Str. 114. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pranumerando Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Belt" 10 Bfg. BostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost- Beitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Eribeint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene stolonel geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Bort 10 Big. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Big., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mecklenburgische Verfaffungszustände. - Sonnabend, den 16. Mai 1908. " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Doch so weit ist es noch nicht, die Ritter im medien. burgischen Landtagsrock verspüren wenig Neigung, den Daumen vom Beutel zu lassen. Und das ist ganz gut sodie kuriose Tiftelei, die man Verfassungsentwurf" getauft hat, gehört in den Ortus, oder richtiger in den Lokus. Arbeiterfreundlichkeit der Staatlichen Foritverwaltung. auch die allgemeinen Landesbedürfnisse. Als Landesherr 1 Did. von den 84 Sizen rechnen. Dafür fiele aber die„ itio fönne er lediglich seine eigenen Untertanen, in partes" fort, die heute den Städten ermöglicht, die gegen die Bewohner des Domaniums, besteuern, den Ständen ihre Rechte gerichteten Angriffe des Feudaladels jederzeit zu und ihren Untertanen gegenüber habe er Fall zu bringen. Die Arbeiter hätten von der Reform nicht fein Besteuerungsrecht. Zwar machten sich die den geringsten Vorteil, wohl aber sicheren Nachteil, denn die Stände verbindlich, aus freiem Willen etwas zu den Gar- erste der Maßnahmen des Landtages würde voraussichtlich nisons( Militär), Fortifikations-, Regationskosten, zu sein, die Finanzen zu ordnen", d. h. neue, die unteren Volks Im goldenen Saale des mit hohen Türmen und Zinnen Reichs-, Deputations- und Creys- Tägen, auch Cammer- schichten belastende Steuern zu bewilligen. geschmückten Schweriner Schlosses hat vor einigen Tagen die Bielern" beizutragen; aber deren Höchstsumme festzusetzen, Eröffnung des außerordentlichen Landtages stattgefunden, sei ausschließlich ihre Sache. Und wenn sie diese Summe der auch den mecklenburgischen Landen eine sogenannte Ver- bezahlt hätten, dann hätte weiter von ihnen der Fürst keinerlei fassung bescheren soll, nachdem selbst Rußland und die Collekten, Hülfen und Beiträge" zu fordern, unter was Türkei sich eine solche zugelegt haben. Einige ent- Namen, Vorwand usw. selbige gegenwärtig oder fünftig geschieden liberale Zeitungen die konservativen tennen meist fordert werden mögten". Dafür sicherten sich aber die Stadtdie mecklenburgischen Verhältnisse zu genau, um sich naive magistrate und die Ritterschaft das Recht, ihre Untertanen, Illusionen zu leisten haben daraus bereits die schönsten d. H. die Stadtbewohner und hörigen Bauern, ebenfalls au Folgerungen gezogen und den Eröffnungstag, den 12. Mai, besteuern. in ihrer Chronik als einen geschichtlich dent. , würdigen Tag" angestrichen, der nicht nur für die beiden Obotritenländer, sondern für das ganze Deutsche Reich den Beginn einer neuen Entwickelungsepoche bedeutet. Warum auch nicht? Je mehr sich der Liberalismus als unfähig erweist, die Herrschaft des ostelbischen Junkertums in Preußen zu brechen, desto tiefer flüchtet er sich mit seinen Hoffnungen in das trügerische Reich der Illusionen. Ueberall sieht er in feiner eigenartigen Stimmung liberale Epochen hereinbrechen, selbst die Gründung des Reichstagsblocks ist in seinen Blättern als die Morgenröte der anbrechenden großen liberalen Aera gefeiert worden; warum sollte er also nicht auch in der Eröffnung des mecklenburgischen Landtages im Schweriner Schloß den Anbruch einer solchen Epoche sehen und in seiner Phantasie die mecklenburgischen Landstände mit den auch an einem Maientag eröffneten französischen GeneralStänden des Jahres 1789 vergleichen? " Der Landtag besteht nach den Bestimmungen des Erbvergleichs aus Ritterschaft und Landschaft, d. h. Neben den Eisenbahnen sind für den preußischen Staat auch die den Besizern der Rittergüter und den Abgesandten( Bürgermeistern) der Stadtmagistrate. Beide Stände, das Corps Forsten eine recht erhebliche Einnahmequelle. Für das Etatsder Ritter" wie„ das Corps der Landschaften", tagen gewöhn- jahr 1907/08 ist im Etat aus dem Holzverkauf allein ein Erlös von lich in gemeinsamer Versammlung. Bei Abstimmungen ent- 104 500 000 m. eingesetzt, der unter der Wirkung der Holzzölle ver scheidet die absolute Majorität. Doch steht jedem Stand frei, mutlich noch überschritten wird. Die Gesamteinnahme ist sich abgesondert zu versammeln und Sonderbeschlüsse zu auf 111986 000 Mart veranschlagt. Die Ausgaben bes faffen; und wenn eine„ itio in partes" stattfindet, d. h. wenn tragen 54 682 800 Mart, so daß sich ein reiner Ueberschuß von An der Spitze der Forstverwaltung ieder Stand auf seinem Beschluß besteht und den des anderen 57 253 000 m. ergibt. 97 Regierungs. Standes verwirft, kommt ein gültiger Landtagsbeschluß nicht stehen 34 Oberforstmeister mit und Forsträten, die an Gehältern 4200-7200 m., die Oberzustande. Außerdem setzte der Erbvergleich zur Kontrolle der forstmeister noch 900 m. extra beziehen. Die 855 Oberförster landesherrlichen Regierung und zur Vertretung der Stände erhalten 2700-5700 M. Gehalt. Dazu kommt noch Wohnungsfür die Zeit, in der diese nicht versammelt waren, einen geld nebst freiem Brennholz. Die Forstverwaltung beständischen Engeren Ausschuß" ein, der aus 9 Perfchäftigt außerdem 4542 Stevierförster, deren Gehalt sich sonen bestand: aus zwei Landräten, drei ritterschaftlichen und zwischen 1400-2100 m. bewegt. Eine große Anzahl dieser Beamten Wer die mecklenburgischen Verhältnisse kennt, dem er- vier städtischen Deputierten gebildet in dem also die hat noch mitunter recht beträchtliche Nebeneinnahmen. Auch fie haben, ebenso wie die meisten Wald wärter, freie Diensttcheinen diese liberalen Hoffnungen unsäglich albern und Ritterschaft stets die Majorität hatte. Dieser Erbvergleich aus dem Jahre 1755 besteht in seinen wohnung. Wald-, Torf- und Wiesenwärter, so weit sie fest anlächerlich. Wenn es schon in dem industriellen Preußen dem Liberalismus nicht gelungen ist, die Herrschaft des Junter- wesentlichsten Teilen noch heute in den medlenburgischen gestellt sind, müssen sich mit 700-1000 Mart Jahresgehalt tums zu brechen, so ist dafür noch viel weniger Aussicht in Landen zu Recht; wenn auch einzelne Bestimmungen gefallen burchschlagen! dem feudalen Mecklenburg, in dem es weder eine Groß- find, teils weil sie sich unter den neuen Verhältnissen absolut Noch erheblich schlechter aber find die alb'arbeiter industrie, noch abgesehen von Rostock und Wismar einen nicht mehr aufrecht erhalten, teils weil sie, nachdem sich Meck- gestellt, deren die staatliche Forstverwaltung nicht weniger als eigentlichen Großhandel gibt- in einem Lande, wo die Land- lenburg dem Norddeutschen Bund und dem Deutschen Reich 156 971 beschäftigt. Der niedrigste Lagelohn wird im wirtschaft und zwar meist der feudale Großbetrieb, den weit- angeschloffen hatte, sich nicht in Uebereinstimmung mit den Regierungsbezirk Oppeln mit 1,62 m., der höchste im Ne aus größten Teil der Bevölkerung ernährt, und die meisten Reichsgesetzen bringen ließen. gierungsbezirk Arnsberg mit 2,75 M. für männliche Arbeiter Landstädte nichts anderes find, als Ansiedelungen von Acer- Bergebens haben im letzten Jahrhundert die Großherzöge bezahlt. Frauen erhalten im Regierungsbezirk Posen 86 Pf., bürgern und Handwerkern, die an den umliegenden reichen wiederholt den Landesgrundgefeßlichen Erbvergleich" durch im Regierungsbezirk Düsseldorf 1,58 22. Jugendliche Rittergütern ihre besten Kunden haben. Niemals wird eine eine moderne Verfassung zu erfeßen versucht. Nicht wie die erhalten im Regierungsbezirt Frankfurt a. D. 68 Pf., im Klasse, wie der zähe, selbstbewußte Feudaladel Mecklenburgs, höfische Geschichtsschreibung berichtet, im Interesse ihres Bezirk Arnsberg 1,53 m. pro Tag. Das sind die Sommerder seine Herrschaft in jahrhundertelangen Kämpfen gegen Voltes, sondern im eigenen Machtinteresse. töhne, die Winterlöhne sind erheblich niedriger, fie bes die selbstherrlichen Ansprüche der mecklenburgischen Herzöge Der Erbvergleich bedeutet einen vollen Sieg der Ritterschaft trugen für Männer 1,24 M. bis 2,38 m., für Frauen 65 Pf. erkämpft hat, ihre politische Macht freiwillig preisgeben. über die autokratischen Gelüste der mecklenburgischen Herzöge bis 1,45 m. Und sie zum Verzicht zwingen, fehlen den jeßigen Groß- des siebzehnten und der ersten Hälfte des achtzehnten Jahr- Für diese Jammerlöhne muß im Sommer durchschnittlich zehn herzögen wie dem schwächlichen, meist gemäßigt- nationallibe- hunderts: eine Zeit, in der anderswo die Fürstendespotie Stunden, im Winter 7-8 Stunden gearbeitet werden! ralen Bürgertum der wenigen größeren Städte alle Mittel. entstand. Die Stände erlangten dadurch nicht nur eine ganz Der preußische Staat zahlt also feinen Bald. Eine eingreifende Aenderung der bestehenden politischen Zu- eigenartige Selbständigkeit gegenüber der landesherrlichen arbeitern Stundenlöhne von 16,2-27,5 Pfennige! stände vermöchte nur eine proletarische Revolution zu be- Gewalt, sondern auch zugleich das Recht, diefer ganz nach Be- attorblöhne find etwas höher, aber noch immer er bärmlich. wirken, die wieder nur ein Teil einer allgemeinen deutschen lieben die. Mittel zur Durchführung ihrer Verwaltungsmaß genug. Sie steigen bei Männern von 1,84 bis auf 3,37 m. im Revolution sein könnte. nahmen zu versagen: ein Recht, das später, als die Sommer, bon 1,53 m. bis auf 2,97 m. im Winter; bei Frauen Das jetzige medlenburgische Regime beruht auf dem nach finanziellen Anforderungen an den Staat stetig stiegen, oft ist eine Affordarbeit überhaupt ausgeschlossen. An freiwilligen langen Rämpfen am 18. April 1755 zwischen den Ständen zu argen Finanzverlegenheiten für die landesherrliche Re unterstützungen find an Waldarbeiter oder deren Hinter( d. h. der Ritterschaft und den Stadtverwaltungen) und dem gierung führte. Um aus diesen finanziellen Beschränkungen bliebenen bezahlt worden 19 172,80 M., aus dem Gnaden. damaligen Herzog Christian Ludwig zustande gekommenen herauszukommen, nicht aus irgendwelcher freiheitlicher Ge- pensionsfonds 6858,60 m. " die 47 Die fogenannten Landesgrundgesetzlichen Erb.finnung, wünschten die Großherzöge eine Verfassungs- So bezahlt der Stulturstaat" Preußen feine Waldarbeiter. Er vergleich"," durch den der Herzog die meisten Hoheits- änderung. Deutlich zeigt sich das in der 1874 geplanten barf sie nicht besser bezahlen, weil sonst die den preußischen Landtag und Besteuerungsrechte, die er sich angemaßt hatte, wieder Modifikation der Landesverfassung", deren beherrschenden Junter Lärm schlagen! Diese Sippe zahlt ihren aufgeben mußte. fogenannte freiheitliche Bestimmungen( der Landtag sollte Arbeitern genau so elende Löhne und sie befürchtet, daß die landEine Staatsverfassung im heutigen Sinne ist dieser Erb- aus 40 Vertretern der Großgrundbesitzer, 31 Vertretern der lichen Arbeiter in die Staatsforsten gehen, sobald der Staat vergleich nicht, sondern ein Bertrag unter Gleichen, eine Stadtmagistrate, 25 Vertretern der Landgemeinden und besser bezahlt. Der Staat sollte und könnte ein Muster- Arbeitgegenseitige Rechtsabgrenzung zwischen dem Landesherrn in 6 vom Großherzog auf Lebenszeit ernannten Mitgliedern be- geber sein, statt dessen bietet er ein geradezu abschredenfeiner Eigenschaft als Grundherr des Domaniums, der Ritter- stehen) gleich Null sind, während der Schweriner Großherzog des Beispiell In der Gewißheit, daß die gezahlten Löhne schaft, d. h. den körperschaftlich vereinigten Grundherren der von allerlei Aufwendungen, die er heute aus seinen Domanial- zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel sind, schafft er aus denen ritterschaftlichen Güter und der Landschaft, d. h. den förper- einkünften machen muß, befreit und das heutige Geld- zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel sind, schafft er schaftlich vereinigten Stadtmagistraten. Nur diese beiden verweigerungsrecht der Stände beträchtlich eingeschränkt er dann großmütig lächerliche Beihilfen gewährt. Die Waldarbeiter Körperschaften, die Ritterschaft und die Stadtverwaltungen, wurde. So hieß es z. B. recht naiv im§ 20: freilich rühren sich nicht, Koalitionsrecht haben sie nicht, das heißt, sie erwarben neben dem Herzog Rechte aus dem Vertrag. Alle Infoweit zur Führung des Landesregiments und zur dürfen feinen Gebrauch davon machen. Und wer soll übrigen Mecklenburger, also alle, welche nicht Ritterguts. Erreichung der Staatszwecke die dafür bestimmten Einkünfte im Landtage für sie eintreten? Die agrarischen Konservativen besitzer sind oder nicht zu den städtischen Magistraten gehören, des Domaniums und sonstigen landesherrlichen Einnahmen haben ein Interesse an niedrigen Löhnen, und kommen verfassungsrechtlich nicht in Betracht. Sie existieren nicht ausreichen, hat der Landtag die Pflicht, die anderen Parteien zeigen teinerlei Interesse nicht als Rechtspersonen und sind auf Gnade und Ungnade fehlenden Mittel zu bewilligen. Namentlich für diese armen Opfer der Ausbeutungsmethode der Gesetzgebung und Verwaltung ausgeliefert, welche die darf er die Deckung derjenigen Ausgaben nicht berber staatlichen Forstverwaltung. Wir stehen nicht an, drei obengenannten Landesmächte unter sich vereinbaren. weigern, welche auf verfaffungsmäßigen, reichs- und landes- zu sagen, daß es geradezu unerhört ist, aus einem staatEigentliche„ Landesuntertanen" gibt es demnach auch in gefeßlichen oder von der Regierung innerhalb der verfassungs- lichen Betrieb einen Ueberschuß von 57 253 000. zu ziehen und Mecklenburg nicht. Untertanen" des Herzogs find, genau mäßigen Befugnisse übernommenen privatrechtlichen Ver- die Arbeiter, die Leben und Gesundheit riskieren, mit solchen Löhnen genommen, lediglich diejenigen, deren Grundherr er ist, d. h. pflichtungen sowie auf den Bestimmungen des Hausgefeßes abzuspeisen! Auch auf diesem Gebiet ist es den Sozialdemo diejenigen, die im Domanium wohnen, dessen Fläche un- und den besonderen Vereinbarungen zu demselben(§ 18) be- traten vorbehalten, als rititer und Helfer aufzutreten. gefähr zwei Fünftel des mecklenburgischen Landes umfaßt. ruhen. Die Bewohner des ritterschaftlichen Besizes und die Städte find nicht Untertanen des Landesherrn, sondern der Ritter Auch die heute geplante erfassung" Bat und Magistrate. Der Landesherr steht nicht direkt zu ihnen keinen anderen 3wed, als den Großherzogin in irgendeinem Herrschaftsverhältnis, sondern nur, soweit als feinen Einfünften besser zu stellen und die Heft Schmod hat wieder einmal den ehrlichen Journalisten Ritterschaft und Stadtmagistrate ihm Herrschaftsrechte ein großherzogliche Regierung aus ihrer Finanzflemmezubefreien. Es ist nichts als berlogener befiegt". Der Württembergische JournalistenDieser Konstituierung der drei Landesmächte als gleich Hokuspokus, wenn der Verfassungsentwurf als ein politischer und Schriftstellerverein, der die Blüte der Intelligenz Ueberzeugungstreue" bürgerlicher Beitungsfabrikation berechtigte Faktoren entspricht es auch, wenn der Erbvergleich Fortschritt hingestellt wird. Wird er Gesez, so können, wie und bestimmt, daß der Landesherr aus den Einkünften, die er wir bereits vorgestern in dem Artikel„ Auch eine Volks- Württembergs in sich vereinigt, hat sich mit Herrn Schmock soliaus dem Domanium bezieht, nicht nur seine persönlichen Be- vertretung" nachgewiesen haben, die Agrarkonservativen mit darisch erklärt. Das Siegesbulletin" des Herrn Schmock, der in dürfnisse und die seines Hauses au bestreiten bat, fondern Sicherheit auf mindestens 6 Dtd., die Liberalen höchftens auf diesem Fall den Namen Keil führt und Chefredakteur bel räumen. " Natürlich ließen sich darauf die Stände nicht ein. Schmock. OD lik'skÄl- fr ei sinkig ett Stuttgarter„Neuen Tag- blattö" ist, sieht so aus: „W ürtt. Journal! st en- und Schriftsteller- b ex ein. In der Sitzung bom S. Mai hat die sehr zahlreich de suchte Mitelicderbersammlung des Württ. Journalisten- und Echriftstellerbereins nach eingehender Erörterung beschlossen, dem Ehefredatteur I l l i g vom„H o h e u st a u f en" in Göppingen Zvegen der bon ihm gegen die politischen Redakteure des„N e u e n T a g b l a t t S" gerickstetcn Angriffe ihre Mißbilligung auszudrücken." Der neuesten Affäre des Herrn Schmock liegen folgende Tatsachen zugrunde: Zwei liberul-freisinnig-demokratische Annoncen- Plantagen in Stuttgart buhlen um die Gunst des zahlungsfähigen Publikums, die„Wärt Lemberg er Zeitung" und das .,N e u e T a g b l a t t". In den parlamentarischen- Kämpfen um das ReichSbereinsgesetz schien es eine Zeitlang, als ob sich die Gunst des„liberalen Bürgertums" der Opposition Barth-Gerlach- Wreitscheid zuwenden wollte. Als gar der Vorsitzende der Württ. Volkspartci, Landtagsabgeordneter Dr. Elsas, sich im„Neuen Tag- blatt" in sehr scharfer Weise gegen die Politik seines> Partei- freundes Payer aussprach und zur Bildung eines Württemberger Blocks aller Parteien zum Schutze der bedrohten württembergischen Vereins- und Versammlungsfreiheit aufforderte, stand es für die Herren Schmocks beider Blätter fest, daß bei der Opposition sich das beste Geschäft machen lasse. Mit Schnellzugsgeschwindigkeit schwenkte Schmock zur Opposition ab. Wenige Tage darauf wurde das Reichsvereinsgesetz im Reichstag angenommen. Es zeigte sich, daß die„Mehreren" zu Herrn b. Pvyer hielten. Sofort rannten beide Blätter in das Blocklager zurück. Und nun beschimpften sie ebenso„gesinnungstüchtig" die Opposition, wie sie kurz borher Herrn b. Payer und die Seinen berlästert und berhöhnt hatten. Unser Stuttgarter Parteiorgan machte sich das Vergnügen, diesen Wandel der„Ueberzeugung" dem berehrlichen Publikum an Aus- zögen aus Artikeln der beiden Blätter zu demonstrieren. So schrieb die„Württembcrger Zeitung" am 21. März: ..... Man sieht, selbst dem„Beobachter"(das Organ Pahers) find allmählich heiße Bedenken über die Herrlichkeit einer solchen Blockpolitik ausgestiegen. Brennende Scham und laute Entrüstung macht sich in anderen demokratischen Organen geltend.... Aber der Schwabe ist selber biel zu steifnackig, furchtlos und treu, um Führern, die zu solchem schlecht- bemäntelten Verrat an den eigenen Idealen fähig sind, die alte Anhänglichkeit zu bewahren.... Dem Frei- finn wird es also erlaubt, seine Grundsätze, soweit er solche noch hat, zu opfern, um damit nationalliberal-freikonserbatibe Errungenschaften einzuheimsen. Das ist die Situation, in die die famose Politik des Herrn b. Payer die Volks- Partei hineinmanöberiert hat. Im übrigen war Politik nie ein sauberes Geschäft. So faul wie im Zeichen des Blockes sind aber die Früchte schwerlich jemals gewesen." Dasselbe Blatt am 6. April: „Die große entscheidend« Sitzung des Reichstage» am Sams tag, in der der 8 7(der Sprachenparagraph) des Vereinsgesetzes angenommen wurde, stellt sich nach Verlauf und Abschluß dank bor allem den glänzenden und die Verhand- lungen boll ständig beherrschenden Reden zweier Württemberger. der Abgeordneten Hieber und b. Payer, als ein unerwartet glän- z ender Sieg der Blockpolitik... dar... Vielleicht wird nun der überall als glänzend anerkannte Erfolg seiner iPayers) gestrigen Rede doch dazu beigetragen, die in den Reihen der süddeutscher BolkSpartei annoch herrschende Mißstimmung zu zerstreuen... Zweifellos ist ja wohl, daß der Entwurf im ganzen ein weit überwiegend liberales Gepräge trägt.. Noch toller trieb es daS„Neue Tagblatt'. Das tollste, öaS sich dieses Blatt an Gesinnungslosigkeit leistete, war, daß es am 2 5. März noch die Opposition lobte:„ES ist der einzige Lichtblick in diesen trüben Zeiten, daß die Links- liberalen in Süddeutschland und besonders auch in Württemberg dieses Ergebnis der Blockpolitik nicht ohne Murren hin- nehmen", um am 6. April eben dieser Opposition den Eselssuß- tritt zu geben mit den Worten:„Wer liberal fühlt und denkt, wer es gut meint mit dem Liberalismus, muß wünschen, daß jsich Erscheinungen, wie wir sie in der letzten Zeit gesehen haben, nicht wiederholen." Diese Auszüge hatte der Göppinger„Hohenstaufen" gleichfalls gebracht und daran ein Urteil über die beiden Blätter bezw. ihre Macher geknüpft, das für Herrn Schmock nicht eben schmeichelhaft war. Die„Württ. Zeitung" steckte es stillschweigend ein. der Herr Cheftedakteur des«Neuen Tagblatts" ging aber entrüstet zum Württ. Journalisten- und Schriststellerberein -und suchte Schutz bei seinen Herren Kollegen. Der ist ihm auch zuteil geworden. Insofern reicht die Bedeutung der Affäre über den Einzelfall und mich über Württembergs Grenzen hinaus. „Das sind diese modernen Landsknechte von der Feder, das geistige Proletariat, daö stehende Heer der Zeitungschreiber, das öffentliche Meinung macht und dem Volke tiefere Wunden ge- schlagen hat als das stehende Heer der Soldaten; denn diese» hält doch nur durch äußere Gewalt daS Volk zu Boden, jenes bringt ihm die innere Fäulnis, vergiftet ihm Blut und Säfte!" So kennzeichnet Lassalle die Macher der bürgerlichen Zeitungen in seiner Rede über die Feste, die Presse usw. Schmock ist derselbe ge- blieben seit Lasialles Zeiten. Eue dem Kfoblbampf. DaS Zentrum als„«Volkspartei". In einer Auseinandersetzung mtt der„Kreuz- Zeitung" über die Bedeutung von Arbeitervertretern im Parlament schreibt die„Essener VolkSzeitung": „Wenn im Zentrum die Arbeiterdertreter zu Wort kommen, so liegt das eben daran, daß die Zentrumspartei als eine Volks Partei den Interessen jedes Standes und somit auch des Arbciterstandes Rechnung trägt. Das Zentrum ist die einzige bürgerliche Partei, die sich rühmen kann, schon immer Arbeiterbertreter in ihren Reihen gehabt zu haben." „Von a l t e rs her"— so ist im Wahlaufruf der preußischen Nltramontanen zu lesen— sei das Zentrum für die Uebertragung des Reichstagswahlrechtes auf Preußen eingetreten. Mit der jetzigen Wendung, daß das Zentrum„schon immer" Arbeiter- bertreter in seinen Reihen gehabt habe, hat es dieselbe schwinde!- hafte Bewandtnis. Im Jahre 1877 ist der Arbeiter Johann S t ö tz e l, der Kandidat der aufsässigen christlichsozialen Arbeiter in Essen gegen den Willen des Zentrums und gegen den offiziellen Parteikandidaten in den Reichstag gewählt und unter Widerstreben namhafter Zentrums- leute in die ultramontane Fraktion aufgenommen worden. Er blieb fast zwanzig Jahre lang der einzige Arbeiterbertreter im SleichZtagszentrum; 18(35 wurde er durch Giesberts ersetzt, und erst 1007 fand sich das Zentrum veranlaßt, einige weitere Arbeiter. Vertreter— im ganzen sind es jetzt fünf, auf eine Fraktion »on mehr als 10(3 Mitgliedern zum Reichstag zu- mlpssefl. Im preußischen Abgeordneten hause saß bis 1903 kein einziger Arbeiter in der Zentrumsfraktion. Erst in diesem Jahre wurde ein Arbeiterbertreter vom Zentrum für würdig befunden� die heiligen Hallen des Dreiklassenhauses als �Abgeordneter zu betreten— ein Arbeiterbertreter unter 96 Vertretern bürgerlicher Interesse»! Und dieser„Arbeiter- Vertreter" war Herr Brust, dem vor kurzem von seinen eigenen Partei-, Glaubens- und Gesinnungsgenossen im christlichen Berg arbeiterberbande bescheinigt wurde, daß jeder beliebige Scharsmacher die Arbeiterinteressen gerade so gut„vertrete" wie er, der Herr Abgeordnete Brust!— Die politischen Kastrate« vom Blockfreisinn. Die Liberalen in Danzig boten bei der Aufstellung der Kandi baten zur Landtagswahl ein besonders interessantes Bild frei sinniger Einigkeit. Seit unvordenklichen Zeiten tat sich der Dan ziger Mischmaschliberalismus sehr viel darauf zugut, daß er keine fraktionellen Unterschiede kannte und nur„liberal" war. Das un- zerreißbare Band liberaler„Harmonie" umschlang sie hier alle: Wasserstiefler, Wadenstrümpfler und nationalliberale Mollusken Diese herrliche„liberale" Dreieinigkeit ist nun an dem größeren Ordnungsbunde sämtlicher Bülowheloten grausam zerschellt Schon im Jahre 1903 gelang es nur noch mit Mühe und Not, das„sturmerprobte liberale Bollwerl" bei der Landtagswahl gegen das zenttümlich-konservatibe Kartell zu retten. Nur mit höchstens 12 Stimmen Majorität„siegten" der Auchwassersttefler Justizrat Keruth und die Wadenstrümpfler Kommerzienrat Münster- b e r g und Gutsbesitzer Schahnasjan über die schwarze Koa- lition. Diese Bedrängnis ist der liberalen Reaktionssippe auch bei dieser Wahl trotz der Blockbrüderschaft nicht erspart ge- blieben. Die Tanziger Konservativen Pfiffen auf ihre„liberalen" Gelegenheitsmacher und schlössen wieder das alte Kompromiß mit dem„nationalen" Zentrum, um dem liberalen Börsenmischmasch endgültig den Garaus zu machen. In dieser grimmen Not suchte sich nun der Einheitsliberalismus dadurch größere Sympathien zu sichern, daß er den einzigen seiner drei Landtagsabgeordnetcn, der einmal beinahe wirklich liberal gewesen wäre, rück- sichtslos preisgab. Der Rechtsanwalt Keruth, sogar Danzigcr Stadtverordnetenborsteher, ist sicher alles andere eher als ein politischer Radikaler. Aber der Mann hat es gewagt, im Landtage, und zwar nur vom Standpunkt des kapitalistischen Privateigentums aus, gegen die polnische Zwangsenteig- nung zu protestieren. Er hat ferner ein einziges Mal leidlich der- ständig gegen den Hakatistenkoller geredet und eine gerechte Be- Handlung der polnischen Staatsbürger gefordert. Und diese schreck- lichen Verbrechen haben dem Mann das Genick gebrochen. Er ist deshalb nicht wieder als Kandidat aufgestellt worden! An seiner Stelle wurde der nationalliberale S a k a t i st und Wahlrechtsgegner Landgerichtsrat W e d e- kind aufgestellt!— Weiter läßt sich die liberale„Einigkeit" doch sicher nicht mehr treiben. Diese liberalen„Wahlrechtskämpfer", die einen leidlich verständigen Freisinnigen zugunsten eines rücksichts- losen nationalliberalen Wahlrechtsfeindes abmurksen, bedürfen wohl auch keiner weiteren Kritik! Meuternde Zentrumsbauern. Unter den vom Zentrum für die R h e i n p r o V i n z aufgestellten Landtagskandidaten befinden sich acht Ritterguts- besitzer, Gutsbesitzer und Landwirte; sie alle sind in bombensicheren Wahlkreisen aufgestellt, haben ihr Mandat also in der Tasche. Aber die Zentrumsagrarier find damit nicht zufrieden; sie stellen durchweg die Forderung, daß ländliche oder vorwiegend ländliche Wahlkreise auch nur von Agrariern im Parlament vertreten sein sollen, und in diesem Sinne kann man in der klerikalagrarischen„RheinischenVollS stimme" täglich die bittersten Anklagen gegen das Zentrum lesen, das die Interessen der katholischen Bauern vernachlässige. Ein„bewährter Zentrums- mann" aus demOste» redet. in dem Blalt von dem„p o l i l is chen Unfug," ländliche Wahlkreise durch Juristen, Pastoren und Lehrer zu besetzen, und um das zu verhüten, schlägt er vor, daß die chri st lichen Bauernvereine von jetzt ab diepoli- tischen Wahlen in die Hand nehmen. Es heißt da: „Die Aufstellung der Kandidaten ist aber zunächst weniger Parteisache, sondern vornehmlich Sache der religiösen und konfessionellen Ueberzeugung und der wirtschastspolitischrn Auschauunz. Nehmen wir echte, feste agrarische Landwirte... und der agrarische Zentrums- mann ist fertig. Denn, daß sich ein echter Bauer als über- zeugter Katholik dem Zentrum anschließen würde, das ist doch gar nicht zu bezweifeln." Der Artikel schließt: „Darum, katholische Bauern, die Ihr in den christlichen Bauernvereinen zusammengeschlossen seid, macht Euch frei von der Bevormundung durch andere Stände, wie sich die Arbeiter davon freigemacht haben... In allen Fragen der religiösen, kon- fesfionellen und sittlichen Ueberzeugung hie gut Zentrum allerwege, in allen Fragen der Wirtschaftspoutil hie gut agrarisch allerwege! Wenn dadurch die Linie der ausgleichenden Gerechtigkeit im Zentrum etwa nach rechts verschoben wird, dann schadet das niemanden..." Man sieht, daß die ultramontanen Agrarier sich zu rühren und ihre Ellbogen zu gebrauchen wissen. Sie sind mit acht Abgeordneten im Rheinland nicht zuftieden.— Die katholischen Arbeiter glauben wunder was erreicht zu haben, wenn es ihnen gelingt, beim Zentrum zwei oder drei Arbeiterbertreter für ganz Preußen durchzusetzen. politische Geberficbt. Berlin, den 15. Mai 1908, Die Verleugnung der Briefträger. Die echten Gesandten Mulay Hafids, die bekanntlich in Paris weilen, sind mit dem Auftreten der Berliner Kon- kurrenten sehr unzufrieden. Namentlich einige Aeußerungen, die sie den Leuten vom Marokkokomitee gegenüber getan haben, scheinen die echten Gesandten erzürnt zu haben. Das „B. T." meldet darüber aus Paris: ihre Worte genenüber dem Freiherrn Langwerth b. Simmern seien im Auftrage und im Sinne Mulay Hafids gesprochen. Wenn beide Männer mehr gesagt haben als diese Worte, so könnten doch die Wendungen, die man ihnen gegen Frank» reich in den Mund legt, gar nicht von ihnen gebraucht sein. Sie entsprächen nicht der Ansicht und der Politik Mulay Hafids. Ein Beweis dafür, daß Mulay Hafid dem Präsidenten der Republik eine besondere Ehrung erweisen wolle. sei darin zu finden, daß er die Botschaft von seiner Thron- besteigung für Fallieres mit goldener Tinte schreiben ließ, während die Briefe an die anderen Herrscher weniger prunkvoll ausgestattet seien." Damit ist dft Blamage des Marokkokomitecs vollständig. So sind wohl selten Leute zum Narren gehalten worden. Und das mußte gerade den Herren passieren, die sich als genaue Kenner von Land und Leuten aufzuspielen lieben. Aber auch für die deutsche Regierung ist es nicht gerade angenehm, daß die Pariser Marokkaner sich auf Kosten Deutschlands in Liebenswürdigkeiten für Frankreich er- schöpfen und den Vorrang Frankreichs vor den anderen Unterzeichnern der Algecirasakte gar so bereitwillig an- erkennen. Hoffentlich nehmen diese Uehersetzungev aus dem Arabischen foivohl ins Berlinerische als auch ins Pariserische bald ein Ende. Den Gesandten hat übrigens ihre Liebenswürdigkeit nichts genützt. Aus Paris wird'gemeldet: Die vier Abgesandten MulayHafids wurden beute vormittag im Ministerium des Aeußeren vorstellig und baten, vom Minister empfangen zu werden. Der Minister lehnte es ab, sie zu emp- fangen oder sie empfangen zu lassen. Die Abgesandten zogen sich zurück, ohne ein Schriftstück zu hinterlassen. Sie wurden später auch im Elysee vorstellig, wo sie gleichfalls nicht empfangen wurden. Man darf annehmen, daß damit die Komödie ein Ende hat. Die Schutztruppe des großen Geldsacks. Unsere Nachweise, daß der Freisinn sich als Schutz« truppe des Geldsacks erwiesen hat, indem er unsere Vor- schlüge, die Einkommen von 9500 M. ab und die großen Ver- mögen zu direkten, Reichssteuern heranzuziehen, mit Entrüsturz zurückwies, sind der„Freis. Ztg." begreiflicherweise einlgermatzcn unangenehm gewesen. In einem Leitartikel polemisiert sie deshalb wütend gegen die.Zahlenjongleure" des„Vorwärts". Den Vor- Wurf, mit Zahlen zu jonglieren, können wir ihr freilich nicht zurückgeben, denn mit Zahlen vermag sie überhaupt nichts anzufangen. Statt uns durch eine anderweitige Gruppierung der amt- lichen Zahlen zu widerlegen, bringt sie nichts als eine Reihe unglaublich einfältiger Redewendungen vor. Die Möglichkeit, die Einkommen mit mehr als 9500 M. zu beträchtlichen direkten Reichseinkommensteuern heranzuziehen, hatten wir damit begründet, daß das Durchschnittseinkommen der rund 300 000 Angehörigen dieser Steuerstufcn zusammen zirka 3 Milliarden, pro Kopf also ungefähr 10 000 M. betrage, wobei „jeder Säugling, jeder Schüler, jede höhere Tochter" als Kopf zähle. Und was bringt demgegenüber das Wiemerblait vor? Diejenigen Zensiten dieser Klasse, sagt es, die nur 9500 M. oder wenig darüber Einkommen hätten, hätten pro Kopf ihrer Angehörigen keine 10 000 M. zur Verfügung. Selbstverständlich nicht. Dafür beträgt aber bei denjenigen, die 30 500 M. bis 100 00( 1 Mark Einkommen besitzen, der Durchschnittsbettag pro Kopf auch 16000 M., bei denjenigen mit mehr als 100 000 M. Einkommen mehr als 80 000 M. pro Kopf. Deshalb hatten wir gerade eine progressive Besteuerung der Einkommen von 9500 M. ab vorgeschlagen; Im übrigen aber charakterisiert es wiederum die Geldsackängste der„Freisinnigen Ztg.", daß sie darüber zetert. daß diejenigen, bei denen auf den Kopf des Säuglings usw. ein Einkommen von„nur" mehr als 3000 M. entfällt, ein paar hundert Mark Steuern jährlich mehr bezahlen sollen, während sie es ganz in der Ordnung findet, daß die 19 Millionen Preußen, auf die pro Kopf cm Einkommen von Noch nicht 200 M. Einkommen entfällt, mit neuen indirekt cu Steuern belastet werden! Wetter bestreitet die„Freisinnige Zeitung", daß ein: besorgniserregende" Vermögensanhäufung, eine ungesund: Steigerung der großen Einkommen stattgefunden habe. Sie be- streitet das mit allerhand Redensarten. Sobald sie Zahlen bringt, beweist sie nämlich gerade das, was wir behauptet hatten! � Die sozial ungesunde Steigerung der Rieseneinlommen hattcü wir u. a. auch damit bewiesen, daß von. 1906 auf 1907 der prozentuale Anteil der Gruppen mit 3000 M. b-is 9500 M. am Gc- famtsteuersoll gesunken sei, während der Anteil der Zcnsittn mif mehr als 100 000 M. Jahreseinkommen, z u« ahm. Wi- wid erlegt nun die„Freisinnige Zeitung" unsere Behauptung: Dadurch, daß sie zeigt, daß der R ü ck g a n g des prozentualen An- teils am Steuersoll bei den Gruppen mit 3000 bis 9500 M. n o cb weit größer war, als wir infolge eines kleinen Versehens ai� gegeben hatten. Der betr. Anteil war nämlich nicht von 45,75 auf 44,81 Proz. gesunken, sondern von 24,37 auf 22,6 Proz.! Solch: „Widerlegungen" werden wir uns jederzeit gern gefallen lassen! Wie riesig die Steigerung gerade der größten Einkommen und Vermögen war, dafür einige neue Zahlen. Im Jahre 1892 gab eö 10722 physische E i n k o m m e n st e ue r z e n si t c n, die zusammen 832 Millionen Einkommen versteuerten. Im Jahre 1907 betrug die Zahl dieser Zensiten 20 670, ihr Einkommen 1755 Millionen Marl! Ferner: Vom Jahre 1895 wuchs die Zahl der Vermögenssteuerzensiten mit einem Einkommen mit mehr als 30 500 M. von 10 319 auf 17132. Ihr Vermögen vermehrte sich in dieser Zeit um 8700 Millionen Mark! Das Ver-.. mögen derjenigen mit 900 bis 3000 M. vermehrte sich in der gleichen Zeit nur um 1700 Millionen Mark! Trotz alledem er- blickt hierin die Sachwalterin de? Geldsacks, die„Freisinnige Zeitung", absolut nichts„Besorgniserregendes"! Im Gegenteil, diese Züchtung der Millionäre soll auch weitrrbiu durch Schonung der großen Gcldsäcke und indirekte Belastung der großen Masse der Hungerleider gefördert werden! Agrarischer Wahlterrorismus. Liberale Blätter melden übereinstimmend. daß in L u n d(5kreis Dithmarschen) die Agrarier, unter Fuhrung des Hofbesitzers P Haler t-Karolinenkoog. viele Nemo Gewerbetreibende unter Androhung des wirtschaftsiche» Boykotts gezwungen haben, aus dem Liberalen Verein auö- zutreten. Was meint die„Deutsche Tages- zeit ung" dazu, die sich nicht genug darüber entrüsten kann. daß unsere Parteigenossen, an der Hand der Abstimmung.- listen, ihre Freunde unter den Gewerbetreibenden kennen lernen wollen. Das agrarische Blaie proklamiert in seiner gestrigen Nummer sogar selbst den Boykott. Denn nichts anderes als eine versteckte Aufforderung zum Boykott ist es. wenn die „Deutsche Tageszeitung" aus der Korrespondenz deS Bunde» der Landwirte folgendes abdruckt: „Wie wenig die politischen Gegner unserer heutigen«graner deren Rache fürchten, das können wir dem„Vorwärts" und in diesem Punkte gleichdenkenden Liberalen durch ein. wagnaims Beispiel beweisen. In einem ostmärlischen WahUreise hat sich ein liberaler Kommerzienrat t l o n d u r schwunghaste Produktion und Verkauf lft'.dmrl- schaftlichcr Maschinen und Geräte erworben. In diesen- im Original gesperrten und fett- gedruckten Zeilen liegt eingarnicht mißzuv er st e h e ndcr Wink an die Agrarier, dem Mann k e i n c a s ch i ne n mehr abzukaufen! Man merkt die Loykottandrohung denn doch aus jeder Zeile heraus!—___ Die gesicherten politischen Briefe. Am Tonnerstag hat eine abermalige Haussuchung iin- Schlosse des Fürsten Eulen bürg stattgefunden. Der „Tag" wußte zu berichten, daß Eulenburg, dem man früh Der ehemalige Botschafter hat demnach geglaubt, daß Sie Gerichtskommission nach politischen Briefen suche und nicht nach Beweisen für den Meineid und andere Straftaten. Wir würden auf diese Meinung des Beschuldigten nicht allzuviel Gewicht legen, wenn nicht heute aus München folgendes telegraphiert würde: Anmeldungsfreiheit gegen Geldstrafe! morgens in der Charité die Schlüssel zu seinem Schreibtische Und wie ganz anderes ist es gekommen! 13entrum nut periobenweise liberal.( Gröber: Go wie abforderte, in große Erregung geriet, einen Schwächeanfall Der Fürst Bülow hat nicht einmal nötig, den Liberalen ein die Boltspartei!) erlitt und wiederholt seinem Unwillen Ausdruck gab, daß man paar Mandate zuzuschanzen. Auch ohnedies fällt es ihnen Minister v. Pischet versprach nochmals hoch und heilig, daß feiné private Korrespondenz durchsuche. Politische nicht ein, die Konservativen zu bekämpfen. Sondern sie sehen Gesetz im liberalen Geiste handhaben zu wollen. Er habe keinen Briefe feien in Schloß Liebenberg nicht zu finden, er habe ihre Hauptaufgabe darin, die Ronservativen gegen Grund zu der Annahme, daß die süddeutschen Regierungen Vollsie längst an einen anderen Ort bringen lassen. den Ansturm der Sozialdemokratie zu verzugsverfügungen erlassen werden, die wesentlich voneinander abteidigen, sogar siehe Breslau unter Berzicht weichen, so daß für Süddeutschland ein einheitliches Gesetz ge auf eigenen Mandatsgewinn! schaffen werde. Es sprachen nod, Wasner( Soz.), Gröber, der nochmals Hieber zauste, Andre( 3.), der dem Präsidenten v. Bayer einen Scheffel Bosheiten zu schlucken gab, Neil( Eoz.), Das Reichsvereinsgesetz hat bekanntlich bestimmt, daß öffentliche Miene( 3.), Liesching( Bp.) und andere. Endlich tam man zur politische Versammlungen, die öffentlich angezeigt werden, der Abstimmung über die vorliegenden Anträge, die mehrfach geändert " In Besprechung der Zeitungsmeldung, wonach Fürst Eulen- Anmeldung bei der Polizeibehörde nicht bedürfen. Die Bestimmung, worden waren. Mit 37 gegen 36 Stimmen wurde beschlossen, die burg erklärt haben soll, daß er seine politischen Briefschaften be- darüber, wie die Bekanntmachung in solchem Falle beschaffen sein Regierung um Vorlage eines Geschentwurfes zu ersuchen, woreits an einen sicheren Ort gebracht habe, schreibt der Bahe- muß, überläßt das Gesetz der Landespolizeibehörde. Die Regie durch der Gebrauch nichtdeutscher Sprachen in öffentlichen Vers Monarch sei tatsächlich in der Hand der Eulenburg- rungen der einzelnen Bundesstaaten haben nun in den Ausführungs- sammlungen im weitesten Umfang, den das Gesetz zuläßt, gestattet, clique gewesen und dieser Umstand erreiche Bedeutung aus bestimmungen meist nur die Grundzüge festgelegt und die weiteren insbesondere auch für Versammlungen der Gewerbetreibenden, Gründen, die auf dem Gebiet der Politik, zum Teil der aus Einzelbestimmungen den Polizeibehörden zugewiesen. So auch in gewerblichen Gehilfen, Gefellen und Arbeiter zur Erörterung von wärtigen Politit, liegen. Fürst Eulenburg soll im Besize von der Geldsacksrepublik Hamburg. Dort hat nun am Vorabend Verabredungen und Vereinigungen behufs Erlangung günstiger äußerst wichtigen Briefen des Kaisers politischen Inhalts sein, des 15. Mai die Polizeibehörde der Stadt Hamburg bestimmt, Lohn- und Arbeitsbedingungen. Die geringe Mehrheit für diesen deren Veröffentlichung höchst unangenehme daß die Anmeldepflicht in Fortfall kommt für jede Versammlung, Antrag erklärt sich daraus, daß die Regierung in dieser Hinsicht Folgen haben müßte. Nach dem Ergebnis des Münchener die in einer der Hamburger Tageszeitungen und im„ Oeffentlichen bereits Erklärungen abgegeben hatte, die von der starken Minorität Prozesses hat sich der Kaiser für das ernste Vorgehen Anzeiger, Beiblatt zum Amtsblatt der Freien und Hansestadt Ham- als eine genügend sichere Grundlage für eine liberale Praris ergegen Gulenburg ausgesprochen. Nach seiner eigenen burg", einem unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erscheinenden achtet wurden, Aeußerung soll einmal gezeigt werden, daß bor dem preußischen Gericht jeder gleich ist, ob es Blättchen, annonciert wird! D. h., wer die Anmeldung bei der nun der Kutscher des Fürsten oder der Fürst Polizeibehörde sparen will, der muß für eine Anzeige im Amtsselbst ist."" blatt blechen, der erhält eine Geldstrafe auferlegt! Das ist die verheißene loyale Handhabung des neuen Reichsvereinsgesetzes! rische Kurier" über die Haltung des Kaisers, der Wir geben die Meldung vorläufig ohne jeden Kommentar. Herr v. Dirksen fchickt uns eine sogenannte Berichtigung, deren Aufnahme er mit junterlichem Selbstbewußtsein unter Berufung auf§ 11 des Preßgefeges fordert. Hätte der Herr sich das gespart, würden wir seinen ganzen Erguß zum Abdrud gebracht haben. Wenn jedoch ein faiferlicher Gesandter fich uns gegenüber auf Gesetze beruft, dann foll er auch deren Erfordernisse erfüllen. Wir begnügen uns daher damit, das, was die sogenannte Berichtigung an tatsächlichen AbLeugnungen der von uns aufgestellten Behauptungen enthält, voll inhaltlich zu veröffentlichen. Herr v. Dirksen behauptet, feine Ausführungen hätten sich lediglich auf die vom Abgeordneten Severing, wie er fagt, falsch" dargestellten Fälle bezogen. Dann schreibt er weiter: Ob noch andere Polizeibehörden in Deutschland fich dergleichen erlauben werden? Fünf Monate und Versehung in die zweite Klaffe des Soldatenstandes. Oefterreich. Das Ende der Wahrmund- Affäre. Das energische Auftreten der nichtlleritalen Studenten hat mit einem bollen Erfolge geendet, ohne daß der Universitätsstreit notwendig geworden wäre. Der Nettor der Innsbrucker Universität erklärte in der Versammlung der Studenten, daß Wahrmund dieses Semester anstatt des Kirchenrechts ein anderes Kolleg lesen tönne. Jin nächsten Semester werde auch seinen Kirchenrechtsborlesungen nichts im Wege stehen. So bleibt im„ flerifalen" Defterreich ein Professor, der die schärfften Angriffe gegen religiöse Dogmen gerichtet hat, unbehelligt, während in Deutschland die zahmsten Modernisten, wie der Fall Schnitzer in München wieder gezeigt hat, auf Befehl der Pfaffen unbarmherzig gemaßregelt werden. Schweiz. Sozialdemokratische Kandidaturen. Wegen Achtungsverlegung und Gehorsamsverweigerung hatte sich gestern der Musketier Jofeph Sauerland von der 6. Kompagnie des 47. Regiments vor dem Kriegsgericht der 10. Division in Bosen zu verantworten. Der Anklage lag folgender Tatbestand zugrunde: Sauerland hatte am 24. April eine Haftstrafe zu berbüßen. Da ihm während dieser die Zeit etwas lang wurde, begann er in der Belle von Zeit zu Zeit zu singen. Dieses wurde dem diensttuenden Leutnant gemeldet, der sich in die Belle begab und dem Inhaftierten das Vorlesen der Strafordnung befahl. Dabei ließ Bern, 13. Mai.( Eig. Ber.) Der nächste Sonntag ist für der Sauerland die Stelle aus, welche das Verbot des Singens Kanton Bern ein wichtiger Wahltag, denn es sind ErsatzIch habe ausdrücklich gesagt: betraf. Auf die Vorhaltung des Leutnants erwiderte er, er tönne wahlen in die Kantonsregierung, in den NationalDarauf ließ ihm jener die Stelle und bin in der Lage zu beweisen, daß die Anführungen die Stelle nicht lesen. verschiedenen Fällen wären Arbeiter von Krupp dolos ent- begann nun abermals zu fingen, worauf ihm der Hauptmann Politiker v. Steiger zu ersehen. Für den Regierungssiz ist von des Herrn Abgeordneten Severing, welcher behauptet hat, in borbuchstabieren und entfernte sich aus der Zelle. Sauerland rat und in das bernische Amtsgericht zu treffen. In der Regierung und im Nationalrat ist der verstorbene konservative laffen worden und um ihre Beiträge gekommen, insofern Rosenthal dieses verbot. Dabei soll er sich auch noch ungebührlich unserer Partei der Genosse Hermann Kistler, Staatsschreiber falsch find, als es sich bei den Entlassungen um Leute handelte, benommen haben. Vor Gericht gab Sauerland an, er sei an die wegen Diebstahls und anderen Vergebungen aus dem Dienst diesem Tage außerordentlich lustig gewesen, er habe sich nicht anders des Kantons Bern, als Kandidat aufgestellt worden, ein Mann, der gestoßen werden mußten, und daß selbst in solchen Fällen die helfen können. Der Gerichtshof verurteilte ihn zu einer Gefängnis- durch jahrelange Tätigkeit auf seinem gegenwärtigen Boften die Firma aus Billigkeitsrücksichten zum Teil hat Zuwendungen ein- strafe von fünf Monaten und Versegung in die zweite gesamten Staatsgeschäfte gründlich kennen lernte und schon aus treten lassen. Klasse des Soldatenstandes. bon Dirksen. Kaiserlicher Gesandter. Das Schweineglück der Ultramontanen. M. d. N. u. d. Abgh." Das Zentrum hat sich in den letzten Jahren so viele Attentate Demnach will Herr v. Dirksen jest wohl eingestehen, daß in gegen die Arbeiterinteressen geleistet, den Enterbten und Entrechteten bielen tausenden Fällen Arbeiter um ihre Beiträge geprellt so oft Steine statt Brotes gegeben, daß trotz der ultramontanen worden sind? Dies Sugeständnis stimmt aber wieder nicht mit seinen Demagogie in den Kreisen der Betrogenen und Genarrten eine Ausführungen im Reichstage überein. Nach dem stenographischen Bericht erklärte er nämlich: Ich bin ferner in der Lage, zu beweisen, daß bei starteren Arbeiterentlaffungen, die aus Mangel an Aufträgen erfolgen mußten, die Firma aus einem besonderen Fonds, einer Arbeiter- und Invalidenstiftung, die aus freiwilligen Bei trägen der Firma besteht und die Höhe von 7% Millionen erreicht hat ( Hört! hört! rechts), Arbeiter, die entlassen werden mußten, entschädigt hat, so daß Härten, wie Herr Severing behauptet hat, überhaupt nicht vorgekommen find." Tatsächlich hat die Firma Krupp in den letzten Jahren und nur in einzelnen Fällen sogenannte„ Unterstützungen" gezahlt. Wie fühn Herr v. Dirksen im Behaupten ist, sei auch gleich noch an einem anderen Beispiel gezeigt. Er sagte im Anschluß an die vorstehende unwahre Behauptung noch folgendes: diesen sachlichen Gründen ein vorzüglicher Kandidat ist. Für unsere Partei kommt hinzu, daß er ein altbewährter treuer Genesse ist und so die Garantie dafür bietet, daß er ein zuverlässiger Bertreter der Sozialdemokratie in der Regierung sein würde. Die Berner Staatsverfassung enthält die ausdrückliche Bestimmung, daß die Minderheitsparteien in der siebengliedrigen Regierung vertreten sein sollen. Die konserbative Partei hatte nun bisher zwei Sibe, wovon der eine infolge Todesfall frei wurde. immer größere Unzufriedenheit zum Durchbruch tam. Die kultur- Diesen Siz beansprucht nun die Sozialdemokratie als die zweite kämpferischen Schreckgespenster, mit denen man die Gläubigen Minderheitspartei, und sie stüßt ihren Anspruch auf die erwähnte Verfassungsbestimmung, so daß er, abgesehen von politischen gruselig machte, verloren an Zugkraft. Da tam den Schwarzen Gründen, auch rechtlich begründet und unanfechtbar ist. Der die blind täppische Antizentrumsparole Billows wie gerufen. wichtigste politische Grund ist, daß sie über mindestens 20 000 Sätte dieser eine heimliche Verschwörung anzetteln wollen, um Stimmen im Stanton Bern verfügt und ihr darum eine Vertretung und dem Zentrum aus seinen Verlegenheiten zu helfen, er hätte gar in der Regierung gebührt. Dazu kommt ferner, daß von den in nichts Besseres unternehmen können, als er mit der Antizentrums- Industrie und Landwirtschaft tätigen 237 698 Personen 138 572 toalition getan hat. Im Verein mit dem in Norderney eingefegneten unfelbständige sind, die gegenwärtig in der Regierung keine Stulturblock" gab er den Ultramontanen nicht nur die Gelegenheit, den erschreckten Schäfchen gegenüber mit dem Schreckenswort: Die Kirche in Gefahr zu operieren; die Annahme des Sprachenparagraphen, die Ausschließung der Minderjährigen von politischen Vereinen und Versammlungen, und dergleichen liberale Heldentaten mehr ermöglichen es den schwarzen Demagogen nun auch noch, sich als die Hüter wahrhaft freiheitlicher Grundsätze aufzuspielen! Vertretung haben, denn diese fühlt sich als der Verwaltungsausschuß der besitzenden Klassen. Trotzdem wollen die Freifinnigen und Konservativen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei den freien Gih nicht überlassen, sondern portieren gemeinsam den Chefredakteur des konservativen Berner Tageblattes", der Berner Ausgabe der Berliner" Post", den Herrn Burren, einen Reaktionär und Scharfmacher von ganz besonderer Güte. Für den Nationalrat ist als fozialdemokratischer Kandidat Ge noffe Schneeberger, Sekretär des Schweizer Metallarbeiterberbandes, aufgestellt. Heute hat die zahlreiche Arbeiterschaft des Kantons Bern feinen Vertreter im Nationalrat, trotzdem stellen auch für diesen Sitz die Konservativen mit Unterstützung der Freisinnigen einen eigenen Kandidaten auf. Als fozialdemokratischen Kandidaten für die Amtsrichter. England. Und zu alle dem kommt jezt auch noch die, Deutsche Ver" I tönnte weiter nachweisen fürchte aber, daß einigung" her und ruft die Zentrümler als Streiter für eine ich dafür Ihr Ohr nicht mehr finde daß ein Artikel bes Wahlreform auf den Plan." Deutsche Vereinigung" nennen sich die " Vorwärts" vom 5. d. M., der überschrieben ist: Ministerielle in Staatsstellungen befindlichen befferen" Katholiken, die das Informationen", und der behauptet, der Staatssekretär Nieberding Zentrum noch militärfrommer, noch regierungswillfähriger machen hätte den Reichstag falsch informiert über die Zuwendungen der wollen, als es schon ist. Wegen ihres gesellschaftlichen und amt- stelle ist der Arbeiter sekretär Genosse Zingg aufFirma Krupp, indem nämlich die Zahlungen der Kruppschen Lichen Einfluffes war die Bereinigung für das Bensionstasse nur aus Arbeitermitteln erfolgt, die Beiträge der die Vereinigung für das Zentrum gestellt. tvenn sie sich ein soziales Man darf auf den Ausgang der drei Wahlen gespannt sein. Firma aber hierzu nicht verwendet, sondern wieder in die Staffe immerhin eine gewisse Gefahr, Nun zu geben verstanden hätte. der Firma Krupp geflossen seien, daß diese Behauptung nicht Air zu aber ruft fie .richtig ist." ihre stod reattionäre Gesinnung öffentlich aus! Wenn Herr v. Dirksen behaupten will, unsere Angaben seien Zu den Landtagswahlen hat sie eine Erklärung verbrochen, in der falsch, dann beschuldigt er die Firma Krupp, gefälschte Be- es heißt: richte herausgegeben zu haben! Wie ausdrücklich festgestellt werden mag, sind die Bahlen, die Herr v. Dirksen als unrichtig bezeichnet, aus vorliegenden Berichten der Kruppschen Pensions. Tasse entnommen! Was Arbeiter Kruppsche den dortigen Wohlfahrten halten, charakterisiert ein uns heute aus Effen zugegangenes Schreiben. Es heißt darin wörtlich: " Es ist zum Gotterbarmen!" bon Das ist der Stoßfeufzer eines unter der Krupp- Wohlfahrtplage Leidenden.Noch überschätzt. Für die Einschränkung der Rüstungen. London, 15. Mai. Sir Edward Grey hielt als Gaft des Im Vordergrund der Wahlagitation steht der Kampf für die Eisen- und Stahlverbandes eine Rede, in welcher er sich mit dem Reform des preußischen Landtagswahlrechtes. Wir wollen nicht an wachsen der Rüstungen der europäischen Nationen bebestreiten, daß dasselbe verbesserungsbedürftig ist, wir können aber schäftigte und mit Nachdruck darauf hinwies, daß für England nicht zugeben, daß es das rückständigste und un eine Beschränkung der wachsenden Kosten für dic gerechteste aller im Deutschen Reiche geltenden Wahlsysteme" Bewaffnung erwünscht sei. Gine einzelne Nation, ist.... Deshalb treten wir allen Bestrebungen entgegen, welche durch Einführung des Reichstags- ohne die Mitwirkung der anderen, sei jedoch in dieser Frage macht. wahlrechts zum preußischen Landtage auch hier die los. Die englische Regierung, so führte der Redner weiter aus, Maifenherrschaft begründen und damit die Bertretung halte sich die Wichtigkeit der Aufrechterhaltung der Rüstungen der übrigen Stände, insbesondere des für das gesamte Staats- gegenwärtig, insbesondere müßten die Ausgaben für die' Flotte wesen so wichtigen Mittelstandes, der Landwirtschaft, des Hand- immer im Verhältnis stehen zu denjenigen der anderen Mächte. werts, des Kaufmanns und Beamtenstandes zurüddrängen Es ist nicht das erste Mal, daß die liberale englische Regierung wollen." Im Sommer vorigen Jahres, als der französische Jour Diese Proflamation, die von der Zentrumspresse bergnüglich abnalist Suret in Deutschland herumreifte und sich damit amüsierte, allerhand Bolk auszufragen, geriet er dabei unter gebrudt wird, hat die nationalkatholische Bewegung für das Zentrum amüsierte, allerhand Bolt auszufragen, geriet er dabei unter vollständig ungefährlich gemacht. Die Schwarzen haben alle Ursache, anderen auch an Herrn Mathias Eraberger. Diefer sich wegen des Zusammenarbeitens der blödesten Scharfmacher und ergriff begierig die Gelegenheit, wieder einmal genannt zu Blodliberalen zugunsten des Zentrums zu gratulieren! werden, und gedachte sich eine Bombenreklame zu verschaffen, indem er dem Frager die Zukunft des Blocs enthüllte: " Der Block wird den nächstjährigen( d. h. also den gegenwärtigen) Landtagswahlen nicht widerstehen. Sozialisten gibt cs nicht zu berdrängen, das Zentrum ist seiner Size ficher, also tonnen die Liberalen nur den Konser vativen Size abnehmen." Das Reichsvereinsgesetz in der württembergischen haben. Kammer. ihrem Wunsche Ausdruck gegeben hat, durch einen internationalen Bertrag eine Einschränkung der Rüstungen herbeizuführen. Da in England infolge der ausgiebigen direkten Steuern, namentlich der Einkommens- und Erbschaftssteuer, die besitzenden Klassen in größerem Maße zur Dedung der Militärausgaben herangezogen sind, so ist die englische Mittelklasse dem Gedanken der Rüstungsbeschränkung auch weit eher zugänglich, als die Besitzenden Deutschlands, die die Kosten für ihre uferlose Flottenpolitik den Besitlosen auferlegt haben. Um so notwendiger ist es, daß immer wieder darauf hingewiesen wird, daß es nur an dem starrsinnigen Widerstand der Herrschenden in Deutschland liegt, wenn das sinnlose Wettrüsten nicht sein Ende nimmt. Ein konservativer Wahlerfolg. Bis in die elfte Abendstunde dehnten sich am Dienstag, dem dritten Verhandlungstage, die Debatten in der württembergischen Die„ Kölnische Volkszeitung" war mit ihrem sonst so weiten Rammer über das Reichsvereinsgesetz aus. Es tam mehrfach zu stürmischen Unterbrechungen. Die große Verteidigungsgeschäzten Mitarbeiter diesmal gar nicht einverstanden. Un- rede des nationalliberalen Führers, Prof. Hieber, fand verwirsch meinte sie, erstens folle ein Politiker überhaupt nicht schiedentlich starken Widerspruch; er operierte nichts weniger als London, 15. Mai. Der Unionist Stanier wurde mit prophezeien, und zweitens werde es ganz anders kommen: glücklich gegen unsern Genoffen Hildenbrand und den Zentrums- 5328 gegen 4377 Stimmen, die sein liberaler Gegenkandidat Neilson Fürst Bülow müßte ein viel ungeschidterer Kompromißfünstler sein, als er sich bisher gezeigt hat, wenn es nicht ge- führer Gröber, die seiner Eitelkeit schwere Wunden geschlagen erhielt, zum Barlamentsmitglied für North Shropshire länge, den Liberalen ein paar Mandate mehr gewählt. Im Jahre 1906 betrug die unionistische Mehrheit nur zuzuschanzen, ohne es mit den Konservativen Vor Hieber sprach der volksparteiliche Abgeordnete 2ie- 166 Stimmen. ernstlich zu verderben." sching, der das Werk der Blodparteien lobte. Nach Hieber Norwegen. Wie man sieht, haben die Herren vom Zentrum den nahm der volksparteiliche Führer außmann das Wort. Er deutschen Block- Liberalismus wahrhaftig nicht hoch ein- trat für eine möglichst liberale Pragis in Württemberg ein und Antimilitarismus im Storthing. geschätzt. Herr Erzberger meinte, er werde der Not ge- legte weiter dar, weshalb er sich im Reichstag bei der Abstimmung Kristiania, 12. Mai.( Eig. Ber.) horchend, nicht dem eigenen Triebe gegen die Konservativen vom Block getrennt habe. Der Sprachenparagraph sei für ihn Standhafte Berweigerung des Militärdienstes hat fämpfen müssen; die Kölnische Volkszeitung" ging noch um un annehmbar gewesen. Bitter flagte Haußmann, daß das den Genossen Einar& i bereits 1 Jahr 3 Monate Gefängnis ge etliche Stufen tiefer herunter und meinte, er werde sich durch Sentrum durch die Konstellation im Reichstag dazu gedrängt toftet. Beim Antritt der letzten Strafe fand es die Militärbehörde ein paar Mandate das Maul stopfen lassen. worden sei, in Württemberg liberal zu sein. Seider sei das für angemessen, preußische Maßregeln zu ergreifen und ließ den «ettolTtn an einem kag«»«Hasten,»a er als Redner auf einer antimilitaristischen Versammlung auftreten sollte. Auf diesen Streich antworteten 202 Vereine mit über 20 lXXZ Unterschriften mit folgendem Protest an das Storthing: „Norwegens sozialdemolratischer Jugendverband protestiert gegen die gesetzlichen Bestimmungen, welche den Behörden die Be fugnis geben, auf eine so brutale Art aufzutreten, wie es bei der Festnahme und Verhaftung von Einar Li geschehen ist. Wir er- suchen deshalb das Storthing in Erwägung zu ziehen, ob nicht die ganze Militärjudikatur abzuschaffen und eventuell alle militärischen Prozeßsachen den bürgerlichen Gerichten zu übertragen seien." In der Debatte führten unsere Genossen einen scharfen Kamp gegen den Militarismus und gegen die Kriegsgerichte, deren Ab- schaffung sie schleunigst verlangten. Die gegen Li gefällten Urteile seien Klassenurteile schlimmster Sorte und untergrüben das Rechts� bewußtsein des Volkes. Seine Verurteilung sei zugleich ein feinde seliger Akt gegen die Sozialdemokratie. Nur weil Li Sozialist sei, habe er eine sechs- bis zehnmal höhere Strafe als frühere Militär- dienstverweigerer erhalten, trotzdem die sozialdemokratische Partei die Verweigerung nicht gutheiße. Die Folgen dieses brutalen Auf tretens seien nur die gewesen, daß eine antimilitaristische Bewegung entstanden sei, deren Mitglieder sich aus allen Parteien rekrutieren. Dies mußte auch der neue Kriegsminister, der als großer Säbel- raßler bekannt ist, zugeben. Der freisinnige Präsident versuchte zwar die MaullorbgeschSftf ordnung funktionieren zu lassen und verweigerte unserem Genossen, der den Protest begründet hatte, das Schlußwort. Das Storthing war jedoch anderer Meinung und der Präsident war der blamierte. Als schließlich der radikale Justizminister Castberg versprach, die Anklagebehörde zu ersuchen, in Erwägung zu ziehen, ob die Militärjudikatur überhaupt noch weitere Anwendung auf Li finden sollte, falls dieser auch fernerhin den Militärdienst verweigere, und daß eine Revision der betreffenden Gesetzparagraphen in Er- wägung gezogen werden sollte, beschloß das Storthing einstimmig, den Protest der Regierung zur Erwägung zu empfehlen.— JMarohko. Vom Kriegsschauplatz im Süden. Paris, 15. Mai. Aus Colombbechar wird unter gestrigem Datum gemeldet, daß die Kolonne des Generals Vigy die drei bedeutend st en befe st igten Ortschaften Douiret es Sebah, Tigliessa und Aityacoub bombardierte. Nach Nachrichten aus einheimischen Quellen, die noch nicht bestätigt sind, soll auch Boudenib beschossen worden sein und die französischen Truppen gegenwärtig mit dem Gros der Harka von Marabout Mulah Lhassen Fühlung haben. TJmenKa. Die Präsidentschaftswahl. New Jork, IS. Mai. Die Staatskonventionen von Kalifornien. Montana, Norddakota, Oregon und Washington beauf- tragten die Abgeordneten der republikanischen Nationalkonvention, für die Wahl Tafts zum Präsidenten zu stimmen. Der Schiedsvertrag. Washington, IS. Mai. Im Staatsdepartement gibt man der Zuversicht Ausdruck, daß für den deutsch- amerikanischen Schiedsvertrag ohne ernste Schwierigkeiten die gemeinsame Grundlage gefunden werden wird. Kelttsge sur Beleuchtung des Aohnuugselendes sind die Wohnungsenaueten. die von der Berliner Orts- krankenkasse der Kaufleute seit einer Reihe von Jahren veranstaltet werden. Diese Enqueten können sich nur auf die Wohnverhältnisse von Mitgliedern der Kasse erstrecken, von erwerbsunfähig Kranken, bei denen durch die Kontrolleure eine Untersuchung der Wohnung vorgenommen wird. Aber trotz dieser Beschränkung ist das Material, das da alljährlich zusammen- getragen wird, immer noch umfangreich genug, um als ein sehr beachtenswertes Teilbild der Wohnungszustände Groß-Bertins gelten zu dürfen. Im Jahre 1907 wurden von Beamten der Kasse die Wohnungen von nicht weniger als 12 793 Patienten(6935 männlich, 5808 weiblich) untersucht; an dieser Gesamtzahl waren die Handlungsgehülfen mit 4062, die Handelshülfsarbeiter mit 8731 beteiligt. Ueber die Ergebnisse der Wohnungsenquete von 1907 liegt jetzt ein gedruckter B e r ich t vor(Verlag der Ortskranken- kasse der Kaufleute, Berlin, Georgenkirchstraße 40). Er ist in der Reihe der bisher erschienenen Enqueteberichte bereits der siebente; wieder hat im Auftrage des Kassenvorstandes, wie in den Vor- jähren, Albert Kohn die Bearbeitung des eingegangenen Materials besorgt. Das Vorwort weist darauf hin, daß diese Berichte von Jahr zu Jahr immer größere Beachtung bei Hhgienikern wie bei Sozialpolitikern gefunden haben. Auch haben sie einer von Jahr zu Jahr wachsenden �ahl anderer Krankenkassen die Anregung gegeben, in ähnlicher Weise die Wohnverhältnisse ihrer erkrankten Mitglieder zu untersuchen. Daß sie von den Hausagrarierorganisationen nicht ebenso beifällig aufgenommen werden würden, das war vorauszusehen. In dem Bericht für 1907 wird erwähnt, welche Schritte der preußische Landesverband der Haus- und Grundbesitzervereine unternommen hat, um solche Wohnungsenqueten zu verhindern. Beigegeben sind einige diesbezügliche Aktenstücke: die Eingabe, die der Landes- verband an die Gewerbedeputation der Stadt Berlin gerichtet hat, die Darstellung, die hiergegen von der Ortskrankenkasse der Kauf» leute dem Magistratskommissar für das Krankenkassenwesen über- reicht worden ist, die Antwort des Magistrats an den Landesver- band, der Bescheid des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg auf die Beschwerde des Landesverbandes. Die Hausagrarier, die sich in ihren„heiligsten Gütern" bedroht glauben, haben bisher mit ihrem Geschrei nichts ausgerichtet. Der Bericht bietet die Ergebnisse der letztjährigen Enquete in der üblichen Form: in tabellarischen Zusammenstellungen und kritischen Erläuterungen; auch sind wieder zahlreiche Einzel- schilderungen sowid photographische Aufnahmen hinzugefügt worden. Die verdienstliche Arbeit liefert aufs neue den überzeugenden Nach. weis, daß ein sehr großer Teil der Patienten dieser Kasse in Wohnungen hau st e, die den Forderungen der Hygiene bei weitem nicht entsprachen. Es liegt auf der Hand, daß durch solche Zustände die Heilung und Genesung der Kranken sehr erschwert wird. Nur ein paar Proben aus dem reichhaltigen Zahlenmaterial, das der Bericht bringt, seien hier wiedergegeben. Bei 1021 Patienten wurde festgestellt, daß sie sich in Räumen aufhalten mutzten, deren Bodenfläche noch hinter der bescheidenen Mindestforderung von 12 Quadratmeter zurückblieb. 126 dieser Patienten wären auf Aufenthaltsräume angewiesen, deren Bodenfläche sogar noch unter 6 Quadrat. meter blieb. 6 Quadratmeter groß wäre z. B. die Bodenfläche einer Kammer, die 3 Meter lang und 2 Meter breit ist. Auch die Höhe der Räume war vielfach ganz unzulänglich. Die Mindest- höhe von 2,80 Meter für Wohnräume, die in der Berliner Bau- Polizeiordnung gefordert wird, wurde nicht erreicht in den Woh- nungen von 3209 Patienten. Festgestellt wurden solche Minder- maße besonders in Kellern und in Dachwohnungen. Die niedrigsten Räume waren noch keine 1,60 Meter hoch, das ist weniger als die Länge eines ausgewachsenen Menschen. Auch die Fest- stellungen bezüglich des Luftquantums pro Bewohner ergaben wieder schlimme Zustände. 20 Kubikmeter pro Kopf ist gewiß keine über- triebene Forderung, aber 6484 Patienten hausten in Räumen, wo nicht mal dieses bescheidene Luftquantum pro Kopf zur Verfügung siaüsi. Eniivcd'er wckkeki die Räume überhaupt zu klein(bis unier 15 Kubikmeter) oder sie waren zu stark bevölkert(bis zu 6, 7 und mehr Personen). 1621 Patienten hatten mit ihren Zimmergenossen noch nicht mal ein Luftquantum von 10 Kubikmeter pro Kopf zur Verfügung, ja, 71 dieser Patienten wurden in so stark bevölkerten Räumen angetroffen, daß auf den Bewohner noch nicht 4 Kubikmeter Luftmenge kamen. Kranke sind ss, um deren„Wohnungen" es sich bei diesen Erhebungen handelt, Kranke zum Teil mit ansteckenden Krankheiten, nicht selten auch mit Tuberkulose. Die Beziehungen zwischen Wohnung und Krankheit werden durch die Tabellen des Berichtes von den verschiedensten Seiten beleuchtet. Der den Kranken schädigende Einfluß, der von den Mängeln der Wohnung ausgeht, ist ja zahlen- mäßig nicht nachzuweisen. Man muß aber angesichts der Er- gebnisse dieser Wohnungsenqueten immer wieder fragen, wie in solchen„Wohnungen" Kranke ihrer Genesung entgegengeführt werden sollen. Ihr augenfälligster Mangel ist die Beschränktheit der Größenverhältnisse, die Zusammendrängung ihrer Bewohner in engen, niedrigen Räumen. Dazu kommt aber, daß diesen er- bärmlichen Löchern, die nach Sondereggers treffendem Wort:„als Zimmer viel zu klein, als Särge etwas zu groß sind", oft auch Luft und Licht fehlt, daß sie kalt und feucht sind, und so weiter. 1208 Patienten Hausen in Räumen, in die das Tageslicht so spärlich hineingelangte, daß die Räume als dunkel bezeichnet werden mutzten. Die Räume von 83 dieser Patienten hatten überhaupt kein Fenster. Und was soll man dazu sagen, daß 381 Patienten in Räumen weilen mußten, die weder einen Ofen noch eine sonstige Heizgelegenheit enthielten! Auch Rheumatismusleidende und Lungenkranke waren auf solche„Wohnungen" angewiesen. Wir müssen ausführlichere Mitteilungen aus dem Inhalt des umfangreichen Berichtes uns versagen und uns genügen lassen an der Wiedergabe dieser wenigen Proben. Mit Recht weist der Bericht darauf hin, daß die Verwaltung einer Krankenkasse ihre Aufgabe nicht damit erfüllt sehen kann, nur Krankengeld usw. zu gewähren. Trotz aller Fürsorg« der Krankenkassen müssen Tausende von Menschenleben elend zugrunde gehen, die unter besseren Wohnungsverhält- nissen erhalten werden könnten. Gebieterisch mutz da den Organen der Arbeiterversicherung die Notwendigkeit sich aufdrängen, mitzuwirken an der Herbeiführung besserer Wohnungs- Verhältnisse. Die Wohnungsenqueten der Krankenkassen sind in ihren Ergebnissen eine ernste Mahnung an die Kommunen und an das Reich. Die Hausagrarier zetern, daß durch die Enqueten„im sozialdemokratischen Sinne Haß und Zwietracht gesät" werde. Das läßt sich denken! Durch solche Aufdeckung des Wohnungs- elends wird ja in immer weiteren Kreisen die Ueberzeugung von der Notwendigkeit durchgreifender Reformen des Wohnungswesens gestärkt. Die Hausagrarier fürchten aber nichts mehr als den endlichen Sieg der Erkenntnis, daß das Interesse der Volksgesundhcit es erfordert, dem schrankenlosen Walten ihrer Profitgier einen Damm entgegenzusetzen. GetverkIchaMicbeq. Offizieller Hirsch-Dunckerscher Streikbruch. Der Abwehrstreik der Töpfer in KottbuS ist beendet. Ein Vergleich, bei dem die Arbeiter allerdings auf etliche Positionen einen Abzug von 5 Proz. hinnehmen mußten, führte zum Frieden. Auf diesen mußten die im Zentralverband organisierten Töpfer von Kottbus aber eingehen, weil die Unternehmer in ihrem Angriffskampfe von Arbeitern Sukkurs erhielten und zwar von sogenannten Hirsch- Dunckerschen! Zunächst waren es drei dieser Hirsche, die den Arbeitern in den Rücken fielen. Aber es kam noch besser. Der Hirsch-Dunckersche Arbeitsnachweis der Töpfer Berlins, hinter dem eine Clique von zirka 40 Mann steht, der- mittelte in diesem Abwehrkampfe von Arbeitern gegen die Verschlechterung ihrer Lebenslage gleichfalls acht Arbeits- willige und stellte die Ankunft vier weiterer solcher Helden in Aussicht I Ja, dem Vertreter des Töpferverbandes wurde ein Brief, seitens des Vorsitzenden der Berliner Hirsche Franz Kaatz an einen Kottbuser Meister gerichtet, vorgelegt, worin dieser Kaatz die Besorgung genügender Arbeitskräfte zusicherte! Und einer dieser Äuch- organisierten ermunterte die Meister, nur ja nicht nachzugeben; sie bekämen Leute genug, soviel sie brauchten I Unter solchen Umständen blieb den Arbeitern allerdings weiter nichts übrig, als den erwähnten Vergleich(die Meister hatten ursprünglich noch viel größere Abzüge geplant) abzuschließen. Wohl selten konnte bisher der Fall, daß Hirsch-Dunckersche Arbeiter sich als Klopffechter von Unternehmerinteressen prosfi- tuierten, so klar nachgewiesen werden, wie hier. Als besonders verschärfend fällt noch ins Gewicht, daß es in diesem Falle ein Abwehrkampf gegen die Verschlechterung von Lohn- und Arbeitsbedingungen war. in dem die Hirsch-Dunckerschen ihren Klassengenossen in den Rücken fielen. Und nicht einzelne be- gingen diesen Arbeiterverrat, sondern ihre Organisation stand dahinter! Und so etwas nennt sich noch Arbeiter- organisation! Berlin und Umgegend. Der Ausstand der Schlaucharbeiter in der Norddeutschen Gummi- Warenfabrik am Tempelhofer Ufer ist mit einem kleinen Erfolge für die Beteiligten beendet worden. Gestern hat die Wiederaufnahme der Arbeit durch die Ausständigen stattgefunden. Ventfche» Reich. Reeder gegen Hafenarbeiter. In der vom Hafenbetriebsverein gegen den Hafenarbeiter- verband angestrengten Zivilklage wegen angeblichen Kontraktbruchs sind, wie schon mitgeteilt, zwei Urteile(einstweilige Versüguung und Teilurteil) ergangen, gegen die beide Parteien Berufung beim Hanseatischen Oberlandesgericht eingelegt haben. Der dritte Zivil- senat dieses Gerichts erkannte in seiner Sitzung vom Donnerstag wie folgt: Die Berufung des Klägers gegen da» Urteil der Zivilkammer III des Landgerichts Hamburg vom 4. Februar 1908 wird als unbegründet ver- w o r f e n. Es soll Beweis erhoben werden über die Behauptungen der Bellagten, „vor und bei dem Abschluß der beurkundeten Abmachungen sei wohl von feiten der Arbeitgeber wie der Vertreter der Arbeiter darauf hingewiesen worden, daß jene Abmachungen an sich keine recht- liche, sondern nur moralische Verpflichtung beider Teile begründen, daß sie auch nur für die erste Zeit nach der Aufhebung der Sperre, und spätestens bis 1. Oktober 1907, gelten sollten, daß ferner der Beklagte Doering bei den Verhandlungen, welche zu jenen Ab- machungen geführt hätten, ausdrücklich erklärt habe, daß er und sein Verband auf die Presse, insbesondere auf das„Echo" und den„Vorwärts" keinen Einfluß ausübe und daher für etwaige Zeitungsartikel keine Verantwortung übernehmen könnten," durch Vernehmung der Rechtsanwälte Dr. S. H e ck s ch e r als Zeugen der Beklagten und durch persönliche Vernehmung der Vor- sitzenden des Verwaltungsausschusses, des klagenden Vereins, Oskar Mathies und A. Cellier sowie des Mitbellagten Doering. Die allgemeine Aussperrung im Hamburger Bangewerbe au? Anlaß der Differenzen mit den Stein-, Mauerstein-, BauhilfS- arbeitern und Block- und Rollwagenkutschern ist unterblieben. Die „Vereinigung der am Bau beteiligten Vereine, Innungen und Be- triebe" hat der Vereinbamng mit den von der Aussperrung be- drohten Verbänden zugestimmt. Die Aussperrung in Pforzheim. Der christliche Holzarbeiter-Verband, der mit 12 Personen an der Aussperrung der Eruisarbeiter beteiligt ist, hat die Vermittelung des Geioerbegerichts als Einigungsamt angerufen. Wie sich der genannte Verband berufen fühlen kann, ohne Verständigung mit dem Buchbinder-Verband zu suchen, der über 400 Ausgesperrte zu ver- zeichnen hat, einen solchen Schritt zu unternehmen, ist rätselhast. Verhandlungen vor dem Einigungsamt finden am Montag, den 18. Mai statt. Bestehen die llnternehmer auf Lohnreduktionen, dann ist eine Einigung ausgeschlossen. Ausland. E!» unkluger Streik. Rom, 13. Mai.(Eig. Ber.) Nach zweitägiger Dauer ist heute der Streik der römischen Droschkenkutscher beendet worden, der sowohl durch seine Ver- anlassung, als die Art seiner Proklamierung sich als durch und durch verfehlt kennzeichnet. Der Ausstand wurde am Sonntag proklamiert, ohne Wissen des Sekretärs der Droschkenkutschergewerkschaft und ohne Zustimmung der Arbeitskammer. Am Sonntag waren vier Auto- mobile von einem Droschkenbesitzer in Betrieb gesetzt worden, die alle einen Taxameter hatten. Sie verkörperten für die römischen Droschkenkutscher zwei Schreckbilder zugleich: das neue mechanische Fortbewegungsmittel und den verhaßten Taxameter. Die ersten, die der Kraftwagen ansichtig wurden, forderten die anderen zum Streik auf, der bis zur Zurückziehung der Automobile dauern sollte. Ohne diese erzielt zu haben, ist aber heute die Arbeit wieder aufgenommen worden, und zum Ueberfluß wird von den Stadtbehörden einer An- zahl von Kutschern die Fahrerlaubnis entzogen werden. Letzte JVacbricbten und Dcpefcben« Die Arbeitslosigkeit wächst. London, 15. Mai.(W. T. B.) In der heutigen Versammlung deS Vereins der Baumwollspinnereibesitzer beschlossen die Spinner, die amerikanische Baumwolle verarbeiten, ihre Spinnereien für die ganze Pfing st wache und in den folgenden vier Wochen Montags undSonnabends zu schließen. Die Verarbeite! ägyptischer Baumwolle verschoben ihre Entscheidung bis nach der Konferenz, die im nächsten Monat in Wien statt- finden soll._ Bewegung der französischen Bergardetter. St. Etienne, 15. Mai.(B. H.) Wegen deS Ablaufs des Ab» kommens vom 15. April haben die Bergarbeiter des Loirebeckens für den 31. d. M. eine Versammlung einberufen, in welcher der Wortlaut deS Briefes an die Grubenbesitzer vereinbart werden soll, in dem die Bergarbeiter ihre Forderungen auf- stellen werden in bezug auf Lohnaufbesserung und Festsetzung einer LohnbastS, wöchentlichen Ruhetag, veränderliche Lohnflala usw. Alle Bergarbeitersyndikate werden einberufen, um ihre Ansicht über diese Forderungen zu äußern, sodann wird das Komitee der Grubenbesitzer unter Vorsitz des Präfekten einberufen werden. Preußen-Deutschlands„Renommee" im Ausland. Wien, 15. Mai.(W. T. B.) Abgeordnetenhaus. In der fortgesetzten ersten Lesung der Regierungsvorlage, betreffend die Erhöhung des Landwehrrekrutenkontingents, präzisierte Petryckyi den ablehnenden Standpunkt der Ruthenen, machte die polnische Nation, die österreichische Re- gierung sowie das Parlament verantwortlich für die Unglück- tiche Lage des ruthenischen Volkes und bezeichnete die Er» mordung des Statthalters von Galizien als Ausfluß dieser Lage. Zamorski erklärte, die Polen wünschten ein großes, mächtiges Oesterreich: unter Hinweis auf die Polen- Verfolgungen in Deutschland und die Ausweisung öfter- reichischer Arbeiter aus Preußen bemerkte der Redner: Oesterreich sei zu einem preußischen Vasallen herab- gesunken und verharre in einem Bündnis, das alle Merkmale eines Joches an sich trage.— Das Gesetz, betreffend die Er- höhung des Landwehrxekrutcnkontingents, wurde dem Wehr- ausschusse überwiesen. Nächste Sitzung Montag. Neue Metzeleien. Algier, 15. Mai.(W. T. B.) General Vigy stieß am 13. Mai nachmittags 10 Kilometer von Bu-Denib entfernt auf die Harka des Mulay Lassen. Es entspann sich ein heftiger Kampf, der bis zur Nacht währte, namentlich in dem Palmen- Hain von Benzi-Uzian, den die Marokkaner nach energischem Widerstande infolge eines vereinigten Infanterie-, Artillerie» und Kavallerieangriffs räumen mußten. Am folgenden Tage griff Vigy Bu-Denib, den Ausgangspunkt der Harka, an und brachte den Marokkanern beträchtliche Verluste bei. Die französischen Truppen, die sich bewunderungswürdig hielten, hatten 13 Tote, darunter drei Offiziere, und 65 Verwundete. Kammer-Reviston. Thor«, 15. Mai.(W. T. B.) Die„Thorner Zeitung" meldet: Bei der Revision der Kammer der 12. Kompagnie des Infanterie- regiments Nr. 21 wurden erhebliche Mankos an Mänteln. Stiefeln und Hosen entdeckt. Bei der Nachforschung wurde ein Teil der ge- stohlenen Gegenstände bei hiesigen Taxameterlutschern gefunden und beschlagnahmt. Die Kutscher behaupten, die Sachen von einem ihnen unbekannten Unteroffizier gekaust zu haben. Die Untersuchung ist im Gange._ „Momentane Geistesverwirrung." Thorn, 15. Mai.(W. T. B.) Die„Thorner Zeitung" meldet: Ein Sergeant der 11. Kompagnie des Infanterieregiments Nr. 161 versuchte, sich in der Weichsel zu ertränken, wurde aber von einem Schiffer aus dem Wasser gezogen. Im Lazarett angestellte Wiederbelebungsversuche waren von Erfolg begleitet. Es heißt, daß der Sergeant in einer momentanen Geistesverwirrung den Tod habe suchen wollen._ Wenn man Baron ist... Budapest, 15. Mai.(B. H.) Blättermeldungen zufolge wurden auf den Namen des Grafen Ladislaus Szapary Wechsel in Höhe von 50 000 Kronen gefälscht und zwar von einem Baron Torenzky. Die gerichtliche Anzeige war bereits erstattet worden. Inzwischen ist aber die Angelegenheit auf privatem Wege geregelt worden, weshalb die Anzeige zurückgenommen wurde. Erdbeben. Catania, 15. Mai.(W. T. B.) Vergangene Nacht wurden im Distrikt Acireale wiederum mehrere Erdstöße verspürt. Um vier Uhr morgens richtete ein sehr heftiger Erdstoß neue Schäden an den Hätzsern, auch in dem Marktflecken Guardia an. Die Behörden verteilten Zelte unter die Bevölkerung, da die Dörfer bereits starken Schaden gelitten habem_ Hochwasser. Lrixen, 16. Mai.(B. H.) Infolge Hochwasser» wurde das hiesige Elektrizitätswer! derartig beschädigt, daß die Stadt fest gestern ohne Beleuchtung ist._ Sonnenglut. Budapest, 15. Mai.(D. H.) Hier herrscht seit gestern große Hitze, im Schatten verzeichnet man 36 Grad. In der südlichen Wallachei ist der Saatenstand ernstlich bedroht. Lerantw. Rcdakt.: Georg Davidloh», Berlin. Inseratenteil verantwuTh. Glocke. Berlin. Drwk u. Verlag: Vorwäits Buchdr, u. V-r!agSsnItaIt Paul Singer L- Co., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen».UoterhaltunaSbl/ 8,. in. 25. imm. i. Keilllge des Dmillts" Derliner NsIdsdlM.«i s-i'M- Itt Sie Fcucrbeftattung in Preußen gesetzlich zulässig? Diese Frage wurde gestern vom ersten Senat dcS Oberver- Ivaltungsgerichts aus Anlaß des Streits um Benutzung des Hagener Krematoriums verneint. Am 16. September 1903 richtete der Sanitätsrat Dr. Müller in Hagen als Vorsitzender des dortigen Vereins für Feuerbestattung an die Polizeiverwaltung die Anfrage, ob diese gegen den Bau eines Krematoriums etwas einzuwenden haben würde. Am 20. Oktober wurde ihm der Bescheid, daß die baupolizeiliche Er- laubnis zur Errichtung eines Krematoriums erteilt werden könne, daß dagegen die Genehmigung zur Benutzung desselben zur Ein- äscherung von Leichen versagt werden würde. Gegen dieses Verbot klagte der Hagener Berein zuerst beim Bezirksausschutz und dann beim Oberverwaltungsgericht, wurde jedoch in beiden Instanzen abgewiesen, weil die Antwort der Polizeiverwaltung eine Polizei- liche Verfügung nicht darstelle, sondern nur als die Ankündigung eines künftigen Polizeiverbots angesehen werden könne. Mit Rück- ficht auf diese Entscheidung erbaute nunmehr der Hagener Feuer- bestattungsverein mit einem Kostenaufwand von 150 000 M. das Krematorium, für dtis ihm die baupolizeiliche Genehmigung er- teilt worden war. Bevor jedoch dieses Krematorium noch in Be- Nutzung genommen werden konnte, erließ der Oberbürgermeister von Hagen, der freisinnige NeichstagSabgeordnete Euno als Chef der Hagener Polizeiverwaltung im Auftrage des Regierungspräs,- deuten Dr. v. Cöls an sämtliche Vorstandsmitglieder des Vereins für Feuerbestattung folgende Verfügung:.Die Benutzung des von dem Verein für Feuerbestattung errichteten und nunmehr fertig- gestellten Krematoriums zur Verbrennung menschlicher Leichname wird auf Grund des§ 10 Teil II Titel 17 des Allgemeinen Land- rechts hiermit untersagt." Zur Begründung dieser Verfügung wird darauf hingewiesen, daß die Feuerbestattung den vorherrschenden religiösen Anschauungen und den in weiten Kreisen sich kund- gebenden in dem Gemüte beruhenden Gefühle der Pietät wider- spreche, aber auch rechtlich in Preußen verboten sei, da alle staat- lichen Vorschriften über das Bcgräbniswesen sich auf die Erd- bestattung bezögen, und bei der Feuerbestattung somit eine Sicher- heit für die Wahrung der staatlichen, religiösen und sanitären Interessen nicht gegeben sei. Die Verbrennung der Leichen würde, wenn sie gestattet werden sollte, eine Reihe von Anordnungen er- forderlich machen, welche dem bestehenden Rechtszustande gegenüber nur im Wege der Gesetzgebung getroffen werden könnten. Solange eine solche gesetzliche Regelung noch nicht stattgefunden habe, könne die Bestattung der Leichen durch Verbrennung im Interesse der öffentlichen Ordnung nicht zugelassen werden. Für jeden Fall des Zuwiderhandclns wird dem Vereinsvorstand eine Geldstrafe von 150 M. oder 8 Tage Haft angedroht. Gegen dieses neue Verbot beschritt der Hagener Verein für Feuerbestattung wiederum den Älageweg. Der Bezirksausschutz erkannte zu seinen Gunsten und setzte die polizeiliche Berbotsvcr- fügung außer Kraft. In der Begründung des Urteils wurde zur Begründung der Zulässigkeit der Leichenverbrennung unter anderem gesagt: Die Polizei könne sich nicht auf§ 10 II Titel 17 Allgem. Landrcchts stützen, wonach es Aufgabe der Polizei sei, Maß- nahmen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zu treffen und das Publikum oder einzelne Mitglieder desselben vor drohenden Gefahren zu bewahren. Von einer Ge- fahr im Sinne des§ 10 II Titel 17 Allgem. Landrechts könne vor- liegend nicht die Rede sein. Eine Belästigung sei noch keine Ge- fahr in diesem Sinne. Die Leichenverbrennung könne nicht etwa von der Polizei verboten werden aus Rücksicht auf die vorHerr- schenden religiösen Anschauungen und die in iveiten Kreisen sich geltend machenden, im Gemüt beruhenden Gefühle der Pietät. Es sei auch keine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit zu befürchten, wenn eine Feuerbestattung in dem Krematorium erfolge, das dem Getriebe des städtischen Lebens fernliege wie das des Vereins in seinem Urnenhain zu Deister. Von christlich-kirchlichen Gesichts- punkten aus könne man ebenfalls die Feuerbestattung nicht ver- dämmen. Im Jahre 1004 z. B. seien mit 478 Feuerbestattungen kirchliche Feiern verbunden gewesen, woran sich Geistliche hetei- ligten. Bei der vor mehreren Jahren in München erfolgten Feuer- bestattung des Generals Thlandcr sei die gesamte Hofgeistlichkcit zugegen gewesen und habe der Leiche den Segen der Kirche erteilt. Das Verbot der Leichenverbrennung lasse sich ebensowenig durch die Möglichkeit begründen, daß durch die Verbrennung die Entdeckung von Verbrechen verhindert werden könnte. Das lasse sich leicht aus- schließen durch Einführung der obligatorischen Leichenuntersuchung. Die abstrakte Möglichkeit einer Gefährdung der öffentlichen Sicher- kleines feuilleton. Theater. Neues Theater:„Die H e m s ö e r". Komödie von August Strindberg. So eigenartig interessant Strindbergs gleichnamige Novelle, so banal ist das Theaterstück, daS er daraus zurechtgezimmert. Es bleibt noch hinter dem Durchschnitt ein gut Teil zurück und hätte, stände nicht der berühmte Name auf dem Titel, wohl nie das Rampenlicht erblickt. Tie Szenen sind ins endlos Breite ausgemalt, ohne daß die Masse des Details von der Art der Personen irgend eine anschaulich-überzeugende Vorstellung gäbe. Sie bleiben Possenmarionetten, die als Entschuldigung ihrer Existenz sich nicht einmal auf ihre Possierlichkeit berufeki könne». Um hier und da bei anspruchsloscn Zuschauern ein kurzes Lachen auszulösen, wird zu den billigsten Rezepten gegriffen. Da gibt es ein bäuerisches Zweietagcnbett mit einer Leiter, welche die Ruhebedürftigen männlichen und weiblichen Geschlechts zur Erheiterung eines in, Erdgeschoß des Möbels einquartierten Handlungsreiscndcn weiß Gott wie oft herauf und herunterklettcrn; eine alte Fischerswitwc, die nach erprobten Mustern durchaus heiraten will; einen Knecht von unsinnig outriertcr Hanswurst- haftigkeit, der ihr ins Garn geht; und zugutcrlctzt eine Hochzcits- tafel, bei der die Dorfhebamme wiederholentlich von den wcib- lichen Gästen alarmiert wird. Die Handlung, soweit von einer solchen gesprochen werden kann, läuft darauf hinaus, daß jener Windbeutel von Knecht, der um den Hof zu kriegen, die Witwe freit, doppelt geprellt wird: Von einem Handlungsreisenden, der ihm als künstigen Grundbesitzer Aktien aufschwatzt, und von der Alten selbst, die ihm eine den zweiten Mann von der Erbschaft ausschließende Testamentsbestimmung wohlweislich verschweigt. Die unbeholfene Ausarbeitung läßt beide Pointen gleichmäßig ins Wasser fallen. Daß das Ganze etwa als ein Charakterbild Homsöer Lebens gemeint sein könne, darauf wurde man erst durch die Schlußrede des völlig unklar bleibenden Dorfpfarrers gebracht. Tie karikierende Uebcrtreibung in der Aufführung war durch den Stil des Stückes selbst herausgefordert, kann daher der Regie wie den Schauspielern nicht zum Vorwurf angerechnet werden. Der offizielle Beifall rief diesmal denn doch eine ganz vernehmliche Opposition hervor. üt. Friedrich- Wilhelm städtisches Schauspiel- haus:„Des Pastors R i e k e", Komödie von Erich Schlaikjer. Vor sechs Jahren wurde das Stück hier erstmals vom Dresdener Hoftheater-Ensemble gegeben. Später stand eS längere Zeit auf dem Spielplan de� Kleinen Theaters Unter den Linden. Zum dritten Male ein Urteil über die Komödie abzugeben, «übrigt sich wohl, weis früher Gesagtes doch nur mit Verschärfung heit sei nicht geeignet, die polizeiliche Vcrbotsvcrfügung zu stützen. Tatsächliche Anhaltspunkte für eine solche Gefährdung seien nicht vorhanden. Für das Gegenteil sprächen die Erfahrungen, die mit der Benutzung von Kremawrien in anderen deutschen Staaten ge- macht worden seien. Danach seien die polizeilichen Bedenken ganz ungerechtfertigt. Die Polizeiverwaltung legte Berufung beim Obcrvcrwaltungs- gericht ein. In der gestrigen Verhandlung war sie nicht vertreten. Für den Verein erschien sein Vorsitzender, Sanitätsrat Dr. Müller, und als dessen Rcchtsbcistand Geh. Justizrat Dr. Krause. In län- geren Rechtscrusführungen suchte er die Zulässigkeit der Feuer- bestattung in Preußen nachzuweisen. Nach längerer Beratung fällte der erste Senat des Oberver- waltungsgerichts unter Vorsitz des Präsidenten Dr. v. Bitter fol- gendes Urteil: Die Vorentscheidung wird aufgehoben und die Klage des Vereins für Feuerbestattung abgewiesen. Zunächst sei festzu- stellen, daß positive gesetzliche Bestimmungen, welche die Feuer- bestattung in Preußen für unzulässig erklären, nicht bestehen. Die polizeiliche Verfügung berufe sich deshalb auch nur auf die all- gemeinen polizeilichen Befugnisse aus§ 10 II 17 Allgemeinen Landrechts. Wenn die Polizei die kirchlich-religiösen Fragen in ihre Erwägungen einbezogen habe, so sei sie an sich dazu wohl berechtigt gewesen, denn sowohl die katholische als die evangelische Kirche widersprächen der Feuerbestattung. �Bezüglich der evange- tischen wird auf die Verhandlungen der deutschen evangelischen Kirchenkonferenz von 1808 verwiesen.) Indessen sei nicht anzu- erkennrn, daß ein polizeiliches Eingreifen aus§ 10 II 17 All- gemeinen Landrechts zu begründen wäre, weil öffentliches Aerger- nis erregende Störungen mit Bezug auf das kirchlich-religiöse Leben eintreten würden bei Zulassung der Feuerbestattung. Ab- gesehen davon, daß in einer größeren Anzahl von Staaten(in Deutschland in 12) die Feuerbestattung bestehe, ohne daß ein Ein- fluß auf die kirchlichen Verhältnisse eingetreten sei, wäre. ent scheidend, daß die Feuerbestattung nur auf ausdrückliches Verlangen vorgenommen werde. Eine Störung der kirchlichen Ordnung wäre nicht zu befürchten. Es mache sich nur eine Rückwirkung aus das christliche Glaubens- und Gefühlsleben geltend. Dies durch Polizei- lichen Zwang zu verhindern, wäre aber unzulässig. Sei somit ein polizeiliches Eingreifen aus kirchlichen und religiösen Rücksichten gegen die Feuerbestattung nicht angängig, so bleibe nur die Frage, ob die Interessen der staatlichen Rechtsordnung derartig gestört werden würden, daß sich deshalb ein polizeiliches Einschreiten ge- mäß§ 10 II 17 rechtfertige. In der Beziehung sei nun der Polizei- Verwaltung beigetreten worden. Das Bcgräbniswesen habe sich ja von Anfang an im Zusammenhang mit den kirchlichen Verhältnissen entwickelt. Jedoch sei die Mitwirkung des Staates bei der Rege- lung des Begräbniswesens immer umfassender geworden. Schon im Allgemeinen Landrecht komme es zum Ausdruck, dann aber be- sonders in der neueren Gesetzgebung. In Betracht komme u. a. das Kirchenverfasiungsgesctz vom 8. Juni 1876, das Gesetz über die Vermögensverwaltung der katholischen Gemeinden, die Vorschriften über die Behandlung von Leichen der an ansteckenden Krankheiten Verstorbenen,§ 60 des Pcrsonenstandsgesetzes,§ 157 der Strafprozeßordnung,§ 367 Ziffer 2 des Strafgesetzbuchs. Dann der wichtige 8 87 der Strafprozeßordnung und andere Bestimmungen über die Behandlung von Leichen beim Verdacht eines Verbrechens. Alle diese Bestimmungen hätten ausschließlich die Bestattung mittelst Beerdigung zur Voraussetzung. Sic reichten aber weiter in ihrer Bedeutung. Sie seien die gesetzgeberische Festlegung des Stand- Punkts, den der Staat im Leichenwesen überhaupt einnehme. Die hier niedergelegten Grundsätze seien nicht nur für die Erd- bestattung, sondern auch für die Feuerbestattung als maßgebend zu erachten. Diese Vorschriften ließen sich aber nur zum Teil auf die Feuerbestattung anwenden. Ausgeschlossen sei es bei den Be- stimmungen der Strafprozeßordnung, welche das Ausgraben der Leichen und das nachträgliche Oeffnen der Leichen vorsähen. Durch die Feuerbestattung werde so der Strafrechtspflege ein sehr wich- tiges Mittel zur Feststellung von Verbrechen entzogen.� Es sei nicht leicht möglich, gleichwertige Vorschriften dafür zu schaffen. Vor allem sei in Betracht zu ziehen, daß die Vorschriften, welche die Mitwirkung des Staats bei Regelung des Bcgräbniswesens sichern sollen, nicht übertragen werden können auf die Feuerbestattung, da sie lediglich die Erdbestattung im Auge hätten. Z. B. sei die Anlegung der Bcgräbnisplätze von einer Genehmigung abhängig. Die Bedingungen für eine Erdbestattung seien natürlich ganz andere, wie sie für die Feuerbestattung getroffen werden müßten. Ohne ergänzende Bestimmungen könne auch nicht der Staat das Gebührenwesen regeln. Das liege im Interesse des Staats und der Allgemeinheit, da dock, wesentlich sei, daß der gewerbsmäßigen Aus- nützung der Feuerbestattung entgegengetreten werde. Ein weiterer Punkt sei der, daß beim Stande der gegenwärtigen Gesetzgebung gar nicht feststehe, wer in den Fällen minderjähriger oder dis- positionsunfähigcr Personen die Bestimmung über die Feuer- wiederholt werden könnte. Ja, die Schwächen des Ganzen traten diesmal so bedenklich hervor, daß es den Anschein hatte, als habe der Verfasser eine Ertravcrböserung vorgenommen, oder als habe die Regie die Verschlimmbesserung durch sinnvolle Striche besorgt, um der Komödie den Abstieg in die Sphäre des Weißbierphilister- tums zu erleichtern. Ein Berliner Mädel ist nicht aus Semmel- tcig. Hätte Schlaikser diese Köchin konsequent gezeichnet, so wäre seine Komödie glücklicher gewesen. Solche Sentimentalitäten, solches Komödiantentum, wie Schlaikjer„des Pastors Ricke" an- dichtet, kennt eine wirkliche Berlinerin nicht. Tritt zu dieser Ver- manschung echter Züge mit unechten noch eine falsche Darstellung, so wird der Typus noch unwahrscheinlicher. Gertrud Korn hätte, bevor sie an die„Ricke" heranging, erst einmal im Prater- Theiter sehen müssen, wie eine Berliner Köchin gespielt wird! Rudolf Werner als Pastor Dahl brachte auch keine echte Note hervor. Die Dagmar, durch Marie Jmmisch gemimt, war unverständlich; der Konsul, der Schuster„Konrad Schmidt", in welchem der Verfasser irgend jemandem eins anhängen wollte, waren verwaschen. Lediglich Georg Baselt gab als Studiosus Dahl eine frische, von keinerlei Künstelei angekränkelte, gesunde Leistung. Franz Arnold stellte den alten Krischan auch recht drollig auf die klapperigen Beine. e. k. Humor und Satire. — Sein einziges Verdienst. Der Kandidat:„Mit- bürger, ich bin vielleicht ein Idiot, aber ich habe wenigstens den Vorzug, ein Kind unseres Wahlbezirks zu sein." — Versprechungen. Der Budiker zum Kandidaten:„Sie haben uns daS Blaue vom Himmel versprochen. Wir wissen wohl. daß Sie nicht anders sind als die anderen und daß Sie Ihre Ver- sprechungen nicht ausführen werden. Aber zum städtischen Ball könnten Sie uns wenigstens einladen lassen." — Schmutzige Wäsche. DaS frühere GemeinderatS- mitglied;„Ich bin futsch. Man wirst mir vor, daß ich meine politische Stellung mißbraucht habe, weil ich beim Gemeindefest umsonst im Fesselballon aufgestiegen bin." — Immer bereit.„Wenn die nationale Ehre in Frage kommen sollte, so würde ich von meinem Ainte zurücktreten und wieder mein Blut vergießen, wie 1870. sL-lAssieUs au bcurre: Gemeinderatswahlen.) — Das AuSbildungSprogra mm. Roda Roda er- zählt in seinem soeben bei Schuster u. Löffler erschienenen Buche „Der Schnaps, der Rauchtabak und die verfluchte Liebe" folgenden Schwank: Unser Regimentsarzt hielt gerade Schule mit den Blessierten« trägern. da brachte man eine Tragbahre herein. »Himmelherrgott- was is denn schon wieder!" bestattung zu treffen habe. Endlich fehlten Borschriften darüber« wie es mit den Ascheresten gehalten werden solle. Vorschriften, die die Pietät zu wahren geeignet seien, fehlten da. Nach allen Rich- tungen seien so Lücken vorhanden, die es unmöglich machten, die Grundsätze des Staats über das Bestattungswesen auf die Neu» einrichtung der Feuerbestattung anzuwenden. Wenn trotzdem die Feuerbestattung zugelassen werden sollte, bevor eine entsprechende Regelung eingetreten sei, so würde mit der bestehenden Rechts» ordnung ein Bruch entstehen, der Störungen hervorrufen könnte. die mit der öffentlichen Ordnung nicht in Einklang zu bringen seien. Darum sei die Berbotsverfügung der Polizriverwaltuns gerechtfertigt. Demnach ist die Hoffnung, der wir am 3. Mai Raum gaven, getäuscht, daß das Oberverwaltungsgericht die behördlichen Be» Hinderungen der Feuerbestattung Preußen als gesetzwidrige er» klären werde. Im preußischen Ministerium ist ein Gesetzentwurf in Vorbereitung, der die Feuerbestattung unter gewissen Ein» schränkungen auch in Preußen für zulässig erklären soll. Aerbandstag der Konsumvereme der Provm; Srandenbnrg. In Sagan fand am 10. und 11. Mai der 44. Verbandstag da Konsumvereine der Provinz Brandenburg und der angrenzenden Provinzen und Staaten statt. Vertreten waren 60 Vereine durch 129 Delegierte. Der Zentralverband und die GroßeinkausSgesell- schast deutscher Konsumvereine hatten mehrere Vertreter entsendet Ein schriftlicher Bericht über die Entwickclung des Revisionsver« bandes nebst Statistik sowie Einzelberichten der angeschlossenen Vereine lag in einer Broschüre von 60 Seiten Uinsang vor. ErwähnenZ» wert daraus ist besonders die am 1. Dezeniber 1007 erfolgte Anstellung eines Sekretärs mit einem Gehalt von 3000 M. pro Jahr. Zu diesem Posten ivurde der frühere Verbandsvorsitzende Hermann Neudeck, Geschäftsführer des Konsumvereins„Vorwärts"-Brandenburg. unter 13 Bewerbern gewählt. Mit Schaffung dieses Postens soll einem immer mehr hervortretenden Bedürfnis nach Verbreitung gesunde» genossenschaftlicher Grundsätze entgegengekonimen werden. Durch- greifende und häufigere Revision der Buchführung besonders der kleinen Vereine, welche im Nebenamt geleitet lverden, sowie Unter- stützung in der Agitation und Organisation erlvieS sich als unbedingt notwendig. Dem Unterverbande gehörten im Berichtsjahre 78 Konsum« vereine und 4 Produktivgenossenschaften an. von welchen 75 Konsum« vereine und 3 Produktivgenossenschaften zur Statistik berichteten. Aus den Berichten geht hervor, daß auch im nordöstlichen Deutsch» land jetzt eine etwas schnellere EntWickelung Platz greift und sind es im Jahre 1007/08 besonders die großen Orte, wo der Beitritt zu den Konfumgenossenschafte» lebhafter war. Die Mitgliederzahl sämtlicher Vereine betrug 77 308 gegen 60 766 im Jahre 1006. Den Berufsgruppen nach gehörten 3282 den selbständigen Gewerbetreibenden, 670 den selbständigen Landwirten, 776 den freien Berufen, Staats- und Gemeindebeamten. 33 605 waren gegen Gehalt und Lohn beschäftigte Personen in gewerblichen Be» trieben, 1682 gegen Gehalt und Lohn beschäftigte Personen in land- wirtschaftlichen Betrieben. Ueber 2043 Mitglieder waren bestimmt» Berufsangaben nicht gemacht. 43 007 Mitglieder insgesam wiesen also die berichtenden Vereine auf. Dies» n, achten einen Umfatz von 14 631 832 M. in 217 Verlaufs stellen mit einem Verkaufspersonal von 647 Personen unk erzielten einen Neingewinn von 1 061 670 M.(gegen 977 431 in Jahre 1006). Der Durchschnittsumsatz pro Verkaufsstelle beziffert» sich auf 65 140 M. jährlich. An Spareinlagen waren 251 430 M eingezahlt, und wurde gewünscht, daß dieselben in genossenschaft- lichen Betriebenap bauende Publikum oft zur Verzweiflung bringen, weil es gegen sachunverständige Be« amtenmucken keine wirksame Beschwerde gibt, oder wenn man eine splche versucht, der Zeitverlust und die Furcht vor neuen Schikanen den Beschwcrdesührer zaghaft und mutlos machen. Dieser Zustand ist geradezu empörend und kommt nur au? nahmsweisc im Landtage zur Sprache, wenn zufällig einmal ein Bautcchniker zum Abgeordneten gewählt ist. Nun wollen wir durchaus keine lästige, Schwierigkeiten häufende polizeiliche Bau schnüffelei, aber eine sachverständige und ausdrücklich v c r a n t- Ivortl iche baupolizeiliche Genehmigung fordern wir, trotzdem viele hervorragende Architekten aus Furcht vor noch mehr Polizei lichcii Ucbcrgriffen entschieden dagegen sind. Erst seit wenigen Jahren hat die Berliner Baupolizei be sondere Bauingenieure berufen, deren Spezialfach die Nachprüfung der statischen Berechnungen ist; früher mußten die Hochbau- beamtcn diese Arbeiten mitmachen. Aus dieser Neueinrichtung geht hervor, daß das Polizeipräsidium endlich die Verantwortlich keit erkannt hat, die ihr bei der Prüfung der statischen Be rechnungcn obliegt. In Görlitz wird diese Erkenntnis noch nicht in dem Maße vorhanden sein, weil dort für einfache Verhältnisse ein kleinerer Beanitenapparat besteht. Wenn aber einer Behörde so große Machtbefugnisse eingeräumt sind. Bauentwürfe in allen Einzelheiten aus tonstruttiven Gründen abzuändern, dann muß ihr auch für ihre Tätigkeit eine Verantwortung aufgebürdet werden, sie darf nicht bloß unterschreiben„geprüft", sondern sie muß unterschreiben: ,.n a ch g e p r ü f t u n d g e n e h m i g t". Die Baupolizei darf nicht bloß eine Kontrollbchörde in der Beamten- stube sein, sondern sie muß sich auch auf den Bauten recht- zeitig überzeugen, besonder? in schwierigen Fällen, ob wichtige Konstruktionsteile von hinreichend sachverständigen Personen an Ort und Stelle geschafft und mit Vorsicht verlegt werden, und ob die Konstruktionen an sich auf Grund der rechnungsmäßig fest- gestellten Werte und Werkzeichnungen angeliefert werden. Die Elsenkonstruktionen sollten geprüft werden, bevor sie aufgebracht werden, aber nicht, wenn sie schon oben sind und zu fehlerhafter Verbindung kommen. Die nachträglichen Verstärkungsmiktel sind sehr oft unzuverlässiges Flick werk. Nun hat aber unser ganzes Baupolizeiwesen einen Haken. Die ewige Nachprüfung von Arbeiten anderer künstlerisch oder technisch fröhlich schaffender Menschen hat auf die Dauer etwas ungemein Oedcs und iann fähige, schaffensfrcudige Architekten und Ingenieure in Baupolizeiämtern selten fesseln. Es müßte also hier, sofern man sich nicht mit dürftigen Kräften begnügen will, durch Bezahlung das gut gemacht werden, was dem Revisoren« beruf an Arbeitsfreude versagt ist. Das ist aber bis heute nicht der Fall, im Gegenteil, man steckt die Baubeamten, die für die Wauverwaltung nicht hinreichend geeignet sind, gern in die Bau- polizcivcrwaltung. Dort entwickeln sich diese Leute oft zu den kleinlichsten Revisionsphilistern und das bauende Publikum seufzt unter ihrer Machtfüllc und bautechnischen Unbeholfenheit. Die Baupolizeibeamtcn haben viel zu befehlen und nichts zu verantworten, eine verantwortliche Baukontrolle wird trotz zahlloser schwerer Bauunfälle geflissentlich verweigert. Die Arbeiter müssen ihre Haut rechtlos und schutzlos zu Markte tragen, sie sind der Willkür und Gewissenlosigkeit der Bauunter- nehmer preisgegeben. Hier besteht eben, wie an so vielen Stellen unserer Gesetzgebung, eine klaffende Lücke,«r Hus der Partei. So» Fortschritt der Presse. Mit der Umgestaltung der Preß berhält nisse in Nordbayern befassen sich zurzeit die maßgebenden Parteiinstanzen. Zu der projektierten Verschmelzung der. F ü r t h e r B ü r g e r z e i t u n g", die seit 1879 als Kopfblatt der»Fränkischen Tagespost" erscheint, mit dem letztgenannten Blatte, nahm eine Parteiversammlung in Fürth Stellung. Der Geschäftsleiter der Fränkischen Verlaasanstalt. Genosse F e n tz, machte interessante Mitteilungen. Die Auslage der „Fränkischen Tagespost' ist seit 1902 von 9500 auf 22 500. die der ..Bürgerzeitung" von 3600 auf 7000 gestiegen. Bei dem Auf- säuoung, den das gan�e Parteiunternehmen genommen hat, find die Lokalitäten, die sich in dem 1899 von dem verstorbenen Genossen Karl Oertel erbauten Hause befinden. allmählich zu eng geworden. Es wurde in der Mitte der Stadt ein großer Komplex erworben, auf dem zurzeit der Neubau eines ganz modern eingerichteten Geschäftshauses aufgeführt wird. Das eigene Heim der Nürnberger Genossen soll zum diesjährigen deutschen Parteitag. der in Nürnberg abgehalten wird, fertig sein. Mit diesem Zeit- Punkt sollen auch die in der Parteidruckerei hergestellten Blätter um- gestaltet werden. Sie sollen nicht mehr das jetzige große unhand- liche Format behalten, fondem das des.Vorwärts' erhalten und täglich mindestens zehitfeitig erscheinen. Um dem Lesebedürfnis der Frauen mehr entgegenzukommen, soll außer der Wochenbcilage „?ieue Welt" noch ein tägliches UnterhaltungSblatt gegeben werdem Die Formatänderung brachte auch die Frage aufs Tapet, ob die„Bürgerzeitung" noch fernerhin als Kopfblatt hergestellt werden solle, waS bisher mit allerlei Kalamitäten ver- knüpft war, die sich auch unter den neuen Verhältnissen nicht be- heben lassen würden. Handelsgesellschaft und Preßkommisfion haben deshalb den Vorschlag gemacht, beide Blätter zu einem zu ver- schmelzen, wobei sowohl der Fütther als der Nürnberger lokale Teil noch besser ausgestaltet werden sollen. Für Fürth soll ein zweiter Redakteur angestellt und auch sonst der Redaktionsstab ver- grötzert werden. Das Blatt soll neben dem Haupttitel„Fränkische Tagespost" noch den Untertitel„Fürther Bürgerzeitung" führen. Mit diesen Vorschlägen erklärte sich die Versammlung gegen wenige Sttmmen einverstanden. t Eine weitere Umwandlung wird stck, mit der gleichfalls als Kopfblatt der„Fränkischen Tagespost" erscheinenden„Fränkisch. Volkstr ibüne" vollziehen. Sie wird den Charakter als Kopf- blatt aufgeben, dafür werden zwei neue Blätter erscheinen: die „Frank. BolkStribüne" wird in B a y r e u t h in eigener Druckerei hergestellt. Für dieses Unternehmen hat sich eine Gesell- schaft mit beschränkter Haftung gebildet, an der die Beteiligung so groß ist, daß das Unternehmen als gesichert betrachtet werden kann. In Würzburg wird ein Partciblatt unter dem Titel„Fränki- scher Bolksfreund" erscheinen. unter dem schon in den siebziger Jahren ein sozialdemokrattscheS Organ dort eristierte. Ein unzeitgemäßer Neudruck. In der Elberfelder»Freien Presse" veröffentlichte dieser Tage H. D. folgendes»ernste Mahnioort an den.Vorwärts"- Verlag": „Vor kurzem hat der„BorwärtS'-Verlag ein Hestchen der Ende der 80cr Jahre von Schippe! herausgegebenen„Berliner Arbeiter- bibliothek" neu aufgelegt: die Marxiche Werttheorie von Paul Fischer, da» zuerst als Heft IX der genannten Sammlung im Jahre 1889 erschienen war. Sicherlich ist c? nur zu begrüßen, daß ältere wertvollere Agi- tationS- und AufklärungSichnften wieder den jungen Genossen in die Hände gegeben werden. Gerade die zurzeit sich allerorts lebendig regende Bildungsbewegung bedarf einer größeren Auswahl guter und billiger Schriften. Schon allzu lange ist manche tüchtige Propagandaschrist aus dem Verzeichnis der BorwärtS-Buchhandlung verschwunden. Zweifellos hatte auch die kleine Fischersche Schrift»zur Ein- führung in das Studium von Marx" seiner Zeit gute Dienste getan. Eine ReuherauSgabe mochte daher dem Verlag mit Recht wünschens- wert erscheinen. Aber dann halte— eigentlich selbstverständlich I— diese Schrift vorher einer sorgfältigen Durchsicht unter- zogen werden müssen. Ihre Abfassung liegt bald 20 Jahre zurück. Sie fußt ausschließlich ans dem Gedankeuinhalt deö l. Bandes von Marx.Kapital". Seitdem hat der III. Band, haben drei Bände:„Theorien über den Mehrwert" in der Darlegung der Bildung des Produktionspreises uns eine äußerst wichtige Modifikation der Werttheorie gebracht. Aber vielleicht mag man gedacht haben, daß diese theoretischen Erweiterungen und Ergänzungen über den Rahmen einer»Einführungs'sschrift hinausgehen würden. Wir sehen denn auch die HauptunterlassungSsünde bei dem Reudruck der Fischersche» Broschüre in der vollständig unveränderten Wiedergabe ihres ausgedehnten polemischen Teiles..Fischer behandelt nämlich in einem umfangreichen Schlußkapitel die Stellung der»heutigen Vertreter der bürgerlichen National- Ökonomie* zur Werttheorie. Er schlägt sich da wacker mit Roscher, KnieS, Kleinwächter, Shbcl. Held. Schäffle, Adler und— Mehring herum; das heißt, er polemisiert gegen deren Schriften aus den Jahren 1870—1887. Im Jahre 1839 war diese ganze Polemik gewiß zeitgemäß und berechtigt. Heute ist sie in mehr als einer Beziehung veraltet und geradezu irreführend. Sind die längst verstorbenen Roscher, Knies, Sybel, Held, Schäffle, und ist Mehring ein„heutiger Vertreter der bürgerlichen Nationalökonomie"? An keiner Stelle der Schrift ist aber auf ihre Abfassung im Jahre 1889 h i n tz e w i e s e n II Was soll nun der junge Parteigenosse denken, der m einer Parteischrift aus dem Jahre 1907 eine höhnische Polemik gegen Mehring alS einen „leickitfcrtigcn Haupt-Marxkritiker" vorgesetzt bekommt(©. 43, 46 u. a.D. der Broschüre). Uns, die wir zufällig die alte Broschüre Fischers kennen. ist es ja klar, Fischer bekämpfte 1889 Mehring auf Grund seines Buches über die deutsche Sozialdemokratie vom Jahre 1879. Kurze Zeit darauf trat Mehring in unsere Reihen und hat seitdem der Partei so bedeutende Werke und Arbeit geliefert, daß eS geradezu gewissenlose Leichtfertigkeit genannt werden muß, wenn 1907 eine Parteibroschüre ohne jeden erklärenden oder berichtigenden Zusatz auf dem Mehring von 1879 herumtrommelt. Leider können wir auch noch nicht einmal alS Entschuldigung gelten lassen, daß eS sich eben um einen wortgetreuen Abdruck der Fischerschen Broschüre vom Original handele, denn auf den ersten 8 Seiten hat man mehrfach den Korrekturstift walten lassen, hat Hinweise auf Vorgänge im Jahre 1889 gestrichen, hat sogar eine Anrede,»werter Leser" in»wertester Leser" verhöflicht l Warum trug man dann später nicht dem»Fortschritt der Zeiten" Rechnung? �> Bemerken wir zum Schluß, daß die Fischersche Broschüre 1389, als sie frisch und gut herauskam, 20 Pf., jetzt, wo sie. gelinde gesagt, veraltet dem Publikum vorgesetzt wird, 60 Proz. mehr kostet. der Genosse H. D. Der Neudruck ist zu Ende des Jahres 1907 erschienen. Es wäre wohl an der Zeit, ihn ein- zustampfen. polireiUckes, Hericbtlickes ufo* DaS Denkmal der Justiz und dir SchandsSule deS Freisinns. Genosse Marckwald von der. Königsberger VolkS- Zeitung" hat am Donnerstag in Allenstein die Gefängnis- träfe von 15 Monaten angetreten, die er auf die Denunziatton der freifinnigen„Königsberger Hartungschen Zeitung" hin von der berühmten Schubert- Kammer deS Königsberger Landgerichts als angeblicher Majestätsbeleidiger erhielt. Das freisinnige Blatt tonnte als loyales Blockpapier einen Artikel der»Königs- berger Volkszeitung", der sich mit der Enthüllung eines ogenannten Nationaldenkmals zu Memel befaßte und der Legende von der gekrönten Patriotin Luise die nackte historische Wahrheit entgegenstellte, nicht ertragen und rief den Staatsanwalt. Der erhob denn auch die Anklage und in der Schubcrtkammer fand er das Richterkollegium, das seine und der»Hartungschen Zeitung" Zuversicht nicht täuschte, daß eS gelingen werde, trotz aller Sctiwierig» eiten die Majestätsbeleidigung gerichtlich festzustellen.— Möge Genosse Marckwald die schloeren gesundheitlichen Gefahren der langen Freiheitsentziehung ohne ernstlichen Schaden bestehen l Sttaskont» der Presse. Wegen Beleidigung von Militärbehörden ist am Dienstag zu Elberfeld von dem Landgericht der Genosse E. Kirchpfennig von der„Bergischen Arbeiter- stimme" zu Solintzen zu 200 M. Geldstrafe verurteilt worden. Es handelt sich um dieselbe Affäre, wegen der vor einigen Wochen der Genosse Andres von der„Rheinischen Zeitung" 600 M. Geld- strafe zudiktiert erhielt, um die Beschwerden wegen übermäßiger Anstrengung und schlechter Verpflegung von Landwehrleuten und Reservisten, die beim 6S. Infanterieregiment 14 Tage geübt hatten. Die Beweisaufnahme ergab dasselbe Bild wie in Köln/ Zahlreiche Saugen, die als Reservisten und Landwehrleute die Anstrengungen atten ertragen und das Essen genießen müssen, bekundeten, daß die erstcren übermäßig, letzteres unter aller Kanone gewesen sei. Da- gegen behaupteten Offiziere und Unteroffiziere sowie solche Reservisten und Landwehrleute, die auf das Essen nicht angewiesen waren, das Gegenteil. Und ihnen glaubte das Gericht. Redaktcurfreudrn. Genosse Fröhlich vom.Vslksblatt" für Halle hat am Mittwoch nach zweimonatlichem Aufenthalt das Gefängnis in Halle verlassen. — Genosse Osttamp von der»Arbeiterzeitung* zu Essen hat am Sonnabend eine dreiwöchige Gefängnisstrafe m Bochum angetreten. Die Presse vor der RevisionSinstanz. Am Donnerstag verwarf das Reichsgericht die Revision deS Genossen Quint von der »Volks st i m me" zu Frankfurt a. M. gegen ein Urteil des dortigen Landgerichts, das ihn wegen Beleidigung der Oberpost- direktton Frankfurt a. M. mit 100 M. Geldstrafe belegte. Huö der frauenbenegung. Frauen vor! An Stelle der ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder des „Allgemeinen sozialdemokratischen Wahlvereins Berlins und der Umgegend" sind gewählt Wördes: Frau Marz. Wengels, Vorsitzende. Warschauer Straße 20, vorn H. Frau Frida Wulff. Kassiererin. Lindenstr. 3, 1. Hof 2. Ausg. IV. Frau Nürnberg/ Schriftführerin, Chodowieckistr. 21. Eine freisinnige Bloiklümmelet. Der Genossin Wehl, die kürzlich in einer Versammlung über „Das Frauenwahlrecht" sprach, ging eine Postkarte folgenden In- Halts zu: Hochverehrte Genossin» ES wird Zeit das wir unser Wahlrecht erhalten, und ich wünsche dir zu deinen Reservat viele Glück vor allen den vielen Genossin Hura das Wahlrecht gehet durch aber es werden allen Genossin untersucht werden. Die Bollen in die Strümpfe haben, die müssen mit die Wahl noch 1 Jahr warten die 2 Löcher haben 2 Jahre. Also liebe Genossin zieh dir ganze Strümppe an. Sonst mußt du och noch warten. Nimm ein Pakt Wolle mit und Stopp nadcl das deine Genossen ihre Weiber stoppen können den die Genossin haben keine Zeit die müssen Wähl». Giebs sie mal alle was gutS zu präppeln den Hunger wärn se alle haben. Arbeiten woln se alle aber nicht fressen» Mit Schwesterkuß ene Genossin. Wir bringen den Erguß einer feigen, anonymen Seele unvcr» ändert, in seiner ganzen Ursprünglichkeit zum Abdruck, um zu zeigen, welchen erzieherischen Einfluß die Blockpolitik auf arm- selige Spießerhirnc ausübt. An den Früchten sollt Ihr die Mugdanescn, Äopschianer und Wicmermänner erkennen. Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu Unentgeltlicher Be- nntznng iür jedermann, SW., Alerandrinenstr. 26. GeSffiict täglich von s'/,— 19 Uhr abends, an Sonn« und Feiertagen von 9— t und 8—6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit btb Zeitungen und Zeltichristen jeder Art und Richtung auS.— Die AuSleih-Bibliothek ist bi» aus weiteres geschloffen. Kretreltgtöse Gemeinde. Sonntag, den 17. Mai, vormittags v Uhr, ln der Halle der Gcnieinde, Pappel-Ztllce IS/17: Freireligiös« Vorlesung. — Vormittags lO3/, Uhr in der Schule Kleine Franksurter Sttaße 6: Vortrag von Herrn M. H. B a« g e über:„Das Gesetz von der Erhaltung der Energie und seine Bedeutung".— Dqmen und Herren sind als Gäste sehr willkommen. Allgemeine Kranken, und Sterbekasie der MetnNarbeiter /,S Uhr bei MerkowSki, Slndreasstr. 2«.— Filiale Rixdor«: Heute abend '/.S Uhr bei Thiel, Bergstr. 152.— Filiale RummelSburg: Heute abend>/.9 Uhr bei Tempel, Boxhagen, Ecke der Neuen Bahnhosstraße.— Filiale Schöncberg: Heute abend'/,S Uhr bei Wieloch, Grunewald- stratze 110. Zentralverband freier selbständiger Gewerbetretdender, Hau- fierer und verwandter Berussgcnoffe«(Sektion Wandergewerbe. treibende). Heute abend>/,S Uhr bei Dräsel, Neue Fnedrichstr. 35: General- Versammlung. Gäste willkommen. Echwimmvcrein„Vorwärts", Berlin(Mitglied deS Arbeiter- Schwimmer> Bundes). Morgen Sonntag: Anbadenim»Studenten- bad", Raiiborstraße._ Eingegangene Druchfcbriftcn. Das »März", 2. Mniheft. HalbmonatSschrist für deutsche Kultm. Quartal(6 Hcste) v M. Verlag von Albert Langen in München. Bogtherr, E. Wenschendienst statt Götzendienst. Eine Anregung zu neuem sretdenlenschen Wirten mit Hilse sozialer Moral, granksurt a. M. Neuer Frankfurter Verlag. Preis— ,S0 M. I,e Faust de Goethe"(Goethes.Faust"). 1. und 2. Teil. tranz... ociotö Verlag: e Bearbeitung von Horace Kaplan. Paris 1908. ____ jönörale d'öditiona. Zenhter Jahresbericht der Deutschen Orientgesellschast zu Berlin. 87 Seiten. Berlin, Nollendorsplatz 1. Bemerkungen zur Frage der Berstaatlichung der Prlvat-Moblliar- Vrandversicherung. Von C. v. RaSp. Selbstverlag in München. Unsere Mecklenburgische Berfassunä im Ausblick aus die bevor- stehende Reform. Von H. Strauß. 2 M. HInstorsffchc Verlagsbuchhandlung ln Wismar. Der Stand der gelben Organlsalionen in Deuffchland. Vortrag von P. Umbreit. 20 P(. Verlag A. Cohen. Berlin. Charitöstr. 3. Die Sozialdemokratie in den Landtagen von Koburg und Gotha. 1991/1998. Handbuch. 59 Ps. Verlag 23. Bock in Gotha. Die gesetzlichen Bestimmuiigeu über die Presse von A. Kothmann. 1 M. Verlag Ed. Ltntz in Düsscldors. Technik und Schule. 1. Band. Herausgegeben von Pros. M. Girndt. Gehestet 8 M.— Geschichten ans Homers Jlins. Von Paul Leh- mann-Schiller. Gebunden 2.40 M. Verlag B. G. Tcubner in Leipzig. DaS häusliche Glück. HauShaUungsunterricht. 75 Pst— Die Erziehuiiaskunst der Mutter. 75 Ps. VoltSvereinSverlag in M.-Gladbach. Martin Luther als deutscher Klasfiter. Von E. Leliing. Gebunden I M. Verlag Deutsche Dichter GedächtniSstiswng in Hamburg-Großborslel. Der Solinger Prozcft. Privatklage des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes gegen den Redakteur des„StahIwareiiarbeiterS". E. Er». 64 Seiten. Verlag: Jndusttlearbeiterverband in Solingen. Im Schatten der Titaneu. Erinnernngibuch an Baronin Jenny von Gusted. Von Lily Braun. Gebunden 6,50 M. Verlag G. Wester- mann in Braunschweig. Fachblatt für Holzarbeiter. Hest 5. Herausgegeben vom Deutschen Holzaibeiler-Verband, Stuttgart. Soziale VolkSbibliothek. Nr. 10: Di« deutschen Rcichsfinanzen. VolksvcreinSverlag, M.-Gladbach. Aus Natur und Geisteswelt. Bd. 2l5: Die deutsche Landwirt- schaft. Von Dr. W. Claaßen.— Bd. 193: Henrik Ibsen, Björnstjernc Björnson und ihre Zeitgenossen. Von Dr. B. Kahle.— Bd. 191: Bilder aus der chemischen Technik. Von Dr. A. Müller. Verlag von B. G. Tcubner in Leipzig. Preis geb. 1,— M., in Leinwand gebunden 1,25 M. jeder einzelne Band. Berwaltungsbericht der Kemelnsamm OrtSkrankenkaffe Straß- bürg i. E. 1907. 93 Seiten. Selbstverlag. 6. Geschäftsbericht 1907 des Htljsvereins der deutschen Juden. 208 Seiten._ rvasscrstands.Nachrichten her Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgekcill vom Berliner Wetterburcau. Wasserstand Memel, Tilsit Bregel, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor » Kroffen , Frankfurt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, Bordamm Elb«, Lcitmetttz » Dresden » Barbh , Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs,— Fall,—•) Unlerpegek. WitternngSdbersicht vom 15. Mai 1908. morgenS 8 Uhr. SktlUBOi Swluemde Hamburg Berlin graiitl.a M München Wlen Wetterprognose für Sonnabend, den 19. Mai 1908. Warm, jedoch vielsach wollig mit Gewiiterregm und ziemlich lebhajtm südwestlichen Winden, nachher etwas kühler. Berliner Wetterdur e«» Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. ( Landsberger Viertel.) Bezirk Nr. 357, Teil I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Tischler Gustav Strübig ( Löwe- Straße 6) 218/5 geftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 17. Mat, nach mittags 1%, Uhr, von der Leichenhalle des Krankenhauses Friedrichs hain aus nach dem Auferstehungs- Kirchhofe in Weißenfee statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Paul Flöter am 12. Mai verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 16. Mai, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause, Beuffelstraße 26, aus nach dem Heilands Kirchhof in Plötzensce statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Gustav Strübing am 12. Mai gestorben ist. am Die Beerdigung findet Sonntag, den 17. Mai, nach mittags 1%, Uhr, vom Krankenhaus Friedrichshain aus nach dem Auferstehungskirchhof am Weißenjeer Beg statt. Ehre ihrem Andenken! Um rege Beteiligung ersucht 84/10 Die Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Nachruf. Hiermit diene den Mitgliedern Ruderverein Vorwärts. Hierdurch allen Sportsgenossen die traurige Nachricht, daß unser Mitglied Robert Hentschel am 1. Mai freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Wir verlieren in ihm einen lieben, treuen Kollegen, der die Interessen unseres Vereins stets gefördert hat. Sein Andenten wird bei uns nie erlöschen! Der Vorstand. Die Beerdigung findet Sonntagnachmittag 3 Uhr auf dem Treptower Kirchhof, Neue Krug- Allee, statt. Todes- Anzeige. Genossen, Kollegen, Kolleginnen, Verwandten und Bekannten zur Nachricht, daß am 13. Mai, abends 128 Uhr, meine liebe Frau Anna Sechehay geb. Seidel nach langem, schwerem Leiden an der Proletariertranfeit, im Alter von 22 Jahren 6 Monaten ent schlafen ist. Cigarren reellster Fabrikate. Jeder Arbeiter, jeder Handwerker follte zur Arbeit die Lederhose Herkules tragen. Unerreichte Leistungsfähigkeit. Allein- Verkauf. Sehr starkes Leber in praktischen grauen u. braunen Streifen, auch einfarbig. Am Bund aus einem Stud gearbeitet. Sehr feste Stapp nähte. Haltbarste pilot- Taschen. Große Fliden umsonst. 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Dies zeigen tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Montag, 18. Mai, nachm. 4%, Uhr, von der Leichenhalle des Zentral Friedhofs, Friedrichsfelde, aus statt. Nachruf. Am Sonntag, 10. Mai, verstarb unser treues Mitglied und Sangesbruder 2062b Robert Delor Ehre seinem Andenken! Verein Kaiserscher Männer- Chor. Nachruf! Am Montag, den 11. Mai, ber schied nach kurzem Strantenlager unjer langjähriges Mitglied Otto Fankhänel. Derselbe war uns stets ein gern gesehener Freund und Genosse. Ehre seinm Andenken! Der Rauchklub ,, Sudan". 20615 M. d. A.-R.-B. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme und die vielen Stranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes fage ich allen Berwandten, Freunden und Bekannten, den Arbeits- und Verbandskollegen sowie den Genossen vom 4. Wahlkreise meinen herzlichen Dant. Witwe Jonas. In Villenkolonie a. d. Lehrter bahn u. Hecresstr., 1 Stunde von Berlin, ist Baustelle preisw. z. verf. Dffert. unt. A. 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Wohl hat der Gastwirts- gehilfenverband, solange er besteht, die gewerbsmäßige Stellen- vermittelung mit aller Kraft und namentlich auch mit Hilfe feiner kostenlosen Arbeitsnachweise bekämpft und auch Erfolge er- zielt, jedoch nicht vermocht, das Uebel einigermaßen auszurotten. Hier muß die Gesetzgebung eingreifen. Da man nun mit Recht befürchtet, daß, wenn durch Gesetz den Stellenvermittlern ihr Geschäft in der jetzigen Form gelegt wird, sie das Verbot durch Gründung von Vereinen umgehen würden, hält man, wie in der Resolution ausgesprochen wird, auch ein Verbot der Stellender- Mittelung durch Organisationen für notwendig. Zunächst muß felstverständlich allgemein für den nötigen Ersatz der Stellender- Mittelung gesorgt werden, und zwar durch staatliche oder städtische Arbeitsnachweise. Aus diesem Grunde schlägt Ströhlinger vor, diese Forderung als zweiten Punkt der Resolution aufzuführen. Er stellt außerdem noch einige andere Abänderungsanträge, die der Resolution im all- gemeinen eine bessere Fassung geben. Sie lautet danach: In Erwartung eines gesetzgeberischen Eingriffs gegen die Stellenvermittelung fordert der 5. Verbandstag in Leipzig: 1. Eine Aenderung der Gewerbeordnung dahingehend, daß die Erlaubnis zur Ausübung der gewerbsmäßigen Arbeits- oder Stellenvermittelung nicht mehr erteilt wird und bereits genehmigte Konzessionen am 1. Oktober 1913 als aufgehoben gelten. In der Zeit vom Tage des Inkrafttretens dieser Äeiverbenovelle bis zum 1. Oktober 1913 ist zu verbieten, von Stellesuchenden oder in Stellung vermittelten Personen Gc- bühren zu fordern oder anzunehmen. 2. Auf dem Wege der Gesetzgebung durchzuführen, daß bis spätestens 1. Oktober 1919 in allen Gemeinden von 29 999 Ein- wohnern und mehr staatliche oder städtische Arbeitsnachweise errichtet werden. Für Gemeinden mit weniger als 29 999 Ein- wohnern sind solche Arbeitsnachweise wenn örtlich nicht an» gängig, so für mehrere Gemeinden zusammen, bezirksweise zu errichten.— Bei der Einrichtung dieser Arbeitsnachweise sind die speziellen Bcrufsverhältnisse zu berücksichtigen und möglichst besondere Fachabteilungen für die verschiedenen Berufe zu schaffen. Die Verwaltung, einschließlich der Wahl der Beamten, ist paritätisch durch Vertreter von Arbeitnehmern und Arbeit- gcbern, die aus allgemeinen, geheimen Wahlen hervorgehen, auszuüben. 3. Unter dieser Voraussetzung ist weiter zu bestimmen, daß mit dem 1. Oktober 1913 jedwede Arbeits- oder Stellen. vermittelung, auch die unentgeltliche von Verbänden, Vereinen und Innungen, eingestellt werden muß. Mit der Errichtung eines staatlichen oder städtischen Ar- beitsnachwcises sind die Behörden sofort zur Inanspruchnahme desselben verpflichtet. Sie haben auch im Vertragswcge zu ver- anlassen, daß die Inhaber fiskalischer oder auf fiskalischem Boden errichteter Betriebe und auch solche Unternehmer diesen Arbeitsnachmeis benützen müssen, die für den Staat oder die Gemeinde Aufträge auszuführen haben. Ni dieser Form wurde die Resolution einstimmig an- genommen. Ebenso wurde einstimmig beschlossen: „Der Verbandstag ersucht die Reichsregierung, Erhebungen, nach Berufsarten gegliedert, vorzunehmen über die Zahl der ge- werbsmäßigen Stellenvermittler, über die Zahl der vermittelten Stellen und die von den Vermittlern und Gesindevermietern erhobenen Gebühren." In der Debatte war von verschiedenen Rednern auch erwähnt worden, daß auf Bahnhöfen, namentlich auf den sächsischen, markt- schreierische Plakate von gewerbsmäßigen Stellenvermittlern, namentlich auch von solchen, die das stellungsuchende Gastwirts- personal in schlimmster Weise ausbeuten, angebracht sind, was als ein Mißbrauch öffentlicher Einrichtungen bezeichnet wurde. Man faßte hierzu einstimmig folgenden Beschluß: „Der Verbandstag empfiehlt den Ortsverwaltungen, bei den zuständigen Behörden vorstellig zu werden, daß Plakate oder sonstig« Geschästsempfehlungen gewerbsmäßiger Stellen- vermittler in den zu den Bahnhöfen gehörenden Räumen nicht angebracht werden dürfen." Ju der Nachmittagssitzung befaßte sich der VerbandStag zunächst mit dein Punkt Arbciterschutz flir das Hilfspersonal, worüber R i e m a n n-Berlin referierte. Es handelt sich hierbei hauptsächlich um die Ausdehnung der Bundesratsverordnung vom 23. Januar 1992 auf das Hilfspersonal im Gastwirtsgewerbe. Wie notwendig dies ist, das wurde schon in demselben Jahre durch eine Statistik des Hoteldienerverbandes bewiesen, aus der hervorging, daß 34,19 Prozent der befragten Hoteldiener eine tägliche Arbeitszeit von 16 bis 29 Stunden und darüber hatten, und daß es bei den Zimmermädchen nicht besser gestellt war. Obwohl selbst «in so reaktionäres Blatt wie die„Kreuzzeitung" für gesetzlichen Schutz dieser Arbeiterkategorie eintrat, lehnte der Bundesrat noch im Jahre 1996 jedes Einschreiten kurzweg ab.— Einstimmig faßte der Verbandstag hierzu folgenden Beschluß: „Der Verbandstag verurteilt auf das entschiedenste, daß vom Bundesrat wieder die so berechtigte Forderung, die Bundes- ratsverordnung vom 25. Januar 1992, die bis jetzt nur für einen Teil der Gastwirtsaehilfen in Betracht kommt, auf alle Angestellte, also auch auf das gastwirtschaftliche Hilfspersonal auszudehnen, abgelehnt worden ist, so daß die vielen Tausende dieser Angestellten nach wie vor unbehindert der Ausbeutung preisgegeben sind. Tue ablehnende Stellung de? Bundesrats ist um so be- dauerlicher, als nicht nur vom Reichstag die Forderung als be- rechfigt anerkannt worden ist, sondern auch bereits von Ver» tretern der Regierung in der Reichskommission für Arbeiter» statlstik die unzweideutige Erklärung abgegeben worden war, daß auch daS gaftwirtschaftliche Hilfspersonal geschützt werden soll. Der Verbandstag erwartet, daß der Reichstag nunmehr selbst die Initiative in dieser Frage ergreift. Als bestes Mittel zum Schutze der Arbeitskraft hält der Verbandstag allerdings eine straffe Organisa tion, und verpflichtet deshalb die Verwaltungsstellen, gemäß den früheren Verbands- tagsbeschlüssen eine rege Agitation unter dem Hilfspersonal zu betreiben. D«r Verbandstag empfiehlt ferner der Hauptverwaltung. eventuell gemeinsam mit dem Verbände der Hoteldiener, Erhe. bungen über die Lage deS gastwirtschaftlichen Hilfspersonals vor» zunehmen, um erneut zu erweisen, unter welchen krassen Miß- ständen diese Arbeiter und Arbeiterinnen zu leiden haben."' Hierauf wurde über die Verschmelzung mit dem ,,H-teldienerverbanb" graten, die unter anderem schon dadurch in die Wege geleitet ist. daß an einzelnen Orten, wie in Bremen, beide Verbände einen gemeinsamen Arbeitsnachweis haben. AuS den Ausführungen all» Kednept die zu djefem Amkte sprachen, iml» ihnen der ! Vertreter des Hoteldienerverbandes, Die sing, ging hervor, daß l volle Einmütigkeit über die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit der �Verschmelzung beider Verbände herrschte. Die Resolution für die 'Verschmelzung wurde dann auch einstimmig angenommen. Eine längere Diskussion riefen einige Anträge hervor, die den Beschluß des vorigen Verbandstages über die„D o p p e l o r g a- n i s a t i o n" aufheben oder einschränken wollten. Jener Be- schluß besagt, daß Personen, die jährlich länger als 6 Wochen oder dauernd als Aush'lskellner, Büfettiers, Zapfer usw. tätig sind, sich dem Gastw'rtsgehilsenverband anschließen sollen, andererseits aber auch Verbandsmitglieder, die im selben Umfange in anderen Berufen als dem Gastwirtsgewerbe tätig sind, sich ebenfalls der betreffenden Berufsorganisation anschließen sollen. Die Gegner dieses Beschlusses gingen von der Ansicht aus, daß diese Art Aus- hilsskellner, meist Arbeiter aus den verschiedensten Berufen, den Berufskellnern unlautere Konkurrenz machten und ihnen sozu- sagen das Brot nähmen. Ihre Anträge wurden jedoch sämtlich einstimmig abgelehnt, so daß der Kölner Beschluß unverändert be- stehen bleibt. Huö Industrie und Kandel. Rentabilität des Gemüsebaues. Der Hofbesitzer Christian Huesmann-Deichhausen(Norder- dithmarschen) hielt vor kurzem in der Deutschen Landwirtschasts- Gesellschaft einen Vortrag über die Rentabilität des Gemüsebaues, wobei er sehr interessante Angaben machte. Er selbst bebaut jährlich 19 bis 14 Hektar mit Gemüse. Ueber die Erträgnisse hat er seit 1999 genau Buch geführt; danach ergeben sich folgende Bruttoergebnisse: 1999 auf 1 Hektar- 1929.99 Mark 1991, 1, 1479.99 ,. 1992. 1„=- 459,99. 1993„ 1„= 349,99„ 1994„ 1„= 2149,90„ 1905„ 1„= 890,00„ 1906„ 1„= 925,00„ Für daS Jahr 1997 lag der Abschluß noch nicht vor. Leider sind die Produktionskosten nicht angegeben; Huesmann sagt nur, daß diese ungefähr dieselben sind als beim Zuckerrübenbau. Wenn man die Kosten(Gespanne, Arbeiterlöhne, Düngung und Samen) sehr hoch, mit etwa 399 Mark pro Hektar schätzt, so ergeben sich — abgesehen von 1902 und 1903— ganz kolossale Reinerträge: Da Huesmann sonst alles mit genauen Zahlen belegt, vermuten wir, daß er die Angabe der Gesamtunkosten absichtlich verschweigt. Zum Schluß macht er einige sehr interessante Ausführungen: „Der Gemüsebau ist die intensivste aller Pflanzenkulturen und gewinnt dem Boden die höchsten Erträge ab, erfordert aber die größte Kapitalsanlage sowie unablässige Arbeit des Betriebs- leiters. Auch kaufmännische Schulung ist unumgänglich nötig. Der ganze Stand der Landwirte wird dadurch gehoben, er wird regsamer, intelligenter und bekommt einen weiten Blick. Ich glaube nicht, daß irgendwo Grundstücke, die rein landwirtschaft- lichen Zwecken dienen, so sehr im Laufe der letzten Jahre im Preise gestiegen sind wie im Kreise Norderdithmarschen. Selbst die Arbeiter haben aufgehört, nach den Städten zu ziehen; sie verdienen augenblicklich mehr bei uns auf dem flachen Lande wie dort und wohnen billiger." Wieder ein wirklicher Landwirt und Prakfiker, der entgegen zollhungriger Agrarier bestätigt, daß die Landarbeiter nur dann nach den Städten abwandern, wenn sie gar zu schlecht entlohnt werden. Das Geschrei unserer Agrarier über die„Not der Land- Wirtschaft" wird durch die obigen Zahlen grell beleuchtet. Unsere ostelbischen Junker sind eben keine Dithmarschen-Bauern. Die großen Erträge pro 1 Hektar sind ja sehr nett, aber daß dazu „unablässige Arbeit des Betriebsleiters und kaufmännische Schulung" nötig sind, das ist zu dumm, nicht akzeptabel für preußische— Edelleute._ Wie Kleinbauern um ihr Besitztum kommen können. Oberland- messer a. D. Plähn-Schneidemühl veröffentlicht in der„Zeitschrift für Vermessungswesen" einige Fälle über„Fehler im Kataster und Grundbuch".— In der 1996 zum Abschluß gekommenen Zusammen legungssache von Margoninsdorf, bei der außer der Kgl. Kloster kammer nur noch fünf Bauern, die Schule, die Gemeinde und ein Handwerker beteiligt waren, wurden von Plähn, bei einer nach- träglichen Revision, folgende Fehler im Kataster und Grundbuch festgestellt: 1. An dem Besitzstande deS Bauern K. fehlte ein Grundstück von 3,4 Hektaren bei einem Gesamtbesitz von nur 9,5 Hek. taren. 2. Dem Bauern S. fehlte ein Grundstück von 1,5 Hektaren bei einem Gesamtbesitz von 7,3 Hektaren. S. Dem Bauern P. fehlte ein Grundstück von 1.6 Hektaren bei einem Gesamtbcsttz von 7,3 Hektaren. Die den bäuerlichen Besitzern fehlenden Grundstücke mit zu- sammen 6,5 Hektaren waren fälschlich als Eigentum der König- lichen Klosterkammer eingetragen. Plähn schreibt dazu: „Im vorliegenden Falle war die Kgl. Klosterkammer gut- willig genug, den drei Bauern die Auflassung der ihnen fehlenden drei Grundstücke zu erteilen.",.. Ein klagbares Recht hatten die Bauern also nicht. Derarfige oder ähnliche Kataster-Grundbuch- und MessungS-„Fehler" sind aber keine Seltenheit. GaSbereitung au» Erdöl.-Im„Journal für Gasbeleuchtung und Wasserversorgung" wird über GaSbereitung aus Erdöl be- richtet. In den meisten Orten des Staates Kalifornien, darunter auch in der Hauptstadt San Francisco, wird seit einiger Zeit das zur Beleuchtung erforderliche Gas nicht mehr aus Steinkohlen, sondern ausschließlich auS Erdrohöl gewonnen. DaS Rohmaterial liefern äußerst billig die im Staate Kalifornien gelegenen, reich- haltigen Erdöllager. Die Oelvergasung geschieht in Oefen ohne Retorten nach dem Verfahren von Stut; es werden nur die leicht flüchtigen Teile des OeleS gewonnen, während sich die schweren Rückstände absetzen, die unter Zuführung von Lust teils als Heizungsmaterial für die Oefen Verwendung finden. Der Rest bleibt als Schlacke zurück. Vom amerikanischen Eisen««» meldet das Fachblatt»Jron «ge': Von allen Bestrebungen, welche auf die Aufiechterhaltung der Preise für Roheisen hinzielen, ist nichts mehr zu merken. Südliches Roheisen wird auf allen Märkten stark angeboten. Gießerei-Roheisen kvird zum Preise von 11.25 Dollar die Tonne, stei Birmingham 'Alabama), verkauft, was einem Preise von 14,59 Dollar ab Valley- Hochöfen entspricht. Einige Verkäufer halten aber die Preise für Lieferung im vierten Vierteljahr um 69 Cents bis 1 Dollar höher, als für Lieferung im dritten Vierteljahr. Die Käufer zeigen jetzt größeres Interesse, und man nimmt an. daß die Umsätze zahl- reicher und von größerer Bedeutung sind, als es bisher den Anschein hat. Das Geschäft in fertigen Elsen- und Stahlerzeugnissen ist chleppend. Die bis jetzt getätigten Verkaufe in Schienen belaufen rch. mit Einschluß der aus dem Jahre 1997 übernommenen Auf- träge, auf 1 699 999 Tonnen. Am günstigsten ist das Geschäft in Welßblechen. Der Handel in Stabeisen aber liegt gänzlich danieder. Das Ausfuhrgeschäft ist auSfichtSloser geworden. . Die Lage in Kauada. Ein überaus trostloses Bild tfött der toirtfchaftlichen Lage in Kanada entwirft eine Handelskammer m einem Zffkulgx sq die Zndustriellen, Es heißt dg unter gWSkklUi �—-■> „Landwirtschaftliche Mißerfolge und übertriebene Vorsicht seitens der eigenen Finanzverwaltung sowie der Banken haben der schon seit geraumer Zeit in den benachbarten Vereinigten Staaten herrschenden Finanzkrise das Herübergrcffen nach Kanada wesent- lich erleichtert. Ungeachtet aller offiziellen Schönfärberei scheint die durch fortgesetzte reiche Ernten, durch forcierte Ausbeutung aller Landesquellen sowie die durch die mit allen Mitteln geförderte Fremdeneinwanderung bewirkte rasche'EntWickelung Kanadas ihren Höhepunkt schon überschritten zu lpben, denn die Symptome einer herannahenden wirtschaftlichen Hemmung mehren sich auf- fallend und lassen den Ernst der gegenwärtigen Ereignisse nicht verkennen. Durch die Ereignisse im Nachbarland zur Vorsicht ge- mahnt, glaubten auch sämtliche 35 privilegierte(charteeed)' Landesbanken, denen bekanntlich jede börsengemäße Spekulation gesetzlich untersagt ist, den an sie herantretenden Gctreideexport- gesellschaften und Spekulanten weder genügende noch prompte Kredite einräumen, noch weniger über die geforderten Barkapi- ralien liquidieren zu dürfen, was zu einer noch nie dagewesenen Bargeldknappheit, namentlich unter den Farmern, führte. Die Er- bitterung gegen die Banken war um so größer, als man annahm. daß sie lediglich die Ueberspekulation mit„fiktiven" Werten zu be- kämpfen, dagegen den heimlichen Zerealienhandel eher mit allen Mitteln zu fördern hätten. Infolge des allgemeinen Drängens und Klagens hat der Finanzminister die Banken zu größeren Kulanzen angewiesen, doch scheint dies zu spät erfolgt zu sein und konnte er die unaus- bleiblichen weiteren Folgen, der einmal hereingebrochenen Geldnot nicht mehr abwenden. Da unter solchen Verhältnissen eine be- deutendere Abnahme der Konsumfähigkeit der ausschlaggebenden landwirtschaftlichen Bevölkerung für absehbare Zeit mit Bestimmt- heit vorauszusehen war, fanden sich viele auch der größeren Landesfabriken, darunter auch die große Waggonfabrik der Canadien Pacific Railway Co. sowie die kapitalkräftigen Eisen- und Stahlfabriken, ungeachtet letztere durch Regierungsprämien honoriert und angeeifert werden, veranlaßt, ihre Produktion zu reduzieren und massenhaft Arbeiter zu entlassen; so zog die ur- sprünglich rein landwirtschaftliche Krise allmählich auch die industrielle und gewerbliche Tätigkeit in Mitleidenschaft, die in weiterer Folge auch auf den Außenhandel nur von nachteiligster Wirkung sein kann..., Zehnter Nerbandstag des Hllfenarbeiterverbandes. Fünfter BerhandlungStag. Hamburg.' 15. Mai.! Es wird fortgefahren in der Beratung der zum Statut ge- stellten Anträge. Zum Streikreglement wird beschlossen, daß Streiks nur mittels geheimer Abstimmung in Mitghederversammlunzen beschlossen werden können, und zwar mit Zweidrittelmehrheit. Die Unterstützung im Streik oder für Gemaßregelte beträgt pro Woche 12 M., für jedes Kind 1 M., für weibliche sowie für solche Mitglieder, die den ermäßigten Beitrag zahlen, 9 M. Für die ersten drei Tage wird Streikunterstützung nur dann gezahlt. wenn der Streik länger als eine Woche dauert. Die volle Unter- stützung bei Streiks erhalten nur diejenigen Mitglieder, die bei Ausbruch desselben drei Monate dem Verbände angehört haben; die diese Karenzzeit noch nicht hinter sich haben, erhalten nur zwei Drittel der statutarischen Unterstützung. Für die eventuelle Unter. stützung Nichtorganisierter hat die Lokalkasse die Mittel aufzu- bringen." � Wird durch einen stehenden Streik oder durch eine Aussperrung die Hauptkasse erheblich in Anspruch genommen, so ist der Haupt- vorstand gehalten, nach Verständigung mit dem Ausschuß und den Ortsverwaltungen die regelmäßigen Beiträge für bestimmte Wochen bis zu 75 Proz. zu erhöhen. Das so geänderte Statut tritt am Oktober 1908 in Kraft._ Briefkarten der Redaktion. Dt« turiftische Svrechftuud« find«» Liudenftrah« Nr. S, zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppen, AW» F a h r st n h l-Ml» wochentäglich abend» von V'h dt»»>/, Uhr statt. Geöffnet 7 Ulir Sonnabend» beginn« die Sprechstunde UNI« Udr. Jeder Anfrage ist et» Buchstabe und eine Zahl al» Bierk, eichen betzusügen. briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor, 200 Str. 6. Die Leute befinden sich in geschlossener Armenpflege. Wahrscheinlich ist das SiechenhauS übersüllt. Das Rummelsburger Hospital nimmt gleichfalls solche Leute aus.— I. K. 32. Nein.— L. P. S. Aus Grund des Urteils würden Sie bei Gericht Beschlagnahme der Meten be- antragen können. Außerdem empfiehlt eS sich, zur Sicherung Ihrer Forderung eine Hypothek eintragen zu lassen.— O. S. 53. DaS wäre möglich.— L. K. 3000. Notwendig wären Ihre GeburlSurlunde und Ihre Militärpapiere. Außerdem ist aber erforderlich, daß Sie von Ihrer österreichischen Behörde ein Zeugnis beibringen, daß nach österreichischem Gesetz Ihrer Heirat kein Hindernis im Wege steht. Wenden Sie sich zu diesem Zweck zunächst an den hiesigen österreichischen Botschafter. — Priiiwalkerstr. 12. 1. Nachteiliges ist uns über die Anstalt nicht be« kannt. 2. Auskunft über die bequemsten Reifewege, über Fahrgeld und dergleichen erhalten Sie am zuverlässigsten bei den amtlichen Auskunsts- stellen der Eisenbahn(Meyanderplatz, Friedrichstraße, Potsdamer Bahnhof, Anhalter Bahnhos, Schlesischer Bahnhoj).— 31.®P. 44. Leider würde die Firma im Falle der Klage obsiegen.— E. L. 16. Ja; zweckmäßig ist cS aber, daß nun selbständig Weiterversicherung erfolgt. Zur Weiter- Versicherung genügt es, daß wnerhaw je zwei Jahre mindestens 20 Marken geklebt werden.— D. 122. Leider ist die Akkord- Vereinbarung bindend, auch wenn fie ungünstig ist.— S. F. 8. Nein. — E. A. H. 47. 1. 50 Ps. sind für die Karle zu zahlen. 2. Nein.— L. F. 10. Ja.— G. St. 5«. Sind Sie noch nicht volljährig(21 Jahre), o sind Sie zur Zahlung nicht verpflichtet, sonst sind Sie an die Bedingungen >es Bestellscheines gebunden. Wir haben häufig davor gewarnt, zu unter- schreiben, waS nicht genau durchgelesen ist.— S. 40. 1. DaS hängt vom Inhalt deS Testaments ab. 2. Sie können nach dem märkischen Erb- recht erben, dann erhalten Sie die Hülste der Masse, die durch Zusammen- legung des Nachlasses mit Ihrem eigenen Vermögen entsteht. Erben Sie nach dem Recht deS Bürgerlichen Gesetzbuches, so entsällt aus Sie, falls kein Testament vorliegt, ein Viertel, aus die Kinder drei Viertel des Nachlasses. 3. Wenn das Geschenk übergeben ist, nein, sonst ja. — 3«. H. III. Wenn der Wirt aus leine Einigung eingeht, so ist er be. rechtigt, Miete bis zum 1. Oktober zu verlangen und die Möbel hiersür etnzubehalten. Außerdem könnte er unter den von Ihnen geschilderten Verhältnissen Exmission verlangen. Von der Einreichung der Exmissionsklage bis zum Urteil und der Exmission selbst würden etwa 14 Tage Veraehen — O. H. 45. Die Wirtsleute find leider im Recht.— W. 71. 1 Einen Erfolg würde solche Klage schwerlich haben. 2. Für diesen Fall könnte Ihre Frau mit Aussicht aus Erfolg klagen. 3. Nein. Die Ehe mit demjenigen mit dem die Ehe gebrochen ist, ist verboten, jedoch kann Dispens von diesem Verbot erteilt werden. DaS Gesuch ist an daS Landgericht zu richten bei dem die Ehescheidung anhängig war.— H. G. 47. 1. Ein cnt- sprechender Teil kommt zur Rückzahlung. 2. DaS hängt vom Ermessen der folg haben.— G. M. 3«. Nein.—— Reicher Beifall belohnte den Redner. Der Vorsitzende Adolf Hoff mann forderte darauf die Gegner heraus, sich zum Worte zu melden und ließ eine Pause eintreten, um Gelegenheit zu einer Wortmeldung zu geben, er fügte hinzu, daß hier der Platz wäre für die Liberalen, ihre Machi- Nationen vor den Jugendlichen selbst zu verteidigen, aber es wagte sich niemand hervor. Hoffmann hielt dann eine kernige kurze Rede, in der er betonte, daß es von jetzt ab für jeden, der das 18. Jahr erreicht, eine Ehrensache sein müsse, sofort in die politischen Organisationen unserer Partei einzutreten. Wir müssen die jungen Leute schon mit dem„Gifte des Sozialismus" getränkt in die Kaserne» senden, dann brauche uns die Sorge um die Agitation unter unseren Brüdern im bunten Roch kpine Kopfschmerzen mehr zu machen, meinte er. Zum Agitator müsse� sich ein jeder von uns ausbilden. Können wir nicht mehr in Versammlungen mit dem Worte auf unsere jugendlichen Brüder wirken, so sollte es um so eifriger durch Agitation mit der Schrift geschehen, in erster Linie durch die Arbeiterpresse, zu deren Unterstützung der Redner dringend mahnte. Als Genosse Hoffmann unter starkem Beifall seine Ansprache beendet hatte, ertönte plötzlich ein Massengesang, der immer ge- waltiger anschwoll. Die ganze Versammlung hatte sich erhoben und mächtig brauste das alte Proletarierlied von Johannes MostH „Wer schafft das Gold zu Tage, „Wer fördert Erz und Stein?" Stehend wurde das Lind bis- zu Ende- gesungen und darauf die Versammlung, die zu einer großen• Demonstration der Jugendlichen geworden war, geschlossen. Vermischtes. Durch eine einstürzende Mauer verschüttet. Wie auS Menstein gemeldet wird, stürzte vorgestern eine Mauer des Bürgerlichen Brau« Hauses in Osterode ein und begrub nishme Arbeiter unter sich, die in der Kasernenstraße mit Pflasterarbeiten beschäftigt waren. Zwei der Arbeiter wurden getötet, zwei andere schwer verletzt. Ein mittelstarkes Erdbeben verzeichneten gestern früh, wie eine Meldung aus Hamburg besagt, die Apparate der dortigen Haupt- station für Erdbebenforschung. Die Entfernung ist 7500 Kilometer. Die Aufzeichnungen begannen 9 Uhr 42 Min. 21 Sek. und dauerten Ungefähr 3 Stunden. Das„befriedigende Ergebnis". Nach einer Meldung aus Toulon fanden vorgestern dort sehr interessante Torpedolaneierungs- versuche statt, welche ein befriedigendes Ergebnis erzielten. Vier Laneierungen erfolgten von dem Torpedobootzerstörer„Sarbscane" gegen das Panzerschiff„Jules Ferry". Der Versuchsausschuß stellte fest, daß, wenn die Geschosse für einen wirklichen Kampf vorbereitet gewesen wären, der„Jules Ferry" init Mann und Maus innerhalb lvcniger Minuten hätte sinken müssen. Gegen die Heuschreckenplage. Eine Meldung aus Oran besagt: Angesichts des Ernstes der Lage, lvelche durch die Heuschreckenschwärme verursacht worden ist, hat der Präfeit von Oran Rund- schreiben an alle Platzkommandanten, Bürgermeister und Gebiets- Verwalter gerichtet, worin ihnen genaue Instruktionen zur Bekämpfung der Heuschreckenplage erteilt werden. Große Schwärme sind nament- lich in der Nähe von Oran niedergegangen. Die Ernte, welche einen großen Ertrag versprach, ist mit völliger Vernichtung bedroht. Große Schwärme werden aus der ganzen Provinz gemeldet, auch in Algier haben sich welche niedergelassen. Gestern gingen bedeutende Schwärine über die Stadt Tunis hinweg. «erltner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der flädtlschea Marltballen-Dtrektion.(Großhandel.) Ochsenflcilch la 66—68 pr. 100 Pjd., IIa 60-65. lHa 54-58, Bullenfleisch la 62-66, Na 50-60, Kühe, seit 46—56, do. mager 30—40, Fresser 48—56, Bullen, dänische 40—58. Kalbfleisch, Doppellender 110—120, Masllälber la 88—95, IIa 76—85, Kälber ger. gen. 55—70, do. Holl. 50—55. Hammelfleiich Mast- lömmer 71—74, Hammel la 65—67. Na 57—62. ungar. 0.00, Schale 50—55. Schweineüeisch 53—59. Rehböcke per Pjd. 0,70—0,85. Rotwild per Pjd. 0,55—0,69. Damwild per Pjd, 0,00. Wildschweine, per Pjd. 0,32. Kallinchen, Stück 0,50—0,75. Fasanenhähne, junge, IIa Stück 2,50. Birkhähne Stück 2,00— 2,10. Hühner, la per Stück 1,50 bis 2,20, dito Na Stück>,00—1,40, dito Wolga-, Stück 1,00—1,70. Hamburger Küken. Stück 0,80—1,00, Poulets 0,80—1,21. Kapaunen, deutsche, per Stück 0,00. Tauben, junge, Stück 0,40—0,60, dito alte 0,40—0,43, dito Italien. 0,00. Ente», per Pfund 0,00, dito per Stück 1,50—2,00, dito Hamburger, per Stück 2,50— 4,00, Utänje per Pjd. 0,00, do. junge 0,75—1,07. Puten la per Psd. 0,70—1,15, do. IIa. und alte 0,00. Hechte, per 100 Psd. 89—102, do. malt 0,00, do. groß 49—59, do. groß» mittel 0,00, do. klein 0,00. Zander, groß.- mittel 0,00, do. matt, groß 0,00. Schleie, groß 120—1,30, dito unsortiert 119—124, dito klein Na 83—104. Aale, mittel 110—114, groß 116—120, do. unsort. 91—102. Karpfen. 88. Roddow 51—58. Plötzen 35—42, dito groß 0,00. Aland 0,00. Karauschen 95—100. WolS 0,00. Bunte Fische 56—72, do. matt, klein 0,00 Barse 73—78, do. klein 0,00. BlcieO.OO, klein 0,00. Bleisische 0,00. Quappen klein 0,00. Winter-RheinlachS, p. 100 Psd. 0,00, Amerilan. Lachs la, p. 100 Pfund 110-130, do. IIa 90-100, Seelachs, p. 100 Psuud 15—25. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6, do. mittel, Kiste 0,0», do. Hamb. Stiege 3—6. halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 0,75—2,50, Na 0,00. Bücklinge, dänische per Wall 2—2,50, Kieler 0,00,, englische 0,00, Stralsunder 2,50—3,00. Sprotten, Danziger, Kiste 0,00, do. Rügenwalder, 0,00. Aale, groß per Pfd. 1,10—1,50, do. mittelgroß 0.90—1,10, klein 0.60—0.90. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellfische, Kiste 3,00—5,00, dito'I, Kiste 2,50—3,50. Sardellen. 1902 er per Anker 98, l904er 93, 1905er 98, 1906er 96. Schottiiche Vollheringe 1905 0.00, large 40— 44, füll. 38— 40, med. 35— 42, deutsche 30— 40. Heringe, neue MatjeS, per'/, To. 0,00. Sardinen, russ.. Faß 1.50—1,60. Bratberinge Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1.70. Neunaugen, Schocksag 8, do. kleine 4—5, do. Riesen- 10. Krebse per Schock 0,00, große 45,50, do. mittelgroße 14,50—27,50, dito kleine 4,00—6,00, do. uns. 8—14,50, Galizier,. klein 0,00. Seemuscheln 100 St. 1,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,10—3,30, do. große 3,75—4,00. Butter per 100 Psd. la 120-122, IIa 116-120, INa 110—115, abjallende 105-110. Saure Gurten Schock 4,50—5. Pjeffergnrken Schock 4,50—5. Kartoffeln per 100 Pfund Dabersche 3,25—3,50, weiße runde 3,00, mag. bon. 3,00—3,25. Porree, per Schock 1,00—1,75. Meerrettich, Schock 8—14. Spinat per 100 Psund 4—5. Sellerie, per Schock 8—20, do. pommerischer 0,00. Zwiebeln per 100 Psund 8—8,50. Peterfllie, grün. Schockbund 0,80—1,00. Retlich, bayrischer, per Stück 0,00, junge, 100 Stück 10—14. Mohrrüben, 100 Psund 3,00—5,50. Karotten, per 100 Psund 0,00. Wirsingkohl, Holl. v. Schock 0,00. Rotkohl, Schock 0,00. Weißkohl, dän. p. 100 Pjd. 8-10. Blumenkohl, hies. 100 Stück 0,00, do. Erfurter 0,00, do. italienischer 100 Stück 0,00, do. in Körben 13 Stück 0,00. Rosenkohl, franz.. per 100 Psund 0,00. Grünkohl 0,00. Kohlrüben, Schock 5,00—7,00. Petersilienwurzelu, per 100 Psd. 5,00—6,00, Schockbund 0,00. Schnittlauch, Schockbund 0,50—1. Tomaten, ianar., per Kiste 3,00—5,00. Rote Rüben, per 100 Psund 0,00. Rhabarber 100 Bund 1,80—4,00. Nabunzen 10 bis 20. Nübchen 0,00. Eskarol, 100 Stck. 0,00. Endivien, 100 Sick. 0,00. Radieschen, Schock 0,70—1,00. Waldmeister, Mandel 0,30—0,50. Morcheln 50—65. Sproßkohl, 100 Psd. 10—15. Birnen, Kochbirnen hiesige, per 100 Pjd. 0,00, Taselbirnen la 0,00, do. IIa 0,00. Aepsel, Tiroler in Kisten 120 Psd. 30-50, Most-, hies., 100 Psd. 3-14, Koch. 5-12, Tajcl- äpsel la 15—23, do. IIa 0,00, Amerikaner, Per Faß 18—28, Italiener, lose, 100 Psd. 10—16, do. in Körben per 100 Pjd. 10—16, do. in Kisten 20—26. Weintrauben, Almcria, per Faß 0,00. Ananas I, per Pfund 0,75—0,85, do. II 0,50—0,60. Banane», kanar., per 100 Pfd. 23—24, Jamaica 23,00—26,00. Maronen, italienische, per 100 Psund 0,00. Feigen, Kranz- per 100 Psd. 0,00, do. Trommel- per 100 Psd. 0,00, do. in Kisten 35—40. Traubcnrosincn per 100 Psd. 0,00, Zitronen. Messina. 300 Stück 6,00-9,00. do. 360 Stück 5,00—8,00, do. 200 Stück 0,00, do. 150 Stück 0,00. Apsclsincn, Blut- 200 St. 9,00-11,00, do. Blut- 300 Stück 10,00-13,50. do. Valencia 420 Stück 17,00-22,00, do. 714 Stück 25-30.00, do. Messina 160 Stück 9-12,00, do. 200 Stück 10-14,00, do. 300 Stück 12-14,00, do. Blut- 100 Stück 5—7,25, do. 150 Stück 6,50-7,50, do. 80 Stück 5-6,50, do. 160 Stück 10-15, do. 200 Stück 11—14, do. Kalif. 0,00. Datteln, Per 100 Kart. 00, dv. Per 10 Psd. 0,00, do. Kalis. 100 Psund 28-30. Gemeinsame Orts- Krankenkasse für Dt.- Wilmersdorf und Umgegend. Kaffenrechnung pro 1906. Die eingeflammerten Zahlen bedeuten die unrichtigen Summen des bereits f. 8. veröffentlichten Jahresberichts. Einnahme. 1. Raffenbestand für den Anfang des Rechnungsjahres 2. Zinsen 3. Eintrittsgelber 4. Beiträge 5. Erfaßleistungen für gewährte Kranken unterſtügung 6. Ersazleistungen von Berufsgenossenschaften usto.. 7. Aus verkauften Wertpapieren 8. Durchlaufende Posten 9. Sonstige Einnahmen 1. Arzt- Honorar 2. Arznei und sonstige Heilmittel 3. Krankengelder a) an Mitglieder. b) an Angehörige 4. Unterstügung an Wöchnerinnen. 5. Sterbegelder 6. Sturfoften an Krankenhäuser 7. Ersazleistungen für gewährte Krankenunterstützungen M. 14 036,19( R. 4785,75 14 036,19) 4 785,75) 10 185,49 9 982,86) " 273 608,45 273 828,44) 2 387,16( 2 331,53) 1 873,70) 2017,51 45 000,00 169,11 2 019,37 45 000,00) 435,03) 1 916,67) 2. 354 209,03( M. 354 190,17) Großes Stofflager. Elegante Anfertigung nach Maß. Große Weiten für extra starke Herren stets vorrätig. 82 392,90) 3412,98) Die Preise sind billig aber streng fest. Ausgabe. . 38 853,75 ( M. 38 826,25) 26 177,10 26 234,60) 82 381,70 3 430,04 " 3 554,70 3 605,15) " 5 541,00 5 583,50) 44 277,83 . 45 262,83) 9 180,57(. 8 144,02) 8 . 89 000,00 1 794,65 16 537,45 5 746,90 5 676,90) " 1 870,43( 1 827,03) " 24 987,41 (" 24 987,41) . 354 209,03 8. Zurüdgezahlte Beiträge und Eintritts. gelber 9. Für Kapitalanlagen 10. Durchlaufende Posten 11. Berwaltungskosten a) persönliche 12. Sonftige Ausgaben b) sächliche 13. Raffenbestand für den Schluß des Rechnungsjahres 0 • Das Gesamtvermögen der Kaffe beträgt 875,50(. (. 875,50) 89 000,00) 1 822,65) 16 538,45) Nach dem borjährigen Abschluß betrug das Gesamts bermögen • • (. 354 190,17) " 2. 170 000,00 126.000,00 Vermögenszunahme M. 44 000,00 Wilmersdorf- Berlin, den 1. Mai 1908.. Der Vorstand. G. Wegner, Borfizender. K. Schulze, Schriftführer. G. Siering, Rendant. Geprüft und mit den Aenderungen festgestellt Deutsch- Wilmersdorf, den 6. April 1908. Der Magistrat. Steinborn. 274/9 Fertige Herren- und KnabenGarderobe für Frühjahr und Sommer. Elegant und tadellos sitzend, Vollständiger Ersatz für Maßarbeit. Carl Stier Fabrik für Herren- u. Knabengarderobe BERLIN SO. BERLIN W. Oranienstr. 166. Potsdamerstr. 118a. POTSDAM, Nauenerstr. 23. Tel. IV 9099. 260 Special.t Anfertig. mack Maass. Grosses Bluff lager Victoria Vornehm! Eleganter Praktisch! Sacco- Anzug für Herren tadellos sitzend, neueste Formen 1650 Mark in den neuesten, hell u. dunkel gemusterten Dessins vorrätig. Vereinigte Special- Geschäfte Carl Zobel 121 Köpenicker Strasse 121 Hermann Vandsburger Friedrichstr.7. Turmstr.30a. Verlangen Sie Stoffmuster gratis a. franko. Castan's Panoptikum 165 Friedrichstr. 165 Neu! In der Schreckenskammer Neu! Knabenmörder Heider. 850 lebende Kolossal- Reptilien, Berliner Originale. Täglich: Heitere Abende, 7-10 Uhr. Jedes Wort 10 Pfennig. 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