteuer und die Tabaksteuer kaum umgehen kön.nen. Aber diese Steuern auf die Massenkonsum- artikel belasten nach unten mehr als nach oben. Darin hat die Sozialdemokratie trotz aller Ueber- treibungen recht. Darum gehören auch die direkten Steuern wie die Erbschaftssteuer auf direkte Deszendenten dazu. Aber dann heißt es. daS sei eine Verletzung der heiligsten e f ü h l e. fHeiterkeit.) Wann hätte irgend eine Steuer aber noch keine heiligsten Gefühle verletzt? lGroße Heiterkeit.) Es ist nötig, den Gedanken an unverdienten Wertzuwachs bei allen Steuer- Problemen besonders zu beachten. Zuerst kSme die staatliche Wert- zuwachssteuer als Reichssteuer in Frage. Der Betrag wäre unter das Reich. Staaten und Gemeinden zur Verteilung zu bringen. Die Bismarcksche Finanzpolitik hatte den Fehler, die indirekten Steuern zu einheitlich auszubauen. Mit der Erbschaftssteuer auf die Neben- linien haben wir den Anfang mit den direkten Reichs- steuern gemacht. Die Finanzlage des Reiches sei kläglich. Deswegen brauchen wir die Wertzuwachssteuer auch für da» Reich. Den Grund und Boden zum Spekulationsgegenstand zu machen, fei bedenklich. Man müsse dazu kommen, solche Geschäfte für unfair zu halten. Man könne eS den kleinen und armen Leuten nicht übel nehmen, wenn sie durch solche Tatsachen, wie die Speku- lationen mit Grund und Boden, aufgeregt und aufgereizt werden. Das Ergebnis seiner Ausführungen sei: Die Frage der Wert- zuwa»Ssteuer für Gemeinden ist theoretisch und praktisch nicht mehr zu bestreiten. Wo die Gesetzgebung sie noch nicht zuläßt, ist sie rück- ständig. Die Ausdehnung der Steuer auf Land und Reich mag noch nicht spruchreif sein, aber diskutabel ist sie auch. Der Vortrag zeigt deutlich alle Schwächen und Stärken des letzten Vertreters der„konservativen Sozialreform". Wagner sieht sehr deutlich die Ungerechtigkeit der indirekten Steuer, aber das hindert ihn nicht, sie als„kaum zu umgehen' zu betrachten. Denn sonst wäre er ja nicht konservativ. Er erkennt sehr richtig die Unerträglichkeit des Bodenwuchers in den Städten, er verurteilt den Sündcnlohn, die die Spekulanten erzielen, indem sie den Arbeitern den zum Leben not- wendigen Luftraum fortgesetzt verteuer»; aber Wagner ist konservativ und daher ein begeisterter Anhänger des unverdienten Wertzuwachses gewesen, den die Wucherzölle unseren Agrariern gebracht haben. Aber Wagner weiß, daß die Arbeiter weniger konservativ sind als er und da er das doch wieder fürchtet, so ist er ein Gegner des gleichen Wahlrechts. Und so mordet sein Konservatismus beständig seine Sozialresorm und seine Politik bleibt mit jener Unfruchtbarkeit gs- schlagen, die der Fluch jeder Halbheit ist. Der Grostvezier des ReichslandeS. Staatssekretär v. Köller hat wieder eine seiner bekannten Ver- fllgungen erlassen, diesmal an die Lehrer des ReichslandeS. die eS gewagt, sich mit der Frage zu beschäftigen, ob die konfessionelle oder die Simultanschule vorzuziehen ist: eine Frage, die nach Herrn v. ÄöllerS Ansicht schon deshalb die Lehrer nichts angeht, weil sie durch die„gesetzgebenden Faktoren" entschieden wird. Der Köüersche Erlaß hat folgenden kuriosen Inhalt: „Dem einzelnen Lehrer ist einerseits die Freiheit der MeinungS- äußerung über Schulangelegenheiten, soweit ihm nicht die Pflicht der Amtsverschwiegenheit obliegt, nicht zu verkümmern. Dabei ist eS gleichgültig, ob diese Meinungsäußerung mündlich oder schriftlich, ob sie in der Presse oder innerhalb eines Fachvereins erfolgt, sofern sie überhaupt in einer formell nicht zu beanstandenden Weise erfolgt. Dagegen ist eS andererseits nicht zu dulden, daß ein Lehrer durch agitatorische Behandlung der Schulfragen das Ber- trauen der Gemeinde zu der Tätigkeit der Schule stört. In solchem Falle hat er das Einschreiten der Schulbehörde zu gewärtigen. Die borstehenden Sätze beziehen sich selbstverständlich auch auf die in letzter Zeit oft gehörten Erörterungen. ob die konfessionelle oder die Simultanschule den Vorzug verdiene. Ich bemerke dabei, daß die Erörterungen nach der Lage der Dinge für den Bereich von Elsaß-Lothringen zurzeit lediglich theoretische Bedeutung haben, und daß diese Frage, wenn sie künstig einmal für eine Neueinrichtung des Schulwesens zur Behandlung gestellt werden sollte, nicht durch Fachvereine und Fachzeitschriften, sondern durch die gesetzgebenden Faktoren entschieden werden wird. Die Lehrerschaft wird daher wohltun, sich nicht in Diskussionen zu verlieren, denen eine praktische Bedeutung nicht innelvohnt und besser daraus Bedacht nehmen, wie sie als Ganzes und wie jeder einzelne Lehrer die berufliche Weiter- bildung so fördert, daß er möglichst gut dem geistigen und sittlichen Wohl der ihm anvertrauten Jugend dient." Konservative und Zentrum. Die liberale Presse hat, als bei der Beratung des Reichs- vcreinsgesetzes und des Börfenkompromisses Zentrum und Konservative aufeinander platzten, der Welt mit boshafter Schadenfreude verkündet, daß nun die alte Liebäugelei znnschen der Zentrums- und der konservativen Partei beendet sei und diese gegenseitige Verstimmung bei den bevorstehenden Land- tagswahlen sicherlich eine Rolle spielen werde. Tatsächlich läßt sich nicht leugnen, daß in den letzten Wochen das Verhältnis zwischen Konservativen und Zentrum sich verschlechtert hat. Aber wird dieses Schmollen anhalten? Beide Parteien fühlen sich in ihrer Vorliebe für niittelalterliche politische Institutionen wie in ihren Wirt- schaftspolitischen Ansichten nahe verwandt, und die konser- vativen Politiker sind nicht so einfältig, um nicht zu er- kennen, daß der 13. Dezember 1906, wenn auch heute die Zcntrumspresse radikale Töne anschlägt, nicht eine Stärkung des linken, demokratisch schillernden Flügels der Zentrums- Partei zur Folge gehabt hat. sondern eine Stärkung des Ein- flusses der hohen Klerisei. In der abgelaufenen Zeit von 1879 bis 1906, in der Zentrum und Konservative zusammen- arbeiteten, hat es keineswegs an Anlässen zum Bruch gefehlt, so z. B., als der Kartellreichstag kam und als 1893 das Zentrum bei der Militärvorlage nicht mittun wollte; aber die innere Seelenverwandtschaft zog immer wieder beide Parteien zu einander hin. Auch die jetzige Verstimmung Wird nicht lange vorhalten; erklärt doch die konservative Presse, voran die„Kreuz-Ztg.", ganz offen, daß dort, wo bei den Landtagswahlen Freisinns- und Zentrumskandidaten in die Stichwahl kommen würden, die Konservativen nicht für ihren Blockbrudcr, den Freisinn, sondern für den Zentrumsmann eintreten würden, da wenigstens die Zentrumsleute aus dem Osteu in Wirklichkeit nichts anderes als durch den Kulturkampf ab- gesprengte Konservative seien. So heißt es z. B. wörtlich in der Osternuntmer der„Kreuz-Ztg.": „Konservative und Freisinnige betrachten einander nicht als bündnisfähig. Bei den Reichstagswahlen sind die konservativen Wähler überall für die freisinnigen Kandidaten in der Stichwahl gegen die sozialdemokratischen eingetreten. Sie werden bei den LandtagSwahlen überall da, wo nur Freisinn und Sozialdemokratie vni das Mandat kämpfen, geschlossen für den ersteren eintreten, erwarten aber leine Gegendienste und müssen täglich hören, daß der Freisinn dazu auch nie bereit wäre. Weiter aber geht das Interesse der Konservativen an dem Schicksal deS Freisinns nicht. Wo ein freisinniger Kan- didat und ein demokratischer Zentmmskandidat um den Sieg ringen, dürsten nur wenige Konservative ihr Wahlrecht aus- üben; einem konservativen Zcntrumskandidaten aber werden sie wie bisher vor dem freisinnigen Kandidaten den Vorzug geben, und wo von alterSher ein Wahlbündnis zwischen den Konservativen und dem Zentrum besteht, ist es auch für die Landtags- wählen erneuert worden, oder es wird er- neuert werden. Die Zentrumöfraktion des Abgeordneten- Hauses steht eben noch nicht so unter dem Banne einer demo- kraiischen Mehrheit wie die ZentrumSsraktion deS Reichstages; manches ihrer Mitglieder auS dem Osten der Monarchie würde sich zu den Konservativen halten, wenn nicht durch den Kulturkampf die kirchliche Spaltung in die Politik eingeführt worden wäre; auch nimmt im Abgeordnetenhause das Zentrum nicht dieselbe OpposttionS- stellung zur Regierung ein wie im Reichstage."— Der„Reichsbote" und die Feuerbestattung. Kürzlich lief durch die Presse die Meldung, daß die preußische Regierung endlich bereit sei, die fakultative Feuerbestattung in Preußen einzuführen. Das hat die konservativen und ultramontanen Blätter arg verschinipft. In den wehleidigsten Tönen klagen sie über Unter- grabung des religiösen SinnS. Am albernsten benimmt sich dabei natürlich der„Reichsbote", das Blatt der orthodox- protestantischen Pastoren und anderer„Einfältigen im Geiste". ES leistet sich folgende für seine eigene Stupidität wie für die Verstandeslraft seiner Leserschaft gleichermaßen charakteristiiche Albernheit: „Der biedere Deutsche, der täglich seine liberale Zeitung liest, glaubt auch die absurdeste Torheit, wenn sie ihm nur mit einigen wissenschaftlichen Phrasen dargeboten wird; wie er glaubt, daß der Mensch von, Affen abstammt, obgleich eö aller naturwissenschaftlichen Erfahrung widerspricht, so glaubt er auch, daß die Leichenverbrennung ein Kulturfortschritt sei, obgleich schon vor Jahrtausenden in vielen heidnischen Län- der» auf Feuerherden und Scheiterhaufen die Ueberreste ver- brannter Leichen herumlagen und in Indien noch jetzt zum Ekel aller anständigen Menschen herumliegen. Aber bei uns will man ja die Leichen nicht auf Scheiterhaufen verbrennen, sondern in künstlich erbauten Krematorien. Diese sind aber sehr teure LuxuSbaulen und die Verbrennung veranlaßt große Kosten. Wenn nun die ärmeren Klassen der sozialdemokratischen Fabrik- arbeiter auch diesen Fortschritt mitmachen und ihre Leichen wollen verbrennen lassen, so werden sie von kostbaren Krema- torien Abstand nehmen und die Feuerstätten einfacher und die Verbrennung billiger machen— und wer will ihnen das wehren, wenn die Leichenverbrennung erst eingeführt ist? So können wir auch in Deutschland erleben, daß, wie in Indien, die halbverbrannten menschlichen Fleisch- und Knochenresteauf der Gasseherum- liegen und von den Hunde» angenagt tv erden. Aber was tut'S, die Leichenverbrennung ist ja modernster Fort- schritt, und wehe dem, der sie nicht als solchen lobt." Wir finden ganz begreiflich, daß daS ehrsame Pastorenblatt sich gegen den Gedanken wehrt, der Mensch stamme vom Affen ab; denn gerade sei» Geschreibsel legt den Gedanken sehr nahe, daß die Ahnen gewisser Redakteure zu den Schimpansen oder Pavianen ge- hört haben müssen._ Eine Begutachtung des preustischcn Liberalismus. Der badische Jungliberalismus, ein ent- täuchster, irrlichternder Jüngling, wirft anläßlich der bevor- stehenden Tagung seines Vertreterverbands(am 1p. Mai in Konstanz) die Frag- auf: Sein oder Nichtsein? Sein Lebenslauf soll nämlich durch die Einverleibung in den R e i ch s v e r b a n d der Jungliberaliiät etwas verlängert werden. Ein halbe? Dutzend der badische» jungliberalcn Bereine erblickt aber gerade darin eine Beschleunigung des befürchteten Unterganges. Deshalb pro- testieren in einem Artikel„Der badische Jungliberalismus am Scheidewege" die Oppositionellen gegen die Bestrebungen des badischen Verbandsvorsitzendcn, der im Interesse der Stärkung des norddeutschen Liberalismus den Anschluß lebhaft— zuletzt in einem Rundschreiben— befürwortet. Darauf antwortet der Artikel der jungliberalen Opponenten(„Bctdische Nachrichten" vom 18. April) also: „Wir sind wohl alle Freunde der liberalen Einigung; aber mit Leuten, die sich nicht für die Einführung des NeichStagöwahlrechteö in Preußen begeistern können, gehen wir doch nicht unter eine Haube, denn mit Recht müssen wir eine Mundtotmachung der entschieden libe- r a l e n badischen Elemente durch die konservativfrcund- licken norddeutsche» Brüder befürchten. Darüber täuschen uns keine schönen Worte hinweg. Deshalb nochmals: Hände weg vom Reichsverband!" Es wird jedoch den badischcn Jungburschen nichts nützen, so sehr sie widerstreben. In Konstanz, wo einstens die Ketzer Ver- brannt wurden, geht die Fronde zu Ende.— Selig sind die Grostmäuligen! In Köln fand am Ostermontag eine große Versammlung des Ka r t e l l v e r b a n d e s der katholischen Vereine statt. Als Redner traten Reichstagsabgeordneter Bitter aus Kiel, Kaufmann Nikola Nacke aus Mainz und Geheimer Justiz- rat R o e r e n(Köln) auf. Herr Bitter redete über die Presse, Herr Racke über alles und sonst noch was. Herr R a ck e ist einer der bekanntesten klerikalen Versammlungsredner, und es wird wohl kaum eine katholische Stadt geben, in der er nicht schon wiederholt aufgetreten ist. Sein Steckenpferd sind Kulturkampferinnerunge». Tiesmal befaßte er sich u. a. auch mit dem Ausspruche eines protestantischen Eiferers: dem Protestantismus verdanke die Welt fast jeden Fortschritt auf allen Kulturgebieten. Herr Racke verfiel in das andere Extrem und nahm eine Aufzählung der«großen katholischen" Rhetorcn, Philosophen, Architekten, Maler, Komponisten, Forscher usw. vor. Allzuviele ließ Herr Racke für die anderen Bekenntnisse nicht übrig. Er rief dem Protestanten als Antwort auf dessen Behauptung zu:„Fort aus unseren Galerien mit den Künstlern wie Lionardo da Vinci, Michel Angelo, Murillo, Velasguez, Rubeuö usw! WaS habt ihr unter der Knlturmenschheit zu suchen, ihr zurückgebliebenen Katholiken wie Kolumbus und Gutenberg, ihr Astronomen, Physiker und Chemiker, Naturforscher und Aerzte: Kopernikus, Galilei, Volta, Ampere. Pasteux, DumaS, Fraunhofer! Laßt eure Leier ver- stummen ihr Mozart, Haydn, Palästrina, Orlando di Lasso, Liszt, Chopin. Verdi!.. Herr Nikola Racke auS Mainz versteht eS in der Tat. Ge- währsmänner für die unerreichbare Qualität des klerikalen Systems auS dem Boden zu stampfen. Er versucht feinen ge- duldigen Zuhörern den Glauben beizubringen, daß die Männer seiner glänzenden Namenreihe nicht nur jeder katholisch getauft, also lediglich durch den Zufall der Geburt„Katholik" ge- worden sind, sondern als ob man es in ihnen mit unentwegten Bekenner« deS klerikalen DogmcnschatzeS, der ultramontanen Weltanschauung zu tun habe. Der Zentrumsabgeordnete Eduard Fuchs aus Köln pflegt in seinen Reden stets Arm in Arm mit seinem Herrgott die Gegner in die Schranken zu fordern; Herr Nikola Racke aus Mainz be- schlagnahmt gleich eine Vielheit irdischer Berühmtheiten für das Zentrumschristentum. Er erhielt dafür, wie die Zentrumspresse berichtet,„stürmischen, langanhaltenden Beifall". Daß die von Herrn Nacke zitierten großen Männer sich zu neun Zehnteln ent- schieden dafür bedanken würden, in eine Volksversammlung ge- schleift zu werden als Gewährsleute eines schönheits-, Wissenschafts- und kulturfeindlichen Dunkelmännertums, stört ja den Anhang des Zentrums nicht weiter. Rubens und Michel Angelo würden von Herrn Roeren, dem Leiter der Versammlung, wenn er die Macht hätte, lieber heute als morgen auf den Scheiterhaufen geschleppt; Galilei wurde von den Vorläufern der Herren Racke, Roeren und Genossen auf die Folterbank gebunden; Kopernikus entging dem nämliche» Geschick dadurch, daß er zeitig genug gestorben ist. Die weltumstürzenden Entdeckungen dieser beiden Geister hat die Kirch? Jahrhunderte hindurch mit wildem Fanatismus verfolgt. Mozart war bekanntlich Freimaurer. Wie viele von all den übrigen Männern, deren Namen Herr Nacke mißbraucht hat, sich am Ostermontag im Grab» uwaedreht haben, läßt sich leider nicht feststellen. Charakteristisch ist die Tatsache, daß die„Kölnische LolkS- zeitung" die Rede des Rcichstagsabgeordneten Bitter ganz bringt, während sie die Rackesche Rede mir einem kurzen A u s z u g abtut. Der im nämlichen Verlage(Bachem) wie die „Kölnische Volkszeitung" erscheinende„Kölner Lokal-Anzeiger" aber widmet der Suada Nückes etliche Spalten. Die„Volks» zeitung" hat ihre Leser in den Kreisen der Besitzenden und Ge- bildeten; der„Lokal-Anzeiger" ist für da» brave katholische Bolk! Portugal. Eine Verschwörung. Der infame Wahlterrorismus der Regierung scheint seine Früchte zu tragen. Wie dem Londoner„Globe" auS Lissabon gemeldet wird, scheinen sich die von verschiedenen Blättern gc- brachten Gerüchte über die Entdeckung einer Verschwör- u n g gegen König Manuel zu bestätigen. Das Komplott sollte bei der Eröffnung desParlaments zur Ausführung kommen, der der König beiwohnen wird. Infolge dieser Entdeckung werden ungeheure Massenverhaftungcn vorgenommen. Aus allen Teilen der Provinz treffen Truppen ein. Am Tage der Parlamentseröffnung wird der Weg vom königlichen Palast zur Kammer von einem dreifachen Truppcnkordon besetzt und der könig- liche Wagen von einer starken Kavallerieabteilung eskortiert werden. R-ußlanck. Der Ausnahmezustand. Petersburg, 21. April. Die Frist des verstärkten Schutzes ist für die Gouvernements Tambow, Orcl und Bessarabicn sowie für die Städte Brjansk. Kischinew und Ackerman, die Frist des außerordentlichen Schutzes für Jalta und den Jalta- bezirk bis zum 19. bezw. LI. April 1999 verlängert worden, für daS Gouvernement Taurien bis zum 8. Oktober 1999. Heber die Stadt Dwinsk wurde an Stelle des Kriegszustandes ber außer- ordentliche Schutz auf weitere sechs Monate verhängt. perNen. Die Vorgänge an der Grenze. Urmia. LI. April. In Tergewar toird jetzt eine Wersch ic» bung der türkischen Truppen vorgenommen. An drei wichtigen Punkten sind FeldwachendetachementS und Wachtposten aufgestellt worden, um jegliche Verbindung zwischen Urmia und den umstrittenen Bezirken an der Grenze zu verhindern. Die türkischen Truppen rücken vor und haben daS Dorf Kapygasan cinge- nonimen. An fünfzehn Stellen außerhalb der Stadt ist die Tele- graphenlinie dreimal durch Kurden unterbrochen worden; beim letzten Male haben sie eine große Anzahl von Telegraphenpfosten weggeschafft. Inclien. Wieder eine„Strafexpedition". Peschawar, 21. April. Eine Streitmacht von 1299 Mann verließ heute Peschawar, um gegen einen Stamm im Mohmand- gebiet, der kürzlich sehr unruhig gewesen war, einen Zug zu unter- nehmen. In der vergangenen Nacht schössen Leute dieses StammcS auf einen englischen Posten und töteten zwei Mann, Amerika. Verdächtige Freundschaft. New Dork, den 19. April.(Eig. Ber.) Schon die bloße Drohung der Arbeiter, für die ihnen von den Gerichten versetzten Prügel bei der Präsidentschaftswahl im Herbst Vergeltung zu üben, hat die Republikaner und Demokraten im Kongreß zu arbeiter- freundlichen Taten(?) veranlaßt. An Stelle deS Eisenbahn-Haft- pslichtgesetzcS, das bekanntlich vor kurzem vom Ober.BundeSgerichl als verfassungswidrig erklärt worden ist, hat man im Kongreß eine neue Vorlage(die sogen. Sterling-Bill) eingebracht, die die Haft- Pflicht der Eisenbahngesellschaften aufs neue feststellt. Ferner liegt dem Kongreß ein Gesetzentwurf des Abgeordneten Hepburn vor, der den Gewerkschaften das ebenfalls vom Ober-Bundesgcricht genommene Boykottrccht wieder geben will. An der letzteren Vorlage, die auf Roosevelts Wunsch eingebracht worden ist, wird in der Kom, Mission noch herumgedoktert. Welche Form der Entwurf schließlich erhalten wird, läßt sich noch nicht absehen, in seiner ursprünglichen Gestalt, bei welcher der arbeiterfeindliche Pferdefuß allzu deutlich zum Vorschein kommt, wird er von den Gewerkschaften bekämpft. Von sehr zweifelhaftem Werte ist auch die bereits erwähnt» Sterlingschc Haftpflicht-Vorlage, die im Repräsentantenhaus und im Senat, den beiden Häusern deS Kongresses, fast einstimmig an- genommen worden ist. Beachtenswert sind die Erklärungen ver» schiedener Senatoren im Laufe der Debatte. Unumwunden gaben sie zu, daß auch der neue Entwurf im Widerspruch mit der Ver» fassung steht und überhaupt höchst oberflächlich ausgearbeitet wor» den ist. Auch Roosevelt, welcher mit der Unterzeichnung der Vor- läge zögert, scheint sich dieser Ansicht zuzuneigen. Was schadet's? Das Gesetz ist überhaupt nicht ernst gedacht, sondern nur als Köder für die Arbeiter. Bis das Ober-Bundcsgericht sich mit der Frage zu befassen haben wird, ob das Gesetz im Einklang mit der Ver- fassung steht, sind die Präsidentschaftswahlen und die Wahlen zum Repräsentantenhaus vorüber. Vorläufig sind die Arbeiter beruhigt, so hofft man wenigstens. Und das war bezw. ist der einzige Zweck des Gesetzes. Hus der parteu Maifeierbcschlutz. Arn Dienstagabend nahm daS Gewerkschaftskartell von H a m b u r g- A l t o n ii zur Maifeier Stellimg. Die von Parteivorstand und Generalkommission in Vorschlag gebrachte Regelung der Unterstützung der Gemaßregeltcn fand keinen Anklang, vielmehr akzeptierte das Kartell die Beschlüsse der Hamburger Parteiorganisation. Die Unterstützungsfrage soll später definitiv geregelt werden. In Uebereinstimmung mit der Partei» organisation soll zunächst der Ueberschuß der Maifeier— in den letzten Jahren betrug er etwa 19 999 bis 12 999 M. pro Jahr— für die Unterstützung der Gcmaßregclten zur Verfügung gestellt werden. Die Zahlstelle des Verbandes der M a u r c r zu K i e l beschloß einstimmig, den 1. Mai durch ArbcitSruhe zu begehen. Der»Süddeutsche Postillon" erscheint eines MaschinendcfekteS wegen, wie der Verleger mitteilt, einige Tage später, Voraussicht» lich erst Freitag. Die Abonnenten wollen dicS gefälligst beachten. Zum Nürnberger Parteitag. Zum diesjährigen Parteitag wird WeißheimerS Chorlied„Bei' und arbeit'" von nicht weniger als zwölshundert Sängern gesungen werden. Weißhcimcr wird die Leitung übernehmen. Personalien. Genosse R. Schiller, früher an der„Rhei- nischen Zeitung" zu Köln, im verflossenen Winter Schüler der Parteischule, tritt an Stelle deS zum Arbeitersekretär gewählten Redakteurs Radloff in die„V o l k s w a ch t" zu B r c s l a u ein. Genosse Schädlich, bisher Redakteur der„Freien Presse" in Pforzheim, ist in die Redaktion der Bielefelder„Volkswacht" ein- getrcien. Die Zahl der Redakteur: unseres Bielefelder Bruder- blattes ist damit ans drei gestiegen. Den Austritt aus der Partei hat in O f f e n b a ch a. M. Jakob Streb, Vorsitzender der Ortskrankenkasse Offenbach, er» klart. Er hat gleichzeitig den Vorsitz im GcwcrlschaftSkartcll niedergelegt. Der„Wahre Jakob" zu«itzflchtig für He Amerikaner. . Aus St. Louis wird berichtet, daß die dortige Postbebörde sich weigerte, Nr. 565 des„Wahren Jakob", datiert vom 17. März, zu befördern, weil diese Nummer die Sittlichkeit der Amerikaner gefährde. Die„Arbeiter-Zeitung" von«t. Louis erhielt diesen Be- scheid, als sie ihren Abonnenten den„Wahren Jakob" per Post zu- senden wollte. Die„Arbeiter-Zeitung" bemerkt dazu: „Auf näheres Ausfragen wurde uns der Bescheid, daß Post- Meister Wyman das kleine Bildchen auf Seite 5739, betitelt„Der Reichsdukaten— macher" für unanständig halte. Die betreffende kleine Illustration stellt den Reichskanzler von Bülow tiefsitzend dar, hinter seinem„naturbcdrängt" dasitzenden Reichsschatzsekretär und läßt Bülow den Ausspruch tun:„Ich bin doch neugierig, ob der neue Reichs— schatzsekretär mehr kann als der alte!" Nun, wir wollten nicht als Kunstkritiker auftreten, nachdem Postmeister Wyman sein Urteil abgegeben hat. Ein amerikanischer Postmeister muß alles sein: Spezereihändler, Moralpolizist, Kunstkritiker usw. Hat er sein Urteil gefällt— dann schweigen alle Flöten! Also schweigen auch wir! Wer seinen durch die„Arbeiter-Zeitung" bestellten„Wahren Jakob" haben will, der sende uns 19 Cents, und wir werden Nr. 565 per Expreß(Privatpost) zusenden. Als wir des Postmeisters Assistenten aufmerksam machten, daß „Der Wahre Jakob" 259 609 Abonnenten habe und daß selbst in Preutzen-Deutschland nichts Unmoralisches an dem Blatte wahr- genommen wird, erhielte» wir zur Antwort: „Die Karikatur mag in Deutschland oder für deutsche Leser nichts Anstößiges haben, aber sie kommt auch Leuten zu Gesicht, die nicht deutsch verstehen. Zudem: wenn wir ausländischen Zeitungen derartiges durchgehen lassen, dann gehen hiesige Zeitungen noch einen Schritt weiter." Wir legten gegen die Entscheidung des St. Louiser Postmeisters Berufung an das Gcneralpostamt in Washington ein und erhielten unterm 6. April eine Abschrift der folgenden Entscheidung des Hülfs- Generalanwalts des Postdepartements: „Washington, 4. April 1908. Postmeister, St. Louis, Mo. Mein Herr! In Beantwortung Ihrer Zuschrift vom 39. März sei Ihnen hiermit mitgeteilt, daß die ausländische Zeitschrift„Der Wahre Jakob", wovon Sie ein Exemplar unterbreitet, obszön(indezent) ist, und Sie sich deshalb weigern sollten, Exemplare von der be» treffenden Ausaabe zu befördern. Achtungsvollst R. P. Goodwin, Assistent Attorney General." Zum Schlüsse gibt Genosse Höhn, der Redakteur der«Arbeiter- Zeitung", den Rat: „Möge der sündhafte Künstler im Schwabenlandc künftig den St. Louiser Moralkodex studieren, ehe er seinen Reichskanzler wieder bildlich darstellt, und möge er jenen anstößigen, unaussprechlichen Porzellantopf deS deutschen Reichsschadsekretärs in eine Entfernung rücken, wo ihn unser herzensguter St. Louiser Postmeister nicht mehr zu Gesicht bekommt. Um wirkliche Moral und Anstand zu erlernen, sollte der Schwabenkünstler nach St. Louis kommen— nach der Metropole bei der Missourimündung, wo jedes Stadtratsmitglied die personi- (ijiierte Tugend, und jeder andere Politiker, vom öffentlichen Hunde- anger bis zum Postmeister, in engelreincr Moraltracht einhcrgeht. lnd das sollten sich die schwäbischen ZeiwngSmsnschen künftig merken! Ihr kennt St. Louis noch lange nicht— noch lange nicht I* Ter schweizerische sozialdemokratische Parteitag findet nach einem Beschlüsse des Parteikomitees, das an den Ostertagen in Biel eine Sitzung abgehalten hat, un November in Llten statt. Sozialistische Wahlersolgr. Bei den jüngsten Gemeindewahlen in M i l w a u k c« im Staate Wisconsin haben die Sozialdemokraten wieder gute Fortschritte ge- macht. In keiner Stadt in den Vereinigten Staaten hatte die Partei so viele Vertreter im Stadtrat, als in Milwaukee. Diese Zahl hat sich jetzt wieder um drei vermehrt, so daß 15 Sozialdemo- kraten neben 27 Demokraten und 11 Republikanern im Stadtrat sitzen. Tie Stimmenzahl hat sich seit der letzten Wahl— vor zwei Jahren— um 4981 für den Bürgcrmeistertandidaten der Partei erhöht und beträgt jetzt 29867. Auch zwei Friedensrichter erwählte die Partei. Die Genossen sind sehr hoffnungsvoll und erklären, die völlige Eroberung Milwaukees. wo übrigens die Zahl der Deutschen sehr groß ist, sei nur noch eine Frage kurzer Zeit. polireUicbeo, ßcrichtlichcs uftv. Strafkonto der Presse. Wegen„Beleidigung" deS ehemaligen anhaltischen StaatsministerS v. Äoseritz und der 3. Strafkammer in zwei Fällen wurde der Genosse Linnewebcr vom„Volksblatt für Anhalt" zu Dessau zu einer Gcsamtgeldstrafe von 1299 M. verurteilt. Der Mitangeklagte Redakteur Zweck vom„Anhalter Kurier" war wegen Krankheit nicht erschienen. Die Verhandlung gegen ihn wurde vertagt._ Gewcrhrcbaftlicbee» Terrorismusschwindel als Reklame. In der schwäbischen Stadt Kempten wurde vor einiger Zeit eine Wach- und Schließgesellschaft gegründet, die absolut den Gewinn nicht erbrachte, den sich der oder die Gründer davon erhofft hatten. Es mußte deshalb die absolute Not- wendigkeit dieses Wachinstituts durch ein E x e m p e l bewiesen werden. Und das wurde nach einer bis jetzt unwidersprochenen Schilderung der„Schwäbischen Volkszeitung" folgendermaßen gemacht: Der Herr Direktor der Schließgesellschaft in- szenierte aus eine Käsefabrik, in welcher gestreikt wurde, einen Ueberfall. Ein Aufseher, ein Streikbrecher und ein Wächter machten mitten in der Nacht durch Stein- würfe und Schüsse derartigen Spektakel, daß die ganze Nachbarschaft aus dem Schlafe erwachte und einmütig nach Schutz schrie. Die bürgerliche Presse am Orte bestätigte anderen TageS natürlich ebenfalls, daß der polizeiliche Schutz für die Sicherheit und Ordnung nicht ausreiche usw. Der Trick war also vorzüglich gelungen und nebenbei war so quasi die Notwendigkeit schärferer Strafbestimmungen gegen Streikende oder gar die eines neuen Zuchthausgesetzes erbracht._ Berlin und Umgegend. Die Eiuiguugsverhandlungen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer des Baugewerbes beginnen heute(Donnerstag) früh 8 Uhr im Bürgcrfaale des Berliner Rathauses. Die Ber- Handlungen sind nicht öffentlich. An den Verhandlungen nehmen teil die Verbände der Maurer. Zimmerer, Bauhülfsarbeiter. der Verband der christ- lichen Bauhandwerker und Bauhülfsarbeiter, der Vorstand des deutschen Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe, die Bezirks- Vorstände des Arbeitgeberbuudes sowie von jedem einzelnen Orte, an dem Differenzen bestehen, ein Vertreter der betreffenden örtlichen Vereinigung der Arbeitgeber und von den Arbeitnehmern die Gauleiter. Die Differenzen umfassen über IVO Orte. In den bisherigen lokalen Verhandlungen ist es nur in etwa einem Dutzend Orten zur Einigung gekommen. Die heute be- Verantw. Redakt.: Georg Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw.: ginnenden Verhandlungen gelten dem Versuche,«uch für die übrigen 100 Orte eine Einigung zu erzielen. veutkcbes Reich- Die BertragSverhandlungen im Baugewerbe wirbelten auch bei' den Maurern, Zimmerern und Bauhülfsarbeitern in Rostock viel Staub auf. In der ersten allgemeinen Versamm- lung der drei Gewerkschaften am 16. d. M. kam es nach stunden- langer heftiger Diskussion nicht zu einer Beschlußfassung über den „Mustervertrag" des Arbeilgeberbundes. Die meisten Redner äußerten sich scharf ablehnend und tadelten das Verhalten der Gau- leiter und der Kommission, daß sie überhaupt solchen Ver- schlechterungen zustimmen konnten. Nur zwei Redner, außer den Gauvorstehern, sprachen für Annahme des Unternehmervertrages. In Rostock würde mit Annahme desselben aber den Arbeitern die Arbeitszeit bei 35 Unter- nehmern von 9>/z Stunden täglich auf 19 Stunden verlängert! Der Stundenlohn um 2 und 3 Pf. gekürzt! Dazu kommt dann noch, daß die Bauhülfsarbeiter mehr Steine tragen sollen auf Leitern hinauf. Außerdem soll der Vertrag das Verhältnis auf 2Jahre se st legen. Nach längerer Beratung. bei der noch weitere Mängel des neuen Vertrages und daraus sich ergebende Verschlechterungen des Lohn- und Arbeitsverhältnisses kritisiert wurden, gelangte ein Antrag zur Annahme, die Entscheidung auszusetzen, und soll jede Gewerkschaftsorganisation für sich die Be- schlußfassung vornehmen. Die Baukonjunktur ist in Mecklenburg nicht ungünstig. Metallarbeiter-Abwehrstreik in der Waggonfabrik GustavSburg bei Mainz. Am 14. April vormittags legten nach langen, doch leider vergeblichen Einigimgsversuchen im„Uittergestellbau Waggonfabrik Gustavsburg" die Schlosser, Nieter. Nietenwarnunachcr und Zuschläger die Arbeit nieder. Die Arbeiter wurden von der Firma in den Abwehrstreik geradezu hineingetrieben. Den besten Ruf genießt das Werk „Gustavsburg" in bezug auf Arbeitsbedingungen ohnehin nicht. Es herrscht ein ungeordnetes und wildes System in der Lohn- und Akkvrdberechnung. Nur die wenigsten Arbeiter wissen eine Stunde vor der Ablöhnung, was sie denn eigentlich verdient baben. ES werden willkürlich einem jeden seine paar Groschen zugeschrieben. Vor einigen Wochen wurde im Wagenbau des Werkes die pneumatische Nietung eingeführt. Sofort wurde nun den Nietern der gleiche Preis für 199 Stück Nieten angesetzt, wie in der Abteilung Hochbau und Brückenbau des Werkes, wo schon seit Jahren die pneumatische Nietung eingeführt ist. Nun ist Tatsache, daß an den Waggon-Untergestellen sich mit den Lustbämmcrn nicht so flott arbeiten läßt, wie eS an den großen und glatten Arbeiten im Brückenbau der Fall ist. An den großen Eisenlonstruktionen, Ver- spannungen usw., an den Brückenbanten kann der Nieter Hunderte von Nieten ohne eine Behinderung schlagen, die Nieten können von oben herunter bearbeitet werden, was an den Waggon-Untergestellen nicht zutrifft. An den Untergestellen müssen die meisten Nieten von der Seite geschlagen werden. Es ist nicht möglich, in der gleichen Zeit hundert Nieten zu schlagen, wie an der Arbeit im Brückenbau: folglich kann auch unmöglich der gleich niedere Preis in Anwendung kommen. Die Direktion und die Abteilungsingenieure ließen sich, aber davon nicht überzeugen. Den Arbeitern wurden einfach schon seit drei Wochen 4—3 Mark weniger am Lohn aus- bezahlt. Wir haben eine Masse vergleichender Lohnzcitel vor uns liegen. Wo vorher der zur Auszahlung gelangende Betrag 29,11 betrug, gab es jetzt 22,68 M., oder erst 23,31 und jetzt 21,11 M. Es sind dieö nur einige Beispiele, doch noch lange nicht die markantesten. Den Arbeitern, welche mit der größten Mühe Einigungsversuche anbahnten, wurden nur Spott und Grobkeiten zuteil. Ein Betriebs- techiüler Wolf aus Bischofsheim bei Mainz zeichnete sich dabei ganz besonders aus. Der Mann ist selber armer Leute Kind, aber rücksichtsloser als je einer. Sin Herr Ingenieur Mondschein. „Reserveoffizier", berechtigt zu den besten Hoffnungen für seine Karriere im Rekrutenerziehen. „Ihr Arbeiter schafft zu wenig," oder mit anderen Worten: Ihr seit zu faul, Ihr müßt mehr draufdrücken und fleißiger sein," daß war der ständige Refrain der Reden, die bei den Einigungs- versuchen den Arbeitern gehalten wurden. Die Arbeiter vom Waggon-Untergcstellbau sind als eine leistungsfähige Gruppe bekannt und dabei diese Behandlung. Ein sonst hochintelligenter und äußerst befähigter Ingenieur. Herr Kitz, verstieg sich zu der Redewendung:«Wissen Sie, wie- viel Nieten eine vier Mann starke Partie in Amerika schlägt? 2999 Nieten pro Tag schlägt eine solche Partie in Amerika." Unsere Nieter mußten jedoch bekennen, daß sie höchstens 259 bis 289 pro Tag fertigbringen. Mindestens war der Ausspruch des Herrn gngenieurs ein LapsuS, denn ein jeder kann sich selbst ausrechnen. ei den 9 Stunden oder noch weniger, wie die Amerikaner arbeiten, müßte in 1,93 Minuten je eine Niete geschlagen werden. Auch in Amerika müssen aber die Arbeiter zum Leben auch noch Atem holen. Gleichwohl geben wir ohne Umschweife zu: der amerikanische Arbeiter schafft intensiver, er ist leiitmigssähiger wie der deutsche Arbeiter. Doch man frage auch, wieso das kommt; ohne Zweite! weiß es auch der Herr Ingenieur Kitz. Mit schlagender Deutlichkeit weist es ei» Parteifreund des Herrn nach. In dem süddeutschen liberalen Wochenblatt.Fortschritt" veröffentlicht der bekannte libe- rale Professor Werner Sombart einen Aufsatz:«Wie der ame- rikaniiche Arbeiter lebt". Sombart schreibt: Die Geldlöhne sind zwei« bis dreimal so hoch wie bei uns. Ein verheirateter Arbeiter bewohnt durchschnittlich vier Zimmer, Wohnungen, wo selbst das Badezimmer nicht fehlt. Die Kartoffelnahrung tritt bis um die Hälfte gegenüber beim deutschen Arbeiter zurück. Fleischnahrung, Geflügel und bessere Backwaren sind vorwiegend." Sombart sagt wörtlich:«Im ganzen wird die Kost des amerikanischen Arbeiters sich mehr der unserer wohlhabenden Bürgersfamilien nähern, während die des deutschen Arbeiters mit ihrem votwiegenden Kartoffel- und Brot- bestand, ihrem geringen Fleischgehalt gar keine Aehnlichkeit mit der deS amerikanischen Arbeiters aufweist." Sombart erbringt für seine Ausführungen den statistischen Nachweis. Der Aufsatz wäre zur Lektüre den Gewaltigen von»Gustavs- bürg" besonders zu empfehlen. Sombart schreibt an anderer Stelle:«Wer je auch nur wenige Tage die Arbeiter in den Ver- einigten Staaten beobachtet hat, kann sich dem Eindruck nicht ent- ziehen, daß die breiten Massen drüben ganz erheblich viel besser leben als bei uns, d. h. als in Deutschland oder gar in Ost- oder Süd- europa, aber doch auch besser als selbst in Frankreich oder Eng- land." Wie fleht es nun bei den Arbeitern auf der Gustavsburg aus. Man muß sie ansehen, die früh und rasch verbrauchten Menschen. Die Brust nach einwärts, den Kattoffelbauch als Wahrzeichen einer ungenügenden Etnähruna, und diese Leute will man nun noch schlechter entlohnen, so daß die Nahrung noch schlechter und spär- sicher wird! In einer Riesenversammlung de? ganzen Werkes wurde auch das Treiben der Firma entsprechend beleuchtet. Die Streikenden find mutig und bei guter Stimmung. Der Streik dauert fort. Arbeiter, haltet den Zuzug fern, damit es gelingt, eine sehr schwer arbeitende Arbeiterschicht vor Verschlechterung ihrer Lebenslage zu bewahre». „Wir Arbeitswilligen(innen einen totschlagen!" Furchtbar harte Gefängnisstrafen werden oft verhängt über streikende Arbeiter, wenn sie w der Erregung zu einem Arbeitswilligen gesagt haben, man werde ihm die Knochen laput schlagen usw. Nun ein umgekehrter Fall: Der Arbeits- willige Stachel in Augsburg hat einen Streikenden mit Totschlagen bedroht. Der Arbeitswillige kam mit 3 M. Geldstrafe für Hausfriedensbruch und 5 M. Geldstrafe für Bedrohung davon. Huslnnd. Ein Sperreprozeß in der Schweiz. Der reaktionäre Bürgerverband in Zürich, dessen unauS- gesprochenes, aber konsequent in allen möglichen Formen verfolgtes Ziel die Vernichtung der gehaßten Arbeiterbewegung ist, hat ver- sucht, die Kampfeswaffe der sperre der Arbeiterschaft aus der Hand zu schlagen. Dazu gab ihm die vom Züricher Glaserfach- verein über den Glasermeister Kiefer verhängte Sperre den gc- suchten Anlaß. Derselbe stand im Tarifvertragsverhältnis mit dem Fachverein, maßregelte aber die Mitglieder desselben, worauf über sein Geschäft die Sperre verhängt wurde. Der Bürgerverband mit seinem Advokaten Dr. Bircher vcranlaßte nun den Kiefer, den Klagewcg zu beschreiten und Schadenersatz zu fordern. Das Be- zirksgericht Zürich und in zweiter Instanz das Obergericht de? Kantons Zürich wiesen die Klage ab, aber der Bürgerverband probierte noch sein Glück beim Bundesgericht in Lausanne» erfreulicherweise aber ebenfalls ohne Erfolg, denn auch dieses mußte nach Lage der Dinge die Klage abweisen. Aus den in öffentlicher Verhandlung gehaltenen Reden der Bundesrichter sei besonders die des Präsidenten Jäger erwähnt, der u. a. ausführte: Die Fälle, in denen die Sperre aus Schikane verhängt werde. seien leicht zu zählen. Darüber bestehe nun kein Zweifel, daß der Arbeiter über seine Arbeitskraft frei verfügen und dieselbe also nach Gutdünken für den Unternehmer sperren könne. Das Mittel der Sperre sei erst dann unerlaubt und widerrechtlich, wenn die Absicht besteht, den Gegner ökonomisch zu töten und ihn seiner wirtschaftlichen Persönlichkeit zu berauben. Tie Sperre sei also ohne weiteres erlaubt und rechtlich einfach unanfechtbar; wider- rechtlich könne sie höchstens je nach den zur Anwendung gelangenden Mitteln werden. Das Recht zur Sperre gehe sogar soweit, daß es auch dann geschützt werden müsse, wenn gar kein Recht verfolgt Iverde. So hatten die Arbeiter kein Recht, die Entlassung des D. zu verlangen, gleichwohl ist die Sperre, die doch wegen der Nicht- erfüllung dieses Begehrens erfolgt ist, nicht rechtswidrig. Im vorliegenden Falle könne von einer Widerrechtlichkeit schon darum keine Rede sein, weil K. nicht ruiniert wurde, was schon deshalb ausgeschlossen sei. weil die Organisation noch nicht alle Arbeiter umfaßt. Die Klage wurde also abgewiesen und Kiefer bczw. drr Bürgerverband in die Tragung der Kosten einschließlich derjenigen des beklagten Fachvcreins verurteilt. Versammlungen. Brauerelarbeiterverbond.(Sektion I.) In der letzten MonatS- vcrsaminlung referierte Genosse Düwell über«UltramontaniL- mus" und erntete dafür überaus reichen Beifall. Die sehr reg: Diskussion bewegte sich in dent Referenten zustimmenden Sinne. Als Kandidaten zur Delcgiertenwahl zum Verbandstag wurden aufgestellt die Kollegen Hodapp, Heyder. Schwedler. Reichard, Cordts, Großfuß und I u n g h a n s. Von diesen sind vier Mann zu wählen, welche je nach Höhe der Stimmen« zahl als Delegierte oder als Ersatzleute fungieren. Bei der Delc- giertenwahl zum Gewerkschaftskongreß war die Beteiligung der Mitglieder der Sektion I gleich 56,9 Proz. Als Zuschuß zu den Unkosten des Seitzschen SaalboykottS in Spandan wurden 59 M. aus Lokalmittcln bewilligt. Wegen Urlaub am 1. Mai sollen, wie in den letzten Jahren, die Ver- trauenSmänner bei den Direktionen vorstellig werden. Der Verein der Brauereien Berlins und Umgegend antwortete auf das Schreiben des Vorstandes um UrlaubSgewährung am 18. März ablehnend, und zwar aus denselben Gründen wie beim 1. Mai. Große Entrüstung rief unter den Versammelten das Verhalten deS Direktors der Genossenschaftsbrauerei der Gast- und Schankwirte in Friedrichshagen hervor. Den Kollegen, welche bei ihm vor- stellig wurden wegen Urlaub am 18. März, gab er zur Antwort: „Von den Sozialdemokraten allein raucht unser Schornstein nicht. Die ganze Wahlrechtskampagne wäre nur ein großer Rummel." Die Versammlung war der Meinung, daß ohne Sozialdemokratie der Rauch aus dem Friedrichshagener Brauercischornstein sehr spärlich blasen würde. Letzte IVachncbtcn und vepelcben. Streik,. Pari», 22. April.(B. H.) In HyereS bei Toulon find die Maurer in den Ausstand getreten, weil ihnen die geforderte Lohn- erhöhung verweigert wird. Marseille, 22. April.(B. H.) Die Gemüsehändler sind in den Ausstand getreten. Der Streik gab heute Anlaß zu Reibereien. Mehrere Gemüsehändler wurden von Ausständigen gezwungen, mit ihren Wagen nach Hause zu fahren. Infolgedessen sind die Gemüse. preise bedeutend gestiegen, Die Polizei bewacht die Tore der Stadt. Kongresse. Lyon. 22. April.(B. Hz) Heute wurde hier der Kongreß der französischen Postbeamten eröffnet. Aus Deutschland, England und Oesterreich waren Sympathietelegramme eingelaufen; nach deren Verlesung wurde in die Beratung der Tagesordnung eingetreten. Frankfurt a. M., 22. April.(B. H.) In der Aula der Frank. furter Akademie wurde heute morgen der dritte Kongreß der Gc- scllschaft für experimentelle Physiologie durch den Vorsitzenden Professor Dr. G. E. Müller-Göttingen eröffnet. Deutschland blamiert sich. Harburg, 22. April.(B. H.) Die unlängst in Hamburg verbotene Freidenkerversammlung wurde auch in Harburg verboten. Zwanzig Kinder gebore» und— ermordet! Budaprst, 22. April.(B. H.) Wie au» Debreczin gemeldet wird, wurde dort gegen die Frau des Landwirtes Peter Kiß die An- zeige erstattet, daß sie ihre beiden Kinder ermordet hätte. Die ein» geleitete Untersuchung ergab, daß die Frau mit Hülfe ihres Gatten alle zwanzig bisher von ihr geborenen Kinder im Alter von einem Monat bis zu einem Jahre erwürgt hat. Beide Gatten wurden ver» haftet. Sie gestanden, die Kinder ermordet zu haben, weil sie sie der Not nicht aussetzen wollten. Zur Eisenbahnkatastrophe in Australien. Sidney, 22. April.(B. H.) Die Zahl der bei dem Eisenbahn» unglück bei Braybrook Verunglückten ist nunmehr endgültig fest- gestellt. 43 Personen sind tot. 139 ernstlich verletzt. Von den Schwer- verletzten werden mehrere kaum am Leben erhalten werden können. Weitere deutsche Namen finden sich auf der Liste der Toten und Verwundeten nicht mehr. Th.Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Ouckdr.u.BerlagSanstalt Paul Singer Le Co., Berlin Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltung,»l. Nr. 95. 25. Jahrgang. Parteitag 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donnerstag, 23. April 1908. der Freifinnigen Vereinigung. ( Schluß der Sigung vom 21. April.) Dr. Barth, praris des preußischen Staates ungewöhnlich gut bewanderter Mann. ( Heiterkeit u. Zustimmung b. d. Minderheit.) Aber alle Vorteile wiegen federleicht, wenn es sich auf der anderen Seite um die Preisgabe der wichtigsten Grundsäge des Liberalismus handelt, um die " Verlegung der staatsbürgerlichen Rechtsgleichheit. Antrag Dove- Mommsen. Dinge eintritt, für die man kämpft. Wo die Einigkeit aber nur dazu dient, die energischen Elemente an den Rock schößen zurückzuhalten, ist sie tein Moment der Stärke, sondern ein Moment der Schwäche.( Lebhafter Beifall bei der Minderheit.) Die Fraktionsgemeinschaft ist ein Ich bin kein Prinzipienreiter und habe nie auf dem Standpunkt geMoment der Schwäche, wenn sie keine demokratische Politik treiben standen, daß Parteiprogramme fatrosankt sind. Aber hier handelt gemeinschaft der Führung der Kopsch und Fischbeck beugen will, wenn sich die demokratischen Elemente der Fraktionses sich nicht um untergeordnete Punkte, sondern um das wichtigste müssen, und wenn sich außerdem die Fraktionsgemeinschaft noch Prinzip des demokratischen Liberalismus übermit stürmischem Beifall und Hochrufen empfangen, führt aus: Aus haupt, um die Frage der staatsbürgerlichen Rechtsgleichheit. Diese bem Block unterordnet. Dann ist eine Abschwächung nach rechts bie Empfindung haben Sie fa alle! Weshalb sonst hätten Sie sich so notwendige Folge. Die Nachgiebigkeit und Schwäche, die wir in den Ausführungen des Vorredners war es ſehr intereffant lange geftraubt, den§ 7 anzunehmen, weshalb sonst all die feier- den letzten fünf Jahren gezeigt haben, wird es der Fraktionszu entnehmen, daß sein Haupteinwand gegen die Sozialdemokraten lichen Erklärungen von Unannehmbar und Niemals abgegeben. bemokratische Politik zu treiben. Wir sehen ja das auch heute schon gemeinschaft erst recht unmöglich machen, in Zukunft eine ernsthafte nicht gerichtet war gegen die rein politische Seite der Sozialdemokratie, sondern daß er fogar eine Gefahrton Abschluß des kompromisses gehört.( hört! hört! bei Solche Erklärungen haben wir noch 24 Stunden vor in dem struiert hat aus der genossenschaftlichen Tätigkeit der Sozial ber Minderheit.) Nachdem die Mehrheit der freifinnigen Reichstagsdemokratie.( Sehr gut!) Es zeigt das immer, wohin die Reise geht.( Sehr richtig!) Ich bin überhaupt der Abgeordneten zugestimmt hat, daß dieser Grundsatz der staats- Auch in der Finanzpolitik sollen jetzt Konzeffionen gemacht werden. ( Sehr richtig 1) Ich bin überhaupt der bürgerlichen Rechtsfreiheit gegen die Polen verlegt werde, werden und wie entwickelt sich der Landtagswahlkampf. Wer glaubt heute Meinung, daß wir der Diskussion nicht gerecht würden, fie ihn nicht mehr geltend machen können, wenn fünftig Ausnahme- noch ernsthaft daran, daß die Fraktionsgemeinschaft unter ihrer wenn sie sich darauf beschränken sollte, Kritik nur am gesetze kommen. Vereinsgesetz zu üben. Ich belenne ganz offen, wenn es sich nur Dann wird es für sie nur noch eine Frage der jeßigen Führung zu einem wirklichen großen Kampf für das Zweckmäßigkeit sein. Dabei müssen Sie stets bedenken, daß wir in Reichstagswahlrecht bereit ist. Sie tann das ja auch gar nicht, fie um§ 7 des Vereinsgesetzes handeln würde, um das, was ich eine Verirrung nenne, dann würde ich die Sache wesentlich milder be- Breußen leben, wo der Grundsatz der staatsbürgerlichen Rechts- bat rund und nett erklärt, daß sie vor allem Blodpolitik treiben urteilen. Aber die Stellungnahme der Mehrheit der Fraktion ist gleichheit alle Tage durch die Verwaltung ber- will und zwar Blockpolitit mit den ausgesprochensten Feinden des legt wird. Ich erinnere die logische Konsequenz der gesamten Blods nur an den Fall Schellen Reichstagswahlrechts. Die Blockpolitik richtet sich gegen diejenigen berg, an die politit.( Sehr richtig!) Ich sagte vor einem Jahre, daß meiner zahlreichen Fälle, wo unglückliche Parteien, welche außerhalb der freisinnigen allein für die NeberBeamte wegen wegen der Abgabe sozialdemokratischer fragung des Reichstagswahlrechts auf Breußen eintreten, gegen Ueberzeugung nach diese Blockpolitik die Gefahr der Demoralisation Stimmzettel gemaßregelt worden sind, an den rechts- Zentrum und Sozialdemokratie. So entsteht eine innerlich des Liberalismus mit sich bringt. Dieses Zusammenarbeiten mit widrigen Ausschluß unserer jüdischen Mitbürger von vielen Aemtern. den schlimmsten Feinden des Liberalismus muß zu jener Demo Solche flagranten Rechtsverlegungen find in Breußen alltäglich. Herr Kopfh, der Führer der Freifinnigen Boltspartei( Gelächter ganz unehrliche Situation. ralisation führen, wie wir sie gegenwärtig vor uns sehen. Als Einer derartigen Situation gegenüber hat der Liberalismus verjagt. bei der Minderheit) hat von einem Kulturblock bis zu Zedlig gedie Führer der Linksliberalen in Norderney beim Fürsten Er hat Bülow waren, betamen sie nichts zu hören, als schöne Redereien. Bald darauf versezte Fürst Bülow den Freifinnigen jenen Affront 6 = seinen wichtigsten Grundfah preisgegeben " COMO sprochen. Wenn er ihn will, so fann er nicht ernsthaft für eine gründliche Wahlreform eintreten. Deshalb nimmt auch die Wahlim preußischen Abgeordnetenhause, der in der Regierungs- und damit zugleich der preußischen Verwaltungspragis Decharge er- bewegung einen so schwächlichen Verlauf. Vielleicht gewinnen wir erklärung bom 10. Januar liegt. Würde Fürst Bülow teilt.( Lebhafte Zustimmung.) Nun sagt man, die Preisgabe war ein paar Mandate, aber eine große politische Umwälzung jemals gewagt haben, in ähnlicher Situation notwendig, um die Fraktionsgemeinschaft aufrecht zu erhalten, und des gegenwärtigen Parteienstandes erreichen wir nicht. Aus dieser etwa dem preußischen Juntertum eine solche Antwort zu um mit dem Block weiter arbeiten zu können. Herr v. Bayer hat das Situation heraus muß sich der Kampf der Freifinnigen immer mehr geben.( Lebhafter Beifall bei der Minderheit.) Niemals wäre ihm mit der größten Deutlichkeit ausgesprochen, und auch Naumann hat gegen die sozialdemokratische Arbeiterschaft zuauch nur der Gedanke gekommen! Aber die Junker haben dem in der Hilfe" feine Zustimmung zu diesem politischen Ererzier- pißen. Wer die Bossische Beitung" liest, der weiß, daß Fürsten Bülow, obgleich er ein höflicher Mann ist, nicht einmal er- reglement gegeben.( Heiterfeit und Zustimmung bei der Minderheit.) von ihr heute der Landtagswahlkampf nur unter der Parole: Gegen laubt, gegen die Freisinnigen höflich zu sein.( Sehr gut! bei der Einigkeit ist gewiß gut; aber es kommt doch darauf an, wofür die Sozialdemokratie! geführt wird. Es soll unter allen Umständen Minderheit.) Wir haben nach dieser Brüstierung eine Vorstands- man einig ist. Wir wollen einig sein, um demokratische verhindert werden, daß die Sozialdemokratie in den Landtag einsigung abgehalten, und mit Ausnahme einer einzigen Bolitik zu treiben.( Stürmischer Beifall und Händeklatschen bei der zieht. Der Kampf gegen die Sozialdemokratie wird Stimme haben wir ein Mißtrauensvotnm beschlossen.( Buruf: Minderheit.) Aber wir wollen nicht einig sein, um reaktionäre von der Vossischen Zeitung" und hinter der„ Vossischen Zeitung" Heckscher! Heiterkeit.) Nein, Heckscher war nicht dabei. Diese Politit zu treiben.( Burufe: Das wollen wir alle nicht stehen die leitenden Männer der Freisinnigen Resolution wurde durch einen Zusagantrag Gothein ber- Wir wollen praktische Politik treiben!) Wenn praktische Boltspartei als erste und leitende Aufgabe des Landtagsschärft, der verlangte, wenn die Fraktionsgemeinschaft zu dieser Politik identisch ist mit reaktionärer Politik, dann danke wahlkampfes hingestellt. Man sagt, das Zentrum sei ausgeschaltet. Mißtrauensaktion nicht zu bewegen sein sollte, sollte die Freifinnige ich auch für die praktische Politik.( Lebhafter Beifall Die Behauptung, als diene der Bülowsche Block in erster Linie dem Kampf Bereinigung selbständig vorgehen.( hört! hört!) bei der Minderheit.) Die Frage nach der Fraktions- gegen den Ultramontanismus, ist grundfalsch. Was am Zentrum Für diese Resolution mit Einschluß des Amendements Gothein gemeinschaft birgt ohne weiteres die Frage in sich: Wie stehen bekämpft wird, find die demokratischen Tendenzen im Zentrum. haben alle anwesenden Reichstagsabgeordneten wir zu der Freisinnigen Wolfspartei? Ich erinnere Die ganze Blockpolitik bedeutet weiter nichts als Kampf gegen die der Freisinnigen Bereinigung gestimmt, selbst Herr nur an die Rolle, die die Freifinnige Boltspartei in demokratischen Tendenzen in der Sozialdemokratie, in der Demokratie Delbrüd aus Bajewalt( heiterkeit). Abg. Delbrüd ruft: den Zolltariffämpfen gespielt hat. Sie wissen, daß fie damals und dem Zentrum. Die ganze Blockpolitik ist nur ein Versuch, mit Nicht Basewalt, sondern Swinemünde!( Erneute Heiterfeit.) Es unserer Ueberzeugung nach ihre Schuldigkeit nicht getan hat. Gerade Hülfe der Linksliberalen stellte sich aber heraus, daß auch bei dieser Gelegenheit Fürst Bülow der Umstand, daß wir unsere Schuldigkeit getan haben, ist nach den von den Freifinnigen nichts zu fürchten hatte. Der Sturm im wiederholten Erklärungen Naumanns bestimmend für die Lande erhob sich nach der Wahlrechtserklärung des Fürsten Nationalfozialen gewesen, sich uns anzuschließen Scharfe Refolutionen wurden in großen Versamm und nicht der Freifinnigen Volkspartei.( hört! hört! bei der Minder lungen angenommen, die bon mir und meinen Freunden heit.) Bei dem Kampfe um den 8olltarif entfloh cinberufen waren. Noch innerhalb des Entrüstungssturmes tam das dem Munde Fischbeds das Wort: Reichsvereinsgefez. Wenn Fürst Bülow nicht die Ueberzeugung gehabt hätte, daß er es bei den Linksliberalen mit einem ernsthaften Gegner überhaupt nicht zu tun habe, so hätte er niemals den§ 7 in das Vereinsgesch gesetzt.( Sehr richtig! bei der Minderheit.) Er mußte fich sagen, daß das eine Zumutung an die Bülow. Berleugnung der Grundsäke Glaubensbekenntnis Lieber Kröcher als Barth! antidemokratische Politik zu treiben. ( Lebhafte Zustimmung bei der Minderheit.) Bisher habe ich immer geglaubt, daß die Freifinnige Vereinigung es sich zur Aufgabe ge macht habe, dafür Sorge zu tragen, daß neben der Sozialdemokratie auch eine bürgerliche Partei demokratische Grundsäze vertritt. Durch die Entwickelung der Dinge, durch das Festhalten an der Fraktionsgemeinschaft, durch das unbedingte Festhalten am ( Burufe: Auch jetzt noch 1) Damals hielt man das vielfach für Bülowichen Blod, haben wir diese Aufgabe bei uns ausgeschaltet einen lapsus linguae. Heute wissen wir, daß es ein politisches und fundgetan, daß eine ernsthafte demokratische Politik seitens ift. Die Entwickelung der Freifinnigen der freisinnigen Parteien überhaupt nicht mehr getrieben wird. Boltspartei läuft wesentlich darauf hinaus, immer mehr Anschluß( Oho!-Nufe bei der Mehrheit.) Uns hat immer vorgeschwebt, daß nach rechts zu suchen, bis zu Herrn v. Kröcher. Nun wird be- wir eine wirklich demokratische Politik treiben müssen, und zwar des Liberalismus sei, wie sie stärker nicht gedacht werden könnte. hauptet, wir müßten doch unter allen Umständen um jeden Preis mit Rücksicht darauf, daß wir Annäherung suchen an die ( Sehr wahr bei der Minderheit.) Darüber kommen Sie nicht die Fraktionsgemeinschaft aufrecht erhalten. Ich meine, daß es nur große breite Masse der Arbeiter, die die Hauptträger der hinweg! Trozdem haben die Freifinnigen schließlich das Reichs- unsere Aufgabe sein tann, innerhalb der Fraktionsgemeinschaft die demokratischen Entwickelung in Deutschland sind und bleiben vereinsgesetz mit der Ausnahmebestimmung des§ 7 geschluckt. demokratischen Grundsäge so energisch zu vertreten, daß müssen. Den demokratischen Wein haben die Fraktionsführer ausNun suchen seine Befürworter die Bedeutung des Gesezes die Freifinnige Boltspartei zu der Ueberzeugung kommt, daß sie laufen lassen und sind froh, das Weinfaß zu retten. Wir aber in möglichst grellen Farben zu schildern. Aber bei feinem auch demokratische Politik treiben muß. Ist aber die Fraktions- fämpfen vor allen Dingen um den Inhalt des politischen Kampfes, Gesetz kommt so viel auf die Handhabung an wie beim Vereins- gemeinschaft nur um den Preis aufrecht zu erhalten, daß wir die anderen sehen auf die äußere Form des Inhalts. Wir wollen gesetz, und da hat der Bürgermeister Schüding aus Husum teine demokratische Politik treiben, dann geht sie beffer für die Sache unsere Straft einfegen, mag auch die Form zerbrechen. im Berl. Tageblatt" ganz treffend ausgeführt, daß in Preußen heute als morgen zugrunde.( Lebhabter Beifall bei der( Stürmischer minutenlanger Beifall bei der Minderheit, Bischen bei alles wie bisher bleiben werde, nur die Frauen werde man zu Ver- Minderheit.) Einigkeit ist gewißlich was Gutes, aber der der Mehrheit.) fammlungen zulassen, die fremden Sprachen unterdrücken und die Saz: Einigkeit macht start! ist doch etwas zweideutiger Natur. Dr. Koppel- Berlin: Die Stellung Barths ist eine Verwirrung. Jugendlichen ausschließen. So äußert sich ein in der Verwaltungs- Ginigkeit macht start, wenn man mit vereinten Kräften für An dem Rückgang des Liberalismus war vor allen Dingen die Ber Das Recht des Theaterbesuchers. Ein für die Theaterbesucher so wird man doch an jede billig denkende Direktion die Forderung nicht unwichtiges Urteil wurde in einem Prozeß gefällt, der in stellen, daß sie wichtigere Aenderungen in der Besetzung rechtzeitig zwei Instanzen durchgefochten wurde. Es handelt sich um folgenden und deutlich ankündige. Fall: " " Auch ein Kompromiß. Der Papft hat gegen die Vorstellung von Salome" in Rom sein Veto eingelegt. um sein Be denken zu zerstreuen, hat sich Salome entschloffen, den Kopf des Modernisten Haeckel auf der Schüssel zu präsentieren. - offähig. Ei, Frau Stipfe, so'n schönen neuen Hut?" Ja, man hat et ja dazu, man is doch nich de Frau von so'n ver hungerten amerikanischen Botschafter!"( Lustige Blätter".) GUMAS Theaterchronit. Notizen. Direktor Halm, der das Berliner Kleines feuilleton. Dr. med. F. hatte sich zur Abendvorstellung der Berliner KoHumor und Satire. Goethe und die Maschinentechnit. Daß Goethe auch für die be- mischen Oper, in ber die Oper" Carmen" gegeben wurde, ein vielen kleinen Raubftaaten- Republiken Südamerikas befand sich als Weidmannsheil. Der Ministerpräsident einer der ginnende Entwickelung der Maschinenkultur ein offenes Auge hatte, Bartettfauteuilbillett für 7,50 M. gelöst. Er wollte speziell Fräulein darauf macht Ad. Teutenberg in dem eben ausgegebenen Aprilheft Maria Labia hören, die auf dem Theaterzettel als Darstellerin der Jagdgast bei einem Großgrundbefizer in der Provinz. Nach Schluß der Kulturfragen"( Herausgeber: Johannes Buschmann, Verlag: Titelrolle aufgeführt war. Die Leistung der Carmen entsprach so der Treibjagd wird die Strecke gelegt, da bemerkt Erzellenz, wie man Callwey, München) aufmerksam. Er schreibt in einer längeren Studie wenig den Erwartungen des Dr. F., daß er sich nach dem zweiten wendet er sich an seinen Wirt:„ Schade, ferr schade, lieberr Freind, einen schwer angeschossenen Treiber mit Mühe herbeibringt. Resigniert über„ Goethe als Beobachter des wirtschaftlichen Lebens":„ Bald ist Akte bei dem Theaterdiener erfundigte, ob denn die Darstellerin es eine Drudmaschine( die Steindruckerei suchte Goethe einmal nach wirklich Fräulein Labia sei. Der Theaterdiener verneinte dies hätte ich gewußt, daß geschossen werden könnten Menschen, hätt ich Weimar zu verpflanzen), bald eine verbesserte Vorrichtung zum Färben und wies auf einen kleinen, unscheinbaren, mit Schreibmaschine maken tönnen eine Doublette!" von Wollstoffen, bald eine Drahtmühle, die seine Aufmerksamkeit auf beschriebenen weißen Bettel, der einen Wechsel in der Besetzung fich zieht; besondere Beachtung schenkt er der um die Jahrhundertwende anzeigte. Dieser Bettel befand sich im Korridor des Parketts an sich einbürgernden Spinnmaschine: dem im Jahre 1810 aus Karls- einer Stelle, an der Dr. F. auf dem Wege nach seinem Platz nicht bad Heimkehrenden hat, unter anderen Sehenswürdigkeiten„ Chemniz bobeikam. In dem Raum vor der Kasse war der Wechsel der Dardurch seine Spinnmaschinen eine sehr erfreuliche und unterhaltende stellerin nicht angezeigt worden; der Bettel fonnte erst gelesen Rüdreise gegeben." Das Interesse Goethes für die Spinnmaschine werden, nachdem das Billett gelöst war. Dr. F. verließ sofort das ift fein zufälliges: an ihren sozial verheerenden Wirkungen, die er Theater und erklärte, daß er den Eintrittspreis zurüdfordere. Er im Kanton Zürich sehr genau beobachtet hatte, hat er den sowohl machte diese Forderung auch geltend, und als er damit keinen Erfozial wie arbeitstechnisch revolutionierenden Charakter des folg hatte, ließ er den Direktor auf Rückzahlung von 7,50 m. verheraufziehenden Industriealismus erkannt. Meisterhaft schildert lagen. Der Bevollmächtigte des Beflagten machte geltend, daß Goethe in den„ Wanderjahren", wie das Eindringen der Spinn- die Klage grundlos fei. Jeder Theaterbesucher müsse damit rechnen, Theater gepachtet hat, lub die tich e chische National Oper maschine von der Bevölkerung als eine schwer drohende Gefahr daß namentlich bei Opernborstellungen infolge einer plöblichen in Prag zu einem Gastspiel im Berliner Theater ein. Die Zufage empfunden wird:„ Das überhandnehmende Waschinenwesen", heißt Indisposition die Besetzung des Stüdes geändert werde. Faus ein konnte indes noch nicht gegeben werden. Wenn nur unsere es da,„ quält und ängstigt mich; es wälzt sich heran wie ein Ge- Besucher besonderen Wert auf eine beſtimmte Darstellerin lege, Nationalen, besonders die Bossin, ob der bloßen Möglichkeit witter, langsam, langsam. Aber es hat seine Richtung genommen, müsse er sich an der Kasse bei dem Erwerb der Eintrittskarte ver- tschechischer Aufführungen in Berlin nicht in bedenkliche Zustände vercs wird kommen und treffen. Man denkt daran, man spricht davon, gewissern, ob diese Darstellerin auftrete. Der Direktor wurde aber fallen. Vielleicht läßt sich durch eine geeignete Interpretation des und weder Denken noch Reden kann Hülfe bringen. Und wer möchte sowohl vom Amtsgericht als auch vom Landgericht zur Rückzahlung neuen Vereinsgefeßzes diese fremdsprachliche Invasion verhindern. fich folche Schrednisse gern vergegenwärtigen der 7,50 m. verurteilt. In dem Urteil wird ausgeführt: Aus der Bühnenwelt. Emmy Destinn verläßt die Auch erkennt Goethe durchaus klar, wodurch die Gefahr ab- Der Beklagte hat den mit dem Kläger geschlossenen Vertrag fgl. Oper und Berlin im Juni. Rosa Poppe wendet dem Hof gewendet werden kann. Hier bleibt nur ein doppelter Weg, einer nicht erfüllt, denn er hat angekündigt, daß am 6. Oktober v. J. die theater den Rücken, wird aber vielleicht für eine andere Berliner Bühne fo traurig wie der andere: entweder selbst das Neue zu ergreifen Oper" Carmen" mit Fräulein Labia in der Titelrolle gegeben gewonnen werden. und das Verderben zu beschleunigen, oder aufzubrechen, die Besten werde, und dieser Ankündigung ist nicht entsprochen worden. Der - Wagners Popularität. Jm legten Winter entfielen und Würdigsten mit sich fortzuziehen und ein günstigeres Schiafal Beklagte mußte wissen, daß viele sich infolge dieser Ankündigung die meisten Öpernaufführungen in Deutschland auf Richard Wagner. jenseits der Meere zu suchen. zu dem Geldopfer entschließen würden, weil sie gerade die Labia 1700 Wagner- Aufführungen wurden gezählt, während Verdi die Aber auch die Vorteile des Maschinenbetriebes gegenüber dem hören wollten. Die Offerte dauerte für das Publikum in under- zweite Stelle mit 700 Aufführungen einnahm. Trotz dieser hohen handwerksmäßigen scheinen ihm klar bewußt geworden zu sein. änderter Weise fort. Denn die Abänderung der Besetzung der Aufführungszimmer ist Wagner durchaus nicht so populär, wie er es Anläßlich des Schloßneubaues in Weimar plädiert er dafür, daß Hauptrolle war auf dem Theaterzettel am Eingang des Theaters fein fönnte, wenn die Theater nicht bloß die Lurusbedürfnisse der wenigstens ein Teil der Arbeit fabrikmäßig und mit allen Vor- und im Kassenraum überhaupt nicht, im Korridor des Parketts Reichen und ihre eigenen Kaffenerfolge im Auge hätten. Die königl. teilen, welche Maschinen und mehrere zusammenarbeitende Menschen nur auf einem nicht für jedermann bemerkbaren kleinen Zettel an- Oper in Berlin gibt hierin das denkbar schlechteste Beispiel. Im gewähren, gefertigt wird." In einem Brief an Schiller fonstatiert er gezeigt. Im Verhältnis zu der Gesamtleistung einer Opernoor- Lande der Sozialreform". ferner den überall wahrzunehmenden llebergang vom Handwerk stellung ist es wesentlich, welche Personen die Hauptrollen spielen. zum Maschinenwert." Und in den„ Unterhaltungen deutscher Aus- Die Darstellung verliert erheblich an Wert, wenn die Hauptrollen gewanderter" findet sich die sehr charakteristische Stelle:„ Jedermann nicht von bedeutenden Künstlern gesungen werden." ging in dem alten Schlendrian handwerksmäßig fort; von neu ent deckten Vorteilen hatte man feine Kenntnis oder man hatte keinen Gebrauch davon gemacht... Er sah bald ein, daß man mit einem gewiffen Kapital, mit Vorschüssen, Einlauf des ersten Materials im großen, mit Anlegung von Maschinen eine große und solide Einrichtung würde machen können." " Die Komische Oper hat daraufhin auf ihrem Theaterzettel einen in den Berliner föniglichen Theatern eingeführten utas( der natürlich noch keineswegs verbindlich ist) aufgenommen, der lautet: " Billette werden nur im Falle der Abänderung einer Vorstellung gegen Erstattung auch der Vorverkaufsgebühr zurüdgenommen." Wie aber auch solche Fälle juristisch entschieden werden mögen, -Professor Leopold Schrötter, eine hervorragende Autorität für Kehlkopf- und Lungenkrankheiten, ist im Alter von 71 Jahren in Bien gestorben. Nicht bloß als Spezialist, der be. fonders durch Kehlkopfoperationen sich einen Namen machte, sondern auch als menschenfreundlicher Arzt und weitblickender Sozialhygieniker hat er fruchtbar gewirkt. Seinem unermüdlichen Wirken hat die Lungenheilstättenbewegung viel zu verdanken. Er hatte das erste Sanatorium für Lungenkranke in Desterreich ins Leben gerufen ( in Aland bei Wien). splitterung schuld. Deshalb wäre es verkehrt, wenn wir jetzt den Antrag Barth und Gerlach annehmen und der Fraktion das SDiij� trauen aussprechen wollten. Die Blockpolitik wird schon noch andere Friichte zeitigen, die uns genehmer sind. Wenn der Block nichts Gutes schafft, so verhindert er wenigstens Böses. jBeifall.) Reichs-- und Landtagsabgeordneter Pachnicke: Barth hat sich in einen schroffen Gegensatz nicht nur zur Freisinnigen Volkspartei, sondern auch zur Mehr heit der Freisinnigen Vereinigung gestellt. Er hat damit die Anschauung bestätigt, das; ein tiefer Ritz durch unsere Partei geht. Dr. Barth hat das als Demoralisation bezeichnet, was wir als wünschenswert angestrebt haben. Da gähnt eine Kluft über die keine Brücke mehr führt. (Oho? bei der Minderheit.) Dr. Barth hat gesagt, wir spielten eine jämmerliche Rolle im Block. Ist das wirklich wahr?»r Partei durchdenken müßten. Die zweite Lehre Barths war sein 'chöncr Gedanke, daß das liberale Bürgertum mit der Sozialdeinokratie zusammengehen und init den Massen politische Fühlung nehmen müsse, um i Kampfe gegen rechts die liberalen Ideale zu verwirklichen. Dr. NierhanS hat in der Be- grüßungSrede gebeten, die alte Barth-Naumannsche Taktik nicht panz zu vergessen. Er mag sich beruhigen. An dieser Taktik halte ich fest, so lange ich Politik treibe.(Sliinnischer Beifall.) Aber die Art, wie Barth diese Taktik hier vertreten hat, ist nicht gecigiict, zur Berwirklichung ihrer beiden große» Gedanken mitzuwirken, im Gegen teil, sie schädigt sie. Barth kann nicht sagen, daß die Freisinnige Volks- Partei in den letzten Jahren anders geworden ist. Er kannte sie aus jahrelanger Praxis und trotzdem predigte er uns die Einigung. In der ersten Zeit hat er un» niemals den Vorwurf gemacht, daß wir uns zu viel mit der Volts- parte» eingelassen hätten, sondern hat uns immer nur gesagt, ihr einigt euch zu wenig.(Hört! hörtl bei der Mehr- heil.) Jetzt, nach so kurzer Zeit, die die FroktionSgemeiiischast be- steht, kann er eine Sache nicht aufgeben wollen, die nie wieder gut- zemackit iverden kann.(Beifall.) Für die Sozialdemokratie hat es a gar keine Bedeutung, ob eine kleine Gruppe ihr Sympathie entgegen- bringt oder nicht. Geiviß wird sie diese Sympathie mit einigein Wohl- wollen quittieren, aber auch so kann der Gedanke eines Zu- ammengehcn» zwischen Liberalismus und Sozialdemokratie erst dam» Leben gewimien, wenn der Liberalismus eines Tages als geschlossene Größe dicErfahrung gemacht hat, daß er den H i n t e r g r u n d für seinen großen politische» Kampf»m die Macht gegen die Konservativen bei der ozialdemokralischcn Arbeiterschaft suche» muß.(Lebhafter Beifall.) Diese beiden leitenden Gedanke» werde ich für meine politische Arbeit für alle Zukinist aufrecht halten. Darum scheide ich mich von der Art, wie Cohn und Pachnicke hier über die Sozialdemokratie gesprochen haben, darin trennt sich mein Weg naiürlich auch von Dr. Heckscher. Wenn der LiberalisnniS Eiliflnß erringen will, so kan» er es nur i»l Kampfe gegen rechts, den» recht? steht die Macht. Aber die Zeit ist heute noch nicht dazu gekommen, wo man die Mehrheit der Liberale» da'iir gewinnen kann. o lange die Sozialdemolratie nicht bitlere Erfahrungen gemacht hat, auS denen auch sie lernt, daß sie eS nicht allein machen kann, werden auch wir vergeblich die Lehre verkünden, daß alles, was nicht konservativ-klerikal ist, geschlossen zusammensteheli soll. Das Zentrum kann vorübergehend niit der Sozialdemokratie sich ver- 'iiiide». weil es eine i» sich selbst geschlossene Große ist. Der Libe- rallsmiis kann eS nicht, weil er nicht geeinigt ist.(Lebhafte Zurufe bei der Minderheit: Baden-Baden!) Dort mag eS gegangen sein, aber>» Berlin geht es nicht. Lesen Sie nur den„BorivärtS" auf der einen und die„Vossische Zeitung" auf der anderen Seite. Deshalb war es vernünftig von uns. daß wir auf den Block ein- fingen. Nun hat Barth von Demoralisation und Schwäche gc> prochen. Es ist leicht, in Begleiiung der Sozialdemokratte zu de- moustrieren. die das»och besser und gründlicher besorgt. Aber wir können nicht dauernd den Liberalismus eine Prolestpartei zweiten Ranges sein lassen. 30 Jahre hindurch haben wir unS mit. dem Protestieren genug sei» lassen. Wenn jetzt unsere 60 Moni» im Reich»- lag nicht erreicht haben, was Barth wünscht, so liegt das nicht an ihrer Den.aralisolion, sondern daran, daß man nicht im Hand- umdrehen lernt, politische Ziele zu verwirklichen. In dem Liberalismus muß erst eiinnal das Gefühl wachgerufen werden, daß Politik etlvas andere« i st als ein deklamatorischer erein in Berlin. Gewiß haben wir als drittes Glied de» Bülowjchen Blocks wenig erreicht. Wenig aber nur im Ver- hältnis zu dem, was wir überhaupt erreichen wollen, viel, wenn man de» Prozentsatz berechnet, den wir dem Block stellen können. Im Verhältnis zu ihrer Stärke im Reichstage haben die Liberalen gar manches erreicht. Wer hätte vor zwei fahren an ein RciHsvereinsgesetz geglaubt?(Sehr wahr!), an ein Reichsgesetz, daS uns hinweg bringen würde über daS preußische, sächsische und mecklenburgische VereinSrecht. Ich schätze auch das Börsengesetz nicht gering ein, eS wird dem Handel etwas nützen, und damit auch der deutschen Wehrkraft. Und nun ein offenes Wort über die Führer der Freisinnigen Volkspartei. ES ist bei unS fast zur Gewohnheit geioordcii, den Vorsitzenden der FraktionSgemeinichaft, Dr. Wiemer, anzugreifen und zu sagen, es sähe ganz anders aus, wenn ein anderer an seiner Stelle stünde. Ich muß sagen, daß Dr. Wiemer den Vorsitz in der Fraklions- gemeinschaft mit großer Korrektheit und Treue geführt hat.(Lebhafte Zlistimmung.) Darinn kann ich nicht zugebe», daß Dr. Barth mit der Behauptung recht hat, wir hätten keinen Inhalt gewonnen. Eine rein ausgesprochene Idee ist keine politische Kraft. Die Idee wird erst materialisiert, wenn sie in Organisationen ge- formt ist. Noch ist die Fraklionsgemeiiiichaft ziemlich gefährdet, wenn sie so unvorsichtig angefaßt wird. Erst muß der Korpsgeist in ihr wachsen. Wir dürfen es nicht so darstellen, als ob wir innerhalb der Fraktionsgemeinschaft verraten und verkauft seien. Auch den Ausdruck„schamlos" gegen die„Freisinnige Zeitung" kann ich nicht billigen. Bewahren wir uns den freisinnigen KorpSgeist, dann werden wir innerhalb der Fraktionsgemeinschaft und innerhalb deS Blocks etwas erreichen.(Anhaltender stürmischer Beifall.) ReichStagSabgeordneter Gothein: Naumann hat an unseren Korpsgeist appelliert. Er sollte seine Mahnung auch an die andere Seite richten. Ich habe immer geschwiegen, wenn die„Freisinnige Zerrung" mich angegriffen hat. Aber wenn hier nun einmal ein kräftiges Wort fällt, sollte man wirklich nicht so empfindlich sein.(Sehr wahr I bei der Minder- heit.) Ich hätte dem§ 7 niemals zugestimmt.(Bravo I bei der Minderheit.) Denn ich haite ihn noch heute für einen Brr- stoß gegen die liberalen Grundprinzipien und für ein unzweifelhaftes AuZuahmegefetz. (Sehr wahr l bei der Minderheit.) Politische Kompromisse müssen da ihre Grenze haben, wo es sich um die Grundprinzipien des Liberalismus handelt. Wir könnten die Reaktion überall wirksam bekämpfen, wenn sich Bürgertum und Sozialdemokratie überall zusammenschlössen.(Sehr wahrl bei der Minderheit.) Der ist ein Illusionist, der glaubt, im Block mit den Konser- vativen zusammen liberale Gesetze machen zu können. Durch diese» Zusammenwirken können nur unsere Ideen verwässert werden. Die nun eingetretene Entfremdung hat aller- ding« die Sozialdeinokratie noch verschärft; daran ist die Niederlage der Revisionisten schuld. Wenn aber Herr v. Payer sagt, wir dürften weder Grund noch Vorwand liefern, unS aus dein Blocke aus- zuschalten, so lehne ich diesen Grundsatz ab. Wir waren in die glückliche Lage gekommen, mit de» Konservativen und den Rationalliberalen zusammen die nationalen Forderungen bewilligen zu könne» und init dem Zentrum und der Sozialdemokratie freiheitliche Gesetze zu schaffen. Hatten wir da den Block fo nötig?(Sehr gut l bei der Minderheit.) Jetzt hat nur das Zentrum Freude an unserer Haltung. Es kann sich den Luxus ge- statten, mit freiheitlichen Anträgen zu paradieren. Wir müssen wieder eine Annäherung suchen an Zentrum und Sozialdemokratie, den» i>n Bunde mit ihnen können wir politische Freiheiten erringen, nicht aber in» Bunde mit den Konservativen.(Sehr wahr! bei der Minderheit.) Die Fraktionsgemeinschaft war gewiß ein großer Fortschritt. Aber, wenn ich sehe, was vor den Toren Berlins vor sich geht, wird meine Freude an der Fraktion»- gemeinschaft erheblich herabgestimmt.(Lebhafte Zustimmung.) Ich denke höchst skeptisch über die Frage, ob wir noch weiter mit der Freisinnigen Volkspartei zusammenarbeiten können. Die Vor« bedingung einer weiteren Arbeit muß jedenfalls sein, daß unser Einfluß auf die liberal« Politik nicht gemindert wird. In das Lob H e cksch e r S auf den Fürsten Bülow kann ich nicht einstimmen.(Heiterkeit und Zustimmung.) Das ist ja seine Spezialität. War denn wirklich die Ge- fahr so groß, daß Fürst Bülow daS ReichsvcreinS- gefctz scheitern ließ? Fürst Bülow hat einfach mit seiner Geschick- lichkeit eS verstanden, unS zu bluffen. (Sehr wahrl bei der Minderheit.) ES ist dringend«ot» wendig, mit der Blockpolitik endlich cm Ende zu mo��i. (Stürmischer Beifall bei der Minderheit.) Ich sehe schwarz in die Zlikunft. weit ich befürchte, daß die Mehrheit der Fiaklionsgcmein- ichaft die Blockpolitik sortsetzen wird. Nach zwei Schlägen ins Gesicht, die F ü r st Bülow dem Blockliberalismus gegeben hatte, ich meine da» EnteigilUligögesetz und die WahlrechtScrklärung des Fürsten Bülow, haben wir entschieden verlangt, daß die Fraktion mit der Blockpolitik brechen sollte. Da hat man uns gesagt: Uni GotleS Willen noch nicht, warten wir doch erst die Finanz- fragen ab.(Aha!-Rufe bei der Minderheit.) Das ist ein ganz falscher Standpunkt. An meinen Freund Barth ricyce ich die dringende Bitte: Bleibe bei unS, gehe nicht von uns.(Stürmischer Beifall.) Wir sind in dcp Gefahr, zu Natio»(illiberalen zu werden. Aber gerade gegenüber einer solchen Gefahr ist un» jetzt ein ent- schiedener Liberalismus doppelt und dreifach notwendig.(Stürmischer wiederholter Beifall.) Arbcitersekretär Jakob- Essen bedauert den Ton. den Pachnicke angeschlagen hat. Wenn Dr. Pachnicke eine solche Rede im Ruhrrevier gehalten hätte, wären die Arbeiter von ihm abgefallen. Wir in Essen geben Dr. Barth in der Beurteilung der politischen Lage recht. (Hört! hört I) Wir köimeii nicht etwa de» Ausführungen Cohns mid Heckschers über die Sozialdeuiokratio folgen. DaS köiiilen wir Arbeiter nicht mitmachen. Der christliche Arbeiterführer Behrens, der für den ß 7 gestimmt hat. hat in Rheiiiland-Westfalen jeden Einfluß verloren. Das sollten wir uns zur Warnung dienen lassen.(Sehr wahr I bei der Minderheit.) ReictiStagSabgeordnctcr Mommsen: Auch ich verkenne nicht, daß der§ 7 für da« Ruhrrevier manche Gefahren und Schwierigkeiten mit sich bringt. Aber ich glaube, daß er in seinen Wirkungen auch nicht übertrieben weiden darf. Im übrigen unterschreibe ich durch- au« nicht alles, was Pachnicke und Heckscher gesagt haben.(Leb- haster Beifall bei der Minderheit.) Auch ich gebe zu. daß sich beim VereinSgesey mit einer geschickteren Taktik wohl mehr hätte erreichen lassen. Aber wir sind eben alle schwache Menschen und die Abgeordneten sind die schwäch st en.(Hetlerkeit und Beifall.) Dr. Rudolf Breitschrid lvon der Minderheit mit demonstrativem Beifall empfangen): Dr. Pachnicke hat daS Tischtuch zwischen ihm»ind unS mit einer Energie zerschnitte», die ich ihm nach dein 10. Januar nicht mehr zugetraut hätte.(Heiterkeit und Sehr gut! bei dec Minderheit.) Hätte er nur die Hälfte dieler Energie im preußischen Abgeordneten- hause nach der WahlrechtSerklärung deS Fürsten Bülow ausgebracht, so köiiiiteil wir heule ganz anders verhandeln. Dr. Pachnicke hat gestern mißerordemlich lebhaft beteuert, daß eine tiefe, unüber- brückbare Kluft zwischen unS hindurch geht. Ich will zunächst nicht daran imthelscn, eine Brücke über diese Kluft zu bauen. Aber daß diese Kluft gähnt, ist nicht unsere Schuld. Gewiß sind manche scharfen Worte von un» in den letzten Wochen gefallen. Unter meiner Zustimmung sind Resolutionen angenomincn worden, in denen die Haltiiiig der Mehrheit der FraklionSgeineinschaft scharf gerügt wird Ich bitte Sie, nicht zu vergessen, wie die Frei- fiimige Boik-parle» vorgeht.(Sehr richtig I bei der Minderheit.) Die„Freisinnige Zeitung" gehört ja nun auch schon zu den sakro- Jezt eingegangen: fankten Baladien des Liberalismus, die niemand mehr angreifen Die Sozialdemokratie berhält sich diesmal wie vor meine Meinung, daß eine Verschmelzung mit der darf. Naumann mag sich daran erinnern, baß er genau fo torrett wie 1903. Sie hat uns damals das be- Freisinnigen Boltspartei auf die Dauer nicht zu noch vor kurzer Zeit gerade wie wir jezt von der icheidene Angebot gemacht, in ganz Schleswig- Holstein nur ein vermeiden sein wird. Das ist ganz einfach die Konsequen " Freisinnigen Zeitung" mit Kot beworfen wurde, mandat zu bekommen, dann würde sie alle unsere Abgeordneten der Fraktionsgemeinschaft, die nur zur richtigen Zeit gezogen werden so daß jedem von uns bie Zorneswelle ins Gesicht heraushauen. Aber nicht ein einziges Mandat haben die muß und gezogen werden wird. Auf die freundliche Hinausstieg.( Sehr richtig! bei der Minderheit.) Ist es da nicht richtig, Freifinnigen ihr zugestanden und haben dadurch tompromittierung kann ich nur antworten: Je nach dem Gange der wenn wir fagen, das Vorgehen der Freifinnigen Zeitung" ist schamlos? Die Freifinnige Beitung" ist nicht irgend ein beliebiges Blatt.( Sehr richtig! Buruf: Wo sind die Wahlmänner, die für Sozial- life jo flar wie möglich.( Bifchen bei der Minderheit.) glattweg Duyende Mandate der Reaktion ausgeliefert. Dinge werden meine Freunde und ich die Folgerungen aus den Beziehen. Nur bitte, fassen Sie Ihre Be was die offiziöse Billigung der leitenden Männer unabhängiger Freifinniger, die das tun tönnten. Abgeordneter Jeder weiß, wer hinter ihr steht, fie schreibt nur, demokraten stimmen?) Es gibt Tausende und Abertausende schlüsse so far wie möglich.( Bifchen bei der Minderheit.) Von Dr. Herz- Harburg ist eine Resolution folgenden Wortlauts der Freisinnigen Volkspartei findet.( Sehr richtig!) unabhängiger Freifinniger, die das tun tönnten. Bayer erklärte am 4. April, daß die Freifinntgen den Weg weiter Singer erflärte, die Sozialdemokratie sei bereit, sich mit gehen würden, den fie bisher gegangen sind. Wegen diefer Rede den Freifinnigen für die Landtagswahlen zu verständigen. Habe ich mich, daß muß ich offen fagen, als Liberaler einiger Lieber erklärt die gesamte freifinnige Presse: maßen geschämt. unterstützen ( Lebhafter Beifall bei der Minderheit, auch nur einen Sozialdemokraten wählen.( Lautes Hört! hört!) jeden Reaktionären, als daß wir Bischen bei der Mehrheit.) Das Festhalten an der Fraktionsgemein- machen wir uns doch feinen blauen Dunst vor! Es kommt gar schaft bedeutet weiter nichts als die Unterwerfung unter die Ansichten nicht darauf an, ob wir 30, 40 oder 50 Abgeordnete im Landtag und Beschlüsse der freifinnigen Volkspartei. Es ist nur eine Frage figen haben, wir wollen nur ehrliche demokratische Politik treiben, von wenigen Monaten, das die Freifinnige Vereinigung in der rei einen kräftigen Boltssturm bei den Wahlen entfesseln. finnigen Volkspartei aufgeht.( Oho-Nufe.) Wir sind auf dem Wege zur Fusion. Die führenden Mitglieder der Fraktion find sich darüber Lieber will ich einfam meinen Weg gehen, als Golbat in einer flar, daß es wünschenswert, ja notwendig ist, zur freifinnigen Bolls- rmee zu sein, die nach rechts marschiert.( Stürmischer Beifall bei partei überzugehen.( hört! hört!) So soll die Einigung des der Minderheit.) Liberalismus folgerichtig burchgeführt werden. ( Seiterkeit.) Die Fraktionsgemeinschaft ist nach unserer Ueberzeugung weiter nichts als die wir Pfarrer Corell- Königsstedten wie Bei Anerkennung der Motive der Fraktionsmehrhen be. bauert der Delegiertentag ihre 8ustim ung zu § 7 des Reichsvereinsgefeges als eine clegung ber Grundlagen des Liberalismus. Der Parteitag spricht sich für die Aufrechterhaltung der liberalen Frattions. gemeinschaft aus in der Erwartung, daß sie den Liberalismus fräftigen wird." Rechtsanwalt Brabant( Hamburg) Beantragt, den ersten Saz folgt au faffen: " Der Delegiertentag bebauert die Stellung der Fraktionss gemeinschaft zu§ 7, wenn er auch die Motive, die sie zu dieser Stellung geführt haben, durchaus an erfennt." ( mit Beifall begrüßt): Wir in Geffen arbeiten als Freifinnige aller drei Richtungen zusammen und mit Freuden gedenke ich der Mite und Dr. Pachnicke erklären nacheinander, daß sie in der Annahme Die Reichstagsabgeordneten Mommsen, Dr. Hedscher, Naumann Vorstufe zur Einigung mit den Nationalliberalen. arbeit der Anhänger der Freifinnigen Voltspartei.( Beifall.) wir dieser Resolutionen ein Mißtrauensvotum gegen die Reichstags( Abg. Heckscher ruft: Sehr richtig!) Die geit ist nicht fern, to Sehlicher und Dr. Beckerscher Observanz. Deshalb find wir auch zu arbeiten alle zusammen gegen rechts und gegen die Liberalen fraktion erblicken und die notwendigen Konsequenzen ziehen müßten. Herr Hedicher fagte, bei Nationalliberalen sei teine Spur 95 Prozent entschiedene Gegner der Blockpolitit. der Fraktion diese Erklärung abgegeben hat, fann ich im Gegenteil Reichstagsabgeordneter Dr. Potthoff: Nachdem die Mehrheit von Liberalismus vorhanden.( Hört! hört!) Wie kann man über-( Beifall.) Wenn Fürst Bülow nach dem Zufammenstoß Einem- Baasche für die Minderheit erklären, daß wir in der Ablehnung bes haupt mit einer Partei zusammengehen, die zwar immer schweren im Reichstag die Vertrauensfrage stellte, so kann das bei der ersten Antrages Brabant ein Mißtrauensvotum gegen uns sehen Hergens, aber stets unter allen Umständen die Boitsfreiheit verrät? besten Gelegenheit wieder geschehen, zum Beispiel wenn über und unsererseits die Konsequenzen ziehen würden. ( Sehr richtig! bei der Minderheit.)§ 7 des Vereinsgefeges die bekannten Handlungen von allerhöchster Stelle in den lezten ist nichts weiter als ein Symptom. Es mußte so tommen, Wochen von unseren Vertretern im Parlament Kritik geübt wird. Antrag zugunsten des Antrages Brabant zurück. Die Abstimmung Hierauf erfolgt die Abstimmung. Dr. Herz- Harburg zieht seinen daß man in dieser wichtigen Frage, um die Freunde Eine große Gefahr der Blodpolitit besteht darin, über den Antrag Brabant ist eine namentliche, sie ergibt die der rechten Seite nicht zu berlegen, liberale Grundsäge daß wir der Sozialdemokratie gegenüber den Standpunkt der preisgab. Was die Wahlrechtserklärung des Fürsten Bülow anlangt, Objektivität und Sachlichkeit verlieren.( Sehr richtig!) Es ist Ablehnung haben die freisinnigen Führer diese Erklärung am Abend vorher gekannt. der Kampf gegen die Sozialdemokratie. nicht richtig, wie es z. B. Dr. Cohn getan hat, daß man des Antrages mit 315 gegen 98 Stimmen bei 18 Stimmenthaltungen. zur Unterstützung der Rechtsnationalliberalen einen Wahlkreis( Lautes Bravo! bei der Mehrheit; Bischen und Lärm bei der ( Hört! hört!) In zwölf bis achzehn Stunden hätte da auch Herr bereift, nur um einen Sozialdemokraten herauszudrängen, mit Minderheit.) Bachnide eine Erklärung sich ausdenten können, die mehr Hörner dem man bis dahin im Landtage zusammengearbeitet hat. Nach der Verfündung des Abstimmungsergebnisses erklärten und Zähne gehabt hätte. Jetzt reist Herr top ich im Auftrage des man foll also nicht immer jagen, bie 20 Mitglieder des sozialliberalen Vereins Berlin und der Vereine in Wahlausschusses im Lande umher und predigt die Notwendigkeit des Sozialdemokraten haben die Schuld. Damit macht Erlangen, Nürnberg und Aachen ihren Austritt aus dem Kulturblods bis au Herrn b. 8edliß, der der ärgste man fich noch lange nicht zum Schleppträger der Sozialdemokratie. Wahlverein der Liberalen. Darunter befinden sich Dr. Barth, Feind des Wahlrechts ist.( Sehr richtig!) Warum ist Professor Wir tönnen uns gegenüber der Sozialdemokratie nur behaupten, v. Gerlach, Dr. Breitscheid, Pastor a. D. Kötschte, Schriftsteller Brentano aus der Partet ausgetreten? Das alles gibt au denten. wenn wir fie gerecht beurteilen.( Beifall.) Die Gefahr, daß wir Kurt Bürger und andere. Wir können die Verantwortung für die Blockpolitit nicht weiter das nicht mehr tum, liegt bei der Blockpolitik vor. Auf die Ordens Es erfolgte nunmehr namentliche Abstimmung über die Resolution übernehmen, denn der Block ist nichts weiter als ein Institut der geschichte lege ich feinen allzu großen Wert. Aber ich meine, Pfarrer Corell und Professor Lifat- Charlottenburg. Die Resolution Erziehung zum gemeinsamen Kampf gegen die Arbeiterbewegung.( Sehr man sollte immerhin Rücksicht auf das Volts empfinden hat folgenden Wortlaut: richtig!) Das Zentrum foll später auch darin aufnehmen.( Sehr richtig!) In weiten Kreisen des Volkes ist Der Parteitag spricht fich für die Aufrechterhaltung genommen werden. Dann beginnt der Eindruck vorhanden gewesen, daß in der Tat hier und da der lintsliberalen Frattionsgemeinschaft aus in fleine Eitelteit im Spiele war.( Sehr richtig! Das der Ertvartung, daß sie den Liberalismus feftigen wird. Er hält es Bereinsgesetz ist ein Rüschritt gegen unseren bisherigen Zustand, für notwendig, alle entschieden liberalen Elemente zufammenzufaffen, § 7 ist eine Verlegung der Grundsätze des Liberalismus. Daraus fordert auf, im Rahmen der liberalen Fraktionsgemeinschaft ben erklärt sich unsere Protestfundgebung gegen das Vereinsgefeß, die entschiedenen Liberalismus zu vertreten, hält es aber im Intereſſe von der Freifinnigen Beitung" lächerlich zu machen versucht wurde. einer solchen Politik für geboten, daß alle Kritit, die in keiner Weise Die Freifinnige Beitung" hat mir speziell das Zeugnis ausgestellt, unterbunden werden soll, sich stets der Notwendigkeit des ZusammenDr. Dohrn- Stettin: Für die würdige Haltung unserer Parla- daß ich damit eine Hülfsaktion für Herrn v. Gerlach einleiten wollte. arbeitens bewußt bleibt." mentarier, wie hier gesagt wurde, hat das Bolt kein Verständnis. Darauf fann ich nur antworten: Herrn v. Gerlach dem Liberalismus Diefe Resolution wurde mit 371 gegen 33 Stimmen bei Es sagt sich vielmehr, daß diese Haltung eine unwirbige ist. zu erhalten, ist mir viel wertvoller, als den Fürsten Bülow dem 12 Stimmenthaltungen angenommen. ( Sehr richtig! bei der Minderheit.) Dr. Barth müssen wir deutschen Bolte als Reichskanzler zu erhalten.( Lebhafter Beifall.) Darauf tritt die Mittagspause ein. auf alle Fälle bei uns behalten, damit uns Herr Troß allebem halten wir fest an der FraktionsBachnicke nicht verraten fann. Breitscheid fagt, wenn es so weiter gemeinschaft, weil wir fie für wertvoll halten. Im Zusammengeht, werden wir nationalliberal. Ich glaube zwar nicht, daß es arbeiten mit der Volkspartei erblicke ich keine Schädigung des fo schnell geht, aber wenn Dr. Barth herausgeht, Liberalismus. Ja, ich gehe weiter. Ich arbeite fogar im geht es noch schneller.( Beifall und Heiterkeit.) Mit dem Austritt Nationalberein für das liberale Deutschland hielt eine Gaukonferenz im Gewerkschaftshaus zu Berlin ab. Au Dr. Barths schwächen wir die Stellung unserer Freunde in der mit Nationalliberalen zusammen, um auch sie aur demokratischen wesend waren 44 Delegierte aus 24 Bahlstellen. Vier Mitglieder Fraktionsgemeinschaft.( Lebhafter Beifall.) Wir stehen auf dem alten Boden Naumanns, auf dem Boden des demokratischen sozialen Liberalismus, und wir wollen die Naumannsche Politit, wenn es nötig ist, auch ohne Naumann weiter treiben!( Stürmischer Beifall bei der Minderheit. Bischen.) v. Gerlach ( mit Beifall und Bischen empfangen): Man zitiert den Ton und die Forderung unserer Bolemit. Das erinnert mich an das Vorgehen der Regierung gegen Beamte, die an sich fachlich gerechtfertigte Wünsche vorbringen. Dann sagt man, der Ton paßt uns nicht. Ich mag manchmal etwas zu scharf geworden sein, aber ich bereue nicht ein einziges Wort, das ich seit dem 10. Januar gegen die Fraktionsgemeinschaft geschrieben habe.( Lebhafter Beifall und Zischen.)§ 7 des Vereinsgesetzes ist eine Verlegung der Grundsätze des Liberalismus. Der Gan VII des Schuhmacher- Verbandes ber Gauverwaltung und Appel aus dem früheren Gau XI nahmen der Gauverwaltung und Appel aus dem früheren Gau XI nahmen gleichfalls teil. Der Gauleiter amacher gab zu dem, den Delegierten zugestellten gebrudten Geschäftsbericht noch einige Er läuterungen, an die sich die Berichte der Delegierten aus den einzelnen Bahlstellen anschlossen. Aus denselben ist hervorzuheben, daß trok Gründung von gelben Gewerkschaften, wie in Frankfurt a. Oder, sehr erfreuliche Resultate in bezug auf Verkürzung ber hat der Kampf der Ballschuharbeiter in Berlin gezeigt, was burch Arbeitszeit und Lohnaufbesserungen erzielt wurden. Besonders die Organisation zu erreichen ist. Die Zahl der Differenzen betrug in der zweijährigen Berichtsperiode insgesamt 81, von denen B1 zur Arbeitsnieberlegung führten. Allgemeine Bewegungen halte man insgesamt 16. Auf die Schoßarbeiter entfielen hiervon 18, auf die Fabrikarbeiter 3. Politik zu befehren. Wenn ich nun an der Fraktionsgemeinschaft festhalte, so hat das die Konsequenz, daß ich auch am Block festhalten muß, den ich an und für sich aufs schärffte verurteile. Wenn ich aber am 10. Januar unter der Einwirkung der Erklärung des Fürsten Bülow im preußischen Abgeordnetenhause meinerseits erflärt habe, bag im nach dem Verhalten der Freifinnigen in der Wahlrechtsfrage politisch nicht mehr tätig sein wollte, so nehme ich teinen Anstand, diesen Schritt, ben ich am 10. Januar getan habe, heute zu wider rufen. Ich tue das nicht, um darin etwa eine Anerkennung des Blocks auszudrücken, sondern um die Fraktionsgemeinschaft nicht zu zerstören. Gerade die Trennung bat den Liberalismus geschädigt. Wenn Dr. Breitscheid die Freifinnige Bollspartei angreift, jo Das hat felbst ein fonservativer Mann, wie Prof. Delbrüd, mag das gut fein. 23 enn er aber auch Naumann an man insgesamt 16. Auf die Schoßarbeiter entfielen hiervon 18, und auch Prof. Laband, zugegeben.§ 7 bebeutet die Bergreift, fo gehe ich nicht mehr mit. Naumann ist uns stets fümmerung der Bersammlungsfreiheit.( Sehr richtig!) Mit der selbst treu geblieben und wir werden ihn herausbauen. rungen von Zohnerhöhungen hervorgerufen, in 6 Fällen waren Begründung von der polnischen Gefahr kann man noch viel mag er fleben, wo er will. Es läßt sich kein Naumannscher Lohnabzüge die Ursache und in 28 Fällen waren es Maßregelungen, Liberalismus treiben ohne Naumann. Lassen Sie uns zusammen- meist durch Einführung neuer Maschinen veranlaßt, fowie fogebeffer ein Sozialistengefeß befürworten. Wenn schon bleiben, damit der Block möglichst bald auseinandergehe. Bleiben nannte Lohnregulierungen. 84 Verhandlungen mit den Untereine Gefahr besteht, dann sind die drei Millionen fozialwir zusammen, damit nicht der Liberalismus auseinandergeht. nehmern oder Unternehmerkorporationen fanden durch die Gaus demokratischer Stimmen eine viel größere Gefahr, vom Standpunkt des Staates, als die brei Millionen Bolen. Das ist eben( Stürmischer, wiederholter Beifall.) die schiefe bene, auf die man gerät. Naumann hat Dr. Rosenberger- Charlottenburg: Pfarrer Corell hat gut reden an seinem Endziel, der großen Linken, festgehalten. Aber erst will von einem Zusammenarbeiten mit der Freisinnigen Volkspartei. Er er einen mächtigen Liberalismus schaffen. Er fagte, heute fehlt fo- lebt in Hessen, aber wir in Berlin. Und vor den Toren Berlins hat wohl bei der Sozialdemokratie wie beim Liberalismus die psycho- die Freifinnige Volkspartei mit den Nationalliberalen ein Bündnis Togische Disposition für das Zusammengehen. Das mag richtig abgeschlossen, um zwei freisinnige Kandidaten unserer Richtung zu fein. Aber es gibt fein ungeeigneteres Mittel, diese Fall zu bringen, nur weil wir uns den beiden Parteipäpsten in der psychologische Disposition herbeizuführen, als fein Vorgehen. Bimmerstraße nicht beugen wollten.( Hört! hört! bei der Winderheit.) Der Block hat nur die Aufgabe, gegen die Sozialdemokratie zu arbeiten. Paftor a. D. Kötschte: Naumann ist unser politischer Lehrer geWie kann man sich vorstellen, daß das Zusammenfassen aller reaktionären wesen, aber wenn wir ihm jetzt folgen sollten, milgten wir erst Elemente mit den liberalen die Liberalen geneigter machen kann, mit umlernen. Wir dürfen ruhig der Fraktion einen Tadel aussprechen, der Sozialdemokratie zusammenzugehen?( Sehr richtig!) Das dazu sind wir einfach verpflichtet. Auf den Blod brauchen kommt mir gerade so bor, als wenn man in einen Korb, in dem wir teine Rücksicht au nehmen. Wenn Naumann fagt, Sof, dritter Eingang, berfaulte lepfel liegen, ein paar gute Aepfel hineinwirft und nun der Feind steht rechts, so steht das mit seinem Handeln in der fich einbildet, man habe jetzt ein gesundes Nahrungsmittel.( Seiter legten Zeit in widerspruch. Früher wollte Naumann keine leit und Beifall.) Der Blod hat nicht die konserbatiben 8weifrontentheorie. Jezt ist sein Blick durch den Block getrübt. liberaler gemacht, sondern die Liberalen fonjer( Sehr wahr! bei der Minderheit.) vativer.( Lebhafter Beifall.) Der Block dient zu nichts weiter, als wie der berwaltung statt. Hierauf hielt amacher einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über Agitation und Organisation im Gau VII", an den sich eine lebhafte Diskussion schloß, in der Krone Kottbus, Frohn- Stettin, Now at Strausberg, Tieze- Berlin und teuter. Charlottenburg sprachen. Nachdem einige Anträge zur Statutenänderung ihre Erledigung gefunden, schloß der Vorsitzende die Konferenz. Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, gwelter bier Treppen, wochentäglich abends von 7 bis 9 1hr statt. Geöffnet 7 thr Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Gifige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Reichstagsabgeordneter Dr. Potthoff: Wenn wir Mitglieder G. 2. 12. Das Gesuch ist an die Steuerdeputation des Magiftrats berlieren sollen, so ist es besser, tvir verlieren sie nach Rechts. 34 richten, die es bewilligen kann, nicht muß. Beweismittel: Invaliden ( Sehr wahr bei der Minderheit.) Die letzte Frage ist die, ob wir frist gebunden, weil Störperverlegung mittels eines gefährlichen Werkzeugs. farte, Zeugnis der Chefrau. Neichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie. G. 2. 33. Strafantrag an feine AntragsEinzelne Reden, wie wir sie gestern und heute gehört haben, hört, oder ob wir den Wahlverein der Liberalen als politisch demo- 1. und 2. Nein. Die Frau fann interventeren. 3. Nein. Der Sohn fann Bachnicke zur Freifinnigen Bolkspartei folgen wollen, wohin er ge- Aufforderung zum Ersatz des Schabens nicht strafbar. 3. 3. 93. tönnten ebenso gut in jeder Versammlung des Reichstratischen Verein erhalten wollen. Dann ist das beste Konservierungs- intervenieren. 6. S., Tegel. Gesetzlich können Sie den Abzug machen, berbandes gehalten werden. Solche Neben wären noch vor zwei Jahren auf dem Delegiertentag der Freifinnigen mittel Barth. Den linken Flügel tönnen Sie nur halten, vertraglich ist aber jedenfalls etwas anderes bestimmt. Segen Sie einte Bereinigung nicht möglich gewesen. Das ist auch eine Blodfrucht! Denn Sie auf den rechten zu verzichten wagen. Ent- vierzehntägige Frist zur ordnungsmäßigen Einrichtung mit der Drohung, weder spricht Bachnicke selbst aus, daß er ( Seiterkeit.) Wie der Block weiter wirkt, fehen wir ja auch an dem Bolkspartei gehen will, oder die Versammlung muß ihm den Aus- schuldete Säumuis vorlag. Durch Abzug vom Lohn darf sich die Firma daß Sie nach fruchtlosem Ablauf der Frist ausziehen und Schadenersaz zur Freisinnigen fordern. Aleg Krause. Rüdforderung ist unzulässig, wenn eine unver Autrage Dove- Mommifen. Wir sollen Berbrauchssteuern bewilligen. tritt nahelegen. Die Freifinnige Zeitung" hat schon die Hausknechts- ohne 3hr Einverständnis befriedigen. ( hört! hört!) Man sieht also, wohin die Reise gebt. ärmel aufgefrempelt. Wenn im Herbst die Fusion mit der Frei- Urteile vom Gerichtsvollzieher zurückgeben und beantragen Sie dann beim R. G. 12. Lassen Sie sich die von einer Ronzession zur anderen. Diese Reise können wir nicht mitmachen. Ich bin nicht nach Frankfurt geie tönnen Barth hinaustreiben, aber die Barthschen werden Sie zufügen. finnigen Volkspartei tommt, wird für uns fein Plaz mehr sein. Amtsgericht Lobupfändung und Ueberweisung. Die Urteile sind bei7. S. 30. Nicht verjährt. 3. 28. Einen Rechts. tommen, um aus der Partei auszutreten( Beifall), aber ich bin hier anspruch auf Herausgabe des Urteils haben Sie vorläufig nicht. Bitten her gekommen mit der absolut flaren Erkenntnis, daß wenn der nicht los.( Lang anhaltender Beifall bei der Minderheit.) 00. Nein. Parteitag nicht erklärt, daß die Zustimmung zum§ 7 eine Ver- Vereinigung mit der Freisinnigen Boltspartei Hage gegen den jungen Mann wegen Beleidigung, weil er behauptet hat, Ste Reichstagsabgeordneter Schrader: Ich halte allerdings eine Ste den Borstand der Anwaltstammer um Vermittelung. Bölkner. Die Rente geht weiter. 2. 23. 44. Rigdorf. Privatlegung der liberalen Grundfäße ist, ein 8usammenarbeiten für notwendig, aber sie kann sich natürlich nur vollziehen mit hätten das gefagt. nicht mehr möglich ist.( Hört! hört! Beifall bei der 3. P. 100. Nein. E. Schulte. Stommt auf Minderheit.) Wenn wir irgend eine vertaschene Resolution an- Bustimmung des Barteitages. nehmen, dann hat die Fraktion Blankovollmacht für fünftige Ver Rechtsanwalt Brabant Hamburg: Die Liberalen Hamburgs stöße.( Sehr richtig!) Wir tönnen ruhig einmal riskieren, der stehen einmütig auf dem Standpunkte Corells. Wenn Barth und Reichstag fraktion zu sagen: Ihr habt falsch gehandelt! Sonst find Gerlach uns heute verlassen, so können sie mit dem Bewußtsein von die Delegiertentage eine bedeutungslose Kundgebung. 1903 haben uns scheiden, daß sie hingebungsvolle und treue Arbeit für den wir ein Zufammengehen mit der Sozialdemokratie für die Laubtags. Liberalismus geleistet haben. Wenn wir in der Mark noch wahlen von Fall zu Fall beschlossen. Heute wagi tein Meni einige Erfolge bei den Arbeitern gemacht haben, so gebührt der Dant mehr, einen folchen Antrag au stellen. Was dafür der Nichtung Barth. Lassen Sie unferen rechten würden auch die Herren Fischbed und Kopf fagen?( Sehr richtig! Buruf: Sozialdemokratischer Wahlaufruflügel geben, wohin er gehört, zur Greifinnigen Der sozialdemokratische Wahlaufruf ist die Volkspartei. Wir aber treiben weiter praktische Sozialpolitik im Sinne Barths. Batienten in Beelis, Buch ust. Diejenigen unserer Abonnenten, abfolut notwendige Konsequenz der Blockpolitik. Reichstagsabgeordneter Bachnicke: Ich möchte es nicht unwider die noch während des ganzen nächsten Monais in der Heilſtätte bleiben, wollen uns wegen der Ueberweisung von Freiexemplaren jofort ihre Adresse ( Sehr richtig bei der Minderheit.) Die Sozialdemokraten müßten sprochen lassen, wenn gesagt wird, nach Barths Weggang werde die einsenden, bobel verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Narren und Feiglinge sein, wenn sie sich anders stellen liberale Sozialpolitik stilstehen. Ich habe schon 1898 mit Monats von ber Bost nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeben würden.( Sehr richtig 1) Roefide im Reichstage sozialpolitisch gearbeitet. Es ist nach Monat nen eingesandt werden. Arbeiterfekretär Wolter- Berlin: den Juhalt der Worte an. Wahrscheinlich nein. G. M. R. Die Augen müffen erfest werden. Genossenschaft hat die Auslagen zu erstatten. N. 6. Das Urteil ist mit Bollstreckungsauftrag an die Berichtsvollzieherver' eilungsstelle des über ben Wohnort des Schuldners zuständigen Amtsgerichts zu senden. G. 5. 100. 1. Leider ja. 2. und 3. Be ſtimmungen hierüber existieren leider nicht. Su 1 folange, als es ohne Schaden der Gesundheit geschehen kann. Bu 2, üblicherweise von 4 Uhr nachmittags ab. 4. Fragen Ste in Spezialgeschäften der Branche air. Briefkaften der Expedition. Verband der haugewerbl. Höllsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin und Umgegend. Sonntag, den 26. April 1908, vormittags 10 Uhr, in Freyer 8 Festfälen, ( cheinen. Koppenstraße 29: General- Versammlung. Zages Ordnung: 30/ 4* 1. Abrechnung vom ersten Duartal 1908 und Bericht der Revisoren. 2. Stellungnahme zur Maifeier. Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Eintritt. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollegen in der Versammlung zu er Der Zweigvereinsvorstand. Baustellen und Landparzellen DR. DO. 4 Mark an nahe Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Freitag, den 24. April 1908, abends 8%, Uhr, im Schullokal, Grenadierstraße Nr. 37: Bahnh. Fredersdorf General- Versammlung. Auskunft täglich im Pavillo am Bahnhof und bei 26012* Zages Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes, des Lehrerfollegiums und der Nieschalke& Nitsche Revisoren. 2. Wahl zweier Revisoren. 3. Anträge. 4. Schulangelegenheiten. 5. Verschiedenes. Berlin, Neue Königstr. 16. Mitgliedsbuch legitimiert. Beiträge werden entgegengenommen. Dürkopp Rataloge umsonst. bestes Material vorzüglichste Arbeit eleganteste Ausstattung Jedes Wort 10 Pfennig. BLANA ELECTION Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Inventur- Ausverkauf, Teppiche mit Farbenfehlern und Fabrikmuster mit 10 Prozent Rabatt. E. Weißenbergs Teppichhaus, Große Frant furterstraße 125. 648S+ Gardinen, Stores, etwas an geschmust, Fenster 1,25, 1,85, 2,50, 3,75, 3,85, 4,50 usm. 649 Steppdecken, Fabrikmuster, Stüd 3,65, 4,50, 5,85, 6,75 ufm. 650S Plüsch- und Tuch portieren, Fenster 3,85, 4,65, 5,25, 6,50, 7,50 ufm. 12 Große Frankfurterstraße 651s* Tischdecken, Wolle und Plüsch, 1,65, 1,85, 2,35, 2,85, 3,50, 5,00 ujm. 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Schröder, Mariannenstr. 53, II. Bimmer, Herrn. Achtung! Achtung! Klavierarbeiter! die Wegen enormer Lohnabzüge haben die Kollegen der Fabrit Neufeld Arbeit niedergelegt. Wegen dieser Differenz ist auch der Zwischenmeisterbetrieb von E. Schlenner, Rigdorf, Pflügerstr. 52, gesperrt. Zuzug ist streng fernzuhalten! Vereinigung Städter, Brinzenstraße 8 II. 47 der Musikinstrumenten- Arbeiter. Deutscher Schlafstellen. Gemütliche Schlafstelle bei Wille, Simon Dachstraße 31, born I, Nähe Bahnhof Warschauerstraße.+51 bei +51 Freundliche Schlafftelle Rudolph, Rigaerstraße 5, III. Möblierte Schlafstelle Prinzenftraße 47, vorn III links. 1570b* Schlafstelle, möbliert, 13 intl., Weinbergsweg 12, Quergebäude IV. 15835 Berg. Alleinige Schlafstelle. Bod, Greifenhagenerstraße 17, vorn IV, Bahnhof Schönhauser Allee. +91 Holzarbeiter- Verband. Wegen Streit und Differenzen find gesperrt: Für Bautischler und Einfeher: Sprötte, Kurfürstenstraße 12 für Klavierarbeiter: Neufeld, Belleallianceftr. 3, 8wischenmeister Schlenner in Rigdorf, Plügerstr. 52; in New Pianofabrik Hedke Lichtenberg, für Stockarbeiter: Pfahl, Rottbuser Ufer 33, für Bodenleger: Kleines separates Zimmer für Zwischenmeister Peter, Blücher einen Herrn als Schlafstelle vermietet ftraße 66, Bau Schramm. Boß, Neue Jakobstraße 28 III. 1558b Die Ortsverwaltung Berlin. Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Kr. 95. 25. Zahrgavs. 2. KkiW des Jjtmirts" Kcrlim JdIIiüIiM. pmnirtshii, 23. Jptil 1908. 15. Kongreß der Sozlaldemoliratle Ungarns. Budapest, 21. April. In der N a ch m i t t a g L s i tz u n g deS Ostersonntags wurde bom Genossen Parteisekretär H o r o w i tz der von uns auszugs Weise wiedergegebene Bericht der Parteileitung erstattet. Die Debatte, die die Sitzung ausfüllte, brachte u. a. eine Aus- ftellung des Genossen L a d a n y i, datz die Parteileitung die Be- wegung der Landarbeiter nicht genug unterstützt habe. Zu Beginn der Montagsitzung wurde nach einer Schluh- rede des Genossen Horowitz der Parteibericht einstimmig zur Lkenntnis genommen. Es folgte hierauf der zweite Punkt der Tagesordnung: Der Kampf um das Wahlrecht. Referent Genosse Alexander Garbai besprach zunächst die Wirkung der grossen Demonstration vom 10. Oktober. Dann fuhr er fort: Der bisherige Kamps habe zumindest das erreicht, dah die Frage des allgemeinen Wahlrechtes auf der Tagesordnung blieb. Die Koalition plant das Pluralwahlrecht und kommt dieses vor das Parlament, so kommt es als gemeinsamer Plan der Regierung und der Dynastie. Dann wird die Zeit kommen, wo wir den Herren zurufen werden: uns geht der Pakt nichts an und auch das nicht, was die koalierten wirklichen geheimen Räte dem König empfohlen oder versprochen haben. Kommt aber die Zeit, wo das Pluralwahlrecht dem Parlamente vorgelegt wird, dann wird eine Budapester Demonstration allein nicht genügen, sondern es wird notwendig sein, dag sich auch die Provinz beteiligt, und besonders wichtig ist es, dass auch die Landarbeiter sich dem polt- tischen Massenstreik anschliessen.„Wenn wir arbeiten, werden wir Erfolge aufweisen können; zaudern wir, dann stürzen wir!" schliesst der Redner seinen Vortrag und empfiehlt sodann einen Antrag zur Awnahme, in welchem cS u. a. heisst: „Der 15. Kongreß erklärt, dah er das Hinziehen der Ver- wirklichung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechtes als ein gegen die Millionen Arbeiter des Landes geplantes Attentat betrachtet und konstatiert, dass dieses verdächtige Zam dcrn auf in einem Abkommen eingegangener Verpflichtungen und auf den Plan, das Wahlrecht zu verfälschen, hindeutet, dah es darauf abzielt, anstatt des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechtes das die bisherigen Vorteile, Privilegien und Mono- pole der Besitzenden wahrende Pluralwahlrecht zum Gesetz zu erheben. Indem der Kongreß Vorstehendes konstatiert, spricht er zn gleich aus, daß, sofern die Regierung das Pluralwablrecht vor das Parlament bringt, die Industrie- und Landarbeiterschaft Ungarns mit dem politische» Massenstreik antworten soll. Art und Dauer dieses politischen Massenstreiks wird ein zu gleicher Zeit einzuberufender ausserordentlicher Parteitag festzusetzen haben." Es entspann sich numnehr eine lebhafte Debatte. Genosse Pelczedcr geht noch weiter als Genosse Garbai und wünscht den politischen Massenstreik schon dann, wenn die Regierung den Gesetzentwurf über das Wahlrecht nicht bis zum Peter-Paultag Anbringt. Genosse Josef S ch n e f f- Nagykanizsa bemängelt eS, dass die Zentrale am 10. Oktober den Eisenbahnern die Beteiligung an der Demonstration untersagte. Genosse Karl I a nc s ü- Ujpest hält es im Interesse eines Erntearbcitcrstreiks für unerläßlich, daß das fremdsprachige Proletariat fester organisiert werde. Im Alsöld verrichte nicht der Alföldcr ungarische Bauer die Erntearbeit, sondern der Slowake, der Rüthens usw. und ohne Einbeziehung dieser Elemente könne auf einen Erfolg nicht gerechnet werden. Stefan P o r c z i ü- Budapest ist der Ansicht, dass die Arbeiter- ;chaft bereits längst zum äußersten Kampfe entschlossen sei. Er. Redner, habe seinen ganzen Einfluß aufbieten müssen, damit die Mitglieder seiner Fachorganisation von der Jnsultierung der koa lierten Abgeordneten abstehen. Josef G y u r i ä s- Budapest bemängelt es. dass nach dem 10. Oktober in der Beloegung eine Totenstille eintrat, während das Gegenteil angezeigt gewesen wäre. Redner ist kein Freund leicht sinnig inszenierter Streiks, in der Frage des Wahlrechtes erwartet er aber nur vom Massenstreik einen Erfolg. Sigmund S ch u be r t- Budapest betonte, dass die Eisen- bahn er am Platze sein werden, wenn es zum Handeln käme. In der Nach mittagSsitzung erklärt Genosse Bela V ä g ö- Budapest: Man müsse das Volk Ungarns auf die Em- pörung, die Revolution vorbereiten. Tie Genossen seien opferbereit und geneigt, das Land von Grund auf aufzuwühlen. Die Parteileitung möge alles unternehmen� selbst um den Preis der Opferung der Organisationen. Oskar Fa b e r- Budapest beantragt, die Parteileitung möge auch im Interesse des Wahlrechtes der Frauen eine Be wegung einleiten. Max Grossmann- Budapest ist der Ansicht, daß ein polt tischer Massenstreik in ein und derselben Angelegenheit, in der Frage des Wahlrechtes, nicht zweimal als Waffe benützt werden könne. Mit dem Massenstreik müssen wir nicht den Termin der Einreichung der Wahlrechtsvorlage, sondern ihren Inhalt sichern. Es wäre daher nicht empfehlenswert, die Taktik der Partei dem Feinde vor- zeitig zu verraten. Nicht das ist die Hauptsache, wann die Wahl- rechtsvorlage eingereicht werde, sondern welches ihr In» halt ist. Der Redner bittet daher die Genossen Jöcssk und Pelczöder, ihren Antrag zurückzuziehen. Desider F a r a g 6- Budapest antwortet auf die Bemerkungen deS Nagyvärader Delegierten und betont die großen Schwierig- leiten, die der Bewegung der Eisenbahner entgegenstehen. Sofern die Parteileitung den Eisenbahnern die Möglichkeit verschaffe, der drohenden fünfjährigen Kerker st rafe zu entgehen, so würden auch die Eisenbahner mit voller Kraft am Kampfe teil- nehmen. Frau Stefan Ma l o n a y- Budapest hält den Kampf um das Wahlrecht nur dann für vollkommen, wenn auch die Frauen in diesen Kampf einbezogen werden. Kämpfen die Frauen schon ge- meinsam mit den Männern um ihre Existenzen, dann mögen sie auch für ihre Rechte gemeinsam kämpfen. Nachdem noch mehrere Redner das Wort genommen, hielt Ge- nosse Alex G a r b a i seine Schlussrede und weist darauf hin, daß die Zeit ernster Arbeit gekommen sei und die Zeit der Phrasen abgelaufen ist. Auch die preußischen Arbeiter kämpfen für das allgemein« Wahlrecht und fanden nach gründlichen Beratungen, daß die zwei Millionen organisierter Arbeiter zur Inszenierung des politischen Massenstreiks nicht hinreichend sind. Aehnlich ver- hält es sich in Ungarn. Für die Schwäche der Partei ist aber nicht nur die Parteileitung, sondern auch jeder einzelne Genosse verant- wortlich. In Ungarn werde zu wenig Parteisteuer gezahlt. Man müsse nicht nur kritisieren, sondern auch handeln. Der Inhalt des Wahlrechtes sei es. für welchen alles auf da? Spiel gesetzt werden müsse. Die Hauptmasse der Bewegung sei das Parteiblatt. Dieses müsse mit allen Kräften verbreitet und entwickelt werden. Vor den Drohungen des Ministers deS Innern brauche man nicht zu erschrecken. Andererseits sei es gewiss, daß die Empörung einer, zweier Städte Ungarn noch nicht demokratisieren werde. Der Staatsgewalt müsse die Gesamtheit der organisierten Arbeiter gegenübertreten. Ein jeder möge seine Pflicht voll erfüllen und ann werde bei richtiger Taktik der Erfolg nicht ausbleiben. Der Antrag des Referenten wurde sodann mit dem Zusatz- »antrage des Genossen Oskar Faber(betreffend Agitation Ifür das Frauenwahlrecht) angenommen. Es folgen die Beratungen über die Parteiagitation 'und die Parteipresse. Jakob W e l t n e r hebt hervor, dass ein ergänzender Teil des allgemeinen Wahlrechtes die Freiheit der Agitation bilde. Die Bewegung sei in ganzen Provinzstrichen vernichtet worden. Die Organisationen wurden mit roher Gewalt unterdrückt, und dies sei nur dadurch möglich gewesen, dass es in dem ungarischen Asien zweierlei Recht gebe. Wir machen uns gegenseitig Vorwürfe, daß die Bewegung sich nicht entsprechend entwickele, und in Wirklichkeit ist hieran die ungarische Verwaltung schuld, die ausser auf dem Balkan in ganz Europa nicht ihresgleichen finde. Zwischen der Hauptstadt und der Provinz besteht ein kolossaler Unterschied. Während die Hauptstadt 23000 Kronen Parteisteuer zahlte, flössen aus der Provinz an Parteisteuer bloß 8000 Kronen ein. In der Hauptstadt zahlten 50 Proz. der organisierten Ar- beiter Parteisteuer, in der Provinz der sechste Teil der Arbeiter. Zehn grössere Provinzstädte, welche auch Parteisekretariate besitzen, lieferten an Partcisteuern zusammen 1453 Kronen ein. In Form von Subventionen erhielten diese Städte das Fünffache zurück. Damit schloß die Montagssitzung. »« * Das Verbot der Landeskonferenz der jugend- lichen Arbeiter bewog die sozialdemokratische Arbeiterschaft von Budapest zur Abhaltung eines Protestmeetings. Trotz des Verbotes des Oberstadthauptmanns Dr. Boda und trotz der zahlreichen Spitzel, mit welchen die jugendlichen Arbeiter umgeben wurden, hielten diese(wie bereits kurz berichtet) ihre Konferenz ab. Am ersten Tage, Sonntag, in einein Gasthause des Extravillans; Montag aber auf dem Wasser der Donau. Sie mieteten sechs Kähne, banden sie zusammen und. von den am Ufer stehenden Spitzeln verwundert angegafft, ruderten sie auf die Donau hinaus, um dort ihre Beratungen fortzusetzen. Die Konferenz erledigt« alle wichtigen Fragen. Das Organi- sationskomitee wurde zur Ausarbeitung eines Programmes be- treffend Erziehung und Unterricht angewiesen. Auch wurde eine energische Aktion gegen die klerikalen Lehrlingsheime beschlossen. Nach der Erledigung der Anträge wurde die Konferenz geschlossen._ vierzehnter Parteitag der Sozlaldemo- hraMchen Arbeiterpartei(Hollands. Arnheim, 19. April 1908. Aus der Diskussion in der Nachmittagsitzung des ersten Kongresstages sind noch einige kritische Acutzerungen über den Stand- Punkt der Partei und ihre Taktik hervorzuheben. Genosse Loopuit, Amsterdam III, weist auf daS in der „Tribüne" erläuterte falsche Verfahren der Partei hin, die ihr Wachstum auf dem Lande, anstatt in den Städten und in den In- dustriczcntren suche. Die Partei komme dadurch zu übertriebenem Parlamentarismus und ziehe gewiss« Elemente an, bevor sie für den Sozialismus reif seien. Pfarrer und Pastoren, willkommen wie jeder andere Genosse, würden zu früh als Propagandisten zu- gelassen, während es besser sei, wenn sie vorher die Prinzipien de? Sozialismus studierten. Genosse Wy nkoop, ebenfalls vom III. Amsterdamer Distrikt und Redakteur der„Tribüne", macht der Parteileitung den Vor- wurf, sie mache keinen Gebrauch von für die Propaganda günstigen Fällen und die„Tribüne" habe dahin drängen müssen, dass endlich die Arbeitsloscnfrage zu Amsterdam in die Hand genommen wurde. Die Partei habe den internationalen Standpunkt in der Frage des Achtstundentages verlassen.„Het Volk" vertrete die Ansicht, dass der Widerstand der bürgerlichen Parteien Hollands gebrochen sei, was den Tatsachen widerspreche, in Holland sei der Widerstand genau so stark wie in anderen Ländern. Auch habe„Het Volk" ein« waniel- mütige Haltung zu den Strassendemonstrationen der deutschen Ge- nassen eingenommen. Dann führte er weiter an die Bewertung der deutschen Freisinnigen als„Stütze" im Kampfe der preußischen Genossen gegen daS Dreiklassenwahlrecht, die Stellungnahme gegen die Mehrheit der deutschen Partei in ihrem Berichte über den Essener Parteitag, die abschwächende Beurteilung der russischen revolutionären Bewegung, der Verzicht auf jegliche Leitung beim Rotterdamer Hafenarbciterstreik, die unaufhörlichen politischen Be- trachtungen über das in Holland zu erwartende Ministerium, die Verwerfung einer Arbeitslosendemonstration zu Amsterdam aus Furcht, daß dann dem wohlwollenden(aus Bürgern aller Parteien zusammengesetzten) Hülfskomitee keine Geldmittel mehr zuflössen; das verspätete Eingreifen zugunsten der Amsterdamer Hafenarbeiter bei ihrem Kampfe gegen den ihnen vom Hafenkapital aufgezwunge- neu Kulikontrakte, der sie zu Sklaven degradierte und dessen scharfe Zurückweisung die Redaktion anfangs einem Bürgerlichen überließ. Der Delegierte der Abteilung holländischer Genossen zu Brüssel weist auf die verkehrte Beurteilung des„Het Volk"- Korrespondenten in London über die englischen Eisenbahnarbeiter und die von der Redaktion geäusserte Ansicht hin, der Berliner „Vorwärts" handele verkehrt, indem er die Freisinnigen als Feinde des Wahlrechts behandele. In seiner Artikelserie gegen die hol- ländischcn Marxisten betitele die Redaktion sie als Besserwisser und Nörgler, sie aber nehme sich heraus, die ausländischen Parteien in solch gekennzeichneter Weise selbst zu lritistcren(bedillen cn bemobberen; Korresp.). Der Delegierte von B ü s s u m schliesst sich der Kritik an der Haltung der Redaktion gegen die deutsche Partei an und fügt hinzu, die„Het Volk"-Redaktion verteidige daS jetzige französische Mini- sterium. Parteisekretär Genosse van Kuykhof bezeichnet die„Tri- büne" als ein Kampfblatt, errichtet gegen die Partei, den Parteivorstand, die„Volk"-Redaktion und die Kammerfraktion. Er wendet sich gegen die an der Ausbreitung der Partei auf dem Lande geübte Kritik, wo die Abteilungen nicht auf Veranlassung deS Parteivorstandes, sondern durch die dortigen Genossen selbst er» richtet würden. Der Kampf der Marxisten gegen die Partei- institutionen verursache den Stillstand in den Städten, besonders in Amsterdam. Rotterdam dagegen mache bedeutende Fortschritte. Ucber die Gruppe von der„Blyde Wereld", das Organ der kriti- sierten Pfarrer, und den Genossen van Vorst äussert der Redner. daß die Partei jeden aufnehme, auch wenn dieser den historischen Materialismus nicht in allen Konsequenzen unterschreibe. Er hofft, dass der Parteitag den Wunsch ausspricht, dass hinfort kein Blatt von Parteigenossen mehr errichtet werde, ohne vorherige Be- ratung mit dem Parteivorstande. Genosse Oudegeest, Delegierter der 9. Amsterdamer Ab- teilung, fordert im Auftrag der letzteren von der Kammerfraktion Auskunft über eine Auslassung ihres Mitgliedes, des Genossen Schaper, wonach dieser sich in der Zweiten Kammer beklagt habe, dass die sozialdemokratische Fraktion während der letzten Kabinetts- krisis von der Krone nicht zu Rate gezogen wurde, wie dies auch mit anderen Parteien, die das ausgeschiedene Ministerium zu- sammen mit der Fraktion zu Falle brachten, geschehen sei. UebrigenS stellt der Delegierte sich persönlich auf den Standpunkt der Gegner der„Tribüne" und führt dieselben Argumente gegen deren Inhalt und gegen Genossin Roland-Holst an, die er in der Jahresversammlung der Gewerkschastszentrale vorbrachte, worüber berichtet wurde. In der Abendsitzung deS ersten OstcrtageS fragte Genosse Fortuyn. Amsterdam VI,- Partei gekommen sei. Die von der»Tribüne" gestellte Antithese zwischen den ländlichen Partciabteilungen und den städtischen sei nicht ricktig. Die Rottcrdamer Hafenarbeiter seien vom Parteivorstande nicht unterstützt worden, weil die Gewerkschaftszentrale keine Unterstützung gewährte. Die Redaktion von„Het Volt" könne nicht immer agitatorisch schreiben; über die Krisis) habe sie mehr geschrieben als irgend ein Parteiblatt der Welt.— Der vorjährige Parteitag habe den Zwiespalt in der Partei zu beseitigen versucht; die Genossin Roland-Holst und ihre Gesinnungsgenossen hätten sich nicht an das damalige Uebereinkommen gehalten. Sic trachteten danach,„Het Volk" in ihre Hände zu bekommen, um dieses gegen die Partei, gegen den Parteivorstand und gegen die Kammerfraktion zu benutzen. Der Redner hofft, daß die Partei verständiger sein werde und sagt:„Nicht die Marxisten ans Ruder, sondern, wenn nötig, ohne sie!" Die Partei muß ihren Standpunkt beibehalten; sie ist auf dem Wege, eine grosse Partei zu werden!(Langanhaltender Beifall.) Ohne die Diskussion weiter zu führen, da es bereits nach Mitternacht geworden, wird zur Abstimmung geschritten und die kollektive Redaktionsform des Zentralorgans„Het Volk" mit 204 Stimmen beibehalten, gegen 86 Stimmen, die sich für eine Redaktion unter einem Hauptredakteur aussprachen, wofür die Marxisten eingetreten waren und wozu die Genossin Roland-Holst bezw. Genosse Mendels als Kandidaten aufgestellt waren, Nennte Geveralvtrsammlnvg des Nerbandes der Maschinisten, Heizer nud verwandten Kerufsgrnossep Dentschlands. Köln. LI. April 190S. Z. BerhandluagStog. Anträge, welche die Festsetzung der Unterstützung für Maifeier-Gemaßregelte verlangen, werden durch Ausführungen Scheffels als erledigt betrachtet. Derselbe ersucht, von einer statutarischen Festlegung Abstand zu nehmen, weil bereits Parteivorstand und General- kommisswn eine Regelung zu treffen bemüht waren. Ihre Vor- schlüge haben den Protest verschiedener Gewerkschaftskartelle her- vorgerufen und so wird die Frage sowohl den nächsten Gewerk- schaftskongress wie den Parteitag beschäftigen. Bis dahin möge der Verband den heutigen Modus bestehen lassen. Der Verband stehe auf dem Boden der Amsterdamer und Stuttgarter Beschlüsse, und wer infolge Maifeier gemassregelt wird, erhalte Unterstützung nach den bis jetzt bestehenden Bestimmungen. Durch Annahme von Anträgen werden dann noch die Refe» renten verpflichtet, auf die kolossalen Schäden des Alkohols speziell im Beruf hinzuweisen. Der Vorstand erhält den Auftrag, anstatt der bisherigen Listenabrechnung die Markenabrcchnung ein- zuführen und ausserdem für die Zahlstcllenkassierer eine Tabelle herauszugeben zur sichereren Orientierung über das Unter- stützungsioesLN. Ausserdem findet folgende Resolution Berlin Annahme: „Der Verbandstag der Maschinisten und Heizer zu Köln 1908 nimmt Kenntnis davon, dass staatliche sowie städtische Be» triebe Maschinisten und Heizer nur in Stellung nehmen, wem» Mefcllen das 95. Lebensjahr nicht überschritten haben. Da nun Staatsangehörige ehrte Unterschied deL Standes bis ins hohe Alter hinein Steuern zahlen müssen, so ist es menschlich und logisch, das; das Alter in Zukunft bei der Anstellung in der- artigen Betrieben nicht in Frage kommen darf. Ferner beschlietzt der VcrbandStag, das; die Vertreter in den Parlamenten sowie Kommunen dafür eintreten, dast der- artige Bestimmungen auS der Welt geschafft werden." Zum Punkt Neuwahl beS Vorstandes werden die bisherigen besoldeten Kollegen einstimmig wieder- gewählt, als besoldeter zweiter Vorsitzender wird Gauleiter Pickardt einstimmig gewählt, zu Revisoren werde» gewählt M c t a s ch- Spandau, S ch ö n r a d- Berlin, G a l l e- Köpenick, mit der Bestimmung, das; sie ihr Amt sofort anzutreten hoben. Als Sitz des Vorstandes und Ausschusses bleibt Berlin bestehen. Es wird dann eine Regelung der Beamtengehälter und zwar mit Annahme folgender Skala vorgenommen: Das Gehalt des Vorsitzenden beträgt LoOO M., steigend um bO M. pro Jahr bis 2700 M. Verbandssekretär 2400 M., steigend um 00 M. pro Jahr bis 2000 M. Redakteur 2400 M., steigend um 50 M. pro Jahr bis 2000 M. Kassierer 2400 M., steigend um 50 M. pro Jahr bis 2000 M., außerdem pro Jahr ein Mankogeld von 50 M. Für Gauleiter wird das Echalt auf 1800—2200 M. gesetzt, ihre Diäten von 6 auf 7 M. erhöht. Außerdem wird dem Schriftführer für seine Tätigkeit eine Entschädigung von 300 M. pro Jahr und dem Kassierer für die verflossene Geschäftspetiode ein Mankogeld von 00 M. pro Jahr bewilligt. Als Ort der nächsten Generalversammlung wird Hamburg bestimmt. Dieselbe soll Ostern 1010 stattfinden und wird ihre Dauer auf 4 Tage verlängert. Von einer Berichterstattung vom internationalen Kongreß wird aus Vorschlag des Bureaus Abstand genommen. Dann wird auf Anregung des Vorstandes beschlossen, !um Gewerkschaftskongreß in Hamburg 4 Delegierte zu ent- enden und zwar gehen aus der sofort vorgenommenen Wahl Müller» Harburg und F I c i s ch m a n n- Hamburg hervor. Zu zwei weiteren Delegierten soll ein Mitglied vom Zentralvorstand und ein Gauleiter bestimmt werden, deren Wahl dem Zentral- vorstand überlassen bleibt. Außerdem wird beschlossen, daß die Kollegen der Rheinschikfahrt einen einheitlichen Beitrag in Höhe der jetzt beschlossenen Beiträge und ein Lokalzuschlag in gleicher Höhe zu zahlen haben. Darüber, welchem Ort die Kollegen anzugliedern sind, haben die Zahlstellen selbst zu beschließen. Es folgen dann die Berichte der Kommissionen, wobei der Berichterstatter zum Punkt Presse folgenden Antrag unterbreitet: «Das Fachorgan soll vom I. Januar 1900 ab alle 14 Tage erscheinen. Es soll achtseitig und zwar im Format des „Eouriers" angelegt werden, ferner soll es zur Pflege der tech- nischen Fragen eine Beilage enthalten, die aber höchstens zwei Seiten Inserate führen darf. Auf die Jnseratcneinnahme voll- ständig zu verzichten, hält die Kommission aus finanziellen Gründen nicht für angebracht. Bei dieser Ausführung würden die Kosten sich auf 27 000 M. belaufen, während bisher etwas über 29 000 M. verwandt worden seien. Für die MinderauS- gäbe von 2000 M. sollen Mitarbeiter auS allen Kreisen heran- gezogen werden, aus diese Weise hoffe man daS Fachorgan zu der geistigen Waffe zu machen, welche man bedürfe, um die In» differenten aufzurütteln und die Gewonnenen zu wirtschaftlich geschulten Kräften rm Befreiungskampf der Arbeiterklasse zu erziehen." Der Antrag wird mit Beifall und ohne Diskussion gegen zwei Stimmen angenommen. Ebenso werden die Anträge der StatutenänderungS- k o m m i s s l o n ohne Debatte angenommen. Durch dieselben wird das Statut in verschiedenen Paragraphen abgeändert. Die Nnterstützungea bei Streik Aussperrung und Maßregelung werden um 2 M. pro Woche erhöht. Zur Erwerbslosenunterstützung werden folgende Sätze beschlossen: Bei 50 Pf. Wochenbeitrag nach 52 wöchiger Beitragszahlung 6 M. auf die Dauer von 4 Wochen » 194, m 1» m m»»4, . 156.,«..... 5. . 203... 9...... 0. . 260.. 10.« 0. »612«» 11«.«»''« » 416„« 12...«. 6. Bei 40 Pf. Beitrag werden sämtliche Sätze um 1 M. niedriger bemessen. Die Krankenunterstützung soll nach denselben Sätzen bemessen werden. Und ebenfalls wird der Zentralvorstand ermächtigt, bei Maßregelungen evtl. auch Umzugsuntcrstützung gewähren zu können. Tie Delegationen zur Generalversammlung sollen in Zukunft in der Weise erfolgen, daß Zahlstellen von 200— 300 Mit- gliedern einen Delegierten, Zahlstellen mit mehr als 400 Mitgliedern 2 Delegierte, Zahlstellen über 1000 Mitglieder dagegen 3 Delegierte entsenden können. Zahlstellen, die weniger als 200 Mitglieder haben, bilden mit angrenzenden Zahlstellen einen Wahlkreis, um die vorgeschriebene Zahl zu erreichen. ES wird dann noch beschlossen, daß der neugewöhlte zweite Vorsitzende sein Amt bereits am 1. Mai anzutreten hat, worauf die umfangreiche Tagesordnung erledigt ist und der VerbandStag unter begeisternden Ansprachen der Genossen Sabbath und Scheffel geschlossen wird. lX. Verbiwllstflg des Aeutrslverbsindes der Dachdecker. Mannheim, 21. April.(Eig. Ber.) Erster Lerhandlungstag. Im hiesigen Gewerkschaftshaus wurde heute morgen der Ver- bandstag der Dachdecker eröffnet. ES sind insgesamt 29 Delegierte erschienen,. Seitens des HauptvorstandcS sind anwesend der erste Zentralvorsitzendc, Kollege Georg D i e h l, und der Hauptkassierer, Jacob D i e l- Frankfurt a. M. Der Ausschuß hat den Kollegen I a n e l l- Berlin entsandt, die Preßkommission vertritt Schauerte- Frankfurt, die Redaktion Reichstagsabgeordneter G. Hoch- Hanau. Die Generalkommission hat Genossen Drun- fel-Berlin entsandt. Nach herzlichen Begrüßungsansprachen seitens des Mann- heimer GcwcrkschaftSkartcllS und des Kollegen D i e h l- Frankfurt fc-i.d in die Beratungen eingetreten, nachdem Höppn er- Berlin, Eßküchen- Düsseldorf und Wagner- Nürnberg zur Ergän- zung dcS Bureaus und Koch- Braunschweig, Schreinert- Dresden und Mehrlein- Berlin als MandatSprüfungSkommis- sion gewählt sind. Zunächst beschließt der Verbandstag, die TageS- ordnung noch um 2 Punkte zu ergänzen, und zwar soll noch behau- delt werden der Punkt Bauarbeiterschutz, Referent ist dazu Genosse Hoch- Hanau, außerdem soll ein Referat über Arbeits- n a ch w e"i s e gehalten werden. Hierauf erstattet D i e h l- Frank- furt a. M. den Geschäftsbericht, au» dem wir schon gestern die wichtigsten Mitteilungen entnommen haben. Der Referent hebt vor allen Dingen die außerordentlich günstige EntWickelung der Organisation hervor, die in den letzten 2 Jahren trotz der niedergehenden Konjunktur stetig.angenommen hat. In gleicher Weise kann auch der Zeniralkassierer Jacov Diel von den Finanzen berichten, über deren Entwickelung derselbe eine interessante Skala seit Bestehen der Organisation zusammengestellt bat. Danach habe» die Einnahmen der letzten 2 Jahre dieselbe Höhe erreicht, finc die Gesamteinnahmen!n ssefl vorausgegangenen 10 Jahren. Für den Ausschutz berichtet Ja n e l l- Berlin, daß gegen die GeschaftSleitung Beschwerden nicht vorliegen, nur kleinere Diffc- rcnzen aus Düsseldorf. Mühlhausen, Kiel, Wies- baden, Mannheim und Berlin beschäftigten den Ausschuß. Von prinzipieller Bedeutung war eine Beschwerde des Zentralvor- standes gegen die Filiale Mannheim. Dieselbe hat gegen den Be- schlutz desselben eine Lohnbewegung inszeniert und die verweigcr- tcn Gelder bei der Abrechnung abgezogen. Der Ausschuß hat dem Zentralvorstand recht darin gegeben, daß Filialen, die ohne Geneh- migung des Zentralvorstandes in einen Streik treten, die Unter- stützung verweigert wird. Für die Preßkommission erstattet Schauerte- Frankfurt kurz Bericht. Auch diese kann von größeren Differenzen nichts berich- ten, nur eine Beschwerde aus Düsseldorf wirbelte viel Staub auf, da Ausschuß und Pretzkommission in Kompetenzkonflikt gerieten. Der Ausschuß verlangte, als oberste Instanz über die von der Preß- kommission abgelehnten Berichte nochmals zu entscheiden. Dagegen verwahrte sich die Pretzkommission ganz entschieden. Als erster Diskussionsredner bemängelt zunächst Otto» Halberstadt die Anstellung eines besoldeten Gaubcamten in Berlin, da der VerbandStag in Braunschweig einen diesbezüglichen Antrag abgelehnt hatte. D ie h l- Frankfurt«. M. bemerkt dazu, daß der Beamte in Berlin zum größten Teil von den Berlinern bezahlt und seitens der Hauptkasse nur ein Zuschuß geleistet wird. M e h r l e i n- Berlin kann den Standpunkt der Preßkommis- sion zum Ausschuß nicht verstehen, in diesem Fall hat die Existenz der Pretzkommission keinen Wert. Schreinert-Dresden polemisiert ebenfalls gegen die Preß- kommission. die bezüglich der Filialberichte eine eigentümliche Stel- lung eingenommen hat. Auch Piepenbrink- Köln ist mit der Tätigkeit derselben nicht einverstanden. Weiter wünscht dieser Redner schärfere Bestimmun- gen gegen solche Filialen, die ohne Genehmigung des Zentral- Vorstandes in einen Streik treten. Der Bewilligungseifer des Zentralvorstandcs für den Berliner Gaubeamten war etwas zu groß, nachdem die dortigen Kollegen nicht so viel Opfer bringen wollten, als die Rheinländer. Unter den jetzigen Verhältnissen wird der Gauleiter nicht auskommen können. Ueber die Agitationsver- iammlungen 1907 ist Redner sehr unbefriedigt, das Verhalten des Zentralvorstandes war unsicher, es fehlte jede Direktive. Besonders ist der Beschluß der letzten Konferenz nicht ganz durchgeführt worden. Wagner- Nürnberg stimmt in da? allgemeine Urteil bezüg- lich der Preßkommission ein, daß dieselbe ihrer Aufgabe nur mangelhaft gerecht geworden ist. Auch steht dieser Redner auf dem Standpunkt, daß der Ausschuß über die Beschlüsse der Preßkommis- sion zu wachen hat. Denselben Standpunkt nehmen ferner ein Päffchen- Köln, März- Dortmund und Eßküchen- Düsseldorf. � Genosse Hoch- Hanau tritt dem Verfahren des Zentralvor- standes, die Urabstimmung zur Verschmelzung vor dem Verbands- tag vorzunehmen, entschieden entgegen. Zunächst mutzte unter allen Umständen der Verbandstag entscheiden. Jedenfalls darf derselbe solche Uebergriffe nicht gutheißen. Die Pregkommission ist, nachdem der Verband selbst 2 besoldete Beamte hat. überflüssig geworden. Ueber die vorgebrachten Beschwerden gegen Berichte müsse immer und immer hervorgehoben werden, daß der Raum deS Blattes nicht zu kleinlichen Auseinandersetzungen benutzt wird und nicht als Sprachrohr für Dinge herhalten muß, die gegen das Statut ver- stoßen. M ä rz-Dortmund ist mit der Halwng der„Dachdecker- Zeitung", soweit die Christlichen in Betracht kommen, nicht einver- standen, die Zeitung müsse mehr die Offensive ergreifen, bezüglich der Urabstimmung steht er auf dem Standpunkt deS Genossen Hoch. Zentralvorsitzender D i e h l- Frankfurt a. M polemisiert gegen Piepenbrink» Köln, der den Konferenzbeschlüssen eine falsche Darstellung gegeben hat. Die Agitation bezw. ihre Inszenierung war den Gauvorständen vollständig überlassen. Eö ist ein Ding der Unmöglichkeit, die Kosten der Agitation ganz auf die Zentrale zu übernehmen: es können nur die nicht leistungsfähigen Bezirke be- rücksichtigt werden. Mutig- Hannover ist mit den geheimen Gaukonferenzen nicht einverstanden. Derartige Zusammenkünste können ganz ruhig öffentlich abgehalten werden. Die Verschmelzung mit dem Maurer- verband ist vom Zentralvorftand künstlich abgeschlachtet worden. G ä r n i tz- Berlin schließt sich bezüglich der Urabstimmung dem Vorredner an und tritt lebnaft dafür ein. daß dem Ausschuß auch eine Nachprüfung Oer PreßkommissionSbeschlüsse zusieht. Im übrigen ist Görnitz nicht einverstanden mit dem Ton des Verbands- Vorsitzenden in der Fachpresse. Mit der Regelung der Reiseunter. stützung. wie sie Ausschuß und Zentralvorstand vorgenommen haben, ist Redner ebenfalls nicht befriedigt. Diese Herabsetzung hat W Berlin viel böses Blut gemacht. Koch- Braunschweig ist mit der Haltung der„Dachdecker- zeitung" gegenüber den Christlichen ganz einverstanden und eben» falls, daß die Urabstimmung vor dem Verbandstag vorgenommen wurde. Gegen die Haltung der Berliner bei der Auszahlung von Reiseuuterstützung hat er große Bedenken, da die Zentralkasse zu- viel belastet wird. E b e r t- Frankfurt erklärt sich für strengeres Vorgehen bei solchen Streiks, die ohne Genehmigung des Zentralvorstandes be» gönnen werden. M i ck l i f ch- Leipzig bespricht die Behandlung der Filialberichte und verwahrt sich gegen die Meinung des Kollegen Erfurth-Leipzig. Nach weiteren persönlickien Ausführungen wird die Debatte über die Geschäftsberichte geschlossen und dem Zentralvorstand, Ausschuß. Redaktion und Pretzkommission einstimmig Entlastung erteilt. Der Filiale Mannheim soll nachträglich die vom Zentral- vorstand verweigerte Unterstützung gezahlt werden. DaS verlangt ein Antrag, der den VerbandStag nunmehr beschäftigt. Die ganze Angelegenheit wird dabei nochmals aufgerollt und von Bauer- Mannheim eingehend begründet. Ter Antrag wird jedoch mit 28 gegen 1 Stimme abgelehnt. Auch die Beschwerde de? Kollegen Hahn-Berlin gibt noch zu längeren Ausführungen Veranlassung über die Befugnisse der Filialen gegenüber Vorstandspersonen. Ueber den Fall selbst wird zur Tagesordnung übergegangen. Da- mit ist der Punkt I erledigt und der VerbandStag behandelt zunächst den Punkt Unsere Lohnvewegungen und die einzuschlagende Tur.» b», denselben. Referent ist G. D i ehl. Frankfurt a. M. Ein Antrag, diesen Gegenstand in geheimer Sitzung zu behan. dein, wird abgelehnt. Der Referent verweist zunächst auf die üble Angewohnbeit, schon nach möglichst kurzem Bestehen der Organisa- tion Lohnbewegungen zu inszenieren, und bespricht die sich daraus ergebenden Schwierigkeiten, bezüglich der Taktik und besonders bei der Unterstützungsfrage kommen wir in eine schiefe Lage. Im Jahre 1906 hatte der Verband 61 Lohnbewegungen, wobei eS in 21 Fällen zum Streik kam. Die Lohnbewegungen gestalten sich gegen frühere Jahre immer schwieriger, die Unternehmerorganisationen beschwören schwere Kämpfe herauf und die kleinen Filialen rechnen v:cl zu wenig damit. Sie verkennen zu sehr die Tragweite eines Streiks. Die Scharfmacher im Bauberuf sind überall auf dem Posten, um unsere Position zu schwächen und unsere sckiwachen Seiten auszunutzen. Deshalb heißt es mehr als früher: Vorsicht zu beachten und alle Hebel in Bewegung zu setzen, um uns nach zeder Seite hin zu sichern. In ausführlicher Darstellung gibt nun- mehr D i e h l eine Darstellung verschiedener solckjer unvorsichtiger Operationen, die als Solidaritätsstreik viel zu unvorsichtig auf. gebaut waren. Im Jahre 190? waren 54 Lohnbewegungen gemeldet, worunter der Berliner Kampf an erster Stelle zu nennen ist. Man hatte vielfach die Auffassung: die Berliner Bewegung war eine Aussperrung, was aber nicht wörtlich zutrifft. Wir waren ja der angreifende Teil- In Berlin hat wohl anfangs niemand gedacht. daß die Bewegung(a in die Breite und Länge ging. Redner ver- weilt eingehend bei den dort gemachten Erfahrungen und vött sich daraus ergebenden Lehren für die Zukunft. Besonders über die Lange der Streiks müsse heute ein Wort gesprochen werden. Der Streik in Remscheid dauerte 234 Tage, ähnlich auch in Celle. Da mutz doch einmal ein Ende gemacht und im Statut eine Grenze festgelegt werden. In den kleineren Städten muß unter allen Um- ständen einmal eine durchgreifende Reform stattfinden, und die Zu- stände verbessert werden. Der Zuzug nach den Großstädten würde dadurch etwas eingedämmt. In Wirklichkeit liegen die Dinge so, daß die Klein- und Mittelstädte sehr zurück sind. Die Streiks haben in den letzten 2 Jahren eine erhebliche Steigerung erfahren, die viel höher ist, als das Wachstum des Verbandes. Das darf uns aber nicht hindern, trotzdem mit aller Energie für die Verbesserung der Verhältnisse einzutreten. Redner ersucht nachdrücklich, mehr als bisher die Mitglieder politisch aufzuklären. Eine allgemeine Richtschnur lasse sich schwer aufstellen. Die Taktik mutz so oft gewechselt werden, als es notwendig ist. Die verhandelnden Kollegen lassen sich leider zu oft von dem Unter- nchmertum führen. Wir haben in unserem Beruf im Grunde ge- nommen 2 Gegner: die Meister und Unternehmcrorganisationen, die immer mehr die einzelnen Unternehmer und Filialen ausschal- ten und, wie der Oberscharfmacher M ü l l e r- Neuwied vorschlägt, den Zcntralverband schadenersatzpflichtig zu machen. Tie besten Erfolge haben wir bezüglich der Verbesserungen in den Groß- städteu erzielt, besonders die Verkürzung der Arbeitszeit hat dort mehr Fortschritte gemacht, als in den anderen kleineren Filialen. Das mag zum Teil in den noch niedrigen Löhnen begründet sein; immerhin kann hier eine Aufrüttelung nichts schaden. Bestniderö über die Länge des Tarifs und die Ablaufstermine macht Diehl recht interessante Vorschläge. Bittere Klagen hatte die Zentrale in den letzten zwei Jahren über die Art und Weise zu führen, wie sich die Filialen über das Statut hinwegsetzen.«Schickt Geld" ist die einzige Nachricht, wenn gestreikt wird. Die langen Werkstatt- sperren müssen in Zukunft aufboren, vor allen Dingen im Winter, schließlich müssen wir uns auch über eine anderweitige Aufbringun.r der Finanzen als durch Extrabeiträge einigen. Wir wollen nicht weniger Lohnkämpfe führen, sondern nur mehr Taktik beobachten. (Lebhafter Beifall.) Schreinert- Dresden beschwert sich als erster DiSkussionS- redner über die Tarifverhandlung Diehls in Dresden, der. ohne sie zu beendigen, abreiste und dadurch Verwirrung und Empörung hinterließ.' wie ihm überhaupt manche Ansicht dcS Zcntralvorstandeö wunderlich erscheine. Piepenbrink- Köln ist im allgemeinen mit dem Referen- tcn einverstanden und kann dem Solidaritätsstreik ebenfalls keinen Geschmack abgewinnen. Im übrigen polemisiert er gegen die AuS- führungen Diehls. soweit sie die Kölner Ausführungen betreffen. Auch der Kampf in Remscheid werde nicht richtig eingeschätzt. Die Taktik in Berlin gegenüber den Christlichen hat ihm nicht gefallen, ebenfalls nicht, daß sich die Kollegen zu sehr die Termine von den Meistern vorschreiben lassen. Riebe- Barmen bespricht den Streik in Elberfeld-Barmen und Remscheid und Koch- Braunschweig die dortige Aussperrung, wobei er dem Zentralvorstand darüber Vorwürfe macht, daß er den Braunschweiger Kampf abbrach, dafür in anderen Städten aber mehr Rücksicht übte. Koch verlangt, daß Angrisfsstreiks jetzt ein- gedämmt werden und zunächst abgewartet wird, wie das Unter- nchmertum operiert. Hauptkassierer Jacob Diel gibt eine statistische Uebcrsicht über die Kosten der Streiks, womit die erste Sitzung beendigt wird. Schwchtnschtr Gtverkschastskongrkß. Biel, 19. April. Der Gewerkschaftskongreß tagt im Saale des alten historischen Rathauses und ist zahlreich besucht. Auch einige weibliche Tele- gierte sind anwesend. Die Verhandlungen beginnen mit der Beratung der Stellung- nähme zu den Einlgungvnmtern und Schiedsgerichten. Ohne er- heblichc Diskussion wird folgende Resolution angenommen: „Der Kongreß sieht als erste Vorbedingung an zur Vcrmci- dung von Arbeitseinstellungen die ungehemmte EntWickelung der Gewerkschaftsorganisation der Arbeiter und deren Anerken- nung durch die Unternehmcrorganisationen resp. Unternehmer als gleichberechtigte Kontrahenten bei Aufstellung txä Arbeitsvertrages. Der Kongreß ist der Ansicht, daß in Verfolgung dieser Auf. gäbe daS Bestreben der Gewerkschaften darauf gerichtet sein soll, kollektiv« Tarifverträge zu schaffen, vereinbart zwischen den Bc- rufSverbänden der Unternehmer und Arbeiter. Als weiteren Ausbau der Tarifverträge sieht er paritättsche EinigungSäinter an. vereinbart zwischen den beiden Vertrag- schließenden Parteien. Er verwirft die von Sulzer-Ziegler und Konsorten empfohlenen Arbciterkommissionen und die staatlichen Schiedsgerichte und Einigungsämter, weil sie in denselben einen Hemmschuh der Gewerksckmftsorganisation der Arbeiter sieht._ Er fordert von den Behörden die größtmöglichste Garantie für Beobachtung des durch die Bundesverfassung gctvährleiftetcu Vereins- und Versammlungsrechts. Er betrachtet als weiteres wirksames Mittel zur besseren Ordnung und tcilweifen Einschränkung der Arbeitseinstellungen die Ausdehnung des Arbeiterschutzes und der Arbeiterversicherung, aber er protestiert mit Entschiedenheit gegen alle Gesctzesmaß- regeln wie Streikgesetze usw. in Verbindung mit staatlichen Schiedsinstanzen, wodurch die Arbeiter zu Bürgern zweiter Klasse degradiert werden sollen." Längcrc Diskussion veranlaßt die Stellungnahme zu den dem Gewcrkschaftsbunde nicht angehörenden Verbänden. DaS Bundes- komitee beantragt dazu, die Verbandövorstände sollen ihre Sektionen dazu anhalte», bei Streiks und Aussperrungen nur diejenigen Gc- werkschaften durch Extrabeiträge zu unterstützen, deren Verbände dem Gewerkfchaftsbunde angehören. Greulich beantragt, daS internationale GewcrkschaftSsekre!ariat zu veranlassen, dahin zu wirken, daß die ausländischen Verbände ihre Gegenseiti�keitsver- träge mit den schweizerischen Verbänden, die dem Gewerkschaftsbunde nicht angehören, lösen, wenn sie sich demselben nicht anschließen wollen. Gleichzeitig soll auch auf freundschaftlichem Wege mit den fernstehenden Verbänden be- treffend Anschluß an den Gewerkschaftsbund verhandelt werden. Die meisten Diskussionsredner bekämpften den Antrag des Bundes- komitees als unzweckmäßig und undurchführbar und erklärten sich für den Antrag Greulich, wobei die Unsolidarität der außenstehenden Verbände(Schneider. Maler. Maurer. Pöstler, Lokomotivführer, romanische Typographen) verurteilt wurde. Nur wenige Redner billigten denselben mildernde Umstände zu. Bei der Abstimmung wurde der Antrag Greulich wie der Antrag des BundeskomiteeS verworfen und nur beschlossen, dem Bundeskomitee den Auftrag zu geben, die Vorstände der außen. stehenden Verbände um die Bekanntgabe ihrer Gründe für daS Fernbleiben einzuladen und sodann eine Konferenz aller Verbands- vorstände, einschließlich der fernstehenden, einzuberufen, um den Anschluß derseloen an den EewcrkschaftSbund herbeizuführen. Eine unerwartet lange Debatte rief der Antrag der Metall- arbciter in Winterthur hervor, den Ausbau des gcwcrtfchaftlichcn Arbeitsnachweises als im Interesse der wirtschaftlichen Bewegung der Arbeiterschaft liegend und empfiehlt deshalb den Gewerkschafts- verbänden, dieser wichtigen Frag« ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Demgegenüber wurde darauf hingewiesen, daß diese Frage schon behandelt wurde, solange die Gewerkschaftsbewegung besteht, daß aber mit Ausnahme der Glaser und Buchdrucker in keinem anderen Gewerbe der gewerkschaftliche Arbeitsnachweis größere Bedeutung erlangt hat. Die notwendige Voraussetzung wäre daS Umschau. verbot, das heute noch im allgemeinen undurchführbar wäre. Es sollte daher den kommunalen Arbeitsnachweisen erhöhte Aufmerk- samkcit gewidmet werden. Bei der Abstimmung wurde der Antrag der Metallarbeiter angenommen. Von der italienischen Gefverkschaftszentrale wird ein Glüd. wunschtelegramm verlesen. Nach der sodann mitgeteilten Präfenzliste sind 17 Verbände durch 137 Delegierte bertreten. 7 Uhr geschlossen. Hus Induftrie und Handel. Die Berliner Handelskammer über das Wirtschaftsjahr 1907. In ihrem nun erschienenen II. Teil des Jahresberichtes für 1907 faßt die Handelstammer ihr Urteil über die Gesamtwirt fchaftslage in folgenden Ausführungen zusammen: Saatenstand. Saatenstand in Preußen Mitte April 1908, wenn 2- gut, 3- mittel. 4- gering bedeutet: fönnte. Preise gesunken, haben die Exportbestrebungen mit verstärkter Kraft eingefeßt. Geht es nicht nach West und Ost, so vielleicht nach Süd und Südost. Insbesondere gilt dies von der Eisenindustrie. In Der Bericht des Bundeskomitees über seine Tätigkeit in den Jahren 1906/1907 gab Veranlassung zu einer so weitläufigen BeWinterweizen 2,7( Vorjahr 3,5), Winterspela 2,5( 2,9), Winter. Desterreich spürt man die deutsche Konkurrenz schon sehr empfindsprechung, daß damit fast die ganze Nachmittagssigung ausgefüllt roggen 2,7( 2,9), Raps und Rübsen 2,7( 3,5), Slee 2,7( 3,2), Luzerne lich und kann sich ihrer drängenden Angebote faum erwehren. Die österreichischen Feinblechmalzwerke haben deshalb die Preise ers wurde. Wie immer fam viel Unzufriedenheit mit der gegenwär. 2,8( 3,2), Riefelwiesen 2,7( 2,9), andere Wiesen 3,1( 3,2). tigen Leitung des Gewerkschaftsbundes zum Ausdruck, indem die es: Die Hoffnung auf eine gute Durchwinterung der Saaten ist Die Alpine Montangesellschaft, eines der größten Eisenwerke DeſterIn den Bemerkungen der Statistischen Korrespondenz" heißt mäßigt, um der deutschen Konkurrenz das Eindringen zu erschweren. großzügige Gewerkschaftspolitik, die initiative Führung und tat- im großen und ganzen in Erfüllung gegangen. Ueber den Umfangreichs, spricht in ihrem sonst zuversichtlichen Berichte die Befürch tate: Träftige Görderung der allgemeinen Gewerkschaftsinteressen mangelt. der Umpflügungen wird erst der nächstmonatige Bericht die näheren tung aus, daß die geschäftliche Situation in Deutschland den auf Der Gewerkschaftsbund soll also wieder einmal reorganisiert werden. Mitteilungen bringen. Nach einem bezüglichen Beschlusse hat das Bundeskomitee an die witterung fonnte auch die Bestellung der Aeder zur Sommerfaat Infolge der ungünstigen Frühjahrs- ihr lastenden Druck auf die österreichische Industrie weitergeben Borstände Fragebogen zu senden, um ihre Wünsche und Vorschläge nicht überall so gefördert werden, wie es der landwirtschaftliche deutsche Ausfuhr nach Desterreich- Ungarn auf 82 814 Doppelzeniner, In den ersten zirri Monaten des Jahres 1907 belief sich die zu erfahren und dann soll in einem halben Jahre eine Gewerk- Betrieb verlangt. Jm nordöstlichen Staatsgebiete war sie bis zur in diesem Jahre hob sich die Menge auf 340 138 Doppelzentner, das Verschiedene Geschäfte wurden auf den außerordentlichen Ge- Abgabe der Berichte kaum hier und da in Angriff genommen, ist auf das Vierfache! Um 257 324 Doppelzentner nahm der österwährend sie in manchen anderen Gegenden, namentlich in den werkschaftskongres verschoben und hierauf der Kongreß abends westlichen Landesteilen, bezüglich der Halmfrüchte völlig beendet reichisch- ungarische Markt diesmal von deutschen Eisenwaren mehr und die Saat vereinzelt sogar schon aufgegangen, auch mit dem auf: Für die deutschen Stahlherren bedeutet der noch aufnahmeLegen der Kartoffeln bereits begonnen war. Die mit Frühlings- dem so ist, verdanken die deutschen Unternehmer nicht ihrer Einsicht fähige Markt in Oesterreich- Ungarn ein höchst wichtiges Ventil. Daß anfang zu erwartende Wiederbelebung der Pflanzenwelt ist in- und Kunst in der Ausfindigmachung und Behauptung neuer Ab Witterung, besonders der Nachtfröste, allgemein zurüdgehalten, in ichen Eisenwerke, die der noch anhaltend starten Nachfrage im Infolge der nun schon seit längerer Zeit herrschenden rauhen faßgebiete, sondern der geringeren Leistungsfähigkeit der österreichi den nordöstlichen Landesteilen vielfach überhaupt noch nicht wahr- lande und in Ungarn nicht Genüge leisten können. zunehmen. Man hofft auf baldigen Eintritt wärmeren Wetters, Auf die Lage der deutschen Eisenindustrie wirft es ein bes wonach alles gut gedeihen werde. Beginnend im Frühjahre in der holzbearbeitenden Industrie in ihrer Haltbarkeit als sehr verschieden erwiesen. Durchweg täten in wenigen Tagen erbieten konnte. Wos täte das deutsche Die Weizenfaaten haben sich zeichnendes Licht, daß sie sich zur Lieferung bedeutender Quantiund im Baugewerbe, zunächst hier noch lokal beschränkt, durch haben wieder die feineren englischen Sorten dem Kahlfroste nicht Eisenkapital, wenn sich ihr nicht dieser Ausweg eröffnet hätte? Für Kämpfe um die Löhne und sonstigen Arbeitsbedingungen, sowie widerstanden, während die einheimischen Sorten zumeist gut durch die deutschen Eisenarbeiter ist es ein Glück, daß die Krise in Oefterauch durch den teuren Geldstand hervorgerufen, löst eine zurüd gekommen find. Letztere follen auch vielfach fräftig bestodt sein. reich- Ungarn noch nicht ihren Einzug gehalten hat; fie würden sonst ebbende Bewegung allmählich die Hochflut der industriellen Tätig. Die Roggensaaten haben unter den Witterungseinflüssen, abge- die Energie der deutschen Eisenunternehmer noch empfindlicher zu teit der vorangegangenen Jahre ab. Im Sommer und nament- sehen von denen in dem rauhen Klima des Nordostens und auf den spüren bekommen, deren ganze Kunst, Krisen zu mildern, darin bea lich im Herbst zieht diese Bewegung immer weitere Kreise. Höhenzügen, wenig gelitten. Mehr ist von den Delfrüchten Raps steht, die Produktion einzuschränken und die Arbeiter aufs Pflaster Gegenüber der fortgesetzten Preissteigerung der Lebens und Rübsen ausgewintert. Der Klee und die Luzerne haben mittel, sowie fast aller Gebrauchsgegenstände erlahmt die Kauf- weniger durch Frost und Schnee, ersterer aber in manchen Gegenden zu werfen. fraft der Bevölferung, die sich bisher als der Hauptträger der beträchtlich durch die Mäuse eingebüßt. Die Wiesen sollen über. Konjunktur bewährt hatte. Auf den Unternehmungen lasten die wiegend noch grau aussehen, vielerorten unter Waffer stehen und hohen Preise der Rohstoffe und Vorfabrikate, die hohen Löhne in Ostpreußen stellenweise mit einer Eisschicht bedeckt sein. Einen sehr trüben Situationsbericht veröffentlicht die„ Mh. 8tg." und namentlich auch die Teuerung des Leihfapitals. Der Begehr Der Saatenstandsbericht des österreichischen Ackerbauministeriums bom Eisenmarkt. Ein schlechtes Zeichen sei es, daß die in der ver nach Kapital, schon seit längerer Zeit stark gesteigert durch die von Mitte April eröffnet für die Winteriaaten in Desterreich gute flossenen Woche abgehaltene Quartalsverfammlung der Industriellen rege wirtschaftliche Tätigkeit, gerät durch die im Herbste akut wer- Aussichten. Der Stand von Winterroggen fei fräftiger als der von des Birminghamer Distrikts eine Klarlegung der tatsächlichen Marktdende Wirtschaftsfrisis in den Bereinigten Staaten von Amerika interweigen. Winterraps und Wintergerste überwinterten gut. berhältnisse nicht gebracht hat. Die Preisnotierungen seien zwar vollends außer Berhältnis zu dem Angebot und bringt es zu Mit dem Anbau von Buderrüben fonnte bereits begonnen werden; nicht weiter zurückgegangen, es werde aber doch noch von allen Zins, und Diskontfäßen von lange nicht gekannter Höhe. So Sopfen fei fräftig. Saut Handels- und Industriezeitung" war Seiten über flaue Stäufe geklagt. Die Konsumenten feien abgeneigt, wird die Rentabilität vielfach beeinträchtigt. Beschäftigung liegt der Winterfaatenstand in Rußland am 25. März alten Stils in den über die Dedung des dringenden Bedarfes hinaus Ware zu er meist noch genügend vor in der Erledigung übernommener Auf dreizehn südlichen und den zehn polnischen Gouvernements im all- werben, wenngleich die notierten Preise einen gewissen Anreiz träge, aber der Neueingang von Aufträgen läßt nach. Hierbei gemeinen nicht vollkommen befriedigend. Unbefriedigend, teilweise dazu bieten, Außerdem find die Monatsausweise des Britischen spricht auch der Preisrückgang mit, der bei einzelnen Rohstoffen schlecht ist er in den Gouvernements Cherfon und stiem, im größten Handelsamtes feineswegs ermutigender Natur, zumal die Ver eingetreten ist und der die Käufer zurückhaltend macht, da sie Teil von Boltawa, Nordtaurien, Bodolien, Wolhynien, im Don- ladungen von Cleveland- Roheisen, besonders nach dem europäischen bei Hinausschiebung ihrer Bestellungen noch billigere Breise er gebiet und im Osten von Jekaterinoslaw, gut in einigen Gouverne. Kontinente, recht umfangreiche bleiben. Die starken Verschiffungen hoffen. Die Umkehr der Konjunktur vollzieht sich so zwar un- ments des Nordfaukafus, der Krim und Bolen; im übrigen be- wurden von anderer Seite als ein Beweis der guten Lage stigaufhaltsam, aber doch in Ruhe, ohne Unbesonnenheit und Ueber- friedigend. Eine Vergrößerung der Anbaufläche für das Winter- matisiert. Weiter wird fonstatiert, daß auch am Halbzeugmarkt die ftürzung. Weiter wird befürchtet, daß im schottischen Dieses Urteil entspricht den tatsächlichen Verhältnissen jeben getreide stehe bevor. Die Aussaat des Sommergetreides verzögere Gießereigeschäft ein ernster Arbeiterstreil ausbreche, da die Ab falls beffer, als die Resultate der wissenschaftlichen Untersuchun. fich infolge der Kälte. stimmung der Leute gegen die von den Masters verlangte Lohngen des Gen. Calwer. Zur Erheiterung unserer Leser sei auch noch herabsetzung ausgefallen ist. In der Stahlindustrie der Westküste mitgeteilt, daß Blätter wie die Frankf. 3tg.", die sich das Verberriche ausgesprochene Ruhe und viele der Anlagen seien völlig gnügen machten, Calwer gegen die Sozialdemokratie auszuspielen, außer Betrieb gefeßt, auch das Geschäft in Schottland zeige nur nun die obige Auslassung ohne Vorbehalt abdrucken. wenig Neigung zur Befferung. Für den Inhalt der Jnierate übernimmt die Webatiion dem Publikum gegenüber teinerlei Berantwortung. Theater. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Freitag: 2 mal 2 5. 5. Sonnabend: 2 mal 2 Sonntag 3 Uhr: Mandragola. Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Donnerstag, ben 23. april Theater des Westens. Anfang 7 Uhr. Königl. Opernhaus. Die Hugenotten. Königl. Schauspielhaus. Jullus Cäsar. Berliner. Alt- Heidelberg. Anfang 8 Ubr. Deutsches. Ein Sommernachtstraum. 8 Uhr: Sonntag nachm. 3, Dir: Ein Walzertraum. Die lustige Witwe. Friedrich- Wilhe Imstädtisches Schauspielhaus. Rammerspiele. Frühlings Gr. Die Brüder von St. Bernhard. wachen. Leffing. Das Lumpengefindel. Neues Schauspielhaus. Der Duinnifopf. Neues. Die gute Bartie. Satller 0. Baner Theater.) Der Weg zum Herzen. Schiller Charlottenburg. Widerspenstigen Zähmung. Kleines. 2X2= 5. Der Hebbel. Frau Warrens Gewerbe. Friedrich Wilhelmstädt. Schaus Anfang 8 Uhr. Freitag: Der Brivatdozent. Sonnabend: Striemhilds Rache. Sonntag 3 Uhr: Der gehörnte Siegfried. Siegfrieds Tod. Abends 8 Uhr: Sein Prinzeßchen. Residenz- Theater, Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: spielhaus. Die Brüder von Der Floh im Ohr. St. Bernhard. Luft vielbaus. Der Brandstifter. Lorking. Fidelio. Frl. Freschbolzen. Schwank in drei Aften von( Georges Komische Oper. Tiefland. Wenen. Ein Balzertraum. Feydeau. Deutsch von Wolff- Jacoby. Sonntag, den 26. April, 3 Uhr: Haben Sie nichts zu verzollen? Nenes Operetten. Der Rann mit Hebbel- Theater, Stoniggräger den drei Frauen. Mesidenz. Der Floh im Dhr. Luisen. Gebildete Menschen. Thalia. Die Brunnennymphe. Abends 8 Uhr: Frau Warrens Gewerbe. Freitag: Frau Barrens Gewerbe. Trianon. Seine erste Frau. Die Neues Operetten- Theater Hand. Theater an der Spree. Der Entel Schiffbauerdamm 25, an der Luisenstr. aus Kottbus. Bernhard Moie. Die Loreley. Metropol. Das muß man seh'n. und Ronkurrenzfämpfe. Seitdem der Jnlandstonfum und der Abfab auf den gewohnten Weltplätzen die deutsche Industrie nicht mehr so reichlich beschäftigen, wie einst im Mai 1907, und das Niveau der Schiller- Theater. Vom englischen Eisenmarkt. Stadt- Theater Moabit. Passage- Panoptikum. Alt- Moabit 47-49. Donnerstag, den 23. April: Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater Charlottenburg. Donnerstag, abend88br: Donnerstag, abends8ubt: Der Weg zum Herzen. Der Widerspenstigen Zähmung. Vorspiel von William Shakespeare. Freitag, abends& Ubr: Der Widerspenstigen Zähmung. Sonnabend, abenbe 8 Ubr: Der Weg zum Herzen. Luftspiel in 4 Alien v. Abolf L'Arronge. Luftspiel in 5 Aufzügen und einem Der Herrgottschnitzer Freitag, abends 8 Ubr: Hans Huckebein. Sonnabend, abends 8ubr: College Crampton. Lustspielhaus. Urania. Anfang 8 Ubr. Tante Cramers Testament. DERNHARD ROSE THEATED Sr. Frankfurter Str. 132. Abends 8 Uhr: Die Loreley. Anfang 8 Uhr. Wochentagspreise. Morgen und folgende Tage: Die Loreley. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Trompeter von Bälfingen. Metropol- Theater. Bum 214. Male: Das muß man seh'n. Revue in 12 Bildern m. Ges. und Tanz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Sonntag, 26. April, nachm. 3 Uhr: Die Herren von Maxim. WING BARTEN Der Mann mit den drei Frauen. Neues abwechslungsreiches Rivello. Der fleine Chevalier. SeLuisen- Theater. zialitäten. Gebr. Herrnfeld. Elfe aus der Bar. Es lebe das Nachtleben! Kafino. Ein Dorfroman. Wintergarten. Spezialitäten. Bañage. Ota Gygi Spezialitäten Parodie. Tannhäuser. Nachtafyl Monna Banna. Gustav Behrens. Spezialitäten. Carl Haberland. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Spezialitäten. Folies Bergère. Liane d'Eve. Balast. Spezialitäten. Folies Caprice. Nachtarbelt. Cin unheimlicher Besuch. Der ganze Papa. Reichshallen. Stettiner Sänger. Irania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Kairo und die Pyramiden. Sternwarte, Invalidenftt. 57/62. Berliner Theater. A Abends 7, Uhr: Alt Heidelberg. Freitag 7, Uhr: Alt- Heidelberg. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Reichenberger Strake 34. Abends 8 Uhr: Gebildete Menschen. Freitag zum erstenmal: Mutter Erde. Sonnabend: Unsere Don Juans. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der wilbe Reutlingen. Abends 8 Uhr: Der Mann mit den vier Frauen. Montag: Der wilde Reutlingen. Programin Gertrude Barrison, Tänzerin Selma Braatz, Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Theater abends 8 Uhr: Kairo und die Pyramiden. Gebr. HerrnfeldTheater. Anfang 8 Uhr. Borvert. 11-2 Uhr. Heute zum letztenmal: Else aus der Bar. Es lebe das Nachtleben! Morgen: IV. Serie: Die letzte Ehre! Endlich allein! Fall Blumentopf. Mittwoch, den 29. April cr.: Schluß dieser Saison! Hagedorns Wundergrotte. W. Noacks Theater John u. Luis Boller, Rad- Direttion Rob. Dill. Brumenitr. 16. fahrer. Enlonboltas, Luftgymnastiker 3 Braggs, Akrobaten. May de Souza, amerikanische Sängerin. Tschernoff, Dresseur. Millmann- Trio, Drahtseilakt. Theater an der Spree Corwey, musikalischer Clown. Köpenider Straße 68. Täglich 8 Uhr: Der Onkel aus Kottbus. Große Ausstattungspoffe mit Gesang und Tanz in 5 Bildern. Morgen: Der Ontel aus Rottbus. a pollo Cheater Die gute Partie. Bina Montjoie Morgen bis Montag 8 Uhr: Die gute Bartie. Dienstag zum erstenmal: Ramon, der Abenteurer. Bell Donnerstag, den 23. April cr.: Rätchen Loiffet Bertha Geerts Elfentücke Geisha Nemond Kun Arpad Enrico Caruso Nolf Rafaëly( Augetophon). Mittelmeerreise des Kaisers. Sonntag nagm. 8 Uhr: Fami lien Vorstellung. Kleine Breife. Palace Girls, englische Gesangs- und Tanz- Truppe. Lili Schreiber, Soubrette. Der Biograph. Auf vielfachen Wunsch: Der Flüchtling. Anf. 8 Uhr. Entree 30 Bf. von Ammergau. Nach der Vorstellung: Großer Ball. Staffeneröffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Passage- Theater. Abends 8 Uhr: Die Sensation Berlins! Ota Gygi der Mann mit den 3 Geigen. Rita Tanca und das kolossale April- Programm! Kottbuser Sanssouci, Straße 6. Direttion: Wilhelm Reimer. Heute Donnerstag: TanzNeues Elitesoiree Kränzch. 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In getrennter Versammlung Er gänzungswahl von 3 Borſtands Orts- Krankenkasse mitgliedern( Arbeitnehmer),§ 38 Abs. 3 des Statuts. 3. Regelung der Gehälter unserer Bureauangestellten. 4. Verschiedenes. Bertin, den 22. April 1908. Der Vorstand. G. Kneiff, Borsigender. Orts Krankenfaffe der Maler u. verw. Gewerbe Berlin. Montag, den 27. April 1908, abends 8, Uhr: General- Versammlung der Delegierten in den Armin Hallen", Komman bantenstraße 58/59, of part. rechts. Tages- Ordnung: Geschäftsbericht und Abnahme der Jahresrechnung pro 1907. Bericht der Brüfungstommiffion. Verschiedenes. Der Vorstand. 15685 für das Barbiergewerbe zu Berlin. [ 273/18 Donnerstag, den 30. April 1908, abends 10 Uhr, Ordentliche bei Hahn, Roienthaler Str. 57: General- Versammlung der Delegierten. Tages Ordnung: 1. Bericht des Borstandes. 2. Jahresbericht des Rendanten. 3. Bericht der Revisoren. 4. Kassenangelegenheiten. Bahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. 3..: Paul Schrolle, Borfigender. Gertrud Maller Otto Pohl Verlobte. Braunsberger Straße 7. 15755 Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß unser Sohn Eduard Nitschke, der in geistiger Umnachtung seinen Tod im Wasser gesucht bat, jezt aufgefunden ist.[ 15735 Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, nachmittags 1 Uhr, auf dem Luisenkirchhof, Char lottenburg, Fürstenbrunner Weg statt.. Die trauernden Eltern. Sozialdemokratisch. Wahlverein Rixdorf. Todes- Anzeige. Den Parteigenoffen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Handlungsgehülfe Eduard Nitschke ( 2. Bezirk) verstorben tft. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet beute ygienische Donnertag mittags 1 Uhr, bon Bedarfsartikel, Gummiwaren, 1000e Anerk. V. Prof. u. Aerzt. empf., bill. Apoth. S. Schweitzers Fab. hyg. Präp., Berlin 0., Holzmarktstr. 69-70. Preisl. gratis. Abgerissen a. unmodern an Garderobe brauchen Sie bei unseren Preisen nicht zu gehen. Wir empfehlen getragene Monatsgarderobe in feinsten Werkstätten gearbeitet, von Herrschaften, Doktoren. 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Verband der Lithographen, Steindrucker a. verw. Berufe. ( Deutscher Senefelder- Bund.) Am 19. April cr. berstarb unjer Mitglied und Kollege, ber Stein druder Wilhelm Ebel im Alter von 61 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 23. April, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Sophien Kirchhofes II, Freten walder Straße, aus statt. 286/10 Die Verwaltung. Invaliden- Unterstützungskasse d. Steindrucker a. Lithographen. Die Beerdigung des am 19. April verstorbenen Stein bruders Wilhelm Ebel findet ftatt am Donnerstag, den 28. April, nachmittags 4 Uhr, bon der Leichenhalle Freienwalder ftraße. 1581b Das Romitee. Verband der Fabrik-, Land-, Hülfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands Bezirk Charlottenburg. Am 21. April verstarb unser Mitglied Heinrich Marzilger. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 24. April, nachmittags 2, Uhr, von der Halle des neuen Luisen Kirchhofes, Fürstenbrunner Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 68/13 Die Ortsverwaltung. • Hiermit die traurige Nachricht, daß mein lieber Sohn, der Maurer F. Böttcher im 19. Lebensjahre am 20. b. M. plößlich verstorben ist. am Die Beerdigung findet 23. d. M., nachmittags 6 Uhr, bom Trauerhause Rigdorf, Walter Straße 24 aus, nach dem Böhmi15826 schen Friedhof ftatt. Um stille Teilnahme bittet im Namen der Hinterbliebenen D. Böttcher. Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere den Genoffen des 6. Kreises, Bezirk 592 und 593, fowie den Kollegen der Firma Reyling u. Thomas für die rege Beteiligung und die zahlreichen Strangspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes meinen herzlichsten Dant. 28122 Die trauernde Witwe Lulse Verleih nebst Sohn. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Leks nahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres unpergerlichen Baters und Großvaters, des Puzers 1584b Albert Behrendt fagen wir allen unseren herzlichsten Dant; besonders dem Zentralverband der Maurer( Seftion Puzer) fomie dem Gesangverein und Wahlbereit Schönebergs. Die trauernben Hinterbliebenen Helene Behrendt und Kinder. Berantwortlicher Rebatteur: Geors Davidiobn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Nr. 95. 25. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Bonnerstag, 23. April 1908. Berliner Landtagswahlkreisen von den bekannten Stellen aus die Zur Landtagswahl. Morgen Freitag, den 24. April, von 7 Uhr abends an findet in den 12 Berliner 2 Flugblattverbreitung zur Einsichtnahme in die Wählerlisten statt. uus. Wir erwarten, daß die Genoffen Mann für Mann antreten und in gewohnter Weise arbeitsfreudig ihre Schuldigkeit tun. Die Liften werden ausliegen am: Sonntag, den 26. April, von 12 Uhr vormittags bis 5 Uhr abends, Montag, den 27. April, von 12 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends, Dienstag, den 28. April, von 12 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends. Entgegen der Gewohnheit bei früheren Wahlen liegen die Urwählerlisten diesmal nach Stadtbezirken geordnet Eine allgemeine Liste für Berlin ist nicht zusammengestellt. Einsprüche gegen die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Listen werden am besten schriftlich bei den 64 Auslagestellen oder im Wahlbureau des Magistrats, Poststr. 16 II, eingereicht, doch liegt, wie schon bemerkt, eine Gesamtliste diesmal nicht im Wahlbureau, Poststraße, aus. Aus dem Steuerzettel ersteht jeber Bähler, in welchem Stadtbezirke er wohnt. Auch aus dem Berliner Abreßbuch, 2. Teil, Seite 114-183, ist die Zugehörigkeit zum Stadtbezirk zu ermitteln, ebenso geben unsere Beauftragten, deren Verzeichnis unten folgt, hierüber Aufschluß. Einsprüche gegen die Richtigkeit der Liste sind nur am 26., 27. und 28. April Bulässig. Früher oder später eingehende Reklamationen werden als nicht gestellt betrachtet und sind daher völlig zwecklos. Es ist also nötig, die Einsprüche so aufzugeben, daß dieselben spätestens am 28. April nachmittags in Händen der zuständigen Stellen sind. Die Listen liegen aus: Für die Stadtbezirke Jn der Turnhalle der Straße Für die Stadtbezirke In der Turnhalle der Straße Für die Stadtbezirke Jn der Turnhalle der Straße 12345676 54-60 61A- 65 66A- 71 1-13 14-25 26-30, 50-53 31-39 40-46 47A- 49 27./44. 107. 99. 126./143. 108./116. 6. Realschule 40/ 101.Gem.- Schule Gneisenauftr. 7 Berliner Gymnasium Neue Friedrichstr. 86 3. Grauen Kloster 51./180.Gem.-Schule Rieberwalstr. 6/7 23 24 151-157 158-164 25 165-1670 Wilhelmftr. 117 26 168-174 " " " " Genthinerstr. 4 27 175A- 177B " 7 Steinmegstr. 79 28 1770-179A 23. 201. 188./158. 18./125. 87./98. 119./136. Gem. Schule Strausbergerstr. 9 45 " " PR " Gr. Frankfurterstr. 23 46 Mühlenstr. 50 47 " 1 " Roppenftr. 84 248A, 249B, 250B- D 251-253, 2540 u. E 254A, B, D, 261A 11. C 259-260, 261B, 1 48 " " Memelerstr. 24/25 262-264 " 1 Gubenerstr. 51/52 49 " " た Culmstr. 15 29 179B- 180D 81./109. Tilsiterstr. 4/5 50 〃 " 1 17 Hagelbergerstr. 84 30 181A- 181F Belle- Allianceftr. 80 81 182-188 32 189A- 189C 10 72-76A 11 76B- 780 28./217. 83./93. Wilmsstr. 10 83 " " " " Dieffenbachstr. 60/61 84 189D, 1930 u. D 190A- 191 264./266. 33./66. 284./253. 228./279. 267./280. " " Samariterstr. 19/20 51 " " 1 Ging. Höchsteftr.36/ 37 52 255-258, 265-268 269-272, 274B 273-274A, 275-278 279-283, 285-286 249./261. Gem.- Sch. 190./198. 132./142. 207./210. 18./67. 36. 111./186. " " " 26./179. ミ " " Straßmannstr. 6 " 17 Esmarchstr. 18 " " Hausburgstr. 20 13 79-86 13 87-94 106./152. 50./68. " P Brizerstr. 17/18 192, 198A, B u. E, 1 " P 35 12 Reichenberger 44/45 194A- C 204./213. 11 " Christburgerstr. 18 14 95-103 20. Waldemarstr. 77 36 195-202 " " 15 103-106, 109 16 107A, 108B 17 110-113B 18 114-120 114./122. 177./191. 100./102. 112./129. Stöpenickerstr. 2 87 203-210 " " n n Görligerstr. 51 38 211-217 84. 8./63. 45. " " Seibelstr. 32 " " Gipsstr. 23a Auguftstr. 67/68 60 " " Eing. Forsterstr. 15 89 218-225 2. Realschule Weißenburgerstr. 4a 61 53 284A u. B, 287A- C 54 288-290B, 294A, 205 55 291A u. B, 292B u. C 56 292A, 298A- C, 294B 57 296-298, 301-302 58 299-300, 303A- 304 59 305, 307-808A, 308C 308B, 309-312 306, 816-318 31. 82./90. 29affertorstr. 81 " 17 40 226-232 Filiale der 19 121-129 47. " Stallschreiberstr. 54 171. Gem.- Schule Chorinerstr. 74 62 313-816 216./222. 206./212. 113./128. 160./188. 183./196.. 86./141. 118./127. 65./77. " Greifenhagener78/ 82 Graunstr. 11 Demminerstr. 27 Strelizerfir. 41a/ 42 Elisabethlirch 19/20 Gartenstr. 107 Pflugstr. 12 Albrechtstr. 20 Alt- Moabit 23 Turmstr. 75 Rostockerstr. 32 Siemensstr. 20 Turmstr. 86 " " Stephanstr. 3 Müllerftr. 158 17 Müllerstr. 48 " 1 Pantstr. 8 Eingang Reiniden " dorferstr. 99/100 20 130-186 Viktoriaschule 21 137-144 22 145-150 62. Gemeinde Schule Filiale der 155. Ge meinde- Schule Brinzenftr. 51 Schmidstr. 38 Blumenstr. 63a 41 238-239 42 240-242C 110./174." 162./197. Schönh. Allee 166a 63 " TR " Danzigerstr. 23 64 819-822 328A- 326C 32. 140./194. " Bankstr. 26 V 48 248-2460 44 246D, 247D, 250A 200./214. 74./79. " " Oberbergerstr. 57 " " Pappel- Allee 30/31 Die Listen find aufgestellt nach dem Wohnungsstande im letzten Drittel des wählen und sich an einem der drei Tage davon zu überzeugen, ob er in der Liste steht. aber nicht in der Wählerliste steht, kann sein Wahlrecht nicht ausüben. Für diejenigen, denen es nicht möglich ist, selbst Einsicht in die Wählerlisten zu Charlottenstraße, Ede Besselstraße,| Alte Jakobstr. 65, Stumpe. 1. Jandtagswahlkreis. An der Apostelkirche 7, Janipfi. Baugenerfir. 5. Sanger, Tischler. Bülowstr. 58, Wiemers. 66, Roy. Ehlauerstr. 2, Lies. Flensburgerstr. 24, Rothe. Gleditschstr. 50, Schnarke. Großgörschenstr. 22. Gräbner. 29, Schmug. 32, Pidel. Göbenstr. 19, Abert. Holsteiner Ufer 15/16, Sube. Raglerstr. 6, Strauß. Kirchbachstr. 14, Schmidt, 3tg.- Sped. 16, Roy. Kreuzbergftr. 32/88, Wil. Surfürstenstr. 26, Drähn. Lisowstr. 7, Bethke. Mödernftr. 121, Prüfer. Monumentenstr. 28, Prieß. Schönebergerstr. 17, Störmer. Schwerinstr. 7, Kußmann. 16/17, Miebiger. Steinmetstr. 20, Eeiler. 36a, Ridert. 37, swendt, 8ig.-G. 54, Stief. 60, Reumann, Big.-G. Yorfstr. 61, Reufner. Bietenstr. 17, Schulz. 2. Landtagswahlkreis. Arndtstr. 35, Kleinke. Alte Leipzigerstr. 1, Meyer. An der Fischerbrüde 16, Schwedler. Bellealliancestr. 71, Gänsel. 78, ätscher. 74a. Schmidt. Bergmannstr. 97, Maas Schmidt. Dorotheenſtr. 81, Gumlich. Französischestr. 6, Balzer. Fidicinstr. 20, Galein. 34, Sattler. Grünftr. 21, Weihnacht. Sagelbergerstr. 2, Nig. 23, Tietge. Sornstr. 2, Saß. Kochstr. 6, Gangberg. " " 88/84, Teichmann. 49, Bögmann. 54a, Bosschte. 55, Krüger. Königgrägerstr. 84, Frehse. Krausenstr. 80. Weitert. Kreuzbergstr. 12, Böhnchen. 76, Edelt. Lindenstr. 3, 2. Hof, Schmidt. Markgrafenftr. 102. Ohneforge. Mauerstr. 89, Frig Binte, Beitungsfpedition. Mohrenstr. 40, Biebe. Nogitr. 8. Ege, Schuhwarengesch. Schüßenftr. 56. Schäfer. Tempelhofer Ufer 19, Groffe. Teltowerstr. 11, Wolf. 28, llibrich. Wilhelmftr. 119/20, Red. Willibald Alegisstr. 26, Lerf. Bimmerftr. 60, Stephan. 64, Adam. 3. Landtagswahlkreis. Adalbertstr. 4, Haupt. 45, Lange. 65, Walter. Mlegandrinenftr. 34, Tick. 45, Daniel alte Jakobstr. 48, Schäfer 74, Müller. Pringen- Allee 8 Monat März. Wer also am 1. April verzogen ist, hat im Bezirke seiner früheren Wohnung zu Vergewissere sich jeder Wähler darüber, ob er in die Liste eingetragen ist. Wer wahlberechtigt ist, nehmen, sind nachgenannte Genossen bereit, dieses zu tun. Brandenburgstr. 40, Bieffemann. 56, Friedrich. Brückenftr. 6, Schröder. " 6a, Münzberg. 8ig. dr. Budowerstr. 1, Lehmann. 10, Feiftel Dresdenerstr. 80, Gutthardt. 105, Wilke. 107/108, Gensch. Engel- Ufer da, Spiel. 15, Sorsch. Stöpniderstr. 31, Stommnid. 53, Brandow. 59, Rieger. 168, Wolf. Mariannen- Ufer 4, Söhne. Straße 48, Liebehentschel. Melchiorstr. 5, Thomas. Michaelfirchplay 19, Mofchinsky. Michaeltirchstr. 48, Dietrich. Muskauerstr. 48, Erdmann. Raunynstr. 9, Lier. " 54, Strüger. Neue Jakobstr. 1, Radke. Oranienstr. 71, Dans. 108, Meyer.. Prinzenstr. 28, Both. 28, Almer. 31. Frig. 43, Artner. Büdlerstr. 3, Salbergott. Ritterstr. 15, Börner. 47, Schmidt. " " 74, Bering, 75, Bercht. " 128, Stramm. Rungestr. 9, Nabe. Sebastianstr. 1, Bimbäs, 13, Kimmel. 41, Uebeleifen Sebastianstr. 50, Schröder. Seydelstr. 22, Gräber. 30, Engel. Spittelmarit 8, Arnold. Stallschreiberstr. 6, Wanz. 19, Friedrich. 58. Schmidt. Waldemarstr. 29, Böriche. 48, Rathke. 60, Heinze. 64, Edel. " Wallstr. 36, Zeppe. Brangelstr. 4, Höfer. 4. Landtagswahlkreis. Alexandrinenstr. 122, Schmidt. 114/115, Buchholz, Arndtstr. 26, Kleinte. Barutherstr. 1, Scholz. Bergmannstr. 96, Maaß. Blücherstr. 34. Caspari. Boechstr. 7, Leu. " 49, Keiler, 34, Tolzmann. Boppstr. 4, Federhardt. Camphaufenstr. 18, Joredi. Dieffenbachstr. 81, Straag. 55, Strieg. 53, Maier. Fidicinstr. 20, Salein. 34, Sattler. Gitschinerftr. 87, Bolzin. 86, Barth. Gneisenauftr. 30, Thomsen. 45, Betermann. 72, Werner, Sped. Gräfestr. 4, Schaller. 9, Kathen, Barbier. 32, Bolljahn, Barbier. Safenheide 9, Behrend. Seimstr. 9, Vonhoff. Hollmannstr. 33, Puder. Jahnstr. 1, Schmidt. Lachmannstr. 5, Arndt. Luifenufer 53, Bauer. Marheinekeplay 5, Fritsch. Morigstr. 9, Lindemann. Neuenburgerstr. 24, Lüdtfe. 38, Zabel. Noftigste. 12, Kirschke. 8, Krautmann. Plan- llfer 27, Wolff. 75, Ricble. Schönleinstr. 6, Grumbach. Solmsste. 22, Friedrich. 44, Hermann, Urbanstr. 7, Sturb. 29, Reim. " 50, Bech. " 93, Kutscher. 170, Hemp. Willibald Alerisstr. 26, Lerf. Wilmsstr. 5, Löwenhagen. 5. Landtagswahlkreis. " Adalbertstr. 4, Haupt. Admiralstr. 19, Köhler. 21, Schieber. 40, Schulz. Brizerstr. 32, Döhring. 40, Mittmann, Cubrystr. 8. Golz. 25, Lehmann. Eisenbahnstr. 16, Zander. Faldensteinstr. 5, Wolfram. 83, Mende. Forsterstr. 17, Schulze. Görligerstr. 88, George. 44, Bayold. 58, Schulze. Grünauerstr. 8, Werwig. Glogauerstr. 29, Keßner. Köpenickerstr. 101, Becker. Kottbuser Ufer 45, Pfeiffer. " 2 " " " 59, feffer. 62, Lange. Laufigerstr. 25, Laafer. Liegnigerstr. 18, Krone. Lübbenerstr. 1, Bietsch. 18, entschel. 27, orningManteuffelstr. 49, Bannele. Oppelnerstr. 38. Benthin. 47, Hoffmann. Büdlerstr. 18, Grundmann. Ratiborstr. 16, Bengtzon. Reichenbergerstr. 10, Lange. 16, Manzey. " " 47, Bappenfuß. " 83, Lange. 17 85, Jenisch. 1P 86, Nitschle. " 188, Paul. 188, Rohl. Schlesischestr. 6, Stahl. 38, Neumann. Staligerstr. 22, Wählisch. " 59, Wig. 94, Grabert. " 114, Wilfe. 102, Grapenthin. Sorauerstr. 4, Ladewig. Wienerstr. 43, Baumgärtner. 48, Krusch. Brangelstr. 58, Schößig. 58, Jhm. 6. Landtagswahlkreis. Andreasstr. 11, Fahnert. 26, Merkowski. 31. Hoffmann. Am Ostbahnhof 7, Knospe Blumenstr. 38, Manschte. Borhagenerstr. 5, Schrödter. Breslauerstr. 30, Fahnert. Caprivistr. 20, Füllenberg. Gr. Frankfurterstr. 38, Brathun. Friedrichsbergerstr. 10, Werner. Friedrichsfelderstr. 23, Schulze. Fruchtstr. 61, Ramonat. 69, Berger. Fürstenwalderstr. 17, Trebus. Goglerstr. 19, Finfe. Grüner Weg 119, Rolle. Gubenerstr. 12, Hertel. 13, Senkel. 19, Richter. Kaiserstr. 41, Weil. Königsbergerstr. 28, Jaedel. Koppenstr. 68, Hübner. Krautstr. 36, Rath. Libauerstr. 5, Kühn. Langeftr. 53, Kluge. Markusstr. 14, Tabert. Marfiliusstr. 9, Hohenstein. Memelerstr. 59b, Balzer. 21, Gorn. 47, Weltisch. 61, Lanzky. 63, Tesch. Mühlenstr. 5, Ambos. 49, Neumann. Münchebergerstr. 9, Wachs. Palisadenstr. 23, Bläsing. Perfiusstr. 5, Graß. Bosenerstr. 10, Sühn. Rebalerstr. 10, Martgraff. Rochowstr. 5, Pankrag. Rominterstr. 2, Greibe. 31, Biggel. Rüdersdorferstr. 16, Böhl. 52, Köhnte. Schillingstr. 22, Wide. Stralauer Allee 17c, Halvaẞ. 36, Ulm. " Strausbergerstr. 15, Schubert. Warschauerstr. 61, Bieg. 70, Ebrecht. Baßmannstr. 11, Glaubig. Weberstr. 40a, Schulze. Petersburgerplatz 4, Mann. Petersburgerstr. 3, Mathes. 4a, Witschuß. 7, Bartig. D " " 81, Kirsch. " 84, Kirmse. Proskauerstr. 12, Kühn. Nigaerstr. 1, Wille. 95, Blöger. Samariterſtr. 11, Beckmann. Schreinerstr. 4, Manegold. Stralauerplatz 1/2, Barenthin. Straßmannstr. 29, Rott. 41, Lorenz. Strausbergerstr. 7, Schmidt. Thaerstr. 5, Schmidt. " 12, Lange. Tilsiterstr. 23, Schober. 27, Koblenz. 32, Engel. 79, Thimm. " " 85, Kempin. Weidenweg 4, Daviet. 43, Krüger. 68, Hellriegel. Wilhelm- Stolzestr. 6, Peters. Borndorferste. 8, Rahn. 16, Schwarzer. 26, Had. 8. Landtagswahlkreis. Anklamerstr. 33, Bülow. Alte Schönhauserstr. 20, Schrader. 32, Hof IV, " Fischer. Alte Schönhauserstr. 32, Steinborn. Barnimstr. 2, Süßmuth. 42, Reul. Büschingstr. 7, Erhardt. Chorinerstr. 7, Höffler. 54, Ulrich. Danzigerstr. 24, Voß. Diedenhofenerstr. 11a, Werner. Dragonerstr. 15, Heufelder. Elisabethstr. 34, Jenner. 45a, Heidke. Fehrbellinerstr. 9, Schönfeld. 34, Beher. 7. Landtagswahlkreis. Franfediftr. 48, Schensch. Allensteinerstr. 38, Schönberg. Bößowstr. 8, Kraufe. Bardelebenstr. 8, Gott. Christburgerstr. 16, Hartung. Chodowieckistr. 3; Kunze. Eckertstr. 8, Seifert. Ebertystr. 21, Jeschte. Elbingerstr. 9, Beiersdorf. " 15, Kersten. 74. Lange. Frankfurter Allee 70 b, Pflanz. 74, Schöple. " Friedebergerstr. 1, 3warg. Friedrichsbergerstr. 22, Gohlfe. Gabelsbergerstr. 12, Blendinger. Greifswalderstr. 37, Sachse. Hausburgstr. 4, Franke. 15, Wagner. Heidenfeldstr. 11, Banten. 17, Gotofvig. 52, Gemmert. Kl. Frankfurterstr. 13, Stampe.. Georgenkirchstr. 65, Spät. 67, Becker. Gollnowstr. 28, Brauer. Gormannstr. 7/9, Füldner. Grenadierstr. 35, Liehr. Heiligegeiststr. 40, Kirchner. Hochmeisterstr. 5, Pinner. 22, Schulze. Höchstestr. 22, Lehmann. Immanuelkirchstr. 12, Schild. 12, Zucht. 26, Mierede. " Staftanienallee 28, Mehen. 54, Schmadide. 96, Bugge. Kaiserstr. 41, Weil. Kaiser- Wilhelm- Str. 18, Mödel. Seibelstr. 9, Wisheth. Hufelandstr. 9, Eue.isStlosterstr. 100, Boß. Jablonstiftr. 23, Walburg. Sochhannstr. 36, Minkwig. Landsberger Allee 4, Rienemann. Langenbedstr. 1, Bandow. Löwestr. 14, Goldbach. Liebigstr. 14, Gruß. 30, Doberkow. 46, Beyer. Matternstr. 4, Kuhrt.. Virbachstr. 16, Bet. 24, Bydel. Neue Königstr. 10, Behle. 83, Königstädt. 88, Wall. Landsbergerstr. 8, Haseloff. 107, Steinader. Lothringerstr. 9, Wilewka. Magazinstr. 17, Preuß. Marienburgerstr. 6, Schnupp. 24, Hoffmann. Moltenstr. 12, Buchholz. Muladstr. 29/30, Danilhe. Parochialstr. 36, Hönow. Prenzlauer Allee 43, Hartwig. 232, Holthausen. 236, Krüger. " " " Raabestr. 15, Jahn. Rykestr. 45, Hornemann. Schillingstr. 15/16, Wicke. Schönhauser Allee 156, Klauſt. 167a, Ziemainsch. Schwedterstr. 23, Dbiglo. Stralauerstr. 48, Hahn. Straßburgerstr. 32, Großmann. Steinstr. 1, Waldmann. 17, Schünemann. Tresdowstr. 36, Binner. 53, Granzow. Veteranenstr. 4, Geisler. Weberstr. 39/40, Bober. Weinstr. 28, Spät. Weinbergsweg 8, Reimann. Weinmeisterstr. 5, Nickchen. Winsstr. 6, Nausch. " 57, Wysocki. 64, Glashagen, Ronfum. 64, Rosemann. Wörtherstr. 15, Schirmer. 39, Lamprecht. Bionstirchplatz 5, Kurzrod. 9. Landtagswahlkreis. Bastianstr. 20, Arndt. Behmstr. 39, Zidert. Biesenthalerstr. 4, Riedel. 16, Koch. Böttcherstr. 4, Anders." Buttmannstr. 10, Rottke. Carmen Silvaftr. 153, Mahnkopf. Colbergerstr. 12/13, Mattern. Dunckerstr. 10, Schwarz. 19, Otto. " " 79, Heimann. " 83, Grobler. Eberswalderstr. 4, Georgi. Freienwalderstr. 8, Hübschen. Gaudystr. 9, Wieck. 10, Krüger. Gleimstr. 9c, Schulz. " 10, Dabbert. 63, Lerche. Graunstr. 16, Ertelt. 40, Berger. Grünthalerstr. 5, Knapp. Hochstr. 33, Jahnke. Kopenhagenerstr. 26, Sfobel. 31, Hübner. 38, Schulz. " Korsöerstr. 12, Nebaz. Kuglerstr. 44, Kühne. Lettestr. 3, Wesenigk. Lorgingstr. 4, Schmalowski. Lychenerstr. 3, Uhlig. 18, Horft. 27, Bolduan. 117, Schneider. Ede Stargarderstr., Post. Milastr. 5, Grohn. Dderbergerstr. 20, Kühne. 39, Meier. Banfftr. 32, Kerfin. 45, Snop. Bappel- llee 10, Petsch. 25, Martins. 64, Schmidt. Brinzen- Allee 17, Stripp. 57, Mandel. Putbuserstr. 35, Treuter. 45, Schuldt. 45, Strangfeld. 49, Daste. Mezzerstr. 3, Verband d. Gärtner. Ramlerstr. 15, Morgenstern. Rodenbergstr. 8, Bolze. Rügenerstr. 20, Strauſe. Schivelbeinerstr. 26, Herrs. " 27, Sauter. 36, Meißner. 47, Coßiniat. Schliemannstr. 6, Beschel. " 23, Seifert. " 25, Leuendorf. 42, Charlet. Schönhauser Allee 50a, Engelhardt. 72, Schmidt. 134a, Sauer. Seelowerstr. 22, Neumann. Senefelderstr. 3, Göße. Stargarderstr. 74, Kriedemann. 79, Stein. Stettinerstr. 17, Braack. " 30, Berber. 46, Dtto. Stolpischestr. 52, Goldschmidt. 54/55, Wegel. 61, Unbehaun. Swinemünderstr. 47, Hoffmann. 29 51, Schilling. 95, Penning. Völkerstr. 8, Reggebrecht. Wichertstr. 3, Hönisch. Wiesenstr. 7, Mandel. 27, Maas. Wisbyerstr. 4, Beyer. 10. Landtagswahlkreis. Aderstr. 67, Kubig. 36, Raschte. " " 90, Radke. " 110, Lenz. 17 123, Wiesenthal. Albrechtstr. 7, Schneider. Arkonaplatz 3, Wesener. Auguststr. 51, Wirth. Bergstr. 10, Merfer. 62, Hilgenfeld. Bernauerstr. 22, Badrad. 76, Hildebrandt. 82, Giente. " 93, Mattle. Boyenstr. 19, Heyse. Brunnenstr. 79, Döhling. " 96, Maas. " 113, Spendahl. 145, Diesler. " 188, Wilke. Charitéstr. 3, Paiche. Chausseestr. 100, Liese. Dalldorferstr. 5, Kawalzid. Demminerstr. 4, Wischnat. Dircksenstr. 51, Will. Elsasserstr. 68, Wittchow. 89. Münzer. Fennstr. 15, Selten. 32, Zieg. Gartenstr. 48, Starfowsli. " 71, Thomas. 100, Gottschalt. Gerichtsir. 74, Bergemann. 82, Springer. Kl. Hamburgerstr. 19, Schäfer. Gr. 18/19, Seifert. Nene Hochstr. 8, Fahrensteiner. Hussitenstr. 29, Busch. " H 35, Thoman. 43, Schulz. Jasmunderstr. 9, Albrecht. Stielerstr. 1, Reichenbach. Liesenstr. 12, Böhm. Linienftr. 138, Stoniger. Lorgingstr. 32, Zimmer. Luisenstr. 26, Kürbis. Dranienburgerstr. 50, Thorup. Pflugftr. 5, Agthen. Rheinsbergerstr. 37, Deblig. Rofenthalerstr. 57, Hahn. Ruppinerstr. 42, Siedler. Schwedterstr. 226a, Haase. Schlegelstr. 9, Dams. Sellerstr. 3, Dobats. Sophienstr. 5, Hummel. Stralsunderstr. 17, Henkel. Swinemünderstr. 20, Jäger. An der Gotzkowsky- Brüde, Brüschte Berlichingenstr. 2, Baumann. 4, Agthen. Beusselstr. 9, Kirschtowski. 19, Punzel. 21, Weden. " 32, Mischke. " 44, Rau. " Ede Bernauerstr. Bertels. " 50, Albrecht. 57, Bartsch. " 66, Seidler. " " 40, Brüsch. " 70, Krothe. 99, Karsten. 118, Rusch. 72, Küster. " " 75, Prause. " " Tiedstr. 34, Joseph. Usedomftr. 22, Kinzel. Wattstr. 1, Greth. " 17, Seeliger. Wolgasterstr. 11, Höhne. Wollinerstr. 9, Schmidt. 28a, Krüger. " 60,61, Klüdmann. 11. Landtagswahlkreis. Antonstr. 9, Sauermann. Brüsselerstr. 9, Kant. 20, Meher. Burgsdorffstr. 13, Barleben. Colbergerstr. 28/ 29,-Mechtel. Drontheimerstr. 4, Fritsch. Gerichtstr. 41, Manned. 62, Filter. Guineastr. 39, Blasius. Kamerunstr. 53, Tauschel. Koloniestr. 77, Plath. 124, Hahn. Köslinerstr. 3, Schönrod. Liebenwalderstr. 4, Glawe. 34, Mirring. 49, Michaelis. Lindowerstr. 26, Sachse. Malplaquetstr. 23, Schulz. 33, Ulrich. Marstr. 16, Sauerteier. Müllerstr. 12a, Wurzel. 32a, Done. " 118, Allzeit. " " 130, Pflügner. 162a, Mattner. Dudenarderstr. 10, Snappe. 43, Fitting. Pantstr. 5, Rieschel. " 46, Müller. Plantagensir. 5, Winkelsesser. Prinz Eugenstr. 25, Gumz. Ravenéstr. 6, Fahrow. Reinickendorferstr. 72, Malinowski. Ruheplatstr. 18, Boi. Schulstr. 5, Buchholz. 64, Bögel. 114, Seefeld. Schulzendorferstr. 27, Beutel. Schwedenstr. 18c, Platen. Soldinerstr. 76, Beier. Sparrstr. 20, Kohlschmidt. Sprengelstr. 42, Pfalzgraf. Tegelerstr. 23, Engler. Togofir. 3, Zacharias. Triftstr. 41, Funte. Iferstr. 4, Reff. Utrechtstr. 9, Greulich Weddingstr. 7, Rüß. Wiesenstr. 6, Blant. Birkenstr. 28, Petermann. 29, Gutheil. Bochumerstr. 6, Rosenau. Bredowstr. 11, Müller. " 19, Simoned. 44, Apitsch. Buchstr. 6, Rietzdorf. Calvinstr. 28, Trobach. Drehsestr. 13, v. Majewski. Elberfelderstr. 45, Jäger. Emdenerstr, 12, Rettkowski. 23, Crone. 41, Worbs. Fehmarnstr. 4, Krause. . 11, Finzelberg. 22, Hade. Gozlowskystr. 13, Döhring. 29, Schrolle. Havelbergerstr. 35, Lehmann. Huttenstr. 9, Näther. 10, Kaczor. Jagowstr. 21, Kühne. Lehrterstr. 48, Volkmann. Lübeckerstr. 42, Rademacher. Perlebergerstr. 13, Walentowski. 39, Schulz. 42, Siebert. 58, Stimpel. Butligstr. 10, Lamprecht. Quizowstr. 104, Michaelis. 119, Gädig. Rostockerstr. 9, Schwand. 19, Golzow. " 27, Bilz. " 28, Pflaumbaum. 31, Dumschat. " " 37, Sachs. " 45, Liedmann. " 49, Roch. Salzwvedelstr. 16, Bachstein. Stephanstr. 11, Faber. 31, Lausch. 47, Boniz. Stromstr. 20, Brey. 24, Callmuth. 36, Schröder. Sidingenstr. 78, Warner. Siemensstr. 3, Stümer. Spenerstr. 22, Burtschaf. Thomafiusstr. 18, Büschel. Turmstr. 34, Franke. 52, Marker. 62, Rapp. Waldstr. 8, Bielele. sonste 29, Melzer. Willdenowstr. 1, Schliphade. 23, Schmidt. Waldensersir. 24, Gundlach. Wiclefstr. 24, Achilles. 38, Werth. Wilhelmshafenerstr. 61, Menz. ang 68, Betry. 12. Landtagswahlkreis. Bittstoderstr. 19, Schwarz. Alt- Moabit 57, Fuhrmann. 79, Benede. 119, Cafar. " Zwinglistr. 10, Göhlisch. " 14a, Schmidt. " 150, Petri. " 16, Kiepert. Für den Landtagswahlkreis Ober- und Nieder- Barnim liegen die Wählerlisten am 28., 29. und 30. April in den Gemeindebureaus während der ortsüblichen Dienststunden aus. Parteigenossen! Da uns nur einige Tage von dem Termine der Auslegung trennen, erwächst uns die doppelte Pflicht, mit aller Straft für die Eintragung in die Listen einzutreten Am Sonntag, den 26. April, ist zu diesem Zwecke eine Flugblattverbreitung ür den Landtagswahlkreis angefeßt. Die Verbreitung findet in den einzelnen Bezirken von den bekannten Stellen aus statt. Partei- Angelegenheiten. Das Wahlkomitee. faft nur vom Irrenhause reden. Allen voran überbieten sich Name auf Name wird laut über die öden Rorridore ge die Frauen im Erzählen von Schauergeschichten, an denen rufen. Die halbwegs vernünftigen Insassen haben schon gewöhnlich noch nicht die Hälfte wahr ist. Ungeniert werden stundenlang, tagelang vorher die Möglichkeit eines Besuches die intimsten Familienverhältnisse breitgetreten und Dinge erörtert. Für den Kenner der Verhältnisse ist es herzBriz- Buckow. Sonntag früh 8 Uhr von den bekannten Stellen enthüllt, die manchem Fahrgast die Schamröte ins Gesicht zerreißend, wie diese immer Eingesperrten, so oft mit. Unrecht aus Flugblattverbreitung. Das Erscheinen sämtlicher Genossen ist treiben. Es mag ja richtig sein, daß sein, daß die Ursache Eingesperrten sich an den Glauben festklammern, daß die AnPflicht. Freitagabend 8 Uhr ist Materialausgabe bei Weniger. Die der Internierung oft sehr schwerwiegender Natur war. gehörigen ihrer noch gedenken. Aber viele müssen wochenlang, Bezirksführer werden ersucht, pünktlich zur Empfangnahme zu er Hier im Wagen sollte man sich doch etwas mehr monatelang warten, ehe einer aus der köstlichen Freiheit sich Der Vorstand. die Zügel anlegen. Aber auch die Irrenhausverwal- um sie fümmert, und gar mancher ist für immer vergessen... tungen und die allmächtigen. Irrenärzte werden hart ist tot für die geschäftige Welt. Wem das Hirn im Kampfe Rudow. Am Sonntag, den 26. April, abends 6 Uhr, findet im mitgenommen und nicht geschort. Was der aufmerksame, un- ums Dasein verdorrt ist, dem machts nichts aus. Wer noch Lokale von Balm die Generalversammlung des Wahlvereins statt. befangene Beobachter da vernimmt, deckt oft erschreckende Ab- denken kann, fühlt das Verlassenfein um so grausamer. Wie Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Die Technik der Landtagswahlen und Aufstellung der Wahlmänner. 3. Wahl der gründe auf und ist sehr geeignet, tief mit der Sonde des die glücklichen Unglücklichen sich freuen, wenn sie nach dent Delegierten zur Generalversammlung von Groß- Berlin. 4. Vereins- Mißtrauens gegen unser heutiges Irrenhaussystem hineinzu- Besuchsiaal geleitet werden! Mit größter Sorgfalt, mit jener angelegenheiten. Vollzähliges Erscheinen der Genossen ist in An dringen. Doch die Mißstände sind ja schon so sprichwörtlich, verzeihlichen Eitelkeit, die gerade vielen Geistesfranken so betracht der wichtigen Tagesordnung dringend notwendig. daß der Sozialfritifer nur noch das Allerbedenklichste der eigen ist, haben sich die meisten herausstaffiert, um zu gefallen Der Vorstand. Deffentlichkeit unterbreitet. und zu zeigen, daß sie noch wert sind, das Leben dort scheinen. Berliner Nachrichten. Besuchsstunde im Irrenhause. In das weitgeöffnete Anstattsportal flutets schwarz draußen wieder zu genießen. Hochdramatische Szenen erlebt hinein. In den Vorhallen und auf den korridoren des man hier nur selten. Instinktmäßig und auch durch die Erfahrung Hauptgebäudes schiebt und drängt sich die schnatternde Menge, gewißigt, weiß der einigermaßen intelligente Patient, daß er um erst mit dem Glockenschlage sich nach den einzelnen mit einem möglichst harmlosen Eindruck, mit Liſt und mit Pavillons zu verteilen. Aber auch hier sind noch Vor- Bitten zur Not, weit mehr erreicht als mit Bravour und bedingungen zu erfüllen. Stöcke und Schirme, gefährliche mit Drohungen. Wer sich in dieser Stunde des Wiedersehens In jedem allgemeinen Krankenhause trägt die kostbare Waffen in der Hand von Geisteskranken, müssen abgegeben nicht beherrschen kann, verlängert unnötig seine Gefangenschaft. Stunde, welche den Angehörigen und Freunden der Patienten werden, vor allem aber die für die Patienten bestimmten Gaben. Er ist noch nicht reif für die Freiheit. Nach der Ansicht der gewidmet ist, etwas Herzbezwingendes an sich. An den Nur auf ganz leichten Stationen und auf den freien Landhäusern, Frrenärzte! Aber der Teufel hole manchmal die Geduld und Hunderten von Strantenbetten sieht man es deutlich, wie im die das rrenhaus zu einem Pensionat gestalten, ist diese die Ruhe. Es muß oft ein Stunststück der Selbstbeherrschung sein, Leid die allbezwingende Menschenliebe erquickend sich durch- Vorschrift erlassen. Die Mitbringsel werden vor der Ueber- denen ruhig ins Auge zu schauen, die schuld sind an der ringt, und wohl nur selten stehlen sich an diese Stätten des gabe genau untersucht. In ihnen fönnten ja Hülfsmittel zur Internierung, und ein lammfrommes Gesicht zu zeigen, hinter Schmerzes, in diese furzen Stunden häßliche Gefühle hinein, Flucht verborgen sein. Bei den Ueberwachungshäusern, die dem ohnmächtig der Groll tocht. Wie ein endloser bunter die unter der Larve des Mitleids ein hartes oder gleich mit zahlreichen gemeingefährlichen Geisteskranken belegt sind, Faden zieht sich durch die surrende Unterhaltung im Besuchsgültiges Herz zeigen. Dieses schöne, uns seit altersher hat sich diese Vorsicht allerdings als sehr angebracht erwiesen. faal der Wunsch nach Freiheit. Vieles wird versprochen, vertraute Bild befommt einen Riß an jenen traurigen Zeitungen werden in der Regel von vornherein zurückgewiesen. wenig gehalten. Was hinterher die liebenswerte VerwandtDrten, wo weniger der morsche Körper als der aus Besonders sind Blätter verpönt, die, wie der Vorwärts", schaft unter vier Augen verhandelt mit dem Jrrenarzte, das den Fugen gegangene Geist möglichst wieder in die rücksichtslos offenbare Frrenhausmißstände an den Pranger ist nicht selten fettes Futter für die Hölle. Der empfängliche richtige Bahn gelenkt werden soll im Irrenhause. Schon stellen. Aber es geht auch hier so wie mit den ton Psychiater, dem man alles vorreden tann, fagt Ja und die Fahrt nach Dalldorf, Herzberge und Buch in der Elektri- fiszierten Wigblättern. Verbotene Früchte locken doppelt. Und Amen. Mit brennenden Lettern steht's verzeichnet in den schen oder im Eisenbahnwagen hat furz vor den Besuchszeiten so erhalten die Patienten hinten herum" gerade jeue Presse- Irrenhausakten. Und die sind, wenn sie nicht durch Zufall ein eigenartiges, höchst charakteristisches Gepräge. Man hört berichte zugesteckt, die für sie das persönlichste Interesse haben. laut die Lüge verkünden, verschwiegen wie das Grab. " «ussteuerstiftung. STuS der unter Verwaltung der städtischen Stiftungsdeputation stehenden Aussteuerstiftung des Kaufmanns Ferdinand Lange und seiner Ehefrau Klara geb. Schucks für de- dürftige Kaufmannstöchter soll die diesjährige Ausfteuersumme von lSOV M. vergeben tverden. Bewerberinnen müssen Töchter solcher hiesigen verarmten Kaufleute sein, welche entweder in dürftigen Verhältnissen leben oder in solchen gestorben sind. Unter mehreren Bewerberinnen, die einen makellosen Lebenswandel ge- führt haben müssen, hat den Vorzug die Tochter eines Kaufmanns, welcher den Handel mit Materialwaren betrieben hat oder noch betreibt, in Ermangelung einer solchen Bewerberin aber die Be- dürftigste. Den Gesuchen sind beizufügen: 1. ein polizeiliches Führungsattcst, 2. ein Attest des betreffenden Bezirksvorstehers über die Erwerbs- und Vermögensverhältnisse der Bewerberin und ihrer Eltern, 3. das Geburtsattest der Bewerberin. Bewerbungs- gesuche werden nur bis zum 30. Juni d. I. einschließlich von der städtischen Stiftungsdeputation, Poststr. 16, entgegengenommen. Tie Aussteuerfumme wird nach erwiesener Verheiratung der Benefiziatin an diese ausgezahlt. Durch einen empfindlichen Nachtfrost sind besonders die Gärtnereien in der Umgebung Berlins erheblich geschädigt worden. In der Nacht zum Mittwoch war die Temperatur bis auf— 2 Grad Celsius gesunken und unter der Einwirkung dieses Frostes ent- standen auf den Wasserlachen nicht nur starke Eisbildungen, sondern auch der durch die Regenfälle vom vorgestrigen Tage an- gefeuchtete Boden gefror. Hierdurch sind besonders die Blumen- Anlagen in den Gärtnereien in Mitleidenschaft gezogen und ganze Beete waren gestern früh schwarz. Erfreulicherweise sind die Obstbäume weniger durch den Frost betroffen worden. Durch die ungünstige Witterung des Frühjahrs ist der BaumwuchS noch so weit zurück, daß der Frost den wenig entwickelten Knospen nichts anhaben konnte. Strichweise sind dagegen die Blattspitzen des Flieders schwarz geworden und ist daher eine Beeinträchtigung der Fliederblüte in diesem Jahre zu erwarten. Eine Mordstatistit für Preußen ist dieser Tage veröffentlicht worden. Danach fielen im Jahre 1906 696 Personen einem gewaltsamen Tode durch Mord und Totschlag zum Opfer. Auf 100 000 Einwohner starben im Durch- schnitt durch Mord usw. 1,86 Personen; der Landespolizei- bezirk Berlin steht mit 1,28 Personen an niedrig st er Stelle. Obenan marschiert die Provinz Westfalen, in der 3,03 Personen von je 100 000 Ein- wohnern durch Mord und Totschlag zu Tode kamen. An zweiter, dritter und vierter Stelle stehen Landesteile, in denen Junker- und Pfaffe»tum dominieren. So sieht der rein ländliche, weitaus überwiegend von katholischer Bevölkerung be- wohnte Bezirk Hohenzollern mit 2,93 Personen an zweiter Stelle, Schlesien mit 2.26 Personen an dritter und W e st- Preußen, die Domäne unserer ostelbischen Ju>,ker. mit 2,25 Per- tonen an vierter Stelle. Erst an siebenter Stelle kommt die Provinz Brandenburg mit 1,67 Personen von 100 000 Ein- wohnern. Durch diese Statistik wird wieder einmal der gegnerische Schwindel, als seien die Hochburgen der Sozialdemokratie die schlimmsten Stätten des Verbremens, in eine helle Beleuchtung ge- nickt. Das gerade Gegenteil ist der Fall. Ueberall da, wo die Sozialdemokratie ihren Einfluß auf die BolkSinassen geltend machen kann, äußert er sich iin kulturellen Sinne, wobei allerdings nicht ver- gessen werden soll, daß Verbrechen nur in dem Sumpfboden der kapitalistischen Gesellschaft wuchern können. Nicht iminteresjant wäre eine Statistik über die Zahl der un- entdeckten Mörder. In diesem Fall würde die Polizeiverwaltung Berlin allerdings schlecht abschneiden. Kein Freibad am Müggelsee. Eine Korrespondenz weiß zu melden: Die Verhandlungen über die Errichtung eines Familien- bades an dem Müggelsee bei FriedrichShagen sind jetzt endgültig ge- scheitert. Bekanntlich hatte seinerzeit der Berliner Freibäder-Verein die Angelegenheit in die Hände genommen und mit den in Betracht kommenden Behörden Verhandlungen angeknüpft. Durch die Ent- scheidung der Regierung sind die Bemühungen des Vereins jedoch erfolglos geblieben. Wie unseren Lesern bekannt ist, war seitens der Stadt Berlin gegen die Errichtung eines Freibades zwischen den Wasserwerken und Rahnsdorf Protest eingelegt worden, und zwar mit Rücksicht auf die dicht an der vorgesehenen Badestelle liegenden Wasser- werke für die Stadt Berlin. Infolge dieses Protestes hat nun die Regierung entschieden, daß solange, als an der betreffenden Stelle Wasser für die städtischen Wasserwerke aus dem Müggelsee ent- noinmen wird, an die Einrichtung eines Freibades nicht zu denken ist. Der Berliner Freibäder-Verein wird nun jedenfalls versuchen, an einer anderen Stelle des Müggelsees ein Familienbad zu schaffen. Da jedoch alle anderen in Betracht kommenden Uferseiten des Müggelsees zum Äöpenicker Gebiet gehören und der Köpenicker Magistrat für die Errichtung eines Freibades nicht so leicht z» haben ist, so ist es sehr fraglich, ob am Müggelsee jemals ein Familienbad errichtet werden wird. Durch einen abstürzenden Eisenkasten zerschmettert. Ein schwerer Betriebsunfall, bei dem ein Arbeiter den Tod gefunden hat und einer schwer verletzt wurde, hat sich gestern morgen in der Maschinenfabrik„Cyklop" von Mehlis u. Behrens in der Pankstr. 13 zugetragen. Auf dem Trockenboden, auf dem die frisch gegossenen Erzeugnisse getrocknet werden, hatt drei Former an einem großen Eisenkasten, der soeben aus der Gießerei gekommen war, gearbeitet. Der Kasten hing an einem Krane etwa einen Meter hoch. Ztvei der Former und zwar der 42 Jahre alte Martin Räder, Martin-Opitz-Str. 23 und der gleichaltrige Fritz Knieling lagen unter dem Kasten und hämmerten, das Gesicht nach oben gekehrt, an dem Gußwerk. Aus bisher noch nicht fest- gestellter Ursache stürzte der Kasten plötzlich vom Kran herunter. Die beiden Former wurden förmlich darunter begraben. Als man den schweren Gegenstand wieder beseitigt hatte, bot sich ein schreck- lichcs Bild. N. lag mit zerschmettertem Schädel tot auf der Erde. Die Schädcldccke war dem Unglücklichen vollständig zermalmt worden, so daß das Gehirn bloß lag. K. war an der Rückenseite getroffen und schwer verlebt worden. Er wurde nach der Charite gebracht. Die Ursache des Unfalles ist vermutlich darin zu suchen, daß die Kränkelte nachgab. Eine wandelnde Fcuersäule im Tiergarten. Ein seltsames Schau- spiel bot sich in der verflossenen Nacht auf de» Wegen des Tier- gartens: ein Mädchen lief lichterloh brennend durch den Tiergarten und alarmierte einen Schutzmann und mehrere Passanten. Ucber de» merkwürdigen Vorgang wird berichtet: AuS Furcht vor dem Gefängnis hat die 24 Jahre alte Fabrikarbeiterin Gertrud Deucl auS der Breslauerstraße 19 in der vergangenen Nacht im Tiergarten einen entsetzlichen Selbstmordversuch verübt. Als das Mädchen im vorigen Jahre in Charlottenburg als Aufwärterin tätig war. ging sie mit einem verheirateten Gastwirt ein Verhältnis ein. das nicht ohne Folgen blieb. Um diese zu be« seiligen, ließ sie sich ein Vergehen zilschulden kommen, von dem die Behörde Kenntnis erhielt. Gertrud D. wurde darauf zu acht Wochen Gefängnis verurteilt. AuS Furcht vor der Hast beschloß sie in den Tod zu gehen. Gegen 2 Uhr nachts steckte sie am Goldfischteich ihre Kleider in Brand und lief dann schreiend durch den Park. Ein Schutzmann und andere Passanten, die das Geschrei hörten und die wandelnde Feuersäule sahen, eilten zu Hülfe, erstickten mit Decke» und Kleidungsstücken die Flammen und brachten die Un- glückliche nach der Charite. Ein Zusammenstoß zwischen einem Geschäftsfuhrwerk und einem KrankentranSportwagen verursachte in der Chausseestraße große Menschenansammlungen. Der Maurer Hermann Schüler t aus der Ticckstr. 11 war beim Hinaufsteigen seiner im vierten Stockwerk belegenen Wohnung auf der Treppe ausgeglitten und abgestürzt. Er hatte sich bei dem Sturz schwere Kopfwunden und anscheinend auch innere Verletzungen zugezogen und nachdem er aus der Rettungswache die ersten Notverbände erhalten hatte. sollte er in einem Krankenwagen nach dem Krankenh-use Moabit transportiert werden. Als das Gefährt durch die Chausseestraße fuhr, rannte der Kutscher Zotinas, Liegnitzcr Straße 40, der sich in angetrunkenem Zustand befand, mit seinem Fuhrwerk in den Krankenwagen hinein. Es entstand nun ein großer Menschen- auslauf und da man gegen T. vorgehen wollte, so mußte schließlich die Polizei eingreifen. Der Kutscher erhielt in dem Handgemenge eine schwere Verletzung über den Kopf. Er behauptet, daß sie ihm durch einen Schutzmannssäbel beigebracht worden sei. T. mußte nun gleichfalls nach einem Krankenhause gebracht werden. Ein erschütterndes Bild bot sich am DienSragnachmittag in der Oranienstraße vor dem christlichen Arbeitsnachweis den Vorüber- gehenden. Im Hausflur standen, Kopf an Kopf gedrängt, eine Anzahl junger Leute, Arbeitsloser, die hier eine Stelle erwarteten. Als die Bureautür geöffnet wurde und ein Herr einen Zettel in der Luft schwenkte, ging ein Ruck durch die Menge. Die stumpfen, müden, apathischen Gesichter erhellten sich auf einen Moment. Und nun begann ein heftiges Drängen, Schieben, Stoßen, ein wilder Kampf um die zu vergebende Stelle, um Brot und Existenz. Dabei war es nur eine gewöhnliche Arbeits- stelle, um die hier der Daseinskampf gekämpft wurde. Enttäuschuitg und Verzweiflung malte sich in den Mienen der andern. als sich ein„Glückspilz" die Stelle in heißem Ringen erobert hatte. Diese Szenen des Verzweifluugskampfes kann man täglich in allen Arbeitsnachweisen und vor den Geschäftsstellen der Zeitungen beobachten. Wieviel Elend, grenzenlose, jammervolle Not sich hinter den verschwiegenen Wänden der Wohnungen abspielt, beweist der Fall der beiden Frauen auS der Prinzenstraße, die der göttlichen Welt- ordnung freiwillig Balet sagten und einen schnellen Tod dem lang- samen, aber sicheren Verhungern vorzogen. Tragödien, die deshalb nicht geringer zu bewerten sind, weil sie täglich passieren. Eine schöne„göttliche" Weltordnung. Erdrosselt. Ein Kindcsmord liegt wahrscheinlich einem Leichen- fund zugrunde, der am Elisabcthufer gemacht wurde. AuS dem Luisenstädtischen Kanal wurde die Leiche eines etwa 14 Tage alten Kindes weiblichen Geschlechts gelandet. Am Halse konnte man Merkmale beobachten, die jedenfalls auf eine Erwürgung zurück- zuführen sind. Es wird vermutet, daß das Kind von der Mutter erdrosselt und dann in den Kanal geworfen worden ist. Die Leiche wurde zur Obduktion nach dem Schauhause gebracht.— Ein zweiter Leichenfund wurde im Rixdorfer Schiffahrtskanal gemacht. Am Elsensteg wurde der Leichnam eines neugeborenen Mädchens ans Ufer geschwemmt. Er wurde gleichfalls zwecks Feststellung der Todesursache dem Schauhause überwiesen. Ein Automobilbrand verursachte in der Friedrichstraße allge- meines Aufsehen. Vor dem Lustspielhause hatte die Automobil- droschke Nr. 4884 gehalten. Während der Chauffeur die Kurbel andrehen wollte, erfolgte plötzlich in dem Benzinbehälter eine Ex- plosion und im nächsten Augenblick schlug eme mächtige Stich- flamme empor. Das Automobil stand bald in Flammen und das Vorderteil wurde fast gänzlich zerstört. Auf der Brandstelle der alten Garnisoukirche ist die Feuerwehr noch immer tätig. Zu den Aufräumungsarbeiten sind fünfzig Arbeiter herangezogen worden. Die Kronleuchter der Kirche sind jetzt sänülich geborgen und auseinandergenommen worden. Auch die beiden großen Glocken wurden freigelegt. Sowohl die größere 36 Zentner schwere als auch die kleinere im Gewichte von 25 Zentnern, die 35 Meter über dem Fußboden hingen, sind voll- ständig unversehrt geblieben. Der, Glockengießer hat sie auf ihren Klang geprüft und festgestellt, daß sie wieder benutzt werden können. Ein umfangreicher Dachstuhlbrand, der auf Brandstiftung zurück- zuführen ist. kam gestern mittag in der Chausseestr. 43, Ecke der Schwartzkopffstraße. zum Ausbruch. Bei der Ankunft der Feuerwehr schlugen bereits die hellen Flammen aus dem Dache. Als Brand- n»eister Hammer mit mehreren Mannschaften die verqualmten Treppen emporeilte, drang ihm ein scharfer Pulvergeruch entgegen. Die oberen Geschosse waren derart verqualmt, daß ein Vordringen bis zum Boden unmöglich war. Brandmeister Hammer ließ daher sofort an beiden Straßenfronten zwei mechanische Leitern auftichten, über die hinweg der erste' Angriff erfolgte. Daneben versuwte eine zweite Löschabteiluug von neuem in das verqualmte Treppenhaus vorzudringen. Die Türen des vierten und dritten Stockes singen inzwischen Feuer. Da der Brand immer größere Dimensionen annabin, wurde bald mit zehn Schlauch- leitungen Wasser gegeben. Von dem Dachstuhl konnte nichts mehr gerettet werden, er brannte an beiden Straßenfronten vollständig nieder. Mit den Aufräumungsarbeiten wird die Wehr»och bis in die späten Abendstunden hinein zu tun haben. Menschen sind bei dem Brande nicht zu Schaden gekommen. _ Zwei neue Brandstiftungen. Die Brandstifter scheinen ihre Tätigkeit nach ackträgigcr Pause in vollem Umfange wieder aufnehmen zu wollen. Nachdem der Dachstuhl des gewaltigen Eckhauses Chausseestr. 43 und Schwartzkopffstraße böswillig in Brand gesteckt worden war, kamen gestern abend zwischen 6 und 7 Uhr in«demselben Stadtviertel zwei neue Dachstuhlbrände aus. die wieder aus das Konto der Brandstifter zu seyen sind. Zuerst brannte der Dachstuhl des Hauses Schlegelstr. 33. Da die Feuer- wehr schnell zur Stelle war. so konnte das Feuer aber noch im Ent- stehen abgelöscht werden. Noch hatte ein Zug der Wehr hier mit den Aufräummigsarbeiten zu tun, als aus den Feuerwachen Alarm auS der Karlstr. 14 einlief. Sofort rückten neue Löschzüge nach dieser Brandstelle aus. Bei ihrer Ankunft stand der Dachstuhl des großen Mietshauses schon in ganzer Ausdehnung in Flamme». Auch der Dachstuhl des Nebenhauses jNr. 13) schien bereits Feuer gefangen zu haben. Brandinspektor Julius lieh daher unverzüglich an beiden Häusern mechanische Leitern errichten und über diese hinweg die Rohrsührer vordringen. Es zeigte sich bald, daß der Dachstuhl des Hauses Nr. 13 von den Flammen noch nicht ergriffen war. Dagegen hatte das Feuer sich auf den Dachstuhl des einen Seiten- flügels von Nr. 14 ausgedehnt. Die Wehr griff angesichts dieser gefährlichen Situation mit insgesamt sieben Schlauchleittmgen ein. Trotzdem dauerte es doch über eine Stunde, bevor die Gewalt des Feuers gebrochen war.' Der Dachstuhl des Vorderhauses und Seitenflügels ist völlig zerstört. Die Feuerwehl leituug nimmt auch in diesen, Falle Brandstiftung an. Von den Tätern fehlt noch jede Spur. Die Sonderkommission der Polizei war längere Zeit am Brandplatze anwesend. Vorort- l�acbricbten. Charlottenburg. Die Müllbeseitigung der Stadt Charlottenburg erfolgt seit dem Herbst vorigen Jahres nach einem neuartigen System, wie es bis- her ähnlich nur noch in München und Budapest eingeführt ist. Diese Einrichtung basiert auf der Dreiteilung des Mülls in den Haus- Haltungen. Aus jedem bewohnten Charlottenburger Grundstück sind drei Eisenblechkasten aufgestellt, von denen der eine für Äüchcnrestc, der zweite für gewerbliche Abfälle, wie Lumpen. Papier und der- gleichen, der dritte ausschließlich für Asche bestimmt ist. Einwohner, welche die Vorschrift der Dreiteilung absichtlich nicht befolgen, können auf Grund einer besonderen Polizeiverordnung bestraft tvei�cn. Doch haben sich die Charlottenburger an die neue Ord- nung schon so gewöhnt, daß sich noch nicht der zehnte Teil der Asche in den für sie nicht bestimmten Kästen vorfindet. Tie gesamte Ab- fuhr besorgt zufolge eines mit der Stadtgemeindc geschlossenen Ver- träges die ncugegründete Müllverwcrtungsgcsellschaft, die natürlich nur lebensfähig ist durch die erwähnte Polizeivcrordnung. Ohne Zwang der Dreiteilung keine rationelle Verwertung? Die Äscherst vorläusig nur für Planierungen, Aufschüttungen und ähnliche Zwecke verwendbar. Der gesamte Inhalt der beiden anderen Kästen wird dagegen mittels der Bahn täglich nach Seegefeld bei Spandau geschafft, wo die Gesellschaft die gewerblichen und Hauswirtschaft- liehen Reste industriell verwertet. Täglich langen hiervon 1000 bis i20g Zentner an. Der Betrieb ist ziemlich umfangreich und bc- schäftigt über 100 Personen. Die Hälfte hat nur mit dem Nciuigcn, Sortieren, Verpacken der gewerblichen Abfälle zu tun, die in ihren kolossalen Mengen einen bedeutenden Gewinn abwerfen. Charak» teristisch ist. daß in Charlottenburg hausierende Lumpensammler sich au die Kästen nicht heranmachen dürfen, weil nach dem Vertrage der Kästeninhalt Eigenrum der Gesellschaft ist. Es bleibt jetzt fast nichts unverwertct. Selbst noch die kleineren, stark verschmutzten Papier- und Lumpcnreste sind so bedeutend, daß mit ihrer Verbren« nung die gesamte für den großen Betkieb erforderliche Kesselhitze und die elektrische Beleuchtung erzengt werden kann. Von groster wirtschaftlicher Tragweite ist die Verwertung der Küchenabfälle. Diese werden gekocht und nach Zusatz von anderem Futter zur Schwcinemästung benutzt. Die Anstalt ist für 5000 Schweine eingerichtet. Bereits mehr als 2700 werden in der Hauptsache mit dqn gekochten Abfällen, unter denen Kartoffelschalen und Grünzeug die Hauptbestandteile bilden, gefüttert. Auch Schlachtungen derjenigen Tiere, welche ihr Höchstgewicht erreicht haben, finden ans der Be» triebsstätte statt. Der Betrieb, der aus allen Kreisen zahlreiche Be» iucher anlockt, ist von vornherein auf Erweiterung eingerichtet, so daß für Charlottenburg die wichtige Frage der Müllbcscitigung auf Jahrzehnte hinaus als gelöst betrachtet werden kann. Rixdorf. Die Wohl de? praktischen Arztes Dr. Vogel zum Stadtrat ist. ebenso wie die Wiederwahl der Stadträte Fischer. Leyka, Thiemaun »nd Ziegra vom Regierungspräsidenten bestätigt worden.— Der Magistrat beschloß, die Schienenübergänge in der Elsen- und der Bouchestraße durch Uebernahnie eines Kostenanteils beseitigen zu helfen. Auch mit Treptow soll wegen eines Zuschusses zur Be» seitigung dieses Verkehrshindernisses verhandelt werden.— Die vom Magistrat eingeholten Sachverständigengutachten befürworten die Errichtung eines eigenen städtischen Elektrizitätswerkes in Rixdorf.— Eine Polizciordnung für die Lagerung von Kohlenvorräten soll, nach dem Vorbilde der Berliner Verordnung vom 16. Dezember 1907 erlassen werden. Bei dem Vergnügen der Lithographen und Steindrucker am zweiten Feiertag in Hoppes Festsälcn hat eine Frau eine Brille verloren. Der Finder wird gebeten, dieselbe im Hoppeschen Restaurant, Hermannstr. 49, abzugeben. Bei demselben Vergnügen wurde ein Pincenez gefunden; dasselbe ist im selben Lokal abzuholen. Steglitz. Ein Unglücksfall ereignete sich gestern vormittag 10 Uhr vor dem Neubau Holsteinische Straße 17. Durch den heftigen Sturm fiel eines der Felder des Bauzaunes außerhalb der Straße um, als die Frau des Zimmermeisters Wolf mit ihrem dreijährigen Töchtcrchen vorbeiging. Das Kind wurde von dem umfallenden Zaun so schwer getroffen, daß es eine bedenkliche Gehirnerschüttc- rung davontrug. Es wurde, nachdem der herbeigeholte Arzt einen Notverband angelegt hatte, durch die Feuerwehr nach dem Kranken- Haus gebracht. Das Unglück konnte vermieden werden, wenn das umstürzende Feld des Zaunes von innen angelegt worden wäre. /Lüdersdorf. Brandstiftung auf dem Wasser. Durch einen Bubenstreich ist in der vorgestrigen Nacht die Rüdersdorfer TampfschiffahrtSgcsell- schaft empfindlich geschädigt worden. Der Pevsonendampfer„Elisa- beth", der den Verkehr zwischen Woltersdorfcr Schleuse und Rüders- dors vermittelt, lag nach der letzten Fahrt au. der Schleuse vor Antcr und blieb wie gewöhnlich unter Aufsicht des Schiffsjunge». der sich nach seiner Kabine, zurückzog. Gegen 2 llhr morgens er»' wachte der Schiffsjunge unter der Einwirkung eines starken Qualmes und er esttdeckte nun..daß.her! Dampfe� ftp stellen Flammen' stand. Durch die Hülferuse des gefährdeten Burschen wurde das Schleusenpersonäl alarmiert und es gelang, das Feuer in verhält- nismäßig kurzer Zeit abzulöschen. Der Befund deutet darauf hin, daß Brandstiftung vorlag, die leicht zu einpr Katastrophe hätte führen können. Der erheblich beschädigte Dampfer mußte aus dem Betriebe gezogen werden.'_ Soziales* Leistungspflicht der Berufsgenossenschaften. Ein Arbeiter erlitt am 5. April 1886 einen Unfall, an dessen Folgen er noch jetzt vollständig erwerbsunfähig ist und' Völlrente be- zieht. Verschiedene Kuren, denen sich der Verletzte unterwerfen mußte, konnten an seinem Zustande nichts ändern und wurde am 1. August 1889 eine Heilung als durchaus unwahrscheinlich ärztlich festgestellt und somit das Heilverfahren als abgeschlossen betrachtet. Mit Abschluß des Heilverfahrens waren aber noch nicht alle Unfallfolgen behoben, sondern der Verletzte mutzte noch fortgesetzt, zur Linderung der auftretenden Schmerzen, Arzt und Apotheke in Anspruch nehmen. Diese Leistungen hat auch die Berufsgenossen- schaft bis zum Oktober v. I. anstandslos gewährt. Dann teilte sie aber dem Verletzten mit, daß sie, da das Heilverfahren abge- schlössen sei und sie Vollrente gewähre(diese beträgt 40 M. monat» lieh), ärztliche Behandlung und Arznei nicht mehr gewähre. Der Verletzte verlangte bcrufungsfähigen Bescheid, der aber erst durch eine Beschwerde an das Reichsversichcrungsamt zu erlangen war. In dem betreffenden Termin vor dem Schiedsgericht Dessau, Abt. Bernburg, präzisierte der Berufungsklägcr seinen Antrag dahin: Die Beklagte zu verurteilen, ihm die zur Linderung der durch den Unfall hervorgerufenen Beschwerden notwendig werdenden Kosten für Arzt und Apotheke zu gewähren. Das Schiedsgericht kam aber zu keinem Urteil,, sondern vertagte die Sache zwecks Studium der einschlägigen Literatur. Im zweiten Termin wurde der Kläger ab- gewiesen. In der Begründung heißt es, das Reichsversicherungsamt habe die Verpflichtung der Berufsgcnossenschaft zur Erstattung der Kosten des Heilversahrens stets derart abgegrenzt, daß darunter nur solche Maßnahmen fallen, die eigentlichen Heilzwecken dienen, wovon hier keine Rede sein könne. � Wohl verlange der Kläger nur Linderungsmittel zur Behebung der Unfallfolgen. Diese könnten aber nicht mehr zu den Hülfsmitteln gerechnet werden, weil sie mit dem Heilverfahren nichts mehr zu tun hätten und auch nur darauf abzielen sollten den bestehenden Zustand zu erleichtern. Demnach wäre die Berufsgenossenschaft nur solange zu den erwähnten Leistungen verpflichtet, als sich der Verletzte im Stadium der Heil- behandlung befindet. Ist dieses abgeschlossen, so kann der gesund» hcitliche Zustand des Verletzten noch so sehr der ärztlichen BeHand» lung bedürfen, die Bcrufsgenossenschaft braucht sich nicht mehr darum zu kümmern, falls nicht Krücken und feckiitzapparate, die das Schiedsgericht allein als Hülfsmittel gelten lassen will, in Frage kommen. Selbst wenn man zugeben will, aus dem§ 9 de? Gewerbe» UnfallversicherungSgesetzcs, Absatz I, könne herausgelesen werden. daß die ärztlichen Hülfeleistungen und die Gewährung von Arznei, solveit sie als Heilbehandlung in Frage kommen, nur bis zum Ab- swluß des Heilverfahrens zu leisten seien, so müssen sie aber als Hülfsmittel, und zwar als hervorragende Hülfsmittel in Frage kommen, die, wie das Gesetz sagt, geeignet sind, die Folgen der Verletzung zu erleichtern. Jede ärztliche Behandlung hat das Ziel, dem Verletzten seine volle Gesundheit wiederzugeben. Das Ziel ist aber nicht immer voll zu erreichen. Der Arzt wird in diesem Falle das Heilverfahren als abgeschlossen erklären, wenn das Hauptlcidcn behoben ist. Trotzdem kann aber der Unfall.Nachwirkungen hinter» lassen haben, die nicht ständig, aber doch von Zeit zu Zeit so heftig auftreten, daß der Verletzte ärztliche Hülfe und Arznei als Linde» rungsmittel in Anspruch nehmen muß. In solchem Falle sind ärzt- liche Hülfeleistungen und Arznei jene Hülfsmittel, die dem Zwecke dienen, die Folgen der Verletzung erträglicher zu machen. Der Ge» sctzgeber hat gewiß nicht gewollt, daß nur Krücken und Stützapparate als Sülfsmittel gelten sollen, sondern er hat diese mur angeführt, strafen erzwungen werden. Eine richterliche Bestrafung wegen der geübte Sände verzichten bie leicht zu ziernenden Sandgriffe und Iceil es unter dem alten Gefes ftrittig war, ob auch Krüden und Richtherausgabe des Prüfungsscheines sei indessen nicht möglich. haben für den Kapitalisten die angenehme Eigenschaft, billiger und Stubapparate von der Berufsgenossenschaft zu leisten waren. Angeflagter müffe freigesprochen werden. Der Rechtsstandpunkt, den das Schiedsgericht festgelegt hat, ist williger zu sein. Die garte, schwache" Frau, deren Wirkungskrets fich nach den Aussprüchen aller bürgerlichen Nachtmüßenpolitiker unhaltbar. Nehmen wir den Fall an, bei einem Verletzten hat sich Schwere Jungen. ausschließlich auf die Küche und die Häuslichkeit beschränken soll, nach Abschluß des Heilverfahrens die Beschaffung einer Strüde notwendig gemacht. Diese muß die Berufsgenossenschaft leisten. Ein unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Bieber bie 3. Straf der Sleinen werden nicht verschont. Dem Siegeszug der Maschine Ein schwerer Banfeinbruch in Antwerpen beschäftigte gestern wird in die Arme des Kapitalismus getrieben und selbst die kleinsten anderer braucht nun zwar feine Strüden, bei ihm treten aber als fammer des Landgerichts I. Unter besonderen Vorsichtsmaßregeln folgt vom ersten Schritte an, wie der Schatten ben törper, die Folgen der erlittenen Verlegung noch Beschwerden auf, die durch wurde der erst 23jährige Kellner Alfred Kohlhoff dem Straf. Ausbeutung der Frauen und Kinder, die Zerstörung der Familie ein Medikament behoben werden können. Dieses braucht nun die richter vorgeführt. Da der Angeklagte schon im Untersuchungs- und des häuslichen Glücks. Berufsgenossenschaft nicht zu liefern. gefängnis wiederholt Tobsuchtsanfälle simuliert hatte, mußten In Amerika, dem Lanbe der unbegrenzten Möglichkeiten, wo Aus dem Bericht der 21. Kommission über den Entwurf eines zwei Gerichtsdiener neben ihm auf der Anklagebank Blaz nehmen. die zwei Extreme: unermeßlicher, fabelhafter Reichtum und jämmerGefebes betreffend Abänderung des Unfallversicherungsgefebes Im Mai v. J. nahmen im Terminushotel in Antwerpen brei liche, himmelschreiende Armut sich gegenüberstehen, wo die kapita( Mr. 823 der Druckfachen) geht unwiderleglich hervor, daß der Ge- elegant gefleidete Fremde Wohnung. Die Fremden verstanden es, liftische Brobuftionsweise ihre prägnantesten Formen angenommen setzgeber eine solche Kleinigkeitskrämerei nicht gewollt hat. Dort Räume zu mieten, die direkt über einem im Barterregeschoß be hat, wo Millionäre und Milliardare aus den Knochen ihrer Ar wurde zu dem jebigen§ 9 folgender Zusat beantragt:" Die Pflicht findlichen Bankgeschäft liegen. Als am Morgen des 15. Mai An beiter schwindelnde Reichtümer herausgefchunden haben, sind deren zur Gewährung der Heilmittel und der Hülfsmittel umfaßt auch gestellte des Bantinstitutes die Geschäftsräume betraten, schlug Frauen und Töchter in blafierter Ueberfättigung von Festen und die Pflicht zur Instandhaltung und Erneuerung der Heil- und ihnen ein erstidender Qualm entgegen. Den Eintretenden bot sich Vergnügen zu dem heroischen Entschluß gekommen, den armen Sülfsmittel." Ein Bertreter der verbündeten Regierungen erklärte das Bild einer beispiellosen Verwüstung und Unordnung. In Arbeiterinnen zu helfen. Sie, die an der üppigen Tafel des hierzu, daß die Pflicht der Gewährung der betreffenden Heil- und der Decke flaffte ein fast ein Meter großes Loch, der Fußboden Lebens schwelgen und von denen jebe einzige für Toiletten und Hülfsmittel auch die Pflicht der Instandhaltung und Erneuerung war, besonders in der Nähe des Stahltresors, teilweise in Brand sonstige Kleinigkeiten" in einem Monat größere Summen verin sich schließe. Wäre jener Zusatz in das Gefeß aufgenommen geraten, der aber wieder gelöscht worden war. Der Geldschrank braucht, als manche Arbeiterin in ihrem ganzen Leben mühselig worden, dann wäre eine Streitfrage, wie die vorliegende, gar nicht selbst wies ein großes Loch an der Stelle auf, wo bisher das verdient, wollen auch mal in Wohltätigkeit" machen. Bürgerliche möglich gewesen. Schloß gewesen war. Dieses war, wie heruntergelaufener geDer Standpunkt des Schiedsgerichts könnte nur richtig sein, schmolzener Stahl bewies, von den Verbrechern herausgeschmolzen„ Auch die Reichen und Reichsten in dem wegen seines Materia wenn jede Heilbehandlung garantiert die völlige Wiederherstellung werden. Der gesamte Inhalt des Geldschranks, der sich an Bar. lismus verfchrienen Amerika befinnen fich auf ihre Pflicht. Bedes Verletzten zur Folge hatte oder wenn der Abschluß des Seil- gelb und Effetten auf 100 000 Mart belief, war gestohlen seichnend hierfür ist die Mitteilung, daß eine Anzahl von Frauen verfahrens erst dann konstatiert werden dürfte, wenn jede Nach- worden. und Töchtern New Yorfer Milliardäre einen Verein gebildet hat, wirkung aus dem Unfall ausgeschlossen wäre. Kann aber die ärztliche Wissenschaft eine solche Garantie nicht übernehmen, dann muß die nach Ausübung des Einbruches per Automobil nach Deutsch bedingungen der Arbeiterinnen zu bewirken. Um deren Verhält Als Täter fonnten nur die drei Frende in Betracht kommen, der sich zur Aufgabe macht, eine Besserung der Lebens- und Arbeitsauch die Berufsgenossenschaft Linderungsmittel nach Abschluß des land entflohen waren. Schon nach einigen Tagen konnten der nisse tennen zu lernen, wollen die reichen Damen alle Werkstätten Heilverfahrens gewähren. Der Abschluß des Heilverfahrens will jezige Angeklagte Kohlhoff und ein Steinbruder Mar Gorsti, befuchen und mit den Arbeiterinnen gemeinsam effen und schlafen in solchen Fällen lediglich besagen, daß das Hauptleiben behoben ber nach einiger Zeit wegen Geifteskrankheit nach dem Irrenhause( Donnerwetter!) wahrlich ein lobenswerter Entschluß." ift. Die fernere Hülfeleistung gilt nicht mehr diesem, sondern den übergeführt werden mußte, festgenommen werden. Der Dritte im aus dem Hauptleiben entsprungenen Nachwirkungen. Bunde, ein Kellner Stigling, der etwas später in Luxemburg gefaßt wurde, sieht in Brüssel feiner Bestrafung entgegen. Rohl hoff wurde zu fechs Jahren Buchthaus, zehn Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. Gerichts- Zeitung. Beamtenbeleidigung. gibt Aus der Frauenbewegung. im Aprilheft Uneheliche Mutterschaft. Blätter verfünben: n Besser wäre es, wenn die Damen auf ihre profitütigen Männer einwirken möchten, damit die aufstrebenden Gewerkschaften nicht in der brutalsten Weise niebergeknüppelt werden. Was bei den Spielereien der Damen herauskommt, ist doch nur für die- Stat. Bersammlungen-Veranstaltungen. Schöneberg. Donnerstag, den 23. April, 81% Uhr, in ben neuen Rathausfälen( Inh. Groffer, früher Obft). Meininger Straße 8, Boltsversammlung für Frauen und Männer. Vortrag. Genosse Reichstagsabg. Fris gubeil: Welches Intereffe haben die Frauen an den preußischen Landtagswahlen?" Vermischtes. flärung bedarf, ist bei Freienwalde gemacht worden. Bon Krähen zerhadt. Ein Beichenfund, der noch der AufBor drei Hermann Guen, und vorgestern wurde die Leiche des Vermißten in Wochen verschwand der dort wohnhafte 45 Jahre alte Arbeiter der Nähe von Freienwalde unter einem Gebüsch aufgefunden. Die eine Gefichtshälfte war von Krähen bereits vollständig zerhackt worden. Auch die übrigen Körperteile der Leiche waren von Raub tieren angenagt worden. Ob. Selbstmord verübt hat oder ob fein Tod auf eine andere Ursache zurückzuführen ist, fonnte noch nicht aufgeklärt werden. Begen Beleidigung des Präsidenten des kaisert. statistischen Amts Dr. van der Borght und des Regierungsrats Dr. Eich horst hatte sich gestern der frühere Hülfsarbeiter des Amtes Paul Witt vor der Straffammer des Landgerichts II zu verantworten. Der Angeflagte war, nachdem ihm feine Stellung gefündigt war, tische soziale Arbeit immerhin mehr Beachtung verbient, als bie Der Bund für Mutterschutz", dessen theoretische und prat mit dem statistischen Amt in Differenzen geraten, die ihn zur Ansonst von bürgerlichen Damen oft nur zum Beitvertreib und zur ftrengung einer Klage veranlaßten. Durch einen Baffus in der Klagebeantwortung fühlte er sich und in seiner Person auch die übrigen Befriedigung ihrer Gitelteit gepflegten humanitären Bestrebungen, mittleren Beamten des kaiserl. statistischen Amts in ihrer Ehre herab Generation", einen lleberblick über seine Tätigkeit im abgelaufenen marichen war der Meinung, daß seine tranke Sau dem sicheren Tode feines Publikationsorgans" Die Neue Der schlaue Landmann. Ein Landmann in Neuenfähre in Dithgesetzt und griff nun zur Abwehr zu einem ungewöhnlichen Mittel. Eines Tages poftierte sich ein Dienstmann vor einem Bortal des Jahre. In diesem Zeitraum wandten sich 419 uneheliche Mütter verfallen fei, und war froh, als ihm ein Sändler dafür 8 M. bot. Amtsgebäudes am Lyow- llfer und verteilte an die Baffanten ein unb Schwangere und 38 verheiratete und eheverlassene Frauen, Etwas ist immerhin beffer als nichts, dachte er, und schnell war das Flugblatt, welches unter der Neberschrift Zeugen gesucht!" gegen Die meisten unter ihnen standen, wie aus den statistischen Frage- und fuhr ab. in äußerster Bedrängnis Rat und Beistand heischend, an den Bund. Geschäft abgeschlossen. Der Händler lud die Sau auf den Wagen ben Bräsidenten und dem Regierungsrat Dr. Eichhorst scharf Front bogen hervorgeht, im Alter von 20-25 Jahren, aber es war auch ein munteres Ferfel umher, und als der Händler in seinem Heimats Nicht lange währte die Fahrt, da sprang im Wagen machte und beleidigende Ausbrüde, wie„ Arroganz"," nadte Un- ein fünfzehnjähriges Mädchen unter ihnen. Nicht weniger als ein orte Samborf eingetroffen, tamen bald zu dem einen noch acht wahrheit" u. dergl. in Anwendung brachte. Der Angellagte hatte Drittel der unehelichen Schwangeren und Mütter, nämlich 152, weitere fleine Borstentiere hinzu. in früheren Bernehmungen die Berantwortung für diefes Flugblatt waren Dienstmädchen, dann folgen nach Berufen geordnet: fauwohl. Der Händler freut sich feines Glückes, der Verkäufer Mutter und Kinder befinden sich übernommen. Nach Schluß der Beweisaufnahme trat er gestern 84 Stüben und Krankenschwestern, 96 Handlungsgehülfinnen und aber hätte fich am liebsten felbft geohrfeigt, als er feine negative plößlich mit der Erklärung hervor, daß er das Flugblatt nicht ber Telegraphiftinnen, 78 Heimarbeiterinnen, Schneiderinnen usw., Schläne erkannte. faßt und auch die Verteilung vor dem Amtsgebäude nicht angeordnet 34 Arbeiterinnen, 4 Schauspielerinnen, 9 Lehrerinnen, 6 Obdach. habe. Der Gerichtshof und der Staatsanwalt hielten diese Erklärung lose, eine Prostituierte, eine Geistestrante. Wenn nun auch die ben sonstigen Tatsachen gegenüber nicht für glaubhaft. Der Staatsanwalt beantragte vier Wochen Gefängnis. ehelichen Geburten kein Gradmesser für die Sittlichkeit oder Instärkere oder geringere Beteiligung einer Berufsklasse an den un Der Gerichtshof erwog, daß der Angeklagte in der Prozeßfache, fittlichkeit sein kann, so ist der erschreckend hohe Prozentjak ber die zwischen ihm und dem Amte schwebte, die irrige Ansicht gewonnen unehelichen Mütter gerade unter den Dienstmädchen doch ungemein habe, daß ihm der Vorwurf gemacht werden sollte: ihm hätten bezeichnend und widerlegt wieder einmal das heuchlerische Gerede wissenschaftliche Arbeiten wegen Unfähigkeit nicht übertragen von dem sittlichen Schuß und der erziehlichen Einwirkung im werden können. Der Gerichtshof gab auch dem Angeklagten zu, daß bürgerlichen Heim. Das Gehalt der Dienstmädchen schwanfte in er geglaubt haben mag, berechtigte Juteressen auszuüben und erwog, den zuletzt innegehabten Stellen zwischen 8 M. und 40 M. monatlich, daß der Angeklagte anscheinend ein sehr aufgeregter Mann und von der Wochenlohn der Heimarbeiterinnen zwischen 7 M. und 25 M., frankhaftem Chrgefühl beseelt sei. Aus diesem Grunde hat der Ge- der der Arbeiterinnen zwischen 8 M. und 30 m., die vier Schau richtshof trotz der Schwere der Beleidigungen und der ungewöhn- spielerinnen standen sich auf 150 m. und mehr im Monat ein lichen Art ihrer Berbreitung doch nur auf eine Geldstrafe erkannt schließlich der Garderobe, Handlungsgehülfinnen und Kontoristinnen und diese auf 100 Mart eventuell 10 Tage Gefängnis bemessen. bezogen Gehälter von 20 m. bis 180 M., Lehrerinnen 100 m. im Monat. Fast alle verloren in der letzten Zeit der Schwangerschaft ihre Stellungen und sahen nun nahezu oder ganz mittellos der Die Blätterin Anna Preppermann wurde gestern aus der Entbindung entgegen. Nur zu oft gelang es nicht, den Water des Untersuchungshaft der dritten Straflammer des Landgerichts I por unehelichen Stindes zur Zahlung von Alimenten heranzuziehen; geführt, um sich wegen Diebstahls im ftrafverfchärfenden Rückfalle dann hatte die junge Mutter die Pflegekosten 20-30 2. im zu verantworten. Die Angeklagte ist der Polizei feit mehreren Monat und mehr, ausschließlich Wäsche und Kleidung Selbst Verband der Friseurgehülfen Deutschlands. Seute abend 9%, Uhr Jahren als gewerbsmäßige Schlafstellendiebin bekannt. Wegen einer zu bestreiten. Das ist wie ein Blid auf die oben angeführten Rosenthaler Straße 11/12: Generalversammlung. ganzen Reise derartiger Diebstähle, denen zumeist arme Witwen Gehaltsbeträge zeigt eine fast übermenschliche Aufgabe, deren und Zimmervermieterinnen zum Opfer gefallen waren, wurde die B. erbrüdende 2ucht es begreiflich erscheinen läßt, wenn schließlich gulegt zu einer zweijährigen Buchthausstrafe berurteilt. Ende so oft in Verzweiflung und Schande endet, was einst in blindem Januar dieses Jahres wurde fie aus der Strafanstalt entlassen. Vertrauen und in jugendlicher Unkenntnis des Lebens begonnen. Sie fuhr schnurstracks nach Berlin zurück, um hier sofort wieder ihr und doch geben diese trodenen, dürftigen Zahlen nur einen altes Diebstahlsgewerbe aufzunehmen. Noch an demselben Abend winzigen Ausschnitt aus dem Bilde des Jammers und Glends der mietete sie sich bei einer Witwe Huber unter einem falschen Namen eine unehelichen Mutterschaft. Werden doch alljährlich in Deutschland Schlaffteile und verschwand am nächsten Tage unter Mitnahme vers 180 000 uneheliche Stinder geboren, die der verbrecherische Egoismus schiedener Kleidungsstüde und einiger Goldiachen. Bon diesem der bürgerlichen Gesellschaft nach Gesetz und Recht der Verwahr. Beitpunkt an liefen bei der Polizei faft täglich Anzeigen über lesung in jeber Gestalt überliefern möchte. In feinem Lande der Schlafstellendiebstähle ein. Die Bestohlenen, welche durch die gemein- Welt ist die Verfemung der illegalen Mutterschaft ärger, ist bic gefährliche Diebin um ihr geringes Sab und Gut gekommen waren, Stellung des unehelichen Stindes bent Geses gegenüber angerechter erfannten nach dem ihnen von der Kriminalpolizei aus dem Verbrecheralbum vorgelegten Bilde der Angeklagten diese als die Diebin wieder. Bor Gericht verschlechterte die. noch durch ein hartnäckiges Leugnen ihre Lage. Mit Rücksicht auf die große Gefährlichkeit der gewerbsmäßigen Diebin ertanute die Straftammer dem Antrage des Staatsanwalis gemäß auf drei Jahre Buchthaus, fünf Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiauffiat. Schlafstellendiebstähle. Die Nichtherausgabe des Befähigungszeugnisses als Chauffeur tann nicht kriminell bestraft werden. 9 9 Eine zerstörte Eisenbahnlinie. Bie aus Baris gemeldet wird, hat ein Felssturz die Eisenbahnlinie Paris 2yon- Méditerannée auf eine Länge von sechzig Meter zerstört. Der Verkehr ist vorläufig unterbrochen. Jm Streit getötet. Bariser Meldung zufolge tam es in NeuChateau zwischen italienischen Arbeitern zu einem blutigen Kampfe, in deffen Berlauf zwei der Beteiligten getötet, drei schwer und mehrere leichter verlegt wurden. Eingegangene Druckfchriften. Neue Weltanschauung. Heft 2. Monatsschrift für Kulturfortschritt auf naturwissenschaftlicher Grundlage. Berlag: Lehmann in Stuttgart. Berlag: J. F. Lehmann in München. Ultramontan. Eine Abwehr in vier Artikeln von 2. Wahrmund. 1 M. Band I. Von Hugo Friedlaender. Borwort von Rechtsanwalt Dr. jur. " Kulturhistorische Kriminal- Prozesse der letzten vierzig Jahre". Berthauer. Berlag: Continent, G. m. b. S., Berlin W. 50. Geheftet 1'. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion über den Großhandel in den Sentral- Marttballen. Marktlage: Fleisch: Bufubr fchwach Geschäft lebhaft, Breise unverändert. Wild: Zufuhr minimal, Geschäft flau, Preiſe feft. Geflügel: Zufuh: knapp, Geschäft etwas lebhafter, Breife gut. Fife: Bufuhr mäßig, Gefchäft ruhig. Preise wenig verändert. Butter und safe: Geschäft ruhig, Breife Geschäft etwas reger, Breise behauptet. unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr mäßig Witterungsübersicht vom 22. April 1908, morgens 8 Uhr. Stationen Bellez Stationen Eminembe 753 5 4 heiter amburg 755 23 Berlin ranti.a M739 5 756 München 762 Bien 5 woltig Sheiter 2 bedeckt Belter 8 Haparanda 751 3 2wolfen! 2 Betersburg 754 D 3 Scilly 1 Nebel : 757 3 4 bedeckt 4 lberdeen 755 NNW 2Schnee 2 Baris 7605 2 bedeckt 11 Temp. n. 6 halb bd. 759 4 heitet Wetterprognose für Donnerstag, den 23. April 1908. Bielfach heiter, am Tage etwas wärmter, aber noch veränderlich, mit gertugen Riederschlägen und sieutlich frischen westlichen Binden. Berliner Betterbureau als in Deutschland. Hier hat aber auch die Stindersterblichkeit unter den Unehelichen eine Höhe erreicht wie sonst nirgends. 3ft die Sterblichkeit der außerehelichen Kinder in großen Gebietsteilen Breußen Deutschlands durchschnittlich doppelt so groß wie die der ehelichen, so erreicht sie in Schaumburg- Lippe sogar die dreifache Höhe. Daß ein ursächlicher Zusammenhang zwischen diesen schmählichen Zuständen und der rechtlichen Stellung der unehelichen Kinder und ihrer Mütter tatsächlich besteht, erhellt ohne Weiteres, wenn wir Oesterreich zum Vergleich heranziehen. Hier ist die Sterblichkeit der unehelichen Kinder geringer als in allen anderen Die Berordnung des Oberpräsidenten vom 26. September 1906 Kulturländern, ja in einigen Kronländern erhebt fie fich nicht über Bestimmt im§ 27: Ingeeigneten Berfonen, insbesondere folchen, die der chelichen Kinder. Das österreichische Gesez tennt aber welche die den Führern von Kraftfahrzeugen obliegenden Ver- auch die Härte nicht, daß ein Mann sich den aus der unehelichen pflichtungen verlegt haben, fann das Führen von Kraftfahrzeugen Vaterschaft erwachsenden Alimentenzahlungen entziehen tann. bauernb oder für bestimmte Beit polizeilich unterfagt Auch bei ateifelhafter Vaterschaft wird er zur Zahlung von werden. Sie haben alsdann das ansgestellte Befähigungs- Alimenten verpflichtet, da das Gefeß mit Recht voraussetzt, daß zeugnis der Polizeibehörde abzuliefern." Der§ 28 bedroht die Zu jedem Mann, der mit einer Frau geschlechtlichen Umgang pflegt, widerhandlungen gegen die Vestimmungen der Verordnung mit Gelb bie möglichen Folgen flar fein müffert. strafe. Der Chauffeur Ernst hatte nach Untersuchung durch den In wahrhaft humaner und für alle übrigen Kulturstaaten Streisangt und einen Augenarzt vom Berliner Polizeipräsidenten vorbildlicher Weise geftaltet das neue dänische Gesez die Lage eine Berfügung erhalten, burch die ihm wegen ungenügender Seh- der außerehelichen Kinder. In bezug auf das Erbrecht stellt es fchärfe das Führen von Kraftfahrzeugen auf Straßen, lägen das uneheliche Stind dem ehelichen gleich. Entzieht sich der Water amb Wegen im Landespolizeibezirt Berlin untersagt worden der gegen früher bedeutend erhöhten Alimentationspflichten, fo und er aufgefordert worden war, fein Befäßigungszeugnis forgt die Gemeinde für Mutter und Kind, deren Ansprüche gegen ats Chauffeur abzuliefern. Ernst lieferte das Zeugnis nicht ab den Vater ohne Weiteres auf die Kommune übergehen. Dazu und wurde deshalb in zweiter Instanz vom Landgericht zu einer fommen andere Bestimmungen, welche eine Sicherstellung der unGeldstrafe verurteilt. Das Kammergericht hob das Urteil ehelichen Mütter und Kinder nach jeder Richtung bewirken. auf und sprach den Angeklagten mit folgender Begründung frei: Freilich ist das kleine Dänemart in den Augen unserer MusterMit der Bestimmung über die Herausgabe des Befähigungszeugnifies patrioten ein wildes Land", in dem man kein Verständnis hat tolle§ 27 nicht etwa eine Strafe androhen. Das fönnte er auch für die fittliche Höhe, die sich zu unvergleichlich dokumentiert in nicht, denn die Entziehung von Gewerbeberechtigungen a 18 Strafe bem berühmten Rechtsgrundsatz des deutschen bürgerlichen Gefeßfenne die neuere Gefezgebung nicht. Der§ 27 fei gültig, weil er buches: Gin uneheliches Kind und dessen Vater gelten nicht als nur eine Erefutibmaßregel vorfehe. Eine Verwaltungsmaßregel, die verwandt." fich sehr wohl auf 10, II, 17 des Allgemeinen Landrechts Amerikanische Milliardärsfrauen spielen Wohltätigkeit. flügen laffe, denn es jolle das Publikum bor folchen Chauffeuren geschügt werden, benen Die Gaben fehlten, Wie Kapitalismus und Ausbeutung zwei ungertrennliche Be die ein Chauffeur im Intereffe der öffentlichen Sicherheit griffe sind und man das eine ohne das andere sich nicht vorstellen haben müsse. Es könne aber nicht durch den Straffann, so verbindet sich auch der moderne Industrialismus innig und richter entschieden werden, ob die Entziehung des Befähigungs- unlöslich mit dem Begriff Frauen- und Kinderarbeit. Neue zeugnisses mit Recht geschehen sei oder nicht. Darüber könne nur Maschinen, die in höchster Vollendung konstruiert sind und mit im Verwaltungsstreitverfahren befunden werden. Wenn die polizei präziser und selbsttätiger Arbeit die Produktionsfähigkeit ins Un liche Unterfagung, weiter als Chauffeur zu fungieren, eine berechtigte geahnte erhöhen, fchalten menschliche Arbeitskraft aus. Muskelkraft fei, dann könne fie und die herausgabe des Zeugniffes durch Erefutiv- und Geschicklichkeit verlieren ihre frühere Bedeutung, schwache, unBerantwortlicher Redakteur: Georg Davidjohn, Berlin. Für den Inferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Vorwärts Buchbruderet u. Verlagsanstalt Paul Ginger& Co., Berlin SW, " Wafferftands- Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserftand Memel, Tilfit regel. Interburg Betfel, Thorn Dber, Ratibor Stroffen cm cm³) -7 am feit feit 21. 4. 20, 4. Basserstand 21. 4. 20. 4. em cm ¹) 523 -8 Saale, Grochliz 226 218 -8 296 hapel, Spandau Nathenow) 183 178 251 34 Spree, Spremberg) 230 Beeskow 156 Frankfurt 234 0 Beser, Münden 60 126 +6 Minden 141 Landsberg 123 +1 Rhein, Marimiliansau 438 69 83 240 Köln 261 Nedar, Heilbronn 101 837 290 Main, Bertheim Mosel, Trier 182 Barthe, Nee, Bordamm Ibe, Zeitmeris Dresden Barby Magdeburg 5)+ bedeutet Buchs, Kaub Fall, Unterbegel. 95+2 51826