Nr. 97. Hbonnements- Bedingungen: bonnements. Breis pränumerando Bierteljährl. 8,30 m, monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Belt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Bost- Zeitungs Breisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich außer Montags Vorwärts Berliner Volksblaff. 25. Jahrg. Die Insertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene olonel geile oder deren Raum 50 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Pig., jedes meitere Bort 10 Big. Stellengesuche und Schlaf. stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Big. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition is bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Volksschullehrer und Landtagswahlen. Die Lehrer find zu feige, fie fürchten die Anrüchigkeit. Diesterweg. Die preußischen Volksschullehrer find unzufrieden und grollend entlädt sich ihr Zorn in den Lehrerversammlungen und in der pädagogischen Presse. Sonnabend, den 25. April 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. den grundsäglichen Schulfeinden auf tonservativer und den heutzutage noch Lehrer in Preußen gibt, die auch nur in Bildungsheuchlern auf liberaler Seite ist es auch damit vorbei. dieser gefahrlosen negativen Weise zugunsten einer wirklichen Denn wer ist ein so hirnverbrannter Tor, daß er noch den Befreiung Preußens und damit zugunsten der Erringung einer liberalen Theaterdonner im Landtage über konservative Schul- freien Schule zu handeln wissen, wagen wir nicht zu bejahen. feindschaft und Kulturgegnerschaft ernst nimmt, während im Denn es ist derselbe Diesterweg, der ein halbes Dugend Jahre Reichstag Liberale und Konservative Arm in Arm den Kultur- später demselben Freunde mit ingrimmigem Borne schrieb: fortschritt in die Schranken fordern? Bei der Macht der Pfaffen und bei der Hundedemut Bedientenhaftigkeit unserer meisten Lehrer wird es doch retour gehen." " und Das war 1855. Wie wird es 1908 sein? Das Tordiee- und Oftfee- Abkommen. I. Deflaration. Die preußischen Lehrer winden sich in dieser Zwidmühle unbehaglich hin und her. Am empfindlichsten sind sie das ist begreiflich in der Besoldungsfrage. Und gerade in dieser Beziehung ist den Lehrern in den letzten Jahren eine Kraft der Entsagung zugemutet worden wie feiner zweiten BeamtenSie haben auch hinreichenden Grund zur Unzufriedenheit, fategorie. Obwohl sie bei ihrer färglichen Besoldung die Der Gründe gibt es sogar so viele und so kräftige, daß sie Folgen des Bollwuchers doppelt spüren, müssen sie sich noch bei Männern mit weniger sanftmütiger Geduld und weniger immer mit den fläglichen Sägen des Besoldungsgesetzes vom zur Aufrechterhaltung des territorialen status quo in den an die Jm hiesigen Auswärtigen Amt wurde vorgestern ein Abkommen Tammherziger Gelassenheit längst zur hellen Empörung geführt Jahre 1897 abfinden. Gelegentliche winzige Teuerungszu- Nordsee grenzenden Gebieten von dem Staatssekretär des Aushätten. lagen wirken wie blutiger Hohn auf die trasse Not in den wärtigen Amtes, den großbritannischen und französischen Botschaftern Die preußische Volksschule wird noch immer als das ver- meisten Lehrerhäusern. Noch erbitternder wirken die vor den sowie den schwedischen, dänischen und niederländischen Gesandten achtete Aschenbrödel des Staates behandelt, das wohl einige Hottentottenwahlen und später gemachten aber niemals inne- unterzeichnet. Und zugleich unterzeichneten im ruffischen Ministerium nügliche Stulturarbeit verrichten darf, im übrigen aber nur in gehaltenen Versprechungen vom Regierungstisch. Dabei ist des Aeußern in Petersburg der russische Minister Jawolsti, der einer verlorenen Ede in Schmutz und Asche geduldet wird. dem liberalen Groll in der Lehrerschaft durch die Bundes- deutsche Botschafter sowie der dänische und schwedische Gesandte ein Die äußere Schulorganisation ist so antiquiert und hinter- genossenschaft zwischen der Regierung, den Konservativen und ähnliches Abkommen bezüglich der Ostsee. wälderisch wie meisten preußischen Staatseinrich den Liberalen ein sehr ungewohnt wirkender Baum angelegt. Nach der Mitteilung des Wolfffchen Telegraphenbureaus tungen. Von dem gleichen Recht für alle ist nirgends Der ganze Unmut in der Lehrerschaft kommt in einem Artikel hat das die Rede; überall herrscht das Vorrecht, das flassenstaatliche in der Pädagogischen Zeitung" zum Ausdruck; aber auch die Nordseeabkommen Privileg; Schulforderungen werden nicht auf ihre sachliche ganze Unklarheit, mit der die Lehrerschaft der gegenwärtigen in deutscher Ilebersetzung folgenden Wortlaut: Berechtigung, sondern als Tausch und Schacherobjekte Situation gegenübersteht. Er findet schließlich einen Ausweg gewertet; Geldaufwendungen werden erst von Fall zu durch eine Anleihe bei Goethe: Nimmer sich beugen, kräftig Fall gemacht und nur dann, wenn die Schulnot geradezu fich zeigen!" zum Himmel schreit. Und im Innern der Schule sieht Das wäre eine ganz Lobenswerte Parole, wenn nur es nicht besser aus: längst überlebte Lehrmethoden, die nie- irgend etwas Ernstliches dahintersteckte. Aber wie weit der mals ein eigentliches Lebensrecht hatten, beherrschen das Feld; Wagemut der Lehrerschaft geht, das zeigt ein in derselben starrer Drill, herrschsüchtige Bevormundung, knöcherne Bureau- Nummer der Päd. 8tg." enthaltener Bericht über eine Vertratie grinsen Lehrer und Schüler aus jeder Ecke entgegen; sammlung der Bereinigung für Schulpolitik, in der im Beider lebendigen Initiative der Lehrer ist kein noch so bescheidenes fein liberaler Abgeordneter und Kandidaten, wie Goldschmidt, Plätzchen eingeräumt. Rosenow, Hoff. Stähler und Schepp, über die schulpolitischen An der Spitze der preußischen Schultaserne löften bisher Forderungen debattiert wurde, die im Interesse der BoltsMänner einander ab, die bis zu ihrer meistens un- schule an die preußischen Landtagskandidaten gestellt werden erwarteten Berufung als Kultusminister sich niemals zuvor sollen. Man einigte sich auf zwölf Forderungen, die zum berufsmäßig als auch nur aus privatem Interesse mit dem Teil recht fortschrittlichen Charakter tragen. So heißt gleich Schulwesen beschäftigt hatten. Der gegenwärtig amtierende die erste: Notwendigkeit eines sozialen Auf- und Ausbaues höhere Beamte, der bis vor kurzem irgend einen Plaz im unseres gesamten Bildungswesens durch Fortfall aller VorEisenbahnminifterium ausfüllte, hat sich vor einigen Tagen und Kastenschulen und Schul- und Lehrmittelfreiheit begabter zum ersten Male in einem flüchtigen Rundgang das Innere Schüler auf höheren Schulen." Die Forderung ist so umeiner Berliner Volksschule angesehen. Vielleicht war es überHaupt die erste Volksschule, die der Herr von innen gefehen hat. " fassend und radikal, daß sie in Zukunft so wenig von irgend einer liberalen Regierung oder einem liberalen Parlament auf den Schild erhoben und noch weniger verwirklicht werden wird, als es So armselig die preußische Voltsschule innerlich und äußer- bisher schon geschehen ist. Trogdem traten die liberalen Ablich gestellt ist und so laienhaft und verständnislos fie geleitet geordneten Goldschmidt, Rosenow und Hoff voll und ganz wird, so armselig ist auch die materielle Lage der Volksschul- und unentwegt" dafür ein, und ebenso die zwei Kandidaten Ichrer und so herabseßend und unwürdig werden sie behandelt. Kähler und Schepp, und ebenso werden es alle übrigen Hat die Volksschule feinen höheren Zweck als den Kapitalisten liberalen Kandidaten tun, denen diese Forderung vorgelegt brauchbare Arbeitskräfte, dem Staate geduldige und hurra wird. Und ebenso bedenkenlos werden sie die übrigen elf patriotische Steuerzahler und der Kirche fromme augenver- Forderungen anerkennen und sie werden feierlich versprechen, drehende Schäfchen zu züchten, so bedarf es auch für die dafür einzutreten. Warum auch nicht? Versprechen bedeutet Handlanger bei diesem Geschäft, für die Lehrer, keiner tiefen noch nicht halten. Und wenn sie selbst im Landtage im Bildung, feiner geachteten Stellung und feiner ausreichenden Sinne dieser Forderungen einige Schaumschlägerei versuchen Besoldung. Von der Regierung werden sie als untere Beamte sollten, so ist das auch nicht weiter bedenklich, die Konservaohne das Recht einer eigenen Ueberzeugung und eines auf- tiven werden schon augenzwinkernd dazu ihre Glossen machen! rechten Charafters betrachtet; die konservativen Parteien sehen Die Forderungen werden wie ein Ruf in der Wüste verden Schulmeister verächtlich über die Achsel an; und das hallen, so lange sie nur von den liberalen Leisetretern erliberale Bürgertum estimiert ihn noch so eben als brauchbaren hoben werden, bei denen nicht der entschlossene, rücksichtslose politischen Klopffechter. Ueber dieses geringe Maß von Wille hinter den Forderungen steht, sondern nur die Achtung aber sind die Lehrer so gerührt, daß sie dem Libe- schlotternde Furcht um den Verlust oder die stammelnde calismus seit Jahrzehnten die gehorsame Treue eines Pudels Gier nach dem Gewinn eines Mandats. Die einzige entgegenbringen. Partei, die es mit den fortschrittlichen Lehrerforderungen Dabei hat der Liberalismus niemals ernstlich etwas für ernst meint, ist die Sozialdemokratie. Und nicht etwa die Volksschule getan. Es hat Zeiten gegeben, in denen der der schönen Augen der Lehrer wegen, sondern im Interesse Liberalismus von ausschlaggebender Bedeutung im preußischen des Volkes, im Interesse der Arbeiterschaft, und damit im Landtage war; von ausschlaggebenden Taten für die preußische dringendsten Interesse der Sozialdemokratie selbst. Die Volksschule melden die Chroniken jener Zeit aber nichts, wenn Arbeiterschaft allein hat ein reines und ehrliches Interesse an man nicht die glorreiche Heldentat, durch die 1860 die beiden der wirklichen und gründlichen Hebung der Volksschule und einzigen fonsequenten Schulpolitiker Diesterweg und Harkort damit auch der Volksschullehrer. wegen ihrer Opposition und Forderungen" aus der Unterrichts" Aber die Lehrer fönnen feine sozialdemokratischen Wahltommission des Abgeordnetenhauses hinausgewählt wurden, männer wählen, wird man uns sagen. Leider haben sich die als eine solche liberale Glanzleistung ansehen will. Man preußischen Volksschullehrer diese Ünabhängigkeit noch nicht muß sich große Hoffnungen aus dem Kopfe schlagen. Das erkämpft. Aber sie tragen nur dazu bei, diese Abhängigkeit Militär verschlingt alles." So schrieb Diesterweg damals in und Rechtlosigkeit zu verlängern, wenn fie gedankenlos wie bitterer Enttäuschung an einen Freund. bei früheren Wahlen das feigherzige verräterische Element des Und so wie der Liberalismus schon damals den mili- Liberalismus im Landtage stärken und dadurch die Abschaffung taristischen Ansprüchen gegenüber feige zusammenkniďte, wenn des erbärmlichen Dreiklassenwahlrechts mit der geradezu unauch mit saurer Miene und mit prinzipiellen Vorbehalten, so moralischen öffentlichen Abstimmung erschweren. Es gibt für hat er das im Laufe der Jahre und Jahrzehnte immer mehr die Voltsschullehrer in solchen Wahlkreisen, in denen sie durch getan, bis er in den letzten Jahren endlich auch noch auf das ihre Abstimmung für einen Liberalen nur dessen Wahlausliberale Gefnatter mit Plakpatronen verzichtete und seitdem sichten gegenüber einem Sozialdemokraten verbessern würden, gleich von Anfang an mit fliegenden Fahnen in die Reihen einen Ausweg, den wir ihnen umso ruhiger empfehlen können, der militär-, marine- und kolonialfrommen Regierungsparteien als ihn zuerst einer der besten und tapfersten preußischen Lehrer einschwenkte. Sein Wunder, daß immer weniger Geld für die und Schulpolitiker begründet und angewendet hat: Diesterweg Schule übrig bleibt, wenn der unerfättliche Rachen des Moloch schrieb am 11. Juli 1849 aus Berlin an seinen Freund in immer mehr verschlingt! Elberfeld: An den Wahlen beteilige ich mich Schlechter als je steht es um die preußische Boltsschule nicht. Die Deffentlichkeit der Abstimmung ist die stärkste in der gegenwärtigen Aera der Blockfreundschaft zwischen Schraube, welche das absolute Regiment erfunden hat eine Liberalen und Konservativen. Die Liberalen konnten sich öffentliche Konduitenliste, statt der abgeschafften heimlichen, bisher wenigstens noch im Landtag den Lurus erlauben, ich werde sie nicht stärken. Die große Mehrzahl der mit großen Worten für die freie Schule einzutreten, so daß hiesigen Lehrer stimmt nicht mit." " ie für naive Gemüter immer noch als ernsthafte Schul- So löste Diesterweg damals den standalösen Gewissensreunde gelten konnten. Seit der Duzfreundschaft zwischen konflikt, in den die Brutalität der Reaktion ihn trieb. Db es Die Regierungen von Deutschland, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Schweden find von dem Wunsche geleitet, die zwischen ihren Staaten bestehenden Bande nachbarschaftlicher Freundschaft zu stärken und dadurch zur Er haltung des allgemeinen Friedens beizutragen, und stimmen in der Ueberzeugung überein, daß ihre Politit mit Bezug auf die an die Nordsee grenzenden Gebiete die Aufrechterhaltung des jetzigen territorialen status quo zum Gegenstande hat. Sie erklären dess halb, daß sie fest entschlossen sind, die zurzeit bestehenden Hoheits rechte ihrer Staaten an ihren Gebieten in jenen Gegenden un berlegt zu erhalten und gegenfeitig zu achten. لكاتـ Sollten irgendwelche Umstände eintreten, welche nach Ansicht einer der vorgenannten Regierungen den gegenwärtigen status quo in den an die Nordsee grenzenden Gebieten bedrohen, fo werden die Signatarmächte der gegenwärtigen Deklaration mit einander in Verbindung treten, um sich im Wege einer Vereinbarung untereinander über Maßnahmen zu ver ständigen, die sie im Interesse der Aufrechterhaltung des status quo ihrer Besigungen für nüßlich halten möchten. Die gegenwärtige Erklärung wird mit tunlichster Beschleunigung ratifiziert werden. Die Ratifikationen werden möglichst bald und spätestens am 31. Dezember 1908 in Berlin niedergelegt werden. leber die Niederlegung jeder Natifikation wird ein Protokoll aufgenommen werden, von dem eine beglaubigte Abschrift auf diplomatischem Wege den Signatarmächten übermittelt werden wird. II. Memorandum. Bei Unterzeichnung der Deklaration vom heutigen Tage stellen die Unterzeichneten im Namen ihrer Regierung folgendes feft: 1. daß der durch diese Deklaration anerkannte Grundsatz der Aufrechterhaltung des status quo nur die territoriale Integrität aller gegenwärtigen Besitzungen der hohen vertragschließenden Teile in den an die Nordsee grenzenden Gegenden ins Auge faßt, daß daher die Deklaration in feiner Weise angerufen werden kann, fobald es sich um die freie Ausübung von Hoheitsrechten der hohen vertragschließenden Teile über ihre obenerwähnten Befizungen handelt. 2. daß im Sinne der Deklaration die Nordsee sich nach Osten bis zu ihrer Vereinigung mit dem Gewässer der Ostsee erstreckt. Das in Petersburg unterzeichnete Ostsee- Abkommen lautet in deutscher Uebersetzung: I. Detlaration. im Seine Majestät der Deutsche Kaifer, König von Preußen, Seine Majestät der König von Dänemark, Seine Majestät der Kaiser von Rußland und Seine Majestät der König von Schweden hegen den Wunsch, die zwischen ihren Staaten bestehenden Bande nachbarschaftlicher Freundschaft zu stärken und dadurch zur Erhaltung des allgemeinen Friedens beizutragen, und stimmen in der Ueberzeugung überein, daß ihre Politit mit bezug auf die an die Ostsee grenzenden Gebiete die Aufrechterhaltung des jetzigen territorialen status quo zum Gegenstande hat. Ihre Regierungen erklären deshalb, daß sie fest entschlossen sind, die Rechte Seiner Majestät des deutschen Kaisers, Königs von Preußen, Seiner Majestät des Königs von Dänemark, Seiner Majestät des Kaisers von Rußland und Seiner Majestät des Königs von Schweden an ihren festländischen und insularen Befizungen in den genannten Gegenden unverlegt zu erhalten. Sollte der gegenwärtige territoriale status quo in den Gegenden durch irgend welche Ereignisse bedroht werden, so werden die Regierungen der vier Signatarmächte der gegenwärtigen Defla ration miteinander in Verbindung treten, um sich über die Maßregeln zu verständigen, die sie im Interesse der Aufrechterhaltung des status quo für nüßlich halten sollen. II. Memorandum. Bei Unterzeichnung der Deklaration vom heutigen Tage stellen die Unterzeichneten im Namen ihrer Regierungen fest: daß der durch diese Deklaratton anerkannte Grundsatz der Aufrechterhaltung des status quo nur die territoriale Integrität aller gegenwärtigen Befizungen der hohen vertragschließenden Teile in den an die Ostsee grenzenden Gegenden ins Wuge faßt und daß daher die Deklaration in teiner Weise angerufen werden tann, sobald es sich um die freie Ausübung von Hoheitsrechten der hohen vertragschließenden Teile über ihre oben erwähnten Befizungen handelt. Die beiden Berträge entsprechen dem Garantieabkommen, das vorigen Jahre England, Frankreich und Spanien über den status quo tm Mittelmeer abgeschlossen haben. Für den Fall ernster. die LcbenSinteressen der beteiligten Mächte betreffende Streitigleiten sind selbstverständlich diese Abmachungen, wie alle theoretischen Garantieerklärungen wertlos. Denn im Kriegsfalle ent- scheidet einfach die Macht der Paffen. Handelt es sich aber um ge- ringere Zwistigkeiten, so hat die Bestimmung entschieden ihren Wert, daß die bedrohte Macht sich an die übrigen Signatarmächte wenden kann, und diese darauf zunächst in Unterhandlungen miteinander eintreten zu haben, um sich über die nötigen Maßnahmen zu der« ständigen. Besonders für die kleinen Mächte, die im Streit mit den Großmächten ihren Argumenten nicht durch den Hinweis auf die bereitstehenden Armeen und Panzergeschwader den nötigen Nachdruck zu verleihen vennögen, bedeuten die beiden Abkommen eine Per- besserung ihrer bisherigen Position. Bielleicht wichtiger noch als diese Verminderung der Kriegs- gefahr ist jedoch die Tatsache, daß das Nordsee-Abkommen, zu dem die Verhandlnngen von deutscher Seite ausgegangen sind, wieder Deutschland und England einander näher bringt. Jahrelang hat das gegenseitige Mißtrauen die politischen Beziehungan beider Mächte zu einander getrübt, und wenn auch dieses Mißtrauen noch keineswegs ganz gewichen ist, so sind doch nun die Ansätze zu einer wirklichen Entente vorhanden, wie sie England mit Frankreich ver- bindet. Und noch in anderer Hinsicht bedeutet das Abkommen eine Verbeffmmg der bisherigen gedrückten politischen Lage, näm- lich insofern, als dadurch die in den Niederlanden verbreiteten Ge- rüchte zurückgedrängt werden, das deutsche Reich trachte nach einer Angliederung Hollands. Weniger Bedeutung hat, wenigstens für Deutschland, der Ostsee- bertrag. Er berührt in erster Linie die Interessen Dänemarks und Rußlands, das, wenn auch direkt in dem Abkommen die Alands- Inseln nicht erwähnt werden, doch indirekt, durch den Satz, der jedem Staat die„freie Ausübung der Hoheitsrechte auf seinem Gebiet garantiert", die Berechtigung erhält die Alandsinseln zu befestigen— wenn es auch vorläufig kaum von diesem neuerlangten Recht Ge« brauch machen dürfte._______ lack wie yoie! Herr D ob e fühlt sich gedrungen. im„Berl. Tageblatt" zu erklären, daß ihm zu Unrecht die Mitvaterschaft an jenem sog.„Antrage Dove-Mommsen" zugeschrieben worden sei, in dem es echt nationalliberal hieß:„es muß auch auf geeignete Verbrauchssteuern zurückgegriffen werden." Dieser Antrag stamme vom Abg. Mommsen allein. Erst an der zweiten Resolution, die an die Stelle der zurückgezogenen ersten getreten sei, habe er mitgearbeitet. Wenn die Erklärung Dovcs einen Sinn haben soll, so kann es nur der sein, daß er nicht gleich seinen Fraktions- genossen Mommsen und H e ck s ch e r den Mut hatte, sich ehrlich zu den unausbleiblichen Konsequenzen der von ihm vertretenen Blockpolitik zu bekennen. Denn Herr Dove muß als Syndikus einer Handelskammer immer- hin soviel vom Ziehen einer Bilanz gelernt haben, um zu wissen, daß das Reichsdefizit aus t>Ov Millionen besteht und unmöglich durch ein paar Dutzend Millionen neuer direkter Steuern beseitigt werden kann! Daß es sich bei den direkten Steuern aber nur um eine dekorative Beschönigung der enormen indirekten Steuer- schröpfung handeln kann, weiß Herr Dove nur zu genau! Er kann sich gar nicht einbilden, daß der zu fünf Sechsteln aus Konservativen und Nationalliberalen bestehende Negierungsblock eine halbe Milliarde direkter Reichsstenern bewilligen wird! Die neue Resolution, die jetzt auch rechtmäßig der Name Doves ziert, ist zudem im Grunde nur die alte Resolution, denn die heuchlerische Forderung einer„ausreichenden Heranziehung der vermögenden Klassen" durch Ein- kommens-, Vermögens- und Erbschaftssteuern findet sich auch bereits in der alten Resolution. Auch die abgeschmackt-verlogene Forderung größerer„Sparsam- k e i t„insbesondere durch Herabsetzung der finanziellen Lasten der deutschen Wehrmacht" fehlte ja in der alten Resolution nicht. Als ob die famosen Sparpolitiker des Freisinns nicht allen Heeres-, Marine- und Kolonialforderungen mit Hurra z u st i m m t e n, als ob sie nicht erst vor einigen Wochen— trotz eines vorhandenen Defizits von 800 Millionen und trotz aller Steuern öte!— die neue Marine- Vorlage bewilligt hätten I Und als ob nicht die Erhöhung der Löhnung der Mannschaften und Unteroffiziere— ganz zu ge- schweigen von der Erhöhung der Osfiziersgehälter— eine weitere Erhöhung des Militärctats notwendig machte! Wie gesagt: all' die trügerischen Flausen der neuen Resolution standen bereits in der alten Resolution. Die einzige Aenderung besteht lediglich in der Ausnierzung Robert Schweicheis flusweifung aus Berlin 185S. Heute vor einem Jahre schied Robert Schweichel auS dem Leben. Unzählige Kränze mit roten wallenden Schleifen habe» wir dann seinem �.arge nachgetragen. Und mit Recht: denn er war unser seit vierzig Jahren! Schon 1848 saß der preußische Referendar nicht mehr am Tische der heiligen Göttin Justitia. Dafür hatte er die Sache der Arbeiter- schaft zu der seinigen gemacht. Die gerade auch in der„Stadt der reinen Vernunft" so unvernünftig als möglich wütende Reaktion fegte ihn vom Heimatsboden hinweg. Schwarz- Gold war ver- blichen! Rot war geblieben! Ungebeugten Hauptes ging der Dreiunddreißigjährige ins schweizerische Exil! DaS war 18S4 im �n�L a usanne am Genfer See siedelte er sich an. Rührte die Feder und lehrte an Instituten und an der Akademie. Ein knappes Jahr später war er Mitdirektor einer„Ecole pratique". die mit einem Pensionat verbunden war. Nun konnte er seine Braut heim- führen. Schon am 15. September reiste er nach seiner Heimatsstadt Königsberg. Nichts störte die schönen Tage seines Verwellens in der alten Pregelstadt: und wohlgemut trat er fast unmittelbar nach der Hochzeit mit seiner jungen Frau die Rückreise nach Lausanne an. Selbstverständlich führte sie über Berlin. Die Zeit verging während der Fahrt im Fluge. Am nächsten Morgen, als es tagte, winkte dies erste Rastziel verlockend näher und näher.... Und jetzt hat Schweichel das Wort! „Wir waren in Berlin," erzählte er mir.„Aber eZ gab nur einen einzigen Ausgang von dem Bahnsteig; alle anderen Türen »oaren verschloslen. Bor dieser allein offenen Türe, durch welche der Strom der Reisenden langsam, gleichsam in Tropfen, abfloß, stand wie der Engel vor dem Paradiese in Helm und Schwert ein Polizist. „Paß 1"— Als er den meinigen durchgesehen hatte, murrte er mit einer Nrmbewegung:„Beiseite treten r Meine Frau warf mir einen betroffenen Blick zu. Ich drückte ihr beruhigend die Hand und hielt diese in der meinigen fest, bis wir uns mit dem modernen Erzengel allein auf dem Perron befanden. Daraus drückte er sich seinen Helm fester und erklärte, daß ich ver- haftet sei. der Forderung«euer indirekter Steuern. Also in der u n- ehrlichenVerschweigung der Tatsache, daß eine durch den Block zu schaffende Reichsfinanzreform dem Volke eine neue indirekte Steuerbelastung in Höhe von mehreren hundert Millionen bringen muß und bringen wird! Sachlich ist es also„Jacke wie Hose", ob Herr Dove der alten oder der neuen Resolution zugestimmt hat.£>crm Doves Erklärung besagt lediglich, daß er nicht den Mut der Ehrlichkeit besessen hat! Die Kontrakfklavercl der Ausländer in(Preußen. Seit dem 1. Februar müssen bekanntlich die ausländischen ländlichen Arbeiter in Preußen sich mit einer Legitimations- karte versehen, die von der Deutschen Fekdarbeiterzentrale aus- gestellt wird. Die Karte lautet auf einen bestimmten Unter- nehmer, und man weiß, daß sie das Mittel sein soll, die aus- ländischen Arbeiter völlig zu vcrstlaven. Der Unternehmer be- hält die Legitimationskartc, und der Arbeiter, der ohne Zu- stimmung des Unternehmers seine Stelle verläßt, wird dann von den Behörden ausgewiesen, da er nicht im Besitze einer Legiti- mationSkarte ist. Dieser Legitimierungszwang ist im größten Umfange tat- sächlich ausgeführt worden. Bis Anfang April wurden nach einer offiziösen Meldung in den 31 Grenzämtern und Abfertigungsstcllen der Deutschen Feldarbeiterzentrale im ganzen rund L30000 Arbeiter, also mehr alö eine viertel Million, legitimiert. Die Regierung trägt sich sogar mit der Absicht, die Legitimierung auf sämtliche Ausländer auszudehnen und zu diesem Zwecke noch neue Grenzämter einzurichten. Den preußischen Maßnahmen haben sich bis jetzt acht deutsche Bundesstaaten angeschlosien. Mit den übrigen Bundes- staaten wird noch verhandelt. Aber mit der Versklavung der Landarbeiter scheinen sich die regierenden Borussen noch nicht zufrieden zu geben. Wie unser Frankfurter Parteiorgan berichtet, sind ihm auS groß- städtischen Fabriken und Werkstätten in den letzten Wochen zahl- reiche Mitteilungen darüber geworden, daß dcutschsprechende und seit langem angesiedelte, mit den heimischen Verhältnissen eng verwachsene Industriearbeiter, die bereits vor Jahren aus Oesterreich eingewandert waren, sich die Legitimationskarten der—„Deutschen Feldarbeiterzentrale" beschaffen mußten, deren „Abfertigungsstelle" für Westpreußen sich in Essen befindet! Die Arbeiter mußten für diese Legitimationen zwei Mark bezahlen, und verloren außerdem auf dem Polizeipräsidium ihre Zeit, wofür sie natürlich nicht entschädigt wurden! DaS Ungeheuerlichste folgt jedoch noch. Den Leuten, die An- fang Februar immer in Partien zu 5 bis 6 Mann auf dem Frank- fnrter Polizeipräsidium anzutreten hatten, wurde, wie die„Volks- stimme" mitteilt, von dem sie abfertigenden Beamten beinahe wörtlich, jedenfalls aber dem Sinne nach laut und im befehlenden Tone erklärt: „Wenn Sie Lohnstreitigkeiten mit Ihrem Prinzipal be- kommen, wird Ihne« die Karte entzogen und erfolgt sofortige Ausweisung." „Wir haben für diese borussische Polizeierklärung an moderne Industriearbeiter Westdeutschlands." schreibt die Frankfurter „V o l k s st i m m c".„eine ganze Reihe einwandfreier Zeugen. Sie kann von den betreffenden Beamten des Frankfurter Polizei- Präsidiums nicht bestritten werden. Sie bedeutet aber einen ungesetzlichen Eingriff ärgster Art in die völlige Arbeitsfreiheit, die auch ausländischen In- dustriearbeitern in Preußen durch die Gewerbegesetzgebung ge- währleistet ist. Bekanntlich sind in Preußen seit 18S9 durch die Gewerbeordnung alle Strafbestimmungen gegen Lohnvcrabredungcn aufgehoben. Und selbst der neue agrarische Regierungserlaß vom 21. Dezember IV07 sieht vor, daß jeder ungarische Feldarbeiter den Unternehmer wechseln kann, wenn er seine Legitimationskartc von der Polizei nach eventueller landrätlicher Untersuchung und Entscheidung umgeschrieben erhalten hat. Und für diese landrät- liche Entscheidung ist vorgeschrieben, daß sie„sowohl die Rechte der Arbeitgeber, als auch diejenigen der Arbeiter in objektiver und ausgleichender Weise gegeneinander abwägen, und berück- sichtigen" soll. Es ist also schon für die in Preußen rechtlosen Feldarbeiter vorgesehen, daß sie Lohnstreitigkciten mit ihren Unternehmern bekommen und daß dann, weit entfernt davon, daß Ausweisung eintritt, die Untersuchung und Entscheidung durch den Landrat eintritt. Wieviel mehr muß dasselbe für die gesetzlich in ihrer Koalitions- und ArbeitLfreiheit geschützten Industrie- arbeitcr zutreffen. Und da haben sich Frankfurter Polizeibeamte erlaubt, alle gesetzlichen Vorschriften und Instanzen aus eigener Machtvollkommenheit zu überspringen und österreichischen Fabrik- .Auch meine Frau?" Er sah diese mit einem halb erstaunten, halb mitleidigen Blick an und versetzte:„Nein, dazu bab ich keinen Befehl." .Sie darf also in ein Hotel fahren?" Er bejahte und schickte den Kellner deS Wartezimmers, vor dem wir imS befanden, nach einer Droschke. Meine Frau war tödlich blaß geworden, aber sie war rasch gefaßt als ich sie in die Droschke hob, nachdem ich dem Kutscher das Hotel genannt, wohin er fahren sollte. Der Polizeimann hatte uns bisher treu behütet. Jetzt verlangte er meinen Gepäckschein und ließ durch einen Packträger unsere Koffer in da» Polizeibureau des Bahnhofs schaffen. Der Beamte deutete ans einen der Stühle. .Danke!— ES wäre mir erwünschter, zu erfahren, weshalb ich verhaktet bin.".. .Glaub ich wohl. Wer ich kenne den Grund selbst nicht. Führe nur die Befehle auS, die mir von der vorgesetzten Behörde auf- getragen werden." Hiermit trat er an den Telegraphenapparat und begann darauf zu klappern. „Was ich Sie fragen wollte", wandte er sich wieder zu mir. .Wir haben Sie schon seit einiger Zeit hier erwartet. Sw sind doch über Berlin nach Königsberg gereist?" Ich glaubte ihm nicht, daß meine Reise von Lausanne an die preußische Polizei denunziert sein sollte und antwortete ihm nur kurz:.Allerdings, und ich habe damals hier in einem Hotel ge- nächtigt." .Wimderbar l" Er schüttelte den Kopf und schaute nachdenklich auf die beiden Koffer und eine Kiste, woraus mein Reisegepäck be- stand.»Also, Sie sind in Königsberg geboren und wohnen am Genfer See: Dann müssen Sie ja auch Ihren Landsmann Dr. A l b e r t D u l k kennen, der bei Montreux am See wohnt?" „Den kenne ich allerdings sehr gut." „Ich auch", rief er lebhast.„Bon seiner Reise durch Aegypten werden Sie ja wissen; ich bin damals sein Reisebegleiter gewesen und zurück nach Neapel und durch Italien. Man hat ja nicht immer in dieser Uniform gesteckt, wissen Sie. DaS war eine schöne, schöne Zeit, und der Doktor so ein prächtiger Mensch I' Seine Augen leuchteten, und er schloß mit einem Seufzer. Er hatte mich mißtrauisch gemacht und ich blieb«S. Möglich, daß er mich nur über Dulk ausholen wollte? Mochte es nun damit beschaffen sein, wie es wollte, mein preußischer Schutzgelst fuhr noch eine Weile fort, von der Rilfahrt zu schwärmen; dann sprang er von seinem Stuhl mit den Worten auf:»Aber jetzt zum Geschäft: arbeitcrn anzudrohen, schon bei bloßen Lohnstreitigkeitett tüti ihrem Prinzipal drohe ihnen Ausweisung! Der Frankfurter Polizeipräsident wird nicht umhin können, sofort eine Untersuchung und strenge Ahndung dieser Uebergrisfe eintreten zu lassen." Wir können uns diesen treffenden Ausführungen nur am schließen. Gegen diese Ungeheuerlichkeiten, die eine schwere Bedrohung des Koalitionsrechtes bedeuten, muß auf das energischste Front gemacht werden. Immer deutlicher tritt die Arbeiterfcindlichkeit Preußens hervor. Die politische Entrechtung der Arbeiterklasse Hai die preußische Rc- gierung offenbar in den Wahn gewiegt, daß sie sich gegen die Ar- beiter auch schon alles herausnehmen darf. Die Ausnahme- bestimmungen im Vereinsgesetz gegen die polnischsprechendeu Arbeiter und gegen die Jugendlichen, die Kontraktstlaverei der Ausländer— sie dienen alle demselben Zweck, das Koalitionsrecht der Arbeiter möglichst wirkungslos zu machen! Am 3. Juni muß der preußischen Regierung eine deutliche Antwort gegeben werden: Eine machtvolle Demonstration bei den Wahlen muß sie lehren, daß die Geduld der Arbeiter ihre Grenze erreicht hat! Wirksamen Widerstand aber wird der maßlosen Arbeiter- feindlichkcit der preußischen Regierung erst entgegengesetzt werde» können, wenn die Arbeiter in Preußen sich das gleiche Recht und eine mächtige Vertretung im Landtag geschaffen haben werden! Huö dem Cdahlkampf. Freisinnig! Breslau, 24. April.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Die Freisinnigen lehnten es ab, gegen sozialdemokrattsche Unter- stützung der freisinnigen Kandidaten ein LandtagSmandat an die Sozialdemokratie abzutreten. Der Freisinn stellt drei Beamte als Kandidaten auf. Vom verblockten Freisinn war ja etwa? anderes nicht zu erwarten. Er teilt lieber mit den nattonalliberalen Feinden dc: allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts!--- Eine zeitgemäße Erinnerung. Da die Freisinnigen aller Schattterungen uns fortgesetzt einzureden versuchen, daß die Reform des Preußen- Wahlrechts am besten durch eine Vermehrung der liberalen Landtagsabgeordneten erreicht werde, so kann nicht nachdrüci lich genug darauf hingewiesen werden, wie die Liberalen sich in der Praxis noch stets und überall gegenüber der Wahlrechtsfrage verhalten haben. Nach den bekannten Verschlechterungen des Wahlrechts in Kiel, Lübeck. Hamburg usw. war im April vorigen Jahres Rostock an der Reihe. In Rostock herrschte schon vorher weder das allgemeine, noch das gleiche Wahlrecht zur Bürgervertretung. Vielmehr waren nur diejenigen Einwohner über 25 Jahre wahlberechtigt, die sich das Bürgerrecht für 15 M. gekauft hatten. Und diese wählten keineswegs gleichmäßig, sondern in drei Klassen nach dem Ein- kommen: wer mehr als 4000 M. im Jahre einnahm, gc- hörte zur ersten Klasse, mit 1301 bis 4000 M. Jahres- einkommen gehörte man zur zweiten Klasse, mit weniger zur dritten, und jede Klasse wählte 20 Bürgervertreter auf je sechs Jahre. Auf diese Weise war das Wahlrecht der Armen arg eingeschränkt. Von mehr als 10000 Einwohnern, deren jährliches Einkommen weniger als 1300 M. betnlg. hatten nur 712 Mann das Bürgerrecht kaufen können. Damit waren die liberalen Herren recht zufrieden, bis es trotz alledem gelang, drei Sozialdemokraten in die Bürgcrvertrcwng hinein zubekommen. Flugs arbeitete der Rat ein neues Wahlgesci; aus mit der ausdrücklichen Begründung, die dritte Wählerklasse vor der„Auslieferung au die Sozialdemokratie" bewahren zu ivollen. Es wurde das Einkommen der ersten Klasse aus 6000 M., das der zweiten auf 2500— OYOO M. erhöht, so daß nunmehr alle, deren Einkommen unter 2500 M. bleibt, zur dritten Klasse gehören. Und diesem Gesetz stimmte die liberale Bürgervertretuug ohne weiteres z«! Wer bürgt uns dafür, daß eine verstärkte liberale Frakttou im preußischen Abgeordnetenhause nicht auch, falls ein paar Sozialdemokraten hineinkominen, freudig für Maßregeln zu haben ist. um das Parlament„vor der Auslieferung an die Sozialdemokratie zu bewahren"? Vom Zentrum aufgedeckter Zentrums-Wahlschwindel! Das Zentrum entpuppte sich als Feind und Hemmschuh einer demokratischen Wahlreform, als eS die Wahlparole aus gab. die Konservativen, diese ärgsten Gegner jeder Wahl reform, nach Kräften zu unterstützen. Unsere Brand- markung dieser schamlosen Vcrrätcrtaktik sucht die Zentrums presse mit den lendenlahmsten Ausreden zu parieren. So schreibt heute die„Köln. V o l k s- Z t g.": Ich habe den Befehl, Ihr Reisegepäck zu durchsuchen— nach gefährlichen Briefen und Schriftstücken." „Hier sind die Schlüssel I— Wer glauben Sie denn, das; jemand, der mit seiner nur eben angetrauten Frau nach Hause reisi. wirklich so borniert sein kann, seine Koffer mit staalSgefährliche». Papieren vollzustopfen?" „So borniert oder so schlau", murmelte er und betrachtete sinnend das Gepäck.„Na. wissen Sie was? Ihre Frau würde gewiß sehr ärgerlich sein, wenn sie entdeckte, daß einer ihre sauber gepackten Sachen wüst durchwühlt hat. Geben Sie mir also Ihr Ehrenwort, daß nichts Verdächtiges drinnen ist. so Millich nicht nachsuchen. Aber ich mache Sie daraus aufmerksam, daß auf dem Polizei- Präsidium, wohin ich Sie von hier schicken muß, Ihre Sachen noch- mal« visitiert werden könnten. Fände man etwas, so käme ich in deS Teufels Küche, und Ihnen Ware nicht geholfen." gab ihm mein Ehrenwort mit Handschlag und er schien froh zu fem. daß ihm die Arbeit der Visitauon erspart blieb. „Uebrigens kann ich Ihnen im Verlrauen sagen, daß Sie ein ganz hübsche« Verzeichnis von Sünden auf sich haben," fubr er fort und schlug da« dicke Buch auf dem Pult auf.„Da sehen Siel" Zwei Folioseiten waren mit meinem Sündenregister angefüllt. Olle Kamellen! Interessant aber war die Ueberschrift, an« der her- vorging, daß das Ganze eine telegraphische Depesche des Polizei- Präsidiums in Königsberg war.... Mir wurde daraus klar, warum man mich dort nicht belästigt hatte. Man wollte meine Papiere in die Hände bekommen, und das geschah am sichersten und voll- ständigsten, wenn ich in Berlin festgehalten und mein Gepäck mit Beschlog delegt wurde.... Inzwischen klingelte der Telegraph. „Vom Polizeipräsidium I— Ihre Frau soll auch mitkommen. Na, holen wir sie also auf dem Weg zum Molkenmarkt ab I" Eine Droschke wurde geholt, das Gepäck obenauf geladen, und wir fuhren nach dem Hotel, neben mir der Polizeimann mit herunter- gelassener Schuppenkelte seiner Pickelhaube..._ In dem Hotel blieb er in der Vorhalle, während ich nach dem Zimmer hinaufsprang. Als ich meiner Frau mitteilte, daß sie mich zu dem Schlußakt begleiten müßre, war sie ganz gefaßt, nickte nur und beeilte ihre Toilette. Der Polizeibeamte. der uns im Wagen gegenüber saß, erregte auf der Fahrt durch die belebten Straßen manche unliebsame Neu- gierde. Er scherzte:„So werden Sie wenigstens ein Reiseabenteuer erlebt haben, gnädige Frau!" Und diese versetzte ernst:»DaS aber nur sllr den Unbetelligten unterhaltend ist."— Der»Vorwärts' macht heute geltend, dah das Zentrum l der Angestellten systematisch untergraben.' Die Handelskammer die Konservativen nicht bekämpfen wolle, die doch die energischsten Gegner der Uebertragung des Reichswahlrechts auf Preutzen seien damit sei der Beweis geliefert, dah das Zentrum es mit seiner Forderung des gleichen und geheimen Wahlrechts nicht ehrlich meine. Der„Vorwärts' würde mit dieser Argumentation vielleicht recht haben, lvenn der bevorstehende Wahlkamp' für die Frage der Wahlrechtsreform irgendwie vo Bedeutung wäre. DaS ist aber rundweg zu verneine». Die WahlrechtLfrage spielt in dem Wahlkampfe ein ganz untergeordnete Rolle � leider sagen wir, aber damit ist die Tatsache nicht aus der Welt geschafft.' Dieser Verteidigungsversuch enthält nur die Be st ä t i g u n Rücksicht der ng. auf\ . daß das Zentrum den Wahlkampf ohne jede die Wahlrcform, im Gegenteil zur Befestigung wahlrechtsfeindlichen Reaktion führt! Aber die Entgegnung ist auch sonst beispiellos täppisch. Das rheinische Zentrumsblatt gibt zu, daß unsere Argumentation berechtigt sei, wenn die Wahlrechtsfragc im Wahlkampfe eine Nolle spiele. Nun heißt es aber in dem Wahlaufruf der Zentrumsfraktiou, den die„Köln. V o l k s z t g." auf der selben Seite abdruckt, wörtlich: „Wir glauben erwarten zu dürfen, daß der neugewählte Land- tag alsbald mit einer entsprechenden Borlage besaht lverden wird. Die bevor st ehenden Wahlen sin schon deshalb von einer ganz besondere» Wichtigkeit. Denn mit der so notwendigen gründlichen Aendcrung des Wahl rechtes entscheiden sie auch auf Jahre hinaus über di Gestaltung der inneren Politik PreuhenS." Die„Köln. Ä o l ksz t g." erklärt also aus derselben Seite, auf der sie diese parteioffizielle Erklärung abdruckt, den auf das Wahlrecht bezüglichen Teil des Aufrufs für Bauerufängerei und Schwindel! Wir quittieren dankend diese ungewollt Aufrichtigkeit!_ poUtifcbc CUberficbt Berlin, den 24. April 1908. Die guten Prinzipale. Der Zentralverband deutscher Industrieller ist selbstverständlich gegen jede Regelung der ArbeitSverhältniffe in den Kontoren, da durch solche Mahnahmen erstens die Herren Prinzipale in ihrem Haus- und Verfügungsrecht beeinträchtigt, und zweitens die HandlungSgehülfen in ihrer Freiheit und ihrem Arbeits eifer beschränkt werden. Er hat deshalb Ende vorigen JahreS an da? Rcichsamt des Innen, eine Eingabe gerichtet, in der er prinzipiell bat. den Vorschlägen deS Beirats für Arbeiterstatistik au Regelung der ArbeitSverhältniffe in Kontoren und sonstigen kauf- männischen Betrieben, die nicht mit offenen Verkehrsstellen verbunden sind, keine Folge zu geben. Bisher war der Text dieser Eingabe nicht bekannt! doch jetzt wird er in verschiedenen bürgerlichen Blättern mitgeteilt. Nach diesen Mitteilungen weist im allgemeinen Teil seiner Ausführungen der Zentralverband darauf hin. dah nach den kontradiktorischen Verhandlungen im Beirate für Arbeiterstatistik selbst nur in einzelnen Fällen Mih brauche vorgekommen sind, in der grohen Mehrzahl der Betriebe ober durchaus angemessene Zustände herrschen. Er betont ferner. dah eine schematische Regelung und Kontrolle der Arbeitsverhältnisse in geschlossenen Kontoren usw. noch erheblich weniger durch- fübrbar und viel lästiger als in offenen VerkaufSläden ist. Auch herrsche zwischen den HandlungSangestellten und den Prinzipalen ei» gewisses Vertrauensverhältnis weit mehr als zwischen den Arbeitgebern und der Menge der Handarbeiter. „Sind", so heiht es dann wörtlich weiter,„keine Zwang«. bestimmungcn vorhanden, so werden die nötigen Arbeiten von einsichtigen Angestellten nach Möglichkeit sofort erledigt. Gilt eS aber gesetzlich einschränkende Vorschriften, so können noch so gerecht- fertigte Uebcrschreilungen eher Mißmut und Mihtrauen erwecken, das gute Einvernehmen zwischen Prinzipal und Angestellten stören, zur Verhetzung und Denunziationen Anlaß geben. Die Beamten in der Industrie und im KaufmcrnnSstand, die doch auch sozial eine wesentlich andere Stellung für sich in Anspruch nehmen und haben sollen als die Arbeiter, vermögen zum Teil eine vermittelnde Wirksamkeit zwischen letzteren und den Arbeitgebern innezuhalten und somit gedeihlich zu einem friedlichen Zusammenarbeiten zu schaffen. Da sollte man ohne Not nicht alle Angestellten sozial- gesetzgeberisch auf einem Fuße mit den Arbeitern behandeln und aus einer immerhin noch würdigeren und gedeihlicheren Aer- trauens- und freieren Mittelsstellung herausschaffen. Eine Firma aus unserer Mitgliedschaft kleidet diesen Gedanken in die drastischen Worte:„Durch solche Beschlüsse sinkt das Ansehen der HandlungS- angestellten, die den Maurern gleichgestellt werden und mit dem Glockcnschlag die Kelle einfach hinwerfen.' Eine andere sagt noch schärfer:„Es heißt das Ehrgefühl und das Geschäftsinteresse Der alte, unheimlich graue Bau, dessen Portal dem Flugloche eineS Bienenkorbes ähnelte, lag damals noch auf dem Molkenmarkt. Ein nur mähig großes Zimmer, an dessen offener Tür ein Polizist Wache stand, nahm unö und unser Gepäck auf. An einem langen Tiswe an der Wand sahen zwei oder drei Beamte, welche schrieben Sie kehrten den Rücken den zahlreichen Anwesenden zu, von denen sie den einen oder andere» zu sich riefen. ES waren nur Männer gegenwärtig. Aus einem Wartezimmer, dessen offene Tür ebenfalls von einem Polizisten bewacht wurde, vernahmen wir aber weibliche Stimmen, denen der grobe Bah des Postens zuweilen Ruhe gebot. Stühle fehlten; wir benutzten daher unsere Koffer. Und so sahen wir denn in der Ecke und schauten wartend und wartend auf die meistens kümmerlich, ja selbst in Lumpe» gehüllte Menschen, die gleich un» ihres Schicksals harrten. Boten gingen mit Akten und Schriftstücken ein und aus; wir schienen nicht vorhanden zu sein. Siunden verflossen. Da winkte ich dem einen Bolen, na»»te ihm meinen Nnme» und ersuchte ihn, indem ich ein Trinkgeld in seine Hand gleiten lieh, narvzuhören, ob meine Sache bald a» die Reihe käme. Als er zurückkehrte, gab er mir ei» Zeichen nach einem der Beamten am Tische zu. und gleich darauf wurden unsere Namen aus- gerufen. Der Inhalt des Schriftstückes, das mir borgemurmelt wurde. lief daraus hinaus, dah ich aus Berlin ausgewiesen wurde und den nächsten Bahnzug mit meiner Frau zu unserer Abreise zq benutzen hätte. Meine Wiederkehr nach Berlin wurde mit strenger Strafe bedroht.— Dann wurde ich gefragt, ob ich das nötige Reife gcld hätte? „Und wenn nicht, würde die Polizei es mir geben?' „Dann würden Sie und Ihre Frau mit einem Teil der Leute. ote Sie hier sehen, zu Fuh von der Polizei zur Stadt hinaus trans portiert werden.' »Nu» gut, das Reisegeld hätte tch.' »Dann unterzeichnen Siel' »Aber über die ivichtigste Frage hat mir Ihre Vorlesung keine» Ausschluß gegeben. Wenn man bestraft wird, so muh es dafür auch einen Grund geben. Weshalb werde ich zur Ausweisung ver- urteilt?' Der Beanite stutzte. Dann sagte er:„Hm, den Grund werden Sie selbst wohl am besten wissen." Ich verneinte. „Gleichviel, ich habe Ihnen den Grund nicht anzugeben.' ent> geanete er.„Das Polizeipräsidium hat Ihre Ailöwcisung verfügt, also uiittrzeichnen Siel' Oppeln bemerkt:„Die Gefahr liegt vor, daß der Stand der Hand» lungsgehülfen und seine Leistungsfähigkeit zu der Stufe eines Lohn- arbeiters mit mechanischer Beschäftigung herabgedrückt wird.' Es ist die bekannte Litanei. Die Herren Prinzipale wollen die Arbeitszeit nicht etwa deshalb nicht beschränkt wissen, weil sie nicht an der Ausnutzung der Arbeitskräfte ihrer Angestellten ge- hindert sein wollen, sondern lediglich im eigenen Interesse der von ihnen beschäftigten Kontoristen; denn sobald ein solcher eine oder zwei Stunden weniger im Kontor beschäftigt ist, als bisher, wird sofort sein„Ehrgefühl und sein Geschäftsinteresse' systematisch untergraben._ Reif für das Lob Knuten-Ocrtels. Das Bündlerorgan die„Deutsche TageS-Ztg. läßt sich dazu herab, der Freisinnigen Vereinigung wegen der Ab- schüttelung der Barth-Gruppe huldvollst seine Anerkennung aus- zusprechen. Knuten-Oertel„gratuliert" der Freifinnigen Ver- einigung dazu,„dah sie wenigstens soviel Selbstbewußtsein besah, die schlimmsten Schreier von sich abzuschütteln.' Ein besonderes Lob erhält Herr Naumann für die „verständige Art. wie er die Führer der Freisinnigen Volkspartei und selbst die„ F r e i s. Z t g.' in Schutz nahm'. Diese Haltung lasse erkennen, dah Naumann„ernstlich bemüht' sei. „noch weiter Anschluh nach rechts zu suchen". Im Prinzip wolle Naumann freilich, wie er erklärt habe, der„Barth Naumannschen Taktik" eines eventuellen späteren Zusammengehens mit der Sozialdemokratie treu bleiben. Aber seine Beteuerungen nach dieser Richtung hin seien nur eine„feuilletouistische schöne Formel"—„mit Naumann hat eS einstweilen keine Slot!" So urteilt, wohlgemcrkt. das Bündlerorgan! Nachdem das Organ für Lebensmittelwucher, Gesindesklaverei und Volksknebelung dergestalt die Pachnicke- Heckscher» Naumann- Partei mit diskreditierendem Lobe bedacht, versetzt eS der Frei sinnigen Volkspartei eine noch ärgere Anerkennung: „Und eine weitere Besserung kann man vielleicht von dem nächsten Schritte der Partei erwarten, den der Abgeordnete Schräder in Frankfurt als nahe Slolwendigkcit bezeichnete: dem Zusammenschlüsse mit der Freisinnigen Bolls- Partei. Erst diese Fusion wurde die„Vereimgun-z" vor einem Zurückfallen in die Rolle eines Schrittmachers der Sozialdemokratie wirksam bewahren. Vielleicht werden dann auch die in der Partei zurück gebliebenen Freunde Barths und Gerlachs ihr Bündel schnüren! eventuell wird, wenn sie sich nicht in zwischen erziehen lasten, die dann herge st eilte, grohe freisinnige Partei mit ihnen kurze» Prozeh machen." Selbst liberale Kreise sollten sich doch sagen: Wie tief mus der Freisinn gesunken sein, um sich eine solche Lcrtrauenskundgebung des Bündlerorgans verdient zu haben!— Die Schnurrbarts-Epoche. Eine neue Epoche der preuhischen Kulturentwickelung steht bevor. Der Kaiser hat seine Neigung für den schönen nach aufwärts ge- wirbelten Habybart aufgegcben.'und nun werden alle jene Schnurr- bartsbesitzer, die aus patriotischer Gesinnung bislang unter Be Nutzung von Schnurrbartbinden und ähnlichen Marterinstrumenten ihre Schnurrbartspitzen ebenfalls nach oben zum blauen Himmel emporzwangen, sicher gleichfalls ihre Vorliebe für den Habybart ändern und die neue kaiserliche Barttracht nach ahme». Welche Revolution auf dem Gebiete der Schnurrbartpflege dadurch hervorgerufen wird, ist kaum auszudenken. Man stelle sich "nur mal vor. welche Veränderung allein schon in den Leutnants Physiognomien durch dieses Ereignis heraufbeschworen wird. Viel» leicht werden sogar noch manche Verlobungen aufgehoben. Und doch ist der Anlaß zu dieser grohen Umwälzung ein so kleiner, wie die.Inf.' berichtet. Beim Anzünden einer Zigarette wurde nämlich die linke Bartspitze des Kaiser? bis über die Hälfte versengt, was zur Folge hatte, dah auch die rechte entsprechend gestutzt wurde. Die neue Barttracht fand den Beifall der Kaiserin, worauf sich der Kaiser entschloh, sie beizu- behalten. UebrigenS zeigt bereits das Bild des Kaisers als Doktor von Oxford»die neue Tracht. Aerztliche Gesinnungsschnüffelei! Ein Arbeiter in Königsbrück bei Dresden, der Mitglied eines auswärtigen Militärvereins war, wollte wegen Krankheit die Unter- stützniiaSeinrichtung des Vereins in Anspruch nehmen, benötigte aber zu dietem BeHufe eines ärztlichen Attestes. Er wandte sich an den ihn behandelnden Arzt Dr. Hallenberger. Dieser Jünger AcSkulapS aber, der nebenbei Marineoffizier des Beurlaubtenstandes ist, ver weigerte die Ausstellung mit folgender»gesinnungstüchtigen' Molivierung: s »Der Erkrankte habe am 2ö. Januar 1SV7 mit sozial demokratischen Stimmzetteln vor einem Wahl lokal gestanden, demzufolge könne er Unterstützung von biö ich den Grund erfahre.' sagte er gedehnt.»Wenn St« so viel Zeit »Nicht eher, als „Meinetwegen" haben?" »Sie meinen?' »Dah Sie so lange hier in Haft bleiben, bis Ihr Name unter dieser Verfügung steht." Nun— ich unterzeichnete.— Unterdessen hatte der Beamte in einem Eisenbahnkursbuch ge blättert. «Der nächste Zug für Sie geht um fünf Uhr und einige Minuten vom Potsdamer Bahnhof nach Frankfurt a. M. ab." Ein kurzer, steifer Kopfnicker, und wir lvaren-- bald hätte ich gesagt: frei. Aber es gab damals noch weniger Freiheit in Preuhen als heute..,. Abgespannt und aufgeregt zugleich von der Tortur, die länger als sechs Stunden gedauert hatte, liehen wir nu« im Hotel zunächst ein Beefsteak geben. Dann nahmen wir in der Eile noch von einer offenen Droschke aus Berlins Prachlstrahe Unter den Linden in Augenschein. � Ich wollte meiner muligen Lebensgefährtin doch wenigstens«was von der gastfreien Haupt- und Residenzstadt zeigen!— Aus dem Potsdamer Bahnhofe, in unmittelbarster Nähe deS BillctlschalterS, wieder ein Schutzmann in Dienst: init Pickelhaube und herabgelassener Schuppeukette! Er horchte scharf hin. als ich die Fahrkarte» für uns löste, worauf er eine dicke Brieftasche unter dem Rock hervorzog und etwaS hineinschrieb.... Glücklicher Sterblicher, beglückwünschte ich mich: dein Leben liegt angefangen und beschlossen in der Sancta Cosa heiligen Registern I Mit atmeten tief auf, als der Zug aus dem Bahnhofe hinaus- wollte.— »•• Erst sieben Jahre später durste Schweichel sein schweizerisches Exil mit Berlin vertauschen. Zwar zwang ihn die Rot des Lebens, bald wieder weiter zu gehen, indem er sich für die nächsten fünf Jahre vorerst in Hannover, sodann in Leipzig redaktioneller und agitatorischer Tätigkeit widmete. Seit 1860 hat er aber in Berlin und Schvneberg seinen ständigen Wohnsitz gehabt. Hier ist er auch gestorben. Ein schlichter Marmorstein, ihm von seiner edlen Frau und tapferen Mitkämpferin gestiftet, bezeichnet die Stelle auf dem Schöneberger Friedhose, wo Robert Schweichel» Gebeine ruhen. Ernst Kreowski. einem Mlitärberein nicht erhalten, und er als Arzt müsse das Attest Verweigern!' Trotz der Sonderbarkeiten mancher Aerzte dürste diese Ge« finnungSschnüffelei inimer noch den Reiz der Neuheit für sich haben. Zur Eulcnburg-Affäre. Die Anklage wegen Meineids ist bisher gegen den Fürsten Eulenburg noch nicht erhoben, doch ist die Staatsauwaltschast bereits so weit, dah sie mit dem Ermittelmigsverfahren beginnt. Wie offiziös mitgeteilt wird, soll dieses Verfahren mit möglichster Be- schleunigung und ohne Rücksicht auf Stand und Stellung des Beteiligten durchgeführt lverden. Das Ergebnis läßt, heißt es in dieser Meldung, sich zunächst gar nicht voraussehen,»da selbst- verständlich erst der Beschuldigte gehört und die belastenden Zeugen- aussagen auf ihren Wert geprüft werden müssen". Bankrott der Fürsorgeerziehung. Der soeben erscheinende Bericht des s ch l e s i s ch e n L a n d e S- Hauptmanns über die Fürsorgeerziehung �Minderjähriger für 1907 bestätigt aufS neue, dah die heutige Fürsorge vielfach eine Schule deS Verbrechens, eine Masse nzüchtung von Verbrechern bedeutet. Die Zahl der zwangsweise der Fürsorge- erziehung überwiesenen Zöglinge stieg uin 43 aus 822 söö? männ- liche, 2SS weibliche). Die Anstalten Wohlan und Grottkau reichen bereits nicht mehr aus, da die Zahl der„Unverbesserlichen" Jahr für Jahr zunimmt. Trotz Gewalt, Bibelsprüchen und. Peitsche! Der Bericht konstatiert, dah die Erfolge sehr mager gewesen seien. dah man aber„die t r a u r i g st e n Erfahrungen" habe machen können und dah die„Mißerfolge unverkennbar" zutage getreten seien. Und dann zählt der Bericht an.Erziehungs"- Resultaten auf: „Im Oktober 1906 muhte das Schwurgericht zu Hirschberg drei Fürsorgezöglinge zun, Tode bezw. taugen Freiheit S- strafe» verurteilen, weil sie einen vierten in grausamer Weise ermordet hatten; in Wohlau versuchte ein Zögling seinen Erzieher in Gegenwart deS AirstaltSvorsteherS zu erstechen, nur weil er getadelt worden war; in HerzogLwaldau bei Jauer erschlugen zwei Fürsorgezöglinge ihren Dien st Herrn,»veil er sie nicht zur Kirmes beurlauben wollte, und daS Brieger Schwur- gericht muhte zwei im dortigen Gefängnis untergebrackle Fürsorge- zöglinge aus Wohlau zu mehrjähriger Zuchthausstrafe wegen schwerer Meuterei und Körperverletzung ver- urteilen." Und so weiter. Jetzt ivill man, da Peitsche und Brutalität versagt, ein anderes Mittel versuchsweise anwenden: Man will mit den in der Nähe der Anstalt wohnenden Dienstherren, Fürsorgern und Lehrherren periodische Zusammenkünste zwecks zwangöloser Aussprache über Erziehungsfragen arrangieren, um auf diese Weise Erziehcrfamilien heranzubilden. Bor allem aber wird auch in diesem Bericht wieder die Ultimi» r-ltio aller Erzieher empfohlen: Religion. Religion und wieder Religion! Daneben Gesang und(Hohenzollern-) Geschichte. Alles das, was man bisher bereits bis zum Ueberdruh versucht hat. Und immer vergeblich. Der Direktor der größten der beiden Anstalten, Herr Hülsberg auS Wohlan, hat seinerzeit auf dem Fürsorgeerziehungstag in Breslau den Bankrott offen zugegeben! Er sagte:„Die Knaben entlaufen geradezu aus den Anstalten, um Verbrechen begehen zu können, die sie nachher dem Gefängnis zuführen. Ja. der Abscheu gegen die Fürsorgeanstalten geht sogar so weit, dah viele Jugendliche sich der schwersten Vergehen schuldig machen, nur um recht lange Gefängnisstrafen zu bekommen, damit sie nicht mehr in die- Anstalt zurückbrauchen... Aus ihnen wäre sehr wohl noch etwas zu machen gewesen, wenn sie zur rechtengeit noch in eine andere Atmosphäre ge- kommen wären." Leider sind nicht alle Leiter solcher Anstalten so vernünftig und auch Herr Hülsberg ist(ob seiner Huinanität?) bald darauf nach Kassel versetz! worden. Heute will maus wieder mit der Re l i g i o n versuchen, die seit AXX) Jahren die unaufhörliche Zunahme aller Verbrechen nicht zu hindern vermochte. Auch die Fürforgeerziehung den Knackmandeln der kapitalistischen Gesellschaft, an noch mancher soziale Quacksalber die Zähne auSbetßen gehört zu denen sich wird. Oertcmicb-Clngfam. Ein rnssischtr Lockspitzel. Auf das Treiben der russischen Polizei im Auslände wirft eine Meldung des„Verl. Tagebl." einiges Licht. Danach wurde gestern in Lemberg ein Agent der russischen Ge- h e i m p o l i z c i namens Janicki verhaftet, der polnische Studenten zu Konspirationen verleitete und anderen Personen Geld entlockte unter der Vorspiegelung, eS handele sich um die Ermordung des Generalgouverncurs von Warschau, Skalon. Gleich. zeitig d e n u n z i e r t e er aber die jungen Leute, die sich mit ihm eingelassen hatten. franhrdeb. Die LieferungSskandalc. Pari«, 24. April. In Rochefort hielt der Untcrpräfekt gestern eine Inspektion über 1ö S ch l a ch t h ä u s e r ab. von denen eine ganze Anzahl als gesundheitslvidrig befunden wurde. Die Schließung dieser Schlachthäuser wird wahrscheinlich heute er« folgen. Belgien. Die Kongofraae. Den AnnexionSgelüsten Belgiens* eine neue Schwierigkeit erwachsen. Sir E. G r e y verständigte die belgische Regierung, daß Großbritannien die Angliedcrung des KongostaateL an Belgien nur dann annehmen werde, wenn die Zwangsarbeit abgeschafft und der Freihandel für alle Nationen im Kongo. decken anerkannt werde. Die belgische Regierung hat borläufig noch nicht geantwortet, aber cö unterliegt keinem Zweifel, dah die Forderung der englischen Regierung völlig berechtigt ist und den -estimmungcn der Kongoakte entspricht. Für die belgische Regie- rung bedeuten die Forderungen Englands deshalb eine Verlegen. hcit, weil grohe Teile des ÄongostaateS Monopolgesellschaften, an denen zumeist der König mitbeteiligt ist, zur AuSbutung überlassen sind. Die Abschaffung dieser Privilegien würde aber beim König schMr durchzusetzen sein. Italien. Ein Nachwort zur Flottendemonstration. Rom, den 21. April. Die herrschenden Klassen Italiens haben sich in den Osterlagen für berhälknismäßig wenig Unkosten patriotische Genugtuungen und Hochgefühle verschafft. Da sich die europäischen Mächte schon ein- mal gewöhnt haben, in der Türkei zu schalten und zu walten wie im eigenen Hause, war nichts natürlicher als das energische Auf- mucke» wegen der Hindernisse, die die Hohe Pforte der Eröffnung italienischer Postämter entgegenstellte. Man nennt daS: Rechte geltend machen. Es sind das eben die berühmte»„Rechte", kraft deren die Starken sich in den Besitz der Schwachen teilen. ES war vorauszusehen, daß die Türkei sehr schnell nachgeben würde, ohne eö zu einer Okkupalion einer der Inseln im Aegäische» Meere kommen zu lassen. Seit Jahr und Tag gibt die Türkei nach, sobald eine Forderung mit Nachdruck geltend gemacht wird. Zu verwundern ist nur, dah Italien gegen die türlische Flotte, die kaum mehr ist als ein Name, eine so grohe Semacht geschickt hat: drei Divistonen mit 6178 Mann, 329 Offiziere und 4öS Kanonen. Sollte man die Gelegenheit zu einem MobilisationSversuch der Seemacht benutzt haben, oder bestanden wirklich Wfichten zu einer Aktion in Tripolitanien? Wir glauben nicht an kriegerische Absichten. Die italienische Regierung hat im eigenen Hause genug zu tun und weiß, das; die Kolonialabenteuer recht ge- fährliche Blitzableiter sind. Auch wäre nicht einzusehen, warum die Genugtuung von feiten der Türkei, au deren Gewährung nicht ge- zweifelt werden konnte, die kriegerischen Pläne durchkreuzen sollte. Wenn die Sache der Postämter nur ein Vorwand gewesen wäre, so müßte die italienische Flotte auch nach dem Nachgeben der Türkei ihre Operationen gegen Tripolis fortsetzen. Der Zeitpunkt, den man für die Demonstration gewählt, hat zu allerlei Vermutungen Anlaß gegeben. Die einen sagen, die italienische Regierung habe das Placet des Deutschen Reiches abwarten wollen, ehe sie gegen die Türkei vorging. Andere behaupten, daß die Frage der Postämter erst in diesen Tagen akut geworden sei. Die Diplomatie wird sich kaum in die Karten sehen lassen— auch über das ob und wie des deutschen Einflusses wird man nicht leicht ins Klare kommen. Der, A v a n t i" meint, daß von deutscher Seite der Türlei jeder Widerstand widerraten worden sei— aber ausschlaggebend dürfte die eigene Zerrüttung und Machtlosigkeit gewesen sein. Sicher ist es. daß für die Wahl des Zeitpunktes auch der Umstand bestimmend war. daß das Parlament nicht tagte. Die äußere Politik läßt sich nicht gern von den Kammern dreinreden. Sie hüllt sich in ein gewisses Dunkel, entzieht sich der Sanktion des Parlaments und ist noch immer mehr von dynastischen und persön- lichen Einflüsien abhängig, als von den allgemeineren Interessen der herrschenden Klassen. Die bürgerlichen Illusionen über die All- macht ihres Parlamentarismus zeigen ihre Haltlosigkeit'am besten bei diesem plötzlichen Szenenwechsel der äußeren Politik: diesmal war'S nur eine Demonstration, wenn es aber einmal ernst wird, »erfährt die Regierung auch nicht anders. GiolittiS Dauk. Rom, 21. April. Der Minister deS Innern hat den Polizisten, die an der „Waffentat* in der Piazza del Gesu teilgenommen haben, eine Gratifikation zukommen lassen. Man höre und staune: Die Schwerverwundeten bekommen S Lire, die Leichtverwundeten 3 Lire, die, die beschimpft wurden 2 und die übrigen 1,50 Lire. Wahrlich, ein sürstlicher Dankl Wenn auch diesmal keiner Anspruch auf die 5 Lire erheben kann, die ihn für Lebenszeit sicher gestellt hätten, so ist doch ju hoffen, daß wenigstens für jeden der Wackeren eme Beschimpfung abgefallen ist. So groß- artig und feinfühlig Giolittis Dank sich auch äußert, so würden wir doch andere Grundsätze für die Verteilung der Gratifikation passender gefunden haben: Für jeden Toten unter den Arbeitern hätte er 5 Lire spendieren sollen, für jeden Verwundeten 3, für die Geprügelten und Beschimpften 2 Lire. Freilich hätte Giolitti da viel tiefer in den Beutel greifen müssen, aber diese Form hätte auch dem Sinne des Spenders viel besser entsprochen. Und ein andermal könnte dann der Ministerpräsident gewiß auf eine viel reichere Bluternte hinweisen, wenn er vor Kammer und Senat die Polizisten wegen ihrer Pflichterfüllung »reist l— Sngland. Eine Nachwahl. Bon den sechs Nachwahlen, die die Erneuerung des englischen Kabinetts erforderlich macht, hat gestern die erste in DewSbury, einem Hauptsitz der Textilindustrie von Dorkshire, stattgefunden. Hier kämpfte der neue Nnterrichtsminister Runciman um seinen Parlamentssitz. Seine Gegner waren Boyd Earpenter für die Konservativen und Genosse Ben Turner, ein Führer der Textilarbeiter, für die Arbeiterpartei. Bei den letzten Wahlen standen sich dieselben Kandidaten gegenüber. Damals erhielt Runciman 6734, Böyd Earpenter 2954, Turner 2629 Stimmen. Gestern wurde Runciman zwar wiedergewählt, aber mit verringerter Stimmenzahl. Er erhielt 5594 Stimmen, Genosse Turner 2446, während sich die konservativen Stimmen aus 4078 ver- mehrten. Gegen die Liberalen stimmten diesmal die irischen Katholiken, die die neue Unterrichtsbill bekämpfen. Auch scheint die wirtschaftliche Depression den Liberalen viele Stimmen gekostet zu haben. Jedenfalls steigert die Behauptung des Sitzes die Hoffnungen der Liberalen, auch Nord-Manchester, wo Winston Churchill sich der Wiederwahl unterziehen muß, zu behalten.— Indien. Die Kämpfe an der Grenze. Simla, 24. April. Die Mohmands rückten gestern in großer Anzahl von mehreren Seiten zum Angriff vor, wurden aber durch Geschützfeuer zurückgetrieben; auch ein gestern abend er- folgter Angriff auf die Brücke von Adizai wurde zurückgeschlagen. Zwei Brigaden sind beordert, sich unter dem Oberbefehl des Generals Willcocks an der Grenze zusammenzuziehen, während eine dritte Brigade in Peschawar als Reserve Aufstellung nimmt. Simla, 14. April. General Willcock meldet: da die Auf- ständischen die Verbindungslinie bedrohten, habe er sie heute früh mit allen verfügbaren Truppen in zwei Kolonnen angegriffen und von den Verschanzungen vertrieben. Der britische Verlust beträgt 60 Mann; über die Verluste des Feindes liegt noch keine Nachricht vor, Mmerika, Politische Morde. Auf den Präsidenten U a b r e r a der Republik Gttäkemala kvurde vor einigen Tagen ein Attentat ausgeübt. Der Präsident wurde leicht verwundet, lieber die schauerliche Rache, die der Mensch genommen hat, berichtet ein Telegramm aus Guatemala City vom 23. April folgendes: Präsident C a b r e r a hat den Vertretern der Mächte von der umfaffenden Verschwörung gegen seine Person Mitteilung ge- macht, die in dem neulichen Mordanschlag gipfelte. Achtzehn Rädelsführer wurden auf seinen Befehl hingerichtet. Nachdem so die Strafe vollzogen worden ist. befinden sich jetzt auch die übrigen Verschwörer in den Händen des Militärs, zusammen mit den wegen des Mordanschlages auf Cabrera im vergangenen Jahre Verhafteten. Eine Proklamation des Präsidenten sagt, er vertraue auf die Loyalität des Volkes und werde die Ordnung mit fester Hand aufrecht erhalten. Die Umstände sind auch in der Tat ernster Natur, obgleich an der Oberfläche alles ruhig ist. Militär bewacht die Stadt und die Geschäfte sind zum Teil geschlossen. In einigen Stadtteilen gärt es stark und es gibt manche, die nicht zögern würden, alles aufs Spiel zu setzen, um Cabrera aus der Welt zu schaffen, der sich seit einem Bierteljahr nur zwei- oder dreimal öffentlich hat sehen lassen. GewcrkfchaftUcbcij« Berlin und Umgegend. Achtung, Metallarbeiter! Her Streik im Autobau der A. E. G. Oberschoneweide dauert unverändert fort. Die in der verflossenen Woche stattgefundenen Verhandlungen zwecks Beilegung des Streiks haben sich zerschlagen. Der Betrieb ist für alle Metallarbeiter gesperrt. Deutscher Mctallarbeiter-Verband, Ortsverwaltung Berlin. Der Streik bei Hug» Härtung in Moabit nähert sich seinem Ende. Die Streikenden standen fest und einmütig zusammen, aber die Zahl der Streikbrecher mehrte sich im Laufe der sieben Wochen des Kampfes so sehr, daß von den 140 verlassenen Arbeitsstellen Verantw. Redakt.: Georg Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw.z 124 besetzt werden konnten. In den Reihen der Streikenden und Ausgesperrten selbst war nur ein Mann wankend geworden. Die Arbeiter können stolz auf ihre feste Haltung sein. Am Freitag- morgen kamen sie zu einer Besprechung zusammen, in der von einigen Leuten der Vorschlag gemacht wurde, um eine Unter- Handlung bei Herrn Härtung nachzusuchen. da man meinte, es müsse ihm doch daran gelegen sein, sich die vielen tüchtigen Kräfte unter den Streikenden zu erhalten. Es ist bekannt, daß Härtung sehr viele minderwertige Arbeiter angestellt hat. Diese sind neuerdings auch unzufrieden geworden, weil er die Löhne noch mehr herabgesetzt hat. Für den gelben Verein, dem sogenannten Unterstützilngsverein der Arbeitswilligen, hat Härtung übrigens 2000 M. gespendet.— Die Versammlung wählte drei Leute aus ihrer Mitte, die mit Herrn Härtung unterhandeln sollten und heute vormittag über das Resultat der Verhandlung ihren Mit- arbeitern Bericht erstatten werden. Ein Streik der Fcnsterrciniger ist bei der Firma Karl Fuhre, Fensterreinigungs-Jttstitut, ausgebrochen. Die dort Arbeitenden sind wegen Maßregelung von zwei Putzern in den Streik getreten. Zuzug ist fernzuhalten._ Lohnbewegung der Koffermacher. In einer außerordentlichen Versammlung der Koffermacher, die am Donnerstag im Gewerkschaftshause stattfand, berichtete der Obmann Schulze von der Schlichtungskommission über den Stand der Lohnbewegung und erklärte, daß, wie die Dinge jetzt liegen, eine friedliche Einigung mit den Fabrikanten nicht möglich erscheint. Die Verhandlungen der Schlichtungskommission seien gänzlich ergebnislos verlaufen, da die Arbeitgeber auch die ge- ringste Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse ablehnten. Sic hätten schließlich einen Vertragsentwurf vorgelegt, der im allgemeinen mit dem alten, am 30. April ablaufenden Tarifvertrag übereinstimmt, aber bis zum 3 0. Juni 1911 gelten, somit zu einer Zeit ablaufen soll, die für die Arbeiter höchst ungünstig ist. Außerdem fehlt in dem Entwurf die im alten Vertrag enthaltene Bestimmung über die Freigabe des 1. Mai. In dieser Hinsicht ver- sicherten die Arbeitgeber allerdings ehrenwörtlich, daß den Ar- beitern auch in Zukunft bei der Feier des Tages nicht das geringste Hindernis bereitet werden sollte. In den Vertrag könnten sie das jedoch nicht aufnehmen, weil sie an einem Beschluß des Arbeitgeber- Verbandes gebunden seien. Der Redner bemerkte hierzu, daß diesem Punkt eine allzu große Bedeutung nicht beizumessen sei, da ja die Koffermacher, auch wenn es nicht im Vertrag stehe, den 1. Mai nach wie vor feiern würden. Da aber die Arbeitgeber auch sonst keinerlei Entgegenkommen zeigten, waren die Verhandlungen als gescheitert anzusehen. Als nun die Arbcitnehmervertreter fragten, ob die Arbeitgeber dafür wären, daß die Schlichtungs- kommission in ihrer Gesamtheit das Einigungsamt anrufe, er- hielten sie die Antwort:„Nach dem Einigungsamt kommen wir doch nicht. Das würde nur der Stadt Geld kosten. Zulegen können und wollen wir nichts." Inzwischen haben sich die Arbeitervertretcr schon bor den Feiertagen an das Einigungsamt gewandt; eine Antwort war jedoch noch nicht eingegangen. Der Redner sagte zum Schluß, daß die Vertreter der Schlichtungskommission die Verlängerung des alten Vertrages durchaus nicht empfehlen könnten. Da jedoch der Vertrag vorschreibe, daß das Einschreiten des Einigungsamtes ab- zuwarten ist, ehe die Arbeit niedergelegt werden kann, könnten entscheidende Beschlüsse noch nicht gefaßt werden. Das müsse der nächsten Branchcnversammlung überlassen bleiben. Jedenfalls würden dann auch weitere Mitteilungen über den Stand der Dinge gemacht werden können. Uebrigens sind die neuen Tarif- forderungen auch schon einem Teil der nicht dem Fabriiantenverein an- gehörenden Arbeitgeber zugestellt worden, und soweit das noch nicht der Fall ist, wird es in den nächsten Tagen geschehen. Die Diskussion, die dem Bericht folgte, zeigte, daß die außer- ordentlich zahlreich besuchte Versammlung- mit der Haltung ihrer Schlichtungskommissionsmitglicder durchaus einverstanden war. Einstimmig wurde folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung der Koffermacher lehnt das Anerbieten des Fabrikantenvereins, den Vertrag bis zum 30. Juni 1911 zu verlängern, entrüstet ab und erklärt, daß die jetzigen Zeit- Verhältnisse einen Ausgleich durch Lohnerhöhung und Arbeitszeit- Verkürzung gebieterisch verlangen. Sie ist damit einverstanden, daß das Einigungsamt in der Sache angerufen würde und er- wartet, daß die Arbeitgeber dort ihren ablehnenden Standpunkt aufgeben." In die Verhandlungskommission wurden, außer den beiden Schlichtungskommissionsmitgliedern Schulze und Kansche, Blum. Jumer und Kahle gewählt.• Achtung» Schuhmacher! Die Differenzen in der Schuhfabrik von Lipschütz, Schillingstr. 12, sind durch teilweise Bewilligung der Forderungen beigelegt. Der Streik bei der Firma Krause, Weinbergsweg 3, dauert unverändert fort. Auch eine Verhandlung mit dem Fabrikantenverbande verlief ergebnislos. Eine Einigung scheint sümit noch in weiter Ferne zu liegen. Nach einem Ausstande von sieben Tagen einigte sich der Schuh- machermeister M ä s ch l e, Zimmerstr. 21, mit seinen Arbeitern und konnte Freitag die Arbeit wieder aufgenommen werden. Verband der Schuhmacher, Ortsverwaltung Berlin. „Vorwärts" und Gastwirtsgehülfen-Berdand. In der gestrigen Nummer des„Vorwärts" findet sich eine Er- klärung des Gastwirtsgehülfen-Verbandes, in der es am Schluß heißt: „Ob der„Vorwärts" nunmehr von seinem Irrtum,„das Engagement des R. erfolgte durchaus.in den Formen, die der Gastwirtsgehülfen-Verband bisher gut geheißen hat", befteit sein wird, soll uns sein ferneres Verhalten in diesem und ähnlichen Fällen lehren. Mit seinem bisherigen Verhalten zu den frag- lichen Differenzen wird sich die OuartalSgeneralversammlung deS Verbandes der Gastwirtsgehülfen am nächsten Freitag be- schäftigen." Wir hatten vor, diesen Teil der Verbandserklärung überhaupt nicht abzudrucken, um eine häßliche Auseinandersetzung mit dem Ver- bände zu vermeiden. Infolge eines Versehens geriet er jedoch mit in die Druckerei und dies zwingt uns zu einer nachträglichen Zurück- Weisung. Wir haben in dem Streit des GastwirtSgehülfen-VerbandeS mit Herrn Voigt überhaupt redaktionell keine Stellung ge- nommen. sondern nur beiden Teilen das Wort zur Er- klärung gegeben. Wer die Notiz in der Osternummer des„Vorwärts" aufmerksam liest, mußte derselben entnehmen, daß Herr Voigt konstatierte, daß das Engagement des R. in den üblichen Formen erfolgte, und daß nur der berühmte Druckfehler- Kobold sich das Vergnügen geleistet hat, ein paar „Gänsefüße" an verkehrter Stelle zu placieren. Wir möchten den GastwirtSgehülfen-Verband doch ersuchen, seinen Kampf mit Herrn Voigt zu führen, u n S aber dabei aus dem Spiele zu lassen. Die Redaktion, welche der ersten Erklärung des Verbandes erst die Form gab. welche eine Veröffentlichung über- Haupt ermöglichte, verdient dafür den. Dank des Verbandes, aber nicht unqualifizierbare Borwürfe wegen ihrer durchaus loyalen Handlungsweise. veutfdies Reich. Ehristlicher TerrorismuS. Der christliche Arbeitersekretär Solomon war vom Schöffen- gericht in Weiden wegen schwerer Mißhandlung eines freiorganifierten Arbeiters zu drei Wochen Gefängnis verurteilt worden. Das dortige Landgericht als Berufungsinstanz setzte nun die Strafe auf 50 Mark herunter.— Hoffentlich finden sozialdemokratische Sünder vor diesen Richtern auch immer Gnade. Eine Lohnbewegung der Steinsetzer Nürnbergs und Fürths endete mit einem Erfolg der Arbeiter. Es wurde ein auf drei Jahre gültiger Tarif abgeschlossen, der den Arbeitern Th. Glocke, Berlin. Druck u.Berlag:VorwärtsBuchdr.u.VerlagSanstält wesentliche Verbesserungen bringt. Das ist nur der geschlossene«! Organisation zu verdanken, der jetzt sämtliche Steinsetzer der beiden Städte, mit Ausnahme der in Nürnberg in städtischer Regie beschäftigten, angehören. Der Kost- und Logiszwang ist noch vielfach im Bäckerberufe zu finden. In Nürnberg konnte er trotz aller Bemühungen bis jetzt noch nicht beseitigt werden, weil die Gchülfen ihren In- vifferentismus nicht ablegen können. Nun wird die bayerische Jndustriemetropole von kleineren Städten beschämt. In A m b e r g reichte der Bäckerverband einen Tarif ein, der die Aufhebung deS Kost- und Logiswesens und für die einzelnen Kategorien Mindest- löhne von 15— 16, 17— 19 und 21—23 M. forderte und von den Unternehmern nach kurzem Besinnen angenommen wurde. Ein Erfolg, der um so Höher anzuschlagen ist. als es sich um eine Stadt handelt, die mitten in der schwarzen Oberpfalz liegt. Hustand. Ein Streik der städtischen Gas- und Elektrizitätsarbeiter von Malmö. Am Sonnabend vor Ostern war Malmö, die drittgrößte Stadt Schwedens, ohne Gas und Elektrizität. Die Arbeiter der städtischen Gas- und Elektrizilälswerke hatten 6 Uhr morgens die Arbeit ein» gestellt. Nur ein paar Mann waren im Einverständnis mit den Streikenden zur Bewachung der Maschinen in den Betrieben ge» blieben. Als der Abend hereinbrach, lag die ganze Stadt im Dunkel. Die Straßenbahnen hatten ihren Betrieb schon am Nach- mittag eingestellt. In vielen Werkstätten und Fabriken konnte nicht gearbeitet werden, ein Teil der Abendzeitungen konnte nicht er- scheinen und im Hauswesen, in den Restaurants, in den öffentlichen Instituten, wie im Telephonbetriebe sührte der Streik natürlich auch zu schweren Unbequemlichkeiten. Die Stadtverwaltung hatte jedoch Vorsorge getroffen, daß der Streik nicht allzulange dauert. Sie hatte den Minister des Innern um Vermittelung ersucht, der sofort den Schlich- tungsbeamten Dr. Elmquist sandte. Die Verhandlungen, die dann im Laute deS Tages gepflogen wurden, führten zur Einsetzung eines Schiedsgerichts von je vier Verttetern der Stadt und der Arbeiter, das die Streitigkeiten regeln soll. Die Arbeit wurde in den Beleuchtungs- und Kraftwerken gegen 10 Uhr abends wieder aufgenommen. Es handelt sich bei dem Streik um Lohnforderungen. Lang« wierige Verhandlungen waren vorausgegangen, aber ergebnislos verlaufen. Die Arbeiter verlangten mindestens so viel Lohn, daß sie in, Jahre aus 1217,50 Kronen kommen könnten, statt bisher 979,50 Kronen. WaS die Stadt bot, waren nur 1011,96 Kronen. Die Landarbeiter Schwedens werden sich in nächster Zeit zu einem großen, das ganze Land umfassenden Ve-bande zusammen» schließen. Ein Kongreß des Mittelschwedischen Land» arbeiter-VerbandeS, der am Ostermontag zu Vesteras bei Eskilstuna tagte, beschäftigte sich mit dem Statutenentwurf für die Einheitsorganisation und wählte Delegierte zu dem allgemeinen Landarbeiter-Kongreß. auf dem der Zusammenschluß vollzogen werden soll.— Der Mittekschwedische Verband, auf dessen Kongreß 100 Ortsabteilungen durch 40 Delegierte vertreten waren, hat jetzt schon 4000 Mitglieder gegenüber 1200 am Schlüsse deS Jahres 1906. — Die Landarbeiter-Bewegung und ihre Organisationen haben sich, nachdem vor ungefähr zwei Jahren als erster der Schoncnsche Land- arbeiter-Verband gegründet wurde, sehr schnell entwickelt. In ganz Schweden folgen die Landarbeiter mehr und mehr dem Vorbild der Industriearbeiter, pnd an manchen Orten haben sie schon bewiesen, daß sie auch wie die Industriearbeiter zu kämpfen und zu siegen verstehen._ Letzte JVachncbten und Depefcben, Gestrenge»»Herren". Lendon, 24. April.(28. T. B.) Die Versammlung der Schiffsbauer-Bereinigung in Carlisle beschloß die all- gemeine Aussperrung. Die Anträge auf Einsetzung eines Schieds- gerichts und friedliche Beilegung wurden abgelehnt. EintagSstreik. Marseille, 24. April.(B. H.) Der Ausstand der Gemüsehändler ist beendet._ Die kleberschwemmungen in Rußland. Petersburg, 24. April.(W. T. B.) Die Nachrichten, die übeb die Ueberschwemmungen verschiedener Städte einlaufen, lauten fortgesetzt ernst. In Kaluga ist der Okafluß um 17 Meter ge« stiegen, das Militärlazarett, die Kathedrale, das Polizciverwaltungs. gebäude stehen unter Wasser. Die Eisenbahnverbindung zwischen einigen Städten des Gouvernements Kaluga ist unterbrochen, der Telegraph stellenweise beschädigt, die Dämme fortgcspült. Im Gouvernement O r c l ist die Bahnstrecke zwischen den Städten Bolwa und Brjansk beschädigt und der Verkehr ebenfalls unter- brachen. In Moskau ist infolge der Ueberschwemmung des Maschinenraumes des Elektrizitätswerkes die Stadt ohne Bcleuch- tung. Der ganze Krcmlquai ist durch den Austritt des Moskwa- flusses überschwemmt und die niedrig gelegenen Stadtteile stehen völlig unter Wasser. Ter Wasserstand erreicht stellenweise das zweite Stockwerk der Häuser und ist höher als bei der Ucber- schwemmung von 1856. Einige Dörfer des Gouvernements Moskau stehen gleichfalls völlig unter Wasser. In Brjansk ist besonders das Arsenal von der Hochflut bedroht, die Bahnlinie unter- spült, gegen 500 Häuser unter Wasser. Auch in B j e l y(Gouver, nement Smolensk) sind durch das Steigen des ObschaflusseS vicls Häuser überschwemmt._ Die Bestie im Meuschen. Oberstein, 24. April.(B. H.) In dem benachbarten Hammer» stein a. d. Rahe wurde am Dienstagabend die 72 jährige Witwe Fuchs von ihrem 25 jährigen Neffen. der bei ihr wohnte. ermordet. Der Täter, der einen Selbstmordversuch unternahm, gestand bei seiner Vernehmung die Tat sofort zu. Die alte Frau, die sich seiner Zudringlichkeit widersetzt hatte, ist von ihm so lange gewürgt worden, bis sie kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Dann mißbrauchte er sie in einer nicht wiederzugebenden bestialisch« Weise._ Feuer. Zittau, 24. April.(B. H.) In der mechanischen Weberei von Wagner u. Co. in OlberSdorf ist heute früh Grohfcuer ausgebrochen. Der Betrieb, in dem 700 Arbeiter beschäftigt sind» ist unterbrochen. Frankfurt a. M., 24. April.(B. H.) Im Trockcnraum der Pianofortcfabrik von Ferdinand Schaaf in Bockenheim brach heute Feuer auS, dem große Holzvorräte zum Opfer fielen. Der Betrieb ist nicht gestört. Frankfurt a. M>., 24. April.(23. H.) Beim Wärmen von Milch am Gasherd gerieten im Hause Speycrcr Straße 19 die Kleider eines fünfjährigen Mädchens in Brand, welches an den erlittenen schweren Verletzungen bald darauf verstarb. Braila, 24. April.(B. H.) Im hiesigen Hafen wütete gestern abend in den Niederlagen der Baugewerksfirma Gaetano u. Franzini ein furchtbarer Brand, welcher auch auf die umliegenden Wohn- Häuser sowie auf mehrere im Hafen ankernde Schiffe übergriff. Große Stöße von Holz und die gesamten Hafenanlagen wurden ein Raub der Flammen. Auch die umliegenden Fabriken schwebten in großer Gefahr, konnten jedoch vor dem Feuer gerettet werden. Erst gegen Morgen gelang es, das verheer-nde Element zu lokali» sieren.___ Paul Singer L Co., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen n.UnterhaltvngSb� Nr. 97. 25. Jahrgang. l. Keilte des.HmSrls" ßftlintt Solblilotl. Zoultltbevd, 25. Apnl 1908. Dk Berliner freie fngendorganiiatlon int Zahre 1997. Der Bericht des Vorstandes für 1907, der gedruckt vorliegt, ver- zeichnet 2072 Mitglieder Ende 1907 gegen 1138 Ende 1906, also eine Steigerung ui« 931 Mitglieder. Sie ist indes noch stärker, als in dieser ZaKl zum Ausdruck kommt, da im Jahre 1906 die Restanten nicht sogleich gestrichen wurden, wie im Jahre 1907. Der Kassenbericht weist eine Einnahme von 4929,62 M,, eine Ausgabe von 4761,47 M,, einen Bestand von 178,06 M, auf. Bon den Einnahmen entfallen 3066,79 M. aus Mitgliederbeiträge, 124,36 M. auf freiwillige Beiträge und 464,60 M. ans Festiiberschüsse, Bon den Ausgaben 480 M. auf Bureaumiete, 132 M. auf Reinigung des Bureaus, 398,05 M, auf Verwaltungskosten, 1868,40 M. auf Mitgliedsbeitrag an die Vereinigung der freien Jugendorganisationen. 196,81 M, auf Zeitungen, 174,91 M. auf Broschüren, 3259 M. auf Flugblätter, 384 M. auf Festkosten, 62,60 M. auf das Berliner Mitteilungsblatt u. a. m. Der Bericht gibt eine genaue B e r u f s st a t i st i k der Mit glieder. Danach gehörten der Organisation Ende 1907 an 669 u n- gelernte Arbeiter(gegen 105 im Vorjahre) und 1479 gelernte Arbeiter(gegen 927 im Vorjahre); außerdem 45 Arbeiterinnen (gegen 11 im Vorjahre), wovon 23 ungelernte und 22 ge- lernte waren.(Im Vorjahre gehörten alle 11 weiblichen Mit- glieder der Gruppe der ungelernten Arbeiterinnen an.) Die ungelernten Arbeiter sind in solche unter und solche über 18 Jahre geschieden. Der elfteren Gruppe gehörten 436(267 im Vorjahr), der zweiten 83(22 im Vorjahr) an. Bei den gelernten Arbeitern sind Lehrlinge und A u S- gelernte unterschieden. Es waren von ihnen 1337 Lehrlinge gegen 764 im Vorjahr) und 142 Ausgelernte(gegen 173 im Vor- jähr). Von den Arbeiterinnen standen 19 im Alter unter 18 Jahren(gegen 10 ün Vorjahr) und 4 im Alter über 18 Jahren (gegen 1 im Vorjahr). Von der regen Tätigkeit des Vereins zeugen die folgenden An- gaben: Es fanden im Berichtsjahre statt: 6 Generalversammlungen, 10 Agitationsversammlungen, 12 allgemeine Mitgliederversammlungen, 306 Abteilungsversammlungen, 6 allgemeine Bezirksführerversamm lungen, 16 Verwaltungssitzungen, 29 Vorstandssitzungen, 47 Ausflüge, 9 Unterhaltungsabende und Abteilungsvergnügen, 1 größeres Ab- teilungSvergnügen, 1 Vereinsfest. Die Vorträge in den Versamm- Inngen behandelten folgende Themata: Weltgeschichte 3, National- ökonomie 8, Arbeiterbewegung 15, Naturwissenschaft 3, Jugend- bcweguNg 45, Schulwesen 5, Gesundheitspflege 2, Technik 1, NechtSlehre 8, Arbeiterschutz 6, Religionsgeschichte 4, Jugendfürsorge 1, Literatur 3, Biographien 4, Abstinenz 1, Kunst 8. Mit dem Arrangement dieser Veranstaltungen war die Tätigkeit deS Vorstandes nicht erschöpft. Er erwirkte an mehreren Kunst« und wissenschaftlichen Instituten(wie Ausstellung der Sezession, für Erfindungen der Kleinindustrie, Goethe-Verein, Treptow-Sternwarte, Arbeiter-Stenographenverein und einige Badeanstalten) Preis- crmäßigung für die Mitglieder des Vereins. Im September wurde ein RednerkursuS gebildet, der aber des Ausbaues noch bedarf. Am 1. Oktober erschien die erste Nummer deS monatlichen.Mitteilungsblattes" des Vereins. Die Beschwerde st elle wurde im Jahre 1907 in etwa 120 Fällen in Anspruch genommen. Ihre Tätigkeit erstreckte sich gewöhnlich auf Auskunfterteilung in strittigen Fragen des Lehr- und Arbeitsverhältnisses und Forlbildungsschullvesens. Besonders krasse Mißstände wurden in der„Arbeitenden Jugend" veröffentlicht, immer mit gutem Erfolg. Zwei Klagen auf Fortsetzung des Lehr- Verhältnisses wurden eingereicht: eine davon verlief zuungunsten des Klägers. Außerdem wurden Beschwerden über ungesetzliche Arbeitszeit in Fabrikbetrieben an den Gewerbeinspektor vermittelt. Der Bericht schildert kurz die Kämpfe, die die Organisation mit den christlichen Jünglingsvereinen, den angeblich politisch und religiös neutralen„Jugendklubs", mit den Unternehmern usw. zu bestehen hatte, Kämpfe, die im allgemeinen erfolgreich waren. So brachte z. B. der Kampf gegen die christlichen Jünglingsvereine etwa 300 neue Mitglieder, wovon viele bis dahin den christlicheu Vereinen angehört halten. lieber die Stellung der Fortbildungsschule zum Verein sagt der Bericht, daß die Bekäinpfung der Organisation in der Schule um ein bedeutendes nachgelassen habe.„... Mag sein, daß die uns feindlich gesinnten Lehrer eingesehen haben, daß eine Gegenagitation unserer Sache nur nützt. Dann aber auch haben sehr viele Lehrer die Meinung über unsere Organisation sehr zu unseren Gunsten geändert. Sie, die nun unsere wahren Bestrebungen kennen gelernt und die Früchte unserer Erziehungsarbeit mit Freuden zu betrachten kleines fciriHcton. Kunst fürs Volk. Daß heutzutage die soziale Frage nicht nur flne Magenfrage, ein Streben nach besserer Nahrung und Kleidung, nach größerem Verdienst überhaupt ist. sondern ebensowohl die Sättigung des geistigen Hungers des Volkes in sich schließt, ist namentlich im Laufe der letztest Jahre immer klarer geworden, doch ist bis jetzt zur Befriedigung dieser geistigen Forderungen, wie Profesior Dr. Reich in"den„Dokumenten des Fortschritts"(Verlag Georg Reimer, Berlin) erörtert, fast gar nichts getan. Mit zähem Eifer suchen die geistig regsamsten Kreise der aufwärtsstrebcnden Aroeiterschaft ihren Anteil an Wissenschaft und Kunst zu erstreiten. „Lsnorn et circenses"(Brot und Spiele) lautet auch heute noch der Ruf, aber keine rohen und frivolen Zirkuskünste werden gefordert, sondern die reine Kunst in ihren edelsten Aeußerungen. Freude an der Natur ist zwar wünschenswert, kann aber den Menschen, der nach vielseitiger Entwickelung strebt, für die Entbehrung an Kunstgenüssen nicht vollauf entschädigen, abgesehen davon. daß das Aufsuchen der Natur mit immer mehr Opfern an Zeit und Geld verbunden ist. Um nun die Kunst dem Volk zu geben. muß sie vor allen, aus der Knechtschaft des Reichtums vefreit werden, dessen ausschließliche Domäne sie bis jetzt war. Auch die tiefsten und auserlesensten Kimstschöpfungen erfaßt der ahnungsvolle Instinkt der Menge nicht selten sicherer als der enge Horizont eines blasierten Genießers. Was ist„un bis heute schon geschehen, um die Kunst dem Volke zugänglich zu machen, und was kann noch geschehen? Bis vor wenigen Jahrzehnten waren die öffentlichen Museen noch Sonntags ganz geschlossen oder nur an drei Mittags- stunden sichtbar, auch an Wochentagen nur zu solchen Zeiten geöffnet, wie sie den Wünschen der Aerguügungsreisenden und Berufslosen entsprechen mochten, während die Masse der Erwerbstätigen aus- geschloffen blieb. In den neunziger Jahren hat dann eine rege Agjtalion erreicht, daß wenigstens Sonntags die Museen geöffnet wurden, doch war dies auch nicht das Richtige, da der Großstädler den Sonntag zum Aufenthalt in ftischer Luft braucht. So entschloß man sich denn endlich, die Museen elektrisch zu beleuchten und bis 10 Uhr abends geöffnet zu halten, doch schloß sich von dieser segens- reichen Maßnahnie Deutschland fast ganz aus. Nur in einem Puime kann es vorbildlich wirkerfl indem es Führungen unter fach- kundiger Leitung durch die Museen veranstaltet. Für'kleinere Städte loare durch Wandermusecn Vorsorge zu treffen, wie dies die öfter- rc ichlschc Regierung seit einiger Zeit tut. Jede Dorfschule lehrt fingen, Musik ertönt aus vielen Wirtshäusern, sie ist die populärste Kunst. Trotzdem wird aber verhältnismäßig wenig zu ihrer Pflege getan. Die Gemeinden und der Staat müssen hier in Zukunft Gelegenheit hatten, haben den günstigen Einfluß, den unser Verein auf die Jugend sowohl in sittlicher wie fachlicher Hinsicht ausübt, erlanitt...." Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte haben der Organisation mancherlei zu schaffen gemacht. In Groß-Berlin wurden acht Versammlungen verboten und elf aufgelöst. Die Gründe, soweit sie an- geführt wurden— immer hält es die Behörde nicht für nötig— sind in der Tat originell. Da hieß es:„Da die Räume des Lokals zu klein sind"(Marienselde)—„weil der Verein nicht gemeldet ist" (Marienfelde)—„aus baupolizeilichen Gründen"(Reinickendorf)— „weil es eine Versammlung des„Lehrlingsvereins" ist"(Steglitz)— „weil über Jugendorganisation gesprochen wurde"(Adlers- Hof)— wegen der Worte„die Jugendorganisation bezweckt" (Baumschulenweg) und„wir, die freie Jugendorganisation"... (Banmschulenweg). Am 9. Oktober sind sämtliche Versamm- lungen in AdlerShof auch für die Zukunft verboten worden. Die Abteilung in Ober- Schöneweide wurde im Dezember polizeilich geschlossen auf Grund§ 8 des Vereinsgesetzes, der zu Un- recht herangezogen ist. Die Beschwerden wurden teils ohne Grund- angabe abgewiesen, teils wurden sie überhaupt nicht beantwortet. So ist beispielsweise eine am 25. Januar 1907 an den Landrat v. Stubenrauch zur Weitergabe an den Regierungspräsidenten ein- gereichte Beschwerde bis heute noch nicht beantwortet. Einige Be- schwerden find allerdings als berechtigt anerkannt worden. Einem Beschwerdeführer gab der Landrat v. Stubenrauch, jetzige Polizei- Präsident von Berlin, die Antwort:„Daß ich keine Neigung habe, mich mit einem Lehrling zu unterhalten." Ein Verfahren gegen den Gesamtvorstand wegen angeblicher verspäteter Meldung von Aenderungen der Mitgliederliste mußte ein- gestellt werden. Zwei Mitglieder wurden wegen Flugblattverbreitung zu je 16 M. Geldstrafe verurteilt, das Mitglied Peters wurde wegen angeblicher Aufreizung zu Gewalitätigkeiten am 11. September mit 50 M. Geldstrafe belegt. Die Straftat soll durch Herausgabe des Liederbuchs für die arbeitende Jugend begangen worden sein und zwar durch den Abdruck des bekannten Mostschen Liedes:„Wer schafft das Gold zu Tage". Das Mitglied Kaufhold wurde wegen angeblicher Beleidigung der Polizei zu 60 M. Geldstrafe, Mitglied Wiebold wegen angeblicher Uebertretung deS Vereinsgesetzes zu 16 M. Geldstrafe verurteilt. Mehrere Matzregelungen sind zu verzeichnen— mit dem Er- folge, daß die Betroffenen bessere Lehrstellen erhielten. Andere Meister versuchten eS mit der Nadelstichpolitik; sie entzogen den Lehrlingen die Weihnachtsgratifikation oder wirkten dahin, daß ihnen eine Prämie in der Fortbildungsschule, die ihnen zugedacht war, nicht zuteil wurde, weil sie Mitglieder der Organisation waren. Trotzdem sind viele ihrer Mitglieder mit solchen Fortbildungsschulprämien be dacht worden. Der Bericht sagt: Auch auf die allgemein geistige und speziell sachliche Ausbildung der Jugend hat unser Verein einen recht günstigen Einfluß ausgeübt. Die Verleumdung der Gegner, er verbilde die Jugend, erziehe sie zu Phrasenhelden, Tunichtsguten usw., hat er statt mit Worten durch praktische Arbeit widerlegt. Nur natürlich ist es. wenn Funktionäre unseres Vereins im allgemeinen die tüchtigsten Handwerker in der Werkstatt und die fleißigsten Schüler in der Fortbildungsschule sind. Dafür spricht allein die Tatsache, daß die bei der Gesellenprüfung und in der Fortbildungsichule ausgegebenen Prämien in einem auffallend starken Prozentsatz Mitgliedern unserer Organisation zuteil wurden, von den vielen Jugendlichen ganz zu schweigen, die mit Prämien lediglich deshalb nicht bedacht worden, weil sie der freien Jugend- organisation angehörten. Denn merkwürdigerweise bestimmen über die Verteilung der Prämien auch in den Schulen meistens Jnnungs meister. Im Schlußabschnitt„Unsere nächsten Aufgaben" wird darauf hingewiesen, daß noch große Scharen Jugendlicher der Orga nisation fernstehen und gewonnen werden müssen. So zählen z. B die evangelischen Jünglingsvereine an 3000 Mitglieder, dazu konimen die katholischen Jngendvereine und die Jugendklubs. An weiteren Aufgaben werden aufgezählt: .. Da ist die Bibliothek auszubauen, gute Lektüre der Jugend in die Hand zu geben. Mehrere Lesesäle, Vereins- z immer sind zu beschaffen, die möglichst alleiniges Besitztum der Jugend sein müssen. Die Jugend, der das Getöse der Maschinen der Fabrik noch am Abend in den Ohren gellt, und deren Brust mit stickiger Luft der Werkstätte geschwängert ist, flieht den Lärm und den un- gesunden Tabaksqualm der Wirtschaften. Sie haßt den gefährlichen Feind Alkohol. Für dieses, von jedem Freund der Jugend freudig begrüßte Bestreben der proletarischen Jugend scheint der Magistrat Berlins kein Verständnis zu haben. Eine Eingabe des Vereins an den Magistrat auf zeitweise Ueberlassung von Schulräumen für jene Zwecke hat er abschlägig beschieden. So muß denn die arbeitende Jugend aus andere Weise ähnliche Räume zu gewinnen suchen. Weiter sind Unterrichtskurse einzurichten. Und als ein ferneres Ziel muß uns allen die Errichtung eines freien helfen, so daß regelmäßige Konzerte von honorierten Künstlern ver- anstaltet werden können. WaS für die Musik gilt, bezieht sich auch auf das Theater, sei es nun Oper oder Drama. Seit Jahr- Hunderten war es Tradition, daß die Monarchen einen nicht un- erheblichen Teil der Staatseinnahmen für ihr künstlerisches Vergnügen verwendeten; während aber ihre Galerien und Museen allmählich immer mehr in den Mitgenuß der Allgemeinheit über» gingen, sind beim Theater infolge des hohen Eintrittsgeldes die Besitzenden immer mehr mitentscheidende Teilhaber ge- worden, während die häufigen Freitheater von früher in Fortfall gekommen sind. Da die Regierung sich nicht um die Theater- frage des Volkes zu kümmern scbien, so wurde in Berlin die „Freie Volksbühne" gegründet. Seitdem wird in einer Reihe deutscher Städte dastir gesorgt, daß ein paar Aufführungen hervor- ragender Dramen und Opern für Arbeiter alljährlich vertragsmäßig stattfinden. Der Staat hat� die vielfachste Möglichkeit, mit ver- hältnismäßig geringen Beträgen für die Literatur, für Massen- Verbreitung anerkannt guter Werke Erhebliches zu leisten. Die Er- richtung von Bolksbibliotheken wäre in erster Linie Sache der Ge- meinden, in den Dörfern nicht minder als in den Städten. Die hervorragendsten Schöpfungen der Nanonalliteratur aber sollten im eigenen Besitz jeder Familie sein, und der Staat sollte gut gedruckte billigste Ausgaben selbst veranlassen, statt dies nur den Buchhändlern zu überlassen. Das Gleiche gilt von den Reproduktionen der Meistenverte der anderen Künste. Die Kunst ist kein Luxus für Be- nnttelte, sie ist eine Notwendigkeit für alle. Geben wir endlich dem Volk die Kunst und der Kunst das Volk, beiden zum Heile.> Wir geben diese Anregungen des um die Volkskultur verdienten Mannes ohne Kommentar wieder und brauchen wohl nicht besonders darauf hinzuweisen, daß der Staat, der diese Forderungen ver- wirklicht, erst von der Arbeiterklasse geschaffen werden muß. Bis dahin ist— wenigstens in Preußen— das Proletariat wesentlich auf Selbsthülfe angewiesen. Die Gleichheit im Gefängnis. Der Pariser Obergauner Rochette. der seine Mitbürger um einige 60 Millionen beschwindelt hat, ist endlich ins Untersuchungsgefängnis übergeführt worden. Er genießt natürlich alle Erleichterungen und Auszeichnungen, die einem so edlen Mitgliede der bürgerlichen Gesellschaft zukommen. Er empfängt Besuche, fährt mit seinem Automobils spazieren und lehrt höchstens nachts in das gastliche Gefängnis zurück. Dieses Beispiel mußte notwendigerweise die Sitten anderer Gefangener, die nach ihrer Auffassung sich keineswegs so gegen die Gesellschaft vergangen haben, wie der Gründer Rochette, gröblichst verderben. Sie verlangten kurz und bündig, ebenso gut behandelt zu werden. Unser Genosse Hervö, der gerade wegen seiner anti- militaristischen Propaganda eine Hafrstrase verbüßt, schrieb, wie wir dem von ihm geleiteten Blatte Gucrre Sociale" Jugendheims voranleuchten. Diesen Plan mag mancher von uns zu kühn finden. Und doch ist er gar bald praktisch durchführbar. wenn die unbedingte Notwendigkeit seiner Verwirklichung von der Arbeiterschaft erkannt wird. Warum besitzt die arbeitende Jugend Berlins nicht schon längst ein solches Heim, wo sie Schutz, Kost, Logis, Pflege, Unterhaltung, Lektüre und Belehrung findet? Warum läßt man die„christlichen" Jünglingsvereine durch solche Lockmittel die Jugend an sich fesseln? Will man ihr schänd- liches Werk noch begünstigen dadurch, indem man es nicht bekämpft!? Es ist hohe Zeit, daß die Arbeiterschaft sich endlich ihrer Pflicht gegenüber ihrer Jugend besinnt!" Das Bureau des Vereins befindet sich Berlin C. 2, Strakauer» ftraße 13/14, vorn 3 Treppen. Es ist werktäglich von 6—8 Uhr geöffnet. Es wird dort unentgeltlich Auskunft über Lehr- und Ärbeitsverhältnisse erteilt. Die Bibliothek und der Leseraum stehen Mittwoch von 7— 9'/z Uhr, Sonntags von ü—'/.jlO Uhr zur freien Benutzung. vierzehnter Parteitag der Sozialdetno- hratiicden Arbeiterpartei Hollands. (Schluß.)! Vor Schluß der Vormittagsitzung des dritten KongreßtagcS hält Genosse S p i e k m a n n- Rotterdam, Mitglied des Parteivor- standes, ein Referat über den unter dem Scheine der Verbesserung von den Arbeitgebern geplanten Anschlag auf das bestehende U n- fallversicherungsgesetz, das Redner das beste der be- stehenden holländischen Sozialgesetze nemrt, und gegen dessen Ver- schlechterung die Arbeiterklasse kämpfen müsse. Die Unternehmer wollen die Reichsversicherungsbank mit den ungünstigsten Risikos belasten, während sie selbst in ibrer Arbeitgeber-Risikobank nur die wenig belastenden Versicherten übernehmen wollen. In der Diskussion bringt Genosse D u y s- Zaandam, Beamter der Reichsversicherungsbanh ein reiches Tatsachenmaterial gegen die Arbeitgeber vor und deckt die Korruption im Versiche- rungsbetrieb aus. Eine vom Parteivorstand beantragte Resolution, die sich scharf gegen jede Verschlechterung des Unfallversicherungsgesetzes wendet, wird hierauf einstiminig angenommen. Der Jahresbericht des Parteisekretärs van Kuykhof über die Parteifinanzen wird gutgeheißen und das Budget für 1908, in Einnahmen und Ausgaben 10 567 Gulden betragend, angenommen. Der Parteitag beschließt die Gründung eines besonderen Wahl- fonds, der durch die Ueberwcisung eines größeren Betrages durch in den Kolonien wohnende Genossen ermöglicht wurde. Hierauf fand noch eine kurze Debatte über den Broschüren- Handel statt, der sich in der kurzen Zeit seines Bestehens gut ent- wickelt hat. Im letzten Jahre wurden 180 Broschüren in einer Auflage von 130 000 Exemplaren herausgegeben. Dann schritt man zum Schluß des Parteitages. Genosse G e r h a r d- Amsterdam erklärte Noch, daß er und andere Genossen nicht mit van Kol übereinstimmten, der gemeint hatte, es sei möglich, daß gläubige Katholiken und Protestanten Mitglieder der Partei werden könnten. Persönlich meine er, daß sie dies wohl werden, aber dann nicht mehr Anhänger ihrer Kirche bleiben könnten., Der Vorsitzende W. H. V l i e g e n bedauerte diese Auslastung. die, gleich der van Kölschen Meinung, gänzlich persönlich sei, der die Partei sich nicht anschließen könne. In seinem Schlußwort sagte V l i e g e n dann: Der letzte Tag sei ein Erfolg der Partei, überhaupt habe er in der zweiteir Hälfte der Tagung die Ueberzeugung gewonnen, daß der Kapitalismus von beiden Richtungen gemeinschaftlich bekämpft werden könnte. Diesen Worten schloß Genosse Me n d c l s sich an. Unter dem Singen der Internationale ging der Parteitag autz- einander. IX. Vttbavdstag der Dachdecker. Mannheim, 23. April 1908. (Eigener Bericht.)! Dritter Berhandlungbtag. Die heutige Tagung wurde mit der Beratung über die fernere Gestaltung der Beiträge begonnen, die vom Zentralvorstand ein- gehend begründet wird. Hierzu liegen Anträge vor auf eine ander, weitige Regelung der Beiträge, und zwar vom: („Der soziale Krieg") entnehmen, folgenden Brief an den Ministerpräsidenten Elemenceau:„Mein lieber Minister l ES wäre mir angenehm, jeden Dienstag von 2 Uhr nachmittags bis Mitternacht bei der Herstellung deS„Gusrrs Sooials" zugegen fein zu können. Einem alten Journalisten, wie Ihnen, brauche ich kaum auseinanderzusetzen, welchen Nutzen es für eine Zeitung, für seine Leser wie für seine Redakteure hat, wenn- der Chefredakteur von Zeit zu Zeit dabei ist. Was wäre wohl aus der„L'Aurore" geworden, zur Zeit, da Sie die Fälscherbande des Generalstabs in den Dreck zogen, wie ich die Mörderbande in Marokko in den Dreck zog,— wenn man Sie, plötzlich unter dem trügerischen Vorwande, Sie hätten die Armee verleumdet, eingesperrt hätte, ohne Ihnen zu gestatten, die Verirrungen Ihres Freundes Gohier zu überwachen! Da unsere Zeitung— trotz der Unterstützung deS Kaisers Wilhelm— nicht über die Mittel verfügt, mir ein Auto zu bezahlen, so würde ich selbstverständlich den Weg von» Ge- sängnis in unser Bureau zu Fuß zurücklegen, wenn die Herren Polizistci», die»nich zu begleiten hätten, damit einverstanden wären. Ich rechne auf das Interesse, das Sie immer dem„Gusrre Loemls" bewiesen haben, und nicht minder auf Ihre Achtung vor der Gleich- heit, deren Name sogar aus den Mauern unserer republikanischen Gefängnisse thront. Ich bin. mein lieber Minister»»nd ehemaliger Kollege, Euer Exzellenz ergebenster Gefangener G. Herve." Gleichzeitig richtete ein anderer Strästing namens Lacour eben« falls einen Brief an den Minister, der folgendermaßen lantcte: „Herr Minister, lieber Freund! Wir sind hier Zellennachbarn deS Herrn Rochette, zwölf Maurergesellen, die Sie eingelocht haben, ohne Zweifel, um uns das Schicksal zu ersparen, von unseren Unternehmern auf die Straße geworfen zu werden. Wir danken Ihnen, daß Sie uns so vor der Aussperrung bewahrt haben. die alle unsere Maurerkollegen traf. Und wir möchten Sie ergebenst bitten. Ihrer Fürsorge die Krone autzlisetzen und uns zu erlauben, zur Arbeit zn gehen, da unsere Arbeitsstätten wieder geöffnet find. Falls Sie meinen, nicht unsere dSstnitive Aussperrung aus dem Gefängnis anordnen zu sollen, Ivo wir immerhin schon unsere 6 Monate zugebracht haben, so werden Sie doch uns sicherlich die unserem Nachbarn Rochette gewährte Gunst nicht verweigern wollen, und uns gestatten, alle Morgen zur Arbeit zn gehen, begleitet von zwei Wachtmeistern- Unsere Kameraden auf dem Bau- platze werden diesen sicherlich dieselbe Hochachtung beweisen, wie Ihnen selbst, falls Sie sich dahintrauen sollten. Mit ausgezeichneter Hochachtung im Naincn der zwölf ausgesperrten Maurergesellen Lacour." Herr Elemenceau wird sich diese beiden durch einen Gefängnis- beamten beglaubigten Briefe, die eine treffsichere Satire aus die bürgerliche Gerechtigkeit im allgemeinen und auf den Demokraten Elemenceau insbesondere sind, sicherlich nicht hinter den Spiegel stecke». Für jedes weitere volle Jahr steigt die Unterstützung um 2,50 M. bis zur Höhe von 80. 85. 90, 95. 100, 195. 110. 115 und 120 M. Die Streikunterstützung beantragt Redner einer gründlichen Reform nach folgenden Vorschlägen zu unterziehen: s), Für Mitglieder, die dem Verbände ein halbes Jahr ange- hören: in der 1. BeiiragSklasse 2,00 M. pro Tag, . 2,„ 2,20„„„ „» 3.„ 2,40„„„ #« 4. ,, 2,5j„ ,,« #,„ 5.„ 2,70„„ ff ff« 6. ff 2,So ,,„ ff „« �• i, 3,00„*„ »» 3,« 3,1o ,<«» b) Für Mitglieder, tvelche dem Perbsnde noch nicht ein halbes Jahr angehören:■' �" in der 1. BeiiragSklasse 1,50 M. pro Tag, ff» 2.„ 1,70» ff ff ,, 3.„ 1,90„ ff„ « tt 4.„ 2, Oo„ ff ff ..„ 5.„ 2,20„„„ „„ 0.„ 2,35» ff ff „!>„ 2,50„„„ ,,« 3. ,, 2,6o tf tt tt Für jedes Kind unter 14 Jahren wird 1 M. pro Woche Unter- stützung gezahlt. Wenn für einen Streikenden bei einer Unter- stützungsauSzahlung weniger als fünf Unterstützungstage in Be- tracht kommen, dann beträgt das Kindergeld 20 Pf. pro Tag und Kind. Besonderen Wert legt Höppner auf die Einführung der Kranken- uniterstützung, da die Arbeitslosenunterstützung borläufig nicht, wenigstens nicht bei den soeben beschlossenen Beiträgen durchzuführen ist. Zur Einführung der Krankenunterstützung hat er im Einvcr- ständnis mit dem Zentralvorstand folgende Vorschläge unter- breitet: Der Verband kann seinen Mitgliedern Unterstützung gewähren in Krankheitsfällen, wenn sie: g) dem Verband ununterbrochen mindestens zwei Jahre ange- hört und für 90 Wochen Beiträge bezahlt haben und b) von einer auf Grund des Reichs-Krankcnversicherungsgesetzes bestehenden Krankenkasse Krankengeld beziehen, und zwar auf folgender Grundlage: in der 1. Beitragsklasse pro Tag 35 Pf. pro Woche 2,10 M. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 40 45 50 55 60 65 70 73 80 2,40 2,70 3,00 3,30 3,60 3,90 4,20 4.50 4,80 Nach vierjähriger Mitgliedschaft erhöht sich die Unterstützung um 60 Pf. pro Woche und steigt von da an all$ zwei Jahre ym 30 Pf. pro Woche bis zu einer Höhe von 4,50 M. in der 1. Beitragsklasse 4.80„..„ 2. 5,10„»„ 3.„ 5,40„„„ 4., 5,'0„„„ 5,« 6»» w ff 0.„ 6,30 ff„„ 7.» 0,60„„„ 8,» 6,90„»„ 9,„ 7,20«„, 10. An das Referat knüpfte sich eine sehr lebhafte Debatte, die morgen fortgesetzt werden wird. Eine Äachmittagssitzung findet nicht statt, dafür haben die Delegierten bereits gestern und heute Ueberstunden gemacht, um sich nachmittags Heidelberg anzusehen. Erste ßovferenz der Flaschenmacher Deutschlands. Im Gcwerkschaftshaus zu Hamburg tagten am 19. und 20. April die im Zentralverband der Glasarbeiter organisierten Flaschenmacher Deutschlands, um über die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse in der Flaschenindustrie zu beratschlagen. Vertreten waren 33 Orte durch 42 Delegierte, zwei waren nicht erschienen. Vom Zentralvorstand waren anwesend Girbig, Gebet und Dornheim. Der österreichische Glasarbeiterverband war der- treten durch Friedrich-Graz und Marx-Teplitz. Zur Frage der Arbeitszeit und Nachtarbeit, die als erster Punkt der Tagesordnung die Konferenz beschäftigte, lag folgende Resolution vor: „Nach der seitens der Organisation aufgenommenen Sta tistik bestehp in den deutschen Flaschenfabriken keine einheitliche Arbeitszeit: dieselbe schwankt zwischen acht und elf Stunden. Dieser Zustand ist für die Arbeiter keineswegs förderlich, sondern wirkt in gesundheitlicher Beziehung äußerst schädlich. Angesichts der ungesunden Verhältnisse in den Flaschenfabriken fordert die Konferenz die Einführung der achtstündigen Arbeitszeit.— Da aber auch die Nachtarbeit ungemein schädlich für die Arbeiter schuft wirkt, so fordert die Konferenz gleichfalls, daß die Arbeit nicht vor morgens 5 Uhr beginnen darf und spätestens abends 11 Uhr beendet sein muß.— Die dreischichtige Arbeitsweise v«r- wirft die Konferenz und fordert die Beseitigung derselben, weil sie die überaus schädliche Nachtarbeiten sich schließt." Emil Girbig-Berlin, der auch die vorstehende Resolution eingebracht, referierte über das Thema, auf die Schädlichkeit der Nachtarbeit hinweisend. Der Referent stellte fest, daß bei der übermenschlich langen Arbeitszeit von elf Stunden in der Nacht- chicht, oft die Pause noch uin eine halbe Stunde gekürzt wird, ö daß in der Nachtschicht, die an und für sich weit aufreibender wirkt als die Tagschicht, die Arbeit noch um eine halbe Stunde länger währt. Die Arbeit ist in fast allen Betrieben doppelschichtig. Nur in sieben Fabriken wird am Tage gearbeitet, in fünf Fabriken in drei Schichten. Die aufreibende Arbeit und die fast in allen Betrieben vorherrschende schlechte Luft, die besonders im Sommer herrschende ungeheure Hitze, muß den Körper frühzeitig ruinieren. Die Unternehmer nehmen keine Rücksicht auf die Gesundheit der Arbeiter: der Profit ist mehr wert Wie Leben und Gesundheit der Ausgebeuteten. Nach längerer Diskussion wird die Resolution angenommen. Ucbcr den zweiten Punkt der Tagesordnung: Abschaffung sämtlicher Nebenarbeiten n»d nuentgeltliche Gewährung aller Arbeitsgeräte referiert Emil Hoffmann- Oldenburg. Die Nebenarbeiten der- längern die Arbeitszeit and sind sehr gesundheitsschädlich. Unter allen Umständen muß das Ausleeren beseitigt werden, damit der Glasarbeiter nicht mit erhitztem Körper und ungenügender Kleidung allem Unwetter ausgesetzt ist. Das Haseneinsetzen sei nicht Arbeit des Glasarbeiters, es geschehe oft unter größter Lebensgefahr, und mancher Glasmacher sei schon dabei verunglückt und zum Krüppel geworden. Ferner sei der Unternehmer verpflichtet, Arbeitsgeräte u liefern. Hier sei es Mode, daß die Kollegen alle Geräte und Material selbst liefern und Jnstandhalten müssen, höchstenfalls gibt es freie Getränke, was unter allen Umständen zu verwerfen sei. Es gelangt nachstehende Resolution zur Annahme: „Da die Arbeit des Glasmachers ein sehr anstrengende und aufreibende ist, und diese die Entfaltung der gesamten Arbeits- kraft während der Produktion erfordert, beschließt die Konferenz, daß sämtliche Nebenarbeiten, wie Ausleeren der Kühlöfcn, Ring- vorsetzen, Einbringen der Schiffchen usw., nicht mehr vom Glas- macher auszuführen sind, sondern hierfür besondere Arbeiter eingestellt werden müssen. Weiter fordert die Konferenz die Ge- Währung sämtlicher Arbeitsgeräte, wie Pfeifen, Scheren, Klötze usw. durch die Fabriksleitung. Der Flaschenmacher betrachtet sich lediglich als Angestellter des Betriebes und fordert aus diesem Grunde unentgeltliche Gewährung und Instandhaltung sämtlicher Arbeitsgeräte." Hierauf referiert über Punkt 2: Lohn-«nd Wohmmgsfrage, Otto O e h m k e- Altona: Mehr und mehr erstrebe man heute eine tarifliche Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse, während man früher weniger dazu geneigt war. Man hatte den Tarif- Verträgen den Vorwurf gemacht, sie hinderten den Arbeiter, die gute Konjunktur auszunutzen: man müsse aber auch beachten, daß zie Verträge den Arbeiter in schlechten Perioden bis zu einem gewissen Grade schützen. Sie hinderten auch keineswegs die tech- nischcn Fortschritte. Ter Arbeitsvertrag des einzelnen trete immer mehr in ssen Hintergrund: in Beträcht komme nui noch die Ge- samtheit beim Vertragsabschluß. Redner erörtert die Verhältnisse in der Flaschenmacherbranche. Schon seit der ersten Glasarbeiter- bewegung hatte man eine tarifliche Regelung im Auge gehabt. Bisher sei es nur den Glasschleifern und Bläsern in Thüringen und den Rohglasarbeitern an einigen Orten gelungen, Tarife ab- zuschließen, den Flaschenmachern jedoch noch nicht, obgleich es bei diesen am ersten möglich sei. Die verschiedene Berechnung nach Schock oder Hüttenhundert müsse beseitigt werden, vor allen Dingen auch das fluchwürdige Prämiensystem. Auf einigen Betrieben werden Abzüge gemacht, wenn der Arbeiter nicht eine bestimmte Lohnsumme erreicht, auch dann, wenn der Mindcrverdienft durch Betriebsstörungen hervorgerufen wurde. Die Durchschnittslöhne von 50 Fabriken betragen: 5 Fabriken unter 20» M. pro Woche, 16 Fabriken über 30 M., 29 Fabriken 20 bis 30 M. Redner erörtert dann noch die Lohnzahlung und ersucht, darauf hinzuwirken. einheitliche Normen zu schaffen für bestimmte Bezirke, resp. für das ganze Reich. Die Wohnungsfrage ist von einschneidender Be- deutung für uns. Fast überall wohnen die Glasarbeiter in den Wohnungen der Unternehmer. Bei Lösung des Arbeitsverhältnisses muß auch sofort die Wohnung geräumt werden. Der Arbeiter ge- langt dadurch in ein Abhängigkeitsverhältnis, da auch sehr oft eine Ueberwachung stattfindet. Was der Arbeiter liest, wo er ver- kehrt, wann er im Hause ist usw., alles erfährt der Unternehmer. Es sind Bestimmungen getroffen, die eines freien Menschen un- würdig sind und daher einer Sklavenordnung gleichen. Hier eine Probe: „Kein Arbeiter ist berechtigt, ohne Erlaubnis des zustän- digen Betricbsbeamtcn Fremde zu beherbergen. Jedes Familien- Mitglied, welches an der Wohnung teilnehmen soll, muß beim Einzug oder wenn es später kommt und länger als 14 Tage bleibt, sofort nach Ablauf dieser Zeit bei dem Betriebsbeamtcn zur Eintragung in das Wohnungsbuch gemeldet werden." „Arbeiter, welche sich zu spät verheiraten und der.Storch innerhalb der ersten neun Monate erscheint, haben keinen An- spruch aus freie Wohnung. Dieselben müssen eine privake Wohnung beziehen und erhalten nicht den geringsten Miets- zuschuß." Dies nur ein paar Fälle. Redner ersucht, diesen Fragen näher zu treten und sie zu erörtern, damit es gelingt, Besserungen herbeizuführen. Referent unterbreitet der Konferenz folgende Resolution: In der Erwägung, daß die Entlohnung der Arbeiter in den deutschen Flaschenfabriken für die angefertigten Flaschen eine sehr verschiedene ist und dieser Zustand für die Arbeiter wie für die Industriellen keineswegs vorteilhaft sein kann, bcauf- tragt die Konferenz die Organisationsleitung der Arbeiter, mit der Organisationsleitung der Industriellen in Verhandlung zu treten, um einen einheitlichen Lohntarif für alle Fabriken und alle Sorten Flaschen für eine bestimmte Zeit anzustreben. Die Konferenz fordert: Abschaffung des Prämicnsystems und Einführung von wöchentlichen Abrechnungen auf allen Hütten nach vollem Hundert. Schaffung eines einheitlichen Lohn- tarifes, der alljährlich zu erneuern ist. Der Tarif ist nach Ge- wicht und Inhalt zu regeln. Der Preis soll in der festzusetzenden Gcwichtsskala von 50 zu 50 Gramm auf- und abwärts steigen. Weiter fordert die Konferenz, daß das Wohnungsverhältnis vom Arbeitsverhältnis völlig getrennt abgeschlossen wird und eine Lösung des Arbeitsverhältnisses nicht gleichbedeutend mit der Lösung des Wohnungsverhältnisses ist. In der Diskussion schlägt H a h m a n n- Hainholz vor, daß der Vorstand zur Regelung dieser Materie mit der Unternehmer- organisation in Verbindung tritt. Beim Auszug aus der Wohnung müßten bei ihm noch 6 M. gezahlt werden für Instandsetzung. Auch die übrigen Redner schlagen vor, in der Lohnfrage ein- mal an die Unternehmer heranzutreten, um eine Regelung herbei- zuführen. Nach dem Schlußwort des Referenten wird die Resolution angenommen. Zur Lohilfrage, dem vierten Punkt der Tagesordnung, führte Albert Gebet- Berlin u. a. aus: Wenn auch die Einfuhrung der Maschine in unserer Branche fortschreit«, so würde die Handarbeit noch nicht verschwinden, es mühten immer noch Lehrlinge sein. Die Lehr- lingsfrage sei ein Schmerzenskind für die Gewerkschaften. Im Handwerk bestehen oft vier Jahre Lehrzeit und doch würde nichts gelernt. Die Regierung hätte wohl Fachschulen eingerichtet, da- mit der Lehrling eine Ausbildung erhalte, jedoch sei der Besuch nach der Arbeit unzweckmäßig, dann sei der Lehrling müde und abgespannt. Tie sozialdemokratische Partei direkt hälte zu dieser Frage noch keine Stellung genommen, außer in den einzelnen Körperschaften. In Oesterreich verlangte man, daß der Lehrling in Staatswerkstätten ausgebildet würde. Hierin liege auch ein guter Grundgedanke. In unserer Branche habe man sich ge- stritten, welches System das beste sei: ob das Klotzersystem oder das altdeutsche. Früher konnten nur die Glasmacherkinder das Glasmachen erlernen. Von Kindheit an waren diese in der Hütte, mußten helfen und lernten in der Pause; wenn sie dann zum arbeiten fähig waren, bekamen sie eine Werkstätte. Das Klotzersystem sei doch noch das beste, da hier der Lehr- ling unter fachmännischer Aufsicht stehe. Leider trete durch das Akkordsystem gleich die Ausbeutung ein. Redner weist darauf hin. daß er die Lehrlingsfrage im„Fachgenosscn" angeregt habe, die Kollegen seien jedoch nicht näher darauf eingegangen. In den Versammlungen müsse diese Frage geklärt werden. Bisher hätten wir durch die Entlohnung durch den Glasmacher noch keine Schwierigkeiten gehabt, dadurch sei es uns noch eher möglich, einen Druck auszuüben und den Lohn für den Lehrling festzusetzen. Der Lohn könnte dann prozentual festgesetzt werden. Wichtig sei die Beschränkung der Anlcrnung. Der Lehrling soll nicht zur Aus- bcutung da sein, sondern tüchtig im Bca>f werden. Der Glasarbeiter auf den Siemenswerkcn muß sich Lehrlinge halten, um sich ernähren zu können, wenn das überall so wäre, wo solle das hinführen! Referent unterbreitet der Konferenz eine entsprechende Resolution. Ein Antrag Döhlen: Lehrlinge dürfen nur unter Zustimmung der Ortsverwaltung angelernt werden, und der Antrag Grabein- Flensburg: Motzer erhalten das erste Jahr 25 Proz., das zweite Jahr 30 Proz., das dritte Jahr 35 Proz. vom Verdienst, werden dem Vorstand überwiesen. Folgende Resolution gelangt zur Annahme: In Erwägung, daß eine glückliche Lösung der Lchrlingsfragc unter der herrschenden kapitalistischen Wirtschaftsordnung kaum möglich ist, da auch in dieser Frage sich die Interessen der Unter- nehmer und Arbeiter teilweise diametral gegenüberstehen— in fernerer Erwägung, daß eine ständige Reservearmee naturgemäß die gesamte Lebenshaltung� der Arbeiter unseres Berufes un- günstig beeinflußt,, beschließt die vom 19. bis 20. April 1908 in Hamburg tagende Flaschenmacherkonferenz, auf eine prozen- tuale Festsetzung der Zahl der Lehrlinge(entsprechend der Zahl der in den einzelnen Betrieben beschäftigten Flaschenmacher) hinzulvirkcn. Als beste Form der Lehrlingsausbildung sieht die Konferenz das sogenannte Motzersystem an, da bei diesem System der Lehr- gang des Lehrlings iinter ständiger Beaufsichtigung steht, wodurS eine geeignete Ausbildung ermöglicht wird. Eine Lehrzeit von drei Jahren ist als vollkommen ausreichend zur Aneignung der erforderlichen technischen Fertigkeiten anzusehen. Bei dem Thema: « Bezahlung von schlechtem GlaS und Bruch, führt Emil Girbig-Berlin aus: Der Glasarbeiter muß sehr viel von seiner Ware verlieren ohne sein Verschulden, dadurch cnt« steht für ihn ein bedeutender Lohnausfall. Die Gewerbegcrichte haben nun in letzter Zeit entschieden, daß dieses dem Arbeiter bezahlt werden müsse. In den meisten Arbeitsordnungen finden wir nun Bestimmungen:„Betriebsstörungen werden nicht bezahlt". Wenn nun viel Bruch vorhanden ist, werden die Industriellen immer Betriebsstörungen herausfinden und der Arbeiter wird sein Recht nicht erhalten. In einigen Fabriken ist es durchgeführt, daß Bruch bezahlt wird, auf den meisten jedoch nicht. Sehr oft wird von den Beamten unter allen Umständen verlangt, zu arbeiten, wenn nachher die Ware nichts taugt, wird nicht bezahlt. Wenn die Arbeiter dann klagen, werden sie entlassen. Bruch lägt sich sehr gut vermindern durch gutes Glas, gute Kühlöfen und genügend Einträger. Die Klagen der Unternehmer würden sofort ver- schwinden, wenn die Einträger eine vernünftige Bezahlung und Behandlung erhalten. Die Glasarbeiter dürften die Einträger auch nicht als minderwertig betrachten, sondern als Arbeitsbrüder. Wenn den Einträgern in den Kantinen icdoch stinkende, durchaus ungenießbare Nahrung vorgesetzt wird, so ist es erklärlich, daß sie solchen Verhältnissen entfliehen. Wir müssen verlangen, daß wir den vollen Ertrag unserer Arbeit erhalten. Folgende Resolution gelangt zur Annahme: Fast in allen Flaschenfabriken fordern die Industriellen und deren Beamte, daß die Arbeiter verpflichtet sind, schlechtes Glas zu verarbeiten, trotzdem die Gewißheit besteht, daß die davon angefertigten Flaschen unbrauchbar sind. Werden dann aber die Flaschen dem Kühlofen entnommen, dann werden dieselben als untauglich zum Verkauf verworfen. Da aber auch zugleich durch die Verarbeitung von schlechtem Glas ungemein viel Bruch cnt- steht, beschließt die Konferenz der Flaschcnmacher, daß die Ar- heiter für alle von schlechtem Glas angefertigten Flaschen Bc- Zahlung verlangen und ebenso der dem Glasmacher im Kühlofen entstandene Bruch bezahlt wird. Weiter fordert die Konferenz, daß auch dem Arbeiter eine Entschädigung für die Zeit gegeben wird, in der wegen schlechten Glases nicht gearbeitet werden kann. Zum Punkt 6: Der Arbeitsnachweis sprach Girbig: Der Arbeitsnachweis gehört in die Hände der Arbeiter, weil sie über ihre Arbeitskraft zu verfügen und zu bc- stimmen haben. Die Unternehmer erklären jedoch, sie hätten zu bestimmen, da sie die Arbeit vergeben. Seit 1901 hätten die Flaschcnmacher keinen Einfluß auf den Arbeitsnachweis. Durch den Kraienkamp werden die Kollegen ausgesperrt, welche für unsere Interessen eintreten. Bei Sperren werden die Arbeiter auch von den nicht berührten Firmen gesperrt, sie erhalten dort keine Arbeit. Sperren wirken nur dann, wenn wir die Kollegen aus der Fabrik herausziehen können und niemand hineinkommt. Wir brauchen hier keine besondere Resolution, hier sind für uns die Beschlüsse der modernen Arbeiterschaft maßgebend. Breitholz legt folgenden Antrag vor: „In Anbetracht, daß wir die Macht der Organisation fördern wollen, beschließt die erste Flaschenmacherkonferenz, daß, sobald der Vertrauensmann erfährt, daß Kollegen auf einer anderen Fabrik in Arbeit treten wollen, er sich mit dem Vertrauensmann der betreffenden Zahlstelle in Verbindung zu setzen oder sich an den Hauptvorstand zu werden hat« um Auskunft über die Ver- I)ältniss? zu erhalten." Der Antrag Breitholz gelangt zur Annahme, ferner ein Antrag P h i l i p p- Stralau: „Die 5tonferenz möge beschließen, den Vorstand zu beauf- tragen, Ilmfrage bei jenen Fabrikanten zu halten, welche dem Ring nicht angeschlossen sind, ob diese Willens sind, mit uns einen paritätischen Arbeitsnachweis zu errichten." Der folgende Punkt betraf Die Jlnschcnmaschine. E. Girbig: Schon vor Jahren habe man Maschinen gehabt, jedoch hatte stets sehr gutes Glas verarbeitet werden müssen. Man scheine mit dem Geschrei über die neue Erfindung einen gewissen Zweck zu verfolgen. Das Patent kostet 16 Millionen; nun hätte der europäische Verband 12 Millionen aufgebracht. Wenn das Patent wirklich gut und cinwandsfrci sei, so hätten die Heye und Genossen es sicher sofort erworben. Wir begrüßen jeden Fortschritt, da er zum Nutzen der Menschheit führt. Bei Einführung der Setz- niaschine bei den Buchdruckern sei es diesen möglich gewesen, kraft ihrer Organisation alles zu regeln. Nun wünschen die Kollegen einzelner Zahlstellen für die Flaschenmacher höhere Beiträge zu erheben; der Unterstützungsfonds solle zentralisiert werden. Slra- lau hätte jetzt den 70 Pf.-Beitrag eingeführt. Redner weist darauf hin, wenn die Flaschen alle so seien, wie die Flasche, welche den Delegierten zur Ansicht vorgelegen, so brauchten wir die Maschine sicher nicht zu fürchten. In seinem Schlußwort geht Girbig auf die Frage der Unter- stützungsfonds ein. Das Geld müsse am Orte bleiben, um etwa notwendige Ausgaben decken zu können, es müssen Bestimmungen getroffen werden, daß Kollegen, welche jahrelang an einem Orte bezahlt haben, an einem anderen Orte eventuell auch Unterstützung erhalten. Punkt 8 der Tagesordnung betrifft die Internationale Verbindung- Referent A. Gebel-Berlin weist zunächst auf die früheren Beschlüsse hin(Jena, Hannover). Redner erläuterte dann noch des näheren die Verhältnisse mit England. Es sei notwendig, daß die Kollegen in Versammlungen zum nächsten internationalen Elasarbeiterkongreß Anträge stellen, damit diese dann vcröffcnt- licht werden können. Der Kongreß müsse für einen Sekretär sorgen in einem Lande, wo die Kollegen mehrere Sprachen beherrschen. Die Unternehmer hätten sich international vereinigt, auch unsere Pflicht sei, darauf hinzuwirken, daß eine feste internationale Organisation geschaffen werde. , Es gelangen folgende Anträge Stralau zur Annahme: Um die engere Verbindung unter den Flaschnimachern zu fördern, sollen sich die Konferenzen im Anschluß an die General- Versammlung wiederholen. Droben in mehreren Flaschcnfabriken Streiks auszubrechen, wozu nicht genügend Mittel vorhanden sind, um dieselben tat- kräftig zu unterstützen, so ist solchen Orten der Vorzug zu ge- ivähren. wo die Lohnverhälinisse am schlechtesten sind oder es sich um die Existenz der Organisation handelt. Nach einer Debatte über die Maifeier erhält Girbig das Schlußwort: Wir haben uns über alle Fragen ein klares Bild geschaffen, alle Punkte Ivaren gleich wichtig, alle Delegierte waren von dem Gefühl beseelt, etwas Gutes zu leisten. Wir bedürfen nicht nur der gewerkschaftlickicn, sondern auch der politischen Organisation. Es ist unser Streben, das Ziel möglichst schnell zu c-�efchen. Huö der Partei. Dtt Kongreß der sozialdemokratischen Partei Englands. London. 21. April. sEig. Ber.) Der Kongreß der sozialdemokratischen Partei,. Queich behauptete. daß die Arbeiterpartei noch lange nicht sozialistisch ist, em Anschluß an die Arbeiterpartei würde einem Geständnis gleichkommen, daß die Sozialdemokratische Partei seit Jahren eine falsche Taktik ver» folgte und daß die rote Fahne in die Tasche gesteckt werdet» müßre. Cor michael sprach iin selben Sinne. Pierson »neinte, die S. D. P. könnte sich ebenso g»lt den Neutheologen an- schließen, da auch diese dem Sozialismus zustrebten. Die Abstimmung über diese Frage ergab folgendes Resultat: 130 gegen, 30 für den Anschluß. Alle anderen Resolutioneii und Debatten betrafen innere Orga- nisationssragen und Partciangelegenheiten. Maifestblättcr. Die Mainumuier des„Wahren Jacob" gelangt in den nächsten Tagen zur Ausgabe. Sie wird enthalten die farbigen Bilder„Z u m ersten Mai" und«Flott enveriilehruiig", sowie die Iveiieren Bilder„Maifeier 1008",„Vorsorglich",„Der Herr Divisionspfarrer".„Befähigungsnachweis für ausländische Diplo- maten",„Der Sprachenparagraph",„Russischer Bettler", Studie von Rudolf Hannich.„Nachklänge vom Jonrnalisteu- streik",„Der Talismann des Freisinns",„Der Modernist in der Küche",„Frommer Wunsch" und„Der Blockabgeorduete in den Ferien". Der textliche Teil der Nummer bringt die Gedichte„Wir kommen!" von L u d lv i g Jessen,„Neichsvereinsgesetz",„Frennd- schastliche Begegnung" von A. Scholtz,„De schlabbe Boblezei",„Lob der Unschuld",„Wir wollen den Frühling" von Clara Böhm- S ch u ch.„Junker Lenz".„Er demonstriert nicht" und„Russischer Bettler": aus den zahlreichen Prosabeiträgen erwähnen wir die Humoreske„Ein fröhliches M a i f c st" von Alwin Rudolph und„1999. Ein Traum in der Mainacht". Der Preis der 16 Seiten starken Nummer ist 10 Pf. Die Mainummer deS„Süddeutsche» Postillon" ist im Verlage des Genossen M. Ernst in München erschienen. In weihevoller Tönung gibt sich das Titelbild, eine mächtige Opferflamme in die Höhe sendend. Das farbige Vollbild, daS Caudinische Joch behandelt den Jourlialistenstreik im Reichstage.— Diabolo. gibt eine Zeichnung: Die Liebe hört nimmcr auf.— 8. F.s Mißlungener Pflichteifer ist eines der besten Bilder auS deutschem Patriotenleben.— Auch ein Demonstrierender. Steinbergs Schlußbild zur Mainummer. Eine Beilage enthält Adolf Menzels berühmtes Eisen walz werk, das den Dichter des Postillions zu einem Mairilf begeistert.— E. Kl., Maienhoffnung 00 Psd. la 119—121, lla>16—120, Illa 110-116, abfallende 105-110. Saure Gurken Schock 4,50—5. Pjeficrgiirkc» Schock 4,50—5. Kartolteln per 100 Pmud Dabcrsche 3,00—3,25, weiße runde 2,50—3,00, mag. bon. 2,75—3,25. Porree, per Schock 1,25—2,00. Mecnetlich. Schock 8— 14. Spinai per 109 Psuiid 6—15. Sellerie, per Schock 6—20, do. pomm. 0,00. Zwiebeln per 100 Psd. 6,00—7,00. Petersilie, grün. Schockbund 1,00—1.50. Rettich, bayrischer« per Stück 0,08—0,12, junger, per Stück 0,25. Mohrrüben, 100 Pfund 4.00—5,00. Karotten, per 100 Psund 14—30. Wirsingkohl, Holl. v. Schock 11—22. Rolkobl, Schock 14—15. Weißkohl p. 100 Psd. 5—7. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 0,00, do.(Jrsium- 0,00, do. italienischer 100 Stück 60—75, do. in Körben 18 Stück 3,75—4,00. Rosenkohl, franz., per 100 Pfund 0,00. Grünkohl 0,00. Kohlrüben, Schock 3,00—5,00. Pelerlilicliwurzeln, p. 100 Psd. 5,00—6,00, Schockblind 5,00—6,00. Schnittlauch, Schockbund 0,60—1. Tomaten, kanar.. per Stifte 3,50—3,75. Rote Rüben, per 100 Pfund 7,00—8,00. Rhabarber 100 Blind 4—5. Rabunzen 20 bis 30. Rübchen 0.00. Eskarol, 100 Stck. 0,00. Endivieli, 100 Stck. 30. Radieschen, Schock 2,50—2,75. Baldmeister, Mandel 0,75-1,00. Morcheln 1,80—2.00. Sproßkohl, 100 Pfd. 14—15. Birnen, Kochbtnien hiesige, per 100 Psd. 6—10,00, Tajelbirnen la 30—32, do. Na 6—17, Italiener la 25—28, do. Na 18—20. Slepsel, der 100 Pfund, Tiroler la 0,00, do. Na 22, do. lose, per 100 Psund 0.00. do. tn Stiften 120 PJö. 30-50, Most-, HIes., 100 Psd. 3-14, Koch- 5-12. Tajel- äpscl la 15—23, do. IIa 0,00, Amerikaner, per Faß 21—34, Jlaliener, lose, 100 Psd. 8—14, do. in Körbe» per 100 Psd. 10—16, do. in .Kisten 10—25. Weinirauben, Almeria, per Faß 12—20. Ananas I, per Psund 0,70—0,78, do. II 0,50. Bananen, kanar., per 100 Psd. 23—27, Jamaica 24,00—25,00. Maronen, italienische, per 100 Psund 0,00. Feigen, Kranz, per 100 Psd. 22—25, do. Trommel- per 100 Psd. 40, do. in Kisten 22—35. Traubenrojinen per 100 Psd. 0,00, Zitronen, Melsma, 300 Stück 6,50-9,50, do. 360 Stück 7—10, do. 200 Stück 0,00, do. 150 Stück 0,00. Apfelsinen, Murcia, 200 istüct 7,50—10,00 do. 300 Stück 8,00-12,00, do. Blut- 200 St. 8,50-12,00, do. Blut- 300 Stück 10,00—13,00. do. Valencia 420 Stück 14,00—18,00, do. 714 Stück ,19—25,00, do. Messina 160 Stück 9-12,00, do. 200 Stück 10—12,50, do. 300 Stück 12-13,00, 00. Blii!. 100 Stück 7—8,00, do. 150 Stück 7-8,00, do. 80 Stück 6,50—7,00, do. 160 Stück 12—15, do. 200 Stück 12-15, do. Kalif. 0,00. Datteln, per 100 Kart. 42. do. per 10 Psd. 6-00« do. Kalis. 100 Psund 28-30. Verband der haugewerbl. Hülfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin und Umgegend. Sonntag, den 26. April 1908, vormittags 10 Uhr, in Freyers Festsälen, Koppenstraße 29: General- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Abrechnung vom ersten Duarta! 1908 und Bericht der Revisoren. 2. Berichterstattung über die ftattgefundenen Berhandlungen mit dem Arbeitgeberbund. 3. Die Maifeier. Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Eintritt. Bahlreichen Besuch erwartet 30/5 Der Zweigvereinsvorstand. NB. Die zu obigem Datum angesezten Bezirksversammlungen finden wegen der Generalversammlung nicht statt. D. D. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Stranfenkaſſe Zahlstelle Berlin. Einsetzer! der Buchbinder und verwandten Gewerbe. Der Jahresbericht ist erschienen und fann im Staffenlokal Engelufer 15, 2 Treppen Morgen Sonntag, 26. April, vorm. 9, Uhr, im Gewerkschaftshause, in Empfang genommen werden. Engel- Ufer 15, Saal 1: Versammlung der roten Kartenkleber. Zages Ordnung: 1. Rassenbericht. 2. Wie stellen sich die Stollegen zur Unterstützung der Arbeitslosen am 1. Mai? Die Branchenkommission. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Charlottenburg. 213/19 Der Vorstand. Eingetragene Genossenschaft mit beMöbelfabrik ,, STERN" schränkter Haftpflicht. Bilanzkonto per 31. Dezember 1907. Aktiva. Kassenbestand Warenbestand Inventar- Konto H. Greifenhagen Nachf Brunnenstr. 17-18 oo Veteranenstr. 1-2 Zu Extra- Preisen Mehrere Waggon Porzellan und Glas so lange Vorrat Echt Porzellan Glas flach..... Stück 10 Pt.| Wassergläser...... Stück 4 u. 7 PL Stück 15 Pf. Bierbecher oder Liter Stück 10 Pt. 16000 tief. Stück 1257,73 Dessert. · . 57645, Teller 4447,90 Montag, 27. April, abends 81, Uhr, im ,, Boltshause", Rosinenstr. 3: 15%, Abschreibung 667,90 3780, General- Versammlung. Tages Ordnung: 4. Berbands1. Vortrag über:" Freie Fortbildungskurse für Arbeiter." 2. Kassenbericht vom ersten Quartal 1908. 3. Maifeier. angelegenheiten. 5. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. 83/10 Bant- Konto 24424,10 Debitoren- Konto 15552,15 Verlust und Gewinn- Konto 3623,58 Passiva. Anteil- Konto Reserve- Fonds Die Ortsverwaltung. Unkosten- Konto Darlehn- Konto Zentral- Verband der Glasarbeiter rebitoren- Stonto und-Arbeiterinnen Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. D Stück 8 Pf. Kompott Stück 5 Pr. 3600 Stück Kompottschalen Stück 5 Pf. 300 Stück Saucièren 2. 106282,56 .. Stück 48 Pt. 150 Stück Terrinen oval u. rund Stück 1.75 150 Stück Kartoffel- Schüsseln 720, 395, 1390, 98911,34 4866,22 . 106282,56 Die am Schluß Montag, 27. April, abends 8 Uhr, in Bökers Festsälen, Weberftr. 17: Mitglieder- Versammlung fämtl. Branchen Tages Ordnung: 73/4 1. Vortrag des Kollegen Dornheim. 2. Abrechnung und Bericht der Ortsverwaltung. Zahlreiches Erscheinen erwartet Die Ortsverwaltung. Verband der Sattler Die nächsten Ortsverwaltung Berlin. Branchen- Versammlungen finden an nachfolgenden Tagen statt: Geschirrbranche: Mittwoch, den 29. April 1908. Treibriemenbranche: Montag, den 27. April 1908. 156/18 Taschen, Koffer- und Galanteriebranche: Donnerstag, den 30. April 1908. Militärbranche: Heute Sonnabend, den 25. April 1908. Linoleumleger und Teppichnäher: Donnerstag, 30. April 1908. Wagenbranche: Donnerstag, den 30. April 1908. Eisenmöbel- u. Lederstuhlpolsterer: Donnerstag, den 30. April. Sektion Charlottenburg: Montag, den 27. April 1908. Die Kollegen find verpflichtet, vorsteheude Branchenversammlungen recht zahlreich zu besuchen. Die Ortsverwaltung. Allgemeine Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Drechsler und deren Berufsgenossen( E. H. 86 Hamburg). Mitglieder- Versammlungen finden statt: Bezirk A am Sonntag, den 26. April, vormittags 10%, Uhr, 99 99 99 im Gewerkschaftshaus, Saal 3. B am Sonntag, den 26. April, vormittags 10½ Uhr, bei Ehlert, Wienerstr. 25. Cam Sonntag, den 26. April, vormittags 10 Uhr, bei Schulz, Alte Jakobstr. 18/19. Dam Montag, den 27. April, abends 8½ Uhr, bei Hummel, Sophienstr. 5. Tages- Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vierteljährlicher Kassenbericht pro 1. Quartal 1908. 3. Anträge zur Generalversammlung und Delegiertenwahl. 4. Verschiedenes. Die Zahlstelle vom Bezirk A ist von Naunynstr. 78 nach Naunynstr. 14 bci Schubert verlegt worden. 286/11 Die Ortsverwaltungen. Für das ,, Hamburger Echo" wird zu möglichst baldigem Eintritt ein erfahrener Redakteur gesucht. Bewerber wollen ihre Meldungen mit Angabe des Zeitpunktes, wann der Eintritt erfolgen fann, Mitteilung der Gehaltsforderung und Schilderung der bisherigen Tätigkeit unter der Aufschrift„ Medakteurposten" bis 6. Mai richten an die Geschäftsleitung der Hamburger Buchdruckerei und Verlagsanstalt Auer u. Co., Hamburg 36, Fehlandstraße 13. Hut- Arnold Dresdenerstr. 116 ( Kein Laden) am Oranienplatz Hut u. Mützen EngrosGeschäft Einzelverkauf 286/12 zu auffallend hilligen aber festen Preisen Steife Herrenhüte v.2,00-7,00 Weiche do. Herren- Mützen v. 1,50-6,00 v.0,40-2,50 Kinder- Mützen v.0,40-3,00 Herren- Strohhüte v.0,50-13,50 Kinder- Strohhüte v.0,40-3,00 Garn.Damenhüte v.1,00-5,25 Nur fehlerfreie moderne Ware glug des Geſchäftsjahres 24; eingetreten sind im verflossenen Geschäftsjahre keine, ausgetreten 3. Das Geschäftsgathaben der Genossen beträgt M. 720,-, die Haftſumme auch. 720, Das Geschäftsguthaben und die Hafifumme haben sich um M. 90, verringert. 16036] Der Vorstand. Heltestes Teilzahl.- Geschäft für Brennabor- Räder! Kein Laden! Günstigste Bedingungen. Berlin SO., Louis Barth, Brückenstr. 10a, pt. oval mit Deckel.... Pf. Viktoriabecher mit Goldrand 3/10 oder 1 Liter Stück Likörgläser.. 6 Stück 28 Pt. ., 0 Compotièren stellig, großer Satz 50 Pt. Compotièren steilig, großer Satz 88 Pf. Sturzkaraffen mit. Glas...... 20 Pt. Käseglocken 28 PL., geschliffen 58 PL. Butterdosen 19 PL, Zuckerschalen 10 P Likörservice. Stück 50 Pt. and 95 Pf Zitronenpresser Weißbierpokale.... Stück 20 PL. Kompotteller.... Stück 4 Pf. und Pt. Bierkannen. Stück 98 Pf. 1500 Stück Braten- Schüsseln Stück 28 48 68 98 Pt. 900 Stück Leuchter usw... Stück 8 P. 1690 Stück Kaffeeservice für 2 Personen bestehend aus: Kaffeekanne, Zuckerdose, Milchtopf, 2 Tassen Stück Ein großer Posten 50 PL Bunte Einzelsachen feinste Dekorationen ( Teller, Kaffeekannen, Tassen usw.) außerordentlich billig. Begründet 1879. Im eigenen Interesse eines jeden Käufers von Herren- und Knabengarderobe liegt es, sich von der Leistungsfähigkeit meiner seit dem Jahre 1879 im Osten Berlins bestehenden Firma zu überzeugen. Ich führe nur gute und reelle fertige Bekleidung vom einfachsten bis zu dem elegantesten Genre. 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Am Sonntagmorgen findet eine Flugblatt- Verbreitung statt. Die Parteigenossen werden ersucht, sich den Bezirksführern zahlreich zur Verfügung zu stellen. Lankwitz. Am Sonntag vormittag findet ein« Flugblattverbrei- hing statt. Da mit dieser Flugblottverbreitung der Landtagswahl- kämpf für unseren Ort eröffnet wird, erwarten wir. dast sich leder Genosse daran beteiligt. Zchlendorf. Am Sonntag, früh 8 Uhr, findet von den bekannten Lokalen aus ein« Flugblattverbreitung statt. Ehrenpflicht jedes Genossen ist eS, sich zu dieser Arbeit einzufinden. Der Vorstand. Wannfee. Sonntag, 26. April, nachmittags 4 Uhr. findet im „FürstcnHof" eine öffentliche Volksversammlung statt. Referent ist Genosse F. Zubeil. Vormittag von 10 Uhr ab vom..Fürstenhof" aus Flugblatt- und Handzettelverteilung zur Versammlung. Partei- genossen, sorgt für zahlreichen Besuch der Versamlung und seid pünktlich zur Parteiarbeit zur Stelle. Mariendorf. Sonntag. 26. April, morgens 8 Uhr, findet eine Flugblattverbreitung betreffs Landtagswahl statt. Jeder Partei- genösse muh sich in seinem Bezirkslokal einfinden. Der Vorstand. Schmargendorf. Am Sonntag, 26. April, früh'/.8 Uhr, findet oom„Wirtshaus Schmargendorf" aus eine Flugblattverbreitung statt, wozu jeder Genosse verpflichtet ist. zu erscheinen. Der Vorstand. Treptow-Baumschulenweg. Zu der am Sonntag statfindenden Flugblattverbreitung betreffend Einsichtnahme in die Wählerliste treffen sich die Genossen früh 8V6 Uhr in den Bezirkslokalen. Gleichzeitig wird auf die am Dienstag, 23. April, bei Speer, statt- findende Generalversammlung hingewiesen. Der Vorstand. Johannisthal. Sonntag, 26. April, vormittags 8 Uhr. findet eine Flugblattverbreitung für den ganzen Ort statt. Treffpunkt bei Albert Gobin, Roonstr. 2. Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß am Dienstag, 28. April, ein Zahlabend für beide Bezirke bei Albert Gobin stattfindet. Das Erscheinen aller Partei- genossen ist dringend notwendig. Der Vorstand. Niedcr-Schöneweide. Die Genossen treffen sich am Sonntag früh 8 Uhr in den bekannten Lokalen zur Flugblattverbreitung. Der Vorstand. Brltz-Buckow. Morgen, Sonntag, früh 8 Uhr, findet von den bekannten Stellen aus eine Flugblattverbreitung statt. Es ist Pflicht aller Genossen, sich pünktlich daran zu beteiligen. Der Vorstand. Nnmmelsburg. Am Sonntag, 26. April, findet in sämtlichen ländlichen Bezirken, wie auch in Boxhagen-Rummelsburg, eine all- gemeine Flugblattverbreitung zur LandtagSwahl statt.' Die Partei- genossen werden gebeten, recht zahlreich in den bekannten Lokalen zu erscheinen. DaS Wahlkomitee. Ober-SchZneweide. Die Genossen werden darauf aufmerksam gemacht, dast auch für unseren Ort am Sonntag früh von den Be- zirkslokalen aus«ine Flugblattverbreitung stattfindet. Der Vorstand. Weistensee. Sonntag, 26. April, früh 7� Uhr, findet eine Flugblattverbreitung von den bekannten Lokalen aus statt. Pflicht eines jeden Genossen ist es, sich hieran zu beteiligen. Ausserdem hat jede Abteilung mindestens vier Genossen am selben Tage zur Land- agitation zu stellen. Abmarsch früh 1 Uhr von Rostkopf, König- Chaussee 38. auS. Das Wahlkomitee. Mahlsdorf a. b. Ostbahn. Sonntag früh 8 Uhr findet die Flugblattverbreitung für die Genossen von Mahlsdorf von Schliefe, für Mahlsdorf-Süd von Linke aus statt. Die Genossen von Kaulsdorf treffen sich bei MeeS, Frankfurter Chaussee. Der Vorstand. Neuenhagen. Am Sonntag. 26. April, früh 8 Uhr. findet für den ganzen Bezirk eine Flugblattverbreitung statt. Es ist notwendig, dast sich möglichst viel Genossen beteiligen. Ausgabe der� Flug- blätter an den bekannten Stellen. Ferner diene den Genossen zur Nachricht, dast am 28., 29. und 30. April in den einzelnen Gemeinde- bureaus die Landtagswählerlisten ausliegen, deren Einsichtnahme dringend notwendig ist. Pankow. Morgen, Sonntag, von 8'h Uhr morgens ab, von den bekannten Lokalen aus Flugblattverbreitung, auch in den Land- bezirken. Rege Beteiligung ist notwendig. Der Vorstand. Reiiiickcndorf-Ost. Am Sonntag, früh 8 Uhr. findet von den bekannten Stellen aus Flugblattverbreitung statt. Wir erwarten das Erscheinen aller Genossen. Der Vorstand. Birkenwerder. Tie Arbeiterschaft wird hiermit auf die am Sonntag. 26. April, nachmittags 4 Uhr. stattfindende öffentliche Versammlung im„Paradiesgarten" aufmerksam gemacht. TageS- ordmmg:„Die bevorstehenden Landtagswahlen." Zahlreichen Besuch erwartet Ter Einberufer. WilhelmSruh-Niederschönhausen-West. Morgen, Sonntag, früh 8 Uhr, Flugblattverbroitung von den bekannten Bezirkslokalen aus. Zahlreiche Beteiligung ist Pflicht. Der Vorstand. NiedrrschSnhausen-Nordend. Die Flugblattverbreitung am Sonntag findet von allen vier Bezirkslokalen aus statt. Diejenigen Parteigenossen, welche die Agitationstouo nach Schildow- M ü h l e n b e ck miinnachcn, ersuchen wir, heute, Sonnabend, abends 9 Uhr, zu einer Aussprache nach dem Lokal von Fröhlich, Eichen- straste 70, zu kommen. Daselbst wird auch das Material ausge- geben. Der Vorstand. Mühkenbeck.(Bezirk Nieder-Schönhauscn.) Sonntag, den 26. April, nachmittags 4 Uhr, findet im Gasthof zur Sonne fFnhaber A. Barsch) die fällige Monatsversammlung des Wahlvereins statt. Tages- ordnung: 1. Bortrag des Genossen Kubig-Pankow: Die bevor- stehende Landtagswah! und der Wert unserer Beteiligung an derselben. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet Der Vorstand. Da das bisherige Vereinslokal für die Genossen von Blanken- selbe und Schildow(Zur historischen Möiichsmiihle. Inhaber Florian Knappe) gesperrt ist, werden dieselben ersucht, an dieser Versamm- lung teilzunehmen. Abmarsch der Rieder-Schönhausener Genossen nachmittags'/z2 Uhr von Bratvogel(Nordend) aus. Der Vorstand. Franz.-Bucliholz. Zu der am Sonntag stattfindenden Flugblatt- Verbreitung treffen sich die Genossen um 9� Uhr bei Kähne. Die- jenigen Genossen, welche sich an der Verbreitung in Blankenburg. Karow und Buch beteiligen wollen, treffen sich um 7 Uhr bei Kähne. Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Rowawes. Am morgigen Sonntag findet eine Flugblattver- foeiwng zur Landtagswahl statt. Treffpunkt 8 Uhr morgens beim I Genossen Gruhl, Priesterstr. 69. Ehrenpflicht eines jeden Genossen ist es. sich daran zu beteiligen. Die Wählerliste zur Landtagswahl fliegt am 29., 30. April und 1. Mai im Rathause in der Priester- ' straste, Zimmer 2, von 8 bis 3 Uhr für jedermann öffentlich zur Einsicht aus. Des weiteren werden die Mitglieder des Wahlvcreins darauf aufmerksam gemacht, dast am morgigen Sonntag, vormittags von 9— 12 Uhr, in den bekannten Lokalen das Einkassieren der Bei- träge stattfindet. Auch werden neue Mitglieder aufgenommen. Der Vorstand. Falkenhagen-Seegefeld. Sonntag, den 26. d. Mts., findet eine Flugblattverbreitung statt. Die Genossen wollen sich zahlreich frühmorgens bei den Bezirksführern melden. Bezirk Waidmannslust. Am Sonntag. 26. April, Flugblatt- Verbreitung im ganzen Bezirk. Die Genossen treffen sich: in Borsigwalde bei Reuter, in Wittenau bei A. Schulz, in Waidmanns- lust im..Schweizerhaus", in Hermsdorf im„Forsthaus". Alle Ge- nossen müssen zur Stelle sein. Der Vorstand. öerliner JVaebriebten. Der Berliner Tanzbär. Die zur Vorberatung für das.Jubiläum der Städteord- nung, welche am 19. November 1998 ihr hundertstes Lebens- jähr vollendet, eingesetzte gemischte städtische Deputation hat am Donnerstag ihre erste Sitzung abgehalten und unter der Leitung des Oberbürgermeisters Krrschner eine Reihe von „schönen Ideen" erörtert, die beredtes Zeugnis ablegen für den Geist, der im verkrachten„Freisinn" von heute obenauf ist. Wenn die Hundertjährigkeit der Städteordnung an sich nicht vollständig stillschweigend übergangen wird, so hat das einen Sinn. Schon nach den in dieser Vorberatung gemachten Vor- schlügen hat es indes ganz den Anschein, als ob die Jubiläums- feier nicht in eine energische Betonung des demokratischen Freiheitsgedankens, sondern in eine devote Kniebeugung nach oben ausklingen wird. Das ist ja bei der reaktionären Krumm- rückenpolitik der Blockbrüder, die selbst im Roten Hause an der Spree nicht zu knapp vertreten sind, auch kaum anders möglich. Wollen die rückgratlosen Freisinnsverschacherer etwa die Selbst- Verwaltung, die zum großen Teil noch heute bloß auf dem hundertjährigen Staatsaktenpapier steht, mit wahren Worten verherrlichen, so mögen sie sich vorsehen, keine Geschichte fälschung zu begehen. Es gebricht hier an Raum, um zu schil der», mit welchen unsäglichen Mühen und Opfern, unter welchen Demütigungen Frau Berolina sich einen kleinen Teil der Selbstverwaltung, der ihr durch die Städteordnung zu- gestanden war, erst erkämpfen mußte. Zur Charakterisierung sei bloß aus der Entwickelung der Berliner Armenvcrwaltung kurz folgendes angeführt: Vom November 1898 an sollte die Armenverwaltung ge setzlich dem Magistrat und den Stadtverordneten unterge ordnet sein. An Stelle des bisherigen königlichen Armen direktoriums, welches sich durch seinen bureaukratischen Ge schäftsgang bei der Bevölkerung höchst unbeliebt gemacht hatte, wurde eine interimistische Verwaltung eingesetzt, welche teils aus königlichen Beamten, teils aus Magistratsmitgliedern, Stadtverordneten und Bürgerdeputierten bestand, aber vor- erst noch nicht den städtischen Behörden untergeordnet war. Auch diese neue Verwaltung konnte sich nicht im Vertrauen der Bürger befestigen. Die Bezirksvorsteher mußten damals per sönlich kollektieren gehen, ernteten' aber weit mehr bittere Worte als Geld. Die Lage verschlechterte sich derart, daß man das Kapitalvermögen angreifen mußte, um die aufgelaufenen Schulden bezahlen zu können. Endlich schien eine Kabinetts order vom 3. Mai 1819 die Wünsche der städtischen Behörden zu erfüllen. Hiernach ging die Verwaltung des bisherigen ge mischten Armendirektoriums einschließlich der von demselben abhängigen Anstalten, jedoch mit Ausnahme der königlichen Charits, an die Stadtgemeinde über. Trotzdem hatte die neue Regelung des Armenwesens immer»och ihre Bedenken. Durch den Vorbehalt der Ernennung eines königlichen Kom missars mit unbestimmten Befugnissen wurde nänilich die kauni gewonnene Selbständigkeit der städtischen Armen behörde bedroht. Auf Beschwerde an das Ministerium des Innern erfolgte eine scharf abweisende Antwort. Erst der König selbst lenkte ein und beseitigte durch die Kabinettsorder vom 13. September 1819 auch die Konkurrenz des königlichen Armcnkommissars. Am 29. Dezember 1819 übernahm die neugebildete städtische Armendirektion endgültig die Verwal- tung des Berliner Armenwesens. Es hat also länger als ein Jahrzehnt gedauert, um bloß auf diesem einen, so unendlich wichtigen Gebiete das papierne Recht der Stadt in die volle Tat umzusetzen. Aber auch nach dem hat es zu keiner Zeit, unter keinem Hohenzollern an Versuchen gefehlt, das Selbstverwaltungsrecht der Berliner Stadverwal- tung herabzudrücken. Das muß immer von neuem wiederholt werden, damit nicht die hellköpfigen Jungen dasselbe Jaminer- lied zwitschern, welches die kindischgewordenen Freisinnsgreise singen. Wo es der Regierung und der Krone in den Kram paßte, bot man gern und willig den kleinen Finger, um dafür früher oder später die ganze Hand zu nehmen. Streckte aber der Berliner Bär mal die Tatzen aus, so fuhr ihm auch gleich die„gepanzerte Faust" in den Rücken. Ja, es gab Zeiten, in denen das stolz geblähte Berliner Wappentier verzweifelte Aehnlichkeit hatte niit einem Tanzbären im goldenen Maul- korb. Den Blockonkels im Stadtparlament braucht nian nur den Knüppel unter die Arme und die eiserne Kette statt der güldenen um den Hals zu legen, dann ist der moderne Ber- liner Tanzbär fertig. Meister Fischbeck als besondere Sehens- Würdigkeit bekommt natürlich einen Gummiknüppel zwischen die Pranken. Was will denn eigentlich die Stadt Berlin so großartig feiern? Sie hat es in hundert Jahren noch nicht mal soweit gebracht,'daß sie den Gemeindesteuerzuschlag selbst in dring- lichster Vermögensmisere auf mehr als hundert Prozent der Staatssteuer festsetzen darf, ohne ein sofortiges regierungs- freundliches Dreinreden in ihr vielgerühmtes Selbstverwal- tungsrecht fürchten zu müssen. Sie fragt für jedes Denkmal, das sie einem ihrer großen Mitbürger auf ihrem eigenen Grund und Boden errichten will, höflichst und untertänigst um die Erlaubnis dazu an, und sie darf noch kaum mal mucksen, wenn ihr selbst dieses kleine, eigentlich doch selbst- verständliche Recht beschnittest oder gar verweigert wird. Der Märchenbrunnen und neuerdings das Virchow-Denkmal haben klar gezeigt, daß die Berliner Stadtverwaltung unter könig- licher Vormundschaft steht. Jede bemerkenswerte Schmuck- anlage, jede Verschönerung der Reichshauptstadt, von den Verkehrsprojekten gar nicht zu reden, ist abhängig von der allerhöchsten Geschmacksrichtung. Und das nennt inan Selbst- Verwaltung! Kommt aber ein gesalbtes und gekröntes Haupt nach Berlin zum Besuch, so hat die Stadtverwaltung ohne viele Fragerei das Recht, unbeschränkt tief in den Beutel zu greifen und königliche Gäste, die den Berliner Bürger als solchen, von gewissen Geschäftsleuten abgesehen, herzlich wenig interessieren, mit dm Steuergelde der Bürger zu hofieren. So könnten bloß aus den letzten Jahrzehnten noch Dutzende von allgemeinen Beispielen dafür angeführt werden, daß die Stadt Berlin in vielen Prinzipicnfragen nicht den Mut ge- funden hat, sich von der entwürdigenden Stellung des Re- gierungswaisenkindes freizumachen. Alle Augenblicke wird dem Bären der Knüppel vor die Beine geworfen. Hinter den Kulissen brummt er mutig ein Weilchen— dann tanzt er vor den Kulissen zum Ergötzen der Geheimen Räte und an- derer Leute. Und so wird er wahrscheinlich auch am 19. No- vember 1998 tanzen zur Feier seiner hundertjährigen Schlaf- mützigkeit._ Die Große Berliner Straßenbahn in NZte«. Die öffentliche Meinung wird jetzt von der„Großen' mit Hülfe der bürgerlichen Presse— voran der„Lokal-Anzeiger"— mit Hoch- druck bearbeitet, ein Artikel jagt den anderen. Zum Teil sind die- selben so gehalten, als ob es Stimmen aus Fachkreisen sind, die sich da vernehmen ließen, zum Teil kommen sie aus dem Hauptbureau der„Großen"; in Wirklichkeit entstammen sie ein und derselben Quelle. Dabei must man bewundern, mit welcher dreisten Ungeniert- heit diese Presse die Hand dazu bietet, ihre Leser wider besseres Wissen irre zu führen. Die Redaktionen der einzelnen Blätter können und müssen wissen, daß alles das, was in diesen Artikeln verzapft wird, mit der historischen Wahrheit im Widerspruch steht oder daß Wesentliches verschwiegen wird, und zwar mit Absicht verschwiegen wird. Die„Große Berliner" hat allerdings alle Ursache, diese an sich bewährte Methode in verstärktem Maße einzuschlagen, denn die nackte Wahrheit ist, dast ihre seither eingereichten Projekte, sechs an der Zahl, durch die fachmännischen Gutachten deS RegierungSrat Kemmann, des Prof. Cauer von der Technischen Hochschule in Charlottenburg, sowie deS Prof. Dr.-Jng. Blum von der Technischen Hochschule in Hannover einfach totgeschlagen worden sind. Vor kurzem hat der letztgenannte Herr im großen Hörsaale der Technischen Hochschule zu Charlottenburg vor einem Auditorium von Hunderten von Fachmännern einen Portrag über die Tunnelprojekte der„Großen" gehalten Man must daS Gelächter gehört haben, daS die Hörer anstimmten, als Prof. Blum die Projekte zerpflückte und ihre technische Unmög- lichkeit darlegte. Niemand ist aufgestanden und hat in der dem Vortrag folgenden Diskussion auch nur den Versuch gemacht, die Pläne ber„Großen" zu verteidigen. Auf die Veröffentlichungen der drei oben genannten Fachleute hat die Große Berliner ihr Heil in einer Erwiderung versucht, der sie eine Anzahl gewaltiger Karten und Pläne beigab. In den Vorbemerkungen zu dieser Erwiderung sagt sie unter anderem wört- lich:„Wenn wir uns auch mit den Verkehrsgrundregeln der fremden Städte zwar vertraut halten, so haben wir doch von jeher unseren eigenen Verkehr in allen seinen Regungen und Bewegungen bis ins kleinste verfolgt. Wir führen eine umfangreiche Statistik, wie sie keine andere Straßenbahn aufzuweisen hat. Ohne Besitz solcher ge- nauen Kenntnis des Innenlebens unseres Vcrlehrs wird es nicht möglich sein, ein zutreffendes oder maßgebendes Urteil über die diesseitigen Pläne und Entwürfe zu fällen." Mit diesen Worten wollte die Gesellschaft also die Kritiken als bedeutungslos hinstellen. Die„Große" sagt dann weiter über die aufs heftigste an- gegriffene Gleisverschlingung:„Die von Herrn Kemmaim auf- gestellten Schlußfolgerungen bezüglich der Verzweigung, der Vier- gleisigkeit und der Bahnsteiganlagen müssen wir als verfehlt bezeichnen und werden das im einzelnen in der Folge« ordnung des Berichts widerlegen." Und heute hat die„Große" dieses Projekt, welches sie mit solch stolzen Worten und mit so viel„Fach- und Sachkenntnis" verteidigte, zurückgezogen! Zurückgezogen, um„etwas Besseres" an seine Stelle zu setzen. Nun was an diesem neuesten siebenten Projekt besseres vorhanden ist, ist eben der„Großen" von dem von der städtischen Verwaltung vcranlaßten Gutachten eingebläut worden. Dieses neueste Projekt wird jetzt wieder in allen Tonarten ge- priesen, genau so gepriesen und von denselben Leuten, wie die ersten sechs Projekte auch. Dabei befindet sich dieses Projekt in einem Stadium, daß niemand weiß, wie es am Ende aussehen wird. Wir haben schon vor kurzem berichtet, daß Herr Micke bei der Konferenz im Ministerium zugeben mußte, daß dieses neueste Projekt»mr eine Skizze sei, sodaß also noch kein Mensch, auch die„Große" nicht, weiß, wie eS aussehen wird. Ja. es scheint fast, als ob die„Große" ihr eigenes Projekt nicht kennt, denn in einer Zuschrift, welche sie an die Presse versendet und die auch wir gestern erhielten, behauptet sie.„es sei nicht wahr, daß nach dem neuen Projekt auch Häuser in der Leipziger Straße untertunnelt werden sollten." Demgegenüber stellen wir fest, daß in den Zeichnungen, welche von der„Großen" der Stadt eingereicht und der Vcrkehrsdcputation vorgelegt wurden, am Bahnhof Leipziger Straße— Friedrichstraße eine Untertunnelung von Häusern eingezeichnet ist. In der Zuschrift wird auch Klage darüber geführt, daß von magistratsoffiziöser Seite behauptet worden sei, das neue Projekt würde einen Kostenaufwand von 190 Millionen Mark erfordern. Uns ist von einer solchen offiziösen Behauptung nichts bekannt. Jedenfalls wird die Behauptung der„Großen", daß das Projekt nur 83 Millionen erfordere, ebensowenig Anspruch auf Richtigkeit erheben können, denn sie sagt ja selbst, daß sie sich über die Aus- mündung am Dönhoffplatz noch nicht entschieden habe, mit der ja die Ueberquerung des Spittelmarkts als Hochbahn zusammenhängt. Ferner wird in der Zuschrift gesagt:„Die Haupt- schwierigkeiten für die Durchführung ihrer Projekte lagen bisher darin, fremden Interessen, die störend aufgetreten, Rech- nung zu tragen, besonders machten die Kreuzungen an den Unter- grundlinien, vor allem mit den städtischen Linien, wiederholt Ver- ändernngen erforderlich. Die Trace der städtischen Nord- Südbahn wurde ja, wie bekannt, wiederholt Veränderungen unterworfen und erst jetzt scheint die Führung durch die Friedrichstraße endgültig zu werden." Diese Darstellung entspricht nicht der Wahrheit. Die von den städtischen Behörden beschlossene Linienführung durch die Linden- und Markgrafenstraße ist vom Mini st er nicht genehmigt worden mit der ausdrücklichen Begründung, weil dadurch die Tunnelprojekte der Großen Berliner Straßenbahn unmöglich würden. Dabei hatte die Stadt mit ihrem Projekt die Priorität, denn es ist treten. " Belannt, daß das Untergrundbahnprojekt Nord- Süd früher in die September d. J. einzureichen. Gesuche, bei denen auch nur eins der Arbeit fihen muß, um es auf drei Dukend am Tage zu bringen Deffentlichkeit trat als die Tunnelprojekte der Großen Berliner. Die der vorstehend bezeichneten Beweisstüde mangelhaft ist oder ganz und im günstigsten Falle, d. h. wenn jedes einzelne Strawattenschild Linienführung durch die Friedrichstraße entstammt einem Eventual- fehlt, können nicht berücksichtigt werden. Gnade vor den kritischen Augen des Arbeitgebers findet, 90 f. an antrag des Stadtverordneten haberland, einem der wärmsten VerUm der Nebertragung ansteckender Krankheiten durch die Schule Tage zu verdienen. Die nicht ganz tadellos ausgefallenen Sachen teidiger der Projekte der Großen Berliner Straßenbahn. Auf dieses nach Möglichkeit vorzubeugen, sind die Vorsteher der hiesigen werden den Arbeiterinnen zur Verfügung gestellt und ihnen dafür Projekt hat sich der Minister zurückgezogen und es der Stadt zur Gemeinde- und Privatschulen angewiesen worden, jeden Fall von der Lohn und die Auslagen für das Material abgezogen. Bei den Ausführung empfohlen. Das weiß die Straßenbahngesellschaft und Infektionskrankheiten unter den Kindern der Polizei auf vorge- Blastrons und den übrigen Krawattenteilen bleibt der ärmliche doch wagt sie es, mit solchen Behauptungen an die Deffentlichkeit zu schriebenem Formular zu melden. Nach einer neuerlichen Ver. Tagelohn ungefähr derselbe. Als es zur Ablieferung kam, fand der strenge Meister stet fügung an die Rektoren ist jeder vorkommende Fall bestimmter Strankheiten gleichzeitig auch dem Schularzte mitzuteilen. Nun etwas zu tadeln und an jedem Stüd etwas auszusetzen, trotzdem Das macht ihr weiter keine Schwierigkeiten, weil die Presse sind mehrfach Zweifel darüber entstanden, was unter dem in der die Arbeit bei ihm gelehrt und ganz nach seinen Angaben angefertigt bom Schlage des Lokal- Anzeiger" alles wahllos aufnimmt, was" Anweisung zur Berhütung ansteckender Krankheiten durch die war. Der ohnehin spärliche Tagelohn wurde um ein Drittel, oft ihr von dieser Seite zugeht. Wenn zum Beispiel am Donnerstag Schule" erwähnten Begriff Behausung" zu verstehen ist. Seitens fogar bis unter die Hälfte reduziert. Nach kurzer Zeit sahen die in einem zweifellos von der Großen" inspirierten Artikel der des Unterrichtsministeriums ist deshalb eine Erläuterung dieses enttäuschten Arbeiterinnen ein, daß sie bei solchen kläglichen Gin. Bersuch gemacht wird, zu beweisen, daß man infolge der Tunnel Begriffs, welche auch für die Eltern der Kinder von Interesse ist, nahmen auf die Dauer nicht bestehen konnten und versuchten ihr anlage der Großen" in Zukunft 12 bis 15 Minuten schneller fahren gegeben worden. Danach ist unter der Behausung" einer Person Heil an anderen Stellen, wo Heimarbeit in Krawatten vergeben fönnte im Zuge der Potsdamer und Leipziger Straße, so ist diese ihre Wohnung einschließlich desjenigen Teiles des Hauses zu ver- wird. Ueberall, wo sie sich meldeten, erhielten sie eine abschlägige Behauptung durch Kemmann und Blum längst widerlegt. Die Anstehen, der außer der eigentlichen Wohnung in ihrer Benukung Antwort. Es wurde ihnen anheimgestellt, noch einen Kursus durchBehauptung durch Kemmann und Blum längst widerlegt. Die Au- steht. Hierher werden auch Wert- und Arbeitsstätten, Bureauräume, zumachen, bevor sie auf Beschäftigung rechnen durften. Der Unterfchauungen der betreffenden Sachverständigen find jedem Laien ver- gemeinsame Schlaf- und Unterrichtszimmer in Erziehungsanstalten richt in der„ Erften Berliner Strawatten- Akademie" wurde als unständlich. Wenn sie ausführen, daß der Verkehr im Tunnel immer zu rechnen sein. Gemeinsam benutzte Treppen und Flure da- genügend hingestellt, weil dort nur gelehrt wurde, auf Seide zu abhängig bleibt von dem mit ihm in Verbindung stehenden Ober- gegen werden nur dann als Bestandteile der Behausung anzusehen arbeiten, während eine perfekte Krawattennäherin auch die Sachen flächenverkehr, das heißt, jede Stodung im Oberflächenverkehr fein, wenn die an demselben liegenden Wohnungen nicht in fich aus Batist und anderen Stoffen anzufertigen verstehen müßte. Keine überträgt sich ohne weiteres auf den Tunnelbetrieb, denn abgeschlossen, sondern auf die gemeinsame Benußung gewisser Ein. hatte indessen Lust, noch weiteres Lehrgeld zu zahlen, daher hingen wenn man auf den, mit den Tunnelgleisen in Verbindung stehenden richtungen, wie Wasserauslässe, Aborte und dergl. angewiesen sind. sie das Krawattennähen gänzlich an den Nagel. Die Wirtschafterin Oberflächengleisen nur langsam fahren kann, so kann man eben im Ferner sind als Behausung im Sinne des Gesetzes auch Schiffe und hat es vorgezogen, sich nach einer neuen Stelle umzusehen, tvo fie Tunnel auch nur langsam vorwärts kommen. Der Betrieb im Flöße anzusehen. Diese Ausführungen find insofern von Wichtig außer freier Station an barem Geld mindestens ebensoviel verdient, feit, als bei Ausbruch bestimmter Krankheiten, innerhalb der Be wie bei der elend bezahlten Heimarbeit in der Krawattenindustrie. Tunnel wird eben immer ein straßenbahnmäßiger bleiben, niemals hausung" Schulkinder sofort vom ferneren Schulbesuch auszuschließen Die Schneidersfrau will eine besser entlohnte häusliche Beschäftiein Schnellverkehr werden. Darüber sagt nun der beregte Artikel: sind und eine„ Absonderung" dieser Kinder zweds Fortsetzung des gung ausfindig machen. Der Schnellverkehr ist allerdings zunächst noch als Zulunfts" musit Schulbefuchs in fleineren Haushaltungen danach kaum möglich anzusehen. Vorläufig foll im Tunnel nur der normale Verkehr statt- sein dürfte. finden, bei denen die 8üge an jeder Haltestelle halten." An jeder Haltestelle? Nun wir fonnten schon fürzlich berichten, daß ,, Groß- Berlin". das neue oder allerneueste Projekt der Großen für die von Berlin die Anregung au geben, eine zwanglofe Organisation Der Schöneberger Magistrat hat jetzt beschlossen, dem Magistrat Strede von der Kurfürstenstraße bis zum Dönhoffsplay nur der Gemeinden Groß- Berlins zu schaffen, damit in periodischen 5 Haltestellen vorfieht, also schon hierdurch allein eine Zusammenkünften Bertreter der interessierten Gemeinden gemeingroße Verkehrserschwerung für das fahrende Publikum entsteht. fame Fragen gemeinsam erörtern fönnen. Die ursprünglich beabgeführt werden sollen, die natürlich an der Mündung desselben auf Magistrat nicht für erstrebenswert, da ein solcher Verband nur für Dazu kommt, daß eine Menge Linieh neu in den Tunnel ein- fichtigte Grrichtung eines Zwedberbandes Groß- Berlin hält der der Oberfläche eine große Stauung des Verkehrs hervorrufen, die einzelne bestimmte 3wede geschaffen werden kann. Die Lösung andere schon mindestens so start wie die Leipziger Straße be- der Frage Groß- Berlin" auf dem Wege der Zweckverbände würde daher immer wieder von neuem die Gründung eines besonderen Taftete Gegenden noch mehr belasten werden. Stach dem neuesten Bwvedverbandes erforderlich machen, sobald sich das Bedürfnis bazu Projekt soll der Tunnel der Leipziger Straße mit einer Hochbahn den bei einem einzelnen Verwaltungszweige oder einem einzelnen Spittelmarkt überschreiten und an der Petrifirche in der Gertraudten Unternehmen für eine Mehrheit von Gemeinden herausstellt. Es straße zum Oberflächenbetrieb übergehen. Man stelle sich nur einmal fönnte also hier immer nur von Fall zu Fall beschlossen werden, eine solche Anlage in dieser engen Straße mit ihrem starten Ver- eine allgemeine Regelung sei ausgeschlossen. Auch was den Ge fehr vor; dagegen ist die Schwebebahnanlage in der Rosenthaler danten der Eingemeindung oder einer anderen organisatorischen Straße die reine Spielerei! Verbindung zwischen den Groß- Berliner Gemeinden betrifft, tönnten Schritte in dieser Richtung nicht von einer einzelnen Ge meinde, sondern nur von der Gesamtheit oder wenigstens von einer Mehrheit der Groß- Berliner Gemeinden getan werden. " wegen der von ihm geübten Geschäftspraris„ gut“ bekannt ist. Die Bemerken wollen wir noch, daß Herr Steinberg den Behörden Berliner Gewerbebeputation hat sich schon öfters mit ihm beschäfti gen müssen, auf dem Gewerbegericht ist er Stammgaft und auch die selbst haben oft genug schon in unserem Blatt vor dieser StrawattenGerichte haben sich schon mit dem Herrn zu befaffen gehabt. Wir akademie gewarnt. Der in der Friedberg- Affäre verhaftete bielgenannte Broturist der Haft entlassen worden. Bohn ist gestern gegen eine Bürgschaftsfumme von 20 000 M. aus Aus ordnungspolizeilichen Gründen. Wer in Preußen die Absicht hat, eine öffentliche Veranstaltung su arrangieren, ist gehalten, diese seine Absicht vorher der Polizei fund und zu wiffen zu tun. Unsere liebe Polizei ist um das Woh! der Staatsbürger sehr besorgt, deshalb beklimmert fie fich auch darum, was diese tun und treiben; sie behält sich das Recht vor, zu bestimmen, was ein preußischer Einwohner hören und sehen darf. Dabei werden allerdings feine Unterschiede gemacht; es ist Die Wirkung ist also die: Um die Potsdamer und Leipziger etwas ganz anderes, wenn es sich um eine Veranstaltung handelt, Straße zu entlasten, werden andere Straßen mit ebenso großem zu der das gutfituierte Publikum das Gros der Besucher stellt, oder ob Arbeiter, sozialdemokratische Arbeiter zusammenkommen. Berkehr noch mehr belastet, der Verkehr für das Publikum in diesen Gerade die letzteren haben es unserer Hochwohllöblichen angetan. Gegenden wird ungemein erschwert. Dafür soll der Tarif erhöht Bei der Ueberweisung armer Franker Bersonen an die Berliner Gine geradezu rührende Fürsorge wendet die Polizei ihren Verwerden, den auch die bezahlen müssen, die gar keinen Nutzen, sondern Kranken- und Heilanstalten ist folgendes zu beachten: Es sind zu anstaltungen zu. Hatten da unsere Genossen im vierten WahlSchaden von der Tunnelanlage haben, wie Kemmann nachgewiefen überweisen: 1. Geistestrante, Deliranten an die Irrenanstalten freis die Absicht, bei der diesjährigen Maifeier in Kellers Fest. hat. Außerdem verlangt die Große" die Konzession auf 90 Jahre Dalldorf und Herzberge; 2. Epileptiker an die Anstalt Wuhlgarten sälen eine in Ad. Hoffmanns Verlag erschienene Dichtung mit berlängert. Hat sie erst die Verlängerung der Konzession und die Charité; 3. Geschlechts- und Hautkranke an das Rudolf lebenden Bildern:" Ein Kämpfer für Wahrheit und Recht" von in der Tasche, so ist an irgend welche Verkehrs Virchow- Krankenhaus, die Charité und eventuell an die Finsenverbesserungen auf Kosten der Großen" nicht mehr zu denken; fie linit; 4. Augentrante, Hals-, Ohren- und Nasenkranke an das J. Perkhun aufzuführen. Diese Absicht teilten sie pflichtschuldigst werden aus den Mitteln der Steuerzahler zu bestreiten sein. Die Rudolf Virchow- Krankenhaus, die Königl. Klinik und die Charité; der Polizei mit. Mit einer bei der Polizei sonst nicht überall übwerden aus den Mitteln der Steuerzahler zu bestreiten fein. Die 5. Aussat( Lepra) Ktrante, Cholera, Fledtyphustrante, Gelb. lichen Schnelligkeit erhielten die Genossen auf ihr in der Sache am Bororte aber, die sich heute in der Entwidelung befinden und später fieber, Beft- und Bodentrante an das Rudolf Virchow- Stranten. 14. April eingereichtes Schreiben die vom 18. April datierte Ant notwendig Verkehrsverbesserungen- brauchen, werden genau so be- haus und die Charité; 6. Schwangere an das Nudolf Virchow wort, daß diese Dichtung aus ordnungspolizeilichen handelt und jede Verkehrserweiterung mit fchweren Opfern erlaufen Strankenhaus und die Charité; 7. Stinder an das Kaiser und Gründen zur Aufführung nicht zugelassen werden könne. müffen. Die Große" wird dann erklären, fie habe als Erwerbs Kaiferin Friedrich- Krankenhaus, ferner an das Rudolf Virchow- Was die Polizei mit diesem Begriff eigentlich sagen will, ist gesellschaft in erster Linie die Intereffen ihrer Aktionäre zu Strankenhaus sowie die Krankenanstalten im Friedrichshain, Moabit, nicht recht flar, vielleicht weiß fie es felber nicht; aber dieser Ausam Urban, St. Hedwigs-, Bethanien und das Elisabeth- Kranken. Und diefe Art, Verkehrshindernisprojekte ins Leben zu rufen, haus; die Charité nimmt innerlich und äußerlich leidende Kinder, bruck ist so allgemein, daß er sich leicht und überall anwenden fäßt. fowie auch Syphilis, Cholera-, Boden- usw. frante Kinder auf. Die Dichtung selbst ist berhältnismäßig harmlos, daß nicht recht findet die Unterstützung des Verkehrsministertums, gestüßt auf ein Gefeß. 8. Knochen und Gelenftrante an die Universitäts- Poliklinik für ersichtlich ist, wieso durch ihre Aufführung die Ordnung betroffen bas bei feiner Schaffung gar nicht auf städtische Straßenbahnen be orthopädische Chirurgie, sowie an das Rudolf Birchow- Krankenhaus werden tönnte. Das beweist schon die Tatsache, daß sie in Hamburg rechnet war. Wir haben mit Abficht gefagt, Ministerium, denn ob und die Krantenanstalten im Friedrichshain, Moabit und am Urban. anstandslos öffentlich aufgeführt worden ist, abgesehen davon, daß der Minister so oder so heißt, die Saltung bleibt der Großen" Krante Frauen nimmt die Anstalt in der Gitschiner Straße auf. zu unzähligen Malen Vereine sich den Kämpfer für Wahrheit und gegenüber diefelbe. Ja, wir sind überzeugt, wenn ein Mann wie Städtische Beamtenausschüsse. Die Vereinigung der städtischen Stecht" vorführen ließen. Was aber in Hamburg ohne Bedrohung der feitherige Landrat des Streifes Teltow, Herr v. Stubenrauch. Architetten, Ingenieure und Techniter zu Berlin der öffentlichen Ordnung geschehen kann, ist in Breußen noch lange der durch seinen Kreis den Teltow- Kanal gebaut, den Betrieb des hat aus Anlaß der vom Magistrat geplanten Neuregelung des nicht rechtens. In Berlin entscheidet über die Aufführung nicht Kanals in eigene Regie genommen, den Dampferverkehr auf dem städtischen Beamtenrechts auf einer einheitlichen Grundlage für alle nur die Theaterpolizei, die sich schon einen unsterblichen Namen geKanal und den Seen gefördert hat, der Streisbahnen gebaut und einzelnen Beamtengruppen, wiederholt die bisher nicht beantwortete macht hat, sondern auch die politische Polizei. Das vorliegende selbst durch den Streis betreiben läßt, wenn der Herr anstatt Bolizei- Eingabe auf sofortige Errichtung von Beamtenausschüssen Verbot ist denn auch von der Abteilung VII, der politischen Ab präsident Minister geworden wäre, auch er hätte diefelbe Haltung an diefen gerichtet. Hierin wird die Erfüllung diefer Forderung teilung, ausgegangen. Und die muß es doch wissen, wann die wie der jezige Minister eingenommen. Hier find eben mächtigere nicht nur für die fest angestellten Beamten sondern auch für Ordnung bedroht ist. Deshalb das Verbot aus ordnungspolizeidie diätarisch beschäftigten Beamten verlangt. Sträfte am Werte, gegen die der einfichtsvollste Mann, felbst wenn er Minister ist, nicht auffommen fann. vertreten. Hier fönnte nur ein Sturm der Entrüstung der Bevölkerung Groß- Berlins helfen, der aber infolge der Verwahrlosung der bürgerlichen Presse Hinftlich unmöglich gemacht wird. Lohnende" Heimarbeit. lichen Gründen. Unsere Genoffen werden auch ohnedem auskommen und füt eine der Bedeutung des Tages entsprechende Maifeier sorgen. Die Bolizei hat uns hier wieder einmal in die Sände gearbeitet; immer weitere Streise werden erkennen lernen, welche Unfreiheit in Preußen herrscht. Ein heftiger Susammenstoß zweier Straßenbahnzüge fand vorgestern in der Hasenheide, Ecke der Wissmannstraße statt. An Buges der Linie 15 aus den Schienen und fuhr gegen den Motorder bort befindlichen Weiche sprang der Anhängewagen eines waggon eines aus entgegengesetter Richtung kommenden Straßenbahnzuges der Linie 55. Der Anprall erfolgte mit solcher Gewalt, daß die Fahrgäste von ihren Sißen geschleudert wurden. Sierbei erlitten der Schloffer Kretschmann aus Rigdorf Verlegungen am Auge, der Kaufmann Niedsgieß Verlegungen am rechten Kme Fast jeden Tag erscheint im Arbeitsmarkt der Morgenpost" und des Lokal- Anzeiger" eine Annonce, in welcher Damen besserer Stände und jeden Alters eine saubere, lohnende und regelmäßige Für die Umgestaltung des Scheunenviertels sind die Arbeiten Beschäftigung nachgewiesen wird, wenn sie einen acht. bis vier. fest in Angriff genommen und durch die Trümmermassen des zehntägigen Kursus im Nähen von Prima Herrenkrawatten durchausgedehnten Geländes ziehen sich bereits zum Teil neue Straßen- gemacht haben, der durchaus preiswert ist und ihnen unter Garantie züge. So ist die rechtsfeitige Gabelung, die von der Kaiser- Wilhelm akademie", wie sie sich nennt, befindet sich in der Lindenstraße, nicht zu einer ficheren Gristenz verhilft. Die Erste Berliner Strawatten Straße nach dem Prenzlauer Tor führt, zwischen Hirten und weit vom Dönhoffplay." Reingefallene", die dort ihr Lehrgeld losBartelstraße mit einem provisorischen Pflaster versehen. Die neue geworden sind, ohne zu dem gewünschten Ziel zu gelangen, teilen Wehdingerstraße läuft an der Ecke der Bartel- und Linienstraße mit: Der Kursus ist nicht so billig, wie man nach den Inseraten plazartig aus und ist auch hier das zukünftige Straßengelände fchließen sollte. Bei achttägiger Behrzeit von täglich zwei Stunden schon abgestedt. An der Einmündung des Straßenzuges zur Hirtenftraße wird in den nächsten Tagen mit der Abbedung des ein- toftet er zehn, bei bierzehntägiger zwanzig Mart. Außerdem muß gebauten Tunnels der Untergrundbahn begonnen und alsdann bas Lehrmaterial extra vergütet werden, was durchaus nicht wohl- und ein Herr Friz Simbe, beffen genauere Personalien nicht die Verbindung mit der Kaiser- Wilhelm- Straße resp. dem neu an- feil ist, da ausschließlich auf Seide gearbeitet wird. Wenn man den festgestellt werden konnten, Verlegungen im Gesicht. Der Vorderzulegenden Babelsberger Blas hergestellt. In der Kleinen Alexander- Direktor" der Akademie und seine Frau, die den Unterricht er- perron des Motorwaggons war bei dem Zusammenstoß eingebrüd straße ist der durch die Verbreiterung des Straßenzuges erforderliche teilen, darauf hinweist, daß täglich in Zeitungsinferaten zu lesen worden, an dem Anhängewagen das Berrondach zertrümmert, neue Bürgersteig durch Aufschüttung und Einlegen der Bord- ift, daß in anderen Strawatten- Lehranstalten der Kursus bloß 1 M. neue Bürgersteig durch Aufschüttung und Einlegen der Bord bis 1,50 m. loftet, erhält man die malitiöfe Antwort: Probieren größeres Röschaufgebot ber Feuerwehr nach der Freiens Schon wieder ein Dachstuhlbrand. Gestern früh wurde ein schipellen bereits angedeutet. Die neue Stoblantstraße, welche eine Gie es doch nur. Was Sie dafür lernen, wird auch danach sein. walder Straße 81 gerufen. Als bie Süge bort eintrafen. gerablintege Berbindung der Straßburger mit der Kaifer- Wilhelm- Sie es Straße schaffen soll, wird, nachdem die dazwischen liegenden Säufer Für einen solchen Spottpreis wird ihnen allenfalls eine Strawatten brannte wieder einmal ein Dachstuhl. Selle Flammen( choffen niedergeriffen sind, gegenwärtig planiert. Auch in der neuen Saffon angezeigt werden, während Sie bei mir in sämtlichen vor aus dem Dachgeschoß des Borderhauses. Unter Beitung Des Amalienstraße, welchen Namen bie linksfeitige Gabelung vom kommenden Muſtern gründlich unterwiesen werden, so daß Sie sich Brandmeisters Steiner ging die Wehr über eine mechanische Leiter Babelsberger Blas nach dem Schönhauser Tor erhalten wird, werden eine sichere, ausfömmliche Eristenz gründen können." jekt, nachdem der Untergrundbahntunnel aum größten Teile geund die Treppen hinweg mit zwei Dampfsprißenrohren gegen das Im Vertrauen auf diese angenehme Verheißung entschlossen fchloffen ist, die Regulierungsarbeiten in Angriff genommen. Die fich eine frühere Wirtschafterin, bie es überbrüffig war, in ab- Beuer vor, wodurch es gelang, die Gefahr in furzer Zeit zu behierdurch notwendig, gewordene Niederlegung der Säuferblods in bängiger Stellung die Launen ihrer gnädigen Herrschaft" au er- feitigen. Allem Anschein nach liegt auch in diesem Falle Brandstiftung bor. Außerdem hatte die Wehr gestern früh in ber ber Grenadier-, Linien- und Lothringer Straße findet gegenwärtig tragen, und eine finderreiche Schneidersgattin, die bei dem feines- Strautstraße 4/5 noch einen größeren Tischlereibrand abzulöschen. statt. Insgesamt werden zurzeit 26 Gebäude abgerissen, bie legten wegs glänzenden Verdienst ihres Mannes genötigt war, zum UnterIm Laufe des gestrigen Nachmittags tamen noch drei Brände Häuser im Scheunenviertel, die der Neugestaltung des Stadtviertels halt ihrer zahlreichen Familie etwas beizutragen, einen Kursus im aus. Zuerst wurde die Feuerwehr gegen 3 Uhr nach dem Eckhause weichen müssen. Gleichzeitig jetzt aber bereits bie Bauspekulation Unterricht ein hübsches Stück Geld für Leute, die nicht mit Löschzüge bort eintrafen, hatten bie Hausbewohner das Feuer aber Strawattennähen zu versuchen. Wie bereits erwähnt, kostet der sosenthaler Straße 62-2ulad ftraße gerufen. Als die cin. Eines der ältesten Häuser in der Linienstraße, das von der Glücksgütern gesegnet sind, da die Ausgabe für die Lehrmittel bereits allein gelöscht. Man fand zwei von einander getrennt Spithade verschont bleibt, wird gegenwärtig modernisiert und im dem Honorar für die Unterweisung beinahe gleichtam. Da es sich liegende Brandherbe vor, belbe bireft unter dem Dach. Gine Erdgeschoß werden große Läden ausgebrochen. um ihre Eriftens handelte, gaben sich die beiden Schülerinnen selbst. Stunde später erfolgte Alarm nach der Liebenwalder Aus dem Gewerksausstellungsfonds find alljährlich im Monat verständlich redliche Mühe, den Anweisungen ihrer Lehrmeister, des Straße 50 und gegen 5 Uhr nach der fremmener Straße 8 Januar zehn Stipendien zu je 60 M, an Gewerbegehülfen( Ge- Chepaares Steinberg, auf das genaueste nachzukommen. Als dec Ede ber Wolliner Straße. Die Feuerwehr war jedoch schnell fellen) behufs ihrer weiteren gewerblichen Ausbildung zu verteilen. Surfus zu Ende war, baten sie um Beschäftigung, wie es ihnen fo zur Stelle und verhinderte eine größere Ausdehnung des Feuers. Anspruch darauf haben nur Gesellen, die Inländer sind und Zeug wohl im Prospekt als auch mündlich bestimmt versprochen worden niffe ihres guten Verhaltens und über erworbene Geschicklichkeit war. Sie erhielten auch Strawattenschilder und Plastrons au Hause Ein alter Heiratsschwindler, der schon seit länger als 25 Jahren vorlegen können. Bewerber müffen auch mindestens zwei Jahre anzufertigen. Vorher wurde ihnen die Bedingung gestellt, für das in gemessenen Zwischenräumen Kriminalpolizei und Strafgericht lang in hiesigen Werkstätten als Gesellen gearbeitet haben. Ge Material, die Seidenstoffe, eine Kaution zu hinterlegen, die ihnen beschäftigt, ist wieder einmal festgenommen worden, der 66 Jahre sellen, die in Berlin geboren sind, werden bevorzugt. Bewerber, bet der Ablieferung zurüdgezahlt wurde, wenn die Arbeit zur Zue alte Vermittler Ferdinand Gombert, der Inhaber und Leiter des die vorgenannte Bedingungen erfüllen tönnen, haben ihre selbst. friedenheit des gestrengen Behrherrn ausfiel anderenfalls ihnen Beiratsvermittelungsbureaus Reform" in der Adalbertstr. 1, Ede geschriebenen Gesuche unter Beifügung eines Lebenslaufes, der Ge- famt dem vereinbarten Arbeitslohn flöten ging. Der Verdienst war Dresdener Straße. burtsurfunde und der Originale oder beglaubigten Abschriften äußerst gering, so daß es selbst bei der allerbescheidensten Lebens. ihrer Lehrzeugnisse sowie der Führungs- und Geschicklichkeitsatteste haltung nicht möglich war, davon au egiftieren. Für ein Duhend ihrer Arbeitgeber bei dem Kuratorium des Gemertsausstellungs- Strawattenschilder wurden 30 Bf. bezahlt, so daß eine sehr geübte fonds, Stralauer Straße 3- B, eine Treppe, bis spätestens Ende Arbeiterin bam frühen Morgen bis tief in die agt angestrengt bei Im Hörsaale der Treptow- Sternwarte( Restaurant Jenner, Treptower Chauffee 21) spricht Herr Dozent Jens Lüßen am Sonn tag, den 26. April, nachmittags 5 Uhr, in einem mit zahlreichen Bichtbildern ausgestatteten Vortrag über: Der Mars und feine ®e5o!Sttet" IHR 7 ITRt übeR„(Sitte Nachi öttf Cetn TOohbc*. Stm Montag, dcn 27. April, abends 9 Uhr, lautet das Thema:„Unser Standpunkt im Weltall". Mit diesem Vortrag beginnt im Austrage der Humboldt-Akademie ein zehnstündiger Vortragszyklus:„Em- sührung in die Astronomie". Hörcrkarten find an der Kasse erhält- lich. Mit dem großen Fernrohr wird jetzt die Venus von 2 bis 7 Uhr und Jupiter von 7 bis 12 Uhr abends gezeigt. Kleincrc Fernrohre stehen den Beobachtern gratis zur Verfügung. Vorort-]Vadmcbteih SchSneierg. Das Armenhaus„eine moralische Gefahr". DaS Elend der niederen Volksklassen beginnt den bürgerlichen Schichten bereits lästig zu werden. Diese Tatsache ist zwar be- kannt, sie ist aber von besitzenden Kreisen öffentlich noch nie so rück- haltlos betont worden, wie in einer von den Inselbewohnern zahl- reich besuchten Versammlung, in der vorgestern gegen die Ein- richtung eines provisorischen Armenhauses in dortiger Gegend Stellung genommen wurde. Nach lebhafter Diskussion wurde folgender, vom«Schönebergcr Tageblatt" mitgeteilten Resolution zugestimmt: „Die heute abend im Restaurant Gcisler, Scdanstr. 65, zahlreich erschienenen Bewohner des Stadtteils„Insel" richten an dcn Magistrat die folgende Bitte, von der. wenn auch nur Prodi- sorischen Errichtung eines Armenhauses in der Sedanstratze oder überhaupt auf der„Insel" abzusehen. Es würden für HauS- besitzer als auch für Mieter die größten Nachteile verschiedener Art daraus entstehen. Die Hausbesitzer würden in wirtschaftlicher Beziehung auf das empfindlichste geschädigt, da durch die Er- richtung eines Armenhauses die besseren Mieter veranlaßt würden, die Cedanstraße zu meiden, und die natürliche Folge wäre, daß die Häuser hier bedeutend entwertet würden. Die Mieter andererseits könnten ihre Kinder nicht mehr ohne eine gewisse moralische Gefährdung die Straße allein passieren und sie daselbst sorglos spielen lassen, da sich immerhin zweifelhafte Elemente zahlreich dorthin zusammenfinden würden. Ter Name„Scdan- straße" würde daher sehr bald in doppelter Beziehung in Miß- kredit geraten. Aus diesen Gründen bitten wir den hixhwohl. löblichen Magistrat nochmals dringend, von der Errichtung eines Armenhauses in der Sedanstraße abzusehen." Eine solche Resolution legt beredtes Zeugnis dafür ab. daß in den Kreisen der Besitzenden das Gefühl für das Elend und die Not erloschen ist. Die Enterbten und Opfer der kapitalistischen Gesell schaft sollen untergebracht werden, wo ihrer die Bourgeoisie nicht mehr ansichtig wird. Empörend ist cS geradezu, wenn jene Un. glücklichen eine„moralische Gefährdung der Kinder" darstellen sollen. Es ist ein starkes Stück, daß eine Versammlung die vom Tisch des Lebens Gestoßenen in so entwürdigender Weise zu be zeichnen wagt.„Armut schändet nicht", heißt bekanntlich ein auch von bürgerlichen Theologen angewendetes Sprichwort. Nach oben angeführter Resolution soll durch ein Armenhaus aber eine ganze Straße in„Mißkredit" geraten. Das ist eine Verwechselung der Begriffe: In Mißkredit kann nur die heutige Gesellschaft geraten. weil sie den Nährboden bildet, auf welchem das Elend treibhaus- mäßig gefördert wird. Wir können uns nicht denken, daß der Schöneberger Magistrat dem Ersuchen der Bersammlungsbesucher Folge leisten wird. Nixdork. Die Tat eines Lebensmüden rief in der vorgestrigen Nacht in der Emserstraße berechtigtes Aufsehen hervor. Der 32 Jahre alte Tischler Robert St. aus der Siegfriedstraße 4 schoß sich, mitten auf dem Fahrdamm stehend, eine Revolverkugel in die Brust und brach bewußtlos zusammen. In einem Krankenwagen wurde der Selbst- inordtandidat sofort nach dem städsischen Krankenhause gebracht, wo er fast hoffnungslos daniederliegt. Angeblich hat K. wegen Arbeits» losigkeit Hand an sich gelegt. Unter dem schweren Verdacht beS KinbeSmordes und zahlreicher cknderer schwerer Vergehen ist gestern die 30 Jahre alte Klara Rost geb. NSlte aus der Weichselstr. öS durch die hiesige Kriminalpolizei verhaftet worden. Mit ihr zugleich wurde ihr Bräutigam, der 24 Jahre alte Gelegenheitsarbeiter Hermann Kühn festgenommen. Ichönwalde(Bezirk Pankow). An Stelle der Bereinsversammlvng referierte in einer öffent» lichen Versammlung die ÄreiSvertrauenSpcrson, Genossin Ncumann, Lichtenberg, über:„Welches Interesse haben die Frauen am öffent. lichen Leben". Rednerin besprach die gesellschaftliche Stellung der Frau vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Sic ging besonders ein auf die Tätigkeit der vaterländischen Frauenvereme, welche, in der Regel unter der Leitung einer Pastorsfrau stehend, unter dem Deck- mantel der Wohltätigkeit die Aufmerksamkott der Proletariersrauen vom öffentlichen Leben ablenken, ja durch sie sogar indirekten Ein. fluh auf die Männer zu gewinnen suchen. Der Vortrag wurde mit größter Aufmerksamkeit von den zirka 130 Persammlungs- besuchern(darunter etwa 40 Frauen) entgegengenommen. Dem Wunsche, recht bald wieder eine ähnliche Versammlung zu veran» stalten, wivd baldigst nachgekommen werden, in der Hoffnung, daß die Teilnahme der Frauen eine noch regere wird. Maidmannslnst. Zu der Tabelle über die Ergebnisse der Gcmeindewahlen ist zu berichtigen, daß in Waidmannslust 1904 14. 1005 05 und 1008 114 Stimmen abgegeben worden sind. SericKts-.Zeitung. Der Versuchung erlegen, vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I hatten sich gestern der frühere Postbote Hermann Protz, der Sargtischler Hornau und der Sargtischler S ch r ö d t e r nebst Ehefrau wegen Bestechung zu verantworlen. Protz war aus dem Postamte 2t aus der Turmstraße beschäsligt. Zu diesem Bestellbezirke gehört auch das Krankenhaus Moabit, das.in Todesfällen die An- gehörigen mittels Rohlpostbriefes von dem Ableben ihrer Familienmitglieder in Kenntnis fetzt. Auf Betreiben der Schrödterichen Eheleute ließ er sich dazu bewegen, ihnen die ihm in seiner dienstlichen Tätigkeit zur Kenntnis gekommenen Adressen mitzuteilen, dadurch erhielt Echrödter Gelegenheit, den Hinter- bliebenen Sargofferten zu machen. Für diese Liebesdienste erhielt er Geschenke von 3 bis 5 M. Außerdem wurden Protz auch noch durch einen Aktenhefter bei dem Krankenhaus« Moabit Adressen Verstorbener mitgeteilt, die er an Schrödter Weiler- gab. Auf Ersuchen der Frau des Angeklagten Hornau hat Protz auch dieser einige Mal« Adressen übermittelt. Bei der Unter- iuchung durch den Postinspettor gestand Protz ein, daß ihm die Adressen der Rohrposlbriese in seiner dienstlichen Eiaenschast bekannt geworden seien. Es erfolgte daraufhin seine Entlassung und gegen die Beteiligten wurde ein Sirafverfahren eingeleitet. Im Gegensatz zn seinem früheren Geständnis behauptete Protz im gestrigen Termine, daß er sich die Adressen gar nicht in seiner Eigenschaft als Postbote verschafft. sondern als Privatperson erhalten Hab». Der Staatsanwalt erachtete da» Gegenteil für erwiesen, hielt aber eine milde Beurteilung für an- gebracht, da Protz sich wohl allzu schlimmes nicht bei seinem Vor- gehen gedacht und der Verlockung, sich einige Mark Nebenverdienst zu verschaffen, erlegen sei. Der Gerichtshof war im Gegensatz zum Staatsanwalt der Auf- kassung, daß solche Verstöße von Beamten strenge Bestrafung erforderten and verttrteMe Protz z« einemMonatGefängniS DaS Schroedtersche Ehepaar wurde zu je ISO M. Geld- strafe verurteilt und Hornau freigesprochen. Folgen einer Autowettfahrt. Wegen Beleidigung eines Amtsdieners hatte sich gestem der Ingenieur Otto LüderS in seiner Eigenschaft als Rednlteur der Zeitichrift„Rad und Auto" vor der zweiten Strafkammer des Land- gerichts I zu verantworten. Am 28..Juli v. I. war von dem Gau- verband eine Wirtschaftlichkeitssahrt„Stund um Berlin" veraustaliet, für welche eine behördliche Genehmigung nicht erteilt war. In einer Znschrist in Nr. 42 von„Rad und Auto" beschwerte sich ein Teilnehmer an der Fahrt„Rund um Berlin" darüber, daß im Dorf« Siethen bei Trebbin der AinlSdiener Lorenzen sich mit der Uhr in der Hand an einer Scheune aufgehellt und anstatt durch irgend ein Zeichen zur Verlangsamung der Fahrt an- zuhalten, alle diejenigen notiert habe, die nach seiner Ansicht zu ichnell gefahren seien. In einer redaktionellen Note zu dieser Zu- schrift wurde das Verfahren des AmisdienerS Lorenzen gegeißelt und als ein Verstoß gegen seine Pflichten hingestellt. Hierdurch fühlte sich der Amtsdiener beleidigt.— Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten, der ausführte, daß er auch jetzt noch das Vorgehen dcS Beamten für unzulässig halte und als Redakteur eines Sport- blattes doch wohl berechtigt sei, dagegen Front zu machen, zu 150 M Geldstrafe._ Gewerbe- oder HandlungSgehülfe? ES kommt im Geschäftsbetriebe nicht selten vor. daß ein Auge- stellter, der seine Tätigkeit mit gewerblicher Beschäftigung begann, nach und nach in eine kaufmännische Beschäftigungsart übertritt. ES wird in solchen Fällen von den Prinzipalen vielfach ange- nommen, daß der Beginn der Tätigkeit für d-ie Zugehörigkeit des Angestellten zum gewerblichen Berufe tssahgebend ist. Daß diese Ansicht indessen eine irrige ist, bestätigte eine vorgestern seitens der ersten Kammer des KaufmannSgerichts ergangene Entscheidung. Der als Kläger gegen die Firma B. auftretende Angestellte D. war alS Schreiber bei der Firma eingetreten und auch im Anfang als solcher mit einfachen Schreibarbeiten in den Fabrikräumcn beschäftigt worden. Als Kündigungsmodus war die lstägig« Kündigungsfvist vereinbart worden. Allmählich wurde der Schreiber, mit mehr in das Kontorfach schlagenden Arbeiten, wie das Führen kleiner Bücher usw„ betraut. Auf Grund dieser veränderten Tätigkeit hatte D. die ihm erteilte Kündigung mit Htögiger Frist nicht angenommen-. Das Kaufmannsgericht entschied, daß Kläger als HandlungSgehülfe zu erachten sei, und sprach, ihm das geforderte Restgehalt zu. Wenn auch D. als Gewerbegehülfe eingetreten sei, so stempele ihn die veränderte Tätigkeit zum kaufmännischen An- gestellten. Dafür spreche das eigene Zeugnis des Beklagten, der den Kläger in einem Briefe an eine Behörde als„Kontoristen" bezeichne. Es sei auch nicht anzunehmen, daß Beklagter so intensive Bs- mühungen unternommen hätte, eine Zurückstellung des Klägers vom Militärdienst durchzusetzen, wenn D. nur gewerblicher Werk- stattschrcibcr gewesen wäre._ SchadenSersatzpflicht beS Hausbesitzers. Wegen-mangelhafter Verwahrung einer Kellertreppe hatte die Witwe C. gegen die Baptistengemeinde in Hamburg Schadensersatz- anspruche erhoben. Es toar hier, wie es oft der Fall ist, der Kcllereingang so angelegt, daß er vom Hausflur, in dem täglich der Verkehr von Menschen ein großer war. nur durch eine Tür ab- geschlossen wurde. Die Klägerin hatte in der Tür, auf der sich ein unleserliches Schild:„Kein Eingang" befand, einen Eingang ver- mutet und war, nachdem ste dieselbe geöffnet und«inen Schritt getan hatte, die Treppe hinabgefallen. Landgericht und Oberlandes- gericht Hamburg erkannten die Ansprüche der Klägerin gegen die beklagte Hauseigentümerin zum Teil für gerechtfertigt an und verurteilte das OberlandeLgericht die beklagte Baptistengemetnde zum Ersätze des Schadens zu drei Bierteilen. Zu einem Viertel wurde die Klägerin wegen eigener Unvorsichtigkeit beim Oeffnen der Türe abgewiesen. E« sei Pflicht des Hausherrn, gefährliche Ein- gange kenntlich zu machen und so für die Sicherheit de» Verkehr« im Hausflur ,u sorgen. Gegen dieses Urteil hatte die Baptistengemeinde Revision beim Reichsgericht eingelegt und sich besonders auf einige Reichsgerichts- urteile berufen, die grobes überwiegendes Verschulden annehmen, wenn jemand einen dunklen Raum betritt, ohne sich über die näheren Verhältnisse zu vergewissern. Der VII. Zivilsenat deS höchsten Gerichtshofes erkannt« jedoch auf Zurückweisung der Re- Vision, und führt hierzu auS:„Die Revision hat zu Unrecht die Analogie derjenigen Fälle herangezogen, wo jemand ohne Vorsicht in einen unbekannten dunklen Raum hineingegangen war; denn die Klägerin hat sich einer gleich groben Unvorsichtigkeit nicht schuldig gemacht. Sie ist vielmehr beim Oeffnen der nach Innen schlagenden Tür. da gleich hinter dieser dt« Stufe war. schon beim ersten fast unwillkürlichen Schritt zu Fall gekommen. Es erscheint nicht rechtsirrig, wenn bas Berufungsgericht darin eine geringere Fahrlässigkeit erblickt, als in den von der Revision erwähnten Fällen angenommen worden ist." Niemand will e« machen! Ein geradezu jämmerliches Bild von den Vereinsverhältnissen in den evangelischen Arbeitervereinen entrollte eine GerichtSver- Handlung, die dieser Tage vor dem Schöffengericht in Weinböhla bei Meißen stattfand. Der Vertrauensmann des dortigen evan- gclischen Arbeitervereins,«in Korbmacher P„ soll m drei Fällen Gelber. Beiträge und Spargelder, die er einzuholen und an die Kassiererin abzuliefern hatte, für sich behalten haben. Er«nt- schuldigt sich mit großer Vergeßlichkeit und findet auch die Bestati» guna der Kassiererin, die außerdem noch aussagte:„ES habe über- Haupt rinr große Schlamperei im Berein bestanden!" Auf den Vor- halt deS Vor-fitzendon, man hätte doch einen anderen Vertrauens- mann wählen können, antwortet sie prompt, es fände sich kein anderer,„niemand will eS machen!" Der„vergeßliche" Vertrauens- mann wurde trotz der entlastenden Aussagen seiner Mitchristin zu fünf Tagen Gefängnis verurteilt. Die ganze Verhandlung ist eine treffliche Satire auf den ganzen evangelischen ArbeitcrvereinSrummel. Arbeiter find in den Bereinen überhaupt nur sehr wenig. Sie sind nur gut als Statisten. zum Einholen der Baiträge und ähnlichen untergeordneten Dien- sten, während Lehrer und Geistliche meistens die Leitung haben. Vermifcktes. Ein entmündigter Herzog, Laut Bekanntmachung des mecklenburgischen Amt»- und Re- gierungSblatteS hat der Großherzog von Mecklenburg den jungen Herzog Borwin zu Mecklenburg auf„dessen Antrag" entmündigt. Hierzu schreibt dag„Berliner Tageblatt":„In Wahrheit hat der Großherzog nach dem mecklenburgischen HauSgesetz die Eni» mündigung verfügt. Der Großherzog selbst gilt auch als der Vor- mund des Entmündigten und bestellt eine geeignete Persönlichkeit als Pfleger zur Regulierung der geschäftlichen und pekuniären Angelegenheiten. Wie wir des wetteren von maßgebender Stelle erfahren, stand Herzog Borwin von Mecklenburg als blutjunger Offizier bei den Zieten-Hufaren in Rathenow. Er unternahm, wie das ja andere Offiziere auch tun, häufige Vergnügungsausflüge nach Berlin, und aus Berliner Pflaster ist eS auch gewesen, wo der Offizier in die Hände von Wucherern gefallen ist. Es sind durch- weg Bewucherungen der allerschlimmsten und allerplumpsten Art. so daß man sich eigentlich wundern muß. wie ein Mensch darauf hineinfallen konnte. Als Erklärung kann nur die vollständige(In- crfabrenheit des Herzogs dienen. Auf der anderen Seite darf allervingS auch nicht verhehlt werden, daß der Leichtsinn dcS Eni- mündigten ein gut Teil am Hereinbrechen der Katastrophe die Schuld trägt. Der Herzog bezog nämlich eine durchaus auSkömm- liche Apanage, so daß er weder Schulden machen, noch sich Wucherern auszuliefern brauchte. Gegen diese Wucherer tvird selbstberssäntz» lich mit aller Energie und Strenge vorgegangen werden. Jeden« fallS aber hielt man es, da eS nun einmal so weit gekommen war. für am besten und ratsamsten, wenn der so stark Bewucherte dcn Abschied vom Militär nimmt und entmündigt wird. Der ent- mündigte Herzog hat. sich zu seinen Eltern begeben. Sein.Vater, Herzog Paul Friedrich zu Mecklenburg, der init einer Prinzessin Mane zu Windisch-Gractz verheiratet» ist, lebt auf einem Schloß in Steiermark. Ein eigenartiger Zufall will es übrigens: daß auch der Vater des Herzogs Borwin entmündigt worden ist.'Doch trug an der' Verhängung dieser Kuratel damals nicht der Vater, sondern seine Gattin die Schuld."— An den Berirrungcn de» Herzogs sind natürlich die schlechten Menschen schuld, die seine „Unerfahrenheit" benutzten, um ihn zu verführen. Bei Gott „kein Engel war so rein"._ Selbstmord im Gefängnis. In dem Geraer Gerichtsgefängnis hat sich der Landwirt und Stellmacher Götz aus Dorna entleibt, der wegen Meineides in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert war. Die unglückselige Tat. so schreibt das„Geraer Tageblatt", ist um so bedauerlicher, als die Schuld Götz' noch keineswegs er, wiesen ist. Er scheint duS Scham gehandelt zu Huben. In KindesnSten. Auf dem bei Weichselmünde liegenden Oderkahn des Schiffers Schmidt aus Thorn kam vorgestern, der „Danz. Zeitung" zufolge, die Frau deL Schiffers zur Entbindung. Da es der Kranken bei der Geburt an jeglicher Hülfeleistung mangelte, verstarhen Mutter und Kind und wurden von dem später heimkehrenden Schiffer als Leichen aufgefunden. Ein Familiendrumn. Wie aus Prag gemeldet wird, tötete wegen ehelicher Zwistigkeiten in Zabjyhlicz der Eisenbahnangestellte Jdhann Nahlitzek' durch Beilhiebe seine Frau und seinen acht- jährigen Sohn, worauf er Selbstmord beging. Fretrellgiiise(gemeinde. Sonntag, den 26.!April, vormittags 9 Uhr. in der Halle der Gemeinde,' Pappek-Allee 16/17, Freireligiöse Vorlesung. — Vormitiags 10'/, Uhr in der Schule Kleine FranksuAer Straße S: Vortrag des Herrn Wilhelm Böllche!.Es werde Licht".— Damen und Herren find alS Gast herzlich willkommen. Allgemeine Kran kr»- und.Sterbekasse, der Metallarbeiter