Nr. 111. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pränumerando Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Pig. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Bumänien, Schweden und die Schweiz Crideint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Solonel geile oder deren Kaum 50 fg., für politische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pig. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgebruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf. stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition is bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Erbschaftssteuer. Mittwoch, den 13. Mai 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. hochzuhalten vermag. Für die Ausgaben aufzukommen, die lichen Terror ausgelieferte Land soll mit besonderen sie in ihrer vaterländischen Aufopferungsfähigkeit für Heer, Vorrechten ausgestattet werden. Marine, Kolonien, Beamtengehältererhöhungen usw. bewilligt Daß die mecklenburgischen Serenissimi ihren Untertanen haben, das überlassen sie, edel gesinnt, wie sie sind, den einen derartigen Wahlrechtsscherz und Verfassungsult zu unterDie freifinnige Presse hat sich in bezug auf ihre unteren Schichten. Wie sehr sie sonst auch für den hand- breiten wagen dürfen, hat seinen Urgrund in dem in Preußen frühere steuerpolitische Forderung, das Einnahmedefizit werksmäßigen Kleinbetrieb schwärmen, in bezug auf die bestehenden Wahlrechtsunfug. Besäße Mecklenburg nicht des Reiches dürfe nicht durch Verbrauchssteuern auf Steuerpolitik sind sie für eine streng durchgeführte Arbeits- in der preußischen Reattion einen mächtigen Schirmden Konsum der Masse, sondern lediglich durch direkte teilung. Für sich beanspruchen sie nur das schwere herrn, so würde es niemals gewagt haben, seinen UnterSteuern, Abschaffung der Liebesgabe, Lurussteuern usw. ge- Opfer, dem Staate die geforderten Mittel zu bewilligen; die tanen" eine solche Wahlrechtsparodie zu unterbreiten! deckt werden, nach und nach so weit rückwärts konzentriert, Pflicht, diese Mittel aufzubringen, liegt nach ihrer Auffassung daß sie alle möglichen Verbrauchssteuern bewilligen will und dem Plebs ob. Junkerlicher Wahlterrorismus. " nur noch mit schüchterner Bescheidenheit verlangt, ein Deshalb haben die Konservativen auch für sich bei der fleiner Teil der zur Sanierung der traurigen Reichsfinanzen letzten Reichsfinanzreform allerlei Steuerprivilegien durcherforderlichen neuen Steuerauflagen müsse wenigstens durch gesetzt. Während sonst bei der Berechnung der Erb- Die Deutsche Tageszeitung" hat die- bet eine direkte Steuer aufgebracht werden: durch die Erbschafts- schaftsmasse der gemeine Wert ermittelt wird, kommt bei einer anderen Kategorie von Sterblichen würden wir sagen steuer. Größere Anpassungsfähigkeit, als hier die freisinnige der Vererbung land- und forstwirtschaftlicher Grund- unbegreifliche, bei dem Junterblatt freilich nur Konkubine gegen die brutalen Allüren ihres männlichen Block ftüde nur der Ertragswert in Betracht, ferner standesgemäße Unberfrorenheit, den von galans befundet, könnte dieser, sollte man meinen, kaum ber- treten in gewissen Fällen Steuerermäßigungen ein, uns festgenagelten junterlichen Wahlrechtsterrorismus zu belangen; doch die Konservativen sind bereits durch die Hin und schließlich tritt, wenn das betreffende Grundstück streiten. Unsere Berufung auf das Rundschreiben des konsergebung des Freisinns so verwöhnt, daß ihnen selbst dieses innerhalb der letzten fünf Jahre bereits einmal den Besitzer vativen Zentralwahlkomitees vom Jahre 1861 bedeute nichts, willenlose Entgegenkommen noch nicht genügt. Kategorisch durch Erbschaft gewechselt hat, volle Steuerfreiheit, denn dieser Strohhalm" sei schon schier fünfzig Jahre alt". erklärt die ,, Deutsche Tageszeitung", daß die Ausdehnung der und wenn der Erbfall bis zu zehn Jahren zurückliegt, eine Es ist eigentlich eine ungeheuerliche Zumutung, von uns Erbschaftssteuer auf Kinder und Ehegatten von den Kon- Herabsehung der Steuer um die Hälfte ein überhaupt Beweise für den konservativen Wahlrechtsservativen nicht akzeptiert wird. Es sei völlig irrig, wenn wohlgemerkt auch dann, wenn das Grundstück an ganz ent- terrorismus zu verlangen. Denn wer für die öffentliche liberale Blätter behaupteten, ohne Erbschaftssteuer werde sich fernte Verwandte übergeht. Kinder und Ehegatten zahlen in Abstimmung eintritt, tut das eben mir aus dem Grunde, die Reichsfinanzreform nicht durchführen lassen. feinem Fall, mag auch der Besitz Millionen wert sein, eine um die Abstimmung zu tontrollieren und durch Die Ausdehnung der Erbschaftssteuer würde", erklärt bündig Erbschaftssteuer. Terrorismus die Abstimmung zu beeindas Blatt der Landbündler, wenn man die erbenden Kinder und Tatsächlich ließe sich durch eine rationelle Erbschaftssteuer flussen! Sonst hätte ja die öffentliche Abstimmung überEhegatten nicht übermäßig und allzusehr belasten will, einen ver- ein großer Teil der von der Reichstags majorität bewilligten haupt teinen Sinn! Da aber in den Junkerschädeln der hältnismäßig recht geringen Ertrag ergeben, der bei dem großen Ausgaben decken. England bringt die Erbschaftssteuer jährlich Redaktion der Deutschen Tageszeitung" ein Organ für Bedarf des Reiches wahrhaftig nicht in Betracht kommt. Der Reichs- mehr als 350 Millionen Mark ein, und selbst Frankreich be- Logit nicht vorausgesetzt werden darf, wollen wir schazsekretär weiß ja auch, daß die Ausdehnung der Steuer so wohl zieht daraus eine Einnahme von fast 240 Millionen Mart; dokumentarische Beweise für den Konservativex im Bundesrate als auch im Reichstage auf während das Deutsche Reich im legten Etatsjahr noch nicht Wahlrechtsterror beibringen, die noch nicht 50 Jahre den heftigsten Widerstand stoßen würde. Der 60 Millionen Mart an Reichserbschaftssteuern eingenommen hat. alt sind. Am. 6. Dezember 1883 berlas der AbWiderstand im Bundesrate würde vielleicht überwunden werden; Dabei hat Frankreich nur eine Bevölkerung bon 39 geordnete Ridert im Abgeordnetenhaus den Tages. nicht aber der im Reichstage. Die Parteien der Rechten und England( mit Schottland und Irland) von 42 Millionen befehl, den der Oberwerftdirettor in Danzig tönnen unmöglich einer solchen Steuer zustimmen, da es sich für Stöpfen, während Deutschland 61 Millionen Einwohner zählt. bei einer Landtagswahl an die Werftarbeiter der kaiserlichen fie nicht um eine Zweckmäßigkeitsfrage handelt, sondern um grund- und die Bestimmungen des englischen Erbschaftssteuergesetzes Marine gerichtet hatte. Er lautete: fäßliche Anschauungen. Daß das Zentrum zu haben sein werde, sind nicht etwa besonders drückend. Wenn einem Engländer bezweifeln wir auch; mindestens sind die Zentrums- Landwirte die ein Vermögen von 2000 M. zufällt, zahlt er feinen Pfennig schärfsten Gegner der Ausdehnung der Erbschaftssteuer. Dem Ver- Erbschaftssteuer, und selbst bei einer Erbschaft im Gesamtnehmen nach hat man denn auch im Reichsschaamte und an den betrage von 10000 M. zahlt er nur erst 50 M. Um so maßgebenden Stellen der Reichsregierung den Gedanken aufgegeben. schärfer werden natürlich die großen Erbschaften zur Steuer Es würde unzweckmäßig und höchst bedenklich sein, wenn man herangezogen. Würde der Reichstag die englischen Bedarauf zurückkommen wollte." steuerungsprinzipien akzeptieren, es ließen sich leicht Als Grund für ihre Gegnerschaft gegen die Ausdehnung in Deutschland aus der Erbschaftssteuer 300 Millionen der Erbschaftssteuer auf Kinder und Ehegatten wissen die Mart statt der 60 Millionen Mart herausschlagen. Aber die fonservativen Blätter anzuführen, daß die Erhebung einer Stonservativen werden sich dagegen aufs äußerste sträuben, Erbschaftssteuer von erbenden Kindern oder von der Witwe und die Freisinnigen werden ihnen bereitwilligst assistieren; des Verstorbenen das Familienzusammengehörigkeitsgefühl denn es ist weit bequemer und dem eigenen Beutel zuträglicher, oder zum mindeſten den Familiensinn beeinträchtige und da die Lebens- und Genußmittel der arbeitenden Volksmassen mit durch die deutsche Familie der Vernichtung preisgebe. neuen Steuern zu belasten. Wohl noch nie hat die Sucht, faulen Egoismus zu rechtfertigen, zu einer alberneren Verlegenheitsbegründung geführt. Seit vielen Jahren erheben eine Reihe anderer Staaten. Der mecklenburgische Verfaffungsicherz. darunter Desterreich, Frankreich, England, Erbschaftssteuern von Ehegatten und Kindern, ohne daß bisher ihr FamilienUnter solchen Umständen erachte ich es für meine Pflicht, Euch zunächst darauf hinzuweisen, daß von Euch erwartet werden muß, daß Jhr, die Ihr von einer kaiserlichen Behörde Lohn, Beschäftigung, sowie Unterstützung in Krankheits- und sonstigen Unglüdsfällen erhaltet, gemäß dem alten Sprich wort: Weß Brot ich esse, deß Lied ich finge" nur den jenigen Wahlmännern Euere Stimme geben werdet, welche bereit sind, die den kaiserlichen Willen repräsentierende Staatsregierung unbedingt zu unterstüßen." " Der tonservative Minister v. Puttkamer nahm feinen Anstand, in seiner Antwort auf Rickerts Rede den standalösen Terrorismus der Werftdirektion ausdrücklich guts zuheißen! Am 27. Januar 1886 führte der freisinnige Abgeordnete Uhlendorff im Abgeordnetenhause aus: " In einer anderen Reihe von Petitionen beklagen sich dann Beamte, daß sie nur unter Kontrolle hätten abstimmen fönnen und mit Rücksicht auf ihre Vorgesezten ge zwungen wären, anders zu stimmen, als sie gewollt hätten. Ebenso abhängig werden fleine Gewerbetreibende und Handwerker geschildert; und in den desfallsigen Petitionen wird ausgeführt, daß man sich nicht gescheut hätte, nach Koutmunal- und Wahlmännerwahlen in der Presse öffentliche Aufforderungen zur Kundschaftsentziehung zu erlassen." Bekanntlich sollte Mecklenburg, das Land des Dchsenleben gefährdet wurde. England erhebt sogar von beiden topfes und der uneingeschränktesten Junkerprivilegien, nun Verwandtschaftskategorien sehr hohe Steuern. Wenn der reine endlich auch eine Verfassung erhalten, nachdem selbst Wert des Vermögens, den ein Kind vom Vater erbt, Rußland mit gutem Beispiel vorangegangen war. Ueber den 20 000 m. beträgt, hat das Kind 600 M. Erbschaftssteuer, Charakter dieser Verfassung hat nun die Thronrede Aufwenn die Erbschaftssumme eine Million Mark beträgt, schluß gegeben, die am Dienstag im Goldenen Saal des 50 000 M. Erbschaftssteuer zu entrichten; und denselben Schlosses zu Schwerin von dem Staatsminister Grafen im Betrag zahlt die erbende Witwe. Trogdem ist von einem von Bassewitz- Levezzow verlesen wurde. In dieser Thronrede also schädigenden Einfluß der englischen Erbschaftssteuer auf das heißt es: englische Familienleben nichts zu verspüren. Entweder ist also der von den konservativen Blättern angeführte Grund eine lächerliche Bemäntelung der eigentlichen Beweggründe. oder aber die englische Familie ist viel gesunder und widerstandsfähiger als die deutsche. " Das amtliche Stenogramm verzeichnet hier: Hört! hört! Zentrum und lints". Die Rechte fand den Terrorismus durchaus in der Ordnung! Uhlendorff fuhr dann fort: Und nun erst die armen Fabritarbeiter! Ja, man muß in solchen Gegenden leben, um das Elend kennen zu lernen." Die Ihnen zugehenden Vorlagen berücksichtigen die Anforderungen der Gegenwart, indem sie auf der Grundlage der eigenartigen Verhältnisse Medlenburgs weiter bauen und damit Fürsorge treffen, daß eine Erschütterung Das amtliche Stenogramm berzeichnet hier:" Lachen der inneren Verhältnisse des Landes durch grundstürzende rechts". Die Konservativen spendeten also dem unVeränderungen vermieden wird. Für diese Gesetzesvorlagen erhörten Wahlterrorismus in ihren bekannten aristofind folgende Hauptgesichtspunkte grundlegend gemacht: Ein kratischen Wieherlauten ihren Beifall! Diese ,, Heiterkeit rechts" führung einer Repräsentativberfassung durch Bildung einer neuen Landesvertretung, zur Hälfte aus ge- wiederholte sich, als der freisinnige Redner ausführte, daß in wählten Bertretern der als Körperschaften des öffentlichen Rechtes einer Versammlung ein Geistlicher sich gezwungen gevon Bestand bleibenden Ritterschaft und Landschaft, im übrigen, sehen habe, den anwesenden Arbeitern den Rat zu geben, daß außer einigen vom Landesherrn zu ernennenden sie bei der Abstimmung an Weib und Kind denken möchten! Abgeordneten, aus gewählten Vertretern, welche zum fleineren Teile von einzelnen Berufsständen, zum überwiegenden Teile aber durch allgemeine, indirekte Wahlen der gesamten Bevölkerung unter Trennung von Stadt und Land, sowie unter Abstufung des Wahlrechtes nach Bildung und Besitz zu wählen sind." Am 13. März 1893 erklärte der freikonservative Abgeordnete v. Tiedemann im Abgeordnetenhause: Habe ich die Wahl zwischen dem allgemeinen, gleichen und diretten Wahlrecht mit öffentlicher Abstimmung und dem Dreitlassenwahlrecht mit geheimer Abstimmung, so ziehe ich für meine Person das erstere vor." Für gewisse Schichten des deutschen Hochadels, die zur Leserschaft der Deutschen Tagesztg." und der Kreuz- 8tg." gehören, mag das zutreffen. Wenigstens lassen die Skandalprozesse der letzten Zeit und die Tatsache, daß Graf Günther von der Schulenburg in einem Briefe vom 15. Februar 1901 den Fürsten Eulenburg zur Gründung eines standesgenössischen Bundes der hochadligen Homosexuellen aufgefordert hat, darauf schließen, daß unter dem deutschen Hochadel sehr eigenartige Familienbeziehungen vorkommen, und zwar nicht so selten; denn sonst konnte Graf Günther von der Schulenburg taum darauf rechnen, so leicht einen großen Bund gleichfühlender Standesgenossen zusammen zu bringen. Aber wenn Dieser Volksvertretung" gegenüber kann sich selbst das Das heißt: Herr v. Tiedemann erklärte den Terroris. auch in diesen Kreisen die Familie oft weniger gesund sein sächsische Wahlrechts monstrum verstecken. Auch mus, die Beeinflussung der Wähler bei öffentmag, als unter dem englischen Adel, so gilt das doch nicht das preußische Wahlrecht trägt dieser Verfassung gegen- lich er Abstimmung für eine so vorzügliche Waffe zur von allen Schichten des deutschen Volts. über noch einen gewissen modernen" Anstrich. Soll zwangsweisen Fälschung der wahren Meinung der Wähler, In Wirklichkeit ist natürlich die von den Junkern und doch der Ritterschaft, d. h. dem edlen Junkertum, von daß er selbst das Reichstagswahlrecht dem Dreiihrer Presse vorgetragene Begründung nichts als eine Ver- vornherein die Hälfte aller Abgeordneten eingeräumt tIassenwahlrecht vorzog, falls nur bei dem Reichslegenheitsausrede. Die edlen Herren sind sonst keineswegs werden. Die übrig bleibende Hälfte soll dann durch ständische tags- Wahlrecht die öffentliche Abstimmung eingeführt so besorgt, um die Erhaltung des Familiensinns, besonders und in dirette Wahlen zustandekommen. Das heißt, und dadurch allen Abhängigen die freie Wahl nach ihrer nicht, wenn es sich um Arbeiter handelt. Der eigentliche ein Teil dieser brigbleibenden Hälfte der Ab- politischen Ueberzeugung illusorisch gemacht würde! Grund, der sie zu ihrer Besorgtheit bestimmt, ist lediglich ihr geordneten soll außerdem noch vom Großherzog Ganz wunderbare Auffassungen aber vertrat der tonEigennut. Sie möchten ihr erobertes und durch Zollwucher ernannt werden; der Rest, die 30 oder 40 Prozent des fervative Herr von Rauchhaupt, der anerkannte vermehrtes Vermögen möglichst beisammenhalten und ohne Parlamentes, soll dann aus indirekten Wahlen hervor. Führer der Konservativen im Abgeordnetenhause. irgend welche Abgaben an den Staat ihren Nachkommen gehen. Aber bei der indirekten Wahl soll es nicht sein Be- Am 6. Dezember 1883 fagte er nach dem amtlichem Stenohinterlassen, damit der edle Stamm der Prizewige, Jewike, wenden haben! Das Wahlrecht soll vielmehr ein lassen- gramm vom geheimen Wahlrecht: Strudelwige und anderen Jhe standesgemäß zu leben und wahlrecht sein. Außerdem soll eine Trennung bon" Es legalisiert die Täuschung des Arbeit. wenigstens in petuniärer Hinsicht die edlen Familientraditionen Stadt und Land vorgenommen, d. h. das dem junter gebers und verschärft, meine Herren, den Treubruch, wenn >« Arbeiter seine wirkliche Stellung zu dem Arbeitgeber durch den Stimmzettel versteckt." Damals geißelte der Zentrumsabgeordnete W i n d t h o r st diese unerhörte Auffassung des konservativen Führers mit den Worten: „Kollege v. Rauchhaupt ist zu meinem Erstaunen so weit ge° gangen, zu behaupten, dost, wenn ein Arbeiter gegen die An- schauungen seines Herrn stimme, das ein Treubruch sei, der nicht gestattet werden könne.— Meine Herren, dann heben Sie die Freiheit des Mannes aus und machen ihn einfach zum Sklaven!" Und nun noch der Ausspruch eines berufenen Vertreters 'konservativer Grundsätze l Der Chefredakteur der ..Kreuzzeitung", der Freiherr v. Hammerstein. erklärte am 6. Dezember 1883 im Preußischen Abgeordneten- hause über den Autrag auf Einführung des geheimen Wahlrechts: „Meine Herren, so komme ich denn dazu, daß der Zweck des Anttages doch wohl nur der der reinen Opportunität sein kann. S i e sagen sich einfach, bei den Abgeordnetenhauswahlen, wo öffentliche Stimmabgabe ist, machen wir schlechtere Geschäfte als im Reichstag, also wollen wir das ändern; wir sage» umgekehrt, bei den AbgcordnetenhauSwahlrn machen wir bessere Geschäfte, also wollen wir es nicht ändern."(Hort! hört l links. Große Heiterkeit.) Die Konservativen wollen also den Terrorismus, um „bessere Geschäfte" machen zu können! Sie wollen Geschäfte— Geschäfte im grobmateriellen Sinnet— machen, auch wenn alle Abhängigen entrechtet oder aber, falls sie doch nach ihrer Ueberzeugung wählen, mit der Hnngerpeitsche gezüchttgt werden! Und mit dieser terroristischen Junkersippe verbindet sich der„Freisinn!"_ Sias der Zeuge Riedl erzählt. Die„ Münchener Post" veröffentlicht über eine Unter- Haltung ihres Gewährsmannes mit dem von Berlin zurückgekehrten Zeugen Riedel folgende Eulenburgiana: „Ich ging hinein, es war das Schlafzinimer deS Fürsten, ein schönes und großes Zimmer. Der Landgerichtsrat war da und der Schreiber. Der Fürst ist im Bett gelegen. Der Fürst hat ganz gut ausgeschaut, er hat einen festen Kopf aus und istvielfetterwie vor 23 Jahren. Der Bart ist weiß geworden, die Haare aber noch nicht ganz. Nur ein bisserl blaß ivar er, die Geschichte macht ihm doch zu schaffen. Ich bin vor's Bett hingeführt worden und der Landgerichtsrat sagte zu mir: Ich mache Sie darauf aufmerksam, sagen Sie die Wahr- heit. Ist das der Fürst?—- Ja, das ist er.— Dann wurde ich nochmals gestagt: Ist er's oder ist er's nicht.— Jawohl, er ist eS, sagte ich.— Ich mußte mich dann auf einen Sessel sitzen, so daß ich dem Fürsten pfeilgrad in die Augen schauen konnte und sollte nun erzählen. Ich hab's ja schon fünf« bis sechsmal erzählt, sagte ich, ich bin schon ganz verlegt vor lauter reden. Ich bleibe bei dem, was ich in München vor der Polizei, im Münchener Prozeß und beim LandgerichtSrat Schmid gesagt habe. Aber das hat nichts bedeutet, ich hab's noch einmal erzählen müssen. Als ich auSerzählt hatte, sagte der Fürst und dabei hat er Ivie wild mit der Hand auf die Bettdecke geschlagen: Riedl. Riedl, SieLügner, Sie gemeiner Lügner, ich habemit Ihnen nichts getan. Was. sagte ich darauf,, hätten Sie sich zuerst geschämt und nicht er st jetzt; jetzt ist eS zu spät. Ich bitte Sie, Herr Fürst, sagen Sie die Wahrheit, ich muß sie auch sagen, vor Gott und den Menschen. Dann hat der Landgerichtsrat auch gesagt: Durchlaucht, jetzt, sehen Sie, daß er es sagt; ich glaube es selbst, daß er die Wahrheit sagt, nun geben Sie Antwort, ich lasse Ihnen noch Zeit. Der LandgerichtSrat ist dann ein wenig auf die Seite gegangen und der Fürst hat sich auf die Seite gedreht und hat getan, als wollte er weinen, dann ist er eingeschlafen. Ich mußte ab- treten...." Ernst hat mir aber, fragte ich schließlich noch Riedl, von einem Briefe erzählt, den er vor zwei Monaten vom Fürsten er- halten hat. Ja, das glaube ich schon, bei Ernst sind zwanzig Briefe des Fürsten beschlagnahmt worden; was aber darin gestanden hat, hat mir der Ernst nicht erzählt. Ich hätte nichts gesagt, versicherte Riedl zum Schlüsse, wenn der Fürst nicht die Sache abgeschworen und andere damit hineingeritten hätte. Und jetzt mutz ich es büßen, denn schon viele Leute, gerade die besseren Kundschaften, haben jetzt die Milch bei mir ab- bestellt."_ vom Kriegsfchauplatz in Schlitz. Die kürzlich mitgeteilte Kriegserklärung des Grafen Emil Friedrich von Schlitz genannt von Görtz gegen die Ge- meinde Schlitz hat große Erregung in der dortigen Bevölke- rung hervorgerufen, und wie es scheint, ist man entschlossen, „Seiner Erlaucht" die Zähne zu zeigen. Bürgermeister und Gemeinderat haben ein Zirkular an die Bürgerschaft ge- richtet, in dem sie darauf hinweisen, daß die Standeshcrr- fchaft sich 1858 durch einen Revers verpflichtet hatte, jederzeit in die Ablösung der Fcldjagd gegen Zahlung eines damals fixierten Betrages zu willigen. Danach stellt sich das Bor- gehen des Grafen auch noch als Vertragsbruch heraus. Der zornmütige Herr hat übrigens bereits begonnen, sich als„offenen Feind" der Gemeinde zu zeigen. Der Schloßpark ist geschlossen, Spazierwege im Walde sind dem Publikum gesperrt, mehreren Lieferanten und Handwerkern aus dem Städtchen sind die Aufträge entzogen worden. Die schwer geschädigte Einwohnerschaft ist aber dem wildgewordenen Schloß- und Jagdherrn gegenüber jjlück- licherweise nicht wehr- und waffenlos. Die Grafen von Schlitz sind nämlich insofern ganz auf der Höhe unseres kapita- listischen Zeitalters, als sie große Schnapsbrenner und Bier- brauer sind. Im ganzen Schlitzer Ländchen gibt's kaum ein Wirtshaus, in dem nicht der Branntwein und das Bier der „Herrschaft" ausgeschenkt wird. Boykott gegen Boykott, tagen jetzt die Bewohner. In einem aus der Bürgerschaft hervorgegangenen Flugblatt heißt es: «Layt uns als freie Bürger die Schritte tun, die erforderlich sind. Es ginge zu weit, hier alle Punkte anzuführen, welche als Gegenmaßregeln getroffen werden können. Unter den vielen sei nur der Bierbohkott erwähnt. Bier und Schnaps lassen sich auch andererseits beziehen. Ebenso steht es auch jedem frei, die Hallen- burger Lohnmünzen(deren Prägung ein fast einzig dastehendes Recht darstellt) anzunehmen oder nicht, und so gibt es noch vieles mehr." Was die erwähnten„L ohnmünze n" angeht, so ist das noch eine besondere Geschäftspraxis der Schlitzer„Herr- fchaft", die keineswegs, wie die Verfasser des Flugblattes anzunehmen scheinen, auf einem besonderen„Recht" beruht, sondeia dlL Llüe fjsgxgote Kesetzesperletzung darstellt. Die Schlitzer„Herrschaft" zahlt ttamltcf) ihren zahlreichen Arbeitern den Lohn nicht in Reichsmünze aus, sondern in Messingmarken, die in verschiedenen Werten (5 Pf. bis zu 1 M.) geprägt wird. Diese Messingmünzen zirkulieren nun als sogenanntes„Schlitz er Ge ld" in allen Orten der ehemaligen Grafschaft; alle Geschäftsleute und Wirte nehmen sie in Zahlung, um mit der„Herrschaft" nicht in Unfrieden zu kommen. Da das gräfliche Rentamt sie ebenfalls in Zahlung nimmt oder auf Verlangen m Reichsmünze umtauscht, so ist das Publikum zwar in letzter Instanz vor Schaden gesichert. Nichtsdestoweniger stellt diese gräfliche Sondermünze eine große Unbequemlichkeit dar, da sie bei Zahlung außerhalb des„Ländchens" natürlich un° brauchbar ist. Für die„Herrschaft" bedeutet diese eigene Münze aus Messing aber eine große Zinsersparnis. Das ist der eigentliche Zweck der Einrichtung. Dieses„Schlitzer Geld" ist schon einmal im hessischen Landtag von sozialdeniokratischer Seite als unverträglich mit der Reichs-Gewerbeordnung und mit' dem staatlichen Münzrecht gerügt worden. Damals wurde von der Gegen- seite behauptet, diese Münzen funktionierten lediglich als Lohnkontrollmarken in den landwirtschaftlichen Betrieben des Grafen. Wir haben uns aber nachträglich an Ort und Stelle davon überzeugt, daß dieselben in der Tat, wie ge- schildert, neben der Reichsmünze in Schlitz als allgemeines Zahlungsmittel kursieren. Dieser gesetzwidrige Unfug wird darum nochmals im hessischen Landtag zur Sprache gebracht werden, und wenn das dem einflußreichen Präsidenten der Ersten Kammer gegenüber nichts fruchten sollte, wird der Reichstag sich einmal damit beschäftigen müssen. Die messingene Münzherrlichkeit des gräflichen Kriegsherrn soll zum mindesten bei seinem Feldzug gegen die„ungetreue Bürgerschaft" in die Brüche gehen. vaz Lrgebnis der Kongodebatte. Brüssel, 7. Mai.(Eig. 23er.) Gestern wurde die Kongodebatte vorläufig geschlossen. Damit ist es der sozialistischen Opposition gelungen, die von der Regierung geplante Erwürgung der Debatte zu verhindern und die Kongo- frage mit den Annexionsbedingungen Leopolds vor das Forum der Wähler zu bringen. In der bisherigen Debatte haben so ziemlich alle Schattie- rungen von Freunden und Widersachern der Kolonialpolittk das Wort ergriffen und das Bild der Beratungen bot schon durch die Abstufungen in den Auffassungen und mit dem scharfen Anein- anderklang der Meinungen ein sonstigen Kammerdebatten nicht häufig anhaftendes Interesse. Freilich, die Kongopresse hatte nur Spott für das Redebedürfnis der Deputierten, nach dem Grund- sah, daß man ein Geschäft„macht", aber nicht darüber redet. Jedoch haben viele dieser Reden verdienstvoll aufklärend in das belgische Kolonialproblem hineingeleuchtet und so den Wahlen tüchtig vorgearbeitet. Die Regierung allerdings hat sich ihre Auf- gäbe, die Notwendigkeit einer Kolonialpolitik für 2Zelgien zu recht- fertigen und die skandalösen Bedingungen und Anmaßungen Leo- polds als ein„glänzendes Geschäft" erscheinen zu lasten, ziemlich bequem gemacht, indem sie sich hauptsächlich an jene Apologie über die Kongokolonie hielt, die in der vom Kongopreßbureau insp!- ricrten und bestochenen Presse seit Jahr und Tag die Runde macht. So hat man es nun wieder vom Justizminister in allen Variationen zu hören bekommen, daß das„kleine 2Zelgien" die Kolonie mit ihren Reichtümern und Landgebieten im Interesse seiner Volks- Wirtschaft und seines Handels wie einen Bissen Brot braucht nicht nur die Hochfinanz und der Großhandel, wie die bösen Kongo- feinde behaupten. Und dies/ obgleich Aiiseele sofort Nachwies, daß Landwirtschaft und Industrie der„Arme" entbehre. Der Versklavung und Zwangsarbeit der Neger, mittels der man bisher die Millionen aus der Kolonie herausgeholt hat, ver- sprach die Regierung mit Gerechtigkeit und Pflichtbewußtsein zu begegnen. Auch über die finanziellen Lasten suchte Herr Renkin die Abgeordneten zu beruhigen, indem er gegenüber der Milliarde, die den Belgiern die Kolonie kosten soll, die Arie der lolonialpoli- tischen Zukunftsmusik in den höchsten Tönen anhub.... Die liberale Version dieser Thesen besorgten die Deputierten Hhmans und Franck, deren Reden vorzüglich das kommerziell-kapi- talistische Interesse an der Annexion färbten. Dagegen hielten die Liberalen Janson und Lorand wuchtige und wirkungsvolle Anklagereden gegen die kapitalistische Kolonisation, und insbeson- dere Janson— Lorand ist überhaupt gegen jede Kolonialpolitik— befürwortete auch die von den Sozialisten mit Ausnahme Vanderveldes empfohlene Jnternationalisierung der Kolonie. Neben diesen und den markigen Reden der Sozia- listen Hubin, Denis, Anseele wirkte Vanderveldes optimistisch-annexionistische Rede ebenso verstimmend als betrübend. Nicht daß es in seinen Ausführungen an einer Verurteilung der kapitalistischen Kolonisation und des damit verbundenen Kulturschwindels gemangelt hätte. Aber weder das von Vander- Velde selbst so oft gegeißelte Kongoshstem noch die Erfahrungen anderer Länder haben seinen Optimismus, von den Kolonisatoren noch anderes als Versklavung und Mißhandlung der Eingeborenen zu erwarten, beeinträchtigt. So bot seine Rede des Widerspruchs- vollen genug, indem man ihn einerseits die Schäden und Lasten der Kolonialpolitik für das Mutterland, die Greuel der Neger- ausbeutung und-Mißhandlung geißeln hörte, während anderer- seits seine zweite annexionistische Seele, die ach! in seiner Brust wohnt, der Annexion das Wort redete....(Vandervelde gibt z. 23. unter anderem zu, daß die Kolonisation Belgiens Stellung auf dem Weltmarkt nicht verändern werde und er bekennt, daß ein Drittel der Summen, die für den Kongo verausgabt wurden, für die ökonomische Expansion Belgiens verwendet, das Land auf eine höhere Stufe der EntWickelung gehoben hätte.) Alle Verbrechen und Mißbräuche der Kolonisation, bemerkt Vandervelde selbst, haben ihn nicht davon überzeugen können, die Kolonialpolitik an und für sich zu verdammen, d. h. im gegebenen Fall an die Verbesserung des Negerloscs durch die belgische Regierung zu glauben.... Ein Glaube, der nicht nur von den Sozialisten, sondern auch von der liberalen Opposition in keiner Weise geteilt wird.— Freilich begegnet Vandervelde jedem Einwurf gegenüber seiner annexionsfreundlichen Haltung mit dem Spruch, daß der Kongo äs facto bereits„belgisch" sei und er vor Tatsachen größeren Respekt habe wie vor dem— Lordmayor, wie die Engländer sagen.... Was vielleicht den Gegensatz mit der sozialistischen Auffassung der Kolonialpolittk doch nicht ganz hinreichend erklärt. — In einer ungemein wirkungsvollen und scharfen logischen For- mulierung faßte Anseele die volkswirtschaftlichen und Handels- politischen Argumente zusammen, die gegen eine Koloutalpolittk Belgiens sprechen. Seine Darstellung deS Arbeiterstandpunktes in der Kolonialfrage war wohl eine der zwingendsten Motivierungen gegenüber der schönrednerischen Glorifizierung der kapitalistischen Kolonial- und Raubpolitik. Die Reden des Berichterstatters de Lanks Heere und Beernaerts, die noch die Schlußsitzungen brachten, zeigten wenig BewerkenLwertxA- " Das AbstimvnmgSresultat, das die RegierMg ssär den Wahlen erpressen wollte, hat die Debatte zum Kummer der Regierung nicht gebracht. Dafür aber ist es gelungen, daß aus' dem Parlament heraus, neben den Geschäststeilhabern der Kolonialpolitik, unge- hemmt die Stimme jener ertönen konnte, die für das Volkswohl andere Bahnen einschlagen als die einer raubsüchtigen Kolonial- Politik.__ Hus dem QQahlbampf. Freisinnige Phrasenhelden. Der Freisinn fängt jetzt an, in Berlin öffentliche Versammlungen abzuhalten, sein Schuldbewußtsein gebietet ihm aber, die „Oeffentlichkeit" dieser Versammlungen auf Anhänger der freisinnigen Kandidaten zu beschränken. Damit werden aber diese öffentlichen Versammlungen zu sorgfältig gesiebten Konventikeln, in denen sich die Ober- bonzen unter dem Beifall der„Massen" gegenseitig bestätigen, daß sie polittsch furchtbar ehrenwerte Leute seien. Diese Zusammensetzung der Versammlungen ermöglichte eS dem Abg. Dr. Wremer, in einer derselben, nach dem Bericht der»Freis. Zeitung", zu sagen: „Die Blockpolitik ist für unS lein Axiom, sondern eine J'rage der Erfahrung. ES ist aber ein Unding, im Reiche die iberalen zur Gesetzgebung heranziehen zu wollen und in Preußen auf reaktionären Bahnen zu bleiben. Auch in Preußen muß dem Liberalismus die Geltung verschafft werden, die ihm nach seiner Entwickelung. nach seiner wirtschaftlichen und geistigen Bc- deutung zukommt." Zu sagen, was der Freisinn, der in: Reichstage den Liberalismus zurückstellte, im Landtage getan hat. um dem viel ge- schundenen Liberalismus die Wege zu ebnen, hat Herr Dr. Wiemer wohlweislich unterlassen. Die Krönung der Komödie aber blieb dem Abg. Goldschmidt überlassen, der herausgefunden hat, daß wir den Freisinn nur deshalb angreifen. um zu verhüten, daß ein Teil der Sozialdemo- lraten zum Freisinn abschwenkt! Schließlich pro- llamierte Herr Goldschmidt als freisinnige Parole für den Wahl- kämpf:„Gegeu die Sozialdemokratie, aber für die Arbeiterschaft!" Das sagt derselbe Freisinn, gegen dendieHirsch-Dunckeria- ner wegen seiner Haltung beim Vereinsgesetz Front gemacht haben. Nicht bloß die sozialdemolratische, sondern so ziemlich die gesamte Arbeiterschaft will das Reichstagswahlrecht für Preußen, lind für diese Arbeiterschaft tritt der Freisinn in der Weise ein. daß er konservative und nationalliberale Gegner der Ueberttagung des Reichstagswahlrechts in den Landtag wählt! Der Freisinn fördert also nicht einmal die Interessen der nicht- sozialdemokratischen Arbeiter und sucht diese schmähliche Haltung damit zu rechtfertigen, daß er den Kampf gegen die Sozialdemokratie zu führen habe. Die Wahlparole für die LandtagSwahIen sollte da? Wahlrecht sein, und auf diesem Gebiete treffen die Forderungen der gesamten Arbeiterschaft zusammen 1 Wenn der Freisinn den Wahlkampf ausschließlich gegen die Sozialdemokratie führt, so be- weist er damit bloß, daß er das Wahlrecht nur als den Köder ansieht, mit dem er Dumme zu fangen hofft. Wer ernstlich das Reichstagswahlrecht für Preußen will, der muß für die sozialdemokratischen Kandidaten eintreten! Nationalliberale und geheime Wahl. Auf dem nationalliberalen Parteitag für Westfalen, der am Sonntag in Tortmund versammelt war, behandelte der Abg. Schmieding auch die Stellung der National- liberalen' zur Wahlrechtsfrage.- Nach den überein- stimmenden Berichten der bürgerlichen Presse meinte Herr Schmieding, „daß eine Aenderung nicht länger hinauszuschieben sei und auch im Interesse der konservativen Partei liege, die einer Befestigung ihrer alten Stützen bedürfe. Ohne eine starke konservative Partei habe Preußen keinen Bestand. Er erklärte sich auch geg en ei n Pluralwahlrecht und für die U e b e r t r a g u n g d e S Stadtverordneten wählst) st emsaufPreußen. Vor allem aber bekannte er sich als Anhänger der öffentlichen Ab- stimmung." Ganz entsetzt ob dieser Offenheit beeilten sich Abg. W e st e r m a n n und Oberbürgermeister H a a r m a n n- Witten, zu konstatieren, daß Abg. Schmieding bloß für seine Person gesprochen habe; die nationalliberale Partei wünsche die g e h e i m e Wahl. Richtig ist, daß die Nationalliberalen sich für die ge- Heime Wahl erklärt haben, aber unter der Voraussetzung eines Pluralsystcins. Trotz seiner Abneigung gegen die ge- Heime Wahl bleibt Herr Schmieding nationalliberalcr Kandidat und wird sicher auch gewählt. Man geht nicht fehl in der Annahme, datz die nationalliberale Partei ziemlich viele Schmiedings in ihren Reihen zählt!--- poUtifcbc CJcberficbt. Berlin, den 12. Mai 1908. Zu viel der Aufmerksamkeit: TaS freisinnig-volksparteiliche Zeitungsgeschwister Berlins. die„Freisinnige Zeitung" und die„Königlich PrivUe-. gierte Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen", bekannte. unter dem Namen„Vossische Zeitung", wehklagen heute i» einem auf den gleichen Ton gestimmten melancholischen Kantus darüber, daß der„Vorwärts" sich allzuviel mit dem Frei- sinn beschäftige. Die„Vdssische Zeitung" stöhnt, daß der„Vor- wärts" sich sechsmal in der Woche über den Freisinn entrüste,„nur sechsmal", weil er nicht häufiger erscheine. Die„Vossische Zei- tung" erscheint zwölfmal in der Woche; sie könnte uns also unser«: Auftuerksamkeit mit 100 Proz. Zinsen zurückgeben, wenn sie nur ein besseres Gelvissen und ein wenig mehr Grips hätte! Peinlich empfunden hat sie die Darlegungen unseres letzten Leitartikels. Wir hatten da die Wahlrechtskampf-Per- heißungen des Freisinns im vorigen Sommer mit dem schmählichen Wahlrechtskuhhandel des Freisinns vcr- glichen, den er jetzt mit den erbittertsten Feinden einer Wahlreform pflegt. Irgend etwas Sachliches gegen unsere Darlegungen weiß die„Vossische Zeitung" nicht vorzubringen. Sic leistet sich nur den kindlichen Scherz, der Sozialdemokratie Mandatsjägerei vorzuwerfen! Das riskiert ein Organ der- jenigen Pe-rtei, die mit Konservativen und Nationalliberale» allerorten Wahlbündnisse abschließt» um nur ja ein Mandat zu ergattern! Ebenso unwiderstehlich humoristisch wirkt die„Freisinnige Zeitung", wenn sie dem„Vorwärts" vorwirft, daß er durch seine Bekänipfung der freisinnigen Verrätertaktik und des schnöden Schachergeschäftes, das der Freisinn mit allen notorischere Wahl- rechtsfeinden vou den Toren Berlins und allenthalben draußen im Landq abschließt, sich„immer besser als Schutztruppe der Negktivfl entwickele". Wir sollten meinen, dgß derjegige reaktionäre Schußtruppendienste leistet, der mit ihr Wahl schachergeschäfte abschließt, nicht aber derjenige, der diesen schmachvollen Schacher brandmarkt. Wie übrigens wirklich Freifinnige die reaktionären Schutz truppendienste des Blodfreisinns beurteilen, beweist folgende Notiz der linksliberalen Berliner Volkszeitung": Noch ein Freisinnsstücklein à la Barnim. Die gestrigen Wahlerfolge haben die Niederlagen unserer Bartei in den letzten Jahren vollständig wieder ausgeglichen und ihr Ansehen sowie ihren Einfluß im öffentlichen Leben bedeutend erhöht. Solothurn, 11. Mai.( Eig, Ber.) Unsere Partei hat bei den, gestrigen Erneuerungswahlen einen überraschenden Erfolg erzielt. Sie hat bei der nach dem Proporz stattgefundenen Wahl des Kantonsrates 23 Size erobert und damit 11 zu den bisherigen 12 gewonnen. Der neue Kantonsrat setzt sich zu sammen aus 68 Freifinnigen, 34 Katholiken und 23 Sozialdemos traten. Die Freisinnigen verloren 8 und die Katholiken 8 Size. Es geht vorwärts! der am 25. Januar 1907 mit einer Mehrheit bon 285 Stimmen Stimmen wurde unser Genosse Wullschleger, ber nur auf den fiegte, protestiert und der Reichstag hat denn auch am letzten Listen der sozialdemokratischen und der katholischen Partei stand, Mittwoch beschlossen, Beweis zu erheben, obwohl die Kommission nicht aber auch auf jenen der beiden großen bürgerlichen Parteien, einstimmig die Gültigkeitserklärung beantragt hatte. Es war eben der Freisinnigen und Liberalen( Konservatiben), wiedergewählt. Es träftig hinter den Kulissen gearbeitet worden. In dem Wahlprotest war eine Konzession derselben an die Unternehmerscharfmacher in werden die ungeheuerlichsten Beschuldigungen gegen die Sozial- Wullschleger nicht auf ihre Liste zu nehmen. Und nun erhielten die ihren Reihen, den gehaßten sozialdemokratischen Regierungsrat demokratie erhoben; so wird behauptet, daß seitens der 6 bürgerlichen Regierungsräte 7076 bis 7471, der mit der höchsten sozialdemokratischen Partei systematisch Wahl Stimmenzahl gewählte und auf drei bürgerlichen Listen gestandene Aus hamm schreibt man uns: fälschungen beranlaßt seien. Frecher, wie hier, ist der nur um 935 Stimmen mehr als unser Genosse, ein schöner Erfolg Wie bekannt, hat die Freisinnige Volkspartei in West- Reichstag wohl noch niemals beschwindelt worden. In dem Protest für unsere Partei. Dazu kommt noch die Wahl von 43 sozialdemokra falen mit den Nationalliberalen ein Bündnis für die Land. werden hauptsächlich Holzarbeiter, die während und vor der Wahl- tischen Vertretern in den Großen Rat, um 5 mehr als 1905, die tagswahl abgeschlossen. Hiernach unterſtüßen die Volfs zeit ausständig waren, namhaft gemacht und der Wahlfälschung einen erfreulichen Fortschritt bedeutet. Auch die katholische Partei parteiler unter anderem den nationalliberalen Kandidaten beschuldigt. Von sozialdemokratischer Seite ist daraufhin bei den hat mit ihren 17 Bertretern einen Zuwachs um 7 erfahren, während im Wahlkreise Hamm- Soest. Nun sind aber die Hamm- genannten Leuten, soweit sie noch in Lübeck ansässig sind, eine die Freifinnigen 11 und die Liberalen 3 Size verloren haben. Der Große Rat zählt 130 Mtiglieder, die sich nun so verteilen: 43 SozialSoester Nationalliberalen seit 1903 mit den Kon- Umfrage veranstaltet worden, welche ergeben hat, daß wohl eine demokraten, 41 Freifinnige, 28 Liberale, 17 Katholiken und 1 Wilder. servativen und dem Bund der Landwirte kartelliert, denen Anzahl der im Wahlprotest verdächtigten Leute zeitweilig von Lübeck Unsere Partei hat demnach die stärkste Fraktion im neuen Bardas zweite Mandat des Kreises zugesprochen ist. In schöner abwesend war und an anderen Orten arbeitete, daß sie jedoch alle lament. Harmonie mit dem französischen Worte:" Die Freunde ordnungsmäßig in den Wählerlisten berzeichnet meiner Freunde sind auch meine Freunde" hat die Freistanden, daß ihre Familien in Lübed wohnten und finnige Volkspartei sich nun den Nationalliberalen daß jeder selbst gewählt hat. Es ist wichtig, dieses festgegenüber verpflichtet, feinen Gegenkandidaten des zustellen, weil die Reichsverbandspresse schon jetzt vom Lübecker hochkonservativen Landrats Schulze- Belkum zu unterstüßen! Wahlzauber fafelt und die Sozialdemokratie mit dem Hinweis auf Dafür haben die Nationalliberalen versprochen, vor fünftigen den Protestschwindel zu verleumden sucht. Kompromissen sich mit der Volkspartei„ ins Benehmen zu Nicht uninteressant und für die ganze Protestma che fezen". Anfang März kündigte die Volkspartei mit viel bezeichnend ist es, daß man beispielsweise von Getöse den Kampf gegen den Konservativen Leuten behauptet, fie hätten zu unrecht gean, nach sechs Wochen sichert sie seine Wahl durch Stimm- wählt, von denen man genau wußte, daß das enthaltung: das ist der freisinnig- boltspartei- nicht der Fall war. So wird von einem Schuhmacher beliche Walrechts, fampf" in Hamm- Soest! Jm hauptet, er hätte fein Wahlrecht ausgeübt, obwohl er ArmenunterWahlaufruf der Freifinnigen Volkspartei aber steht nach wie ftübung bezogen hätte. Dieser Schuhmacher hat sich nun sofort, bor das unter den obwaltenden Verhältnissen durch und als er von der Verdächtigung Kenntnis erhielt, von der zuständigen durch verlogene Wort:" Das Ziel des Kampfes ist die Be- Armenverwaltung bestätigen lassen, daß weder er noch seine Angehörigen Armenunterstützung beansprucht oder erhalten haben. seitigung der konserbatib- klerikalen Mehrheit." Dann hat er sich zu dem Zentralwahlkomitee der vereinigten bürgerWindthorst als Gegner des Reichstagswahlrechts. lichen Parteien begeben und angefragt, wie man dazu gekommen Die fleritale Preffe fährt fort, als Beweis dafür, daß seit jeher fei, ihn als Armenunterstüßungsempfänger zu bezeichnen. Die das Zentrum für die Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf Wahlprotestmacher wurden darauf ganz leinlaut und erPreußen eingetreten ist, sich auf den von Windthorst im Jahre 1878 flärten, es läge ein Versehen vor; der Name wäre schon im gestellten Wahlreformantrag zu berufen. Wir haben bereits wieder- Protest gestrichen. Der Schuhmacher überzeugte sich davon, daß das holt( zuletzt im Leitartikel der Nummer vom 8. Mai d. J.) nach- tatsächlich der Fall war und ging beruhigt von hinnen. Das war gewiesen, daß dieser Antrag nicht aus dem Grunde ge- noch vor der Absendung des Wahlproteftes. Im Wahlprotest wurde stellt wurde, um den Arbeitern eine Vertretung ihrer später jedoch wiederum behauptet, der Schuhmacher habe zu Interessen im preußischen Abgeordnetenhause zu sichern oder die Unrecht gewählt. Man ist also nicht nur leichtfertig, sondern Demokratie zu stärken, sondern umgekehrt um die reaktionären geradezu gewiffenlos vorgegangen! Das beweist auch die Schichten des Kleinbürgertums gegen die liberale Bourgeoisie aus- Tatsache, daß ein Arbeiter der Wahlfälschung resp. zuspielen, wie denn auch Windthorst selbst seinen Antrag damit be- Doppelwahl bezichtigt wurde, nur weil er den Familiennamen gründete, daß er ausführte, die Angehörigen der dritten Wählerklasse gleich en anderer in Preußen wären im großen und ganzen tveit konservativer als Mann, der gleich ihm gewählt hatte, führte. die destruktive Bourgeoisie, die von den Ideen des modernen Staates Die polizeilichen Ermittelungen, welche bisher auf Grund der am meisten angefressen sei. Behauptungen des Wahlprotestes vorgenommen worden sind, haben gegen die bezeichneten Personen nichts ergeben! Der ganze Wahlprotest erweckt den Anschein, als ob man es mit einer schlau ausgedachten Arbeit des Reichslügenberbandes zu tun -Aber noch bei einer anderen Gelegenheit hat sich Windthorst öffentlich über das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht ausgesprochen, nämlich 1867 im tonstituierenden Reichstag des Norddeutschen Bundes. Er sagte dort: " Wahlen und Wahlsysteme fann man in abstracto nicht be gründen, das sind so recht eigentlich Gegenstände der Erfahrung und im wesentlichen nur nach den Resultaten der Erfahrung lassen sich dieselben beurteilen; wenn wir aber die Erfahrungen, bie mit dem allgemeinen Wahlrecht gemacht worden sind, zu Rate ziehen, dann, glaube ich find wir wohl zu einigem Nachdenken auf gefordert. Ich glaube nicht, daß es ratiam sein kann, einem aus direkten allgemeinen Wahlen hervorgegangenen Volkshaus die Monarchie ohne weitere Ausgleichung, ohne Bermittelung, ohne Schutz gegenüberzustellen."... Ohne Aristokratie in stän bisher Verfassung ist weder das monarchische Prinzip daueritd aufrecht zu erhalten, noch ist die Gemeinfreiheit ohne Aristokratie aufrecht zu erhalten." Vielleicht hält die Zentrumspresse auch diese Aeußerungen für eine Erklärung Windthorsts zugunsten des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts. Ein Genie. habel wie Gegen die Verpreußung. cin Sehnsucht nach Italien. preußischen Zuständen. Rom, den 10. Mai. Das Drgan der Grundbesiger von Parma weiß sich vor Freude nicht zu lassen, weil ein gewisser Dr. Pflaum, Berichterstatter der Deutschen Agrarier würden die Gutsbefizer von Parma mit Geld Deutschen Tageszeitung", erklärt hat, die mitteln unterstützen. Der edle Journalist, der über die Geldmittel feiner Arbeitgeber freigebig verfügt, hat hinzugefeßt, daß die deutsche Regierung Landarbeiterorganisationen überhaupt nicht gestatte, im Interesse der Grundbefizer, und das sei gut so. Den hiesigen Grundbesitzern läuft das Wasser im Munde zusammen: wenn man doch mit den Spenden agrarischer Solidarität solch ein Gesetzchen aus Preußen importieren tönnte! Die Besitzer der Provinz Parma, die dieser Tage dabei ertappt wurden, wie sie von einem Automobil Glasscherben ausstreuten für die na dten Füße der Randarbeiter, würden sich mit den preußischen Juntern gewiß gut verstehen. Ein blutiger Zusammenstoß. Mailand, 12. Mai. In Arsico und Cremona fam co nachts zwischen Bauern und Gendarmen zu einem förmlichen Kampfe. Die Gendarmen machten von der Waffe Gebrauch, wobei drei Bauern getötet und mehrere verwundet wurden. England. Die mazedonischen Reformen. London, 11. Mai. Wie das Neutersche Bureau erfährt, hat die englische von der russischen Regierung deren Antwort auf die von Sir Edward Grey am 4. April abgesandte Note erhalten. Die Antwort enthält einen Plan für die auf der Ver Regierung vorgeschlagenen Punkte beruhenden mazedonischen Reformen. Sie hat teinen endgültigen Charakter und die. Erörterungen zwischen den beiden Regierungen etberben fortgesette Die sozialdemokratische Fraktion der Zweiten bessi- schmelzung gewisser, vorher von der englischen und der russischen schen Rammer hat am Montag dem Präsidium einen dringlichen Antrag in bezug auf die Handhabung des am Freitag in Kraft tretenden Reichs- Vereinsgesetzes zugehen lassen. Der Antrag lautet: Die Kammer wolle beschließen: Die Großherzogliche Regierung zu ersuchen, den Ständen als bald den Entwurf eines Ausführungsgefetes zum Reichsvereinsgefe b. zugehen zu lassen, durch welches die Vereins und Versammlungsfreiheiten unseres Landes im Sinne der Erklärungen Sr. Erzellenz des Herrn Staatsministers Ewald vom 13. Dezember 1907 d em Volkeerhalten bleiben. Das wird freilich die Blockfreisinnigen nicht abhalten, Freudensprünge über das mit ihrer Hülfe geschaffene frei heitliche Vereinsgesetz zu machen. Oefterreich. Die Wasserstraßen. bix 6** 20 sarische Universitäten. tuo d ST London, 11 Mais oll n ter hau 3 Das Haus nahm die zweite Befung des Gefebentiurfa ber die Begrinding gweier neuer niversitäten in Irland vorschlägt, mit 352 acgen 88 Stimmen an, Rußland. Die innere Politik. über den Etat des Ministeriums bes Junern. Petersburg, 12. Mai. Die Reichsduma berhandelte heute Die Redner des Zentrums und der Opposition erklärten: der neutralen Regierung und den örtlichen Regierungen fehle eine einheitliche Bolitik." Das Zweifellos ist der Chefredakteur der Reipziger Neuesten Zentrum will die Verhängung des Kriegszustandes nur Nachrichten" Dr. Paul Liman ein Genie. Haben doch die verschiedensten Anlässe gezeigt, daß er die Fähigkeit besitzt, in in besonderen Fällen zulassen. Die Opposition glaubt, der Kriegszustand wirke auf die örtlichen Regierungsorgane demorali ciner Sache je nach den Umständen auch mehrere Mei- Wien, 11. Mai, Abgeordnetenhaus. In der heutigen firend ein, der Kriegszustand sei in Rußland Verwaltungssystem nungen zu haben. So befam er es fertig, als armer Vorit in Sibung wurden die restlichen Kapitel des Budgets erledigt, darunter geworden. Die Redner der Rechten hoffen auf eine konfequente, der Deutschen Tageszeitung" das Gegenteil von dem zu schreiben, auch das Stapitel über den Bau von Wasserstraßen. Handelsminister nationale Politik der Regierung, besonders in den Grenzgebieten. was er als Dr. Paul Liman in der Londoner Finanzchronik" beim Beschluß des Wasserstraßengefeßes im Jahre 1901 fein richtiges Ministeriums des Innern in Polen einer Kritik, namentlich hinFiedler betonte, mangels vorliegender Detailprojekte habe man Der polnische Abgeordnete Dmovsky unterzog die Tätigkeit des schrieb. Aber nicht nur auf dem Felde der Journalistit erntete er Bild über den Gesamtumfang der Kosten der darin enthaltenen sichtlich der Bekämpfung der polnischen Nationalität. Dieser Kampf Lorbeeren, sondern auch als Zeuge in den Hardenprozessen flang Arbeiten gehabt. Angesichts der außerordentlichen Mehrerforder habe mit einem völligen Mißerfolge geendet. Abgeordneter bei ihm manches anders, als er es vordem seinem Spezi Harden nisse könne die Regierung an die Durchführung des Wasser- Burischkewitsch von der ertremen Rechten meinte demgegenüber, die gugeraunt hatte. In neuester Zeit hat der geniale Schriftsteller straßenge sebes um so weniger herantreten, als im Jahre Regierung sei leider nicht start genug, den Bestrebungen auf Abeine neue Eigenart in sich entdeckt, die, überhaupt keine 1912 nach Erschöpfung der bewilligten Mittel neuerdings auch an fonderung Bolens entgegenzutreten. Sie müsse sich hierin an der Meinung zu haben. Diese neu entdeckte Fähigkeit betätigt die Landtage herangetreten werden müsse. Für die Regierung Kraft der deutschen Regierung ein Beispiel bilde dieses Gesetz allerdings eine bindende Richtschnur, in folange nehmen.er, indem er in einzigartiger Weise nachempfindet. Unser Bruderblatt, die Leipziger Volkszeitung". brudt in es sei notwendig, die Durchführung in richtige Bahnen zu lenten feine Abänderung desselben von der Legislative beschlossen werde. Shrer letzten Nummer einen von Liman in den 2. N. N." nach- und zwar glaube der Minister, daß zunächst die Elbregu empfundenen Leitartikel ab und stellt ihn den von Herrn Heinlierung sowie die Kanalisierung vollendet und der Donau- Jekaterinoslaw, 12. Mai. Heute nachmittag 1½ Uhr wurde aus rich Friedjung, einem Wiener Historiker, in seinem Werke: Oder- Weichseltanal gebaut, endlich die Moldaus dem Gouvernementsgefängnis eine Bombe von großer Desterreich von 1848-1860" niedergelegten Urtegt gegenüber regulierung und Kanalisierung festgesetzt werden müsse. Sprengkraft gegen den Dienstraum der berittenen Wache geschleudert. Diese Gegenüberstellung sieht so aus: Erst nachher kämen die übrigen Arbeiten. Sobald die Erhebungen Sie beschädigte die Mauer und zertrümmerte die Fenster der beGleichzeitig versuchten Gefangene über die das Votum des Wasserstraßenbeirats eingeholt sein werde, werde Mauer zu flüchten. Durch Schüsse der Wache wurden zehn der die Regierung mit einer Vorlage an das Haus treten. Das Haus Flüchtigen getötet; ebenso wurden im Innern des Gefäng nahm schließlich das Finanzgefeß pro 1908 an, womit das Budget niffes einige Gefangene getötet und verwundet. Ein Ge erledigt ist. fängniswärter wurde verwundet. Neuesten Nachrichten" vom " Der Studentenstreif. Metelei in einem Gefängnis. Gefängnisgrenel. Aus Saratov wird berichtet, daß 20 politische Gefangene ( Frauen) sich schon den zweiten Monat in verschärfter Haft befinden( d. h. in einer leeren Kammer bei Wasser und Brot, ohne Betten, Bücher, Schreibzeug, Arzneien, Handarbeit uſtv.), weil fie fich weigerten, bei der täglichen Kontrolle aufzustehen. Hierzu schreibt eine Gefangene: Der zweite Monat der Karzerhaft ist nuu angebrochen; man trifft Vorkehrungen, einen dunkeln Karzer herzurichten; man will auch das versuchen." Aus dem Leitartikel der„ Leipziger Aus: Desterreich von 1848 bis 1860 von Heinrich Friedjung. Donnerstag, 7. Mai 1908. Zweite Auflage. Stuttgart und Ohne Quellenangabe. Berlin, Cotta Nachfolger, 1908. Der tüchtige praktische Unterpag. 112 bis 118. richt in allen Waffengattungen, Der tüchtige praktische Unterder den Erzherzog vom dreizehnten richt in allen Waffengattungen, Wien, 11. Mai. Der Rektor der hiesigen Universität Ebner Jahre ab erhielt, legte den Grund der dem Erzherzog vom 18. Jahre zu der vom Kaiser stets bewiesenen an auteil wurde, legte den Grund erklärte heute den Vertretern der Wiener Studentenschaft. militärischen Sachkenntnis. Ueber- zu feiner Sachkenntnis auf diesem die Studentenschaft möge versichert sein, daß, wenn eine außerhalb blickt man die Verhältnisse, so er- Gebiete... Ueberblidt man diese der Universität stehende Macht einen Professor in seinem Lehramt hält man den Eindrud, daß zwei Verhältnisse, so erhält man den wegen seiner religiösen, wissenschaftlichen oder politischen leber Weltanschauungen sozusagen um Eindruck, daß von zwei Belt Beugung behindern würde, die Professoren die ersten sein die Seele des fünftigen Herrschers anschauungen der Kampf um die würden, die dagegen Protest erheben würden. Von dieser Grtämpften. Metternich, Bombelles Seele des fünftigen Herrschers klärung des Rektors werden auf Wunsch der Studenten auch die und der Abt Rauscher suchten ihn geführt wurde. Metternich, Bom anderen Universitäten verständigt und es besteht die Hoffnung, daß für ihr politisch- kirchliches System belles, Rauscher suchten ihn für diese Zusicherung die Wiener Studenten vom Ausstande ab. halten wird. zu gewinnen, während die Be ihr politisch- tirchliches System au amten und Soldaten, die ihn in gewinnen, während die Beamten berwaltungstechnischen und mili- und Soldaten... ihn auf die Budapest, 12. Mai. Die Polizei stellte fest, daß das bisherige tärischen Fragen unterwiesen, ihn Würdigung moderner Lebenszur Würdigung moderner Lebens- verhältnisse verwiesen. Keiner Mitglied des ungarischen Magnatenhauses Baron Valentin erklärten. Das Resultat war die Requirierung von Polizei verhältnisse anleiteten. Anhänger dieser legteren gab sich als An- Uray auf Grund von ihm selbst gefälschter Steuer- und Militär. Die Gefangenen haben den Hungerstreit erklärt. der liberalen Doktrin waren auch hänger der liberalen Dottrin... auszüge die Mitgliedschaft des Magnatenhauses erlangte. Uray, Ganz unglaubliche Zustände herrschen in den Gefängnissen in gefie nicht. der angeblich aus Eitelkeit handelte, wird der Dokumenten- fundheitlicher Beziehung. Die Ueberfüllung der Bellen und die fälschung angeklagt. Wie in dieser Einleitung, nachempfindet Liman auch in den übrigen Teilen seines Werkes den Urtert in so vorzüglicher Weise, daß man die beiden Artikel für Zwillingsbrüder halten könnte. Fürwahr, ein Genie, der Chefredakteur der„ Leipziger Neuesten Nachrichten". Wie Wahlprotefte gemacht werden. Die vereinigten bürgerlichen Parteien Lübeds haben bekanntlich gegen die Gültigkeit der Wahl unseres Genossen Th, Swar3. Ein ungarischer Herrenhäusler. Schweiz. Sozialdemokratische Siege. Aus Samara brachte der Telegraph die Nachricht, daß 128 politische" und 500 Kriminalgefangene den ungerstreit be gonnen haben, weil der neuernannte Gefängnisdirektor das Regime ungeheuer verschärft hat. In Rischinew find vor einigen Tagen gegen die Typhusepidemie getroffenen Maßnahmen für ungenügend Gefängnisunruhen ausgebrochen, weil 30 politische Gefangene die 1 elende Beköftigung( 7 Kop. pro Tag, von denen die Hälfte von der Administration gestohlen wird!) führen zu Typhusepidemien, die zahlreiche Gefangene dahinraffen. In Jelissa wetgrad griff die im Gefängnis ausgebrochene Typhusepidemie auf die BeSafel, 11. Mai.( Eig. Ber.) Wie bereits telegraphisch berichtet, völkerung über und droht das gesamte Leben in der Stadt lahmhat unsere Partei am Sonntag einen Sieg errungen, der die Ge- zulegen. Ju Kiew ist fast die Hälfte aller Gefangenen erkrankt. noffen im ganzen Lande freuen und begeistern und zu vermehrter Im Lazarett befinden sich mehr als 500 Typhustrante. Während neuer Agitations- und Organisationsarbeit anspornen wird, und der des legten Monats starben in Siew am Typhus etwa 200 Personen! besonders unter den hiesigen Genossen Jubel und Begeisterung her. Und die Regierung? Sie rührt feinen Finger, denn der. Typhus porrief, hit 6536 Stimmen bei einem absoluten Mehr von 6136 arbeitet" sicherer und schneller als alle Striegsgerichte... Perfien. Eine russische Intervention. Adjfung, Schuhmacher! In Paris stehen die Schuhmacher fämtlicher Maßgeschäfte im Streit. Wir warnen daher unsere Kollegen dorthin zu reisen, resp. sich dahin anwerben zu lassen. Der Streit bei der Firma Krause, hier, Weinbergsweg 21 Die Ortsverwaltung Berlin. dauert unverändert fort. Deutfches Reich. gung der Stollegen an der Maifeier ist gegen das Vorjahr ein wenig zurüdgegangen, ohne daß aber dadurch an dem Gesamtbild etwas geändert worden wäre. In einzelnen Betrieben feierten sogar mehr Tiflis, 12, Mai. Einer Meldung des Blattes Katlas" zufolge als im vorigen Jahre. Als falsch erwiesen hat sich die Befürchtung Burden unweit von der russischen Grenze durch die von dem per- mancher Kollegen, daß die Unternehmer diesmal in größerem fischen Untertanen Khan Mahmed Kuli organisierten Ansiedler, Umfange, wie sonst, aussperren würden. Während voriges Jahr die gegen die russischen Untertanen Gewalttaten verübten, 10 Unternehmer 330 Kollegen und Kolleginnen aussperrten, wurden Zu den Differenzen im Hamburger Baugewerbe. ein Rittmeister und mehrere Grenzwachsoldaten getötet und jetzt von 9 Unternehmern 314 ausgesperrt. In den verschiedenen einige Soldaten verwundet. Um dem Treiben ein Ende zu Betrieben war die Aussperrung von verschiedener Dauer: 1 Tag, Die Vereinigung der am Bau beteiligten Vereine, Innungen machen, sandte der Oberkommandierende eine 2 Tage, 4 Tage, und die Ausgesperrten einer Firma, Schüße und und Betriebe" hat bekanntlich die allgemeine Aussperrung im Baus Abteilung unter dem Befehle des Generals Snarskh ab, die Freund, sind heute noch draußen. Den besten Eindruck hinterließ gewerbe zum 13. Mai für den Fall angedroht, daß die Differenzen Ansiedler unverzüglich zum zum Verlassen des russischen Terri- die Maifeier der Mechanikindustrie. Das Verhalten der Kollegen mit den Stein-, Mauerstein-, Bauhülfsarbeitern und Block- und toriums aufzufordern und von den Häuptern der Grenz- mehrerer Betriebe bei Stellungnahme zur Maifeier und am 1 Mai Rollwagentutschern bis dahin nicht beseitigt würden. In den letzten Stämme Schadenersatz zu verlangen. Falls er Widerstand finden wurde vom Redner, der die Einzelheiten erörterte, scharf gerügt.-Tagen haben Verhandlungen zwischen der„ Vereinigung" und den follte, hat General Snarsky den Auftrag, die friedlichen Einwohner In der Diskussion schlossen sich mehrere Redner der Kritik an; Zentralvorständen der Bauberufsverbände: Bömelburg, Schrader zu schonen, gegen die Räuber an der persischen Grenze aber streng einzelne suchten sie zu entkräften. Nach längerer Debatte wurde und Behrendt stattgefunden, deren Ergebnis auf eine friedliche folgende Resolution angenommen: borzugehen. Beilegung des Konflikts schließen läßt. China. Annexion Tibets. um London, 12. Mai. China beabsichtigt, die Verwaltung Tibets zu reorganisieren, um das Land allmählich in eine chinesische Provinz zu verwandeln. Marokko. Vor Fez. Tanger, 12. Mai. Wie Nachrichten aus dem Lager BenBagdadis befagen, befindet sich deffen Mahalla nur zwei Tage märsche von Fez entfernt. Die marokkanische Regierung erteilte dem Führer der Mahalla El- Kjer den Befehl, sich mit der Mahalla Ben- Bagdadis zu vereinigen. Aus Fez wird vom 6. d. M. berichtet, daß mehrere Notabeln Mulay Hafid entgegengegangen find; dieser soll sich in Zemmour befinden. Die Notabeln sind seit 48 Stunden abwesend und noch nicht zurückgekehrt. An der algerischen Grenze. " Die Versammlung nimmt Kenntnis von der lauen Beteiligung der Kollegen in verschiedenen Betrieben an der Maifeier. Sie spricht vor allen Dingen den Verbandskollegen in den Betrieben ihre Mißbilligung aus, wo es nach Lage der Verhältnisse möglich war, zu feiern, aber nicht gefeiert wurde. Die Versammlung erwartet von den Kollegen, daß sie in Zukunft das Interesse der Organisation mehr wahren, als es diesmal der Fall war." Die Streits bei Hedte und bei Neufeld, über deren VerTauf berichtet wurde, sind verloren gegangen. Die Versammlung beschloß, nunmehr auch die bisher noch geltende Sperre über die beiden Firmen aufzuheben. Bei Schüße und Freund sollten von den Ausgesperrten von der Maifeier eine Anzahl nicht wieder in den Betrieb aufgenommen werden. Darauf blieben alle 67 draußen. Sie halten zusammen, einschließlich der beteiligten Nichtorgani= fierten. Um letzteren, die der Verband nicht unterstüßt, eine Unterstüßung zu sichern, wird eine Listensammlung vorgenommen. Schiedsspruch in der Reiseeffektenindustrie. Die von der Aussperrung bedrohten Verbände( Maurer, Zimmerer, Holzarbeiter, Metallarbeiter, Maler, Stuffateure) haben an die Vereinigung" ein Schreiben gerichtet, in dem es unter anderem heißt, daß sie weder auf den Beginn noch auf die Entwickelung der Differenzen der nicht zu ihnen gehörenden Branchen irgendwelchen Einfluß ausgeübt hätten. Es erscheine ihnen daher auch ganz ungeheuerlich, daß die für ihre Verbände in Frage kommenden Arbeitergruppen in die vorliegenden Konflikte mit hineinbezogen werden sollen. Wohin sollte es führen, wenn wegen kleiner Differenzen jedesmal große Massenstreitigkeiten inszeniert würden? Wir vertreten die Ansicht, daß es richtiger ist, irenn vorliegende Differenzen durch gegenseitige Verhandlungen auf gütlichem Wege erledigt werden. In diesem Sinne haben wir im Interesse des Friedens, seit uns Ihre Entschließung bekannt ist, gewirkt. Wie es den Anschein hat, auch nicht ohne Erfolg." Die Vereinigung" hat am Dienstagnachmittag zu der Frage der Aussperrung Stellung genommen. " Berechtigte christliche Interessen. Der christliche Arbeitersekretär Peter Geier in Augsburg hat Paris, 11. Mai. General Vigy hat telegraphiert, daß seine Nach den gestrigen, vor dem Einigungsamt des Berliner in einer christlichen Versammlung behauptet, der sozialdemokra Kolonne am 4. Mai mehrere Dörfer bombardiert habe, die Gewerbegerichts fortgesezten Verhandlungen zur Beilegung tische" Beamte des Textilarbeiterverbandes Brüggemann Mitteilungen an jene Harta hatten gelangen lassen, die das der Streitigkeiten über den neuen Tarif, die nach mehrstündigen habe sich von Unternehmern abschmieren lassen. Brüggemann erfranzösische Lager bei Mcnabha überfallen hat. Die Bewohner der Beratungen und wiederholten Versuchen der beiderseitigen Bei- hob Klage. Die Gerichtsverhandlung erbrachte den Beweis, daß Dörfer zogen sich, nachdem sie nur geringen Widerstand geleistet fizer wiederum ergebnislos verliefen, wurde folgender Schieds- der Sekretär der Christen elend geschwindelt hat. Der Geier hatten, in die Berge zurück. Ein eingeborener Schüße wurde leicht spruch gefällt: wurde zu einer größeren Geldstrafe verurteilt. Er erhob Beberlegt. Alle Dörfer im Tal der Ued Aissa haben sich unter- 1. Wöchentliche Arbeitszeit von 53 Stunden. rufung. Die zweite Instanz sprach den Chriftenmann frei, aber worfen. 2. Stundenlohn für gelernte Arbeiter beziehungsweise qualifi- nicht deswegen, weil er unschuldig sei, sondern man billigte ihn zierte Hülfsarbeiter von 52% Pf. den Schutz des§ 193( Wahrung berechtigter Interessen) zu.3. Minimallohn für Neueingestellte von 47% Pf. pro Stunde. Unter Verschweigung dieses sehr wichtigen Umstandes schreit 4. Sofortige Erhöhung der Affordlöhne für die Handpappen- nun der brave Christenmensch in christlichen Blättern in die Welt fofferarbeiter um 5 Prozent und für alle übrigen Attord- hinaus, daß der sozialdemokratische Gewerkschaftsbeamte Brüggearbeiter um 2½ Prozent. Vom 1. November 1909 eine noch- mann mit seiner Klage abgefahren" sei, womit der Eindrud er malige Erhöhung für erstere um 2 Prozent, für die zweiten wedt werden soll, als habe der Christenmensch für seinen Schwindel um 1 Prozent. Amerika. Roosevelt für die Korporationen. Washington, 11. Mai. In einer Ansprache an den Ausschuß des Vereins für nationale Wohlfahrt in St. Louis sagte Präs sident Roosevelt: Wenn wir nicht zu einem Zustande zurückkehren dürfen, der das Unrecht duldete, so dürfen wir uns doch auch nicht von denen irreführen lassen, die uns in einen phantastischen Kreuzzug gegen alle Korporationen und alle Arten der Geschäftsführung verwickeln wollen. Denn es ist ebensowohl unsere Pflicht, die wahren Rechte des Eigen tums, wie die wahren Rechte der Arbeit zu schüßen. An die Parteiorganisationen " 5. Sofortiges Inkrafttreten des Vertrages und Gültigkeit bis den Wahrheitsbeweis erbracht. 1. Mai 1911. Bis zum 16. Mai, 1 Uhr mittags, müssen beide Parteien ihre Erklärungen dem Einigungsamt überreicht haben, ob der Schiedsspruch angenommen ist oder nicht. Verfammlungen. und Gewerkschaftskartelle Deutschlands. Dieser Kausreißer arbeitet zu Löhnen, welche bis zu 25 roz. re- Wolfsvertreter, einem Sozialdemokraten, zu geben. Sollte der eine " 200 Der Zentralverband der Fleischer hielt am Mittwoch seine Quartalsversammlung ab. Genoffe Schneider vom Bäder Ausgesperrt und mit dem Revolver bedroht. verband hielt einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag Seit dem 14. März sind aus nichtigen Gründen die Stod- über:" Die Gewerkschaften und die preußischen Landtagswahlen". arbeiter von Pfohl, Kottbuser Ufer 33, ausgesperrt. Als Arbeits- Die Anwesenden wurden aufgefordert, von ihrem Wahlrecht aus. williger ist dort tätig der den Stockarbeitern bekannte Schulte. giebigen Gebrauch zu machen und ihre Stimme einem wirklichen duziert wurden. Als vor einigen Tagen einer der Ausgesperrten oder andere Arbeitgeber deshalb eine Gesellen entlassen, so ist es Am 15. Mai tritt das Reichsvereinsgesetz und damit die Be- nach Schluß des Geschäfts, nachdem er seiner Pflicht als Posten Pflicht des Gemaßregelten, dies dem Bureau sofort zu melden, schränkung des Vereins- und Versammlungsrechts für die jugendlichen genügt, durch die Reichenberger Straße ging, sprang plöblich der damit auch die Arbeiterschaft mit diesem Herrn Arbeiter in Kraft. Schulte aus einem Hausflur mit dem Rufe:„ Warum verfolgst Du noch ein ernstes Wort reden tann. Die Abrechnung Durch dieses beraulaßt, berief der Verband junger mich. Wenn man mich belästigt, verteidige ich mich!" Mit diesen vom 1. Quartal gab Bergmann. Die Einnahmen der HauptArbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands", welcher Worten zog er einen Revolver aus der Tasche. Das erlaubte sich taffe betrugen 1886,95., die der Lokaltasse 1740,42 M., die Ausgaben der letteren betrugen 802,93 M., so daß ein Kassenbestand sich bisher der Aufgabe gewidmet hatte, die jugendlichen Arbeiter Schulte, der nie belästigt worden ist. für die politische und gewerkschaftliche Bewegung vorzubereiten, auf Der Schirmfabritant Ernst Thürmer, welcher sein Schirm von 937,49 M. berbleibt. Beim Vorstandsbericht bemerkte Berge den 3. Mai nach Darmstadt eine außerordentliche General- geschaft in Rigdorf, Hermannstr. 155 Hat, arbeitete fürzere Beitmann, daß das 1. Quartal im Zeichen der Krisis gestanden, die bersammlung ein. Diese beschloß die Auflösung des bei Pfohl, wurde dort ebenfalls mit ausgesperrt und betätigt sich Arbeitslosigkeit sei immer größer geworden. Troß dieser ungün Verbandes und die Agitation unter der Arbeiterjugend den an allen nun als Arbeitswilliger, obgleich ihm angeboten wurde, ihm sofort stigen Verhältnisse sei dennoch ein erfreulicher Fortschritt zu ver Drten zu gründenden Komitees zu übertragen. Fast einstimmig ge- in einem anderen Betriebe lohnende Stellung zu vermitteln. Nach zeichnen. Das beweise am besten der gesteigerte Markenumsab. langte nach einem Referat des Genossen Dr. L. Frant folgende dem die Leitung der Stockarbeiter hiervon Kenntnis erhielt, ist die Gegenüber dem 4. Quartal sind 662 Wochenbeiträge, gegenüber dem Resolution zur Annahme: Kundschaft des Thürmer durch Flugblatt von dieser seiner Tätigkeit 1. Quartal 1907 1712 Wochenbeiträge mehr umgefekt. Ein Beweis, unterrichtet worden. Nebenbei hat er schon früher immer versucht, daß die Kollegen den Verlockungen der Meister sowie der Gelben seine Kollegen in ihren Bestrebungen auf Verbesserung ihrer immer weniger Gefolgschaft leisten, daß sie einsehen lernen, daß nur Lebenshaltung zu hindern. Nachdem dieses Flugblatt verbreitet, in der Organisation ihre Interessen gewahrt werden. Mit einem ist der dasselbe verantwortlich Zeichnende von der Rigdorfer Polizei Appell, mit frischem Mut weiter für die Organisation zu arbeiten vorgeladen und wurde demselben angedroht, er solle wegen öffent- und am 3. Juni Mann für Mann an dem Wahltisch zu erscheinen, licher Verbreitung des Flugblattes zur Verantwortung gezogen schloß die Versammlung. werden. Strafandrohung 150 M. oder sechs Wochen Haft und wegen Verrufserklärung aus§ 153 der Gewerbeordnung, Ob der Revolverheld auch vorgeladen wurde, wissen wir nicht. „ Die außerordentliche Generalversammlung des Verbandes junger Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands protestiert mit Entrüstung gegen die durch das Reichsvereinsgesch beabsichtigte Entrechtung der Arbeiterjugend. Damit die Ziele der Jugendorganisationen unter den neuen Verhältnissen erreicht werden, wird beschlossen: 1. Aus über 18 Jahre alten Genossen sind an allen Orten Agitation stomitees für die Jugend zu bilden, die für die Verbreitung der Jungen Garde" zu sorgen und in Verbindung mit den örtlichen Partei- und Gewerkschaftsorganisationen die Agitation unter der Arbeiterjugend zu betreiben haben. " 2. Die bisher bestehenden Ortsvereine find, wo fie möglich, in unpolitische Bildungsvereine umzuwandeln. 3. Die Agitationskomitees für die Jugend haben dafür einzutreten, daß überall die Getverkschaftskartelle Lehrlingsschuhtommissionen bilden. " 4. Der bisherige Hauptvorstand hat weiter in Verbindung mit den Agitationskomitees für die Herausgabe der Jungen Garde" zu sorgen. Der bisherige Hauptvorstand nimmt den Namen Zentralkomitee für die Jugendagitation" an. Neue Verträge für das Zimmerergewerbe. Als Resultat der jüngsten Verhandlungen zwischen den Vertretern der Arbeitgeber der östlichen Vororte und den Vertretern der dortigen Verbandszahlstellen des Zentralverbandes der Zimmerer find folgende Vereinbarungen bekannt gemacht worden: In den Ortschaften Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Wilhelmsruh, Rosenthal, Nordend, Schlachtensee, ito lasjee und Teltow tritt derselbe Stundenlohn in Kraft wie in Berlin, nämlich 75 Pf. Letzte Nachrichten und Depeichen. Das Reichsvereinsgesetz in Württemberg. Stuttgart, 12. Mai.( W. T. B.) Die zweite Rammer hat heute die Beratung der Anträge beendigt, die eine möglichst liberale Ausgestaltung der Vollzugsverfügung heute die Beratung der Anträge beendigt, die eine möglichst aum Reichsvereinsgesetz bezwecken. Minister v. Pischek versicherte, daß die Neberwachung politischer Bersammlungen auch tünftighin eine feltene Ausnahme sein und daß die Parteien gleich behandelt werden sollten, hielt aber daran fest, daß für die Ana meldungen von Versammlungen eine 24stündige Frist notwendig sei. 5. Das Zentralkomitee hat das Recht, nach freiem Ermessen In der Abstimmung wurde der Antrag des Zentrums auf Vordie Junge Garde" und Geldmittel des Verbandes an den Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands abzutreten." In den Ortschaften Adlershof, Alt- Glienide, Bohns. legung eines Gefeßentwurfs, betreffend die landesgesetz. Die Versammlung war sich dessen bewußt, daß die großen Ar- dorf, Budow, Cöpenid, Friedrichshagen, Grünau, liche Regelung der Sprachenfrage noch im Laufe beiterorganisationen mehr leisten können als die Jugendlichen bisher Rudow, Biesdorf, Wahlsdorf, Kaulsdorf und dieser Zagung, mit 37 gegen 36 Stimmen angenommen. mit den ihnen zur Verfügung stehenden bescheidenen Mitteln zu tun seietemal beträgt der Stundenlohn bis 31. März 1909 70 Pf., vermochten. Die in der Resolution gefällte Entscheidung fand auch vom 1. April 1909 bis 31. Dezember 1909 72% Pf. und vom die Zustimmung des Vertreters des Parteivorstandes 1. Januar 1910 bis 31. März 1910 75 Pf. In den Ortschaften Johannisthal, Karlshorst, Oberund Nieder- Schöneweide beträgt der Stundenlohn bis 31. März 1909 722 f. und vom 1. April 1909 bis 31. März 1910 75 Pf. sowie des Vertreters der Generaltommission der Die Verhandlungen fanden in den Geschäftsräumen des VerGewerkschaften Deutschlands. Sache der erwachsenen bandes der Baugeschäfte von Berlin und den Vororten statt. Die Arbeiter wird es nunmehr sein, das vom Verband junger Arbeiter Verträge auch für Berlin- sollen heute, Mittwoch, unterzeichnet und Arbeiterinnen begonnene Werk fortzusetzen und die Agitation werden. Eine kleine Differenz besteht noch zwischen den Parteien unter der arbeitenden Jugend zu fördern suchen. Die Hoffnung in bezug auf den Zeitpunkt, wenn die Verträge in Straft treten der Scharfmacher im deutschen Reichstage, durch die im sollen. Den Verbandsmitgliedern wird darüber noch eine genaue Vereinsgesez enthaltenen bie Bestimmungen Bestrebungen Mitteilung zugehen. Für die Vororte gilt im übrigen alles fo, Arbeiter jugendlichen unterdrücken tönnen, zu muß wie es im Berliner Vertrage festgelegt ist. zuschanden werden. Dieses tann jedoch nur gelingen, wenn allerorts fofort die Agitationstomitees eingesetzt werden, In der Bauholzhandlung von Franke in Gr.- Richterfelde find welche die in Abfaz 1 und 3 der Resolution bezeichneten Aufgaben die Arbeiter, wegen Lohnreduzierung von 60 auf 45 Pf. pro Stunde, zu erfüllen haben. Wir ersuchen nunmehr die Parteiorganisationen am Montag einmütig in einen Abwehrstreik eingetreten. In Frage und Gewerkschaftskartelle, miteinander in Verbindung zu treten, um die Gründung der Komitees für die Jugendagitation" in die Wege zu leiten. der Mit Parteigruß! Bentralfomitee für die Jugendagitation. J. A.: Paul Körner, Mannheim. Sämtliche Parteiblätter werden um Abdrud gebeten worden, wenn sich die Firma nicht den Vorbehalt ausbedungen Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Musikinstrumentenarbeiter und Maifeier. Es wird immer weiter gerüstet! London, 12. Mai.( W. T. B.) Ueber die Behauptung aus wärtiger Blätter, daß Großbritannien eine internationale Ronferenz zur Begrenzung der Rüstungen anstrebe, erfährt das Bureau Reuter, daß dieses Gerücht wahrscheinlich durch die Einladungen entstanden sei, in denen die britische Regierung die großen Seemächte ersucht hat, Sachverständige nach London zu schiden, um bor endgültiger Entschließung über die Errichtung des auf der Haager Konferenz vorgeschlagenen internationalen PrisengerichtsHofes gewisse mit dem Seerecht zusammenhängende Fragen zu erörtern. Von einer Konferenz wegen der Begrenzung der Rüstungen ist gar keine Rede; auch die Zeit für die vorgeschlagene Zusammenkunft in London ist noch nicht festgesetzt, doch nimmt man an, daß sie im Herbst stattfinden werde Die Leiden Galiziens. fommen 10 Mann, von denen 7 dem Transportarbeiterverband und 3 dem Hafenarbeiterverband angehören. Es haben noch am Montag Verhandlungen mit dem Unternehmer, unter Hinzuziehung von Vertretern der beiden Organisationen, stattgefunden, in der ersterer sich bereit erklärte, die Lohnreduzierung von 15 auf 5 Pf. pro Stunde herabzusehen. Daraufhin wäre eine Einigung erzielt Wien, 12. Mai.( W. T. B.) Abgeordnetenhaus. In fortgesetter Verhandlung des Dringlichkeitsantrages betreffend hätte, etwa neueintretenden Arbeitern den Lohn ganz nach Be- Erhöhung des Landwehr- und Retrutenkontin lieben zahlen zu dürfen, d. h. 40 und 45 Pf. pro Stunde. Auch be- gents trat Abg. Weidenhofer für eine zeitgemäße Aushielt sich die Firma vor, Arbeiten, welche im Afford gemacht werden, gestaltung der Landwehr ein. Die Abgg. Freundlich und nicht wie bisher nach bestimmten Säßen, sondern nach Belieben be- Liebermann( Soz.) und Klofac( tschechischradikal) präzis zahlen zu dürfen. Dieses Ansinnen lehnten die Arbeiter selbstversierten darauf den ablehnenden Standpunkt ihrer Parteien. Abg. ständlich ab. Liebermann berührte dabei die Verhältnisse in Galizien, von denen die Welt durch die Ermordung des Statthalters Kenntnis erhalten habe. Galizien habe das Vertrauen zum Reichsparlament verloren, das ein willenloses Werkzeug in der Hand der Regie rung geworden sei. Die polnischen Sozialdemokraten würden gegen die Staatsnotwendigkeiten so hart sein, wie es die Regierung gegenüber den Leiden Galiziens sei. Wir ersuchen alle Berufskollegen, auf diese Bewegung zu achten Eine außerordentliche, gutbesuchte Branchenversammlung der und jeden Zuzug fernzuhalten. Kein Arbeiter darf bei Franke Musikinstrumentenarbeiter des Deutschen Holz- in Arbeit treten, bevor die vorerwähnten Differenzen nicht beiarbeiterverbandes( Ortsverwaltung Berlin) tagte am Montag in gelegt sind. den Andreas- Festsälen". Ueber den diesjährigen Berlauf der Die Bezirksleitung Groß- Berlin des Deutschen Transportarbeiter Verbandes. Maifeier in unserem Beruf" referierte Leopold. Die Beteili = Berantw, Redatt.: Georg Davidjohn, Berlin, Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u.Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Sierau 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl Nr. III. 25. ZahkMg. t Ifilnjf te Jonoirls" Knlim WKsbiR Wttmch. lZ. M«i IM. vierter allgemeiner IlongreK öffnet. Im Interesse der Zukunft der deutschen Krankenkassen sind wir bereit, mitzukämpfen, nicht nur für die Aufrecht- erhaltung, sondern auch für die Erweiterung und den Ausbau der Selbstverwaltung.(Lebhafter Beifall.) Schattenseiten hat auch die Tätigkeit der Aufsichtsbehörden. Ist doch in W e i ß e n s e e ein Krankenkasseuvorstand abgesetzt worden, weil er an die Mitglieder der Kasse eine aufklärende Broschüre über die Ge- schlechtskrankheiten verbreiten ließ. Das verstehen wir Süd- deutschennicht, wiewirmanchesinPreußen nicht v e r st e h e n.(Zustimmung und Heiterkeit.) Uns hat man von An fang an niehr Freiheit gelassen, den sozialen Interessen unserer Mit- glieder zu dienen. In den Leitsätzen bitte ich Sie, die Forderung nach Zusammen- legung aller Bersichcrungszweige zu streichen. An ihre praktische Verwirklichung ist in absehbarer Zeit ja sowieso nicht zu denken. Die Leitsätze fordern ferner die Ausdehnung der Krankenversicherung auf alle erwerbstätigen Personen. So tief lvurzelt der Gedanke der sozialen Zwangsvcrsicherung aber noch nicht, dazu ist die Stunde noch nicht gekommen. Ich warne Sic, die Zwangsversicherung der Rechtsanwälte und der Fabrikanten zu fordern, umgrenzen Sie den Kreis enger auf Lohnarbeiter, Handelsangestellte und Privat beamte. Die deutschen Arbeiter haben bisher die besten Versicherungs- gesetze der Welt gehabt. Wir wünschen aber auch, daß Deutschland an der Spitze bleibt. Deshalb wehren wir uns mit allen Kräften gegen die reaktionären Angriffe auf die Selb st Verwaltung und treten mit Ihnen ein für die Erhaltung des Guten, das besteht, und für den sozialpolitischen Fortschritt.(Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Brächet- Köln(Arbeitnehmerbertreter): Wie ein roter Faden zieht sich durch die Debatte der Gedanke, daß sich die Arbeiter- Versicherung nur entwickeln kann, wenn sie in den Händen der Ver- sicherten und der Arbeitgeber bleibte Die Versammlung hier ist ein lebendiges Zeugnis dafür, wie lebhaft die Versicherten die Aufrecht- erhallung der Selbstverwaltung wünschen; sie ist uns ein Stück Volksbewußtsein geworden, das uns viel mehr wert ist, als alle Reformen. DaS, wonach wir streben, die Anerkennung unserer Persönlichkeit, finden wir nur in ihr. Jede Zurück- drängung der Selbstverwaltung würde eine tiesgehende Erbitterung in den Arbeitern hervorrufen.(Lebhafte Zustimmung.) Die bureaukratische Verwaltung der Alters- und In- validitätsversicherung steht als Schreckgespenst vor uns, gegen einen parteipolitischen Mißbrauch der Krankenkassen sichert das Proportionalwahlrecht genügend. Wir in Köln stehen augenblicklich in einem schweren, aber aussichtsvollen Kampf für die Selbstverwaltung der Kasse und die� Interessen der Versicherten. Die„Kölnische Zeitung" hat eine ganz falsche Darstellung von der Entstehimg und dem Verlauf des Konflikts gegeben, die entweder auf grober Fahrlässigkeit oder auf böswilliger Verleumdung beruht. Die freie Arztwahl soll den Kölner Aerzten nur als Mittel dienen zur Vergrößerung der Vi acht des Leipziger Ver- b a n d e s. Darum läßt der Aerztevcrein seine Mitglieder einen Revers unterschreiben, daß sie sich um Kassenpraxis oder An- stellungen bei Behörden nur mit Zustimmung und nach den Be- dingungen des Verbandes bewerben werden. Da der Revers nach vielen heblich beizutragen. Und doch gehören ihr beinahe ebensoviel Leute von Namen und amtlichen Charakter an, wie den, neuen Beirat. In Berlin ist freilich nicht einmal ein Beirat dieser embrho- nalen Art möglich. Erfteulicherweise wollte sich vor einigen Jahren niemand in Berlin dazu hergeben, als Sachverständiger der königl. preußischen Zensur sich de» guten Ruf verderben zu lassen. In der Tat muß man sich auch in Preußen alles Polizeiwohlwolleu ganz energisch verbitten. Es könnle nur zur Körrupnon führen, indem auf Kosten des prinzipiellen Austrages der Frage einzelne Koterien geschont und damit willfährig gemacht würden. In Preußen kann man die Zensur nicht beraten und erziehen, sondern nur abschaffen. Das gilt nicht bloß von der kleinen Angelegenheit der Theater- zensur, sondern von der gesamten Zensur, die alles geistige und kulturelle wie das politische Leben lähmend bedroht. Großstadtluft und Kunstkenner konstatiert, grünlichen UeberzugeS, einen Hauch von etwas und der Bronze den Bronzcdenkmäler. Seit Jahrzehnten haben daß anstatt der Patina, d. h. jenes meist welcher sich an alten Bronzen ansetzt, ihnen durch die Zeit langsam gewordenem gibt, harten Glanz des Gusses nimmt, sich an neueren Bronzekunstwerken eine harte schmutzige Kruste bildet. Durch eine Mischung verschiedener Chemikalien, besonders aber einer Kali- lauge, wird nun nach neuerem Versahren diese harte schwarze Kruste entfernt, unter der sich die glänzende, emaillartig durch- sichtige Patina gut erhalten zeigt, so daß die Bronzedenkmäler nach vollendeter Reinigung in ihrer allen Schönheit erhalten bleiben. Die entfernte Schmutzschicht enthält nach genauer Analyse nur sehr wenig Schwefelkupfcr, auf dessen Rechnung man die Verun- zierung der Denkmäler immer in erster Linie gesetzt, sondern sie be- teht überwiegend aus Kohle, vermischt mit verschiedenen fettigen Substanzen namentlich auch mit Ammoniak. Diese Stoffe werden hauptsächlich durch die unreine Lust der Groß- und besonders In- dustriestädte mit ihren qualmenden Schloten unvermeidlich zugeführt. Die recht hart und rein gearbeiteten Teile widerstehen übrigens den 'chädlichen Einflüssen, so daß durch sorgfältige Ziselierung wenigstens ein Teil dieser Einwirkungen durch die Lust abgelvehrt werden kann. Eine zweite Hauptursache besteht in der Mischung der Bronze. die von nicht geringem Einflüsse auf die Bildung von Patina ist. Die meiste» neueren Bronzen enthalten der bequemeren Ziselierung zuliebe ziemlich viel Zink. Hauptbedingung für die Bildung einer chönen, aus kohlensaurem Kupferoxyd bestehenden Patina ist reiche Kupferhaltigkeit des Metalls und harte Bearbeitung der Oberfläche. Häufiges scharfes Abspritzen mit Wasser, wie eS aus den vorstrebenden Flächen der Regen besorgt, hält die Bildung der schwarzen Kruste auf und läßt erst in längeren Zwischenräumen die gründliche Reinigung mit Kalilauge nötig werden. Der Denkmalpflege ist durch diese Feststellung ein ivttttel gegeben, die Bronzen zu erhalten, ohne sie des Kleides zu berauben/ das uns ihre Schönheit erst wert und lieb macht. Richtungen hin unsittlich sei, müssen die Aerzte ehrenwörtlich und unter Ausschluß des Rechtsweges d'arauf verzichten I Entscheiden darf nur das ärztliche Ehrengericht, und Leipziger Ver- band. Aerztekammer und Ehrengericht sind ja dieselben Personen, nur in verschiedenen Rollen.(Sehr Ivahr!) Jetzt hat der Aerzte« verein einen Vertrag mit der Regierung abgeschlossen. Um aber einen Notstand hervorzurufen, haben die Mitglieder sich wiederum ehrenwörtiich verpflichten müssen, auf Wunsch des Vorstandes jeder- zeit aus dem Vereine auszutreten.(Hört! hört! und Heiterkeit.) Auf so ungesetzliche und unmoralische Weise wird der Kampf gegen die Krankenkaffeu geführt. Wenn wir siegen, haben Sie allen Grund, mit uns zu rufen: Alaas Köln.(Lebhafter Beifall.) Nüruberg-Berlin bedauert die Zersplitterung der Krankenkasscn und die leichte Zustimmung der Aufsichtsbehörden zur Gründung von Betriebskrankenkassen. Die Betriebskrankenkassen hätten fast durch- weg geringere Leistungen und geringere Beiträge als die Orts- krankenkassen. Redner bespricht eingehend die Verhältnisse in den neuen Betriebskrankenkasseu der großen Berliner Warenhäuser. Gicbel-Berlin, Vorsitzender deS Verbandes der Verwaltungsbeamten: Die Forderung der Vereinheitlichung der drei Ver« sicherungszweige ist bisher einer unserer programmatischen Grund- sätze gewesen.(Sehr wahr!) Wir haben keine Veranlassung, diesen grundsätzlichen Standpunkt auszugeben, wenn auch zurzeit nur eine verwaltungsmäßige Annäherung zu erreichen sein wird. Auch auf die Forderung des Rechtes zum Erlaß hygicni« scher Vorschriften können wir auf Grund unserer praktischen Erfahrungen nicht verzichten. Die Gewerbeaufsicht umfaßt bei weitem nicht alle Krankenversicherten, z. B. nicht die Vureauangestellten und die Kaufleute. Heute haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer keinen Einfluß auf die Gewerbeinspektion, mit Hülfe der Krankenkassen können wir ihn gewinnen. Auch die Berufsaenossenschaften haben ja beute das Recht, Unfallvcrhütungsdorschriften zu erlassen. Die Selbstverwaltung ist das Fundament unserer ganzen Krauken- Versicherung.(Sehr wahr!) Die Angriffe auf die Beamten der Krankenkassen beruhen zumeist auf starken Entstellungen und hanebüchenen Uebertreibungen. Im Beamtenkörper der Berufs- genossenschaften begegnen wir viel stärkeren Mißbräuchen.(Sehr wahr!) Ein Major a. D., ein Amtsrichter a. D., der schon durch sein Alter von 76 Jahren nicht besonders geeignet sein dürfte und ein Geh. Regierungsrat a. D. sind z. B. Beamte von Berufsgenossen- schaften. Von der Sachkenntnis des Letzteren erzählt man sich die Anekdote, daß er in einer Sitzung den zweiten Geschäftsführer ge- fragt hat:„S U g e n S i e, lv a s i st d e n n e i g e n t l i ch e i n e B e r u f s g e n o j s e n s ch a f t?"(Stürmische Heiterkeit.) Das mag übertrieben sein, aber es beleuchtet die Beamtenverhältnisse in den Berufsgenossenschaften ganz zutreffend. Helming- Berlin(Freie Hülfskasse der Handlungsgehülfcn) protestiert gegen den Plan der Privatbeamten, eine besondere Kasse für ihre Pensionsversicherung zu schaffen. Es sei vollkommen unnötig, eine Klasse der Arbeitnehmer in sozialem Standesdünkel über die Masse der übrigen hinauszuheben. Von unseren sozialen Gesichtspunkten aus müßten wir die Einheit der sozialen Versicherung wahren. Wir können einer weiteren Zersplitterung der Arbeiterversicherung nicht zustimmen und müssen eine weitere Zersplitterung der Arbeiterversicherung durchaus zu vermeiden suchen.(Lebhafter Beifall.) Fräßdorf-DreSdeu: Die Behauptung, daß die Krankenkassen zu politischen Zwecken mißbraucht würden, ist von dein höchste» Beamten des Reiches ausgesprochen worden. Dabei haben die Arbeit g e b e r von 43 großen Ortskrankenkassen genau dieselbe Erklärung abgegeben wie heute Dr. Mayer, und durch eine Enquete bei den Arbeit- gebern haben wir festgestellt, daß die sogenannten Uebergriffe der Krankenkassen Hirngespinste politischer Gegner sind.(Hört! hört!) Das ganze Material mit Fragen und Antworten ist von uns dem Reichsamt deS Innern überreicht worden. Es ist auch nicht richtig, daß die Sozialdemokratie durch die Krankeiikasseu eine große wirt« schaftliche Macht hat. Die ineisten Krank�ukassen haben nicht Arbeit« nehmer, sondern Arbeitgeber zu Vorsitzenden. Der Einfluß der Sozialdemokratie ist ganz minimal, und sie hat keinen Grund, ihn zu vergrößern. Soweit er besteht, dient er ihren Anhängern nur dazu, zu zeigen, daß sie verstehen, die Interessen der Gesamtheit in uneigennütziger Weise zu vertreten und die Sozial« Politik vorwärts zu treiben. Wo ein Arbcitervertreter Vorsitzender der Ortskrankenkasse ist, trägt er einen Dornenkranz.(Sehr wahr I) Er ist verpflichtet, die Interessen aller Kassenmitglieder zu wahren und muß deshalb bei allein guten Herzen manche Bitte um Unter- stützung hart abweisen. Viele von Ihnen werden oft genug erfahren habe», was das bedeutet. Man bekommt dann von den Leuten die größten Grobheiten und Malicen zu hören, weil man ihnen nicht helfen, nach dem Statut ihre vermeintlichen Rechtsansprüche nicht erfüllen kann. Wenn wir die Krankenhausbehandlung, Humor und Satire. — Der Patriot im Puppenladen. Verkäuferin: „Diese Puppe kann Papa und Mama sagen."-- Käufer:„Haben Sie nicht eine, die hurra schreit?" — D r a st i s ch. Unteroffizier:„Kerls, Ihr müßt die Brust 'rausdrllcken, als wär't Ihr eben in n' ersten Ordensregen ge> kommen I" — Druckfehler.(Aus einem Konzertbericht.) Fräulein Anna Buzclmeier gab einige Lieder zum besten. Wir enthalten uns jedes Lobes; sie ist unS ja längst keine Freude mehr." — Beruhigung. Dramatiker:„Hier bringe ich Ihnen ein neues Stück 1"— Theaterdirektor:„Das ist ja in Versen I"— Dramatiker:»Das merkt das Publikum gar nicht." _(„Meggendorfer-Blätter".) Notizen. Ein T h o m a- M u s c n m soll in K a r l s r u h e in Form eines Seitenflügels zur Gemäldegalerie errichtet und im nächsten Jahre zum 70. Geburtstage de» Malers eröffnet werden. — E i n Bild Memlings, dieses fruchtbarsten, weichsten und zärtlichsten Madonüenmalers aus der Eyckschnle, sollte in der Marienkirche zu B'elgard in Pommern entdeckt sein.(Man ent- deckt jetzt sortgesetzt alte Meister— oder fabriziert sie auch.) Eine genauere Untersuchung erwies indes, das; es ein Niederländer des 16. Jahrhunderts ohne besondere Qualitäten sei. — DieWisschcnschaft auf derFra neo-Britischen Ausstellung. Die bevorstehende Fr-i»zvsisch-Britische Ausstellung in London wird der Entwickeluug der Wisseuschaften eine ganz hervor- ragende Stellung einräumen, wie dies bisher in solchem Umfang bei Ausstellungen überhaupt noch niemals geschehen ist. Ein weit- läufiger Raum ist diesem Zwecke zur Verfügung gestellt worden. Er ivird»ach den einzelnen Disziplinen abgeteilt'sein und in deren Rahmen Darstellungen der namhaftesten theoretischen Erfolge sowie ihrer technischen Anwendungen bieten. Zudem sind Einrichtungen getroffen, die einer Veraiischaulichuiig der wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiete der Erforschung des Himmels, der Luft, des Meeres und des Landes dienen. — Tuberkulose in der jüngeren Steinzeit. Eine interessante Tatsache teilt Dr. Paul Bartels in der Umschau mit: Bei einem jüngst in Heidelberg atifgcfundenen menschlichen Skelett aus der jüngeren Steinzeit stellte er an der Wirbelsäule die Spuren eines Krankhcitsprozesses fest, der mit Sicherheit darauf schließen läßt, daß dieser Mensch ans der Urzeit an Tuberkulose gelitten hat. Es handelt sich um Knochenfraß in den Wirbelkörpern und die Wirbelsäule ist infolgedessen nach vorn übergesiinlen. Der Fall ist die älteste bisherige Feststellung von Tuberkulose in Deutschland und führt so die chronologische Grenze unserer Kenntnis vom Auftrete» dieser furchtbaren Seuche bis in die Urzeit zurück. die Famillenunterstatzung daZ Kranlheitsgeld in Zeiten der Erwerbslosigkeit oder die Wöchnerinnenunterstützung, die Auf- nähme iu das Genesungsheim oder den Sommerurlaub versagen müssen, dann haben wir es wohl tausendmal hören müssen:„Sie sind ja ein schöner Arbeitervertreterl Erst haben wir Sie gewählt und jetzt machen Sie es so. Wir werden aber einmal in dem„Dresdener Anzeiger" oder den„Dresdener Nachrichten" Sie in das richtige Licht setzen."(Heiterkeit.) Ich habe mich oft gefragt, warum ich mir das sagen lassen muß. Möge man doch die Verantwortung auf Verwaltungsbeamte abwälzen, die sich noch nicht einmal mit den Leuten in ihrer Sprache verständigen können. Dann würde sich eine große Menge von Unzufriedenheit bei den Ver- sicherten ansammeln und der Sozialdemokratie zugute kommen. Dann brauchte auch die sozialdemokratische Presse bei der Kritik der Unzulänglichkeit der Kasseneinrichtungen keine Rücksicht mehr zu nehmen. Wenn wir erst wieder nur das fünfte Rad am Wagen sind, können wir uns auch mehr der Kritik als dem praktischen Aus- bau zuwenden. Keine Rosen ohne Dornen, aber der Vorsitzende einer Krankenkasse hat als Arbeitervertreter Dornen in reichlichem Maße zu tragen.(Lebhafte Zustimmung.) Blumenthal- Burg bei Magdeburg: In unserem kleinen Orte bestehen 10 Hülfska/sen. Wir sind gern mit ihrer Beseitigung ein- verstanden, wenn nur auch die Jnnungs- und Betriebskrankenkassen verschwinden. Denn die einheitliche Krankenversicherung hat große Borteile für die Versicherten. Nur eins darf nicht vergesien werden: ausreichend für die alten Mitglieder der freien Hülfskassen zu sorgen. Pfeiffcr-Jena verliest im Namen der Delegierten der Betriebs- krankeukasse der Karl Zeiß-Werke eine Erklärung, daß sie das Bedürfnis nach einer weitgehenden Zentralisation der Kranken Versicherung anerkennen, aber angesichts der außerordentlich hohen Leistungen ihrer Betriebskrankenkasie nicht in der Lage seien, für eine gänzliche Beseitigung der Betriebslrankenkassen einzutreten. Hetzschold-Berlin teilt mit, daß am gestrigen Abend im Tagungs lokale des Kongresses die zweite Jnnungskrankenkasse für das Ber- liner Bäckereigewerbe genehmigt worden ist.(HörtI hörtl und Syterkeit.) Trotz des Widerspruches des Gesellenausschusses, der ewerbedeputation des Berliner Magistrats und der Berliner Ortskrankenkasse der Bäcker habe der Oberpräsident ihre Einrichtung mit dem Hinzufügen genehmigt, daß eine Lrtskrankenkasse schon mit hundert Mitgliedern bestehen könne. (Lachen.) Das sei die Weisheit der Regierenden! Schon trage sich die Fleischerinnung mit dem gleichen Gedanken. In Sachsen seien früher nie Jnnungskrankenkassen genehmigt worden. Jetzt geschehe es. Die Ortskrankenkassen sollten soweit ge schwähit werden, daß sie dann getrost unter die Herrschaft von Bureaukraten gestellt werden könnten. Der Ruf des Kongresses müsse sein: Für Zentralisation! Gegen Zersplitterung! Für die Sicherung der Rechte aller Arbeit- nehmer I(Lebhafter Beifall.) Eichstädt- Weimar(Arbeitgebervertreter): Mancher hielt den Kongreß für verfrüht. Aber die Selb st Verwaltung kann nicht früh genug verteidigt werden.(Sehr wahr!) Ich stehe seit 15 Jahren an der Spitze unserer Ortskrankenkasse und nehme genau denjelben Standpunkt ein wie Dr. Mayer. Es ist mir auch gelungen, die Arbeitgeber in Weimar an der Verwaltung der Krankenkasse zu interessieren. Wir erkennen es hoch an, daß die Arbeiter trotz ihrer Ueberzahl einen Arbeitgeber zum Vor sitzenden wählen. Sie wissen eben, daß wir auch ein gutes Herz für die kranken Arbeiter haben.(Sehr wahr!) Die Großindustriellen haben gar keine Ahnung von der Arbeit, die wir im kleinen in den Ortskrankenkasfen leisten. Wir haben es gar nicht nötig, überstimmt zu werden; denn wir haben ein Herz für unsere Arbeiter und stimmen stets mit ihnen überein. Politische Angelegen- Helten kommen nie in Frage, deshalb haben wir auch noch nie Differenzen gehabt. Alle Arbeitgeber Thüringens ohne eine einzige Ausnahme teilen meinen Stand- p u n k t und sind bereit, mit den Versicherten stets Hand in Hand zu arbeiten.(Lebhafter Beifall.) Kreß-Kiel berichtet von den Kämpfen der dortigen Krankenkassen mit den Aufsichtsbehörden, die ihnen verbieten wollten, die Ver- bandstage zu besuchen, und von den Mißständen in der Betriebs- krankenkasse der kaiserl. Werft. Arbeiter, die sich der Interessen der Versicherten energisch annähmen, würden von dem Gewerbeassessor v. Fink als sozialdemokratischeWühler einfach ent- lassen. Klem-Hagen: Ich bin seit 25 Jahren Arbeitgebervertreter und Vorsitzender unserer Ortskrankenkasse und habe volles Verständnis für den Wert der Selbstverwaltung. Bei dem Zusammenschluß der Krankenkassen sehe ich nur eine Schwierigkeit: Wie soll der Ausgleich geschaffen werden zwischen den Kassen mit vollem Reservefonds und denen, die noch keinen Pfennig angesammelt haben? Das ist eine Schwierigkeit. Krause-Kiel erklärt sich alS Vertreter einer freien Hülfskasse damit einverstanden, daß die freien Hülfskassen immer mehr ver- schwinden. Werner-Detmold(Arbeitgeber): In der Verteidigung ber Selb- ständigkeit der Krankenkassen sind wir alle einig. Nur sollten die Krankenkassen verpflichtet werden, auch die selbständigen kleinen Handwerker uird Kaufleute aufzunehmen. Ihnen können wir die Wohltaten der Versicherung nicht weigern. Der Redner regt weiter die Schaffung einer gemeinsamen Auskunftsstelle für das deutsche Krankenkassenwesen an und wünscht klarere Bestimmungen über die Zahnpflege. Allert- Berlin: Ms langjähriges Vorstandsmitglied erst emer Ortskrankenkasse und dann der Betriebskrankenkasie der A. E.-G. kann ich die Leistungen wohl vergleichen. Unsere A. E.-G.-Kasse leistet mehr, leistet Vortreffliches. Gleichwohl bin ich ein g r u n d s ä tz- licher Gegner der Betriebskrankenkassen, weil in solchen Betrieben Arbeiter über 40 Jahren nicht ein- gestellt werden und die einzustellenden Arbeiter ärztlich voruntersucht werden. Bei diesem gesunden Arbeiterpersonal ist es natürlich leicht, hohe Unterstützungen zu ge- währen.(Hört I hört I) Rechtsanwalt Brinkuiaun- Hamburg(Arbeitgebervertreter) be- dauert die Einflußlosigkeit der Jnteressenvertreter bei den unteren Verwaltungsbehörden. Die Forderung einer Ausdehnung der Unfallversicherung auf alle Fälle des gewöhnlichen Lebens hält er für zu weitgehend. Gerade wegen ihrer zahlreichen Heinde sollten die Krankenkassen sich hüten, praktisch undurchführbare For- derungen aufzustellen, die berechtigten upd leidenschaftlichen Widerstand finden würden. Notwendig sei allerdings die Erweiterung des Begriffs des GewerbeunfallS auf die chronischen Gewerbekrankheiten. Die Selbstverwaltung der Krankenkassen sei in Hamburg besser geschützt, weil es glücklicherweise freiheitlicher sei als Preußen.(Zurufe: Na! Na I) Immerhin sei sie auch dort noch nicht so ausgebaut, wie es wünschenswert, wäre. Der Redner protestiert zum Schluß gegen die Unterstellung, als ob es sich bei diesem Kongreß um eine sozialdemokratische Veranstaltung handle. Auch in den Krankenkassen säßen die Arbeitgeber mit vielen Sozialdemokraten zusammen, aber alle wollten ohne Unterschied der Partei die Selbstverwaltung und das Interesse der Versicherten fördern.(Lebhafter Beifall.) Scharf-Berlin tritt für die Beseitigung der Jnnungs- und Betriebskrankenlassen ein und weist Zeitungsangriffe auf den Kongreß zurück. Bcckcr-Gleiwitz: Alle, die für das Interesse der Versicherten eintreten, können die Leitsätze ohne weiteres annehmen. Die Aus- dehnung der Unfallversicherung auf alle Erwerbstätigen geht freilich zu weit. Man soll nicht Leute mit einem Einkommen von 15 000 M. zipangsversichern wollen. Das Recht auf Inspektion der Betriebe müssen die Krankenkassen fordern. Die Gewerbeinspektion ist ganz unzureichend, namentlich im rückständigen Ober- schlesien. Die Gewerbeinspektoren werden durch Potemkinsche Dörfer getäuscht. Die Krankenkassenvertreter werden die wirklichen Zustände in den Betrieben zu sehen bekommen. Bensch- Striegau(Arbeitgeber): Die Auffichtsbehörden wollten nreine Delegierung zu diesem Kongreß auf Kosten der Kasse ursprüng- lich nicht zulassen, und fast wäre ich nicht in die Lage gekommen, hier auch ein Wort zugunsten der Selbstverwaltung zu sagen. Wenn gesagt wird, die Sozialdemokraten beherrschen die Krankenkassen, so ist das ein- fach unwahr. In den zurückgebliebenen Gegenden gilt nur jeder, der praktisch für den Fortschritt der Krankenversicherung tätig ist, als Sozialdemokrat.(Sehr wahr! und Heiterkeit.) Unser Ren dant bekommt pro Tag 1 Mark Gehalt.(Zuruf: Fürstliche Be zahlung!) Ist das auch sozialdemokratische Mißwirtschaft? DerKern der ganzen Angriffe gegen die Selbstverwaltung ist der Wunsch, Militäranwärter in die� Kassenstellungen zu bringen. Unter uns 321 Arbeitgebern hier auf dem Kongresse ist kein Gegner der Selbstverwaltung. Mit den Arbeitern aus allen Gauen kämpfen wir für Selbstverwaltung und Zentralisation.(Lebhafter Beifall.) Horn-Berlin(Kassenveamter) tritt für eine möglichst große Erweiterung des Kreises der Versicherten ein. Die Kassenbeamten seien jetzt weder gegen Krankheit noch gegen Unfall versichert. Die Betriebskrankenkassen seien sehr minderwertig, auch die der A. E.-G. Kranke Arbeiter würden einfach entlassen und ganz leicht verletzte ins Krankenhaus geschickt.(Allert-Berlin ruft: Unwahr!) Linsenmeyer-Mülhausen i. E. hält die Zeit zur Beseitigung aller Betriebskrankenkassen noch nicht für gekommen. Die Betriebskrankeu lassen seien in ihren Leistungen vielfach vorbildlich gewesen. Man solle nur keine Neugründungen zulassen. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. Das Schlußwort erhält Gustav Bauer: Er erklärt sich mit den Abänderungsanträgen des Dr. Mayer einverstanden. Der Vermögensunterschied der einzelnen Ortskrankenkassen könne aber bei der Zusammenlegung eine große Rolle nicht spielen, von so kleinen Gesichtspunkten dürfe man in einer so großen Frage nicht ausgehen. Das Proportional Wahlsystem könne jetzt noch nicht eingeführt werden. In zwei Ent- scheidungen in Düsseldorf und Frankfurt a. M. habe das Ober verwaliungsgericht es für unzulässig erklärt. Selbstverständlich hätten die Referenten nicht beabsichtigt, alle Erwerbstätigen in die Krankenversicherung einzu beziehen. Eine gewisse Grenze, etwa 5000 M. sei selbstverständlich. Damit würde auch den Forderungen des Mittelstandes genügt. Das Recht auf Ueberwachung der Betriebe sei außerordentlich wichtig. ES würde natürlich nur unter Mit- Wirkung der vorgesetzten Behörde, etwa des Reichsversicherungsamtes, ausgeübt werden. Darauf verzichten könnten die Kraukenkassen nicht, weil Vorbeugen oft wichtiger sei als Heilen. Unter Unfällen des gewöhnlichen Lebens verstehe die Rechtsprechung Un fälle innerhalb des Betriebsbannes. Und so sei auch der Ausdruck der Leitsätze gemeint. Jetzt seien Arbeiter, die durch einen Sonnenstich oder Insektenstich im Betriebe verletzt ivürden, meist nicht in der Lage, eine Rente zu erwirken. Dem müsse durch eine Aenderung des Unfallversicherungsgesetzes abgeholfen werden Zum Betriebsbanne gehörten auch der Weg von und zur Arbeit. Vielleicht lasse sich für die Forderung später noch ein präziser Aus druck finden. Die Angriffe gegen den Kongreß, die von vielen großen bürgerlichen Zeitungen gebracht worden seien, rührten von dem Verbände r h e i nr s ch- w est f ä l is ch e r Betriebskranken- lassen her.(Lebhaftes Hört I hört I) Es stecken also dahinter die Großindustriellen und der Zentralverband deutscher Industrieller. Wir haben ja in der Debatte gehört, daß jemand, der ernsthaft für die Versicherten strebt, sofort als Sozialdemokrat denunziert wird. Genau so geht es ja den G e w e r k- schaften, mögen sie nun christlich oder H irf ch-D u n ck e r sch sein. Der Sozialdemokratie kann das nur angenehm sein, denn das heißt ja die Arbeiter mit der Nase daraus stoßen, daß man nur von ihr positive Leistungen für die Arbeiter erwarten kann. In der Verteidigung der Selbstverwaltung der Krankenkassen sind wir alle einig gewesen, Arbeiter und Arbeitgeber ohne Rücksicht auf die politische und religiöse Anschauung. In dieser Beziehung hat uns der Verlauf des Kongresses durchaus befriedigt. Die Regierung könnte es gar nicht rechtfertigen, wenn sie trotzdem die Selbstverwaltung antasten wollte. Der leitende Staatsmann hat wiederholt die deutsche Arbeiterschaft als die intelligenteste der Welt bezeichnet. Darf man ihr da noch ihr bißchen Recht nehmen, das sie bisher in den Vcrsicherungsinstituten hatte, die doch zu ihrem Wohle geschaffen sein sollen. Die ganze moderne EntWickelung der Kulturvölker ist eine Entwickelung zur Selb st- Verwaltung und Demokratie. Selbst in Asien ringt sich die Konstitution durch. Aber in Deutschland suchen die maßgebenden Kreise die Arbeiter noch möglichst niederzuhalten. Gegen eine solche rückschrittliche Tendenz muß der Kongreß ein einheitliches Veto einlegen. Wenn es gelingt, die Millionen Versicherten über die reaktionären Anschläge aufzuklären, werden wir auch die Kraft haben, sie abzuwehren.(Stürmischer. mehrfach wiederholter Beifall.) Auch der zweite Referent Albert K o h n betont in seinem Schluß- Worte die Wichtigkeit des Rechtes zur Ueberwachung der Betriebe. Zum Schutze der Selbstverwaltung müsse nian die Versicherten in ganz Deutschland aufrütteln und eine niachtvolle Bewegung durch das ganze Reich entfalten. Die Regierung dürfe keinen Zweifel darüber haben, daß alle Versicherten und alle sozialpolitisch ge- schulten Arbeitgeber einer Beeinträchtigung der Selbst- Verwaltung den zähe st en Wider st and entgegen- setzen würden. Der Kongreß dürfe nur eine Losung kennen: Erhaltung und Ausbau der Selb st Verwaltung der Krankenkassen.(Stürmischer Beifall.) Es folgt die Abstimmung. Punkt 1 der Leitsätze von Bauer wird nach den Anträgen von Dr. Mayer folgendermaßen gefaßt: .Wenn auch die Zusammenlegung aller Zweige der Versicherung nach wie vor erstrebenswert ist, so ist doch vor allem eine organische Verbindung der Versicherungszweige dringlich". Im übrigen werden die Bestimmungen über Organisation, Verwaltung und Wahl- verfahren unverändert gutgeheißen. In Punkt 4:„Erweiterung des Kreises der Versicherten" wird zu der Forderung„Ausdehnung aller jweige der Arbeiterversicherung auf alle erwerbstätigen Personen" inzugesetzt:„mit einem Einkommen bis zu 5000 M.". Im letzten Punkte der Resolution: Ausbau der Leistungen und Befugnisse wird bei der Unfallversicherung die Fassung der Vorlage auftecht erhalten gegen- über einem Antrage Mayer, die Entschädigung zu gewähren bei jedem Unfall, der unmittelbar oder mittelbar mit dem Betriebe zusammen- hängt. Für die Streitigkeiten wird auf Antrag Mayer zu der Forde- rung„Einheitlichkeit des Rechtswegs für die gesamte Arbeiter- Versicherung"(Schiedsgerichte, Reichsversicherungsamt) hinzugesetzt: Gewährung der Rechtshülfe für alle Träger der Arbeiterverficherungs- gesetzgebung". In der Gesamtabstimmung werden die Leitsätze der beiden Refe- renteu unter lebhaftem Beifall mit allen gegen4 Stimmen angenommen. Einstimmig gelangt zur Annahme eine Resolution Giebel: „Der Kongreß der deutschen Krankenkassen richtet an die gesetzgebenden Körperschaften in Sonderheit an die Regierung als eine unabweisbare Forderung der Versicherten das Ersuche». bereits zu den vorbcratenen Arbeiten für die Reform der Arbeiter- Versicherung bezw. des Krankenversicherungsgesetzes Vertreter der Krankenkassen hinzuziehen. Besonders sachdien« lich und notwendig wird es sein, die Kassenvertreter schon vor dem Abschluß der Regierungsvorlage zur gutachtlichen Acuherung und zur Begründung der Forderungen der Versicherten heran- zuziehen." Mit sehr großer Mehrheit wird auch eine Resolution Henning angenommen: „Der Kongreß protestiert gegen die Bestrebungen, besondere Kasseneinrichtungen für die Pensions-, Witwen- und Waisen- Versicherung der Privatbeamten zu schaffen und ersucht das Reichsamt des Innern, den Bundesrat und den Reichstag, diesen Bestrebungen nicht Folge zu leisten. Der Kongreß fordert die Herbeiführung einer erhöhten Fürsorge für die gesamte lohnarbeitende Bevölkerung und sieht den besten Weg dazu in der Erweiterung und den Ausbau des JnvalidenvcrsicherungSgesetzeS auf den ganzen Kreis der Arbeiter und Angestellten gemeinsam. Die maßgebenden Instanzen bittet der Kongreß, in diesem Sinne eine weitergehende Zersplitterung der Verstcherungseinrichtungen zu verhindern." Auf Antrag Runde(Hamburg) nimmt der Kongreß ferner eine Protestresolution gegen die Verdächtigungen der bürgerlichen Presse an, als trage er einen parteipolitisch sozialdemokratischen Charakter. Die Resolution hat folgenden Wortlaut: „Der Kongreß verwahrt sich mit aller Entschiedenheit gegen die systematisch aufge st eilte unwahre Behauptung, als sei er eine parteipolitische Aktion. Es ist eine von den Arbeit- gebent in der Kassenverwaltung rückbaltlos anerkannte Tatsache, daß die Krankenkassen in ihrer modernen Entwickelung lediglich den Interessen der Versicherten dienen, und die Personen ihres Vertrauens ohne Rücksicht auf die Parteislellung wählen. Unter der gemein- samen Leitung der Arbeiter und Arbeitgeber haben sich die Krankenkassen zu einem bedeutungsvollen sozial- politischen Gebilde entwickelt, während überall da. wo eine von sozialpolitischen Gesichtspunkten unberührte bureau- kratische Bcrwalmng besteht, eine ungenügende Für- sorge für die Versicherten zu verzeichnen ist. Die moderne Krankenkassenbewegung ist nach dem Urteil aller Einsichtigen und Vernünftigen auf dem richtigen Wege. Um so nachdrücklicher ist der Versuch zurückzuweisen, Regierung und Gesetzgebung durch wahrheitswidrige Behauptungen in einer ihnen feindlichen Weise zu beeinflussen zu suchen." Die Ortskrankenkasse zu Koburg legt eine Resolution vor, die im Hinblick auf die erhöhte Krankheitsziffer durch die Steige- rung aller Lebensmittelpreise zum Protest gegen die Zollpolitik auffordert. Der Vorsitzende erklärt jedoch, daß diese Resolution einen politischen Charakter trage und läßt sie zur Besprechung nicht zu. Die Zentrale der Krankenkassen wird damit beauftragt, eine Zusammenstellung der Leistungen der Krankenkassen vorzunehmen, die über das Mindestmaß hinausgehen. Der nächste allgemeine deutsche Krankenkassenkongreß wird wiederum in Berlin stattfinden. Den Zeitpunkt seines Zusammen- tretens zu bestimmen, wurde dem Vorstande überlassen. Wahrschein- lich wird er erst nach der Veröffentlichung des endgülsigen RegierungS- entwurfes einberufen werden. Zum Schlüsse hielt Prof. Dr. Born einen Vortrag über Zahn- pflege und Krankenkassen. Er demonstrierte Präparate von Zahn- erkrankungen und betonte besonders den hohen und finanziellen und gesundheitlichen Nutzen einer vorbeugenden Behandlung. „Das ist dach«n erhört, hier auf wehrlose Menschea eimufchlagen" Ein Nachspiel zu den ArveitSlosendemon- strationen am Schiffbauerdamm bildete den Gegenstand eines umfangreichen Strafprozesses, der gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors West er mann vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts I geführt wurde.— Wegen Beamten- beleidigun.g und Widerstandes ist der Klempner und jetzige Gewerkschaftssekretär im Metallarbeiter-Verbande, Emil Blumen- thal, angeklagt, welcher von den Rechtsanwälten Dr. Heine- mann und Kurt Rosenfeld verteidigt wird. Als Vertreter der Anklage fungiert Staatsanwaltschaftsrat Bönning. Zu der Verhandlung sind etwa 30 Zeugen geladen, darunter der in dem kürzlich verhandelten Auftuhrprozeß vielgenannte Polizei- Hauptmann Schmidt, sowie zwei andere Polizeioffiziere.— Der Anklage liegen die bekannten Vorgänge zugrunde, die sich m dem Gewerkschaftshause des Metallarbeiter- Verbandes in der Cbaritestr. 3 anläßlich der Arbeitslosen- Ansammlungen am Schiffbauerdamm am 21. Januar d. I. ab- gespielt haben sollen. Was liegt der Anklage zugrunde? Der AngeklagteBlumenthal. der schon in dem Aufruhr- Prozeß eidlich vernommen worden ist, gibt etwa folgende Dar- stellung von den Vorgängen, die sich mit seinem damaligen Zeugnis deckt: Am 21. Januar habe er wegen starken ArbeitsandrangeS über Mittag im Bureau gearbeitet; als er gegen 4 Uhr die Tür öffnen wollte, um die auf der Treppe wartenden Leute hineinzulassen, habe er plötzlich unten im Hausflur des Gebäudes Lärm ver- nommen. Als er sich nach der Ursache erkundigen wollte und sich zu diesem Zwecke über das Treppengeländer gebeugt habe, habe er einen Schutzmann mit dem hochgehobenen Säbel in der Faust die Treppe hinaufstürmcn sehen. Dieser habe sich sofort auf einen der Wartenden, einen gewissen T h o m a s ch e ck, gestürzt, ihm gesagt, er solle machen, daß er fortkomme, und nach der ruhigen Erwiderung Thomaschecks, er gehöre hierher, mit dem Säbel auf ihn losgeschlagen. Jeder sei höchst entrüstet gewesen über diese Handlungsweise des Beamten. Er(Blumenthal) habe dem Schutzmann zugerufen: Zie können Sie es wagen, einen wehrlosen Menschen mit dem Säbel zu schlagen? Das ist ja eine unerhörte Unverschämtheit." Der Schutzmann habe ihm darauf geantwortet: .Machen Sie, daß Sie wegkommen, sonst kriegen Sie auch ein?!M Da er eine Treppe tiefer einen Polizeiofsizier habe stehen sehen, den er später als den Polizeihanptmann Schmidt kennen ge- lernt habe, so habe er sich nach unten begeben, um sich über den Schutzmann zu beschweren. Der Polizeihauptmann Schmidt, der in großer Erregung gewesen sei, habe ihn ange- schnauzt:„Machen Sie, daß Sie in Ihre Behausung kommen." Energisch habe er betont, er sei hier in seinem Hause, und er sei berechtigt, hier auf Ordnung zu sehen; das Benehmen des Schutz- mannS aber, auf einen wehrlosen Menschen mit der Waffe ein- zuschlagen, sei unerhört. Da habe der Polizeihauptmann zu dem von oben kommenden Schutzmann gesagt: „Nehmen Sie den Mann auch fest." Obwohl er sofort mitteilte, daß er in dem Hause angestellt sei, habe ihn der Beamte, zu dem sich bald ein zweiter von unten kommender gesellte, einfach beim Kragen gepackt und ihn die Treppe hinuntertransportiert, wobei er unter Püffen und Stößen hinuntergeschleift worden fei. Auf der Polizeiwache habe man ihn in eine Zelle gesteckt und längere Zeit darin gelassen. Erst nach 2—8 Stunden habe man ihn wieder herausgeholt und dem Kriminalwachtmeister vor- zeführt. Dieser habe ihm aus einem Schrisistück vorgelesen, daß zer Polizeihauptmann Schmidt angegeben habe, e r Blumcnthal) Hobe auf ihn mit einem Knüppel eingeschlagen! Er habe erst über diese Behauptung lachen müssen, da er nur mit dem Federhalter in der Hand aus seinem Bureau herausgekommen sei, und der Polizeihauptmann doch unmöglich einen Federhalter für einen Knüppel angesehen haben konnte. Nach seiner Vernehmung sei er dann ohne weiteres entlassen worden. vcwciSanfnahme. Der als Zeuge geladene Polizei Hauptmann Schmidt bekundet ölgendeS: Am 21. Januar nachmittag? seien bei dem Tumult am Schiffbauerdamni Schutzleute mit Steinen beworfen und auch beschossen worden. Als er die Nachricht erhalten habe, daß auf dem Karlsplatz Schutzleute von der Menge heftig angegriffen wurden, habe er sich sofort mit mehreren Beamten dorthin begeben. Hier habe ihm der zu Pferde befindliche Polizeileutnant HacciuS, der vor dem Hause Charitsstraße 3 hielt, niitgereilt, daß mehrere der Exzedenten in dieses HauS hineingefliichtet wären. Er bemerkte, daß die Tür von innen zugehallen wurde und habe diese erst durch einen starken Stoß öffnen können. Der Hausflur sei dicht mit Menschen angefüllt gewesen, die sofort die Flucht über den Hof ergriffen hätten. Beim Oeffnen der Tür habe er einen Schlag mit " Als einem Stnippel oder Schraubenschlüssel über die Hand erhalten. J Vertreter aber, Herr Pezold, sei, obwohl er an die Beamten heran-| Bericht des Ausschusses folie die Anträge zum Verbandslag liegen Er habe sich für berechtigt gehalten, in das Haus trat, um sich darum zu kümmern, was vorgehe, in barschefter Weise in einer 38 Quartseiten starken Druckschrift vor. Die Berichte ereinzudringen. Er sei dem letzten Flüchtling mit gezogenem zurückgewiefen. Ueberhaupt sei das Vorgehen der Beamten und die strecken sich über die Zeit vom 1. Januar 1906 bis zum 31. DeSäbel nachgelaufen. Auf der Treppe des Seitenflügels sei Art des Waffengebrauchs ganz unerhört und empörend. Die Beamten zember 1907. Die Tätigkeit der Hauptverwaltung war in den er dann von einem Schuhmann überholt worden, der noch haben so gehandelt, als ob überhaupt keine Bestimmungen über den beiden Jahren umfangreicher als je zuvor. Der Verband hat gute ein Stockwerk höher wie er gelaufen sei. Wahrscheinlich Gebrauch der Waffen vorhanden sind. Dabei ist durch Erlaß bom Fortschritte gemacht. Wenn auch die Mitgliederzahl nicht, wie man durch den Lärm angelockt, hätten oben Leute über das Geländer 4. Februar 1854 ausdrücklich vorgeschrieben, daß sie sich der Waffen auf dem vorigen Verbandstag in Köln hoffte, auf 8000 gestiegen, gesehen, die, als sie die Schuhleute bemerkten, sofort auf diese hin- nur bedienen dürfen so hatte es der Verband ant Jahresschluß 1907 doch schon auf über untergefpien und Ausdrücke wie Bluthunde, Lumpen" a) wenn Gewalt oder Tätlichkeit gegen sie selbst, indem sie sich 6700 Mitglieder, unter ihnen 671 weibliche, gebracht. Im Jahre und andere gebrauchten. Da er Angriff gefürchtet in Dienstfunktion befinden, ausgeübt werden, 1906 betrug die Mitgliederzunahme 2401, im Jahre 1907 393. habe, so habe er den Säbel gezogen behalten. Der An- b) wenn auf der Tat entdeckte Verbrecher, Diebe, Schleich- Daß sie im letzten Jahre weit geringer war, als im vorlegten, ist getlagte fei erregt an ihn herangetreten. Von einer Beschwerde" händler usw. ihren Aufforderungen, um zur nächsten Obrigkeit zus zu einem guten Teil auf die allgemeine Wirtschaftskrise wie auch habe dieser kein Wort gesagt, wohl aber habe er sich des Ausdrucks geführt zu werden, nicht ohne tätlichen Widerstand Folge leisten und auf den regnerischen Sommer zurückzuführen, der ebenfalls die unverschämt" bedient und sich angemaßt, ihn( Schmidt) aus sich der Beschlagnahme der Effekten oder Waren und Fuhrwerke oder Arbeitsgelegenheit im Gastwirtsgewerbe start verminderte. dem Hause zu weisen. Da er in dem Verhalten des Blumenthal die ihrer Verhaftung mit offener Gewalt oder mit gefährlicher Drohung der Verband im Jahre 1898 gegründet worden war, zählte er nur Kriterien der Beamtenbeleidigung und der Begünstigung erblickt widersetzen, 915 Mitglieder, am Jahresschluß 1905 waren es 3908 Mitglieder habe, so habe er dem Schußmann Preiß zugerufen:" Nehmen Sie c) venn sie auf andere Art den ihnen zugewiesenen Posten und in den letzten beiden Jahren stieg die Mitgliederzahl um 2794 den Mann fest!" Blumenthal habe sich am Treppengeländer fest nicht behaupten oder die ihnen anvertrauten Personen nicht beschüßen oder um 71,49 Broz. Die bisherigen englischen Ortsverwaltungen, geflammert und seiner Festnahme heftigen Widerstand ent- können. die 310 Mitglieder zählten, sind im Jahre 1907 nach einem lebergegengesett, so daß er nur mit vieler Mühe die Treppe hinunterEs liegt ihnen jedoch auch in diesen Fällen ob, die Waffen nur einkommen mit der Hauptverwaltung aus dem Verband ausgegebracht werden konnte. Von dem Säbel sei in seiner Gegen zu gebrauchen, nachdem gelinde Mittel fruchtlos angewendet find. fchieden und haben sich zu einem englischen Gastwirtsgehülfenwart feinesfalls Gebrauch gemacht worden. Der Angeklagte und nur wenn der Widerstand so start ist, daß er nicht anders als verband zusammengeschlossen, befinden sich aber nach wie vor in sei in großer Erregung gewesen, obgleich er gar keine Ver- mit bewaffneter Hand überwunden werden kann, selbst dann noch engster Fühlung mit dem deutschen Verband. Die Ausscheidung anlaffung dazu hatte, sich zum Sachwalter für Leute auf- müssen sie mit möglichster Schonung gebraucht werden. der englischen Ortsverwaltung trug auch dazu bei, daß der Mitzuwerfen, die etwas etwas begangen haben. Durch δας Das Nichts von alledem lag hier vor, so daß schon aus diesem gliederzuwachs im Jahre 1907 geringer war, als 1906. Die Zahl zwischentreten des Angeklagten fei es den Erzedenten, die sich Grunde ein eventueller Widerstand berechtigt gewesen wäre. Statt der Ortsverwaltungen ist in der Berichtszeit von 43 auf 58 gc= in das Haus geflüchtet hatten, möglich geworden, sich zu verbergen. dessen hat der Angeklagte sich lediglich verbeten, angefaßt zu werden, stiegen. Er habe den Angeklagten nicht gekannt, auch nicht das Haus und da er freiwillig mitgehe, dem Beamten die Sistierung also nicht habe nicht gewußt, daß in dem Hause eine Ver- erfchwert, sondern erleichtert. Es rechtfertige sich daher die vollbandskasse ist. ständige Freisprechung. Der Angeklagte bleibt demgegenüber dabei, er habe den Hauptmann Schmidt in der höflichsten Weise auf gefordert, den Mißhandelten vor weiteren Miß handlungen zu schüßen.- Bolizeihauptmann Schmidt betont ferner, er habe kein Wort davon gesagt, daß ihn der Angeklagte mit dem Knüppel geschlagen habe. Die Agitation erstreckte sich über das ganze Reich. Nicht weniger als 185 Städte wurden in den zwei Jahren mit Referenten von der Hauptverwaltung beschickt. Hierzu kommen noch Rechtsanwalt Rosenfeld schließt sich den rechtlichen Auffassungen 51 Orte, wo Referenten aus benachbarten Städten tätig waren. Dr. Heinemanns an und brandmarkt das ganz unglaubliche Besondere Aufmerksamkeit wurde auch den Saisonpläßen- BadeVorgehen der Polizei, das durchaus ungesetzlich und unzulässig war. und Kurorten- gewidmet, wo die Kellner oft unter sehr vielea Die Polizei hatte im höchsten Falle die Aufgabe, die Straße von und krassen Mißständen zu leiden haben. Manche opfern ihe den Demonstranten zu säubern und für den Verkehr frei- lehtes Geld den Stellenvermittlern, um auf einem solchen Saisonzuhalten. Nachdem das geschehen, lag gar kein Anlaß vor, die plak unterzukommen, müssen dann wochenlang AufräumungsEs wird festgestellt, daß diese Version auf einem Irrtum beruhe. Flüchtigen noch weiter in das Haus zu verfolgen. Statt dessen und Buzarbeiten verrichten und sind schließlich in der Hochsaison Der Schumann Preis belundet, daß er dem Thomaschek erst drang Bolizeihauptmann Schmidt und seine Leute mit gezogenem blätter wurden in Zehntausenden von Eremplaren gebrudt und auf Trinkgeldjägerei angewiesen. Verschiedene Agitationsflugeins mit dem Säbel verscht Säbel in das Haus ein, ohne sich an die Vorschriften über den habe, als diefer sich widersetzte. Thomaschet sei dann verschwunden. Waffengebrauch zu binden. Ohne weiteres wurde auf Leute ein- berbreitet. Die Broschüre über die Bundesratsverordnung für das habe, als dieser sich widersetzte. Thomaschek sei dann verschwunden. geschlagen und selbst Kinder und Frauen wurden beschimpft. Man Gastwirts gewerbe wurde in neuer Auflage in 10 000 Gremplaren Der Angeklagte habe sich dann plöglich eingemischt und gesagt: es mishandelte die Leute, die herausfamen und ließ fie dann ruhig herausgegeben. sei eine Gemeinheit, den Mann zu schlagen. Dasselbe habe er auch weitergehen, ohne sie zu sistieren. Das zeigt, daß auch die Schutz- Ueber Arbeitsnachweis und Stellenbermitte dem Hauptmann Schmidt gegenüber wiederholt. Als der Angeklagte leute auf dem Hofe ebenso erregt und grundlos eingeschlagen Iung wird berichtet, daß, entsprechend einem Beschlusse des weggeführt werden sollte, habe er sich zivar mit einer Hand am haben, wie Preiß auf den Tomaschet. Geländer festgehalten, aber von einem eigentlichen Widerstand sei haben, wie Preiß auf den Tomaschet. nichts zu bemerken gewesen. Der Angeklagte sei sehr aufgeregt geAuf Befragen des Rechtsanwalts Dr. Heinemann, was denn nun Thomaschet getan habe, belundet der Zeuge: Er habe Th. für einen der Erzedenten gehalten und ihn aufgefordert, das Haus zu verlassen. Th. habe sich geweigert, indem er sagte, er gehöre in das Haus und habe dort zu tun; da habe er den Th. festgehalten und da es ihm schien, als ob Th. auf ihn losgehen wollte, habe er auf ihn geschlagen. wesen. bemerft. fönnen. Kölner Verbandstages, die Ortsverwaltungen in vielen Städten Westermann, daß der Gerichtshof nicht den geringsten Zweifel daran für das Gastwirtsgewerbe hingearbeitet haben. In mehreren Nach etwa 3/ 4stündiger Beratung verkündete Landgerichtsdirektor auf die Errichtung paritätischer oder städtischer Arbeitsnachweise habe, daß die Schutzmannschaft zu dem Eindringen ins Haus be- Städten wird noch über die Frage mit den Wirtsvereinen oder rechtigt gewesen sei; aber ebenso wenig ist der Gerichtshof darüber den Stadtbehörden verhandelt. Merkwürdig ist, daß der Magistrat zweifelhaft, daß der Schuhmann Preiß seine Befugnisse überschritt, von Hannover erklärte, dem Wunsche der Gastwirtsgehülfen babei bewenden lassen, dieses Benehmen des Schuhmanns Preiß als un- teiten fehle. In Bremen, wo schon seit Jahren über als er den Arbeiter Tomaschet mishandelte. Hätte der Angeklagte es nicht nachkommen zu können, da es der Stadt an Räumlichhätte man daraus auf eine Absicht der Beleidigung nicht schließen daß die Stellensuchenden bezahlen sollen, woran natürlich die Ververschämt zu bezeichnen, so wäre er zwar sehr weit gegangen, doch einen paritätischen Nachweis verhandelt wird, fordern die Wirte, Der Angeklagte ist aber auch zu dem Bolizeihauptmann handlungen scheitern müssen. In Hamburg sind die Verhand Schmidt gegangen und hat ihm gegenüber in barscher Weise das gesamte lungen gescheitert, weil der reiche Gastwirtsverein keinerlei Opfer Auftreten der Polizei im Hause als" Unverschämtheit" bezeichnet. Hierin für einen Nachweis auf sich nehmen will. In vielen Fällen dienen liegt eine Beleidigung. Als strafverschärfend kommen die Vorstrafen des der Deutsche Kellnerbund sowie der Genfer Kellnerverband und Angeklagten in Betracht, als strafmildernd die hochgradige Erregung, andere derartige Standesvereine zum Schutz der gewerbsmäßigen in die der Angeklagte durch das voraufgegangene Auftreten des Stellenvermittelung. Mit Erfolg haben Mit Erfolg haben die Caféangestellten Schußmanns Preiß versetzt werden mußte. Ats angemessene Berlins einen Kampf gegen die gewerbsmäßige Stellenbermitte Strafe habe der Gerichtshof daher auf eine Geldstrafe von lung durchgeführt. Für das Gastwirtsgewerbe sind Fachabteilun Er sei aus Posen zurüdgekommen und, um sich anzumelden, 50 mart ertannt oder im Nichtbetreibungsfalle je einen Tag gen städtischer Arbeitsnachweise errichtet worden in Magdeburg, zum Bureau des Metallarbeiterverbandes hinaufgegangen, ohne Gefängnis für je 10 Mart. Elberfeld, Düsseldorf, Dortmund, Frankfurt a. M. daß irgend etwas von einem Krawall zu bemerken Berliner Polizei- Präsidium eine Sitzung stattfand, einberufen bom Bu erwähnen ist hier noch, daß am 13. Dezember 1906 im war. Als er eine Viertelstunde gewartet habe, sei der Schutzmann freigesprochen. Preiß beraufgestürmt und habe ihn angeherrscht: Machen Sie, Preußischen Handelsministerium, zu der auf der einen Seite der daß Sie hier wegkommen!" Als er darauf erwiderte, er gehöre Bund der Stellenbermittler, auf der anderen Seite unser Ver ia hierher, habe der Schußmann ihm band geladen war, um zu dem Entwurf einer neuen Verordnung sich zu äußern. Dieselbe ist im April 1907 erschienen und findet fich im Gastwirtsgehilfen" Nr. 17 bon 1907 und auch in der B.- B.- Broschüre abgedrudt. Auch Schuhmann Podrandt, der den Angeklagten nach der Wache gebracht, hat von einem Widerstande nichts Schuhmann Schack macht dieselbe Aussage wie der VorMetallarbeiter Thomaschet: zeuge. fofort zwei Schläge mit dem Säbel " bersetzt. Dann wollte er ihm noch einen dritten Schlag geben, er habe sich aber schnell gebüdt und so habe der Säbel das Geländer Fußtritt getroffen. Auch einen habe ihm der Schuhmann noch geben wollen, er habe sich aber fchleunigst in Sicherheit gebracht. Arbeiterin Anna Schüler, Bon der Auflage wegen Widerstandes wird der Angeklagte * So ist denn die verlegte Majestät der Polizei an ihrem freblen Beleidiger gerächt, er soll seine Tat mit Erlegung von 50 Mart sühnen. bürger mit seinem beschränkten Untertanenverstand sehr eigentümliche Aus dem Urteil des Gerichtshofes ergeben sich für den StaatsFolgerungen. " in einer ganzen Reihe von Städten zu verzeichnen. Die Streits Streits, Sperren und Maßregelungen waren und Sperren erstreckten sich meist nur auf einzelne Betriebe. Jeder Hauswirt sowie sein Vertreter find bei Tumulten Regelrechte Lohnfämpfe gehören im Gastwirtsgewerbe immer noch nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet, das Haustor zu zu den Seltenheiten. Der Deutsche Kellnerbund wie der Genfer schließen und geschlossen zu halten. Das Gericht aber sagt: Verband haben sich hier und da bei den Kämpfen wieder als Haustor Streifbrecherlieferanten hervorgetan. Gleichwohl konnten die durchgeführt werden, ein Beweis dafür, daß Streits im Gastdie gleichfalls vor dein Bureau gewartet hat, bestätigt die die Polizei darf ein bei Tumult geschlossenes den Eintritt in das ver- Lohnbewegungen und Streits in den meisten Fällen mit Erfolg Schuhmann Preiß habe fofort los- gewaltsam öffnen und sich geschlagen, ohne hinzusehen, wer dort stand. Nach ihrer Meinung hat schlossene Haus erzwingen, auch wenn es sich nicht darum handelt, der Angeflagte, nachdem er seine Tür geöffnet, nur gefagt:" Das etwa in das Haus geflüchtete Leute zu ergreifen, um fie vorbeugend ist doch unerhört, hier auf wehrlose Menschen los- an dem Verarechen der Zusammenrottung zu verhindern. Zwar zuschlagen!" find die Formen, welche bei der Durchsuchung eines Hauses zu beobachten sind, im Gesetz genau vorgeschrieben, aber die Polizei braucht sich an sie nicht zu kehren. Frau Anna Müller und die Beugin Herm schließen sich ganz der Vorzeugin an. Auch die Vernehmung einer Reihe weiterer Zeugen ergibt dasselbe Bild über die Vorgänge, bei denen der Angeflagte beteiligt war. Im übrigen wird noch festgestellt, daß die Schuyleute bei ihrem Eindringen auf den Hof auch Und wie begründet das Gericht diese Meinung, nach welcher die Polizei einen Freibrief zum Eindringen in geschlossene Häuser hat. Nun, die Begründung ist so, wie sie bei den Gerichtsurteilen zu sein pflegt, wenn wirkliche Gründe fehlen. Bei der Verkündigung des Urteils sagte der Vorsitzende einfach, das Gericht hat nicht den geringsten Zweifel, daß die Schußmannschaft berechtigt war, das Haus zu betreten. Es wäre auch seltsam, wenn ein preußisches Gericht an dem Rechte der Polizei irgendwie zweifeln wollte. zugegebenen Ausdrud„ Ünverschämtheit" anwenden durfte. Das sei urteilung der Polizei gewesen. Und tvenn der Gerichtswirtsgewerbe wohl möglich und auch zweckmäßig sind, wenn fie richtig eingeleitet und geführt werden. In dem Bericht wird je doch betont, daß der Streit nur als legtes Mittel, wenn alle anderen Mittel bersagen, angewandt werden foll. Ueber die Bundesratsverordnung fagt der Bericht, daß sie immer noch sehr mangelhaft durchgeführt wird, und daß die Kontrolle durch die Aufsichtsbehörden sehr viel zu wünschen übrig läßt. Durchgreifende Befferung ist nur zu erwarten, wenn Ferner wird die Petition des Verbandes auf Einführung der eine genügend starte Organisation dem Gesetze Achtung verschafft. fcöchentlichen 36stündigen Ruhezeit für alle Gastwirtsangestellten erwähnt, die bekanntlich samt der Petition des Hoteldienerberbandes auf Ausdehnung der geltenden Bundesratsverordnung auf das gesamte Hülfspersonal dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen ist. Für die Bahnhofswirtschaften ist die Bundes. ratsverordnung bekanntlich durch Ministererlaß ein wenig berbessert worden, was in dem Bericht für durchaus angebracht ermit Vorliebe Lehrlinge und junge Leute befchäftigen. lärt wird, unter anderem auch deswegen, weil die Bahnhofswirte fchiedenen Städten, wie Berlin, Leipzig, Solingen, Plauen, Düffel. Mit Gewerkschaftshäusern hat der Verband in ver. dorf, Halle usw., Tarifverträge abgeschlossen, die dem reichsstatisti fchen Amt auf Wunsch zur Verfügung gestellt wurden. Unter den Sellnerinnen wurde ebenfalls eine rege Agitation für den Verband entfaltet an der sich auch die Arbeitersekretärin Fräulein Grünberg aus Nürnberg beteiligte. In besondere Abteilungen für die Gastwirtsgehülfinnen gegründet. München und verschiedenen anderen füddeutschen Städten wurden Die Münchener Kellnerinnen führten beim Oktoberfest 1906 eine Lohnbewegung durch, die guten Erfolg hatte. Frauen und Kinder verfolgt haben. Die Frau des portiers Lachnidt, die vor einem Eingange saß und zu dem herantretenden Schuhmann lediglich sagte, hier fei nur ihre Tochter heraufgegangen, wurde ohne weiteres mit den Worten angefahren: Machen Sie, daß Sie wegkommen, dämliches Weib"; von drei Knaben, welche über den Hof geflüchtet waren, Aber ganz hat sich das Gericht dem Eindruck doch nicht entwaren zwei über den Baun geklettert, um sich der Verfolgung zu ziehen können, daß das Handeln der Schußleute nicht zu billigen war. entziehen und einer hatte sich hinter dem Müllkasten bersteckt. Ausdrücklich hat der Gerichtshof anerkannt, daß der Schuhmann Dieser wurde von einem Schuhmann mit dem Säbel hervorgeftätert, Breiß gar teine Veranlassung hatte, ben Arbeiter und ein Zeuge hatte auch den Eindruck, als ob der Knabe mit der Tomaschet mit dem Säbel zu mißhandeln. Und er flachen Klinge geschlagen sei. Die außerordentliche Aufregung des Polizei- hat sogar dem Angeklagten Blumenthal das Recht zuerkannt, dieses hauptmanns und der Schußleute wird von vielen Beugen be- Vorgehen des Preiß als unverschämtheit zu kennzeichnen. tundet. Auf eine Reihe weiterer Zeugen wird allseitig verzichtet Warum ist denn dann aber Blumenthal bestraft worden? Widerstand und die Beweisaufnahme geschlossen. hat er nicht geleistet. Die Mißhandlung des Tomaschet als unDer Staatsanwalt läßt nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme verschämt zu bezeichnen, war er berechtigt. Was hat er denn nun die Anlage wegen Widerstandes fallen, auch gibt er weiter getan? Die Beweisaufnahme hat etwas weiteres nicht er zu, daß eine objektive Veranlassung für den Schuhmann Preiß zu geben. So hätte denn Blumenthal freigesprochen werden feinem Borgehen gegen den Thomaschet nicht vorlag. Aber er be streitet, daß der Angeklagte sich einmischen und den von ihm selbst müſſen. Aber ein Freispruch wäre gleichzeitig eine Vereine Beleidigung, wofür er eine Geldstrafe in Höhe von 5of auch nicht alle Polizeitaten decken und den Schußmann Preiß 50 Mart oder im Nichtbeitreibungsfalle je einen Tag Gefängnis preisgeben will, so kann er doch nicht die gesamte Polizei für je 5 Mart beantrage. berurteilen. Nun hat Blumenthal sich bei dem Bolizeihauptmann Rechtsanwalt Dr. Heinemann gibt zu, daß der Ausdruck Schmidt über das Benehmen des Schußmanns Preiß beschwert und unverschämt" an sich beleidigend sei, aber dem Angeklagten steht Hauptmann Schmidt meint, das fei in barichem Tone geder§ 193, der ihm den Schutz der Verteidigung berechtigter Inter- fchehen, so daß er die Beschwerde auch auf sich beziehen konnte. effen zubillige, zur Seite. Als Vorstandsmitglied des Metallarbeiterverbandes hatte er das Recht und die Pflicht, die Mit- Daraus deduziert dann der Gerichtshof, daß Blumenthal das geglieder des Verbandes gegen Ausschreitungen der Polizei zu schützen. Samte Vorgehen der Polizei als ein unverschämtes kennzeichnen Ein Erkenntnis des fächsischen Oberlandesgerichts erkennt aus wollte und damit auch die Absicht verfolgte, die Polizeibeamten zu drücklich an, daß die Ausdrücke" Unverschämtheit" und" Ge- beleidigen. meinheit" einen absolut beleidigenden Charakter nicht haben, Merkt es Euch also, Arbeiter. Einzelne untergeordnete Organe tenn nicht aus den besonderen Umständen auf die be der Polizei fönnen vielleicht einmal über das Ziel hinausschießen. leidigende Absicht geschlossen Absicht geschlossen werden müsse und bas fei Die Polizei als solche niemals. hier doch ganz ausgeschlossen, vielmehr habe der Angeklagte aus verleitem Rechtsgefühl und im Gefühl der beleidigten Breußen allerdings feines Beweises mehr bedurfte, daß die Polizei Somit hat denn auch diefer Prozeß wieder gezeigt, was in Würde des Berbandes heraus gehandelt. Daß der Tatbestand bes forWiderstandes nicht vorliege, hat der Staatsanwalt selbst anerkannt. Falls sakrosankt ist, daß die Taten der Polizei immer rechtmäßig und aber der Gerichtshof zu einer anderen Auffassung kommen sollte, so sei gefeßlich find. hinzuweisen, daß von einem Widerstand schon deswegen feine Rede sein tönne, weil die Beamten sich nicht in der berechtigten Ausübung ihres Amtes befanden. Die Treppen gehören zu den Bureauräumen und sind ein Teil derselben. Wolle man selbst den Be Der Verbandstag der Gastwirksgehülfen. Leipzig, den 12. Mai. amten das Recht der Durchsuchung zugestehen, so greift doch Bom 12. bis 15. Mai hält im hiesigen Boltshause" der Vermindestens§ 106 der Strafprozeßordnung Play, wonach der Inhaber band deutscher Gastwirtsgehülfen feinen fünften Verbandstag ab. oder Vertreter des Inhabers der Durchsuchung beiwohnen darf. Dieser Der Geschäftsbericht der Sauptverwaltung, der Kaffenbericht, der Auch die Organisation des Hülfspersonals hat der Verband von Anfang an für seine selbstverständliche Pflicht erachtet, wäh rend die anderen Kellnerorganisationen mit ihrem törichten Standesdünkel auf das Hülfspersonal herabbliden. Mit dem Hoteldienerverband hat der Gastwirtsgehülfenverband durch Verwonach gegen den Anschluß der Bahlstellen jenes Verbandes an die mittelung der Generalfommission ein Uebereinkommen getroffen, Gewerkschaftskartelle tein Einspruch erhoben wird, da der Verband auf eine Verschmelzung mit dem der Gastwirtsgehülfen hinarbeitet. Grundsätzlich haben sich die Soteldiener auch bereits auf ihrem Verbandstag im April 1907 für die Verschmelzung ausgesprochen. Später ist dann ein Kartellvertrag zwischen beiden Verbänden abgeschlossen worden. Der Kampf gegen den Kost und Logis3wang, der im Serbst 1904 durch eine zu diesem Zweck gebildete Kommission ein. Erhebungen, zu deren Zwede 85 000 Fragebogen ausgegeben wor geleitet wurde, ist in den legten zwei Jahren mit aller Energie weitergeführt worden. Die im Deutschen Reiche vorgenommenen den waren, find beendet und das Resultat ist in einer von Richard Calwer verfaßten Broschüre niedergelegt worden. Zurzeit ist die Kommission mit weiteren Erhebungen beschäftigt. Das Verbandsorgan" Der Gastwirtsgehülfe", das, neben dem Hoteldiener", das einzige Organ im Berufe ist, das mit Ent schiedenheit die Interessen der Angestellten, wahrnimmt und gegen die vielen Mißstände, wie besonders gegen den Stellenschacher ener gisch ankämpft, hat auch in den letzten Jahren immer größere Verbreitung gefunden. Im Jahre 1894 betrug die Auflage 1800 Mit den internationalen Verbindungen des Verbandes wird sich eine besondere Konferenz befassen, die gleich nach dem Verbandstag, und zwar in Berlin stattfindet. Aus Induftrie und Handel. Erträgnisse im Textilgewerbe. Gremplare, 1900 mar fte auf 2500 geftiegen, 1905 auf 5200, und Jam 10. Mai versammelten Vertreter der Konsumbereine Heffens| Lohnverhältnisse, sei es nicht auf dem Wege der gütlichen Verein 7800 Gremplare erreichte fie 1907. Der Redakteur Boeksch war erheben gegen solche Besteuerung lebhaften Einspruch und hoffen barung, dann durch Arbeitsverweigerung. Andere Mittel sind die in der Berichtszeit wiederholt angeklagt. Die Prozesse endeten von der Gerechtigkeit ihrer Mitbürger, der Voltsvertreter und den Unterstüßungseinrichtungen, die Arbeitsvermittelung und die teils mit Freisprechung, teils mit Geldstrafen von 70 und 125 staatlichen Behörden, daß sie nach besserer Belehrung auf eine Be- geistige Weiterbildung, die durchaus nicht nur humanitären Cha Mart. Ein Prozeß schwebt noch in der Berufungsinstanz. Steuerung der Konsumvereine verzichten, welche mit dem Grundsak rakters sind, sondern ebenfalls Kampfmittel derselben. gleichen Rechts für gleiche Dinge auf keine Weise in Einklang zu die deutsche Industrie ihren Weltruf der gewerkschaftlich geschulten bringen ist." Arbeiterschaft zu danken hat, ist das Unternehmertum doch mit nichts eifriger beschäftigt als damit, die Arbeiter durch Unfrieden Der Kassenbericht zeugt von einem günstigen Stand zur wirtschaftlichen Einflußlosigkeit zu bringen. Solange der der Finanzen des Verbandes. Die Abrechnung der Hauptkasse Staat durch sein Sozialistengeseh die Arbeiter niederhielt und so schließt mit der Bilanzsumme von 136 773,70 M. ab. Für Streifdie Geschäfte der Unternehmer besorgte, hatten diese nur den Vorund Gemaßregeltenunterstüßung wurden 1421,90 M. ausgegeben, teil einzuftreichen, jezt aber gründen sie gelbe Gewerkschaften, was für Rechtsschutz der Mitglieder 1680,80 m., für Hinterbliebenenschon seit 1905 halten sich die Dividendensummen, die auf sich besonders auch in der Metallindustrie bemerkbar macht. unterstübung 2300,50 M., für das Verbandsorgan 21 500 M. Eine das im Tertilgewerbe angelegte Aktienkapital ausgeschüttet In den gegnerischen Gewerkschaften schütte man vor, die Uebersicht über die gesamten Einnahmen und Ausgaben des Ver- werden, auf einer recht respektablen Höhe; namentlich aber hat freien Gewerkschaften verfolgten ein bestimmtes politisches Ziel bandes in den Jahren 1906 und 1907 ergibt die Bilanzsumme von noch das Jahr 1907 eine wesentliche Steigerung gebracht. und stünden in gewissen Beziehungen zu einer politischen Partei, 312 553,66 M., und unter den Ausgaben ist die Summe von Im Jahre 1905 verteilten 239 Betriebe des Tertilgewerbes mit wodurch jedes Zusammengehen unmöglich werde. Aber wie immer 21 170,10 M. für Krantenunterstüßung. Das Verbandsvermögen einem Aktienkapital von 445,6 Millionen Mark eine Dividende von man über das wirtschaftspolitische Programm der Sozialdemo ist im Laufe der zwei Jahre von 42 636,57 M. auf 70 590,93 m. Proz., die 1906 bei den gleichen Gesellschaften auf 8,7 Proz. kratie denken mag, so viel steht fest, daß besser als heute es unter gestiegen. hinaufging. Für das Jahr 1907 liegen die Abschlüsse für alle diese diesem Programm der Arbeiter haben wird. Jede im öffentlichen Besonders erwähnenswert ist auch der Arbeitsnachweis- Betriebe freilich nicht vor. Aber aus den bis Ende März veröffent- Leken stehende Organisation bedarf der politischen Vertretung. bericht, der ergibt, daß, soweit Berichte aus den einzelnen lichten Bilanzen ersehen wir immerhin schon so vicl, daß die Er- Haben die freien Zentralverbände diese in der sozialdemokratischen Ortsverwaltungen vorliegen, 5162 feste und 170 843 Aushülfs- trägniffe im Jahre 1907 noch erheblich gewachsen sind, erheblicher Partei, so siken die Vertreter der Hirsch- Dunderschen bei den stellen, den Grundsätzen des Verbandes entsprechend, unentgelt- als im Jahre 1906. Es liegen bis Ende März mit dem Vorjahr Freisinnigen, die der christlichen Gewerkschaften im Zentrum. Es lich vermittelt wurden. Wären diese Stellen durch die Hände der bergleichbare Abschlüsse von 115 Gesellschaften gibt eben in diesem Sinn keine unpolitischen Gewerkschaften. Die gewerbsmäßigen Stellenbermittler gegangen, so hätten dafür min- vor, die ein Aktienkapital von 192,3 Millionen Mark repräsen- Gelben haben ja noch keine politische Vertretung, sie lassen sich destens 116 781,90 M. nach den ortsüblichen Gebühren bezahlt tierten. Es handelt sich bei diesen Gesellschaften um sehr zahl- durch die Unternehmer vertreten. Als sehr charakteristisch erwähnt werden müssen. reiche große Betriebe der Baumwollindustrie, wodurch die Erträg- Redner ein Zirkular, das vorige Woche in den Siemensschen nisse etwas höher ausfallen, als es dem Gesamtdurchschnitt ent- Werken verbreitet wurde. In diesem fordern die Gelben dazu auf, spricht. Während die Dividende für 1906 bei 239 Gesellschaften bei den Landtagswahlen nur die nationallibe. 8,7 Broz. betrug, stellte sie sich für die 115 Betriebe, deren Ab- rale Partei zu unterstüben, also jene Partei, die nicht schlüsse für das letzte Jahr schon vorliegen, für 1906 auf 9,8 Proz. nur vermöge der Organisation des Großkapitals die Arbeiter be Im Jahre 1907 ging die Dividende aber noch bis auf 11,8 Proz. kämpfen, sondern dazu noch die Staatsgewalt, die Gesetzgebung hinauf. Wie sich die 115 Betriebe auf die einzelnen Zweige des aufruft und in Anspruch nimmt, um jedes Aufwärtsstreben der Tertilgewerbes verteilen und wie hoch sich in jedem Zweige die Arbeiterschaft zu unterdrücken. Rentabilität stellte, das ergibt nachstehende Zusammenstellung: Gefell Attienkapital Dividende in Proz. schaften in 1000 Mark 1906 74 950 Aus der Partei. Die Beerdigung des Genossen Karl Heine fand am Dienstagvormittag auf dem Hamburger Zentralfriedhof statt. Dem imposanten Zuge wurde die alte Hamburger Parteifahne vorangetragen. Viele prachtvolle Kränze wurden als Beichen äußerer Teilnahme am Grabe niedergelegt. Genosse Frohme hielt eine ergreifende Trauerrede, in der er des wechselvollen Proletarierlebens des Verstorbenen gedachte. Das Opfer des Memeler Schandsäulenprozesses, Genosse Redakteur Hans Mardwald von der Königsberger Boltszeitung", wird morgen früh in Allenstein seine ihm von der Schubert- Kammer zudiftierte Strafe von 1 Jahr 3 Monaten antreten. Hoffentlich übersteht Genosse Mardwald die lange Strafzeit ohne Gesundheitsschädigung. Zum Parteisekretär für das badische Oberland( Siz Freiburg) ist Genosse Engler gewählt worden. Es ist dies nunmehr das vierte Parteisekretariat, welches die sozialdemokratische Partei in Baden unterhält, nämlich: 1. Mannheim( 11. Kreis), 2. Heidelberg( 12. und 14. Kreis), 3. Karlsruhe( 7., 8., 9. und 10. Kreis), 4. Freiburg( 1., 2., 3., 4., 5. und 6. Kreis.) Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Die Tendenz des Blattes als Straffchärfungsgrund. Begen Beleidigung des Unteroffiziers S. ist am 27. februar der berantwortliche Redakteur des Voltsblattes, Genoffe Leopoldt in Halle a./S. vom dortigen Landgerichte zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Der Sachverhalt war in der betreffenden Notiz an sich richtig wiedergegeben, nur war die Behauptung, daß der Unteroffizier einen Soldaten gepeinigt hätte, als nicht erweislich wahr erachtet worden. Das Gericht erblickte in der Behauptung eine grundlos und frivol dem Unteroffizier zu gefügte Beleidigung. Bei der Strafausmessung wurde berücksichtigt die außerordentlich gröbliche Art der Beleidigung und der Umstand, daß das„ Boltsblatt" bielfach auf Verächtlichmachung der staatlichen Beamten und Einrichtungen und auf Verhegung der einzustellenden Retruten gegen die militärischen Einrichtungen ausgeht." Die gegen das mit dieser eigenartigen Begründung gefällte Urteil eingelegte Revision wurde gestern vom deichsgericht verworfen. Soziales. Bundesratsverordnung, Baumwolle. Wolle. Leinen und Jute Seide. 48 11,0 28 65 187 " 7,8 11 15 120 • " 3 4168 19 8,6 17,5 11 300 " 21 596 Färberei, Appretur 2c. 8 Sonstige Textilbetriebe 17 " 5,0 13,9 Genosse Legien geht mit den gesamten generischen Gewerks schaften scharf ins Gericht, weist auf die Leistungsfähigkeit der freien Gewerkschaften im allgemeinen und der des Deutschen Me1907 tallarbeiterverbandes im besonderen hin und kommt zu dem 14,0 Schluffe, daß jede Sonderorganisation die Arbeiter schädige und 9.0 auch lediglich aus diesem Grunde die gelben Gewerkschaften von 12,1 den Unternehmern ins Leben gerufen und unterstützt würden. 13,1 Sein Vortrag verfolge den Zweck, die versammelten Arbeiter und 4,9 Arbeiterinnen mit Rüstzeug für die Agitation zu versehen, sie im 15,3 Vertrauen zur Organisation zu stärken. Wenn jeder der Ans wesenden im Sinne des Vorgetragenen unter den Arbeitskollegen wirke, dann werde man auch in den Siemenswerken wieder zur Einheitsorganisation gelangen. Unter sonstigen Betrieben sind die Gesellschaften zusammengefaßt, die sich nicht in eine der vorhergehenden Gruppen einreihen lassen, entweder weil es sich um gemischte Betriebe handelt Dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß oder um die Zugehörigkeit zu Spezialbranchen, die nicht besonders ausgeschieden wurden. Gerade diese Gruppe von Be- fich eine nur kurze Diskussion an. Von den anwesenden Gelben trieben hat im Jahre 1907 am günstigsten abgeschlossen, während wagte feiner das Wort zu ergreifen. Die Hirsche schickten dagegen allerdings die an zweiter Stelle stehenden Betriebe des Baum: den Werkzeugmacher Skalz bor, dessen Versuche, die Auswollgewerbes im Jahre 1907 eine stärkere Zunahme ihrer führungen Regiens zu widerlegen, in dem Eingeständnis gipfelten, Dividendensumme berzeichnen konnten als die Sammelgruppe der Streifbruch begangen zu haben. Stalz meinte, die Hirsch sonstigen Betriebe. Die stärkste Steigerung von 1906 auf 1907 Dunderschen Gewerkschaften berfolgten dieselben Zwecke wie der weisen die Betriebe der Leinen- und Jute industrie auf, Deutsche Metallarbeiterverband, nur vertrete seine Organisation während die Steigerung bei den Betrieben der Wollverarbeitung mehr die praktische Seite. Aus der Mitte der Versammlung aber nicht mehr ganz so groß ist. Die Kammgarnspinnereien mußte er den Vorwurf hinnehmen, daß er nicht nur beim Siemensstreit, sondern auch schon vorher sich mehrfach eines unsolidarischen allein schütteten 1906 nur 7,6 Proz., 1907 aber 9 Proz. aus. Verhaltens schuldig gemacht hatte. Die praktische" Vertretung der Gewerkschaftssache scheine, so führte Legien diesen sauberen Viehschlachtungen. " Jm I. Vierteljahr 1908 haben die Viehschlachtungen eine Kleine Zunahme erfahren. Nach den Zusammenstellungen der Nationalen Korrespondenz" beträgt die Zahl der Tiere, an denen im preußischen Staat die Schlachtvieh- und Fleischbeschau vorgenommen wurde: I. Vierteljahr 1907 Pferde und andere Einhufer... Dchsen. 24 251 72 571 Bullen. Kühe 65 019 233 152 Jungrinder über 3 Monate alt. Kälber bis 3 Monate alt 89.695 . Schweine Schafe. 572 364 .2 462 799 284 398 1908 28 885 68 890 71 743 247 048 103 843 622 219 2 652 551 283 016 Ziegen. Hunde. 40747 595 37 473 445 Hirsch treffend ab, eben der Streifbruch zu sein. Nachdem vom Versammlungsleiter dargetan, daß das Vers halten gerade der Hirsch- Dunderschen stets beigetragen zur Vers schlechterung der Lohn- und Arbeitsbedingungen, wurde die Vers sammlung mit einem begeisterten Hoch auf die Zentralorganisa tion geschlossen. Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde fudet Lindenstraße Nr. 3, sweiter Sof, dritter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl wochentäglich abends von 7 bis 9%, Uhr statt. Geöffnet 7 be Sonnabend beginnt die Sprechstunde um 6 1hr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. 2. B. 77. J. Hp. 36. Die Rente ist voll zu zahlen. Es ruht aber die Rente, d. b. sie wird nicht gezahlt, so lange der Invalide nicht im Inland seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. B. K. 310. 1. Rein. 2. und 3. Be betreffend die Einrichtung und den Betrieb von Anlagen zur Her- Demnach ist die Zahl der Schlachtungen gestiegen bei Bullen, rujung müßte durch einen Anwalt eingelegt werden; dieselbe hätte aber stellung elektrischer Affumulatoren aus Blei oder Blei- Kühen, Jungrindern, Kälbern und Schweinen. Aber die Steigerung fehr wenig Aussicht auf Erfolg. 4. Nein. 450. 2. Kinder oder oerbindungen. Der gestrige Reichsanzeiger" veröffentlicht ist nicht sehr erheblich und bedingt durchaus teine Zunahme des Enkel, die als geseßliche Erben zur Erbfolge gelangen, sind verpflichtet, das jenige, was fie von dem Erblasser bei dessen Lebzeiten als Ausstattung eine Bundesratsverordnung vom 6. Mai über die Einrichtung von Fleiſchkonsums. Teilweise haben wohl die Zunahme der Haus- erhalten haben, bei der Auseinandersehung untereinander zur Ausgleichung Anlagen zur Herstellung elektrischer Affumulatoren aus Blei oder schlachtungen bei den kleinen Schweinezüchtern den Konsum ge- zu bringen, soweit nicht der Erblasser bei der Zuwendung ein anderes an Bleiverbindungen. Die Verordnung stimmt inhaltlich mit der mit fauf wie im Jahre 1907. Im übrigen haben die Mehrschlachtungen 3. Entgelt würden Sie jetzt nicht mehr verlangen können. steigert. Die gefunkenen Preise reizen nicht mehr so start zum Ver- geordnet hat. 2. Ja. Die Aussteuer ist aber in Anrechnung zu bringen. Gültigkeit bis zum 1. Juli 1908 erlassenen Bundesratsverordnung jedenfalls vorwiegend dazu gedient, die reduzierten Bestände an Ja. Das Gehalt des Reichskanzlers beträgt einschließlich Repräsentations. oom 11. Mai 1898 über denselben Gegenstand überein. Sie tritt Dauerware wieder zu komplettieren. am 1. Juli in Kraft. Das Verbot der Verwendung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern zu solchen Verrichtungen, welche sie mit Blei oder Bleiverbindungen in Berührung bringen, war in der alten Verordnung nur mit Beschränkung für die Beit bis zum 80. Juni 1908 erlassen. Die neue Verordnung bringt diese Beitbeschränkung in Fortfall. Gegen Bauarbeiterschuh. Wegen Nichtbefolgung der Bauarbeiterschutzvorschriften verurteilte das Landgericht in Augsburg dieser Tage den Bauführer Weinzierl zu 5 Tagen Gefängnis. Durch leichtfertige Gerüste war cin Arbeiter zum Krüppel geworden, ein anderer hatte den Tod gefunden. Der Kupferkrach. Wer erinnert sich nicht der verheerenden Wirkung, die der Sturz des amerikanischen Kupfertönigs Heinze im November des Vorjahres hatte! Die Kupferpreise santen sturzartig. Zu Beginn dieses Jahres schien der Rückgang stille zu stehen, aber im Februar sezte sich die rückläufige Bewegung fort, und heute steht der Kupferpreis beinahe auf demselben Niveau( 57% Pfund) pie im Ottober 1907( 55%), nachdem er im Mai 1907 mit 107% notiert wurde. Heute weiß man, daß der Kupferkrach nicht nur durch die starke Abnahme des Verbrauches und die amerikanische Krise eingetreten, sondern zum großen Teil durch die Spekulation des Kupfertrusts selbst bewirkt worden war, indem er durch ZurückDie außerordentliche Niedrigkeit der Strafen für grobe Fahr- haltung der Bestände in der Welt die Erscheinung eines Kupferlässigkeit, in deren Folge der Tod eines Arbeiters eingetreten und monopols fünstlich erzeugte und auf diese Weise die Preise in die die Gesundheit eines anderen schwer geschädigt ist, müssen wie eine Höhe trieb. Als dann der Bedarf nachließ, wurde die Produktion Anregung zum Außerachtlassen der Schuhmaßregeln wirken und rasch eingeschränkt; aber die aufgespeicherten Vorräte waren so zeigen, welch geringen Wert die Behörden, als Organe der herr- groß und die Aufnahmefähigkeit der von der Krise beunruhigten schenden Klassen, der Gesundheit und dem Leben eines Arbeiters und teilweise schon erfaßten Industrie schon derart gesunken, daß trotz der Preisverringerung ge= beimessen. Hätten Arbeiter bei Festsetzung und Ueberwachung von die Lager nicht rasch genug Schußborschriften mitzusprechen und wären die an Unfällen leert werden konnten. Auf 715 Millionen Doppelzentner werden Schuldigen in voller Höhe für die Folgen ihrer Fahrlässigkeit ver- noch immer die Vorräte des Kupfertrusts geschäßt, was einer vierantwortlich, so würden derartige Unglüdsfälle erheblich seltener wöchentlichen Produktion gleichtommt. werden. Brotestversammlung gegen die Besteuerung der Konsumvereine in Heffen. Verfammlungen. gelder 100 000 Mart. F. W. 789. 1. Das ist nicht ratsam. 2. Ja. D. 3., Köpenick. Die Vorschriften des alten Vertrages sind auch für die jetzige Wohnung maßgebend. War tein Jahreszins, sondern nur Monatszins verabredet und steht im Vertrage nichts über die Kündigungsfrist, so fann bis am 15. zum Ersten des Monats gekündigt werden. 2. S. 1000. Nein, Sie können mit Aussicht auf Erfolg auf Heraus. gabe flagen. E. N. 99. Leider nein. M. H. 34. In der Regel nein. Der Wortlaut des neuen Vereinsgefeges ist von uns in der Sonntagsnummer vom 10. d. M. veröffentlicht. M. G. 32. Bringen Sie, falls nicht etwa der Wortlaut Ihres Bertrages dem entgegensteht, die Schilder wieder an und verlangen Erfaz der aufgewendeten Kosten vom wirt, nachdem Sie diesen unter Friſtjezung vergeblich zur Wieder anbringung der Schilder aufgefordert haben. Nein. M. N. 345. F. B. 1. Rein. 2. Zweds Weiterversicherung ist es erforderlich, daß für je zwei Jahre mindestens 20 Marten geklebt werden. Es kann jede der W. B. 57. fünf Arten Marken( 14, 20, 24, 30, 36 Bf.) geklebt werden. Sie würden am besten tum, sich an einen Anwalt zu wenden, damit dieser bie Berteidigung Ihres Mannes übernehme. 3. 12. Leider ist der er teilte Bescheid durchaus zutreffend. Auf diese ungerechtigkeit des Wahlrechts haben wir wiederholt hingewiesen. G. S. 40. Der Antrag ist an das Gericht zu richten. Der mit Vollstredungstlausel versehene Zahlungsbefehl ist dann dem Gerichtsvollzieheramt zwecks Pfändung zu übergeben. Solche Stiftungen sind uns nicht bekannt. Wenden Sie sich aber an die Stiftungs. deputation, Boststr. 16. O. R. 1. Aus der evangelischen Landeskirche. J. M. 74. Wann Miete zu zahlen ist und welche Folgen aus der 5. J. 21. nichtzahlung hervorgehen, ist in der Regel im Mietsvertrag feitgefeht. Steht im Mietsvertrag feine Bereinbarung, so ist die Miete postnumerando zu zahlen und hat der Wirt das Recht auf Ermission erst beim Rückstand von zwei Mietsraten. M. F. 105. Der Birt fann Zahlung oder Hinterlegung berlangen. Erfolgt feins von beiden, so ist er zur Einbehaltung der Sachen berechtigt. P. V. 33. 1. Bis am 16. muß die Anmeldung erfolgt sein. 2. Eine bestimmte Zahl von Zeugen ist nicht vorgeschrieben. In Darmstadt tagte am Sonntag nachmittag eine aus allen Die Gewerkschaftszer splitterung in den Siemensschen Werken Magda 31. Die Pfändung und Versteigerung gilt als zuläffig. R. 21. 1. Die Stadt würde Erbin werden. 2. Ja. 3. Sie müßten selbst Teilen Heffens beschicte Konferenz der Konsumbereine. Sie gibt dort dem Kapital Gelegenheit, seine Interessen durch Ver- die Unterstützung zahlen. 4. Ja, falls Sie in der Liste eingetragen sind. nahm folgende Resolution einstimmig an: schlechterung der Lohn- und Arbeitsbedingungen ziemlich ungehinR. 200. 1. Ja. 2. Nein. Suchen Sie die Gemeinde nachträglich zur " Schon eine Besteuerung gleich der von Erwerbsgesellschaften dert wahrnehmen zu können, begünstigt durch die Verräterei der in Auflaffung zu bewegen. M. A. 100. 1. Des Staisers. 2. Chaussee. ftraße 121. stellt sich als Ausnahmsbehandlung dar, denn die Konsumgenoffen- den gelben und Hirsch- Dunderschen Gewerkschaften organisierten ArKattowik. Sie würden zur Zahlung verurteilt werden. schaft ist kein auf Gewinn ausgehendes Geschäft, sondern ein ein- beitern. Eine von der Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiter- find Sie berechtigt, vom Vertrage zurüdzutrefen und den vollen Schaden3. C. Ist die Wohnung von gesundheitsgefährdender Beschaffenheit, so facher Haushaltsverein zu sparsamster Beschaffung der Bedarfs- verbandes zum letzten Sonntag nach dem Moabiter Gesellschaftshaus eriak zu verlangen. 3wedmäßig ift es, Gie laffen sich die gesundheits. artikel für den eigenen Haushalt der Mitglieder. Ihr Ueberschuß einberufenen Versammlung der in den Siemensschen Werken beschäf- gefährdende Beschaffenheit durch einen Arzt bescheinigen, strengen Slage ist kein Geschäftsgewinn, sondern Ersparnis, deren Rückerstattung tigten Arbeiter und Arbeiterinnen hatte sich mit dieser bedauer- auf Aufhebung des Bertrages und Schadenersatz beim Amtsgericht an, ist nur Rüdvergütung von Beiträgen, die aus technischen Gründen lichen Tatsache zu beschäftigen. Genosse Legien hielt den ein- fügen das ärztliche Attest bei und beantragen Anberaumung eines zu viel eingezahlt worden sind. Die Konsumvereine dürfen bei leitenden Vortrag über Gewerkschaftsprobleme und Gewerkschafts- nahen Termins. 1. Ja. schwerer Strafe Waren nicht an Nichtmitglieder abgeben, während aufgaben". Unter gewerkschaftliche Probleme seien alle Fragen aber nicht, so ist die Hälfte der Kirchensteuer seitens der Frau auch dann zu O. N. 5. Wenn der Mann aus der Kirche ausgeschieden ist, die Frau Der Kaufmann und die Handelsgesellschaft in dem Verkauf unbe- zu verstehen, die nicht zu den unmittelbaren Tagesaufgaben der zahlen, wenn die Frau tein Einkommen hat. Für diese Steuer haftet nach schrankt find. Gleiche steuerliche Belastung bei ungleichen Rechten Gewerkschaften gehören: die Zukunft der Gewerkschaften, deren der herrschenden Ansicht der Ehemann. Indessen ist ein oberstrichterliches muß aber als unbillig erscheinen. Eine Umsatzsteuer aber würde Stellung zur Sozialpolitik und zu den einzelnen politischen Par- Erkenntnis über solche Haftung noch nicht ergangen. eine einfache Konfistation der Ersparnisse meist armer Leute sein; teien. Das Verhältnis der freien Gewerkschaften zur sozialdemo- folcher Auskunft wäre die Sparkasse nicht berechtigt, wenn nicht ein eine Besteuerung der Sparsamkeit in einer Zeit allgemeiner Ver- fratischen Partei soll angeblich zur Zersplitterung der deutschen spezielles Interesse nachgewiesen würde. 8. 5. 84. 1. Das Amtsgericht teuerung, eine Bestrafung für eine voltswirtschaftlich nüßliche Arbeiterschaft in gelbe, christliche und Hirsch- Dundersche Organi- Charlottenburg ist zuständig. Stostenvorschuß wird erfordert. 2. Bei dem Tätigkeit, welche bei anderen Genossenschaften staatlich sogar ge- fationen geführt haben. Jedoch die Aufgaben der Gewerkschaften Amtsgericht Haffelrode müßten Sie auf Herausgabe llagen. fördert wird. Und das alles, um dem in teiner Weise zu begrün- sowie die Mittel, diese zu erfüllen, sind so einfach, daß eine 3er- Street, Sigroi Square. 2. Die Bill findet auf alle Anwendung. 1. Kommunistischer Arbeiterbildungsverein, London W., 107 Charlotte denden Vorurteil, der Konsumverein schädige den Mittelstand splitterung dadurch nicht bedingt wird. Zweck der gewerkschaftlichen schränkung politischer Flüchtlinge findet nicht statt. 3. Die Steuern müßten ben Stand, für den er mitbegründet ist nachzugeben. Die Vereinigung ist die Erzielung möglichst günstiger Arbeits- und bezahlt werden. " W. S. 999. 2. und F. T. 10. Zu R. S. 12. Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidfsohn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Gloce, Berlin, Drud u. Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Be Nr. 111. 25. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Mittwoch, 13. Mai 1908. Heute Mittwoch findet für Berlin und Vororte der Zahlabend statt. Zur Landtagswahl. Berlin eine Domäne des Freifinns? Dritter Wahlkreis. Der Zahlabend für die Stadtbezirke 260, bauten, Warenhäuser oder Fabrikgebäude erstehen zu lassen. 265, 266, 267, 274 und 275 findet gemeinsam im Gewerkschafts- Die noch vor einem Vierteljahrhundert hart an den Toren der hause, Saal I, statt. Stadt gelegene Gegend ist in das Zentrum des RiesenhäuserWilmersdorf- Halenfee. Die Genoffen werden darauf auf meeres gerüdt. Nun quillt ungehindert das Licht der merksam gemacht, daß am heutigen Zahlabend die Wahl der Wahl- Frühlingssonne über die Trümmer der Gassen, deren geEine Versammlung liberaler Landtagswähler leiter für die Urwahlbezirke zu erfolgen hat. Die Bezirke 1, 2 heimnisvolle Dämmerung nur selten einen Sonnenstrahl gebon ganz Berlin, einberufen vom Vorstand des Berliner und 3( Halenseer- Ortsteil) tagen gemeinsam bei Bonczed, Kur- fehen. Immer mehr uniformiert sich die Großstadt. Ein Parteitages der Freifinnigen Volkspartei, fand am Montag statt. fürstendamm. Hier findet außerdem die Neuwahl eines Ab- Stück Poesie- und mag es noch so grau und düster geSie war als eine Rundgebung gedacht, die nach außen hin wirken teilungsführers statt. Die Bezirke 6 und 7 tagen ebenfalls ge= follte. Darum hielten der Vorsitzende, Abgeordneter Kopsch, und die meinsam bei Herzog, Schaperstraße Ecke Rankeplak. Zahlreiche weſen ſein drei Referenten, Abgeordneter Träger, Abgeordneter Wiemer und Beteiligung erwartet Abgeordneter Goldschmidt, es für nötig, den Mund noch voller als sonst zu nehmen. Die verschwindet nach dem anderen. tapitalistische Entwickelung der Kommunen schaltet jede Der Vorstand. Eigenart aus. Trümmer decken die Stätte des ehemaligen Treptow- Baumschulenweg. Die Parteigenossen werden er= Herr Träger sprach von der Notwendigkeit, auch für die sucht, am heutigen Zahlabend die Maifestbilletts abzurechnen, da- Scheunenviertels, wo wiederum ein Stück Alt- Berlin versinken will... Wahlen zum Landtag das allgemeine, gleiche, direkte, mit in der nächsten Mitgliederversammlung die Abrechnung geDer Vorstand. geheime Wahlrecht einzuführen; dem Liberalismus gelte geben werden kann. Unnüße Scherereien das als eine kulturelle Forderung". Als Träger geendet hatte, Johannisthal. Parteigenbssen! Donnerstag, den 14. Mai, deklamierte Herr Kopsch, diese Ausführungen seien gemacht wor- abends 8% Uhr, findet eine außerordentliche Mitgliederversamm. hat das Wahlbureau vielen Personen bereitet, denen es auf den in voller Uebereinstimmung mit jedem Mitgliede der frei- lung verbunden mit Zahlabend bei Albert Trautmann, Friedrich- Grund des§ 8 der Verordnung vom Jahre 1849 die Aussinnigen Volkspartei, das müsse unterstrichen werden, um die Verstraße 61, statt. Tagesordnung: 1. Die bevorstehende Landtags übung politischer Rechte absprach und die beantragte AufIeumdungen abzuwehren, die gegen die Freifinnige Volkspartei wahl. 2. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung Groß- nahme in die Wählerliste ablehnte. Soweit wir unterrichtet verbreitet würden. Von demselben Herrn Kopsch wurde aber später Berlin. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Das Er- find, hat irgend ein übereifriger, findiger Magistratssekretär in der Ansprache, mit der er die Versammlung schloß, in zubersicht scheinen aller Genossen ist unbedingt notwendig. Der Vorstand. sich in die Mysterien des Strafgesetzbuches versenkt und lichem Ton die Mitteilung vorgetragen, in Berlin sei der LiberaTrebbin. Am Sonnabend, den 16. Mai, abends 8% Uhr, bei schließlich herausgetüftelt, daß Personen, die jemals in ihrem lismus so" start", daß er nach rechts und auch nach links kämpfen wolf, Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: 1. Kasse und Leben mit einer entehrenden Strafe belegt worden sind, auf fönne und hoffentlich über beide Gegner den Sieg davontragen werde. Hier unterließ es Herr Kopsch, den Zusatz zu machen, daß Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Wahl zweier Delegierter zur Grund der§§ 31-36 des Strafgesetzbuches nicht wählen die„ Stärke" des Berliner Liberalismus eben Generalversammlung von Groß- Berlin. 3. Landtagswahlen. 4. dürften. Diese Tüftelei fand die Zustimmung des Herrn nur auf dem Dreitlassenwahlunrecht beruht. Bei Bericht der Kommission betr. Bürgerrechtsgeld. 5. Verschiedenes. Stadtrats Bohm und des Bürgermeisters Neide, die auch den Reichstagswahlen mit ihrem allgemeinen, gleichen, direkten, ge- Wittenau- Borsigwalde. Die Abteilungslisten zur Landtags- eine entsprechende Verfügung mit ihren Namen deckten. Diese heimen Wahlrecht hat in Berlin der Liberalismus längst fich als wahl liegen für den Gemeindebezirk Wittenau am 18., 19. und Verfügung steht im Widerspruch mit§ 34 des Strafgesetzohnmächtig erwiesen. 20. Mai 1908 im Gemeindebureau, Rosenthaler Straße 14, öffent buches, in dem es ausdrücklich heißt: lich aus. Einwendungen gegen die Richtigkeit der Listen sind innerhalb dieser Frist beim Gemeindevorsteher anzubringen. " Lei= Berliner Nachrichten. " Die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte be. wirkt ferner die Unfähigkeit, während der im Urteile be stimmten Zeit: 1. Die Landeskokarde zu tragen; 2. in das deutsche Heer oder die kaiserliche Marine einzutreten; 3. öffentliche Aemter, Würden, Titel, Orden und Ehrenzeichen zu erlangen; 4. in öffentlichen Angelegenheiten zu stimmen, zu wählen oder gewählt zu werden, oder andere politische Rechte auszuüben." Im Absatz 4 heißt es fonach ausdrücklich, daß das Stimmrecht nur während der durch richterliches Urteil festgesetten 3eit ruht, und troßdem die sonderbare Verfügung. 239046300 Auch Herr Wiemer spielte den Hoffnungsfreudigen, er träumt bereits von einer Ausdehnung der Blockpartei auf den preuBischen Landtag. Es sei ein Unding, im Reiche mit den Liberalen Tegel. Am Mittwoch- und Donnerstagabend werden in den Gesetze zu machen und in Preußen mit Konservativen und Zentrum einzelnen Urwahlbezirken die Wahlmänner zu den Landtagswahlen gegen die Liberalen regieren zu wollen. Auch in Preußen müsse aufgestellt. Die Genossen müssen sich in den in den zugestellten dem liberalen Bürgertum die Stellung errungen werden, Einladungen bezeichneten Lokalen einfinden. Gleichzeitig sollen die ihm zukomme nach seiner Tüchtigteit, feiner am Zahlabend die Billetts von der Maifeier abgerechnet werden. Intelligenz und seiner wirtschaftlichen Zei Die nicht abgerechneten Billetts werden als verkauft angerechnet. stungsfähigteit. Statt wirtschaftliche Leistungsfähigkeit“ Der Vorstand. hätte er kürzer und deutlicher sagen können:„ Geldbeutel". Fast in demselben Atemzuge bezeichnete dann Wiemer das preu- Bernau. Donnerstag, den 14. Mai, findet unser Zahlabend Bische Landtagswahlrecht als ein Geldbeutelwahlrecht, dessen Be- statt. Das Erscheinen aller Parteigenossen ist dringend notwendig. Der Vorstand. feitigung zu wünschen sei. Man glaubt gar nicht, wie selbstlos" diese Freisinnigen sein fönnen! Amüsant wirtte Herr Wiemers Appell an das liberale Bürgertum, bei dem bevorstehenden Kampf um den Landtag auch daran zu denken, daß die schwer errungene Selbstverwaltung festgehalten und ausgebaut werden müsse. In diesem Jahre werde das Jubiläum der Städteordnung gefeiert, da Der Magistrat in seiner Gesamtheit hat die sonderEin versinkendes Stüd Alt- Berlin. müsse jeder Bürger den Vorsatz fassen, sich zu wahren gegen die bare Tüftelci nicht anerkannt, sondern die Aufhebung der Eingriffe in die Selbstverwaltung, an denen es besonders in Berlin Wenn die Frühlingssonne ihren warmen Goldglanz über Verfügung veranlaßt; sie konnte aber auch nicht vor dem nicht gefehlt habe. Wie wenn nicht in Berlin gerade die die grauen Mauerreste, über die weiß- gelben Steintrümmer, gesunden Menschenverstande bestehen. Das hätte aber gleich Liberalen in der Kommune den Feinden der über das bloßgelegte, braune Gebält der Vernichtung ver geschehen sollen, so daß vielen Personen unnüße Scherereien wenn nicht in Selbstverwaltung, tapfer zurüdweichend, selber fallener Dachstuhlgerippe breitet, dann sieht die ganze wüste erspart geblieben wären. Hoffentlich wird nun schleunigst die Wege geebnet hätten! Vor Liberalen Berlins über Ein- Stätte einer beschossenen Ortschaft nach der Schlacht ähnlich dafür gesorgt, daß die von der Verfügung betroffenen Ber griffe in die Selbstverwaltung zu tlagen, das ist ebenso unvorsichtig, oder einer von Erdbeben heimgesuchten Gegend. von Erdbeben heimgesuchten Gegend. Ein fonen in der Wählerliste nachgetragen werden. wie im Hause des Gehenkten vom Strick zu reden. Wie das liberale Bürgertum zu dem ersehnten Ziel gelangen riesiges Trümmerfeld liegt gegenwärtig das ehemalige fönnte, auch im Landtag feine Lüchtigkeit", feine Intelligeng", Scheunenviertel da. Seine dunklen Gassen und Gäßchen find verschwunden, und was seine wirtschaftliche Leistungsfähgkeit" zur Geltung zu bringen, in ihrer Dunkelheit Standen da dieser Tage eine Anzahl Arbeitslose vor der Bahits das jetzte Herr Goldschmidt auseinander. Wenn nur die lebte und gedieh, ist geflüchtet und hat jener Gegend den meisterei am Aleranderplaß, als ein Bahnbeamter heraustrat und Arbeiterklasse dem Liberalismus den Gefallen tun wollte, Charakter genommen, der ihr jahrzehntelang eigen gewesen. fragte, ob die Leute gewillt seien, Erdarbeiten zu verrichten, die in fich von der Sozialdemokratie abzuwenden und Breit zieht sich nun der Kanal der Untergrundbahn mit seinen Staaten bei Spandau ausgeführt würden. Es gäbe 39 Pf. die für die liberalen Kandidaten zu stimmen, dann ließe sichy's machen. Eisentonstruktionen quer durch das Terrain, das zu betreten Stunde; wer wolle, könne auch gleich in dort aufgestellten Baracken Doch die sozialdemokratischen Arbeiter wollen nicht, trotz aller dröhnenden Reden, in denen Herr Goldschmidt jahraus, jahrein die ostens- uns oft lockte. Aber das Grauen vor den Geheim- fort bereit, die Arbeit anzutreten. Die leßten Groschen wurden dröhnenden Reden, in denen Herr Goldschmidt jahraus, jahrein die unsere kindliche Phantasie wir waren Kinder des Nord- schlafen. Erfreut, Arbeit zu finden, erklärten sich fünf Mann soArbeiterfreundlichkeit des Liberalismus preist. In der Versammlung bom Montag versicherte er, Manchestermänner seien die Liberalen nissen des Scheunenviertels war stärker in uns als der zusammengesucht, der Familie einstweilen Adicu gesagt und fort nicht, auch der Liberalismus wisse, daß der Staat die Aufgabe habe, Wunsch, es zu betreten. Als dann später die Neugier halb- ging es nach Staaten. Hungrig und müde kamen die Leute an die unteren Voltstlassen zu schützen. Aber für den Fortschritt, so wüchsiger Jungens uns in stillen Dämmerstunden in den und wandten sich gleich an den Schachtmeister, dem sie ihr Anfügte er einschränkend hinzu, sei es unerläßlich, die fittlichen Kräfte wenig angenehmen Dunst dieser geheimnisvollen Gassen liegen vortrugen. Der aber antwortete, daß er Berliner nicht einzu entwideln, und das sei nur möglich, wenn man das persönliche trieb, als wir δας Treiben ihrer Bewohner scheu stellen könnte, er müßte mit seinen Galiziern arbeiten. Er riet Verantwortlichkeitsgefühl zu stärken suche. Er schimpfte, die Sozial- beobachten lernten, waren wir niemals froher, als wenn wir aber, nach dem 20 Kilometer entfernten Orte Rohrbeck zu gehen. demokratie„ berstoße gegen diese fittlichen Grundsäße", sie lehre die Fahrt" hinter uns hatten. Eine warme Feuchtigkeit hing Dort wäre das Kontor des Tiefbauunternehmers( Hannemannden Klaffenkämpfer nur an sein eigenes Interesse denken. Die ittlichen Grundfäße" des Liberalismus, die hinter an dem schmutzigen Grau dieser Hauswände. Tief hingen Frankfurt), dort solle man anfragen. Hier angekommen, wurden diesen Phrasen sich berbergen, lassen sich zusammenfassen in die For- die Dächer. Die Fensterläden der Parterrewohnungen waren die Leute an den in der Gegend tätigen Schachtmeister Brehm derung: mehr Ausbeutungsfreiheit! Sie gilt dem meist geschlossen. Hinter ihnen aber schimmerte Lichterschein, verwiesen. Wiederum aber wurde den armen Teufeln eine abs Liberalismus als„ unerläßlich für den Fortschritt". Herr Goldschmidt der goldig durch alle Fugen und Risse drang, und der lehnende Antwort zuteil. Nun standen sie nicht nur ratlos, sonerzählte, der Liberalismus habe die Aufgabe, die deutsche Arbeiter- Phantasie reiche Nahrung gab. Schlecht ging es sich auf dem dern auch vollständig mittellos da. In ihrer Not suchten sie noch schaft zu sich hinaufzuziehen", sie hineinwachsen zu lassen in das spigen Kopfpflaster dieser engen Straßen und noch schlechter spät abends den Gemeindevorsteher von Rohrbed auf und trugen deutsche Bürgertum. Schon seien, so renommierte er, zahlreiche auf den schmalen Bürgersteigen, auf denen zwei Personen ihm den Sachverhalt vor. Sie erhielten das Reisegeld, um, eine Arbeiter im Begriff, zum entschieden liberalen Bürgertum zu einander nicht ausweichen tonnten. Hoffnung ärmer, wieder nach Berlin zurückkehren zu können. tommen; hier wurde der Wunsch ihm zum Vater des Gedankens! Enttäuschte Arbeitslose. Und dann ward dort alles allmählich anders. Schon Gestern wandten sich die so Enttäuschten an die Bahnmeisterei und Eine Diskussion über diese drei Referate gab's nicht; es wurde gar nicht erst gefragt, ob jemand fie fordere. Daß zum Schluß bor zehn, fünfzehn Jahren setzte das ein. Ein aus Galizien teilten ihre Erlebnisse mit. Hier wurde die Antwort erteilt, daß Herr Kopsch dem Berliner Freifinn seine Stärte" attestierte, und Ungarn, aus Rußland und aus dem Balkan her- von der Unternehmerfirma ein Schreiben eingegangen sei, nach wurde schon oben erwähnt. Er und die Seinen vertrauen darauf, gewandertes jüdisches Proletariat gab der Gegend ihr Ge- welchem 60 Erdarbeiter verlangt würden. Wenn die Firma feine daß bei den Wahlen zum Landtag Berlin eine Domäne des präge. Wohl blieben die Gassen die alten. Aber an den Leute eingestellt habe, könne man nichts dafür. Als die fünf ArFreisinns sei und bleiben werde. Vor fünf Jahren hatte in Häusern änderte sich dieses und jenes. Läden wurden aus- beiter wenigstens zurückerstattung ihrer Fahrgelder verlangten, Berlin bei den Wahlen der Wahlmänner die Sozialdemokratie eine gebrochen, in denen Althändler oft die unglaublichsten Sachen wurden sie zum schleunigsten Verlassen der Bureauräume aufge. bedeutende Stimmenzahl aufgebracht, aber bei den Wahlen der Ab- feilhielten. Vor allem aber wurde Berlin um eine Neuerung fordert. geordneten ging sie leer aus, dant dem Dreitlassenwahlsystem, das Es ist ganz unverständlich, wie die Unternehmerfirma Arbeiter Gegner des Dreitlassenwahlsystems, war damals schamlos genug, jüdischen Bierlokale in zahlreichen Exemplaren in der Schendel- aus Berlin verlangen kann und dann nicht einstellt. Das ist ein am Abend der Abgeordnetenwahl in öffentlicher Versammlung bei gasse, in der Hirtenstraße usw. kennen lernen. Diese Kneipen Verfahren, das schon in gewöhnlichen Zeiten scharf verurteilt der Siegesfeier der Liberalen in den jubelnden Hochruf auszu unterscheiden sich so gut wie gar nicht von anderen werden muß, in der jetzigen Zeit der Arbeitslosigkeit ist die von brechen: Es gelingt den Sozis nichts mehr!" Möge die sozial- Restaurationen. Nur die Zubereitung der Speisen ist eine der Tiefbaufirma Hannemann beliebte Pragis doppelt und dreidemokratische Wählerschaft diesmal Bresche legen in den Wall" des rituelle. Und am Sonnabend, dem jüdischen Sonntag, an fach zu verwerfen, zumal sie an armen Arbeitslosen geübt wird. Berliner Liberalismus, der auf dem schwankenden Sumpf dem der strenggläubige Hebräer keinerlei Arbeit verrichten boden der Dreitlassenwahlen aufgebaut ist. darf, steht ein( chriftlicher) Zapfer am Bierapparat und eine Radfahrer und Publikum. „ Schiffe"( christliches Mädchen) trägt die schon tags zuvor zu- Der traurige Vorfall in der Köpenider Heide, dem am Sonntag bereiteten und für den Sonnabend nur aufgewärmten ein Menschenleben zum Opfer fiel, hat seine letzte Ursache immer Speisen auf. noch in dem offenbar nicht auszurottenden Uebelstande, daß RadNeben den kleinen, schiefen, dürren, verhuzelten Gestalten fahrer und Publikum gewissermaßen in zwei feindliche Lager gebekommt man dort oft einen prächtigen, breiten und groß- schieden sind. Ein Mann, der nach der ersten polizeilichen BeZur Lokallifte. In Sabowa ſteht uns das Lokal" 3ur gewachsenen Menschenschlag zu sehen: Männer, denen etwas schreibung zwar eine grauenhafte typische Berbrecherfigur, in WirkWaldschänke", Inh. Töldte, zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung, desgleichen in Schönwalde i. M. das" Inter- Würdevoll- Patriarchalisches in jeder Bewegung eigen, Frauen lichkeit ein harmloser Tourist ist, schießt einen Mitmenschen über nationale Sportshaus" am Gorinjee, jebiger In mit vollen, festen Formen und großen, schwarzbewimperten den Haufen. Wir können selbst nach der Darstellung der Kollegen haber H. Borowsth. Augen und allerliebste, rundliche, frausköpfige Kinder. Sie des Getöteten jedoch das Gefühl nicht unterdrücken, daß der Erdes freisinns" Stärte" war. Der tapfere kopsch, der angebliche bereichert: die koschere Destille. Heute noch kann man diese Partei- Angelegenheiten. Am Sonntag, den 17. d. M., veranstalten die Männer- gehen meist dem Handel nach. Hausierer sind sie in der schossene an seinem gewiß bedauernswerten Schicksal schuldiger ist gesangbereine Liederkranz"( Dirigent Herr Ender) und Mehrzahl, die mit großmächtigen Glanzleinenpacken die Hinter- als der Täter. Und das, obgleich der Schüße einen schnell bereiten " Diten"( Dirigent Herr Krolop) in den„ Concordia- Festsälen", häuser abflappern- ein elendes Geschäft, das Not und Revolver bei sich trug, eine Gewohnheit, die niemand in unserer Andreasstr. 64 ein" Bokal- und Instrumentaltonzert" Sympathie zu befestigen vermag. Aber es ist mun einmal so: ein mit anschließendem Tanz. Da man eifrig bemüht ist, Billetts zu Hunger nur selten von der Schwelle zu bannen vermag. Das sind die Bewohner des versinkenden Scheunen- großer Teil der Radfahrer, vielleicht ihre Mehrheit, trägt mitten in diesem Arrangement unter der Arbeiterschaft umzusehen, so weisen wir darauf hin, daß die„ Concordia. Festsale" der Ar- biertels, von dem jetzt nur noch die äußersten Begrenzungs- einem zivilifierten Staate wie Deutschland abweichend von den beiterschaft seit Jahren beharrlich berweigert werden straßen stehen. Durch Staub und Schutt, an den grün- sonstigen Gepflogenheiten der Bewohnerschaft scharfgeladene Schußund machen daher auf die eventuellen Folgen eines Bohtottbruches gestrichenen Zäunen der im Bau begriffenen Untergrundbahn- waffen bei sich. Aber die Radfahrer selbst tragen nicht die Schuld aufmerksam. Die Lokalkommission. linie entlang, windet sich der Weg. Die Hämmer dröhnen. an solchen Zuständen, sondern leider ihre lieben Mitmenschen. Vor einem Jahre machte eine Abteilung der Berliner ArbeiterAchtung! Sweiter Wahlkreis, 3. Abteilung! Unser Zahlabend Die Säge Kreischt. Steinwagen stehen vor den Abbruchstätten: findet diesmal nicht bei Lorenz, Markgrafenftr. 83, sondern sie nehmen das alte Steinmaterial des ehemaligen Scheunen- Radfahrer einen Sonntagsausflug. Bei der Rückfahrt blieben etwa bei Jul. Mener, Oranienstr. 103, tatt viertels auf, um aus ihm an anderer Stelle neue Brunt- fedha Mann, die den Schluß des Auges bildeten, infolge schlechten edle Blatt: " " Vorort- Nachrichten. Beges und Erschöpfung zurüd. Dicht bei einem Dorfe werden fier Unterstützung bei der Berfolgung des Täters zugefagt, doch habe er straße 51 Feuer aus. Deden und Gardinen Brannten dort. Außer von einer Rotte von Knechten aufgehalten, angefallen, jämmerlich erklärt, daß die Sache schwierig sei, da der Bund an 200 Vereine dem hatte die Feuerwehr in der Beuffelstr. 44, Liebigstr. 46, Dito zerschlagen und ihnen die Räder demoliert. Dem einen wurde ein zähle. Der Umstand, daß im Vorwärts" am Dienstag von diesen straße 10, Tegeler Straße 9 und anderen Stellen zu tun. Auge aus dem Kopfe geschlagen. Ihre Sportskameraden vermißten Dingen nichts zu lesen stand, wird von der Post" zum Anlaß die Zurückgebliebenen leider zu spät, um ihnen gegen die Uebermacht genommen, uns in bekannter Manier anzupöbeln. In einer Notiz Hülfe leisten zu können. Radfahrern den Weg zu verlegen, mit mit der Ueberschrift Was der Vorwärts" unterschlägt" schimpft das Flaschen, Steinen und anderen Gegenständen nach ihnen zu werfen, ist eine zwar nicht angenehme aber doch weit verbreitete Gewohn heit. Weber ein Raffer oder Hottentotte, noch ein Sudanneger würde einem Radfahrer nur deswegen zu Leibe gehen, weil er eben Radfahrer ist. Im Inneren des schwarzen Erdteiles brauchte der Radler keinen Revolver zu feiner Verteidigung gegen Mitmenschen. Dank unserer famosen preußischen Schulbildung und Erziehung braucht er ihn in der Umgegend von Berlin. Wie war denn der Vorfall am Sonntag? Immer nach der Schilderung der drei Freunde des Erschossenen, die ja auch vorbehaltlos von der Polizei als richtig angesehen und verbreitet worden ist! ,, Nun sollte man meinen, daß der„ Borwärts" seinen Genossen dabei behülflich gewesen sei. Statt dessen aber unterschlug er in einer Weise Angaben, die für die Entdeckung des Radfahrers von Schönebera. Wichtigkeit waren, daß es geradezu auffallen mußte. Er unter" 1 Stadtverordnetenversammlung. schlägt es, daß der Mörder das Abzeichen des sozialdemokratischen Der Vorlage des Magistrats, betr. die Errichtung eines Arbeiter Radfahrerbundes trug; er unterschlug die Tatsache, daß Sanitätsgebäudes für den städtischen Krantentsansport der Mörder sein Batet im Vorwärts" eingewickelt trug. Der in Verbindung mit einer Wärmehalle wird nach dem Bericht des " Vorwärts" ist bekanntlich schnell mit Vorwürfen gegen die Ausschusses ohne Debatte zugestimmt. Die Kosten desselben bes Striminalpolizei bei der Hand. Man muß nun fragen, welches laufen sich auf 35 000 M. Interesse der Vorwärts" spürte, die wichtigen Angaben zu ver schweigen, um so mehr, als doch allem Anscheine nach der Mörder in seinem Leserkreise zu suchen war?" " der verhaftete Fabrikant Jordan behauptet, in der Notwehr gehandelt Zu dem Totschlag in der Alexandrinenstraße wird gemeldet, daß zu haben. 3. stellt die Sache so dar, als ob er von Brehmer ange griffen worden sei und sich gegen diesen, der mit einem Schirm auf ihn einschlug, nur verteidigt habe. Er habe den auf ihn andringenden Gegner zurückgestoßen, wobei der Buchdruder rüdlings gegen das Flurfenster stürzte, die Scheibe mit dem Oberkörper zertrümmerte und auf den Hof hinab fiel. Die Absicht, den B. aus dem Fenster hinauszustürzen, will der Verhaftete nicht gehabt haben. Die Frau des Getöteten behauptet demgegenüber, daß Jordan der Angreifer gewesen sei, bestätigt aber, daß ihr Mann in der Notwehr den weit stärkeren J. mit dem Schirm über den Kopf geschlagen habe. Eine genaue Aufklärung über den Vorfall war noch nicht zu erlangen, da fich der Kampf im Dunkeln abgespielt hat. Die" Post" denkt hier offenbar an ihre eigene Gepflogenheit, Ein Ehepaar macht eine Radtour. Im Chauffeegraben früh- Tatsachen zu unterschlagen, die ihr unbequem find. Die Notiz, die stücken die beiden. Da kommen vier Leute des Weges. Drei von( Ausgabe vom Montagmorgen) entnommen und es war nicht ein wir am Dienstag veröffentlichten, war dem Berliner Tageblatt" ihnen töniglich preußische Bahnarbeiter, Männer, über welche wort daran geändert worden! Auch in ihr war mit feiner unfere berühmte preußische Dorfschule den ganzen Segen ihrer Silbe die Rede von den Dingen, die wir unterschlagen" haben glänzenden Erziehungstätigkeit ausgegoffen hat. Und von diesen follen. Die Polizei, die selbstverständlich besser als wir unter föniglich preußischen Arbeitern hat man auch den verderblichen Ein- richtet war, hat uns feine Mitteilung zugeschidt. Sie fluß der gewerkschaftlichen und sozialistischen Aufklärung fern- schickt uns überhaupt keine Notizen dieser Art, und fie läßt es fogar zuhalten gewußt, die das Bewußtsein des eigenen Wertes steigert, zu, daß die offiziöse Korrespondenz, durch die sie die Presse über aber auch die Achtung vor den Rechten anderer wedt! Jeder andere Verbrechen usw. informiert, den Vorwärts" bohtottiert. wäre an dem frühstückenden Ehepaar schweigend vorübergegangen. Dder hätte die Tageszeit gewünscht. Aber ein föniglich preußischer Bahnarbeiter mit Dorfschulbildung und ohne jedes sozialistische Gift im Leibe! Die Dreie behaupten, sie hätten ein harmloses Scherz tort gerufen. Aber man fennt diese Scherzworte", die Nadlerpaaren zugerufen werden. Notabene tenn die Frau ein Herrenrad fährt, notabene wenn sie Radfahrhose oder geteilten Rod trägt, notabene wenn sie nach dem Steckbrief, 80 Jahre alt, auffallend groß und stark" ist! Der Mann verbittet sich das. Jeder Ehemann hätte das getan. Da fehren die vier Helden um und fo war's nach ihrer eigenen Darstellunges fam zu einem Wortwechsel, an dem sich auch Rohrbecks( des Erschoffenen) Begleiter beteiligten". Also vier Mann gegen einen auf einsamer Chauffee, und der eine hat sein Weib gegen die viere zu verteidigen! Da greift er zum Revolver, den er nach leidiger, aber begreiflicher Radfahrergewohnheit bei sich trägt. Und das Unglück ist geschehen. Zwei Tage später wird gegen 2000 Mart Belohnung an den Anschlagsäulen ein„ Mörderpaar" gesucht. In der Darstellung der amtlichen Ausschreibung sieht es aus, als habe ein wütender Berserker, ein Scheusal in Menschengestalt, beim Frühstück einen plöglichen Koller bekommen und harmlose Wanderer ohne ersichtliche Ursache angefallen. Derweilen schleicht sich ein gebrochener Mann zur Polizei und beschuldigt sich tränenden Auges, wider seine Absicht ein Menschenleben vernichtet zu haben. Der gestohlene Perlenschmud. Ein geheimnisvoller Diebstahl beschäftigt die hiesige Kriminalpolizei. Aus der Wohnung des Landgerichtsdirektors Dr. Aschrott, Hildebrandstraße 8, ist ein Perlen follier auf recht rätselhafte Weise entwendet worden. Das Schmudstuck, das einen Wert von mehreren tausend Mark befibt, bildet eine goldene Damenuhrkette, die mit vierzig Perlen und einem Medaillon, das ebenfalls mit leinen Brillanten besetzt ist, geschmückt ist. Auf welche Weise die Perlenkette gestohlen worden ist, war bisher nicht festzustellen. Irgendwelche Anzeichen für einen etwaigen Einbruchsdiebstahl liegen nicht vor. Ebenfalls zugestimmt wurde dem Antrage des Magistrats, die Pflegegeldjäge für die von der Armenverwaltung untergebrachten Kinder von 7-14 Jahren auf 15 M. monatlich zu erhöhen. Einem Versuch einzelner Herren, die Angelegenheit zu Fall zu bringen, wurde von unseren Genossen Moltenbuhr, Bäumler und Alter schon mitarbeiten können und somit eine Erhöhung der Säße Obst entgegengetreten. Es wurde eingewandt, daß Kinder in dent nicht gerechtfertigt wäre. Unsere Genoffen wiesen darauf hin, daß von einer Erwerbsarbeit der Kinder nicht die Rede sein kann, denn ein Ausleihen der Kinder zum Arbeiten sei ein Verstoß gegen das bestehende Reichsgefch. Eine längere Debatte brachte die Vorlage des Magistrats: ,, 1. Aus Anlaß des hundertjährigen Bestehens der Städtecrdnung wird der Wohlfahrtsdeputation zum Ausbau der Seimstätte in Sternberg und zur Errichtung eines Kinderheims auf dem städtischen Grundstüde in Wyk auf Föhr der Betrag von 250 000 M. aus dem Ueberschußfonds über wiesen. 2. Zur Feier der Fertigstellung von vier Schulgebäuden ist alsbald ein fest auf städtische Kosten zu veranstalten." Die Vorlage ist einem aus der Versammlung vor einiger Zeit gestellten Antrage entsprungen, in welchem verlangt wurde, das zehnjährige Bestehen der Stadt Schöneberg in Verbindung mit dent hundertjährigen Bestehen der Städteordnung festlich zu begehen, Der Ausschuß hatte beschlossen, mit dieser Feier auch die Gin. weihung der vier neuerbauten Schulen zu verbinden. Stadtverordneter Gremler empfahl dringend, der Vorlage zuzustimmen. Die Heimstätte in Sternberg sei dauernd besetzt, so daß viele zurüdgewiesen werden mußten. Auch die Schaffung eines Kinderheims an der Nordsee sei notwendig. Stadtv. Lo hausen( Lib. Vereinig.)' wandte sich gegen die Vorlage des Magistrats. Durch die Bewilligung der gewünschten Summe an die Wohlfahrtsdeputation gebe sich die Stadtverordnetenversammlung das Verfügungsrecht über die Summe aus der Sand. Mit dieser Bewilligung begehe man nicht die würdige Feier Ses Bestehens der Städteordnung. Eine Großstadt wie Schöneberg habe die moralische Verpflichtung, das hundertjährige Bestehen der Städteordnung festlich zu begehen. Redner beantragt Zurüdver. weisung der Vorlage an den Magistrat. Stadtv. Küter( Soz.) wendet sich ebenfalls gegen die Ausführungen des Stadtverordneten Lohausen. Schöneberg könne mit der Wohlfahrtspflege nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Durch die Bewilligung der Summe von 250 000 M. zu Wohlfahrtszweden begehe Schöneberg die Feier des hundertjährigen Bestehens der Städteordnung in der würdigsten Form. Redner empfiehlt, den erften Teil der Vorlage anzunehmen, dagegen den zweiten Teil abzulehnen. Die Einweihungsfeier von bier Schulen durch ein Festessen zu bezahlen, dazu liege fejn Anlaß bor. Der Geschäftsführer des Deutschen Monistenbundes, Herr Dr. Oberbürgermeister Wilde tritt den Ausführungen des Vor Hätte er noch am selben Tage sofort nach dem Vorfall den Mut Vielhaber, schreibt uns unter Bezugnahme auf ein in unserer redners entgegen. Es gibt keine würdigere Feier, als für die gefunden, seine Erlebnisse der nächsten Polizeibehörde mitzu der Arbeiterbewegung" enthaltenes Referat über Aeußerungen des Trinken bildet eine würdige Feier, sondern das wäre nur ein Feſt Nummer vom 17. April unter dem Titel:„ Ein verdächtiger Freund Armen und Enterbten der Stadt etwas zu tun. Nicht Effen und teilen und den Ort der Tat zieds Aufhellung des Tatbestandes mit Dr. Vielhaber, die er im Anschluß an einen Vortrag des Herrn Dr. für die daran beteiligten Mitglieder der städtiſchen Körperschaften. diefer gemeinsam aufgesucht, seine Sache stände besser. Doch das Baege gemacht hat, daß er in feiner Weise für die liberalen Parteien Im übrigen müsse mit der zu bewilligenden Summe noch sparsam geht uns nichts an. Die Ursache des Vorkommnisses ist das leider geworben habe. Er habe in seiner Rede nur beispielsweise gewirtschaftet werden, wenn etwas zustande kommen soll. Das Be borhandene gespannte Verhältnis zwischen Publikum und Radfahrern, auf die liberalen Einigungsversuche hingewiesen und unter anderem willigungsrecht der Stadtverordnetenversammlung verde keines. verstärkt noch im vorliegenden Falle durch die unbewußten erotischen ausgeführt, daß der deutsche Monistenbund feine parteipolitische wegs angetastet. Triebe, welche die jungen Leute nötigten, gerade der Radlerin Vereinigung, sondern ein Kulturbund auf moderner naturwissengegenüber ihre Scherze" zu machen. Publikum und Radler sollten schaftlicher Grundlage sei. Ohne energische Mitwirkung der orgasich daran gewöhnen, einander mit mehr Achtung zu begegnen. Das nisierten Arbeiter sei es heute und in Zukunft nicht möglich, eine gilt auch für die Radler, von denen eine Anzahl gewohnt sind, ein- freiheitliche Kulturpolitik großen Stils zu machen. An einer freigilt auch für die Nadler, von denen eine Anzahl gewohnt sind, einheitlichen Ausgestaltung unsers gesamten Kulturlebens, besonders fame Fußgänger rüdfichtslos von den schmalen Fußpfaden zu ver- der Schul- und Bildungsverhältnisse, habe aber gerade auch der Ar brängen, das gilt aber namentlich von einem Teil des Bublifums, beiterftand das allergrößte Interije. Deswegen suche der deutsche ber den Radfahrern gegenüber eine Rücksichtslosigkeit und Roheit be- Monistenbund ihn für seine Stulturarbeit zu gewinnen, um mit ihm Kundet, die leider das gewohnheitsmäßige Revolvertragen der Rad- gemeinsam alle realtionären Bestrebungen in Sachen der Welt fahrer begreiflich erscheinen läßt. anschauung und Lebensgestaltung zielbewußt und energisch zu be tämpfen. Auch dente der Monistenbund nicht daran, auf dem Gebiete der Parteipolitik einzuwirken. Der Aufstieg des Arbeiterstandes sei nicht nur eine Lohnfrage, sondern in hohem Maße auch eine Bildungsfrage und hier müßten wahrhaft fortschrittliche Bürger und Arbeiter ohne Mißtrauen zusammenwirken. Der Haß der reattionären Gewalten gegen den Deutschen Monistenbund müsse ihm als unzweideutige Empfehlung bei den Arbeitern dienen. überein, daß er in derselben Rede behauptete, daß der Freifinn aus Mit der Erklärung des Herrn Dr. Vielhaber stimmt nur schlecht Selbsterhaltungstrieb zu der Blocktattit gezwungen worden sei, weil ihn die Sozialdemokratie mit der Frage: was er biete" zu schroff abgewiesen habe. Wenn das teine Politit ist, und wenn das insbesondere teine Parteipolitik ist, so wissen wir nicht, was Herr Dr. Vielhaber unter Politik versteht. Der radfahrende Nevolverschühe hat sich gestern bei der Lichtenberger Polizei selbst gestellt und zwar ohne Kenntnis von der auf seinen Kopf gesetzten Prämie zu haben. Es handelt sich um den Tischler Desta aus Lichtenberg, der am Sonntag mit seiner Frau eine Radtour unternommen hatte. Gestern erschienen an den Säulen rote Platate, in benen eine Be lohnung von 2000 M. für die Ermittelung des Täters ausgeschrieben waren. Das Ehepaar stellt den Vorgang wesentlich anders dar als die Begleiter des Erschossenen. Bon einer elektrischen Straßenbahn überfahren und schwer verlegt wurde gestern eine Frau an der Ecke der Urban- und Blücherstraße. Der Feuerwehrmann Paris, der zufällig vorbeikam, befreite die Frau mit Hülfe von anderen Personen noch vor Ankunft der Feuerwehr. Die Verlegte wurde von dieser nach dem Krankenhause am Urban gefahren. Während Stadtverordneter Subnißty( lib. Fralt.) eben. falls nur für Annahme des ersten Teils eintritt, sprechen die Stadtverordneten Starte und 3obel( lib. Fraft.) für Annahme der ganzen Vorlage. Stadtverordneter Treugebrodt( Unabh Vereinig.) stimmt den Ausführungen des Stadtverordneten Lohausen zu. Nach Ablehnung des Antrages Lohausen, die Angelegenheit an den Magistrat zurückzuberweisen, wird die Vorlage in ihrem ersten Teile angenommen, der zweite Teil dagegen abgelehnt. Ausschusses zur Prüfung der Magistratsvorlage betr. Antauf Größere Auseinandersehungen gab es bei dem Bericht des von zwei Grundstüden im Südostgelände der Stadt. Der Staufpreis der Grundstüde sollte bei dem einen 310 M. und bei dem anderen 320 W. pro Quadratrute betragen. Der Ausschuß hatte Ablehnung der Magistratsvorlage empfohlen. Stadtv. Lohausen( lib. Bereinig.) wendet sich gegen den Ankauf der Grundstücke. Würden die Grundstücke zu dem geforderten Preise angetauft, so fann mit einer Landhausbebauung nicht mehr gerechnet werden, sondern das Gelände müßte für Hochbau freigegeben werden. Das sei ein Unglück für die Stadt. Die Straßen würden dann den Charakter der Sedanstraße haben und die Armen- und Schullasten würden enorm wachsen. Mit dem Ankauf der Grundstücke würde die Stadt nur die Geschäfte ber Gartenstadt umgewandelt werden, damit wir kräftige Steuerzahler' Terraingesellschaften fördern. Der Teil der Stadt muß zu einer dorthin bekommen. Stadtb. Kuznikky( lib. Frakt.) spricht sich für den Ankauf des einen Grundstückes aus, da später der Preis desselben steigen würde. Redner erinnert daran, daß der Stadt vor 8 Jahren in der Martin- Luther- Straße ein Grundstück zum Preise von 500 M. pro Quadratrute angeboten worden sei. Man habe es damals aber abgelehnt. Heute sei für ein Grundstück in der Straße schon 2600 Eine Familientragödie rief gestern nachmittag um 5% Uhr in der Schreinerstraße 28 am Viehhof eine unbeschreibliche Aufregung hervor. Hausbewohner bemerkten um diese Zeit einen durchdringenden Gasgeruch aus der Wohnung des Arbeiters Jahnke dringen und benachrichtigten die Feuerwehr, während sie gleichzeitig in die Wohnung eindrangen. Den Hausbewohnern bot sich ein schredlicher Anblid: Frau Jahnke mit ihren Kindern, einem zehnjährigen Mädchen und einem achtjährigen Knaben, lagen bewußtlos in der Küche. Sie hatten anscheinend Selbstmord durch Einatmen von Leuchtgas verübt. Die benachrichtigte Feuerwehr war schnell zur Stelle. Brand. meister Runge ließ sofort Wiederbelebungsversuche anstellen, die bei den Kindern von Erfolg waren. Die Mutter aber, die vermutlich die Hähne der Gasleitung geöffnet und mehr Gas eingeatmet hatte als die Kinder, war schon tot. Nach zweistündigem Bemühen wurden die Wiederbelebungsversuche eingestellt. Die Leiche der Frau wurde der Polizei übergeben. Der Kinder nahmen sich Hausbewohner an. Die Ursache des Selbstmords der Frau wird in Familienzwistigkeiten stücke. Mart für die Quadratrute gezahlt worden. Stadtv. Gottschall( lib. Fratt.) ist für Ankauf beider Als Deska und seine Frau am Wegesrande beim Frühstück saßen, wurden sie, wie beide behaupten, schon aus einer Entfernung bon 50 Metern durch Zurufe und Handbewegungen belästigt und beleidigt. Als Eheleute sahen sie aber darüber hinweg und ließen die Leute ruhig an sich vorübergehen, zumal da sie etwas angetrunken zu sein schienen. Die Ausflügler schienen aber hiermit und mit einer ruhigen zurechtweisung nicht zufrieden zu sein. Nachdem sie schon etwa 50 Meter weitergegangen waren und Desta und Frau sich bereits erhoben hatten, kehrten sie schimpfend zurüd. Rohrbeck, der sich hierbei besonders hervortat, drang auf Desta ein, packte ihn mit der linken Hand an der Brust und suchte mit der rechten in den Taschen herum, als ob er ein Schlagwerkzeug herausholen wollte. Der Angegriffene forderte ihn auf, ihn loszulassen und nahm seine Browningpistole aus der Tasche, um ihn abzuwehren. Schießen wollte er schon deshalb nicht, weil bei der großen Durchschlagskraft der Geschosse dieser Waffe leicht mehrere Personen schwer hätten getroffen werden können. Er brauchte die Pistole nur zu Abwehrhieben. Beim ersten Schlage, den Rohrbed gegen den Hals erhielt, neigte und drehte dieser unwillkürlich den Stopf. Als beim zweiten Schlage ein Schuß losging, drang ihm die Kugel in den Hinterkopf ein. Weil Desta sah, daß der Getroffene, der umfiel, feine drei Begleiter noch bei sich hatte, die sich seiner annehmen konnten, fuhr er mit seiner Frau davon. Desta beruft Stadtv. Salinger( lib. Fratt.) und Stadtv. Val. Fröh. fich auf einen Zeugen, der für die vollständige Aufklärung des trau! ich( Unabh. Vereinig.) wenden sich gegen den Ankauf der Grundrigen Vorkommnisses jedenfalls sehr wichtig ist. Es ist das ein Radfahrer, der einen schwarzen Anzug und einen schwarzen steifen Stadtv. Hoffmann( Soz.) empfiehlt den Ankauf der Grundstücke. Werden die Grundstücke jetzt nicht gekauft, so würde Hut trug, vielleicht ein Mann aus Köpenick oder einer der umDie Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiterver- man nur die Geschäfte der Terraingesellschaften verbessern. Später liegenden Ortschaften. Deska behauptet, er habe diesen Mann, als er die vier Ausflügler zurückkehren fah, gebeten, bei ihm au bleiben, bandes ersucht uns, mitzuteilen, daß in der am Montag stattgefun- hätte die Stadt jeden geforderten Preis zu zahlen. Die Stadt muß er die vier Ausflügler zurückkehren sah, gebeten, bei ihm zu bleiben, denen Mitgliederversammlung im Gewerkschaftshause ein Porte- sich schon jetzt geeignete Grundstücke für später sichern. Eine geda er belästigt werde. Die Ausflügler hätten diesem Radler zu- monnaie mit Inhalt gefunden wurde; abzuholen in unserem Ver- funde Bodenpolitik bringt stets Vorteil für die Gemeinde. gerufen: Du, Aujust, fannst auch herankommen, Du kannst auch bandshaus, Zimmer III. noch was abkriegen!" Der unbekannte Zeuge, der den ganzen organg mit angesehen haben soll, wird gebeten, sich unverzüglich bei der Lichtenberger Polizeidirektion zu melden. Deska wurde einstweilen in Haft genommen und in das Lichtenberger Amtsgefängnis gebracht, seine Frau wurde wieder entlassen. gesucht. einer Gasrohrleitung fofort bis auf weiteres für Fuhrwerke und Die Sellerstraße von Nr. 6 bis Nr. 10 wird behufs Revision Reiter gesperrt. Grundstüde. Trotzdem der Preis etwas hoch sei, würde sich kaum noch eine beffere Kaufgelegenheit bieten. Der Charakter der Sedanstraße kann keineswegs abschreckend wirken. Schöneberg leidet darunter, daß zu vornehm gebaut wird. Nachdem noch der Baurat Gerlach erklärte, daß es ber Magistrat für seine Pflicht gehalten habe, Grundstüde für städtische stücks beschlossen, dagegen der Ankauf des zweiten Grundstücks abZwecke bei Zeiten anzukaufen, wird der Ankauf des einen Grundgelehnt. Feuerwehrbericht. In der letzten Nacht entstand durch Unborfichtigkeit in der Rodenbergstr. 2 ein fleiner Wohnungsbrand, wobei Bon einer Automobildroschte überfahren und schwer verlegt wurde ein Mann Brandwunden an der Stirn und beiden Händen erlitt. vorgestern abend gegen 7 Uhr der sieben Jahre alte Schüler Rudolf Bon einigen Blättern ist inzwischen noch gemeldet worden, daß 3weimal hatte der 5. Bug in der Köpenider Straße 6 und 62 zu G., bei den Eltern Kolonnenstr. 19 wohnhaft. Zur genannten Zeit der Radler, der den verhängnisvollen Schuß abgegeben hat, fun. In dem Hause Nr. 6 war im Keller ein Ballon mit Salz- wollte der Knabe an der Ede der genannten Straße und Königs Mitglied des Arbeiter Radfahrerbundes sei. Diese fäure geplatzt. Die Feuerwehr beseitigte die Gefahr und schaffte die weg den Fahrdamm überschreiten, als ein Droschtenautomobil, bom Mitteilung war der Polizei gemacht worden von den Zeugen Salzfäure heraus. Im Haufe Nr. 62 brannten in verschiedenen Königsweg fommend, um die Ecke bog. des Vorfalles, die das Bundesabzeichen an ihm bemerkt Bodenkammern Papier und Hausrat. Die Feuerwehr konnte die dem Kraftwagen erfaßt und die Näder gingen ihm über den Kopf hatten. Auch hatten sie angegeben, daß der Mabler sein Flammen auf die verschiedenen Brandberde beschränken. Es lag hinweg. Der Berunglückte erhielt auf der Unfallstation in der Frühstück in eine Nummer des Vorwärts" ein- borfäßliche Brandstiftung vor. Der Täter ist noch nicht ermittelt. Herbertstraße einen Rotverband und wurde von dort nach dem gemidelt getragen habe. Der Borsigende des Arbeiter Ferner hatte die Wehr in der Lippehner Straße 8 zu tun, wo Dachstädtischen Krankenhause überführt. G. hatte einen komplizierten Stadfahrerbundes habe, so wurde weiter berichtet, der Polizei feine pappe u. a. brannte. Seute früh um 4 Uhr tam in der Franjedi- l Schädelbruch erlitten. Rixdorf. Das„Stcuerbnngverfahren" an Stelle der Abholung der Steuern durch Steuererheber führt der Magistrat von Rixdorf zu- nächst versuchsweise in einem Teile der Stadt ein. Durch eine amtliche Bekanntmachung werden die Steuerzahler in den Steuer- bezirken S. 7, 15 und 17 ersucht, die von ihnen zu entrichtenden Steuern für das Bierteljahr April— Juni 1908 acht Tage nach Eiilpfang der Steuerkarte, für die folgenden Vierteljahre in den vierteljährlichen Hebeterminen unaufgefordert an die städtische Steuerkasse im Rarhause werktäglich von 9—1 zu zahlen. Alle Steuerzahler, die ihre Steuern zu bringen haben, erhalten eine Steuerlarte. die bei jeder Zahlung an der Kasse vorzulegen ist. Charlottenburg. Schwere Explosion aus einem Tankkahn. An der Charlottenburger Brücke erfolgte gestern nachmittag gegen 5 Uhr eine heftige Kessel- crplosion auf einem Tanlkahn der Aktiengesellschaft für Teer und Erdölindustrie. Bier Arbeiter verunglückten dabei und mußten schwerverletzt nach dem Westender Kraukenhause geschafft lverden. DaZ auf dem Kahn entstandene Feuer wurde von der Charlottenburger Feuerwehr abgelöscht. Wie später gemeldet wird, handelt es sich bei den Verletzten um den 39jährigen Motorführer Gustav Beil aus Grabow, den lllljährigen Monteur Johann Morquclicn aus Berlin, Für- bringerstr. 26, den 32jährigen Schiffer Wilhelm S ch u l d t aus Eldena in Pommern und den 26jährigen Schiffsführer Franz S ch u l d t. Alle vier haben in der Hauptsache Verbrennungen er- litten. Sie erhielten die erste Hülfe auf der Unfallstation in der Berliner Straße und wurden dann, wie schon erwähnt, nach dem Krankenhaus Westend geschafft. Am schlimmsten verletzt ist der Monteur Morquclien. Er dürfte kaum mit dem Leben davon- kommen. Die Explosion hätte leicht noch größeres Unheil anrichten können, wenn nicht die Feuerwehr so schnell zur Stelle war. Auf dem Kahn befand sich nämlich auch M erhebliches Quantum Benzin. Groß-Lichterfelde. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich auf dem Personendampfer „Steglitz", der den Teltowkanal befährt und vorgestern von einer Ausflüglergesellschaft zu einer Fahrt nach Potsdam gemietet worden war. Als der Dampfer, auf der Rückfahrt begriffen, sich in der Nähe von Groß-Lichterfelde befand, bemerkte der das Fahrzeug be- dienende Maschinist Höpfner einen geringfügigen Defekt an dem Getriebe und wollte den Fehler beseitigen, ohne die Maschine zum Stehen zu bringen. Hierbei wurde seine rechte Hand von einem Zahnrad erfaßt, in die Welle hineingezogen und förmlich zermalmt. Der Dampfer mußte hier anlegen und der Verunglückte nach dem Kreiskrankenhause überführt werden. Lichtenberg. Wer ersetzt den Schaden? Die Lichtenberger Steuerzahler können mit Recht diese Frage aufwerfen, wenn das Gespräch auf das Elektrizitätswerk der Gemeinde gelentt wird. Schon im Borjahre mußten die Aufbauten an den Umfassungsmauern des Gebäudes ab getrogen werden. Die mit bloßem Auge fichtbaren Schwankungen der Außenwände sollten ihre Ursache in der festen Verbindung der Maschinenfundamente durch eine Betondecke mit den Außenmauern des Gebäudes haben. Nunmehr stellte eine auf Antrag unserer Parteigenossen gewählte Kommission fest, daß die Maschinenfundamente neben anderen große Vertikalrisse zeigen. die UmfaffungSmauern also horizontal gerissen find. Die Riffe gehen durch die Hauptpfeiler, wodurch die oberen Gebäudeteile außer Verband stehen. Die Kommisfion hält die Gebäude für gefährdet Sie gibt ihr Gutachten weiter dahin ab, daß die Maschinenfundamente ohne Berechnung für die Lasten und aus unzureichendem Material hergestellt sind und daß eine Reihe Kunstfehler die Bauwerke un- brauchbar erscheinen lassen. Die Kommission empfiehlt, so schnell Ivie möglich eine ausreichende Reserve zu beschaffen, die gegenwärtige elektrische Anlage ganz außer Bettieb zu stellen, die Bkaschinen zu demontieren, die Fundanrente abzureißen und neue solide zu bauen. Das heißt also, ein leichtferttg angelegtes Elektrizitätswerk, das erst wenig mehr als zwei Jahre im Betrieb ist, durch ein neues sachverständig angelegte» zu ersetzen! Ein schwacher Trost sür die Steuerzahler ist das Ber langen der Kommission, die Maschinenfabrik, nach deren Zeichnungen die Fundamente hergestellt sind, regreßpflichtig zu machen. Die Herren Maschinenfabrikanten werden im Augen- blick der Gefahr ganz sicher auf ihre Klaffengenoffen rechnen dürfen; cnimern wir uns doch noch der lebhaften Unterstützung, die eine Maschinenfabrik im Schöße der Stadtverwaltung fand, als cS galt, eine verwirkte, vertraglich festgesetzte Verzngsstrafe in voller Höhe einzuziehen. Dabei wurde ja der— Berüchtigte Ausspruch getan: ,waS wir an Vertragsstrafe einziehen, müssen wir ja bei späteren Arbeiten in Form erhöhter Preise zurückzahlen." Und bei einem Schieds- sprach? Na, da hackt eine Krähe der anderen die Augen nicht aus. Im Interesse aber von Leben und Gesundheit der Arbeiter des Werkes und der Paffanten muß verlangt werden, daß der Magisttat sofort und ohne jeden Verzug Maßnahmen in Borschlag bringt, die eine Katastrophe zu verhindern geeignet find, und der Oeffentlichkeit durch Sachdarstellung von den Zuständen Kenntnis gibt. Stcuerleistung und Urwählerliste. Der hiesige Magistrat hat der llrlvählerliste die vorjährigen Steuersätze zugrunde gelegt. Auf er- bobene Beschwerde hat er Beschwerdeftthrer dahin beschieden, daß nach einer Verfügung des Ministers des Innern in den Gemeinden, wo bei Ausstellung der UrWählerlisten die Steuersätze sämtlicher Steuerarten pro 1998 noch nicht feststanden, die Beträge für 1997 eingesetzt werden können. Das sei in Lichtenberg geschehen und cnt- spräche den gesetzlichen Bestiinntungen. Steuern zahlen können die Bürger, daß sie schwarz werden, ver- laugen sie aber entsprechende Rechte, dann wird Geduld verlangt. Köpenick. Der letzten Stadtverordnetensitzung lagen zunächst zwei Dringlich kcitSanträge zur Beratung vor. Ein Anttag des Magistrats auf Be willigung von 50 M. zur Stiftung eines Preises für den Radfahr verein.Borussia" wurde auf Anttag unserer Genossen nach kurzer Debatte abgelehnt. Zu dem anderen Antrag ersuchen unsere Ge- nossen den Magistrat, zu den bevorstehenden Wahlmännerwahlen jedem Wahlberechtigten schriftlich mitzuteilen, in welchem Bezirk, in loelcher Abteilung, in welchem Lokal und zu welcher Tageszeit jeder seine Stimme abgeben kann. Dieser Antrag wurde durch die zusagende Erklärung des Bürgern, eisters Dr. Lanaerhans erledigt. Hierbei rügten uiisere Genossen die mangelhafte Aufstellung der Urwählerlisten, die zu späte Bekanntmachung, wann und wo die Listen zur Einsicht aus- liegen, und die zuungunsten der Wähler bei der Einteilung der einzelnen Abteilungen zu Grunde gelegte Steuersumme des ver- gaugenen Jahres. Bürgermeister Dr. Langerhans erklärte hierzu, daß es für ihn fraglich fei, ob über die Landtagswahl in der Gemeindevertretung verhandelt werden solle, da dies doch eine Angelegenheit des Staates wäre; gleichwohl wolle er auf die vorgebrachten Beschwerden erklären, daß es bei der Kürze der Zeit und bei der Beschleunigung, mit ivelcher die Listen fertig gestellt werden mußten, wohl möglich sei, daß kleine Irrtümer dabei vor- kommen, dieselben sollen, soweit möglich, nachträglich noch richtig gestellt werden. Was nun den Steuersatz an- betrifft, so konnte die diesjährige Veranlagung nicht zugrunde gelegt werden, da die Beranlagungslisten erst retour ge- koinmen seien. Unsere Genossen erklärten, daß es ihr Recht und ihre Pflicht iei, die Sache hier zur Sprache zu bringen, und im übrigen erwarten, daß den berechtigten Wünschen der Wähler Rechnung ge- ttagen werde. Als erster Punkt der Tagesordnung stand die Wahl eines unbesoldeten Stadtrats für den verstorbenen Stadtrat Schützler sür dessen noch bis Ende 1910 laufende Wahlperiode. Wie nach der stattgehabten Vorbesprechung vorauszusehen war. wurde der auch von unseren Genossen unterstützte Stadtverordneten Vorsteher Dr. Herrmann mit 20 gegen 14 Stimmen, welche auf den Stadtverordneten Betcke entfielen, gewählt. Zur Neu besetzung der zum 1. Juni d. I. freiwerde, wen Stelle des zum besoldeten Schöffen nach Steglitz gewählttn Beigeordneten Fabarius wurde ein Ausschuß gewählt, dem auch die Genossen Nicke und Herbst angehören; derselbe trat sofort zur Beratung zusammen, während sich die Versammlung auf kurze Zeit vertagte. Nach dem Beschluß des Ausschusses soll vorläufig ein Magistratsassessor (Gerichts- oder Regierungsassessor) mit 5900 M. Gehalt und 1900 M. Mietszuschuß angestellt werden. Hohen- Schönhausen. Einen entsetzlichen Tod hat der Inspektor Heinrich Berg, der bei den Oranke-Eiswerken in Hohcn-Schönhausen angestellt war, ge- funden. B. hatte ein mit vier Pferden bespanntes Fuhrwerk, das mit Eis beladen war, während der Ausfahrt aus dem Hofe be gleitet. Als der Wagen durch das Hoftor silhr, geriet er so un- glücklich zwischen die Wagenwandung und den Torpfosten, daß sein Brustkasten vollständig eingedrückt wurde. Auch der Kopf war dem Bedauernswerten gequetscht worden. AIS man den Unglücksfall be- merkte, war es bereits zu spät. Wenige Minuten darauf war B. den furchtbaren Verletzungen erlegen. Der Verunglückte stand im 23. Lebensjahre.________ ßcnchtö- Zeitung» Entschädigung für die Opfer der irrende» Justiz. Von der rührenden Fürsorge der bürgerlichen Gesellschaft für die Opfer einer fehlbaren Justiz zeugt folgende amtliche Ver- öffentlichung: Großherzogliches badisches Amtsgericht Offenburg. Bescheinigung. Dem Wilhelm Schuhmacher, Ofensetzer aus Perleberg, zuletzt in Schaffhausen, wird bezeugt, daß der gegen ihn vorgclegene Betrugsfall endgültig erledigt ist. Das Verfahren gegen ihn wurde wegen Mangels an Beweis eingestellt. AuS der Kasse deS Bezirksvereins für Jugendschutz und Gefangenenfürsorge erhielt er für seine Rückreise nach Schaffhausen eine einmalige Unter- stützung von drei Mark. Offenburg, den 29. April 1908. Nüßle, Oberamtsrichter. Der 3Sjährige Arbeiter mußte wegen des Verdachts, einen Geld- betrag nicht an die Adresse seiner Frau gesandt zu haben, vier Wochen in der Untersuchungshast verbringen. Hud der frauenbewegung. Eine Veranstaltung für die weibliche Jugend. Am Sonntag, den 3. Mai, fand im großen Saale des Gewcrk- schastshauss eine Veranstaltung des„Vereins für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse" für die weibliche Jugend statt. Sie sollte dem Zwecke dienen, die jugendlichen Arbeiterinnen einmal in froher und schöner Geselligkeit zu vereinen, ihnen einen feinen künst- lerischen Genutz zu bieten und sie dadurch zugleich auf den Wert und die Notlvcndigkcit einer rechten Anwendung ihrer Mußezeit hinzu- leiten. „Jugend und Frühling" war die Feier genannt worden und sie stand wirklich unter dem Zeichen des Frühlings. Nicht nur draußen leuchtete der herrlichste Sonnenschein, sondern eö herrschte auch Früh- lingsstimmung drinnen im Saale, wo neben einer Anzahl erwach- sencr Arbeiter und Arbeiterinnen eine ganze Schar junger Mädchen an blumcn geschmückten Tischen mit aufmerksamen Blicken den Vor- trägen folgten. Frau Zepler eröffnete die Feier mit einer Ansprache, in der sie — vielleicht mehr an die Eltern und Erwachsenen als an die Jugend selbst gewandt— auf die tiefe Bedeutung geistiger Erziehung der Arbeiterjugend für das Proletariat sowie auf die Notwendigkeit hin- wies, den schulentlassenen jungen Mädchen einen Ersatz für rohere Vergnügungen in einer schönen und freien Geselligkeit zu bieten. Es sei dringend nötig, was die Volksschule so gar nicht pflege»— künstlerisches Genießen— in der Jugend zu wecken, es sei vor allem nötig, eine Stätte für sie zu schaffen, wo sie Aufklärung in allen für sie wichtigen Fragen sowie die geistige Anregung und das Wissen finden können, das die Schule ihr vorenthalte und das Proletarier- heim ihr ebenfalls nur selten zu geben vermag. Der Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse, dessen Mitglieder den Mangel einer solchen Bildungsstätte und einer geselligen Vereinigung für ihre Töchter selbst oft schmerzlich empfunden haben, wolle nun endlich einen Versuch nach dieser Richtung hin machen. Er habe sich deshalb eine Jugendabteilung für die weibliche Jugend angegliedert, die an den Sonntagnachmittagen Ausflüge ins Freie und gesellige Unterhaltungen veranstalten, gemeinsame Lektüre und dergleichen pflegen wolle. Die heutige Feier solle die jungen Arbeiterinnen zu- sammenführen und zur Teilnahme an diesen Veranstaltungen ge- Winnen. Nach dem Vortrage war der Nachmittag künstlerischen Ge» nüssen gewidmet. Gesang, Klavierspiel und Rezitation wechselten einander ab. Frl. B i s ch o f f sang mit jugendfrischer Stimme und lebhaftem Bortrag eine Reihe von Liedern, unter anderem:„Früh- lingsglaube" von Schubert,„Marienwürmchen" von Schumann und „Und niemand hat's gesehn" von Loewe. Herr Kesten b erg er- freute die Versammlung mit dem reizvollen Spiel der„Serenade" von Haydn und eines Rondos von Beethoven und Frau Johanna Metz er riß die jungen Mädchen zu besonders stürmischem Beifall durch ihre ausdrucksvolle Rezitation hin, die ehenso vollendet den Duft eines Gocthe'schen und HofmannSthal'schen Frühlingsliedes wie die soziale Kraft der Ada Ncgri'schen Verse zur Geltung brachte und endlich zum Schluß auch den Humor zu seinem Rechte kommen ließ. In den Pausen zwischen den Vorträgen plauderten die jungen Mädchen untereinander und sangen gemeinsam Volkslieder. Die Stimmung war schließlich so heiter und angeregt, daß dem Pro- gramm entgegen, die Jugend noch auf einem kurzen Tanz bestand. Auf die Aufforderung an die Jugendlichen, sich nun auch recht zahlreich der Jugendabteilung anzuschließen, ließen sich gegen 40 junge Arbeiterinnen als jugendliche Mitglieder des Vereins ein- schreiben. Die nächste Zusammenkunft der Jugcndabteilung findet am Sonntag, den 17. Mai, im Gewerkschaftshause, Engclufcr 15, von 9 Uhr nachmittags an statt._ Eine mißlungene Polizeiaktion. Die Vcrtraucnspcrson der sozialdemokratischen Frauen, Genossin Gründe og in Nürnberg, hat gewerkschaftliche Arbciterinnenlebrkurse eingerichtet, die dem frei- sinnigen(!) Stadtmagistrat ein Dorn im Auge waren. Er erklärte deshalb die Kurse auf Grund eines Gutachtens des freisinnigen(!) Agitators, Schulinspektor Weiß, als eine konzessionspflichtige Bildungsanstalt, und weil die Genossin Grünberg nicht um die Konzession nachgesucht, die sie übrigens gar nicht erhalten hätte, wurde ein Strafverfahren gegen sie eingeleitet. In der Ver- Handlung vor dem Schöffengericht erlebte der Magistrat eine große Blamage, er konnte zur Begründung der Klage gar nichts vor- bringen, so daß die Genossin Grünberg gänzlich freigesprochen wurde. Ter Magistrat hatte aber an dieser Blamage noch nicht genug, er ließ durch den Amtsanwalt Berufung gegen das Urteil einlegen. Der Staatsanwalt hat sich jedoch nunmehr nach reiflicher Prüfung der Sache veranlaßt gesehen« pjfi Berufung des Amis- 1 ailwalls zuxückzun/ljmgp, y\ Vermischtes. Zum Görlitz er Bmmnglück wird dem„Berl. Tagebl." noch von gestern gemeldet: Heute vormittag fanden an der Unfallstelle Sprengversuche statt. Die nach der Stadt gelegene Mauer, die am schwersten betroffen war, sollte' durch Sprengungen niedergelegt werden. Um' 1UiO Uhr erfolgte die erste Sprengung durch die Glocsauer Pioniere; sie blieb aber erfolglos. Außer einigelt Löchern wies die Mauer keinerlei Be- schädigung auf. Gegen 2 Utzr nachmittags gelang eS, die Mauer mit' Seilen niederzureißen. Die erste Detonatron war so stark, daß sie in der ganzen Stadt gehört wurde und ihr in der näheren Umgebung. fast sämtliche Fensterscheiben zum Opfer fielen. ES verlautet hier mit aller Bestimmtheit, daß seitens der Staatsanwallschaft an eine Freilassung des Baumeisters Sehring nicht gedacht wird, da sich die Verdachtsgründe, daß Baumeist« Sehring leichtfertig gehandelt habe. stark mehren. Mehrfach war die Meinung verbreitet, daß auch schon der Untergrund der Musikhalle schlecht fundiert gewesen ist. Aber die Gutachten der Sachverständigen haben ergeben, daß der Unter- grund durchaus fest war, und auch die heutigen Sprengungsversuche beweisen, daß dieicr Teil der Bauausführung nichts zu wünschen übrig ließ. Es wird aber jetzt bekannt, daß die Dachkonstruktion, die mit 29 000 M. veranschlagt war. von Sehring für 14000 M. einer Finna m Auftrag gegeben wurde. Vom Feuer zerstört wurde, wie aus Nürnberg gemeldet wird, da? in Konkurs befindliche St. Anna»Jnstitut für kirchliche Kunst in Sulzbach. Die Brandursache ist unbekannt. Dem„Diamantenfabrikanten" Lemoiue ist nun endlich Gelegen- heit geboten, seine so sehr angezweifelte Kunst zu beweisen oder ins Gefängnis zu spazieren. Zwischen dem UntersuchungSekchter Poitkevin und Lemoiite wurde nämlich folgendes vereinbart: Der von Lemoine zu unternehmende Versuch der Herstellung eines Diamanten wird ohne Zeugen in einer Fabrik des Vorortes Samt-Denis unternommen. L.- soll frei ausgehen, wenn er vermag einen Diamanten von 5 bis 6 Zentimeter Länge und 3 Zentimeter Breite in zylindrischer Form' herzustellen. Ein solcher Diamant war bisher noch nirgends gefunden worden. Die Fabrik ist heute noch genau so eingerichtet, wie zur Zeit der ersten Lemoineschcn Versuche, mit zwei großen Sicmensöjen, Elektroden. starken Kabeln und einem Stein von 30 zu 20 Zenti- meter, dessen Höhlung den Tiegel mit dem Lemoineschen Wunder- Pulver aufnehmen soll._ eingegangene Druchrdmften. Elfter Bericht des GewerkschaststarlcllS und 8. Bericht det Arbeltet- settetariatS Hambura-Altona 1397. 225 Seiten. Selbstverlag. Bericht des Deulschcn Vereins für Wohnungsresorm in Frank. sutt a. M. 1907. 36 Seiten. GeschästSstelle Frankfurt a..M„ Hochstr. 23. Berltner Marktpreise. kW» dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Direktion.(.Großhandel) Ochsenfleisch I» 66—68 pr. 109 Psd., n» 60-65, nia 54-58, Bullenfleisch la 62-66, IIa 50-60, Stühe, feit 46—56, do. mager 30—40, Fresser 48—56, Bullen, dänische 40—58. Kalbfleisch, Doppellender 110—120, Mastlälber la 88—95, IIa 76—86, Kälber ger. gen. 55—70, do. Holl. 50—55. Hannnelfleilch Mast» lämmer 71— 74, Hammel la 65—67, IIa 57—62, Ungar. 0,00, Schnjc 50—55. Schweinefleisch 54—60. Rchböcke per Psd. 0,60—1,00. Rotwild per Psd. 0,63—0,86. Damwild per Psd. 0,50—0,54. Wildschweine, per Psd. 0,40—0,50. Kaninchen, Stück 0,60—0,85. Fasanenhähne, junge, IIa Sliick 2,50. Birkhähne Stück 0,00. Hühner, la per Stück 1,50 bis 2,50, dito IIa Stück 1,20— 1,40, dito Wolga-, Stilst 0,79—1,60. Ham- buraer Küken, Stück 0,60—0,85, PonletS 0,70—1,10. Kapannen, denlsche, per Stück 0,00. Tauben, junge, Stück 0,40—0,70, dito alte 0,40—0,45, bUo Italien. 0,00. Enten, per Psund 0,00, dito per Stück 1,20—2,50, dito Hamburger, per Stück 2,75— 4,00. Gänse per Psd. 0,00, do. junge 0,75— 1,07. Piiten la per Psd. 0,50—0,75, do. IIa. und alte 0,09. Hechte, per 100 Psd. 89—101, do. matt 0,00, do. groß 45— 47, do. groß« mittel 0,00, do. Nein 0,00. Fander, groß» mittel 9,00, do. matt, groß 0,00. Schleie Holl. 0,00, groß 110, dito unsortiert 116— 124, dito Nein IIa 0,00. «nie, mittel 110—120, groß 116—121, do. unsort 91—110. Karpfen. 88. Roddow 0,00. Plötzen 29—35, dito groß 0,00. Liland 0,00. Karauschen 70—86. Weis 61. Bunte Fische 36—60, do. matt. Nein 0,09 Börse 0,00, do. Nein 0,00. Bleie 48, Nein 0,00. Bleifische 0,00. Quappe» Nein 0,00. Winlcr-RheinlachS, p. 100 Psd. 0,00, Amerilan. LachS la, p. 100 Pfund 110—130, do, IIa 90—100. Seelachs, p. 100 Psund 15—25. Flundern, Kieler, Stieg« la 2—6, do. mittel, Stifte 0,00, do. Hamb. Stiege 3—6, halbe Stziste 2—3, pomm. la Schock 0,75—2,00, IIa 0,00. Bücklinge, dänische per Wall 2—2.50, Kieler 0,00,, englische 0,00, Sttalsnnder 2,50—3,00, Sprotten, Danziger, Kiste 0,00, do, Rugcnwaldcr, 0,00.«ale. groß per Psd. 1,19—1,40, do. mittelgroß 0.90—1,10, Nein 0,60—0.90. Heringe per Schock 5,00—9,00, Schellfische, Kiste 3,00—5,00, dito Kiste 2,50—3,60. Sardellen. 1902 et per Sinter 98, 1904er 98, 1905er 98, 1306er 96. Schottische Vollheringe 1905 0,00, largo 40—44, fall. 38—40, med. 36—42, deutsche 30—40. Heringe, neue Matje», per•/, To. 0,00. Sardinen, rusft Faß 1,50—1,60. Bratheringe Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen, Schocksaß 8, do. kleine 4—5, do. Riesen- 10. Krebse per Schock 0,00, große 31,50, do. mittelgroße 14—19,50, dito kleine 3,50—4,50, do, unfi 6—8,50, Galizier,. klein 0,00. Seemuscheln 100 St 1,00. Eier, Land-, unsorliett per Schock 3,10—3,25, do. große 4,00. Butler ver 100 Psd. la 124—126, IIa 122—123, Ma 115—120. abfallende 108-114. Saure Gurken Schock 4,50—5. Bsessergincken Schock 4,59—5. Kattosscin per 100 Plund Dabersche 3,40—3,75, weiße runde 3,00—3,25, mag. bon. 3,25—3,50. Porree, per Schock 1,09—1,75. Meerrettich, Schock 8—14. Spinal per 109 Psund 4—7. Sellerie, per Schock 8—25 do. pommerischer 9,99. Zwiebeln per 109 Pfund 7,59. Petersilie grün. Schockbund 9,89—1,09. Rettich, bayrischer, per Stück 0,99, junge, 190 Stück 10—14. Mohrrüben, 100 Psrmd 3.00—5,50, Karotten, per 109 Psund 9.09. Wirfingkohl, Holl. v. Schock 9,00. Rottohl. Schock 0,99. Weißkohl, dän. p. 199 Psd. 8-19. Blumenkohl, hies.. 199 Stück 0,09, do. Ersurter 9,00, do. italienischer 100 Stück 0,00, do. in Körben 18 Stück 0,00. Rosenkohl, stanz., per 100 Psund 0,00. Grünkohl 0,00. Kohlrüben, Schock 5,00—7,00. Peterfiliemvurzeln, per 100 Psd. 6,00—7,00, Schockbund 0,00. Schnittlauch. Schockbund 0,50—1. Tomaten, kanar., per.Kiste 3,00—5,00. Rote Rüben, per 100 Pfund 0,00, Rhabarber 100 Bund 2.50—4,25. Rabunzen 10 bis 40. Rübchen 0.00. ESkarol, 100 Stck. 0,00. Endivien, 100 Stck. 0,00. Radieschen, Schock 1,00—1,30. Waldmeister, Mandel 0,30-0,50. Morcheln 60—80. Sproßlohl, 109 Pfd. 19—15. Birnen, Kochbirnen hiesige, per 109 Psd. 9,09, Taselbirnen la 9,00, do. IIa 9,00. Aepsel, Tiroler in Kisten 120 Psd. 30-50, Most., hies., 100 Pfi>. 3-14, Koch. 5-12, Tascl- äpsel la 15—23, do. IIa 0,00, Amerikaner, per Faß 18—28, Italiener, lose, 100 Psd, 10—16, do. in Körben per 100 Psd. 10—16, do. in Kisten 20—26. Weinstauben. Almeria, per Faß 0,00. Ananas I,. per Pfund 0,75—0,80, do. II 0,50—0,60. Bananen, kanar., per 100 Pid. 23—30, Jamatea 23,00—26,00. Maronen, italienische, per 100 Psund 0,00. Felgen, Kranz- per 100 Psd. 0,00, do. Trommel- per 100 Psd. 0,00, do. in Kisten 35—40. Traubcnrosinen per 100 Psd. 0,09, Zistoncn. Messina. 300 Stück 6,00-9,00, do. 360 Stück 5,00-8,00, do, 200 Stück 0.00, do. 150 Stück 0,00, Apselfinen, Blut- 200 St. 9,00—11,00, do. Blut- 300 Stück 10,00-13,50, do. Valencia 420 Stuck 17,00-22,00, do, 714 Stück 25-30,00, do. Messina 160 Stück 9-12,00, do. 200 Stück 10—14,00, do, 300 Stück 12-14,00, do. BlUt- 100 Stück 5-7,25, do. 150 Stück 6,50-7,50, do. 80 Stück 5-6,50, do. 160 Stück 19-15, do. 200 Stück 11—14, do, Kalif, 0,00. Datteln, per 100 Kart. 99, do. per 19 Psd. 6,99, do. Kalis. 199 Psund 28-39. «Safserstandö-Nachrichten ver LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburcau. Wasserstand M e m e l, Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thor» Oder, Ratibor , Strossen „ Franksurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby . Magdeburg ü+ bedeutet Wuchs,