Mr. 36. Erscheint täglich außer Montags. Prets pränumerando: Vierteljährlich 8,30 Mart, monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Pfg frei In's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit tluftr. Sonntags- Beilage Neue Belt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. DesterreichUngarn 2 Mr., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1893 unter Nr. 6708. mid10. Jahrg. Vorwärts Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg Inferate für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr Nachmittags in ber Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochens tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonne und Festtagen bis 9 Uhr Vors mittags geöffnet. Eernsprech- Anschlus Amt I, Nr. 4186. Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Die Wolkenkukuksheimer. Kazenjammer nagender, bohrender Kazenjammer das echte, rechte graue Elend" herrscht in den Hallen der tapitalistischen Himmelsstürmer, die bei ihrem Ritt in das alte romantische Land von Wolkenkukuksheim glücklich in die Wolken gerathen und aus den Wolken gefallen sind auf die harte Erde der Wirklichkeit, wo sie nun verdutzt und wo n verlegen umherzappeln. Wer jubelt noch über die fünftägige Schlacht um den Bukunftsstaat", in der die Sozialdemokratie vernichtet" ward? Sonnabend, den 11. Februar 1893. Expedition: SW. 19, Benth- Straße 3. V Welchen Eindruck die Reichstagsreden der Herren Richter vollkommener Straflosigkeit bekleidet; hier wird nur zu oft die, und Stöcker auf die intelligenten Elemente der Bourgeoisie, welche Sache der bestehenden Gesellschaft von Anwälten vertheidigt, sich vom Banne der kleinbürgerlichen Gedankenwelt frei gemacht welche mehr Eifer und guten Willen als Talent besitzen. Die haben und den Klassenkampf gegen das Proletariat mit Bewußt sozialdemokratischen Abgeordneten nehmen auch den Herren sein führen, gemacht haben, kennzeichnet in trefflicher Weise der Richter und Stöder ihre Kriegs. Erklärungen nicht sehr Leitartikel des großen französischen Kapitalistenblattes Le Temps" übel. Alles in allem genommen, haben ste schon vom 7. Februar. Halb mitleidig, halb spöttelnd bespricht das ganz andere gesehen; und wenn man die Bartheiten des kleinen Blatt die rednerischen Leistungen des radikalen wie des reaktio- Belagerungszustandes und des Ausnahme Gesetzes gekannt hat, nären Spießbürgers folgendermaßen: so gleiten die großen Worte ab und verlegen nicht. Die Herren Der Reichstag hatte sich am Sonnabend in eine Art Akademie Bebel und Liebknecht wären versucht, so zu handeln wie jener verwandelt, in deren Räumen große Kämpfe ganz platonischer Kutscher, dem das Polizeigericht einen Verweis ertheilte, der Natur ausgefochten wurden. Es ging in dieser Sitzung auf Kosten fragte: Wird mich das am Fahren hindern?" und auf eine des Sozialismus, und es entluden sich auf denselben zugleich die Blige verneinende Antwort munter ausrief:" Dann nur zu! mir ist's Ach, der Wahn war kurz und die Reue ist lang. des Herrn Richter, der im Namen des Liberalismus sprach, und die des egal!" Außerdem muß man glauben, daß die sozialistischen Lieber Leser, erschrick nicht! Es fällt uns nicht ein, Herrn Stöcker, welcher das Sprachrohr der politischen und religiösen Führer wissen, woran sie sich betreffs der Stärke ihrer Partei Reaktion bildete. Diese beiden Herren haben sich über einen zu halten haben. Wenn man so laut von Banfrott spricht, sagen über diesen verrücktesten und geistlosesten aller Faschings- Bunkt verständigt, nämlich darüber, daß nach ihrer Meinung der sie sich, so würde man sich doch nicht die Mühe geben, gegen man ihnen von rechts streiche leitartikeln zu wollen. Wo wäre der Stoff? Jener Sozialismus Bankrott gemacht habe. Ueber den ganzen Rest Schattenbilder zu fechten. Wenn französische Koch machte zwar einst aus alten Stiefelsohlen waren sie getheilter Ansicht. Herr Richter verzeiht der Partei und links versichert, sie hätten aufgehört, gefährlich zu ein schmackhaftes Gericht, aber aus einer ledernen Debatte, der Herren Bebel und Liebknecht nicht, daß sie die künftige Ge- sein, dann denken sie an die Biffern derer, welche bei deren geistiger Mittelpunkt die Spar- Agnes des Herrn sellschaft zum Tragen des Zwangshemdes einer aufs äußerste den allgemeinen Wahlen für sie gestimmt haben, sie ver Eugen Richter war, tann auch der phantasievollste getriebenen Reglementirung verurtheilen will, neben der alle gegenwärtigen fich den beständigen Marsch in aufsteigender und fruchtbarste Journalist teinen ernsthaften Leit Formen von früherem Despotismus nur ein liebenswürdiger Linie, ein liebenswürdiger Linie, der fie in einem Vierteljahrhundert von unter artikel machen. Aus nichts wird nichts. Und über Scherz sein würden. Der milde Herr Stöcker schleudert den Blizz hunderttausend auf über anderthalb Millionen Stimmen gebracht seines höheren Bannfluchs gegen das Aufgeben aller Ueber- bat. Wenn man erklärt, daß ihre Lehren nicht mehr beunruhigen das Nichts, und die öde Nichtigkeit läßt sich nur höhnen lieferungen, gegen die Verwerfung der preußischen Königstreue, tönnen, weil sie offen zu Tage liegen, dann erinnern sie boshaft und lachen. Und für lachenden Hohn war der Karnevals den Ausbruch des revolutionären Geistes, die Leugnung Gottes, daran, daß auf jeden Fall ihre Art vorzugehen Fortschritte macht, radau zu platt. Nur von einem Gesichtspunkt aus ist des Vaterlandes und aller allgemeinen Ideen, in denen die so- da der Antisemitismus ihnen etwas von ihren demagogischen er ernsthaft zu nehmen als Gradmesser der Intelligenz genannte christliche Zivilisation bis jetzt gelebt hat. Herr Rünsten entlehnt hat, und daß der Antisemitismus die konser vative Partei bis aufs Mark durchdringt und sie von Grund aus unserer tapitalistischen Parteien. Indeß, das ward ja Richter beschuldigt die Sozialisten, im im Lauf der Debatte schon von unseren Vertretern gesagt. Die Nachahmer der traurigsten Reaktion zu sein. Herr umzugestalten droht. Wenn man ihnen vorwirft, sie hätten das wirft ihnen vor, fie feien thatsächlich die Ideale, welches es noch in dem Unterricht eines Meisters wie Auch nicht das kleinste" Fettauge", bas- mit dem geschmack- Stöder vollen Mann der Spar- Agnes zu reden- auf dieser Erben des schlimmsten Radikalismus. Für den ersten dieser Karl Marx geben konnte, verleugnet, um sich einem groben Redner exiftirt eine innere unleugbare Gemeinschaft zwischen den revolutionären Materialismus anzuschließen, so denken sie einerSpittelsuppe herumgeschwommen wäre. Nicht einmal ein vermeintlichen Reformen des sozialistischen Programms und den seits, daß man sie noch vor Kurzem beschuldigte, sie verletzten alle Fettauge von himmelblauer Kunstbutter. Der Stil ist der Einrichtungen oder Grundsätzen des Kasernenstaates, der Monarchie ihre Pflichten als Unterthanen, Bürger und Patrioten, indem sie Mensch" nach Buffon's Wort. Diese fünftägige Wolken von Gottes Gnaden, des preußischen Korporalsystems, welches die Grundsähe des internationalen semitischen Verfassers des fufufsheim- Debatte das ist die deutsche Bour- vom protestantischen Klerikalismus„ gemäßigt" werde. Für den Kapital" annähmen und andererseits, daß für gewöhnlich eine geoisie sammt junkerlich- pfäffischem An- und Auswuchs. zweiten ist die Wechselbeziehung zwischen den Forderungen der Partei nicht ihre schlimmsten Feinde bittet, ihr ihr Betragen vorDas ist die Weisheit und der Verstand unserer herrschenden Sozialdemokratie und den Glaubensfäßen des bürgerlichen zuschreiben und ihre Taktik festzusetzen." Hinzufügen wollen wir nur noch, daß die von unseren Klassen. Deutsches Volk sieh dir Deine Vertreter und Radikalismus unanzweifelbar. Man sieht, war der von den Herren Richter und Stöcker geführte Austurm auch heftig, so Vertretern im Reichstag formulirte Anklage: der Fast, natürlichen Vorgesetzten" an. Aber genau! Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu Gerade dies unvereinbare Abweichen in den Anschauungen hätte deckung lichtscheuer Machenschaften bes fennzeichnete er sich nicht durch eine sehr große Einheitlichkeit. nachtsulk sei von den wissenden Auguren zur Versorgen. Während die Presse des Inlandes im kläglichsten vielleicht auf den Lippen der beiden Redner von rechts und links und Razenjammer ächzt und stöhnt, ergießt die Preffe die Ausfragungen aushalten sollen, deren moralische Wirkung 3 üglich der Militärvorlage in Szene gesetzt des Auslandes erbarmungslos die Lauge des Spotts über durch diesen Widerspruch seltsam beeinträchtigt wurde. worden, jetzt auch von gegnerischen Blättern, wie der ansere schildbürgerlichen Wusterparlamentarier, die, im Augen- Die Sozialisten konnten mit einem Scheine des Rechts ant- Bossischen Zeitung", als begründet angesehen wird. Freilich, eines Zeugnisses hierfür bedurften wir nicht. blick wo Deutschland vor der wichtigsten und folgenschwersten worten:" Sucht doch vorher untereinander einig zu werden, „ Sucht doch vorher untereinander einig zu werden, Entscheidung steht, mit der Stange im Nebel des Zukunfts- ehe ihr wenn auch nicht unsere Personen, so doch wenigstens unsere Die Thatsachen sind unwiderleglicher Beweis. staats herumstochern und fünf kostbare Tage mit dieser Lehren ächtet." Sie hatten durch den Mund des Herrn Bebel were ad innreichen Beschäftigung todtschlagen. dessen Rede den Vorwand zu dieser Debatte bildete, ausführlich -Grunde nur " Politische Leberlicht. Berlin, den 10. Februar. Wir wollen aus den Urtheilen nur eines herausgreifen ihr unmittelbares Programm und ihre ferneren Aussichten ausund zwar eins der mildesten das Urtheil, welches einandergesetzt. Wieder einmal hatten sie sich der Reichstageder" Temps", das angesehenste Organ der französischen Tribüne bedient, um ihre Lehren mit den Vortheilen zu verBourgeoisie, und als solches natürlich den Sozialistentödtern tarischen Regimes der revolutionären Predigt verleiht. Ihre breiten, welche das verfassungsgemäße Vorrecht des parlamensehr sympathisch gesinnt,( beiläufig den deutschen Sozial- Propaganda, der man es lassen muß, daß sie mit einzigartigem Der Bundesrath ertheilte in der am 9. d. Mts. unter bemokraten ganz besonders spinnefeind), dem neuesten Genie Verständniß die Mittel dem Zwecke anzupassen weiß, hat bei dem Vorsitz des bayerischen Gesandten Grafen von Lerchenfeldstreich der deutschen Geldsacks- Intelligenz gesprochen hat. diesen feierlichen Turnieren alles zu gewinnen; hier erscheinen Koefering abgehaltenen Plenarsizung dem Gesezentwurf wegen Einer unserer französischen Korrespondenten schreibt uns die Sozialisten den Volksmassen auf demselben Felde der offi- Abänderung der Maß- und Gewichtsordnung, dem Entwurf oarüber aus Paris d. d. 8. Februar: ziellen Gefeßlichkeit, wie ihre Gegner. Hier ist ihr Wort mit eines Gesetzes, betreffend die Geltung des GerichtsverfassungsFeuilleton. Nachbruc verboten.) [ 12 Die Laufbahn eines Nihilisten. Von S. Stepniat. hervor, indem sie ihr eine ihr ganz neue Welt eröffnete. Sache kämpfte und Freiheit und Leben für dieselbe aufs Damals aber war sie ein Kind und die geheimnißvolle Spiel setzte. Sie zweifelte nie daran, daß zwischen Welt, in der Sina lebte, erschreckte sie ebenso sehr, als sie ihnen nur Freundschaft bestand. Da sie anziehend und von ihr angezogen wurde. Jetzt begann sie klarer zu sehen. reich war, fehlte es ihr nicht an Verehrern und BewunSie liebte die Studenten, mit denen sie jetzt oft zusammen derern. Wie aber unterschied sich Gregor's Betragen von fam. Auf einer ihrer Versammlungen traf fie Gregor, der dem ihrer Bewerber? Er behandelte sie wie einen Rames sehr bald ihr geistiges Leben beherrschte. Wenn sie ihm raden, ohne ein Zeichen der Unterwürfigkeit. Er schalt sie zuhörte, fühlte sie, wie seine Kräfte ihre Seele anfeuerten. manchmal und sagte ihr, wenn sie Unrecht hatte, die Wahr Gregor schmeichelte ihr nie, machte ihr nie ein Rompliment. heit ins Gesicht. Deshalb war ihr seine Gesellschaft so ans Autorisirte Uebersehung. Kein Mann von Selbstachtung in jenen Kreisen, welche für genehm und sein zartes unterdrücktes Lob wirkte so eins, Frei ins Deutsche übertragen von Bertha Braun. die Frauenrechte so heiß kämpften, hätte sich eine solche bringlich, ja berauschend auf sie. Sie fühlte sich ganz ers Sie führte ihn in ihr Zimmer, wo auf ihrem kleinen plumpe Schmeichelei erlaubt; auch würde kein Mädchen leichtert, als Gregor nach Durchsicht ihrer Arbeit sagte, daß zierlichen Schreibtische ein sauber abgeschriebenes, sorg- ihrer Richtung derartige Gespräche angehört haben, ohne dieselbe, soweit sie ausgearbeitet sei, nicht so schlecht wäre. fältig zusammengenähtes Manuskript lag, welches mit einem sich beleidigt zu fühlen. In der That versuchte Durch wenige Bleistiftstriche zeigte er einige Umänderungen weiten Rande versehen war. Sie händigte es ihm ein. Gregor nicht ihre Bescheidenheit zu verlegen, indem und Abkürzungen an, welche alles in Ordnung bringen Gregor nahm einen Bleistift aus der Tasche und setzte er in irgend einer Weise ihre Person zum Gegen würden. Sie waren mitten im Gespräch, als Sina und sich hin, um es schweigend, mit der Schnelligkeit eines stand des Gespräches wählte. Er entschädigte sich Andrej eintraten. Bei ihrem Anblick vergaß das junge Mädchen ihren Journalisten, welcher gewohnt ist, mit Manuskripten umzu- dafür auf Rosten seiner Freunde, welche er mit Auseinander gehen, durchzusehen. Tanja saß ihm gegenüber aufrecht auf sehungen über die außerordentlichen Eigenschaften des von Aufsaz, Gregor und alles in überströmendem, edelmüthigem einem Schemel, wobei sie sich stumm wie ein Fisch ver- ihm entdeckten Mädchens plagte. Dieses Thema beherrschte Mitleid für ihre unglückliche Freundin. Sie wußte, wie hielt und mit belustigender Ungewißheit in Gregor's Gesicht ihn dermaßen, daß er stets auf diesen Gegenstand zurückkam. tief Sina Boris liebte und sie sahen sich zum ersten Mal blickte. Als er von Andrej sprach und dem Vergnügen, ihn zu nach Sina's entmuthigender Reise nach Dubrawnick. Mit einem forschenden, erschreckten Blick ihrer großen, Sie fürchtete sehr, daß er sie für eine Närrin halten treffen, konnte er vor Tanja nicht verbergen, wie viel er würde, da dieser erste Versuch so schlecht war, daß sie so Andrej von ihr erzählt hatte. Wenn etwas über den Klub, prächtigen Augen flog sie ihrer Freundin entgegen, um etwas befürchtete. dem beide angehörten, zu sagen war, fühlte er sich ge- armte und füßte sie mit jugendlichem Ungestüm. Aber das Sie waren nun einige Monate bekannt, dies genügte drungen, er wußte selbst nicht wie, einige verborgene Eigen- auffallend schöne Gesicht des jungen Weibes war ruhig und ihnen aber, um schnell Freunde zu werden. Das junge schaften oder revolutionäre Talente des jungen Mädchens gefaßt. Wenn man in diesem Augenblick beide Frauen an fah, hätte man Tanja für die Beraubte und die andere für Mädchen erinnerte sich nicht, vor der Bekanntschaft mit zu verherrlichen oder auf sie zart anzuspielen. Gregor ein solch' zielbewußtes und vielseitiges Leben geführt Obgleich Tanja protestirte und Einwand erhob, war die Trostspendende gehalten. Sina's tiefgraue Augen bezu haben. Als vor Jahren Sina, die gerade aus dem Ge- fie doch stolz und dankbar, daß ein Mann, welcher nicht gegneten dem betrübten und sympathischen Blick mit vollKeine Wolke war auf der zartfängniß entflohen war, in ihrem Hause erschien, rief fie in zu dem gewöhnlichen Haufen gehörte, sie so hochschätzte. Gregor fommener Festigkeit. Tania's Gedankenkreise eine vollständige Umwandlung erschien ihr wie ein furchtloser Ritter, der für eine edle geformten, geraden Stirn, die von einer wellenförmigen Gesetzes in Helgoland, und den Gesehentwürfen für Elsaßdie Zustimmung. Der Entwurf eines Gefeßes, betreffend Schofle Journalistik. Dieselbe königliche ,, Leipziger] Lothringen wegen Abänderung und Ergänzung des Gesetzes über Beitung", die soeben die Begabung Eugen Richters in der die Depofitenverwaltung vom 24. März 1886 und, betreffend die Er- Sozialistentödterei gelobt hat, leistete sich gelegentlich der richtung von Spar- und Darlehnskassen mit Gemeindebürgschaft, von Leipziger Genossen dort versuchten Arbeitslosenzählung Abänderung des Gesetzes über die Abwehr und Unterdrückung folgendes Zeitungsgaunerstückchen. Zum Vorabend der von Viehfeuchen vom 23. Juni 1880 und der Gesezentwurf zum Bählung veröffentlichte sie eine perfide Drohung, die wir Schuße der Waarenbezeichnungen wurden den Ausschüssen für wörtlich wiedergeben und die alle Angst der Besitzenden vor Handel und Verkehr und für Justizwesen zur Vorberathung über- der sozialen Wahrheit deutlich wiederspiegelt: wiesen. Mit den beantragten Abänderungen des Zollverwaltungsfosten Etats für das Königreich Sachsen, des Zoll- und Salz fteuer Verwaltungskosten Etats für Baden und des Zollverwaltungskosten Etats für Hamburg erklärte sich die Versammlung einverstanden. Endlich wurde über mehrere Eingaben in Boll und Steuerangelegenheiten Beschluß gefaßt. Leipzig, 4. Februar. Morgen Vormittag soll die von der Sozialdemokratie veranstaltete Zählung der Arbeitslosen be ginnen. Die Austräger der Partei werden Zählkarten in den einzelnen Haushaltungen vertheilen und sie einige Stunden später ausgefüllt zurückfordern. Es ist nicht ausgeschlossen, daß von den Austrägern die zu ertheilende Auskunft als ein Recht in Anspruch genommen wird oder daß sie sich dabei gar auf einen amtlichen Auftrag berufen. Angesichts dieser Möglichkeit möchten wir folgendes bemerken: die Zählung ist keine amtliche. Die Zähler haben kein Recht, eine Auskunft zu verlangen. Niemand ist verpflichtet, die Karten auszufüllen oder den Zählern irgend eine Auskunft zu geben. Wer durch die Zähler belästigt wird, wende sich sofort an die nächste Polizeiwache um Hilfe." A Zode ringen, wobei während dieser Beit nur eine etwa zwetstündige Berständigung mit dem Kranken, möglich war und dieser vorstehende Mittheilungen machte, wie er aud) sagte, daß seine Taschenuhr sich im Besize desselben Unteroffiziers befinde. Letzterer, wie der famose Lazarethgehilfe, wurden währenddem in Haft genommen und holte man die Uhr thatsächlich aus dem Arrest herbei, wohin sie der Bursche mitgenommen hatte. Der Kompagnie Hauptmann war beim Besuch des halbverzweifelten Vaters selbst ganz außer sich, da sein angeblich schönster Mann der Kompagnie so jämmerlich zu Grunde ging. Das bayerische Kriegsministerium und Advokat Hausmann in Stuttgart werden sich Und der mit dem Fall noch weiter zu beschäftigen haben. artiges ereignet sich zu einer Zeit, wo von der Tribüne des Deutschen Reichstages die ganze Niedertracht gemeiner Soldatenschinderei stets gebrandmarkt und im wahren traurigen Lichte dargestellt wurde, zu einer Zeit, wo strengste Weisungen und Befehle von hoher und höchster Stelle ausgegeben werden, die Mannschaften menschlich zu behandeln, zu einer Zeit, wo gleichzeitig Klagen laut werden über den Mangel an„ gebildeten Unteroffizieren, darum die Prämien für deren Leistungen durch neue Steuerlasten, die dem Bolte auferlegt, erhöht werden sollen. Angesichts dessen wagt man den Ver such, das bayerische öffentliche Militär- Berichtsverfahren anzutaften." Der Hessischen zweiten Kammer liegt ein Antrag Gewerbliche Fortbildung und Militärstaat. Der Militärstaat Preußen hat von jeher wenig für die gewerbliche Bildung der unteren Arbeitsschichten übrig gehabt. In den letzten Jahren war die dafür ausgegebene Summe etwas erhöht worden, weil man sich vor der Kritik doch gar zu sehr schämen mußte. Jezt heißt es aber in offiziösen Mittheilungen bereits wieder, daß für 1894/95 nichts weiter bewilligt werden könne und daß die staatlichen Zuschüsse für jeden Regierungsbezirk um mindestens 10 pt. Auf die Albernheit dieser Drohung geschulten Arbeiterperkürzt werden müßten. Im Gange befindliche Er- maffen gegenüber, wie den Leipziger, soll hier nicht näher hebungen sollen nur noch feststellen, wo am meisten abge- eingegangen werden. Wir wollen nur feststellen, daß die vor, die großherzogliche Regierung zu ersuchen, für das zogen werden soll: in den größeren Städten oder in den königliche Leipziger Beitung" nach ihrer Notiz vom Großherzogthum Hessen eine einheitliche Regelung des Verkleineren Orten, wo die Fortbildungsschulen, die nicht sehr 4. d. Mits. die Stirn hatte, am 6. Februar zu schreiben: bots des Besuchs von Wirthshäusern und Tanzbeluftigungen floriren, eventuell wieder ganz aufgehoben werden dürften. Die Zählung der Arbeitslosen, deren Beginn für gestern seitens der Schüler der Bolts- und Fortbildungsschulen Der traurige Zustand der kleinen Fortbildungsschulen rührt Bormittag von der sozialdemokratischen Presse mit Po- gefeßlich herbeizuführen. Das scheint fast die einzige Füraber daher, daß man den Handwerkern zu liebe den obli- faunenstößen angekündigt worden war, scheint tläg- forge für das Volk zu sein, daß man ihm überall einen gatorischen Schulbesuch nicht allgemein einzuführen wagte. lich im Sande verlaufen zu sollen. Es knüppel zwischen die Beine legt.-Wadg wa Jegt werden allem Anschein nach dem Moloch Militarismus muß troß des Sonntages auch am allernothdürftigsten Zählerpersonal gefehlt haben. Nur in einigen Stadttheilen auch diese dürftigen Ansäge geopfert! Zur Ruffifizirung der Ostsee- Provinzen. " Die find schüchterne Versuche in einzelnen Straßen untergenommen heutige Nummer der russischen Gesetzsammlung enthält den Dr. Sigl'sche Pillen. Den Heuchlern des Zentrums worden. Es war allerdings taum anders zu faiserlichen Befehl zur Aenderung der Namen der beiden und den ihm im Kampf gegen die Sozialdemokratie ver- erwarten. Einmal lag das Unternehmen in der Hand Städte Dorpat und Dünaburg in Jurjem beziehungsweise bündeten Parteien giebt Dr. Sigl in seinem Baterland" des ganz unfähigen und wegen dieser Unfähigkeit Dwinst. Die russische Regierung handelt nach Bismarc folgende bittere Billen zu kosten: mißgeachteten und machtlosen Gewerkschaftskartells. schem Vorbild. " " Die Zentrumsblätter haben wieder einen neuen Knochen Dann waren schon in der letzten Woche Klagen über das gefunden, an dem sie die Schlechtigkeit und Goft.Ausbleiben der Anmeldungen von Zählern laut geworden." Tofigkeit der Sozialdemokraten demonstriren können. Also erst wahnsinnige Angst, die sich bis zu Drohungen mit Als nämlich der Zentrumnsmann Bach e m in seiner Kapuzinade, der Polizei verstieg, und dann die hellste Schadenfreude für welche ihn Bebel zum" Blechschmied" im sozialdemofratischen Bukunftsstaat" machen will, den Sozialdemokraten über das angebliche Mißglücken eines ersten Bersuchs zurief:" Sie ertennen teine Auferstehung, fein fchofler fann man eine Sache, wie die Feststellung eines Jenseits an", rief es von den Bänten der Sozialdemo- Nothstandes, publizistisch nicht gut behandeln. Dafür dreht fraten entgegen: Nein!" Daraus folgern mun die Bentrums- es sich auch um die Leipziger Zeitung"! blätter, daß die Sozi gottlose Heuchler und Bauernfänger" feien. Daß sehr viele Sozialdemokraten an teine Auf- Zur Militärvorlage. Unter dieser Ueberschrift Unter dieser Ueberschrift erstehung und fein Jenseits glauben, ist ja nichts bringt die Münchener Post" folgende Mittheilung zur Neues; aber dieser Unglaube beschränkt sich nicht Berherrlichung des Militarismus: auf die Sozialdemokraten allein, der ist den meisten Gebildeten" eigen, wir selbst tennen eine ziemliche Anzahl getaufter Katholiken, die weder an Himmel und Hölle, noch an Auferstehung und Jenseits, ja selbst nicht an den Teufel glauben( bis er sie holt) und Gott nur, aus Höflichkeit so zu sagen, ein wenig gelten lassen, aber doch, in einzelnen Exemplaren wenigftens, fogar Mitglieder von KirchenbauVereinen find. Religion ist ihnen nicht einmal Privatfache", wie den Sozialdemokraten, sondern ist überhaupt nicht. Da, bei diesen ist es weit eher am Blaze, von Heuchelei und Bauernfängerei zu reden, denn ste geben sich für etwas aus, was sie nicht sind, während die Sozialdemokraten aus ihrem Unglauben gar tein Hehl machen. Jm Uebrigen denkt und spricht man über solche Dinge anders bei guter Gesundheit hinterm Biertrug oder in einer Rede und wieder anders, wenn man im Elend sitzt oder es ans Sterben geht. Da glauben die aufgeklärtesten Liberalen sogar an einen eufel, wie er an sie." Arbeiterwohl". Am Montag fand in Münster die 13. Generalversammlung des Verbandes der katholischen Judustriellen und Arbeiterfreunde Arbeiterwohl" unter Anwesenheit des Ober- Bürgermeisters, des Regierungspräsidenten und Bischofs statt. Die üblichen Phrasen mit katholischer Verbrämung füllten die Versammlung aus. Die Hauptredner waren der Verbands- Borsigende Fabrikbesitzer Franz Brandis jun. aus München- Gladbach und der General- Sekretär des Vereins, der Abgeordnete Hitze, auf welche der hochwürdigste Herr Bischof" ein dreifaches Hoch ausbrachte. Ob Arbeiter dieser Arbeiterwohls" Sigung beiwohnten, wissen wir nicht; in den Berichten der ultramontanen Blätter geschieht ihrer wenigstens keine Er wähnung. Nur die Hammel führten das große Wort, im Vertrauen, daß die Schafe ihnen blindlings folgen. Linie schöner Locken eingeschlossen war, au sehen. Ihr helles Lächeln zeigte ihre unverfälschte Freude über den Empfang. Tanja war beruhigt. Es war so leicht zu beruhigen, das arme Kind. Trauer steht der hoffnungsvollen Jugend nicht an. Wo ist Dein Vater?" fragte Sina. Doch wohl zu Hause?" " Ja, Papa ist bei Krivoluzky. Wir flüchteten uns hierher, um sie durch unser Geschwätz nicht zu stören," fagte Tanja. Jezt sind wir in solcher Anzahl, daß wir ohne Gefahr eindringen können." George stellt ihr Andrej vor. Dies ist mein Freund, Tatjana Grigoriewna. Seien Sie ihm gut." " Ich will's versuchen, antwortete das junge Mädchen, ihm die Hand mit einer Bewegung entgegenhaltend, welche ihm durch ihr natürliches Gemüth auffiel. Sie fanden, daß Repin und Krivoluzky von einer Rauchwolte eingehüllt, fich in das Studienzimmer geflüchtet hatten. Andrej wurde der Form wegen unter dem Namen Petrow vorgestellt, obgleich Repin natürlich wußte, wer er war, ebenso gut wie Krivoluzky. welcher absichtlich Repin besucht hatte, um mit ihm zusammenzutreffen. Dieser Tage traf nun ein Brief vom Vater des jungen Soldaten an einen der hiesigen Freunde und Arbeitskollegen feines Sohnes ein, in welchem der tiefgebeugte Mann den Tod seines Lieblings mittheilte, und wie aus dem uns vorliegenden Briefe hervorgeht, unter Thränen des Schmerzes die näheren Umstände des Vorganges niederschrieb. Ueber das schweizerische Alkoholmonopol, das 1887 in der Schweiz eingeführt wurde, wird uns geschrieben: Dor Wenn man in Deutschland von Zeit zu Zeit das Projekt des Branntweinmonopols auf's Tapet bringt, so ist immer der geradezu selbstverständliche Zweck desselben, neue finanzielle Mittel für den Militarismus aufzubringen. Anders in der Schweiz. Hier wurde das Alkoholmonopol eingeführt zunächst aus moralischbygienischen Gründen, um der Branntweinpeft entgegenzutreten, und erst in zweiter Linie aus fiskalischen Gründen. Inwieweit der erstere Zweck während der fünfjährigen Monopolperiode er reicht wurde, darüber giebt der Direktor der eidgenössischen Alkohol" Im vergangenen Herbste bei Einziehung der Refruten verwaltung, Herr Milliet, in einem bezüglichen, von ihm in hatte ein in der Müller'schen Waagfabrik dahier allgemein be- der Zeitschrift für schweizerische Statistit" veröffentlichten Aufliebter junger Mann, Thomas Gebrant aus Divingen in faze Auskunft. Danach betrug der Branntweintonsfum per Ropf Hohenzollern, das zweifelhafte Glück, der 1. Komp. des der Bevölkerung 1882: 9,40 Liter, 1885: 10,26 Liter; diese 8. bayrischen Infant.- Regt., Ferientolonie Mez, zugetheilt zu Bahlen betreffen die Zeit ber Monopoleinführung. werden. Nach derselben betrug der Branntweinfonsum 1830: 6,27 und 1891: 6,32 Liter per Kopf. Herr Milliet schätzt die effettive Reduktion des Branntweingenusses auf 25 pet., dagegen ist der Bier fonfum von 86 Litern im Jahre 1885 ges stiegen auf 45 Liter 1890 und hat sich demnach um 25 pct. permehrt. Der erstere Zwed wäre also bereits zum Theil erreicht. Was die fiskalische Seite des schweizerischen Alkoholmonopols Am 23. Dezember, so entnehmen wir dem Schreiben, betrifft, so tommen hierbei nur die Kantone in Betracht, da entlub sich bei der durch einen Unteroffizier den Refruten ge- der Bund vom Monopol- Ertrage nichts erhält. Die alljährlichen gebenen Gewehrinstruktion das mit einer Platzpatrone ge- Ueberschüsse bewegen sich um 6 Millionen Franken, von welcher ladene(!!) Gewehr des Instrukteurs, traf den Refruten Gebrant Summe die Kantone den zehnten Theil zur direkten und indirekten in den Rücken, bemfelben eine thalergroße Wunde schlagend. Bekämpfung der Trunksucht zu verwenden haben. Wie diese Unter obligaten Drohungen verbot der unter- 600 000 Franken von den Kantonen angewendet werden, zeigen offizier dem Mann, hiervon etwaige Meldung die bezüglichen Kantonsberichte. Danach verwendete per zu machen, und theils aus Furcht, theils aus Kanton Bern 1891 für Armenerziehung 26 000 Franken, für Gutmüthigkeit, um dem maderen, Stellver Arbeits und Trinkerbeilanftalten 26 000 Franten; für treter Gottes" teine Unannehmlichkeiten Voltsernährung 10 000 Franken; 44000 Franken wurden in zu bereiten, fügte fich Retrut Gebrant den einen Spezialfonds zur Bekämpfung der Trunksucht gelegt. Der Anordnungen seines Rorporals. Gin Individuum Kanton Zürich führte in Rücksicht auf seinen Antheil an den von Lazarethgehilfen ließ fich herbei, heimlich Verbandszeug zu Alkoholerträgen 1890 die unentgeltliche Beerdigung liefern, ohne die Gefahr zu beachten und hiervon Anzeige zu machen. ein, an deren Kosten er den Gemeinden ca. 100 000 Franks allAm Sylvesterabend jagte nun das Scheusal jährlich Zuschüsse leiftet; die übrige verfügbare Summe wird von einem Refrutenbriller feine Korporal- verschiedenen wohlthätigen und gemeinnüßigen Instituten und schaft an die Mosel, wo das Gis aufgebadt einem Reservefonds für Bekämpfung des Alkoholismus zu und die Drillichjacken gewaschen werden gewiesen. Der Konton St. Gallen gab 10 000 Frants dem mußten!! Sierbei ertältete sich der verwundete Gebrant, zog Silfsionds für arme Jrre, 15 000 Frants der Besserungsanstalt fich den Wundstarrkrampf zu, dem der Arme unter schreck- für jugendliche Verbrecher, 5000 Franks für beffere Ernährung lichen Schmerzen am 12. Januar erlag. Der unglüdliche armer Schulkinder, 8000 Frants für Verforgungen in Trinker Bater wurde vom Zustand feines Sohnes benachrichtigt, eilte heilstätten und ebenso viel zur Errichtung oder zum schnell nach Metz und sah seinen Sohn zwei Tage mit dem Unterhalt von öffentlichen Lesesälen u. f. 10. Der Kanton finden werden, sagte sein Wirth. Ein gutmüthiges Lächeln glitt über seine dicken Lippen, verschwand aber bald, seine groben, aber doch kräftigen Züge nahmen einen ernsten, gebankenvollen Ausdruck an. Die Unterhaltung wurde allgemein. Gefahren nicht achten?" fragte er, überrascht um sich blickend. Sina saß an dem äußersten Ende des Kreises, welcher fich um Repin's Stuhl gebildet hatte, und seine Augen weilten auf ihr am längsten, als ob seine allgemeine Frage sich auf sie besonders bezöge. Repin war zur Zeit Herzen's in der Schweiz gewesen und sprach von seinen Erfahrungen und den angenehmen" Es passirt zu oft, Grigory Alexandrowitsch. Man Eindrücken, die er empfangen hatte. gewöhnt sich unglüdlicherweise an alles," sagte sie, wobei Welch' peinlicher Kontrast es für Sie fein muß," für einen Augenblic ein Schatten ihr Gesicht überzog, denn sagte er zu Andrej. nachdem Sie so lange an vollständige fie erinnerte fich, daß nur durch eine unverzeihliche SorgFreiheit gewöhnt waren, in dieses unglückliche Land sich losigkeit die Tragödie zu Dubrownid, in welche Boris verversetzt zu sehen, wo Sie nicht ein freies Wort äußern wickelt wurde, herbeigeführt worden war. Die Wolke verzog fönnen, ohne von einem Gendarmen am Kragen gepackt zu sich ebenso schnell, wie sie entstanden, und ihr graues Auge werden." blickte ebenso fest und klar wie vorher. " Der Kontrast ist allerdings groß," erwiderte Andrej. So weit es mich aber anbetrifft, finde ich ihn nicht so peinlich; sicherlich fühle ich mich hier wohler, als dort." Repin schüttelte ungläubig sein großes Haupt. Der Anblick dieses Mannes in der Blüthe ber Jugend, der durch Europa nach dieser schrecklichen Stadt kam, wo es von Spionen und Polizisten wimmelte, um einem Phantome nach jagend einem gewissen Tode entgegenzugehen, erfüllten sein Herz mit Mitleid. Er betrachtete ihn und seine beiden Freunde, und schüttelte wiederum sein Haupt. Nein, sagen Sie dies nicht!" fuhr er fort. Obgleich das Bewußtsein ihres frischen und unersetlichen Verlustes sie nicht für einen Moment verließ, fonnte man nicht annehmen, daß ihre äußere Ruhe nur eine durch Willenskraft ihrem Gesichte aufgelegte Maske sei. Jeder Ton ihrer Stimme und jede Linie dieses schönen, blonden Kopfes athmeten eine solche Offenheit, daß selbst ihre Selbstbeherrschung natürlich und nicht affektirt sein konnte. Auch dies war das Ergebniß langjähriger Schulung. In der Welt, in welcher Sina sich bewegte, würde das Herz eines jeden Dritten durch ähnliche Unglücksfälle zerreißen. Das Leben würde unmöglich werden und ihr Wert, welches Der alte Advokat bewillkommnete Andrej sehr herzlich. Immer in Furcht schweben, am Tage teinen ruhigen nicht einen Augenblick Erschlaffung gestattet, würde stillUnter den älteren Flüchtlingen befanden sich auch einige und sicheren Augenblick zu haben, Nachts durch das leiseste stehen, wenn sie ihre Nerven nicht in guter Ordnung halten Jugendgefährten von ihm und er wollte gerne wissen, wie Geräusch erschreckt zu werden, mit dem Gedanken, daß würde! es ihnen im Auslande gehe. der letzte Moment gekommen ist! Das muß schrecklich Sina war heute Abend nicht in gesprächiger Stimmung, Andrej konnte die Neugierde seines Wirthes befriedigen, sein!" aber sie nahm an der Unterhaltung in derselben einfachen da er sie entweder kannte, oder von ihren Freunden über sie Der gute Mann meinte es so ernst, und das schreckliche und natürlichen Weise theil, in welcher sie ihre täglichen gehört hatte. Die russischen Flüchtlinge bilden im Auslande Bild, welches er entworfen hatte, war so verzerrt, daß die Pflichten erfüllte. Sie unterstüßte Andrej, als er den Vereine Kolonie und die ältesten unter ihnen sind gewöhnlich jenigen, welche es am meisten betraf, in ein herzliches Ge- such machte, seinem Wirthe ein der Wirklichkeit mehr ents lächter ausbrachen. sprechendes Bild von dem Leben eines Jllegalen zu geben. Repin's Freunde waren unter diesen. Sie arbeiteten" Ich bitte um Verzeihung," sagte Andrej, sich recht Sie lachte, als Gregor beweisen wollte, daß in Rußland hart, jeder auf eigene Faust, durch politische Uneinigkeit fertigend, Ihre Schilderung ist aber doch gar zu über die Illegalen, zur Beit wenigstens, die einzigen seien, welche fich des vollen Schutzes der Geseße erfreuen. meistens von einander getrennt. Einige waren wohl auf, trieben." andere nicht. Das war alles, was man über ihr einförmiges Repin war nicht im geringsten beleidigt. Das schallende Nehmen Sie sich selbst zum Beispiel," fagte er zu Leben sagen konnte. Gelächter wirkte überzeugender, als irgend welche Beweise. Repin, find Sie sicher, daß die Polizei nicht diese Nacht Wollen Sie damit sagen, daß Sie die drobenden noch in Ihr Haus bricht? Sie entlassen einen Schreiber bekannt. .Ich glaube taum, daß sie das Leben hier monoton alls verwendet den Alkoholzehnt für Bedürf- 1 Wirthschaft herrscht, hier um so mehr in Blüthe, als durch die Berufsgenossenschaften erfahren fann, eine be ist anderen nisse des Erziehungswesens, ebenso der Kanton Die Masse der Bevölkerung ärmer ist wie in anderen sivilisirten solche ist, sie Schlüffe fte auf die Allgemeinheit Uri. In den meisten Kantonen wird ein Theil des Ländern und sie wegen des erschreckenden Analphabetismus( Un- zuläßt. Sicher ist, daß die zahlreichen Hausarbeiter, die doch Alkoholzehntes zu Zwecken der Versorgung von Jrren verwendet, fenntniß des Lesens und Schreibens) der unverschämtesten Aus- nicht dem Unfallversicherungs- Gesez unterworfen sind, durchweg sodann für Armenunterstügung, Naturalverpflegung, für Unter- beutung weniger moralischen Widerstand entgegenzusetzen hat. schlechter gestellt sind, als die Versicherten. Es tann nicht sofort richtskurse in praktischen Fächern, für Spitäler u. f. w. Alle Daß die Landarbeiter, wenn auch des Lesens und Schreibens un- mit einer solchen Erhebung begonnen werden, weil es an einer diese Verwendungsarten von Schnapsmonopol- Geldern find jeden- kundig, sich ihres guten Recht doch wohl bewußt find, geht aus brauchbaren Methode fehlt; auch die von der internationalen falls der Verwendung für die fortwährende Vergrößerung und der jüngsten blutigen Caltavuturo Affäre hervor. statistischen Konferenz empfohlene Methode ist nicht zu gebrauchen. ben Unterhalt mächtiger, voltsfeindlicher Heere vorzuziehen. Auch Ein Bürger dieses Ortes hatte sich 100 Heftar Gemeindeland an- Hat man von einer großen Anzahl Arbeiter die Jahresdurchhierin unterscheidet sich eben sehr zu ihrem Vortheile die Demo- geeignet und sich gerichtlich zuschreiben lassen. Da noch brach schnitts- Löhne ermittelt, so ist dieses kein Bild, sondern ein Berr fratie von der Monarchie, womit wir indeß nicht sagen wollen, liegender Gemeindeboden zur Verfügung war, so zogen eines bild der thatsächlichen Verhältnisse. Es ist fraglich, ob die daß nicht noch höhere Beträge der Alkoholgelder in zweckmäßiger Morgens im legtvergangenen Januar ca. 1000 Personen, Männer, Kommission in ihrer jetzigen Organisation in der Lage ist, dem Weise, namentlich zur Unterstützung und Förderung der Er- Frauen und Kinder aus, um dieses Land zu bearbeiten. Bon Antrag zu genügen. Aber mit der Lohnstatistik muß begonnen ziehung und des Unterrichts der nicht verwahrloften Kinder un- herbeigerufenen Soldaten, sogenannten„ Baterlandsvertheidigern" werden. Redner beantragt, daß ein Ausschuß eingesetzt wird, bemittelter Eltern, verwendet werden könnten. aufgefordert, von ihrem Vorhaben abzulassen, ließen sie sich in welcher Zweck, Umfang und Methode zur Aufnahme einer Lohnihrem Unternehmen nicht stören, als sie aber nach Hause zogen, statistit herzustellen hat. Das Auftreten Cavaignac's in der französi wurden sie auseinander gesprengt, wobei es mehrere Todte und Buhl schließt sich im wesentlichen dem Referenten an. schen Kammer war ein kleiner Staats stretch, wie Verwundete gab. Die Zeitungen berichten, daß teinem Soldaten Siegle will feine fortlaufende Erhebung, sondern eine wir von Anfang an vermutheten. Den Opportunisten, ein Haar gekrümmt wurde; die Menge stob beim ersten Schuß periodische, vielleicht alle 5 oder 10 Jahre sich wiederholende Monarchisten und Boulangisten steht die jetzige Regierung auseinander. Der tapfere Genosse und Parlaments Aufnahme. Er legt der Kommission ein Schema und Zählfarten im Wege, die wenigstens ehrlich für die Republik, und auf Abgeordnete Colajanni( derselbe, welchem das Land vor, die bei einer solchen Statistik zu gebrauchen wären. dem geplanten Reaktionsputsch nichts ist, so haben sie sich deffen Anklage im Dezember vorigen Jahres in der Kammer ein an einem eigentlichen Bredt, um ein solches Unternehmen zu be den geistig unbedeutenden, aber durch sein Aeußeres und Leute im Lazareth liegen, die auf der Flucht im Rücken ver- Böhne zu erlangen, fann uns nicht bewegen, eine so schwierige Entrüstungs- Wuthgeheul zur Folge hatte) hat festgestellt, daß ginnen. Lediglich der Grund, Kenntniß über die Höhe der durch seinen Namen etwas vorstellenden Sohn des alten wundet sind. Gine wahre Hehjago muß es gewesen sein. Für Arbeit zu beginnen. Es ist zu fürchten, daß wir zu weit geben, Gesellschaftsretters und Republikaners Cavaignac zum Fe- die Hinterbliebenen der zur Strecke Gebrachten werden in sozia- wenn wir uns jetzt schon an so schwierige Fragen beranwagen. tisch gemacht wie vor 45 Jahren ihre Vorgänger den liftischen und ehrlichen demokratischen Zeitungen Geldsammlungen Size will vorläufig nur das Material verarbeitet wissen, geistig ebenso unbedeutenden, aber durch seinen Namen veranstaltet, die zugleich ein Proteft gegen diesen Att der Bru welches die industriellen Berufsgenossenschaften liefern tönnen. an die Phantasie des Volfes appellirenden Bonaparte talität sind. Moltenbuhr legt dar, daß, wenn die Kommission sich zum Mittelpunkt und gemeinsamen Vertreter erwählten. Unter dem Zeichen des Mords und des Diebstahls steht damit befaßt, zu ermitteln, wie lange die Arbeiter in den einzelOb der Sohn seines Vaters es so weit bringen wird, wie heute Italien. Reine Hände und menschenwürdige Ideale haben nen Berufszweigen arbeiten, fie dann auch nicht umhin tönne, weiland der Neffe des Onfels"? Wir bezweifeln es. Die nifiren und zum letzten Kampf gegen die verlotterte Gesellschaft Bei Ermittelungen nach dieser Richtung würde man wahrscheinnur die Sozialisten, die immer mehr Boden gewinnen, sich orga- sich mit den Ursachen der langen Arbeitstage zu beschäftigen. republikanischen Parteien Frankreichs werden den berüften. In der gestern von den Sozialistenführern hier statts lich erfahren, daß niedriger Lohn und lange Arbeitszeit Dinge währten Carnot sicherlich nicht dem plötzlich aufgetauchten gehabten vertraulichen Besprechung wurde beschlossen, im Gegen- find, die man oft als Gefährten trifft. Daß Lohnstatistiken Cavaignac opfern, der nichts für sich aufzuweisen hat, als faz zur deutschen) und in Uebereinstimmung mit der öfter- möglich sind, beweisen die Bureaus für Arbeit und Infeinen Strömen Arbeiterbluts gefärbten Namen und reichischen Sozialdemokratie die Maifeier am Montag, den bustrie, wie sie in einzelnen Staaten von Nordamerika bestehen. eine platte Sittlichkeitsrede, so platt fast, wie neulich die 1. Mai, zu begehen, wie? wird noch in den Parteiblättern des nationalliberalen Böttcher im Deutschen Reichstag. Und die Kandidatur Cavaignac's wäre eine Herausforderung an die Arbeiter, wäre die Verkündung des Bürgerkriegs. fozialem Gebiet zu Konzeffionen geneigt ist; und da es mit Zweck, Die Aufdeckung der Bant Diebstähle verdankt und Der bayrische Ober- Regierungsrath Rasp glaubt, es fehle Und das dürfte für die Ordnungsparteien doch ein etwas zu gefährliches Experiment sein. Auch hat der Ober- Regierungsrath Dr. Wörrishofer mit seinem bekannt gegeben werden. Der Schriftsteller De Amicis in Zurin, Buch über die Lage der Bigarrenarbeiter im Großherzogthum abgehalten persönlich zu erscheinen, hat seine Zustimmung tele Baden bewiesen, daß eine Lohnstatistit durchführbar ist. Die Berufsgenossenschaften hält Redner nicht für die richtigen Organe, graphisch gegeben. Zum Schluß will ich noch eine erfreuliche Nachricht über eine Lohnstatistik aufzunehmen, weil das Material dieser Organieine italienische Erfindung geben, die berufen fein fationen da am mangelhafteften sein werde, wo es sich vorwird, in der sicher kommenden sozialistischen Gesellschaft eine be- wiegend um Kleinbetriebe handle. Gerade in den Kleinbetrieben deutende Rolle zu spielen; vorläufig wird sie nur als Aus- würden meistens die schlechtesten Löhne bezahlt; weil jene Unterbeutungsmittel dienen, wie bisher alle Erfindungen. Ein Mai- nehmer nicht die Hilfsmittel der Technik zur Verfügung hätten, länder Ingenieur stellt in Terni in großem Maßstabe Wasserstoff müßten fie eben durch stärkere Ausbeutung der Arbeiter das ergas ber, daß bei einer Produktion von täglich 1800 Rubikmeter feßen, was ihnen an technischen Hilfsmitteln feble. Redner ist auf nur 4 Pfg. per Kubikmeter zu stehen kommt. Wenn man für die Annahme des Antrages des Referenten. tein Rauch, teine Asche, feine schädlichen Verbrennungsprodukte Unterstaatssekretär ohmann und der Direktor des statistischen bedenkt, daß die Verbrennung dieses Gases eine vollständige iſt, Nachdem Dr. Hirsch für den Antrag gesprochen, machten entstehen, daß durch dieses Gas die höchste Size erreicht wird, Amts, Dr. von Scheel auf die Schwierigkeiten aufmertjam, daß es an Leuchtkraft das elektrische Licht überflügelt, fo fann die der Durchführung des Planes entgegenstehen. Nach einem man sich einen Begriff von der Wichtigkeit dieser Erfindung Schlußwort des Referenten wurde dessen Antrag, wonach ein Asschuß Zweck, Umfang und Methode der Erhebung fefisezen Der Antrag lautet:" Die Kommiffion wolle beschließen: fol, angenommen. Hierauf tam ein Antrag von Dr. Hirsch zur Berathung. Der erste Panama- Prozeß hat mit der Bestrafung der Schuldigen geendigt. Wir theilten das bezügliche Tele gramm, das nach Schluß der Redaktion eintraf, noch in der gestrigen Nummer mit. Die Bestrafung ist eine strenge. Fünf Jahre Gefängniß für den großen Franzosen" und deffen Sohn ist mehr als vornehmen Spizbuben in der moralischen Gesellschaft der Bourgeoisie zuerfannt zu werden pflegt es ist aber gewiß nicht zu viel, wenn man die machen. Summe des Unglücks bedenkt, das diese Männer verursacht haben. Der berühmte" Eiffel ist dagegen entschieden zu fort. Die Adreßdebatten haben sich so in die Länge geIn England dauern die Angriffe auf das Ministerium billig weggekommen. Im ganzen müssen wir aber das Urtheil als ein gerechtes betrachten, und es hat in den 3ogen, daß Gladstone eine Strafsigung für morgen( SonnReihen der Panamitarden" Schrecken und einen Ent- abend, der sonst immer frei ist), ankündigen mußte, um den rüftungssturm hervorgebracht. Dieselben Blätter, die vor Montag für seine Homerule Bill frei zu bekommen. Bis jetzt war Geplänkel, dann beginnt der Kampf. furzem noch am lautesten die strenge Bestrafung der Schulbigen forderten, finden jetzt das Urtheil zu hart. Was soll auch aus der fapitalistischen Weltordnung werden, wenn ihre glänzendsten und logischsten Vertreter auf Jahre ins Gefängniß marschiren müssen? Da würde schließlich die Welt des Rapitalismus ein großes Buchthaus freilich in anderem Sinne als Herr Eugen Richter es gemeint hat. " Aus Italien schreibt man uns, d, d. Madrid, den 7. Februar 1893. Parlamentarisches. Berhandlungen der Kommission für Arbeiterstatistik. Die Kommission beschäftigte fich in den ersten Tagen dieser Woche mit der Abfaffung von Fragebögen zur Ermittelung der Arbeitszeit im Müllergewerbe. Am Donnerstag wurde über einen Antrag des Reichstags Abgeordneten Siegle verhandelt. Der Antrag lautet: Ich beantrage auf Grund von§ 4 Biffer 2 des Regulativs, dem Herrn Reichstanzler folgenden Vorschlag zu unterbreiten: " den Herrn Reichstanzler um die Vornahme einer Erhebung über die Verhältnisse der jugendlichen und weiblichen Arbeiter und die Arbeitszeit der erwachsenen Männer in der Hausindustrie, und zwar futzessive nach den Haupts zweigen derfelben, sobald die Arbeiten der Stommiffion es gestatten, zu ersuchen. Der Referent zu diesem Punkt, Ober- Regierungsrath Rasp weift zunächst auf die Ausdehnung der Hausindustrie hin. Gr legt bar, daß in derselben sowohl die Bohnverhältnisse, als bie Arbeitszeit die denkbar traurigften find. In England ist man bestrebt, die Hausarbeit zu beseitigen. Dieses Bestreben findet in ber traurigen Lage der in der Hausindustrie beschäftigten Arbeiter seine Berechtigung. Mit einer Erhebung durch Frage bogen werde man auf diesem Gebiet nichts erreichen, hier könne man nur durch Enqueten einiges Material erlangen. Site als Korreferent hält die schlesische Weberei für den Rest einer abgestorbenen Arbeitsweise, der mit der Zeit von der Fabrit aufgefogen werde. Antragsteller Hirsch hält es für nothwendig, die Aufmerkfamkeit auf die Hausindustrie zu richten. Die in diesen Unternehmungen beschäftigten Arbeiter befinden sich in der traurigsten Sage. Es ist nicht unmöglich, daß Arbeitgeber, die in der Ausführung der Arbeiterschußgefeße eine Beläftigung erblicken, gur Die Leser des Vorwärts" brauchen nicht durch einen Spezialbericht mit dem nunmehr aufgedeckten und sich immer mehr entblößenden Ausplünderungssystem im hohen Bantrevier „ Es sollen fortlaufende Erhebungen über die Löhne und Italiens bekannt gemacht zu werden; alle Welt weiß, daß auch die Arbeitszeiten aller Arbeiter vorgenommen werden, im schönen Italien schöne Banamas, diese mittelalterlichen Raub Diesem Antrag ist folgende Begründung beigegeben: welche ben gewerblichen Berufsgenossenschaften angehören." ritterzüge in moderner Form, an der Tagesordnung sind. Bu den festgenommenen Rommendatoren Tantongo und Guccinelli Die gesammte sozialpolitische Gesetzgebung, welche auf den tam gestern der Baron Lazzaroni; der Abgeordnete De- Berbi verschiedensten Seiten zu gleicher Beit in Angriff genommen ist Sausarbeit übergehen. Da nach§ 154 Abs. 4 der Gewerbewird vor Gericht geladen, viele feiner Kollegen sind tompro- und an deren Erweiterung wie Ergänzung auch fünftig zu ar- Ordnung dem Bundesrath das Recht auftehe, bie Schutzbestim mitttirt; des alten seligen Depretis, der, wie die Zeitungen beiten sein wird, macht eine genaue Kenntniß insbesondere der mungen ganz oder theilweise auf diese Unternehmungen auszu melden, auch eine halbe million aus der Kasia Grwerbsverhältnisse der arbeitenden Klaffen unumgänglich nöthig: Der Banca romana geschöpft haben soll zu„ politischen In allen Kulturstaaten bricht sich gleichzeitig diefe Grfenntniß debnen, fei zu erwägen ob der Bundesrath nicht von dieser Be Zweden" tann man nicht habhaft werden. Das, was jezt als Bahn und machen sich Versuche geltend, durch geeignete Maß- fugniß. Gebrauch machen solle. Raub betrachtet wird mögen hunderte von Millionen im nahmen dem Mangel an thatsächlichem Material abzuhelfen. im Reichstag zur Verhandlung geftanden, habe Redner und feine Moltenbuhr bemerkt, als der§ 154 der Gewerbeordnung Spiel sein, bildet nur eine durch das Gesetz verpönte An. Nicht blos das Interesse des Gesetzgebers, auch dasjenige der Fraktionsgenossen beantragt, daß ber legte Satz des Absatz 4 eignung, die andauernde, von Gefeßes wegen organisirte Aus- öffentlichen Meinung erheischt, daß man auf grund eines um- des§ 154, welcher lautet: Werfftätten, in welchen der Arbeit beutung des arbeitenden Volkes ist wie allerwärts, wo tapitalistische fassenden Einblicks in die wirklichen Verhältnisse einerseits den mehr geber ausschließlich zu feiner Familie gehörige Personen be und mehr überhandnehmenden willkürlichen Bablengruppirungen mit fchäftigt, fallen unter diese Bestimmungen nicht, gestrichen werde. unanfechtbaren Darlegungen entgegentritt, andererseits diejenigen Damals war im ganzen Reichstag, außer den Sozialdemokraten, wegen Schwindel, er will sich rächen und tlagt Sie an, Buntte bloslegt, an denen etwa ein helfender Eingriff möglich feiner, der diesen Antrag unterfügte. Wenn jest Arbeitgeber, daß Sie einen Terroristen beherbergt haben. Sie haben ist. Die Einwände, welche darauf sich gründen, daß hieraus um sich vor den Arbeiterschußbestimmungen au brücken, ihre etwas gegen die Regierung gejagt; ein Spion überbringt Unannehmlichkeiten oder Schädigungen erwachfen könnten, find Arbeit als Hausarbeit vergåben, so liege die Gefahr nahe, daß, es der britten Abtheilung); Sie haben in derselben Weise deshalb hinfällig, weil die theils unzulänglichen, theils un wo die Schutzbestimmungen auf die Hausarbeiter mit fremden an einen Freund geschrieben, der arretirt worden ist, und und immer wieder in die Deffentlichkeit geworfen werden, und arbeit übergingen. Hier, wo, die Arbeiter am schlechteften gestellt richtigen, theils positiv falschen Angaben doch vorhanden find Arbeitern ausgedehnt wurden, die Fabrikanten zur Einzel- BausIhr Brief wird bei dieser Gelegenheit entdeckt." weil gerade die hieraus entspringenden Unannehmlichkeiten und feien, habe man durch Gesez eine Freiftatt geschaffen, wo die Schädigungen weit größer find, als die bei genauer Feststellung schlimmsten Ausbeuter fich hinflüchten lönnten, ohne vom Gesez der Thatsachen etwa entstehenden. getroffen zu werden. Saben Sie dies alles nicht wirklich gethan?" Repin gestand seine Schuld ein. " Dann ist es geradezu Leichtsinn Ihrerseits, wenn Sie ruhig schlafen," fuhr Gregor fort, da Sie diese Nacht verhaftet und sich morgen auf dem Wege nach Archangel oder einem entfernteren und unbequemeren Drte befinden tönnen." Der alte Rechtsgelehrte antwortete lächelnd, er hoffe nicht, daß ihm so etwas paffiren würde, könne aber natürlich dessen nicht sicher sein. Und wir können's!" antwortete Gregor mit humoristischem Triumphe. Alle unsere Sünden sind weggewaschen, wenn wir unsern alten Paß in's Feuer werfen und mit einem neuen erscheinen; vorausgesetzt es ist ein guter und mir halten die Augen offen, so tönnen wir uns sehr gut durchwinden. Ich werde bald den vierten Jahrestag meiner illegalen Existenz feiern." " Dann lebft Du auf Roften eines anderen die doppelte Beit, die gebräuchlich ist," sagte Andrej. Es ist be rechnet, daß ein Jllegaler durchschnittlich nicht mehr als zwei Jahre lebt!" wären." Sie fönnten es auf wenigstens drei Jahre verlängern, wenn sie nicht zu säumig im Wechseln ihrer Pässe Gregor machte diese Bemerkung hauptsächlich zu seiner eigenen Befriedigung, denn niemand hörte seine weise Bemerkung. Es wurde zum Thee gebeten und alle erhoben sich und gingen ins Eßzimmer. Fortsetzung folgt.) Die Ausführung muß auf die berufsgenossenschaftliche Organi fation aufgebaut werden, weil alle anderen Erhebungsformen nur Augenblicke durchschnitte bieten und demnach Leinen genügenden Einblick in die wirkliche Lage der betreffenden Arbeiter liefern würden. Ferner sind hier die vorliegenden praktischen Schwierigkeiten die geringsten, d. y. man vermeidet eine neue Belästigung der Betheiligten. Nach einer kurzen Debatte wird der Antrag Hirsch ans genommen. Parteinachrichten. 3 Die Durchführbarkeit wird nicht nur durch bereits im Gebrauch befindliche Formulare der Berufsgenossenschaften, sondern sind weiter abgehalten worden in Einbed( Ref. Brey), HainProtestversammlungen gegen die neue Militärvorlage auch durch schon stattgehabte Besprechungen der Sachverständigen it a dt( Ref. Galm Seligenstadt), Breitenbrunn( Ref. bezeugt. Rosenow Chemnitz), Streichen und Bielhausen in Diejenigen Roften, welche bis zur Einrichtung des nothwen- Württemberg( Ref. Grundstein Ebingen). bigen Bählmaterials an das reichsstatistische Amt entstehen, be45 000 m. je für ein Jahr. Die Verarbeitung, welche unter Triberg, die von Delegirten der Orte Billingen, Donaus tragen für alle gewerblichen Berufsgenossenschaften noch nicht Reichstags- Kandidatur. Auf einer Parteikonferenz au Umständen auf eine fünfjährige Periode beschränkt werden könnte, eschingen, Furtwangen, Hornberg und Triberg besucht war, geht wurde zum Kandidaten für den 2. badischen Reichtagssebi am besten im ſtatiſtiſchen Amte vor sich. wahlfreis wieder der Genosse Bolderauer aus Rarlsruhe bestimmt. Bum Vorort des Kreises bestimmte man Billingen. Todtenliste der Partei. In Leipzig ist am 7. Februar Die Vorschläge über die Durchführung und Verarbeitung im Ginzelnen bleiben dem Ermessen der Rommission für Arbeiter statistit überlassen." Der Ober- Regierungsrath Dr. Wörrishofer, welcher als Referent für diejen Gegenstand beſtimmt war, führte aus, der Klempner Johannes Quade gestorben. das Material, fo erklärte er weiter, welches die Berufsgenossenschaften daß er mit der Tendenz dieses Antrages einverstanden ist. Aber Bolizeiliches, Gerichtliches ze. liefern tönnen, als Grundlage ist für eine Lohnstatistik nicht zu ge brauchen. Die Uebersichten der Berufsgenossenschaften laffen woh! Brauereien Magdeburgs ber Bontott ausgesprochen -Wegen Veröffentlichung der Beschlüsse, durch welche über einen Schluß auf die Höhe der Löhne zu, aber man tann aus wurde, verurtheilte bas bortige Schöffengericht die Genoffen denselben nicht die Art der Löhne, ob Akkord- oder Zeitlohn, Bater, Harbaum, Krull und Beer zu je 100 M. Geldersehen. Auch kann man aus diesen Uebersichten nicht die Art ftrafe oder 10 Tagen Haft. der Arbeit und die Länge der Arbeitszeit ermitteln. Fraglich ist ange und Vieweg wurden freigesprochen. Der Amtsanwalt Die mitangetlagten Genossen bie Lage der Arbeiter, beren Lohnhöhe man hatte gegen fämmtliche Angeflagte je 6 Wochen Haft beantragt. Wie die Magdeburger Boltsstimme" mittheilt, ift gegen die in *) Das ist ein Irrthum. Die deutsche Sozialdemokratie Geestemünde erscheinende Norddeutsche Bolts » Dritte Abtheilung in Nußland früher der Name der Ober- feiert den 1. Mai- fie sieht sich blos außer stande, die Arbeits- ftimme gleichfalls Strafantrag gestellt worden, weil fie ben leitung bar politischen Polizei. rube für diesen Zag durchzuführen. 8. b. 8." Bontottaufruf veröffentlicht hat. es, ob Für den Inhalt der Inserate über. nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Sonnabend, den 11. Februar. Opernhaus. Die Tochter des Regiments. Schauspielhaus. Rosantasena. Deutsches Theater. Der Talisman. Berliner Theater. Der Komödiant. Leffing- Theater. Heimath. G Wallner- Theater. Die große Glocke. Kroll's Theater. Geschlossen. Viktoria Theater. Die Reise um die Welt in achtzig Tagen. Residenz Theater. Gläubiger. Familie Pont- Biquet. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Der Gardehusar. Adolph Ernst- Theater. Modernes Babylon. N Circus Renz. Soffmann und Sebestreit zu ihrem ( Karlstraße.) Sonnabend, den 11. Februar 1893, Abends 714 Uhr: Gala- Sport- Vorstellung. Ein Hoch den Seefen Wilhelms heutigen Geburtstag. 1291b Kollegen der Blumenthal'schen Fabrik: E. P. F. W. G. H. J. H. Todes Anzeige. 6 Allen Freunden und Bekannten die Deutsch. Tischlerverband ( Bahlstelle Berlin). Versammlungen Aus dem reichhaltigen Programm wird besonders hervorgehoben! Hippologischer Kongress von 36 Vollblut pferden, vorgeführt von Dir. Fr. Renz. Konkurrenz- Schule geritten von Frl. fanft entschlafen ist. Die Beerdigung im Lokale des Herrn Deigmüller, Alte Jakobftraße 48a. Clotilde Hager und Frl. Oceana Renz findet am Sonntag, den 12. d. Mts., in Husaren- Uniform. Die grossartigen Nachm. um 3½½ Ühr, vom EmmausTremplinsprünge über 8-10 Pferde, Kirchhof statt. 12945 ausgeführt von den besten Springern Die Kollegen der Pianofabrik ,, Euterpe" der Gesellschaft Auftreten des an Albert Gast& Comp. erkannt besten Schulreiters der Welt traurige Nachricht, daß unser Kollege am Montag, den 13. Februar ds. J., Abends 82 Uhr: Auguft Otto nach langem, schwerem Branche Instrumenten- Arbeiter Beiden am Donnerstag, den 9. d. M., Mr. James Fillis mit seinem Bollblut pferde Germinal. Zum Schluß: Zum Bum Ein Künstlerfest. 29. Male. 29. Male. Große Ausstattungs- Pantomime vom Hofballetmeiſter A. Siems. Mit überraschenden Licht- und Wassereffecten. Auf das Glänzendste in Szene gefeßt v. Direktor Fr. Renz. Grosser Blumen- Corso. Ballet von 100 Damen. Sonntag: Zwei Vorstellungen. Nachmittags 4 Uhr( ein Kind frei):„ Die Touristen". Abends 7%, Uhr:„ Ein Thomas- Theater. Der böse Geist Enmpaci Vagabundus. Neues Theater. Toska. National- Theater. Die Braut von Künstlerfest". Messina. Billet- Vorverkauf an der Zirkustafse straße 51a. Alexanderplatz- Theater. Der u. beim Invalidendant", Markgrafen Glöckner von Notre- Dame. Apollo Theater. SpezialitätenVorstellung. Theater der Reichshallen. Spezialitäten- Borstellung. Kanfmann's Variété. SpezialitätenBorstellung. Gebrüder Richter's Variété. Spe zialitäten- Vorstellung. Winter- Garten. Spezialitäten- Bor ftellung. Adolph Ernst- Theater. Bum 49. Male: Modernes Babylon. Gesangsposse in 3 Aften v. Ed. Jacobson und W. Mannstädt. Couplets theilweise Fr. Renz, Direktor. Kaufmann's Variété Am Stadtbahnhof Alexanderplatz. we Großartiger Erfolg des neuen Programms. Mr. Hendrik, Huguston, Massias, Clark, Valois, Vanoni, Hurley's, Laurence, Türk u. s. w. Das Theater ist gut geheizt. Anfang Wochentags 8 Uhr. Entree 50 Pf. Beerdigungsverein Berliner Zimmerleutejährigem Leiden unser Kamerad, der Bimmerer August Beseler im Alter von 43 Jahren. Am 8. d. Mts. verstarb nach lang1293b 12. b. M., Mittags 12 Uhr, von der Die Beerdigung findet Sonntag, den Rathenowerstr. 59, nach dem JohannisFriedhof in der Seestraße statt. Der Vorstand. Danksagung. 1298b Für die liebevolle Theilnahme und Referent Herr Borchardt. Im Osten bei Schirmacher, Andreas- Straße Nr. 26. Vortrag über: Die verschiedenen Lohnsysteme. Referent: Th. Glocke. Im Norden, für Moabit und Wedding bei Geissler, Tegelerstraße 55 und 56. Referent: R. Wolf. Tagesordnung in sämmtlichen Versammlungen: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Die Mitglieder werden nochmals ersucht, sich die Zeitungen Die nächste Vorstandsfkung findet am Donnerstag, 16. Februar, bei Schöning, Stallschreiberstraße 29, ftatt. Die Ortsverwaltung. gegen Borzeigen des Quiltungsbuchs auf den Zahlſtellen abzuholen. Deffentliche Versammlung für Männer und Frauen 817/2 Sonntag, den 12. Februar 1893, Abends 6 Uhr, in der Berliner Bockbrauerei, Tempelhofer Berg. Tages- Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. Der Einberufer. zahlreiche Betheiligung, sowie für die am reichen Blumenspenden bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes, des Buyers Wilhelm Bogel, fage allen Kollegen, Freunden und Bekann Nach der Versammlung gemüthliches Beisammensein mit Tang, ten desselben, insbesondere den Mitgl. veranstaltet vom Sozialdemokratischen Wahlverein für den 2. Berliner des Zentralverbandes deutscher Maurer Reichstags- Wahlkreis. Um zahlreichen Besuch bittet und des Gesangvereins ,, Gemüthlichkeit" 153/20 herzlichen Dank. Der Vorstand. Sterbekasse.( Siz Mainz.) Ww. Bogel nebst Kindern. Allgemeine deutsche Zuschuß Kranken- und Fachverein der Stellmacher Berlins u. Umgegend. Versammlung am Montag, den 12. Februar cr., Vorm. 92 Uhr, Rosenthalerstr. 38. Tagesordnung: von G. Görss. Muſit von G. Steffens. Gratweil's Bierhallen Antrags der letzten Versammlung. In Szene gesetzt von Adolph Ernst. Anfang 7/8 Uhr. Morgen: Dieselbe Borstellung. American- Theater. Novität! Novität! Der Dussel ( Nulpus) Parodistisch- realistischer Vorgang in der Dachlammer, frei nach Ibsen und Tolstoi von Oscar Wagner. • · ( Klemm- Ede Martin Bendix.) Alfred Bender in seinem neuesten Originalvortrag Der Boltsmund in Berlin. Blank, der beste Bauchredner. Anhaltender Erfolg. Die Trockenwohner. PassagePanopticum. Neu! Das unerklärliche Verschwinden eines frei in der Luft hängend. Mädchens. Castan's Panoptikum. Hagenbeck's gr. zoolog. Wunder: Lili. Lili. Kommandantenstraße 77-79. Täglich Germania- Konzert- u. Kouplet- Sänger 1. Bericht des Vorstands, betreffs des 2. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 1271b Der Vorstand. Arbeiter- Verein für fowie Auftreten des musikal. Rummelsburg und Umgegend. Clown Mr. Barna und Damen- Imitator Willy Wilson. Gr. Frühstücks- u. Mittagstisch. Bwei Säle zu Versammlungen und Vergnügungen. Sonntag, den 12. Februar, Nachm. 3 Uhr: Deffentliche Versammlung sowie 6 Billards und 3 Kegelbahnen, im Lokale des Herrn Borchmann, F. Sodtke. Etablissement Buggenhagen. Moritz Play. Hauptstraße 11. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Otto Klein über:„ Die Bourgeoisie und die Sozialdemokratie." 2. Diskussion. 3. Ver schiedenes. Nachher:" Moriz Play. Täglich Instrumental- Konzert. Großer Frühstücks- u. Mittagstifdy. Spezial- Ausschant von Paten- 110/8 hofer Lagerbier, hell und dunkel. An Sonn- und Festtagen findet das Konzert in den oberen Sälen statt. Entree Wochent. 10 Pf. Sonnt. 25 Pf. Säle für Bersammlungen, Rommerse, Festlichkeiten 2c. Geselliges Beisammensein. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Freireligiöse Gemeinde. Rosenthaler- Straße Nr. 38. Sonntag, Vormittags 1014 Uhr: Vortrag von Herrn Dr. Pinn: Deutschen. Gäste sehr willkommen. 152/3 Allen Freunden, Bekannten und Ge- Kultus und Kultur der alten nossen empfehle mein neu eingerichtetes Weiß- und Bairisch- Bier- Lokal. Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt. Vereinszimmer für 60 Personen zu vergeben. 3650L* Benno Stabernack, Pücklerstr. 49, 2. Haus von der Wrangelstraße. Geschäftsverlegung. Allen Genossen, Freunden und Befannten zur Nachricht, daß ich mein Weiß- und Bairisch- Bier- Lokal von Mariendorferstr. 10 nach[ 1286b* Mariendorferstraße Nr. 5 Ede Solmstraße verlegt habe. Vereinszimmer für 50 Personen steht zur Verfügung. Die Zahlstellen des Wahlvereins, der ArbeiterBildungsschule, der Maurer- Krankenkasse W. Grube. fleinft. lebend. Elefant d. Welt, u. f. w. daselbst. 90 Zentimeter hoch, 110 Bentimeter lang, 78 Kilo schwer. Tai- za- Wunder- IllusionenTheater. Grosses Künstler- Konzert. Sämmtlich ohni Extra Entree. Feen- Palast. = Heute, Sonnabend, Bockbier- Anstich, wozu Freunde und Bekannte einladet 1287b A. Sievert, Görligerstr. 50. Herm. Hammel Destillation ,, Zu den drei Kronen" Bringeffinnenstr. 15, Ecke Oranienſtr. empfiehlt: 3659L* Privat Festlichkeit halber fällt am Sonnabend, den 11. Februar, die Vor- Rum, Cognac, Arac, Grog-, ftellung aus. Sonntag, den 12. Februar: Große Punsch-, Glühwein- Essenz. Extra- Vorstellung. Vereinszimmer, Simeonstr.23, Flick. Die gegen Kollegen 2. Heckel aus gesprochene Beleidigung nehme ich hier mit zurück.[ 12975] E. Wehowski. Die Beleidigung, die ich gegen Fr. Wegener im Restaurant von Karl Kurz ausgesprochen habe, nehme ich zurück.[ 12926] F. Kujawa. Ich habe die Eheleute Klemms Empfehle nach wie vor mein wergrößertes tokat, franz. Billard ze. dem verehrten Publikum. Vorwärts, Volks- Zeitung, sowie andere Zeitungen [ 3596L liegen aus. M. Berndt, Oranien- u. Alexandrinenstr.- Ecke. Bahuziehen, schmerzlos u. gefahr los mit lokaler Betäubung ( 1 M.) mittelst Cocaïn.( 1 m.) ( Neues Verfahren.) Dieselbe gewährt ihren Mitgliedern bei einem wöchentlichen Beitrag von 20, 25 bezw. 35 Pf. eine wöchentliche Kranken- Unterstützung von 6, 9 bezw. 12 M. und Sterbegeld von 40, 50 beziv. 60 M. Das Einschreibegeld beträgt bis zum 45. Jahre 1,30 M.; auch werden bis zum 15. März d. J. Personen von 45-55 Jahren gegen ein Einschreibegeld von 5,30 M. aufgenommen. Aufnahmefcheine sind in Empfang zu nehmen beim Kassirer 406/1 H. Schulz, Memelerstr. 60a, III. Mitglieder- Versammlung der Holz- u. Bretterträger Berlins u. Umgegend Montag, den 13. Februar, Abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Otto Klein, Schönleinstraße Nr. 6. Zages Ordnung: 179/5 1. Vereins- Angelegenheiten. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Grosse öffentliche Versammlung für Männer und Frauen am Sonntag, den 12. Februar, Abends 6 Uhr, bei Otto Klein, Schönleinstr. 6. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Robert Wolf über ,, Soziale Streiflichter". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten 10 Pf. Entree. 158/19 Nachher: Geselliges Beisammensein. Um zahlreiches Erscheinen bittet Die Einberuferin. Blumen-, Putz- u. Federn- Arbeiter u.-Arbeiterinnen. Sonntag, den 12. Februar, Abends 6 Uhr, Kommandantenstr. 20: Vortrag des Genossen Gent 87/3 über„ Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenunterstützung." Nachdem: Geselliges Beisammensein und Tanz. Es ladet ein Der Vorstand. In der am Donnerſtag ſtattgefundenen Feen- Palast, Burg- und Wolfgangstraßen- Ede. Versammlung in der Schloßbrauerei zu Schöneberg ist ein Portemonnaie mit Inhalt gefunden worden; dasselbe ist abzuholen beim Genossen Freidant, Grunewaldstr. 115, 2. Quergeb. 4 Tr. Mehrfach prämiirt. Heute, Sonnabend, den 11. Februar 1893: Großes Winterfest= Specialität: des Verbandes aller in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter D. R. P. Schäffer's itx har Coonac 0 AMANNAFFER Jamar Korabreni BRESLA MalzBranntwein ( gesetzl. gesch.) Ersatz für Cognac. empfiehlt in Originalflaschen à 1/1 Ltr. und Gebinden, ebenso Breslauer Getreide- Korn die Dampfbrennerei Herm. Schäffer Breslau. Vertreter und Lager bei S. Tramer, Berlins und Umgegend. Grosses Vokal- u. Instrumental- Konzert unter gütiger Mitwirkung des Gesangvereins Liedesfreiheit( Mitglied des Arbeiter- Sängerbundes) unter Leitung seines Dirigenten R. Tietz. Auftreten des Volkshumoristen H. Osang nebft Familie. Zur Aufführung gelangen: 6 große lebende Bilder. Die Musik wird ausgeführt von der Freien Vereinigung der Zivil- Berufsmusiker unter Leitung des Dirigenten Paul Brandt. Große Verloosung. Eröffnung 7% Uhr. Anfang 81/2 Uhr. Nach dem Konzert: Grosser Ball. Herren, die daran theilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Billets à 20 Pf. find in allen Zahlstellen sowie in allen mit Plakaten belegten pandlungen zu haben. Textbücher zu den lebenden Bildern find gleichfalls an allen obigen Stellen à 10 Pf. zu haben. Einen genußreichen Abend versprechend, ladet freundlichst ein Das Komitee. 228/7 Freie Volksbühne. 1. Am Sonntag, den 12. Februar, Nachmittags 22 Uhr, findet die Borstellung der IV. Abtheilung( braune Karten) im ,, National- Theater statt. Zur Aufführung gelangt zum 4. Male: NO., Mendelssohnstr. 14. Allen Genossen, Freunden und Befannten zur Nachricht, daß ich das Cigarren- u. Tabakgeschäft von Herrn B. Stabernad übernommen habe und halte mich bestens Den Mitgliedern der I., II. n. III. Abtheilung steht es frei, empfohlen. W. Gesche, Wrangelftr. 85. gegen Nachzahlung von 60 Pf. die Vorstellung noch einmal zu befuchen. Die Mitglieder werden gebeten, von dieser Freiheit GeAndere Beifen. Schauspiel in vier Atten von Paul Baber. Die Verloosung beginnt um 1 ühr. Mitglieder der IV. Abtheilung werden in allen Zahlstellen aufgenommen. ſehr beleidigt und nehme die Beleidigung Nervtööten. Blombiren. Bahnreinigen. C. Boll, Wienerstr. 1 empfiehlt fein brauch zu machen. Weiß- u.BaiHedwig Neumann, Griebenowftr. 13. Boyenstr. 7, part., Ludwig Diehl. Vereinszimmer u. Boyenstr. 7, part., Ludwig Diehl. Bereinszimmeru. Winter- gelbahnen reuevoll zurück. 1296b [ 3656L risch- Bierlokal 389/3 Der Vorstand der Freien Volksbühne. J. A.: Julius Türk, SW., Golmsstr. 24. Berantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin, SW, Beuthstraße 2. Hierzu zwei Beilagen 1. Beilage zum„, Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 36. Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. Sonnabend, den 11. Februar 1893. 10. Jahrg. Arbeitsordnung des preußischen Eisenbahn- Ministers? Aehnliche wurde. Hier wird sich vielleicht eine bessere Gewohnheit heraus Uebergriffe erlaubt sich die Militärverwaltung in bezug auf ihre bilden. Wenn Herr Bebel auf die besonderen jüdischen Feiertage Waffenfabriken u. f. w. Wenn staatliche Betriebe solche Ver- hingewiesen hat, so müssen wir daraus den Schluß ziehen, daß letzungen begehen, was soll man da Privatunternehmern gegen die Arbeiter gegen die jüdischen Arbeitgeber geschützt werden 41. Sigung vom 10. Februar 1893, 1 Uhr. über fagen? Uebrigens ist eine ähnliche Bestimmung bei den müssen, damit der christliche Sonntag ihnen bleibt und sie nicht Um Bundesrathstische: v. Bötticher, v. Berlepsch Werkstätten der Marineverwaltung aufgehoben. Wie steht es mit etwa an diesem christlichen Feiertage die versäumte Arbeit nachund Kommiffarien. der Beschäftigung von Arbeitern, die älter als 40 Jahre sind? holen müssen. Daß die Bigarrengeschäfte geschädigt werden, Die zweite Berathung des Reichshaushalts- Etats wird fort- Werden solche Arbeiter bei der Eisenbahn- Verwaltung angenom scheint mir auch wahrscheinlich. Vielleicht kann man dadurch gefekt und zwar beim Etat des Reichsamts bes men? Herr v. Bötticher hat es für wünschenswerth erklärt, daß helfen, daß man die ihnen Konkurrenz machenden Restaurants Innern, Gehalt des Staatssekretär3 50 000 m. die Arbeitervereine mit den Fabrikinspektoren in Verbindung Sonntags Vormittag bis 12 oder 11 Uhr schließt. Herr Abg. Möller( natl.): Wenn ich auch einige Beschwerden treten. Wie stimmt das aber dazu, daß die Theilnahme an von Vollmar lacht darüber( Abg. von Vollmar: Ich habe Ihnen über die Handhabung der Vorschriften über die Sonntagsruhe folchen Arbeitervereinen den Arbeitern in staatlichen Betrieben ja gar nicht zugehört.)( Heiterkeit.) Wir schützen dadurch die vorzubringen habe, so kann ich mich doch nicht den Anstrengungen untersagt wird? Die Theilnahme an Arbeitervereinen wird in Kellner etwas und auch die Zigarrengeschäfte. Dann müßte auch anschließen, welche die Novelle zur Gewerbe- Ordnung ändern den schwarzen Listen gekennzeichnet, wie das von seiten des dagegen etwas gethan werden, daß infolge der Sonntagsruhe wollen. Es giebt eine Reihe von Geschäften, welche durch die Bürgermeisters von Staßfurt in großem Umfang geschehen ist. für eine ganze Reihe von Arbeitern eine ununterbrochene Arbeit Handhabung der Sonntagsruhe erheblich geschädigt sind, nament Solche Denunziationen hätten doch auch den preußischen Minister von 24 und 36 Stunden stattfindet. lich die Barbiergeschäfte und die Tabats- und Bigarrengeschäfte. des Innern veranlassen müssen, dagegen einzuschreiten. Abg. Wöllmer( dfr.) Soweit meine Kenntniß reicht, zahlen Die Oberpräsidenten sind ja auch schon aufgefordert worden, Preußischer Handelsminister v. Berlepsch: Ich bin der die israelitischen Gewerbetreibenden ihren Arbeitern, die unüber diese Dinge Bericht zu erstatten. Ob das schon geschehen Meinung, daß es sich um ausschließlich preußische Angelegen- freiwillig einen Ruhetag machen müssen, für den Tag ihren Lohn. ist, weiß ich nicht. In manchen Fällen sind allerdings nicht die beiten handelt und daß Herr Bebel nicht in der Lage ist, zu Daß Herr Stöcker den Schluß der Restaurants für den Sonntag Staatsbehörden, sondern die Kommunen verantwortlich zu verlangen, über solche Dinge, welche nicht mit der Ausführung Vormittag verlangt, ist begreiflich; aber ich glaube taum, daß machen, wenn sie die Sache durch Drtsstatut geregelt haben. der Gewerbe- Ordnung im Zusammenhang stehen, hier Auskunft dabei etwas herauskommen wird. Ebenso unmöglich ist es, für Durch Aenderung der Ausführungsvorschriften fann manche zu verlangen. E3 muß dem preußischen Landtag vor diejenigen Geschäftsleute, die ihr Geschäft allein versehen, eine Härte vermieden werden. Ich habe schon im November behalten bleiben, über diese Dinge Auskunft zu verlangen. Ausnahme zu machen gegenüber denjenigen, welche fremde Leute namentlich auf die Schädigung der Bigarrenhändler hingewiesen. Alle Bestimmungen der Arbeitsordnung, die Herr Bebel angeführt beschäftigen. Das würde mit den Absichten des Gesetzgebers im Damals ist mir gesagt worden, die Abnahme des Verkehrs hat, widersprechen nicht den Bestimmungen der Gewerbe- Ordnung; Widerspruch stehen. Ebenso kann man nicht für Zigarrengeschäfte am Sonntag wurde aufgewogen durch eine Zunahme des denn sonst würde es auch der Gewerbe Ordnung widersprechen, allein eine Ausnahmebestimmung erlassen, denn dann müßten auch Verkehrs am Sonnabend. Ich habe meine Statistit einiger- wenn die Sozialdemokraten Gastwirthe und Brauereien bontottiren. die anderen Geschäfte, welche Bigarren nur nebenbei verkaufen, maßen vervollständigt, und dabei ist folgendes ermittelt: Das sind Versuche zu Zwangsmaßregeln, die nicht der Gewerbe- offen halten tönnen. Das würde zur großen Beeinträchtigung Am Sonnabend hat sich eine kleine Zunahme bemerkbar gemacht, Ordnung widersprechen, ebensowenig, wie es derselben wider- der Handlungsgehilfen führen; diesen wollen wir aber das lassen, aber am Sonntag eine Abnahme, die allerdings von einer Seite spricht, wenn ein Arbeitgeber die Bedingungen formulirt, unter was ihnen das Gesez gewährt hat. Die schwarzen Listen find auf den allgemeinen wirthschaftlichen Niedergang zurückgeführt wird. welchen Arbeiter bei ihm eintreten tönnen. Die Verzögerung nicht schön, namentlich wenn ein Beamter sich daran betheiligt; Alle Geschäfte, welche Nahrungs- und Genußmittel verkaufen, der Bestimmungen über die Sonntagsruhe schiebt Herr Bebel auf aber das Boykottiren ist auch nicht schön, und diejenigen, die sich befinden sich in derselben Lage wie die Bigarrengeschäfte. Hier die Einwirkung der Großindustrie. Das ist durchaus unrichtig. gegen die schwarzen Listen wenden, sollten ihren Einfluß aufmuß theilweise eine generelle Neuordnung eintreten durch Ber- Einem solchen Einfluß ist durchaus nicht nachgegeben worden. wenden, um das Boykottiren zu verhindern. Die Gemeindefügung der Behörde, theilweise muß die Sache örtlich durch Es sind nur die Großindustriellen aufgefordert worden, ihr Gut behörden haben sich bisher dem Vorgehen der Staatsbehörden Statut der einzelnen Gemeinde geregelt werden entsprechend den achten abzugeben. Die große Komplizirtheit der Arbeit hindert untergeordnet, weil es sich um ein neues Gebiet handelt, auf verschiedenen Verhältnissen. deren Erledigung in furzer Frist. Es werden die Fabrifinspek- dem man noch keine Erfahrung gemacht hat; sie werden, wenn Abg. Bebel( Soz.): E3 tönnte manche Klage, die jetzt er- toren, die Industriellen und auch die Arbeiter gehört werden, es nöthig ist, vielleicht später mit ortsstatutarischen Bestimmungen hoben wird, beseitigt werden, wenn die Ausführungsbestimmungen und dann wird ungesäumt an Erlaß der betreffenden Vor- vorgehen. zur Gewerbegesetzgebung, die doch nun einmal Sache des Reiches schriften herangetreten werden. Drei unserer Hauptarbeitskräfte Abg. Bebel( Soz.): Meine Beschwerde über die Arbeitsist, auch Reiches Sache würden. Dazu könnten die National- find durch Krankheit und Ueberarbeitung auf Monate ihrer Be- ordnung gehört wohl hierher und nicht in den Landtag. Es handelt liberalen recht gut mithelfen. In bezug auf die Sonntagsruhe schäftigung entzogen. Man wird ermessen können, was das für sich um die Handhabung eines Reichsgesetzes, über deffen Ausim gewerblichen Betriebe hat sich unsere Hoffnung nicht erfüllt. Bei eine Bedeutung hat. Die Erfahrungen, welche mit der Sonn- führung wir hier verhandeln und sogar Beschlüsse fassen können. der Berathung der Gewerbe- Ordnungs- Novelle fonnte man die tagsruhe im Handelsgewerbe gemacht sind, tönnen gar feinen Der Handelsminister selbst hat ja auch über die Ausführung der Hoffnung gewinnen, daß Ende 1892 die betreffenden Vorschriften Anlaß geben zur Verzögerung der Vorschriften über die Sonn- Sonntagsruhe in Preußen hier ausführlich gesprochen. Warum erlassen sein würden. Jetzt scheint aber auch das Jahr 1893 tagsruhe in den gewerblichen Betrieben. Die Hindernisse bei den sollen wir nicht über die Handhabung von Reichsgesetzen seitens vorübergehen zu wollen, ohne daß solche Vorschriften veröffentlicht letteren liegen auf einem ganz anderen Gebiete. Die Un- der Einzelstaaten reden, wenn die Einzellandtage tagelang über werden. Der Staatssekretär hat ja neulich die großen Schwierig- zufriedenheit ist durchaus nicht so groß, wie sie erscheint. die Reichsgesetzgebung sich unterhalten? Der Boykott ist nicht teiten geschildert, welche fich angeblich entgegenstellen. Aber Wie die Verhandlungen des Reichstags ergeben, wollte man den zu vergleichen mit der Prüfung der Arbeiter auf ihre politische der Bundesrath ſollte sich beeilen, diese Vorschriften zu Handlungsgehilfen eine möglichst ausgiebige Sonntagsruhe ge- Gesinnung hin. Der Boykott wird nur verhängt, wenn man erlassen; es scheint indeß die Absicht vorzuliegen, den währen und hatte deshalb Bedenken dagegen, daß die Vorschriften sozialdemokratische Arbeiter anders behandelt als andere Arbeiter. Erlaß dieser Vorschriften möglichst hinauszuschieben. Denn der Polizei überlassen werden sollten. Die Behörden haben sich Wir wollen nur damit die Gleichberechtigung erlangen. Die über die Verhältnisse in dem Gewerbebetrieb war doch der aber den Wünschen des Reichstages vollständig gefügt. Den fistalischen Arbeitsordnungen betreffen nicht nur das Verhalten Bundesrath schon vorher unterrichtet und braucht nicht jetzt auf berechtigten Klagen ist auch abgeholfen durch Ausnahme- der Arbeiter innerhalb des Betriebs, sondern auch ihr Verhalten das Studium des Materials zu warten. Das thatsächliche bestimmungen, z. B. für den Blumenhandel u. s. w. Die Klagen außerhalb desselben. Das Gesetz gestattet nur Bestimmungen für Material in der Sonntagsenquete und in den Jahresberichten waren gleich in den ersten Wochen sehr lebhaft, find aber all das Verhalten im Betriebe. Die obere Eisenbahnbehörde hat die der Fabrikinspektoren dürfte wohl ausreichen, um die Verordnung mälig verstummt. Merkwürdig ist es jedenfalls, daß von den Verfügung der unteren Behörde gebilligt, sodaß nicht einmal die zu erlassen. Wir haben allerdings schon früher darauf hin- Konsumenten keine einzige Klage laut geworden ist. Das mußte im Gesetze vorgesehene Berufung an eine höhere Instanz wirksam gewiesen, daß die dehnbaren Bestimmungen der Gewerbe- gegen die Klagen mißtrauisch machen und regte nicht dazu an, sein kann, während dies bei Privatbetrieben möglich ist. Wenn Ordnungs- Novelle schließlich dazu führen können, das Gesetz voll- allzu sehr entgegenzukommen, zumal die Petitionen der Handlungs- man die Sozialdemokraten von den staatlichen Betrieben ausständig zu durchlöchern und wirkungslos zu machen. Das zeigt gehilfen ihr vollständiges Einverständniß ausdrückten. Verloren schließt, so schafft man nur Heuchler, und die sozialdemokratifich jest schon recht deutlich. Die Klagen über die Sonntagsruhe haben allerdings einige Geschäftszweige, namentlich die Geschäfte, schen Stimmen werden doch abgegeben, wie die Vorgänge in mehren sich seitens der Geschäftsinhaber; sie wollen die Verkaufs- welche sonst von der ländlichen Bevölkerung Sonntags Nach- Kiel und Wilhelmshaven zeigen. Beim Ahlwardt- Prozeß hat stunden vermehrt wissen, während die Arbeiter, die Gehilfen, mittags aufgesucht wurden, und die Geschäfte, welche Nahrungs- sich herausgestellt, daß die Löwe'sche Fabrik auf Weisung davon nichts wissen wollen, selbst diejenigen nicht, die nicht auf und Genußmittel verkaufen. Gegen diese Schwierigkeit giebt es der Militärbehörden 497 ihrer besten Arbeiter, die den dem Boden der Sozialdemokratie stehen. Gegen solche Durch ein Mittel: die Geschäftsstunden zu vermindern und zu verlegen. ersten Mai feierten, entlassen, daß sie Pfuscher einbrechung der gefeßlichen Vorschriften müssen wir uns entschieden Davon hat man aber nur in zwei oder drei Fällen Gebrauch stellen mußte, wodurch die Judenflinten entstanden. Redner wehren. Es ist sehr bedauerlich, daß der preußische Handelsminister gemacht, in einzelnen Kreisen des Regierungsbezirks Trier und bittet den Staatssekretär von Bütticher, eine Zusammendie Provinzialbehörden schon aufgefordert hat, zu berichten, wie im Kreise Wesel. Wenn die erste Mißstimmung über diese Einstellung derjenigen Verfügungen mitzutheilen, welche die Behörden man den Wünschen der verschiedenen Kategorien von Geschäfts- richtung überwunden sein wird, wird man sich sehr wohl dabei in bezug auf die Sonntagsruhe erlassen haben. Wegen UeberLeuten entgegenkommen könne. Wenn die Verkaufsstunden ver- fühlen. Für die Zigarrengeschäfte eine Ausnahme zuzulassen, lastung mit Geschäften habe er versäumt, den Antrag eins mehrt werden, dann fällt jeder Sonntag fort. Denn das Ver wäre sehr bedenklich; denn wenn außer Zigarren noch zubringen. Sollte eine ablehnende Antwort erfolgen, so werde faufspersonal ist nicht nur während der Verkaufsstunden thätig, andere Waaren in den Geschäften geführt werden, so er für die dritte Lesung einen ausdrücklichen Antrag bringen. sondern es muß nachher noch aufräumen und Alles wieder in werden die anderen Geschäftszweige ebenfalls Ausnahme- Staatssekretär v. Bötticher: Ich freue mich, daß Herr Ordnung bringen, so daß die freie Zeit sehr erheblich verkürzt wird. bestimmungen verlangen und es gäbe schließlich keine Grenze. Bebel sich ebenfalls mit Ueberlastung durch Geschäfte entschuldigt; In England wird troh der weit ausgedehnteren Sonntagsruhe Daß eine längere Uebergangszeit nothwendig sein würde, um die ich will es ihm aus Höflichkeit glauben und erwarte nur den teine Klage laut. Das liegt daran, daß die Fabriken schon Sonn- Bevölkerung an die Sonntagsruhe zu gewöhnen, haben wir von Gegendienst, daß er auch an unsere Ueberbürdung glaubt. Be abend Nachmittag 2 Uhr geschlossen werden, damit die Arbeiter Anfang an vorausgesehen. Ich nehme heute schon an, daß die züglich seines Wunsches fann ich erklären, daß mir augenblicklich ihre Einkäufe machen können. Man sollte nur Aehnliches auch Anschauungen über die Vorschriften andere geworden sind als vor kein Grund vorzuliegen scheint, eine Zusammenstellung der Ver in Deutschland einführen, dann wird man überhaupt Sonntags wenigen Monaten.( Beifall rechts.) fügungen der oberen Verwaltungsbehörden bezüglich der Sonntein Geschäft eröffnen brauchen. Von gewissen Seiten sieht man Bayerischer Bevollmächtigter Landmann weist darauf hin, tagsruhe zu veranlassen; ich glaube aber, das wird ein ziemlich allerdings die Gesetzgebung als einen Eingriff in die persönliche daß die bayerische Regierung die Vorschriften über die Sonntags- umfangreiches Opus werden. Freiheit an; diese Redensart fennt man. Die jüdischen Geschäfts- ruhe durchaus nicht lay handhabe, wie dies hervorgehen könnte Darauf wird um 52 Uhr die weitere Berathung bis Sonnleute schließen am Sonnabend ihre Geschäfte aus religiöser aus einer von dem Abg. Bebel vorgebrachten Selage, daß die Be- abend 1 Uhr vertagt. Ueberzeugung, ohne daß das Gesez sie dazu zwingt; aber daß ſtimmungen in Ludwigshafen anders feien als in dem jenseits ein christlicher Raufmann freiwillig zur Beobachtung der Sonn- des Rheins gelegenen Mannheim. Die Verschiedenheit der Betagsruhe sich entschließen könnte, davon ist niemals die Rede. Stimmung ist noch kein Grund für die Annahme, daß die HandDaß ein gewisser Einnahmeausfall in den großen Städten ein- habung eine lage ist. treten wird, war vorauszusehen. Die ländliche Bevölkerung Abg. Sine( 3) bedauert, daß die Vorschriften über die fauft nunmehr in den nahegelegenen Flecken und nicht in den Sonntagsruhe in den Werkstätten noch nicht in Aussicht gestellt großen Städten. Mit dieser Entwickelung sollten eigentlich die werden, bestreitet aber, daß es sich dabei um eine absichtliche Die Kommission zur Vorberathung der lex Heiute Herren Konservativen und die Herren vom Zentrum zufrieden Verzögerung handelt, wie die Sozialdemokraten behaupten. Diese nahm heute, nach sehr lebhafter Debatte, statt des von der Refein. Ich mache auch darauf aufmerksam, daß die Zigarren- Vorschriften müßten noch sorgfältiger vorbereitet werden als die gierung vorgeschlagenen Knebelparagraphen folgenden Antikulturgeschäfte Sonnabends bis 12 Uhr Mitternacht und Sonntags betreffend das Handelsgewerbe. Gewisse Schwierigkeiten haben bestrebungs- Paragraphen mit 12( onservative, Zentrum und von 12 Uhr Mitternacht ab geöffnet sind, um die wenigen sich der Sonntagsruhe für das Handelsgewerbe entgegengestellt, ein- Nationalliberale) gegen 6 Stimmen( Sozialdemokraten und Freis Stunden noch auszunuzen. Für Zigarrengeschäfte die Ausnahme- mal die nicht günstige Lage des Gewerbes überhaupt und dann finn) an, dessen Fassung ein Unikum selbst auf dem Gebiete der bestimmungen festzustellen, wie für die Geschäfte, welche Nahrungs- der Umstand, daß für die Werkstätten die Frage noch nicht ge- Bestrebungen zur Ausbreitung der Dummheit, Barbarei und mittel feilhalten, wäre falsch; dann würde sich eine regelt wurde. Mit der Zeit wird sich ein Ausgleich wohl Heuchelei bildet: Menge von Geschäften Bigarren zulegen, um von finden. § 184. Parlamentarisches. 3. wer durch Ankündigung in Druckschriften unzüchtige Vers bindungen einzuleiten sucht. der längeren Geschäftszeit Gebrauch machen zu können. Abg. Stöcker( dt.): Ich wünsche nicht, daß die Regierung Mit Gefängniß bis zu 6 Monaten und mit Geldstrafe bis Besonders bedenklich ist die indivuelle Regelung. Wie bitter auf die politische Gesinnung der Arbeiter Rücksicht nimmt. zu 600 M. oder mit einer dieser Strafen wird bestraft: haben sich die Berliner Kaufleute darüber beklagt, daß in Char- Aber wenn Herr Bebel hier auf der Tribüne erklärt, daß er die 1. wer unzüchtige Schriften, Abbildungen oder Darstellungen lottenburg und in den Vororten die Verkaufsstunden anders ge- himmlischen und die irdischen Autoritäten bekämpft, so fann er feilhält, verkauft, vertheilt, an Orten, welche dem Publitum zus regelt waren als in Berlin. Da ist eine gleichmäßige Regelung sich nicht wundern, wenn die Regierung sich seine Anhänger gänglich sind, ausstellt oder anschlägt oder sonst verbreitet, wer durchaus vorzuziehen. Daß der Verkehr in den Kneipen zu etwas genauer ansieht. Im übrigen aber wünsche ich, daß die sie zur Verbreitung herstellt, oder zum Zweck der Ver genommen hat, ist selbstverständlich. Denn die vielen fleinen Ge- Staatsbetriebe die Sozialdemokratie nur dadurch bekämpfen, daß breitung vorräthig hält, ankündigt oder anpreist, schäftsleute und Handlungsgehilfen, die früher keine Sonntags- fie für ihre Arbeiter musterhafte Zustände herbeiführen. Ueber 2. wer Gegenstände, die zu unzüchtigem Gebrauch bestimmt ruhe tannten, haben jezt Gelegenheit sich ein Vergnügen zu die neuen Vorschriften bezüglich der Sonntagsruhe können wir sind, an Orten, welche dem Publikum zugänglich sind, ausstellt gönnen und gehen dann auch einmal Sonntags in die Kneipe. heute noch kein Urtheil abgeben. Die Dinge haben sich noch nicht oder öffentlich ankündigt oder anpreist, Wenn das Publikum sich an die Einrichtung gewöhnen wird, eingelebt, namentlich weil die kleinen Leute sich schwer an solche wird in wenigen Jahren kein Mensch Klage darüber erheben. Neuerungen gewöhnen. Wenn man wirklich den HandlungsDie Arbeitsordnungen, welche auf grund der neuen Gewerbe- gehilfen einen Dienst erweisen will, so muß man ihnen einen zuOrdnung erlassen werden sollen, entsprechen bei der staatlichen sammenhängenden freien Sonntag- Nachmittag gewähren. Die Eisenbahnverwaltung nicht immer dem Gesetze. Es scheinen Handeltreibenden der kleinen Städte sind ja etwas benachtheiligt. darüber ganz generelle Vorschriften zu bestehen. So verlangt Wenn die Läden bis 3 Uhr offen sind, dann reicht das volleine Arbeitsordnung eine Bescheinigung seitens der Ortsbehörde ständig aus, denn der Sonntagsgottesdienst ist auf dem Lande über die Führung des Arbeiters, die sich natürlich auch auf die entweder sehr früh, sodaß die Leute bis 3 Uhr noch zu recht kommen, politische Führung erstreckt, wie daraus hervorgeht, daß eine oder so spät, daß die Geschäfte vor dem Gottesdienst abgewickelt Mit Gefängniß bis zu 3 Monaten und mit Geldstrafe bis andere Arbeitsordnung erklärt, daß Arbeiter, die sich an ordnungs- werden können. Vielleicht kann man später eine Aenderung zu 300 M. oder mit einer dieser Strafen wird bestraft, wer an feindlichen Bestrebungen betheiligt haben, nicht beschäftigt dahin schaffen, daß die Geschäfte offen bleiben können, öffentlichen Straßen oder Plätzen Schriften, Abbildungen werden sollen. Das widerspricht nicht nur der Gewerbeordnung, wo nur die Familie des Geschäftsinhabers thätig ist. oder Darstellungen ausstellt oder anschlägt, welche sondern muß auch von dem allgemeinen Rechtsstandpunkt aus Für die Handlungsgehilfen müssen wir einen ganzen freien durch Unfläthigkeit oder Lüsternheit geeignet bekämpft werden. Die Sozialdemokraten müssen ihre Steuern Sonntag Nachmittag schaffen.( Zustimmung rechts.) Wenn die sind, das Scham oder Sittlichkeitsgefühl gröba zahlen und ihre sonstigen staatlichen Pflichten erfüllen. Deshalb frei gewordene Sonntagszeit jest dem Kneipenleben gewidmet lich zu verlegen. haben sie dasselbe Recht auf Arbeit wie jeder andere Arbeiter. wird, so ist das eine Nachwirkung der früheren Zeit, wo der Ist die Handlung gewerbsmäßig begangen, so tritt die Strafe Wie stellt sich der Bundesrath zu solchen Bestimmungen der durch Arbeit einmal verdorbene Sonntag in der Kneipe beschlossen des§ 184 Absatz 2 ein. Ist die Handlung gewohnheitsmäßig begangen, so tritt Gefängnißstrafe nicht unter einem Monat ein, neben welcher auf Geldstrafe bis zu 1500 m., auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte, sowie auf Bulässigkeit von Polizei- Aufsicht erkannt werden kann. § 184 a. Der Glrafe des Absah 1§ 1S4 unterliegt derjenige, welcher aus Gerichtsverhandlungen ssür die wegen Gefährdung der Sitt- lichkeit die Oeffentlichkeit ausgeschlossen war, oder aus den diesen Verhandlungen zu Grunde liegenden amtlichen Schriftstücken öffentlich Mittheilungcn macht, welche geeignet sind, Aergerniß zu erregen. Nach diesen„unfläthigen und lüsternen" Bestimmungen wird folgende, der Absicht nach verständige von Zentrumsadgeordneten eingebrachte, von Bebel und Hausmann amendirte Bestimmung, welche weibliche Dienstbolen, Arbeiterinnen und Verkäuferinnen vor geschlechtlicher Ausbeutung schützen soll, mit ollen gegen die Stimmen der beiden nationalliberalen Kommissionsmitglieder an- genommen: § 1820. Arbeitgeber oder Dienstherren, sowie deren Vertreter, welche unter Mißbrauch des Arbeits- oder Dienstverhältnisses, insbesondere durch Androhung oder Verhängung von Lohnkürzungen oder von anderen mit dem Arbeitsverhältniß in Zusammenhang stehenden Nachtheilen oder durch Zusage oder Gewährung von Arbeit, von Lohnerhöhungen, von anderen aus dem Arbeitsverhältniß sich ergebenden Bor- theilen ihre Arbeiterinnen zur Duldung oder Verübung unzüchtiger Handlungen bestimmen, werden mit Gefängniß be st rast. Eine bessere Fassung wird für später vorbehalten. Abg. S t ö ck e r beantragt, nicht nur die Verführung un- bescholtener Mädchen unter 16, sondern auch solcher unter 18 Jahren mit der Strafe des§ 182 zu belegen. Sein Antrag wird mit 10 gegen 3 Stimmen angenommen. Zur Be- rathung gelangt sodann ein vom Zentrum auf Erhöhung der im tz 183 Str.-G.-B. normirten Strafe gerichteter, sowie der gestern bereits mitgetheilte, gleichfalls von Zenlrumsleulen gestellte An- trag, der die Theaterverhältnisse betrifft. Ist durch die heute angenommenen Anträge zu§ 184 und§ 184a der Richter zum Meuchelmörder freier Gedanken auf dem Gebiet« der Kunst, Literatur und Politik in einer Weise degradirt, die die altpreußischen und russischen Zensurverhälwisse in den Schatten stellt, so würden durch diese Bestimmung der darstellenden Kunst noch besondere Fesseln der schlimmsten, drückendsten Art auferlegt. Da dem preußischen Minister des Innern Gelegenheit gegeben werden soll, sich an der Debatte über dies in fein Ressort tief«inschneidende Thema zu betheiligen, so wird die Debatte vertagt und dem Minister anheimgestellt, sich in der Kommission vertreten zu lassen. Nächste Sitzung Sonnabend Vormittag 10 Uhr. IToftales. Achtung, Gewerbeaerichts-Kaudidate»! Sonutag Vormittag pünktlich 10 Uhr finden— laut Bs- schluß der letzten öffentlichen Kandidaten-Versammlung bei Boltz— Besprechungen der Kandidaten der einzelnen Wahlbezirke statt, zu welchen Einladungen mittels Packelsahrt-Karte erfolgen. In dieser Zusanlmenkunft soll, laut Beschluß jener Ver- sammlung, erörtert werden, in welcher geeigneten Weise die Kandidaten die Agitation für ihren Bezirk in die Hand zu nehmen haben. Außerdem werden zu diesen Besprechungen in allen Lokalen Kandidatenlisten ausliegen, die durch die Kandidaten an die Wähler zur Vertheilung gelangen sollen. Ferner soll nochmals hervorgehoben werden, daß die Kandidaten in ihren Bekanntenkreisen dahin zu wirken haben, daß die neun großen öffentlichen Gewcrbegerichts- Wähler- Versammlungen am Montag Abend recht zahlreich besucht werden. Diese Versammlungen finden in nachfolgenden Lokalen statt: Für den 1. Wahlkreis in Scheffer's Salon, Jnselstr. 10. „„ 2., in der Unionsbrauerei, Hasen- Haide 22/31. ». 2. m im Königshof, Bülowstr. 37. ,„ 3., bei Boltz, fr. Feuerstein, Alte Jakobstraße 75. »» 4.„(Osten) im Lokal Könrgsbank, Frank- furterstraße 117. * 0 4. 0(Süd-Ost) in der Urania, Wrangel- slraße 9/10. .» 0. 0 bei Philipp. Rosenthalerstr. 38. 0 0 6.„(Moabit) in der Kronenbrauerei, Alt- Moabit. 0 0 L. 0(Wedding und Gesundbrunnen) im Weddingpark, Weddrngplatz. Referenten und Tagesordnung werden durch Säulenanschlag am Montag und Inserat im.Vorwärts" am Sonnlag bekannt gemacht. Um viele Anftagen zu erledigen sei bemerkt, daß daS Orts« statut, betreffend das Gewerbegericht Berlin, bei Hayn's Erben („Jntelligenzblatt"), Zimmerstraße, zu haben ist. Der geschästSführende Ausschuß der Berliner Streik-Kontroll- Kommisston. I. A.: H. F a b e r, SO., Grünauerstr. 4. Bei den Delegirteuwahlen in der Allgemeinen Orts- Krankenkasse der gewerblichen Arbeiter und Arbeiterinnen, die am Sonntag stattfanden, siegten trotz der verschiedentlichen Gegenbemühungen des Vorstandes sämmtliche von der Kommission ausgestellten Kandidaten. Hingegegen wurden bei der am 3. d. M. in der Abth. V stattgehabten Wahl 25 vom Vorstand und 5 von der Kommission aufgestellte Delegirte gewählt. DaS Bekenntniß einer kapitalistische» Seele. Eine Kapuzinerpredigt gegen die undankbaren Arbeiter läßt das erz- kapitalistische Fachblatt„Der Konfektionär" vom Stapel und zwar unter dem vielsagenden Titel:„Was die Fabrikanten für ehre Arbeiter thun." Da„Der Konfektionär" dem ganzen Unter- nehmerthume sicher aus der kapitalistischen Seele gesprochen haben dürfte und die Arbeiterschaft gewiß begierig ist, zu er- fahren, was die Fabrikanten für„ihre" Arbeiter thun, so wollen wir ihnen den Ausdruck echt kapitalistischer Denkungsweise nicht vorenthalten.„Im Jahre 1392", so sagt„Der Konfektionär", „sind ausgegeben worden für die Krankenkassen 132 Millionen Mark, Unfallversicherung 63 Millionen Mark, Invalidität 103 Millionen Mark, zusammen 303 200 000 M. Diese Beträge sind zum weitaus größten Theile von den Arbeitgebern aus- gebracht worden. Trotz des vorigen schlechten Geschäftsjahres haben die Fabrikanten die Löhne fast überall aufrecht erhalten und sie nicht verkürzt. Hat sich durch diese ganz enormen Zu- Wendungen die sozialpolitische Lage gebessert? Der Arbeiter sieht heute noch in seinemArbcilgeber nicht etwa jemanden, der sie ernäbrt, der ihnen gutes zuwendet, der für sie in bester und väterlichster Weise sorgt, sondern nur jemanden, der sie bedrückt. Sie be- trachten die Arbeitgeber noch immer als ihre Feinde. Die Arbeiter möchten die Herren sein. Wir hoffen aber, daß die Zeit endlich vorbei ist, wo die Arbeitgeber sich von den Arbeitern Vorschriften machen lassen. Wir haben keine Anzeichen dafür gefunden, daß sich trotz aller dieser Wohlsahrlseinrichtungen, trotz der großen Opfer, die die Arbeitgeber bringen, diese das Herz der Arbeiter erobert haben. Die letzteren sind in ihrer Mehrzahl den Arbeitgebern noch immer fremd. Die Erhaltung des Staates und der Städte bezahlen die Arbeilgeber, aber trotz- dem möchten die Arbeiter regieren und herrschen. Von Seiten der Fabrikanten ist nunmehr genug geschehen für die Arbeiter; jetzt sollen die letzteren auch erst zeigen, daß ihnen daran gelegen ist, mit ihren Arbeitgebern in gutem Einverständniß zu leben, für die Blüthe und den Ausschwung der Fabriken zu arbeiten und nicht mehr auf leere Worte von sozialdemokratischen Agitatoren zu hören, die niemals fähig sein werden, die den Arbeitern gemachten Versprechungen einzulösen oder ihnen Wohl- thaten zu erweisen. Die Arbeitgeber aber haben ihr Wort Malten, sie haben den Arbeitern durch Kranken-, Unfall- und Jnvaliditäts- Versicherung ein Vermögen geschaffen, das Ende des Jahres 1892 sich auf 3�3 850 000 M. belaufen hat. Thatsachen und Ziffern beweisen mehr als leere Worte— der Arbeiterverhetzer."— Solchen Frechheiten gegenüber schweigt wirklich des Sängers Höflichkeit! Nun wissen die Arbeiter, was ihre„Ernährer" für sie thun, wie sie in„bester und väterlichster Weise" für sie sorgen. wie sie ihnen„Zuwendungen" machen, die braven Fabrikanten, denen die Arbeiter ihre Millionen mit saurem Schweiße erarbeiten müssen! Die Typhus- Erkrankungen in der Earde-Illanen- Kaserne scheinen noch immer Fortschritte zu machen. Es sollen noch täglich Neuerkrankungen vorkommen; erst gestern wieder sollen zwei Ulanen von der Seuche ergriffen worden sein. Die Transporte der erkrankten Soldaten nach dem Lazareth sollen zur Nachtzeit erfolgen. Bezüglich der Ursache der Seuche ist bis jetzt Bestimmtes noch nicht festgestellt, doch herrscht kaum noch ein Fweiiel darüber, daß das Brunnenwaffer der Kaserne den .rankheitserreger bildet. Die neuanaelegten Kanalisationsröhren der Kasernements führen zum Theil dicht an den Brunnenkcsseln vorbei und man nimmt an, daß die Kanalisationsleitung nicht hermetisch schließt und Typhuskeime in das Grundwasser gelangt sind. Einen schlimmen AuSgang nahm am Mittwoch Abend eine Segelschlittenfahrt, welche drei Schmöckwitzer Herren auf dem Seddinsee unternommen hatten. Da der Wind ziemlich scharf ging, irrten sie bei dem Nebel und der Dunkelheit plan- und ziellos auf dem Eise umher, bis sie schließlich bei Gosen ins offene Wasser geriethen. Erst nach verzweifelten Anstrengungen gelang es den Verunglückten, aus den kalten Finthen sich aufs Trockene zu retten. Um 1 Uhr Nachts endlich erreichten sie die Gastwirthschaft in Gosen, wo sie mit trockenen Kleidern versehen und erwärmt wurden. Ihren Segelschlitten haben die Unglücks- geführten im Stiche lassen müssen. Zur Geschichte der Schleppe. In einer wenig belebten Straße passirte gestern einer Dame das Malheur, beim Zuwerfen der Hausthür die Schleppe ihres Kleides einzuklemmen. Die Ver- suche, die Schleppe herauszuziehen oder die Portierglocke zu er- reichen, waren vergeblich und auf der Straße war vorerst kein Mensch zu sehen. Endlich kamen einige junge Leute vorüber, welche die Situation so komisch fanden, daß sie sich die Dame in ihrer fatalen Lage eine Weile betrachteten und dann, anstatt die Glocke zu ziehen, unter spöttelnden Bemerkungen weiter gingen. Die gefangene Dame rief, da sie die Hoffnung schwinden sah, ihre Freiheit ohne Schädigung des Schleppkleides zu erlangen, endlich um Hilfe, worauf sie von einem Hausbewohner durch Oeffnen der Thür befreit wurde. Marktpreise in Berlin am 9. Februar, nach Ermitte- lungen des Polizeipräsidiums. Weizen per 100 Kg. guter von 15,80—15,20 M., mittlerer von 15,10—14,60 M.. geringer von 14,50—14,00 M. Roggen per lOO Kg. guter von 13,70—13.30 M., mittlerer von 13,20—12,90 M., geringerer von 12,80—12,50 M. Gerste per 100 Kg. gute von 17,50—16,30 M., mittlere von 16,20— 15,10 M., geringe von 15,00—13,30 M. Hafer per 100 Kg guter von 15,80—15,10 M., mittlerer von 15,00—14,30 M. geringer von 14,20—13,50 M. Stroh, Richt- per 100 Kg. von — ,— Mark. Heu per 100 Kiloar. von— ,— Mark. Erbsen per 100 Kg. von 40,00—25,00 M. Speisebohnen, weiße per 100 Kg. von 50,00—20,00 M. Linsen per 100 Kg. von 80,00 bis 30.00 M. Kartoffeln per 100 Kg. von 7.00-4,50 M. Rind- fleisch von der Keule per I Kg. von 1,60—1,20 M. Bauchfleisch per I Kg. von 1,30—0,90 M. Schweinefleisch per 1 Kg. von 1,60—1,20 M. Kalbfleisch per I Kg. von 1,60—0,90 M. Hammel- fleisch per 1 Kq. von 1.50—0,30 M. Butler per 1 Kg. von 2,80 bis 1,80 M. Eier per 60 Stück von 8,00— 3,60 M. Fische per 1 Kg.: Karpfen von 2,40—1,20 M. Aale von 3,00—1,00 M. Zander von 2,40—1,00 M. Hechte von 1,30—1,00 M. Barsche von 1,80—0,70 M. Schleie von 2,40—1,00 M. Bleie von 1,40 bis 0,70 M. Krebse per 60 Stück von 10,00—3,00 M. Polizeibericht. Am 8. d. M. Abends und am darauf- folgenden Tage Nachmittags wurden vier Personen überfahren, aber nur leicht verletzt. Am 9. d. M. Abends fand vor dem Hause Friedrichstr. 105 ein Zusammenstoß zwischen einem Omnibus und einer Droschke statt, wobei der Droschkenkutscher vom Bocke geschleudert wurde und eine bedeutende Verletzung am Handgelenk erlitt. In, Laufe des Tages und am darauffolgenden Morgen fanden sechs kleine Brände statt. Gevirliks-Iteiluttg. Frau ValcSka Töpfer, das spiritistische Medium, welches am 13. Mai v: I. vom hiesigen Schöffengericht wegen vollendeten und versuchten Betruges zu zwei Jahren Gefängniß und fünfjährigem Ehrverlust verurtheilt worden ist, hatte gegen dieses Urlheil Berufung eingelegt. Gestern hatte sich die 5. Straf- kammer hiesigen Landgerichts l mit dieser Angelegenheit, welche die Kreise der gläubigen Spiritisten in gewaltige Anfreguna versetzt hat, zu beschäftigen. Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Schenk, der Angeklagten stand wiederum Rechtsanwalt Wronker als Vertheidiger zur Seite. Die Angeklagte ist die Kaufmannsfrau Valesca Töpfer geb. Partolowska, 1842 in Torgau geboren, evangelisch, in Schmargendorf, Kreis Teltow, wohnhaft. Die Angeklagte giebl vor, im Besitze einer geheimnißvollcn Kraft zu sein, vermöge deren sie besähigt sein will, wenn sie in einen schlafähnlichcn, von den Spiritisten„trancs", von ihr selbst „Drangs" genannten Zustand verfällt, als Medium den Verkehr zwischen der Geislerwelt und den leiblichen Menschen zu vermitteln. Sie gilt als eins der begabtesten Medien und hat auf diesem Gebiete seit über zwanzig Jahren ge- wirkt. Sie will dieselbe von Kindheit an besessen haben und zuerst als 17 jähriges Mädchen durch einen Bergmann aus dieselbe aufmerksam gemacht sein, welcher ihr aus den Kopf zu- sagte,' daß sie sich im Besitze dieser Kraft befinde. An den Sitzungen, in welche» die Angeklagte die Geister rief, betheiligten sich stets 8—15 Personen, welche Beiträge in verschiedener Höhe zablten und Frau Valcska Töpfer, die für einen geisteskranken Mann und vier Kinder zu sorgen hat, heimste durchschnittlich für jede Sitzung 20 Mark und mehr ein. Das Schöffengericht hat ihre Behauptungen bezüglich des Verkehrs mit der Geisterwelt für Schwindeleien erachtet. Sie hat am 1. Februar 1887 einmal vor dein Landgericht in Dresden als Zeugin in einer Strafsache über ihre spiritistischen Künste unter ihrem Eide Aufschluß geben müssen. Danach hat sie ihre Geisler außer in Berlin auch in Reichenbrand, Leipzig, Dresden und in Wien in Gegenwart von zwei Erzherzögeu und drei Fürsten erscheinen lassen. Sie hat eidlich zugegeben, daß sie dabei den größten Humbug ausgeführt hat, indem sie selbst die Stimmen der Geister nachahmte oder in werße, nüt Phosphor betupfte Gaze gehüllt, in dem dunklen Raum als Geist debütirte. Auf diese Weise habe sie viele Leute getäuscht, in Leipzig unter anderem den Professor Zöllner. Im Somnier 1885 ist das Medium in Leipzig einmal entlarvt worden; man zerschnitt nämlich, während sie als Geist unter dem Publikum weilie, den Vorhang, hinter welchen das Medium zu schlüpsen pflegte, und sah nun hinter demselben das von ihr ausgezogene Kleid liegen. Man machte Licht und ent- deckte, daß die Angeklagte, mit Gazekleid und Gazeschleier ein- gehüllt, den Geist spielte. Seitdem ist sie nicht mehr als Geist aufgetreten. So hat sie unter ihrem Eide chren Geisterspu! selbst erklärt, behauptet aber, daß dies» Aussage«zwungea und falsch sei. Am 7. November 1891«un gab die Angeklagte in dem Komptoir der Brüder Cohn in der Klosterstr. 76 Hierselbst eine Sitzung. Sie wurde mittels eines Strickes an einen Stuhl ge- fesselt und demnächst durch einen Vorhang den Blicken entzogen. In dem Räume, in welchem sich die Angeklagte befand, hatte sich hinter einem Geldspinde Dr. Cohn verborgen und betrachtete die Angeklagte. Nach einigen Produktionen äußerte jemand den Wunsch, daß ein Geist den in einiger Entfernung von dem Stuhle des Mediums befindlichen Ofenvorsetzer umwerfe. Nun trat Dr. Cohn aus seinem Versteck hervor und stellte fest, daß dieAngeklagte die angeblichen Geisterthaten selbst ausgeführt habe.— Aehnliche Dinge hat die Angeklagte einem Zeugen Frankfurter vorzuspiegeln versucht, indem sie ihm erklärte: der Geist eines im Jahre 1791 verstorbenen französischen Tambours habe die Marseillaise und das Lied:„Ich halt' einen Kameraden"(!) getrommelt. Das Schöffengericht hat in diesem Treiben der Angeklagten die Kriterien des fortgesetzten versuchten und vollendeten Be- truges erblickt. Bezüglich der gewählten hohen Strafen heißt es in dem ersten Erkenntniß:„Strafschärfend fiel der große Umfang in's Gewicht, in welchem die Angeklagte ihr betrügerisches Ge- werbe betrieben, die erheblichen Summen, welche f- damit erworben, endlich die Erregung und Verwirrung weiter kreise des Publikums, welche die unsinnigen und abgeschmackten Schaustellungen für ein Eingreifen der Geisterwelt in die äußere Ordnung der Dinge ge- halten haben."— Als strafmildernd ist in dem Erkenntniß an- geiührt die bisherige llnbeschollenheit der Angeklagten, die That- fache, daß sie als Mutter von vier Kindern und Gattin eines erwerbsunfähigen Mannes eine nur sehr mäßige Erwerbsquelle hatte und endlich die Leichtgläubigkeit ihrer Klientel. Bei der Heuligen Verhandlung vertritt Assessor Dr. G ä s e l e r die Anllagebehörde. Der kleine Zuhörerraum des Sitzungssaales bietet nur Platz für eine geringe Anzahl von Personen. Als Zeugen sind von bekannten Spirittsten u.a. Dr. Egbert Müller, Dr. S p a tz i e r und Schriftsteller Blankenburg geladen. Landgerichtsdirektor Schenk betont im Voraus, daß es sich bei dieser Verhandlung nicht darum handele, das Zutreffende oder Unzutreffende des Spiritismus klar zu legen, sondern nur fest- zustellen, ob die Angeklagte als Medium Betrugshandluugen be- gangen hat. Ans die Frage des Präsidenten erklärt die Angeklagt«: Ich habe bis zum 14. Lebensjahre eine Bürgerschule besucht und dort auch etwas sranzösisch gelernt. Ich war zum ersten Male mit einem HolzbildhauerHeinze verheirathet gewesen, aber von demselben geschieden worden. Mein zweiler Mann, der Kaufmann Töpfer, ist neuerdings geschieden. Ich gab früher Unterricht in der Schnei- derei, die Sache ist aber durch den Spiritusmus aufgehoben worden.— Präs.: Wre sind Sie zu Ihrer neuen Beschäftigung gekommen? Ä n g e k l.: Mich hat'mal ein Bergmann auf die in mir wohnende Kraft aufmerksam gemacht Ich war zuerst nur Schreibmedium, dann aber kamen Spiritisten zu mir. und sagten, ich wäre noch mehr wie ein Schreibmedium.— Präs.: Sie sollen schon seit 20 Jahren den Spiritismus betreiben.— Angel l.: Zuerst habe ich nur für mich geschrieben und für meine Familie. Manchmal habe ich es aber auch ausgesetzt, wo ich keine Kraft hatte.— Präs.: Was leisten Sie denn in den sogenannlen physikalischen Sitzungen?— Angekl.: Da wurde geklopft, der Tisch gerückt und verschiedene Gegenstände bewegten sich.— Präs.: Und wie war die Thäligkeit des Geisterschreibens? Es wurde mit dem Psycho- graphen und mit freier Hand geschrieben.— Angekl.: Ich llecke das Blei in die Hand, dann bewegt sich, von unsichtbarer Kraft getrieben, meine Achsel, und nieine Hand schreibt unwill- kürlich etwas, von dem ich keine Vorstellung habe. Od es Geister sind, die mich antreiben, weiß ich nicht, ich glaube es aber.— Präs.: Wie ist Ihr Zustand, wenn Sie schreiben?'— Angeklagte: Ich bin ganz bei Bewußtsein und kann dabei sprechen. Präs.: Haben Sie auch mal versucht mit der linken Hand zu schreiben? Wie ist die Sache dann?— Angekl.: Dann sahen die Schriftzüge fast ebenso aus.— Präs.: Wenn Sie sich des Psychographen bedienen, wie ist dann Ihre Thäligkeit?— Angekl.: Dann geht die Hand von selbst über die Glasplatte mit den Buchstaben.— Präs.: Wissen Sie, was Sie für Antworten geben?— Angekl.: Nein.— Präs.: Sind Sie etwa dabei in dem Zustande des „tranoe"? Angekl.: Nein, aber ich muß ganz darauf bedacht sein, die Worte, die ich höre, zu verstehen.— Präs.: Wie tritt dieser Geisteseinfluß in Kraft?— A n g e k l.: Es genügt mein ernster Wunsch und Wille.— Präs.: Welche Leistungen ge- schehen, wenn Sie im Zustande des tranoo sich befinden?— Angeklagte: Das weiß ich nicht.— P r ä s.: Es soll oft ein Kindergeist Avila sich bemerklich machen, ebenso sollen Sie oft den Geist eines Schuhmachers Bernert aus Plauen zitiren, der sogar im sächsischen Dialekt spricht, ferner den Geist ves Doktor Achilles, der durch Ihren Mund Medikamente ver- schrieben hat. Im trancs sollen auch sogenannte Materiali- sationen, die Verkörperung von Geistern, stattfinden. So soll namentlich oft ein Name Andrea« erscheinen. Die Geister sollen oann ganz eigenthümliche Sachen machen, Stühle auf Ihre» Kopf stellen jc. ic.— Angekl.: Das weiß ich nicht.— Präs.: Warum wird aber bei den Sitzungen immer«in dunkler Raum hergestellt und dieser noch durch eine Gardine von den Zuschauern getrennt? Es ist nicht recht erfindlich, warum Geister erst solche Vorbereitungen treffen!— Angekl.: Die Geister haben geschrieben, daß es so sein müsse.Wa die Photographen in ihrer Dunkelkammer ja auch kein Licht haben.— Präs.: Wie gelangen sie in den Zustand des trancs?— Angekl.: Dazu genügt auch mein Wille. Ich erwache zuletzt auch von selbst.— Präs.: Es passtren dabei doch noch recht eigenthümliche Dinge: durch den festen Vorhang wandern Uhren und oberhalb des Vorhanges zeigen sich klauenarlige kleine Hände.— Angekl.: Davon weiß ich nichts.— In ihren weiteren Aussagen giebt die Angeklagte an, daß sie ihre Vor- stellungcn nie aus freien Stücken, sondern stets auf Auffordernng gegeben habe. Geld habe sie nie verlangt, es sei ihr vielmehr immer aufgedrängt worden. Die Angeklagte, deren jüngstes Kind 14 und.deren ällcstes 24 Jahre alt ist, bestreitet, daß sie in Dresden oeni Untersuchungsrichter Landgerichtsrath W e i n g a r t frei- willig einen Betrug eingestanden habe. Sie habe vielmehr ans Angst das gcaiilwortet, was der Untersuchungsrichter von ihr verlangte. Dersetbe habe ihr gedroht, sie dem Staatsanwalt wegen Meineides vorzuführen, wenn sie sich unterstehen sollte, eidlich zu erhärten, dhß sie wirklich mit Geistern in Verbindung stehe. Sie wisse auch nichts davon, daß, als sie angeblich in Dresden entlarvt worden sei und man sie in weißer Gaze utirapirt hatte, ihr Mann selbst gesagt habe:„Die Geister- erschemungen sind ja Schivindel, aber ein Schreibuledium ist meine Frau!"— Präs.: Sie bestreiten also, sich des Schwindels schuldig gemacht zu haben?— Angekl.: Nur einmal habe ich etwas Unrechtes gethan; da hat ein Geia geschrieben, daß ich ein Gazekleid anziehen solle, da meine Kraft z» schwach sei.— Präs.: Bei Ihrer Vorstellung bei den ivrüdern Cohn hal der Hr. msd. Cohn genau beobachtet, wel- che» Schwindel Sie treiben. Sie haben sich, anscheinend mit Hilfe eines verstellbaren Korsets, sehr geschickt aus Ihrer Schlinge befreit, sind an das Spind gegangen, haben Hüte dar- ans genommen und auf die Erde gesctzl, viel gepoltert, sich einen Stock in das Haar geflochten, nachdem Sie vorsichtiger Weise die Haarnadeln enlfernt hatten und schließlich haben Sie sich einen Stuhl, mit den Beinen nach oben, aus den Kopf gesetzt.— Angekl.: Ich weiß davon nichts. Ich habe d,e Geister nicht gerusen. sie sind selbst ge- kommen.— Präs.(mit erhobener Stimme): Können Sie wirklich glauben, daß unsterbliche Geister aus Veranlassung eines winzigen Sterblichen sich zu kindischen und einfältigen Spielereien gebrauchen lagen werden?— Daß die unsterblichen Geist« Sluhle au! die Köpfe der Menschen fUHflt, Stöcke in die Haare jlechten und sonstige Scherze machen?— A ngekl.: Nein, ich kann nicht glauben, daß das gute Geister sind.— Präs.: Ja, das ist ja die Sache? Sobald Sie in die Enge getrieben werden, kommm Sie mit den bösen Geistern, den Dämonen, welche sich zwischen die Geister stellen. Als der gerichtliche Sachverständige �hrcn medizinischen Geist Dr. Achilles mit medizinischen Fragen stark in die Enge trieb, sagten Sie plötzlich, böse Dämonen mußten den Geist vertrieben haben.— Rechtsanwalt Wr on ker wünscht zu wissen, ob die Angeklagte zuerst den Psychographen von einem Geist oder einem Sterblichen erhalten babe. Die Angeklagte bezeichnet den Bergmann als den gütigen Spender.— Rechtsanwalt W r o n k e r: Wie ist die Anqeklagte zu der Bekannt- schaft der ost vorgeführten jugendlichen Geister Zwibo und Avila gekommen?— Angekl.: Die haben sich durch Klopfen ge- meldet, Avila war im Alter von 4 Jahren gestorben, das Alter von Zwrbo kenne ich nicht. Hierauf beginnt die Beweisaufnahme. Dr. Hans S p a tz i e r, erklärt, daß er Dr. pbil. und Lehrer der Humboldt-Akademie und auch medizinisch thätig sei. Er sei überzeugter und gläubiger Spiritist und kenne die Angeklagte J schon längere Jahre. Dieselbe sei nie aus eigener Veranlassung, andern stets auf Einladung in den Sitzungen gekommen. Der '��tl-Psyche" habe ihr einmal angeboten, ihr zwei Sitzungen ä 10 M. wöchentlich zu garantiren, sie habe die Offerte aber ab- gelehnt, theils weil sie nicht mehr öffentlich auftreten mochte und ihre mediumistische Kraft abgeschwächt war, theils weil ihr Sohn besser für sie sorge. In weiterer Zwiesprache mit dem Borsitzenden und dem Vertheidiger verivahrt sich der Zeuge dagegen, daß es sich bei all' diesen Dingen um Geister handele, aber er glaube an intelligente unsichtbare Kräfte. Be- trügereien der Angeklagten auf physikalischem Gebiete habe er nie beobachtet, müsse aber zugeben, daß leider sehr viele Medien bestehen, welche Betrügereien verüben.— Rechtsanwalt Wronker: Woher wissen Sie denn, daß dnrch einmaliges Klopfen.Rein", durch zweimaliges„Vielleicht", durch drei- maliges„Ja" und durch viermaliges„Grüß Gott" an- gezeigt wird?— Zeuge: Das wird verabredet. — t-P 1 5 f.: Um so etwas zu verabreden, müssen Sie doch einmal zuerst mit Geistern verkehrt haben, die Ihnen sagten, was die Töne bedeuten sollen.— Zeuge: Ich habe das als etwas schon Erfahrungsmäßiges über- kommen, das Originäre weiß ich nicht. Hier kommt wohl die Symbolik der Zahlen, wie sie schon Pythagoras aufgestellt ist, in Frage.— Rechtsanwalt Wronker: Wenn nun Pythagoras erscheint, in welcher Sprache spricht das Medium mit ihm?— Zeuge: In gar keiner. Es ist ein ein- facher psychologischer Vorgang, daß man beispielsweise Leuten, die im Hypnotisnms oder Somnambulismus sind, lateinische Fragen vorlegt und diese in deutscher Sprache antworten. Es ist nicht die Sprache, sondern Begriffe/ die sich direkt übertragen. — Rechtsanwalt Wronker: Ist Ihnen schon vorgekommen, daß ein Medium auf eine in todter Sprache ihm vorgelegte Frage richtig antwortet?— Heug«:O,a! Frau Töpfer hat sogar die Zahlen, welche chr ein anwesender Japaner in japanischer Sprach« vorlegte, durch Klopfen richtig wieder- gegeben. Zeuge Kaufmann Frankfurter bekundet, daß die An- geklagte bei der Sitzung, die er mitgemacht, in einer ihm nicht erklärlichen Weise an dem Tisch, an welchem die Gesellschaft saß, Klopflaute hervorgebracht habe. Die Klopflaute seien besonders laut gewesen, da sieangeblich von einem Geiste Peter herrühren solltem Schließlich habe sie einen Tambour, der im Jahre 1791 geuorben sein sollte, zitirt, das Böse war nur, daß dieser brave Tambour die erst im Jahre 1792 aufgekommene Marseillaise trommelte. Der trommelnde Geist hieß Devois und schrieb durch die Hand der Angeklagten„Devois— cesb moi." Zu Zeilen des seligen Trommlers schrieben die Franzosen aber noch statt„rnvi". Während des Schreibens sei die Angeklagte in«u« merkwürdigen Ekstase gerathen und habe die Worte in erstaunlicher Hast und ohne hinzusehen, niedergeschrieben, hier und da auch Roten mit eingeflickt.— Der Zeuge, welcher die ganze Geschichte für Schwindel oder Taschenspieler-Kunststückchen gehalten, fühlt sich durchaus nicht geschädigt. Dr. Leopold E o h n giebt dieselbe Darstellung von der Ent- larvung der Angeklagten in den 5tomptoirräumen der Gebrüder Cohn wie in der ersten Instanz. Er hat ganz ge- nau gesehen, wie die Angeklagte, ohne die geringste Spur von Somnambulismus zu zeigen, sich sofort aus der ihr an- gelegien Schlinge befreite, zum Spind ging und allerlei Allotria trieb, sich dann ganz harmlos einen Stock in das Haar flocht und ehe sie sich wieder die Schlinge umlegte, den Stuhl aus ihren Kops setzte. Als sie dann aufgestanden war, um den etwas ent- fernlen Ofenvorsetzer umzuwerfen, habe er das Streichholz an- gesteckt, die Zuschauer aus dem anderen Zimmer seien hinzu- gesprungen und nun habe sich Frau Töpfer stehend zwischen Stuhl und Ofenvorsitzer präsentirt. Sie habe eine Art Ohn- macht geheuchelt und als sie durch etwas unsanfte Worte daraus erweckt worden, habe sie gesagt:„Wo bin ich, was ist mit mir geschehen?" Der Zeuge hat für diese Sitzung nichts bezahlt, dagegen für eine andere Sitzung, bei welcher Frau Töpfer so energisch festgebunden worden war, daß sie der Schlinge nicht entrinnen konnte, sondern mangelnde Kraft als Medium vorschützte. Der Zeuge hat das Auge der Angeklagten bei der EnUarvung nicht beobachtet, ebenso wenig den Strick untersucht. Der Manager der Angeklagten habe nach der Entlarvung zu den Anwesenden gesagt:„Haben Sie denn etwas anderes erwartet?" Zeuge Hermann Cohn schließt sich dem Borzeugcn an. Kriminalkommissarius v. M a n t e u f f e l hat einer Sitzung in Friedenau beigewohnt, in welcher die Angeklagte mitwirkte. Das Klopsen aus dem Tisch sei ganz unerklärlich gewesen, da Frau Töpfer genau beobachtet wurde. Bei der Vorstellung im „tranoe" habe die Angeklagte besonders mit dem Geiste Avila gesprochen, welcher die Unterhaltung mit dünner Kinderstimme führte. Als Erklärungsgrund könne er nur die Hypnose betrachten. Er habe schon viele bypnotisirte Personen gesehen, bei welchen jeder Verdacht an Täuschung ausgeschlossen sei und habe wahrgenommen, daß diese im Hypnolismus die sonderbarsten Sachen, auch Allotria, thun. Das ganze Benehmen der Frau Töpfer machte den Eindruck, als ob sie in eine Art Eelbsthypnose verfallen gewesen sei. Er habe schon vielfach Fülle solcher Selbsthypnose gesehen, nameutlich werden Leute, welch« sehr ost solche Experimente machen, sehr leicht hypnotisirl. Krtminalkouimissarius v. Treskow hat die Angeklagte s. Z. vernommen. Ihm gegenüber hat die letztere die Täuschungen bestritten und die Behauptung ausrecht erhalten, daß ihr eine ihr unerklärliche Kraft, mit Geistern zu verkehren, inne wohne. Zeuge hat auf Einladung des Dr. Egbert Müller dann eine spiritistische Sitzung mitgemacht und sich vergeblich bemüht zu ergründen, wie die Klopstöne ent- stehen könnten. Man habe die Hände ans die Hände der Angeklagten gelegt und ihre Füße auch festgehalten, trotzdem seien die dumpfen Klopflaule, welche aus einem Lampen- fuß zu kommen schienen, fortdauernd hörbar gewesen. Auf die Frage des Vorsitzenden, oh diese Töne etwa durch bauchrednerische Kunst hervorgerusen sein könnten, vermag sich Zeuge nicht zu äußern.— Aus eme andere Frage des Präsidenten giebt Kriminal- kommissarius von M a n l e u s f« l zu, daß auch antispirtstlsche Zauberkünstler oft ganz unbegreifliche Dinge vollführen. Schriftsteller Heinrich Blankenburg giebt seinen Stand- punkt dahin kund: er glaube nicht, daß die fraglichen Er- scheinungen von Geistern herrühren, daß diese Erscheinungen aber thatsächlich da sind, das glaube er. Er habe Frau Töpfer wiederholt zu Sitzungen in seiner eigenen Wohnung eingeladen und nur Klopf- und Schreiberperimeuten beigewohnt. Bei diesen Experimenten habe absolut lein Betrug stattfinden können, er sei vielmehr überzeugt, daß die Erscheinungen auf wirklich existente geheime Kräfte zurückzuführen seien. Eule Geldentschüdigung würde der Zeuge der Angeklagten nicht gegeben haben, wenn die« selbe wirklich nur Schwindeleien triebe. Dr. Egbert Müller nimmt an, daß bei der Angeklagten von einer bewußten Täuschung nicht die Rede sein könne. Er sei überzeugter Spiritist und der Spiritismus sei ihm durch Frau Töpfer zur vollsten Ueberzeugung geworden, nachdem er seine Experimente an Carl Wolter gemacht hatte. Er habe etwa 100 Sitzungen mit Frau Töpfer abgehalten, und zwar in seinem taufe und mit einer ganz besonderen Einrichtung, die einen etrug vollständig unmöglich mache. Er halte dieselbe geheim, sei aber erbötig, sie dem Gerichtshöfe unter Diskretion mit- zutheilen. Was" die physikalischen Sitzungen betrifft, die nach seiner Meinung nur„Sitzungen" genannt werden können, so sei er Zeuge gewesen, daß Geister an den Wänden, an Möbelstücken, ja auch an Stieselsohlen klopften. Er habe gesehen, daß ein Stuhl, welcher wohl einen Meter abstand, herangekommen sei, ein Tisch der Frau Töpfer nachgelaufen sei. Einmal sei der letzteren, als sie sich entfernte, ein Ball, der sich in einem Nebenzimmer befand, nachgeflogen. Diese transzendenten Würfe seien anders als gewöhnliche Würfe, die geworfenen Gegenstände bleiben liegen, ohne weiter zu kollern. Schreibvorstellungen habe er auch beigewohnt und entsinne sich, daß einmal ein Generalstabsoffizicr sehr erstaunt über die Leistungen war. Sonst gebe er aufs Schreiben nickt viel. Auch als Sprechmedium habe Frau Töpser erstaunliche Sachen geleistet. Als der Generalsuperintendent Büchse! gestorben war, kam drei Wochen daraus Frau Töpfer in drancs. Da kam eine Intelligenz, welche sich Büchsel nannte und sprach so, daß zwei Damen und ein Herr, welche den alten Büchsel ganz genau gekannt hatten. überaus erstaunt waren.— Auch Kabinetssitzungen hat der Zeuge mitgemacht und die Stimme des Geistes Aila gehört.— Dr. Müller hat auch gesehen, wie ganz schwere Fauteuils, aoldeue Uhren, Blumensträuße zc. durch den Vorhang kamen. Trotzdem er der Angeklagten jedesmal Hände und Finger mit Zwirnsfäden sorgfältig und eng zusammengebunden, habe sich sofort em Händeklatschen hören lassen, leuchtende Hände hätten sich gezeigt ec. Einmal habe er auch einer Geister- erscheinung beigewohnt. Aus der Angeklagten heraus habe sich plötzlich eine Lichtmasse bewegt, welch« sich zu einer Art Figur zusammendichtete und auf ihn zugekommen fei. Was Frau Töpfer an dem Tage der Entlarvung bei Cohn ge- lhan, könne alles in magnetischem Schlafe geschehen sein. Es haben dann wohl schlechte Intelligenzen aus sie eingewirkt. Großen Skeptikern gegenüber hören die Aeußerungen der Geister- welt durch Vermittelung eines Mediums ost auf. Der Skepti- zismus wirke läbmend auf den Spiritismus, wie die Feuchtigkeit auf die Elektrizität. Dr. Müller überreicht schließlich dem Ge- richtshos sein„Geheimniß" betreffend die Behandlung der Medien zu gefälliger Durchsicht. Zeuge Julius Carl Max R a h n, dessen Frau selbst Medium ist, hat als Schriftführer des Vereins„Psyche" wiederholt spiri- tistische Sitzungen veranstaltet. Er ist ganz überzeugter Spiritist und hält alle die wunderbaren Erscheinungen, welche die Ange- klagte so oft hervorgerusen, für volle Wahrheiten. Er habe sogar einen Mullfack anfertigen lassen, den sich Frau Töpfer jedesmal habe überziehen müssen. Dieser wurde verknotet und die Enden des. Bindfadens an der Erde angesiegelt. Trotzdem sei sofort Gepolter, Klingeln, Schlagen mit dem Stock ic. hörbar gewesen. Einmal sei der Vorhang, wie von zwei Händen erfaßt, aus einander gezogen worden und Frau Töpser habe im Mullsack dagesessen. Plötzlich sei in Gesichtshöhe ein weiß- liches Kugellicht erschienen, bann an drei anderen Stellen des Raumes noch drei andere Lichte. Der Mullsack sei nach den Experimenten immer unverletzt gewesen.— Beisitzer: Woher mag es wohl kommen, daß die Geister immer eines Vorhanges bedürfen, wen» sie erscheinen und daß sie nie anderswo er- scheinen?— Zeuge: Das kommt aus die Kraft des Mediums an.— Beisitzer: Sind Sie in den Sitzungen immer sehr aufgeregt gewesen?— Zeuge: Nein!— Zeuge von Treskow: Die Lichterscheinunge» können leicht auf Halluzinationen beruhen. Er habe auch einmal einer Sitzung beigewohnt, in welcher mehrere Gläubige Lichter gesehen haben wollten, während er und andere nichts ge- sehen haben. Die Sache mit dem Müllsack sei sehr einfach; aus demselben könne man sich sehr leicht befreien. Nach der Meinung des Kriminalkommissarius v on Man- t e u s f e l ist das Festbinden und das Loskommen aus der Schlinge auch eine sehr einfache Sache, wenn man nur beim Binden eine gewisse Muskelbewegung mache. Gerichtsphysikus Dr. S l r a ß m a n n hat den Geisteszustand der Angeklagten untersucht, aber eine Geistesgestörtheit nicht fest- stellen können, ebenso wenig Schwachsinn. Auch für eine hyste- rische Seelenstörung ergab sich nichts; sie sei nicht als eine Ver- rückte zu betrachten, die clroa unter spiritistischen Wahnideen handele. Der Sachverständige hat eine Reihe von Sitzungen mit der Angeklagten abgehalten, er muß aber ein großer Skeptiker sein, denn die spiritistischen Leistungen seien minimale gewesen. Er habe aus Wunsch dann auch Sitzungen bei einer Frau Pritsch mitgemacht, wo die Klopflöne sich hören ließen. Ueder den Ursprung derselben sei er sich nicht klar geworden, möchte vielmehr auch seinerseits sich dem Gedanken an bauchrednerische Kunststücke zuneigen. Bewegungen von Gegenständen seien nickt zu Stande gekommen, denn selbst der berühmte Geist Peter Trenlwitz, der den Spuk von Resau inszenirt hat, vermochte nichts auszurichten. Auch einige Vorhangvorstcllungen hat der Sachverständige mitgemacht; bei denselben sei immer nur der Geist Avila erschienen. Der Sachverständige hat die Angeklagte auch sofort nach dem traneo-Zustande unter- sucht, aber den von den Spiritisten behaupteten Zu- stand, der einem kataleptischen, lethargischen Zustande äyn- lich sehen solle, nicht feststellen können. Auch irgend einen Beweis für das Vorhandensein eines bewußtlosen, somnam- bulen Zustandes hat Dr. Slraßnmnn nicht gesunden. Bei den von dem Zeugen Dr. Cohn geschilderten Vorgängen sei eine Traumhandlung sicher ausgeschlossen, hier liege sicher ein be- wüßtes Handeln vor. Alles in allem fei die Angeklagte bei den Thaien, die sie begangen. nicht in einem Zustande krankhafter Störung der Geisleskräste gewesen, welche die freie Willens- bestimmung ausschloß.— Der Verlheidiger weist darauf hin, daß die Angeklagte früher einmal gesagt habe, sie habe geglaubt, daß die Menschen durch solchen Ver- lehr mit der Geisterwelt frömmer und religiöser werden würde». Der Sachverständige erwidert, daß ihm Frau Töpser gesagt habe, sie habe mit religiösen Dingen so gut wie nichts zu thun. Die Geisierschrist der A>> geklagten ist, wie Dr. Str. weiter hervorhebt, eine sehr merkwürdige Erscheinung und es sei in- leressant zu sehen, wie ihre Hand über das Papier fliegt. Es zeige sich aber doch ein gewisses Stocken, wenn man nicht die einfachsten Fragen an sie richte. Und nun der Geist des , Kollegen Dr. Achilles." Die Begleiterin der Angeklagten, eine Frau Pritsch hatte ein augenkrankes Kind, welchem auf Rath des Dr. Hirschberg das Auge herausgeuomme» werden sollte. Die Frau Halle dies erzählt, aber immer gleich hinzugesetzt:„wir haben glücklicher Weise noch den Dr. Achilles dabei." An diesen Kollegen aus dem Geisterreiche richtete daher Dr. Str. eine auf die Augenkrankheit bezügliche Frage, welche sich auf den Hundeblasenwurm bezog. Der Geist antwortete richtig, daß dieser Wurm im Augenwinkel vorkomme. Aus die weitere Frage, wo sonst noch im menschlichen Körper er vor- komme, antwortete der Dr. Achilles statt„in der Leber"—«im Magen". Dr. Str. fragte weiter: „Wie heißt denn der Hunde- Blasenwurm lateinisch?" und da versctwand der Kollege aus dem Geisterreich und es kam wieder der böse Dämon Robert zum Vorschein, der die guten Geister vertreibt. 'Die Beweisaufnahme wird hierauf geschlossen. Rechtsanwatt Wronker plaidirt, unter strenger Ver- ' lutheilung bei kranlhaften Aufwüchse des SplKtlsmus�Sf Ftfi" sprechung der Angeklagten. Gegen solche Auswüchse könne man nur durch Ausklärung ankämpfen. Der Spiritismus sei weniger eine Ueberzeugungs- als eine Wahnsache. Merkwürdig sei jedenfalls, daß die Geister sich immer so kleinlich zeigen und gan� vernünftige alte ehrwürdige Leute, wenn sie ins Geisterreich kommen, nur noch Allotria treiben. Einen Sokrates oder Plato Schinkenknochen werfend, könne man sich eigentlich kaum denken. Wenn nur ein einziges Mal ein Geist so ruck« sichtsvoll chüre. etwas Vernünftiges zu thun! Der große Geist des Dr. Achilles lasse den Dr. Straßmann schon beim Hundeblasen» wurm im Stich; solch' einen Mann hätte Virchow gar nicht durchs Examen gelassen! Juristisch fehle es aber an den Kriterien des Betruges, denn wirklich Geschädigte seien nicht vorhanden, weder bei den gläubigen Spiritisten, noch bei den Skeptikern. Letztere gaben eben das Geld hin, wie man Geld sür die Vor- stellungen eines Prestidigitateurs hingiebt, oder für die Scherze auf dem Schützenplatz. Andererseits lasse sich doch nicht leugnen, daß der Hypnotismus doch mal existirt und so erscheine nicht ausgeschlössen, daß die Angeklagte unter einer gewissen Sug- gestio» gehandelt habe. Bezüglich des geistigen Zustandes der Angeklagten würde vielleicht ein Obergutachten am Platze sein. Gewiß habe sich bei der Angeklagten mit der Zeit ein gewisser Hang zum Mystizismus berausgebildet und die Möglichkeit sei nicht ausgeschlossen, daß sie etwaige Betrügereien unbewußter Maßen ausgeführt habe. Sie sei das Opfer anderer Leute, der Schwerpunkt liege bei denjenigen Leuten, die sie verführt haben und deshalb empfehle sich mindestens eine bedeutende Herabsetzung der Strafe. Staatsanwalt Assessor Dr. Keßler betont, daß es hier auf die Frage ankomme, ob, wenn die spiritistische Lehre wirk- lich wahr wäre, die Angeklagte ein echtes Medium sei oder nicht. Die Beweisaufnahme habe die Negative erbracht. Die Angeklagte habe ihre Trics betrügerischer Weise ausgeführt und wohlüberlegt gehandelt. Die Angeklagte sei eine Schwindlerin, er gebe aber ein» Herabsetzung der Strafe anheim. Nach ganz kurzer Berathung erkennt der Gerichtshof auf Aufhebung des ersten Erkenntnisses und Verurtheilung der Angeklagten zu sechs Wochen Gefängnih unter Fortfall des Ehrverlustes. Der Gerlchtshof hat sich wesentlich den Gründen des ersten llrtheils angeschlossen. Auch er ist der Meinung daß die Borspiegelung. Berührung mit den Geistern zu haben, eine bewußt falsche gewesen, daß sich die Angeklagte unberechtigten Vermögensvortheil verschafft und die gläubigen Spiristen ge- täuscht hat. Daß Gericht hat die volle Ueberzeugung, daß alle Produktionen der Angekagten nicht mit Hilfe von Geistern, sondern von ihr allein ausgeführt werden. Selbsthypnotismus erschien ausgeschlossen, die Angeklagte habe vollkommen überlegt gehandelt. Mit Rücksicht aber aus die allgemeine Sachlage, auf die bedrängte Lage der Angeklagten und darauf, daß ihr der lohnende Nebenverdienst geradezu aufgedrängt worden, erscheinen 6 Wochen Gefängniß ausreichend. Der Bauernkrawall in Blankenburg. Im kleinen Schwur« gerichtssaale des Moabiter Kriminalgerichts begann am Freitag Vormittag vor dem Forum der zweiten Strafkammer des Land- gerichts II die Hauptverhandlung in dem Prozesse wider den Ortsschulzen von Blankenburg. Karl Friedrich August Giese und eine Anzahl seiner Komplicen. Obwohl die Anklage nur auf qualifizirte Körperverletzung und Freiheitsberaubung lautet, so gleicht der skandalöse Borfall, welcher der Anklage zu Grunde liegt, doch einem Landfriedensbruche schwerster Art. Am 6. Oktober 1890— so lange hat sich das Verfahren bereits hingezogen— unternahmen die Arbeiter der Pankower Knopifabrik einen Ausflug per Kremser nach Blankenburg. Die Gesellschaft bestand einschließlich des Kutschers und mehrerer junger Mädchen aus sechszehn Personen. Nachdem die jungen Leute sich Tags über im Walde amüsirt hatten, kehrten sie Abends gegen sechs Uhr in das Lokal des Gastwirths Giese in Blanken« bürg zurück, um daselbst die Zeit bis zur Heimfahrt zu verbringen. In dem Lokale des Gastwirths Biese befand sich auch dessen Bruder, der Ortsschulze Giese, der sich aber als solcher in keiner Weise zu erkennen gab und von der Gesellschaft als ein harm- loser Ortsbewohner angesehen wurde. Der Schulze saß mit dem Kutscher Donde, dem Drechsler Kondelka und dessen Braut an einem Tisch und plauderte mit ihnen ganz gemüthlich, bis er dem Kutscher Donde eine Zigarre offerirte. Donde nahm zwar die Zigarre, da er jedoch Nichtraucher ist, gab er dieselbe an Kandelka weiter. Auf der Stelle sprang der Schulze auf, ergriff seinen Stuhl und wollte den Donde über den Kops schlagen. Als die übrigen Theilnehmer an der Partie dem Schulzen in den Arm fielen und ihm den Stuhl entrissen, gebot der Wirth Feier- abend, als aber die Gesellschaft das Lokal verlassen wollte, traten der Schulze, der Gastwirth und einige andere Personen in den Weg und schlugen mit Stöcken und Stuhlbeinen aus die „Fremden" ein, die nun größtentheilS zu ihrem Wagen zu gelangen. Während der Schulze nun die Sturmglocke des Dorses läuten ließ, holte er aus seiner geradeübcr liegenden Wohnung einen Revolver, und mit diesem in der Hand führte er die aus den Ruf der Sturmglocke herbeigeeilten Dorfbewohner zum Sturm auf die Fremden. Diese wurden mit Knütteln und Steinen schwer nußhandelt. die meisten davon wurden aus dem Wagen wieder herausgerissen und neun davon wurden alZ Arrestanten erklärt und in das Spritzenhaus gesperrt. Unter den Verhasteten befand sich der schwer verletzte Knopjarbeiter Karl Leder und dessen nicht minder verletzte Braut Hanny Winkelmann, die mit den Männer:» zusammen gesperrt, aber nach zwei Stunden wieder frei gelassen wurde. Die übrigen Gefangenen wurden noch an demselben Abend in das Amtsgefängniß zu Französisch-Buchholz trans- portirt und mußten dort ohne ärztlichen Beistand bis zu ihrer Entlassung am anderen Morgen ausharren. Der am meisten verletzte Leder mußte sofort nach dem Elisabeth-Krankenhause ge- bracht werden, wo ex am 24. Oktober seinen Verletzungen erlegen ist, die sich besonder? dadurch wesentlich verschlimmert hatten, weil zu rechter Zeit die erforderliche ärztliche Behandlung aus- geschlossen war. Die Braut des Leder, die vorerwähnte Winkel- mann, hat bei diesem Vorfalle nicht allein ihren Bräutigam sondern auch einen Arm verloren, der ihr fürchterlich zer- schlagen worden war und deshalb ziemlich gelähmt ist. den Vorsitz der Strafkammer führt Landgerichlsrath Herzog, die Staatsanwaltschaft vertritt Assessor Jürgens, die Vcrtheidignng führen die Rechtsanwälte Dr. Sello und Dr. Silberstein, während die nicht Verletzren, welche als Nebenkläger zugelassen sind, ihre Rechte durch Rechtsanwalt Morris vertreten lassen. Einschließlich der medizinischen Sachverständigen Dr. Strub«, Dr. Roiher, Medizinalrath Dr.Brag und Kreisphysikus Dr. Philipp sind 43 Zeugen geladen. Gleich bei Eröffnung der Verhandlung stellt der Vertreter der Nebenkläger, Rechtsanwalt Morris, den Antrag, die Verhandlung der Sache an das Schwurgericht zu verweisen und begründet diesen Antrag damit, daß mindestens eine Körperverletzung mit tödllichem Erfolge vorliegt, welche nicht zur Komvetenz der Slraskammer gehört, außerdem liege nach Meinung der Neben- kläger Landsriedensbruch vor, und wenn dies erwiesen werden sollte, so dürfte eine Vertagung jedenfalls nothwendig werden. Der Staatsanwalt und die Vertheidrgung widersprechen diesem Antrage nicht, der Gerichishos beschließt aber, vorläufig in die Beweisaufnahme einzutreten, und«inen Beschluß erst von den» Ausfall der Beweiserhebung abhängig zu machen. Neben dem Gemeindevorsteher Giese sind angeklagt Bahnwärter N i t s ch e, Streckenarbeiter Krüger, die Knechte Albert und Julius M a n t h e y und Mendt und der Landwirth Wilhelm Böttcher. Ter Eröffnungsbeschluß bezichtigt den»e. Giese besonders schwer der Anstiftung und Theilnahme an einer Schlägerei, in welcher ein Mensch getödtet worden ist. der schweren Körperver- letzung, der Bedrohung mit dem Verbrechen des Todtschlags und der Freiheitsberaubung. Gees« giebt«n. daß er an tan kritisch« Abende gemüthlich mit einigen Theilnehmern am Tische des Giese- I geflagten ist, schlug mit einem diden Brett auf uns ein. Ich in fernerer Erwägung, daß sich die inkriminirte Handlung chen Lotals saß, daß es aber wegen einer von ihm zedirten Bigarre fchrie:" Mein Bräutigam ist ja todt!" Da schrie er:" Wenn demnach als Landfriedensbruch charakterisirt, für dessen Abju einer Kleinen Reiberei fam, man habe ihn sofort geschimpft er todt ist, dann werde ich Dir auch eins geben, daß Du urtheilung die Straffammer unzuständig ist, beschließt der Ge and bedroht, um sich zu decken, habe er einen Stuhl ergriffen, frepirst!" Endlich schrie eine Frau aus dem Dorfe:" Hört doch richtshof, die Anklage dem königl. Schwurgericht zur Erledigung fei aber sofort von hinten niedergeschlagen, worden. Sein auf zu schlagen, da ist ja sogar ein Weib darunter!" und zu überweisen." Bruder, der Wirth, habe ihn erst befreit dann habe er, blut nun wurde der Wagen zum Sprizenhause geführt, trotzdem Ein Antrag des Vertreters der Nebenkläger, den p. Giese, überströmt und fast sinnlos feine drei Knechte und ebenso seinen Re- wurden aber die Zügel zerschnitten. Zwei Stunden war ich mit der nicht mehr Gemeindevorsteher ist, in Untersuchungshaft zu volver geholt, die Leute waren aber, als wir nach dem Lokale zurück- acht Männern in einem fleinen Raum des Spritzenhauses nehmen, wurde abgelehnt, da trotzdem Fluchtverdacht nicht famen, bereits abgezogen, fehrten aber zurück und da wir den eingesperrt, dann kamen zwei Gendarmen, nahmen meine Ber- vorliege. felben nicht gewachsen waren und um sie nicht entschlüpfen zu sonalien auf und entließen mich. Ich hatte zwei Löcher im Kopf laffen, da es sehr dunkel war, rieth mir ein Nachbar, die Sturm- und die rechte Schulter und der rechte Arm waren mir zer glocke zu läuten, ich gab die Erlaubniß dazu, jekt tamen mehr schlagen, so daß ich mich einer Operation unterziehen mußte." Dorfbewohner, da es aber finster war, mußte ich erst eine Beuge Besemann, ein früher mit angeklagter, dann aber Laterne holen lassen, und als ich diese hochhielt und fah, daß außer Verfolgung gefeßter Knecht Gieses, bekundet ebenfalls die fabrit eingestürzt. Die darin beschäftigt gewesenen 37 Ars In Minden( Westfalen) ist ein Theil der Meyer'schen Glass die Dorfbewohner den Wagen umringten, rief ich:" Nicht Aufforderung seines Herrn, Stöcke zu nehmen und ihm Beistand fabrik eingestürzt. Die darin beschäftigt geweſenen 37 Ars hauen!" Der Wagen ist dann zum Sprigenhause zu leisten. Giese habe auch die Arbeiter mit dem Revolver in beiter hatten sich gerade in einen Nebenraum zum Frühstück begeführt worden, um die Theilnehmer festzustellen. Ich das Spritzenhaus gedrängt.( Beim Spritzenhause gewesen zu sein geben, wodurch sie gerettet wurden. Nur ein Arbeiter ist verweiß nicht, ob die Leute mich als Gemeindevorsteher gekannt und die Arretirung selbst vorgenommen zu haben, hat Giese bishaben, jedenfalls hat es ihnen der Wirth gesagt. Ich habe selbst her bestritten.) werden. unglückt. Vermischttes: Depeschen. Mord. Benshausen( Thür.), 10. Februar. Der Gemüses nicht geschlagen, auch niemand aufgefordert zu schlagen. Nur Eine für den Verlauf des Prozesses entscheidende Darstellung händler Becker hat seine Frau durch Erwürgen ermordet. Der mit dem Revolver habe ich gedroht, theils um die Leute mir des Vorfalls giebt der Arbeiter Stadach, der seinerzeit bei dem Attentäter wurde mit seiner Geliebten verhaftet. vom Leibe zu halten, theils um die Flucht zu verhindern. Die Gastwirth Giese in Arbeit stand. Darnach hat sich der Vorgang Fener in der Irrenanstalt. Paris, 10. Februar. Die Frage des Rechtsanwalts Morris, ob er schon am Mittag des- folgendermaßen abgespielt: Giese saß mit mehreren Leuten am Frrenanstalt in der Nähe von Dover( New- Hampshire) list durch felben Tages zu dem Schulzen von Rosenthal gesagt habe, die Tische und unterhielt sich. Dabei bot er dem Donde erst Bier an Feuersbrunst zerstört worden. 44 Infaffen sind dabei ums Leute müffe man einmal zum Dorfe hinaushauen, verneint der und dieser fagte, wir haben ja selber Bier genug. Darauf bot Leben gekommen. Angeklagte Giese ganz entschieden. Der Angeklagte Nitsche ist Giese eine 3Bigarre an, Donde lehnte wieder ab, weil er nur un- Erdbeben. Konstantinopel 10. Februar. Gestern Abend durch die Sturmglocke herbeigerufen worden, will aber nur von ferne gern rauche. Giese redete aber so lange zu, bis Donde den 81/2 Uhr wurde hier ein starkes, 30 Sekunden anhaltendes Erd zugefehen und sich keinenfalls betheiligt haben. Krüger, früher Glimmstengel nahm. Als er denselben aber bald darauf beben verspürt, welches sich in der Richtung von Westen nach Hausdiener der städtischen Heimstädte für Genesende in Blanken- einem anderem Raucher gab, sprang Giese auf und schrie: Diten bewegte. burg, fonnte seines Dienstes wegen dem Sturmläuten nicht gleich Sie Lump, Sie Plunder! Ich spendire Ihnen eine Zigarre und folgen und will erst dazu gekommen sein, als alles aus war. Sie verachten sie?" Die Gesellschaft rief:„ Stören Sie doch Albert Manthey ist von einem Knechte des Giese mit den unser Vergnügen nicht, wenn Ihnen so viel an der Zigarre liegt, Worten gerufen worden, den Schulzen schlagen sie todt!" Er hat so bezahlen wir fie!" Giese aber ergriff einen Stuhl, stieß ihn selbst auf den Wagen eingeschlagen, als er den Schulzen rufen dermaßen auf die Dielen, daß die Beine abbrachen, und schlug hörte: Feste!" Auf diesen Ruf haben mehrere drauf ge- damit auf die anderen ein; nun ging es' rüber und' nüber. Giese ( Depeschen des Bureau Herold.) schlagen. An dieser Stelle des Inquifitoriums wird Manthey un- lief heraus und der Zeuge rieth den Arbeitern, sich schnell davon Chemnik, 10. Februar. In der gestern Abend abgehaltenen wohl, die Verhandlung muß daher auf fünf Minuten vertagt zu machen, denn der Schulze hole jetzt seine Knechte und die Stadtverordnetenfißung wurde die Petition der Arbeitslosen um Bauern und da könnte es ihnen schlecht gehen. Sie gingen auch Beschäftigung berathen und beschlossen, dem Rathsbeschlusse beiDer nächste Angeklagte, Julius Manthey, ist ebenfalls durch die Hinterthüren langsam hinaus nach dem Wagen zu, zustimmen, daß mittelst städtischer Arbeiten denjenigen Arbeitsdurch die Sturmglode zum Wagen gerufen worden. Er will nur einige waren noch drin, als Giese mit seinen Knechten fuchenden. welche ohne eigenes Verschulden arbeitslos geworden gehört haben, daß die Arbeiter sagten:" Den Blankenburgern fam. Er schrie den Fortgehenden nach: Den Hund schieße sind und Angehörige zu versorgen haben, Beschäftigung bei einem werden wir es noch anstreichen, die verhauen wir noch einmal ich nieder, der hinaus hinaus geht!", dabei hielt er die Stundenlohn von 13-22 Pfennigen zu gewähren sei. Im ordentlich!" Darauf habe der Schulze gerufen:" Haut fefte zu!" Revolver im Anschlag. Beuge rief den Knechten zu, fie sollten übrigen wurde die Petition auf sich beruhen gelaffen. In da habe er denn auch geschlagen, bis nach furzer Zeit der Schulze feinen Unschuldigen schlagen, sie wüßten ja gar nicht, wer an derselben Sigung wurde im Prinzipe beschlossen, die elektrische rief:" Halt, nicht schlagen!"- Albert Manthey ergänzt seine vorige gefangen hat, er erhielt aber zur Antwort: Mach', daß Du bei Beleuchtung für die Stadt Chemnitz einzuführen und mit der Aussage noch dahin, daß, was er in der Untersuchung sagte, daß Seite tommst, sonst friegst Du auch noch eins!" Giese lief mit Firma Siemens u. Halste in Berlin zwecks derselben in weitere Böttcher und Wendt ebenfalls auf den Wagen eingeschlagen, nachdem den Knechten den Fremden in den Hof nach, einige Minuten Verhandlungen einzutreten. Giese dazu aufgefordert hatte, vollständig richtig sei. Böttcher später kamen zwei der Knechte wieder hinein und einer sagte zum Gent, 10. Februar. Gestern fingen die Verhandlungen gegen bestreitet, geschlagen zu haben. Wendt, ein Knecht Giese's: anderen:" Du Franz, fomm' vornheraus, dort an der dunklen die wegen der letzten Unruhen verhafteten Sozialisten, darunter Der Herr tam mit blutigem Gesicht in den Stall und rief: Ece lauert der Schulze mit den Anderen, dort sollen sie es den Redakteur des Vooruit", an. Eine zahlreiche Boltsmenge Kommt mir zu Hilfe und nehmt Euch was mit zum hauen!" ordentlich kriegen!" Beuge hat sich hinaus ge- umstand nach Schluß der Fabriken den Justizpalast. Der GeWir gingen mit und kamen nach dem Gasthofe, dort hielt Giese traut, von draußen also nichts gesehen, er hörte nur fängnißwagen, in welchem die Verhafteten zum Gefängnisse den Revolver hin und rief: Wer mir zu nahe kommt, den das Sturmläuten, das Krachen der Schläge, das Hilfe zurückgebracht wurden, wurde stürmisch begrüßt, die begleitenden schieße ich nieder!" Vorher hatte er schon gesagt:" Ihr dürft schrein und Wimmern der Mißhandelten. Auf Befragen des Gendarmen ausgezischt und ausgepfiffen. Es werden ernstere aber nicht weichen!" Die Leute rückten aus und ich ging wieder Vorsitzenden erzählt der Zeuge Stadach noch eine Episode, welche Unruhen befürchtet. hinaus. Da saßen die Meisten schon im Wagen. Wir haben eigentlich den Schlüssel giebt zu dem gänzlich unverständlichen dann mit Stöcken zugeschlagen. Ob Giese gerufen hat: feste!" Verhalten des Gemeindevorstehers. Beuge spannte am Vorhabe ich nicht gehört!" mittag desselben Tages in dem Giese'schen Gasthofe das Pferd Briefkaffen ver Redaktion. des dort einkehrenden Rosenthaler Schulzen aus, der Schulze Giese stand dabei und sagte auf die Frage der Frau, was das für eine Gesellschaft wäre:„ Das sind die knopfmacher in Neu- Seeland fein Parteiorgan in deutscher oder englischer Jüdischer Sozialist der kroatischen Sprache. Wir kennen von der Löffelbrücke( an der Prenzlauer Chauffee), Sprache. Wohl aber erscheint in Sidney, League 250, Pittſtreet, Die erneute Berathung führt wiederum zur Fortsetzung der bie tommen alle Montage hierher. Es sind ein englisches Parteiblatt, nämlich der Australian Socialist. Verhandlung. Von den Zeugen wird zuerst die Henriette lauter Pollaten und Desterreicher. Der eine E. F., Bukarest. Wahre Nachrichten sind uns immer will Winkelmann, die Braut des seinen Berlegungen erlegenen spielt klavier und die anderen fingen polnisch fommen. Drechslers Leder, vernommen. Dieselbe sagt aus:" Wir hatten dazu. Die müßte man eigentlich einmal raus= in einem Nebenzimmer gesessen und zogen uns an, um nach Hause zu fahren. Als wir in das Gastzimmer kamen, saß ein bringen aus dem Dorfe!" Herr, der angeklagte Giese, bei unserem Fuhrherrn Donde, und Der Vertreter der Nebenkläger läßt hier feststellen, daß die ich sah gerade, daß Giese an Donde eine Zigarre gab, die dieser meinen der Nebenkläger und der übrigen Theilnehmer an der dem Stondelta schenkte. Deswegen fam es zum Streit. Partie aus Wien, theils aus dem übrigen Desterreich und Giese schimpfte, ergriff den Stuhl und schlug den Bilz über Böhmen stammen. den Kopf, daß er zu Boden stürzte. Jetzt wurde dem Giese der Nachdem Dr. Stuber ein vorläufiges Gutachten abgegeben Stuhl entriffen, mein Bräutigam wollte sich dazwischen fürzen, hat, laut welchem sich bei brei der Verletzteu infolge der späten ich umklammerte denselben aber, doch verließen mich die Kräfte, Wundreinigung die Wundrose eingestellt hat, welche bei Leder ich wurde ohnmächtig und fam erst wieder zu mir, als ich auf den Tod herbeiführte, nahm der Gerichtshof die Zuständigkeitsdem Wagen lag und einen Steinwurf an den Kopf betam. A13 frage wieder auf. Nach langer Berathung lautete das Urtheil ich mich ein wenig aufrichtete, fiel mir etwas Schweres in den dahin: Der Verweisungsantrag wird seitens des Gerichtshofes noch einmal in Anregung gebracht; es tritt über diesen Antrag eine lange Berathung ein. Schooß, das war der Kopf meines Bräutigams, der leblos schien. In Erwägung, daß der bisherige Gang der Verhandlung Auf den Wegen schrie alles um Hilfe, mindestens 50 Leute un- ergeben hat, daß ringten den Wagen und schlugen auf uns ein. Giese a) eine Zusammenrottung einer Menschenmenge stattgefunden stand in der Nähe, hielt mit der linken Hand eine hat, bei welcher ein Mensch getödtet worden ist, Laterne hoch und in der rechten den Revolver und rief: Wer vom Wagen' runter kommt, den schieße ich nieder!" Es konnte aber doch keiner herunterspringen, wir waren ja schon alle niedergeschlagen. Ein dicker Herr, der nicht unter den An- vorgenommen haben; b) daß der Angeklagte Giefe dabei als Rädelsführer mit gewirkt hat, die Angeklagten Gebr. Manthey und Wendt dagegen Gewaltthätigkeiten gegen Sachen und Personen dabei Achtung! Rixdorf! Achtung! Blücherstraße 11. Versammlung des Sozialdemokrat. Vereins ,, Vorwärts" am Mittwoch, den 15. Februar, Abends 8½ Uhr, im Lokale des Herrn Hoffmann, Bergstrasse No. 133. Zages Drdnung: 1. Bortrag des Genossen Bruns über:" Kapitalistische Produktionsweise und die Krisen." 2. Distuſſion. 3. Verschiedenes. 4. Vereinsangelegenheiten. Gäfte haben Zutritt. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. 365/7 8687L Musik- Instrumente. Größtes Lager in Zithern, Violinen, Guitarren, allen Blasinstrumenten, sowie Harmonikas jeder Art. Musik. werke zum Drehen und selbstspielend( mit Arbeiterliedern). Reparaturen schnell und gut. Großes Notenlager. Aug. Kessler, 51. Lausitzerstr. 51. Jede Uhr 3531L zu repariren und reinigen kostet bei uns unter Garantie des Gutgehens nur Mk.50 Pfg.( außer Bruch), fleine Reparaturen billiger. Großes Lager neuer und gebrauchter Uhren, getragene Uhren von 5 Mt. an. Neue filb. Cylinder- Remontoirs,& Steine, von 14 M. an, do. 10 Steine, von 16 M. an, goldene Damen- Remontoirs, 14- Rarat Gold v. 24 M. an. Gold- und Silberwaaren in gr. Auswahl zu Fabrikpreisen 1295b vis- à- vis der Krenz- Kirche Wilhelm Böhm. Sämmtlige Hüte mit Kontrollmarken. Großes Lager in Schirmen. Fleisch' Detail- Verkauf 3. nachstehenden EngrosViehhofpreisen: Rindfleisch 50-60 Pf., Kalbfleisch 50 bis 60 Pf., Schweinefleisch 55-60 PL., Hammelfleisch 45-55 Pf. 19, Holzmarktstraße 19, Ecke Michaelfirch- Brücke. Martin Klein, 25 Uhrmacher, 8544L Neue Hochstr. 25 empfiehlt sein Lager aller Arten E. Rothert& Stolz, 1. Geſchäft: Andreasstr. 62. Wand- und Taschen- Uhren. Uhrmacher. Möbel 2. 3. " " Chausseestr. 34. E. R., Chemnik. Besten Dank. Die Sache ist jedoch bereits erledigt. P. H. 67. Für unmündige Kinder muß ein Vormund be stellt werden; zum Vormund kann ihr großjähriger( über 21 Jahre alte) Bruder bestellt werden. Ob dieser verheirathet ist oder nicht, ist gleichgiltig. G. R. 1. Die Fragen 1-5 betreffen anhaltisches Partikular recht; diesbezüglich müssen Sie sich an einen dortigen Anwalt wenden. 2. Bewegung in frischer Luft, falte Abreibungen- im übrigen einen Arzt befragen. Briefkaffen der Expedition. Für die Bergarbeiter giugen ferner ein: Bei der Beerdigung des Metalldrehers P. Splitt gesammelt 1,10. Rauchklub" Sorgenbrecher", Charlottenburg, 5,-. Leseund Diskutirklub" Süd- Ost" 20,-. Kollegen von G. Poppe 3,-. Bei der Geburtstagsfeier Hermerschmidt's gesammelt 4, Summa 33,10 M. Bereits quittirt 9834,45 M.; in Summa 9867,55 M. Reelste und billigste Uhrmacherei Berlins Alle Uhren( 8580L werden sauber und sorgfältig reparirt Verkauf z. Engrospreisen unter Garantie des Gutgehens für Silb. Remontoir- Uhren v. 1,50 Mark( außer Bruch) bei W. Winkler, 13 M. an, goldene DamenRemontoir, 14 tar. Gold, v. 22 M. an. Regulateure Berlin N., Reinickendorferstr. 29, mit Schlagwerk, 14 Tage gehend, von gegenüber der Dantes- Rirche. 159. an. Wecker von 2,50 M. an. Lager aller Arten Uhren, Uhrketten Eine Uhr zu reinigen kostet nur 1 D., bei allen Reparaturen wird der Preis vorher gesagt. MariannenStrasse 50, Ecke der Naunynstr.( früher Naunynstr. 15 part.). Otto Eleser, Uhrmacher( Fachmann). Schuhe u. Stiefel mit Kontroll- Marke Zum 3683L Roth. Cylinderhut Nur Hüte mit Arbeiter- Kontrollmarke. Größte Auswahl. neben Frister aus der Schuh- Fabrik Erfurt. Stalizerstraße 131, und Romann Allen Genossen u. Freunden empfehle mein Schuh- u. Stiefel- Geſchäft. Große Auswahl in Herren-, Damen- und Kinderstiefeln. Bestellungen nach Maaß in türzester Zeit. Reparaturen schnell und billig. Louis Zaake, 3546L Küftriner Play Nr. 8. im Laden. Wilhelm Zapel, Hutmacher. Schuhe u. Stiefel mit Kontrollmarke aus Erfurt empfehlen C. Geyer, Oranienītr. 202, [ 3571L Möbel, Spiegel und Polsterwaaren, C. Nitschke, Kastanien- Allee 88, reelle Waare, solide Preise. G. Jerbe, Ritterfte, 114, Chausseestr. 78. Reparaturen zu soliden Preisen. Ganze Ausstattungen in Mahagoni. Bath, Waldstr. 37, Moabit, und Nußbaum. Küchenmöbel in gr. W. Papke, Manteuffelstr. 31, Auswahl empfiehlt 3589L G. Rördel, Forsterstr. 7, Spiegel und Polster- Waaren. Cigarren u. Cigaretten Ausstattungen in Mahagoni u. Nusbaum; Küchenmöbel empfiehlt; Preislisten auf Wunsch franco. Berlin S.0., Franz Tutzauer, öpnikerr. 25. Homöopathische Klinik, BrunnenSäle z. Versamlg. n. Gesellschſt.| straße 40. Spr. 11-12, 4-5. Stg.9-10. unentgeltlich[ 8066] Oranienstr. 180. Swinemündertr. 45/46 Tr., 3549L Fritz Gerrlach, W. Potsdamerstraße 66. W. Agentur der Gladbacher Feuer- und Glasversicherungsgesllefch. in München. Julius Apelt, A. Anders, Gerichtstr. 82, G. Stuckah, Weberstr. 4. Sebastianstr. 20( früher 27/28). G. Müller, Teltowerstr. 61. Kinderwagen. Größtes LagerBerlins S. Müller, Bergmannstr. 15. Nur I Mark. Andreasttr.23. Hp Den besten Reſtaur., f. Gesinnungsgenoff. paff. Schmalzlerlagen, Eingaben, Reklamationen. viel Werkstellen i. Hause, Fruchtstr. 31 zu verkaufen. 12666* Genossenschaft( Tischlerei) s. Mit billige freundliche Wohnungen: glieb mit II. Rapital als Geschäfts- Borderhaus: 2 Stuben u. Küche, 4 Tr Alte Stiefel. Bet, reell u. billig. führer. Adr. sub N 1150 Poft- Amt 300 Mt. Hinterhaus: Stube u. Küche usw., Reparatur 35898 Friedrichstr. 226/227. 1277b* 170-180 M. u. 12556* Runge, Naunynstr. 2. 1284b* aus echtem Brasil liefern Schwarz& Co., Tabakfabrik, Nürnberg. im Zivil- und Strafprozeß. Einziehung von Forderungen. Pollak, jezt Blumenftr.19 IIr.Auch Sonntags. Einen tücht. Silberarbetter( Hammerarbeiter) verl. P. Eisolt, Martusstr. 31 Berantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2.