Nr. 117. BbonnementS'Bedingungcn: USonncmcntä• Preis pränumerando f Lierteljährl. 3.30 Mk, monotl. 1,10 MI., wöchentlich 23 Pveit, daß 13 Unfallverletzte die Arbeit niederlegten, weil ihnen, als sie wegen der vorgenommenen Abzüge vorstellig wurden, Herr Regiernngsbaumeister E i s n e r erklärte: Wem's nicht paßt, der möge doch gehen.— Erst nach 12tägigem Streik war es möglich, die Leute wieder in die Werkstatt hineinzubringen, allerdings ohne irgendwelche nennenswerte Zugeständnisse erreicht zu haben. Nachdem im Februar dieses Jahres von feiten des Branchenleiters Rücksprache mit dem Vorstand des Vereins genommen war, wurde den Bürstenmachern eine Besserung der Verhältnisse in Aussicht gestellt, am 21. April wurde der Branchcnleitnng aber in einem Schreiben mit- geteilt, daß diesem Wunsche auf Grund eines Beschlusses der Hauptversammlung des Vereins nicht entsprochen werden könne. Der Referent sprach sein Bedauern über das Verhalten des Vorstandes aus und forderte die Versanimlung auf, die Branchenleitung in ihrem Bestreben, die Verhältnisse im Verein für Unfallverletzte so zu bessern, daß man ihn auch als einen wirklich humanitären Verein ansehen könne, zu unterstützen. In der Diskussion bestätigten mehrere Unfall- verletzte die Angaben des Referenten. Den Herren Arbeit- gebern, von denen ebenfalls einige anwesend waren, schien eS unglaublich, daß derartige Zustände wissentlich vom Vorsitzenden des Vereins, Herrn v. Schulz, geduldet werden könnten. Herr Fabrikant M. Herz meinte, daß der Tarif für die mindererwerbsfähigen Unfallverletzten viel zu niedrig sei, man könne nur damr von humanitären Grundsätzen des Vereins reden, wenn er höhere Preise, als der Tarif vorsteht, bezahle. Gegen die Minderbezahlung müsse von allen Be- .eiligten energisch protestiert werden. Es gelangte folgende Resolution zur Annahme: Die allgemeine Branchenversammlung der Bürstenmacher Berlins verkennt keineswegs den humanitären Charakter des Ver- eins für Unfallverletzte, mißbilligt aber die Uebelstände in der Derkstatt des Vereins und erblickt in der Minderbezahlung der oort Beschäftigten eine schwere Schädigung aller Beteiligten mseres Berufes. Die Versammelten erwarten vom Vorstand des llereius, datz er die Uebelstälide beseitigt und die Lohnverhältnisse nach dem örtlichen Tarif vom 4. Dezember 1905 regelt. Lerlln und Umgegend. Die Tariffrage bei den Rohrlegern. Eine sehr gutbesuchte Mitgliederversammlung der Rohrleger und Helfer des Deutschen Metallarbeiterverbandes beschäftigte sich am Sonntag im großen Saal des Gewerkschaftshauses mit der Tariffrage. Der Referent H a n d k e führte unter anderem dazu aus: Da zum 1. September dieses Jahres der Tarif ad- laufe, so sei es notwendig, daß wir uns als organisierte Rohrleger und Helfer damit beschäftigen. Das sei auch schon von den Kol- legen gewünscht worden, und zwar um so mehr, als von anderer Seite(Wiesenthal usw.) schon lange, bevor die Kollegen es wünschten, die Tariffrage behandelt worden sei. Unsere Agitations- kommission als auch unsere Ortsverwaltung habe gewichtige Gründe gehabt, mit Vorschlägen, die Stellungnahme zum Tarif betreffend, nicht allzu früh hervorzutreten. Er erinnere an die Verantw. Redakt.; Georg Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw,: Verhandlungen im Baugewerbe, die sich laiige hinzogetk, und daran, datz der Himmel dort lange voll trüber Wolken war. Man wutzte nicht, ob es zum Abschluß eines Tarifs oder zum Kampf im Baugewerbe komme, und das hätte doch für unsere Stellung- nähme zum Tarif wenigstens mitbestimmend sein können. Aber auch noch andere Gründe seien maßgebend gewesen. Man habe, bevor man nicht kurz vor der Kündigungsfrist stand, keine Ver- anlassung gehabt, in irgendeiner Weise den Arbeitgebern, das heißt den wirtschaftlichen Gegnern, unsere Mittel zu erkennen zu geben. Damit habe man im Interesse der Organisation gehandelt.— In der Vertrauenskörperschaft und in Kollegenkreisen sei der Gedanke aufgetaucht, datz wegen der Verteuerung aller Lebensbedingungen die materielle Lage durch den Tarif für die Kollegen bedeutend gebessert werden müsse. Das sei durchaus verständlich, wobei auch noch zu beachten sei, datz in einer ganzen Anzahl von Branchen der Bauarbeiter höhere Löhne gezahlt würden, als den Rohrlegern und Helfern. Eine Reihe von Paragraphen seien verbesserungs- bedürftig. Zweifellos treffe das zu auf die Verdienste, welche K 4 vorsehe. Auch werde es notwendig sein, präzisere Vorschriften über die Arbeitszeitverkürzung in schlechter Geschäftszeit zu treffen.— Die Arbeitgeber glaubten augenscheinlich, Nutzen ziehen zu können aus der Zersplitterung der Arbeiterschaft im Rohrleger- gewerbc. Von der Innung in Charlottcnburg, von der Innung in Berlin und vom Arbeitgeber- verband zu Berlin seien bei der Geschäftsstelle des Deutschen Metallarbeiterverbandes(Ortsverwaltung Berlin) unter dem 8. und 9. Mai Tarifkündigungen eingelaufen. Es sei klar, datz die Leitungen dieser Arbeitgebervereinigung sich gegenseitig verständigt hätten. Und klar sei es auch, daß die Arbeitgeber darin einig seien, durch die Kündigung des Tarifs Vorteile für sich herauszuschlagen. Wenn die Zersplitterung im Rohrlegergewerbe nicht vorhanden wäre, hätten es sich die Arbeit- geber nicht nur einmal, sondern zweimal überlegt, ob sie kündigen sollten oder nicht. Sicher habe auch beigetragen zu der Entschluß- fassung der Arbeitgeber der Umstand, datz der Allgemeine Verband (Wiesenthal) ihnen Vorteile gewissermaßen auf dem Präsentier- tcller in Form von Vorschlägen für einen Akkordtarif entgegen- bringe. Das habe die Unternehmer auch ermutigt, unter allen Umständen zu versuchen, eine Verschlechterung der Lage der Kol- legen herbeizuftihren. Die Herren vom Wiesenthalschcn Verband, die solche taktische Unklugheit begangen hätten, spielten sich als die eigentlichen Vertreter der Kollegen auf. Redner wünsche nur, sie und die Arbeitgeber könnten diese zahlreich besuchte Mitglieder- Versammlung der Rohrleger und Helfer des Deutschen Metall- arbeiterverbandes sehen. Ende des Jahres 1997 habe der Verband 1439 zahlende Mitglieder aus dieser Branche gehabt, inzwischen seien noch etwa 399 hinzugekommen und die Zahl der Uebcrtritte aus dem Allgemeinen Verbände sei noch lange nicht abgeschlossen. Alle Versuche des Allgemeinen Verbandes, Verwirrung zu er- zielen, seien erfolglos.— Was nun die Kündigung der Unter- nehmer und die Stellungnahme des Verbandes betreffe, so sei zu beachten der§ 39 des Tarifs, wonach sofort nach Kündigung des Tarifs die Schlichtungskommission einen neuen Tarif vorzubereiten habe. Mit der Anerkennung des Tarifs sei auch dieser Paragraph anerkannt worden. Aus diesem Grunde sei es nötig, datz jetzt erst Beratungen zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern eintreten mühten. Da werde man ja hören, was die Arbeitgeber beabsichtigten. Nach einer Berichterstattung darüber könne sich dann die Kollegenschaft entschließen. Das aber könne er schon heute namens der Agitationskommission und der Organisations- leitung versichern, und es sei keine Phrase: Man werde alles daran setzen, Verschlechterungsversuche der Arbeitgeber ab- zuWehren und im Gegenteil einen besseren Tarif zu erringen, wenn die Kollegcnschaft geschlossen hinter der Organisation stehen wolle.— Es sei auch jetzt noch Zeit, die infolge der Zersplitterung Organisätionsunlustigen zum Verband heranzuziehen.— Die Ausführungen fanden lebhaften Beifall. Namens der Vertrauensmännerkonfercnz und der Agitations- kommission empfahl der Referent folgende Resolution: „Die Verfammlung der im Deutschen Mctallarbeiterverband organisierten Rohrleger und Helfer Berlins und Umgegend nimmt Kenntnis von der Kündigung des Tarifs seitens der Arbeitgeber und beauftragt die Schlichtungskommission, in ge- cigneter Weise auf Grund des§ 39 des gegenwärtigen Tarifs Verhandlungen mit der Organisation der Arbeitgeber anzu- bahnen. Wenn die Arbeitgeber zwecks Abschlusses eines neuen Tarifs bereit sind, mit unserer Vertretung der Rohrleger und Helfer zu verhandeln, dann mutz von der Agitationskommission respektive der Ortsverwaltung eine Versammlung einberufen werden, wo eine diesbezügliche Vorlage unterbreitet oder die Absicht der Arbeitgeber mitgeteilt wird. Sollten die Arbeitgeber etwaige Verhandlungen ablehnen und keine Verbesserungen zu-i billigen, sondern Verschlechterungen beabsichtigen, dann ver- pflichten sich die Versammelten, mit aller Energie derartige Bc- strebungen zu verhindern, und lehnen die Verantwortung für etwa aus der Haltung der Arbeitgeber sich ergebende Folgen ab." Es fand eine lebhafte Diskussion statt, die sich im wesentlichen in den Bahnen des Referats bewegte. Hern u. a. hob noch hervor, datz der Allgemeine Verband(Richtung Wiesenthal) es sogar schon so weit gebracht habe, sich mit den Christlichen zu paaren. Man habe sich dort eine Tarifkommission gewählt und in dieser sitze ein Vertreter der Christlichen. Und die Christlichen hätten ein Flugblatt herausgegeben, das sich gegen den Deutschen Metallarbeitcrverband mit allerlei Verdrehungen und Unrichtig- leiten wende; wenn man das Blatt ansehe, dann komme man zu der Ucberzeugung, es sei in der Ackerstratze geschrieben.—— Verschiedene Redner ersuchten die Mitglieder, Versammlungen der Wiescnthalschen Richtung nicht mehr zu besuchen, aber an allen Wcrkstattversammlungen teilzunehmen, von welcher Seite sie auch einberufen würden. Cohen, der Vorsitzende der Ortsverwal- tung, bemerkt dazu noch: Wenn von irgendeiner Seite Werkstatt- Versammlungen einberufen würden, dann sollten die dort beschäf- tigten Mitglieder sofort ihren Branchenvcrtreter oder das Bureau benachrichtigen, entweder persönlich oder tclcphonisch, damit ein Vertreter ihrer Richtung zugegen sein könne. Der Redner betonte im Laufe seiner Ausführungen: Den Kollegen, die sich vertrauensvoll dem Deutschen Metallarbeiterverband an- geschlossen haben, werde dieser beweisen, datz sie sich in ihrem Vertrauen nicht getäuscht hätten. Die Versammlung nahm die oben wicdergegebene Reso. lution einstimmig an und beschloß einstimmig noch folgendes: „Die Versammlung nimmt mit Entrüstung Kenntnis von den Erklärungen des Kollegen Dannenberg, datz die Wiesen- thalsche Schlichtungskommission die einzige maßgebende Körper- schaft sei, welche beauftragt wäre, einen Lohntarif für die Rohr- leger und Helfer abzuscblietzcn. Die Versammelten erklären, datz die Wiesenthalsche Schlichtungskommission ihr Vertrauen nicht mehr besitzt und daß im Gegenteil die Leute durch ihr Verhalten in den letzten Monaten und durch das Zusammen- gehen mit den Christlichen gezeigt haben, datz sie nicht mehr auf dem Boden der klassenbewußten organisierten Arbeiterschaft stehe." Zur Ergänzung der Agitationskommission wurden Cordts und Hein gewählt._ Die Bewegung der Glaser. Der Zentralverband der Glaser nahm in einer Mitglieder- Versammlung, die am Montag im Gewerkschaftshause stattfand, Stellung zu den Vorschlägen der Unternehmer, einen neuen Tarif- vertrag betreffend.(Die Vorschläge sind in dem Bericht über die Tarifverhandlungen von der Lohn- und Schlichtungskommission im„Vorwärts" bereits veröffentlicht worden.) Der Vorsitzende Jahn erstattete Bericht über die Verhand- lungen und eröffnete die Diskussion über den Tarifvertrag, wie er von den Unternehmern vorgelegt worden ist. Die Verschlechterungen in der Vorlage wurden scharf kritisiert. Manche Kämpfe habe es gekostet, die so schädliche Akkordarbeit zurückzudrängen und jetzt solle sie sogar tariflich festgelegt werden. Sehr bedauerlich sei ih. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt lj es scholl, daß so Kiele Kollegen unter den jetzigen Verhältnissen Akkordarbeit leisten. Datz nun aber sogar die Akkordarbeit der „freien Vereinbarung" überlassen bleiben soll, das sei un- möglich gutzuheitzen. Der Abschluß des Vertrages zum 1. April 1919 müsse bekämpft werden, weil gerade die Konjunktur zu dieser Zeit sehr schlecht sei und die Unternehmer dadurch eine zu große wirtschaftliche Uebermacht gewinnen. Einige Redner waren gegen die Akkordarbeit auch dann, wenn ein annehmbarer Akkordtaris fest- gesetzt würde, weil sich immer wieder Kollegen finden, die unter diesen Preisen arbeiten würden; auch sei vorauszusehen, datz die Zahl der arbeitslosen Kollegen sich dadurch vermehren werde. Eine L o h n r e d u k t i o n, die in der neuen Staffelung liegt und in der Forderung der Mindestleistung von 29 Quadratmetern pro Tag, könne man sich nicht gefallen lassen. Verschlechterungen des alten Tarifes dürfen unter keinen Umständen stattfinden. Die Beteiligung an der Diskussion war eine sehr rege, aber nicht erschöpfend genug, um der Kommission Gelegenheit zu geben, die Ansicht der Mitglieder kennenzulernen und danach ihre Vertre- tung in der nächsten Sitzung der Lohn- und Schlichtungskommission einzurichten. Der Vorschlag, eine öffentliche Versammlung aller Glaser Berlins zum nächsten Sonnabend einzuberufen und gemeinsam den neuen Tarif zu beraten, fand allseitige Zustimmung. Hervorgehoben wurde noch, datz wieder eine sehr energische Agitation entfaltet werden müsse, um die Organisation unter den Glasern in Berlin zu stärken und wenn möglich einheitlich zu gestalten. Das gesamte Personal der Buchbruckerei„Deutscher Verlag", in deren Eigentum sich das„Deutsche Blatt" befindet, hielt dieser Tage eine Versammlung ab, die sehr zahlreich besucht war. Von allen Abteilungen wurde Klage geführt über das wenig einsichtige Verfahren der Geschäftsleitung, die Löhne auf ein möglichst nicd- riges Niveau zu drücken. Sehr häufig auch müßten Klagen angestrengt werden, um das Geschäft zur Jnnehaltung der mit den Ar» beiterorganisationen abgeschlossenen Tarife zu bewegen. Es wurde in der Versammlung Mitteilung davon gemacht, daß die Geschäfts- leitung auch in diesem Jahre wieder abgelehnt hat, dem Per- sonal Ferien zu gewähren. Im„Deutschen Blatt", dessen Leser zum großen Teil in der Arbeiterschaft zu suchen sind, wird den Ferien für die Arbeiter warm das Wort geredet, aber im eigenen Hause— ja, Bauer, das ist ganz etwas anderes. Von der Ver- sammlung wurde eine Resolution angenommen, in der sie ihr Be- dauern darüber ausspricht, datz die Gcschäftsleitung dieser großen sozialen Frage so wenig Verständnis entgegenbringt. Des weiteren beschäftigte sich die Versammlung mit der ungünstigen Arbeitszeit, die noch in den meisten Abteilungen besteht. Sie beträgt mit Pausen 19� Stunden. Rechnet man dazu je 1 Stunde für den Weg zum und vom Geschäft, so bleibt für die Familie und für Weiterbildung oder sonstige Betätigung keine Zeit mehr übrig. Ter Arbeiter- ausschutz wurde von der Versammlung beauftragt, bei der Geschäfts- leitung wiederholt vorstellig zu werden, die englische Arbeitszeit einzuführen. Nachdem noch einige Mißstände in fanitärer Be- ziehung zur Sprache gebracht worden, besonders die unzureichenden Vorrichtungen zur Lüftung der Arbeitsräume, wurde die Verfamm- lung geschlossen. veutlckes Reich. Eine faule Streikbrecherklage. Als im Jahre 199S in Magdeburg ein Tischlerstreik ausbrach, arbeitete der unorganisierte Tischler August Neubauer weiter. Nach Beendigung des Streiks strengte Neubauer gegen den Holzarbeiter- verband eine Entschädigungsklage auf 1137,59 M. an. Er behauptete, in einer Versammlung des Holzarbciterverbandes und später auch an anderen Orten sei erklärt worden, datz man die Streikbrecher aus der Arbeit bringen würde, sobald die Tischler- meister wieder in voller Arbeit ständen. Besonders habe man ihn, Neubauer, aufs Korn nehmen wollen. Die dahingehende Tätigkeit des Bevollmächtigten des Holzarbeiterverbandes habe denn auch zur Folge gehabt, datz er mehrfach seine Arbeit bei vcrfchiedenen Meistern verloren und andere dauernde Arbeit nicht wieder gefunden habe. Das Landgericht Magdeburg wies Neubauer mit seiner Klage ab und das Oberlandcsgericht Naumburg hat sich dieser Entscheidung angeschlossen. Der Kläger habe nicht nachzuweisen vermocht, datz der Bevollmächtigte des Holzarbeiter- Verbandes gegen die guten Sitten verstoßen habe, obwohl in einigen Fällen festgestellt worden sei, datz er, Kläger, infolge der Tätigkeit des Bevollmächtigten seine Arbeit wieder aufgeben mutzte. Daraus lasse sich zwar entnehmen, datz dem Kläger die Verwertung feiner Arbeitskraft erschwert worden sei, aber die Erschwerung war nicht derartig, daß sie einer Vernichtung oder auch nur Gefährdung seiner wirtschaftlichen Existenz gleichkam. Besonders bestätigt werde das durch das Zeugnis eines Tischlermeisters, der Neubauer vier Monate beschäftigte und nur entließ, weil er oft zur Arbeit zu spät kam und zu faul war. Neubauers Klage sei daher un- gerechtfertigt und infolgedessen abzuweisen. Zur Tarifbewegung im Malergewerbe. Eine am Sonntag in Essen abgehaltene Konferenz des Verbandes der Maler, Lackierer, Anstreicher. Tüncher und Weißbinder(Bezirk IV> nahm zu dem unter der Leitung der Herren v. Schulz, Dr. Prenner und Dr. Wiedfeldt zustande gekommenen„Normal- Tarifvertrag" Stellung. Insbesondere halte sich die Konferenz mit der Tarisdauer zu beschästigen, da verlangt wird, daß alle in Deutschland nach dem 1. Mai 1998 ablaufenden Tarife ohne jede Aenderung bis zum 1. Dezember 1999 zu verlängern sind. Da der im Jahre 1997 für Rheinland und Westfalen abgeschlossene Bezirkstarif am 31. Dezember 1998 abläuft, hängt es von der Verlängerung ab, ob alle in diesem Jahre abgeschlossenen Tarife bis Ende 1999 Gültigkeit haben. Eingehend berichtete der Bezirksleiter über die in Berlin statt- gefundene Verhandlung und erläuterte die Gründe, welche die Organisationsleitung veranlassen, die Verlängerung zu empfehlen. Nach einer regen, scharf einsetzenden Debatte wurde durch namentliche Abstimmung beschlossen, die Verlängerung der Tarife bis Ende 1999 in den zu diesem Zwecke einzuberusenen Mitglicderversaminlungen den Kollegen zur Annahme zu empfehlen. Für die Annahme stimmten 26 Delegierte, welche 2991 Mitglieder vertraten und da- gegen stimmten 16 Delegierte mit 1144 Milgliedcrn. iMzte Nacbncbtcn una Dcpefcbcn. Drei Verweise. Verlin, 19. Mai.(B. H.) Vor dem Ehrengericht der hiesigen Börse fand heute die Verhandlung gegen den Finanzschriftsteller Bruno Buchwald und die beiden Mitangeklagten William Kar- funkelstein und Otto Schabrodt statt. Die Angeklagten sollen bekanntlich mit materiellen Mitteln Angestellte von Kurs- Maklern zur Mitteilung der an der Börse getätigten Umsätze ver- anlaßt und diese Mitteilungen nachher schriftstellerisch verwertet haben. Sämtliche Angeklagte erhielten nach längerer Verhandlung einen Verweis. Die Pest in Benezuccu. Paris, 19. Mai.(B. H.)„New Uork Herald" berichtet aus New Fork: Der amerikanische Gesandte in Venezuela, welcher nach New Dork zurückgekehrt ist, erklärte, die durch den Ausbruch der Pest in Carracas geschaffene Lage sei schlimmer, als man vermute. Man spreche von 59 bis 79 Toten in La Guayra Ebenso werden drei Pestfälle aus Caballo gemeldet. Trotzdem behaupte die venezola- nische Regierung, datz die hygienischen Verhältnisse im Lande be- friedigend seien._ Zu Demonstrationszwecken? Washington, 19. Mai.(B. H.) Eine angesehene Persönlichkeit teilte mit, Taft erwäge, im Falle seiner Wahl den Botschafter Hill als Staatssekretär an die Spitz e des Kabinetts zu stellen. aul Singers Co., Berlin LW. Hierzu 3 Beilage» u.llnterhaltungSbl� Ur. 117. 25. Jahrgang. 1. WIM)« Joniitts" Snliiitc WUlüIilM Mitw-ch, 20. Wxi 1908. Parteigenossen! Achtung! Am Sonntag, den 24. Mai, von früh 8 Uhr an. findet an allen Orten Groß-Berlins(mit Ausschluß des Landiagswahlkreises Ober-«ud Nieder-Barnim eine Flttgblattverbreitung von den bekannten Stellen aus statt. Es versteht sich von selbst, daß kein Parteigenosse bei dieser so wichtigen Aktion fehlt, damit die Arbeit prompt und rasch erledigt wird. Der Zentralvorstand. wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, 16. Mai 1908. Geschäftsbericht des Rheinisch-weslsälischen Kohlensyiidikats.— Stciflcnmg des Breniimatcrialienverbrauches der Hüttenwerke.— BedräiigiiiZ der reinen Werke.— Verschlechterung am Arbeitsmarkt. — Nückgang des BersaudeS des StahlvcrbaudcS im April 1W8.— Lebensmittelverteuerung. Das Rheinisch-Ivestfälische Kohlensyndikat hat dieser Tage seinen Geschäftsbericht für das Jahr 1997 veröffentlicht. Wenn auch die Gesamtprodnktionszjffern des verflossenen Jahres für Beurteilung der augenblicklichen Marktlage weniger in Betracht kommen, haben sie doch ein größeres vollswirtschaftlichcs Interesse; sodann gibt die Verschiebung im Absatz einen interessanten Beitrag zu den jetzt im Vordergründe der Diskussion stehenden Streitfragen zwischen reinen und gemischten Werken. Zunächst geben wir hier die Hauptzahlen aus dem Bericht. Ende 1907 betrug die Gesamtbeteiligung der Syndikats- Mitglieder 76 376 457 si. V. 76 275 834 Tonnen), die rechnungs- mäßige Beteiligung, d. i. die Gesamtsumme der den Syndikats- Mitgliedern während der einzelnen Monate des Berichtsjahres zu- stehendenBeteiligungsanteile belief sich in 1907 auf 76463610Tonnen egung. Achtung, Frauen Rixdorfs! Am Mittwoch, den 20. Mai, abends 8'/z Uhr, finden zwei öffentliche Frauenversammlungen statt, eine bei Thiel, Bergstraße 151/152, und eine bei Hoppe, Hermannstr. 49. In diesen Versammlungen werden die Genossinnen Dr. Wehl und Ottilie Baader über:„Die Frau und der Kamps um den preußischen Laudtag" sprechen. Frauen RixdorfS! Die Vorträge betreffen Eure vitalsten Interessen. Agitiert deshalb überall für den Besuch dieser Versammlungen, so daß die Frauen in Massen erscheinen. _ Das Wahlkomitee. Fraucnrechtlerische Verschwommenheit. Frau Minna Cauer, die Herausgeberin der bürgerlich-radikalen „Frauenbewegung", hatte in dieser Zeitschrift kürzlich ihrem Unmut über die für den Liberalismus beschämenden Ergebnisse der Frank- furter Tagung in bitteren Worten Luft gemacht und dabei lebhaft Partei ergriffen für die«prinzipientreucn und mutigen Männer", die mit Barth und seinen Freunden dem„veralteten, verwässerten und geschwächten Blocklibcralismus" den Rücken kehrten. � Ein in der letzten Nummer der„Frauenbewegung" abgedruckter„offener Brief" eines Hamburger Liberalen, der„sachlich auf Barths Standpunkt" steht, macht der Herausgeberin ziemlich unverblümte Vorwürfe wegen ihrer scharfe» Verurteilung der Gegner Barths, warnt vor Intoleranz und bedauert im übrigen, daß ein Organ der Frauenbewegung, die, über/,S Uhr bei Wuihe, Brunnensir. 3: Vortrag. Gäste willkommen. Emgegsngene Drucltrchnften. 10. Jahresbericht 1907 deS ArbeitcrsekretariatS. München. 34 Selten. Selbstverlag. 1. Jahresbericht 1907 deS ArbellersekretarlatS Königsberg i. Pr. 80 Seiten. Selbstverlag. Von llor Rsiso zurück. 133/9 Dr. med. Davidsohn, Liohthoilanstalt■ RüRtgenlalioratorlum I,ul8cn-1Jfcr S«. Gustav Lindenhayn, Gastwirtschaft. ISTÄ Rriinan Friedrich- Str. JS. Ul(Iii(tu, 5 Minuten vom Bahnhos. ftroller(Zarten. Verelnsrimmer. Fremdenloairl«. 26612* VorzDgliche Speisen unrt Getränke In grSSter Auswahl zu soliden Preisen. Ohne Anzahlung Gardinen, Portieren, Decken, Federbette«, Brtttväsche. Bilder aus Teilzahlung. nur Postkarte erbeten.* Li. ülattssner, Auguslstr. 50. ZS>/z cm grolle, doppelseitige btiiiÄ Seliallplatten Mark 1,75. 10 Stück 15 Mark.• C. Arendt, Charlottenburg, Potsdamer Str. 8«. Verzeichnis gratis. En gros. Endstail. Export. Versand. nnd ßaslwirfs- �Mtmzt-aunieüung veranstaltet vom Verband der Gast- o. Sehaukwirte für Berlin u. d. Proy. 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Schiller O.(Wallner- Thealer.) Ohne Geläut. Schiller Charlottenburg. Der rote Leuinaiit. Friedrich- Wilhelmstridt. Schauspielhaus. Des Pastors Rieke. Thalia. Der Selbstmörderllub. Westen. Ein Walzertraum. Neues Operetten. Der Mann mit den drei Frauen. Lortiiug. Das Tanzverbot. Luisen. Der Weg ins Verderben. Triano». Seine erste Frau. Bernhard Rose. Die Loreley. Ntetropol. Das mutz man seb'n. Apollo. Die sützen Grisetten. Spc- zialitäten. Kasino. Der Brandstifter. Wintergarte». Spezialitäten. Bassage. Spezialitäten. Dr. Rückle. Gustav Behrens. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Theater an der Spree. Der Cowboy. Folies Bergbre. Spezialitäten. Liane d'Evc. Neichsliallc». Steltiner Sänger. Folies Caprice. Parisiana. Nr. 63. Das ruhige Heim. llrania. To»bc»stras!e-IK/iO. Abends 8 Uhr: lieber den Brenner nach Venedig. Sternwarte, Invaltdenstr. 67/62. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Hopfenraths Erben Neues Theater. AbendS 8 Uhr: Die Hemsöer. . Morgen und Freitag: Die Hemsöer. Sonnabend zum erstenmal: Die ersten Menschen._ Kleines Theater. AbendS 8 Uhr: Ä mal A_ F. Donnerstag: 2 mal 2= 5. Freitag: 2 mal 2= 5. Sonnabend: 2 mal 2= 5. Theater des Westens. 8 Uhr: Ein WalEertranin. Sonntag nachm. 3'/, Uhr, halbe Preise: IHc Instige Witwe. Friedricti-WiihelnistädtisGhes Sciiauspielhaiis. Des Pastors Rieke. Ansang 8 Uhr. Donnerstag: Des Pastors Rieke. Freitag: Frei ist der Bursch. Sonnabend zum erstenmal: Im weitzen Rötzl. tiettes Operetten-Theater Schijjbnuerdainm 25, an der Luisenstr. Heute nnd folgende Tage 8 Uhr: Ter Mann mit den drei Frauen. ßösillöirc-TWss. — Direltion: Richard Alexander.— Abends 8 Uhr: Ter Floh im Ohr. Schwank in drei Akten von Georges Fehdeau. Deutsch von Wolff-Jacoby. fc-US-tTpIvl�AUS. AbendS 8 Uhr: Tic blaue Maus. Hebbel-Theater,�:8�1 Abends 8 Uhr: Frau Warrens Gewerbe. Drama in 4 Akten v. Bernard Shaw. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/43. Abends 8 Uhr: Deäer den ßrenoer nacli w.ch. Täglich: Gr. Militär- Konzert. Eintritt 1 M., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren -- die Hälfte.-- SdiUler-Theafer. Schiller-Theater CharloHenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Hcp rote Eentnant. Schauspiel in 3 Akten von Eduard Goldbect und Hennann Kienze. Donnerstag, abe n ds3Uhr: Hans Hnckebcln. Freitag, abends 8 U b r: Der Weg znni Herzen. Schiller.Theater 0. lWallner-Tbeater). Mittwoch, abends8Uhr: Ohne Gelhnt. Schauspiel in drei Siusziigen von Fedor v. Zobeltitz. Donner stag,abends8UHr: Der Widerspenstigen Zähmung. Freitag, abends 8 Uhr: fler Widerspenstigen Zähmung. Köpenider Stratze 68. Täglich 8 Uhr: Der Cowboy. MMMIMk Gr. Fraiiksurter Str. 132. Abends 8 Uhr: Die Loreley. Romant. Vollsschausp. m. Ges. u.Tanz in 5 Alien von Hersch. Wochentagspreise. Friedrichsberg. Frankfurter 1 Fernsprecher Nr. 8. Chanssee 5. Jeden Mittwoch und Sonntag: Loiree der Apollo-Lünxer. Nach der Vorstellung: IPsmiHen-KranSeheii. Vartete-Theater | Weinbergsweg 19/20, Rosenth.Tor.| Abends 8 Uhr. Die großartigen Mai-Spezialitäten, it Im Tunnel: KONZERTE. Uolksgarten-Theater — am Bahnhof Gesundbrunnen.— Konzert— Theater- nnd 8pcziaIitUtcn Vorstellung Gustav Schappel— Hedwig Oering Julius Wilms, Bros Oorsan, Robin Trio. Fldele l.niupcn. Posse mit Ges. in 3 Zilien v. Rcisflingen. Neues Programm. Otto Reutter. Orford's Elcphanten. Palace Girls, Englische Gesangs- und Tanztruppe. IVlards, Akrobaten. Haged orns Wnndergrotte. Llll Schreiber, Soubrette. Ferry Corwey, Musik. Clown. Guy er und Crispl, Amerikanische Excentrics. Perezoff-Trnppc, Jongleure. Toqni!, der Hund als Reiter, Equilibrist und Jongleur. Tanibo and Tambo, Banjo- Jongleure. Biograph�_ Luisen-Theater. Neichcnberger Strohe 34, Abends 8 Uhr: Drr Weg ins Uerderbtn. Donnerstag: Der Weg ins Verderben. Freitag: Mutier Erde. Sonnabend: Im Hause der Sünde. Eonnlag nachm. 3 Uhr: Der Weg ins Verderben. Abends 8 Uhr: Der We� ins Verderben. Montag: Im Hause der Sünde. Metropol-Theater Zum 241. Male: 8 Uhr: Die bedeutenden Attraktionen. 9 Uhr: Die slißen Grisetten. Operette von H. Reinhardt. 3'/, Uhr: Grete Gallus, Berlins beste Soubrette. 10 Uhr: Bert. BernardS Eompagnie: Ein Abend in eittem atueri- kanischeu Tivgel-Tange!. nr, i Passage-Theater. Abends 8 Uhr: Das größte Phänomen aller Zeiten! Dr. Melde 1 Das Tagesgespräch Berlins! Trianon-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Seine erste Frau. Itegö-taptiim Zum ersten Male in Berlin! Die langeDora Das größte Riesenkind Gesamtlänge 2 Meter 19. :: Kunsttaucher:: �sePnem1 Riesenbassin. NeapolitanischeBriganten-Kapelle. Alles ohne Extra-Entree! ElnlrittSOPf, Kinder, SoldatenZSPf. W.Koacks Theater Direktion: Rob. Dill. Brimneiistr. 16. Heute: Geschlossen. Sonnabend: Extra- Vorstellung: Durch Nacht\m Licht. Ansang 8 Uhr. Entree 3« Ps. Nach der Vorstellung: Tanz. Kasino=Theater. Lothringer Stratze 37. Täglich 8 Uhr: Ter urkomische Mälzer und das erstklassige Mai-Programm. Ter Brandstifter. Drama von H. Heijermans jr. Sonntag 4 Uhr: Ein Dorfroma». Reiebshalleii-Thealel'. Stettiner Sänger. Xen! Von! Varl�t6- Sterne. Burleske von Mehsel. Ansang Wochentags 8 Uhr. Anfang Sonntags 7 Uhr. Sanssouci, ÄT Direktion: Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffmanns und Tanzkränzchen. Beg. Sonnt. 5, wochenl.8 U. Morgen: Große Elite-Soiree. Tanzkränzchen. U ax Kliems Sommcr-Chcatcr. — Hasenheide 13—15.— Arlist. Leitung: Bernhard Lange. täglich- Großes teert Mer- M Spezialitäten-lforstellUDö. Mittwochs: Kinderfest. Jeden Donneisiag: Elitetag. Gastipiel bed. Kräite erster Bühnen. Problem überall zu haben. Kein Streik. Keine Arbeiterdifferenzen. Cigarrettenfalirik„Problem". Danksagung. Für die vielen Beweise Herzlicher Teilnahme und Kranzipenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich hierinit allen Verwandten und Bekannten sowie dem sozial- demokrakischen Wahlverein Rixdors und den Kollegen und Kolleginnen der Firma Hirsch meinen herzlichen Dank. 3151L I.tli8ö DbllttöT nebst Kindern. Danksagung. Allen denen, die unserem lieben, guten Vater 3150L Tlerniann Dacke die letzte Ehre erwiesen haben, ins- besondere Herrn Dr. Schütte, sowie dem Gesangverein„Germania", sagen wir ans diesem Wege unseren verbindlichiien Dank. Adolf Tacke nebst Frau. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie die Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter sagen wir allen Verwandten, Freunden und Kollegen unseren herzlichen Dank. losepb Kluges uedet Kindern. Für die liebevolle Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdi- gung unserer lieben Tochter und Schwester Ida Xiinnicrniann sagen wir allen Freunden und Be- tannten, dem Personal der Firma Kühn u. Söhne, dem Verband der Sieindrud-Hiissarbeiter und-Arbeite- rinnen herzlichsten Dank. 2148b Die trauernden Hinterbliebenen. verkatrfen seht noch billigst □ R 4 Mark an in Petershagen, Ostbahn, □ R 8 Mark an Seegefeld, am Bahnhos, �R TO Mark°n KautSdorf, am Bahnhof,» □ R IO Mark Bahnhof Sadowa, Biesdorf- Kaulsdorf-Sud, l�R 30 Mark an Biesdorf, Stadtbahn, a. Bahnhos. Vertanssstell. a. d. Bahnhösen. Nieschalke& Nltsche Berlin, Neue KBnlgstr. 16. Gustav Behrens- Theater. Berlin W., Gollzstr. 9. DeS großen Erfolges wegen prolongiert Die schöne Mitz Belverhe mit ihren EW dressierten Bären. Neu I Unsere Barlne. Neu! Lebensbild mit Gesang und Tanz. Neu! Brat Zäppelin mit seinem lenl- baren Lusiballon Modell 1309. Außerdem DuSkeS Bitograph und Lv Spezialitäten. 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Um rege Beteiligung ersucht 75/4 Die Drtsverwaltung. Deutseber Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, datz der Kollege, Tischler Karl Wagner am 17. Mai gestorben ist. Ehre seinem Andrnfen! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den20. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Britzer Kirchhofes, Rudower Ehaussee, auS statt. 84/14 Die Drtsverwaltung. (Bezirk Grofi-Berlin.) Hiermit diene den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Max Dowe, Hussitenstrahe, am 17. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heule, Mittwoch, den 20. d. M., nachmittags 5 Uhr, von der Leichen- halle deS Jerusalemer Kirchhofes, Bergmannstr. 45/47, auS statt. 69/5 Ortsvervraltnng I Verband der Sattler Ortsverwaltung Berlin. Am Sonntag, den 17. Mai, der» starb unser Miigüed, der Kollege KaH Jorasch (Werkstatt Guirremand). Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Domierslag. nachmiiiags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Luisen- Kirchhofes(Westend, Fürsten- brunner Weg) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 157/3 Die Drtsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Yerbandl Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, die Kern- macherin 116/13 s Msrtrm Specht an Lungenleiden gestorben ist. Ehre ihrem Andenke» f Tie Beerdigung findet heuic! Mittwoch, den 20. Mai, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Dantes-Friedhoscs in l Rcinilfcndors, Blankestratze, ans j statt- Rege Beteiligung erwartet Tie Ortsverwaltung. Am l8. Mai verschied meine einzige Tochter, unsere liebe Nichte EJisadctfA im blühenden Alter von 13 Jahren Sie war der Sonnenscheiii meines Lebens, all« meine Wüniche und Hoffnungen, welche sich für mein Alter an die teure Dahingeschiedene knüpften, schwanden mit ihr dahin. Angustr Schul« als Mutter. Familie Zlugust Schub. Euxhaoenerstraße 2. Dem Wunsche der lieben Toten nach erfolgt die Einäscherung in Hamburg. Zeit der Ueberführung wird noch bekannt gemacht. 2147b Verantwortlicher Neda!teur.: Georg Tavidsohn, Berlin, Für denLnieratenteil vcrantw,: TH.Glolke. Berlin. Druck u. LerIaa:VorwärtsBtlchdruckerel u. Berlaasanitalt Baul Singer& Co., Berlin SW» Dr. 117. 25. Jahrgang. 2. Wm des Jotraätls" Scrlim loMIttt. MMch. 20. M«1 1908. Noch etwas vom„elendeften aller ülahllylteme". Aus den Listen der Landtagsurwähler Berlins haben wir gestern einige Angaben gebracht, um zu zeigen, zu wie krassen Gegensätzen das dreiklassige Geldsackswahlsystem führt. Beachtung verdient aber auch die Ungleichheit der Urwahlbczirkc, durch die die Wunderlichkeiten und Ungerechtig- keiten dieses Wahlsystems noch vermehrt und gesteigert werden. Wir meinen nicht die Ungleichheit der räumlichen Ausdehnung der UrWahlbezirke, sondern die ungleiche Größe ihrer Wähler- zahlen. Auch da gibt es in Berlin ganz merkwürdige Gegensätze. Für die Abgrenzung der UrWahlbezirke wird nicht die Wählerzahl, sondern die Bevölkerungszahl zu Grunde gelegt. Benutzt wird dabei das Ergebnis der jeweils letzten Volks- Zählung, so daß alle inzwischen eingetretenen Veränderungen unverändert bleiben. In einer Stadt wie Berlin können aber innerhalb weniger Jahre in manchen Bezirken sehr ein- schneidende Veränderungen zustande kommen. Bezirke, die erst teilweise bebaut waren, können beim Fortschreiten der Bebauung ihre Bewohnerzahl rasch auf das Vielfache steigern. Andere Bezirke, die in älteren Stadtteilen liegen, können infolge massenhafter Hausabbrüche plötzlich einen großen Teil ihrer Bevölkerung verlieren. Beispiele für die erstgenannte Möglichkeit sind zahlreich vorhanden. In Bezirken z. B. des nördlichen Teiles der Schönhauser Vorstadt und des nordwestlichen Teiles vom Wedding ist seit der letzten Volkszählung so viel gebaut worden und die Bcvölkerungs- zahl so rasch gestiegen, daß dort heute mehr Landtagswähler vorhanden sind, als danials Bcivohner in ihnen vorhanden waren. Nur zwei Beispiele, die krassesten, seien hier genannt. Für Urwahlbczirk 1337(Teil von: Stadtbezirk 310, zum Wcdding gehörend, nahe dem Vircho>v-5draiikenhaus) ist die frühere Bevölkerungszahl 1321 zugrunde gelegt, aber in den Listen stehen 1882 Wähler, nämlich für die erste Abteilung 89, für die zweite Abteilung 450, für die dritte Ab- teilung 1383. Urwahlbczirk 1003(Teil vom Stadt- bezirk 249 L. zur Schönhauser Vorstadt gehörend, außerhalb der Ringbahn) wird behandelt nach seiner früheren Bevölkerungszahl 903, hat aber jetzt schon 2417 Wähler, nämlich für die erste 165, für die zweite Abteilung 644, für die dritte Abteilung 1603. Ein Gegenstück hierzu ist z. B. Urwahlbezirk 814(Teil vom Stadtbezirk 202, zum Scheuncnviertel gehörend), der bei einer früheren Be- Völkerungszahl von 1131 Personen jetzt nur noch ganze 25 Wähler hat, 3 in der ersten Abteilung. 8 in der zivciten Abteilung, 14 in der dritten Abteilung. Aehnlich liegen die Dinge in anderen Bezirken des Scheunenviertels; es ist das eine Folge der Massenabbrüche, die dort stattgefunden haben. Aber auch in anderen Stadtteilen, wo diese Ursache nicht vor- liegt, finden sich Bezirke, deren Wählerzahl ganz außerordcnt- weit hinter der für sie angegebenen Bevölkerungszahl� zurück- bleibt. UrWahlbezirk 344(Teil vom Stadtbezirk 105, nahe dem Schlesischen Tor) hat bei angeblich 1749 Bewohnern nur 107 Wähler. 2 und 27 und 78 in den drei Abteilungen. Dort liegt nämlich eine Kaserne(Wrangclstraße). deren Insassen fiir die Abgreuznug des Bezirkes berücksichtigt werden, obwohl sie selber das Wahlrecht nicht haben. Dieselbe Erscheinung fällt aus in allen anderen Bezirken mit Kasernen. Erwähnen wollen wir hier auch noch den Urwahlbezirk 760(Teil vom Stadtbezirk 193bl, an der Prenzlauer Allee), der trotz der ihm zugeschriebenen Bevölkerungszahl 1633 nur 31 Wähler hat, 2 und 7 und 22 in den drei Abteilungen. Dort liegt das Siechenhaus, dessen Insassen als aus öffentlichen Äitteln unterstützt gelten. Solche Ungleichheiten der Wahlbezirke könnten uns gleich- gültig sein bei den Reichstagswahlen, wo ja direkt gewählt wird und nur eine Ungleichheit der Wahlkreise sich fühlbar niacht. Bei den Landtagswahlen aber muß auch die Ungleich- hcit der Wahlbezirke sich schon sehr unangenehm bemerkbar machen, weil hier jeder Bezirk, ob er viel oder wenig Wähler hat, je nach seiner Bevölkerungszahl seine bestimmte Zahl Wahlniänncr wählt. Die 25 Wähler jenes Scheunen- viertel- Bezirkes wählen für seine angeblich l 131 Bewohner vier Wahlmänner. Im Siechenhaus- Bezirke mit seinen 1633 Bewohnern werden von seinen 31 Wählern sogar sechs Wahlmänuer gelvählt. Dagegen darf der oben erwähnte Bezirk 1337, dem nur„1324 Bewohner" zugebilligt sind, von seinen 1882 Wählern nur 5 Wahlmänner wählen lassen. Und der Bezirk 1003, der angeblich erst„903 Betvohuer" haben soll, darf gar von den 2417 Wählern, die er nun schon hat, nur 3 Wahlmänner wählen lassen. Im Scheunenvicrtel werden 25 Wähler durch 4 Wahlmänner ver- treten, in der Schönhauser Vorstadt darf eine rund 100fache Wählerzahl, 2417 Wähler, nur durch 3 Wahl- männer ihren Einfluß auf die Abgcordnetenwahl ausüben. Das sind die prächtigsten Blüten des indirekten Wahlsystems, die uns bei der Durchsicht der Bezirke aufgestoßen sind. Ist es auch Tollheit, hat es doch Methode I Im Zusammenhang mit der Dreiklassigkeit dieses „elendesten aller Wahlsysteme" führt die Ungleichheit der Ur- Wahlbezirke zu wahrhaft ungeheuerlichen Gegensätzen. In dem mehrfach erwähnten Bezirk 1003 haben 1608 Wähler dritter Abteilung einen einzigen Wahlmann> zu wählen, während z. B. im Bezirk 1388, der zu demselben Wahlkreis (dem neunten) gehört, die erste Abteilung einen einzigen Wähler hat, der zwei Wahlmänner„wählen" darf. Dieser „Einzige" hat also 3216 mal soviel Einfluß auf die Wahl des Abgeordneten seines Kreises wie jeder Wähler dritter Abteilung des 1003. Bezirkes. » Die Unsinnigkeit dcö DreiklassenwahlrechtS haben wir gestern an zahlreichen Beispielen illustriert. In einem Falle bezogen wir uns auch aus den Urwahlbezirk, in dem der Reichskanzler Fürst Bülow in der zweiten Wählerklasse wählt. Dieser Bezirk ist der 40. UrWahlbezirk. Die Zahlen der Wähler in den drei Abteilungen sind: 3, S und 197. Der letzte Wähler der ersten Abteilung zahlt 30 250,10 M., der letzte der zweiten Abteilung 15 638,33 M. Steuer. Der ersten Abteilung gehören an der Bankier Wilhelm v. Krause und zwei Privatiers, der zweiten Abteilung zwei Kommerzienräte. ein Großkaufmann, und dann folgen Fürst Bülow, Fürst Ferdinand Radziwill und ein Fabrik- besitzer. In der dritten Abteilung finden wir zunächst einen Proieffor, einen Fabrikbesitzer, später den Oberaewandkämmerer des Kaisers, Grafen v. Perponcher-Sedlnitzkh, den Wirkl. Geheimen Rat b. Derenthall, den Staatsminister v. Bethmann-Hollweg, den Staats- sekretär Nieberding, den Justizminister Beseler, den Geh. Kabinetts- rat v. Lucanus, Hauptritterschaftsdirektoren, Unterstaatssekretäre, Präsidenten. Konteradmirale usw. usw. Alle diese„armen Teufel' müssen mit ihrem Kutscher oder Stiefelputzer in derselben Klasse wählen, was gewiß kein Unglück ist, was fie aber doch dann etwas weniger freudig stimmen wird, wenn ihre in einem anderen Bezirke wohnenden Angestellten zufällig in der zweiten oder ausnahmsweise gar in der ersten Klasse wählen können. ftir Candtagswahlbewegung. Rixdorf-Schöneberg. Schöneberg. Heute, Mittwoch, den 20. Mai, abends 8 Uhr, findet die Aufstellung der Wahlmänner statt. Die Urwähler werden daher ersucht, an diesen Versammlungen sich zahlreich zu beteiligen. Die Tagesordnung lautet: 1. Die Landtagswahl 1903. 2. Die Aufstellung der Wahlmänner. Es treffen sich die Wähler der UrWahlbezirke: 1—24 in den Auguste- ViktoriaSälen, Lutherstr. 31/32; 28—30, 32—34 im Lokal I. Wieloch, Grunewaldstr. 110: 25—27, 31, 36-46, 48. 49. 53 und 54 im Lokal C. Grosser, Meininger Str. 8; 35, 55, 58—64 im Klubhaus, Hauptstr. 5; 65—71. 74—76 und 79—82 im Lindenpark, Hauptstr. 16; 56, 77, 78, 47, 50—52 und 57 im Wilhelmshof, Ebersstr. 80; 72 und 73 im Lokal A. Michaelis, Gustav-Müller- Straße 15: 83—90 im Lokal Bergemann, Sponholzstr. 34. Die Parteigenoffen wollen für die Versammlungen agitieren, damit diese überall zahlreich besucht werden. Das Wahlkomitee. Charlottenburg. Die AbtciluugSlistcn zur Landtagswahl für die 176 UrWahl- bezirke in Charlottenburg werden am nächsten Donnerstag, Freitag und Sonnabend von 12 Uhr mittags bis 8 Uhr abends öffentlich ausliegen, und zwar a) für die UrWahlbezirke 1 bis 116(Stadtbezirke Westend, Spandauerberg, Schloßviertel, Liehen- see, Kolowswerder, Nonnendamm, KönigSdamm nördlich und südlich, Martinickcnfelde, Lützow, Halbinsel und innere Stadt) in unserem Statistischen Amt, Berliner Straße 71, rechter Seitenflügel, Erd- geschoß, Zimmer 1; b) für die UrWahlbezirke 117 bis 176(Stadt- bezirke Hochschulviertel, Kurfürstendamm und Ostviertel) im Feuerwehr- dienstgebäude, Rankestraße 10, 1 Treppe(im Oberfeuerwehrmanns- zimmer). Etwaige Einsprüche gegen die Nichtigkeit der Abteilungs- listen können nur innerhalb der genannten drei Tage schriftlich bei dem Magistrat oder zu Protokoll in den AuSlegestellen angebracht werden. Versäume niemand diese kurze Frist. DaS Wahlkomitee. Partei- 5Zngelegenkeiten. Achtung! Fünfter Wahlkreis. Die zweite Abteilung hält heute, Mittwoch, gemeinsamen Zahlabend mit Frauen bei Borde, Neue Königstr. 7, ab. AllseiligeS Erscheinen erwartet Der Abteilungsführer. Johannisthal. Donnerstag, den 21. Mai, abends 8'/, Uhr findet bei Senftleben. Friedrichstr. 48, eine Wählerversammlung für beide Urwahlbezirke statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Zietsch-Charlotteuburg über:„Die Bedeutung der preußischen Land- ragswahl". 2. Diskussion. 3. Aufftellung der Wahlmänner. Pflicht aller Parteigenossen ist es, zu erscheinen. Der Vorstand. Stralau. Die Abtcilungslisten liegen am 20., 21. und 22. Mai im Rathause. Zimmer Nr. 5, während der AmtSstuuden öffentlich aus. Pflicht eines jeden Wählers ist es. dieselben einzusehen, ob er richtig eingetragen ist. Am Donnerstag, den 2l. Mai, abends 8 Uhr, findet in den Markgrafem'älen eine öffentliche Frauenversammlung statt. Die Parteigenossen und ihre Frauen werden ersucht, zahlreich zu er- scheinen. Der Vorstand. Reinickendorf. Die AbteilnngSlisten liegen vom 20. bis 22. Mai von vormittags 9 bis nachmittags 3 Uhr im RathauS, Zimmer 11 zur Einsichtnahme aus. Rcinickendorf-Ost. Heute abend 8 Uhr erfolgt im„Restaurant zur Eisenbahn'(Weber), Nordbahnstraße 22, Ecke Provinzstraße, für den 13. bis 17. Urwahlbezirk(Provinzstraße mit ihren Nebenstraßen und HauSotterplatz) die Aufstellung der sozialdemokratischen Wahl- männer. Wir erwarten zahlreiche Beteiligung der wahlberechtigten Mit« glieder des Wahlvcreins. Der Vorstand. Reinickendorf-West. Heute Mittwoch findet eine Handzettel- verbreilung von den bekannten Stellen aus statt. Um rege Beteili- gung der Genossen bittet DaS Wahlkomitee. Waidniannslust. Donnerstag, den 21. d. M., abends 7 Uhr: Haudzettelverteilung. Die Genossen treffen sich im.Schweizerhaus'. Zahlreiche Beteiligung notwendig. Lerlmer Nachrichten. Tie Treptow-Sternwarte, die bisher sich mit durchaus unzulänglichen Räumen hat be- gnügen müssen, wird nun bald ein größeres und würdigeres Heim bekommen. Das alte Haus aus Holz, das längst klapperig geworden war und nachgerade zusammenzufallen drohte, ist beseitigt. Zur Errichtung eines neuen Gebäudes an derselben Stelle sind die Vorarbeiten in Angriff genommen worden. Stehen geblieben ist das riesige Fernrohr; seine Benutzung wird während des Baues keine Unterbrechung erleiden. Der steinerne Unterbau, auf dem es mit seinem Gewicht von mehr als 6000 Zentnern ruht, präsentiert sich jetzt nackt und bloß. Zu dem neuen massiven Hause, das um das Fernrohr herum erbaut werden soll, wurde am Sonntag in der Mittagstunde der Grund- stein gelegt. Die Verwaltung der Sternwarte hatte sich bemüht, die Grundsteinlegung zu einer eindrucksvollen Feier zu gestalten. Unter den zahlreichen Ehrengästen, die daran teilnahmen, befanden sich als Vertreter des Magistrats von Berlin der Stadtkämmerer Steiniger, als Vertreter der Stadtverordneten- Versammlung von Berlin der Stadtverordnete Haberland, als Vertreter der zentralorganisierten freien Gewerkschaften Groß» Berlins der Gcwerkschaftssekretär Körsten, ferner Vertreter Treptows rund anderer Vorortgemeinden, sowie Vertreter ver- schiedener Körperschaften. Auf dem festlich geschmückten Bau- platz gegenüber der für die Einmauerung des Grundsteins bestimmten Stelle, über der das Fernrphr anfragte, wMen von Herrn Archenhold, dem Direktor der Treptow-Stern- warte, die Gäste begrüßt. In seiner Ansprache hob er hervor, daß der Neubau ermöglicht worden fei durch die freiwilligen Spenden von über 500 Freunden des Instituts, sowie durch das Entgegenkommen der Stadt Berlin und der GeWerk- schalten. Berlin hat unentgeltlich den Bauplatz gewährt und außerdem Bürgschaft geleistet für ein bei der Preußischen Pfandbriefbank aufgenommenes Darlehen von 100 000 M.; die Gewerkschaften haben im voraus 100 000 Doppel-Eintritts- karten gekauft und dadurch sehr wirksam beigetragen zur Sicherung des Unternehmens. Die Festrede, die dann von Direktor Archenhold ge- halten wurde, gab einen Rückblick auf die Geschichte der Treptow-Sternwarte. Im Jahre 1896 wurde diese Stern- warte eröffnet, mit den Mitteln privater Freunde war sie errichtet worden, sie bildete eine der Sehenswürdigkeiten der Berliner GeWerbeausstellung. Neu war die von Archenhold ausgegangene Idee, das� Fernrohr freizumachen von der Kuppel. So wurde es möglich, hier den größten Refraktor der Erde aufzustellen, der mit seiner Länge von 21 Metern bis heute unübertroffen geblieben ist. Die alte provisorische Holzhalle, die damals unterhalb des Fernrohres errichtet wurde, hat zwölf Jahre gestanden. Sie war zuletzt so bau- fällig, daß der Regen durch die Decke drang und die dort aufgestellten Sammlungen des Instituts gefährdete. Eng und dürftig bis zum Skandal war auch der„Vortragssaal", der einen Teil dieser jammervollen Bretterbude bildete. Der neue Vortragssaal wird so groß werden, daß er 500 Personen fassen kann. Herr Archcnhold schilderte die Schwierigkeiten und Widerstände, die überwunden werden mußten, bis der Plan eines Neubaues ausführbar wurde. Auf die Festrede folgten Ansprachen der Ehrengäste, die ihre Glückwünsche darbrachten. Körsten, der gleichfalls das Wort ergriff, beriihrte die Beziehungen der Arbeiter- schaft zur Treptow-Sternwarte. Von der Arbeiterschaft, der man so gern nachsage, daß sie keinen Sinn für Kunst und Wissenschaft habe, sei diesem Institut das lebhafteste und tatkräftigste Interesse entgegengebracht worden; sie werde vielleicht„die beste Kundin" der Sternwarte sein. Die Feier schloß mit der Einmauerung von Urkunden, die sich auf die Treptow-Sternwarte und diesen Neubau beziehen. Nacheinander traten die Festteilnehmer heran und taten jeder feine drei Hammerschläge.__ Am grünen Tisch. In Rückstandsburg an der Knute war außerordentliche Amts« sitzung anberaumt. Wegen der ungeheuren Wichtigkeit des Gegen- standeS hatte man es den wohlweisen Räten und sonstigen macht- gebietenden Aktenwürmern auf die Seele gebunden, ausnahmsweise so pünktlich zu erscheinen, als ob sich darum handele, Zwangsmaß- regeln gegen das verbotene Spazierengehen friedlicher Bürger zu treffen. Trotzdem war zur festgesetzten Stunde noch kein einziger StaatSretter auf seinem Platze. In Erwartung der langen Sitzung und der großen Dinge, die da kommen sollten, hatten sie alle gut gefrühstückt und langten in einer Laune an, die eher zum Besuche eines Freudentempels als zur Entscheidung einer wichtigen Bolkssache paßte. Der Gewaltige am Ehrenplatz runzelte nicht mal die Stirn. Solche Stimmung war ihm gerade recht. Das ist der Anfang jener weltberühmt gewordenen Geistesverfassung, in der freisinnige ReichsraiSmitglieder, die den Piepmatz gebührend begossen haben, im grauesten Elend nach den verloren gegangenen Grundsätzen suchen. „Meine Herren,' begann der Direktor von's Ganze,„meine Herren... Sie sollen heute helfen, das Volk auf's Rad zu flechten ... äh. pardon, wollte sagen... einen neuen Kranz zu flechten zum Staatswohle und zum Wohle des Volkes...' „Bravo, bravo!" erscholl es im Chorus,„äh, kapitaler Witz... auf's Radflcchten hat er gesagt... äh, jroßartige Idee... Mit Mühe nur legte der Vorsitzende der spontanen Begeisterung die Zügel der Amtswürde an. „Meine Herren," fuhr er mit donnernder Stimme fort,„können Sie gut knebeln? DaS heißt, nicht etwa Sie selbst sollen sich die Hände schmutzig machen. Bewahre, dazu haben wir unsere Leute, die drausgeheu wie der olle Blücher aus Preußen. Mir ist der ehren- volle Auftrag geworden, das Volk zu knebeln... äh, pardon, wollte sagen... dem Volke so ein neues Stückchen Verfassung zu geben...' Nicht endenwollender Beifall belohnte die glänzende Redcleistung. „Knebeln... draufgehen... Verfassnng...' hallte es wüst durcheinander, daß der grüne Tisch spiritistische Anwandlungen bekam. Energisch schwang der Gewaltige die wie hohles Blech flingende Staatsglocke.„Zur Sache, meine Herren. Pflücken Sie Ihre Lor- beeren zu Hause, wenn ich bitten darf. Also... Sie kennen doch alle das neue Gesetz zum Wohle des Volkes, ich meine das... Maulkorbgesetz..." Erneutes dröhnendes Gelächter.„Maulkorbgesctz hat er gesagt. Einfach jottvoll I Unser Präsident soll leben, vivat...' Weiter kam der begeisterte Patriot nicht. Einer der Räte war in einen so anhaltenden Lachkrampf gefallen, daß die Sitzung für eine Stunde vertagt werden mußte... Mit einstündiger Verspätung wurde die Sitzung wieder auf- genommen. Die Stimmung war auf den Siedepunkt der Be- geisterung gestiegen. „Meine Herren, wo waren wir stehen geblieben? Richtig... beim Maulkorb. Den hätten wir also. Nun müssen wir ihn aber auch anlegen. Sind es nicht Prachtkerle, diese Freisinnsheldcn? Ohne sie wäre der russische Staat jetzt vielleicht verloren. Und wie billig ist das Vergnügen getvesen I Für ein paar Piepvögelchens haben diese großherzigen Bolksmänner ihre Ueberzeugung und ihre ... hahaha... Grundsätze dem großen Staatssack geopfert... äh, pardon. wollte sagen... dem Volkswohl..." Jetzt hielt sich die ganze Korona den Bauch. Einer der Sitzungs« teilnehmer stellte den Antrag, der freisinnigen Reichsratsfraktion eine Huldigungsadresse zu übersenden, in Einband aus Eselsleder. Wiehernd wurde der Antrag einstimmig angenommen. „Meine Herren, kommen wir bald zum Schluß. Amtsdiener Krummbuckel meldet soeben, daß die Skattische schon zurechtgerückt sind und die Witwe Cliquot die nötige Temperatur erreicht hat. Also... das neue Gesetz bestimmt, damit ich es Ihnen noch ein- mal ins Gedächtnis rufe, daß der russische Plebs öffentlich nicht mehr russisch, sondern nur noch hindostanisch sprechen darf. Mit diesem Gesetz, meine Herren, hat unser herrlicher Staat die höchste Potenz der Kultur erreicht. Noch nach Jahrtausenden wird die Nachwelt uns dafür auf's Rad flechten... äh, Pardon, wollte sagen... uns Ruhmeskränze flechten. Und daß die siebzehnjährigen sogenannten Staatsbürger, solche grünen Lausejungens, die gerade gut genug sind, Steuern zu bezahlen und ihre Knochen dem ersten Manne des Staates zu weihen, an der StaatZmaschinerie nichts mitzuarbeiten... tih, wollte sagen... das Maul zu halten haben— na, das finden Sie doch alle auch ganz an der Ordnung? Sehr schön... aus- gezeichnet l Freut mich, meine Herren, daß Sie so gesinnungStiichtig sind. Und damit kommen wir zum letzten und wichtigsten Punkt unserer Tagesordnung. Nach dein neuen Gesetz, das wir der Be- scheidenhcit und Weitsichtigkeit dcS edelmütigen, wahrhaft Volks- liebenden Freisinns verdanken, sollen öffentliche politische Wer- sammlungen unbedenklich gestattet sein, wenn sie vorher irgendwie genügend bekannt gemacht sind. Na, nach meinem Geschmack ist ja daS nun gerade nicht. Der Gesetzgeber hätte gleich reinen Tisch machen und dem ganzen dreckigen Volke überhaupt das Aedenhalten verbieten sollen. Also nicht wahr, meine Herren, Sie sind doch einstimmig damit einverstanden, daß alle solche Versamm- lungen nur dann abgehalten werden dürfen, wenn sie vorher im Regiernngs-AmtSblatte angezeigt worden sind?... Aber ich bitte Sie, Herr Staatsrat Stänker, was sagen Sie da? Wir haben noch eine andere Presse? Ei, ei, Herr Staatsrat, das sind doch recht revolutionäre Gedanken. Wir von der Regierung kennen nur eine amtliche Presse. Und die übrige sogenannte Presse kann uns den Amtsrücken herunterrutschen. Da bin ich ganz einer Meinung mit dem seligen, berühmten Landgerichtsrat aus der preußischen Hochburg der Ncallion, der einst den berühmten Ausspruch tat, daß es eine öffentliche Meinung nicht gibt. Je weniger das dumme Volk liest, desto besser wachsen seine Knochen. Nur wir in Amt und Würden sind die geistigen Führer der Nation. Alles andere ist Blech.., Schund... Dreck. Haben Sie mich verstanden, Herr Staatsrat Stänker? UebrigenS kann ich Ihnen die erfreuliche Mitteilung machen, daß ich Ihren Namen auf die neue Ordensliste setzen werde. Also die Herren sind sämtlich mit meinein Vorschlage einverstanden? Abgemacht... Punktum... die Sitzung ist geschlossen. Auf Wiedersehen, meine Herren, bei der lustigen Witwe auf Eis... I" DaS war die Amtssitzung am grünen Tisch, in der das Volk nach dem Sinne des neuen Gesetzes geknebelt wurde. Und eine Viertelstunde später knobelte man am Sekttisch, wer in der Korona für die eben begangene Heldentat zuin Wohle des Volkes als erster den russischen Sankt Stanislausorden vierter Güte kriegen werde.... Vcrkchrsfragcn. In der gestrigen Sitzung der städtischen Verkehrsdeputation wurde zunächst ein Antrag des Freisinnigen Bezirksvereins des SchillerparkvicrtelS, die Große Berliner Straßenbahn zu veranlassen, die Linien 23 oder 24 von der Fcnnstraße die Mullerstraße entlang zu führen und an der Seestratze bezw. dem Virchow-Krankenhause endigen zu lassen, nach kurzer Debatte abgelehnt.— Ein Antrag des Verkehrsausschusses auf Bestellung von Vertretern für die Mit- glieder des Ausschusses wurde angenommen.— Die Große Straßenbahn beabsichtigt eine neue Linie— die Linie 50— einzurichten, welche im Anschlußbetrieb vom Ringbahnhof Schönhauser Allee bis Schöneberg geführt werden soll. Die neue Linie wurde als im Verkehrsinteresse liegend anerkannt und mit der Maßgabe genehniigt, daß sie für lO Pf. gefahren werden soll. Von Herrn Stadtbaurat Krause wurde der Deputation Mit- teilung von der Eingabe der Firma Siemens u. Halske an den Minister der öffentlichen Arbeiten gemacht, nach der durch die Tunnelentwürfe der Großen Berliner Straßenbahn die zwischen der Wannsecbahn und dem Stettiner Bahnhof geplante Verbindungsbahn abgeschnitten wird. Bekanntlich hat Siemens u. Halske schon seit luög mit den Staatsbehörden wegen Herstellung der erwähnten Untergrundbahn, die»ach Ueberschreilung des Potsdamer Platzes die Königgrätzer Straße, Brandenburger Torplatz und die Sommerstraße verfolgen soll, verhandelt. Die Große Straßenbahn, die stets vorgibt, mit allen ihren Plänen nur die Verkehrsinteresten von Berlin fördenr zu wollen, hat in ihren Tunnelentwiirfen auf diese so überaus wichtige Schnellbahnverbindung keinerlei Rücksicht genommen, ob- schon die formelle Konzession der Staatsbehörde für das Unter- nehmen von Siemens«. Halske bereits unterm 5. April 1905, also lange vor dem Bekanntwerden des Tunnelprojekts der Großen Straßenbahn nachgesucht war, und obgleich ohne weiteres ein- zusehen ist, daß die Ausführung der Straßenbahnentwürfe, besonders des Nadtunnels vor dem Brandenburger Tor, von einschneidendster Bedeutung für das Siemenssche Projekt ist, ja dessen Ausführung an einzelnen Stellen, wie z. B. am Brandenburger Tor,- technisch nahezu unausführbar und wirtschafllich minderwertig macht. Bei der Prüfung der Straßenbahnentwürfe hat die Verkehrsdeputation auch diese Nachteile der Tunnelprojelte erkannt und in ihren Berichten an die Aufsichtsbehörden auf die große Beeinträchtigung hingewiesen, welche die Durchführung des Tunnelprojekts der Großen Straßenbahn auch nach dieser Richtung hin für die Förderung des Verkehrs im Gefolge haben würde. Mehr zu tun, war die Deputation nicht in der Lage._ AuS einem„Kranken- und Genesungsheim". das in Nieder-Schönhausen-Nordend von einem Arzt Dr. D o s q u e t betrieben wird, wurden in einer Gerichtsvcrhand- lnng allerlei Dinge zur Sprache gebracht, die bei den Insassen dieser Anstalt, den jetzigen wie den früheren, Interesse erwecken werden. Ein Molkcreibesitzer H., der für die Anstalt die Milch zu liefern gehabt hatte, war angeklagt der wisscnt- lichen Nahrungsmittelverfälschung: er sollte die Milch mit Wasser aus seinem Brunnen verlängert haben. Auf den Gedanken, daß H. eine tüchtige Portion Wasser zusetze, waren Herr Dr. Dösguct und seine Gattin gekommen, weil— so bekundeten sie beide vor Gericht— die Klagen der Patten- tinnen über die mangelhafte Qualität der Alilch sich immer wiederholten. Eines Tages, Mitte Mai 1907, wurden in der Anstalt der von H. gelieferten Milch zwei Proben entnommen, die eine aus einer Kanne frischer Milch, die eben an- gekommen war, die andere aus einem Topf gekochter Milch, die schon lange aus dem Herd gestanden hatte. Beide Proben wurden dem Chemiker Prof. Juckenack übergeben. Dieser stellte fest, daß die eine mit salpetersäu�ehaltigem Brunnenwasser versetzt worden sei, während die andere frei von solchen Beimengungen zu sein schien. H. hatte hiermit seine Rolle als Milchlieferaut des „Kranken- und Genesungsheimes" ausgespielt, aber Dr. DoSquet ließ die Milckwerfälschung, die er nach Juckenacks Gutachten als erwiesen ansehen mußte, zunächst auf sich beruhen. Erst nach Monaten— H. meint: nachdem er mit Dr. Dosquet noch um eine Geldforderung hatte streiten müssen— fiel es dem Dr. Dosquet ein, gegen H. Anzeige zu erstatten, und am 19. Mai d. I. stand H. nun als Angeklagter vor den Schöffen deS Amtsgerichts Berlin» Pankow. H. beteuerte, unschuldig zu sein, und sein Verteidiger suchte glaubhaft zu machen, daß die Milch in der Anstalt selber verdünnt worden sei. Demgegenüber wurde von Dr. Dosquet und seiner Gattin sowie von?lngestclltcn, die gleich- falls als Zeugen vernommen wurden, aufs bestimmteste erklärt, ihnen sei nichts davon bekannt, daß in der Anstalt eine Vcr- dünnung der Milch vorgekommen oder gar üblich gewesen sei. Run haben aber Patientinnen der Anstalt über die Qualität der Milch auch noch zu einer Zeit geklagt, wo H. dort längst nicht mehr lieferte. Noch im August 1907 lourde über das„Kranken- und Genesungsheim" im„Vorwärts" ein Artikel veröffentlicht, der auf Grund eingegangener Klagen eine Reihe von Mißständen und Mängeln besprach. Darin wurde auch erwähnt, daß die den Patientinnen gereichte Milch von ihnen als unzulänglich angeschen werde, unzulänglich nach Quantität und auch nach Qualität. Dem Gericht lag dieser Artikel vor. Als der Vorsitzende die Frau Dr. Dosquet hieran erinnerte, bekam er die Antwort, allerdings sei von Patientinnen auch nachher noch geklagt worden, doch das sei nun mal nicht anders in solchen Anstalten, auf Klagen dieser Art könne man nicht viel geben. Dr. Dosquet selber, dem der Artikel Llcichsgsls pprgehastci, wurde, söüüi löhn, to We die Veröffentlichung hinterher„sehr bedaucr t". Dr. Dosquet hat das dann auch beschworen; er und seine Gattin sowie die An- gestellten wurden sämtlich erst nach ihrer Aussage vereidigt. Wir stellen fest, daß dieser Teil der Aussage des Herrn Dr. Dosquet der Wahrheit widerspricht. Er selber wird für wahr gehalten haben, was er beschwor. In Wirklichkeit aber ist seine Behauptung, daß der„Vorwärts" de» Artikel„sehr bedauert" habe, objektiv unwahr. Frau Dr. Dosquet hat im Jahre 1008, sechs oder sieben Monate nach Erscheinen jenes Artikels, ganz plötzlich in unseren Rcdaktionsräumen vorgesprochen und uns erzählt, sie höre, daß eine neue Veröffentlichung im„Vorwärts" geplant sei, Bei dieser Gelegenheit äußerte sie sich auch zu jenem Artikel vom August vorigen Jahres. Wir beruhigten die Dame, daß uns von dem„Plan einer neuen Veröffentlichung" nichts bekannt sei. Gleichzeitig erklärten wir ihr ohne Umschweife, daß jener Artikel von uns in allen Punkten aufrecht erhalten werde. Hat Frau Dr. Dosquet uns nicht verstanden? Oder ist sie von ihrem Gatten, dem sie darüber zu berichten hatte, nicht verstanden worden? Vor Gericht hörte sie übrigens die Aussage ihres Gatten mit an— und sie meldete sich nicht, um sie zu korrigieren! Bedauert wird von uns nur heute etwas: Das näm- lich, daß wir in dem Artikel vom August vorigen Jahres unsere Gewissenhaftigkeit zu weit getrieben haben. Uns war damals unter anderem auch gesagt worden, in Herrn Dr. DoSqucts Anstalt werde aus Sparsamkeit das gehackte Fleisch mit Wasser vermengt und so auf die Stullen gestrichen. Wir hielten das für kaum glaubhaft, für eine bloße Annahme unserer Gewährspersonen. Zu unserer Ucberraschung wurden aber vor Gericht auch diese Dinge zur Sprache gebracht, weil die Verteidigung zeigen loollte, wie es in der Anstalt zugehe. Und Herr Dr. Dosquet und seine Gattin mußten zugeben, daß gehacktes Fleisch tatsächlich mit Wasser vermengt Ivordcn, daß sogar auch der Butter eine Beimischung von Wasser gegeben worden sei; doch sei, so erklärten sie, beides nur geschehen, weil so das Brot besser damit bestrichen werden könne. Nach wie vor versicherten Dr. Dosquet und Gattin, daß in ihrer Anstalt nicht etwa ebenso auch mit der Milch verfahren worden sei. Hiernach blieb dem Gericht nur übrig, anzunehmen, daß nur Herr H. die festgestellte Verdünnung vorgenommen haben könne! Der Sachverständige Prof. Juckenack konnte zwar nicht angeben, welche der beiden Proben, ob die frische Milch oder die schon gekochte, sich als salpetersäurehaltig erwiesen habe. Tu aber die salpetcrsäurehaltige Probe bereits geronnen war, als sie ihm übergeben wurde, so wurde geschlossen, das müsse die ungekochte gewesen sein— und so wurde H. schuldig gesprochen und zu einer Geldstrafe zu 100 M.(eventuell 20 Tagen Haft) vcr- urteilt._____ Acndcrung einer Straßenbahnlinle. Die Straßenbahn ist ge- nötigt, wegen Asphaltierung der Pariser Straße in Wilmersdorf, zwischen dem Ludwigslirchplatz und dem Olivaerplatz, die Wagen der Linie 73: Frankfurter Allee— Wilmersdorf vorübergehend zu verkürzen. Die Wagen gehen nur bis zum Ludwigskirchplatz. Die Arbeiten oder die Verkürzung beginnt am Mittwoch, den 20. Mai. Die Zeit der Beendigung steht noch nicht fest. Eine gefährliche Luftballonfahrt hatten gestern zwei Herren bei Friedrichshagen zu bestehen. Der Ballon schwebte in dem Augenblick, als er niedersank, gerade über der Mitte des Müggelsees. Immer tiefer sank die Gondel und schließlich trennte nur noch eine Entfernung von einer Armeslänge die Oberfläche des Sees von dem Ballon. Die zahlreichen Zuschauer, die vom Ufer aus den Vorgang mit Spannung beobachteten, glaubten nichts anderes, als daß der Ballon in die Fluten des Müggelsees sinken werde. Nach längerer Zeit konnte er endlich durch Auswerfen von Ballast zum Steigen gebracht werden. Die reellen Knrtoffelhändlcr hatten vor einiger Zeit schwer zu leiden durch die MUteilung, daß gewisse Leute beim Verkauf von Kartoffeln zu recht jchwindelhaften Manipulationen griffen. Eines Tages erschien bei dem Generalmajor Gebert ein gewisser Paul Steffen und erklärte dem öffnenden Dienstmädchen, er sei der In- spektor der Domäne DahleuQund solle V/j Zentner Kartoffeln abliefern, welche die Herrschaft bestellt habe. DaS Dienstmädchen bezahlte auch den verlangten Betrag von 0 M. und nahm die Kar- toffeln in Empfang. Später stellte sich heraus, daß gar keine Kartoffeln bestellt waren, die angeblichen IV2 Zentner auch nur knapp 100 Pfund waren. In ähnlicher Weise legte der Angeklagte als angeblicher Tomäncninspektor den Rentier Nußbaum in Char- lotteburg hinein, dem er zwei Zentner Kartoffeln verkaufte, die später aber nur 140 Pfund wogen. Diese Betrügereien verübte Steffen in mehreren Fällen, weshalb er angeklagt wurde. Als der Staatsanwalt in Anbetracht des dreisten Schwindels und der vielfachen Vorstrafen des Angeklagten eine Zuchthausstrafe von iVs Jahren beantragte, begann Stessen zu schimpfen und zu toben. Das Gericht verhängte deshalb gegen ihn eine sofort zu vollstreckende Haftstrafe von drei Tagen wegen Ungebühr vor Gericht. Das Urteil lautete auf ein Jahr Gefängnis. Sechzehn Feruspreckileitungen zerstört. Durch das gefährliche Treiben von Drahtmardern sind gestern bei HeinerSdorf nicht weniger als IS Fernsprechleitungen zerstört worden. Die Täter schnitten von den Leitungsstangeu große Mengen Bronzedraht los und schleppten ihre Beute unbehelligt davon. Für die Ermittelung der Diebe, die der Postverwaltung ganz empfindliche Schäden zu- fügen, ist eine Belohnung ausgesetzt worden. Eine traurige Aufklärung hat jetzt daS Verschwinden deS Rentenempfängers Friedrich Nelke aus der Kesselstr. 17 gefunden. Der bereits im SO. Lebensjahre stehende Mann wurde seit einigen Tagen vermißt. Gestern wurde seine Leiche an der Freiarchenbrückc aus dem Flutgraben gelandet. Aus Furcht vor der Zukunft hatte sich der Lebensmüde ins Wasser gestürzt und den Tod gesucht. Die Leiche eines Unbekannten wurde gestern an der Monbijou- brücke aus der Spree gezogen. Der Tote dürfte etwa 30 Jahre alt gewesen sein, und seiner Kleidung nach zu urteilen hat er den mitt- leren Ständen angehört. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Brandstifter waren gestern, Dienstag, vormittag in dem Hause K a r l st r. 32 an der Arbeit. Sie legten an drei verschiedenen Stellen Feuer an, auf dem Wäscheboden und in zwei Wohnungen. Die Gefahr wurde aber schnell bemerkt, so daß größerer Schaden nicht verursacht wurde. Die polizeiliche Sonderkommission war alsbald an Ort und Stelle und zog von den Hausbewohnern Er- kundigungen ein, während der 13. Löschzug aus der Linienstraße die drei Brände ablöschte. Radrennen z» Steglitz. Das auf Montagabend verschobene „Große goldene Rad" sah den Franzosen Paul Guignard als Sieger, der das ganze Rennen hindurch die Führung hatte und seine Gegner nach Belieben überrundete. DaS in Sportskreisen so sehnlich erwartete Zusammentreffen des Franzosen mit Demke. dein augenblicklich besten deutschen Fahrer, entschied Guignard zu semen Gunsten. Demke wurde von seltenem Pech heimgesucht, da er dreimal sein Rad wechseln mußte und als vierter landete. Gleich zu Beginn des Reimens wurden Robl, Goar und Dickeutinann über- rundet, während sich Demke bis zur SS. Runde hielt, als Guignard im Fluge an ihm vorbeiging und gleichzeitig auch Goar überrundete. Dieses Ereignis gab einein Teil des Publikums Veranlassung, seinem Aerger Luft zu machen und durch Pfeifen und Johlen kundzutun. bis endlich an der Tafel bekannt gegeben wurde: G u i(j n a r d i st distanziert, d.h. wird auf den letzten Platz verwiesen. So- mit hatte Demke die Anwartschaft auf den Sieg, als in der 105. Runde fein Reifen platzt und er durch Radwechsel seinen Platz an Robl verliert. Dieser fuhr zeitweilig ausgezeichnet und überrundet auch den sehr schnell fahrenden Goar und nähert sich bis auf zirka 80 Meter dem Franzosen. Doch das Tempo ist ihm zu schnell, er läßt nach und muß Goar wieder vorbeilassen. Der fünfte Teilnehmer Dickent- mann fuhr während alledem gemächlich die Bahn herum und spielte gar keine Rolle. So ging das Rennen feinem Ende zu und nicht dick fehlte, so hätte Robk auch seinen Platz gegen Goor ein« gebüßt.— Als das Resultat bekannt gegeben wurde, erhob sich ein Tumult sondergleichen und der„süße Pöbel" erging sich nach Herzens- lust an DummenjungenSstreichen. Und warum? Weil der Renn- auSschuß unterließ bekanntzugeben, ob die Distanzierung GuignardS zu Recht bestehen blieb oder nicht und kein Mensch wußte, woran er lvar. Das Resultat ist folgendes:„G r 0 ß e S goldenes R a d." Dauerrennen über 100 Kilometer. 2500, 2000, 1500, 1200 und 1000 M. Dem Sieger eine goldene Medaille in: Werte von 500 M. 1. Paul Guignard(Paris) 1 Std. 11 Min. 2S"/s Sek.; 2. Th. Robl, 4090 Meter; 3. I. Goor. S480 Meter; 4. B. Demke, 12 960 Meter; 5. P. Dickentmann, 16 880 Meter. In dem vorangegangenen Tandem-Rennen siegten Kudela— Bader vor Scheuermann— Wegener, Peter— Techncr und Messori— Carrapezzi. Arbeiter-Samariterkolonne. Morgen Donnerstag, abends 9 Uhr, Fortsetzung des Kursus in folgenden Abteilungen: 3. Abteilung in Schöneberg bei Wieloch, Grunelvaldstr. 110, 4. Abteilung in Lichten- berg bei Beckmann, Samariterstr. 10, 5. Abteilung in Rixdorf bei Thiel, Bergstr. 151/152. Vortrag über Physiologie(Lebenstätigkeit des menschlichen Organismus.) Neue Mitglieder werden noch aus- genommen. Straßensperrungen. Die Borsigstraße von der Jndalidenstraßc bis zur Elsasser Straße(einschließlich der Kreuzdämme) behufs Ausführung der städtischen Straßenbahn und der nördliche Damm der Danziger Straße an der Kreuzung der Greifswaldcr Straße behufs Ausführung eines NotauSIaßkanalS werden sofort biS auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Vorort- l�admckrten. Schöneberg. Stadtverordnetenversammlung. Zu Beginn der Sitzung erfolgte die Einführung der neugc- wählten Stadtverordneten Bamberg, Brunhuber(lib. Fr.) und Menking, Heyne(Unabh. Ag.). Letzterer, der frühere Stadtverordnctenvorsteher. war bekanntlich bei den allgemeinen Wahlen, trotzdem er in mehreren Bezirken kandidierte, unterlegen. Zum Brandenburgischen Städtctage werden die Stadtverord- ncten Lohausen und Reinbacher delegiert. Sodann machte der Kämmerer die Mitteilung, daß das Etats- jähr 1007 einen erfreulichen Abschluß gebracht habe. Die ordent- liche Verwaltung hat einen Ucberschuß von 232 000 M. ergeben. Auf eine aus der Versammlung gestellte Anfrage teilte der Ämu- merer mit, daß dieser Uebcrschuß nicht durch Mehreinnahmen, son- dern durch Ersparnisse erzielt worden ist. Der Ausschuß betreffend Errichtung eines Krematoriums empfiehlt der Versammlung folgenden Antrag � 1. Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat, der Versammlung ein Projekt wegen Errichtung eines ftrema- toriums vorzulegen und die königliche Staatsregierung zu er- suchen, unserer Gemeinde die Erlaubnis zur fakultativen Feuer« bestattung zu erteilen; 2. in Erwägung zu ziehen, ob und in welchem Umfange die Uebcrnahmc des BestattungswesenS in städtische Regie erfolge» könne. In der Begründung des Antrages wurden die Vorzüge der Feuerbestattung gegenüber der Erdbestattung hervorgehoben. Stadtv. Reinbachcr(lib. Fr.) sucht die UnHaltbarkeit deS jüngst erlassenen Urteils des Oberverwaltungsgerichts gegen die Feuerbestattung nachzuweisen und spricht seine Verwunderung dar- über aus, wie ein derartiges Urteil ergehen konnte, nachdem nlle Widerstände gegen die Feuerbestattung beseitigt waren. Würde auch die Schöneberger Polizei Einspruch erheben, so empfiehlt xS sich, das Krematorium erst gar nicht zu bauen. Stadtv. Friedemann(lib. Fr.) weist als Arzt darauf hin, daß die juristischen Bedenken gegen die Feuerbestattung nicht zu- treffen. Eine Statistik habe ergeben, daß bei 400 Ausgrabungen von Leichen immer nur eine einzige ihren Zweck erfüllt habe. Stadtv. Hoffmann(Soz.) hätte erwartet, daß gegenüber der Feuerbestattung mehr Vernunft als Voreingenommenheit gc- waltet hätte. Preußen könne unmöglich auf den Standpunkt des Obervcrwaltungsgerichts beharren. Im Interesse der Allgemeinheit ist die Feuerbestattung durchaus notwendig. Redner geht dann noch ausführlich auf das Bestattungswescii anderer Länder und Städte ein und empfiehlt die Annahme des Antrages. Stadtv. Altertum(lib. Vg.) beantragt, die Angelegenheit nochmals an den Ausschuß zurückzuverweisen. Durch die Annahme des Antrages komme man nicht einen Schritt weiter. Ter Ausschuß müsse einen praktischen Weg vorschlagen, um die Errichtung eines Krematoriums bewerkstelligen zu können. Stadtv. Molkenbuhr(Soz.) wundert sich keineswegs über das Urteil des Oberverwaltungsgerichts. Ein anderes Erkenntnis wäre in Preußen gar nicht möglich gewesen, denn alles, was die Mucker wollen, das geschieht. Mit dem Schulwesen steht es genau ebenso, weshalb sollte nicht auch hier dem Machtgcbot der Mucker Folge geleistet werden. Aber mau hätte wenigstens eine bessere Be- gründung des Urteils erwarten können. Die stückweise Verbren- nung sei doch gestattet, da habe man keine juristischen Bedenken. Auch sei die Erdbcstattung gar nicht etwas Scrbstverständlichcs, denn im Berus des Seemannes sei es ein alter Brauch, die Leichen in das Wasser zu versenken. Auch hiergegen seinen niemals Einwen- düngen erhoben worden. Es habe den Anschein, als seien die wahren Gründe zurückgehalten worden; durch die gegebene Begründung habe man sich jedoch nur blamiert. Nach Ablehnung des Antrages, die Angelegenheit nochmals an den Ausschuß zurückzuverweisen, werden beide Teile des Ausschuß- antrageS angenommen. Ein Antrag der Stadtvv. Gremler u. Gen. verlangt, daß die Versammlung das Ersuchen an den Magistrat richtet, in den Jahres- berichten des Statistischen Amts eine Uebersicht der Säuglings- sterblichkeit nach der sozialen Stellung der Eltern(die in Fabriten beschäftigten Mütter besonders aufgeführt) zu bringen. — In der Diskussion wurde noch verlangt, den Antrag auch auf den Gesundheitszustand der Mütter und die Einkommen- und Woh- uungsverhältnisse auszudehnen. Der Antrag wird darauf ein» stimmig angenommen.» Eine Petition um Errichtung eines Wochenmarktes im Friedenauer Ortsteil wird dem Magistrat als Material überwiesen. Eine Petition der Barbier-, Friseur- und Perückenmacher- innung verlangt eine Unterstützung ihrer F a ch s ch u I e Stadtv. Hofsmann.(Soz.) beantragt im Namen des Ausschusses die Ablehnung der Petition, da eine Notwendigkeit des Bestehens dieser Schule nicht vorliegt. Der Innung soll empfohlen werden, ihre Lehrlinge in die städtische Pflichtfortbildungsschule zu schicken.— Stadtv. Gottheiner(lib. Fr.) tritt für das Bestehen der In- nungsschulc ein und verlangt eine Beihilfe von der Stadt. Werde diese Beihilfe abgelehnt, so beantrage er, die Jnnungsschulc seitens der Stadt zu übernehmen.-— Stadtv. Zobel(lib. Fr.) wendet sich gegen seinen Fraktionskollegcn in energischer Weise und tritt für Annahme des Ausschußantrages ein. Die Jnnungsschulc habe keinerlei Berechtigung zum Weiterbestehen.— Nach Ablehnung des Antrages des Stadtv. Gottheiner beschließt die Versammlung gemäß dem AuSschußantragc. Ein Antrag des Magistrats, zu der in Jena stattfindenden Versammlung deutscher Gewerbe- und Kaufmannsgerichte den Vor» sitzenden und je einen Arbeitgeber- und Arbcitnehmerbeisitzer deS hiesigen Gewerbe- und Kaufmannsgerichts zu entsenden, wird nach einer längeren Diskussion angenommen. Die Armendirektion wurde sodann um ein weibliche? Mitglied vermehrt.__ Britz-Buckow. In der letzten bei Klein in Buckow abgehaltenen, auch von Frauen gut desuchten WahlvereinSversammlung hielt Genosse Händel einen l'/z stundigen eingehenden Vortrag über„Die Landtags- Wahlen", der von den Anwesenden mit lebhaftem Interesse angehört wurde. Nachdem in der Diskussion noch die Genossen Beuthmann und Hadameck gesprochen, wurde zur Aufstellung der Wahlmänner geschritten. Leider konnten für die erste und zweite Älasse geeignete sozialdemokratische Wahlmänner nicht gewonnen werden. Genosse Trebus forderte dann noch zu reger Agitation für unsere Kandidaten auf. Dein schlojj sich der Vorsitzende an, indem er an die zahl- reich Versammelten die Mahnung richtete, dafür zu sorgen, daß ain 3. Juni unsere Kandidaten der dritten Abteilung als Sieger hervorgehen mögen. Lankwitz. Verschwunden ist seit vergangenem Sonnabend der 16 Jahre alte Mechanikerlehrling Hermann Strobel, der sich am 16. d. Vits., morgens aus der in der Zietenstr. 8 befindlichen Wohnung seiner Eltern entfernte, um sich nach seiner Arbeitsstätte zu begeben. Dort ist er aber nicht eingetroffen. Der Vermißte ist ein durchaus ordent- licher, fleißiger junger Mann, dem sowohl von den Eltern als auch von den Lehrherren das beste Zeugnis ausgestellt wird. Daß er etwa Selbstmord verübt haben könnte, erscheint ausgeschlossen, auch ein Unfall liegt, wie Nachfragen in den Krankenhäusern und bei den Unfallstationen ergeben haben, nicht vor. Der Verschwundene war beileidet mit dunkelgrauem Anzug und blauer Sportmütze. Mariendorf. Ein Wochenmarkt für Mariendorf. Der in einer der letzten Gemeindevertretersitzungen von unseren Genossen gestellte und auch gleich genehmigte Antrag, einen Wochenmarkt in Mariendorf zu er- richten, ist schneller, als vernmtet wurde. zur Tatsache geworden. Am heutigen Mittwoch wird der Wochenmarkt zum erstenmal ab- gehalten. Der Wochemnarkt soll in den Sommermonaten regel- mäßig Mittwochs und Sonnabends von 6— 12 Uhr, in den Winter- monaten von 7—12 Uhr stattfinden. Als Platz für diesen Markt wurde die Kaiserstraße gewählt(zwischen Chaussee- und RathauSstraße). sfriedrichsfelde. Die Sammelliste Nr. 16001 zu den LandtagSwahlen ist ver- loren gegangen. Sollte dieselbe in Umlauf gesetzt werden, so wird gebeten, dieselbe anzuhalten. Gezeichnet war bisher nichts auf der Liste._ Einbrecher haben gestern abend um 7 Uhr das HauS Pali- sadenstraße 70 beunruhigt. Hausbewohner bemerkten Feuer in einer Mansardenwohnung. Qualm und Flammen drangen auS demselben heraus. Sie benachrichtigten die Jeuerwehr, die bei ihrem Eintreffen die Türen und Schränke erbrochen fand. Kleider usw. lagen umher, alles war auseinander gerissen und dann an- gezündet. Tie Feuerwehr löschte den Brand. Tie Ermittelungen ergaben, daß in Abwesenheit der Wohnungsinhaber, die nicht der- sichert sind, die Wohnung aufgebrochen und der Brand vorsätzlich an mehreren Stellen angelegt worden war. Von dem Täter fehlt wieder jede Spur. Alle Nachforschungen waren bis setzt vergeblich. Tcrnrifcbtcs. Der mysteriöse Tod des russischen Studenten v. TsewlowSky in Dresden, der, wie wir gestern berichteten, in der Wohnung eines seiner Bekannten erschossen aufgefunden wurde, hat noch keine Auf- klärung gefunden. Dresdener Blätter berichten zu der Angelegenheit: Der Erschossene hatte die Nacht zum Sonntag in Begleitung seiner zwei Freunde Wassinsky und Andressen durchgezecht, und die drei waren dann früh in der achten Stunde in angetrunkenem Zustande in eine an der Sedanstraße liegende Restauration gekommen. Hier hat sich nun zwischen den dreien ein Streit entsponnen, der mit einem gegenseitigen Kartenwechsel endigte. Nach Aussage des de- treffenden Restaurateurs ist auch ein Los zwischen ihnen gezogen worden, wie es bei amerikanischen Duellen üblich ist. Als der Getötete das Los gezogen habe, sei er sichtlich erblaßt in die Stehbierhalle gegangen und habe dort bitterlich ge- weint. Gegen 11 Uhr begaben sich die drei Freunde in die Wohnung des Wassinsky! dort hat sich nach Aussagen eines gegenüber- Ivohnenden Studenten nochmals ein kurzer Streit entsponnen, russische Flüche wurden gehört, und kurz darauf fiel ein Schuß. Gegen 1 Uhr kam v. Wassinsky zu dem Wirt der Restauration und erzahlte ihm, scheinbar äußerst bestürzt, sein Freund sei tot. Dem Wirt, der die Sache nicht glauben wollte und fragte, wie denn das möglich sei, entgegnete er. er habe geschlafen, und in der Zwischen- zeit müsse es geschehen sein. Brnfkartcn der Redahtion. Tie iiiriftisitie Sprechstunde finde» Lindenftrahe Nr. 3,»weiter Hof, dritter Eingang, vier Treppe», Fahrstuhl"IBS wochentaglich abends von?>/, bis s>/, Uhr statt. Eeönnet 1 Uhr Sonnabends beginnt die Sprechstunde um K Uhr. Jeder Antrage ist ein Buchstabe nud eine liahl alS Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde bor. 2. N. 31. Wenden Sie sich an einen Arzt, zu dem Sie Vertrauen haben.— O. Z. 300. Der Vertrag wäre ungültig, die Rechte des Wirtes gehen vor.— Elm« 70. Für den Fall der Klage hat der Richter zu er- messen, wie viel zum slandesgemäße» Unterhalt der Familie nötig ist; erst von dem Ueberrcjt würde ein angemessener Teil alS Unterstützung gesordert werden können.— H. K. Der Nachlatz geht m zwei Teile, den einen er- hält der kinderlose Witwer, überdies erhält er als voraus die HochzeitS- geschenke und die Haushaltungsgegenstände.— K. T. 18. 1. Sie müssen bei dem Landgericht, das geschieden hat, um Dispeils vom Ehe- verbot einkommc». 2. Sie könnten ohne weiteres klagen.— K. ll. 10. Münzen, die einem gehören, zu vernichten oder dergleichen, ist nicht strasbar, aber eine Dummheit. Briefkasten der Expedition. Patienten in Vceliii, Buch usw. Diejenigen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Ucberweiiung von Freiexemplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern deZ neuen Monats von der Post nicht geliesert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. Berliner Marktpreise. Aus dem amilichen Bericht der stidtllchen Marktballen-Direktion.(Großhandel.) Ochseniietsch la 68— 68 fr. 100 Pfd., Ha 60-65, nia 54-58, Bullensteisch la 62-66, Ha 50—60, Kühe, seit 46—58, do. mager 30—40, Fresser 48—56, Lullen, dänische 40—58. Kalbfleisch. Doppellender 110—120, Mastkälber la 88-95, IIa 76-86, Kälber ger. gen. 55—70, do. boll. 50—55. Hammelfleisch Mast- 71—74, Hammel la 65—67. IIa 57—62, Ungar. 0,00, Schale Schweinefleisch 53—59. Rehböcke la per Psd. 0,60—0,75, IIa 40 Rotwild per Psd. 0,58. DamwUd per Psd. 0,00. Wildschweine, 0,25 bis 0,30. Kaninchen, Stück 0.50—0,60. Hühner, la per Stück 11,0—2,25, dito IIa Stück 0,80-1,30, dito Wolga-, Stück 1,20-1,75. Harn- burgcr Küken, Stück 0,75—0,90, Poulcts 0,00. Kapaunen, deutsche, per Stück 0,00. Tauben, junge, Stück 0,50— 0,60, dito alte 0,30— 0,43, dito italien, 0,00. Enten, per Pfund 0,00, diw per Stück 1,00—1.60, dito lämuier 50—55. bis 55, per Psd. Hambmger, per Stück 2,50—4,00. Gänse per Psd. junge 0,75—1,0?. Puten per Psd. 0,60—0,72, do. IIa, und alte 0,00, Hechte, per 100 Psd, 80—86, do, matt 76—77, do, groß 50. do. groß-mittel 0,00, do. klein 95—101. Zander, grotz- mittel 0,00, do. matt, groß 0,00. Schleie, grotz 0,00, dito unsortiert 128—133, dito klein IIa 99—103. Aale, grotz-mittel 113, groß 117—121, unsort. 0,00, do. klein 80. Karpfen 0,00. Roddow 0,00. Plötzen, klein 35—42, dito malt 0,00. Aland 47. p. 100 Pfund 110—130, dö. IIa 90—100. Seelachs, p. 100 Psund 10—15. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6, do, mittel, Kiste 0,00, do. Hamb. Stiege 3—6, halbe Kiste 2—3, pomm. la Schock 0,75—2,50, IIa 0,00. Bücklinge, dänische per Wall 2,00, Itteler 0,00, englische 0,00, Stralsunder 2,00—2,50. Sprotte», Danziger, Kiste 0,00, do, Rügenwalder, 0,00. Aale, grvg per Psd. 1,10-1,50, do. mittelgrotz 0.90—1,10, klein 0,60—0,90. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellsische, Kiste 3,00-5.00. dito's, Kiste 2,50—3.00, Sardellen. 1902 cr per Anker 98. 1904er 98, 1905cr 98, 1906er 96. Schottische Vollheringe 1905 0,00, larxs 40— 44, füll. 38—40, med. 36— 42, deutsche 30— 40. Heringe, neue MatjeS, per ff, To. 0,00. Sardinen, russ,, Faß 1,50—1,60, Brathering- Fatz 1,20—1.40, do, Büchse(4 Liter) 1,40—1.70. Neunaugen, Schocksatz 3, do. kleine 4— 5, do. Riesen- 10. Krebse per Schock 0,00, große 0,00, do, mittelgroße 140,0—18,50, dito kleine 4,50— 6,50, do, uns, 7—10, Galizier. klein 0,00, Secmujchcln 100 St. 1,00. Eier, Land-, unsortiert per Schock 3,00—3,25, do, große 3,75. Butter per 100 Psd, la 120—122, IIa 116—120. lila 110—115, abjallcnde 105—110. Saure Gurken schock 4,50— 5. Pseffergurken Schock 4,50—5. Kartoffel» per 100 Psund Dabersche 3,25—3,60, weiße runde 3,00—3,25, max. bon. 3,00—3,50. Porree, per Schock 1,00—1,50. Meerrettich, Schock 8—14. Spinat ver 100 Psund 4—6. Sellerie, per Schock 8—20. Zwiebeln per 100 Psund 8—8,50. Petersilie, grün, Schockbund'0,80 bis 1,00. Rettich, bayrischer, per Stück 0,00, junge, 100 Stück 8—12. Mohrrüben, 100 Psund 3,00—5,50. Petcrsiltenwilrzcl», per 100 Psd, 5,00—6,00, Schockbund 0,00. Schnittlauch, Schockbund 0,50—0,75.{Tomaten, lanar., per Kiste 3,00—5,00. Rhabarber 100 Bund 1,80— 3,00. Rabunzen 10 bis 20. Rübchcn 0,00. Radieschen, Schock 0,50—0,80. Waldmeister, Mandel 0,30—0,50. Morcheln 35—50. Salat, Schock 3—5, do. Gubener 1,25—2,50. Kohlrabi, Mandel 0,70-1,25. Spargel, Beelitz, I 100 Pjd. 45-56, do, II 30—44, do. III 15—30, do, unsort, 20—40. Spargel, hiesiger I 45—60, do. II 30— 40, do. III 15—20, do. unsort. 40—45. Champignons, per Psd. 0.60-0,80. Aepsel, Tiroler in Kisten 120 Psd. 30-50, Koch- 5—12, Tascl- äpsel la 15—23, do, IIa 0,00,'Amerikaner, per Fatz 18—28, Italiener, lose, 100 Psd, 0,00, do. in Körben per 100 Psd. 0,00, do. ii» Kisten 20— 26. Ananas I, per Pfund 0,75— 0,85, dito II 0,50—0,60. Bananen, lanar., per 100 Psd, 23— 25, Jamaica 25,00—29,00. Feigen, in Kisten 35—40. Zitronen, Messina, 300 Stück 6,00—9,00, da. 360 Stück 5,00-8,00, do, 200 Stück 0,00, do. 150 Stück 0,00. Apselsinen, Blut. 200 Stück 9,00—11,00, do. Blut- 300 Stück 10,00-13,50, do, Valencia 420 Stück 17,00-22,00, do. 714 Stück 25-30,00, do, Messina 160 Stück 9-12,00, do. 200 Stück 10—14,00, do. 300 Stück 12-14,00, do. Blut- 100 Stück 5—7,25. do. 150 Stück 6,50-7.50, do. 80 Stück 5—6,50, do. 160 Stück 10-15, do. 200 Stück 11-14, do, Kalis. 0,00. Datteln, Kalis. 100 Psund 28-30. WitterungSubcrsicht vom 19. Mai 1908, morgens 8 Uhr. etattnai L 8 II Sminembe. erlin Franff.a.M München Wien ö B = H 8f 770 NW 772 WSW 772 WNW 772 NO 771 0 772 WNW »«er 3 heiter 2 wolkig 2 heiter 2 wölken! 1 wölken! 1 heiter »E !- I • Hfc 14 13 14 17 17 20 euitown Lg ll c= B« baparanda> 753 SW Petersburg 750 sO Scillh Aberdee» Paris 772 W 769 S 28 772 N Bettet 2 wolkig> 2Rcgen 1 bedeckt 2bcdeckt 2 wölken! *sä B S> »• St 7 « U ll 14 Wetterprognose für Mittwoch, den LO. Mai 1908. Ziemlich warm, vielfach beitcr bei meist schwachen südlichen Winde» und etwas Neigung zu Gewittern. Berliner Wetterbureau. Große Kerlwer Ktraßenvich«. Bericht des Borstandes an den Aufsichtsrat. In der Stadtverordnetenversammlung und in Verschiedenen Veröffentlichungen des Magistrats wurden in letzter Zeit wieder Angriffe gegen die Große Berliner Straßenbahn unternommen. Wiederum wurde behauptet, daß durch Eingriffe der Staatsbehörden einerseits und vertragswidriges Verhalten der Straßenbahn andererseits die Rechte Berlins in nnzulässiger Weise geschädigt seien. Wir sehen uns genötigt, den aufgestellten Behaup- tungen nachstehendes entgegenzuhalten: 1, Bei Abschluß deS Vertrages war das vrcustische Kleinbahngcsct» bereits seit mehr als 5 Jahren in Kraft, also den Vertretern der Stadt nicht unbekannt. Dieses Gesetz legt mit klaren Worten das Recht, die Lebensdauer eines Klein» bahnunternehmens zu bestimmen, allein in die Hand der staatlichen GenehmiaungSbehörden, ohne sie an die Anträge der Interessenten zu binden. Mit Rücksicht auf die Einführung deS elck- irischen Betriebes war die Große Berliner Straßen» bahn gemäß K 2 des Gesetzes verpflichtet, eine neue staatliche Genehmigung nachzusuchen. Hieraus folgt einmal, daß es sich nicht um eine willkürlich von der Straßenbahn beantragte Verlängerung der Konzession, vielmehr um die Nachsuchung einer nach dem Gesetz erforderlichen»«eucn Konzession handelte. Beiden Teilen tvar also bei Vertrags- abschluß bekannt, daß die Stellung eines Genehmi» gungS-AntrageS unumgänglich war. beide Teile mußten mithin mit der Möglichkeit rechnen, daß die Dauer der Konzession über 1920 hinaus er- sireckt werden würde, ebenso wie sie auch auf einen Zeitraum vor 1920 hätte begrenzt werden könneii. Hätte angesichts dieser Sachlage die Stadt die Straßenbahn hindern wollen, eine über 1920 hinausgehende Genehmigung zu beantragen, so hätte sie die Aufnahme einer entsprechenden Ver- pflichtung der Straßenbahn in den Vertrag ver- langen müssen, wie dies z. B, bei der Hoch- und Ilntergrundbahn geschehen ist. Ein solches Ver- langen ist aber nicht gestellt worden. ES war der Stadt vor Erteilung der staatlichen Genchmigmig wohl bekannt, daß die Straßenbahn eine über das Jahr 1920 hinausgehende Ge- nehmigung anstrebte. Aus einer kürzlich von der Stadt selbst veröffentlichten Registratur des da- uialigen Stadtsyndikus Meubrinck geht hervor, daß sich Herr Meilbrinck und Herr vr. Micke schon 8 Monate vor der Erteilung der Konzession über diesen Punkt eingehend lwierhalten haben. ES trifft also nicht z», daß der Antrag auf Ge- nehmigung über 1920 hinaus„hinter dem Stücken" der Stadt erfolgt sei. Es entspricht ferner nicht den Taffachen, daß die Stadt bei Abschluß des Vertrages mit der Uebernahme des Betriebes im Jahre 1920 rechnete; der Gedanke, Straßenbahnen in eigener Regie zu betreiben, entstammt vielmehr, wie die Stadt noch in einer ganz kürzlich eingereichten Prozeßschrift anerkannt hat, einer weit späteren Zeit. Die Stadt konnte auch gar nicht mit der Be- triebsübernahme im Jahre 1920 rechnen. Denn sie wußte, daß die Straßenbahn damals bereits mit anderen Gemeinden längere ZnstimmungS- fristen und Bctriebsverpflichtungcn teils fest ver- cinbart hatte, teils wegen solcher verhandelte. Sie hat auch uwnittelbar vor Abschluß des Vertrages dem Vertreter der Straßenbahn auf feine Frage erklärt, daß die Gesellschaft und die Vorort- gemeinden in ihren Abmachungen über die Zu- stimmungsdauer nicht beschränkt seien. Dem- entsprechend wurde auch in den Vertrag— ab- weichend von dem kurz vorher mit der Hoch- und Untergrundbahn geschlossenen Vertrage— eine Verpflichtung, mit den anderen Gemeinden über- einstimmende Abkommen abzuschließen, nicht auf- genommen. Das einzige Mittel, sich den Uebergang des ganzen Unternehmens im Jahre 1920 zu sichern, wäre bei dieser Sachlage die Ausbedingung deS im Kleinbahngesetze vorgeschriebenen Erwerbs- rechtes gewesen. Ein solches Erwerbsrecht durste aber nur an dem Gesamtunternehmen zugunsten der Gesamtheit der Wegeunterhaltungspflichttgen und gegen angemessene Entschädigung vor- behalten werden. Daß die Bestimmungen des Vertrages ein solches ErwerbSrecht entHallen, be- hanptet die Stadt selbst nicht. Hätte sie eS aber, wie jetzt behauptet wird, wirklich angestrebt, so hätte sie sich selbst den Vorwurf zu machen, einen hierfür gänzlich ungeeigneten Weg gewählt zu haben. Denn sie schlug das ihr wiederholt bei den Vertragsverhandlungen von den Vertretern der Straßenbahn angebotene dem Gesetz ent- sprechende ErwerbSrecht ans und behielt sich nur den unentgeltlichen Uebergang einzelner Ver- mögensstücke des Unternehmens vor. Sollte die Stadt geglaubt haben, daß ihr durch den Erwerb des Eigentumsrechts an diesen Vermögensstücken auch die übrigen ungleich wert- volleren Vermögensstücke deS Unternehmens gegen geringes Entgelt in den Schoß fallen würden, so wäre diese Absicht auf eine Umgehung der Gesetzes- Vorschrift hinausgelaufen, daß die Gemeinden den Erwerb der Bahn nicht ohne angemessene Ent- schädigung bewirken dürfen. Der Bahnkörper im Wcichbilde der Stadt, zu dessen Uebereignung die Straßenbahn verpflichtet wurde, bildet nur einen im Verhältnis zum Werte des Gesamtobjekts geringeren Bestandteil des Unternehmen?. Insoweit dieses Recht überhaupt mit Rücksicht auf das Kleinbahngesetz und daS seit 1895 geltende Bahneinheitsgesetz auftechtzu- erhalten ist, könnte die Stadl höchstens einen An- > spruch auf Entschädigung geltend machen. Diese Entschädigung würde sich, da das Pflaster bereits in das Eigentum der Stadt übergegangen ist, auf die Schienen- und OberleiwngSanlagen beschränken. 2. Die Vortvürfe bezüglich der Aufhebung des Akkumulatorenbetricbes sind völlig unhaltbar. Mit der Behauptung, daß in Rücksicht auf daS von der Stadt geforderte kostspielige Betriebs- system die Abgaben der Straßenbahn geringer be- mesien feien, mutet die Stadt der Straßenbahn zu. sie hätte, als dieses Betriebssystem später auf Erfordern der Aufsichtsbehörden wegen Unzuläng- lichkeit durch ein anderes billigeres ersetzt wurde, „fteiwillssj- die Erhöhung der vertraglichen Ab- gäbe anbieten müssen. Die Stadt übersieht hier- bei, daß die Straßenbahn die nach Millionen zählenden Anschaffungskosten für das Akkumulatoren- system tatsächlich im vollen Umfange verausgabt hat, Aufweildlmgen. die mit Rücksicht auf den Wechsel des Betriebssystems zwecklos hinaus- geworfen sind. Im übrigen wäre eS Aufgabe der städtischen Vertreter gewesen, der Stadt in dem Bertrage für den Fall der Einführung eines billigeren Be- triebssystems ein Recht auf Erhöhung der Abgabe vorzubehalten, wenn die Stadt eine solche Verem- barung für gerechtfertigt gehalten hätte. 3. Die Stadt beklagt sich, daß die Straßenbahn ihren Geldbedarf statt durch Obligationen durch Ausgabe von Aktien zum Parikurs gedeckt und hierdurch den städtischen Gewinnanteil zugunsten der Aktionäre geschmälert habe. ES war daS selbstverständliche Recht der Altionäre, denjenigen Weg der Geldbeschaffung zu wählen, der für sie der vorteilhaftere war. Für jeden umsichtigen Geschäftsmann aber war dieser Weg auch der durch die Sachlage bedingte. Hätte die Stadt sich einen Einfluß auf die Art der Aufbringung der Geldmittel verschaffen wollen, so hätte sie, wie eS andere Stadtverwaltungen getan haben, darauf abzielen müssen, eine solche Bestimmung in den Vertrag hineinzubringen. 4. Die Behauptung, daß die Straßenbahn den auSbedungcnen Zchnpfennigtarif nicht einhalte. weil aus Anschlußbetriebslinien mit anderen Bahnen ein höherer Gesamtfahrpreis erhoben wird, ist er- staunlich. Unzweifelhaft wäre die Straßenbahn berechttgt, für jede Bahn den vollen Tarifsatz zu erheben und die Fahrgäste am Treffpunkte um- steigen zu lassen. Inwiefern sollte dieses klare Recht durch den im Interesse des Publikums ge- schaffenen Durchgangsverkehr eine Aenderung er- fahren? Wir glauben auch, daß in den Kreisen der Bürgerschaft durchaus anerkannt wird, daß es der Straßenbahn trotz des Widerstandes der Stadt« Verwaltung gelungen ist, durch Angliederung der Vorortbahnen an ihrem Teile die Eingemeindung der Vororte Groß-Berlins zu vollziehen, Was demgegenüber die Verkehrspolitik der Stadt Berlin geleistet hat. ist nicht unsere Aufgabe zu erörtern. Wir erinnern nur daran, wie sich der« schiedene Vorortgemeindcn— beispielsweise Rum- melsburg— zwecks Herstellung dringend nöttger Bahnverbindungen zunächst an die Stadt Berlin wandten, um dann nach langjährigen ergebnis- losen Verhandlungen mit dieser an die Tür der Straßenbahn zu klopfen und in denkbar kürzester Frist ihr Ziel zu erreichen. 3. Hinsichtlich der Tnnnclcntwürfe der Gesell- schaften werden von der Städtischen Verkehrs- deputation Behauptungen verbreitet, die geeignet erscheinen, den Wert der Entwürfe und die Art ihrer Bearbeitung in der öffentlichen Meinung herabzusetzen. Unter anderem wird behauptet, die Gesellsckasten hätten bereits sieben neue Entwürfe zur Prüfung vorgelegt, sie seien auf Grund der von der Stadt Berlin beranlaßten Gutachten gänzlich umgearbeitet worden und wären aus die städtische Verkehrspolitik von bemmendem Einfluß. Diese Behauptungen enffprechen nicht den Tat- sacken. Die Bedeutung und Schwierigkeit der Aufgabe sowie das widerstrebende Verhalten der Stadt Berlin würden es durchaus verständlich erscheinen lassen, wenn mehrfache völlige Neu- bearbeitungen stattgefunden hätten. Tatsächlich aber wurden wesentliche Veränderungen bezw, Et- gänzungen des ersten Entwurfes nur hinsichttich der TunnelauSmündimgen vorgenommen; sie waren bedingt durch die Acnderungen der Entwürfe der städtischen Nord— Süd- und der Siemens-Unter- grundbahn sowie durch den Wunsch der AufsichtS- behörden, die westliche Tunnelmündung von der Potsdamer Brücke nach der Kurfllrftenstraße und dem Magdeburger Platz zu verlegen. In dieser Form ist der Entwurf bis zur Ministerialkonferenz im April d. I. geblieben und erfährt neuerdings erst in seinem Hauptteile die wesentliche Aenderung, daß die Haltestellen mit Mttelbahnsteigen aus- gerüstet werden. Diese Maßnahme entspringt mdes lediglich einer schon im August 1907 ge- gebenen Anregung deS Herrn Ministers, den Straßenbahntunnel von vornherein so zu gestalten. daß er die eventuelle Einführung eines zukünftigen Schnellverkehrs nicht unmöglich mache. Die von der Stadt veranlaßten und erst später veröffent- lichten Kritiken stehen mit dieser EntwurfSänderung in keinerlei ursächlichem Znsammenhange; diese Einwendungen wurden in der Konferenz Hinsicht- lich der Schleifen und Verzweigungen und der Be- Messung der Bahnsteige als unzutreffend bezeichnet. In bezug auf den angeblich hemmenden Ein- fluß der Entwürfe auf die städtische Verkchrspolittk soll hier nur kurz darauf hingewiesen Iverden, daß während der Prüfungszeit der Entwürfe von Ende 1905 bis Oktober 1907 die Gesellschaften zu den Abänderungen ihres Entwurfes insgesamt nur 3 Monate Zeit verbrauchten, während die ganze übrige Zeit von l'/s Jahren von der städtischen Verkehrsdeputation benötigt wurde, um die Ent- würfe zu prüfen und sich zu denselben zu äußern. Hieraus dürfte sich zur Genüge ergeben, wie unberechtigt die Kritiken der Stadt an unsem Ver- lehrsprojekten sind. Nimmt man noch hinzu, daß die Stadt in dem Sündenregister, das sie in dem kürzlich veröffent- lichten„Braunbuch" der Straßenbahn vorhält, als wichtiges Glied die Erhebung der Schadenersatz« ansprllche wegen der Nordsüdbahn figurieren läßt, obwohl inzwischen das Schiedsgericht rechtskräftig festgestellt hat. daß nicht der Standpunkt der Straßenbahn, sondern derjenige der Stadt der ver- tragöwidrige war. so glauben wir, eS der ,Be- urteilung der Oeffentlichkeit getrost überlassen zu können, wer an den herrschenden VerkchrSschwierig- leiten Berlins die Schuld trägt. Wir haben m allen Fällen nur von den uns nach Gesetz und Vertrag zustehenden Rechten Gebranch gemacht und weisen den wiederholt erhobenen Vorwurf der Illoyalität auf das entschiedenste zurück. Sie SHrektion. vr. Micke. K o e h l e r. M e h e r. Vorstehenden Bericht deS Vorstandes der Großen Berliner Straßenbahn hat der Auf» sichtsrat in seiner heutigen Sittimg zu veröffentlichen beschlossen. Berlin, den 19. Mai 1908. Der Anssiektsrst. «rnhold Möllhausea, Ortsvcnraltung Berlin. Mittwoch, den 20. Mai, abends 8'/, Uhr: General-Versammlung de» bei Koppenstraste Nr. 20. Tages-Ordnung: Kassenbericht, Bericht des Vorstandes, des Arbeitsvermittlers, Bibliothekars und der Kontrolltomniission, Verbandsangelegenheiten, eines Ersatzmannes zur OrtSvcrwaltung, Dqr" Mitgliedsbuch legitimiert t Die Bibliothek ist wieder eröffnet worden und werden die Kollegen ersucht, sie fleißig zu benutzen. IMe Orts Verwaltung. W Einsetzer."WZ Donnerstag, den 21. d. Mts., abends 8'/, Uhr, im Gewerkschafts- Hause, Engclufcr 11, parterre Arbcitsloscnraum: Beschlutzfassung und Abrechnung über den Bestand des > roten Kartcnfonds.=-===�=� Die beteiligten Kollegen werden ersucht, pünktlich und zahlreich zu er- scheinen, f»>»»» Eterlins und Umgegend. Am Freitag, dea 22. Mai, abends 8 Wr, in„Fröbels Allerlei- Theater" Schönhauser Allee 148: IS" VvrssnHmiung.-WZ Tages-Ordnung: Die I�atidtags�vsKl und die Frauen. Referent: Genosse B a r t e l. Diskussion. Aufnahme neuer Mitglieder. 1/19* Genossinnen! Kommt zahlreich in diese Versammlung. Der Vorstand. .MmL Interessenverein der iSial Produktenhändler und-Händlerinnen Berlins und Umgegend. Freitag, den 22. Mai 1008, abends 0 Uhr, in den Borussiasälen, Ackcrstraße 6/7: Oeffeutliche Uersammlung aller Produktenhändler und-Händlerinnen. Tages-Ordnung: 1, Vortrag deS Gemcindcvcrordncten Henker über:.Die kritische Lage." 2, Diskussion, 3. Verschiedenes und Geschäftliches. 287/14 Zur Deckung der Unkosten Tellcrsammlung. Her Voestanii. Vesbsnll ller Lithographen, Steindrucker und verwandt. Berufe (Deutscher Senefelder-Bund) Filiale I; Steindrucker. DonnerStag, den 21. Mai 1008, abends pünktlich 8 Uhr, KCitglieder' Versammlung im Saale I des Gewerkschaftshauses, Engel-User 15, Tages-Ordnung? 1, Geschäftliches, 2. Was bedeutet der preußische Landtag und die Landtagswahl sür die Gewerlschast. Reserent: Genosse Fduard Bernstein, 3, Verbandsangclegenhcitcn und Verschiedenes, Zahlreichen und pünktlichen Besuch erwartet_ Die Berwaltung. Haben Sie Stoff? Ich fertige davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerh, Zutaten, von20 Mark an. Moritz Laband, j Neue PromenadeS,II.(Stdtb. Börse), y I Säckerei- Genossenschaft „Produktion� Charlottcnburg. Freitag, de» 20. er., abends 5 Uhr, im Bolkshause, Rosinen- straße 3, kleines Zimmer: Keneral-Versammiimii. Tages-Ordnung: Auflösung der Gcnoffenschaft. � Es wird ferner auf§ IS des Statuts hingewiesen, 105/14 Der Vorstand. A. Winter. Ä. Sellin. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. PFinzenstr.41, dich' am 10—2. 5—7. Moritzplatz, Sonntags 10— 12,2— 4. 81» t Anton Boekers Testsäle Weberstraße 17. □ □ □ Weberstraße 17. Empfehle den geehrten Vereinen meine ISiile zu Versammlungen und Vereinsfestlichkeiten; grobe Theater- biihne; sowie meinen scliöneit X atnr«arten mit großer, feststehender Theaterbühne. 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(Ohne Gewähr.)(Nachdruck Terbofen.) 312[lOOOl 48 14 519[500] 56 673 710 1419 517 622 IlOOO] 732 874 917 2062 417 557[1000] 854 93 925[3000] 3014 144[3000] 508 639 722 74 835[3000] 43 4025 346 [500] 524 630 S223 449 63 539 652 63 785 836«084 273 81[500] 367 444 506 744 7227[lOOO] 47[ 500] 321 52 444 991 8H 3 625 80 765 932 63 9043 250[3000] 381 903 10244[500] 62 358 554[500] 81 84 767 60 867 963 11210 51 320 552 56 725 800 932 1 2130 287 321 35 478 685[500] 842 1 3036 680 749 839 1 4056 166 486 595 642 73 844 954 M 95 1 5185 544[500] 736 1 6015 70 89 821 17544 711 61 812 52[3000] 18085 129 670 802 1 9018 13000] 21[500] 72 81 423 600 136 895[500] 20150 66 92 383 421 55[3000] 72« 59 846 959 2 1 389 2 2442 614 701 883 939 2 3092 310 54[500] 679 636 817 [8000] 84 2 4023 359 456 543 637 847 2 5101 2 55 299 349 446 607 639 2 6012 82 801 58 783 939 2 7206 58 612 751 28123 206 842 405 38[1000] 776 78 858[500] 29143 96 451 08 87 617 859 30195 273 417 91 639 633[500] 77 923 42 3 1 037 14» 172 418 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Ziehung S. KI. 218. Kgl. Preuss. Lotterie, Ziehung vom 19. Mal 1908, nachmittagB. Kur die Gewinne über 240 Mark Bind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 3 51 184 386«52 871 988 1001 33 83 372 696 750 2017 261 3(6 666 82[ 500] 85 606[500] 34 707 837 3 080 195 448[3000] 812 32 940[1000] 4056 185[1000] 327 460 [1000] 564 93 717 57 96[500] 5203 797 823 926 6045[1000] «20 590 761 828 939 7126 241 511 78 749 68 817[1000] 87 8129 41 92[500] 258 439 651 723 71 930 9042 55 261 396 666 68 783 10104 359 545«25 704 35 844 963 11465 609 847 956 12002 123 23« 623 71 766 991[500] 13255 323[500] 79 «02 96 871 14088 406 536[500] 882 1 5279 442 304 16082 102 262 77 609 750 65 815 954[500] 17088 295 516 615 865 916 1 8090 122 388 87 1 9003[500] 49 87 142 201 352 405 651 717 948 20297[3000] 303 533[500] 39 672 2 1 029 44 47 63 151 82 223 87 46« 618 2 2162 65[500] 78[500] 416 69 690 2 3073 148 227 454[1000] 673 80 2 4 601[500] 733 810 2 5417 42 70 626 870 907 11[3000] 2 6470 565 663 759 854 2 7069 476 90 555 617 50 773 818 943 73[1000] 84 2 8095 115 339 61 65 790 835 2 9 202 29 90 030 3 0223 707 834 3 1 045[500] 366 653 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952 78[500] 2 3 5153 326 437 52 606 38 805 2 3 6052 79 107[3000] 575 754 838 90 955 2 3 7007 II 26 113 75[ 500] 350 506 746 95 978 2 3 8089 122 44[3000] 71 595 628 743 60 874 90 910 2 3 9384«68[500] 803 981 2 4 0069 70 215 77 774 2 4 1 644 794 802[500] 3 24 2261 515 83[3000] 714 2 4 3035 153 504 624 722 35 86 2 4 4067 196 301 52 480 849 923 2 4 5 348 72 487 [1000] 632 651 54 700 94 915 2 4 6098 126 269 346 87 08 566 787 904[1000] 2 4 7013 125 215 19 331 49[500] 485 50? 94 667 798 949[ 500] 248279 822 249058 821 1[1000] 68 79 485 544 921_ 250015 349 516 31 884 251070[500] 109 72«22 315 30 422 694 884 2 5 2001 90 161 83 96 251 61 437 Bit 27 733 612 937 2 5 3047 391 429 529 677 92 861[1000] 962 2 5 4065 306 56 457 52« 37 628 72 861 25 5470 86 636 796 881 912 2 5 6060 353 68 92[3000] 553 999[500] , 2 5 7 228 40 447[3000] 95 689 843[3000] 75 934 40[500] 70 258025 248 473 695 695 743 971 259036 7» 73 32? 518 98 2 6 0455 942 2 6 1 067 178 607 18 735 99 88« 948 262159[ 500] 432 513 70[10090] 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Für denJnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag:VorivärtsBuchdruckerci u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 117. 25. Jahrgang. 8. Kcilm des JoriBättö" Knlim JlBÜisliIntt. Wttmch. 20. fflai 1908. Die l�eimarbeits-flusltellung in Franhfurt a. Iii. (Töpferei. Safranindustrie und Korbflechterei.)�> Ter Ausstellung wird es als ein Verdienst angerechnet werden Müssen, daß sie die Qualitätsleistungen in der Hausindustrie viel- leicht noch stärker als die Berliner Ausstellung zur Geltung gebracht hat. Ter falschen, noch unlängst im Reichstage vertretenen Auf- fassung, als wenn der Heimarbeiter nur Produkte minderen Wertes verfertige— womit natürlich die Lohndrückerei„gerecht- fertigt" fein sollte— ist ein sinnenfälliger Gegenbeweis abermals geliefert. Tie zarten Elfenbein- und Holzschnitzereien, die manch- mal geradezu duftigen Volants in der Damenwäsche, die vielfach überaus feinen Häkel- und Filetstickereien zeugen gar häufig von gutem Geschmack und gewerblichem Kunstsinn. Und zu den In- dustrien, die Qualität sproduktioncn aufzuweisen haben, zählt auch die Töpferei. Zierliche Vasen, wohlgefällige Nippsachen kommen hier, natürlich neben einer Unmenge Topferwaren gewöhn- licher Art, nicht selten vor. Hauptsitze der Töpferindustrie sind der Odenwald(wo wahrscheinlich schon zur Römerzeit die Töpferei betrieben wurde) mit 40 Töpfereien und 106 Arbeitern, der Vogelsberg, Spessart und die Rhön mit zusammen 20 Töpfereien und 30 Arbeitern, und schließlich der T i l l k r e i s im W e st e r w a l d mit 10 Töpfereien und knapp 23 Arbeitern. Tie technische Herstellung des irdenen Gefäßes zerfällt im allgemeinen in folgende Arbeiten: 1. Bearbeitung des gegrabenen Tons durch Treten mit entblößten Füßen oder durch Maschine; 2. Mahlen mittels der Tonmühle(Handbetrieb); 3. Formen des Gefäßes auf der Drehscheibe; 4. Trocknen; 3. Glasieren(das Glasur- Material wird als Rohstoff bezogen und mittels Verwendung der Glasurmühle zubereitet); 6. Brennen. Alle Arbeiten liegen in einer Hand, so daß von Arbeitsteilung nicht im geringsten die Rede sein kann. Uebcr den Nettoverdien st werden verschiedene, zum Teil stark voneinander abweichende Angaben gemacht. Während im Vogclsbcrg beispielsweise der Stundenlohn auf 27 Pf. angegeben wird, soll in der Odcnwälder Kunsttöpferei 30— 40 Pf. pro Stunde verdient werden. Aber alle diese Angaben erfolgten nur schätzungs- weise, was sie nicht sehr zuverlässig erscheinen läßt. Wir haben es hier mit einer verhältnismäßig ungeheuere Unkosten erfordernden Industrie zu tun. So wird bei einer Jahresproduktion von 3000 Mar k das Holz mit 1000 M.. das Erz für die Glasur mit 800 M., Farbe, Heizung usw. mit 83 M., Lohn mit 300 M. berechnet, so daß als Reingewinn nur 613 Mark bleiben. Da kann die Abwägung von Verdienst und Auslagen sich nur schwer von Willkürlichkeitcn freihalten. Daß aber die Töpfertätigkeit keine sehr lohnende ist, beweist am schlagendsten der kolossale und ständig wachsende Rückgang dieser Industrie. Im Tillkreis zählte man z. B. noch vor 10 Jahren 30 Werkstätten mit rund 100 Arbeitern, während jetzt in beider Hinsicht kaum noch der vierte Teil existiert. Als Hauptgrund hierfür dürfen die stets steigenden Preise für das Rohmaterial(Holz und Erz) angesehen werden— die natürliche Wirkung unserer gesegneten Zoll- und Kartcllwirtschaft. Da die Töpfer in dieser Gegend zugleich Landwirte sind, wird ihre materielle Lage nicht allein durch die hausindustriellen Ver- hältnissc bedingt. Im allgemeinen sind sie wirtschaftlich nicht schlecht gestellt. Tagcgen scheint in sozial- und wirtschaftspolitischer Hinsicht hier noch alles sehr im argen zu liegen. Kaum daß ein Arbeiter einer Krankenkasse angehört; Jnvalidcnmarken klebt keiner; von einer Organisation ist nirgends die Rede. Eine wenig bekannte Heimarbeit ist die Safranindustrie, die nichtsdestoweniger oder, vielleicht richtiger, deswegen so viele traurige Merkmale der Hausindustreie in sich vereinigt. Die Kultur des Safrans geschieht hauptsächlich in südländischen Anpflanzungen. Die heimarbeitliche Aufgabe besteht im Rupfen, Schwingen und Lesen des Rohsafrans, womit das Sortieren von Safranproben in so- genannte„Briefchen" verbunden ist. Während nun der eigentliche Sitz der Industrie, der Firmensitz, die Stadt ist(Frankfurt a. M., Hanau, Offcnbach), so ist doch das Land, welches fast durchweg (bis zu 83 Proz.) das Arbeitermaterial liefern muß: jene typische Erscheinung für die Hausindustrie, die sich der Dorf- und namentlich Gebirgsbevölkerung so„liebevoll und fürsorglich" annimmt. Ferner haben wir es hier nur mit Frauen- und Kinderarbeit zu tun, und zwar in einem geradezu erschreckenden Verhält- nis zuungunsten der 51indertätigkeit: auf 24 er» Wachsens Arbciterinnnen kommen 13 Kinder unter 14 Jahren, also über 50 Prozent. Zudem lassen bei dieser Industrie die Verhältnisse der Arbeitsräumlichkeit sehr viel zu wünschen übrig. Die Heimarbeit wird meist im Wohn- oder Schlafzimmer, in der Küche, einmal auch im Keller verrichtet. Einen besonderen Arbeitsraum besitzen nur vier Heimarbeiterinnen. Der Stunden- lohn variiert von 16— 29 Pf. Zum Schlüsse sei noch auf eine Heimindustrie hingewiesen, die in einem Orte für sich den Charakter der„Wohltätigkeit" in An- spruch nimmmt: die Korbflechterei. In Grävenwiesbach im Taunus, dem bekannten Sitz des Elends, hat vor Jahren ein Frank- furter Wohltätigkeitsklub eine Korbflechtschule gegründet, die sich, wie die meisten künstlichen Schöpfungen, noch immer nicht selb- standig erhalten kann. Die Zahl der aus der Schule hervorgegan- genen und jetzt beschäftigten Heimarbeiter beträgt 43. Der Stundenverdicnst schwankt zwischen 20 und 33 Pf. Ein guter Arbeiterverdienst beträgt, nach Abzug aller Kosten, 30 Pf. Die Arbeitszeit ist verschieden, sie dauert bis zu 12 Stunden. Das ist zwar eine etwas eigentümliche„Wohltätigkeit", aber doch noch besser als die Korbflechterei> in R h e i n h e s s e n mit ihrem Stundenlohn von 16 bis 13 P f. und ihrer Arbeitszeit von 16 Stunden täglich, von welcher auch gesundheitliche Schäden zu vermerken sind„im Hinblick auf die oft äußerst beschränkten Räume und die übermäßig lange Arbeitszeit". 11. Schmiede-Nerbaudslllg. Dresden, 18. Mai. Im Dresdener VolkshauS traten am Sonntagnach- mittag die Schmiede zu ihrem 11. Verbandstag zusammen. Anwesend sind 39 Delegierte und 9 Gauleiter. Als Vertreter der Generalkommission ist Genosse Ro b e r t Schmidt erschienen. Zur Tagesordnung beantragt Hamburg: Die Ver- schmelzung mit dem Metallarbeiterverband als 4. Punkt zur Beratung zu stellen. Dieser Antrag wird gegen wenige Stimmen angenommen. Nachdem am Montag die Mandatsprüfungskommission alle Mandate für gültig erklärte, nahm die Versammlung den Bericht des Vorstandes entgegen. La n g e- Hamburg verweist auf den gedruckt vorliegenden Bericht und macht dazu einige Ausführungen. Die Mitglieder- zahl ist in den letzten zwei Jahren von 17 191 auf 18 798 ge- stiegen. Ein derartiger Aufschwung als in den vorhergehenden Jahren ist nicht zu verzeichnen gewesen. Redner hebt hervor, daß es in den letzten Jahren gelungen sei, für die Angestellten auf den Seeschiffswerften eine Verkürzung der Arbeitszeit herbei- zuführen. Die Beteiligung an der M a i f e i e r war 1907 geringer als 1906. Ueber Lohnbewegungen und Streiks ist fol- gendes hervorzuheben: Forderungen wurden gestellt in 83 Fällen, 32 Orten, 683 Be- trieben mit 34 723 Beschäftigten. Ohne A r b e i t se i n st e l» l u n g wurden Verhandlungen erfolgreich erledigt in 33 Fällen, 23 Orten, 288 Betrieben mit 12 838 Beschäftigten; durch S t r e i ks in 39 Fällen, 26 Orten, 411 Betrieben mit 21 148 Beschäftigten. Die Dauer der Streiks betrug insgesamt 1113 Tage. Es wurden beendet 66 Bewegungen mit vollem Erfolg für 12 930 Beteiligte, 12 Bewegungen mit teilweisem Erfolg für 670 Beteiligte und 19 Bewegungen ohne Erfolg für 424 Beteiligte. Es wurde erreicht eine Verkürzung der Arbeitszeit für 3342 Personen, eine Lohnerhöhung für 3779 Personen. Die Gesamt» ausgäbe für die Bewegungen betrug 76 134 M. Ueber das 5i o st- und L o g i s w e s c n, welches in kleinen Betrieben noch vorherrscht, soll in diesem Jahre eine Statistik auf- genommen werden, um dann die nötigen Schritte für die Bcseiti- gung desselben zu tun. Auch in der Erwerbslosenunter» ftützung soll eine Aenderung eintreten. Der Kassenbericht zeugt von einem guten Stande der finanziellen Lage des Verbandes. Ende 1907 war ein Kassenbestand von 141 378,88 M. zu verzeichnen. An den Bericht des Vorstandes knüpfte sich eine lange Dis- k u s s i o n, in welcher mancherlei Wünsche geäußert und das Ver- halten des Vorstandes einer scharfen Kritik unterzogen wurde. An dem geringen Fortschritt trage der Vorstand einen großen Teil Schuld. Der Punkt Organfrnge und Bericht der Prcßkommissiin rief ebenfalls eine rege Debatte hervor. Die Schreibweise und Stellungnahme des Redakteurs der„Schmiede-Zeituug" wurde vielfach bemängelt. In bezug auf Ausgestaltung der Fachzeitung wurden verschiedene Wünsche geäußert. Kiel wünscht die wöchent- liche Einführung einer politischen Rundschau im Fachblatt. Nach einem Schlußwort des Redakteurs Schmidt- Hamburg wurden die Verhandlungen auf Dienstag vertagt. Wasserstands-Nachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. ')+ bedeutet Wuchs,— Fall,—') Unierpegel.—*) Höchster Wasserstand: 276 cm in der Nacht vom 17. zum 13. STRASSE ALEXANDER PLATZ FRANKFURTER ALLEE 109-111 Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Sonnabend: V orzugs-Preise soweit Vorrat reicht: Kaffeeservice 9 teilig, für 6 Pcrs. 295 325 375 425 485 565 9 teilig, mit dünnen Tassen........ 525 16 teilig, für 12 Personen 765 845 975 1045 Tafelservice Fayence für 6 Personen.,. bckie. 92� 985 apart dekor.' für 12 Personen Mk. 1585 1675 Echtes Porzellan, elegant dekoriert 23 teil e 30 teilig: ...... 12 50 1850 Grosse Tosten echtes Porzellan weiss zu ganz bedeutend ermässigten Preisen. Emaille für 6 Personen für 12 Personen, COteliig 78 teilig 80 teilig • 39t° 48 50 72 50 Waschgarnituren Marta 4teilig, Fonddekorafion.... I45 Richard Steilig, Fonddekoration.. 265 Gertrud Lteillg, blau scbabioniert. 2W Carl oder Ella steüig....... 325 Olga Goldstaffage, Steilig...... 385 Ortrud Goldstaffage........... 465 HOUblOll Druckmusier, Steillg...&2S Schmortöpfe S*" 35, 40, 48, 65, 7 5pf. Kasserollen � 25, 30, 35,40, 50--r. Eimer srau, ca. 23 cm Durchmesser 65 Pf. Eimer oekonert............... 1� Eimer«Jekorlert, mit Messlngbügel..... 2 � Toiletteneimer•rrl! 225 250 Toiletteneimer weist. Ponenan-Form 325 Aufwaschwannen ovai 1'° l25 140 175 Spargelkocher...... 275 315 345 Schüsseln wei,r*w5it. 25, 30, 35, 40, 50 pr. Wasserkessel ohne sack 45, 55, 65, 90 pe. Wasserkessel mit sack 55, 65, 90 p».. 1'° Kaffeekannen 25, 30, 35, 40 pr. 6 Pfund 8 Pfund 25ö 2 75 3 00 350 Konsole mit Mass, Liter....... 35 Pf. Seifnäpfe fUr die Leitung........ 1 5 Pf. Töpfe für den Herd 25, 30, 35, 40 Pf. Brotkapseln LmÄln.nen Brotkapseln«""'1�7"". Eisschränke Innen Zink, Innen Glas H8he 70 cm, Breite 60 cm, Tiefe 45 cm 2250 Höhe 81 cm, Breite 61 cm, Tiefe 50 cm 4350 Höhe 73 cm, Breite 70 cm, Tiefe 52 cm 2 850 Höhe 89 cm, Breite 77 cm, Tiefe 58 cm 5400 Höhe 80 cm, Breite 80cm, Tiefe 54 cm 37 50 I Höhe 94 cm, Breite 80 cm, Tiefe 62 cm 6500 Press-Kristall „Kohinoor44 Salat- u. 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Verantwortlicher Redakteurl Georg Tavidsoh», Berlin, Für dcnJnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag /Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW.