Nr. 106. Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis pranumerando Bierteljährl. 3,30 m., monatl. 1,10 m, möchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Big. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pig. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat, Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweis Ericheint täglich außer Montags. füt Vorwärts Berliner Volksblaff. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Seträgt für die fechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 50 Pfg., für bolitische und gewerkschaftliche Bereins und Versammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das erfte( fett gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Bort 10 Pfg. Jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition i bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Der Freifinn für indirekte Steuern! " Mittwoch, den 6. Mai 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. tandidaten 100-106, die Christen" nur 28 Stimmen! In " Wer es nicht als die Aufgabe unserer heutigen sozialen scheinend substantiiert ist, vor dem Steeler Gericht schon als Ordnung ansieht, immer zahlreichere Millionäre unwahrheit und krankhaftes Phantasieprodukt festgestellt. des haben sich Berichterstatter mit immer höherem Einkommen heranzuzüchten, wurde, christlichen Getverk in der An- vereins, auch nicht einmal richtig, übernotiert und muß uns also unbedingt zustimmen sicht, daß die hohen und höchsten Einkommen schwemmen mit diesen handgreiflichen Verleumdungen gegen Um den bösen Fall bedeutend stärker herangezogen werden könnten. den Bergarbeiterverband die Presse. Wenn man die Einkommen von 9500 M. ab durch eine Behrens in Vergessenheit zu bringen, haben, toste, was Die Freisinnige Zeitung" gesteht in einem progressive Reichseinkommensteuer auch nur einigermaßen es wolle, die braven Gewerkvereinschristen auch ein Flugblatt, zwar Leitartikel" gleich der„ Bossischen Zeitung" ein, daß heranziehen wollte, ließen sich also allein aus dem preußi- überschrieben„ Der Fall Behrens", aber enthaltend die von Spaniol sich bei der bevorstehenden Reichsfinanzreform auch der Freischen Staatsgebiete leicht runde 100 Millionen aufbringen! und Genossen gegen die Verbandsleitung geschleuderten unsinnigen finn bereit finden lassen werde, neue indirekte Aber auch die die Ergänzungssteuer ließe sich Berleumdungen, herausgegeben. Den christlichen Brüdern" und Reichssteuern zu bewilligen, obwohl sie selbst am Schlusse in ähnlicher Weise für dirette Reichs einnahmen ver- allen Zeitungsredaktionen, die gleichfalls den von Verleumdungen durchaus mit Recht darauf hinweist, daß zwar Länder wie werten. Sie beträgt für Preußen zurzeit 44 Millionen. strogenden Versammlungbericht publizierten, wird der Strafrichter England bedeutend höhere Erträge aus den Abgaben für Wie unzulänglich diese Steuer ist, die bisher für Preußen Gelegenheit geben, den Wahrheitsbeweis zu liefern. Der Ber Bier, Tabak, Alkohol zögen, daß aber Deutschland die Be- von 100 M. Vermögen 5 Pfennige Vermögenssteuer forderte, bandsvorstand wird unnachsichtlich gegen die Ber lastung dieser Gegenstände schon deshalb nicht erhöhen dürfe, weil ja der deutsche Konsument infolge der deutschen beweist das kolossale Anwachsen der Vermögen in Preußen. Ieumber und Verbreiter der Berleumbungen vor. Das steuerpflichtige Vermögen der Zensiten mit mehr als gehen! Schutzoll politit durch Verteuerung der notwendigsten 3000 M. Jahreseinkommen betrug im Jahre 1902 Was in dem Versammlungsbericht und in dem Christenflugblatt Lebensmittel, wie Fleisch und Brot, wahrlich schwer genug be- 53 222 Millionen Mart, im Jahre 1905 58 786 Millionen Mart. wiedergegeben wird, ist einerseits so hanebüchen erlogen, daß man lastet sei. Obwohl, wie gesagt, die Freisinnige Btg." sich selbst Das Vermögen der Steuerpflichtigen mit mehr als 3000 W. fich die Verlegenheit der Gewerkvereinsleute über ihren Fall Behrens theoretisch gegen neue indirekte Steuerlasten erklärt, erklärt sie sich doch unmittelbar vorher für neue indirette Steuern! Jahreseinkommen hat sich also in drei Jahren um 5564 danach vorstellen kann, und ist andererseits schon gerichtlich als Millionen vermehrt! Diese 5 Milliarden Mart unwahrheit entlarbt. Wäre die Entrüstung der Arbeiter über das Nur hat sie nicht den Mut, rund heraus zu sagen, welche Konsumartikel nach ihrer Meinung in höherem Maße heran- berteilten sich auf noch nicht 374000 Personen! Verhalten des Abg. Behrens nicht so groß wie es tatsächlich ist, gezogen werden könnten. Ueber diese to ichtigste Fragem Durchschnitt vermehrte sich also das Vermögen jedes dann würden die Gewerkvereinsleiter nicht zu dem verzweifelten setzt sie sich mit der faulen Ausrede hinweg, daß sich das einzelnen Benfiten in den drei Jahren um 15 000 Mark! Mittel gegriffen haben, sich au Verbreitern der gerichtlich festgestellten ,, einstweilen noch nicht übersehen" lasse. Ale ob sie nicht wäre es da nicht ein Leichtes, eine progressive Berleumdungen zu machen. Das bide Ende wird nachfolgen, Reichsvermögenssteuer einzuführen, die allein von den Einstweilen liegt schon eine deutliche Antwort der Bergleute auf wein, der Tabat und das Bier in Frage kommen. Aber preußischen Vermögen derer mit einem Einkommen den Versuch der Behrensfreunde vor, die Bergleute gegen den Bergwenn die Freisinnige Zeitung" auch die Frage nach dem Wie von mehr als 3000 m. das Anderthalbfache, ja das Doppelte arbeiterverband mobil zu machen durch Verbreitung der gedachten noch schämig umgeht, so erklärt sie sich doch im Prinzip bereit, einbrächte? Denn selbst wenn die 374 000 Benfiten in den Berleumdungen. Am vergangenen Sonnabend fanden in Körne gemeinsam mit ihren tonservativen und nationalliberalen drei Jahren das Doppelte der preußischen Vermögenssteuer, 23 amb el und in Mengede knappschaftliche Aeltesten. gemeinsam mit ihren konservativen und nationalliberalen also insgesamt 240 Millionen, Reichs vermögenssteuer gezahlt wahlen statt. Emsig haben die Christen" agitiert mit den Blockspießgesellen der großen Masse der Nichtbesitzenden durch hätten, würde der Vermögens zu wachs der 374 000 Per- fenfationellen Enthüllungen" der Spaniol und Gen. Der Erfolg neue indirette Steuern mehrere hundert Millionen Mart jährlich abzuknöpfen! Denn sonen innerhalb dreier Jahre noch immer 5324 Millionen, war folgender: In a mbet örne erhielten die Berbanbadaß es sich um die Dedung eines Defizits von mindestens also pro Stopf 14 000 m., betragen haben! Die Gelehrten der Freifinnigen Zeitung" sehen ,, daß sich Mengede( einem schwarzen" Sprengel) erhielten die Verbands400 Millionen handelt, das gibt ja auch die Liberale allein durch eine noch ganz bescheidene Erhöhung der fandidaten 219-222, die Polen 204 und die Christen" nur 37 bis Korrespondenz" in ihrer neuesten Nummer unumwunden zu. Vermögens und Einkommensteuer allein aus Preußen 40 Stimmen! Diefe glänzende Niederlage der GewerkvereinsDie indirekte Steuerschraube wird also derart angedreht 180 Millionen für das Reich jährlich beschaffen ließen! christen war die erste Arbeiterantwort auf den Fall Behrens. An werden, daß mehrere hundert Millionen dabei Nehmen wir dazu noch eine Erbschaftssteuer, die weiteren solchen Erfolgen" werden die Behrensfreunde feiner herausspringen! Die Freifinnige Zeitung" wagt die Tatsache des folossalen wirklich diesen Namen verdiente, so ließen sich mühelos weitere Mangel leiden. und in den nächsten Jahren zweifellos noch gewaltig an- 200 Millionen aus dem Reiche aufbringen. Bringt doch wachsenden Defizits nicht zu bestreiten. Das tann sie frankreich jährlich an Erbschaftssteuern 250 Millionen, ja nicht, da ja selbst Herr Paasche in der letzten Nummer England gar 350 Millionen Mart auf! Die Freisinnige Zeitung" sieht also, daß man gar kein Finanzgenie zu sein, Kein Berufsstand versteht in gleichem Maße nach außen das des„ Tag" erklärt hat, daß aller Voraussicht nach die zurzeit sondern nur das ernstliche Bestreben zu besitzen braucht, die Dekorum zu wahren und fich den Anschein strengster Pflichterfüllung 4500 Millionen betragende Schuldenlast des Reiches sich binnen der nächsten fünf Jahre auf mindestens 6000 Millionen Lasten auf die leistungsfähigen Schultern zu legen, ohne Rücksicht auf irdische Schäße zu geben, wie die„ Diener des um aus diretten Steuern das Reichsdefizit zu decken! Herrn". Sind aber die Gottesdiener ungestört unter sich, ist von Mark erhöht haben würde. Aber gerade aus der un- Aber die Freifinnige Volkspartei, wie überhaupt der Frei- ihrer Ergebenheit in Gott und der Besorgtheit um das Wohl der geheuren Höhe des Reichsdefizits zieht die" Freisinnige finn, ist ja teine Vertretung der nichtbesitzenden Klassen, ihnen anvertrauten Seelen wenig zu verspüren. Den Inhalt ihres Zeitung" den Schluß, daß durch daß durch dirette Steuern sondern ebenso gut wie der Nationalliberalismus und Kon- Gesprächs bilden dann meist Klagen über die Widerseßlichkeit des eine Mehreinnahme von jährlich 400 Millionen nicht zu fervatismus der Sachwalter des Kapitals, der be- Gemeindefirchenrats, die Unzulänglichkeit der Pfarrgehälter oder schaffen sei. Weil aber die besitzenden Klassen durch fienden Klasse, der Ausbeuterinteressen. Des auch über die Bänkereien zwischen den Amtsbrüdern. Selbst in den Dirette Steuern 400 Millionen mehr nicht aufbringen fönnten, halb brüdt er beide Augen zu, um nicht den Ueberfluß der evangelischen Pfarrblättern erscheint der Pfarrer in einem ganz so bleibe nun einmal nichts anderes übrig, als zu indirekten Reichen zu sehen. Er hält es gleich dem erstbesten Straut- anderen Licht, als ihn sich ein naives Publikum borgestellt. Nicht Steuern zu greifen. Wenn das Zentralorgan der Freisinnigen Volkspartei be- junter oder Scharfmacher mit dem Sake, daß denen, die da die Sorge um das Seelenheil der Schäflein, sondern um die Erhauptet, 400 Millionen seien durch Erhöhung der direkten haben, gegeben werden, daß hingegen denen, die nichts höhung der Gehälter und Sporteln bewegt dort die pfarrherrlichen haben, rücksichtslos genommen werden müsse. Deshalb ber- Herzen. Steuern nicht aufzubringen, wenn es darüber stöhnt, daß ja ficht er den Standpunkt, daß das Reichsdefizit hauptsächlich Recht interessant ist in dieser Hinsicht eine Erzählung mit dem schon jetzt der Steuerdruck wohlgemerkt der direkten durch neue in dirette Steuern gedeckt werden muß! allgemein so schmerzlich empfunden werde, so Wäre es anders, so wäre ja der Freifinn niemals der mag es sich damit den Dank des Ausbeutertums Blockbrüderschaft und der Gunst der Regierung, dieses Ausund der besigenden Klassen erwerben! Wie wenig aber die Behauptung der Freisinnigen Zeitung" den Tatsachen schusses der herrschenden und regierenden Klassen, gewürdigt entspricht, wollen wir hiermit beweisen. Wir wollen auf Grund der amtlichen Zahlen dartun, daß von den besitzenden Klassen sehr wohl 400 Millionen neuer diretter Steuern aufgebracht werden könnten. Wir wollen also nichts geringeres beweisen, als daß die freisinnige Lattit, das durch macht dem Gewerkberein christlicher Bergleute, dessen Generalsekretär die Block politik verschuldete Riesendefizit durch neue der Herr ist, schwere Bein. Wenn auch die Konferenz der Gewerkindirekte Steuern zu decken, nichts als einen neuen frei- vereinsangestellten und Borstandsmitglieder dem Herrn Bebrens finnigen Liebesdienst gegenüber den besitzenden Klassen dars das Vertrauen ausgesprochen hat, die Meinung der Arbeiter stellt, und eine nene skandalöse Auspowerung der befitlosen ist eine andere. Klaffen! In der Not frißt der Teufel Fliegen, weshalb sollten die in In Preußen brachten die physischen Sensiten mit mehr der Batsche fizenden Gewerkvereinschriften weniger wählerisch als 9500 m. Jahreseinkommen die Summe von 93 Millionen fein! Damit die empörten Mitglieder von dem Fall Behrens Mart Einkommensteuer auf. Wollte man diese hohen Ein- abgelenkt würden, greift die Gewerkvereins- und Bentrumspresse kommen auch nur einigermaßen gebührend zur Steuer begierig nach dem„ Stoff, ben ihr einige vom Bergarbeiterverband Steuern heranziehen, so könnten sie in Gestalt einer Reichs ausgeschloffene Krakeeler darbieten. Wegen gröblicher Berdächtigung cinkommensteuer weitere 93 Millionen aufbringen. Sie würden ihrer Verbandskollegen sind die früheren Verbandsangestellten dann im Verhältnis noch lange nicht so schwer belastet sein, Spaniol und Heinen und das Mitglied Brodam bom wie die kleinen und mittleren Einkommen durch die Verbandsborstand auf Grund des Statuts ihrer Mitgliedschaft für indiretten Steuern belastet werden. Daß die besigenden verlustig erklärt werden. Steuern! B worden! Der Fall Behrens Die ,, Diener des Herrn". Titel zu den Berliner Anträgen"( gemeint sind die Anträge auf Gleichstellung der Pfarrer in derselben Gemeinde) in Nr. 8 des Pfarrer bereins", des von einem Pastor Basche redigierten Organs der evangelischen Pfarrervereine von Branden. burg, Berlin, Pommern, Sachsen, Nassau, Westpreußen, Posen usw. An Stelle seines sonstigen Leitartikels bringt das Blatt eine niedliche Schilderung, in der erzählt wird, wie der Pfarrer Selbereffer" in Oberpapstheim in der Kirche eine schöne Predigt gegen den Eigennut hält, dann nach seiner Amtswohnung geht, dort einen Brief des Konfiftoriums mit der Ankündigung findet, daß in Oberpapstheim eine zweite Pfarrstelle errichtet werden solle, und nun folgendes Selbstgespräch führt: Wenn jezt der neue Bruder kommt, habe ich vor allem meine brüderlichen Vorrechte zu wahren, um nicht Schaden zu leiden nach Stellung und Einkünften. Zu dem Bwed muß ich die Stellung des neuen Bruders möglichst zu einer hülfspredigerartigen herunterdrüden. Darum habe ich mich auch schon gar nicht bemüht, mehr als das Minimalgehalt für die nun leider gegründete neue Stelle herauszuschlagen. Ist der neue Bruder nun nicht zufällig ein Millionär, so tann er schon gesellschaftlich nicht mit mir tonfurrieren. Jeßt gilt es noch, seine Dienstnachweisung möglichst günstig für mich zu gestalten. Das freilich wird sich heutzutage nicht mehr machen lassen, daß er, wie anderwärts vom Diatonus noch geschieht, in meinen Gottesdiensten die Liturgie lesen muß. Aber wenigstens will ich alle oder doch fast alle Hauptgottesdienste haben. Ihm die Nebengottesdienste!" Zwar fürchtet der Herr Pfarrer Selberesfer, daß ihm Klassen durch die bisherige direkte Besteuerung ganz un- Gegen einen erhob der Verbandsvorstand wegen schwerer zulänglich zu den Staatslasten herangezogen werden, be- Verdächtigung der Berbandsleitung( Unterschlagung usw.) gerichtliche weisen ja die Zahlen der Einkommen- und Vermögens- Klage. einen wurde, weil er den wahrheitsbeweis steuerstatistit. Denn wenn die Zahl der Zensiten mit mehr völlig schuldig blieb, vom Schöffengericht' in Steele ein Justizrat im Gemeindefirchenrat Opposition machen werde; als 100 000 m. Einkommen im Jahre 1892 nur 1659 betrug, verurteilt. Der Verurteilte legte Berufung ein, drohte in einem doch er tröstet sich damit, daß in Berlin( Mandarinenburg) die 382 Millionen Einkommen versteuerten, dagegen im Jahre 1907 von der Zentrums- und Reichsverbandspresse veröffentlichten Artikel alte Ronsistorialräte fißen, die sich bei ihrem Dünkel paden laffen, 3561 mit 900 millionen Einkommen, so ist das ein Beweis der Verbandsleitung, niederschmetternde Enthüllungen an und und er philosophiert deshalb weiter: dafür, daß die besigenden Klassen weit energischer aur im Berufungstermin erschien weder einen noch Steuer herangezogen zu werden verdienen. Denn abgesehen sein Anwalt! davon, daß sich in den letzten 15 Jahren in Preußen nach Was er nicht wagte, vor Gericht unter Beweis zu stellen, weil dem Ausweis der amtlichen Einkommensteuerstatistik die es rein aus den Fingern gesogen ist, das und noch tollere Zahl der Millionäre mehr als berdoppelt hat, ist auch Schwindeleien dazu haben dann Heinen und seine Spießgefellen das Durchschnittseinkommen dieser Millionäre von 236 000 M. Spaniol und Brodam in einer von ihnen einberufenen Ber im Jahre 1892 auf 250 000 M. im Jahre 1907 angewachsen! Isammlung vorgetragen. Dieses unfinnige 8eug das, soweit es an Halt, ich weiß es. Sollte sein Antrag durchbringen, dann reise ich einfach nach Mandarinenburg und bearbeite die Konsistorialräte, daß dies nicht sein dürfe. Denn tenn meine Stelle, wie doch wahrscheinlich wäre, einmal mit einem Superintendenten besetzt würde, dann dürfte der doch unmöglich aller Vorrechte vor dem Amtsbruder am Ort ermangeln. Die firchenregimentlichen Krähen do oben werden dann schon dep eventuellen ephoralen Mitträhe ba tornix epKöi-alis Svehlualis— kein Auge aushacken. So eine Dienstnachweisung wird nicht genehmigt. Und dann, lvcnn der neue Bruder möglichst subaltern gehalten wird, dient seine Hoffnung auf ein späteres Einrücken in die erste Stelle dem Konsistorium gewissermaßen als ein Nasenring, um ihn möglichst unterwürfig zu halten." Die zweite Pfarrstclle wird also in Oberpapstheim eingerichtet und sofort bricht zwischen den beiden geistlichen Hirten der Kampf um die Futterkrippe los. In dem„Pfarrerverein" heißt es darüber: „... Als Bruder Hungerleider nun wirklich als Diakonus und zweiter Geistlicher in Oberpapstheim stand, klagte Bruder Selbstesser denn doch oft Stein und Bein über des Amtsbruders unbrüderliches, ränkevolles Wesen und sehnte die Zeiten seines Alleinwirkens zurück. Die ganze Gemeinde nahm ja Anstoß an den ewigen Zwistigkeiten. Doch tröstete er sich oft fromm und ergeben mit dem teuren Gottesmann Paul Gerhardt, der als Probst in Mittenwalde ja auch an einem bösen Unterbruder ge- litten habe, und seine Freunde gaben ihm Recht." Nach langen Jahren stirbt endlich der alte Selberesser, und sein Bruder im Seelsorgeramte, der Diakonus„Hungerleider", rückt zum ersten Pfarrer auf. Nun behandelt dieser wieder den zweiten Pfarrer in genau derselben Weise: „Und als— endlich, endlich— Bruder Selberesser gestorben war, da rückte Bruder Hungerleider in die erste Stelle auf. Da predigte er eines Sonntags im Hauptgottesdienst ebenso warm und eindringlich wie einst der selige Vorgänger über Phil. 2, 5 ff. Und nach der Predigt warf er sich auf seiner Studierstube in den Sessel und hielt sich selber folgende kurze, aber ergreifende Ansprache: „Jetzt ist bald die Wahl des neuen Diakonus. Es ist doch eine unerquickliche Stellung. Das merke ich jetzt erst, wieviel angenehmer das Amt des Oberpfarrers ist. Es ist wirklich nicht zu verlangen, daß ich nach all den unangenehmen Jahren, die ich durchgemacht habe, jetzt auf den Lohn meiner Mühe und meines Wartens verzichte. Ich will auch mal was davon haben, erster Geistlicher zu sein." Die Erzählung liest sich wie eine blutige Verhöhnung der Amtstätigkeit der„Diener im Herrn"; aber sie steht im offiziellen Organ der evangelischen Pfarrervereine, das von Pfarrern ge- schrieben wird, die sicherlich die schöne Seele ihrer Amtsgenossen kennen. Die GcmeindewaHIen In Frankreich. Paris, 4. Mai. sEig. Ber.) Das gestrige Wahlresultat hat die Eigentümlichkeit, daß es— im ganzen genommen— alle Parteien wirklich, nicht nur dem Vor« geben nach, zufriedengestellt hat. Die Regierung verzeichnet die Zu« nähme der radikalen Gemeindevertretungen, die klerikale und nationalistische Opposition stellt fest, daß sie ihre wichtigsten Positionen mit verstärkten Mehrheiten behauptet hat und die Sozialisten dürfen mit Genugtuung daraus hinweisen, daß der gegen sie von allen bürgerlichen Parteien geführte Ver- nichtungskrieg damit geendet hat. daß wohl einige bisher von sozialistischen Mehrheiten verwaltete große Provinzgemeinden >— Toulouse, Brest, LimogeS und Dijon— und auch diese wohl nur infolge lokaler Zwischenfälle der geeinigten Partei entrissen worden sind, daß aber diesen Verlusten der Gewinn von Nimes und be- sonders die in der Stichwahl verbürgte Eroberung von B o u r g e s entgegensteht und daß der industrielle Norden, wie die Bergwerks- bezirke des Pas-de«Calais, von Montceau-leS-MneS und Carmaux dem Sozialismus die Treue bewahrt haben. Auch mit dem Resultat von Paris zu prunken, hat die Regierung nicht den geringsten Anlaß. Wären die Sozialisten wirklich, wie die sozialreaktionäre Presse— bis zur radikalen— täglich den Wählern erzählt hat, Vaterlandsverräter, so stände es um die Republik Frankreich wirklich schlecht. 102000 Stimmen find gestern in der Stadt Paris für die Kandidaten der geeinigten Partei abgegeben worden, weitere Zehntausende in der von Arbeitern bewohnten Bannmeile. Gibt eS wirklich soviel„AntiPatrioten"? Denn die bürgerliche Presse wird nicht bestreiten können, daß gestern nicht eine Stimme für die Sozialisten von Wählern abgegeben worden ist, die sich dieses Bekenntnisses zu den sozialistischen Zielen nicht bewußt waren. Gestern ist die Probe, wieviel internationale Sozialisten in Frankreich find, ganz rein, mit Ausschaltung aller begünstigenden Umstände, gemacht worden. Kein Mitläufer, kein Blockdemokrat hat für die verleumdete, von der ganzen bürgerlichen Meute gehetzte Partei gestimmt. Und dennoch, weit entfernt davon,„vernichtet" zu sein, halten die geeinigten Sozialisten ihre alten Stellungen in den proletarischen Bezirken fest und sammeln in vielen anderen, zum erstenmal von der Partei be- tretenen, eine Kerntruppe von Arbeiterwählern. Nicht soll etwa geleugnet werden, daß auch das Pariser Wahl« bild für die Partei einige dunkle Punkte zeigt. Im Quartier von P i c p u s steht der bisherige Vertreter Genosse Fribourg in einer recht unsicheren Stichwahl mit einem Radikalsozialisten. Er hat wohl fast 900 Stimmen gegen das lctztemal gewonnen, aber das ehemals ganz proletarische Quartier hat infolge vieler Neubauten auch einen starken Zustrom bürgerlicher Bewohner erhalten. In Stichwahl stehen noch die früheren Gemeinderäte Genosse Weber im 11. Arrondissement, DeSlandreS im 13., B r u n e t im 17., D h e r b e c o u r t im 1Z.(im Viertel Clignancourt; die Partei hat hier gegen 1904 3500 Stimmen gewonnen). Marchand im 20. Wiedergewählt sind 6 Genossen. Ein Ziffernvergleich mit früheren Wahlen ist nicht möglich. Das letzte Mal waren noch die„unabhängigen" Sozialisten mit der Partei vereinigt und außerdem stimmten viele bürgerlich-radikale Wähler schon im ersten Wahlgang für die sozialistischen Kandidaten. Die 1904 derart errungene Stimmenzahl betrug 150 000. Die „Unabhängigen" haben diesmal 44 000 erhalten. Unter ihnen befindet sich auch der„Possibilist" H e p p e n h e i m e r, der bis in die letzte Zeit der Partei angehört hat. Wenig rühm» lich für die Wählerschaft sind die 1500 Stimmen, die Herr Gerüme L ü v y, ein junger, sehr tapitallrästiger Streber, der sich in den Ministerien herumgedrückt hat und nach seinem HinauSwurf vergeblich an die Partei an» zubiedern suchte, im 10. Arrondissement erhalten hat. Sie zeigen, wie viel man in der scheinbar politisch so geweckten Stadt noch mit den gemeinsten Mitteln der Korruption ausrichten kann. Ein Wahlkuriosum, das auch unter dem Posten des„unabhängigen Sozialismus" zu buchen ist, war die„Kandidatur" einer jungen Dame, Frl. L a l o ö, im galanten Viertel St. Georges. Die Sache war so lvenig ernst, wie der französische„Feminismus" überhaupt. Das Fräulein bekam übrigens an 1000 Stimmen, die für ungültig erklärt wurden. Nicht unerwähnt soll auch eine andere Merkwürdigkeit dieser Wahlkampagne sein: eine„syndikalistische" Kandidatur. Der Sekretär der Elektrizitätsarbeiter Pataud forderte auf zahllosen Plakaten die Wähler aller ArrondissementS auf, für ihn zu stimmen, zum Protest gegen die kapitalistische Korruption des früheren GemeinderatS. Der Aufruf war mit seiner Pauschalanflage nicht eben schmeichelhaft für die sozialistischen Genieinderäte, indes griff Pataud als Redner nur dort in die Agitation ein. wo sich die Stützen der alten schlechten Gemeindewirtschast um die Wiederwahl bewarben. Es beißt, Pataud habe feine Kandidatur nur darum überall angemeldet, um in allen Versammlungen der kapita- listtschen Parteien zum Wort kommen zu können. Die „Humanito" hat sich über die Generalkandidatur Patauds nicht geäußert, aber von einigen seiner Versammlungsaktionen mit Sym- pqthie berichtet. Die Stimmenzahl, die Pataud gestern vereinigte, war sehr geringstigig. Am größten war sie im Viertel der Münze, wo sie 142 betrug, während der Kandidat der Partei 503 bekam. Im übrigen kann man behaupten, daß der größte Teil der g e- Werks chaftlich organisierten Arbeiterschaft sozialistisch gestimmt hat. Nach den amtlichen Ziffem find die Radikalen in Paris gestern von 89 000 Stimmen bei der letzten Wahl auf 133 000 gestiegen, die Monarchisten und Nationalisten von 148 000 auf 103 000 ge- fallen. Aber diese Statistik sieht davon ab, daß es Sorten von „Radikalismus" gibt, die man vom echtesten„Nationalismus" schwer unterscheiden kann und Sorten von Nationalismus, die an Negierungs- frommheit nichts zu wünschen übrig lassen. Der Ausfall der Gemeindewahlen bedeutet einen Sieg der Re- gierungspolitik in dem Sinn, daß die von Clemenceau gewünschte Vereinigung der Republikaner gegen die Sozialisten auscheinend von den Massen der radikalen Kleinbürger anch gewünscht wird. Damit ist aber auch die Hoffnung auf die Durchführung der auf dem radikalen Programm stehenden Reformen dahin. Nicht die„Republik" hat gestern gesiegt, sondern die k a p i t a l i st i s ch e Republik. Der Clemenceau neuen Stils triumphiert über den des alten. Eue dem Waklkampf. Wer nicht rot wählt, wird boykottiert! So überschreibt die„Deutsche Tageszeitung" eine Nottz, in der sie mitteilt, daß ein Parteigenosse in einer Verfamm- lung allen kleinen Geschäftsleuten, die von der Kundschaft der Ar- beiter abhängig sind, eine genaue Ueberwachung ihrer Abstimmung angekündigt hat und den Boykott arbeiterfeindlicher Geschäftsleute in Aussicht stellte. Deshalb schreit das Bündlerorgan über sozial- demokratischen Wahlterrorismus. Wer in einem Glas- hause sitzt, soll nicht mit Steinen werfen! Weshalb halten denn die Reakttonäre so an der öffentlichen Wahl fest, wenn s i e nicht die Absicht haben, die Abstimmung jedes einzelnen genau zu kontrollieren? Wollen sie etwa behaupten, daß sie diese Kontrolle nur deshalb üben, um sich über die Wahlfreiheit zu fteuen? Wer von den Gegnern abhängig ist, der muß so wählen, wie diese es von ihm verlangen. Das haben die Herrschaften bisher ganz in derOrdnung gefunden, und wenn nun unsere Genossen sich die Leute etwa? genauer ansehen, die von den Groschen der Arbeitermassen leben, so ist das ihr gutes Recht. Sie wollen keinen Menschen zwingen, sozialdemokratisch zu wählen, aber es ist doch ganz selbstverständlich, daß sie einen Geschäftsmann, der zu ihnen gehört, lieber geschäftlich unterstützen als einen Schleppen- träger der Reaktionäre. Wollen die Bündler eine Kontrolle der Wähler darüber, wie sie abstimmen, verhüten, dann brauchen sie nur dafür zu sorgen, daß die geheime Wahl eingeführt wird! Dazu sind sie aber nicht zu haben, weil sie eine genaue Konttolle üben wollen; wenn nun aber die Arbeiter das gleiche tun, bann er- dreistet sich die bündlerische Presse von sozialdemokratischem Wahlterrorismus zu reden!— Der Freisinn in Königsberg. Der vereinigte Liberalismus in Königsberg hat den Wählern als Kandidaten, den Geh. Justtzrat Dr. Krause neben den Freisinnigen P a ch n i ck e und G y ß l i n g empfohlen. Herr Krause hat sich, im Landtag,.jirr ein a b gestuftes Wahlrecht erklart und das hat unsere Genossen verankatzt, an den Mitkandidaten Gyßling in sehr höflicher Form die Anfrage zu richten, wie er zu den reaktionären Plänen des Herrn Krause stehe. Auf die höfliche Anftage hat Herr Gyßling in sackgrober Weise mit folgendem Brief ge- antwortet: Berlin, 3. b. 08. Sehr geehrter Herr! Auf Ihr Schreiben vom 30. April d. I. erwidere rch ergebenst, daß ich angesichts der Kampfesweise der Königsberger Sozialdemokratie in Wort und Schrift gegen die Freisinnige Bolkspartei und gegen meine Person es ablehnen muß, dem sozialdemokratischen Wahlkomitee eine Erklärung abzugeben. Hochachtungsvoll Gyßling, Justtzrat. Diese Antwort ist echt freisinnig! Es wäre doch dem Herrn Gyßling eine Kleinigkeit gewesen, zu sagen, wie er znsft Wahlrecht steht. Wenn er wirklich ein ehr- l i ch e r Anhänger des allgemeinen, gleichen, geheimen, direkten Wahlrechts ist, dann mußte er sogar mit Vergnügen die Gelegenheit ergreifen, dies seinen Gegnern mitzuteilen. Statt dessen hat er es vorgezogen, den Gekränkten zu spielen, der Sozialdemokraten— denen man sonst doch zu- mutet. Freisinnige zu wählen— überhaupt keine Auskunft gibt. Das legt die Vermutung nahe, daß auch Herr Gyßling zu den Freisinnigen gehört, die die Forderung nach einem freien Wahlrecht nur als Aushängeschild be- nützen. Es steht also die Tatsache fest, daß Herr Gyßling einer Beantlvortung der Frage, wie er zum Wahlrecht stehe, in sehr verdächtiger Weise aus dem Wege gegangen ist.—_ Politik und Kirche., Wählt katholisch I Das ist die Aufforderung, die die Zenttums- presse mehr oder minder offen an die Wähler richtet und damit die konfessionelle Ueberzeugung zu polittschen Besttebungen mißbraucht, geistigen WahlterrorismuS ausübt. Die ultramontane Presse ver- offentlicht einen Wahlaufruf des ProvinzialausschusseS der rheinischen Zentrumspartei, in dem es u. a. heißt: „Der rheinische katholische Bauer kann nicht dazu mitwirken, daß der Katholizismus in der preußischen Ostmark mehr und mehr mit staatlichen Mitteln zurückgedrängt wird, wie es die Wirkung der neuen Ausnahmegesetze gegen die Polen ist." Demnach sührt das Zentrum den Kampf gegen die Ausnahme- gefetze nur aus kirchenpolitischen Interessen. Den Gläubigen wird -S zur Pflicht gemacht, katholisch, das heißt zentrümisch zu wählen. Wer das verabsäumt, wähtt sich in die Hölle hinein. Wie der Freisinn das Wahlrecht achtet. In der schleswig-holsteinischen Stadt Tönning hatte bis bor Jahresfrist jeder, der 600 M. Einkommen versteuerte, das Bürger- recht. Im Herbst 1906 betrieb zum erstenmal die sozialdemokratische Arbeiterschaft eine energische Agitation zur Stadtverordnetenwahl und es gelang ihr, zwei Mandate zu erringen. Infolgedessen setzte im Juni 1907 die freisinnige Stadtverwaltung den Wahlzensus auf 1500 Mark herauf, womit natürlich die Arbeiterschaft ein für allemal vom städtischen Parlament ausgeschlossen ist.— Tönning gehört zum 4. schleöwig- holsteinischen ReichStagSwahltteise, wo dem Freisinn das ReichstagSmandat durch die Wahlhülfe derSozialdemokraten verschafft worden ist. Uebrigens gehört der freisinnige Reichstagsabgeordnete Dr. Leonhart zu den Männern, die ihren sozmldemokrattschen Wählern bestimmte Versprechungen in Sachen des Wahlrechts und des Koalitionsrechts gemacht und diese dann beim LereinSgesetz ge- brocheo Hadem Im selben Monat deS vorigen JahreS beanttagten die Sozial. demottaten im Chemnitzer Stadtverordnetenkollegium die Ein- führung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts an Stelle des Berufswahlrcchts, das den Arbeitern nur neun Sitze gibt. Der Antrag wurde natürlich abgelehnt, nachdem ein Freisinniger. Vorstandsmitglied der„entschieden" freisinnigen Organisation in Chemnitz, die Vorzüge des Berufswahlrechts nach» drücklich gepriesen hatte! Merkt's Euch. Proletarier! politische(lebersicdt. Berlin, den 3. Mai 1908. Geldverschwendung für Tampfersubventionen, Kolonialbahnen und Ostmarkenprämien. Nach Genehmigung einiger internationaler Verträge trat der Reichstag in die zweite Beratung der Dampfer- subventionen ein. In der Kommission war nur mit knapper Mehrheit(14 gegen 18 Stimmen) die Regierung..- Vorlage angenommen worden. Nunmehr hatte die Wirtschaft- liche Vereinigung den Antrag eingebracht, statt 509 000 M. Nur 230000 Mark zu bewilligen, um die geplante Einrichtung einer Auschlußlinie von Singapore nach Neuguinea in Fort- fall kommen zu lassen. Dieser Anttag fand die Unterstützung der Konservativen und des Zentrums, wodurch seine Zlnnahme gesichert wurde. Nur die Freisinnigen und Nationalliberaleu traten unentwegt für die Regierungsforderung ein; doch gab selbst Herr G o t h e i n zu. daß- die Regierung eine Lektton verdiene, weil sie auch diese Vorlage erst unmittelbar vor Torschluß eingebracht hatte. Die Sozial- demokratte, für die N o s k e und Molke nbuhr das Wort nahmen, lehnte sowohl die größere wie die kleinere Summe rund ab, versuchte aber im Interesse der Seeleute eine Be- stimmung in den Vertrag mit dem Norddeutschen Lloyd hinein- zubringen, daß für die ausgehenden Dampfer eine Bemannungs'- skala festgestellt und die Anmusterung einer genügenden Anzahl weißer Mannschaften bei der Ausfahrt zur Bedingung gemacht würde. Ein zweiter sozialdemokrattscher Anttag ver- langte die Aufhebung des§ 26 des Vertrages, der den subventionierten Schiffen verbietet; Lebensmittel nach Deutsch- land einzuführen. Beide Anträge wurden abgelehnt. Au- genommen wurde gegen die Sozialdemokratie die Subventionserhöhung von 230000 M. Dann kamen die fünfKolonialbahnen cm die Reihe; für deren Bewilligung sich die Kommission mit Aus- nähme der Sozialdemokratie erklärt hatte. Es stellte sich heraus. daß die Mehrheitsparteien ein Abkommen getroffen hatten, über diese Vorlage, die dem Deutschen Reich in dieser Zeit der Krise eine finanzielle Verpflichtung von rund 150 Millionen Mark aufbürdet, überhaupt kein Wort zu reden, sondern die Bahnen selbst sowie den ver- zwickten. Finanzierungsplan ohne Versuch der öffcnt- lichen Rechtfertigung im Reichstag anzunehmen. Als L e d e b o u r, der die ablehnende Haltung der Sozial- demokratie begründete, dieses Schweigegelöbnis geißelte und diese Art der parlamentarischen Geschäftsführung, die am krassesten bei dem Vereinsgesetz zutage getreten war, einen Skandal nannte, fuhr der Präsident Grqs Stolberg mit einem Ordnungsruf dazwischen. Dann wurde die 150 Millionen-Belastung unter dcni Jubel der Mehrheit gegen die Sozialdemokratie im Ramsch angenommen. Zu einer Debatte kam es dann wieder bei der zweiten Lesung der O st markenzulage. Den Freisinnigen waren Bedenken aufgestiegen wegen ihrer unbedingten Zusttmmung in der ersten Lesung. Sie hatten einen Anttag eingebracht, der die Unteroffiziere von der Ostmarkenzulage ausschließt und deni- gemäß die Gesamtsumme von 300 000 M. auf 91 OOOM. reduziert. Herr P ach nicke begründete das, schloß sich aber sonst der Auffassung der Minister an, daß die Ostniarkenprämie keine Spur polittschen Charakters habe. Gröber vom Zentrum widerlegte das durch Zitate aus den Reden Bülows und RheinbabenS im preußischen Abgeordnetenhause. Der Pole Brejski führte charatteristische Beispiele von Maßregelungen an. Für die Sozialdemokratie bekämpfte Lcdebour in kurzen Worten die Maßregel, indem er die Freisinnigen an den Fall Schellenberg erinnerte, der doch an dem Schicksal emes Freisinnigen gezeigt hätte, wie rücksichts- los die Postverwaltung politische Verfolgung aus- übe. Bei der Abstimmung wurde der Anttag in der frei» sinnigen Fassung(also mit Ausschluß der Unteroffiziere) aller- dings nur mit knapper Mehrheit angenommen. Ein halb Dutzend Freisinniger hatte doch Schamgefühl genug, dagegen zu stimmen. Dann wurde die Aenderung des 8 833 des Bürgerlichen Gesetzbuches zugunsten der Tierhalter, deren Haft- Pflicht abgeschwächt wird, in zweiter Lesung an- genommen, nachdem die Genossen Stadthagen und Stolle sich vergeblich bemüht hatten, die Ungerechtigkeit dieser Aenderung nachzuweisen. Schließlich gelangte auch noch der§ 63 des Handels- gefetzbuches in der von der Kommission geänderten Fassung nahezu einstimmig zur Annahme, trotzdem der Staatssekretär Nieberding erklärt hatte, daß die Regierung es ablehne, den Handlungsgehülfen in Krankheitsfällen den Bezug des Krankengeldes zuzüglich des Gehaltes zuzugestehen.— Die Demokratie des Zenttums. Dir Zentrumspresse der Rheinlande hüllt sich jetzt vor der Land- tagswahl in die demokratische Toga. Noch vor wenigen Tagen be- hauptete z. B. die«Köln. Volls�tg.", daS Zentrum verträte„die Sache der Freiheit mit den Demokraten um die Wette". Anders das Hauptblatt des Zentrums, die altjungferltche„Germania", die, da sie von Arbeitern und Kleinhandwerkern nicht gelesen wird, derartige verlogene Redensarten nicht nötig hat. In einer Polemik gegen die„Kreuz-Ztg.", die das Zmttum der Hinneigung zur Demokratie beschuldigt hätte, schreibt sie: „Die„Kreuz-Zeitung" macht seit einiger Zeit einen Sport daraus, das Zentrum als demokratisch hinzustellen. Bald muß einer ihrer Katholiken aus den Kreisen der Deutschen Vereinigung ihm den Vorwurf machen, es rücke immer mehr nach links; bald er- hebt sie selbst den Vorwurf.... Man braucht zur Verteidigung der Blockpolitik ein„demo- krattsches" Zentrum, und deshalb heftet man ihm die Etikette „demokratisch" an. Aber auch der Partei im Lande kann man ehrlicherweise nicht nachsagen, daß sie sich nach links entwickele und demokratisch geworden sei. Oder ist eS etwa Demo- kratie, wenn die Zentrumspartei jetzt bei den preußischen LandtagSwahlen in soundso vielen Wahlkreisen die Konservativen gegen die Freisinnigen Unter- stützt und überhaupt grundsätzlich mehr Neigung für die Konservativen als für denLiberaliSmuS »eint? Statt der Zentrumspartei Vorwürfe zu machen, sollte " Die„ Germania" hat recht: das Zentrum ist nicht demofratish; sein Verhalten im Wahlkampf beweist vielmehr, daß es an reaktionärer Gesinnung selbst die Konservativen noch überbietet. Das Prunken der rheinischen Zentrumsblätter mit ihrer Demokratie ist nichts als Schwindel. England. man lieber auf fonservativer Seite eine ernstliche Getvissens, Bahn in irgendeiner Weise zu folonisatorischen Zweden zu benuken, merkenswert, daß die Regierung die großen Entwässerungsarbeiten erforschung darüber anstellen, welche hohen sittlichen, religiösen hat die kaiserliche Regierung niemals auch nur erwogen. In ganz für die die Fonds seit langem bewilligt sind, nicht ausführen ließ. und staatlichen Güter durch die Verbindung der Konservativen mit gleicher Weise hat später der Reichskanzler Fürst v. Bülow in Gin Fünftel der Streifenden könnte bei diesen öffentlichen Arbeiten dem Liberalismus zerstört oder gefährdet werden." einem von der Nordd. Allg. Ztg." veröffentlichten Interview mit angestellt werden. Ein Ende des Streits ist bis jetzt nicht ab einem Mitarbeiter der Petersburger Nowoje Wremja" die Annahme für finnlos erklärt, daß das Deutsche Reich einen Hafen am zusehen. Es ist aber eine oft gemachte Erfahrung, daß örtlich schr persischen Golf zu erwerben wünsche. Auf die Rede des Staats- ausgedehnte Streits meist von kurzer Dauer find. sekretärs richtete der Angefl. Pöplau unter dem 12. Februar an diesen ein Schreiben, suchte darin die Darlegungen des Staatssekretärs zu widerlegen und richtete an ihn die Bitte, Die Bergarbeiter für die Arbeiterpartet. ihn in kenntnis darüber zu sezen, ob er dem ReichsLondon, 5. Mai. Der Bergarbeiterverband Warum unterstützt das Zentrum die Konservativen? tage in geeigneter Weise die erforderliche BerichtiDie ultramontane Schles. Voltszeitung" nennt in einem Leit- gung der abgegebenen Erklärung geben wolle. Anderenfalls würde veranstaltet ein Referendum über die Frage der Angliederung artikel offen die Gründe, die das Zentrum bestimmen, bei den dem Briefschreiber die moralische Verpflichtung ent- des Verbandes an die englische Arbeiterpartei. Landtagswahlen die Konservativen zu unterstützen. Der Hauptgrund stehen, vertraulich der Voltsvertretung die ihm 600 000 Stimmzettel wurden verteilt und müssen bis zum ist, daß, wenn der Landtag starke liberale Fraktionen erhielte, die bekannten 3iele der Regierung bekannt zu 16. Mai ausgefüllt sein. Ein Teil der Bergarbeiter, darunter bisherige Herrschaft der ultramontanen und ton geben. Als dieses Schreiben unbeantwortet blieb, folgte unter der wichtige Bezirk Durham, hat sich bereits zugunsten fervativen Reaktionäre auf dem Gebiet der bem 10. März ein zweites Schreiben, in welchem er erklärte, daß, der Angliederung ausgesprochen. Der Verband wird fervativen Reaktionäre auf dem Gebiet der wenn er nicht bis kurz vor Beginn der zweiten Lesung des Etats sich voraussichtlich ebenfalls mit großer Mehrheit für einen Schul- und Kirchenpolitik infrage gestellt werden für das Auswärtige Amt Nachricht von der Entschließung des sich voraussichtlich ebenfalls mit großer Mehrheit für einen könnte, und die Aufrechterhaltung dieser Herrschaft ist nach Staatssekretärs zu einer Berichtigung seiner Ausführungen er- Anschluß an die Arbeiterpartei erklären. Ansicht des fleritalen Blattes weit wichtiger als alle Wahlreformen, halten würde, er annehmen müsse, daß eine Mitteilung an den Die Annahme der Schankbill. zumal die Liberalen eine Reform bezweden, die den Einfluß der Reichstag ihn- Böplau- überlassen werden solle. In diesem London, 4. Mat. Unterhaus. Nach viertägiger Debatte großen Städte auf die Gesetzgebung noch verstärken würde. Wörtlich Schreiben wurde das Vergehen gegen§ 114 bes Strafgesetzbuches Nötigung eines Beamten zur Vorwurde heute die zweite Lesung des Schantstättengefeßes sagt die„ Schles. Volksztg.": erblickt. Als Beuge mit 397 gegen 147 Stimmen angenommen. Es tann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, daßnahme einer Amtshandlung der Ringkampf der Parteien bei dieser Wahl über ihre Macht- laden, aber nicht erschienen, da ihm die Genehmigung zu war von dem Angeklagten der Staatssekretär b. Schön ge= Die Frauenrechtlerinnen. stellung entscheiden soll, namentlich über die Herrschaft in den Der Geeiner Aussage nicht erteilt worden war. Schul- und Kirchenangelegenheiten. Wenn der Liberalismus zu einer ausschlaggebenden Stärke gelangen sollte, so wird es allerdings eine Abänderung des Wahlrechts geben, aber nicht eine gerechte Reform, sondern eine derartige Zustugung des Wahlrechts mit Pluralstimmen und Vermehrung der nis. London, 5. Mai. Lord Churchill, der neue Handelsminister, richtshof berurteilte den Angeklagten zu 1 Monat Gefäng ber nach seinem Durchfall in Manchester seine Wahl in Dundee Die Urteilsgründe wurden unter Ausschluß eifrig betreibt, wird von den dortigen Frauenrechtlerinnen ber Oeffentlichkeit berkündet. Die Staatsanwaltschaft hätte besser getan, die Anflage nicht ständig verfolgt, so daß es ihm unmöglich ist, in den Wahlzu erheben. Denn der forgfältige Ausschluß der bersammlungen das Wort zu ergreifen. Die Frauenrechtlerinnen sind das Uebergewicht über die Konservativen und das Zentrum be- Deffentlichkeit, die Nichterlaubnis für Schön, aus bald der Minister zu sprechen beginnt. Auch gestern war es dem haupten kann. Wenn man das richtig erwägt, so muß man es der Auffassung verleiten, daß man Böplau nicht wegen Nötigungs". Minister unmöglich, sich Gehör zu verschaffen. für etwas albern halten, daß die sozialdemokratische Presse dem Zentrum vorschreiben will, es müsse überall gegen die Konservativen Bersuchs bestraft habe, sondern, um ihn in ähnlichen Fällen fünftig um jeden Preis zum Schweigen zu bringen! stimmen, weil diese Gegner der Wahlreform seien." Wir machen dem Zentrum teinen Vorwurf daraus, daß es bei den Landtagswahlen für die äußerste Reaktion eintritt; wir finden vielmehr, daß diese Haltung feiner Natur völlig entspricht. Was wir dem Zentrum zum Vorwurf machen, das ist feine verlogene Tattit; die Tatsache, daß es sich in Arbeiterbezirken als demokratische Partei und als Stämpferin für das allgemeine, gleiche, geheime, direkte Wahlrecht aufspielt, während es lediglich den Zwed verfolgt, sich seine bisherige Machtstellung auf schul- und tirchenpolitischem Gebiet zu erhalten.Wie man Pöplau in dieser geheimen Feme überhaupt wegen nötigung" verurteilen konnte, ist uns mangels der Kenntnis der ja auch unter Ausschluß der Oeffentlichkeit vorgetragenen Urteilsgründe wirklich rätselhaft geblieben! Oefterreich- Ungarn. Die Studentendemonstrationen. Wien, 5. Mai. Heute vormittag wiederholten sich die studentischen Demonstrationen vor dem Gebäude der tierärztlichen Hochschule. Es wäre beinahe zu einem blutigen Zusammenstoß mit der Polizei gekommen, der Intervention des Rektors und des Abg. Solara gelang es jedoch, die Stubenten von unbesonnenen Schritten abzuhalten und zum Abzuge zu bewegen. Ein Teil von ihnen zog jedoch vor das Parlamentsgebäude, wo sich eine Depus tation zum Unterrichtsminister, der gerade dort weilte, begab und von diesem die Zusicherung erhielt, daß er die Beschwerden ber Anklage gegen die Obermeister der Bäckerinnungen. Gegen die aus Anlaß des Bäckerstreiks wegen Bergehens gegen§ 153 der Gewerbeordnung( Berrufserklärung) angeklagten Obermeister der Bäckerinnungen, Milleville und Schmidt, ist jetzt, nachdem das Kammergericht, wie wir seinerzeit mitteilten, die Anklageerhebung angeordnet hat, Studenten prüfen werde. das Hauptverfahren eröffnet worden. Termin steht am 15. Juni an. Wie hoch werden die Unternehmer auf Grund des so oft zu Unrecht gegen Arbeiter angewandten Paragraphen verurteilt werden? D Der Prozeß Polonyi. ohne bag man bas Bilb, bas man sich von diesem magyarischen Die Verhandlung gegen Bolonhi hat gerade 8 Tage gedauert, daß Justizminister nach den ersten Tagen gebildet hatte, eine wesent. liche Korrektur erfahren hätte. Der Staatsanwalt fämpfte mit dem Aufgebot aller Sträfte für feinen ehemaligen Chef. Es ist auch tatsächlich gelungen, wenigstens eine teilweise Verurteilung des Gegners Bolonhis zu erzielen. Kroatische Demonstrationen. Crnkovics wurden sämtliche Fenster durch Steinwürfe zertrümmert. Polizei und Gendarmerie gelang es nur mit schwerer Mühe, die Demonstranten auseinander zu treiben. Mehrere Ver. haftungen wurden borgenommen. Italien. Dänemark. Der neue Zolltarif. ristisch ist das Fehlen der landwirtschaftlichen Schut Das Parlament hat das neue Zollgefeß angenommen. Charakte zölle. Die Verteuerung der Lebensmittel ist Dänemark erspart geblieben, aber dafür befibt es eine blühende Landwirtschaft, die genossenschaftlich organisiert ist und für den Export beſtimmfe Qualitätsprodukte erzeugt. Der neue Tarif ficht zahlreiche Bollerleichterungen vor. Für das Proletariat am ivichtigsten ist die Bollfreiheit für Petroleum. Den sonstigen zahlreichen Zollermäßigungen steht die Erhöhung des Finanzzolls auf Spirituosen und Tabat gegenüber. Jm ganzen betragen die Zollherabfebungen 12 Millionen Kronen, die Erhöhungen 5 Millionen Kronen. Der Ausfall wird im wesentlichen durch eine Erhöhung der Grb. schaftssteuer gedeckt. Man sieht, ein demokratisches Regime bedeutet auch finanziell etwas ganz anderes als die deutsche Politik der Wucherzölle und der indirekten Steuern. Rußland. Die Verewigung des Ausnahmezustandes. Petersburg, 4. Mai. Die Dauer des berstärkten Schubes in den Gouvernements Jekaterinoslaw und Cherfon wurde bis 31. Oktober bezw. 2. November 1908 verlängert. Für die Stadt Tscherdyn im Gouvernement Perm wurde für ein Jahr der berstärkte Schuß erklärt. Perfien. Die Grenzunruhen. Urmia, 4. Mai. Die eben erst wiederhergestellte Telegraphenlinie wurde abermals von Kurden zerstört und ein bei den Reparaturarbeiten beschäftigter Beamter getötet. Die Kurden überfallen bei Nacht die in der Nähe der Stadt gelegenen Dörfer und Mühlen und haben bis jekt in neun Dörfern gewaltsam Abe gaben eingetrieben. Indien. Der Grenzkrieg. Offiziös sucht man die Bedeutung der kriegerischen Ver. widelungen an der afghanischen Grenze möglichst herabzudrücken. Es wird versichert, daß die afghanischen Banden dieselben wilden, undisziplinierten Banden sind, die zu Anfang des kürzlichen Streites mit den Battathels auftraten, und daß sie zusammen nicht mehr als 9000 Mann ausmachen. Es besteht weder Grund zu der Annahme, daß sie im Einverständnis mit dem Emir handeln, noch dazu, die augenblidliche Lage in irgendeiner Weise mit den Ansichten des Emirs über das englisch- russische Abkommen in Vers bindung zu bringen. Man hält es nicht für wahrscheinlich, daß die Operationen eine größere Ausdehnung nehmen werden. Die Mandatsniederlegung des Abg. Schwabach. Der nationalliberale Abgeordnete Schtvabach hat gestern sein Mandat niedergelegt; er wollte den Erörterungen aus dem Wege gehen, die bei den bevorstehenden Wahlprüfungen im Plenum des Die Geschworenen berneinten die Frage der Ver. Reichstages sich an die Art geknüpft hätten, in der er sein Mandat teumdung, erkannten Lengyel aber der Ehrenbeleidi erobert" hat. Seine Wiederaufstellung ist natürlich sicher. Dergung für schuldig. Der Gerichtshof verurteilte ihn auf Grund Wahlkampf verspricht ganz besonders interessant zu werden. Die bes Verbilts ber Geschworenen zu drei Monaten Gefäng Konservativen wevden alles daranseben, ihren alten Sib wiederzu nis und tausend Kronen Geldstrafe. Der Berteidiger meldete die holen. Weniger auf die Kraft der Prinzipien kommt es dabei anni chtigteitsbeschwerde an als darauf, welche Partei die meisten Getränke spendieren tann. Für die Wahl Schwabachs ist Bier und Schnaps in Strömen geflossen, weit mehr, als die Stonservativen früher bezahlt hatten; Agram, 5. Mai. Gestern fanden hier große Straßen. Geld ist mit bollen Händen gegeben worden. Wollen die Konser. bativen siegen, dann werden sie recht tief in den Beutel greifen demonstrationen statt. In dem Haufe des Sektionschefs müssen. Die Art, wie dort gewählt wurde, bot nach den Akten der Wahlprüfungskommission ein scheußliches Bild der or ruption. Unsere Genossen werden gut daran tun, die amtlich festgestellte Agitationsmethode im Wahlkampf recht eingehend zu be Leuchten. Bei der letzten Wahl erhielten Stimmen: Konservative 5668, Nationalliberale 4941, Sozialdemokrat 3342, Littauer 4221. In der Stichwahl siegte der Nationalliberale mit 11403 Der Agrarstreit in der Provinz Parma. gegen 6431 Stimmen. Die Ostpreußische Zeitung", das führende Rom, 3. Mai.( Eig. Ber.) Organ der oftelbischen Konservativen, hat erst dieser Tage mitges Am 1. Mai sind, wie wir telegraphisch berichtet haben, teilt, daß im Kreise die konservative Presse mehr berbreitet werden müsse, bamit endlich einmal den Wählern Schwabachs die Binde 40 000 Landarbeiter der Provinz Parma in den Ausstand gevon den Augen gerissen und ihnen die ganze Schamlosigkeit und treten. Seit 52 Tagen suchte die Organisation der Grundbefizer, Gleichzeitig wird aus Simla, 4. Mai, telegraphiert: General Wilcods griff heute früh die Afghanen auf Berwerflichkeit der Schwabachschen Agitationsweise nahegeführt die" Agraria", durch Aussperrungen die Arbeiterorganisationen zu wird". Gleichzeitig teilt das konservative Blatt mit, daß die fchwächen. Sie wollte dadurch die Arbeiter zwingen, sich damit ab- den Hügeln westlich von Landi thotal an, wobei er nur auf ge= Stonservativen alle Sebel in Bewegung sehen werden, damit ihnen zufinden, daß die Grundbesitzer die Konkordate vom Mai vorigen ringen Widerstand stieß, da der feindliche Führer gleich zu das Mandat wieder zufällt. Mit Spannung darf man der Stopf Jahres nicht eingehalten, sondern die Arbeitszeit der Arbeiter im Beginn des Gefechtes geflohen war. Die Afghanen wurden fämt. wäsche entgegensehen, welche die Blockbrüder gegenseitig an sich Jahresvertrag- spesati um zwei Stunden täglich erhöht hatten. lich über die Grenze geworfen. Auf englischer Seite wurden ein Offizier und zwei Gemeine verwundet. Bon verschiedenen ina bornehmen werden. Um einer unerträglichen Situation ein Ende zu machen, wurde so bischen Maharadschas sind der Regierung Truppen angeboten der Generalstreit für alle landwirtschaftlichen Arbeiten, ein worden. An den verschiedenen Stationen der Nordwestgrenze sind jetzt An politischer Achtung hat der Freisinn nicht mehr viel zu fchließlich der Versorgung des Wiehs, beschlossen. berlieren, was er aber noch besitzt, bas scheint er so rasch als möglich Die Situation ist sehr ernst. Die Unternehmer haben unter den im ganzen 31 Bataillone, 15 Eskadrons und 64 Geschüße mobil noch loswerden zu wollen. Hier ein neuer Beleg dafür. Die Söhnen der Bourgeoisie und des Abels der Provinz ein gemacht bezw. in der Mobilmachung begriffen. von freiwilligen Arbeitern rekrutiert, die sich mit Bündler wollen im Wahlkreis Hohensalza den bisherigen Storps Marokko. an die landwirtschaft nationalliberalen Abg. Geh. Oberregierungsrat 2usensty ab- mehr Provokation als Sachfenntnis Besonders bersuchen diese Freis Gegen Mulah Hafid. fägen. Auf die Drohung, daß dann ein Teil der nationalliberalen lichen Arbeiten machen. Tanger, 5. Mai. Aus Fes tommt das Gerücht, daß die MehrWähler abspringen werde und eine Bersplitterung der Deutschen willigen die Fortschaffung des Biehes, das durch den Streit dem Hungertode ausgefegt ist. Diese Fortschaffung trifft auf zwei große zahl der Bevölkerung in einer Bersammlung in der Moschee Mulay bevorstehe, antwortet die Deutsche Tageszeitung": Joris beschlossen habe, Mulah Hafid abzusehen und entEs wird uns schwer, daran zu glauben, daß wirklich eine Sindernisse: es fehlt an Arbeitern, um das Wich zur Bahn zu weder Abdul Asis wieder anzuerkennen oder einen anderen MarofZersplitterung der Deutschen drohe. Wir nehmen ohne bringen und gleichzeitig an solchen, die es in einem anderen Gebiet faner zum Sultan zu machen, der den heiligen Krieg verkünden Die Provinz Parma liegt im folle. weiteres an, daß der Herr Geh. Oberregierungsrat u in Empfang nehmen und verpflegen. fensty allen seinen Einfluß aufbieten wirb, Sentrum eines ausgebreiteten Reges von Arbeiterorganisationen, die um eine solche Bersplitterung hintanzuhalten. Es würde mit der Politit der deutschen und der preußischen Re- ich natürlich nicht zu Streitbrecherarbeit an vieh aus Streifgebieten gierung schwer vereinbar sein, wenn ein Geheimrat, wenn auch nur mittelbar, den Anlaß zur Uneinigkeit unter den Deutschen bilden sollte. Herr Lufensth wird gewiß die Wähler auffordern, auf seine Kandidatur zu verzichten." Dazu bemerkt das Organ des Herrn Wiemer: ..Und mit einer Partei, von der sie derart, wie es hier gefajieht, mit ausgesuchtem Hohn und Spott behandelt werden, schließen die Nationalliberalen in Ostelbien Wahlbündnisse ab." Das sagt ausgerechnet der Freisinn, der sich mit allen reaktionären Mächten verbündet hat, um zu verhüten, daß auch nur ein Sozialdemokrat in den Landtag gewählt wird! Spotten ihrer selbst! Ist das eine Antwort? hergeben. Die freiwilligen Arbeiter, die alle mit Revolvern bewaffnet find, haben bereits am 2. d. M. in S. Proſpero von ihren Waffen gegen die Streifenden Gebrauch gemacht. Fünf Streifende wurden verwundet, aber von der Fortschaffung des Viches mußte trotzdem abgefehen werden, da die Landarbeiterfrauen fich auf die Straße legten, so daß das Vieh und die begleitenden Soldaten nur über ihre Leiber hätten fortschreiten können. Der Streit erstreckt sich bis jetzt über 13 Gemeinden, die im Gebiet der Arbeitskammern von Barma und Borgo San Donnino liegen. Obwohl die Arbeitstammer von Barma in Händen der Syndikalisten und die von Borgo San Donnino in Händen der Sozialisten ist, besteht völlige Einigkeit im Vorgehen. Afrika. Der Aufstand im englischen Sudan. Kairo, 5. Mai. Abdel Kader ist in der Nähe des Gefechts. feldes von Dorfbewohnern gefangen genommen und den Regierungsbehörden ausgeliefert worden. Aus der Partei. Maifeiernachwehen. Jm vorigen Jahre wiesen wir an dieser Stelle hin auf den eigenartigen Brauch einer Anzahl Parteiorganisationen, durch zeitliche Verschleppung der Maifeier die einheitliche Attion des internationalen Proletariats am 1. Mai zu stören. So unfreundlich Im Streitgebiet ist viel Militär zusammen gezogen. Am 1. Mai unser damaliger Hinweis teilweise aufgenommen wurde, hatte er Der neueste Prozeß Pöplau ist während der ganzen Bauer der Verhandlung unter Ausschluß der Oeffent- wurde ein Regiment aus Cremona in die Streitgegend gefandt. doch die erfreuliche Wirkung, daß in diesem Jahre die eingeriffene lichkeit verhandelt worden. Es drehte sich, wie schon kurz er- Da die Order zur Abreise am Tage eintraf, als die Soldaten zum Unfitte, die Feier des 1. Mai auf einen späteren Tag zu verschieben, wähnt, um eine Rede des Staatssekretärs v. Schön in der Budget Teil in der Stadt zerstreut waren, mußten sie durch ein Trompeten mit wenigen Ausnahmen beseitigt ist. Soweit wir die tommission über das Bagdadbahnunternehmen. Er hatte darin fignal in die Kasernen zurückgerufen werden. Auch Kavallerie ist Barteipreffe verfolgt haben, finden sich im Verbreitungsgebiet des den rein wirtschaftlichen Charakter dieses Unternehmens betont auf der Reise nach der Provinz Parma. Eine Folge des ernsten Karlsruher Volksfreund" noch eine Anzahl Orte, z. B. For ch und wörtlich gesagt: Bei diesem rein wirtschaftlichen Charakter Sonflifts, der, obwohl erst jegt in ein alutes Stadium getreten, feit beim, Seidelsheim, Knielingen, Blankenloch, fallen alle phantastischen Kombinationen, welche von Zeit zu Zeit im Ausland daran geknüpft werden, in sich zusammen, so die Fabel Monaten dauert, ist die Anschaffung von landwirtschaft. Rintheim, Ettlingen, Oberkirch, Villingen, von der Kolonisierung der von der Bahn durchschnittenen Gebiete lichen Maschinen. Bisher wurden diese in der Provinz Parma Radolfzell, die es sich nicht versagen konnten, an Stelle der mit deutschen Ackerbauern und ebenso die Fabel von der Besitz wenig verwendet, aber in den lezten Tagen wurden, nach dem Demonstration am 1. Mai den 2. resp, 3. Mai für eine Maifeier zu ergreifung eines Hafens im perfischen Golf. Den Gedanken, bie Giornale d'Italia", für 2 Millionen Lire, eingeführt. Es ist bel benußen Gelmtz Mag c8 nW in allen VrkKt Beh PcolekarierN Möglich sein, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu begehen; möglich ist es aber. wenigstens am Abend durch Einberufung öffentlicher Versammlungen dem Maigedanken des internationalen Proletariats be redten Ausdruck zu verleihen. Denn die Stärke der Maidemow stration liegt doch gerade in dem erhebenden Bewußtsein, daß an diesem Tage das Proletariat der ganzen Kulturwelt sich eins weiß in seinen Zielen trotz aller nationalen Verhetzungen chauvinistischer Gegner. Wer diesen Gedanken erfaßt hat, wird nuv Line Maifeier kennen, die gm Tage des 1. Mai. Eine Parteigenössische Unsitte. Die„Rheinische Zeitung" schreibt: Bei der Berichterstattung über den sozialdemokratischen Partei tag der oberen Rheinprovinz haben einige Parteiblätter den merkwürdigen Einfall gehabt, als Quelle die„Kölnische Zeitung" zu benutzen und aus diesem Blatte einen Bericht abzudrucken, der nicht allein ein sehr unzulängliches Bild der Verhandlungen ergibt, sondern auch völlig falsche Be- hauptungen enthält. Wir haben auf diese schon hin- gewiesen, ohne freilich zu ahnen, daß einige Tage darauf der gleiche Bericht etliche Parteiblätter Rheinland-Westfalens zieren würde. Mit geziemender Bescheidenheit sprechen wir aber heute den Wunsch aus, daß sich unsere Parteiblätter in Zukunft bei gleichen Anlässen an die Berichterstattung aus dem eigenen Lager halten möchten. Wenn ihnen das nicht möglich ist, so verzichten sie noch besser auf jedwede Berichterstattung, als daß sie aus bürgerlichen Blättern ihre Leser falsch informieren. Wir können uns obigen Ausführungen vollinhaltlich anschließen. Es liegt im Wesen und Interesse der bürgerlichen Presse, Vorgänge aus dem sozialdemokratischen Parteileben falsch und schief darzu« stellen. Wir wollen bei dieser Gelegenheit nur daran erinnern, daß auch der weiten Oeffentlichkeit bemerkbare Kundgebungen, wie Maifeier uslv., von der bürgerlichen Presse teils totgeschwiegen, teils in hämischer Weise verkleinert dargestellt werden. Wieviel mehr Unrichtigkeiten und manchmal beabsichtigte Fälschungen werden den Lesern der bürgerlichen Presse aufgetischt, geschrieben von Leuten. die mit dem Denken und Fühlen der Genossen keinerlei Verbindung haben, wenn es sich um innere Organisationsangelegenheiten der Partei handelt. Nedakteurfreude». Der Redakteur der„Altenburger Volkszeitung', Genosse D i k r e i t e r, hat am Montag eine einmonatige Gefängnis- strafe angetreten, die er wegen angeblicher Lehrerbeleidigung zu ver- büßen hat. Seine Vertretung hat Genosse B r o m m e- Ronneburg übernommen. Unsere Toten. In Frankfurt a. O. starb einer der ältesten dortigen Parteigenossen, der Arbeiter Karl Bug gisch. Er war Mitbegründer des dortigen Wahlvereins und hat jederzeit treu zu seiner Ueberzeugung gestanden. GexverkrcbaMicbey. Berlin und Umgegend* Die Mai-Aussperrung der Berliner Holzarbeiter. Der Holzarbeiterverband hatte am Montagabend eine Ver- Irauensmännervcrsammlung sämtlicher Bezirke und Branchen nach der Brauerei Friedrichshain einberufen. Auf der Tagesordnung stand die Stellungnahme zur Maiaussperrung. Die Versammelten hörten zuerst einen Bericht von Leopold über die Beteiligung an der Feier, die im allgemeinen als sehr befriedigend bezeichnet werden könne. Keine andere Gewerkschaft sei so voll- zähl ig zur Maifeier erschienen wie der Verband der Holzarbeiter. Und doch hatten die Unternehmer drohende Beschlüsse gefaßt gegen alle Arbeiter, die am Maitage nicht zur Arbeit erscheinen würden. Diese Beschlüsse verfehlten zum größten Teil ihre Wirkung! Frei- lich ist nicht zu übersehen, daß in einer Reihe von Werkstätten gearbeitet worden ist, und nicht etwa nur in den kleinsten, sondern im Gegenteil in einigen der größten Betriebe, wie bei Z e l d e r u. Plathen, bei Hülsenbeck u. Kroll, bei Rahn und bei Pfa ff. Man müsse auch zugestehen, daß die schlechte Wirtschaft- liche Lage viele Kollegen veranlaßte, sich diesmal nicht mit Energie für die Arbeitsruhe ins Zeug zu legen. Während im letzten Jahre 2b 000 feiernde Holzarbeiter gezählt wurden, wurden diesmal nur 20 000 gezählt. Die Unternehmer haben, nach den Feststellungen vom Montag, in 247 Betrieben mit insgesamt 5947 Beschäftigten 8918 Mann ausgesperrt. Von den Ausgesperrten gehören fast alle dem Holzarbeiterverbande an. Von der Aussperrung wurde folgendes Bild entworfen: In 24 Betrieben wurden 840 Kollegen auf 1 Tag ausgesperrt »4.„ 74,.2 Tage, „ l81,, 3125„ w 8,, » 5,* 100,„ 4,, » 1» ff b„„ 5» ff » 1»» 5„» 6, ff »2,, 81„„ 7,» » 29„,_ 237„ entlassen.. 247 Betriebe mit 3918 Ausgesperrten. Von den Entlassenen konnten viele bald wieder in Arbeit treten. Die Mehrzahl- der Entlassenen bestand aus Vergoldern und Klavierarbeitern. Eine Tatsache verdient festgehalten zu werden, daß nämlich fast überall, wo die Arbeiter einmütig die Arbeits- ruhe beschlossen und durchführten, die Unternehmer keine Aus- fperrungen vorgenommen haben. Wo die Arbeiter aber nicht fest zusammenhielten, da mußten sich die Feiernden allerlei Maßrege. lungen gefallen lassen. In verschiedenen Fällen haben die Unter. nehmer den Lohn zurückbehalten, was große Entrüstung unter den Arbeitern hervorrief.— In der lebhaft geführten Diskussion wurden viele Beschwerden über einzelne Unternehmer erhoben. In scharfer Weise wurden die Kollegen verurteilt, die am 1. Mai sich haben einschüchtern lassen und nicht zu feiern wagten. Eine Reihe von Anträgen und einige Resolutionen lagen vor, die von Glocke be- sprachen wurden. Er empfahl, da die Differenzen in den einzelnen Werkstätten nicht generell durch Annahme eines entsprechenden An- träges erledigt werden, sondern daß es der Verwaltung zur Aufgabe gemacht werde, die Beschwerden von Fall zu Fall zu prüfen und je nach Lage der Dinge borzugehen. Diesem Vorschlage stimmte die Versammlung zu.— Ein Antrag der Verwaltung wurde ange- nommen, nach welchem alle, die länger als einen Tag ausgesperrt sind, vom ersten Tage ab Unterstützung erhalten, allerdings aber auch die Mitglieder zur pünktlichen Bezahlung ihrer Extrabeiträge der- pflichtet seien.— Ferner mißbilligte die Versammlung, daß die ffHolzarbeiter-Zeitung" die Agitation für die Maifeier nicht ener- gischer betrieben habe. Eine Resolution fand einstimmige Annahme, in der da? Ver- halten derjenigen Kollegen hart getadelt wird, die sich nicht an der Maifeier beteiligt haben. Es wurde verlangt, daß die Betriebe bekanntgemacht werden, in denen gearbeitet worden ist. Glocke erklärte, daß man die Unternehmer vor die Schlich- tungskommission bringen wollte, als sie drohten, wegen der Mai- fcier eine Aussperrung von 3 Tagen borzunehmen. Die Unter- nehmer erschienen aber nicht, der Verband erhob Beschwerde und will jetzt den Spruch Si'S EinigüngZamtes horÄt. Der Verband ist der Ansicht, daß von einem Vertragsbruch durch die Maifeier, wie die Unternehmer behaupten, keine Rede sein könne. Vor zwei Jahren standen die Unternehmer der Maifeier nicht so feindselig gegenüber wie diesmal, von einem Vertragsbruch war gar nicht die Rede. Der Einladung, bor der Schlichtungskommission zu er- scheinen, hätten*"«"»u>r"-bmer unter allen Umständen Folge geben müssen._ Die Feiertagsbezahlung bei den Tagschneidern. Der Verband der Schneider und Schneiderinnen hatte am Montag eine Mitgliederversammlung für die Tagschneidcr einberufen, in der der Ortsvorsitzende Kunze über die Ver- Handlungen mit dem A r b e i tge b er v e r b a n d wegen Bezahlung der Feiertage berichtete. Die Feiertags- bezahlung der Tagschneider ist eine Frage, die bei den Tarifver- Handlungen im vorigen Frühjahr nicht entschieden wurde. Jedoch hat dann im Herbst das Einigungsamt einen Schiedsspruch gefällt, der allerdings nicht zugunsten der Arbeiter ausfiel, wohl aber den Firmen, die bisher ihren Tagschneidern die Feiertage bezahlten, empfahl, dies auch fernerhin zu tun. Der Zustand, der dadurch aufrechterhalten wurde, ist, daß von 397 Tagschneidern 243 für die Feiertage ihren Lohn erhalten, 154 nicht. Unter diesen Umständen ist es begreiflich, daß die Tagschneider, besonders während der Saison, den Verkauf ihrer Arbeitskraft davon abhängig machen, daß sie in jener Hinsicht nicht schlechter gestellt werden als die Mehrheit der Kollegen in ihrer Branche, und hier und da ihre Stellung verlassen, weil man ihnen die Feiertage abzieht. So ge- schah es kürzlich auch bei der Firma P a b st u. K u n z e. Die Tag- schneider, die hier sämtlich ihre Stellungen aufgegeben hatten, er- klärten ihrer Organisation gegeyüber, daß sie nicht in den Streik getreten seien, sondern nur nicht weiter arbeiten wollten, weil sie mit den Arbeitsbedingungen, mit dem Lohnabzug für die Feier- tage nicht einverstanden seien. Sie sagten selbstverständlich auch solchen Tagschneidern, die bei der Firma um Arbeit anfragten, warum sie aufgehört hatten, und das hatte zur Folge, daß die Firma trotz aller ihrer Bemühungen� keinen brauchbaren Ersatz ihrer Arbeitskräfte auftreiben konnte/ Herr Pabst wandte sich sogleich an den Arbeitgeberverband, weil er in dem Vorgehen der Tagschneider einen unberechtigten Streik erblickte, und brachte es auch fertig, die Namen der seiner Meinung nach Streikenden auf eine schwarze Liste zu setzen, um ihrer Arbeitskraft nicht dauernd verlustig zu gehen. Der Arbeitgeberverband stellte sich natürlich auf feiten seiner Mitglieder. Die Vertreter der Schneiderorgani- sation erklärten dagegen, daß, wenn in diesem Falle diese Firma für gematzregelt erklärt werden sollte, die Arbeitgeber auch zuge- stehen müßten, daß es sich, als die Firma Peel u. Cloppen- bürg im vorigen Jahre aus nichtigen Gründen Entlassungen vor- nahm, um Maßregelung handelte, was die Arbeitgeber damals ver- neint hatten. Die Angelegenheit bei P a b st u. K u n z e wurde nach vcrschic- denen Auseinandersetzungen zugunsten der Tagschneider geregelt, so daß sie, soweit sie nicht anderweitig Arbeit angenommen hatten, bei der Firma wieder weiter arbeiteten. Die Arbeitgeber wünschten nun jedoch eine grundsätzliche Regelung der Frage. Bei den Ver- Handlungen, die dann am 28. April in der Schlichtungskommission stattfanden, brachten sie zunächst in Anregung, daß eine allgemeine Lohnerhöhung eintreten und dafür die Feiertagsbezahlung, wo sie besteht, aufgehoben werden könnte. Darauf konnten die Arbeit- nehmer jedoch nicht eingehen, weil doch auch dann bei Neueinstel- lungen immer wieder der Minimallohn maßgebend sein sollte, also ein Ersatz für die Feiertage für diese Fälle nicht geboten wurde. Nach einigen anderen Vorschlägen machten die Arbeitgeber schließ- lich einen Kompromitzvorschlag, der besagt, daß die Fciertagsbezah- lung, wo sie besteht, beibehalten, in den übrigen Geschäften aber die Feiertage den Tagschneidern nach mindestens halbjähriger Tätigkeit bezahlt werden sollen. Die Arbeitnehmervertreter hatten dagegen vorgeschlagen, daß, wenn überhaupt eine Karenzzeit für die Feiertagsbezahlung eingeführt werden sollte, diese nicht mehr als bJLochen betrttgeu dürfe.— Der Referent betonte, daß ja nicht etwa von Arbeitnehmerseite Forderungen erhoben worden waren, sondern daß die Arbeitgeber sich durch das selbständige Vorgehen der Tagschneider bei einzelnen Firmen veranlaßt fühlten, die Ver- Handlungen anzuknüpfen und Vorschläge zu machen. An den Kom- Promißvorschlag ist vorläufig keine Partei gebunden. Er wird nur zunächst den Mitgliederversammlungen der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer zur Begutachtung vorgelegt. In der lebhaften Diskussion, die dem Bericht folgte, machte sich ein starker Unwille über die lange Karenzzeit geltend, die von den Arbeitgebern vorgeschlagen wird. Man meinte, daß die Karenz- zeit auf jeden Fall nicht länger als 6 Wochen dauern dürfe, da sonst ja gerade die Tagschneider, die in der Saison ein Vierteljahr den Arbeitgeber aus der Not helfen, im Nachteil wären. Es wurde dann auch einstimmig beschlossen, den Arbeitnehmervertretern zu empfehlen, falls die Karenzzeit nicht überhaupt ausgeschaltet werden kann, den Arbeitgebern den Vorschlag auf 0 Wochen wieder zu unterbreiten. Die Angelegenheit wird übrigens auch noch die allgemeine Mit- gliederversammlung am Mittwoch beschäftigen. Die Abstimmung der Berliner Maurer, in der diese Stellung zu dem Einigungsborschlag zur Beilegung des Kampfes im Baugewerbe nahmen, ergab nicht, wie wir gestern meldeten, eine Zweidrittel-, sondern eine Dr e i v i e r t e l Majorität für Annahme des Vertrages in der vorgeschlagenen Form. Gleichzeitig wollen wir auch die Ziffer der tvegen der Maifeier ausgesperrten Maurer richtigstellen. Diese ist durch Fortlassung einer Null doch allzu sehr reduziert. Sie beträgt nicht 25, sondern 250._ Achtung, Glasschleifer! Bei der Firma Gregoleit, Kochstr. 07, haben sämtliche Glasschleifer die Arbeit niedergelegt, weil der Herr Prinzipal den tarifmäßigen Minimallohn nicht zahlt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Ortsverwaltung. vevrlcbea Kelch. Achtung, Metallarbeiter! Bei der Firma M. NeuhauS». To. in Luckenwalde sind sämtliche Arbeiter der Maschinenfabrik in den Streik getreten. Zuzug von Schlossern, Drehern und Metallformem ist fernzuhalten. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck ersucht. Deutscher Metallarbeiter-Verband. DI. Bezirksleitung. Ew Streik bei«ine» siaatlicheu vahnban. Die königlich preußische Eisenbahnverwaltung läßt bei dem Magdeburger Vorort Rothensee Bahnbauten ausfiihren. Es entstanden wegen der Arbeits- bedingungen mit den Arbeitern Differenzen, die dazu führten, daß rund 250 Arbeiter in den Ausstand traten. Die Ar« beiter, die größtenteils unorganisiert sind, wandten sich an die Ge- werkschaften und baten, zur Beilegung des Konflikts Verhandlungen anzubahnen. Das ist auch geschehen, jedoch waren die Verhandlungen bisher ergebnislos, da die Vertreter der Firma Z i e s e- Berlin, der die Arbeiten übertragen sind, keine Zugeständnisse machen wollen. Unter den Ausständigen befinden sich etwa 100 fremdsprachige Arbeiter. Diesen konnten die Gewerkschaftsleiter von dem Ergebnis der Verhandlungen keine Mitteilungen machen, da die Polizei es verhinderte. Fernzuhalten ist der Zuzug von Erdarbeitern, Metallarbeitern und sämtlichem Lokomotivpersonal. Der Schuhmacherstrrik in Magdeburg dauert unverändert fort. Der in freier Vereinbarung— unter Ausschluß der Innung— mit den Arbeitgebern abgeschlossene Tarif ist bisher von 99 Meistern anerkannt worden, bei denen 185 Gesellen arbeilen. Ein Bauarbeiterstreik ist bei dem Bau des neuen städtischen Wasserwerks in Magd e bürg ausgebrochen. Die Arbeiter ver- langen die JnneHaitung der tariflichen Löhne und der tariflichen Arbeitszeit, wozu der Unternehmer nach dem Vertrage, den er mit der Stadt abgeschlossen hat, verpflichtet ist. Sonderbarerweise wurde vom städtischen Arbeitsnachweis die Vcrmittelung von Arbeitswilligen zu Bedingungen versucht, die nicht dem Tarif cnt- sprechen. Bisher glücklicherweise ohne Erfolg, Maimaßregelungen sind in Breslau, außer in wenigen Holzarbeiterbetrieben. im Stein« apbeiterberufe, und zwar bei der Firma Pausenberger Nachf., trotz der ausdrücklichen entgegengesetzten Bestimmung des Tarifs vor- gekommen, wobei der Firmeninhaber Rossi erklarte:„Ter Tarif geht mich gar nichts an, ich kann-inachen, was ich will!"' 22 Ar- beiter sind auf die Dauer von 14 Tagen arbeitslos.— Auch die Schäftefabrik von Riesenfeld hat ihre Maideinonstranten für eine Woche ausgesperrt. Der Vorsitzende der Fabrikantenvereinigung, Herr Julius Glotz, eine besondere Freisinnsgröße,, hat einen Ukas erlassen: die Gemaßregelten in anderen Betrieben nicht einzustellen. Bezeichnend ist, daß seit längerer Zeit bei Riesenfcld die Arbeiter wegen Mangel an Beschäftigung öfters schon haben aussetzen müssen._ In der Juteweberei der Firma Gebrüder Spahn zu Neckarsulm sind den Webern und Weberinnen Lohnabzüge bis über 10 Prozent angekündigt worden. Die betroffenen Arbeiter sind fest entschlossen, die Lohnreduktion abzuwehren. Die verringerten Löhne sollten am 13. Mai in Kraft treten. Kommt während dieser Zeit keine Verständigung zustande, so sind ernste Konflikte zu er« warten. Alle Jutearbeiter werden ersucht, Neckarsulm bis auf weiteres zu meiden.— Die Arbeiterpreffe wird um Nachdruck ge- beten. Die Gauleitung. Die Leipziger Steinsetzermeister scheinen die Absicht zu haben, einen Kamps unter allen Umständen herausbeschwören zu wollen. Dieselben hatten eine kleine Lohnerhöhung zugestanden, allerdings unter der Bedingung,'daß die Arbeiter erklärten, auf höhere Lohn« sorderungeu zu verzichte:« und einen Vertrag auf der Grundlage der von den Unternehmern angebotenen Löhne eingehen zu wollen. Das letztere lehnten die Arbeiter ab, akzeptierten jedoch die Lohn» zulage als Abschlagszahlung und beantragten weitere Verhand- lungen eventuell zwischen den beiderseitigen Zentralinstanzeu. Das haben die Unternehmer jedoch abgelehnt— und haben nun auch die anfängliche Lohnerhöhung wieder rückgängig gemacht. DaS hat in der Arbeiterschaft naturgemäß eine lebhafte Erregung hervorgerufen. Nur der außerordentlichen Disziplin derselben ist es zu danken; daß es bisher noch nicht zum Streik gekommen ist, der für den Fortgang der Leipziger Bahnhofsumbauten sehr störend werden könnte. Da die Unternehmer nun aber versuchen, mit allen Mitteln fremde Arbeitskräfte nach Leipzig hereinzuziehen, so ist Zuzug von Steinsetzern und Rammern bis aus weiteres streng fernzuhalten. Die Aussperrungen der Steinsetzer und Rammer in Rheinland« Westfalen, sowie Frankfurt a. M. und Umgegend dauern fort. Uever eine niedliche Tarifauslegung durch Unternehmer hatte das Gewerbegericht Nürnberg zu urteilen. In dem für das Stukkateurgewerbe abgeschlossenen Tarifvertrag ist ein Stundenlohn von mindestens 65 Pfennig vereinbart. Ein Teil der Unternehmer suchte diese Bestimmung dadurch zu umgehen, daß sie für Arbeiten. die nicht zu den eigentlichen Stückarbeiten gehören, einen niedrigeren Lohn bezahlten. Auf die Klage der Organisation entschied das Ge« Werbegericht durch Urteil, daß die Unternehmer verpflichtet find. solchen Arbeitern, die gelernte Stukkateure sind und als solche ein« gestellt wurden, den tarifmäßigen Lohn von 65 Pfennig pro Stunde zu bezahlen, gleichviel ob sie immer oder nur teilweise zu Stuck« arbeiten verwendet wurden._ Ei» Sieg der Organisation. Die seit 9 Wochen dauernde Aussperrung der Holzarbeiter und Maschinisten in Straubing wurde durch Verhandlungen zwischen dem Arbeitgeberverband Straubing mrd dem Deutschen Holzarbeiter- verband zugunsten der Arbeiter beigelegt. Erreicht wurde eine tägliche Lohnerhöhung von 40 Pfennig, 66 stündige Arbeitszeit sowie sonstige Verbesserungen. Der Tarifvertrag wurde aus drei Jahre abgeschloffen und dauert bis 1. Mai 1911. Ausland* Das ausländische Komitee des Allgemeinen jüdischen Arbeiter« bundes für Littauen, Polen und Rußland- ruft die Arbeitsgenossen aller Länder um Beistand an für 4900 Streikende der Strumpfwirkerbranche im Wilnaer und Witebskcr Bezirk. Die ohnehin schon unsinnig niedrigen Löhne wurden im Laufe der letzten zwei bis drei Jahre von den Unternehmern um 20 bis 30 Proz. herabgedrückt, so daß zuletzt ein Drittel der Ar* beiter dieser Branche Wocheulöhne von 1 bis VA Rubel(d. i. 2,20 bis 3,30 M.), die Hälfte der Arbeiter solche von 2 bis 2l4 Rubel (also 4,40 bis 5,50 M.) erhielten. Daß es unmöglich ist, bei solchen Löhnen zu existieren, braucht keinem denkenden Menschen erst be- wiesen zu werden. Die Unternehmer lehnten aber die Forderung der Arbeiter, die alten Löhne wieder einzuführen, ab, und so traten am 18. Februar a. St. 1500 Wirkereiarbeiter in den Streik ein, die übrigen schlössen sich in den folgenden Wochen den Streikenden an. Die Einigkeit und Entschlossenheit ist unerschütterlich. Alle er- klären, lieber ohne weiteres verhungern zu wollen, als bei der- artigen Arbeitsbedingungen den Hungertod in nur verlängerter Qual zu erleiden. Die Zeit ist für den Kampf sehr günstig, da die Saison be- gönnen hat und die Aufträge, die an die Firmen eingehen, unaus. geführt bleiben dank der Festigkeit und Einigkeit aller Streikenden. Leider sind diese nun aber aller Mittel bar und es wird Sache der Arbeitsbrüder der anderen Länder und Branchen sein, den tapferen und aufopfernden Kämpfern schleunigst zu Hülfe zu kommen, damit sie den Kampf fortführen können bis zum Siege, der dann nicht mehr fern ist. Sendungen unter Angabe des Zweckes find zu richten an: Jmprimerie Jsraelite. Rue de Carouge 31, Genf,(Schweiz.) Letzte JVacbncbtcn und Dcpcfcbcn. Selbstmord eines Gymnastasten. In der Geisbergstraße 15 zu Charlottenburg(bei Berlin) tötete sich gestern der 15jährige Sohn des Oberlehrers Professor Klette von der Kaiser-Friedrich-Sehule durch einen Schuß in die Schläfe. Der Gymnasiast, der diese selbe Anstalt besuchte, war Ostern nickst versetzt worden und scheint sich dies derart zu Herzen genommen zu haben, daß er beschloß, aus dem Leben zu scheide». Als a-p, Abend gegen 11 Uhr die Eltern sich zur Ruhe begeben wollten, ertönte plötzlich aus dem Schlafzimmer des Sohnes ein Schutz. Den Herbeieilenden bot sich hier ein entsetzlicher AMick: der junge K. lag mit durchschossener Schläfe halb ausgekleidet auf seinem Bett. Die sofort angestellten Rettungsversuche blieben erfolglos, der Tod war sofort eingetreten. Böhmische Kühnemönner. Prag, 5. Mai.(B. H.) Die Prager Eisenindustriegesellschaft hat in Kladno 6000 Bergarbeiter für eine Woche gusaeiverrt, weil sie am 1, Mai gefeiert hatten. Die holländischen Diamantarbeiter. Amsterdam, 5. Mai.(B. H.) Der etwa 8000 Mitglieder umfassende Diamantarbeiterbund hat beschlossen, den Generalstreik am nächsten Montag aufzuheben.__ Vcrantw. Redakt.: Georg Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw,: Th, Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u.Berlagsanstglt PaulSingerLcCo.,BerlinLVV. Hierzu 3 Beilagen«.UnterhaltnygM, Nr. 105. 25. Jahrgang. Reichstag. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. 150. Sigung bom Dienstag, den 5. Mai 1908, bormittags 11 Uhr. Abkommen. die deutschen Richter zu schaffen. das Wechselrecht international zu regeln. Damit schließt die Diskussion. Das Abkommen wird hierauf auch in zweiter Lesung beraten und debattelos angenommen. Resolution: das, Mittwoch, 6. Mai 1908. hat im Abg. Hormann( frj. Vp.): Die subventionierten Linien haben Kompagnie heißt es, daß eine Anzahl ihrer Betriebe bereits leberdem Lloyd nicht Vorteile, sondern Verluste gebracht, und dauernde schüsse abwerfen, und daß der Fortschritt der Pflanzungen ein überVerluste zu tragen, kann man einer Erwerbsgesellschaft nicht zu- raschender sei. Die Samoatautschut Kompagnie hat im muten. Ueber den Antrag Lattmann freue ich mich insofern, als er letzten Jahre 4 Proz. Dividende verteilt, die deutsche Handelsden vollständig ablehnenden Standpunkt aufgegeben hat, doch sollte gesellschaft der Südseeinseln hat im vorletzten Jahre 12 Broz., er auch die 270 000 M. für die Linie Singapore- Neu- Guinea noch im letzten Jahre 20 Proz. Dividende gegeben. Auch die postalischen Am Bundesratstische; v. Bethmann Hollweg, Dern bewilligen. Noch ein Wort zu dem in der Kommission gestellten An Interessen können den Reichstag zur Bewilligung der verlangten burg. trag, farbige Schiffsmannschaft nicht zu verwenden. Es läßt sich Summe nicht veranlassen. Gewiß haben die Leute dort unten ein Bräfident Graf Stolberg teilt mit, daß der Abg. Schwabach in jenen Gegenden auf die Farbigen zur BeJnteresse am häufigen Postverkehr. Dazu Mittel aufzuwenden liegt sagung der Schiffe nicht verzichten. ( natl.) sein Mandat niedergelegt hat. An der Sub- aber um so weniger Anlaß vor, als im Reiche selbst die Post Debattelos wird in zweiter Beratung das Internationale ventionierung, sofern überhaupt von einer solchen die Rede sein immer mehr zu einem kapitalistischen, Profit abwerfenden Abkommen über das Verbot der Natarbeit der ge- kann, hat der deutsche Handel ein ganz außerordentliches Unternehmen gemacht wird. Wie tämen wir angesichts solcher werblichen Arbeiterinnen und über das Verbot der Interesse. Die deutsche Flagge darf aus jenen Gebieten nicht Tatsachen wie der Erhöhung des Ortsportos zur Bewilligung großer Verwendung von weißem( gelbem) Phosphor zur verschwinden; es handelt sich nicht nur um die Zahlen der Einfuhr Summen, zur Schaffung befferer Postverbindungen in der Südsee. Anfertigung von Zündhölzern angenommen, und Ausfuhr, sondern um das Ansehen des Deutschen Reiches.( Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Noch ein Wort zu unseren ebenso in dritter Beratung die Vereinbarung zwischen dem Reich( Bravo! bei den Freifinnigen.) Siesolutionen. Wiederholt ist gesagt worden, die Annahme der Vorand der Schweiz über die Verlegung der badischAbg. Noske( Soz.): lage liege im nationalen Interesse. Das erleben wir oft, daß das schweizerischen Landesgrenze bei Leopoldshöhe. nationale Interesse herhalten muß, wenn gute Gründe Es folgt die erste Beratung von drei Abkommen über das Uns ist wiederholt zum Vorwurf gemacht worden, daß wir die fehlen. Nach unserer Meinung wäre es nationale Politit, wenn Internationationale Privatrecht, die sich auf das Interessen der Arbeiter zu sehr in den Vordergrund stellen; der man an die deutschen Arbeiter denkt.( Sehr richtig! bei den herecht, die Entmündigung, den Zivilprozeß einzelne Abgeordnete sollte die Interessen des ganzen deutschen Sozialdemokraten.) In den Subventionsverträgen ist auf alle beziehen. Volkes wahrnehmen. Nach der eben gehörten Rede aber fonnte man möglichen nationalen Interessen Rücksicht genommen, nur nicht Staatssekretär des Auswärtigen v. Schoen: Die Abkommen be- annehmen, daß Herr Hormann nicht als Beauftragter des auf die der deutschen Arbeiter und Seeleute. Es ist be deuten eine weitere erfreuliche Etappe auf dem Wege, den Deutsch- deutschen Volkes in dieses Haus eingezogen ist, sondern als Bestimmt, daß die Schiffe nur auf deutschen Werften gebaut land im Verein mit anderen Staaten seit einer Reihe von Jahren auftragter des Norddeutschen Lloyd.( Lebhafte Unruhe bei den Frei- und daß dazu tunlichst nur deutsches Material benutzt werden darf, verfolgt, der zur Erreichung eines internationalen Rechtsverkehrs sinnigen.) Bei der Finanzlage des Reiches hätten auch die be- in deutschen und niederländischen Häfen dürfen nur Kohlen deutscher führt und dazu, die Schranken zwischen den Nationen wenn auch nicht willigungsfreudigsten Parteien allen Anlaß, nur das Allernotwendigste Herkunft eingenommen werden, dagegen läßt der Artikel 31 der zu beseitigen, so doch zu öffnen. Ich bitte um die Annahme der zu bewilligen.( Zustimmung bei den Soz.) Ein Interesse an der Be- Verträge die Verwendung farbiger Mannschaften in reichent willigung haben lediglich eine ganz geringe Anzahl von Großkapitalisten; Maße zu. Freilich heißt es in dem Artikel, sie sollen nur soweit Abg. Dr. Giese( f.) spricht seine Genugtuung über die inter- nicht die deutschen Handelsinteressen sollen durch die Vorlage ge- beschäftigt werden, als die Beschäftigung deutscher Seeleute aus nationale Regelung der betreffenden Materien aus; seine Freunde fördert werden, sondern die Handelsbeziehungen zwischen Asien und Gesundheitsrücksichten unmöglich ist. Unsere Seeleute behaupten werden den Abkommen ohne Kommissionsberatung zustimmen. Australien. Es handelt sich hier lediglich um die Handelsinteressen nun, daß die Verwendung der Farbigen beständig zunehme Abg. Kirsch( 3.) spricht sich für die Annahme der Abkommen von Neu- Guinea und nur diese sind daher zu betrachten. Der und nach den Angaben der Regierung in der Kommission Staatssekretär des Kolonialamtes war in der Kommission bemüht, stimmt die Zahl Seeleute der weißen aus; doch werde es nötig sein, flare Ausführungsbestimmungen für sie möglichst groß erscheinen zu lassen. Die geringe Summe von Jahre 1906/1907 um 240 abgenommen, die der Farbigen um Abg. Dr. Jund( natl.) stimmt den Abkommen zu. 800 000 m., die ich für den deutschen Handel nach Neu- Guinea an- ebensoviel zugenommen. Durch die Ersetzung von 200 Weißen durch Abg. Dove( fri. Vg.): Die linksliberale Fraktionsgemeinschaft führte, bestritt er als unzutreffend. Ich habe mich bei meinen An- Farbige hat der Norddeutsche Lloyd erhebliche Ersparnisse wird den Abkommen mit Vergnügen zustimmen. gaben auf das kaiserlich- statistische Amt gestüzt. Ob dieses oder der gemacht und das ist auch, wie die Seeleute behaupten, die Absicht Abg. v. Dirksen( Rp.) begrüßt die Vorlage und die Absicht, auch Reichstag ist es aber ziemlich bedenklich, wenn von den verschiedenen mit Rücksichten auf die Gesundheit der weißen Seeleute begründet Staatssekretär recht hat, vermag ich nicht zu entscheiden. Für den dieser Ersegung. Die Mehreinstellung von Farbigen kann nicht Reichsämtern in derselben Angelegenheit ganz abweichende Zahlen- werden. Diese gesundheitlichen Gefahren waren 1906 ebenso groß angaben gemacht werden.( Zustimmung b. d. Soz.) In der Kommission wie 1907. Aber zwischen 1906 und 1907 hat eine Lohnbewegung fowie auch hier war auch die Rede von dem geringen Profit des der deutschen Seeleute stattgefunden, und die ist von den Norddeutschen Lloyd. Ich bin mit den Regierungsvertretern sowie Reedern damit beantwortet worden, daß sie Hunderte von Es folgt die zweite Beratung des Gefeßentwurfes betr. einigen Rednern einverstanden, daß diese Frage nicht zu berüc deutschen Seeleuten entlassen und durch Farbige ersetzt haben. In Postdampfschiffsverbindungen zu überfeeischen fichtigen ist, sondern lediglich die Frage, ob wir Anlaß haben, für der Kommission sagte ein Regierungsvertreter, die deutschen Arbeiter Ländern. Die Kommission beantragt die unveränderte Annahme Neu- Guinea große Aufwendungen zu machen, denn der Meinung bin seien zu schade dazu, in den Tropen an den glühend heißen Kesseln der Vorlage, welche die Subvention des Reiches für den Nord- ich allerdings nicht, daß mit der halben Million dem Norddeutschen zu arbeiten. Die deutschen Seeleute scheinen aber nicht zu schade deutschen Lloyd für eine Erweiterung der Postdampfschiffsverbindungen Lloyd ein Geschenk gemacht werden soll. Die Vorlage läuft nun- dazu zu sein, beschäftigungslos in unseren Häfen herumzulaufen. zwischen Neuguinea einerseits und Japan sowie Australien anderer- mehr darauf hinaus, große Aufwendungen für Neu- Guinea zu Die Fürsorge der Regierung für Leben und Gesundheit der deutschen feits vom 1. April 1908 um 500 000 m. erhöhen will. machen, und ist insofern ein Seitenstück zu den kolonialen Bahn- Arbeiter sollte doch nicht weiter gehen, als diese sclbst es Die Abgg. Albrecht und Genossen( Soz.) beantragen folgende vorlagen, die uns nachher beschäftigen werden. Ueber die Dedungsfrage wünschen. Der Grund der Beschäftigung farbiger Arbeiter ist vor ist man mit einigen Redensarten hinweggegangen. In der Kommission allem in dem Profitinteresse der Reeder zu suchen und a) Die berbündeten Regierungen zu ersuchen: ist sogar gesagt worden, der Reichstag müsse doch für 100 Millionen in ihrem Bestreben, die Organisation der weißen Seeleute lahm1. für die fubventionierten Postdampfschiffe, eine Bemannings- Mart noch Sorge tragen, die vorläufig gepumpt werden müssen, zu legen. Wenn die Regierung wirklich die Jutereffen der deutschen stala festzusetzen; und da käme es auf eine halbe Million nicht an. Wenn wir so ver Seeleute wahrnehmen will, so sollte sie die Reeder verpflichten, die 2 in die mit den Unternehmern der subventionierten Post- fahren wollen, tönnten wir in ganz kurzer Zeit unsere Schulden um Farbigen wenigstens relativ ebenso zu bezahlen wie die Weißen und dampfschiffsverbindungen abzuschließenden Verträge eine Be- mehrere Milliarden vermehren.( Sehr richtig! bei den Sozial- eine völlige Rechtsgleichheit in sozialpolitischer Hinsicht zwischen stimmung aufzunehmen, wodurch die Unternehmer verpflichtet demokraten.) Es ist gesagt worden, im Herbst bei der großen Farbigen und Weißen schaffen.( Sehr wahr bei den Sozialwerden, für die Ausreise der Dampfer soviel weiße Schiffs- Finanzreform werden wir das Geld schon beschaffen. Nun demokraten.) Im zweiten Teil unserer Resolution fordern wir die Leute anzumustern, als zu einer ausreichenden Besatzung des haben wir gewiß kein Interesse daran, Interesse daran, dem Block das Aufhebung des Artikels 26 des mit dem Lloyd geschlossenen VerDampfichiffes erforderlich sind. Vergnügen zu rauben, sich den Kopf darüber zu zer- trages. Ich habe in der ersten Lesung auf eine Resolution hinb) den Reichskanzler zu ersuchen, eine Revision des Vertrages brechen, Ivo die hundert Millionen herkommen sollen. gewiesen, die bei der Beratung der Subventionsvorlage im Jahre mit dem Norddeutschen Aloyd vom Jahre 1898 dahin vorzunehmen, Wohl aber haben wir ein erhebliches Intereffe, daß nicht neue 1888 von der agrarischen Mehrheit beschlossen worden ist, und in daß Artikel 26 gestrichen wird. Steuern auf unsere Wähler, auf die breiten Boltsmassen, gelegt der die Regierung aufgefordert wird, mit dem Lloyd zu Die Abgg. Lattmann und Gen.( wirtsch. Bg.) beantragen die werden.( Lebhafte Bustimmung bei den Sozialdemokraten.) und vereinbaren, daß landwirtschaftliche Produkte, die mit den ErzeugErhöhung der Subvention um nur 230 000 m. deshalb haben wir allen Anlaß, dagegen zu protestieren, daß nissen de deutschen Landwirtschaft konkurrieren, von der Einfuhr Abg. Graf v. Kanis( f.): Ich teile die Anschauung der Kommission hier ganz atoedlos erhebliche Ausgaben gemacht werden. Ich durch subventionierte Dampfer nach deutschen, belgischen und nicht, daß es bei unseren großen Schulden auf ein paar hundert- betone noch einmal, es handelt sich um die Förderung der Interessen holländischen Häfen ausgeschlossen sind. Ich habe danach gefragt, tausend Mart nicht mehr antommt.( Sehr gut!) Bei unserer von Neu- Guinea und in geringerem Maße daneben auch um ob die Regierung dieser Resolution entsprochen habe. Sch tam Finanztalamität bin ich nicht bereit, für Forderungen zu stimmen, postalische Interessen. Herr Erzberger hat schon betont, daß in zu dieser Frage, weil ich bei flüchtigem Durchsehen des Materials für die keine Deckung vorhanden ist. Das Reich zahlt an Neu- Neu- Guinea sich 65 Ansiedler und 65 Händler befinden, im ganzen übersehen hatte, daß die Regierung in dem uns überGuinea jährlich eine Million, es hat an den Norddeutschen Lloyd also 130 Deutsche, für die wir Hunderttausende opfern sollen. Es gebenen Material einfach eine Reihe von Paragraphen der im Laufe der Jahre bereits 110 Millionen an Dampfersubventionen tann gar nicht nachdrücklich genug immer wiederholt werden, daß ein Verträge nicht abgedruckt hat. Ich halte das für ein recht gezahlt.( hört! hört!) Dabei gehört der Lloyd sicher nicht zu den Interesse an der Vorlage lediglich ein paar große Plantagenunter- sonderbares Verfahren, wogegen auf das nachdrücklichste notleidenden Unternehmungen. Für den Antrag Lattmann till ich, nehmungen in Neu- Guinea, deren Stand übrigens keineswegs ein protestiert werden muß, denn ein solch lückenhaftes Material hat um meinen guten Willen zu zeigen, stimmen.( Bravo! rechts.) ungünstiger ist, haben. Im letzten Jahresbericht der Neu- Guinea- natürlich für den Reichstag gar keinen Wert.( Sehr wahr bei den View", dort haben Sie den schönsten Blick auf die Fälle..." Und stimmt. Man hatte die Aufführung des Stückes wiederholt verich ging zu Hennepins View". Ein wilder rauber Wind pfiff mir um die Ohren und dort unten trieb er den Wasserstaub in zer rissenen Wollen durch die Luft. Ein ohrenbetäubender Lärm, ein Afrikanische Kriegstrommeln. Das Berliner Museum für rubelos donnerndes Rauschen flingt von den Fällen herüber. Und Völkerkunde ist durch eine Sammlung von vielen Hunderten kost- der Cicerone, der sich an meine Fersen geheftet, beginnt nun seine barer alter afrikanischer Schnißwerke bereichert worden, die der Litanei herunterzubeten:" Bor Ihren Augen, mein Herr, gewahren am 5. März 1908 in einem Gefecht gefallene Hauptmann Glauning Sie das größte Wunder der Welt. Von einer Höhe von 44 Metern- General Türr, dessen Namen Abenteuerlust und Kriegsaus Nordwest- Kamerun nach Berlin gesandt hatte. Glauning war stürzt der Strom herab und mit einer Schnelligkeit von 425 000 Stubit romantit uniwoben, ist in Budapest gestorben. Er war ein Kämpfer ein leidenschaftlicher Sammler, dem auch das zoologische Museum metern in der Minute. Sie können beobachten wie..." Aber ich für Volksbefreiung in manchem Lande und zugleich ein Condottiere, in Berlin reichhaltige Schenkungen verdankt. Besonders groß war beobachtete nur ein Ding, ich sah nur eines; es war nicht der Fluß, deffen Element der Krieg ist. Von Geburt ungarischer Deutscher fein Interesse für Ethnographie und die Kunst der Wilden. Mit es waren nicht die 425 000 kubikmeter Wasser, es war nicht der( geb. 1825 in Baja) hat er feit 1848 an allen möglichen Kämpfen großer Umsicht und Beharrlichkeit wußte er alte Schnitzereien bei Cicerone. Es waren riesenhaft große Platate, die mir gegen- und Konspirationen teilgenommen. 1848 tämpfte er auf Stämmen, die diese Kunst seit langem nicht mehr ausüben, auf- überstanden, drüben auf der kanadischen Seite und diese Blatate, sie österreichischer Seite gegen die italienische Erhebung, ging zufinden und zu erwerben. Seine Schenkungen an die Museen in schworen mirs zu, daß der beste Kakao der Welt der Kakao Thomas aber nach Ausbruch der ungarischen Revolution zu ben Berlin und Stuttgart sind einzig in ihrer Art. Unter der großen wäre und daß es keine schöneren Schuhe gäbe als die Schuhe von Piemontesen über und bildete eine ungarische Legion in Italien. Berliner Kollektion sind besonders zwei prächtige Signaltrommeln Gaspard. Gaspard und Thomas ließen ihre Namen in Dann tauchte er in der badischen Erhebung auf, flüchtete nach deren bemerkenswert, die im neuesten Heft der Amtlichen Berichte aus gewaltigen Buchstaben vor meinen Augen tanzen und ihre Bezwingung nach London und nahm an den revolutionären BeDiese ganze fana wegungen für die Befreiung Italiens usw. Konspiratorischen Anteil. Signal- und Kriegstrommeln, auf denen mit Hülfe der Trommel- Schuhe und ihr Katao beherrschten sieghaft das Umsonst versuchte ich die Konturen der Hügel Der Krimkrieg sah ihn in englischen Diensten. Von den Destersprache in wenigen Minuten Nachrichten jeder Art über mehr als zu erkennen, die Profile der Häuser, die Silhouetten der gewaltigen reichern beim Pferdeankauf aufgegriffen, wurde er zum Tode 100 Kilometer hin vermittelt werden, sind ausgehöhlte Baum- Bäume: Gaspard verdeckte fie alle und Thomas versperrte mir verurteilt, auf englische Verwendung hin aber freigelassen. 1860 stämme mit einem oft nur ganz schmalen Längsschliß. Sie kommen jeden Ausblick. Wütend verließ ich Hennepins View", über die nahm er als Garibaldis Adjutant an dem Zuge nach Sizilien nicht nur in West- Afrika, sondern auch in Neu- Guinea, auf den riesige Eisenbrüde eilte ich zum anderen Ufer, und indem ich teil und wirkte bei der Annektierung Neapels mit. 1866 fuchte er von Neuen Hebriden, den Fitschi- Inseln und Samoa vor und sind da- Gaspards Schuhen und Thomas' Katao ostentativ den Rücken fehrte, Serbien aus eine ungarische Erhebung zu organisieren und 1870 durch von Bedeutung für eines der großen Probleme der Völker- richtete ich die Blicke von neuem auf das größte Wunder der Welt", arbeitete er an einer Allianz gegen Preußen. Nach diesem bewegten funde, für den Zusammenhang indonesischer mit afrikanischer hinüber nach der amerikanischen Seite. Aber ach, ein neues Schau- friegerischen Leben suchte er an Friedenswerken mitzuarbeiten. Er Kultur. Die Schlißtrommeln" der Berliner Sammlung sind be- spiel erwartete mich dort: Vor einigen Jahren sind schlaue Industrielle trat an die Spize der Gesellschaft, die den Kanal von Korinth baute rühmte historische Stüde aus dem Besiz großer Häuptlinge. Die auf den Einfall gekommen, die Kraft des Waffers auszubeuten, und wurde zum Schluß Befürworter der Friedensbewegung. Kriegstrommel der Banza, die Tag und Nacht von zuverlässigen einen Teil des Flusses haben sie abgeleitet durch ihre Fabriken und Kazenschuß. Der Deutsche Bund für Katzenschutz erläßt Kriegern bewacht als Heiligtum des Stammes unter einem hohen wenige hundert Meter unterhalb der Fälle ergießt sich das aus den folgenden Aufruf. Die andauernden Verhetzungen, Verfolgungen Schutzdach hing, ist oben von der weit überlebensgroßen Figur eines Fabriken kommende schmutzige übelriechende Waffer in den Niagara. und meist qualvollen Tötungen eines unserer anmutigsten Haustiere, sigenden Königs gekrönt, der als Zeichen seiner Herrschaft über und dies hatte ich nun vor Augen, ich sah die trüben bräunlichen der zu Unrecht verkannten Kaze, machen es dringend notwendig, alle Leben und Tod in der einen Hand ein Schwert und in der anderen Wassermassen, die den Schmutz und den Unrat von 27 Fabriken und wirklichen Tierfreunde und Kazenliebhaber zu einem festen Bunde einen abgeschnittenen Kopf hält. Der zylindrische Teil ist mit ge- 10 000 Bewohnern mit sich führten, ich sah eine Kette von Schorn- zusammenzuschließen. Beitrittsanmeldungen sind zu richten an den schnitzten Relieffiguren von Menschen und Krokodilen bedeckt. Die steinen, die ihren dunkelen rußigen Rauch über das Grün der Land- Geschäftsleiter des Bundes Herrn H. J. Müller, Berlin- Nixdorf, Trommeln werden mit einer fast mannslangen Stange geschlagen, schaft ausspieen: so erschien mir das amerikanische Ufer des Donau- Straße 105. die mit beiden Händen gefaßt und auf die dünne Wandung in Niagara. Und ich konnte den zornigen Gedanken nicht zurückhalten: der Nähe des Schlizes gestoßen wird. Die andere Trommel, das die diese Plakate aufgestellt haben und diese Schmutzröhren angelegt, größte Stück dieser Art, das überhaupt jemals in eine europäische das sind" Ferkel".. Sammlung gelangt ist, hat eine Länge von etwa 3,60 Meter und einen Umfang von fast drei Meter. Sie ruht wagerecht auf vier Elefantenfüßen, hat an den Seitenflächen Schnißereien von Menschen und phantastischen Tieren und endet auf der einen Seite in einen Büffelkopf, auf der anderen in den Kopf eines sehr stilisierten Elefanten. Auch sehr interessante geschnitte Türstöcke finden sich in der Sammlung und ein anderes höchst bedeutendes Werk afrikanischer Kunst, der uralte Thron des Königs Ndschoia von Bamum, dessen Schenkung Hauptmann Glauning noch vermittelt hat, befindet sich bereits auf dem Wege nach Berlin. Kleines feuilleton. Notizen. geworden, da ihr Begründer Direktor Garrison zum Schluß der zu - Die Zukunft des Lorgingtheaters ist ungewiß; Ende gehenden Spielzeit die Direktion niederlegt. Es wäre bedauerlich, wenn das populäre Unternehmen, das eine wirkliche Aufgabe im Berliner Kunsttrubel erfüllte, eingehen sollte. schoben und sie schließlich an der ungünstigsten Zeit angesetzt und zudem entscheidende Umbesetzungen vorgenommen, ohne den Künstler davon zu unterrichten. Da die Generalintendanz von künstlerischent Ehrgeiz sich frei weiß und auch mit den abgespielten Stücken auszukommen meint, so will sie diese Absage ruhig in den Kauf nehmen. Die ältesten Spuren des Menschen in Nordamerika. Ueber das Alter des Menschen in Amerika sind in jüngster Zeit abschließende Forschungen unternommen worden, deren Resultate im„ Globus" mitgeteilt werden. Danach ergibt sich, daß alle aufgefundenen Ueberreste der ältesten Bewohner des Landes die größte Aehnlichkeit mit der Schädel und Knochenbildung der heutigen und außergewöhnlichem geologischen Alter sind bisher im Gebiet der Indianer besißen; lleberreste von Menschen mit primitiven Typus Vereinigten Staaten noch nicht entdeckt worden. Es scheint danach, daß der Mensch relativ spät in diesen Gebieten aufgetaucht ist. Rimmt man an, daß der Mensch in der Terziärzeit sich durch Das toulante oftheater. Der Wiener Dichter Differenzierung aus dem Affen entwickelt habe, so sind die frühesten Stefan 8 weig hat seine vom tgl. Schauspielhaus an- Spuren des Menschengeschlechts da zu suchen, wo die Affen von Die Wahrheit über den Niagara. Von seinen Eindrüden bei genommene und bereits zur Aufführung bestimmte Tragödie höherer Form existieren, in den wärmeren Teilen Asiens, Afritas feinem ersten Besuch der Niagarafälle gibt der New Yorker Kor- Thersites" zurückgezogen. Die allzu preußischen Methoden der und Europas. Da sie in Amerika fehlen, würde daraus folgen, daß respondent des Matin" eine bezeichnende Schilderung: Wenn Sie Generalintendanz, die mit künstlerischer Leistungsunfähigkeit bureau- Amerika in verhältnismäßig später Zeit durch Einwanderung von zum Niagara fommen, dann gehen Sie vor allem zu Hennepins fratische und absolutistische Manieren vereinigt, haben ihn dazu be- der alten Welt her besiedelt wurde. " " Gozialdemokraten.) Tatsächlich hat die Regierung in dem Artikel 23 eine Bestimmung aufgenommen, wonach dem Lloyd bei Strafe bis SM M. verboten ist, solche landwirtschaftlichen Erzeugnisse nach den genannten Häfen einzuführen. Man hat von einer Schädigung der nationalen Interesse» gesprochen, wenn die Borlage nicht an- genommen würde, aber man will den ganzen Vertrag über den Haufen werfen und die Subvention entziehen, wenn landwirtschaftliche Produkte eingeführt werden. ES ist merlwürdig. wie rücksichtsvoll unsere Regierung sein kann, wenn agrarische Interesse» auf dem Spiele stehen.(Sehr gut l bei deir Sozialdemokraten.) In der Kommission hat die Regierung er- klärt, sie sei verpflichtet gewesen, den Beschlus; deS Reichstages loyal auszuführen. Dutzende und Aberdutzende von Beschlüssen des Reichs- tags sind in den Papierkorb befördert worden, aber wo agrarische Interessen auf dem Spiele stehen, da fühlt die Regierung sich auf einmal verpflichtet, loyal den Beschlüssen des Reichstags Rechnung zu tragen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich ersuche Sie, unserer Resolution zuzustimmen. Wer das nicht tut. soll uns in Zukunft mit der Behauptung verschonen, daß er nationale Politik treibe.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär deS Kolonialamts Dernburg: Die Behauptung, daß in Neuguinea einer Anzahl großkapitalistischer llnternehmungen, denen es ausgezeichnet gehe, billige Arbeiter durch diese Vorlage verschastt werden sollten, trifft nicht zu. Die Dividenden, die in Samoa«rzahlt werden, das 4000 bis 5000 Kilometer von Neu« .-inea entfernt liegt, besagen nichts für die Rentabilität der Pflanzungen in Neuguinea. Herr NoSke ist den Beweis schuldig ge- blieben, daß in Neuguinea irgend eine Plantage eine Rente abwirft. Ebenso wenig ist es richtig, daß der Norddeutsche Lloyd bei dieser Sache Seide spinnt. Er hat einwandsfrei nachgewiesen, daß ein Verlust von etwa einer halben Million Mark auf dieser Linie ruht. Herr Noske hat wieder davon gesprochen, daß über unseren Handel mit Neuguinea verschiedene Zahlenangaben gemacht worden seien. Es ist schon in der Kommission darauf hingewiesen worden, daß in der einen Statistik die Freihafengebiete von Hamburg, Bremen, Lübeck nicht mitberücksichtigt sind. Natürlich, Berlin hat auch mehr Ein- wohncr, wenn man sämtliche Vororte dazu nimmt.(Heiterkeit.) Ich habe auch in derKommission bereits dargelegt, daß unser Handel mit Neuguinea nicht nur ein paar Hunderttausend Mark, sondern einige Millionen beträgt, wozu»och der Handel mit den Karolinen kommt. Wir dürfen das Territorium, das wir kommerziell bereits mit Beschlag belegt haben, nicht wieder aufgeben, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, daß man unserer Flagge dort weniger Achtung entgegen- bringt.(Bravo I bei den Nationalliberalen.) Abg. Lieberman» von Sonnenberg(wirtsch. Vg.): Wir haben niemals prinzipiell gegen die Subventionen gestimmt, sondern hegten nur Bedenken gegen die vorliegende Forderung. Daher haben unsere Vertreter in der Kommission gegen die Forderung gestimmt. Wir haben aber inzwischen uns überzeugen lassen, daß nationale Interessen vorliegen, und haben, um diese mit den Geboten der Sparsamkeit zu vereinigen, unseren Vermittelungsantrag gestellt. Was den sozial- demokratischen Antrag anlangt, so werden wir dem ersten Teil zu- stimmen, den zweiten jedoch im Interesse der deutschen Land» Wirtschaft ablehnen.(Bravo I bei der Wirtschaftlichen Ver- «nigung.) Abg. Erzverger(Z.): Hütte ein ZentrumSredner die Rede gehalten, die Graf Könitz vorhin gehalten hat, wie hätten Sie dann über das antinationale Zentrum gezetert I(Sehr wahr I im Zentrum.) Mit Recht hat Graf Kanitz die DeckungSfrage betont; das Zentrum hat die Deckung bei jeder Bewilligung in den Bordergrund gestellt und wir wünschten, daß wir dabei immer auf Verständnis träfen. Man sprach davon, daß eine indirekte Deckung durch die Mehr- erhebung von Zollen vorhanden sei. Die Zölle sollten aber sobald als möglich in Kraft gesetzt werden, dazu bedarf eS keiner Subvention. Außerdem find die zahlenmäßigen An- gaben des Staatssekretärs des Kolonialamtes über die Er- träge der Zölle nicht zutreffend. Wir sind nun nicht dagegen, daß die bestehenden Verbindungen von Neuguinea auf- recht erhalten werden, dagegen sind wir gegen die Einrichtung der neuen Linie Neuguinea— Singapore. welche der anderen Linie Neuguinea— Hongkong Konkurrenz machen würde; deshalb werden wir dem Antrag Lattmann zustimmen. Herr H o r m a n n erklärte, die unveränderte Annahme der Vorlage fei die Konsequenz früherer Beschlüsse; dabei haben die Freisinnigen früher gegen jede Post- dampfersubvrntion sich gewendet.— Für die sozialdemokratische Re- solution zu A werden wir stimmen, für die zu B nicht; daß wir dafür eintreten, wird ja Herr Noske selbst nicht erwarten. Ich bitte daher, getrennt über die Resolutionen abzustimmen.(Bravo! im Zentrum.) Abg. Molkenbuhr(Soz.): Nach der Vorlage und der VerHand- kung sollte man glauben, daß der ganze Verkehr erst durch die Subventionen geschaffen ist und bei Fortfall der Subventionen wieder wegfallen würde. Der Staatssekretär sagte, infolge der Ablehnung der Vorlage würde die deutsche Flagge aus jenen Ge- wässern verschwinden, und dadurch würde das Ansehen des Deutschen Reiches geschädigt. Eine Begründung für solche Behauptung hat er nicht einmal versucht. Er kann sie auch nicht geben, denn auch schon vor den Sub- bcntioncn ist die deutsche Flagge in jenen Gewässern erschienen, ja die Subventionen sind ein Beweis dafür, daß deutsche Schiffe schon vorher in jenen Gegenden verkehrt haben. Wenn man nun aber einmal die Subventionen ändert, so sollte man auch die Ver- träge mit den Dampfschiffsgesellschaften selbst einer näheren Revision unterziehen. Seit Abschluß des ersten Ver- träges sind mehr als 20 Jahre verflossen und es sind damals Dinge im Vertrage berücksichtigt, die man heute nicht berück- sichtigen würde, und umgekehrt sind Dinge nicht berücksichtigt, die man heute berücksichtigen würde. Die Verträge sind zu einer Zeit geschlossen, als die Leistungsfähigkeit des deutschen Schiffs- baues noch nicht anerkannt wurde. Heute stehen die deutschen Werften dagegen so, daß ein Zwang auf die Gesellschaften, die Schiffe auf ihnen bauen zu lassen, nicht mehr gerechtfertigt er- scheint. Noch merkwürdiger ist die Klausel, daß unter allen Um- ständen deutsches Material verwendet werden müsse. 1885 bedurfte die deutsche Eisenindustrie vielleicht noch einer solchen Anregung. Heute dagegen ist der deutsche Stahlwerksverband der einzige Lieferant, der in Betracht kommt. Wenn man in dieser Weise aus kapitalistische Interessen Rücksicht genommen hat, so sind wohl auch die deutschen Arbeiter berechtigt, zu verlangen, daß ihr Jnter- esse gewahrt bleibe. Es kommt dazu, daß auch in niederländischen und deutschen Häfen nur deutsche Kohlen eingenommen werden dürfen, obwohl feststeht, daß England bezüglich der Kohle leistungs- fähiger ist. Als Lieferant der deutschen Kohle kommt nur das rbcinisch-westfälischr Kohlensyndikat in Betracht. Analoge Bc- stimungcn bestehen für die Einnahme des Proviants, der ohne diese Bestimmungen in Amsterdam billiger zu beschaffen wäre. Man hat so dein Lloyd eine Reihe von Verpflichtungen auferlegt, die den Betrieb erheblich verteuern. Da sollte man doch auch be- stimmen, daß überall, wenn es irgend möglich ist, deutsche Arbeiter zu verwenden sind. Auf den asiatischen Fahrten werden aber wesentlich Kulis verwendet, und diese Verwendung ist dem Lloyd geradezu aufoktroyiert, indem er für diese Leute keine Beiträge zur Alters- und Jnvalidenocrsicherung zu zahlen braucht, die Ver- Ivendung der nichtdentschen Arbeiter wird also geradezu prämiiert. Es bildet das gewissermaßen einen Ausgleich für die Opfer, die dem Lloyd im agrarischen und kapitalistischen Interesse auferlegt sind. Man wird mir entgegenhalten, warum denn Leute anderer Nationalität von der Arbeit auf deutschen Schiffen ausgeschlossen werden sollen. Wir verlangen das nicht, weil sie von anderer Nationalität sind, sondern weil sie unter ganz anderen Bedingungen arbeiten, die wir als eine Barbarei, gerade- zu als Sklaverei ansehen. Ich hätte nicht erwartet, zu hören, was Herr Hormann hier vorbrachte, daß die Ueberlcgenheit der Chinesen und Äskaris über die deutsche Mannschaft vollkommen erwiesen sei. Ich habe immer geglaubt, daß die Leute, welche auf niedriger Kulturstufe stehen, auch weniger leistungsfähig sind als die dMchcn Arbeiter. Die Ucberlegenheit scheint qpch nicht in der Arbeitsleistung zu bestehen, fondrtn darin, baß sie viel mehr Schikanierungen ertragen können als die deutschen Arbeiter.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die farbige Mannschaft wird lediglich deshalb genommen, weil sie billiger ist. Freilich meinte Herr Hormann, daß das nicht der Fall sei, weil man 20 Proz. mehr einstellen müsse. Würden aber die Weißen ebenso billig sein, so würden sie doch wohl vorgezogen werde».(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die schlechte Behandlung, welche die Farbigen sich gefallen lassen, hat aber für unsere Reeder die Nebenbedeutung, daß sie die Gewohnheit einer solchen Behandlung auch auf andere übertragen. Verlangen sie doch jetzt, daß die Seeleute aus dem Seemnnnsverband austreten. Es wäre wohl an der Zeit, darauf zu achten, daß die Schiffe gebaut werden, wie es im Interesse der Gesundheit der Seeleute geboten ist. Darüber aber enthalten die Verträge gar nichts. Nicht mit Einschränkung der weißen Mann- schaft kann man den llebelständen entgegentreten, sondern mit der Schaffung gesünderer Arbeitsrnnme. Die Vertreter des Lloyd werden wahrscheinlich sagen, wenn wir ihnen vorschreiben, daß sie weiße Mannschaften nehmen sollen, so müßten wir erheblich mehr zahlen. Aus diesen« Grunde haben wir weiter beantragt, daß die Klausel, Ivonach auf den subventionierten Dampfern keine land- wirtschaftlichen Produkte, die der deutschen Landwirtschaft Kon- knrrenz machen, eingeführt werden dürfen, gestrichen werden soll. Der deutschen Landwirtschaft erwächst daraus keine Schädigung, denn sicherlich wird kein Weizenkorn, welches für den deutschen Markt bestimmt ist, dadurch von Deutschland ferngehalten, daß seine Einfuhr auf den subventionierten Schiffen verboten ist. Für die Gesellschaft aber ist es zweifellos ein Hindernis, solche Artikel von der Beförderung auszuschließen. Aus diesen Gründen bitte ich Sie um Annahme unserer Resolution.(Bravo! bei den Sozial- demolraten.) Abg. Gothein(frs. Vg.): Ich bedaüte, daß Herr Noske es für nötig gehalten hat, Herrn Hormann vorzuwerfen, er spreche im Auftrage des Norddeutschen Lloyd. Solche persönliche Vorlvürfe erbebt inan gewöhnlich, wenn die sachlichen Gründe nicht aus- reichen.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Wir können dem Lloyd nicht zumuten, eine Linie direkt mit Verlust weiter zu fahren. Wenn wir die jetzige Vcrkehrsentwickelung in Neu-Guinea ein- schränken, wird die Folge nur sein, daß die Kolonie viel später dazu kommt, sich selbst zu erhalten. Sehr bedauerlich ist es, daß uns die Vorlage so spät zugegarrgen ist, daß erneute Verhandlungen mit dem Lloyd nicht«nehr möglich sind. Wenn die Regierung jetzt eine Niederlage erleidet— was ich nicht wünsche— hat sie es sich danach selbst zuzuschreiben. Für den zweiten Satz des sozialdemokratischen Antrags werden wir stimmen. Abg. Schweickhardt(D. Vp.) spricht sich für die Vorlage aus. Staatssekretär v. Bethinann-Holltveg: Was unsere Stellung zum Antrag Lattmann betrifft, so ergibt sich die derzeitige Stellung der Regierung aus den Ausführungen des Herrn Staatssekretärs Dernburg. Mit dem Lloyd sind, sobald der Antrag Lattmann ein- ging, Verhandlungen über seine Stellung dazu eingeleitet, die bis- her noch zu keinem abschließenden EryelmiS geführt haben. Abg. Hormann(frs. Vp.) verteidigt die Verwendung farbiger Heizer und Trimmer und bittet nochmals um Annahme der Regie- rungsvorlage. Nach weiteren Bemerlungen des Abg. Erzberger(Z.> schließt die Debatte. Abg. Noske(Soz.)(persönlich): Der Staatssekretär hat mir die Benutzung falscher Zahlen vorgeworfen und behauptet, es sei bereits in der Kommission aufgeklärt worden, woher die Difse- rcnz zwischen seinen Angaben und denen des Kaiserlich Statistisck>en Amtes stamme. Ich weise diese Behauptungen entschieden zurück; in der Kommission hat der Regierungsvertreter vielmehr erklärt, er wisse die Differenz nicht zu erklären. Bei der Abstimmung erheben sich für die Regierungsvorlage die Liberalen, Nationallibcralen und ein Teil der Rechten. Vizepräsident Kampf erklärt: Das ist die Mehrheit.(Leb- haftcr Widerspruch und große Unruhe.) Zufolge des Widerspruchs wird die Abstimmung wiederholt. Sie ergibt die Ablehnung der Regierungsvorlage. Darauf wird der Antrag Lattmann(Bewilligung von 230000 M.) angenommen. Ter Antrag Al brecht ü. Gen.(Soz.) wird in seinem ersten Teil gegen die Stimmen der Sozialdeinokraten und des Zentrums, in seinem zweiten Teil gegen die der Sozialdemokraten, der Frei- sinnigen und der Polen abgelehnt. Es folgt die zweite Beratung der Kolonial» bahnen. Abg. Ledebour(Soz.): Wir betrachten diese Eisenbahnen von dem Gesichtspunkte aus, daß sie in erster Reihe dazu bestimmt sind, die Herrschaft über die Kolonien auszudehnen und als Mittel zur kapitalistischen Ausbeutung der Eingeborenen zu dienen. In der Kommission wurde erklärt, daß all diese Bahnen in erster Reihe militärische Zn>ccke haben und die Möglichkeit gewähren sollen, den Eingeborenen rasch Truppen entgegen- zuwerfen. Diese Gründe allein würden für uns voll genügen, um von unserem Standpunkt aus die Borlage abzulehnen, da wir grundsätzlich jede Herrschaft über andere Bölker verwerfen. Aber auch die wirtschaftlichen Gesichtspunkte, die zugunsten dieser Vor- lagen ins Feld geführt werden, sind durchaus nicht durchschlagend. Natürlich gibt es eine Anzahl Leute in Teutschland, die an der- artigen Kolonialbahnen ein großes Interesse und zwar ein direktes Geschäftsinteresse haben. Vor allein die grossen Lieferanten für die Eisenbahnen und dann auch gewisse Kapitalisten, die daran inter- essiert sind, daß das Kapital auf diese Weise nach den Kolonien gebracht wird. Unmöglich aber kann man den deutschen Arbeitern, der Masse der deutschen Steuerzahler zuinuten, daß sie für diese rein kapitalistischen Zwecke irgendwie Gelder aus ihrer Kasse geben. Man hat betont, die Arbeiter hätten ein wesentliches Interesse an diesen Bahnbauten, denn die Arbeiter verdienten doch dabei, wenn in Deutschland das Material für diese Eisenbahnen hergestellt und nach den Kolonien geschafft würde. Dieses Argument ist ja nicht neu, es ist bei jeder Flottcnvorlage angewandt worden. Die deutschen Arbeiter können aber unmöglich ein Interesse daran haben, daß ihnen aus der einen Tasche Gelder hinausgezogen werden, und ihnen in die andere Tasche ein Teil dieser Gelder wieder hineingesteckt wird. Denken Sie sich, es verfiele jemand auf den Gedanken, zur Verschönerung der Döberitzcr Heerstraße den ganzen Grunewald abholzen zu lassen und auf der so hergestellten Wüste ein Faksimile der Pyramiden von Gizeh errichten zu lassen. Auch da könnte von irgend einem modernen Joseph als Vertreter eines modernen Pharao ausgeführt werden, dabei würden die deutschen Arbeiter auf Jahre hinaus lohnende Beschäftigung bei der AbHolzung des Grunewaldes und der Errichtung dieser wundervollen Pyramide von Gizeh finden. Mit einem derartigen Argument hat sich schon vor 60 Jahren einmal die Berliner Stadtverwaltung bis ans die Knochen blainiert, als sie bei der großen Arbeitslosigkeit, um das Volk zu beruhigen, die Rehberge abtragen und aus einer anderen «stelle wieder aufschütten ließ. Damals hat man allgemein die Berliner Stadtverwaltung wegen dieser Rehbergerei ausgelacht. Was die Bahnprojekte selbst anlangt, so kommt noch dazu, daß die Ansichten der Sachverständigen über sie sehr auseinander gehen. Wir haben es ja wiederholt erlebt, daß die Regierung im letzten Augenblick mit solchen Projekten koinmt, die dani«� hier durchgepeitscht werden, und hinterher stellt sich heraus, daß sie sehr un- praktisch waren. Ich weise auf die Erfahrung hin, die«vir in S ü d we sta f r i k a gemacht haben mit der Bahn Swakop- m u n d— W i n d h o e k. Kaum war sie fertig, so stellte sich her- aus, daß sie durch ganz ungeeignetes Terrain gebaut war, und da hat man dann die Oktavibahn bis zu einem bestimmten Punkte ganz parallel bauen müssen, so daß also das ganze Geld im wahrsten Sinne des Wortes in den Sand gebaut war.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Von einer anderen Bahn hat Herr Dernburg selbst eine Anekdote erzählt, die beweist, mit welcher Leichtfertigkeit solche Projekte betrieben werden. Es handelte sich um eine Bahn von Dares Salam nach Mrogogo und ein Sachver- ständiger, der gefragt wurde: wo liegt eigentlich Mogrogo, hat ge- Instrument für uitmk war(Große Heiterkeit.). � Die Enlwickelung des Projektes der VerlängerungS- bahn über Taborah ist auch eine sehr merkwürdige. Es war geplant, daß die Verlängerung direkt nach Westen gehen solle. Herr Spahn aber sagte in der Kommission— das war noch zu jener Zeit, als der Zylinderhut des Herrn Spahn das massgebende Instrument für koloniale Angelegenheiten war.(Große Heiterkeit.) — es wäre viel zweckmäßiger, die Bahn nördlich mit einem Knick weiterzuführen. Und was geschah? Man hätte doch erwarten sollen, daß die Regierungsvertretcr sagten, nach Befragen des Bundesrats werde die Regierung zu dem neuen Projekt Stellung nehmen, aber Herr Sydow erhob sich sofort und erklärte: Jawohl. die Strecke nehmen wir auch. Und so bekamen wir den Knick der Bahn. WaS die Togobahn anlangt, so habe ich bereits in erster Lesung darauf aufmerksam gemacht, daß die Regierung ihre eigenen Argumente in der einen Vorlage mit oenen der anderen Vorlage totschlägt. In Ostafrila hat die Regierung mit dem Argu- ment operiert; ioenn wir die Bahn bauen, dann hat dieselbe ein Wirkungsgebiet nach beiden Seiten von 150 Kilometer. In Togo aber ist der Wirkungskreis 15mal geringer und zwar aus dem Grunde, weil die Regierung in Togo eine Parallelbahn, die kaum 10 Kilometer von der anderen entfernt ist, bauen will. Es ist das charakteristisch für die Geschicklichkeit in der Zusammen- brauung von Argumenten seitens der Regierung. Der eine Ge- heimrat bringt dies Argument, der andere jenes, und Herr Dern- bürg merkt nicht, daß sie sich gegenseitig aufheben.(Heiterkeit, Sehr gut! bei den Sozialdcnwkraten.) In Südwestaftika haben wir es nach wie vor mit rein militärischen Zwecken zu tun. Da werden wir noch auf Jahre hinaus mit einem enormen Defizit zu rechnen haben. Vor kurzem hat ein Oberleutnant Schmidt in der Kolonialgesellschaft einen Vortrag gehalten, worin er die Wunder- bare Auffassung vertrat, Deutschland müsse im Norden gegen die Owambos ein Armeekorps halten auch zu dem Zwecke, um damit auf England einen Druck auszuüben.(Hört! Hört! bei den Sozial- demolraten.) Es verdient, festgenagelt zu werden, daß ein Offizier der Schutztruppe, ich nehme am a. D., derartige Projekte ernsthaft erörtern darf. Wenn wir nun an sich schon diese Vorlage verwerfen, so können wir auch dem Finanzierungsprojekt nicht zustimmen. Früher wollte man die Bahnen auf Anleihe nehmen, dann tauchte der Plan auf, daß das Reich ein Darlehen geben soll, und jetzt sind diese beiden Pläne ineinander gearbeitet worden. Die Kommission hat neu ein- gefügt, daß die Kolonien gemeinsam Bürgschaft leisteten. Durch die Art der Kreditbeschaffung soll der Eindruck erweckt werden, als ob außerhalb des Deutschen Reiches ein Rechtssubjekt für die Anleihen vorhanden wäre. Das ist eine Fiktion. In Wirklichkeit sind eS die deutschen Steuerzahler, denen die Anleihen zur Last fallen, genau so. als wenn das Deuffche Reich direkt ein Darlehn geben würde. Jede Unklarheit, besonders in solchen Finanzfragen, ist aber unbedingt schädlich. Wir wollen unter keinen Umständen den Schritt mit- machen, und deckungslose Millionen ausgeben. Wir haben dabei auch eine menschliche Rücksicht auf den gegenwärtigen Staatssekretär zu nehmen.(Heiterkeit.) Erinnern Sie sich, daß er in der Kom- Mission aufftand und sagte:»Als ich die Ausstellung der Mlliarden Schulden bekam— er war damals schon drei Monate im Amte— da ist mir ein Schrecken m die Glieder gefahren. (Heiterkeit.)" Wir wollen ihm nun nicht einen neuen Schrecken bereiten. Jetzt merkt er das vorläufig nicht, aber nach einem Jahre, wenn wieder einmal ein Beamter eine Znsammen- stellung der Milliardenschulden macht, die dann an die fünfte und sechste heranreichen— wenn der Staatssekretär dann entdeckt, daß mittlerweile, ohne daß er eine Ahnung hatte, auch noch die finanziellen Verpflichtungen für die Eisenbahn dazugekommen sind, davor wollen wir ihn bewahren, zumal er sich ja für die ReichSfinanzreform trainiert. Ich glaube allerdings nicht, daß Sie sich durch Argumente von Ihrer Zustimmung werden abbringen lassen. Niemand von den Mehrheitsparleien hat eS für nötig befunden, das Projekt zu rechtfertigen. Bielleicht haben Sie sich gegenseitig ein Schweigegelöbnis auferlegt, damit die Sache möglichst rasch erledigt wird. Dann wird allerdings die Vorlage sofort angenommen werden, wir aber möchten entschieden Berwohrung einlegen über die Art der Geschäftsführung, die seitens der Mrhrhcitsparteicn in der letzten Zeit cingcfilhrt worden ist.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Das ist geradezu ein Skandal.(Lebhaste Zu- stimmung bei dem Antiblock, Ohorufe bei dem Block, Glocke des Präsidenten.) Ich erinnere Sie an das Vereinsgesetz und frage Sie, ob Sie einen anderen Ausdruck dafür haben. Auf diese Weise wird der Parlamentarismus durch das Gebaren der Mehrheilsparteien auf das schwerste geschädigt.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demolraten.) Präsident v. Stolberg: Ich schließe die Diskussion.(Laute? Bravo bei dem Block.) Die Vorlagen werden gegen die Stimmen der Sozialdemokraten unverändert angenommen. Es folgt die zweite Beratung de? Nachtragsetats, welcher 710 000 M. zu außerordentlichen unwiderruflichen Zulagen für die in der Provinz Posen und in den gemischtsprachigen'dlreiscn der Provinz Westpreußcn angestellten mittleren Kanzlei- und Unterbeamten bei der Po st Verwaltung fordert und 338 858 M. für dieselben Beamten bei der Heeres- Verwaltung sowie für die Unteroffiziere fordert(Ost- markenzulagen). Die Abgg. Ablaß und Genosten(frs. Vp.) beantragen, von der letzteren Summe 210 000 M. zu streichen. Abg. Dr. Pachnick«(frs. Vgg.): Unser Antrag, 210 000 M. weniger zu bewilligen, entspringt der"Absicht, die Unteroffiziere von der Zulage auszunehmen: denn an die Unteroffiziere hat bisher niemals jemand bei den Ostmarkcnzulagen gedacht. Generalleutnant Sixt von Armin: Der Antrag, die Unter- offiziere von der Zulage auszunehmen, ist mir ebenso unerfreulich wie überraschend. Ich bitte Sie. die Regierungsvorlage anzunchinen. Abg. Gröber(Z.): Die Militärbcamten und Unteroffiziere stehen mit den Postbeamten keineswegs gleich, das hat die Regierung bei ihren früberen Forderungen von Ostmarkenzulagcn selbst zugegeben. Der Wortlaut der Antrages Ablaß setzt nur die zu bewilligende Summe herab, ohne daß die Unteroffiziere, wie es doch die Absicht der Antragsteller ist. gestrichen werden. Wichtiger aber als die Frage der Unteroffiziere ist die Frage, ob überhaupt Ostmarkenziilagen ge- geben werden sollen. Mit Ihren Rede» wollen Sie nur bemänteln, daß eS sich dabei um eine politische Borlage handelt.(Lebhaftes Sehr richtig! im Zentrum, bei den Polen und Sozial- demolraten.) In den Erläuterungen heißt eS, daß für die Verteilung dieselben Grundsätze maßgebend sein sollen wie in Preußen. In Preußen aber sind, wie Fürst Bülow und der Finanzminister v. Rheinbaben im preußischen Abgcordnetenhause ausführten, politische Gesichtspunkte maßgebend. Die Freisinnigen erklärten früher diese Zulagen für korrumpierend und unannehmbar.(Zuruf bei den Freisinnigen: widerrufliche Zulagen!) Herr Pachnicke nieint, die Unwiderruflichkeit sei erreicht; sie köllne aber nur für ein Jahr bewilligt werden. Eine solche llntvi»s> ruflichkeit wird die Beamten sehr glücklich machen!(Heiterkeit.� Reichsschatz sekretär Sydow: Die Vorlage hat keinen politischen Zweck.(Lachen beim Zentrum, den Polen und den Sozialdemo- kraten.) In Preußen ist das anders, dort koinmen eben auch politische Beamte in Frage. Daß die Unwiderruflichkeit in Preußen eine andere Bedeutung hat, als hier, liegt daran, daß der Reichs- tag nur außerordentliche Zulagen für ein Jahr verlangt hat. Vizepräsident Paasche teilt mit. daß zu dem Antrage Ablaß be- antragt ist, die Worte»sowie für Unteroffiziere" in der RegierungS- Vorlage zu streichen. Abg. Brejski(Pole) wendet sich noch gegen die Vorlage, die einen anSgesprochen politischen Zweck habe. Abg. Licbcrmann von Sonnenberg(wirtsch. Vg.) bittet die Unter- offiziere ans der Vorlage herauszulassen, denn der Soldat soll sich von der Politik fernhalten. Abg. Dr. Pachnicke(Fr. Vg.): Die Vorlage hat keinen politischen Zweck, da eS sich nicht um politische Beamte handelt.(Lautes Lachen im Zentrum, bei den Polen und bei den Sozialdemokraten.) HBg. Sebeiunt(Soz.): Der Herr Staatsselretär hat in schöner Uebereinstimmnng mit dem Abg. Pachnicke gesagt, die Vorlage habe keinen politischen Zweck. Beim Staatssekretär überrascht mich das nicht, er muß das ox officio(pflichtgemäß) behaupten. Bei einem Mitglieds der freisinnigen Partei i)t das aber umsomehr über- raschend. als Sie den Fall Schellcuberg erlebt haben. In Wiesbaden wurde Dr. Schellenberg, der im freien Vertragsverhältnis mit der Post stand, von der Postverwaltung gemaßregelt, weil er seine Wahlpflicht nach seiner Ueberzeugung ausgeübt hat. Diese Tatsache ist von Ihnen selber und von der Mehrheil des Hauses gebrandmarkt worden. Der Staatssekretär Kraetke hat sie verteidigt, aber mit politischen Gründen. Er meinte, er könne es nicht dulden, daß ein Mann, der in irgend einer Weise von der Post abhängig ist, sich politisch anders betätige, als die Poswerwaltung es wünscht.(Hört! hört!) Und angesichts dieser Talsache wollen Sie an die politische Harmlosigkeit des Herrn Kraetke und seiner Kollegen glauben.(Große Heiterkeit im Zentrum, bei den Sozialdemokraten und den Polen.) Wie Sie im Falle Schellenberg behandelt worden sind, wie Sie es sich haben gefallen lassen und wie Sie sich jetzt hinstellen und in die Versuche mit einstimmen, das Korruptionöverfahren zu beschönigen, das läßt daran zweifeln, daß überhaupt noch ein Funke von Liberalismus in Ihnen ist.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Sie geben mit sehenden Augen der Korruption des Beamtentums zu politischen Zwecken Ihre Zustimmung.(Lebhaftes Bravo I bei den Sozialdemokraten und im Zentrum.) Daniit schließt die Diskussion. In der Abstin, mung wird die Regierungsvorlage bezüglich der Ausgaben für die Verwaltung des Reichsheeres mit 286 gegen 17 bei 2 Stimmenthaltungen abgelehnt; daraus wird der Antrag Ablaß ebenfalls in namentlicher Abstimmung mit 167 gegen 137 Stimmen angenommen. Es folgt die namentliche Ab- stimmung über die Regierungsvorlage bezüglich der Ausgaben für die Reichspostverwaltung. Sie wird mit 166 gegen 148 Stimmen bei einer Stimmenthaltung angenommen. Es folgt die Fortsetzung der zweiten Beratung de? Gefetzentwurfs betr. Aen der» ng des§ 33 des Bürgerlichen Gesetz- buches(Haftung deS Tierhalters). Die Kommission beantragt Annahme der Vorlage und außerdem eine Resolution, welche einen Gesetzentwurf verlangt, der die UnfallversicherungS- gesetzgebung auf das bisher nicht versicherungspflichtige Fahr« und Stallpersonal ausdehnt. Abg. Gaebel(wirtsch. Vg.) begründet einen Antrag, wonach die Bienen als Haustiere zu betrachten sind. Abg. Bnrmhorst(Rp.) schließt sich dem Vorredner an. Staatssekretär im Reichsjustizamt Dr. Nieberding ersucht den Antrag abzulehnen. Abg. Stcindl(Z.) wendet sich gegen den Antrag. Abg. Stadthagcn(Soz.): Für den praktischen Landwirt bringt der Gesetzentwurs recht zweifelhafte Vorteile, aber sehr klare Nachteile. Vorteile bringt er lediglich für die Groß- g r u n d b e s i tz e r. Durch den Z 833 ist ein großer Teil der kleinen Landwirte dazu gebracht worden, sich zu versichern, und gerade diese Versicherung ist zu begrüßen. Wir werden den Gesetzentwurf nach wie vor ablehnen, vor allem, weil eS ein antisoziales Ausnahmegesetz zugunsten der Großgrundbesitzer ist und zuungunsten oller derer, welche durch ein Tier verletzt werden. Nicht einschränken, sondern ausdehnen sollte man den Gedanken des§ 833. Sie behaupten doch immer, daß Sie den Großen keine Vorteile zuwenden wollen, sondern dem Mittelstand. Hier können wir die Probe aufs Epempel inachen. Nehmen Sie doch entgegen den KonimissionSbeschlüssen unseren ersten Antrag an, den wir hier wieder aufnehmen. Wir wollen dem 8 833 einen Satz zufügen: «Wer für einen von ihm verursachten Schaden nicht verantwortlich ist, weil ihm ein Vorsatz oder Fahrlässigkeit nicht zur Last fällt, hat gleichwohl den Schaden insoweit zu ersetzen, als die Billigkeit nach den Umständen, insbesondere nach den Verhältnissen der Beteiligten eine Schadloshaltung erfordert und ihm nicht die Mittel entzogen werden, deren er zum standesmäßigen Unterhalt sowie zur Erfüllung feiner gesetzlichen Unterhaltungspflicht bedarf. Ich bitte Sie dringend, diesen Antrag anzunehmen, der lediglich die Haftung des Reichen festsetzt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- traten.) Es ist unzweifelhafte moralische B o l k S a n s ch a u u n gj, daß der Reiche für den von ihm verursachten Schaden zu haften hat, und daß es unbillig und gegen alle Gesetze des AnstandeS ist, daß der Reiche sich dieser Haftung entzieht. Mit der Resolution der Kommission, die UniallversicherungSgesetzgebung auf das versicherungs- Pflichtige Fahr- und Stallpersonal auszudehnen, erreichen wir gar nichts, vielmehr sollten Sie unserenAntrag annehmen: Z 146 des Unfall« versicherungsgesctzes für Land und Forstwirtschaft und§ 136 des Gewerbe-UnsallversicherungögesetzeZ aufzuheben. Auch unseren An- trag, dem K 833 zuzufügen:„für jeden durch Hasen angerichteten Schaden haftet der Jagdberechtigtc" halten wir aufrecht. Die An- nähme der Resolution der Kommission befreit Sie nicht von dem Vorwurf, daß Sic als ersten Einbruch in das Bürgerliche Gesetzbuch den machen, daß Sie erklären, der Reiche soll i» Zukunft nicht mehr so hasten, wie ehedem. DaS können Sie nur, wenn Sie unsere Anträge annehinen unter Ablehnung des Ausnahmegesetzes zugunsten der Reichen. Abg. Stolle lSoz.): Im Reichstag ist immer betont worden. man wolle den Kleinen und Unterstützungsbedürftigen schonen. Wir schlagen Ihnen eine Aenderung des Gesetzentwurfes vor, der das erreichen soll. Nach den Vorschlägen der Kommission ist jeder Arbeiter und jeder kleine Geschäftsmann stets in der Gefahr. zum Krüppel gemacht zu werden, ohne jeden Anspruch auf Entschädigung. Die Umkehrung der Beweislast,.welche Sie beschlossen haben, ist keineswegs eine Deckung für die ge- schädigten Arbeiter. Dazu kommt die Schwierigkeit für ihn. zu klagen.„Sei im Befitze und du wohnst im Recht." Freilich sagen Sic, kann der Arme mit dem Armenrecht klagen, aber jeder weiß, wie-schwer es für ihn ist, sich ein Armutszeugnis zur Erlangung de? Arinenrechts ausstellen zu lassen. Die Folge dieses Gesetzentwurfes wird sein, daß die Armenlastcn sehr erheblich steigen werden. Wenn Sie Recht und Gerechtigkeit walten lassen wollen, müssen Sie gegen den Entwurf und für unseren Antrag stimmen. (Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Diskussion, In der Abstimmung wird unter Ablehnung allerAb- änderungSanträge der Gesetzentwurf in der Fassung der Komniission a n g e n o ni m e n. Als letzter Gegenstand wurde der Gesetzentwurf betr. Ab- änderung des g 63 des Handelsgesetzbuchs in zweiter Lesung angenommen.. � Staatsiekrctär Nicbcrding erklärte, daß die Konimissionsbeschlüsse für die Regierung unannehmbar seien. Diese Beschlüsse gehen dahin, daß die HandluiigSgehülfen während der Krankheit nicht nur das volle Gehalt, sondern auch ein Krankengeld erhalten sollen. Damit war die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung: Mittwoch, 11 Uhr.(Wahlprüfungen, Petitionen.) Schluß VJ3 Uhr. parlamemanfcbes. Einlauf. Im Reichstage gingen ein: Berichte der Wa hl prüfungL-Kommission betreffend die Wahlen der Abgg. Boltz(natl.) und Lehmann(Soz.). 117.. 119.. 121.. 124.— 127.. 130.. 131., 133.-136., 139., 142—146. Bericht der P e t i t i o n s k o m m i s s i o n. Bericht der Kommission betreffend Abänderung des j)K3 des Handelsgesetzbuches. Entwurf eines Gesetzes, betr. Abänderung der Gewerbe« Ordnung mit den Beschlüssen in zweiter Beratung. Bericht der W a h l p r ü f un g S k o m m i s s s o n. betr. die Wahl deS Abg. Henning(L). Weißbuch über Marokko. Oberförster Cewandowsltl vor dem Schwurgericht. Die gestrige Verhandlung fand unter völligem Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Dem Vernehmen nach spotten die Dinge, die da aus dem„L i e b e s t e m p e l". in welchen die Frau Lewandowski ihre Behausung verwandelt hatte, jeder Beschreibung. Die Frau soll nicht nur junge Mädchen, fondern auch verheiratete Frauen in ihren Netzen gefangen, verkuppelt und dann unter Drohungen in Angst und Schrecken zu erhalten gewußt haben. Be- sonders charakteristisch in dieser Beziehung sollen die Aussagen einer Zeugin gewesen fein, die gewissermaßen unter der Knute der Frau L. gestanden hat, nachdem sie einmal unter ihrer Aegide einen Fehltritt gemacht hatte. Sie ist in der furchtbarsten Weise von der Frau drangsaliert und durch Mißhandlungen zur Unzucht angehalten worden. Vor Gericht wurde Frau Lewandowski, die übrigens schon einmal viele Monate in einer Nervenheilanstalt zugebracht haben soll, sehr genau über die Quellen ihrer Einkünfte befragt. Sie soll das Bestreben gehabt haben, die Behauptung ihres Ehemannes zu bestätigen, daß dieser keine Ahnung von ihren Geldverhältnisfen gehabt habe, sie tat jedoch des Guten zu viel und belastete den Angeklagten unbewußt. Es soll kaum mehr einem Zweifel unterliegen, daß der Ehemann von den Schlichen und Praktiken feiner Frau durchaus Kenntnis gehabt habe und in alles eingeweiht gewesen sei. Die HauptbelastungSzeugin, die ehemalige Gesellschafterin der Frau L., Fr. Supply, fiel bei Er- örterung ihrer Liebeleien in Weinkrämpfe und mußte in völlig zu- sammengebrochenem, ohnmächtigem Zustande aus dem Saal ge- führt werden. Draußen erbarmten sich ihrer hülfsbereite Per- fönen und trugen die völlig Willenlose in ein besonderes Zimmer. Es dauerte eine ganze Weile, ehe die Zeugin so weit wieder her- gestellt war, daß sie in den Saal zurückkehren konnte. Urteil. Die Geschworenen zogen sich kurz vor 6 Uhr zur Beratung zurück. Diese dauerte nur kurze Zeit. Die Geschworenen erklärten den Angeklagten deS Totschlags schuldig, billigten ihm aber die Milderung des K 213 zu, der da fagt:„War der Totschläger ohne eigene Schuld durch eine ihm zugefügte schwere Beleidigung von dem Getöteten zum Zorn gereizt und hierdurch auf der Stelle zur Tat hingerissen worden, so tritt Gefängnis nicht unter sechs Monaten ein." Staatsanwaltschaftsrat Ule beantragte eine Strafe von drei Jahren Gefängnis. Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Franz JverS bat um eine mildere Strafe. Nach kurzer Beratung verkündet der Vorsitzende, Landgerichts- direktor Schütt, das Urteil dahin: Der Angeklagte wird zu drei Jahren Gefängnis verurteilt unter Anrechnung von vier Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. Diese Strafe erscheine ange- messen mit Rücksicht oarauf, daß er eine ehrlose Gesinnung be- kündet hat, nicht bloß weil er den Leutnant v. Schmidt tötete, fondern es kommt noch hinzu, daß der Angeklagte bei den straf. baren Handlungen, die seine Ehefrau begangen hat, doch tätig mitgewirkt hat. Es kann nicht zugegeben werden, daß er allein unter dem Einfluß seiner Frau gestanden und nicht selbst ehrlos gehandelt hat. Deshalb ist die beantragte Strafe nicht zu hoch. Nur mit Rücksicht darauf, daß er von Anfang an geständig war, hat ihm der Gerichtshof vier Monate der Untersuchungshaft auf die Strafe angerechnet. Eue Induftm und F>ande!. Ein unbequemer Frager. Daß die kleinen Anteilseigner für viele Großbesitzer, die in den meisten Gesellschaften den Borstand und Aufsichtsrat beherrschen, nur Objekte sind, die durch Verwaltungspraktiken, Zubußebeschlllsse usw. schließlich zur Räumung des Feldes gezwungen werden, ist eine all- bekannte Tatsache, an die man erinnert wird durch einen Bericht über die Gewerkenversammlung deS Bergwerksgesellschaft Altendorf in Altcndorf a. d. Ruhr. Ein GeWerke frug an, warum eZ der Gesellschaft„Katharina" jetzt gestattet worden sei, für die minimale Entschädigung von 66 Pf. pro Tonne Förderung auf dem Felde von Alteudorf abzubauen; früher habe die Gesellschaft pro Tonne 3 M. Entschädigung gezahlt. Der Vorsitzende erklärte, ihm sei von einem Abbauvertrage mit „Katharina" überhaupt nichts bekannt. Der GeWerke gab dann spezialisierte Daten über das Abbauen durch die genannte Gesell- schaft. Er mußte sich aber mit der bereits gegebenen Antivort be- gnügen. Durch die Angaben wird in recht drastischer Weise der Wert der Werksberechnuugen über den Gelvinn pro Tonne Förderung belegt. Gewöhnlich rechnen die Werke einen Gewinn heraus, der zwischen 1—2 M. schwankt. Wenn aber schon eine Gesellschaft für das Recht, von dem Felde eines anderen Unternehmers abbauen zu dürfen, pro Tonne geförderter Kohle 3 M. Entschädigung zahlt und die arbeitende Gesellschaft doch auch noch verdienen will, so geht der blanke Reingewinn sicher noch erheblich über 3 M. hinaus. Der Bericht des„Börsen-Courier" über die Versammlung ent- hält noch eine andere interessante Mitteilung. Der erwähnte Gewerke ersuchte um Auskunft darüber, wie eS komme, daß man bei Lieferung eines Ventilators einem Landlvirt aus Steele einige tausend Mark für Uebermittelung dieses Auftrages an Dinnendahl gezahlt habe. Die Antwort hierauf wurde verweigert, da die Berfauinilung geschlossen sei. Wenn durch etwas plötzlichen Schluß die Anfrage nicht zeitig genug gestellt werden konnte, um Anspruch darauf machen zu können, im Rahmen der Geschäftsordnung und Rechtsansprüche der Gcwerken beantwortet zu werden, so muß es doch mindestens peinlich berühren, daß man sich hinter die formale Wand verkroch, um der Beantwortung einer solchen Frage zu entgehen. Das um so mehr, als auch die Erledigung der anderen Angelegenheit das Gefühl eines gewissen Unbehagens hinterlassen mußte._ Zur Geschäftslage der Textilindustrie. In der Textilindustrie wütet die Krise diesmal weit schärfer, als die Stockung von 1966— 1903. Mindestens 100 666 Textilarbeiter und-Arbeiterinnen find in Deutschland bei verkürzter Arbeitszeit beschäftigt und viele hunderte Arbeiter sind entlassen worden. In ganz kurzer Zeit hat sich in Neugersdorf die Zahl der Beschäftigten um 866 reduziert. Webstühle stehen still. In Gera ist die Zahl der in der Ortskrankcnkassc für die Textilindustrie ver- sicherten Personcii um zirka 2666 zurückgegangen. Die gedrückte Stimmung auf den Märkten iiimmt immer mehr zu. Ter kolossale Preissturz der Rohstoffe, vor allen Dingen der Wolle und der Baum- wolle, der Seide usw.. hat die Unsicherheit noch gesteigert. Die Unter- nehmerblätter bemühen sich krampfhaft, das geschwundene Vertrauen neu zu beleben. Die Baumwollspinnerei war bisher die einzige Branche, welche von der Krisis ivenig spürte. Hier hatte in den ersten Quartalen 1967 eine lebhafte Tätigkeit eingesetzt. Die Preise für Garne waren sehr gestiegen. Und die Spinner verstanden eS. die Wcbereibefitzer zu langfristigen Abschlüssen bei hohen Preisen zu bewegen. Dann brach daS Unwetter plötzlich herein. Die Weberei- besitzer konnten ihre Ware nicht an den Mann bringen; Konfektions- häufer fallierten. Die Spinnereien bestehen auf Abnahme der abzs- i-blossenen Garnquantcn zu den hohen Preisen. Da der Weber das Garn nicht brauchen kann, bringt er es mit auf den Markt und die Preise fallen. Große Verluste beim Verkauf des Garnes sind die Folgen für die Webereien. Schließlich muß das aber auch auf die Spinnereien ungünstig zurückwirken. Bestellte Ware wird nicht abgerufen, die Lägerbestände schwellen an. Aufträge verfallen und neue Orders gehen überhaupt nicht ein. In den Kreisen der rheinischen Spinner hat man bereits die Frage einer Betricbsein- schränkung erwogen. Vielfach ist die Arbeitszeit eingeschränkt wordon. Tie BgumwollVebereies hgfe» fast gttaew.ei.n BetriMeitischrgiMng dürchgesürhrt. In Reügersdorf, Reichenau, Großschönaü, Pulsnitz i. Sa., Ebersbach i. Sa., Ostriz, Seiflzennersdorf. Leutersdorf, den Orten der sächsischen Lausitz arbeiten viele Tausende nur 4 Tage oder 6 Tage pro Woche. Dasselbe ist in den Baumwolltvcbereien Bayerns, Württembergs, Schlesiens und des Rheinlands der Fall. So arbeiten in Langenbielau 4566 Personen mit beschränkter Pro- duktion, in M.-Gladbach 16 000. Aehnlich liegen die Ding? in den Kammgarnspinnereien und Webereien. In den Spinnereien iit teilweise die Arbeitszeit verkürzt, so in Leipzig für etwa 6666 Arbeiter. Die Webereien beschränken die Produktion auf ander- Weise. Der«Verband fächsifch-thüringifcher Webereien" hat seiner- zeit beschlossen, eine allgemeine Betriebseinschränkung nicht durch- zuführen. Es blieb jedem Unternehmer überlassen, nach Belieben zu handeln. Man hat nun zwar die Arbeitszeit nicht verkürzt, aber in Greiz, Gera, Glauchau, Meermie, Mylau, Reichenbach i. V, Elsterberg usw. müssen die Weber wochenlang auf nur einem Stuhl arbeiten. Sonst ist das Zweistuhlsystem durchgeführr. Tage- oder wochenlang müssen die Arbeiter auf Kette oder Schuß warten. In Gera sind tausende Frauen entlassen worden. In der Seidenstoff-, der Samt- und Plüschbranche ist gleichfalls die Krisis allgemein. Die Plüschfabrikanten haben befchlossen, den Preis für Uniartikcl um 6 Proz. zu ermäßigen. In Hainichen(Sa.), in Si. Ludwig im Elfatz, im Rheinland in Crefeld, Wermelskirchen, Lobberich und zahlreichen anderen Orten feiern Zehntausende Arbeiter oft viele Tage pro Woche. So sieht es in fast allen Branchen der Textilindustrie aus. Vielfach herrscht bei den Arbeitern große Not. Wer das Unglück hat, gekündigt zu werden, bleibt entweder arbeitslos, oder er kann seine Arbeitskraft nur zu sehr ungünstigen Bedingungen verkaufen. Die Organisation ist in eine ganze Anzahl Abwchrkämpfe ver- wickelt. Der nord- und ostdeutsche Holzmarkt. Die Stimmung hat sich etwas gebessert, was zunächst der kleinen Erleichterung des Geld- Marktes zuzuschreiben ist. Nach der Eröffnung des Weichselmarltes tvird es sich zeigen, ob der Preis für das Rundholz annähernd auf der Höhe der Herbstnotierungen zu halten ist, oder eine wesentliche Herabminderung erfährt. Auf Grund der Bestrebungen, die in der ostdeutschen Mühlenindustrie eingeleitet sind, dürfte eine Ver- Minderung der Produktion im Laufe dieses Sommers stattfinden. Diese Tatsache wird auch auf die Gestaltung des Weichselmarktes nicht ganz ohne Einfluß bleiben, da anzunehmen ist, daß die Säge- Iverke, welche erst in der zweiten Hälfte des Jahres ihre Betriebs- tättgkeit wieder aufnehmen, äußerste Zurückhaltung im Einkauf russischen Rohmaterials beobachten werden. Namentlich in ge- ringeren Hölzern ist ein ziemlich großer Ueberflutz vorhanden. Auch in Fußbodenwaren besteht ein großes Angebot, das verstärkt wird durch die Angebote in fertigen Dielungen, die aus Rußland und von schwedischen Lagern durch Vermittelung verschiedener mitteldeutscher Hobelwerke in Bremen, Lübeck und Wismar an- geboten werden. Geschnittene Kicfernbalken waren in großen Posten erhältlich und wurden schon mit 42 M. frei Berlin aus kleineren Sägewerken angeboten. Selbst die schwachen Dimen- stonen, welche hauptsächlich vom Hamburger Markte gebraucht werden, waren reichlich vorhanden, so daß die Preise gegenüber den vorjährigen Notierungen eine Ermäßigung von 6— 8 Proz. erfuhren. Die russischen Produzenten lassen große Verkaufslust er- kennen. Größere Lebhaftigkeit als bisher war auf dem Gruben- holzmarkt bemerkbar. Die angebotenen Posten fanden schlanken Absatz, die Preise waren andauernd hoch. Es wird allerdings in den Kreisen der Wicderverkäufer besonders darüber geklagt, daß der Verkauf an die Grubenvcrwaltungen sehr schwierig ist und der Nutzen beim Grubenhandel sich fortdauernd verringert. Da mag manchem die sonst breite Decke des Profits zu kurz werden.> Etos der frauenbewegung« Eine bemerkenswerte Agitation wurde kürzlich mit Hülfe der „Gleichheit" vom Textilarbeiterverband durchgeführt. Beabsichtigt war die Gewinnung von Verbandsmitgliedern und Abonnenten für die„Gleichheit". Die„Gleichheit" wurde in einer Auflage von 276 666 Exemplaren verbreitet und hatte die Redaktion eine eigens zu diesem Zweck verarbeitete Agitationsnummer herstellen lassen. Es war das erste Mal, daß der Vorstand des Textilarbeiter- Verbandes eine solche Agitation für seine Mitglieder angeordnet hatte. Der Zeitpunkt war, wie sich später herausstellte, etwas un- günstig gewählt. In vielen Orten waren die Partei- und Ver- bandsgenossen durch die um jene Zeit fast überall stattfindendcn Gcmeindewahlcn stark in Anspruch genommen und konnte deshalb die Hausagitation nicht genügend intensiv betrieben werden. Trotz- dem find beachtenswerte Erfolge erzielt worden. Die Zusammen- stellungen der beim Verbandsvorstand eingegangenen Meldungen ergibt einen Mitglicdergcwinn von 3447. Für die„Gleichheit" wurden 1646 neue Abonnenten gewonnem In diesen Zahlen konimt jedoch nicht der Gesamtgewinn zum Ausdruck. Eine Anzahl Orte hat wohl die Hausagitation durchgeführt, über das Ergebnis ober nicht berichtet. Wie die Neubestellung der Fachblätter ergeben hat, erhöhte sich der Mitgliederbestand des Verbandes um rund 6666. Ein hoher agitatorischer Wert liegt schon in der Verbreitung der 276666 Exempl. der„Gleichheit". Manche Arbeiterin, die bisher von der Existenz einer so ausgezeichneten proletarischen Frauenzcitung keine Ahnung hatte, ist jetzt darauf aufmerksam geworden. Das Vorgehen des Tcxtilarbeiterverbandcs sei deshalb zur Nachahmung empfohlen. SchSneberg. In der hier abgehaltenen Volksversammlung sprach Reichstagsabgeordneter Genosse Fritz Zubeil über:„Welches Interesse haben die Frauen an den preußischen Landtagswahlcn?" Schon in den Tagen der französischen Revolution, so führte der Referent aus, haben die hungernden Frauen mitgekämpft, doch ihre Errungenschaften waren nur Männerrechte, nicht Menschen- rechte. Die Maschine hat die Frau immer mehr in den Kampf umS Brot hineingezogen, sie immer mehr dem Kapitalismus dienst- bar gemacht. Die Frau muß, da des Mannes Verdienst allein nicht ausreicht, mitarbeiten. Das Streben der Frair nach Frei- heit muß auch die ganze Arbeiterklasse ein Stück weiter bringen. Lange hat es gedauert, ehe man notgedrungen der Frau das Recht gewährte, sich auch politisch zu organisieren. Ueberall ist die Frau eingedrungen, auf jedem Gebiet, überall hat man der Frau Platz einräumen müssen. Dem Kampf im Reichstag, der Frau den Ein- tritt in alle bürgerlichen Berufe zu gestatten, setzen sich starke Widerstände entgegen, aber es geht auch hier vorwärts. Wo die Frau fronden muß. bleiben die Kinder in der EntWickelung zurück. und da lehrt die Not nicht beten, fondern denken. Die Frau ist auch in die wirtschaftliche Organisation cingetrctcn. Die hohe Kindersterblichkeit ist nur zurückzuführen aus unsere heutige Ge- sellschaftsordnung. Darum ist eö Pflicht der Frauen, von dem Vcreinsrecht Gebrauch zu machen und in großer Zahl sich zu be« teiligen am Vereinslcben. Einige Jahre werden ja noch vergehen. ehe das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht auch für die Frauen eingeführt ist. Das neue Vereins- und Versammlungs- recht bringt neben einigen Vergünstigungen auch recht schwere Schädigungen. Der Kampf ums Wahlrecht geht durch die ganze Welt und in einzelnen Staaten haben die Frauen auch schon Er« folge erzielt. So gestattet das böhmische Wahlrecht den Frauen, sich zu beteiligen. In Dänemark haben die Frauen das Gemeinde- Wahlrecht und die Frauen werden es auch in kurzer Zeit in Schweden haben. Die Genossinnen in Belgien und Holland drängen auf Gewährung deS allgemeinen Wahlrechts. Schließlich richtete der Referent an die anwesenden Frauen die Aufforderung zum Eintritt in den sozialdemokratischen Landtagswahlverein. Jeder Schritt vorwärts müsse hart erkämpft werden. Die Frauen sollen verstehen, Opfer zu bringen, überall mitwirken und Auf. tlärung schaffen, um durch gemeinfchaftlichen Kampf den Sieges- preis zu erlangen. Eine Diskussion fand nicht statt. Für den Inhalt der Inserate bernimmt die Rebattion dem Publikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, den 6. Mat Anfang 7, Uhr. Königl. Opernhaus. Samson und Dalila. Königl. Schauspielhaus. Stuart. Aufang 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Maria Neues. Ramon, der Abenteurer. Deutiches. Was ihr wollt. Kammerspiele. Gyges und fein Ring. Berliner. Hopfenraths Erben. Lessing. Die versunkene Glode. Neues Schauspielhaus. Judith. Kleines. 2x2= 5. Komische Oper. Fledermaus. Residenz. Der Floh im Dhr. Hebbel. Frau Warrens Gewerbe. Lustivielhaus. Sein Mibi. Brandstifter. Der Schiller 0.( Ballner Theater.) Stein unter Steinen. Schiller Charlottenburg. Widerspenstigen Bähmung. Der Friedrich Wilhelmstädt. Schaus spielhaus. Frei ist der Bursch. Thalia. Die Brunnennymphe. Westen. Ein Walzeitraum. Lorking. Der Wildschüß. Neues Operetten. Der Nam mit den drei Frauen. Luisen. Der Weg ins Verderben. Trianon. Seine erste Frau. Bernhard Roje. Die Loreley. Metropol. Das muß man seh'n. Apollo. Die süßen Grisetten. Spe zialitäten. Kajino. Ein Dorfroman Wintergarten. Spezialitäten. Basage. Spezialitäten Dr. Südle. Parodie. Der Troitbadour. Gustav Behrens. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Bergère. Spezialitäten. Liane d'Eve. Folies Caprice. Nachtarbeit. Ein unheimlicher Besuch. Der ganze Papa. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 18/49. $ Hemrit Zetterström Stockholm, Schweden, Lebens- und Naturbilder aus dem nordischen Lande. 2. Abend: Kultur und Bolt. Nachmittags 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Benedig. Sternwarte, Jubalidenstr. 57/62. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Stein unter Steinen. Schauspiel in 4 Aften von Hermann Sudermann. Donnerstag, abends8Uhr: Hans Huckebein. Freitag, abends 8 Ubr: Stein unter Steinen. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Schiller- Theater Charlottenburg, Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Widerspenstigen Zähmung. Lustspiel in 5 Aufzügen und einem Vorspiel von William Shakespeare. Donnerstag, abends8ubr: Zum 1. Male: Ohne Geläut. Freitag, abends 8 Uhr: Ohne Geläut. Luisen- Theater. Reichenberger Straße 34. Abends 8 1hr: Ueber den Brenner nach Venedig. Der Weg ins Verderben. Abends 8 Uhr: Henrik Zetterström, Stockholm: Schweden, Lebens- und Naturbilder aus d. nordischen Lande. 2. Abend: Kultur und Volk. OOLOGISCHER Zi CARTEN Täglich: Gr. Militär- Konzert. Eintritt 1 M., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. -apollo Theater Vierfacher Erfolg! Ballett: Die Töchter der Terpsichore. Spezialitäten: François Räthig. X Grete Gallus. Karl Bretschneider. X D'Osta- Trio. Enrico Caruso durch das Auretophon d. deutschen Grammophon- Gesellschaft. Operette: Die süßen Grisetten. Von H. Reinhardt. In Szene ges. vom Dir. Rudolf Schier. Pantomime: 1 Ein Abend in einem amerikanisch. Tingel- Tangel, ausgeführt von Bert. Bernards. Original- Pantomimen- Kompagnie. Metropol- Theater Bum 228. Male: Das muß man seh'n. Donnerstag: Der Weg ins Ver derben. Freitag: Borstellung der Freien Boltsbühne“: Mutter Erde. Sonnabend: Der Weg ins Verderben. Sonntag nachm. 3 Uhr: Jm Hause der Sünde. Abends 8 Uhr: Der Weg ins Verderben. Montag: Der Weg ins Berderben. Theater an der Spree Köpenider Straße 68. Neu- Eröffnung morgen Donnerstag: Zum ersten Male: Der Cowboy. DERNHARD ROSE THEATED Gr. Frankfurter Str. 132. Abends 8 Uhr: Die Loreley. Wochentagspreise. Täglich bis auf weiteres: Die Loreley. 765 Neues Programm. Otto Reutter. Orford's Elephanten. Palace Girls, Englische Gesangs- und Tanztruppe. Niards, Akrobaten. Hagedorns Wundergrotte. Lili Schreiber, Soubrette. Ferry Corwey, Musik. Clown. Guyer und Crispi, Amerikanische Excentrics. Perezoff- Truppe, Jongleure. Reiter, Berliner Theater. Rebue in 12 Bildern m. Gef. und Tanz. Toquilibrist und Jongleur. Abends 8 Uhr: Hopfenraths Erben. Donnerstag 7%, Uhr: Allt- Belbelberg Neues Theater. Abends 8 Uhr: Ramon, der Abenteurer Morgen u. folgende Tage: Ramon, der Abenteurer. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Donnerstag: 2 mal 2=' 5. Freitag: 2 mal 2= 5. Sonnabend: 2 mal 2= 5. Sonntag nachm. 3 Uhr: Mandragola. Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Theater des Westens. 8 Uhr: Ein Walzertraum. Sonntag nachm. 3, Uhr, halbe Preise: Die lustige Witwe. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Frei ist der Bursch. Anjang 8 Uhr. Donnerstag: Frei ist der Bursch. Freitag: Die Brüder v. St. Bernhard. Sonnabend z. 25. Male: Madame Sans 3êne. Abends 8 Uhr: Lortzing- Oper. Der Bildſchütz. Neues Operetten- Theater Schiffbauerdamm 25, an der Luisenstr. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Mann mit den drei Frauen. Hebbel- Theater, Söniggräger r. 57/58. Abends 8 Uhr: Frau Warrens Gewerbe. Drama in 4 Aften v. Bernard Shaw. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Anfang Wochentags 8 Uhr. Anfang Sonntags 7 Uhr. Kasino- Theater. Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr: Neu! Mälzer, der Urfomische. Nur noch bis Freitag, den 8. Mai: Ein Dorf- Roman. Ab Sonnabend, den 9. Mai: Der Brandstifter. Gonntag 4 Uhr: Ein Dorfromán. Tambo and Tambo, BanjoJongleure. Bolour Biograph. Otto Reutter tritt heute 8.10 auf. Passage- Theater. Abends 8 Uhr: Das größte Rechengenie und Gedächtnisphänomen aller Zeiten Dr. RÜCKLE und das 432684.5 9482513 großartige 7084320 9020018 5837614 1439788 4124124 MaiProgramm. 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Freitag, den 8. Mai, abends 8 Uhr, im„Alten Schützenhanse", Linienstratze 5, in den„Arminhallen", Kommandantenstraße 58/59: Zwei Bereinsversammlungen. Tagesordnung in beiden Versammlungen: Die Landtagswahlen und die Frauen. Ref.: Genossinnen Zetkin und Z i e tz-Hamburg. Genossinnen und Genossenl Beweist durch Eure Teilnahme an den Versammlungen, welches Interesse Ihr an der Wahl habt. Namentlich die Frauen sind der- Pflichtet, zu zeigen, daß sie dem politischen Leben nicht gleich- gültig gegenüber stehen, sondern als gleichberechtigte Staats- bürgerinnen gelten wollen und Anspruch erheben, über das Wohl und Wehe des Gesamtvolkes mitzuberaten und mitzubestimmen. Gäste sehr willkommen I Der Vorstand. Erster Wahlkreis. Bei der Maifeier in Happoldts Brauerei sind gefunden: ein Stock und ein Portemonnaie. Als verloren angezeigt: ein Pompadour init Inhalt. Abzugeben oder abzuholen bei Bittiier, Feiluerstr. 11, III. Rixdorf. Die Parteigenossen werden darauf aufmerksam ge- macht, daß am Freitag, den 8. Mai, abends 8 Uhr, im Lokale von Hoppe, Hermainistr. 49, und H. Thiel, Bergstr. lSl/lö2, je eine Volksversammlung stattfindet. Alle anderen Versammlungen haben an diesem Abend zu unterbleiben. Näheres am Donnerstag durch Inserat und Plakate an den Anschlagsäulen. Schöneberg. Die Parteigenossen werden nochmals darauf auf- merlsam gemacht, daß am Donnerstag, abends 7 Uhr, von den bekannten Bezirkslokalen aus eine Flugblattverbreitung stattfindet. Eine zahlreiche Beteiligung wird erwartet. Steglitz. An, heutigen Mittwoch, abends 8'/� Uhr: WahlvereinS- versammlung bei Schellhase. 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Emmel- Mülhausen. 2. Wahl der Delegierten zur General- Versammlung Groß-BerlinS. 3. Die bevorstehende Landtagswahl. t. Verschiedenes. Wilhelmsruh- NiederschSnhausen(fficft). Morgen Donnerstag, abends 8 Uhr, findet im Lokal des Herrn Kollmann, Kronprinzen- firaße 2, eine Volksversammlung statt.— Heute Mittwoch, abends 8 Uhr: Handzettelverbreitung von den bekannten Bezirkslokalen aus. Pflicht eines jeden Genossen ist es, sich daran zu beteiligen. Der Vorstand. Hermsdorf i. M. Am Sonnabend, den S. Mai, abends S1/� Uhr, findet im„Forsthaus" eine Volksversammlung statt, die sich m,t der Landtagswahl beschäftigen soll. Hierzu am Donnerstag, den 7. Mai, abends, Handzettelverteilung. Pflicht aller Genossen ist, sich hieran zu beteiligen. Bezirk WaidmannSlust. Die Genossen werden ersucht, bis Sonn- abend, den 9. Mai, die Billetts von der Maifeier mit den Abteilungs- führern abzurechnen. Billetts, welche bis dahin nicht abgerechnet sind, gelten als verlauft. Berliner ZVacbriebten. Städtische Berkehrsfragen. In der gestrigen Sitzung der städtischen Verkehrsdeputation ge- kangte zunächst ein Bericht der Kontinentalen Gesellschaft für elektrische Unternehmungen über den Betriebsunfall der Schwebe- bahn zum Vortrag. In längeren Darlegungen sucht die Gesellschaft nachzuweisen, daß der Betriebsunfall keinesfalls dem System der Schwebebahn als solcher zuzuschreiben ist, sondern entstanden ist aus dem Zusammentreffen einer Reihe von beklagenswerten Zufällig- leiten, wie sie bei jet�m System, auch dein besten und bei dem best- geleiteten Institut einmal vorkommen können. Das Einverständnis der Stadtverordnetenversammlung mit Vornahme weiterer Verkehrszählungen und Aufwendung eine? Be- träges bis zur Höhe von 24 000 M. wurde mitgetellt und beschlossen, die BerkehrSzählungen noch weiter fortführen zu lassen. Von der Großen Berliner Straßenbahn war der Antrag wegen weiterer Belassung des in der Berliner Straße in Pankow verlegten NotgleiseS eingegangen. Im Jahre 1993 Halle die Gesellschaft um die Erlaubnis ersucht, in der Berliner Straße eine dritte provisorische Gleisanlage verlegen zu dürfen, um durch Pflasterarbeiten verursachten Störungen dort bester begegnen zu können. Die Erlaubnis wurde mit der Maßgabe erteilt, daß nach Beseitigung der Störungen diese dritte Gleisanlage zu entfernen sei. Wie nun festgestellt wurde, benutzt die Ge- sellschaft jetzt diese dritte Gleisanlage dauernd als eine Art Depot, indem sie die Anhängewagen dort abhängt und stehen läßt und so der Notwendigkeit überhoben wird, diese Wagen leer bis ans Ende der Linie mitzuschleppen. Da durch solche Verwendung besonders an verkehrsreichen Tagen erhebliche Verkehrserschwerungen herbeigeführt werden, beschloß die Deputation, den getroffenen Ab- machungen gemäß, die Beseitigung des dritten Gleises zu verlangen. Zu einem Entgegenkommen lag für die Deputatton um so weniger Veranlassung vor, als, ganz abgesehen davon, daß sich solches im vorliegenden Falle durch die Sachlache von selbst verbot, die Ge- sellschaft wiederholt in ähnlichen Fällen die Gestattung provisorischer Anlagen erbeten, sich nachher aber geweigert hatte, den früheren Zustand wieder herzustellen. Die von einem Mitgliede beantragte Uevertragung weiterer Funktionen an den Verkehrsausschuß wie Festsetzung des Tarifs, der Abonnementspreise für die städtischen Linien wurde abgelehnt, da das Plenum der Deputatto» sich solche Beschlüste selber vorbehalten wollte. Der Antrag der Gesellschaft für den Bau von Untergrundbahnen— Abteilung Berliner Ostbahnen— auf Aenderung der Gleisanlagen im Treptower Park an der End- Haltestelle bei dem Zennerschen Restaurant wurde genehmigt, da allseitig anerkannt wurde, daß die neue Anlage für das reisende Publikum Verbesserungen bringe. Ein dringender Antrag der Allgemeinen Berliner Omnibusgesellschaft auf vorläufige Bewilligung der Frei- heit" der selbständigen Tariffestsetzung führte zu einer längeren Debatte. In der zweiten Hälfte des vorigen Jahres hatten bekanntlich zwischen der Deputattou und der Omnibus- Gesellschaft langwierige und zum Teil erregte Verhandlungen über die Gestaltung der Tarife stattgefunden. Die Gesellschaft hatte unter Zustimmung des Polizeipräsidenten die Genehmigung verlangt, den Preis für die bisherigen 5 Pf.-Strecken unter erheblicher Ver- kürzung der Strecken selbst auf 7% Pf. erhöhen zu dürfen. Dagegen stand die Deputation von Beginn an auf dem Standpunkt, daß, �ganz abgesehen von den Interessen des beteiligten Publikums. 'die Gesellschaft durch derartige Festsetzungen sich selber schwer schädigen würde, da. je mehr der neue Tarif sich dem 19 Pfennig- Tarife der Straßenbahn annähere, eine um so größere Abwanderung zur Straßenbahn erfolgen würde. Den verschiedensten Drohungen der Gesellschaft gegenüber, was sie alles tun würde, wenn ihr Gesuch keine Genehmigung fände, blieb die Deputation fest, und es kam schließlich unter Zustimmung des Polizeipräsidenten eine Vereinbarung zustande, nach der ein einzelner Fahrschein 19 Pfennig kostet und für die Teil- strecken zwei Fahrscheine zu lö Pfennig und fünf Fahrscheine zu 30 Pf. verkaust werden. Inzwischen haben die Verhältnisse der Gesellschaft wiederholt die Ocffentlichkeit in unliebsamer Weise be schäftigt. Die Voraussagen der Deputation sind voll eingetroffen und auf der Generalversammlung, die vor wenigen Tagen statt fand, war der Direktor der Gesellschaft gezwungen, wörtlich zu erklären:„Ich gebe zu, daß von uns große Fehler gemacht worden sind; ich gebe auch zu, daß wir den Betrieb nicht so geführt haben, daß er mustergültig genannt werden kann". Nunmehr bittet die Gesellschaft unter Zusttmmung des Polizeipräsidenten, ihr bis zum 1. Januar 1999 die Möglichkeit eigener freier Entschließung zu gewähren, um umgehend feststellen zu können, welche Tariffestsetzungen für ihr Gedeihen die besten seien. Auf Grund dieser Erfahrungen würde sie dann endgültige Genehmigung nachsuchen. Im Widerspruch zu den sozialdemo kratischen Mitgliedern, die gerade nach den bisherigen Vorgängen die Zweckmäßigkeit solchen Vorgehens bestritten, beschloß die Deputation die Genehmigung zu erteilen., Zum Schluß gab der Oberbürgermeister der Deputatton Kenntnis von einem gerade in seine Hände gelangten Schreiben der roßen Berliner Straßenbahn, in welchem diese Gesell� schaft mitteilt, daß, nachdem auf der Konferenz der Staatsbehörden am 9. April d. I. die Durchführbarkeit und Zweckmäßigkeit der von ihr geplanten Tunnelanlagen anerkannt und ihr anheimgestellt sei, den Weg deS Ergänzungsverfahrens zu beschreiten, sie nunmehr vom Magistrat die kleinbahngesetzliche Zustimmung auf 99 Jahre unter wirtschaftlich möglichen Bedingungen erbitte. Da die Tunnelanlagen ein Kapital von rund 83 Millionen Mark erfordern würden, so sei die Zustimmung auf 99 Jahre und eine angemessene Erhöhung des Tarifes zur Kapitalbeschaffung unerläßlich. Als Tarif sei in Aussicht genommen, bis zu vier Kilometer für 19 Pf., bis acht Kilometer für IS Pf., darüber hinaus für 29 Pf. zu fahren. Ueber die Ungeheuerlichkeiten des neuesten— siebenten-- Projekts in technischer Hinsicht: Erschwerung der städtischen Kanalisation; Unter bindung der geplanten städtischen Nord— Süd-Li nie. die an der Friedrichstr. 11 bis 12 Meter ttef geführt werden müßte: lieber schreitung des Spittelmarktes mittels einer Hochbahn; Ausschüttung deS ganzen Verkehrs aus dem Tunnel der Leipziger Straße in die enge Gerttaudtenstraße usw. usw. ist ausführlich in der Nummer unseres Blatts vom 2S. April berichtet worden. Ebenso wenig wie diesem rein skizzenhaften 7. Projekt irgendwelche Erläuterungen beigegeben waren, das wird sich später alles finden— ebenso wenig sind dem erwähnten Schreiben der Gesellschaft Unter lagen oder Berechnungen zur Prüfung der gestellten Forderungen beigefügt. Von einer soforttgea Beratung des Schreibens wurde abgesehen. Grohstabtelend. Im städtischen Obdach fanden im Monat März d. I. 31739 nächtlich obdachlose Personen (89 934 männliche und 895 weibliche) Aufnahme. Davon wurden 199 Männer und 7 Frauen hiesigen Krankenhäusern zugeführt und 1993 Männer und 28 Frauen der Polizei überwiesen. Im städtischen Familienobdach wurden im Monat März 139 obdachlose Familien mit 495 Personen (34 Männer, 149 Frauen, 89 Knaben, 94 Mädchen und 57 Säug- linge) verpflegt, ferner 553 Einzelpersonen(424 männ- liche und 134 weibliche). Es wurden mithin in den städtischen Anstalten im Monat März 82792 obdachlose Personen verpflegt. Damit ist jedoch dies Elend, welches die Obdachlosigkeit mit sich bringt, noch lange nicht erschöpft, denn nach Angabe des„Asylvereins" wurden in dessen Anstalten im Monat März d. I. auch noch 21 321 männliche und 4821 weibliche, zusammen also 23442 Obdachlose, unter denen sich 43 Kinder befanden, aufgenommen.— Die Gesamtziffer der in allen genannten Anstalten im März d. I. be. findlich gewesenen obdachlosen Personen betrug mithin 199 144.— Ein untrügliches Zeichen, daß wir in der besten aller Welten leben«_ Ein Fall von echten Pocke» in verlin. Gestern wurden in einer Privatklinik in. der Oranienburger Straße an einem 4»/� ährigen Mädchen. Erna Fritz, echte Pocken festgestellt. Das Kind war vor ewigen Tagen mit seinem Bater. dem Arbeiter Fritz, aus Galizien zurückgekehrt und hatte bereits unterwegs über schlechtes Befinden geklagt. In einem hiesigen Hotel, wo beide Logis nahmen, verschlimmerte sich der Zustand des Kindes derart, daß der Hotelarzt am 2. d. M. die Ueberführung des Kindes nach einer Klinik anordnete. Hier erkannte man daZ Wesen der Krankheit und ließ das Kind in einem Kochschen Krankenwagen nach der Charitü schaffen. Außerdem nahm man an allen mit der Kranken in Be- rührung gekommenen Personen sofort Schutzimpfungen vor und ließ die Klinik gründlich desinfizieren.— Die SanitätSkommisfion deS Polizeipräsidiums hat Schutzmaßregeln in vollstem Umfange ge« troffen._ Der Zugang zu de« städtische» Zentralsriedhofe in Friedrichsfelde von der Gudrunstraße aus ist durch die Legung einer Wasserleitung nahezu unmöglich gemacht. Die Buddelei am Friedhofe versperrt vollständig den Weg zum Friedhofe; nicht einmal für Fußgänger ist ein Weg frei gehalten. Wer von der Gudrunstraße aus zum Fried- Hofe will, ist genöttgt, seinen Weg durch eine Restauration zu nehme». Es wäre das mindeste, waS man verlangen könnte, daß in der Straße wenigstens für Fußgänger ein Weg freigehalten würde. Ein»oa starkem Regenfall begleitetes Gewitter zog gestern vormittag von Westen herauf und drückte die Temperatur ganz erheblich herab. Der Fremdenverkehr in Berlin ist in den letzten Monaten wüHer gestiegen und übertraf de» in derselben Zeit des Bor- jahres, besonders zahlreich waren Russen vertreten, Während Amerikaner nicht so zahlreich als sonst ankamen. Neber die Bedeutung des Waldes für den Touristen hat auf dem 2. Märkischen Touristentag der Forstmeister Kottmeier einen Vortrag gehalten, dem wir folgendes entnehmen: „Den freien, deutschen Wald, wie es im Liebe heißt, gibt eS heute nicht mehr. Der Wald ist nicht mehr frei, er ist Eigentum einzelner oder der Gemeinden und des Staates. So wie ein Ein- zelner unbestreitbar das Recht hat. eine Mauer um seine Besitzung zu ziehen, so muß es auch jedem Waldbesitzer freistehen, Waldteile oder Wege zu sperren. Das Recht hierzu ist von den höchsten richterlichen Instanzen jetzt festgestellt. Besonders das Verbieten von Wegen kann Jagd-, Kultur- oder Besitzrechtliche Gründe haben. Im letzteren Falle halte er die von ihm in der Oberförsterei Köpenick eingeführten Schilder„Forst- weg, Fußgängern widerruflich gestattet" für richtiger. Wie man vom Vermögenden und also auch vom Waldbesitzcr verlangt, daß er andere am Genuß des Waldes teilnehmen lasse, müsse man auch fordern, daß das waldbesuchende Publikum sich ebenfalls solcher Pflichten bewußt sei. So wird durch Abreißen von Zweigen und Blättern bei jungen Bäumen und Sträuchern, die Kindern gleichen, ein zehnfach größerer Schaden angerichtet als bei alten Bäumen. Ebenso ist das Rauchen zu unterlassen, in seinem Revier haben in einem einzigen Jahre 49 Waldbrände statt- gefunden. Auch das Zertreten der Beerensträucher und Blumen möge man vermeiden, er erkenne aus den Spuren stets, ob das zarte Geschlecht der Damen oder der robuste Herr der Schöpfung z. B. Erd« beeren gepflückt hat: der Mann nimmt sich in acht, aber die Damen achten mehr auf ihre Kleider, als auf die Blumen. Namcnt- lich das Pflücken von Blumen ist eine Unsitte, da die in der heißen Hand bald welk werdenden Blumen doch wieder fortgeworfen werden. Am Anblick der blühenden Blumen soll man sich er- freuen; manche selten gewordene Waldblume würde dann erhalten bleiben. Eine Fülle für den Wanderer beherzigenswerter Ratschläge gab der Referent' sodann. Wenn Wild von ferne gesehen wird, solle man stehen bleiben, sich ruhig verhalten und die Wandergesährten nur durch eine Handbewegung verständigen. war man aber gerade in lebhafter Unterhaltung und äugt das Wild schon, dann weitersprechen, weil das plötzliche Verstummen daS Wild ebenfalls stutzig werden läßt.— Ein gutes Erfrischungs- mittel ist, mit der flachen Hand auf einen Ameisenhaufen leicht zu llopfen und dann die aufgefangene Ameisensäure zu riechen.— Im Heidekraut solle man nicht lagern, da. wenn über- Haupt Schlangen vorhanden sind, diese gerade hier ihre Schlupfwiulel haben.— Bei Verirrungen im Walde beachte man, daß die Längs- feiten der Jagen, d. h. der Waldvierecke nach Norden, die Schmal- feiten nach Ost und West führen. Die Richtung erkennt man außer am Stand der Sonne auch an den Bäumen, besonders Laub- bäumen, deren Südwestseite stets dunkler, rissig und bemoost ist.— Gerät man auf einen sogenannten Holzweg, so beachte man die Spuren der Pferdehufe, die des Morgens in den Wald und abends zur Ortschaft führen.— Bei Gewitter gehe man in der Mitte des Weges, falls Telephondraht vorhanden, möglichst von diesem fort. Auch vermeide man altes Holz. Am sichersten befindet man sich im jungen Holz, wenn alte Stämme in der Nähe sind.— Auch bei heftigem Sturm vermeide man altes Holz. Besonders „finde" man kein junges oder krankes Wild. Ein solches Mitleid sei unangebracht: höchstens benachrichtige man den Förster. Die 34. Berliner Mastvieh-Ausstellnng ist gestern auf dem Zentralviehhof eröffnet worden; sie ist von 175 Ausstellern mit 1331 Tieren beschickt. An erster Stelle steht wicöer Groß-Bcrlin mit der Mark Brandenburg, die zusammen 48 Aussteller mit 271 Nummern aufweifen. Nächstdem stehen die Provinzen Pommern, Posen, Wcstprenßcn und das Herzogtum Braunschweig. Von den Ricselgütern der Stadt Berlin sind 99 Stück Rind- vieh und 14 Schweine ausgestellt, und zwar außer Weit- bewerb. Bei den Fleischermeistern erregt die Rindcrkollektion der Berliner Rieselgüter immer wieder Kopfschütteln, da sie sich hier Rinderrassen— Pinzgauer, Egerländer, Nordschleswigcr usw.— gegenübersehen, die auf dem Berliner Fleischmarkte nur selten auftauchen. Hervorragend vertreten sind diesmal von H o ch l a n d s ch l ä g e n die„Simmentaler", denen sich aus dem F l a ch l a n d e die„Holländer" würdig anreihen. Das größte Lebendgewicht mit 1215 Kilo weift ein 3�jähriger Simmentaler Bulle auf. Ihm folgt ein Bulle der Niederungsrasse mit einem Gewicht von annähernd 24 Zentnern. Von de» Berliner Riesel- gütern weist die Gutsverwaltung Osdorf mit Tieren der Bayern- raffe das höchste Schlachtgewicht auf. Zwei von ihnen wiegen je 23 Zentner. Auf 29 Zentner kommen ein Bulle des Rieselgutcs, Malchow und ein solcher des Rieselgutes Sputendorf. Von den jungen Kälbern weist eins bei einem Alter von noch nicht voll drei Monaten ein Gewicht von 217 Kilo aus. Von Doppellender Kälbern sind Exemplare vertreten, die bei einem Alter von rund vier Monaten schon 273 Kilo wiegen. Die Abteilung der Schweine umfaßt 122 Nummern mit 376 Tieren. Darunter befinden sich 19 Schweine des früheren Ministers v. PodbielSki. Hervorragend vertreten sind die Raffen der Weißen Edelschweine und der veredelten Landschweine. Das schwerste Gewicht von sechs Zentnern repräsentiert ein Ijähriges Edelschwein aus Schleswig-Holstein. Bon den Berliner Rieselgüterverwaltungen sind durchweg Schlachttiere ausgestellt, deren Alter 11— 14 Monate beträgt. Trotzdem weisen die Tiere Ge- Wichte von 159 bis 175 Kilo auf. Die Schafabteilung geht mit jedem Jahre mehr zurück. Sie umfaßt diesmal in 122 Nummern nur 373 Tiere. Probeschlachtungen finden während der Ausstellung statt.— Reichhaltige Kollektionen von Maschinen und sonstigen Erzeugniffen, die mit dem Fleischergewerbe und der Mästerei in Verbindung stehen, sind mit zur Schau gestellt. Drei Ertrunkene. Von einem Dampfer abgestürzt und er» trunken ist der 21 Jahre alte Steuermann Bruno Campe aus der Kurzestraße 14 in Friedrichshagen. Der junge Mann war auf dem Sterndampfer„Prinz Joachim" als Steuermann tätig ge- Wesen. In der Mittagsstunde wollte er mit einem Eimer Wasser aus der Spree schöpfen, um damit das Verdeck des Fahrzeuges zu reinigen. Beim Hinüberbeugen über den Bordrand des Dampfers verlor er das Gleichgewicht und stürzte in die Fluten. Wahr- scheinlich erlitt er im Wasser sofort einen Herzschlag, denn obwohl er ein vorzüglicher Schwimmer war, fand er den Tod in den Wellen. Die Leiche konnte bald geborgen werden.— Ebenfalls in der Spree ertrunken ist der Bootsmann Wilhelm Kranich aus Kalkberge-Rüdersdorf. K. war bei dem Schiffseigcn- tümer Lenz angestellt und er hatte in den letzten Wochen auf einem Schlepper Dienste getan. Gestern durchkreuzte das Fahr- zeug den Müggelsee. Als der Bootsmann auf dem Verdeck entlang schritt, um ein Werkzeug zu suchen, tat er einen Fehltritt und stürzte, das Gleichgewicht verlierend, über Bord. Bevor Rettung zur Stelle war, war der Verunglückte in der Tiefe ver- schwunden. Die Leiche des Ertrunkenen konnte noch nicht ge» borgen werden.— Im Teltow-Kanal hat der 43 Jahre alte Steinsetzer Adolf Arnold aus der Kopfstraße 3 den Tod gefunden. A. wurde schon seit mehreren Tagen von seinen Angehörigen vermißt. Gestern fand man an der Rudower Straße eine Leiche in dem Teltow- Lfiraal, die später als diejenige des Verschtvundenen erkannt wurde. A. ist, wie die Untersuchung ergeben hat, zweifellos das Opfer eines Unglücksfalles geworden. Die Leiche wurde nach der Halle des Britzcr Friedhofes übergeführt. Ein entsetzlicher BcrkehrSunfall hat sich gestern nachmittag M dir Ecke tar Treptower- unö Kie/Holzstraße zugetragen, Zw« kleine Kinder, ein Knude und ctft Mädchen hatten Kcmd in Hand Uber den Stratzsndamm gehen wollen, als ein Bierwagen der Felbschlotzchen-Branerci um die Ecke gejagt kam. Während es dem Mädchen noch gelang, den schutzenden Bnrgersteig zu erreichen, wurde der Knabe von den Rädern des schweren Wagens erfaßt, zu Boden geschleudert und eine ganze Strecke mitgeschleift. Furcht- bar zugerichtet, wurde das unglückliche Kind unter den Rädern hervorgeholt und nach der Rettungswache am Görlitzer Bahnhof gebracht. Der Unterleib war dem Knaben vollständig aufgerissen, so daß die Eingeweide heraushingen. Der eine Schenkelknochen war derartig zersplittert worden, daß die Knochen zum Fleisch herausragten. In hoffnungslosem Zustande wurde der Knabe nach dem Krankenhause Am Urban transportiert. Großfcucr am Dönhoffsplatz. Ein gewaltiger Dachstuhlbrand kam gestern vormittag in dem Eckhause Kommandantenstr. 89— Leipziger Straße zum Ausbruch. Die Gefahr wurde erst bemerkt, als gegen 11 Uhr dichte Rauchwolken aus dem Dachgeschosse drangen und sich über den Tönhoffsplatz wälzten. In wenigen Minuten war die ganze Gegend in Dunkel gehüllt. Von allen Seiten liefen Neugierige herbei, die bald den ganzen Dönhoffs- Platz besetzten. Als der erste Löschzug der Feuerwehr aus der Hauptwache i.. der Lindcnstraße anrückte, stand der rechte Flügel des Dachstuhles an der Kommandantenstratze bereits in Flammen. Brandinspektor Röhn stock ließ daher sowohl in der Kom- mandantenstraße wie auch an der Front der Leipziger Straße sofort mechanische Leitern errichten und mehrere Dampfspritzcn in Tätigkeit treten. Der Hauptangriff erfolgte von der Komman- dantenstraße aus. Die Löschmannschaften hatten anfangs einen schweren Stand, da die Verqualmung geradezu enorm war. Teil- weise mußten Rauch schutzapparate benutzt werden. Nach cinstündiger Löschtätigkcit konnte die Gefahr für beseitigt gelten. Der Dachstuhl ist zu einem erheblichen Teile vernichtet. Es wird B r a n d st i f t u n g angenommen. Während der Ablöschungs. arbeiten stockte zeitweise der Straßenbahnverkehr in der Leipziger Straße. Der Unglücksfall im Biktoriapark, über den wir gestern be- richteten, und nach dem ein elfjähriges Mädchen vom Kreuzberg- denkmal abgestürzt ist, hat sich anläßlich eines SchulauSfluges zugetragen. Das Kind hatte mit gleichalterigen Schülerinnen der Gemeindeschule in der Scharnhorststraße, die sie besucht, unter der Ausficht ihres Lehrers einen Ausflug nach dem Biktoriapark unter- nomnien, um das Kreuzbergdenkmal zu besichtigen. Die Kinder vergnügten sich dort bei harmlosem Spiel, und einige kletterten auch die Anhöhe hinauf, um recht nahe dem Denkmal zu sein. Trotzdem der Lehrer davor warnte, daß sich die Schülerinnen zu weit vor- wagten und sie ermahnte, aufmerksam auf den Weg zu achten, soll die' kleine Erna doch nicht genügend Obacht gegeben haben, denn plötzlich glitt sie ab und rollte ein Stück den Abhang hinunter. Der Lehrer brachte das verletzte Kind nach der Unfallstation am Tempelhofer Ufer, wo derlArzt eine Gehirnerschütterung feststellte. Vermißt. Anr 18. April er. hat sich der Rentter Otto Richelmann, 2. November 1856 in Goßlar geboren, in Braunschweig wohnhaft, aus der Wohnung seines Bruders, Schwedter Straße 263, Hierselbst, bei dem er zum Besuch weilte, entfernt und wird seitdem vermißt. Er ist 1,75 Meter groß, hat graue kurzgeschorene Haare, hohe Glatze, blaue Augen, starke, breite Nase, mittelstarken Schnurrbart, blasse Gesichtsfarbe, kräftige Gestalt. Bekleidet war er mit einem schwarzen steifen Hut, dunkelblauem Jackett, schwarzer gestickter Weste, dunkelblauem Sommerüberzieher, schwarzen Schnallenichnhen, schwarzen Strümpfen, Wäsche ist wahrscheinlich mit R gezeichnet. Es wird Selbstmord vermutet. Personen, welche über den Verbleib des Vermißten irgend welche Angaben machen können, werden ge- beten, ihre Wahrnehmungen der Kriminalpolizei oder einem Polizei- revier mündlich oder schriftlich zu den Akten 2715 IV. 47. 63 mitzu- teilen. Zur Verhütung von Unglücksfällen durch abirrende Geschosse aus den Schießständen der Hasenheide wird vor dem Betreten der Hasen» Heide und des südlich der Häse'nheide gelegenen Teiles des Tempel- hofer Feldes gewarnt." Eltern und alle diejenigen, denen die Obhut von Kindern anvertraut� ist, werden� aufgefordert, diesen das Betreten der genannten Gebiete zu utttersagen. Im Wintergarten treten im Monat Mai eine Reihe guter Bekannter ans, deren Leistungen aber an Exaktheit und Schlag- fertigkeit nicht das geringste eingebüßt haben. Da ist zunächst der Humorist Otto Reutter. der diesmal mit einer Theater- rcdue aufwartet und darin feinen gar zu berechtigten Spott und seine Satire an den Leitungen und Leistungen unserer Berliner Theater ausläßt. Die Rücksichtslosigkeit, mit der er dies tut, wirkt geradezu herzerfrischend. Als musikalischer Clown leistet auf den sonderbarsten In- strumentcn Ferrh Corwcy vorzügliches. Auf dem Gebiete der Tierdressur steht Miß Orsords mit ihren dressierten Elefanten, die Kegel schieben, Eake Walk tanzen, Baby verwarten, obenan, während sich in Toque ein gelehriger Hund als Reiter, Equilibrist und Jongleur vorstellt. Als geschickte Akrobaten sind die Niards anzusprechen. Jongleure, Excentrics im Verein mit der schicken, schneidigen Miniatursoubrette Lili Schreiber runden das Mai- Programm zu einem harmonischen Ganzen angenehm ab. Feuerwehrbericht. In der vergangenen Nacht um 11 Uhr kam in der Wolliiter Straße 56 Feuer aus. Dort brannten in einer Bäckerei die Ladeneinrichtung, Türen, Schaldecken, Möbel, Gardinen u. a. Durch kräftiges Wassergcben mit einem Rohre gelang es, die Flammen zu löschen.— Heute früh um 6 Uhr mußte in der Friesenstr. 2t ein Brand gelöscht werden, der das Zwischengebälk ergriffen hatte. Dieses mußte aufgerissen werden. Grober Unfug lag einer Feuer« Meldung»ach der Alten Schönhauser Straße 38 zugrunde. Der Täter, ein anscheinend Geisteskranker, wurde ermittelt und der Polizei übergeben. Revaler Straße 16 brannten Bretter, eine Bude u. a. auf einem Lagerplatz und gleichzeitig in der Wilhclmshavener Straße 16 eine Küche. In der ZionSkirchstr. 31 wurden Betten ein Raub der Flamnien. Der 17. Zug mußte in der Lindenstr. 24/25 einen Keller- brand löschen. Weitere Feuermeldungen liefen aus der Palisaden- straße 87 u. a. Stellen ein. Arbeiter-Samaritrrkolonne. Morgen Donnerstag, abends S UHr, beginnt der Kursus in der 3. Abteilung in Schöneberg bei Wieloch, Grunewaldstraße 116, 4. Abteilung in Lichtenberg bei Beckmann, '«amariterstraße 16, 5. Abteilung in Rixdorf bei Thiel, Berg- straße 151/152. Einleitungsvortrag in jeder Abteilung über Anatomie(Bau des menschlichen Körpers). Um rege Beteiligung wird ersucht. Vorort- JVacbnchteiTs Schöneberg. Stadtverordnetenversammlung. Der Vorsteher brachte zunächst ein Schreiben der Architekten- Vereinigung zur Verlesung, in welchem di-selbe ihr Bedauern darüber aussprach, daß für den Bau des städtischen Rathauses nicht ein Wettbewerb erlassen sei; man verlangte, daß dies noch nachträglich geschehen möge. Die Mehrheit stimmte der Auf. fassung des Vorstehers zu, daß es undenkbar sei. auf die Wünsche der Architekten einzugehen, da die Frage des Rathausbaucs für Schöneberg eine brennende ist. An Stelle des nichtbestätigten Genossen Molkenbuhr wählte die Versammlung wiederum einen Sozialdemokraten in die Schul- deputation. und zwar den Stadtverordneten Magna n. In die Deputation für das höhere Schulwesen wurde seitens der Sozialdemokraten Stadtv. Molkenbuhr gewählt. Die Ferien der Stadtverordnetenversammlung wurden in die Monate Juli und August gelegt. Einstimmig angenommen wurde ein Antrag des Magistrats. nach welchem dem Magistrat in Berlin die Anregung gegeben werden soll, eine zwangslose Organisation der Ge- «keiodeil Liro�-Berlins zu Ichaffen« damit ia pprisdifche» Zusammsnkünfi-n Vetflreler dS? inleressierlen Gemeinden gefficin- same Fragen gemeinsam erörtern können. In der Diskussion wurde auf eine gieihe von Fragen hingewiesen, die ein Zusammen- gehen der Gemeinden Groß-Berlins notwendig machen. Die Führung in diesem Vorgehen müsse selbstverständlich Berlin über- nehmen. Es folgte die Beratung der Magistratsdorlage betr. Ankauf des Hauses Sedanstr. 49 für Zwecke der Armenverwaltung. Auf Antrag der sozialdemokratischen Fraktion wird über die. Vor- läge in öffentlicher Sitzung verhandelt. Da mit dem Neubau des Rathauses alsbald begonnen werden soll, so ist der Abbruch, der auf dem Rathausgrundstück befindlichen Gebäude des Armenhauses und der Baracken erforderlich. Infolgedessen müssen die darin zur- zeit befindlichen 12 Familien und 9 Einzelpersonen anderlveit untergebracht werden, auch muß Vorsorge getroffen werden, daß zur sofortigen Unterbringung Obdachloser geeignete Räume zur Verfügung stehen. Zu diesem Zweck empfiehlt der Magistrat, bis zur Errichtung eines städtischen Obdachs das Haus Sedanstr. 49 zum Preise von 166609 M. anzukaufen. Der eingesetzte Aus- schuß hatte beschlossen, der Versammlung zu empfehlen, das Haus nur für 156 066 M. anzukaufen. Es wird mitgeteilt, daß eine Reihe von Petitionen vorliegen, die gegen den Ankauf des Grund- stückes protestieren. Stadtv. L i n i c u s sUnabh. Vereinig.) empfiehlt, dem Antrage die Zustimmung nicht zu geben, da das Grundstück völlig un- geeignet sei. Man würde durch den Ankauf des Grundstückes zu Zwecken der Armenverwaltung der dortigen Gegend einen Schand- fleck aufsetzen und die ganze Nachbarschaft kompromittieren. Redner empfiehlt, die Vorlage'pure abzulehnen und die Armen in Privat- Häuser unterzubringen. Nachdem der vergebliche Versuch gemacht wurde, die ganze An- gelegenheit mit einer Geschäftsordnungsdebatte abzutun, erklärte Stadtv. Starke namens der liberalen Fraktion, daß sie die Vor- läge ebenfalls ablehnen. Die Kasernierung der Armen sei keines- Wegs eine soziale Tat. Man könne nicht unbescholtene Armen mit verkommenen Elementen zusammenbringen, auf keinen Fall aber Kinder in einem solchen Hause zusammenpferchen. Für un- bescholtcne Armen müßten Wohnungen in Privathäusern gemietet und den verkommenen die Kinder abgenommen werden. Stadtrat W a l g e r stellte zunächst fest, daß es sich doch nur um ein Provisorium handelt. Die Aufregung ist ganz unberech- tigt. Der Magistrat beabsichtige ein Siechenhaus und Altersheim außerhalb der Stadtgrenze zu errichten. Die Armcnvcrwaltung müsse jederzeit Wohnungen zur Verfügung haben. Für derartige Ztvecke sind aber in Privathäusern sehr schwer Wohnungen zu haben. Die Beschaffcnbeit der Wohnungen in dem anzukaufenden Hause steht erheblich ssohcr, wie die für teures Geld in Privat- Häusern gemieteten Wohnungen. Die schlechtesten Wohnungen in diesem Hause sind immer noch besser als viele Wohnungen, in denen heute die Armen untergebracht sind. Für die vorübergehend Ob» dachloscn muß ein Obdach geschaffen werden. Stadtv. F r i tz s ch s«oz.) beoauert zunächst, daß dieser Vor- läge von den Stadtverordneten so wenig Interesse entgegengebracht wird. Der Berichterstatter des Ausschusses habe auch jede Objektivi- tat in seinem Bericht vermissen lassen. Der Sturm, der heute von den Interessenten in der Sedanstraße gegen die Vorlage entfacht sei, würde genau so sein, wenn ein Grundstück in einer anderen Straße gekauft wird. Am liebsten würde man ja die Armen ganz aus Schöneberg abschieben. Die Stadt habe die Pflicht der Unter- Haltung der Armen. Was die Beschaffenheit des anzukaufenden Hauses anbetrifft, so steht es nicht so schlecht damit, wie es hier immer hingestellt wird. Für die Stadt bedeutet es einen Vorteil, das Grundstück zu erwerben. Wenn die Petitionen ausschlag- gebend sein sollen, so würde eö ein leichtes sein, eine Petition mit zehnmal mehr Unterschriften zustande zu bringen, die sich für den Ankauf ausspricht. Stadtv. Obst(Soz.) wundert sich, daß man trotz der schönen Worte so wenig für die Armenpflege getan habe. Trotzdem das jetzige Armenhaus und die Baracken Jahr für Jahr vollgelcgt sind, hat man es nicht für nötig gehalten, diesen Zustand cchzuschasfeu und die Leute anderswo unterzubringen. Jetzt mit einem Male jolb-das ZusammenivohNle» ui einem. Hause, unwürdig, fein. Hätte man beizeiten Vorsorge getroffen, so brauchte heute über den An- kauf des Grundstückes nicht verhandelt zu werden. Es ist not- wendig, der Vorlag« heute zuzustimmen« bis etwas Besseres ge- schaffen sei. Stadtv. Kutznitzty(lib. Fraktion! meint, wir müssen sehr viel Geld haben, wenn für ein Provisorium 160 066 M. aus- gegeben werden. Das Haus würde für die soziale Frage das größte Unglück bedeuten. Anständige Leute dürfe man nicht mit Tagedieben zusammensperren. Die Stadtvv. V a l. Fröhlich(Unabh. Vereinig.) und S a l i n g e r(lib. Fraktion) sprechen sich ebenfalls gegen die Vor- läge aus. Stadtv. Kratz(lib. Fraktion) meint, solange nicht der Be- weis erbracht werde, die Armen wo anders nicht unterbringen zu können, dürfe der Vorlage nicht zugestimmt werden; lieber höhere Mieten in Privathäusern zahlen. Stadtv. Molkenbuhr(Soz.) hält vieles, was gegen die Vorlage angeführt werde, für Uebertreibungen. Die Stadt behält doch das Kaufobjekt und den Platz, das Geld sei doch nicht fort- geworfen. Die wo anders übliche brutale Form der Kascrnicrung komme doch hier nicht in Betracht, eS soll doch nur ein Mietshaus gekauft werden. Wenn Wohnungen nur nach Bedürfnis in Privat- Häusern gemietet � werden, so wird man für die Zwecke nur Wohnungen finden, die kein Mensch mehr mietet. Die Vorlage wird darauf mit 23 gegen 13 Stimmen ab- gelehnt, ebenso ein Antrag, das Haus auf drei Jahre zu mieten. Dem Projekt des Magistrats betr. Anlegung eines zweiten städtischen Friedhofs im Südostgelände wird zugestimmt. Der Antrag des Ausschusses, die Wasserflächen aus diesem Projekt zu entfernen, wird abgelehnt. Zugestimmt wird ferner einem Antraye des Magistrats, die Stadtgemcinde Rixdorf an das bakteriologische UntersuchungLamt des städtischen Kraiikcnhauscs anzuschließen. Rixdorf. Em Fall krassesten Aberglaubens hat sicb vorgestern in Rixdorf zugetragen. Eine Zigeunerin, die angeblich mit seidenen Bändern und anderen Gegenständen hausieren ging, kam auch nach dem Ge- schäft der Frau E. in der Kaiser-Friedrich-Straße. Frau E. ließ sich mit der Zigeunerin in ein Gespräch ein, in dessen Verlauf die erstere klagte, daß über ihrem Heiin ein Unheil walte. Die Zigeunerin erbot sich nun sofort, den Unstern, der über dem Hause schwebe, zu beseitigen. Sie besitze die Macht hierzu und dieselbe bestehe im Gebet. Wenn sie für die Familie der E. bete, so werde bald wieder alles gut fein. Zu diesen, Zwecke brauche sie aber, wenn auch nur für kurze Zeit, einen Geldbetrag, den sie sich selbst aus der Laden- lasse nehmen müsse. Was man mm für unglaublich halten sollte, geschah. Frau E. schenkte der Zigeunerin volles Vertrauen und ließ sie in die Kasse hineingreifen.„Auf wenige Minuten" entfernte sich dann die Beterin. Als eine Minute nach der anderen verrann, ohne daß die Sckiwarzhaarige wiedererschien, dämmerte es erst in der E. auf. daß sie einer Schwindlerin in die Hände gefallen war. Das schlaue Zigeunerweib hatte einen recht liefen Griff in die Kasse getan; etwa 56 Mark hatte sie dabei erbeutet. Im Hoppeschen Lokal ist bei der Maifeier am Nachmittag ein Herrenschirm verloren gegangen. Es wird gebeten� denselben in der Parteispedition, Neckarstr. 2, abzugeben. Rummelsburg. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung fand die Ein- führung der neu- und wiedergewählten Gemeindevcrtrcter statt. Wiedergewählt war von unseren Vertretern Genosse Garges, neu- gewählt Genosse Hermann Müller. Es gehören von den 8 Ver- tretern der 3. Klasse sieben unserer Partei an, durch die äußerst gekünstelte neue Wahlbezirkseinteilung hat man es diesmal noch zu verhüten gewußt, daß auch der grfste Sozialdttiwkrat ia baß meindcparkament einzog. Die Einführung selbst geschah in tccht kurzer Weise durch den Beigeordneten Assessor Köhler, welcher an Stelle des durch schwere Erkrankung verhinderten Bürgermeisters Dr. Hahn die Sitzung leitete. Bei den nun vollzogenen Wahlen von Mitgliedern zu den einzelnen Kommissionen und Deputationen wurden unsere Vertreter in sämtliche Kommissionen wie Tepu- tationen gewählt. Bei der Wahl der Mitglieder des Kuratoriums für die Fortbildungsschule entspann sich eine längere rege Debatte über den bereits vor Jahresfrist von unseren Vertretern gestellten Aiktrag:„in das Kuratorium auch Arbeitnehmer zu wählen". Das Kuratorium selbst hat diesen Antrag mit dem selbstbewußten Bc- merken abgelehnt, daß ein Interesse an der Fortbildungsschule doch nur auf feiten der Arbeitgeher zu suchen sei, da doch nur sie ein großes Interesse daran haben, daß ihnen durch ungünstige Schulzeit kein zu großer Schaden zugefügt wird. Nachdem unsere Vertreter diesen rückständigen Handwerksmcisterstandpunkt des der- zeitigen Kuratoriums gebührend beleuchtet und gleichzeitig die Gründe für diese Neueinführung dargelegt hatten, wurde�dcr ab- lehnende Standpunkt des Kuratoriums mit 14 gegen 11 Stimmen verworfen. Die Wahl der zu wählenden 2 Arbeitnehmer in das Kuratorium der Fortbildungsschule findet in der nächsten Sitzung statt. Hierauf wurde die Regulierung und Pflasterung der Simplonstratze von der Simon-Dach-Stratze bis zur Eabriel-Max- Straße und von der Ludwig-Lehmann-Straße bis zur Straße 21 genehmigt. Die Kosten hierfür sind auf 195 366 M. veranschlagt, wovon die Hälfte die Stadt Berlin trägt. Die auf unsere Gemeinde entfallenden Kosten sind bereits durch die betroffenen Anlieger hinterlegt worden.— Zur Erbauung einer besonderen Matsstube nebst einer größeren Küche mit Anschluß an das jetzige Ratskeller- zimmer wurden die inkl. der inneren Einrichtung 8666 M. be- tragenden Kosten bewilligt.— Ferner wurde die Neupslasterung wie Regulierung des Markgrafendammes und des unteren Teiles der Hauptstraße einstimmig beschlossen. Die bereits seit langem notwendig gewordene Regulierung dieser Straßcnstrecko hat sich durch die verschiedenen Schwierigkeiten in bczug auf die Frei- legung des zur Straßenverbreiterung notwendigen Geländes bis jetzt verzögert. Die in Betracht kommenden Anlieger, nämlich Cafe Bellcvue und die Norddeutschen Eiswerke haben sich jetzt nach längeren Verhandlungen unter erfüllbaren Bedingungen bereit erklart, das erforderliche Straßenland freizulegen, es wird hier- durch nunmehr ermöglicht, daß der nördliche Bürgersteig, welcher zum Bahnhof Stralau-RummelSburg führt, nur um etwa 56 Zeu» timcter verschmälert werden braucht— wodurch die hier befindliche herrliche Baumreihe erhalten bleibt. Assessor Köhler machte hierauf die Mitteilung, daß der vor kurzem verstorbene Millionär, Fabrikant und Kommcrziencat Ludwig Lehmann der Gemeinde durch Testament 3666 M. mit der Bestimmung vermacht hat, daß deren Zinsen alljährlich an hiesige OriSarme verteilt werden sollen, die Zustimmung zur Annahme dieser großen Stiftung erfolgte teil- weise unter recht gemischten Gefühlen.— Eine längere Debatte zeitigte noch ein Antrag der Schuldcputation auf Beschaffung von Konzertflügeln, Pianos oder Harmoniums für die Aulen der Gc- meindeschulen. Es wurde hierzu mit Mehrheit beschlossen, den Gemeindevorstar.d eine Summe von 1366 M. zur Anschaffung eines entsprechenden Instruments für die Aula der Gcmeindeschule in der Holtenstraße zur Verfügung zu stellen.— Weiter wurde noch die Anschaffung eines Feuerwehrgerätc- und-Mannschaftswagens gutgeheißen und die Kosten hierfür mit 1856 M. bewilligt. In der nun folgenden nicht öffentlichen Sitzung beantragten sämtliche unbesoldeten Gemcindescböffen, mit Ausnahme des Herrn Lange, welcher bereits seit mehreren Jahren als stellvertretender Gc- meindevorstehcr 466 M. Entschädigung erhält, sie für ihre mühe- volle Geistesarbeit, von der leider nur sehr wenig zu merken ist— die jetzige Entschädigung von 166 M. auf 466 M. pro Jahr er» höhen zu wollen. Unsere Vertreter wollten jedoch nicht einschen, daß allen Gemeindeschöffcn mit dem Amte zugleich auch der nötige Verstand gegeben worden ist, und beantragten, damit eine Prüfung der ganzen Sache erst vorgenommen werden kann, die Vertagung, die bürgerliche Mehrheit lehnte die Vertagung ab und bewilligte die verlangten 460 M. pro Schöffen. Bon der Maifeier deS Wahlvereins Rummelsburg im Lokale von Witwe Schoneri find noch die Gewinne für die Nummern 60. 235, 264. 309 abzuholen aus der.Borwärts"-Speditton, Alt-Box- Hagen 56. Lichtenberg. Die soziale Rückst indlgkcit Lichtenbergs wird erneut bekeuchtet durch den von der hiesigen Ortskrankenkasse herausgegebenen Jahres- bericht. In demselben wird u. a. folgendes betont: „Die Kur« und Verpflegungskosten an Krankenanstalten find ebenfalls gestiegen und würden noch bedeutend höher sein, wenn bis Unterbringung aller derjenigen, welche ein Krankenhaus aufsuchen müßten, sich hätte möglich.machen lassen I Bemerken wölken wir) so fährt der Bericht fort, daß einzelne Fälle darunter waren, wo die Mitglieder in Lebensgefahr schwebten, bei drei Mit- gliedern sogar der Tod eingetreten ist. weil eine sofortige Operation mangels Platz in Berliner Krankenhäusern nicht ausgeführt werden konnte!" Das Ortsblatt machte bereits vor längerer Zeit von dieser Bc- hauptung im Bericht der Krankenkasse mit Vorbehalt Mitteilung und versprach, sich mit der Sache beschäftigen zu wollen. Bis heute jedoch wartet man vergeblich auf die Einlösung dieses Versprechens. Inzwischen wird uns über einen Fall Mitteilung gemacht, durch den ebenfalls der hiesige Krankenhausmangel in grellste Beleuchtung gerückt wird:, Eine Frau 23. aus der Heinrichstraße erkrankte an Kindbett- fieber. Der behandelnde Arzt Dr. Sch. in der Wilhelmstraße ordnete die soforttge Aufnahme in ein Krankenhaus an. Um 6 Uhr abends geht die Reise im Krankenwagen los. Um 9 Uhr, also nach drei Stunden, erreicht daS Gefährt das Krankenhaus Friedrichshain. Hier setzen die Fahrer die schwer kranke Frau ab, mit dem Beinerlen, daß trotz aller Mühe, auch unter Zuhülfenahme der telephonischen Nachweise, ein freies Bett nicht zu finden sei. Der Ehemann hat seine Frau nur alS Leiche wiedergefunden und ist nun der Meinung. daß der Tod seiner Frau im wesentlichen dem langen Aufenthalt im Krankenwagen zuzuschreiben ist. Wie uns mitgeteilt wird, ist nun am b. Mai die am Anfang des Jahres gewählte Krankenhausbaukommission zur ersten Sitzung zusainmengetteten. Die UrWählerlisten für die bevorstehende LandtagSwahl liegen für die 37 Uhrwahlbezirke für heute, den 6., und morgen, den 7. Mai, in der Zeit von 8 Uhr morgens bis nachmittags 3 Uhr, zu jedermanns Einsicht im großen Sitzungssaale des Rathauses, Dorfstraße, 1 Treppe, öffentlich aus. Jeder Urwähler mutz sich davon überzeugen, ob er 4n die Liste eingetragen ist, eventuell sofort seine Nachtragung beantragen. wenn sein Name fehlt. Die Eile, mit der die Listen aufgestellt sind, macht die Einsichtnahme unerläßlich. Ohne Eintragung kein Wahlrecht! Zum Polizeidirektor in Lichtenberg ist mit dem Range als Polizeipräsident und OberregierungSrat der OberregierungSrat Dr. jur. Max L e w o l d aus Marienwerder«mannt. Tempelhof. In der Generalversammlung deS Wahlvereins referierte Gc- nosse Pusemann über:„Bildungspolitik". Nach dem beifällig auf- genommenen Vortrag erstattete Genosse Thiel den Vorstandsbcricht. Danach fanden im letzten Quartal statt: 1 Generalversammlung. 2 Vereins- und 2 �öffentliche Versammlungen, 2 kombinierte Vor» standssitzungen, 2 AgitationStouren und 5 Flugblattvcrbreitungen. Zur Erledigung der örtlichen Geschäfte waren 12 Vorstandssitzungen noltvsndig. Sit Mitgliedcrzahl stieg von 1LL auf 165. Hierauf erstattete S Moste vetr Aassender!chk. Giftet TiimaWe von 213,36 M. steht eine Ausgabe von 211,28 M. gegenüber. Nach dem Bericht des Spediteurs stieg die Abonnentenzahl des„Vor- würts" von 321 auf 331. Die Einnahmen des letzten Monats be- trugen 653,58 M., die Ausgaben 388,61 M., so das; ein. Bestand von 170,9? M. verbleibt. Die Ergänzungswahl der Vorsitzenden hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Genosse Fr, Wilsdorf, 2, Vor» sitzender Genosse I. Flieg, Pankow. Die Sozialdemokratie und die LandtagSvahle» lautete das Thema über das die Genossen Hetzschold und Heinig in zwei Volks Versammlungen referierte. Nachdem beide Redner dargelegt, welche kulturelle Bedeutung die Beseitigung des Dreiklassenwahlrechts nicht nur für Preußen sondern für ganz Deutschland habe, forderten sie die Versammelten auf, mit allen Kräften in die Agitation für die itandtqgswahlen einzutreten. In beiden Versammlungen wurde mit geteilt, daß alle seinerzeit an den Landtag gerichteten Proteste l esolutionen, laut Antwortschreiben, der Regierung als Material über- wiesen worden seien. Nach einem eindringenden Appell der Vorsitzenden an die Versammelten wurden die Versammlungen mit Hochrufen auf die Partei geschlossen. Spandau. Partei- und Gewerkschaftsgenossen. Für die am 3. Juni statt- suchenden Wahlmännerwahlen zur Wahl des preußischen Landtags liegt die UrWählerliste am?., 8. und 9. Mai, vormittags von 3 bis 1 Uhr und nachmittags von 3 bis 6 Uhr. im StadtHäuse, Potsdamer Straße 14, Zimmer 29, im Obergeschoß, öffentlich zu jedermanns Einsicht aus. Auch sind folgende Genossen bereit, die Einsichtnahme gegen Uebermittelung genauer Angabe von Namen, Stand und Wohnung die Listen einzusehen: Bohle, Restaurant, Havelstraße 20. Huth, Restaurant, Linden ufer 17. Bciler, Restaurant, Jüdenstratze 19. Hallecker, Restaurant, Frobenstraße 12. Greinert, Restaurant, Frobenstraße 19. Pritschof Restaurant, Falkenhagener Straße 39. Hausburg, Restaurant Kurzestraße 10. Hornig, Konsum. Mittelstratze 13. Schuster Restaurant, Wröhmänner Straße 11. Kumke, Restaurant, Schön ualder Straße 80. Grieben, Schuhmachermeister, Neumcistcrstr. 13 Scholz, Bäckermeister, Neumeisterstraße 11. Köppen, Buchhandlung Jagowstraße 9. Johannsen, Zigarrengeschäst, Lynarstraße 8. Feuer Herdt, Restaurant, Kurstr. 21. Lumma, Restaurant, Weißenburjfer Straße 24. Köpnick, Rest., Pichelsdorfer Straße 39. Schröter, Rest., Pichelsdorfer Straße 5. Kramer, Bäckermeister, Scharfe Lanke 2. Pieper, Zigarrengeschäst, Metzer Straße 12. Eltders, Zigarren geschäst, Wilhclmstr. 152. Götze, Restaurant, Seeburger Straße 87. Jäger, Restaurant, Kloster Straße 29. Schwabe, Restaurant. Seegefelder Straße 54/55. Bietle, Barbicrgeschäft, Scegefelder Straße 120. Wohl fett, Restaurant. Hamburger Straße 50.- Wer nicht in der UrWählerliste steht, beantrage sofort seine Eintragung, da der Betreffend« sonst seines Wahlrechts tierluftig fleht. Potsdam. Bon einem Auw überfahren wurde vorgestern nachmittag in der alten Luisenstraße die Frau Wiesener aus der Lindenstraße zu Nowawes, die an Schwerhörigkeit leidet. Eine Samariterin brachte die Frau, die einige Hüftenverletzungen davon getragen hatte, nach ihrer Wohnung. Ihr Zustand ist nicht gefährlich. Bootsunfall. Auf dem Templiner See, der am Sonntag von Segelbooten wimmelte, kenterte nachmittags bei böigem Wind ein Seglboot mit 3 Personen, die von einem Potsdamer Motorboot gerettet und aufgenommen wurden. Ein Selbstmörder» der noch die Hand krampfhaft um den Re. bolber geprcßt hatte, wurde von Jägern in der Pirschheide auf- gefunden. Der Tote scheint mit einem Walter Grosse aus Geltow identisch zu sein._ Öenebta- Zeitung* Hehler und Rechtsanwälte. Die beleidigenden Aeußerungen der LandgerichtLräte Keßler und C ä m p f e während des PlaidoycrS des Rechtsanwalts Dr. Oskar Cohn haben eine außerordentliche Erregung in der Anwalt- fchast hervorgerufen. Der Präsident des Kammergerichts hat aus Anlaß der von uns zuerst-gebrachten Darstellung des Falles in der Presse persönlich im Kriminalgericht sich über den Fall informiert und den Vorsta,tt> der Anwaltskammcr in Kenntnis gesetzt, daß er das Ergebnis der Erörterungen dem Vorstand mitteilen wird. Der Vorstand hofft, daß infolge der durch Rechtsanwalt Dr. Oskar Ephn eingelegten Beschwerde im Wege der Dienstaufsicht der An- waltschast Genugtuung gegeben werde. Mit Rücksicht auf das Vor- gehen der Justizverwaltung ist von der Einreichung des von zahl- reichen Anwälten bereits unterzeichneten Strafantrages gegen den Landgerichtsrat Keßler vorab Abstand genommen. Lokalboykott gegen Seitz. Gestern stand vor dem Kammergericht die Berufungsklage des Spandauer Restaurateurs Scitz gegen den„Vorwärts" an. Seitz hatte eine einstweilige Verfügung beantragt, dem«Vorwärts" zu untersagen, Flugblätter zu verbreiten, in denen aufgefordert wird, sein Lokal zu boykottieren sowie dahingehende Vermerke in die Lokalliste aufzunehmen. Das Landgericht hatte die demgemäß erlassene einstweilige Verfügung aufgehoben. Dagegen hatte Seitz Berufung eingelegt. Später hat er beim Kammergericht noch unter der unzutreffenden Behauptung, daß er an der einst- weilizen Verfügung kein Interesse mehr habe, da es dem„Vor- wärts" gelungen sei. seinen Absatz so zu schädigen, daß er sich zur Aufgabe seines Restaurationsbetriebes habe gezwungen gesehen, seinen Antrag auf Erlaß der einstweiligen Verfügung zurück- genommen und nur noch beantragt, dem„Vorwärts" die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen. DaS Kammergericht hat auch in diesem Umfange in der heutigen Verhandlung die Berufung des Seitz zurückgewiesen und ihm in vollem Um- fange die Kosten auferlegt. Der Streit um die tuberkelhaltige Milch, die der Berliner Bevölkerung geliefert worden sein sollte, dauert nun ziemlich drei Jahre. Er ist eine Hinterlassenschaft des MSlch- ringes, der zwischen den Milchhändlern Groß-Berlins und den „Milchbauern" der Mark Brandenburg durchgeführt worden war. Der Milchkrieg ist inzwischen längst in Vergessenheit geraten, nur jener Streit um die tuberkelhaltige Milch hat immer noch nicht zu Ende kommen wollen. Solveit aber an ihm die Gesellschaft zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit und ihr damaliger Schrift- sührcr Dr. Engel beteiligt waren, dürfte nunmehr doch eine Bei- legung erzielt werden."Engel hat eine Reihe von Beleidigungs- klagen durchzumachen gehabt, in denen er teils als Kläger, teils als Beklagter auftrat. Ein« wechselseitige Beleidigungsklage zwischen ihm und Borstandsmitgliedern vom Verband der Milch- Iiändlervereine Berlins und Umgegend war veranlaßt worden durch ein Merkblatt, in dm» die Gesellschaft zur Bekämpfung der Säug- lingssterblichkeit vor der von den Milchhändlern importierten dä- ittschen Milch warnte. Auf diese Warnung antworteten damals die MilchhäiÄler mit einem Flugblatt, das die Tätigkeit der Ge» sellschaft als erfolglos schilderte und unter anderem auch behauptete, in Milch aus den von der Gesellschaft empfohlenen Molkereien seien sogar Tuherteln gesunden worden. Gvgel wghrte sich in einer Erklärung, die Sern Flugblatt Befnußfe Unwahrheit Sorwarf. Drei Vorstandsmitglieder, Milchhändler Lulay-Schöneberg, Milchpächter Müller-Berlin, Milchpächtcr Kloppe-Berlin, fühlten als die für das Flugblatt verautwortlichen Personen sich durch E. beleidigt und verklagten ihn. E. erhob Widerklage wegen des Flugblattes sowie wegen eines Schriftsatzes der Kläger, in dem sie ihm„Verleum- dung" vorgeworfen hatten. Dieser Prozeß hat mehrfach die Ge- richte beschäftigt. Das Schöffengericht sprach beide Parteien frei, weil beide in gutem Glauben gehandelt hätten, beiden der Schutz des Z 193(Wahrnehmung berechtigter Interessen) zur Seite stehe, beiden die Absicht der Beleidigung gefehlt habe. Nur von Dr. Engel wurde hiergegen Berufung eingelegt. Das Landgericht l Berlin (8. Strafkammer) entschied, die Berufung sei zu verwerfen. Jenes Flugblatt der Milchhändler habe sich gegen die Gesellschaft zur Be- kämpfung der Säuglingssterblichkeit, nicht gegen Engel persönlich gerichtet. Gegen dieses die Freisprechung der Milchhändler bestäti- gende Urteil rief E. die Entscheidung des Kammergerichts an. Er erreichte, daß das Kammevgericht(2. Strafsenat) das Urteil aufhob und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht zurückverwies. Am Dienstag sollte vor dein Landgericht<9. Strafkammer) erneut verhandelt werden. In den früheren Verhandlungen waren die Bergleichsvorschläge gescheitert an dem Widerstand Engels, der nur durch Gerichtsurteil volle Ge- nugtuung für die ihm ividcrfahrene Kränkung erlangen zu können meinte. Diesmal aber ließ E. durch den Vorsitzenden sich bewegen, den Vergleich anzunehmen, den die Widerbeklagten ihm anboten. Lulay war nicht erschienen, aber Müller und Kloppe stellten in Aussicht, daß auch er dem Vergleich beitreten werde. Die Parteien einigten sich dahin, daß die Widerbeklagten erklären, es habe ihnen ferngelegen, Dr. Engel durch jenes Flugblatt sowie durch ihren Schriftsatz in seiner Ehre kränken zu wollen, insonderheit habe ihm von ihnen niemals der Vorwurf gemacht werden sollen, daß durch seine Fahrlässigkeit oder sein Verschulden Milch von tuberkulösen Kühen zur Ernährung von Säuglingen verwendet worden sei, auch könnten von ihnen sonst Vorwürfe gegen Engels wissenschaftliche und persönliche Ehre nicht erhoben werden. Unter der Voraus- setzung, daß auch Lulay dieser Erklärung sich anschließt, ist E. bereit, die Widerklage zurückzunehmen. Anderenfalls will E. von dem Vergleich zurücktreten und gerichtliche Entscheidung herbei- führen._ Ein böses Rencontre mit seinem Schwiegervatel hat für den Arbeiter Paul Marske eine Anklage wegen Körper- Verletzung mit tödlichem Ausgange zur Folge gehabt, die gestern das Schwurgericht am Landgericht l unter Vorsitz des Landgerichts- rats Krüger beschäftigte. Ursprünglich war die Strafsache unter dem Gesichtspunkte der fahrlässigen Tötung vor die Strafkammer gekommen, diese hatte sich aber für unzuständig erklärt und die Sache an das Schwurgericht verwiesen. Der 63jährige Arbeiter Eriedrich Noll war der Schwiegervater des Angeklagten. Dem tzteren wird das Zeugnis eines soliden, fleißigen und nüchternen Menschen gegeben, während der Schwiegervater sich dem Trunk: stark ergeben hatte. Der alte Mann war 40 Jahre mit einer ordentlichen Frau verheiratet. Jahre hindurch war die Ehe glücklich, sie wurde aber sehr unglücklich, als der Alte vom Alkoholteusel gepackt wurde. Die Ehefrau hatte unsäglich viel zu leiden, sie schluckte aber alles herunter und blieb bei ihrem Ehemann. Endlich konnte sie es aber nicht mehr aushalten, da sie von ihrem Manne auch wiederholt mißhandelt wurde; sie verlies diesen daher und fand bei dem Angeklagten, ihrem Schwiegersohn, fteundliche Auf- nähme. Roll hatte schon mehrmals ohne Erfolg Versuche gemacht, sich mit seiner Frau wieder ins Einvernehmen zu setzen. Am 3. Oktober früh in der 6. Stunde erschien er wiederum in dem Hause der Stromstraße, wo sein Schwiegersohn wohnt und ver- suchte mit einem Schlüssel die Wohnungstür zu öffnen. Als seine Frau, die das Geräusch gehört hatte, die Tür öffnete, um zu sehen. wer dort sei, stellte der alte Roll sofort seinen Fuß zwischen die Tür, so daß diese nicht zugemacht werden konnte. Seine Frau suchte ihn zurückzudrängen, er ging aber mit einem Schlüssel auf sie los und versetzte ihr damit mehrere Schläge. Auf das Hülfe- geschrei der alten Frau sprang der soeben aus den. Schlafe er- wachte Angeklagte aus dein Bett und sah aus dem Korridor seine Schwiegermutter von deren Ehemann bedrängt. Er eilte der Frau zu Hülfe und es kam zu einem Handgemenge, in dessen Verlaus der Angeklagte sich des offenbar angetrunkenen alten Mannes schließlich nicht anders erwehren konnte, als daß er einen Stuhl ergriff und damit einige Schläge gegen den Schwiegervater führte, der nun auf den Treppenpodest hinausgedrängt wurde. Als er sich vor einem weiteren Schlage durch Vorhalten der Hand schützen wollte, muß er wohl fehlgetreten sein, denn er stürzte die Treppen stufen hinab und blieb unten liegen. Die durch den Lärm alav rnierten Hausbewohner fanden den alten Mann tot vor. Dieser traurige Ausgang wurde dem Angeklagten zur Last gelegt. Die Beweisaufnahme fiel jedoch für diesen sehr günstig aus. Nach dem übereinstimmenden Antrage des Staatsanwalts Dr. Lehmann und des Rechtsanwalts Wolfgang Heine gaben die Geschworenen ihren Wahrspruch auf nichtschuldig ab, woraus die Freisprechung des An- geklagten erfolgte., Berliner Marktpreise. Aus dem amtllchen Berich« Ser flädtilchen Marklballen-Dircktion.(Großhandel.) Ochfenfleifch 1a 66—68 pr. 106 Pfd., Aa 60-65, lila 54-58, Bullensleifch I» 62-66. IIa 50-60, Kühe, seit 46—56, do. mager 30—40, Fresser 48—56, Bullen, dänische 40—61. Kalbfleisch, Doppellender ll0— 120, Mastkälbcr la 88—95, IIa<6—85, Kälber ger. gen. 55—70, do. boll. 50—55. Hammelfleisch Mast» lämmer 71—74, Hammel la 65—67, IIa 57-62, ungar. 0.00, Schafe 50—55. Schweinefleisch 51—58. Rotwild, per Psd. 0,57—0,63, Wildschweine, per Psd. 0,40-0,52, Frischlinge 0,40. Kaninchen, Stück 0,80—1,00. Schneehühner, Stck. 0,75. Birkhähne, Stck. 2,00. Birkhenueu 0,00. Schnepfen, la Stück 0,00, do. IIa 0,00. Fasan enhähne, junge, Stck. 2,75— 3,50, do. alte 0,00. Hübner, la ver Stück 1,80 bis 2,85, dito tta Stück 0,80-1,60, dito Wolga., Stück 0,80-1,60. Ham- Bürger Küken, Stück 0,42—1,15, Poulets 0,75—1,60. Kapaunen, deutsche, per Stück 0,00. Tauben, junge, Stück 0,50—0,66, dito alte 0,40, dito italicn. 0,00. Enien, per Psund 0,00, dito per Stück 0,00, dito Hamburger, per Stück 1,50—3,00. Gänse per Psd. 0,00. do. junge 0,80—1,10. Puten la per Psd. 0,00, do. IIa. und alte 0,60. Hechte per 100 Psd. 100—110, do. mittel 0,00, do. groß 39—48, do. groß-mittel 84, do. matt 0,00. Zander, mittel, matt 110, do. groß 0,00, do. groß« mittel 0,00. Schleie 120, do. unsortiert IIa 121—124, dito Ha 0,00. Aale, klein 0.00, do. groß 117-127. do. klein- mittel 112. Karpfen 0,92, do. 40er 0,00, do. 50er 0,00, do. 50er Lausitz er 0,00, do. 70er 0,00. Roddow 0,00. Plötzen 30—38, dito groß 0,00. Aland 35. Wels 43. Karauschen 80. Bunte Fische 30—60, Barse 79, do. klein 0,00. Bleie 34—38. Bleijische 0,00. Quappen, Keilt 0,00. Winter-Rheinlachs, p. 100 Psd. 0,00, Amerika». Lachs la, p. 100 Pfund 110—130, do. IIa 90—100.' Seelachs, p. 100 Psund 15—25., Flundern, Kieler, Stiege la 2—6, do. mittel, Kiste 0,00, do. Hamb. Stiege 3—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 0,75—2,00, IIa 0,00. Bücklinge, Weier per Wall 2,00, schwedische 0,00, englische 0,00, Stralsund er 2,50—3,00. Sprotten, Danziger, Stifte 0,00, do. Rügenwaldcr, 0,30—0,40. Aale, groß per Psd. 1,10—1,60, do. mittelgroß 0.90—1,20, klein 0.60—0.90. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellsische, Kiste 3,00—5,00, dito'/, Kiste 3,00—3,50. Sardellen, 1902 er per Anker 98, t904er 93, 1905er 93, 1906er 90.'Schottische Vollheringe 1905 0.00. large 40-44, füll. 38-40, med. 36—42, deutsche 30—40. Heringe, neue MatjeS, per To. 0,00. Sardinen, russ., Faß 1,50—1,60. Bratberinge Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen, Schocksaß 8, do. Keine 4—5, do. Riesen- 10. Krebse per Schock 0,00, große 0,00, do. mittelgroße 16, dito Keine 10—11 cm 5,00—5,50, do. uns. 8,50—9,00, G alizier, klein 0,00. Seemuscheln 100 et 1,00. Eier» Land-, unsortiert per Schock 3,10—3,30, do. große 3,40— 4,00t Butter per 100 Psd. la 124-126, Na 122-123, lila 115-120, abiallcnde 108-114. Saure Gurken Schock 4,50—5. Psefsergurken Schock 4,50—5. Kattosieln per 100 Piund Dabersche 3,40—3,75, weiße runde 3,00—3,25, mag. bou. 3,25—3,50. Porree, per Schock 1,00—1,75. Meerrettich, Schock 8—14. Spinat per 100 Psund 8—14. Sellerie, per Schock 12—25. do. pommerischer 0,00. Zwiebeln per 100 Psund 7,50. Petersilie, grün. Schockbund 0.80—1,00. Rettich, bayrischer, per Stück 0,00, junger, per Stück 0,15. Mobrrüben, 100 Pfund 4.00—6,50. Karotten, per 100 Psund 0,00. Wirsingkohl, Holl. v. Schock 15—28. Rotkobh Schock 13—20. Weißkohl p. 100 Psd. 8—10. Blumenkohl, hiesiger 100 Stück 0,00, do. Erfurter 0,00, do. italienischer 100 Stück 0,00, do. in Körben 13 Stück 2,00—2,50. Rosenkohl, franz., per 100 Psund 0,00. Grünkohl 0,00. Kohlrüben. Schock 5,00—7,00. Petersilicnwurzeln, per 100 Psd. 6,00—7,00, Schockbund 0,00. Schnittlauch, Schockbund 0,90—1. Tomaten, kanar., per Kiste 5,00—6,50. Rote Rüben, per 100 Pfund 0,00. Rhabarber 100 Bund 3,50—4,00. Rabunzen 20 bis 30. Rübchen 0.00. Eskarol. 100 Stck. 0,00. Endivien. 100 Stck. 0,00. Radieschen, Schock 1,00—2,00. Waldmeister, Mandel 0,40—1,00. Morcheln 0,75—0.80. Sproßkohl, 100 Psd. 10—15. Birnen, Kochbirnen hiesige, per 100 Psd. 6—10,00, Taselbirnen la 30—32, do. II» 6—17, Italiener la 25-28, do. IIa 18-20. Aepsel, Per 100 Psund, Tiroler la 27—23, do. tta 22, do. lose, per 100 Psund 0,00, do. in Kisten 120 Psd. 30�50, Most», hieß. 100 Psd. 3-14, Koch. 5-12, Sasel» äpsel la 15—23, do. IIa 0,00, Amerikaner, per Faß 18—30, Italiener, lose, 100 Psd. 8—14, do. in Körben per 100 Psd. 10—16, do. in Kisten 10—26. Weintrauben, Almeria, per Faß 16—20. Ananas I, per Psund 0,70—0,75, do. II. 0,50. Bananen, kanar., per 100 Psd. 26—30, Jamaica 23,00—25,00. Maronen, italienische, per 100 Psund 0,00. Feigen, Kranz« per 100 Psd. 0,00, do. Trommel- per 100 Psd. 40, do. in Kisten 25—40. Traubenrofinen per 100 Psd. 0,00, Zitronen, Messtna, 800 Stück 5,00-8.00. do. 360 Stück 4,50—7,00, do. 200 Stück 0,00, do/ 150 Stück 0,00. Slpselsinen, Blut- 200 St. 9,00—11,00, do. Blut- 300 Stück 10,00—12,00, do. Valencia 420 Stück 17,00-34,00, do. 714 Stück 20-30,00, do. Meisina 160 Stück 9-12,00, do. 200 Stück 10—12,50, do. 300 Stück 13,00, do. Blut. 100 Stück 7-8,00, do. 150 Stück 7-8,00, do. 80 Stück 6,00-7,00, do. 160 Stück 12-15, do. 200 Stück 12—16, do. Kaliß 0,00. Dattel», per 100 Kart. 00, inj. per 10 Psd. 6,00, do. Kaliß 100 Psund 28-30. Vermischtes. Ein Franks. schwerer Zeitung" Antomobilunfall. Aus Mittelfranken wird der gemeldet: Zwischen Steinbach und Bursche BernHeim überschlug sich das mit mehreren Personen besetzte Auto« mobil des Brauereibesitzers Alois Adler. Der Buchhalter der Brauerei blieb tot, die Gattin des Brauereibesitzers erlitt einen Armbruch. Adler und ein anderer Insasse kamen mit leichten Ver letzungen davon. DaS Automobil wurde vollständig zertrümmert. Selbsimord rineL Doppelmörders. Der Schuhmachermeister Günther in Allstedt, der auf die Anzeige seiner eigenen Frau hin unter der Beschuldigung verhaftet wurde, die Witwe Rein und deren Schwester ermordet zu haben, hat im Gefängnis Selbstmord ver- übt, nachdem es ihm gelungen war. sich seiner Fesseln zu ent- ledigen. Günther hatte zwar bis zu seinem gewaltsamen Ende ein Geständnis nicht abgelegt, doch sind die belastenden Momente und Beweise gegen ihn so erdrückend, daß an seiner Schuld nicht ge- zweifelt werden kann. Erdbeben. Nach einer Meldung au? Straßburg(Elsaß) ver- zeichnete» gestern morgen zwischen 8 und 9 Uhr die Instrumente der dortigen kaiserlichen Hauptstation für Erdbebenforschung ein mittelstarkes Fernbeben.— Nach einem Telegramm aus London ist am Montag ein Erdbeben an der Küste von TaSmania verspürt worden. TodeSsturz. Gestern abend stürzte, wie aus Essen berichtet wird, zwischen Wetter und Witten ein Artist, der die Fahrgäste eines Personenzuges im Kostüm mit akrobatischen Kunststücken unterhielt, aus dem Zuge. Er wurde vom nachfolgenden Wagen überfahren und getötet. 120 Personen ertrunken. Ein entsetzliches Unglück wird aus Bhchow(Gouvernement Tschemigow) gemeldet. Bei der Fahrt über den Dnjepr schlug vorgestern eine Barke, auf der sich 150 vom Kirchgang heimkehrende Bauern, darunter Kinder, befanden, infolge Ueberfüllung um. Nur 30 Personen wurden gerettet, alle übrigen ertranken. Der anarchistische Händedruck. New Jork, 5. Mai. In Mason wurde ein Soldat verhaftet, der sich vor dem Kriegsgericht zu verantworten haben wird, weil er der Anarchistin Emma sioldmann die Hand reichte mit den Worten, sie könne auf ihn zählen.__ Berel» der Lehrlinge, Berlins und Umsegeuo. jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinneu „„ Heute abend 8 Uhr: Abteilung IV. bei Gumbert, Schönleinstr. 6. Abteilung XV. im.Markgrasen-Kastno", Marl- grasenstr. 83: Kollege Späthe:.Alwholjrage". Abteilung XX bei Laaser, Lausitzerftr. 25. ßrUfkatten der Redaktton. Die furlftifAe Sprechstunde findet Lindenstraste Nr. 8, zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppen,»DU- Fahrstuhl-VMi wochentäglich abends von 71/, bis t»>/, Uhr statt. Geöffnet? Uhr Somiabenbs beginnt die Sprechstunde um 0 Uhr. Feder Aufrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als kUjerkzeicheu beizufügen. Briefliche Antwort wirb nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. F. 53. Wiederholen Sie Ihre Frage unter Darlegung des Sach- Verhalts. Ohne daß zu ersehen ist, um welche Art Forderung es sich handelt, ist die Frage, ob Verjährung eingetreten ist, nicht zu beantworten. ®. T. 13, F. K, N. 91., H.«. L., Berlin.15, und andere Ausragen betreffs Wahlrecht.......... Wiederholt haben wir dargelegt: Der» W....... kann den~ licheS Urteil und nur aus Zeit erlitten haben. jenige, der Ehrverlust erlitten hat, kann den Ehrverlust nur"durch aericht " Mi---------- BÜ M Nach Ab' Ick......... ■.„, ach Ablauf dieser Zeit ist der Belrefsende vollkommen wahlberechtigt. Die gegenteilige Ansicht des Magistrats ist unhaltbar und raten wir zu einer Beschwerde an den Minister des Innern.— 91. D. 85. Sie sind nicht wahlberechtigt, weil Sie Sachse sind. Sie müssen nunmehr um Ausnahme tu den preußischen Staats» verband einkommen, damit Sie wenigstens künstig wählen können. Irrig ist diejenige erteilte AuSkmist, diese Ausnahme koste 50 M. Die Ausuahme kostet nichts. Wenden Sie sich an den Vorstand des Wahlvereiiis, damit dieser Sie bei den vorzunehmenden Schritten unterstütze.— A. R. Stach der Gesindeordnung wäre der Schaden zu ersetzen, der durch Schuld des Dienstmädchens entstanden ist. In dem von Ihnen beschriebenen Fall hätte eine Klage aus Zahlung der 9 M. Aussicht aus Erfolg. Das Mietsgeld abzuziehen ist die Herrschaft leider berechiigt. — Marioist. Eine weitere Unterschrist ist nicht erforderlich, es müßte aber der VerpsändungSvettrag anders lauten. Wenn ein anderer Gläubiger pfändet, so geht er vor. Dem. würden Sie nur dadurch vorbeugen lönnen, daß der erste Gläubiger pfändet. Auch dann wäre aber aus Dringen der späteren Gläubiger ein Verlaus nicht hintanzuhaiten.— P. B. 1V3. Nach dem von Ihnen Dargelegten gilt der Mietsvertrag aus ein Jahr.— ». U. 32. Ehebruch, bösliche Veriassuug, grobe Mißhandlung oder ein sonstiges Verhalten, das die FortsAirrmg der Ehe unmöglich macht.— 9)1. H. 100. Sie müßten sich zunächst beim Polizeipräsidium melden. Dann erfolgt eine Vorprüsimg beim Siadtphysikus, dann werden Sie in die Liste der Aspirantinnen cinactragcn und werden dann zum Kursus an der Eharits berufen. Der Kursus dauert sechs Monate und macht etwa 300 M. Kosten. Hieraus erfolgt das Hebammenexaitten. Da der Andrang sehr stark ist imd Hebammen bei ihrer Ernennung nicht älter als 30 Jahre sein dürfen, so wäre cS für Sie zwecklos, sich zu melden, wen» Sie zurzeit älter als 27 Jahre sind.— W. W. t. Nein. 2. und 3. Ja. — S. 59. Sie müßten aus Zahlung des verweigerten Betrages gegen die Wirtin klagen.— W. W.. Niedcrschöneweide. Sie sind ivahlberechtigt. — B. 2. 88. 1. Wenn es schrisuich ausgeschlossen ist, nein, sonst ja. 2. 200 Marken. 3. Nein.— H.&. 100. Nein, wenden Sie sich an die Chirurgijche Klinik oder einen Arzp— 100 R. In Sachsen gilt dasselbe Erbrecht wie im anderen Deutschland, falls der Tod nach 1899 eingetreten war. Wiederholen Sie event. die Anfrage unter Angabe, waim der Tod eingetreten ist, ob der Betreffende verheiratet war/ ob er Kinder und ob er noch Eltern Balte.— 9)1. Z. 83. Im Julinsturine liegen 120 Mill. Mark. — O. 3. 134. Eine Klage hätte leider keine Aussicht aus Erjolg.— Wttterungsübersicht vom 5. Mai 1908, morgens 8 Uhr. LlttUmn Swinembe arndurg leriln a.M. üiiche» Wien V B i c ««5 £ 3 3 c Setter 754 SO 753 OSO 753 O 756 W 757 SW 750 Still 4 halb Bd. 3 Regen 2 bedeckt 1 wollen! 5 heiter gedeckt » s B-- « II P m SlcIUttai Lg s s «f öapar«mda�62N Petersburg 751 NW Scilly Werder» PartS 46 S 748 Still 757 SW ■ettn »6S B% s* H& 2 bedeckt 1 bedeckt 5 bedeckt kooikig 3 woiktg 1 -1 11 7 13 Wetterprognose für Mittwoch, den 0. Mai 1908. Mild und vielfach heiler. aber noch veränderlich mit etwas Regen und mäßigen südwestlichen Winden. verliver Wetterbureau. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 2. Berliner Reichstagswahlkreis Bezirk 230. Am Sonntag, den 3. Mat, verflarb unser Mitglied, der Arbeiter Wilhelm Herborth. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 7. Mai, nach mittags 3 Uhr, von der Leichenhalle in Adlershof aus statt. Um rege Beteiligung wird er sucht. 210/17 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Richard Klotz am 2. Mai geftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. Mai, nach mittags 6 Uhr, von der Leichen halle des Schöneberger GemeindeFriedhofes in der Marstraße aus statt. 83/20 Die Ortsverwaltung Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Johannes Winter am 1. Mai geftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Michaels- Kirchhofes am Mariendorfer Weg aus statt. Um rege Beteiligung wird ersucht. Nachruf. Am 28. April starb der Kollege, Tischler Otto Elsholz. Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung. Zentral- Verband der Steinsetzer ( Pilasterer) und Berufsgenossen Deutschlands. Filiale Groß- Berlin I. Unterbezirk Berlin- Osten. Hierdurch den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Stollege Max Lubrig am Sonntag, den 3. Mai, plöplich verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. Mai, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Auferstehungs- Kirchhofs in Weißensee, Lichtenberger Weg, aus ftatt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 171/15 Der Vorstand. Turnverein ,, Fichte" Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Turngenoffe Hans Winter am 1. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. Mai, nachmittag um 4 Uhr von der Leichenhalle des neuen Michaels Kirchhofes ( Brit), Mariendorfer Weg, aus flatt. 19076 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Todesanzeige. Rach schwerem, langem Leiden berschied mein lieber, braver Mann, Bater, Großvater und Schwiegervater 29872 Ernst Fallmer im 71. Jahre seines arbeitsreichen Lebens. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Donners. tag, den 7. Mai, 2 Uhr, auf dem Bentral- Friedhof, Friedrichsfelde, statt. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Settion der Puter. Unseren sowie den Mitgliedern des Gesangvereins zur Nachricht, daß unser Ehrenmitglied Ernst Fallmer am 2. Mai cr. an chronischer Bauchfellentzündung im Alter von 70 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. Mai, nach. mittags 2, Uhr, von der Leichen halle des städtischen Zentral- Fried. hofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 133/20 Der Vorstand. Zentralverein für alle in der Huthranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Filiale Berlin. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Lorenz Hansen am 3. Mai verstorben ist. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 6. Mai, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. 76/3 Zentral- Kranken- UnterstützungsVerein der Schmiede u. verwandten Gewerbe Deutschl. Zahlstelle Berlin 4. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Willi Finke am 2. d. Mts. im Alter bon 26 Jahren plößlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 287/6 Die Ortsverwaltung. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zahlstelle Steglits. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Heinrich Löhr am Sonntag, den 3. Mai, freiwillig aus dem Leben schied. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. Mai, nachmittags 1,6 Uhr, von der Leichenhalle des Stegliter Kirchhofes, Bergstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Todes Anzeige. Nach schweren Leiden verstarb Montag früh 7 Uhr mein lieber Mann, der Steinmet Philipp Jäger im 51. Lebensjahre. Die trauernde Witwe Klara Jäger. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 7. Mai, nachm. 3%, Uhr, von der Leichenhalle des Sebastian Kirchhofes, Reinidendorf Weſt, aus statt. . Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben Rudolf fagen wir allen Freunden, Sollegen, Berwandten und Bekannten unseren herzlichsten Dant. 19235 Lichtenberg, 5. Mai 1908. Witwe Luise Wiersing. Alfred Wiersing. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Vaters Otto Weber sagen wir dem Direktor Herrn Aigner, ben Kollegen, dem Wahlverein, Chemigraphen und Vereinsgenoffen unseren herzlichsten Dant. 19245 Witwe Weber nebft Tochter. Danksagung. Für die Teilnahme bei der Deerdigung meiner lieben Frau Johanna Graf fage ich allen Freunden und Be tannten sowie dem Tanzlehrer- Verband Solidarität" und dem Wahlberein, Bezirk 369, meinen herzlichen Dant. 19276 Karl Graf nebft Familie. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und vielen Kranzspenden bei der Beerdigung meines Beben Mannes, des Gastwirts August Arlt fage ich allen Berwandten und Betannten, insbesondere allen Gästen, den Sängern und Vereinen meinen innigsten Dant. 19226 Ww. Franziska Arlt. Wir verkaufen jetzt noch billigst OR 4 Mark an in Petershagen, Dftbahn, R& Mark an Seegefeld, am Bahnhof, R 10 Mark an * Raulsdorf, am Bahnhof, R 10 Mark Bahnhof Sadowa, BiesdorfKaulsdorf- Süd, OR 30 Mark an Biesdorf, Stadtbahn, a. Bahnhof. Berkaufsstell. a. d. Bahnhöfen. Nieschalke& Nitsche Berlin, Neue Königstr. 16. Tischtüeber, Reinteinen für 6, 8, 12 and 18 Personen etwas angeschmutzt für die Hälfte des bisherigen Preises. Von Donnerstag ab zur Verringerung besonders grosser Bestände in fast allen Lagerabteilungen, Auslagen En Posten Halbfert. Blusen, weiss u. farbig in Leinen und Batist für die Hälfte des bisherigen Preises. zu aussergewöhnlich billigen Preisen. Tisch- und Kaffee- Decken Stück von. 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Ste enthält eine furze Geschichte des Sozialismus und zugleich eine fritische Darlegung der verschiedenen sozial- utopischen Schulen. Der Anhang enthält eine Geschichte der deutschen Mart- Genossen schaft: wie das heutige Grundeigentum entstanden ist. Internationales aus dem„ Volksftaat" ( 1871-1875). Mt.- 30 Inhalt: I. Abermals Herr Vogt( 1871). II. Die Batu nisten an der Arbeit( 1873). III. Zwei Flüchtlings- Rundgebungen: a) Eine polnische Broklamation( 1874), b) Programm der blanquistischen Kommune Flüchtlinge.- IV. Soziales aus Rußland( 1875). Nachwort hierzu( 1894). Derrn Eugen Dübrings Umwälzung der Wiffenfchaft. Brosch. Mt. 2,50; geb. t. 3, Reben Marg Rapital das bedeutendste Erzeugnis der deutschen sozialistischen Literatur, eine geradezu Klassische Darlegung der sozialistischen Weltanschauung. Ludwig feuerbach und der Ausgang der klaffifchen deutfchen Philofophic. 3. Auflage. M.-, 75 Der Urfprung der familie, des Privateigentums und des Staats. Geb. 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In der Schleppschiffahrt wird im Sommer solange gefahren, als es Tag ist, Beginn der Fahrt morgens 3 oder 4 Uhr. Die Bemannung ist so bemessen, daß Ablösungen der Mannschaft möglich sind. Es kommt nach den Angaben eines Angestellten in der Schleppschiffahrt vor, daß die Mannschaft nur 2 bis 3 Stunden Nachtruhe hat. Aehnlich liegen die Verhältnisse bei den Schiffern auf den Schleppkähnen. An Sonntagen wird die Fahrt nicht unterbrochen, die Besatzung der Schiffe hat nur die wenigen freien Sonntage, wenn das Schiff im Hafen liegt und durch die Sonntagsruhe nicht geladen oder gelöscht werden fann. Auf der Unterweser wird bei hellen Nächten im Sommer auch nachts gefahren, die Mann- schaft hat dann Arbeitszeiten bis zu 39 Stunden hintereinander. Auf der Weichsel kommen in der Personenschiffahrt 14stündige Dienstzeiten vor. Im Winter werden die Angestellten, wenn die Schiffahrt ruht, mit Reparaturarbeiten be schäftigt bei regelmäßiger 19stündiger Arbeitszeit. Von der Schleppschiffahrt berichtet ein Maschinist, daß, wenn es auch selten vorkommt, zwei Tage und die Nacht hintereinander gefahren würde, ohne daß eine Nachtruhe für ihn möglich sei, er könne nur einige Stunden auf der Bank im Maschinenraum schlafen, wenn er von dem Heizer für diese Zeit vertreten wird. Im Winter habe er im Vorjahre drei freie Sonntage gehabt, im Sommer keinen. Der Eigentümer eines Schleppdampfers gibt an, daß auch bei ihm Arbeitszeiten über 24 Stunden vorkommen, gewöhnlich wird im Sommer von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gefahren. Ein anderer Maschinist berichtet, daß in der Schleppschiffahrt im Sommer 4 bis 6 Stunden Nachtruhe zu verzeichnen sind. Ueber die Schiffahrt auf der Oder wurden neue Fest- stellungen gegenüber den bisherigen nicht gemacht. In der Per sonenschiffahrt kommt in der Regel eine Nachtruhe von 9 bis 8 Stunden heraus. Ein Matrose berichtet, daß er im Vor- jähre einen Tag frei gehabt habe. Auf die Frage, ob er denn eine andere Regelung der Arbeitszeit wünsche, entgegnet er, daß er mindestens alle drei Wochen einen freien Tag beanspruchen möchte. Die Kohlenkähne von Kosel nach Berlin setzen ihre Fahrt auch des Nachts fort, von den drei Mann Besatzung erfolgt eine Ablösung auf einige Stunden. Die Rhein schiffahrt verzeichnet für den Personenver kehr geregeltere Verhältnisse als in der Schleppschiffahrt. Die Köln-Düsseldorfer Rheinschiffahrt-Gesellschaft gewährt ihren Am gestellten nach acht Tagen einen freien Tag, desgleichen ist jeder achte Sonntag ftei. Diese freien Tage gehen aber nach Aussage der Angestellten viel verloren, da oft Vertretungen nötig sind. In der Güterschiffahrt wrd auf der Fahrt von Rotterdam nach Mann- heim im Sommer auch des Nachts durchgefahren. Ein Heizer be- richtet, daß er eine Ruhe von 6 bis 7 Stunden habe, aber diese Ruhepause nur in zwei mal drei Stunden erhalte. Der Kapitän eines Güterdampfcrs berichtet, daß er des Nachts nicht fahre, die Besatzung eine sechsstündige Nachtruhe habe. Von der E l b s ch i f f a h r t berichtet ein Kapitän, daß auf der Fahrt von Magdeburg bis Dresden 79 Stunden ohne Ruhe- pause gefahren wird. Die Heizer können auf diesen Schlepp- dampfcrn sich ablösen, der Maschinist nicht; er hat nur die Mög- lichkeit, auf der Bank im Maschinenraum ein wenig zu ruhen. Als der Vorsitzende des Beirats fragt, ob er, der Kapitän, nicht eine Unterbrechung der langen Arbeitszeit wünsche, wurde die Antwort erteilt: Eine Aendcrung sei weder zu wünschen noch nötig, Beschwerden haben sich bei der 7 9 st ü n d i g e n Arbeits- zeit nie ergeben. Auf eine weitere Anftage wurde festgestellt, daß der Mann ISmal im Jahre die 79stündige Arbeitszeit durch- gemacht hatte. In der Kettenschiffahrt wurden im Sommer bis zu 29 Stunden Arbeitszeit angegeben. Von Hamburg wurden eine Anzahl Ewerführer ver- nommen und vom Hafcninspektor eine eingehende Darstellung der Hafcnbctriebsverhältnisse gegeben. Die Ewerführer schilderten, daß es vorkommt, daß sie 39 Stunden im Dienst seien. Früher kamen solche Arbeitszeiten oft vor, im letzten Jahre ist dieser Uebelstand sehr zurückgegangen. Eine Aenderung in diesen Verhältnissen wird als sehr schwierig, fast unmöglich bezeichnet. Nach der Aussperrung der Hafenarbeiter sei eine Besserung insofern zu spüren, als durch diesen Kampf die Nachtarbeit der Hafenarbeiter nicht mehr so oft eintritt als früher. Die Ewerführer, die mit ihren Booten die Ware an die Seeschiffe bringen oder von dort abholen, sind abhängig von der Arbeitszeit der Hafenarbeiter. Die Hafenarbeiter seien insofern günstiger daran, als sie seit der Aussperrung bei der Nachtarbeit von einer anderen Kolonne abgelöst werden. Diese Ablösung lasse sich aber bei den Ewerführern schwer durchführen, da diese für die Ladung verantwortlich sind und die Ablösung wegen der oft weiten Entfernung.große Schwierigkeiten biete. Von einigen Auskunfts- Personen wurde möglichste Einschränkung der Nacht- und Sonn- tagsarbeit gefordert, damit ergebe sich dann für die Ewerführer von selbst eine geregeltere Arbeitszeit. Zu erwähnen ist ferner, daß in der Schiffahrt die Arbeits- Unterbrechung im Winter sehr ungleich ist, in der Personen- schiffahrt sind auf allen Stromgebieten die Pausen größer als in der Güterschiffahrt. Die Besatzung wird in der Regel auch im Winter auf der Werft zu Rcparaturarbeiten herangezogen oder zur Hälfte entlohnt und in die Heimat entlassen, wieder andere Gesellschaften entlassen einen Teil der Mannschaft vollständig. Auf Anfrage wurde festgestellt, daß oft die Leute während des ganzen Sommers nicht zu ihren Familien kommen, andere in Unterbrechungen von Wochen und Monaten. Von sozialpolitischer Erkenntnis war bittcrwcnig bei den Aus- kunftspersonen zu merken; auf die Frage, ob si� eine Aenderung der Verhältnisse wünschen, antworteten die meisten: sie seien zu- frieden! Nennte Genernlnersammlung des Nerbandes deutscher Tertilarbeiter. Leipzig, 4. Mai 1908. 1. Berhandlungstag. Der Vorsitzende Hübsch eröffnet die Generalversammlung mit einem Rückblick auf die Kämpfe, die gerade in Sachsen mit den Scharfmachern in der Textilindustrie stattgefunden haben.— Hierauf erfolgen die üblichen Wahlen. Laut Präsenzliste sind 179 Delegierte einschließlich des Vor- standes und der Gauleiter erschienen, um aufs neue die Waffen und die damit verbundene Schlagfertigkeit des Verbandes zu prüfen. Aus Oesterreich ist der Genosse H a n u s ch, Sekretär der Union der Textilarbeiter, erschienen, der dem Verbandstag die Grüße der Kollegen überbringt und erklärt, daß die deutsche Or- ganisation ihnen als Muster diene, daß auch dort die wirtschaftlichen Verhältnisse mit Allgewalt zur Zentralisation gedrängt haben, wo- durch die Bewegung vorteilhaft gefördert sei. Die General kommission der Gewerkschaften Deutschlands hat den Genossen U m b r e i t als Vertreter entsandt. Nachdem in warmen Worten des verstorbenen Kollegen Treue- Berlin, der lange Jahre als Kassierer des Verbandes tätig war, gedacht ist und die Delegierten sich von ihren Plätzen erhoben, erhält der Vorsitzende Hübsch das Wort zu dem gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht. Die Geschäftsperiode ist für die EntWickelung des Verbandes äußerst günstig gewesen. Der Verband hat bis heute 12 Gaubezirke eingerichtet, in denen die Agitation von besoldeten Gauleitern ge fördert wird. Außerdem sind zurzeit in den Ortsvcrwaltungen 97 Geschäftsführer angestellt. Auch der Hauptvorstand hat in der verflossenen Geschäftsperiode um 3 Personen verstärkt werden müssen, unter denen sich eine Kollegin befindet. Der Mitglieder� bestand ist von 77 898 auf 129 449 angewachsen; die Zahl ist somit um 38 932 gestiegen. In Prozenten berechnet beträgt die Zunahme der männlichen Mitglieder 54 Proz., die der weiblichen aber 79,2 Prozent. Eine gewaltige EntWickelung und erhebliche Fort- schritte hat der Verband demnach in der letzten Geschäfts- Periode, trotz der großen Fluktuation, unter der er zu leiden hatte, gemacht. In 89 Orten konnten Verbindunzen angeknüpft, respektive Zahlstellen gegründet werden. 27 Zahlstellen sind eingegangen, und andere haben sich mit größeren vereinigt, um die Anstellung von Geschäftsführern zu ermöglichen und dadurch die Agitation zu fördern. Dieselbe war in allen Gauen gleich leb- Haft, nur daß den jeweiligen Verhältnissen Rechnung getragen wurde insofern, als in einzelnen Gauen sich die öffentlichen Ver- sammlungen, in anderen wieder Sitzungen. Besprechungen und Fabrikversammlungen als praktisch für die Gewinnung neuer Mit- glieder erwiesen. Der Gau Sachsen hat sich während dieser Zeit vornehmlich gut entwickelt und hat die größte Mitgliederzunahme zu verzeichnen. Dagegen ist der Gau Thüringen arg im Rückstand geblieben; dies ist in Anbetracht der zahlreichen Textilarbeiter- bevölkerung daselbst recht bedauerlich. Eine Hausagitation über das ganze Verbreitungsgebiet des Verbandes veranlaßte der Vorstand im November 1997. Zur Ver- Wendung kam eine für diesen Zweck ausgestattete Nummer der „Gleichheit" in einer Auflagenhöhe von 279 999. Es war dabei auf die Gewinnung von Arbeiterinnen für die Organisation ab- gesehen, zu gleicher Zeit aber auch auf die Gewinnung von Abonnenten für die„Gleichheit". Der Vorstand ging dabei von der Erwägung aus, daß die Arbeiterinnenbewegunz einer besonderen Stärkung bedürfe, wenn die Organisation in diesen Kreisen schneller Fortschritte machen soll als bisher. Der Verlag der„Gleichheit" und ihre Redaktion unterstützten diesen Plan. Leider waren die Kollegen nicht in allen Orten auf dem Posten, sonst wäre das Re- sultat entschieden zufriedenstellender ausgefallen. Im März wurde ein weiterer Versuch mit dem„Textilarbeiter" gemacht, der in 153 999 Exemplaren zur Verteilung gelangte. Das Protokoll der Jutekonferenz in Braunschweig wurde als Agitationsbroschüre in deutscher, tschechischer, polnischer und italie- nischer Sprache herausgegeben. Ferner wurden 2 Broschüren, von denen eine den Kampf der Crimmitschauer Kollegen um den Zehn stundentag, und„Soziale Gegensätze", die die Lage der Augsburger Textilarbeiterschafi schilderten, zur Agitation verwendet. Besonders reich an wirtschaftlichen Kämpfen waren die Jahre 1999 und 1997 infolge des Fortschrittes der Organisation und der günstigen Geschäftsperiode: es konnte dadurch in vielen- Fällen zum Angriff übergegangen werden. Sehr zahlreich sind auch die Lohn- bewegungen, welche ohne Streik beendet werden konnten, und sind gerade durch diese Bewegungen oft wesentliche Erfolge erzielt worden. Gewöhnlich gelang es in den Orten, die Bewegung ohne Streik günstig für die Arbeiter zu beenden, wo die Organisation recht kräftig war. Ein besonderes Gewicht wurde bei den Lohn- bewegungen auf die Verkürzung der Arbeitszeit gelegt. Die Be- wegungen erstreckten sich auf alle Gaue und Industriezweige des Reiches. Es fanden in der Geschäftsperiode 92 Angriffsstreiks, an denen L3451 Arbeiter beteiligt waren, statt; Abwehrstreiks 37 mit 3991 Beteiligten: Aussperrungen waren 8 mit 25187 Arbeitern zu verzeichnen. Außerdem machten sich 393 Lohnbewegungen ohne Streik zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und 22 zur Abwehr von Arbeitsverschlechterungen notwendig. Es wurden durch diese Bewegungen Verkürzung der Arbeitszeit für 99 997 Kollegen, im Durchschnitt SV* Stunden pro Woche und eine Lohnerhöhung von 1,18 M. erreicht. Das Jahr 1999 war den Bewegungen be- deutend günstiger als wie 1997, wo die einsetzende Krisis sich schon sehr bemerkbar machte. Längere Ausführungen macht der Vorstand über die vor gekommenen Streiks, und besonders die unglücklich verlaufene Stoff weberbe wegutiy in Krefeld wird recht ausführlich behandelt. Redner gibt der Meinung Ausdruck, daß solche Vorkommnisse von Disziplin- losigkeit sich nicht wiederholen dürfen, und daß es Zeit ist. mit Krakeelern, die durch ihr Vorgehen den Verband und�ein Ansehen schwer schädigen, ein ernstes Wort zu reden. Besonders das ver- breitete Flugbatt sollte dazu dienen, den dortigen Gauleiter, der allen wegen seines umsichtigen Vorgehens bekannt ist, in Mißkredit zu bringen. Die Krefelder Zahlstelle hat nun außer der ordnungsmäßigen Delegation noch 2 Kollegen als Gäste entsandt; als solcher ist der besoldete Geschäftsführer v. d. Berg und F l i e t e n als Wort- führer der Opposition anwesend. Die Generalversammlung hat darüber zu entscheiden, ob diese Kollegen in Sachen der Krefelder Angelegenheit das Wort haben sollen. Zum Kassenbericht erhält Z e h m s- Berlin das Wort. Die Hauptkasse hatte mit Kasscnbestand 1999 eine Einnahme von 2 239 429,45 M., dem stellt sich eine Ausgabe von 1 797 793,28 M. gegenüber. Von den Haupt- ausgaben seien folgende erwähnt: Für Streiks und Aussperrungen leistete die Verbandskasse in den Jahren 1906 und 1997 eine Ge- samtausgabe von 953 994,36 M.; für Fachblätter, die den Mitglie- dern geliefert wurden, 163 921,32 M.; für Streikunterstützung an andere Berufe des In- und Auslandes 19 399 M.; für Kranken- Unterstützung sind 289 732,49 M. verausgabt. Zur Gemaßregelten- Unterstützung war die Summe von 145 907,97 M. notwendig, sür Gewährung von Rechtsschutz 13 922,29 M., und für Umzugsunter- stützung 7241,25 Di.. Die Agitation erforderte die Summe von 5 248,29 M.; die Zuschüsse an die Ortsverwaltungen betrugen 117 859,79 M. Außerdem wurde dem Ungarischen Textilvcrband ein Agitationszuschuß von 1999 M. gewährt, und an den internatio- nalen Streikfonds 5 899 M. abgeführt. Diese Summen geben einen kräftigen Beweis, daß der Deutfche Textilarbeiterverband in jeder Hinsicht seinen Mitgliedern Schutz und Rückenstärke zu geben ver- mochte. Der Kassierer gibt verschiedene Anregungen, wie der Verband vor Ausnutzung durch unverschämte Mitglieder, die den Verband als milchende Kuh betrachten, geschützt werden kann und die den Auszahlern von Unterstützungssummcn zur Beachtung empfohlen werden. Den AuSschußbericht gibt Vetterlein- Gera. Danach hat der Ausschuß 8 Sitzungen allein und 4 gemeinschaftliche mit dem Vorstand abgehalten. Die Beratungsgegenstände waren zumeist Differenzen, die der Vorstand wegen nicht bewilligter Streiks oder Zahlung von Unterstützungs- summen mit den einzelnen Zahlstellen hatte. Soziales. Eine famose Illustration zur kommunalen„Selbstverwaltung" liefert ein Verwaltungsstreitverfahren, bei dem es sich um eine Disziplinarordnungsstrafe handelte. Der Ort Pestlin im preußischen Kreise Stuhm hatte eine Zeitlang keinen Gemeinde- Vorsteher. Die Genieindevertretung wollte bald gern einen wählen. Als nun der Gemeindeschöffe und stellvertretende Gemeinde- Vorsteher Radtke auf dem Bureau des Kreisausschusses zu tun hatte, kam die Sprache� auf die Wahl eines neuen Gemeindevorstehers. Der Landrat erklärte, er wünsche noch keine Gemeindevorsteher- wähl; es sei ja Radtke bekannt, daß fast alle Besitzer von Pestlin als Gemeindevorsteher nicht bestätigt worden seien. Vielleicht würde den Pestlinern der kommissarische Amtsvorsteher gefallen. Wenn der das Gemeindebiirgerrecht erst erworben hätte, könnte er vielleicht gewählt werden. Der Landrat ließ Radtke auch noch eine schriftliche Verfügung zugehen, von der Neuwahl eines Genieindevorstchers zunächst Abstand zu nehmen und den Gemeinde- Vertretern zu antworten, wie er, der Landrat, die Angelegenheit mündlich erörtert habe. Als das Schriftstück eintraf, war schon auf Verlangen der Gemeindevcrtreter eine Sitzung der Gemeinde- Vertretung anberaumt mit der Tagesordnung: Wahl eines Gemeinde- Vorstehers. Radtke trug in der Sitzung den mündlichen und fchrift- licheu Wunsch des Landrats vor. Die Gemeindevertretung bestand aber darauf, die Wahl vorzunehmen. Das geschah denn auch, und Radtke selber wurde e i n st i m m i g zum Gemeindevorsteher von Pestlin gewählt. Die Aufsichtsbehörde versagte dein Gewählten die Bestätigung. Außerdem wurde er in eine Disziplinar-Ordnungs st rafe von neun Mark genonimen. Grund: Er habe sich gegen die ihm ob- liegenden Dienstpflichten vergangen, indem er trotz miind- lichen und' schriftlichen Verbots des LandrateS die Wahl herbeigeführt habe.— R. erhob wegen der Strafe die Beschwerde. Der Regier im gSpräsident in Marienwerder verwarf jedoch die Beschwerde als unbegründet. Was diese Behörde als maßgebend für ihren Bescheid anführte, war noch wunderbarer als die Gründe der Strafverfügung. Im Kreise Stuhm, so hieß es, sei die geltende Verwaltungspraxis, daß die Wahlen der Gemeindebeamten von der Aufsichtsbehörde bestimmt würden. Da- gegen habe R. verstoßen, indem er als stellvertretender Gemeinde- Vorsteher die Wahl auf die Tagesordnung gesetzt habe und sich nicht einmal durch das ausdrückliche Verlangen des Landrates bewegen habe lassen, die Vornahme der Wahl zu verhindern. Radtke klagte dann gegen den Regierungspräsidenten und betonte, ihm sei von einer derartigen Verwaltungspraxis im Kreise Stuhm nichts bekannt. Mit Recht machte er geltend, daß eine solche Praxis auch gesetzwidrig sein würde, weil sie mit den Be- stiimnungen der Landgemeindeordnung in Widerspruch stände. Da- nach sei es Sache der Gemeindevertretung, den Gemeindevorsteher zu wählen, und der Gemeindevorsteher habe die Pflicht, die Beschlüsse der Gemeindevertretung auszuführen. Nur das habe er getan. Da die Gemeindevertretung die Vornahme der Wahl einstimmig be- schlössen hatte, so habe er die Wahl vornehnicn lassen. Trotz Kenntnisnahme des landrätlichen Schreibens habe die Gemeinde- Vertretung nicht Abstand nehmen wollen. Das Oberverwaltungsgericht wieS die Klage R.'S gleichwohl ab. Von der Stuhmer Verwaltungspraxis sprach es indessen nicht. Es sagte: Der Landrat habe dem Kläger mündlich und schriftlich den Auftrag gegeben, die Gemeindevorsteher- wähl aufzuschieben und der Kläger habe diesen Auftrag angenommen. Trotzdem habe er die Wahl vollziehen lassen. Und dabei habe er seinen Pflichten insofern gröblich zuwider gehandelt, als er dem Landrat sofort oder doch noch rechtzeitig hätte mitteilen müssen, daß der den Auftrag nicht zur Ausführung bringen könne und wolle. Das habe er nicht getan und so die Pflicht nicht erfüllt, die ihm als Unter- g e b e n e n zukam._ Haftpflicht des Arbeitgebers für Unterlassung der Verwendung von Klebemarken. Die Frage, ob und aus welchem Grunde der Arbeitgeber, der zu kleben unterlassen hat, schadenersatzpflichtig ist, wird verschieden- artig entschieden. Für die Bejahung der Haftpflicht spricht sich ein in den letzten„Amtlichen Mitteilungen der LandesversicherungS- anstalt Berlin" veröffentlichtes Erkenntnis des Oberlandesgerichts Köln vom 9. Oktober 1997 mit folgender Begründung aus: „Ein Schadenersatz läßt sich allerdings weder auf Z 823 Abs. 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches stützen, der allgemeine Haftung für ährlässige Vermögensbeschädigung nicht kennt, noch aus K 823 Absatz 2 daselbst(Verletzung eines Schutzgesetzes) herleiten, weil es sich bei dem hier vorliegenden Verstoße gegen das Jnvalidenversicherungsgesetz nicht um ein Schutzgesetz, sondern um eine öffentlich rechtliche Bestimmung handelt. Dagegen reichen die von dem Kläger behaupteten Tatsachen aus, um die Haftbarkeit des Beklagten aus anderen rechtlichen Gesichtspunkten als begründet erscheinen zu lassen. Ebenso wie es möglich ist, daß der Arbeit- geber sich dem Arbeiter gegenüber zu bestimmten Leistungen aus- micklich verpflichtet, so können auch besondere Umstände zu der An- nähme berechtigen, daß bei dem Arbeitsvertrag es der unaus- gesprochene Wille der Vertragschließenden ist, der Arbeitgeber solle mit dem Abschluß des Arbeitsvertrages zugleich die Fürsorge für die Markenverwendung übernehmen. Wenn innerhalb eines gewissen Kreises die Verkehrssitte sich so gestaltet, daß der Arbeit- geber regelmäßig nicht bloß die für gemachte Lohnabzüge angeschafften Marken verwendet, sondern darüber hinaus die Bersicherungspflicht der von ihnen beschäftigten Personen übernimmt und die Anschaffung von Quittungskarten veranlaßt, so können durch dieses Verhalten des Arbeitgebers die einzelnen Arbeiter zu der Meinung veranlaßt werden, daß der Arbeitgeber, was er bei den Mitarbeitern als selbstverständlich tut, auch ihnen gegenüber selbst- verständlich übernehmen werde. Es muß alsdann gemäß§ 242 des Bürgerlichen Gesetzbuches der Arbeitgeber gegenüber dem sich auf den Brauch verlassenden Arbeiter seine Leistung als Arbeitgeber so bewirken, wie Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte eS erfordern. Daß die Arbeiter sich auf den Arbeitgeber in dieser Richtung, wie dem Arbeitgeber bekannt ist, verlassen, ist insbesondere bei den größeren Betrieben, wo der erwähnte Brauch sich eingebürgert hat, häufig der Fall."_ Wasserstands Nachrichten »)+ bedeutet Wuchs,— Fall,— Unterpegel. Allgem. sozialdemokratischer Wahlverein Berlins und Umgegend. Freitag, den 8. Mai 1908, abends 8 Uhr, im Alten Schützenhause", Linienſtr. 5, im ,, Alten in den„, Arminhallen", Kommandantenstr. 58/59: Zwei Vereins- Versammlungen. Tagesordnung in beiden Bersammlungen: Die Landtagswahlen und die Franen. Referentinnen: Genossin Zetkin und Genossin Zietz- Hamburg. Genoffinnen und Genoffen! Beweist durch Eure Teilnahme an den Versammlungen, welches Interesse Ihr an der Wahl habt. Namentlich die Frauen sind verpflichtet, zu zeigen, daß sie dem politischen Leben nicht gleichgültig gegenüber stehen, sondern als gleichberechtigte Staatsbürgerinnen gelten wollen und Anspruch erheben, über das Wohl und Wehe des Gesamtvolles mitzuberaten und mitzubestimmen. Gäste sehr willkommen! Deutscher Buchbinder- Verband. Zahlstelle Berlin. Der Vorstand. Haben Sie Stoff? 1/ 16* Ich fertige davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerh. Zutaten, von 20 Mark an. Moritz Laband, Neue Promenade8, II.( Stdtb.Börse). ,, Geld sparen kann Jedermann"! 99. indem er seinen Bedarf an , Herrenkleidern" Anzüge und Paletots in neu, sowie speziell Monatsgarderobe' von Kavalieren getragene Sachen bei dem berühmten „ Kleiderprinz" 1. Geschäft: 120 Staligerstraße 120 2. Geschäft( Gelegenheitskäufe): 132 Frankfurter Allee 132 billig und gut kauft. Jeder staune! 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