Nr. 102. Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis pränumerando? Bierteljährl. 3,30., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 fg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. BostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Bost- Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen Belgien, an: Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Bort 20 fg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und SchlafStellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Morte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, den 1. Mai 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. WELTFEIERTAG DER PROL AILERLAND VEREINIC ( Soc F AeMeiertag und Nahlrechts- kampf. „ ES werden nun bald zwanzig Jahre, dag sich das inter- Nationale Proletariat seinen Wcltfeiertag geschaffen. Klein- tiiütige könnten glauben, daß der Erfolg der Daner des Kampfes nicht entspreche, daß in 18 Jahren mehr erreicht sein müsse. Sie unterschätzen aber dabei den Widerstand der herrschenden Klassen, die seit 18 Jahren alles aufgeboten haben, die Feier des 1. Mai, dieses Wahrzeichen des prole- larischen Klassenkampfes, der unaufhaltsam vorwärtsdringen- den Kulturidee des Sozialismus zu hintertreiben. Die im Solde der herrschenden Klasse stehende Presse wiederholt in jedem Jahre das perfide Hohnwort von dem internationalen Kaffeekränzchen, zu dem die Maifeier ge- worden sei. Glaubte die Bourgeoisie wirklich an die Harm- losigkeit der Maifeier, so würde sie es sich schwerlich so saure Mühe kosten lassen, die Maifeier zu vereiteln. Aber die privi- legierte Klasse weiß, daß sich in der Maifeier das Klassen- bewußtsein und der Emanzipationsdrang des Proletariats verkörpert. Deshalb schmäht und haßt sie die internationale Demonstration des 1. Mai. Mit aller Brutalität droht das Unternehmertum denen Maßregelung an, die seine unbedingte Herrengewalt nicht anerkennen wollen, sondern gewillt sind, den vielen Zwangs feiertagen der Bourgeoisie auch einen selb st geschaffenen Feiertag entgegenzusetzen. Nicht weil das Proletariat ohnmächtig ist, weil die Bourgeoisie seine Macht verlachen dürfte, muß die Arbeiter- schaft, und besonders die deutsche Arbeiterschaft, sich erst noch die allgemeine Arbeitsruhe erkämpfen, sondem weil die Organisation des Proletariats bereits so stark geworden sind, weil der Geist des Sozialismus diese Organisationen bc- seelt. Die herrschende Klasse betrachtet die Maifeier als Kraftprobe. Sie fürchtet, daß sie auch aus den übrigen Positionen herausgeworfen würde, falls sie diese erste Schanze preisgeben müßte. Wie sich bei den Wahlen die besitzende Klasse aller politischen Schattierungen gegen die sozialdemokratische Partei zusammenfindet, so stemmen sich alle Kreise des Bürgertums gegen die Anerkennung des 1. Mai. Dort wie hier ringt die besitzende Klasse mit der besitzlosen Klasse, die kapitalistische Weltanschauung mit der sozialistischen! Und in der Tat umsaßt die Idee der Maifeier das ganze Streben des sozialistischen Proletariats. Die Arbeiterklasse demonstriert am 1. Mai für den Achtstundentag, für die sortsschreitende Minderung der Tauer der körperlichen Ar» beit auf ein möglichst kurzes Maß. Nicht weil, wie freche Ver» leumdung und krasser Unverstand dem Proletariate unter» schieben, die Arbeiter möglichst viel„lungern" möchten. Der Bourgeois verachtet die arbeitsrauhe, schwielige Hand, c r betrachtet die gepflegte, handschuhgeschütztc, weiche Hand des Besitzenden als aristokratische Auszeichnung! Tie Arbeiterklasse weiß, daß die nützliche und ehrliche Arbeit adelt, sei es körperliche Arbeit, sei es geistige. Aber der Proletarier will nicht stuinpfes, rechtloses Arbeitstier sein, er will gleichberechtigter Mensch werden, er will gleichfalls Gelegenheit haben, sich selbst und seiner Familie zu leben, sich geistig ausbilden und betätigen zu können. Das ist die große in der Achtstundenforderung liegende Kulturidee des Sozialismus, daß sie die unerhörte Ungleichheit zwischen Besitzenden und Nichtbesitzenden aufheben, daß sie die Masse der bisher als Arbeitstiere, als Kulturdünger be- handelten und verachteten Menschheit zu wahrem, freiem, edlem Menschentum emporheben will! Man frage doch einen Kapitalisten, einen b ü r- gerlichen Intellektuellen, ob er etwa mit einem Landproletarier, einem Jndustrieprolctarier tauschen möchte. Er wird eine solche Zumutung mit Entrüstung llultiirpolitilche Vorlesung zum 1. Ifiai aus dem Jahre...? „Die seltsamste Verirrung jener Zeit, die wir als die kapita» kistische kennen gelernt haben, war, daß man glaubte, die menschliche Kultur entwickle sich mehr, wenn weniger Menschen an ihr teil« nehmen. Es sei notwendig für den Fortschritt— so lvurde damals geurteilt— daß die Arbeitermassen in ihrer Lebenshaltung, ihren Gewohnheiten, ihrer Denk- und Gefühlsweise hinter den Errungen- schasten der Zeit zurückbleiben. Für uns ist die Kultur der In- begriff alles dessen, was das Leben der Volksgenossen erhöht, ver- schönert, verfeinert. Zu diesem Zweck bedienen wir uns der Wissenschaft, der Kunst, der Dichtung, der Produktion. Viel Wissenschaft, Kunst, Poesie, Reichtum im kleinen Kreise, unter Ausschluß deS Volkes, find für uns deshalb ein Unding, wir begreifen nicht, welchem Zweck sie dienen sollen. Eine Kultur ohne Volk, in dem sie sich verkörpert. begreifen wir ebensowenig, wie daS Sonnenlicht ohne die blühenden Fluren, das sprießende Leben und das Farbenspiel auf der Erde, die wir bewohnen. Wenn man die Strahlen der Sonne durch ein Brennglaö auf einen Punkt vereinigt, dann versengt sie alles Lebende; sie verliert nicht an Licht und Wärme dadurch, daß viele sie ge- nießen; sie erzeugt desto mehr Leben, je größer die Zahl der Lebenden, über die sie leuchtet. Ist es denn notwendig und klug, die ganze Erde kahl zu brennen, um auf einem einzigen Fleckchen eine Blume erblühen zu lasten? Um wieviel mehr aber gilt das von der Liultur, die nicht von außen kommt, sondern von den Menschen selbst geschaffen wird, die ihrer teilhaftig werden. Und doch gingen die Menschen dem Widersinn nach, daß man die Kultur dem Volke entfremden müsse, um sie erblühen zu lassen, und opferten ihm das Glück vieler Generationen. Uni das zu be- greifen, muß man sich das gesellschaftliche Gebilde jener Zeit ver- gegenwärtigen. Die Gesellschaft war geteilt. Die erste Teilung war zwischen der Produktion und den Produzenten. Me soll man das fasten, um es begreiflich zu machen? Man dachte sich so: DaS ist der Grund und Boden, der durch Jahrtausende geackert und gedüngt wurde, da sind die Fabriken. Bergwerke, Eisenbahnen, die Straßenzüge der Großstädte— das ist eine Welt für sich, die Welt der Produktion, die sachliche Welt. Und die Menschen, vereinigt in der Gesellschaft, sind wieder eine besondere Welt, die persönliche Welt. Von der Menschenwelt aber zu der Welt der Produktion führen die Besitztitel. daS Private! gentlim. So standen die Menschen dem Werke ihrer zurückivelsen, er fmr5 wohl gar Scn gesunken Verstand 5es Fragers anzweifeln. Und da soll die übergroße Masse des Volkes, die eigentliche Nation, glauben, daß so etwas wie eine„göttliche Weltordnung" es wolle, daß die ungeheure Mehrheit des Volkes in alle Ewigkeit hinein in stumpfer Arbeitsfron und künstlicher geistiger Verkrüppelung dahin- vegetiere?! Freilich, wenn die besitzende Klasse die arbeitende Klasse gebraucht, um sie ihren Ausbeuterinteressen dienstbar zu machen, fließt sie über von heuchlerischen und schmeichlerischen Redensarten. Dann sind die Arbeitsschwielen Ehrenmale, dann ist der Aermste ebensoviel wert, wie der Reichste und Höchstgestellte. Wie wenig es aber den Besitzenden ernst ist mit ihren aufdringlichen Freundschaftsbeteuerungen, beweist ganz besonders vortrefflich das preußische Wahlrecht und die Stellung der bürgerlichen Parteien dazu. Wenn die Besitzenden wirklich den Arbeiter für einen Ehrenmann und ein so ehrenwerte?, nützliches Glied der Ge- sellschaft halten— ei warum räumen sie ihm dann nicht das gleiche Wahlrecht ein? Warum soll dann der Arbeiter in der dritten Klasse wählen, d. h. den beiden ersten Klassen gegenüber rechtlos sein, während ein Börsen- jobber, ein Junker, ja ein Bordcllbesitzer in der ersten Klasse wählt und dort als einzelner soviel Wahlrecht ausübt, wie dreiunddreißig ehrliche Arbeiter? Wenn die Besitzenden die ehrliche Arbeit so hoch einschätzen, wie sie immer behaupten, ja warmn soll dann der Grundbesitzer mehr Wahlrecht haben, als der Landarbeiter, als der Jndustricproletarier? Sind die Ochsen und Schweine, die er besitzt, die Träger der 32 Stimmen, dieser zuviel hat? Verdienen der Börsenjobber, der Rentier mit ihrer„Arbeit" die 32 Zusatzstimmen? Oder ist das soziale Verdienst des Bordellbesitzers dreiunddreißig mal so groß, wie das des Arbeiters? Oder kommt alles auf die höhere Bildung an? Je nun, die dümmsten Bauern haben oft die größten Kartoffeln! Aber davon abgesehen: Wenn die höhere Bil- dung das ausschlaggebende Moment sein soll, warum ver- bessert man dann die Volksschule nicht, warum entwickelt man denn da solchen Eifer, die Volksschule noch schlechter zu machen, als sie ohnehin ist? Warum? Die„Freunde" der „braven, ehrlichen Arbeiter" haben es oft genug ausgesprochen. daß ihnen der dümmste, unwissendste Arbeiter der liebste sei! Konservative, Freikonservative, Zentrum und National- liberale haben sich denn ja auch im letzten preußischen Ab- geordnetenhause in holder Eintracht zusammengefunden, um die Volksschule mehr noch als bisher den Verpfaffungs- und Verdummungsbestrebungen auszuliefern! Wer für die Ziele des 1. Mai demonstriert, muß sich des- halb bewußt sein, welch' schweren Kampf das Proletariat um die Erringung der Kulturidcale deö modernen Proletariats gegen die besitzenden Klassen zu führen hat. Die Kultur- ideale des klassenbewußten Proletariats sind nur zu ver- wirklichen, wenn die Arbeiterklasse er st ihre politischen Rechte erobert hat! Solange im preußischen Abgeordnetenhaus Junker, Pfaffen und Kapi- talisten schalten und walten können, wie es ihnen beliebt, solange ist im ganzen Dentschen Reiche ein ernsthafter Kultur- sortschritt auf sozialem Gebiete ausgeschlossen! Das preu- ßische Geldsackparlament ist der festeste Rückhalt der Reaktion. Soll im Reich das Regiment der Junker und Industrie- gewaltigen, der Brotwuchercr und Scharfmacher gebrochen werden, so muß die Arbeiterklasse erst die preußische Reaktion zertrümmern! Die Maifeier muß diesmal also auch eine Wahlrechts- demonstration werden. Nicht etwa nur, weil der 1. Mai 1908 mitten in den preußischen Wahlkamps fällt. Nein, aus dem tieferen Grande, weil die Befreiung der Arbeiterklasse von den Ketten des Kapitalismus nur das Werk des politischen Befreiungskampfes der Arbeiterklasse selbst sein kann! eigenen Kulturarbeit fremd gegenüber. Waö die Gesellschaft in Jahrtausenden ersonnen, entdeckt, erfunden und gesammelt hat, erschien ihnen nicht als Besitz der Gesellschaft, sondern als Privateigentum einiger Weingen. Die Produktionsmittel, die sie selbst geschaffen haben, erschienen den Böllern als eine feindliche Welt, nichts andere« wie ein ungeheueres Kriegslager auS zahllosen FortS, Schutzwällen, Gräben, Geschützen, Kasernen. KommunikationS- mittel«, Waffenvorräten, ein Kriegölager, in dem aber nicht eine fremde Armee, sondern sie selbst Tag für Tag den Dienst anzutreten hatten,-um die Positionen zu besetzen und zu stärken, die Waffen zu üben und zu mehren, mittels deren sie diesen Tag und alle kom- Menden Tage aufs neue zum gleichen Dienst gezlvungen tvurden. So entsprach der ersten Teilung eine zweite, die durch die�Gesell- schaft ging: die Teilung zwischen den Besitzern oder Besitztitcl, den Kapitaliste» und der Klasse der Lohnarbeiter. Die wenige» Kapi- taliste», da sie, im Besitze der Produktionsmittel, nicht nur über sämtliche Kulturmittel, sondern über die primitivsten Subsistenzmittel der BollSmaffen verfügten, wollten, mächtiger, als der Gott der Religion, der die Welt erschaffen, dann aber sie sich selbst überlassen hat, die Welt regieren, stellten der gesell- schaftlichen Produktion ihre eigenen, privaten Zwecke und diktierten den Arbeitern das Maß von Freiheit und Kultur, dessen sie sich erfreuen sollten. Wie die Produktion, so mußten die Wiffen- schaft, die Kunst und die Literattir sich diesen privaten Zwecken etlicher Ehrgeizigen unterordnen, und Kultur hieß damals nur das, waS den Reichtum der Kapitalisten steigert und imposanter gestaltet. Keine satanische Phantasie wäre imstande, jene geistigen Qualen zu ersinnen, die sich aus diesen Verhältnissen in der lapitalistischen Gesellschaft für die Lohnarbeiter ergaben. Der Arbeiter wurde mit sich selbst verfeindet. Seine Arbeit wurde von seinem Leben getrennt. Seine Arbeit gehörte dem Arbeitgeber, einzig sein nacktes Leben ihm selbst. Und ein ewiger Streit entstand zwischen ihm und jenem anderen, dem seine Arbeits- kraft gehörte. „Ich will meine Sinne und meinen Geist entwickeln�— sagte der Arbeiter. „WaS geht mich Dein Kopf an, ich brauch bloß Deine Arbeits- Hände/ erklärte der Kapitalist und machte den Arbeiter zum Anhängsel der Maschine oder versetzte ihn tausend Meter tief in die Bergwerks- grübe. Für uns find Arbeit und Leben ebenso unzertrennbar wie Atmen und Denken, unS ist Arbeitsfreude Schaffensfreude; da man aber de» Arbeitern die Freude an ihrer Arbeit nahm, machte man ihnen die Arbeit zur Qual. Aach einem Tage der Oual begann- Web eine Verkürzung 8er Arbettszetk crffreEf, um sich geistig fortzubilden, um ein edleres Familienleben führen zu können, muß in erster Linie den Kanipf gegen drepreu- ßische Dreiklassenschmach führen? Wer den Ausbau der sozialpolitischen Gesetzgebung erhofft, muß zunächst alle Kraft aufbieten, um die ärgste Bremge dieser Sozialpolitik, daö reaktionäre preußische Abgeordaetenliaus. derno- kratisch umzugestalten! Wer der politisch untrechtcten, Wirt- schaftlich ausgebeuteten und geknebelten Masse, dem Prole- tarjate und den anderen proletarischen Schichten des Volkes. die gleichen politischen und sozialen Rechte erkämpfen will. muß im gegenwärtigen preußischen Wahl- r c ch t s k a m p f e alle moralischen und physischen Kräfte au- spannen, um die Stimmen der einzigen wahrhaft demokratischen Partei, der Sozialdemokratie, zu ver- doppeln, zu verdreifachen! Deshalb: Wer mit klarem Bewußtsein der Bedeutung des Weltfeiertages der Arbeit den 1. Mai feiert, muß sich geloben, im preußischen Wahlkampfc mit der äußersten Energie, dem peinlichsten Pflichtgefühl seine volle Schuldig- keit zu tun! Im preußischen Abgeordnetenhaus geben heute Großgrundbesitzer. Industrielle, Landräte, Offiziere a. D., Pastoren, Großkauflcute und Rentiers den Ausschlag. Die Proletarier, die bisher von diesen Kreisen Wohltaten empfangen haben, mögen ja auch diesmal wieder für die bürgerlichen Parteien ein.- treten. Diejenigen Proletarier aber, die erkannt haben, das'. die Befreiung der Arbeiterklasse vom Doppcljoche der polt- tischen und wirtschaftlichen Entrechtung nur das Werk der Arbeiterklasse selbst sein kann, werden am 3. Juni ihre Schuldigkeit tun? Auf zum Befreiungskampf des Proletariats! Vorwärts gegen die Dreiklasscnschmach! Nieder mit allen Wahlrechtsfeinden und Wahlrechts- Heuchlern! Freie Bahn dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht! t&flF Zvotz alledem! Ob Armut euer Los auch sei, Hebt hoch die Stirn, trotz alledem! Geht kühn dem feigen Knecht vorbei; Wagt's, arm zu sein trotz alledem! Trotz alledem und alledem, Trotz niederm Plack und alledem, Der Rang ist das Gepräge nur» Ter Mann das Gold trotz alledem! Und sitzt ihr auch beim kargen Mahl Ja Zwilch und Lein und alledem, Gönnt Schurken Samt und Goldpokal Ein Man» ist Mann trotz alledem! Trotz alledem und alledem, Trotz Prunk und Pracht und alledem! Der brave Mann, wie dürftig auch, Ist König doch trotz alledem! Ein Fürst macht Ritter, wenn er spricht, Mit Sporn und Schild und alledem: Den braven Mann kreiert er nicht, Der steht zu hoch trotz alledem: Trotz alledem und alledem! Trotz Würdcnschnack und alledem— Des innern Wertes stolz Gefühl Läuft doch den Rang ab alledem! für den Arbeiter das Leben erst in dein Augenblick, wo er abends die Fabrik verließ. Aber der Kapitalist forderte feine Arbeitszeit und wollte ihm nicht einmal seine Nachtruhe freigeben. So stand der Arbeiter vom frühen Morgen an seinem Arbeits- platz und sehnte sich fort mit allem, WaS ihn am Leben hielt, mit allen seinen geistigen Interessen und allem, waS seine Seele erfreute oder betrübte. Und der Kamps um seine freie Zeit wurde für ih» zum Kampf um den Inhalt seine? Lebens. Glück und Sonnenschein. Wirken und Strebe»— daö alles sammelte sich für ihn in dem einen Punkt: wo die Zeit hernehmen? Aver Schritt für Schritt,' Minute zu Minute, von Ort zu Ort, in jeder einzelne» llnternehmung widersetzten sich die Kapitalisten diesem Streben der Arbeiter. Zeit zu gewinnen, das zugleich, wie wir jetzt wissen, der wichtigste weltgeschichtliche Kanipf war, der erst der menschlichen Kultur die Wege öffnete. Die Aimalen des Kampfes der Arbeiter um die Verkürzung da Arbeitszeit sind mit Blut und Tränen getränkt. Mehr kennzeichnend aber vielleicht als alles andere sind die Rämpse um die Maifeier. Den 1. Mai wollten die Arbeiter der ganzen Welt zu einem Ruhetag machen, um dadurch ihren Willen zu belunden, nicht bloß als Lohnsklaven, sondern als Kulturmenschen zu gelten: einmal die Hände strecken, um den Geist sich regen zu lassen; einmal frei in die Welt hinausblicken; einmal eS fühlen und erkennen zu gebe», daß die Welt der Arbeiter eine Welt von fühlenden und denkenden Menschen sei und nicht unterschiedsloses Beiwerk der Menschen. Die Unternehmer aber erklärten:«Wenn ihr den einen Tag frei haben wollt, dann sollt ihr sieben Tage hungern!" Und die Arbeiter hungerten sieben Tage, ließen aber nicht von der Maifeier. Darum begnügten sich die Kapitalisten nicht damit und ver- hängten schärfere Strafen. Und weil die Arbeiter dennoch nicht nachgaben und einen stolzen Mut zeigten, und am 1. Mai in unzähligen Tausenden ins Freie hinauszogen, und sich freuten, daß derer so viele seien.— darum suchte man ihnen die Freude zu vergällen, mrd stellte ihnen Polizei- fallen, und protzte ihnen gegenüber mit der Macht der Bajonette. und zeigte sie und höhnte, fie mögen eS doch probieren, wider den Stachel zu locken.... Aber mir ruhiger Entschloffenheit traten die Arbeiter in immer zahlreicheren Massen am 1. Mai auf. Der Weltfeiertag umfloß die Erde wie ein Ozean von Menschen. Und als die große geschichtliche Wendung kam, da wurde der 1. Mai zu jenem Tag der Feier der Welterlösung, der er bis in die Jahrhunderte bleiben wird/ rarvua. Drum Jeder fleh, daß es gescheh', Wie es geschicht trotz alledem, Daß Wert und Kern, so nah wie fern. Den Sieg erringt trok alledem! Trot alledem und alledem, Es kommt dazu trotz alledem, Daß rings der Mensch die Bruderhand Dem Menschen reicht tros alledem! F. Freiligrath. Ernite Zeiten. Wieber liegt ein Jahr der Arbeit und des politischen Kampfes hinter der deutschen Arbeiterschaft. Als sie am 1. Mai 1907 ihren Arbeitsfesttag feierte, zeigte sich am wirtschaftlichen Horizont noch tein Anzeichen dafür, daß der ökonomische Aufschwung, der nach dreijähriger Krise im Jahre 1903 eingefekt hatte, schon so bald wieder durch eine wirtschaftliche Stagnation abgelöst werden sollte. Nach der regelmäßigen Stodung, die stets der Winter einzelnen Arbeitszweigen bringt, hatte mit dem Umschlag der Witterung überall wieder cine emfige Tätigkeit begonnen. Mit froher zu bersicht fah der deutsche Arbeiter dem kommenden Sommer und Herbst entgegen: In diesem Jahre wird's, an Arbeit und Verdienst nicht fehlen! Schnell hat sich das Blatt gewendet. Das diesjährige Maifest fällt in eine schicksalschivangere Zeit. Die Profperität ist bereits twieder zu Ende, und nach dem unerbittlichen Gesetz der kapitalistischen Wirtschaftsweise folgt die Strife, die Zeit des wirtschaft lichen Niederganges, der Arbeitslosigkeit und der bangen Sorge um das tägliche Brot. Noch ist der Höhepunkt der Krise nicht erreicht; die Erschlaffung des Wirtschaftsgetriebes beginnt erst; aber bereits knistert es unheimlich im wurmstichigen Gebälk des listischen Wirtschaftsweise folgt ihr die Strife, die Beit des wirtschaftGegenden des Reiches werden Produktionseinschränkungen, Lohnherabsetzungen und Arbeiterentlassungen gemeldet. Rehmen wir zum Beispiel eine ftiengesellschaft. Zunächst p fällt ein Teil des Mehrwertes, das heißt der Teil des Wertes, den die Arbeiter nicht bezahlt erhalten haben, als Dividende an die Aktionäre; ein anderer Teil fällt an den Referbefonds oder dient zur Bezahlung neuer Maschinen oder sonstiger neuer Betriebseinrichtungen; ein dritter zur Bezahlung der Zinsen der Kapitalien, die sich die Aktiengesellschaft selbst geliehen hat, und ein vierter Teil fließt als Handelsprofit in die Tasche der Händler, die der betreffenden Aktiengesellschaft ihre Produkte abnehmen und fie dem Konsum zuführen. Dieser ganze Mehrwert wird zwar von den Arbeitern und dem zur Aufrechterhaltung der Produktion nötigen Personal( Werks. leiter, Ingenieure, Technifer, Buchhalter usw.) erarbeitet- aber fie erhalten ihn nicht. Er fließt in andere Taschen. Sie fönnen also auch nicht so viel Waren kaufen, als sie erarbeitet haben, sondern nur so viel, als dem Wert ihres Lohnes entspricht. Soll ein Ausgleich zwischen Produktion und Konsum hergestellt werden, müssen die Unternehmer, Zinsempfänger, Händler usw. den von ihnen eingesteckten Mehrivert ebenfalls konsumieren. In Zeiten des Aufschwunges vermehrt sich nun aber dieser Mehrwert nicht nur schneller als die Lohnmasse, sondern er findet auch in weit stärkerem Maße als sonst Anlage in der Produktion, weitet diese also schneller aus, als der Zunahme des Konsums entspricht. So entsteht nach einiger Zeit zwischen dem Verbrauch und der noch schneller als diefer gewachsenen Produktivität ein Mißverhältnis, das sich in einer Krise Luft macht. Der Verbrauch muß gewiffermaßen erst wieder der gestiegenen Leistungsfähigkeit der Industrie nachwachsen. Machen wir uns den Vorgang an einem Beispiel far. Ge fetzt, in der Baumwollindustrie macht sich steigende Nachfrage bemerkbar. Die nächste Folge wird sein, daß die Fabrikanten ihre Produktion mit den vorhandenen Betriebsmitteln zu erhöhen trachten, dann aber, um die Konjunktur besser ausnuten zu tönnen, dazu greifen, ihren Betrieb durch technische Neueinrich tungen leistungsfähiger zu gestalten. Dadurch werden Bauten nötig, die den für das Baufach tätigen Industriezweigen vermehrte Bestellungen eintragen; ferner sind neue Maschinen erforderlich, und da diese Maschinen zum Teil wieder mit anderen Maschinen hergestellt werden, findet alsbald auch die Maschinenindustrie gute Die diesjährige Maifeier erhält dadurch ihre besondere Be Beschäftigung. Der gute Geschäftsgang der Maschinenfabrikation deutung. Sie wird zu einem eindringlichen Protest gegen die reizt nun aber wieder nicht nur diesen Industriezweig zur heutige kapitalistische Produktionsweise, die mit innerer Not- Betriebseriveiterung; er steigert auch zugleich den Bedarf nach wendigkeit immer wieder nach furzen Perioden wirtschaftlichen Stahlmaterialien. Die Prosperität greift also auf die Walz-, Aufschwunges aus sich selbst die Strife gebiert so unvermeidlich, Stahl- und Hochofenwerte über. Die Flutwelle der Konjunktur daß die kapitalistische Welt felbft fie als eine Art Naturereignis steigt und mit ihr die Nachfrage nach Arbeitskräften. Der Gesamtbetrachtet und sie den Verheerungen gleichstellt, die einst auf konsum dehnt sich weiter und weiter aus, darunter auch der Beniederen ökonomischen Entwidelungsstufen Dürre und Kälte, darf an Baumwollstoffen. Die Fabrikanten dieses Artikels fchen, Wassersnot, Krieg und Epidemien hervorbrachten. Eine lächerliche daß noch immer auf dem Markte der Begehr nach den von ihnen Selbsttäuschung! Denn die Krise, wie sie jetzt wieder drohend produzierten Waren zunimmt; das gibt ihnen den Anstoß, ihre auftaucht, hat mit jenen natürlichen Krisen, die einst in ver- Leistungsfähigkeit durch Einstellung neuer technischer Betriebsgangenen Zeiten die Bevölkerung heimsuchten und oft zu Tausenden mittel noch mehr zu erhöhen. So beginnt der oben stizzierte hinwegrafften, nichts zu tun. Jene Krisen entstanden entweder Kreislauf von neuem. daraus, daß Naturgewalten die Ernte vernichteten, oder Krieg Wären die Bedingungen dafür gegeben, daß dieser Prozeß und Epidemien die Verrichtung der nötigen Produktionsarbeit sich in gleicher Weise ohne Unterlay wiederholte, würde also z. B., hinderten. Diese Krisen aus Mangel an notwendigen Unterhalts- wenn die Produktionsleistung der Baumwollindustrie uni 30 Proz. mitteln sind infolge der wirtschaftlichen Entividelung, besonders steigt, der Konsum zugleich stets um 35 oder 40 Proz. zunehmen, Der Verkehrsmittel, in den Kulturstaaten fast völlig verschwunden. so daß er nicht nur die erhöhte Produktivität ausgleicht, sondern Die Krisen, von denen wir in den Jahren 1900 bis 1902 und auch den beiden Industrien die Möglichkeit gewährt, ihre Betriebs. icht heimgesucht werden, sind nicht strifen aus Manger, erweiterungen fortzusehen, und würde dieselbe Proportionalität fondern aus Ueberfluß. Sie entstehen nicht wie einst zwischen Produktivität und Konsumsteigerung sich auch auf allen dadurch, weil aus irgendwelchen Gründen nicht genug Gebrauchsartikel hergestellt sind, sondern umgekehrt, weil die Magazine zu voll sind, weil zu viel produziert ist und die Fabriken wie die Händler keinen Absatz für ihre Vorräte haben. Das ist der große Unterschied zwischen einst und jetzt. Die meisten Läger sind überfüllt, die Nachfrage des Publifums ist nicht groß genug, daß die Vorräte immer wieder entsprechend der steigenden Leistungsfähigkeit der Industrie geräumt werden könnten. Bei den Fabriken laufen deshalb die neuen Bestellungen nur spärlich ein; die Leiter entlassen einen Teil der Arbeiter und diese, ohne Verdienst, sehen sich gezwungen, sich noch mehr einzurichten als bisher, d. h. ihre Ausgaben noch mehr auf die allernötigsten Gegenstände zu beschränken. Die Folge ist, daß die Geschäfte, von denen die Arbeiter sonst ihre Kleidung, ihr Hausgerät usw. bezogen, nun noch weniger abseßen als bislang, daß also auch ihre Bestellungen bei dem Grossisten oder Fabris fanten spärlicher einlaufen, und diese daher wiederum einen Teil ihrer Arbeiter aufs Straßenpflaster sehen. anderen industriellen Gebieten erhalten, so könnten keine industriellen Krisen entstehen. Doch dieses Schritthalten des Konsums mit der Produktivitätzunahme ist immer nur bis zu einem bestimmten Punkte möglich dann versagt aus den oben dargelegten Gründen der Verbrauch. Sturz und treffend hat diese Erscheinung Marg im 2. Teil des dritten Bandes des Sapital" mit den Worten gezeichnet: 224 Sue Borüber, feines Herzens wortlos Sehnen In ruhelofer Plag' und Müh' erstidend! Wie mancher Cato aus dem Volt verwandte Des Lebens Kraft, gebrochen und gelähmt, Um Nabeln oder Nägel zu verfert'gen! Wie manches Newton's unbelehrtem Blick Erschienen jene Sphären, die voll Pracht Am unbegrenzten Himmelsdom erstrahlen, Als Flitter nur, am Himmel aufgehängt, Um feines Städtleins Nächte zu erhellen! Friedensdemonftration Shelloy. und Friedensarbeit. das sind die Friedensworte und Kriegsrustungen Merkmale der internationalen Beziehungen der Kulturbölfer. Kriegsrüstungen wider Kriegsrüstungen, Schiffs. bauten wider Schiffsbauten der Plazkampf im bölfermartverzehrenden Wettstreit sind die Aufgaben, die im Vordergrund aller staatlichen Arbeit stehen. Immer weiter zieht der verderbliche Mirbel der bewaffneten Friedensrüstung" Die neus feine Streise. Das alte Europa wird ihm zu klein Welt, das ferne Ostasien hat er erfaßt. Die Union und Japan sind in die Reihe der militärischen Großmächte getreten und europäischen Kultur die Mordfultur aufzunehmen. das criachende China beeilt sich, als das wesentlichste der dem Boden Marokkos knallen die Flinten, donnern die Kanonen, verrichten Lanze und Sabel graufige Arbeit. Und hinter diesem kolonialen Naubzug, ser um die Intereffen einiger Spekulanten das Blut Tausender fließen läßt, lauert das Gespenst des völkerverschlingenden Weltkrieges, der gräßlichsten Statastrophe, die menschliche Phantasie ausfinnen fann, vor der die furchtbaren Verheerungen der blind wütenden Naturkräfte erblassen. Auf Eine nervöse Spannung liegt über den Nationen. Die Kriegsbefürchtung, der Kriegsargwohn ist chronisch geworden. An jede Aktion eines Staates knüpft sich die besorgte Frage: wird sie den Frieden gefährden? Der Entschluß Defterreichs, die Sandschatbahn zu bauen, ließ sofort das Gespenst des Balkankrieges aufsteigen. Daß ein Krieg zwischen Deutschland und England ausbrechen werde, ist für viele nur noch eine Frage der Zeit. Phantasiebegabte Schriftsteller seben schon die Jahreszahl des Ausbruchs feft, und schüren mit ihren blutigen Zukunftsbildern die chauvinistischen Fastinkie. Daß der Stille Ozean in Bälde der Schauplatz eines gtg tischen Ringens zwischen Weißen und Gelben, zwischen den Dantees und den zaps sein wird, steht für die Kriegspropheten ebenso fest. Für diese konsequenten Bekenner kapitalistischer Weltanschauung geht alle Menschheitsentwidlung durch den Krieg, können die internationalen Probleme nur durch Blut und Eisen gelöst, die widerstreitenden Intereffen der verschiedenen Bourgeoisien nur durch das Faustrecht ausgeglichen werden. Wie sehr haben die gutgläubigen Träumer geirrt, die im bürgerlichen Staat den Friedensstaat berauffommen fahen, die Ideologen, die die kapitalfftische Zivilisation als die Ueberwindung des friegerischen Geistes der Vergangenheit angesehen haben, die vermeinten, daß der Fortschritt des Wissens, der uns die moderne Technik und Industrie gab, auch den Wissenden, den Mann der Wissenschaft triumphieren lassen werde über den Soldaten, an die Stelle des Kriegs den friedlichen Ausgleich segen werde, wie er die Stammesfehden des barbarischen Zeitalters und die Kleinkriege der Ritter und Duodezfürsten überwunden habe. Noch im Jahre 1864 schrieb Arnold Ruge( der Kampfgenosse von Karl Mary vor dessen Durchdringen zum wissenschaftlichen Sozialismus, in Wie die Dinge liegen, hängt der Ersatz der in der Produktion den 48er und 49er Stämpfen bürgerlicher Demofrai, in der angelegten Kapitale großenteils ab von der Konsumtionsfähigkeit Vorrede zu seiner deutschen Uebersetzung von Buckle's Geschichte der Zivilisation in England":„ Wer freilich den Wh der nicht produktiven Klassen, während die Konsumtionsfähigkeit funden des befreienden Geistes gegenüber den Despotismus, der Arbeiter teils durch das Gesez des Arbeitslohns, teils dadurch den Soldatenstall, den Glaubensqualm und das Geheul der beschränkt ist, daß sie nur so lange angewandt werden, als sie Fanatiker aufrecht erhalten, wer kein zibilisiertes Volk will, sonmit Profit für die Kapitalistentlasse angewandt werden können. dern ein Bolt, nur geschaffen, um entweder selbst Sklaven zu Der leßte Grund aller wirklichen Arisen bleibt sein oder um in den Krieg geführt zu werden und andere zu immer die Armut und Konsumtionsbeschränkung Stlaben zu machen"( B. I., 65), den freilich wird der Under Massen gegenüber dem Triebe der tapita sturz aller Heiligtümer der barbarischen Länder und Völker, Iistischen Produktion, die Produktivkräfte so den Voltaire's und Buckle's Auffassung der Geschichte mit zu entwideln, als ob nur die absolute Konsum. fich bringt, keine Befriedigung gewähren. Er wird in der Kommandantenstraße oder auf dem Gensdarmenmartt tionsfähigkeit der Gesellschaft ihre Grenze wohnen und finden, daß die Kriege nicht abgenommen, bilde." sondern seit der Revolution in der schönsten Blüte stehen, obgleich fie alle wesentlich Striege gegen den Krieg, Kriege gegen das Prinzip des Krieges, gegen Gewaltherrschaft und Sklaverei sind...." War etiva das Jahr 1900, in dem die letzte Krise ausbrach, cin ungünstiges Erntejahr? Die Statistik zeigt: seit Jahrzehnten hatten wir tein besseres, reicheres Erntejahr. Mit Ausnahme von Die Krisen find demnach in der heutigen Produktionsweise Weizen lieferten alle Getreidearten reichere Erträge als bisher; begründet. Sie hängen mit dem Lohnsystem und der MehrwertsDie Kartoffelernte fiel günftig aus; die Förderung von Kohle, erzeugung zusammen und können deshalb nur dadurch beseitigt Eisen und anderen Bergbauprodukten erreichte den höchsten Stand; werden, daß das heutige Wirtschaftssystem im ganzen geändert Das war damals noch das Glaubensbekenntnis der und der Wert der Ein- und Ausfuhr ließ alle früheren Jahre wird. Mit einigen kleinen Pflästerchen auf die schwärenden bürgerlichen Bildung, der bürgerlichen Ideologen, und wenn hinter sich. Reichtümer aller Art häuften sich auf und in diese Wunden der heutigen Wirtschaftsordnung ist es nicht getan. Der Ruge sich bald darauf, an der Schwelle des deutschen Krieges Herrlichkeit schlug plöglich wie ein Blitz aus lachendem Himmel Kampf gilt nicht nur den sogenannten Auswüchsen des Kapita. bon 1866 für Bismards auswärtige Bolitif erklärte- er starb als Pensionär des neuen Deutschen Reiches, d. h. der die Strife. Es ist über Bedarf produziert worden; die Werke haben lismus, er gilt dem ganzen System. Noch ist es zwar nationalliberalen Bourgeoisie-, so tat er es, weil er in den ihre Leistungsfähigkeit zu weit ausgedehnt". hieß es in den Handels- ein langer Weg, der uns von der Vergesellschaftung der Pro- Kriegen Bismards Kriege gegen den Strieg, gegen das blättern. Zu viel produziert, aber für welchen Bedarf? buktionsmittel trennt, aber, wie wir fehen, arbeitet die EntWar denn gar kein Bedarf mehr vorhanden; waren denn alle tidelung selbst für uns. Verhängen die Krisen über die Arbeiter schon so überreichlich mit dem nötigsten versehen, daß sie nichts schaft bittere Not, so öffnen sie doch auch vielen, die sonst nicht mehr gebrauchten? Gab es teine Arbeiter mehr, die Stiefel und sehen wollen, die Augen für den Widersinn der heutigen ProRöde, teine Arbeiterfrauen, die Kleider nötig hatten? Niemand buttionsweise und treiben neue Rekruten in die kämpfenden tann das bestreiten. Bedarf war also vorhanden. Aber diesen Reihen des Proletariats. So arbeitet der Mechanismus der natürlichen Bedarf meinen die bürgerlichen Nationalökonomen heutigen kapitalistischen Produktion selbst an seinem Untergang. nicht. Wenn fie von Bedarf sprechen, verstehen fie darunter die durch das heutige Lohnfyftem fünstlich eingeschränkte Nachfrage, bie sogenannte Kauffraft der Bevölkerung. Weshalb aber ist die Kaufkraft der Arbeiter so beschränkt, daß sie sich nicht das, was sie brauchen, zu kaufen vermögen, obgleich die Läger von Waren stroken und die Werke ihre Leistungen fo steigern tönnten, daß sich leicht das Fehlende ergänzen ließe? Deshalb, weil der Arbeiter in seinem Lohn nur einen Teil des Wertes empfängt, den er schafft; der andere Teil, der Mehrwert, aber als Unternehmerprofit an die Arbeitgeber" fällt, die ihn oeschäftigen, ferner als 3ins an die Geldverleiher( Banken, Sredit. faffen, Vorschußanstalten usw.), von denen diese Arbeitgeber einen Teil ihres Betriebskapitals geborgt haben, und schließlich als Handelsprofit an die Groß und Kleinhändler, welche die her. geftellten Waren bertreiben, " Des Mangels Eisenfzepter zwingt noch immer Den Gflaben, vor dem Reichtum sich zu beugen Und zu vergiften mit nuglofer Müh' Ein Leben, das zu bar des Trostes ist, Um jene Retten zu befestigen, Die ihn an sein unselig Schicksal binden. In unparteiischer Großmut hat den Menschen Mit kräft'gem Willen die Natur begabt; Der Stoff in wechselnden Gestalten liegt, Der Bildung harrend, stets zu feinen Füßen, Die zitternd wandeln, matt vom Gtlavenjoch. Wie mancher Milton schritt im Bauernfleis Prinzip des Kriegs sah und weil er glaubte, das Zeitalter des Friedens werde anbrechen, wenn erft die nationale Einigung Deutschlands vollendet sei Er und mit ihm so viele andere der ideologischen Vorkämpfer der Bourgeoisie erhofften von der Periode, die nach der Gründung des neuen Deutschen Reiches, nach der freilich nur stückweisen Vollendung der deutschen Einheit anheben werde, die Verwirklichung deffen, wofür er noch mit der Uebertragung Buckle's ins Deutsche gearbeitet hatte. Es ist ihnen ergangen, wie den. Aufklärern, die von der Erhebung des dritten Standes in der großen französischen Revolution die Aufrichtung des Reiches der Gerechtigkeit und der Vernunft erwarteten und die dann sehen mußten, daß der Vernunftsstaat bollständig in die Brüche ging. Wie es Engels im Anti- Dühring schildert: Der berheißene ewige Friede war umgeschlagen in einen endlosen Eroberungskrieg. Die Vernunftgesellschaft war nicht beffer gefahren. Der Gegensatz von Reich und Arm, statt sich aufzulösen in allgemeinem Wohlergehen, war verschärft worden durch die Beseitigung der ihn überbrückenden zünftigen und anderer Privilegien und der ihn mildernden kirchlichen Wohltätigkeitsanstalten. Die Ausdehnung der Industrie auf kapitalistischer Grundlage erhob Armut und Elend der arbeitenden Klassen zu einer Lebensbedingung der Gesellschaft. Die Zahl der Verbrechen nahm zu von Jahr zu Jahr. Waren Sie früher am hellen Tag ftch ukgescheui ergehenden feudalen Laster zwar nicht vernichtet, so doch vor- läufig in den Hintergrund gedrängt, so schössen dafür die bisher nur in der Stille gehegten bürgerlichen Laster umso üppiger in die Blüte. Der Handel entwickelte sich inehr und mehr zur Prellerei. Die„Brüderlichkeit" der revolutionären Devise verwirklichte sich in den Schikanen und dem Neid des Konkurrenzkampfes. An die Stelle der gewaltsamen Unterdrückung trat die Korruption, an die Stelle de? Degens, als des ersten gesellschaftlichen Machthebels, das Geld. Das Recht der ersten Nacht ging über von den Feudalherren auf die bürgerlichen Fabrikanten. Die Prostitution breitete sich aus in bisher unerhörtem Masie. Die Ehe blieb, nach wie vor gesetzlich anerkannte Form, offizieller Teckmantel der Prostitution, und ergänzte sich zudem durch reichlichen Ehe- bruch. Kurzum, verglichen mit den prunkhaften Verheißungen der Aufklärer, erwiesen sich die durch den„Sieg der Vernunft" hergestellten gesellschaftlichen und politischen Einrichtungen als bitter enttäuschende Zerrbilder...." So wie zu Anfang des 19. ftahrhuirderts an die Stelle des erwarteten„Vernuisitstaates" der kapitalistische Staat trat, so trat im 70er Jahrzehnt an die Stelle des von den bürgerlichen Ideologen erhofften Staates, darin der Mann der Wissenschaft über den Soldaten triumphiert, das der- preußte Deutschland, der Militär- und Junkerstaat, an die Stelle der erhofften Abrüstung i>as gegenseitige Wettrüsten zu schwindelnden Höhen. Die bürgerliche Wissenschaft denkt heute nicht mehr daran, dem Soldaten die führende Rolle im Staat streitig zu machen— Jie glorifiziert seine Taten und liefert die ideologische Verbrämung des Milstarismus. Der deutsche Professor erbringt den Befähigungsnachweis, deutsche Jünglinge zu„nationaler" Gesinnung zu erziehen, durch das Reserveoffizierspatent und lächelt mitleidig über die idealisti- fchen Träumer von ehemals, die von einer Ueberwindung des Krieges, von einer Külturgemeinschaft der Völker ohne Faustrecht geschwärmt haben. Die bürgerliche deutsche Bil- dung ist dem Milstarispms Untertan und die schlimmsten Konquistatoren, die Pioniere der nackten Brutalität und Bestialität gegen die schwarze Rasse finden den deutschen Hochschullehrer, der ihre Taten feiert als Siege deutscher Kultur. Aber ganz ist das Geschlecht der Träumer vom ewigen Frieden noch nicht ausgestorben im Bürgertum. Haben wir nicht die bürgerliche Friedensbewegung? Sie lebt und nährt sich von Illusionen. Zählt den Blutzaren zu den Ihren und sieht in jedem Schiedsgerichtsvertrage zwischen den Staaten und jedem internationalen Abkommen eine Etappe zum ver- meintlich nahen Ziel. Daß trotz all' der Verträge und Mittel- meer- und Ostsee- und Nordseeabkommen die Rüstungen nicht still stehen, daß die nervöse Spannung der Nationen wächst, daß gerade in der Aera der Schiedsgerichtsverträge die Kriegsbefürchtungen ständig geworden sind, das sehen die guten Friedenskongreßler nicht. Ihr Ideal schwebt als reine Idee über den irdischen Dingen. Ihr Blick reicht nicht in die wirtschaftlichen Untergründe der politischen Geschch- nisse. Die Legende vom„großen Mann", der die Geschichte macht, narrt sie so gründlich, daß sie von der blutigen Hand des russischen Selbstherrschers den Karren der Menschheits- entwicklung vorwärts gestoßen zu sehen hoffen. Die Gegen- sätze der nationalen Bourgeoisien, die in kolonialer Aus'- dehnung. in der politischen Beherrschung der Märkte den Ausweg aus den Verlegenheiten des Kapitalismus zu finden hoffen und von denen jede die Konkurrentin bei Seite zu drängen sucht, glauben diese bürgerlichen Friedensfreunde durch moralische Predigten und salbungsvolle Rechenexempel, die die Unrentabilität des Krieges nachweisen, überwinden zu können. Im Banne der bürgerlichen Anschauungen be- fangen, können sie nicht erkennen, daß der Kapitalismus den Krieg gebären muß, daß der soziale Krieg, der innerhalb der Nationen zwischen den Klassen tobt, den Krieg zwischen den Nationen zeugt. Das Proletariat beider Welten, das heute sich sammelt um die Plattform der internationalen Maidemonstration, das am 1. Mai sich schart um die rotflammende Fahne der Völkerverbrüderung, das seinen einigen Willen, den Frieden zu halten und zu sichern zwischen den Völkem. dem Krieg zu Kehren bis zur äußersten Kraft, in Le? geKaltigen Kund- gebung der Maifeier den Herrschenden aller Nationen zeigt, das Proletariat ist von den Irrwegen der gutmeinenden bürgerlichen Ideologen weit entfernt. Die geniale Erkenntnis der gesellschaftlichen Kräfte, der in der Menschheitsentwicklung wirkenden Faktoren, die Karl Marx und Friedrich Engels in der materialistischen Geschichtsauffassung ihm erarbeitet haben, hat ihm mit dem Wege zur Ueberwindung des Kapi- talismus und der Klassenherrschaft auch den zur Ueber- Windung des Krieges gezeigt. Der moderne Arbeiter weiß, daß der Klassenkampf, in dem er ficht, sowohl dem Krieg der Klassen als auch dem Krieg der Nationen ein Ende machen wird. Alles was er tut, mdeni er die Interessen seiner Klasse gegen die der Besitzenden setzt, indem er für seine Klasien- interessen kämpft, ist Friedensarbeit im doppelten Sinne. Die Arbeiterbewegung in all' ihren Formen ist die wahre Friedens- bewegung, die einzige, die Erfolg haben kann und wird, weil sie von der klaren Erkenntnis des Möglichen durchdrungen ist. Die internationale Sozialdemokratie weiß, daß über das wilde Profitverlangen, das im letzten Grunde die herrschenden Klassen die Völker zum blutigen Fehdegang aufbieten läßt, nicht Traktätlein und moralische Predigten siegen. Sie weiß, so lange die kapitalistische Anarchie der Wirtschaft dauert, in dem jeder dem Konkur- reuten zuvor zu kommen suchen muß, solange dauert auch die Anarchie in den internationalen Beziehungen. Sie weiß. daß ein Völkerrecht, das mehr ist als eine Phrase, gut genug, um von jedem Mächtigen ungestraft gehöhnt zu werden, erst erstehen kann, wenn das Recht des Volkes in allen Ländern erkämpft ist. Der Weltfrieden ist die sozialistische Gesellschaftl Die Gesellschaft der freien und solidarisch verbundenen Menschen ist auch dre Gesellschaft der freien und solidarisch verbundenen Völker. Aber die Kundgebung des 1. Mai zeigt nicht nur den Willen des Proletariats, dieses große Zukunftsziel, das „Endziel" zu erreichen. Die Erkenntnis, daß der Krieg inner- halb der kapitalistischen Gesellschaft nicht auszurotten ist, hindert die Arbeiter nicht, ihn schon heute mit allen Kräften. zu bekämpfen. Wie sie auch die Ausbeutungs-, die Ver- elendungstendenz des Kapitalismus, die ihm unausrottbar innewohnt, mit den Waffen der Organisation bekämpfen, wohl wissend, daß das Kräfteverhältnis zwischen Proletariat uird Bourgeoisie darüber entscheidet, ob sich diese Tendenz der kapitalistischen Wirtschast frei auslebt oder ob sie zum Stehen gebracht oder zurückgedrängt wird. Auch bei der Entscheidung über Krieg und Frieden ist das erwachte Proletariat ein Faktor, mit dem die Herrschenden rechnen müssen. Von der Stärke des proletarischen Widerstandes hängt es ab, ob sich die Kriegstendenz, die der Kapitalismus im Zeitalter des Jmpe- rialismus entwickelt, ungehindert auswirkt, oder ob sie gebändigt wird. Gegen den Willen des klassenbewußten Proletariats, der werdenden Mehrheit des Volkes, des aktivsten Teiles der Volksgemeinschaft können keine Kriege mit Aussicht auf Sieg geführt werden. Wenn darum die Sozialisten aller Kulturländer ein- ander am 1. Mai im Geiste die Bruderhand reichen über Grenzen und Ozeane, wenn sie jubelnde Grüße der inter- nationalen Solidarität mit allen Arbeitenden tauschen, so enthält ihre Demonstration nicht bloß das Zeugnis für das Zukunftsziel der freien Menschheit, hinter der in wesenlosem Scheine das Ungeheuer des Krieges liegen wird, sondern auch das Gelöbnis, in der Gegenwart den Kricgsgelüsten, sei es wo es sei, allezeit gewappnet entgegenzutreten und das Ge- wicht des Proletariats in die Schale des Friedens zu werfen. Auch hier verbinden sich, wie auf allen Gebieten feines Kampfes, Zukunftsziel und Gegenwartsarbeit zu har- monischcm Gefüge! In der Aera der Friedensworte und der Kriegsbefürchtungcn, der internationalen Schiedsgerichts- Verträge und der Kriegsrüstungcn soll das Proletariat die Fahne des Völkcrfriedens, der Völkerverbrüderung weithin sichtbar aufpflanzen, laut und gebieterisch sein:„Tod dem Kriege!" erschallen lassen! Der internationale Feiertag mahnt und ruft zur Pflicht wider die Brüder! Bekenntnis der Jnternationalität, stärke er und nähre er sie! Ein jeder unserer Maitage soll ein Fortschritt in 5cr Tiefe unseres internationalen Fühlen� der Erkenntnis unserer Pflicht im Rahmen der Gesamt- arbeiterbewegung sein! Ein jeder Maitag soll ihn am schwellen lassen, den Ruf der Millionen: Krieg dem Kriege! Nieder der Militarismus! Hoch der Bölkerfrieden und die Verbrüderung der befreiten Völker! Natur!— o nein! Staatsmänner, Kön'ge, Priester schädigen Der Menschheit Blüte schon in zarter Knosp«; Es sickert durch die blutentleerten Adern Der öden, wüst verkommenen Gesellschaft Ihr Einfluß, feinem Gifte gleich. Das Kind. Eh's noch der Mutter heil'gen Namen lallt, Ist schon erfüllt von unnatürlichem Verbrecherstolz, und hebt sein Kinderschwert In eines Helden grimmer Art empor. Ach! dieser Arm wird einst die blutige Geißel Der armen Erde, während große Namen, In harmlos sanfter Kinderzeit gelernt, Dem Mann als Hülle dienen, zu umdunkel» Die klare Leuchte der Vernunft, und gar Das Schwert zu heil'gen, das. zum Kampf gezückt Schuldloser Brüder Blut vergießen soll. O. laßt von Pfaffentrug betörte Sklaven Nicht mehr verkünd'gen, daß des Menschen Erbteil Elend und Laster sei. wenn schon Gewalt Und Lüge an des Säuglings Wiege stehlt Und alles angebor'ne Gute roh Ersticken. LdeLö?. Soziales. Wie man Arbeiter um ihren Lohn betrügt. Die Manipulationen eines Urkundenfälscher- Konsortiums wurden vorgestern vor der dritten Kammer des GewerbegerichtS gelegentlich einer Maslenklage aufgedeckt, die SS Bauarbeiter gegen die Kolonnenführer Clemens Otto und Hermann Nordmann an. gestrengt hatten. Die Kläger waren von den Beklagten für ein in der Schicklerstratze seitens der Baufirma Hiller u. Puhlmanu zu errichtendes Geschäftshaus eingestellt worden. Das Lohn- Verhältnis war durch einen Vertrag geregelt, in welchem als Tageslohn 7,50 M. festgesetzt war. Dieser Vertrag war mit ver Schreibmaschine geschrieben und trug die Unterschrist.Hiller u. Puhlmann". Die Kläger arbeiteten auch wochenlang zu dem Lohnsatz von 7.50 M., in dem Glauben, die Firma H. u. P. hätte keinen höheren Satz bewilligt. Nur durch einen Zufall kam cS gegen Mitte März ans Tageslicht, daß sämtliche Kläger einem ganz raffinierten Betrüge zum Opfer gefallen waren. Ein An. gestellter der Firma H. u. P. fand in der Baubude zufällig den den Arbeitern vorgelegten Vertrag, und sofort fiel ihm die Ber- schiedenartigkeit der Typenfarbe auf. Als er sich den Vertrag näher ansah, entdeckte er, daß an Stelle des von der Firma be- willigten Lohnsahes von 8 M. der Sah von 7,5V M. getreten war, und daß der Polier Sterner die Unterschrift der Baufirma ge» fälscht hatte. Auf Befragen des Vorsitzenden bestätigte der vor- gestern als Zeuge vernommene Angestellte dessen Vermutung, daß der Polier, der übrigens nach Aufdeckung des Betruges von der Firma sofort entlassen wurde» mit den beiden Beklagten Otto und Nordmann„Kippe gemacht", d. l>. sich den Raub geteilt habe. Sowohl O. wie N. leugneten zuerst hartnäckig jede Fälschung, der geschickten Verhandlungsführung des Vorsitzenden. Affeflors Prerauer, gelang es aber schließlich, den N. zu dem Geständnis zu bringen, daß er sich den Originalvertrag von einem gute» Freunde habe auf der Schreibmaschine abschreiben lasten. Die Kläger konnten das die Beklagten verurteilende Er» kenntnis vorgestern leider noch nicht erhalten, weil wegen der Höhe der Forderungen jedes einzelnen Klägers sich die Ber- nehmung eines gerichtlichen Sachverständigen als notwendig erwies. Das Strafverfahren gegen die Beklagten wig gegen den Polier ist anhängig gemacht. All die gewerkscbaftlieh und politisch organisierte Arbeiterschaft Berlins mid Umgegend! Genosse«, Genossinnen, Arbeitsbrüder! Zum neunzehnten Male feiert die klassenbewußte Arbeiterschaft aller Kulturländer den Weltfeiertag deS ersten Mail Wiederum gilt es. an diesem Tage Protest zu erheben gegen alle Maßnahmen, die da» Koalitionsrecht zu zerstören geeignet sind. gegen die dem Unternehmertum willfährigen Beschränkungen, Verordnungen und Entscheidungen landes- und ortspolizeilicher Körperschaften. Auch erheben wir Protest gegen die de» Weltfrieden bedrohende Weltpolitik, deren Verwirklichung dem arbeitenden Volke von neuem eine erhebliche Gut- und Blutssteuer auf- erlegt; gegen eine Weltmachtspolitik, die dahin führen muß. die Völker in blutigen Kampf gegen einander zu hetzen. Ferner protestieren wir gegea die Bestimm««ge» deS«e«e« BereiuSgefetzeS. betreffend die Beschränkung der Muttersprache der nicht deutsch sprechenden Bevölkerung, sowie die Knebelung der jugendliche» Arbeiter«nd Arbeiterinne«, ferner gegen den Entwurf des Gesetzes über Arbeitskammer» im Anschluß an die Berufsgenossenschasten, und gegen das schlechteste aller Gesetze, das Dreiklaffeu-Wahlrecht zum preußischen Landtage, welches die Arbeiterschaft rechtlos und mundtot macht! Rieder mit diese» reaktionären Bestimmungen, Gesetze»»nd der za ihnen führenden Politik! Angesichts einer solchen Politik empfiehlt der Ausschuß der Berliner Gewerkfchasts- kommisston der Arbeiterschaft folgende Resolution zur Annahme: »In Ueberetnstimmung mit den Beschlüffen der internationalen Kongreffe der Arbeiter aller Länder und mit den Beschlüssen der Parteitage der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, bekunden die Versammelten, daß sie mit aller ihnen zu Gebote stehenden Kraft eintreten für die Verwirklichung der Gedanken, die durch die Maifeier zum Ausdruck gebracht werden. �Gki Verantw. Rcdaftz?Gksrg Tavidsohn.Bcrlm. Äscratcntcil veranttv.:' TH.Glvcke, Berlin. Druck u.Vcrlag Die Versammelten betrachten die klassenbewußten Proletarier aller Länder als Kampfgenossen. mit denen sie gemeinsam für die Völkerverbrüderung, den Völkerfrieden und Förderung deS Kulturfortfchrittcs kämpfen. Die Versammelten erklären, einzutreten für die Befreiung der ArbeUer von jeglicher Ausbeutung und jeglicher Unterdrückung. Die Versammelten fordern eine wirksame Arbeiterschutzgesetzgebung, in der mindestens bewilligt werden muß: ein höchsteus acht Stunden dauernder Normalarbeitstag; eine mindestens 36 Stunde« dauernde Ruhepause für jeden Arbeiter in jeder Woche; Verbot der ErwerbSarbeit für Kinder im Alter von unter 14 Jahreu. Die Versammelten fordern die rechtliche Gleichstellung aller Arbeiter ohne Unterschied des Geschlechts, ganz gleich, ob sie in Industrie, Landwirtschaft, Handel und Verkehr oder im öffentlichen oder Gesindedienst ihre Arbeitskraft verkaufen. Die Versammelten fordern die Erweiterung der politischen und wirtschaftlichen Rechte für die Arbeiter. Bor allem Einführung deS allgemeine», gleichen und direkte« Wahlrechts mit geheimer Stimmabgabe für alle über zwanzig Jahre alten Personen ohne Unterschied des Geschlechts für alle Wahlen» Sicherstelluug des KoalitiouSrechtes, volle Vereins-, BersammlungS-«nd Preßfreiheit und Erweiterung der Rechte der Arbeiter bei der Arbeiterversicherung. Zur Wahrung der politischen Rechte schließen sich die klassenbewußten Arbeiter in der sozialdemokratische» Partei zusammen; zur Erkämpfung wirtschaftlicher Vorteile ver- einigen sich die Arbeiter in den Gewerkschafte». Diese Organisationen sind ein dauernder Protest gegen die bestehende Unterdrückung und das Machtmittel zur Erringung weiterer Rechte. Der vereinigte Kampf des Proletariats aller Länder ist das wirksamste Mittel zur Befreiung der Arbeiterklasse. In dieser Erkenntnis werden die Versammelle» mit aller Kraft für den AuSbau der politischen und gewerkschaftlichen Organisationen der Arbeiterklasse wirken."_ Vorwärts Buchdr. u. V�lagsanstalsPAul Singer& Eo* Berlin S W. Hierzu 5 Beilagen u.tlntrrhalNmgSbt 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 102. 25. Jahrgang. In Sachen Eulenburg. Freitag, 1. Mai 1908. Der ziveite Richter, der auch von der Straf in die Zivil- staatsanwalt Wachler selbst, dem ein Staatsanwalt assistierte. abteilung überging, ist der Amtsrichter Dr. Stern, Liebknecht verteidigte sich selbst. der Vorsitzende des Schöffengerichts, das Harden freisprach. Nach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses und dem Vortrage Die Staatsanwaltschaft zu München scheint über die Sier führt Herr Kade das schwere Geschütz eines Briefes des Referenten über das dem ehrengerichtlichen Verfahren voraufAffäre Eulenburg entschieden anderer Ansicht zu sein als Dr. Kerns vor, worin dieser beteuert, daß er nur auf eigenen, gegangene Strafverfahren gelangte das reichsgerichtliche Urteil zur Er wünschte Berlesung. Zeugen wurden nicht vernommen. In dreivierteldie Staatsanwaltschaft Berlin. Der„ Berl. Börsen- Courier" ganz freiwilligen Wunsch versekt worden ist. meldete am Donnerstag: versett zu werden wegen der heftigen Preßangriffe, die er stündigem Plaidoyer begründete dann der Generalstaatsanwalt Der von uns gemeldeten Anzeige des Fürsten erfuhr. Herr Kade glaubt einen großen Trumpf mit dieser seinen Antrag, der auf Ausschließung Liebknechts aus Eulenburg gegen die Beugen im Münchener Harden- Prozeß eigenen Angabe Sterns auszuspielen. Die Deffentlichkeit dürfte der Rechtsanwaltschaft lautete. Er hob die glänzenden wegen Meineids ist wie der Nürnberger Gen.- Anz." auf darüber etwas anderer Meinung sein. Geistesgaben Liebknechts hervor, erwähnte, daß er bereits in dem Anfrage an amtlicher Stelle erfährt- von der Münchener Wieder ganz in der Rolle des täppischen Bären ist Anfangsstadium seiner juristischen Laufbahn ein so bedeutendes Staatsanwaltschaft teine Folge gegeben worden, da nach Herr Stade beim dritten Richter, dem Landgerichtsdirektor Leh- Können gezeigt, daß hervorragende Gelehrte ihn in ihren Werken ihrer Ansicht„ keinerlei Anhalt für einen Meineid der Zeugen vor- mann, der der Strafkammer vorsaß, die im Prozeß Moltke- zitieren. Im so unwürdiger aber sei die Handlungsweise LiebLiege und ein Gegenbeweis von dem Anzeigenden nicht einmal an- Harden auf vier Monate Gefängnis erkannte. Der Aus- nechts, seine Geistesgaben in Wort und Schrift zu der häßlichsten geboten worden sei." Ein Münchener Drahtbericht der B. 3. am Mittag" vom spruch:" Der Kerl muß verurteilt werden", der Straftat, dem Hochberrat, zu benutzen. Dies zeige ihn unwürdig, der Verhandlung gefallen ist, macht Herrn dem ehrenvollen Stande der Rechtsanwälte noch länger anzugehören. felben Tage behauptet freilich im Gegensatz zu dieser bor Kade nicht viel Kopfschmerzen. Er hat zwei Wege, Liebknecht dankte in gleich langer Rede für die Schmeiche Meldung: " ihn als bedeutungslos hinzustellen. Einmal meint leien, die der Generalstaatsanwalt seiner Tüchtigkeit gespendet habe. Die Nachricht, Fürst Eulenburg habe gegen den Milchals er Diese Schmeicheleien könnten aber für ihn nichts bedeuten, wenn händler Riedel und den Fischermeister Ernst Anzeige er, Landgerichtsdirektor Lehmann habe wohl, wegen Meineids beim Münchener Gericht erstattet, be- den Ausspruch tat, noch nicht gewußt, daß er die Straf- feine Ehre und sein Charakter angegriffen werden. Die ihm gegen. stätigt sich bis jetzt nicht... fache Harden erhalten werde.( Was sehr unwahrscheinlich ist, über angewendete Strafart der Festungshaft zeige zur Evidenz, Wenn indes der Nürnberger, Gen.- Anz." seine Mitteilung die Sache aber nicht viel besser macht, da Herr Lehmann sich daß auch das Reichsgericht an seiner Ghrenhaftigkeit keinen Zweifel wirklich auf Grund amtlicher Auskunft bringt, so muß sie dann hätte für befangen erklären und zurücktreten müssen. gehabt habe. höher bewertet werden als die Drahtmeldung des Berliner Wenn aber der Ausspruch gefallen ist, als Lehmann schon Nach einer Beratung von wenigen Minuten verkündete der VorMittagsblattes. Dieses fährt fort: amtlich mit dem Prozeß befaßt war? Nun", meint Herr Kade fibende das freisprechende Urteil. Das Ehrengericht hat Die Berliner Staatsanwaltschaft läßt offiziell berbreiten, gemütlich), so konnte er als Vorsitzender auf Grund des Atten- fich zwar an das Strafurteil des Reichsgerichts auch in dem ehrendaß, sobald sie die Aussagen des Riedel und Grust, welche im materials sich schon ein Urteil gebildet haben, gerichtlichen Verfahren insofern gebunden erachtet, als es hochHardenprozeß so schwerbelastend gegen Eulenburg aussagten, vor das in Hinblick auf die bereits erfolgte öffentliche Haupt- verräterische Handlungen Liebknechts annehmen mußte. Allein liegen, fie gegen den Fürsten Stellung nehmen würde. Diese Aussagen liegen, wie wir feſtſtellen können, der Berliner Staats- teine Bedeutung hatte, solange nicht noch drei der Straf- teit abzusprechen, noch weiterhin seinen Beruf, anderen als SachAussagen liegen, wie wir feststellen können, der Berliner Staats- berhandlung kein Vorurteil mehr war, überdies in sich es lag keine Veranlassung vor, ihm deswegen die Fähig. anwaltschaft im stenographischen Bericht seit acht Tagen vor. walter zu dienen, abzusprechen. Gerade im vorliegenden Fall sei Nach diesen Aussagen ist Fürst Eulenburg des Meineids mehr als fammermitglieder ihm beitraten." hinreichend verdächtig." Offenbar ist die Berliner Staatsanwaltschaft über die Glaubwürdigkeit der Münchener Zeugen noch nicht im Reinen. Das deutsche Volt tann aber völlig beruhigt abwarten, bis das der Fall ist. Es darf überzeugt sein, daß die Berliner Behörde es an Sorgfalt nicht fehlen lassen wird. Und der Justizminister ist ja nun auch wieder dal Einen argen Bärendienst hat der Landgerichtsrat Ka de der deutschen Justiz geleistet. Der Herr erachtet sich für berufen, das Vertrauen zur deutschen Rechtspflege wieder herzustellen und das böse Kennwort Selassenjustiz" auszurotten. " den An Herrn Kade ist ein Anwalt verloren gegangen. Er die politische Gesinnung des Angeklagten in Betracht zu will beweisen, daß der Richter Lehmann unbefangen war und ziehen und die Betätigung dieser Gesinnung in erklärt es zu diesem Zwecke für unbedenklich, daß der Richter Wort und Schrift bilde noch keine Verlegung sich vor der Verhandlung das Urteil bildet! der Anwaltsehre, selbst wenn sie den Interessen des Staates Herr Kade ist selbst vom Bau. Er ist Landgerichtsrat. widerspreche. Wir haben schon gestern darauf hingewiesen, daß die Forts Seine Broschüre spiegelt also Anschauungen wieder, die im deutschen Richterstande umgehen. Deutsche Richter sehen also feßung des Verfahrens in Leipzig stattfinden wird. Die Anklagenichts darin, wenn Kollegen wegen Mißbilligung eines Urteils behörde wird sicherlich Berufung gegen den Freispruch an an hoher Stelle versetzt werden, noch wenn sie vor der Ver- Ehrengerichtshof der deutschen Rechtsanwälte in Leipzig einlegen. Dort urteilen nicht die Standesgenossen allein über den Angeklagten. handlung ihr Urteil bereits fertig haben! Die Mehrheit des Ehrengerichtshofs besteht aus Richtern, aus dem Präsidenten des Reichsgerichts, der den Vorsitz führt und drei Reichsgerichtsräten ihnen stehen nur drei Rechtsanwälte gegenüber. Dieser Ehrengerichtshof hat sich stets willfähriger gezeigt für die Anträge der Anklagebehörde als das Berliner Ehrengericht. Indes dürfte es diesmal den Reichsgerichtsmitgliedern des Ehrengerichtshofs zu Leipzig doch schwer fallen, dem Verlangen des Generalstaatsanwalts auf Ausstoßung Liebknechts aus dem AnUrteil über Liebknecht entschieden hat, daß sein angeblicher Hochverrat nicht aus ehrlofer Gesinnung entsproffen ist, Und Herr Landgerichtsrat Stade fragt verwundert und entrüstet, wieso die frechen Nörgler die Unabhängigkeit des deutschen Richters anzweifeln können. So verwundert muß der Bär ausgeschaut haben, als er In einer kleinen Broschüre, die diesen Titel trägt, will seinem Herrn den Kopf zerschmettert hatte mit dem Stein, der er nachweisen, daß es nur ein sonderbarer Zufall gewesen, ihm die Fliege verscheuchen sollte. wenn zwei Richter, die Harden freigesprochen haben, von der Strafrechtspflege zur Ziviljustiz versetzt wurden und daß es Die Ablehnung des Ausschlußantrages maltsstande zu entsprechen, zumal das Reichsgericht selbst in seinem nichts weiter auf sich hat, wenn ein dritter, der den Harden verurteilte, nach unividersprochen gebliebenen Mitteilungen Hardens schon vor der Verhandlung erklärt hat:" Der Ser muß berurteilt werden!" wider Liebknecht. Aus dem Wahlkampf. Freifinnige Selbstverhöhnung. Zur Berhandlung vor dem Ehrengericht der Anwaltskammer Der erste der Richter, dessen Schicksal Herr Stade bespricht, der Mark Brandenburg wider den Genossen Dr. Karl Liebist der verstorbene Landgerichtsdirektor Schmidt, der in den knecht, deren Ergebnis wir gestern schon mitteilten, war der 90er Jahren Harden von der Anklage der Majestäts- Angeklagte aus der Festungshaft zu Glas beurlaubt worden. beleidigung freisprach, darauf schleunigst an eine Ziviltammer Der Urlaub dauerte vier Tage und lief gestern ab. versetzt wurde und bald darauf den Abschied nahm. Herr Nach der Verurteilung Liebknechts vor dem Reichsgericht zu Wir stehen erst am Anfang der Wahlbewegung und schon jetzt Kade versichert, daß die Versetzung nicht die Folge des Frei- 1½ Jahr Festung wegen angeblicher Vorbereitung des Hochverrats scheint die Freifinnige Zeitung" den Verstand verloren zu spruches im Falle Harden gewesen sei. Schmidt sei vielmehr hatte der Generalstaatsanwalt die Einleitung des Diszipli. haben. Anders wäre es nicht möglich, daß der Moniteur des„ symbersetzt worden, weil das Gericht, dem er vorsaß, eine andere narverfahrens bei der Anwaltskammer beantragt, pathischen" Kleeblatts Wiemer Stopsch Fischbeck der SozialEhrenfränkung, ungenügend geahndet" und weil diese ganze diese hat aber ein Einschreiten zunächst abgelehnt; auf die Be- demokratie vorwirft, daß sie es darauf abgesehen habe, eine Sache es handelte sich um die Beleidigung der Tochter schwerde der Staatsanwaltschaft entschied das Kammergericht, daß Stärkung der Reaktion herbeizuführen. Wenn im preußis eines Generals in den höchsten Kreisen großes die Eröffnung des Hauptverfahrens stattfinden soll, und so hatten schen Landtag ein Wahlrechtsantrag Erfolg haben solle, dann müsse Aufsehen gemacht habe! gestern die Kollegen Liebknechts ihr Urteil darüber zu sprechen, ob eine wahlrechtsfreundliche Mehrheit geschaffen werden. Deshalb der wegen Hochverrats Verurteilte die Würde seines Standes hätte die Sozialdemokratie die Pflicht, darauf hinzuwirken, berlebt habe und ob ihm demnach das Recht abgesprochen werden daß recht viele Liberale in den Landtag gewählt werden. müsse, den Anwaltsberuf noch länger auszuüben. Also Schmidt ist nach der Angabe Rades versetzt worden, weil ein Urteil, das er fällte, oben nicht gefiel! Herr Kade will die Behauptung widerlegen, daß die Unabhängigkeit des Richters in Preußen lediglich auf dem Papicr stehe. Und dieser offenbar sehr gewiegte Jurist glaubt das zu beweisen, indem er selbst erzählt, daß diese Richter wegen des Stirnrunzelns an hoher Stelle versetzt wurden! Kleines feuilleton. Ein erster Mai Der erste Mai. nur eine Hoffnung, Die Hoffnung, die der Frühling gibt. D Vaterland, was soll das Herz tun, Das dich so treu und innig liebt? Es soll aus diesem Frühling lernen, Daß auch dein Frühling einst erscheint, Ein Mai, der jede Träne trodnet, Die jett um dich die Liebe weint. Und doch betrübt mich ernster ZweifelWann werd' ich fingen froh und frei: D Vaterland, es ist geworden Auch jetzt für dich ein erster Mai! Hoffmann von Fallersleben 1844. Den Vorsitz im Ehrengericht führte der Vorsitzende der Anwaltskammer, der nationalliberale Vizepräsident des Abgeordneten hauses, Geh. Justizrat Dr. Krause, das Referat lag in den Händen des Justizrats trans; die Anklage vertrat Generalgerüstet in die Schlacht", wie der Bürgermeister von Wien den Festzugsrummel mit bösartigem oder ahnungslosem Wiz benannt hat. Den asseturierten Siegern fann nir g'icheh'n, höchstens dem alten Herrn, dem in der patriotischen Festkomödie die Rolle des Befiegten zugewiesen wurde.... " Der bekannte in die Praris, wenn auch auf fürzere Streden, heute bereits eine könnte. Das könnte dem Freifinn passen, wenn die Sozialdemokratie sich vor seinen verfahrenen Karren spannen würde. Gewiß gebärdet sich der Freifinn momentan ungemein wahlrechtsfreundlich. Das sieht radikal aus und verpflichtet zu nichts. Welch unsichere Kantonisten die Freisinnigen sind, das hat sich in Kiel, Bremen, Lübeck, Franzose im Durchschnitt ein Kilogramm Tabat jährlich, davon 878 Gramm als Rauch oder Kautabat und den Rest von 122 Gramm als Schnupftabat. Da die Sitte des Schnupfens doch immerhin nur bei einem verhältnismäßig fleinen Teil der Bevölkerung verbreitet fein tann, so muß der einzelne Schnupfer ganz enorme Mengen im Jahre verbrauchen. Insgesamt gibt Frankreich fast eine halbe Milliarde jährlich für Tabak aus oder ungefähr 12 Frank( zehn Mark) pro Kopf. Von dieser Summe streicht das Finanzministerium 92 Prog. ein, Grund genug, daß die deutschen Finanzminister uns auch mit Monopoltabat beglüden möchten. auch mit Monopoltabat beglücken möchten. Humor und Satire. " Drahtlose Telephonie Berlin- Kopenhagen. dänische Ingenieur Waldemar Poulsen weilt augenblicklich in England, wo er sein System der drahtlosen Telephonie der Deffentlichfeit vorführen will. Ueber feine bisherigen Resultate hat er der Londoner Institution in einem Vortrag Mitteilungen gemacht, aus denen hervorgeht, daß er zunächst nicht die Absicht habe, eine telephonische Verständigung quer über den Ozean herbeizuführen, und daß er auch von der kommerziellen Bedeutung einer derartigen Das Rudolf Virchow- Modell. Ja, mein lieber Berständigung nicht allzu viel halte, da ja das in nächster Zukunft Alimsch, das Modell sieht ja soweit ganz nett aus, aber das Porträts zu erwartende Schnellverfahren der drahtlosen Telegraphie nach wissen Sie, der Birchow müßte mehr nach oben hiu." Oh oh! medaillon ist viel zu flein." medaillon ist viel zu flein." So, Sie haben das geändert; aber diefer Richtung alles Wünschenswerte zu leisten verspreche. Er viel zu groß: wir dachten uns das eigentlich so!( Drückt das nimmt jedoch für sich in Anspruch die Methode zur Erzeugung Modell zum Klumpen.) Und übrigens, lieber Klimich, wozu brauchen fentinuierlicher Wellen auf einen fo hohen Grad der Vollendung wir überhaupt ein Virchow- Denkmal?!" gebracht zu haben, daß eine Einführung der drahtlosen Telephonie ( Lustige Blätter".) Humor des Auslandes. Von diesem Museum halte mögliche Sache sei. Der Vortragende erwähnte, daß in Lyngby ich nicht viel", sagte Jints; Sie haben hier ja nicht mal einen bei Kopenhagen die phonographische Wiedergabe eines Mufit Schädel von Napoleon Bonaparte, und das Museum, in dem ich in stückes, die von einer kleinen Sendestation in Berlin ausging, New York war, hat zwei." ( Baltimore American.) Aeltliches Fräulein: Doktor, glauben Sie, daß das HaarDie Wiener Feftzugpoffe. Man schreibt uns aus Wien: Die über eine Entfernung von 465 Kilometer sehr gut gehört werden Doktor: Nein, aber ich Wiener Festzugpoffe, über deren heitere Phasen hier unlängst be- konnte, und daß die menschliche Sprache bei ähnlicher Uebertra färben zu Gehirnerweichung führt?" richtet wurde, hat noch einen ganz unerwarteten, wirklich fühnen gung im Abstande von 270 Kilometer gut verstanden werden glaube, daß Gehirnerweichung manchmal zum Haarfärben führt." ( Jllustrated Bits.) Schlußatt erhalten. Der Festzug hatte, wie bekannt, mit Rücksicht auf den Wunsch und das Wohl des fast achtzigjährigen Raisers nicht Der franzosische Monopoltabat. Nach der Mitteilung stattfinden sollen, aber die wild gewordenen Hoteliers, Gastwirte eines Lancet" Korrespondenten hat im Jahre δας 1907 und Gemeinderäte haben sich ihn erzwungen. Wer ihnen aber des- Tabakmonopol dem französischen Staatsschatz die Kleinigkeit von halb vorwerfen würde, daß sie auf das hohe Alter des Kaisers von 377 Millionen Frant eingebracht, noch etwa 6 Millionen mehr als schrieben wird, foll in furzem in Cherbourg das größte Unterseeboot Desterreich feine Rücksicht genommen, der täte den Patrioten Unrecht. im Vorjahre. Es wurden insgesamt 2 Millionen Kilogramm der Welt, Q 74, vom Stapel laufen. Es wird über 130 Fuß lang Oh, sie haben daran gedacht, daß Franz Josef achtundsiebzig Jahre Bigarren, etwa dasselbe Gewicht an Zigaretten, 28 Millionen und 15 Fuß breit sein und ein Deplacement von 625 Tonnen haben. alt ist, sie haben erwogen, daß ihn heuer im Winter eine lang- kilogramm ant geschnittenem Tabat oder alles in allem Seine doppelten Schrauben werden von vier elektrischen Motoren wierige Bronchitis arg geschwächt hat, eben darum haben fie fich 332 Millionen Kilogramm an Rauchtabat mit verschiedener von 2000 Pferdekräften und zwei Petroleummotoren von gleicher ihren Festzug Dazu affeturiert. Eine große österreichische Zubereitung verkauft. fünf Stärke getrieben und dem Schiffe eine Durchschnittsgeschwindigkeit außerdem noch Lebensversicherungsgesellschaft hat mit dem Kaiserjubiläumsfestkomitee Millionen Kilogramm Schnupftabat und etwas mehr als von 15 Knoten geben. Die Bewaffnung des neuen Unterseebootes einen Versicherungsvertrag abgeschlossen, der dem Komitee für den Fall, eine Million Kilogramm Kautabat. Die Einzelheiten der wird aus vier Torpedorohren, von denen jedes ein Paar Torpedo daß( Gott behüte, aus irgendeinem traurigen Anlaß) der zu Ehren des Statistit ergeben eine ganz ungeheuere Steigerung des Ertrages. enthält, bestehen. Staisers veranstaltete Feftzug abgesagt werden müßte, mehrere Hundert- Der Verkauf von Zigaretten z. B. hatte im Jahre 1872 eine knappe Ein Dampfer für 5000 Personen, der„ Robert taufend Gulden zusichert. Die Patrioten, die Huldiger, die Kaiser- Million eingebracht, war dann bis 1882 auf 17 Millionen gestiegen Fulton", wird nach" Promethens" binnen kurzem auf dem Hudson treuen haben also für alle Fälle gesorgt.' s fann ihnen nig und danach mehrere Jahre ungefähr auf dieser Ziffer verblieben. in Dienst gestellt werden. Dieses Schiff, nach Art der amerikanischen A'scheh'n Sie haben bei der ganzen Sache nichts ristiert. Mit Jm vorigen Jahre wurden an Zigaretten 72 Millionen Frant Flußdampfer mit vielen über einander liegenden hohen Deckaufbauten voller Seelenruhe tönnen sie ihre fünfzehntausend Berücken, vier- vereinnahmt. Merkwürdig ist noch die Tatsache, daß Frankreich versehen, welche die Unterbringung so vieler Menschen ermöglichen, tausend Heroldskostüme, tausend Ritterrüstungen aus allen Theater- jetzt wieder mehr zu schnupfen beginnt, denn der Verbrauch hat die für einen Flußdampfer erhebliche Länge von 120 Meter, garderoben Europas zusammenschnorren- geht alles gut, so werden an Echnupftabat ist während der letzten drei Jahre erheb eine Breite von 13 Meter, eine Höhe von 24,6 Meter und einen fie die Kosten mit dem Erlös von 100 000 Tribünensißen herein- lich gewachsen. Im Gegensatz dazu ist der Verkauf von Tiefgang von 2,4 Meter. Er wird durch zwei gewaltige Schaufelbringen, geschieht ein Unglüd, na, so find fie versichert! So falt- Bigarren, namentlich der billigen Sorten, etwas zurückgegangen. räder von 7,3 Meter Durchmesser getrieben und soll eine Ge blütige Gratulanten find wohl noch nicht dagewesen. Sie ziehen Nach der statistischen Berechnung verbraucht jetzt jeder schwindigkeit von 32 Kilometer in der Stunde erreichen. tamen Notizen. Das größte Unterfeeboot. Wie aus Paris ge Rostock u. a. Orten gezeigt, wo sie teils das Klastenwahlrecht noch verschlechterten, teils gegen daS allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht gestimmt haben. Kein Zweifel, dem Blockfreisinn dient die Forderung der Uebertragung des ReichStagSwahlrechtes auf Preußen in der Hauptsache nur als R e k l a m e s ch i l d, mit dem sie hoffen, bessere politische Geschäfte zu machen. Wäre es dem Freisinn so heiliger Ernst mit dem Wahlrecht, als wie er dies vorspiegelt, dann müßte er auch einen Beweis dafür er- bringen. DaS könnte er dadurch, daß er die Wahl einer Anzahl Sozialdemokraten, den konsequente st en Verfechtern des Wahlrechtes. nnlerstiitzen würde. Die Vorgänge in Breslau und Frankfurt a. M. zeigen aber, daß der Freisinn bestrebt ist, die Wahl von Sozialdemokraten unter allen Umständen zu hintertreiben: Lieber verzichtet der Freisinn auf eigene Mandate und begünstigt die Wahl konservativer Reaktionäre! Und zum Dank dafür sollen wir dem Freisinn helfen, dort wo er in Nöten ist? Diese Zumutung bedeutet nichts anderes, als daß die Sozialdemokratie sich selbst ohrfeigen soll! Die Wucht der sozialdemokratischen Stimmen mutz der Regierung die wachsende Empörung des Volkes zeigen. Wäre eine Negierung auch aus noch so ver- bissenen Junkern zusammengesetzt, dem Ansturm des Volkes kann sie auf die Dauer nicht Wider st and leisten! Deshalb gehen wir unter Wahrung unserer Prinzipien unseren eigenen Weg, damit sind wir stets am besten gefahren. Dem lakaienhaften Freisinn den Steigbügel zu halten, fühlen wir uns denn doch zu gut. Schon eine solche Zumutung stellen, läßt auf eine geradezu krankhafte Verirrung schließen i politilcbe Clebcrlicbt. Berlin, den 30. April 1908. Postdampfersnbventionen— Automobilsteuer— Teuerungszulage. WaZ dem Reichstage in der Vorlage betreffend die Erhöhung der Postdampfersubventionen zu- gemutet wird, ist selbst in der Blockpolitik ungewöhnlich starker Tabak. Es soll dem Norddeutschen Lloyd für die Erweiterung seiner sowieso subventionierten Dampferfahrten im Stillen Ozean durch Einlegung zweier Linien von Neuguinea nach Japan und nach Australien ein Zuschlag von jährlich 500 000 M. gezahlt werden. Das sollen die deutschen Zahlerzahler auch noch aufbringen, trotzdem der Gesamtwert des deutschen Handels mit Deutschlands ozeanischen Kolonien nicht mehr als etwa 800 000 M. jährlich beträgt. Die Zumutung erregte Bedenken selbst bei den Blockparteien. Die Konservativen ließen durch den Grafen Kanitz sogar erklären, daß sie kaum zustimmen würden. Bewilligungsgeneigter waren die National- liberalen und Freisinnigen. Für die Sozialdemokratie begründete Genosse Noske unsere völlig ablehnende Haltung, indem er auf den Widerspruch hinwies, in den die Regierung sich durch die Vorlage zu ihrer heimischen Politik der Nahrungsmittel- Verteuerung setzt. Die Vorlage wurde an die Budget- tom Mission verwiesen. Allgemeiner Zustimmung begegnete dagegen eine Vorlage, durch die der Regierung die Ermächtigung erteilt wird, im Verordnungswege die Stempelabgabcn auf ausländische Automobile im Grenzverkehr wesentlich zu ermäßigen. Ge- nosse Se v e r i n g, der im Namen unserer Partei die Zustimmung zu der Vorlage aussprach, befürwortete gleichzeitig die Auf- Hebung der Automobilsteuer, was der Prinz Schönaich» C a r o l a t h als einen Widerspruch zu den früheren Aus- führungen Ledebours über die Auswüchse des Automobilsports festnageln zu können glaubte. Ledebour und S e v e r i n g wiesen in scharfen Worten diese Unterstellung zurück. Eine Kommissionsberatung der Vorlage wurde nicht beliebt. Die Vorlage betreffend die Teuerungszulage für Beamte wurde gleichfalls der Budgetkommission über- wiesen, nachdem in der längeren Debatte Genosse Singer betont hatte, daß die Regierung sich mit einer ganz unzu- länglichen Abschlagszahlung abzufinden suche, so daß es not- wendig sein würde, in der Kommission die Tragweite des Gesetzes gründlich zu erweitern. Die Debatte zog sich bis 8'/, Uhr hin, da die Mehrheit es darauf anlegt, wieder durch endlose Sitzungen in wenigen Tagen die Reichtagsarbeit sich vom Halse zu schaffen. „Kreuz-Zeitungs-Talente. ' Wenn nicht zu der Zeit, als der selige Freiherr v. Hammerstein Noch Ehesredakteur der.Kreuz-Zeitung* war, dieser würdigste Interpret konservativer Moral nach stohen Champagnersoupers mit seiner Flora von katzenjämmerlicher Stimmung geplagt wurde, schrieb er jene pathetischen Artikel über die konservativ-christliche Weltanschauung, die seine Flora zu dem bekannten Ausspruch be« stimmten:.Komödianten seid Ihr doch alle!" Daß die.Kreuz-Zeitung" solche aus der sauren Heringsstimmung geborenen Bützerartikel nicht mehr bringt, ist entschieden ein Fehler; doch hat das Blatt wenigstens insofern für Ersatz zu sorgen versucht, als es hin und wieder einigen politisierenden Generälen, General» majoren, Obersten und Majoren z. D. und a. D. gestattet, in seinen Spalten die Stilübungen ihrer Mutzestunden abzulagern. Einer der geistreichsten dieser GelegenheitS-Auchschriststeller ist der Major a. D. von K a l ck st e i n. der in Ermangelung anderer Beschäftigung mit Borliebe und Aus- bauet die Fabrikation von gründlichen Widerlegungen der Sozial- demokratie nach eigenem Spezialrezept betreibt. Er hat eine hervor- ragende literarische Bildung, kennt z. B. die meisten Gedichte Schillers und hat ein ttefes Verständnis für verschiedene Stellen der.Glocke'— z.B.„Gefährlich ist'S, den Leu zu wecken" oder»Da werden Weiber zu Hyänen" usw. Femer hat er Heinrich v. SybelS Schrift über«Die Unechtheit des heiligen Rocks in Trier" und die„Geschichte der Revolutionszeit", ja wahrscheinlich sogar Hhppolit Taines„Originea de la France conternporaine" gelesen und sich dadurch eine gründliche Kenntnis des Zentrums und der Sozialdemokratte, die nach seiner Ueberzeugung nur eine verschlechterte Neuauflage des französtschen Jakobinertums ist. erworben. Vor allem aber besitzt Herr v. Kalckstein eine ganz außergewöhnliche Befähigung für unfreiwillige Komik, die ihn sogar zum Redakteur der»Deutschen Tageszeitung" qualifiziert erscheinen läßt. Allerdings hat Herr v. Kalckstein seine Gedanken nicht immer beisammen; er springt oft unvermittelt von einem Gegenstand zum anderen über und in seinen Arttkeln schwimmen die verschiedenen Ideen durcheinander, wie Fleisch, Fisch, Gemüse und Backobst in emer Hamburger Aalsuppe; auch scheint Herr von Kalckstein eine erbliche Abneigung gegen die Logik zu besitzen; aber derarttge Kleinlichkeiten stören nie einen großen Geist. Sein Aalsuppensttl wird vielmehr dadurch nur noch pikanter. Leider verbietet uns trotz unseres Sinnes für Humor, besonders natürlich für unfreiwilligen, der Raum unseres Blattes, unsere schmeichelhafte Charakteristik der v. Kalcksteinschen Psyche durch eine lange BWenlese aus seinen Artikeln zu belegen: einige kurze Stellen aus feinem heute in der„Kreuz-Zeitung" erschienenen Artikel »Unsere Schwäche der Sozialdemokatie gegen- über" abzudrucken, können wir uns jedoch nicht versagen. Herr Major a. D. von Kalckstein kommt zunächst auf die Wahl- rechtsdemonstrationen in Berlin zusprechen: „Natürlich würde sich ganz Berlin freuen, wenn hundert- tausend Menschen durch die Straßen zögen und in alle Fenster freundlich hineingrllßten. Aber auf eine solche Weise für ein neues Wahlrecht zu kämpfen, wäre wenig erfolgreich. Nein, die Sozial- demokratie will ein Thermometer an die Tatkraft der Staatsgewalt anlegen und je mehr dasselbe fällt, desto mehr steigt ihre Unternehmungslust:»Wohlan, es naht die Stunde des Ge- richtS usw. bis zum dumpfen Schritt der Massenbataillone."— Also, wo es geht, soll immer ein bißchen Umsturz versucht werden, vorläufig meist an leblosen Gegenständen; gleichzeitig wird daS Heer vor dem Schießen auf Vater und Mutter gewarnt. Ja, Gott bewahre uns davor! Aber bevor die Schillersche Glocke in- bczug auf die Weiber zur Wahrheit, wiederum zur Wahrheit wird, ist das Wort Napoleons I. höchste Weisheit und höchste Milde: »Es ist mißverstandene Humanität, zunächst Pulver ohne Kugeln zu verwenden, weil leider dadurch die letzte Abrechnung nur um so blutiger wird." Jedoch eigentlich ist die Sozialdemokratie gar nichts Neues. Ihre Losungsworte hat sie lediglich den süditalienischen und spanischen Räuberhauptleuten entlehnt und selbst im alten Athen wurden schon ihre Grundsätze verhöhnt: Darum hört man heute auch in sozialdemokratischen Kreisen aussprechen:„DaS Ziel ist nicht?, die Bewegung ist alles."— In diesen Worten aber liegt der klare Beweis, daß gegen die Sozialdemokratie mit Gründen nicht anzukämpfen ist. Hiernach handelt eS sich also um die Herrschaft der Führer und die Versorgung der zahlreichen Handlanger, welche im Dienste der Partei ihr tägliches Brot finden.— Und damit kommen wir sofort zu der traurigsten Seite, der heuttgen inneren Polittk, zu dem Einfluß des Geldes auf die Wahlen und damit auch auf die Gesetzgebung und die Weitercntwickelung unseres Volkes. Hieraus ersieht man, wie falsch das sozialdeniokrattsche Schlagwort ist, daß die»bürgerliche und politische Gleichheil durch das allgemeine, gleiche und direkte geheime Wahlrecht zum Ausdruck kommt". Damit ist die Forderung de? allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts gründlich widerlegt; und, nachdem Herr v. Kalckstein noch eiligst im Handumdrehen bewiesen hat, daß daS Heer möglichst vergrößert werden muß, von Klaffenjusttz nicht ge- redet werden darf, Schlafzimmergeschichten in Preußen wie ander- wärts vorkommen, gute Christen stets zufrieden sind, die Hohen- zollern erbliches Verantwortlichkeitsgefühl besitzen und eS keine „gesunde Demokratie" gibt, empfiehlt er zum Schluß sein Gegen- gift gegen die sozialdemokratischen Lehren. ES besteht darin, daß die Lehrer fortan noch mehr als heute den Kindern Begeisterung für den preußischen Staat, Heldenkultus und Religion einbläuen sollen: „Vermag ein solcher nicht Religion in die Herzen einzu- pflanzen, so möge er für die Tugend hervorragender Männer Be- isterung erwecken; vermag er nicht die Bedeutung der in der eltgeschichte bewährten Arfftokratten anzuerkennen, so möge er Bewunderung für jeden hervorragenden Mann, der sich herauf ge- arbeitet hat, lehren, aber nicht ein Samenkorn der Religions- losigkeit oder dessen legen, was die Sozialdemokratie»Klassen- haß" nennt. Sein Wirken muß positiv und darum von Idealismus erfüllt sein. Zloeifel und Mißachtung aus Partei- rücksichten ziehen die Jugend herab, unterbinden darum die äukunft des deutschen Volkes und erzeugen den gefährlichen hauviniSmuS trotz aller Phrasen von Kultur, Humanität und Friedensliebe, genau wie bei den Jakobinern in Frankreich." Ein schönes Talent, dieser Herr Major a. D. Die„Kreuz- Zeitung" sollte ihn öfter zum Wort kommen lassen. Sie ist meist langweilig. Dem könnte Herr v. Kalckstein abhelfen. Vielleicht richtet sie eine humoristische Sonntagsbeilage ein ftir ihre politi- sierenden Kalck» und anderen Steine.— Die beleidigte Solinger Polizei. Solingen, 29. April. Die Strafkammer des Landgerichts zu Elberfeld war gestern bis zum späten Abend der Schauplatz einer Gerichtsverhandlung, die klar die Unzulänglichkeit und Unrichtigkeit der heute zur starren Gesetzeformel verdichteten Moralbegriffe demonstrierte. ES standen unter der Anklage, die Solinger Polizei und den Oberbürgermeister Dicke von Solingen beleidigt zu haben, die Genossen Redakteure Eugen Kirchpfening und Gerhard Hildebrand, Arbeitersekretär Wilhelm Weber, Geschäftsführer Hugo Schaal, Maurer Johann Thabor und Former Otto Schaake. Genosse Eugen Kirchpfening soll als Verantwortlicher- der„Bergischen Arbeiterstimme" iij 12 Artikeln sowie als Redner in den Protestversammlungen gegen die willkürliche Schließung des Gewerkschaftshauses durch die Emp» fchlung einer sehr scharfen Resolution und endlich durch Abdruck dieser Resolution die„Beleidigungen" begangen haben. Hildebrand soll sich desselben Verbrechens durch Abfassung der betreffenden Resolution und als Referent durch die Worte: als er den Brief des Oberbürgermeisters gelesen habe, habe er zunächst gar nicht gewußt, ob er oder der Schreiber de? Briefes den Verstand verloren habe, schuldig gemacht haben. Schaal soll in einer Mahnung an die Solinger Arbeiterschaft, sich durch das Verhalten der Polizei nicht provozieren zu lassen, die in der„Bergischen Arbeiterstimme" erschien, beleidigende Aeußerungen getan haben. Die anderen An» geklagten sind mitangeklagt, weil sie die betreffende Resolution zur Annahme empfohlen haben. In den Artikeln der.Bergischen Arbeiterstimme" war be» hauptet worden, die Polizei sei in ganz unverantwortlicher, rück» sichtsloser Weise gegen die friedlich von den Versammlungen Heim- kehrenden vorgegangen. Seitens der Anklage wurde behauptet, die Straßendemonstrationen seien vorbereitet gewesen und hätten des- halb von der Polizei vereitelt werden müssen. Diese letztere Behauptung suchte der Staatsanwalt notdürftig zu begründen durch einzelne Aeußerungen einzelner Partei- genossen— eS gelang ihm aber nicht. Der Polizei wurden auch eine ganze Reihe von sonderbaren Maßnahmen. Verstößen usw. nachgewiesen, die sich nur aus übergroßer Nervosität erklären lassen. Der Staatsanwalt beantragte, gegen den Angeklagten Kirch- pfening eine Gefängnisstrafe von drei Monaten und gegen Hilde- brand, Weber, Thabor und Schaake von je 10 Tagen festzusetzen, den Angeklagten Schaal aber freizusprechen. Nach einstündiger Beratung verkündete das Gericht das Urteil, das gegen Kirchpfening aus 6 Wochen Gefängnis lautete. Hildebrand wurde zu 100 M., alle anderen— auch Schaal— wurden zu 50 Ml. Geldstrafe ver- urteilt.—_ De«„Nationalen" in den Sattel geholfen. Von außerordentlicher Wichtigkeit ist ein Vorgang aus der Stadtverordnetensitzung in Leipzig vom Mittwoch abend. Vor einiger Zeit wurde der Ausschuß der Gewerbegerichtsbeisitzer zu einer Begutachtung zusammenberufen, ob sich die Einführung de? Proporzes bei den Gewerbegerichtswahlen empfehle. D« seit Be- stehen des GewerbegerichtS die Beisitzerstcllen der Arbcitervertreter stets von den modernen Organisationen beseht sind, Unzuträglich. leiten weder bei den Wahlen, noch in der Rechtssprechung zutage getreten waren, so war daS Vorgehen des GewerbeamteS um so verwunderlicher, MpZuch Licht MUMerlich� daß BUS auf einmal der Proporz cingeführk tverden sollte. Die Arbeikerbeisttzeit S?» klärten sich im Prinzip für den Proporz, doch nicht bloß für einzelne Orte, sondern für Deutschland obligatorisch. Das Gewerbegericht solle in diesem Sinne bei den Reichsbehörden petitionieren. Da? war aber nicht das, was das Gewerbeamt wollte. Den„nationalen" Arbeitervereinen sollte der Lohn für ihre Arbeiterverrätereien bei der letzten Reichstagswahl werden. Mit den Vertreterwahlen zur Ortskrankenkasse fing es an und beim Gewerbegericht sollte es weitergehen. Der vom sächsischen König subventionierte Ausschuß der nationalen Arbeiter petionierte nun beim Rat um die Einführung des Proporzes zum Gewerbegerichte. Der Rat arbeitete eine ent- sprechende Vorlage aus, in deren Begründung der Satz von dem berechtigsten Wahlsystem vorkommt. Das schreibt derselbe Rat, der 1899,„um einer Ueberflutung des Stadtverordnetenkollegiums durch die Sozialdemokratie vorzubeugen", das allgemeine Wahlrecht ver- nichtete und das Dreiklassenwahlrecht einführte. Unsere Genossen nahmen sich denn in der Stadtverordnctensitzung die Herren ordeni- lich vor und sagten ihnen auf den Kopf zu, daß den Nationalen in den Sattel geholfen werden solle, damit diese beim Gewerbegericht als Schutztruppe des Unternehmertums dienen könnten. Die Herreu erwiderten nur schwach. Sie stimmten dafür die Anträge des Gewerkschaftskartells, die von unseren Genossen zu den ihrigen gemacht worden waren, einfach nieder. Das Kartell hatte beantragt. die Stadtvertretung solle bei den zuständigen ReichSbehördcn uni obligatorische Einführung des Proporzes für-ganz Deutschland petitionieren; ferner das Ortsstatut umändern, daß ein ständiger Ausschuß für daS Gewerbegericht bestellt werde, der auf Antrag von einer geringer Zahl Beisitzer zusammengerufen werden muß. Unsere Genoffen stimmten selbstverständlich für die Einführung des Proporzes auch beim Gcwerbegericht für Leipzig, da dies ja eine unserer Prgrammforderungen ist. Oeftermcb-Ungani. Der nationale Krakeel. Wien, 30. April. Im Abgeordnetenhause begann heckte die erste Sitzung nach Osten,. Die Minister wurden bei rhren, Er- scheinen von den Deutschnationalen mit Pfui- Ruten empfangen. Die Demonstration ging rasch vorüber. Die Deutschradikalen ver- langen als Demonstration gegen die Sprachenvorgänge die wört- liche Verlesung des Einlaufes. was lange Zeit beansprucht. UcbrigenS war für heute noch kein Eingehen\n die Verhandlungen beabsichtigt._ Ein magyarischer Justizminister. Seit Montag spielt sich in Budapest ein ScnsationSprozcß ab, dessen trauriger Held Herr G e z a P o I o n Y i ist, ein sich- rendes Mitglied der Unabhängigkeitspartei und Führer der Majo- rität des Budapcstcr Gcmeinderates. Nach dem Siege seiner Partei trat er als Justizminister in die Koalitionsregierung ein. Er war immer ein waschechter Klerikaler und natürlich auch ein erbitterter Feind des allgemeinen gleichen Wahlrechts. Schon lange wußte man, daß von Rechts wegen der Mann ganz andere Be- ziehungen zur Justiz haben müßte, als die ihres obersten Hüter?. Aber die Anklagen der Sozialisten hatten bei den korrupten poli- tischen Zuständen Ungarns keine Wirkung. Doch schließlich ereilte ihn sein Geschick. Der Bürgermeister Haimos sprach im vorigen Jahre in öffentlicher Sitzung einmal von dem„Lumpen Polonyi". Der Herr Justizminister aber er- zwang den Widerruf. Durch den im Bunde mit ihm befindlichen Hausarzt des Haimos ließ er dem schwerkranken Mann Angst machen, er werde, falls er nicht widerrufe, ins Irrenhaus ge- sperrt werden. Haimos widerrief und Polonyi konnte als makel- loser Charakter in Amt und Würden bleiben. Aber in diesem Augenblick, da man alles gerettet wähnte, trat der Abg. Zoltan L e n g y e l auf. bis dahin einer der ersten in der Unabhängigkeit?- parte!. In einem Artikel:„Ich erhebe die Anklage" erklärte er. er nehme alle Beschuldigungen des HalmoS auf und sei bereit, vor Gericht namentlich folgende Tatsachen zu beweisen: 1. Daß Polonyi in einer Reihe namentlich angeführter Fälle seine politische Stellung zu privaten Geschäften mißbrauchte. 2. Daß er in Gemeinschaft mit der Prostituierten Elisabeth Beke an dem Gouverneur von Fiume Grafen Rako eine Er- Pressung beging. 8. Daß er die Kupplerin Baronin Schönberger während bei Konflikts mit der Krone al» Spionin angestellt hatte, ihr aber die zugesagten SV 000 Kronen, die er von einigen Patrioten für sie er- halten hatte, unterschlug. Außerdem veröffentlichte er das Faksimile eines Briefes, worin Polonyi von einer Kupplerin Geld verlangt dafür, daß er ihr ein Bordell verschafft habe. Nun mußte Polonyi allerdings zurücktreten und es blieb ihm nichts anderes übrig, als Lengyel zu verklagen in der Hoffnung, daß die Justiz für ihren früheren Chef schon daS ihre tun werde. In der Tat, der Staatsanwalt tat auch sein Möglichstes. Aber umsonst; das Beweismaterial LengYelS ist erdrückend und Herr Polonyi erscheint heute schon, am zweiten Tage des Prozesses, reis für das Zuchthaus. Zunächst kam die Erpressung an den Grafen Neko zur Verhandlung. Dabei wurde bewiesen, daß Polonyi als Anwalt der Prostituierten Beke, den Grafen Nako dadurch zu einem Vergleich zwang, daß er, wenn auch verhüllt, damit drohte, die Sache in die Zeitungen zu bringen. Dann kam die Affäre der Donau-Dampfschiff- fahrts-Gesellschaft zur Sprache und dabei wurde ganz klipp und klar der Beweis erbracht, daß Polonyi von der Gesellschaft mit 10 000 Gulden be stachen wurde. Die Stadtvertretung hatte nämlich ein Pachtangebot der Gesell- schaft abgelehnt und für die 10 000 Gulden hatte es Polonyi, der der Führer der Majorität war und noch ist, durchgesetzt, daß der frühere Beschluß umgestoßen wurde! Den Höhepunkt erreichte die Verhandlung an dem zweiten Tage. Darüber wird uns von unserem Korrespondenten aus Buda- pest telegraphiert: Heute wurde eine besondere Infamie des Polonyi aufgedeckt. Der Abg. Paul San dar, der aus Wies- baden zur Verhandlung gekommen war, sagte unter seinem Eid aus, daß der Justizminister Polonyi zu ihm einen seiner Vertrauten ge- schickt hatte mit der Aufforderung, dem Polonyi alle jene Fälle mit- zuteilen, die der seither verstorbene Bürgermeister HalmoS gegen ihn vorbringen wollte, um die Korruption PolonyiS im Gemeinde- rat nachzuweisen. Im Fall der Verweigerung der Auskunft werde Polonyi eine Bewegung einleiten, die zu blutigen Juden- Verfolgungen im ganzen Lande führen würde. PolonyiS Versuche, die Aussage zu entkräften, mißlangen voll- ständig. Man erinnert sich jetzt auch, daß in der Tat um die frag- liche Zeit von Budapest auS eine antisemitische Bewegung angefacht wurde, die man allgemein auf Polonyi zurückführte. Jetzt lernt man die Beweggründe dieser Agitation kennen. Polonyis Prozeß beleuchtet die ungeheure Korruption dcS pri- vilegierten herrschenden Klüngels. Die Einführung des gleichen Wahlrechts ist für die ungarische Politik eine unabweisbare ntorg- lischg Forderung.»""• Kußtand 200000 Mark Schadenersatz. London, 30. April. Der hiesige Kaufmann Nilolas Luxem- Kurg, der 14 Tage zu Unrecht gefangen gehalten wurde, reichte bei dem englischen Auswärtigen Amt einen Anspruch auf 10 000 Pfd. Sterl. Entschädigung von der russischen Regierung ein. tperfien. Die Grenznnruhe«. TäbriS» 80. April. Der Stadthauptmann von Urmia ersuchte den hiesigen Stadlhauptmann telegraphisch um Hülfe, da die Kurden mehr als 2000 Frauen und Kinder gefangen genommen und grausam mißhandelt hätten. Die nach Urmia führenden Wege sind auf allen Seiten von Kurben besetzt, welche die unterwegs befindlichen Waren geraubt haben. Aus Teheran ist der Befehl eingetroffen, schleunigst ein Truppenkorps von 10000 Mann zu bilden und gegen die Kurden abzusenden. Marokko. Erneutes Vordringen der Franzosen. Casablanca, 30. April. Gestern morgen unternahmen General d'Amade und die Besatzung des Lagers zu Voucheron einen gleich- zeitigen Angriff auf den Feind, der zurückgeschlagen wurde. Die Franzosen haben keine Verluste erlitten. Die aus Rabat ab- gegangene Mahalla ist im Süden von Larache eingetroffen. Hficn. China und Japan. Pari?, 30. April. Wie„Petit Parisien' aus Hongkong meldet, teilte der chinesische Vizekönig von Kanton dem japanischen Konsul mit. daß der geplante Besuch des japanischen Geschwaders vielleicht bester unterbliebe. Der Bizekönig scheint zu befürchten, daß dieser Besuch Anlaß zu Unruhen gebe» könnte. Der japanische Konsul erwiderte, der Besuch des japanischen Geschwaders werde nur den Charakter einer gewöhnlichen Kreuzfahrt tragen. GewerkIcbaftUcbey. Berlin und Umgegend. Streitbrecherorgan und Streikbrecherorganisatio». Wir haben bei verschiedenen Gelegenheiten schon fest stellen können, daß der„Arbeitsmarkt" der„Berliner Volks' zeitung" Streikbrechergesuche enthält. DaS hindert die Rc daktion dieses Blattes nicht, sich seelenruhig als den Organi sationen und der Organisationstätigkeit der Arbeiterschaft freundlich gesinnt hinzustellen. Besonders gern gericrt sie sich als Sprachrohr der Hirsch-Dunckerschcn. Da auch diese über Arbeitersolidarität ihre eigenen Auffassungen haben, ergeben sich daraus keine Konflikte. Im Gegenteil arbeiten Hirsch Dunckersche und„Volkszcitung" bei der Versorgung der Unternehmer mit Streikbrechern sogar Hand in Hand. Der Ausstand in der Schuhfabrik von B. Krause, Weinbergswcg 2/3, dauert unverändert fort. Mit vieler Mühe hat der Fabrikant etliche ungelernte Arbeitskräfte geworben, da kommen ihm Gewcrkvcrein und„Volkszeitung" als rettende Engel. Nicht genug, daß die beiden Gewerkvereinler, welche sich dem Ausstände angeschlossen hatten, von der Leitung veranlaßt wurden, die Arbeit aufzunehmen— ein Gewerkvereinler war von vornherein stehen geblieben—, läßt derselbe Gewerkverein folgende Annonce in die hiesige„Volks- zeitung" setzen: Vom Hirsch» Duncker'schcn Gewerkverei« werden Einleister, Nachputzer, Ueberholer, Aufsohler, Maschinenwirker. Sohlenrisser für dauemde Beschäftigung gesucht. Schuhfabrik WeiubergSweg 2. So springt eine Arbeiterorganisation, welche Anspruch darauf erhebt, für die Interessen der Arbeiter zu wirken, einem bedrängten Fabrikanten zu Hülfe und etabliert sich als Streilbrecheragentur, und ein Blatt, das sich„Volks-Zeitung nennt, macht diesen Arbeiterverrat mit. Stur gut, daß der Gcwerkvercin der Lederarbeiter in Berlin so wenige Schuh macher zählt, daß er nicht einmal imstande ist, eine mittlere Schuhfabrik mit geübten Arbeitskräften zu besetzen, und auch diese freiwillige Hülfe den Fabrikanten nicht retten wird. Für die Verluste, welche derselbe erleidet, möge er sich bei dem Vorsitzenden dcS Fabrikantenverbandes Herrn S ch l i tz w e g bedanken, welcher das weitgehende Entgegenkommen der Arbeiter zurücktvics, während der Fabrikant geneigt schien, dasselbe zu akzeptieren._ Zur Sagt im Baugewerbe. Der Verband der Baugcschäftc von Berlin und den Vororten hielt gestern mittag im großen Saale des „Architektcnhauses" eine G e n c ra l v c r sa in m l u n g ab, die sehr zahlreich besucht war. Ten Vorsitz führte Baumeister O. Heuer. Als wesentlichster Punkt stand der Bericht über die Tarifbcr Handlungen mit den Organisationen der Arbeitnehmer auf der Tagesordnung, der von dem Bauineistcr Fiedler erstattet wurde. Nach einer darauffolgenden längeren Debatte gelangte folgender Beschlußantrag zur An- nähme: „Der Vorstand wird beauftragt, die neuen Tarifver- träge mit Maurern, Zimmerern und BauhülfSarbeitcrn auf Grund der Vereinbarungen auf dem Berliner Rathaus vom 23. April 1008 abzuschließen, sobald die in Betracht kommenden Organisationen ihr Einverständnis damit erklärt haben. Die in den neuen Verträgen vorgesehenen Lohnsätze treten in Kraft, sobald die Zentralleitungen die Verträge genehmigt haben. Die Aendcrung der Lohn- höhe soll nur an einem Sonnabend beginnen. Der Vorstand hat diesen Termin sämtlichen Mitgliedern durch Rundschreiben bekanntzugeben."_____ Die Verschmelzung der Fliesenleger. In der Versammlung der Fliesenlegersektion de? Maurer- berbandes, die am Mittwoch tagte und über die Maifeier beschloß, stand als zweiter Punkt die Verschmelzungsfrage auf der Tagesordnung. ES war die erste SektionSbersammlung, an der die übergetretenen, bisher lokalorganisterten Fliesenleger teil» nahmen. Der Vorsitzende W a l d h e i m begrüßte diese Kollegen herzlich und in der Ueberzeugung, daß sie sich, wie früher ,m Verein, nun in der Sektion als treue Mitglieder bewähren werden. Daß namentlich die Fliesenleger, die vordem für wert und tüchtig erachtet wurden, leitende Stellungen im OrtSverein und der Freien Vereinigung der Fliesenleger Deutschlands zu be- kleiden, nun von der„Einigkeit" herabgesetzt und beschimpft werden, kann selbstverständlich die Sektion nicht abhalten, die neuen Mit- glieder, die bisher als Lokalorganisierte nach bestem Wissen und Gewissen in der Arbeiterbewegung ihre Pflicht erfüllten, hoch- zuschätzen. Zur Verschmelzungsfrage selbst führte der Redner aus, daß eine erhebliche Zahl von Mitgliedern des Berliner OrtS- Vereins übergetreten fei. yhre neuen Mitgliedsbücher würde« bereits gestern, am Donnerstag, ausgestellt. Die irreführende Agitation, die von unverbesserlichen Gegnern der gewerkschaftlichen Einigung betrieben wird, hat bekanntlich dazu geführt, daß der Berliner Ortsverein, und damit die Zersplitterung in der Fliesen- legerorganisation vorläufig noch weiterbesteht. Und doch sollte die Tatsache, daß die Unternehmer des Berufes sich immer enger zu- sammenschließen, daß sie auf ihrer Konferenz am 24. Februar dieses Jahres die Verschmelzung des nord- und süddeutschen Ver- bandes der Fliesenlegergeschäfte vorbereiteten und gegen die„un- botmäßigen" Forderungen der Fliesenleger zu Felde zogen, diese um so mehr anspornen, mit ihrer eigenen Organisationszersplitte- rung gründlich aufzuräumen. Der Sektionsvorstand hat nun beschlossen, zur Verbreitung unter den Fliesenlegern im ganzen Reiche ein Flugblatt herauszugeben, worin die Gründe, die für eine Einheitsorganisation sprechen, sachlich und überzeugend dar- gelegt werden. An der Diskussion über diesen Punkt beteiligten sich mehrere der vom Verein übergetretenen Mitglieder. W e g e n e r er- klärte, daß es ihm, der an 20 Jahre dem Verein angehörte, keines- Wegs leicht geworden sei, seine alte Organisation zu verlassen, daß er aber der gewonnenen Ueberzeugung von der Notwendigkeit der Verschmelzung und dem Konferenzbeschluß entsprechend habe handeln müssen. Im Ortsvcrein, meinte der Redner, werde nun wohl der blaue Fliesenlegerverein wieder aufleben und in Harmonie mit dem Unternehmertum seine Stärke suchen. In einem von Franz Schwarz unterzeichneten Flugblatt zur Förderung der Organisationszersplitterung im Fliesenleger- beruf wird behauptet, daß die Delegation zur Fliesenlegerkonferenz von Berlin aus nicht richtig gehandhabt worden wäre, daß D i t t- mann von der Berliner Organisation keinen Auftrag gehabt habe, nach Dresden zu fahren und abzustimmen, sondern der Hauptvorstand dies eigenmächtig veranlaßt habe. D i t t m a n n, der stellvertretender Vorsitzender im Hauptvorstand der. Freien Vereinigung war, erklärte nun hierzu, daß er allerdings nicht vom Ortsvercin, wohl aber mit zwei anderen Hauptvorstandsmitglicdern auf einstimmigen Beschluß des Hauptvorstandes nach Dresden reiste. gegen seine Delegation wie gegen die der beiden anderen Vor- standsmitglieder also durchaus nichts einzuwenden war. lieber den Unterzeichner— allerdings nicht Verfasser— des Flugblattes sagten verschiedene Redner in der Sektionsversamm- lung, daß er sich wiederholt als eifriger Anhänger der Verschmelzung bekannt und erklärt habe; wenn er jetzt nicht mit übertrete, so deshalb, weil er auch die übrigen Vereinsmitglieder mit hin- überziehen wolle.— Franz Schwarz ist bekanntlich nun Vor- sitzender des Ortsvereins. Das offenbar in der Geschäfts- kommission der Freien Vereinigung der Gewerkschaften verfaßte Flugblatt zeigt übrigens deutsich, mit welchen Mitteln man die noch nicht zur Sektion übergetretenen Mitglieder zu täuschen sucht. Es heißt darin: „Es sei also nochmals kurz darauf hingewiesen, daß wohl auf 'der 6. Konferenz, die am 8., 9. und 10. März in Dresden statt- fand, ein Antrag des Hauptvorstandes mit 10 gegen 7 Stimmen beschlossen wurde, in welchem vom Uebertritt unserer Vereinigung in den Zentralverband der Maurer Deutschlands die Rede i st, jedoch mit der Einschränkung, daß die Delegierten in ihren Ortsvercincn für den Uebertritt auf Grund der zwischen dem Hauptvorstand und dem Vorstand des Verbandes der Maurer vereinbarten Einigungsbedingungen eintreten sollen." Mau sucht also erstens den Mitgliedern weiszumachen, daß der Ucberlritt nicht wirklich beschlossen worden, sondern in dem Konferenzbcschluß nur die Rede davon ist, und zweitens, daß dieses Gerede vom Uebertritt noch dadurch eingeschränkt wurde, daß die Konferenz die Delegierten verpflichtete, in ihren Ortsvercincn nun auch tatkräftig für den Uebertritt zu agitieren. Für vernünftig denkende Menschen ist diese Verpflichtung der Delegierten selbstverständlich nur eine Bekräftigung des klar und deutlich genug gefaßten VerschmelzungsbeschlusseS der Konferenz. Uebrigens vermögen alle Machenschaften der Einigungsgegner die Freie Vereinigung der Fliesenleger Deutschlands nicht mehr zu retten. Breslau und Nürnberg sind übergetreten, München tut desgleichen, und ob sich der Berliner Ortsverein noch lange halten wird ist mindestens sehr zweifelhast. Zum Streik der Fensterputzer bei der Firma Juhre ist zu berichten, daß einer der von uns namhaft gemachten Unternehmer. welche für Herrn Juhre Streikarbeit verrichten, der Organisation folgende Erklärung mit der Bitte um Bekanntgabe zugesandt hat: „Erkläre hiermit, daß ich die Arbeit an Herrn Juhre zurüd gegeben habe und keine Arbeit mehr für selbigen verrichten lassen werde. Berlin, den 28. April 1008. Karl Schmidt, Jnsterburger Straße 5," Dagegen glaubt der bekannte Strcikbrechcragent G r a s s o w Buttmaunstr. 13, die Interessen Juhres dadurch besonders vertreten zu inüsscii, indem derselbe in Ober- und Nieder-Schöneweide die Kundschaft Juhres bereist und mit der Behauptung zu irretiercn versucht, er, Grassow, habe die Kundschaft Juhres gekauft; man möge deshalb bei ihm weiterputzen lassen. Herr Grassow hat sich mit einem Revolver bewaffnet, welchen er sofort in Anschlag bringt, sobald sich die Streikposten sehen lassen. Zurzeit arbeiten zwei noch jugendliche Leute als Arbeitswillige bei Juhre unter ständiger Aufsicht des Herrn Juhre und eines Schutzmanns. Diesen Leuten, welche keine Ahnung vom Fenster- reinigen haben, gibt Herr Juhre 24 M. Wochenlohn, während er seinen erprobten, jahrelang bei ihm tätigen Arbeitern nur einen solchen von 22,00 M. pro Woche zahlte und diesen minimalen Lohn aber noch zu verkürzen beabsichtigte. Wir bitten nach wie vor, besondere? Augenmerk darauf zu richten, daß die Arbeit Juhres nicht durch andere Unternehmer ver- richtet wird und ersuchen, unter allen Umständen jeden Zuzug fern- zuhalten. Deutscher Transportarbeiterverband, Bezirk Groß-Berlin. Die organisierten Hausdiener, Kutscher usw. aus den Wäsche- Verleihgeschäften Berlins haben vom 1. Mai d. I. ab einen neuen Tarifvertrag zur Durchführung gebracht. Um eme Durchbrechung der neuen tariflichen Bestimmungen zu verhüten, ist vom Deutsche» TranSportarbciterverband eine Kontrollkarte eingeführt worden. Nur von den Firmen ist der Tarif anerkannt und werden die neuen Lohnsätze gezahlt, deren Arbeiter im Besitz einer Kontroll- karte sind. Dieselbe muß für den laufenden Monat abgestempelt sein. Die Branchenleitung: Wilhelm Müller, Rummelsburg, Sonntagstr. S. Achtung Gastwirtsgehülfe«! In der Angelegenheit Gastwirtsgehülfcn kontra Voigt- Krampenburg haben zwischen dem Vorstande der„Vereinigung von Inhabern von Sommerlokalen an den Märkischen Wasserstraßen" und dem Vorstande unterzeichneter Organisation erneute VerHand- lungen stattgefunden. Dieselben sind jedoch resultatlos ver- laufen. Verband deutscher GastwirtSgehülfen. Bonin, VentlAeg Rtich. vm zehn Pfennig pro Tag! haben die Mangelgesellen der Mangel- und Appreturanstalt O t t» P a r st e l in S ch in i e d e b e r g im Riesengebirge gekündigt. Als den Arbeitern einer anderen Abteilung eine kleine Lohnzulage gc- währt wurde, glaubten sie auch ein Anrecht auf eine Verbesserung ihrer erbärmlichen Lohnverhältnisse zu haben und forderten daher eine Zulage von ganzen zehn Pfennig pro Tag. Die Firma lehnte dieses bescheidene«nsiimen ab. da der Geschäftsgang„zu schlecht" sei; dabei läßt die Geschäftsleitung aber fortdauernd Ueberstunden arbeiten und schert sich auch wirklich nicht um den elfstündigen Maximalarbeitstag der Frauen. Um sich für die Kündigung zu revanchieren, hat die Leitung ohne jeden ersichtlichen Grund nun- mehr ihrerseits der Frau und der Braut zweier der.Aufsässigen" gekündigt._ Sonbcrbiindelei. Auch die Vereinigung der Fliesenleger in Dresden lehnte nach scharfer Debatte die Verschmelzung mit dem Maurerverbande mit geringer Majorität ab. Bekanntlich hatte die in Dresden tagende Konferenz der Vereinigung der Fliesenleger Deutschlands, nach- dem die Einigungsbedingungen angenommen waren, die Ver- schmelzung beschlossen. Jedenfalls werden nun die in der Minorität gebliebenen Fliesenleger einzeln dem Maurcrverbande beitreten. Die„Arbeiterzeitung" wurde einem Beschlutz der betreffenden In- stanzen gemäß für die Fliesenleger geschlossen. Die ArbeitSmeberlegnng der Dresdener Schoßschuhmacher ist unvermeidlich geworden, da sich die Verhandlungen vollständig zer- schlagen haben. Die Unternehmer boten statt Lohnaufbesserungen Lohnherabsetzungen. Vor Zuzug von Schotzschuhmachern nach Dresden wird deshalb dringend gewarnt. Arbeitseinstellung der Hamburger Schuhmacher. Nachdem die Verhandlung mit der Schuhmacherinnunz sich zer« schlagen hat. sind die Schoßarbeiter in den Streik eingetreten. Bc- willigt haben schon über 100 Arbeitgeber mit etwa 200 Gesellen. Im Ausstände befinden sich— genaue Zahlen liegen noch nicht vor— zirka 400 Gesellen. Die in den mechanischen Reparaturwcrk- statten beschäftigten Arbeiter stehen noch in Unterhandlungen mit ihren Arbeitgebern. De« Anschluß an den Zentralvcrband der Hafenarbeiter Deutschlands beschlossen Montag die lokalorganisierten Hafenarbeiter Lübecks; das darf als eine gute Folge der engeren Koalition der Scharfmacher im Reederei» und Speditionsbetriebe angesehen werden. Achtung, Friseurgchlilfenk Die Differenzen bei Libauer Straße 14, sind beseitigt. Verband deutscher Barbier-, Friseur- und Perückenmachergehülfen Berlins. Bureau: Steinstr. 2. Telephon: Amt 3, 4040. Der Vorstand. I. A.: P. Baumgart. Paris, 30. April.(B. H.) Die Polizei verhaftete in einem übel- beleumdeten Restaurant 23 Homosexuelle, von denen 18 ins. Gefängnis abgeführt wurden.: Lerantwprtlicher Redakteure Georg Tavidsohn, Berlin, Für dcnJnseratenteil verantw,: Th, Glocke, Berlin. Druck u. Vcrlgg: Vorwärts Luchdruckerei u. VerlaaSanttalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Letzte JVaebnebten und DepcFchcn« Der Mörder Ondracek verhastet! Gestern, in der sechsten Nachmittagsstunde, wurde der Mörder seiner Frau, Kyrill Ondracek, verhaftet. Er ist ge- ständig, die Tat begangen zu haben. Gegen Mittag betrat Ondracek das Restaurant von Kurth, Stargardcr Straße vi. Der Wirt war nicht zugegen. Frau Kurth fiel das verstörte Wesen des Mannes auf: Ondracek stützte den Kopf in die Hand und stierte düster vor sich hin. Auf die Frage der Wirtin: was ihm fehle, gab Ondracek keine Antwort. Als der Wirt nach Hause kam, erkannte er den Mörder sogleich an den im Signalement Ondraceks erwähnten Narben. Kurth ging zur Polizei, die sofort einen Beamten mitsandte, der dem Ondracek die Tat auf den Kopf zusagte. Der Mörder leugnete nicht, erklärte jedoch, in der Wut gc- handelt zu haben und seiner Sinne nicht mächtig gewesen zu sein. Er gibt an, die Frau mit einem Schlüssel erschlagen zu haben.-. Ferner behauptet er. die Ermordete habe,, ftll er sich von der Mordstätte entfernte, noch gelebt. Maifeier. St. Etienne, 80. April.(B. H.) Die hiesigen Arbeiter- Genossenschaften haben beschlossen, die Maifeier durch eilten Generalstreik zu begehen. Auch die Handlungsangestellten, Grubenarbeiter und Metallarbeiter werden feiern. Ein tollwütiger Gouverneur. Breslau, 30. April.(B. H.) Der Gouverneur in Petrikau verpflichtete die Fabrik- und Grubenbesitzer in Russisch-Polen zur Listcnführung über die maifeicrndcn Arbeiter und drohte letzteren beim Nichtarbeiten Arreststrafcn von 1— 3 Monaten an und bei Ausschreitungen den sofortigen Gebrauch der Schußwaffe seitens der Militärmacht! Eingeschleppte Pocken. Essen(Ruhr). 30. April.(B. H.) In der Gemeinde Linden (Ruhr) sind drei Pockenfälle an russischen Arbeitern festgestellt worden. Einer verlief tödlich. Hochofen-Einsturz. Kladn», 30. April.(B. H.) In der Mbcrtshütte der Prager Eisenindustrie-Gesellschaft stürzte ein Hochofen ein. wodurch mehrere Personen verletzt wurden. Orkan. Sidiiey, 30. April.(B. H.) Ein Orkan überraschte eine West«. australische Perlenfischer-Flotille in der Lagrange-Bucht. 19 Fahr, zeuge mit 02 Personen sind verloren. Vesuv und Aetna. Neapel, 30. April.(B. H.) In der heutigen Nacht hat auch der Vesuv begonnen, eine lebhafte Tätigkeit zu entwickeln. Die Spannung im Vulkan ist sehr groß. Catania, 30. April.(W. T. B.) Das Observatorium auf dem Aetna teilt mit: Die heutige Eruption war sehr schwach. Die Lava schreitet sehr langsam vorwärts. Indessen erfolgte um 0 Uhr 40 Min. abends eine große Eruption mit dunkler Rauchentwickelung, die von einem sehr lange anhaltenden unterirdischen Getöse be« gleitet war._ Serbische Ofsizierssitten. Belgrad, 30. April.(B. H.) In Schabatz wurde die angesehene Witwe Zdrachkovio und ihr Freund, ein aktiver Oberleutnant, ver» haftet, weil die beiden den Sohn der Witwe, welcher ihrer Verehe- lichung im Wege stand, zu ermorden versuchten. Stubentenstrcik. Ägram, 30. April.(B. H.) Infolge des Streiks der hiesigen Studenten dürfte die Unwersität für ein Semester gesperrt werden, 170. H. Greifenhagen Nachf. Brunnenstr. 17-18 Veteranenstr. 1-2 Heute und morgen verabfolgen wir bei Einkäufen Doppelte Rabattmarken mit Ausnahme von Lebensmitteln und einiger Nettoartikel Extra billige Lebensmittel- Preise Feinste Cervelatwurst.... Pid. 1.15 ff. Leberwurst....... 95 P. Prima Schnittbohnen I... Dose Pfd. Pid. Schnittbohnen II...... Dose 25 Pl. .¾½ Dose 32 Pl. Gemüse- Melange..... Dose P. 88P Gemüse- Melange. Dose 45 Pl. Erbsen u. Carotten Prima Spinat..... Gemüse- Erbsen Pid. 1.10 Landleberwurst.... Zwiebelleberwurst..... 48 Pl. Hallesche Leberwurst..... Prima Fleischwurst..... Braunschweiger Mettwurst Pid. Pid. 95 Pl Pf. 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Freitag, 1. Mai 1908. de deutschen Handels mit Neu- Guinea beträgt ungefähr ebensoviel allen Seiten bestätigt und ich bin überzeugt, daß eine Zeit kommen w das Reich an Subventionen für diese Linien zahlen soll.( Hört! wird, wo man von allen Seiten für die Abschaffung dieser Steuer hit! bei den Sozialdemokraten.) Ein tolleres Geschäft ist gar eintreten wird. Damals trat der nationalliberale Vertreter mit nict denkbar. voller Verve für die Steuer ein, während heute Herr Strese. borges Für die Ansiedelung fleiner Leute ist Neu- Guinea schon wegen mann ihre Reformbedüftigkeit anerkennen mußte. Das Autobe Slimas ganz ungeeignet. Es handelt sich nur barum, den mobil spielt heute in unserem Verkehr eine so wichtige Rolle, daß Präsident Graf Stolberg bittet um die Ermächtigung, dem gen Plantagenbefizern aus China billige Arbeitskräfte man von einer Lugussteuer nicht sprechen kann. Am 1 Januar 1907 zu besorgen. Dabei ergibt der Geschäftsbericht der Deutschen gab es 25 000 Automobile zur Personenbeförderung und 1200 zuz Präsidenten der Kammer der Hellenen den wärmsten Dank des Ginea- Kompagnie, daß diese Gesellschaft chachin dort auf ihre Raftenbeförderung. In der letzten Zeit ist in der Automobilindudeutschen Reichstages für eine Sympathiekundgebung des Helle- Rhnung kommt. Einzelne ihrer Betriebe machen bereits Ueber- ftrie eine Krise eingetreten. Hunderte von Automobilen stehen un nischen Parlaments aussprechen zu dürfen.( Bravo!) Die Er- fdiffe. Die Ersdiffe. Die Bewilligung von Hunderttausenden zu dem zwed, verkauft in den Fabriten, und umfangreiche Arbeiterentlassungen mächtigung wird erteilt. für eine Kapitalistengruppe billige Arbeitskräfte zu schaffen, fann haben stattgefunden. Die Daimler- Werte in Marienfelde, die sonst Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Beratung eines für die deutschen Arbeiter böse Folgen haben. Die deutschen 1200 Mann beschäftigten, beschäftigen jetzt nur 460.( Hört! Sört!); Gefeßentwurfs zur Ergänzung der Geseze betr. die Poft dampfgarier flagen ja lebhaft über Arbeitermangel und fönnten eben- Eine andere Fabrik hat seit dem September 600 Mann cutlaffen, fchiffsverbindungen mit überfeeischen Ländern, fals Subventionen verlangen, um sich Chinesen und Malaien als und läßt außerdem mit reduzierter Arbeitzeit arbeiten. Auch verDanach soll die Subvention für den Norddeutschen Lloyd um 500 000 Arkeitskräfte zu verschaffen. Mit der Aufwendung von hundert- wandte Industrien leiben unter der Steuer. So find in einer tauenden von Mark zur Beschaffung billiger Arbeitskräfte ist die Magnetzünderfabrick wesentliche Arbeiterentlaffungen Unterstaatssekretär Wermuth: Mein Chef, der Staatssekretär rühende Fürsorge der Regierung für die Kapitalisten noch nicht kommen. Richtig ist ja, daß die Krise zu einem Teil mit der allb. Bethmann- Hollweg bedauert, durch ein Unwohlsein an der Ber- erstöpft, sondern es sollen noch weitere Hunderttausende von Mart gemeinen wirtschaftlichen Lage, mit den Schwierigkeiten auf dem tretung der Vorlage verhindert zu sein. Die Einrichtung der aufewendet werden, um den billigen Arbeitskräften auch billige Geldmarkt zusammenhängt. Aber diese Schwierigkeiten sind interfubventionierten Postdampferlinien besteht nunmehr seit länger als Rebnsmittel zu verschaffen. Weil das Hauptnahrungsmittel der nationalen Charakters, während die Automobilindustrie besonders 20 Jahren. Die tatsächliche Entwickelung dieser Linien ist eine farigen Arbeiter Reis ist, sollen die Linien nach Japan ausgebaut in Belgien, Frankreich und der Schweiz sehr prosperiert und überaus günstige gewesen. Die Ausfuhr aus dem deutschen Zoll- weven. Die Deutsche Arbeiterschaft wäre sehr zufrieden, wenn unserer deutschen, die durch die Steuer belastet ist, schwere Kongebiet nach China, Japan und Britisch- Australien ist in den Jahren die Regierung darauf Bedacht nehmen wollte, auch bei der Be- furrenz macht. In Belgien und der Schweiz schießen heute die 1889 bis 1907 von 64 auf 232,6 millionen Mart gestiegen. Die fchafung der Lebensmittel für die deutschen Arbeiter der Kon- Automobilfabriken wie Pilze aus der Erde. Wenn man die AutoLinie von Sidney nach Samoa hat endgültig eingestellt werden furens freie Bahn zu schaffen. Uns aber verteuert man die mobilsteuer als Luxussteuer betrachtet, warum belastet man dann müssen; en Stelle der Linie von Singapore nach Neu- Guinea ist Lebnsmittel durch die unerhörtesten Zollfäge bis in die Puppen nicht lieber auch die anderen Lurusgegenstände, wie Armbänder, die von Neu- Guinea nach Sidney und von Neu- Guinea nach Hong- und den ausgehungerten deutschen Arbeitern mutet man dann zu, Halsbänder oder den männlichen Schmuck, die Orden.( Heiterkeit.) Tong beziehungsweise Yokohama getreten. Diese erfordern aber so Hunderttausende von Mark zu bezahlen, um den farbigen Arbeitern Bei dem reichen Ordenssegen von heute wäre eine solche Steuer Große Aufwendungen, daß der Norddeutsche Aloyd erflärt, diefe billie Lebensmittel zuzuführen. Gar kein Wort ist hart genug, zweifellos recht einträglich und würde vielleicht auch eine erzie beiden Linien ohne Erhöhung der Subvention nicht um eine solche Politik zu kennzeichnen.( Rebhafte Zustimmung herische Wirkung haben.( Heiterkeit und Sehr gut! bei den aufrecht erhalten zu können. Die Subventionen, welche bei den Sozialdemokraten.) Besonders interessant ist, daß die Sozialdemokraten.) Wir wollen, daß nicht die Merkmale des Deutschland insgesamt für Postdampferlinien zahlt, 9 483 000 20., felba Dampferlinien, denen Hunderttausende bezahlt werden Reichtums, der Lurus, sondern der Reichtum selbst besteuert wird. find geringer als die Aufwendungen, welche andere Länder für den folle, damit sie billigen Reis nach Neu- Guinea für die farbigen( Sehr war! bei den Sozialdemokraten.) Aber für eine progressive gleichen Zwed machen. Ich hoffe, daß der Reichstag der Vorlage Arbeter bringen, um keinen Preis Nahrungsmittel nach Deutsch- Reichseinfommen- und Bermögenssteuer sind Sie ja nicht zu haben. zustimmen wird. land bringen sollen, welche den deutschen Agrariern Konturrens Die Bedeutung der Automobile als Verkehrsmittel verkennen wir Abg. Graf Kanis( f.): Es ist mir zweifelhaft, ob die An- machen könnten. Im Jahre 1898 hat der Reichstag beschlossen, durchaus nicht. Da man uns dies vorgehalten hat, will ich, um forderungen notwendig find. Da wir Neu- Guiner einmal haben, der teichsfangler folle bei der Subventionierung des Bloyd die Be- jeder Legendenbildung vorzubeugen, vorlesen, was unser Fraktionsmüssen wir, das ertenne ich an, auch für das Berkehrsbedürfnis fugns erhalten, landwirtschaftliche Produkte, welche mit einem rebner Ledebour bei der Beratung der Automobilfteuer fagte:„ Wir nach Neu- Guinea Sorge tragen. Ich hoffe aber, daß die Budget Produkt der deutschen Landwirtschaft tonfurrieren, von der Ein- find der Meinung, daß das Automobilivejen eine Errungenschaft der tommiffion, der ich die Vorlage zu überweisen beantrage, Mittel fuhr nach deutschen, belgischen und holländischen Häfen aus- Neuzeit ist, die im allgemeinen Interesse ausdehnungsfähig ist. und Wege dazu finden wird, ohne daß eine Ausgabe von einer zufchießen.( hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Uns zu- Is Kraftautomobil, als Omnibus, als Privatfuhrwerk ist das Auhalben Million Mart jährlich dazu notwendig sein wird.( Bravo! zumuten, eine derartige Vorlage anzunehmen, ist ein so un- tomobil von großem Nußen." Stimmen wir gegen die Steuer, rechts.) erhörer Standal, daß ich den Mut bewundere, mit dem man dies dann werden wir von den Herren der Wirtschaftlichen Vereinigung Abg. Erzberger( 3.): Dem Antrage auf Ueberweisung der wagt.( Zustimmung bei den Sozialdemokraten; Unruhe im Block.) als Freunde des Großkapitals hingestellt, und treten wir für eine Vorlage an die Budgetkommission schließe ich mich an. Die Borlage Cine trasfere Interessenpolitik zugunsten einer Anzahl von Leuten vernünftige Regelung des Wettfahrens, für ein Haftpflichtgeseh fordert von uns nicht Million, sondern bis zum Jahre 1914 die fann ich mir gar nicht denken, als sie durch diese Vorlage gegeben ein, wie es damals mein Parteigenosse Ledebour tat, so hält man Ausgabe von 3 Millionen Mart, und 1914 toird der ist die Leute, deren Interesse in Frage kommt, haben das auch uns vor, daß wir die Interessen der Automobilindustrie nicht geNorddeutsche Lloyd zweifellos eine weitere Erhöhung der Sub- sehr hnell begriffen. Es scheint, daß die Neu- Guinea- Kompagnie bührend achten. Infere ganse Tätigkeit bei den Steuerfragen geht vention fordern, während seine Finanzlage doch bedeutend besser ist, die Vorlage vorausgeahnt hat, denn am 27. März d. J. hat sie ihr ja barauf hin, die Industrie von den fortwährenden Beunruhigungen als die des Deutschen Reiches.( Zustimmung im Zentrum.) Jch Gruntapital von 6 auf 7 Millionen erhöht. zu schützen. Daher beantragen wir, die hierzu vorliegende Petition Tehne die Vorlage nicht grundsäßlich ab, habe aber Bedenken, sie in der eingebrachten Form zu bewilligen, und erwarte, daß uns in der Kommission weiteres Material vorgelegt wird. Abg. Lattiann( wirtsch. Bg.): Die Regierung hätte diese Vorlage früher einbringen sollen; sie hat selbst Schuld, wenn sie jekt, in den letzten Tagen der Session, nicht erledigt werden kann. Den Beweis der Dringlichkeit der Forderung vermisse ich bis jetzt. Wenn er in der Kommission auch nicht geführt wird, so werden wir gegen die Bewilligung stimmen. Abg. Dr. Semler( natl.): Die Frage der Dringlichkeit wird in der Kommission noch weiter zu prüfen sein. Es handelt sich darum, daß die Verbindungen nach Neu- Guinea verbessert, und nicht etwa noch verschlechtert werden. Die Finanglage des Reiches ist freilich cine nicht günftige und die Situation insofern eine schwierige. Wir wünschen, daß die Vorlage möglichst bald verabschiedet werden möge. Abg. Noste( Soz.): Herr Lattmann hat auf eine Rede meines Parteigenossen des Bundes Deutscher Verkehrsvereine auf Aufhebung der AutoDick vom Jahre 1885 hingewiesen. Loyal wäre es gewesen, mit- mobilsteuer dem Reichstanzler nicht als Material, sondern zur zuteiln, daß damals die Sozialdemokratic geteilt war; ein Berücksichtigung zu überweisen.( Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Teil jer Sozialdemokraten war damals der irrigen Meinung, Abg. v. Dergen( Np.): Auf alle Punkte, die der Herr Bordaß de Subvention unter Umständen auch zur Verbesserung der redner vorgebracht hat, tann ich nicht eingehen. Aber eine LurusLage der deutschen Arbeiterschaft dienen tönnte. Im Jahre 1898 steuer ist die Automobilkteuer doch, denn es werden im großen und hat hie Sozialdemokratie die Subvention einmütig ab- ganzen nur Automobile besteuert, die von den Befibern zu ihrem gelehnt. Wir würden meinen, wenn wir die Vorlage annehmen, Bergnügen gehalten werden. Im übrigen begrüße ich es, daß die einen geradezu schändlichen Verrat an den Interessen des Volkes Regierung der Resolution des Reichstags so schnell nach3 u begeben.( Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) gekommen ift. bg. v. Dirkien( Rp.): Die Erwerbsverhältnisse der deutschen Reichsschapsekretär Shbow: Die Schädigung der Industrie durch Arbeier können nicht so schlecht sein, wie Herr Noste meint, denn die Steuer sollte man nicht übertreiben; der Rüdgang im Abjas nie zalen doch recht erhebliche Beiträge an die sozialdemokratische der Automobile ist nicht eine Folge der Steuer, sondern der Ueber. Bartekaffe.( Lachen und Burufe bei den Sozialdemokraten.) Die produktion von Automobilen. fteptifhe Beurteilung, welche die Vorlage bei dem Grafen Kanis Abg. Prins zu Schönaich- Carsleth( nail.): Sehr erstaunt Fin und dim Abg. Erzberger gefunden hat, teilen wir nicht. Die Auf- ich, daß der Kollege Sebering, ein Vertreter der Arbeiter, für die wendung von einer halben Million jährlich für diesen Zwed ist an- Aufhebung der Automobilsteuer eintritt, welche nur die Besißer gesichte der Finanglage des Reiches gewiß nicht leicht, aber sie ist der Zugušautomobile trifft; dafür werden die Arbeiter kein Ver möglid und durch das wirtschaftliche Interesse von Neu- Guinea ftändnis baben.( Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) gerechtertigt. Wir stimmen der Vorlage deshalb zu.( Bravo! bei vorliegenden Entwurf können wir ohne Kommissionsberatung zuder Rechspartei.) stimmen. bon neu- 3uinea und der in Betracht kommenden Inselgruppen. Auch die postalische Bedeutung der neu einzurichtenden Linien in folge der Vorlage ist nicht gering anzuschlagen. Wenn fich dann später eine Rentabilität ergeben wird, werden wir im Jahre 1814 eine Ginschränkung der Subvention eintreten lassen können. ( Brave! bei den Freisinnigen.) Dem Abg. Dr. Wagner( f.): Es wärz angebracht, von den Staaten, für deren Automobilbefizer wir im Grenzverkehr die Abgabenfreiheit gewähren. Gegenseitigkeit zu verlangen. Abg. Dr. Stengel( frf. Bp.): Im Interesse des Berkehrs wünschen wir eine Aufhebung der Automobilsteuer; der Vorlage stimmen wir zu. Ueberhaupt wäre eine Reform der Automobilgesetzgebung zu wünschen. Mit der Verweisung an die Budgetkommission find meine Barteigenoffen einverstanden. Mit Recht ist von den Vorrednern hervorgehoben worden, daß von der Dedungsfrage in der Vorlage mitteinem Wort die Rede ist. Das scheint für die Regierung cine Nebensache zu sein. Wenn das Geld nicht vorhanden ist, wird Alg. Hermann( frs. Bp.): Die Vorlage ist eine Konsequenz einfach drauf losgepumpt. Die Vorlage hätte eigentlich von dem frühere Beschlüsse, an denen auch das Zentrum mitgewirkt hat. Staatssekretär des Kolonialamis begründet werden müssen, denn Andere Länder sind uns mit Dampfersubventionen weit über, vor cs handelt sich um Ausgaben, die dem Schußgebiete von Neu- Guinea allem Japan sucht dadurch die fremde Konkurrenz aus dem Felde zugute fommen sollen. Um so verwunderlicher ist es, daß bei der zu schlagen. Die Vorlage liegt nicht fomohl im Interesse des gründlichen Beratung des Kolonialetais teiner der Regierungs- Lloyd, sondern der Kolonialverwaltung; die Zuwendung an den vertreter von der Notwendigkeit gesprochen hat, bessere Schiffsber- Lloyd hat nicht den Charakter der Subvention, denn vom Lloyd bindungen in der Südsee zu schaffen. Damals hatten die Herren werben Gegenleistungen verlangt, fie liegt vielmehr im im Kolonialamt offenbar noch keine Ahnung davon, 3nteceffe der kolonialen Entwidelung Abg. Ledebour( Soz.): Der Prinz zu Schönaich- Carolath daß eine solche Vorlage kommen werde. Mit großer Offenheit wird glaubte einen Widerspruch in den Ausführungen des Abgeordneten in der Begründung dieser Vorlage von der Regierung zugestanden, Sebering zu meinen früheren Ausführungen zu finden. Zu den daß es sich hier lediglich um die Intereffen des Großkapitals handelt. Arbeitern haben wir das Zutrauen, daß fie einsehen, daß es fich Ich bewundere den Mut der Regierung, mit einer solchen Vorlage dabei um zwei verschiedene Sachen handelte. Bei meinen früheren an den Reichstag zu kommen. Sie muß sich gesagt haben, der Ausführungen handelte es sich um die Mißbräuche zufolge des Block schluckt ja doch alles.( Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) schnellen Fahrens der Automobile. Heute dagegen handelt es sich Es ist notwendig, bei dieser Gelegenheit mit einigen Worten der Afg. Erzberger( 3.): Früher waren die Freifinnigen Gegner um die Uebelständezufolge der begatorischen Steuererhebung an der Intereffen der deutschen seemännischen Bevölkerung zu gebenken. jeder Dampferfubvention, jest führen sie das nationale In Grenze. Damals bekämpfte ich die Schnellfahrerei, und Auf den Linien, die vom Deutschen Reich mit Millionen unterstüßt ter esse" ins Feld. Meine Bedenken sind durch die Dis- Severing bekämpfte heute ebenso die Uebelstände, die sich für den werden, werden cine ganze Reihe von farbigen Mannschaften be- fuffion nicht widerlegt worden. Daß Herr Hormann von Bremen Grenzverkehr aus der beratorischen Stempelerhebung fchäftigt. Die deutschen Seeleute müssen als Steuerzahler die für die Vorlage eintritt, finde ich ganz selbstverständlich. Wenn er ergeben haben. Haben Sie das jetzt fapiert?( Große Seiterfeit. Mittel für die Subventionen aufbringen, müssen es sich aber dann aber cuf die nationalen Gesichtspuntte hinwies, so erinnere ich Brinz zu Schönaich- Carolath ruft: Sehr wohl erzogen!) lleber gefallen laffen, daß sie aus reinem Profitinteresse der Unternehmer daran, daß Herr Dr. Hermes im Jahre 1898, als es sich um die Wohlerzogenheit brauche ich mit Ihnen nicht zu diskutieren. Die heraus aus ihren Arbeitsstellen gedrängt und durch farbige Arbeiter große oftasiatische Dampferfubvention handelte, Rednern der Rechten Wohlerzogenheit hätte Sie hindern sollen, folaje Vorwürfe zu er erfezt werden, die von den Unternehmern bevorzugt werden, weil gegenüber ausdrücklich betonte, daß bei dieser Frage lediglich beben.( Buftimmung bei den Sozialdemokraten.) Ihr Auftreten fie nicht organisiert sind. Die Chinesen und Neger wirtschaftliche Gesichtspuntte in Betracht kämen. scheint aber das Resultat eines Schuldbewußtseins zu sein. Denn werden nicht mehr lediglich als Heizer beschäftigt wie anfangs mit Ata. Hormann( frs. Vp.): Als Herr Dr. Hermes sprach, war bei der früheren Diskussion hat Bring Schönaich- Carolath der Begründung, daß sie die Siße im Kesselraum besser aushalten die Stellung der Freifinnigen zu den Kolonien eine ganz andere den Fehler begangen, auf den Droschkentutscher loszusauken, dafönnten, sondern auch zu rein seemännischen Arbeiten werden als heute.( Sehr wahr! bei den Freifinnigen.) Wir haben uns gegen die hohen Herren in den kaiserlichen Automobilen nicht zu farbige Leute verwandt. Es ist auch nicht wahr, daß die Farbigen heute dafür entschieden, daß, nach dem wir die Kolonien erwähnen. Erst muß man aber die Großen bei den Ohren nehmen, die Hike beffer vertragen. Gut ernährte, kräftige deutsche Seeleute einmal haben, wir auch im nationalen Inter- nicht die kleinen.( Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Heber bertragen die Hibe ebensogut. Es ist auch Tatsache, daß auf den ganz esse für ihre Entwidelung forgen müssen. Diesem die großen Sünder herzuziehen ist um so notwendiger, als Serr großen Schiffen die Zahl der farbigen Leute eine ganz geringe ift. Zwede dient auch die Vorlage.( Brabo! bei den Freisinnigen.) v. Dirksen ja geradezu ein Ausnahmegefes für die Infeffen Durch die große Zahl der beschäftigten Farbigen werden die Passa- Damit schließt die Debatte. Die Vorlage geht an die Budget- der kaiserlichen Automobile baben wollte. Weiter wirft man uns giere auf folchen Schiffen ganz wesentlich gefährdet, denn es hat fommision. bor, daß wir die Automobilsteuer aufheben wollen. Das Automobil fich wiederholt herausgestellt, daß bei saverem Geegang und Es folgt die erste Beratung des Gefebentwurfs Getr. des armen Mannes gibt es freilich noch nicht, wohl aber soll eine fonstigen Gefahren die farbigen Seeleute viel mehr fopflos werden, die Stempelabgaben von Erlaubniskarten für Beit kommen, in der auch die armen Leute nicht in Bazillen= als intelligentere deutsche Seeleute. Das ganze Subventionswesen Ser aftfahrzeuge ausländischer Besizer. futschen fahren.( Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozial. an fich ist etwas ungesundes. Die wirtschaftliche Ent Reichsschatjekretär Snbow betont, daß die Vorlage den Wunsch demokraten.) Wir wollen alle Hindernisse beseitigen, welche gegenwidelung wird dadurch treibhausmäßig ge- einer Resolution des Reichstags erfülle, die einheitliche Bestims wärtig diefer Entwickelung im Wege stehen, und eines dieser Hinderfördert, wo die Vorbedingungen dafür noch nicht vorhanden mungen über den Grenzverkehr der Kraftfahrzeuge behufs Erleich- niffe ift die Automobilsteuer. Wir verwerfen grundfäßlich jede find. Eine Autorität auf dem Gebiete des Seefahrtswesens, terung des Fremdenverkehrs" forderte. Steuer, die den Verkehr belastet. Auch hat Prinz Schönaich- Carolath Generaldirektor Ballin, hat sich sehr nachdrücklich gegen Sub- Abg. Frißen( 3.) regt an, für die ausländischen Automobile übersehen, daß es sich keineswegs bloß um Lurusautomobile handelt. ventionen der Dampfschiffahrtsgesellschaften ausgesprochen. Er hat Tagessteuertarten einzuführen. Es gibt ein getpiffes Grenzgebiet zwischen Zugus- und Geschäftsgefagt, der Tag müsse gesegnet werden, an dem die letzte Subvention Abg. Dr. Stresemann( natl.) hält die Automobilsteuer für drin- automobilen. Wenn z. B. ein Geschäftsmann ein Automobil hält, verschwinde.( Hört! Hört!) Die Hamburg- Amerika- Linie kommt gend reformbedürftig, will aber auch auf die geringe Einnahme um ausländische Einfäufer herumzufahren, es aber gleichzeitig au ganz ohne Subventionen aus. Der Betriebszuschuß des Nord- aus der Automobilstever nicht verzichten. Fahrten von seiner Wohnung nach dem Geschäft benußt, ist dieses deutschen Lloyd auf den subventionierten Linien ist ein rein rech- Abg. Severing( Soz.): Die Automobilsteuer hat nicht die Gr- dann ein Zugus- oder ein Geschäftsautomobil und der Stener nerischer, der finanzielle Stand des Lloyd ist im übrigen ein durch träge gebracht, die man von ihr erwartet hat. Der Ertrag der unterworfen oder nicht? Weiter kommt hinzu, daß das ganze aus günstiger. Es ist ja noch von den Verhandlungen von 1898 felben ist um 10 Millionen hinter dem Voranschlag zurüdge- Automobilwesen in der Entwickelung begriffen ist, und da wäre bekannt, daß die Reedereien es sehr gut verstehen, Profite herauszu- blieben. Deswegen find wir verpflichtet, der Frage näher zu treten, es ein schwerer Fehler, durch irgendwelche veratorischen Eingriffe rechnen auf den Linien, die nicht subventioniert werden, während die ob diefe Steuer nicht abzuschaffen ist. Gegen die die Entwickelung zu stören Daß das Haftpflichtgefes sobald als fubventionierten Linien nur mit ganz geringen Gewinnen arbeiten. Vorschläge, eine andere Art der Berechnung der Steuer einzu- möglich durchgeführt wird, damit sind wir vollkommen ein Dic Subvention entspricht einer Kapitalanlage von rund führen, haben sich die verbündeten Regierungen gewandt, und es berstanden, und wir hoffen, daß bei dieser Gelegenheit auf dieses 20 Millionen Mark für ein Land, in dem gegenwärtig rund wurde dabei die Erwartung ausgesprochen, daß die Steuer fich all- Haftpflichtgefeh nicht etwa die Erleichterungen ungünstig einwirken, 120 Europäer leben.( hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) mählich ergiebiger gestalten werde. Inzwischen ist aber eine Rüd welche auf Wunsch der maßgebenden Parteien für die Haftpflicht Das ist eine unerhörte Art der Berwendung von Reichsmitteln. entwickelung der deutschen Automobilindustrie und des Automobil. der Tierhalter erwirkt find.( Zustimmung bei den Sozialdemo Wir müssen die Frage, ob dieser Buschuß aus irgend welchen verkehrs eingetreten, die befürchten läßt, daß die Erträgnisse der kraten.) Gründen gerechtfertigt erscheint, rundweg verneinen. Die Steuer noch weit geringer werden. Die Voraus Abg. Severing( Soz.): Dem Prinzen Schönaich- Carolath erKolonie liegt von Deutschland viel zu weit entfernt, als daß fagungen der Sozialdemokratie bei der Beratung der Automobil- widere ich, daß das Wundern ganz auf meiner Seite ist. Ich jemals bedeutendere Handelsbeziehungen von dort nach hier statt steuer im Jahre 1906 sind vollständig in Erfüllung gegangen. 28ir wundere mich, daß er den Schuß der nationalen Arbeit, den Schutz finden könnten. Der Handel wird sich vielmehr immer nach haben damals betont, daß sie keine Lugussteuer sei, sondern die In- der deutschen Automobilindustrie einem Sozialbemofraten überSidney, der Hauptstadt Australiens, wenden. Der gesamte Umfah duftrie und den Berkehr unerträglich belaste. Das wird jetzt von läßt.( Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.). Weiter wundert er sich, daß ich als Skthelec See Nrbeikerpatlei gegen eine LuxuZfleuer auftrete. Ueber unsere Stellung zu Luxussteuern habe ich keinen Zweifel gelassen. Aber als Vertreter der Arbeiterpartei muß mir das Wohl von 120 0en Lohnerhöhungen partizipiert haben, welche Zulage diese Summesür den einzelnen in diesem Jahre bedeutet, nur dann kann man beurteen, ob sie einen ausreichenden Ausgleich für die Verteuerung der Lebns- mittel bildet. Ich habe den Staatssekretär der Reichsost- Verwaltung sehr stark im Verdacht, daß in dieser erhöhten Lhn summe nicht nur die Zulagen, sondern auch die Löhne für die?er- mehrte Arbeiterzahl stecken. lStaatssekretär Sydow: Das ist licht richtig I) Jedenfalls bieten die Zahlen kein klares Bild über den Umiang der Lohnzulagen. Ich kann also nicht finden, daß die Ar- beiterfreundlichkeit und soziale Gerechtigkeit gewahrt ist, wenn nan die im Arbeitsverhältnis stehenden Hülfsarbeiter von deser einmaligen Zuwendung ausschließt, und nur die diätetisch beschäftigten Unterbeamten unterstützt. Wir werden in der Budgetkommission einen entsprechenden Antrag für die zteire Beratung forniulieren, und ich hoffe, daß wir die Mehrheit dfür finden werden, daß man ihnen eine Zulage von 10 Prozent hres durchschnittlichen Einkommens gewährt. Nicht richtig erscheint es mir, daß diejenigen, die seil dem 1. April 1907 eine Gehaltsaufbesseuug erfahren haben, die Zulage nicht bekommen sollen. Denn liefe Gehaltsaufbesserung erschein! mir nicht als ein ausreichender lus- gleich für die eingetretene Erhöhung der Preise der Lebensmttel. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Dagegen habe ich nichts dagegen einzuwenden, daß die Zuwendung als ein Vorchutz sür die im Herbst eintretende Gehaltserhöhung betrachtet mrd. Ich möchte die verbündeten Regierungen ersuchen, die neu« Be- soldungsvorlage so ausgiebig zu gestalten, daß die Teuerungszilage, die hier gegeben wird, auf jeden Fall nur einen Teil der späeren Besoldungszulage bildet. Ich glaube auch, daß die verbündete! Re- gieruugen ihre Auffassung revidieren werden und den starren Wllen. absolut nickt mehr zu tun, aufgeben werden. Denn sie bmgen damit den Reichstag in eine Zwangslage, er kann dann gar nicht die Vorlage sachlich prüfen und die Kommissionsberatung würd sich ganz überflüssig machen. Ich glaube kaum, daß der Reichstag und die Budgetkommission Lust haben, sich pro rnbilo(sür nichts) hinzusetzen.(Sehr wahr I) Ich hoffe, daß die Regierung Blo-trrue genug hat, um auf die Wünsche der Mehrheit soviel Rücksilt zu uchme».(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Reichsschatzsekretär Sydow: Ich habe mit meinen Ausfühangen nur beweisen wollen, daß die Postverwaltung bei den im Verrags- Verhältnis stehenden Persönlichkeiten Fonds hat, um ausgiebg zu helfen und daß daher Teuerungszulagen nicht notwendig sind Auf dem Standpunlt stehe ich noch heute. Die Hoffnung, daß dal was ich im Namen der verbündeten Negierungen erklärt habe, nicht dch letzte Wort sei, möchte ich Herrn Singer bitten, schwinden zu lassen.(Hört!hört l) Ich habe nicht meine Meinung, sondern eine Erklärung der verbüideten Regierungen abgegeben, zu der ich autorisiert war. Wenn Fäle vor- koiiimeu sollten, in denen die spätere Aufbesserung zurückbleibt hinter den jetzigen Zulagen, so würde daraus erstens keine Zuriickzchlnng 'tatlfiudeii können und der Beamte würde zweitens so lange in Ge- nusse des durch die Zulage erhöhten Gehaltes bleiben, bis er im Laufe der Dinge in das Gehalt eingerückt ist. Wenn zum Schluß der Vorredner die Regierung ermahnt hat, mit Rücksicht aif den Block seinen Wünschen nachzukommen, so glaube ich doch, daß darin ein kleiner Scherz lag, er jagte doch wohl damit etwas anders, als er glaubte. Abg. Kopsch(frs. Vp.) rühmt die Verdienste der freisnnigen Parteien um die Aufbesserung der preußischen Beamten im Laidtage. . konservative und Regierung hätten sich dort gegen alle Beimten- 'orderungen schroff ablehnend verhalten im Vertrauen aif das öffentliche Wahlrecht zum Landtage. Auch in den Kreism der höheren Beamten herrsche vielfach bittere Not. Atch sie müßten gründlich aufgebessert werden. Die Verkoppelung zvischen �inanzreform und Beamteuaufbesserung sei um so tieer zu bedauern, als noch keineswegs feststehe, daß die Finanzrefcrm im Herbst durch eine genügende Nachgiebigkeit aller Parteien zistande komme. Im übrigen stimmien die Freisinnigen in Uebereinstinmung mit allen Parteien der Borlage zu. Abg. Rand(Wirtschaftliche Vereinigung): Der Glaibe an politische Aufrichtigkeit kann in Beamtenfragen leickt ins Wanken geraten. Der Mittelstand sieht deutlich auh die Vorteile der Beamtenstellung und will den Beamtet nicht eher Geld geben, als er weiß, woher es kommt.(Hört I höit!) Im luft- und geldlosen Raum kann kein Wesen lange leben.(Heiterkeit.) Gleichwohl wollen natürlich auch wir gern das Mögliche tun, um den Beamten eine den gestiegenen Lebensbedürfnissen entsprechende Aufbesserung zu gewähren.(Bravo! rechts.) Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vp.): Stände die Sache so, daß die Regierung entschlossen wäre, überhaupt keiner Abänderung der Vor- läge zuzustimmen, so hätte die Kommissionsüeratung keiner Zweck. Ich meine aber, die Regierung sollte eine solche Frage nicht»t einer Haupt- und Staatsaktion machen. Jedenfalls haben wir irotz der Erklärung des Staatssekretärs die Pflicht, für eine gerechte Aus- gestaltnng der Vorlage in der Kommissionsberateng einzutreten. Bravo! bei der Freisinnigen Vereinigung.) Nach weiterer Debatte, die sich bis nacb 8 Uhr abends finzieht, wird die Vorlage der Budgetkontmission überwiesen. Dain tritt Vertagung ein. Nächste Sitzung: Freitag 1 Uhr.(Münznovelle, Postsckeckgesetz und andere kleinere Vorlagen.) ?.e!chzlchulllenliot und finanzpolitische Zuhunftsmulilt. Die Sitzung der Budgetkommission am 30. April war der Be- prechung der Grundsätze über Verweisung von Ausgaben auf die Anleihe und Tilgung dieser Schulden gewidmet. Es wird den bürgerlichen Parteien allgemach Angst vor dem gewaltigen Schuld- konto des Reichs und es sollen nun neue Grundsätze sür das Schulden- machen aufgestellt werden. Bisher ist schon oft an solchen Grund- ätzen hernmgefeilt worden— ohne Erfolg. Denn wenn kein Geld da ist und Ausgaben gemacht werden sollen, schützen die besten Grundsätze nicht vor dem Schnldenmachen. So sind trotz d»r Grundlätze die Schulden auf über 4000 Millionen Mark angewachsen. Und für die nächsten fünf Jahre bis 1913 werden noch rund 845 Millionen Mark auf Anleihe kommen, als Konsequenzen bisher chon beschlossener Unternehinuugen. Nach der letzten Revision der Grundsätze für das Schnldenmachen werden beim R e i ch s a m t e S Innern die Ausgaben für Wohnungsfürsorge und für Bauten am Kaiser-Wilhelmkanal durch Anleihe gedeckt; bei der HeereS- e r w a l t u n g komnte'tt Ausgaben für Festungszwecke und für strategische Bahnen, bei der Marine die Ausgaben für ihre Weiterenilvickelting, d. h. also SchiftSbauten unier Abzug von Proz., welche auf den ordentlichen Etat zu nehmen find, auf Anleihe. Die Post- und Telegraphenverwaltung nimmt auf Anleihe die Erwerbung und Anlage von Kabeln und ge- wissen Telegraphen- und Telephonanlagen sowie die Kosten ür Beamten- und Arbeiterwohnnngen; endlich die Reichs- isenbahnverwaltung alle jene Ausgaben, die bei anderen Eisenbahnvrrwaltnngcn auf Anleihe genommen werden. An diesen Grundsätzen soll nun nach den Vorschlägen der Referenten Paasch? und Erzberger nichtS Wesentliches ge- ändert werden, nur hinsichtlich der Schuldentilgung wurden ein- chneidende Aendernngen vorgeschlagen. Während jetzt die Schuld mit jährlich% Proz. zu tilgen ist, wird von den Genannten de- antragt: Der Reichstag wolle beschließen: die verbündeten Regierungen zu ersuchen, gleichzeitig mit dem Gesetzentwurf über die Ordnung der Reichsfinanzen einen Gesetzentwurf borzulegen, in dem folgende Grundsätze zur Geltung kommen: Auf den außerordentlichen Etat sind zu nehmen: U Ausgaben für solche Anlagen werbender Art, die borauS- sichtlich die Zinsen und Tilgungsraten des Anlagekapitals erbringen werden; 2. sonstige einmalige Ausgaben, die durch ihre Höhe daS Gleich- gewicht des Etatsjahres erheblich stören würden. Die Ausgaben all 1 sind vom siebenten Jahre ab nach Be- toilligung der letzten Rate jährlich mit 2 Prozent des ursprünglichen Nennbetrages zu tilgen. Die Ausgaben ack 2 sind von dem auf die Bewilligung der letzten Rate folgenden Jahre ab mit jährlich 3'/, Prozent des ur- sprünglichen Nennbetrages zu tilgen. Die bisher aufgenommenen Anleihen find vom 1. April 1911 ab mit 1 Prozent des Nennbetrages jährlich zu tilgen. In der Begründung führt Paaschs aus, daß in den letzten zehn Jahren das Bestreben vorgewaltet habe, möglichst viele AuS- gaben aus den ordentlichen Etat zu nehmen, die Anleihe-Grundsätze zu revidieren, läge also dringender Anlaß nicht vor. Wichtiger sei die Schuldentilgung; mit dem Antrag sollten also Normen geschaffen werden sür möglichst kurzfristige Schuldentilgung. Alle nicht werbenden Ausgaben müßten in 30 Jahren, die anderen in zirka«0 Jahren gedeckt sein. Die Kolonialbahnen sollten auch in öS Jahren amortisiert seien. Diese beschleunigte Schuldentilgung soll nach erfolgreicher Finanzreform beginnen. Einzelne Abgeordnete hätten gewünscht, daß auch die alte Schuld von 4 Milliarden in 30 Jahren getilgt werde, das sei wegen der erforderlichen gewaltigen Summen nicht möglich, des- wegen schlage der Antrag eine Tilgung mit 1 Proz. vor. was eine Tilgungsdauer von 100 Jahren bedeute. Erzberger schließt sich diesen Ausführungen an und verspricht sich große Wandlungen zum Besseren, wenn der Antrag angenommen werde. Pachnicke billigt die Mottve des Antrage«, hat aber gegen die Fassung Bedenken. Er möchte keine gesetzliche Festlegung der Anleihegrundsätze, vielmehr müsse der Regierung und dem Reichstag hier ein gewisser Spielraum gelassen werden. Für ein Tilgungs- gesetz könne er sich eher erwärmen. Müller-Fulda beantragt, daß neben der in Aussicht ge- nommenen Rate von 1 Proz. auch der ersparte Zinsbetrag zur Tilgung der vorhandenen Schuld verwendet wird. Im übrigen gewinnt man aus seinen Ausführungen den Eindruck, dkitz das Zentrum dem Block auch hier gern einige Ungelegenheiten bereiten möchte, denn das wissen die Müller, Gröber, Spahn usw. doch auch. daß der schöne Plan baldiger Schuldenbezahlung nicht eingehalten werden wird. Schatzsekretär Sydow ist dankbar für die beabsichtigte Rücken- stärkung, glaubt aber nicht, daß der Antrag irgend etwas nützt; d i e Vorsätze feien gut, es könnte aber nur helfen, wenn an Ausgaben gespart und die Einnahmen gesteigert würden. Singer hält es auch für nützlich, etwas Waffer in den Wein der Antragsteller zu gießen; er bewundere die Naivität der Antrag« teller, die sich einbilden, mit einem solchen Antrage daS herrschende System ändern zu können. Die ganze Geschichte ist eine blendende Dekoration ohne innerell Wert. Es ist ja schon ein Tilgungsgesetz gemacht, aber als es zur Anwendung kommen sollte, wurde es durch den Etat aufgehoben. Der einzige Weg heißt: an Ausgabe u sparen. Wenn zu dem Nord-Ostsee-Ablommen noch ein solches käme über Einschränkung der maritime» und militärischen Rüstungen, so sei das mehr als dieser Antrag. Auch die Hoffnung auf die Finanzrefonn sei eine Illusion; es würden neue indirekte Stenern gemacht, die breiten Masse» wiederum stärker belastet und diese Be- lastung wachse mit steigenden Tilgungsquoten. Außerdem wird die Deckung von Anleihen immer neue Anleihen nach sich ziehen, denn die Rü st ungsausgaben finden ja kein Ende. v. Richthofen will es beim alten belassen, er spricht gegen den Antrag, während ihn Arendt, Semler und Gröber ver- leidigen. Nach längerer Debatte wird der Antrag mit dem Amendement Müller-Fulda mit allen gegen die Stimme v. RichthofenS angenommen._ Stadtverordneten'Verfammlang. 18. Sitzung vom Donnerstag, den 30. Aprils nachmittags b Uhr. Der Vorsteher Michelet eröffnet die Verhandlungen nach Uhr. In den Ausschuß für die Vorlage wegen Vermietung eines Kirchhofteils an den Berein für Feuerbestattung sind auch die Stadtvo. Ma nasse. Schulz. Zaöek(Soz.) gewählt worden; dem Ausschuß für die Vorlage wegen Anstellung eines Direktors des Fach- und Fortbildungsschulwcsens gehören auch die Stadtvv. Borgmann, Singer, Voigt(Soz.) an. Zunächst hat die Wahl zur gemischten Deputation für die Erörterung der Frage der Errichtung eines Spezial- krankenhauses für Brustkranke zu erfolgen. Es sind 14 Mitglieder aus der Versammlung zu wählen. Die Wahl wird durch Zuruf vorgenommen; unter den Gewählten befinden sich auch die Mitglieder Koblenzer, Singer, Dr. W e h l Moz.). Die vom Magistrat aufgestellten„Grundsätze" für die Anstellung, Annahme und Besoldung des Lehr- Personals an den Fach- und Fortbildungsschulen von Berlin sind Gegenstand eingjehender Ausschußberatnng ge- Wesen. Die„Grundsätze" haben durchweg die Billigung des AuS- schusses gefunden; in den Einzelheiten der Organisation werden aber mehrfach Abänderungen empfohlen. Den Bericht über die Ausschußverhandlungen hat Stadtv. R o s e n o w(N. L.) erstattet. Bei der Baugewerkschule Hai der Ausschuß das An- fangshonorar für Elemcntarunterrichtsstunden von 2 auf 2,50 M. erhöht. Bei der Webeschule hat der.Ausschuß für die neben- amtlich angenommenen Lehrer u nd Lehrerinnen eine be- sondere Skala für die Stundenhonorare vorgeschlagen. Bei der 1. H a n d w e r k e r s ch u l e hat der Ausschuß die vom Magistrat unter den vertragsmäßig anzunehmenden Lehrpersonen figurierenden„Obermeister" gestrichen. Mit diesen Aenderungen und einigen untergeordneten Modi- fikationen werden die„Grundsätze" für die drei genannten Schulen ohne Debatte genehmigt. Bei den„höheren Fachschulen"(2. Handwerkerschule, Tischlerschule, Gewerbesaal) sind wesentliche Aenderungen über- Haupt nicht beantragt; bei den Pflichtfortbildungs- schulen hat der Ausschuß das Gehalt der Lehrer auf 2940 M.. steigend in 7 Sttifen von 3 zu 3 Jahren um je 300 M. bis zum Höchstgehalt von 5040 M.. zu fixieren vorgeschlagen(die Magistrats- Vorlage wollte ihnen das Einkommen der Gemeindeschullehrer und 400 M. Funktionszulage zubilligen). Ein Antrag Löser will die Vorlage wiederherstellen, aber statt 400 M. Funktionszulage 600 M. pensionsfähige Zulage gewähren. Stadtv. Löfer(A. L.) tritt für seinen Antrag ein. um nicht die Lehrer der höheren Mädchenschulen zu ermutigen, im nächsten Jahre sofort mit entsprechenden Erhöhungsanträgcn zu kommen. Stadtv. Manafle(Soz.): Wir stehen stets auf dem Stand- Punkt, unsere Volksschullehrer und unsere Lehrer überhaupt gut zu bezahlen. Die Lehrer an diesen Schulen haben aber statt 28 Stunden wöchentlich nur 24 Stunden zu unterrichten, und sie unterrichten nicht Kinder, sondern Erwachsene, was doch ein Vorzug ist. Jedenfalls aber sind wir entgegen dem Magistrat der Meinung, daß die Zulage teine Kompetenzzulage, sondern eine pensionsfähige Stellenzulage sein muß. In diesem Sinne empfehlen wir bie Annahme des Antrages Löser. Der Ausschußantrag ist nur mit Stimmengleichheit angenommen worden, nämlich mit 4 gegen 4 Stimmen, wobei die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag gab. Der Antrag Löser wird angenommen und mit dieser Aenderung die Gesamtheit der Ausschußvorschläge. Die Ausschußberatungen über die veränderte HundeSteuerordnung sind nach vier Monate langer Dauer endlich zum Abschluß gekommen. Der Ausschuß hat entgegen der Vorlage, die den Steuersatz von 20 M. bestehen lassen wollte, eine Erhöhung auf 30 M. beschlossen. Referent ist Stadtv. Levy( Fr. Fr.) § 1 der Ausschußvorschläge lautet: Wer über zwei Monate alte Hunde im Gemeindebezirke von Berlin hält, hat für den ersten Hund eine jährliche Steuer von 30 M., für jeden folgenden von 40 M. zu entrichten." Bei Steuerpflichtigen, die für die Staatseinkommensteuer zu einem Steuersab unter 52 M. angesezt sind, soll die Hundesteuer auf Antrag für den ersten Hund auf 20 M. ermäßigt werden, sofern der Steuerpflichtige einen eigenen Haushalt führt." Der Referent führt an, daß die Mehrheit des Ausschusses mit der Erhöhung keinerlei fiskalische Absicht verfolge, vielmehr ledig lich von dem Wunsche geleitet sei, die übermäßig angewachsene Zahl der Hunde in Berlin zu vermindern. Daneben sei die Rücksicht auf die Sauberkeit der Straßen, auf die Verringerung der Verschmutzung für die Mehrheit maßgebend gewesen. Es wird zunächst in eine Generaldebatte eingetreten. Stadtrat Tourbié spricht sich entschieden gegen die Berquidung der Hundesteuer mit der Einkommensteuer aus und ersucht um Streichung des zweiten Absages des§ 1. Aus der Partei. Das Maimanifest des italienischen Barteivorstandes. ber Gemeinsamkeit mehrt die Sträfte, fpornt an zu Kampfestuft, bringt Siegesgewißheit! Haben deshalb nicht die Frauen einen besonderen Anlaß sich zu Der italienische Parteivorstand hat das folgende Mai- freuen? Haben sie nicht doppelt die Pflicht, den 1. Mai zu feiern? manifest verfaßt, das in der Mainummer des Avanti" er- Gewiß! Gerade die Frauen sollen beitragen, dem Weltenfeiertag Glanz und Bedeutung zu verschaffen. Nicht ein Feiertag soll er scheinen wird. ihnen sein, er soll sein der Feiertag. Heute müssen die Alltagsfesseln abgeschüttelt werden. Heute sei jede Proletarierin Demons ſtrantin gegen geistige und materielle Knechtschaft. Heute sei sie Verkünderin des Völkerfrühlings, Repräsentantin des Sozialismus! Frauen, hinaus zur Maifeier! Arbeiter! # Im Jahre 1848 richtete die erste Gruppe von Sozialisten an die Arbeiter aller Länder den Appell der Solidarität, jener Solidarität des Proletariats, die über die Grenzen des Vaterlandes hinaus es eint zum Kampf gegen die wirtschaftliche Stnechtschaft. Im Jahre 1889 feierte der internationale Sozialistentongreß die im Werden befindliche proletarische Solidarität, indem er den ersten Mai zu ihrem Am 1. Mai demonstriert das werftätige Bolt für den Achtftumben dem Bewußtsein der Massen. Festtag weihte. Heute hat dieser Festtag seinen Platz errungen in tag. Bis jetzt haben wir ja in sehr vielen Betrieben noch die zehn Die wirtschaftlichen und politischen Organisationen der Arbeiterklasse machen, unterstützt von der wissen- und zwölfftündige Arbeitsschicht. Die Hausangestellten kennen meist schaftlichen Forschung, Schritt für Schritt den Juhabern des nur einen vierzehn bis sechzehnstündigen Arbeitstag und auch VerKapitals den Boden streitig; der sozialistische Geist schafft fäuferinnen sind vielfach noch dreizehn Stunden lang, von morgens neue Einrichtungen und dringt in die Gesetzgebung ein; früh um 8 bis abends 9 Uhr, ununterbrochen im Geschäft anwesend. die sozialistische Politik wird zum Schwerpunkt der Politik Die Forderung des Achtstundentages ist daher nicht nur eine aller Regierungen und aller Parteien. Nicht weniger als allgemeine Kulturforderung, sondern speziell für die weibliche Lohnfür die anderen Länder trifft dies für unser Italien zu, obwohl hier arbeiterschaft von eminenter Bedeutung. der Prozeß der technischen Entwickelung langsamer ist und der Stand und die Verbreitung der allgemeinen Bildung den Aufstieg des Proletariats wenig begünstigt. Und durch diese Arbeitszeit jede Gelegenheit fehlt, sich ordentlich zu erholen, sich Die erwerbstätigen Frauen und Mädchen, denen bei der langen weiter zu bilden, die Lücken ihres Wiffens auszufüllen, sich höhere Genüsse anzucignen, an fünstlerischen Werken und Vorführungen fich zu erlaben, in die Schätze der Literatur sich zu vertiefen, würden bei achtstündiger Arbeitszeit zu alledem, je nach Neigung und Beranlagung, Beit und Muße finden. Für die verheirateten erwerbstätigen Frauen bedeutet die Ber fürzung der Arbeitszeit darüber hinaus eine unbedingt nötige Gr leichterung ihres schweren Dafeins. Sie können sich mehr ihrer Häuslichkeit und der Erziehung der Kinder widmen. Und wenn der Teil der herrschenden Klassen, der die Macht innehat, sich zu reaktionären Versuchen anfchickt, so können wir diese zurückweisen. Die Parlamentsmehrheit vertraut dem Katechismus bie Verteidigung des Privilegs an, und wir antworten, indem wir für die Kinder des Volkes das Alphabet fordern, das sie zu Rebellen machen wird. Die Richter geben in ihren Urteilen der Rache der Stadtv. Manaffe: Wir sind prinzipiell gegen jede Erhöhung herrschenden Klassen Ausdruck, und wir antworten, indem wir eine der Hundesteuer. Man spricht von der Hundeplage. Es sorgen allgemeine Amnestie fordern. Der Militarismus heischt neue Opfer doch schon die Hausbesizer in ihren Mietsverträgen dafür, daß diefe Plage nicht zu groß ist. Jekt, bei der relativ hohen Zahl leer- an Geld und Menschen und wir antworten mit der Forderung der ftehender Wohnungen, werden die Hauswirte vielleicht etwas fulan- Verkürzung der Dienstzeit. Vermehrt und verschärft durch die BeJetzt muß die Frau und Mutter, die oft genug täglich 8 bis ter sein, aber das wird mit dem Augenblick aufhören, wo diese lobigung der schuldigen Polizisten, die in Ueberschreitung der NotBahl sich beträchtlich vermindert. Wenn Sie einem armen Mann wehr oder aus brutaler Roheit gegen die Arbeiter wüten, dienen 10 Stunden, fern von der Häuslichkeit, im Dienste des Kapitals feinen Hund wegnehmen, werden vielleicht an die Stelle der Hunde die Konflikte zwischen der Menge und der bewaffneten Macht den frondet, vor Beginn der Erwerbsarbeit und nach Schluß dieser den Interessen der herrschenden Klassen, weil sie einen Abgrund des häuslichen Verrichtungen sich widmen, die Wohnung säubern, waschen, Kazen treten; ich weiß nicht, ob das für die Hausbesiber ange- Hasses zwischen den Proletariern im Mittel und denen im bunten puzen, schrubben, die Kinder pflegen, die Kleider in Ordnung halten, nehmer ist. Bezeichnenderweise sollten ja auch die Diplomatenhunde Rod graben. Wir antworten, indem wir in beiden das Bewußtsein die Mahlzeiten besorgen und der Hunderte Plackereien mehr auf sich und die Hunde des Königlichen Hofes freibleiben, dagegen muß um die Freilassung der Sanitätshunde erst petitioniert werden! der gemeinsamen Interessen wecken, auf daß nicht mehr der Haß nehmen. Für sie wäre die Verkürzung der Arbeitszeit ganz gewiß Jedenfalls sollte aber wenigstens der zweite Absatz des§ 1 ange- fie trennen, sondern die Klassensolidarität sie bereine im Stampf eine große Erleichterung in ihrer doppelten Fron. Die jegigen nommen werden; die technischen Schwierigkeiten der Ausführung unsere Haltung und durch Verstärkung unserer Organisationen langen Arbeitszeiten, das tägliche Abhezen, das in der frühen jene Bedrückung, deren Opfer beide sind. dürfen nicht ausschlaggebend sein. Es ist ein Antrag Jmberg eingegangen, wonach die im§ 10 werden wir noch einmal den reaktionären Anschlag in einen mächtigen Morgenstunde beginnt und erst in sinkender Nacht endigt, macht sie apathisch, stumpft ihre Lebensenergie ab, versezt ab, versetzt sie in auf Antrag zugewährende Steuerfreiheit ausgedehnt werden soll auf Sebel neuer Eroberungen verkehren. Bustand Arbeiter! Die reaktionären Selbsttäuschungen der Bougeoisie den der UnterWillenlosigkeit gegenüber jeder " Hunde, welche von einer aus Mitgliedern der Staats- und Komund die Lohnsklavin wird dadurch unbewußt munalbehörden bestehenden Prüfungskommission nach Bestehen werden uns den Weg nicht versperren; aber die Selbsttäuschungen, die nehmerwillkür, einer Leistungsprüfung als tauglich für den Bedarfsfall im Kriegs-, in unsere eigenen Reihen sich einſchleichen, können unseren Marich verlang eine Feindin ihrer eigenen und ihrer Klaffengenossen Interessen. Sanitäts- oder Polizeidienst befunden werden. Hundehändler famen. Gegen die Selbsttäuschung, daß ein feindliches Ablehnen jeder Sie ist unfähig, den Organisationsgedanken zu erfassen; sie läßt follen von dieser Vergünstigung ausgeschlossen sein." politischen Eroberung Wunderkraft besige, ebenso wie gegen die Illusion, ( Der Antrag stammt von einem Magistratsbureauassistenten, daß die Teilnahme des Proletariats an der Regierung im bürgerlichen nicht nur ihre eigene Arbeitskraft ausbeuten, sondern sich auch als und ist von Mitgliedern der Versammlung aufgenommen worden.) Staat diesen umgestalten tönnte, betonen wir die sozialistische Lohndrückerin mißbrauchen. Mit Erringung des Achtstundentages eröffnet sich die Möglichkeit, Stadtv. Solmin( Fr. Fr.): Ich empfehle die Erhöhung durch- Methode, die in so vielen Proben gestählt wurde. Und so setzen weg auf 30 M. Nach dem Absatz 2 würden Neunzehntel aller wir die geduldige Arbeit fort, unfer proletarisches Heer zu bilden, die Indifferenten mehr zum Klassenbewußtsein und zur Solidarität So ergibt sich auch nach dieser Richtung für die Hunde steuerfrei gestellt werden; man würde die Ausnahme damit es im disziplinierten Kampf zu üben, der Tag für Tag die politische, zu erziehen. zur Regel machen. Wir haben ja doch auch den§ 10 in der Hunde- moralische und soziale Lage des Proletariats hebt, Schritt für Gesamtheit ein unberechenbarer Vorteil aus dem Achtſtundentag. Darum müssen alle diejenigen, die die kulturelle Bedeutung der Steuerordnung, wonach Steuerfreiheit für Hunde von Personen ge- Schritt die Zukunft erobert und so die Grundlage der neuen Gesellwährt wird, wenn diese körperlich hülfsbedürftig sind. Außerdem schaft baut, in der es keine Herrscher und Beherrschten, keine Aus- Forderung, für welche das Proletariat der Welt heute demonstriert, werden doch auch die Wach- und Ziehhunde freigelassen; man tann beuter und Ausgebeuteten mehr geben wird. also mit Recht sagen, daß das, was übrig bleibt, Lurushunde sind, In diesem Sinne, mit diesem Willen, Genossen, Arbeiter, in geistiger und materieller Beziehung erkannt haben, doppelt auf auf dem Posten sein. Sie müssen kämpfend das erringen, für die auch gut und gern statt 20 m. 30 m. bezahlt werden können. fordern wir Euch auf, den ersten Mai feierlich zu begehen. was erforderlich ist, um die Indifferenten und Unwissensen In Berlin laufen 40 000 Sunde herum, ein Armeekorps in KriegsPolizeiliches, Gerichtliches ufw. zu befähigen, Mitstreiter im Heere der Klassenfämpfer zu werden. stärke. Bedenten Sie, was diese Hunde alles für unästhetische Uebereifrige Sittenpolizei. Sachen auf der Straße treiben. Stadtv. Liebenow( A. L.): Herr Manasse hat hier auf die Hausbefiberinteressen hingewiefen; im Ausschuß ist das bloß von einer einzigen Geite geschehen, die noch dazu mit Herrn Manasse befreundet ist. Das Interesse der Hausbefizer hat die Mehrheit des Ausschusses absolut nicht beeinflußt. In Hof hatte sich am 29. April Genosse Otto Burge meister von der Oberfränkischen Volkszeitung" Heute am 1.Mai erhebt das internationale, flaffenbewußte Prole vor dem Schöffengericht wegen Beleidigung des Polizeiinspektors tariat wiederum die Forderung auf Einführung des Achtstundentages. Hehner zu Hof zu verantworten. Am 27. Februar wurde in Hof Wir fordern denselben aus mancherlei Gründen, nicht zuletzt aber, eine 20jährige Fabritarbeiterin aufs Polizeibureau geladen, da um die Gesundheit des Proletariats zu schüßen. Wir fordern den man sie im Verdacht hatte, geschlechtstrant zu sein, und eine Achtstundentag in erster Linie für die Frau als Gattin und Mutter. Stadtv. Rettig( A. L.): Wie stark die Hundeplage ist, kann nur Visitation veranlassen wollte. Das Mädchen geriet in die größte wie können die Frauen gesund bleiben, wie können sie noch gesunde jemand ganz ermeffen, der in meiner Gegend wohnt( Rosenthaler Aufregung, entfernte sich aus seiner Wohnung und wurde nach Biertel). Dort hat jeder Gastwirt ein bis zwei Hunde; dort sind einigen Tagen als Leiche aus der Saale gezogen. Diesen Vorfall Kinder gebären, wenn fie, ausgebeutet bis aufs äußerste, Tag für zahlreiche Zuhälter vorhanden, die auch mindestens einen Hund und die Art, mit der Polizeiinspektor Hetzner gegen ein bisher Tag, bis zur völligen Erschöpfung arbeiten müssen! Durch die jeber halten. Die Ladenbesizer, die Inhaber von Kellergeschäften unbescholtenes Mädchen vorging, unterzog Genoffe moderne Industrie, durch die niedrige Entlohnung des männlichen baben ganz außerordentlich darunter zu leiden. Was die Ver- Burgemeister in zwei Artikeln der„ Oberfränkischen Arbeiters ist die Frau zum Mitverdienen gezwungen worden. Und schmutzung betrifft, so erkundige man sich doch bei den Straßen- Volkszeitung" einer scharfen Kritik. Wegen Wegen dieser zwei je mehr Kinder vorhanden sind, je mehr muß mit dem Lohne der fegern. Artikel stellte Polizeiinspektor Hepner Privatklage. In der Ver- Frau gerechnet werden. Die Frau, die Mutter ist, befindet sich in Stadtv. Hinge( Soz.): Ich habe nicht gehört, daß in der handlung wurde festgestellt, daß das Mädchen ohne Zweifel durch einer Zwidmühle. Sie muß verdienen, weil sie zum LebensunterBürgerschaft allgemein der Wunsch nach Verminderung der Hunde die Vorladung in den Tod gejagt wurde. Ebenso flar ging aus besteht; es sind dafür lediglich die Hausbesitzervereine eingetreten. den Aussagen von Zeugen, die im gleichen Hause mit der Unglück- halt der Familie beitragen muß, zu Hause jedoch fehlt es an Im Verhältnis der Bevölkerungszunahme hat auch eine Zunahme lichen wohnten, hervor, daß diese durchaus keinen liederlichen der erwünschten Ordnung, weil die Mutter im Hause fehlt. Wie oft der Hunde stattgefunden; nach diesem Verhältnis ist auch nicht Lebenswandel führte. Der Verdacht, daß das Mädchen geschlechts- tommt es nicht vor, daß Stinder wegen ungenügender Pflege erein einziger Hund mehr in Berlin als 1893. Die Zahl der Retrant sei, entstand dadurch, daß in das städtische Krankenhaus in franken, oder wegen mangelnder Aufsicht berunglüden. Die Frau lamationen wird ungeheuer groß werden, und die Kosten, die aus Hof im Februar ein an Syphilis leidender Arbeiter eingeliefert richtet im heißen, staubigen Fabriksaal, in dumpfer Werkstätte, der Vermehrung des Beamtenpersonals entstehen, werden den wurde, der auf polizeiliche Vernehmung hin erklärte, am ihr Leben langsam zugrunde. Die Folgen der Frauenarbeit Mehrertrag der Steuer auffreffen. Es sollte doch auch den ärmeren 24. Dezember 1907 mit dem in Frage stehenden Mädchen verkehrt in gesundheitlicher Beziehung sind so entsetzliche, daß schon Bevölkerungsschichten nicht die kleine Freude geraubt werden, welche zu haben, er glaube jedoch nicht, daß es geschlechts der Vorschlag gemacht worden ist, die Fabrikarbeit für verheiratete fie an den Hunden haben, die sie zur Ueberwachung ihrer Häus- frant gewesen sei, und er sich bei ihm die lichkeit brauchen. Einen nennenswerten finanziellen Effekt wird er ankheit zugezogen habe! Da Polizeiinspektor Frauen gefeßlich zu berbieten. Aber was wäre mit einem solchen ja die Erhöhung an sich nicht haben; jedenfalls kann eine Stadt Hetzner durch Verordnungen des Magistrats von Hof und der Verbot erreicht? Die Not würde umso größer; viele Frauen würden wie Berlin, solange sie die Wertzuwachssteuer nicht eingeführt hat, bayerischen Regierung zu dieser Art Bekämpfung der Prostitution in der Heimarbeit, bei noch längeren Arbeitszeiten sich schinden und sehr leicht darauf verzichten. berechtigt sein will, erfolgte die Verurteilung Burgemeisters zu die Folgen blieben dieselben. Wäre der Heißhunger des Kapitals 30 Mart Geldstrafe. nach Profit nicht allzu groß, gäbe man der Frau eine fürzere Stadtv. Zylicz( A. 2.) ist bei der zunehmenden Unruhe nicht au berstehen; er scheint sich für den Ausschußantrag auszusprechen. Stadtv. Manasse( Soz.): Die Zuhälter tönnen nicht von der Steuer befreit werden, weil sie keinen eigenen Haushalt führen. ( Heiterkeit.) Wenn Herr Liebenow auf einen meiner Freunde verwies, der etwas hausagrarisch veranlagt gewesen sei, so handelte es sich da bloß um einen falschen Zungenschlag, der alsbald berichtigt wurde. Stadtv. Dr. Tropffe( Fr. Fr.) empfiehlt mit dem Stadtver- nissen im Raniser Kreisfrankenhause mit verbüßt, wird er erst Die gesundheitliche Bedeutung des Achtstundentages ist jedem ordneten Solmik die Erhöhung durchweg auf 30 M. Der Antrag Tropfte wird abgelehnt, ebenso der Antrag des Ausschusses; es verbleibt bei dem bestehenden Steuerfat von 20 M. Bu§ 10, der von der Steuer befreiung handelt, wird der oben erwähnte Antrag mit verhandelt und von dem Stadtverordneten 3mberg( N. 2.) befürwortet. furz vor Pfingsten wieder in die Freiheit" zurüdkehren. -G die Redakteurfreuden. Genosse 3orn bom Voltsblatt" zu Arbeitszeit, könnten die Verhältnisse ganz andere sein. Dann könnte Saalfeld hat Dienstag eine ihm wegen angeblicher Beleidi- die Hausfrau sich noch einige Stunden der Familie widmen. Ordnung gung des preußischen Kriegsministeriums auferlegte ein- und Sauberkeit lassen naturgemäß unter den jetzt obwaltenden Vermonatige Gefängnisstrafe angetreten. Da Genosse hältnissen oft genug sehr viel zu wünschen übrig. Vom trauten Born außerdem noch zwei kleinere Gefängnisstrafen wegen Be- Heim der Arbeiterfamilie kann unter diesen Umständen leidigung eines Feldjägers und wegen Besprechung von Vorkomm hinzugerechnet teine Rede sein. Hygieniker bekannt, aber das Unternehmertum will ihn nicht ein führen. Bis heute haben wir noch den gesetzlich festgelegten elfstündigen Arbeitstag für Frauen. Aber es gibt auch noch Betriebe, in denen nicht nur elf Stunden gearbeitet wird, sondern wo Ueberstunden und Sonntagsarbeit an der Tagesordnung find. Die Gewerbeinspektoren wissen in ihren Jahresberichten noch jedesmal davon zu erzählen. Aus der Frauenbewegung. Maientag. Taufendfältig brechen aus dem Schoße der Mutter Erde die Stadtv. Bylicz tritt für den Antrag des Ausschusses ein, die Steuerfreiheit für Hunde, welche in ihrem Wahrnehmungsvermögen jungen Triebe hervor. Und streben zum Licht, zur Höhe! In Baum beschränkten oder sonst an freier Bewegung des Körpers ber- und Strauch steigt empor der fruchttreibende Saft. Knospen und hinderten Personen zur Unterstübung unentbehrlich find, nur dann Blätter sprießen; balsamischer Duft erfüllt die Natur. Alles fündet zu gewähren, wenn der Besizer des Hundes den Nachweis er- Lust und jauchzt unter dem Erschauern der küssenden Sonnenbringt, daß er mit nicht mehr als 3000 M. zur Einkommensteuer strahlen. herangezogen ist. Stadtb. Werner( N. 2.) empfiehlt ebenfalls den Antrag Jmberg, während Stadtv. Solmit für Ablehnung plädiert. Der Zufahantrag Jmberg wird abgelehnt,§ 10 nach dem Ausschußantrag gestaltet. laffen werden. Und aus sehnsuchtheißem Herzen der Frauen steigt herauf das Verlangen nach Licht, Luft, Freiheit, nach Lebensfonnenschein. Mit Allgewalt drängt es sie, die winterlichen Fesseln des Bor urteils, der Klassenherrschaft und auch des Männeregoismus zu brechen. Das Weib, doppelt unterdrückt und entrechtet, doppelt gequält und gepeinigt, doppelt ausgenutzt und entwürdigt, schreit nach Wir wissen, daß das Unternehmertum sich alle Verbesserungen, die den Arbeitern und Arbeiterinnen zugute kommen, nur abtrogen laffen. Nur starke Organisationen werden durch ihre Macht endlich die Einführung des Achtstundentages erringen. Auch der diesjährige erste Mai wird uns dem Ziele einen Schritt näher bringen. Allen denen, die zu den Ausgebeuteten gehören, die aber der Arbeiter bewegung noch fern stehen, rufen wir zu:" Kommt her, alle die Ihr mühselig feid, schließt Euch uns an, zum Kampfe für die Befreiung der Menschheit aus Stlavenjoch und Tyrannei! Der Rest des Entwurfes wird nach den Ausschußvorschlägen ohne Debatte angenommen, ebenso die Vorlage im ganzen. Dem Bächter des Rathauskellers, Faltenberg, soll auch in Erlösung, Gleichberechtigung, Persönlichkeitsrecht! Die tausend- Druckfehlerberichtigung. In der Volksversammlung in den Prachtdiesem Sommer die Einrichtung des Restaurationsbetriebes vor dem Rathause in Form, Größe und Ausstattung wie früher über- jährige Gefangenschaft der Geschlechts- und Haussklaverei will die fälen des Ostens hielt das Referat Genossin Martha Tie- Berlin Frau abschütteln, sie will frei sein als Mensch und Weib. und nicht M. Zieh, wie es im Bericht in gestriger Nummer heißt. und Verheißerin dieser Freiheit, Erlöser ist ihr der Sozialismus, die Menschheitsverbrüderung, der proletarische Klaffenkampf. Darum ist für die Frau der Weltfeiertag ein ganz besonderer Berlin. Sonntag, den 3. Mai, im Gewerkschaftshaus, EngelTag der Weihe. Auf der ganzen kultivierten Welt, soweit das Ufer 15: Beranstaltung für die weibliche Jugend. Gesang, Evangelium des Sozialismus gehört und verstanden wurde, schlagen Mufit, Rezitation. Gäste willkommen. Für die im Juni in Berlin tagende 48. Jahresversammlung heute die Herzen der Unterdrüdten und Ausgebeuteten den einen Ober- Schönetveide. Dienstag, den 5. Mai: Deffentliche Bersammlung sind alle hingerichtet Stadtv. Rofenow beantragt Ausschußberatung. Es handle fich babei weniger um den Vorgarten, als um eine gründliche Erörte rung der gesamten Verhältnisse des Ratskellers, die dringend notwendig sei. Der Antrag Rosenow wird abgelehnt, die Vorlage angenommen. " des Deutschen Vereins von Gas- und Wasserfachmännern" wird ein Rostenbeitrag von 3000 m. gewährt. Die Vorlage wegen anderweitiger Regelung des Betriebes in ber Flußbadeanstalt Mühlenstraße 50 wird angenommen. auf das große Ziel, dem wir alle entgegenstreben. Proletarier aller Länder vereinigt Euch! Nicht nur in Gedanken und Wünschen, nein auch im Wollen sind sie heute inniger denn je I vereinigt. Und diesem Wollen entspringt die Eat. Das Bewußtsein | Versammlungen Veranstaltungen. in Wilhelminenhof". Referentin Genossin Ihrer: Die Auf gaben der Frauen bei den Landtagswahlen". Weißensee. Mittwoch, den 6. Mai: Deffentliche Versammlung im Prälaten", Lehderstraße 122. Referentin Genoffin Martha Ties: Die Aufgaben der Frauen bei der Landtagswahl." Deutscher Holzarbeiter- Verband.! Ortsverwaltung Berlin. Das Verbandsbureau ist am 1. Mai den ganzen Zag gesloffen. Die Arbeitslosen brauchen am 1. Mai den Arbeitsnachweis nicht zu besuchen und die Arbeitslosenkarte nicht stempeln zu lassen. Die Ausgesperrten melden fich am 2. Mai früh wieder zur Arbeit. Berden sie nicht eingestellt, so versammeln sich die Kollegen der Werkstatt in ihrem Sigungslokal. Der Vertrauensmann stellt fest, wieviel Stollegen ausgesperrt sind und überbringt das Resultat in der Beit von 9 bis 12 Uhr nach dem Gewerkschafts: haufe, Engelufer 15, Saal 1. Die Meldung foll nur durch den Vertrauensmann erfolgen. Sonnabend, den 2. Mai, Sikung der Ortsverwaltung. 8 Uhr: Montag, den 4. Mai 1908, abends 8% Uhr: Vertrauensmänner- Versammlung sämtlicher Bezirke und Branchen in der Brauerei Friedrichshain am Friedrichshain. Zages Drdnung: Stellungnahme zur Maiaussperrung. Ritgliedsbuch und Vertrauensmännerkarte legitimiert! Jede Werkstatt muß vertreten sein! $ 3/ 26 Die Ortsverwaltung. Verband deutscher Gastwirtsgehülfen. Bureau: Smt III, 1474. Berlin N. 24, Gr. Hamburger Str. 18/19. Ortsverwaltung I für Kellner, Köche, Köchinnen, Büfettiers usw. Unentgeltlicher Arbeitsnachweis der Ortsverwaltung II Abteilung für das Hülfspersonal: Zapfer, Hausdiener, Kupferpuker usw. Arbeitsnachweis: Amt III, 1813. Ortsverwaltung III Abteilung für Bierabzieher. Die Mitglieder des Verbandes find mit einer Wtgliedstarte zur Regitimation versehen, die jedes Duartal erneuert wird und die Farbe wechselt. 287/1 Die für das laufende Quartal gültige Karte ist von hellblauer Farbe mit schwarzem Aufdruck. Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß der Verband deutscher Gastwirtsgehülfen" und der Gastronomische Gehülfenverband nicht identisch find. Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verhand. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptburean: Hoj I. Umt 3, 1239. Charitéstraße 3. Soj M. Amt 3, 1987. Sonntag, den 3. Mai 1908, vormittags 10 Uhr: Allgemeine Versammlung „ Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein" Mitglied des Arbeiter Radfahrer- Bundes .Solidarität. Touren zum Sonntag, den 3. Mai. 1. Abt. früh 6 Uhr: Nauen; nachm. 2 Uhr: Fallenhagen. Starts: Bülow straße 58. 2. Abt. früh 7 Uhr: Wendisch- BuchEichwalde. Starts: Fontane- Bromenade 15. der Rohrleger und Helfer Berlius und Umgegend bolz; nachm. Uhr: im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Saal 4. Zages Drdnung: 3. Abt. früh 7 Uhr: Schloß Woltersdorf; nachm. 1 Uhr: Hessenwinkel. Starts: Mariannenplat. 4. Abt. früh 7 Uhr: Grünhalde ielik); nachm. 1 Uhr: Hessenwinkel ( Gulid). Starts: Stüftriner Blak. 1. Der Arbeitsvertrag in Zeit und Stücklohu. Referent: Genosse Körsten. 2. Diskussion. 3. Erfazivahl von Agitationstommiffionsmitgliedern. 4. Branchenangelegenheiten. Kollegen! Mit Rüdlicht darauf, daß in diesem Jahr unser Taris ab. 5. Abt. früh 6 Uhr: Streifzüge läuft und von anderer Seite schon seit einiger Zeit versucht wird, durch durch die Berliner Schweiz; nachm. Einberufung von Versammlungen, welche sich mit forbtarifvorlagen usw. 1 Uhr: Rübezahl. Starts: Glyfium. beschäftigen, Unflarheit und Unstimmigkeiten bei den Rohrlegern und helfern 6. st. mitt. 12 Uhr: Hungrigen Wolf. zu erzeugen, ist es notwendig, daß ein jeder von Ihnen in diefer BerStart: Oberberger Straße 28. fammlung erscheint. Es wird durch Mitteilungen einem jeden Stollegen genügend Auflärung gegeben, damit ein jeder weiß, wie er sich in Bulunft verhalten soll. Deshalb ist es pflicht, daß unsere Kollegen für einen guten 115/19 Besuch der Bersammlung agitieren. Sonntag, den 3. Mai 1908, vormittags 10 Uhr: Versammlung der Bauanschläger= in Englischen Garten, Meganderstr. 27c. Zages Drbnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 2. Berbands- und Branchenangelegenheiten. 4. Berschiedenes. Die Kollegen werden ersucht, so zeitig und zahlreich zu erscheinen, daß die Bersammlung pünktlich eröffnet werden kann. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Die Ortsverwaltung. 7. Abt. früh 8 Uhr: Hungrigen Wolf; nachm. 1 Uhr: Fredersdorf ( Girte). Starts: Grenzstr. 21. 8. Abt. früh 6 Uhr: Regin; nadm. 1 Uhr: Wannsee. Starts: Waldstraße 8. Neu eröffne JOSETTI JUNO Cigaretten. Cigaretten gerade so gut" Kosten das doppelte und mehr 1-0 Joselli 10 St. für 20 Pfg. So billig haben Sie noch nie gekauft! Neu eingetroffen: 1 Waggon Emaille 0.58, 0.68, 0.88 0.95, 1.38, 1.58, 1.78 1.05, 1.38, 1.68, 1.98 0.33, 0.43, 0.53 0.38 • 9 O • . 9 0.16, 0.20, 0.23-0.85 Wasser- Eimer. Wasser- Kessel mit Sack ohne Sack Kasserollen mit Stiel Kehrbleche, gestanzt Schüsseln 0.27 Leuchter. Essentrüger m. verstellb. 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Abt. nachm. 1%, Uhr: Streifz Bekanntmachung der Ortskrankendurch die Tegeler Forst, Endziel: Heiligenfee. Start: Schillingstr. 15/16. 10. Abt. früh 7 Uhr: Finkenkrug; nachm. 1, Uhr: Faltenhagen. Starts: Lothringer Straße 37. Sremmen. Start: Webbing( DantesMotorjahrer. Früh 9 Uhr: firche). kasse für Ober- Schöneweide. Die von der Generalversammlung am 7. Dftober 1907 beschlossene Abund 64 des Kaffenstatuts hat die änderung der§§ 13, 18, 25, 27, 36 Genehmigung der Aufsichtsbehörde Gäste willkommen. erhalten und tritt mit dem Tage der Pantow- Schönholz. Nachm. Bekanntmachung in Straft. 1 Uhr: Friedrichshagen, Rübezahl Die zurzeit im Druck befindlichen Start: Mühlenstraße, Bahnbrüde. Nachträge vorstehender Abänderung Donnerstag, den 7. Mai: Nußer- werden demnächst durch die ArbeitVerband der baugewerbl. Hülfsarbeiter Deutschl. ordentliche Bersammlung. Bahlreiches geber resp. im Staffentotal zur BerZweigverein Berlin und Umgegend. Sonntag, den 3. Mai 1908, bormittags 10 Uhr: Bezirks- Versammlungen. Bezirk Often bei Bitfin, Memelerstr. 67 Nordwest- Moabit, Kronen- Brauerei, Alt- Moabit 47/49 Südost bei Graumann, Naunynstr. 27 " " Südwest bei Schulz, Mittenwalderstr. 15 Wedding bei Blum( Klubhaus), Schulstr. 29 Rosenthaler Vorstadt b. Schilling, Swindemünderstr. 51 274/3 11/10 gelangen. Der Vorstand. Dber- Schöneweibe, ben 1. Mai 1908. Fahrrad- Industrie ,, Solidarität" ist Der Vorstand. H. Rodenbusch, C. Liesegang, Borsigender. Schriftführer. am 1. Mai geschlossen. Am 1. Mai Felsen- Fahrräder u. NähNeu eröffnet Gaskroner ^ Elektrische Kronen Fahrikpreises R.Zechlin Alexanderstr. 49. Berlin C.( Alexanderplatz. von der Jeden Sonntag nach Krampenburg. Abfahrt borm. 9 Uhr, nachmittags 2 Uhr. Fahrpreis hin und Dampferfahrten mit Musik waifenbrüde. bleibt mein Geschäft gefchloffen. Armaschinen M. 45, Mantel 2,20, zurüd 75 Pf., einfach 50 P., Kinder 25 Pf. Dampfer jeder Größe find beits- Anzüge. Wilhelm Pahr, Brunnenstraße 116. 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Mai feiernden Kollegen treffen sich vormittags 19 Uhr bei Engel, Seydelstr. 30, und gehen geschlossen zu der Versammlung in den ,, Sophiensälen", Sophienstr. 17/18. 171/13 Wo? machen wir am Sonntag unferen Ausflug? Nach Pichelswerder zum 26552* Alten Freund. Ein Triumph der Zigaretten- Fabrikation! Selowsky's Caruso Zigaretten nur 3 Pf. per Stück! Abgerissen a. unmodern an Garderobe brauchen Sie bei unseren Preisen nicht zu gehen. Wir empfehlen getragene Monatsgarderobe in feinsten Werkstätten gearbeitet, von Herrschaften, Doktoren. Kavalieren nur Wochen gebrauchte Monats- Anzüge. 7, 10, 14, 18 M. Monats- Paletots 5, 8, 12, 16 M. Hauptgeschäft: J. Wand Große Frankfurter Str. 116 2. Geschäft: Chausseestr. 89 3. Geschäft: Chausseestr. 86 Bekanntestes Spezial- Geschäft für Monatsgarderoben Berlins. Empfehle auch diesen Sommer mein Lokal zu Land- u. Wasserpartien. Verantwortlicher Rebatteur: Georg Davidjohn, Berlin. Für den Inferatenteis verantw.: Th. Glede, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Budbruderei u. Verlagsanstalt Baul Sinacz& Co. Berlin SW. tr. 102. 25. Jabrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Aus der Heimarbeits- Ausstellung in Frankfurt a. II. Bekleidungsindustrie( Schluß) und Lederwarenindustrie. Frankfurt a. M., 28. April 1908. Von den Abteilungen der Bekleidungsindustrie verdienen noch drei eine nähere Betrachtung: die Pelzwarenfabrikation, die Mühenmacherei und die Schuhmacherei. Mit dem Nähen von Pelzsachen werden nur Frauen beschäftigt. Die Arbeit ist verhältnismäßig einfach und erfordert keine besondere Vorbildung. Es werden Pelz- und Plüschkolliers wattiert und mit Futter, Haken und Desen versehen, bei Muffen ist Watteeinlage zu machen, das Futter einzustecken und ringsum anzunähen, ferner werden Plüsch- und Kindermüßen genäht und gefüttert. Der Umstand, daß es sich in dieser Branche ausschließlich um Frauenarbeit handelt, die noch dazu keine besondere Vorbildung erfordert, sondern nach kurzer Anweisung durch die Vorarbeiterin der Fabrik sofort gemacht werden kann, hat auf die Löhne und anderen Arbeitsverhältnisse natürlich den ungünstigsten Einfluß ausgeübt. Die Löhne sind erbärmlich niedrig: für ein Dugend Müffe z. B., bei denen die oben beschriebene Arbeit zu verrichten ist, erhält eine Heimarbeiterin 37 bis 45 f. Die StundenLöhne betragen sehr häufig 12 f. und erreichen in wenigen günstigen Ausnahmefällen 17 Bf. Die Arbeitszeit ist lang, bis zu 14 Stunden täglich, aber auch eine so lang ausgedehnte Arbeitszeit reicht nicht aus, um eine auch nur den bescheidensten Ansprüchen genügende Lebenshaltung zu ermöglichen. Etwas bessere Verhältnisse, allerdings auch nur für gelernte männliche Arbeiter, scheinen in der Müßenfabrikation zu herrschen. Im Ausstellungsgebiet wurden für diese Branche 59 Heimarbeiter, 38 Frauen und 21 Männer, ermittelt. Die männlichen Heimarbeiter( Kappenmacher) erzielen Stundenlöhne bis zu 50 Pf. und bei Qualitätssachen sogar noch etwas höhere, für Heimarbeiterinnen finden wir dagegen auch hier Löhne von 30 Pf. bis herab zu 9 Pf. für die Stunde. Dabei ist die Zeit, die zume Abliefern der fertigen Sachen aufgewendet werden muß, noch nicht einmal berücksichtigt. Die tägliche Arbeitszeit beträgt auch für diese Heimarbeiter bis zu 14 Stunden. Ihre viel Fasernstaub crzeugende und mit Dämpfen( Bügeln und Appretur) verbundene Arbeit verrichten die Heimarbeiter sehr oft im Wohn- oder Schlafzimmer, einen besonderen Arbeitsraum haben die wenigsten. Mehrere Heimarbeiter beschäftigen Hülfskräfte und nehmen dann innerhalb ihres fleinen Betriebes eine gewisse Arbeitsteilung vor, die den Verdienst für den Zwischenmeister erhöht. Die Schuhmacherei hat große Tische mit ihren Sachen, darunter zum Teil sehr feine, bedeckt. Neben den großen Fabriken mit vielen Heimarbeitern beiderlei Geschlechts beschäftigt auch das Handwerk eine große Anzahl männlicher Heimarbeiter, fogen. Schoßarbeiter, die sämtlich gelernte Schuhmacher sind. Der Schoßarbeiter macht die Bodenrangierung( Bau der Sohle, Absatzbau, Aufzwicken usw.) und das Beschneiden und Polieren der Abfäße und Sohlentanten, das Abglasen der Sohlen und Gelenke. Für Schuhfabriken wird als Heimarbeit die Wenderei von Kameelhaar-, Leder- und Filzschuhen und Stepperei von Beder, Filz- und Segeltuchschäften ausgeführt, und zwar hauptsächlich von Frauen, die zur Ausübung ihres Berufes eine kurze Zehrzeit in der Fabrit *) Vergl. den Artikel in Nr. 93 des Vorwärts". " Freitag, 1. Mai 1908. durchmachen. Im Ausstellungsgebiet werden zirka 500 Heim- Leitern besorgt. Ueber die Verhältnisse der Heimarbeiter ent arbeiter beschäftigt, davon sind zirka 270 Männer und zirka nehmen wir einer für die Ausstellung verfaßten Skizze des Syn 230 Frauen, in vielen Fällen werden von den Heimarbeitern dikus Schloßmacher, daß die männliche Arbeitskraft vorherrschend Familienangehörige zur Mithülfe herangezogen. Die Beschäftigung ist. Von 677 Arbeitern, über die genaue Echebungen vorliegen, ist unregelmäßig, nur die für Fabriken schaffenden Heimarbeiter sind nur 7% Proz. weiblichen Geschlechts. Es handelt sich fast auserfreuen sich einer einigermaßen dauernden Beschäftigung, die schließlich um vollwertige Arbeitsfräfte im Gegensatz zu manchen Schoßarbeiter dagegen sind ausgesprochene Saisonarbeiter. Die anderen Heimarbeiterschichten, unter denen sich oft Invaliden betägliche Arbeitszeit wird von den Schoßarbeitern auf 10 bis finden. Dies geht daraus hervor, daß 70 Proz. von den 677 Ar12 Stunden, von den anderen Heimarbeitern, je nachdem Haupt- beitern im Alter von 21 bis 40 Jahren standen, 13 Proz. waren 40 oder Nebenbeschäftigung vorliegt, auf 5-14 Stunden angegeben. bis 50 Jahre alt, über 50 Jahre waren etwas mehr als 7 Proz. Die Löhne sind nach den Mitteilungen der Etiketten auf den Aus- und ein Teil war unter 20 Jahre alt. Der größte Teil der Heimstellungsgegenständen zum Teil ganz annehmbare, übersteigen sie arbeiter( 90 Proz.) hat eine regelmäßige Berufsausbildung doch sogar manchmal den Satz von 50 Pf. für die Stunde, 40 bis empfangen. Bei der Beurteilung der Arbeiterverhältnisse gerade 50 Pf. finden wir sehr häufig verzeichnet. Allerdings enthalten dieser Branche macht sich ein auch sonst der Ausstellung anhaftender die Etiketten in einzelnen Fällen auch die Bemerkung:" Nach Mangel, die Zweideutigkeit der Etiketten, bemerkbar. Sie lassen Angabe des Arbeitgebers", was mißtrauisch macht und den Ver- nicht immer deutlich erkennen, ob die angegebenen Löhne die Löhne band der Schuhmacher zur Nachprüfung veranlassen wird. Be- eines einzelnen Arbeiters oder des mit Hülfskräften arbeitenden haupten doch die Arbeiter, daß hier ganz besonders günstige Fälle Zwischenmeisters sind. Zuweilen finden sich zwar solche Angaben, ausgestellt worden seien. Frauen bringen es auch in der Schuh- aber sie geben auch kein klares Bild. So erklärt es sich, daß fabrikation nur zu Hungerlöhnen: 12 höchstens bis zu 20 Pf. fann Stundenlöhne von 70 Pf. verzeichnet sind. In Wirklichkeit bleiben aber die Lohnfäße doch wohl erheblich hinter dieser Höhe zurüd. eine Schäftenäherin in der Arbeitsstunde verdienen. Als Arbeitsraum dient auch den Schuhmachern meistens das Für Frauenarbeit finden wir auch hier Löhne von 15 bis 17 f. Wohn- oder Schlafzimmer, nur ein Teil arbeitet in gemeinsamen für die Stunde. Der Durchschnittslohn wird auf 22 M. für die Werkstätten, sogen. Sizplak. Der Verband der Schuhmacher hat Woche berechnet und die wöchentliche Arbeitszeit auf 58% Stunden, in Frankfurt eine Zentralwerkstätte errichtet, in der die organi- während sie in den Fabriken nur 54 Stunden beträgt. Ob diese Berechnungen richtig sind, muß eine genaue Nachprüfung durch die fierten Kollegen Sitzpläge mieten fönnen. organisierten Arbeiter ergeben, die hoffentlich recht bald vorgenommen wird. Die große Mehrzahl der Portefeuiller ist gegen Krankheit versichert, nämlich 90 Proz., gegen Invalidität dagegen auch nur 30 Proz. Der größte Teil dieser Heimarbeiter hat auch die Notwendigkeit der Organisation anerkannt und sich den Berufsverbande angeschlossen. Die Organisationsverhältnisse sind nicht ungünstig, der größte Teil der männlichen Heimarbeiter gehört dem Zentralverbande der Schuhmacher an. Die Gewerkschaft hat auch für die Schuhmacher im Ausstellungsgebiete verbessernd gewirkt, das beweisen u. a. die Tarifverträge, die in der Branche existieren. Die soziale Versicherung ist bei den drei bisher betrachteten Gruppen von Heimarbeitern nur recht mangelhaft durchgeführt. Wenn wir von den Arbeitern der Lederwarenindustrie absehen, Krankenkassen gehören zwar die meisten männlichen Schuhmacher an, von den Arbeiterinnen in der Schuhbranche sind dagegen nur die in einigermaßen erträglichen Verhältnissen, wenn wohl auch zirka 1 Proz. gegen Krankheit versichert, von den Arbeiterinnen der nicht in so günstigen, leben, wie die Ausstellung vermuten läßt, so Belzwarenfabrikation gehören sämtliche der Krankenkasse an, von finden wir auch durch diese Abteilungen der Frankfurter Ausden in der Müzenfabrikation beschäftigten dagegen nur zirka stellung die Klage über lange Arbeitszeit und unzureichende Löhne 25 Proz. Die Invalidenversicherung ist sowohl bei männlichen wie und über das Fehlen jeden Schutzes gegen Gesundheitsgefahren in weiblichen Arbeitern unbekannt. Von sämtlichen Heimarbeitern in der Heimarbeit bestätigt. Die noch zu betrachtenden Gruppen der Schuhmacherei kleben nur zirka ½ Proz. Jnvalidenmarken, in werden diese Klage noch unterstreichen und ihre Berechtigung noch mehr beweisen. den anderen Branchen ist das Verhältnis etwas besser. Aus der Lederwarenindustrie sind mehrere große Schaufästen und Tische mit vielen feinen Lederwaren( Portefeuillewaren) gefüllt. Wir sehen die einfachsten Massenartikel bis zu den feinsten Qualitätssachen vertreten. Alles, was diese Industrie überhaupt produziert, ist auf der Ausstellung vertreten, mit Ausnahme der größeren Reisetaschen, die nicht in der Heimarbeit hergestellt werden. Die Lederwarenindustrie ist in der ersten Hälfte des 19. Jahrbunderts aus dem Buchbinder- und Sattlerhandwerk hervorgegangen. Ihr Ausgangspunkt war die Nachbarstadt Offenbach am Main. Hier ist sie auch heute noch sehr stark verbreitet und beschäftigt viele Tausende von Arbeitern. Die hausindustrielle Betriebsform, die sich von Anfang an gebildet hat, ist in ständigem Wachsen begriffen, sie zählt zirka 2500 Arbeiter. Das zwischenmeistersystem ist start ausgebildet, der Zwischenmeister läßt zum Teil in seiner Werkstatt arbeiten, zum Teil gibt er aber auch die Aufträge an die in ihrer eigenen Wohnung schaffenden Heimarbeiter weiter. Die Herstellung von Portefeuillemaren zeigt auch in der Heimarbeit das Merkmal ausgedehnter Arbeitsteilung. 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Wasserstand Memel, Tilsit regel, Jniterburg Weichsel, Thorn Dder, Ratibor Krossen Frankfurt am feit 29. 4. 28. 4. am feit Wasserstand 29. 4. 28. 4. cm cm ¹) cm cm³) 399 16 Saale, Grochlitz 180 129 -6 292 +18 Havel, Spandau³) Nathenow³) 122 168 188-14 Spree, Spremberg) 101 205-12 Beestow 146 215 98 -13 23efer, Münden 66 Minden 154 Rhein, Maximiliansau 468+20 72 Kaub 223+2 31 257+9 <-76 24,8 -7 Nedar, Heilbronn 123 38 Main, Wertheim Mosel, Trier 160 Barthe, Schrimm Rege, Bordamm Elbe, Leitmerit Landsberg 124 Dresden Barby.. Magdeburg 209 1 bedeutet, Buchs, Stöln Fall, Unterbegel. Enorm billige Preise. 140 Mäntel Staub-, Regen- und Reisemäntel 4.75, 5.50, 8, 10, 13.50, 15, 18 M. und Gummimäntel. Jackett- u. Paletotkleider moderne Fassons, aus feinem Tuch und besten englischen Stoffen 16.- 24.- 30.12.Wert 18-40 M. Garnierte franz. 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Kreis: Bock- Brauerei, Tempelhofer Berg. Kliems Festsäle, Hasenheide 13/15. III. Kreis: Neue Welt, Hasenheide 108/114. Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. IV. Kreis: Kellers Festsäle, Stoppenstr. 29. Brauerei Friedrichshain( früher Lipps). Sanssouci, Rottbuser Straße 6. Berlin. Ludwig, Viktoriagarten, Treptower Chaussee. Beyler, Treptower Chaussee. Mentes Volksgarten, Lichtenberg. V. Kreis: Schweizergarten, Am Königstor. VI. Kreis: Norddeutsche Brauerei, Chausseestr. 64, Pharus- Säle, Müllerstr. 142. Kronen- Brauerei, Alt- Moabit 47/49. Patzenhofer Brauerei, Turmſtr. 25/26. Ballschmieders Salon, Badstr. 16. Bernhard Rose- Theater, Badstr. 58. Volksgarten- Theater( Silberstein), Badstr. 8. Marienbad, Badstr. 35/36. Berliner Prater- Theater, Kastanien- Allee 7/9. Fröbels Allerlei- Theater, Schönhauser Allee 148. Referenten: Bauer, Ed. Bernstein, Böhle- Straßburg, Borgmann, Davidsohn, Ehrhart, Emmel, Rich. Fischer, Th. Fischer, Wolfgang Heine, Paul Hirsch, Ledebour, Lehmann- Mannheim, Manasse, Ströbel, Ucko, Dr. Weyl. Wahlkreis Teltow- Beeskow- Storkow- Charlottenburg. Adlershof. Bon 3 Uhr nachmittags an in Wöllsteins Luftgarten. Bon 7, Uhr abends an bei Bohn, Grünauer Straße 55. Alt- Glienicke. Referent: Hildebrandt. 4 Britz. Bon 4 Uhr nachmittags an bei Nofter, Chauffeeftr. 39. Charlottenburg. on 4 hr nachm. an im Voltshaus, Rofinenſtr. 3. bei Schulz, Kaiser- Friedrich- Straße 24 Köpenick. Von 2 bis 6 Uhr nachm." im Wendenschloft.- Bon 7 Uhr abends an im Wilhelmsgarten und Stadt Theater. Referent: Zeglin. Eichwalde. Bon 6 Uhr abends an in Hankels Ablage( Heinrichs Seglerschloß). Referent: Mohs. Johannisthal. on 4 Uhr nachmittags an bei Trautmann, Friedrichstr. 61. Ketschendorf. Bon 8 Uhr abends an bel Weidemann. Referent: Kurt Referent: Sewekow. Heinig. Bon 4 Uhr nachm. an bei Wedhorn. Königs- Wusterhausen. Referent: John. Kiesel. Lankwitz. Bon 5 Uhr nachmittags an bei Ebel, Martenfelder Straße 9. Mariendorf. on 4 Uhr nachmittags an bei Rosche, Chauffeeftr. 305. Referent: Nieder- Schöneweide. on 4 Uhr nachmittags an im Reſtaurant Nowawes. Bon.3 Uhr nachmittags an bei Singer und Schmidt. Haffelwerder. Rixdorf. Von 4 Uhr nachmittags an bei Hoppe, Hermannstr. 48/49. 4 " 4 . Thiel, Bergstr. 151/152. im Karlsgarten, Karlsgartenstraße. Bon 8 Uhr abends an im Wirtshaus, Warnemünder Schmargendorf. Straße 6. Referent: Dr. Oscar Cohn. Schöneberg. brauerei. Steglitz. Bon 4 Uhr nachmittags an im Birkenwäldchen. Bon 4 Uhr nachmittags an in der Schöneberger SchloßTeltow. Bon 5 Uhr nachm. an bei Prens, Berliner Straße 16. Referent: Giebel. Tempelhof. Bon 4 hr nachmittags an bei Mokolys, Berliner Straße 9. Referent: Franke. Referent: Thurow. Trebbin. Bon 7 Uhr abends an im Gesellschaftshaus", Bahnhofftr. 3. Treptow. on 3 Uhr nachmittags an im Restaurant, Stopenider Land- und Park. Straßen- Ede. Rejerent: Freiwaldt. Bon 4 Uhr nachmittags an in Speers Festfälen, Baumschulenweg. Baumschulenstraße. Referent: Zubeil. Wilmersdorf. Bon 4 Uhr nachmittags an im„ Luiseupart", Wilhelmsaue 112 Zehlendorf. Bon 4 Uhr nachmittags an im Gesellschaftshaus", Karlstr. 12. Zossen. Bon 6 Uhr abends an bei Schimke, Baruther Straße. Referent: Vesper. Wahlkreis Niederbarnim. Bernau. Bon 3 Uhr nachmittags an im Elysium. Borsigwalde. Bon 6 Uhr abends an in den Borfigwalder Festfälen. Buchhorst. Bon 8 Uhr abends bei Auguft Mayer. Referent: Nitschke. Erkner. Bon 8 Uhr abends an, in Degebroots Festfälen. Referent: Dittmer. Bon 4 Uhr nachmittags an in Rähnes GefellFranz. Buchholz. schaftshaus. Friedrichsfelde. Bon 4 hr nachmittags an bel Bube, Prinzen- Alee 30 Bon 8 1hr abends an, in Lerches Bürgerfäleu Friedrichshagen.( untei riedrichstr. 112. Referent: Fendel. Grünau. Bon 7 Uhr abends an im Jägerhaus, Bahnhofftr. 1. Herzfelde. Bon 8 Uhr abends an bei Schuckert. Referent: Mietz. Hohenschönhausen- Wilhelmsberg. an bei Kuhle, Berliner Straße 68/69. Referent: Kubig. Won 4 Uhr nachmittags Bon 4 Uhr nachmittags an im Schwarzen Adler, Frant Lichtenberg. furter Chauffee 5. Mahlsdorf. Bon 8 Uhr abends an bei Schliefe, Hönowerstr. 6. Referent: Oswald Schumann. Neuenhagen. Bon 7 Uhr abends an in Wünsches Lokal. Referent: Hesse, Nieder- Schönhausen. Bon 4 Uhr nachmittags an bei ulik, Blankenburger Straße 4. Bon 6 Uhr abends an in Wilhelminenhof, Bon 4 Uhr nachmittags an bei Schumann, Schützenftr. 85. Ober- Schöneweide. Referent: Poetzsch. Oranienburg. Referent: Barth. Pankow. Bon 4 Uhr nachmittags an im Kurfürften, Berliner Straße 102. Bon 4 Uhr nachmittags an im Borussia- Park, Reinickendorf- Ost. Provinzstr. 69. 99 -West. Bon 7 Uhr abends an in Gördes Wald, schlößchen, Eichbornstraße. Ref.: Katzenstein. Bon 4 Uhr nachmittags an bei Wwe. Schonert NeuRummelsburg. Seeland". Referent: Kloth. Tegel. Referent: Hetzschold. Schönwalde. Stralau. Bon 3 Uhr nachmittags an in der Alten Taverne. Referent: Bartel. Weißensee. Bon 4 Uhr nachmittags an im Schloß Weißensee. Wilhelmsruh. Bon 8 Uhr abends an bei Kollmann, Kronprinzenftr. 2. Bon 4 Uhr nachmittags an, in Trapps Festfäle, Bahnhofftr. 1. Bon 4 Uhr nachmittags an in Schulz Restaurant. Referent: Welker. Referent: Franz Schneider. Die Abendfeier wird an allen Orten teils durch Festreden, Gesangsvorträge, turnerische Aufführungen, teils durch Aufführungen des Arbeiter- Radfahrerbundes, Spezialitäten- Vorstellungen und Konzert begangen. Die an einzelnen Stellen geplante Darstellung lebender Bilder ist durch Verbot der Polizeibehörde nicht durchweg zu ermöglichen gewesen. Eintrittspreis 20 Pf. exkl. Tanz. Bahlreiche Beteiligung aller Genossen und Genoffinnen erwarten Die Fest- Komitees. Achtung, Gewerkschaften! Oeffentl. Mai- Versammlungen am Vormittag des 1. Mai. Sämtliche Versammlungen finden mit Hülfsarbeitern und Frauen statt. Die Tagesordnung in sämtlichen Versammlungen lautet: Die Bedeutung des 1. Mai. bormittags 10 Uhr. Treffpunkt 8, Uhr: Bekleidungs- Industrie. Soutage om te bent te afer Roaschebranche: Restaurant| Hafenarbeiter( Bretterträger). 10 ur. Referent: Soseph Hartmann. Borde, Neue Königstr. 7. Ontmacher geben direkt in die Gruppenversammlung. Ref.: H. Borgmann. Metallarbeiter. Drei Versammlungen vormittags 10 Uhr: Handels-, Transport- und Verkehrsgewerbe. Sudauer Straße 15, mittags 12 Uhr. Handlungsgehülfen und Gehülfinnen, Bureauangestellte, Kaufleute, Lagerhalter, Hausdiener, 1. Palast Theater, Burgstraße. 2. Bockbraueret, Chauffe eftr. 64. 3. Andreas Festfäle Andreasstr. 21. Referenten: Eduard Bernstein, F. Ebert und Otto Ganbtke. Handelshülfsarbeiter, Geschäfts, Arbeits: nnd Droſchtenfutscher sowie Fensterputer fommen Nahrungs- u. Genußmittel- Gewerbe. Boekers& eftfäle, im Bersammlungslokal zusammen. Referent: Rechtsanwalt Dr. J. Herzfeld. 98 Holzarbeiter. Gruppenverfammlung: Neue Welt", Hafenbeibe 108-114, borm. 10 Ubr. Referent: Stadtverordneter Koblenzer. Die Mitglieder der einzelnen Branchen versammeln sich um 8 Uhr vormittags in folgenden Lokalen: Bürstenmacher bei Preuh, Holzmarktstr. 65. Bodenleger im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Einsetzer im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Jalousiearbeiter bei Mühle, Mariannenstr. 41. Rammacher bei Walter, Adalbertstr. 62. Ristenmacher bei Baudach, Breslauer Straße 28. Klavierarbeiter bei Möhring, Admiralstr. 18c. Korbmacher bei Krause, Musiquer Straße 20. Modelltischler bei Woike, Gartenftr. 90. Perlmutterarbeiter bei Thomas, Melchiorftr. 5, Rahmenmacher bei Stramm, Ritterstr. 123. Stellmacher, Rosenthaler Straße 57. Stockarbeiter bei Lehmann, Neue Friedrichstr. 1. Vergolder bei Merkowski, Andreasstr. 26. 23eberstr. 17. Referent: Kari Hekschold. Gastwirtsgehülfen: Zreffpunkt: Bormittags 9 Uhr im Verbandslolal, Große Hamburger Straße 18/19. Bäder, Konditoren, Brauer, Hülfsarbelter, Bierabzieher, Müller, Tabalarbeiter, Barbiere, Gärtner, Schlächter und Mufiler gehen direkt in die Gruppenbersammlung. Fabrik- und Hülfsarbeiter. Dormittags 10 Ubr. Referent: E. Bruhns, Nosenthaler Sof, Rosenthalerstr. 11/12, Gruppenversammlung: Bockbrauerei,( leiner Saal), Graphisches Gewerbe. mempelhofer Berg, vormittags 10 Uhr. Referentin: Frau Paula Thiebe. Alle dazu gehörigen Branchen: Buchbrucer, Buchdruderei- Hülfsarbeiter und Arbeiterinnen, Schriftgießer, Die Tischler, Polierer, Maschinenarbeiter und Drechsler treffen sich in den Lokalen, in denen fie photographen, Stereotypeure, Lithographen und Steindruder, Xylographen, Formstecher und Tapetendruder ihre Werkstattfizungen abhalten und gehen von dort nach der Neuen Welt". Die Holzarbeiter der östlichen fommen in der Gruppenversammlung zusammen. Stollege erhält zur Kontrolle in der Neuen Welt" eine Maimarte. " ororte treffen fich früh 8 Uhr in Lichtenberg bei Wildner, Friedrich- Karl- Straße 11b. Jeber feternde Lederbearbeitung. Alee 33. Referent: Franz Schueiber. Seber feiende Lederbearbeitung. Gruppenversammlung: vormittags 10 Uhr bei Schmidt, Brinzens " Neuen Welt". Lohgerber, Weißgerber, Lederzurichter, Lederfärber gehen direkt in die Gruppenversammlung. HandschuhSchirmmacher. Die Mitglieder gehen direkt in die Bersammlung der Holzarbeiter. macher treffen fich früh 8 Uhr im Vereinslofal, Rosenthalerstr. 57. Böttcher treffen fich bei Merkowski, Andreasstr. 26, vormittags 9 Uhr, und gehen nach der Schuhwaren- Industrie. Gruppenversammlung vorm. 10 Uhr im Schweizer garten am Friedrichshain. Referent: Emil Dittmer. Bauarbeiter. 2 Bersammlungen. Kliem, gasenheide 14/15( Großer Saal), ( Kleiner Saal), Steferenten A. Drunsel und A. Schmitt. IL Buchbinder u. Buchbinderei- Arbeiterinnen, Etui- u. Ledergalanterie- Arbeiter u. Arbeiterinnen. Glasarbeiter, Glaser, Glasschleifer. Bormittags 10 Uhr bei Bitfin, Memeler Straße 67. Vormittags 10 Uhr im Restaurant Sanssouci", Stottbuser Straße 6. Referent: Mag Grunwald. Referent: E. Heilmann. Treffpunkt: 1. Restaurant Haupt, Adalbertstr. 4. 2. Reftaurant Hahn, Laufizerplat 8, vormittags 9 Uhr. Emil Kloth. ftraße 17/18. Referent: Sillier. Referent: Adolf Buschick. Porzellanarbeiter und Schildermaler. mittags 10 Uhr. Referent: Adolf Domnid. fchaftshand, Engel- Ufer 15( aal 1), bors Portefeuiller. Bormittags 10 Uhr, Arminhallen, Rommandantenftr. 58/59( fleiner Gaal). Sattler. Bormittags 10 Uhr: Arminhallen, Rommandantenftr. 58/59( großer Saal). Reférent: Steinarbeiter, Graphit- u. Marmorarbeiter. Bormittags 10 Uhr: Sophien- Säle, SophienSteinsetzer, Rammer u. Steinhauer. Bormittags 10 Uhr: Bharus Säle, Müllerstraße 142. Stukkateure, Gipsgießer. Borm. 10 Uhr, ufiker- Sale, Staifer Wilhelm- Str. 18 m. Referent: Schmiede u. Kupferschmiede. Bormittags 10 Uhr: S. Wilke, Brunnenstraße 188. Referent: Schneider u. Schneiderinnen. Bormittags 10 er: Kellers Neue Philharmonie, Stopenider Gewerkschaftshause. in ber Tapezierer. Borm. 10 Uhr: Wendts Festfäle( Cohn), Beuthstr. 20. Refer.: Franz Spliedt. Töpfer. Bormittags 10 Uhr Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer Kr. 15( großer Saal). Referent: Referent: Dr. Zadet. Treffpunkte 9 Uhr: Glaser: Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Glasarbeiter und Glasschleifer: Bellisch, Martusstraße 47. Dachdecker. Bormittags 10 Uhr bei Kern, Beinstraße 11. Referent: Mag Barth. Asphalteure und Pappdachdecker. Bormittags 9 Uhr: abftempelung der Maimarten im Holz-, Stein- und Gips- Bildhauer und Modelleure.hambra, Ballner- Theater Straße 15. Referentin: Frau Klara Weyl. Referentin: Jda Altmann. Kürschner. Bormittags 10 Uhr im Alten Schüßenhause, Linienstraße 5. Maler und Lackierer. Bormittags 10 Uhr in Dräfels Festfälen, Neue Friedrichstraße 35. Maurer. Putzer. in Referent: Hermann Jaed. Borm. 9, Uhr in der Berliner Bod- Brauerei, Tempelhofer Berg. Referent: H. Silber. schmidt. Treffpunkt der Fliesenleger bis 8, bei Habels, Bergmannstr., dann Abmarsch. Bormittags 10 Uhr in Kellers Festfälen, Koppenstraße 29. Referent: Reichstagsabgeordneter Wolfgang Heine. Bahlstellen des Verbandes. Redakteur Robert Bahn.- Die Mitglieder treffen sich um 9 Uhr in den Dr. Hermann Weyl. Straße 96/97. Referent: Hugo Pötzsch. ( großer Saal). Referent: J. Sak. Referent: Fr. Kunze. Städtische Arbeiter. Bormittags 11 Uhr: Königstadt Rafino, Holzmarliftr. 72 Textilarbeiter. Bormittags 10 Uhr: Königsbaut, Große Frantjurter Straße Nr. 117. Treffpunkt vormittags 8, Uhr: der Stickereibranche: Seydelstr. 30 bei Engel; der Posamentierer: Alte Jakobstr. 119 bei Blum. Textilarbeiter, Färber, Defateure usw. gehen direkt in die Versammlung. Bormittags 10 Uhr: Brauerei Friedrichshain, Am Friedrichshain( großer Saal). Zimmerer. Referent: Paul Dupont. Gips- u. Zementarbeiter. Committens 10 Uhr in ben Germaniaetalen, Bootsbauer. Bormittags 10 Uhr im Arbeitsnachweislokal, Stralauer Allee 170. Referent: Adlershof. Britz, Charlottenburg. Chauffeeftr. 110. Referent: Redakteur Paul John. Bormittags 10 Uhr bei Baher, Bismarditraße 10. Referent: Redakteur Wermuth. Vormittags 9 Uhr bei Schöneberg, Rudower Straße 66. Referent: Richard Leopold. 4 Versammlungen vormittags 10 Uhr: Pußer 1. Boltshaus, Rosinenſtraße 3( gr. Gaal) für Maurer, Buter and Smmerer: II. Volkshaus, Rofinenstraße 3 für Bauarbeiter, Maler, Steinsetzer und Töpfer. macher und Transportarbeiter. III. Schulz' Feſtiäle, Kaifer- Friedrich, Straße 24( oberer Saal): Bäcker, Holzarbeiter, Schneider, Sub IV. Schulz Festfäle( unterer Saal): Buchdrucker, Fabrikarbeiter, Metallarbeiter, Porzellanarbeiter, Schmiede und alle übrigen Gewerkschaften. Erkner. Referenten: Otto Flemming, Hermann Jakob, Karl Giebel und Paul Hirsch. Bormittags 9 Uhr: Degebrodts Gesellschaftshans, Friedrichsstraße. Referent: Heinrich Späthe. Bormittags 10 Uhr im Schwarzen Adler, Frankfurter Chaussee 5: Referent: Wilhelm Nitschke. Friedrichsberg- Lichtenberg. Versammlung sämtlicher Gewerkschaften. Hinrichsen. Bormittags 10 Uhr bei Zierod, Rurfürstenstraße 4, Referent: Emil Unger. Tempelhof- Mariendorf- Marienfelde. Mariendorf. Versammlung sämtlicher Gewerkschaften. Nieder-, Ober- Schöneweide, Johannisthal. Borm. 10 Uhr im Rest. Hasselwerder. Allgemeine Versammlung. Referent: Emil Wuzki. Pankow. Borm. 10 Uhr in Rozidys Geſellſchaftshaus, Kreaftr. 3/4. Bersammlung fämtlicher Gewerk schaften. Referent: Franz Thurow. Reinickendorf. Bormittage 10 Uhr im Restaurant Sabau, Reinidendorf. Dit, Reſidenafstraße 24. Rixdorf. Schöneberg. Bersammlung sämtlicher Gewerkschaften. Referent: Robert Fendel. Drei Versammlungen vormittags 10 Uhr. Für Maurer: 1. bei Thiel, Bergstraße 151/152. Für alle übrigen Gewerkschaften: 2. bei oppe, Hermannstraße 49/50; 3. bei Seicans, Karlsgartenstraße. Referenten: Johannes Saffenbach, Franz Rehbein, Karl Wücke. Bormittags 10 Uhr bei Obst, Meininger Straße 8. Bersammlung fämtlicher Gewerkschaften. Referent: Dr. Silberstein. 10 Stralau- Rummelsburg. Bersammlung fämil. Gebertschaften. Referent: Urbelterfekretär S. Müller, Friedrichsfelde, Berfammlung fämtlicher Oewertigaften. Shefeina, Germain Sonnenburg. Tegel. Bormittags 10 Uhr in Klippenſteine Zeefölöschen. Versammlung sämtlicher Gewechſhaften. Bormittags 11 Bube, Brinzen- Allee 30: Groß- Lichterfelde u. Umgegend. Köpenick u. Umgegend. Bormittags 10 Uhr im Kaiserbof, Kranoldstraße: Versammlung fämtlicher Gewerkschaften. Referentin: Frl. A. Simon. Vormittags 10 Uhr im Kaiserhof, Grünstraße 10: Bersammlung fämtlicher Gewerkschaften. Referent: Graft Klar. Referent: Kubig. Weißensee, Bormittags 10 Uhr im Wilmersdorf, Bormittags 10 Uhr Referent: P. Hammacher. Schloß Weißenfee. Bersammlung jämtlicher Gewerkschaften, im Luifenpart, Bilhelmsaue 112. Bersammlung fämtlicher Gewerkschaften. Referent: Franz Galda Die Gewerkschaften resp. Einberufer der Gruppenversammlungen haben ihre Versammlungen selbst anzumelden. Bei den vorherigen Zusammenkünften bedarf es keiner Anmeldung.- Gleichzeitig werden die Bureaus der Versammlungen beauftragt, über die Zahl der Versammlungsbesucher der Redaktion des ,, Vorwärts", Lindenstr. 69, schriftlich Kenntnis zu geben. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission. Außerdem finden in Groß- Berlin noch folgende Vormittags- Versammlungen statt: Bernau. 11 Uhr im Schützenhause. Referent: Grante. 10 Uhr in Settekorns Waldschlösschen, Andenstraße. Nieder- Schönhausen. Referent: 2cid. Eichwalde( Miersdorf). 10r in Miersdorf bei Lier. Referent: Sang Nowawes. 9 Uhr bei Schmidt. Referent: Zubell. hammer. Franz. Buchholz. 10 Uhr bei Stähne, Berliner Straße 39. Referent: Welse. 10 Uhr in Lerches Bürger Säle, Friedrichstraße 1123( Rundteil). Friedrichshagen. Referent: Sewekow. Grünau. 10 Uhr im Jägerhaus, Bahnhofstr. 1. Referent: Freiwaldt. Königs- Wusterhausen. 10 Uhr bei Webhorn. Referent: Davidjohn. Lankwitz. 10 Uhr bei Netger, Calandrelliftr. 27/29. Referent: Katzenstein. Mahlsdorf. 10 Uhr in Raulsdorf bei Mees, Berliner Chauffee. Referent: Block. Für rechtzeitige Anmeldung haben die Einberufer Sorge zu tragen. Oranienburg. 10 Uhr bei Braun, Kurfürstenstr. 48. Referent: Basner, Rüdersdorf. 10 Uhr bei Grewe, Heinigstr. 19. Referent: Theodor Fischer. Steglitz. 10 Uhr im Birkenwäldchen. Referent: Mohs.-leix9q2 Wannsee. 10 Uhr im Fürstenhof. Referent: Bartel. Zehlendorf. 10 Uhr in Mids Gesellschaftshaus, Karlstr. 12. Referent: Fuchs. Das Verbandsbureau der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. Manoli MANOLI Abbas Beste 3 Pfg. Cigarette Partei- Speditionen: Zentrum I: Frit 3inte, Mauerstr. 89. Zentrum II: Albert Hahnisch, Auguststr. 50, Eingang Joachimstraße. 2. Wahlkreis, 23 eft en: Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14, Hochparterre. Süden und Südwesten: Hermann Werner Gneisenauftr. 72, Laden. 3. Wahlkreis: St. Fri, Prinzenstr. 31, Hof rechts part. 4. Wahlkreis: Diten: Robert engels, Rüdersdorferstr. 3, am Rüftrinerplaz. Wilhelm Mann, Petersburgerplaz 4( Laden). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Laufizerplaz 14/15 ( Laden). 5. Wahlkreis: 2eo 8ucht, Immanuellirchstr. 12( Hof). 6. Wahlkreis( Moabit und Hansaviertel): Karl Anders, Salzwedelerstr. 8, im Laden. Wedding: Karl Weiße, Nazarethkirchstraße 49. Rosenthaler und Oranienburger Vorstadt: Hermann Raschte, Aderstr. 36, Eingang Anflamerstraße. Gesundbrunnen:. Trapp, Stettinerstr. 10. Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Lhchenerstr. 123. Alt- Glienicke: Wilhelm Dürre, Rubowerstr. 83 II. Charlottenburg: Guftab Scharnberg, Sesenheimerstraße 1, Ede 11012 Begründet 1879. Im eigenen Interesse eines jeden Käufers von Herren- und Knabengarderobe liegt es, sich von der Leistungsfähigkeit meiner seit dem Jahre 1879 im Osten Berlins bestehenden Firma zu überzeugen. 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Ueber den Bollwert, an dem die reaktionären Stürme vergebens rütteln traurigen Vorgang selbst wird noch berichtet, daß sich Ondraced in mehreren Kneipen erst Mut angetrunken hatte. Von der UnterWir bitten auf einige eingetretene Abänderungen in der und die brüllenden Wogen der kapitalistischen Meeresflut in haltung, die das Ghepaar auf der Treppe führte, hat kein Hausheutigen Annonce der Partei- und Gewerkschaftsveranstal. Atome zerschellen? tungen zu achten. Von den Referenten er- Es ist kein leerer, schmeichelnder Wahn, Erzeugt im Gehirne des warten wir, daßsiepünktlich zur Stelle sind. Toren, Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission. Im Herzen fündet es laut sich an: Zu was Besserm find wir Das Berliner Verbandsbureau. geboren; Und was die innere Stimme spricht, Das täuscht die hoffende Seele nicht!" Statut des Allgemeinen sozialdemokratischen Wahlvereins Berlin und Umgegend. § 1. Der Verein bezwedt die Agitation für die Landtagswahlen 1908.(§ 8 resp.§ 21 des Preußischen Vereinsgesetzes.) § 2. Der monatliche Beitrag ist auf 20 Bf. feftgefegt. § durch den Vorstand. Der Vorstand. 3. Der Vorstand besteht aus drei Personen: einem Vorfizenden, einem Schriftführer, einem Rassierer. § 4. Nach Beendigung der Landtagswahlen löst der Verein sich auf. Etwa noch vorhandene Gelder werden im Interesse der Arbeiter bewegung verwendet. § 5. Zur Revision der Kaffen werden drei Revisoren, welche nicht zum Vorstand gehören, gewählt. § 6. Die Aufnahmen bedürfen zur Gültigkeit der Bestätigung Sehet die Wählerlisten ein! Im Kreise Teltow liegen die Urwählerlisten am heutigen ( Freitag, den 1. Mai) zum legten Male aus. Wer bisher noch nicht Einsicht in die Listen genommen hat, der beeile In einzelnen Gemeinden versucht man, Wähler, die das Wahlrecht befizen, unter den verschiedensten Gründen abzuweisen; in einem Orte, weil sie als Schlafbursche gemeldet find, in einem andern Orte, weil sie über eine zu große Kinderzahl verfügen usw. Lasse sich hierdurch niemand abhalten, Protest einzulegen. Wer nicht verzeichnet steht, der verlange seine Nachtragung. Nur noch heute fann im Kreise Teltow Einspruch gegen die Richtigkeit der Wählerliste erhoben werden. Versäume niemand seine Pflicht! sich, dies sofort zu tun. zu genosse etwas verstanden, weil die Streitenden nur tschechisch sprachen. Die Frau sprang einmal mit einem Satz von den oberen Stufen der ersten Treppe auf die zweite hinauf. Als der Mann rief sie ihm ein tschechisches Wort zu, das ihn in eine maßlose Wut ihr nachfam, stieß sie ihn zurück und eilte dann wieder hinauf. Jekt bersetzte. Sprungartig sette er ihr die Treppe hinauf nach. Wahrscheinlich hätte er sie schon auf der Treppe niedergestochen, wenn nicht gerade jemand heruntergekommen wäre. Von dem Kampfe in der Wohnung zeugen noch Blutsprißen auf dem Sofa und den Aus der Stadtverordneten- Versammlung. weißen Decken, die im Zimmer lagen. Auf die Ergreifung des Der Kampf um die Hundesteuer hat geendet mit Täters ist eine Belohnung von 300 Mart ausgefekt worden. Cb einer Niederlage derjenigen, die eine Erhöhung dieser Steuer der Verfolgte noch hier ist oder Berlin schon verlassen hat, dar. wünschten. Zu den Freunden der Steuererhöhung gehörte Täter nach den neuesten Feststellungen bei der Vernehmung der über ist noch kein Anhalt ermittelt. Das Werkzeug hat der diesmal nicht der Magistrat. Er hatte der Stadtverordneten- Brüder der erstochenen Frau und anderer Leute mitgenommen. versammlung den Entwurf einer Kenderung der Hundesteuer- Es ist eine etwa 15 Zentimeter lange, auf der einen Seite platte ordnung vorgelegt, aber dabei auch an dem Steuersatz zu und auf der anderen gewölbte Feile, die Ondraceck schon lange be rütteln, hatte er nicht gewagt. Erst der Ausschuß, dem die faß und oft gebrauchte. An dieser Feile hatte er das Heftend so Magistratsvorlage überwiesen worden war, trug noch den Ge- gespißt, daß er es zu Biselierungen und Gravierungen benuten danken der Steuererhöhung hinein. Gestern berichtete er über fonnte. Während sonst alle seine Sachen in der Wohnung gefunde seine Beschlüsse an das Plenum. In der Debatte, die sich leicht hat er sie zufällig bei sich getragen, vielleicht aber auch be wurden, auch die Ausweispapiere, ist die Feile verschwunden. Wied an die Berichterstattung knüpfte, erklärten unsere Genossen sonders eingestedt, um sie bei der Abrechnung" mit seiner Frau Manasse und Hinge namens der sozialdemokratischen zu gebrauchen. Die 200 Mart, die der Flüchtige mitgenommen hat, Fraktion sich mit aller Entschiedenheit gegen die Erhöhung rühren von seinem Vater, einem Schlossermeister in Böhmen, her. der Hundesteuer. Sie sei abzulehnen im Hinblick auf die Dieser sandte ihm 800 Mart nach Berlin. 600 Mart benutzte er neue Belastung, die dadurch auch sehr vielen minderbemittelten davon zur Anschaffung der Wohnungseinrichtung und anderer mindestens gefordert werden, daß bei einem Einkommen unter Mitbürgern auferlegt werden würde; andernfalls müsse notwendigen Sachen. Ein folgenschwerer Deckeneinsturz hat gestern nachmittag auf dem 3000 Mart eine Ermäßigung auf den bisherigen Hunde- Neubau für das Lehrerheim am Alexanderplatz stattgefunden. Be. steuersatz gewährt werde, sofern der Besitzer des Hundes das fanntlich wird auf dem Grundstück Alexanderstr. 41 der Neubau für beantragt. Die Gründe, die von den Freunden einer Erhöhung das Lehrerheim errichtet. Er geht bis zu dem Grundstüd Kurze der Hundesteuer vorgebracht wurden, waren nicht sehr glücklich straße 5 durch und ist bereits im Rohbau vollendet. Gestern nach gewählt, manche wirften recht belustigend. Stadtv. Schmit mittag waren im zweiten Stockwerk des Borderhauses eine Reihe beklagte, daß die Hunde auf den Straßen unästhetische Sachen von Arbeitern beschäftigt, als plötzlich ein polternder Lärm über berüben", Stadtv. Rettig wünschte den Gegnern der Steuer- ihnen entstand. Wenige Sekunden später brach die obere Dede ein erhöhung einen Weihnachtsbaum, der tagelang von Hunden und stürzte praffelnd nieder. Einige der Leute hatten sich benutzt worden ist". Es half ihnen nichts, sie triegten teine im letzten Augenblid zu retten vermocht, während mehrere Mehrheit zusammen. Der Vorschlag, die Steuer auf 30 M. Kameraden unter den einstürzenden Schutt- und Baumassen Durch hinzuspringende Kollegen u erhöhen, wurde abgelehnt, allerdings auch nur mit förmlich begraben wurden. einer Mehrheit, die gerade noch langte. Es bleibt also fonnten sie dann alle befreit werden. Die herbeigerufene Feuerwehr suchte noch einmal alles gründlich ab, da man noch Verunglückte in bei dem bisherigen Steuersak von 20 m. den Schuttmaffen vermutete. Glücklicherweise war dies aber nicht Der überängstliche Herr Oberbürgermeister. der Fall. Es stellte sich nun heraus, daß zwei der Ver. Gelegentlich der Debatte in der Stadtverordneten- unglüdten schwer berlegt worden waren. Es war dies fizung vom 24. März d. I. betreffend die Freiheit der Feuer- der 35 Jahre alte Zimmermann Bries aus Charlottenburg und der bestattung in Preußen meinte Herr Kirschner, der Magistrat gleichaltrige Arbeiter Schmidt aus der Warschauerstr. 22. Sie hatten habe es an Aufmerksamkeit in dieser Sache nicht fehlen beide erhebliche Brüche des rechten Armes erlitten und erhielten auf lassen; er wäre auch bereit, mit einer Betition an den Landtag der nahen Unfallstation in der Seibelstraße die ersten Notverbände. heranzutreten, wenn ein Resultat zu erwarten wäre. Es sei Von dort fonnten sie nach ihren Wohnungen gebracht werden. aber bekannt, daß gerade jett am allerwenigsten der Zeit- Von den anderen Verunglückten waren nur einige mit ganz un punkt für die Zulassung der Feuerbestattung in Preußen erheblichen Kontufionen davongekommen. Bei einer Untersuchung ein günstiger sei. Der Herr Oberbürgermeister ließ sich bei über die Ursache der Katastrophe wurde festgestellt, daß die Dede diesen Aeußerungen offenbar von der ganz richtigen Ansicht des im vierten Stockwerk belegenen Saales durchgebrochen war. leiten, daß gerade jett", im Zeitalter der liberal- konser- Durch die Gewalt des herabstürzenden Baumaterials wurde auch bativen Paarung, die Reaktion am mächtigsten, der Einfluß die Dede des Saales im dritten Stockwerk durchgeschlagen, so daß des Liberalismus am schwächsten sei, so daß jede Forderung, nun die Trümmer beider Decken im zweiten Stockwert landeten. die nach Fortschritt und Modernität ausschaut, teine Aussicht Ueber die Ursache des Unfalls ist eine Untersuchung eingeleitet auf Verwirklichung habe. Indessen zeigt sich jetzt, daß Herr worden. Db irgend jemand ein Verschulden trifft, wird erst durch Kirschner denn doch zu überängstlich gewesen ist und die diese Untersuchung festgestellt werden können. Es wird angenommen, Mucker den Freisinn in gewisser Hinsicht noch beschämen daß die Deden nicht genügend versteift waren. fönnen. Das Stöckerblatt erklärt jest rund und nett, es Unter dem Laftwagen. Zivei schwere Unglüdsfälle, wobei gwei wäre falsch, ein wesentliches kirchliches Interesse daran zu be- Kinder lebensgefährlich verlebt wurden, haben sich gestern ereignet. haupten, daß das staatliche Verbot der Leichenverbrennung Am Königstor hatten einige fleine Mädchen auf dem Bürgersteig Jm wunderschönen Monat Mai, als alle Knospen sprangen, in Preußen bestehen bleibt." Auf dem Gebiete der Schule gespielt. Eines der Kleinen lief dabei auf dem Fahrdamm, und Da ist in meinem Herzen die Liebe aufgegangen!" werde man keine Position räumen, sondern„ den Block lieber in diesem Augenblick fuhr ein Mörtelwagen vorüber. Noch bevor fingt der feine, große Lyriker Heinrich Heine. Und auch uns tausendmal in Trümmer schlagen". Aber bei der Frage der der Kutscher die Pferde zum Halten bringen konnte, war das Mädchen durch das Vorderrad umgerissen und unter den Wagen ge padt der Zauber des Blüten spendenden, jonnenumwobenen Feuerbestattung könne man der Linken eine Stonzession schleudert worden. Beide Räder gingen über die Verunglüdte hin Jünglings, in seiner lockenden Maienpracht mit Allgewalt; machen. weg. In besinnungslosem Zustande wurde sie nach dem Kranten. füße, weiche Sehnsucht wälzt sich durch unsere Seele, mächtig Was sagt Herr Kirschner nun dazu? Eine an sich ganz haus am Friedrichshain gebracht, wo fie faft hoffnungslos da pochende und freibende Hoffnung steigt wie lichtverklärte selbstverständliche Forderung, zu deren Durchfeßung es den niederliegt. Ein zweiter schwerer Unfall trug sich in der Ga Morgenröte vor unserem Geiste auf, und der Hunger nach Freisinnigen à la Kirschner an Courage fehlt, wird von den steiner Straße zu. Das vierjährige Töchterchen des Stuftateurs Liebe schäumt wildpulsierend durch das bedrängte, ver- pfäffischen Mudern als eine Bagatelle behandelt, die man Roßmann, Gasteiner Straße 29, geriet beim Spielen auf der langende Herz, nach Liebe, nach einer gewaltigen, welt- dem Freisinn, dem vor schwersten Hindernissen bangt, ruhig Straße gegen die Deichfel eines Getreidewagens, wurde umgeumspannenden Menschheitsliebe! gewähren könne. Man weiß nicht: soll man mehr den herab- riffen und ebenfalls überfahren. Die Kleine wurde lebensgefährlich berlegt. laffenden Hohn der Mucker oder die rührende Bescheidenheit Fünfzehntausend Mark bares Geld erbeuteten Diebe in letter des verblockten Freisinns bewundern! Nacht bei einem Einbruch in das Kontor der Beleuchtungskörpers fabrik von F. Schulze in der Fehrbelliner Straße 47. Schmargendorf. Die Maifeierversammlung am Bormittag findet Schmargendorf. Die Maifeierversammlung am Bormittag findet im Café Bein", Hubertusbaderstraße 8, früh 10 Uhr statt. Abends beranstaltet der Wahlberein im Wirtshaus Schmargendorf" ein Tanztränzchen mit Festrede, zu dem alle Arbeiter und Arbeiter freunde eingeladen find. " Weiter machen wir noch bekannt, daß nur noch heute bis abends 7 Uhr die Wählerlisten im Rathaus ausliegen. Der Vorstand des Wahlvereins. Friedenau. Heute vormittag 10 Uhr findet im Rheinschloß eine öffentliche Bollsversammlung statt. Auf der Tagesordnung steht: Die Bedeutung des 1. Mai. Nachmittags von 4 ihr ab in bemfelben Lokale: Maifeier. Wir ersuchen die Parteigenoffen, fich in beiden Veranstaltungen vollzählig zu beteiligen. Der Vorstand. Eichwalde, Miersdorf, Zeuthen. Die diesjährige Maifeier findet heute statt, wie folgt: Bormittags 10 Uhr öffentliche Verammlung bei Lier in Miersdorf; von nachmittags 5 Uhr an Fest feier im" Seglerschloß" in Hankels Ablage. Daselbst Konzert, Vorträge, Radfahrer- und Gesangsaufführungen, Festrede und Tanz. Wir bitten die Genoffen für zahlreichen Besuch beider VerDas Komitee. anstaltungen Sorge zu tragen. Berliner Nachrichten. Unser Tag! Unser Tag, heute, der Tag des kämpfenden, klassenbewußten, freiheitlechzenden Proletariats! Stellt euer Rattern und Stöhnen, euer Surren und Reuchen ein, ihr schwarzen, unheimlichen Maschinen, ihr gehorsamen, nie versagenden Sklaven eures wahnsinnigen, nimmersatten Gebieters Kapitalismus, die ihr, selber Diener, euern Dienern den Rücken krümmt, die Knochen zermürbt, die Nerven zerreißt, den Geist erstickt und die Willenskraft lähmt! Die Baumblüte in Werder a. H. ist noch sehr zurüd, mur menige Bäume beginnen ihre Knospen zu entfalten; es fehlt der Sonnenschein und die Wärme. Zur Enthüllung des Auer- Denkmals hat die Buchhandlung Borwärts" eine Postkarte mit dem Denkmal in fauberer Ausführung hergestellt. Die Karte wird Sonnabend ausgegeben. Zu der unter sonderbaren Umständen erfolgten Auffindung des Restaurateurs Hermann Haugt aus Friedrichshagen im Hause Palisadenstr. 75 und zu seinem bald darauf erfolgten Tode wird mitgeteilt, daß die Gerichtsärzte Gehirnblutung als Todesursache festgestellt haben sollen. Auch soll von der Kriminalpolizei der Haugt während der Nacht bor feinem Aufenthalt des Haugt während Tode in befriedigender Weise Weise aufgeklärt worden fein. Ein schwerer räuberischer Ueberfall ist gestern abend im Osten Und ihr finstern Schlote, die ihr euern schwarzen russigen Auf einem Dampfer verbrannt. Ein schwerer UnglüdsSchlund drohend in die Lüfte rect, in den azurnen Maien- fall ereignete sich auf dem Frachtdampfer" Dora" aus Fürstenhimmel, kein dicker Qualm quillt heute wie eine ungeheure berg a. D., der auf der Fahrt von Berlin nach Breslau die Kers- Mit der letzten Bemerkung ist natürlich gar nichts gesagt. dorfer Schleuse an der Spree passierte. Der Dampfer war vor weder erfährt man, wo Uhr, Kette und Portemonnaie mit Geld Riesenschlange hervor! Heut ist der Tag des Sozialismus, der Schleuse vor Anker gegangen, und der 15 jährige Schiffsjunge geblieben sind, noch ist ersichtlich, welche Rolle der fremde Mann des kommenden Befreiers, dessen Hauch uns umweht und Mar Bobel begab sich nach dem Kajüttenraum. In diesem Mo- gespielt hat, der im Hause Palisadenstr. 75 den Baugt in eine unsere Seele mit Kampfeslust und Zuversicht erfüllt! ment explodierte eine in der Kajütte hängende Petroleumlampe, Retirade hineingestoßen hat, wo H. dann zusammenfant. Die Leiche Hinaus aus der düsteren, umklammernden Enge des All- deren brennender Inhalt sich über die Kleidung des Knaben ergoß. des H. ist inzwischen von der Staatsanwaltschaft freigegeben und tags wandert das Proletariat, auf wenige Stunden den Einer Feuersäule gleichend, stürzte der junge Mensch auf das gestern in Friedrichshagen beigefekt worden. schmerzenden Fesseln entrückt, hinaus, wo das jungfrische Verdeck, woselbst es der Bootsmannschaft gelang die Flammen zu Maiengrün winkt, wo liebliche, schämige Blüten locken, wo erstiden. Zobel hatte bereits so schwere Verlegungen erlitten, daß die Vögel in trunkener Wonne jubilieren und die Strahlen er in hoffnungslosem Zustande nach dem Krankenhause in Fürsten der Sonne über die satten, grünenden Auen fluten. Düstere, vergrämte Mienen hellen sich auf, aus müden, schwachen Augen bricht neuer Lebensmut, und die Kinder, die füßen, lieben Kleinen, jauchzen in kindlicher Glückseligkeit, und die niedlichen, quabblichen Händchen umspannen dicke Bündel goldgelber Himmelsschlüsselchen, die der sonnige Maienprinz liebevoll gespendet hat. walde übergeführt werden mußte. der Stadt verübt worden. In ihrer, in der Langestr. 86 belegenen Wohnung wurde die Rentiere Charlotte Goris von dem wohnungs. und arbeitslosen Gelegenheitsarbeiter Franz Lenz überfallen. Schon wieder der Hund des Platwächters. Vor einigen Tagen 2., der es auf einen Raubanfall abgesehen hatte, hatte gegen acht meldeten wir, daß der Hund des Playwächters auf dem Ererzier- Uhr an der Storridortür geflingelt. Als ihm die Wohnungsin plaze an der Bernauer Straße einen Knaben zerfleischt habe. Heute haberin öffnete, stellte er der Fuß zwischen Tür und Angel und meldet der Polizeibericht ein zweites Unglüd; er berichtet: Nach versette der ahnungslosen Greifin einen heftigen Schlag gegen den mittags wurde der Gjährige Knabe Gustav Laue, Danziger Straße 96 Kopf. Die Getroffene taumelte zurüd, worauf der Attentäter bei den Eltern wohnhaft, während seines Aufenthalts auf dem Erer- die Flucht ergriff. Der Vorfall war jedoch bemerkt worden, und zierplate an der einsamen Pappel in der Schönhauser Allee von der mehrere Hausbewohner nahmen sofort die Verfolgung des Flücht Ja, unser Tag! Geht nicht das Wort Maifeier jährlich dem Blahwächter Heinrich Köhler gehörenden Dogge überfallen und lings auf. Dieser suchte in dem gegenüberliegenden Hause Lange. wie ein zündender Funke durch die moderne Arbeiterschaft? durch Bisse am Gesäß und am linken Oberschenkel erheblich verletzt. straße 23 Zuflucht. Er rannte in die im zweiten Stodwerk offenIst es nicht ein erhebender Anblick, tausende Männer und Passanten trugen den Knaben zur nächsten Polizeimache, von wo stehende Wohnung des Kaufmanns F. hinein, wurde dort aber Frauen im Feiertagskleide in die Versammlungen strömen der Senabe mittelst Droschke der Unfallstation in der Schönhauser entdeckt und eilte sodann nach dem Boden hinauf. Er wollte jedenzu sehen? Wo weist die Geschichte eine zweite Kultur- Allee und dann der elterlichen Wohnung zugeführt werden mußte. falls über die Dächer hinweg entkommen. Die Bodentür war jeKöhler soll den ohne Maulkorb frei umherlaufenden Hund nach doch verschlossen und so war dem Flüchtling der Weg versperrt. bewegung auf wie der Sozialismus, der mit dröhnendem Aussagen mehrerer Zeugen auf den Knaben gehetzt haben. Willig ließ er sich von den Verfolgern festnehmen und zur PolizeiZu dem Totschlag in der Dunderstraße wird mitgeteilt, daß wache transportieren. Wie er angibt, hat ihn die Not zu den ver gebeuteten Trost und Hoffnung bringend, der trop aller Ge- der flüchtige Bauschlosser Kyrill Ondraced noch nicht ergriffen ist. hängnisvollen Schritt getrieben. Die Nachforschungen der Kriminalpatrouillen, die die ganze Nacht Arbeiter Samariter Kolonne. Im Geschäftsjahr 1907-08 unterwegs waren, hatten keinen Erfolg, ebensowenig eine er- wurden in den vier Abteilungen der Kolonne 218 Personen in der neute Durchsuchung der beiden Wohnungen nach dem Werkzeug, ersten Sülfeleistung bei Unglüdsfällen ausgebildet. Im Commer mit dem die Tat ausgeführt wurde. Die Briefschaften des Flüchti- halbjahr fanden acht Lehrabende und im Winterhalbjahr elf Lehr. gen und der erstochenen Frau wurden beschlagnahmt. Daß One labende statt. Der Besum der Behrabende war ein aufriedenstellen Begeisterung und des Idealismus in die staubige, düstere Fabrik und in den dunkelen Schoß der Erde leuchtet und den glimmenden Funken der Hoffnung und des Glaubens zur Lodernden Flamme entfacht! Packt nicht gerade am 1. Mai fcet, ebenso fimtbe Sie Diblio�b«! tfge In AnsßruH ßWtflfftWffi. Im Januar wurde in Rixdorf die fünfte Wteilung eröffnet. Außer den im Lehrplan festgesetzten Vorträgen wurden einige außer- ordentliche Vorträge abgehalten, welche in das Gebiet des Sama- riters hineingehören, z. B. über Vergiftungen durch Gase und die Sauerstoffbehandlung, über Augenverletzungcn, über Röntgen- strahlen im Dienste der Chirurgie und andere. Die diensttuende Abteilung hatte im verflossenen Jahre viele Arbeit zu leisten. Zur Maifeier 1907 wurden auf 29 Lokalci 32 Mitglieder verteilt. Unsere Unfallstation wurde viermal in Gebrauch genommen, und zwar beim Gaufest des Radfahrer-Bundes„Solidarität", zweimal beim Sommerfest des ö. Wahlkreises und beim Sängerfest in Weißensee. Außerdem waren noch bei 66 Veranstaltungen der ver- fchiedenen Vereine 2— 4 Samariter zu stellen. Im ganzen wurde in 86 Fällen Hülfe geleistet. Durch die finanzielle Unterstützung des Verbandes der Wahlvcreine, sowie der Gewerkschaften, war die Kolonne imstande, ihr Inventar und ihre Lehrmittel bedeutend zu erweitern. Anfang Mai beginnt in den fünf Abteilungen der Kolonne ein neuer Kursus. Es wird ersucht, die diesbezüglichen Inserate in den Sonntagsnummern zu beachten. Im Hörsaale der Treptower Sternwarte lRestaurant Regelin, Treptower Chaussee 21) spricht nach seiner Rückkehr vom Jnter- nationalen Mathematiker-Kongreß in Rom. Dir. Dr. Archenhold am Sonntag, den 3. Mai, nachmittags um 6 Uhr, über:»Das Ge- heimnis des Weltenbaues", um 7 Uhr abends über:„Ein Tag auf dem Monde". Das Thema für den am Montag, den 4. Mai, abends 9 Uhr stattfindenden Vortrag lautet:»Die Sonne". Sämtliche Vorträge sind mit zahlreichen Lichtbildern ausgestattet. Mit dem großen Fernrohr wird am Tage die Venus, abends der Mond, refp. der Jupiter beobachtet. Kleiner« Fernrohre stehen den Be- suchern zur Verfügung. Feucrwehrbericht. Gestern abend nach 9 Uhr wurde die Feuerwehr fast gleichzeitig nach fünf verschiedenen Stellen gerufen. Es brannten Lattenverschläge mit Inhalt in der Dresdener Straße 196; Balken, Fußboden usw. am Marinanen-Ufer 4; Fleisch in der Wiclefstraße 8 u. a. in der Tilsiter Straße 79, Borsigstraße 12 und Kommandantenstraße 81. Ferner wurde ein Kellerbrand aus der Waßmannstraße 11 gemeldet. Grober Unfug lag einer Feueruieldung zugrunde, die um Mitternacht aus der Beinickendorfer Straße 58 einlief. Vorort- jVachnchtem Rixdorf. I« der amtlichen Bekanntmachung der vrwahlbezirke befindet sich ein Druckfehler. Es muß unter dem 79. Bezirk heißen: Hermannstr. 63— 66, statt 35— 55. Zum Einsehen der Wählerlisten haben sich bereit erklärt und sind außer unseren Funktionären dazu beauftragt worden: Fritz Winter, Kottbuser Damm 74. Herm. Kunze. Lenau- straße 12/13. Paul Haupt, Friedelstr. 31. Gust. Schmidt, Friede!» straße 44, Restaurant. Karl Zibell, Reuterstr. 62, Restaurant. Eugen Ehnes, Kaiser-Friedrich-Straße 6, Laden. Karl Kaiser, Pflügerstr. 19, Restaurant. Paul Gleisberg, Pannierftr. 53. August Meyer, Weichselstr. 32. Gustav Pindt, Weichselftr. 12, Barbier. Max Zirkel. Fuldastr. 56/56, Zigarrenladen. Martin Platt, Weichselstr. 64, Restaurant. Albert Hänsel, Laubestr. 3, IV. Pfeitrr, Donaustr. 102. Restaurant. Herm. Künzel, Donaustr. 83. pr-rtyold Schmidt, Harzerstr. 88, Restaurant. Otto Anders, Treptower Straße 12, Zigarrcnhandluna. Fritz Pormann, Böhmischestraße 44, Restaurant. August Klein, Cannerstr. 15, Restaurant. Herm. Gensch, Niemetzstraße 7, Restaurant. Karl Vietze, Wipperstr. 23, v. IV. Paul Eickhoff, Schudomastr. 49. Robert Noack, Knesebeckstr. 150, v. IV. Gustav Heist, Juliusstr. 26. Max Kuckuck, Delbrückstr. 1. Herm. Langer, Hermannstr. 116, Restaurant. Richard Felsch, Knesebeckstr. 48. Paul Schuck), Emser- straße 44, Restaurant. Herm. Werzinger, Kirchhofstr. 13, Re- staurant. Fritz Kubat, Hermannstr. 159, Restaurant. Georg Hemmerling, Warthestr. 6, Seifenhandlung. Fritz Kremp, Her. mannstraße 174, Restaurant. Herm. Karow, Rosenstr. 6. Friedrich Freudenberg, Steinmetzstr. 19. Ferd. Hennig, Zietenstr. 69, Restaurant. Paul Schure, Kopfstr. 46. Wilhelm Schnitzer, Steinmetzstr. 35, Restaurant. Paul Keil. Zietenstr. 29, Re- staurant. Richard Ulrich, Hermannstr. 65, Restaurant. Otto Oberländer. Prinz Handjerystr. 39, Laden. Max Gäbler, Her- mannstraße 63, Laden. Herm. Tinz, Weiseftr. 17/18, Restaurant. Emil DauSacker. Zietenstr. 35, Laden. Max Straffer, Hermann- straße 41. Karl Richter, Mahlower Straße 24, Laden. Edmund PitterS, Jägerstr. 79, Restaurant. Max Raetfch, Jfarstr. 12, Laden. Mfred Radtke, Boddinstr. 60, Laden. Heinrich Blümel, Münchencr Straße 10, Restaurant. JsH. Kramer, Reuterstr. 91, Laden. Alb. Schmidt, Berliner Straße 14, Restaurant. Herm. Schneider, Mainzer Straße 6, Restaurant. Adolf Becker, Hermann- straße 7, Zigarrenhandlung. Emil Schröder, Karlsgartenstr. 19. Restaurant. Wilh. Bartsch, Wißmannstr. 10, Restaurant. Wilh. Conrad, Hermannstr. 60, Zigarrenhandlung. Die obengenannten Stellen sind durch rote Plakate kenntlich. Nur wenn die Adressen an diesen Stellen oder an unsere Funktionäre abgegeben werden, können wir Garantie dafür über- nehmen, daß die Einsichtnahme prompt und gewissenhaft erfolgt. Zcntralwahlkomitee, I. A.: A. Pagets. Lichtenberg. Stadtverorbnetensitzung. Die Stadtverordneten Horstmann, Schulz. Celle, Hagenbeck. Kronheisen, Köppen, Schuhmacher und Jde. die an Stelle der in den Magistrat gewählten gleichen Zahl von Mitgliedern der ersten und zweiten Wählerklasse gewählt sind, wurden nach dem Bericht der Wahlprüfungskommission in die Ver- sammlung eingeführt und in üblicher Weise verpflichtet. An Stelle unseres Genossen Grauer, der sein Amt nieder. gelegt hat, wurde Genosse Spieckermann in das Bureau der Stadt- verordnetenversammlung als Beisitzer gewählt. Als Waisenrat für den 4. Bezirk(an der Ostbahnbrücke) wuiEe" der Drogist Birkholz gewählt. Bei der Wahl der neu zu bildenden Veranlagungskommission zur Einkommensteuer, die aus vier Mitgliedern und zwei Stell- Vertretern besteht, wurde Genosse Düwell gewählt. Als Schieds- mann für den ersten Bezirk wählte die Versammlung Herrn Barsikow, Frankfurter Chaussee. Der Gebäudesteuerveranlagungs- kommission, bestehend aus sechs Mitgliedern und sechs Stellver- trctern, gehören unter anderem unsere Genossen Grauer und Heckert als Mitglieder und Genosse Kertzscher als Stellvertreter an. Auch in die Pferde-Aushebungskommission wurde einer unserer Genossen. Stadwerordneter Abraham, gewählt. Der Vertreter des Militäranwärtervereins in der Stadtver- ordnetenversammlung, Herr Frensche, hatte eine Anfrage an den Magistrat eingebracht, die eine Vorlage über Abänderung des Ötts- statuts über die Anstellungs-, Aesoldungs- und Pensionsverhältnisse der mittleren und unteren Beamten betrifft, aber nicht zur Ver- Handlung kam. Auch nicht zur Beschlußfassung kam ein Antrag de? Magistrats auf Bildung von Verwaltungsdeputationen. Es wurden neben den schon bestehenden Ausschüssen zwölf Deputationen vorgeschlagen. Die Vorlage geht an den Wahlausschuß zur Vorberatung. Hierauf folgte die sich bis 12 Uhr Hinzichende Etatberatung. Nieder-Tchöneweide. Schwer verunglückt ist der Kutscher einer chemischen Fabrik in Berlin, der eine Ladnng GoSwasser nach Nieder- Schöneweide zu transportieren hatte. Der Kutscher Märker war auf dem Bock ein- geschlafe», stürzte herab und fiel so unglücklich, daß ihm ein Rad des eigenen Wagens über die linke Hand hinwegging und die Knochen derselben zermalmte. Die Hand mußte dem Unglücklichen sofort abgenommen werden. Treptow-Daumschulenwtg. Aus der Gemeindevertretung. In den Ausschuß für Gemeinde- steuern und in die Petitionskommission wählte die Versammlung unter anderen auch den Genossen Gramenz. Ein Antrag des Gc- nossen Karow, die Gesundheitskommission durch mehrere von ihm in Vorschlag gebrachte Einwohner zu verstärken, weil die der Kom- Mission jetzt angehörenden Mitglieder nicht voll ihre Schuldigkeit getan, wurde abgelehnt. Es soll jedoch der Berufung dieser Kräfte zur Hülfeleistung nichts im Wege stehen. Als Sachverständige ge- hören der Kommission der Tierarzt, der Baumeister und der Amts- blattverleger an. Letzterer deshalb, weil er in einem Brunnen- geschäft tätig gewesen ist.— Für die Einführung einer einheit- lichen Milchkontrolle wurden 280 M. pro Jahr bewilligt.— Der freiwilligen Feuerwehr wurden 3500 M. und der freiwilligen Sanitätskolonne 1100 M. einmalig und 200 M. laufend pro Jahr bewilligt.— Für Benutzung der Turnhallen und Geräte haben die Vereine pro Abend 50 Pf. zu zahlen. Für die Ueberlassung von Turngeräten außerhalb der Hallen ist nichts zu zahlen; es muß jedoch eine Kaution von 30 M. hinterlegt werden.— Für die 3. Gc- meindeschule wurden drei neue Lehrstellen bewilligt und dem Rektor der 1. Gemeindeschule die Ausübung deb Amtsgeschäfte bis 1. April 1909 für eine Entschädigung von 135 M. übertragen.— Die Errichtung eines Spielplatzes und eines Durchganges nach der Königs- Heide, westlich der Kiefholzstraße, auf dem von der Gemeinde er- wordenen Gelände der Jmmeschen Baumschule, wurde beschlossen. Bon der Anstellung eines Wächters wurde auf Vorschlag unserer Genossen Abstand genommen. Jedoch soll Schule und Haus dafür wirken, daß die Anlagen und Baumbestände geschont werden.— lieber die Höherlegung der Görlitzer Bahn an der Elsenstraße und Bouchestraße ist auf die von Rixdorf und Treptow an das Ministe- rium gerichteten Petitionen der Bescheid ergangen, daß der Sache näher getreten werden soll, wenn die Gemeinden zu den Baukosten, welche 226 000 M. betragen, 63 000 M. und zu den Landerwerbs- kosten, die 150 000 M. betragen, 75 000 M. zugeben. Diese Bei» träge wurden als sehr hoch angesehen; es soll jedoch der Gemeinde- vorstand mit dem Magistrat Rixdorfs und dem Eisenbahnministc- rium weiter verhandeln. Wie notwendig die Höherlegung ist. geht aus einer Zählung hervor, die der Gemeindevorstand im vorigen Jahre veranlaßt hat. Danach passierten im Zuge der Elsenstraße: Eisenbahnzüge: Sonntags 183, Wochentags 155, Fußgänger: Sonntags 15— 16 000, Wochentags 6500—6000, Lastfuhrwerke: Sonntags 100, Wochentags 600, Geschäftsfuhrwerke: Sonntags 50, Wochentags 150—200, sonstiges Fuhrwerk: Sonntag? 250, Wochen- tags 100.— Die Aufbringung der Beiträge für die Pflasterkosten der Baumschulenstratze zeitigte eine lebhafte Debatte. Gemeinde- verordneter Gadegast hielt die vom Gemeindevorstand in Vorschlag gebrachten 20 Proz., welche die Gemeinde übernehmen soll, als viel zu gering. Genosse Karow war anderer Meinung und empfahl, das persönliche Interesse beiseite zu lassen. Beschlossen wurde, aus Gemeindemitteln 20 Proz., welches die Summe von 32 400 M. er- gibt, zu zahlen. Dieser Beitrag erhöht sich aber auf 56 Proz., wenn die von der Straßenbahngesellschaft zu zahlenden Beiträge hinzugerechnet werden.— Die Befestigung des westlichen Bürger- steiges der Köpenicker Landstraße mit 1,50 Meter Plattenbelag und 2 Meter Mosaik soll in allernächster Zeit in Angriff genommen werden, wozu die Gemeinde 5 Proz. der Kosten übernimmt.— In der Bautätigkeit steht Treptow unter 24 Orten an 3, Stelle und hat zurzeit 18 500 Einwohner. Nieder-Schönhausen. Ein entsetzlicher Unglückfall ereignete sich gestem morgen vor dem Hause Kaiser-Wilhelm-Straße 56. Dort versuchte der 17jährige Handlungslehrling Georg Hoffmann auf den in voller Fahrt befind- lichen Motorwagen Nr. 2287 der Straßenbahnlinie 47L zu springen, glitt hierbei vom Trittbrett ab und stürzte so unglücklich neben dem Wagen zu Boden, daß er mit dem linken Arm unter die seitliche Schutzvorrichtung geriet. Hierbei wurde dem Unglücklichen der Arm buchstäblich vom Körper abgetrennt. Dem Schwerverletzten wurde von einem in der Nähe wohnenden Arzt ein Notverband angelegt. Hoffmann wurde dann nach dem Kreislrankenhaus in Pankow über» geführt. Hermsdorf i. M. Die letzte Gemeindevertreterfttzung beschäftigte sich mit dem vom Genossen Sohrauer gestellten und in eingehendster Weise be- gründeten Antrag„Ermäßigung der Höhe der Gaskaution". Be« gründend führte der Antragsteller aus, daß die jetzt bestehende Gas- kaution von 20 M. eine zu hohe sei. ES sei namentlich der ärmeren Bevölkerung nicht möglich, ihre Wohnräume mit Gas zu erhellen. Diesem Zustande könne nur abgeholfen werden, wenn die Gc- meindevertretung seinen Antrag annehme. Die Höhe der Gas- kaution wurde gegen 1 Stimme beschloffen und zwar«in- bis drei- flammize Gasmesser 6 M., fünfflammige Gasmesser 15 M.— Der Antrag, bei der LandtagSwahl an Stelle der Termmswahl die von den Hermsdorfer Genossen an den Gemeindevorstand gestellte Fristwahl vorzunehmen, wurde vom Gemeindevorstand abgelehnt. Wittenau. Ein EittlichkeitSverbrechen wurde an der sechsjährigen Tochter Martha des hier wohnenden Schlossers Reinecke verübt. Als das Kind vorgestern morgen auf dem Wege zur Schule die Unter- uhrung der Kremmener Bahn in der Nähe der Irrenanstalt Dall- darf passierte, wurde es von zwei Männern überfallen, die das Mädchen nach dem Felde aus Borsigwalder Terrain schleppten und sich dort in rohester Weise an dem Kinde vergingen. Als auf das Geschrei der Kleinen Arbeiter hinzucilten, ergriffen die Verbrecher die Flucht und entkamen. Das Kind hatte bei dem Ueberfall schwere Unterleibsvcrletzungen erlitten und ist nicht unbedenklich erkrankt. Eine seitens der Gendarmerie von Wittenau, Tegel und Reinicken- darf sofort unternommene Streife nach den Tätern ist leider er- folglos geblieben. Trebbin(Kreis Teltow). AuS der Stadwcrorduetensitzung. In der Versammlung vom 17. Februar d. I. wurde eine Schenkung de? Herrn Götze von 20 000 M. angenommen und die damit verbundene Bedingung, das Schulhaus auf dem alten Platze neu zu erbaue», akzepnerr. Da der Magistrat aber gegen diesen Platz war, so legte er der Versammlung in der letzten Sitzung ein neues Projekt zur Beschlußfassung vor. Es find hierzu die in der Schützenstraße gelegenen Grundstücke der Herren Fromm und Ritter zu dem GesamtpreiS von 14 200 M. zu erwerben. Dieser Platz dürfte wohl allen Anforderungen in bezug auf Lage genügen, schon insofern, da von der Schützenstraße wie von der Bahnhofstraße je ein Zugang zum Schulhaus geschaffen werden kann. Nach heftigem Für und Wider wurde auf Autrag des Stadtv. Wichert die Angelegenheit vertagt. Ani 5. Mai ist der Verfalltag der 20 000 Mark-Schenkung.— Der Antrag de? Stadt- försters, sein Gehalt zu erhöhen und nach dem Maßstabe der könig- lichen Förster zu regeln, wurde vertagt.— Zum SchiedSmanu wurde Herr Zigarrenfabrikant Fritz Wächter, als Stellvertreter Herr Tuch- fabrikant B. Pärsch wiedergewählt. Berichts- Leitung. Der Diebstahl in der St. Scbastiankirche, Unter dem Verdacht des KirchenraubrS, der seinerzeit in der St. Sebastiankirche aus dem Gartcnplatz verübt worden war. wurde gestern der Gelegenheitsarbeiter Johann Frankowiak im Gerichts- saale verhaftet.— In der Nacht zum 3. August». I. drangen Diebe in die katholische St. Sebastiankirche ein, nachdem sie die Kirchcntür mittels Dietrichs geöffnet hatten. Als am nächsten Morgen ein Kirchendiener den Altarraum betrat, um die Vor- bcreitungen für die Frühmesse zu treffen, entdeckte er sofort, daß während der Nacht zwei wertvolle goldene Leuchter, zwei silberne Kelche und die goldene Monstranz mit der Hostie gestohlen waren. Außerdem Msten die[äjnilichen Margerätjchn/tevi jerver war Äuch noch öoN sien Tatern ein gewisser Unfug beruht worden, wie verschiedene Anzeichen erkennen ließen. Trotz umfangreicher Cr- Mittelungen der Kriminalpolizei gelang es nicht, die Täter fest- zustellen. Sämtliche Pfandleiher und Metallschmelzen in Berlin und der Umgegend erhielten eine genaue Beschreibung der gc- stohlenen Geräte. Eines Tages erschien bei einem Psandleiher L. ein Mann und bot kleine Silberklumpen zum Kaufe an. Am näherer Besichtigung erkannte der Psandleiher sofort, daß es sich um Teile der gestohlenen silbernen Kelche handelte. Er ging scheinbar auch aus den Handel ein und zahlte dem Manne auch cin kleines Angeld. Als dieser nach einiger Zeit wiederkam, wurde er von einem Kriminalbeamten in Empfang genommen. Auf der Polizeiwache stellte es sich heraus, daß der Festgenommene Johann Frankowiak war, der schon wiederholt mit dem Zuchthause Be- kanntschaft gemacht hatte. Trotz des dringenden Verdachtes, daß F. selbst der Kirchenräuber war, erhob die Staatsanwaltschaft nur Anklage wegen Hehlerei. Vor dem Schöffengericht Berlin-Mit,e, vor welchem sich F. gestern verantworten mußte, behauptete der Angeklagte, die Gegenstände auf einer Auktion in einem Lokal ,n der Schönhauser Straße von einem Unbekannten gekauft zu haben. Der Amtsanwalt beantragte wegen Hehlerei eine Gefängnisstrafe von drei Monaten. Das Gericht stellte sich jedoch auf den Stand. punkt, daß der Angeklagte selbst des Kirchenraubes dringend ver- dächtig sei und erklärte sich, da ein Verbrechen gegen den§ 243,1 des Strafgesetzbuches in Frage komme, für unzuständig. Die Sache wurde deshalb an die Strafkammer verwiesen, außerdem wurde der Angeklagte sofort verhaftet. Der Stadtmissionar mit der„höheren Offenbarung"« Wegen Scheckfälschungen und Unterschlagungen in Höhe von über 43 000 M. mußte sich gestern der Stadtmissionar a. D., jetzige Buchhalter Johann Mehncrt vor der 2. Strafkammer des Land- gerichts III verantworten. Der Angeklagte ist schon einmal im Jahre 1897 in Düsseldorf wegen Unterschlagung zu IVj Jahren Gefängnis verurteilt worden. Einige Zeit nach der Straf» verbüßung gelang es dem Angeklagten infolge sehr günstig lautender Empfehlungen eine Stellung als Buchhalter bei einer hiesigen großen Baufirma zu finden. Hier führte sich der Angeklagte, der sehr fleißig und tüchtig war, zur vollsten Zufriedenheit seiner Chefs. Um so überraschender war es deshalb, als seitens der Firmen- inhaber im Januar die Entdeckung gemacht wurde, daß der An- geklagte sich im Laufe eines Jahres ganz beträchtliche Unterschleife hatte zuschulden kommen lassen. Es stellte sich heraus, daß M. das in ihn gesetzte Vertrauen in der schnödesten Weise mißbraucht hatte. Mehncrt hatte sich aus dem stets offenstehenden Geldschrank ein Scheckbuch angeeignet und nach und nach nicht weniger als 22 Schecks mit den Unterschristen der Firmeninhaber gefälscht. Eine Nachfrage bei der betreffenden Bank ergab, daß die gefälschten Schecks die Höhe von 43 750 M. erreicht hatten. Der ungetreue Buchhalter wurde sofort verhaftet und nach dem UntersuchungS- gefängnis übergeführt. Auf Antrag des Verteidigers ordnete das Gericht die Untersuchung des Angeklagten auf seinen Geisteszustand an, da er in verschiedenen Eingaben höchst sonderbare Ideen vor- gebracht hatte. Er behauptete unter anderem, er habe nicht etwa aus Habsucht sich das Geld angeeignet, sondern nur in der AuS- führung einer„höheren Offenbarung" gehandelt. Schon als er noch Studierender in der St. Vinzenz-Konferenz in Innsbruck ge- Wesen sei, habe er gesehen, welches ungeheure Elend gerade unter der Jugend der armen Volksklasse bestehe. Als er dann längere Zeit Stadtmissionar in Hoek van Holland war, habe er dieses Elend noch gründlicher kennen gelernt, und den Plan gefaßt» helfend ein- zugreifen. Schon damals sei er wegen Unterschlagung bestraft worden, nach den bestehenden Gesetzen zu Recht, nach seiner An- schauung aber zu Unrecht, da er eben höhere Ziele verfolge. Mit dem jetzt veruntreuten Gelde wollte er angeblich eine Kunstanstalt eröffnen und von dem Gewinn erst die unterschlagene Summe er- setzen, dann aber mit dem gesamten Gewinn ein Kindcrhospital gründen.— Medizinalrat Dr. Störmer begutachtete, daß der An- geklagte ein abnorm-hhsterischer und geistig minderwertiger Mensch sei, bei dem aber der§ 51 keine Anwendung finden könne. Die Strafkammer billigte dem Angeklagten mildernde Umstände zu, nahm von Zuerkcnnung einer Zuchthausstrafe Austcmd und cr- kannte aus Mei Jahre Gefängnis.* Vermifebtea. Ekne Katastrophe auf einem japanischen Krenztt. Ein schweres Schiffsunglück hat sich gestern vormittag, wie aus Tokio gemeldet wird, bei den PeScadoreS(Fischerinseln) ereignet. Danach ist der japanische Schulkreuzer.Matsuschima" auf eine Mine gestoßen und untergegangen. Von der Mannschaft sind dreißig Mann gerettet; die Zahl der Umgekommenen, unter denen sich ver- mutlich auch der Kommandant befindet, wird auf 200 geschätzt. Eine von dieser abweichenden Darstellung wird in einen Tele- gramm aus New Uork gegeben. Dieselbe lautet: New Dork, 80. April. Nach telegraphischen Nachrichten aus Tokio erfolgte der Untergang des SchulkreuzerS.Matsuschima" heute vormittag nicht infolge Aufstoßens auf eine Miue, sondern vor Anker durch eine Explosion einer Munitionskammer. Von den Booten der anderen Schulschiffe, mit denen die»Matsuschima" zusammenlag, sind nach dem jetzt vorliegenden Bericht des Chefs des Schul- geschwaderS 141 Mann gerettet, darunter nur wenige Offiziere. Unter der 300 Mann starlcn Besatzung befanden sich 58 Kadetten. Unter den vermißten Kadetten sind Söhne des Feldmarschalls Oyama und des bisherigen VizeministerS des Auswärtigen und künftigen japanischen Botschafters in Berlin Chinda. Zu dem schweren Unglücksfalle, der sich, wie bereits ausführlich berichtet wurde, vorgestern bei einer Sprengübung an Bord des deutschen Linienschiffes„Elsaß" in der Kieler Bucht ereignete, wird noch aus Kiel gemeldet: Der bei der Sprengübung des Linien- schiffeS„Elsaß" schwer verletzte Torpedoobermatrose Wentzlaff ist gestern nachmittag im Marinclazarctt seinen Verletzungen erlegen. Ein menschliches Skelett wurde nach einer Meldung aus Wittenberge bei den Ausschachtungsarbeitcn für den Bau eines Kellers auf dem Grundstück des Kossäten Gustav Koch in Nitzow bei Wittenberge gefunden. Das gut erhaltene Gerippe lag in Metertiefe. Uebcr die Herkunft des Skelettes wurde eine Unter, suchung eingeleitet._ Ueberschwemmungen in England. Starke Regenfälle haben, wie eine Meldung aus London be» sagt, im ganzen Lande, namentlich im oberen Themsegebiet, Uebcr- schwemmungen veranlaßt. Henley und Maidenhead zeigt der Pegel zwei Zoll mehr als bei dem Hochwasser im Juni 1903. Auch die Cricketplätze in Oxford stehen unter Wasser. Die Einwohner der Dörfer am oberen Stromlaufe verlassen ihre Häuser in Booten. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktdallen-Dlrektion üdcr den Großhandel in den Zentral-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr stark, Geschäft ruhig, Preise für Rind- und Hammelfleisch anziehend, sonst unverändert. Wild! Zufuhr sehr knapp, Geschäft rege. Preise fest. Geflügel: Zufuhr kaum genügend, Geschäft rege, Preise hoch. Fische: Zufuhr etw«S reichlicher, Geschäft ziemlich rege, Preise besiicdigcnd. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise für Butter anziehend. Gemüse, Obst und Süds r ü ch Ic: Zufuhr re schlich, Gefchäft schleppend, Rhabarber fast unverkäuflich, Preise gedrückt. Wetterprognose für Freitag, den I. Mai 1908. Vielfach heiter, am Tage etwas wärmer bei schwachen wesillcheg Winden: keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wettervurra» Oeffentliche Bibliothek und Lefehalle zu anentgeltlicher Be. ankung für jedermann, SW., Alexandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von 5-10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9-1 und 3-6 Uhr. In den Lesesalen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Die Ausleih- Bibliothet ist bis auf weiteres geschlossen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 3. Mai, vormittags 9 Uhr, in der Halle der Gemeinde, Pappel- Allee 15/17: Freireligiöse Borlesung. Vormittags 10 Uhr in der Schule Kleine Frankfurter Straße 6: Vortrag von Frl. Ida Altmann über: Ein König im Reiche der Geister." Damen und Herren find als Gäfte herzlich willkommen. Eingegangene Druckschriften. Briefkaften der Redaktion. Bon der Gleichheit", Zeitschrift für die Intereffen der Arbeiterinnen ( Stuttgart, Berlag von Baul Singer), ist uns foeben Nr. 9 des 18. Jahr. gangs zugegangen. Sie hat folgenden Inhalt: An die Genossinnen! Von Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, gweiter Ottilie Baader. Warum fordern wir den Achtstundentag? Maifeier und Sof, dritter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl Wahlrechtskampf. Von Luise Zieh. Der Maitag des internationalen wochentäglich abends von 7 bis 9% Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr Proletariats. Von Dora B. Montefiore- London.- Arbeiterschuß für Heim. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein arbeit. Von Johannes Heiden. Der Militarismus und die Frauen. Von Buchstabe und eine Zah! als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Autwork B. Selinger. Internationale Solidarität. Von Emmy Freundlich. wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Die Maiforderung der Dienstmädchen. Von Helene Grünberg. Bom 8. S. 13. Ein Verfahren auf Konzessionsentziehung aus dem von Kampfe für die Verkürzung der Arbeitszeit in den Vereinigten Staaten. Ihnen angeführten Grunde ist möglich. A. B. 95. Ein schriftlicher Bon Josefine Conger- Kaneko. Nur Zeit! Von Frida Wulff. Arnold Bertrag würde genügen. Wenn die Absicht des Kaufes ernsthaft ist und Dodel † Aus der Bewegung: Das Eintreten der Berliner Genossinnen nicht etwa die Absicht besteht, vorhandene Gläubiger zu benachteiligen. Zu in den preußischen Landtagswahlkampf. Politische Rundschau. Von H. B. raten wäre, den Vertrag durch einen Anwalt abfaffen zu laffen. Gewerkschaftliche Rundschau. Notizenteil: Dienstbotenfrage. Sozia Emma 73. Klagen Sie auf Bahlung des Lohnes gegen Rüdgabe der liftische Frauenbewegung im Ausland. Feuilleton: Neuem Menschentum Blusen. B. O. 47/28. Das Gewicht nimmt nicht in demselben Maße entgegen. Von Otto Krille.( Gedicht). Der zerklüftete Felsen. Von 81. Edison 100. Wenden Sie sich an den Deutschen Transport Extrabeilage: Merkblatt für Fabritarbeiterinnen. Von Wilh. arbeiterverband, Abteilung Portiers und Hausverwalter, Engelufer 15. O. N. 86. Die Klage auf Schadenersatz würden Sie gewinnen, wenn 3. 23. Sie den Beweis führen, daß in der Tat die Beste verwechselt ist. Sa. N. 3. 25. Wenden Sie sich mit einer Anfrage an den Magistrat zu Nixdorf. Uns find solche Stiftungen nicht bekannt. F. K. N. 1. Der Antrag ist an den Vorstand der Kaffe zu richten. 2. Die Ursache ist Elektrizität. 3. Uns nicht bekannt. 4. Anmeldung bei der Polizei. 5. 99 heißt 99 Geld, das heißt, bas betreffende Papier ist für 99 zu laufen; 99 B heißt 99 Brief oder das Papier ist mit 99 angeboten. 3, 4 usw. bedeuten die Prozentfäße. H. T. Anspruch auf Altersrente hätte Ihr Berivan oter nicht, wohl aber Anspruch auf Invalidenrente, wenn er invalide im Einne des Gesetzes ist. Der Antrag ist an den Magistrat oder, falls Ihr Verwandter auf dem Lande lebt, an den Landrat zu richten. K. Sch. 1874. Wiederholen Sie die Anfrage. Else 11. Ohne Kenntnis des gerichtlichen Beschluffes ist Ihre Anfrage nicht zu beardworten. Gerschuni. Stähler. Bon der Neuen Zeit"( Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 31. Heft des 26. Jahrgangs erschienen. Es hat folgenden Inhalt: Rechts schwenkt marsch! Bon Hans Blod. Dr. Arnold Dodel. Bon Hermann Greulich. Antwort auf das Oldenburger Beispiel. Von Richard Bagner( Bant). Der Lehrermangel in den deutschen Volksschulen. Von Für unsere Mütter und Hausfrauen: Wieder vorwärts! Dtto Nühle. Bur Parteilage in Italien. Bon Dda Dlberg( Nom). Bon Gottfried Keller.( Gedicht.) Etwas vom Leben. Von Hannah Briefe aus New York. Von Algernon Lee( New York). Wirtschaftliche Dorsch. II.( Fortsetzung.) Ein Lichtbilderabend. Von A. Fendrich. Rundschau. Bon J. Karsti. Literarische Rundschau: Helene David, Die Frühlingsblid. Von Nikolaus Lenau.( Gedicht.)- Fischspeisen für Gesunde Teilnahme der Frau an der sozialen. Arbeit. Von Therese Schlesinger. und Kranke. Von Dr. Emil Pfaff. Alkohol und Kind. Bon S. K. Ilijin, W.( N. Lenin), Za 12 let.( 3wölf Jahre. Bwei Tendenzen im Beherzigung. Von Leopold Schefer.( Gedicht.) Die Mutter als Er russischen Marrismus und in der russischen Sozialdemokratie.) Beits zieherin. Für die Hausfrau. schriftenschau. Die" Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer Die Neue Zeit erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- 10 Pf., durch die Poft bezogen beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich handlungen, Bostanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 m. pro ohne Bestellgeld 55 Pf., unter Kreuzband 85 Bi. Jahresabonnement Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post mur pro Quartal 2,60 M. abonniert werden. Das einzelne Heft fostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. N. bovaliden etrasse 131 a. Stettiner Bahnhof S. Prinzon strasse 94 bei der Ritterstr. 0. Gr. Frankfurterstr. 85 bel der Marsilius strasse 0. Schlesischer Bahnhof Began B/ 9 Mallaisir. bel Frucht strasse W. Potsdamer strasse 112 a b.d Lutzowrasse Tel: A. VI, 7190 NW. Wilsnacker crasse 57 b.d. Preysestrasse Tel.: A. II, 2059 Char lottenburg Wilmers dorlarstr.141 a.Stuttgart. Platz Tel: Charl. 6718 Hauptgeschäft Spandan Brolbeatz. 64 am Markt Tel: Span dan 748 Tegel Treskow strasse 14 EckeSchlie perstrasso Tak: Tegel $ 14 Seefische schmackhaft und von hohem Nährgehalt. Täglich frische Zufuhren in eigenen Kühlwagen. Deutsche Dampffischerei- Gesellschaft ,, Nordsee", Bahnhof Börse. Zalergara Käbivagta Central- Fernsprecher Amt III a 8804.- Seefisch- Kochbücher gratis. Riesenfänge unserer Dampfer in Seelachs sind soeben eingetroffen. Für den Inhalt der Jnierate übernimmt die Nedattion dem Unblitum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, den 1. Mat Anfang 7 Uhr. Königl. Opernhaus. Lohengrin. Janfang 7 Uhr.] Sonnabend: Carmen. Königl. Schauspielhaus. Stuart.[ Anfang 7 Uhr.] Sonnabend: Ein Erfolg. Maria Neues. Ramon, der Abenteurer. Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. Deutsches. Anfang 8 Uhr. Benedig. Seelachs Kop mit 16 Pf. per Pfd. im Ausschnitt 20. Walhalla. Spezialitäten. 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Sonnabend: Lysistrata. Berliner. Hopfenraths Erben. Sonnabend: Herthas Hochzeit. Leffing. Der Teufel. Abends 8 Uhr: Ramon, der Abenteurer Morgen u. folgende Tage: Namon, Sonnabend: John Gabriel Bork der Abenteurer. man. Nenes Schauspielhaus. Judith Kleines Theater. Sonnabend: Der Dummlops. Schiller 0.( Wallner Theater.) Hans Hudebein. Sonnabend: Stein unter Steinen. Schiller Charlottenburg. Der Widerspenstigen Zähmung. Sonnabend: Auf der Sonnenseite. Hebbel. Frau Warrens Gewerbe. Sonnabend: Liebe. Kleines. 2X2= 5. Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. W Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Sonnabend: 2 mal 2= 5. Sonntag nachm. 3 Uhr: Mandragola. Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Montag: 2 mal 2= 5. Theater des Westens. Friedrich Wilhelmstädt. Schau 8 Uhr: Ein Walzertraum. spielhaus. Die Brüder von Sonntag nachm. 3, Uhr, halbe Preise: St. Bernhard. Die lustige Witwe. Sonnabend: Der Privatdozent. Lustivielhaus. Sein Alibi. Brandstifter. Der Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonnabend: Dieselbe Borstellung. Lorking. Die Zauberflöte. Sonnabend: Der Trompeter von Säffingen. Komische Oper. Die verkaufte Braut. Anfang 7 Uhr. Sonnabens: Tosca. Westen. Ein Balzertraum. Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. Neues Operetten. Der Mann mit den drei Frauen. Sonnabend: Dieselbe Borftellung. Residenz. Der Floh im Dhr. Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. Quisen. Der Weg ins Verderben. Sonnabend: Dieselbe Korstellung. Thalia. Die Brunnennymphe. Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. Trianon. Seine erste Frau. Die Hand. Sonnabend: Dieselbe Borstellung. Die Brüder von St. Bernhard. Anfang 8 Uhr. Sonnabend: Der Privatdozent. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der gehörnte Siegfried. Siegfrieds Tod. Abends 8 Uhr: Die Brüder von St. Bernhard. Neues Operetten- Theater Schiffbauerdamm 25, an der Luisenstr. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Mann mit den drei Frauen. Residenz- Theater. Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Theater an der Spree. Gefchloffen. Der Floh im Ohr. Bernhard Nose. Die Loreley. Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. Metropol. Das muß man seh'n. Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. Apollo. Der Kleine Chevalier. Spezialitäten. Schwank in drei Atten von( Georges Feydeau. Deutsch von Wolff- Jacoby. Sonntag nachm. 3 Uhr: Haben Sie nichts zu verzollen? Sonnabend: Diefelbe Borstellung Luisen- Theater. Kafino. Ein Dorfroman. Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. Wintergarten. Spezialitäten. Sonnabend: Dieselbe Borstellung. Passage. Ota Gygi. Spezialitäten Reichenberger Straße 34. Benefiz für Kurt Paulus. Bum ersten Male: Sonnabend: Diefelbe Borstellung. Der Weg ins Verderben Parodie. Der Troubadour. Sonnabend: Dieselbe Borstellung. Gustav Behrens. Spezialitäten. Sonnabend: Dieselbe Borstellung. Cari Haverland. Spezialitäten. Sonnanend: Diefelbe Borstellung. Sonnabend: Der Weg ins Berderben. Sonntag nachm. 3 Uhr zum erstenmal: Im Hause d. Sinde. Abends 8 Uhr: Der Weg ins Berderben. Montag: Der Weg ins Berderben. Schwant in drei Aften von Ostar Blumenthal u. Gustav Kadelburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: Stein unter Steinen. Sonntag, nach m. 3 Ubr: Das Glück im Winkel. Sonntag, abends 8 U br: Stein unter Steinen. Schiller- Theater Charlottenburg. Freitag, abends 8 Uhr: Der Widerspenstigen Zähmung. Lustspiel in 5 Aufzügen und einem Vorspiel von William Shakespeare. Sonnabend, abends 8 Uhr: Auf der Sonnenseite. Sonntag, nach m. 3 Uhrz Das vierte Gebot. Sonntag, abends 8 11 br: Auf der Sonnenseite. Castan's Panoptikum Nen! 850 165 Friedrichstr. 165 New! Kolossal- Reptilien. Berliner Originale. X Riese Andries. Hebbel- Theater, Königgräger 7. Abends 8 Uhr: Frau Warrens Gewerbe. Drama in 4 Alten v. Bernard Shaw. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Der Brandstifter. Borher: Sein Alibi. WINSTERTH Neues Programm. Otto Reutter. Orford's Elephanten. DERNHARD ROSE THEATED Palace Girls, Englische GeBr. Frankfurter Str. 132. Abends 8 Uhr: Die Loreley. Wochentagspreise. Täglich: Die Loreley.. Sonntag nachm. 3 Uhr bei er magigten Breisen: Wilhelm Tell. Metropol- Theater Bum 223. Male: sangs- und Tanztruppe. Niards, Akrobaten. Hagedorns Wundergrotte. Lili Schreiber, Soubrette. Ferry Corwey, Musik. Olown. Guyer und Crispi, Amerikanische Excentrics. Perezoff- Truppe, Jongleure. Toque, der Hund als Reiter, Equilibrist und Jongleur. Tambo and Tambo, BanjoJongleure. Biograph. Das muß man seh'n. Brunnen- Theater Rebue in 12 Bildern m. Ges. und Tanz. Babftraße 58. Dirett.: Bernh. Rose. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Passage- Theater. Heute Première! Das größte Rechengenie und Gedächtnisphänomen aller Zeiten Dr. RÜCKLE und das großartige 4326845 9482513 7084320 9020018 5837614 1439788 MaiProgramm. 4124124 Ganz Berlin spricht heute schon von Dr. RÜCKLE! Kottbuser Sanssouci, Straße 6. Direttion: Wilhelm Reimer. Donnerstag, Sonntag und Montag: Hoffmanns Norddeutsch. Sänger und Tanzkränzchen. Sonntag, den 3. Mai 1908, nachmittags 3 Uhr: Der Herrgottschniger von Ammergau. Abends 7 Uhr: Buschlies'l. 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Unserem verehrten Kollegen und Genossen, dem Vorsitzenden der Stranken- und Sterbekaffe der Tabalarbeiter 29282 Karl Butry, Stralsunder Straße 41, zu feinem am 2. Mai stattfindenden 70. Geburtstage unsere herzlichsten Glüdwünsche. L. G. L. D. C. R. W. Sch. H. H. R. R. W. J. V. Sp. R. K. 29252 Unserem Bezirksführer Hermann Schneider und seiner Braut gitr Vermählung ein dreifaches Hoch! Die Genossen des Bezirks 181a. Unserm Kollegen 1805b Adolt Altmann Wartenburgstr. 27, nebst Braut Marie Lomnitz zur heutigen Vermählung ein breifach donnerudes Hoch! Die Kollegen Königgräger Straße 20. Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein innigftgeliebter Mann, unser lieber Sohn und Bruder 1802b Paul Püschel am Mittwoch, den 29. April, im Alter von 46 Jahren nach turzer Strankheit an Herzschwäche ver schieden ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen Halle der Martusgemeinde, Wilhelmsberg, aus statt. Um stille Teilnahme bitten Die tiefbetrübten Hinterbliebenen. Martha Püschel nebst Familie, Rüdersdorfer Straße 41. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. ( Stralauer Viertel.) Bezirk Nr. 337. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Restau rateur Paul Püschel, Nüdersdorfer Straße 41, 217/20 geftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 3. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Andreas- Kirchhofes in Wilhelmsberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Hiermit diene den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der ehemalige Rollfutscher, jezige Schankwirt Paul Püschel am 29. v. Mts. im Alter von 46 Jahren an Herzschwäche ge= storben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 3. 6. Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle der Andreas Markus. Ge meinde in Wilhelmsberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Verwaltung II. Hiermit diene den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser treues Mitglied, der Bierfahrer Fritz Urban am 28. April im Alter von 28 Jahren an der Proletarierfrankheit gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 1. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Johannes- Kirchhots in Plößensee aus statt. 68/16 Die Verwaltung II. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen KranzSpenden bei der Beerdigung meines fo jab ums Leben gekommenen lieben Mannes, unseres forgsamen Vaters, des Formers 18015 Hermann Raeder fagen wir allen Verwandten, Freun ben, als auch Bekannten sowie feinen braven Mitarbeitern der Maschinenfabrit Cyclop" unsern herzlichsten Dant. Bitwe M. Raeder nebst Kindern. Sozialdemokrat. Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis Köpenicker Viertel. ( Bezirk 190.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Steindruder Otto Weber Manteuffelstr. 121 geftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2. Mai, nachmittag 1, Uhr, von der Leichen halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandter Berufe. Filiale 11. Berlin, Chemigraphen. Todes- Anzeige. Am Mittwoch, den 29. April, früh 8, Uhr, verstarb unser Mit glied, der Druder Otto Weber nach turzem Kantenlager im 44. Lebensjahre. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am 2. Mai, mittags 1%, Uhr, von der Leichenhalle des Zentralfriedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um recht rege Beteiligung ersucht 287/2 Die Verwaltung Todes- Anzeige. Am 29. April verstarb nach längerem Leiden unser treuer Kollege, der Steindruder Otto Weber im 44. Lebensjahre. In dem Dahingeschiedenen ber lieren wir einen langjährigen, felbftlosen Kollegen und Genoffen. Schöneberg. Die Kollegen ber Chemigraphen- Abteilung Firma: Meisenbach, Riffarth& Co. Ehre seinem Andenken! Sozialdemokratisch. Wahlverein Rixdorf. Todes- Anzeige. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Töpfer Theodor Kieschke ( 20. Bezir!) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitagnachmittag, 4%, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi: firchhofes, Hermannstraße, aus statt. 235/5 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Emil Lunkwitz am 29. April an Lungenschwind. sucht gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2. Mai, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des St. Philippus ApostelKirchhofes in der Müllerstr. 44/45 aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Sozialdemokrat. Wahlverein Alt- Glienicke. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß die Frau unseres Parteigenoffen R. Gieseler am nach langem Leiden gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 3. Mai, nachmittags 1, Uhr, vom Trauer Sause, Teutonenstraße, aus statt. Die Parteigenossen werden gebeten, fich recht zahlreich zu beteiligen. 202/16 Der Vorstand. Allen Verwandten und Be= tannten die traurige Mitteilung, daß mein lieber Mann, der Gastwirt Emil Marsch Alvenslebenstr. 15, am 28. April verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 1. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Matthäus Kirchhofes, Südende, aus statt. 18116 • Die trauernde Witwe. Deutscher Holzarbeiter- Verband Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß der Kollege, Tischler Emil Lindner am 25. April berstorben ist und am 28. April zur legten Ruhe gebettet wurde. Ehre seinem Andenken! 83/17 Die Ortsverwaltung. Dr. Simmel Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. 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Tor) Tanzlehrerverbandes Solidarität zu berücksichtigen sind. Wir ersuchen nun deshalb bei Abschließung von Fest lichkeiten bei den Wirten auf diesen Beschluß zu achten. Auskunft über die Lokale gibt Richard Heinrich, Wrangelstr. 107. Amt IV, 10381. Bestellungen werden jederzeit im Gewerkschaftshause, Engelufer 15( Briefkasten am Büfett), im Restaurant Pavel, Br. Frankfurter Straße 99, Amt VII, 8028, fo: 200/2 mie beim Unterzeichneten entgegengenommen. Der Vorstand. Richard Heinrich, Wrangelftr. 107. Amt IV, 10381. Vorwärts Hochfeine und milde Qualität! Garantiert, keine Ausstattung! Aus den besten türk. Tabaken hergestellt. Handarbeit, nur Qualität! Solidarität Zigaretten- Fabrik R. EBEL Berlin N. 28, Bernauerstr. 70. Tel. III. 919 Mutwäsche Feuerrad unschadlo Anerkannt bestes Fabrikat Für weisse Hüte 25 Für farbige Hüte 35 P Fritz Kratz Berlin N.39. 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Von sozialdemofratischer Seite war beantragt, der Gewerbeordnung nach§ 115 hinzuzufügen: Herr Kruse suchte die Bedenken zu zerstreuen und hielt die Forderung für sehr gerechtfertigt. ein " Unter anderem wurde noch eifrig darüber gestritten, was Bolier" bei den Malern sei, da nach§ 6 für Beichner und poliere eine Kündigungsfrist durch freie Vereinbarung festgesezt werden kann. Da gründliche Auseinandersetzungen in der Kommission „ die Höhe des nichtbeschlagnahmefähigen schon stattgefunden hatten, nahm man schließlich Abstand von Sohnes im Sinne des Gesetzes betreffend die Beschlagnahme weiterer Beratung im Plenum und wollte eine allgemeine des Arbeits- oder Dienstlohnes vom 21. Juni 1869 wird auf 2ohndebatte eröffnen. Die Arbeitgebervertreter ent2000 M. festgesetzt". schieden sich aber dafür, daß sie zuerst den Schiedsspruch hören wollten, che sie zu der Lohnfrage irgendwie Stellung nahmen. Darauf zogen sich die Unparteiischen zur Beratung zurück. Nachmittags wurde der folgende Schiedsspruch gefällt: Zu§ 2 bestimmt das Schiedsgericht: Zur Begründung wurde angeführt, daß die Höhe des nicht Beschlagnahmefähigen Lohnes war im Jahre 1869 auf 1200 M. feftgesezt und wurde im Jahre 1877 auf 1500 m. erhöht Eine Erhöhung dieses sogenannten Existenzminimums sei schon deshalb dringend erforderlich, weil ein Grundlohn von 1500 M. im Jahre 1877 jetzt einem solchen von 2000 M. entsprechen würde. Hinzutrete, daß durch die Novelle von 1897 der Kreis der Forderungen erweitert ist, derentwegen eine Pfändung auch des nichtbeschlagnahmefähigen Teils zulässig sein soll. Die Gewerbeordnungsnovelle sei der geeignete Ort, die Angelegenheit zu regeln. Im Jahre 1869 gab es noch fein allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch, auch keine Regelung des Arbeitsrechts in der Gewerbeordnung. Damals mußte die Sondergeseßgebung beschritten werden. Das Sondergesetz ist später z. B. auch durch die Zivilprozeßordnungsnovelle geändert. Ein formelles Bedenken liege daher nicht vor. Die Regie= rungsbertreter sowohl wie die Mitglieder der bürgerlichen Barteien gaben zu, daß die Frage, ob die Grenze der Nichtbeschlagnahmefähigkeit anders zu regeln sei, der Erwägung wert fei. Indessen führe das zu weit von dem Zweck der Regierungsborlage ab. Auch sei die Gewerbeordnungsnovelle nicht der geeignete Ort zur Abänderung des Lohnbeschlagnahmegesezes. Der sozialdemokratische Antrag wurde mit allen gegen die drei fozialdemofcatischen Stimmen abgelehnt. Von sozialdemokratischer Seite war ferner angeregt, endlich einer Regelung der Attordfrage näher zu treten. Zum mindesten sei es, insbesondere für Bergleute, Textilarbeiter, Sonfektionsarbeiter, Eisenarbeiter und Heimarbeiter von großer praktischer Bedeutung, den Fall zweifelsfrei zu regeln, in dem bei Affordlohn eine Vereinbarung über die Höhe des Lohnes vor Beginn der Arbeit nicht zustande kommt. Es wurde deshalb beantragt: „ Soll der Lohn nach Afford( Stücklohn) bemessen werden, fo hat der Arbeiter, falls keine Vereinbarung über die Höhe des Lohnes vor Beginn der Arbeit zustande kommt, unbeschadet der Anwendung des§ 316 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, einen Mindestanspruch auf den durchschnittlichen Tagesverdienst, der für gleichartige Arbeit für den fertiggestellten Teil der Arbeit gezahlt wird." Zur Begründung wurde ausgeführt: Eine befondere Regelung Dieses Falles in der Gewerbeordnung ist erforderlich, weil in der Praxis zuungunsten des Arbeiters die Rechtsprechung hin und her schwankt und im Gegensatz zu dem Gesetz sogar willkürliche Festsetzung seitens des Arbeitgebers stattfindet. Der Antrag gebe nur wieder, was aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch folge. Nach § 612 des Bürgerlichen Gesetzbuches sei die übliche Vergütung" als bereinbart anzusehen und eventuell, insbesondere z. B. bei Musterarbeiten in der Konfektion oder bei besonders gearteten Gedingen im Bergbau, anderen Fällen, in denen eine Weblichkeit fehle, habe nach§ 316 der Arbeiter die Höhe des Lohnes feftzusehen. Die Festsetzung könne eventuell durch den Richter, wenn fie ein billiges Maß überschreite, auf das Angemessene herabgesetzt werden. Seitens Mitglieder der wirtschaftlichen Vereini gung und des 8entrums wurde die Notwendigkeit und Billigfeit der Regelung dieser Frage anerkannt. Die Regierungsbertreter und Kommissionsmitglieder der andere n Parteien gaben zu, daß die vorgeschlagene Regelung einer richtigen Auslegung des Bürgerlichen Gefeßbuchs lediglich entspreche, widersprachen aber aufs lebhafteste dennoch der vorgeschlagenen Regelung. weil die Industriekreise fich noch nicht geäußert hätten und die borgeschlagene Regelung doch in manchen Fällen dem Arbeitgeber nachteilig fei. Von sozialdemokratischer Seite wurde betont, daß ja tem Arbeitgeber überlassen bleibe, in Fällen, wo er den Afford nicht übersehen fönne, 3eitlohn zu vereinbaren. Erstaunlich sei der Widerspruch der Regierung, da diese selbst ja im § 139 p den Bundesratermächtigen wolle, die vor= herige Festsetzung von Löhnen anzuordnen. Wie Arbeitgeber den Afford zuungunsten von Arbeitern mißbrauchen, zeigen unendlich viel Fälle beim Gedinge der Bergarbeit, folie beispielsweise§ 8 der Stummschen Arbeitsord. nung. Nach dieser bleibt es dem Unternehmer vorbehalten, wenn eine im Afford arbeitende größere Arbeiterabteilung in einem Monat mit einem ungewöhnlich hohen Lohne herauskommt, einen Teil des Lohnes als Referbefonds anzufammeln. Der Abgeordnete Gröber( Zentrum) erkannte die Berechtigung des Antrages an, wünschte aber den Schlußsah nach Tagesarbeitsverdienst" folgendermaßen zu gestalten: ben er innerhalb des letzten Monats in demselben Arbeitsverhält nis bezogen hat." Dem widersprach der Abgeordnete Spahn( Zentrum). Bei der Abstimmung wurde der sozialdemokratische Antrag mit 4 Stimmen( 3 Sozialdemokraten und Naumann), der Antrag in der Fassung Gröber mit 12 Stimmen( Behrens, Schack, Naumann, 8 Sozialdemokraten, 6 Zentrum) gegen 12 Stimmen abgelehnt. " Der Gehülfe ist zu einer angemessenen Gegenleistung verpflichtet. Die Angemessenheit der Gegenleistung wird nach einer von der zuständigen Tarifüberwachungskommission aufgestellten Norm bestimmt. Wird bei einer Arbeit die angemessene Gegenleistung durch Verschulden des Gehülfen nicht erreicht, so ist der Meister zu einer entsprechenden Lohnkürzung berechtigt, die jedoch nicht über 10 Broz. des hierfür verdienten Lohnes hinausgehen darf. Umgekehrt ist der Lohn bei Mehrleistung angemessen zu erhöhen. Besteht über die Berechtigung sowie über die Höhe der Kürzung oder Erhöhung Streit, so entscheidet hierüber die zuständige Tarifüberwachungskommission nach der Norm unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse des Falles." Dies war die hauptsächlichste Bestimmung, die getroffen wurde. In§ 1 wird der Passus gestrichen, der festsetzt, daß keine besondere Entschädigung gezahlt werden solle, wenn die Arbeitszeit nach Feierabend nur eine halbe Stunde beträgt. Jm§ 2 heißt es nach den Vorschlägen der Kommission und vor Einfügung des Sazzes, den der Schiedsspruch festlegt: Voraussetzungen für Gewährung des jeweiligen Lohnfahes Bei einem Maler, Ladierer, Anstreicher, Tüncher, Weißbinder 1. die vorschriftsmäßig beendete Lehrzeit. 2. Kenntnis der Ausführung der Vorarbeiten für ortsfind: übliche Arbeiten. 3. Ausführung der ortsüblichen Arbeiten. 4. Bei Nichtgelernten mindestens 4jährige Tätigkeit als Hülfsarbeiter in einem Maler oder Radiererbetriebe. Dann heißt es weiter: Freitag, 1. Mai 1908. zahlt werden. Ist dieses nicht der Fall, so ist über das be treffende Geschäft die Sperre zu verhängen. Die Arbeitgeber berpflichten sich, die betreffenden Gehülfen in ihren Geschäften einzustellen, ohne bei diesem Anlaß andere Gehülfen zu entlassen. Die Parteien find verpflichtet, einander auf Anfrage Aus. funft über die Zugehörigkeit bestimmter Personen zu ihren Organisationen zu geben. § 9 sagt zum Schluß: Dieser, Vertrag tritt, vorbehaltlich der Genehmigung der Hauptvorstände der vertragschließenden Parteien in Kraft und dauert bis zum 31. Dezember 1909. Eine Kündigung des Vertrages findet nicht statt. 6 Monate vor Ablauf desselben haben die Verhandlungen über Fortsetzung oder Erneuerung zu beginnen. Auch die Fortsetzung oder Era neuerung des Vertrages bedarf der Genehmigung der Hauptvorstände. Die folgende Begründung, die dem Schiedsspruch beigegeben wurde, sagt unter anderem: " Für die Entscheidung der grundsäglichen Streitfrage in § 2 hinsichtlich einer Bestimmung über die Leistungsfähigkeit ist davon auszugehen, daß beide Parteien ein vitales Interesse daran haben, daß im deutschen Malergewerbe nur gut qualifizierte und entsprechende Arbeit liefernde Gehülfen tätig sind. Nachdem nun durch die seit Frühjahr 1907 für ganz Rheinland und Westfalen sowie in München bestehenden Kollektivverträge tatsächlich erwiesen ist, daß im Malergewerbe die Einführung einer Leistungsverpflichtung in der Praxis möglich ist, haben die Unparteiischen kein Bedenken getragen, die grundsäßlich richtige Forderung, daß einer Lohnleistung eine entsprechende Arbeitsleistung gegenüberzustehen habe, für das Malergewerbe durch Vorschrift einer angemessenen Gegenleistung festzulegen. Für viele Lohngebiete wird diese einfache Bestimmung genügen, zumal der Hauptverband der deutschen Arbeitgeberverbände im Malergewerbe erklärt hat, seine Ortsverbände nicht zu weiteren Schritten beeinflussen zu wollen. Wo man indessen weiter gehen will, soll als Maßstab für die Angemessenheit der Gegen leistung eine paritätisch von der örtlichen Tarifüberwachungstommission aufgestellte Norm gelten. Diese Norm ist unter Zugrundelegung normaler Verhältnisse für einfache Maler- und Anstreicherarbeiten für Neubauten usw. aufzustellen." Herr v. Schulz forderte die Parteien auf, sich zu dem Schiedsspruch zu äußern. Herr Kruse erklärte für die Arbeitgeber, daß sie den Spruch anerkennen, wenn sie auch eine größere Berücksichtigung ihrer Forderungen erwartet hätten. Tobler erklärte zuerst, daß für die Arbeitnehmer die Erledigung der Lohnfrage maßgebend für ihre Stellung zu dem Schiedsspruch sein würde. Diese Erklärung, der sich die anderen Vertreter der Arbeitnehmer anJeder Gehülfe hat auf Verlangen Ausweispapiere über schlossen, bezeichnete Herr v. Schulz als unzulänglich und bat feine Lehrzeit vorzulegen. Jede Arbeit muß sorgfältig hergestellt werden. Das Herrichten der Farben ist jeweils einbegriffen. Durch Invalidität oder Alter minderleistungsfähige Gehülfen werden nach Uebereinkommen ihrer Leistungsfähigkeit entsprechend entlohnt. Der§ 3 wurde durch den Schiedsspruch entschieden und Iqautet: Für Ueberstunden wird ein Zuschlag von 25 Broz, für Nachtarbeit bei Wechselschicht ein solcher von 10 Prog. bezahlt. Bei zusammenhängender Tag und Nachtarbeit wird für lettere ein Zuschlag von 50 Proz. bezahlt. An Sonntagen wird ein Buschlag von 50 Bros., an gesetzlichen Feiertagen ein solcher bon 50 Broz. bezahlt. Weitere Bestimmungen sind: Beim Anstreichen von Fassaden, Lichtschächten, Türmen, Bahnhofshallen und ähnlichen Arbeiten, soweit solche von Sänge gerüsten, englischen Böden und sonstigen nicht feststehenden Gee rüften sowie bei Arbeiten von Anschleitern in einer Höhe von mehr als 10 Metern ist ein Buschlag von 5 Pf. für die Stunde zu zahlen. Bei Arbeiten außerhalb des Lohngebietes ist, wenn Gehülfen vom Wohnsite des Meisters dorthin gesandt werden, der tarifmäßige Lohn zu zahlen, fofern nicht an diesem Orte höhere Lohnfäße vereinbart sind. Außerdem find, wenn eine tägliche Rüdfahrt nicht stattfinden kann, die Kosten für den notwendigen Mehraufwand zu vergüten. Das Fahrgeld und die Fahrzeit wird. vorbehaltlich be. sonderer Bereinbarung für einmalige Hin- und Rückfahrt bei Beginn bezw. Beendigung während der ganzen Arbeitsdauer bergütet. § 4 lautet: Werben Arbeiten in Afford ausgeführt, so finden die im Affordtarif festgesetzten Preise Anwendung. Der Affordvertrag muß schriftlich abgeschlossen werden. Bei Akkordarbeit wird der Stundenlohn garantiert, dagegen ist der Gehülfe berpflichtet, die gleichen Arbeitsbedingungen wie im Stundenlohn zu erfüllen. von feiner besonderen Wichtigkeit. § 5 bestimmt die wöchentliche Lohnzahlung und ähnliches um eine klare Antwort. Nach einer nochmaligen Sonderberatung erklärten die Arbeitnehmer, daß sie den Schiedsspruch zuerst den Mitgliedern der Organisationen unterbreiten müßten. Darauf wurde die Lohnfrage zur Beratung gestellt. Zuerst galt es, alle Orte anzuführen, wo gegenwärtig Lohitbewegungen bestehen, ferner wurden von allen Orten die jeßigen Löhne, die Forderungen der Gehülfen und nähere die Tarife, die lette Lohnerhöhung Verhältnisse, und ähnliches betreffend festgestellt. Herr Kruse erklärte, daß in allen Orten, wo Vereinbarungen schon getroffen sind, zu denen der Hauptverband der Arbeitgeber seine Zustimmung noch nicht gegeben hat, keine Aenderung der be= stehenden Verhältnisse eintreten soll. In allen anderen Orten aber liegen die Dinge jezt so, daß an eine Lohnerhöhung nicht zu denken sei. Tobler erklärte demgegenüber, daß die Verhältnisse im Malergewerbe als sehr schlechte zu bezeichnen seien und daß die Gehülfen unter allen Umständen eine Verbesserung ihrer Lage erwarten. Die Lohnverhältnisse wurden noch näher erörtert und auch die Arbeitszeit im Gewerbe in den Kreis der Beratungen gezogen. Kruse erklärte, daß der Verband der Arbeitgeber gewillt sei, überall da eine Verkürzung der Arbeits3eit eintreten zu laffen, wo länger als 10 Stunden gearbeitet wird. Eine weitere Berkürzung der Arbeitszeit fönne nicht zugestanden werden. Demgegenüber wünschten die Arbeitnehmer eine Verkürzung der Arbeitszeit an vielen Orten. Der Schiedsspruch über die Lohnfrage bezieht sich auf 45 Orte, wo Streitigkeiten bestehen. In 32 Orten waren bereits Vereinbarungen getroffen, und Rohnerhöhungen von 2 bis 5 Pf. pro Stunde sind den energisch fordernden Gehülfen zugestanden worden. Bei dieser Aufstellung famen die Christlichen nur in vereinzelten Orten und die HirschDunderschen überhaupt nicht in Frage. Nach einer zuweilen erregten Aussprache zwischen den Parteien zogen sich die Unparteiischen auf einige Stunden zurück. Gegen 9 Uhr abends wurde die Schlußfizung er Dr. Wiedfeldt verlas den folgenden Schiedsspruch: Nach§ 6 ist die Kündigungsfrist ausgeschlossen, für Zeichner und Poliere die freie Vereinbarung zulässig. Außer- öffnet. Die nächste Sihung foll im Herbst stattfinden. Angeregt wurde dem bleibt es den zuständigen örtlichen Organisationen übervon sozialdemokratischer Seite, etwa drei Wochen vor Beginn der lassen, eine Kündigungsfrist für ihr Lohngebiet einzuführen. Plenarsizungen zusammenzutreten, um die Gewerbeordnungsnobelle Die Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches gelten für bewältigen zu fönnen. Der Abgeordnete Trimborn( Zentrum) äußerte fich in ähnlichem Sinne. Eine Beschlußfaffung über die Anregung soll stattfinden, sobald feststeht, ob und bis wann bers tagt wird. Die Carifverhandlungen der Maler. die vertragschließenden Parteien nicht. Weiter heißt es dann: Bei Auflösung des Arbeitsverhältnisses ist der Lohn spätestens am nächsten Tage auszuzahlen. Die Lohnzahlung findet erst statt, wenn sich der Meister auf der Arbeitsstelle überzeugt hat, daß der Auszahlung des Lohnes nichts im Wege steht. Löst der Gehülfe das Arbeitsverhältnis und will er am Abend feinen Rohn ausbezahlt erhalten, so hat er dem Meister mindestens 6 Stunden vorher Mitteilung zu machen. Der Genuß von Speisen und Getränken und das Rauchen während der Arbeitszeit ist berboten. Das Umfleiden und Waschen der Gehülfen hat vor Beginn resp. nach Schluß der Arbeitszeit zu erfolgen. Der dritte Tag der Verhandlungen vor dem Einigungsamt begann gestern früh mit dem Bericht der eingesetzten Kommission, die nach den Beratungen der ersten beiden Tage einen Normaltarifvertrag vorlegte. Dr. Wiedfeldt gab Ueber die Festlegung einer Kaution lehnte das Schiedscine gedrängte Uebersicht über die Arbeiten der Kommission und machte auf die verschiedenen Lüden in dem Bertrags- gericht die Entscheidung ab. Der Passus wird gestrichen. muster aufmerksam, die erst nach dem Schiedsspruche§ 7 ist formaler Natur. Das Schiedsgericht setzte eine ausgefüllt werden sollten. Eine furze Generaldebatte fand Reihe von Bestimmungen fest über Schlichtung von Diffeftatt, in der von seiten der Arbeitnehmer noch manche Be- renzen, Ueberwachung des Tarifes usw. denken über einzelne Punkte geäußert wurden. Die Leistungsklausel wurde noch einmal heftig umstritten. Tobler fette sehr scharf und pointiert auseinander, wie unannehmbar die Forderung einer quantitativen Mindestleistung für die Arbeiter sein müsse. Auf Grund dieser Forderung könnten die Arbeitgeber zu jeder Zeit Lohnabzüge machen, und die Errungenschaften der Organisation würden illusorisch werden. Zu der geforderten Mindestleistung stellte der Vertreter der Christlichen den Antrag, daß bei Streitigkeiten über die geleisteten Arbeiten die Schlichtungskommission auf Grund einer von ihr aufgestellten Norm entscheide. § 8 lautet: Maßregelungen wegen Beteiligung oder Nichtbeteiligung an Lohnbewegungen oder wegen Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einer Organisation dürfen beiderseits nicht stattfinden. Die vertragschließenden Parteien verpflichten sich, sich zur Beseitigung der Schmußkonkurrenz zu unterstüßen. Hat ein Meister, gleichgültig, ob er Mitglied des Hauptverbandes deutscher Arbeitgeberberbände im Malergewerbe ist oder nicht, einen Auftrag unter den ortsüblichen Preisen übernommen, so ist ein besonderes Augenmert darauf zu richten, daß die tarif mäßigen Löhne, oder falls die Arbeiten im Afford hergestellt werden, die tarifmäßigen Affordsätze in diesen Betrieben geDie in der heutigen Sigung von den Bevollmächtigten der beteiligten Parteien einstimmig zu Schiedsrichtern erwählten drei Unparteiischen haben einstimmig folgenden Schiedsspruch gefällt: 1. In Lohngebieten, wo die Arbeitszeit länger als zehn Stunden ist, wird sie von Beginn des Vertrages ab auf zehn Stunden herabgesetzt. Eine weitere Herabseßung der ArbeitsBeit erfolgt nicht. 2. In Lohngebieten, tvo zwischen den Parteien Lohn. erhöhungen für die Vertragsdauer vereinbart wurden, sind diese Erhöhungen aufrecht zu erhalten. 3. In Lohngebieten, wo von der zuständigen Arbeitgeber. organisation anläßlich der gegenwärtigen Bewegung Lohnerhöhungen schriftlich oder mündlich angeboten wurden, sind dieselben ohne Einschränkungen durchzuführen. 4. In den übrigen Lohngebieten ist, soweit 1907 feine Rohnerhöhung stattfand, der Stundenlohn vomi Beginn der Vertragsdauer um 2 Pf., soweit 1907 eine Lohnerhöhung stattfand, der Lohn um 1 Bf. und vom 1. Januar 1909 ab um wieder 1 Pf. zu erhöhen. 5. Für jeden Bezirk, nötigenfalls Lohngebiet, wird ein Schiedsgericht unter einem Unparteiischen durch die Organifation sofort eingefeht, das alle außer den Fragen der Arbeitszeit und des Lohnes bestehenden Streitfragen bis zum 16. Mai dieses Jahres endgültig zu entscheiden hat. 6. Die Zentralvorstände der vertragschließenden Parteien haben bis zum Donnerstag, den 7. Mai, vormittags 11 Uhr, dem Kollegium der unparteiischen Vorsitzenden im Einigungsamt die Annahme oder Ablehnung dieses Schiedsspruches zu crklären." Herr von Schulz schloß die Sigung, nachdem Kruse von der einen und Tobler von der anderen Partei dem Schiedsgericht ihren Dank für die geleisteten Dienste ausgesprochen hatten. Diese Woche hervorragendes Angebot Paul Held Nachf., Invalidenstr. 162, Damen- Hüten Damen- Jacketts, Paletots Staubmänteln Damen- Blusen Kostümröcken Waschstoffen Strumpfwaren Trikotagen. 2435L Mark 40.- 38,50 36.- 34-32,50 nahe der Brunnenstraße. Von Sonnabend, den 2. Mai bis Montag, den 11. Mai: Doppelte Norden- Marken. 50 50 Paletots 18. Anzüge# 21. M. Schulmeister 30.- 28.- 24.Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pig. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pfg. 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