Nr. 10V. BbonntmcritS'Bedingunacn; Abonnements- Preis vränumerando, Bierleljährl. SSO Mt, monotl. 1,10 5WI, wöchentlich 28 Psg, frei WS HauS, Sinzeine Nummer 8 Pfg. Konntag»« nummer mit illustrierter EonntagS- «eilage.Die Neue Welt- 10 Pia, Post« Abonnement: 1,10 Mark vro Monat. Eingetragen m die Post. Zeitung», Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerreich- Ungarn 2 Mark, für daS übrige«uSIan» 3 Mark pro Monat. Postabonnement» nehmen an: Belgien. DSnemarl Solland. Italien, Luxemburg. Portugal. Sum&men. Schweden und die Schwei», SS. Jahrg. CflAcist aaii» uetf noitut Berliner Volksblnkk. Zentralorgan der rozialdemohratt fehen parte» Deutfchlands. Die Intertions'Gebüfp Betragt für die sechsgespaltene Kolon» zeile oder deren Raum SO Psg., für VoNItsche und gewerlschaslliche Vereins« und VersamuilungS-Anzeigen SO Psg. „Ktrtnc Sneeigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg. jedes weiter« Wort 10 Pfg. Etellenaefuchc und Schlaj» stellen-Anzeigcn da» erste Wort 10 Pfg, jede» weitere Wort 5 Pfg. Worte übe» IS Buchstaben zählen für zwei Wort» Inserate für die nächste Nummer müssen diS 5 Uhr nachmittags in der Expedition «pgegeben werden. Die Expedition jjt dt» 7 Uhr abends geöffnet. relegramm-Adreffc: „Sulaldtmokrat Berlin", Redahtton:&CQ. 68, Lindenetrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. IS8Z. Konservative Mittelstancks- und slrbeiterfreundiichlieit. Auch die Konservativen haben heute ihren Wahlaufruf in der„Kreuzzcitung" veröffentlicht. Er ifi im Gegensatz zu dem nationalliberalen Wahlaufruf sehr kurz geraten. Aber so kurz er ist, so viel Unwahrheiten enthält er' Wir werden uns ja noch öfter mit dem konservativen Wahl schwinde! zu beschäftigen haben. Für heute sei nur die heuchlerisch zur Schau getragene„Freundschaft" für den Mittelstand und die Arbeiter ein wenig näher ge- kennzeichnet. In dem Wahlaufruf heißt es: „Unsere Gegner wollen unser bewährtes Wahlrecht beseitigen und durch eine anderweite Einteilung der Wahlkreise das politi- sche Gewicht des platten Landes und der Kleinstädte verringern. und zugleich auch den letzten Einfluß, den der Mittel- stand heute in der Volksvertretung noch bc- fitzt, schmälern und im Interesse der Großstädte beseitigen." Hier wird also behauptet, daß„unser bewährtes Wahh te'cht", das heißt, das elende Dreiklassenwahlrecht speziell dem M i t t e I st a n d den gebührenden Einfluß in der Volks Vertretung sichere. Das ist nichts als plumper Schwindel! In einer konservativen F l u g s ch r i s t. die im Verlage des konservativen„Ncichsboten" soeben erschienen ist, wird dieselbe Behauptung aufgestellt, wie in dem konser vativen Wahlaufruf: daß nämlich die Aufrechterhaltung des bestehenden Landtagswahlrechts geradezu eine Lebens frage für den Mittel st and sei. Dann heißt es: Auch die Zusammensetzung des Landtages zeigt keineswegs die Vorherrschaft der Reichen— es sitzen im Landtag: 134 Juristen. Verwaltungsbeamte, Professoren, Lehrer, Geist liche und Aerzte, 163 Landwirte, 12 Journalisten, 121 Kaufleute, Handwerker, kleine Beamte und verschiedene Berufe. Sehen wir uns die Zahlen ein wenig näher an. Unter den 114 Beamten befinden sich 32 Verwaltungs keamte, 45 höhere Justizbeamte, 27 sonstige Beamte und 1l) Offiziere a. D. ohne anderen Beruf. Die Zahl der Lehrer und Professoren beträgt 19, die der Geistlichen 17. der Rechts- anwälte 21, der Aerzte 5, der Privatbeamten 7. Fast alle diese Beamten aber sind höhere Beamte, von denen die kleinen Ge> werbetreibenden und Geschäftsleute selbst schwerlich behaupten würden, daß sie ihre Interessen im Abgeordnetenhause der- treten! Von den 163 Landwirten sind nicht weniger als III Großgrundbesitzer! Die Zahl der I n d u st r i e l l e n beträgt 25» der Rentner 32, die Kaufleute sind durch 12 Ab- geordnete, wiederum hauptsächlich Grotzkaufleute, und die H a n d w e r k c r nur durch 7 Abgeordnete vertreten! Ein Arbeiter sitzt überhaupt nicht im Abgeordnetenhause! So zeigt sich, daß die ungeheure Mehrheit aller Abge- 0 r d n e t en aus höheren Beamten, Offizieren a. D.. Geist- lichen, Rechtsanwälten, Großindustriellen, Großgrundbesitzern und Rentnern besteht. Das ist die Vertretung des Mittel- standes im preußischen Abgeordnetenhause! Es ist aber auch eine grobe Unwahrheit, daß der Mittel- stand bei dem Dreiklassenwahlrecht besonders ausschlaggebend sei. Im Jahre 1993 waren von je 199 Wählern in der ersten Klasse 3 Wähler, in der zweiten Klasse 12 Wähler und in der dritten Klasse 85 Wähler wahlberechtigt. In den Städten war das Verhältnis noch ungünstiger. In Berlin beispielsweise wählten in der ersten und zweiten Klasse von je 199 Wählen) nur 11, während 89 in der dritten Klasse wählten! Wer in der z w e i t e n Klasse wählen wollte, mußte im Durchschnitt 176 Mark Steuern zahlen, also ein Ein- kommen von 3699 Mark versteuern. Es zeigt sich also, daß der Mittelstand in der zweiten Wählerklasse nicht den Aus- schlag gibt! Vor allen Dingen aber ist der Mittelstand in den Städten selbst in der zweiten Klasse der besitzenden Klasse gegenüber vollständig ohnmächtig. Beträgt doch die durchschnittliche Steuersumme eines st ä d t i s ch c n Wählers zweiter Klasse 329 Mark! In Berlin war die durchschnitt- liche Steuerleistung eines Wählers zweiter Klasse 419 Mark! So sind der gewerbliche M i t t e l st a n d wie die m i t t- leren B e a m t e n s ch i ch t e n in den Städten durch das Dreiklassenwahlsystem genau so entrechtet wie die Arbeiter und die unteren Beamten! Daß eine Minderheit von Wählern zweiter Klasse ebenso rechtlos ist, als ob sie der dritten Klasse der Habenichtse angehörte, beweist ja hinlänglich das Wahlergebnis von 1893. Damals wurden in Berlin für die Sozial- demokratie in der zweiten Klasse von insgesamt 19 651 Urwählerstimmen nicht weniger als 5919 Stimmen abgegeben. Und trotzdem die Sozialdemokratie in der dritten Klasse von 153 998 abgegebenen Stimmen« gar 116 918 Stimmen auf sich vereinigte, gelang es der Sozial- demokratie nicht, auch nur ein einziges Mandat in Berlin zu erobern! So steht es mit der Vertretung des Mittelstandes bei dem Dreiklassenwahlrecht, das die„Kreuzzeitung"„unser bewährtes Wahlrecht" nennt, von dem sie erklärt, daß «5 nicht geändert werden dürfet. Vollends lächerlich ist es, wenn sich der konservative Wahl aufruf folgenden Satz leistet: „Ueberhaupt wollen wir die Jnteresien jedes redlichen Arbeiters, auch des nur auf seine Hände angewiesenen, sorgsam wahrnehmen." Wie die Konservativen die Interessen der Land- arbeiterschaft wahrnehmen, beweist schon der Umstand, daß gerade die Konservativen die erbittertsten Gegner des tioalitionsrechts der Landarbeiter sind, daß gerade sie die Landarbeiter für alle Zeit als Proletarier zweiter Klasse, alS Entrechtete, behandelt wissen wollen. Das beweist, daß gerade die Konservativen die hitzigsten Verteidiger der Gesinde ordnuna sind, daß gerade sie für die kriminelle Bestrafung deS KontraktbrucheS eingetreten sind I Wie aber die Konservativen gar über die Jndustriearbeiterschaft denken, das beweist folgendes schöne Gedicht, das sich in der bereits oben erwähnten konservativen Agitationsschrift befindet, die im Verlage des„Reichsboten" erschienen ist und den Titel trägt: „Vorwärts zu den Landtagswahlen 1998". In dieser Wahb schrift befindet sich auf Seite 15 folgendes„Gedicht": D i e n st b 0 t e n n 0 t in der Stadt, D i e n st b 0 t e n n 0 t auf dem Lande, Doch das Proletariat Wächst und das Heer der Schande, „Dienen"— ein häßliche? Wort! Lieber in den Fabriken Schanzen sie im„Akkord"; Zittern auch Hände und Rücken. Aber abends dann frei! Zechen und Tanzen und Lungern. Wie das Ende auch sei: Schön ist'S in„Freiheit"— verhungern l 490 lilllllonen Illarfc neue Steuern. Die imperialistische Welipoliti! kostet Geld. Es war deshalb vorauszusehen, daß das Ergebnis der vorjährigen Rcichstagswahl die der Regierung die gewünschte Mehrheit für ihre imperalistischen Kolonial- und Flottenpläne lieferte, sich recht bald in eine anschn- liche Vermehrung der Reichsschulden und der Reichssteuern um- setzen werde. Noch ist die Durchführung all der schönen Welt- politischen Pläne kaum in Angriff genommen und schon ergeben sich im Reichshaushalt so riesige Defizite, daß sich die Notwendig- keit herausstellt, der kleinen Stengelschen Rcichsfinanzreform des Jahres 1903 eine größere folgen zu lassen, die mindestens die Reichseinnahmen um jährlich 400 Millionen Mark vermehrt. Noch am 1. Oktober vorigen Jahres trug der Schuldenstand des Deutschen Reiches 4003 Millionen Mark; seitdem hat er sich durch die am 30. März d. I. bewilligte neue Anleihe im Betrage von 253 Millionen und die Ausgabe von 125 Millionen Mark neuer Reichsschatzanweisungcn um 378 Millionen Mark vermehrt, wozu sich höchstwahrscheinlich in den nächsten Wochen noch 33 Millionen Mark Kolonialanleihen gesellen werden, so daß, wenn alle Kredite begeben werden, sich am Schluß des laufenden Jahres die Reichs- schuld auf über 4400 Millionen Mark stellen dürfte. Doch das ist es nicht allein; verschiedene dringende Forderungen, darunter die von der Regierung den Rcichsbeamtcn vor der ReichstagLwahl der- sprochene Gehältercrhöhung(zirka 00 Millionen Mark) haben vor- läufig zurückgeschoben werden müssen. Und keine Aussicht bietet sich, daß sich in den nächsten Jahren die Finanzlage günstiger ge- stalten könnte. Der Rechnungsabschluß für das Etatsjahr 1007 er» gibt zwar, wie wir schon gestern darlegten, einen Uebcrschuß von zirka 6 Millionen Mark, aber nicht berücksichtigt ist dabei, daß noch immer aus dem vorigen Etat ungedeckte Matrikularbciträge in Höhe von 87 Millionen Mark vorhanden sind, von denen 53 Mil- lionen Mark den Einzelstaatcn gestundet tvurden. Dazu kommen die Ausgaben, die im Prinzip bereits für die nächsten Jahre bewilligt, worden sind, indem sie entweder gesetzlich festgelegt wurden, wie z. B. der Flottenbau durch das Flottengesetz, oder indem der Reichstag die erste Rate bewilligte, wie beim Nord- ostscekanal. Nach einer vom Neichsschatzamte ausgearbeiteten Nebersicht über die voraussichtliche Belastung der Anleihe für die fünf Jahre 1000—1013 auf Grund der beim außerordentlichen Etat bereits bewilligten Maßnahmen" belaufen sich für die nächsten fünf Jahre auf 845 Millionen Mark, nämlich zirka 470 Millionen Mark für die Marine, 157 Millionen Mark für den Nordostseckanal, 125 Millionen Mark für das Heer, 56 Millionen Mark für die Reichseisenbahnen, 22 Millionen Mark für Beamten- und Arbcitcrwohnungcn, 15 Millionen Mark für die ostasiatische Expedition. Dazu kommen noch die Kolonialanleihcn, vorläufig erst 155 Millionen Mark, die sich aber bestimmt durch spätere Nach- forderungen ganz beträchtlich erhöhen werden. Nun werden sicherlich außer den Kolonialanleihen auch die er- forderlichen Beträge für die Rcichseisenbahnen und die Beamten- Wohnungen durch Anleihen aufgebracht werden, da sie als sage- nannte„rentable" Anlagen gelten; aber die Ausgaben für die Marine, das Heer, den Nordostscekanal usw. müssen rechtmäßig, soll nicht die ReichSpumpwirtschaft zu einer Farce ausarten, aus den laufenden Reichseinnahmen gedeckt werden. Geschieht das, so ergibt sich schon jetzt für die nächsten fünf Jahre aus diesen Be- willigungen eine jährliche fortlaufende Ausgabe von zirka 155 Millionen Mark. Es ist also, selbst dann, wenn man ganz außer Betracht läßt, daß sich in den Jahren 1000— 1913 viele Forderungen einstellen werden, an die heute noch niemand denkt, eine Erhöhung der jährliche» Reichseinnahmen«m mindestens 400 Mil- 6xpedltton: SM. 68, Llndcnstrass« 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. lionen Mark erforderlich, um einen annähernden Ausgleich zwischen den Reichseinnahmen und-Ausgaben herzustellen. Wahrscheinlich aber wird, da sicherlich der weltpolitische Kurs in den fünf Jahren mit beträchtlichen Neuforderungen kommt, dieser Betrag noch nicht reichen. Wohlverstanden, diese 400 Millionen Mark neuer Steuern sinv allein für das Deutsche Reich erforderlich. Wer in Preußen wohnt, hat außerdem noch mit einer Erhöhung der preußischen Ein- kommensteuer zu rechnen. Herrliche Aussichten für den unbe- mittelten Steuerzahler in einer Zeit der wirtschaftlichen Depression! Line Zitatenfälfcftnug der..voklilchen Zeitung". Vom Genossen Wurm erhalten wir folgende Zuschrift: Die„Vossische Zeitung" hat mich, wie der„Vorwärts" gestern bereits erwähnte, in ihrer Montag-Nummer als Eideshelfer für ihre Sehnsucht nach indirekten Steuern angerufen. Sie behauptet, ich hätte mich bei Beratung des SchaumweinsteuergcsctzeS vom 22. April 1902 für eine indirekte Steuer ausgesprochen und sie zitiert scheinbar wörtlich aus meiner Rede: es sei verkehrt, den Schaumwein zu besteuern und die„teueren stillen Weine, die von den reichen und reichsten Leuten getrunken werden, absolut steuerfrei zu lasten". Zum weiteren Beweise führt die„Vost. Ztg." dann noch wärt, lich an: „Wenn jemand sich für 5 M. eine Flasche Schaumwein kauft, wird er zur Steuer verurteilt; kaust er sich aber für 15 M. ein« Flasche Liebfrauenmilch, so bleibt er steuerfrei. Warum nun gerade die moussierenden Getränke absolut steuerpflichtig sein sollen, warum sie nicht bloß die Lebensgeister der Trinker erwecken, sondert» auch die Lebensgeister der Herren Finanzpolitiker erweckt haben, ist mir ein Rätsel." Diese Zitate sollen den Glauben erwecken, daß ich mich f ü r eine indirekte Steuer, sei e? auch nur eine Luxusstcuer, ausgesprocheir hätte. DaS direkte Gegenteil war aber der Fall! Nur dadurch, daß die Zitate aus dem Zusammenhang heraus- gerissen und bei dem ersten Zitat einige Worte weggelassen wurden, war es der„Vost. Ztg." möglich, ihren Beweis zu führen. In Wirklichkeit habe ich mich— in Uebercinstimmung mit der grundsätzlichen Stellung unserer Partei, ebenso wie Genosse E h r h a r t. den die Vossin ebenfalls zitiert, gegen jede indirekte Besteuerung, mich gegen jede Luxnssteuer ausgesprochen,— dies« Ausführungen hat aber die edle Vossin, da sie ihr unbequem sind-- fortgelassen! Um das Lügenspiel wieder einmal zu kennzeichnen, das von unseren Gegnern so gern mit scheinbar wörtlichen Zitaten au? unseren Reden getrieben wird, bringe ich die auf unsere Stellung- nähme zu Luxussteuern bezüglichen Ausführungen in meiner von der Vost. Ztg." erwähnten Rede wörtlich nach dem a in t l i ch e n Stenogramm: „Wenn Sie die großen Einkommen, den Luxu? der reichen Leute treffen wollen, brauchen Sie sich nicht an die Champagnerflaschen zu klammern, fondern dann ist der gerade und gegebene Weg der der B e r m ö g e n S- und Ein- kommensteuer durch das Reich. Alle diese Dinge, mit denen man den wahren Zustand zu verschleiern sucht, alle diese kleinen Mittelchen, mit denen man so tut, als ob man den großen Einkommen näher treten wolle,'können und sollen nur dazu dienen, dem Volke die Tatsache zu verschleiern, daß die Mehrheit des Reichs« tageS und die Verbündeten Regierungen sich scheuen, Hand anzulegen an die großen Ver- mögen und Einkommen, um diese der Steuerkraft ent- sprechend diejenigen Ausgaben decken zu lasten, die von den be- sitzenden Klasten in ihrem WclteroberungspatriotiSmu? gemacht werden." Nach dieser prinzipiellen Ablehnung jeder indirekten Steuer erwähnte ich noch den besonderen Grund, mit dem sich unsere Fraktion gegen die Schaumweinsteuer erklärte- örtlich sagte ich: ,. Meine Freunde und ich sind dagegen und zwar abgesehen von den politischen Gründen aus sachlich-tech« nischen Gründen. Z u n ä ch st ist die Schauinweinsteuer in« sofern schon eine verkehrte Besteuerung selb st des Luxus. als die weit teureren stillen Weine, die von den reichen und reichsten Leuten getrunken werden, absolut steuerfrei bleiben." Die gesperrten Worte fehlen im Zitat der„Vossischen Zeitung" und dadurch bekommen meine Darlegungen den Sinn, al? ob ich und unsere Fraktion uns nur darüber beklagt hätten, daß allein der Schaumwein und nicht auch die teureren stillen Weine besteuert werden, während wir in Wirklichkeit sowohl die Besteuerung des Schaumweins als auch die Besteuerung der teuren stillen Weine bekämpften und ablehnten, eben weil die LuxuSsteuern die großen Einkommen und Vermögen nicht genügend treffen, andererseits aber die Einführung der Reichs- Einkommen- und Vermögenssteuer HintauHalten! Gerade darum aber handelt es sich jetzt wieder l Der Frei- sinn will um daS Linsengericht einiger LuxuSsteuern, die nicht wehe tun, die von den oberen Zehntausend gefürchtete RcichSeinkommen- und Vermögenssteuer verraten! DaS ist ja auch vom Freisinn, besonders seitdem er so auf den Block gekommen, nicht anders zu erwarten. Und es zeigt ja doch von einem Restchen von Schamgefühl, wenn die Vossin dabei in unseren Reihen EntschuldigungSgründe sucht und ihre Leser auf UNS als Muster für prinzipielle Ehrlich» keit hinweist. ste aBer, da sie für ihren ttmfaH solche Beweise in unseren Reihen nicht findet, sich solche zurechtf ä l s ch t, zeigt allerdings, daß sie der Reichslügenverband-Kameradschast wert ist. Wie sagt doch Valentin zu Gretchen? „Wenn erst die Schande wird gekoren, Wird sie heimlich zur Welt gebracht,... Wächst sie aber und macht sich groß, Dann geht sie auch bei Tage bloß Und ist doch nicht schöner geworden.. 9er ßckhsverbandsgeneral Cicbert Bat eine Rede, die er im Reichstag halten wollte, als Flug d la t t verbreiten lasien, in dem er unserem Genossen Horn vor- wirft, daß er die Lage der Glasarbeiter, entgegen der Wahrheit, als schlecht geschildert habe. Er, der General, schreibe die W a h r- heit über die Löhne der Glasarbeiter. Er führt die Namen der Arbeiter an und setzt dahinter, wieviel jeder im Jahre 1906 verdient hat. Um die„Wahrheit" festzustellen, bringt er zwar nicht die Namen von den reichlich 80(XX) Glasarbeitern, sondern ihm genügen 14 Arbeiterl Von diesen 1t haben k nicht das ganze Jahr ge arbeitet. Die 9 Arbeiter, die das ganze Jahr arbeiteten, haben an Lohn 4228,98 M. bis 5020,25 M. ausbezahlt erhalten. Freilich geht hiervon noch der Lohn für einen Gehülfen, der zirka 100 M. pro Monat erhält, ab, so daß ein reiner Verdienst von 3000 bis 3800 M. oder im Durchschnitt von 3371,17 M. bleibt. Herr Liebert bemerkt dazu: „Die vorgenannten Summen sind Nettolöhne, welche an die Tafelglasmacher der Firma Karl Menzel, Bunzlau, im Jahre 1906 ausbezahlt wurden. Die Summen sind dem Lohn buche entnommen und an die Glas-BerufSgenosienschaft weiter gegeben, mithin authentisch." Der ReichSverband steht in enger Verbindung mit dem Zentralverband deutscher Industrieller, an dessen Spitze Hüttenbesitzer V o p e l i u S aus Butzbach, der Vorsitzende des Verbandes der Glasindustriellen und der GlaS-Berufsgenossen schaft steht. Liebert hätte also sehr leicht die L o h n l i st e der ganzen Glas-BerufSgenossen schaft haben können Ja man darf annehmen, daß er weiß, daß im Jahre 1906 an 82 188 Glasarbeiter 74 685 908 M. Loh« ausbezahlt ist. Diese Zahlen sind dem ReichsverbandSgeneral bekannt, weil sie ihm als ReichstagSabgeordneten in der amtlichen Druckschrift:„Rechnung� ergebnisse der Berufsgenossenschaften für das Jahr 1906" m i t> geteilt find. Nach dieser authentischen amtlichen Zw sammenstellung war 1906 der Durchschnittsverdienst der Glasarbeiter 908,72 M., also noch nicht soviel, wie die Gehülfen der Liebertschen„Musterarbeiter" erhielten. Würde unter 10 GlaS arbeitern je einer sein, also in ganz Deutschland 8218, die den von Liebert angegebenen Durchschnittslohn von 3371,17 M. haben, und fünf, also 41 090 Glasarbeiter, die den Durchschnitts- lohn von 908,72 M. hatten, dann bleiben noch 32 880 Glas arbeiter, für die noch eine Lohnsumme von 9 550 144 M. zur Ver- fügung. Es könnte dann von diesen 32 880 Arbeitern jeder einen JahreSlohu von 293,80 M. erhalten! Lieberts Musterarbeiter werden also erheblich dünner ge- säet sein, als daß auf je 10 Arbeiter einer entfiele! Hätte Genosse Horn die Methode LiebertS angewandt und hätte er die Löhne von den 30000 Glasarbeitern, die am schlechtesten be- zahlt sind, angeführt und behauptet, daß die Glasarbeiter so wenig verdienen wie diese 30000, dann hätte man ihm mit Recht den Vorwurf machen können, daß er lüge. Liebert stellt eS so dar, als sei der JahreSverdienst von 3000 bis 4000 M. keine Seltenheit! Er weiß, daß 82 188 Arbeiter zusammen 74 635 903 M. erhalten haben! Da ist eS völlig ausgeschlossen, daß er ernsthaft glaubt, daß nur ein nennenswerter Bruchteil der Arbeiter einen Lohn von 3000 M. erhalten habe! Die Methode LiebertS charakterisiert sich damit selbst zm Genüge! Huö dem(Hahlkampf. Der freisinnige Wahlaufruf. Die drei Fraktionen des Freisinns haben nun gleich falls ihren Wahlaufruf veröffentlicht. Er enthält natürlich all jene Versprechungen, die durch die freisinnige Politik der letzten Monate so vollständig entwertet worden sind. Es hat daher auch keinen Zweck, im einzelnen auf diese Redensarten einzu- gehen. Wir behalten uns vor, auf die Versprechungen dann zurückzukommen, wenn der Freisinn sie gebrochen haben wird. Das einzig Bemerkenswerte an dem Wahlaufruf ist. daß er von den drei FraMonen g e- m e i n s a m unterzeichnet worden ist. Die„ V o s s i s ch e Zeitung" hat recht, wenn sie erklärt, daß die alten Fraktionsunterschiede mehr und mehr an Bedeutung verloren haben. Einer Fusion dieser Griippchen, aus denen seit Frank- furt die entschiedenen Liberalen so ziemlich entfernt worden sind, steht wirklich nichts mehr im Wege. Nur einen Punkt aus dem Wahlaufruf wollen wir hervorheben, weil hier die freisinnige Heuchelei sofort nach- gewiesen werden kann. Im Aufruf heißt es: Der entschiedene Liberalismus erachtet die Ersetzung der geltenden, aus der schlimmsten Reaktionszeit stammenden Wahl- rechtsbestimmungen durch daS allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht, sowie eine den Be- völkcruugSverhSltnissen entsprechende Neueinteilung der Wahlkreise als die dringendste Aufgabe der Gesetzgebung, als die Boraussetzung eines wirklichen Fortschritts auf allen Gebieten beS öffentlichen Lebens. Das klingt nun ziemlich entschieden. Wie es aber gemeint ist, zeigt eine Aeußerung des Abg. Wiemer, der Montag in einem Bezirksverein zwar das Reichstags- Wahlrecht für Preußen„gefordert", dann aber sofort hinzu- gefügt hat:„Trotz unserer grundsätzlichen Meinung werden wir jeder Reform deS Wahlrechts zustimmen, die einen Fortschritt bedeutet und ist es auch nur die geheime oder die direkte Wahl". Hier hat man doch einmal ein Musterbeispiel dafür, was für einen Frei- sinnigen„grundsätzliche Meinung" bedeutet. Das ist nämlich eine solche Meinung, die grundsätzlich im Stiche gelassen wird, wenn eL die Regierung verlangt. Bevor der Freisinn auch nur das geringste für einen Wahlrechtskampf getan hat. erklärt er bereits sich mit den g e r i n g f ü g i g st e n und bedeutungslose st en Zugeständnissen, die nur die Wahltechnik angehen und das ganze un- geheuerliche Wahl unrecht bestehen lassen, von vornherein zufrieden. Dabei ist Wiemers Genügsamkeit umso wider- licher, als dieser Wiemer der engere Kollege jenes F i s ch b e ck ist, der über Herrn Barth nicht genug schimpfen konnte, weil Barth einige Monate vor Schluß des Landtages vom Freisinn eine'Aktion zur sofortigen Erkämpfung des geheimen Wahlrechts als eines Notgesetzes verlangt hatte. Damals wurde aus dem Parteitag der Frei- sinnigen Volkspartei jene widerliche Komödie aufgeführt, in der Herr Barth verhöhnt wurde, weil er so wenig ver lange, während die Volkspartei die Beste des Dreiklassen Unrechts„voll und ganz" niederzwingen wolle. Heute bettelt dieser Wiemer bei der Regierung um diese elende Schein konzcssion, um eine Ausrede zu haben, das gleiche Wahlrecht später völlig zu verraten. Der freisinnige Wahlaufruf verspricht zwar mehr, als der nationalliberale, aber das Mehr an Versprechungen bedeutet nur ein Mehr an Heuchelei. Die Demokratisierung Preußens hat heute nur mehr einen energischen und unbeugsamen Verfechter— das sozialdemokratische Pro letariatl—_ Schleswig-Holsteins„Freisinn". Am Sonntag fand in Altona ein gemeinsamer frei- sinniger Parteitag für Schleswig-Holstein, Ham- bürg und Lübeck statt, der, wie vorweg bemerkt sei. vom Geiste Wiemer beseelt war. Wiemer, der einen Vortrag über .Die allgemeine Lage des Liberalismus" hielt, gab seiner Freude Ausdruck über den Zusammenschluß der drei liberalen Gruppen und wünschte, daß dies im Interesse des Gesamt liberaliSmuS im Reichstage wie im Landtage so bleiben möge. Er versicherte, daß er einer weiteren Einigung niit den Nationalliberalen nicht abgeneigt sei, aber dies dürfe nur auf Grund einheitlicher„Grundsätze" geschehen Dann gab er seiner Freude Ausdruck, daß es auf dem Parteilage der Freisinnigen Vereinigung zu einer„erfreulichen Klärung" ge: kommen sei. Seinem Aerger darüber, daß die Nationalliberalen Schleswigs Holsteins den Freisinn für den Anschluß nach rechts noch nicht für reif erachten, gab der Kandidat für den Wahlkreis Altona-Ottcnscn, Rechtsanwalt W a l d st e i n, Ausdruck:„Für die kommenden Land- tagswahlen sei es vor allem auch in unserer Provinz nützlich, wenn die Liberalen mit den' Nationalliberalen gemeinschaftlich eine Phalanx gegen die Konservativen bildeten. Hier zu Lande seien die Nanonalliberalen aber anders gesonnen, als anderswo." Der Abg. Dr. S t r u w e- Kiel meinte hierzu, wenn die Nationalliberalen sich nicht entschließen könnten, gegen die Freikonservativen der Provinz Front zu machen, so müsse der Freisinn den Kampf allein führen. Aber alle Hoffnung aus nationallibcrale Unterstützung haben die unentwegten„Liberalen" noch nicht aufgegeben. Es wurde der Wunsch laut, es möge dahin gewirkt werden, die Nationalliberalen zu bewegen, wenigsten in den Kreisen Pinneberg und Stein- bürg nicht für die Freikonservaliven gegen die Kandidaten der Liberalen zu stimmen. Bon einem Anschluß nach links und von einem ernsten WahlrechtSkamps war nicht die Rede I Dann raffte sich der aus 104 Delegierten und den liberalen Reichs- und Landtagsabgeordneten der Provinz besuchte Parteitag zu einer„Tat" aus durch Annahme einer Resolution, welche die sachliche und taktische Haltung der linksliberalen Fraltionsgemeinschaft billigt und die Erwartung des weiteren Zusammenwirkens der Links liberalen im Parlament wie in den Orgailisationen aussprach. Zentrum und Wahlrechtskampf. AnS Neuwied berichtet die„Koblenzer Volkszeitung":„Der Kompromiß zwischen dem Zentrum und der konservativen Partei deS Wahlkreises Nenwicd-Altenkirchen wurde endgültig festgesetzt; das Zentrum stellt den bisherigen Kandidaten Amtsgerichtsrat Gerhardns, die Konservativen stellen den bisherigen Abgeordneten Pfarrer Heckenroth wieder auf." Auch in Neuwied-Altenkirchen verbündet sich also das Zentrum in aller Form mit den konservativen Todfeinden selbst der kleinsten Verbesserung des infamen Dreiklassensystems!— In dem Wahlkreise Köln-(Land) Bergheim-EuS- kirchen hat das Zentrum neben Dr. Pieper(M.-Gladbach) und einem Gemeindevorsteher Graten auch de» bisherigen Abg. Decker wieder aufgestellt, der sich als offenen Wahlrechtsfeind bekannt hat durch seine Weigerung, den bekannten WablrechtSantrag 'einer Fraktion mit zu unterschreiben. Wie Decker, o werden alle übrigen offenen Wahlrechtsfeinde im Zentrum von diesem wieder aufgestellt; daS Zentrum aber wird mit gewohnter Unverfrorenheit nach wie vor behaupten, daß bei ihm die Wahlrechtsreform in den allerbesten Händen sei.— Konservative Wahl-„Reform". Mit der geplanten Reform des Landtagswahlrechtes be- nßt sich die„P o st". Sie betont, daß sich das Wahlrecht Preußens trefflich bewährt habe, denn in kleineren Städten wähle der akademisch gebildete Mittelstand in der zweiten Klasse, hat also keinen Grund, sich über Zurücksetzung zu beklagen. Immerhin entdeckt auch die„Post" einen Mangel an dem geltenden Wahlrecht und diesen Mangel will sie zum Gegenstand einer Reform gemacht wissen. „In den reicheren Vierteln überwiegt der Einfluß der reichen Minderheit um so mehr, und in den Arbeitervierteln wird diezweite und selb st die erste Klasse vielfach von kleinen Gewerbetreibenden besetzt, welche normalerweise in die dritte Wahltlasse gehören. Nach dieser N i ch l u n g hinist unser Wahlrecht in der Tat verbesserungsfähig." So, nun weiß man wenigstens, was die von der„Post" vertretene Richtung der Konservativen unter einer Reform des elendesten aller Wahlsysteme versteht. Es soll noch elender gestaltet werden. Wer also noch einmal behauptet, die Konservativen seien grundsätzlich Gegner einer Wahlrechts- reform, der wt den Leuten bitter unrecht, denn eine„Reform" wollen auch sie. Ueber die Beschaffenheit dieser Reform hat uns die„Post" aufgeklärt. Eines sticht dabei besonders hervor. Die Konservativen behaupten stets, daß sie die berufenen Vertreter des Mittel stände s seien. Die kleinen Gewerbetreibenden gehören nach konservativer Auffassung unleugbar zum Mittel- 't a n d. Und die„Post" erklärt mit nackten, dürren Worten, >atz dieser Mittelstand normalerweise in die dritte Wählerklasse, in die Klasse der Entrechteten gehört! Wir be- grüßen diese Offenheit, in der Erwartung, daß vielleicht auch die Handwerker sich endlich einmal darüber klar werden, daß ie von den Konservativen, genau so wie auch von den anderen bürgerlichen Parteien, nur als Wähler geschützt werden, die den Junkern die Kastanien aus dem Feuer holen dürfen. Im übrigen müssen sie kuschen, weil sie normalerweise zu denen gehören, die in Preußen nichts zu sagen haben! politische deberlicdt. Berlin, den 28. April 1908. Arbeiterpetitionen. Der Reichstag nahm seine Sitzungen mit der Durch- Beratung einer größeren Anzahl von Petitionen auf. Zu S rundlicheren Erörterungen kam es indes nur bei einigen angaben sozialpolitischen Charakters. So gab eine Petition der Chorsänger um Aus- OeHnung der Versicherungsgesetze auf ihren Beruf unseren Genoffen B r ü h n e und Hildenbrand Anlaß, darauf hin- zuweisen, daß die Sozialdemokratie grundsätzlich die Ausdch- nung der Versicherungsgesetze auf alle Personen mit niederem Einkommen wiederholt gefordert habe. Für die Chorsänger sei daL besonders beschloffen worden, die Negierung sei jedoch nie aus dem Stadium der Erwägungen herausgekommen. Da auch andere Parteien sich ähnlich aussprachen, wurde die Petition der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. Lebhaftere Auseinandersetzungen gab es bei einer Petition betreffend die elsaß-lothringischen Berggesetze, insbesondere die Errichtung eines Knapps.cha.sts- st a t u t s für die Reichslande. Seitens der Sozialdemo- kratie wurde noch besonders beantragt, die geheime Wahl der Knappschaftsältesten zu fordern. Genosse E m m e l und Genosse Sachse nahmen Gelegenheit, der Zentrums- Partei ihr zwiespältiges Verhalten in Bergarbeiterfragen vor- zuwerfen, da die geistlichen Leiter der„christlichen" Arbeiterschaft immer mit dem einen Auge nach dem Papst, mit dem anderen nach den Arbeitertt schielen. Gleichzeitig rechneten sie auch mit dem Stöckerling Behrens ab, der durch seine Abstinimuug über den Z 7 des VercinSgesetzes sich als Schleppen- träger für pfäffische Reaktion bewährt hat. Herr Behrens machte denn auch krampfhafte Anstrengungen, sich reinzuwaschen und berief sich auf das Leumundszeugnis, das ihm der christlich- soziale Bergarbeiterverein ausgestellt hat. Em mel erwiderte ihm prompt, daß für die Aufklärung auch der christlichsozialen Arbeiter es sehr vorteilhaft ist, wenn sie an den Früchten des Herrn Behrens erkennen, was für Leuten sie die Vertretuno ihrer Interessen in die Hände gegeben haben. Schließlich wurde auch diese Petition mit dem sozialdemokratischen Zusatz der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. Das Reichsvereinsgesetz ist im„RekchS-Anzeiger" publiziert worden. Wir werden den Wortlaut des Gesetzes unseren Lesern in handlicher Form über- Mitteln, sobald für Preußen die A u S f ü h r u n g S b e stimmungen über die Erfordernisse der B e r s a m m l u n g S.b e k a n nt- machungen, die die Anzeige bei der Polizei ersetzen, ergangen sind.—_ Der Freisinn im Block. Unter diesem Titel wird Theodor Barth demnächst eine Broschüre veröffentlichen, in der er seine Stellung zum Freisinn darlegt. Wir entnehmen seinen Darlegungen folgende treffenden Bemerkungen: „Das von den Schräder, Naumann. Payer gebrachte Opfer deS Intellekts hat den F i s ch b e ck, Müller. K o p s ch und Wiemer mehr als je die Leitung der fteifinnigen Fraktionsgemeinschafl gesichert. Es ist nicht abzusehen, welches Opfer in Zukunft im Interesse des Zusammenhalts der Fraltionsgemeinschaft für zu schwer erachtet werden sollte. „Wir wollen", führte Herr v. Payer aus,„den ver- bündeten Regierungen weder einen Grund noch einen Vorwand geben, uns auszuschalten." Mit anderen Worten: die Fraktionsgemeinschaft erklärt sich auch für die Zukunft bereit, den, Fürsten Bülow und den von ihm in erster Linie patronisiertcu Parteien, den Agrariern und den Antisemiten, in allen Fragen der praktischen Politik so weit entgegenzukommen, daß selbst der Vorwand entfällt, die Freisinnigen aus der Gemeinde der Block- heiligen zu treiben. Schon die allernächsten Monate werden daS weiter erweisen. Die preußischen Landtags loahlen stehen vor der Tür. Man hat bisher selbst in den Kreisen der Freisinnigen Volkspartei wenigstens die Fiktion aufrecht erhalten, als ob dabei die Forderung der Uebertragung des ReichstagSwahlrechtS auf Preußen den sachlichen Mittelpunkt der Wahlbewegung für die Frei- sinnigen bilden werde. Wer kann im Ernst heute daran noch glauben? ES ist ein offenes Geheimnis, daß die Führer der Freisinnigen Polkspartei für diese Programmforderung nur ein sehr platonisches Interesse empfinden; aber andere haben sie ernst genommen, und nehmen sie heute noch ernst. Wie will man jedoch das Vertrauen in die Aufrichtigkeit dieser Bestrebungen erwecken, wenn man nach dem Payerschen Rezept verfährt und als die oberste Richtschnur deS politischen Verhaltens der gesamten freisinnigen Fraltionsgemeinschaft das Prinzip auf- tellt, daß den verbündeten Regierungen weder ein Grund noch ein Vorwand gegeben werden dürfe, die Freisinnigen aus dem Bülow- Block auszuschalten? Werden die Gegner der Landtags- wahlreform in Preußen angesichts dieser Payerschen Erklärung die agitatorischen Bemühungen der Freisinnigen in der Wahlrechtsfrage nicht mit vollem Recht als Schaum schlägerei ansehen? Bisher hat wenigstens die freisinnige Bereinigung eine demokratische Partei sein wollen, eine bürgerlich-demo- kratische Parteil Die Demolratisierung Deutschlands ist wie die aller anderen großen Industriestaaten eine geschichtliche Notwendigkeit. Die Demolratisierung Deutschlands uüb Preußens hat bei uns kaum begonnen. Wir waren der Meinung, daß man es der Sozialdemokratie nicht allein über- lassen dürfe, sich zum Exponenten dieser geschichtlichen EntWickelung zu machen, daß vielmehr auch der entschiedene Liberalismus dabei mitzumachen habe, ja daß dies eigentlich seine raison ä'ötro sei. Aus diesem Gedanken heraus haben wir fortgesetzt eine Kooperation mit der Sozialdemokratie für gemein- ame demokratische Kampfziele empfohlen. Für eine solche demokratische Politik haben wir allen Anfeindungen zum Trotz uns eingesetzt, mancher von uns mit Ausbietung aller seiner Kräfte, und ohne sich im mindesten um das Geschrei von rechts oder links zu bekümmern. Man hat uns oft genug versichert, daß wir einer Idee nachjagten, die in Deutschland bei seinem politisch so morschen Bürgertum un- erfüllbar sei. Es kann ja sein, daß die Schwarzseher recht behalten und der deutsche Liberalismus unfähig ist. aus sich heraus eine auch numerisch ins Gewicht fallende demokratische Partei zu erzeugen. Der Blockfreisinn hat jedenfalls aus diese Aufgabe Verzicht geleistet. Der Liberalismus, den er vertritt, hat keine demokratischen Ambition« u mehr."_ Blockbrüderliche Einigkeit. In dem durch den Tod des konservativen Abgeordneten Zinbler verwaisten Wahlkreis Czarnikau-Filehne-Kolmar sind die Antisemiten mit dem Ziegeleidesitzer Hoffmann-Schneidemühl als Kandidaten aus dem Plan erschienen. Die konservative Presse ist darüber empört, denn eS handelt sich abermals um einen Einbruch in konservativen Besitzstand. Mit einer einzigen Ausnahme— 1898 wurde der freisinnige Schuldirektor E r» st gewählt— ist dieser Wahlkreis konservativ vertreten gewesen. Antisemiten hat eS dort noch nie gegeben. ES ist erklärlich, daß die Konservativen ob dieses wenig blockbrüderlichen Verhaltens nicht sehr erbaut sind. Die „Deutsche Tageszeitung" gibt den Antisemiten auch bereits einen deutlichen Wink mit dem Zaunpfahl. Es scheint bei den Antisemiten System darin zu liegen, den Kons«- vativen Mandate wegzunehmen. Als bekannt wurde, daß der Fürst zu Inn- und Knyphausen schwer erkrankt sei. haben die Antisemiten sofort die Agitation im Wahlkreise Emden-Aurich ausgenommen. Ueber diese Gefühlsroheit dem erkrankten Fürsten gegenüber hat damals die konservative Presse scharf genrteilt, trotzdem haben die Konservativen dann auf die Aufstellung eines eigenen Kandidaten verzichtet mit dem Resultat, daß ein Freisinniger ge- wählt wurde. Ob konservativ oder antisemitisch oder freisinnig. das ist schließlich unter Blockbrüdern ganz egal; aber eS ist doch ein ganz interessantes Schauspiel, wie sich die Blockbrüder dort in den Haaren liegen, wo sie von der Sozialdemokratie nichts zu befürchten haben.-»_ Antisemitisches. Im Gründen sind die Antisemiteriche groß und der Gründer bedeutendster ist Herr Oswald Zimmermann, durch des Schicksals Fügung upd der Wähler Dummheit deutscher Reichs», und ISN Gnaden der Konserbatiben sächsischer LandtagZavgeordneter. Zimmermann hat seinerzeit die Aktiengesellschaft.Deutsche ÄJ a ch t" gegründet, er stand als Direktor an der Spitze dcft Unter- nehmenS, das nach einigen Jahren jämmerlich»er k� achte nnd den Antisemiten nur in Gestalt der wertlos gewordenen Anteil- scheine ein teures Andenken znrücklieh. Herr Zimmermann ist seinem alten Metier als Gründer treu geblieben. An> Sonntag hat er in Leipzig mit seinen Getreuen Bruhn, Bindewald, Werner s tutü quanti eine neue antisemitische Organisation gegründet unter dem Namen: Der Reich Sbund. Was sich die Antisemiten darunter vorstellen, das zeigen die Wünsche verschiedener sächsischer Antisemiten, die dahin gingen, der neue Reichsbund möge ihre Wahlschulden aus dem letzten Wahlkampfe in Höhe von etlichen tausend Mark übernehmen! Eine neue Organisation, die gleich mit Schulden ansängt, verspricht entschieden gut zu werden. Es ist eine alte Erfahrung, dag die Antisemiten zwar sehr gern schreien, aber nicht gern zahlen. Mit dieser webig germanischen Eigenschaft der Antisemiten haben die Gründer des Reichsbundes gerechnet, deshalb haben sie in den Nahmen ihrer Organisation das.Institut der Förderer" mit einbezogen. Diese.Förderer" müssen G el d l eut e sein, die den Antisemiten Mittel zur Verfügung stellen für Zwecke, für die die Antisemiten dann eintreten. Man hat dies dem Reichslügenverband nachgeahmt, der für Geld zu allen reaktionären Dingen zu haben ist. Ueber die Kassenverhälmisse der Antisemiten erfährt die Oeffent- lichkeit nichts, lediglich die Tatsache der Wahl der Kassenprüfer wird mitgeteilt. Dieses Amt dürfte außerordentlich leicht sein, denn wenn die Herren prüfen wollen, dann dürfte sich diese Prüfung lediglich auf die Beschaffenheit der Kasse zu erstrecken brauchen. denn ein Inhalt, der deS Prüfens wert wäre, ist meist nicht vor- handen. Heil!—_ Polizei und Maiplakat. Die Polizei in Magdeburg untersagte den An- ,'chlag deS MaifeierplakateS an den Anschlagsäulen. DaS Verbot stützt sich auf den§ S deS preußischen Preßgesetzes, jenem Überlebten Plakatparagraphen, der, wenn er wirklich in vollem Umfange angewendet würde, den Anschlag oder Aushang nahezu aller Plakate zur Unmöglichkeit machen würde. Man denke nur an die vielen Plakate, die auf Bahnhöfen und anderen öffentlichen Orten ausgehängt werden, rechtlich aber eigentlich nicht aus- gehängt werden dürfen. Für die Praxis besteht also dieser ver- staubte Paragraph so gut wie gar nicht; man sieht über chn hinweg. Selbst höchste Gerichte haben anerkannt, daß er sich mit den modernen Verhöltniffen nicht mehr vereinbaren ließe und seine Aufhebung eine Notwendigkeit sei. Die Magdeburger Polizei holt dieses alte Stück Möbel aber wieder hervor und verbietet den Sozialdemokraten den Anschlag ihres Maiplakats. Warum wohl? Es ist die Magdeburger Polizei— das sagt alles. Das Plakat ist nicht nicht etwa hochverräterisch oder in staatsgefährlichen Farben ge halten. Es zeigt vielmehr neben der Ankündigung der Ver onstaltungen am I.Mai auf einem Bilde in künstlerischer Ausführung Arbeiter in Festtagskleidung, die auf einer grünen Wiese lustwandeln. Kor ihnen spielt ein weißgekleidetes Kind, das ein Blumengewinde in den Händen trägt. Das ist alles. Offenbar findet die Polizei es aufreizend, daß Arbeiter es wagen, sich in Feiertagskleidern zu zeigen. , Der unglaubliche Fall zeigt wieder einmal, wie dringend not wendig die endliche Aufhebung der veralteten und schon an sich ganz unvernünftigen Bestimmungen des alten preußischen Preßgesetzes über daS Plakatwesen ist.—_ Hüter der„politischen Neutralität". Die Bezirksleitung des Gewerkvereins christlicher Bergleute im Saarrevier hat sich in der Frage des Vcreinsgesetzes aus die Seite des Abge» ordneten Behrens gestellt. Die„G e r m a n i a" er- blickt darin den Einfluß zentrumsfeindlicher Elemente und sie schreibt aus diesem Anlaß:' .Für das Zentrum gilt eS auf dem Posten zu sein, damit in den GewerkvercinSversommluogen keine gegnerische Politik getrieben werde. Der streng unpolitische Charakter derGewerkschaft mußuntcrallen Umständen gewahrt bleiben. Tarauf zu achten, ist die Pflicht aller GeWerk- schafter." Der„R h e i n r s ch- W e st sä l i s ch e A t b e i t e r b o t e", das Blatt des Gesanrtverbandes evangelischer Arbeitervereine, wirft dagegen der Zentrumsprcsse wegen ihrer Angriffe auf den Abgeordneten Behrens„dreisteste Einmischung in die ureige n st en Verhältnisse der christ- lichen Gewerkschaften" vor. Dann heißt es: „Die evangelische Arbeiterschaft dankt dem Abgeordneten Behrens für seine praktische Mitarbeit und freut sich seiner Er» folge. Sie erwartet aber zugleich, daß die Leitung der christlichen Gewerkschaftsbewegung gegen das anmaßende Wesen und die unbefugte Einmischung dieser Kreise energisch protestiert, wenn anders sie nicht in den G e- r u ch der Parteilichkeit und Zentrumsabhän- g i g k e i t kommen wollen." Tie„politische Neutralität,, der christlichen Gewerkschaften ist H u in b u g. Was sich hier abspielt, ist lediglich eine Grenz st reitigkeit der Ultramontancn und Christlichsozialen über das jedem der beiden Teile zu kommende Maß politischen Einflusses innerhalb der christ lichen Gewerkschaften. Unpolitisch sind diese schon deshalb nicht, weil sie bisher noch stets zur Stelle waren, wenn es die Bekämpfung der Sozialdemokratie galt! Oertemich. Gegen den Militarismus. Prag, 28. April. Nach einer Meldung aus Rokitzen wurde dort eine von den tschechischen Radikalen einberufene antimili- taristtsche Versammlung von den Gendarmen auSein- andergetrieben. Drei Landwehrsoldaten, welche sich an der Versammlung beteiligt hatten, wurden verhaftet. öcbwciz. Volksabstimmung und Wahlen- Zürich. 27. April.(Eig. Der.) Die Reaktion hat gesiegt, die Bauern haben die Ar« bcitcr vergewaltigt, der roheste KlasienegoiSmuS triumphiert. Nur ein einziger von den 11 Bezirken, der industrielle Bezirk Winter- thur, hat mit 6449 gegen 5958 Stimmen das Streikgesetz verworfen, in den anderen 19 Bezirken haben Demokraten und Liberale, Klein» bürgcr, Beamte und Bauern der Führung des reaktionären Züricher BürgerverbandcS Heerfolge geleistet und mit 49 412 gegen 83 928 Stimmen das frivole und schandbare Attentat gegen die Arbeiter beschloffen. Die Söhne und Töchter der Kleinbürger und Kleinbauern, die in den Fabriken und Werkstätten arbeiten und über denen bei jeder Aussperrung, jedem Streik daS DamokleS- schwort des Gefängnisses schwebt, werden ihren Vätern fluchen, die ihre proletarisierten Kinder entrechtet und dem streikbrccherischcn Lumpengesindel, der wilden AuSbeutungswut des Unternehmer- tums geopfert haben. Aus dem gesäten Wind wird der Sturm erstehen, der die ganze privatkapitalistische Ausbeuterordnung hin- wegfegen wird. ' Die Annahme der Hochschulborkage, für die trotz alledem diele tausende Arbeiter gestimmt, während sie bildungsfeindliche Bauern, die mit Hurra für das Streikgesetz gestimmt haben, verwarfen, be grüßen auch wir, würde doch unter anderen Umständen die sozial demokratische Partei entschieden für sie eingetreten sein. Glänzend wurde unser Genosse Ernst in die Regierung wieder- gewählt, denn er erhielt mit 62 574 die höchste Stimmenzahl. Der angefochtene Reaktionär Nägcli erhielt nur 45 644 Stimmen, ist also mit der geringsten Stimmenzahl wiedergewählt worden. Unser Kampfkandidat Dr. Kraft erhielt nur 22 555 Stimmen, eine Zahl, die die gesamte Stärke unserer Partei im Kanton Zürich nicht aus drückt, sondern dahinter zurückbleibt. Offenbar haben zahlreiche sozialdemokratisch gesinnte Arbeiter in unglaublicher Unklarheit ihm ihre Stimmen nicht gegeben. Erfreulich ist die Eroberung fünf neuer Sitze im Kantonsrat, so daß die Zahl unserer Vertreter nunmehr 43 beträgt auf 243 Mitglieder des Parlaments. Wie in Außersihl die sozialdemokratische Liste mit 27 Sozialdemokraten glatt durch- gegangen ist, so auch in Löß-Wulflingen mit 8 Sozialdemokraten. In Oerlikon wurden 2 neue Sitze erobert, in Wintertur 1. Ins- gesamt hatte unsere Partei in 32 von 53 Wahlkreisen 199 Kandi- daten aufgestellt. „Langsam weicht die Nacht aus den Tälern", aber es geht doch vorwärts und das perfide Streikgesetz wird das weitere besorgen. frankmcb. Die Maifeier. Paris, 28. April. Die Arbeiterorganisationen treffen große Vorbereitungen für die Feier des 1. Mai. Die ver- schiedcnen Gruppen haben beschlossen, öffentliche Kund- gedungen zu veranstalten. An amtlicher Stelle befürchtet man keinerlei ernsthafte Zwischenfälle, trotzdem sind aber doch, um allen Eventualitäten gewachsen zu sein, umfassende Vorsichtsmaßregeln getroffen worden. Spanien. Glaubenseifer. Alicante, 28. April. In Torrevieja kam eS zwischen K l e r i- kalen und Antiklerikalen zu einem Zusammenstoß, in dessen Verlauf etwa zwanzig Revolverschüff« abgegeben wurden. Zwei Personen wurden verletzt. Der Gouverneur der Provinz ist in Torrevieja eingetroffen. kußlanä. Die Echtrussen und die Bauern. Ter cchtrussische Pogromisteuverband hat vor längerer Zeit einen ganzen Schwärm von„Agitatoren" in die Dörfer entsendet. um dort seine„Ideen" zu propagieren und unter den Bauern An- Hänger zu werben. Zahlreiche Nachrichten, die die Tagespvesse brachten, zeigten, zu welchen unglaublichen Mitteln diese„Agita- torcn" griffen. Sie schreckten weder vor offener Massenbestechung, »och vor administrativer Einschüchterung zurück, und die Organe der Polizei und der reaktionären Landschaftsverwaltung boten ihnen hülfreiche Hand in ihrer Tätigkeit. Trotz dieser' günstigen Bedin- gungen hat diese Agitation fast keinen Erfolg gehabt. Die Mit- teilungen, die dem Generalrat des Volksverbairdes zugehen, lauten sehr ungünstig. Die Bauern lehnen es häufig kategorisch ab, die Reden der Volksverbändler anzuhören, ja zuweilen ersuchen sie sie mit unzweideutigen Worten, sich schnellstens c i dem Dorf„zu Packe nl- Von gleichem Schicksal werden die ffriotsschen" Hetz- schriften der Volksverbändler ereilt, mit welä,.» sie ünker Begünstr-' gung der zentralen und lokalen Administration baS"Dorf über- schwemifien. Die Bauern vernichten diese Schriften nicht selten selbst il� Gegenwart der örtlichen Beamten. Kämpfe an der persischen Grenze. Petvroburn, 27. April. Aus Urmia wird vom 22. gemeldet. daß Einfälle von Kurden nun auch im Bezirke von Salmas begonnen haben und mit jedem Tage zunehmen. In der letzten Woche wurden acht Dörfer geplündert, wobei fünf Personen ge- tötet und viele verwundet wurden. Die Wiederherstellung der Telographenlinie Urmia— Salmas wurde durch Kurden vereitelt. Gegen 2999 Kurden sind in den Bezirk Dola eingedrungen. Aus einem Dorf ist die ganze Bevölkerung entflohen, ihre ganz« Habe zurücklassend. Ein zweites Dorf wurde zerstört. wobei achtzehn Menschen erschlagen wurden. In einem anderen Dorf, in welchem die Kurden aus Wiederstand stießen, wurde ein Teil der Bevölkerung getötet und ein anderer ist in einer Moschee, die von den Kurden in Brand gesteckt' wurde, umgekommen oder ge- fangen genommen worden. Einige Dörfer werden von den Kurden belagert. Petersburg, 28. April. Infolge der ernsten Nachrichten über die Lage an der russisch-persischen Grenze erhielt der Kommandeur der russischen Truppen Befehl, energisch vorzugehen«nd evtl. die persische Provinz Aserbeidschan zu besetzen» nncn. China und Japan. Peking, 27. April. Die chinesische Regierung hat formellen Prot« st gegen die Ausdehnung der japa» nischen ej w a l t'u n g auf daS� Chientao-Territorium zwischen � bon Ende 1908 gehörten zur Partei 987 örtliche verswe mit 8b ra» Mitgliedern(darunter 18 986 Frauen). Von diesen Bereinen waren 457 Gewerkvereine. 192 Frauenvereine, 66 Kleinpächtcrverbände und III selbständige Filialen sonstiger Organisationen. 129 Vereine be- saßen eigene Jrnniobilien. Die Bibliotheken und Lesehallen zählten in ihrem Besitz 1672 verschiedene Zeitungen und Zeitschriften und 22 593 Bücher. Im Verlans des Rechnungsjahres fanden statt 7747 General- Versammlungen der Vereinsmitglieder, 6357 Vorstandssitzungen und 2971 öffentliche Volksversammlungen und Demonstrationen. Außerdem veranstalteten die Vereine 339 Volksfeste, 4453 llnterhaltungsabende für Arbeiter und 374 Ausflüge. Im Anschluß an diese Vereine funktionierten 129 dramatische; 39 musikalische und 119 Turn- uild Gesangvereine. Die Höhe der Jahresbeiträge der Mitglieder schwankte zwischen 1 und 7,5 Mark und belief sich im Durchschnitt auf 3 Mark. Die Gesamteinnahmesumme im Jahre belief sich auf 1989 875 Mark, denen an Ausgaben gegenüberstanden 928 769 Mark. Der bewegliche und unbewegliche Besitz der Vereine repräsentierte einen Wert von 1 952 986 Mark. Die Entwickelung der Partei während der letzten Jahre Wird durch nachstehende Tabelle veranschaulicht: 1909 1902 69 41 143 159 9 165 6 989 839 243 280 175 — 18 1994 99 222 16 619 436 789 54 1995 937 457 84 003 1 952 986 183 apan diese Ausdehnung Korea und China erhoben, da dessen China bestritten wird. China erklärt, bo„______,______,_____ n seiner Verwaltung in aller Stille vorgenommen und dadurch die Stellung Marquis JtoS verstärkt habe, der dort drei ständige Vertreter eingesetzt hat. Marokko. Krieg und Geschäft. Paris, 28. April.„Echo de Paris" meldet aus Tanger: Durch die Bedürfnisse der französischen Truppen hat der deutsche Handel in Casablanca in bedeutender Weise an Umfang zu. genommen. DieS bezeugt am besten die Statistik, ivelche für die Zeit vom August 1997 bis Januar 1998 einen deutschen Import von 8916 Tonnen gegen nur 947 Tonnen für die gleiche Zeit deS Vor- jahreS aufweist. Die französischen Dampfbarkassen haben den Handelsschiffen auf Befehl deS AdmiralS Philibert, wo erforderlich immer die notwendige Unterstützung zuteil werden lassen.— HmerCha. Die Krise in Guatemala. Die Vorgänge in Guatemala, die, wie gemeldet, zu blutigen Repressalien durch den Präsidenten Cabrera geführt haben, haben in den mittelamcrikanischen Staaten ziemliche Aufregung verur- sacht. Aus Mexiko wird telegraphiert, daß Honduras gegen Guatemala mobil gemacht hat. Mexiko selbst wolle sich an einer Intervention nicht beteiligen, obwohl die Handlungsweise Cabreras und die KrisiS in Guatemala hier große Beunruhigung hervorrufen.— Vereine.... Gewerkschaften. Mitgliedcrzahl. Besitz(in Mark). Gemeinderatssitze Während des Rechnungsjahres fanden zahlreiche Prozesse gegen Parteimitglieder statt. Besonder? häufig wurden die Redakteure der Parteiblätter wegen Majestätsbeleidigung zur Verantwortung gezogen._ Maifestschrift 1908.: Im Verlage der Buchhandlung Vorwärts ist soeben die Maifest nummer erschienen. DaS Titelbild. zeigt da? aus dunkler Tiefe zum Licht durchbrechende Proletariat. daS die Ideal« gestalt eines Arbeiters führt. Auf dem großen Vollbilde reicht der Landproletarier dem städtischen Arbeiter die Bruderhand, der mit der Schar der Maifeiernden aufs Land gezogen kommt. Der Leitartikel schildert den SiegeSzug des MaigedankenS. Hugo Schulz' Aufsatz.„Der gefesselte Moloch" behandelt die Maifeier als Friedenstat und Friedensbürgschaft, Ed. D a v i d erzählt von einer.Maifahrt aufS Land", die dem sozialistischen Gc- danken in der Bauernschaft Bahn brach, über„Der Maitag, die Krise und die Gewerkschaften" schreibt Karl Emil. In einer Skizze„Leben" zeichnet F. Stamp fer, wie der Klassenkampf daS Proletarierdasein zum lebenSwarmen Menschen« tum gestaltet. Ernst Preczang hat ein Kainpffreude und Zu- verficht ahnendes Gedicht:„Zum Licht empor!" beigesteuert. Die Nummer kostet 19 Pf. Bon der russischen Sozialdemokratie. DaS Zentralkomitee der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands faßte den Beschluß, zu Anfang Mai d. I. eine All. russische P a rt e-i ko n fer e n z einzuberufen und stellte nachstehende provisorische Tagesordnung kür dieselbe fest: 1. Be» richt des Zentralkomitees;'2. Berichte ver Zentralkomitees der nationalen Organisationen; 3. Bericht der Dumafraktion; 4. Be- richte der örtlichen Organisationen; 5. der Parteikongreß; 6. Kon» stitution des Zentralkomitees� 7. Gewerkschaften; ö. Genossen- -schaften; 9. OrganisationLfragrn. jiiv,;;■ ■j ai Mfc-fcwiÄ tfjf-«M© ufi: ij*;C In kurze«! steht die erste Allrussische Konferenz der in der Gewerkschaftsbewegung tütigen Partrigenoffen bevor, die eine ganze Reihe gewerkschaftlicher Fragen' zu regeln hat. Vorbereite wgrn zur Maifeier, Das Zentraltomiiee des jüdischen Arbeiterbundes hat ssch an alle lokale Organisationen mit einem Rundschreiben gewendet, in dem es sich für strikte Durchführung der Arbeits- einst cllung am 1. Mai ausspricht. Es sei notwendig— so führt eS aus-- in der Agitation auf folgend« Punkte hin» zuweisen: erstens auf die politische Bedeutung der Maifeter — gegenwärtigen Moment, wo politische Aktionen scheinbar un» Hus der Partei. Die finulöndische Sozialdemokratie im Jahre 1906. Unlängst wurde in der finnländischen Parteipresse eine Anzahl statistischer Daten über den Stand der sozialdemokratischen Be- wegung in Finnland pro 1906 veröffentlicht, die einen lehrreichen Einblick in das innere Leben der Partei gestatten. Die angeführten Daten stehen allem Anschein nach ivoit hinter den jetzigen zurück,___________________________________...____ denn der Landtagswahlkamps im März 1997, der der Sozialoemo- im Mai stattfindenden Maiwaldfestes einen Festzug von der kratie 89 Mandate(von im ganze» 200) einbrachte, bat die Position Stadt in den Wald zu veranstalten. Sie teilten dies dem Polizei« möglich sind. Gerade jetzt werde eine organisierte und bewußte Arbeitseinstellung den Beweis erbringen, daß die revolutionären Kräfte im Lande nicht vernichtet sind, daß hie gewünschte Beruhi- gung noch nicht eingetreten ist, und daß eS eine Kraft in der Gc- ftllschaft gibt, welche trotz der größten Repressalien ihre re- volutionäre Arbeit fortsetzt. De? weiteren müsse auf die organisatorische Bedeutung der Maifeier Hingewisen werden. Bei � der in den breiten Massen herrschenden politischen Passivität werde die Arbeitsruhe am 1. Mai. welche dank ihrem spezifischen Charakter cincS proletarischen Weltfeiertages alle Aussicht auf Erfolg hat, die gesunkene Stimmung heben und die Organisationsarbeit fördern.— Außerordentlich energisch wird die Maifcieragitation von der So zialdemokratie Polens und Litauens be- trieben. Nicht nur der Vorstand der Partei, sondern auch alle örtlichen Komitees, alle sozialdemokratischen Gewerkschaften haben eine Unmenge von Flugblättern herausgegeben und eine rege Agitation für'die Arbeitseinstellung am 1. Mai entfaltet. polizeilichtSi Oerichtiiches iikw» Vom„gleichen Recht" in Sachsen. Die Annaverger AnitShauptmannschast darf sich rühmen, an der Front der Amtshauptmannschaften Sachsen? zu stehen, die in der Bekämpfung der Sozialdemokratie Hervorragendes leisten. So hat sie jetzt die Erhebung von Eintrittsgeld für die Maifeier mit folgender Begründung verboten:«Die königliche AmtShauptmann- schaft kann zur Erhebung von Eintrittsgeld bei der für den 1. Mai dieses JahreS in Aussicht genommenen Abendunterhaltung keine Er- laubnis erteilen, weil die Feier, wie auch die gewählten Lieder ver- raten, lediglich die Tendenz hat, drn Klasscnhaß zu schüre» und gegen die staatliche AuwritS» aufzureizen." Die Lieder, die nach der Meinung der AmtShauptmannschast den Klassenhaß schüren, sind:„Gruß an den ersten Mai",„Seid gegrüßt. Genossen alle!"„Bruderliebe". Die gleiche AmtShauptmannschast hat am 12. Dezember 1996 dem Arbeiterturnverein Gelenau zwei öffentliche Abendunterhaltuiigen nicht genehmigt mit der Begründimg:„daß sie eS grundsätzlich ab- lehnen müsse, einem Vereine die Wege zu ebne», der den auS- gesprochenen Zweck.(I I) verfolgt, die Arbeiterjugend in den Bann- üreiS der Umsturzpartei zu ziehen. Die Amts« bauptinannschaft ist ober nicht gewillt, Bestrebungen zu unter- tützen, die jeder Vaterlandsfreund mit Entschieden- heitvonsichab w eisen m u ß." Noch besteht in Sachsen der antidiluvianische Zustand, daß Geld- sammlungen an die behördliche Genehmigung gebunden sind. Diese unglaubliche Bevormundung, über die die Bürger anderer freien Länder den Kopf schütteln und lächeln, wirkt uin so kurioser, wenn man sich vergegenwärtigt, daß das sächsische Ministerium sich für diese Maßnahme auf die-- Armen ordnnng vom Jahre 1840 stützt. Ihre Anwendung richtet sich ausschließlich gegen die Sozial- demokratie. Da? gab die Regierung offen in einer Entscheidung vom 6. August 1891 zu, indem sie ausführte:„Es kann auf die hier in Frage kommende Entschließung der Behörde das Prinzip der gleichen Behandlung nicht unbedingt An- Wendung finden."_ Vorn gleichen Recht auf die Straße. Die Frankfurter Partei- genossen beabsichtigten, anläßlich des alljährlich am ersten Sonntag der Partei»och mehr gefestigt. -'Präsidium mit uud. ia einer mündlichen Rücksprache auf de« Präsidium machte der Parteisekretär D i t t m a n n noch nähere An- gaben über den einzuschlagenden Weg usw. Am 2ö. April bekam er nun vom Polizeipräsideum die Nachricht, daß die Genehmigung zu dem Fcstzuge versagt wird,„da aus der Abhaltung desselben Gefabr für die öffentliche Ordnung und Sicher- heit zu befürchten ist". Worin diese Gefahr liegt, wird nicht verraten. Bei den deutschen Turnern, die bei ihrem hiesigen Turnfeste im Juli einen grasten Umzug in der Stadt veranstälten wollen, besteht anscheinend keine .Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit", denn diesen kommt man mit der größten Rücksichtnahme entgegen. GeilverKfcKaftUcKes. Die gewerkschaftliche Einigung maW abermals einen Schritt vorwärts. Am heutigen Tage versammelt sich der Berliner Lokalverband der Kürschner genieinsam mit dem Zcntralverband für denselben Beruf, um die letzten Formalitäten für den Zusammenschluß beider Or- ganisationen vorzunehmen. Es soll ein paritätisch aus Mit- gliedern des früheren Lokalverbandes und aus solchen des Zentralverbandes zusammengesetzter Filialvorstand gewählt werden. Nach vollzogenem Wahlakt treten dann die Mit- glieder des Lokalverbandes in die Wahl einer Liquidations- kommission ein, und die Auflösung des Lokalverbandes wird vollzogen. Der Uebertritt erfolgt am 1. Mai. Für die Ueber- tretenden ist eine einjährige Karenzzeit festgesetzt; nach deren Ablauf wird die Mitgliedschaft im Berliner Verbände voll angerechnet. Der übergetretene Berliner Lokalverband hätte in wenigen Monaten die Feier seines 25jährigen Bestehens be- gehen können. Er wurde als Fachverein iin Herbst 1883 ge- gründet, trat dann 1890 zum ersten deutschen Kürschner- verband über, um nach dessen Auflösung seit dem 1. April 1890 als lokale Organisation weiter zu bestehen. Im Oktober 1901 tagte in Leipzig wiederum ein Kürschnerkongreß, der die Gründung des jetzigen Äiirschuerverbandes beschloß. Aber der Berliner Lokalverband blieb dieser Gründung fern. Jetzt erst tritt er über, und sein Organ, die„Kürschnerwacht", ist am 26. April d. I. in seiner letzten Nummer erschienen Mit dem Berliner Verband der Kürschner tritt eine der wenigen noch bestehenden„historischen" Lokalorganisationen in die Reihe der Zentralverbände über. Das Jubiläum ihres 25jährigen Bestehens konnte diese Organisation sicher nicht würdiger und besser begehen, als daß sie dem Gedanken der proletarischen Einigung das Opfer ihrer Existenz brachte. Verlin und Umgegend. Achtung, Steinsetzer und Berufsgenoflen! Firma Gebr. Hein. Berlin, ist gesperrt, wegen Nichtbeachtung der Beschlüsse der paritä- tischen Ueberwachungskommission. Zuzug ist streng fernzuhalten! Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. I. A.: Die Ortsverwaltung. Ein Unternehmer-Nachweis. Die„Berliner Klempner- und Jnstallateurzeitung", ein Unter- nehmerorgan, schreibt in der Nr. 17 vom 26. April im Bericht über die Generalversammlung der Berliner Klempnerinnung, daß ein Meister dem Arbeitsnachweis in der Dresdener Straße den Vor- Wurf macht, daß der Nachweis nur Gesellen mit minderen Leistungen vermittle. Damit wird von Unternehmerseite bestätigt, was von Verbands- feite schon lange festgestellt wurde,' und waS, tvie die Dinge nun einmal liegen, auch gar nicht anders sein kann. Die Unterhandlungen im Baugewerbe. Die Arbeitgeber-nehmen den Schiedsspruch an. In den Räumen der Gesellschaft der Freunde. Potsdamer Straße, beschäftigte sich gestern der Deutsche Arbeit- geberbund für das Baugewerbe in mehrstündiger Sitzung mit dem am Montag gefällten Schiedsspruch der drei Unparteiischen. Den Vorsitz führte Baurat Felisch. Nach- dem Baurat Enke(Leipzig) über die Verhandlungen bis zum 23. April d. I. und Baumeister Lüsser(Frankfurt a. M.) über die Eiuigungsvcrhandlungen im Berliner Rathause referiert hatten, wurde zur A b st i m m u n g über den Schiedsspruch geschritten. Das Resultat war, daß der Schiedsspruch mit allen gegen 11 Stimmen angenommen wurde. Es nahmen etwa 500 Delegierte aus allen Orten Deutschlands an der Versammlung teil. Tie Abgeordneten der rheinisch-west- fälischen Zone enthielten sich der Stimnienabgabe, versprachen aber bei ihren Austraggebern ebenfalls für die Annahme des Schiedsspruches einzutreten._ Die Maurer und der Tarifvertrag. In einer Generalversammlung der Maurer aller Zahl- stellen und Bezirke des Zwcigvereins Berlin des Maurerver- bandes. die gestern abend Kellers großen Saal samt den Galerien füllte, berichtete Silber schmidt über das Re- sultat der Vertragsverhandlungen. Er schilderte ausführlich Inhalt und Bedeutung der verschiedenen Vertragsbestimmun- gen, besonders derer, die von dem alten Vertrag abweichen. Der Redner kam zu dem Schluß, daß der Vertrag das unter den gegenwärtigen Verhältnissen Erreichbare darstelle und erklärte, daß die Verbandsleitung wie die Vcrtretersitzung ein- stinimig zu dem Entschluß gekommen seien, den Mitgliedern die Zustimmung zum Vertrag zu empfehlen.— In der Diskussion trat zwar ein starker Widerspruch hervor, doch war die Stimmung vorwiegend für den Vertrag. Die Abstimmung wird heute in den Bezirken erfolgen.— Zu der gestern im„Vorwärts" erschienenen Notiz„Einen Dummen-Jungen st reich" gab Silbcrschmidtdie Erklärung ab, daß dem Berichterstatter ein Irrtum unter- laufen sei, da nicht feststehe, von welcher Seite den Voxsitzende'n jene Gegenstände(die Pinsel) neben die Akten gelegt worden sind. Wohl seien Vermutungen in der vom„Vorwärts" bezeichneten Richtung lautgeworden, eine Beweisführung sei jedoch von keiner Seite versucht noch erbracht worden. Die Vorstände der Organisationen beider Parteien hätten den unparteiischen Vorsitzenden ihr Bedauern ausgedrückt und erklärt, daß, wenn sie den Täter kennten, sie es ablehnen würden, mit ihm gemeinsam weiter zu ver- handeln._ Der Streik bei der Firma Hugo Härtung, Moabit, Wiclef- straße.16— 17, dauert unverändert fort. Die von den Streikenden angebahnten Verhandlungen schienen anfänglich von Erfolg be- gleitet zu sein, mußten jedoch später abgebrochen werden, da Herr Härtung erklärte, daß er mit Leuten, die während 8 Wochen„sein HauS umstellt" hätten, nicht verhandeln könne. Der Betrieb ist demnach nach wie vor für Arbeiter aller Berufe gesperrt und ist Zuzug fernzuhalten. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Der Fensterputzerstreik bei der Firma Juhre, Fensterreinigungs- institut in der Palisadenstraße, spinnt sich nachgerade zu einer Machtfrage zwischen Unternehmerverband und Arbeitnehmerorgani- Lerantw. Redakt.: Georg Davidsohn, Berlind Jnseratcuteil vcrantw/ sation aus. Da Streikbrecher nicht zu bekommen sind, machen die Herren Unternehmer, welche sonst der Arbeit nicht besonders wohl- gesinnt sind, die Herausreißer. Zu den von uns gestern angeführten Unternehmern kommen noch hinzu: Karl Schmidt(Jnsterburger Straße 5), Reinigungs- institut„Blitzblank"(Brunnenstr. 86), Berthold N e u m a n n (Marianncnstr. 24), sowie der vom Hamburger Streik als Streik- brccheragent bekannte Unternehmer Graßow(Buttmannstr. 18). Die Arbeitsscheine sind ohne Angabe der Firma und sind teils „grün", teils„rot". Zu bemerken ist noch, daß benannte Unternehmer die Fenster- Putzer dadurch irre zu führen suchen, daß sie sagen. Juhre habe seine Kundschaft an sie verkauft. Nach wie vor ersuchen wir um strengste Solidarität und bitten, auf genannte Unternehmer ein wachsames Auge zu haben. Deutscher Transportarbeiterverband. Bezirk Groß-Berlin. Veutkches Reich. Maifeier im Barbiergewerbe. Die Arbeitsruhe ist unstreitig die würdigste Form der Mai- feier. Bei den Meinungsverschiedenheiten über die Begehung der Maiseier dreht es sich um die Möglichkeit, die Arbeit am 1. Mai ruhen lassen zu können. Ist die Kapitalistcnklasse bestrebt, diese Möglichkeit zu inhibieren oder doch zu erschweren, so das Proletariat, sie herbei- zuführen und zu erweitern. Was die organisierte Arbeiterschaft als Produzent dazu tun kann und was nicht, mag hier unerörtcrt bleiben. Dagegen sei der Einfluß der Arbeiterschaft als Konsument betont, der sie in die Lage bringt, die Möglichkeit der Arbeitsruhe im allgemeinen vergrößern zu können. Gerade in dieser Beziehung kann zweifellos weit mehr geschehen, als bisher geschehen ist. Einen großen Teil der Besorgungen, welche zur Beftiedigung unserer Bedürfnisse an einem bestimmten Tage notwendig sind, können wir einen Tag vorher machen, wie e» ja heute schon mit Rücksicht auf die gesetzlichen Festtage geschehen muß. Zwar können wir nicht die Musik z. B., die unsere Maifeier würzen und die festliche Stimmung erhöhen soll, uns einen Tag vorher aufspielen lassen; auch nicht die Speisen und Getränke uns am Tage vorher auftischen lassen. Wohl aber kann jeder, der am 1. Mai nicht mit struppigem Bart einhergehen will, sich Kinn und Wange einen Tag zuvor putzen lassen. Damit zu warten bis zum Tage des 1. Mai ist im Interesse der Maifeier nicht nur nicht er- forderlich, sondern direkt verkehrt. Und genau so in verschiedenen anderen Dingen. Die organisierten Barbier- und Friseur- gehülfen erachten es jedenfalls als eine Rücksichtslosigkeit, wenn sie durch Maifciernde in der Durchführung der Arbeitsruhe am 1. Mai, die in ihrem Gewerbe ohne weiteres möglich ist, behindert würden. Die Arbeiterschaft hat es in der Hand, eine ganze Reihe von Kleingewerbe- und Kleinhandelsbetrieben samt dem darin be- schäftlgten Personal zur freiwilligen oder unfreiwilligen Arbeits- ruhe am 1. Mai zu verhelfen. Es zu tun, ist ein Gebot der Soli- darität und d„r Taktik. Kein Arbeiter, vor allem kein Maifeiernder, betrete am 1. Mai Barbier st übe oder Rasiersalon. Verband der Friseurgehülfen Deutschlands. Die„Herren im Hause". Die Dresdener Bäckergehülfen stehen zurzeit in einer Lohn- bewegung. Während nun am Montag die Verhandlungen zwischen dem Jnnungsvorstand, dem Gesellenausschuß und den Vertretern der Organisation betreffend Festlegung eines Tarifvertrages be- gönnen haben und die Hoffnung auf eine gütliche Regelung nicht ausgeschlossen ist, stellen sich die einzelnen Mühlenbesitzer und Brotfabrikantcn gleichmäßig auf einen echt scharfmacherischen Standpunkt und lehnen rundweg eine Verhandlung mit„betriebs- fremden Personen" ab.(Diese„betriebsfremden Personen" sind natürlich die Vertreter der Organisation.) Sie motivierten das damit, daß sie nach den Bestimmungen des ArbcitgeberverbandeS der sächsischen Mühlenindustrie dazu„verpflichtet" wären. Nette „Herren im Hause"! Die Vertreter der Organisation wandten sich nun an den Arbeitgeberverband mit dem Ersuchen um Verhandlungen, und dieser antwortete ebenfalls, daß er laut seiner und der Be- stimmungen des Zentralverbandes der Mühlenindustrie(Sitz Berlin-Charlottenburg) nicht in der Lage sei, mit„betriebsfremden Personen" zu unterhandeln._ Die Differenzen im Korbmachergewerbe zu Dresden sind durch folgenden Schiedsspruch des Einigungsamtes des GewerbegcrichtS beigelegt: „In der Erwägung, daß der zum Abschlüsse des Tarifvertrages mit Vollmacht versehene Obermeister der Korbmacherinnung den nach den Vertragsverhandlungen angefertigten Vertragsentwurs unterschriftlich vollzogen und ohne Verlesung der einzelnen Para- graphen in der Jnnungsversammlung hat genehmigen lassen, ist das Einigungsamt der Ansicht, daß die Arbeitgeber nach dem Vertrage verpflichtet sind, die für den 1. April 1963 vorgesehene ISprozentige Erhöhung der Akkordlöhne eintreten zu lassen. Da aber die untcrschriftliche Vollziehung des Vertrages seitens des Obermeisters unbestritten erfolgt ist in der Annahme, daß die ISprozentige Erhöhung nur dann eintreten solle, wenn die Löhne in den Licferungsorten für Dresden eine gleiche Erhöhung bis dahin erfahren haben und da auch die Jnnungsmitglieder bei der Genehmigung des Vertrages in dieser Annahme sich befunden haben, empfiehlt das Einigungsamt den Arbeitnehmern, nicht an der Erfüllung dieser Vertragsbestimmung, zu deren Leistung sich die Arbeitgeber außerstande erklären, festzuhalten, sondern in neue Verhandlungen über die künftige Regelung der Akkordpreise ein- zutreten. In der Erwägung, daß die Löhne der Korb- macher in Dresden auch nach der Ansicht der Arbeit- geber eine Erhöhung wünschenswert erscheinen lassen, empfiehlt das Einigungsamt: Die nach dem Vertrage vom 24. Juli 1997 zurzeit gezahlten Akkordlöhne werden durchgängig vom I. Mai 1998 ab um 19 Proz. erhöht. Das Einigungsamt glaubt, daß die Arbeitgeber auch bei der ungünstigen Lage des Korbmachergewerbes diese Erhöhung übernehmen können, um so mehr, als die Ar- beitgeber an und für sich nach dem Vertrage auf eine ISprozentige Erhöhung Anspruch er- heben können." Dieser Schiedsspruch wurde von beiden Parteien akzeptiert. Die Leipziger Brauereiarbeiter nahmen in einer Versammlung den ihnen jetzt nach langen Ver- Handlungen vorgelegten Tarifvertrag an, nur über die Regelung des Arbeitsnachweises konnte man sich noch nicht einigen. Nach dem Tarif wird ein Mindestlohn von 32 M. pro Woche garantiert, Arbeiter unter 18 Jahren erhalten 28 M. In den Brauereien mit weniger als S999 Zentner Malzverbrauch kann ein um 3 M. niedrigerer Wochenlohn gezahlt werden, die Differenz soll sich aber jährlich um S9 Pf. mindern. Die Arbeitszeit wurde, abgesehen von den Bierfahrern, für die keine Regelung zu erzielen war, auf 9Zb Stunden festgesetzt. Für die Flaschenbicrfahrer ist eine regel- mäßig wöchentlich stattfindende Abrechnung festgesetzt worden, die bisher oft nur monatlich, ja sogar vieteljährlich stattfand. Der Tarif gilt bis zum 1. Januar 1911., Gleichzeitig beschäftigten sich die Faß- und Flaschen- bierarbeiter mit ihrem Tarif. Den Flaschenbierfahrern soll ein Mindestwochenlohn von 32 M., den Beifahrern 27 M., den Faß- bierfahrern 29 M. zugestanden werden, während die Hof- und Kellerarbeiter 24— 26 M. erhalten sollen. Die Arbeitszeit wird um 3 Stunden wöchentlich verkürzt, der 1. Mai als Feiertag an- erkannt. Der Tarifentwurf soll nochmals eingehend besprochen werden, um dann einer endgültigen Abstimmung unterworfen zu werden_ ThZLlocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstatt Der Tarifvertrag der Leipziger Schuhmacher läuft am I.Mak ab. Die Eehülfen lehnten es mit Rücksicht auf die verteuerte Lebenshaltung ab, auf Grund des alten Vertrages zu verhandeln. Ein bei der Innung und der Freien Vereinigung selbständiger Schuhmacher eingereichter Tarifentwnrf fand aber auch nicht deren Billigung, und deshalb beschlossen die Gehülfen, am 1. Mai in den Streik zu treten, falls bis dahin keine günstige Regelung erfolgt. Keine semitisch-antilemitische Einigung. Ins Wasser gefallen sind die Fusionsbestrebungen zwischen dem Verbände deutscher Handlungsgehülfen(Leipziger Verband) und dem Deutschnationalen Verbände. Auf der in Leipzig am Sonntag abgehaltenen 2S. Generalversammlung des Leipziger Verbandes wurden dem Vorstande ivcgen seiner überstürzten Verhandlungen mit den Antisemiten gehörig die Leviten gelesen. Schließlich wurde eine vom Vorstande und dem Aufsichtsrate eingebrachte, recht klein- laute Resolution folgenden Inhalts angenommen: „Die Generalversammlung billigt den Versuch einer sozial- politischen Verständigung mit dem Deutschnationalen Hand- lungsgehülsenvcrbande und hofft, auch mit den anderen kauf- männischen Organisationen eine sozialpolitische Verständigung zu erzielen." Danach ist von einer Verschmelzung nicht mehr die Rede.— Angeblich sind jetzt im Leipziger Verbände 84 999 HandlungS- gchülfen organisiert. Das Gesamtvermögen des Verbandes beläuft sich auf zirka 3 299 999 M. Die Generalversammlung nahm eine Erhöhung des Jahresbeitrags von 6 auf 19 M. an. Sie rsrifvecHstiSIimge» der liialer. Gestern früh um 9 Uhr begannen in Berlin vor dem Einigungsamt die Verhandlungen zwecks Aufstellung eines Tarifes im Malergewerbc. Den Vertretern des Arbeit- geberverbandes standen von Arbeilnehmerseite gegen- über: 10 Delegierte vom Verband der Maler, 3 Ver- treter der christlichen Gewerkschaft und 2 vom Hirsch- Dunckerschen Verein. Den Vorsitz führte Magistratsrat v. Schulz, unterstützt durch Dr. Wiedfcldt und Dr. P r e n n e r. Die Frage der Zulassung zu den Verhandlungen wurde zuerst erörtert. Der Verband der Maler protestierte gegen die Gleichberechtigung der Hirsch-Dunckerschen, well diese Ver- eine zu unbedeutend seien. Dem Verlangen des Verbandes wurde insofern stattgegeben, als folgende Vertretung an- genommen werden sollte: Die Hirsch-Dunckerschen haben 1. die Chrisllichen 4, der Verband 50 Vertreter. Nach dieser Entscheidung mußte ein Delegierter der Hirsch-Dunckerschen. Goldschmied, zurücktreten. Die Verhandlungen über den Tarif wurden aufgenommen nach einem Tarifmuster, das von den Arbeitgebern aus- gearbeitet worden war. Man will zu einem Einhetts- t a r i f für das Malergewerbe in ganz Deutschland kommen, und der neue Tarif soll überall den örtlichen Verhandlungen zugrunde gelegt werden, wo die bisherigen Tarife ablaufen. Später ablaufende Tarifverträge sollen bis zum 31. Dezember 1909 verlängert werden, damit von diesem Zeitpunkte an ein Einheitstarif in Kraft treten kann. Der§ 1 des vorgelegten Vertrages betrifft die Arbeits- zeit. Darüber kam man zu keiner Einigung, besonders da die Arbeitgeber den Zusatz wünschten, daß keine Entschädigung gezahlt wird, wenn die Arbeitszeit noch eine halbe Stunde nach Feierabend verlängert wird. Der§ 2 bestimmt den Lohn, der als Mindestlohn zu gelten hat. Da wollten die Arbeitgeber eine lange Reihe von.: Vorschriften für die Leistungen eineS Malers resp. eines An- streichers erfüllt sehen, wogegen die Arbeitnehmer protestierten. Man kam über diese Lcistungsklausel. die von den Arbeitern als Ursache zu häßlichen Mißhelligkeitcn angesehen wird, zuerst nicht hinaus. Bei dem Z 3, der die Zuschläge für Ueberstunden, Nacht- und Sonntagsarbeit festsetzt, entspann sich eine heftige Debatte. nachdem beide Parteien in eine Sonderberatung getreten waren. Die Arbeitgeber boten für Ueberstunden einen allgemein gültigen Zuschlag von 15 Prozent und für Nachtarbeit 40 Prozent, während die Arbeitnehmer 30 resp. 75 Prozent verlangten. Kruse, der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes, erklärte, daß die Unternehmer sich fest ver- Kunden hätten, um den großen Ansprüchen der Arbeiter ent- gegcnzutreten.„Sic bekommen keine örtliche Verhandlung mehr, alles wird von unserem Verbände aus geregelt." so agte er. I a c o b e i t trat Kruse energisch entgegen, und T o b l e r erklärte, daß die Maler sich keine Verschlechterung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen gefallen lassen würden. Man kam auch darüber zu keiner Verständigung und kehrte zu dem Passus des§ 2, die Leistungsklausel betreffend� zurück, worüber noch eine längere Debatte einsetzte. Die Verhandlungen dauern noch fort. Letzte JVacbricbtcn und Depefcben« Arbcitsruhe am 1. Mai. St. Etienne, 28. April.(B. H.) Die Grubenarbeiter des Beckens von Giers beschlossen, am 1. Mai überall die Arbeid ruhen zu lassen._ „Des Lebens müde". Frankfurt a. M.. 28. April.(B. H.) Auf dem Mühlkanal der Nidda bei Rödelheim wurde die Leiche eines 49 bis 4S Jahre alten Mannes gelandet. In einer Tasche des Toten fand man einen Zettel mit der Aufschrift„Des Lebens müde, Rudolf G. aus Berlin-Friedenau." Ueberschwemmungen. Götiiiigen» 28. April.(B. H.) Infolge WolkcnbruchS hat die Leine nebst Zufluß weite Strecken überschwemmt und bedeutenden Schaden an Feldern angerichtet. •*• Petersburg, 28. April.(28. T. B.) Bezüglich der Ueber- schwemmungen in Rußland wird gemeldet, daß die Hochflut in ver- schiedenen Städten neue Verheerungen angerichtet hat. In Orel ist der Malzewsche Fabrikrayon überschwemmt, im Fabrik- rayon Raditza verkehren Dampfer auf den Straßen, 999 Häuser stehen unter Wasser. In Smolensk sind durch den Austritt des Dnjepr 3S9 Häuser überschwemmt und in der Umgebung große Mengen an Korn und Vieh vernichtet. Auch in Kiew stehen die am Dnjepr gelegenen niederen Stadtteile unter Wasser; dagegen ist nach Nachrichten aus Moskau dort die Hochflut überall zurück» getreten. Ein Fünftel Moskaus, insgesamt 13 Quadratkilometer. war überschwemmt. 3999 Häuser. 2S 999 Wohnungen, 59 999 Ein- wohner sind von der Katastrophe betroffen worden. Zur Linderung der Not der durch die Ueberschwemmung Geschädigten haben sich in allen Kreisen des Moskauer Gouvernements Hülfskomitees gebildet. Kesselexplosion. Portsmouth, 28. April.(28. T. B.) An Bord des Linienschiffes ..Britannia" ereignete sich auf der Fahrt von Oueensserrh hierbei eine Kesielexplosion, bei der vier Mann schwer und einer leicht ver, letzr wurden. Paul Singer Le Co., BcrlinLW. Hierzu 3 Beilagen u. Nuterhaltungsbl. Nr. 100. 35. Jahrgang. 1. Inlaut Uta Janrtrta" Ittlintt lolblilatt. Mittmch. 29. April 1908. Reicbötacf» 144. Sitzung. Dienstag, den 28. April, nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstische: Kommissare. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrt das Hau? das An' denken des verstorbenen Abgeordneten Zindler(k.) in der üb- lichen Weise. Auf der Tagesordnung stehen Petitionen. Zunächst werden die Petitionen erledigt, zu denen keine Wort- Meldungen vorliegen. Als Material überwiesen werden Petitionen betr. Ein schränkung der Einfuhr und des Handels mit Alkohol in den afrikanischen Kolonien, betr. die Rechtsverhältnisse des Gesindes. betr. die reichsgesetzliche Regelung des Apothekenwesens, betr. den Ausbau der sozialpolitischen Gesetzgebung hinsichtlich der Arbeite- rinnen, betr. den Erlaß eines Unfall-Fürsorgegesetzes für Feuer- wehrleute usw., betr. Aufhebung der Fahrkartensteuer bezw. Ein- führung einer Steuer auf Zündhölzer. Abg. Singer(Soz.) erklärt hierzu, daß in der Zustimmung seiner Freunde zu dem Antrage der Kommission keine Zu- st i m m u n g zur Einführung einer Steuer auf Zündhölzer liege. Weiter werden als Material überwiesen Petitionen betr. Aus- dehnung der Unfallfürsorge auf Polizeibeamte, betr. Abänderung des Jnvalidenversicherungsgesetzes dahin, daß die Beschränkungen aufgehoben wwden, welche dem aktiven und passiven Wahlrecht der weiblichen Arbeitgeber wie der weiblichen Versicherten für die Bei- sitzer der Organe der Jnvaliditäts- und Altersversicherung cnb gegenstchen, und endlich eine Petition betr. Ausschluß der Oeffenb lichteit in Skandalprozesscn. Durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt werden Petitionen wegen Abänderung bezw. Aufhebung des§ 175 des Strafgesetzbuches. Hierzu wird folgende Resolution angenommen: die verbündeten Regierungen zu ersuchen, a) die Zivil- und Militärbehörden anzuweisen, den bestehenden Gesetzesvorschriften ohne Ansehen der Person unnachsichtlich Geltung zu verschaffen. d) dem Reichstage alsbald eine Vorlage zur Abänderung des Straf- gesetzbuches und des Militärstrafgesetzbuches zugehen zu lassen, durch welche die Ausnutzung des Abhängigkeitsverhältnisses(durch Vorgesetzte, Arbeitgeber usw.) zu unsittlichen Zwecken nach§ 175 des Strafgesetzbuches unter erhöhte Strafe gestellt und in welcher das Schutzalter auf 13 Jahre erhöht wird. Zur Berücksichtigung überwiesen werden Petitionen betr. Ein fuhr russischer schwererer Gerste zu Futterzwecken, betr. Aende, rungen des Gesetzes über die Erwerbung und den Verlust der Reichs- und Staatsangehörigkeit, betr. Regelung des Handels mit Konserven. Zur Erwägung überwiesen wird eine Petition betr. Abände rungen des Gesetzes über den Verkehr mit blei- und zinkhaltigen Gegenständen und zur Kenntnisnahme eine Petition betr. reichs- gesetzliche Regelung des Hebammenwesens. Eine Petition betr. Bewilligung einer höheren dauernden Unterstützung beantragt Abg. Dr. Stengel(frs. Vp.) für erledigt zu erklären, da der Petent inzwischen verstorben sei und keine Hinterbliebenen hinter 'asscn habe.(Heiterkeit.) Das Haus beschließt demgemäß. Zu einer Petition des Vereins kaufmännischer Warenagenten und des Verbandes reisender Kausleute Deutschlands, wonach dem Agenten das Recht eingeräumt werden soll, zur Prüfung der Buch, auSzüge seines Geschäftsherrn die Borlage von dessen Handels, büchern zu verlangen, bemerkt Abg. Lehi»ann-Wiesbaden�(Soz.), daß die von der Handels, kammer für die Kreise Arnsberg. Brilon und Meschede gegen diese Petition erhobenen Einwände hinfällig seien; gerade bei der Art der Geschäfte durch reisende Kaufleute, die naturgemäß an Umfang beständig zunehmen, ergeben sich sehr leicht Differenzen, bei deren Austragung die Geschäftsherren zur Vorlegung der Bücher ver- pflichtet sein müßten. Die Petition wird dem Reichskanzler nach dem Antrage der Petitionskommisston als Material überwiesen. Der allgemeine deutsche Chorsöngervcrband petitioniert um Unterstellung der Chorsänger— und Chorsängerinnen unter das Invaliden-, Kranken- und Unfallversicherungsgesetz. Die Petitions- kommission beantragt, die Petition dem Reichskanzler zur Erwä- gung zu überweisen. Abg. Dr. Pfeiffer(Z.): Die Petition beweist, daß das Wort: Die Kunst geht nach Brot, auch heute noch bitter wahr ist. Die Er- wägungen der Regierung dauern bereits seit dem Jahre 1902 bis Rleines fciriUcton. Die vierte Tagung der Deutschen Röntgcn-Gesellschaft wurde am Montag fortgesetzt und beendet. In der therapeutischen Vor- tragsgruppe zeigte es sich, daß die Benutzung der Röntgenstrahlen als Heilmittel nach wie vor das Interesse der Aerzte besitzt, aber die anfangs freilich zu hoch gespannten Erwartungen doch nur auf einem beschränkten Gebiet in bcfriedigendein Grade erfüllt hat. Zu einer überaus lebhaften Diskussion führte zunächst die. Erörte- rllng der Röntgenbehandlung des Krebses. Grunmach- Berlin sprach an erster Stelle über die Behandlung des Magen- Carcinoms mit Röntgenstrahlen auf Grund eines Falles, bei dem nach Ausführung des Magenschnittcs eine als inoperabel befundene Geschwulst 9 Monate lang mit Röntgenstrahlen behandelt worden war. In dieser Zeit verkleinerte sie sich von der Größe einer Faust bis zu der einer Kartoffel und auch die durch sie veranlaßten Be- schwerden besserten sich bedeutend. Allerdings starb der Patient dennoch nach einem Dreivierteljahr, doch meint Vortragender, diese Lebensverlängerung der Röntgenbehandlung zugute schreiben zu dürfen, ebenso auch den Umstand, daß der Patient sogar wieder arbeitsfähig geworden war. In der Diskussion wurden Heilwirkungen der Röntgenstrahlen auf den Krebs überhaupt oder wenigstens für die Dauer bestritten. Als abschließendes Urteil ergab sich, daß die Erfolge der Röntgen- ologie gegen den Krebs bisher im ganzen keine bedeutenden gewesen sind und von vielen gewichtigen Stimmen überhaupt angezweifelt werden. Weit günstiger stellt sich das Ergebnis in der Behandlung des gewöhnlichen Lupus(Hauttuberkulose), der immerhin in einem Verhältnis von 14 auf 1000 Einwohner bei uns verbreitet ist. W i ch m a n n- Hamburg berichtet über eine größere Zahl von schweren Fällen, die sämtlich zur Arbeitsunfähigkeit geführt hatten. Die Resultate waren außerordentlich günstig, namentlich bei Kam- binatwn des Röntgenverfahrens mit anderen Mitteln(Heißluft, Finsenlicht, Radium), wobei auch entstellende„Röntgennarben" vermieden werden. Friedrich- Jena hat sich dem Studium der schwerwiegenden Frage gewidmet, ob der Einfluß der Röntgen- strahlen schädliche Veränderungen der Niere und ihrer Tätigkeit herbeizuführen vermag. Beobachtungen an Kranken und Tier- versuche ergaben, daß schwerere Veränderungen in den Nieren nur in seltenen Ausnahmen eintreten, so daß die Besorgnisse in der Hauptsache als unnötig bezeichnet werden können. Den Beschlutz der Sitzung niachte eine Reihe von P r o j e k- t i o n s v o r t.r ä g c n. Zunächst zeigte F r ä n k c l- Hamburg eine große Zahl von Röntgenbildern zur Veranschaulichung von Wirbel- geschwülsten. Diese Veränderungen, die im Gefolge von Krebs ein- treten, sind oft von sehr schwerer Natur, aber durch die Röntgen- Untersuchung schon in einem Stadium nachweisbar, wo sich im Bc- finden des Patienten nur erst geringe Anzeichen einstellen. Die Markräume der Wirbel erscheinen im Röntgenbild ganz dunkel. heute. Ich beantrage daher, diese Petition der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Dem weiblichen Bühnenpersonal werden selbst an großen Theatern Monatsgagen von 35 M. die 40 M. gezahlt.(Hört! Hört!) Das sind geradezu niederträchtige Gagen, welch« die Unsittlichkeit fördern; dadurch wird bewirkt, daß man im Publikum glaubt, das weibliche Bühnenpersonal mit den Augen des sterbenden Valentin aus Goethes»Faust" ansehen zu können. Hoffentlich wird diese Materie in einem Theatergesctz umfassend geregelt.(Bravo im Zentrum.) Abg. Brühne(Soz.): Wir haben schon wiederholt die Aus- dehnung der Versicherungspflicht auf alle Personen, die das 15. Lebensjahr überschritten haben, und einen wöchentlichen Verdienst von 7,50 M. haben, verlangt. Damit würde, das sei dem Zentrum bemerkt, gerade auch für die kleinen Handwerker die Vdrsicherungspflicht im weitesten Maße eingeführt. Was Dr. Pfeiffer über die niedrigen Löhne und Gagen gesagt hat, ist durchaus richtig. Die Ursache davon ist. daß das Theaterpersonal keine richtige Organisation hat, denn sonst würde es sich derartiges nicht bieten lassen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Schon vor Jahren hat diese Petition den Reichstag beschäftigt und ist dem Reichskanzler überwiesen worden. Trotzdem ist bis jetzt nichts geschehen. Schon längst hätte män die Versicherungsgesetzgebung in der von uns be- antragten Weise ausdehnen sollen. Wir wollen hoffen, daß bei der Abänderung dieses Krankenversicherungsgesetzes auch alle Per sonen mit einem Einkommen bis zu 3000 M. dem Versicherungszwange unterworfen werden.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hildenürandt(Soz.): Dieser Gegenstand betrifft einen Punkt, bei welchem die Sozialpolitik im Interesse des deutschen Volkes weiter durchgeführt werden müßte. Die Kommission hätte klar und deutlich sagen sollen, was sie im Interesse der Bühnen- angestellten durchgeführt sehen möchte. Vor fünf Jahren bereits ist eine ganz entsprechende Petition der Regierung zur Erwägung überwiesen worden, sie erwägt noch heute, sie wird er wägen in Elvigkeit.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nach einer statistischen Aufstellung haben die Chor- säug er ein Jahresgehalt von 740 bis 1100 M. In vielen Fällen müssen sie hohe Agentengebühren und die Garderobe selbst zahlen. Ich bitte Sie dringend, die Petition dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen. (Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Der Berichterstatter der Kommission Abg. Dr. Stengel(frs. Vp.) befürwortet als Abgeordneter ebenfalls den Antrag auf Ueberweisung der Petition zur Berücksichtigung.(Bravo!) Abg. Bassermann(natl.) schließt sich namens seiner Fraktion diesem Antrage an. Die Petition wird zur Berücksichtigung überwiesen. Eine weitere Petition der Gewerkschaften christ- licher Bergarbeiter Deutschlands betr. Durchführung des Elsaß- Lothringenschen Berggesetzes, beantragt die Kommission dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen und, soweit sie die Errichtung eines Knapp schaftsstatut betrifft, zur Kenntnisnahme. Abg. Gicsberts(Z.) legt dar, daß im Elsaß-Lothringenschen Berggesetz ebenso wie im preußischen bestimmt sei, es sollen überall Knappschaftsvercine errichtet werden. In Elsaß-Lothringcn sei aber diese Bestimmung nicht als Zwang aufgefaßt wie in Preußen. Wenn jedoch im Gesetz steht,«s sollen Knappschaftsver- eine bestehen, so müssen sie auch errichtet werden.(Sehr richtig! im Zentrum.) Meine Freunde haben daher zum Antrage der Kommission folgenden Zusatzantrag gestellt: Die Verbündeten Re- gierungen zu ersuchen, sofort die erforderlichen Schritte auf dem Wege der ReichSgcsetzgebung oder der reichsländischen LandeSgcsetz» gebung einzuleiten, um zur Beseitigung der schweren Nachteile iür die reichsländische Arbeiterschaft die rückwirkende Kraft der Statuten der elsaß-lothringcnschen Knappschaftsvereine, insbe- sondere die Anrechnung der im Bergbau geleisteten Dienstjahre herbeizuführen, ohne die Arbeiterschaft zu der Aufbringung der hierfür benötigten Mittel heranzuziehen.(Bravo! im Zentrum.) Abg. Emmel(Soz.): Die elsaß- lothringische Re- gierung setzt offenbar eine Ehre darein, hinter der rück- ständigen preußischen in bezug auf die Sozialpolitik immer noch einige Schritte zurückzubleiben. Im Landes- ausschutz von Elsatz-Lothringen bin ich mehrfach für diese Wünsche der Bergarbeiter eingetreten, während das. Zentrum, ins- besondere der Abg. H a u tz, dort durchaus nicht mit der Verve für eine ähnliche Petition des christlichen Bergarbeiterverbandes eingetreten ist, wie der Abg. Giesbcrts hier. Zu den schlimmsten Feinden der Bergleute gehören dort die großen Grubenbesitzer, wie der Abg. d e W e n d e l. der sich zwar liberal nennt, aber sind also mit Knochcnmasse ausgefüllt. Die Geschwülste sind zu- nächst sehr klein, greifen aber später auf verschiedene Organe, wie die Brüste, den Magen usw. über. Die Markgeschwülste der Wirbel (Myelome) führen, wie die Bilder zeigten, zuweilen zu ganz� fabelhasten Verkrümmungen des Skeletts. Vortragender schließt mit der Aufforderung zu einer systematischen Untersuchung der'Wirbel- faule mit Röntgenstrahlen. Lebhaftes Aufsehen erregte die fol- gende Vorführung farbiger Photographien nach dem Lumiereschen Verfahren durch A l b e r s- Sch ö n b e r g- Hamburg. Gezeigt wurden Fälle von einem Carcinom des Auges, einem Cancroid an der Wange, von Hauttuberkulose sowie ihre Beeinflussung durch die Röntgenbehandlung. Die Bilder beweisen die glänzenden Leistungen, zu denen die Photographie in natürlichen Farben ge- rade in der Medizin berufen ist. Gottschalk- Stuttgart ver- anschaulicht ein von ihm gefundenes neues Verfahren zur Her- tcllung plastischer Röntgenbilder, bei denen die Knochen dunkel und die Weichtcile hell erscheinen und nicht umgekehrt wie bei dem Alexanderschen Verfahren. Eine große Reihe von Röntgen- ogramnien zeigte das Bild der normalen Hand, des Fußes usw., mit vielen Einzelheiten nicht nur an den Knochen selbst, sondern auch an den benachbarten Weichteilen. Eine weitere Folge von Bildern illustrierte den diagnostischen Wert des Verfahrens durch Aufnahmen von Gehirngeschwülstcn. Die Bilder sind so scharf, daß an einem sogar die Vcrstockung eines Backzahns deutlich zu er- kennen war. G e r g ö- Budapest und Bela Alexander- Kesmark(Ungarn) verteidigen die Vorzüge des von letzterem an- gegebenen Verfahrens. Nachdem noch weitere Verbesserungen der Röntgenapparate vorgeführt waren, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit der Mitteilung, daß die Zahl der Mitglieder der Deutschen Röntgen- Gesellschaft sich während des Kongresses um 73 vermehrt habe und nunmehr auf 438 angewachsen sei. Die mit der Tagung verbundene Ausstellung von Röntgenröhren ist von ihren Besitzern größtenteils dem Museum der Gesellschaft überwiesen worden, das nun hoffent- lich bald auch einen würdigen Platz finden wird, um die großartige Entwickelung der Röntgenologie weiteren Kreisen veranschaulichen zu können. Humor und Satire. — Wohltuender Zu st and. Serenissimus streikt, weil seine Zivilliste nicht erhöht wurdr— Nach einiger Zeit beschließt das Volk, die Zivilliste zu erhöhen, unter der Bedingung, daß Serenissimus schwört, bis ans Lebensende zu streiken. — Der Millionär:„ES ist heutzutage für unsereins leichter, einen fürstlichen Schwiegersohn zu kriegen, als gute Dienst- boten." � — Wissenschaftliche Leistung.„Seine Hoheit, der kleine Herr Erbprinz, haben heute. seinen Name» zum ersten Male orthographisch richtig geschrieben.—„Sogleich überreiche man ihm die Medaille sür Kunst und Wissenschaft" sich bei der Wahl immer auf den päpstlichen Segen berufen hat.(Hört! hört!) Wie zwiespältiger Natur die christliche Gewerkschaftsbewegung ist, beweist ja auch die Haltung des Abg. Behrens zum(s 7 des Vereinsgesctzcs. Im Antrage des Zentrums ist nicht die Rede vom geheimen Wahlrecht bei der Wahl der Knappschaftsältestcn. Ich weiß nicht, ob das ein Versehen oder Absicht ist. Es mutz dafür gesorgt werden, daß die ab- hängigen Bergleute Leute wählen können, die wirklich ihre Interessen vertreten. Vielleicht ändert das Zentrum seinen Antrag noch dahin ab.— Die Bestimmung. daß ausländische Arbeiter nicht Mitglieder des Knapp- schaftsvereins zu sein brauchen, ist ein Anreiz für die Gruben- besitzer, ausländische Arbeiter zu beschäftigen, weil sie da- durch die Beiträge sparen. Dem Antrage des Zentrums, der eine Verbesserung des Kommissionsantrages bedeutet, stimmen wir natürlich zu.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Elsaß-lothringischer Bundesratsvertreter Geheimrat Halley: In der Knappschaftsfrage ist die elsatz-lothringische Regierung selbständig vorgegangen und nicht, wie Herr Emmel meint, hinter der preußischen Regierung hergelaufen. Das Knappschaftsstatut. wie es aus den Beratungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer hervorgegangen ist, enthielt keine Ungesetzlichkeiten, und deshalb lag für die Bergbehörde kein Grund vor, ihm die Genehmigung zu versagen. Abg. Behrens(Wirt. Ver.): Die Ausführungen des Abg. Emmel zeigen, daß er die Arbciterverhältnisse im Elsaß nicht kennt.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Die elsässische Rc- gierung ist selbständig vorgegangen, behauptet Herr Geheimrat Halley; jedenfalls ist sie zum Schaden der Arbeiter vorgegangen und hat dem Drängen der Werksbesitzer bei der Durchführung des Berggesetzes zu sehr nachgegeben. Für die einzelnen Werke sind besondere Werksvereine gestattet worden, statt dessen sollte für ganz Elsaß- Lothringen ein einheitlicher Knappschaftsverein geschaffen werden. Abg. Erzberger(Z.): Nachdem daS Zentrum durch seinen Ver» treter für die Wünsche der Bergarbeiter hier eingetreten ist, geht Herr Emmel hier gegen das Zentrum vor; eS kommt ihm nicht auf die Erfüllung der Wünsche der Arbeiter an, sondern in Partei- politischem Interesse sucht er die christlichen Gewerkschaften zu schädigen; das hat er selbst als seinen Zweck angegeben. Herr Emmel vermißt in unserem Antrage das Verlangen nach ge- heimer Wahl der Knappschaftsältesten; ein solches Verlangen bei Gelegenheit dieser Petition ist gcschäftsordnungsmäßig nicht zu- lässig, auch haben wir bei der Etatberatung einen solchen Antrag gestellt, den der Reichstag auch angenommen hat; seine Wieder- holung ist also unnötig.— Zur Erreichung des§ 7 des Vereins- gesetzes, einer Ausnahmebestimmung gegen die Arbeiter, hat der Bundesrat einen Druck auf einen clsässischen Industriellen aus» geübt. Statt einen Druck zu politischen Zwecken auszuüben, sollte man es bielmehr tun. um die Durchführung der Bestimmungen zugunsten der Arbeiter zu erreichen.(Bravo! im Zentrum.) Abg. Dr. Will(Z.) tritt für den Antrag deS Zentrums ein. Abg. Sachse(Soz.): Beim preußischen Berggesetz ist daS Zentrum zweifellos nicht für die Interessen der Bergarbeiter ein. getreten. Und die Abstimmung des Abg. Behrens, der in der zweiten Lesung des Vereinsgesetzes für den§ 7 gestimmt hat, lag sicher nicht im Interesse der vielen italienischen Berg- arbeiter in Deutschland. An dem Zustand in Elsaß. Lothringen ist nicht nur die elsaß-lothringische Regierung schuld. sondern auch die maßgebenden Parteien im Ausschutz. Der Abg Behrens hätte ckuch wohl Gelegenheit gehabt als Mitglied eines Erzgrubenbesitzer-Vcrbandes(Hört! hört! bei den Sozialdemo- traten), die Interessen der Arbeiter wahrzunehmen. Das Zentrum scheint auf dem Standpunkt zu stehen, daß eS selbst alle Parteien angreifen könne, aber wenn andere Parteien das Zentrum an- greisen, wirft es ihnen Parteipolitik vor. Bei der Jnter- p e I l a t i o n über das Reichsberggesetz war es aber gerade der Abg. Giesberts, der über unseren Parteigenossen Hue wie ein Hausknecht herfiel. Ich bitte Sie dringend, unserem Antrage zuzustimmen, daß das geheime Wahlrecht bei den Wahlen der Knappschaftsältestcn eingeführt wird.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Emmel(Soz.): Wenn ich vorhin gesagt habe, die Regierung von Elsaß-Loth- ringen handele nie selbständig, sondern immer in Abhängigkeit von Preußen, so nehme ich diese Behauptung nach den Worten des Regierungsvertreters gern zurück. Aber das eine Mal, wo die elsässische Regierung s e l b st ä n d i g h a n d e l t e, tat sie es n i ch t in fortschrittlichem Sinne,.sondern diente auch da der Reaktion? Belehrungen des Abgeordneten Behrens lehne ich ab. Wir werden — Die Rehabilitierten. Natürlich können preußische Offiziere lesen und schreiben. Wie könnten sie denn sonst Wein« reisende oder Versicherungsagenten werden.(»Simplicissimus.") Notizen. — Theaterchronik. Das Lortzing-Theater bringt diese und die nächste Woche eine Wiederholung des Lortzing-ZykluS. Donnerstag wird„Der Waffenschmied", Sonnabend„Zar und Zimmermann", Dienstag den 5. Mai„Und ine". Mittwoch den 6. Mai „Der Wildschütz" gegeben. — Französische� und holländische Gastspiele. Das holländische Schauspielerensemble setzte am Montag sein Gast» spiel im Hebbel-Theater mit der Aufführung M. Moliörcs Eingebildeten Kranken" fort, ohne die künstlerische Notwendig- keit dieses Seitensprunges erlveisen zu können.— Am gleichen Abend zeigte Mounet-Sully als König OedipuS im Neuen königl. Opern- Theater, wie man vor 100 Jahren in Deutschland und wie man heute noch in Frankreich den Kothurnstil der schönen Deklamation, der großen Rhetorik und der imposanten Geste handhabt. Da Herr Mounet ein Repräsentant einer aussterbenden und uns fremd gewordenen Tradition ist, die er mit leider nunmehr auch alternder Meisterschaft handhabt, werden wir seine Art noch näher zu betrachten haben und zwar in der Ver- lörperung französischer Kunst. — Der hinausgeschmissene Heine. In Deutschland darf er kein Denkmal bekommen der deutsche Dichter, dessen Mund voll süßer Lieder war, der so lebendig geblieben ist, daß er keiner Marmor- und Bronzehülfe bedarf. Die ganze aufgeklärte und lämpfende Arbeiterklasse hat ihn in ihr Herz geschlossen. Sie liebt und sie haßt mit ihnr. Sie liebt mit ihm die Freiheit, die Kultur und alles was sein Dichtergemüt entzückt. Und sie haßt glühend die deutsche Barbarei, die Körper- und Geisteskncchtschast, die Dummheit und Feigheit, die er so meisterlich verspottet. Die Pfeile, die er sandte, sitzen heute noch, und die Wunden, die er schlug, brennen noch heute. Man versteht es, daß sie ihn inimer noch verfolgen, die seine Gegner waren und heute die unseren sind. Und so nehmen wir es mit derselben Miene auf, wie Heine eS getan hätte, die Kunde, daß der neue Herr KorfuS, der deutsche Kaiser, in seinem neuen Besitztum Achilleion, dein einstmals idyllischen Traumsitze der Kaiserin Elisabeth, das von ihr dem ver- ehrten Dichter geweihte Denkmal nicht länger dulden will. Mag daS ewig unbelehrbare Bürgertum, das HeineS Hohn noch iinmer trifft, in dem kleinen Teil, der sich mit Kültnrbewußtsein ziert, darüber entrüsten, daß die Hohenzollcrn so wenig sentimental sind. Wir halten eS mit Heinrich Heine, der unseres Wissens die dem preußischen Wappenvogel gewidmeten Verse nie zurücknahm: Du hätzlicher Vogel, wirst du einst Mir in die Hände fallen, So rupfe ich dir die Federn au? Und backe dir ab die Kralleu. tS ms ttte neijmtn lässev, Sfll Eis« t sprS chSSöll e Vsr. halten der Zentrumspartet und der christlichen Gewerkschafteu zu brandmarken.(Sehr gut? bei den SozialdemÄraten.) Das Zentrum heuchelt sozialpolitisches Interesse. Wie es in Wirklichkeit damit steht, beweist die NnterdrKlknng»es RechtSschnchvereinS im Saarrevier, der den Herren nnbeqnem wurde. Mit den schmutzigsten Mitteln gehen Sie gegen die Arbeiter vor, die sich diesem Verband an- schließen.(Asgeordneter Erzberger: Beweise!) Beweise auf den Tisch des Hauses niederzulegen, habe ich nicht nötig, diese ganze Entwickeluug ist ja allgemein bekannt. Die Unterstellungen des Abgeordneten irrzbcrger bezüglich meiner Ausführungen über die christlichen Gewerkschaften weise ich zurück. Ich bin sachlich mit den Ausführungen des Berichterstatters zu der Petition einver- standen, ich muhte aber die Behauptung zurückweisen, es hätte deS E»n greifen? der christlichen Organisa- tionen bedurft, um die Sache in Fluh zu bringen. Die Geistlichen und die Grubenbesitzer haben eben die Or- ganisationen, die früher da waren, zerstört und sich nicht entwickeln lassen. An dem Beispiel deS Herrn de Wendel habe ich gezeigt, wie er als christlicher Unternehmer in Zwiespalt kommen muh; er hat Geld für Kirchen bauten, er rühmt sich des päpstlichen SegenS, aber Geld fiir christliche Arbeiter hat er nicht. Ich fchliehe daraus, dah er die Geistlichen für seine kapitalistischen Zwecke benutzt und dah die Geistlichen sich dazu be- nutzen lasten.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Herr Erzberger fragte, wo denn unser Antrag bezüglich der geheimen Wahl oer Knappschaftsältesten bliebe; nun, er ist inzwischen eingegangen und das Zentrum wird Gelegenheit haben, dafür zu stimmen. Daß bei einer anderen Gelegenheit Las Haus schon einmal für diese geheime Wahl eingetreten ist, kann unmöglich ein Grund sein, jcht nicht wtedeo dafür einzutreten.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Behrens(wirtsch. Ver.): Die Sozialdemolratekt ziehen die Debatte wieder zu einer elenden Zänkerei herab. Ihre S8e Vorstandes deö deutschen Erz gruben Verbandes, u n d z w a r s ch o n s e i t 2 I a h r e n. Der Bergarbeiterverband hat mich dorthin delegiert, um dort die Interessen der Beryarbeitcr wahrnehmen zu können. Ist es denn etwas Schlimmes, mit Unter» nchmcr» zusammcnzusitzen und zu beraten? Wie ich meine Pflicht erfülle, darüber haben meine Kollegen zu entscheiden, nicht Sie (nach linls). Dah Sie mich Arbeitcrverrätcr nennen, rührt mich nicht; wen hätten Sie noch nicht als Arbeitervcrräter bezeichnet! Der christliche Bergarbeiterverband hat den Rechtsschutzverein nicht zerstört, wie.Herr Emmel behauptet; dieser Verein war längst ent- schlafen, ehe der christliche Vergarbeiterverband ins Leben trat. Abg. Gicsbcrts(Z.)- Herr Emmel scheint nicht zu wissen. dah die christlichen Gewerkschaften genau wie die soztaldcmo- kratischcn von Geistlichen und Unternehmern auf das schärfste be- kämofr worden sind. Wir werden natürlich für den soztaldemo« kratischcn Antrag stimmen; sind also ganz einig. Wie damals be- dauern wir eS, dah wiederum diese Bergarbctterdcbatte durch die Schuld der Sozialdemokratie zu einem elenden parteipolitischen Gezänk ausgeartet ist.(Sehr gut! im Zentrum.) Abg. Erzberger(Z.): Herr Emmel sollte wissen, dah das Zentrum im elsah-lothringischen Ausschuß erst seit sehr kurzer Zeit vertreten ist und durch andere Mitglieder als hier im Hause. Also die Haltung des Zentrums dort kann uns nicht vorgehalten werden. Hm übrigen ist doch auch Herr Emmel im AuSschuh, und mir ist nicht bekannt, dah Herr Emmel dort irgend einen Antrag zugunsten der Bergarbeiter eingebracht hätte. Herr Emmel scheint übrigens um ö Uhr nicht mehr zu wissen, was er um 3 Uhr gesagt hat. Er hat bestritten, gesagt zu haben, dah es»hm darauf ankommt. die Zwiespältigkeit der christlichen Gewerkschaftsbewegung festzustellen. In der Tat aber stehen diese Worte in seinem Stenogramm. Abg. Sachse(Soz.): Herr Behrens meinte, er wisse, was er tue, und das ginge niemand etwas an. Ob Herr Behrens immer weih, was er tut, scheint mir noch fraglich. Beim 8 7 des BercinsgesetzeS hat er einmal dafür, einmal dagegen gestimmt, und fchliehlich hat er sich der Stimme enthalten, weil er nicht wuhtc, was er machen sollte.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Herr Behren» sagt, der Rechts- schutzverein war schon tot, als der christliche Vergarbeiterverband ins Leben trat. Drehen Sie die Sache doch nicht so um. Jedes Kind weih, wie sie lim.— Dem Zentrum ist cS sehr schwer geworden, wie es cö anstellen soll, Herrn Behrens wegen seiner Abstimmung zu A 7 deS Vereinsgesetzes in Schutz zu nehmen. Schliehltch hat eö seine Stellung dazu gefunden. Herr GiesbertS, uns haben Sie damit keinen Schaden zugefügt! Einen gröhercn Gefallen können Sic uns gar nicht tun. als wenn Sie einen solchen Mann im christlichen Bergarbciterverband behalten. Das werden Sie gewahr werden, wenn Sie die Angriffe Ihrer eigenen Presse gegen Herrn BebrenS lesen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Und die evangelische Bergarbeiterpresse urteilt in genau der gleichen Weise.(Bravo! bei den Sozial demokraten.) Abg. Emmel(Soz.): Ich weise noch einmal die Unterstellung des Herrn Erzberger zurück, ich hätte gesagt, es käme mir vor allem darauf an, gegen die christlichen Bergarbeiter Front zu machen. Ich sagte vielmehr, cS käme mir bor allen Dingen darauf an, neben der Rückständigkeit der elsah-lothringischen Regierung zu zeigen, wohin die Arbeiter kommen, wenn sie sich der christ. lichen Bcrgarbeiterbewegung anschließen, dir innerlich zwiespältig sein mnst, weil sie zu verschiedenartige Dinge auf wirtschaftlichem und politischem Gebiete vertreten will, und sich neben den Jntcr- essen der Arbeiter auch der Vertretung der Interessen anderer Gruppen zuwenden will.-» Weiter tadelt Herr Erzberger, dah ich als einziger sozialdemokratischer Abgeordneter in der elsässischen Landesvertretung keine Anträge gestellt hätte. Wozu sollte ich Anträge stellen, für die ich nicht einmal die geschäftSordnungö- mäßig notwendige Unterstützung erhalten konnte. Meine Aufgabe war in erster Linie, Anregungen zu geben und Kritik zu üben, und das habe ich reichlich getan.(Bravo! bei den Sozialdemo- kraten.) Der Antrag der Kommission wird hierauf angenommen. ebenso der Antrag Sachse sowie der Antrag de» Zentrums. Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr.(Zweite Beratung des NnterstühungSwohnsitz- Gesetzes; zweite Beratung des Vogelschutz. Gesetzes und zweite Beratung der Maß- und GewichtSordnun g.), Schluß W Uhr._ Schweizerischer Hrbeitertag. Biel. 20. April. Den in der..Tonhalle" tagenden Arbeitcrtag begrüßt um 10% Uhr der Präsident des Schweizerischen ArbeiterbundeS, Genosse Lang- Zürich. AamenS der Stadt entbot der sozialdemokratische Stadtpräsident, Genosse R e i m a n n, den Wivkommensgruh. Das eidgenössische Jndustriedepartement in Bern ist durch seinen Sekretär Dr. Ceresol vertreten. Zunächst referierte Genosse ReaierungSrat Scherl er» St. Gallen über dl- Kranken- und Unfallversicherung. Seine Thesen haben wir bereits besprochen. Aus feinem heutigen Referat beben wir nur hervor, dah der Gesetzentwurf auch die BundeSsubvcntion für die Krankenkassen der Gewerkschaften vor- sieht, und zwar von 1 bis 1% Cts. pro Mitglied und pro Tag oder 3, öS bis 4.L0 Frank pro Jahr. Bezüglich der Unfallversicherung wandte er sich entschieden gegen die Opposition kapitalistischer Interessentenkreise gegen die Staatsanstalt und befürwortete ent- schieden den Ausschluß der privaten Bersicherungsgesellschaften, also das ttitte staatliche VezMerun-zSmondPyl. Auch das s.epgpatistlfche Verlangen der Eisenbahner, von der staatlichen Unfallversicherung ausgenommen und nach wie vor dem Eisenbahnhaftpflichtgesetz unterstellt zu werden, bekämpfte er, aber mit der Forderung an die Bundesversammlung, die Unfallversicherung so zu gestalten, dah damit auch die Eisenbahner zufrieden sein können. Neben anderen Gründen ist es auch die höhere Arbeitersolidarität, die die Zusammenfassung aller Arbeiter in der staatlichen Unfall Versicherung als notwendig erscheinen läßt. Schließlich machte der Referent auf die Agitation der privaten Unfallversicherungsgesell schaften und ihrer verschiedenen Agenten aufmerksam, die in mancherlei Formen heute schon betrieben wird zur Verwirrung und Irreführung der Arbeiter. An das sehr beifällig aufgenommene Referat und die franzö- fische llebersetzung durch Sigg-Genf knüpfte sich die Diskussion, in der Generalsekretär D u b i die Forderung der Eisenbahner, sie unter dem Eisenbahnhaftpflichtgesetz zu belassen, entschieden be> fürwortete, unter gleichzeitiger Betonung der Solidarität der Eisen- bahner mit dergesamlen Arbeiterschaft. Genossin Frau Conzett- Zürich beanstandete die Erschwerung des Beitritts der Frauen zu den Krankenkassen, indem diese nicht verpflichtet werden, auch Weib- liche Mitglieder aufzunehmen und verlangt, dah der Beitritt der- selben erleichtert und gleiches Recht für diL Frauen wie für die Männer geschaffen werde. Dr. Feigenreiter- Basel trat für den Eisenbahnerantrag ein, da die Eisenbahner in der Tat schlechter gestellt und anderseits durch den BundeSbeitrag an die Unfall- Versicherung ein Geschenk an die Eisenbahnen gemacht werden würde. Auch andere Redner waren teils für teils gegen den Eisenbahner. antrag, der in der Abstimmung nur 44 Stimmen erhielt, während mit 186 Stimmen der Antrag Scherrer angenommen wurde, wonach die Versicherung so gestaltet werden soll, dah auch die Eisenbahner damit zufrieden sein können. Weiter fand der Antrag der Ver- tretcrinnen der Arbeiterinnen Annahme, dah für den Beitritt der- selben zu den allgemeinen Krankenkassen keine anderen Aufnahme- bedingungen aufgestellt werden sollen als für die Männer. Einstimmig wurde Genosse Greulich zum schweizerischen Arbeitersekretär auf weitere drei Jahre wiedergewählt. Vertreten sind 227 Organisationen mit 306 270 Mitgliedern durch 207 Delegierte. Genosse Lang- Zürich referierte hierauf über die A n g r i f f e auf das Koalitionsrecht der Arbeiter. Er ging von der Verherrlichung des Streikbrechers durch das Unternehmertum und bürgerliche Politiker aus und von der doppelten Moral der- selben, die Verräter in ihren eigenen Kreisen verachten, aber der Arbeiterschaft zumuten, iljri Verräter als„brave Arbeiter" hoch- zuhalten. Die Verfehlungen der lämpfenden Arbeiter sollten gerade darum milder beurteilt werden, weil cS sich hier um berechtigte und bescheidene Bestrebungen für Verbesserungen ihrer Existenz handelt. Sodann trat er in eine nähere Besprechung der neuen Antistreikgesetze ein, in denen den Streikbrechern ein Privilegium eingeräumt wird, daS sonst niemand in der Schweiz besitzt, durch die amtliche Verfolgung von Beleidigungen derselben. Anderseits bleibt alle Vergewaltigung und Entrechtung der Arbeiter durch die Unternehmer straffrei. Die Angriffe auf die Rechte der Arbeiter sind Angriffe auf die Kulturbcstrebungen der Arbeiter. Dagegen sollen nicht nur die Arbeiter wie ein Mann sich wehren, sondern jeder gerecht denkende Mensch sollte sie darin unterstützen. Auch (Genosse Dr. B r ü st l e i n bekämpfte entschieden diese Reaktion. In der Diskussion kam es nock zu einer kritischen Auseinander- setzung zwischen sozialdemokratischen und christlichen Rednern und schlietzlich wurden die Thesen Längs fast einstimmig an- genommen. Um 7 Uhr abends wurde der Arbeitertag vom Vizepräsidenten, dem katholischen Professor Dr. Beck- Fribonrg, geschlossen. Eue Induftrie und Handel* Die Konzentration im Tiesbaugewerbe. Die moderne kapitalistische Betriebsweise kommt auch im Bau gewcrbe immer mehr zur Geltung, Vor etwa zehn Jahren war die Aktiengesellschaft im Baubetriebe fast noch unbekannt. Heute jedoch ist schon ein groher Teil von den größten Unternehmerfirmen so- wohl im Hoch« wie im Tiefbau— in Aktiengesellschaften ober Gesellschaften mit beschränlter Haftung umgewandelt. Und auch hier wird die Entivickelung zum Grohbetriebe durch Staat und Gemeinde gefördert. Große Arbeiten. die sich sehr gut in kleinere Lose zerlegen liehen, werden einem Generalunternehmer übertragen. Die Behörden— hauptsächlich die Baubeamten— haben weniger Arbeit, wenn sie die Arbeiten an einen grohkapitalistischen Unternehmer, als an zehn kleinere ab« geben. Bei dem Bau de» GrohschiffahrtSwegeS Berlw-»Stettin werden die Arbeiten in solch grohen Losen vergeben, daß der kleinere oder mittlere Unternehmer gar nicht daran denken kann, an dem Wettbewerb teilzunehmen. Bei einer vor einigen Tagen statt- gefundenen Submission wurden Angebote von ö Millionen und 7 Millionen Mark für ein Los abgegeben. Der zahlemnähige Nachweis über die Richtigkeit obiger Be- hauptungen ist durch die Jahresberichte der Tiefbau- Beruf«- genosienschaft zu erbringen. Gewerbliche Tiefbauunternehmer waren vorhanden: 1800= 3425 mit 104000 Arbeitern und 64 000 000 M. Löhnen 1900= 3047, 103 000.. 108 000 000.. 1906= 3166, 248 000,*, 161 000 000.. Während also die Zahl der Unternehmer von 1800 biS 1006 um 269 zurückgegangen ist, hat sich die Zahl der beschäftigten Arbeiter mehr al» verdoppelt. Durch die folgenden Zahlen wird die mehr beleuchtet. Es wurden an kapitalistische Entwickelung noch Löhnen gezahlt: von Unternehmen Die Zahl der Unternehmer, die mehr al« 200000 M. an Löhnen zahlte, ist in der Zeit von 1899 bis 1905 von 81 auf 137 gestiegen; 1 000 000 M. an Löhnen zahlten 1899 nur zwei Unter- nehmer. im Jahre 1906 aber schon 14. Und allem Anscheine nach wird diese Entwickelung sich jetzt verschärft fortsetzen. Lohnrückgang, Gewinnsteigerung. Während die Löhne im Bergbau teilweise schon fühlbar zurück» gegangen sind, erblüht den Aktionären Aussicht auf höheren Gewinn. So hat die Harpener Bergbau-Aktiengesellschaft im ersten Quartal dieses JahreS einen Betriebsüberschuh von 4 742 000 M. erzielt gegen„nur" 3 644 600 M. im Vorjahre. Fluch der Lrotwucherzollpolitik. Die Posener Handelskammer stöbt in ihrem lebten Jahresbericht folgende Klageweise aus» »In der zweiten Halste des verichtssahreS setzte erst zögernd, dann immer kräftiger die Abwärtsbewegung in der Volkswirtschaft ein, die naturgemäß aus jede günstige Konjunktur folgen muh und die in den letzten Monaten unter den exzeptionellen Verhält- nisten des Berichtsjahres eine ganz besondere Schärfe annahm... In den 5 Jahren von November 1902 big November 1907 sind Roggen und Roggenmehl um je 60, Weizen um 62 und Weizen- mehl um 62 Proz. gestiegen, und dah das Brot ungefähr in gleichem Mahe teurer geworden ist, indem für dasselbe Geld eine entsprechend kleinere Ware wie stüher verabfolgt wird, ist jedem Konsumenten bekannt... Desto empfindlicher macht sich die seit dem 1. März 1906 herrschende Getreidezollerhöhung im Jnlande fühlbar und kam in den genannten selten hohen Aetreidepreisen zum Aus- druck... Die preissteigernde Tendenz dieser Zollerhöhungen machte sich nach dem Umschwung der Konjunktur durch Verteue- rung der Produktionskosten recht unangenehm fühlbar. Ein Ver- gleich mit den entsprechenden Ziffern in den Vorjahren zeigt, dah daS Rindfleisch immer»och teurer war als selbst im Jahre 1906, während daS Schweinefleisch, das von der arbeitenden Klasse be- vorzugt wird, um durchschnittlich um 6 Pf. pro Pfund billiger als im Jahre 1906 und noch um 8 Pf. teurer war als im Jahre 1904." Um die Kammer nicht in falschen Verdacht zu bringen, sei be- merkt, dah sie nicht aus Jntereffe für die arbeitende Bevölkerung über die-iollwucherpolitik lammert. Im Gegenteil, sie bedauert so- gar sehr lebhast, dah es noch nicht möglich geworden ist, die Löhne herabzusetzen, der projektierte Arbeitgebervervand. der solche Mah- nähme durchführen soll, noch nicht ins Leben getreten ist. Vielleicht hegt man den Gedanken, die Arbeiter gründlich aufzureizen, indem man ihnen durch Lohnkürzung die Brotwucherpolitik erst recht fühl- bar macht. Wir wünschen nur. dah die Bedrohten erkennen, wie man von zwei Seiten bemüht ist, ihnen den Brotkorb höher zu hängen. Vom amerikanischen Arbeitsmarkt. Aus New York schreibt man unS vom 17. April ISO?: Der industriellen KrifiS gegenüber verhält sich die kapitalistische Preffe noch immer gleich dem.Vogel Strauh". Und doch komnien täglich Nachrichten über Ver- schltmmerung der Zustände. In der Stahlindustrie Süd- Chicagos waren vor der Krists IS 000 Arbeiter beschäftigt, jetzt nur 2000; in den Stadtteilen Chicagos Kensington, Pullman, West- Pullman und Burnstde 22000, jetzt 4000.(In den Pullmanschen Palast- und Schlafwagen-Anlagen sind sämtliche Departement« geschlosien und der Distrikt ifl beinahe vollständig verödet. In Whiting, Indiana Petroleumraffinerien des Trusts) sind von früher mehreren laufend Arbeitern nur noch wenige beschäftigt. In East Chicago(Stahl- waggon-Aiilage, chemische und elektrische Werte) ist alles geschlossen, keine Hand in Tätigkeit. Ebenso in Hammond und Jndian Harbor (Walz- und Kettenwerke Radgteherei und Aufzugmaschinen-Anlagen). Die South Bend(Werkzeug», Waggon- und Automobil-Anlagen, Nähmaschinen- und Farbenfabrik) find teilweise geschosien, teilweise nur zwei und drei Tage in Betrieb.— Seiten« der Eisenbahngesellschasten de« ganzen Lande« ist seit Ein- tritt der Krise ein bedeutender Teil der Zugangeitellteu ..abgelegt" worden, aber ein bei weitem gröberer auherdem in den Reparaturwerkstätten sowie den von einer Anzahl der Gesellschaften geeigneten Lokomotivbau» usw. Anlagen. Neuerdings hat die Eriebahn Co. die Schliehung aller noch in Betrieb befindlichen Werkstätten— mit 6000 Arbeitern— bis 1. Mai angeordnet. Ob sie dann aber wieder eröffnet werden, ist sehr die Frage; eS ist schon vielfach Mitteilung von»zeitweiliger" Schließung von Etabliffement« gemacht worden. über deren Wiederinbetriebsetzung aber bisher nicht» verlautete. Jni Organ des Bauschreiner-BerbandeS befinden sich fortlaufend kurze Meldungen über den Stand deS GewerkS aus Orten in allen Landesteilen(in letzter Nummer aus 28 solcher), welche alle des Inhalts find, dah die„Brüder Schreiner" fernbleiben möchten, weil keine Aussicht auf Beschäftigung sei. indem sogar ein mehr oder weniger groher Prozentsatz der ansässigen GewerkSgenossen(biS über die Hälfte) keine Arbeit habe. In Rewark(N.-Y.) liegen sogar 80 Proz. brach._ Vernnfcbtca. Großfeuer in Thori». Gestern früh wütete, wie auS Thorn be» richtet wird, am Seglertor ein Grohfeuer, durch welche» die Dach- stuhle und die oberen Stockwerke des Hauses Seglerftrahe 4 und des benachbarten Hotels Zum goldenen Löwen eingeäschert wurden. Die au» vier Köpfen bestehend« Familie eine» Gelegenheitsarbeiters sprang, bevor die Feuerwehr zur Stelle war, au» dem vierten Stockwerk auf untergelegte Betten und Matratzen auf die Strahe hinunter. Der Mann brach, wie die.Thorner Zeitung" meldet. beim Sprunge die Wirbelsäule und liegt hoffnungslos im Kranken- hau» danieder. Ein Knabe wurde leicht verletzt, während die Frau und ein zweites Kind unverletzt blieben. Mehrere Familien sind obdachlos. Dir letzte Schicht. Auf dem Fürstlich Plehschen Lahnschachte bei Waldenburg i. Schl. wurden durch hereinbrechendes Gestein drei Bergleute verschüttet, von denen zwei schwer verletzt, der dritte nur noch als Leiche geborgen werden konnte. Neue Katastrophe in der englischen Marine. Die englische Marine, die eben erst den„Gladiator" verloren hat. ist von einem neuen Unglück betroffen worden. Au« Harwich wird gemeldet; Bei den in der letzten Nacht abgehaltenen Gefechtsübungen erfolgte ein Zu- sammensioh zwischen dem Spähkreuzer.Attentive" und dem Torpedo- bootSzerstöror.Gala". Der Zerstörer wurde von dem Kreuzer in zwei Stücke geschnitten. Sin Mann wurde getötet. Die eine Hälfte deS Zerstörers wurde im Schlepptau nach Shecrneh gebracht. Eine Explosion. Nach einer Meldung aus Cherbourg er- folgte gestern tm Arsenal infolge eine« Maschlnendefette« eine Explosion in der elektrischen Kraftstation. Drei Arbeiter wurden schwer verletzt._ eingegangene DruchrchnfUn. Handbuch fite die Brrbaiidöfunkttonäre. Anleitungen für die Praxi» der Gc!chzst»Iiihc»lng tm Deutschen Holzarbelter-Berbande. Heraus- gegeben vom Bervandsoolssande. Stuttgart. Preis l M.. geb. l,4I) R.— Di» Mllzbraudgcfahr in der Ivurften- und Ptnzeltnduktrte. Eine AustlärunaSschrlst. Herausgegeben von der gentralkommisston der Bürsten. und Pinselmacher Deutschland« in Mmberg""""'"""""' Deutschen Holzarbcilcr-VerbandeS. Preis Stuttgart. Pf. Selbstverlag des der LandeSanstalt «er BvasserstandS.Siachrlchten vasterstand M e m e l. Tilsit Pregei, Jnfterburg Weichs el. Thorn Oder, Ratibor , Krosien . grantsurt Warthe,«chrtmm . LandSderg Stehe, Vordamm Elbe, Lettmerth , Dresden , Barby , Magdeburg ür Gen-üIIerkunde, mitgelellt vom itner Wetterbureau. 0+ bedeutet Such».— Fall,—•) Unterpegek. Wetterprognose für Mittwoch, den SS. April 1908. citweise heiler, jedoch unbeständig mit leichten Regenschauern und ch lebhasten, meist lüdllchcn Winden! Temperatur wenig verändert. Berliner Setterburea» frei tag» den k. Mai 1908 Mai der sozialdemokratischen Aahlverelne. Nachmittags- und Abend-Veranstaltungen: Tages-Ordnung der Versaninilungea: Die Bedeutung des 1. Mai. Kerlin. I. Kreis: Srauevei Kappoldt, Hasenheide 82/38. II. Kreis: Soek'Srattereit Tempelhofer Berg. KUstns 7estsäle, Hasenheide 18�15. III. Kreis; Kene Welt, Hasenheide 108/114. Gewerkschaftshans, Engelufer 15. IV. Kreis: Kelters Testsäle, Koppenstr. 29. Brauerei Triedrichshain(früher Lipps). Sanssouei, Kottbuser Straße 6. Ludrvig, Vikforiagarfeti, Treptower Chaussee. Begier, Treptower Chaussee. Blentes Volksgarten, Lichtenberg. V. Kreis: Sehweizergarfen, Am Königstor. VI. Kreis: Korddeufsche Brauerei, Chausseestr. 64. ?harus-Säle, Müllerstr. 142. Kronen-Brauerei, Alt-Moabit 47/49. ?atzenhofer Brauerei, Turmstr. 25/26. Baltsehmieders Salon, Badstr. 16. Bernhard Kose-7heater, Badstr. 58. Volhsgarten-7heafer(Silberstein), Badstr. 8. Idarienbad, Badstr. 35/36. Berliner 7rater-7heater, Kastanien-Allee 7/9. Tröbels Kllerlei-7heater, Schönhauser Allee 148. Referenten: Bauer, Bd. Bernstein, Bükie-Ztrakburg, Borxmann, Davidsohn, Ehrhart, Emmel, Rieh. Fischer, Th. Fischer, Wolfgang Heine, Paul Hirsch, Ledebour, Lehmann=Mannheim, Manasse, Ströbel, Ucko, Dr.Weyl. WaHlkrels Teltow Keeshow Swrkom CltarlottenVurg. i�dlCFHllOf. Von 3 Uhr nachmittags an In Wöllsteins Lustgarte«. a 1�. I SäIt-ä Von 7'/z Nlir abends an bei Bahn. Grünauer Straße SS. Referent: UtlUokr-nSt. »» a,: d Von 4 Uhr nachmittags an bei Noster, Chausseestr. 3g. Referent: Il»nckkv. MBR Z.>�»„ 4,„*.» Tchöncbcrg, Rudower Straße KS. Von 4 Uhr nachm. an im Aolkshaus, Rofinenftr. 3. K. 4„„. bei Schulz. jtaiser-Frtcdrlch-Straße Lt M-r Fr- V°" � bis« Uhr nachm. im Wendenfchlost.— Von 7 Uhr abendS an im WiihclmSgarte« und Stadt< Theater. Referent: ZlSoKIIi,. Von 6 Uhr abends an in HankelS Ablage(«aiariod» Segler,»!,!»»). «IxdvrL. Von 4 Uhr nachmittags an Sei Traiilmunn. griedrichftr. Kl. Referent:»vrri-Uove. Von 8 Uhr abends an bei Weideman«. Referent: Kart U�inljx. -Wnsterhansen. Von 5 Uhr nachmittags an bei Gbel. Martenfelder Straße g. AAAZ'iSIKtld'f» � Uhr nachmittags an bei Rosche, Chaussaestr. 305. Referent: Von 4 Uhr nachmittags an im Restaurant Hasselmerdcr. »7 dmimisthfiL Ketschendorf. Kleael. Nledcr-Scliönewelde. Bon 8 Uhr nachmittag» an Bei Ginge« und Gchmidt. Bon 4 Uhr nachmittag» an bei Hoppe. Hermannftr. 48/49. , 4,»,. Thiel, Bergstr. tSl/tSL. , 4..»im Karlsgarten, KarlSgartenstraße. dn.lama-n.awh'twlrfhn.-P Von 8 Uhr abends an im Wirtshaus, Warnen, linder «enmm. geituori. Straße s.»ieffvent: Dr. Otcnr Cohn. Sellöneber� Bon�» Uhr nachmittags an in der Schöneberger Schloß« TeltOW. Von 8 Uhr abends an bei Preuft, Berliner Straße IS. Referent: SlcbeL Von 4 Uhr nachmittags an bel Mokolys, Berliner Straße s. K.«n»K»«».nOK. Referent: 4'i»nU«>. Von 7 Uhr abends an Im»GcfellschaftShaus«, Bahnhosstr. 3. Referent:'I'ttui'osv. Trehhln. Von 3 Uhr nachmittags an im Restaurant, Köpenicker Land- und Park- -SLrepiOW. straßen-Ecke. Referent: Freiwaldt. Von 4 Uhr nachmittags an in Speers Festsälen, ,t«"Jj. Baumschulenstraße. Referent: Zabell. Wilmersdorf. Von 4 Uhr nachmittags an im»Luisrnpare-. Wilhelmsaue 112. Lüehlendorf. von 4 Uhr nachmittag« an im»«estllschaftsyaus-, Karlstr. 12. Ä!«0!A8en. Bon« Uhr abends an bei Schimke, Barulher Straße. Referent: Vvnpvr. Mahlkrew Uiedervarnim. Hemt&ll. Bon 3 Uhr nachmittags an Im Elystum. IZOrGiKWttlde. von s Uhr abend» an in den«orstgwalder N-stfalen. Vnehhorst. Von 8 Uhr abends bei August Mayer. Referent:««avbkv. Er Itner. Von S Uhr abends an,'in Tegebrodts Festsölen. Referent: Dlttmcr. Franz. Bachholz. j&,VSr""■ Eriedrlchsfelde. Von 4 Uhr nachmittags an bei Bnbe, Prinzen-Allee 30. Von 8 Uhr abends an. In Lerche» Bürgerfäleu -T nen» ten�nOKen. yiundtetl) griedrichftr. 112. Referent: Fendel. Holienscliöiiliiiusen- Willielmsberg. u$muSt an bei Kuhle, Berliner Straße 68/09. Referent: Kubig. Lichtenberg. on ,m®�tD,,r4en Srflnl' Mahlsdorf o0n 8Id S.�6e,lbd an 6ei Schliefe, Hönowerftr. s. Referent: Neueilhagcn. Von 7 Uhr abends an ln Wünsche» Lokal. Referent: n««»v. Xlc«lcr-8ch«nhanscn. ÄS!*""» Ober-Schöne weide. f&.fÄÄV"" Oranienburg. IS.ÄÄ1''"'4" a Pankow. Von 4 Uhr nachmittags an im Knrfürsten. Berliner Straße 102. Reinickendorf-Ost. an iw Wpcf Von 7 Uhr abends an in Görde» Wald- S? er esi. schlöhchen, Eichbornstraße. Ref.: Kntncnntvln. Von 4 Uhr nachmittags an bei Wwe. Schoner t.Neu- STnmmeK»Onrzj5. Seeland". Referent: Klnth. Von 4 Uhr nachmittags an, in Trapps giestsöle, Bahnhofstr. 1. -»"K,"».» Referent: Nctnnchol«!. Schön valllc. Stralau. Von 3«Hr nachmittags an in der Alten Taverne. Referent: Härtel. Weißensee. Von 4 Uhr nachmittags an im Schloß Weiftenfee. Wilhelmsrah. Sre«t!,�a«"s\£ieVLrrBmfl"n' 2- Die Abendfeier wird an allen Orten teils durch Festreden, Gesangsvorträge, turnerische Anssührnngen, teils durch Anssührnngen des Arbeiter-Radsahrerbundes, Speziolitäten-Vorstellnttgen und Konzert begangen. Die an einzelnen Stellen geplante Darstellung lebender Bilder ist durch Verbot der Polizeibehörde nicht durchweg zu ermöglichen gewesen. BV Eintrittspreis SO Pf. exkl. Tanz."MD Zahlreiche Beteiligung aller Genossen und Genossinnen erwarten FcStsKomitCCS* Achtung, Gewerkschaften! Oeff entl. jtfai-Versammlungen am Vormittag des 1. Atai. Sämtliche Versammlungen finden mit HQIfsarbeitem und Frauen statt* Die Tagesordnung in sämtlichen Versammlunge« lautet» »Rv Bedeutimg des 1. Mal. RoIrlDilfllimC.lnrlilctpia Gruppenversammlung in den Patria-FestsSlen, Gr. Franksurter Straße 28, DC&lCIUUljya IdUlldiriC. vormittags 10 Uhr. Treffpunlt 81/, Uhr: Der Wäschebranche: Restaurant Borde. Neue Königstr. 7. Hutmacher gehen direlt in die Gruppenversammlung. Res.: H. Borgmann. Hsnöels-, Transport- and Verkehrsgewerbe. ÄrÄf"?! it Handlungsgehülfeu und Gchülfiunen. Bureauangeftcllte, Kaufleute. Lagerhalter. Hausdiener. Handelshülfsarbeiter, Geschäfts-. Arbeits- nnd Droschkenkutscher sowie Fensterputzer lammen im Versammlungslokal zusammen. Reserent: Rechtsanwalt Dr. I. Herzfeld. UW�I rva.elm aSS-a.* Gruppenversammlung:»Reue Welt-. Hasenheide 108—114, vorm. 10 Uhr. » Reserent: Stadtverordneter Koblenzer.— Die Mitglieder der einzelnen Branchen versammeln sich um 8 Uhr vormittags in folgenden Lokalen: Biirftenmacher bei Preuft, Holzmarktstr. 85. Bodenleger im GewcrkschaftShauS. Engeluser IS. Einsetzer im GewerkschaftShaus. Engeluser IS. Jalousiearbeiier bei Mühle. Mariannenstr. 41. Kammacher bei Walter, Adalbertstr. S2. Sistenmacher bei Baudach. BreSlaucr Straße 23. Klavierarbeiter bei Möhrtng, Admiralstr. 18c. Korbmacher bei Krause, Muskauer Straße 20. Modelltischler bei Wölke. Gartenstr. SO. Perlmutterarbeiter bei DhomaS. Melchiorstr. v. Rahmenmacher bei Stramm. Ritterstr. 123. Stellmacher. Roienthaler Straße 57. Stockarbeiter bei Lehmann, Neue Friedrichstr. 1. Bergolder bei MerkowSti, AndreaSstr. 2S. Die Tischler. Polterer. Maschtnenarbeiter und Drechsler treffen sich in den Lokalen, in denen sie ihre LSerkstattsitzungen abhalten und gehen von dort nach der»Reuen Welt-.— Die Holzarbeiter der östlichen Vororte tresien sich früh 8 Uhr in Lichtenberg bei Wildner, Friedrich-Karl-Straße Hb.— Jeder feiernde Kollege erhält zur Kontrolle in der»Neuen Well" eine Maimarke. Sehlrmmacher. Di- Mitglieder gehen direkt W Me Versammlung der Holzarbeiter. treffen sich bei MerkowSki, AndreaSstr. 2S, vormittags S Uhr. und gehen nach der A» V HfJIICr„Neuen Welt-. Schuhwareu-Indnstrle.»ÄÄwÄSÄ liÄ Bauarbeiter.- Referenten A. Druufel und A. Schmitt. Mbinliös u. Buchbinderei-Arbeiterinnen, Etui- u. Ledergalanterie-Arbeiter u. Arbeiterinnen. Vormittags 10 Uhr im Restaurant»Sanssouci-, Kottbuser Straße S. Reserent: Max Grunwald. filasarbelier, Glaser, Classehlelfer." Treffpunkt« g Uhr: Glaser: GewerkschastShau». Engeluser 15.— Glasarbeiter und GlaSschleiser: Velkifch, H�ÄClldCClt©!*« Vormittag» 10 Uhr bei Kern, Weinstraße 10a. Referent: Max Barth. isphalleure and Pappdaclideelter.'"Ui.Äi!».'"'"*aam � Holz-, Stein- und Gips-Bildlianer nnd Hodellenre..»s? Straße 15. Reserentin: Frau Klara Wehl. ■ETdtieeÄiBuiaaie Vormittags 10 Uhr im Alten Schützenhause. Linienstraße s. AM.IUK« Reserentin: Ida Altmann. Ilaler und Uckierer. 10" 1,1. 1tWana«Au* Vormittag» 91/, Uhr in der Berliner Bock-Brauerei, Tempelhofer Berg. ITH.» Reserent: H. Silberschmidt. Lormsttag» 10 Uhr in«ellers Aestsälen, Koppcnslraße 29. Reserent: Reichstagsabgeordneter iL' SttZks- u. Zementarhelter Vormittags 10 Uhr in den Germania-Festsälen. Chausseestr. 110. Reserent: Redakteur Paul John. Bakeuarbelter fBrellerlrSger). Brei Veraammlgngcn vormittags 10 Uhr! 1. Palast-Theater. Burgstraße. 2. Bockbraueret, Chausseestr. 64. 3. Andreag-Festsäle AndreaSstr. 21. Referenten: Eduard Bernstein, F. Ebert und Otto Handtke. XshrunKs- u. C*eiiw II m Ittel- C«e werbe. Weberstr. 17. Referent: Karl Hetzschold. Gastwtrtsgehülfen: Treffpunkt: Vormittag» 9 Uhr im Verbandslokal, Groß« Hamburger Straße 18,19.---- ..... Bäcker, Konditoren, Brauer, Hülssarbeiter, Bierabzieher, Müller, Tabakarbetter, Barbiere, Gärtner. Schlächter und Musiker gehen direkt in die Gruppenversammlung. rabelb- und Hülfsarb elter. �Sg"» w ufr° ReW? �Bruh!.»: Kruppenversammlung: Bockbrauerei,(lleiner Saay, � Tt CJ. Mt3. am Tempelhoser Berg, vormittags 10 Uhr. Refereuti»: Frau Paula Thiede. Alle dazu gehörigen Branchen: Buchdrucker, Buchdruckerei-Hülssarbeiter und-Arbeiterinnen. Schristaießer, Photographen, Stereotypeurc, Lsthographen und Ttemdrucker, Zylographen, Formstecher und Tapetendrucker kommen in der Gruppenveisammlung zusammen. ?,S»»1 0»o»I»a»»aM»Iw«»a ä,»»,„ Gruppenversammlung: vormittags 10 Uhr bei Schmidt, Prwzen- UedR Allee 33. Referent: Franz Schneider. Lohgerber, Weißgerber, Lederzurichter, Ledersärber gehen direkt w die Gruppenversammlung. Handschuh- macher treffen sich früh 8 Uhr im Vereinslokal, Rosentbalerstr. 57. Porzellanarbeiter and Schildermaler �.ui« isjead i). Portefeulller. mittags 10 Uhr. Reserent: Adolf Domntck. Vormittags 10 Uhr, Lrdeusqnelle, Kommandantcnjlr. 20(kleiner Saal). Reserent: E. Heilmann. Treffpunkt: 1. Restaurant Haupt, Adalbertstr. 4. 2. Restaurant Hahn, Lausitzerplatz 8, vormittag» 9 Uhr. Sattler Vormittags 10 Uhr: Lebensquelle. Kommandantenstraße 20(großer Saal). Reserent: ffmil Ktoth. Sleinarheiler. Graphit- u. Marmorarbeiter.®0�raÄ�ckÄ<-"� Steinsetzer, Rammer.®onnUttfer0e�r:«b®0?fa®»i�' KliactftrQ6e 141 Ctlllflf KtfillPO RinenioRoP Vorm. 10 Uhr: Mustker-Säle, Kaiser-Wilhelm-Ztr. 18m. Referent: SldliaaiCUrV, Uipsylclicr. Robert Bah«.— Die Mitglieder treffen sich um 9 Uhr w den Zahlstellen dos Verbände». Schmiede n. lupderschmlede. Schneider u. Scliielderlnnen. Tapezierer. Vorm lOUhr; WendtS Festsäle(Cohn). Beuthstr. 20. Res«.: Franz Spliedt. Tüpfer. � cwetkfchöftshflu», Engel- User Nr. 15(großer Saal). Reserent: Städtische Arbeiter. 72 v-ä-Cl•anT.AuckAu* Vormittags 10 Uhr: Königsbank, Große Franksurter Straße Slr. 117. » Reserent: Fr. Kunze. Treffpunkt vormittags 81/, Uhr: der Ttickcreibrauche: Seydelftr. 30 bei Engel; d« Posamentierer: Alte Jakobstr. 119 bei Blum. Textilarbeiter, Färber. Dekateure usw. gehen direkt m die Versammlung. Vormittags lO Uhr: Brauerei FriedrichShaio, Am Friedrichshain(groß« Saal). � Jt. Referent: Paul Dupont. Vormittags lOUhr im«rbeitSnachweislokal. Stralauer Allee 17o. Reserent: Genosse Hiurichsen. Rnntsbaner. Adlershof. Britz. Gharlottenborg. vormittag» 10 Uhr bei Bayer. Bismarckstraße 10. Referent: Redakteur Wermuth. vormittag» 9'/. Uhr bei Schöneberg, Rudower Straße VC. Referent: Richard Leopold. 4 Versammlungen vormittags 10 Uhr: >saal) Saal) für Bauarbeiter. Maler, i 1. BolkShauS. Rostnensttaße 3(gr.«aal) für Maurer, Putzer und II. BolkShauS. Rosinenstraße 3(ll.---- Zimmerer. Steinsetzer und Töpfer. III. Schulz' Festiäle, Kaiser.Friedrich. Straße 24(ober« Saal): Bäcker. Holzarbeiter, Schneider, Schuh- macher und Transportarbeiter. IV. Schulz' Festsäle(unterer«aal): Buchdrucker. Fabrikarbeiter, Metallarbeiter, Porzellanarbetter. Schmiede und alle übrigen Gewerkschaften. Referenten: Otto Flemming. Hermann Jakob. Karl Giebel und Paul Hirsch. Vormittag» 10 Uhr: DcgebrodtS GesellschaftShauS, Friedrtchsstraße. Reserent: Heinrich Ipäthe. vormittags 10 Uhr im Schwarzen Adler, Frankfurter Chaussee 5: Bersammlung sämtlicher Gewerkschaften. Referent: Wilhelm Nitschke. Vormittag» 11 Uhr bei Bube. Prinzen-Allee 30: Bersammlung sämtlicher Gewerkschaften. Referent: Hermann Souneuburg. Vormittags 10 Uhr im Kaiserhof. Kranoldstraß«: Versammlung sämtlicher Gewerkschaften. Reserentin: Frl. A. Simon. Vnuomflh II llmnononrl Vormittags 10 Uhr im Kaiscrhof, Grünstraße 10: MPliiM Ui UliitjulJunDi Versammlung sämtlicher Gewerkschaften. Reserent: Ernst Klar. Erkner. Friedrichsberg-Lichtenberg. Friedrichsfelde. GroO-Lichteitelde u. Umgegend. Vormittags 10 Uhr bei Zierock. Kurfürstenstraße 44, Bersammlung sämtlicher Gewerkschaften. K. Ungar. Vorm. 10 Uhr im Rest. Haffelwerder. Allgemeine Versammlung. Reserent: Emil Wutzkt. 10 Uhr in Rozickys Gesellschaftsbaus. Kreuzstr. 3/4. Versammlung sämtlich« Gewert- Ichasten. Referent: Franz Thurow. Bormittag» 10 Uhr im Restaurant S-Tdau. Reinickendorf« Ost, Residenzstraße 24 Versammlung sämtlich« Gewerkschasten. Reserent: Robert Fendel. Drei Versammlungen vormittegS lOUhr. Für Maurer: 1. bei Thiel. Bergstraß« 151/152. Für alle übrigen Gewerkschasten: 2. bei Hoppe, Hermannstraße 49/50: 3. be« HeickauS, KarlSgartenstraße. Referenten: Johannes Sassenbach. Franz Rehbein. Karl Wücke. Cntinnoharn Vormittags 10 Uhr bei Obst, Metninger Straße 3. Versammlung sämtlicher Gewerkschasten. dUiUiiGUCllJ, Reserent: Dr. Stlberftein. Vormittags 10 Uhr bei Wwe. Schonert. Neu-Seeland. Versammlung sämtl. Gewerkschasten. Reserent: Arbeitersekretär H. Müller. Tempelhof-Mariendorf-Merienfelde. Nieder-, Ober-Schöneweide, Johannisthal. Pankow. Reinickendorf. Rixdorf. Vormittags 10 Uhr w KliPPensteinS Seeschlötzche«. Reserent: Kudig. Slsaian-Rnmmelshnsg. lege!. Weißensee. Wilmersdorf. Versammlung sämtlicher Gewerkschaften. Vormittags 10 Uhr im Schloff Weiffenfee. Versammlung sämtlich« Gewerkschaften. Reserent: P. Hammachcr. Vormittags 10 Uhr im Lnifenpark, Wilhelmsaue 112. Versammlung sämtlicher Gewerkschasten. Referent: Franz Gaida» Die Gewerkschaften resp. Einberufer der Gruppenversammlnngen haben ihre Versammlungen selbst anzumelden. Bei den vorherigen Zusammenkünften bedarf eS keiner Anmeldung.— Gleichzeitig werden die Bureaus der Versammlungen beauftragt, über die Zahl der Versammlungsbesncher der Redaktio» des «Vorwärts", Lindenstr.«S, schriftlich Kenntnis zu geben. Der Ausschuß der Derliner Ge»verkschastskommisstou. Außerdem finden in Grotz-Bevlitt noch folgende Vormittags-Versammlungen statt: Bernau« II Uhr im Schützenhause. Referent: Franke. (»liersdorr). M al"' Franz. Bndiliolz. io m-«a»...««iw» S�>b- so. Frlvckrlvlesllas«!». V.,? Grünau. II Uhr im Jägerhaus, Bahnhofftr. l. Referent: Frciwaldt. RÜnlKS-tAnSterbanSen. 10 Uhr bei W-dhoru. Referent: Davidsoh». Isaubwltz. 10 Uhr bei Retger, Calandrellistr. 27/29. Resnent!«atzenstein. Alablsdnrf. 10 Uhr in Kaulsdorf bei MeeS. Berliner Chaussee. Reserent: Blotk. Xleder- Kebünbansen. NOWaWCS. 9 Uhr bei Schmidt. Referent: Zubetl. QranlenbnrK. 10 Uhr bei Brau«, tiurfürstmstr. 48. Referent: BaSucr. RnderSdOrL.' 10 Uhr bei Grewe. Heinitzstr. 19. Referent: Theodor Fischer. i�teKiltZ. 10 Uhr im Birkenwäldcheu. Reserent: Wollcnuau«. üVannSee. 10 Uhr im Fürstenhof. Reserent: Barkel. Zehlendorf. 10 Uhr in Micks GesellschaftShauS. Karlstr. 12. Reserent: Fuch». Für rechtzeitige Anmeldung haben die Einberufer Sorge zu tragen. Das Derbatthsburea« der sozialdemokratischen Mahloereine Derlins nnd Umgegend. ' Verantwortlicher Redatteur: Georg Davidsohn, Berlin, Lür den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag:VorwärtsBuchdruckerei u. LcrlagSanstal�Paul Singer b QoH Berlin SW."" If.lOO. 25. IahrMK. 1. KilU des ,|otiüittä" Ittliiift lulbliliitt. Wtwlich, 39. April 1908. Das freundnacljbariicbe Verhältnis milchen Großkapital und Bourgeois- prelle. Vor dem Schöffengericht IX in Hamburg spielte sich am Montag und Dienstag ein BeleidigungSprozeb ab, den der Handels- redakteur Hey mann von den«Hamburger Nachrichten" gegen den Vorsitzenden des AufsichtsratS der(Dampfer-) Levante-Linie, Robert E. Loefener, angestrengt hatte. Vor Stattfinden der Generalversammlung dieser Linie wurden in Börsenkreisen wie in der bürgerlichen Presse Hamburgs die Verhältnisse in der Levante- Linie eingehend erörtert. In der Generalversammlung führte Locscner aus, daß er seinerseits Veröffentlichungen in der Ham- burger Presse unterlassen habe, weil deren Berichte doch immer erst die Zensur des Preßbureaus einer Hamburger Großreederci (Amerika-Linie) passieren müßten.„ES gäbe auich ausserhalb Ham- burgs eine Presse, die Leser dadurch heranzuziehen suche, dass sie unter dem Schutze der Anonymität schwere Angriffe gegen Per- fönen richte, die im Vordergrunde der Oeffentlichkeit ständen. Der- artige Angriffe seien eine Perfidie. Auch die Verdächtigungen des Skribenten der„Hamb. Nachr." ließen in ihrer Stilistik eine der- zweifelte Achnlichkeit mit dem Stile des Preßbureaus einer großen Reederei erkennen." Da der Privatkläger auf diese an Deutlich- kcit nichts zu wünschen übrig lassenden Redewendungen in schroffer Form reagierte und Loesener vorwarf, bei einer geschäftlichen Transaktion„Provisionen" empfangen zu haben, reichte dieser Widerklage ein. Nach längeren Erklärungen beider Parteien wurden Zeugen vernommen über das eingangs erwähnte Verhältnis. Der Zeuge Kaufmann Dahlström hat einige Male für die „Hamb. Nachrichten" geschrieben, aber wichtige Stellen, die sich gegen eine größere Reederei richteten, seien herausgestrichen worden. Herr Menzell habe noch weniger Glück mit seinen Artikeln gehabt. Der ob seine? Gutachten? aus der PommernbankaffLre her bekannte frühere Chefredakteur der„Hamburger Börsenhalle", Dr. Wittenberg, führte aus: In dem Aufsichtsrate der „Börsenhalle", deren Redaktion er bis 1W4 angehörte, feien außer anderen Großreedern auch Generaldirektor Ballin gewesen. In- folge dieser eigentümlichen Stellung seines Blattes habe er als Re- dakteur auf die Interessen der Grossreedcreien bei Abfassung und Aufnahme von Artikeln Rücksicht nehmen müssen. Er habe wohl versucht, sich von diesen Beeinflussungen zu befreien, aber er sei auf heftigen Widerstand geswssen. Ob die Sache heute noch so sei, vermöge er nicht zu sagen. Er habe das persönliche Empfinden. daß auch die Redaktion der„Hamb. Nachrichten" Wünsche der Groß- rcedereien berücksichtige. Tatsächliche Anhaltspunkte für fein„Ge- fühl" habe er nicht. Ter frühere Redakteur und jetzige Geschäftsführer des Vereins Hamburger Reeder, Huldermann, erklärte, er fei jahrelang verantwortlicher Redakteur der„Börsenhalle" gewesen, aber er habe sich stets seine selbständige Haltung bewahrt. Er habe sich wohl in einzelnen Fällen Informationen von Reedereien geholt, aber er habe nie gefragt, ob er dicS oder jenes über eine Reederei schreiben dürfe. Als Redakteur habe er selbstverständlich das Bestreben ge- habt, Hamburg? Handel und Schiffahrt nicht zu schädigen. Der Rcchtsbeistand des Privatklägers hat eine hohe Auffassung von der bürgerlichen Journalistik. Ein Journalist setze seine Ehre daran, freimütig, nach bestem Ermessen, in freier Kritik seine Er- fahrungen und seine Meinung mitzuteilen. Daher müsse eine er- hcbliche Strafe erfolgen, die er auf 500 M. zu bemessen ersuche. Der Verteidiger des Beklagten weist darauf hin, dass sich innerhalb der Levante-Linie zwei Gruppen mit verschiedenen Wirt- schaftlichen Interessen gegenübergestanden hätten. Der Hohenlohe- Konzern habe die grosskapitalistischen Interessen vertreten. Diese Gruppe habe Artikel in die Presse lanziert, gegen die sich Loesener gewandt habe. Nicht der Handelsredakteur Heymann, sondern der sich hinter dieser Gruppe versteckende Anonymus sollte getroffen werden. Dass die Presse nichts gegen das Grohkapital unternehmen dürfe, sei durch das Zeugnis der Herren Dahlström, Dr. Witten- berg und in eingeschränktem Masse auch durch Herrn Huldermann bestätigt worden. Dagegen sei sein Klient schwer beleidigt worden durch den Vorwurf, für gewisse Dinge Provisioti erhalten zu haben. Das müsse entsprechend bestraft werden. Das Urteil des Gerichts ging dahin: Loesener wird aus Z 186 Str.-G.-B. mit 50 M. Geldstrafe, Hehmann, der Redakteur der „Hamburger Nachrichten", wegen Verleumdung(Z 187 Str.-G.-B.) mit einem Monat Gefängnis bestraft. von der Uilchaentrale. Der jetzt in Liquidation befindlichen Milchzentrale gehören eine ganze Anzahl von Gutsbesitzerinnen und Inhaberinnen bäuerlicher Wirt- schaftSstellen als Genossenschafter an. Das Gesetz gestattet, Frauen durch Statntenbestiinmung von der Teilnahme an den General- versamnilungen einer Genossenschaft auszuschliessen. Die Milchzentrale hat von dieser gesetzlichen Befugnis in ihrem Statut Gebrauch gemacht. Da nun in den letzten Generalversammlungen der Milchzentrale gerade die weiblichen Mitglieder der Genossenschaft mehrfach, ihre Rechte durch juristisch geschulte Personen wahrnehmen liehen, bat die Milchzcntrale aus Veranlassung einer am 29. April stattfindenden Generalversammlung Veranlassung genommen, ihren weiblichen Mit- gliedern durch Zirkular mitzuteilen, dah sie von jetzt an in Gemäh- heit einer besonderen Statutenbestimmnng als Vertreter von Frauen nur Personen zulassen werde, die selbst als Genossen der Milch- zentrale angehören oder Vorstands- bezw. AufsichtSratSmitglieder einer Untergenossenschast seien. Auf Antrag des Rechtsanw<»ls Dr. F l a t a u haben hierauf verschiedene Abteilungen des zu- ständigen Amtsgerichts Berlin- Mitte übereinstimmend einst- weilige Verfügungen erlassen, durch die d e n L i q u i d a- toren der Milchzentrale unter Androhung von Strafen befohlen wird, beliebige Bevollmächtigte der be- treffenden weiblichen Genossen zur Generalversammlung zuzulassen. In den richterlichen Verfügungen wird darauf hingewieien. dass das Gesetz in einer öffentlich-rechtlichen, daher durch Statut nicht abzu- ändernden Vorsicht irgendwelche Einschränkungen von Frauen bei der Wahl ihrer Bevollmächtigt-n nicht zulässt. Die Milchzentrale zeichnet sich durch eine masslose Fülle un- gesetzlicher Schritte aus, deren Wirkung lediglich die Schädigung mittlerer und kleiner Landwirte gewesen ist. Eine Genossemtbos». die so wie diese seit Jahren mit Millionen Unterbilanz gearbeitet hat und eine ordnungswidrige Geschäftsführung betreibt, ist ein Unikum. AuS welchem Grunde ist gegen die für die Ge- fchäftssühruag und den Zusammenbruch der Milchzcntrale verantwortlichen Personen noch immer nicht strafrechtlich eingeschritten? Hat die Staatsanwaltschaft angenommen, den in Betracht kommenden Personen fehlt der strafrechtliche Dolus? Denn alle objektiven Merkmale einer strafbaren Geschäftsführung und strafbaren Konkurses liegen bekanntlich vor. Die Milchzentrale ist eine konservativ- agrarische Gründung, die Klein- und Mittelbauem aufs tiefste geschädigt hat. Hat die Staatsanwaltschaft angenommen, den agrarisch-konservativen Leitern fehle der strafrechtliche Dolus, das heisst das Bewusstsein der Tragweite ihrer Handlungen, so nützt diese Gleichstellung der am Zusammenbruch der Milch- zentrale mit einem Defizit von mehreren Millionen Schuldigen, den Geschädigten gar nichts. Der oben geschilderte Versuch der jetzigen Liquidatoren, den Frauen die Wahrnehmung ihrer Rechte gesetzwidrig zu erschweren, deutet nicht darauf hin, dass die Liquidatoren eine bessere Gesetzkenntnis sich zugeeignet haben, als die an der Millionenpleite Schuldigen. Soziales. Krankenkassenzersplitterung. Seit Jahren haben die beiden in Berlin bestehenden Bäcker- innungen alle Hebel in Bewegung gesetzt, umJnnungskranken- lassen ins Leben zu rufen. Im Interesse der Bäckergesellen sind solche Neugründungen natürlich nicht notwendig, denn für das Bäcker- gewerbe besteht eine gut fundierte, leistungsfähige Ortskrankenkasse. Nur die Meister sind an der Gründung von Jnnungskrankenkassen inter- essiert, denn sie sehen auch in dieser Einrichtung ein Mittel, die Gesellen weiter in Abhängigkeit und unter Vormundschaft zu erhalten.— Nachdem bereits frühere Versuche zur Gründung von Jnnungskrankenkassen am Widerstande der Gesellenausschüsse und der Aufsichtsbehörden ge- scheitert waren, nahmen die beiden Bäckerinnungen vor etwa zwei Jahren ihren Plan aufs neue in Angriff. Um die Meister für den- selben zu gewinnen, setzte der Jnnungsvorstand den monatlichen Beitrag zur JnnungSkrankenkasse auf 2,10 M. fest, das ist 1,10 M. iveniger als die Ortskrankenlasse erhebt. Die Meister stimniten dem Antrage des Vorstandes, eine JnnungSkrankenkasse zu gründen, zu, die Gesellenausschüsse dagegen verweigerten ihre Zustimmung, weil die gut funktionierende Ortskrankenkasse durch die Gründung der Jnnungskrankenkassen erheblich geschwächt und die Interessen der Kranken geschädigt werden würden. Die vom Jnnungsvorstande an- gerufene Ge Werbedeputation des Magistrats billigte den Standpunkt der Gesellenausschüsse und deshalb konnte einstweilen der Plan der Innungen nicht ausgeführt werden. Aber die Jnnungsführer wussten, dass in„höheren Regionen" ein für sie günstiger Wind weht. Schon damals sagte der Obermeister Bernard:„Wenn auch die Gewerbedeputation der Gründung der Jnnungskrankenkassen nicht zugestimmt, so sei doch die Zustimmung deS Oberpräsidenten sicher."— Diese Voraussage ist nun eingetroffen. Die Gründe, welche die Gesellenausschüsse gegen die Errichtung der JnnungSkrankenkasse gel- tend machten, hatten beim Oberpräsidenten keinen Erfolg. Im Gegensatz zur Gewerbedeputation deS Magistrats erteilte der Oberpräsident den Bäckermeistern die Genehnngung von Jnnungskrankenkassen. OberregierungSrat Schmelterö besuchte als Vertreter der Re- gierung ein Ende Februar gefeiertes JubiläumSfest der Bäckerinnung„Konkordia" und überbrachte ihr— wie im Festbericht der Innung zu lesen ist— die Genehmigung zur Errichtung einer JnnungSkrankenkasse als I u b i- läumsge schenk.— Auch die Bäckerinnung„Germania" erhielt natürlich die Genehmigung. Ob ihr dieselbe ebenfalls durch einen Oberregierungsrat feierlichst überreicht wurde, ist nicht bekannt geworden. Die Genehmigung deS Oberpräsidenten war für beide Innungen jedoch an die Bedingung geknüpft, dass die JnrnrngS- kranke» lassen einen ebenso hohen Beitrag wie die Ortskranken- lasse erheben müssen, nämlich 3,20 M. monatlich, denn mit einem Beitrage von 2,10 M. könne die JnnungSkrankenkasse ihren Leistungen nicht gerecht werden. Dieser Aenderung haben die JnnungSvorstände ohne Umstände zugestimmt. DaS konnten sie ja auch, denn die Festsetzung des niedrigen Beitrages hatte ja als Lock- mittel ihre Schuldigkeit getan.— Die Innung„Konkordia" hat ihre Krankenkasse bereits am 6. April konstituiert. Die Innung„Germania" lässt die Delegiertenwahlen für ihre Krankenkasse am 11. Mai vornehmen. Die Ortskrankenkasse für das Bäckergewerbe hat rund 8000 Mitglieder. Sie wird nun etwa 6500 Mitglieder an die beiden Jnnungskrankenkassen abgeben müssen und nur etwa 1500 Mit- glieder behalten, die in Betrieben beschäftigt sind, welche keiner Innung angehören. Für das Berliner Bäckergewerbe bestehen also jetzt drei Zwangskassen. DaS ist für die Bäckergesellen ein erheb- lichcr Nachteil gegenüber dem bisherigen Zustande, denn da sie bald bei einem Meister der„Germania", bald bei einem Meister der „Konkordia" und bald bei einem Nichtinnungsmeister arbeiten, so werden sie fortwährend aus einer Kasse in die andere geschoben und können in keiner Kasse diejenigen Rechte erwerbe», welche von einer längeren Dauer der Mitgliedschaft abhängig sind.— DaS ist eine erhebliche Schädigung der Krankenfürsorge im Bäckergewerbe. Von sozialem Verständnis zeugt es nicht, dass eine leistungsfähige Orlskrankenkasse nahezu vernichtet wird, um einen Wunsch der Bäckerinnungen zu erfüllen. Ein findiger Vermittler. Auf eine eigenartige Idee, stellensuchenden Kellnern eine hohe VermittelungSgebühr ohne entsprechende Gegenleistung abzunehmen, ist der Agent Hugo Osann verfallen, der in der Dorotheenstrasse ein Stellenvermittelnngsburcau für Gastwirtsgchülfen unterhält. Der Kellner Albert G., der am Montag vor der siebenten Kammer des Gewerbegerichis als Kläger auftrat, hatte sich an O. wegen einer freien Kcllnerstelle gewandt, und dieser versprach ihm Zu- Weisung eine? dauernden Postens in einem renonimierten Casö, wenn er vorher 20 M. VermittelungSgebühr erlege. Aus die Zu- sicherungen hin zahlte G. auch die 20 M., hat sich aber in der ihm zugewiesenen Stellung im Cafü Süss am Dönhoffplatz gleich am ersten Tage arg enttäuscht, denn er bekam nicht nur keinen Lohn, sondern sollte von den 3 M. Trinkgeldeinnahmen noch für Silberputzen usw. an den Arbeitgeber soviel abführen, dass_ ihm fast nichts übrig blieb. Da der Klager mit dem Agenten vereinbart hatte, dass er seine Gebühr zurückerhalte, wenn die Stellung nicht den Zusicherungen entspräche, so ging der Kellner nach der erfolglosen eintägigen Tätigkeit zum Vermittler und erbat sich die gezahlten 20 M. zurück. Dieser sagte ihm, er könne sie ihm nur gegen Rückgabe des Ver- mittelungsscheines aushändigen. Während nun G. sich zum Caföhausbesitzer begab, um sich den Schein geben zu lassen, warnte O. letzteren telephonisch davor, dein Kellner den Schein zu geben, und übte dadurch eine» Druck auf den Inhaber des Cafös aus. dass er sagte: „Wenn Sie G. den Schein geben, kriegen Sie von mir kein Personal mehr". Da Süss aus Furcht vor dem Boykott den Schein einbehielt, versuchte der Kellner, diesen auf dem Wege der Klage von S. herauszubekommen. Der Bor- sitzende setzte dem Kläger auseinander, �dass er nur ein Anrecht auf Einsicht, nicht auf Aushändigung de? Ver- mittelungsscheinS habe, der eine gemeinschaftliche Urkunde darstelle. Er müsse beim Amtsgericht gegen O. auf Rückzahlung der Ver- mittelungsgebühr klagen. G. zog darauf die Klage beim Gewerbe- geeicht zurück. Em der frauenbewegung. Vernichtung keimenden Leben?. Der Paragraph 218 des Strafgesetzbuches für das Deutsch« Reich bedroht mit Zuchthausstrafe bis zu fünf Jahren diejenige „Schwangere, welche ihre Frucht vorsätzlich abtreibt oder im Mutterleibe tötet", sowie den, der„mit Einwilligung der Schwan- gercn die Mittel zu der Abtreibung oder Tötung bei ihr angewendet oder ihr beigebracht hat. Sind mildernde Umstände vorhanden. so tritt Gefängnisstrafe nicht unter sechs Monaten ein." Auch versuchte Abtreibung ist strafbar. Mit so harter Strafe bedroht das Gesetz Handlungen, die—- wie jeder weiss— alltäglich begangen werden. Vor wenigen Tagen erst berichteten Berliner Zeitungen von dem grauenhaften Selbstmord- versuche eines jungen Mädchens, das wegen Vergehens gegen den 8 213 zu Gefängnisstrafe verurteilt worden war. In Rixdorf hat die Polizei dieser Tage eine jener Frauen verhaktet, die auS der Hülfeleistung bei der Vernichtung des keimenden Lebens ein Geschäft machen. In Kiel wird z. Z. in einer ganzen Reihe von Prozessen wegen derselben Delikte verhandelt. Aehnliche Nachrich- tcn liest man täglich in den Zeitungen, und doch kommt nur ein verschwindend kleiner Teil dieser Straftaten in besonders krassen, Fällen von Abortus, die schwere Erkrankungen oder Tod zur Folge haben, zur gerichtlichen Aburteilung und zur Kenntnis der Oeffentlichkeit. Jeder erfahrene Arzt aber weiss, daß die Fehlgeburten in der übergrossen Mehrzahl der Fälle künstlich herbeigeführt werden. Wie kommt es nun. dah die mit so schwerer Strafe bedrohte willkürliche Unterbrechung der Schwangerschaft so häufig begangen wird? Das Volksempfindcn wertet sie nicht wie das Gesetz als mordähnliche Handlung, sondern als einen Akt der Slotwehr. In der Notwehr handeln die unehelichen Schwangeren, die— oft mit Darmrsetzung von Leben und Gesundheit— Abortus herbeiführen, um sich und das Ungeborene vor der Schande zu bewahren, mit welcher die doppelte Moral der honetten Gesellschaft die Opfer der Leidenschaft oder der Verführung brandmarkt, sozial und recht- lich degradiert. Es handelt sich um Akte der Notwehr bei jenen verheirateten Frauen, für die immer Familienzuwachs ein Unglück bedeutet, weil er die wirtschaftlichen Sorgen>ins Uncr- trägliche steigert und die Aufzucht der schon vorhandenen Kinder gefährdet. Zu diesen Handlungen der Notwehr hält man sich in weiten Kreisen des Volkes um so mehr für be- rechtigt, als man nicht, wie das Gesetz meint, ein leben- des menschliches Wesen zu vernichten, sondern nur scinc Entstehung zu verhindern glaubt. Ebenso gross wie die physiologische Unkenntnis ist die der Gesetze unter den Frauen, vo» denen viele tatsächlich nicht wissen, wie hart Verstösse gegen den § 218 geahndet werden; sonst würde man Frauen nicht so häufig mit der allergröhten Unbefangenheit über die Anwendung von Abortivmitteln sprechen hören. Anders liegt die Sache natürlich bezüglich der„weisen Frauen", die in Inseraten„Rat und Hülfe in diskreten Fällen" anbieten. Bei der allgemeinen elenden Lage des Hebammenstandes ist es aber leicht erklärlich, dass sich immer wieder Elemente finden, welche der Versuchung erliegen und der schlveren Strafandrohung zum Trotz sich einen gut bezahlten Nebenverdienst verschaffen, Elemente, die übrigens dem Ansehen des ganzen Hcbammcnberufcs geschadet haben. Auf Grund der unbestrittenen Tatsache, dass die Volksauf- faffung in schroffem Gegensatz zu der durch das Gesetz zum AuS- druck gebrachten hohen Bewertung des ungeborenen Lebens steht, dass ferner die Q!rau durch den 8 218 in ihrem Selbstbcstimmungs- recht schwer gesähvdet wird, ist bereits mehrfach eine Aufhebung oder wenigstens Herabsetzung der auf die Vernichtung des keimen* den Lebens gesetzten Strafen gefordert worden. Bisher ohne Erfolg. Der Staat hält an seiner Auffassung' fest, obwohl er, der sich hier als oberster Hüter der Moral und strenger Richter aus- spielt, auf anderen Gebieten der Gesetzgebung, z. B. bezüglich deS Arbeiterinnenschutzes, sich jede Beeinflussung des Arbeitsprozesses zugunsten der Schwangeren nur in zähem Kampfe Schritt für Schritt abringen lässt. Und doch wirkt die BeschaftiMtig schwangerer Arbeiterinnen in gewissen Betrieben, z. B. in der Tabakin- dustrie auf die Vernichtung des keimenden Lebens so sicher wie nur irgendein Abortivmittel. Allein hier wird das Interesse deS Kapi- taliften höher gestellt, als der Schutz des Uugeborcncn. Die Häufigkeit der Vergehen gegen 8 218 steht in engstem Zu- sammenhang mit unseren wirtschaftlichen, sozialen und rechtlichen Zuständen,■toie wird allmählich abnehmen, je mehr die Prositwut des Kapitalismus eingedämmt wird, Lebenshaltung und Bildung des Volkes sich heben, als die rechtliche Benachteiligung, die ge- sellschaftliche und wirtschaftliche Aechtung der unehelichen Mutter- schaft verschwindet und eine großzügige� Mutterschaftsversichcrung alle Mütter de? Volkes von schwerer Sorgenlast befreit. Der Schweizerische Arbeitcrinnenvcrband hielt am Öfter» montag in Biel seine Delegiertenvcrsammlung ab, die von 12 Delegierten und 7 Sektionen besucht war. Der in Winterthur domizilierende Zentralvorstand war durch 2 Mitglieder vertreten. Der Verband besteht aus 17 Sektionen mit 750 Mitgliedern. Im letzten Jahre hatte er 964,45 Fr. Einnahmen und 541,80 Fr. Ausgaben. Der Vermögensbestand beträgt 712,65 Fr. Aus dem Jahresberichte des Zentralvorstaudes ist u. a. zu entnehmen, dass an die Bundesbehörden eine Eingabe gerichtet wurde, betreffend weitgehende Berücksichtigung der Arbciterinneninteressen bei der Schaffung der Krankenversicherung; ferner richtete er eine Eingabe an die Geschäftsleitung der sozialdemokratischen Partei in Biel, dah sie auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages das Frauen- stimmrecht setzen möchte. Die Sektionen berichten, dass sie in zahlreichen Versammlungen Vorträge über die verschiedensten Themata veranstalteten, so über die Ehe, Tuberkulose, Kinder- fürsorge, Frauenstimmrecht, über die 8. internationale sozialdcmo- kratische Frauenkonferenz in Stuttgart, Heimarbeit, Wöchnerinnen- Versicherung, Arbciterinnenschutzgesetzgebung, die Hauspflcge, über die Anstellung eines Stadt- und Schularztes, über die Frauen und das neue Zivilrecht usw. In Bern wurde eine Sonntagsschule für die Kinder der organisierten Arbeiter gegründet. Daneben fand auch die heitere Seite des Lebens durch Ausflüge, Abendunterhal- tungen, Cbristbaumfeiern usw. angemessene Pflege. Die Dclegiertenversammlung gab dem Zentralvorstand den Auftrag, durch tüchtige Refercntinnen alljährlich zwei bis drei Agitationstouren an den Sektionsorten ausführen zu lassen, deren Kosten zur Hälfte die Zentraltasse, zur anderen die Scktionskasscn tragen sollen. - Als Sitz des Zentralvorstandes wurde wiederum Winterthur bestimmt. Im allgemeinen machten die Berichte einen guten Eindruck und sie lassen erkennen, dass eS stets etwas, wenn auch nur langsam vorwärts geht. Versammlungen. DaS Reichsvereinsgesetz und dir proletarische Jugend. Eine stark besuchte Versammlung jugendlicher Arbeiter be* schäftigte sich am Sonntagnachmittag in den A r m i n h a l l e n mit dem Reichsvereinsgesetz. Draüssen lachte und lockte die Sonne nach einem schweren Vormittagsrcgen, aber die jungen Leute achteten anscheinend nicht darauf, sondern schenkten dem Redner ihre volle Aufmerksamkeit. Dieser erläuterte eifrig die Stellung der freien Jugendorganisationen unter den, neuen Reichsvereins- gesetz, das am 15. Mai in Kraft trete» wird. Ta das Geich iick auch hegen Me Jugendlichen Sendet tmB manch« Leute Baffen, daß es gelingen werde, den freien Jugendorganisationen damit den Garaus zu machen, so war das lebhafte Interesse der jungen Leute, unter denen sich auch viele junge Mädchen befanden, leicht erklärlich. Gerade die freien Organisationen möchte man treffen, obgleich es doch auch, wie der Referent Max Peters naher ausführte, genügend andere Vereinigungen der Jugendlichen gibt, von denen man mit mehr Recht behaupten könnte, daß sie sich mit der gefährlichen Politik befassen. Da sind die Evangelischen Jünglings- und Jungfrauenvereine, Katholische Jugendvereini- gungen, Nationalliberale und andere Jugendverbände, und überall sucht man die reaktionäre Politik zu hegen und KU pflegen. Nur da, wo man sozialdemokratische Ideen wittert, wird d i e Art von Politik vermutet, die verboten werden muß. Der Redner war im schönsten Zuge, alz der überwachende Poli�eileutnant eine sehr bedenkliche Miene aufsetzte und den Vorsitzenden der Versammlung zu sich winkte. Er erhob Einspruch dagegen, daß ein politisches Thema erörtert werde. Der Vor- sitzende ersuchte darauf den Redner, den Vortrag in den ver- langten Grenzen zu halten. Dieser wandte sich sogleich, der Situation entsprechend, der Frage zu:„Was ist politisch?� Unter dem Beifall der Versammelten, die sichtlich erfreut waren, daß ihr Redner sich nicht verblüffen ließ, verlas er dazu das Folgende: Das Reichsgericht definiert in Band lö, Seite 884, den Be- griff„politisch" so:„Unter politischen Gegenständen wird man alle Angelegenheiten zu verstehen haben, welche Verfassung, Ber- waltung, Gesetzgebung des Staates, die staatsbürgerlichen Rechte der Untertanen und die internationalen Beziehungen der Staaten zueinander in sich begreifen." Er meinte dann, cS könne doch nicht als politische Angelegen- heit aufgefaßt Werden, wenn die Anwesenden sich über ihre Stellung unter dem neuen VcreinSgesetz klar werden wollen. Immerhin wolle er sich bemühen, politischen Fragen bei der Erörterung auS dem Wege zu gehen. Unser Verein, so erklärte er dann, wird von dem neuen Gesetz nicht getroffen. Der Verein ist politisch neutral und wird es bleiben. Viel wird auf die Auslegung ankommen, die das Gesetz erfährt. Wenn unser Verein sich mit öffentlichen Angelegenheiten beschäftigt, so kann man ihn darum doch nicht„politisch" nennen. Die arbeitende Jugend steht mitten im Kampfe ums Dasein und wichtige Fragen treten an sie heran. Da ist die Frage dcS Schutzes jugendlicher Arbeiter. Wenn wir darin auch nicht so vorgehen können wie die Gewerkschaften, so haben wir doch wichtige Aufgaben zu erfüllen, indem wir sagen müssen, wie die Dinge liegen und wo Verbesserungen am dringendsten notwendig find. Unsere Gegner setzen sich gern aufs hohe Roß und sprechen wegwerfend von der„unreifen" 'chgend, die immer unreif sein soll, wenn sie Forderungen au�- ellt, und stets reif ist, wenn sie ausgebeutet werden und schwere Verantwortung tragen soll. Beginnt doch das strafmündige Alter vor dem Gesetz schon mit dem 12. Jahre! In dieser Weise setzte der Redner seinen Vortrag fort und forderte zu einer energischen Agitation aus, zu einer geschlossenen Jugendbewegung, die notwendig sei zum Schutze der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen, die in immer größerer Fahl vom deutschen Unternehmertum angestellt werden. Der Redner warnte zum Schluß vor verdächtigen Krakeelmachern, die sich eindrängen, um die Bewegung in ein schlechtes Licht zu setzen. In ähnlichen Ausführungen erging sich darauf M a s cd k e, der den Vorstandsbericht �ab, soweit das 1. Quartal dieses Jahres in Betracht kommt. Die Hauptarbeit liegt in den Ab- teilungen, und dort wurden auch gute Fortschritte erzielt. Es fanden in den drei Monaten 81 Abteilungsversammlungen. "25 Lese- und Diskütierabendc. 9 Besichtigungen von Museen usw., 7 UntethaltungSabende-, 12. Ausflöge und 2 Versammlungen für die weibliche Jugri» statt, i.. � �. v Der Verein hatte am 1. Januar 2972 Mitglieder, neu ein- getreten sind 514, ausgeschieden 386, mithin wurden 178 gewonnen. Am 31. März waren 2259 Mitglieder, darunter 86 weibliche, vor- handen. Die letzteren hatten im Laufe dcS Quartals um 41 zugenommen. Wenzel erstattete den Kassenbericht, nach welchem die Ein- nahmen im 1. Quartal 1491, S2 M. betrugen, die Ausgaben 1198,22 Mark, somit ein Ueberschuß von 293,39 M. erhielt wurde.— Nach dem Bericht über die Bibliothek wurden 529 Bände ausgeliehen.— Die Neuwahl eines 1. Schriftführers war notwendig geworden und fiel auf Brandenburg. Als ein Beisitzer wurde GablonSka in den Vorstand gewählt. Ferner wurde eine Jugendschuh- kommission gewählt. Der Vorntzande ermahnte die Anwesenden, die Sommermonate zu fleißiger Agitation für den Verein zu benutzen. I Versammlungen. Die Filiale Berlin dcS ZentralverbanbeS der Töpfer hielt am Freitag ihre Generalversammlung ab. Im Vorstandsbericht sagte der Vorsitzende S e g a w e, das verflossene Quartal sei hinsichtlich der Arbeitsgelegenheit als eines der schlechtesten zu bezeichnen. Im Monat März erscheint, wenn man nur die Zahl der ge- meldeten Arbeitslosen betrachtet, die Arbeitslosigkeit geringer als im selben Monat des vorigen JahreS. Das beruht jeooch darauf, daß dkeSma! eins außerordentlich große Zahl von Töpfern Berlin verlassen oder in anderen Berufen Arbeit angenommen hat. In diesem Jahre war Ende Januar die Zahl der gemeldeten Arbeits- losen 1938(1997 nur 499), Ende Februar waren es 1132(1997 SS8), Ende März 493, wogegen im selben Monat 1997 656 Mit glieder arbeitslos gemeldet waren. Im März vorigen Jahres reisten nur 8 Mitglieder ab, im März dieses JahreS 112. Teils wegen der großen Arbeitslosigkeit, teils auch weil die Tätigkeit für die Partei die Mitglieder viel in Anspruch nahm, hat der Vor- stand im verflossenen Quartal nur eine Bauvertrauensmänner- sttzung einberufen. Der schlechte Geschäftsgang hat es mit sich gebracht, daß die Arbeitgeber in der Schlich tungSkommisston sich so verhalten, daß man, wie der Redner ausführte, kaum noch von einer Schlichtungskommission reden kann. Streitigkeiten, bei denen das Interesse der Arbeiter in Frage kommt, werden von ihnen ein- fach bei feite geschoben oder so erledigt, daß die Arbeiter nicht zu ihrem Rechte kommen. Ost mutzte zur Selbsthülfe gegriffen werden in Fällen, die sonst leicht durch die Schlichtungskommisswn hätten geregelt werden können. ES waren rm Laufe des Quartals 32 Differenzen zu erledigen; in 6 Fällen waren die Arbeitgeber- Vertreter anwesend. 5 Bausperren und Arbeitsniederlegungen wurden durchgeführt. Meist handelte eS sich um Lohnaüsfall oder Tarifstreitigkeiten. Daß Töpfer für geleistete Arbeit keinen Lohn. oder nur eine geringe Abschlagszahlung erhalten, kommt jetzt so häufig vor, daß beständig Lohnklagcn durchzuführen sind, die in vielen Fällen wegen Zahlungsunfähigkeit des Unternehmers nicht den gewünschten Erfolg haben.' Kapitalkräftige Firmen können wegen der Konkurrenz der Schwindelunternehmer kaum noch Auf träge erhalten, meinte der Redner. Er berichtete ferner über die Differenzen bei der Firma K a m a n n, die durch Einführung von Lohnarbeit ihre Oefcn zu viel niedrigerem Preise als der Tarif vorschreibt, gesetzt erhielt; und über die'Firma Zager u. Laudon, wo die Töpfer am Ostersonnabend noch 499 M. zu fordern hatten, die sie auch nach den Feiertagen nicht erhalten konnten. Bei Differenzen zeigt cS sich oft, daß der Zwiespalt der Or- ganisationen sehr schädlich wirkt. Die Unternehmer suchen häufig die lokalorganisierten gegen die zenträlorganisierten Töpfer auS- zuspielen und umgekehrt. AuS diesem Grunde haben die Ver- treter der Filiale gelegentlich einer Sitzung mit dem Lokalver- einsvorstand wieder einmal die Einigungsfrage angeregt; sie er. hielten aber die jetzt bei den Eingungsgcgnern übliche Antwort: «Uns trennt eine Weltanschauung". � Da jedoch der Filialvorstand namentlich für ein so großes Lohngebiet wie Berlin eine ein- heitliche Töpferorganisation für sehr notwendig erachtet, hat man sich nach Rückspracbe mit dem Zentralvorstand entschlossen, die- jenigen lokalorganisicrten Kollegen, die zum Zentralverband über- treten wollen, soweit sie sich bis zum 1. Juni melden, als voll- berechtigte Mitglieder aufzunehmen. Die Bibliothek der Filiale ist im verflossenen Quartal mehr als je zuvor benutzt worden. Es wurden 369 Bücher ausgeliehen. Der Kassenbericht, zu dem der Kassierer Bohmhamel mündlich einige Erläuterungen und Ergänzungen gab, schließt für die Zentralkasse mit der Bilanzsumme von 19794,98 M. ab. Für Krankenunterstühung wurden 6026,45 M., für Sterbeunterstützung 569 M. für Streikunterstützung 382,29 M. ausgegeben. Die Lokalkasse hatte 8199,49 M. Einnahme und 6335,15 M. Ausgaben. Das Vermögen der Filiale stieg auf 33967.69 M. Es wurde beschlossen, den Mitgliedern Mbert Langnick und Kellermann ihres unsolidärischen Verhaltens wegen eine scharfe Rüge zu erteilen. Ferner nahm die Versammlung einen Antrag des Vorstandes an, wonach der.„Töpfer" in Zukunft durch die Post zugestellt werden soll, so weit. dies nicht, wie in einzelnen Bezirken, durch die VorwärtZspeditjon geschieht. /Außerdem wurde b'eMlchsen,' den'Beiftäg zum Lokalfonds', Ver'bisher ist' einer'fläch dem Vcrbandsstatut nicht zulässigen Höhe erhoben wurde, aus 15 Pf. herabzusetzen. Als Revisor wurde Richard Motel gewählt. Hierauf wurde über die Maifeier beschlossen. Der Vor- sitzende führte aus, daß, wie die Töpfer Berlin? seit Jahren die Maifeier durch ArbeitSruhe begangen haben, auch diesmal kein Grund vorliege, davon Abstand zu nehmen. Für die Berliner Töpfer findet die Maifeierversammlung vormittags 19 Uhr statt und zwar im GewerkschaftShauS. In den Vororten begeben sich die Kollegen in die von den Gewerkschaftskartellen einberufenen Ber- sammlungen. Ueberall ist daS Mitgliedsbuch mitzubringen. Die Versammlung beschloß einstimmig, den 1. Mai wie bisher durch allgemeine ArbeitSruhe zu feiern. Unter VerbandSangelegcnheiten hatte die Versammlung über nicht weniger als 17 Darlehns- und 11 Unterstützungsgesuche Zu entscheiden. Die Eisen-, Metall- und Revolverdrehcr hielten am Sonntag vormittag ihre Mitgliederversammlung in den Musiketsälen ab. Den Jahresbericht der Branchenkommiision erstattete Wegener, der eine Uebcrsicht über die Verhältnisse in den.verschiedenen Be- trieben, wo Dreher beschäftigt sind, gab.'Auf allen Gebieten haben die Unternehmer verfucht, Lohnabzüge zu machen und die Akkordpreise zu beschneiden. Nicht nur dagegen galt e? Front zu machen, sondern auch gegen die zuweilen stark auftretende Ueber stundenarbeit. Eine besondere Agitation mußte gegen die gelben Vereine entfaltet werden, die von den Unternehmern als„UnterftützungSvereine" gegründet werden. Der Redner kritisiert scharf, daß manche Kollegen nicht genügend Widerstand den Versuchen der Unternehmer entgegensetzen, wenn diese neue Mitglieder für die,.UnterftützungSvereine" unter starkem Druck durch die Meister und Vorgesetzten anzuwerben suchen. Auf die zugereisten und jüngeren Kollegen sollten die Verbands- Mitglieder mehr Rücksicht nehmen und sich bemühen, sie für die gewerkschaftliche und politische Bewegung zu gewinnen.- Ueber» Haupt sei dringend zu-wünschen, daß die Äollegenschast mehr als bisher tatkräftig sich an den Arbeiten der Organisation beteiligt. Viele verdienen Vorwürfe, daß sie zu lässig sind und sogar kleine Mühen scheuen, zum Beispiel bei der Aufnahme von Statistiken sowie bei anderen Arbeiten, die unternommen werden, um den Verband zu fördern. Besonders die Vertrauensmänner müßten zu jeder Zeit ihre Pflicht tun. Die Branchenkommission braucht die Mitarbeit aller Kollegen, wenn sie ihre Aufgaben erfüllen soll. Nach kurzer Diskussion wurde zur Neuwahl der Branchen- kommission geschritten. Da Wegener zurücktrat, wurde zum Branchendertreter W e r n i ck e gewählt. Sozialdemokratischer Lese, und Diskutierklud»Heinrich Heine". Heute abend ö'/, Uhr bei Bolz«, Rvdenbergstr. S. EingeAsnZene Drucfcfcbinfteii. Mite Kremnitz,„Der rote Streif" lagSbaus, Berlin-Charlottenburg. 100 Selten. Mio, Deutsches Dtt» Meyer. Dr. M. Will}...Der neue Stern"— Naturwlsseiflchasillche Novellen, Bd. II. In farbigem Umschlag, mit Illufwationen. Preis l M., sein gebunden 2 M.— Verlag des.ÄosmoS", Gesellschaft der Natursreunde (Geschäftsstelle: Franckhsche VerlcigShandlung). Stuttgart... Karl Gutzkows AuSgewithltc Werke in 12 Bandet». Herausgegeben von Heinrich Hubert Houben. Mit 3 Bildnissen und einem«riefe aö. Handschrift. probe. Brvsch. 6 M. In 4 Leinenbdn. 8 W. Feine Ausgabe in 4 Halb- sranzbdn. 12 M. LuxuSauSaadc IL W. Bericht über das 14. Geichästsjahr. Vom 1. Januar bis 3t. Dezember 1907. GrotzeinkaufS-Äesellschaft deutscher Konsumvereine mit beschränkter Hastung. Hamburg. Geschäftsbericht der Allgemeinen OrtSkrankentass« zu Frankfurt a. M. 43 Seiten. Selbstverlag. Wer wird die BolkSfchule befreie«? Von I. TewS. Preis 60 Pf. Perlag: 5. MarowSkh in Minden t. W. Ärbeitrrpolittk im bayerischen Landtag. Von E. Auer. LS Pf. Druck von E. Birk in München. Kürschners Bncherschatz, Nr. 593. Die Madonna von Fiesole. Von R. 0. Gottschall.— 594. Lore Freyeisen. Roman von Margarete v. Oertzen.— 595. Ach wenn Du wärst mein eigen. Roman von Wolters.— 596. Menschen und Geschicke. Roman von Minna v. Heide.— 597. Der Stumme vom Hause d'Ambra Celleste Miramon. Novellen von R. Ortmann.— 593. OltverS Braut. Novelle von MrS. Olipbant.— 599. Nach Sibirien verbannt. Erzählung von F. Thieme. — 600. Die Jagd nach dem Man». Roman von M. BSttcher.— Die Hallig. Bon I. C. Bievnatzki.— Der Erbe. Erzählung von P. Hamilton MverS. Jeder Band 20 Pf— Verlag: H. Hillger in Leipzig. Bremer Flugschriften auS dem' Geisteskamps der Gegenwart. Herausgegeben von Fr. Steudel und Fr. Lipsius. Heft 2.— Gott und die Kirche. Bon Dr. R. Strecker.(Concordta. Deutsche BerlagSanstait, Hermann Chbock in Berlin W. 30.).Preis geheftet 60 Pf. Die neue Generation. Heft 4. Herausgeberin Dr. Helene Stöcker. Verlag: Oesterheld u. Co., Berlin IV. 15. Kultnrfrage». Eine Monatsschrift für den deutschen KansmaNnSstand von I. Buschmann,«lprilhest. Verlag: G. D. W. Callwey tat München. Paul Claudel. MittaaSwende. Deutsch von Franz Blei.(Drama.)— Valerius Briuslosf. Die Republik deS Südlreuzes.(Novellen.) Beide im Verlage von Hans v. Weber, München. Die Zukunft Deutschlands. Eine Warnung vom RegierungSrat R. Martin. 3 M. Verlag C. L. Hirfchfeld, Leipzig. Di? Raumkunst. Heft 4 und S HalbmonatSbeste,'DaS Heft 1,40 M. Kunttanstalten A. 0., M ünch en-Kaufb eure«. Heft s. Preis 50 Pf MonatSschrtst. der Graveure, Verlag Vereinigte Die Frau ynd ihr« Zeit. VerlagSä'nslait Bunibrucl SW. 68. Rechenschaftsbericht 1907 der OrtS-Krankenkasse Ziseleure usw. 33 Seiten. Selbstverlag Berlin 80. 26. ES werde Licht l Monatsblätler zur Wahrung freiheifttcher Int«- essen aus allen Gebieten. Verlag O. Th. Scholl, München. Preit pro Heft 40 Ps. Die mazedonische Frage von R. Kirnberger. 112 Seite». Verlag H. Walter. Berlin W. 30. WaS mutz der Deutsche von auswärtiger Politik wissen? Bon Dr. jur. v. Flöckher. 30 Ps. Verlag K. Curttu». Berlin, W. 85. Bericht deS Vorstandes und Ausschusses des Zentralverbandes der Handlungsgehülsen Deutschlands, 1906-1907. Eitz Hornburg. 80 Pf. Per. lag M. Josephsohn, Hamburg. Besenbinderhos 57. Persönlichketten. Heft 13 und 14. Herausgeber C. Leven,«irgll Verlag, Charloltenburg, Kantstr. 6/9.■ Reclams Universum. Heft 30. 30 Ps. Verlag Ph. Reclam in Leipzig'.' PenssonSversicherung. von C. v. Per». 2,20 Kr. Verlag Manzsch« Hosverlagsbuchhandlung Wien,.Kohimarkt 20. »Klassenjusttz» von LandgerichtSrat Kar! Kode, Berit», Albert. Nauck a. Co. Preis 60 Pf Die Reiter auf dem Regenbogen. Roman von G. Engel. 563 Seiten. Verlag Vita, Deuttcht» Btrlagshaus, Berlin, Hardenbergsir. 14. In Freiheit dressiert. Humoresken von Karlchen. Geh. 2 M. Geb. M. Verlag G. Müller in München und Leipzig. Reflexionen. Von Walther Rathenau. Geh. 3 M. Geb.«'M. Ver- lag G. Hirzel, Leipzig." Deutsche Rundschau sür Geographie und Statistik. Herausgegeben von Pros. Dr. Fr. Umlauft. Hartlebens B erlag in Wien, jährlich 12 Hefte zu 1 M. 15 Pf. Geschäftsbericht der vkkumulatorenfabrik, A, G* 1907. verlin, Luisen fit. 35. mam Für or» Juhali»er Juieraie übernimmt vi« Redaktion dem Publikum gegenüber tetuerlet Beraiilwortnng. XLhcaUv. Mittwoch, den 29. April. Anfang 7fl, Uhr. Königl. QPernbanS. Die Huge> Natten. Königl. Schauspielhaus. Ein Erfolg. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Robert und Bertram. Kammerspiele. Erdgeist. Berliner. Ast-Heidelberg. Anfang Vi, Uhr. Lessing. DaS Lumpengesindel. Neue» Schauspielhaus. Der Dummkops. Neues. Tic gute Partie. Saoürr<». i Wallner-Theater.) Maria Stuart. Schiller Charlottenburg. Hans Huckebein. Hebbel. Erlösung. Ei» ZufluchtS. ort. Kleines. 2X2— 5. Friedrich- Wtlhelmftädt. Schau- spielhaus. Madame«ans GSne. Lust'vieib.iuS. Sein Alibi. Der Brandstifter. Lortzina. Der Troubadour. Komische Oper. Die FledennallS. Westen. Ein Walzertraum. MeurS Operetten. Der Mann mit den drei Frauen. Residenz. Der Floh im Ohr. Luisen. Geschlossen. Thalia. Die Brunnennymphe. Trianon. Seine erste grau. Die Hand. Theater an der Spree. Der Onkel auS KoltbuS. Veruhard Roie. Die L-relch. Metropol. DaS mutz man seb'n. Apollo. Der kleine Chevalier. Spe> zialitätcn. Gebr. Hcrrnfeld. Die letzte Ehre. Endlich allestt. Der Fall Blumentopf. Kasino. Ein Dorfroman. Wintergarten. Spezialitäten. I'nsiage. Ota Gygt. Spezialitäten Parodie. Der Troubadour. Gustav Behrens. Spezialitäten. Carl Haverland. L-pezialstäten. Walhalla. Tvezialilälen. Palast. Spezialitäten. FolieS Vergöre. Spezsalitäten. Liane d'Eve. FolieS Caprice. Rachtarbelt. Ein unheimlicher Besuch. Der ganze Papa. Reichshallen. Stettiner Sänger. Ilrmiia. Danbeiilirntzr IK|4U. Nachmitttag 4 Uhr! Ueber den Brenner nach Venedig. Abends 8 Uhr: Kairo und die Pyramiden. Sternwarte, Jnvalidenstr. 67/62. Sclifliei* Berliner Theater. Abend« VI, Uhr: Alt-Heidelberg. Theater des Vestens. I Uhr: Ein Walzertraum. Sonntag nachm. 3'/. Uhr, halbe Preise: luntige Witwe. Schlli.r-Th.ater O.sJäaBntc-Ibttttet). Mittwoch, abends 8 Uhr: Maria Stuart. Trauersplel In 5 Alten v. Fr. Schiller. Donnerstag, abendS8Uhr: Stein unter Steinen. Freitag, abends 8 Uhr: Ilaiiu Unokelieln. Theater. Sehlll.r-Thaaler Charlottenduri, Mittwoch, abends 8 Uhr: IIa»« Ilackebcin. Schwant)n drei Akten von OSkar Blumenthal u. Gustav Kadelburg. D o n» e r S I a g, a b e» b S 8 U d r: ver Wickerspenvtjzen lüdmuoz. Freitag, ade i, bS« U b>: ver Wlckerspenstijseo lähinunz. prieckricksberg. 1 Fernsprecher Nr. 8. Frunlifurter ChaasHoe 5. Jede» Mittwoch und Sonntag: Zoitee äer Apollo-Sänger. Nach der Vorstellung: Ban>iIien»KränSehen. Lortzing-öper. 8' U[)r: Oer Troubadour. Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Madame Sans Cdne. Anfang 8 Uhr. DonnerSiag:«ein Prinzetzchen. Freilag: Die Brüder v. St. Bern- hard. Somiabtttd: Der Prlvatdozenk. Neues Operetten-Theater Schissbauerdamm 25, an der Luisenstr. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Mann mit den drei Frauen. W.ftoaeks Theatsr Direktion: Hob. Olli. Bniimtnftt. t«. Der sensationell« Schlager- Verkükrt und entehrt. Berliner VolkSstück in 4 Akten v. Heine. Ans. 8 Uhr. Sntree 80 Pf. Sonnabend Extravorstellung: Vom Thron'zuw Schafott oh.: Liedesrache. flehdet-Theater. Abends 8 Ubr: Cltkomat(Erlösung). LebenS- und Trauerspiel«n 2 Akten von Hermann HcijerinanS. Hierauf: t!en'l'vevh>eI»t«o«»rck (Eine Zuflucht). Drama in einem Akt v. Klara Diebig. Hetropol-Theater Zum 221. Mal«: Neues Theater. Ansang 8 Uhc., Die gute Partie. Donnerstag z. erstenmal: Ramon, der Abenteurer. Ans.'1,8 Uhr. Freitag: Ramon, der Abenteurer. Kleines Thealer Abend» 8 Uhr: 2 mal 2= 5* Donnerstag: 2 mal 2= 5. Freitag: 2 mal 2= 5. Sonnabend: 2 mal 2= 6. Residenz-Theater. Direktion: Richard Alexander.— Zlbends 8 Uhr» Der Ftoh im Ohr* Schwank in drei Akten von George» Feydcau. Deutsch von Woiss-Jacoby. Lusispiolksus. Abend» 8 Uhr: Der Brandstifter. Vorher: Sein Altbt. Revue In 12 Bildern m. Ges. und Tanz. Anfang S Uhr. Rauchen gestattet. Luisen-Theater. Reirticnberger Strafte 34. MM* Mittwoch. Donnerstag:"WW Geschlossen. Freitag: Benestz Kurt PauluS, zum erstenmal: Der Weg in» Per- derben. Sonnabend: Der Weg in» Verderben. Sonntag nachm. 3 Uhr zum ersten- mal: Im Haufe d. Sünde. Abeiids 8 Uhr: Der Weg in» Verderben. Montag: Der Weg ins Verderbe«. mtDRQSETHHT Gr. ftrankiiirrer Str. 132. Abend» 8 Uhr: Die Lorcley* Anfang 8 Uhr. Wochentagspreise. Morgen und folgende Tag« i Di« Loreley. MMWW köpenicker Straße 63. Abend» 8 Uhr: lies Met aus Mus, Berliner Posse mit Gesang und Tanz. Morgen zum letzten Male! Der Onkel au» Kottbu». I Passage-Tlieater. - Abends 8 ühi; Die Sensal Ion Berlin« I Ota Oggil der Mann' mit den 8 Gelgen. Rita Tanca» and das'kolossale ä April- Frogramm!» irwwwwwmwwwwmmwmmwnmw� Felix Sobeoer Stnliuloiti.l. Vorletzte Aufführung des erfolgreichen April- Programms. €>ertrade Barrison, Tänzerin Pelina Rraatz, Jongleuse. nagodornN Wandergrotte. John a. Lais Boller, Radfahrer. Lulonboltas, Lnftgyninastiker 3 Braggs, Akrobaten. Stay de Sonza, amerikanische Sängerin. Tschernolf, Dresseur. tlillmann-Trio, Drahtseilakt. Corwey, musikalischer Clown. Palace Girls, englische Gesangs- und Tanz-Truppe. 1 1U Schreiber, Soubrette. Der Biograph. Bau-Kontwk-Konto !"iertilwerk-Ztonio.,. Invcntar-Kont»... Zicnto Airchengcmkinde Tempelbof..... Ssnlagc�Stto. b. Siegsried Lezy-Schenkung... ZZcrtPapiei-Konto... KautionS-Konto... Zülckständige Mieten-Kto. GeschäslSgiilhaben beider Deutschen Lentral-Gc« nesseiischast.... S'-nnl-Gutbaben... Nassen-Bcstand losvo. 6 992,05 1,- i7 725,— 60 000,- 11 219,50 800,- 73,75 500,— 16 957,10 21 403,17 Sa. 7 443 233,2« Passiva. VeschaftZ haben. Kto. 329 935,85 Vermehrung i. g. 1907 64 839,90 Sharelnlagen-Konto Ülcservesonds-Konto Siensr. Levy- k-ersugungö- 884 278,75 1 883 143,65 20 951,98 54 250.— Schenkung »Konto der biegst.'Levy- Schenlg. 800,35 Cchuldverschreib.-Ztlo. 1 173 040,— Tchuldverschreib.-Ztto. Ii 357 180,— !>i>pothileii-Konto 1.. 192 957,73 vypotl!rten>Konto 2.. 200000,— Hypotheken-Konto 3.. 101 000,— v ypotbekcn-Konto 4.. 318 000,— �npoldeken-Komo 5.. 378 660128 vnpothefert-ftonto 6.. 646 000,— thypoldeken-Konto 8.. 490 000,— i..ipotheken-Konto 9..1891 310,— ypolheken-Kontoll.. 776 000,— Zicstkausgtld Grundstück Charlottenburg... 498 000,— SiiidsteUuitoS» Konto Temp-lhos..... 17 725/- CiubeHnltene Bar« kautionen-Konto., 11 675,— .iaalbau-Konto.,, 12 414,80 5.ieditoren>Konto.., 19 834,— Steingewinn..... 15 955,72 Sa, 7 443 283, 2B Gewinnverteilung. O'/iVroj. Dividende aus GeschastSguthaben am 31 Dezember 1906. 11 218,75 M. Dem ReservesondS gut. geschrieben.... 4736,97, Sa. 15 955,7218? Mitgliederzahl. Htm 1. Januar 1907... 4076 C ingetreten Im Jahre 1907. 885 4901 Am 81. Dezember 1907 schieben au« infolge AuSschlub, Tod und AusMndigung.... 831 Bestand an Mitgliedern am t. Januar 1908..... 4630 Die Hastsumme sämtlicher Mitglieder betrug am Schlüsse de» GeschäslS« jahrcs 1906.... 1 245 900 M iic Hai sich vermehrt um 167 100, Gesamt« Hastsumme am Schlüsse de« Geschäfts. Lahres 1907.... 141S000N. Der Borstand. I» Sobmldl Cratl SoMher. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48.(49. Kachmittags 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Abends 8 Uhr: Kairo und die Pyramiden. Letzte Woche! 8 Uhr: Das' unerreichte Progr. mit leset»edl, Berta Geerts, Pinn Montjoie, 9'/. Uhr: '-M Der kleine Ghevalier'ME Chevelier Faubla«: Mia Gerber a.G. Freitag, den 1. Mai 1908: Die süßen Grisetten. Operette von H. Reinhard. II eingetragene Genossenschaft mit be- schränkter Haftpflicht. Nilanz am ZI. Dezember 1907. W5I7] Aktiva. Marl Grund- u. Soden-Konto 1 57 787,50 Bau-Konto 1.... 157 000,— Grund u. Boden-Konto 2 56 292,50 Bau-Konto 2.... 157 000,— Grund- u, Boden-Konto 3 82 835,— Bau-Konto 8.... 90 000,— Grund, u. Boden-Konto 4 94 850,— Bau-Konto 4.... 269 000,— Grund, u. Boden-Konto 6 94 1 90,— Bau-Konto 5.... 290 000,— Grund- u. Boden-Konto 0 178 600,- Bau-Konto 6.... 560 000,— Grund- u. Boden-Konto 7 200 000,— Bau-Konto 1.... 249 332.99 Grund- u. Boden-Konto 8 167 973,70 Bau-Konto 8.... 589 881,88 0!rund« u.Boden-Konto 9 359 600,— tiau-Konto 9.... 1 140 000,— Bau-Konto 10.... 512 726,19 Grund- u Boden-Kontoll 189 261,— Bau-Konto 11.... 693 657,89 Bau-Konto 12..., 97913,07 Grundstücks> Erwerbs» Konto Thariottenburg 1069 720,17 Gebr. Herrnfeld- Theater. Ansang 8 Uhr. Vorverl. 11— 2 Uhr. letzte Vorstellung dieser Saison. Die letzte Ehre! Endlich allein! Fall Blumentopf. Alle drei Stücke mit den Autoren Anton und Donat Herrnseld in den Hauptrollen. palsst-sdesler * Bnrgstr. 31. 2 Min. o. Bhs. Börse. Niirlktztt Norstclliiiig Der erstklassige Apnl-Gpielite Anf. 9 Chr. Entree 60 Pt. Donnerstag, den 30. April 1908: Schluß der Saison. Die ausgegebenen Vorzugskarten verlieren mit d. Tage ihre Gültiglett. ftismfF« K ifariefe Thealer Weinbergsweg is/ZO, RosenthalerTor. Abends 8 Nhr. VZL gllllZö ApfilpsogfgM. Her gelielmiiiZfolle VMIiM? Oallns. Verl in« beltebteste Soubrette. Eine 8sene vordem AfTen- hause im Koolog. Garten, Pantomime der Sennel- Companle und die übrigen glhnnenden VarlStShrakle. Tunnel: Konzerte. Theaterbesucher freier Eintritt. deutsche Konzerthallen An der Spandaaer Brücke 3. • T2 glich■ Große Massen-Konzerte SpkMlitiitek-Norjltllimg. Partei- Sped itione«: Zentrnm 1: Fritz Finte, Mauerstr. 89. Zentrum II: Albert Höhnisch. Auguststr. 50, Tingang Iaachimftrahe. 3. Wahlkreis, Westen: Gustav Schmidt, Kirchbachstr. t4, Hoch« parterre. , Süden und Südwesten: Hermann veraer Gneisenaustr. 72, Laden. 3. Wahlkreis: St. Frttz, Prinzen str. 31, Hos recht» pari. 4. Wahlkreis t Ott e n: Robert W e n g e i S, RüderSdorserstr. S, am Küstrinerptatz.— Wilhelm Mann, Petersburgerplatz 4(Laden). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Lausttzerplatz U/16 (Laden). 5. Wahlkreis: Lea Focht. JmmanuelNrchstr. 12(Hof). O. Wahlkreis(Boabit und Uansavlertel): Karl dBblCd, Salzwedelerftr. 8, im Laden. Wedding: Karl Weltze, Rrrzarethllrchstrah« 49. Bosenthaler und«ranlea'hnrger Vorstadt: Hermann R» s ch t e, Ackerstr, 86, Tingang Anllamerstrahe, Gesa ndbrnnnen: F. Trapp, Stettiiierstr. 10. Gehffnhanser Vorstadt: Karl Mar», Lychenerstr. 128. Alt-Glienicke: Wilhelm Dürre, bludowerstr. 83 ll. Vhai-Iottenhnrg: Gustav Scharnb erg, Sesenheimerstrabe 1, Eck« Goelheslrasje. Laden, WllmerAdorr-Balensee: Tille, SIgmarwgenstr. 5. dchtenherg, Erledrlchsfelde, WUhelrnsherg: Otto S e l k e l, ikronprlnzenstratze 50, I. Bnmrnelshnrg, Boxhagen: U. R o s e Ii Ira nk Alt.BoxHagea 56. Grünau: Franz Klein, Bahnhosstr. 6 III. Bohnsdorf und Palkenherg: G. Ps eiser, Bohnsdorf, Ge- Danksagung. Für bis vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManneS 1753b Beinried Riechert sage allen Berwandten, Freunden und Bekannten sowie dem»3. Bezirk für die liebevolle Kranzspende unseren innigsten Dank. Witwe Blechert nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise der Liebe und Teilnahme am Grabe meine» inniggeliebten Manne«, unsere» treu- sorgenden Pater«, be« Putzer» Hertniuin Sucrow sag« ich allen Verwandten, Freunden und Btkannten für die herrlichen Kranzspenden unseren tiefsten Dank. Besonder« danke ich dem Verband und den lieben Kollegen für da« zahl« reiche Erscheinen sowie dem Gesang- verein der Sektion der Putzer Berlins für den Gesang am Grabe de» Eni- schlasenen. l743b Die tiestrauernbe Witwe nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herj Teilnahme und die reichen er ranz- meine« spenden bei der Beerdigung lieben Manne« Barl Gtict» sage ich allen Freunden und Bekannten meinen herzlichen Dank. Witwe Stlrts. Danksagung. Allen Verwandten, Freunden, Be- kannten und Kollegen, sowie den Mitgliedern de« Fentral-Kranken- Unterstützung«- und BegräbntSveretn« der Schmiede Deutschland«, Berlin III, welche metner lieben Frau da« letzte Geleite gaben, sage Ich hiermit meinen herzlichsten Dank. L882L Paul Schneider nebst Kindern. nossenschaslshau«. Indorf: M. Heinrich, Reckarstraße 2, Im Laden. Gustav K a m l n s k h, Sunostraße 2. : Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, k» Laben. Oertraudten-Straße 25-26-27 bei der Petri-Kirche SpezlaUOeschäft für moderne Herren» und Knaben«BekIeidung. Rlxdorf tlchmargendorf Schiineberg: Wil Tempelhor: M. Müller, Berlinerstr. 41/42. Ober-SchUneweide: Julius A r u n o w, Edisonstr. 10, l. bleder-ibcbünewclde: BonakowSkh, Hasselwerderftr. 3. dobannlstbal: Pielicke, Kaiser-Wilhelm-Platz 4. Adlcrshof: Erich Steuer, Hackeiibergstr. 5, ll. Bvnlgs-W asterhansen: Friedrich Baumaaa» Luckmwalder- ftraiie 4b. It«pe»lch: Friedrich W otck, Kietzerstr. 6, Laden. Erledenan-lbtegllts-Südeade: H. Bernsee, Schlohstr. 119, Hos I, in Sieglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Stegtitz: H. Mohr, Düppelstr. 32, und Fr. S ch e l I h a s e, Ahornstr. Ida Barlendorf: Hermann R et ch o r d t, Chousseestr. 27. Banmschnlenw eg: Stock, Ernststr. 2, II. Vreptow: Rod. Grameng, Kiesholzslratze 412, Laden. Neu- Welßensee: Kurtguhrmonn, Sedanstr. 105, parterre. Uelnlckendorf- Ost, Wilhelmsruh und SchUnholz: P. G» r I ch, Provlutzstrasj« 92(Eingang Grünerweg). Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waidmannslnst, llermsdorf und Uelnlckendorf• West: Paul Kienast, Borsigwalde, Räuschstratz« 10. Pankow-Xlcderscliünliansen: G. F r ei w a l d t, Mühlenstr. 73. Iternao-USntgental i Heinrich Bro se, Hohesteuiftr. 74, Part. Elchwalde, Zeuthen, Wiersdorf und llaiikels Ablage: M tl s ch t«. Eichwolde, Bismarckftr. l9. Teltow: Wilhelm Kegler, Hohersteinweg 7. K ownwes: Wilhelm I«P P e, Piiesterstr. 46. Mpandan: Kippen, Jagowstr. 9. Bablsdorf und Kanlsdorf: Scheibe, Mahlsbors, Bahnhosstr. 1 Sämtliche Parteiliteratur iowie alle wtssenschaslllchen Werte werden geliefert Annahme von Inseraten str den„Uormärts". Bitte aassehnelden, 246/1« Passage-Panoptikum. Zum ersten Male In Borllnt Die lange Dora Das grSOte Riesenkind Gesamtlänge 2 Meter 19. :: Kunsttaucher:: �nieSem1 klesöllbassln. NeapolitanischeBrfganten-Kapello. Alles ohne Extra-Entree! �EWtrillBOPrjnntfer�Sol� KasinosTheater. Lothringer Elratze 37. Täglich g Uhr: Ein Dors-Nomau. Vorher das glänzende April-Programm. Sonntag, den 3. Mal, nachm. 4 Uhr: Biederleute. Tansaondi KoHbuser ■l Strafie 0. DIretllon: Wilhelm Reimer. Donnerstag, Sonntag und Montag: ltoffmsuns imd Danzkränzchen. llocblnteress. Programm. Aktuelle Schlager l Beg. Sonnt. 5, wochent.g U. Zum �rützilltir: «S3D« Sacco-Anzöge M. 8er. z 24 M. 8er. 4 27 M. 8er. 5 32 M. Unsere Anzüge in genannten Serien sind äußerst preiswert mit Bezug auf Qualität und Ausführung. Jeder Kauf ist eine Empfehlung für uns. Hohe Leistungsfähigkeit durch eigene Erzeugung unserer Fabrikate. Straßenbahnlinieo: 38. 47. 48, 88, 59, 62, 64 bis 72. 74, 78. 79. 80.(6. 9. 83. 84. 87. 88. 91, 92). Unserm lieben Adolf HUbenthal zu(einem 68. Geburtstage ein dretsacheS Hoch I Die Genolsen de» MS-BezirkS, Schöneberg. Todesanzeige. Am Sonntagabend 5tz, Uhr entschlief nach kurzem Kraalen» tager mein lieber Man» und guter Vater, der Tischler Dus�av Hahn tm 48. Lebensjahre. 17465 Die» zeigen tiesbetrübt an ninna Hahn und Sohn. Die Beerdigung findet am Freitag, den t. Mai, nachmittag« 4 Uhr, von der Leichenhalle de» neuen Jakobikirchhose» in der Hermannstratze, Rixdors, au» statt. ttixdorf. Todes* Anzeige. daß untzr Mitglied, der Zigarrm» Händler LllSl»?»Ado (20. vezlry Plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Aadrnken 1 Die Beerdigung findet am Freltagnachmlttag um 4 Uhr von\ der Leichenhalle de» neuen Jalobt» I tuchhoscS, Hermannstraße, aus[ Um regt Beteiligung ersucht De» vorftaud. DOUtSCllSf Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen und Kolleginnen zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Metallarbeiterin Marie Rosenthal gestorben ist. Ehr« ihrem«ndenken l Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 29. April, vor. miitag« 10 Uhr, von der Leichen« halle deS Weißenseer Gemeinde. Friedhofs in Weißensee, Rötte. straße, auS statt. Rege Beteiligung erwartet Den Kollegen und Kollegli zur Nachricht, daß uns« Mm Ott Metallarbeitertn Agnes Thiele gestorben Ist. Ehre ihrem Andenke» I Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. April, nach. mittag» 3>/, Uhr, von der Leichen- balle de« LazaruS-Kirchhofes In WtlhelmSberg au« statt. Rege BeteuigunG erwartet Deutscher Transportarbeiter-Verband. Hlermil diene den Mitgliedern zur ltachricht, daß unser treues Mitatied, der Lagerarbeit« d« A. E. G. Ut\ Brückner am 25. d. M. tm Alter von 40 Jahren an Lungenschwindsucht gestorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 29. d. M., nach- mittag» 4 Uhr, von der Leichen- halle de» Elisabeth» Kirchhose», Prinzen-Allee, au« statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet «8/15 vi» Vorwaltung II. X gute termtt die traurige Nachricht, mein« liebe Frau, unsere Mutter und Tochter Helene Holde g�f«..!.. im 38. Lebensjahre am 27. April nach schwerer Krankheit ver- storoen ist. 1764b Um stille Teilnahme bittet tm Namen der Hinterbliebenen Paul Bothe. Beerdigung am t. Mah nn mittag« 4 Uhr. von der de« ThomaS-Ktrchhose». J Verein RirFraueo oniMMen der Arbeiterklasse ZU Weißensees Den Genossinnen zur Nachricht. daß unsere Genosstn Frau ICailf »erstorben ist. 65/13 Ehre ihre« Andenken 1 Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 80. April, nai mittag« 4 Uhr, vom Irauerl, Straßburgstraße 44 aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Her Vorstand. Kotzarbeiter! Nach dem Beschluß der Vertrauensmänner-Versammluug soll die Maifeier durch Arbeitsruhe begange« werden. Die lAsi�sr'ssmmiung findet statt vormittags 10 Uhr, in der Hasenheiöe 108/114. Referent: Genosse KoblenZGPa Die Mitglieder der einzelnen Branchen treffen sich um 8 Uhr vormittags in folgenden Lokalen: Bürstenmaeker bei Preuß, Holzmarktstraße 65. Bodenleger im„Gewerkschaftshause", Engel-Ufer 14/15. BiusetDvr im„Gewerkschaftshause", Engel-Ufer 14/15. dalousieurbeiter bei Mühle, Mariannenstraße 41. B.smmuel»er bei Walter, Adalbertstraße 62. KIstvninucker bei Baudach. Breslauer Straße 28. Biavterardelter im„Märkischen Hof", Admiralstraße 18 c. Korbmacher bei Krause, Muskauer Straße 20. Modelltischler bei Woike, Gartenstraße 90. Perlmuttarbeiter bei Thomas, Melchiorstraße 5. Rahmenmacher bei Stramm, Ritterstraße 123. Stellmacher, Rosenthaler Straße 57. Stoclcarbeiter bei Lehmann. Neue Friedrichstraße l. Vergolder bei Merkowski, Andreasstraße 26. Moabit, bei Hube, Moabiter Brücke. Die'Tischler, Polierer, Maschinenarbeiter u. Drechsler treffen sich in den Lokalen, in denen sie ihre Werkstattsitzungen abhalten und gehen von dort nach der„Neuen Welt". Die Holzarbeiter der östtichen Vororte treffen sich vormittags 8 Uhr bei Wildner in Friedrichsberg, Friedrich-Karlstraße Hb. Jeder feiernde Kollege erhält zur Kontrolle eine Maimarke in der„Neuen Welt". �edtunx! Arbeitslose! Berlin. Mittwoch, den 29. und Donnerstag, den 39. April, abends S'/z Uhr, finden in untenstehenden Lokalen ZxWw- md StMKchmlWk» Msmwvs'«.«. Tages-Ordnung in allen Versammlungen: Abstimmung über den Vertragsentwurf. Die Arbeitslosen brauchen am 1. Mai den Arbeitsnachweis nicht zu besuchen und die Arbeitslosenkarte nicht stempeln zu lassen.* 83/14« Das Verbandsbureau bleibt am I. Mai den ganzen Tag geschloffen. _ Die Ortgverwaitnng. Zentral-Yerband der Maurer SSwelffrereln Berlin. Sektion der Fliesenleger. Achtung! WEZENiEgLV. � Achtung! Mittwoch,»g. April, abends 8>/, Uhr, bei Meyrr, vrantenftr. 10» i Ktlsnmmivug der Sektion der Flirsevleger Kerlins. TageS-Ordnunj 1. Maileier. 2. BerschmelzungSsrage. 3. ierlchiebene». Spar* Das Erscheinen aller ist dringend notwendig, auch die«m» der Kreien Vereinigung übertretenden Kollegen. 137/12« Her 8eIttlon»vor»tnnd. I A.! N Aalöbeim. Hvklung l 1 1 Verband der Steinsetzer, Pflasterer und Berufsgenossen Deutschlands. Filiale t GroB-Berlln. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daft unsere Nal-VersaminluDg der Sektionen 1, 2 o. 8 am 1 Mai vormittags 10 Uhr in den? phartis-SSlen, Müllerstr. 142, stattfindet und»te Bücher dort abgestempelt werden. 175/12 Die Ortsverwaltung der Steinsetzer. Pflasterer o, Bernfsg. Dentschl. Filiale GroQ-Berlln. K A.- HaaUohild. •p� k Dampfer an Gesellschaften ♦» /l, SA r> Vereine vermietel billigst DampsschissahrtSbefitzer mBseSatK' Robert Kieck, Berlin, Falckensteinstr, 48. Telephon, Amt 4. Nr. S1S7. 2S81L« Orts-Krankenkasse Weitzensee. Bekanntmachung. General-Versammlang der Vertreter am Freitag, den 15. Mai 1903, abends 8 Uhr, 1« Restaurant.Zum Prälaten« hier, Lehder Straße Nr. 1LS. Tages-Ordnung: 1. Rechnungslegung für das Rech, nungsjayr 1S07 durch den Vorstand. 2. Bericht der RechnungSprüfungs- kommission und Dechargeerleilung sür den Vorstand u. den Rendanten. 3. Ergänzungswahl zum Vorstand sein Arbeitgeber). 4. Bericht der StatutenberawngS kommission und Beschluhsassung über vorzunehmeube Aenderungen. S. Verschiedenes. Bemerkung, Event!. Beschwerden gegen den Vorstand usw. werden in der Generalversammlung nur beant- wortet, wenn diese mindestens drei Tage vor der Generalversammlung im Kassenlokal schristlich abgegeben Werden. 274/2 Zum Eintritt berechtigt find nur die mit Einladungskarten versehenen Vertreter. Weißens«, den 24. April 1908. Der Vorstand der OrtS» Kranke« kasse für den Gemeindebezirt Weistensee. g. A., Fuhrmann, Vorsitzend«. Am I. Mal bleibt mein Geschäft geschlossen. 8r- beitS-Anzüge.« Wilhelm Fahr, Brunnen(träfet 116. Zweigverein Berlin und Umgegend. Wir machen hierdurch unseren Mitgliedern bekannt, daß ebenso wie in den früheren Jahren am 1. Mai die Maimarken in samt- lichen Bezirkslokalen in der Zeit von 7—9 Uhr vormittags zur Aus- gäbe gelangen. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in der an- gegebenen Zeit in das ihm am nächsten liegende Verkehrslokal zu gehen und sich durch Vorlegen seines Mitgliedsbuches eine Mai- marke abzuholen. Ohne Mitgliedsbuch keine Marke. Am 1. Mai bleibt das Bureau den ganzen Tag geschlossen. jp/g*_ Der Zweigvereinsvorstand Mittwoch, den Ä9. April, abends S'/, Uhr: SÜtien. Märkischer Hof, Admiralstr. ISo. SfidsOsten. Bei Hollbach, Naunhnstr. s. Osten l. Bei Walter, AndreaSstr. 21. Osten II, Prachtsäle deS Oftens» Frankfurter Allee 151. NordsOsten. Bei Brode, Reue Könlgstr. 7. Moabit. Artushof, Perleberg« Strafet. O r b g. Vors t ad t, Borufsta-Täle, Ackerstr. 6-7. Weißensee. Bei Rohkopf, Konlg-Thauss«. Feinichendorl. Bei Kurbel, Hauptstr. 61. �ehiendorl. Bei Mtckley, Potsdam« Str. 25. Tegel, Bei Kinzler, Schlieperstr. 64. Ober-Schöne�eide. Bei Dellman», Wilhelminenhos-str. 79. W i I IN ersdorl, Sei ftöfeler, ßauenburg«®ft. 21. Johannisthal. Bei Gobien, Roonstr. 2. Or.-I�iehterkelde. KaiscrHof, Kranoldplatz 1. �dlershok. Bei Kaul. Bismarckftr. 16. �It-GHeniehe. Bei Saft. Grünau« Str. 29. Köpenick. Kaiseehof, Grllnstrafee. Donnerstag, den 30. April» abends Sl/z Uhr: Westen. Köuigshof, Bülowstr. 37. ehaidottenbnrg. Bolköhaus, Rofinmstr. d Nixdori. Bei Thiel. B«gstr. 161.' Schöneberg. Neue RatyauSsäle.srüH« Obst» Meininger Str. 3. Friedenau. Bei Schönfeld. Rhetnstr. 81. Wedding, Kolbergrr Salon. Kolberg» Str. 2dl I�ankwitT. Bei Breuert. Martenseld« Str. 17a. Norden I und II. Bei Oblglo, Schwedt« Strafet 23/24. StegiitT. Bei Schellhase, Ahornstr. 15a. Tempelhof. Bei Müller, Bttlln« Str. 41. Fanko�V. Bei Giemen. Woll-nkstr. 122. Süd-Westen. Bit Habel, s-rgm-mnstr. S— 7. Friedrichsberg. Bei Piekeuhage», Schar«. weberttr. 60. Friedrichsfelde. Bei Sommerfeld» Walderseestr. 26. Mahlsdorf. Bei Tchliewe» Hönow« Str. 6. Mariendorf, Bei Rrtchardt, Chaufseestr. 27. Marienf ef de. Bei Jartschewski. Kiepertplatzl 7. Bei der Wichtigkeit der Frage für jeden einzelnen Kollegen ist es Pflicht aller zu erscheinen! 137/13_ Dir Verbandsleitnng. Trianon-Tbeaier. Gastspiel Charlotte Wiehh. Sein« erste Frau. Die Hand(l»a main). _ Ansang 8 Uhr._ Gustav Behrens- Theater. Berlin W., Goltzstr. 9. Das phänomenale AprQ-Propnim! Mife Belverhe mit ihren dressierten Vsnsn. oxiliO in 8selin.— Ein lustig. Witwer. Possen mit Gesang. Aufe«d«.i DuSkes Bitograph und LO Spezialitäten. Ansang 8 Uhr Sonntags 6 Uhr. Moritz-plalr». imlheatersaal TagllCrlj« Ulbert Böhtnei Das brillante April-Programm. U. a.: Lina Golü. Artur Woiff. M. Bendix, Alexander Bros, l Noranas SisterS. Anfang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. llnlree 50 Pf. Sonnt, reserv. 1 M. 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Socyalistdw PolsMch Berlina i okolicy nach Treptow,„Kesler-SchlBBchen", Köpenick« vandstr. 27, Poczatck o godz. 2 popotadnln. Komisya agltacyjna. P. S. Die deutschen Genossen werden«sucht uut» den polnischen Kollegen hierfür zu agitteren._ 286/19_ D. D. Mehrm Ifliifcnii Kranen konnten durch Ueberfüllung der Lokale, welche amtlich gesperrt werden mußten, Fn. Minna Kubes Vorträge nicht hören und nehmen wir dadurch Veranlassung, auf Grund unendlich vieler Wünsche Noch__ 272/14 AM- Sechs"IM Siehibilder-Vorträge mit demselben Thema folgen zu lassen. Donnerstag, 30. April, abends 8� Uhr, „Brauerei Friedrichshain", IW. Am Friedrichshain 16—23. Freitag, 1. Mai, abends S1� Uhr, „Prachtsäle des Westens", W. Spichernstr. 3. Sonnabend, Ä. Mai, abends 8� Uhr, „Neue Welt", 8. Hasenheide 103-114. Montag, 4. Mai, abends 8� Uhr, „Kellers Festsäle", O. Koppenstt. 29. Dienstag, 3. Mai, abends 8� Uhr, „Unions-Brauerei", S. Hasenheide 22-31. Mittwoch, 6. Mai, abends 8'jz Uhr, „Vockbrauerei", SW. Fidicinstr. 2-8. Nur für Frauen und Mädchen über IS Jahre. Fintritt 50 Pf. Reserv. Platz 1 M. Sund zur Aufklärung von Deutschlands Frauen und Mädchen. �Zeräntwortlicher Redakteur: Gmg Davidsohn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke» Berlin. Druck u, verlas: vorwärts Buchdrucker« u. Bcrlaasangalt Paul Smaci& So- Berlis SW. Nr. 100. 25. Jahrgang. 3. KeilU iw Jüiiirts" Inlinet plbMiilt. Mittwoch. 29. April 1908. Zur Candtagswal)!! In dem aus drei Landtagswahlkreisen besiehenden Keichstagswahlkreise Teltow- Bceskow- Storkow- Charlotteuburg liegen die U r w ä h l e r l i st c n zu verschiedenen Zeiten aus. In S ch ö n e b e r g und Wilmersdorf ist bis zum heutigen Tage noch nicht bekannt gegeben, wann die Listen zur Auslegung gelangen. In Charlotteuburg erfolgt die Auslegung der Wählerlisten vom 10. bis 12. Mai. In Rixdorf liegen die Listen aus: am Sonnabend, den 2. Mai, von 8 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends, am Sonn tag, den 3. Mai, von 12 Uhr mittags bis 6 Uhr abends und am Montag, den 4. Mai, von 8 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends. Die Listen liegen an fünf Stellen, nach den UrWahl bezirken geordnet, aus und zwar: Für die UrWahlbezirke 1—31 nnisasiend: Mahdachuscr l— 13, Schmkestraße, Kottbuser Damm von 73 bis 103, Hobrcchtstr. 24—62, Maybachuser 14—22, üSaubcrfttofje, Pflügerstraße von 1—12 und 67—82, Friedclslr. 18—22, Lenauslraße, Friedelstr. 23—46, Reuterplatz, Reuterftr. 27— 46, Friedelstr. 8—17 und 47—56, Reuterstr. 47 bis 56, Welerftr. 209—217, Hermannplatz, Hobrcchtstr. 11—23 und 63—74, Kottbuser Damm 62—72, Weser Sti. 1—9, Friedelstr. 1—7 und 56—61, Kaiser- Friedrich-Str. 240—241, Reuterstr. 18—26 und 57— 65, Hobrcchtstr. 1—10 und 75—84, Kaiser.Friedrich-Straße von 1—8 und 242—248, Kaiser-Friedrich- Straße 7—12, Reuterstr. 66—77, Kaiser-Friedrich-Str. 13—15 und 236—239, Pannicrstr. 1— 9a und 61—64, Pannierstr. 55—60, Wescrstr. 10—16 und 201—208, Pannierstr. 10—20 und 45—54, Liberdastraße, Manitiusstraße, Maybachuser 23—45, Nansenstraße, Pflügcrstr. 13—25 und 52—66, Lohmiihlen- platz, Lohmüblcnslr. 24—36, Rtaybachufer 46—66, Pannierstr. 21— 44, Pflüger- straße 26—51, Wiesenuser, Fuldastr. 19—44, Harzer Straße 1—13, Köllnisches User 66-74. Rüllislraße. Wcichselplatz, Weichselstr. 18-53, Jansastraße, Tell. straße. Weserstraße 17-31 und 189-200, Fuldastraße 11-18 und 45-52, Weichselstraße 11-17 und 54-60, Weserstraße 32-41 und 181—188, Kaiser. Friedrich-Straße 16—28 und 222—235, Weichselstr. 5—10 und 61—65 in der Turnhalle des Schulhauses Weser st raße 12—13. Für die UrWahlbezirke 33—43. umsassend: Fuldastr. 1— 10 und 53— 61, Kaiscr-Friedrich-Str. 2S— 37 und 213—221, Donaustr. 1—23 und 111—131. Weichselstr. 1-4 und 66-69, Donaustr. 24—34 und 99—110, Kaiser-Friedrich-SIr. 38— 14, Schönstedt- slraßc, Kaiser-Friedrich-Str. 45-55 und 195-212. Elbestr. 1—8 und 33-39, Itaubestraßc, Wcserstr. 51—58 und 164—171, Wildcnbruchstr. 1—16 und 57—64, Elbestr 9—82, Wciganduscr 1—9, Weserstr 42—50 und 172—180, Bouchöstraße, Finowstraße, Harzer str. 14—25 und 96—99, Jnnstr. 1—16 »nd 31—34, KöllnijcheS User"50— 65, Schandancr Straß«, Weigaiid-User 10 bis 16, Weserstr. 59—70 und 153—163, Wiidenbruchplatz, Wildenbruch- siraße 17—56, Erkstraße, Straße 13tlicher Einiigung davor bewahrt werden würde, das Interesse der Staatsanwaltschaft zu wecken und von ihr auf die Anklagebank gebracht zu werden. B. regt sich nicht groß darüber auf, daß ihm gegen einen Studenten weniger Schutz gewährt wird als einem �Arbeitswilligen" gegen einen Streikposten. Er selber wird nicht Klage erheben, er will nicht noch Geld hinterherwerfen, das er mit seiner Hände Arbeit sauer genug verdienen muß. Am Ende war'S auch wirklich nicht nötig, wegen dieser„betrunkenen Geschichte" Staatsanwaltschaft und Ge- richt in Bewegung setzen zu wollen. Die Interesselosigkeit der Staatsanwaltschaft dürfte aber an anderer Stelle doch einigen Verdruß erregen. B. hatte nämlich erst auf Zureden von Polizisten sich dazu ent- schlössen, Strafantrag zu stellen. Schon der Schutzmann, dem der Student Kremp auf der Straße übergeben wurde, erklärte in- grimmig, nun habe er ihn endlich, auch andere Passanten sowie der Nachtwächter und er selber seien schon von diesem Menschen be- lästigt worden. Auf dem Polizeibureau wurde dann dem Belei- digten erzählt, die Schutzleute hätten in diesem Stadtteil viel von Studenten zu erdulden, und es wurde versucht, ihn „scharf zu machen" und ihn zur Stellung eines Strafantrages zu animieren- Dieser Eifer gibt zu denken. B. hatte„eine schwache Stunde" und ging darauf ein. Hinterher wurde ihm allerdings auf dem Kriminalbureau in Aussicht gestellt, daß seine Anzeige nichts nützen werde. Und so ist es denn auch gekommen: gegen- über dem angetrunkenen Studenten konnte der beleidigte Schnei- dergeselle kein Gegenstand öffentlichen Interesses sein. Wirkungen de? Schauerromans. Mit Gas vergiftet hat sich in der vergangenen Nacht die 17 Jahre alte Plätterin Fanny Schneider, die erst vor kurzem aus Wilhelmshaven gekommen war und bei einem Plättereiinhaber in der Bevernstraße 7 Stellung genommen hatte. In den letzten Tagen hatte das junge Mädchen fortwährend in Schauerromanen gelesen und dies scheint recht nach- teilig auf es eingewirkt zu haben. Einer Bekannten gegenüber äußerte die Sch., sie werde auch noch einmal einen solchen Tod finden, wie er in den Romanen so„schön" beschrieben werde. Gestern morgen fand man die Unglückliche tot in ihrem Bett auf. Das Zimmer war vollständig mit Gas angefüllt. Der Gashahn stand offen. In der Rechten hielt die Lebensmüde krampfhaft einen Schauerroman fest. Die Leiche ist nach dem SckauhauS gebracht worden._ Polizeibelohnung für„Arbeit" am 12. und 20. Januar. Am 12. und 20. Januar anläßlich der Wahlrechtsdemonstration und am Tage der Arbeitslosenversammlungen hat die Polizei„gut gearbeitet". DaS ist ihr von ihrer vorgesetzten Behörde attestiert worden, womit diese sich allerdings nur ein Selbstlob zollte, weil ihr für die Taten der unteren Polizeiorgane die Verantwortung zufiel. Die gerichtlichen Verhandlungen haben weiteren Kreisen offenbart, wie die Polizei an den betreffenden Tagen ge— arbeitet hat. insbesondere ist dargetan worden, daß auf fliehende wehrlose Menschen in der unbarmherzigsten Weise eingehauen worden ist. In welcher Stimmung sich an diesen Tagen die Polizei befand, das wird selbst von der„Berliner Beamten-Zeitung" nicht ganz ver- leugnet, denn sie schreibt in einem Artikel:»Polizei und Demonstranten" u. a.: „Stehen sich aber Ruhestörer und Polizei wie feindliche Heer- lager gegenüber, so wird sich unweigerlich auch eine gewisse Ner- vosität einstellen, die leicht zu Uebereifer verführt, ohne daß man jedoch daraus einen Vorwurf für die Polizei herleiten könnte, da es absurd ist, darüber Klage zu führen, daß es aus dein Walde herausschallt, wie man hineinrief. Dazu darf doch auch nicht ver- gessen werden, daß der Polizeidienst an den einzelnen Beamten die denkbar größten Anforderungen stellt, und bei anßergelvöhn- lichen Anlässen ein Zustand nervöser Reizbarkeit infolge Ueber- anstrengung leicht eintreten kann." Dieser Zustand nervöser Reizbarkeit, von dem hier die Rede ist. ist denn auch am 12. Januar recht drastisch zum Ausbruch ge- kommen. Auch etwas anderes erzählt uns die„Beamten-Zeitung" Hören wir sie selbst: „Als seinerzeit der Umzug der Arbeitslosen und die Wahl- rechtsdemonstrationen stattfanden und Neberstunden geleistet werden mnßlen, hatte die Behörde in Anerkennung der sipwierigen Verhältnisse ein Einsehen und stellte den Exekuttvbeamten der Ber- liner Polizei für fniif Tage eine Zulage von je 2,50 M. in Aus- ficht. Bisher ist dieses Versprechen aber nicht eingelöst worden. Daß dies in Schutzmanns kreisen sehr verbittert, ist llar und wird uns durch mehrere Zuschriften bewiesen." Demnach scheint die Erbitterung unter der Berliner Schutz- Mannschaft eine doppelte zu sein; einmal aus dem Grunde, daß man sie so überanstrengte und dann, daß die Bezahlung für die geleisteten Ueberstunden noch nicht erfolgt ist. Wir wollen nur hoffen, daß die Schutzleute ihre Erbitterung nicht am Publikum auslassen möchten, sondern sie gegen diejenigen Stellen richten, die ihnen diese gänzlich überflüssige Mehrarbeit auf- halsten und nicht bezahlten._ Die Kindesleiche im Hausflur. In der letzten Zeit vergeht kein Tag, ohne daß in Berlin die Leiche eines neugeborenen Kindes ge- funden würde. Hin und wieder werden an einem Tage auch meh- rere Kindesleichen entdeckt. Gestern fand man in dem Flur des Hauses Müllerstr. 38 einen toten Knaben. Er war in blaues Pack- papier eingehüllt und ohne jegliche Kleidung. Ueber beide Beine gefahren wurde gestern nachmittag der Rad« fahrer Meinhold von einem Lastwagen vor der Hauptwache der Feuerwehr in der Liudenstraße. Erheblich verletzt wurde M. nach der Universitätsklinik in der Ziegelstraße gebracht. Zwei größere Brände riefen die Berliner Feuerwehr gestern früh nach der A n d r e a s st r. 32 und der Kaiser-Friedrich- st ratze 4 in Pankow. An der ersten Stelle stand ein Papp- lager im Dachgeschoß des Hauses in Flammen, auch Teile der Dachkonstrukiion hatten bereits Feuer gefangen. Um die Gefahr zu beseitigen, mußte Brandmeister Berg längere Zeit mit zwei Schlauchleitungen Wasser geben lassen. Kaum war dieser Brand gelöscht, als Alarm aus Pankow einlief. In der Kaiser-Friedrich- straße 4 brannte der Dachstnhl des Hauses in großer Ausdehnung. Brandmeister Sandberg eilte der Ortswehr mit einem Löschzuge zu Hülfe. Mit vier Dampfspritzenrohren wurde dann gegen das Feuer vorgegangen, wodurch es gelang, die Flammen innerhalb einer Stunde zu ersticken. Ob in diesem Falle auch Brandstiftung vorliegt, konnte nicht festgestellt werden. Am Abend zuvor kam ein Dachstuhlbrand in der Novalisstr. 9 aus. Als die Feuerwehr dort ankam, stand der Dachstuhl schon in Flammen. Diese waren in den Bodenkammern wahrscheinlich durch Brandstiftung ausgekommen und hatten an dem Inhalt der» selben schnell Nahrung gefunden. Ein Fräulein Stellmascheck aus der Borsigstr. IIa, die in der Waschküche von dem Brand« überrascht worden war, rief laut um Hülfe. Es konnte sich nicht mehr in Sicherheit bringen, weil Flammen und Rauch den Rück- weg versperrten. Oberfeuermann Huth und Feuermann Trappe stiegen aus Hakenleitern von einer Etage zur anderen und holten das Fräulein, das schon bewußtlos war, über diesen nicht ungefähr- lichen Weg vom Dache aus herab. Der Brand konnte dann schnell gelöscht werden. Frl. Marie Stellmascheck wurde gelabt und dürfte mit dem ausgestandenen Schrecken davonkommen. Von dem Brand- stifter fehlt jede Spur._ Vorort- JVadmcbtcm TchSneberg. Stadtverordnetenversammlung.__ Bor Eintritt in die Tagesordnung teilte der Vorsteher mit, daß die Wahl des Oberbürgermeisters die Bestätigung gefunden hat. Darauf erfolgte die Einführung des zum Stadtrat gewählten Geheimen Regierungsrates Herder. Einer gemeinsamen Petition mit der Grunrwaldkommission Zehlendorf an das Herrenhaus um Erhaltung deS Grüne- Waldes wird zugestimmt und beschlossen, diese Petition auch au das Abgeordnetenhaus zu richten. Zur Beratung kommt sodann ein Dringlichkeitsantrag der sozialdemokratischen Fraktion: „Die Stadtverordnetenversammlung richtet das Ersuchen an den Magistrat, bei den bevorstehenden Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause die W a h l z e i t für die dritte Abteilung in die Zeit von 3 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends zu verlegen. und jedem Urwähler eine Legitimationskarte mit An- gäbe der Abteilung, des Bezirks und des Wahllokals, in welchem er zu wählen hat. zuzustellen." Nach einer kurzen Begründung des Antrag«? durch den Stadt- verordneten Wollermann(Soz.j wird noch von liberaler Seite darüber Beschwerde geführt, daß weder die Bezirkseinteilung öffentlich bekanntgegeben ist, noch der Termin zur Auslegung der Wählerlisten festgesetzt sei. Man verlangte vom Magistrat, daß diese Arbeiten möglichst beschleunigt werden, da alle Parteien' daran ein Interesse haben.— Der sozialdemokratische Antrag wurde darauf angenommen. Einem Ausschuß überwiesen wird ein Antrag, worin der Magistrat ersucht wird, in denjenigen Stadtteilen, wo die neue Kanalisation verlegt ist, die Anlage unterirdischer Be- dürfnisan st alten in Erwägung zu ziehen. Eine längere Auseinandersetzung brachte die Vorlage de? Magistrats, betr. Festsetzung der Gehaltsskala für geprüfte Ober- l e h r e r i n n e n. Stadtverordneter Dr. I a k o b y(lib. Verein.) verlangte Gleichstellung der Oberlehrerinnen mit den Oberlehrern. da die Aufwendungen an Zeit und Geld für die Erlangung d.er Anstellungssähtgleit und die geforderten Leistungen die gleichen stich. Bürgermeister Blankenstein tritt dem entgegen. Die niedrige Besoldung rechtfertig« sich dadurch, daß die Oberlehrerinnen nicht verheiratet sind, folglich auch nicht eine Familie zu versorgen hätten. Stadtverordneter Molke nbuhr(Soz.) tritt für die Gleichstellung des Gehalts der Lehrerinnen mit dem der Lehrer ein. Seiner Meinung nach sei das Gehalt eine Entschädigung für geleistete Dienste. Während sich. Stadtverordneter Moniae der Auffassung des Vorredners anschloß, treten die Stadtverordneten Watekamp und Bester(lib. FrakI) den Ausführungen deS Bürgermeisters bei. Ersterer meint sogar, daß die niedrigere Be- öldung der Lehrerinnen im Interesse der Lehrerinnen selbst liege. Denn, würden die Lehrerinnen dasselbe Gehalt wie die Lehrer er- halten, so würde man keine Lehrerinnen mehr anstellen. Stadtver- ordneter Molkenbuhr(Soz.) führte den Nachweis der völligen Haltlosigkeit dieser Ansicht. Eine so kurzsichtige Methode könne von der Stadt nicht eingeschlagen werden, keine Lehrerinnen anzustellen. wenn ihnen das gleiche Gehalt wie den Lehrern gegeben werden soll. Es hängt nicht davon ab. wie billig eine Lehrkraft«st. sondern was im Interesse der Schule notwendig ist. In einzelnen Fächer» Wr» von den Lehrerinnen mehr geleistet wie von den Lehrern. Nachdem noch Stadtverordneter Dr. Friedemann(lib. Frakt.) gegen die Gleichstellung einwandte, datz die Lehrerinnen längere Zeit krank sind wie die Lehrer, wird die Vorlage schließlich dem Etatsausschutz zur weiteren Beratung überwiesen. Demselben Ausschutz werden sodann eine Reihe von Nachbe- willigungen für Etatsüberschreitungen überwiesen. Das verrufene Armenhaus. Mit Händen und Fützen sträuben fich die Inselbewohner dagegen, datz ihnen die Atmosphäre durch die Errichtung eines Armenhauses in der Sedanstratze verdorben werden soll. Nicht genug, datz sie in einer Resolution ihrem Unwillen über den vom Magistrat gehegten Plan der Errichtung eines Armen« Hauses Ausdruck gegeben haben, bombardiert der die Protest- bewegung leitende Bezirksverein Schöncberg„Nordost" das„Schöne- berger Tageblatt" mit einer Zuschrift, die er bereits am Tage der Protestversämmlung an Magistrat und Stadtverordnete gesandt hat. Um zu beweisen, welcher Grad von„sozialem Empfinden" die Petenten beherrscht, sei die Eingabe hier wiedergegeben: »Grotze Besorgnis unter der Einwohnerschaft der sogenannten Insel ruft ein Gerücht hervor, wonach ein Haus in �der Sedan- stratze zur Verwendung als Armenhaus von der Stadtverwaltung angekauft werden soll. Diese Besorgnis, die mancherseitS sogar zur Entrüstung übergegangen ist. hat zu einer energischen Protest- Versammlung der Amoohner der Sedanstratze geführt. Notwendig- keit und Nutzen der Armenpflege stehen hier autzer Frage, allein die Stadtbevölkerung hat auch da« Recht zu beanspruchen, datz diese Pflege möglichst ohne Belästigung oder wenigstens direkten Nachieil für sie selbst betätigt wird. Ein solcher direkter Nachteil trifft aber die Inselbewohner zweifellos, wenn mitten in ihre beste Berkehrsstratze eine Institution gesetzt wird, die bekannt- lich nicht den besten Elementen zugute kommt. Eine Verlegung des Annenhauses in die Sedanstratze wird aller Vorausficht nach eine grotze Wohnungsflucht hervorrufen und dadurch direkt Ge- schäftsleute und Hausbesitzer schädigen. Die Insel ist stets etwas stiefmütterlich behandelt worden und steht in mancher Beziehung, z. B. was Verkehrsfragen anbelangt, iminer noch weit hinter den anderen Stadtteilen zurück; sie»nützte daS Armenhaus in ihrer Mitte geradezu als Degradierung auffassen, die durch nichts ge- rechtfertigt ist. Unter diesen Umständen bitten wir, dem Projekte die Zustimmung versagen zu wollen." Die„edlen" Menschen anerkennen zwar die Notwendigkeit und Nutzen der Armenpflege, nur wollen sie von den inS Elend Gestobenen nicht belästigt werden. In der Errichtung einer solchen, nicht den„besten Elementen' zugute kommenden Institution erblicken sie sogar eine Degradierung. Den Petenten mützte, wenn sie unsere sozialen Berhältniffe begriffen hätten, die Schamröte bei Veröffentlichung einer solchen Eingabe ins Gesicht steigen. Tausend und abertausend Arme befinden sich in den Armenhäusern, die— Opfer unserer kapitalistischen Gesellschaftsordnung— es in Bezug aus Ehre und Charakter mit unseren„angesehenen" bürgerlichen Gesellschastsschichten aufnehmen können. Magistrat und Stadt- verordnete haben hier die Pflicht, die beleidigenden und empörenden Anwürfe gegen Verarmte mit gebührender Schärfe zurückzuweisen. Wilmersdorf. Ein aufregender Borfall ereignete sich am Montag, vormittags 11 Uhr, in der Kaifer-Wilhelm-Strotze an der Neuen Friedrich- stratze. Dort wollte eine Frau mit ihrem 4— öjährigen Kinde den Fahrdamm überschreiten, als ein mit zwei Pferden bespannter Rollwagen daherkam und Mutter und Kind umgerissen wurden. Obwohl beide unter die Pferde gerieten, kamen sie ohne erhebliche Verletzungen davon. Die Frau hatte noch die Geistesgegenwart, das Kind fest an sich zu pressen, wodurch dasselbe unversehrt blieb. Groh-Lichterfelde. Ein folgenschwerer Unfall ereignete fich gestern in der Giesens- dorferftrahe. Hier verunglückte der bei dem Dachdeckermeister Kleinke, Berlin. Junkerstratze S beschäftigte Hülfsarbeiter Emil Krüger beim Hinauftragen von Kalk zu Reparaturarbeiten an einem Hause. AIS derselbe sich in einer Höhe von t'/, Meter befand, verlor er daS Gleichgewicht und stürzte in die Tiefe. Der Bedauerns- werte hatte so schwere Verletzungen davon getragen, datz er noch auf dem Wege zum Kreiskrankenhaus verstarb. Kalkberge- Rüdersdorf. In einem Mühlenfließ ertrunken ist daS 4jährige Töchterchen Erna des Maurers Grabert von hier. Die Kleine hatte in der Nähe der elterlichen Wohnung am Ufer eincS Mühlenflietzes ge- spielt. Sie kam dabei dem Wasser zu nahe und stürzte hinein. Da der Vorfall nicht beobachtet worden war, mutzte daS Mädchen Hülflos ertrinken. Schenkendorf bei Königs-Wusterhansen. Mit der bevorstehende« LandtagSwahl beschäftigte sich die letzte Mitgliederversammlung deS Wahlvereins. Genosse H a r l i tz gab in längerer Rede ein Bild von dem preutzischen Dreiklassen- varlament und ermahnte die Genossen, mit allen Kräften in den Wahlkampf einzutreten.— Die Wählerliste liegt nur noch heute und morgen, den 30. April, zu jedermanns Einsicht aus. Bernau. Ueber„Bilder auS dem GegenwartSftaat" referierte Genosse Kubig in der letzten Wahlvereinsversammlung. Redner kennzeichnete zunächst die gegenwärtige in der kapitalistischen Produktionsweise begründete Krise, deren Folgen nur die Arbeiterklasse zu trage» habe. Hierauf knüpfte Redner an die letzten Vorgänge auf polili- schem Gebiete und zeigte namentlich an der Verurteilung der Wahl- rechtSdemonstranten, wie wenig der Gegeuwartsstaat ein Rechtsstaat sei. Die Arbeiterschaft könne bei gründlicher agitatorischer AuS- nützung dieser Vorgänge am besten für die sozialistische Bewegung agitieren. Bei Besprechung über die Landtagswahl wurden für Bernau sieben Wahlleiter gewählt. Der Vorsitzende gab den Schieds- spruch gegen den Genossen Hohensce aus Aiilatz seiner Nichtbeteili- gung an der Stadtverordnetenwahl 1007 bekannt, wonach demselben eine Rüge erteilt wird. Tegel. Die hiesige Gemeindebehörde ist der Ansicht, datz Schlafburschen nicht wahlberechttgt sind. Demgegenüber werden alle mindestens 24 Jahre alten Schlafburschen, sobald sie seit sechs Monaten ihren Wohnsitz in Tegel haben und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sind, aufgefordert, bei Nichtaufnahme in die Wählerliste Protest ein- zulegen. Protestexemplare sind beim Genossen Halser, Brunow- stratze 23 zu haben. �ericbts- Leitung. Zurechnungsfähig? Eine Liebestragödie, die sich zwischen zwei noch sehr fügend- lichen Leuten abgespielt hatte, wurde gestern vor dem Strafrichter erörtert. Wegen versuchten Mordes war der 22jährige HandluugS- gehülfe Wilhelm JacobowSt» vor dem Schwurgericht des Land- gerichts I angeklagt. Der 1835 zu Wilhelmshaven geborene Angc- klagte ist der einzige Sohn eines Schutzmanns, der lange Zeit in Berlin wohnhaft war. Obwohl der junge Mensch nur eine länd- liche Elementarschule besucht hatte, gelang es ihm, sich selbst weiter fortzubilden, so datz er schlietzlich eine gute kaufmännische Stellung annehmen konnte. Im vergangenen Sommer lernte der Ange- klagte in dem Lokal„Feldschlötzchen" in Treptow die damals erst 15jährige Rosa Schultze, die ersteheliche Tochter der jetzigen Frau j Hanfschild, kennen. Der Stiefvater des Zungen Mädchen? betrieb in diesem Lokal einen Gartenausschank. Zwischen Jacobowskh und der Fünfzehnjährigen entspann sich ein Liebesverhältnis, welches die Eltern auch anfänglich duldeten. Im November v. I. hörte der Stiefvater Hansschild, der ebenso wie die Mutter des Mädchens gegen den Verkehr der jungen Leute Einwendungen nicht erhoben hatte, datz Jacobowskh wegen Erregung öffentlichen Aergernisses zu 00 M. Geldstrafe verurteilt sein sollte. Darauf verbat Ende November H. dem Angeschuldigten sein Lokal. Später gestattete Hanfschild ihm zwar wieder den Verkehr in seinem Lokal, per- suchte aber, den Verkehr mit dem Mädchen nach Möglichkeit zu der- hindern. Es kam häufig zu erregten Szenen, bei denen I. wieder- holt drohte, er werde,„wenn ihm Röschen nicht gegeben werde", erst diese und dann sich selbst erschießen. Anlätzlich einer solchen Szene verschluckte der Angeklagte in selbstmörderischer Absicht eine grössere Quantität Arsenik; einen ähnlichen Selbstmordversuch wiederholte er bald darauf noch einmal vor den Augen des von ihm geliebten Mädchens. Am Nachmittage deS 27. Januar hatte Hanfschild das Liebespärchen in der Küche überrascht. Er wies den An- geschuldigten in heftiger Weise zurecht, worauf sich dieser sehr ärgerlich entfernte. Jacobowskh ging nach. Hause, legte seinen besten Anzug an und steckte einen Revolver zu sich, den er einige Tage vorher gekauft hatte. In dem Hanfschildschen Lokal spielte er noch Billard, fiel aber hierbei durch ein überaus aufgsregtes Wesen auf. Als er sich unbeobachtet glaubte, lief er plötzlich in die Küche hinein und schlotz die Tür hinter sich ab. Im nächsten Augenblick hörten die im Lokal anwesenden Personen drei Schüsse fallen. Als die Küchentür gewaltsam erbrochen worden war, fand man die Rosa Schultze und Jacobowskh durch Schüsse schwerverletzt am Boden liegend. Der Stiefvater des Mädchens rief dem Ange- klagten zu:„Du bist«in Mörder I" Jacobowskh antwortete:„Ja, das bin ich; ich konnte nicht anders. Warum habt Ihr mir Röschen nicht gegeben?" Die beiden Verletzten wurden nach dem Kranken- haus Bethanien geschafft, wo es gelang, sie nach einem längeren Krankenlager wieder vollständig herzustellen, In der Beweisaufnahme wurden u. a. die Eltern der Rosa Schultze vernommen, die bekundeten, datz sie nur deshalb den wei- tcren Verkehr des Angeklagfen mit ihrer Tochter verboten hätten, weil sie erfahren hatten, datz er wegen Erregung öffentlichen Aergernisses vorbestraft ist. Jacobowskh habe auch wiederholt gedroht, datz er erst das Mädchen und dann sich selbst erschietzen würde, wenn er die Sch. nicht heiraten könne. Die Hauptzeugin Rosa Schultz«, die noch einen sehr kindlichen und unreifen Eindruck macht, erklärte, datz sie sich auf die einzelnen Ereignisse bei der Tat nicht mehr besinnen könne. Auf eine Frage deS Rechtsanwalts Dr. Alsberg, ob nicht die Möglichkeit bestehe, datz der. Revolver von selbst sich entladen habe, erklarte die Zeugin, sie wisse überhaupt nicht, wie die ganze Sache gekommen sei. Es habe plötzlich ge- knallt und sie sei von einer Kugel getroffen worden. Bei der wei- teren Vernehmung der jugendlichen Zeugin über die Art ihres Verhältnisses zu dem Angeklagten wird die Oeffentlichkeit aus- geschlossen. Nach IM-stundiger Verhandlung hinter verschlossenen Türen stellte Rechtsanwalt Dr. Alsberg den Antrag, einen psychiatrischen Sachverständigen hinzuzuziehen. Es wurde Mcdizinalrat Dr. Stürmer telephonisch herbeigerufen, der jedoch er- klärte, datz er kein abschliessendes Gutachten abgeben könne, da er den Angeklagten das erstemal sehe. Nach längerer Verhandlung stellte der Sachverständig« den Antrag aus§ 81 St.-G.-B. Die Verhandlung wurde deshalb vertagt. Der Angeklagte soll zur Be- obachtung seines Geisteszustandes aus die Tauer von K Wochen einer Irrenanstalt übenviefen«erden. Bom polnischen KriegSschauplats Vor dem Landgericht in R a t i b o r(Oberschlesien) stand dieser Tage ein Geistlicher, der katholische Pfarrer Karl Larose aus Pilgramsdorf, um sich wegen Vcrgcliens gegen den sogen. Kanzelparagraphcn, den 8 130a des ReichsprafgesetzbucheS» zu verantworten. Dieser Paragraph bedroht mit Gefängnis oder Festung bis zu zwei Jahren„einen Geistlichen oder anderen Re- ligionSdiener, welcher in Ausübung oder in Veranlassung der Ausübung seines Berufes öffentlich vor einer Menschenmenge oder in einer Kirche oder einem anderen zu religiösen Versamm- lungen bestimmten Orte vor mehreren Personen Angelegenheiten des Staates in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise zum Gegenstande einer Verkündigung oder Erörterung macht". Der Angeklagte, ein älterer Mann, der aus einer deutschen Hand- wcrkerfamilie stammt, und die polnische Sprache erst als Geist- sicher erlernte, amtiert seit zwanzig Jahren in einem grohen, ganz polnischen Dorf in Oberschlesien und soll nach der Anklage seiner Entrüstung über die Germanisation und die Verfolgung der polnischen Sprache in sehr scharfer, straf- -barer Form Ausdruck gegeben haben. Die Anklageschrift behauptet, der Pfarrer habe beim ErntedankgottcSdienst im letzten Herbst gesagt: „Ich soll heute Gott danken für den reichen Segen, ich kann eS aber nicht. Das Volk ist so roh, so verwildert, datz cS glaubt, es müsse alles ohne Bitte von Gott erhalten. Daran ist der Alkohol, der Tabak und die elende Schule schuld. Die Schule erzieht die Kinder zur Roheit. Das Kind geht acht Jahre zur Schule und in dieser Zeit werden die Kinder nur gelehrt: Ihr sollt deutsch sprechen, nur deutsch, nur deutsch. (Dabei soll der Pfarrer die Bewegung deS Prügelns gemacht haben.) Sind denn Eure Eltern Schweine? Ist denn Eure Muttersprache eine Schweinesprache? Wenn Ihr Kinder nur deutsch sprechen dürft, sollte man denken, Eure polnische Sprache wäre eine Schweinesprache, zu schlecht flir Menschen. Die Wahrheit mutz ich sagen, und wenn ich ins Gefängnis kommen sollte." Wer den Inhalt dieser Predigt so getreu dem Staatsanwalt zur Kenntnis gebracht hat, steht nicht fest. Ein Interesse daran hatten jedenfalls die Lehrer, die sich durch das Verhalten de? Pfarrers in ihrer germanisatorischen Tätigkeit beeinträchtigt sahen. Der Angeklagte bestritt nicht, in der angegebenen Weise ge- sprachen zu haben. Wohl aber bestritt er, aus politischen Motiven gehandelt zu haben. Die Sorge um das Seelenheil seiner Pfarr- linder habe ihn gezwungen, zu reden, wie er getan. Die Jugend in seinem Dorfe sei immer mehr verroht, das aber sei dem Mangel an religiöser Erziehung zuzuschreiben, der wieder durch die Er- teilung des Religionsunterrichts in der deutschen den Kindern fremden Sprache herbeigeführt werde. Die Religion hänge aufs innigste mit der Muttersprache zusammen. Und gerade der polnische Katholik sei seiner Kirche und seinem Pfarrer besonders ergeben, viel mehr wie der deutsche Katholik. Dies Verhältnis aber werde durch die Unterdrückung der polnischen Sprache, vox ollem durch die religiöse Unterweisung der polnischen Kinder in der fremden Sprache, schwer-gefährdet, ja geradezu zerstört, wie die steigende Roheit und Religionslosigkeit in seinem Dorfe ihm bewiesen habe. So sei er, der deutsche Mann, dazu gekommen, dazu förmlich gezwungen worden, die von der Schule betriebene Beseitigung der polnischen Sprache zu verurteilen und zu be- kämpfen. Wenn er das in groben Ausdrücken getan habe, so sei damit nicht beabsichtigt gewesen, seine Zuhörer gegen den Staat aufzureizen, vielmehr sei er gezwungen, wenn er Verständnis bei den einfachen polnischen Leuten finden wolle, in solchen Formen zu sprechen. Den eindrucksvollen Ausführungen deS Geistlichen setzte der Staatsanwalt das ganze Pathos sittlicher Entrüstung cnt- gegen. Die Sprachenbestimmung sei Sache des Staates, und der Angeklagte hatte als Diener des Staates die Pflicht, die Besucher der Kirche zur Befolgung der staatlichen Gesetze zu christlicher Liebe und Versöhnung zu ermahnen, durch liebevolle Worte den bereits bestehenden Hätz zu beseitigen. Er habe aber das gerade Gegenteil getan und müsse deshalb die Strenge des Gesetzes kennen lernen. Von der milderen Festungshaft könne keine Rede sein, er beantrage eine Gefängnisstrafe von zwe.i Monaten. Und diesem Antrage entsprach das Gericht in feinem Urteil, i�n der Begründung hietz es, der Angeklagte habe in maßlos aufreizender Weife gesprochen, mit grob-demagogifchen Mitteln gearbeitet, seiner Vorliebe für das Polnische matzlos die Zügel schießen lassen, seine verderblichen Ausführungen vor einer aufgeregten, urteilslosen Menge gemacht usw. Es mutzte daher auf zwei Monate Gefängnis erkannt werden. Wie empörend müssen die durch die Germanisation ge- schaffenen Zustände sein, wenn ein gewiß dem Staate und seinen Gesetzen treu ergebener Diener der Kirche, ein Deutscher sogar, sich zu einem soichen Protest gegen die„Kulturarbeit Preußens" in polnischen Gegenden geradezu gezwungen sieht. Und welche Illustration unserer Rechtsprechung bietet auch dieser Prozeß, diese Verurteilung wegen einer„den öffentlichen Frieden gefährdenden Erörterung von Angelegenheiten des Staates" in der Kirche eine? weltverlorenen oberschlesischen Dorfes! BrUfhaften der Redabtfon. Xtt fuelftlfdic eprcchstunde finbei Liudenftraß« Sir. 9,»weite« ipos„ dritter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl-M> woihentägliih abends von?>/, bis O'/i Udr Natt. Geöffnet? Ith« Sonnabends beginn« die Sprechstund« nm 0 Uhr. Jeder Aulrag- ist et» Attchftabe und eine Ilahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. — A. W. 77. Wenn nicht ausdrücklich der Vertrag mit Zustimmung deS Wirtes jür Sie ausgeschrieben und ausgehoben ist, so hasten Sie auS dem« selben. Ihnen gegenüber hastet Ihr Mletcr.— St. 14. Nein.— K. H. 40. Sie müssen sich das Erkenntnis geben lassen. Wahrscheinlich hat dasselbe der Vormund, eventuell lassen Sie sich eine neue Aussettigung vom Gericht ausstellen. Sie mühten dann die Wohnung deS Schuldners er- mitlcln und den Gerichtsvollzieher mit der Psändung beauftragen. Die Schritte müssen sie selbst vornehmen, die Gemeinde kann sür Sie nicht eilt- treten.— H. M. 6. 1.— 4. Nein. 4. Ja.— Paul 30. Nein.— E- T. 20. Die Eingabe um Dispens von dem Verbot der Heirat wegen Ehebrüche? ist unter Angabe der Gründe an das Landgericht zu richten, da» die Scheidung ausgesprochen hat.— O. W. Nein. A. K. 12. DaS Ausscheiden aus der Laiideslirche kostet einschlU-hlich Schreibgebühren usw. 3 Mark 50 Pfennig.— S. I. 1. Nein. 2. Die Psändung wäre zulässig, da die Sachen dem Manne gehören. — Anolar. Die KündigungSsrist beträgt in Ihrem Falle sechs Wochen zum Ersten bei Quartals; zuständig wäre bei einem Objekt bis 300 M. das Amtsgericht, darüber hinaus das Landgericht.— O. W. 28. 1. Nein, weil die Sachen sür unpsändbar erachtet würden. Sie könnten sür den Fall solcher Klage freilich Widerklage gegen den Mieter erheben. 2. Etwa 10 M. — H. ffl. 26. Die Kasse ist unS nicht bekannt.—'<£. B. 80. Eine Regrehkiage erscheint nach Ihrer Darlegung nicht aussichtslos. Die übrige« Fragen find ohne Kenntnis der Akten nicht zu beantworten.— R. U. 10« Rein.— Brünner 30. 1. Nein. 2. Ja. 8. und 4. Nein.— E. R. 8. Sie mühten sich von der Behörde Ihres HeimallandeS beschetnigm lassen, dah ein Ehehindernis nicht besteht.— U. Leider nein. — B. Sch. 80. Die Kosten können sie jetzt nicht mehr sestsetzen lassen. Sie hätten die Klage nicht zurücknehmen, sondern beantragen sollen, die Hauptsache sür erledigt zu erklären und die Kosten dem Beklagten auszu- erlegen.— A. 13. Ihnen mühte bewiesen werden, dah inlimer Verkehr stattgcsundcn hat. Eine Beleidigungsklage, ErprcssungSklag« und dergleichet» wäre zwecklos.— H. F. 33. Die Kosten können etwa 5 bis 1 Mark betragen.— 3t. F. 44. Nein. Ihr Mann hätte die prcuhische Staats- zugchörigkeit nachsuchen sollen.— 3t. S2. Die Forderung ist nicht vcijährt. 2. Ein ZahiungSbesehl wird aus Antrag deS Gläubigers ohne weiteres für vollstreckbar erklärt, wenn der Schuldner es Unterlasten hat, in der EinspruchSzcit Widerspruch zu erhebe«. — G. W. 2. Die zuständige Beschwerdeinstanz ist das Landratsamt.— G. B. 08. Nein.— Alter Abonnent 100. 1. und 2. DaS von Ihne« erwähnte schreiben kann entweder die Mitteilung sein, dah die Pfändung der Forderung bevorsteht, welche die Phonographcnfirma gegen Sie Hai oder eS kann der gerichtliche Psäiidungsbcschluh selbst sein: Ihre Dar» legungen lassen nicht erkennen, welche Art Schreiben vorliegt. 3. Ja. 4. Nein. Sind Sie im Zweifel, ob der Psändungsbeschluh zu Recht besteht, so hinterlegen Sie den Beirag und teilen dies der Phonographcnjirma und der anderen Firma mit.— 8. 24. 1. Nein. 2. Nein. Die Herr- fchast ist verpflichtet, sür Kur- und Verpflegung des Dienstmädchens auf die Dauer von sechs Wochen auszukommen.— A. H. 16. Nein. Berliner Marktpreise. Aus dem-mtliiben«erichl der flädtilchea Markitzallen-Dtrektion. fGrohhandel.) Ochseiifleilch Ib 68-70 vr. 100 Psd., IIb 62 67, Mo 64- 57. Bullenfleisch la 63-68, ÜB 52-62, Kühe, seit 46—56, do. mager 84—42, Fresser 48—66, Bullen, dänisch« 40—61, Kalbflciich, Dopvellendcr 110—130. Mastkälber la 90—98, Üb 79—88, Kälber ger. gen. 56—71, do. boll. 50—55. Hanunelfleiich Mast« lömnier 71—74, Hauimcl la 65-67, Ua 67—62. ungar. 0.00, Schase 42—55. Schweiiiesteiicb 53 60. Rotwild, per Psd. 0,62—0,63, Wildschweine, per Psd. 0,00, Frischlinge 0,00. Kaninchen, Stück 0,90—1,05. Schneehühner, Stck. 0,90. Birkhähne, Stck. 2,00. Birkbcnnen 0,00. Schnepfen, la Stück 0,00, do. IIa 0,00. Fasanenhähne, junge, Stck. 3,00 do. alte 2,40. Hübner. la per Stück 1,70 ml 2,80, dito tla Stück 1,20-1,60, dito Wolga-. Stück 1,10-1.90. Hain- burger Küken, Stück 0,80—1,30, Poulct» 1,10—1,40. Kapaunen, deutsche, per Stück 0,00. Tauben, junge. Stück 0,55-0,30, dito alte 0.35-0.55. dito italten. 0,00. Enten, per Pfund 0,00, dito per Stück 0,00, dito Hamburger, per Stück 2,75—4,00. Gänie per Psd. 0,00. do. junge 0,30— l.KX Puten la per Psd. 0,00, do. IIa. und alte 0,60—0,70. Hechte per 100 Pjb. 121-136, do. mittel 0,00, do. groh 0,00, do. grohmiiitel 94, do. matt 114. Zander, mittel, matt 0,00, do. groh 0,00, do. groh« mittel 0.00. Schleie 126-142, do. uns. IIa 0.00, dito IIa 110-125. flaie, klein 0,00, do. groh 122—188, do. lleln-mittel 115—148. Karpfen 0,90, do. 40er 0,00, do. 50er 0,00, do. 50er Lausitzer 0,00, do. 70er 0,00. Roddow 0,00. Plötzen 32—56, dito groh 0,00. Aland 44-48. Wels 0,00. Karauschen 95-104 Bunte Fische 40-67, Barse 92, do. klein 0,00. Bleie 50—51. Bleifische 0,00. Quappen, klein 0,00. Wintcr-Rheinlachs, p. 100 Psd. 0,00, Amerikan. Lachs la, 0. 100 Pfund 110—130, do. IIb 90—100. Seelach«, p. 100 Pfund 20—25. Flundern. Kieler, Stiege la 2—6. do. mittel, Kiste 0,00, do. Hamb Stiege 3—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 1,50-�2,00, Na 0,00. Bücklinge. Kieler per Wall 0,00, schwedische 0,00, englische 0,00, Stralsunder 3,00. Sprotten, Danziger, Kiste 0,00, do. Rüaenwalder, 0,30—0,40. Aale, gros per Psd. 1,10—1,60, do. mitlelgroh 0.90— ILO, klein 0.60—0,90. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellfische, Kiste 3,00—4,50. dito'1, Kiste 2,00—2,50. Sardellen, 1902 er per Anker 98, l 904er 98. t 905er 93.>906« 85—90. Schottiiche Pollberiiige 1905 0.00. Urge 40-44, füll. 38-40, raod. 36-42. deutsche 30-40. Heringe, neue Matje», per«/, To. 0,00. Sardinen, russ., Fah s.50— 1,60. Bratberinge Fah 1,20-1,40, do. Büchse f4 Liter) 1,40-1,70. Neunaugen, Schocksah 8, do. kleine 4—5, do. Stielen- 10. Krebse per Schock 0,00, grohe 0.00, do. mittelgrohe 0,00, dito kleine 0,00 em 0,00, do. unsortiert 0,00, G alizier, klein 0,00. Seemuscheln 100 St. 1,00. Eier, Land», unsortiert per Schock 3,!0— 3,30, do. grohe 3,40— 4,00. Butter per 100 Psd. la 119-121. IIa 116—120. lNa 110-116, abiallcnd« 105-110. Saure Gurken Schock 4,50—5. Psessergurken Schock 4,50—5. Kart o stein ver 100 Piund Dabcrsche 3,25—3,50, weihe runde. 2,75—3,00, mag. von. 3,00—3,25. Porree, per Schock 1,25—2,00. Meerretttch, Schock 8—14. Svinal per 100 Piund 3—8. Sellerie, per Schock 8—16, do. pomm. 0,00. Zwiebeln per 100 Psd. 6,00—7,00. Petersilie, grün. Schockbund 1,00—1,50. Rettich, bayrischer, per Stück 0,03—0,12, junger, per Stück 0,20. Mobrrübe», 100 Pfund 6.00—7,00. Karotten, per 100 Piund 0,00. Wirsingkohl, Holl. v. Schock tl— 22. Rotkohl, Schock 13—20. Weihkohl p. 100 Psd. 7—8. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 0,00, do. italienilcher 100 Stück 60-75, do. In Körben 18 Stück 3,50—4,00. Rosenkohl, srauz.. per 100 Psund 0,00. Grünkohl 0.00. Kohlrüben. Schock 3,00—5,00. Pclersilienwurzel», p. 100 Psd. 5,00—6,00, Schockbund 5,00—6,00. SchnUtlauch, Schockbund 0,60—1. Tomaten, kanar., per Kisle 3,50—4,50. Rote Rüben, per 100 Psund 0,00. Rhabarber 100 Bund 4,00—4,50. Rabunzen 20 bis 30. Rübchen 0.00. Estarol, 100 Stck. 0,00. Endivien, 100 Stck. 0,00. Radieschen, Schock 2,00—2,40. Waldmeister, Mandel 0,75—1,00. Morcheln 0,75—1.00. Sprohkohl, 100 Psd. 14—15. Birnen, Kochbirnen hiesige, per 100 Psd. 6—10,00, Taselbirnen la 30—32, do. IIa 6—17, Italiener la 25—23, do. IIa 18—20. Aepsel, per 100 Psuud, Tiroler la 0,00, do. IIa 22, do. lose, per 100 Psund 0,00, do: in Kisten 120 Psd. 30-50, Most-, hies., 100 Psd. 3-14, Koch. 5-12, Tafel- äpsel la 15—23, do. IIa 0,00. Amerikaner, per Fah 13—34, Italiener, lose, 100 Psd. 8—14, do. in Körben per 100 Psd. 10—16, do. in Kisle» 10—26. Weintrauben. Almeria, per Fah>2—20. AnanaS l, per Pjund 0,70—0,78, do. II 0,50. Bananen, kanar., per 100 Pfd. 26—30, Jamaika 24,00—25,00. Maronen, Ualienssch«, per 100 Psund 0,00. Feigen, Kranz- per 100 Psd. 0,00, do. Trommel- per 100 Psd. 40, )o. in Kisten 15—30. Traubenrosinen per 100 Psd. 0,00, Zitronen, Messina, 300 Stück 6,00-9,00, do. 360 Stück 4,50, do. 200 Stück 0,00, do. 150 Stück 0,00. Apfelsinen, Murcia, 200 Stück 7,50—10,00 do. 300 Stück 8,00-12,00, do. Blut. 200 St. 8,50-12,00, do. Blut- 300 Stück 10,00-13,00, do. Valencia 420 Stück 15,00-18,00, do. 714 Stück 20-25,00, do. Messina 160 Stück 10-12,00, do. 200 Stück 11—12,60, do. 300 Stück 13,00. do. Blut- 100 Stück 7-8,00, do. 160 Stück 7—8,00, do. 80 Stück 6,50—7,00, do. 160 Stück 12—16, do. 200 Stück 12—15, do. Kalis. 0,00. Datteln, per 100 Kart. 42, do. per 10 Psd. 6.00. do. Kalis. 100 Psund 28-30. .. Rauchen Sie ■ DeviserQualitäMshdiebeskfmpfehlun� Total-Aus verkauf 1 Wegen Aufgabe meine? feit über 40 Jahren bestehenden Geschaltes � muß das enorm große Lager aller bis Ende Mai?? Arten V»a?« geräumt fein, W da daS Lokal anderweitig vermietet ist. /iolteee«usloe dvsovllses dillig. VerIl»Ult xn jedem nnr annehmbaren Preis. A. Mustroph, Friedrichstr. 39. � GegrWnde* 18rtO. 2881Ö* Wir verkaufen jetzt noch billigst 4 an in Petershagen, Ostbahn, □ R 8 Mark«. Seegefeld, am Bahnhof, lHR IQ Mark«, Hohen> Neuendorf, Nordbahn, LZR Av Mark°n KnulSdorf, am Bahnhos,, DR lO Mark Bahnhof Sadowa, Biesdorf- Kaulsdorf-Süd, IHR SV Mark°n Biesdorf, Stadibahn, a Bahnhos. BertausSstell. a. d. Bahnhöfen. »iescdkiKe& Nitsclie Berlin, Neue KSnigstr. 16. Verhanflshaiis der dastwirtsgehUfen. 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