Kr. 104. RbonnementS'Bedinaunaen: «tonnementä- Preis vrdnimerands» Wetteljährl. ZLo MI., Mona«, l.10 Ml, Ivöchentlich 23 Pfg. frei WS HcuS. einzelne Nummer S Pig. Sonntags» nummer mit illustrierter Sonntags- Vellage.Die Reue Seit' 10 Pfg. Post- «bonnement: l.lO Mark pro Monat. Eingetragen in die Post.ZeitungS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Marl, für daS übrige EuSland Z Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark. Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, SlitmSnien. Schweden und die Schweiz. CHMlt HflM MB« RODtUt- 25. Jahrg. Verlinev Volksblcrtt. Zcntralorqan der rozialdctnohrati fchcn Partei Deutfchlands. Die Inlcrtions- Gebühr kekigt für die fechsgespaltcue Kolonel- zellc oder deren Raum SS Psg., für politische und gewerkschaftliche LereinS- und BerfammlungS-Anzeigen 30 Pfg. „ülerne Snreigen", das erste(fett» gedruckte) Wort 20 Pfg, jedes weitete Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- ftellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weiter-«ort 5 Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müsse» bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition Thgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „SozlatiltiMknt Berlin". Redaktion: SQQ. 68, ILindenetrasse 69. Fernsprecher: Amt IT» Nr. 1983. Dienstag, den 5* Mai 1908. Expedition: SQQ. 68, Lindenstrasec 69. Fernsprecher: Amt IT» Nr. 1984. Diefteriveg oder Ropich? Wir erwähnten vor einigen Tagen eine Aeußerung des bekannten rückgratfesten Pädagogen und Schulpolitikers Diesterweg aus dem Jahre 1849, die mit den schärfsten Worten die öffentliche Abstimmung bei den preußischen Landtagswahlen geißelt und als einzigen Ausweg für einen charaktervollen Beamten die Stimmenthaltung proklamiert. Die„Freisinnige Zeitung" scheint zu fürchten, daß diese Mahnung Diesterwcgs auch bei den bevorstehenden Wahlen hier und da auf guten Boden fallen und damit den sreisinnig-konservativen Blockkandidaten einige Stimmen entziehen könnte. Sie hat deshalb den großen Schulpolitiker des Blocks, Herrn Äopsch, oder einen seiner kongenialen Kollegen beauftragt, gegen den toten Diesterweg und seine Landtagswahltaktik zu Felde zu ziehen, wobei das im Besudeln der Gräber von Volksmännern nicht unerfahrene Blatt auch Diesterwcgs Andenken gewissenlos beschmutzt. Diesterweg oder Kopsch? So steht die Frage für die preußischen Volksschullehrer. Auf den ersten Blick hat Rektor Kopsch viel vor Diesterweg voraus. Kopsch ist Landtags abgeordneter(sogar auch nochRcichstagsabgeordneter)und daneben wohlbestallter Schulbeamter. Diesterweg war zwarauch Landtags- abgeordneter; aber er war es nur geworden. weil er einige Jahre zuvor wegen seiner demokratischen Rücksichtslosigkeit aus dem Amte eines Berliner Scminardirektors gejagt worden war. Herr Kopsch ist ein guter Freund des obersten Staats und Reichsbeamten; Diesterweg genoß bei den Ministcrn nicht nur keine Freundschaft, sondern sie haßten und fiirchteten ihn wegen seiner barschen Geradheit und Volkstümlichkeit. Wer also ein Erfolganbcter ist. und wer mit hoffnungsvollem Auf blick nach oben immer strebend sich bemüht. wird sich sicher für den erfolgreichen Herrn Kopsch entscheiden. Doch bei genauerem Zusehen findet man auch bei Diesterweg einige Vorzüge. Vor allem hatte dieser Mann Grundsätze. Es waren die guten alten liberalen Grundsätze, die die traurigen Epigonen des Liberalismus seitdem gewissen- los verschleudert und schließlich durch den Schmutz der Gasse gezogen haben. Und diese Grundsätze vertrat Diesterweg mit der ihm eigenen anfeuernden Beredtsamkeit. Man höre einige seiner Forderungen: 1. Reine Beschränkung der Denk- und Glaubens- freiheit.— Zwar kann man dem Menschen nicht verbieten oder dem Verbot keine Folge geben, daß der Mensch dies oder jenes nicht glaube oder denke, weil es ein innerer, unsichtbarer Prozeß ist; aber man kann den Dienschen, besonders den noch u n s e l b st ä n d i g e n, e i n s ch ü ch t e r n, ihm gegen den freien Dcnkprozetz Mißtrauen einflößen und ihn mit göttlichen Strafen bedrohen. Dieses sind allbekannte, aber Mittel der verderblich st en Art: sie hemmen die Grundursache aller freien Entwickelung und Tätigkeit. 2. Reine Beschränkung der Sprechfreiheit. werde dieselbe mündlich oder durch die Presie ausgeübt.— Also vollkommene Meinungsäußerung für einen jeden und zwar über alles ohne Ausnahme, versteht sich, daß dadurch kein anderer in seinen Rechten gekränkt wird. Keiner aber hat da? Recht, darüber zu klagen, daß Meinungen geäußert werden, die den seinigen widersprechen. DieKritik vor allem und jedem dem Wunsche des Kaisers nicht nachzukommen." Uns will scheinen, als würde durch daS Blatt gerade das wesentliche bestätigt. Wilhelm II. hat ähnlich wie in der Hill- Affäre, wenn auch aus anderen Motiven, einen gewissen moralischen Einfluß auf eine fremde Regierung bei Ernennung ihrer Vertreter ausgeübt. Daß dieser Schritt bei dem kleinen Norwegen mehr Erfolg hatte, als bei den niächtigen Vereinigten Staaten, läßt ihn deswegen prinzipiell nicht weniger unopportun erscheinen. I Und heute? Heute treten die Liberalen nicht teidiger der Nochmals der„faulenzende Abgeordnete". Der Kommissionsbericht des Abgeordneten S ch a ck über die Aenderung des§ 63 des Handelsgesetzbuchs ist endlich, endlich erschienen und ist uns gestern zugegangen. Beim ersten Anblick erschien eS uns, daß Herr Schock, was er an Zeit versäumt, durch Gründlichkeit einigermaßen wieder gutzumachen versucht habe, denn der Bericht weist 32 Spalten auf. Beim näheren Zusehen fanden wir aber, daß deren vier Fünftel den Ansführungen der Regierung� Vertreter und nur etwa ein Fünftel denen der Kommissionsmitglieder gewidmet sind. Das ist auffällig, erklärt sich aber, wie wir festgestellt haben, in folgender Weise: die Regierungsvertreter haben ihre AuS- führungen zu Papier gebracht und haben diese Niederschrift dem Berichterstatter übergeben. Die Ausführungen der Kommissions- Mitglieder mußte Herr Schock aber selbst wiedergeben, welche Auf- gäbe er sehr leicht genommen hat. Mit einigen 20 bis 40 Zeilen sind die Redner im Bericht abgetan; nur einer macht eine Ausnahme. Es ist der vierte Redner im Bericht, den Herr Schack vorzüglich be dacht hat. Seine Ausführungen nehmen im Bericht annähernd ebensoviel Raum der Kommission, mal das Wort Glückliche, den ein, wie die von denen genommen Herr Schack der übrigen ein Mitglied hat. Und so liebevoll fünf Mitglieder obendrein zwei wer war der in sein Herz geschlossen hat, daß er ihn so auffällig bevorzugte? Ach, es war, wie ans dem Inhalt der wiedergegebenen Ausführnngen mit aller Deutlichkeit hervorgeht, Herr Schack in höchsteigener PerfonI' Für die HandlungSgehülfen würde es allerdings besser gewesen sein, wenn Herr Schack in dieser persönlichen Sache etwas mehr Bescheidenheit an den Tag gelegt, dafür aber für die frühere Fertig- stellung des Berichts gesorgt hätte, auch wenn ihn die Regierungs- Vertreter mit der Niederschrift warten ließen. Er hätte energisch drängen oder ihre Ausführungen im Auszuge wiedergeben sollen. Aber Herr Schack gehört ja zum Block, und da muß er den Regierungsräten zart entgegenkommen, wenn dann auch das Gesetz nicht mehr vor der Vertagung verabschiedet wird. Die HandlungSgehülfen können warten. Wenn die Interessen der von Herrn Schack vertretenen HandlungSgehülfen mit den Wünschen der Regierung kollidieren, dann wartet er und enthält sich der Stimme, wie sein FrakttonSfreund Herr Behrens sich ja bekanntlich beim Vereinsgesetz der Abstimmung ebenfalls enthalten hat, weil er als Mitglied einer Blockpartei doch nicht gegen die Regierung stimmen durfte!_ Was die„Deutsche Tageszeitung" nicht zitiert. Auf der Suche nach.liberalen' Kronzeugen gegen das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht hat die „Deutsche TageSztg.' auch den früheren Landtagsabgeordneten Louis Bcrger-Witten aufgegabelt, der in seinem Buche„Der alte Harkort" sich darüber moquiert, daß z. B. Bismarck bei der Rcichstagswahl mathematisch nicht mehr Wahlrecht habe als ein Pfeifenstopfer. Das paßt dem Junkerblatt in den Kram, aber manches andere nicht, das in dem Buche steht. So schreibt Berger u. a.(Seite 423) auch folgendes: „Vincke kehrte schon in der nächstfolgenden Session und die demokratische Partei nach Beginn der Regentschaft in die Kammer zurück, obgleich daS noch heute gültige Dreiklassenwahlgesetz nicht die geringste Aenderung, mithin die ursprüngliche Rechtsverletzung keine Sühne erfahren hat. Jedenfalls aus zarter Rücksichtnahme für die Blockfreunde über- sah Oertel auch folgenden Empörungsausbruch über Wahlmache der ?it einer Verlogenheit sondergleichen stellte man in dem nun entbrennenden Wahlkampfe— 1849— die liberale Mehrheit als die eigentliche Urheberin des Streite? mit Oesterreich und den Mittelstaaten dar, ja, die Verleumdung verstieg sich zu der un» glaublichen Behauptung, daß der Landtag»die Armee hungern lassen wolle... Worüber sich der„liberale' Bergcr noch 1902--- in diesem Jahre gab er ein Buch heraus— empörte, das trieben die Liberalen selbst im Berein mit den Junkern ganz ungeniert im Jahre 1S07; ihre.Verlogenheiten'..Verleumdungen' und„un- glaublichen Behauptungen' richteten fich gegen die S o z i a l d e m o« lratie und teilweise gegen daS Zentrum. Auch daS heute noch von Agrariern und Freisinnigen mit gleicher Liebe gehegte and verteidigte Polizeishstem und die stief» mütterliche Behandlung der Schule hat Harkort schon scharf gegeißelt. Bei den Kredit» und Steuerdebatten im April 1864 sagte er: .Es heißt immer, es ist kein Geld da; aber ich ftage Sie, wie bedeutend haben Sie nicht die Gesandtschaften dotiert? f aben Sie nicht 80000 Taler der geheime» Polizei gegeben? Ür solche Zwecke war Geld da. Aber wenn es heißt, das Nüst- S,eua unserer preußischen Nation, die Erziehung ihrer Kinder, zu tärkcn, dann ist kein Geld vorhanden, dann ziehen Sie es vor, >ie Polizei und Hiischer zu besolden, um diejenigen in die Zuchthäuser zu bringen, die in der Schule nichts gelernt haben l' Bravo lmks l meldet der stenoaraphische Bericht.—— nur als Veröl izeitaten gegen Wahlrechts- demonstranten auf, sie rechtfertigen auch die Kon« signierung des Militärs gegen friedliche Straßen- demonstranten I—_ Ministerielle Informationen. Am 1. Mai hat in Verteidigung der Kruppschen Wohl- fahrtsplage im Reichstage der Staatssekretär Dr. Nieder- ding ausgeführt: „Weiin zum Beispiel das Kruppsche Unternehmen in den letzten 22 Jahren der Kasse 16 Millionen Mark zugewendet hat, so ist das offenbar eine wohltätige Zuwendung...' Da wir nicht, behaupten können, Herr Nieberding habe absichtlich die Oeffentlichkeit täuschen wollen, so müssen wir schon von ihm verlangen, sich besser zu informieren und sich nicht als Verteidiger der Hausinteressen der Krupps mißbrauchen zu lassen. Die Millionenzuwendungen sind tat- sächlich nichts anderes als-- Sand in die Augen I Davon kann auch Herr Nieberding sich aus den Geschäfts- berichten der Kruppschen Pensionskasse über- zeugen. Uns liegen die Jahresberichte von 1895 bis ein- schließlich 1901(außer 1898) vor. Wir machen daraus eine Zusammenstellung der Einnahmen aus Arbeitermitteln(Bei- träge, Zuschüsse, verfallene Lehrlingslöhne und nicht erhobene Rabattbeträge von den Werkskonsumen) und den Aufwendungen für Pensionen. Es betrug Die Summe der gezahlte» Pensionen 1893 1396 1897 1899 1990 1901 Die Einnahmt aus Arbeitermitteln M. 643 252 , 814 301 , 1129 074 . 1297157 1845 947 , 1288 429 M. 602 881 697 918 850 006 962 000 1077 221 1114451 Ueberschuß aus Ardeitermitteln M. 40 871 136448 279 068 335 097 268 726 III 977 1 171 687 Demnach sind nicht nur die gesamten Pensionen aus Arbeitermitteln gezahlt worden— in den sechs Jahren wurde aus diesen Leistungen auch noch ein Ueberschuß in Höhe von 1 171 687 Mark erzielt I Von den Beiträgen der Firma und von den Millionenschenkungen ist nicht ein Pfennig verwendet worden I Die berühmten Schenkungen sind im Effekt lediglich ein Buchungsvorgang, der rechnerisch das Vermögen der Kasse vergrößert, der Firma aber wenig oder gar nichts kostet. Die Firma behält das Geld und verzinst es mit 5 Proz. Da diese 5 Proz. aber auch nicht verbraucht werden, sondern ebenfalls daS Vermögen erhöhen, bleiben sie auch im Säckel der Firma. Diese Buchungswohlfahrt verschaffte der Firma einen Weltruhm, die Arbeiter haben nicht das geringste dabei profitiert I_ Abermals ein Reichsverbandsschwindel aufgedeckt! Während der GemeinderatSwahlen, die im November vorigen Jahres in Jena stattfanden, hatten die beiden in Jena bestehenden bürgerlichen Zeitungen, das angeblich freist nnig-demo- kratische„Jenaer Volksblatt" und die nationaljiberale' „Jenaische Zeitung' sich eine dreiste Verunglimpfung der Sozialdemokratie erlaubt, indem sie ihren Lesern erzählten, daß die Sozialdemokratie zu der Gemeinde Wahl eine unerhörte Wahlbeeinflussung beabsichtige. Es sollten am Tage der Wahl die Vertrauensleute der Partei die mit ihr als Mitglieder oder Freunde verbundenen Bürger in der Wohnung besuchen und sich die Wahlzettel vorlegen lassen, um zu kontrollieren, ob die Zettel richtig, d. h. nach der Parteiliste ausgefüllt seien oder in ihrer Gegenwart richtig aus- gefüllt werden. Daß dabei noch allerhand hämische Glossen über die Sozialdemokratie gemacht waren, bedarf eigentlich keiner Er- wähnung. Die Parteileitung in Jena sandte den beiden Blättern Berichtigungen, da auch nicht ein Wort von den nach echter Reichs- Verbandsmanier kurz vor der Wahl ausgestreuten Verdächtigungen wahr war. Die Berichtigungen wurden aufgenommen. Die .Jenaische Zeitung� hielt jedoch ihre Behauptung aufrecht. ja sie fügte den ersten Unwahrheiten noch weitere hinzu. Die Parteileitung strengte zur Feststellung der Wahrheit gegen die beiden Blätter Klage an. Am Donnerstag war Termin. Der Re» dakteur des„Jenaer BolkSblatteS', VopeliuS. ein ehemaliger Sozialdemokrat, wurde zu 10 M. Geldstrafe event. einen Tag Ge- fängnis, der Redakteur der„Jenaischen Ztg.', Dr. Neuenhahn, zu 20 M. Geldstrafe event. zwei Tage Gefängnis verurteilt. Außer- dem wurde in beiden Fällen auf Publikationsbefugnis erkannt. Die Verurteilten mußten sich in der Verhandlung dazu bequemen, zuzu« geben, daß auch nicht ein Wort von dem richtig ist, was sie behauptet hatten. Sie erklärten, daß sie von ihren Gewährs- männern— wer sollte eS anders sein als Angehörige des Reichs- lügenverbandes— getäuscht worden seien. Wieder eine schmutzige Verleumdung der Sozialdemokratie. Der Berliner„Reichsbote' behauptete in einer semer jüngsten Nummern, bei einer Prüfung der Kasse deS Parteikassierers Taumann in Wun- siede! habe der Gauvorstand für Nordbayern ein nach Hunderten zählendes Manko entdeckt, der Borstand habe jedoch den Verlust still» schweigend gedeckt und Taumann trotz der begangenen Unter» schlagung als Landtagskandidaten für den KreiS Wunstedel prüfen- tiert. Die Geschichte ist glatt aus der Lust gegriffen. Taumann ist Arbeitersekretär in Wunstedel und bekleidet gar keinen Kassenposten, der Gauvorstand konnte also auch keine Revision bei ihm vornehmen. Ebensowenig wurde Taumann vom Gauvorstand als Wahlkandidat präsentiert, seine Aufstellung geschah durch die Wähler deS Wahl- kreifeS. Der Genosse Taumann wurde aufgefordert, gegen den»Reichs- boten' Beleidigungsklage zu erheben. Die Gcmeideratswahlen in Frankreich. Paris, 4. Mai.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Wahlen am Sonntag haben keine bedeutenderen politischen Machtverschiebungen gebracht. In Paris haben unsere Genossen ihre Positionen ziemlich behauptet. Sieben Genossen sind wiedergewählt. Zwei stehen in Stich- wähl, die allerdings bei der Unverläßlichkett der bürgerlichen Parteien nicht sehr aussichtsreich sind. Unsere Partei erhielt 102 000 Stimmen. Im Jahre 1904 wurden 151 000 Stimmen abgegeben, doch sind darin auch die Stimmen eingerechnet, die jenen unsicheren Kantonisten zufielen, die sich seitdem von der Partei getrennt haben. Diese„unabhängigen Sozialisten" brachten es diesmal auf 45 090 Stimmen. Die Nationalisten haben weiter an Terrain verloren und über 40 000 Stimmen eingebüßt. In der Provinz sind uns L i m o g e s und D i j o n verloren gegangen. In B r e st und Toulouse stehen wir in wenig aussichtsreicher Stichwahl. Dagegen sind die Bergarbeiterbezirke in Pas de Calais glänzend behauptet worden. Ebenso Montceau und C a r m a u r. Im Rorddepartemcnt erzielten die Sozialisten schöne Erfolge. In Lille erhielten die Pro- gressisten 17 000, die Sozialisten 16000, die Radikalsozialisten 3500 Stimmen. In R o u b a i x wurden 15 Progressisten und 15 Sozialisten gewählt..6 Stichwahlen find notwendig, deren günstiger Ausfall uns die Majorität sichern würde. Die Er- oberung von B o u r g e s in der Stichwahl ist sicher. T o u l o n wurde im Verein mit den fortgeschrittenen Radikalen gegen die Regierungsfreunde der Koalition behauptet. Unsere Genossen sind mit dem Gesamtresultat n i ch t u n- zufrieden. Die Verluste beweisen mehr den Verfall der bürgerlichen Demokratie, die sich ganz im Sinne der Regierung Clemenceaus mit der Reaktion gegen die Sozialisten zusammenschließt. OeftemicK. Militär gegen Studenten. Wien, 4. Mai. In der hiesigen tierärztlichen Hochschule ver- anstalteten heut« die Studenten in den Höfen und Gängen De- m o n st r a t i o n e n, die sich gegen die von ihnen seit langem ge- rügten Uebelstände in den Laboratorien richteten. Da die ticr- ärztliche Hochschule dem Kricgsministeriuin untersteht, so traf zur Ausrechterhaltung der Ruhe Militär ein, welches die Studenten, wie diese behaupten, mit aufgepflanztem Bahonett auseinandertrieb. Es verlautet, daß einige Studenten hierbei verwundet wurden. Eine Deputation von Studenten führte sofort im Abgeordneten- hause bei einigen Abgeordneten Beschwerde. Mehrere Abgeordnete begaben sich unverzüglich nach dem Kriegsministerium und erhoben gegen diese Behandlung der Studenten Protest. Italien. Der Landarbeiterstreik. Rom, 3. Mai. Der Ausstand der Landarbeiter in der Provinz Parma hat gestern zu verschiedenen Zwischenfällen geführt, 300 freiwillige Arbeiter wollten die Ausständigen in St. Prospers ersetzen. Die Frauen und Kinder der Ausständigen warfen sich queur über die Straßen, um die Wagen der Arbeits- willigen daran zu hindern, den Weg fortzusetzen. Es kam zu großen Schlägereien. Verschiedene Revolverschüsse fielen, 5 Per- sonen sind verwundet worden. Angesichts dieser Zwischenfälle sind Truppenverstärkungcn nach den verschiedenen Orten abgesandt worden. Rom, 4. Mai. Die Zahl der ausständigen Landarbeiter be» trägt 50 000. Täglich werden Truppenverstärkungen nach den Hauptagitationszentren abgesandt. Die Abgeordneten der Provinz bemühen sich, die Bevölkerung zu beruhigen und versuchen, die Regierung zu einer Vermittelung zu bewegen. Kenner der Ver- Hältnisse versichern, daß es sich auf einen Kampf auf Leben und Tod zwischen den Pächtern und den Landarbeitern handelt, dessen Ausgang noch nicht vorauszusehen sei. Englanä. Parlamentarische Nachwahlen. London, 2. Mai. Eine der parlamentarischen Nachwahlen, dt« infolge der Erneuerung des Kabinetts erforderlich wurde, findet am Dienstag in Wolverhampton(Ost) statt. Bei den Haupt« Wahlen im Januar 1906 kandidierten dort Sir Henry Fowler (liberal) und L. S. Amerh(kons.). Erster« wurde mit 5610 gegen 2746 Stimmen gewählt. Da Fowler kürzlich die PairSwürde erhalten hat und ins Oberhaus berufen wurde, mußte eine Nach- Wahl ausgeschrieben werden. ES kandidieren dort: T h o r n e (liberal) und A m e r y. Ein Arbeiterkandidat wurde nicht aufgestellt. Der Wahlkampf vollzieht sich vollständig auf Gnuid der Tarif« reform. Amerh ist einer der gewandtesten konservativen Schriftsteller. In seinen Wahlreden wandte er fich vielfach. an die Arbeiter und wollte ihnen beweisen, daß die schlechte Lage der Schlotzfabrikatton, die in Wolverhampton bielfach betrieben wird, dem Freihandel geschuldet sei, der die fteie Einfuhr deutsche» und amerikanischer Metallwaren gestattet. Ein Arbeiter gab ihm folgende bemerkenswerte Antwort: „Die Lage der Schloßarbeiier hat fich nicht infolge der aus- ländischen Konkurrenz verschlechtert, denn die Schloßfabrikation an sich ist in einem blühenden Zustande. Die wirkliche Ursache der niedrigen Löhne und des Mangels an Arbeitsgelegenheit ist zu finden in d« Einführung von arbeitsparende» Maschinen. Würde der Schutzzoll die ausländische Konkurrenz unmöglich machen, so wäre wohl den Fabrikanten damit geholfen, aber nicht den Ar- beitern. Die größere Nachftage nach unseren Waren würde nur die Auf- stellung von mehr Maschinen zur Folge haben, aber nicht die An- stellung von mehr Arbeitern und die Zahlung von besseren Löhnen." Zu bemerken ist noch, daß Wolverhampton drei Wahlkreise hat, wovon einer(der westliche) vom Arbeiterabgeordneten R i ch a r d S im Unterhause vertreten ist.— Der Handelsminister Winston Churchill wurde in D u n d e e aufgestellt, aber auch die Arbeiterpartei stellte dort den Genossen G. H. Stuart auf. Auch in MontroseBurghS, dem Wahlkreise John Mor- lehS, ist eine Nachwahl erforderlich, da Morley ins Oberhaus bc- rufen wurde. Die Arbeiterpartei stellte dort den Genossen Josef Burgeß auf. Burgeß war früher Redakteur der„WorkmanS Times' und ist ein« der begabtesten Genossen der Unabhängigen Arbeiterpartei. Der Wahltermin von Dundee und Montrose ist noch nicht bekannt.— Rumänien. Der 1. Mai. Bukarest, 2. Mai.(Eig. Bor.) In B u k a r e st wurde der 1. Mai durch ein ünposanteS Meeting gefeiert, an welchem mehr als 2000 Arbeiter teilnahmen. Ein- stimmig wurde eine Protestresolution gegen die BolkSunterdrückungs- Politik der„liberalen' Regierungöbande angenommen. Trotz der ruhigen Haltung der Demonstrierenden stand Bukarest am 1. Mai unter Belagerungszustand. Alle Straßen um das VersammlungS- lokal sowie die wichtigsten Verkehrspunkte waren dicht von Militär besetzt. Ueberall im Lande, wo Versammlungen abgehalten wurden, verliefen diese ruhig. Stur in Turnul-Severin feierte die heldenmütige Polizei ihren Maisteg. AIS der friedlich einher- schreitende Proletarierzug aus dem Vororte, wo die Arbeiter den 1. Mai feierten, unter dem Sang der„Internationale' in die Stadt hineinzog, wurde er. nach echt preußischer Art, vor den Stadttoren „zurückgedrängt". Mehrere Arbeit« wurden leicht verletzt und die rote Fahne der Demonstrierenden von den Rettern der gefährdeten Staatsordnung zerstückelt. perften. UiKuhtn. Persien hat gegenwärtig eine Dt i n-i st c r i r i s e. Die Mi- nister haben demissioniert, weil eS an Geldmitteln mangelt, um die von den Beamten und dem Militär dringend geforderten Gagenrück- stände auszuzahlen. Unterdessen dauern die Unruhen an der Grenze fort und nehmen immer größeren Umfang cm. AuS Teheran, 3. Mai, wird telegraphiert: Aus den Städten Khoi, Salmas und Urmia wird gemeldet, daß am 28. April Kurden zahlreiche Dörfer der Umgebung zerstört. über zweitausend Personen getötet und das Eigentum und Vieh der Bewohner geraubt haben. Sie bedrohen jetzt die ge- nannten drei Städte. Auch in Azerbaigan sind Unruhen auSge» brochen, welche Verluste an Menschenleben und Eigentum im Gc- folge hatten. Tiflis, 2. Mai. Unter Leitung des Khan Mahmcd-Kuli und anderer Führer haben sich an der persischen Grenze vieltöpfige Banden gebildet, die täglich Verstärkung erhalten. Eitle ruf- stfche Srafabtcilung befindet sich zwischen Prischib und Beljaguwar. Der Vizegouverneur und der Chef deS kaukasischen Gvenzbezirks sind nach Beljaguwgr abgereist, Iberbandes hielt am Mittwoch der verflossenen Woche etne Zahlstellcnversammlung ab, in der der Vorsitzende Witt über das Ergebnis der Verhandlungen berichtete und den Tarifvertrag 8. Mai die Truppen des Wachsen Safsi ohne Zwischenfall wieder ff" Annahme empfahl. In der Diskussion trat Zwar eine starke besetzt haben.>,> � �> Unzupreedenhelt mit dem Erreichten hervor, doch sprachen sich die Dies würde einen Erfolg für A b d u l A s i s bedeuten. Ucbcr!"'eisten Redner im Sinne des Referenten aus. Die Abstimmung das Schicksal Muleh Hafids lauten dagegen die Nachrichten wurde vertagt, um erst den Mitgliedern in den Bezirken Gelegen Paris, 3. Eiu Erfolg Mai. Admiral PferoftKo. des Sultans. Philibert telegraphiert, daß an, widersprechend. Offiziell wird behauptet, daß er von den Stämmen verlassen sei, mährend Privatnachrichten versichern, dag sein Ein. slus; im Wachsen und zu erwarten sei, dag er demnächst in Fes einziehen werde.—" peru. Der übliche Putsch. Rio de Janeiro, 2. Mai. Einem Telegramm von der Westlüste Südamerikas zufolge ist in Peru eine Revolution aus- gebrochen. Die Bewegung nahm ihren Ausgang in der Umgebung von Lima. Die Aufständischen durchschnitten die Drähte der elektrischen Leitung in Lima und bemächtigten sich eines Eisen bahnzuges. Es wurden unverzüglich Truppen gegen sie aufge- boten. Santiago de Chile, 3. Mai. Nach einer Meldung aus Lima ist die dort ausgebrochcnc revolutionäre Bewegung von Rcgierungstruppen unterdrückt worden. Die Aufständische» flohen ms Innere. Lima ist von den Truppen besetzt. (3e werk Fcbaftll cbc�. Wenn man die Arbeiter fortjagt! Wie lvir wiederholt geschildert, hatte die Hartherzigkeit der Kohlenbarone Niederschlesiens(Waldenburg, Alt Wasser, Gottesbcrg, Hcrmsdors usw.) zur Folge, dasi Tausende von Bergleuten ihre Heimat der ließen und nach dem Westen, nach dem Ruhrkohlcn- und Saarrcvier, auswandert�? n. Die weitere Folge war ein Massenbankrott nicderschlesischer Geschäftsleute, ein stetiges Niedersinken von ehemals„gesicherten Existenzen" ins existenzunsichere Proletariat. Das alles blieb aber auch auf die hochmütigen Grubenprotzen nicht ohne Wirkung. Sie mußten auf ein großes Quentchen Profit verzichten, da sie keine Ersatzarbeiter fanden und durch eigener Hände Arbeit nichts verdienen können. Das nächste war, daß man sich ausländische Ar- heiter zu verschaffen suchte. Das war sehr teuer. Einmal, weil selbst d i e Leute bessere als die nicderschlesischcn Löhne gewöhnt waren. Dann aber auch, weil die Transport- und Vermittlerkosten infolge der starken Nachfrage gehörig stiegen und weil schließlich eine Anzahl gerissener Seelenverkäufer sich die augenblickliche Notlage der Grubenherren arg zunutze machten und sich die Taschen füllten. Und alles Geld, das dafür ausgegeben, war weg- geworfen: Der„Verein für bergbauliche Interessen Nieder- schlesiens" macht soeben bekannt, daß man mit den galizi- schen Arbeitern durchweg nur schlechte Er- fahrungen gemacht habe! So schlecht, daß diese Erfahrungen zu einer allgemeinen Einstellung galizischer Arbeiter(wie man es protzig beabsichtigt, um die„roten Verbändler" aushungern zu können)„nicht er- muntern." Innerlich wünschten sich die Herren ihre ein- gearbeiteten alten Arbeiter wieder zurück, aber ihr Hochmut ließ eS nicht zu, ihnen das zu geben, was man den Aus- ländern gab. Nun verfiel man auf eine neue.�geniale" Idee. Man hatte viel davon gelesen, daß die i« den W o l g a g e g e n d e n Rußlands angesiedelten Deutschen in ihrer Existenz unter der Konterrevolution arg gefährdet seien und Lust hätten, nach Deutsch- land zurückzukehren. Tatsächlich bildete sich auch in Berlin ein sog.„Hülfsausschuß für die nolleidenden Deutschen Ruß- lands", der den von Kosaken und anderen Banditenhorden Gefährdeten die Rückkehr nach Deutschland ermöglichen sollte. Selbstverständlich bildeten sich die Grubenherren um Pleß und Genoffen ein. die russifizierten Deutschen warteten nur so darauf, von ihnen als Ausbeutung sobjekte engagiert zu werden. Schleunigst schickten sie einen„Kom- mi'ssär" mit viel Geld und noch mehr guten Worten herüber in die Wolgadistrikte, damit er flott die Werbettommel rühre. Eine ganze lange Weile hörte man von ihm nichts. Er „nahm Fühlung" mit den Arbettern und russischen Beamten. Das meiste Geld ging dabei drauf. Endlich war ein kleiner Trupp Deutscher zusammengetrommelt und sollte nach Nieder- schlesien„verladen" werden. Wer da trat dem Transport plötzlich ein grausiges Hindernis in den Weg: Die Cholera! Wegen starken Grassierens der asiattschen Cholera wurde der Transport inhibiert und das ganze Geld war nutzlos vertan. Arme Kohlenbarone! Wer sie sind zähe wie Leder. Sie warteten. Als dann die Cholera angeblich erloschen war. nahmen sie mit ihrem Kommissär die Verhandlungen wieder auf. Wieder gelang es, einen Trupp Dcutschrussen und Arbeitswillige zu finden, wieder sollte er gerade verladen werden, da trat ein neues Hindernis ein: An den Verein der Bergprotzen erging eine b e h ö r d- liche Verfügung, daß diese angeworbenen Leute,„wie überhaupt Deutsche aus Rußland" zwar in niederschlesischen Betrieben Verwendung finden könnten, aber—— nicht unter Tage, und zugleich schickte der Kommissär den Bc- scheid, daß Unverheiratete überhaupt nicht für berg- bauliche Zwecke zu finden seien! DaS war ein schwerer«schlag für die aufgesessenen Grubenprotzen— und er wäre ihnen sehr an die Nieren ge- gangen, wenn ihnen nicht inzwischen ein unerwarteter Hülss- faktor zu Hülfe gekommen wäre: DieKrise in Deutsch- land. Die ermöglichte es den Geprellten, aus der Arbeits- losigkcit in anderen Berufen des eigenen Vaterlandes Vorteil zu ziehen und ihren Reinfall mit dem deutschrussischen Experiment zu verschmerzen. Das Experiment ist aber auch volkswirtschaftlich von Interesse und Bedeutung: Es lehrt, daß die deutschen Unternehmer bald daran denken n»ssen, deutschen Arbeitern anständige Löhne zu zahlen... Scrttn und Omgegenci. Ter neue Tarifvertrag für das Baugewerbe ist nun auch von den Arbeitnehmern in allen drei Bauberufen an- genommen worden. Der Berliner Zweigvcrein deS Bauhülfarbeiter- Verbandes hat bekanntlich schon vor acht Tagen in seiner Generalversammlung über die Einigungsvorschläge abgestimmt und seinen Vertretern Auftrag erteilt, den Vertrag abzuschließen. Im Berliner Zweigverein der Maurer haben die Ab- stimmungen in den Bezirken und Zahlstellen, die am Mittwoch und Donnerstag stattfanden, mit Zweidrittelmehrheit die An- »ahme des Vertrages ergeben. Die Zahlstelle Berlin und Umgegend deS Zimmerer- hcit zu geben, sich darüber zu äußern. Am Sonntag hat nun in einer Fortsetzung der Zahlstcllenversammlung die Abstimmung statt- gefunden. Hier wurde der Tarifvertrag angenommen gegen fünf Stimmen. In der Folge haben denn nun auch die Zentralvorst an de der in Betracht kommenden Organisationen zu der Frage Stellung genommen. Diese teilten am gestrigen Vortnittag dem Berliner Gcwcrbegericht ihre Zustimmung zu den getroffenen Verein- barungen mit, so daß nun der Friede im Bauberuf gesichert ist. In den nächsten Tagen beginnen nun die Verhandlungen zur Festlegung der Einzelbcstimmungcn in den Orten, wo bisher eine solche Fixierung nicht erfolgt ist. Konflikte tiefergehendcr Natur sind daraus nicht mehr zu befürchten. In Senftenbcrg und Guben wurde in 5ronscqucnz der bis- herigcn Verhandlungen die Aussperrung aufgehoben. Die Maiaussperrung. Ueber die Aussperrung, soweit sie sich auf die Berufe der Metallarbeiter und der Holzarbeiter erstreckte, haben wir bereits berichtet. Nach einer Umfrage bei den übrigen Ver- bänden ist zu konstatieren, daß die Unternehmer Aussperrungen nur in geringem Umfange vorgenommen haben. Wo in einer Werkstatt die Arbeitsruhc beschlossen und einmütig durch- geführt wurde, da hoben sich fast überall die Unternehmer ruhig damit abgefunden und es vermieden, einen Streik vom Zaun zu brechen. Zahlreich feierten Bäcker. Schneider. Buch- binder, Tapezierer, Glaser, Lithographen, Töpfer, aber von Aussperrungen war bis Montagabend in den Verbandsbureaus dieser Gewerkschaften nichts oder nur in einzelnen Fällen etwas bekannt geworden. Im Bureau der Zementierer wurden am Sonnabend S3 Ausgesperrte gc- meldet, am Montag noch etwa ESO. Bei den Sattlern wurden 70 Ausgesperrte gemeldet, darunter 12 weibliche. Die Aussperrung dauerte einen Tag. Im Handels- und Transportarbeiterverband waren nur wenige Meldungen eingelaufen; man nahm trotzdem an, daß viele Mitglieder aus einen Tag ausgesperrt wurden, die aber deswegen keine Meldung erstattet hatten. Im Baugewerbe ist trotz der Drohungen der Bauherren von einer Aussperrung in größerem Umfange keine Rede. Maurer haben sich als ausgesperrt nur 25 gemeldet. In einer Versamm- lung der Zimmerer am letzten Mittwoch wurde die Arbeitsruhe einmütig beschlossen, und es galt als selbstverständlich, daß jeder diesem Beschluß nachkommt. Die Zimmerer haben 277 Aus- gesperrte zu verzeichnen. Von den Bauhülfsarbeitern haben sich bis Montag 73 als Ausgesperrte gemeldet. Man nimmt an, daß ihre Zahl hundert nicht überschreiten wird. Achtung, Klempner! Der Betrieb von Winter. Rummelsburg, ist gesperrt. Wir ersuchen, den Betrieb zu meiden. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Gegeu die Akkordarbeit im Rohrlegrrberuf. Im großen Saale des Gewerkichastshauses fand am Sonntag eine vom Deutschen Metallarbeiter-Vervand einberufene allgemeine Versammlung der Rohrleger und Helfer statt, die sowohl durch ihren zahlreichen Besuch wie durch ihren Verlauf einen Beweis da- für bildete, daß die Arbeiter dieses Berufes wieder mehr und mehr zu der Uebcrzeugung kommeu. daß jener Verband und nicht der Wiesenthalsche berufen ist, ihre Interessen zu vertreten. Gewerk- schaftssekretär K ö r st e n hielt einen lehrreichen Vortrag über„Arbeitsvertrag, Zeit- und Stücklohn". Dem Vortrage, der lebhaften Beifall fand, folgte eine rege Dis- kussion, in der namentlich die Frage der Akkordarbeit im Rohrleger- beruf erörtert wurde. Ueblich ist die Alkordarbeit nur bei den Heizungsrohrlegern, obgleich auch in dieser Branche große Firmen vorhanden sind, die nur in Zeitlohn arbeiten lassen. Nun hat sich edoch auf Wunsch der Unternehmer der angeblich so radikale«All« gemeine Mctallarbeiterverband" bereit erklärt, über die Einführung und Regelung der Akkordarbeit auch für die Gas- und Wasserleilungs- rohrleger zu verhandeln, obwohl sich im vorigen Jahre eine von dieser Organisation veranstaltete Rohrlegerkonferenz entschieden gegen die Akkordarbeit ausgesprochen hat. in Uebereinstimmung mit dem, was die im Deutschen Metallarbeiterverband organisierten Rohrleger und Helfer fordern. Verschiedene Redner erklärten, daß, wo sie mit Mitgliedern jener Organisation über die Sache sprachen, diese sich gegen die Akkordarbeit äußerten. Auch ein dem„Allgemeinen Metallarbeiterverband" angehörender Diskussionsredner sprach sich ent- schieden gegen die Akkordarbeit und damit gegen die Haltung seiner Organisationsleitung aus. und ein lokalorganisicrter Rohrleger er- klärte das Verhalten Wiescnthals zu dieser Frage für einen schmäh- lichen Verrat der Interessen der Rohrleger. Man meinte iin übrigen, daß es Sorge um die Existenz ihrer Orga- nisation war, was die Leitung des„Allgemeinen Metall- arbeiterverbandes" zu dieser Stellungnahme für die Akkordarbeit veranlaßte. Da jetzt bereits wieder über 1700 der Rohrleger und Heiser Berlins im Deutschen Retallarbeiterverband organisiert änd und ihre Zahl immer mehr wächst, ist jene Sorge jedenfalls berechtigt. In der„Zeit am Montag" ist nun kürzlich ein vom„Obmann der Schlichtungskommisston der Berliner Rohrleger" unterzeichnetes Inserat veröffentlicht worden, durch das die Rohrleger, die Ab- änderungSanträge zum Tarif stellen wollen, aufgefordert wurden, dies bis zum 20. Juni zu tun. Der Ortsbevollmächtigte Cohen vom Deutschen Metallarbeiterverband machte nun die Versammlung darauf aufmerksam, daß eS mit diesem Inserat offenbar auf eine Täuschung abgesehen ist und ersuchte die Lerbandsmitgliedor, sich lediglich an ihre eigene Schlichlungs- und Agitationskommission zu halten, die den Rohrlegern und Helfern rechtzeitig Gelegenheit geben wird, zum Tarif Stellung zu nehmen.— Die Versammlung nahm folgende Resolution an „Die allgemeine Versammlung der Rohrleger und Helfer von, Deutschen Metallarbeiterverband erklärt sich entschieden gegen jede Erweiterung der Akkordarbeit in ihrer Branche und bedauert sehr, daß Kollegen von einer anderen Organisation sich von einer einzelnen Person verleiten lassen, die Interessen der Rohrleger und Helfer aufs schwerste zu schädigen. Die Versammlung tritt bei eventuellen Verhandlungen nur für Zeitlohntarife ein, um so auS unserer Arbeit keine Mordarbeit zu machen. Die Kollegen verpflichten sich, mit zu helfen, die Organisatton des Deutschen Metallarbeiterverbandes so zu stärken, daß eS mög- lich sein wird, die Attordarbeit überhaupt zu beseitigen." Achtung, Steiuarbeiter! MaiauSgesperrte und Arbeitslose! Während der Dauer der Aussperrung ist das Zusprechen und An- nehmen von Arbeit in allen aussperrenden(Geschäften zu unter- lassen. Die Wiederaufnahme der Arbeit in den einzelnen Ge- schäften darf nur durch die Gesamtheit der Ausgesperrten er- folgen, Einzelangebote sind entschieden zurückzuweisen. Die Ortsvcrwaltung des Zentralverbandes der Steinarbeiter. Filiale Berlin l. Achtung, Schuhmacher! Der Schuhmachermcister W. Gebert, Stettin, sucht unter Deckadresse in der Berliner„Volkszeitung" Ar- beitswillige zu werben. Da die Lohn- und Arbeitsverhälteiisse in Stettin sehr miserabel sind, die Arbeitgeber aber kein Ent- gegcnkommen zeigten, befinden sich die Kollegen im Streik. Wtf ersuchen dieses zu beachten.* Zentralverband der Schuhmacher. Ortsverwaltung Berlin. Oeutfekes Reich. Achtung, Metallarbeiter! Bei der Firma M. Neuhaus u. Co. in Luckenwalde haben die im Pulsomcter- und Jnjektorenbau beschäftigten Dreher, Schlosser. Former usw. die Arbeit eingestellt. Wir ersuchen, auf Arbeitsangebote von dieser Firma nicht zu reagieren und den Zuzug vo» Luckenwalde fernzuhalten. Da die Firma auch Schraubenfabrikation hat, ist es nicht ausgeschlossen, daß für die Echraubensabrik Arbeitskräfte gesucht werden. Auch in solchen Fällen ersuchen wir die etwaigen Arbeitsangebote kür die Firma M. Neuhaus abzulehnen. Deutscher Metallarbeiterverband. 3. Bezirk H. Zernide. Der Streik in der Wolgaster Zementfabrik dauert unver- ändert fort. Wir bitten, den Zuzug mit allen gesetzlichen Mitteln fernzuhalten. Die Streikleitung. Bei der Firma„Westdeutsche Stcinzcug-, Chamotte- und Dinaswerke zu Euskirchen ist ein Streik ausgebrochen. Die Direktion kündigte den Vertrag und reduzierte dann die Akkord- preise um 5 Proz. Da die Firma jedes Zugeständnis ablehnte, so trat die ganze Belegschaft von zirka 400 Mann in den Streik ein. Beteiligt sind der Fabrikarbeiterverband, der Töpferverband und der Verband der christlichen Keramarbeiter. Da die Firma versucht, über B e r l in Arbeiter zu erhalten, so wird um Fem- Haltung jedes Zuzuges von Arbeitern nach Euskirchen ersucht. Um Abdruck wird gebeten._ Die Streikleitung. Die Mei-Aussperrung in Hamburg. Hamburg, 4. Mai.(Privatdepcsche des„Vorwärts".) An- läßlich der Maifeier sind hier insgesamt an 2000 Mann auS- gesperrt worden. Ein großer Teil davon ist jedoch jetzt schon wieder in Arbeit. Streiks im Hamburger Transportgewerbe. Wegen Lohnforderungen sind die Roll- und Blockwagenkutscher in den Streik getreten. Die Mauersteinarbeitcr, eine Sektion deS Hafcnarbcitcrverbandes, streikten ebenfalls; 150 Mann haben die Forderungen bereits bewilligt erhalten. Wegen Lohnforderungen traten 400 Schuhmacher in den Streik. Einen komischen Nasenstüber haben sich die Hirsch-Dunckcrschen in Posen bei den Vorbereitungen zur demnächst stattfindenden Gewcrbegerichtswahl geholt. Ihre Liste wurde nämlich von dem Vorsitzenden des GewerbegerichtS zurückgewiesen, weil dieselbe den Anforderungen des 8 10 nicht entspreche. Der erwähnte Para- graph behandelt nämlich die Sauberkeit der Listen. Ab- gesehen davon, daß sie schmutzig war, wurde dieselbe auch noch zwei Tage zu spät eingereicht. Aus ähnlichen Gründen wurde auch die Liste der Ehristlichen zurückgewiesen. Nur die Liste der freien Gewerkschaften und die der Polen steht jetzt zur Wahl. Die Hirsche beschlossen nun aus Wut über diese Blamage Stimmenthaltung bei der Wahl._ Etuisarbeiter-Aussperrung in Pforzheim. Arn Sonnabend, den 2. Mai, soll der Verband deutscher(Etuis- sabrikanten, der am 3. Mai in Berlin seine(Generalversammlung abhielt, über die Pforzheimcr Aussperrung beraten haben. Vier Pforzhermcr Fabrikanten nahmen daran teil, die zu ihrer Hülfe gern eine allgemeine Aussperrung der Etuisarbeiter herbeigeführt schen möchten. Damit hat es erstens aber gute Weile und zweitens braucht der Buchbinderverband eine solche um so weniger zu fürchten, als nur einige Hundert Personen in Frage kämen, va Berlin durch dreijährigen Tarifvertrag gebunden ist. Gestern. Montag, den 4. Mri. fanden in Pforzheim, auf Ein- ladung des dortigen Gcwerbcgerichtsvorsitzendcn, EinigungSver- Handlungen statt, deren Resultat noch aussteht. Tic Vertreter der Arbeiterschaft werden sich mit Recht aus den Schiedsspruch für das Baugewerbe berufen, wonach Lohnherabsetzungen auf leinen Fall eintreten dürfen, infolge'der stark gestiegenen Preise für die ge- samten Lebensbedarssartikcl. Letzte JVachrichtcn und Dcpcfchcir Militär gegen Streikende. Salzburg, 4. Mai.(B. H.) Die Tunnclarbcitcr an der Tauernbahn streiken. Da Unruhen befürchtet werden, ist ein Bataillon Infanterie nach Böctstein abgegangen, das die Maschinenanlagen und die Verwaltungsgebäude besetzt. Explosion. Paris, 4. Mai. sB. H.i In den Tclephonwerten der Rue des Entrcprcneurs erfolgte heute eine Explosion, wobei eiu Monteur getötet und ein Elektriker lebensgefährlich verletzt wurde. Der ArbeitSministcr Viviani schickte den Chef seines Ministeriums an Ort und Stelle, um eine Untersuchung einzuleiten und sich über die Verhältnisse der Opfer und ihrer Hinterbliebenen zu erkundigen. Lawinen. Paria, 4. Mai.(B. H.) Eine Lawine, welche gestern bei Chamounix niederging, hat acht Arbeiter der Bahn Montanvert ver, schüttet. Zwei waren sofort tot, die übrigen erheblich verletzt. *• • Innsbruck, 4. Mai.(B. H.) Gestern nachmittag ist in der Nähe der Ortschaft Dornauberg im Zillertal eine große Lawine niedergegangen, deren größter Teil sich im Zembach ablagerte. Dieser schwoll mächtig an und brach gegen die Ortschaft Mayrhofen aus. Die Umgegend von Mayrhofen wurde vollständig über- schwemmt. Mehrere Brücken wurden weggerissen. Der Schaden an Feldern und Gärten ist groß. Graf und Kupprlvater. Wien, 4. Mai.(B. H.) Wie die Blätter melden, hat die 19jährige bildschöne Tochter Mane des hier wohnhaften römischen Grafen Marcell Veith sich deshalb im Donaukanal erttänlt, well sie von ihrem eigenen Vater zum unsittlichen Lebenswandel gezwungen wurde. Graf Veith wurde verhaftet. Die Uebcrschwemmunge» in Rußland. Petersburg, 4. Mai.(W. T.B.) Aus den Städten Mobilew, Hömel, K o p y s, M u r a n, Krementschug und den Bezirken Gorhgorki und O r s ch a laufen weitere Meldungen über die Ueberschwemmungen ein. Fast überall stehen Hunderte von Häusern unter Wasser. Nach dem O k a d i st r i t t, wo Menschenleben in Gefahr sind, gehen Dampfer und Barken ab. Bei Tschernigow ist der Bahnverkehr unterbrochen. Aus Kiew und vielen Städten des Südwestgebietes wird dagegen ein Sinken des Wassers ge- meldet. Die Bahnverbindung ist dort wieder hergestellt, auch wird die Verantwortung für den Frachtverkehr wieder übernommen. Lenzgewitter. München, 4. Mai.(B. H.) Bei dem gestern über München und Umgegend niedergegangenen Gewitter schlug der Blitz in eine Schaf- Herde und tötete acht Schafe. Auch der Hirt wurde vom Blitz ge- streift und bewußtlos am Boden gefunden. Das in seinen Taschen ____ befindliche Geld sowie Uhr und Kette waren geschmolzen. Berantw. Redakt.:(Seorg Davidsoh», Berlin. Inseratenteil verantw.: TH.Glocke, Bcrsin7 Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer öc Co.« Berlin S W. Hierzu 3 Beilagen u.UnterhaltungSbl. Nr. 104. 25. Jahrgang. L KtilM des Jomiirts" Kcrlim PolksbIM Dienstag, 5. Mai 1908. Reickstag. 149. Sitzung am Montag, 4. Mai, mittags 12 Uhr. Am Bundesratstisch: Sydow. Nach Erledigung einiger Rechnungssachen folgt die erste Be- ''atung eines Gesetzentwurfes betreffend einen zweiten Nachtragsetat für 1308(O st in arten- zulagen). Es werden zu außerordentlichen unwiderruflichen Zulagen für die in der Provinz Posen und den gemischtsprachigen Kreisen der Provinz Westpreußen angestellten mittleren Kanzlei- und Unterbeamten der Postverwaltung 710 000 M., der Heeresverwaltung 338 350 M. gefordert; bei der Heeresverwaltung ist die Zulage auch für die Unteroffiziere bestimmt. Abg. Schult?(Rp.) erklärt das Einverständnis seiner Freunde mit der Vorlage. Abg. Gröber(Z.): Die Regierung will die Unwiderruflichteit der Zulage für das Rechnungsjahr verstehen, in welchem sie ge- währt wird, der Reichstag versteht darunter aber die UnWider- ruflichkeit während der gesamten Anwesenheit des betreffenden Beamten in den Ostmarken. Die Zulage wird nur für die Ost- marken gefordert, während auch außerhalb der Ostmarken in vielen Jndustriegegenden Tausende von polnischen Arbeitern an den Post- schaltern polnisch zu sprechen gewohnt sind und sich hier dieselben Schwierigkeiten für die Beamten ergeben; das beweist, daß die Vorlage eine politische Tendenz hat. Wir lehnen die Vorlage ab, wir verlangen vom Beamten, daß er seine Pflicht tut, und wir verwerfen die Bezahlung einer bestimmten politischen Ge. sinnung und Betätigung: diese fördert nur die politische Ge- sinnungslosigkeit und züchtet ein charakterloses Streber. tum, ein politisches Spionage- und Denun- ziantensystem.(Lebhaftes Bravo! im Zentrum.) Reichsschatzsekretär Svdow: Auf die sachliche Begründung der Vorlage kann ich wohl verzichten, da sie auch einem Wunsch des Reichstages entspricht. Die Resolution des Reichstages forderte eine unwiderrufliche außerordentliche Beihülfc, darunter kann ctatstechnisch aber nur verstanden werden: unwiderruflich während des Rechnungsjahres. Einen politischen Zweck hat die Vorlage nicht, sondern einen wirtschaftlichen. Abg. Ortel(natl.) erklärt, daß die nationalliberale Partei der Vorlage zustimmen werde. Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vg.): Wäre das Gebiet der Ostmarkcn- zulage noch unbetreten, so würden wir wohl auf unserem ab- lehnenden Standpunkte verharren. Nachdem aber Preußen vor- gegangen ist und nachdem durch uns die Unwiderruflichkeit in die Vorlage hineingekommen ist, wird die überwiegende Mehrzahl unserer Fraktionsgemeinschaft der Vorlage zustimmen. Einen politischen Zweck hat die Vorlage nicht, wie der Staats- sekretär selbst bewnt hat; daran halten wir uns(Lachen im Zentrum und bei den Sozialdemokraten). Wir halten es für mög- lich, die Vorlage ohne Kommissionsbcratung anzunehmen. Abg. Bruhn(Antis.) erklärt sich für die Vorlage. Abg. Brejski(Pole): In wirtschaftlicher Beziehung hat der Beamte im Osten nicht größere Aufgaben zu erfüllen, als im Westen; mit wirtschaftlichen Gründen läßt sich die Vorlage nicht rechtfertigen. Man verlangt aber von den Beamten, daß sie die von den Hakatisten gegründeten Wirts- und Gesellschaftshäuser unterstützen, und dazu will man ihnen Zulagen gewähren.(Zu- stimmung bei den Polen.) Diese Zulagen sollen Prämien auf Hakatismus sein, die wir ablehnen müssen.(Bravo! bei den Polen.) Staatssekretär im Rcichspostamt Kraetke: Die beleidigenden Beschuldigungen des Vorredners gegen die Beamten weise ich zurück. Es handelt sich um eine Gleichstellung der Reichsbeamten mit den preußischen Beamten. Abg. Ledebour(SoO): Die Vorlage läßt den Behörden voll- kommen freie Hand, die Zulage widerruflich zu machen, ja, sie gibt ihnen dazu die Fingerzeige, In§ 3 wird ausdrücklich gesagt, daß die Zulage nicht über ein Jahr hinaus gewährt werden soll. Die Behörde ist also in der Lage, jederzeit bei Beginn eines neuen Jahres sich die Beamten, denen sie eine Zulage gewährt hat, unter die Lupe zu nehmen und sie auf ihre Würdigkeit zu prüfen. Die Zulage ist also nur unwiderruflich auf ein Jahr und nicht auf die Dauer, und das ist für die Beamten das Entscheidende. Die Beamten wissen genau, daß, wenn sie nicht die Zufriedenheit der Behörde erwerben, sie der Zulage verlustig gehen. Die Zulage wird ja auch nur bei vollständig befriedigenden dienstlichem und außerdienstlichem Verhalten gewährt.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich möchte die Herren von der Re- gierung fragen, wie sie darüber urteilen würden, wenn ihnen mit- geteilt wird, daß ein Beamter außerdienstlich freundschaftlich mit Rleities f cinllcton. Leopold Schönhoff ist nach schwerem Leiden im Alter von 55 Jahren in Wiesbaden, wo er Heilung suchte, gestorben. Den Lesern des„Vorwärts" ist er aus der Zeit, da er unter Liebknechts Redaktion regelmäßig die Sonntagsplaudereien und in der Unter- Haltungsbeilage seine epigrammatisch knapp gehaltenen markanten Theaternotizcn schrieb, in guter Erinnerung. Er war kein eigent- licher Parteimann, ein Hang zum Eingängertum, der ihn in jeder Hinsicht charakterisierte, stand dem im Wege, aber sein aufrechter Wahrheitssinn, seine Verachtung brutaler Gcldmacht, das Volks- tümliche Empfinden, das ihm, dem Sohne armer bayerischer Land- lcute, im Blute lag, ließ ihn darum nicht weniger deutlich fühlen, auf welcher Seite hier das Recht stand. Ein Geistlicher, auf die Begabung des regen Knaben aufmerksam geworden, hatte für Leopolds Ausbildung gesorgt. Durch seine mit sicherem Blick das Wesentliche erfassenden, anschaulich darstellenden Berliner Theater- referate für die„Frankfurter Zeitung" gelangte er im Ausgang der achtziger Jahre, damals, als der zunge Naturalismus sich auf der Bühne vielverheißend zu regen begann, rasch zu bedeutendem Ruf und Ansehen, �eine Stimme wurde eine der meist beachteten. man spürte, daß eine kernige, geschlossene Persönlichkeit hinter den Urteilen stand. Indessen Schönhoff selber hatte, wohl nach dem Eindruck aller, die ihm persönlich näher traten, wenig Freude an der Anerkennung. Er, der so gut über das Theater zu schreiben wußte, hegte die denkbar geringste Meinung von dessen Wert. Die Verquickung des Künstlerischen mit der geschäftlichen Spekulation, das ganze Drum und Dran gedankenloser Schaulust und eitlen Luxusgepränges widerten ihn, dessen Einsamkeitstricben die auf- gezwungene Geselligkeitsform des Bühnenkunstgenusses von vorn- herein antipathisch war, dermaßen an, daß er auch an dem mit unterlaufenden Guten kaum mehr rechte Freude empfinden konnte. Er liebte, seinen Groll gelegentlich in scherzhaft grotesken Ueber« treibungen Luft zu machen und erging sich dann vor den verdutzten Hörern in der Ausmalung eines sozialistischen Zukunftsstaates, in dem gleich nach der Abschaffung der Bourgeoisie auch die der Theater dekretiert sein würde. So galt ihm seine eigene Tätigkeit als wert- und nutzlos, und diese Ansicht bestärkte, da er nichts anderes mehr ergreifen zu können glaubte, die Neigung zur Hypochondrie, die immer schwerer lastend ihn umfing. Die wochenlanß-n Fuß- Wanderungen, die er in jedem Sommer unternahm, boten ihm wider den Druck solcher trüben Stimmungen zum Glück ein- gewisse? Gegengewicht. Da fand er wandernd Kameradschaft, wie er sie wünschte, Menschen, die von der Scheinwelt des Theaters, der Literatur und all dem nichtigen, wichtig tuenden Gerede über derlei Dinge nie berührt worden waren. Bauern und Handwerksburschen, die vom wirklichen Leben, wie sie es mit ihren eigenen Augen gePolen verkehrt, z. B. mit Herrn Brejski. Nach den Erfahrungen, die wir gemacht haben, würde diesem Beamten die Zulage cnt- zogen werden, denn es sind schon Beamte gemaßregelt worden, nur weil sie an einem Tisch sitzend mit Sozialdemokraten getroffen wurden. Wir haben ja auch stets gehört, daß all die Schikanen beim Bestellen von Briefen und Paketen mit polnischer Aufschrift zur treuen Pflichterfüllung eines deutschen Beamten in den Ost- marken gehören. Also für so naiv halte ich keinen von Ihnen, daß er wirklich im Innersten seines Herzens glaubt, daß irgendein deutscher Beamter in den Ostmarken, der sich nicht voll und ganz in den Dienst der Ostmarkenpolitik stellt, die Zulage erhalten könnte. Die Behauptung, daß die Vorlage gar nicht den Zweck habe, die Germanisation zu fördern, ist vollkommen unhaltbar. Die Zulage wird ja nur in den Provinzen der Ostmarken gewährt, in denen der überwiegende Teil der Bevölkerung polnisch ist. Diese Landesteile will man eben germanisieren. Nach allen Erfahrungen, die man nicht nur in Deutschland, sondern bei allen kulturell einigermaßen entwickelten Ländern gemacht hat, pflegen obrigkeit- lichc Eingriffe zugunsten einer bestimmten Partei oder Bevölke- rung immer diejenigen Bevölkerungsteile zu schädigen, zu deren Gunsten angeblich die Regierung eingreift. Zweifellos ist, daß das Beamtentum durch solche Maßnahmen völlig korrumpiert wird. Würden denn Sie(nach rechts) es nicht sämtlich als eine Schande empfinden, wenn Sie für eine derartige Tätigkeit, wie sie von den Beamten hier verlangt wird, prämiiert würden?(Unruhe rechts.) Gerade darin liegt ja vom deutschen Standpunkt aus der schwere Mißgriff, daß durch alle diese sogenannten Germanisationsmaß- regeln die EntWickelung des Deutschtums, die EntWickelung der deutschen Bevölkerung nicht gefördert, sondern gehemmt wird. Sie werden nur dasselbe erreichen, was in der Zeit der bureaukratischen Germanisationsbestrebungen in den deutsch-österreichischen Pro- vinzen erreicht worden ist, wo unter den Tschechen, Slovcnen und anderen Volksstämmen eine starke Opposition gegen das Deutschtum hervorgerufen und das Gegenteil von dem erreicht wurde, was man wollte. Nach aller völkcrpshchologischen Erfahrung ist es ganz zweifel- los, daß durch die Versuche, die Polen künstlich zu germanisieren, der umgekehrte Erfolg erreicht werben muß. Die Polen werden von allen Aemtern ausgeschlossen, sie sind genötigt, sich lediglich auf die wirtschaftliche Tüchtigkeit zu stützen und dadurch wird mit ihr wirtschaftlicher Aufschwung bedingt. Anderer- scits muß sich das Nationalgefühl, das Nationalbewußtsein der Polen entwickeln, ihre Empörung gegen die sprachliche Unter- drückung, ihre Leidenschaften müssen sich unter einer solchen Ver- folgung viel intensiver entwickeln. Also die kulturelle und Wirt- schaftliche EntWickelung der Polen wird gefördert, die der Deutschen, welche sich nicht auf die wirtschaftliche Tüchtigkeit verlassen, sondern nach der Begünstigung durch die Regierung schielen, geschädigt. Einem feinempfindenden Beamten wird es ger«dezu unmöglich gemacht, unter solchen Verhältnissen in die Ostmarken zu gehen. Ein Beamter von Ehrgefühl und Freiheitsgcfühl wird geradezu aus den Ostmarken herausgetrieben. Präsident Graf Stolberg: Sie dürfen nicht sagen, daß die Re- gierung sich Mühe gibt, Beamte, welche Ehrgefühl haben, heraus- zutreiben. Ich rufe Sie zur Ordnung. Abg. Ledebour(fortfahrend): Jedenfalls wird die Wirkung dieser Politik notwendigerweise dahin führen, feinfühligen Bc- amten es nahezulegen, sich von den Ostprovinzen nach den West- Provinzen versetzen zu lassen. Im Interesse der Ehre und des An- sehens des deutschen Volkes werden wir bei jeder Gelegenheit gegen eine solche Politik stimmen.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Frhr. v. Gamp(Rp.): Herrn Ledebour erwidere ich, daß ich als Postbeamter die Ostmarkenzulage nicht gern nehmen würde, ich würde eben nicht gern in den Ostmarken Beamter sein, um nichts mit den Polen zu tun zu haben.(Abg. Ledebour: Das ist aus- weichend!) Damit schließt die Diskussion; die Verweisung an eine Kam- Mission ist nicht beantragt. Es folgt diezweiteBeratung des Entwurfs einer Maß- und Gewichtsordnung. Die§§ 1 bis 5 werden debatte- loS angenommen. Die ZZ 6, 7, 8, 9 und 14 werden zusammen beraten. In den 6 bis 9 wird in der Hauptsache bestimmt, daß zum Messen und Wägen im öffentlichen Verkehr nur geeichte Maße, Gewichte und Wagen benutzt werden dürfen, daß Förderwagen und tördergefätze im Bergwerksbetriebe, soweit sie zur Ermittelung des rbeitslohnes dienen, der Neueichung bedürfen, und daß endlich Wein, Obstwein und Bier bei faßweisem Verkauf nur in geeichten Fässern verkauft werden darf. Eine Ausnahme findet nur bei ausländischen Originalgebinden statt.§ 14 zählt die Maße auf, die zur Eichung zugelassen sind. Die Abgg. A l b r e ch t(Soz.) und Genossen beantragen, daß auch im nichtöffentlichen Verkehr benutzte Maße geeicht werden schaut, beim Marschieren und dann im Kruge ihm erzählen konnten. Das erfrischte ihn, und mit wunderbarer Treue haftete jeder Ein- druck der Reise ihm im Gedächtnisse. Schade, daß er so wenig von seinen Erlebnissen und Reflexionen auf diesen Streifereien als Journalist berichtet hat. Hier würde sich die originelle Sonderart seines Wesens am fruchtbarsten entfaltet haben, wenn er, was freilich mit zu diesem Wesen gehörte, die Scheu, von dem Persön- lichen. Intimen zu reden, hätte überwinden können. ät. Der selige Goethe-Bund beging am Sonntag in Berlin eine kleine Totenfeier— zur Erinnerung an sich selber. Verschiedene Goethe-Bünde hatten dazu Vertreter entsendet und verschiedene der Intellektuellen, die vor acht Jahren an der Seite der Sozial- demokratie die Lex Heinze wacker bekämpft hatten, suchten vor erlesenem Publikum— nur Mitglieder hatten Zutritt— so etwas wie Proteststimmung zu erzeugen. In Preußen geht ja der Stoff dazu nicht aus. Aber die Goethe-Bündler haben keinenKredlt mehr, man traut keinen Protesten, die nach vollbrachter Tat(vergl. die Liegnitzer Bücherversolgung) erst mühsam präpariert werden müßten. Man hätte die Herren nicht bemühen sollen. Der Goethe-Bund war tot und ist durch die Exhumierung jetzt nicht lebendiger geworden. In Deutschland gibt es keine Jntellektuellenbewegung. Man kann die Reaktion auf dem Gebiete der Kunst und Kultur nicht als Einzel- erscheinung bekämpfen. Sie gehört zum System. Und dies System wird von denselben Blockleuten gestützt, die als Goethe-Bündler sich darüber ereifern. Herr Naumann suchte bei der Gelegenheit den Gebildeten ins Gewissen zu reden, endlich politisch zu werden und da einzusetzen, wo es not tut, beim preußischen Wahlrecht zum Bei- spiel. Herr Naumann kann von Glück sagen, daß seine Hörer so wenig polittsch waren, sie hätten ihn sonst ausgelacht.... Der Goethe-Bund war eine Illusion, vielleicht eine schöne, wie ich als Mitbegründer einmal geglaubt habe, er ist jetzt längst eine Parodie seiner selbst geworden.(Womit nichts gegen das Wirken einiger Ortsgruppen gesagt sein soll, die ihre Aufgaben noch ernst nehmen.) In Berlin und München, von wo er ausging, blieb keine Spur zurück, die noch von ihm zeugte. Aber so ruhmlos dieser Jntellektuellenaufstand geendet hat. eine Lehre hinterließ er uns: daß die Freiheit von Kunst. Wissenschaft und Kultur nur im poli- tischen Befreiungskämpfe zu erringen ist, und daß dieser nicht von den„Intellektuellen" rsoliert, sondern nur mit der Sozialdemokratie geführt werden kann, wenn sie nicht vorziehen, weiter ohnmächtig oder auch die Düpierten der bürgerlichen Schönredner zu bleiben. —T. Ludwig Thema in Harburg. Die Harburger Verwaltungsstelle des Deutschen Metallarbeiterverbandes wollte am_ 1. Mai einen UnterhaltungSabend veranstalten und dabei auch ein Paar Proben Thomascher Erzählungskunst vortragen lassen. Indes die Harburger Polizeidirektion hatte ihre eigene Auffassung von dem, was preußischen Untertanen zur Unterhaltung und Ergötzung frommt. Sie hielt müssen, ferner daß Förderwagen und Fördcrgefäße, die im Berg- Werksbetriebe zur Ermittelung des Arbeitslohnes dienen, auch der Nacheichung bedürfen. Die Abgg. Dr. Delbrück(frs. Vg.) und Gneossen beantragen. daß Gewichte, welche dem vierten und dem achten Teile des Kilo- gramms entsprechen, nicht zuzulassen sind. Abg. v. K a p h e n g st(k.) beantragt, daß Bier auch beim Ver- kauf in Flaschen, Glasballons, Krügen und Syphons nur in solchen Gefäßen überliefert werden darf, welch« auf ihren Raumgehalt geeicht sind. Abg. Sachse(Soz.) begründet die sozialdemokratischen Anträge. Wir halten es für ungerecht, daß nur im öffentlichen Verkehr ve- nutzte Gewichte geeicht werden sollen, während in den landwirt- schaftlichcn Betrieben sogenannte Hausschlachtungcn vorgenommen werden und auch in anderen Betrieben ungceichte Maße verwendet werden können. Unser Antrag entspricht der früheren Regierungs- Vorlage, und ich bitte Sie dringend, das Wort„öffentlich", das in ihr nicht enthalten war, wieder zu streichen. Den Bundesrat möchl»- ich ersuchen, auf keinen Fall einer Anregung des Herrn Abg. Engelen zu folgen, die'er einmal dahin gegeben hat, daß die englischen Maße ausnahmsweise in gewissen Fabrikbetrieben, insbesondere der Textilindustrie, zugelassen werden sollen. Di« Arbeiter fühlen sich" dadurch beschwert, weil sie di« englischen Maße nicht so kontrollieren können, wie die deutschen. Unseren weiteren Antrag auf Nacheichung von Förderwagen und Fördergefätzen, die im Bergwerksbetriebe zur Ermittelung des Arbeitslohnes dienen, haben wir gestellt im Hinblick auf die viel- fachen Betrügereien» die in den Bergwerken zuungunsten d«r Ar- bciter mit nicht geeichten Gefäßen vorgenommen worden sind. Schon im jetzigen preußischen Berggesetz ist die Ncueichung solcher Gefäße vorgeschrieben, aber es kommt häusig vor, daß der Raum- inhalt der Gefäße sich beim Gebrauch durch Verbiegen usw. ver- ändert, und die Arbeiter verlieren dann an Arbeitslohn. Diese Betrügereien sind früher soweit gegangen, daß sie vor 25 Jahren im Ruhrgebiet sogar zu Krawallen geführt haben. Ich erinnere an den Krawall auf der Zeche„Germania". In Oberschlesien sind sogar auf einer fiskalischen Grube falsche Eichungen festgestellt worden.(Hört! hört!) Daher ist die Nachcichung dringend not- wendig. Die Bedenken, die man gegen unseren Antrag geäußert hat, sind hinfällig. Wenn große Werke in Betracht konlmen, die Tausende von Wagen haben, so kann die Prüfung so eingerichtet werden, daß von Monat zu Monat eine bestimmte Nummerzahl geprüft wird.— Den Antrag Delbrück bitte ich Abzulehnen. Die K Pfundgewichte sind notwendig, weil vielfach Betrügereien im Kleinhandel damit vorkommen, daß statt 125 Gramm ein Hundert- und ein Zwanziggrammstück auf die Wage gelegt werden..(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Doormann(frs. Vp.): Den Antrag Albrecht, das Wort „öffentlich" in 8 6 zu streichen, werden wir ablehnen, ebenso den Antrag Albrecht betreffend der Nacheichung. Wir können unsere Bedenken wegen der Neucichung der Förderaefäße zurück- stellen, weil im Allgemeinen Bergwerksgesetz von 1892 Bestimmungen getroffen sind, die fast gleichbedeutend sind mit der Forderung der Neucichung. Oberbergrat Meißner: Den Antrag Albrecht und Genossen auf Nacheichung der Fördergefäße bitte ich abzulehnen, da sie praktisch undurchführbar ist. Freilich sind Unrichtigkeiten vorge- kommen, aber nicht aus betrügerischer Absicht der Bergwerksvcr- waltungen. Ganz besonders weise ich zurück, daß betrügerische Versuche auf fiskalischen Gruben vorgekommen sind. Der Antrag Albrecht und Genossen bedeutet nicht eine Verbesserung der Lage der Arbeiter, sondern eine Erschiverung des Betriebes. Abg. Freiherr v. Gamp(Rp.): Auch ich bemerke Herrn Sachse, daß von Betrugsversuchen gar keine Rede ist. Die Durchführung des Antrages Akbrecht und Genossen würde eine maßlose Belästi- gung des Betriebes bedeuten. Abg. Neuner(natl.): Die gegenwärtige Fassung des 8 6 ist klarer und besser, als die von den Sozialdemokraten beantragte. In§ 14 beantragen wir, ausdrücklich auszusprechen, daß als Körpermaße die für den Verkauf von Wein, Obstwein und Bier angeführten Fässer nicht anzusehen sind. Direktor im Reichsamt des Innern v. Jonquieres wendet sich gegen die beantragten Acnlderungen. Abg. Raab(Wirtsch. Vg.) begründet einen Antrag, im 8 9 überall statt„Wagen" zu schreiben„Waagen" und wendet sich gegen den sozialdemokratischen Antrag. Abg. Gothein(frs. Vg.): Der Antrag Albrecht über die Eichung der Fövderwagen und Fördergefäße ist unpraktisch. Um aber den berechtigten Beschivcrden der Bergarbeiter abzuhelfen, beantrage ich, dem§ 7, welcher die Neueichung von Förderwagen und Förder- gefäßen vorschreibt, soweit sie zur Ermittelung des Arbeitslohnes dienen, die Bestimmung hinzuzufügen, daß die Eichung bei jeder Ludwig Thoma für einen elenden Skribenten, bereit und fähig, die öffentliche Sittlichkeit zu verletzen— oder aber sie wollte diesem verdächtigen Kerl zeigen, daß man sich in Preußen von dergleichen Leuten nicht imponieren läßt. Und so verbot sie auf Grund deS§ 5 der Polizeiverordnung — in Preußen gibt's für alles, was das Gesetz zufällig noch erlaubt, immer eine Polizeiverordnung, die eS verbietet— den Vortrag von „Assessor Karlchen" und„Amalie Mettcnleitner". So kamen die Harburger Genossen um den Genuß, von Thomas' bayerischem Humor zu kosten. Die Polizei aber tat nur ihre Pflicht, die preußische Kultur bor bajuvarischer Unfittlichkeit zu bewahren. Humor und Satire. Der reich sie Fürst.(Frei nach Justinu» Kerner.) Preisend mit viel schönen Reden, Ihrer Länder Wert und Zahl. Saßen auf der Wiener Hochburg Deutsche Fürsten jüngst beim Mahl. „Herrlich ist mein Reich wie Babel", Sprach das Jubiläumskind. „Völker Hab' ich mehr und Sprachen, Als in Ungarn Läuse sind." „Hoch das Wahlrecht", rief der Preuße. „Das die Stimmen sorglich wägt Und das Amt des Legislators Auf die starken Schultern legt!' „Doppelt hält", sprach derWettiner, „Ein zwiefach genähtes Kleid. Darum haben wir m Sachsen Doppelte Gerechtigkeit." Feierlich zuletzt erhob sich Der von Mecklenburg vom Sitz: „Habe nicht Moral, noch Wahlrecht, Noch die doppelte Justiz. „Doch ein Kleinod blieL mir' Aermsten, Drob Ihr all mich glücklich preist: Weiß nicht bis zum heut'gen Tage, Was Ihr Herrn Verfassung heißt l" Heil Da riefen miteinander Preußen, Sachsen, Oesterreich: «Mecklenburg, Ihr seid der Reichste! Wären alle wir Euch gleich I" (Edgar Steiger im.SimplicissimuS'.) Notizen. — Theaterchronik. AIS nächste Premiere wird das Deutsche Theater Herbert EulenbergS Schauspiel „Ulrich. Fürst von Waldeck" am Sonnabend, den 16. Mai» aufführen. — Eine Stiftung für das Völkerkundemuseum zu Berlin hat der in EberSwalde verstorbene Prof. Artur Bäßler errichtet, AuS den Zinsen eines Kapitals von 1 250 000 M. soll eine Bibliothek für Ethnographie begründet und eine Zeitschrift für volkskundliche Forschungen erhalten sowie Expedittonen und Neu- anschaffungen bestritten werden. Ferner wurde eine frühere Stiftung BäßlerS um 150 000 M, erhöht. Die Sammlungen des Verstorbenen. zu der eine reiche Sammlung peruanischer Altertümer gehört, Waren dem Museum schon früher geschenkt worden. Reparatur zu wiederholen lst, dke eine wesentliche Veränderung deS ?laiuninhalts zur Folge haben könnte. Abg. Sachse lsoz.): Ter Antrag Gothein bedeutet keine Ver- bcsserung gegenüber dem Gesetzentwurf. Ich bitte daher, unseren Anträgen zuzustimmen. Tie Berufung des Abg. Doormann auf das Allgemeine Berggesetz von 18S2 ist hinfällig, denn es wird im ganzen Kohlenbergbau nicht nach Gewicht bezahlt, das geschieht nur im Erzbergbau Deutschlands. Es handelt sich um sehr wesent- liche Mengen, die nicht bezahlt werden, um 2 Bis 3 Zentner pro Wagen, also bei einer Förderung von 20 bis 30 Wagen um eine sehr beträchtliche Schädigung der Arbeiter. Ich habe mit Recht von Betrug gesprochen, und der Bergbehörde kann ich den Vorwurf nicht ersparen, daß sie die Schweinereien geduldet hat.(Zustim- mung bei den Sozialdemokraten.) Der Regierungsvertretcr hat selbst zugegeben, datz unsere Angaben wahr sind, und meint, Be- strafungen sind nicht erfolgt, weil ein absichtlicher Betrug nicht nachgewiesen war. Auch auf fiskalischen Gruben sind Gewichts- unterschiede zum Nachteil der Arbeiter vorgekommen; die Berichte hierüber lege ich auf den Tisch des HauseS nieder. Unser Antrag ist also nicht durch Hetzerei entstanden, sondern weil sich schwere Mängel herausgestellt haben.(Zustimmung bei den Sozialdemo- kratcn.) Damit schließt die Diskussion. Die Anträge v. Kaphengst(zu 8 Sa), Delbrück(zu§ 14) werden zurückgezogen, die§§ 6, 7, 8, 9, 14 werden unter Ablehnung aller Abänderungsanträge nach den Beschlüssen der Kommission angenommen. Desgleichen die folgenden Para- graphen. Di« ZZ 18 und 23 werden zusammen beraten. § IS bestimmt, daß die Eichämter staatliche Behörden sind und daß bestehende Gcmcindeeichungsämter widerruflich weiter gestattet werden können. Die Abgg. Albrecht(Soz.) und Genossen beantragen, zu sagen:„Die Eichämter sind staatliche oder kommunale Behörden" und weiter zu bestimmen:„Für die Gcmeindeeichämtcr gelten die gleichen Bestimmungen wie für die Staatseichämter". 8 23 bestimmt, daß die Vorschriften über die Organisation der' Eichbehörden nicht vor dem 1. Januar 1912 in Kraft treten sollen. Hierzu beantragen die Abgg. Alb recht(Soz.) und Genossen, 1910 statt 1912 zu setzen. Abg. Detto(natl.) begründet einen Antrag zu 8 18, den Gemeinden die Beibehaltung ihrer Eichämter zu gestatten. Abg. Stolle(Soz.) begründet den sozialdemokratischen Antrag. Die kommunalen Eichungsämter bestehen seit vielen Jahren und haben bewiesen, daß die Nacheichung ebensogut von den Kommunal- beamten ausgeführt werden kann wie von den staatlichen Beamten. ES liegt daher gar kein Grund vor, die kommunalen Eichungs- ämter, die ihr« Pflicht voll erfüllt haben, zu beseitigen. Davon, daß die Einheitlichkeit des Eichwescns durch das Bcstchenblcibcn der Kommunalämter irgendwie gefährdet werden könnte, kann gar keine Rede sein, da für die kommunalen Beamten genau dieselben Vorschriften gelten wie für die Beamten in den staatlichen An- stalten. Die anderen vorliegenden Anträge gehen uns nicht weit genug. Im Interesse der Gemeinden und der Industrie bitte ich Sie dringend, unseren Antrag anzunehmen.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär v. Vethmann-Hollwcg: Auf die Einzelheiten der Materie will ich nicht eingehen, sie sind in der Kommission des vorigen Reichstages eingehend dargelegt worden. Man hat an- erkannt, daß die Nacheichung, welche den Angelpunkt der Vorlage bildet, nicht ohne Verstaatlichung der Eichbehörden durchgeführt werden kann. Die Anträge der Sozialdemokraten und auch der Antrag Detto sind für die verbündeten Regierungen unannehmbar. Abg. v. Gamp(Np.): Wir haben keinen Anlaß, ein Hoheits- recht des Staates den Gemeinden zu überlassen. Abg. Everling(natl.) zieht den Antrag Detto zurück. Sächs. Bundcsratsbevollmächtigtrr Fischer: Meine Regierung muß jedem Antrage widersprechen, der geeignet wäre, die Verstaat- lichung der Eichämter hitlauözuschicben. Schon jetzt hat die sächsische Regierung mit Rücksicht auf die bevorstehende rcichsgesetzliche Regelung auf verschiedene Reformen vorläufig verzichtet. Abg. Stolle(Soz.): Das Wohlwollen, von dem der Vorredner gesprochen hat, erfährt eine eigentümliche Beleuchtung durch die Klagen auch von nationallibcralcr Seite. Wenn Herr Fischer in Sachsen an leitender Stelle stände, wäre es vielleicht anders. (Heiterkeit) Redner befürwortet nochmals den sozialdemokratischen Antrag. Geben Sie(nach recht») doch nicht vor einem Stirn- runzeln des Bundesrats Ihre Grundsätze preis.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Die§Z 15 bis 18 werden unter Ablehnung des sozialdemokra. tischen Antrags unverändert angenommen, desgleichen nach un- wesentlicher Debatte der Rest des Gesetzes. Die vorliegenden Petitionen werden für erledigt erklärt. Das HauS tritt in die zweite Lesung deS NachtragS- ieta tS betr. die Teuerungszulagen ein. Die Kommission beantragt eine Resolution, in der die Er- Wartung ausgesprochen wird, daß �ür die in den Reichsbetricben beschäftigten Handwerker, Arbeiter und Hülfsarbciter im Laufe deS Rechnungsjahres eine angemessene Erhöhung der Bezüge ein- treten werde. Abg. Erzberger(Z.): Es herrscht jetzt ein eigcnartrger ModuS zwischen Reichstag und Bundesrat. Wenn eine Vorlage an den Reichstag kommt und dieser die Vorlage erweitern will, erklärt der Bundesrat einfach: dann ist der Entwurf für uns unannehmbar. Wie kommt der Bundesrat zu dieser Haltung? Hiergegen müssen wir umsomehr protestieren, als die Gefahr vorliegt, daß auch bei der Vorlage über die Gehaltsaufbesserung der Beamten dasselbe geschehen wird. Ich bedaure, daß cS nicht gelungen ist, auch nur die minimalen Verbesserungen, die wir in der Kommission be- antragt haben, in daS Gesetz hineinzubringen. Reichsschatzsekretär S«d»w: Der Vorredner meint, wenn die Regierung von vornherein erkläre, wie weit sie gehen könne, so liege darin eine Dcgradierung des Reichstages. Da» ist nicht der Fall. Wenn hier eine Stellungnahme der Regierung schon von vornherein erfolgt ist, so liegt darin vielmehr eine Rücksichtnahme auf den Reichstag.(Lachen im Zentrum und bei den Sozialdemo- kraten.) Abg. Beck-Heidelberg(natl.): ES ist Schuld der Regierung, daß wir den mangelhaften Weg der Teuerungszulage in diesem Jahre wieder beschreiten müssen. Auch unsere Wünsche gehen über die Regierungsvorlage hinau»; wenn wir sie zurückstellen, so hat uns dazu nicht das„Unannehmbar" der Regierung veranlaßt, sondern d,e sachlichen Einwendungen der Regierung.(Zustimmung bei den Nationalliberalen, Lachen im Zentrum und bei den Sozialdemo- kraten.) Abg. Frhr. v. Richthosen(k.): Wir erkennen die praktischen Be- denken gegen die Amendierung der Vorlage an, da doch nicht mehr zu erreichen ist und werden für die Vorlage stimmen. Abg. Eickhoff(frs. Vp.): Die Hoffnung, die Vorlage in der Kommission auszugestalten, hat sich leider al» trügerisch erwiesen. Es ist nicht einmal gelungen, d»n Beamten die Teuerungszulage zu sichern, die am 1. April v. I. keine Gehaltszulage erhalten haben und deren Ausschließung von der diesmaligen Zulage ganz unbegründet ist. Die Schuld de» Reichstages ist es nicht» wenn nicht mehr zu erreichen war. Abg. Becker-Köln(Z.) bedauert, daß die Arbeiter in den Reichs- betrieben keine Zulage erhalten. Schatzsekretär Shdow betont, daß die Löhne dieser Arbeiter und Handwerker erhöht worden sind, als von der Erhöhung der Be. amtenjjehälter noch kein« Rede war. Die Regierungen werden auf dem eingeschlagenen Wege nach Bedürfnis diese Löhne zu erhöhen Hrtfahren. Nach weiteren Bemerkungen der Wag. Will(Z.), Truhn (Antis.) und Frhr. v. Gamp(Rp.) schließt die Debatte. Die Vorlage wird unverändert angenommen, ebenso die Re- Solution. Hierauf vertagt sich das HauS.. Nächste Sitzung Dienstag 11 Uhr.(Kleinere Vorlagen, 2. Lesung der Dampfersubvention, der Kolonial- bahn, der Ostmarkenzulage und der Vorlage be- treffend Haftung des Tierhalters. Auf Antrag des Ab- geordneten Hoch(Soz.) wird auch noch die Vorlage betr.§ 63 des Handelsgesetzbuches auf die Tagesordnung gesetzt.) Schluß 7 Uhr._ lieber den Verlauf der liialfeier im Reiche liegen noch eine Anzahl Meldungen vor, die durchweg er- kennen lassen, daß überall da, wo Proletarier für ihre wirtschaftliche und politische Befreiung kämpfen, die Maifeier würdig und wirkungs- voll begangen wurde. In Tegel hatten sich zur Vormittagsversammlung 200 Ge- Nossen eingefunden, die den Ausführungen des Referenten K u b i g- Pankow lebhaften Beifall spendeten.— In Wilhelmsruh sprach in einer gutbesuchten Abendversammlung Genosse Franz Schneider- Berlin. Die Genossen von Mühlenbeck-Buchhorst hatten eine Abendfeier veranstaltet, in der Genosse Wilhelm N i t s ch k e die Festrede hielt.— Finsterwalde sah am Vormittag einen stattlichen Zug, der sich durch die Hauptstraßen nach dem Versammlungslokale bewegte, wo der Kandidat des Kreises, Genosse S ch u b e r l, die Festrede vor etwa 800 Teilnehmern hielt. Zu den Abendveranstaltungen hatten sich an 2000 Personen eingefunden. Die Polizei hatte in rührender Für- sorge die Aufführuug lebender Bilder sowie den Tanz verboten.— Auch im Wahlkreise Züllichau-Sommerfeld-Krossen, einem fast durchweg ländlichen Kreise, fanden in mehreren Orten gut besuchte Versammlungen statt.— Die noch vor- liegenden Berichte au? den übrigen Gauen Deutschlands lassen fast durchweg einen erfreulichen Fortschritt der Arbeitsruhe erkennen. Sie zeigen, daß der Gedanke der Maifeier sich un- auSlöschlich in dre Herzen der Proletarier eingeprägt hat und daß keine Drohungen deS Unternehmertums imstande sind, die fort- schreitende Erkenntnis der Notwendigkeit der Arbeitszeitverkürzung lind der Schaffung wirklicher Arbeiterschutzgcsetze hintanzuhalten. Außerordeutliche Gentralverfammlullg des„Verbandes junger Arbeiter und Arbeiterinueu Veutschlands". D a r m st a d t, S. Mai. Die Teilnehmer der Generalversammlung erörterten vormittags in einer nicht öffentlichen Aussprache die auf der Tagesordnung stehenden Punkte. Die Generalversammlung selbst wurde nachmittags bald nach 2 Uhr vom Vorsitzenden deS Verbandes, Genossen Körner- Mannheim eröffnet. Im Namen der Generalkommiision der Ge- werlschaften Deutschland? begrüßte sodann Genosse Robert Schmidt- Berlin die Generalversammlung. Wenn auch der Anlaß, an dieser Sitzung teilzunehmen, um die durch das ReichSvereinS- gesetz geschaffene Lage zu besprechen, lest, angenehmer sei, so sei doch nicht daran zu zweifeln, daß man neue Wege finden werde, um die Aufgaben, die sich die Organisation der„Jungen Garde" gestellt hatte, zur Ausführung zu bringen. Er hoffe, daß sich die Geiverkschaften künftig mehr ocr Jugendagitation annehmen werden, um die enge Verbindung dieser Bewegung mit der Gewcrk- schaft herbeizuführen. Der nächste Gewerlschaftskongreß wird sich mit der Frage beschäftigen. Im gleichen Sinne entbot hierauf namens deS ParteivorstandeS der Parteisekretär Genosse Müller- Berlin die Grüße der Partei. Der beste Beweis, daß der»Verband junger Arbeiter und Arbeite- rinnen" Gutes geleistet habe, sei in der Quittung zn sehen, die Re« gierung und bürgerliche Parteien mit der gegen die sozialdemokra- tische Jugendbewegung gerichteten Bestimmung deS neuen Vereins- aesetzeS dem Verbände erteilt habe. Indes sei schon so viel zu sagen, daß bei allen Unbequemlichkeiten, die der neue Zustand zuerst verursache, eS der Reaktion nicht gelingen werde, die junge Saat zu vernichten. Der Partcivorstand werde dafür sorgen. daß sich der Nürnberger Parteitag mit der Jugendagitation beschäftigen werde, und es werde sicherlich dahin kommen, daß der von den Gegnern gegen uns geführte Schlag sich als ein Schlag ins Wasser erweisen werde. Wie die Partei sich nach Erlaß des Sozialisten- gesetzeS den Verhältnissen angepaßt und doch nicht die prinzipielle Aufklärung wie die politische Arbeit vernachlässigt, dadurch auch die Mittel gefunden habe, das Sozialistengesetz schließlich zu überwinden, so werde auch jetzt die Folge des neuen Ausnahmegesetzes sein, daß schließlich die„Junge Garde" und die Partei den Urhebern der neuen Bestimmungen DanleStelegramme werden senden können. Nachdem begrüßte noch Genosse Schäfer- Mannheim namens des Landesvorstandes der badischen Sozialdemokratie und Genosse Rupprccht- Darmstadt namens der hessischen Landespartei die Generalversammlung. Vertreten sind 33 Orte mit 51 Delegierten. Genosse Körner erstattet den Bericht des HauptvorstandeS. Danach zählte der Verband am 30. September 1900 83 Ortsgruppen, zu denen in der Zwischenzeit 81 neue kamen, während sich 22, meist in kleineren Städten, lvieder aufgelöst haben. Ein« Ortsgruppe wurde polizeilich ausgelöst, während 11 andere Organisationsformen annahmen. Gegenwärtig hat der Verband 85OrtSaruppenundinsgesamt zirka 4övOMitglieder, davon 250 weibliche. Eine Umfrageim vorigen Jahre hat ergeben, daß etwa zwei Drittel der Mitglieder weniger wie 18 Jahre alt seien. Die Presse habe eine bedeutende Verbreitung gefunden; in Dresden z. B. seien aus den 200 Abonnenten, die die Zeitung dort anfällglich hatte, 2000 geworden. An Broschüren wurden 4119 Stück durch den Verband verkaust. Alles in allem sei zu sagen, daß der Verband mit Erfolg gearbeitet habe. Genosse Fries erstattete hierauf den Kassenbericht. Einschließ- lich eines Kassenbestandes von 103,33 M. am 21. September 1900 hatte der Verband seitdem eine Einnahme von insgesamt 0652,74 M. — darunter 4019,25 M. aus Marken und 1248,89 M. für die»Junge Garde"—, hingegen eine Ausgabe von insgesamt 0197 M.— darunter 8210 M. Druckkosten der„Jungen Garde" und 998,77 M. Porto—, so daß noch ein Kassenbestand von 454,75 M. ultimo März vorhanden war. Zum Hauptpunkt der Tagimy, zum ReichSvereinSgesetz. führte der Referent, Genosse ReichstagSabg. Dr. Frank-Mannheim aus. daß wir nicht die gewünschte Einhett mit dem ReichSvcreii,«. gesetz, sondern die befürchtete Uniform bekommen haben. ES ist den Zungen Leuten unter 13 Jahren nur noch daS Recht zur Teil- nahine an geselligen Veranstallungen geblieben, auch wenn diese von politischen Vereinen ausgehen. Wir sind aber entschlossen, die alten Ziele zu verfolgen, wenn wir auch wohl neue Wege einschlagen. Dreierlei komme da hauptsächlich in Frage. Einmal der Schutz der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter. der von der»Jungen Garde" begonnen, nunmehr von den kräftigeren gelverlschaft-. lichen Organisationen, insbesondere von den Gewcrlschafts« kartellen zu übernehmen sein werde, wobei daS Verdienst deS Ler- bandeS bleibe, dieses vernachlässigte Gebiet in Angriff genommen zu haben. DaS zweite sei, dem jungen von der Sckrnle entlassenen Arbeiter beizustehen, um die gewaltigen Bildungslücken, die die Schule gelassen habe, einigermaßen auszugleichen. Vor allem aber sei wichtig, daß die jungen Leute sogleich bei Verlassen der Schule den geeigneten Anschluß finden und erhalten während der Jahre, bis sie m die großen Organisationen eintreten können. Zur Ausführung dieser Aufgaben empfiehlt der Redner die Schaffung von AgitattonSkomiteeS in ganz Deutschland, sowie eines gediegenen großen JugendorganS durch die Partei selbst, wozu auch der Partei- vorstand durchaus geneigt sei, wie er auch sonst dafür eintreten wolle. daß die Partei die Mittel zu einer umfassenden und nachhaltigen Jugendagitation zur Verfügung stelle. Unter diesen Umstänven sei der Verband der»Jungen Garde" als Sonderorganisation nicht nötig und könne angesichts der neu geschaffenen Lage sich auf» lösen. Redner empfiehlt daher die vom Hauptvorstand vorgelegte Resolution folgenden Wortlauts: Die außerordentliche Generalversammlung des„Verbandes junger Arbeiter und Arbeiterinnen DcnlschlandZ" protestiert mit Entrüstung gegen die durch das Reichsvereinsgesetz beabsichtigte Entrechtung der Arbeiterjugend. Damit die Ziele der Jugendorganisationen unter den neuen Verhältnissen erreicht werden, wird beschlossen: 1. Aus über 18 Jahre alten Genossen sind an allen Orten Agitationskomitees für die Jugend zu bilden, die für die Verbreitung der„Jungen Garde" zu sorgen und in Ver- bindung mit den örtlichen Partei- und GcwerlsckiaftSorganisationen die Agitation unter der Arbeiterjugend zu betreiben haben._ 2. Die bestehenden Ortsvereine sind, wo sie möglich, in un- politische Bildungsvereine umzuwandeln. 3. Die Agitationskomitees für die Jugend haben dafür einzu- treten, daß überall die Gewerkschaftskartelle Lehrlingsschutz- kom Missionen bilden. 4. Der bisherige Ha nptvor st and hat weiter und in Verbindung mit den Agitationskomitees für die Herausgabe der „Jungen Garde" zu sorgen. Der bisherige Hauptvorstand nimmt den Namen»Zentralkommission für die Jugend- agitation" an. 5. Das Zentralkomitee hat das Recht, nach freien: Ermessen die„Junge Garde" und Geldmittel des Ver- bandes an den Vor st and der sozialdemolrati« scheu Partei Deutschlands abzutreten. Genosse Müller vom Parteivorstand empfahl die Annahme der Resolution. Wenn auch der Parreitag noch sein Wort zu sprechen habe wie auch der Gewerkschaftskongreß, so sei doch kein Zweifel, daß es gelingen werde, das Jugendorgan zu schaffen und auch die Mittel für die anderen Arbeiten zu erhalten. In gleicher Weise äußerte sich Genosse Robert Schmidt für die Gewerkschaften. Die anschließende Diskussion bewegte sich im Sinne dieser AuS- führungen; nur zwei württembergische Genossen meinten, daß auch unter den: neuen Gesetz der Verband weiter bestehen könne, wenn auch mit einigen Aenderungen, waS die Genossen Frank und Müller widerlegten. Schließlich wurde die Resolution mit 47 gegen 5 Stimmen angenommen. Ferner wurde noch die folgende Resolution angenommen: Der Umstand, daß die Aenderung in unserer Organisation gerade in die Zeit der Schulentlassung fällt und unsere Gegner daher die jungen Leute in die Lehrlingsvereine zu bringen suchen, sollte es allen organisierten Arbeitern zur Pflicht machen, alle Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen auf- zuklären und von den gegnerischen Jugendorganisationen femzu- halten. Die organisierte Arbeiterschaft, speziell die Vertrauensmänner haben die Pflicht, alle jungen Leute beiderlei Geschlechts den Veranstaltungen zuzuführen, die von selten unserer Komitees arrangiert werden. Es soll ein entsprechender Auftuf in allen Partei« und Gewerkschaftsblättern erlassen werden. Damit ivaren die Arbeiten der Generalversammlung beendet. die mit einem Hoch auf die freie und sozialistische Jugendbewegung und dem Gesang der Marseillaise geschlossen wurden. Oberförster Cewandowshi vor dem Schivurgericht. Am 29. September v. I. verstarb in der Privatklinik deS Pro- fessors Karcwski der Leutnant v. Schmidt, genannt Phiseldeck, an einer schweren Schutzverlehung im Nnterleib. Leutnant v. Schmidt. der im 5. Garderegiment zu Fuß in Spandau diente, hatte ou- gegeben, daß er als Gast bei der im Hause Kaiser-Allee 222 wohnenden ObcrförsterSgattin Frau Lcwandowski geweilt habe, daß durch eigene Unvorsichtigkeit sein Revolver losgegangen und ihm die Kugel in den Unterleib gedrungen sei. Der Offizier verstarb noch an demselben Tage. Nach drei Monaten, am 27. Dezember, erstattete ein Fräulein Luise Supply, die zur Zeit des Vorfalls Stütze bei der Frau Lcwandowski gewesen war, von Brandenburg aus eine Anzeige bei der Schönebergcr Kriminalpolizei, wonach Leutnant v. Schmidt nicht das Opfer einer Unvorsichtigkeit ge- worden, sondern von dem Obersörstcr Lewandowöki, der ihn in früher Morgenstunde im Schlafzimmer seiner Frau getroffen habe, erschossen worden sei. Die darauf von der Polizei angestellten Er- Mittelungen bestätigten dann auch diese Beschuldigung und führten zur Verhaftung des Oberförsters Lcwandowski. Lewandowsti hatte die jetzt 30 Jahre alte stattliche und elegante Frciin Alwine v. Korsf geheiratet. DaS Ehepaar mietete, obgleich sie beide vermögenslos waren, in der Kaiser-Allee 222 eine Wohnung, die mit höchstem Komfort eingerichtet und. wie die Fama behauptet, vielfach von eleganten Kavalieren, darunter Träger von Namen auS der hSchsten Aristokratie, aufgesucht wurde. Am 1. Juli 1907 trat Lewandowsli bei der Freifrau v. Klitzing auf dem Gute Stefanowo, Kreis Bentschen, Provinz Posen, eine Privatförsterstelle an und erhielt dort ein Gehalt von 2100 M. nebst freier Wohnung und Feuerung. Seine Frau blieb mit ihrer Gesellschafterin Fräulein Luise Suppln in ihrer Wohnung in Berlin zurück und besuchte hin und wieder ihren Ehemann auf dem Gute auf einige Tage. Nach den Ermittc« lungen und dem Geständnis deS Angeklagten haben sich nun die Ding« in folgender Weise entwickelt: Am 29. September 1907, morgens gegen OV* Uhr, wurde an der Lcwandowstischen Wohnung heftig gepocht. Die Gesellschafterin der Frau L. sprang aus dem Bett, kleidete sich notdürftig an und öffnete. Vor ihr stand der Oberförster Lcwandowski. Lcwandowski klopsic an das Schlaf- ziminer seiner Frau, er vernahm dort ein Flüstern seiner Frau und eines fremden Mannes und forderte wiederholt vergeblich, daß ihm geöffnet werde. L. zog schließlich eine geladen« Browning- Pistole hervor und schoß durch die Tür in daS Schlafzimmer hinein. Leutnant v. Schmidt, der in dem Schlafzimmer der Frau Lewan- dowski weilte, war getroffen. Fräulein Supply wollte einen Arzt holen, der Ancjcklagte soll dicS aber in barschem Tone untersagt haben. Der Schwerverletzte wurde dann aber doch in die Klim! gebracht. Der Angeklagte hat nach seiner Verhaftung behauptet. daß er bei Ausübung der Tat seiner Sinne nicht mächtig p-wesen sei, sondern blindlings feine Pistole abgefeuert habe, ai? er das Flüstern im Schlafzimmer seiner Ehefrau gehört halt«. Die An- klagcbehörde hat ihm die» nicht geglaubt, sondern die Anklag: Wegen Totschlags erhoben. Die Verhandlung begann gestern. Unter den Zeugen befindet sich auch die Frau deS Angeklagten. Alwine Lcwandowski, geb. Freiin v. Korff, die wegen Kuppelei in Untersuchungsbaft sitzt. Sie wird vom Vorsitzenden belehrt, daß sie berechtigt se», ihr Zeugnis ablehnen zu können, erklärt je- doch, daß sie aussagen wolle. Bei der Veruehmung beS Angeklagten bestätigte dieser folgende Angaben, die ihm der Vorsitzende aus den Akten vorhält: Er ist am 18. November 1872 zu Kassel ge- boren und hat erst das dortige Gymnasium besucht. Später be- suchte L. das Gymnasium zu Frankfurt a. Nt.. welches er mit dem EinjährigenzeugnjS verließ. Der Angeklagte trat sodann als Fähnrich in die Armee ein und sattelte schon nach kurzer Zeit wieder um. Verheiratet ist L. seit dem 29. April 1901 mit der geb. Frciin v. Korff. Angekl. LewandowSki: Nachdem ich in einer Forstwirt- schaft in Oberarlhain in Hessen die nötigen Vorkenntnisse erlangt hatte, ging ich zur Großhcrzoglich Sächsischen Forstakademie in Eisenach über, wo ich daS Rcferendarcxamcn machte. Ich kam im Jahre 1901 nach dem Fürstlich Reußschcn Forstrevier Isabellengrün als Privatoberförstcr und verblieb dort vis zum Jahre 1903. — Vors.: Hier lernten Sie ja wohl auch Ihre jetzige Frau kennen und haben geheiratet? Im Jahre 1903 verzogen Sie dann nach der Albestratze in Grünau. Valien Sie eigentlich damals irgendwelches Vermögens Angell.: Nein. Ich wurde von meiner Grostmutter unterstützt.— Vors.: Wieviel haben Sie ungefähr erhalten?— Angckl.: In Isabellengrün habe ich etwa KOOO bis 8000 M. Bargeld erhalten.— Vors.: Hatte Ihre Frau Vermögen?— Angekl.: Sie behauptete immer, Geld zu haben, hat mich darüber aber nie aufgeklärt!— Vors.: Haben Sie denn nie danach gefragt, woher nun eigentlich das Geld kam, das für den Haushalt verwendet wurde?— Angckl.: Nein. Meine Frau hat mir nur gesagt, daß sie von ihrem Onkel, dem General v. Korff, große Zuwendungen erhalte.— Vors.: Haben Sie denn einmal gesehen, daß Ihre Frau von dem Onkel Geld erhalten hat? Es muß Ihnen doch aufgefallen sein, daß immer Geld vorhanden war, obwohl Sie damals keinen Verdienst hatten? — Angekl.: Gesehen habe ich nicht, daß sie Geld bekommen hatte, aber meine Frau hatte eben immer Geld. Die ganzen Finanz- Verhältnisse, wenn ich mich so ausdrücken darf, hat meine Frau besorgt.— Vors. Sie mieteten nun die Wohnung in der Kaiser- Allee. Wieviel Miete bezahlten Sie denn dort?— Angekl.: Das weiß ich nicht genau. Es war eine Fünfzimmerwohnung, die, wie ich glaube, lOOO oder 1500 M. gekostet hat.— Vors.: Woher bekamen Sie denn eigentlich Geldmittel in der Zeit, als Sie ohne Stellung waren? Angckl.: Wenn ich Geld brauchte, ließ ich mir von meiner Frau etwas geben.— Vors.: Ich habe immer noch keine Erklärung dafür, daß Sie sich gar kein Kopfzerbrechen darüber gemacht haben sollten, woher das Geld eigentlich kommt. Jeder Mann hat doch ein ge- wisseS Interesse daran, zu erfahren, woher das Geld zur Erhaltung des Hausstandes kommt.— Angekl.: Mit den Geldangelegenheiten habe ich mich so gut wie gar nicht beschäftigt. Meine Großmutter hat mich ebenfalls wiederholt unterstützt, nachdem ich um Geld an sie geschrieben hatte. Aus weitere Fragen des Vorsitzenden erklärt der Angeklagte: Von der Pariser Straße an habe seine Frau ein Pensionat und auch eine Schnciderakademie für Tamenkleidcr gehabt. Von dort seien sie nach dem Alc�anderufer 2 gezogen. Seine Frau, die stets drei bis vier Pensionäre hatte, habe diese Wohnung für 3000 M. gemietet. Unter den Pensionären, die in der Pension gewohnt, nennt der Angeklagte eine Reihe von Namen, darunter auch den des Reichs- grasen Arz zu Warzegg.— Präs.: Von dem Alcxanderufer sind sie dann nach der Ltviserallee 222 gezogen. Was haben Sic dort an Miete bezahlt?— Angekl.: Der Preis war noch höher.— Präs.: Das war nun gerade zu der Zeit, wo Sie in Bentschen eine Stellung annehmen wollten?— Angekl.: Ja.— Präs.: Das ist doch aber merkwürdig. Sie wollen nach Bentschen in eine bescheidene Stellung gehen und mieten eine sehr teuere Wohnung.— Angekl.: Meine Frau wollt«, ehe die Stellung in Bentschen nicht ganz fest gemacht worden wäre, nicht aus Berlin weggehen.— Präs.: Um den teueren Umzug gu ersparen, mieten Sic eine sehr teuere Wohnung?!— Angekl. schweigt.— Präs.: Machen Sie uns doch nichts vor, An- geklagter! Es ist doch wohl besser für Sie. wenn Sie uns die reine Wahrheit sagen!— Angekl.: Ich sage alles, wie eS ist und mache gar keine Winkelzüge.— Präs.: Ja, woher dachten Sie denn, daß Ihre Frau all das Geld beschaffte, lvas sie hatte bczw. brauchte?— Angekl.: Meine Frau hatte mit dem Grafen Arz zn Warzegg ein Heiratsprojekt vor und hoffte, daß da etwas Erkleckliches für sie herausschauen würde.— Präs.: Sie gingen nun in den letzten Junitagen nach Stephanowo. Ihre Frau blieb hier.— Angekl.: Ja. wir besuchten »ins manchmal gegenseitig.— Präs.: Wie oft hat Sie denn Ihre rau in Stephanowo besucht?— Angekl.: Zwei- bis dreimal.— räs.: Nun kam das Manöver 1S07 in der Nähe von Stephanowo. Ihre Ehefrau war zu jener Zeit gerade dort.— Angekl.: Ich hatte sie gebeten, zu kommen; es kamen Offiziere zur Einquartierung and ich wußte nicht, wie ich sie beköstigen, sollte.— Präs.: Unter den Offizieren befand sich auch der Leutnant v. Schmidt-Phiselbeck? Angekl.: Er war Ouarticrnracher und machte Quartier sür sich und drei Offiziere.— Präs.: Auf wie lange?— Angekl.: Auf drei bis vier Tage.— Präs.: Ist Ihnen nicht aufgefallen, daß Leutnant v. Schmidt mit Ihrer Frau in näheren Verkehr trat?— Angekl.: Mir ist nichts aufgefallen, ich hatte nicht den geringsten Argwohn. — Präs.: Leutnant v. Schmidt ist aber doch nach Beendigung der Einquartierung noch einmal zu Ihnen gekommen.— Angekl.: Ja, auf einen Tag.— Präs.: Das fiel Ihnen auch nicht auf?— Angekl.: Nein, ich hatte ihn lieb gewonnen durch sein nettes, frisches Wesen und weil er sich auch bereit erklärt hatte, eventuell sich einmal zur Erlangung einer passenden Stellung für mich zu venvenden. Er war auch«in passionierter Jäger, und wir waren zur Pirsch gefahren, ohne daß er zum Schuß gekommen wäre, und so dachte ich, er wollte noch einmal fein Glück versuchen.— Präs.: Als er dann abzog, ist er dann nicht zusammen mit Ihrer Frau abgefahren?— Angekl.: Ja, er fuhr bis Schwiebus mit, das ist mir aber nicht bc- sonders aufgefallen.— Präs.: Hat der Leutnant v. Schmidt nicht auch einmal eine Dcdikation an Sie gemacht?— Angekl.: Ja, einen vergoldeten Zigarrenbehältcr.— Präs.: Nun kommen wir zum Sonnabend, den 28. September. Weshalb entschlossen Sie sich so plötzlich, nach Berlin zu reisen und noch dazu in der Nacht?— Angekl.: Der Entschluß kam mir plötzlich. Ich hatte meiner Frau geschrieben, sie sollte doch zu mir herüberkommen, sie hatte eS aber abgelehnt.—■ Präs.: Sie sollen an jenem Tage sehr niedergeschlagen gewesen sein.— Angekl.: Ich lebte da in einem einsamen Forftl>ause, ohne jede mir zusagende Gesellschaft und da war ich öfter mißgestimmt. Kurz vorher hatte mir außerdem Frau v. Klitzing gekündigt. Ich hatte mich zur Reise ohne jede Absicht und ohne jeden Hintergedanken entschlossen.— Präs.: Sie fuhren 3.16 Uhr nachts ab und trafen um 6.25 Uhr auf Bahnhof Zoologischer Garten ein. Gegen 6.35 Uhr waren Sie schon in Ihrer Wohnung in der Kaiserallee. Was ist da nun geschehen? — Angekl.: Auf mein Klingeln wurde mir von einem jungen Mädchen, das mich nicht kannte, geöffnet. Sie verweigerte mir den Einlaß und meinte: Tai könnte ein jeder sagen, daß ich der Ober- förster LewandowSki sei. Sie gab aber schließlich ibren Widerstand auf und ließ mich hinein, während sie selbst sich zurückzog. Ich klopfte an das Schlafzimmer meiner Frau, dessen Tür dicht neben dem Korridoreingang liegt. Die Tür war verschlossen, was mir zunächst nicht auffiel. Da nicht geöffnet wurde, klopfte ich mehrere Male. Da sagte mein« Frau: Sie käme gleich! Ich mußte aber lange warten. Dann traf ich mit meiner Frau in dem genannten kleinen Salon zusammen, sie war nur mit dem Nachthemd bekleidet. — Präs.: Mein Gott, haben Sie denn der Frau gar nichts weiter gesagt; man läßt doch seine Frau nicht so im bloßen Hemd herum- tanzen!— Angckl.: Sie machte mir starke Vorwürfe, daß ich sie so unangemeldet überfiele und erklärte mir. daß sie sich dieses der- bitten müsse. Da ist mir die Lust vergangen, mit ihr in da» Schlafzimmer zu gehen.— Präs.: Dann ging Ihre �rau nach Ihrer Behauptung wieder in das Antleidezimmcr und verschloß die Tür?— Angekl.: Ich fing dann an, Verdacht zu schöpfen und war fürchterlich aufgeregt. Ich klopfte an die Tür. T« kam eS mir so vor. als ob drinnen geflüstert würde. Ich verlangte nochmals. daß geöffnet werden sollte und wollte wissen, wer da sei. Ich schlug in meiner Erregung die nicht durchsichtbare Scheibe ein, sowohl von der Schlafzimmer- als auch von der Ankleidezimmertür.— Präs.: ES waren die links sitzenden Scheiben? Sic sind ein Linkshänder? — Angell.: Ja.— Präs.: Wir groß waren die Löcher, die Sie in die Scheiben schlugen?— Angekl.: Etwa zwei Fäuste groß.— Auf weitere Fragen des Präsidenten erklärt der Angeklagte, daß er zwar durch das Loch in der Scheibe habe durchsehen können, er l>abe aber nichts erkennen können, da es ganz dunkel gewesen. Er habe das brennendste Verlangen gehabt, zu wissen, wer da wäre. Er habe sich in einer unbeschreiblichen Aufregung befunden.— Präs.: Was haben Sic getan, um der. Mann herauszuzwrngcn?— Angekl.: Ich habe gedroht, durch die Tür zu schießen. Dieses Hin und Her dauerte ein« ganze Zeit und ich regte mich immer mehr auf.— Präs.: Sie konnten, doch aber durch das Loch in der Tür- Meibe greifen und den Riegel öffnen.— Angell.: Daran habe ich wohl nicht gedacht. Ich hatte mich auch beim Einschlag?» der Scheibe an der Hand verletzt. Meine Frau kam dann in den kleinen Salon und suchte mich zu beruhigen.— Präs.: Schließlich schössen Sie nun durch die Tür des Ankleidezimmers vom Korridor aus, wo Sie Posta gefaßt hatten. Was geschah nun weiter?— Angckl.: Von innen rief jemand: Herr Oberförster, ich habe einen Streifschuß bekommen. Nach kurzer Zeit kam daun Herr v. Schmidt heraus.— Präs.: Was hakren Sie sür einen Gedanken, als Sie losschössen?— Angekl.: Ich wollte nur einen Schreckschuß abgegeben, damit derjenige, der drinnen war, sich melden sollte. Meine Aufregung lvar unerträglich.— Präs.: Sie sind leidlicher Pistolenschütze?— Angekl.: Ja.— Vors.' Sie haben es sich also in dem fraglichen Augenblick auch nicht einmal klar gemacht, daß die Möglichkeit vorhanden war. daß Sie auch in der Weise, wie Sie geschossen haben, einen Menschen treffen konnten?— Angckl.: Daran habe ich nicht im entferntesten gedacht, daß ich jemand treffen könnte.— Vors.: Die Browningpistole trugen Sie, wie festgestellt ist, ja fast ständig bei sich, und zwar in der Gesäßtasche. Nach dem Schuß verging wohl noch eine ganze Zeit, ehe sich Herr von Schmidt , neidete. Schließlich kam er aus dem sogenannten kleinen Salon heraus. Sie standen wohl noch mit der Pistole in der Hand ar� dem Flur und bewachten die drei Eingänge?— Angekl.: Darüber kann ich Bestimmtes nicht mehr sagen»— Vors.: In dem kleinen «alon bekamen Sie von Schmidt wohl zuerst zu Gesicht.— Angckl.: Jawohl. Ich habe ihn sofort erkannt.— Vors.: Wie war von Schmidt denn bekleidet? Angekl.: So weit ich mich noch erinnere, hatte Schmidt nur das Hemd und eine weiße Tennis-«der Unterhose en. Ein blaues Jackett trug er über den Arm gelegt.— Vors.: Als Sie Herrn v. S. sahen, hat er da zu Ihnen etwas gesagt?— Angekl.: Er wollte mir etwas sagen, ich rief ihm aber sofort zu:„Auf die Knie, nur aus den Kniec» haben Sie mir etwas zn sagen.— Vors.: Sie sollen darauf noch gesagt haben, Schmidt solle so, wie er stehe und gehe, Ihre Wohnung verlassen.— Angekl.: Jawohl, das stimmt. — Vors.: Sie sollen aber ferner noch gesagt haben: Wenn ich ge- wüßt hätte, daß Sie es sind, Herr von Schmidt, dann hätte ich nicht geschossen.— Angekl.: Das ist möglich, daß ich so etwas gesagt habe. — Vors.: Diese Erklärung ist doch aber höchst eigentümlich. Sie müssen doch demnach damit' schon vorher gerechnet haben, daß Sie jemand im Zimmer treffen würden. Ihre jetzige Erklärung und Ihre damalige Aeußerung lassen sich doch schwer miteinander ver- einigen. Haben Sie sich wirklich nicht gesagt: Wenn da einer stehen sollte, so schießt du ihn eben nieder?— Angckl.: Nein, etwas derartiges habe ich bestimmt nicht gedacht. Ich habe nur deshalb den Schuß abgegeben, um festzustellen, ob überhaupt jemand und wer da war.— Vors.: Als dann Fräulein Supply hinzukam, sollen Sie nochmals zu von Schmidt gesagt haben: Verlassen Sie, so wie Sie sind, meine Wohnung. Herr von Schmidt bat die Supply, sie möchte doch erlauben, daß er sich in ihrem Zimmer auf das Bett legen könne, da er sich infolge der Verletzung sehr schwach fühle.— Angekl.: Das weiß ich nicht mehr. Ich sah nur noch, wie Schmidt mit Fräulein Supply nach hinten ging.— Vors.: Nach kurzer Zeit soll die Supply aber schon wieder gekommen sein und Ihnen gesagt haben, daß Herr von Schmidt anscheinend schwer verletzt sei und sie deshalb einen Arzt holen wolle-- Angekl.(einfallend):— und dabei soll ich gesagt haben: Der Kerl soll meinetwegen vemite«, ein Arzt wird nicht geholt. Ich kann nur sagen, daß ich dies nicht schlecht oder böswillig gcn�eint habe. Ich sagte mir damals, daß Schmidt von dem Streifschuß, von dem er selbst immer nur ge- sprochcn hat, nicht sterben würde.— Vors.: Sie sollen sich übrigens verhältnismäßig schnell wieder mit Ihrer Frau ausgesöhnt haben? Es wird behauptet, daß Sie schon am Nachmittage desselben Tages am Fenster auf dem Schoß Ihrer Frau gesessen haben sollen, oder umgekehrt sie auf Ihrem Schöße.— Angekl.: Das muß ich ganz entschieden in Abrede stellen. Im Gegenteil, ich habe mit meiner Frau noch sehr heftige Auseinandersetzungen gehabt. Später bin ich zusammengebrochen und habe mich auf ihrem Schöße ausgeweint.— Vors.: Sie sollen auch am Nachmittage noch zu der Frau Kurzinski gesagt l)aben: Wenn ich gewußt hätte, daß es von Schmidt war, hätte ich überhaupt nicht geschossen. Erklären Sie mir doch diese auffällige Aeußerung?— Angekl.: Ich kann nur sagen, daß ich damit meinte, wenn ich jjewußt hätte, daß ich jemand treffen würde, so hätte ich überhaupt mcht geschossen.— Vors.: Sie finden also, wie es den Anschein hat, überhaupt leine ausreichende Erklärung dafür. Auf Befragen des StaatSanw.-Rats Uhle gibt Angeklagter zu. daß ihm seine Frau von Berlin aus nach Stefanowo zweimal größere Geldbeträge zur Unterstützung geschickt hat und daß auch sehr häufig der Gerichtsvollzieher bei ihm aus- und eingegangen ist.— StaatSanw.: Wenn Sic, wie Sie sagen, nur einen Schreck- schuß abzugeben beabsichtigt hatten, ohne dabei jemand tresfcn zu wollen, weshalb haben Sie nicht nach der Decke geschossen? Es war dies doch das Nächstliegcndste.— Angekl.: Ich habe seiner- zeit gar nicht hieran gedacht, da ich zu aufgeregt war.— Staatsanw.-Rat Uhle: Ich habe jetzt einen Antrag zu stellen. ES ist erforderlich, daß zur Beurteilung der Sache auch das ganze eheliche Leben des Angeklagten näher erörtert werden muß. Es werden hierbei wohl Dinge zur Sprache kommen, die nicht geeignet sind, in der Ocffcntlichkcit verhandelt zu werden. Ich stelle deshalb de:« Antrag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit. Das Gericht beschließt die Oeffentlichkeit auszuschließen. Der Ausschluß der Oeffentlichkeit bleibt bis zum Schluß der gestrigen Sitzung aufrecht erhalten. Es wurden mehrere männliche und weibliche Zeugen vernommen, welche über das eheliche Leben des Angeklagten und seiner Ehefrau und über manche pikant« Vor- kommnisse in der Wohnung der letzteren Aufschluß geben sollten. Dieser Teil der BeiveiSführung soll den Geschworenen eine Grund- läge zur Beurteilung bieten, ob der Angeklagte von dem seiner Frau nachgesagten Treiben auf erotischem Gebiete unterrichtet ge- Wesen sein dürfte, ob er dasselbe gebilligt und seinen Nutzen davon gezogen hat und inwieweit seiner Erklärung Glauben zu schenken ist, daß er an dem kritischen Morgen ohne jeden Hintergedanken nach Berlin gereist und ganz„zufällig" den Leutnant von Schmidt in dem Schlafzimmer seiner Ehefrau überrascht habe.— Die Ver- Handlung wurde in später Nachmittagsstunde auf Dienstag vertagt. Tie Oeffentlichkeit soll auch an diesem Tage ausgeschlossen bleiben. Em der Partei. Die LandtagLkandidatur in Altona-Ottensen. Die Genossen des 8. schleswig-holsteinischen LandtagSwahlkreiseS hatten die Kandidatur dem Genossen Leo Arons übertragen. Leider ist der Gesundheitszustand des Genossen, der schon bei An- nähme der Kandidatur etwas leidend war. ein derartig schlechter geworden, daß der Arzt ihm nur dann Heilung versprechen konnte. wenn er einen längeren Aufenthalt im Süden nimmt und sich vollständig der Ruhe hingibt. Unter diesen Umständen war Genosse AronS genötigt, die Kandidatur niederzulegen. Die dortigen Ge- nossen haben nunmehr den Genossen Emanuel Wurm mit der Kandidatur betraut._ Gemeindewahlsirg. Einen schönen Erfolg errangen unsere Genossen bei den Wahlen zur Gemeindevertretung in O b e r st e i n a. d. Nahe. Alle fünf sozialdemokratischen Kandidaten wurden trotz der AuS. spcrrungsdrohungen der dortigen Unternehmer mit großer Majorität gewählt. Sollen Arbeitergeschworene von der Parteikasse unterstützt werden? In Bayern kommt es jetzt öfters vor, daß Arbeiter als Schössen oder als Geschworene herangezogen werden. Auf dem Gautag der Sozialdemokratie Nordbayerns lvurde nun ein Antrag eingebracht, es möchten Parteigenossen in diesem Fall ihren Lohnverlust von der Parteikasse ersetzt bekommen, so lange der Staat an Schöffen und Geschworene eine Entschädigung nicht be- zahle. Genosse Rechtsanwalt Dr. Süßheim trat dem Antrag aus prinzipiellen und taktischen Gründen entgegen. Würde man den An« lrag zum Beschluß erheben, so könnte eS leicht sein, daß von solchen Schöffen oder Geschworene» gesagt- wird, sie seien von der Sozialdemo- kratie bezahlte oder ausgehaltene Richter und die Staatsanwaltschaft würde jeweils bei Bildung der Geschworciienbank von ihrem Ab- lehnungsrecht stets Gebrauch machen. Die Konferenz lehnte denn auch den Antrag ab. AuS den Organisatiouen. In Augsburg ist die Mitglieder- zahl des sozialdemokratischen Vereins so groß geworden, daß eine Versammlung den Vorstand beauftragte, sich mit der Anstellung eines Parteisekretärs zu beschäftigen. Bon einem schweren Mißgeschick betroffen wurde gestern Genosse WaberSki in Hamburg. Er wollte in Altona einen Freund besuchen, stürzte von der Treppe und erlitt dabei einen Schädelbruch, so daß er ins Altonaer Krankenhaus übergeführt werden mußte. WaberSki ist seit längerer Zeit als Redakteur am Hamburger„Echo" tätig und hat als dessen früherer Verantwortlicher mehrere längere Freiheits- strafen erlitten. Hoffentlich erholt sich Genosse WaberSki recht bald von dem schweren Unfall. Behandlung sozialdemokratischer Prehsünder. Genosse Marckwald, der, wie bekannt, wegen angeblicher Majestätsbeleidigung zu der enorm hohen Strafe von 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden ist, hatte gleich nach Ab- Weisung seiner Revision durch das Reichsgericht einen Antrag an die Staatsanwaltschaft gerichtet, ihn seine Strafe in Königs- berg verbüßen zu lassen. Gleichzeitig ersuchte er um die nach den geltenden Vorschriften möglichen Vergünstigungen wie Selbst- beschäftigung usw. Die Strafe in Königsberg zu verbüßen, hat der Oberstaatsanwalt abgelehnt. Marckwald muß vielmehr zur Strafverbüßung ins Allensteiner Gefängnis. Auf die sonstigen Wünsche hat die Staatsanwaltschaft gar keine Antwort erteilt. Auf die Vergünstigung der Selbstbeschäftigung hat Genosse Marckwald auf Grund des 8 16 des Strafgesetzbuches Anspruch Natürlich wird Marckwald durch eine Beschwerde beim Justiz- minister über die Verfügung des Königsbergcr Oberstaatsanwalts zu erreichen versuchen, daß ihm wenigstens dieselbe Behandlung bei der Strafverbüßung zuteil wird, wie sie mancher„hochgeborene" Sittlichkeitsverbrecher genießt. polizciUchcs, Omchtlichco ulw. Wegen angeblicher Beleidigung der WilHelmS-Havener Polizei wurde der Verantwortliche des„Hamburger Echo" zu 10 0 M. Geld st rase verurteilt. Das„Norddeutsche Bolksblatt" in Bant hatte seinerzeit in derselben Sache 1000 M. Geldstrafe erhalten; an den Bericht über die Gerichtsverhandlung hatte das „Hamburger Echo" einige Bemerkungen geknüpft, die das strafbare Delikt enthalten sollen. Strafkonto der Presse. Genosse P c tz o l d als verantwortlicher Redakteur der Erfurter„Tribüne" wurde wegen Beleidigung des Redakteurs und Verlegers des Blattes„Henne" in Ilmenau vom dortigen Schöffengericht zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. Der tlägerische Anwalt hatte eine„ganz exemplarische" Freiheitsstrafe beantragt. Die Verhandlung"selbst führte zu einer schweren moralischen Niederlage des Klägers. Wegen Beleidigung eines Pastors wurde vor einiger Zeit Ge- nosse Leopoldt, Redakteur am Halleschen„Volksblatt", vom dortigen Schöffengericht zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Das Landgericht hat in der Berufung die Strafe auf einen Monat herabgesetzt.— Der Verleger des Hallefchcn„VolksblatteS", Ge- nosse Groß, wurde von der Beleidigung des Gendarmen Parl aus Lockwitz von der Strafkammer des Landgerichts in Halle frei- gesprochen._ Sozialee« UusallvcrhütungSvorschriften find für die Katze. Wegen fahrlässiger Tötung infolge eines Bauunfalles hatte sich am Donnerstag der Schachtmeister Oskar Polzin vor der zweiten Strafkammer des Land- acrichtS III zu verantworten. Auf dem Gelände der Terraingescll- schaft„Groß-Bcrlin" in Friedrichsfelde werden seit Anfang Sep- tember vorigen Jahres Erdarbeiten zwecks Anlegung von Straßen ausgeführt. Die abzuschachtenden Bodenmasien werden mittels einer Feldbahn mit Lokomotivbctricb etwa zwei Kilometer weit fortgeschafft. Gegen Abend des 27. September wurde dem Schacht meist er Polzin von dem Vorarbeiter gemeldet, daß an einem Äippwagen des bereits beladenen ArbeitSzngcs eine von den beiden Feftstellvorrichtungen— ein sogen. Schlemper— fehle. Der Schachtmeister erwiderte:„eine Reise geht er noch." Er gab aber dem Bauschmied den Auftrag, den Schlemper anzubringen. Entgegen den Unfallverhütungsvorschriften verblieb auch der Kippwagcn im Bauzug, welcher nach der„Kippe" abfuhr. Als der Zug leer zurückkam, lvollte der Schmied den Schlemper anbringen, aber er paßte nicht. Und da es inzwischen Feierabend war, wurde der schadhafte Wagen auch wieder beladen. Als der Kasten etwa zur Hälfte voll war, kippte er um. Ein jammervolles Geschrei drang unter dem umgekippten Kasten hervor.. Der Arbeits- burfche Landskron aus Friedrichsfelde lag unter dem Wagen eingeklemmt. Derselbe wollte gerade den Wagen schmieren, als der Wagen»inkippte. Auch hier war gegen die Unfall« verhütungsvorschriften verstoßen worden. Erstens war der Junge erst 15 Jahre alt und durfte deshalb zu derartiger Arbeit nicht verwendet werden: und zweitens sollen die Wagen während des Beladen? nicht geschmiert werden. Der Junge wurde noch lebend hervorgezogen, starb aber bald nach der Ein- lieferung im Krantenhause Friedrichshain. Der angeklagte Schachtmeister verteidigte sich damit, daß es nicht üblich sei, wegen solch kleiner Mängel— Fehlen eines SchleinperS— einen Wagen gleich auszusetzen. Außerdem hätte er geglaubt, der Schmied würde die kleine Reparatur noch fertig machen. Am anderen Morgen hätte er aber soviel anderes zu tun gehabt, daß er sich um den Wagen nicht mehr kümmern konnte. Auch hätte er dem Jimgen keinen Auftrag gegeben, den Wagen zu schmieren. Derselbe hätte lvohl bisher bei dem Pferde- betrieb die Wagen geschmiert; zum schmiere» bei dem eben ein- gerichteten, viel gefahrvolleren Dampfbetrieb, hätte er aber einen älteren Mann bestimmt. Ein als Zeuge vernommener Arbeiter bekundete auch, daß der Junge nach dem Unfall noch gesagt hätte: .Der Meister hat mir nich: geheißen". Ein als Sachverständiger vernommener Geheimer Regier nngsbaurat der kgl. Eisenbahndirektion wurde zum Verteidiger des Angeklagten. Er meinte, bei solchem Baubetrieb wird eS crfnhrungsgcmnß mit de» Borschristeil nicht immer so genau geiiomnien. Es hätte auch nicht viel auf sich gehabt, daß der Schachtmeister den Wagen, trotz de« Fehlens deS SchleinperS, im ArbeitSzug beließ. Er hatte dem Bauschmied den Auftrag zur Reparatur gegeben, und et hätte sich darauf verlassen können, daß der Schmied den Wagen noch machte. Wenn der Arbeiter, welcher den Wagen belud. den Kasten nicht ungleichmäßig belastet hätte, so wäre er nicht umgekippt. Der Schachtmeister hätte nicht so viel Zeit, jeden Morgen jeden Wage» nachzusehen, ob er auch betriebsfähig ist. Da- zu hätte er wieder noch seine Vorarbeiter, auf die er sich verlassen müßte. Trotzdem nun zwei Zeugen bekundet hatten, daß der Unternehmer erst zwei Tage vor dem Unfall dem Schachtmeister ans» drücklich aufgegeben hatte, jeden schadhaften Wagen sofort au reva- tiereit, wurde der Angeklagte freigesprochen. Die Urteils- gründe des Gerichts deckten sich vollständig mit dem Gutachten des Herrn Geheimrats. Der Staatsanwalt hatte vier Monate Gefängnis beantragt. Aufs schärfste zu mistbilligen aber ist, dast zur Entschuldigung der Fahrlässigteit, die ein Menschenleben vernichtet hat, seitens des Sachverständigen und des Gerichts die häufige Uebertretung als Entlastung angenommen wurde. Diese Praxis auf andere Delikte übertragen, mühte dahin führen, den Gewohnheitsdieb freizusprechen. Die Befolgung der Unfallverhütungsvorschriften wird immer laxer, Leben und Gesundheit der Arbeiter würden immer mehr gefährdet werden, wenn die in diesem Prozeß betätigte Praxis allgemeine Regel werden sollte. Würde für alle Fälle fahrlässiger Körperverletzung derjenige, der von der hastigen Arbeit Gewinn hat, der Unternehmer selbst, bestraft werden und würden als Richter in solchen Fällen nur aus allen Teilen der Bevölkerung von dieser gewählte Richter sitzen, so würde die von Jahr zu Jahr wachsende Zahl der Unfälle endlich erheblich geringer werden._____ Wieder ein Eingriff in das Sclbswerwaltungsrccht der OrtS« Krankenkaffen. Der soeben erschienene Geschäftsbericht der Ortskranlenlasse für Fabrikbetriebe zu Krefeld beschäftigt sich ausführlich mit einem »Erlast" des Herrn Regierungspräsidenten in Düsseldorf, welcher der Ortskrankenkasse des Bezirkes ganz genau vorschreiben möchte: »welche Bücher und Formulare in der Kassenverwaltung zu benutzen sind, wann und unter welchen Voraussetzungen Zahlungen geleistet werden dürfen, wie und wo über den Empfang der Gelder Quittung z» leisten ist, wie sich die K a s s e n r e n d a n t e n und wie sich die Kasienvorsitzenden, sowie die Vorstände zu verhalten haben". Ein 103 Seiten starkes Buch enthält alle diese sonderbaren Vor- schriften und könnte, wie der Bericht treffend bemerkt:„ein Mittel werden, um Kassenvorstände und Beamte ihr ohnedies nicht leichtes Amt noch schwerer zu machen". Bezeichnend ist eS auch, daß zu dieser völlig ungerechtfertigten „Verfügung"— die LandeS-BerficherungSanstalt der Rheinprovinz den Anstoß gegeben hat, welche sich seit Jahren be« mühte:„die Krankenkassen zur Benützung rechtun- brauchbarer Formulare zu bewegen"!! Offenbar wittern die Reaktionäre und Bureaukraten der Versicherungsanstalt Morgenluft und glauben, wie der Bericht der Kasse bemerkt, dast„die Krankenkasse ihre Diener, die ohne zu murren und ohne Entschädigung das tun sollen, waS die Herrin verlangt". Da nun einzelne Gemeinden laut Ortsstatut, denn anders ist es ja in Preutzen nicht möglich, den Krankenkassen die Einziehung der Jnvalidenbeiträge übertragen haben, so glauben eben die Herren Landesräte, daß diese für derartige Zwecke zu zahlende Der- gütung„weggeworfenes Geld", nur durch„Anstellung von Militäranwärtern als ständige Kontrolleure die Entrichtung der Beiträge genügend sichergestellt Werden könne". Deshalb war der Regierungspräsident auch so„gütig", den Kassenvorständen zu schreiben, daß sich herausgestellt hat,„dast die Kassenführung namentlich bei kleinen Kassen eine sehr mangelhaste sei."„Die Gründe liegen hierfür im wesentlichen in der Per- sönlichkeit der betreffenden Rendanten, die vielfach nicht die nötige Vorbildung in Kassensachen besitzen, auch teilweise nicht die Fähigkeit und Energie haben, sich in die Kassengeschäfte einzuarbeiten oder wegen hohen Alters dazu ungeeignet find."— „Jedenfalls ist zu venneiden, daß lediglich BcrsorgungS- oder sonstige in der Person des zu Bestellenden liegende Rück- sichten bei der Wahl zum Kassenrendanten mastgebend sind, und auf diese Weise mehr Leute in vorgerücktem Alter in diese Stellung kommen, als dies im Kasseninteresse erwünscht erscheint." DaS sind MugdanS-Worte! So lange hat der Edle gewütet, bis auch der Regierungspräsident im Rheinlande diesen Erguß wagte. Interessant ist es auch, daß auch die Frage des Alters jetzt eine Rolle spielt und weist man trotz diesem Ukas nicht recht, wann die Regierungsweisheit das Schwabenalter beginnen und beenden läßt. Alte Mummelgreise werden Ober- Präsidenten und Minister, sie sind nie zu alt! Auch Bauern- bürger meist er führen die Geschäfte der Gemeindekranken- Versicherung und sie sind alle„intelligent', besitzen auch die„nötige Vorbildung" usw. Das wollten ja natürlich die so angegriffenen Rendanten der rheinischen Krankenkassen nicht gelten lassen und haben 70 an der Zahl in einer Versammlung einmütig gegen diese sonderbare„Verfügung" protestiert! Aber auch die Großindustriellen grollen dem Präfidenten. Die„Kreselder Zeitung" brachte eine Meldung, wonach der Verband rheinisch-westfälischer Betriebskranken- kästen diese Verfügung„als über den Rahmen der Ge- s e tz e s b e st i m m u n g e n hinausgehend und als ein Eingriff in die den Krankenlassen gewährleistete Selb st Verwaltung anzusehen s ei. Auch sei die An- Weisung ganz undurchführbar und wäre eS bester gewesen, vorher die Krankenkassen erst zu hören." Braucht das ein preustischcr Regierungspräsident? Nein, er„verfügt" einfach, trotz Gesetz und Selbst- Verwaltung!_ Die elende Lage der Techniker wird durch nachstehendes Inserat, welches in der letzten Nummer der „Deutschen Vakanzen-Zeitung" veröffentlicht ist— aber durchaus nicht ein einzelner Fall ist— treflich illustriert. „Bekanntmachung. Die Stelle eines Baubeamten soll möglichst bald besetzt werden. Das Gehalt beträgt 1400 M. jährlich. Bewerber mit abgeschlossener Baugewerkschulbildung, und die namentlich Erfahrung im Hoch- und Tiefbau, in Kanalisation und in der Aufstellung von Baufluchtlinienplänen' haben, wollen sich melden bei dem Magistrat in Blomberg in Lippe." Etwa 30 Jahre alt wird der Techniker sein, wenn er alle die verlangten Erfahrungen gemacht haben wird. Und dafür winkt ihm dann das fürstliche Gehalt von 1400 M. jährlich. Als besondere Vergüligung erhält er dann vielleicht den Titel„Stadtbaumeister". Und doch dünkt sich der größte Teil der Techniker etwas Besseres als Arbeiter und bekämpft die auf Befreiung des Arbeiters von den wirtschaftlichen und politischen Fesseln gerichteten Bestrebungen der Sozialdemokratie. Huö Induftm und Ftandel. Tätigkeit der Syndikate. Die Generalversammlung des„Syndikats deutscher Zuckerraffinerien" hat den Vertragsentwurf, der eine Zentralisation des Verkaufs von Konsumzucker im Jnlande be- zweckt, angenommen. Motiviert wird dieser Akt der Selbsthülfe mit der zum 1. Septcniber 1903 erfolgenden Zulastung russischen Zuckers auf dem englischen Markt, wodurch die Lage der deutschen Industrie verschlechtert werde. Die heimischen Verbraucher sollen diese Verschlechterung der Profitinteressen büßen. An der General- Versammlung nahmen 4? Fabriken teil, die angeblich 00 bis 70 Proz. des Jnlandsverbrauches und etwa 80 Proz. des Exports decken. Unter den Verbänden, die in letzter Zeit ins Leben getreten sind, ist jener der deutschen Häuteabnehmer von besonderem Jnter- esse. Handelt es sich doch bei ihm nicht um die Kartellierung der Verkäufer, sondern um einen Zusammenschluß der Käufer auf den Häuteauktionen. Durch die Vereinigung der Schlächter in deix Häuteverwertungsgenossenschaftcn war der Schwerpunkt des Häute- Handels in die Auktionen verlegt worden, wo sich die Einkäufer einer geschlossenen Phalanx der Verkäufer gegenübersahen. Diesem Zustand will der vor kurzem gegründete lose Verband der Häute- Verkäufer ein Ende machen. Die ihm angchörigen Händler, Fabri- kanten und Kommissionäre haben beschlossen, in Zukunft bei den Auktionen nicht mehr Kaufanträge zu bestmöglichsten Preisen, sondern nur zu limitierten Sätzen zu geben. Infolge der starken Einfuhr von belgischem Tafelglas behauptet der„Verein deutscher Tafelglashütten" gezwungen zu sein, die jetzt schon verlustbringenden Verkaufspreise für Tafelglas neuerdings herabzusetzen. Die sächsischen Glashütten schlössen gemeinsam mit den rheinischen Hütten eine Konvention für SpezialProdukte, Matt- und Musselinglas ab. In der Ende April zu Brüssel abgehaltenen Versammlung des Internationalen Spisgelglasverbandes wurde einstimmig beschlossen, die Erzeugung in belgischen, holländischen, deutschen, französischen, österreichischen und italienischen Fabriken um 30 Proz. der Herstellungsmöglichkeit» gegebenen- um 40 Proz. herabzusetzen. Wohin die Preispolitik dcS Rhcinisch-westfälischen Äohlea» syndikats führt, das zeigt die in der Generalversammlung der Hamburg-Amcrika-Linie gemachte Mitteilung, daß die Gesellschaft sich ganz dem Gebrauche der englischen Kohle zuwenden werde, da die Preise der deutschen Kohle den bestehenden Verhältnissen noch immer nicht angepatzt werden. Die Marktlage ist übrigens so, daß ein Rückgang der englischen Kohlenpreise erwartet wird. Aus diesem Grunde ist die Neigung zu langfristigen Kontrakten gering und speziell in Hamburg, wohin die Zufuhr englischer Kohle zu» nimmt, machen die Kohlenprotzen des Rheinlandes verdammt schlechte Geschäfte. Das Kohlensyndikat hält aber trotzdem an seiner Preispolitik„unentwegt" fest; mögen auch täglich Meldungen über Betriebseinstellungen industrieller Werke einlaufen, mag auch die Stahlindustrie des Auslandes eine weitere Preisermäßigung ankündigen und so den deutschen Wettbewerb erschweren: die deutsche Industrie muß sich nach wie vor den Druck der hohen Kartellpreise gefallen lassen. Das Syndikat ist zu keiner Kon- zession bereit. Das Profitinteresse über alles! Wenn einmal die Arbeiter so ihr ungleich höheres Lohnintcresse verfolgen würden ..... wie würden da Staat und Ausbeuter Zeter schreien! Terrorismus ist eben ein Monopol der Kartellritter. Etwas Rebellion. Eine Interessengemeinschaft, die au? dem Zentralverband deutscher Industrieller, dem Bund der Industriellen und dem Verein zur Vorbereitung von Handelsverträgen besteht, hielt am Sonnabend eine Versammlung ab, um über die Schaffung einer Reichsaußenhandelsstelle zu beraten. Das Referat über die ge- plante Reich shandelsauskunfts st elle erstattete General- sekrctär des Bundes der Industriellen Dr. Wendtlandt-Berlin. In der Diskussion nahm Herr Bueck, Generalsekretär deS Zentral« Verbandes der Industriellen, scharf Stellung gegen den vom Referenten entwickelten Plan. Infolgedessen erklärte nunmehr der Bund der Industriellen seinen Austritt aus der Interessen« gemeinschast._ Lebensmittelverteuerung. Die Händler der Kolonialwarcnbranche sind anscheinend der Meinung, durch unsere Zoll- und Steuerpolitik werde den Kon- sumenten die Lebenshaltung noch nicht genügend verteuert, so daß sie, zu ihrem Vorteil natürlich, noch etwas nachhelfen müssen. Wie'S gemacht wird, verrät der Bericht des Rabattsparvereins Freiburg i. Br. Es heißt darin: „Die stärkste Gruppe des Vereins, die der Kolonialwaren- Handlungen und verwandten Branchen(Gruppe VI), ist dazu übergegangen, die Preise für solche Artikel, die bisher unten Preis verschleudert wurden und von der Konkurrenz noch der« schleudert werden, nach unten zu begrenzen(Mindestpreise). Vorläufig sind von dieser Maßregel Zucker und Pettoleum betroffen worden. Es wurde anfangs wohl befürchtet, daß diese Artikel ganz Der Konkurrenz anheimfallen würden; es hat sich aber gezeigt, daß diese Befürchtung grundlos war, denn die fest- gesetzten Mindestpreise— deren Höhe durch den Gruppcnvorstand bestimmt—, sind durchweg eingehalten worden, ohne daß ein fühlbarer Nachlaß im Umsatz in diesen Artikeln eingetreten wäre." „Da sehen wir bereits die Lebensmittelvcrteurer an der Arbeit," bemerkt dazu ganz richtig das„Konsumgenossenschaftliche Volksblatt". Mit Zucker und Petroleum fängt es an; bald werden die Herren feststellen, daß auch in anderen Artikeln„geschleudert" wird und auch für diese Mindestpreise vorschreiben, natürlich nicht zu niedrige, und je mehr oie Herren essen, desto stärker wird ihr Appetit werden. Nun wachsen ja allerdings die Bäume der Rabatt- sparvcreinler nicht in den Himmel, dafür sorgen die Konsumver- eine. Die Konsumenten sehen aber aus dem Beispiel, wie töricht sie im Grunde handeln, wenn sie im Rabattsparvereinsladen kaufen. Das ganze Rabattwesen ist eine Vorspiegelung falscher Tatsachen, deren Möglichkeit auf der alten Wahrheit beruht, daß die Welt be- trogen sein will. Und obendrein unterstützen die Betrogenen die Bestrebungen der Händler zur Verteuerung aller Lebensmittel. Danksagung. Für die, aus Anlast meines 70. Geburtstages, mir bärge- brachten Ucberraschungen, verbunden mit großartigen Arrangements, sage ich allen lieben Freunden, Freundinnen, liebwerten Kollegen und Kolleginnen von Nah und Fern, dem Vorstand und Ausschuß, sowie den Gauleitern des deutschen Tabakarbeiterverbandes, den Bevollmächtigten und Vertrauens- lcuten der Zahlstelle Berlin, der Zentralkommission der Tabakarbeiter Deutichlands, sowie den Mitgliedern des Gesangvereins„Nord" den herz- lichsien u»d tiefgefühltesten Dank. Diese beiden Tage werden mir unvergeßlich sein. 187/5 Kerrl Bntry. Ysllc dem Arbeiterstande angehörigen, in Berlin und Umgegend woh- ncnden werden gebeten, ihre Adresse Herrn L. Schlaf in Taucha-Leipzig bekannt zu geben. l8g4b Der Deutsche Stenotachygraphen- Bund. L,eHrimtis Gelegenheitskäufe verfall. Gels- und Silbersachen, Brillanten etc. lckelitt6hr5trnPriozeDSti,.28I Klumkn- u»i> Krambindttti von kobert Meyer,. zur Mnriauukli-Strasze 2. Dr. Schünemann Sveziat-Arzt für 25292* Kant, and Harnleiden, feVauenkrunkheiten. Friedrichsir. 203, Ecke Schüycustr 10-», 5—7, Sonnt. 10— IS Uhr Cofastoffe Rlesenauswahl aller Oualltälen. Wolle- Daetal nocqnetta. RIOsch ncalC! Satteltascben. Muster b. näh. Angabe franko. Emil Lefeyre, 0"™"" v ISB. FL 160 n. 200 _ Kauflich in Apotheken, Drogen- n. Kolonial-GeschSften. Häufig wird die Frage aa aas ffertchtet, wann und wieviel Santa Lucia Kraft-Eotweln der der Bt&rkung Bedarf tlge trinken•oll')- Antwort: Stande vor jeder Mahlreit, also vor dem 2. Frahstüok, vordem Mittag- nnd Abendeesen je'f jGIas Santa Lucia genossen, wirkt wunderbar hellsam auf den gasien menschlichen Organismus. Kraft-Rotwein OrtsverwaUung Berlin. Bureau: Berlin N. 54, Brunnenstr. 188, Restaurant Wille. Amt Illa, 4885. ' �ektunx!: 50'4• Wir empfehlen bei Veranstaltung van Vergnügen usw. den geehrten Vorstände«, Komitees und Saalinhaberu unseren kostenlosen Arbeitsi»achweis, Brnnnenstratze 188. Geschäftszeit täglich von 10'!,— 1 Nhr mittags. Kapellen vom größten b!S kleinsten Orchester stehen jederzeit zur Versügung. Der Vorstand. NK Unsere Mitglieder sind Im Besitz einer Kontrollkarte. Dieselbe Ist für das 2. Quartal weiß und muß mit dem Verbanosstcmpel verschen sein. Alle andere Legitimation ist ungültig und ist sofort anzuhalten. Vom ll. bis 16. Mai 1908 werde ich im 272/2» Hotel Quoos, Schaiowstraße, Ecke Dorotheenstraiie. _ anwesend sein, um A?" künstliche Augen direkt nach der Natur für Patienten anzufertigen und einzupassen. F. Ad. MQIIer, iuplHer m WieMn. Gemeinsame Ortskrankenkasse für Dt.-Wilmersdorf u. Umgeg. Mastngebiihrentarif. Beschlossen in der suSorordentliche» Genereiversammlung am 6. Februar 1908. Für die Durchführung des Mahn- Verfahrens gemäß§ St des Statuts betragen die Mahngebühren: 1. bis 8M. einschlteßl. 0.10M. 2. üb. 3 M. bis 15 M. einschließlich... 0,20.«-n. Z.üb.,5M.bis150M.' einschließlich... 0,40. Porto. 4. über 150 M. ein- schließlich....0,75, Die Mahngebühren werden in der- selben Weise wie die Rückstände bei» getrieben. Der Vorstand. gez. Wegener, gez. Schulze, Vorsitzender. Schristsührer. Genehmigt Deutsch-WilmerSdors, 2l. April 1908. Ter Aiagistrat gez. Stelnborn. Mark Vchrntti«- TeUzatlutt« ödere ne fertige elegente\ lt>2» flerren-GarMieii «tic» Nie Keal. Julius Fabiun. Samribermeifter, Gr. FrankturtBRir. 37," etnsanj Elraubberger«atz. Stempel- Fabrik von 10302» Robert Hecht, Berlin Oranienstr. 142, liesert schnell und billig alle Zlrten Stempel in bester Aussührnna. Rautsch,lk-Thpen„Perfekt» zum Zusammensetzen einzelner Wörter sowie ganzer' Sätze von l.SO M. an Dnftfni liesert srank. garant. Hill Irl naturr. Kubbutter, UUlllI joBjb. Kolli7.50M.: 10 Psd.« Dose Bienenhonig 4,50 M.. zur Probe Bulter Honig 5,75 M. Frau Toni Andermauo, Bnczaca Xo. 4 via Breslau. H.Pfau, Dircksenstraße 20 zwischen Bahnhos Alexanderplatz und Polizeipräsidium.— Amt VII, 13799. 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Und so pilgerten am Sonntag schon in aller Frühe zahlreiche Parteigenossen und Genossinnen hinaus nach dem städtischen Zentral- friedhos in SUiedrichSfelde, um unserem vor Jahresfrist der- storbenen Vorkämpfer Jgnaz Auer an seiner Grabstätte ein sichtbares Zeichen der Dankbarkeit zu errichten. Damit nie- mand Schaden leide, hatte unsere fürsorgliche Polizei sich in ansehnlicher Stärke eingefunden. Von der Ecke der Frankfurter Chaussee an die ganze Gudrunslrasie entlang, waren eine ganze Anzahl Schutzleute— mit umgeschnallter Browning- Pistole— aufgestellt, ungerechnet die Zahl der Llriminalbeamten, die sich in der Rolle von Zuschauern gefielen. Auf dem Friedhof selbst blitzten zahlreiche Helnispitzen der Niederbaniimer Gendarmerie durch das frische Grün des Strauchwerks, der imposanten Trauerversamm- lung so recht eindringlich zum Bewußtsein bringend, daß wir in Preußen-Deutschland in einem Polizeistaate leben. Die Grabstätte Auers liegt in unmittelbarer Nähe unseres „Alten", dem unvergeßlichen Wilhelm Liebknecht. Zwei Kampf- naturen, die. jeder nach seiner Art, ihr ganzes Leben dem Emanzipationskanipfe deS Proletariats gewidmet und erst hier Ruhe gefunden haben. Die Feier auf dem Friedhofe wurde eingeleitet durch Gesang der Vereine Männerchor 1905 und Freier Männerchor, worauf die Hülle des Denkmals fiel. Hierauf nahm Genosse Paul Singer — auch einer von den Alten— das Wort zu einer Gedächtnisrede, in der er etwa folgendes sagte: „Was vergangen, kehrt nicht wieder, ging es aber leuchtend nieder, leuchtet v lange noch zurück". In formvollendetster, lebenS- wahrer und eindrucksvoller Darstellung hat der Künstler Jgnaz Auers Bild heute wieder vor uns entstehen lassen, wie die Dankbar- keit, Liebe und Verehrung der Arbeiter es noch heute im Herzen tragen. Bor wenig mehr als einem Jahre erschütterte uns die Trauerkunde von Jgnaz Auers Hinscheiden. Wir gedachten der Zeit, da wir ihn zum erstenmal gesehen hatten. Nach harter, arbeitS- reicher Jugend kam Jgnaz Auer im Jahre 1872 zum erstenmal nach Berlin und stand bald an der Spitze der kleinen Geineinde, die unter dem Namen der Eisenacher die marxistisch- sozialistische Theorie zur Wahrheit zu machen suchte. Bald wurde Auer auch von Berlin zu den Kongressen der Partei delegiert, und so wurde er durch die kluge Art, die Anschauungen der Partei zu vertreten, bald weiteren Kreise» bekannt, gewann rasch das Vertrauen der Genosse» und gehörte schon in jungen Jahren zu denjenigen, auf die die Partei mit Recht große Hoffnungen setzen konnte. In Dresden leitete dann Auer die Expedition unseres dortigen Parteiblattes und stand im Bordergrunde der Agitation, bis rhn die Berliner Partei- genossen wiederum nach Berlin beriefen, um in der AffoziationS- druckerei und der Redaktion der„Freien Presse" tätig zu fein. Wir, die wir schon jene Zeit mit ihm gemeinsam durchlebt haben, wissen, mit welch unvergänglicher Treue und unbeugsamer Kraft er damals die Arbeit auf seine Schultern ge- nommen hat. Damals band noch mehr als heut? persönliche Empfindung die einzelnen Genossen aneinander und gerade in Er- innerung an jene Zeit empfinden wir Jgnaz Auers Verlust doppelt schwer. Dann kamen die denkwürdigen Jahre deS Sozialistengesetzes, denkwürdig für die Partei, schmachvoll für die bestehende Gesellschaftsordnung. Ihnen allen ist die Mahnung bekannt. mit der Auer, nach der Verhängung des BelagerungS- zustandes. einer der ersten unter den Ausgewiesenen, daS Abschiedswort der Ausgewiesenen schloß:„Laßt Euch incht pro- vozicren, tut Euren Gegnern nicht den Gefallen, das zu tun, worauf sie warten, um die Partei vollends zu ruinieren." Wie von Berlin. so wurde Auer auch in Haniburg und Harburg von HauS und Hof Vertriebe», bis er in der Heimatstadt seiner Frau, in Schwerin, eine kurze Zeit verhältnismäßiger R»he fand. Dann beriefen ihn die Genossen nach München zur Leitung der Expedition unseres dortigen Parieiblatres. Er war unermüdlich agitatorisch tätig und sein Verdienst ist es in erster Reihe, daß die Partei in Bayern lebendiger wurde. In einem Geheimbundsprozeß versuchten die Miinchener Behörden, das preußische Polizeispitzeltum auch nach Süddeutschland zu verpflanzen. Aber dank der klugen und unerschütterlich ruhigen Führung des Prozesses durch Auer als Hanptangeklagten brach die haltlose Anklage von Stunde zu Stunde der Verhandlung mehr zusammen. Zum Schlüsse war es dem Gerichtshof klar, daß er durch die Polizei- scherzen irregeführt worden war, und der Prozeß endete mit einer glänzenden Freisprechung. Aber schon damals inußte Auer infolge der schweren Schicksale, die ihm dank der Polizei- Heimsuchungen beschieden waren, einen längeren Auscnthalt in einem südlicheren Klima nehmen, um seine schwankende Gesundheit wieder herzustellen. Aber auch dort war er rastlos tätig, und wir verdanken jenen Monaten das Werk„Nach zehn Jahren", eine Darstellung der Wirkung des Sozialistengesetzes in den ersten zehn Jahren, die weit über die Kreise der Partei hinaus Aufsehen und begeisterte Zustimmung erregte. Allen Eifer, dessen er sähig war, und all' die glühende Liebe zum Proletariat, die seine Seele erfüllte, hat Auer in dieses denkwürdige Dokument der Schande hineingelegt, das er den Nachkommen hmterlassen hat. Unsere aufrichtige, sinnige Dankbarkeit ist ihm daiür über das Grab hinaus gewiß. Auer hat da- malS unseren Gegnern warnend zugerufen:„Wehe denen, über die all' der Haß, all' die Verachtung sich ergießen wird, die dieses Gesetz dem Volke eingeflößt hat." Ja. wehe ihnen I Wir werden nicht eher rasten, als bis die Schmach des Sozialistengesetzes gesühnt ist durch die volle Be- freiung des Proletariats. Nach dem Fall deS Sozialistengesetzes er- stattete Auer auf dem ersten Parteitag zu Halle das Referat über die Organisation, die sich die Partei neu geben mußte. Dazu kommen wir zu der Höhe seines Wirkens als Sekretär des Parteivorstandes, da er agitatorisch alle Kräfte zur Propagrerung unserer Ueberzeugungen und Gedanken verivandte und organisatorisch die Reihen fest zusamineuschloß. Wir. die wir mit ihm im Parleibureau zusammenarbeiteten, wissen, wie eifrig und fnichtbar er stets gearbeitet hat. Aber bald mußten wir zu unserem Entsetzen bemerken, daß uns JAiiaz Auer nicht mehr lange erhalten bleiben würde, weil die tückische Krankheit immer weiter um sich griff, die der Kunst der Aerzte und der aufopfernd treuen Pflege seiner Lebensgefährtin spottete. Aber schon, als er körperlich nicht mehr in der Lage war, unseren Verhandlungen beizuwohnen, da ging sein Herzens- wünsch in Erfüllung, da wurde sein Lebenswerk gekrönt. Als auf dem Mannheimer Paneitage festgestellt wurde, daß der Zusammen- hang von Partei und Gewerkschaften immer inniger werden sollte, als unter begeisterter Zustimmung aller Delegierten der Partei und der Gewerkschaften der Satz ausgesprochen lvurde: Partei und Gewerkschaften sind eins und fühlen sich eins, da strahlte noch einmal dos Gesicht unseres Jgnaz Auer vor Freude. War doch erreicht, wa-Z er sein Leben lang im harten Kampfe erstrebt hatte. Als am 10. April v. I. die Fittiche des Todes über Jgnaz Auer zusammenrauschten, als wir uns an den Gedanken gewöhnen mußten, daß wir ihn nicht mehr sehen, ihm nicht mehr die Hand drücken könnten, da haben wir den Verlust mit furchtbarer Schwere empfunden. Die Dankbarkeit der Genossen hat ihm diesen Denkstein errichtet, und uns bleibt heute nichts. anderes übrig, als angesichts des dahin gegangenen Freundes zu geloben, in seinem Sinne weiter zu arbeiten für die Befreiung der Arbeiterklasse, zu vollenden, was er vor-, i bereitend angestrebt hat, den Samen zu pflegen, den er gestreut. In I seinem Sinne stihren wir auch den Kampf um ein gerechtes Wahl- � recht in Preußen, dessen nächste Etappe die Wahl selbst sein wird. "Wenn Sie neue Kämpfer für das Proletariat werben und neuen Boden schaffen für die gesetzliche_ Vertretung der Forderungen der Arbeiterschaft, werden Sie im Geiste unseres toten Freundes handeln. Wenn aber einst die Zeit ge- kommen ist, wo das befreite Proletariat Recht und Wahrheit, Frei- heit und Brüderlichkeit zum Siege geführt hat, dann werden huldigend die Söhne des Volkes zu dieser Stätte ziehen, wo die beiden großen, unvergänglichen Vorkämpfer des großen Freiheits- kampfes ruhen. Streben ivir mit aller Kraft weiter nach den Zielen. für die Jgnaz Auer gelebt hat und gestorben ist. Sei gegrüßt, Unvergeßlicher!" Unter Absingen des LiedeS:„Ein Sohn des Volkes" erfolgte der offizielle Schluß der Feier, die sich in ihrer Einfachheit und Schlichtheit ganz dem Wesen deS Verstorbenen würdig zeigte. Im Laufe deS TageS defilierten Tausende von Arbeitern und Arbeiterinnen an den Grabstätten Auers und Liebknechts vorüber, den von den Genossen gestifteten Denkstein in Augenschein nehmend. • DaS Denkmal ist auf Grund deS aus dem Wettbewerb hervor- gegangenen Ouittmaitnfchen Entwurfes gefertigt. Es stellt einen Felsblock dar, der oben das Porträt Auers zeigt. Der Kopf ist mit geschlossenen Augen gegeben, als Ausdruck der Ruhe, des innerlichen Wesens des Verstorbenen, das den Zügen deutlich aufgeprägt ist. Seitlich kniet eine nackte Gestalt, ein Arbeiter, der den Hammer aus der Hand gelegt hat und einen Kranz hält. Die Inschrift beschränkt sich auf die Worte: Unser Jgnaz Auer. Geboren 19. 4. 1846.— Gestorben 10. 4. 1907. Partei- EtogelegenKeiten. An die Parteigenossen Berlins«nd der Provinz Brandenburg! Die neue Lokalliste erscheint zum Himmelsahrtstage. Wir ersuchen daher, alle Aenderungen bezw. Neuaufnahmen bis spätestens DieuStag, den 12. Mai, an die nachverzeichneten Kom missionSmitglieder gelangen zu lassen: Für den l. Wahlkreis an den Genossen Paul Bartsch, NW. 23, Lessingstraße 32. Für den II. Wahlkreis an den Genossen Heinrich Schröder, ZW. 47. Hagelbergerstraße 27. Für den HI. Wahlkreis an den Genossen Karl König, L. 59, Jahnstraße 24. für den IV. Wahlkreis an den Genossen Karl Rott, v 34, ntannstraße 29. Für den V. Wahlkreis an den Genossen Albert Hahnisch, C 54, Auguststr. 51, Ouergeb. part. Für den VI. Wahlkreis an den Genossen Richard Henschel, N. 28, Wollinerstraße 51, II. Für Nieder-Barnim an den Genossen Hermann Elias, O. 112, Blumenthalftraße 24. Für Teltow-Bceskow an den Genossen Karl Rohr, Rixdorf, Selchowerstr. 15—16, IV. Für Polsoam- Osthavelland an den Genossen August Paris, Velten, Lusenstr. 17. Für alle übrigen Orte der Provinz sind Mitteilungen zur Lokal liste durch die Borsihenden der Kreise au den unterzeichneten Ob- mann der Kommission zu richten. Um das rechtzeitige Erscheinen der Lokallistc zu ermöglichen, ersuchen wir die Parteigenossen dringend, alle Mit- tcilungen in Lokalangclegcnheiten für Groß-Berlin dem zw ständigen Kommissionsmitgliede, für die übrigen Orte der Provinz dem Vorsitzenden des betreffenden Kreises zu übermitteln.— Ferner weisen wir wiederholt auf den in den Lokalkonfcrenzen der Lokaltreise so oft gefaßten Beschluß hin, wonach die örtlichen Kom missionSmitglieder unbedingt verpflichtet sind, vor dem Erscheinen jeder neuen Liste rechtzeitig an de» Obmann ihres Kreises einen Bericht einzusenden, gleichgültig, ob Veränderungen vor- gekommen sind oder nicht. Orte, aus denen kein Bericht kommt, werden in der Liste nicht weiter aufgeführt und haben sich die betreffenden' Genossen die etwa hieraus entstehenden unangenehmen Folgen selbst zuzu« schreiben. Alle nach dem 12. Mai einlaufenden Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werde» und ersuchen wir, dies zu beachten. Des weiteren ersuchen wir wiederholt, alle Mitteilungen in Lokalangelegenheiten nur durch die oben genannten Kommissions- Mitglieder an den Obmann der Kommission zu richten und nicht direkt an den„Vorwärts". Es entstehen hierdurch nur unnötige Verzögerungen, und da die meisten Einsendungen immer erst in letzter Stunde einlaufen, ist, wenn es sich um eine Sperrnotiz handelt(Vergnügen in einem gesperrten Lokal), eine Publikation nicht mehr möglich. Ter Obmann der Lokalkommission: Richard Henschel, Berlin N. 28, Wollinerstraße 51 II. Zur Lokallistc. In Klosterfeldc, N.-B., ist daS Restaurant „Zum Schultheiß" am Bahnhof gesperrt, alle anderen Lokale sind frei. In Wandlitz- Wandlitzsce. N.-B., ist das Lokal „Terrasse" gesperrt, alle anderen Lokale frei. In Werns- darf, T.-B., hat der Inhaber des Lokals„Gasthof zur Sonne", Herr Erkner, seine Unterschrift zurückgezogen, mithin ist das Lokal zu meide n. DaS Lokal„SporlShaus Kroffinfee" dortfelbst steht uns jetzt zu alle» Veranstaltungen zur Verfügung. Es find also frei:„Sports HauS K r o s i i n s e e". In kaber Schramm, und Gasthos„Zum O d e r- S p r e e- K a n a l", Inhaber Pichl._ Die Lokulkommffsion. Achtung! Berband sozialdemokratischer Wahlvereiue Berlins und Umgegend? Die Leiter der Berliner Urwahlbezirke werden gebeten, die für jetzt nötigen schriftlichen Arbeiten, zu denen die Urwahl- listen gebraucht werden, noch im Laufe dieser Woche zu erledigen, da gleich im Anfange der nächsten Woche die Listen auf kurze Zeit zurückgefordert werden müssen. _ Das Verbandsbureau. WilmerSdvrf-Halensee. Den Genossen zur Kenntnis, daß die allgemeine Flugblaltverbreitung zwecks Aufforderung zur Einsicht- nähme in die Wählerlisten am Miltwoch, den 6. d. MlS., von den bekannten Bezirkslokalen auS stattfindet. Zahlreiches Erscheinen er- wartet Der Vorstand. Steglitz. Mittwoch, den 6. Mai, abends 8'/s Uhr: Wahl- vereinSversainmlnng bei Schellhase. 1. Vortrag. 2. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung Groß-Berlins. 3. Die bevor- stehende Laudiagswahl. 4. Verschiedenes. Treptow° Banmschnlenwcg. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß heute Dienstag die im Ortsteil Treptow fällige Mitglieder- Versammlung ausfällt. Der Vorstand. Stralau. Heute abend pünltlich 8 Uhr Mitgliederversammlung deS WahlvereinS im Lokal von Löke, Alt-Stralau 5. Tagesordnung: Bericht des Gemeindevertreters, Berichterstattung von Groß-Berlin, Aufstellung der Wahlmänner, Anträge und BercinSangelegenheiten. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist das Ersckciiicn aller Ge- »offen dringend notwendig. Der Vorstand. Karlshorst. Heute Dienstag, abends S'/a Uhr, Wahlvereins« Versammlung im Kurfürstenbad. Referent Dr. K. R o s e n f e l d. Vorstands- und Kassenbericht. Erscheinen aller Genossen ist Pflicht. Der Vorstand. WilhelmSruh-Niederschönhausen- West. Heute Dienstag, abends 8 Uhr. Miigliederversammlung bei Barth, Viktoriastraße 7. Zahl- reichen Besuch erwartet Der Vorstand. ßerllncr JVacbrlcbten. Zur Landtagswahl. Eine sonderbare Auffassung über Ausübung staatsbürger» licher Rechte vertritt der Magistrat zu Berlin. Wir haben schon mitgeteilt, daß zahlreichen Personen, die wegen Mcht- aufnähme in die UrWählerliste Einspruch erhoben haben, der folgende gedruckte Bescheid zugegangen ist: Ihrem Antrage, Sie in die Wählerliste für den Landtag nach- zutragen, kann nicht entsprochen werden, weil Sie sich nach Ausweis unseres Aktenmaterials nicht im Vollbesitze der bürger- lichen Rechte befinden und aus diesem Grunde gemäß§ 8 der Verordnung vom 30. Mai 1849 nicht wahlberechtigt sind. . Der ß 8 der oben angezogenen Verordnung besagt: Jeder selbständige Preuße, welcher daS 24. Lebensjahr vollendet hat und nicht den Vollbesitz der bürgerlichen Rechte infolge rechtskräftigen richterlichen Erkenntnisses verloren hat. ist tn der Gemeinde, worin er seit sechs Monaten seinen Wohnsitz hat. stimmberechtigter Urwähler, sofern er nicht aus öffentlichen Mtteln Armenunterstützung erhält. Diese Bestimmung legt der Magistrat vollkommen falsch aus. Er erkennt jeder Person, die jemals mit dem Gesetz in Konflikt geraten und Ehrverlust erlitten hat, auf die Dauer seines Lebens die Ehrenrechte ab. In Wirklichkeit ruht die Ausübung staatsbürgerlicher Rechte, wie wir schon neulich dar- legten, nur für die Dauer des vom Gericht festgesetzten Zeit- raums. Nach der magistratlichen Deduktion würde jemand, der zu irgend einer Zeit eine Ehrenstrafe erlitten, niemals mehr in den Vollbesitz der bürgerlichen Ehrenrechte gelangen. Uns sind Fälle vorgetragen worden, nach denen Personen vor 20, 25 Jahren eine mit Ehrverlust auf eine Zeit erkannte Strafe erlitten, von der Ausübung ihres Wahlrechts ausgc- schloffen werden. Diese Auffassung des Magistrats scheint übrigens erst neueren Datums zu sein, denn fast alle die Leute, die der Magistrat diesmal aus den angeführten Motiven von der Ausübung des Wahlrechts ausschließt, hat er bei früheren Wahlen m die Listen aufgenommen. Woher also aus einmal diese neue Sinnesänderung? Personen, die sich diescrhalb an das Wahlbureau wandten. um noch eine Korrektur der irrtümlichen magistratlichen Auf- fassung herbeizuführen, sind dahin bcschiedcn worden, sich beschwerdeftihrend an den Minister des Innern zu wenden. Obwohl durch Betretung dieses Beschwerdeweges es sehr wahr» scheinlich ist, daß die Beschwerdeführer diesmal leicht um ihr Wahlrecht kommen können, das ihnen zweifellos zusteht. möchten ivir die von der Maßnahme des Magistrats Betroffenen dringend ersuchen, umgehend sich Mit einer diesbezüglichen Beschwerde an die genannte Stelle(Minister deS Innern. Berlin, Unter den Linden 72/73) zu wenden. • Aus dem LandtagSwahlkreise Rixdorf-Schöncberg wird dem „Berliner Tageblatt" geschrieben: „Eine merkwürdige Differenzierung haben die beiden Ge- meinden unseres Wahlkreises bei der Aufstellung der Wähler- listen vorgenonimen. Während in S ch ö n c b e r g die Wühler- listen nach der Einschätzung für das neue Stcuerjahr auf- gestellt worden sind, hat der R i x d o r f e r Magistrat mit Genehmigung des Ministers des Innern die Listen nach dem alten, abgelaufenen Steuerjahr angefertigt. Zweifellos ist das Verfasren ungesetzlich und kann zur Ungültigkeitserklärung der Wahl führen. Die Wahlzeit ist festgesetzt: 2. Klaffe von 9 Uhr vormittags bis 12 Uhr, 1. Klasse von 1 bis 2 Uhr, für die 3. Klaffe von 3 bis 8 Uhr. Die Sozialdemo- kratie rechnet bestimmt auf den Wahlsieg, trotzdem das Verfahren des Rixdorfer Magistrats sie gegenüb:?: den bürger» lichen Parteien benachteiligt. Bei dem jüngsten An- ziehen der Steuerschraube auf Grund des 8 23 des Einkommen- steuergesctzcs waren, wie sie behauptet, viele sozialdemokratische Wähler in die l. und 2. Klasse gekommen, dir nun trotz der höheren Steuer in der dritten wählen." Auch wir finden, be» merkt dazu das„Verl. Tgbl., das verschiedenartige Verfahren der beiden Magistrate höchst bedenklich und sind der Meinung, daß dieses Vorgehen eventuell jzur Ungültigkeitserklärung der Wahl führen muß. -» Der Wirrwarr, den die Behörden in der Auslegung der gesetzlichen Bestimmungen anrichten, wird immer schlimmer und zeigt, abgesehen von der Ungerechtigkeit an sich, deutlich. daß es die höchste Zeit ist, das ganze heutige Landtagswahl- recht schon aus diesem Grunde so schnell wie möglich über Bord zu werfen._ Die Bevölkerungszahl Berlins zeigt alljährlich im M ä rz einen Rückgang. Das Berliner statistische Amt, das die Monatstabellen für März jetzt fertig- gestellt und veröffentlicht hat, berechnet für Anfang April 1903 die Bevölkerungszahl auf 2 101 933 Personen. Da sie für Anfang März auf 2113084 Personen berechnet worden war. so stellt sich das Minus aus März diesmal auf 11 131 Personen. Für den vorjährigen März war eine Verminderung um 11 040 Per- sonen berechnet worden, in diesem Jahre ist also der März- rückgang nur ganz unwesentlich stärker als im vorigen Jahre gewesen. Zu beachten ist aber, daß diesmal schon für den Februar, gegen alle Regel, sich eine Verminderung der Be- völkeningszahl um 504 Personen ergeben hatte, während im vorigen Jahre aus dem Februar noch eine Zunahme um 2518 Personen hatte gebucht werden können. In diesem Jahre war auch das Ergebnis aus Januar schon ungünstiger gewesen als das aus dem Januar vorigen Jahres: Der Januar brachte diesmal nur noch eine Zunahme um 2227 Personen, im vorigen Jahre aber hatte er eine Zu- nähme um 3346 Personen gebracht. Aehnlich hatte sich auch schon in den Monaten Dezember, November, Oktober 1907 gezeigt, daß die Bevölkerungszunahme gegenüber derjenigen aus denselben Monaten des vorhergehenden Jahres erheblich zurüclblieb. Im ganzen konnte aus den: Winterhalb- kahr 1907/08 ein Zuwachs von nur 7664 Per- fönen gebucht werden, während das Winterhalbjahr 1906/07 noch einen Zuwachs von 20312 Personen gebracht hatte. So hat der BeschäftigungSmangcl gewirkt, er hat eine Massen flu cht der Arbeiter aus Berlin zur Folge gehabt. Der verlassene OmnibuS. Die Ziffern der V c r k c h r s st a t i st i k Berlins liegen jetzt für ä den Monat März vor, und man kann nun aufs neue prüfen, wie die»Reform" des Omnibustarifs gcivirlt hat. Bon der Allgemeinen Berliner Omnibusgesellschaft waren im März 1007 auf damals 31 Linien mit Pferdebetrieb noch 0 469 686 Personen befördert worden, im März 1998 beförderte dieselbe Gesellschaft auf 36 Linien mit Pferdebetrieb nur noch 6 782162 Personen. Da. gegen hatte der Berliner Spediteurverein, der den 6-Pfennig-Tarif beibehalten hat, auf seinen drei Linien wieder eine Zunahme des Verkehrs gegenüber demselben Monat des vorigen Jahres zu ver- zeichnen. Er beförderte im März 1907 nur 361 432 Personen, im März 1908 aber beförderte er 381441 Personen. Seit Neujahr 1908 hat die Allgem. Aerl. Omnibusgesellschaft für ihre Linien mit Pferdebetrieb den höheren Tarif. Auf diesen Linien beförderte sie in den drei Monaten Januar bis MSrzdcL Jahres 1007 noch 26 186 352 Personen, aber in denselben Monaten des Jahres 1908 nur 19 444 228 Personen, das macht für 1908 ein Minus von 6 691 129 Personen. Anzufügen wäre hier noch der Verkehr auf den Kraftomnibuslinien, er betrug 4 854 664 Personen im ersten Quartal vorigen Jahres, 3 600 983 Personen im ersten Quartal dieses Jahres. Eine Verminderung ist auch hier eingetreten, aber allerdings ist auch die Zahl der Kraftomnibuslinien gegenwärtig geringer als im vorigen Jahre. Der Spediteurberein hat in allen drei Monaten ein Verkehrsplus gegenüber denselben Monaten des vorigen Jahres gehabt: auf seinen drei Linien de- förderte er im ersten Quartal vorigen Jahre» nur 963101 Per- soncn, aber im 1. Quartal diese» Jahres 1 072 673 Personen. Diese Zunahme ist eingetreten, obwohl die Allgemeine Gesellschaft auf denjenigen ihrer Linien, die mit den Linien des SpediteurvereinS konkurrieren, den alten b-Pfennig-Tarif beibehalten hat. Wir sind gespannt darauf, wie die allerneue st e Tarif. ändcrung wirken wird, die uns demnächst von der Verwaltung der Allgemeinen Berliner Omnibusgesellschaft wieder beschert werde» soll. Den Aktionären der Gesellschaft bereitet die ein- getretene Verkehrsmindcrung schwere Sorge. Aber am schljmmsten werden von diesem»Erfolg" der Tariferhöhung die Schaffner betroffen, die bisher in de» Trinkgeldern einen wesentlichen Teil ihrer Einnahmen sahen und nun mit der Verminderung der Fahrgäste auch eine Schmälcrung der Trinkgelder hinnehmen müssen._ Der Reichstag auf einer SonntasSlesichtigung. Da sage noch einer, dost unsere BollSvertreter keinen Wissensdrang besitzen und das} sie bei Bildung ihres Urteils zu sehr von der ewig grauen Theorie statt von der Praxi« deS Leben» sich leiten liehen. Ja ein Teil von ihnen opfert dem Anschauungsunterricht sogar sein Sonntagsvergnügen, mancher Gläubige unter ihnen sogar eme Messe. Mehr als sechzig ReichstagSboten hatten sich an» vergangenen Sonntag schon vor 9 Uhr morgens am Stettiner Bahnhof eingefunden, um der Einladung der Stadtverwaltung Berlin folgend, eine Besichtigung der Rieselfelder bei Blankenburg, der Irrenanstalt, Lungenheil» anstatt und Siechenhaus in Buch, sowie das in einer Sandwllste errichtete Gut Hobrechtsfelde und die Schweinezüchteret in Schmetz- darf zu besichtigen. Mancher mag geschivanlt haben, ehe er sich zur Mitfahrt«ntschloh. weil er befürchtete, daß der riesige Zeitaufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen, den man au« einer lolchen mehr oder weniger doch Galoppbesichtigung ziehen kann, stehen würde. Bei der Rmkretse war aber niemand, dem seine Teilnahme leid getan hätte. Ganz in, Gegenteil. Die gezeigte Berieselung. die hier wie manches andere nicht beschrieben zu werden braucht, weil die„Vorwärts"- Leser über diese Einrichtung schon eingehend unterrichtet worden sind, erweckte daS lebhafteste Interesse namentlich der Landwirte. Und wenn sich auch trotz der eingehenden und sachkundigen Erläuterungen, die der Direktor der Berieselung den Abgeordneten gab. mcht jeder ein klare« Bild von dem ungebeuere» Röhrennetz, das von Berlin bis zu den zu berieselnden Feloern in der Erde liegt, machen konnte, die Wirkungen der Berieselung sab ein jeder an dem üppigen GraS- und Pflanzenwuchs der Felder. So etwa» bringt man doch nur mit grohen Mitteln zuwege, hörten wir manchen sagen, der zu Hause Stadt« vater ist und dem als solchen dt« FSkalieimblettuug in setner Heimatstadt schon manche Sorge bereitet hat. Meist werden die Fäkalien nach er- folgter Klärung in einen Fluh geleitet, was bei kleinen und mittleren Städten angehen mag. sich aber für«ine Millionenstadt wie Berlin von selber verbietet. Die Not hat auch hier beten und die gesamten Abwässer vollswirtichaftlich vorteilhaft verwerten gelehrt. Der Be- sichtigung der Irrenanstalt, die nichts besonders Bemerkenswertes bot, deren modern eingerichteter Wtrtschaftöbetrieb jedoch das lebhafte Interesse der wenigen Damen, die sich be- teiligt hatten, erweckt«, folgte em Besuch i» der Lungen- Heilanstalt. Die auhemdemltche Sauberkeit in der Anstalt, dt« luftigen, hellen Räume lieh einige bürgerliche Abgeordnete Bedenken äuher». ob in der Beziehung de» Guten nicht doch vielleicht etwa« zu viel geschehe, denn wenn die Leute geheilt seien und sie in ihre einfachen Pervättnisse zurückkehrten, würden sie sich da erst recht un- glücklich fühlen. Dos alte Lied, man soll die Begehrlichleit der Masse nicht wecken, auch dadurch nicht, bah man sie an Reinlichkeit und gesunde Wohnräume gewöhnt. In Französisch-Buchholz arbeiteten am Sonntagbormittag etwa cineinhalbcs Dutzend Leute, Männer und Frauen, auf einem Ahabarberseld, als ob e» Wochentag sei. Man lieh hier also an- gesicht« der Gesetzgeber da» Gesetz systematisch übertreten. Nachdem im grohen Saale der Anstalt zu Buch die Teilnehmer ein krSfttge» Mahl— Frühstück nannte es die Stadt bescheidener Weise in ihrer Einladung— eingenommen, erreichten sie per Wagen und Feldbahn gegen 6 Uhr abend« da« Städtchen Bernau, von wo aus Berlin per Eisenbahn leicht erreicht wurde. Dir„Berliner Hausfrau" ist«inS jener Blätter, die in der Annahme von Inseraten fast skrupellos zu sein scheinen. In jeder Nummer findet man Inserate, die selbst von den annoncen- hungrigen Scherl- und Mosse-BlSttern zurückgewiesen werden. So haben hier insbesondere die Kartendcuter und Wahrsagerinnen, die nach dem bekannten Jacnickcschen Giftmord am TeufclSfee überall ausgeschlossen wurden, gewinnbringenden Unterschlupf ge, funden. Tic neueste, vom 3. Mai datierte Nummer der„HouS- frau" enthält nicht weniger als LI derartige Inserate, zum Teil mit allen auf Nepperei berechneten Schikanen. Auch Annoncen, in denen Wahrsagebücher zum Selbsterlernen der Wahrsagekunft und des Kartenlegens angepriesen werden, sind reichlich vertreten. Wir können immer wieder nur eindringlichst davor warnen, an solche Leute, die nicht mehr Hirnschmalz besitzen wie jeder andere gewöhnliche Europäer, das Geld vollkommen nutzlos fortzuwerfen. Wie unendlich oft schon haben Wahrsagerinnen, die lediglich auf die Dummheit spekulieren, furchtbare» Unheil angerichtet! Wenn die»Berliner Hausfrau" ihre Leserinnen den berüchtigten»Frauen wunderbar" in» Garn treibt, setzt sie sich in schärfsten Widerspruch zu ihrer sonstigen Tendenz. Dieselbe Nummer enthält daS folgende niedliche Angebot: ..Gesellschafterin verlangt für ältere, feingebildete Dame,»vöchem- lich 5 Nachmittag«, monatlich 16 M. Nur schriftliche Offerten Lesstngftrah« 44, Hochparterre link»." Da» macht, den Nachmittag nur zu je vier Stunben gerechnet, etwa 20 Pf. pro Stunde! Fein- bildung und— Herzensbildung sind allerdings zwei mitunter weit voneinander entfernte Begriffe. Eine Ballomvettsahrt wurde am Sonntag im Anschluh an die Einweihung der neuen Ballonhall« vom Berliner Verein für Luft- schiffahrt von Schmargendorf aus veranstaltet. Kurz nach Mittag wurde mit dem Füllen der Ballons in der Halle begonnen, und eS wurde 3J/i Uhr, bis als letzter der.Helmholtz" sie verließ, um draußen an seine Gondel angeknebelt zu werden. Die übrigen Ballons wurden inzwischen in einer nahen Talmulde startbereit ge- macht. So war Muße genug, diese Arbeiten, die von Soldaten des Luftschiffcrbataillons ausgeführt wurden, zu beobachten.„Tschudi". „Bezold",»Cognac" und.Ernst" machten den Eindruck gutgehaltener Fahrzeuge, obgleich kaum einer von ihnen weit hinter feiner fünf- zigsten Lustreise zurück ist. Anders der Veteran unter ihnen, der „Helmholtz". Di« dunkle Ballonhülle zeigte Hunderte von Wunden, die er sich bei bewegten Landungen zugezogen hatte. Aber alle diese zahlreichen Wunden waren sorgfältig ausgebessert, und ihre Narben leuchteten stolz im strahlenden Sonnenschein. Die Witterung war vorzüglich, der Wind leicht, und mit Rück- stcht darauf war das Ziel nicht allzuweit entfernt gewählt, um ein Landen bei Tage zu gewährleisten. Es war der Treffpunkt der Chausseen Brusendorf— Mittenwalde und Deutsch-Wusterhausen— Ragow, ein Ort. der nur 27 Kilometer in der Luftlinie vom Auf- stieosort entfernt liegt. Um 3% Uhr waren alle fünf Starter aufstiegbcreit. und wenige Minuten darauf erhoben sie sich auf das Startzeickicn gleichzeitig ohne eine Sekunde Differenz. Der Wind war vollständig nach Norden gedreht, und genau südlich zogen die goldgelben Kugeln davon.„Cognaa" hielt sich am östlichsten und kam damit der zu steuernden Flugrichtung am nächsten.„Tschudi" wurde ständig weiter abgetrieben und warf zuerst einig« Sack Ballast, um in höheren Regionen günstigere Windrichtungen zu finden. Der Versuch war von Erfolg begleitet, und bald entspann sich ein Po- sitionskampf. Alle fünf gestarteten Ballons landeten, wie zu er- warten war, östlich vom Ziel. Innerhalb zwei bis drei Kilometer Entfernung auf der Chaussee Mittenwalde— Machnow gingen vier Ballons nieder.„Cognac", der in der Nähe von Mittenwalde ge- landet war, setzte nach einer Zwischenlandung die Fahrt fort. Zwei größere Störungen im Stadt- und Vorortsbetriebe fanden auch am letzten Sonntag wieder statt und wurden bei dem überaus starken Ausflüglervcrkehr recht unangenehm empfunden. Nachmittags um 3 Uhr war bei einem Wannseezug in der Nähe der Station Friedenau ein Achsenbrand cntstandr». Das Feuer wurde rechtzeitig entdeckt, so daß eine Gefährdung der Passagiere nicht eintrat, doch mußte der Train auf der Strecke stehenbleiben, die Fahrgäste aussteigen und sich zu Fuß nach der Station begeben. Der gefährdet- Zug wurde ausrangiert. Die hierdurch hervor- gerufene Verkehrsstörung dauerte ein« halb« Stunde, während welcher sich auf den Bahnsteigen ungeheuere Menschenmassen an« sammelten. Durch den Defekt einer Stadtbahnlokomotive«incS auS dem Bahnhof Charlottenburg in der Richtung nach Jriedrichstroße ausfahrenden Zuges entstand gegen 6 Uhr abends eine längere Betriebsstörung. Um den Verkehr einigermaßen aufrechterhalten zu können, wurden die Trains in der Richtung nach dem Echlesischen Bahnhof über di« Ferngleise geführt. Dl« Fahrgäste der Stadtbahn waren gezwungen, in westlicher Richtung bis zur nächsten Fern- station zu fahren und dort umzusteigen, wenn sie nach Bahnhöfen r» der östlichen Richtung wollten. Andererseits aber wurde das Fernliahilgleiö derartig überlastet, daß auch der Vorortverkehr in der östlichen Richtung darunter zu leisen hatte, da sowohl Stadt- wie Vorort, uird Fernzüge längere Zeit vor der Einfahrt zum Bahnhof Charlottenburg liegenbleiben mußten. Auch hier währt« die Störung zirka eine halbe Stunde, die um so unangenehmer empfunden wurde, als um dies« Zeit bereits die Rücktlutung der Ausflügler begonnen hatte. Ei» Kampf auf Tod und Leben. Ein aufregender Borfall spielte sich Sonntag nachmittag auf dem Wannsee bei Beelitzhof ab. Gegen 4 Uhr fuhren zwei Segelboote, von verschiedenen Gerten sich nähernd, in Abstand von wenigen Metern aneinad« vorüber. als plötzlich bei dem einen Jahrzeug da« Großfogel umschlug und «ine in diesem fahrend« Dam« über Bord gerissen wurde. Bei dem starlen Winde und der Schnelligkeit der Fahrt wurde das Boot weit fortgetrteben und die Dame wäre zweifellos verloren gewesen, wenn nicht«in Insasse de» zweiten Bootes mit voller Kleidung sich in die hochgehenden Wellen gestürzt hätte. Es gelang dem S�v immer, di« Gefährdet« zu fassen, doch wurde die Situation für dc» mutigen Lebensretter um so schwieriger, al» die Dame sich an ihren Retter anklammert« und ihn mit in die Tiefe zu ziehen drohte. Als nuii gar die Dame noch von einem jrrampfanfall er» faßt wurde, erschien jede Rettung fast unmöglich. Die Lage der beiden Personen war eine um so gefährlichere, als bei dem scharfen Gegenwinde sich andere Boote nur langsam der Stelle zu nähern vermochten. Endlich gelang es doch den infolge der äußersten Au- strengung völlig erschöpften Retter und die inzwischen bewußtlos gewordene Dame in einem der Boote aufzunehmen. Beide Personen wurden ,iach Bcelitzhof gebracht, wo Hunderte von Zuschauern den aufregenden Vorfall beobachtet hatten, Vom Natioiialdenkmal im Btktoriapark abgestürzt ist Sonntag nachmittag die 10jährige Erna Wtrth, deren Eltern in der Tegeler Straße 4 wohnen. Das Mädchen war mit mehreren Schulfreun- diime» nach dein viktoriapark gegangen und dort bestiegen die Kinder die Freitreppe de« Denkmals. Die W. verlor da» Gleich- gewicht, stürzte die steinernen Stufen hinab und blieb besinnungslos am Fuße des Bauwerks liegen. Das Mädchen hatte eine schwere Gehirnerschütterung, Verletzungen an Armen, Beinen und am Kopf davongetragen und wurde von der Unfallstation am Tcmpelhofer Ufer, woselost ihr die erste ärztliche Hülfe zuteil geworden war, nach dem Krankenhause am Urban übergeführt. Der Zustand der Ver- unglückteil ist ein hoffnungsloser. Bei der Maifeier im Rofe-Theater. Badstr. 68, wurde gefunden ein Regenschirm; bei Ballschmieder. Badstr. 16. ein kleiner Kassen- schlüssel und ein Armband. Zu erfrage« bei H. Raschk«, Acker- siraß« 36, Spedition.— Ebenfalls bei der Maifeier bei Ball. schmieder> sind für 2,50 M. Beitragsmarken der Freien Jugend- organtsation gefunden worden. Dieselben sind in der„Vorwärts". Spedition, Stettiner Stroßa 10. abzuholen. Radrennen zu Steglitz. Der am Sonntag ausgefahrene „Große FrühjahrSprei»",«in Dauerrennen über 100 Kilo- meter, wurde von Bruno Demke in überlegener Weise vor seinen Gegnern Goor, Robl und Waltbour gewonnen. Demke, der zurzeit auf der Höhe seines Können» ist. führte vom Beginn ab. es folgten Goar. Robl und Walthour. Letzterer kommt schon in der 4. Rund« von seinem Motor ab, wird in der S. von Demk» über- rundet und fällt endgültig auf den letzten Platz, ohne nie im Rennen zu fstn. Damit blieben nur Goor und Robl übrig und zwischen ihnen kain es zeitweilig zum Kampf um den zweiten und dritten Platz. In der 27. Runde geht Robl vor dem Belgier und lange ?;eit bleibt das Rennen in unveränderter Folge. Endlich in der 09. Runde glückt dem Belgier tttt Vorstoß und ot erobert sich den zweiten Platz. Robl fährt zusehend» langsamer und büßt ziemlich zwei Runde» an Goor ein. als dessen Motor in der 149. Runde versagt und er auf den dritten Platz fällt. Doch mit Ausbietting aller Kräfte arbeitet sich Goor vorwärts, passiert in der 178. Runde Robl da««rite Mal und ist von der 190. Runde ab wieder Zweiter mit S8ö0 Meter Abstand von Demke, Robl 6050 Meter. Walthour 29 000 Meter zurück.»» Einen ähnlichen Verlauf hatte da» 80 Ktlometor.Rennen. Hier war W. H u b e r- Nürnberg Tieger vor Hein»<1050 Meter), Gliedermann<3080 Meter). Breuer<3320 Meter) und Hitzler<2060 Meter zurück). Der letztere, der zum Beginn die Führung hat. erleidet bereit» in der 6. Slnnde Motordefekt und scheidet somit an» dem Rennen. Er kämpft zwär aeaen den Schluß tapfer, doch ist sein Schicksal besiegelt. Die anderen spielten kein» Rolle, am wenigsten Breuer. Giieder- mann wurde wegen verstoße»»«gen die Bahnbestimmungen distanziert und muß sich mit dem letzten Platz begnügen.— Dte Fliegerrennen waren, wie immer, sehr interessant und führten to starke Felder an den Start, daß zahlreiche Vorläufe notwendig ivaren. Den Preis von Steglitz gewann W e g e n e r knapp vor Peter, Carraperzi und Stabe. Im Prämieniahren siegle Scheuermann vor Techmer und Conrad, während Rabe, Ganze- voort, Erxleben, Rudel und Pawke Prämien erhielten. Das Vorgabefahren brachte einen Sieg der Außenseiter. Ganze- voort<130 Meter), Thoma<200 Meter), Saldo»(160 Meter) und Arndt<230 Meter) gingen in weitem Abstand durch das Ziel.— Das Tandemfahren gewannen Scheuermann-Wegencr vor Conrad-Althoff, Redela-Techmer und Stol-Peter. Orgelkonzert. Mittwoch, den 6. Mai, IVi Uhr, veranstaltet der königliche Musikdirektor Beruh. Jrrgang in der St. Marienkirche da» nächste Orgelkonzert unter Mit- Wirkung von Frl. Gertr. Meisner(Alt), Herrn Alfr. v. Fossard (Tenor) und Herrn Walter Kratz(Violine). U. a.: 5. Orgel- sonate von Guilmant, Kantaten-Arien und Duette von Seb. Bach. Der Eintritt ist freit Zu rekognoszieren. Am 27. April er. ist in Schlachtensee die Leiche einer unbekannten zirka 13 bis 20 Jabre alten Frauensperson angeschwemmt. Dieselbe ist zirka l.40 Meter groß und dunkelblond. Be- kleidet war dieselbe mit bunkelgrauem Kostümkleid, weißer Bluse, weißer Unterwäsche, weißen Strümpfen, gelben Schnürschuhen und schwarzblauem Gürtel, in der Mitte mit einem weißen Streifen. An Schmuckgegenständen trug sie ein Armband und eine Uhrkette. Rekognoszenten wollen sich beim Amtsvorsteher in Zehlen- dorf. bei der hiesigen Kriminalpolizei oder in den Polizeirevieren melden. Am 30. April er. wurde tn Charlottenburg die Leiche einer 50 bi« 60 Jahre alten Frauensperson au« der Spree gelandet und nach dem dortigen Leichenschauhause geschafft. Die Leiche ist l.öö Meter groß, schmächtig, hat graumeliertes Haar, spitze Rase, Zahn- lücken und war bekleidet mit schwarzer Taille, schwarzem Jackett mit grauem Kragen und weißleinenem Hemd. gez. F. K., und hat zirka 3 bi» 4 Monate im Wasser gelegen. RekognoSzenten wollen sich bei dem Polizeipräsidium in Charlottenburg melden. Feuerwehrbericht. Am Sonntagabend kam ein sehr gefährlicher Brand am Weidcnweg 60 zum Sluöbruch. Die Feuerwehr, von mehreren Leuten alarmiert, war bald in großer Stärke zur Stellc. m Keller brannten Bretter, alter Hausrat, Türen, Fenster usw. »durchdringlicher Qualm füllte die Treppen. Unter den Haus- bewohncrn herrschte ein« förmliche Panik, weil die Treppen nicht zu passieren waren und Kinder sich noch ohne Aufsicht in den Woh- nungen befanden, lieber Hakenleitern drangen die Feuerwehr- mämier von außen in die Wohnungen ein. Im dritten Stock wurde ein zh jährige« Baby tn einem verqualmten Zimmer vorgefunden und in Obhut genommen. Andere Feuerwehrmänner drangen mit Saucrstoffhelmen ausgerüstet bi» zum Brandherd im Keller vor. Schließlich gelang es. den Brand auf den Keller zu beschränken. Tic Entstehung des Feuers ist nicht ermittelt.— Zweimal hatte die Feuerwehr Unter den Linden zu tun. Da» erstemal brannte Nr. 27 ein Keller und da» zivettemal vor dem Hause Nr. 47 eine Benzin- Automobildroschkc. Auch in der Blumenstraße hatte der 12. Zug zweimal zu löschen. Nr. 6 brannten Schaldccken und Fußboden und Nr. 12 Betten, Gardinen usw. Ferner mußten Kellerbränd« in der Kleinen Hamburger Straße 12, Wiener Siraß« 49 und an anderen Orten gelöscht werden. In der Markgrafenstr. 26 brannten Regale und Stroh, tn der Landsberger Allee 130 Wäsche, Körbe usw., in der Friedrickstr. 235 Fußböden, und Balkenlagen, auf dem Moabiter Güterbahnhofe Preßkohlen. Die Berliner Feuerwehr hatte am Sonntag ununterbrochen zu tun. Besonder« abends liefen zahlreiche Alarme ein. Um 0 Uhr nicht weniger als 10 verschiedene Fcnermcldungen. U. a. brannte in der Kefselstr. 38 eine Wohnung, wobei eine grau in großer Gesapr schwebte. Zum Glück wurde die Gefahr bemerkt, und es gelang den Hausbewohnern, die schon halbbcwußtlose Frau au» der Wohnung Herauszuholen. Von den vielen Branden sind besonders zwei, bei denen es gelang, festzustellen, daß sie vorsätzlich angezündet ivorden Ware», bemerkenswert. Am Sonntag früh um 6 Uhr wurde die Feuerwehr nach der Friedrichstr. 197 gerufen. Tort war in der Auskunftei von Möricke Feuer ausgekommen. Als die Feuerwehr in die Räume eindrang, bramrte es ail mehreren Stellen, die räumlich voneinander getrennt Ware». Es brannten Regale. Akten. Schaldecken usw. Durch kräftige» Waiseraeben gelang es dem 10. Zuge, die Flammen zu löschen. Der Befund ergab, daß das Feuer vorsätzlich an mehreren Stellen angelegt worden war. Bei ver näheren Untersuchung wurden dann auch noch mehrere Brand« Herde vorgefunden. Auch zwischen mehreren Akten wurden Kohlen« ahzünder entdeckt. Die Kriminalpolizei wurde von diesen über« raschenden Funden in Kenntnis gesetzt.— Eine weitere Brandstiftung beschäftigte nackimittagö die Wehr um 6 Uhr in der Zorn- dorfer Straße 5. Als die Feuerwehr dort eintraf, brannten in einer Küche Spinden und der Fußboden, und in cmem Wohnzimmer Betten, die vorher mit Benzin beaossen worden waren. Die Wehr ivar aber schnell zur Stelle aelvesen. S.'och bevor der Brand eine größere Ausdehnung erlangt hatte, war die Feuerwehr am Brand- orte und dann schnell Herr desselben. Die Wohnungsinhaber waren nicht zu Haufc. Auch in diesem Falle wurde die Kriminal- Polizei von dem Ergebnis der Ermittelungen benachrichtigt. Später wird gemeldet: Der Verdacht der Brandstiftung gegen den Kaufmann Bruno Lingk und dessen Vertreter Alwin Äendt hat sich durch die Ermittelungen der Kriminalpolizei derart ver- stärkt, daß beide gestern vormittag nach Moabit in da» Unter- suchungsgefängnis eingeliefert wurden.— Die Brandstiftung in der Zorndorfcr Straße wird der Wohnungsinhaberin Mikolatezok zur Last gelegt, da das Fräulein bisher noch nicht wieder in ihre Behausung zurückgekehrt ist. Die Kriminalpolizei forscht eifrig nach der Verschwundenen. Die im Berliner Aauarium letzthin eingetroffenen Sendungen führten den Marincbecken eine ganze Reihe Meeresfische zu. von denen verschiedene ein besonderes wirtschaftliche» und biologischc» Interesse besitzen. Ein seit der Zeit der alten Römer ichon wegen seine« zarten, wolilschmcckenden Fleische» hochgeschätzter und zu jener Zeit al» ausgesuchte Dclitatesse geltender Stachelflosser ist der Seewolf oder Scebarsch, ein stalllicher grau-grüner, am Bauche silberweißer Fisch, der im Mittelmeergebiet zahlreich auftritt, nach Norden hin allmählich seltener wird, aber neuerding» auch auf unsere Fischmärkte gekommen ist. so daß er unsere Beachtung verdient. Ein auch sehr wohlschmeckendes Fleisch besitzender, aber seiner schlimmen Stacheln wegen von den Fischern eher gefürchteler al» geschätzter und als Spcisefisch wenig Verwertung findender Flossenträaer ist die zur'Familie der Drachen- oder Viperfische zählende Drachenqueise oder da» Pctermännchcn llcackinu»), ein vi« zu'ch Meter lang werdender Fisch von hohem wissenschaftlichem Interesse und wohl einzig dastehender Eigenart, indem er Giftdrüsen besitzt, deren Adsondcrung in die durch die niederleg- und aufrichtbaren Stacheln der ersten Rückenflosse den Menschen und Tieren gerissenen Wunden eintritt und schlimme Schwellungen und Zustände herbeiführt, bei kleineren Tieren sogar tödliche Jolgen hat. Vorort> richten. Schöneberg. Die Mitgliederversamnilung des Wahlvereiu» ehrte vor Eintritt in die Tagesordnung das Andenken des verstorbencn Genossen Putzer Behrendt. Zunächst erstattete daraus Genosse Kister den Kassen» bericht für das erste Quartal. Dieser weist bei einer Einnahme von 1863,88 M. und einer Ausgabe von 1767,04 M. einen Bestand von 96.84 M. auf. A» den KreiS wurden 1242.24 M. abgeführt. Hierauf referierte Genosse R. Fendel über.Der Reichsverband". Redner gab zunächst einen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte desselben. Ans der Angst vor der Sozialdemokratie nach dem Ausfall der Wahlen von 1908 geboren, trat diese« Gebilde politischer Grundfatzlosigkett in» Leben. Bereitwilligst GeburtShülfo leisteten sZmMche bürgerliche Parteien, die in diesem Wechsel- balge die einzige Möglichleit erblickten, der Sozialdemo> kratie Herr zu werden, da sie nach den trüben Qv sahrungen von 1890 absolut lein Verlangen trugen, es noch ein- mal mit der Bildung eines Kartells, bestehend aus sämtlichen bürgerlichen Parteien, zu versuchen. Stach einer heftigen Kritik der Kampfesweise des Reichsverbandes, deren Gemeinheit und Nieder trächtigkeit er an einer Reihe von Fällen vor Augen führte, bc fchäftigte sich Redner ausführlich mit der die„geistige Leitung' deS Lügenverbandes darstellenden Person des Herr» v. Liebert, wobei sowohl desien Eigenart als auch seine politischen Fähig leiten gleichermaßen eine angemeffene Würdigung erfuhren. Ebenso brandmarkte Genosie F e n d e l mit kräftigen Worten die politische wie allgemeine Charakterlosigkeit der agitatorisch„tätigen' ReichSverbands-Tagelöhner.— Nach dem mit Beifall aus genommenen Bortrage wie? Genosse Küter mit einigen Worten auf den am Orte bestehenden„Momteur* SeS Reichsverbandes den.Schöneberger Generalanzeiger' hin, der schon mehr als ein- mal es versucht habe, durch Pöbeleien im Stile des Lügenverbandes gegen Schöneberger Genossen den Beweis für feine politische Be deutung zu erbringen. Unter Vereinsangelegenheiten teilte Küter mit. daß die nächste VerbandSgeneralversammlung am 17. Mai stattfinde; er schlug vor, die Delegierten dazu, elf an der Zahl, in den Bezirken zu wählen. Dem wurde zugestmunt und die Wahl der Genossen gleich im voraus bestätigt.— Wetter wurde auf Anregung des Genossen Zierdt der Lokalkommission aufgegeben, wegen der Saalverhältuisse im Restaurant deS«Neuen Schauspielhauses' die notwendigen Schritte einzuleiten. Zum Schluß wurde ein aus der Mitte der Versammlung ge stellter Antrag, auf die Tagesordnung der nächsten Bersamnilung einen Vortrag über das Thema«Alkoholismus' zu setzen, abgelehnt mit Rückficht auf die bevorstehenden Wahlarbeiten. Wilmersdorf-Halenfee. Amtlich wird zur Kenntnis gebracht, daß in der Zeit vom S., 10. und 11. Mai, von morgens 8 bis abends 7 Uhr im Wahlbureau. Lauenburgerstraße 19 pari., die Wählerlisten zur Einsicht ausliegen. Wir machen darauf aufmerksam, daß jeder Wähler sich davon zu überzeugen hat. ob sein Name in die Liste eingetragen ist. Wer in die Liste nicht eingetragen ist und die Nachtragung nicht peranlaßt, geht seines Wahlrechtes verlustig.- Die Zeit der Auslegung ist für jeden Wähler günstig. Versäume daher keiner feine Pflicht. Steglitz. Die Maiversammluug unserer Gemeindevertreter wählte zum Nachfolger des besoldeten Schöffen Dr. Beyendorf, der bekanntlich jetzt Gemeindevorsteher von Lankwitz ist, den Stadtrat FabariuS aus Köpenick mit 19 von 22 abgegebenen Stimmen. — ,Der Andrang unseres weiblichen Nachwuchses zu dem BildungS» institut, genannt..Gemeindcschule', war zu Ostern dermaßen stark, daß eine Ueberfüllung der vorhandenen Klassen eintrat. Die Ge« mcindcvertretung stimmte deshalb der Neuerrichtung einer Klasse zu, wodurch nunmehr eine Schülerzahl von..nur' 40 bis 4ö pro Klasse erreicht ist. Auch bei dieser Zahl weih man nicht, wer mehr zu bedauern ist: Die Kinder oder die Lehrpersonen. Daß über die Sorge uor die Volksschüler die höheren Bildungca, istalten nicht vergessen werden, zeigte die Bewilligung von 890 000 M. zum Neubau eines Realgymnasiums. Diese Schul« wird 24 Klassen cnt» halten mit den bei solchen Anstalten üblichen Zeichen- und Physik- sälen, Bibliotheksräumen, Konferenzzimmern usw., außerdem eine Direktor« und zwei Schuldicncrwohnungen. Eine Wandelhalle ge- stattet den Schülern auch bei schlechtem Wetter, sich in den Pausen die nötige Bewegung zu verschaffen. Der Fußboden und die Paneele erhalten Linoleumbelag. Die Ausstattung bleibt demnach nicht weit hinter derjenigen unserer Gemeindeschmen zurück. Der Bau soll bereits am 1. Oktober nächsten Jahre» fertig sein. Ber« mutlich ist eine gemeinsame Einweihungsfeier mit unserer— Badeanstalt geplant. Das würde dann eine Ueberraschung für unsere Dorfbewohner geben, die bisher der Meinung waren, daß unsere Badeanstalt in bczug auf die Länge der Bauzeit mit dem Kölner Dom in Konkurrenz treten wolle. Sclbstmsrd durch Erhänge» verübte in der Nacht vom Sonn« abend zum Sonntag der Maurer Heinrich Leer. Am Sonnabend abend war L. noch bis gegen 11 Uhr in einem Restaurant und unterhielt sich in anscheinend bester Laune mit den übrigen Gästen. Bei seinem Weggange äußerte er. daß er sich jetzt aufhängen wolle, was natürlich niemand für ernst nahm. Am Sonntagmorgen ent- deckte ein Spaziergänger fein« Leiche an einem Baume auf dem Metzfchen Gelände. Lankwitz. Ein ntner Herr ist seit ciniaen Wochen in unsere Gemeinde eingezogen, um fürderhin die Geschicke derselben zu leiten. Dem bisherigen Gemeindevorsteher, der lange Jahr« dieses Amt be kleidete, mag wohl die Erkenntnis gekommen sein, daß weder sein Können, noch fein Wissen ausreichten, um auch weiterhin die Führung der Geschäfte einer solchen sich außerordentlich rasch ent wickelnden Gemeinde erfolgreich übernehmen zu können. Der Ansang seiner Amtstätigkeit reicht noch in die Zeit zurück, da Lankwitz fast ausschließlich- noch ländlichen Charakter trug. Der echte Typus eine» märkischen Großbauern mit einem Einschlag bäuerlicher Bonhomic war der bisherige Gemeinde« vorsieher ein wohl in allen Kreisen persönlich geachteter Mann. Von der praktischen Verwaltung einer Gemeinde, ihren kulturellen und sozialen Aufgaben hatte er leine Ahnung; die notwendigsten Geschäfte wurden von den Subalternbeamten der Gemeinde recht und schlecht erledigt. Trotz seiner langen Amts« zeit mögen ihm wohl die vielfachen Gesetze, Verordnungen und Anweisungen auf verwaltungstechnischem Gebiet meist Bücher mit sieben Siegeln geblieben sein. Daß er— wie boshafte Leute be- hauptcn— nicht einmal das Titelolatt der Landgemeindeordnung gelcsc» habe, glauben wir nicht. Wenn ihm auf der einen Seite bezüglich seiner Verwaltungstätigkeit infolge mangelnder Tüchlig- keit recht enge Grenzen gezogen waren, so kann nicht geleugnet werden, daß dieser Mangel mehr als ausgeglichen wurde durch eine ungemein feine Witterung für alles, was dem Grundbesitz von Borteil und Nutzen sei» konnte; ist er doch selbst einer der größten Grundbesitzer in der Gemeinde. Um nun nach dieser Richtung hin nicht gänzlich au» dem Geleise zu kommen und viel» leicht den Anschluß xu vergessen, hat Herr Dillge» c» nicht versäumt, sich nun zum Schöffen der Gemeinde wählen zu lassen. Als neuer Gemeinde- und zugleich Amtsvorsteher wurde ei» Herr Dr. Beyendorfs, vormal« Schöffe im benachbarten Steglitz für eine Gegenleistung von 10 000'M. pro Jahr gewonnen. Man rühmt« ihn nicht nur als einen tüchtigen praktisch erfahrenen VerwaltungS» bcamten. sondern man hatte über ihn auch das Gerücht verbreitet, daß er für die sozialen Aufgaben und Bedürfnisse einen offenen Blick habe und der arbeitenden Bevölkerung ein gewisse», wenn auch vielleicht nicht aueschweifend große» Wohlwollen entgegen bringe. Wenn aber Mario Stuart von sich sagen tonnt«„Ich bin besser als mein Ruf', so kann man heute schon von dem neuen Gemeindevorsteher in Lankwitz behaupten: er ist erheblich schlechter als sein Ruf. Nicht etwa deshalb, weil er gleich im Beginn seiner neuen Laufbahn mit der zwar sehr gemütlichen, aber doch etwas urwüchsigen bäuerlichen Form des GemelndcparlamentariSmuS auf« räumte, schließlich auch nicht deshalb, daß er sofort die Rede- frciheit in einer Weise be. und einschränkte, daß die bäuerlichen und sonstigen Gemeinderäte vor Schrecken fast die Mundsperre bekamen— sondern aus dem Grunde, weil sein amtliches Präludium gleich mit einer politisch und sozial reaktionären und arbeiterfeindlichen Tat einsetzte. Bekanntlich waren bei den letzten Gemeindewahlen in unserem Ort die Genossen Theurig und Radicke in der 3. Klasse mit erhedlicher Majorität gewählt worden. Die» unerwartete Ergebnis hatte auf die Gegner der Sozialdemokratie eine niederschmetternde Wirkung ausgeübt und alle möglichen Mittel und Wege wurden versucht. den Einzug der beiden Genossen in die Gemeindevertretung zu verhindern. Protest auf Protest gegen die Gültigkeit der Wahl liefen von den bürgerlichen kommunalen Vereinen ein und die Gemeindevertretung hatte sich unlängst mit denselben zu befassen. Sie hat nun tatsächlich, so unglaublich es klingen mag, mit Zu- stimmung und unter der eifrigen Mitarbeit ihres neuen Oberhirten die Wahlen der 3. Klaffe für ungültig erklärt. In der vorigen Woche bekamen die beiden Genossen folgenden Beschluß zugestellt: „Ihre von der 3. Klasse am 11. März cr. vorgenommene Wohl zum Geii> beverordneten hat die Gemeindevertretung durch Beschluß vom 24. d. M. für ungültig erklärt, da die fcstge- setzte Wahlzeit eine durchaus unzureichende ge- wefen ist und als unzureichend bei der Einladung zur Wahl hätte erkannt werden müsse n." Man faßt sich an den Kopf und fragt unwillkürlich, wie e» denn möglich sei, daß eine öffentliche Körperschaft mit solch ge- suchten, den Gemeindevorstand und sie selbst beschämenden Gründen vor die Oeffentlichkeit zu treten wagt. Die Wahl hat wie früher, von b— 8 stattgefunden. Während vor 2 Jahren bei einer geringeren Wählerzahl der Wahlakt erst um 10 Uhr beendigt war, konnte derselbe in diesem Jahre bei einer größeren Anzahl Wähler bereits um 8% Uhr ge« schlössen werden! Den einen Wahlprotest, der sich darauf stützte, daß die gleich- zeitige Vornahme von ErgänzungS- und Reuwahlen angeblich den gesetzlichen Vorschriften nicht entspräche, hatte die Gemeinde, Vertretung abgelehnt, weil sonst auch die Wahle» der 1. und 2. Klasse kassiert werden mußten. Und da in diesen keine Sozial- demokraten sondern honnette und glcichgesinntc Leute sitzen, so wollte man dies Odium nicht auf sich laden. Man mußte deshalb nach anderen„Gründen., suchen um wenigstens vorläufig die beiden unbequemen und wahrscheinlich auch manchem Lankwitzer Gemeindevertreter unangenehmen Ver treter des Proletariat» loö zu fein. Herr Dr. Beyendorfs hat in diesem Kampf gegen das Recht seinen ganzen Einfluß geltend gemacht, die„Gründe' der Gemeindevertretung mit seinem Namen gedeckt und damit gleich im Anfang seiner Amtstätigkeit jene Be« hauptung, als sei cr ein sozial denkender und den gerechten Be- strebungen der Arbeiterschaft wohlwollend gegenüber stehender Mann, als erstklassiges Phantajieprodult selbst gekennzeichnet. Die Lankwitzer Arbeiter werden mit Mißtrauen die weitere Tätigkeit des neuen Gemeindevertreters weiter verfolgen. Das Verwaltungsstreitverfahren, das nunmehr eingeleitet wird, dürfte voraussichtlich mit einer Niederlage der Gcmcindever« tretung und ihres juristischen Beschützers enoen. Borsigwalde-Wittenau. Unter dem Verdacht, da» EittlichkeitSverbreche« an der sechs- jährigen Tochter Martha de» Handwerker» Reinicke aus Wittenau vor emigen Tagen auf den, Felde bei Reinickendorf verübt zu haben, wurden vorgestern die zwe, polnischen Erdarbeiter, der 24jShrige Konstantin SmmbczynSki und der 19jährige Stanislaus Bialac, m Panlow verhastet. Der letztere mußte vorläufig freigelassen werden. weil Zeugen aussagten, daß er zu der angegebenen Zeit nicht in Wittenau gewesen sein könnte. Friedrichtzhage«. In öffentlicher Gemeindevertreterfitznng teilte der Gemeinde- Vorsteher mrt, oaß von den Adjazenten der Lindenallee, deren Grundstücke mit der Vorderfront an der Köpenicker Straße gelegen stnd. die Zahlung der Kanalisationsgebühren verweigert wird mit der Motivierung, daß dieser Teil der Straße Eigentum der Gc- meinde sei. Da aber die Grundstücke der betreffenden Eigentümer mit der Hinterfront Auagänge nach der Lindenallee haben und diese zur Müllabfuhr usw. benutzt werden, empfehle es sich, be, fortgesetzter Zahlungsverweigerung der Kanalisationsgebühren den in Frage kommenden Teil der Lindenallee durch Aufitellung eines Zaunes vor öffentlicher Benutzung abzuschließen. Die Gemeinoe hat die Pflicht, sich denjenigen gegenüber, die sich der Lasten ent- ziehen wollen, auf den Rechtsstandpunkt zu stellen. Die Vertretung beschloß einstimmig, der Gemeindevorstand möge mit den betreffen- den Eigentümern noch einmal in Verhandlungen treten, um auf friedlichem Wege eine für beide Teile befriedigende Lösung herbei, zuführen. Beharren jedoch die Eigentümer bei der ZahlungSver» Weigerung, so wird die Vertretung in einer späteren Sitzung end. gültigen Beschluß fassen. Weiter teilte der Gemeindevorsteher mit, daß gegen die beschlossene Pflasterung der Kastanienallee von den Anliegern mit drei Ausnahmen energischer Protest erhoben ist. Jahrelang ist über die schlechte Beschaffenheit, über das„Schlamm. bad", den„Mooriocg' in der Kastanienallee gellagt, jetzt nun, wo die Anlieger zu den PflasterunaSkosten herangezogen werden, wollen sie vyn der Pflasterung nichts wissen, sondern wünschen den „idyllischen' Zustand beizubehalten. Wenn sich unter diesen Um« ständen die Pflasterung auch etwas verzögert, stattfinden wird ste aber doch— gegen den Willen der Anlieger. Die Ausführungen des Gemeindevorstehers fanden die lebhafte Zustimmung der Ber« tretung. In geheimer Sitzung wurde über die Umänderung de» Kanal,sationsbur«au» und die Versetzung eines Beamten in den Ruhestand Beschluß gefaßt. ftiid der frauenbenegung. Ei« anerkennenswerter Entschluß. In der Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Berlin de» Deutschen Verbände» für Frauenstimmrecht vom 29. April wurde nach einem kurze»'Referat der Vorsitzenden über die politische Lage in Preuße» folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die am Mittwoch den 29. April 1908 im Cafä Austria ver» sammelten Mitglieder der Ortsgruppe Berlin de» Deutschen ver« bände» für Frauensttmmrccht beschließen, bei den bevorstehenden Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause nur solche Kandidaten zu unterstützen, die eine bindende Erklärung abgeben, daß sie im Parlament für die Erringung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für Männer und Frauen zu allen ge« setzgebenden Körperschaften energisch eintreten wollen.' An alle in Berlin, Eharlottenburg. Schöneberg-Rixdorf und Teltow-BeeSkow aufgestellten Kartdidaten der bürgerlichen Parteien lvaren Fragetzogcn gesandt worden mit dem Bemerken, daß wir die Kandidaten» die unsere Fragebogen nicht beantworteten, als Gegner der Forderung de» Frauenstimmrcchts betrachten würden. Die Fragen lauteten also: Was gedenken Sie im Falle Ihrer Wahl zum preußischen Abgeordnetenhause zur Erreichung dieses Ziele» zu tun? a) Werden Sie einen Antrag auf Einführung de» allge- meinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht» für Männer und Frauen im Parlamente stellen? oder d) Werden Sie einen von anderen Partelen oder Personen gestellten Antrag auf Einführung de» allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für Männer und grauen unterstützen und befürworten? Nur zwei Kandidaten, die Herren N. H. Witt-Wannsce und Dr. Breitscheid-WilmerSdorf, haben alle drei Fragen rückhaltlos mit ja beantwortet, zwei volksparteiliche Kandidaten beantworteten nur die Frage der prinzipiellen Zustimmung zu unserer Forderung mit ja. An die sozialdemokratischen Kandidaten wurden keine Fragebogen geschickt, da es selbstverständlich ist, daß ste für unsere Forderung eintreten. Die Mitgliederversammlung beschloß infolgedessen einstimmig, daß es den Mitgliedern zur Pflicht zu machen ist, nur sozialdemo« kratische Kandidaten oder die zwei bürgerlichen Kandidaten Witt und Dr. Breitjchetd zu unterstützen. Versammlungen— Veranstaltungen. Berlin. Dienstag. 5. Mai. 8>/z Uhr: Oefientliche Versammlung im Lokal„Süd-Ost', Waldemarstr. 7S. Vortrag. Frau M. Tietz: „Welches Interesse haben die proletarischen Frauen an den Auf- gaben des preußischen Landtages?' Rixdorf. Mittwoch. 0. Mai. 8'/, Uhr. bei Thiel. Bergstr. löl/152: Generalversammlung. Vortrag und Stellungnahme zur Auf« lösung de« Vereins. Friedenau. Dienstag, S. Mai, 8'/z Uhr, im Rheinschloß: Vortrag. Genosse Kaspar. Reinickendorf. Mittwoch, 6. Mai. bei Gründer, Hoppestraße 24: Bortrag. Dr. Ardono:„Blinddarmentzündung, deren Ent- stehung und operationslose Behandlung'. Vermischtes. Ehetragödie in einer Frcihcrrufamilie. Auf dem Schlosse Buddenberg bei Bünen. Kreis Dortmund. hat in der Nacht vom Freitag znnr Sonnabend die Freifrau v. Ruexleben ihren Gatten erschossen und sich dann selbst eine» Schuß beigebracht. Als Grund zur Tat wird einer Meldung aus Dortmund zufolge Eifersucht angegeben. Die„Rheinisch-westfälische Zeitung' meldete am Sonnabend über diesen Vorgang: Die Freifrau lebte um 2 Uhr noch, ist jedoch nicht vernehmungsfähig. Die Freifrau ist eine Tochter der in Berlin wohnenden Majorswitwe v. Strombeck. Freiherr Udo v. Ruexleben hielt sich meistens in Dortmund auf und war vor drei Tagen von einem achttägigen Aufenthalt von daselbst zurück- gekehrt. Zerrüttete Vermögenöverhältnisie in Verbindung mit Eifer- sucht sollen die Ursachen der Tat sein. Der Baron war in großer Geldverlegenheit. Zahlreiche Gläubiger konnten leine Zahlungen mehr erhalten. Die Freifrau ist tödlich verwundet und wurde bereits von den Aerzten aufgegeben. Freiherr v. Ruexleben ist von Frankenhausen in Thüringen gebürtig, wo seine Mutter noch lebt. Nach einer neueren Meldung ist die Schwerverletzte am Sonntag früh gestorben._ Erdbebe». Eine Meldung aus Hamburg besagt: In der Nacht zum 3. Mai verzeichneten dre Apparate der hiesigen Hauptstation für Erdbebenforschnng ein Erdbeben von mäßiger Stärke in 8700 Kilo- meter Entfernung. Beginn der Aufzeichnung 2 Uhr 0 Minuten 27 Sekunden. Dauer zwei Stunden. Im Eisenbahnzug erschossen. Nach einer Meldung aus Swine- münde erschoß sich Sonntagnacht zwischen 12 und 1 Uhr im Berliner Zuge zwischen Swinemünde und Heringadorf ein dem Mittelstande angehöriaer ungefähr 2S Jahre alter Passagier. Der Tod trat im Swinemünder Kranlenhause ein; die Persönlichleit ist unbekannt. Opfer der Grube. Wie auS KönigShütte berichtet wird. wurden auf der.Maxgrube' bei KönigShütte beim Pfcilerabbau drei Bergleute verschüttet. Einer von ihnen ist tot, die beiden anderen wurden schwer verletzt geborgen; an ihrem Aufkommen wird gezweifelt. Der Blitz im Kirchturm. Nach einer Meldung au» Landau iPfalz) schlug in Oberlustadt der Blitz während eines schweren Gewitters in den Turm der Simultankirche und zündete. Der Turm brannte aus, das Langschiff der Kirche wurde unter schwerer Arbeit der Feuerwehr gerettet. In de» Flammen umgekommen. Eine furchtbare Nachricht kommt ans New Jork. Das Hotel Aveline. das größte Gasthau« der City, ist vollständig niedergebrannt. 2b Personen erlitten den Tod in den Flammen._________ ßvUfhartcn der Redaktion. Dt, tnrifttschc«vrechftund, finde» tjtudenftrah« Str. 3. zweite» Hos, dritter Eiiiaan», vier Treppe», WM» Fahrftutzl-MW Wochen»«»»« abend* von 7*1, dt»»'/,»Ihr statt. Weöffuet? Übe Sonnabends deginu» die Sprechstunde um st»Hr. Jeder Anfrage ist ein «iichstab» und ein« Zahl al» Wierk, eichen beizufügen. Brieflich» Stutwort «trd nicht erteil». Eilige Kragen»rage man tu der Sprechstunde vor. Hustak. Rein: Ihre Eltern lönnen gegen den Wlrt llagen.— H. B. S. Zwecks Verfchreibung müßte der Tochter ein Pfleger bestellt wcrdeir. Die Verschreibuiig wäre vorhandenen Gläubigern gegenüber ilngültig. Der Vertrag ist vor einem Notar oder vor Gericht zu schließen. Bestimmt» Anwälte usw. au empfeblcn, lehnen wir gruitdsätzlich ab.— H. K. Köpenick. Nein: Der Vertrag bleibt bestehen, wenn der Wirt nicht aus«ine srübere LSjung eingeht.— 91. Z. 73. Wenden Sie sich an einen Leiter einer Handwerkerichulc.— F. Vi. Die Btrcchnung deS Ehrverlustes sindet vom Tag der Vcrbüßung der Strafe ab statt.— Anua L. 21. t. Beides. 2. Die Forderung ist eine bevorrechtigte, indessen ist die Frage itreitig. — O. Z, 100. Wenden Sic sich an de» Verband der Handels» wis Transportarbeiter, Engeluser Id.— A. V. Wir l-hneii gnindsätzlich der» artige Empiehlungen ab und müssen eS Ihnen andeiinstellen. sich an«Inen Arzt zu wende».— Statur. Solche Anstalt ist uns nicht bekannt.— 9l. 999. Für eine Wirtschajterin sind Jnvaltdenmarlen, aber tetne Nrankcn- kassenbetträge zu zahlen. Die Höhe richtet sich nach der Höh» des Gehalts. 2. Sechs Wochen. S. Ja.— M. H. 14, Ja.— Ei« er für viele. Im redaktionellen Teil wiederholt dargelegt. Legen sie Beschwerde beim Minister ein.— K. 17. Wo man Darlehne erhalte» kann, ilt «US leider nicht bekannt.— M. M. 909. Ja.— L. T. Nein. Slmtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Dtrektion über den Großhandel in den Zenlral-Markthalle». Marktlage: Fleisch: gusuhr stark. Geschäst flau. Preise für Hammelfleisch unverändert, sonst nachgebend. Atld: Zusuhr knapp, Geschält lebhast. Preise sest. Gc- slügel: Zufuhr nicht ausreichend, Geschäst lebhast Preise gut. Fische: Zusuhr in lebenden Fischen mäßig, in tote» genügend, Geschäsl matt. Preise im allgemeinen nachgebend. Butter und Käs»: Zujuhre» gering, Geschäst ruhig, Preise sür Bulter anziehend. Gemüse, Obst und S ü d s r ü ch te: Zufuhr genügend, Geschäst still, Preis» schwankend. iwitterungSuberstcht vom 4. Mai 190«, morgen« 8 Uhr. Lwinemde Hainburg p erlin (Jranfl.a v! Manchen vieu 784«SO 761 CSD 793 SD 760 WD 760 SW 766 Still •niR » K «-» 4« 3 halb bd. 4 bedeck» 2 bedeckt 1 bedeckt 2 wolle»! bedeckt «taAoseu L S ill Hapatanbo' 761 W Petersburg 756 NW Scillh Aberveeu Barts 755 TD 758 2«D 759 SW 8 tun •> c- *( StS HS 4 wolkig 2 heiter 3 Nebel 2 bedeckt 1 halb bd. Ui -1 10 6 u Wetterprognose für DtenStag, den S. Mal 190S. vorwiegend trübe, am Tage etwa» kühler mit Regeosällen und ziemlich frischen östlichen Winden. Berliner Wetterbureati. WaiserftaudS-Nachrtchte» der LaudcSanstaU für K-wässerlunde, mUgetctlt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memek. Tilsit P r e g e l, Jnftcrburg Weichsel. Thom Oder. Natidor , Krolse» , grantsurt Warth«. Schrimm » Landsberg Netze, Vordamm Elbe. Leti. neritz » Dresden , Barby » Magdeburg ')-t- bedeutet Such»,-- Fall,-»*) Uuterpegel. Für teil Iiiiial,»er Jniernie iiumiimmt die Oietniftipn dem Oublitiim gegenüber keinerlei Aeraniworning. öerliner l'Keater. Abends 8 Uhr- Hvi-tli»» Hochzeit. Mittwoch; Hopjenrats Erben. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Ramon, der Alienteurer Morgen u. folgende Tage: Nomon, der Abenteurer. Kleines Theater. MendS 8 Uhr: Ä mal 2= 5* Mittwoch: 2 mal 2= 5. Donnerstag: 2 mal 2= 6. ftreitag: 2 mal 2= 5. Sonnabend: 2 mal 2= 6. Theater des Westens. 8 Uhr: Ein Walzertranm. Sonntag nachm. 3'/, Uhr, Kalbe Preise: Hie lustige Witwe. Friedrich-Wilheimstädtisches Schauspielhaus. Ansang 8 Uhr, Zum erstenmal: Frei ist der Bursch. Studenten-Schauspiel in 4 Auszügen von Paul Grabein. Mittwoch: Frei ist der Bursch. Donnerstag: Frei ist der Bursch. Neues operetten-Theater Schissbauerdamm 25, an der Luisenstr. Heute und solgendc Tage 8 Uhr: Der Mann mit den Vre« Frauen. Ueddel-Iduler. frKjS," s». lilebe. a wir Komödie in 3 Allen von Paul Apel, Residenz-Theater. — Direktion: Richard Alexander.— Abends 8 Uhr zum SO. Male: Der Floh im Ohr. Schwank in drei Akten von Georges Feddeau, Deutsch von Wolfs-Jacoby, Sonntag, tO, Mai, nachm. 3 Uhr: Die 300 Tage. 2HV~ Vierfacher Grsolg t-W Ballott: Die Döchter der Terpsichore t�vezlaüttlte»:"W franeoie nülbig, X Lrote Lallus Karl Bretschneider. X O'Osta-Trio Enrico Caruso durch oaS Auxetophon d. deutschen Grammophon-Gesellschast, aif Operette»"Tpf3 ]>Te süßen ticisetten. Von H, Reinhardt. Lti Szene ges. von« Dir. Rudolf Schier. antontiine: eritanis Ein Abend in einem ameritan: Tiugel-Xangel, ausgeführt von Bert, BernardS. 0rch!naI.s>antomImcn-Komiiagnle ch Abend« 3 Uhr: Borher: Okeater. Dienstag, den 5. Mal Ansang 7'/, Uhr. Köuigl« Opernhaus. Tannhäufer. Königl. Schauspielhaus. Klein Dorrit. Anfang 8 Uhr. Neues. Ramon, der Abenteurer. Trutkches, Die Räuber. Kamm erspiele, Lysistrata, Berrliner. Herthas Hochzeit. Lesling. Der Raub der Sabine- rennen, Neues Schauspielhaus. Der Dummlops, Kleines. 2X2= 5, Komische Oper. Tiesland, Residenz. Der Floh im Ohr. Hebbel. Liebe. Liiil'i.ielti.inS. Sein Alibi. Der Lrandstister. Trtnllei o.«Dallner. Thealei,) Maria Stuart, Schiller Eharlottenbnrg. Hans Huckebein. Friedrich>«Lilhelmstädt. Schau spielhaus. Frei ist der Bursch, Theilta. Die Bruniiennymphe. Wehten. Ein Wutzertraum. Sorptng. Fra Diaoolo, RrneS Operetten. Der Mann mit den drei Frauen, Luisen. Der Weg ins Verderben Trianon. Seine erste Frau. Bernhard Rose. Die Loreley. Meiropol. DaS muh man seh'n. Apollo. Die süßen Grisetten. Spezialitäten. Kasino. Ein Dorfroman. Wintergarten. Spezialitäten. Vati«ige. Spezialitäten Dr. Rückte. Parodie. Der Troubadour. Gustav Behrens. Spezialitäten. Carl Havertand. Spezialitäten. Wall, dila. Soezialitüien. FolieS Bergbre. Spezialitäten, Liane d'Eve. FolieS Caprice. Nachtarbeit. Sw unheimlicher Besuch. Der ganze Papa. ReichShalle». Stettiner Sänger. tiraiitn, Dniibenilrafte IKitU. Henrik Zetterström: Stockholm und Schweden, Levens- und Natnrbilder aus dem nordischen Lande, I.Abend: LandschastS- Morgen und und Naturbilder. Die Loreley, Sternwarte, Fiivalidenktr. S7/S2. TIl'SIAl». VftsZsnsciiafüjcties Thoateft Taubenstr. 48/49. Abends 8 Uhr: Henrik Zetterström, Stockholm u. Schweden, Lebens- und Naturbilder aus d. nordischen Lande. 1. Abend: Landschafts- und Naturbilder. OB 10CISCHER C ART EN Täglich: Gr. Militär-Konzert.! Eintritt 1 M., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren -- die Hälfte.-- Scli Iller-TIi eater. Sehlllsp. Theater 0. fWallner-Tdeater,. Dienstag, abends 8 Uhr: Hai-in Stuart. Ein Trauerspiel in 5 Akten von Friedrich Schiller. Mittwoch, abend« 8 Uhr: Stein unter Steinen. Donnerstag, abends8Uhr: Hann Hnehehein. Schiller-Theater Charlettenburg. Dienstag, abend« 8 Uhr: Hans Hnckebeln. Schwank in drei Akten von Oskar Blumenlhal u. Gustav Kadelburg. Mittwoch, abend« 8 Uhr: vor Widerspenstigen Zähmung. Donnersiag.abendssUbr: Zum 1. Male: Ohne Gelünt. Lustspielhaus. BS Der Brandstifter. Sein Alibi. Luisen-Theater. Sieichenberger Strafte 31. Abends 8 Uhr: Der m ins Verderbkn Mittwoch: Der Weg ins Verderben. Donnerstag: Der Weg ins Verderben, §reiteg: Mutter Erde. onnabcnd: Der Weg inS Verderben, Sonntag nachm. 3 Uhr: Im Hause der Sünde, AbendS 6 Uhr: Der Weg WS Verderben. Montag: Der Weg ins Verderben, Helropol-Theater Zum 227. Male: Revue in 12 Bildern m. Ges. und Tanz. Ansang 8 Uhr, Rauchen gcstaUet. RNIHItDROSETHEAT Gr. Frantiurier Str. Abends 8 Uhr: 132, Die Loreley. MFk- Wochentagspreise. Mona die folgenden Tage: alkaHa- yariete-Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth.Ter. Abends 8 Uhr. !! vis neuen Mai-Spezialitäten. Im Tunnel: Konzerte. KaslnosTheater. Lotbringer S trage 37. Täglich 8 Uhr: Neu I Hülzor, der Urkomische. Nur� noch bis Freitag, den 8, Mai: Ein Dorf-Noinan. Ab Jonnabend, den 9. Mai: Der Brandstifter. Sonntag 4 Uhr: EU, Dorfroma«. Kolksgarten-Theater — am Bahnhof Gesundbrunnen.— Nächste Borstellung Sonnt,. 10, Mai, Konzert, Theater u. SptMlitätkn-ZIorstkliung. Bestellungen aus Dauerkarten wer- den schon jetzt im Bureau entgegengenommen, Tnanon-Tdeslei'. Heute und folgende Tage 8 Uhr: seine erste Frau. Keiellsdsllen-Tliesler. AN SW, Anfang Wochentags 8 Uhr. Ansang Sonntags 7 Uhr. �eues Programm. Otto Reutter. Orford'n Elephanten. Palace Hlrln, Englische Gesangs- und Tanztruppe. XiurdM, Akrobaten. Hagedorn« Wandergrott©. I.iii Schreiber, Soubrette. Ferry Corwey, Musik. Clown. Gayer und Crtapl, Amerikanische Excentrics. Perezeff-Truppe, Jongleure. Toqiib. der Hund als Reiter, Equilibrist und Jongleur. Tombo and Tambo, Banjo- Jongleure. Biograph. Passage-Theater. Abends 8 Uhr: Oas größte Reohengenie und Gedächtnisphänomen aller Zelten Dr. RÜCKLB und das großartige Mai- Programm. 4326845 9 4 8 2 5 1 3 7084320 9020018 5837614 1439788 4124124 Ganz Berlin spricht heute schon von Dr. RÜCKL.E! Passage-Panoptikum. Zum ersten Male in Berlin I Die lange Dopa Das größte Rlesenkind Gesamtlänge 2 Meter 19. :: Kunsttaucher:: �se.nem1 Riesenbassin. NeapolitanischeBriganten-Kapelle. Alles obne Extra-Entree! EintrittSOPf,, Kinder, Soldaten25Pf. W.Koacks Theater Dtrekl.oii: Roh. Olli. Snuineiiilr. 16. Heute: Geschlossen. Sonnabend, den 9. Mai 1908: Grefte Extra-Borstellung. Das Recht der Mutter. Ans, 8 Uhr, Entree 30 Ps, Tanz. Sanssouci, SV Direktion: Wilhelm Reimer. Heute Dienstag: Einmaliges Gastspiel de« Adols Behle-TheaterS. Novität! Beginn 8'/, Uhr. Jung-Heidelberg. (Forts, v. Alt-Heidelberg.) Studeiiteustück m, Ges. in 4 Alt. v. Dr. Harry Förster. Jeden Sonntag, Montag. Donnerstag: Holtmanns Nordd. Sänger.—|Tanz. Gustav Behrens- Theater. Berlin W., Goltzstr. 9. Des großen Erfolges wegen prolongiert Die schön« Mist Belverhä mit ihren • dressierten Büren."TW Heul Fnsere Slarlne. Noul Lebensbild mit Gesang und Tanz. Heu! Brak Zäppelln mit seinem lenkbaren Lustbollon Modell tS09. 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Mai, nach- millags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Jerusalemer Kirchhofes, Hermannslratze auS statt. Daalksagnug. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Manne« sagen wir allen Verwandlen, Be- kannten sowie den Miiglied-rn der Zcniral-Kratiken- und Sterbekasse der Deutschen Wagenbauer E. H,, Filiale Berlin 12, unseren herzlichsten Dank. Witwe ATsrie Kinzel 29022 nebst Kindern. Danksagung. Für die rrae Beteillgung und Kranz- spenduna bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Gastwirts Lmil sage ich allen Verwandten und Be- kannten, insbesondore allen Gästen, den Sängern, dem Wablverein de« 4. Berliner ReichStagSwahikrelseS, dem Verband der Freien Gast- und Schank- Wirte Deutschlands, dem Statklub .Gemütlichkeit II-, dem Sparverein .Glück 80-, sowie dem Kellnerverein Potsdam meinen herzlichsten Dank. Wwe. Liohm. Bekauutma chung. Für die Anvcrordcntllchc lZeneialvelsainnilnng der nalloiislei! Imton- und Sterbekasse der Drosehkenkutseher und verv. ßerufsgeuosseu (E. H.-K. Ho. 75) sind folgende Anträge behufs Sta- tutenänderung eingegangen, welche gemäß ß 48 des Statuts hicrnitt zur Kenntnis gebracht werden, Anträge des BorstandeS. Kit des V. Nachtrages des Statuts erhält folgende Fassung:.Der lau- sende Beitrag eines Mitgliedes, der am ersten Tage der Woche zu zahlen ist. beträgt 80 Ps.- §52. Absatz I wird gestrichen. Antrag der Filiale Bremen: .bezw. S 11. Der laufende Beitrag pro Woche wird von 70 aus 80 Ps. erhöht und daS Krankengeld so wie bisher belafien. 274/5 Antrag der Filiale Dresden.§ 11 des V. Nachtrages bleibt bestehen. § 12 Ziffer 2 des V. Nachtrages erhält folgende Fassung:.im Falle der EtwerbSunsähtgkest vom Tage nach dem Tage der Erkrankung' ab, sür jeden Kalendertag, einschließlich der Sonn- und Feiertage, ein Kranken- geld in Höhe von 1 M. 50 Ps,- Autrag der Filiale Frankfurt a. M. ß 11 des V. Nachtrages bleibt be- stehen.§ 12 Ziffer 2 des V. Nach. träges erhält folgende Fassung:.im Falle der ErwerbSunsahigkcit vom 2. Tage nach dem Tage der Erkran- kung ab, für jeden Kalendertag ein- ichließlich der Sonn- und Feiertage, ein Krankengeid in Höhe von 1 M, 50 Ps. pro Tag. Diese Einschränkung bleibt solange bestehen, bis der Re° seroesonds seine geseßltche Höhe er- reicht hat. Der Borstand. W. Knülter, Borsitzender. zfgioniscko llcdarfsartikci« Gummiwaren, lOOOe Anerk. V. Prof. u. Aerzt. empf.. blll. Apoth. S. Schweitzers Fab. iiyg. Präp., Berlin 0, Holz- marktstr. 69-70. Preisl. gratis. liegeltwftiner junge, beste Leger, 2,50 M., festsitzende Brulpulen, Bruleier hochcdclst. Rassen emps. unt. Garanlic s. Reell. Wegner- Berlin 80, Mariannenstr. 34._ t Bitte genau zu beachten l Westmanns ftrauermagazlnj Elkhtttls Kolouaden Mohrenstraße 37a, a. d. Jcrusalcnierstraße. Filiale: Gr. Frankfurter Str. IIS. [ 2. HauS an der ktndreaSstr. Ausführung««»'Preise konkurrenzlos! 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Unseren, sowie den Mitgliedern des Gesangvereins zur Nachricht, daß unser Mitglied fcnlmaiid Fiehn im Alter von 61 Jahren am 1. Mai an Tuberkulose verstorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Dienstag, den 5. Mai, nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle der Nazareth-Gcmeinde, Rktnickendovf, Berliner Straße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 133/19 Der Vorstand. OeutschRT Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler Tbeudor Ziegenbirt gr- an der Lungenschwindsucht starben ist Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 5. Mai, nach. mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Rirdorser kkirchhoseS, Mariendorser Weg, au» statt. Rege BeteUigung wird erwartet. Todea-AnACige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Lackierer Aäotf Eberhardt am 3. d. M. an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. Mai, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- Halle deS Gcmeinde-Friedhoses in Britz, Ehausseeslraßr, aus statt, Rege Beteiligung wird erwartet. Den Kollegen zur Nachricht,'daß unser Mitglied, der Schmied Paul Meißner | gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: 1 116/2 Bin Ortsverwaltung. VeM der baugewerbliebeQ HiiMeiter Deutseblands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. Sektion der Staaker. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß am Sonnabend, den 2. Mai, nach langen schweren Leiden unser treuer Kollege 20/8 Adolf Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 5. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenballe des Gcthsemane-KirchhoseS in Nordend aus statt. Um recht rege Beteiligung ersucht Oer Zweigvereinsverstand. Ladeneinrichtung sofort Schönhauser Allee 65, Quergeb. Am Sonnabend, i2>/, Uhr früh, entschlief nach langen, schweren Leiden mein innigst. gelieber Mann, unser Bater, der Gastwirt Hermann Kübl im 38. Lebensjahr«. Die« zeigen tiesbetrübt an Marie Hühl und Kinder. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 5. Mai, nach- mittags 4'/, Uhr, vom Trauerhause Prinz-Handjery-Straße 3 aus nach dem neuen Rixdorscr Kirchhofe. Mariendorser Weg statt. 8gmliIeRiokrMb.NsbIvereiii Ufixdorf. Todes-Anzelge. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schankwirt Hermann Kühl 7. Bezirk verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachm 4'/, Uhr, vom Trauerhause Prinz- Handjerh- Straße 3 aus nach dem neuen Rirdorser Friedhof statt. Um reg« Beteiligung wird er« sucht._ Ferner ist das Mitglied, der Aurtter Theodor Ziegehirt 15. Bezirk verstorben. Ehre feinem Andenken k Die Beerdigung findet heute nachmittag 5 Uhr von der Halle des neuen Rixdorfer Friedhofes aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Bo 235,6 Zoritand. VeM der treien Gast- iinilj Schankwirte Deutsehlands, - Ortsverwaltung Rixdorf.— Den Mitgliedern zur Nachricht, i daß unser Kollege Hermann Kükl am 2. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 5. Mat, nachmittags 4'/, Uhr, vom Trauerhause, Prinz- Handjerh-Straße 3, auS statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 75/2 Der Borstand. Nachruf. Am Montag, den 28. April verstarb wsolge kurzer, aber schwerer Kraiikhcst im Alter von 20 Jahren»ms er Sportsgenosse Paul Blaurock Dir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. 11/11 Der Ardeiter Kadkadrer-Verein „Vorwärts"- Wilmersdorf. (Mitglied des Arb.-Nads.-BundeS „Solidarität-.) Nach kurzem schweren Leiden verstarb am 2. Mai, abends 10 Uhr, der Former Traugolt Salomo im 72. Lebensjahre. 1888b Bio trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet henke Dienstag nachmittag 4 Uhr vom Trauerhause. Ackerstr, 81, aus statt, Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein Bruder, unser Schwagcrund Onkel, der Bcrgolder 1397b Keimmi Rosenfeldt am 2. Mai seinem langjährigen Leiden erlegen ist. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 6. Mai, nachmittags 4 Uhr, auf dem Heimstätten- Friedhos in Lichtenberg statt. Bio Hinlerbtlebsnen. �onnabcnd, den 2. Mai, nach. R mittags, verschied sonst mein I iimiggeliebter Mann, unier Vaters und Schwiegervater, der Bildhauer[J Hugo Jänsch im 48. Lebensjahr». Bin trauernden Hinterbliebenen. Die vcerdignng findet am 6. Mal, nachmittags 4 Uhr, non der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friebrichsselve aus statt. 19005 4b Hygienische Beianurdkei. Neuest Katalog 4�£inpfehl.Tiel Aerzte u.Prof. grakq�g E. Unztr. Qunjniwarenlabrib Berlin NW.. Wiedrichatrassc 91/92 HaDsfraa-Braut-Sanatorien i terlauge Katalog mit gar sictit teorea: ösrQhmt Al�auD-DAUERGESCHIRRLKi SlrsttT. AljulDtsmhaasHüBgsdorfRbj «er-mtwortlicher Redatteur: Georg Davidsohn. Berlin. Kür denJnseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Luchdruckerei u. Bcrlagsanstalt Paul Singer& Eo„ Berlin SW, St. M.. 25. 3. Keilm des Jotniütts" Aerlim UslksdSM Diknstltg, 5. Mai l9v8. �ericbts- Leitung. Ein empfehlenswerter Polizeibeamter mußte sich gestern in der Person des früheren Gemeindehülfs- Wächters Georg W e i g m a n n vor der 4. Strafkammer des Landgerichts II verantworten. Der auf Freiheitsberaubung und Be- leidigung lautenden Anklage lag ein bei anders starker volizeilicher „Mißgriff" zugrunde. Der Angeklagte ist im Oktober v. I. erst vom Militär entlassen worden. Ms Militäranwärtcr fand er bei der Ge- meinde Treptow eine Anstellung als Gemeindehiilfswächter. In dieser hatte er zugleich auch die Befugnisse eines Polizeibeamten auszuüben. Am Morgen des 13. November vorigen JahreS hatte der bei der Berliner Wach- und Schließgesellschaft angestellte Privat- Wächter Franz L i s i a k ein höchst eigenartiges Abenteuer mit dem An- geklagten zu bestehen. Lisiak war nach Beendigung seines Nachtdienstes bis zur Station Treptow gefahren und hatte von hier aus den Weg nach seiner in der Banmschulenstraße gelegenen Wohnung angetreten. Unterwegs schlug eS von der nahen Kirche gerade ö Uhr. Er war gerade im Begriff, feine Taschenuhr zu stellen, als sich ihm von hinten eine Hand auf die Schulter legte. Zugleich tvurde er von dem in der Uniform eines Polizeifergeanten befindlichen Angeklagten in barschem Tone gefragt, was er hier mache. Ms L. ruhig antwortete, er stelle nur seine Uhr, rief ihm Weigmann in brüllendem Tone zu: „Im Nanien des Gesetzes erkläre ich Sie für verhaftet." Der völlig Ueberraschte wußte im ersten Augenblick gar nicht, was er sagen sollte. Als er aber merkte, daß es dem Angeklagten mit der Verhaftung, die er anfänglich für einen Scherz gehalten hatte, ernst war, erklärte er, daß er der Wächter Lisiak sei und seit mehreren Jahren in Treptow wohne. Außerdem bor er dem Angeklagten an, sich durch einen im Nebeuhnuse wohnhaften Bäckermeister zu legitimieren. Der Angeklagte erklärte jedoch kategorisch, daß er sich ans nichts einlaffe. Als Lisiak sich darauf berief, daß er langjähriger Bürger in Treptow sei. wurde er von dem Angeklagten mit Aus- drücken, wie Lümmel, Bagage u. a. belegt. Da sich inzwischen eine Menschenmenge angesammelt hatte, ging Lisiak schließlich mit dem Angeklagten mir. Als sie eine Strecke gegangen waren, fragte Weigmann nochmals nach dem Namen. Nachdem ihm L. nochmals seinen Namen gesagt hatte, erklärte der Angeschuldigte, er solle nun machen, daß er nach Hause komme. Wegen dieses Vorfalls wurde der übereifrige Polizist am 21. November vom Amt suspendiert. Vor Gericht erklärte Weig- mann auf eine Frage des Vorsitzenden, ob er diese Ver- Haftung vielleicht in der Trunkenheit bor» genommen habe, er sei keinesfalls betrunken gewesen. Lisiak habe ihn ohne jede Veranlassung angerempelt, worauf- hin er durchaus berechtigt die Verhaftung zwecks Feststellung der Personalien vorgenommen habe. Demgegenüber stand das eidliche Zeugnis des L., der den Vorfall, wie mitgeteilt, schilderte. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von drei Monaten. Das Gericht nahm trotz der gegenteiligen eigenen Angabe des Angeklagten an, daß er bei Begehung der Tat angetrunken gewesen sei. In dieser Trunkenheit habe er vielleicht irrtümlich angenommen, daß er von Lisiak angerempelt worden sei. Da in diesem Falle nicht eine vorsätzliche Freiheitsberaubung vor- liege, so habe das Gericht deshalb auf Freisprechung erkannt. Wegen Beleidigung wurde W. zu— zwanzig Mark Geld« st r a s e verurteilt. Eigenartig, daß von gleich günstigen Annahmen eines Gerichts zugunsten von Arbeitern leider nie eine Mitteilung gemacht werden kann._ Eingegangene Druchrcbnftcn. „Gewerbe- und Kaufmannsgericht«, Nr. 8, Monatsschrift de» Ver» bandes Deutscher Gewerbe- und Kausmannsgcrichte. Herausgeber: Dr. J. Jaftrow, v. Schulz, Dr. Flefch. Verlag: Georg Reimer in Berlin. Dentseher Holzarbeiter-?erband. Ortsverwaltung Berlin. Mittwoch, den 6. Mai, abends Sl/2(Ihr: Vertrauensmänner- Versammlungen der Bezirke und Branehen. Tages-Ordnung: 1. Kencht der Gblcute. 2. Stricht der Skrtrauensulänuer. 3. Serbandsaugelegkvheittn. 4. Werkstatt- avgeltgtuheite». S. Derschitdtllts. Die in den Bororten arbeitenden Mitglieder der Zahlstelle Berlin werden ersucht, Vertrauensleute zu entsenden. Dieselben besuchen die Vertrauensmänner-Versammlungen ihrer Branche oder die von ihrer Werkstatt ans am nächsten einberufene Bezirksverttanensmänner-Versammlung. Alle Werkstätten muffen vertreten sein. Mitgliedsbuch legitimiert.= Die Versammlungslokale find folgende: l'iseliler. Südeil bei«llcsing, Waffertorstr. 68. SQd'VeSten 6ci Habel, Bcrgmannstr. 5/7. Ciirlneton 1(jwifchcn Adalbert- und Monteuffelftrahe) üUuuSlöu 1 bei Miihs, Mantenffelstr. 95. CIIHAetan II(zwischen Mantcnffelstratze und Görlitzer Ufer) allQOalcll 11 bei Hlnlis, Manteuffelftr. 95. fletan I(zwischen Zentrum und Fruchtstratze) bei Waltvr, USIcO 1 AndreaSstr. 21. Die Kolegen der Firma DNImbarSt, Langestr. 63, find zu dieser Versammlung geladen. flotan II(zwischen Friichtstrafte und Fricdrichsberg) bei I-ltSn, UaicU II Memeler Strafte 67. flestllclie Vororte NOrdOStCD bei Bocker, Wcberftr. 17. Jede Sargtischlcrei muh einen Vertrauensmann nach dieser Versammlung senden. Roseatdater u. Schönhauser Vorstadt Wedding und Moabit:»-> 0»«--»�. s. Obmann für Wedding und Wioabit ist Bant Lcbmaiui, Kopenhagener Strahe 38. Bautischler. Süden, Westen, Südosten, Bez.l; Osten, BBZ. 2: bei Zletz, Warschauer Str. 61. Norden, BSZi 3! bei Barl Bndc, Kopenhagener Str. 71. Wedöing u. Moabit, Bez, 4;'"Äfi"ÄS'*■ Möbelpolierer. 0St6n bei Boeker, Weberftr. 17. Südosten im„Märkischen Hof-, Rdmiralstr. 18e. Norden bei«unter, Brunnenstr. 96. ZRökeimagaziti-arkeUer und Beizer bei Grapentln, Skalitzer Strafte 102. Oreehslsr, Trepengellnder- und Luxusmöbelbranehe NOrden&ei DOHllng, Brunnenstr. 79. Osten bei Schneider, Frtedenstr. 67. Südosten o. Südwesten bei stramm,«itterstr. 12S Einsetzer im Gcwerkscharfnhanse, Engelufer 15, Saal 7. Die Kollegen der Firma Billig, Lockenwalde, und die Kollegen, die Im Februar bei der Firma ZUttax gearbeitet haben, ebenso die Kollegen der Firma U-anman, Köthe», find hierzu besonders eingeladen. lH!�p!u$rrS�F a Fabrik-Lager sämtlicher gangbarer Kautabake. ialii; Nordhäuser Kautabak stets frisch ca billigsten Eogros-Freisen. 2t89L*; wwmmw Ast 4.3014,1 ModelU und Pabriks Tischler bei Hllgenfeld, Bergstr. 62. Bodenleser im„Gewerkschaftshanse'S Engel-Ufer 15. Diese Versammlung beginnt um 8'/» Uhr. Stellmacher bei Wohlfahrt, Roseuthaler Vereinshaus, Rosenthaler Str. 57. Kistenmacher bei Bandach, Breslauer Strafte 28. Kammacher bei Walter, Adalbertstr. 62. Korbmacher bei Holfniann, Koppenstr. 47, Bürstenmacher bei Prenß(Hilsevein-Ausschank). Holzmarktstr. 65. Perlmutt-, Horn- u. Steinußarbeiter O'/j Uhr bei Ernst Thomas, Melchiorftr. 5. Bilderrshtnenmachep bei Hattcrotb, Nitterstr. 32. Diese Versammlung beginnt um 6 Uhr. Stockarbeiter bei Lehmann, Neue Friedrichstr. 1. Diese Versammlung beginnt um« Uhr. JalousiesArbeiter bei Htthle, Mariannenstr. 41. Maschinenarbeiter Die Versammlung fällt aus. Musikinstrumenten- Arbeiter Die Tertranensmtlnner- Versammlung: am Mittwoch | ä II t au». «m Montag, den 11. Mai, abends O'l, Uhr, findet in den it.ndreas-I'estsaien, AndreaSstr. 21, eine Außerordentliche Kranchen- Nersammlung statt, wozu sämtliche Vertrauensleute erscheinen müssen. 83/19___ Pie Brnnchenleitnng. Ausnahme-Preise für Gardinen uns Stores, weiss, creme u. ockerfarben abgepasste Fenster= 2 Shawls. 2m. 5» 6 m. Echt engl. u. Brüssel-Tüll"Tzg m.Band eingef., 12 bis* Prima Spachtel-Tnll mit Qso Batist-Auflage, 18 bis � Echt Erbstüll, reich mit Bändchen, Handarb., Cjs 25 bis O Reliet-Tüll-Stores, neue mod. Muster, 5 bis Echte Spachtel-Stores, Appl.m. Spinnen, 12 bis Point lace-, Stella- u. Lacet-Stores a. Erbstüll, Neuheit, 18 bis Steppdecken. 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Sämiliibe Ausgesperrte und Arbeitslose sowie die in Arbeit stehenden Kollegen find dringend eingeladen. 171/14* Die Ortaverwnltang. UtrtmddkrMgItt,FMittkr,A«strcichtt-c. Mittwoch, den 6. Mai 1908, abends pünktlich 8>/, Uhr: Sekfions-Versararalnng der SacMerer in„Dräscls Festsälen«, Neue Friedrichstr. 35. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Ua» SehüNa über: englische Revolution«. 2. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. 132/3 Gromwcll und die ti. Stiftungs-fest Sonnabend, den 16. Mai 1908 in den Musiker> Sälen, Kaiser- Wilhelm- Straße 18 m. Konzert, ledende Bilder, Ball. 9 rege vetewgung ersucht vi» SoktlonaleltahH. SPREE- A HAVEL- l.'-lHmi DAHPFSCHIFFFÄHRT GESELLSCHAFT l.'UMVILjl o Zur Banmbl&te«ach Werder :t Täglich Dampferverbindung ab Potsdam:: Lange Srllcke(Eisenbahn-Hotel) 10, 13, 8, S, 4, 5, O Uhr (Sonntags halbstimdl. Verkehr), zurück von Werder, Bismarckhöhe, stündlich bis 7,25 Uhr. Werder Ton Mittwoch, 6. Mal ab bis auf weiteres tttgllch von Berlin. 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