Hr. 98. Bbonncnunts-Bedinaunsen: Kisnnements• Preis pränumeranto, «ierteljährl. 3.3V Mk., monatl. 1.10 Mr., wSchenUich 28 Pfg. ♦tci ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. SonnlagS« nummer mit illustrierter EomuagS- Beilage.Die Neue Well">0 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat: Eingetragen in die Post.Zeitungs» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 8 Marl vro Monat. PostabonnementS nehmen an:' Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. Crfitdn] OaßA iisn inntut. Verlinev Volksblakk. 25. Jahrg. Die InlertionS'GebQbr beträgt für die sechSgcspallene Kolonel« geile oder deren Raum 50 Pfg., sü« volitische und gewerllchaflliche Bereins« und Bersammlungs-Anzcigen 30 Pfg, „Alelne Sn-esgen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jede? weiier« Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf« slellen.Anzcigen das erste Wort Ill Psg, jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über Iö Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate sür die nächste Nummer müssen bis s Uhr nachmittags m der Expedition »bgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Delegramm.Adresse: „SnlslllemoM! Berlit". Zentralorgan der rozialdemokratircben partei Deutfcblands. Redaktion: SA. 68, Lindcnstraoac 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr.»983. Sonntag, den 26. April 1908. 6xpcdition: 8M. 68, Lindenstrasae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr.»984. Candtagswäljlcr! Prüfet die Wählerlisten! Nur drei Tage währt die Frist! Nützt sie! Nahlichtvindel. Den sozialdemokratischen Wahlrechtsdemostrationen des Jahres 1306 und 1908, sowie der Beteiligung der Sozial demokratie an der preußischen Landtagswahl, die das skanda löse Wahlunrecht zum erstenmal in seiner ganzen Abscheulich keit zeigte, ist es einzig und allein zu danken, daß die Frage der Wahlrechtsreform aus dem Stadium der agitatorischen Phrasen der auf ein demokratisches Phrasenmäirtelchen am gewiesenen Parteien nunmehr wenigstens in das Stadium einer Wahlreform selbst eingetreten ist. Seit zirka 60 Jahren besteht die Wahlrechtsschmach, bestand„zu Recht" die reak- tionär-staatsstreichlerische Wahlentrechtung der Masse des Volkes, das durch diesen infamen Staatsstreich um die poli- tischen Rechte geprellt worden war, die es sich auf den Barri- laden im März 1848 erobert hatte. Obwohl der Libera« l i s m u s im preußischen Dreiklassenhaus jahrelang die M a» jorität besaß, war von einer Wahlrcform keine Rede! Das Zentrum brachte wohl im Jahre 1873 einen Antrag auf Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen ein, allein dieser Antrag wurde sang« lind klanglos beerdigt. Ein Menschenalterlang dachte das Zentrum n i ch t m e h r daran, auch nur seinen Wahlrechtsantrag zu wiederholen, und als der Freisinn, nachdem er machtlos geworden war. seiner seits Wahlrechtsanträgo stellte, geschah das nur der Form wegen, ohne daß man an die Realisierung der Forderung auch nur irgendwie gedacht hätte. Erst die sozialdemokratischen Wahlrechtsdemonstrationen, erst der sozialdemokratische An- stürm des Volkes bei der Landtagswahl» brachte die Wahl- reforni ins Rollen, zwang die Regierung und die Parteien, die Frage der Wahlreform ernstlich auf die Tagesordnung SN setzen! Trotzdem bedeutet die Wahlreform durchaus nicht die Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts. Die Wahlrechtsdebatte vom 10. Januar hat ja Klarheit darüber verbreitet. Die National- liberalen stimmten gegen die Ucbcrtragung des Reichstags- Wahlrechts, weil sie nie und nimmer das Privilcgicrtenwahlrecht preisgeben wollen. Das Zentrum stimmte zwar für Ein- sührung des Rcichstagswahlrechts— es wußte ja ganz ge- »au. daß trotzdem mit Zweidrittelmajorität der freisinnige Antrag abgelehnt werden würde!—, aber als es sich darum handelte, eine N e u e i n t e i l u n g der Wahl- k r ei s e auf Grund des gegenwärtigen Bevölkcrungsstandes durchzusetzen, entpuppte sich das Zentrum in seiner ganzen reaktionären Glorie, indem es diese erste Forderung eines gleichen Wahlrechts rücksichtslos niederstimmte! Und welche Stellung haben nunmehr mährend des Wahlkampfes die verschiedenen Parteien zur Frage des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts ein- genommen? Die Freisinnigen bekunden ihre Freundschaft für das allgemeine und gleiche Wahlrecht dadurch. daß sie rück- sichtslos jede sozialdemokratische Kandidatur b e« kämpfen, dagegen mit den Nationalliberalen ein Wahlbündnis gegen die Sozialdemokratie, d. h. die einzig wirklich wahlrechtsfrcnndliche Partei, eingegangen sind! Die Freisinnig?», die angeblichen Freunde des allgenteinen und gleichen Wahlrechts, unterstützen also diejenige Partei, die am 10. Januar dieses Jahres gegen die Uebcrtragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen stimmte, überall gegen die Sozialdemokratie! Nicht besser steht es um das Zentrum. Das Zentrum ist sogar mit den Konservativen ein Wahlbündnis eingegangen, also mit noch schlimmeren Feinden des allgemeinen und gleichen Wahlrechts, als sie in der nationallibcralen Partei zu finden sickd. Dabei hat die Zentrumspartci die Stirn, in dem offiziellen Wahlaufruf darauf hinzuweisen, daß ün Wahlkampf die Frage dos künftigen Landtagswahlrcchts eine hervorragendeRolle spielen werde. Die Zentrunispresse freilich, von der„Germania" und der„Märkischen Volkszeitung" bis zur„Kölnischen Volks- zeitung". hat sich mit schonungsloser Deutlichkeit dahin geäußert, daß die Frage des Wahlrechts im Wahlkampf keine Rolle spielen werde, sondern daß es sich in erster Linie darum handele, die Verpfassnng der Schule mit Hülfe des möglichst zu stärkenden Konservativismus sicher zu stellen! Weder die Freisinnigen noch das Zentrum kümmern sich also auch nur im geringsten um die Wahlreform. Während der Freisinn, der angeblich für ein freies demokratisches Wahlrecht und gegen eine Ausbeutung der Masse des Volkes durch indirekte Steuern ist, beim LandtagSwahlkampf gerade die schutzzöllnerischen, wahlrechtsfeindlicheu Parteien unterstützt, beweist das Zentrum sein Eintreten für die Demokratie dadurch, daß es in dein preußischen Wahlkampf gerade den allemaktionärsten Elemente», den preußischen Junkern, seine Wahlhülfe leiht» Das Zentrum ist obendrein unvorsichtig genug, das M 0- tiv seines unglaublichen antidemokratischen Vorgehens zu erklären: Es hat zugestanden, daß es ihm bei dem Wahl- kämpfe gar nicht auf die Wahlreforin, aber um so mehr auf die Verewigung und die konsequente Ausgestaltung der Schulverpfaffung ankomme! Dieses ultramontane Ge- ständnis schließt es vollständig aus, daß den demokratischen Beteuerungen des Zentrums irgendwelches Gewicht beigelegt werden könnte. Denn jede D e m 0 k r a t i s i e ru n g des Wahlrechts würde ja, wie wir zahlenmäßig nachgewiesen haben, die Aussichten, eine Unterjochung der Schule durch die Herrschaft der geschestelten und der geschorenen Finsterlinge herbeizuführen, verringern! Es ist also weder der Wahlreklame des Freisinns noch der des Zentrums das geringste Vertrauen entgegenzubringen! Aufgabe der proletarischen Wahlkämpfer ist es, den Mit- läufcrn sowohl des Freisinns als des Zentrums den Star zu stechen, ihnen klar zu machen, daß nur eine vom Volke selbst geschaffene und kontrollierte Partei, wie die Sozialdemokratie, die Interessen und Rechte des Volkes zuverlässig zu vertreten vermag! Aus zum Wahlkampf! Jeder Entrechtete werde zum Bahnbrecher des. gleichen Wahlrechts! €)» Schlag im Aaller! Noch drei Wochen trennen uns von dem Termin, von dem ab für die Frauen die vereinsgesetzlichen Schranken gefallen sind. Bis dahin gedenkt man aber anscheinend noch energisch alle Schikane des alten Vereinsgesetzes anzuwenden. Der auf dem Gebiete des Polizeikampfes schon nicht mehr un- bekannte Herr v. S t u b e n r a u ch, der seit kurzem auf den Berliner Polizeipräsidentenstuhl gesetzt worden ist, flocht ein neues R»is in seinen Ruhmeskranz, als er den Sozialdemokratischen Frauenwahl- verein verbot! Er verfügte: Der Polizeipräsident. Berlin 0. 25, Alexanderstr. 3/6, Abteilung VII. den 21. Apnl 1908. Tageb.-Nr. 806. VH. G. 08. Auf Ihre Eingabe vom 10. April d. I. gereicht Ihnen zum Bescheide, daß nach dem zurzeit noch geltenden Vereinögesetz vom 11. März 1850 Frauen politischen Vereinen, zu denen der von Ihnen gegründete„Sozialdemokratische Wahlverein der Frauen Berlins und der Umgegend" zu rechnen ist, alä�Mitglieder nicht angehören dürfen. „Wahlvercine" im Sinne des z 2t a. a. O. können nach einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts vom 12. Februar 1904 auch niemals von Frauen, sondern nur von Wahlberechtigten ge- bildet werden. Sie erhalten daher 1 Exemplar der eingereichten Statuten anliegend zurück mit dem Bemerken, daß die Gründung des Vereins unzuläisig ist. die gewünschte Bescheinigung mithin auch nicht erteilt werden kann. Im Auftrage: gez. Bacrele. An Frau Marg. Wengeis hier. Vor uns liegen Bescheinigungen, datiert vom 27. April 1903 und vom 23. September 1903 über erfolgte Anmeldung und Ein- reichnng von Statuten eines für die beiden Wahlen neu ge- gründeten„Sozialdemokratischen Frauenvereins für Berlin und Um- gegend", ferner 1 Dutzend Bescheinigungen über Nachtragungen des Mitgliederverzeichnisses und Anmeldung von Versammlungen des genannten Vereins. Der frühere Polizeipräsident hat demnach wiederholt die Gesetzmäßigkeit des Sozialdemokratischen Frauen- wahlvrreins bescheinigt! Und vor 1'/» Jahren wurde in Berlin eine liberale Frauenpartei gegründet, die sich in An- Wesenheit der Polizei ein festes organisatorisches Gefüge gab und einen Vorstand wählte. Dieser politische Verein ist aber nicht nur von dem früheren, sondern auch von dem jetzigen Polizeipräsidenten als gesetzmäßig behandelt worden! Herr Stubenrauch will also seine Kraft anscheinend nur gegen die sozialdemokratischen Frauen erproben! Selbstverständlich wird das Verbot der Bewegung nicht nur keinen Einhalt tun, sondern vielmehr anspornend wirken! An- Meldungen an den bekanntgegebenen Stellen werden nach wie vor entgegengenommen und gelten nunmehr für den gemeinsamen Eintritt der Frauen in die bestehenden Wahlvereine! Der korporative Uebertritt erfolgt am Tage des Inkrafttretens des neuen Vereinsgesetzes, am»5. Mai»903. sagenden Wendung:„In welcher Richtung sich für diese Reform unsere Wünsche und Forderungen bewegen, ergibt unsere Stellungnahme von alters her. wir habe« dieselbe auch in neuester Zeit im Parlamente ausgesprochen." Welches ist nun in der preußischen Wahlrechtsfrage die Stellung des Zentrums„von alters her"? Uebcr Fragen von so einschneidender Bedeutung pflegen die Parteien sich in ihren Programmen oder in ihren Wahlaufrufen auszulassen. Im Programm der Zentnlmöfraktion des preußischen Landtages. das überhaupt nur aus wenigen nichtssagenden Sätzen besteht, steht kein Wort vom Wahlrecht! Und in den Wahl- aufrufen? Auch diese schweigen sehr lange hierüber. Zum erstenmal wird die Wahlrcchtssrage in dem Aufruf von 1893 erwähnt. Da heißt es: „Bei Beratung des W a h l g e s e tz e s hat das Zentrum alle Kraft eingesetzt, die durch die neue Steuergesetzgebung zu bc» fürchtende plutokratisiche Verschiebung der Wählerklassen zu der» hindern; leider ist diese Absicht, trotz unserer einmütigen Haltung nicht zu erreichen gewesen. Es«vird daher auch in Zuktinfl unsere Aufgabe sein, diesen gegen Miseren Willen berbeigesührten Wirkuugen nach Kräften entgegenzütreten und Abhülfe herbcizu- sichren." Das Wahlgesetz, von dem hier die Rede ist, ist das Gemeindewahlgesetz» bei dem es dem Zentrum darauf ankam, in den Großstädten des Westens seinen Ein- flutz in der zhxeiten Klasse zu stärken und sich dadurch die Rathausmchrheitcn zu sichern. Bon dein LandtagSwahlrechte ist mit keinem Worte die Rede. Weder in diesem noch in einem der folgenden Wahlaufrufe. 1898 heißt es: „Unter Aufrcchtcrhaltung und Anerkennung aller bestehenden Rechte und Rcchtsvcrhältniflc habe» wir ferner in Wahrung der Rechte des Volkes wiederholt die bei der Beratung der neuen Steuergesetze zugesagte Reform des Wahlrechts verlangt, durch ivelche die durch jene Gesetze bewirkte Verschiebung und Wer« kümmerung des Wahlrechts ausgeglichen werden sollte." Hier also die ausdrückliche Betonung der„besteheuden Rechte und Rechtsverhältnisse", womit das Zentrum von vornherein auf eine grundlegende Wahl- reform verzichtet! Und auch hier drehte sich die Sorge des Zentrums nur um das Gcmeindewahlgesetz» wie der Wahl- aufruf von 1903 beweist, Ivo es heißt, daß die vollzogene «Wahlreform" nicht alle Wünsche erfüllt, daß die Fraktion aber doch zugestimmt habe,„weil dadurch in zahlreichen Gemeinden zugunsten des Mittelstandes eine nicht zu unterschätzende Erweiterung des Wahlrechts gesichert wird." Das ist also die Stellmig des Zentrums zur preußischen Wahlrechtsfrage„von alters her". Im P r 0 g r a m m kein Wort vom Wahlrecht und in den Wahlaufrufen nur das Be» mühen» den ultramontanen Geldsack in den Gemeinden vor dem größeren liberalen Geldsack zu sichern! Wenn das Zentrum dieser seiner Stellung„von alters her" auch in Zukunft treublcibcn will, dann kann man daraus schließen, wie die Wahlrechtsreform, die unter ulwamontancr Mitwirkung zustande kommt, aussehen wird! „von alters her". Der Wahlaufruf der Zentrum sfraktion des preußischen Landtags vermeidet es bekanntlich, nähere Angaben über die vom Zentrum erstrebte Wahlreform zu machen. Es Hilst sich darüber hinweg mit der nichts- 0er frellinn für indirekte Steuer». Die„Vossische Zeitung" bestätigt heute in Form einer Polcmil unseren Nachweis, daß die Zurückziehung des Antrage» Mommsen auf dem Frankfurter Parteitage nur ein taktischer Schach.zug war. Das FreisinnSorgan erklärt ganz offen, daß da» Defizit zu groß sei, um durch direkte Steuern gedeckt werden zu können. Die Freisinnigen wollen zwar die schwachen Schultern schonen, nur haben sie entdeckt, daß es die wohlhabenderen Klassen sind, deren Schultern für die Tragung von direkten Steuern zu schwach sind. „Denn der Druck der direkten Stenern, für den Staat, die Gemeinde, den Kreis, die Kirche, i st heute schönem- pfindlich, vielfach bei hohen Gemeindezuschlägen dermaßen, daß eine bedeutende Steigerung aus große Schwierigkeiten stoßen, eine ausschließliche Deckung des Fehlbetrages durch Einkommen- oder VermögeiiSstenern völlig undurchführbar erscheinen muß." So stellt sich denn das Blatt ausdrücklich auf den Boden des Antrages Mommsen! Einige direkte Steuern als Aus» rede und die Belastung der breiten Volksmassen durch indirekte Steuern als Hauptsache: daS ist das Programm des Freisinns! Wörtlich erklärt die„Voss. Ztg.": „Der Standpunkt derjenigen Politiker, die lediglich die indirekten Steuern erhöhen und vermehren wollen, ist unhaltbar.... Aber daß 600 Millionen Mark jährlich mehr als bisher aufgebracht würden ausschließlich durch direkte Steuern, sei eS vom Einkommen, sei es vom Vermögen, ist eine ebenso verkehrte und unan- n e h m b a r e Forderung. Eine solche Forderung ist auch von . der bürgerlichen Linken niemals aufgestellt und vertreten worden." Wir haben keinen Moment lang gezweifelt, daß der Freisinn auch in der Finanzreform die Gebote der Sonservativm erfüllen wird. Mer baß die Unzufriedenheit der„Kreuz- Zeitung' mit der Zurückziehung des Antrags Mommsen ihn so sehr erschrecken würde, daß er seine Attentatsabsichten auf die Taschen der Arbeiter noch vor den Wahlen enthüllt, überrascht uns doch einiger- maßen I Doch um so dankbarer müssen wir anerkennen, daß der Freisinn alleS daran setzt, um völlige Klarheit für den Wahlkampf zu schaffen. Die entschiedenen Liberalen werden hinaus gedrängt, mit den nationalliberalen Wahlrechtsfeinden werden Kompromisse abgeschlossen und die Belastung der Volksmassen in den Zeiten der Krise und des ZollwucherS als nächste Etappe der freisinnigen Blockpolitik proklamiert: fürwahr, deutlicher konnte die Volksfeindlichkeit des Blockfreisinns nicht mehr bekundet werden I ES ist aber eine elende Ausrede, wenn die„Voss. Ztg." die Höhe des Defizits als Entschuldigung für indirekte Steuern anführen will. Ganz abgesehen davon, daß bei der rapidenZunahme des Reichtums der besitzenden Klassen in Deutschland sehr wohl Hunderte von Millionen aus direkten Steuern, aus Erbschafts-, Vermögens- und Einkommensteuern zu erzielen sind, so braucht das Defizit gar nicht allein durch neue Steuern beseitigt zu werden. Das Defizit ist entstanden durch die wahnwitzige Steigerung der Ausgaben für die Weltpolitik, für Kolonien, Heer und Flotte! Eine Einschränkung dieser Ausgaben täte dringend not. Bor allem das sinnlose Wettrüsten zur See könnte sofort beseitigt werden, wenn die deutsche Negierung dazu von, Parlament gezwungen würde. Gerade in den Tagen des Abschlusses der Nord- und Ostseeverträge tritt die Sinnlosigkeit dieser sportmäßigen Flottenvermehrung auf das deutlichste hervor. Eine Verständigung mit England über die Einschränkung der Flottenrüstungen ist durchaus möglich. Wenn nichts der- gleichen geschieht, so tragen daran dieselben Frei- finnige n die Schuld, die sich bedingungslos allen Forderungen des Militarismus und Marinismus unterworfen und jede Kritik der Nüstungspolitik, geschweige jeden ernsthaften Widerstand seit der Blockära) völlig aufgegeben1 haben. So sind sie mit- schuldig an der Größe des Defizits, und es ist wirklich eine un- gewöhnliche Kühnheit, diese Größe nun als Ausrede zu be- nutzen, um die Lasten seiner Beseitigung den Besitzlosen aufzuerlegen. Aber gut ist's, daß die Wühler die freisinnigen Pläne recht- zeitig kennen lernen. Mögen sie sich am Wahltage danach richten. Zweierlei Moral. Mit jettev sittlichen Entrüstung, die einem aus preußisches Ehristentum geeichten Scharfmacherblatt besonders gut ansteht. schüttelt sich die„Post" von neuem ob der moralischen Verlotterung der„Genossen". Sie hat im vorliegenden Falle eine ausgezeichnete Gelegenheit, ihren Abscheu zum besten zu geben; handelt es sich diesmal doch um nicht mehr und nicht weniger, als um die Ver- herrlichung eines Meineides. In Nr. ISS vom 2. April nimmt die„Post" unter der Stich- marke„Sozialdemokratische Moral" von einer Reso- lution Kenntnis, die eine Textilarbeiterversammlung in Chemnitz gefaßt hat. Sie lautet: „Die heute, am 4. April, tagende Mitgliederversammlung spricht dem Kollegen Gauleiter Albin R e i ch e l t ihr volles Ver- trauen aus. Die Kollegen und Kolleginnen haben nicht die Ab- ficht, wegen der„Vergangenheit" eines solchen Mannes von der Gefolgschaft, die sie ihm leisten, abzusehen. Die Anwesenden wissen, daß Kollege Reichclt sein ganzes Leben, seine Gesundheit, seine Freiheit im Dienste der Arbeiterbewegung geopfert hat, und hoffen, daß es den Textilarbeitern noch lange vergönnt sein möge, ihn in ihrer Mitte zu haben. Sie versprechen nach wie vor, den Kollegen Reichelt zu schätzen und zu achten. Ueber das gegen ihn gefällte Urteil enthält sich die Versammlung jeder Kritik." Und diese Vertrauenskundgebung gilt einem Manne, von dem die„Post" erfahren hat, daß er kürzlich wegen Körperver- l e tz u n g und Nötigung zu einer hohen Gefängnisstrafe ver- urteilt worden ist, zu einer besonders hohen Strafe deswegen, weil cr schon wegen Meineids Zuchthausstrafe erlitten hat. Das ist Genossenmoral! Einem solchen Fall muß man näher auf den Grund gehen, sei bs auch auf die Gefahr hin, daß die Sozialdemokratie den Abscheu jener gesitteten Menschheit erregt, die auf dem Niveau der„Post" steht. Also zunächst die Körperverletzung. Die Angelegenheit hängt mit den bekannten und zum Glück erfolglos verlaufenen Kämpfen der Behörde und des Unternehmertums gegen die Verwaltung der Chemnitzer OrtZkasse zusammen. Neichelt sollte bei der Wahl den wohlgesinnten Schneider K r ö n e r mit dem Kopf gegen eine Säule gestoßen und ihn mit Totschlag bedroht haben. Zum 23. März d. I. war Termin vor dem Schöffengericht in Chemnitz angesetzt worden. Der Verteidiger beantragte Vertagung der Verhandlung mit der ausdrücklichen Motivierung, daß dem Beschuldigten die Anklage erst spät zugestellt worden sei und das Gericht die Ladung der Entlastungszeugen abgelehnt habe. Das Gericht hört aber einzig die Belastungszeugen, von denen fast nur der„Angegriffene" Kröner gegen die Angeklagten aussagt, und verurteilt Neichelt zu & Monaten 2 Wochen, seinen Mitangeklagten Haubold zu 2 Mo- naten 2 Wochen Gefängnis. In der Verhandlung meint der Amts- anwalt von den nicht zugelassenen Entlastungszeugen, daß es sich bei ihnen um Zeugen der Partei der Angeklagten handele, von denen man nicht wissen könne, ob sie die Wahrheit sagten. Und nun glaubt der Vorsitzende des Schöffengerichts in der Urteilsbegründung noch etwas Besonderes tun zu müssen, in- dem er die Frage stellt, wie es möglich war, daß Reichelt mit seiner Vergangenheit den Kröner mit Gewalt an der Ausübung seiner Rechte hindern könne, und wer ferner noch einem solchen Mann wie Reichelt Gefolgschaft leisten möge? So war also eine der bekannten sächsischen Verurteilungen gustande gekommen. Aber nun die Vergangenheit Reichclts. Ja, er ist wegen Pretzvergehen und ähnlicher politischer Delikte vorbestraft wie nur einer. Bis jetzt aber galt auch unter bürgerlichen Poli- tikern, soweit sie auf Gesittung Anspruch machten, her Grundsatz, daß Strafen, die mit der politischen Tätigkeit eines Mannes zusammenhängen, dessen Ansehen in den Augen der Mitwelt unter Uniständen erhöhen, nicht aber herabsetzen können, Doch der Meineid. Es war unter dem Sozialistengesetz. Ein Prozeß wegen Ver- breitung des„Sozialdemokrat" stand in Frage. Reichelt beschwor gleich zwei anderen Zeugen, daß er das verfemte Blatt von einer bestimmten Stelle nicht erhalten habe. Hätte er das beschworen, was die Anklage für Wahrheit hielt, so würde er, wie die Chemnitzer „Bolksstimme" am 3. April d. I. schrieb. Hunderte in den Prozeß verwickelt haben. Reichelt erhielt ein Jahr Zuchthaus, also di- niedrigste nach dem Gesetz zulässige Strafe, und zwar mit der Be- gründung, daß er sich selbst einer strafbaren Handlung hätte be- zichtigen müssen, wenn er die Wahrheit gesagt hätte. Reichelt selber behauptet heute noch seine Unschuld. Das sind die Tatsachen, welche die Kameraden und Partei- genossen Reicheltö veranlassten, ihm ihr Vertrauen zu be- iLUdL» Nun soll ja gelten, daß sozialdemokratische Moral keine bürger- liche Moral ist, und daß vor allem, soweit Eidesfragen in Betracht kommen, die Feststellungen eines beut- s ch e n G e r i ch t s für ein Blatt vom Schlage der„Post" unantast- bar sind. Aber da will es das Unglück, daß die„Post" einen Tag später, als sie die Angelegenheit Reichelt gegen die Sozialdemokratie aus- nützt, in einem Leitartikel den Münchener Harden- Prozeß behandeln muß. Hier ändert sich ihre Eides- moral mit einem Schlage. Deutlich sagt sich die ge- samte„nationale" Presse vom Fürsten Eulenburg los. Nur die „Post" kann es nicht fassen; sie glaubt nicht, daß der einstige Be- rater des Kaisers seine Eidespflicht verletzt habe. Und deswegen muß die Autorität des Gerichts nach Kräften heruntergerissen, mutz die Wahrheit der gegen Eulenburg gerichteten Zügen- aussagen angezweifelt werden. Die Verhandlungen in München erinnern zu diesem Zweck die„Post"„wieder recht lebhaft an den Hexen sabbath vor dem Berliner Schöffengericht". Die Zeugen, welche in diesem Prozeß aufgetreten sind, machen der „Post"„keinen guten Eindru ck". Zur Entschuldigung des Fürsten wird weiter geltend gemacht, daß es sich um Vorgänge handelt,„die sich bor 24 Jahren abgespielt haben sollen". Um so notwendiger ist es in den Augen der„Post", „daß die Bekundungen der Zeugen dieser Verhandlung in dem Prozeß, den die Berliner Oberstaatsanwaltschast gegen Justizrat Bernstein eingeleitet hat, nachzuprüfen." Ganz besonders spaßig ist der Satz: „Alle aber, die erklären, Fürst Eulenburg habe mit ihnen Schmutzereien getrieben, heften sich, wenn auch dieses Ver- gehen längst verjährt ist, in den Augen aller anständig Denkenden einen schweren Makel an, der sie um so verächtlicher macht, als festgestellt worden ist, daß diese Zeugen sich nur gegen erhebliche Geldgeschenke prostituiert haben." Moral: Der Eid des Arbeiters, des Sozialdemokraten Reichelt ist auf alle Fälle ein Meineid, und wenn die Sozial- demokraten für ihren verfolgten Genossen einstehen, so ist das eben„sozialdemokratische Aioral". Der Eid des Fürsten Eulenburg— ja, Bauer, das ist ganz was anderes!-» Hu 9 dem(Hahlhampf. Zentrumsbauer« gegen das Wahlrecht. Die zentrumsagrarische„Rheinische V o l k s st i m m e" hat an dem Wahlaufruf der preußischen Zentrumsfraktion allerlei aus- zusetzen. So will dem Blatte nicht gefallen, daß das Zentrum auch auf sozialem Gebiete sich weiter bemühen will. Hier habe die Partei „in vielen Stücken ein zu rasches Tempo eingeschlagen"— meint das ultramontan-agrarische Blatt. Die Arbeiterbevöllerung sei dem Zuge der Zeit nach einer kostspieligeren Lebensführung gefolgt; sie betrachte heute Ansprüche als unentbehrlich, die der Arbeiter vor fünfzig Jahren noch nicht vermißte, ohne daß er sich deshalb so un- behaglich und unzufrieden gefühlt habe, wie heute. Besonders hat es dem Blatte die Wahlreform angetan, für die der Aufruf zu wirken verspreche. Das sei eine Frage, in der„die Zentrumsbauern nicht mit der Partei übereinstimmen", versichert das Blatt und begründet das folgendermaßen: „Das jetzige Wahlsystem hat seine großen Fehler, das steht fest. Was aber will man an seine Stelle setzen? Ein verständiger Mann reißt doch erst dann ein, wenn er etwas Besseres an seine Stelle setzen kann. Das Reichstagswahlrecht, das von verschie- denen Seiten gefordert wird, ist aber doch in allewege nichts Besseres, eher etwas noch Schlechteres. Der Bauer, insbesondere der mittlere und kleine Bauernstand, wie er gerade in der Rhein- Provinz in Frage kommt, der fest an seine Scholle gebannt ist, hat doch wahrlich ein größeres Interesse am Ge- deihen des Staates, als der unstet von Ort zu Ort ziehende unansässige Arbeiter, der sein Ränzel schnürt, wenn es ihm an seinem Ort nicht mehr gefällt. Solange aber der Bauer die heilige Pflicht zu erfüllen hat, alle anderen Stände. die gesamte Bevölkerung des Landes zu ernähren, darf ihm sein unantastbares Recht, entsprechend seiner Bedeutung Einfluß auf die Gesetzgebung des Landes haben, nicht verkümmert werden. Das würde durch die Einführung des Reichstags- Wahlrechtes unbedingt der Fall sein. Der Bauer kommt schon unter den heutigen Verhältnissen nicht zu seinem Rechte. Wie sollte das erst werden, wenn er, der verantwortungsreichste Stand, noch mehrandie Wandgedrückt würde. Darum kann von einer Reform des Wahlrechts in diesem Sinne nie und nimmer die Rede sein, wenn anders der Staat sich nicht selber die starken Wurzeln seiner Kraft abschneiden will Das Blatt, das sich hier als den Freund des kleinen Bauern aufspielt, schein! nicht zu wissen, daß der kleine Bauer gerade so gut zu den 85 Proz. Wählern dritter Klasse gehört, wie der kleine Handwerker und der Arbeiter. Das Dreiklaffenwahlrecht ist für das Land ebenso ein Geldsackswahlrecht, wie für die Stadt, und wer es mit Rücksicht auf das Land verteidigt, macht sich zum Anwalt der Großagrarier und Großbauern, um die Masse der Landbewohner: die kleinen Bauern und Landarbeiter, zu entrechten. Wenn man die blödsinnige Anschauung, daß der Bauer die ge- samte übrige Bevölkerung ernähre, einer Widerlegung für nötig hielte, konnte man fragen: wer denn den Bauern ernähre und ob der Bauer nicht ebenso von der Stadtbevölkerung abhänge, wie diese vom Bauern? Das Gerede des ultramontanen Bauernblattes hat nur Be- deutung insofern, als es beweist, wie weit und wie tief die Ab- ncigung im Zentrum gegen ein volkstümliches Wahlrecht geht! Gegen zwei Fronten? Die„Freisinnige Zeitung" belehrt— ganz überflüssigerweise!— die Freisinnige Vereinigung darüber, daß der Freisinn den Kampf bei den Landtagswahlen sowohl wie bei den Reichstagswahlen gegen zwei Fronten, nach rechts sowohl wie nach links, führen müsse. Mit der Sozialdemokratie könne die Freisinnige Ver- einigung bei den Landtagswahlen schon deshalb nicht zusammen- gehen, weil sie vier von ihren neun Landtagsmandaten mit konservativer Hülfe erlangt habe. Ebenso sei es bei der Reichstagswahl. Wozu wir bemerken wollen, daß gerade die Freisinnige Bereinigung 1907 von ihren 14 Mandaten nicht weniger als 10 nur durch sozialdemokratische Hülfe erlangt hat! Aber das nur nebenbei. Die Freisinnige Vereinigung denkt ohnehin gar nicht daran, mit der Sozialdemokratie zu- sammen gegen die Reaktion zu schlagen. Sie schlägt genau so wie die Freisinnige Volkspartei mit den R e a k t i o n s- Parteien zusammen gegen die Sozialdemo- kratie! Aber wir würden über die Bekämpfung der Sozial- demokratie kein Wort verlieren, wenn der Freisinn wenigstens auch die Rechte bekämpfte! Aber während der Freisinn die Sozialdemokratie rücksichtslos be- kämpft, schlägt crsich jedesmal bedingungslos auf die Seite der reaktionären Parteien, sobald er es in der Hand hat, einem Brotwncherer, Schutzzöllucr und WahlrechtSfeind den Garaus zu machen! Bei den letzten Reichstagswahlen hat der Freisinn der Reaktion 32 Mandate zugeschanzt! Und so weit sich ihm bei der LandtagSwahl Gelegenheit bietet, sozialdemokratische Vertreter des all- gemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts durch nationalliberale und konservative Wahlrechtsfeiode zu ver- drängen, wird er es am guten Willen nicht fehlen lassen! Das nennt dann die freisinnige Heuchlersippc: Kampf gegen zwei Fronten! poUtifchc öcberlicbt. Berlin, den 25. April 1908, Herr Franz Behrens. Der„Fall Behrens" hat eine großartige Verwirrung im christ- lichen Lager angerichtet. Während der„Bergknappe", da? Organ des christlichen VergarbeiterverbandcS Herrn Behrens in aller Form den Hinauswurf aus seiner Stellung als Generalsekretär des genannten Verbandes ankündigt, spricht die Bezirksleitung deS Ge- Werkvereins christlicher Bergleute im Saarrevier Herrn Behrens ihre volle Billigung für fein Verhalten in der Vereinsgesetzfrage aus, er habe nach dem Grundsatze gehandelt, das Erreichbare zu nehmen und auf dem Errungenen weiter zu bauen. Die„Germania" findet die Haltung der Bezirksleitung des SaarrevierS„unverständlich" und fiihrt zur Erklärung an, daß„das eine führende Mitglied der Bezirksleitung, Gutsche, beiden letzten ReichStagswahlen als christlichsozialer ReichStagSkandidat auf- gestellt war und zwischen Haupt- und Stichwahl im Saarrevier als eifriger nationalliberaler Wahlredner austrat, während das andere führende Mitglied, HüSkeS, einerseits in Zentrums- Versammlungen als offizieller Wahlredner auf- trat und andererseits bei den Sozialdemokraten au f d i e „Pfaffen" schimpfte". Die christliche„Baugcwerk schaff hält der Leitung be? Bergarbeitervereins vor, daß eS ihre Pflicht gewesen wäre, Behren? rechtzeitig zu instruieren und ihn dadurch vor unliebsamen Ver- Wickelungen zu schützen:„Aber die Leitung! Uns scheint, der Gewerkverein hat heute überhaupt keine Leitung. Jeder Beamte arbeitet für sich und hält sich für die erste Autorität, der niemand mehr etwas vormachen kann. Daß dann schließlich eins neben dem anderen hergehen muß. ist klar... demGewerk- v erein fe h lt d i e Einh eitlich keit des Wollens und des Handelns." Und während die„Germania" dem Zentrum rät, auf dem Posten zu sein, damit in den GewerkschaftSversamm- lungen keine agrarische Politik(!) getrieben werde, ersucht der„Bergknappe" die Zentrumspresse, sich nicht in die gewerkschaftlichen Angelegenheiten zu mischen; über den Fall Behrens zu entscheiden, steht einzig dem Gewerkvereiu christlicher Bergleute zu. Man darf gespannt sein, wie sich die Beteiligten aus diesem Wirrwarr herausfinden. Wahrscheinlich wird alleS beim alten bleiben, da jeder Ursache hat, den anderen zu schonen, um selber geschont zu werden. Wie unS telegraphisch aus Essen gemeldet wird, bringt die „Deutsche BergwerkS-Zeitung" in ihrer gestrigen Nummer einen Bericht über eine stattgehabte Generalversammlung deS Deutschen ErzgrubenverbandeS. In diesem Berichte findet sich unter anderem die sehr interessante Mitteilung, daß neben den Herren Dr.-Jng. E. Guillaume, Bergwerksbesitzer Ansorge, Generaldirektor Roetzel usw. auch der Rrichstagsabgeordnew Franz Behrens zum Borstande gehört. ' Bestätigt sich diese Meldung der„Deutschen Bergw.-Ztg."— an ihre Richtigkeit ist kaum zu zweifeln— dann wird allerdings das Verhalten deS Herrn Behrens durchaus begreiflich. Jsenbiel bleibt. In hiesigen Juristenkreisen kursiert daS Gerücht, daß die Stellung des Oberstaatsanwalts Jsenbiel erschüttert sei. Einer der Redakteure der.Morgenpost", die in letzter Zeit das Interviewen als Spezialität betreiben, hat deshalb Herrn Jsenbiel aufgesucht und ihn ausgefragt. Statt den Redakteur abzuweisen, hat sich Herr Jsenbiel herabgelassen, Rede zu stehen und folgendes erwidert: „Sie fragen mich, ob meine Stellung erschüttert ist? Ich kann Ihnen darauf nur antworten, daß mir davon nichts bekannt ist. Ich würde auch gar nicht in der Lage sein, es zu wissen, wenn eS der Fall wäre, denn ich wüßte nicht, wer mich von der Erschütterung meinet Stellung in Kenntnis setzen sollte. In meinem Plaidoyer habe ich gesagt:.Wenn mein von bester Ueberzeugung geleitetes Vorgehen an zuständiger Stelle nicht gc- billigt wird— voila, ich bin bereit, einen Würdigeren Platz zu machen. DaS ist selbstverständlich mein Standpunkt. Ob das an- geblich im Umlauf befindliche„Gerücht" lanziert oder nur eine Vermutung ist, vermag ich nicht zu sagen, ich besitze nach dieser Richtung gar keine Verbindungen. Jedenfalls bin ich mir bewußt. daß die Staatsanwaltschaft in keiner Weise ihre Pflicht versäumt hat, ich habe auch nicht bemerkt, daß an mir übergeordneter Stelle eine gegenteilige Auffassung bestände." Wir glauben auch, daß das Gerücht unbegründet ist. Zwar hat im Prozeß Moltke-Harden Herr Jsenbiel eine seltsame Rolle gespielt lmd seine Tiraden fordern, wenn man sie mit den Ergebnissen des Münchener Harden-ProzesieS vergleicht, zum spöttischen Lachen heraus: aber aus mangelnder Befähigung wird in Preußen ein höherer Beamter selten entlassen, sondern gewöhnlich mir wegen'ungenügender patriottschcr Gesinnung, Verletzung der Standesrücksichten, Abweichung von den Ansichten seiner Vorgesetzten oder anderen ähnlichen Verstößen. Und mangelnde GesinnuiigS- tüchtigkeit kann man Herrn Jsenbiel nicht vorwerfen, besteht doch sein Malheur gerade darin, daß er diensteifrig gleich im Ramsch alles das beweisen wollte, was oben aus Gründen der Staatsraisou gewünscht wurde.—_ Zur Charakteristik der„Post". Die stinkende Mistpflanze der deutschen Journalistik, die Krön?» beinsche„Post" leitet ihren Landtagswahlkampf mit einer perfiden Fälschung ein. AuS der Zeit der letzten ReichStagSwahl hat sie sich die Verleumdungen, die damals der Liebertsche Rcichsverband in seinen Flugblättern gegen die Sozialdemokratie ausstreute, sorgfältig aufgehoben und beginnt nun. aus der schönen Sammlung nach ihrem Geschmack eine Auswahl zu treffen, ganz unbekümmert darum. daß die meisten dieser Verleumdungen als freche Fälschungen nach- gewiesen sind. Wie sich manche unserer Leser wahrscheinlich noch erinnern werden, hieß es damals in verschiedenen vom Liebertsche« Reichs- verband herausgegebenen Broschüren: „Zweibeinige Tiere in Uniform" nannte 1872 der„VolkSstaat", daS Blatt des Abgeordneten Liebknecht, die deutschen Soldaten, die als Sieger aus Frankreich zurückkamen. Arbeiter! Genau so denken die Sozialdemokraten im Herzen auch über die deutschen Soldaten in Südwestaftika. Arbeiter! Sind Eure Söhne und Brüder, die dort kämpfen, wirklich zweibeinige Tiere? Wollt Ihr einem Kandidaten Eure Stimme geben« dessen Parteigenossen so von Euren Tapferen denken?" Darauf Häven wir nachgewiesen, daß'im ganzen Jahrgang 1872 beö„Volksstaat" eine derartige Aeutzerung nicht zu finden ist. daß aber in Sir. 71 des Jahrganges 1873 das angebliche Zitat in folgendem Zusammenhange steht: „Zivil und Militär. Daß der Mensch, der keine Uniform trägt, im Militärstaat nur für einen halben Menschen gilt,— wir wollten sagen, daß das zweibeinige Tier, welches keine Umform trägt, nur halb so viel gilt wie das uniform tragende zweibeinige Tier sden n Menschen kennt derMilitärstaat nicht), wird uns jetzt gelegentlich der Cholera wieder recht deutlich vordemon- striert. In Graudenz brach unter den dort versammelten Uebungs- truppen die Cholera aus, sofort schickte man die Soldaten nach HauS, was für die Soldaten ganz nützlich war, aber die Wirkung haben wird, die Seuche unter den bürgerlichen Canaillen zu Der- breiten. In Berlin, wo unter einem Garderegiment die Cholera ausgebrochen ist, beabsichtigt man die Soldaten aus der Kaserne zu entfernen und auf die umliegenden Dörfer einzuquartieren— ein unfehlbares Mittel, den umliegenden Dörfern die Cholera zu geben. Auf genau dieselbe Weise wurde 1860 Leipzig mit der furchtbaren Cholera versehen, die über 2 OVO Menschen hinweg- raffte. Nicht als ob wir für die Soldaten kein Herz hätten— aber wir dächten, für das enorme Geld, welches die Armee kostet, könnte man auch den Sol- baten gesunde Kasernen errichten." Nicht der„Volksstaat" bezeichnete demnach die Soldaten als zweibeinige Tiere. Er rügte vielmehr, daß der Militärstaat im Menschen— einerlei, ob in Zivil oder Uniform— nicht den Menschen achtet, sondern ihn als ein zweibeiniges Tier betrachtet und wertet. Der„Volksstaat" protestierte gegen eine solche Miß- achwng. Er verlangte, daß für die Soldaten gesunde Kasernen, nicht Seuchcnhöhlen errichtet werden. Die Liebertschen„Journalisten" lvnßten damals nichts auf unseren Nachweis zu erwidern. Doch die ehrsame„Post" hält das uicht ab, ihren Lesern im Vertrauen darauf, daß diese unsere Er- widerung nicht kennen, die reichsverbändlerische Fälschung in etwas Veränderter Form nochmals vorzusetzen. Sie schreibt wörtlich: (Eine Aeußerung Liebknechts über die Sol- baten,) die er als zweibeinige Tiere in Uniform bezeichnete, ist von der Sozialdemokratie als Unwahrheit leidenschaftlich bestritten worden. Wie so oft zeigt sich auch hier wieder, wie wenig man die sozialdemokratische Entrüstung als bare Münze nehmen kann, denn in Nr. 71 des Liebknechtschen„BolkSstaat" von 1873 heißt es wörtlich: „Daß der Mensch, der keine Uniform trägt, im Militärstaat nur als ein halber Mensch gilt— wir wollten sagen, daß das zweibeinige Tier, welches keine Uniform trägt, nur halb so viel gilt wie das uniformlragende zweibeinige Tier— denn Menschen kennt der Militärstaat nicht— wird unS gelegentlich der Cholera wieder recht deutlich vordemonstriert." Ein verlogener Trick. In den reichSvcrbändlerischen Flug- blättern hieß es, daß die Aeußeruitg von den„zweibeinigen Tieren" im Blatt des„Abgeordneten Liebknecht" gestanden habe; die„Post" macht daraus einfach eine Aeußerung Lieb- k n e ch t s: ein Unsinn, denn Liebknecht saß damals auf der Festung. Zweitens behauptet das Kronsbeinsche Blatt, wir hätten den Ausdruck „zweibeinige Tiere" bestritten und zitiert dann selbst als Beleg einen Satz, der aus unserer Richtigstellung entnommen ist und den es erst durch uns erfahren hat— aber es zitiert wohlweislich nur so weit, daß der Sinn der„Volksstaat"-Notiz seinen Lesern dunkel bleibt, damit diese nicht, sofern ihnen der Haß gegen die Arbeiter- bewegung noch nicht alle Besinnung geraubt hat, selbst darauf kommen, toie ihr Leiborgan sie belügt. Doch es ist unnütz mit der„Post" zu rechten; sie ist unter den „anständigen" bürgerlichen Blättern eben das„alleranständigste".— Ein Mißverständnis der Tante Voß. Vor 60 Jahren veröffentlichte die„Vossische Zeitung" ihr„Ex ablatt der Freude" über den Sieg der Revolu� in am 18. März. Heute jubelt sie mit dem Wemer-BlDt um die Wette über die Mederlage des Freisinns n Frankfurt! Mit inniger Genugtuung begrüßt sie den Hinauswurf des letzten Fähnleins der liberalen Aufrechten aus der Freisinnigen Vereinigung I Dabei moquiert sich die zahnlose Streiterin für liberale Prinzipienlosigkeit über den„Vorwärts". Er habe daS Ergebnis der Frankfurter Verhandlungen das„Ende des Frei- sinnS" genannt. Schon ein Dutzend Mal habe das Zentral- organ der deutschen Sozialdemokratie dem Freisinn den Toten- schein geschrieben— und noch immer atme er freudig im Sonnenlicht! So werde es auch diesmal sein. Wir wollen gern zugeben, daß der Freisinn dem Namen und der Form nach vielleicht noch manches Jahr sein Dasein im Schatten der Regierungsgunst und der konservativ- nationalliberalen Duldung fristen mag. Wir buchen es gern, daß die„Freisinnige Vereinigung" durch die Sezession an Zahl ihrer Mitglieder nur wenig verloren hat. Wir haben das ja in unserem Artikel„Das Ende des Frei- sinns" ausdrücklich genug hervorgehoben. Und wenn jetzt die «Frei s. Ztg." feststellt, daß von den 98 Stimmen, die, entgegen den 315 Stimmen der Pachnicke-Heckscher- Richtung, der Fraktion für ihr Eintreten für den§ 7 des VcreinSgesetzes eine— überaus gelinde!— Mißbilligung aussprachen, 69 Stimmen von Einzelpersonen, d. h. nicht Vertretern von Organisationen gewesen seien, so b c- stätigt das erst recht unser Urteil, daß das Ergebnis die Frankfurter Tagung das Ende dcö Freisinns gewesen sei! Denn wenn sich selbst in der a m w e i t e st e n links stehenden Partei deS Freisinns nur eine so winzige Gruppe findet, die den schmählichsten freisinnigen Prinzipien- verrat(daß es sich darum handelte, gab ja selbst Herr G o t h e i n zu!) zu mißbilligen den Mut findet, so ist das allerdings das Ende des Freisinns! Daß Elemente, die längst jeden Liberalismus a b- gestreift haben, sich noch„liberal" oder„freisinnig" nennen, beweist nichts, als die traurige Entwürdigung dessen, was man früher unter Liberalismus verstand l Schöne Seelen finden fich. Das Zentrum hat die Losung ausgegeben, bei der bevor- stehenden Landtadswahl die Konservativen nach Möglichkeit zn unter- stütze». Die.Kreuz-Ztg." gibt darauf folgende Gegen- erklärung ab: „Wo ein freisinniger Kandidat und ein demo- kra tischer Zentrumskandidat um den Sieg ringen. dürften nur wenige Konservative ihr Wahlrecht ausüben: einem konservativenZentrumskandidaten aber werden sie wie bisher vor dem freisinnigen Kandidaten den Borzug geben, und wo von altersher ein Wahlbündnis zwischen den Konservativen und dem Zentrum besteht, ist es auch für die LandtagSwahlen erneuert worden oder es wird erneuert werden. Die ZeMrumsfraklion deS Abgeordnetenhauses steht eben noch nicht so unter dem Banne einer demokratischen Mehrheit, wie die Zentrums- fraktion des Reichstags; manches ihrer Mitglieder aus dem Osten der Monarchie würde sich zu den Konser- Vatiben halten, wenn nicht durch den Kulturkampf die kirch- liche Spaltung in die Politik eingeführt worden wäre; auch nimmt im Abgeordnetenhause daS Zentrum nicht dieselbe Oppositionsstellung zur Regierung ein Wie im Reichstage." Die konservativen Junker kennen ihre klerikalen Freunde zur Genüge, um nicht das angetragene Wahlbündnis ohne Zaudern an- zunehmen! Nur benutzen sie die Gelegenheit, um die„demokratischen" Elemente des Zentrums noch mehr zurückzudrängen! Schöne Seelen finden sich! Christliche Milde. Essen, 25. April. Der Ausschuß des Gesamtverbinides der christlichen Gewerkschaften hielt in den letzten Tagen in Düsseldorf eine Sitzung ab, um Stellung zum Reichsvereins- gesell und zu der Haltung des Abgeordneten Behrens zu nehmen. Desgleichen hielt der Gewerkverein christlicher Berg- arbeiter, dessen Beamter der Abgeordnete Behrens ist, eine Sitzung ab. Es wurden Resolutionen angenommen, worin die Abstimmung des Abgeordneten Behrens über§ 7(12) als taktische Maßnahme zur Erlangung der bekannten Erklärung des Staatssekretärs betreffend die Anwendung des Sprachenparagraphen auf die Gewerkschaftsbewegung anerkannt, aber auch erklärt wird, das VercinSgesetz enthalte Ansnahmebestimuluugen gegen Volksminderheiten, welche auf keinen Fall die Zustimmung eines christlichen Gcwerkschafts- führers finden dürften.' Der Ausschuß des Gesamtvcrbandes mißbilligt daher die taktische Haltung des Abgeordneten Behrens auf das ent- schiedenste, würdigt indessen in vollem Umfange seine schwierige Situation, sieht aber in dem Vorkommnis keinen Grund, Behrens das Vertrauen zu entziehen. Die Versuche, die katholischen und evangelischen Mitglieder der Gewerkschaften konfessionell zu verhetzen, wurden zurück- gewiesen und schließlich an den Vorstand des Gesamt- Verbandes das Ersuchen gerichtet, die Abgeordneten, welche der christlichen Gewerkschaftsbewegung angehören, zu veranlassen, in den Parlamenten eine engere Fühlung mit einander zu halten und sich über die Stellung zu allen wichtigen Fragen der Politik zu verständigen. Die Gewerkvereinsresolution spricht sich ähnlich aus. Landtagsersatzwahl in Württemberg. Stuttgart, 25. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die gestrige Landtagswahl in Nürtingen brachte kein end- gültiges Ergebnis. Von 6711 Wahlberechtigten stimmten nur 4633 gleich 70 Proz. ab. An erster Stelle steht der Bauernbündler mit 1710 Stimmen. Unser Genosse Kenngot erhielt 1SS2 Stimmen. während auf den Kandidaten der vereinigten Volksparteiler und Nationalliberalen 1383 Stimmen entfielen. Unser Genosse steht also an zweiter Stelle. ES ist ein zweiter Wahlgang notwendig, bei dem sämtliche Kandidaten wieder aufgestellt werden können. Dann ent- scheidet die relative Mehrheit.— Die Wirkung des ZollwncherS. Eine der plumpesten, aber doch am häufigsten gebrauchten agragischen Ausreden für den Zollwuchcr ist die. daß der Zoll nicht vom Inland, sondern vom Ausland getragen werde. Nun tritt dieser Ansicht eine Autorität entgegen, die gerade unsere Junker werden anerkennen müssen. Der russische Finanzmini st er Kokowzew äußerte sich, wie daS„B. T." mitteilt, über die Getreide- zölle folgendermaßen: Die Getreidepreise stehen so hoch, daß in den europäischen Staaten mit hohen Kornzöllen der Ruf nach zeitweiliger He r ab s e tzü n g dieser Zolle laut wird, da ihre Wirkung in Deutschland zum Beispiel sich für den dortigen Konsumenten in sehr empfindlicher Weise äußert. Als Deutschland die Zölle auf unser russisches Getreide erhöhte, wurden in den Handelskreisen und in der russischen Presse Befürchtungen hinsichtlich der Zukunft unseres Exportes aus- gesprochen. Diese Befürchtungen sind nicht in Erfüllung ge- gangen: die erhöhten Zölle fallen nicht dem russischen Landwirt und nicht dem russischen Exporteur, sondern dem deutschen Konsumenten zur Last, wie aus den nachstehenden Daten in betreff der Diese Preise zeigen, daß der d e u t s ch e K o n s u m e n t für den von ihm gekauften Weizen durchschnittlich um 45 Kopeken per Pud mehr zahlt als der Londoner Käufer, welcher sein Getreide zollfrei erhält, und daß auf einem der wich« tigsten deutschen Binnenmärkte der Preis eines PudeS Weizen im Durchschnitt um 57 Kopeken höher ist als in Odessa, wobei diese Differenz vollkommen genügend erscheint, um sowohl den Zoll(4t, 71 Kop.) als auch die Frachtkosten und Pro- Visionen zu decken. Wir denken, da hat ein russischer Finanzministcr doch einmal die Wahrheit gesagt._ Arbeit für Bethmann-Hollweg. Der Staatssekretär deS Innern hat bekanntlich bei der Be- ratung des Vereinsgesetzes Saalabtreibung durch Behörden als strafbares Amtsvergehen bezeichnet. Was solche schöne Ministerworte für die Verwaltungspraxis bedeuten, das zeigt folgende Mitteilung aus Lcitersdors-Rädnitz im Reichs- tagswahlkreise Züllichau-Krossen. In' diesem Wahlkreise, m dem bekanntlich bei Beginn der letzten Reichstagswahl die Lib:- ralcn den Reichskanzler telegraphisch ersuchten, die Amtsvorstcher und Landrätc anzuweisen, der neuen Regierungspartei diy Säle nicht mehr abzutreiben, blüht diese Praxis gegen die Arbeiter- bewegung lustig weiter. Unsere Parteigenossen und eiüc ganze Reihe Wirte können ein Lied davon singen. Der„Hammerkrüger" in R ä d n i tz, dessen Lokal an der Glashütte belegen ist und dessen Gäste ausschließlich i Glasarbeiter sind, hatte sich am 12. April schriftlich verpflichtet,' sein Lokal auch zu politischen Versammlungen herzugeben. Schon wenige Tage darauf erklärte der Wirt Wittenow, der Gendarm habe ihm in Aussicht gestellt, er könne seine Kon- Zession verlieren. Infolgedessen sei er aufs Landratsamt gegangen, wo man ihm gesagt habe, die Möglichkeit bestehe allerdings. Man habe ihm aber versprochen, bei der Regierung(!) anzufragen usw. Der Gendarm habe auch darauf hingewiesen, bis jetzt habe„man" so manches übersehen, aber in Zukunft— na und mit der Tanz- erlaubnis!... Diese Einflüsse haben hingereicht, den Wortbruch des WirtcS herbeizuführen. Die Arbeiter haben Gelegenheit. darüber nachzudenken, wie Gendarmen und Landräte über Minister- worke denken. Der„Hammerkrüger� ist seines Work- bruchcS halber gesperrt. Außer den Städten Sommerfeld, Schwiebus und Züllichau ist cS den Sozialdemokraten, die an 4000 Stimmen im Wahlkreise auf- gebracht haben, nicht möglich, eine Versammlung abzuhalten. Dan! der von dem Minister als strafbar bezeichneten„freundlichen Rat- schlüge" der Gendarmen. In Leitersdorf kann sich jetzt der Vorgang wiederholen. Der dortige Wirt Reinhold Kubale hat sich bereit erklärt, die obdach- lose Sozialdemokratie aufzunehmen. Ob Herr Bethmann-Hollweg Anlaß nehmen wird, den bc- treffenden Behörden seine Auffassung einzuschärfen? Gegen die Brutnlisierungstheorie der Peters, Liebert und Konsorten wendet sich der Artikel eines alten Afrikaners und Negerkenncrs im„Reichs- boten". Der Verfasser. Karl Perrot, schreibt u. a.: „Mit tiefer Empörung mußte ich aus diesen wider» wärtigen Prozeßvcrhandlungen entnehmen, wie diese arbeitsamen, zutraulichen Eingeborenen als treulose, hinter- listige und faule Menschen, die nnr mit der Nilpferd peitsche regiert werden könnten, geschildert und vrr- unglimpft wurden. Ich protestiere mit aller Ent- schiedenheit gegen diese ebenso unzutreffende wie oberflächliche Auffassung. Ich habe die Arbeit in allen fünf Wellteilen gründlich kennen gelernt, habe mit Japanern, Chinesen, Malaycn, Südsce-Jnsulancrn, Jndiern, Indianern und auch mit dem westafrikanischen, von dem ostafrikanischen übrigens sehr vcr- schieden gearteten Neger vielfach gearbeitet— die Negerbevölkerung in den Sklavenstaaten von Nordamerika hatte ich vor ihrer Be- freiung kennen gelernt— seit 1800 war ich als Pionier deutscherKultur und als P lanta g enuntern ehmer, sowohl im Norden wie im Süden von Deutsch- Ostafrika, wo ich je in Tonga und Lindi nebenbei eine Sklaven-Frei- und Zufluchtsstätte, solange meine Nüttel dazu reichten, unterhalten habe, ununterbrochen tätig und hatte somit gewiß genügend Gelegenheit, die Charakter- e i g e n s ch a f l e n und F ä h i g k e i t e n der deutsch-ostafrikanischen Negerbevölkerung, die übrigens je nach den sehr zahlreichen Stämmen wieder sehr verschieden sind, kennen zu lernen, um inir ein abschließendes, objektives Urteil über dieselben bilden zu können."... „Auch der Neger will menschenwürdig behandelt sein und wenn ein Europäer erst einmal durch Willkür. Un° gerechtigkeiten und Barbarei sich den Namen eines Bana kali, d. h. eines bösen— scharfen— Herrn erworben hat und als solcher in Verruf gekommen ist, so lvird eS für ihn fast unmöglich, jemals wieder ein ordentliches Arbeitsmaterial zusammen- zubringen. Diese sind es, die sich den Neger durch barbarische Behandlung entfremdet habe», die jetzt so laut nach dem Arbcitszwang rufen, vor dem wir nicht genug warnen können, denn er war mit die llr- fache des AufstandeS und würde, wenn er rücksichtslos durchgeführt würde, wieder zu neuen Aufständen oder aber, wie schon geschehen, zur Auswanderung bedeutender Arbeitskräfte ans britisches und portugiesisches Gebiet führen." Angesichts dieser Schilderung der ostafrikanischen Ein- geborenen durch einen selten landeskundigen Sachverständigen erschcmen die Bestialitäten der Peters und Konsorten um so ungeheuerlicher I Sehr interessant ist auch das Zugeständnis Perrots, daß hauptsächlich der Arbeitszwang und die damit verbundene Barbarei die Ursache des Aufstandes war. Bei diesem Auf- stand aber verloren nach der amtlichen Darstellung 80000 Eingeborene das Leben, da man sie nicht nur erbarniungslos niederrnallte, sondern sie auch durch systematische Äer- nichtung ihrer Vorräte dem Hungertode und de« Zähne» der Raubtiere preisgab! Sngland. Eine Niederlage der Liberalen. Einen schweren Schlag haben gestern die Liberalen\n Nordwest-Manchester erlitten. Winston Churchill mußte sich, als er zum Handelsminister ernannt ivorden war, einer Wiederwahl unterziehen, und er hat das Mandat, das er im Jahre 1996 den Liberalen erobert hatte, nun wieder der- l o r e n. Der Konservative Joynston H i k s, den er damals mit 1211 Stimmen Mehrheit geschlagen hatte, erhielt diesmal eine Majorität von 429 Stimmen. Der«lS Zählkandidat von der sozialdemokratischen Partei ausgestellte Genosse Dan Irving erhielt 276 Stimmen. Die liberale Niederlage ist um so schwerer, als die Partei alles daran gesetzt hatte, den Wahlkreis zu halten. Churchill selbst ist ein ausgezeichneter Redner, der sich durch seinen Kampf gegen Chamberlains Schutzzollpolitik wiederholt hervor- getan hat. Auch diesmal war der F.r e i h a n d e l seine Wahlparole und es ist bezeichnend für die Stimmung in England, daß diese Parole gerade in Lancashire, wo das Export- interesse so stark überwiegt, versagt hat. Zu Churchills Unter- stützung war auch eines der angesehensten Mitglieder der Regierung, der Schatzkanzler Lloyd George herbeigeeilt, ohne indes den Kreis retten zu können. Englische Nachwahlen erlauben im allgemeinen ziemlich sichere Schlüsse auf die politische Stimmung. So groß auch die Majorität der Liberalen im Parlament ist, so ist, wenn man die Stinimcnzahl bei den letzten Wahlen betrachtet, der Unterschied zwischen den Parteien keineswegs sehr bedeutend. Gerade Nordwest-Manchester war ein sogenannter typischer Wahlkreis, dessen Verlust deshalb von den Liberalen sehr schwer empfunden wird, während die Konservativen jubeln. Winston Churchill selbst hat das unter dem unmittelbaren Eindruck der Niederlage offen zugegeben. In einer Rede erklärte er, die Wahlniederlage sei ein schwerer Schlag und werde für den Freihandel ernste Folgen haben. Indes haben bei der Wahl das Schulgesetz, daS die irischen Katholiken ins Lager der Opposition trieb, und die Schankgesetznovelle� die die Brauer und Wirte gegen die Libc- ralen mobil machte, vielleicht eine größere Rolle gespielt als die Zollfragcn. Aber es ist doch nicht zu verkennen, daß der Freihandel auch für das englische Bürgertum nicht mehr das wirtschaftliche Glaubensbekenntnis bildet und so hat wohl Churchills pessimistische Beurteilung recht. Churchill selbst wird nicht lange dem Unterhaus fern- bleiben. Ihm ist ein Wahlkreis in D u n d c e reserviert worden, der für die Liberalen ziemlich sicher ist. foiKlancl. Väterchens Vorbereitungen. Dieser Tage wurden drei Jnfantericregimenter, angeblich„zur Verstärkung der Grenzwache", aus Pskow nach der sinnländischcn Grenze übergeführt und in den Grenzortcn Beloostroiv, Topsowo und Lcmbalowo stationiert. �rgentmien. Ein mißglückter Putsch. Buenos Aires, 25. April. Die Blätter melden, daß im Staate Santiago dcl Elstero eine revolutionäre Bc., ®e 0un9 susgebrocheti ist. Der GouLernelir ML die Minister wurden gefangen genommen und ihrer Aemtcr entsetzt. ES gab mehrere Tote und Verwundete. Buenos Aires. SS. April. Tic revolutionäre Wc- wegung in Santiago del Estero ist von den Bundestruppen unterdrückt worden. Drei Personen blieben tot, mehrere wurden verwundet» Indien. Der Grenzkrieg. Wie ernst der Aufstand der kriegerischen MohmandS zu nehmen ist, zeigt die amtliche Bekanntgabe der britischen Verluste in dem Gefechte vom 24. April. Es wurden 7 Mann getötet, 4 Offiziere und 23 Mann schwer, 19 Mann leicht verwundet. Die Ver- luste des Feindes werden auf 490 Mann geschätzt. Dabei erhalten die Aufständiichen fortgesetzt zahlreichen Zuzug von Afghanen. Die Priester predigen den heiligen Krieg. Die Stämme verfügen über einen guten Transportdienst und sind mit Munition, Geld und Proviant reichlich versehen. Hus der Partei* Zur Maifeier. In einer Generalversammlung des sozialdemokratischen Orts- Vereins Mannheim wurde folgende Resolution angenommen: Die Vorstände des Gewerkfchaflskartells und des Sozialdemo- kratischen Vereins erachlen die Befolgung des Rundschreibens der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands und des beut- schen Parteivorstandes betr. Regelung der Unterstützungsfrage bei der Maifeier nicht für eine glückliche Lösung der Frage. Die Vor- stände halten insbesondere in diesem Jahre die Anwendung der darin enthaltenen Anregungen für ausgeschlossen. Gewerkschafts- kartell und Partei lehnen es ab, dem Rundschreiben Rechnung zu tragen. Beide überlassen eS vielmehr dem diesjährigen Gewerk- schaftskongreß und dem Parteitage, diese Angelegenheit anderweitig zu regeln. In Braunschweig verbot die Polizei den geplanten Mai- Umzug der organisierten Arbeiterschaft. Verband junger Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschland?. (Sitz Mannheim.) Die auf den 3. Mai 1908, vormittag? 19 Uhr, nach Darm- st a d t einberufene außer ordentliche Generalversamm- l u n g findet im GewerlschaftZhause, Bismarck- strahe 19, statt. Delegierte, welche Nachtquartier wünschen, wollen sich sofort an den Genossen AloyS Becker in Darmstadt, Arheilgen� stratze 31, wenden. IlR Sämtliche Parteiblätter werden um Abdruck der Notiz gebeten._ Gemeiudrratswahlsieg. Ober st ein(Fürstentum Birkenfeld), 25. April. Privat- t e l e g r a m m des„Vorwärts".) Bei der gestrigen Gemeinderats Wahl errangen unsere Genossen fünf Sitze von 15. Die Wahl beteiligung betrug 75 Prozent._ Vom gleichen Recht. Am Dienstag hatte das Stadtverordneten� kollegium der Stadt Höh scheid(Rheinland) sich aufs neue mit der Wahl eines Mitgliedes zur Schuldeputation zu be- schäfligen, nachdem die vorige Sitzung durch die Obstruktion unserer Genossen beschlußunfähig geworden war. Der Genosse Berns ist vom Provinzial-Schulkollcgium nicht bestätigt worden, und unsere Genossen, die die Hälfte der Stadtverordnetenmandate(12 von 24) inne haben, verlangten, daß ein anderes Mitglied ihrer Fraktion gewählt werde. In der gestrigen Sitzung wurde denn auch mit den Stimmen unserer Genossen gegen die der Bürgerlichen der Genosse Witte gewählt. Man verhehlt sich nicht, daß dieser Genosse ebensowenig wie sein Vorgänger»oben" als Schul- depuiationsmitglied genehm sein wird, so daß eine Weiterentwicke- lung des Streites sicher ist._ Erklärung. Das Ausländische J e n t r ä l b u r ea u d e r Sozial- demokratischen Arbeiterpartei Rußlands gibt aus Anlaß der in Nr. 33 des„ N u s s i s ch e n B u l l e t i n S" vom 1ö. März d. I.— auch im„Vorwärts"— abgedruckten Warnung, die von einer Person handelte, die in Berlin eine Empfehlung der „Technischen Gruppe am Zentralkomitee der Sozialdemokratischen Arbeiter Rußlands" vorgewiesen hatte, nachstehende Erklärung ab: „1. Die Technische Gruppe am Zentralkomitee wurde im August 1907 aufgelöst; 2. Die von dieser Gruppe ausgegebenen Empfehlungen sind infolgedessen ungültig: 3. Was speziell den Genossen betrifft, auf den sich die oben- erwähnte Warnung bezog, so stellt das Ausländische Zentral- bureau fest, daß er persönlich außer allein Verdacht der Pro- v o k a t i o n steht." Die Parteiblätter, die seinerzeit die erwähnte„Warnung" in Nr. 33 abdruckten, werden hierdurch ersucht, von der obcnstehenven Er- llärung Notiz zu nehmen. polizeilickeg, Gerichtliches ulvo. Ein Wahlrechtsdemonstrationsprozes! in Solingen. Am Dienstag, den 23. April, werden sich bei der Strafkammer in Elberfeld die Genossen Kirchpfennig, Schaal, Weber, Thabor, Hilde brand und Schaake wegen Be- lcidigung des Oberbürgermeisters und der Polizei von Solingen zu verantworten haben. Diese Anklage steht im engsten Zusammenhange mit den Wahlrechts demonstrationeu, die in Solingen zu recht eigenartigen Weite rungen geführt haben. Wie allenthalben in Preußen, so auch in Solingen, fanden am 12. Januar d. I. nach Bülows ber— ühmter Wahlrcchtserklärung Protestversammlungen statt— im Kreise Solingen 11, die samt lich überfüllt waren. Nach Schluß der Versammlungen kamen Hunderte der Teilnehmer an auswärtigen Versammlungen nach Solingen ins Gewerkschaftshaus, von wo dann in den Abend- stunden ein nach Tausenden zählender Zug durch die Straßen der Stadt zog. Am 20. Januar fand die Konstituierung des Zentral- Wahlvereins statt, und wieder zogen die meisten der Teilnehmer zum Gewerkschaftshause. Am 30. Januar hatten die Sozial- liberalen eine öffentliche Protestversammlung einberufen, deren zirka 2000 Besucher zum weitaus größten Teil Sozialdemokraten ivaren. Hier war der Ort, wo den Arbeitern die erste Mitteilung von einem Brief des Oberbürgermeisters Dicke an die Gewerischaftshaus-Berwaltung gemacht werden konnte, der einen ungeheuren Entrüstungssturm entfesselte— und auch dazu sehr geeignet war. Das Dokument preußischer Kultur lautete: Der Oberbürgermeister. II. A. Nr. 962. Solingen, 29. Januar 1908. Bei den in letzter Zeit hier stattgehabten Demonstrationen gegen das preußische Landtagswahlrecht sind die Demonstranten sowohl in das Gcwcrkschaftshaus hineingezogen, wie sie sich auch in einem Falle dort gesammelt haben, um den nicht erlaubten Zug durch die Stadt anzutreten. In allen Fällen haben lärmende Kundgebungen der Massen bor dem Hause und in demselben stattgefunden, die Beamten sind aus den Fenstern und Türen und aus dem Toreingang heraus angeschrien, verhöhnt und teilweise sogar ernstlich ve- leidigt worden. Zweifellos wurden bei diesen Anläffen erheb- lich mehr Personen in das Gewerkschaftshaus hineingelaffen, als nach den Raumverhältniffcn Aufnähme finden dürfen. Ich mache Sic aus Grund Vorstehendem darauf aufmerksam, daß ich die Polizeibeamtcn angewiesen habe, für die Folge sofort dos Lokal zu schließen, wenn solche Ungchörigkeiten sich wieder- holen sollten, auch werde ich alsdann Anordnung treffen, daff der Wirtschaftsbetrieb im Eewerkschaftshause� jeden Abend um 11 Uhr. eventuell noch zu früherer Stunde geschlossen werden muß. Die Polizeiverwaltung. Ter Oberbürgermeister: Dicke. An den Wirtschafts-Konzcssions-Jnhabcr dcS Gewerkschaftshauses Herrn Hermann Kreuzer Solingen. Unsere Genossen ließen sich dadurch natürlich nicyi einschüchtern, auch weiterhin ihren Kampf um gleiches Recht mit gleicher Energie fortzuführen— im Gegenteil wurden die Versammlungen noch imposanter und großartiger. Am 16. Februar fanden im Kreise drei Protestvcrsammlungen gegen den Reichsvcreinsgesetzentwurf statt. Die Teilnehmer zogen wiederum zum Gewerkschaftshaus. es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei und dann wurde das Gc werkschaftshaus geschlossen, obwohl nur wenige Personen darin anwesend waren. Einer Kommission, die sogleich bei dem Polizeiobersten vorstellig wurde, erklärte der Herr— K i r ch e r ist sein Name— er habe sich über„die Bande" schon genug geärgert. Die Schließung des Gewerkschaftshauses wurde nicht aufgehoben und bis spät nachts standen noch einige Pickelhauben Wache. Gegen diese Willkür protestierte die Arbeiterschaft in einer ganzen Reihe von Versammlungen, die von Tausenden besucht waren, am 23. Februar— und hierbei sollen denn von den ge- nannten Genossen jene„Verbrechen"— als Redner oder Ver- sammlungsleiter— begangen worden sein, die die Anklage ihnen vorwirft. Man darf auf die EntWickelung dieses Prozesses mit Recht gespannt sein. Es wird sich zeigen müssen, ob sich ein Ge- richt herbeiläßt, die in Abwehr gegen eine flagrante Ilngerechtig- keit und dabei im eigensten Interesse handelnden„Verbrecher" zu verurteilen._ Gewerhrchaftlichee* Ein städtisches Armenamt als Arbeitswilligen- Vermittlung. In dem Orte Dobritz bei Dresden streiken die bei einem Schleusenbau der Firma Windschild u. Langelott be- schäftigten Erdarbeiter seit dem 11. April, weil die Firma sich weigert, den für Dresden und Umgegend vereinbarten tarif- mäßigen Lohn zu zahlen. Die Gemeindeverwaltung drängt auf Fertigstellung des Baues. Arbeitswillige fanden sich aber trotz aller Bemühungen der Firma nicht. Da scheint sich diese an das Armenamt der Stadt Dresden gewandt zu haben, denn eS kamen verschiedene Leute nach Dobritz mit Karten von dem Armenamt, um dort zu arbeiten. Das Armen- amt schickt Arbeitswillige, d. h. durch lange Arbeitslosigkeit in Not geratene Familienväter nach Dobritz, wahrscheinlich durch „eindringliche Ermahnungen" willig gemacht I Berlin und Umgegend« Achtung, Tischler! Obgleich während der Vertragsverhandlungen keine Eutlaffungen stattfinden sollten, maßregelte der Tischlermeister Wilhelm G r i m p e hier einen- Kollegen, weil er sich die ungehörige Behandlung nicht ruhig gefallen ließ. Die übrigen Kollegen hatten nicht minder zu leiden unter der Nervosität des Grimpe innerhalb dieser krittschen Zeit und legten sofort die Arbeit mit nieder. Grimpe hat nun durch das Strcikbrechcrburcau Genske in Moabit, Emdcuerstraße sieben Arbeitswillige erhalten, wovon sofort einer wieder ab- reiste. Die Kollegen werden dringend vor dieser Sorte Agenten gewarnt. Vorsicht ist umsomehr am Platze, als die Magd e- burger Arbeitgeber den Leipziger Schiedsspruch abgelehnt Haben und eö noch nicht klar ist, was hier geschieht. DieLokalverwaltuug Magdeburg des Deutschen Holzarbeiter-Verbandes. Die Rabitiputier, Spanner, Träger, Zementierer, Einschaler und Hülfsarbeitcr der Firma Wilhelm Soll Wedel befinden sich seit dem 26. März im Abwehrstrcik, da der Herr Sollwedcl den bei der Firma beschäftigten Arbeitern den Lohn um 5 bis 15 Pf. die Stunde gekürzt hat. Tie augenblickliche ungünstige Arbeits- gelegenheit im Berliner Baugewerbe glaubte Herr Sollwedcl doppelt ausnützen zu können und reduzierte den Lohn bis zu 15 Pf. die Stunde obwohl wir bis zum 1. Oktober 1908 noch in einem Tarifverhältnis mit dem Berliner Bctonverein stehen. Bei der Verhandlung zwischen der Organisationslcitung und Herrn Sollwedcl, loelche vor der Arbeitsniederlegung stattfand, erklärte derselbe, daß er den Lohn nach Belieben und nach Leistung zahle. Der Tarifvertrag gehe ihn nichts an, die Zeiten seien vorbei, er ließe sich von niemandem Vorschriften machen über Löhne und Arbeitszeit. Wer nicht zu den Bedingungen arbeiten will, die er festsetzt, kann gehen. Die Firma versucht nun, mit Streikbrechern die notwendigsten Arbeiten fertig zu stellen und auch noch weiter solche anzuwerben. Mit Ausnahme einzelner erhalten diese noch nicht einmal den Tariflohn. Die Firma Sollwedel bleibt un verändert gesperrt und ersuchen wir alle Kollegen, die Firma streng zu meiden. Zentralverband der Maurer. Sektion der Gips- und Zementbranche. veutkehe» Kelch. Ein Jahr im Streik beharrt haben die Arbeiter ber Großfirma Gottl'.cb Hamnicsfahr zu Fache bei Solingen. Der Streik begann im März 1907. Es traten damals gegen 250 Mcsserschlägerei- arbeiter in den Ausstand. Kurz danach wurden dann noch zirka 200 im Deutschen Mctallarbeiterverband organisierte Arbeiter ent- lassen. Außer dem Deutschen Metallarbeiterverband, in dem die Fabrikarbeiter und ein relativ geringer Teil der für Hammesfahr arbeitenden Heimarbeiter organisiert sind, verhängte auch der In- dustruicarbeiterverband die Sperre. In dem Betrieb blieben von gegen 700 Arbeitern 2— 300; es gelang der Firma jedoch, ihren Betrieb— und zuletzt fast in vollem Umfange— fortzuführen. Von den Streikenden, die zum größten Teil anderswo untergebracht werden konnten, ist nicht ein einziger zum Verräter geworden. Nunmehr ist seitens des Metallarbeiterverbandes, besonders in Anbetracht der schlechten Konjunktur, die Sperre aufgehoben worden. Der Jndustriearbeiterverband will im Streik beharren. Beendigung der Maureraussperrung in Stuttgart. (Privatdepesche des„Vorwärts".) Stuttgart, 25. April. Die Aussperrung der organisierten Maurer Stuttgarts ist beendet. In einer gestern abend statt« gefundenen Versammlung hat der Arbeitgeberbund beschlossen, vom Montag ab die Arbeitsstellen wieder offen zu halten. Die Ver» ständigung zwischen dem Maurerverband und dem Arbeitgeberbund erfolgte auf der Grundlage, daß jeder Streikfall zuerst der Maurer- organisation zu melden ist, welcher den Ausschuß des Arbeilgeber» bundes um Abstellung des Mißstandes anzugehen hat. Wird dem Verlangen nicht entsprochen, so tritt die gemeinschaftliche Schlichtung?» kommission in Funktion. HusUnd. Fachkongrcsse französischer Beamter und Lehrer. In den Ostertageu haben in Frankreich einige größere Gewerk» schastsiougrcsse getagt. Der nationale Verband der Post- Unterbeamten erklärte sich im Prinzip für den Anschluß an die Arbeitskonföderation als den lebendigen Ausdruck der proletarischen Solidarität. Er beglückwünschte auch die seinerzeit gemaßregelten Mitglieder.— In Lyon war der Kongreß des Verbandes der Lehrergewerlschaf ten versammelt. Er beschäftigte sich vor allem mit der Stellung der Lehrerschaft zu den Erziehungsproblemen der modernen Gesellschaft. Vertreter der Gewerlschaften legten die Auf» sassung des organisierten Proletariats von der Erziehung seiner Jugend dar. Auf der Grundlage dieser Reden und der Berichte verschiedener Arbeitsbörsen entwickelte sich eine Diskussion, die mit der Annahme zweier Resolutionen endete, deren erste aus- spricht, daß die gewerkschaftlich organisierten Lehrer als Ziel der Erziehung die Ausbildung aller Fähigkeiten des Kindes, also auch der beruflichen anerkennen. Es sollen zur.Erreichung dieser Ziele Enqueten bei den Arbeiterorganisationen und Lehrergewerlschaften veranstaltet werden. Die zweite Resolution erklärt, daß die Re» organisation des Unterrichts der Zusammenarbeit der Lehrerund der Eltern entspringen müsse. Ostern 1909 soll ein gemischter Kongreß der Lehrer und der Arbeitergewerkschaften dieser Aufgabe nähertreten. Ebenso zusammengesetzte Kommiisionen sollen die Gewerkschaften veranlaffen, an die Errichtung von M u st e r s ch u l c n zu gehen, an denen zu» nächst die gemaßregelten Lehrer angestellt werde» solle»._ Die Werftarbeiterausspcrrung in England. Die Arbeitgebcrvereinigung der Schiffbauindustrie gab durch Anschlag bekannt, daß die Werften der Nordostküste und die Werke am Elyde die Mitglieder der Schiffbau-Arbeitcrvereine aussperren. Von dieser Maßregel, welche am 2. Mai in Krqft tritt, werden 30 000 Arbeiter betroffen. Letzte JSadmchtcn und Depefcben« Zentralisierung. Hamburg, 25. April.(B. H.) Die Vertreter der deutschen Exportvereine haben heute hier die Gründung eines alle dies« Vereine umfassenden Verbandes beschlossen. Der Sitz wurde nach Hamburg bestimmt. Den Vorsitz bilden gemeinsam die jeweiligen Vorsitzenden der Berliner und Hamburger Exportvereine, Achtung, Sattler, Täschner, Portefeuillcr! In der Taschenfabrik von David Scheicr, Ritterstr. 32, sind wegen Einführung der Akkordarbeit bei ganz elenden Akkord- sähen Differenzen ausgebrochen. Wir ersuchen um Fernhaltung jeglichen Zuzugs von diesem Betriebe. Die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Sattler. Achtung, Friseurgehülfen! Für Mitglieder gesperrt: Ludwig, RomiNtcncr Straße 296, Brandenburg. Gubener Straße 4, Lutze, Brunnenstr. 128, Peckel, Müllerstr. 157. Verband der Friseurgehülfen. Achtung, Gastwirtsgehülfent In der Quartalsgeneralversammlung vom Freitag, den 24. April wurden die mit dem Hause Voigt, Krampenburg, de- stehenden Differenzen einer eingehenden Besprechung unterzogen und kam die Stimmung der Versammelten in der einmütigen Annahme folgender Resolution zum Ausdruck: „Die heutige Generalversammlung ist mit den vom Vor- stand in der Angelegenheit Krampenburg getroffenen Maß- nahmen durchaus cinverstandcn. Sie beauftragt denselben, alle ihm geeignet erscheinenden weiteren Matznahmen in bezug auf den„Vorwärts" sowohl wie den Gastwirt Voigt gegenüber mit Energie im Jntereffe der Organisation durchzuführen." Die Versammlung nahm ferner Kenntnis von den inzwischen stattgefundenen Einigungsverhandlungen, welche innerhalb einer Versammlung der„Vereinigung der Inhaber von Sommcrlokalen an den märkischen Wasserstraßen" stattgefunden hatten und resul- tatlos verlaufen waren,, so daß folgender, eigentlich selbstvcrständ- liche Beschluß ebenfalls einstimmig angenommen wurde: „Den Verbandsmitgliedern ist untersagt, während der im Hause„Voigts Krampenburg" bei Schmöckwitz schwebenden Diffe- renzen daselbst irgend welches Engagement, sei es für fest oder zur Aushülfe, anzunehmen. Nichtbeachtung dieses Beschlusses zieht unverzüglich den Ausschluß aus der Organisation nach sich." Herr Gastwirt Voigt bezieht seine Arbeitskräfte zurzeit von dem gewerbsmäßigen Stellcnvcrmittler Kurzmann in der c-chmidt- straße._ Verband deutscher Gastwirtsgehülfen. Bercuitw. Rcdakt.: Gcoro Tavidjohu« Berlin. Lnfcrstcntcil vcranlw.: Ttz. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr, u, Vcrlagsanftqlt Paul Singer L Co.. Borlw M. Berliner Pferdediebe. Berlin, 25. April.(B. H.) Drei Berliner Pferdediebe sind in Küstrin festgenommen worden. Dem Ackerwirt und Gärtner August Surell wurde vor einigen Tagen fein Gespann in Berlin gestohlen. Surell erlitt hierdurch einen schaden von ungefähr 2100 M. Um dieselbe Zeit wurde dem Milchhändlcr Zimmermann aus Biesdorf ein Wagen mit einem Pferd aus der Kommandanten, straße gestohlen. Die Kriminalpolizei gab Nachricht nach Küstrin, wo der nächste Pferdcmarkt bevorstand, und machte die dortige Be- Hörde aus einen Mann aufmerksam, der sich Ernst Lange nennt und mit seinen Spießgesellen wahrscheinlich drei Pferde auftreiben werde. Lange kam denn auch mit den Schimmeln zu Markt und wurde festgenommen. Ebenso wurde das Pferd des Milchhändlers Zimmermann durch Lange an den Markt gebracht. Die beiden anderen Diebe sind der Arbeiter Ballcwitsch und ein Fritz Zimmerer. Alle drei sind nach Berlin zurückgebracht worden. Die Bestohlenel� nahmen ihre Pferde gestern in Küstrin wieder in Empfang, Stürme. New Jork, 25. April.(B. H.) Ucber den furchtbaren Tornado» der gestern in mehreren Teilen der Vereinigten Staaten seine ver- heerenden Wirlungen ausübte, wird noch gemeldet: Von der Stadt Natchez wurden 64 Personen getötet, in der Stadt Amito gab es 50 Tote und ebenso viel Verletzte. In Albertville kamen 55 Personen ums Leben, während ebenso viele verwundet wurden. Der ganze nördliche Teil dieser Stadt ist wie weggeblasen. New Aork, 25. April.(W. T. B.) Nach neueren Mitteilungen nimmt man an. daß die Zahl der bei dem gestrigen Tornado in den Südstaaten umgekommenen Personen etwa fünfhundert und die Zahl der dabei Verletzten mehrere Tausend beträgt. PortSmouth, 25. April.(W. T. B.) Der Kreuzer„Gladiator" und das Paketboot„Saintpaul" stießen im Schneesturm auf der Höhe der Necdles— Kreidefelsen an der Westküste der Insel Wight— zusammen. Der„Gladiator" lief in der Nähe des Dorfes Jarmouth den Strand an. Die Mannschaft rettete sich zum größten Teil in Booten, doch fürchtet man den Verlust von etwa zwanzig Menschenleben. Lorient, 25. April.(B. H.) Ein heftiger Sturm ist heute über die Stadt niedergegangen. Feueröbrunst. Petersburg, 25. April.(W. T. B.) In der gestrigen Nacht brach in der Abuchovschen Stahlgießerei der Marineverwaltung Feuer aus, welches erst heute nachmittag gelöscht werden konnte. Vier Abteilungen der Geschützgicßerei, eine Abteilung der Geschütz- Verschlußgießerei und das ganze Zentralgebäude sind niedergebrannt. Der Schaden wird auf fünf bis sieben Millionen Rubel geschätzt. Eiscnbahn-Katastrophe. Mexiko» 25. April.(W. T. B.) Vci einem Eisenbahn- Zusamnicustoß in der Nähe von Maltrata im Staate Vcracruz sind 28 Menschen ums Lebens gekommen. Nr. 98. 25. Jahrgang. 1. Ktilage des Joniiärts" flttlititr Vslkdkll Sunntaj, 26. April 1908. ts. Parteitag der iozialdemokratiicbcn Partei Ungarns. Budapest, 24. April. Die Verhandlungen des Dienstags, Mittwochs und Donners- rags betrafen zunächst die Parteiagitation, die Parteipresse und die Organisation. Von den Anträgen, die der Parteileitung über- wiesen wurden, sind bemerkenswert die folgenden: „Der Kongreß macht es der Parteilung zur Pflicht, zur Ausbildung von Agitatoren eine Schule zu errichten, an welcher zumindest 10 Provinzgenossen teilnehmen." „Sämtliche deutschen Provinzblätter sind ein- zustellen und statt derselben wird ein Zentralblatt heraus« gegeben, welches zumindest dreimal wöchentlich erscheint." (Ein zweiter Antrag, der ebenfalls überwiesen wurde, fordert, daß das deutsche Zentralblatt sobald als möglich zum Tageblatt ausgestaltet werde.) „Der Kongreß weist die Parteileitung zur Nominierung einer Arbeiterunterrichts-Kommission an." „Die Parteileitung wird beauftragt, der Landarbeiter- bewegung die eingehendste Unterstützung teilhaftig werden zu lassen und der erste Schritt hierzu möge sein, daß die Partei- leitung die Landarbeiterbcwegung durch Bezahlung zweier ständiger Agitatoren subventionier t." Den Ortsorganisationen wurde folgender Antrag überwiesen: „Der Kongreß möge die Parteileitung anweisen, während der Wintermonate im ganzen Lande L e h r k u r s e einzuführen zu dem Zwecke, daß die Analphabetengenosscn schreiben und lesen lernen." Die Organisationsfrage, über die Genosse V u ch i n g e r referierte, beschäftigte den Kongreß einen ganzen Tag. Die Beratung des Agrarprogramms wurde wegen Mangels an Zeit bis zum nächsten Jahr zurückgestellt. Erstattet wurden die Referate über Lebensmittel- undWohnungs- Wucher(Referent E. Buching er), über den Int er- nationalen Sozialistenkongreß zu Stuttgart > Referent E. M a t o s) und über den A l k o h o l i s m u s(Referent D. Bokanyi). Dann hielt Genosse D. Bokänyi die Schlußrede. Unter lebhaften Eljen-Rufen und Absingen der Marseillaise endigte der Kongreß. «* In die Parteileitung wurden gewählt: Desidcr Bokänyi, E. B u ch i n g e r, Nikolaus Cscrvenka, Alexander E s i z m a d i a, Alexander G a r b a i, Franz K l a r i k, Geza M a l a s i t s, August Pelczcder, Ludwig T a r c z a i, Karl Bantus und Jakob W e l t n e r. In die Kontrollkommission wurden gewählt: Stefan F a r k a s, Gabriel H o r o w i tz, Franz Kittel, Karl P a y e r und Joseph Schönherr. Die däilischeu Favdprolettlrjer, ihr Verband und ihre Forderungen. Zu Aarhus hielt am Donnerstag und Freitag voriger Woche der Dänische Dienstlcutcverband(„Dansk Tyendcforbund") seinen ersten Kongreß ab. Diese junge Organisation der ländlichen Dienst knechte und Mägde zählt jetzt bereits 2000 Mitglieder. Das ist allerdings nur erst ein kleiner Teil des Landproletariats, für das der Verband bestimmt ist. Es ist jedoch vorauszusehen, daß sich dieser Verband sehr schnell und kräftig entwickeln wird, angespornt und tatkräftig unterstützt durch das gelverkschastlich und politisch organisierte Proletariat der Städte. Auf dem Kongreß waren 00 Delegierte anwesend; außerdem als Gäste Vertreter der Häusler� vrganisation, des Gewerkschaftsverbandcs, des Arbeitsmanns. Verbandes, des Dicnstmädchenverbandcs und der sozialistischen Jugendorganisation. Uebcr die Taktik des Verbandes sagte der Verbands- Vorsitzende Vestcrgaard, daß die Dienstleutebewegung nicht parteipolitisch, sondern sachlich-sozial sei, sich aber wohl früher oder später der sozialistischen Bewegung anschließen werde.„Wir müssen durchaus demokratisch sein und können weder mit den Konservativen noch mit den Liberalen etwas gemein haben, denn kleines feuilleton. Völker Asiens, wahret Eure heiligsten Güter! Diesen Alarmruf erhebt nicht irgend ein chinesisches, kalmückisches oder hindostanisches Blatt, sondern— die immer noch in Berlin erscheinende„Voss Zeitung", die sich zum Zenlralorgan der Reaktionäre aller Welt ausbildet. Sie ist denn auch liebevoll um die„Uebcrwachung der im Auslande studierenden Chinesen" besorgt. Was der selige deutsche Bund für die deutschen Studenten, das möchte die Tante Voß für die chinesischen sein. Sie begleitet die Maß- nahmen der chinesischen Regierung, die in Europa einen besonderen Studentenaufseher und Oberbonzen unterhält, mit teilnehmender Sorgfalt, ist mit ihr bekümmert, daß die besagten jungen Leute„antimonarchischen Einflüsterungen ihr Ohr leihen" und tadelt die Bekehrungsversuche an ihnen. Mit einem Worte: sie ist ostasiatisch bis auf die Knochen. Vor allem aber ist sie wahrhast erschüttert, weil die chinesischen Studenten sozialdemokratischen Versuchungen ausgesetzt sind. Sie empfiehlt dagegen ein wahrhaft klassisches Heilmittel, ein Mittelchen, das die unsägliche Erniedrigung der deutschen Bourgeoisie, den Triumph ordinärster Polizei- und Bestechungstaktiken im geistigen Kampfe be- deutet. Sie rät in allem Ernste, die chinesischen Studenten gegen die siegreiche UeberzeugungSkraft des Sozialisinus zu schützen, indem„man sie derartig mit Mitteln versieht, daß die Wahr- scheinlichkeit, sie wurden in sozialdemokratische Kreise hineingeraten, nicht groß ist." Welch' Größe der Gesinnung! Von der Höhe des Wechsels hängt die Weltanschauung ab, das ist die Quintessenz Bossischer Weisheit. Aber was von der Mehrzahl der deutschen Studenten gilt, muß ja für die Chinesen noch nicht wahr sein. Der vielgerühmte deutsche Idealismus ist offenbar zu den Ostasiaten ent- flohen. Da bleibt nur noch ein Ausweg, um die Chinesen vor der Ansteckung mit den besten und höchsten europäischen Ideen— denen des Sozialismus— zu bewahren, und entschlossen verrät der Anzeiger bürgerlicher Schmach ihn der chinesischen Regierung: Chinesische Bildungsanstalten nach fremdem Zuschnitt, wie die deutsche Medizinschule in Schanghai. Danach machen also preußische kommandierte Bildungsanstalten immun gegen den Sozialismus. Wir wissen nun endlich, wozu die deutsche Wissenschaft im Jnlande und auf Export berufen ist. Ein deutsches Bildungsorgan hat uns darüber aufgeklärt. Trotzdem ist uns um die— Chinesen nicht bange, wohl aber um die deutsche Wissenschaft, die uns statt Ehre Verachtung eintragen muß, wenn sie sich zu Polizei- und Schergen- diensten hergibt. Theater. Freie Volksbühne(im Luisen- Theater):„Mutter Erde" von Max Halbe. Erdgeruch geht von dieser Tragödie der Liebe aus. Immer, wenn Max Halbe auf dem Boden seiner altpreußischan Heimat sich bewegt, wird er beredt. Das Menschen- voll in seiner slawischen Grundmischung verleiht der Landschaft die ihm eigene schwermütige Stinlinuug. Weihevolle Tragik liegt über der Handlung. Ihr AuSklang: wenn Warkentin und Antoiuetie in die Winternacht hinaus und in den Tod reiten, atmet poetische Kraft, ist Poesie der großen Worte. Die Regie— es freut uns, dieS sage« zu können<— tvar mit Erfolg bemüht, diese beiden Parteien halten an den Vorrechten fest."— Eine Resolution wurde angenommen, die besagt, daß der Dienstleute- verband es nicht für taktisch richtig hält, sich zurzeit einer bc- stimmten politischen Partei anzuschließen. Der nächste Punkt war die L a n d f r a g e. In Dänemark gibt es ein..Häuslergesetz", durch das besitzlosen Landarbeitern ein Stück Land, in der Regel unfruchtbares Heideland, zur Ver fügung gestellt wird, welches zur Ernährung einer Familie keines wcgs ausreicht. Der Referent Joh. K. I o h a n s e n sagte mit Recht, daß dies Gesetz für die Landproletarier so wenig Wert habe, wie Wohltätigkeit zur Lösung der sozialen Frage.„Wenn über Mangel an Arbeitskraft auf dem Lande geklagt wird, so zeigte das am besten, daß es Leute gibt, die zu viel Land haben," be- merkte er weiter.„Wir müssen Land fordern für die, die es bearbeiten wollen. Die großen Lehen- und Landgüt.r müssen in den Besitz der Gesellschaft übergehen. Diese Güter sind gegründet auf Raub und Plünderung. Was für Unrecht sollte es sein, die Grafen auf das Altenteil zu setzen? Diese Frage muß gelöst werden in U e b e r e i n st i m m u n g mit de m, was die sozialdemokratische Partei fordert." Eine Resol« tion in diesem Sinne wurde angenommen. Im weiteren Verlauf des Kongresses hielt der Vertreter des dänischen Gewcrkschaftsverbandes C. F. M a d s e n einen Vortrag über die Ent Wickelung und die Lei st un gen der Gewerkschaften Dänemarks, die nun 100000 Mit- glicder zählen, im letzten Jahre 40 000 Kronen für Streiks, 300 000 Kronen für Arbeitslose us>o. ausgaben.„Die Dienstleute und die Arbeiter in Handwerk und Industrie reichen einander die Hand zu gemeinsamer Arbeit für die Hebung der ganzen Arbeiterklasse," sagte der Redner zum Schluß. Dann wurde über die Dienstleutegesetzgebung ge- sprachen und eine Resolution angenommen, die jedes derartige Gesetz, das das Gepräge eines Klassengesetzes an sich trägt, von vornljerein entschieden verwirft. Ferner beschäftigte der Kongreß sich mit der Wahlrechts- frage und forderte allgemeines, gleiches politisches und kommu- nales Wahlrecht für die Dienstleute wie für alle anderen Staats- bürger ohne Unterschied des Geschlechtes. Gleichzeitig wurde ein scharfer Protest gegen die Bestimmung des kürzlich vom dänischen Reichstag endgültig angenommenen Gemeindewahlgesetzes erhoben, die das Wahlrecht von einem mindestens zweijährigen Auf enthalt in der Kommune abhängig macht. Hinsichtlich der Lohn- und Arbeitsverhältnisse forderte der Kongreß Festsetzung einer Maximalarbeitszeit und eines Minimallohnes, die möglich gleich für das ganze Land gelten sollen; ferner daß die gemeinsamen Betten für mehrere Personen beseitigt werden, daß die Kammern der Dienstleute nicht mit den Vichställen in Verbindung stehen dürfen, und daß in einem Raum nicht mehr als zwei Leute wohnen sollen. Schließlich tvurde noch eine Resolution gegen den Alkoholismus angenommen und außerdem ein Verbot gegen die Leutemärkte gefordert. Somldrmkrlltlschrr Iugendkongrtß in Wntumlt. Ani Gründonnerstag und Karfreitag fand in Fridericia der zweite Kongreß des Sozialdemokratischen Jugendverbandes Dänemarks statt, der jetzt aus 27 Onsabreilungen mit im ganzen ungefähr 2000 Mit- gliedern besteht. Auf dem Kongreß waren 16 Abteilungen durch 32 Delegierte vertreten. Der sozialdemokratische Parteivorstand war durch den Folkethingsmann Stauning vertreten, der den Kongreß im Namen der Partei herzlich begrüßte und sagte:„Wir freuen uns über jedes Streben zur Förderung der Sozialdemokratie, über jede Arbeit, deren Ziel der Sozialismus ist. Denn die Zukunft gehört dem Sozialismus und darum ist seine Sache auch die der Jugend. Möge die Arbeit des Kongresses glückbringend wirken für die Arbeiterklasse, bahnbrechend in den Kreisen der Jugend, damit er beitrage zu einem immer innigeren Zusammenwirken aller Besitzlosen, zu energischem Kampf gegen den Kapitalismus und zur Arbeit für eine glückliche brüderliche Gesellschaftsordnung." Der Geschäftsbericht, den der Verbandsborsitzend» Andersen G a d st r u p gab, zeugte dafür, daß die sozialdemokratische Jugend- bewegung Dänemarks sich auf guter Bahn befindet, ihre Organi- sation sich kräftig weiter entwickelt, lebhaft unterstützt durch die politischen und gewerkschaftlichen Organisationen der Arbeiterklasse. den mächtigen Stimmungsgehalt der Dichtung herauszuarbeiten. Das gelang ihr dank einer vortrefflichen Inszenierung und Haupt- sächlich dank überraschender Qualitätsleistungen der Darsteller. Da ist Juliane B o h l m a n n als Hella Warkentin imposant in der un- erbirtlichen Härte und Kraft ihres Spiels wie ihrer Er- scheinung: so recht eine Darstellerin Jbsenscher Weibcharaktere, an welche Hella erinnert. Ihr vollkommener Widerpart ist die weiche, unglückliche, nun im kurzen Glücksrausch ihrer Liebe so todesmutig-opferbereite Antoinette, der Frida S t o r m einen innigen seelischen Ausdruck verlieh. Dann Kurt PauIuS: Als Paul Warkentin kann er sich wahrlich sehe» lassen! Und Elise H ü f t e l, die die Tante Klärchen mit dein Hauche herzlicher Einfalt und Güte umgab. Und Albert B l um e n r e i ch, der den Guts- besitzer von Laskowski— dies Meisterstück Halbescher Charakter- zeichnung— verblüffend echt auf die Bühne stellte: wurzelständig in Maske und Bewegung und namentlich auch im ostpreußischen Dialekt. Aber auch die meisten anderen Typen, die bei dem balh in ungezügelte Derbheit und Fröhlichkeit ausartenden Begräbnisessen auftreten, hatten charakteristisches Gepräge. Das Luisen-Theater darf sich zu seinem tüchtigen Ensemble Glück wünschen! o. K. Humor und Satire. —> Des Feuers Macht. Seit langen Wochen setzen häufige Dachstnhlbrände die Bevölkerung Berlins in Angst und Schrecken. Daß sie angelegt sind, ist zweifellos, die Polizei weiß nur nicht, von lvem. Sie sieht wieder einmal den Wald vor lauter Bäumen nicht. Weiß sie denn von der regen Tätigkeit der Vereine für Feuer- bestattung nichts? Da sie in Preußen keine Leichen verbrennen dürfen, so verbrennen sie Dachböden I Ein Zeichen bedauernswerter Schwäche ist es, daß die Regierung in Preußen jetzt nachgeben will. Die preußische Regierung kriecht bor den Feuerbcstattungs- vereinen zu Kreuze. Ein Glück ist es noch, daß sie die fakultative Feuerbestattung wenigstens an einige Bedingungen knüpfen will: Eine jede Feuerbestattung muß zwei Monate vor dem Tode bei der Polizei angemeldet werden; der Anmeldung ist das Zeugnis eines beamteten ArzteS über die Krankheit, an der der zu Bestattende sterben wird, beizufügen. Mit der Feuerbestattung haben sich der zu Bestattende, seine Aszendenten, seine Deszendenten, sein Ehegatte und seine«seitenverwandten bis zum 17. Gliede einverstanden zu erklären; die Erklärung ist gerichtlich oder notariell zu beglaubigen. Von jeder Feuerbestattung ist eine Abgabe von einer Mark für jeden bei der Verbrennung entwickelten Wärmegrad zu entrichten. Die Abkömmlinge der Feuerbestatteten verlieren auf S Jahre die bürger« lichen Ehrenrechte und auf weitere 2ö Jahre das aktive Wahlrecht. Unter dieser werktätigen Förderung durch die Regierung wird sich das Feuerbestattungswesen mächtig entwickeln I — Ein Vorschlag. Falls das„beanstandete" Virchow- Denkmal doch noch zur Ausführung gelangt, könnte ja über ihm eine große Glocke angebracht werden. Diese wird dann immer heruntergelassen, sobald eine Hofequipage in Sicht kommt. _(.Jugend.') Notizen. — Theater chronik. Am Sonntagabend 7>/z Uhr findet in der kgl. Hochschule tür Musik in Charlottenburg die Der von der sozialdemokratischen Fraktion im Folkething eingebrachte Antrag zur Ausdehnung des staatsbürgerlichen Wahlrechts auf die Frauen und die Dienstleute und zur Herabsetzung der Altersgrenze vom 30. auf das 21. Lebensjahr wurde vom Jugendverband mit aller Kraft durch öffentliche Versammlungen im ganzen Lande und durch Resolutionen, die dem Reichstag und der Regierung übersandt wurden, unterstützt. Dadurch ist in diese Wahlrechtsbewegung eine Lebendigkeit gekommen, die nicht abflauen wird, bis das Ziel erreicht ist.— Internationale Verbindungen mit den Jugendorganisationen anderer Länder haben viel zur Forderung der Verbandstätigkeit bei- getragen. Der Kongreß beschloß zunächst einige Statutenänderungen, darunter die, daß die Ortsabteilungen pro Mitglied monatlich 10 Oere an die Verbandskasse zu zahlen haben, und daß dafür das Verbandsorgan„Fromad"(„Vorwärts") sämtlichen Mitgliedern unentgeltlich geliefert wird.— Ferner wurde beschlossen, wenn möglich gemeinsam mit den Gewerkschaften überall Agitation zur Aufklärung der Lehrlinge über die sozialen Verhältnisse zu entfalten sowie auch mit Hülfe der Organisationen, der Presse und der Reichstagsfraktion den. Mißbrauch, den Arbeitgeber mit ihren Lehrlingen treiben, entgegenzuarbeiten und für die Durch- führung eines Lehrlings schutzgesetzes zu sorgen.— Ein anderer Kongreßbeschluß verpflichtet die Verbandsmitglieder, sich, sobald sie dazu imstande sind, der politischen und gewerkschaftlichen Organisation anzuschließen. Dem Verbandsvorstand gab der Kon- greß anHeim, für Errichtung einer Wanderbibliothek zu I argen. Außerdem sprach der Kongreß seine wärmste Sympathie für die Antialkoholbestrebungen aus. Als Verbandsvorsitzender wurde Typograph Andersen« G a d st r u p einstimmig iviedergewählt, ebenso als Redakteur des „Fromad"._ Soziales. Reform des KnappschaftSstatutS. Eine außerordentliche Vorstandssitzung des allgemeinen Knapp« schaftsvereins beschloß, die Einigungsvorschläge der Aeltesten anzu- nehmen und auf die Tagcsordmmg der am 20. Juni stattfindenden Generalversammlung zu setzen._ Kampf um die Rente. Am t, Mai 1903 starb der Steinbrecher U h l i g in Euba bei Chemnitz an allgemeiner Blutvergiftung. Nach der Angabe der Witwe hatte sich U. kurz vor seinem Tode bei der Arbeit eine Hodenverletzung zugezogen, die sie als Ursache der Blutvergiftung und des folgenden Todes bezeichnete und auf Grund dieser Tat- fache Hinterbliebenenrente forderte. Die Berussgenossenschaft lehnte jedoch den Anspruch ab und die von der Witive dagegen erhobene Berufung wurde vom Chemnitzer Schiedsgericht verworfen. Der Rekurs an das Reichsversicherungsamt hatte den Erfolg, daß die Sache wegen Unterlassung der Befragung aller Aerzte, die U. be- bandelt hatten, an die Verufsgenosienschaft zurückverwiesen wurde. Bei dem weiteren Verlauf der Dinge stellte sich heraus, daß bei der Sektion die Spuren einer Fingerverletzung zu bemerken gewesen waren und die Wahrscheinlichkeit, daß diese die Veranlassung der Blut- Vergiftung und des Todes gewesen, wurde durch die in dieser Richtung angestellten Erörterungen zur Gewißheit. Es gelang auch der Nach- weis, daß ein Betriebsunfall vorligc. Nach Prüfung aller in Betracht kommenden Umstände und Gutachten der Aerzte gelangte nunmehr das Chemnitzer Schiedsgericht zur Berurteilimg der Beruss- genossenschaft zur Rentengewährung ab 1. Mai 1S0S. Den Hinter- bliebenen wird nun die bisher fällige Rente— etwa 2000 M.— auf einmal und die laufende Rente— jährlich etwa 600 M.— aus- gezahlt.— Das ist einer der vielen, von den Arbeiterselretariaten mit Erfolg behandelten Fälle._ Der Umfang der Strafanstaltsarbeit. DaS„Reichsarbeitsblatt" beschäftigt sich in der Märznummcr mit den Handwerkerfragcn bei Vergebung öffentlicher Arbeiten. Der Artikel gibt bei der Besprechung der Konkurrenz durch die Strafanstaltsarbeit Daten über den Umfang derselben. Am 1. De- zember 1905 waren in den deutschen Gefangenenanstalten 83 005 Gefangene, 79 377 Männer und 8628 Frauen, untergebracht. Von 09 797 Gefangenen mit zugewiesener Arbeit waren am meisten Erstaufführung des Lustspiels„Mr. Pickwick und seine Freunde", nach dem Dickensschen Roman von O. R. Notowitsch statt.— Henri de Vries hat im L u st s p i e l h a u S sein Gast- fpiel um 14 Tage verlängert.„Der Brandstifter" bleibt neben dem neueinstudierten Schivank„Sein Alibi" auf dem Re- pcrtoire.— Das Neue Theater bringt am Donnerstag die Groteske„R amon der Abenteurer" von Ernst Prange und Willi Rath, eine Persiflage auf die Kriminalstücke, zur ersten Ans- sührung und beginnt damit die Sommersaison, für die die Preise der Plätze bedeutend ermäßigt sind. — Vorträge. Im Auftrage des DeutschenMonisten' Bundes spricht M. H. Baege am Montag, den 27. April, 8'/« Uhr, in den Sophien-Sälen, über daS Thema:„Wie ist der Mensch e n t stände n." Nach dem Vortrag Diskussion. Abend- lasse 30 Pf., im Vorverkauf- bei den Gewerkschaftsvorständen usw. und bei der Geschäftsstelle des D. M.-B. 25 Pf.(Kursürstenstr. 167.) — Am Donnerstag, den 30. April spricht im Vortragssaal Kur- fürstenstr. 107, Herr Dr. Karl Reimer über„Freiheit in der Natur." Diskussion. Gäste haben freien Zutritt. — Ermäßigte Eintrittskarten zur Ausstellung d e r S e z e s s i o n(23 Pf. statt 1 M.) stehen auch in diesem Jahre den Mitgliedern der Gewerkschaften zur Verfügung. Die Vorstände können die Karten im Bureau der Gcwerkschaftskommisston oder des Gewerkschaftshauses in Empfang nehmen. Einzelne Karten werden im Zigarrcngeschäft von Horsch(GewcrkschastshanS) gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches verabfolgt. — Der achte Jupitermond. Vor wenigen Jahren noch war die Zahl der bekannten Trabanten des Jupiter auf vier be- schränkt, dann aber folgte die Entdeckung von weiteren Monden rasch aufeinander und jetzt ist von Melotte noch ein achter Begleiter dcS Jupiter aufgefunden worden. Zunächst wurde dieser neuen Ent- deckung in Fachkreisen ein Zweifel entgegengebracht, der jetzt durch die Beobachtung an der Sternwarte in Greenwich gehoben zu sein 'cheint. — Der ersteinternationaleKongreß für erste Hülfeleistung und Lebensrettung wird zu Pfingsten in Frankfurt a. M. abgehalten und, wie die Besprechungen in der Fachpresse zeigen, auch vom Ausland stark beschickt werden. Die Arbeiten des Kongresies werden aus folgende zehn Sektionen ver- teilt werden: die erste ärztliche Hülseleistung, die Ambulanz in Städten, die Ambulanz in Industriezentren und kleinen Gemeinden. die Ambulanz auf dem Lande, die Ambulanz zur See und ans Binnen- und Küstengcwässern, die Ambulanz in Bergwerken und ähnlichen Plätzen. Hülseleistung durch die Feuerwehr, die Ambulanz im Gebirge, endlich die Beziehung der Ambulanz zur sportlichen Betätigung. — Dos Esperanto ist von einem aus namhaften Gelehrten der ganzen Welt gebildeten Komitee, das die„Vereinigung für Be- ftimmung einer internationalen Hülfssprache" eingesetzt hatte, im Prinzip als internationale Hülfssprache angenommen worden. Einige für notwendig befundene Verbesserungen und Vereinfachungen hat das Komitee bereits vorgenommen. DaS Esperanto ist damit als w i s s e n s ch a s t l i ch e Hülsssprache anerkannt, freilich nur von der Vereinigung, die nur einen kleinen Teil der wissenschaftliche» Welt umfaßt. (MM= 12,1 Proz.) in der Schkeidcrci beschäftigt. Sonst beschäftigen die Gefängnisverwaltunacn die Gefangenen gern mit häuslichen Diensten(6Z45—!t,4 Pro',.), mit Tütenkleben und Papparbciten (6,8 Proz.), mit Landeskultur und sonstigen landwirtschaftlichen Arbeiten(44b<1 K>j Proz.), mit Tischlerei(3364= 4,7 Proz.), Korbmachcrei und Strohflechterei<2670— 3.6 Proz.), Stricken mit der Maschine und der Hand und Häkeln(2528= 3,6 Proz.), Fabrikation von Filz» und geflochtenen Schuhen(2337— 3P Proz.), Holzhaucn(2008= 3 Proz,), Nähen mit der Hand und mit der Maschine(2092= 3 Proz.), Schuhmacherei, Schäftcmachcn(2018= 2,0 Proz.), ferner mit Sortieren von Hülsenfrüchten u. dergl., Weberei, Bürsten- und Besenfabrikation, Wäscherei, Kartonnagen- usw. Fabrikation. Buchbinderei, Spulen und Federreiben, Zupfen von Haar, Tau und Wolle. Anfertigung von Hanstaschcn, Zigarren- Herstellung, Pantoffelmachcrei, Bauarbeiten, Mattenweberei, Knopf- fabrikatiou, Tabakrippen usw. In sonstigen Beschäftignngszweigen waren je weniger als 1 Proz. beschäftigt. Die Gefängnisarbeit greift also in fast alle Arten der Beschäftigung, und nicht bloß der ungelernten ein. Dabei stehen die Arbeiten der Gefangenen für Unternehmer an erster Stelle: 27 039 Gefangene arbeiten für solche. Für die Gesängnisbcrwaltung sind mit Haus- oder sonstigen Ar- beiten 15 408 beschäftigt, für andere Staatsverwaltungen und Staatsbetriebe 11 505. Für Äommunalvcrbände und Genossen- fchastcn mit Staatsunterstützung arbeiten nur wenige(440 bezw. >778) Gefangene. Die Gefangenen stehen den Unternehmern gegen außerordentlich geringes Entgelt zur Verfügung: es ist daher eine berechtigte Forderung der Handwerker und Arbeiter, daß bei Bcr- gebung von Arbeiten für den Staat oder andere öffentliche Körper- schaften solche Unternehmer ausgeschlossen werden, weil sie imstande sind, Arbeiten zu Preisen anzubieten, die in ofsenbarem Mißvcr- hältniö zu der betreffenden Leistung stehen, zu Preisen, für die ein auf Erwerb angewiesener Mann unmöglich arbeiten kann. In manchen staatlichen wie kommunalen Vertragsbedingungen be- stehen solche Klauseln, die bei Submissionen Angebote ausschließen, welche eine im offenbaren Mißverhältnis zu der betreffenden Leistung oder Lieferung stehende Preisforderung enthalten, so daß nach dem geforderten Preise an und für sick eine richtige Ausführung nicht erwartet werden kann. Die Gefangenenanstalten sind nicht dazu da, den sie mit ihren Steuergcldern erhaltenden Staatsbürgern Schleuderkonkurrenz zu machen. Will man die Arbeit der Opfer der Gesellschaft nutzbar machen, so sorge man da- für, daß solche Preisunterbietungen ein für allemal durch Verbote unterbunden werden. Entweder ist die Gefängnisarbeit wie jede andere nach ihrem landläufigen Werte zu bezahlen, oder die Ar- beitskraft des Strafgefangenen soll nur StaatSzwecken dienstbar gemacht werden. Achtichr-Lndeuschluß in Hamburg. Durch Verordnung des Senats tritt an, 1. Juli 1008 im Staate Hau, bürg der Achtuhr-Ladenschluß in Kraft sür all- Geschäfte mit Ausnahme der Lebensmittel-, Tabak- und Zigarrenläden. Die sozialpolitischen Forderungen der Zeichner. Der Deutsche Zeichnertag. der am zweiten Osterfeiertag in Dresden tagle. stellte folgende sozialpolitische Forderungen aus: rechtliche Gleichstellung aller kunstgewerblichen Zeichner, rechtliche Gleichstellung der kunstgewerblichen mit den kaufmännischen An« gestellten hinsichtlich der Gehaltszahlung am Monat Sschlussc und der Abzüge vom Gehalt: Weiterzahlung deS Gehalts bei militä- rischen Hebungen bis zur Dauer von acht Wochen: Verbesserung des Zeugnisrechts: Abschaffung der Konkurrenzklauscl und der so- genannten heimlichen Koukiirrenztlausel: Schafsung einer staat- lichen Penstons- und Himerbliebenen-Versicherung für die Privat« angestellten durch de» Ausbau des JnvaUdenversichcrungSgesetzes. im Zusammenhang damit Erhöhung der Gehaltsgrenze in der 'Kranken- und Unfallversicherung: ferner Verbesserung des Ilr- heberrecksts zugunsten der Angestellten, gesetzliche Einführung des Höchstarbeitötages von acht Stunden und Verbot der Sonntags- und Ieiertagsarbeit: Reform des kunstgewerblichen SchulweienS unter Mitwirkung der Vertreter der«crusSorgamsation., Huo Inckultrie und Bandet. Das Privateigentum heilig, öffentliche Kassen vogelsrei! DaS Reichsgericht hat in kurzer Folge in bezug auf Preis- derabredungen bei Submissionen zwei entgegengesetzte Eni- �'�Jn�Breslm" hatten sich die Unternehmer vereinigt, um bei den städtischen Tiefbauarbeiten für l006/0? die gegenseitig« Konkurrenz auszuschließen und höhere Preise zu erzielen. Der Unter« nehmer, der eine Arbeit aus Grund der jedesmal vorher getroffenen Preisvereinbarung erhielt, mußte 5 Proz. der Vertragssumme zur Vertetluug unter die anderen Unternehmer zahlen. Ein Unter- nehmer verweigerte die Zahlung: er machte geltend, ein derartiger Vertrag verstoße gegen die guten Sitten. DaS Obcrlandesgericht Breslau sowie das Reichsgericht fanden jedoch>>> den Abmachungen keinen Verfloß gegen die guten Sitte», Das ReiähSgericht machte Hierzu folgende Ausführungen: � „Seitdem es in Staat und Gemeinde üblich geworden ist. Arbeiten auf Grund öffentlicher Ausschreibungen an Mindest. fordernde zu vergeben, bildet die dadurch entfesselte schranken. lose Konkurrenz durch unreelle Uutevbietuugen eine schwere Ge- fahr für dm Hal>d>oerlersta»d. Vereinbarungen von Unter- nahmern. die bczivecke». die Gefahr zu bekämpfen und an. gemessene Preise aufrechtzuerhalten, sind grund, atzlich als zu- lässig anzusehen. Sie sind so wenig-gegen die guten Sitten verstoßend, daß sie von, Standpuillte euier gesunden WirtschaftS- Politik im Gegenteil Billigung verdienen.---" Diese Ausführungen des Reichsgerichts sind teilweise zu billigen, sie treffen aber nicht den Kern der Sache. Die PmS- vereiiibarungeii haben doch nicht nur den Zweck, angemessene Preise zu erlangen, sie dienen vielmehr dem Zweck, denjenigen Unter- nehmern die formell mitsubmitlieren, die aber tatsächlich keine Arbeit leisten, eine„Entschädigung", die oft in die Tansenbe geht. zuzuwenden. Außerdem schlägt der ArbeitauSsührcnde— wie tu vielen Fällen erwiesen— sür sich noch einen Extraprosit darauf: «r weiß ja, Koulurrcnz ist ausgeschlossen. Darüber, ob dieser Extraprofit und der aufgeschlagene Betrag, der an die„Mit- isubmittenten"— ohne jede Gegenlei st ung— gezahlt wird, mit unter die„angemessenen Preise" füllt, sagt das Reichs- gericht nichts. t Unseres Erachtens vcrstoßenPreiSvcrabredungen, durch die eine Arbeit nicht nur um den Extraprofit des ausführciidm Unternehmers über den angemessenen Preis hinaus verteuert wird, sondern wodurch auch anderen Personen ei» unberechtigter Vcrmögensvorteil zugeschanzt wird, nicht nur gegei, die guten Sitten, sie weisen alle Merkmale des Betruges auf. Da« Reichsgericht hat aber auch eine ganz entgegengesetzte Entscheidung gefallt. Während cö sich in der vorstehend be- handelten Sache um die Schädigung einer Gemeinde, einer öffent- lichen Kasse, handelt, kommt bei de», zweiten Fall ein Privat- kapitalist in Frage. Und das ist etwas ganz änderest DaS Reichsgericht sagt in de», ersten Urteil: „Die Behörde, die einen Wettbewerb veranstaltet, hat keinen Anspruch darauf, Geschäftsgeheimnisse der Unternehmer oder die für die Stellung der Offerten bestimmenden Umstände zu erfahren. Auf eine Täuschung ist es dabei nicht notwendig ab- gesehen, und wem, wirklich einmal ein Beamter durch solche Geheimabreden irregeführt werden sollte, so hat er es sein er eigenen schuldhaftcn Unkenntnis der wirtschaftlichen Verhältnisse zuzuschreiben." Im zweiten Falle wollte ein Privatmann einen Bau aus- -führen und forderte acht Unternehmer zu Prcisoffertcn auf. Auch hier einigten sich die beteiligten Unternehmer dahin, daß einer von ihnen dos Mindcstangcbot mit 180 000 M. abgeben sollte. Die -andere» sollten dafür, daß sie höhere Preis« abgaben, je 3 000 M. Mulwk HuttÄ! sägt das Rel.chSgexi.cht; „Diese Vereinbarung mußte nach§ 138 des Bürgerlichen Gesetzbuches als gegen die guten Sitten verstoßend rcprobicrt werden."—---- Demnach können die öffentlichen Kassen geplündert, das heilige Privatkapital dagegen muß geschützt werden, Und das von Rechts wegen l_ Euq der frauenbey?egung. Genossinnen! Der Wahlkampf hat begonnen I Dieses Mal gilt eS nicht nur der Eroberung einiger Mandate für den preußischen Landtag, sondern der Kampf zielt auch auf die Beseitigung des Geldsackswahlrechts. DaS Ringen um die Erreichung des volle» Bürgerrechts für Männer und Frauen wird im Wahlkampf fortgesetzt. Genossinnen I Ihr müßt dazu beitragen, daß die Macht der Reaktion beträchtlich verringert wird. Das Bollwerk der Volks- entrechtung muß niedergerissen, die Tribüne des preußischen Landtages von wirklichen Volksvertretern bestiegen werden. Die alters» schwache, sich Volksvertretung nennende Einrichtung Friedrich Wilhelms IV. bedarf dringend der Zuführung neuen Blutes. Auch innerhalb der„geheiligte» mäume" des Geldsacksparlaments soll es der besitzenden Klasse gesagt werden, wie mau das Volk entrechtet und geknebelt hat. Die Frauen in ihrer Gesamtheit haben heute noch viel weniger Rechte als die Männer der besitzlosen Klasse, sie haben überhaupt kein Wahlrecht. Ihr Frauen, empfindet die Schmach, für politisch Unmündige gehalten zu werden! Werdet Euch der Pflicht bewußt, im Verein mit den» klassenbewußten Proletariat kämpfen zu müssen für das Recht der Arbeiterschaft, für die Einführung deS allgemeinen, gleichen, direkten und g e h e i n, e n W a h l r e ch t S für alle Großjährigen. DaS weibliche Proletariat ist unter dem Drucke der Ausbeutung und Entrechtung erwacht, eS fühlt längst die Fesseln und den brennenden Wunsch, diese der Gesellschaft zerbrochen klirrend vor die Füße z» werfen. Und diesem Wunsche entspringt der Wille zur Tat, der rastlosen Mitarbeit im Wahlkampf. Der Gedanke der Be- freiung dcö Proletariats muß aber noch viel tiefer und weit« verzweigter Wurzeln schlagen, als bisher geschehen. Immer neue Massen müssen in die Bewegung hineingerissen werden. Nur Einig- keit macht stark, nur Einmütigkeit führt zunt Ziel l Genossinnen! Die vielen, die noch nicht« von der befreienden Kraft des Sozialismus ahnen, holt heraus aus der Flnsternis. Bringt sie mit in die am Dienstag, den LS. April, stattfindende» Versammlungen. Hier wird den uns noch Fernstehenden gesagt werden, welche Forderungen wir an den Staat stellen. Sie sollen lebendig gemacht werden für den Kampf zur Eroberung der Rechte, die man den Pflichtbeladenen noch vorenthält. In den„Prachtsälen des Ostens", Frankfurter Allee 153/153, spricht Genossin Martha Tietz über das Thema:„Welches Interesse haben die Frauen an den Aufgaben des preußischen Land» tages?" Im„Moabiter GesellschaftshauS", Wiclefstr. 24. referiert Ge- nossin Klara Wetzl. Das Thema lautet:„Der Kamps der Fraue» um ihr volles Bürgerrecht gegen die Macht der AnS- beutenden." Fraueit, erscheint zahlreich in diesen Versammlungen. __ Die Vertrauenspersonen. Sozialdemokratischer Franen-Wahlverein. Auf die an, 10. April erfolgte Anmeldung des WahlvereinS der Frauen Berlins und Umgegend ist vom Polizeipräsidenten die Ant- ivort eingelmifen, daß die Gründung unzulässig sei. Der Verein ist somit nicht als bestehend zu betrachten, bis am IS. Mai das neue Vereinsgesetz in Kraft tritt, da» auch Frauen das Recht der politi- schen Organisation gibt, und kein polizeiliches Verbot den Frauen hindernd in den Weg treten kann.. Versammlungen— Veranstaltungen. Lichtenberg. Montag, den 27. April, L>/z Uhr, im„Schwarzen Adler", Jnh. Gebrüder Arnhold, Frankfurter Chaussee 5: Vortrag des Herrn Walter Zimmermann:„Aus den» Zeitalter der Renaissance". Treptow— Vaumschulenweg. Dienstag, den 23. April, 8'/a Uhr. bei Schmidt, Treptow, Kiefholzstraße 22: Vortrag. Fräulein Gertrud Hanna:„Welches Interesse haben die Frauen an der Kommunalpolitik?"_ Gerichts-Zeitung. Scharfmachers Ende. Mit an erster Stelle im Kainpfe gegen die Arbeiterbewegung tand seit Jahren in Güstrow in Mecklenburg der Kaufmann Paul Nickel. Zweifellos seiner besonderen Fähigkeiten wegen avancierte er zum Vorsitzenden des Arbeitgeberverbandes im Schncidergewerbe und nicht schlecht wetterte er gegen die Unverschämtheit der Arbeiter, Lohnzulagen und Arbeitszeitverkürzung zu verlangen. Er selbst ver» stand es meisterlich, den ihm dadurch entgangenen höheren Profit auf andere Weise zu ergänzei». Wie uns ein Privattelegramm aus Güstrow meldet, verurteilte die dortige Strafkammer den Scharf- macher wegen Untreue, Betruges, Niiterschlaguiig und WechselfSlschuug zu fünf Jahren Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte Zucht- haus beantragt. Die Unterschlagungen und Wechselsälschungen be« laufen sich auf zirka 100 000 Mark. Eine nette Zierde des Arbeitgebcrverbandes I Das heilige Eigentum. Die zu ihrem Unglück innerhalb 10 Jahren zweimal wegen Diebstahls vorbestrafte Ehefrau Rosine Piofka auS Bolzum, ließ sich am 15. Januar d. I., als sie ihrem Ehemann nach der Portlaud« Zementfabrtt„Germania" in Misburg das Essen brachte, hinreißen, einige umherliegende Stückchen Kohlen in ihren Korb zu sammeln. Die aufgelesene» Kohlenstücke hatten einen Wert vou 10 Pfennigen. Der Diebstahl wurde bemerkt und die Frau zur Anzeige gebracht. Da Diebstahl im Rückfalle in Frage kommt, mußte die Frau mindestens zu 3 Monaten Gefängnis ver- urteilt werden: diese wurden von der Strafkammer Hannover auch gegen sie erkannt. Wegen einiger Brocken Kohlen drei Monate Gefängnis. Dem Buchstaben des Gesetzes-nach hat das Gericht auf eine niedere Strafe nicht erkennen können. In seiner Wirkung aber ist das Urteil ein ungeheuerliches. Schließlich muß doch eine Strafe wenigstens in annäherndem Verhältnis zur Straftat stehen, und mindestens zweifelhaft ist e«. ob der armen Verurteilten bewußt war, daß sie mit den. Auflesen der herumliegenden Kohlenstückchen Diebstahl begeht. Aber--- das Eigentum muß geschützt werden I „DaS ist nicht mein Revier!" Zwei„SonntagSeinbrccher", die durch die Tapferkeit eines Schneiders dingfest gemacht ivcrden konnten, wurden gestern der 7. Strafkammer des Landgerichts I vorgeführt. Wegen gemein- schaftlichen schweren Diebstahls und Körperverletzung waren der Schlächtergeselle Josef Kahn und der Kutscher Franz Irre angc- tlagt.— Am Sonntag: der.- 8. Marz, gegen(1 Uhr nachmittags, saß dxr SchMidep syi fem SfßJtgf.KüJüUit&£ Lorndorjcr Straße gelegene» Wohnung und sah, wie zwei Männer in daZ gegcuül'erliegeiidc Geschäft eines Kaufmanns Talchow einbrache». Er verständigte den Kaufmann von dem Vorhaben der Diebe und postierte sich in Gemeinschaft mit D. und dessen Schwiegermutter vor das Geschäftölokal. Die beiden Diebe versuchten, durch An- Wendung von Messern und Schlagringen durchzuorcchcn, Iva» einem auch gelang. Als auf der Verfolgung des Diebes Erpel einen Schntimann aufforderte, sich an der Verfolgung des Diebes zu l-eteiligen, antwortete ihm der Beamte in aller Gemütsruhe:„Das ist nicht mein gtevier, das geht mir nichts mehr an!" Ter Flucht- liug konnte schließlich von Passanten, die auf die Rufe des E. auf- merksam geworden waren, gestellt lverden. Auf der Polizeiwache cutpuppteu sich die Festgenommenen als der schon wiederholt vor- bestrafte jetzige Angeklagte Kahn und der Kutscher Irre. Das Urteil der Strafkammer lautete gegen crsteren auf 1 Jahr und (i Monate Gefängnis, gegen Irre, mit Rücksicht auf seine bisherige Unbescholteuhcit, auf 0 Monate Gefängnis. Boykottposteustchen und grober Unfug. Der Gastwirt Schneider in S t e i n k i r ch e n bei Lübben hatte der organisierten Arbeiterschaft sein Lokal für Versammlungen verweigert. Es wurde deshalb boykottiert. Der Durchführung des Boykotts diente die Verteilung von Flugblättern und daS Aus- stellen von Botztottpostei». In den Tagen der Kirmcß wurde diese Agitation besonders lebhaft betrieben. Die Behörden verschnupfte das und die Folge war ein Strafverfahren gegen„Wagner u. Gen.". Das Landgericht KottbuS als Berufungsinstanz verurteilte 13 An- gellagte wegen grobe» Unfugs und führte unter anderem aus: Eine.Gruppe von etwa zehn Personen habe an den Kirmeßtagen das Haus umstauden, so doß eS einer belagerten Festung geglichen habe. Die Teilnehmer der Gruppe hätten geivechselt, vie Gruppe selbst fei aber dort gebliebe». Alle Angeklagten hätten sich dort auf- gehalten, niit Ausnahme von Keller und Grög. welche Flug- blätter verbreiteten. AuS der Gruppe herau» seien nun Aufforderungen an das Publikum, auch an Ortsfremde,«rgangeu, daS Lokal zu meiden. Nicht nur Schneider habe das als unzulässig empfunden, sondern auch das Publikum habe sich belästigt gefühlt. ES hätten sich zu», Beispiel mehrere Personen, darunter Ortsfremde, an den Gendarm mit der Frage gewandt, ob sie sich das gefallen lassen müßten. Ii» der Gastwirtschaft deS Schneider hätten eine ganze Anzahl erklärt, sie trauten sich kaum noch hin, weil sie Angst hätten, eS geschehe ihnen etwas. Di« äußere Ordnung der Straße sei auch durch das Verhalten der Gruppe gestört worden. Es liege grober Unfug vor. Wenn nun Keller und Grög auch nicht zu der Gruppe gehört hätten, so hätten sie doch zu demselben Zweck und mit Bewußtsein der Mitarbeit der Boykottposten ihre Flugblätter verteilt. Die Angeklagten legten Revision ein, die bor dem Kammer- gericht durch Rechtsanwalt Dr. I. Herzfeld vertreten wurde. Der zweite Strafsenat des KammergcrichtS verwarf die Revisionen mit folgender Begründung: Der Senat sei onch jetzt noch der Ansicht, daß der Boykott an sich nicht strafbar sei, sondern daß es auf die Mittel ankomme, mit denen er bewerkstelligt werde. In einem, von, Anwalt erwähnten früheren Falle, wo der Senat auf Freisprechung erkannte, sei ausdrücklich sestgeltellt gewesen, doß die Zettelvertciler ,n jeder Weise ruhig und höflich dem Publikum entgegen gekommen seien und daß eine Belästigung nicht stattfinden konnte. Hier sei entgegengesetzt festgestellt, daß das Publtkum nach jeder Richtung hin belästigt worden sei. Es sei nicht angängig, die Tat zu trennen und zu sagen. einerseits seien Leute auf- gefordert worden, nicht in das Lokal zu gehen und anderer- seitS sei man auf und ob patrouilliert. Da» seien hier eben nicht verschiedene Taten. Die ganze Handlung sei eine einheitliche zu dein Zweck, zum Boykottieren des Lokals auf- zufordern. Und diese Aufforderungen seien in einer Weise ergangen, daß sie das Publikum belästigt hätten. Die Leute hätten Angst ge- kriegt, daß sie geschlagen werden könnten. Da» sei eine grobe Be- lästioung. Grober Unfug liege vor. Auch Grög und Keller seien mit Recht bestraft. Sie hätten nicht bloß Zettel verkeilt, was sie an sich hätten tun können. Es stehe fest, daß sie bewußt und gewollt mit den anderen zusammen gewirkt hätten, daß sie im Bewußtsein der Mitarbeit der anderen Zettel verteilt hätten. DaS heißt, sie hätten die Tat der anderen auch als ihre gewollt und die anderer durch die Flugblätterverteilung unterstützt. Sie seien mit Recht als Mttüter angesehen worden._ Versammlungen. In einer Versammlung der Lithographen sprach Genosse Eduard Bernstein über Unterschiede zwischen der englischen und deutschen Gewerkschaftsbewegung. In seinen Ausführungen zeigte der Referent den Anwesenden in leichtverständlicher Weis«, wie es gekommen ist, daß sich die eng- lische Gewerkschaftsbewegung im Gegensatz zur deutschen, seit ihren Beginn in anderen Bahnen bewegt hat. Während in Deutschland von Anfang an eine starke Strömung nach Zentralisation vor- Händen gewesen sei, welche schon seit langen Jahren bei allen Gewerkschaften durchgeführt ist. bestehen noch heute in England zirka 1100 selbständige Organisationen. Wenn auch diese heute miteinander durch Vereinbarungen zum größten Teile miteinander verbunden sind, so sei doch diese Verbindung auf föderativer Grund- läge vollzogen und nicht so innig wie in Deutschland. In England seien die örtlichen Zahlstellen bezw. OrtSvereinc gegenüber der Zentrale mit viel größerer Selbständigkeit verschen; sie sind in letzter Linie die höchste Instanz, während bei uns die Haupt- vorstände bezw, die Generalversammlungen de» GesamlverbandeS daö letzte Wort in allen wichtigen Fragen haben. In bezug auf die politische Betätigung I>abe sich in England in den letzten Jahren eine erfreuliche Wendung bemerkbar gemacht. Auch der englische Gewerkschaftler komme langsam zu der Einsicht, daß die politischen Interessen nut durch ein reine Arbeiterpartei wirksam vertreten werden könnten. Die Ausführungen des Genossen B e r n- stein wurden mit reichem Beifall aufgenommen. Der Verband der Maler hielt am Donnerstag feine General- Versammlung im Gewerkschaftshause ab. Der Gewerkschaftöselretär R. F e n d e l hielt zuerst einen Vortrag über das Thema:„ReichS- verband gegen Sozialdemokratie", der sehr beifällig aufgenommen wurde. Eine Diskussion fand nicht statt. Die Abrechnung von, 1. Quartal 1008 lag den Mitgliedern ge- druckt vor. Danach hatte die Hauptkasse eine Einnahme voi, 15 290.00 Mark, die Filialkassc(inkl. Kassenbestond vom 4. Quartal 1907 im Betrage von 00307,81 Mark) eine Einnahme von 67 982,21 Mark zu verzeichnen. Die Ausgaben der Hauptkasse betrugen 15 379,10 Mark. Darunter steht die Krankenunterstützimg mit 6 066,65 Mark verzeichnet. Die Ausgaben der Filialkassc betrugen 6 694,26 Mark. Die Gesamtbilanz ergibt demnach eine Einnahme von 83 272.31 Mark, eine Ausgabe von 20973,35 Mark, einen Bc- stand also von 02 299,40 Mark. Der Borsitzende machte die Versammelten darauf aufmerksam, daß cö für die M a i s e i e r am zweckmäßigste» sei. in einer Werlstattsitzung dazu Stellung zu nehmen, um mit der nach dem Statut erforderliche» Mehrheit die ArbeitSruhe zu beschließen. Ferner wies der Vorsitzende auf die Agitation für die Landtagölvahlcn hin und ermahnte zur Anteilnahme daran. I Ceffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Bc- Nutzung für jedermann, 8W., Alcxandrinenstr. 26, Geöfstiet täglich von 6Va—10 Uhr abends, an Sonn- uns Feiertagen von S— l und 3— S Uhr. In den LesesSlen liegen zurzeit 51» Zeitungen und Zettlchriften jeder Art und Richtung auS.— Die LluSleih-Bibliothet ist bis aus weiteres geschlossen. Slllgenietn« Aainilten-Stert'etasie. Heule Zahltag Ackerslr. 123 bei Wiesciithal und Mariannenstr. 48 bei Liebehenschel von 3— S Uhr. Berel» der Lehrlinge, jugrudliche» Arbeiter und Arbriterinnen Berlins und Umgegend. Heute nachmittag 2'/, Uhr, tn den neuen »Armtnhallen", Kommandantenstr. 68/59: Eencralversammlung. Genoffinnen! Genossen! Am Dienstag, den 28. April, abends 8 Uhr: 2 Uilks-UtchmmlmM In den Prachtfäleu des Ostens, Frankfurter Allee 152/S3: Tagesordnung: Welches Interesse haben die proletarischen Frauen an den Ausgaben deS preußischen Landtages. Rcserentin: Genossin Zl«»'tda TIctz. 1/14* Im Moabiter Gesellschaftshans, Mitlefstr. 24 n. Emdenerstr. 34/35: Tagesordnung: Der Kamps der Frauen um ihr volles Bürgerrecht gegen die Macht der AuS' beutenden. Referentin: Genossin Klara Weyl. Genossinnen I Trotzdem man bemüht ist. den Frauen die gesetzlich dokumentierte politische Unsreiheil bis aus den letzten Augenblick fühlen zu lassen, indem man imS noch aus drei Wochen in die Schranken des alten Vcreinsgesctzcs zurückverweist, erscheint zahlreich in diesen Versamnilungen. Zeigt durch Euer Erscheinen, daß Ihr politischen Dingen nicht mehr verständnislos gegenübersteht._ Die Bertraurnspersone». Zweigvereln Berlin. Sektion der Putzer. Achtung! PlltzeP! Achtung! Am Dienstag, den S8. April H»Y8, abends K llhr, findet im„Rosenthaler Aereiushaus", Rosenthalerstrafte 37. eine ISchlV Biindepiitlerteii- Sitzung statt. Zu dieser Sitzung sind die Kollegen verpflichtet, von jedem innerhalb des Lohngebiets Groß-Berlin ge- legcnen Bau einen Vertreter der Jnnenputzer sowie Auhenputzer zu entsenden. IM" Die Sitzung muft pünktlich eröffnet werden. ferner aeben wir bekannt, daß unsere diesjährige Maiversammlung wie alljährlich in Frepers Kest- oppenstrahe 29(vormittags 10 Uhr) slallsindet. Referent Neichstagsabgeordnetec WoIfguiiK Heine. ... v:: E. Schulze. Zentral-Verband der teer Deutseblands. Zncigvcveln Berlin. Dienstag, den S8. April, abends 8>/g Uhr, bei F r e y e r, Koppeastraste SS: donersl- Versammlung sljer Zslilstellea und öezirlce 6er M- MiSiVLVGV* T a g e s- O r d n n n g- 1. Resultat der zentralen VertragSverhandluugen in bezuq auf daS Lohngebiet Berlin und Unigegend. 2. Stellungnahme zum I.Mai. 3. Wahl der Delegierten zur Gewerkschafts- kommission und zur Schiedskommission. 4. Verschiedenes. ii i Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Zutritt.—— Die»Verbandsleitung. Wir machen darauf aufmerksam, daß durch diese Versammlung alle für diesen Tag gePlanten Bezirks- und Zahlstellenversammlungen~ auch die im Südosten und Wedding— verschoben werden und später stattfinden müssen. Tag und Ort derselben wird an dieser Stelle noch bekannt gegeben werden. D. O. Sektion clel- gips» unö?ementbrsncke. Mittwoch, den 29. April, abeuds 3'/s Uhr, im GewerkschsftShau», Engel-Nfer IS, gr. Egal: Ml>« n« r»« I- �5« � s s m n, I h n T a g e«- v r d n u n g- 1. Abrechnung vom 1, Quartal 1908. 8. Stellungnahme zum 1, Mai. 3. SituationSbertcht, Verschiedenes. 137)11* Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe lein Zutritt.-Wg _ Zahlreichen Besuch erwartet Der Scktiousvorstaiid. I» IM Hur BFanche der Yergolder. Montag, den S7. Slpril, abends prliz. 8 llhr, in den»Arminhallen--, Kommaudantrnstr. S8/3S: Srsnvßivn»VErsainmIung. Tages-Vrdnuna: 1.«Unsere wirtschastsiche Lage". Resereut Kollege Tpäthe. 2. DiS kussion. 3. Berschiebenes.' Zahlreiche« Erscheinen der Kollegen erwünscht. Der Branchenlctter. BS»- In dieser Versammlung müssen.sämtliche BillettS vom Kostüm- fest abgerechnet werden._ D. Q>. IRusiklnftrumeDtenarbeiter. Montag, de» 27. April, abend»«>/, llhr, im !»»«»«, Engel- User Ii»(Saal l): SranekeN'.�eI'sammlung. Zoges-Ordnung! 1. Vortrag des Genossen Wilhelm Ituhiff über: „Volkswirtschaft und Politik". L. vranchenangclegenheiicn. 3. VerschtedeneS. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreiches Erscheinen der Kollegen und Kolleginnen erwartet Bio Branohenkoninilanion. KB. ES wird ersucht, den Versammluiigslontrollzettel tn> Mitglieds- buch zu beachicn.__ 83)11 Einsetzer. Mittwoch, den 29. April, avcndö 8'/. Uhr, im tlun»e, Engel-Nfer lö, parterre sSaal IV): Branchm �Vertammlung. TageS-vrdnung: Stellungnahme zum 1. Mai. Vcrbaiidsangelegenheiten und Verschiedenes.__ 83/0 Sorussis 7kstsAe?°�??.?.?7 UV Jeden Sonntag u. TonuerStaa: Großer Ball. Bier Säle ({00 bis 1000 Personen) sür Vereine. Hochzeiten, Bersanimlungen unter lulantesi-n Bedingungen.» V»roin«immor einig« 7ag« teet. Amt 111. 2371. Groötr Naiurgarten, 900 Personen lassend, zu Semmerleeten zu«ergeben. t Einladung GeueraNVersammluDg. Am Montag, den 27. April. abends 8 Uhr. findet in DhielS ktzrstsüle» in Rixdors, Bergstr. 1S0/S!, die diesjährige MM-lleiimIvel'zsilinillliig stall.. WS/S TageS-Ordnung: 1. Halbjahresbericht des Beistandes. s. Wahl eines Vorstandsmitgliedes (des Kassierers). 3. Aendernug des ff>3 des StalutS: die Zahl der Aussichtsratsmilglieder soll von 5 aus 7 erhöht werden. 4. Wahl von 2, falls die Erhöhung unter Punlt 3 beschlossen wird, von 4 AussichtSratsmitgncdem. Als Legilimation ist daS Mitglieds- buch oder die geuchtliche Eintrage. benachrichligiing am vaaleingange vorzuzeigen. Um vollzähliges Erscheinen wird mit Rücksicht aus die graste Wichtigkeit der Watzlen ganz besonders ge- beten. Wci'lei'8Mi«!Z!ei!8ehs!t..li!i!»!" eingetragene Genoffenschasl niit de- <—- ichräiiktcr Hastpslicht. �Tz�rrr Adolf Heller, Vorsitzender des Aussichisrates� Reste Osmentuche, schtvarz it. sarbig, KoMllm■ Stoffe, neueste Muster. Seide, Sammete�BeaiHe«, Futlor- Stoflo, Chavia». Kammgarne s= zu Knaben-Anzügen.----- Konfektion: Paldets, Jacketie, Staubmäntel,| Kostüme, KostUmräok*. Stets Gelegenheitskäufe? Paul Karle, Warschauerftr. 18. cingelragene Genossenschaft mit be schränkter Hastpslicht. Bilanz am 31. Dezember 1VV7. 10b)7) Aktiva. Mark Grund- u. Boden-Kvnto 1 57 787,50 Bau-Konlo 1.... 15? 000- Grnnd. u. Boden-Konto 3 55 202,50 Bau-Ko»lo 2.... 157 000.- Grund- u. Boden-Konto 3 32 835, Bau-Konto 3.... 90 000, Grund- u. Boden-Konto 4 94 850,— Bau-Konto 4.... 869 000,— Grund- u. Boden-Konto 5 94 190,— Bau-Konto 5.... 290 000, Grund- u. Boden-Konto 6 178 500,— Bau-Konto 6.... 560 000,— Grund- u. Boden-Konto 7 200 000,— Bau-Kont» 7.... 249 332,99 Grund- u. Boden-Konto 8 167 973,70 Bau-Konto 8.... 589 881,88 Grund- u. Boden-Konto 9 359 600,— Bau-Konto 9.... 1 140 000,— Bau-Konto 10.... 512 726,10 Grund- u. Boden-Konto 11 189 261,— Bau-Konto 11.... 603 657,69 Bau-Konto 12.... 97 913,07 Grundstücks- Erwerbs Konto llharlatlenburg 1069 720,17 Bau-Kantine-Konto.. 10 500,— Mortelwerk-Konto... 6 992,05 Inventar-Konto... 1(— Konto Kirchcngemeinde Tempelhos..... 17 725,— Anlage-Klo. d. Siegfried Levy-Schenkung... 50 000, Wcrtpapicr-Konto... 11 219,50 Kaulians-Konto... 300,— Rückständige Mieten-Klo. 73,75 Gcschästsguthaben beider Deutschen Zentral-Ge- nossenschaft.... 500,— Bank-Guthaben... 16 957,10 Kassen-Bestand.... 21 493,17 Sa.'7 443 283,26 I'anslvn. Geschästs-Gut- haben-Kto. 329 938.85 öi nQ.')l 1907 6433�90 384 278,76 Spareinlagen-Konto.~ 1 383 143,65 Reservefonds-Konto.. 20 961,98 Eicgsr. Levy-ischenkung 54 250,— Versugung«> Konto der Siegsr. Demi-Schenkg. 806,35 schuldvcrschreib.-Kto. I 173640,— Schuldverschreib.-Klo. XI 357 180,— HvpOthcken-Konto 1.. 198 957,73 Htzpothckeu-Konto 2.. 200 000,— Hhpotheken-Konto 3.. 101 000,— )>»polheken-Koilto 4., 3l8 000,— mipothclen-Koiito 5.. 378 660,23 bgpotheren-Konto 6.. 646 000, Hypolheken-Konto 8,. 490 000, Hypotheken-Konto 9..1 391 310,— i>ypolheken-Ko»Io11.. 776 000,— Nkilkausgsld Grundstück Charlottenburg... 498 000,— RückstelluiigS- Konto Tempelhos..... 17725,— Einbehaltene Bar- kautionen-Kanlo., 11 676.— Saalban-Konto... 12 414,80 Kreditoren-Konto... 19 334.— Reingewinn..... 15 955,72 Sa. 7 443 283.2« Gewiiinberteilnng. 3'/- Pro». Dividende ans Gcschästsguthaben am 31. Dezember 1906. 11 218,75 M Dem ReservesondS gut- geschrieben.... 4736,97. Sa. 15 955,72 M. Mitgliederzohl. Am 1. Januar 1907.... 4076 Eingetreten un Lahre 1907. 855 1561 Am 31, Dezember 1907 schieden ans infolge Ausschluß, Tod und Auslllndigung.... 331 Bestand an Mitgliedern am 1. Januar 1908..... 4630 DieHastsumme sämtlicher Mitglieder betrug am Ächiusse des Geschäfts. jahres 1000.... 1245 900 M. sie hat sich vermehrt um 167 100„ Gesamt- Haftsumme am Schlüsse des Geschäfts« jahres 1907....1 41gOOOM. Der Vorstand. L. Schmidt. Ernst Roschsr. Orts-Krankenkasse , der Mtthllliilitt.O?tiker it. verwandt. Gewerbe zu Berlin, Montag, den 4. Mai, abends präz, 3 Uhr. in den„Arminhallen«, Kommandantenstr. 58/59: Ordentl, General-Versammlung sämtlicher Vertreter. TageS-Ordnung! 1. Abnahme der Lahresrechiiimg sür 1907, Bericht der Reotsoren, Dechargcerteilnng 2, Antrag deS Vorstandes aus Abänderung der zz>2 und 30 des Statuts. 3. Bericht und Neuwahl der Beschwerdekommissio». 4. Definitive Anstellung von zwei Bc- mute». 5. Antrag aus Einsührung ciiieS BcnsioiiSregulativS der Beamten. 6. Verschiedenes. Berlin, den 2t. April 1908. Der Borstand. I. A.: M. G u t s ch e, Vorsitzender. Beschwerden, zu deren Erledigung die Einficht der Kasscnakte» ersorder- lich ist, sind bis zum 28. April schritt» sich im Kassenlokal einzureichen. Verein für grauen tv. Mäckeben der Arbeiterklasse. Montag, den 37. April, abends 8'). Uhr, im Neue« SluvhauS, Kommaiidaiitensträbe 72 i »Zur Geschichte der Frau." Nesereutin: Wally Zcplcr. Sonntag, den 3. Mai. nachmittags 3 llhr, im«««erksedatt»» liansv, Engel-Ufe» 15: Neraustaltung für die weibliche Jugend. „�UKend und k�rükIsnK»� � Musik— Gesang— Rezitation.— � py Kinder unter 10 Jahren haben keinen Zutritt. Gäste willkommen. Der Borstaud. Hillen Freunden und Genossen zur Mitteilung, dast ich in Rummslsbutg, Hauplstr. 4 eine Restauration verbunden mit«rohem Tanzsaal und schönem sontttlgen Garten ei- Lssnet habe. l646b Die«asfeeliiche steht jederzeit zur Bersügung. Für gute Speise» u»d Getränke ist bestens gesorgt. JrgM Schietfer, Gutwirt. Sozialdemokratischer Wahlvereio Rixdorf. Dienstag, den 88. Slpril, abends S1/- llhr, in Hoppcs gest-SSlen Hermannstr. 49: Kenenslvensemmlung TageS-Ordnung: 1. Vmfiandshcricht. 2. Kassenbericht. 3. Wahl von Delegierten und Stellungnahme zur Gcneealvcrsammlung von Grost-Berlin. 4. Vereins- angetegcnheiten und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert, 235/3» Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 0er Vorelanit. Schöneberg. Sliiialdgmulssalisehös Mlveröliii Dienstag, den 88. April, abeuds 8 Uhr: Mitglieder-Vers ammluug in de»„Neuen RathauSsüle»«, Meiuingerstrasie 8. TageS-Ordnung: 15)12 1. Vortrag. 2. Maiseicr. 3. VcveinSangclcgcnheiten. 4. Verschiedenes. Ilm zahlreiches Erscheinen ersucht_ Per Vorwtand. Rummels burs* Dieustag, de» 88. Slpril li>08, abends 8 Uhr: ZKitgUeüer-Versammlung im Saale der Witwe Weigo], Tiirrschmtdtstr. 15. TageS-Ordnung! 1. Die Landtagswahlen. Referent: Stadtvcroroneter Genosse Borxmann. 2. Diskussion. 3. Wahl eines ersten Kassierers und zweier Revisoren. 4. VercinSangelegenheiten. 8/2 Bor VorstanS. i Zahlstelle Berlin. Montag, den 87. April, abends(> Uhr, bei J. Beyer, Orauienstcatze 103: Krauchen- Versammlung. TageS-Ordnung: 23/11 1. Vortrag. 2. Maiseier. 3. Branchenangelegciiheilen und Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet_ Die Branche»leitung. Steinarbeiler! .........'■■'■i i Berlin 1.>............ Mittwoch, den 29. April, abends 8% Uhr, in der Qedonsgnvllv» Kommandantenstr. 29: Mitglieder-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Berichterstattung vom Verbandstage. 2. Abrechnung vom l. Quartal. 3. Maiseier. 4. B-rschiedeneS. 171/114» i Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreiches Erscheinen erwartet_ Die Ortsverwaltung. Zentralkrankenkasse(Japezierer. Donnerstag, de» 30. Slpril, abends 8>/, Uhr: Husrlsls-Versammwngsn: ktziltale I bei Beyer, Oranienstrafte 103. Siliale II bei Bitrver, Glisabethkirchstrahe lt. im BeHverknoharo-ehann, Enget-ttfer 115(Saal 8). _„.... Tage«»Ordnung: 286/13 1. Kassenbericht vom 1. Quartal. 2. Neuwahl der Ortsverwaltuug. i r■■■--n-.-.-.-n BittpUeelHhiich leyltlmiert.«a,.; Recht zahlreichen Besuch erwartet_ Ple Ortwverwaltnne. Arbeiters Samariter+Kolonne. Sommcrknr»!!» 1008. Der Kursus beginnt in der I. �bteilnnx: Dresdenerstr. 45. an, 4. Mai! „ Brunnen,'tr. 154, am 11. Mal: sür SchUnobers und Umgegend bei Nilloch, " Grunewaldstr. 110, am 7. Mai, sür Mehtcnbere und Umgegend bei Beckmann, " Eaniariterslr. 11, am 7. Mal; sür nixtiorf und Umgegend bei Thiel, Berg, " straste 151/152 ebeiisallS am 7. Mai. Das Thema deS ersten Abends in jeder Abteilung lautet:„lieber Anatomie"(Bau des menschlichen Körpers) mit Demonstrationen an Wand- taseln und Präparaten. 268/15 DaS Etnschreibegeld beträgt 50 Pst, der Monatsbeitrag 25 P(. Die Bitfiiothek sieht den Teilnehmern unentgelllich zur Bersügung. Der Besuch des ersten Abends sieht jedem als Gast frei. Die Lebrstunden finden in jeder Abteilung 14Iägig statt, Beginn derselben 9 Uhr abends. Um rege Beteiligung ersucht_ Der VomtaneK 2. 3. 4. 5, Wirtshaus Schloß Wollersdorf (vis-a-vis der Schleuse), direkt nuCliausseo und am Flaltsntao, empsiehlt sich de» Vereinen, Fabriken, Gcsellschaslcn sür Dampjcransstüac usw.. auch steht mein Lokal Sonntags, Himmelfahrt, die PsinMeiertage den Gewertschasten us«. zur Bersügung. D«!" Ferner cinpsehle ich meine Dtiinpl'cr bis 300 Personen sassend. Vnfä AUen, Schlesische Brücke, Amt 4. 8802.' Istrlcd-»aevert. Tel.: Aint �rlner m: 40, Robert Sslimldt, Oekono». A.JANDORF&0 Splttelmarkt Belle Alliancestr, Gr. Frankfurterstr. Brunnenstr, Kotfbuser Damm In dieser Woche Soweit Grosse Posten Waschstoffe hervorragend billig, im Lichthof ausgelegt. ��[USS6llYl Baumwolle......... Meter 45?k. Musselm Mit aparten Boräureo......... Meter 53 Pf. Musselin„Reine Woue".... Meter OOj 35 Pt USSel 1 U„Reine Wolle" m. Seidenstreifen, Meter X s45 Zephir in aparten Dessins.... Meter 35j 55 Pf» Weiss Batist ii jo„......... Meter 48 pf. 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Die Anmel- 1 dung zum Kursus erfolgt am besten in der ersten Unterrichtsstunde j in jeder Abteilung. Um zahlreiche Beteiligung wird ersucht, Vermilektes. Vorort- jVacbndrtem Lichtenberg. Der Staatsanwalt hat in dem Vorgehen der vereinigten Tie bau°Submittenten gelegentlich Vergebung von Arbeiten des Kanal! sations-Zweckverbandes nichts Strafbares gefunden und daher das Verfahren gegen den Tiefbauunternehmer Fiebig eingestellt. ist also in Zukunft damit zu rechnen, daß die Gemeinden bei Ver° gebung von Arbeiten nicht nur die von den Unternehmern diktierten Preise zu bezahlen, sondern auch die bei der Submission aus gefallenen Firmen mit den von den Unternehmerringen festgesetzten Summen zu unterstützen haben. Wahrlich eine einträgliche und dabei mühelose Erwerbsquelle. Steuerzahler, tue Geld in Deinen Beutel, gering sind die Summen dieser eigenen Art„Arbeitslosen fürsorge" nicht. Handelte es sich doch im borliegenden Falle bei einem Objekte von 400 000 M. einschließlich guten Unternehmer� gewinns um rund 150 000 M. Diese„Unternehmer-Unterstützung auf Kosten der Allgemeinheit erfolgt ohne Rechtsnachteile, welcb letztere sonst bei Inanspruchnahme öffentlicher Armenfürsorge ein- zutreten pflegen Ein schauriger Fund wurde vorgestern aus dem Gelände der Lichtenberger Terraingesellschaft gegenüber der Gudrunstraße bei Ausschachtungsarbeiten gemacht. Dort stieß man in einer Tie von etwa 50 Zentimetern auf das Skelett eines Mannes. Der Verstorbene hatte eine Größe von etwa 1,75 Meter. An jener Stelle befand sich früher eine Laubenkolonie und es ist wohl kaum daran zu zweifeln, daß sich in dieser ein Verbrechen abgespielt bat, dem der Mann zum Opfer gefallen sein dürfte. Das Skelett ist durch die Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden, doch konnte nicht mehr festgestellt werden, ob einige an dem Knochengerüst ent- deckte Beschädigungen zu Lebzeiten des Mannes oder erst später entstanden sind. Nach Ermittelungen der Kriminalpolizei führte bis vor etwa 15 Jahren unmittelbar neben der Fundstelle ein Feld weg quer durch die Laubenkolonie nach Kaulsdorf. Schöneberg. Eine Leuchtgasvergiftung rief vorgestern in der Geisberg. straße 22 Aufsein hervor. In dem Hause befindet sich eine EngrosschneidereVderen Inhaberin die 44 Jahre alte Luise B. ist Vorgestern schloß sie sich in ihrem Zimmer ein, öffnete den Gas. bahne und atmete die giftigen Gase ein. Der Magistratsbote Schmidt, der später die Wohnung aufsuchte, ließ, da er einen der. dächtigen Gasgeruch wahrnahm, die Stubentür durch einen Schlosser öffnen und er trug die bereits völlig bewußtlose Lebensmüde nach dem Hof hinaus, wo er mit Hülfe eines hinzugerufenen Arztes Wiederbelebungsversuche bei ihr anstellte. Sie hatten schließlich auch Erfolg. Die Lebensmüde wurde dann nach dem Elisabeth Krankenhause gebracht. Rixdorf. Ei» unfreiwilliges Schwitzbad. Unter der Matratze wurde gestern ein Häftling auö der Kopfstraße von der Kriminalpolizei hervor. geholt, der eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten zu verbüßen hatte. Die Verhaftung sollte jedoch erst nach Ueberwindung ver- schiedener Hindernisse vor sich gehen. Als die Beamten an der Wohnllng erschienen, fanden sie keinen Eintritt. Es mußte daher ein Schlosser geholt werden, der die Türen gewaltsam öffnete. Der Sünder hatte sich aber so gut verbarrikadiert, daß es fast zwei stunden dauerte, bevor es möglich war. die Wohnung zu betreten. Er selbst wurde jedoch nicht vorgefunden, sondern nur leine Ehefrau, die im Bett lag. Bei einer Durchsuchung des Bettes fand man dann den Gesuchten unter der Matratze in einer nicht gerade be. neidenswerten Verfassung. Er war schließlich froh, daß er durch die Beamten aus dem unfreiwilligen Schwitzbad erlöst wurde. Bei einem Nevolverattentat auf einen Stadtbahnzug ist vor. gestern morgen der Arbeiter Brauer verletzt worden. B. befand sich in einem Wagenabteil eines SüdringzugeS, als plötzlich, nach. dem der Train eben die Station Hermannstraße verlassen hatte, ein Schuß abgegeben wurde. Die Kugel durchschlug die rechts- fettige Türscheibe. Durch die umherfliegenden Glassplitter erlitt der Arbeiter erhebliche Verletzungen im Gesicht. Obwohl der Zug sofort zum Stehen gebracht wurde, konnte der Täter nicht er- mittelt werden. Einen UnterhaltungSabend veranstaltet heute abend 6 Uhr in Hoppes Festsälen, Hermanlistr, 48/49, der 18. Bezirk des Wahl- vereinS. Die Genossen werden ersucht, zahlreich mit ihren Familien zu erscheinen. Spandau. Die letzte Sitzung des Gewerkschaftskartellö wählte den Ge nassen Karl Nitzmann, Kolk 10 I, als Obmann und den Genossen Schmidt als Kassierer des Kartells. Die Genossen wollen hiervon Notiz nehmen. Potsdam. Das Verschwinden dcS seit dem 7. März d. I. vermißten Bootsmannes Paul Schirmer auö Steine bei Breslau, der auf einem Kohlenkahn des Schiffseigners Schlawe beschäftigt war, ist nun vorgestern durch die Auffindung seiner Leiche aufgeklärt worden. Ursprünglich nahm man an, daß der Bootsmann das Opfer eines Verbrechens wurde und die Staatsanwaltschaft hat bereits nach der Richtung umfangreiche Recherchen eingeleitet. Bei der Kaiser-Wilhelm-Brücke wurde nun vorgestern die völlig be- kleidete Leiche des Vermißten, in stark verwestem Zustand ange. schwemmt. Damit sind auch die in NowaweS verbreitet gewesenen Mordgerüchte hinfällig geworden, denn der Tote ist allem Anschein nach vom Kahn in die Ruthe gestürzt. Gegen ein Verbrechen spricht auch der Umstand, daß sich in den Taschen des Mannes noch ein Portemonnaie mit 11,72 M., ferner ein Trauring mit der Gravur B. Sch. und der Kajütenschlüssel befand. Nieder-Schönhausen. Wieder aufgetaucht ist der Kaufmann Franz Hampe, der seit August v. I. verichwunden war. Hampe verließ damals feine Wohnung, um den Grundsiücksvermitller Felker in Steglitz aufzusuchen. Diesem lvollte er 2000 M. Bürgschaft überbringen, um bei ihm eine Stellung anzutreten. Außerdem steckte er noch für 3000 M. Wechsel ein. Hampe kam weder zu Felker noch kehrte er in seine Wohnung zurück. Statt dessen erhielt seine Frau einen Brief ohne Unterschrift, der die Andeutung erhielt, daß ihr Mann ums Leben gekommen sei. Frau Hampe glaubte an ein Verbrechen, und alles wurde in Bewegung gesetzt, dieses aufzuklären. Die Kriminalpolizei kam auf Grund der Schriftenvergleichung und anderer Verhältnisse zu der Ueberzeugung. daß Hampe den Brief, der den Verdacht eines Ver- brechens wachrufen sollte, selbst geschrieben habe. Nach und nach erfuhr man. daß er nicht verschwunden, sondern nach Amerika durch- gebrannt war und von dort aus nach Berlin geschrieben habe. Vorgestern nachmittag meldete sich Hampe bei dem Kriminal- lommissar, der im vergangenen Jahre diese Angelegenheit bearbeitete, lim ihn wegen der vielen Mühen, die er sich semetwegen gemacht hatte, um Entschuldigung zu bitten. Er war damals nach London. New Aork, Kolorado und Havanna gefahren, endlich aber hatte ihn das Heimweh nach Berlin zurückgetrieben. Hier wird er sich dem- nächst wegen grobe» UrifugS zu verantworten haben. SiurmschaLen ln Amerika. Große Verluste an MensHenIeßen. Wirbelstürme haben, wie auS New Jork gemeldet wird, im Westen, Südwesten und Süden Amerikas große Verheerungen an- gerichtet. Einige kleinere Ortschaften sind völlig zerstört worden; aus allen Gegenden werden Verlust« an Menschenleben gemeldet. Ein weiteres Telegramm aus New Dork vom 24. April lautet: Bei den Wirbelstürmen, die gestern in mehreren Teilen der Vereinigten Staaten wüteten, sind zehn Personen getötet und viele verwundet worden. In Richland(Louisiana) wurden durch den Tornado vier Personen getötet und 100 verletzt. Nach einer New Dorker Meldung von gestern sind durch den Cyklon, der die Staaten Mississippi, Ala. bama und Louisiana heimsuchte, mehrere Städte fast vollständig zerstört, andere furchtbar verwüstet, viele hundert Menschen, be- sonders Neger, sind ums Leben gekommen. Aus Atlanta wurden um Mitternacht 250 Tote und 400 Verletzte gemeldet. Der Schaden ist unberechenbar, da nähere Angaben über den Um- fang der Verheerungen wegen Unterbrechung des Nachrichten-Ver. lehrs noch ausstehen. Hülfszüge sind nach den von dem Cyklon am meisten betroffenen Ortschaften abgegangen. Beim Weidenpflanzcn ertrunken. Nach einer Meldung aus Augsburg ertranken der Brauereibesitzer Spät aus Jllerrieden und dessen Dienstmagd beim Weidenpflanzen infolge Umkippens des Kahns. Zwei andere Insassen wurden gerettet. Erbbebe». Die Erdbebenapparate des Seismographischen In stituts in Tortosa registrierten, wie eine Meldung aus Madrid bei sagt, gestern nacht von 11.17 Uhr bis 1.30 Uhr ein Fernbeben, das nur geringe Unterbrechungen hatte. Der Herd befindet sich 12 000 Kilometer von Tortoja entfernt. Mocden-Spielplan der Berliner Cbeater. Königk. Opernhaus. Sonntag: GStterbSmmernng.(Ans. S'/, Uhr.) Montag: Der Evangelimann. Dienstag: Salome.(Ans. S Uhr) Mittwoch: Die Hugenotten. Donnerstag: Donna Diana. Freitag: Lohengrin. (Ans. 7 Uhr.) Sonnabend: Carmen. Sonntag: �Icka. Montag: Donna Diana. Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Ein Ersolg. Montag: Die Rabensteinerin. Dienstag- Minna von Barnhelm. Mittwoch: Ein Erfolg. Donnerstag: Die Rabensteinerin. Freitag: Maria Stuart.(Tins. 7 Uhr.) Sonnabend: Ein Ersolg. Sonntag: Die Rabensteinerin. Montag: Die OuitzowS. Neues königl. Opern- Theater. Sonntag: Da? groß« Licht.(An- fang T'/j Uhr.) Sonntag, 3. Mai: Faust, I. Teil.(Ansang 7 Uhr.) Deutsches Thearer. Sonntag: Ein Sommernachtslraum. Montag. Wa» ihr wollt. Dienstag: Die Rauber. Mittwoch! Roberl und Bertram. Donnerstag: Das Wintermärchen. Freitag: Der Kausmann von Venedig. Sonnabend: Ein Sommernachtstraum. Sonntag: Was ihr wollt. Montag Robert und Bertram. Deutsches Theater(Kammersptele). Sonntag: Lyststrata. Montag: Frühlings Erwachen. Dienstag: Lyststrata. Mittwoch: Erdgeist. Donnerstag: Lyststrata. Freitag: Liebelei. Sonnabend und Sonntag Lyststrata. Montag: Der Tor und der Tod. Nju. Berliner Theater. Sonntag: Alt- Heidelberg.(Ansang 7>/, Uhr.) Montag: HopfeniathS Erben. Dienstag und Mittwoch: AII-Hcidelbcrg. Donnerstag: Wintersport. Freitag: Hopscnrats Erbe». Eonnabend und Sonntag: Herthas Hochzeit. Monis i: Unbestimmt. Lesstng-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Rosenmontag. WendZ DaS Lumpengesindel. Montag: RoSmerSholm. Dienstag: Die Stützen der Gesellschast. Mittwoch: DaS Lumpengesindel. DonnerSIag: Raub der Sabinerinnen. Freitag: Der Teufel. Sonnabend: John Gabriel Bortman. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die verfmikene Glocke. Abends DaS Lumpengesindel. Montag: Der Teusel. Neues Theater. Sonntag bis Mittwoch: Die gute Partie. DonnerS tag und jolgcnde Tage: Ramon der Abenteurer. NeucS Schauspielhaus. Sonntag: Der Dummtops. Montag: Judith. Dtenstag bis Donnerstag: Der Dummtops. Freitag: Judith. Sonnabend und Sonntag: Der Dummkops. Montag: Unbestimmt. Trtanon-T Heuler. Sonnlag nachmittag 3 Uhr: Fräulein Josette meine Frau. AbendS: Seine erste Frau. Die Hand. Kleines Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Mandragola. Abends und folgende Tage: 2X2— 5. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Mandragola. Montag: 2X2= 5. Komische Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Carmen. Abends Tiefland. Montag: HoflmannS Erzählungen. Dienstag: Tiefland. Mitt- woch: Die Fledermaus Donnerstag: Der MaSlenball. Freitag: Die ver» lauste Braut.(Ans. T/, Uhr.) Sonnabend: ToSca. Sonntagnachmiltag " Uhr: HoflmannS Erzählungen. Abends: Tiefland. Montag: Hoffmanns Erzählungen. Theater VeS WestcnS. Sonntagnachmlttag 8'lt Uhr: Die luftige Witwe. Abends und folgende Tage: Ein Walzertraum. Sonntag, den 3. Mai, nachmittags 3'/, Uhr: Die lustige Witwe. AbendS: Ein Walzev träum. LustspielhauS. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Panne. Abends und folgende Tage: Der Braudstlster. Vorher:«.ein Alibi.(Ansang 8 Uhr). Sonnlag, den 3. Mai. nachmittags 3 Uhr: Panne. Montag: Der Brand stister. Vorher: Sein Alibi. SchiUer-Theater O. Sonntag nachmittag 3 Uhr: DaS Glück im Winkel. AbendS: Hans Huckebein. Montag: Der Weg zum Herzen. Dienstag: Stein unter Steinen. Mittwoch: Maria Stuart. DonnerSIag: Stein unter Steinen. Freitag: Hans Huckebein. Sonnabend: Stein unter Steinen. Sonnlag nachmittag 3 Uhr: Das Glück im Winkel. WendS Stein unter Steinen Montag: Hans Huckebein. Schiller- Theater Charlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr Das vierte Gebot AbendS bis Dienstag: Der Widerspenstigen Zäbmung Mittwoch: Hans Huckebein. Donnerstag und Freitag: Der Wideffpenstigeli Zähmung. Sonnabend: Aus der Sonnenseil«. Sonntagnachmittag 3 Uhr: DaS vierte Gebot. Abends: Aus der Sonnenseite. Montag: Der Widev spenstigen Zähmung. Hebbel, Thrater. Sonntag: Das siebente Gebot. Montag: Der einacoildcte Kraule. DtenSIag: Allerseelen. Mittwoch: Erlösung. Zu- fluchtSort. Donnerstag: Das Mädchen. Freitag: Frau Marrens Gewerbe. Sonnabend: Liebe. Sonntag und Montag: Unbestimmt. Friedrich.Wilhclmstädtisches Schauspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der gehörnte Siegfried. Siegsrieds Tod. WendS: Sein Prtn- ehchen. Montag und Dienstag: Die Brüder von St. Bernhard. Mittwoch: Radame Sans-Gllne. Donnerstag: Sein Prinzcsichen. Freitag: Die Brüder von St. Bernhard Sonnabend: Der Prioaidozent. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der gehörnte Siegfried. SieglriedS Tod. Abends und Montag: Die Brüder von St. Bernhard. Refidenz-Theaier. Tonntagnachinittag 3 Uhr: Haben Si« nichts zu verzollen? Abends und soigende Tage: Der Floh im Ohr. Thalta-Theater. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Der Hochtourist. Abends und solgeiide Tage: Die Bruiinen-Nymphe. Sonntag, den 3. Mai, nach- mittag 3 Uhr: Dr. Klapperstorch. Abends und Montag: Die Bmnnen- Nymphe.(Ans. 8 Uhr.) Neues OPcrettcn-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr i Der Opern- ball. Abends und folgende Tage: Der Mann mit den drei Frauen. Sonntag, den 3. Mai, nachmittags 3 Uhr- Der Opernball. Abends und Montag: Der Aiann mit den drei Frauen. Luisen> Theater. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Der wilde Reut. lingen. Abends: Der Mann mit den vier Frauen. Montag: Der ivilb« Reutlingen. Dienstag bis Donnerstag: Geschloffen. Freitag und Sonn- abend: Der Weg ins Verderben. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Im Hause der Sünde. Wcnds und Montag: Der Weg Ins Verderben. Lortzing- Theater. Sonmagnachmittäg 3 Uhr: Undine. MendS: Die lustigen Weiber von Windsor. Montag: Fra Diavola. Dienstag: Don Juan. Mittiooch: Der Troubadour. Donnerstag: Undine. Freitag: Die lustigen Weiber von Windsor. Sonnabend: Der Trompeter von Säckingen. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: FigaroS Hochzeit. AbendS tmh Montag: Fra Diavolo. Bernhard Rofe-Theater. Sonntagnachmittag 3.Nhr: Der Trompeter von Säcklngen. WendS und folgende Tage: Die Loreley. Sonntag, den Mal, nachmittags 3 Uhr: Wilhelm Teil. WendS und Montag: Die Loreley. Theater an der Spree. Sonntag, Montag und Donnerstag: Der Onlel aus KottbuS. Dienstag und Mittwoch: Nassauer. Metropol- Theater, tsoimtagnachmittag 3 Uhr: Die Herren von Maxim. Allabendlich: DaS muh man seh'nl Castno- Theater. Sonntagnachinittag 4 Uhr: Nick Carter. WendS: Ein Dorsroman. Sonnlag, den 3. Mai, nachmittags 4 Uhr: Biederleute. Abends und Montag! Ein Dorsroman. Gustav Behrens- Theater, Goktzstraße 9, SpeztalitSt«. Ansang 7 �Gebr. Herrnfeld- Theater. Allabendlich; Else aus der Bar. Es lebe daS Nachlieben.. �,...... Parodie- Theater. Sonntagnachmlttag S'h Uhr und abends 8 Uhr» Der Troubadour. Allabendlich: Dieselbe Vorstellung. Apollv-Ttieater. Sonntagnachmittag 3'l2 Uhr: Famllienvorstellung. Allabendlich: Der kleine Chevalier. Spezialitäten. Walhnlla-Theater. Spezialitäten. Passage-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitaten. WendSS sowie allabendlich: Ota Gygi. Spezialitäten. Nächsten Sonntag nachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Reichshallen- Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. Folics Caprice. Allabendlich: Nachtarbeit. Ein unheimlicher Besuch. Der gan.e Papa. Jolies Bergöre. Allabendlich: Liane d'Bve. Spezialltaten.(Alt» fang S1/, Uhr.) Carl Haverland-Thenter. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Ilrania-Theater. Taubenstraße 48/49. Montag, Mittwoch und Freitags: Kairo und die Pyramiden. Sonntag, Dienstag, Donnerstag, Sonnabend, den 2. Mai und Sonnlag, den 3. Ma: Eine Nilsahrt bis zum jzwetten Katarakt.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch und SonnabendnachmittagS 4 Uhr: lieber den Brenner nach Venedig. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57— S2. Eingegangene Oruckkickritten. George Meredith, Die tragischen Komödianten. Roman. Geh. 3,50 M., geb. 4,50 M.— Ellen Key, Drei Fraucnschicksale. Geh. 3,50 M., geb. 4,50 M. — Mattlde Serao, Nach der Verzeihung. Roman. Geh. 4 M., geb. 5 M. Verlag: S. Fischer, Berlin, BAowstr. 90. Bücher des deutschen HauseS. 24. Bd. Deutscher Humor Bd. 2 von W. 81. Wellner.— Bd. 25. Novellen von H. v. Kleist. Beide Bände illustriert. Buchverlag fürs deutsche HauS, Berlin-Leipzig. „Wie schützt sich der Kapitalist vor Verlusten an der Börse?" Ratgeber für Kapitalanlage und Spekulation. Herausgeber: Hans Schreiber, Deutsche BerlagSanstalt.Patria", Berlin, Artilleriestr. 365. PreiS 3 M. Geschichte der österreichischen Gewerkschaftsbewegung von Julius Deutsch. Mit einem Vorwort von Dr. Viktor Adler. Verlag der Wiener Volksbuchhandlung Jgnaz Brand u. Co., Wien VI» Gumpendorserslr. 18. Preis 4,80 Kr. Geschäftsbericht der Nordhäuser Kautabatarbeitergenoffenschast zu Nordbausen. 16 Seiten. Selbstverlag. Die Anarchie. Ihre Verlünder, Ideen, Taten von Heitor Zoecoli. Lieferung 3 u. 4. Verlag: Maas und Van Suchtelen in Leipzig. Bericht des Gewerkschaftskartells zu Chemnitz 1907. 93 Seiten. Selbstverlag. Kandidatenliste für die Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause 1908 mit Angabe der Wahlergebnisse im Jahre 1903. Preis 3 M. Buch- Handlung der Nattonalliberalen Partei, Berlin VI. 9. 4. Internationaler'Bericht über die GewerkschastSbeweaung 1906. Herausgegeben von dem internattonalen Sekretär der gewertschasUichen Landeszentrale. 1,50 M.' Für Gewerkschaftsmitglieder 75 Ps. Verlag: Generalkommisston der Gewerkschaften Deutschlands, Berlin, Engeluser 15. Von Gottes Gnade». Novellen von Kory Towska. 2,50 M.— Der Prinz. Roman von Zofia Rygier-NallowSka. 1,50 M.— Leute vo» Podlipnaja. Th.'Reschewikow. 1,59 M.— Verlag: E. Konegen(Ernst Stülpnagel), Wien, Opernring 3. �Briefkasten der Redaktion. Tie surlftlfche Sprech stunde Kos, dritte«.Eingang, vier wochentäglich abends von?>/, tinde« Lindenftrost« Nr. 3, zweiter Treppen, BV* Fahrstuhl-MG dt«»>/, lllit statt. Geöffnet 7 Uhr eonu abends beginn» dt« evrechftunde nw 8 Uhr. Jeder Anfrage ist eilt Buchstabe und eine Jahl als Vlertzcichcn beizufügen. Briefliche Autwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen»rage man in der Eprechftnnd« vor. R. W. 1. Ja. 2. 25. Januar 1907. O. 22. ca. 3-4 M. Z. 29. 1. Marten sind zu kleben, Anmeldung bei der OrtSkrankenkaff» nur, wenn die Auswärlerin in einem Gewerbebetriebe täiig war. 2. Klage beim Amtsgericht.— Richthofen 5. 1. Weder 12 noch 8, sondern„am* Umzugstage, also nötigen Falles auch nach 8. 2. Nein, indes ist schikanöse Fernhalluna de? neue» MielcrS unzulässig.— Alter Abonnent SSS. 1. Wenn rein Testament vorhanden ist, erbt die Multer die Hälfte, der Mann die andere Hälsie. 2. Die Mutter soll den Mann zur Zahlung der Hälfte auffordern. Zahlt er nicht. Ist die Sache einem'Anwalt zu übergebe». — K. P. ZI. Die Wohnung ist pünkllich zu räumen, so hart eS im vorliegenden Falle ist.— Göhlert, Friedenau. Besprechen Sie die Sache mit dem ÄormundschastSrichler, der für Friedenau in Schöneberg, Grüne- waldsir. 94 isl. Unterbringung in eine Fürlorgeerzichungzanstalt ist im allgemeinen nicht anzuraten.— Saga». 1. Nach S 1 des VereinSgefetzeS, sind nur Beisammiungen. in welchen öffentliche Angelegenheiten erörtert»der beraten werden sollen, anzeigepslichtig. 2. Er hat für daS VereinSgesetz gestimmt. Amtlicher Marktbericht der städtischen Morkthallen-DirekNon über den Großhandel in den Zenwal-Marlthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach, Geschäft still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr knapp, Gejchäst lebhast. Preise fest. Geslüael: Zufuhr knapp. Geschäft etwas lebhastcr, Preise hoch. Fische: Zufuhr mäßig, Geschäst ziemlich rege, Preise wenig verändert. Bulter und Käse: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr im all- gemeinen genügend, stark in Holl. Spinat und Salat, Geschalt schleppend, Preise schwanleno. Wasserstandö-Nachrichte» der LandeZanslalt für Gewässerkunde, mitgeteill vom Berliner Wetlerbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit P r e g e l, Jnstcrburg Weichsel, Thor» Oder, Ratibor , Krusten , Franksurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Bordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby . Magdeburg am 24.4. cm 496") 179 288 190 215 231 124 124 60 51 -44 302 250 feit 23. 4, ern') -14 —14 —4 —17 +11 +3 _ 2 0 4-8 —9 —11 -14 -14 Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, SvandauH , Rathenow") Spree, Svrcmberg") , BeeSlow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbrom» Main, Wcrlheim Mosel, Trier 4+ bedeutet Wuchs,— Uhr morgens 483 ein. Fall,— 1 Unterpegel.—«) heute um Allgemeine Örts-Kraite- isasse für Axdorf. Am Mittwoch, be» LS. April, abends 8 Uhr, findet in„stoppe, Fezuälen", Hermannstr. 49(kleiner Saal), die erste diesjährige lWsntl. General-Versammlung statt, zu welcher sämtliche Tele- »crte der Arbeitgeber und rbeitnehmer hierdurch ergebenst eingeladen werden. Tages. Ordnung: 1 Geschästliches. 2. Bericht der RechnungsprüfnngS-Kommission. 3. Entlastung des Vorstandes und Rcndanten. 4. Antrag betreffend die Aufnahme von Lombards arlehn. Verschiedenes. 273/16 Bei der Wichttgkeit der TagcS. Ordnung ist oollzäbligcs und pünlt. licheS Erscheinen Pflicht. Rixdorj, den 26. April 1903, Zivi? Vorstand.. C. Wagner, Vorsitzender. Invaliden-Unterstützungskasse d« Gürtler. Die ßrilsntüelie Gefleral-tamiing findet am Mittwoch, d. SS. April, abends 8 Uhr, im Märkischen Hof, Admiralstraße 13c, statt. TageS-Ordnung: 1, Abnahme der JahreSiechiumg. 2. Vorstandswahl. 3. Verschiedenes. 286/16 Berlin, den 26. April 1908. Der Vorstand. Adolf Heller, Vorsitzender. einpjehlcn den Kollegen unser Genossen und I 5. FF. Pianino 200, o. Teilz., Sonnt 8 ab. EM. Gerichtftr. 3.2, Dttlrtch. Beerdigungsinstitut „Salidi" H. Fisctior& Kreutzlierger, 1 lUxdorf, Pflugerstrafte 70, HERMANN UETZ LEIPZIGER STRASSE ALEXANDERPLATZ FRANKFURTER ALLEE 109-111 Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag— wweit Vorrat: 3 Waggons Glas— Porzellan Steingut SpeiSBtGlIer flach und tief, blau Zwiebel 12 Pf. Dessertteller biau zwiebei...... 9, 10 Pf. Kaffee- oder Teetasse biau zwiebei 12 pf. Desserttellereorlppt. Goldrand u.Qoldblatt 12 Pf, Kaffee- oder Milchbecher Pond._ dekor und Goldrand................... Milchtöpfe achtet Porzellan, dekor. mit Goldrand... ca. Liter 18 Pf, ca. t Liter 23 Pf Pf. Echtes Porzellan, weiss Tafelgeschirre Speiseteller flach........... 10 Pf. Suppenteller tief........... 12 Pf- Dessertteller........ 4, 5, 3 Pf Suppenschüsseln..... 85 pf. I15 Kartoffelschüsseln�LSö.eS Pf. Salatschüsseln...... 25, 38 Pf. Bratenschüsseln ov«t 25, 38, 65 pf- biel4� Beilageschalen.......... 2(1 pf. Kompottleren ovai.... 20, 35 Pf. Kaffeegeschirre Kaffeekannen fürs Personen.48 Pf. Teekannen für s Personen...45 Pf. Milchgiesser für s Personen.. 15 Pf. Zuckerdosen für 6 Personen.. 18 Pf. Konfektschalen auf Puse... 50 Pf. Kompottschalen rund...... 4 Pf. T aSSen mit Untertaeeen 8 Pf. Kuchenteller oa IS om.... 5 Pf. WirtscHaf ts-Artikel Waschwannen aus starkem Zink. Waschzober aus atan-am Zink.... •775 g25 �00 8 50 1060 12 25 Waschmaschinen forden Herd. 1500 2350 3000 Wringmaschinen............. 900 950 10°° Wäschemangeln«r den nseh........ 16°° 24°° Stehmangeln.................... 42°° 52°° Wäscheleinen........ 65, 85 pf. I8® 17° 2°° GaSkOCher l Kochloeh und 1 WSrmastallo......*. 48° Gaskocher zKochwchar...................... 625 Gaskocher 2 KochlSchar und 2.................. 97° GaSkOCher 3 KocMSehar und 3 Wlrmeetaller...... 127° AI pacca- Kaffeelöffel.............. 18, 30 pf. Alpacca-Esslöffel................. 35, 65 pf. Hackmesser......... 35, 95 pf. Wiegemesser...................... 90 pf 1'° Zlitz-Gemüseschneicler................ 90 w. Messerputzmaschinen auf ere«........ 575 Fleischhackmaschinen...... 22° 32° 4" KÜChenWagen m» amalll. Zlirerblatl............. 1®° Tafelwagen gaaicw........... s kmo 875 iokho 975 Geflügelscheeren 12°, Kaffeemühle 95 pf. Giesskannen wank 85, 95 pf.1°° Giesskannen iack.70, 80,90 pf.l25 Kaffee- Geschirre neukonische Form, echtes Porzellan, mit Goldband und Goldlinie Kaffeekanne 42, 50, 70, 95pf. biel8® Teekanne............. 65, 80 pf. 1°° Milchgiesser 10, 12, 18, 25 bi. 70 pf. Zuckerdose.............. 43, 60 pt. Kaffeetasse.................. 20-f. Teetasse..................... 23 pt Emaille Eimer dekoriert.......................... 1" 17» Eimer mit Messlngbdeei.................. 27° Toiletten-Eimer earade Form...... I90 2" 2®° Schmortöpfe...... 35, 40, 43,»65. 90 Pt Kasserolen........ 25, 30, 35, 40, 50 p». Schüsseln fiach..... 25, 30, 35, 40, 50 pf. Teller fiaen....................... 8, 10, 15 pf. Kaffeekannen.......... 25, 80, 40, 50 pt Console VJ.u"* 35 pf. Console,aruÄs4nd 95 pf. Schaum- und Schöpflöffel 10, 15, 20 pf. Seifennäpfe fOr die WaMerlaltunt.............. 15 Pf. 2 Gasplatten»amiokait mit Em hi er, QamHur 4 Kaffeeservice prima vemickeH 4 Teile...... 9 50 Emaille"Eimer 28 cm Durchmetaer, grau 65 pt. Ein Postdn< Metallbettstellen moderne Formen, eohwerz lackiert, 190f80 mit Stanlzugfeder- Matratze, IQ 26 1(80.................. IO 190/00 mit reicher Verzierung. 23° 31°° 32°° Schrankbettstellen mit Holztlschplatto von 3 Selten, mit Sprungfedern... 2675 # Patent- Verarbeitung Chaiselongues«»"»»»« 25" 28»» Satin-Molton 317° Gurt-Verarbeitung 272» 30« Kretonne mit Vol. 23°° Teilzahlung monatlich 10 M. liesere ttarrsn-liar- dsrvbs nach Matz(billigste Vveise). ' Lindenstr. UO. S.«tage. Bclleallianeeplatz. Kaste 10°/» billiger.» aoruuo naa) vtau J. Tomporowski, Nähe Belle: Hobel!' Spezialität: Bürgerliche Wohnungs- Emrichtungen von 300— 10000 Mark. 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Mai, vormittags 10 Uhr. trird auf dem städtischen Friedhof in Friedrichsfelde das Denkmal unseres unvergeßlichen Jgnaz Auer enthüllt. Da der Raum vor der Grabstätte sehr beschränkt ist, können natürlich nur Deputierte von Organisationen und zwar nur gegen Vorzeigung der Lcgitimationskarte zugelassen werden. Die hierzu benötigten Einlaßkarten erhalten die Organisationen von Groß-Berlin durch uns zugestellt. Aus wärtige Parteiorganisationen und die Vertreter der Presse wollen sich wegen Ueberlassung von Einlaßkarten an Eugen Ernst, Berlin 68, L i n d e n st r. 69, wenden.. Zutritt zur» Feier ist also nur gegen Vorzeigung der Legitimationskarteu gestattet. Die Feier wird durch Gesang eingeleitet, dann hält der Genosse Paul Singer die Gedächtnisrede, den Schluß bildet wieder Gesang. Von 11 Uhr an wird der Zutritt zum Friedhof frei gegeben und steht von da an das Denkmal zur allgemeinen Besichtigung. Von Kranzspenden bitten wir im allgemeinen Wstand zu nehinen, da für eine würdige Ausstattung der Grabstätte bereits von uns Sorge getragen wird. Jede Verletzung der Grab statten auf dem Friedhof sind peinlich st zu vermeiden. Die Genossen und Genossinnen bitten wir, sich den Au orduungen der Ordner, die durch rote Schleifen kenntlich sind, zu fiigcn. Berlin, den 25. April 1908. Mit Parteigruß Das Komitee. IX. Nerbandstag der Dachdecker. lMannheim, 24. April 1903.(Eig. Bei.) Vierter Berhandlungstag. Die Diskussion über den Punkt Unter st ützungsein» r i ch t u n g e n wird fortgesetzt. Von Wagner- Nürnberg wird, um dem Mißbrauch von lokalen Streikzuschlägen entgegenzutreten, folgender genügend unterstützter Antrag gestellt: „Eine Erhöhung der Streikunterstützung über die vom Ver. bandsvorstand festgesetzten Sätze hinaus ist nicht zulässig, auch nicht aus örtlichen Mitteln. Sofern die Filialen gegen diese Bc- stimniung handeln, ist von dem Bcrbandsvorstand die Zusendung von Mitteln einzustellen." Diesem Antrag stellt M eh r l e i n° Berlin folgenden gegen- über: „Eine Erhöhung der Streikunterstützung über die vom Der bandstag festgesetzte Unterstützung ist nur mit der Zustimmung des Zentralvorstandes vorzunehmen." Die Arbeitslosenunterstützung wird gegen drei Stimmen ab gelehnt. In namentlicher Abstimmung wird hierauf die Einführung der Krankcnunterstützung nach den von uns gestern wiedergegebcncn Sätzen mit lö gegen 12 Stimmen beschlossen. Es wird ferner festgelegt, daß die Auszahlung der Kranken. Unterstützung am 1. Juli 1999 beginnt. Die Rciscunterstützung wird nach den Vorschlägen des Rcfe rcntcn geregelt: anstatt Kilomctcrbcrechnung sollen jetzt Tagegelder gezahlt werden bis zur Höhe von 29 Mark. Umzugsunterstützung soll nach Matzgabe der zurückgelegten Strecke bis zur Höhe von 39 M- gezahlt werden, und zwar für ver- heiratete Kollegen, wenn derselbe mit seiner Familie von seinem Arbeitsort verzieht. Die Regelung der Streikunterstützung wird unter Zu- grundelegung der bestehenden Sätze für Mitglieder, die über ein Jahr dem Verbände angehören, in der 5., 6., 7. und 8. Klasse um je 19 Ps. pro Tag erhöht, bis zum Höchstbetrage von 3,19 M. Die Streikunterstützung beträgt danach 2,49 M. bis 3,19 M. pro Tag. Für Mitglieder, die dem Verbände noch kein Jahr angehören. verringert sich die Unterstützung um 59 Pf. pro Tag in jeder Klasse. Für llntcrstützung der Kinder lverden 29 Ps. pro Kopf und Tag zu- gezahlt. Ter Antrag, den Zentralvorstand über die Zulässigkcit von örtlichen Zuschlägen zur Streikunterstützung vorher zu befragen, wird mit 24 gegen 4 Stimmen angenommen. Die Sterbeunter st ützung wird nach den Vorschlägen des Kollegen Höppner erledigt und beträgt nunmehr für Mitglieder und deren Ehefrauen nach mindestens einjähriger Mitgliedschaft die Höhe von»29 bis 129 M., unter Zugrundelegung der Mitglieds- dauer. Nunmehr steht zur Verhandlung der Punkt Presse. Schauerte- Frankfurt a. M. als Referent stellt sich auf den Standpunkt, nunmehr das achttägige Erscheinen einzuführen. Nach- dem der Verband seit sechs Jahren bereits an der Umgestaltung arbeitet, erscheint es nachgerade die höchste Zeit, die Ansprüche, die an die Presse gestellt werpen, zu befriedigen und der Aktualität eine Konzession zu machen. Das vierzehntägige Erscheinen macht sich bei Streiks sehr unangenehm, weil die Mitglieder nur langsam, oft erst nach Wochen von den vorkommenden Bewegungen orientiert werden. Hoch-Hanau: Das wöchentliche Erscheinen würde die gewerk- schaftliche Rundschau bedeutend verbessern und der Volkswirtschaft- liehe Teil eine ganz andere Erweiterung erfahren. Auf demselben Standpunkt steht Otto- Halberstadt. Genosse D r u n s e l- Berlin(Vertreter der Generalkommission) kann aus den Erfahrungen anderer Verbände nur die Versicherung geben, daß das wöchentliche Erscheinen der Fachpresse ein wichtiger Fortschritt ist. Er kann nur den guten Rat gebe», das achttägige Erscheinen zu beschließen. Uebcr das wöchentliche Erscheinen der„Dachdeckerzeitung" wird namentlich abgestimmt und der Antrag mit 18 gegen 19 Stimmen angenommen. Die Zeitung wird in dem bisherigen Format weiter erscheinen. Ein Antrag Etzkuchen, die Pretzkommission als solche fallen zu lassen und mit deck Kontrolle, Beschwerden usw. den Zentralvorstand und als letzte Instanz den Ülusschutz zu beauftragen, wird angenommen. Nachmittagssitzung. Der VerbandStag Hort zu Beginn der Nachmittagssitzung den Bericht vom internationalen Kongreß» Referent: G. D i ch l- Frankfurt a. M. Von besonderer Wichtigkeit ist aus dem Bericht nur die Stellung der Dachdecker zur Maifeier. Der Berichterstatter ist mit der Rege- lung der Frage durch Parteivorstand und Generalkommission nicht einverstanden und steht auf dem Standpunkt, daß die Lösung der Maifeier nicht durch diese beiden Körperschaften gebracht werden kann. Jede Organisation mutz in dieser Angelegenheit von ihren Verhältnissen aus und nach dem Stand ihrer Organisation� cnt- scheiden. Am besten wäre es gewesen, den alten Beschlutz aufrecht zu erhalten und die Maifeier dort einzuhalten, wo es ohne größere Bedenken geschehen kann. Für unsere Dachdecker ist es nicht schwer, eine Entscheidung zu fällen. In den meisten unserer Tarife steht der 1. Mai als Feiertag, und der Zentralvsrstand ficht gar keine Gefahr darin, sich möglichst zahlreich an der Arbeitsruhe zu be- teiligen. Deshalb könne er nur sagen: Wir wollen an der Feier des 1. Mai festhalten und versuchen, so viel Tarife abzuschließen. in denen der 1. Mai vorgesehen ist, als wir nur eben die Kraft haben. Gut ist es, wenn der heutige Verbandstag im Statut dein Zentralvorstand eine Handhabe gibt, um Vorkommendenfalls ein- greifen zu können. Zur Maifeier liegen zwei Anträge vor, und zwar: B a r m c n- E I b e r f e l d. Die Form der Maifeier bleibt den einzelnen Filialen überlassen. Wenn sie ohne größere Wirt- fchaftliche Schädigung möglich ist, soll sie durch allgemeine Ar- beitsruhe gefeiert werden. Wenn ein Mitglied dadurch länger als acht Tage arbeitslos wird, so ist dasselbe von der Zentrale zu unterstützen. Ferner: Köln. Alle Filialen sind angewiesen, bei Einreichung von Forderungen oder bei Abschluß eines Vertrages die Freigabe des 1. Mai als Hauptforderung zu betrachten. Koch- Braunschweig ist über die Art und Weise, wie man die Maifeier totresolutioniert, nicht einverstanden und wünscht Dichl beaustragt, auf dem nächsten Gewerkschaftskongreß diese Frage an- zuschneiden. Genau denselben Standpunkt vertreten Wille- Leipzig und S ch m i d t- Ouerfurt. D r u n s e l- Berlin(Vertreter der Generalkommission) wendet sich gegen die, Versuche, der Generalkommission zu unterschieben, sie wolle die Maifeier tot machen. Redner geht auf die EntWickelung der Maifeicrfrage näher ein und stellt fest, daß die Frage über- Haupt noch auf keinem Kongreß oder einer sonstigen Tagung„glück- lich" gelöst worden ist. Die Resolution ist gar nicht so gering ein- zuschätzen, sie will im Gegenteil die Maifeier vereinheitlichen und ihr den wahren Charakter zurückgeben. Der Antrag Köln wird ganz, der Antrag Barmen-Elberfeld in seinem ersten Teil angenommen. Folgende Resolution wird zur Maifeierfragc angenommen: „Ter Verbandstag hält das Rundschreiben der General- kommission und des Parteivorstandes für keine glückliche Lösung der Maifeicrfrage, sondern er steht auf dem Standpunkt, daß die Regelung der Maiseier den Verbänden selbst überlassen bleiben soll. Ter Verbandstag stellt deshalb an den nächsten Gewerkschaftskongreß die Forderung, die Maifeierfrage erneut zu behandeln und zu versuchen, eine anderweitige Lösung der Maifeier herbeizuführen." Zum nächsten Gewerkschaftskongreß werden D i e h l- Frank- furt a. M. und Färber- Hamburg gewählt. Dem Kongreß sollen Anträge betreffend Verschmelzung des Asphalteurcrvcrbandes mit dem Dachdcckerverband in Vorschlag ge- bracht werden. Dann werden einige Statutenänderungen vorgenommen. Zu- nächst wird beschlossen, daß alle Revisionen der Hauptkasse und der Bücher am Sitz der Zentrale vorzunehmen sind. Abgelehnt wird der Antrag Dresden: Die Ucbcrführung der Gelder an die Hauptkasse hat seitens dar Filialen mindestens monatlich einmal zu geschehen. Alle drei Monate haben die Filialen mit der Hauptsache abzurechnen; auch über lokale Einnahmen und Ausgaben, damit Unregelmäßig- leiten in Kassenverhältnisscn vorgebeugt werden kann. Da noch ziemlich viel Arbeit vorliegt, beschließt der Verbands- tag, eine Abendsitzung vorzunehmen und die Punkte Bauarbeiter- schütz und Arbeitsnachweise zu streichen. Der Jentralverband des ttchrnschen Kühntnptrsonals hielt seinen 5. Verbandstag im Gewerkschaftshause zu Berlin ab. Vertreten sind die Zahlstellen: Berlin. Hamburg, Leipzig. Magd«- bürg und Gera durch 8 Delegierte. Nicht vertreten sind die Zahl- stellen: Breslau. Frankfurt a. M. und Augsburg. Der Zentral- vorstand ist durch den Vorsitzenden Schäfer und den Schrift- sichrer Müller vertreten. Der Kassierer G a b e r t war durch Krankheit verhindert der Sitzung beizuwohnen. Aus dem Geschäftsbericht, welcher gedruckt vorlag und den der Vorsitzende Schäfer noch er- gänzte, ist zu entnehmen, daß der Mitgliederbestand stetig, wenn auch nur mäßig, gestiegen ist. Die Mitgliederzahl beläuft sich auf 425. Durch die unregelmäßige und lange Arbeitszeit, welche an manchen Theatern 11— 16 und noch mehr Stunden dauert, sind die Angehörigen des Berufes schon so abgestumpft, daß es schwer bält, dieselben aufzurütteln und der Organisation zuzuführen. Zwei Zahlstellen, Stettin und Dresden, sind wieder verloren ge- gangen, doch steht zu hoffen, daß dieselben in späterer Zeit wieder zurückgewonnen werden können. Die Zahlstelle Gera ist neu hin- zugekommen. Ferner stand der Verband in Unterhandlung mit den Kollegen in Weimar, Königsberg, Stuttgart, Münster und Schwerin, doch haben die Verhandlungen noch zu keinem Resultat geführt. Roch anders liegen die Verhältnisse in Düsseldorf. Dort und in anderen Städten des Rheinlandes kam es zu Grcnzstrclttg- leiten mit dem Verband der Staats- und Gemeindcarbeiter.— Lohnbewegungen waren in Berlin. Hamburg und Leipzig zu ver- zeichnen. Den Bühnenarbeitern vom Lortzing-Theater in Berlin wurde eine Zulage von 19 und 5 M. monatlich sowie der freie Tag bewilligt. Ten Arbeitern vom Theater des Westens in Berlin wurde auf ihre Forderung eine Lohnerhöhung von 19 Proz. bewilligt, auch die Abendarbeitcr haben eine Zulage bekommen, und erhalten jetzt pro Abend 1.59 M. Der freie Tag konnte leider noch nicht erreicht werden.— Die Hamburger Bühnenarbeiter vom Stadt-Theater und Thalia-Theater erhielten auf ihre Forderung eine Lohnausbefferu-ng von monatlich 19 M. Ebenso erhielten sie alle 12 Tage einen vollständig freien Tag bewilligt. Auch die Lcip- ziger haben einen Erfolg zu verzeichnen.— Zum Kassenbericht machte der Vorsitzende Schäfer Mitteilung von der Erkrankung des Kassierers G a b e r t. Das Hauptbuch sowie die Abrechnungen ind zur Stelle und stehen den Delegierten zur Einsichtnahme zur Verfügung. Der Kassenbericht liegt gedruckt vor. Ter Kassen. bestand betrug am 1. Januar 1997 2826,61 M., die Einnahme bis 1. Januar 1998 2626,52 M.; die Ausgabe 922,95 M., darunter 616,59 M. für die Zeitung; der jetzige Bestand beträgt 4531,98 M. Der Kassenbcstand der einzelnen Zahlstellen beträgt 2969,39 M. Das Gesamtvermögcn des Verbandes ist demnach 7599,47 M. Nach eingehender Diskussion wird auf Antrag Christ- Gera dem Vorstand sowie dem Kassierer Decharge erteilt und dann zur Beratung der Anträge geschritten. Zur Debatte steht zuerst der Antrag der Zahlstelle Leipzig: „Der Verbandstag möge beschließen, daß wir uns der Generalkommission der Getverkschaften Deutschlands mischließen. Sollte dies nicht möglich sein, so möge dahin gewirkt werden, daß wir als Sektion in einen großen Zentralverband übertreten." W e tz i g- Leipzig begründet den Antrag. Redner führt aus, daß der Verband von verschiedenen Seiten nicht für voll angesehen werde, weil er der Generalkommission nicht angeschlossen sei. Ferner befürwortet er den Anschluß an eine größere Organisation. Bei Verhandlungen zwischen Direktoren und Bühnenarbeiten sei es besser, wenn letztere nicht zugegen sind, da dieselben nicht die nötige Festigkeit besäßen, um die Forderungen aufrechtzuerhalten, aus Furcht vor etwaiger Maßregelung. Es sei daher besser, wenn solche Leute an den Perhemblungcn teilnehmen, welche der Bühne fernftehen»-' j Müller- Berlin: Daß wir nicht der Generalkommission an« geschlossen sind, ist nicht unsere Schuld. Wir haben schon früher den Anschluß bcautragt, aber weil der Holzarbeitcrvcrband Eiu- spruch dagegen erhoben hat, sind wir abgewiesen worden. Doch was den Photographcn, Notenstechern, Tylographen, Formsiechern und Blumenarbcitern recht sei, das müsse den Bühnenarbeitern billig sein. Die genannten Gewerkschaften haben nicht mehr Mitglieder aufzuweisen, als der Verband des technischen Bühnenpersonals. Daß die Leistungen einer kleinen Gewerkschaft ebenso gut sein können, wie die eines großen Verbandes, sei an den Formsiechern zu sehen. Diese Gewerkschaft z. B. hat einen Vermögcnsbestmid von 21413 M. In einem Jahre(1996) gab diese Gewerkschaft 3744 M. für Streiks im eigenen Berufe, 3144 M. für Arbeitslosenunterstützung und 259 M. für Streiks anderer Berufe aus. Dies sei der beste Beweis für die Leistungsfähigkeit einer kleinen Ge- werkschaft. Wir beantragen daher nochmals auf Grund des allgemeinen, gleichen Recbw Anschluß an die Generalkommission. Wird uns dieser abernials verweigert, nun so müssen wir eben sehen, wie wir auch ohne dem vorwärts kommen. Jedenfalls bat keine andere Gewerkschaft das Recht, die Bühnenarbeiter für sich in Anspruch zu nehmen, da dieselben Mitglieder fast aller Berufe in sich vereinigen und infolge ihrer eigenartigen Arbeitsverhältnisse nur selbst ihre Interessen vertreten können. Was den zweiten Teil des Antrages Leipzig betrifft, so handelt es sich hier um nichts mehr oder weniger als um die Frage, ob wir als eigene Gcwerk« schaft unsere Selbständigkeit bewahren wollen, oder ob wir in Zu- kunst nur als trauriges Anhängsel eines anderen Verbandes weiter existieren wollen. Redner wendet sich dann scharf gegen den Uebertritt in eine andere Organisation. Er führt unter anderem aus, daß es dem Bühnenarbeitcr nicht möglich sei, die belehrenden Vorträge, welche andere Verbände für ihre Mitglieder veranstalten, zu besuchen, ebenso die Sonntagsvergnüguugen, Mmtineen usw. In großen Versammlungen, in welchen wichtige Beschlüsse gefaßt werden, seien die Bühnenarbeitcr nicht stimmfähig, tveil sie ja gerade um diese Zeit in den Theatern steckten. Prompt und pünkt- lich aber müßten sie alle Extrabeiiräge uslo. bezahlen, welche der Verband beschließt. Daß diese bei Streiks und Aussperrungen recht hohe sein können, habe die Erfahrung beim Holzarbeiter- verband im Vorjahre gezeigt, und manchen von unseren Mitgliedern, welche, wie Kollege C h r i st aus Gera hier anführte, an manchen Orten nur ein Monatsgehalt von 89— 85 M. erhalten, würde es wohl sehr schwer fallen, Ivöchentlich davon womöglich noch 2 bis 3 M. zu zahlen. Die erste Folge des Uebertritts wäre auf jeden Fall die Flucht von mindestens einem Drittel der Mitglieder. Aber auch in Zukunft werde es dann schwer halten, diejenigen für uns zu gewinnen, welche bereits einer anderen Organisation an. gehörten. Auch die Frage mit den Abendarbeitern könne nicht in befriedigender Weise gelöst werden, tveil es so etwas in anderen Verbänden eben nicht gibt.— Nach noch weiteren Ausführungen bittet Redner, den Antrag betreffs liebertritt in einen anderen Verband abzulehnen. Nachdem hierzu noch einige Redner gesprochen, wird ein- stimmig eine Resolution Ho Ist-Hamburg angenommen, welche lautet: „Die Generalversammlung des Zeniralverbandes des tcch- nischcn Bühnenpersonals nimmt Kenntnis davon, daß die Gene- ralkommissioii dem Anschluß obiger Organisation au die Ge- wcrkschaften Deutschlands ablehnend gegenüberstand. Die Gene- lalversammlung kann den Einwand des HolzarbeiterverbandeS. der die Bühnenarbeiter für sich reklamiert, keineswegs als be- rechtigt anerkennen. Sie beauftragt den Vorsitzenden, an dem in diesem Jahre stattftndcnden Gewerkschaftskongreß teilzu- nehmen und dort die Interessen unserer Organisation wabrzu« nchnien." Nach einer längeren Debatte betreffend die Anträge zur Beitragserhöhung und Arbeitslosenunterstützung wird beschlossen, den Beitrag von 25 Pf. auf 49 Pf. wöchentlich zu erhöhen. Der Zentralvorstand wird beauftragt, im Jahre 1999 einen Verbandstag einzuberufen und bis dahin das notwendige Unterlagsmaterial zu sammeln, um für die ArbeitSlosenuntcr- stützung geeignete Vorschläge machen zu können. Die Zahlstelle Gera stellt den Antrag, daß Mitglieder, welche vier Wochen mit ihren Beiträgen restiereu, ohne um Stundung nachgesucht zu haben, als ausgeschieden zu betrachten sind. Nach kurzer Debatte wird eine Karenzzeit von 8 Wochen beschlossen.—• Zwei Anträge, tvelche den weiteren Ausbau unserer Zeitung be» zwecken, werden aus finanziellen Gründen abgelehnt.— Ein Antrag des Zentralvorstandes, die Staffelung für die Stcrbeuntcr- stützung wie folgt festzusetzen: bei einjähriger Mitgliedschaft 29 M.. bei dreijähriger Mitgliedschaft 39 M., bei fünfjähriger Mitgliedschaft 59 M.» bei achtjähriger Mitgliedschaft 69 M., wird angenommen.— Der Antrag:„Eine Petition au den Reichs- tag zu richten betreffs Einführung eines gesetzlichen Ruheta�rs", wird ohne Debatte cinstiimnig angenommen. Es folgt der Antrag des Zentralvorstandes:„Die Beiträge auf 49 Pf. und die der Hülfsarbeiter auf 29 Pf. wöchentlich zu erhöhen". Der Antrag ist in feinem ersten Teil schon erledigt. Die Beitragserhöhung für die Hülfsarbeiter auf 29 Pf. wöchentlich wird ebenfalls angenonvne». Der Antrag zum§ 6 des Strcikrcglements:„Hülfsarbeiter erhalten ein Drittel der Unterstützung", wird angenommen.— Ein Antrag ans Gera:„Die Mitglieder während der Dauer von nachtveisbarcr Krankheit oder Militärdienst von den Beiträgen zu befreien", wird angenommen.— H o l st- Hamburg stellt noch folgenden Antrag: „Die Erhöhung der Beiträge tritt am I. September 1998 in Kraft, mit der Maßgabe, daß den einzelnen Zahlstellen das Recht zusteht, die Erhöhung sofort in Kraft treten zu lassen.'* Nach kurzer Debatte wird der Autrag angenommen. Für den Vorstand vorgeschlagen sind: als Vorsitzender Paul Schäfer, als Kassierer Julius G a b c r t und als Schriftführer Emil Müller. Alle drei Vorgeschlagenen werden per Akklamation wiedergewählt. Als Entschädigung werden für den Vorsitzenden monatlich 13 M.„ für den Kassierer 3 M. bewilligt. Der nächste Verbandstag findet im Jahre 1999 statt. Es wird dem Borstand überlassen, das Datum festzusetzen. Für die auswärtigen Delegierten werden' 8 M. Diäten bewilligt, für die Berliner 3 M. Nach einer Schlußrede des Vorsitzenden wird der Verbandstag geschlossen. Wittermigsübersicht vom 25. April 1908, morgens 8 Uhr./ eUHmen B S?- ZwMemde Hamburg erlin Vöö.SSO 757 WNW 756 NW Aransta M. 756'NO München 1 756 NW Wien ! 755 Still 3 wolkig 2 bedeckt 2 halb bd 2 wolkig 2 bedeckt — halb bd. ü« S w H 5- e 4 7 4 6 7 SlaHonm O" S 5 53=■ B 1 Haparanda Petersburg Scillh Nberdeen Parti 771 Still 767 ONO 748 A 747 SW 753 SSO veUn heiter 2 Nebel 5 Schnee 2l!>ol!cnl 2 halb bd. ! öS c% »« t» s> o 2 1 1 1 Wetterprognose für Tonntag. den 2«. April 1998. Zunächst kühler, später wieder etwas wärmer bei mäßigen östliche» Winde» und veränderlicher Bewölkung: keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wette rb n reau. Miir eeu Iuhal, de» Jnlerare aderutmmt die Red>,ttton dem Vnblitnm gegenüber keinerlei Nerannnortnng. Zhcrtcr. (Siehe Woche«• Spielplan.) Sonntag, den 2L. April. Freie Volksbühne. Nachmittags 3 Uhr: l4./lS. Abteilung: im Neuen Schauspielhause: Die Kralle. 5./6. Abtei long, nachmittags 3 Uhr: im Berliner Theater: Der ledige Hof. Neue Freie Volksbühne. NachmtttagS 2'/, Uhr: Ertravor- stcllung in den Kammcrlpielcn: Frühlings Erioachen. Rachmittags 2'/, Ubr: 16. Mtcl- lung im Deutschen Theater: Romeo und Julia. Nachmittags 3 Uhr: 19. Abteilung im Neuen Theater: Die Hemsöer. Nachmittags 3 Uhr: 21. Abteilung (20761— 21000): 22. Abteilung (voll) im Schiller-Theater 0.: Da§ Glück im Winkel. Nachmittags I Uhr: 4. Abteilung (3760-4000), 5. ilbt-ilung(voll) im Friedrich- Wilhclmstiidtischc» Schauspielhaus: Die Mbelungen. Nachmittags 3 Uhr: 8. Zlbteilung (7001—7650), 9. Abteilung(8001 vis 8700) im Schiller-Theater Charlottcnburg: Das vierte Gc« bot. Nachm. 3 Uhr: Extravorsiellung im Hebbel-Thcat.: Maria Magdalena. Dienstag. avdS.8Uhr: 13. Aoteilung imLortzing-Theatcr: Fra Diavolo. verliner Theater, Abends 7'/, Uhr: Alt-Heidelberg. Heues Theater. Anfang 8 Uhr. Die flute(Partie. Morgen bis Mittwoch 8 Uhr: Die gute Partie. Donnerstag z. erstenmal: Ramon, der Abenteurer. Ans.'1,8 Uhr. Kleines Thealer. Nachm. 3 Uhr: IHnndrasrola. Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5* Montag: 2 mal 2= 5. DienStag: 2 mal 2= 5. Mittwoch: 2 mal 2= 5. Hebbel-Theater, Gastspiel der Nedorlandscho Toonoelvereeniging; Abends 3 Uhr: ISot nevente Gobod. (Das siebente Gebot.) Sittenkomödie in 4 Akten von Herrn. HctjermanZ. Theater dervestens. 8 Uhr: Ein Vt'alzortranm. Sonntag nachm. 3'/, Uhr, halbe Preise: Witwe. Neues Operetten-Theater Schiffbaucrbamm 25, au der Luisen str. Nachm. 3 Uhr zu halben Preisen: vor Opornball. Abends 8 Uhr; Ter Mann mit den drei Frauen. Residenz-Theater. — Direltion: Richard Alexander.— Abends 8 Uhr: Der Floh im Ohr* Schwank in drei Alten von Georges Fcydcau. Deutsch von Wolss-Jacovy. Sonntag, de» 26. April. 3 Uhr: Haben Site nichts zu verzollen? friedrlch-Wiltislnistädtischss Schauspielhaus. Nachm. 3 Uhr: Der gehörnte Siegfried. Siegfrleds Tod. Abends 2 Uhr: Sem Prinzeszche». Montag: Die Brüder v. So Bernhard. Lustspielhaus. Nachm. 3 Uhr: Panne. 'Abends 8 Uv: Gastspiel Henri d e V r i e S: Der Brandstiftcr. Vorher: Sein Alibi. ____ Ansang 8 Ubr._ Luisen-Theater. Sirichenbrrger Strafte 31. • Nachmittags 3 Uhr: Der wilde Reutlingen. Abends 8 Uhr: Der Mann mit den vier Franen. Montag: Der wilde Rentlingen. DienStag. Mittwoch, Donnerstag: Geschlosten. Freitag: Benefiz Kurt PauluS, Premiere: Der Weg ins Verderben. Reiehshanen-Theater. Her Sanier. Anfang Wochentags 8»hr. Ansang Sonntags 7 Uhr. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Abends 8 Uhr: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Katarakt. Wontag 8 Uhr: Kairo und die Pyramiden. Berliner jlqnamn Unter den Linden 68a Eingang Sobadow-Struße No.14. Heule Sonntag Eintrittspreis PF 25 Pf o"WU Reiolihaltigste Ausstellung der Welt an lobenden Seetieren, Reptilien etc._ 128/6 Passage-Panoptikum. Heute letzter Volks'Sonntag! Morgen tStÄkk VMtSg! Jeder Erwachsene ein Kind frei! 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Enlouboltas, Luftgymnastikor 3 Kraggs, Akrobaten. Jltay de Üonza, amerikanische Sängerin.. THchernolT, Dresseur. Hlllmunn-Trlo, Drahtseilakt. Corwey, musikalischer Clown. Pnlace G Irls, englische Gesangs- und Tanz-Truppe. Uli Hchvoibcr, Soubrette. Der Biograph.__ BS alhalla- Variete-Theater Weinbergsweg 19/20, Rosonthaler Tor. Heute �Vorstellungen. Nachm. 3'/, Uhr: Kleine Preise. Jed. Erw. ein Kind srei. Abends 8 Uhr. l)g8 gloDgltige /tplilpsoglsrnm. Oallus. Abendpr'; 0.70, 1.10, 1.60, 2 H. Tunnel: Hllltfir- Konzerte. Theaterbesucher freien Eintritt. tKoMIlVr- Sohilter- Theater 0.(Wallner-Tbrater). Sonntag, nach in. 3 U b r: � Das Oltick im Winkel. Schausp. in 4 Zilien v. tz. Sudcnnann. Sonntag, abends 8 Uhr: Hans Hnekebeln. Schivank in drei Alten von Oslar Blumenthal u. Gustav Kadelburg. A! o» t a g. a b e Ii d s 8 Uhr: Der Weg zum Herzen. DienStag, abends 8 Uhr: Stein unter Steinen. Theater. Schiller-Theater CharlatleRburg. Sonntag, nach in. 3 Uhr: Das vierte Kebot. VollSstück in 4 Akten o. L.ZIttzeiigrnber. Sonntag, abends 8 Ubr: 0er Widerspenstigen Zähmung. Lustspiel in 5 Auszügen und einem Vorspiel von William Shakespeare. Montag, abends 8 II h r: Ver Widerspenstigen Zähmung. D i e Ii s I a g. nbenbS 8 Übt: Der Widerspenstigen Zähmung. Trianon-Theater. Gastivicl Charlotte Wiehb. Seine erste Frau. Tie Hand(Da main). _ Ansang 8 Uhr._ C b'ÄMsÄ Hagerkeit schwindet durch Haute* Kähr- pulver„Thilossia". Preisgekrönt Berlin 1904. In 3 bis 4 Wochen bis 18 Pfd. Zunahme. Gar. unschiidl. Viele Anerk. Karton 2 Mk., bei Postversand Porto u. Nachnahme- spesen extra. Fr. H. Haute, Berlin N., Greifenhagenerstr. 70. Depots in Berlin: Cuisenstädtlsehe Apotheke, Köpenickerstr. 119.— As- kanische Apotheke, Bernburgerstr. 3 beim Anhalter Bahnhof.— Ostend- Apotheke, Frankfurter Allee 74. In Charlottenburg: Minerva-Apotheke, Bismarckstr. 81. C., Steinapotheke, Rosenthalerstr. 61. Bestandteile: Pflanz. Eiw. Haeraogl. Lecitb. Banm. Natronclh. Cac. 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Allen denen, die mir bei der Vc- crdigung meiner Frau in so reichem Maffe ihre Teilnahme bekundeten. insbesondere dein Pflanzer- Berein „Bundschuh", meinen ehemaligen Kollegen der Firma Sauerwein, den Mitbewohnern des Hauses Richard- straffe 46, Herrn W. Manasse sowie dem'Gesangverein.Sorgcnsrci", sage ich hiermit namens der Hinterbliebene» meinen herzlichsten Dank. Rirdors, den 25. April 1908. Heruiauu ApfelgrUn _ Richardstr. 46.____ Bad Reinerz x, V» Stern. Z - Eckerts- Larg- Magazin Krerdtgungs-Injlitut Zionskirchplatz 3 »In,«189. 2zi2L' Lieferung nach allen Kranken- Häusern sowie nach außerhalb. Bitte genau zu veachlen l Westmanns ftrautrmagazinl Eckhaus Kolouadcn Mohreitstrliße 37 il, a. d. Jcrusalemerstraffe. , Filiale! dir. frankfurter Str. HS, j 2. HauS an der AndreaSstr. Ausführiiug und Preise konkurrenzlos! , Bei Borzeigung dieser Anzeige vergüte ich 10% | in dar. ffüwpnhällpp jeder Art Auguxta- ftllWClIUllliei Bad. 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April, verstarb unser treues Mitglied, der Maurer 210/14 Heiapieh Richert Culmstr. 17. Ehre feinem Andenke»! Die Be erdigung findet am Sonntag, den 26. April, nach, mittags:'l'!2 Uhr, von der Leichen- halle des Luther-Kirchhofes in Lanlwitz, Marienselderstraffe, aus statt. Der Borttand. �iMitioki'aliscliei'Walilvei'eiii für den f. Mnerkeiebslags-VaMktm iFrankfiirter Viertel.) Bezirk Nr. 280. Den Mitgliedern zur Nachricht, daff unser Genosse, der Steinmetz Rernltsnl Valdbaum Kaiserslr. 39/40 fitflotßcn ist. 217/18 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 27. April, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Bartholomäus- Kirchhofes in Weiffensee, Faifenberger Weg, aus statt. Der Torstand. Zentral-Verband der Steinarbeiter. Filiale Berlin I. Am 23. d. M. starb unser Kollege Bernhard Waldbaum an der Berusskrankheit. Die Beerdigung findet an, Montag nachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des Bartholo- mäuSlirchhoseS, Weiffensee, Fallen- bergerstraffe, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 171/12 Di« Ortsverwaitung. Deutscher Metallarbeiter-Verband DerivaltuiigSstelle Berlin. Tode»- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daff. unser Mitglied, der Former Hermann Raeder am 22. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am 27. April, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des St. Philippus- Aposlel-Kirchhoses, Müllerstraffe 44—45, auö statt. Rege Beteiligung erwartet 115/16 Die Ortsverwaitung. ZeaMMlMateiire. (Filiale Berlin). Am 22. d. M. verstarb nach langem Leiden unser Kollege Chr. Gollmert im 61. Lebensjahre. 173/5 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 4 Uhr von der Halle des SchönebergerJriedhoses, Max- straffe, ans statt. Zahlreiche Teilnahme erwartet Die OrtSveriualtung der Filiale Berlin des Zentral- Verbandes der Stukkateure. iZentralverbandderDaelitiecker. Filiale Berlin. Am 18. April verstarb infolge Sturz vom Dache unser Kollege (justav Neumann. Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung findet Soimtag nachmittag» ff, 4 Uhr aus dem neuen Nazareth- Kirchhos Neinickendors-West statt. 54/7 0er Vorslaitll in Todes-Anzeige. Am Donnerstag, abend»'13 Uhr, entschliej nach lurzein Kranken- lager mein lieber Man», unser Vater, Groffvater und Schwieger- vater Karl Stirtz, Töpfermeister, Kleine AndreaSstraffe 0. vis trauernden tiinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonniag, den 26. April, nach- mittags ff.S Uhr, von der Leichen- balle des Georgen- KirchhoseA Landsberger Allee, auü statt. � Danksagung. Für die vielen Belueise und herz. liche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManneS sage ich allen Teilnehmern, insbesondere den Stein« drucken« und Lithographen, meinen besten Dank. Wttve Ebel geb. Blum«0Uiil, Scheidemann& Cassel! nur Kommandantenstrasse 70-71, parterre und I. Etag-e. der Frühjahrs-Saisoni zu konkurrenzlosen Freisen. 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Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdrucker« u: VcrlaasauÜalt Raul �ipa»> f flJcrJi- »t. 98. 25. 1.1 w 4. DeilM des„potmitto" Kerliller Poitelihlt. �itcrarifcbe Rundfcbau. ilarxian Economic«!.(Marx' ökonomischeLehren.) Eine populäre Einführung in die 3 Bände von Marx'.Kapital". Von Ernst Untermann. Chicago, Charles H. Kerr u. Co. 197 in englischer Sprache herausgekommen, und der dritte werde nicht vor 1908 zur Veröffentlichung fertig fein. Auf diese Weise seien die Kritiken über Marx' vollständiges Werk den amerikanischen Lesern eher vorgelegt worden als das Werk selbst. Man kann sich vorstellen, was amerikanische Pro- fcssorcn und Studenten aus diesen Kritiken über Marx heraus- gelesen haben. Um diesem unwürdigen Zustande ein"Ende zu machen, will nun Untermann in dem vorliegenden Bande dem amerikanischen Publikum eine populäre Zusammenfassung der vollständigen ökonomischen Lehren von Marx bieten, damit jeder, der eine Kritik seiner Theorien liest, auch imstande sei, ihren wirk- lichcn Inhalt kennen zu lernen. Zweifellos ein Unternehmen, dem man nur die wärmsten Sympathien entgegenbringen kann, und das auch nach Veröffent- lichung des 2. und 3. Bandes des„Kapital" noch seinen Wert de- lialtcn mutz. Tenn sicherlich werden viele Amerikaner und Eng- lander das Original nie lesen, die sich gern aus einer leichteren und kurzen Popularisierung informieren werden. Fragt sich nur, wie Untermann die Aufgabe gelöst hat. Und da mutz ich gleich von vornherein sagen: das Buch ist autzcr- ordentlich ungleich gearbeitet; es enthält Kapitel, die geradezu vorzüglich sind, und daneben wieder andere, bei denen man sich kopfschüttelnd fragt, wie es möglich sei, datz sie von ein und demselben Verfasser herstammen. Und was das schlimmste ist: die schlechten, langweiligen Kapitel stehen gerade an der Spitze des Buches. Ich fürchte sehr, gar mancher Leser, der sich durch die ersten 40—50 Seiten hindurchgearbeitet hat. wird das Buch mitz- mutig und enttäuscht aus der Hand legen, und es werden ihm die späteren, zum Teil vorzüglichen Darlegungen verloren gehen. Ich mutz mein scharfes Urteil begründen. Uebcr die Methode, die er befolgen will, sagt Untermann im Vorwort: „Ich habe mich bemüht, den ganzen Gegenstand historisch zu entwickeln. Tics setzt mich in Stand, den Gegenstand zu beleben und mich nicht nur an den kritischen Verstand, sondern auch an das Gefühl deS Lesers zu wenden.... ... Menschliches Fühlen in ein wissenschaftliches Werk hincinvcrflcchtcn, bedeutet noch nicht, historische Ereignisse und Individuen nach einem persönlichen Gcfühlsstandpunkte beurteilen. Tie indibidualistischcn Historiker der Bourgeoisie haben das incnschlickie Fühlen in Mitzkrcdit gebracht, indem sie eS auf einen t indisch-sentimentalen.Standpunkt hcrabzerrtcn. Andererseits kann aber ein Gefühl, das auf induktiv gewonnener und objektiv angewandter Grundlage beruht, nicht sentimental sein, noch das Urteil trüben. Es kann vielmehr nur dem induktiv erworbenen Verständnis die Kraft der Begeisterung oder bewußt erweckten Mut beifügen. ... Tie Wissenschaft des Sozialismus steht nicht gefühllos über, sondern voller Leben mitten i n den Klassenkämpfen, sie zieht ihre Kraft aus den lebendigen Vorgängen... Und des- balb spiegelt mein kleines Werk nicht allein trockene Tatsachen. sondern auch daS Gefühlsleben(Ute emotional side) wider, das ebensowohl eine Tatsache ist, wie alle anderen auf induktivem Wege crfatzten Tatsachen deS Lebens, und das wir vom Gesichts- Punkt induktiver Wissenschaft interpretieren." Ich gestehe offen, datz ntich diese Zeilen sofort mißtrauisch gc- macht haben. Gegen eine historische Darstellung habe ich natürlich gar nichts einzuwenden. Ich bin zwar nicht der Ansicht, datz eine solche an sich lebendiger und anziehender sein mutz als eine rein logische Darstellung; vielmehr bin ich überzeugt, datz auch der streng logische Aufbau einer nationalökonomischcn Schrift das Interesse des Lesers erweckt. Aber ich weiß, datz die Auswahl der Form eine wesentlich persönliche Angelegenheit des Verfassers ist. Dem einen „liegt" die historische Tarstcllungsweise besser als die logische, beim andern ist es umgekehrt. Also dagegen ist nicht das geringste ein- zuwenden, datz Genosse Untermann sich für die historische Dar- stcllungsweise entschieden hat. Ebenso gut wcitz ich, datz bei jeder guten Darstellung des anscheinend so trockenen Stoffes das Gefühl des Lesers nicht minder auf seine Rechnung kommt, als der Bcr- stand.??ur die Absichtlichkeit mutz dabei stören. Wer den Stoff mit Liebe durchgearbeitet hat und ihn nun mit derselben Liebe und inneren Wärme zur Darstellung bringt, der wird dadurch ganz von s e l b st die„Seite des Gefühls" mtt befriedigen. Die laute Betonung dieser Absicht legt dagegen die Befürchtung nahe, daß künstlich etwas in den Stoff hineingetragen werden soll, was an sich nicht darin liegt.- Diese meine Befürchtung wurde durch die Lektüre der ersten Kapitel nicht nur bestätigt, sondern leider sogar noch übertroffen. Schon daö mutz unliebsam auffallen, daß die beiden ersten Kapitel im wesentlichen angefüllt sind mit mehr oder minder guten Witzen über Roscher und Henry George. Möglich, datz deren Geschwätz in Amerika noch eine bedeutendere Rolle spielt als bei uns in Teutschland, wo sie so ziemlich verschollen sind. Möglich also, daß Ihre Widerlegung in einem amerikanischen Buche ganz-am Platze ist. Aber darum muß es doch eben eine Widerlegung sein, wenn auch meinetwegen in satirischer Form. WaS Unter- mann gegen sie anführt, ist aber keine Widerlegung. Man nehme z. B. Roschers kindische Vorstellung von der Entstehung des Kapitals: bei einem Fischcrvolk, wo im Durchschnitt jeder täglich dr'i Fische sängt, kommt jemand auf die Idee, 100 Tage lang nur zwei Fische pro Tag zu essen, den dritten aber zu„sparen", dann nach 100 Tagen eine Weile von den„gesparten" Fischen zu leben, in- zwischen sich ein Netz und ein Boot zu machen und nun mit Hülfe dieses„Kapitals" täglich 30 Fische zu fangen. Was hat Untermann hierauf zu erwidern?— Er fragt, ob Roscher schon einmal in einem Klima, wo die Leute nackt gehen, einen Fisch gefangen und 100 Tage lang aufbewahrt habe; jeder Torfjunge könne ihm sagen, datz dieses„Kapital" in weniger als einer Woche verfault sein würde.— Man sieht, diese ganze Widerlegung stützt sich auf einen bei Roscher völlig nebensächlichen Umstand, so nebensächlich, daß ich ihn oben ausgelassen habe; auf den Umstand nämlich, daß Roscher von einem Volksstamm redet,„der nackt in Höhlen wohnt". Tie Widerlegung«st also ihrerseits widerlegt, sobald man das Roschcrsche Kindcrmärchcn zu den ESkimoS verlegt. Und außer- dem sieht doch jeder unbefangene Leser, datz Roscher hier nur ein Beispiel konstruiert und datz seine Theorie selbst dann richtig sein könnte, wenn er sich in dem ganzen Beispiel vergriffen haben sollte. Mit dem dritten Kapitel beginnt Untermanns„historische Me- thode". Hier einige Proben davon: „Ungezählte Jahrtausende, bevor aus den alten prähisto- rischen(vorgeschichtlichen) Ueberlicferungen der jüdischen Stämme die Sagen von Adam und Eva entstanden, streiften Banden von haarigen, menschenähnlichen Geschöpfen durch die Urwälder. Diese Geschöpfe glichen einander in ihrer allgemeinen Körperstruktur und in ihren allgemeinen Lebcnsgewohnheiten. Doch unterschie- den sie sich voneinander in einigen besonderen Eigentümlichkeiten. Die einen bauten primitive Nester auf den Wipfeln der Bäume. Sie verbrachten ihr ganzes Loben auf den Bäumen. Nur bei seltenen Gelegenheiten kamen sie auf den Boden herunter. Sie jagten, aßen, schliefen, zeugten Nachkommenschaft und starben auf den Bäumen..." Nun folgt eine ausführliche Beschreibung nicht nur bei AuS- sehens dieser„baumbcwohncndcn Geschöpfe", sondern sogar ihrer Lebensgewohnheiten! Weiter heißt es dann: „Andere benutzten Höhlen als Obdach. Sie lebten meistens am Boden, obgleich sie ebenfalls gute Kletfercr waren... Sic gingen häufig aufrecht und benutzten dabei Stöcke, um sichimGlcichgcwichtzuhaltcn(!!!).... die Höhlen- bewohncr konnten nur in großen Höhlen leben, die viele enge Scitcngänge und hohe Winkel hatten, wohin die Raubtiere nicht kommen konnten...." Außerdem soll in denselben Ländern noch eine dritte Sorte von ähnlichen Geschöpfen gelebt haben, ebenfalls sehr haarig. „aber ihr Haar ivar so fein, daß überall die Haut durchschimmerte. autzcr auf dem Scheitel, dem unteren Teil des Gesichts, der Brust und dem unteren Teil des Rumpfes..." Tann folgt eine ausführliche Schilderung wie diese drei Arten von Affen— lvovon die letzten, die menschenähnlichsten, auch Ur- menschen genannt werden können— sich aus Kindern derselben Eltern allmählich entwickelt haben durch Anpassung an die Umstände, unter denen sie lebten: „Natürliche Zuchtwahl und fortgesetzter Gebrauch von langen Armen hatten zur Erschaffung des Baumtypus der Affen geführt. Mehr symmetrische Arme und Beine hatten den Höhlcntypüs der Affen geschaffen. Und der größere Hirnumfang mit einer Ten- denz(!) zu besser entwickelten Beinen hatten den McnschentypuS mit Füßen statt Hinterhänden geschaffen."*) In dieser Weise geht es noch viele, viele Seiten weiter, im ganzen nicht weniger als 32 Druckseiten. Doch werden dke ange- führten Proben ivohl genügen. Wer jemals von Darwin und von der natürlichen Zuchtwahl gehört hat. der weiß nun schon, was hier vergeht. Es liegt auf der Hand, datz Untermann über die Lebens- gewohnheiten und den EntwickelungSgang der Affenmenschen und Menschenaffen, die vor ungezählten Jahrtausenden gelebt haben sollen, a u s h i st o r i s ch c n Q u c l l c n g a r n i ch t L w e i tz; denn historische Quellen für so weit zurückliegende Zeiten haben wir nicht. Statt dessen konstruiert sich Untermann aus den modernen Theorien, die er für die richtigen hält, die Zustände der damaligen Zeit. d. h. er begeht den schlimmsten Fehler, den ein Historiker über- Haupt begehen kann. Es ist in der Tat derselbe Fehler, den die mittelmäßigen Historiker der Bourgeoisie fast durchweg begehen: er erzählt dem Leser nicht, was gewesen ist. sondern wie er sich Kaiser iiifhndjftr. Empfehle allen Vereinen und Gewerkschaften zu Ausflügen und Partien mein herrlich am Wald gelegenes Lokal, drei Minuten vom Bahnhof. Großer Saal. Schattiger Garten. Kegelbahn. 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