r. 96. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pranumerando? Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nunimer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Big. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost- Beitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Solland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition is bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. die Freitag, den 24. April 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Der Fall Behrens- eine Probe„ Gewerkschaftsarbeit gewaltig zu erschweren" und bei Lohn- als Arbeiter Arbeiterpolitik zu treiben und Euch ſelbſtverſtändauf die ,, politische Teutralität" der chriftlichen Gewerkschaften. rbeiter im allgemeinen und die Bergarbeiterbewegung haben zu halten- in diesem Falle hat die Gewerkschaft einem Die christlichen Gewerkschaften betrachten es bekanntlich als einen Vorzug, politisch neutral" zu sein. Sie geben sich als rein wirtschaftliche Organisationen aus, die sich feiner Partei unterordnen, sich auf tein politisches Programm verpflichten, politische Fragen aus ihren Versammlungen und Zeitungen ausschließen und es den Mitgliedern überlassen, welcher Partei sie sich anschließen und welche Stellung sie in einzelnen politischen Fragen einnehmen wollen. Nun ist es schon aus dem Grunde nicht richtig, daß die christlichen Gewerkschaften unpolitisch sind, weil sie aus ihrer Gegnerschaft der Sozialdemokratie gegenüber gar feinen Hehl machen. Sie sind von ihren Machern gegründet worden zur Bekämpfung der Sozialdemokratie und der freien Gewerkschaften, und wenn die Sozialdemokratie auch nicht der einzige Feind geblieben ist, weil die christlichen Gewerkschaften, um sich ihrer Haut gegen das Unternehmertum zu wehren, notgedrungen in den Stlaffentampf eintreten mußten, so weiß doch jeder, der die Geschichte und die Tätigkeit der Christlichen kennt, daß sie nach wie vor der Sozialdemokratie feindlich gegenüberstehen und diese Gegnerschaft nach wie vor mit unablässigem Eifer auch praktisch betätigen. Politisch neutral ist aber eine Gewerkschaft ebensowenig, wenn sie sich für eine bestimmte Partei, als wenn sie sich gegen eine solche erklärt und im letzteren Falle sich den übrigen Parteien gegenüber neutral verhält, wie das die christlichen Gewerkschaften angeblich mit den bürgerlichen Parteien tun. Wir sagen angeblich", weil für den Kundigen kein Zweifel darüber besteht, daß in den christlichen Gewerkschaften vorwiegend Zentrumspolitik getrieben wird. Der christlichsoziale Einschlag Stöckerscher Richtung, den die christliche Gewerkschaftsbewegung in den letzten Jahren erhalten hat, verträgt sich mit der Zentrumspolitit sehr gut; die konservative, antisozialistische Grundlage hat Ultramontane und Christlichsoziale bisher ohne störende Zwischenfäle in trauter Gemeinschaft geeinigt. macht dem Herrn Generalsekretär flar, daß der§ 7 des tischen Neutralität" als unsinnig nachgewiesen werden. neichsvereinsgefeßentwurfes(§ 12 des Gesetzes) geeignet ist, Entweder die Gewerkschaft lehrt ihre Mitglieder: Ihr habt bewegungen und Streits geradezu unheilvolle Folgen für die lich aus dem Bereiche arbeiterfeindlicher rückschrittlicher Parteien fann". Jeder Gewerkschafter aber habe die Pflicht, für die Beamten oder Angehörigen gegenüber, der sich wie Herr Forderungen einzutreten, die die Lebensfähigkeit und das Behrens verhalten würde, das Recht der Entlassung oder will und tut, der gehört nicht zu uns." Sodann schreibt das glieder: Jhr könnt Politit treiben, wo und wie Ihr wollt, Blatt: und jede bürgerliche Partei sei Euch mit gleicher Wärme empfohlen dann begibt man sich auch des Rechtes, gegen ein Mitglied oder einen Beamten von der politischen Qualität des Herrn Behrens einzuschreiten! Arbeiten ber Gewerkschaften erst ermöglicht. Wer das nicht des Ausschluſſes. Oder aber die Gewerkschaft lehrt thre Weitin " Abg. Behrens hat sich durch seine in der zweiten Lefung erfolgte Bustimmung zum§ 7 des Gesezentwurfes in wider spruch mit der ihm als Gewerkschaftler und General sekretär unseres Gewertvereins obliegenden Pflicht gefegt. Wir und die Mitglieder des Gewerkvereins Wenn der Bergknappe" und die Zentrumspresse Herrn den gemischtsprachigen Bezirken sind mit feiner Saltung Behrens für untauglich als Gewerkschaftsbeamten und Arbeiternicht einverstanden. Insbesondere die Vertrauensleute führer erklären, dann gestehen sie damit ein, daß die von den und Bezirksleute, welche unter gemischtsprachiger Bevölkerung au christlichen Gewerkschaften verkündete Lehre der politischen arbeiten haben, find geradezu empört... Unsere Mitglieder Neutralität" unhaltbar ist! fönnen nicht dulden, daß Beamte, die von ihnen angestellt sind, damit fie in der Bewegung für ihre Interessen eintreten, außer halb der Getvertschaften auf politischem Gebiete mit an dem Strick drehen, an dem man unsere Bewegung aufhängen kann." " Sand in die Augen! Parteiblatt Das Reich". Unter der Ueberschrift:„ Eine für den Parteitag der Freisinnigen Bereinigung Gegen diese Auffassung wendet sich das christlichsoziale Die Abgeordneten Dobe und Mommsen hatten bekanntlich Srisis im Gewertverein chriftlicher Berg: eine Resolution zu dem Bunft der Tagesordnung Finanzreform" arbeiter" bringt das Blatt einen Artikel, worin es heißt: D Die Redaktion des Bergknappen" erachtet fich für befugt, ausgearbeitet, in dem zur Deckung des Reichsdeffaits neben neuen dem Abgeordneten Behrens, der von der verfassungsdiretten Reichssteuern auch neue indirekte Reichssteuern gefordert mäßigen Freiheit der Abstimmung Gebrauch gemacht wurden. Als die nunmehr ausgeschiedene Opposition dies weitere hat, deshalb den Stuhl vor die Tür zu seßen... Man Bekenntnis zum Nationalliberalismus gebührend fennzeichnete, erklärte mag zu den einzelnen Abstimmungen des Abgeordneten Behrens der Ageordnete Heckscher, daß er den Antrag Dove Mommsen stehen wie man will, die Frage ist, ob die Abstimmung begrüße" und es bedauern würde, wenn er nachträglich zurüc frei oder unfrei sein soll... Es wäre unheilvoll, solche Es wäre unheilvoll, foldje gezogen werden sollte. Frage von dem Gesichtspunkte aus zu lösen, daß der Angestellte zu gehorchen hat. Wir sind überzeugt, daß ein Gewaltatt Nun find zwar die ungeftimen Kritiker ber Entwidelung des gegenüber Behrens, wie ihn der Artifel des Bergknappen" in Freisinns zum Nationalliberalismus aus der Partei herausgedrängt Aussicht stellt, vom gefunden Sinn der verantwortlichen Träger worden, aber gerade deshalb wagte man es schließlich doch nicht der Bewegung abgelehnt wird. Hinter Behrens steht ein angesichts der bevorstehenden Landtagswahl! nicht unbeträchtlicher Teil der Mitglieder der die Partet bereits offiziell auf den Standpunkt der Paasche Bafferchristlichen Gewerkschaften." mann. festzulegen. Man veranlaßte die Dove- Mommsen, eine neue Resolution vorzulegen, die scheinbar weniger nationalliberal ist, weil fie die Forderung neuer indirekter Steuern wenigstens nicht bir ett enthält- ebensowenig freilich eine Absage an die reaktionären Steuerprojekte! " Die Ueberschrift und der Schlußsatz des Artikels im Reich" lassen die Drohung erkennen, daß, wenn Behrens aus dem Gewerkverein fliegt, die Christlichsozialen sich von der christlichen Gewerkschaftsbewegung lossagen werden. Noch deutlicher wird in dieser Beziehung die in Duisburg erscheinende christlichsoziale Wochenschrift Die Arbeit". Das Blatt redet von einer ungeheuren Schmähung", die sich Zentrumsblätter gegen Behrens erlaubt hätten, und es weist die Einmischung in die ureigensten Angelegenheiten der christlichen Gewerkschaften" entschieden zurück. Dann heißt es: " Hinter Behrens steht geschlossen wie ein Mann die evangelische Arbeiterschaft, soweit fie in der christlichnationalen Bewegung vertreten ist. Die gesamte evangelische Arbeiterschaft ist beleidigt worden.... Wir verlangen Genugtuung.... Kollege Behrens ist und bleibt unser Führer. Seine lautere und ehrliche Gesinnung ist über jeden Zweifel und Angriff erhaben. Dies mag man sich allerwegen merten!" Nun droht aber doch der trauten Gemeinschaft eine ernste Gefahr. Der Block, der so manche Begriffe gewandelt und Grundsäge umgestürzt, der so manches Verhältnis gelöst und manches neu gegründet hat, er hat seine Wirkung auch auf die christlichen Gewerkschaften ausgeübt. Schon die Wahlen im Januar und Februar 1907 machten sich in dieser Beziehung unliebsam geltend, da sie die katholischen Mitglieder der christlichen Gewerkschaften, die in der Opposition zum Block standen, in Gegensatz zu den evangelischen Gewerkschaftskollegen brachten, die dem Block verpflichtet waren. Dann aber tam das Reichsvereinsgeset mit seinen für die Arbeiterflasse wichtigen Bestimmungen. Hier stand das Zentrum mit der Sozialdemokratie als Antiblock der Gesamtheit der übrigen Ueberlassen wir die weitere Entwickelung der Dinge im Parteien gegenüber, und hier traf auch das politische und das christlichen Bergarbeiterverbande der Zukunft; es wäre bergetverkschaftliche Interesse der katholischen christlich- organisierten fehrt, ohne weiteres von den großen Worten im christlichen Arbeiter zusammen; die christliche, im ultramontanen Sinne Lager auch auf große Dinge zu schließen. Fragen wir vielredigierte Gewerkschaftspresse ebenso wie die Blätter der mehr: Wer hat recht von den beiden, der Gewerkverein katholischen Arbeitervereine lehnten die Vorlage der Regierung christlicher Bergleute, der von Behrens nichts mehr wissen twegen ihrer arbeiterfeindlichen Bestimmungen, namentlich auch will, oder die christlichsoziale Partei, die für ihren Abgeordneten wegen des Sprachenparagraphen entschieden ab, und die das Recht der freien Abstimmung fordert? Arbeiterabgeordneten im Zentrum kämpften tapfer an der Seite der Sozialdemokratie wider die Bemühungen der Block parteien, das Reichsvereinsgesetz zu einer Fessel für die Arbeiterbewegung zu gestalten. " 9 Die von Herrn Gothein gutgeheißene und vom Barteitag an genommene neute Resolution sieht so aus: der Die troß mehrfach wiederholter Finanzreform ungünstige Finanzlage des Reichs hat ihre Ursache vorwiegend in der alles berteuernden Schuzzo II. und Absperrungse Politit. So lange Deutschland an dieser Politit festhält, ist eine dauernde Gesundung unserer Finanzen nicht zu erhoffen. Indessen ist die baldige Dedung der finanziellen Be dürfnisse des Reiches notwendig im Interesse der Aufrecht erhaltung unseres politischen und wirtschaftlichen Ansehens im Inland und Ausland. Bur Deckung des Bedarfs ist in erster Linie(!) die ausreichende Heranziehung der leistungsfähigen Klassen erforderlich. Daher verlangen wir die Schaffung einer Reichs- Eintommen und Vermögenssteuer und eine Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf Deszendenten und Ehegatten. Dazu muß eine Reform der Matrikularbeiträge unter Schaffung eines besseren Verteilungsmodus auf die Einzelstaaten treten. Hand in Hand damit muß eine Umgestaltung der Branntweinsteuer gehen, die dem Reich den vollen Ertrag sichert. Mit der Schaffung ausreichender Mehreinnahmen muß aber auch eine Herabfegung der Ausgaben verbunden sein, nicht nur durch allgemeine Sparsamkeit, sondern auch durch eine Vereinfachung und Verbesserung der gesamten Verwaltung und insbesondere durch eine Herabseßung der finanziellen Lasten der deutschen Wehrmacht, unter boller Aufrecht. erhaltung der Machtstellung des Deutschen Reich 3." Diese Resolution ist nichts, als ein plumper Täuschungsversuch mittelständlerischen und proletarischen Freisinnswähler! Wenn man jetzt dem Abgeordneten Behrens einen Vorwurf daraus macht, daß er die Blodpolitit über die Arbeiterpolitit geste IIt" habe, wenn man also von ihm verlangt, daß er umgekehrt gehandelt, also die Nur ein christlicher Arbeiterführer machte im Reichstage Arbeiterpolitik über die Blockpolitik gestellt hätte, dann werfe eine Ausnahme: Herr Franz Behrens, den sein Gönner, man vor allen Dingen die Lehre von der politischen NeuHerr Lizentiat Mumm, aus der belanglofen Stelle des Vor- tralität" über den Haufen, dann fordere man von den Beamten fizenden eines Gärtnerverbandes in die einflußreiche Stellung und Mitgliedern der christlichen Gewerkschaften, daß, wo sie des Generalsekretärs des Gewerkvereins christlicher Bergleute sich politisch betätigen, fie das nur im Gefolge einer Partei Der Hinweis auf die alles berteuernde Schutzollzu schieben wußte, und der sich dann als zweiter Vorsitzender tun, die wirkliche Arbeiterpolitik treibt, dann bredje man mit und Absperrungspolitit ist geradezu widerliche Heuchelei des Gesamtverbandes christlicher Gewerkschaften und erster dem Grundsaß, daß man ein guter Gewerkschaftsmann und bei einer Partei, die ihr Heil in einem Zusammengehen mit dem Vorsitzender des Deutschen Arbeitertongresses eine führende zugleich Mitglied, Beamter oder Abgeordneter einer auf die agrarischen Junkertum und den industriellen Schutzöllnern des Rolle in der christlichen Arbeiterbewegung sicherte. Junker-, Muder- und Scharfmacherinteressen eingeschworenen Nationalliberalismus erblickt! Daß die alles verteuernde" Brot Herr Behrens gehört nun mit seinen beiden christlich Partei sein könne! wucher und Schutzzolipolitit heute unerschütterlicher dasteht als sozialen Kollegen, den Abgeordneten Stöcker und Burckhardt, Als vor einem halben Dußend Jahren die 3o11tarif zubor, hat das ausgewucherte Volt gerade dem Freifinn zu danken, der Wirtschaftlichen Vereinigung an und ist durch diese der frage verhandelt wurde, da erklärten die christlichen Ge- der bei der Reichstagswahl 1907 der Realtion durch Stich Blockpolitik verpflichtet; er mußte also im Sinne der Block wertschaftsführer, um es nicht mit dem Zentrum zu verwahrhülfe 32 Mandate zuschanzte! Und bei der Landtagswahl mehrheit für das Vereinsgefeß mit dem Sprachen und derben, diese Frage für eine parteipolitische" Frage, die aus geht der Freifinn abermals mit den Schutzöllnern Jugendlichenparagraphen stimmen. Herr Behrens ist nun der gewerkschaftlichen Debatte auszuscheiden habe. Als zusammen! " zugleich auch Führer der christlichen Arbeiterbewegung, er ist Politiker" traten die Herren Giesberts, Bruſt usw. sogar eifrig Widerliche Heuchelei ist es ferner, wenn der Freifinn, der selbst in der Leitung einer christlichen Gewerkschaft, für die wegen für die Getreidezölle ein. Und als auf dem zweiten deutschen die Position der Junker gestärkt hat und noch stärkt, die Umgestaltung ihrer zahlreichen fremdsprachigen Mitglieder der§ 7 des Arbeiterkongreß die Landtagswahlrechtsfrage an der Branntweinsteuer, d. h. die Beseitigung der Branntweinliebes Reichsvereinsgefegentwurfes von besonderer Bedeutung war. geschnitten wurde, da lehnten sich die christlichen Führer gegen gabe fordert. Eine nicht minder starte Zumutung an die Einfalt Als Parteimann mußte Herr Behrens also für, als die Behandlung dieser Frage auf, wiederum mit der Be- der minderbefizenden Wähler ist es, ihnen vorzuspiegeln, daß die Gewerkschaftsbeamter mußte er gegen das gründung, daß fie ins parteipolitische Gebiet falle. Und doch: konservativen und nationalliberalen Blodgenossen des Freisinns in Vereinsgesetz stimmen. Was tun? Herr Behrens glaubte was ist wichtiger für alle wirtschaftlichen und sozialpolitischen eine wirklich, ausreichende" Heranziehung des mobilen und als Diplomat zu handeln, wenn er in der zweiten Lesung Verhältnisse, was ist wichtiger für die Arbeiterinteressen als immobilen Kapitals zu den aufgeführten direkten Reichssteuern für, in der dritten Lesung gegen den Sprachen die Frage des Wahlrechts? Ist es den christlichen Gewert willigen würden! Die Schaffung solcher Steuern ist nur möglich paragraphen stimmte und sich bei der Gesamtent- schaftern als Politikern gestattet, ihre Haltung in der Zoll- durch Bekämpfung und Schwächung der Reaktion und Stärkung der scheidung der Stimme enthielt, womit er denn und in der Wahlrechtsfrage nach Belieben zu wählen, dann Demokratie! Die Freifinnige Vereinigung lehnt aber nicht nur ein beiden Zeilen: der Partei und der Gewerkschaft, Genüge tann Herr Behrens für sich dasselbe in der Vereinsgefeßfrage Busammengehen mit der Sozialdemokratie ab, setzt nicht nur den getan zu haben glaubte. beanspruchen. wirklich Liberalen in den eigenen Reihen den Stuhl vor die Türe, Aber Herr Behrens hat sich geirrt. Der Berg Mit dieser Beweisführung soll nicht Herr Behrens gerecht- fondern unterstüt obendrein die Reaktion in jeder mur möglichen tnappe", das Drgan des christlichen Bergarbeiterverbandes, fertigt, sondern nur die christgewerkschaftliche Lehre der poli- Weife! " Aver selbst, wenn eS gelänge, 80 oder 60 Millionen direkter Reichs- steuern aufzubringen, so betrüge das Defizit noch immer eine halbe Milliarde! Und dies Riesenloch mutz und wird dann mit neuen, die Bedarfsartikel der Masse verteuernden indirekten Steuern gestopft werden I Das wissen die Herren Dove. Mommsen, Potthoff. Gothein— ja Herr Heckscher„begrüßt" das sogar I Und da glaubt man. durch eine so lendenlahme Resolution den Massen Sand in die Augen streuen zu können? 1__ Die naflonalllderalen freisinnigen. Wie die„Vossische Zeitung" jubelnd meldet, ist für die Landtagswahlen in der Provinz Westfalen„nach lang- wierigen und zum Teil außerordentlich schwierigen Ver- Handlungen zwischen der Freisinnigen Volks- Partei und der nationalliberalen Partei ein Kompromiß auf der Grundlage der Wahrung des Besitz st andes abgeschlossen worden. Die Nationalliberalen ziehen dementsprechend ihre Kandidaturen im Wahlkreise Hagen-Schwelm zurück und unterstützen die beiden freisinnigen Kandidaten. Als Gegenleistung ge- währen die Freisinnigen den Nationalliberalen Wahlhülfe in den beiden Kreisen Altena-Jserlohn und Hamm- Soest, �n Halle-Herford-Bielefeld werden zwei Natwnalliberale und ein Freisinniger aufgestellt. -In Minden-Lübbecke werben gleichfalls ein Frei- sinniger und ein Nationalliberaler um die Mandate. Der Kampf der verbündeten Liberalen wird im Osten der Pro- vinz gegen die gemeinsam vorgehenden Konservativen und Christlichsozialen geführt, im Westen haben die Liberalen ihre ganze Stoßkraft gegen Zentrum und Sozialdemokratie Fu richten." Die„Voss. Ztg." ist entzückt. Sie erklärt das frei- sinnig-nationalliberale Bündnis für den größten Teil des Staates für ebenso notwendig als wie für Westfalen. In ihrer Sorge um die Erlangung einiger Mandate, die einzige politische Sorge, die der Freisinn noch kennt, gibt sie auch offen den Grund ihrer Begeisterung an: Durch den Bund mit den Nationalliberalen„werden die freisinnigen Fraktionen eine weit größere Zunahme ihrer Mandatsziffer aufweisen, als wie wir bei einer Annäherung an die Sozial- demokratie zu erwarten hätten". Was sind den Freisinnigen Grundsätze und Prinzipien, was ist ihnen vor allem die Forde- rung des gleichen Wahlrechts! Wenn es ein Mandat zu ergattern gibt, dann verbünden sie sich mit den entschiedenen Wahlrechtsfeinden zum Kampfe gegen die einzige Partei, der es mit der Forderung des gleichen politischen Rechts ernst ist. Ausdrücklich schwört das Blatt der Freisinnigen Volkspartei den Kampf gegen die Reaktion ab. In Berlin, meint es, hat die Parole„Gegen die Reaktion" herzlich wenig Sinn. Natürlich, denn hier gilt es den Kampf gegen die Sozialdemokratie und da braucht der Freisinn die konservative Wahlhülfe, die ihm ja auch seine konservativen Gönner gewähren wollen. Die Freisinnigen wären ja überhaupt heute schon bereit, auch mit den Konservativen zu kompromisseln. Wenn dies nicht ge- schieht, so liegt das viel weniger an dem Freisinn wie an den Konservativen, die ihnen freiwillig kein Mandat schenken wollen. Die Nationalliberalen sind gefälliger. Und so gibt es für den Freisinn kein Halten mehr. Es genügt nicht mehr, sagt das Freisinnsorgan, daß Freisinnige und Nationalliberale einander nicht bekämpfen, sie m ü s s e n s i ch auch eng verbünden, um den gemeinsamen Gegnern wirksame Niederlagen beizubringen. Die„Voss. Ztg." hofft natürlich, daß dieser Bund auch über die Wahlen hinaus dauern werde und sie ist entzückt von der Aussicht, daß es dann gelingen werde, einem„maß- vollenLiberalismus in der Gesetzgebung Geltung zu verschaffen". Man sieht die Prophezeiungen, die die Barth- Gruppe über die Fusion derVolkspartei mit den Nationalliberalen gemacht hat, gehen rasch in Erfüllung. Und in der Tat. die Politik, die der Freisinn feit der Blockära treibt, ist von der der Nationalliberalen in keinem Punkte mehr unterschieden. Bei den Nationalliberalen ist nur bereits getan, was die Freisinnigen jetzt tun.: die völlige Preisgabe aller und jeder liberalen Grundsätze und das völlige Versinken in die Knechtschaft der Regierung und der Junker. Was wir vorausgesagt haben, ist vollständig eingetroffen. Die Freisinnigen haben die Wahlrechtsforderung nicht nur nicht zur Parole des Wahlkampfes gemacht, sondern sie stellen sie sorgsam zurück, um sich mit allen Wahlrechtsfeinden gegen die entrechteten Volksmassenzuverbinden. ES ist charakteristisch, daß die freisinnige Volks- Partei sich gerade in Westfalen mit den Ratio- ualliberalen verbunden hat, gerade dort, wo die Nationalliberalen nichts sind, als die bezahlten Handlanger des Zentralverbandes der Industriellen, die Lakaien der schlimmsten Scharfmacher, der erbittert st en und mäch- tigsten Gegner jedes sozialpolitischen Fort- s ch r i t t e 3. Von der Freisinnigen Vereinigung und den Organisationen der liberalen Arbeiter ist bei dem Koin- promiß keine Rede. Die werden natürlich gar nicht gefragt. Man darf neugierig sein, ob diese liberalen Arbeiter sich diese Auslieferung an ihre schlimmsten Feinde werden gefallen lassen. Denn daS Kompromiß bedeutet nicht nur die Preisgabe der Wahlrechtsforderung, fondern offenbart auch die innere Feindschaft der Freisinnigen Volkspartei gegen jede Sozialreform. Die Verbündeten der Scharfmacher- agenten können auch von bisher liberalen Arbeitern nicht anders wie als Todfeinde behandelt werden. Das muß auch die Freisinnige Volkspartei w iss e n. Und wenn sie dieses Bündnis trotzdem abschließt, weiß sie, daß sie damit auf die letzten Reste der Arbeiter ein für allemal ve r z i ch t e t hat. Aber die Partei wird sich damit trösten, daß sich ihr dafür die Aussicht auf neue Geldgeber eröffnet. Hinter dem Kompromiß mit den Nationalliberalen West- falens stehen im Hintergrunde die goldgefüllten KasfenderschwerenJndustrie. Herr TfenMel. Der Verlauf des Münchener Hardenprozesses hat nicht nur die Art, wie in Preußen aus Gründen der Staatsraison politische Prozesse eingeleitet und nach einem bestimmten Schema der Beweisaufnahme durchgeführt werden, vor dem Auslande bloßgestellt, sondern er hat auch um das' Denker- Haupt des Hauptakteurs im letzten Berliner Moltke-Harden- Prozeß, um die Stirn des selbstgefälligen Herrn Ober- staatsanwaltS Jsenbiel eine strahlende Gloriole gewoben. Sein furistischer Scharfblick, sein durch keine Effekthascherei, durch keine feuillctonistische Rhetorik becin- trächtigtes Eindringen in die Psychologie der Kläger und An- geklagten hat sich wieder, wie schon so oft, im glänzendsten Lichte bewiesen. - Kaum erkannte man im Justizministerium, daß der erste Prozeß Moltke-Harden einen Ausgang genommen hatte, der gewissen hochstehenden Kreisen unangenehm in die hoheits- vollen Nasen drang. als auch schon Herr Jsenbiel im „öffentlichen Interesse" als rhetorischer Kämpe in die Arena trat und bewies, daß die Methode, nach der das Berliner Schöffengericht die erste Anklage geführt hatte, durch- aus nicht den Anforderungen einer die preußische Staats- raison wahrenden würdigen Prozeßleitung entspräche. Mit strammer Hand wurde die Beweisaufnahme unter dem Bei- fall der wohlgesinntrn Presse, die im ersten Prozeß die alt- gewohnte Disziplin so schmerzlich vermißt hatte, genau und wohlenvogen abgegrenzt; keinerlei Abtanz des Verteidigers von der vorgezeichueten geraden Linie gestattet und schließlich mit jener mathematischen Exaktheit und Gründlichkeit, die schon seit der Zeit des alten Fritzen eine der glänzendsten Vorzüge preußischer Strafrechtspflege ist, die reine Wahrheit ermittelt, nämlich: daß weder Graf Mottle, noch der fein- fühlige Aesthetiker Fürst Phili zu Eulenburg und Herlefeld jemals irgend welche homosexuellen oder perversen Neigungen bekundet hätten. Es war am 31. Dezember, als sich, ausgeriistet mit einem sorgfältig zusammengestellten forensischen Zitatenschatz, Herr Jsenbiel prätentiös zu seinem Plädoyer erhob und bewies, daß der erste Kanzler des Deutschen Reiches, der„große Altreichskanzler", wie ihn Herr Jsenbiel mit ehrfurchtsvollem Augenaufschlag nannte, trotz seiner hohen Be- fähigung das Heysesche Fremdwörterbuch nicht gekannt habe, da er das Wort„Kinäden" mit„Intriganten" verwechselt habe. Und zugleich leistete sich Herr Jsenbiel in der Rolle des feinen Psychologen folgenden schön ausgearbeiten. stil- vollen Panegyrikus auf den Fürsten Phili, den einstigen Freund Sr. Majestät: „Der Staatsanwalt soll sich über nichts freuen und nichts ärgern, er soll nur seine harte Pflicht tun. Aber als Mensch freue ich mich aufrichtig und herzlich, datz eS gelungen ist, den Verdacht. der so lange Jahrzehnte auf dem Fürsten Eulenburg schwer lastete, im wesentlichen meines Erachtens vollständig zu be» s e i t i g e n. Der arme, kranke, vielgequälte Mann, der sich hier- her geschleppt hat. um Zeugnis abzulegen für seinen Freund und für sich, der Mann gehört zu den glücklichen und beglückten Personen, die man lieben muß, ohne datz es einen erotischen Beigeschmack hat." Doch Herr Jsenbiel fand sich nicht nur dem Fürsten Phili so kongenial, daß er ihn lieben mußte, er fand in seiner staatsanwaltlichen Bescheidenheit auch alle Zweifel an der hehren Aesthetik dcS Eulenburgers zerstreut.„Genügt's?" fragte er spöttisch den Verteidiger Haidens und erwiderte dann selbstgefällig darauf: »Dem Herrn Justizrat Bernstein genügte eS nicht; er fragte noch, ob damit nur Verfehlungen gegen§ 178 abgeleugnet werden sollten, oder ob diese Erklärung sich auf andere Handlungen homosexueller Natur beziehe, die nicht unter den Z 175 fallen. Der sagte darauf einfach und schlicht:»Sind da§ keine Schmutzereien? Ich glaube, das mutzte genügen für jeden ehr- lichen und anständigen Menschen." Und weiter: „Wir haben zwei Beamte des Fürsten Eulcnburg gehört, die lange in seinen Diensten standen, lange mit ihm unter einem Dach schliefen. Beide Zeugen haben gesagt: Niemals und nun und nimmer ist etwas irgendwie AnstötzigeS in dem Verhalten des Fürsten vorgekommen; im Gegenteil, wir verehren unseren lang- jährigen Brotherrn. Kann man mehr verlangen? Ich hoffe, datz Justizrat Bernstein Abbitte leisten wird. Ich kann ihn nicht zwingen; tut er eS aber, dann darf er stolzeren Sinnes diesen Saal verlassen, als damals, nach dem so schlechten Erfolg in der Schöffengerichts- Verhandlung. Und am 3. Januar erklärte der scharfsichtige OberstaatS- anwalt Jsenbiel: »Seit dem Prozetz Brand, in dem Fürst zu Eulenburg unter seinem Eid erklärt hat. nie etwas mit einer derartigen Schmutzcrei z« tun gehabt zu haben, ist der Fürst nun in die Lage versetzt, zu sagen:»Jetzt habe ich geschworen, nie eine derartige Schmutzerei getan zu haben; jetzt komme, wer da wolle, und be- Haupte, ich habe eS doch getan. Ich stelle ihm ftei, wegen Mein- eidS gegen mich vorzugehen. Jeder Mann im ganzen Deutschen Reiche und im Auslände kann sich als Zeuge melden oder eine Anzeige gegen mich erstatten. Ich sehe absolut ruhig der weiteren Entwickelung entgegen." Frenettsch klatschte die hochanständige Presse Beifall. Dieser Oberstaatsanwalt und diese Prozeßführung, sie waren gleichermaßen Bekräftigungen des gehaltvollen Bülowschen Ausspruchs:„Preußen in Deutschland voran." Solche gründliche Wahrheitsermittelung und solche Staats- anwälte kennt man in München nicht. Allzu begreiflich, daß jetzt, nachdem die Verhandlungen eines simplen Münchener Schöffengerichts die schönen mühevollen Ergebnisse der Berliner Strafkammer über den Haufen geworfen und ihre Wahrheitsermittelung so glänzend gerechtfertigt haben, dieselbe hochanständige Presse ganz verdutzt dreinschaut und sich grimmig über die Praxis der Be- weiszulassung bei den Münchener Schöffengerichten beschwert. Die Berliner Strafkammermethode liefert zwar falsche Er- gebnisse, die Müuchener richttge; aber auf die Richtigkeit der Ergebnisse tommts nicht an. sondern darauf, daß sie sich im Rahmen der Staatsräson halten. Vielleicht schickt man zum Wohl der bayerischen Straf- rechtspflege Herrn Jsenbiel einige Jahre nach München, damit diese Bierphilister endlich den Wert der begrenzten Beweis- aufnähme nach Berliner Muster schätzen lerne»!. Hus dem Maklkampf. Nationalliberale Arbeiterkandidature«. Die Dortmunder Nationalliberalen haben das Ersuchen der evangelischen Arbeitervereine. im Landtagswahlkreise Dorimund-Land einen evangelischen Arbeiierkandidaten auf- zustellen, abgelehnt, angeblich weil sich in den Kreisrn der evan- gelischen Arbeitervereine keine Person gefunden habe, die sich zum Abgeordneten eigne. Darauf haben sich die evangelischen Lrbeiier- vereine von Dortmund- Hörde erboten, geeignete Personen als Kandidaten für die LandtagSwahl nachzuweisen. Jetzt kommt die nationalliberale»Dortmunder Zeitung" mit einer Er- widerung, die sich wie eine Verulkung der evangelischen Arbeiter- vereinler ausnimmt. ES heißt da: „Die evangelischen Arbeitervereine verfolgten bisher keine politischen Tendenzen, sie erörterten nicht einmal politische Fragen, was daraus hervorgeht, datz ihre Versammlungen weder an- gemeldet noch polizeilich überwacht werden. Die Vereine sind daher auch nicht in der Lage, offiziell mit einer bestimmten Partei paktieren, geschweige denn von ihr die Ausstellung ibncn angenehmer Kandidaten erwirken zu können. Die nationalliberale Partei ist keine konfessionelle, sondern eine politische, tolerante Partei. Erfüllt nun die Partei daS Ver- langen bestimmter konfessioneller Vereine, einen Kandidaten ihrer Konfession aufzustellen, so verlätzt die Partei damit ihren liberalen Standpunkt und verletzt da» Gefühl Andersgläubiger der Partei. Die Partei setzt sich auch nicht mir aus Arbeilerii, sondern auch aus Beamten, Handiverkern, Gewerbetreibenden, Industriellen zu- sammeii. Die Parteileitung kann sich deshalb auch nicht binden. Vertreter eines bestimmten Standes als Kau- didaten zu proklamieren." Dabei mutz man wissen, datz die evangelischen Arbeitervereiirc nur die Erfüllung eines Versprechens verlangen, daS ihnen bei der letzten Reichötagswahl vom den Nationalliberalen gemacht worden ist. Damals trugen die Nationalliberalett leine Bedenken, mit den Arbeitervereinen zu„paktieren", d. h. einen politischen Handel ab- zuschlietzen, derart, datz die evangelischen Arbeitervereine bei der ReichStagswahl ihre Wahlhülfe gewährten, wofür die National- liberalen ihnen in Dortmund ein Landtagsmandat zusagten. Jetzt, wo die Arbeitervereine auf die Erfüllung deS Versprechens dringen, müssen sie sich sagen lassen, datz sie keine politischen Vereine wtd daher nicht in der Lage sind, mit einer bestimmten Partei zu paktieren I Und merkwürdig: als es bei der ReichStagswahl darauf ankam. die Stimmen der evangelischen Arbeiter zu kapern, da sagten die Nationalliberalen die Arbeiierkandidaten für die Landtagswahl zu; jetzt aber, wo es heitzt Wort halten, besinnen sich die National- liberalen auf ihre Pflicht„Andersgläubigen" gegenüber, die es ihnen verbietet, Vertreter eines bestimmten Standes als Kandidaten zu proklamieren! Kann man sich— denn an den Ernst dieser Versicherungen glaubt doch kein Mensch— eine ärgere Verhöhnung der evangelischer. Arbcitervrreinler denken?_ Der Wahlaufruf des Zentrums. Der eben erschienene Wahlaufruf des Zentrums ist sehr lang und sehr schwammig geraten. Statt kurz und bündig die programmatischen Forderungen zu formulieren, redet er weitschweifig und möglichst unbestimmt um die Dinge herum, Das hat seinen guten Grund. Eine Partei, die mit den Konservativen tcchtelmechteln will, kann unmöglich für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht Fan- farcn blasen! Ueber die Wahlrechtsfrage heißt es in dem Aufruf: »Eine Reform des Wahlrechts, wie wir sie immer unter scharfer Kritik des Dreiklasiemvahliystems geforden haben. ist nicht vorgenommen Ivorden. Die königliche Regierung hat in- zwischen anerkannt, datz„das geltende Wahlsystem Mängel aufweise" und hat»eine gründliche Reform" desselben in Aussicht gestellt,»sei es im Rahmen des bestehenden Wahlrechts, sei es unter grundsätzlicher Aenderung" desselben. Wir glauben erwarten zu dürfen, datz der neugewählte Landtag alsbald mit einer ent- spreckienden Vorlage befatzt werden wird. Die bevorstehenden Wahlen sind schon deshalb von einer ganz besonderen Wichtigkeit. Denn mit der so noliocndigcn gründlichen Aenderur.n des Wahlrechts entscheiden sie auch auf Jahre hinaus über die Gestalluiia der inneren Politik PreutzenS. Wir sind bereit, an der schweren Aufgabe einer Wahlreform mit voller Hingabe für die Interessen unseres Volkes und Staates und unter voller Wahrung der verfasiungSmätzigen Reckte der preuhiichen Staatsbürger mitzuarbeiten. In welcher Richtung sich für diese Reform unsere Wünscke und Forderungen bewegen. ergibt unsere Stellungnahm« Vonalters her. wir haben dieselbe auch in neuester Zeit im Par- lament wiederholt auögesproche n." Welch lahmes, breiiges Gerede! Aber freilich: die führende Zentrumspresse hat eS ja offen ausgesprochen, daß dem Zentrum die Schulvcrpfasfuug in erster Linie steht, und daß es um diesen Preis die ärgsten konservativen Wahlrechtssciude unterstützen will l Der Wahl- aufruf führt denn auch aus, daß die bisherige Schul- verpfaffung dem Zentrum noch lange nicht genügt. denn wenn sie auch die konfessionelle Schule gesetzlich als die Regel hinstelle, so lasse sie doch leider für ewige Landesteile noch Ausnahmen zu. Auch sei zwar„die konfessionelle Beschulung, aber noch nicht in vollem Maße die Erziehung der Kinder w ihrem Glaubensbekenntnisse gesichert". „Dies legt uns vor allem die schwere Pflicht auf. in Gemeinde und Staat im Anschlutz an die geschichtliche EntWickelung weiter dahin zu wirken, daß die innige Verbindung zwischen Kirche und Schule und dir berechtigte Ei» Wirkung der Kirche auf die christliche Erziehung der Jugend aufrecht erhalten wird." Also n i ch t für eine Wahlreform, sondern für ein? «och ärgere Unterjochung der Schule durch die Kirche kämpft das Zentrum bei der Wahl! Denn da durch die Ucbertragung des wirklich all- gemeinen und gleichen Wahlrechts auf Preußen die Anhänger der Schulverpiaffung geschwächt würden— unter Zugrundelegung der 19u3 abgegebenen Urwählerstimmen würden bei einem solchen Wahlrecht Konservative und Zentrum zusammen nur 161 statt 300 Abgeordnete cr- halten, während Sozialdemokraten, Freisinnige und Nationalliberale zusammen 170 statt 112 Man- dato erhalten würden 1— kann das Zentrum unmöglich ehrlich für ein demokratisches Wahlrecht eintreten! Daß es ihm in der Tat auch gar nicht einfällt, für die Uebertragung des Reichstagswahlrechts ernstlich die Hand zu rühren, beweist ja schon der charakterlos schleimige Stil seines Wahlaufrufs!—_ Was bei der Einsicht der Wählerlisten zu beachte» ist. Es ist vorauszusehen, daß die Wählerlisten diesmal b c- sonders mangelhaft sein werden. Einmal, weil sie ohnehin bei der plötzliche,: Ansehung des Wahltermins mit großer Hast aufgestellt werden mußten, zweitens, weil das Auslegen der Listen gerade in eine Zeit fällt, wo die Veranlagung der Steuerzahler zu einem großen Teil noch nicht vollendet ist. So habeck in Berlin und um Berlin verschiedene Steuerzahler zwar die Veranlagung zur Staatssteucr, noch nicht aber die zur Gemeindesteuer erhalten. Diese Leute sind nun, wenn sie die Veranlagung zur Gemeindesteuer nicht noch bis zum Tage des Auslegens der Urwählerliste erhalten, gar nicht in der Lage, zu Prüfen, ob in der Liste der richtige Steuersatz für sie eingetragen ist. Die Gemeinden sind vielfach in Ver- legenheit. Die Steuersätze, die sie in den Etat eingestellt haben, müssen die Genehmigung der Aufsichtsbehörde erhalten. Da die Etats der Gemeinden aber selten vor dem 1. April ferttggestellt sind, so steht für viele Gemeinden diese Ge- nehmigung noch auS. Sie dürfen die nicht acnehmiaten " Steuerfäße nicht in die Wählerlisten eintragen, fie dürfen| solche, sondern nur die Mitglieder sich politisch betätigen der amtlichen Ankündigung die dringend nötige Beamtenbesoldungsaber auch nicht etwa die Steuersätze des abgelaufenen Steuer- sollen. Und hierbei käme nur der soziale Liberalis reform im Reichstage und in Preußen wiederum verschoben ist und jahres dafür einsehen. Beides verbietet der flare Wortlaut m us" in Betracht. Mag auch," so schließt der Artikel, die für die Reichsbeamten sogar von dem Zustandekommen der Finanzdes Gesetzes. Anhängerschaft dieses Gedankens nach nicht nach Millionen reform abhängig gemacht werden soll. Die Versammlung bittet die In dieser Verlegenheit soll nun nach einer Meldung der zählen, die Wahrheit muß sich früher oder später nach der Regierung und die Volksvertretung dringend eine gleichzeitige Frankfurter Zeitung" der Minister den Gemeindebehörden einen oder anderen Richtung dorthin Bahn brechen." Regelung der Finanzreform fallen zu lassen und Maßnahmen zu mit einer Verfügung beigesprungen sein, welche besagt, es stehe Das war Anfang April 1907. Inzwischen hat sich in der treffen, daß die Besoldungsaufbefferung in Breußen für die Beamten in ihrem Belieben, bei der Aufstellung der Wählerlisten für Tat die Wahrheit Bahn gebrochen, zwar nicht nach der einen", und Lehrer zum Herbst dieses Jahres bestimmt eintritt. die Landtagswahl die Steuersäge für das verflossene wohl aber nach der anderen" Richtung hin. Von den bier oder für das laufende Jahr einzustellen! Männern, in die Pörsch sein Vertrauen sette, ist der eine Bestrafter Soldatenschinder. Ist diese Verfügung ergangen, so werden sich die Wähler schon fortgefallen: Herr Naumann, der in Sachen des Vor dem Oberkriegsgericht in Posen hatte sich in der ver gegen solche gefezwidrige Praxis energisch zur Behr preußischen Wahlrechts erst seine Fanfare und dann seine gangenen Woche der Sergeant Adolf Hähnisch vom dortigen fegen müssen. Denn es ist nicht gleichgültig, ob die Steuern traurige Schamade blies, der beim Vereinsgesetz das schwere Regiment 47 wegen Mißhandlung eines Untergebenen zu verant des Vorjahres oder des laufenden Jahres für die Zu- Attentat gegen das Koalitionsrecht mitmachte, kann wohl worten, Der Sergeant hatte den Refruten Dettermann, um ihm teilung des Wählers zu den einzelnen Abteilungen bestimmend von niemand mehr als ein Hort für die Hoffnungen der das Leben zu verekeln, den ganzen Sonntag mit Arbeiten beschäftigt. Als Dettermann nicht au sind. Es ist allgemein bekannt, daß infolge der Aenderung Arbeiter angefehen werden. Er hat bewiesen, daß das ge- beitete", schlug er ihn mit einer eisernen Tornister. feiner vollen Zufriedenheit ardes Einkommensteuergesetzes, wonach die Unternehmer zur An- wisse Mißtrauen" gegen ihn nur zu berechtigt war. Und die nadel zehnmal über das gespannte Gefäß. Darauf ließ gabe des Einkommens der Arbeiter verpflichtet sind, sehr viele anderen, Herr Barth an der Spize, haben gerade in diesem er ihn auf seine Stube fommen, wo ihm der Rohling anbefahl, Arbeiter für das laufende Jahr mit höheren Steuer Augenblick schwer und erfolglos um ein bißchen Duldung 50 Kniebeugungen zn machen, wobei er jedesmal einen gefüllten sägen veranlagt worden sind. Es besteht daher die innerhalb der Partei des sozialen" Liberalismus gerungen. Kobleneimer mit der Hand strecken mußte. Bei der 40. KnieAussicht, daß viele Arbeiter in die zweite Wähler- Durch das Hinausdrängeln der Barth und Genossen hat die beuge brach Dettermann zusammen und fiel in Ohnabteilung gelangen, wenn die Veranlagung pro Freifinnige Vereinigung ausdrücklich befundet, daß sie auch macht. Das Kriegsgericht hatte Hähnisch seinerzeit zuvier 1908/09 maßgebend ist, daß sie dagegen in der dritten weiterhin der Reaktion bei der Bekämpfung der Arbeiter hülf- Herrn wurde er jegt vom Bosener Oberkriegsgericht zu zwei Monaten Wochen Mittelarrest verurteilt. Auf die Berufung des GerichtsAbteilung verbleiben, wenn die Steuern wenn die Steuern eingesetzt reiche Hand leisten will. werden, die sie im Jahre 1907/08 bezahlt haben. Die ReGefängnis verurteilt. gierung hat ein Interesse daran, das Aufsteigen der Arbeiter in die zweite Wählerabteilung zu verhindern die Arbeiterschaft dagegen muß darüber wachen, daß das größere Recht, das ihr das Anziehen der Steuerschraube gibt, ihr auch wirklich zugute kommt. Und dabei steht ihr der Wortlaut des Gesetzes zur Seite, denn im§ 1 des Gesetzes betr. Aenderung des Wahlverfahrens vom 29. Juli 1893 heißt es: " Für die Wahlen zum Hause der Abgeordneten werden die Urwähler nach Maßgabe der von ihnen zu entrichtenden direkten Staats- usw. Steuern in drei Abteilungen geteilt usw." Also„ nach Maßgabe der... zu entrichtenden Steuern...!" Nicht nach Maßgabe der entrichteten Steuern. An diesem flaren Wortlaut des Gefeßes läßt sich nicht drehen noch deuteln. Aus all dem ergibt sich für die Wähler, daß fie diesmal ganz besondere Veranlassung haben, die Wählerlisten sehr genau zu kontrollieren! Die sozialdemokratischen Wähler haben diesmal nicht bloß nachzusehen, ob Name, Stand und Wohnung richtig eingetragen sind. Das fonnte im Jahre 1903 noch im allgemeinen genügen, wo die Arbeiter nur vereinzelt in die zweite Wählerabteilung zu gelangen Chancen hatten. Jetzt genügt dies numerische Verfahren nicht mehr. Jest muß und zwar gleich bei der Einsicht in die Urwählerliste- geprüft werden, ob die Steuersäge, zu denen der Wähler veranlagt ist, richtig eingesezt sind, und vor allen Dingen muß überall, wo der niedrigere Satz des Vorjahres eingestellt worden ist, sofort Protest erhoben und die Einsetzung des höheren Sages des laufenden Jahres gefordert werden. Bleibt das erfolglos, so ist der Protest bei der Prüfung der später zur Auslage gelangenden Abteilungslisten zu wiederholen, und erfolgt auch da nicht Nemedur, so sind die Fälle sorgsam zu notieren, damit sie später zum Wahl protest an den Landtag verwendet werden können. Das Dreiflaffenwahlrecht ist so grundschlecht, daß die ArLeiterschaft nicht gestatten darf, daß es durch ungesegliche Ministerialerlaffe noch mehr für sie verschlechtert werde. Deshalb: genaueste Prüfung der Urwählerliste nicht bloß auf die Personalien, sondern auch auf die Steuersäge! Die furze, dreitägige Frist muß bis zum äußersten Genugt werden! Politifche Ueberlicht. Berlin, den 23. April 1908. Zur Eulenburg- Affäre. Db es heute noch jemand im Ernste wagen wird, den Arbeitern den Beitritt gerade zu dieser Partei zu empfehlen? Wir hoffen, der Traum wird ausgeträumt sein. Die freifinnige Sezession. Die aus dem Wahlverein der Liberalen ausgetretenen mit glieder, die zum größten Teile dem„ fozialliberalen Verein Berlin" angehören, haben, so meldet das Berl. Tagebl.", für Ende dieser Woche eine Generalversammlung nach Berlin einberufen, die zu der neuen Lage Stellung nehmen soll. " Auch ein Arbeitervertreter! Die Nord- und Ostseeverträge. Heute vormittag ist in Berlin der Nordseebertrag von den Vertretern der an ihm beteiligten Mächte Deutschland, England, Frankreich, Holland, Dänemark und Schweden unterzeichnet worden. Gleichzeitig ist in Petersburg der Ostsee vertrag von den Vertretern Rußlands, Deutschlands, Schwedens und Dänemarks abgeschlossen worden. Ueber die Bedeutung der Verträge wird man erst urteilen fönnen, bis der Wortlaut bekannt sein wird. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung der Verträge wird aber von den Mächten Auf dem Parteitag der Freisinnigen Vererst später vereinbart werden. Beide Verträge gehören zu den einigung hielt nach dem Hinauswurf der Barth. fogenannten Garantieverträgen, in denen sich die beteiligten Mächte zur gegenseitigen Wahrung ihres Befihstandes verpflichten. Gruppe der Arbeiterfekretär Fischer Reutlingen folgende Politisch wichtig wird die Art sein, in der der Ostseevertrag die Rede: Alandsfrage regelt. Rußland hat im Vertrage von Der Liberalismus hat lange Jahre in der Arbeiterfrage verfagt. Man hat dem Arbeiter zwar Sympathien entgegengebracht, 1855 die Verpflichtung auf sich nehmen müssen, diese Inseln hat schöne Reden gehalten und schöne Beschlüsse gefaßt, aber für niemals zu befestigen und diese Bestimmung ist von vitalem das eigentliche Problem, den Kern der ganzen Sache, hat man Interesse für Schweden, dessen Hauptstadt durch eine solche wenig Verständnis gezeigt. Wir geben gern zu, daß jest Befestigung unmittelbar bedroht würde. Die Times" bcein Umschwung eingetreten ist, aber es gibt noch viel haupten, daß der Ostseevertrag diese Frage dadurch erledige, zu tun. Mit gefühlsmäßiger Buneigung ist nichts getan, auch daß Rußlands Souveränität anerkannt werde, nachdem Rußdamit nicht, daß man sich theoretisch zu den Arbeiterforderungen land vor mehreren Monaten sich freiwillig" bereit erklärt bekennt. Wir verlangen vom Liberalismus eine flare Stellungnahme. Wir kommen nicht als Bettelnde und Bittende, wir fommen hat, die Alandsinseln auch in Zukunft nicht zu befestigen. als aufrechtstehende, standesbewußte, zielflare Arbeiter zu ihnen, und wenn sie uns als solche nicht haben wollen, dann können wir ihnen nicht helfen. Die Zeiten sind vorüber, in denen für die natio nalen Arbeiter Bescheidenheit das Stigma war. Wir stehen heute auf dem Standpunkt, daß wir als nationale Arbeiter nnsere Rechte und Unsere Genossen von der Loireföderation haben sich den Scherz Forderungen ebenso entschieden und energisch vertreten müssen gemacht, unter ihrem Aufruf zu den Gemeinderatswahlen, in dem wie die Sozialdemokraten, so unbequem das manchem auch sein sie natürlich die Vergesellschaftung der Produktion als ihr In der Großeisenindustrie existiert so gut wie kein Endziel proflamieren, auch den Namen ihres einstigen GeRoalitionsrecht. Man sollte den bestrafen, der den Arbeiter hindert, nossen und jezigen Justizministers Justizministers Briand Briand zu setzen. feiner Berufsorganisation anzugehören. Dem Liberalismus Der Nationalist Gautier, ein allzu hiziger Verteidiger des Privat fehlt es heute vor allem bielfach an dem nötigen sozialen mag. frankreich. Briand gegen seine Vergangenheit. Berständnis. Wenn man uns ein freies Arbeiterrecht nicht eigentums, bedrohte sofort Herrn Briand mit der Interpellation, gibt, dann werden die Arbeiter nicht zum Liberalismus fommen. ob, er wirklich die Absicht habe, die kapitalistische in eine Vor allem erwarten wir, daß die§§ 7 und 10a follettivistische Gesellschaft zu verwandeln. Aber der brave Des neuen Bereinsgefezes nicht gegen die Briand ist gegen die Gesellschaft, beren Justiz er verArbeiter gehandhabt werden. Geschieht das doch, waltet, nicht so undankbar. Ohne erst die Interpellation abdamn wird sich in den Reihen der Arbeiter Mißtrauen breit zuwarten, hat er erklärt, daß feine Unterschrift ohne seine 8u machen. stimmung unter den sozialistischen Aufrufe gekommen sei. Und so haben unsere Genossen Herrn Briand gezwungen, sich selbst öffentlich als einen Renegaten zu bezeichnen. Zum Schluffe frage ich: Wo ist der liberale Reichstags- und Landtagsabgeordnete aus dem Arbeiterstande? Auch diese Wünsche der Arbeiter sollte man erfüllen." Indien. Die Unruhen. mit der Bewegung, die von den mohammedanischen Brieſtern ge Das Bedenkliche aber ist, daß der Emir von Afghanistan schirt wird, zu ſympathifieren scheint. Wuch die offiziöfen Reutermeldungen laffen das allmählich deutlicher erkennen. So gibt eine Depesche aus Simla zu, daß mehrere Truppe von Afghanen in der Stärke von einigen tausend Mann den Kabulfluß überschritten und sich mit den Mohmands vereinigt haben. Die Mobilmachung von Truppen ist von den Engländern angeordnet worden. Ein anderes Telegramm aus Raltutta meldet: Tausend Mohmands haben die britischen Truppen ange fürchtet, da der fanatische Geist der Mohmands und Afghanen fic griffen. Es werden ernstliche Berwidelungen be auf die benachbarten Stämme überträgt. Wahrhaftig, es gibt noch naive Menschen! In einem Augenblick, wo der Parteitag mit ungeheurer Majorität ein Zadelsvotum gegen die Frattion wegen ihrer Zustimmung zu dem§ 7 abgelehnt hat, trotzdem dem Tadelsvotum die Der Grenzkrieg gegen die Mohmands dürfte den Engländern bentbar mildeste Form gegeben worden war, to also manche Schwierigkeiten bereiten. Die Mohmands zählen über zehnDas„ Berl. Tagebl." bringt folgende Mitteilung des Justizrats die Mehrheit des Parteitages eine Gefeßesbestimmung, die tausend Mann und bedrohen die indische Grenze bei Schabkodar. Bernstein, des Verteidiger Hardens, über die gegen ihn erhobene selbst der der Partei treugebliebene Abg. Goth ein als einen Beleidigungsflage des Fürsten Eulenburg: „ Die Deffentlichkeit vergist sehr rasch. So erinnert man sich erftof gegen die freifinnigen Grundprinzipien", als ein " unzweifelhaftes Ausnahmegesetz" bezeichnen mußte. gut zum Beispiel jetzt nicht mehr der allerdings nach dem letzten geheißen hatte, brachte es dieser Arbeitervertreter fertig, bon Prozeß fast unglaublich flingenden Tatsache, daß Fürft Eulenburg in ber Selbstanzeige, die er feinerzeit an bie Staatsanwalt einem Umschwung" zum Besseren innerhalb des Freisinns zu schaft Prenzlau erstattet hat, auch die Behauptung der sprechen! perversen Anlage, ganz abgesehen von ihrer Be Und nachdem die Scharfmacher mit Hülfe des Freisinns tätigung, als beleidigeno energischznrüdgewiefen glücklich diese Ausnahmebestimmungen zur Bekämpfung der hat. Charakteristisch dürfte jetzt auch erscheinen, daß bereits Arbeiterorganisationen durchgesetzt haben, erwartet" dieser während des zweiten Hardenprozeffes von einer dem Fürsten schnurrige Arbeitervertreter, daß dies Ausnahmegesetz wenigstens Eulenburg„ nahestehenden Seite veröffentlicht worden ist, daß nicht angewendet werde! Fürst Eulenburg gegen Harden und mich Strafantrag gestellt und Charakteristisch für diesen Arbeitervertreter ist auch seine die Staatsanwaltschaft dem Strafantrag bereits stattgegeben und ein Ermittelungsverfahren gegen mich eingeleitet habe. Die Schlußfrage: Wo denn der liberale Reichstags- und Landtags. Angeklageschrift, die ich jetzt erhalten habe, ist vom 7. April datiert. abgeordnete aus dem Arbeiterstande set. Als ob es sich bei Ju der Anklageschrift ist wiederum Fürst Eulenburg als Belastungs- der Frage der Vertretung der Arbeiterklasse um einen prozeuge angeführt. Das bedeutet, daß Fürst Eulenburg bereit ist Letarischen Ronzeffionsschulzen handle und nicht politischen Führern im Stongreß mitgeteilt, er werde fein Wett - oder wenigstens in seinem Strafantrag sich bevielmehr darum, daß die besiglose Klasse durch ein demo- gegen die Marineborlage einlegen, welche den Bau von reit erklärt hat die unwahrheit meiner Behauptung, fratisches Wahlrecht eine ihrer Stärke entsprechende Vertretung daß er homosexuell sei, auch in einer gegen mich erhält! als Beschuldigten geführten Hauptverhandlung wieder zu beschwören. Ob das Landgericht Berlin das Haupt So lange die bürgerlichen Parteien ihre proletarischen verfahren gegen mich eröffnet oder die Eröffnung des Haupt- Mitläufer dadurch um ihre Rechte prellen können, daß fie den berfahrens ablehnen wird, weiß ich nicht; ob aber, wenn eine einen oder anderen ihrer Führer durch Ueberlassung eines Hauptverhandlung gegen mich stattfindet, der Fürst die Wahrheit Parteipöstchens oder eines Mandats födern, haben sie von des in feiner Strafanzeige Behaupteten auch jetzt noch eidlich ihnen feine Unbequemlichkeit zu befürchten! wiederholen wird, weiß ich auch nicht. Es wird sich ja zeigen und zwar bald, da die öffentliche Meinung mit Recht nunmehr die vollständige Klarstellung der Angelegenheit verlangt." Ein ausgeträumter Traum. Untertanenholz. Amerika. Roosevelts Flottenenthusiasmus. Washington, 22. April. Präsident Roosevelt hat der awei neuen Linienfchiffen vorfieht; er dringt in seine Freunde beim Kongreß, für vier Linienschiffe einzutreten. Das Bauprogramm müsse fortgesetzt werden. Aus der Partei. Erfreulicher Stimmenzuwachs der amerikanischen Sozialdemokratie, New York, 10. April.( Eig. Ber.) In Milwaukee( Staat Wisconsin), in Chicago( Illinois) und anderen Städten des Ueber eine neue Methode der Sozialistenbekämpfung weiß die Westens fanden im Laufe dieser Woche Kommunalwahlen statt, an Voff. 8tg."( Nr. 188) zu berichten. Sie meldet aus Braunschweig: denen sich die sozialistische Partei aktiv beteiligte. Am meisten geJm braunschweigischen Harze erhalten die Einwohner seit spannt war man in Parteitreisen auf den Ausgang der Wahl in langen Jahren auf Ansuchen Holz aus den staatlichen Forsten zu Milwaukee, dem München Amerikas in bezug auf die Bierermäßigten Breisen, zur sogen. Gnadentage. Auf erzeugung. In den letzten Jahren hatten wir dort unsere Stimmen Anordnung des Ministeriums wird die Vergünstigung dieses zahl stets vermehrt, hatten im Stadtrat 12 Bertreter fizen und billigen Holzes, Untertaneuhofg" genannt, von jest ab folchen außerdem verschiedene Aemter mit unseren Leuten besetzt. Personen nicht mehr gewährt, die erweislich als sozial- Wahl in diefer Woche handelte es sich unter anderem um die BeSemokratische Agitatoren auftreten." Wenig über ein Jahr ist es her, da debattierten die Mitglieder der Hirsch Dunderschen Gewerkvereine über die Notwendigkeit ihrer politischen Betätigung, ein Thema, das auch jetzt wieder angesichts der nahenden Landtagswahl von aktueller Bedeutung sein dürfte. Damals schrieb Bruno Pörsch in der ,, Westdeutschen ArbeiterNun hat man doch endlich eine überzeugende Widerlegung der fegung des Mayor-( Bürgermeister-) Boftens. Bürgermeisterkandidat der zeitung" einen eingehenden Artikel über die Frage. Er kam zu dem sozialistischen Lehre gefunden! Wenn man den hier wirksamen Ge- fozialistischen Partei war Emil Seidel. Die Aussichten auf einen Ergebnis, daß für die politische Betätigung der Gewerkvereinler banten, die Sozialdemokratie von allen Untertanenbevorzungen" Sieg Seidels waren ziemlich günstige. Selbst die gegnerische Bresse nur jene Parteirichtung in Frage fomme, die sich um Naumann, auszuschließen, z. B. auch von dem Recht, den bunten Rod rechnete mit der Möglichkeit eines fozialdemokratischen Sieges. Barth, Gothein und Potthoff gruppiert. Diese zu tragen, Steuern zu zahlen usto., konsequent durch Dadurch wurde zwar der Agitationseifer unserer Leute angespornt, Leute", so meinte Pörsch damals, haben durch ihr bisheriges führt, dann ist die böse Gesellschaft sicher bald ausgerottet. auf der anderen Seite aber auch ein Zusammenschluß der Gegner politisches Wirken bewiesen, daß sie weitgehendes sozialgefördert. Der La Follette- Flügel( so genannt nach dem Senator politisches Verständnis besitzen. Und wenn man hier und da La Follette) der Republikaner schlug sich auf die Seite der DemoBeamtengehälter. in Gewerkvereinsfreisen auch noch gegen diese Leute Die Beamten protestieren gegen die ihnen vielmals verheißene, traten, deren Kandidat denn auch, aber nur vermöge dieses Ueber ein gewisses Mißtrauen hat und nicht recht glaubt, aber immer wieder vertagte Reform der Beamtengehälter. In Köln schwenkens eines Teiles der Republikaner, mit 28 100 Stimmen daß sie sich wirklich der Arbeiterinteressen annehmen werden, so hielten gestern an 8000 Beamten, Beamtinnen und Lehrer eine erwählt ward. Genosse Seibel erhielt 20 800 Stimmen liegt es nur an den Gewerkvereinlern, sich innerhalb dieser große Versammlung ab, in der die Reichs- und Landtags- und der Republikaner 18 100. Im Vergleich zu der Bürgermeisters Parteigruppe den nötigen Einfluß zu verschaffen. Mögen abgeordneten Kirsch, Fervers und Hanneder- Berlin sprachen. wahl im Jahre 1906 haben die Republikaner 3000 Stimmen sie sich hier nur politisch organisieren und der ent- Die Versammelten faßten eine Entschließung, in der das leb- eingebüßt, die demokratische Stimmenzahl hat keine nennenssprechende Einfluß wird ihnen dann schon zu teil werden." hafte Bedauern darüber ausgesprochen wurde, daß im Wider werte Wenderung erfahren, die Sozialisten dagegen haben Weiter legt Börsch dar, daß nicht die Gewertvereine als spruch mit der letzten Thronrebe im preußischen Landtage und mit 4084 Stimmen augenommen. Wenn nun auch der Bürgermeister hosten tn Bier-Mhen diesmal noch nicht erobert werden konnte, so haben wir aber doch die Zahl unserer Vertreter im Stadtrat von Milwaukee von 12 auf 15(von insgesamt 53) erhöht und außerdem eine Reihe County-iBezirks-)Beamte erwählt. In Chicago hat die Wahl der Partei keine direkten Erfolge gebracht, aber auch hier haben wir unsere Stimmenzahl von 13 429 im Jahre 1997 auf 16 705 bei der diesjährigen Wahl gesteigert. Erfreuliche Fortschritte sind auch in einer Reihe kleinerer Städte zu verzeichnen. Im übrigen waren die Erfolge der Prohibitionisten, die ein Verbot oder die Einschränkung des Ausschankes geistiger Getränke fordern, das beachtenswerteste Merkmal der Wahle» in verschiedenen Staaten. Partciliteratur. Das von unS schon angekündigte und kurz belprochene Hand- buch für sozialdemokratische Landtags Wähler, Der preußische Landtag, im Auftrage des Parteivorstandes herausgegeben von Paul Hirsch, fortgeführt bis April 1903, ist jetzt im Verlage der Buchhandlung Vorwärts heraus- gekommen. Das einleitende Kapitel schildert die Stellung Preußens im Reich. eS erbringt den Beweis für die Rückständigkeit dieses größten deutschen Bundesstaates auf allen Gebieten und für die Notwendig- keit der Schaffung einer wirklichen Volksvertretung als der ersten Voraussetzung dei? Demokratisierung der deutschen Bundesstaaten. Besonders beackitenswert ist der geschichtliche Ueberblick über das Dreiklassenwahliystein. der im zweiten Kapitel gegeben wird, ferner die Kapitel, die sich mit den Verhältnissen der Landarbeiter, der Staats- beamten, der Eisenbahner, der Bergarbeiter befassen, die Schilderung der Zuständ» auf dem Gebiete des Volksschulwesens und das Kapitel Polcnpolitik. In mehr als 30 verschiedenen Abschnitten wird uns ein Ueberblick über die inneren Zustäilde iin größten deutschen Bundesstaate gegeben. Unsere preußischen Genossen haben auf diese Weise wertvolles Agitationsmaterial erhalten, aber auch den nicht- preußischen Genossen dürfte das Material bei der hervorragenden Stellung Preußens und bei dem Einfluß, den die preußische Politik aus die Reichspolitik ausübt, willkommen sein. Der Preis für das 596 Seiten umfassende Buch ist broschiert 6 M., gebunden 6 M. Das neue BereinZgefetz mt Textanmerkung von Wolfgang Heine wird in wenigen Tagen im Verlage der Buchhandlung Vorwärts erscheinen._ ReichStagskaudidatur für den Wahlkreis Frankfurt a. O.- Lelms. In der ain 20. April im Gewerkschaftshause zu Frankfurt a. O. tagenden Generalversammlung des sozialdemokratischen WahlvcreinS für den Kreis Frankfurt a. O.- LebuS wurde dem Genossen Ennl F a b e r- Frankfurt a. O. e i n st i m m i g die Reichstags- kandidatur für den Wahlkreis übertragen. Der gerichtete Verleumder der Brcster Sozialdemokraten, lieber die.Verleumdungen, die der klerikale Schriftsteller Conduries in einer Broschüre gegen die sozialistische» Gemeiuderäte von Brest geschlendert hat, habe» wir seinerzeit ausführlich berichtet und ihre Haltlosigkeit aufgedeckt. Jetzt ist auch durch gerichtliches Urteil der Verleumder gekennzeichnet worden. Die Genossen G o n d e und M a t i n, Gemeinderäte von Brest. hatten den Herrn verklagt. Die Verhandlung des Prozesses fand dieser Tage statt. Der Versuch des Wahrheitsbeweises scheiterte vollständig und Herr Conduries wurde wegen schwerer Beleidigung zu 400 Frank Geldstrafe verurteilt. Ob die„Post" und die übrigen deutschen OrdnungSblätter, die die Broschüre Conduries' gegen die Sozialdemokratie auszuschlachten bemüht waren, ihren Lesern jetzt die Verurteilung des Verleumders melden werden? pottzeüiches. Gerichtliches ufw. Vom Zeugniszwang zum Gewissenszwang. AuS Halle a. S. berichtet man uns unterm 23. April: Heute beschäftigte sich das Amtsgericht wieder mit dem für unsere Justizverhältnisse charakte- ristischen Prozeß, den der Rechtsanwalt Suchsland gegen die Ge- Nossen Ernst Dä u m i g und Adolf Thiele vom„V o l kS b la tt" zu Halle und Artur Moltenbuhr von der„Freien Presse" in Elberfeld anhängig gemacht hat. Bekanntlich hatte Suchsland gegen Thiele einen Beleidigungsprozetz eingeleitet, bei dem er im Zeugniszwangsverfahren aller- Hand mögliche und unmögliche Nüttel anwandte, um Thiele als den Verfasser der inkriminierten Artikel zu ermitteln. Suchsland fiel init dem Beleidigungsprozeß hinein und mußte 160 M. Koste» bezahlen. Um nun diese Kosten wieder einzutreiben, klagte er im Zivilwege gegen die drei Redakteure auf Grund des ß 823 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Er behauptet, die drei Be- klagten hätten ihm in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise vorsätzlich Schaden zugefügt, und er verlangt, daß alle drei beschwören, ob Thiele jene von Suchsland als beleidigend empfundenen Artikel verfaßt habe. In dem Beleidigungsprozeß sind D ä u m i g und Molken- b u h r bisher nn vereidigt vernommen worden. Der ivilrichter verkündete aber heute, D ä u m i g und Molken- u h r sollen beschwören, daß sie bei ibrer Vernehmung in dem Beleidigungsprozeß gegen Zchiele nicht gewußt haben, ob Thiele jene Artikel verfaßt oder andere zur Abfassung angestiftet habe. Leisten fie den Eid, dann soll Suchsland mit seiner Forderung gegen fie abgewiesen werden. Mit seiner Forderung gegen Thiele wurde Suchsland heute schon unter Auferlegung der Kosten abgewiesen. Wohin hätte es auch führen sollen, wenn Thiele als früherer Beklagter ge- zwungen worden wäre, jetzt in dem Zivilprozeß zu beschwören, ob er jene Artikel verfaßt hat oder nicht? Uebrigens ist es unwahr, daß unsere Genossen Suchsland den Äostenschaden zugefügt haben! Suchsland hat sich selbst geschädigt, da er anstatt gegen den wirklichen Verantlo ortlichen. Genossen Molken- b u h r, gegen Thiele klagte. Der Prozeß wird bis in die höchste Instanz geführt werden müssen, denn die Rechtsbeistände unserer Genossen sind der Ueberzeugung, daß das ganze Verfahren Suchslands durchaus unzulässig ist; es verlangt den Gewissenszwang und verstößt gegen alle guten Sitten. Gcwcrfcrcbaftlicbc**. Kirchenfürst und Koalitionsrecht. Der Bischof von Regensburg ließ dieser Tage durch ein Zentrumsblatt verkünden, daß die Arbeiter seiner Brauerei wegen der Lebensmittelteuerung eine Lohnausbesserung er- halten haben. Die Lebensmittelteuerung datiert aber nicht erst von gestern, und die Arbeiter haben schon öfters, aber umsonst auf die Teuerung hingewiesen, ohne daß ihre Wünsche erfüllt worden wären. Die Erklärung für diese plötzliche bifchösliche Gnade gegenüber den eigenen Arbeitern dürfte darin zu suchen sein, daß der Beamteter Brauerorganisation vor einigen Tagen dem Bischof schrieb, wie er sich im Gegensatz zu seinem Vorgänger auf dem Bischofs- stuhl zum Koalitionsrecht der Arbeiter am bischöflichen Hofe stelle. Der Bischof erinnerte sich daraufhin an die skandalösen Zustände in seiner Brauerei, wie sie unter seinem Vorgänger in einem Prozeß aufgedeckt wurden. Er verfügte sofort eine Lohnerhöhung für die Ar- bester und ließ dem Beamten der Arbeiterorganisation durch einen Rechtsanlvalt folgenden Brief schreiben:_ Berantw. Redakt.: Georg Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw, „Im Auftrage Sr. Exzellenz deS hochwürdigsten Herrn Bischofs Antonius v. Henle beehre ich mich, Ihnen mitzuteilen. daß für Se. Exzellenz kein Anlaß besteht, zu Ihrer Aufrage Stellung zu nehmen." Das heißt also, daß der Vizenachfolger Christi das gesetz- liche Koalitionsrecht seiner Arbeiter nicht anerkennt und Herr im eigenen Hause bleiben will, ein Standpunkt, den jeder kapitalistische Ausbeuter einnimmt, ohne von sich zu behaupten, er sei von Gottes Gnaden. Serlin und Qmgegend« Die Bautyrannen. Der Verband der Baugeschäfte von Berlin und den Vor- orten erläßt unterm Datum des gestrigen Tages folgenden Ukas: „Das Kartell der Arbeitgeberverbände in den Bau- gewerben Groß-Berlins hat Stellung zu der Maifeier der Arbeitnehmer genommen und beschlossen, Arbeitnehmer, welche am 1. Mai feiern, zu entlassen und sie vor Donnerstag, den 7. Mai, nicht wieder einzustellen! Um diese, der Abwehr einer rein sozialdemokratischen Forderung dienende Maßnahme nicht illusorisch zu machen, dürfen in der Zeit vom 1. bis 6. Mai Neueinstellungen überhaupt nicht vorgenomnien werden. Die Arbeitnehmer sollen auf die Folgen, welche die Arbeitseinstellung am 1. Mai haben würde, aufmerksam gemacht werden. Die Feier des 1. Mai würde gerade in diesem Jahre, wo Tausende von Arbeitnehmern arbeitslos sind und Not- standsarbeiten ausgeführt werden, einen besonders provozierenden Charakter annehmen." Die Tatsache, daß dieser Utas gerade an dem Tage heraus- kommt, an dem in Berlin die Einigungsverhandlungen be- gannen, spricht Bände!_ Z» den Friedensverhandlungen im deutschen Baugewerbe. In der gestern im Bürgersaal des Rathauses begonnenen Kon- ferenz stießen die Meinungen manchmal hart aufeinander, und keine Partei vermochte die andere zu veranlassen, nur etwas ent- gegenzukonunen. Es wurde daher von der Schlichtungskommission, die bekanntlich die Leitung der Verhandlung inne hat, darauf hin- gewiesen, daß es besser sei, erst in Einzelberatungen der Städte und Bezirke einzutreten, und zwar zuerst über Groß- Berlin, wo die Gegensätze sich noch am schärfsten gegenüber stehen. Dieser Vorschlag wurde nach langer Diskussion einmütig angenommen, worauf nach 9 Uhr abends die Beratungen auf heute früh 8 Uhr vertagt wurden. Heute steht also als erster Ver- Handlungspunkt das maßgebendste Lohngebiet, Groß-Berlin, auf der Tagesordnung. Achtung, Fliesenleger. Diejenigen Mitglieder der freien Vereinigung, welche die Beschlüsse bezüglich des Uebertritts in die Sektton der Fliesen- leger des Zentralverbandes der Maurer anerkennen, ersuchen wir, dieses an folgende Kollegen mitzuteilen und die Bücher abzugeben: Schöneberg und Berlin West: H. Waldheim, Meininger Straße 8. Wilmersdorf und Friedenau: E.Lehmann. Wilhelms- höher Straße 26. Norden: Fr. Jähnke, Graunstr. 29, 2 Tr. Osten; E. Kamjunke, Eckertstr. 12. Moabit: P. S ch w a b e, Helmholtzstr. 33. Fr. Huppke, Am Friedrichshain 26. Verbandsbureau der Maurer, Engelufer 15, Gewerkschafts- Haus, Zimmer 53. Der Sektionsvorstand. I. A.: H. Waldhetm. Arbeitslosigkeit und Feiertagsarbeit. Während die Arbeiterschaft allgemein über den Notstand klagt, der durch die Arbeitslosigkeit verursucht wird, scheint die Krise die Besitzenden nicht zu einer Einschränkung ihrer Lebensbedürfnisse zu zwingen. Auf den in der Umgebung Berlins so zahlreichen Jacht- und Bootswerften wird mit einem Eifer gearbeitet, als gäbe eS keine schlechte Zeit. Das schlimmste aber ist, daß die Herren Werftbesttze: nicht so viel soziales Empfinden haben, an der vermehrten Arbeit des Frühjahres eine vermehrte Zahl von Arbeitern profitieren zu lassen. Man zwingt ein- fach den vorhandenen Stamm von Leuten zur Ueberstunden- und Feiertagsarbeit. So wurde auf der Bootswerft von Deutsch in Stralau, die überwiegend Ruderboote und Segeljollen herstellt, sogar am Karfreitag gearbeitet. Herr Deutsch ist der Vorsitzende des Unternehmerverbandes der Berliner Schiff- und Bootbauer. Es ist ihm gelungen, die Organisation in seinein Betnebe so gut wie zu zerstören. Wie er die Situation ausnutzt, zeigt sein jetziges Bor- gehen. Ob aber selbst die unorganisierten Äootbauer sich auf die Dauer solche Zustände gefallen lassen?. Vom Verband der Gastwirtsgehülfen erhalten wir in bezug auf die Differenzen des Verbandes mit Herrn Voigt, den Inhaber der„Krampenburg", eine Zuschrift, der wir folgendes entnehmen: In der Somitags-Ausgabe des„Vorwärts" stellt Herr Voigt, der Inhaber der„Krampenburg", die Behauptung auf, er erkenne den kostenlosen Arbeitsnachweis des Verbandes der Gastwirtsgehülfen an. Daß dem nicht so ist. erhellt daraus, daß sein Schützling R a p p o l t vor Eintritt in Voigts Etablissement in einer Sitzung des Vorstandes folgende Erklärung abgab:„Hiermit trete ich aus dem Verbände aus und gehe doch nach der Krampenburg." Dann warf er dem Vorfitzenden sein Mitgliedsbuch hin. Diese Tatsache ist Herrn B. bekannt! Weiter ist Herrn V. bekannt, daß beim Verbandsvorstand Beschwerde geführt wurde, daß der Kellner R. im Vorjahre seine Stellung im besagten Hause dazu benutzte. um die Arbeitsverhältnisse dortfelbst zuungunsten seiner Mitarbeiter zu beeinflussen. Im übrigen machte im Monat Februar Herr Voigt dem zweiten Vorsitzenden die Mitteilung, daß er für die kommende Saison den Kellner R. nicht mehr ein st eklen werde.' Daß unter solchen Umständen der Vorstand in die Plazierung des R. als ersten Kellner nicht einwilligen konnte, lag im Jntereffe der Organifatton und auch derjenigen, die im Laufe des Sommers der„Krampenburg" ihre Kräfte als Arbeiter zur Verfügung stellen sollten. Ob der„Vorwärts" nunmehr von feinem Jrrwm,„das Engage- ment des R. erfolgte durchaus in den Formen, die der Gastwirts- gehülfenverband bisher gut geheißen hat", befreit sein wird, soll uns sein ferneres Verhalten in diesem und ähnlichen Fällen lehren. Mit seinem bishengen Verhalten zu den staglichen Differenzen wird sich die Ouartalsgeneralversammlung des Verbandes der Gastwirtsgehülfen am nächsten Freitag beschäftigen. Oeutkcbes Reich. 100000 Kämpfer. Die Gewerkschaften von Hamburg und Umgegend haben im verfloffenen Jahre einen erheblichen Mitgliederzuwachs � über 12 000— zu verzeichnen, so daß am Schluffe des Jahres 99 513 zentralorganisierte Arbeiter dem Kartell angeschloffen waren, welche Zahl inzwischen auf weit über 100000 gestiegen ist. Dem von Partei und Gewerkschaften subventionierten FortbildungS- Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Vcrlaasanftals berein, dem der über 700 Mitglieder zählende Jugendvand angegliedert ist, wurden 9000 M. überwiesen. Den BildungS- und Unterhalt» ngsbe st rebungen wurde in jeder Hinsicht Vorschub geleistet; es fanden Volkskonzerte und literarische Unter- Haltungsabende statt, an denen außer namhaften Kräften vom Deutschen Schauspielhause Rudolf Schildkraut- und Dr. Milan-Beclin und andere hervorragende Künstler milwirkten. Für die ausgesperrten Tabakarbeiter wurden 20 600 M. aufgebracht. Obwohl sich die wirtschaftliche Depression auch in Hamburg stark bemerkbar machte, war die Zahl der Lohnbewegungen und der neu vereinbarten Tarifverträge eine ebenso zahlreiche wie in der Hochkonjunktur der vorhergehenden Jahre. Dagegen ist die Zahl der Streiks geringer gewesen als in den vorhergehenden Jahren, aber um mit so größerer Zähigkeit auf beiden Seiten geführt worden. Das Gewerkschaftshaus, dessen Grundsteuerreinertrag von der Sleuerdeputation auf 2109 370 M. taxiert ist. hat sich nach fünfvierteljährigem Bestehen als viel zu klein erwiesen. Um allen Ansprüchen genügen zu können, sollen Erweiterungsbauten mit einem Kostenauslvande von 400 000 M. aufgeführt werden. Lohnbewegung der Maler in Dresden. Auch in Dresden ist es infolge des provokatorischen Vorgehens der süddeutschen Malermeister noch nicht zum Abschluß der Lohn- bewegung gekommen. Es war zwar eine Einigung über den abzu- schließenden Tarif für das Malergewerbe der Kreishauptmannschaft Dresden herbeigeführt worden, den endgültigen Abschluß ver- weigerten aber die Unternehmer mit Hinweis auf die Aussperrung in Süddeutschland. Die Dresdener Malergehülfen beschäfttgten sich nun in einer Versammlung kurz vor den Feiertagen mit der neuen Situation. Die Verwaltung enipfahl, eine abwartende Stellung einzunehmen, während einige Debatteredner der Meinung waren, daß man jetzt, nachdem man den Unternehmern soweit entgegengekommen sei. keine Veranlassung habe, noch länger auf den endgültigen Abschluß des Tarifs zu warten. Nach längerer Debatte fand der Vorschlag der Verwaltung, eine abwartende Stellung einzunehmen, Annahme. Es wurde folgende Resolution angenommen: „Die Maler. Lackierer und Anstreicher erflären sich mit der Stellungnahnie ihrer Verbandsvertreter anläßlich der Verhandlungen in Süddeutschland einverstanden. Sie bettachten das Verlangen der Unternehmer, wonach unserem 40 000 Mitglieder umfassenden Verbände Organisationen als gleichberechtigt zur Seite gestellt werden sollen, die keine oder nur ganz wenige Mitglieder haben, als völlig unmotiviert. Ferner erblicken die Versammelten in dem Vorgehen der süddeutschen Unternehmer das Bestteben, die zukünftigen ArbeitsverhälMiffe der Kollegenschast nicht nach fach- lichen Erwägungen zwischen zwei gleichberechtigten Verttags- kontrahenten festzusetzen, sondern der Gehülfenschast in einseittger Weise aufzuzwingen. Die Versammlung drückt ihre Verwunderung darüber aus. daß der in Dresden bereits beiderseittg anerkannte Tarif wegen des unverständlichen Vorgehens der süddeutschen Arbeitgeber zunächst nicht in Kraft tteten soll und ermächtigt die Verbands- leitung, alle Maßnahmen zu erwägen, die die Durchführung des Tarifs in Kürze garantteren." Der„feine Ton" der Bäckermelfier. In dem in Dresden erscheinenden Bäckermeisterorgane wird an« läßlich der Lohnbewegung der Bäckergesellen folgende Sttlübung exekutiert: „Unterschreibe keiner die ihm etwa zugehenden Gesellen» forderungen! Wer dies dennoch tut, ist e i n S ch u f t u n d e i n Narr; ein Schuft, weil er seinenKollegeninden Rücken fällt, ein Narr, weil er etwas unterschreibt, was er beim besten Willen nicht hallen kann, und ein doppelter Narr, wenn er glaubt, diese Menschen durch Nachgiebigkeit befriedigen zu können. Gibt man ihnen daS Hemd, so verlangen fie die Haut, um daraus Riemen zu schneiden." Die Herren Meister havm damit unbewußt eine Kritik der „gelben Arbeitswilligen' gegeben, wie fie treffender«ficht sein kann. UebrigenS werden eine ganz« Reihe von Bäckermeistern, soweit fie der.Freie» Bereinigung der Bäckermeister" angehören, den Tarif unterschreiben und dann vielleicht ihren JnnungSkollegen den„Schuft" und„Narr" gerichtlich anstreichen. Letzte JVachncbtcn und Depefeben- Ein Herzog» der feine eigene Entmündigung beantragt Schwerin, 23. April.(W. T. B.) Die amtliche Beilage drZ heute erschienenen Regierungsblattes macht folgendes bekannt: Seine königliche Hoheit der Großherzog haben die Entmündi« gung des Herzogs Heinrich Borwin zu Mecklenburg auf höchst dessen Antrag nach Maßgabe des§ 6 Absatz 1 Ziffer 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs und des 8 17 der Verordnung vom 24. August 1904 mit Wirkung vom 14. d. M. durch das Ministerium des großherzogliche» Hauses anordnen lassen. Die zitierte Ziffer des Bürgerlichen Gefetzbuchs sieht dis Möglichkeit der Entmündigung wegen Verschwendung bor. Da der verschwenderische Herr Borwin selber seine Entmündigung beantragt hat, so will er sich höchstwahrscheinlich mit seinen Glau, b i g e r n ein Späßchen machen..,, Ein Riesenauftrag. London, 23. April.(IM T. B.) DaS„Jron. and Steel- Drades-Journal' meldet, daß Rußland bei der Clyde-Werst fünf Schlachtschiffe von größeren Dimensionen als die „Dreadnought" in Auftrag gegeben habe! Für die Hungernden ist kein Geld da, für Schiff« aber hat die bankrotte russische Regierung ein paar hundert Millionen„übrig". Vom marokkanischen Kriegsschauplatz. Paris, 23. April.(W. T. B.) Wie der General Vignh tele« graphiert, ist er mit seinen gesamten Truppen heute nach der Gegend westlich von Ain-Chair aufgebrochen und bis in die Nähe von el Ambadj gelangt. Bei den Erknndigungszügen in der Gegend von Ain-Chair stießen die französischen Truppen auf feindliche Ab- tcilungen. welche Feuer gaben. Sechs Berber wurden getötet._ Streik. Trieft, 23. April.(93. H.) Die Arbeiter der Werft Monfalcon sind wegen Einführung einer neuen Arbeitseinteilung in Streik ge- treten. Die Direktion erklärte, alle Arbeiter zu entlassen, die nicht sofort die Arbeit wiederaufnehmen. Ueberschwemmungen in Rußland. Petersburg, 23. April.(W. T. B.) Aus verschiedenen Städten sind Nachrichten über Ueberschwemmungen eingetroffen. In Kaluga ist der Okafluß stgrk über die Ufer getreten. Stellenweise stehen die an den Flußutern gegelenen Häuser bis zur zweiten Etage unter Waffer; ein Teil der Gouvernementsstadt Mohileff ist über- schwemmt. In Tula sind sechs Straßen überschwemmt, ebenso ein Teil des Bahngleises. Der Verkehr auf der Lisranwiasmabahn ist unterbrochen. Die Stadt Michailowka steht zur Hälfte unter Waffer. Die Getreidespeicher sind überschwemmt, der Fluß ist in einer Länge von 15 Werft aus seinen Ufern getreten, über 500 Bauernhäuser stehen unter Waffer. Ein Teil des Viehs ist umgekommen. In Moskau sind die niedriger gelegenen Stadtteile überschwemmt. Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u.llntrrhaltungM Dr. 96. 25. Jahrgang. 1. Ctilagt des Jotmtte" Kcrlim NslksdlR Irtitnj, 24. Jjril 1908. Stadtvtrordneten.Verfammlung. 17. Sitzung vom Donnerstag, den 23. April, nachmittags 3 Uhr. Der Vorfitzende M i ch e l e t eröffnet die Verhandlungen nach B'/« Uhr. Der Besuch der Versammlung ist nur sehr mäßig. Der Vorlage wegen Unterbringung von Fürsorge erziehungszöglingen in Mielczyn hat der niedergesetzte Ausschuß zugestimmt. Gleichzeitig wird von ihm folgende Resolution zur Annahme empfohlen: »Die Versammlung ersucht den Magistrat, dafür Sorge zu tragen, daß der zuständige Arzt der Anstalt Lichtenberg die Zog llnge vor ihrer Ueberweisung nach Mielczyn psychiatrisch unter- sucht und von Zeit zu Zeit durch Nachprüfung an Ort und Stelle den Zustand überwacht. In dringenden Fällen soll em benach barter Psychiater zu Rate gezogen werden." Stadtv. Manaffe(Soz.): Prinzipiell halten wir an der Am schauung fest, daß die Stadt in eigenen Anstalten für diese Er- ziehung zu sorgen habe. Mit schwerem Herzen stimmen wir der Vorlage zu, müssen aber dringendst wünschen, daß die Resolution angenommen und ihr entsprochen werde. Es handelt sich hier vielfach um geistig nicht ganz normale Elemente� Was das Züchtigungsrechl betrifft, so ist zu bedenken, daß es einer Mutter oder einem Vater selbst am meisten weh tat, wenn er sein Kind züchtigen muß: etwas anderes aber ist es, wenn ein dazu Angestellter von dem Züchtigungsrecht Gebrauch macht. Wir bitten. auf alle Fälle gemeinsam mit dem ErziehungSinspeltor auch einen Arzt zur Kontrolle zu enlsenden. Nach einer kurzen Bemerkung des Stadtv. Dr. Langerhans sA. L.) wird die Vorlage nach dem Ausschußantrage genehmigt; die Resolution gelangt ebenfalls zur Annahme. Aus der Ausschußberatung des Antrages Barth sA. L.), betteffend die Ueberwachung der Zahnpflege der Schulkinder in Berlin, ist an Stelle des abgelehnten Antrages folgendes herausgekommen: »Die Versammlung empfiehlt den Antrag Barth dem Magistrat zur Berücksichtigung. Sie ersucht den Magistrat, ver- suchsweise im Anschluß an ein Zlrankenhaus für einen Schulkreis eine Zahnklinik zu errichten. Die Ver'«mmlung ersucht den Magistrat, zu erwägen, ob zwecks Behandlung zahnkranker Schulkinder besondere Ein richtungen notwendig find, und eventuell Mittel hierfür in den Etat einzustellen." Der Gegenstand ist schon Anfang März auf der Tagesordnung erschienen, aber mehrfach zurückgestellt und vertagt worden. Aus schußreferent ist der Antragsteller, der ansfübrt, daß die Auf fassung, die Stadt Berlin habe auf diesem Gebiete eine Verpflichtung zu erfüllen, sich immer mehr Bahn gebrochen habe. Stadtv. Ulrich: Meine Freunde werden dem Antrage nur insoweit zustimmen, als er in der ursprünglichen Fassung von der Ueberwachung der Zähne spricht, aber ihn ablehnen, soweit' er sich darüber hinaus auf die Behandlung der Zähne erstrecken will, ivie man es seitens der Ausschußmehrheit beliebt hat. Deren Vor- schlüge bedeuten einen verhängnisvollen Schritt und legen Bresche in die bisher konsequent festgehaltene Auffassung, daß die Stadt mit der»Behandlung" als solcher nichts zu tun hat. Unsere Schulärzte, insbesondere Prof. Harnnann, balten die Zahnpflege bei weitem nicht für so wichtig wie die Pflege der Augen, Obren, Atimings organe usw., die doch auch nicht von Stadt ivegen behandelt werden. Hier ist den Anfängen entgegenzutreten. Wir empfehlen daher, sich auf die Ueberwachung zu beschränken und auch im Unterricht das Verständnis für die Bedeutung einer richtigen Zahnpflege durch entsprechende Hinweise zu wecken; wir stimmen lediglich für den ersten Satz des ersle» Absatzes des AnSschußantrages. Den Eltern der 300 000 Gemeindeschulkinder darf die Sorge für die Zahnpflege ihrer Kinder und das Bewußtsein, daß sie dafür aufzukommen haben, nicht abgenommen werden. Stadtv. Friedberg(Fr. Fr.): Als die Versammlung da? Institut der Schulärzte guthieß, war die Ueberzeugung allgemein, daß es sich lediglich um Ueberwachung handeln solle. Auch heute hält noch der größere Teil meiner Freunde an dieser Auffassung fest und lehnt jedes Eingehen auf die Idee der Behandlung ab. Wir würden sonst einen ersten Schritt tun, dessen Konsequenzen gar nicht abzusehen sind. Von dem Stadtv. Dr. Ritter(Fr. Fr.) ist inzwischen ein An- trag eingelaufen, wonach unentgeltliche Behandlung nur dann ein- treten soll, wenn die Notwendigkeit der Behandlung und die Be- dürftigkeit der Eltern zweifelsfrei nachgewiesen ist. kleines feuilleton. Ein Hostienuiifall. Die guten Protestanten, Inden und Heiden. die nach Rom pilgern, haben ineistens ein ebenso heißes Verlangen, den Papst zu sehen, wie die gläubigen Katholiken. Sie frönen damit dem alten Aberglauben, daß der Papst Rom bedeute, und folgen im übrigen ihrem primitiven Neugierde- und Renommierdrang. Denn eS ist doch. gar zu schön, nachher den anderen, die keinen Papst zu sehen bekamen, davon zu erzählen. Ter Weg zum Papst ist nicht schwer zu finden. Der Vatikan kommt dein wenig heiligen Verlangen bereitwilligst entgegen und läßt die Schafe ungesondert zu, da ihm alle gut genug sind, St. Peters Glanz aufrecht zu erhalten und gratis Huldigungen zu empfangen. Außerdem springen manche Trinkgelder dabei ab. Die gutgekleideten Bürger wenden sich an den Botschafter, be- kommen eine Empfehlung und werden dann, nachdem sie im Vatikan antichambriert haben, zu irgend einem der häufigen Enipfänge, Messen usw. zugelassen. Dabei ist schon inancher Biedermann in Verlegenheit geraten, wenn er statt zu gaffen notgedrungen irgend etwas Päpstliches küssen oder den Kniesall mitmachen mußie. Gar arg aber ist sein Wissens- drang einem Wiener Privatdozenten bekommen, der zufällig Jude ist. Er war, wie alle honetten Leute, vom Botschafter empfohlen. Aber zu gut. Und so wurde er in die Sixlinische Kapelle zur Oster- messe eingeladen. Da wollte er ganz vorne dran sein, wie sich das für einen Vertreter der Exportakademie und Erzieher von Handlungs- reisenden ja wohl ziemen mag. Und so wurde das Unglück fertig. Herr Feilbogen geriet mit Gattin und Schwägerin in die Kommunionbank und mußte nun, wie die Gläubigen, die Hostie nehmen, da er nicht den Mut hatte, sich als Nichtkatholiker zu deklarieren.(Er war nur auf einen Handkuß gefaßt gewesen, gesteht Herr Feilbogen.) Be- greiflicherweise wußte aber die Schwägerin mit Hostien nicht um- zugehen. Sie verlor sie. Die Frommen aber nahmen erheblichen Anstoß, da fie meinten, man habe die Hostie(offenbar als Rarität) mitnehmen wollen oder sie gar ausgespuckt, und schrien Sakrileg. Die in ihrer Andacht gestörten Weibsen waren nicht schleckt erbost. Kurzum, der Salat war fertig. Der Botschafter sprach dem Vatikan seine teilnahmsvolle Entrüstung aus und wiederholte diese Entrüstung im Namen des auswärtigen Ministers Seiner apostolischen Majestät. Herr Feilbogen aber war den ganzen Tag sehr aufgeregt und trug sich— nach Wiener Blättern — mit dem Gedanken, sich— taufen zu lassen. Er scheint aber doch nicht dazu gekommen zu sein. Schade! Man hätte das alte Wort:»Wer vom Papste ißt, stirbt daran" so hübsch umdeuten können. Der Militarismus als Kulturbringer. Welcher Art die viel- gepriesene Erziehung ist. die den Söhnen des Volkes in der Kaserne au teil wird, davon gibt eine für den Mannschaftsunterricht auf l Stadtv. Dr. Wehl(Soz.): Die Ausführungen der beiden Vor I redner haben Material gegen die Ausschußanträge nicht enthalten, >die Herren haben andererseits die ausführliche Darlegung der Gegengründe im Ausschuffe nicht gewürdigt. Im Ausschuß haben sich 10 von 13 Herren für jene Vorschläge zusammengefunden. Eigentümlich muß es berühren, daß der Kollege Ulrich die Schulärzte plötzlich als Autorität hinstellt und zwar nur. weil in diesem Einzelfalle ihre Anschauung derjenigen der Ausschußmehrheit zuwiderläuft. Einig war der ganze Ausschuß darüber, daß aus dem Gebiete der Zahm und Mundpflege in unseren Schulen grauenhafte Zustände herrschen Streit war nur über die Frage, wie dem am besten abzuhelfen sei Der Ausweg, die betreffenden auf die Armenpflege zu verweisen, würde höckistenS dazu führen, die betreffenden Eltern zu degradieren und zu demoralisieren. Glauben Sie, daß sonst zahlungsfähige Eltern in den unentgeltlichen Genuß dieser Einrichtungen kommen könnten, so müßte Ihnen doch das Amendement Richter genügen. Im Ausschuß ist mit Erfolg nachgewiesen worden, daß die Auffassung nicht zutrifft, daß die Behandlung kranker Zähne dasselbe bedeutet, wie die Behandlung irgend eines anderen Körperteils. Sie wollen nur Ueberwachung, keine Behandlung. Vielfach gehen Ueberwachung. Raterteilung und Behandlung ineinander über. Handelt es sich um die Zähne, dann müssen wir doch der Autorität unseres Kollegen Ritter folgen, der ausgeführt hat. das ganze schulärztliche System nütze nichts, lvenn nicht die Ein- gauaspforte des Körpers. die Mundhöhle. behandelt wird. Diese Behandlung der Mundhöhle ist eben ein Teil der Prophylaxe, auf die Sie sich ja auch heute wieder beschränken wollen. Bei der Behandlung aller anderen Krankheiten kann man in Berlin Poli- kliniken ohne jede Bezahlung in Anspruch nehmen; das ist auf dem Gebiete der Zahnpflege nicht der Fall. Es muß doch auch bedacht werden, daß auf diesem Gebiete in der Bevölkerung eine krasse Indolenz herrscht. die sich auf die allein selig machende Zange verläßt, während wir gerade eine vor- beugende Pflege anstreben. Unsere Schule ist doch auch nicht allein dazu da, der Jugend die Schulkenntnisse einzutrichtern; in den Rahmen der Schule gehört doch auch das Turne» und die Haut- pflege, die Impfung u. a. m. Auch der Einwand, daß der Schul- betrieb durch die Zahnbehandlung leiden würde, kann keine Be- deutung beanspruchen. In allen Städten, wo derartige Einrichtungen bestehen, ist der Schulbetrieb besser geworden. Und glaubt man denn, daß der Schulbetrieb nicht gestört wird, wenn die Kinder an Zahnschmerzen und deren Folgen, den Verdauungsstörungen usw. leiden? Der Ausschuß hat nach gründlicher Ueberlegung erkannt, daß es mit der Ueberwachung allein nicht getan ist; davon wird die Mundhöhle, werden die tranken Zähne nicht gesund. Das Ergebnis der Ausschußverhandlungen entspricht auch durchaus dem, was'in der ersten Lesung im Januar Herr Cassel ausführte. Der Ausschuß bietet ja auch Positives; er schlägt die versuchsweise Einrichtung einer Schulzahnklinik vor, wie sie schon in zahlreichen Städtendes In« und Auslandes bestehen. Im Birchow-Krankenhaus besteht bereits eine Einrichtung für zahnärztliche Behandlung, die vorläufig nicht an Ueberlastung mit Arbeit leidet, dort würde sich der praktische Versuch am ehesten anstellen lassen. Die Durchführung dürfte nur ver- bältnismäßig geringe Mittel erfordern; die Gemeinde hat aber diese Opfer im Interesse ihrer selbst und des Staates zu bringen. Es gibt keine wirtschaftlichere Kapitalsanlage als diejenige für Ein richtungen der öffentlichen Gesundheitspflege.(Beifall bei den Sozial demokraten.) Stadtv. Dr. Ritter(Fr. Fr.) tritt für die Ausschußanträge ein. Auch der Berliner Lehrerverein sei der Meinung, daß die Schule auch der Zahnbehandlung näherzutreten habe. Stadtv. Dr. Jsaac(N. L.) weist unter anderem darauf hin, daß die Militärbehörde neuerdings die Anstellung von Militär- Zahnärzten plane, damit die Schäden wieder gutgemacht werden, welche den Mannschaften in der Jugend durch Nachlässigkeit usw. zugefügt seien, und plädiert ebenfalls für die Ausschußvorlchläge. Stadtv. Cassel(A. L.) protestiert dagegen, daß er in der ersten Lesung irgendivie der„Behandlung" das Wort geredet habe. Der Magistrat solle erlvägen, ob behufs der Ueberwachung besondere Schulzahnärzte nötig sind, oder ob die Schulärzte genügen. Ohne Rücksicht auf die VermögcnSverhältnisse allgemein unentgeltliche Behandlung zu geivähren, dazu könne mau sich nicht entschließen I Stadtv. Dr. Laugerhans: Daß die Zahnärzte bester als andere Aerzte eine Zahnkrankheit feststellen könnten, ist ganz unrichtig. Es ist unmöglich, weiter zu gehen, als der ursprüngliche Antrag Barth ging. Stadtv. Dr. Wcyl: Zahnärzte und Zahntechniker muffen auch ohnehin beim heutigen Stande der Wissenschaft mehr Verständnis für Zahnkrankheiten haben als die anderen Aerzte; aber auch ganz dienstliche Veranlassung geschriebene Schrift eine genügend klare Vorstellung. Das Opus betitelt sich„Der Infanterist in der Schlacht" und ist von einem Oberleutnant Düster- berg verfaßt. Die„Frankfurter Zeitung" gibt aus dieser Anweisung zum Massenmorde einige Belegstellen. Die Sckrift schildert die Einberufung zum Krieg und den'Verlauf einer Schlacht zu dem pädagogischen Zweck, den Soldaten die Notwendigkeit bei- zubringen, recht fleißig zu lernen, wie man am meisten Feinde um- bringen kann. Wenn sich die Leute, die zum erstenmal in? Feuer kommen, unloillkürlich drücken, so ertönt von feiten der Führer nach Düsterberg, und der muß eS ja wissen, ein lautes„Kerls, Schnauzen aus dem Dreck," worauf sich das Kanonenfutter wieder höher reckt und auf Befehl weiter läuft. Der Verfasser dieses seit- amen Büchleins schildert ivciter:„Einige Kerls auf dem linken Flügel werden unruhig. Ein Schuß geht los, doch ein Donner- lvetter des vorspringenden Leutnants bringt die Leute zur Ruhe."«Hatte auch mancher(der vorwärts stürzenden Soldaten) den„inneren Schweinehund" mit Gewalt nieder- zudrücken, das bekannte Kommando, dem man mechanisch folgt, und das Beispiel der Führer zwingen alle vorwärts," nur an einigen Grabenstellen drängen sich»die schlechten Springer und chlappen Kerls" zusammen. Endlich kommt es zum Hand- gcmenge mit aufgepflanztem Seitengewehr.„Die Pickelhauben mischen sich mit den Käppiträgern. So oder so muß der Kerl vernichtet werde». Brutalste Energie ist geboten..." Das schönste ist noch, daß der diesseitige„Kerl", der den jenseitigen.Kerl" um- zubringen hat. solche Anleitung von 16 Duodezseitchen Umfang auch noch um den Preis von 12 Pf. kaufen soll. Wie inan Feuilletonromane schreibt. Aus Paris wird berichtet: Einige der bekanntesten französischen Schriftsteller, die Romane für Zeitungen schreiben und durchschnittlich 30 Centimes bis 1 Frank für die Zeile oder 20 000—50 000 Frank für den Roman erhallen, ver- dienen sich diese beträchtlichen Summen ohne große Mühe, indem sie Werke irgend eines geheimen Mitarbeiters unter ihrem Namen in die Welt hinausgehen lassen; der Mitarbeiter ist in den meisten Fällen ein talentvoller junger Mann, der keine Mittel besitzt, um sich unter eigenem Namen vorwärts zu bringen, denn in Paris muß man nicht nur Talent, sondern auch Beziehungen haben, � wenn man etwas erreichen will. Letzthin halte nun ein Autor, dessen Nomaue die großen Blätter mit Vorliebe bringen(obwohl sie genau wissen, daß die meisten gar nicht von ihm selbst geschrieben sind), das Pech, seinen treuen Mitarbeiter zu verlieren, während in einer viel gelesenen Morgenzeitung em Roman von ihm erschien. Der berühmte Autor hatte nicht einmal die bereits erschienenen Kapitel gelesen und wußte daher nicht, wie er den Roman weiterführen sollte. In größter Aufregung eilte er zu dem Chefredakteur des BlatteS und sagte:„Ich kann den Roman unmöglich fortsetzen. Sie dürften das übrigens selbst schon gemerkt haben, da ich Ihnen ja schon seit drei Tagen kein Manuskript mehr schicke."—«Aber wir haben doch daS Manuskript immer regelnräßig bekommen", ant- wortete der Redakteur. Der Autor wußte nicht, wie ihm geschah, abgesehen davon, haben die Schulärzte ja gar nicht die genügende Zeit für diese Spezialuntersuchungen. Dann übersieht Herr Cassel das Amendement Ritter, welches den Verniögensverhältnissen Rech« nung trägt. Nach weiterer Replik der Stadtvv. Dr. Ritter und Cassel nimmt die Verfammlung den ersten Satz des ersten Alinea 1 des Ausschußantrages an; alles Uebrige wird abgelehnt. Ueber die vom Magistrat erneut vorgelegte, von der Versamm- lung fchon früher durchberatene revidierte Umsatz st euer» Ordnung referiert für den eingesetzten Sonderausschuß Stadtv. Galland(A. L.j. Der Ausschuß empfiehlt Annahme des Entwurfes mit kleinen Modifikationen. In einer Resolution soll dann die Versammlung den Magistrat noch befonders ersuchen, ihr möglichst bald eine Ergänzung der Umsatzsteuer vorzulegen, wonach die Uebertragung von An» teilen solcher Gesellschaften mit beschränkter Haftung der Umsatzsteuer unterworfen wird, die lediglich den Erwerb und die Verwertung einzelner Grundstücke zum Zweck haben, oder in Erwägung zu ziehen, ob die Grundstücke solcher Gesellschaften in stärkerem Maße zur Grundwertsteuer herangezogen werden können. Stadtv. Castel stimmt der Resolution zu, weist aber darauf hin, daß der Versuch sehr mühsam durchzuführen sein wird. Stadrv. Habcrland kratischen Partei Deutschlands sich wiederholt in dieser Richtung ausgesprochen haben: daß der Beschlutz unseres Parteitages von 1901 in derselben Richtung ging und stets in diesem Sinne ans» geführt wurde: in weiterer Erwägung, daß im Deutschen Reiche nur die fteien Zenlralverbände Gewerkschaftsorganisationen im Sinne der modernen Arbeilerbewegung bilden: daß angesichts der einheit- lichen kapitalistischen Organisationen, der immer stärkeren Zentralisation der Lohnkämpfe und der Tatsache, daß hundert- tausende polnischer Arbeiter in denselben Werkstätten und Industrie- unternehmen mit deulschen Arbeitern arbeiten— die Gründung oder Unterstützung von Gewerkschaftsorganisationen, die auf nationaler oder konfessioneller Grundlage beruhen, die bewußte Zersplitterung und Schwächung der Arbeiterkräste und ihrer Solidarität bedeuten: in Erwägung endlich, daß die sogenannten„polnischen Ber- bände" Organisationen sind, die der sozialistischen AufklärungS- arbeit im polnischen Proletariat entgegenwirken sollen und in der Tat einen bedeutenden Teil ihrer Tätigkeit dem Kampfe und der Verleumdung des Sozialismus und der modernen Arbeiter- bewegung widmen: stellt der Parteitag fest: 1. die Erklärung Ziolkiewicz', der polnischen.GewerkschastS- Vereinigung" beitreten zu wollen, ist mtt seiner Zugehörigkett zur Partei unvereinbar. 2. Ziolkiewicz Hai durch die Nichtanerkennung deS Partei- schiedsgerichts und der Weigerung, sich einem solchen zu stellen. den Vorstand gezwungen, ihn auS der Partei auszuschließen. Der Parteitag weist daher die Berufung Ziolliewicz gegen seine Ausschließung aus der Partei zurück." H. In Sachen des Vereins polnischer Sozialisten in Berlin. „In Erwägung, daß der Verein bis zum Parteitage die desorganisatorische Tätigkeit der früheren Genoffen Thiel und tiollicwicz systematisch gefördert hat und alle Bemühungen des orstandes. den Verein von diesen Wegen abzubringen, vereitelte. erklärt der Parteitag: 1. die durch den Borstand bewirkte Lösung aller Beziehungen zum Derein der polnischen Sozialiften in Berlin entsprach den Interessen der Partei; 2. der Parteitag bestätigt diesen Beschluß ausdrücklich, hinzufügend, daß der Verein polnischer Sozialisten in Berlin nur dann wieder als Parteiorganisation anerkannt werden kann, wenn er sich ausdrücklich und ohne Vor- behali auf den Boden des Parteistatut» und der Parteitags- beschlüsie. insbesondere auch der Beschlüsse in Sachen Thiel und Ziolliewicz stellen wird." Der Erledigung dieser für die Entwickeln»» der Partei wichtigen Streitfrage folgte ein erschöpfendes Referat des Genossen H a a s e über:„Die preußische Unterdrückungspolitir", daS mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurde. Ein Antrag, das Referat als AgitationSbroschüre herauszugeben, wurde einstimmig angenommen, ebenso die dem Referat folgend« Resolution, die eine sehr scharfe Verurteilung der UnlerdrückungSpolitik Preußens gegen die Polen enthält und mit der Aufforderung an die polnischen Ar- bester schließt, in Massen in die KarnpfeSreihen der Sozialdemokratie einzutreten. Dann wurden eine Reihe Anträge erledigt. Nach einer Debatte über die Notwendigkeit planmävtger Agitation wurde be- chloslen, dem Vorstande auszugeben, energisch um die Anstellung eines Parteisekretärs für Posen bemüht zu sein, der deutsch und polnisch spricht. Ein Antrag, der systematische Information der deulschen Parteipresse über polnische Angelegenheiten verlangte, wurde abgelehnt, weil für die damit verbundene Arbeit vorläufig nicht die nötige Zeit seitens der jetzigen Angestellten auf- gewendet werden könne. Dabei wurde die Wichtigkeit und Notwendigkeit solcher Arbeit durchaus anerkannt. Der Vor- stand wurde beauftragt, dahin zu wirken, daß in der deutschen Parteipresse auch die polnischen Parteiorganisationen veröffentlicht werden. Beichloffen wurde auch die Einführung einheitlicher Mit- gliedsbücher. Mehrere Anträge aus tägliche Herausgab« bezw. Er- Weiterung der. Gazeta Robotnicza". einer Frauenbeilage usw., wurden abgelehnt, da zunächst erst eine wesentliche Erhöhung der Abonnentenzahl eintreten muffe. Wenn diese wie bisher im letzten Jahre steige, werde eS in zwei Jahren möglich sein, solchen Wünschen näher zu treten. Der nächste Parteitag der P. P. S. soll in zwei Jahren stattfinden. In den Vorstand wurden gewählt die Genossen Adamek. Biniszkiewiez. Mieczkowski. SoSna Trabalski, sämtlich in Kattowitz: in die Preßkommission Ritzmann und Blott-Zabrze, in die Konttoll- kommissio» Caspari. Cepernit, Kunze. KuS, Scholtysek, ebenfalls sämtlich in Oberschlesien. Mit einem Hoch auf die internattonale Sozialdemokratie schloß der Parteitag. Rheinischer Provinzlalparteltag. Der Parteitag für den Agitationsbezirk obere Rheinprodinz, der die Regierungsbezirke Köln. Aachen. Koblenz und Trier umfaßt, fand an den beiden Ostertagen in Oberstein an der Nahe, dem Hauptort deS von der Rheinprovinz umschlossenen Fürstentums Btrkenfeld. statt. Da das Fürstentum zu Oldenburg gehört, befand der Parteitag sich außerhalb deS NachbarbcreicheS der preußischen Pickelhaube; oie Verhandlungen wurden weder an- gemeldet, noch polizeilich überwacht. Der Parteitag war besucht von 46 Vertretern aus 15 ReichStagswahlkreisen. Den Jahresbericht des Agitationskomitees er. stattete Parteisekretär A. H o f r i ch t e r. Er führte unter anderem aus: Die Wahlkreise des SlgitationSbezirks sind mit wenigen Aus. nahmen Zentrumshochburgcn. Die Bevölkerung ist durchivcg katho- lisch. Kuk«a Fürstentum Kirlenfeld und im Mhllreis Kreuz-. , nach-Simmern überwiegen die Proiestcmten. In den übrigen 1 13 ReichStagswahlkreisen des Agitationsbezirks schwankt der Pro- zentsatz der katholischen Bevölkerung zwischen 66 und 99 Proz. In 15 dieser Wahlkreise beträgt er mindestens 30 Proz. DaS Zentrum ist dort am festesten fundiert, wo das politische Leben am rück- ständigsten ist. Die weitaus größte Zahl der 20 Wahlkreise des Bezirks hat, wenn auch von Industrie durchsetzt, einen überwiegend ländlichen Charakter. Nach dem eigenen Urteil von Zentrumsblättcrn stagniert in vielen von ihnen das politische Leben gänzlich. Der Geistliche gibt dort die Parole für die Wahl aus, der unweigerlich Folge geleistet wird. In den Wahlkreisen aber, wo das politische Leben lebhafter ist und wo daS Zentrum mit kräftigen Gegnern zu tun hat, hat eS sich in engster Anlehnung an die kirchlichen Pfarrbezirlo eine Organisation geschaffen, die als nahezu mustergültig zu be- zeichnen ist. In den meisten seiner Herrschaftsgebiete hält daS Zentrum fast jede Aufklärung mit den Mitteln der brutalen Gewalt fern. Zahlreich waren auch im verflossenen Jahre wieder die Klagen unserer Parteigenossen, die aus den Dörfern Flugblätter verbreiteten, über Bedrohungen, Angriffe undschwereMißhandlungen. In mehreren Fällen gelang es, einige der klerikalen Wegelagerer zur gerichtlichen Bestrafung zu bringen; in einem Falle befand sich sogar der Ortsvorjtehcr als Anstifter unter den Angeklagten. Zahlreich waren die Klagen der Flugblattverbrciter über De- lästigungcn durch Polizeibeamte. Das Verhalten einer An- zahl dieser Beamten, die ohne jede geschliche Berechtigung die Flug- blattvcrbreiter sisticrtcn und die Schriften konfiszierten, läßt sich nur durch völlige Unkenntnis der gesetzlichen Bestimmungen er- klären, zu deren Ueberwachung die Polizeibeamten bestimmt sind. Im Agitationsbezirk wurden verbreitet: 2 200 000 Flugblätter, 290 000 sonstige Drucksachen, 1250000 Stimmzettel, 8000 Bro- schüren und 8900 Plakate. Die Ausbreitung der sozialdemokratischen Organisation hat im AgitationSbezirk mit besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen. Sprunghafte Fortschritte sind hier nicht zu erwarten; in ruhigem. aber stetem Anwachsen breitet die Organisation sich aus. 14 von den 20 RcichstagSwahlkreisen haben eine feste Organisation in Form eines über den ganzen Kreis sich erstreckenden sozialdemokratffchci, Vereins; in vier Wahlkreisen besteht die lose Organisation und in zwei fehlt jede Verbindung. Die Mitgliedcrzahl stieg im Berichts- jähre von 6750 auf 8600. Die Zahl der im Bezirk abgegebenen sozialdemokratischen Reichstagßwahlstimmen stieg von 50 855 im Jahre 1903 auf 60 724 im Jahre 1907. Die Einnahmen stiegen im Berichtsjahre von 23 877 M. auf 35 784 M. Einen sehr günstigen Einfluß übt« der im Jahre 1905 beschlossene Einheitsbeitrag von 10 P f. pro Woche für den ganzen AgitationSbezirk. Tie Einnahmen des Agitationskomitees beliefen sich auf 11 245,67 Mk., die Ausgaben auf 10 789.93 M., wozu wcircre 8070 M. Einnahme und 7818 M. Ausgabe für die ReichstagSwahl kommen. Zu der Wahl der sozialdemokratischen Stimmen wie auch ins- besondere zu der Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter steht die Zahl der politisch Organisierten in argem Mihverhältnis. Sic beträgt durchschnittlich nur 25 Proz. der gewerkschaftlich Organi- sicrten. Kurse zur Weiterbildung der Parteigenossen haben di« Wahlkreise K ö l n, S t a d t und Köln-Land sowie Mülheim- Wipperfürth veranstaltet. Die Maifeierveranstaltungen wiesen überall im AgitationSbezirli eine starke Beteiligung auf. In verschiedenen Orten wies die Zahl der durch Arbeitöruhe Feiernden eine wesentliche Steig«« r u n g auf. Die Wahlrechtsbewegung hat mit außerordent- licher Wucht eingesetzt und nimmt bei jeder Demonstration an Um- fang zu. Die an den Bericht anschließende Diskussion brachte eine Fülle von Anregungen aus den Erfahrungen der Organisationen in den einzelnen Wahlkreisen. Es wurde beschlossen, auf die Tages- ordnung des nächstjährigen ParlcitageS die K o m m u n a l p o l i t i k als besondere» Gegenstand zu stellen und im Laufe diese» Jahres eine Konferenz der sozialdemokratischen Gcmcindcvertreter abzuhalten. Eine Resolution, die die Parteigenossinnen auffordert, nach Inkrafttreten deS neuen Vereinsgesetzes sich den sozialdemokratischen Pereinen anzuschließen, fand einsttmmige An, rahme. Ueber den preußischen Wahlrcchtskampf und di« LandtagSwahlcn redete Genosse Ho n ra th«Aachen. Er legte dar, daß der Wahlrcchtskampf vor 60 Jahr«» cm Verfassungs- kämpf war. den Kapital und Arbeit gemeinsam kämpfen konnten: heute aber sei der Wahlrcchtskampf ein ausgeprägter Klassenkampf geworden; Junkertum und Kapitalisten kämen mit dem herrschen- den System auS; das entrechtete Volk der Arbeit aber kämpfe um seinen Anteil an der Gesetzgebung, an der Leitung seines eigenen Geschickes. ES gebe keinen mächtigeren Protest gegen dte Wahl- rechtsschmach, kein wirksamere» Mittel, die schände PrcußenS vor der ganzen Welt offenbar zu machen, als eine großartige Beteiligung der Sozialdemokratie an der Wahl. Die Aussichten auf ehrliche Mithülfe bürgerlicher Parteien im Wahlrechts- und im Wahlkampf feien sehr gering; um so mehr sei es darum unsere Aufgabe, alle(Entrechteten in den Kampf hineinzu- reißen, und um so mehr mühten alle Wähler und Wahluiänner der Partei die Wahlparole des Parteivorstandcs beachten, unbekümmert um das Geschick der verschiedenen bürgerlichen Gebilde, die sich als Wahlrechtsfreunde aufspielten, ohne bereit zu sein, eine grund« sätzlrche demokratische-Reform mit zu erkämpfen. In der Diskussion führte M c e r f e l d- Köln auS. daß die Sozialdemokratie in diesem Wahlrcchtskampf isoliert dastehe, rühro einmal von der politischen Verlotterung des Liberalismus in Preußen her, zweitens daher, daß das Zentrum, im Gegensatz zu dem damaligen Wahlrechtöbündntö mit der bayerischen Sozial- demokratic. in Preußen kein parteipolitisches Interesse an einer Wahlrechtsänderung in Preußen habe. Im Rheinlande müßten be- sonders die katholischen Arbeiter gegen das Zentrum mobil gemacht werden. Die Furcht vor dem Verlust dieser Anhänger an die Sozialdemokratie müsse das Zentrum in der Wahlrechtsbewegung vorwärts peitschen und es auch zwingen, seine Abneigung gegen die Neueinteilung der Wahlkreise aufzugeben. Einen vortrefflichen Vortrag hielt dann Genosse Erte»-Köln über die Sozialdemokratie und die Frauenfragc. Zum Reichsvereinsgesetz nahm der Parteitag ern- stimmig eine R e s o lu t i o n an. worin die Verschlechterungen be. dauert werden, die da? Gesetz für verschiedene Bundesstaaten bringt. Die§8 7 und 10a bedeuten sogar für Preußen ein« wesent» liche Verschlechterung der bisherigen Bestimmungen, die aus einer Zeit der unbeschränktesten Reaktion stammen. Zum Schluß erklärt die Resolution:„Durch die Annahme dieser Bestimmungen, nament, lich aber durch die Einfügung des von der Regierung gar nicht ge- forderten Z 10a haben die sich liberal nennenden Parteien s,ch ein dauerndes Denkmal der Schande gesetzt." Ferner beschloß der Parteitag die Einführung einheitlicher Mit» gliedsbücher. die spätestens am 1. Januar 1909 erfolgen soll.— Zum Sitz des AgitationSkomitceS wurde wieder Köln bestimmt. Tann schloß der Vorsitzende Genosse B. Müller-Köln den Parteitag mtt einer packenden Schlußansprach« und mit einem begeistert auf- genommenen Hoch auf die Sozialdemokratie. Serickts- Leitung. Kaun der Angestellte eine de« Chef gegenüber abgegebene Willen». erklörung zurücknehmen bez». einschränken? Bei Stteittgkeittn zwischen Prinzipal und Angestellten kommt es häufig vor, daß letzterer in die ihm vom Chef angebotene sofortige Auflösung des Dienstverhältnisses vorbehaltlos willigt, aber, sobald sich die durch den Stteit entstandene Aufregung gelegt hat, seine Erklärung dahin einschränkt, daß er sein Gehalt bis zum Ablauf der Kündigungsfrist beansprucht. Der Entscheidung der zweiten Kammer de» Kaufmauosgericht» unterlag die Rechtsfrage. Erdbeben. Nach einer Meldung aus Hamburg haben die Apparate der dortigen Hauptstation für Erdbebenforschung in der vergangenen Nacht ein Fernbeben in etwa 10 000 Kilometer Entfernung registriert. Beginn der Aufzeichnung 12 Uhr 59 Minuten. Dauer über zwei Stunden. ob auf eine folche Berichtigung der einmal abgegebenen Willens- weit über feine Verhältnisse hinaus mit Bauspekulationen eingeerklärung der Brinzipal einzugehen verpflichtet ist. Der bei der Nutz- laffen hatte. Stura borher hatte er erft eine ihm wegen Anstiftung holzhandlung von Fris W. Lange als Anweiser tätig gewesene zur Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versiche Handlungsgehülfe Ferdinand Sch. war mit seinem Chef aus gering rung audiftierte zweimonatliche Gefängnisstrafe verbüßt. Als der fügiger Ursache in einen Streit geraten, der damit endete, daß der letztere ihn einzulösen. In der Wechselflage wurde der Angeklagte verTag der Einlösung des Wechsels herannahte, war St. außerstande, zu ihm fagte:„ enn's Ihnen nicht paßt, dann tönnen urteilt. Eine Aufhebung des schon angefehten Termins zur Zwangs fammlung, an welcher zahlreiche Senatoren, Abgeordnete und Ge Ein Avancement. Eine gestern in Mailand abgehaltene Ber Sieja gleich geben!", worauf Sch. erwiderte:" Gut, dann vollstreckung wurde von dem Gläubiger abgelehnt. Am Morgen des meinderäte teilnahmen, beschloß eine Resolution des Inhalts, das fammlung, an welcher zahlreiche Senatoren, Abgeordnete und Gegehe ich eben!" Nach einigen Minuten verbefferte er sich dahin: Versteigerungstermins erhielt der zuständige Gerichtsvollzieher aus Standbild Napoleons III., welches seit dreißig Jahren in " Ich gehe zwar, aber ich will mein Geld haben. Der Chef Rothenburg ein Telegramm feines Auftraggebers, in welchem einem Hofe seiner Verwendung harrt, auf einem öffentlichen Plage verweigerte aber die Gehaltszahlung und vertrat vor dem zur ihm dieser die Anweisung gab, den Termin aufzuheben. Zu Mailands aufzustellen. Entscheidung angerufenen Kaufmannsgericht die Anficht, daß er seinem Erstaunen wurde er am nächsten Tage von St. angefragt, nicht nötig habe, fich einer plöglich eingetretenen Willensänderung Gläubiger feine Ahnung von der Aufhebung hatte und das Tele- auf einen von vier Solbaten begleiteten Staffierer der Stafpiwie die Versteigerung verlaufen sei. Es stellte sich heraus, daß der Ein Ueberfall. Batu, 23. April. In Balachanh wurde gestern feines Angestellten anzupassen. Er habe dem Kläger die sofortige gramm offenbar gefälscht war. Lösung des Arbeitsverhältnisses angeboten, und dies fei von der Angeklagte eine wenig glaubwürdige Geschichte von einem guten Begleiter wurden getötet, die beiden anderen und mehrere Arbeiter Bor Gericht erzählte Kompagnie ein Ueberfall verübt. Der Staffierer und zwei seiner legterem in aller Form akzeptiert worben. Freunde Beter, dessen Aufenthaltsort ihm aber nicht bekannt sei. erlitten schwere Berlegungen. Von den 24 000 Stubeln, die der Diesen habe er mit der Regelung der Angelegenheit betraut und Staffierer bei fich hatte, wurde nur ein geringer Teil geraubt. um ihm einen Freundschaftsdienst zu erweisen, habe Beter wahrscheinlich das Telegramm abgesandt. Trop aller Borhaltungen des Borsigenden blieb der Angeflagte bei dieser Geschichte von dem fängnis und nahm den Angeklagten wegen borliegenden Fluchtber" großen Unbekannten". Das Gericht erkannte auf 9 Monate Gebachts fofort in Haft. Die Vermischtes. Demonstrative Blähungen. Eine erbauliche Gefchichte vom Groben Unfug- Baragraphen erzählt die Delber Glocke". Danach ist ein Delder Kupferschmiedegeselle mit einer Strafverfügung wegen Verübung groben Unfugs bedacht worden. Diese Strafverfügung befagt: Witterungsübersicht vom 23. April 1908, morgens 8 Uhr. Stationen Barometer Sminembe 756 SSD Hamburg 754 SGD Berlin 757 2 Franf.a. 757 SW München fen Das Kaufmannsgericht schloß sich den Darlegungen der beflagten Firma nicht an, berurteilte sie vielmehr zur Zahlung des Restgehalts von 104 M. In der ersten Erregung hat Kläger zwar in die sofortige Lösung vorbehaltlos gewilligt, aber er war sich dabei der Tragweite feiner Zustimmung sicherlich nicht bewußt. Bei uhiger Ueberlegung hätte er feiner Erflärung gleich hinzu gefügt, daß er auf Gehalt bis Ablauf der Kündigungsfrist nicht verzichte. Er hat sich auch fofort, nachdem sich die Aufregung etwas gelegt hatte, berichtigt, und diese Richtigstellung ist nach Lage der Sache als rechtzeitig au erachten. Beklagte war darum verpflichtet, in die Fortsetzung des Dienst verhältnisses zu willigen oder dem Kläger sein Gehalt zu zahlen. Die Entscheidung des Kaufmannsgerichts ist richtig und entspricht dem gefunden Menschenverstande. Würde die Auffaffung des beklagten Firmeninhabers rechtliche Geltung haben, so wäre ein Unternehmer, der aus irgendwelchen nichtigen Gründen ein Vertragsverhältnis mit einem Angestellten ohne Kosten für ihn sofort lösen möchte, fast immer dazu in der Lage. Er brauchte nur einen Streit mit dem Angestellten zu provozieren, um ihm dann im Berlauf desselben zu sagen: Wenns Jhnen nicht paßt, bann tönnen Sie feines groben Unfugs" fehr erstaunt. Da er aber nach seiner Ün ja gleich gehen". In fast allen Fällen wird er von seinem durchficht im schlimmsten Falle nur fahrläffig", nicht aber böswillig gedie Arroganz des Unternehmers erregten Angestellten eine der oben handelt haben will, so soll das Gericht die Berechtigung des polizei crwähnten ähnliche Antwort erhalten. lichen Strafmandats nachprüfen. Somit darf man die Gewißheit Rhythmus ein loyaler Untertan bei Blähungen einhalten muß, um Memel, Zülfit begen, daß nunmehr gerichtlich festgestellt wird, welchen Tonfall und ficher zu fein, nicht wegen demonstrativer, ordnungstörender Be- Bregel, Snsterburg tätigung bestraft zu werden. " Jedoch dürfen die in eine solche Lage kommenden Arbeiter nicht vergessen, möglichst sofort den Unternehmer an seine Gehaltszahlungsverpflichtung zu erinnern. Bauschwindlerpraktiken. Wegen schwerer Urkundenfälschung hatte sich gestern der Maler, meister Emil Kirchner aus Charlottenburg vor der 4. Straffammer des Landgerichts III zu verantworten. Der Dampfschneide. mühlenbefizer Starost in Rothenburg an der Oder hatte von einem Stunden einen Wechsel in Zahlung erhalten, der von dem AngeHagten Kirchner ausgestellt war. Dieser befand sich schon seit längerer Zeit in einer sehr schwierigen Vermögenslage, da er sich " Sie haben dadurch groben Unfug verübt, daß Sie in der Nacht vom 29. aum 80. d. 3. auf öffentlicher Straße Baffanten in absichtlicher Weise durch Darmblähungen belästigt haben. Sie werden deshalb in eine Polizeiftrafe von 5 Mart genommen. Der Kupferschmiedegefelle war über die fostspieligen Folgen " 1 Ein Drama auf offener Straße. Wie aus Gera gemeldet wird, tötete in Bangenberg in Reuß vorgestern abend turz nach 6 Uhr, als die Arbeiter aus den Fabriten heimkehrten, der etwa dreißigjährige Arbeiter Eduard Bürgermeister, der verheiratet und Vater von sechs Kindern ist, auf offener Straße seine von der Arbeit tommende Geliebte Lisbeth Steubel, die etwa 23 Jahre alt ist, durch einen Revolverschuß. Alsdann richtete er die Waffe gegen fich felbft und erschoß fich gleichfalls. Die beiden Leichen wurden noch abends nach der Leichenhalle geschafft. Belter Stationen 3'wollig 3 halb bb. 5 Haparanda 750 NND 6 Betersburg 755 WSB 7| Scilly, 753 NNW 756 N 757 SS 2 wollig 3 bededt 5 heiter 8 berdeen 5 Baris 1 molten! 4 Better Temp. n. 6. 4'bebedt 1 3 bededt 2 4 Regen 2 Schnee 3 Regen 761 S 762 ND Wetterprognose für Freitag, den 21. April 1908. Etwas fühler, veränderlich, vielfach woltig mit leichten Regenfällen und diemlich frischen westlichen Winden. Berliner Betterbureau Wafferstands- Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt bom Berliner Wetterbureau. Bafferstand Weichfel, Thorn Dber, Ratibor Stroffen Frankfurt Barthe, Schrimm Landsberg nebe, Bordamm Ibe, Leitmeriz Dresden Barby Magdeburg + bedeutet Buchs, am feit 22. 4. 21. 4. cm 516 203-15 296 www ant feit afferstand 22. 4. 21. 4. om¹) cm cm) -7 Saale, Grochlik Habel, Spandau) 215 135 Rathenow) 171 225 26 Spree, Spremberg) 180 229 229 5 Beeskow Bejer, Münden. 158 65 128+2 123 Rhein, Marimiliansau 428 57 -12 Kaub 238 73 -10 Köln 262 -18-15 Nedar, Heilbrom 90 827 10 Main, Wertheim 181 282 -8 Mosel, Trier 94 Fall, Unterpegel. Minden 77777777777 Sunficht Seife ermöglicht die Herstellung einer sehr billigen, reinen Schmierseife mit aussen ordentlicher Reinigungskraft ohne die sonst diesen Seifen anhaftende ätzen. de Schärfe. Ein halbes Doppelstück feingeschabt, löst man in 1-1/ 2 Liter heis sem Wasser unter fleissigem Rühren. Ein viertel Liter genügt zu einem Eimer Wasser! Für den Zuhalt der Juierate übernimmt die Medaktion dem Publitum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, den 24, April Anfang 7% Uhr. Königl. Opernhaus. Butterfly. Mabame Rönigl. Schauspielhaus. Ein Erfolg. Berliner. Wintersport. Anfang 8 Uhr. Dentiched. Robert und Bertram. Kammerspiele. der Tob. Nju. Leffing. Der Teufel. Der Zor unb Neues Schauspielhaus. Dummlopf. Neues. Die gute Bartie. Der Schiller 0. Waluer Theater.) Hans Hudebeint. Schiller Charlottenburg. Widerspenstigen Bähmung. Der Srbbel. Frau Barrens Gewerbe. Aleines. 2X2= 5. Friedrich Wilhelmstädt. Schau spielhaus. Der Privatdozent. Luftivielaans, Sein Alibi. Der Brandstifter. Lorking. Der Troubadour. Komische Oper. Hoffmanns Er. zählungen. Weften. Ein Balzeitraum. Neues Operetten. Der Mann mit den drei Frauen. Relibenz. Der Floh im Dhr. Luisen. Mutter Erdé. Thalia. Die Brunnennymphe. Folies Bergère. Spezialitäten Liane d'Eve. Folies Caprice. Nachtarbelt. Gin unheimlicher Besuch. Der ganze Papa. Reichshallen. Stettiner Sänger. Ironia, Taubenstraße 18/19. Abends 8 Uhr: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Stataraft. Sternwarte, Invalidenitr. 57/62 Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Wintersport. Hopfenrats Erben. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Walter- Theater). Freitag, abends 8 br: Hans Huckebein. Schwant in drei Alten von Ostar Blumenthal u. Gustav Kadelburg. Sonnabend, abends subr: College Crampton. Sonntag, nach m. 8 Ub r: Das Glück im Winkel. Sonntag, abends 8 Ubr: Hans Huckebein. Sonnabend 8 Uhr zum erstenmal: Hebbel- Theater, 7/8. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Die gute Partie. Morgen bis Mittwoch 8 Uhr: Die gute Bartie. Donnerstag a. erstenmal: Ramon, ber Abenteurer. Str. Abends 8 Uhr: Frau Warrens Gewerbe. Drama in 4 ften v. Bernhard Sham. Neues Operetten- Theater Schiffbauerdamm 25, an der Luisenstr. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Mann mit den drei Frauen. Residenz- Theater. Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Kleines Theater. Der Floh im Ohr. Abends 8 Uhr: 2 mal 2 = 5. Sonnabend: 2 mal 2= 5. Sonntag 3 Uhr: Mandragola. Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Montag: 2 mal 2= 5. Theater des Westens. 8 Uhr: Ein Walzertraum. Sonntag nachm. 3, Uhr, halbe Preise: Die lustige Witwe. Trianon. Seine erste Frau Die Friedrich- Wilhelmstädtisches Hand. Theater an der Spree. Der Dntel aus Rottbus. Bernhard Nofe. Die Loreley. Metropol. Das muß man seh'n. Apollo. Der fleine Chevalier. Spe gialitäten. Gebr. Herrnfeld. Elle aus der Bar. Es lebe das Nachtleben! Rafino. Ein Dorfroman. Wintergarten. Spezialitäten. Bailage. Dia Gygi. Spezialitäten Schauspielhaus. Der Privatdozent. Anfang 8 Uhr. Sonnabend: Kriemhilds Rache. Sonntag 8 Uhr: Der gehörnte Siegfried. Stegfrieds Lob. Abends 8 Uhr: Sein Brinze ßchen. Montag: Die Brüder v. St. Bern hard. Schwank in drei Alten von Georges Feydeau. Deutsch von Wolff- Jacoby. Sonntag, den 26. April, 3 Uhr: Haben Sie nichts zu verzollen? Schiller- Theater Charlottenburg. Freitag, abends 8 Uhr: Der Widerspenstigen Zähmung. Lustspiel in 5 Aufzügen und einem Vorspiel von William Shakespeare. Sonnabend, abends 8 Ubr: Der Weg zum Herzen. Sonntag, nach m. 8 Ubr: Das vierte Gebot. Sonntag, abends 8 Ubr: Der Widerspenstigen Zähmung. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Theater abends 8 Uhr: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Katarakt. WINDST CARTEN Neues abwechslungsreiches Programm DERNHARD ROSE THEATED Gertrude Barrison, Tänzerin Sr. Frankfurter Str. 132. Abends 8 Uhr: Die Loreley. Anfang 8 Uhr. Wochentagspreise. Morgen und folgenbe Tage: Die Loreley. Sonntag nachmittag 8 Uhr: Der Trompeter von Säffingen. apollo Theater Parodie. Tannhäuser. Natal Lustspielhaus. Stigte Monna Gustav Behrens. Spezialitäten. Carl Haberland. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Palatt. Spezialitäten. Gastspiel Henri de Brics: Der Brandstifter. Borher: Sein Alibi. Anjang 8 Uhr. Freitag, den 24. April cr.: Rätchen Loiffet Bertha Geerts Elfentüde Geisha Nemond Kun Arvad Blue Bell Enrico Caruso Rolf Rafaëly( Augetophon). Mittelmeerreife bes Raisers. Sonntag nachm. 8 Uhr: Fami Llien Borstellung. Sleine Breile 3 Selma Braatz, Jongleuse. Hagedorns Wundergrotte. John u. Luis Boller, Radfahrer. Enlonboltas, Luftgymnastiker 3 Braggs, Akrobaten. May de Souza, amerikanische Sängerin. Tschernoff, Dresseur. Millmann- Trio, Drahtseilakt. Corwey, musikalischer Clown. Palace Girls, englische Gesangs- und Tanz- Truppe. Lili Schreiber, Soubrette. Der Biograph." Metropol- Theater. 8um 215. Male: Das muß man seh'n. Revue in 12 Bildern m. Gef. und Tanz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Sonntag, 26. April, nahm. 3 Uhr: 1 Die Herren von Maxim. Teue Freie Volksbühne Пеце Die Kunst dem Volke. Nächste Extra- Vorstellungen: Sonntag, den 26. April, und 3. Mai, nachmittags 3 Uhr, im neuerbauten Hebbel- Theater, Königgrätzer Straße 57/58: Maria Magdalena. Bürgerliches Trauerspiel von Friedr. Hebbel Billetts für Mitglieder à 1,10 M., für Gäste à 1,35 M.( inkl Garderobe und Zettel) sind in allen Zahlstellen zu haben. Am 26. April und 3. Mal, nachmittaga 2 Uhr, in den Kammerspielen des Deutschen Theaters: Frühlings Erwachen. Eine Kinder- Tragödie von Frank Wedekind Billetts für Mitglieder à 1,60 M. einschl. Zettel und Garderobe sind nur in den bekannten 19 Zahlstellen sowie in der Geschäftsstelle, Bremer Str. 54/55, zu haben. 150/7 Der Vorstand. I. A.: Heinrich Neft, Luisen- Theater. Theater an der SpreeReichenberger Straße 34. Bum ersten Male: Mutter Erde. Sonntag nagm. 3 Uhr: Der wilde Sonnabend: Unsere Don Juans. Reutlingen. Abends 8 Uhr: Der Mann mit den vier Frauen. Montag: Der wilde Reutlingen. Passage- Theater. Abends 8 Uhr: Die Sensation Berlins! Ota Gugi der Mann mit den 3 Geigen. Rita Tanca und das kolossale April- Programm! Köpenider Straße 68. Täglich 8 Uhr: Der Onkel aus Kottbus. Große Ausſtattungspoffe mit Gefang und Tanz in 5 Bildern. Morgen: Der Dniel aus Rottbus. Brunnen- Theater Badstraße 58. Direft.: Bernh. Rose Freitag, den 24. April: Der Herrgottschnitzer von Ammergau. Borverkauf vorm. 10-2 Uhr. Raffeneröffnung 7 Uhr. Anj. 8 Uhr. Berliner Felix Scheuer U lk- Trio. Stralsunderats. Brauerei Friedrichshain Fr. Lipps. Oek.: Ernst Liebing. Heute Freitag: Am Königstor. Populäres Konzert von C. M. Ziehrer aus Wien Hofkapellmeister, Dirigent der k. k. österr. Hofballmusik, mit auf sechzig Künstler verstärktem Orchester. Anf. 7, Uhr. Entree 50 Pf., reserv. Pl. 1 M., num. Tisch 1,25 M. Billetts im Vorverk. b. Bote& Bock, Wertheim, Leipziger Str., Invalidendank, Kaufhaus des Westens u. in d. m. Plakat. bel. Gesch. Gabr. HerrnfeldTheater. Amang 8 Uhr. Borvert. 11-2 Uhr. IV. Serie des Herrnfeld: Zyklus. Die letzte Ehre! Endlich allein! Fall Blumentopf. Alle drei Stüde mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Schluß diesjähriger Spielsaison Mittwoch, den 29. April. Palast- Theater Burgstr. 24. Bhf. Börse. Täglich 8 Uhr: Das erstklassige April- Programm. n.a.: Agnes Krembser Jongleur- Att. Bolkstümliche Preise. ValhallaWa Variete- Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenthaler Tor. Anjang 8 Uhr. Das neue AprilProgramm. Berlins Lieblings- Soubrette Grete Gallus. Erstklassige Spezialitäten. Tunnel: Militär- Konzérte. Theaterbesucher freien Eintritt. Passage- Panoptikum. Während der Osterferien Vom 11. April b. inkl. 27. April Volkstage!!! Jed. Erwachsene ein Kind frei! Jedes Kind erhält ein Geschenk! Alle Extra- Sehenswürdigkeiten frei! ,, Die lange Dora", das größte Wund., 2,19 Mtr. groß. Kunsttaucher Kapitän Gröbl. Vitascop- Theater. Alles ohne Extra- Entrée. Eintritt 50 Pf. Kinder ohne Begleitung und Soldaten 25 Pf. Trianon- Theater. Gaftspiel Charlotte Wiehé. Seine erfte Frau. Die Hand( La main). Anfang 8 Uhr. Reichshallen- Theater. Sänger. Berliner Arbeiter Tischler- Verein zu Berlin. Sozialdemokratischer Wahlverein Radfahrer- Verein" Mitglied des Arbeiter Radfahrer- Bundes .Solidarität. Touren zum Sonntag, den 26. April. 1. Abt. früh 7 Uhr: Rauchfangswen der; nachm. 1 Uhr: Eichwalde ( Witte). Starts: Bülowstraße 58. 2. Abt. früh 7 Uhr: Nauen; nachm. 1 Uhr: Finkenkrug( Hofmeister). Starts: Fontane- Promenade. 3. Abt. früh 6 Uhr: Streifzüge durch den Blumental; mittags 12%, Uhr: Hungrigen Wolf. Starts: Mariannenplag. 4. 26t. mitt. 14, Uhr: Schönholz W. Noacks Theater( Baumgärtner). Starts: StüftrinerDirektion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Blak. Auf vielfachen Wunsch: Der Flüchtling. Anf. 8 Uhr. Entree 30 Pf. Sonnabend: Gr. Extravorstellung: Die Fischerin von Island. Kottbuser 5. Abt. früh 8 Uhr: Nedlitz; mitt. 1 Uhr: Bichelswerder. Starts: Elysium. 6. Abt. mitt. 12 Uhr: Hungriger Wolf. Start: Oderberger Straße 28. 7. Abt. früh 8 Uhr: Kremmen; mitt. 1 Uhr: Hennigsdorf( Tesner). Starts: Grenzstr. 21. Sanssouci, Straße 6. mitt. 1 Ubr: Kaulsdorf. Direttion: Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffmanns Norddeutsch. Sänger und 8. Abt. früh 7 Uhr: Straußberg. Starts: Huttenstraße 10. 9. Abt. nachmitt. 1, Uhr: Adlershof ( Wöllstein). Start: Schillingstr. 15/16. 10. 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April starb unser Mits glied 210/13 Karl Müller. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 24. April, nachmittags 5, Uhr, von der Leichenballe des neuen Jakobi- Kirchhofes, Hermannstraße, aus statt. Der Vorstand. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Hiermit diene den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Arbeiter Karl Müller am 20. d. Mts. im Mter von 59 Jahren an Influenza gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 24. d. Mts., nachmittags 5%, Uhr, von der Leichen. halle des neuen Jakobikirchhofes, Hermannstraße, aus statt. 68/14 00 Die Verwaltung 2. Zentral Verband der Schmiede. Zahlstelle Berlin. am Am Mittwoch, den 22. April cr. verstarb in der Jrrenanstalt Buch unser langjähriges Mitglied, der Kollege 176/5 Gustav Brandt an Lungenentzündung. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonnabend, den 25. April, nach mittags 4 Uhr, von der Leichen halle des städtischen Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Wilhelm Kauert am 21. April gestorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 25. April, nach mittags 4, Uhr, von der Leichen halle des Thomas- Kirchhofes in Rigdorf, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 83/8 Die Ortsverwaltung. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- u. Zementbranche. Nachruf. Am Sonnabend, den 18. April, verstarb im Alter von 29 Jahren unser Mitglied der Rabitspanner Max Schubert. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung fand Dienstag, den 21. April, auf dem Kirchhof der Gethsemanegemeinde ftatt. am 137/9 Der Sektionsvorstand. Für die zahlreiche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unferes guten Vaters Heinrich Frentzel fagen allen herzlichen Dant 15865 Wie. Karoline Frenzel u. Kinder. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau 29age Macht das schmutzigste Metall spiegelblank und schmiert nicht. Nur echt mit Schutzmarke ,, KAOL" Glas Flaschen& 10, 20, 30 a. Blechund 50 Pf. Ueberall zu haben. Fabrik Lubszynski& Co., Berlin NO. Elisabeth Steinicke fage ich allen Verwandten und Be. fannten, fowie dem Deutschen Transportarbeiterverband und dessen Gesangverein, dem Vorstand und den Angestellten der Krankenkasse der Staufleute usw., dem Verein der Frauen der Arbeiterflasse und dem Genossen H. Nintorf für die freundlichen Worte meinen herzlichsten Dank. Paul Steinicke. Bekanntmachung. Die von der Generalversammlung am 7. Dezember v. J. beschlossene 12. Abänderung des Kaffenftatuts, betr. anderweitiger Festfehung des Tagelohns der II. Mitgliederflaffe und die Erhöhung der Kassenbeiträge, ist genehmigt worden und tritt mit dem 27. April cr. in Kraft. 15945 Berlin, den 23. April 1908. Der Vorstand der Ortskrankenkasse der Stein drucker und Lithographen. J. A.: M. Stuhlmann, Borsigender. Dr. Simmel Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. dicht am Prinzenstr. 41, Moritzplatz, 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4 Berantwortlicher Bebaltenz: Gears Davidishn, Berlin. Mür den Anieratenteil berantw.: Z. Glode, Berlin. Drud u. Berlaa: Borwärts Buchdruderei u. Berlaasanftalt Baul Sinaer& Co. Berlin SW. »»---»>»> 3. KtilM i>ks Joraärtü" Krliiin Wfelliilt m»»»« Zur Lnndtagowahl. H e vt e Freitag, den Ä4. Aprii, von 7 Uhr abends an findet in de« 12 Landtagswahlkreisen von den bekannten Stellen ans die Flugblattverbreitung znr Einsichtnahme in die Wählerlisten statt. Wir erwarten, dast die Genoffen Man« für Man» antreten vnd in gewohnter Weife arbeitsfrendig ihre Schuldigkeit tu». Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste. In Potsdam hat der Inhaber des Lokals Elisabethstr. 21, Herr Georg Schulz, seine Unterschrift zurückgezogen, auch hat derselbe sämtlichen bei ihm tagenden Gewerkschasten die Räunie gekündigt, infolgedessen ist die Sperre über das genannte Lokal verhängt worden. In Biesdorf sN.-B.) hat der Inhaber des bisher dortselbst einzigen freien Lokals„ Gesell schaftshaus", Herr W. Fengler, die Bewilligung zurückgezogen, so daß nun- mehr in Biesdorf sämtliche Lokale gesperrt sind. Wir bitten speziell die Arbeitcrradfahrer, dies beachten zu wollen. Auf Wunsch der KarlShorstcr Parteigenossen ersuchen wir, das Lokal„Königs-Festsäle", direkt am Bahnhof, weil uns dasselbe hartnäckig verweigert wird, streng zu meiden. Das Lokal„Waldburg" auf KonradShohe, Bezirk JSrsfclde, Jnh. Frau R. Kielehki, steht uns zu allen Ver- anstaltungen zur Berfügnng.(Dampferanlegestelle.) Desgleichen sind in Neumühle(T.-B.) die Lokale„Wald- s ch l ö ß ch e n", Jnh. C. Leiste, und Restaurant„Jägers- ruh", Jnh. G. Koch, sür die Arbeiterschaft frei. Die Lokalkommission. Marirnfelde. Den Genossen zur Nachricht, daß am Sonntag. den 26. d. M., eine Ägitationstour und eine Flugblattverbreitung stattfindet. Abfahrt zur Agitationstour morgens 7' Uhr vom Lokal Berger. Das Material geht den Obleuten rechtzeitig zu. Die Ge- Nossen werden ersucht, sich zahlreich an der Arbeit zu beteiligen. Der Vorstand. Königs-Wnsterhauscn, Deutsch-Wusterhausen, Hoherlehme, Wildau und Niederlehme. Am Sonntag früh 8 Uhr findet für obengenannte Orte von den bekannten Bezirkslokalen aus eine Fwgblattverbreitling statt. Es ist Ehrenpflicht aller Genossen, sich zu dieser Arbeit pünkt- lich einzufinden. Erkner. Am Sonnabend, den 25. d. M., abends 8 Uhr, findet im Lokal von Degebrodt eine öffentliche BoUsveriammlung statt. Tagesordnung: Die Wahlen zum preußischen Landtag. ES ist dringend notwendig, daß alle Genossen und Genosfinnen erscheinen. Der Vorstand. Neucnhagen. Am Sonntag, den 26. d. M., nachmittags 4 Uhr, findet eine Mitgliederversammlung statt bei Alex Linnicke, Bruch- wühle, Kaiser-Friedrich-Straße. Tagesordnung: Vortrag, Viertel- jahrsbcricht und Verschiedenes. Es wird erwartet, daß die Be- teiligung eine rege ist und daß die Genossen zeitig erscheinen, um pünktlich beginnen zu können. Pankow. Am Sonntag findet Fluablattverbreitung von den be- kannten Lokalen aus statt. Die Bezirksführer wollen sich heute abend in den Abteilungslokalen zur Empfangnahme des Materials einfinden. Der Vorstand. WaidmannSlust. Montag, den 27. April, abends 3 Uhr. findet im Schweizerhäuschen eine öffentliche Versammlung statt, zu der Gewerkschastssekrelär Genosse Adolf Ritter das Referat über- nommen hat. Handzettelverbreitting am Sonntag früh 8 Uhr vom Schweizer- häuSchen aus. Die Genossen werden ersucht, sich vollzählig daran zu beteiligen. Bernau. Am Soimabend, den 25. April, findet abends S'/z Uhr im Lokale des Herrn Kuntze, Bürgermeisterstr. 225, die Wahlvereins- Versammlung und am Sonntag, den 26. April, früh 8 Uhr, von demselben Lokale aus die Flngblattverbreitung zur Landtagswahl statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Spandau. Am Sonntag, den 26. d. M., findet für Stadt und Land eine Flngblattverbreitung statt. Die Genossen werden ersucht, Punkt 7 Uhr in ihren Bezirks- lokalen anwesend zu sein. Die Bezirksführer nehmen die Flugblätter beim Genossen Schuster in Empfang. Der Vorstand. CrgeMfe der dieMrigev Gcmcindewalflen. Die Beteiligung der Sozialdemokratie an den Gemeindewahlen qat die Gegner in steigendem Maße auf den Kampfplatz gerufen. Der idyllische Zustand in den einzelnen Gemeinden, wonach sonst unter den Besitzenden des OrteS die Mandate zur Gemeinde in irgend einem Nebenzimmer eines„patriotischen" Gastwirtes verteilt wurden, ist ein- sür allemal dahin. Trotz der gerade nicht günstigen Perspektiven, die das Dreiklasicnwahlrecht der Arbeiterschaft im Kampfe um die Mandate zum Gemeindeparlament stellt, ist das Jntcreffe am kommunalen Leben in raschem Wachsen begriffen. DaS Bestreben der Arbeiterklaffe, sich an den Wahlen zu beteiligen, mußte in demselben Maße wachsen, als die Jntereffen- Wirtschaft der besitzenden Klassen sich zum Schaden der All- gemeinheit in den Kommunen breit machte. Das Eindringen eines oder mehrerer Sozialdemokraten in ein Ortsparlament konnte zwar der Jnteressenpolitik nicht vollständig den Garaus machen, jedoch wurde durch die Kritik über das gcmeinschädliche Treiben der Interessengruppen die Oeffentlichkeit unterrichtet. Schon das haßten jene sonst stets von„Allgemeininleresse" überschäumenden Kreise. Es ist deshalb auch kein Wunder, wenn letztere mit allen Mitteln das Eindringen auch nur eines Sozialdemokraten in das Ortsparlament zu verhindern bestrebt sind. Von diesem Gesichtspunkt nur können wir c? verstehen, wenn der Sozialdemokratie von Jahr zu Jahr größere Hindernisse erwachsen, um in die kommunale Vertretung zu gelangen. Auch der Kampf nimmt immer schärfere Formen an. An- statt mit anständigen Mitteln sich mit der Sozialdemokratie in einen Kampf einzulassen, wenden unsere Gegner Lügen und Ver- leumdungen an: Und der auf diese Art des politischen Kampfes„geeichte" Reichslügenverband hat denn auch bei den verfloffenen Gemeinde- wählen seine Wirksamkeit entfaltet. In einigen Orten ist er glatt abgefallen, während es ihm vereinzelt, so unter anderem in Lichten- rade, gelang, die Bevölkerung zu düpieren. Aber auch sonst werden unseren Genoffen allerlei Hinderniffe in ihrem Kampf in den Weg gelegt. Die bereits bei ftüheren Wahlen von uns erwähnte ungünstige Festsetzung der Wahlzeit ist auch dies- mal wieder nicht zum mindesten der Grund gewesen, wenn in den verschiedensten Orten die Wahlbeteiligung in der dritten, in der fiir uns überhaupt nur aussichtsvollen Klasse, nicht stärker war. Es liegt System darin, daß die Wahlzeit oft in eine für die entfemt vom Ort beschäftigten Arbeiter ungünstige Zeit verlegt wird. Nur unter erheblicher Einbuße ihres Arbeitsverdienstes sind sie im- stände, ihr Wahlrecht auszuüben. So wurde, um nur einige Orte aus der großen Zahl herauszugreifen, die Wahlzeit in Neuenhagen auf nachmittags 1— 4 Uhr, in Rudow vormittags auf 10 bis 11 Vz Uhr, Mühlenbeck nachmittags auf 2—5 Uhr, Schönwalde nachmittags auf 3—7 Uhr und Glienicke nachmittags auf 3— l1/« Uhr für die dritte Wählerklasse festgesetzt. Trotz alledem blicken wir auch nach der diesjährigen Wahl auf erfreuliche Fortschritte zurück, was aus nachstehender Tabelle zu ersehen ist. Zwar kann dieselbe nicht auf vollständige Genauigkeit Anspruch machen, da uns nicht alle Er- gebnisse zur Veriügung standen; nichtsdestoweniger ist die Zusammen- stellung gegenüber der vor zwei Jahren erheblich vervollständigt. Erwähnen wollen wir noch, daß einige Orte fehlen, die in diesem Jahre keine Wahl hatten, so u. a. Nowawes, das erst voriges Jahr infolge seiner Vereinigung mit Nowawes-Neuendorf gewählt hatte. Auch lassen Rummelsburg und Treptow-Baumschulenweg keine Ver- gleiche der abgegebenen Stimmen gegen die Wahl vor zwei Jahren zu, weil in ersterem Orte nach einer neuen Bezirkseinteilung und in letzterem nur in einem Bezirke gewählt wurde. Nach der Tabelle ist die Zahl der in den angeführten Orten gewählten Gemeindevertretern von 43 im Jahre 1304 auf 84 im Jahre 1906 und aus 127 in diesem Jahre gestiegen. In einer Reihe Orte standen unsere Genoffen mit den Bürgerlichen in aussichts- reichen Stichwahlen. In Zehlendorf, Steglitz. Groß-Lichterfelde und Friedenau ist der Kampf unserer Genossen doppelt schwer, weil hier zum großen Teil Villenbesitzer und Beamte dominieren. Dennoch weisen Groß-Lichterfelde und Steglitz einen erfreulichen Stimmen- zuwachs auf. In Lankwitz, gleichfalls einem Villenort, gelang eS unseren Genoffen das erste Mal, zwei Vertreter durchzubringen. In Nieder-Schönhausen, wo unsere Genoffen noch vor zwei Jahren die Möglichkeit, in Bälde einen Vertreter ins Gemeindeparlament zu bringen, ausschlössen, gelang eS bereits diesmal ihren Anstrengungen, zwei Mandate zu erringen und nur einige Stimmen fehlten, so hätten sie auch bei der zweiten Wahl noch ihren dritten Kandidaten durchgebracht. Eine der Hauptwaffen unserer Gegner, mit denen sie die Sozialdemokratie in den verschiedenen Gemeinden noch fernhalten, bilden die Forensen. So befanden sich in Hohen-Schönhausen unter 80 bürgerlichen allein 30 Papierstimmen, in Nieder-Schönhausen gaben die Gegner noch 136 Forensen ab, in Rosenthal-Nordend be- fanden sich unter 110 bürgerlichen Stimmen 60 Forensen. In Friedrichshagen ist ein kleiner Stimmenrückgang zu verzeichnen! derselbe dürfte darauf zurückzuführen sein, weil die Gegner auf die Aufstellung von Kandidaten in der dritten Klasse verzichtet haben. Im allgemeinen hat uns der Gemeindewahlkampf nicht nur eine Zunahme von Stimmen und Mandaten gebracht, sondern eS sind auch der Organisatton neue Kämpfer zugeführt worden. Und diese können wir im bevorstehenden Landtagswahlkampf ge- brauchen. Mit dem Kampf gegen daS preußische Dreiklassenparlament führen wir zugleich einen Kampf gegen das Dreiklassenwahlrecht in der Gemeinde und die widersinnige Landgemeindeordnung. Ehe die Inkarnation aller Rückständigkeit, daS preußische Dreiklaffen- Parlament nicht beseitigt ist. werden auch die Bahnen nicht frei. um eine durchgreifende sozialistische Kommunalpolitik zu Pflegen. LerUner jVaebriebten* Zu versteuerndes Einkommen. In einem längeren Arttkel in der Nummer vom 20. März und in einem kurzen Nachtrag vom 22. März haben wir ein- gehend dargelegt, wie das steuerbare Einkommen berechnet wird. Es ist dort an der Hand des Einkommensteuergesetzes angegeben, welche Beträge vom Bruttoeinkommen abgezogen werden können und welches Einkomnien zu versteuern ist. Unter den Beträgen, die abzugsfähig sind, ist auch das Fahr- geld aufgenommen, das der Arbeiter zur und von der Arbeitsstätte ausgeben muß. Ein hiesiges Blatt hat sich dieserhalb an den Vorsitzenden der Veranlagungskommission gewendet um Auskunft darüber, ob das zulässig sei. Der Vorsitzende hat darauf geantwortet, das sei nicht der Fall. Diese Auskunft ist recht sonderbar, wenn man dagegen hält eine Ausführungsanweisung, die der preußische Finanzminister zum Z 23 des Einkommensteuergesetzes erlassen hat. Dort heißt es unter Punkt 6: „6. In keinem Falle darf außer acht gelaffen werden, daß behufS Feststellung des steuerpflichtigen Einkommens von dem durch die Auskunft des Arbeitgebers ermittelten Bruttoeinkommen die gesetzlichen Abzüge gemacht werden müssen. Demnach sind nicht nur die bei allen Arbeitnehmern vorkommenden Abzüge, insbesondere Beiträge zu Kranken-, Invaliden- usw. Kassen, sondern auch, soweit sie bei der Veranlagung bekannt sind, in Gcmäßheit der Rechtsprechung des OberverwaltungsgerichtS die von dem einzelnen Arbeiter oder von der betreffenden Arbeiter- katcgorie zu leistenden und aus dem Lohne zu bestreitenden Aus» gaben zur Beschaffung von Werkzeugen oder Rohmaterialien, Fahrten zur Arbeitsstätte und dergleichen, sowie auch angemessene Absetzungen auf Abnutzung deS von den Arbeitern etwa herzu- haltenden Werkzeuges oder der Arbeitskleidung zu berücksichtigen." Man müßte annehmen, daß dem Vorsitzenden der Ver- anlagungskommission diese Ausführungsanweisung des Finanz- Ministers bekannt ist. Wenn der Herr Vorsitzende wissen will, auf welche Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts sich der Finanzminister stützt, tut er gut, bei diesem anzufragen. Wir raten den Arbeitern, bei Berechnung ihres steuer- Pflichtigen Einkommens diese Abzüge zu machen, wenn sie nicht vorher schon berücksichtigt sein sollten und ruhig zu re- klamieren. Tritt die Veranlagungskommission dem nicht bei und erachtet diese das Fahrgeld zur und von der Arbeitsstätte als nicht steuerfrei, so wolle man sich an die Berufungs- komiuisston wenden, die in bestimmten Fällen bereits Fahr- geld als abzugsfähig bezeichnet hat. Berkehrsänderungen: Berlin» Magdeburg, Lübeck. Im Ber- liner Stadt-, Ringbahn- und Vorortverkehr tritt eine abgeänderte Bestimmung über die Fortsetzung von Fahrten über das Ursprung» liche Ziel am 1. Mai in Kraft. Sie lautet: Wer über die Ziel» station seiner Fahrkarte hinausfahren will, hat für die Weiterfahrt bis zur Bestimmungsstation eine Zusatzkarte zu einein den Unter- schied der Fahrpreise nach diesen Stationen deckenden Betrage am Schalter, bei dem Zugführer oder diensthabenden Stationsbeamten vor Antritt der Weiterfahrt zu lösen.— Von demselben Tage an gelten die Fahrkarten zwischen den vor Magdeburg gelegenen Stationen Burg, Stendal, Oebisfelde usw. einerseits und Dessau andererseits mit dem Aufdruck„über Zerbst" ohne weiteres auch über Käthen. Zwischen Magdeburg-Ort und Dessau-Ort selbst! gelten die Fahrkarten nach ihrem Aufdruck aber nur über Zerbst oder nur über Käthen. Die neuen Anlagen des Personenbahnhofes und der Eilgut- abfcrtigung in Lübeck werden ebenfalls am 1, Mai dem öffentlichen Verkehr übergeben. De? jetzige Personenbahnhof und die Eilgut- obfcrtigung in den Räumen der früheren Frachtgutannahmc werden mit dem 30. April geschlossen. Die Direktion, die Bau- inspektion, die Hauptkassc und die verschiedenen BureauS der Vcr- loaltung verbleiben bis zum Bezug des neuen VcrwaltungS- gcbüudeS im alten Stationsgebäude. Todesursachen im April. Die Krankheiten der Atmungsorgane herrschten auch im weiteren Verlauf des Monats April unter den todlichen Krankheiten vor. In der Woche vom S. bis zum 11. starben un Berlin an den Krankheiten der Atinungsorganc 110, Tuberkulose 90, Diphtherie und Krupp 13. Keuchhusten 10, Magenkatarrh usw. 30, Masern und Röteln sowie Scharlach je 0, Kind- bettfieber 5, gewaltsam 11, sonst 322, insgesamt 605. In Hamburg starben an den Krankheiten der AtmungSorgane 40, Tuberkulose 40, Magenkakarrh 14, Masern und Röteln 7, Kindbcttfieber 3, Diphtherie und Krupp sowie Keuchhusten je 2, Scharlach 1, ge waltsam 25, sonst 153, zusainmcn 237. In Dresden starben an Atmungskrankheiten 26, Tuberkulose 17, Diphtherie und Krupp sowie Magenkatarrh je 5, Kindbettfieber, Scharlach und Typhus je 1, gewaltsam 7, sonst 89, insgesamt 154. In Leipzig starben an Atmungskrankheiten 25, Tuberkulose 18, Magenkatarrh 15, Keuchhusten 4, Diphtherie und Krupp 1, Kindbettfiebcr 2, Scharlach sowie Masern und Röteln je 1, gewaltsam 4, sonst 84, zusammen 157. In Breslau starben an Atmungskrantheiten 31, Tuberkulose 21, Magenkatarrh usw. 8, Keuchhusten sowie Kindbett- ficbcr je 2, Typhus 1, gewaltsam 6,- sonst 113, insgesamt 184. In Köln starben an Tuberkulose 23, AtmungSkrankheiten 22, Magenkatarrh 9, Scharlach 4. Diphtherie und Krupp 3. Kindbett- fieber sowie Masern und Röteln je 2, Keuchhusten und Typhus je 1, gewaltsam 6, sonst 35, insgesamt 182. In Frankfurt a. M. starben an AtmungSkrankheiten 26, Tuberkulose 13, Keuchhusten 3, Masern und Röteln sowie Magenkatarrh usw. je 2, gewaltsam 7, sonst 52, insgesamt 105. 273 Fuhren Vraudschutt waren bis vorgestern abend von der Garnisonkirche abgefahren, und noch lagern dort zirka 100 Fuhren, deren Beseitigung bis zum Sonnabend erfolgen soll. Die Bruch- schuttmasscn werden in der Neuen Fricdrichstraße abgelagert und von dort abgefahren. Einige Schwierigkeiten verursacht die Be- scitiguug der herabgestürzten Eisenteile, die geschmolzen oder ver- bogen sich im Innern der Kirche bis drei Meter hoch emportürmen. Ilm diese Eiscnteile gefahrlos zu beseitigen, wurde gestern ein Gerüst aufgestellt, von welchem aus die Fortschaffung der Eisen- träger erfolgt. Auch die Feuerwehr dürfte im Laufe des morgigen TagcS ihre Tätigkeit an der Brandstelle beenden, wo sie nicht weniger als zehn Tage beschäftigt war. Ganiifoukirche und Volksschule. UnS wird geschrieben: »MS die Kinder und Lehrer der hinter der Garnisonkirche liegenden 21. und 24. Gcmeindeschule am Mittwoch um 7 Uhr zum Beginn des Unterrichts kamen, muhten sie wieder nach Hause ge- schickt werden, weil im Schulhause gepflastert werden sollte. Im Schnlhanse? Jawohl, denn die drei EmgangStüren waren— entgegen den Polizeivorschriften— nur nach innen zu öffnen. Man denke sich ein Gebäude von zirka 1400 Kindern besetzt, das nur drei verhältnismäßig schmale Treppenausgänge hat, deren Türen nach innen schließen I Alle großen Unglücke in Schulen, auch das letzte in Amerika, sind infolge dieser Bauweise entstanden. Wußten die Behörden davon? O gewiß, es wurde ihnen bei jeder jährlichen Baubesichtigung unter die Nase gerieben. Daß sie jetzt schleunig eine Aenderung eintreten ließen, beweist, daß sie es sehr wohl wußten. Di« Türen sind nun glücklich umgesetzt, aber dabei haben die Flure aufgerissen werden müssen. Ehe auf dem Instanzenwege ein paar Meter Asphalt gelegt werden, daS kann den Kindern noch ein paar Tage Ferien bringen. Die hier geplante Schule ist überhaupt eine Menschenfalle. Zu derselben führt nur ein schmaler, wenig mehr als 3 Meter breiter Gang, der um die Garnisonkirche herumführt, und auf der einen Seite durch die Mauern der Kirche und auf der anderen Seite durch etwa 5 Meter hohe Mauern abgegrenzt ist. Nach hinten zu ist das Grundstück durch die Stadtbahn abgeschlossen. Der schmale Gang um die Kirche ist der alleinige Ausgang. Und nun denke man sich, der Brand wäre in der Schulzeit ausgebrochen. Der einzige Aus- weg im Flammenmeer. Das Dach der Turnhalle und Rektor Wohnung in Brand. Der Schulhof im Funkenregen und 1400 Kinder in dem Schulgebäude I Was war der Grund, daß die städtischen Behörden eine solche Bau« stelle für die Schule kauften? Das Grundstück war ein Rest des alten Grünen Grabens, nach der Erbauung der Stadtbahn von Spekulanten für ein Spottgeld erworben, um es der Stadt um den zehnfachen Preis aufzuhängen, trotzdem ihr billigere und gesundere Bauplätze angeboten wurdeu. Die sanitären Verhältnisse spotten aller Be schreibung. Daö Hauptgebäude steht so recht auf dem alten Grünen Graben In seinen Kellerräumen stinkt es pestialisch. Ein Teppich, den der Schuldiener statt auf dem Boden im Sommer im Keller aufbewahrt hatte, stank so entsetzlich, daß er wieder aus dem Konferenzzimmer entfernt werden mußte. Die Luft in der unteren Etage ist nicht viel bester, namentlich an der nach der Stadtbahn zu gelegenen Seite. Hier ist noch nie ein desinfizierender Sonnenstrahl in die Räume gedrungen, da die nur ein paar Meter entfernte Stadtbahn alles Licht abschneidet. Bis vor kurzem waren an der Stadtbahnseite keine Doppelfenster. DaS Geräusch der Züge störte im Unterricht ungemein. Die Kinder sahen unwillkürlich nach den vorüberfahrenden Zügen. Was tat man? Man ließ die unteren Hälften der Fenster mit weißer Tünche sweichen, ivodurch statt Licht eine angenehme Dämmerung in den Klassen entstand. Im Sommer ist es auch an den schönsten Tagen während des Unterrichts nicht möglich, die Fenster zu öffnen, nicht bloß des Geräusches, sondern auch des stinkenden Lokomotivenrauches wegen. Auch sonst ist für die hygienischen Bedürfiiisse der Schule und Lehrer aufs jämmerlichste gesorgt. So lange die Schule steht, wünscht daS Kollegiun eine eigene Klosettgelegcnheit; alljährlich aber vergeblich. Die Lehrer müssen die Kinderklosettö auf dem Hof« be- nutzen und da sie daS in den Pausen nicht gut mit ihrem AnstandS- gefühl vereinigen können, und man es ihnen, fintemal sie die Kultur der high-lile noch nicht angenommen haben, nicht verdenken kann, so sind sie genötigt, während der Unterrichtsstunden die Klassen zu verlosten. Der Gesundheitszustand im Kollegium ist daher auch der denkbar schlechteste. Im vergangenen Quartal waren vier Lehrer erkrankt, zwei davon sind noch nicht wieder hergestellt, abgesehen von zahlreichen Erkrankungen von kurzer Dauer." DaS sind ja jämmerliche Schulzustände, die im vorstehenden ge- schildert sind; sie find einer Stadt wie Berlin geradezu unwürdig. UnS scheint nach Lage der Sache das ganze Schulgebäude für Schulzwecke überhaupt gänzlich ungeeignet und wir halten eS für dringend notwendig, sobald wie möglich auf Ersatz zu sinnen. Durch Arbeitslosigkeit in den Tod gewieben wurde der 27 Jahre alte Mechaniker Theodor KerSke auS der KöSliner Straße 6. Bor mehreren Wochen verlor K. feine Stellung und seitdem hatte erver- geblich versucht, wieder neue Beschäftigung zu erhalten. Er wußte schließlich nicht mehr, wovon er sich ernähren sollte und in der Ver- zweiflung griff er zum Strick. Er erhängte sich gestern in seiner Wohnung, und als man die Tat entdeckte, war der Lebensmüde be- reits tot. Ein EinbruchSdicbpahl wurde am Mittwochabend bei dem Kauf- Blücherfrr. 21. verübt. Die Täter gelangten mittels Nachschlüssels in die Wohnung;«8 fiel ihnen reichliche Beute zu. Gestohlen wurden ein Paar Brillant-Ohrringe im Werte von 3000 M., ein Brillant-Armband im Werte von 1500 M., eine goldene Damenuhr mit langer schwerer Kette und Brillantschicbcr mit mehreren kleinen Brillanten im Werte von 500 M. Von den Tätern fehlt jede Spur. Bier Mädchen verhaftet. Vier lockere Damen, die die Kriminal- Polizei schon seit langem suchte, wurden jetzt in Kuppclquarticren in, Potsdamer Viertel verhaftet. Im vergangenen Sommer wurden in Berlin einem japanischen Rechtsanwalt mehrere tausend Mark in bar und ein Kreditbrief über 16 000 M. von einem Mädchen gestohlen, das der Rechtsanwalt hier kennen ge- lernt hatte. Die Kriminalpolizei ermittelte, daß die Diebin eine gewisse Ida Thiele war. Das Mädchen war nach dem Diebstahl nach Dresden gefahren und tauchte später in verschiedenen anderen Städten auf. Vorgestern abend wurde die Vielgesuchte in einem Kupplerguartier in der Potsdamer Straße verhaftet. Bald darauf wurde in der Steglitzer Straße eine gewisse Else Förster ermittelt, die einem Herrn aus der Provinz außer einer erheblichen Summe die goldene Uhrkctte, Ringe und andere Schmucksachen, zum Teil wertvolle Familienstücke, gestohlen hatte. Fräulein Förster war mit der Beute nach Monte Carlo gefahren und erst jetzt zurück- gekehrt. Schließlich wurde auch noch eine Dame in Männer- tleidern verhaftet, die 21 Jahre alte Frida Melchert, die die Reise- begleiterin der Förster war. Sie geht nur in Männerkleidung aus und war längere Zeit„Klavierspieler" in kleinen Kneipen. Auch Ellen v. Schlichen geborene v. Below, die 22 Jahre alte internationale Hochstaplerin, wurde vorgestern endlich verhaftet, nachdem sie sich bisher mit großem Geschick allen Nachforschungen entzogen hatte. Aus der Lhronik der Einbruchsdiebstühle. Neu eingekleidet haben sich Einbrecher, die in der vorletzten Nacht in das Herren- Konfektionsgeschäft von Sachs in der Reinickendorfer Straße 92 eindrangen. Sie erbrachen die Schlöster und hatten nun freien Zutritt zu dem Laden. Unter den vorhandenen Beständen suchten sie sich die besten Anzüge aus und kleideten sich damit an. Ihre alten, abgetragenen Anzüge ließen sie im Laden zurück. Vielleicht werden sie ihnen noch zum Verräter werden. Als Beute schleppten die Einbrecher Anzüge und Stoffe im Werte von 1500 M. mit.— Ein weiterer Konfektionsdiebstahl wurde nachts auf dem Grundstück Ehausseestraße 88 ausgeführt. Eine aus mehreren Mitgliedern bestehende Einbrccherbande brach in das Herrengarderobengeschäft von Grimberg ein und stahl für nahezu 2000 M. Herren- und Knabenanzüge.— Ein„schwerer" Diebstahl wurde in der Nieder- lag« der EinkaufSgenostenschaft der Berliner Molkereibesitzer am Lehrter Bahnhof verübt. Dort fielen den Tätern für 600 M. ge- füllte Getreidcsäcke zur Beute. Ein neuer Dachstuhlbrand kam gestern um 11 Uhr zur Kenntnis der Feuerwehr. Diesmal brannte der Dachstuhl dcS Hauses Garten» strafe« 113, nahe der Elsasser Straße, nur wenige Häuser von der ersten Brandstelle Schröderstraße 15 entfernt. Auf der letzteren ist der Eckturm nachträglich eingestürzt und hat das Dach durchschlagen. Personen sind dabei glücklicherweise nicht verletzt worden. In der Gartenstraße 113 stand der Dachstuhl des Borderhauses in Flammen. Dies« hatten an dem Inhalt der dielen Bodenverschläge reiche Nahrung gesunden, so daß mit mehreren Schlauchleitungen Wasser gegeben werden mußte, bevor es gelang, den Brand, der ebenfalls vorsätzlich angelegt worden ist, zu löschen. Der Schaden ist in beiden Fällen sehr erheblich und rrifft auch Mieter, die nicht ver- sichert sind. Auf der Fahrt nach der Brandstelle verunglückte eine mechanische Leiter durch Radbruch und blieb liegen. Die Besatzung kam mit dem Schrecken und einigen Verstauchungen davon. An>dcr siebenten Abendstunde kam gestern in dem Eckhause Prenzlauer Allee-Fricdrichstraße schon wieder ein Dachstuhlbrand aus. Die Feuerwehr war bald mit sechs Löschzügen zur Stelle und griff über drei mechanische Leitern von beiden Straßenfronten mit mehreren Dampfspritzenrohren ein. Trotzdem dauerte es fast eine Stund«, bis die Gewalt des Feuers gebrochen war. Es liegt wieder Brandstiftung vor. Während des Brandes stockte der Straßenbahn- werkehi in der dortigen Gegend. Straßensperrungen. Die Heiligegeisfftraße von der Heiligegeist- gaste bis zur St.-Wolfgangswaße, die Heisigegeistgasse von der Heiligegeiststraße bis zur Spandauer Straße werden behufs Asphaltierung vom 23. d. M. und die Viktoriastraße vom Kemper- ilatz bis zur Margaretenstraße vom 27. d. M. ab bis auf weiteres Tu Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Vorort- I�acdricbtm. Charlottenbnrg. Eine neue Säuglingßfürsorgrstelle wird am heutigen Tage jenseits der Spree in der Tauroggener Straße 9 eröffnet. Die Sprechstunden in den hiesigen Säugliiigsfürsorgestcllcn finden statt: in Fürsorgestelle l, Am Lützow 12»: Dienstags, Freitags und Sonn abends von 2— 3 Uhv nachmittags; in Fürsorgestelle II, Schill«* stratze 42: Montags und Donnerstags von 2— 3 Uhr nachmittags; in Fürsorgestelle III, Scharrenstr. 32: Menstags und Donnerstags von 1— 2 Uhr nachmittags; in Fürsorgestelle IV, Nehringstr. 11: Montags, Mittwochs und Freitags von 2— 3 Uhr nachmittags; in Fürsorgestelle V, Tauroggener Straße 9: Dienstags und Freitags von 2— 3 Uhr nachmittags. In den Fürsorgestellen, die das ganze Jahr hindurch geöffnet sind, wird sachkundiger Rat über Säuglingspflege und Säuglings- ernährung erteilt und auf Wunsch gute Kiudermilch in Halbliter- f laschen zum Preis von jetzt 10 Pf. abgegeben. Unbemittelte können die Milch auf Empfehlung des ArinenkommissionsvorsteherS und bei Haltekindern(für die kein Pflegegeld von der Stadt gezahlt wird) des zuständigen Waisenrats unentgeltlich erhalten. Auf An- ordnung des Arztes der Fürsorgestelle wird die Nahrung nötigen- falls in trinkfertigen Portionen verabreicht. Unbemittelte können auch diese trinkfertigen Portionen unentgeltlich erhalten. An stillende Mütter werden Stillprämien gewährt, und zwar in der Hauptsache an solche Mütter, denen wegen ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse ohne die Beihülfe das weitere Stillen ihres Kindes nicht oder nur schwer möglich wäre. Kinder, die das erste Lebensjahr überschritten haben, find von der Benutzung der die Benutzung der ürsorgestelle ausgeschlossen. Voraussetzung für . ürsorgestellen und die Milchabgabe ist. daß die Kinder in der Regel wöchentlich einmal dem Arzt in der Fürsorge- stelle vorgestellt werden. Die Stadtgemeinde hat zur weiteren Förderung des Sclbst- stillenS dem Charlottenburger Hauspflegeverein Mittel zur Ver- fügung gestellt, um unbemittelten Schwangeren, ver- heirateten und unverheirateten, schon in den letzten Wochen vor der Entbindulig Unterstützungen— meist kraftrgcs Mittag. essen auf die Dauer von vier Wochen— zu gewähren, damit sie demnächst imstande sind, ihr Kind möglichst selbst zu nähren. Ter Hauspflegeverein hat dazu eine besondere Vorernährungsabteilung eingerichtet, deren Geschäftsstelle sich Marchstr. 7t befindet und Dienstags und Freitags von 10— 11 Uhr vormittags geöffnet ist. Bedürftige Schwangere, die diese Unterstützung in Anspruch nehmen wollen, haben sich schon möglichst lange vor der voraussichtlichen Entbindung dort zu melden. Die Inanspruchnahme der Fürsorgestellen und die Vorernäh- ruiig. und der Bezug der Milch usw., auch dann, wenn er ganz unentgeltlich erfolgt, gilt nicht als Armenunterstützung. Wilmersdorf. Die Neuwahlen zum Grwcrbrgericht sind nunmehr ausgeschrieben. Der Ort ist in vier Wahlbezirke eingeteilt entsprechend den Polizei- revieren. Die Wahl der Arbeitnehmer findet am Mittwoch, den 27. Mai, von nachmittags 4 Uhr bis abends 9 Uhr statt. Der L Bezirk(alter Orr, 8. Polizeirevier) wählt Viktoria-Garten, WilhelmSaue 114/115. II. Bezirk(Halensee. 10. Polizeirevier) Kaiser-Wilhelm-Garten, Kurfürstendamm 121/122. in. Bezirk(nördlicher Ortsteil. S. Polizeirevier) im Lokal von Gebell. Uhlandstr. 138/139. IV. Bezirk(Friedenauer OrtSteil, Polizeirevier 7) im Restaurant Schütze, Bernhardstraße. Wahlberechtigt ist jeder Arbeiter mit dem vollendeten 25. Lebens- jähre, der am Tage der Wahl in Wilmersdorf wohnt oder am Orte beschäftigt ist. Formulare zur Legitimation werden in der GerichtSfchreiberei des Gewcrbegerichts, Brandenburgische Straße 1, Zimmer 4, von 8—2 Uhr verabfolgt. Wcistensee. Ein Unglücksfall hat sich vorgestern auf dem Antonplab zu» getragen. Der 31jährige Kutscher Max Scholz, der bei dem Fuhr- Unternehmer Heinrich in der Gäblcrstraße in Stellung war, war mit einem leeren Fuhrwerk durch die Königstraße gefahren. Beim Einbiegen in den Antonplatz nahm er die Kurve etwas zu scharf, wodurch er das Gleichgewicht verlor und kopfüber vom Bock her- unterslürzte. Der Verunglückte blieb mit den Kleidern an den Wagenrädern hängen und wurde eine große Strecke initgcschlcift. Erst als die Pferde durch Paffantcn zum Stehen gebracht worden waren, konnte der Bedauernswerte aus seiner schrecklichen Lage befreit werden. In besinunngslosem Zustande schaffte man ihn nach dem Auguste-Viktoria-Krankenhause, wo schwere innere Ver- letzungen und eine Gehirnerschütterung beim ihm festgestellt wurden. Dr. Pape» Dienstenilassung. Die Komödie mit unserem ersten besoldeten Schöffen scheint zum Schluß zu kommen. Nahezu fünfviertel Jahre dauerte die Disziplinaruntersuchung gegen Dr. Pape mit allen ihren Ncbenumständen. Vor zirka einem Monat fand Termin vor dem KreisauSschuß statt und jetzt erst sickert das Resultat durch, welches die Verurteilung auf Dienst» cntlassung ausspricht. Mit peinlicher Sorgfalt wurde die Eni- scheidung bisher zurückgehalten, weshalb, erscheint uns unerklärlich. Die gesamte Bevölkerung hat Interesse an dem Urteil, war sie doch wohl mit wenigen Ausnahmen auf verschiedenen Gebieten mit diesem Herrn in Konflikt geraten. Dr. Pape wird ganz selbst- verständlich von dem Rechtsmittel der Berufung Gebrauch machen. Französisch- Buchholz. Die letzte Gcmrindevertrctersitzung stimmte der Aufnahme einer Anleihe von 23 000 M. zur Bestreilung der Kosten für den zum Bau der Industriebahn zu erwerbenden Grund und Boden und einer Anleihe von 30 000 M. als erste Rate zum Bau der Schule zu. Beide Summen sollen der Kreis-Sparkast«, die erstere zu einem Zinsfuß von 5 Proz. und die letztere zu 7 Proz. entliehen werden. Es soll ferner ein neues Spritzenhaus mit Steigeturm und einigen Wohnungen zur eventuellen Unterbringung der durch Brandschaden obdachlos gewordenen Familien erbaut werden. Das Projekt, das mit 18 100 M. Kosten veranschlagt ist. wird die nächste Sitzung nsch einmal beschäftigen. Desgleichen wird die nächste Sitzung über den Bau einer neuen Leichenhalle mit daranschließender Wohnung für den Totengräber beraten. Potsdam. Seglerunsall. Gestern in der Mittagsstunde kenterte zwischen der Bootsbaucrei Tübbcck und dem Depot des königlichen Wasser- bauamtes ein Segelboot in der Havel. Die Insassen hatten mit dem Sonderklassenboot eine Partie von Berlin nach Potsdam unternommen und erlitten kurz vor ihrem Ziel den Unfall. Dem Kapitän Meier vom Rcgierungsdampfer„Mark" gelang die Rettung der Insassen, die ahne Spaden die Leimsahrt� per Bahn antraten. kommunales. Aus der Stadtverordneten-Bersammlung. Die Zahnpflege der Schulkinder wird durch den Beschlutz, den die Stadtverordnetenversammlung gestern gefaßt hat� schwerlich gefördert werden. Ueberwachung, aber keine Behandlung— das ist der Standpunkt, auf dem die Mehr- hcit beharrt. Der Ausschuß, der diese Angelegenheit vorzubcraten gehabt hatte, war weiter gegangen. Aber die Getreuen Cassels machten das nicht mit. Warum eine Ueberwachung der Zahnpflege nicht ohne gleichzeitige Behandlung der Zähne denkbar ist, das wurde von unserem Genoffen Dr. Wey! dargelegt. Er hob her- vor, daß die Zahnbehandlung eine vorbeugende Maßregel zum Schutz gegen Krankheiten mancherlei Art ist. Doch der Gedanke, zunächst mal für einen Schulkreis versuchsweise im Anschluß an ein Krankenhaus eine Schul-Zahnklinik einzurichten, wurde nur von einer Minderheit unterstützt. Was übrig blieb und den Beifall der Mehrheit fand, ist so wenig, daß der Magistrat in diesem Beschluß einstweilen k ei n e Mahnung sehen wird, etwas für die Zahnpflege der Schulkinder zu tun., Vielleicht hat mancher der Freisinnigen sich von der Erwägung leiten lassen, daß die Arbeiterkinder schon deshalb keine Zahn- behandlung brauchen, weil sie oft nichts zu beißen haben. Die Not der hungernden Kinder ist in diesem Jahre besonders groß. In der Stadtverordnetenversammlung ist in den letzten Monaten mehrfach die Frage erörtert worden, wie.die Stadt ihnen helfen könne. Von neuem wurde gestern auf diese Pflicht der Gemeinde hingewiesen durch einen Antrag, den die sozial- demokratische Fraktion eingebracht hatte. Warum soll nicht auch in den Sommermonaten die notwendige Hülfe gewährt werden? Ter Antrag, der das fordert, wurde von unserem Genossen Borg- mann begründet mit den Erfahrungen, die bei den Kinder- speisungen des Monats März gemacht worden sind. Wenn im März diesmal 222 000 Portionen Mittagessen gegeben werden mußten, so liegt es auf der Hand, daß die Gemeinde nicht vom April an plötzlich ihre Hülfe versagen darf. Borgmann forderte, daß man in solchen Fragen nicht Sparsamkeitsgründe den Aus- schlag geben lasse. Herr Cassel versicherte, auch für ihn sei der Kostenpunkt kein Grund, etwas zu unterlassen, was nötig sei. Solche Versicherungen klingen ja sehr schön. Aber wir wollen abwarten, ob nicht der Ausschuß, dem der Antrag überwiesen wurde, am Ende zu dem Ergebnis kommen wird, daß eine Fort- sctzung der Kindcrspcisungen nicht nötig sei. Rgitatiousverein für Landsberg-Soldt«. Heute abend 8'/, Uhr Versammlung tm GewerkschastZhause. G-jte willkommen. Smgegangcne vrucksckriften. Neuen Zeit«(Stullgart, Paul Singer) ist soeben da« 26. Jahrgangs erschienen. ES bal solgcnden Inhalt: Von der 30. Heft des � Zum l. Mal.— Die Maifeiervereinbaruna. Bon Wsthelm Dittmann (Frankfurt o. M.).— Das Glanzjahr. Von Wilhelm Düwell.— Allohol und Frauenarbeit. Von F. van der Goes.— Die Heilsarmee und die Arbeilerklasse. Von Ida Altmann.— Berufung gegen SchwurgerichiS. urteile. Von Tb. Huth.— Literarische Rundschau: Carotine Atilhaud, L'onvriere en France. Von Therese Schlesinger.— Nolizcn: Woher iommt die ständige Zunahme der Unfälle? Von E. 0.— Zettschristcnschau. Die.Neue Zeil- erschcim wöchentlich einmal und Ist durch alle Buch» Handlungen, Poilanstallen und Kolporteure zmu Preise von 3,25 M. pro Quartal zu bezichen; jedoch kann dieseloe bei der Post nur pro ÖuarlaI inten werden. Das einzelne Heft kostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Versügung. mann Nather. Blücherftr. 21, verübt... Perantwortlichcr Redakteur: Georg Tavidsohn, Berlin. Für denJnseratenteil vcrantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Perlag: Vorwärts Buchdruckerei t«. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW.