Nr. 123. BbonnemenfS'Bedlngungen: r fünf Mandate in Gent, Tournai, Huy, Charleroi und L ü t t i ch, teils den Klerikalen, teils den Liberalen abgenommen, bedeutet einen Elan der Volksbewegung, der so weiterschreiten» den Klerikalen bei den Wahlen der nächsten Perioden das schon 1906 prophezeite Ende bringen muß. Das Gewicht des sozialistischen Erfolge? wird noch dadurch ver stärkt, daß die Klerikalen, mit allen ihren bewährten Mitteln der Pression ausgerüstet, im diesmaligen Wahlkampfe heftiger als je den Krieg für die„heiligen Güter der Religion" und des Vater lande?(ließ Kolonialpolitik) entzündeten und ihre Minister als Agitatoren ausrücken ließen, um bedrohte Posten zu retten. Aber der Volkswille hat sich stärker erwiesen als alle Praktiken der Pfarrer, als alle Kunstgriffe des Wahlrechtes der„vier Infamien". Daß auch der„Liberalismus" nicht gerade als Sieger des TageS auftritt— er ist Vons46 auf 43 Sitze zusammengeschmolzen—, hat er bor allem der schmählichen Haltung der Gruppe Doktrinär- Liberaler in der Kolonialfrage zu danken, die aller demokratischen Stimmung entgegen den Vertrag der Regierung unterstützten. Auch sie haben, wie ihre klerikalen Bundesgenossen erfahren, daß die Kongofrage tvohl vor die Wähler gehört/ und daß die Wählermassen über sie ihr Urteil sagen wollen. Daneben aber kommt in Betracht, daß gewisse Volkselemente, die bisher dem Liberalismus zuneigten, sich mit den Äulturkampfphrasen allein doch nicht mehr zufrieden geben und eine Volkspolitik auf wirklich sozialer Basis von dem allzu sehr mit kapitalistischen Doktrinen belasteten Liberalismus nicht erwarten. Der Zustrom neuer Elemente zum alten sozialistischen Wählerstock ist freilich in erster Linie der in den letzten Jahren kräftig emporstrebenden Gewerkschaftsbewegung, so der der Metall- und Bergarbeiter, zuzuschreiben. Ueber den Stimmenzuwachs der Sozialisten wird nach Veröffentlichung des offiziellen Materials noch zu sprechen sein. Erfährt das bis- herige Resultat keine Korrektur, die aber wohl nur Stimmen- Verhältnisse, aber kaum Mandate verschieben wird, so vermehrt sich die Zahl der bisherigen sozialistischen Sitze von 30 au f 35. Die Regierung verfügt noch über eine„Majorität" von acht Stimmen. Die Tatsache aber, daß ihre Majorität stufen- weise feit dem Jahre 1902 von 26 auf die 8 Stimmen zusammen- geschmolzen ist, wird selbst die optimistischsten Klerikalen belehren, daß ihr Hinabgleiten kein zufälliges oder vorübergehendes ist. Der Sieg der Sozialdemokratie ist aber nicht nur ein Beweis für die prinzipielle und absolute Ablehnung der Kolonialpolitik durch das klassenbewußte Proletariat, er ist auch der Todesstoß� für die Pest des Pluralwahlrechts. Das belgische Proletrariat hat eine Zeit lang die Schmach der vier Infamien ertragen müssen. Die Reaktionäre in aller Well haben sich angeschickt, die belgische Methode des Volksbetruges in ihre Länder zu übertragen. Das belgische Proletariat, dieses Ver- trauen rechtfertigt sein prächtiger Sieg, wird in kurzer Frist dem Pluralwahlrecht in dem Lande seiner Erfindung den GarauS ge- macht haben. Das ist es sich, das ist es der Internationale schuldig. Nie der preußische Landtag die Bergarbeiter entrechtetes Einen„Nuhmeskranz" hat sich das Dreiklassenparlament auch gewunden mit der Knappschastsgcsctznovelle vom l9. Juni 1906. Hierbei hat sich diese„Voltsvertretung" als eine jedes Mitgefühls mit den Aermsten und Schwächsten bare Geldsacks- und Scharfmachervertretung bewiesen. Auch die Regierung hat preisgegeben zugunsten der Kapitalisten, was in den Regierungsentwürfev und ihren Begründungen als unabweisbar notwendige Reform verlangt wurde. Neberhaupt bildet die Knappschaftsgesetzgebung eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte der„Arbeiterfürsorge" des Dreiklassenparlaments. •). Vgl. Nr. 120 des„Vorwärts": Die Knappschaftskassen, oder auch Bruderladen, ur- sprünglich„Büchsenkassen" genannt, sind der kameradschaft- lichen Initiative der Bergknappen entsprungen, zum Teil schon vor mehreren hundert Jahren. Ihr Zweck war die Pensionszahlung an invalide Knappen, an deren Hinterbliebene und teilweise Züsch utzzahlung an kranke Mitglieder. Die alten Berggesetze verpflichteten den Bergwerksunternehmer, auch als Aequivalent für die Gestattung der Mineralien- ausbeute, für den arbeitsunfähigen Knappen bezw. dessen Hinterbliebenen in gewissen Grenzen zu sorgen. Einem kranken Bergmann niusite von einer Zubuß- zeche vier, von einer Ausbeutezeche acht Wochen lang der volle Lohn weitergezahlt werden! Die Knappschafts- basierten ihre Einnahmen zuerst nur auf freiwillige Beiträge der Arbeiter, später wurde den Zechenunternehmern behörd- lich aufgegeben, einen Teil der Ausbeute(Knappschaftskux) in die Knappschaftskasse zu steuern. Verwaltet wurde die Knappschaftskasse zuerst völlig selbständig von den Arbeitern, später unter Aufsicht und Mitwirkung der Bergbehörde. In- dessen besaßen auch da noch die Ärbeitervertreter (Aelteste) die Entscheidung in knappschaftlichen An- gelegenheiten. Das war der mehr oder minder modifizierte Zustand in Preußen bis 1854. In diesem Jahre beschloß der Land- tag ein Gesetz, das radikal mit den Vcrwaltungsrechten der Arbeiter in der Knappschaftskasse ausräumte, und die„Ver- waltung der Knappschaftskasse in die Hände der Unternehmer legte"(Festenberg-Pakitsch: Geschichte des schlesischen Berg- baus). Mit einem Federstrich wurden die Arbeiter ihrer Verwaltungsrechte beraubt, was um so skandalöser war, weil die Kassengclder zum weitaus größten Teil von den Ar- bcitern eingezahlt waren,- und weil das Gesetz vom 10. April 1854 den Werksbesitzern auch fernerhin gestattete, bis zu 50 Prozent weniger als die Arbeiter zu zahlen. . Wie diese„Arbeitervertretungen" hausten, das steht in der Leidensgeschichte der preußischen Knappschaftsmitglieder mit unausrottbaren Lettern geschrieben. Beitragserhöhung für die Arbeiter, Beitragsherabsebung für die Bergwerks- bcsibcr; Verkürzung der Krankengelder, Jnvalidenpcnsioncn, Witwen- und Waisengelder; Entziehung einer Reihe aus der alten Zeit stammenden Bencfizien, Unterwerfung unter ein Zwangsarztsystem, das die Leidenden zur Verzweiflung brachte, fortgesetzte Statutenänderungen, um das ohnehin nur höchst problematische Mitverwaltungsrecht der Arbeiter völlig illusorisch zu machen! Das geschah vorzüglich durch Ein- führung der össentlichen Wahl unter scharfer Kon- trolle der Wcrksbeauftragten, wobei die Wahl- Modalitäten so raffiniert ausgeklügelt wurden, daß schließ- lich vielfach überhaupt kein Arbeiter mehr zur Vertreterwahl ging. Für diesen Fall hatte das Gesetz fürsorglich die„E r- nennung der Acltesten durch den Vorstand", das heißt durch die Werksbcsitzcr bestimmt! Natürlich nahmen im Zeichen der„Bergbaufreiheit" und Ansbeutungsfreiheit die Arbcitercrkrankungen wie die Un- fälle rapide zu. Der Bergarbeiterkörper wurde rascher ruiniert, von der Regierung mußte zugegeben werden, daß sich allein innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte das arbeits- sähige Alter der preußischen Bergleute um zehn Jahre ver- ringert hat! Hunderte müssen jährlich für invalide erklärt werden, obgleich sie kaum 30 Jahre alt sind! In manchen Knappschaftskasscn übersteigt die Zahl der Erkrankungen 70 bis 80 Proz. der Mitglieder! Die Kassenverhältnifse wurden infolgedessen immer trostloser, trotz der wiederholten Lei stungskürzungen. So ist mit der Arbeitcrgesundhcit Raub bau getrieben worden und der preußische Landtag verweigerte die notwendigsten Reformen! Schließlich konnten auch alle Manipulationen zwecks Entziehung der Arbeiteranrcchte an die Kassen, konnten die immer wieder vorgetragenen Lobreden auf die„Wohlfahrts einrichtungen der Knappschaftskassen" das graue Elend nicht mehr verhüllen. In den Regierungsdcnkschriften zur Knapp schaftsreform wurde eingestanden, eine Kassensanierung sei nicht mehr zu umgehen, die meisten Kassen seien, ver sicherungstechnisch betrachtet, schon bankrott! Sollte der Zusammenbruch nicht eklatant werden, so mußte eingeschritten werden. Nicht so sehr die Berücksichtigung der Arbeiterforderungen (sie sind nur zum geringsten Teil berücksichtigt), vielniehr die zwingende Not. das, was eine mehr als 50jährige kapita- listische Selbstherrlichkeit bis zum nahen Bankrott herunter- „verwaltet" hatte, wieder auszurichten zu versuchen, war das Motiv zur Knappschaftsnovelle vom 19. Juni 1907. Als sie in Angriff genommen, da wurde auch dem Laien offenbar, was versäumt und gesündigt worden war. Es mußten die betreffenden knappschaftlichen Bestimmungen zunächst einmal mit den einschlägigen Vorschriften der rcichsgesctzlichen Arbeiter- Versicherung in Einklang gebracht werden. Dann mußte den Wcrksbesitzern die gleiche Beitragslast wie den Arbeitern auf- erlegt werden, um die Finanzen au sanieren. Aber der Landtag half auch hier wieder den Werksherren, indem er Paragraphen fabrizierte, die den Verfassern der Kassenstatuten die Herabsetzung der„hohen" Krankengelder und Pensionen ermöglichte. Das ist weidlich ausgenutzt worden. Neben bedeutender Erhöhung auch ihrer Beiträge wurde den Arbeitern eine Verringerung der Krankengelder, Jnvalidenpensionen, Witwen- und Waisen- gelder durch die Statuten zuteil! Ferner ermöglichte es die raffinierte Gesetzesfassung, den invaliden Kassenmitgliedern z. Ä. im Ruhrgebiet das seit 100 Jahren be- stehende Kindergeld zu entziehen! Den Ruhr- gebietsarbeitern, die sich das nicht ohne weiteres gefallen ließen, wurde ab 1. Januar 1908 ein Zwangsstatut behördlich aufoktroyiert, welches die neue„Knappschafts- reform" des preußischen Landtages den Arbeitern unmittelbar zum Bewußtsein bringt. Hinsichtlich der Kassenverwaltutig i st der durch das Entrechtungsgesetz vom 10. April 1854 geschaffene Zustand im wesentlichen aufrecht- erhalten worden! Dadurch ist die Fortbildung der Knappschafts- lassen zu wirklichen Wohlfahrtsinstituten unterbunden. Der Landtag ging auch hier seinen arbeiterfeindlichen Traditionen nach. Er verschlimmbesserte auch die knappschaftliche Regierungsvorlage erheblich. Diese wollte, um den Werks- tcrrorismus einzuschränken, das geheime Verfahren bei den Aeltestenwahlen gesetzlich festlegen. Der Landtag strich diese Vorschrift aus der Vorlage! Er ging noch weiter. Den invaliden Kassemnitgliedern, die von altersher das aktive Wahlrecht ausübten, raubte der Landtag dieses wichtige Recht, wodurch den Arbeitern gerade die- j e n i g e n Kameraden zu Aeltesten zu wählen unter- sagt ist, die nicht mehr unter der Werksfuchtcl stehe»! Diesem Gesetz stimmten Konservative, National- liberale und Zentrum ausnahmslos zu I Die Regierung, der recht gut bekannt ist, welche Schläge diese Verböserung ihrer Vorlage den Bergarbeitern versetzen, war mit der Ver- hunzung auch dieser ihrer Vorlage einverstanden! So bewährte sich das preußische Dreiklassenparlament seit seinem Bestehen als der rücksichtslose Anwalt des Grnbenkapitals. Wie oft auch im Landtage Bergarbeiterfragen zur Entscheidung gelangten, stets waren die Bergarbeiter die Geprellte» und Geschädigten. Empörten sich die Grubensklaven gegen den unerträglichen Druck, dann konnten sie sicher sein, von den„Volksvertretern", die durch ihre Gesetzesfabrikation den Arbeitern das Sklavenjoch geschmiedet hatten, obendrein niederträchtig beschimpft und mit Hohn überschüttet zu werden! Darum gilt für die Bergarbeiter wie für alle Arbeiter, alle Ausgebeuteten, alle Nichtbesitzenden die Parole: Nieder mit dieser Geldsackvertretung! „nationale" Arbeiter und Geldfacb- Parlament. Fürst Bülow hat der Deputation des„nationalen" Arbeiter- kongresses, die ihm ihre Aufwartung hat machen dürfen,«ine Menge Versprechungen gemacht, an deren Erfüllung die maß- gebenden Kreise überhaupt nicht denken. Bei dieser Gelegen- heit drückte der Ministerpräsident Preußens seine Freude darüber aus, daß in Deutschland starke Organisationen„nationaler" Arbeiter bestehen. Man hätte nun meinen sollen, daß der preu- ßische Landtag Eingaben und Wünsche dieser„nationalen" Arbeiter ganz besonders beachten würde. Sozialdemokratische Ar- beiter wenden sich gar nicht erst an das Dreiklassenparlamcnt, sie wissen, daß sie dort weder Einsicht noch Verständnis finden können. Die„nationalen" Arbeiter aber haben es gewagt, und sie sind damit gründlich hereingesallcn! Gerade jetzt. unmittelbar vor der Landtagswahl, verdient die Sache aus den Akten ausgegraben zu werden, um zu zeigen, daß die Arbeiter von den Erkorenen des Dreiklassenelends auch dann nichts zu erwarten haben, wenn sie„national" bis in die Knochen sind. Die Freie Evangelische Volksv-reinigung Barmen, der Ortsverein der Metallarbeiter in Neu- salz a. O., die Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereinler in Hagen, das christliche Gewerkschaftskartell in Eupen, der dortige katholische Arbeiterverein, die katholischen Arbeitervereine des Bezirkes Bochum, der Zentralrat der deutschen Gewerkvereine in Berlin. das katholische Arbeitersekretariat in Erfurt und andere mehr hatten sich mit Petitionen an den Landtag gewendet. Sie verlangten: 1. Aushebung der Bestimmung, daß der Arbeitgeber das Einkommen der Arbeiter angeben müsse. Statt dessen Ein- führung der Selb st eins ch ätz ung; 2. den 8 36 des Kommunalabgabengesetzes dahin zu ändern. daß es den Kommunen gestattet sei, die Einkommen unter 3996 M. mit einem geringeren Prozentsatz als die höheren Ein- kommen zu den Kommunallaftcn heranzuziehen; 3. die untere Steuergrcnze von 996 M. auf 1200 M. resp. 1500 M. heraufzusetzen, weil bei dem sinkenden Geldwert heute ein Einkommen von 1200 M. nicht mehr sei, als trüber ein solches von 900 M.; 4. zu gestatten, daß das Einkommen aus Sonntagsarbeit. Uebcrstundcu sowie sonstiger Nebenverdienst in Abzug gebracht werden darf, und ferner, daß der Verdienst der Frau außer Ansatz bleiben oder separat versteuert werden solle; 5. den Abzug für Kinder von 50 M. auf 150 Mk. zu erhöhen. Diese Petitionen sind am 12. März 1908 in der Petitions. Immission des Landtags in einem Ramsch verhandelt worden. Der Vertreter der Regierung hatte für alles nur ein entschiedenes: Nein. An der Auskunftspflicht der Arbeitgeber über das Einkommen der Arbeiter müsse unter allen Umständen fest» gehalten werden, selbst auf die Gefahr hin, daß der Arbeiter in dem Arbeitgeber den Denunzianten sieht, der sein Ein- kommen dem Staat zum Zwecke der Besteuerung verrat. Auch der Mzug i>eZ Verdienstes SuS Nebttstundekl usw. sei absolut uüzu- lässig, der Arbeiter muß jeden Pfennig, den er verdient, versteuern. Die erbetene Selbste in schätzung ist ohne weiteres verweigert worden, und zwar mit dem Hinweis darauf, daß die Zahl der Steuereinschätzungen derzeit 700 000 be trägt, wenn den Arbeitern die Selbsteinschätzung gestattet werden sollte, dann würde die Zahl der Steuererklärungen sofort auf K Millionen anwachsen. Diese Zahl zu bearbeiten, sei gar nicht möglich, und überdies habe auch der Arbeiter ja das Recht, eine Steuererklärung einzureichen, auch dann, wenn er sich nicht selbst einschätzen müsse. Man beachte den blutigen Hohn, der in dieser Argumentation liegt! Welchen Sinn soll denn eine von einem Arbeiter abgegebene Steuererklärung haben, wenn der Unternehmer das Einkommen des Arbeiters der Steuerbehörde bereits angegeben hat! Schickt nur tüchtig Steuererklärungen, in den Schreibstuben ist kein Mangel an Papierkörben! Und nun gar erst die Heraufsetzung der unteren Steuergrenz e! Das bedeute einen Ausfall von 17 Millionen Mar! für den preußischen Staat, daran sei also nicht zu denken. Ja, wenn es sich um Agrarier handeln würde— das wäre etwas anderes» so aber dreht es sich bloß um Arbeiter, noch dazu um„nationale", denen meint man alles bieten zu dürfen. Auch eine Begünstigung der Arbeiter bei den Kommunalabgaben fand glatte Zurückweisung! Das ist umso bezeichnender, als gerade die Kommunalsteuer ihrer Höhe wegen noch viel drückender ist als die Staatssteuer! Schließlich wurde beschlossen, die Petitionen der Staats- regierung als Material zu überweisen, d. h. als Aktenstücke, die man zu den übrigen legt, bis die ganze Herrlichkeit eines schönen Tages eingestampft wird! Das ist die Antwort auf das Vertrauen, das„natio- nale" Arbeiter in diese Karikatur einer Volks- Vertretung gesetzt haben. Den Dreiklassen- männerm ist es völlig gleichgültig, ob es sich um„nationale" oder um sozialdemokratische Arbeiter handelt, für Arbeiterfragen hat man dort nun einmal kein Interesse! Das wird erst dann anders werden, wenn es gelingt, Sozialdemokraten in das Haus des Dreiklasienunrechts zu entsenden! Ale sich der Freisinn in der Ashlrechtz- frage mauierte! Wir nahmen neuerdings mehrfach Gelegenheit, darauf hinzuweisen, daß der Freisinn sich in der Theorie als Verfechter des Reichstagswahlrechts aufspielt, aber von dessen Uebertragung auf die Gemeinden, in denen er das Heft in Händen hat, nichts wissen will. Die Furcht vor der Sozialdemokratie und die Rücksicht auf den Grundbesitz sind die Ursachen dieser Prinzipienwidrigkeit, die ans die Standfestigkeit des Freisinns in der preußischen Wahlrechtsfrage die gewagtesten Schlüsse zulassen. Aber es gab eine Zeit, wo der Freisinn, soweit das preußische Gemeindewahlrecht in Betracht kam, tinl WVMMW land im preußischen Abgeord n e-der- tnrtwzckf einer neuen Städteord« n u n g zur Verhandlung. Ter Reformversuch scheiterte, wie nebenher bemerkt sei, am Widerstande des Herrenhauses. Er brachte gegenüber der heute nNY'rfvlteAdau�Städteordnung von 1833 manche Verbesserungen, ging aber doch dpr da- maligen Fortschrittspartei noch immer nicht weit gen Ihr Führer Eugen Richter sagte damals i Mssenparlament u. a.:-» „Meine Herren, wenn man befürchtet, daß bei dem gleichen Stimmrecht die Besitzlosen einen zu großen Einfluß ge- Winnen, so muß ich mir doch immer sagen: Das Interesse der Besitzlosen ist dem allgemeinen Interesse unter Umständen viel näher, als das Interesse der Besitzenden in den Kommunen. Und daß eS nicht möglich wird, daß die Besitzlosen etwa zu stark durch progressive Besteuerung heranziehen, dafür sorgt schon die gegenwärtige Kommunalbesteuerung. Für mich liegt die Gefahr eher auf der anderen Seite. Wenn ich die Städteordnung betrachte, wie sie sich mit dem Dreiklassenwahl. spstcm entwickelt, so finde ich viel stärker die Gefahr drohend, kommunale Ausgaben zu machen, die wesentlich im Interesse der besitzenden Klasse sind, namentlich der Grund- und Hausbesitzer." Weiter sagte Eugen Richter noch in dieser Rede, daß Gemcinsinn und Intelligenz durchaus nicht an den Besitz gebunden seien, wie das Dreiklassenwahlrecht eS annehme. Dies System sei besonders nachteilig in den großen Städten, wo es in Verbindung mit der Bczirkseinteilung in raffinierter Weise verhindere, daß ein allgemeines Interesse sich geltend machen könne. So der Führer der Fortschritts- und der späteren Freisinnigen Partei 187k. Als nun aber dank der Wirksamkeit der Sozialdemokratie aller Hindernisse zum Trotz sich bei den Stadtverordnetenwahlen� ein„alt gemeines Interesse" geltend machte, da hatte die Resorn freudigkeit des Freisinns mit einem Schlage ein Ende!! erhöhte, um noch einige Beispiele zu nennen, 1893 in KkssT aus Furcht vor der Arbeiterschaft den dortigen Wahlzensus, ver schlechterte 1901 das Wahlrecht in Halle, 1904 das Wahlrecht in Königsberg i. Pr. usw. Wo wir einmal dabei sind, das Verhalten des Freisinns in dieser Frage zu beleuchten, möge noch ein recht pikantes Beispiel für seine Entwicklung nach Rückwärts folgen. Bei der Verhandlmig am 18. März 1876 hatte ein Redner der Rechten. Abgeordneter Haken, dem freisinnigen Führer den Rechtssatz entgegengehalten:„Wer will mit xaten, soll auch mit taten." Im Jahre 1900, bei der Beratung eines sozialdemo- kratischcn Antrages, sagte nun der Stadtverordnete und Landtagsabgeordnete Cassel in der Berliner Stadt- verördnetenversammlung: „Die städtische Verwaltung hat von jeher den Grundsatz mit an die Spitze gestellt, daß derjenige, welcher mit ratet, auch mit taten soll.". Am 19. April 1904 gab derselbe Herr Cassel unter dem lebhaften Beifall seiner Freunde in der Stadtverordneten- Persammlung die Erklärung ab: „daß unter denselben kein einziger sich befindet, der dies gleiche und geheime Wahlrecht ohne jede Voraussetzung an jeden Beliebigen erteilen will, ohne Rückficht auf den Beitrag zu den Lasten der Stadt und auf die Seßhaftigkeit in der Stadt." Wer w i l l G e w ä h r d a f ü r le i st e n. daß der Frei- sinn in bezug auf das Landtagswahlrecht sich nicht ebenso radikal ändert als in bezug ans das Gemeindewahlrecht? Die Vorgänge der letzten Monate zeigen ja, daß er auf dem Pesten Wege zum Gesinnungswechsel ist! Bus dem Maklkampf. Fälschungen der Tante Voft. Die„V o s s i s ch e Zeitung" polemisiert in einem Leitartikel gegen das Flugblatt, das von der sozialdemokratischen Partei am letzten Sonntag in Berlin verbreitet worden ist. Das schmachvolle Wahlabkommen in Ober» und Nieder-Barnim versucht die„Bossische Zeitung" damit zu rechtfertigen, daß ja ein Bündnis mit der Sozialdemokratie deshalb nicht möglich gewesen wäre, weil bei einem Wahlbündnis mit der Sozialdemokratie � die sozialdemokratischen Kandidaten doch die meisten freisinnigen und naiionalliberalen Stimmen nicht erhalten haben würden. Auch eine Entschuldigung! Daß„freisinnige" Wähler für konservative Wahlrechtsfeinde ohne Wimperzucken eiil- treten, findet die„Bossische Zeitung" ganz in der Ordnung. Ebenso, daß sie einen unüberwindlichen Abscheu vor den Ver- tretern des arbeite ndenVolkes haben. Hat denn die „Voslische Zeitung" gar kein Empfinden dafür, daß diese sreifinnige Charakteristik der freisinnigen Wählerschaft den Freisinn in der denkbar schlimmsten Weise diskreditiert? Erinnert sie sich denn gar nicht, daß die„Freisinnige Zeitung" einen gleichen Wahlrechtsschacher des Zentrums mit den Konservativen mit den Worten brandmarkte: „Da aber sowohl das Zentrum wie neuerdings die Kon- servativen die Wahlrechtsfrage für den ni i ch t i g st e n Punkt des Wahlkampfes ansehen, so ist ein Wuhlkompromiß zwischen diesen beiden Parteien ein ganz unnatürliches Gebilde.... Die einzig mögliche Schlußfolgerung hieraus ist doch aber nur, daß man sich dann nicht dazu hergeben darf, die Reaktion in Preußen zu stärken." Was also die„Freifinnige Zeitung" sogar dem klerikal« agrarischen Zentrum als politische Schmach ankreidete, hält die„Vossische Zeitung" für den— Freisinn für durchaus zu- lässig I Welch jammervolle Sorte Freisinn! Die„Vossische Zeitung" verteidigt dann da? Zusammengehen deS Freisinns mit den nationalltberalen WahlrcchtSfeinden damit, daß ja auch in der sozialdemokratischen„Königsberger Bolkszeitung" die Ansicht vertreten worden ist, daß von der sozial- demokratischen Arbeiterschaft„eine teilweise Abtragung oder Ab- schwächuitg des KlassenwahlrechtS für den Augenblick als Abschlags- zahlung in den Kauf zu nehmen" sei. Und die Nationalliberalen wollten doch ebenfalls eine gewisse Wahlrechtsreform. Wir könnten der„ B o s s i s ch e n Zeitung" entgegnen, daß der Artikel der„Königsberger Volkszeitung" von einer privaten Zeitungskorrespondenz stammt, für deren Anö- lassungen die Sozialdemokratie nicht verant- w o r t l i ch i st. Wir wollen aber doch zur Charakteristik der Vossischen Ausrede einige Sätze aus dem von ihr zitierten Artikel wiedergeben, die sich gerade gegen die national« liberalen Reformvorschläge richten. ES heißt da: „DaS Pluralwahlrecht, daS das Privilegium des Be- sitzeS auf der einen Seite scheinbar ein wenig einschränkt, um auf der anderen Seite neue Privilegien der besitzende» Klasse nach Alters-, Bildungs-, Selbständigkeits- Pluralität zu erreichen, ist kein Erfolg der Demokratie, sondern eine Gefahr für sie. Lieber das alte Dreiklassenwahlrecht, als ein nationalliberaleS Vierklassesiwahlrecht ä la Sachsen.... Jene aber, die für das neue Wahlunreckit der Pluralität eintreten, sind die eigentliche Gefahr des kommenden Landtages und als Todfeinde einer gerechten Wahlreform sind sie auf das Aeußerste zu bekämpfen." Die„Vossische Zeitung" entschuldigt also ihr Kompromiß t den Nationalliberalen mit Aeußerungen der„Königsb. szeitung", die sich gerade gegen die Nationalliberalen wenden I onservativer Wahlterrorismus gegen Arbeiter. icht nur unter der öffentlichen, sondern auch unter der heim m Stimmabgabe vermögen die Konservativen TerrorismuS treik m. Wie ungeniert dies geschieht, zeigt ein Dokument, daS Anfang November.190S dem„Vorwärts" vorgelegt wurde. laut t: Der Arbeiter.... hat bei mir vom 12. Mai 1903 bis zum 1'. Juni in Arbeit gestanden. Ich bin mit seinen Leistungen sehr zr rieben gewesen, mußte ihn aber entlassen, da er Sozial- d �mokratisch smit großem S.) gewählt hat. Behrensdorf den 17. Juni 03. v, TreSkow. Dies Zeugnis, das bekanntlich der Gewerbeordnung widerspricht, waü abgestempelt vom Gemeindevorstand zu Frensdorf, Kreis BeeSkow-Storkow. Ob die Ueberführung des Sünders mit Hilfe der geschichteten WdhIkuvertS oder sonstwie geschah, ist gleichgültig, wo es hier nur dai ruf anlommt, zu beweisen, daß die am Sonnabend von der „t eutschen Tageszeitung" theoretisch erwogene Möglichkeit der Aus- fp< crung sozialdemokratischer Arbeiter auf dem Lande so bietst geübt wird, als ob es fich um— ein tijnservativeS Vorrecht handelte l Schwarze Wahlrechtshasser. Die zentrümlichen Brotwucherer und Dunkelmanner sind in der Praxis genau so brutale Wahlrech tSseinde, wie ihre konser- vativen Blockfeinde, mit denen sie sich zur LandtagSwahl in gemein- samer VolkSfeindschast zu der famosen antiblöcklerischcn schwarz- blauen Paarugg vermischt haben. Auch in Danzig ist dieser schöne Bund der Jesuiten und Junker zur Sprengung des Bülow- schen Hottentottenblocks und zur Sicherung der„christlichen" Schul- verpfaffung geschlossen worden. Ilm diese würdige Gemeinschaft, ein dankenswerter Beweis politischer Ehrlichkeit, nicht an konser- vativen Bedenken wegen der zentrümlichen Wahlrechtswünsche scheitern zu lassen, enthüllt das klerikale«West preußische VolkSblatt" den tiefgründigen Haß der klerikslen Junker- genossen gegen das gleiche Wahlrecht in geradezu klassischer Weise. Der von dem Danziger Blocksidjum schamlos mit Füßen ge, tretene Antrag unserer Genosse» um Einführung des geheimen und gleichen Gemeindewahlrechts war vor der Einbringung auch säm't- lichen Lokalblättern zum Abdruck überlassen. Selbst daS konservative Blatt veröffentlichte ihn. Einzig und allein das„volksfteundliche" Zentrumsorgan unterschlug ihn seinen Lesern. Als darauf die „Königsbcrger BolkSzeitung" die zentrümlerische Wahlrechtsfreund- schaft entsprechend kritisierte, antwortete der ZentrumSredakteur Müller mit einer preßgesetzlichen„Berichtigung", in der er ver- sicherte, daß der Abdruck nur unterblieb, weil der Antrag der Redaktion nicht zugegangen sei. Unser Parteiblatt wies daraus nach, daß der Antrag auch dem Zentrumsblatt zugestellt wurde und bemerkte, wenn er dort wnndcrbarerweise wirklich nicht eingetroffen sein sollte, hätte das Blatt ihn doch nur der Presse entnehmen dürfen. Darauf antwortete der entlarvte Zentrumschrist zunächst überhaupt nichts. Inzwischen war aber daS konservativ» klerikale Wahlverratsbündnis offiziell abgeschlossen. Und nun hielten es die Zeitunasjesuiten zur Beruhigung ihrer Partner endlich doch für nützlich, offen Farbe zu bekennen. Das ZentrumSblalt leistete sich folgende energische Kriegserklärung gegen das Wahlrecht: „Man tat gerade so, als seien wir verpflichtet, den sozial- demokratischen Marktschreiern durch die Veröffentlichung des An- träges noch mehr Wasser auf ihre Mühlen zu liefern. Oder : glaubten die Herren Genossen bielleicht, unsere Leser seien so sehr von einer derartigen leichtfertigen. heute Iv i e auch in nächster Z u k u n f t geradezu a» Wahnsinn grenzenden Forderung der Sozialdemokratie b e- geistert?... Aber Gott sei Dank herrscht in unserem Volte ein noch so reger christlickicr Geist, daß es den Lockrufen die, er „Jakobiner" nicht Folgen leisten wird." Diese ehrenwerten Christen wollten also de» Wahlrcchtsantrag absichtlich nicht veröffentlichen. Sic schlvindeltcn also widcr besseres Wissen, als sie in ihrer„Berichtigung" das Gegenteil behauptete». Das zciitrümliche Volksblatt fuhr bann fort: „Es erweckt so ganz den Anschein, als ob die um Crispien und Genossen ihren Aerger über die„rreisiunige Niedertrampelung" der sozialdemokratiichen Wahlrechtsforderung au uns auSlasirn wollten, oder aber, als ob wir durch die Sttchtveröffemlichung dr.> Antrages die Schuld daran trügen, daß diese„Niedertrampelung" erfolgt sei. Sollte das letztere wirklich zutreffen, so freuen ww uns, durch die Nichtbetätigung unserer Schcere ein gutes Wer' vollliracht zu haben.. Diese hämische Freude über die'jämmerliche Tat der freisinnigen Volksverräter gewinnt aber noch ihre besondere Bedeutung, wcim mau ihren llrbeber etwas näher ansieht. Unlängst bewilligte nämlich der Danziger Marinelieferai, tenfrcisinn für einen Empfangs- abend des Flottenvereins aus städtischen Steuergeldern 2000 M. Diese mißbräuchliche Vergeudung der Steuergroschen zur Erluslieruitg der politiicken Flottenhetzer brachte auch das Zentrumsblatt arg in den Harnisch. Und noch im Rathause erklärte sein Redakteur unferm Parteisekretär vor mehreren Zeugen, daß es nun hohe Zeit sei,' dem unpolitischen Jnteressenterrorismus des freisinnigen Kapitalisten� klüngels in der Gemeinde gemeinsam durch eine politische wirk- liche Volksvertretung zu ersetzen! So dachte der Herr damals über die„wahnsinnigen Jakobiner" I Jetzt aber muß es doch die Bündnisfähigkeit de? Zentrums mit den konservativen WahlrechtSfetnden beweisen l Die Aufrechten gegen die Klapperbeinigen. Die Versammlung der„Vereinigten liberalen Parteien Köln S". über die wir in Nr. 119 berichteten und in der der nationaUiberale Rechtsanwalt Georg Fischer in so rücksichtsloser Weise dem Block- liberalismuS feine Sckiande vorhielt, war nur ein Vorspiel zu einem »och heftigeren Angriff wirklich liberaler Leute gegen den herrschenden AfterliberalismuS. Am Sonntag hielten die Kölner Nationalliberalen gemeinsam mit ihren„unentwegten" Kampsgenossen, den Freisinnigen Volksparteilern, wieder im Saale der Lesegesellschaft, ihre zweite Landtagswählerversammlung ab. Als Hauptredner hatte man Herrn W i e m e r kommen lassen, der selbstverständlich alles gut und trefflich fand, was der Block geleistet hat. Dabei erklärte der Herr, er verlange bei der zu fordernden Neueinteilung der Wahlkreise nicht, daß„rein schemntisch nach der Zahl gegangen wird"; er glaube, daß„die Eigenart und historische Entwickelung in den einzelnen Kreisen ausreichende Berücksichtigung finden können": aber er verlange, daß„wenigstens ewigermaßen s!) nach Recht und Gerechtigkeit verfahren" werde. Ein echter FrcisinnSheld, dieser Wiemer, der ein Gegner deS gleichen Wahlrechts ist und „wenigstens einigermaßen" Recht und Gerechtigkeit fordert I In der Diskussion traten dem Redner ein Mitglied der Frei- sinnigen Bereinigung, Dr. Klein, sowie der bisherige Vorsitzende der Kölner Ortsgruppe der Freisinnigen Vereinigung, der Sozial- liberale Dr. Pohlschröder, entgegen. Der letztere hat dieser Tage den Vorsitz niedergelegt und ist auS dem Verein ausgetreten, nachdem auf einer in Essen abgehaltenen Dclegiertenversammllmg der Kölner Antrag auf Austritt aus der Freisinnigen Vereinigung abgelehnt worden war. Herr Dr. Klein übte schärfste Kritik an der Wiemerrede. Durch die Blockpolitik seien Erfolge nicht erzielt morden: wohl aber habe der Freisinn seine Grundsätze mit Füßen getreten. Der Frei- sinn führe den Kampf gegen dieKonservativen nur im Munde; w der Praxis helfe man den Konservativen überall in den Landtag; er erinnere an Niederbarnim. Der Redner empfahl, wo eS möglich sei, mit den Sozialdemokraten Bündnisse abzuschließen. Herr Wiemer behandelte die Kritik recht hochfahrend. Ein Bündnis mit der Sozialdemokratie sei zu verwerfen, da die Sozial- dcmokratie wegen des KlasienlampfcS und der wirtschaftlichen Gegensätze(I) daS größere Nebel sei.. Herr Dr. Pohlschröder bezeichnete die Wiemerschen An- griffe auf die Sozialdemokratie al» unrichtig. Vergebens habe mau gehofft, daß in der Wahlbewegung der Wahlrechtskampf von de» Liberalen energischer geführt werden würde. Zum Schluß forderte Dr. Pohlschröder auf, am 3. Juni für die einzige demokratische Partei in Köln, die Sozialdemokratie, zu stimmen. Ferner trat noch ein Hirsch-Dunckerscher Arbeiter, Herr G r o t h e. auf, der den Liberalen das Vertrauen der Arbeiter aufkündigte und in Aussicht stellte, daß die Liberalen von den Arbeitern bei der nächsten Reichstagswahl einen„gehörigen Denlzeltel" bekämen._______ politifcbe Oeb er liebt. Berlin, den 26, Mai 1908 Zur Erhöhung der Zivilliste bemerkt die„Volks-Ztg.": „Nicht lange nach dein Regierungsantritt des jetzigeii Kaisers ist erst die Ziviüistc um S'/o Millioiicu— geschrieben drei und eine halbe Millionen Mark— erhöht worden. Damit ist für l a n g e Z e i t den weitestgehenden Ansprüche» auf alle Erfordernisse einer glänz-, Pracht- und prunkvollen Hofhaltung Rkd>nnnq getragen worden. Wenn wirklich für die Erhöhung der Hofbeamtcngehältcr mehr als. eine Million aufgewendet werben müßte, so würde es der umsichtigen Hofverwaltung sicher gelingen, durch ciuc Einschränkung der Ausgaben für eigentliche Prunkveranstaltungen an solchen Stellen und bei solchen Gelegenheiten Ersparnisse zu machen, an und bei denen ohne die geri ng st e Schädigung des Au sehens der Krone mit lveniger Ausivand'auszukommen ist____ Von anderer Seite wird behauptet, dem Kaiser solle von Reiches wegen eine Jahresdotation von etwa zehn Millionen Mark gezahlt werden. ES würden Versuche gemacht, maßgebende Parlamentarier für diese Idee zu gewinnen. Wir zweifeln nicht, daß, wenn man an geivisse Parteien mit dieser Forderung herankäme. man dabei auf ein willfähriges Entgegenkommen stoßen würde. Namentlich würden die freismnigen Block- bülowianer nicht nein sagen. Sie haben die Forderungen für die Hohkönigsburg erst abgelehnt, und zwar unter sehr scharfen und despektierlichen Redewendungen. Später haben sie, als der Block ihnen die bekannten«anderen Grund- sätze" beibrachte, mit Hurra für die Forderungen gestimmt. Das gibt eine gute Gewähr für andere Forderungen." Der neue Harden-Prozest. Die»Deutsche Tageszeitung" läßt sich von„sachkundiger� Seite schreiben, daß da» Revisionsurteil im Strafprozeß gegen Harden nicht viel anders ausfallen dürfte, als das erste Urteil; denn das Reichs- gericht habe in materieller Hinsicht die Fesistcllungen der Straf- kammer nicht beanstandet, sondern die Sache lediglich deshalb zurück- verwiesen, weil formell eine Rechtsnorm verletzt worden sei: der Zeuge Göritz hatte nämlich den im§ 61 Str,-P,-O. vorgeschriebenen Nacheid. daß er die reine Wahrheit gesagt habe, geleistet und war dann später nochmals unbeeidigt vernommen worden; würde er vor der Vernehmung vereidigt worden sein, so wäre diese Prozeßrüge erfolglos und wohl auch nicht erhoben worden. »Da nun der Zeuge Göritz, meint der sachkundige Einsender der»Deutschen Tageszeitung", sich bereits allgemein dahin aus- gelassen hat, daß ihm von Verfehlungen deS Fürsten Eulenburg nichts bekannt sei, so dürfte er auch in einer etwa wiederholten Vernehmung die Frage, ob seines Wissens Fürst Eulenburg sich in Gemeinschaft mit dem Grafen Moltke solcher Verfehlungen schuldig gemacht hat, verneinen. Wir können auf Grund zuverlässiger In- formationen hinzufügen, daß die Untersuchung gegen den Fürsten Eulenburg bisher für den Grafen Moltke keinerlei be- lastende Momente ergeben hat. Danach kann die Strafkammer, die zur abermaligen Entscheidung in der Moltkcschen BeleidigungS- fache berufen ist, nur wieder zu einer Verurteilung HardenS kommen und angesichts der Schwere des fort» gesetzten Deliktes kann es sich wiederum nur um eine Freiheitsstrafe handeln. Allerdings kann die letztere etwas niedriger bemessen werden, da die einfachen Beleidi- gungen sauS§ 1S8 Str.-G.-B.f, welche der erste Richter neben der schweren Ehrenkränkung saus§ 186) besonders anrechnen zu müssen glaubte, in dem neuen Urteil unberücksichtigt bleiben müssen und da ferner auch daS erschwerende Moment, daß der Angeklagte auch andere Persönlichkeiten leichtfertig an der Ehre kränkte, durch die Untersuchung des Falles Eulenburg zum Teil hinfällig geworden zu sein scheint. Endlich ist auch zu bemerken, daß die Befürchtungen, der ganze Harden-Prozcß werde noch- malS aufgerollt werden, da in dem neuen Verfahren die Beweis- aufnähme wiederholt und neue Beweise erhoben werden können, doch wohl übertrieben sind; denn cS besteht, wie in unterrichteten Kreisen verlautet, die feste Absicht, die neue Ver- Handlung noch in ehr als die vor der Straf» kammer geführte auf das Edoma prodandum zu beschränken; und dies ist die zur Anklage stehende Beleidigung des Grafen Moltke." An dieser Versicherung, daß die Strafkammer die Verhandlung lediglich auf die zur Anklage stehende Beleidigung beschränken, das heißt alle BeweiSanträge und Zeugenvernehmungen ohne weiteres ablehnen wird, die sich nicht direkt auf den Fall Moltke be- ziehen, läßt sich nicht zweifeln. Man hat eben die Nase voll von PhiliS Stank und ist ängstlich bemüht, zu vermeiden, daß noch weitere Personen aus der Blüte des Hof- und Diplomatenadels in die Skandalaffäre hineingezogen werden. Aber dennoch steht keine»- wegs fest, daß die Verhandlung so glatt verläuft, wie man in den Kreisen der noblen Standesgenosien der Ltebeuberger Tafelrunde hofft. Harden und sein Verteidiger sind inzwischen nicht müßig ge- Wesen, Belastungsmaterial heranzuschaffen, und es erscheint fraglich, ob das Gericht sie daran wird hindern können, dieses Material zu verwerten.—_ Die sozialdemokratischen Wahlsiege im Herzogtum Gotha. Die von der Sozialdemokratie behaupteten sechs Wahlkreise sind: Gotha-Nord, WalterShausen, Oberhof, Grafen- roda, Georgenthal. Ruhla. Im Wahlkreise G o l d b a ch steht die Sozialdemokratie mit dem Bund der Landwirte in auZsichtSvoller Stichwahl. Mehrere Wahlkreise haben die Gegner nur mit ganz knapper Stimmenzahl behauptet unv daS auch nur infolge eines Zufalls. DaS furchtbare Unwetter, das am Freitag nachmittag tobte, hat mehrere Arbeiter, die von auswärts zu ihren Wahlorten unterwegs waren, an dem Erreichen ihres Zieles gehindert— ein Umstand, der natürlich vornehmlich, wenn nicht ausschließlich, die Sozial- demokratie geschädigt hat. DaS„Gothaer Volksblatt" schreibt darüber:»... Der furchtbare Sturm mit seinen Regengiiffen ist die Ursache, daß den Gegnern zwei Wahlkreise erhalten blieben. Wie schon erwähnt, sind verschiedene Arbeiter, die von Erfurt unterwegs waren und nach Molsdorf zur Wahl wollten, unterwegs stecken geblieben. Sie konnten mit dem besten Willen nicht weiter. In Molsdorf haben die Gegner aber nur mit einer Stimme gesiegt. Gewannen wir den Ort. was ohne daS Unwetter sicher war, dann hatten wir den 19. Wahlkreis. Aehnlich liegt eS mit dem 8. Wahlkreis. In Eberstädt standen 21 gegen 21 Wahlmänner; daS Los entschied für die Gegner. Aber zwei Leute, die in Gotha arbeiten und in Eberstädt wahlberechtigt sind, konnten des Unwetters wegen nicht hin, sonst war auch der 8. Kreis unser. Wie uns versichert wird, sind auch mehrere Arbeiter, die in Ohrdruf wohnen, verhindert gewesen, rechtzeitig zur Wahl zu erscheinen. Es ist also möglich, daß uns auch der Kreis auf diese Weise verloren geaange» ist...." DaS erfreulichste an der Wahl ist jedoch der starke Stimmen- zuwachS, den die Sozialdemokratie erzielt hat, um so mehr, als die gegnerische Agitation diesmal alles, was vorher bei Landtagswahlen im Lande erlebt wurde, weit hinter sich ließ. Das„Volksblatt" berechnet den Zuwach« an Stimmen aus 1660 und führt im einzelnen an: In der Stadt Gotha sind wir von 1931 auf 2124 Stimmen gestiegen, haben also um 193 zugenommen, während die vereinigten Gegner trotz ihrer riesigen Anstrengung nur um 125 (von 2412 auf 2537) gestiegen sind. Erfreulich ist der Aufschwung in Ohrdruf. Dort haben wir um 67 Stimmen zugenommen, während die Gegner um 39 abgenommen haben. Sehr stark ist die Stimmen- zunähme im 10. Kreise, trotzdem dort schon im Jahre 1964 ein starker Zuwachs stattgefunden hat, so daß ein weiteres größeres Wachstum unwahrscheinlich schien. So ist in Crawinkel, das die Gegner schon für sich als gewonnen betrachteten, die Stimmenzahl von 139 auf 178 gestiegen. In Gossel von 50 auf 80. in Gräfenroda von 251 auf 290. Dietharz ist von 66 auf 112 emporgeschnellt. Tambach von 232 auf 317, Gräfenhain von 158 auf 217. Gut zugeuommen haben auch Ichtershausen, Nauendorf, Schwarzwald, Siebleben, Ruhla und Winterstein. Einen guten Vorstoß hat auch Friedrichroda gemacht. Unsere Stimmenzahl ging von 217 auf 276 hinauf.__ Ei» eingestellter Peters-Prozest. Köln. 26. Mai. Die vierte Strafkammer des hiesigen Landgerichts hob unter den, Vorsitz des Landgerichtsdirektor» Kratzenberg als Berufungsinstanz das am 22. Januar d. I. in der P r i h a t- klagesache Dr. PeterS gegen den verantwortlichen R e- dakteur der„Kölnischen Zeitung" Dr. Brügge- mann und Gouverneur a. D. von Bennigsen ergangene Urteil auf und erkannte auf Einstellung deS Verfahrens auf Grund der§z 194 und 61 Strafgesetzbuches stvcgen zu spät er- hoocner Klage) bezüglich der Anklage gegen Dr. Brügg'emann, während das Verfahren gegen Herrn von Bennigsen für u n z u- lässig erklärt wurde, da auf Grund deS§ 22 PreßgesetzcS Verjährung der Strafverfolgung eingetreten fei. Sämtliche Kosten werden dem Privattläger Dr. Peters auferlegt. Rechtsanwalt Falk hatte bei Beginn der Verhandlung namens der Angeklagten einen Vergleichsvorschlag des Vorsitzenden abgelehnt. Beklagter Gouvcr- neur a. D. von Bennigsen hatte erklärt: Ich berufe mich nicht auf die Verjährung. Ich würde cS im Gegenteil bedauern, wenn dieser Zßrozch zu Ente gehen würde« ohne eine Klarheit der Bor- gäuge am KillManbschavo gebracht zlt haben. Ich bin nämlich der Meinung, daß durch die Verdunkelung dieser Vor- gänge in kolonialpolitischer wie in allgemein politischer Beziehung unendliches Unheil angerichtet wurde. Sächsischer Wahlrcchtsjammer. Die Wahlrechtsfrage in Sachsen erscheint infolge der reaktionären Quertreibereien und der Unentschlosscnheit der Regierung ver- worrencr und verfahrener denn je. Die fautzerordentliche WahIrechtSdeputation hat zwar das nationalliberal- konservative Kompromiß, wonach unter allerhand Wahlrechts- bcschneidungcn für die Arbeiter lzweijährigcr Wohnsitz) ein Plural Wahlrecht mit 4 Zuschlags stimmen eingeführt werden soll, angenommen, ja man bat das Kompromiß in den RegierungScntwurf hineingearbeitet, aber die Regierung hat sich noch nicht geäußert, ob sie das Kompromiß akzeptieren will oder nicht. Graf H o h e n t h a l hat vielmehr eine Stellungnahme der Regierung für später in Aussicht gestellt, wenn die beiden Kammern des Landtags daS Kompromiß angenommen haben. Nun will man aber die Kuhhandclsgeburt vor der Vertagung des Land- lag» gar nicht mehr dem Plenum der beiden Kammern zur Be- ratung und Beschlußfassung vorlegen, sondern es jetzt bei der De- putationsberatung bewenden lassen und deren Ergebnis der Re- gierung direkt übermitteln. Bei diesen, Verfahren kann es vor der Landtagsvertagung, die noch vor Pfingsten erfolgen soll, zu irgend einer Entscheidung in der Wahlrechts- frage gar nicht mehr kommen. Es verlautet jetzt auch bestimmt, daß die Regierung an ihrem Entwürfe festhalten und eher eine Auflösung des Landtags wagen, als das Kompromiß schlucken will. Doch auch darüber wird man während dieser Tagung des Landtags voraussichtlich nichts mehr hören. Es muß vielmehr jetzt mit einer Verschiebung des ganzen Wahlrechtsgezerres auf den Herbst gerechnet werden. Was dann herauskommt, ist nock? völlig ungewiß. Die jetzige verfahrene Situation spricht übrigens für die Wahrscheinlichkeit, daß die ganze Wahlrechtsreform ins Wasser fällt.—_ Wie der MilitärfiskuS ausgebeutet wird, das wurde in einer Verhandlung vor dem Kriegsgericht der 30. Diviston in Straßburg festgestellt. In dieser Sitzung wurde der Uutcroffizier und Mcuagcbuchführcr Bicncck vom 138. �nfautcriercgimcut wegen Annahme von BestechungSgeldern und Fälschung der Geschäfts- büchcr zu 7 Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte von einer ganzen Reihe Lieferanten Gelder bis zur Höhe von 800 M. ange- nommen. Die Lieferauten wußten, warum sie das taten. Sie er- hielten vom Angeklagten für ihre Waren, die er meist freihändig kaufte, erheblich höhere Preise, als sie bei Submissionen angeboten hatten. So war 1 Pfund Kakao für 1,86 M. angeboten, für 3 M. wurde ei gekauft, Tee lag im Angebot mit 1,30 bis 1,70 M. vor, für 2.80 M. wurde er gekauft. Bei 3 Sendungen Kakao wurde der Fiskus um 150 M., bei Tcefcndungen um 300 M., bei Mischobst um 81 M., bei Schokolademehl um 84 M. usw. geschädigt. Anstatt 106 Kilogramm laut Frachtbrief gelieferten Reis waren 200 Kilo- gramm gebucht und bezahlt worden. Die Offiziere, die eigentlich die Vergebung der Lieferungen zu bctvirken hatten, entschuldigten sich damit, sie seien dienstlich derart„überbürdet", daß sie diesen Geschäften nicht obliegen könnten, und sich ganz auf den Menage- buchführcr verlassen müßten. Oeftermch. Das volksfeindliche Herrenhaus. Wien, 26. Mai. Die � Budgctkommission des Herrenhauses hat das Gesetz betreffend die Herabsetzung der Zucker- Verbrauchsabgaben mit 13 gegen 4 Stimmen a b- gelehnt.—_ Die Budgetdebatte. Wien, 26. Mai. Abgeordnetenhaus. In der Berhand- lung des Dringlichkeitsantrages betreffend die sofortige zweite Lesung de» Budgets für 1968 erklärte Abg. Wafsilko, die R u t h e n e n würden gegen die Dringlichkeit sowie gegen das Budget aus Mißtraue» gegen die Regierung stimmen.— Slbg. Pernerstorfcr erklärte, die Sozialdemokraten seien für die Dringlichkeit des Antrages, nicht um der Re- gierung gefällig zu sein, sondern um dem Parlament das wichtigste Recht der Kontrolle der Staatsverwaltung zu sichern. Die Dringlichkeit wurde mit überwiegender Majorität ange- nommen, worauf die Generaldebatte begann. 8d)wei2. Dt« Ermordung eines RevolatiouiirS. Genf, 26. Mai. Gestern abend wurde hier in einem Haufe on der Freiburgerstraße der R u ff e Boris N a i d o ff, der sich als Korrespondent für russische Zeitungen auSgab und feit«inigen Monaten hier wohnte, von einer unbekannten Perkon e rm o r d e t. Der Täter ist geflüchtet. Naidoff schien wohlhabend zu sein und er- hielt häufig bedeutende Geldsendungen von semer Mutter. Er schien seinen Reden nach der revolutionären Partei anzugehören. Man vermutet, der Täter habe im Auftrage eineS Geheim- k o m i t e e» gehandelt.— Italien. Der Agrarstreik. Rom, 26. Mar.(P r t v a t d c p e s ch e dcS„Vorwärts".) Dio Situation in der Provinz Parma wird täglich ernster. Die ArbeitSkammer hat die Arbeitseinstellung auch bei jenen Besitzern angeordnet, die die Tarife angenommen haben, doch wird ihnen die Viehversorgung weiter geleistet. Alle Arbeits- kammern der Poebene haben sich bereit erklärt, den all- gemeinen Agrarstreik zu proklamieren. Ein Bahnzug mit 230 Streikbrechern wurde in Casa Maggiore aufgehalten und die Streikbrecher zur Rückkehr bestimmt. Ein anderer Zug, in dem man Streikbrecher vermutete, wurde in Brescia dadurch aufgehalten, daß sich die Arbeiter vor den fahrenden Zug auf das BahngleiL warfen. Das Wegschicken der Kinder aus dem Streikgebiet zu auswärtigen Arbeiterfamilien dauert an.— Englanä. Der Protest der Arbeiterpartei gegen den Zarenbesuch. London, 26. Mai. Im Un t e r h a u s protestierte O' G r a d y im Namen der Arbeiterpartei gegen den Besuch beim Zaren. Er verlangte, daß angesichts der Auflösung der ersten Duma und der Verhaftung ihrer Mit- gliedcr der Besuch unterbleibe. Minister Asquith sagte, daß der Besuch nur ein Gegenbesuch für den von: Zaren gemachten sei und verwandtschaftlichen Charakter habe. O' G r a d y erwiderte, indem er zunächst darauf hinwies, daß England seit jeher in den Augen Europas als der H o r t repräsentativer Jnstituti oncn gegolten habe, und indem er sodann dem Minister die Frage vorlegte, ob es ihm bekannt sei, daß hundert Mitglieder der ersten Duma und fünfzig der zweiten wie gemeine Ver- brecher behandelt, in Sibirien oder in Gefängnissen schmach- ten oder ihr Gerichtsverfahren erwarten, das wahrscheinlich niemals stattfinden werde, sei es ferner dem Minister be- kannt, daß in Nußland noch immer amtliche und nicht- aintlicheMorde un gesühnt bleiben, daß die Urheber solcher Taten vom Zaren dekoriert worden seien, und daß Personen, die man im Verdachte hat, der Regierung un- freundlich gegenüberzustehen, auf geheimnisvolle Wejje verjchwivöen--- Mten in ihrem Freundes- kreise o?er mitten in ihrer Arbeit?(Beifaff.)� O Graby schloß seine Anfrage mit der Aufforderung, daß die Volksvertreter dem$ömge nahelegen mögen, den B e s u ch V o n R c v a l seines offiziellen und repräsentativen C h a r a k t c r s z u e n t kl c i d en. Asquith berief sich in seiner Schlußerwiderung auf die gewöhnliche Forniel der Nichteinmischung in dio inneren Angelegenheiten cincs aiideren Landes. Wenn O'Grady sich daraus berufen habe, daß England seine Verbliiduiig mit Serbien aus Grimden gelöst habe, die iin Vergleich mit den jetzigen Vorgängen in Rußland geringfügig erscheinen müßten, so sei darauf zu erwidern, daß er eine Analogie zwischen diesen beiden Fällen nicht zu finden vermöge.� Ward(Arbeiterpartei) fragte an, ob Asquith die Ge- fahren bedacht habe, die dem Staatsoberhaupt ans den gegen- wärttgen Verhältnissen in Rußland erwachsen könnten. Eine Antwort wurde hierauf nicht gegeben. O'Grady kündigte einen Vertagungsantrag an, um die Aufmerksamkeit auf die Haltung der Regierung zu lenken, die den König in der Absicht bestärke, dem Kaiser von Rußland einen ossiziellen Be- such abzustatteii. Ter Sprecher ließ jedoch diesen Antrag nicht zu, mit der Begründung, daß diese Frage noch vor den Pfingstferien in der Generaldiskusston gestellt werden könnte. Nach kurzer Debatte, in der O'Grady erklärte, gegen einen P r i v a t b e s u ch des Königs beim russischen Kaiser sei nichts einzuwenden, wurde der Gegenstand verlassen. DaS englisch französische Einvernehmen. Der Präsident der französischen Republik, F a l l i ö r e«, war gestern der Gast König Eduards. Die Trinksprüche, die diesmal gewechselt winden, haben eine gelvisse politische Bedeutung, da sie zeigen, daß das Einvernehmen zwischen den beiden Mächten immer enger wird. Nachdem der König sein Entzücken, FalliöreS begrüßen zu können, ausgesprochen hatte, fuhr er fort:„Von ganzem Herzen wünsche ich, daß die Eutento corckiale(dos herzliche Einvernehmen) auch eine Entente permanente(ein dauerndes Einvernehmen) sein möge zum Glück und Wohlergehen der beiden Nationen und zur Aufrechterhaliung des Frieden«, der das Glück der ganzen Welt aus- macht." FalliöreS antwortete, daß er überzeugt fei, daß die Zukunft dieses herzliche Einvernehmen„immer inniger g e st a l t e n werde, zum gemeinsamen Wohle Großbritanniens und Frankreichs und zur Aufrechterhaltung des Friedens in der Welt". Nimmt man dazu, daß Rußland in diesem Bunde der Dritte ist, so steht heute dem schwächlichen Dreibunde, der weit mehr eine diplomatische Fiktion als eine wirlliche Interessengemeinschaft darstellt, der viel mächtigere englffch-sranzösisch-russtsche Bund gegenüber. Daß aber die Worte von der Bewahrung deS Frieden? keine leeren Worte bleiben, dafür biirgt nicht die vorübergehende Kon- ftellation, die die imperialistischen Bedürfnisse der kapitalistischen Nationen erzeugen, sondern einzig und allein die Stärke der pro« letarischen Friedensarmee.—_ Finanz- und RüstnngSfragen. London, 26. Mai. Unterhaus. Bei der Generaldiskuffion über die Finanzpolitik der Regierung erwiderte der Handelsminister Lloyd George auf die Einwürfe der Umonisten betreffend die unzulängliche Vorsorge der Regierung gegenüber den finanziellen Verpflichtungen der nächsten Jahre, die Hilfsquellen des Freihandelsfinanzsystems feien keineswegs erschöpft und ging dann über auf die Frage der Verringerung der Ausgäben für HeereSzwe'cke. In dieser Beziehung sei viel geschehen, aber er gebe zu, daß der Wettbewerb in den Rüstungen eine sehr ernste S ach e sei, an der England ebenso große Verantwortung trage, wie irgend ein anderes Land. Ins- besondere in bezug auf'den Schiffsbau sei er nicht sicher, ob England da» Tempo nicht beschleunigt und dadurch andere Länder beunruhigt habe. Diese übertriebene Nervosität sei ebenso sehr schuld an dem Anwachsen der Rüstungen wie irgend ein anderer Umstand. England sei der Meinung gewesen. Deutsch- land bereite einen Angriff auf sein Gebiet vor. Deutschland habe einen Angriff Englands befürchtet und die Presse beider Länder hätte ihr Bestes getan, diese Befürchtungen zu steigern. Bezüglich künftiger BesteuerungSmöglichleiten sagte der Minister, der Neichhnn deS Landes sei gewaltig und in schnellem Wachsen be- griffen und man könne wohl eine Besteuerung der Besitzenden ein- führen, um daS L»S der Armen zu mildern, IMaroKKo. Die französische Politik. Die französische Regierung hat nunmehr auch offiziell die Unterzeichner der Algecirasakte davon verständigt, daß sie ihre Operationen inMarokko einzuschränken beabsichtige. General d'Amade ist angewiesen worden, von jeden, weiteren Vordringen abzustehen und allmählig den Rückzug auf Casablanca vorzubereiten. Damit verliert die Marokkofrage sehr viel von der Schärfe, die sie in der letzten Zeit nicht zuletzt durch die unverantwort- lichen Hetzereien der siolonialintcresscnten hüben und drüben angenommen hat. Wenn die französische Regierung dicscin Treiben nicht nachgegeben hat, so hat sie daran vor allem die Friedensliebe des französischen Volkes gehindert, dessen Dolmetscher unsere französische Bruderpartci war, die immer wieder das Marokkoabenteucr auf daS heftigste bekämpft hat. So schreibt heute Jaurvs in der„HumanitS": Frankreich inüffe in den marolkanischeii Schwierigkeiten, dl« sich plötzlich verschlimmern könnten, das Recht in der klarsten und bestimmtesten Weise aus seiner Seite haben; es müsse deshalb unverzüglich auf die unsinnige Politik ver» z i ch t e n, die e» zu heftigem Konflikt mit ganz Marokko führe, das sich völlig um Mulay Hafid schare. Frankreich müsse zur wahrhaftigen und � genauen Befolgung der AlgeciraSakte zurück« lehren. DaS Ministerium Clemenceau habe Frankreich eine KrisiS gebracht, die vielleicht noch ernster sei, als jene, die e» zur Zeit Deleasiös durchmachte; daS Land lasse gleichgültig und unwissend das Ministerium gewähren und da« Parlament lese nicht einmal die beunruhigenden Depeschen mehr, die die schlimmsten Ver- Wickelungen ankündigen. Wenn übrigens das offiziöse Depeschenbureau sich beeilt, diese Angriffe unseres französischen Genossen mitzuteilen, so ivird es, hoffen wir, nicht säumiger sein, tvcnn es gilt, scharfe Worte deutscher Sozialdemokraten ctlva über die Politik Bülows ebenso prompt zu verbreiten. Für das gegen- scitige Verständnis der Nationen bedeutet dies einen gewissen Vorteil._____ Mnlay Hafid. Daß e» dem Gegensultan nicht gar so gut geht, wie in letzter Zeit gemeldet wurde, zeigt die Nachricht ,' daß Buchta ben B ag d a di, der angeblich von allen Truppen verlassen war. nun» mehr droht, er werde MekineS beschießen. Aus Zorn über diese Drohung hat Hafid den Bruder BagdadiS verhaften lassen und will nunmehr zur Bildung eines großen Heeres aus Angehörigen aller Stämme schreiten, um mit Bagdad! ein Ende zu machen. Er selber will das Kommando dieses Heere» übernehmen.. Dies erklärt wohl auch, warum Mulay Hafid den Einzug in AcS noch immer nicht bewerkstelligt hat.— Oer Aufmarsch der Genoffen Groß' Berlins zum Aahlkamps ist gestern abend vollzogen worden. Schon vorher hatten in zahlreichen Versammlungen die organisierten Genossen ihre Wahlmänner aufgestellt. Ganz in der Stille. Zu diesen Urwähler-Versammlungen war nur persönlich eingeladen worden. Und dort sahen wir gerade unter ihnen eine An- zahl, die jede„große öffentliche Volksversammlung" unserer Gegner in den Schatten zu stellen vermochten. Dieser gelungenen Heerschau über die wohldisplinierten Truppen folgte gestern das Aufgebot der Massen.„Das Volk steht auf— der Sturm bricht los", konnte man im Angesicht der in die Versammlungen strömenden Mengen mit dem Dichter ausrufen. Der Sturm auf das Dreiklassen- Parlament, der Sturm gegen das Dreiklassen-Wahlunrecht. Der Sturm, der von der Reakston immer wieder abgeschlagen— doch immer wieder unternommen wird, bis auch in Preußen die Hochburg der Reaktion fällt! Man hatte, soweit man deren habhaft werden konnte, die größten Versammlungssäle in den in Frage kommenden Landtagswahlkreison für die Partei mit Beschlag belegt. War ein Kreis von gar zu großer räumlicher Ausdehnung oder reichte ein Lokal trotz seiner Größe für den erwarteten Zu- ström nicht aus. so waren wohl auch mehrere Lokale für einen Kreis in Anspruch genommen worden. In allen Sälen aber herrschte dieselbe Fülle und— was besser ist!— dieselbe Begeisterung. Zahlreich erschienen waren auch die Frauen. Das neue Vereins- und Versammlungsrecht hat ihnen jetzt ja die Möglichkeit gegeben, sich bis zu einem gewissen Grade poli- tisch zu betätigen. Daß sie dieses neue Recht als Sprungbrett benutzen wollen zur Erreichung auch des Wahlrechtes, wer will es ihnen verdenken? Gerade diesmal sind aber die prole- tarischen Frauen an der Wahl besonders interessiert. Sie haben oft genug zusehen müssen, wie ihre Männer unter der Oeffentlichkeit des Wahlsystems litten, ja, wie vielleicht ihre Familien leiden mußten, weil die Männer doch nackensteif genug waren, ihren Brotgebern nicht gerade genehmen Wahl- männern die Stimme zu geben. Und gerade auf den Ruf nach Beseitigung dieser Oeffentlichkeit hatte die Regierung den Wahlrecht-Fordernden gegenüber nur ein höhnisches Achsel- zucken. Jetzt wollen die proletarischen Frauen Berlins dem Terror durch Terrorismus die Zähne ausbrechen. Sie sind fest entschlossen, gegen alle Geschäftsleute den wirtschaftlichen Kampf bis zur Vernichtung der Existenz zu führen, die in den Arbeitervierteln bei der kommenden Wahl den politischen Interessen der Arbeiterschaft zuwiderhandeln. Auf den Knien sollen die Blockbrüder ihren Abgott B ü l o w um die hohnvoll abgelehnte Beseitigung der Oeffentlichkeit bei der Landtags- Wahl bitten. > Die Referate wurden überall mit großer Aufmerksamkeit Angehört. In einigen Versammlungen sah man von der Dis- kussion ganz ab. um den Eindruck der Vorträge nicht zu stören. Wo Diskussion stattfand, bewegte sie sich im Sinne des Referats. Nur da oder dort brachte einmal das Auf- treten eines Sozialliberalen eine andere Pointe in das ge- wohnte Bild. Die Polizei hielt sich bei ihrer staatsretterischen Tätigkeit Bescheiden im Hintergrunde. Ueber den Verlauf der Versammlungen erhalten wir sol- gende Einzelberichte: I 1. LanbtaaSwahlkreis. In der Viktoria-Brauerei referierte vor einer aufmerksamen Zuhörerschaft, deren Zahl wohl 800 überstieg, Genosse Molken- b u h r. Im Verlauf seines Referats führte Genosse Molken- buhr einige gelungene Beispiele aus der Praxis der Wahltcchnik an, welche eigentlich beweisen müßten, daß dieses ganze Wahl- system schon längst dem Fluche der Lächerlichkeit anheimgefallen und damit verschwunden sein müßte.— In der Diskussion äußerten sich die Redner im Sinne des Referats. In den..Spreehallen" kennzeichnete Genosse Schröder unter lebhaftem Beifall das preußische Junkerregiment und den Schein- liberalismus der„Freisinnigen".. Unter den Versammelten be- fanden sich auch Frauen. 2. Landtagswahlkreis. Die Versammlung bei Habel war überfüllt. Die Tische mußten entfernt werden. Der l'/aftünbige Vortrag des Genossen Bruns wurde von vielen Beifallsrufen unterbrochen, Stimmung sehr begeistert. In der Diskussion erklärte der sozialliberale Herr Färber seinen persönlichen Standpunkt und bat alle anwesenden Freisinnigen und Sozialliberalen, im ersten Wahlgang fiir die Sozialdemokraten zu stimmen. � Genosse Schröder als Vor- sitzender ersuchte, vor allen Dingen die Indifferenten sowie die sogenannten„Faulen" recht dringend ins Gebet zu nehmen. Die Polizei hielt vor der Tür eine eigene Versammlung ab, im Saale war keine. Eine zweite Versammlung des 2. LandtagswahlkreiseS fand im vollbesetzten Saale der..Lebensquelle" statt. Das vorzügliche Referat des Genossen Heinrich S ch u I z, der in seinem Vortrage die Schäden des Landtagswahlrechtes klarlegte, wurde mit großem Beifall auf- genommen. Gegner meldeten sich trotz mehrfacher Aufforderung nicht zum Worte. Im kleinen Saal waren 15 Schutzleute unter Führung eines Leutnants zur jederzeitigen Rettung des Dreiklassenwahlrechts bereit. � 3. LandtagswahlkrriS. Die Versammlung im„Deutschen Hof" hatte eine Polizei- liche Bewachung nicht aufzuweisen. Der Besuch war ein guter, be- sonders waren viele Frauen anwesend. Der Referent Genosse Borgmann verglich die Entstehung des preußischen Landtags- Wahlrechts mit der des Wahlrechts zur russischen Duma. Die gegne- rischen Parteien kritisierend, schloß der Referent unter lebhaftem Beifall mit der Aufforderung an die Frauen, nur von solchen Ge- schäftsleuten zu kaufen, die ihre Stimme den Kandidaten der Ar- beiterpartei geben und ermahnte die Wähler, energisch im Wahl- kämpfe für das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht für alle Personen über 20 Jahre ohne Unterschied des Geschlechts einzu- treten. Mit dem üblichen Hoch auf die Sozialdemokratie schloß der Vorsitzende die Versammlung, nachdem sich Gegner nicht zum Wort meldeten. 4. Landtagswahlkreis. Die Versammlung bei KliemS in der Hasenheide war von etwa 1000 Personen besucht. Darunter waren gegen 200 Frauen. ES referierte Genosse Müller vom Parteivorstand. Er zeichnete dps Arbeitsfeld des preußischen Landtags, schilderte das Verhalten d.r Agrarier und deS Zentrums im Landtage und beleuchtete dann, von Beifall oft unterbrochen, das jämmerliche Verhalten des Frei- ftnnS. S. LanbtagSwahlkreiS. Die Versammlung in„Sanssouci" war sehr gut besucht. Etwa 2000 Personen mochten anwesend sein. Genosse Z u b e i l reserierte in Inständigem Vortrage. Die Polizei verhielt sich reserviert._ Verantw. Redakt.: Georg D'avidfohn, Berlin. Inseratenteil verantw.: 6. Landtogswahlkreis. Kellers mächtige Festsäle waren überfüllt. Genosse S t r ö b e l hielt eine zündende Ansprache, die oft von Beifall unter- brachen wurde. Einige Zwischenrufe ließen die Anwesenheit von Gegnern vermuten, doch meldete sich am Schluß trotz wiederholter Aufforderung kein Gegner zum Wort. 7. Landtaaswahlkreis. Die Versammlung im„Elysium" war von zirka 2000 Personen besucht, unter denen man viele Frauen bemerkte. Schon lange vor der Eröffnung mußte der große Saal wegen Uebcrfüllung Polizei- lich abgesperrt werden. Das Referat des Genossen B ö s k e wurde oft von lebhaftem Beifall unterbrochen. Die Versammlung in der Germania-Brauerei war von zirka 1000 Personen besucht, Saal und Nebcnräume waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Referat des Genossen S ch u- mann wurde mit sichtlicher Spannung entgegengenommen und hielt das Interesse der Versammlung bis zum Schluß ungeschwächt wach. Tosender Beifall lohnte den Redner. 8. Landtagswahlkreis. Im Schweizer-Garten reserierte Genosse Stadtverord- neter Hugo Heimann vor übersiillter Versammlung. Mit Be- geisterung lauschten die Anwesenden, darunter eine große Anzahl Frauen, den trefflichen Ausführungen. An der Hand verschiedener Beispiele aus dem täglichen Leben kritisierte der Referent das Un- sinnige des bestehenden Wahlrechtes. Er schloß mit einem warmen Appell an die Versammelten, nach Kräften dafür zu sorgen, daß die uns noch Fernstehenden in unsere politischen und gewerkschaftlichen Organisationen geführt werden. In der Versammlung im„Berliner Prater" sprach Genosse G r u n w a l d. Die Ausführungen des Redners gipfelten darin, daß sich das Proletariat als Demonstration an der preußischen Landtags- Wahl betätigen müsse. Gerade diese Beteiligung werde zeigen, wie rechrlos die große Masse des Volkes sei. Brausender Beifall lohnte den Redner. 9. Landtagswahlkreis. Die Versammlung bei G r o t e r j a n in der Schönhauser Allee war vollständig überfüllt, Tische und Stühle mußten entfernt werden. Auf den Galerien war der letzte Platz besetzt. Anwesend waren zirka 1500 Personen. Referent war der Genosse Adolf H o f f m a n n. Eingeleitet wurde die Versammlung durch ein stimmungsvolles Lied des Gesangvereins„Hilaritas". Dann er- hielt der Referent das Wort zu seinem mit Beifall aufgenommenen Vortrage. In der Diskussion forderte der Genosse Komisch die an- wesenden Frauen auf, bei der Wahl tüchtig mitzuhelfen. Zum Schluß trug der obengenannte Gesangverein noch ein Lied vor. Gegner waren nicht anwesend, ebensowenig Polizei. Im Volksgarten-Theater in der Badstraße be- handelte bor überfüllter Versammlung Genosse Hirsch- Char- lottenburg die Wahlrechtsfrage und geißelte die Stellung der bürgerlichen Parteien. Gegner waren auch hier nicht erschienen. Auch die Behörde hatte es unterlassen,„polizeilichen Schutz" zu entsenden. 19. Landtagswahlkreis. In der„B o r u s s i a" demonstrierten 1000 Männer und Frauen. Die überfüllte Versammlung wurde polizeilich abgesperrt. Genosse S t ü ck l e n geißelte den freisinnigen Volksverrat' und brand- markte unter dem Beifall der Versammelten die Ungeheuerlichkeiten des bestehenden Wahlsystems. Einmütig stimmte die Versammlung zu, als er den energischen Kampf für das Wahlrecht durch lebhafte Wahlbeteiligung forderte. 11. Landtagswahlkreis. In überfüllter Versammlung im„K ö s l i n e r Hof" geißelte Genosse Ledebour in kurzen Worten die Schmach des Dreiklassenwahlshstems. Er führte aus, daß der 11. Berliner Landtagswahlkrcis einer von denjenigen Kreisen ist. die unter Auf- bietung aller Kraft zu erobern sind. Stürmischer Beifall lohnte den Redner. Die Diskussion bewegte sich im Sinne des Referats. In den„P h a r u s- S ä l e n" in der Müllerstraße begannen sich schon um 7 Uhr die Wähler des 11. Landtagswahlkreises zu versammeln. Genosse E b e r t sprach vor ungefähr 2000 Personen, unter denen besonders die Frauen zahlreich vertreten waren. In längeren Ausführungen führte er den Versammelten vor Augen, wie der preußische Staat in jeder Weise für die Rechtlosmachung der Arbeiter eintritt. Dann beschäftigte sich der Redner mit der Agitation der Freisinnigen im 11. Landtagswahlkreise. Der Kandidat der Freisinnigen, der Schriftsteller S ch ö l e r, sei ja in politischer Hinsicht dem Referenten unbekannt, er wisse nur soviel von ihm, daß, als im Februar bei Buggenhagen eine Versammlung der Freisinnigen Volkspartci stattfand, um Stellung zur Landtagswahl zu nehmen, dieser Herr Schöler einen An- wesenden, der den Zwischenruf„konservativ-liberale Paarung" machte, in echter Hausknechtsmanier aus dem Saale warf. Dieses Beispiel zeige zur Genüge, wie es mit der Freiheitsliebe dieses liberalen Kandidaten bestellt sei. Mit anfeuernden Worten, in denen er auch die Frauen zur regen Mitarbeit aufforderte, schloß Redner seine Ausführungen. 12. Landtagswahlkrcis. Die Versammlung im„M oabiter Gesell schafts- hause" war von über 3000 Personen besucht. Der Referent. Ge- nosse Stadthagen, behandelte in Inständigen Ausführungen das Dreiklassenwahlunrecht. Oft von Beifall unterbrochen, brand- markte er die Widersinnigkeiten der Dreiklasseneinteilung, geißelte die feige Haltung der Freisinnigen wie die reaktionäre der Kon- servativen und verurteilte mit scharfen Worten die Schmach des Polizeispitzelwesens. In der Diskussion nahm Genossin Wulff das Wort zu einem Appell an die Frauen und forderte sie auf, sich politisch zu organisieren und auf die„Gleichheit" zu abonnieren. Adlershof. Vor zirka 600 Personen referierte Arbeitersekretär Müller über:„Die Bedeutung der Landtagswablen". Reicher Beifall be- lohnte den Referenten.. An der Diskussion beteiligte sich von den Gegnern ein Lehrer Strübing(konservativ). Genosse Müller rechnete im Schlußwort mit dem Gegner ab. Mit dem Liede „Dem Lenz entgegen"(ausgeführt von Mitgliedern des Arbeiter- gesangvcreins„Frohsinn"-Adlershof), wurde die Versammlung er- öffnet. Mit dem Liede„Frühlingsstürme" und mit einem Hoch auf das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht und auf die Sozialdemokratie wurde sie geschlossen. Eine Versammlung, welche die Freisinnigen zu gleicher Zeit abhielten, war von sage und schreibe 62 Personen besucht. Charlotteniurg. Im VolkShause zu Charlottcnburg sprach vor bis auf den letzten Platz besetztem Saale Genosse Block unter lebhaftem Beifall der dichtgedrängten Versammlung, in der auch viele Frauen anwesend waren. In der Diskussion sagte Ge- nosse M i ch a l s k i dem preußischen Polizeisystem einige gepfefferte treffende Worte, die lauten Beifall entfesselten. Begeistert stimmten die Versammelten in das Hoch auf das gleiche, allgemeine Wahlrecht ein, in das das anfeuernde Schlußwort des Vorsitzenden Genossen Will ausklanq. Unter den Klängen der Arbeitermarseillaise leerte sich der große Saal. Die Versammlung, welche bei Schulz, Kaiser-Friedrichstraße, stattfand, war von ungefähr 500 Personen besucht. Genosse Zietsch legte in einem P/a stündigen Referat die Anschauungen ämtlicher Parteien im Landtage klar und kam zum Schluß dahin, daß wir am 3. Juni nur den sozialdemokratischen Wahlmännern unsere Stimme-geben können. Als Kandidat für den hiesigen Kreis wurde Genosse Zietsch proklamiert. Friedenau. Im großen Saale des„Rheinschloß" waren zirka 600 Personen anwesend. Genosse Ed. Bernstein fprach über:„Der Block, das Volk und die Wahlen." An der Diskussion beteiligte sich der Ge- grosse Tielicke, welcher den preußischen Staat als Arbeitgeber Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u. VerlaaSanttal� charakterisierte. In seinem Schlußwort forderte der Referent die Anwesenden in begeisternden Worten auf, daß am Tage der Wahl durch die Stimmabgabe für einen Sozialdemokraten das Wort: „Deutschland in der Welt voran!" nicht mehr eine elende Farce sei. Reicher Beifall lohnte den Redner. Grünau. Die Versammlung im„Jägerhaus" war von 160 Personen be- sucht. Das Referat Max Schuttes wurde mit großer Aufmerksamkeit angehört und oft von Beifall unterbrochen. Hohen-Schöiihausen. Die im Paradiesgarten abgehaltene Versammlung war den örtlichen Verhältnissen entsprechend sehr gut besucht. Genosse Jakobsen erläuterte in großen Zügen das Dreiklasseu-Wahlunrccht. Insbesondere wandte sich der Referent an die anwesenden Frauen und zeigte ihnen, daß sie in ganz erheblichem Maße bei der kommenden Wahl ihre Hilfe in den Dienst der All- gemeinheit stellen können. Ferner machte er darauf aufmerksam, daß die Frauen nur bei denjenigen GeschäftSleulen ihre Einkäufe besorgen sollen, welche auch gewillt sind, für die sozialdemokratischen Wahlmänner ihre Stimme abzugeben. Diskussion fand nicht statt. Lichtenberg. Im Schwarzen Adler fand eine von etwa 1500 Personen be- suchte Versammlung statt. Genosse M i r u s, der das Referat über« nommen hatte, verstand es in fesselnder Weise, die Stellungnahme der Parteien im preußischen Abgeordnetenhause zu den verschiedenen Fragen, die das gesamte Volk betreffen, zu kritisieren. Die Be- geisterung der Versammelten, mit der sie den Ausführungen des Redners folgten, läßt die besten Hoffnungen für den Ausfall der Wahl zu. Mariendorf. Im großen Saale„Zum alten Askanier" referierte Genosse Störmer in nur leidlich besuchter Versammlung. Der Vorsitzende gab noch einmal die notwendigsten Bestimmungen über die Aus- Übung der Wahl zum besten und machte bekannt, daß wir wahr- scheinlich hier am Orte Terminswahl haben werden und daß wir die paar Tage bis zur Wahl noch gründlich ausnützen müssen. Pankow. Vor gut besuchtem Saale sprach Genosse Hetzschold im Ge> sellschaftshaus. Seine trefflichen Ausführungen fanden leb- haften Beifall. Sodann fand die Ausstellung der Wahlmänner statt, Ferner tvurde vom Vorsitzenden mitgeteilt, daß in Pankow die Frist- wähl stattfindet, doch werden die Vorteile, welche diese der Termin- wähl gegenüber hat, durch die unverständliche Wahlzeit wieder auf- gehoben. Es wählt nämlich die dritte Klasse von 11—2 Uhr, die zweite Klasse von 3— 5 Uhr, und die erste Klasse von 6—7 Uhr. Genosse Kurt Heinig referierte im überfüllten Saale de? Pankower Gewerkschaftshauses unter größter Anfmerksanikeit des Auditoriums. Referent schilderte die maßgebende Stellung Preußens im Reiche, die Junkerherrschaft, die Wirtschaft in den Staatsbetrieben und leitet hieraus die Wichtigkeit der jetzigen Wahl her, welche zur Erschütterung des Junkerparlaments beitragen soll. Rixdorf. Bei Hoppe waren Saal und Galerien bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Referent Schubert geißelte besonders die Schamlosigkeit und den Volksverrat des Freisinns. Stürmischer Beifall lohnte die Ausführungen des Referenten. Mit einem Hoch auf das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht wurde die imposante Versammlung geschlossen. .Im Thielschen Lokale referierte Liepmann vor übcrfülltem Saale und entwarf ein Bild von der Reaktion im Gegensatz zum Bürgertum vom Jahre 1848. Unter großem Beifall endete Genosse Liepmann, daß am 3. Juni jeder seine Stimme für die sozialdemokratischen Wahlmänner abgeben möge. Der Vor- sitzende appellierte noch an die Frauen als Konsumenten, daß kein Geschäftsmann unterstützt wird, der den Gegnern die Stimme gibt. Die dritte Volksversammlung in Rixdorf, welche im„Gesell- schaftshause" von F e l s ch, Knesebcckstraße 49, stattfand, war überfüllt, so daß viele mit einem Stehplatz vorlieh nehmen mußten. Der Referent Giebel geißelte die Schmach des preußischen Drei- klasscnwahlrechts, besonders verurteilte er die ungerechte Be- stcucrung des arbeitenden Vmkcs sowie die miserablen Schul- Verhältnisse in Preußen als Folge der ungerechten Vertretung im Abgcordnetenhause. Da Gegner sich nicht zum Worte meldeten, wurde von einer Diskussion Abstand genommen. Schöneberg. In Schöneberg fanden zwei Versammlungen statt. In den RathauSsälen referierte vor gut besuchler Versammlung Genosse W e r m u t h. Sein Referat, in welchem er die gesamte preußische Politik einer scharfen Kritik unterzog und am Schluß die Versammlung zu kraftvoller Agitation für die Wahl aufforderte, fand lebhaften Beifall. Genosse K ü t e r ergänzte in einer schwungvollen Schlußrede noch die Ausführungen des Referenten. Die Genossin B ä u m l e r richtetete an die ver- sammelten Frauen das Ersuchen, auch ihrerseits den Wahlkampf durch rege Mitarbeit zu unterstützen. Im„Klubhaus" referierte vor überfüllter auch von den Frauen zahlreich besuchten Versammlung unter lebhaftem Beifall Genosse Sonnenburg. Gegner meldeten sich trotz Aufforderung nicht zum Wort. In der Diskussion forderte Genossin Wickert die Frauen auf, sich zu organisieren: weiter sprach noch Genosse B u t r y. Wilmersdorf. Im„Luisenpark" referierte vor zirka 300 Besuchern Genosse Brückner. Uniformierte polizeiliche Bewachung sah man nicht, jedoch waren Kriminalbeamte im Saal. Letzte Naebnebten und Depcfcbcn. Schlagende Wetter. Jekaterinoslaw, 26. Mai.(W. T. B.) Im Gortowlaschachle der Südrussischen Gesellschaft sind durch schlagende Wetter ein Bergingenieur, ein Steiger und vier Arbeiter getötet worden. Die Mörder von Zabrze verhaftet! Zabrze. 26. Mai.(B. H.) Die beiden Täter, die am Sonntag den Raubmord an dem Möbelhändler Glücksmann ausführten, sind heute mittag entdeckt und verhaftet worden. Es sind zwei Tapezierer von hier, von denen einer bisher bei dem Ermordeten beschäftigt war._ Aus dem„großen Magen". LimogeS, 26. Mai.(B. H.) Diebe drangen in der letzten Nacht in die hiesige Kathedrale ein und entwendeten Wertgegeu- stände in Höhe von 160 600 Frank. Die Pest in der Türkei. Konstantinopel, 26. Mai.-- Sexuelle Aufklärung der Jugend. Das Preis» ausschreiben des D ü r e r b u n d e s zur Erlangung kurzer Beiträge zur Jugendaufklärung bezieht sich, wie ergänzend mitgeteilt wird. nicht auf Erörterungen, sondern auf Beispiele praktischer Aufllärarbeit in künstlerischer Form. Der Schlußtermin der Einsendungen ist bis zum 15. Juli verlängert, genauere Mitteilung der Bedingungen erfolgt durch den Arbeitsausschuß des Diirerbundes in Dresden- Blasewitz. — Eine Enquete über die Schundliteratur. Das württembergische Kultusministerium hat den Schulvorständen ein Schreiben zugehen lassen, in dem sie aufgefordert werden, Ersah- rungen zu sammeln, inwieweit die Schundliteratur unter der Schul- jugend Verbreitung findet. — Deutsche Kunst in Amerika. Die deutsche Kunst arbeitet neuerdings auf den Export loS. Amerika, das einen sehr kapitalkräftigen Markt für Kunst bietet, wird besonders bearbeitet. Neben der geplanten deutschen Architektur- und Skulpturausstellung soll den Dollarleuten jetzt auch eine deutsche Gemäldeausstellung vorgeführt werden. Im New Dorker Metropolitan- Kunst- museum, dem vomehmsten amerikanischen Museum, wird für den Winter eine Ausstellung von etwa 150 modernen deutschen Bildern vorbereitet. Der künstlerische Erfolg hängt fteilich von der Auswahl ab. Auf verschiedenen ausländischen Ausstellungen(wir erinnern nur an die letzte Pariser Weltausstellung) hat die deutsche Kunst einen sehr schlechten Eindruck gemacht, weil die bekannten, von hoher Protektion gesteisten Mittelmäßigkeiten sich breit machten. Ob's diesmal anders wird? Der Fall Tschudi spricht nicht dafür. Die Ehre der deutschen Kunst hängt von den Amerikanern ab t NuhebebvrfniS der Gewerkschaften hat sich nirgends gezeigt. Im Gegenteil, die Ortsverwaltungen glauben vielfach, der Verband leide Schaden, wenn nicht alljährlich „lohnbcwegt" wird. Die Extrabeiträge haben nicht das volle Er- gebnis gehabt, das sie haben sollten. Statt 4— 6 M. brachten sie pro Kops nur 3,57 M. Die Maimarken brachten in diesem Jahre 17 804 M., ein sehr bescheidenes Resultat. Zudem hatte in diesem Jahre der Arbeitgeberschutzverband die Absicht, die Maifeier als Kontraktbruch anzusehen und die bestehende Aussperrung möglichst weit auszudehnen. Nachdem der Vorstand einen Aufruf zur Mai- feier im Sinne der Kölner Resolution erlassen hatte, erschien der Aufruf des Parteivorstandes, der zur größten Vorsicht bei der Mai- feier mahnte. Danach hielt es der Vorstand für seine Pflicht, noch einmal die Kollegen zu bitten, von der Arbeitsruhe am 1. Mai möglichst Abstand zu nehmen. Die Mahnung hatte Erfolg, und nur an einigen Orten kam es darum zum Kampf, zum Teil weil die Unternehmer durch Aushängen der Plakate mit den Aussperrungs drohungen die Kollegen zur Arbeitsruhe angereizt hatten. Unter stützung erhalten nach der Entscheidung deS Vorstandes nur die Kollegen, die am 1. Mai gefeiert haben—* soweit sie Anspruch darauf haben—, nicht aber auch die, welche am 1. Mai gearbeitet haben und dann entweder mitausgesperrt wurden oder sich mit den Ausgesperrten sslidarisch erklärten. Hierbei ist auch der Vereinbarung zwischen Parteivorstand und Generalkommission über die Unterstützung der Maifeiernden zu gedenken. Es läßt sich nicht verkennen, daß die Abwälzung der Unterstützungen auf die lokalen Instanzen in gewissem Gegensatz zu dem Gedanken der Zentralisation steht. Aber nachdem Parteivorstand und General iommission als Ergebnis wochenlanger Veratungen und zahlloser Sitzungen gemeinsam diese Vorschläge machten, war der Zentral vorstand nicht in der Lage, andere Vorschläge zu machen, und stimmte mit allen anderen Zentralvorständen dem Ueberein- kommen zu. Daß es sich bei der Maifeierunterstützung um keine Kleinigkeit handelt, beweist nebenbei die Tatsache, daß dafür die Berliner Zahlstelle in der ersten Maiwoche allein 28 008 M. aus gegeben habe. Uebcr die Erfolge der Maifeier werden leider oft stark übertreibende Berichte in die Parteipresse gebracht. Gegen die Beschlüsse des Kölner Gewerkschaftskongresses in Sachen der Mai- feier und des Generalstreiks hatte sich anfangs eine heftige Opposition geregt. Das Kieler Gcwerkschaftskartell regte die Abhaltung eines außerordentlichen Gewerkschaftskongreffes zur Revision der Beschlüsse an. Aber von den 800 Zahlstellen des Vev bandes schlössen sich auf das Rundschreiben des Kieler Kartells nur 0 diesem Antrage an, und zwar Eberswalde, Neustadt a. H., Gaarden bei Kiel, Eilcnburg, Plauen und Friedland in Mecklenburg.(Heiter- keit.) Danach sind wir diesem Antrage nicht nachgekommen.— Mit der Agitation sind wir nicht zufrieden, auch mit unserer eigenen nicht. Wo in einem Gau zwei Vorsteher sind, soll der ältere sich überwiegend den Lohnbewegungen, der jüngere sich der Agitation widmen. Die gelben Gewerkschaften haben eine erhebliche Verbreitung im Berufe nicht gefunden. Gleichwohl haben sie der Holzarbeiterbcwegung durch Vermittelung von Streik- blechern großen Schaden schon jetzt zugefügt. Für die Agitation soll jetzt, sobald etwas mehr Ruhe ist, mehr geschehen. Beim Rechts- schütz sind jetzt nicht mehr die Klagen mit der Polizei, sondern die Privatklagcn auf Schadenersatz. Ein besonders inter- cssanter Rechtsstreit schwebt in Hamburg, wo das Landgericht die Verbandskasse verantwortlich gemacht hat für einen„Vertrags- bruch" der Lokalvcrwaltung. Ein endgültiges Urteil steht noch aus. In Liegnitz verlangt die Steuerbehörde Angaben, wieviel Unter- stützung jedes Mitglied bezogen habe, da dies ein Teil des steuer- Pflichtigen Einkommens sei.(Heiterkeit.) Die Streikposten- schikanen sind nicht weniger geworden. 1800 wurde in Bochum der Kassierer entlassen, weil der Fabrikant auf Grund eines falschen Polizeiberichts an ihn glaubte, dieser habe ihn in der letzten Versammlung angegriffen.(Hört! hört!) Seine Versammlungen und Vorstandsmitglieder meldet der Verband nicht mehr an, weil er auf' dem Standpunkte steht, daß er kein politischer Verein im Sinne des neuen Vereinsgesetzes ist. Die Unterstützungen müssen strenger kontrolliert werden; sie sind schon ohnedies in der jetzigen Zeit der Arbeitslosigkeit sehr hoch. Zum Schlüsse erörtert Leipart den Streit mit dem Verband des technischen Bühnenpersonals, gegen dessen Anschluß an die Generalkommission der Vorstand des Holzarbeiterverbandes pro- testiert hat. Es seien das meist Holzarbeiter, die oft wieder zu anderer Zimmerertätigkeit zurückkehrten. Leipart schließt seinen Bericht mit der Versicherung, daß der Vorstand stets das Beste des Verbandes erstrebt habe. Den Kassenbericht erstattet der zum Nachfolger Aug. Böhnes gewählte Hauptkassierer König. Er bedauert, daß der Verband seit längerer Zeit mit Defizit arbeite, teils wegen der umfangreichen Lohnbewegungen, teils wegen der im letzten Quartal nahezu verdoppelten Ausgaben für Arbeitslosenunterstützung. Die Extrabeiträge seien anfangs eifrig, später aber ganz nächlässig gezahlt worden. Mangel an Gemeingeist hätten u. a. Hamburg, Nürnberg und der Elsaß gezeigt. Auch die Kontrolleure müßten viel sorgfältiger arbeiten, um Unregelmäßigkeiten zu verhindern. In der Hauptkasse seien zurzeit 1 305 000 M., davon aber nur 501 M. in den Händen des Kassierers, alles übrige auf der Bank. Den Bericht des Ausschusses erstattet Robert S ch m i d t- Berlin. Der Ausschuß hat Nie an ihn herantretenden Beschwerden erledigt. Von größerer Bedeutung ist davon keine. In der Diskussion werden zunächst die Lohnbewc- g u n g e n besprochen. Ucber Zurücksetzung klagen die Geschoß- korbmacher aus Zeitz, die Bleistiftmacher aus Nürnberg, die Schlaf- zimmermöbelarbeiter aus Hanau usw. Die Breslauer führen darüber Klage, daß kein Vertreter von ihnen zu den Unter- Handlungen mit dem Arbeitgeberschutzverband zugezogen ist. Fürth beschwert sich über den groben Ton eines Vorstandsmitgliedes gegenüber den Zahlstellen und fragt, wie es sich mit dem Rechte desselben verhält, einen Betrieb zu sperren, der bisher keinen Tarifvertrag hatte. Vom Vorstandstisch wird erwidert, daß in solchem Falle dann die Zahlstelle selbst die Kosten tragen müsse. In der Diskussion über die EntWickelung des Verbandes(Gau- vorstände und Agitation) wird über die geringen Fortschritte in den letzten zwei Jahren Klage geführt. Die Anstellung besonderer Beamten für die Agitation und die Heranbildung kleiner Agi- tatoren für die Werkstellen wird empfohlen. Vorstandsmitglied Becker erwidert, daß der Stillstand des Verbandes hauptsächlich auf die Krise und die schweren Kämpfe des Vorjahres zurück- zuführest sei. Die weitere Diskussion wird auf morgen vertagt. Eue der Partei. Das Wachstum der Sozialdemokratie Schwedens. Der Parteivorstand der schwedischen Sozialdemokratie hat bor einigen Tagen seinen Bericht über das Jahr 1907 veröffentlicht. Wie die Partei sich entwickelt hat, zeigen folgende Zahlen: Im Jahre. 1888 hatte sie..... 8 000 Mitglieder, 0 u• 1900„„..«•• 4o 000„ am 1. Januar 1904 95 Llrbeiterkommunen 64 552 „ 1.. 1905 112„ 64 835 „ t„ 1906 137, 69 191 „ t.„ 1907 170. 101 929 , L„ 1908 239„ 133 388, Die Zahl der Arbeiterkommunen, der Ortsorganisationen der Partei, ist also im letzten Jahre um 69 gestiegen, die der Mitglieder um 31 459. Die größten Arbeiterkaminunen sind: Stockholm mit 30 327, Malmö mit 14 790 und Göteborg mit 12 130 Mitgliedern. Im vergleich zur Bevölkerungszahl ist die Organisation am stärksten tn Malmö, denn diese Stadt zählt ungefähr 72000 Einwohner, Göte borg mit Vororten 170 000, Stockholm 320 000. Die Parteipresse zählt sechs Tageblätter, dte in Stockholm, Malmö, Göteborg, Gähle, Norköping und Landskrona erscheinen, im ganzen in 90 000 Exemplaren, sieben Blättern, die teils drei-, teils viermal wöchentlich, eins, das zweimal, und zwei, die einmal wöchentlich erscheinen. Im ganzen zählen die 16 politischen teitunaen der schwedischen Sozialdemokratie 156 000 Abonnenten. >ie Gewerkschaften geben 25 Fachblätter heraus, deren Leserzahl über 150 000 beträgt. Im Jahre 1893 hatte die sozialdemokratische Parteipresse Schwedens erst 10 000 Abonnenten, 1900 waren es knapp 30 000 und 1804 ungefähr 70 000. Seit Neujahr 1903 sind mehrere neue Zeitunasgründungen beschlossen worden. Ein neues Tageblatt: „Skanike Socialdemokraten", für die Landschaft Schonen, erscheint bereits, und die Parteiblätter in SundSvall Dstad und Jönköping werden demnächst in Tageblätter umgewandelt. Die Jnternatserziehung der Seminaristen und die dadische Sozialdemokratie. In der borigen Woche wurde in der Zweiten badischen Kammer über die Jnternatserziehung der Seminaristen verhandelt, wobei es zu einem Gegensatz unter unseren Parteigenossen der Landtags fraktiou kam. Der Abgeordnete Eichhorn führte als erster Redner der Fraktion aus, er habe sich schon früher gegen Internate aus- gesprochen, die vielleicht bei Zöglingen in jugendlichem Alter, aber nicht bei Personen über 16 Jahre angezeigt erscheinen. Wir be kämpften das Internat der Lehrer hauptsächlich aus dem Grunde, weil die künftigen Volkserzieher mit einer praktischen Lebens erfahrung ihren Beruf antreten sollten, welche sie sich durch den Verkehr mit den breiten Volksschichten erwerben können. Un bemittelten Eltern müßte ein Staatszuschuß gewährt werden. Nach dem Verhandlungsberichte ereignete sich dabei folgender Zwischenfall: Eichhorn: Wie gesagt, gegen die Jnternatserziehung müssen wir uns mit aller Entschiedenheit wenden.(Abgg. Dr. Frank und K o l b: Wir nicht I— Große Heiterkeit.) Ich loeiß nicht, wieweit meine Kollegen Dr. Frank und Kolb anderer Meinung sind; bisher war in unserer Fraktion hierin Uebereiustimmung. Ich habe im vorigen Landtage noch die Meinung unserer gesamten Fraktion nach der Richtung hin vertreten.(Zuruf aus dem Zentrum: Sie sind eben umgefallen.— Große Heiterkeit.) Möglich, es sind Umfülle auch bei uns einmal möglich.(Große Heiterkeit.) Wie uns scheint, vertrat der Genosse Eichhorn die bisherige Auffassung der Fraktion, wie sie seinerzeit schon der Abg. Dreesbach in der Kammer zum Ausdruck brachte. Ob indessen die Fraktion anders zu handeln beschloß, entzieht sich unserer Kenntnis. poUseUicsies» Öeruhtiicheo ukw. Strafkonto der Presse. Dem Vorsitzenden des Gewerbegerichts in Düsseldorf, einem Herrn Jakwer, war in unserem dortigen Partei- organ, der„V o l k s z e i t u n g", der Vorwurf der Parteilichkeit gemacht worden. Vor dem Schöffengericht in Düsseldorf er- brachte der wegen des Artikels der Beleidigung angeklagte Gen. Hoch den Wahrheitsbeweis für seine Behauptung. Es wurde festgestellt, daß der Vorsitzende in öffentlicher Sitzung einen Arbeiter wegen ungebührlichen Verhaltens in ganz energischer Weise gerügt halte. In der nämlichen Sitzung führte sich ein Unternehmer in der gleichen Weise auf, was der Vorsitzende aber nicht anfocht. Die Beisitzer hatten den Vorsitzenden im Beratungszimmer wegen seines ein- seitigen Vorgehens zur Rede gestellt; dieser habe sie aber im brüsken Tone auf den Beschwerdeweg verwiesen. Die Zeugen bestätigten alles das, waS in der betreffenden Notiz behauptet worden war. Das Gericht kam trotz des gelungenen Wahrheitsbeweises und trotz des Anerkenntnisses, daß die Form der Notiz nicht beleidigend war, zu einer Verurteilung. Und zwar wurde der Angeklagte, dem der Schutz des K 193 des Strafgesetzbuchs, Wahrung berechtigter Interessen, versagt wurde, zu hundert Mark Geld st rase verurteilt, der Amtsanwalt hatte 150 M. beantragt. In der Urteils- begründung wurde ausgeführt, daß dem Vorsitzenden wegen dieses einen Falles der Vorwurf der Parteilichkeit nicht gemacht werden dürfe. (ZewerK khaftlichce. Berlin und Nmgegend. Die Bergolder und die Maifeier. Eine Branchenversammlung der Vergolder tagte am Montag in den„Arminhallen". Man besprach der Verlauf der Maifeier.— eltmann stellte einleitend fest, daß der größte Teil der Kollegen den Beschlutz der Vertrauensmännerversammlung, zu feiern wie sonst, durchbrochen hätten. Ganze Betriebe seien stehen geblieben und vielfach habe nur ein Teil gefeiert, der andere nicht. Das dürfe sich nicht wiederholen. Man kann nicht zugeben, daß zweierlei Rechte und Pflichten beständen. Die Beschlüsse gelten für alle. Es möge die wirtschaftliche Krise und der Aussperrbeschluß der Unternehmer mitgewirkt haben. Indessen, die in den Werkstätten stehen blieben, hätten den Unternehmern durch ihr Tun geradezu die Hand geboten, die Feiernden zur Disposition zu stellen. Eine Aussprache sei dringend notwendig.— In der Diskussion wurde mehrfach betont, daß die wirtschaftliche Frage bei der Maifeier eine große Rolle spiele. Die Kollegen schreckten vielfach vor Opfern zurück. Das sollten sie dann aber auch aussprechen, damit man wisse, woran man sei.— Ein Redner führte die Laschheit der Kollegen darauf zurück, daß die Vergolder seit dem Anschluß an den Holzarbeiterverband nicht mehr ihre eigene Maiversammlung hätten, sondern nach der„Neuen Welt" gehen müßten. Da gingen sie in der Masse unter und es fehle die gegenseitige Kontrolle.— Diesen Ausführungen wurde von verschiedenen Seiten widersprochen. Wer von der Idee des 1. Mai durchdrungen sei, der feiere unter allen Umständen.— Von allen Seiten wurde lebhafr verlangt, daß sich die Kollegen damit vertraut machen, in Zukunft die geltenden Be- schlüsse strikt- zu halten.— Ein Beschluß wurde nicht ge- faßt. Betont wurde, daß diejenigen, die am 1. Mai nicht feierten, nun wenigstens reichlich die Extrabeiträge zu 25 Pf. leisten müßten, damit die Unterstützungsgelder aufkämen. Ueber den Stand der Aussperrung bei Zander berichtete Otto. Da sich eine größere Anzahl Arbeitswillige gefunden haben, sind die Ausgesperrten gezwungen, Konzessionen zu machen. Den Austritt aus dem Verbände fordert Zander nicht mehr. Er hat erklärt, eine Liste derjenigen aufzustellen, die er gleich wieder einstellen will. Die anderen sollen nach und nach, je nachdem Plätze frei werden, eingestellt werden. Um nicht noch mehr Arbeitswillige hineingehen zu lassen, wollen die Ausgesperrten darauf eingehen.— Die Versammlung nahm Kenntnis davon. Erklärnng. Die zlvischen dem Verband der GastwirtSgehilfen und dem Gastwirt Herrn Voigt(Etablissement Crampeuburg) bestandenen Differenzen sind durch ain gestrigen Tage stattgefundene Verhaud- lungen als erledigt zu betrachten. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission. Deutfcheo Reich. Zur Tarifbewegung in der Portefeuilles- und Reiseartikelindustrie. Wie schon kurz tclegraphisch gemeldet, haben die Unternehmer den Vertragsentlvurf. den die Organisationen der Sattler und Portefeuiller gemeinsam ausgearbeitet hatten, nach zweitägigen Verhandlungen abgelehnt. Eine imposante Versammlung für das Lohngebict Offenbach, an der über 3000 Personen beiderlei Geschlechts teilnahmen, nahm Stellung zur Lohnbewegung. Der Vorsitzende des Verbandes der Portefeuiller, W e i n s ch i l d, be- richtete. Den Unternehmern waren die Forderungen im ganzen zu hoch; wegen der schlechten Konjunktur glaubten sie, erst gar nicht darauf eingehen zu können. Als sie denn aber doch vcr- handelten, waren sie mit der Ausdehnung des Tarifes auf Heim- arbeiter und Zwischenmeister nicht einverstanden. Trotz des Ein- geständnisses, daß die Qualität der Produktion sich nach Perkürzung der Arbeitszeit gebessert und die Quantität an geleisteter Arbeit sich vermehrt habe, wollten sie nicht im geringsten in eine(ganz unwesentliche) weitere Verkürzung der Arbeitszeit willigen. Den Mindestlohn wollen sie nur den Sattlern zubilligen, den Portefeuillern nicht. Auf keinen Fall wollen die Unternehmer darauf eingehen, daß in Zeiten der Krise erst Entlassungen erfolgen dürfen, nachdem die Arbeitszeit auf 7 Stunden verkürzt ist. (Gegenwärtig liegt die Sache schon so,'daß in den Werkstätten tagcweis ausgesetzt werden muß und die Heimarbeiter und Zwischenmeistcr arbeiten mit Zubülfenahme von Ueberstunden!) Weiter sprachen die Unternehmer den Vertretern der Arbeiter das Recht ab, für die Mädchen Forderungen zu stellen,„denn diese seien ja gar nicht organisiert". Die Lohnzahlung soll Frei- tags während der Arbeitszeit erfolgen. Das ist das einzige positive Ergebnis der Verhandlungen. Eine Bezahlung der gesetzlichen Feiertage wurde abgelehnt. Der Vorsitzende, Gewerberichter und Beigeordneter Zopfs wollte das Gesetz über den Arbeitsvertrag so ausgelegt wissen, daß, wenn die Feiertage bezahlt werden sollten, es für die Ueberstunden nichts geben dürfe.(Heiterkeit.) Die bisher üblichen Zuschläge von 25 und mehr Prozent für Ueberstunden und Nachtarbeit sollen weiter gezahlt werden. Das Lederschärfen ist bisher von Spezialwcrkstätten gegen Be- zahlung gemacht worden. Die Fabrikanten haben jetzt selbst Schärf- Maschinen aufgestellt, wollen den Leuten für das Schärfen aber mcbr abziehen, als sonst bezahlt worden ist. Dabei hat sich noch herausgestellt, daß, entgegen den tariflichen Abmachungen, längere Zeit schon die Heimarbeiter und Zwischenmeister die Zutaten nicht vergütet erhalten haben. Es liegt also Tarifbruch seitens der Unternehmer vor. Der» 1. Mai soll als Feiertag bestehen bleiben, ebenso wurde der Einrichtung von Schiedsgericht und Tarifamt zugestimmt. Indessen sind die„Christlichen" in geschlossenem Zuge an- gerückt. Sie müssen sich Kopf an Kopf auf der geräumigen Bühne aufftellen und„beweisen" so dem Meer von Menschen gegenüber ihre„Stärke". Nachdem der Vorsitzende des Verbandes der Sattler, Blum- Berlin, die Ausführungen Weinschilds ergänzt und den Kampf der Berliner Kofsermacher besprochen hat, erklärt unter allgemeiner Spannung R i e n e ck e r, Gauleiter der christlichorganisierten Portefeuiller und Sattler, daß sie ihren den Unternehmern ein- gereichten Sondertarif zurückziehen würden und Schulter an Schulter mit den Freiorganisierten um Verbesserung ihrer Lebens- läge kämpfen wollten.(Bravo!)„Bis auf den 1. Mai, das geht gegen unsere Uebcrzeugung." In der Diskussion wurde bekannt, daß eine Offenbacher Firma ihren Mädchen die Freigabe von 4 Uhr ab zum Besuche der Ver- sammlung verweigert hatte. Eine andere Firma, die nebenbei noch eine 58stündige Arbeitszeit die Woche hat. ließ den Tarifvertrags- cntwurs vor den Augen des Vertreters der Organisation zerreißen und ihm die Fetzen vor die Füße werfen. Alles Beweise dafür, daß die Unternehmer den Kampf wollen. Zum Schlüsse wurde gegen eine Stimme eine Resolution angenommen, welche die Lohnkommission beauftragt, die Verhand- lungen fortzusetzen und an ein Einigungsamt das Ersuchen zu richten, einen Termin zwecks Beratung eines neu zu schaffenden Vertrages und Fällung eines Schiedsspruchs anberaumen zu wollen. Dieser Schiedsspruch ist dann einer öffentlichen Versamm- lung zur endgültigen Beschlutzfassung vorzulegen. Sollte das an- gerufene Einigungsamt bis Ablauf des jetzt gültigen Vertrages seine Arbeiten nicht beendet haben, so soll derselbe bis zum 15. Juli dieses Jahres weiter gelten. Die Heimarbeiter und Zwischenmeister protestieren gan-, energisch gegen die Vermutung, sie würden sich im Falle eines Streiks oder einer Aussperrung als Streikbrecher gebrauchen lassen. Sie erklären sich vielmehr mit den in den Werkstätten Beschäftigten durchaus solidarisch und halten einen Streikbruch für die ehrloseste Handlung, die sich ein Mensch zu schulden kommen lassen kann._ Ein terroristischer Akt aus dem Reiche der Zehn Prozent-Dividendenschlucker. Die Leitung der Straßeneisenbahngesellschast in Hamburg hat vor einiger Zeit dem Beirat(Arbeiterausschuß) auf ein Gesuch, eine bescheidene Lohnerhöhung' und angemessene Verkürzung der Arbeits- zeit vorzunehmen, geantwortet, das Geschäft könne höhere Lohnans- gaben nicht vertragen. DaS„Geschäft" hat seit einer lanaen Reihe von Jahren stets über 8. im letzten Jahre sogar 10 Prozent abge- warfen. Als die Direktion erklärte, eS sei der Minderheit des Personals nur darum zu tun, Unzufriedenheit zu stiften und dem Transportarbeiterverbande Mitglieder zu- zuführen, was sie nie dulden werde, wie sie über- Haupt die Zugehörigkeit zu diesem Verbände nicht dulde, ver- wahrte sich der Beirat gegen die Unterstellungen. DieDirektion antwortete mit der Entlassung von Beirats- Mitgliedern, von denen einige schon bis zu 16 Jahren im Dienst dieser Profitmachergesell- s ch a s t st e h e n. Ob dieses Terrorismus herrscht eine große Er- regung unter den Straßenbahnern. Der Vorstand des TraiiSportarbeiterverbandes richtet folgende Fragen an das Hamburger Publikum: Bedeuten 10 Proz. Dividende ein Geschäft, da? eine kleine Lohnaufbesserung bei diesen teuren Zeiten nicht zuläßt? Bedarf eS„agitatorischer Zwecke", um angesichts eines solchen Geschäfts eine bescheidene Lohnaufbesserung zu wünschen? Oder liegt nicht der dringende Verdacht nahe, daß die Straßen- bahngesellschast die agitatorischen Zwecke nur vorschützte, um ihren Angestellten trotz des großen Geschäfts die bescheidene Lohn- aufbesserung vorenthalten zu können? Die Straßenbahner werden von ihrem Vorstande aufgefordert, die in allernächster Zeit ergehenden Bekanntmachungen zu beachten. Husland. Die außerordentliche Staats- und Gemeindehilfe für die Arbeitslosen in Dänemark. Die beiden Gesetzentwürfe zur Linderung der Not unter dm Arbeitslosen und zur Einschränkung der Arbeitslosigkeit selbst, die die sozialdemokratische Folkethiiigsfraktion Ende April einbrachte, sind vom dänischen Reichstage mit anerkennenswerter Schnelligkeit durchberaten und, wenn auch tu etwas verringerter Form, in dm letzten Tagen der Session sowohl vom Folkething wie vom Lands- thing angenommen worden. Das eine der beiden Notgesetze gibt den Gemeinden, wo nach Meinung des Gemeinderates außerordentliche Arbeitslosigkeit herrscht, das Recht, den freien Hilfskassen im laufenden Budgetjahre höhere Zuschüsse als die iin HilfSkassengesetz festgelegten zu gewähren, und daS gleiche gilt für die anerkannten Arbeitslosenkassen und daS Gesetz über die Staats- und Gcmeindezuschüsse zu diesen Kassen. Auch die Arbeitslosenkassen, die noch nicht, wie jenes Gesetz erfordert, zwölf Monate bestehen, sollen im laufenden Budgetjahr die Zuschüsse erhalten. Im übrigen können die Kosten nach dem Notgesetz auch solchen Mitgliedern die Unterstützung zahlen, die ihnen noch nicht zwölf Monate angehören. Der Gesetzenlwurs über Staatsdarlehen, die den Ge- meinden zwecks Umbau ungesunder und übervölkerter Stadtteile gewährt werden sollen, wurde im wesentlichen mit der Aenderung angenommen, daß die Summe der Darlehen nicht, wie unsere Ge- nosscu vorschlugen, auf 10, sondern auf 4 Millionen Kronen bemessen wurde. Soziales. Verwaltung einer reichstre»en Krankenkasse. Die letzte Generalversammlung der allgemeinen Ortskranken- kasse für Wilmersdorf und Umgegend bot einiges Interessante dar. Erst seit dem 1. Januar sind als Vertreter organisierte Ar- beiter gewählt. In der Generalversanimlung wurde zunächst be- schlössen, die Karenzzeit aus dem Statut zu streichen, so daß nach " Rechtskraft diefer Statutenänderung vom Beginn der Krankheit ab| Beit des Bestehens der Berliner Morgenpost" eine Tageszeitung] Krankengeld zu zahlen ist. Bei der Nachprüfung der Rechnung in Berlin und Umgegend sollte ins Leben rufen dürfen, deren für 1906 wurden die gröblichsten statutenwidrigen Ausgaben fest- Bezugspreis weniger oder ebensoviel als das Abonnement der gestellt. In der Generalversammlung tam u. a. folgendes zur Berliner Morgenpost" beträgt, welche lettere Zeitung beide Sprache. Von einem Vertreter war seinerzeit der Antrag gestellt, Parteien durch Gesellschaftsverhältnis gemeinsam übernommen den Vorstandsmitgliedern die Sihungen mit 1 M. zu entschädigen. hatten. Die beklagte Firma Ulstein u. Co. gibt seit Oktober 1904 Das bekämpfte der damalige Vorsitzende, diese Posten seien die B. 3. am Mittag" heraus und ließ mit dem 1. April 1905 Ehrenämter. Die Prüfungsfommission stellte nun fest, daß ihre Berliner Zeitung" eingehen. Die Firma Scherl behauptete frühere Vorstandsmitglieder für diese Sitzungen je 3 M. liqui- daraufhin, daß die B. 3. am Mittag" eine Neugründung sei diert und bezahlt erhalten haben. Auch fühlte sich der Vorstand und klagte auf Unterlassung der Herausgabe dieser Zeitung. Die gemüßigt, ein Kaiserbild mit eichenem Rahmen aus dem Gelde der beklagte Firma Ullstein u. Co. vertritt die Ansicht, daß die Kaffenmitglieder zu kaufen. Der vereidete Bücherrevisor Hummel B. 3. am Mittag" Zubehör der früheren Berliner Zeitung" fei, liquidierte für seine Revidierung 60 M. und pro Vorstandssitung, zu jedoch keine Neugründung. Nach dem Aufhören der Berliner denen er zugezogen wurde( aus welchen Gründen?), je 10 M.! Dabei Zeitung" sei sie lediglich an deren Stelle getreten. stimmte aber die von ihm revidierte Jahresabrechnung absolut nicht, so daß die Kasse für die Nachprüfung über 900 M. zu zahlen hat. Da bis jezt auch keine Hebelisten vorhanden waren, hat die Kasse 5 Beamte anstellen müssen, die diese nacharbeiten müssen! Der Revisor hat also die Kasse sehr geschädigt. Die Generalversammlung beschloß einstimmig, den Vorstand zu beauftragen, alles Gefeßmäßige zu tun, um zu verhüten, daß der für den Kreis Teltow bereidete Bücherrevisor Hummel andere Krankenkassen so gründlich ber- revidiert wie die Wilmersdorfer. Leuten, die bei jeder Gelegenheit über Vergewaltigung durch Sozialdemokraten in Krankenkassen zetern, wäre hier Anlaß, gegeben, anzuerkennen, daß einfache Arbeiter bei der schwierigen Rechnungsprüfung einem vereideten Bücherrevisor mit ihren Kenntnissen weit überlegen waren. Sie werden aber dieses ebenso wie die Rosenow- Mugdanschen Riesengehälter für den Abonnementsverein der Dienstboten totschweigen. Gerichts- Zeitung. bindungen: Stadtbahn: Nordring; elektrische Bahn: Linie 12 und 18. Schöneberg. Freitag, den 29. Mai: Versammlung für Männer und Frauen in den„ Neuen Rathausfälen", Meininger Straße 8. Genosse Kurt Heinig spricht über„ Die Landtagswahlen und die Frauen!" Um zahlreichen Besuch bittet der Vorstand. Donnerstag, den 28. Mai: Ausflug nach Schmargendorf. Treffpuntt vormittags 9 Uhr bei Obst, Meininger Straße 8. Für Nachzügler nachmittags 3 Uhr bei Bartel, Schmargendorf, Warnemünder Straße 6. Verfammlungen. Das Landgericht und Kammergericht erkannten auf Abweisung der Klägerin, da sich die B. 3. am Mittag" nicht als Eine öffentliche Versammlung der Musiker fand vor einiger eine selbständige Zeitung, sondern als eine organische Fort- Zeit in den Musiker- Sälen" statt. Die Mehrzahl der Verentwidelung der alten Berliner Zeitung" darstelle. sammelten bestand aus Mitgliedern des Allgemeinen Deutschen Auf die Revision der Klägerin wurde die Entscheidung des Musikerverbandes, was sich sofort bei der Bureauwwahl zeigte. Die Kammergerichts vom 2. Zivilsenat des Reichsgerichts unter vorgeschlagenen Kandidaten des Zentralverbandes unterlagen. Die Zurückweisung der Revision bestätigt. Aus der Frauenbewegung. Gesindesklaverei. Lefe und Diskutierklub„ Wilhelm Liebknecht". Vermischtes. Heute abend Versammlung war außerordentlich stark besucht und mit großer Aufmerksamkeit wurde der angekündigte Vortrag des Genossen Fauth über das Verhältnis beider Verbände zueinander angehört. Der Bericht des Vorstandes lag zum ersten Male anerkennensSeine Ausführungen gipfelten in dem Schluß: Der Allgemeine merterweise mit statistischen Tabellen seit 1894 gedruckt vor. Bur Deutsche Musikerverband könne seiner Vergangenheit nach und Sprache fam, daß Kassenbeamte ihrer Tätigkeit absolut nicht ge= nach der jetzt entfalteten Tätigkeit oder auch Untätigkeit nicht als wachsen sind, und wurde von einer Kündigung Kenntnis gegeben, die Interessenvertretung der Musiker angesehen werden. der Betreffende aber nicht annehmen will, da er behauptet, daß Seitdem sich die Sozialdemokratie energischer der Aufklärung In der Diskussion sprach zuerst der Präsident des Allsein mit dem alten Vorstande abgeschlossener Anstellungsvertrag und Organisierung der Dienstboten widmet, haben auch die Ultra- gemeinen Verbandes, Vogel. Vogel wollte die Erfolge des( erst auf Lebenszeit lautete. Der jebige Vorstand bestreitet dieses und montanen das Bedürfnis empfunden, sich mit der Dienstbotenfrage feit 6 Jahren bestehenden) Zentralverbandes kennen lernen, der wird wohl den Klageweg beschreiten müssen. zu beschäftigen. Merkwürdig, daß immer erst die Sozialdemokratie den( feit 40 Jahren bestehenden) Allgemeinen Verband stets zu mit der Fadel der Aufklärung vorangehen muß, ehe die Zentrums- heftig befehde. In dem lezteren seien alle politischen Parteien leute sehend werden, merkwürdig, daß sie erst der Armen und vertreten, man mache keine Unterschiede und bewahre sich den EinDr. Pleißner, lebhaft begrüßt, Glenden gedenken, wenn es in der Tiefe gärt und brodelt. Erst fluß bis nach oben" hin. mußte die Sozialdemokratie die Massen in Bewegung setzen, che nahm darauf das Wort und sprach mit Stolz von dem starken Alldie christliche Nächstenliebe" unserer Ultramontanen erwachte. gemeinen Verbande, als dessen Führer er sich später selbst bezeich Eine Reihe von Rechtsforderungen der Dienstboten, die aur nete. Er polemisiert gegen die Ausführungen des Referenten über Erfüllung reif sind, muß heute möglichst bald gewährt werden, das Klassenbewußtsein, die er offenbar mißverstanden hatte, denn will man die nötige Disziplin und Zufriedenheit der er erklärte sehr umständlich, daß das Klassenbewußtsein nicht Ein Fehler in der amtlichen Schulstatistik. Dienstboten erreichen, sie andererseits auch wirksam verpflichten sozialdemokratisch zu sein brauche und nannte den Bund der In den Nachweisungen über die öffentlichen Volksschulen 1901 fönnen zur Anerkennung der berechtigten Forderungen der Landwirte" als Beweis. Er warnte die Musiker davor, zu der und 1906( Vierteljahrshefte zur Statistik des Deutschen Reiches Hausfrauen" so beginnt die von uns schon erwähnte sozialdemokratischen Linie abzuschwenken, denn sie würden ihrer 1908, S. 315-320) fällt das Fürstentum Lippe auf durch eine Schrift des Generaldirektors Pieper vom katholischen Volksverein Eristenz damit den schwersten Schlag versehen. Auf die Arbeiter geradezu sprunghafte Aufwärtsbewegung seines Volksschulwesens. über die Dienstbotenfrage.( M.- Gladbach 1908.) Dieser Satz fönnten sie sich nicht verlassen, die würden ihnen nicht das Brot Die Zahl der auf einen Lehrer entfallenden Schüler ging danach könnte auch an der Spike eines ausgesprochen im Interesse der geben, was sie zum Leben brauchen, und vor der Zukunftsmusik in dem letzten Jahrfünft von 92 auf 75 zurüd, und der auf einen Herrschaften" geschriebenen Buches stehen. Disziplin" und" Bu- sollten sie sich hüten. Die Bewegung der Musiker sei mit der der Schüler entfallende Teil der Gesamtkosten stieg von 25 auf 42 M. friedenheit" der Dienstboten, damit die" Forderungen der Haus- Aerzte und der Handlungsgehülfen zu vergleichen, wo die Sozialdemokraten ebenfalls keine Fortschritte machen können. Eine auch nur annähernd ebenso günstige. Entwickelung hat keiner frauen" erfüllt werden können. Wir meinen, bei der Dienstboten- Die Diskussion dehnte sich lange aus, heftig wurde der der anderen deutschen Staaten aufzuweisen. Leider ist die amt- frage wäre das Wesentliche die Forderungen der Dienst= liche Statistik falsch. Wie wir der„ Korrespondenz des Deutschen boten. Um ihre Rechte und ihr Wohl handelt es sich, und wenn Zentralverband angegriffen; als aber auth in seinem SchlußLehrervereins" entnehmen, waren nach einer am 1. Juli 1907 es etwas zu ändern gibt in dem Verhältnis von Rechten und wort alle Angriffe eingehend zu würdigen und zurückzuweisen be veranstalteten Erhebung der Statistischen Landesstelle des Pflichten, von Arbeit und Muße, von Leistung und Lohn, dann gann, da wollte man ihn nicht mehr hören. Etwa sechs Stunden Lippeschen Lehrervereins nur 286 Lehrerstellen mit 26 219 Volks- muß dieses Verhältnis zugunsten der Dienstboten geändert werden. lang hatte man geduldig zugehört, wie das Lob des Allgemeinen Verbandes mit wenigen Unterbrechungen gesungen wurde und schülern vorhanden, so daß auf den Lehrer noch immer 91 Schüler Und das keineswegs unergründliche und keineswegs unerfüllentfallen. Mit dieser Bahl steht Rippe in der Reihe der deutschen bare Geheimnis zur Lösung der Dienstbotenfrage besteht in der wie der Zentralverband herabgesetzt wurde, dann aber begann ein Staaten an allerletzter Stelle. Die amtliche Statistit hat, statt sich Aufhebung des patriarchalischen" Verhältnisses zwischen Herr- wachsender Tumult, der Vorsitzende konnte trot vieler Mühe dem auf die öffentlichen Voltsschulen zu beschränken, wie es doch 1901 fchaften und Dienstboten, durch Abschaffung aller gesetzlichen Aus- Referenten kein Gehör mehr verschaffen, und die Versammlung geschehen war, die privaten Rektorschulen und höheren Töchterschulen nahmebestimmungen für das Gesinde und seine Stellung unter mußte des großen Lärms wegen geschlossen werden. in die Erhebung mit einbezogen! Eine folche Frreführung durch den Arbeiterschutz und alle sozialen Institutionen, die der gewerbamtliche Statistiken bleibt Hoffentlich vereinzelt. liche Arbeiter hat oder zu fordern berechtigt ist. Das ist der Kern 9 Uhr bei Buhl, Danziger Straße 93. Gäste willkommen. der Dienstbotenfrage. Wer sich an diesen Forderungen vorbeidrückt, der gibt dadurch zu erkennen, daß er das Wesen der Frage nicht erkannt hat, oder daß es ihm nur darum zu tun ist, durch Herumdottern an Nebensächlichkeiten der gründlichen Behandlung Ueberschwemmung in Tegas. Nach einer Meldung aus New der Frage auszuweichen. Und das beabsichtigt in der Tat das port wird der Schaden, den die Ueberschwemmung in Teras an Zentrum. Natürlich erklärt Dr. Pieper die Forderung der Sozialdemo- gerichtet hat, auf zwei Millionen Dollar geschäzt. Eine FeuersEiner besonderen Dreiftigkeit hatte es der Bädermeister Frans fratie, die Dienstboten den Bestimmungen der Gewerbeordnung zu brunst drohte zeitweise Dallas zu zerstören; Häuſer mußten mit Reinide in Lichtenberg zu verdanken, daß er gestern unter der An- unterstellen, für un durchführbar, das sei unverträglich mit Dynamit gesprengt werden, um das Weitergreifen des Feuers zu flage der wissentlich falschen Anschuldigung vor der Straffammer der Natur der häuslichen Dienste, die sich im Rahmen der Familie verhindern. Viele Straßen in Dallas standen sieben Fuß unter des Landgerichte III erscheinen mußte. In einem Hause, in abwickelten. In der häuslichen Wirtschaft, wo Erwachsene ver- Wasser. welchem der Tischler Kindler wohnt, trug der Angeklagte des schiedenen Berufen nachgingen, wo größere und kleinere Kinder Ueber einen blutigen Zusammenstoß zwischen Bauern und GenMorgens seine Badware aus. Kindler vermißte nun schon vorhanden seien, könne die vollständige Sonntagsruhe, das Verbot darmen wird aus Lemberg, 26. Mai, telegraphiert: In Czerniechow mehrere Tage die von ihm im Abonnement bezogene Beitung der Nachtarbeit, Beschränkung der Tagesarbeit, die Gewährung barmen wird aus Lemberg, 26. Mai, telegraphiert: In Czerniechow im Bezirk Tarnopol kam es gestern abend aus Anlaß einer Unter„ Vorwärts", und da die Zeitungsfrau versicherte, daß sie das Blatt bestimmter Pausen usw. unter keinen Umständen durchgeführt suchung wegen unbefugter Ausübung des verpachteten Fischereirechtes täglich vor die Wohnungstür gelegt hätte, so mußte ein Un- werden. berufener sich das Blatt angeeignet haben. Kindler legte sich des= Weiß denn Herr Dr. Pieper, der an der Quelle aller Weis- zwischen Bauern, die sich zusammentaten, und von diesen bedrohten halb auf die Lauer und sah zu seinem Erstaunen durch einen Tür- heit: der Zentralstelle des katholischen Volksvereins in Gendarmen zu einem Zusammenstoß. Die Gendarmen mußten(!!) von ihren Waffen Gebrauch machen. Fünf Bauern wurden getötet spalt deutlich, daß der Meister Reinice beim Anhängen des Früh- M.- Gladbach sitt, nicht, daß obige Forderungen und weit größere und mehrere verwundet. Eine Gerichtskommission und sechs Genstücksbeutels sich bückte, die Zeitung aufnahm und sich damit ent- noch bereits in vielen Familien durchgeführt sind? Es gibt darmen sind heute früh nach Czerniechow abgegangen. fernte. Kindler eilte ihm nach, stellte ihn und machte ihm Vor- Millionen Familien, wo die Dienstboten weder des Sonntags noch würfe, und als der Angeklagte sich diese angeblich ganz un- des Nachts, noch am Tage arbeiten begründete Beschuldigung verbat, faßte ihn St. etwas derb an, holte ihm aus dem Rod die Zeitung hervor und verabschiedete ihn etwas unsanft. Er wollte damit die Sache abgetan sein lassen. Es tam aber anders. Etwa 11 Tage nach diesem Vorfall machte der Angeklagte Miene, gegen S. wegen verleumderischer Beleidigung vor zugehen. Dies schlug dem Faß den Boden aus. Nunmehr er stattete R. Strafanzeige wegen Diebstahls, die von Reinicke mit Anzeige wegen öffentlich falscher Anschuldigung beantwortet wurde. Gewiß gibt es auch Familien, die eine Wohnung von zehn Hamburg Er beschuldigte den R., daß er wider besseres Wissen die Straf- und mehr Räumen bewohnen, die sich, bom Hausherrn bis aufs Berlin anzeige erstattet habe. Dieser Streich blieb aber erfolglos, denn Babh herab von früh bis spät bedienen lassen. Leute mit solchen Frantj.a. M 766 3 die gegen Reinecke vor dem Schöffengericht geführte Verhandlung Gewohnheiten und Ansprüchen sind aber auch in der Lage, das München wegen Diebstahls an dem Zeitungsblatt endete damit, daß N. zu nötige Geld für mehrere Dienstboten, die sich in ihren Diensteinem Tage Gefängnis verurteilt wurde. Er betrieb dann ein leistungen schichtweise ablösen, aufzubringen. Und können sie das Gnadengesuch und hat in den zu diesem Zweck geführten Verhand- nicht, so mögen sie ihre Ansprüche mäßigen, oder die gnädige Frau Lungen felbst zugegeben, daß er die Beitung genommen, aber ledig- und das gnädige Fräulein mögen, was für ihre Gesundheit und leichten lich den Zweck verfolgt habe, einmal zu sehen, was der Vorwärts" ihren Charakter sehr gut sein würde, selber mal mit angreifen. gegen unsere staatlichen Einrichtungen schreibe. Als guter Patriot Was die Sozialdemokratie für die Dienstboten fordert, läßt Staat Das Verfahren sich erfüllen, wenn und Gesellschaft nur habe er sonst kein Interesse an dem Vorwärts". gegen Kindler wegen wissentlich falscher Anschuldigung wurde bei wollen. Aber sie wollen nicht. Und deshalb bleibt nichts übrig, dieser Sachlage natürlich eingestellt, der Spieß wurde aber um- als sie dazu zu zwingen. Freilich geschieht das nicht gedreht und eine Anklage wegen wissentlich falscher Anschuldigung mit Maßnahmen nach M.- Gladbacher Art, die der Lösung der gegen Reinide erhoben. Er wollte gestern das Gericht glauben Dienstbotenfrage gerade entgegenwirken. Wollen die Dienstboten machen, daß die Strafanzeige gegen S. von einem seiner Kaffee- ernstlich etwas zur Besserung ihrer Lage tun, memel, Tilfit gäste verfaßt und abgeschickt worden sei und er sie ohne Kenntnis dann mögen sie sich den Organisationen an- Bregel, Insterburg des Inhaltes unterschrieben habe. Er fand damit keinen Glauben. schließen, die sich die Durchführung der Forde- Wetchsel, Thorn Der Staatsanwalt beantragte gegen ihn zwei Monate Gefängnis, rungen der sozialdemokratischen Frauen- Kon- Ober, Ratibor ferenzen( Mannheim 1905 und Berlin 1907) das Gericht erkannte auf einen Monat Gefängnis. zum Ziele gesetzt haben. Ein Bädermeister als Dieb und wissentlich falscher Anschuldiger. " Lokal- Anzeiger" und B. 3. am Mittag". Eine Klage der Firma August Scherl, Gesellschaft m. b. H. zu Berlin, als Herausgeberin des" Lokal- Anzeigers" gegen die Offene Handelsgesellschaft Ulstein u. Co in Berlin als Verlegerin der B. 3. am Mittag" ist jetzt vom Reichsgericht endgültig abgewiesen. Es handelte sich um einen Vertrag der beiden Parteien bom April 1900, demzufolge keine der beiden Parteien für die an weil die Hausfrau die Arbeit allein macht; es gibt Hunderttausende von Familien, wo das Dienstmädchen nur wenige Stunden im Haushalt ist und sich mit der Hausfrau in die Arbeit teilt. Und in all diesen Familien sind größere und kleinere Kinder vorhanden, gehen die Erwachsenen verschiedenen Berufen nach und sind alle jene Umstände vorhanden, die nach ultramontaner Anschauung die Uebertragung der Gewerbeordnung auf die Hauswirtschaft unmöglich machen. Versammlungen Veranstaltungen. Berlin. Donnerstag, den 28. Mai( Himmelfahrt): Ausflug des Vereins und der Jugendabteilung nach Saatwinkel. Treffpunkt bis 211 Uhr im Waldkater" am Tegeler Weg, fünf Minuten vom Bahnhof Jungfernheide entfernt. Marsch nach Saatwinkel VerAufenthalt Restaurant Blumeshof". Witterungsübersicht vom 26. Mai 1908, morgens 8 hr. Stationen Barometerfland mm Binb Stinembe 760'S Wien Bindflärfe richtung 762 823 76223 Beller 3bedeckt 5º.- 4°. Temp. n. 4 bedeckt 11 Stationen Barometer. fland mm Bind Bumpp Bindarle Beller Temp. n. 6. 2 wolfig 12 764D 11 paparanda 764D Betersburg 765DSD 1wolfig Scilly berbeen Baris 2 bedeckt 12 3 bedeckt 10 767 WSW 3 bebedt 12 12 761 Still-halb bd. 10 765 NNW 4 wolfen! 20 767 S 4 Regen 10 767 23 2 moltig 15 Wetterprognose für Mittwoch, den 27. Mai 1908. Ein wenig wärmer, zeitweise aufflarend, boriviegend noch trübe mit Regenfällen und schwachen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wafferstands.Nachrichten der Landesanstalt für Gewässertunde, mitgeteilt bom Berliner Wetterbureau. Wasserstand am feit 25. 5. 24.5. cm 351 cm ¹) +17 218 123-9 -20 Wafferstand Saale, Grochlit Havel, Spandau) Rathenow³) 150 11 Spree, Spremberg) Ktroffen Frankfurt Barthe, Schrimm Landsberg 108 Neze, Bordamm Elbe, Leitmeriz am feit 25. 5. 24. 5. cm cm³) 206+4 123+10 158-3 96+2 138+2 190+7 242+70 Rhein, Marimiliansau 564+17 192 200 -2 -9 Beeskow Beser, Münden 86 -6 Minden 43 -2 Kaub 21 Köln 347+11 437 4-20 -87 +1 Redar, Heilbronn 120 240 Magdeburg 203+3 Main, Wertheim Mosel, Trier +21 168+2 231+85 )+ bedeutet Wuchs, Fall, -³) Unterpegel. Dresden Barby Um Verwechselungen mit ähnlich lautender Firma zu vermeiden, achten Sie genau auf unsere volle Firma. E 707 N. S. 0. 0. NW. Char Invalidenstrasse 131 a. Stettiner Bahnhof Prinzenstrasse 94 bei der Ritterstr. Gr. Frankfurterstr. 85 bel der Marsiliusstrasse Schlesischer Bahnhof Bogen 8/9 Madaistr. bei Frucht strasse W. Potsdamerstrasse 112a b.d.Lützowstrasse Tel.: A. VI, 7190 Wilsnackerstrasse 57 b. d. Dreysestrasse Tel.: A. II, 2039 lottenburg Wilmersdorferstr.111 a.Stuttgart. Platz Tel.: Charl. 6718 Hauptgeschäft Spandau Breitestr. 54 am Markt Tel: Span dau 748 Tegel Treskowstrasse 14 EckeSchlieperstrasse Tol: Tegel 114 Größte Hochseefischerei Deutschlands 50 eigene Deutsche Dampffischerei- Gesellschaft ,, Nordsee", Bahnhof Börse, lene Flechempfer Eig Kühlwaggons z. Seefischtransport. Riesenfänge unserer Dampfer! per Pfund ( sehr Seehecht 28 PL. im Anschnitt... 35 Pf. :: Zum Kochen und Backen:: wie Flußhecht. Alle übrigen Sorten Seefische zu billigsten Tagespreisen. Zentral Fernsprecher Amt III, 8804. Seelisch- Kochbücher gratis. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Freitag, den 29. Mai, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshaus", Engel- Ufer 15, " oberer Saal IV: General- Versammlung= aller zum Zweigverein gehörenden Sektionen, Zahlstellen und Bezirke. Zages- Ordnung: 1. Vortrag des Genoffen Link über:" Der preußische Landtag und die Bauarbeiter." 2. Kaffenbericht vom ersten Quartal. 3. Gewerkschaftliches. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Zweigvereinsvorstand. Wir geben hiermit bekannt, daß das Zweigvereinsbureau und das Sektionsbureau der Puter sowie der Gips- und Zementbranche am Mittwoch, den 3. Juni geschlossen bleiben. Zur Beachtung für Maurer! Nach einem Beschluß der Vertreter- Sibung find mit dem 23. Mai folgende Zahlstellen auf: gehoben worden und kann dort auch nicht mehr das Abstempeln bei Arbeitslosigkeit vollzogen werden: Böhl, Rüdersdorfer Str. 26; Grunwald, Naunynſtr. 86; Löwenhagen, Wilmsstr. 4; Sander, Elsholzstraße 16; Müller, Bredowstraße 11; Höhnisch, Wichertstr. 3; Hartig, Prenzlauer Allee 43; Schwantes, Frankfurter Allee 181; Göbler, Nixdorf, Hermannstr. 63; Bogen, Charlottenburg, Bismarckstr. 34. Wir ersuchen die Kollegen, hiervon Notiz nehmen zu wollen. Deutscher Metallarheiter- Verband. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hoj I. Amt 3, 1239. Charitéstraße 3. Hof III. Amt 3, 1987. Sonntag, den 31. Mai, 9. D. 138/ 3* Orts- Krankenkasse für Ober- Schöneweide. Den Kaffenmitgliedern geben hiermit bekannt, daß am Mittwoch, den 3. Juni, dem Tage der Urwahlen, die Kasse von 11 Uhr ab geschlossen ist. Der Vorstand. C. Liesegang, vormittags 10 Uhr bis nachm. 2 Uhr 1 Borfißender. findet die Erfahwahl eines Beamten und die Urabstimmung über die Einführung eines Extrabeitrags in folgenden Lokalen statt: Milbrodts Gesellschaftshaus, Müllerstr. 7. Bernhard Rose- Theater, Badftr. 58. Obiglos Festsäle, Schwedter Str. 23. Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42. Elysium, Landsberger Allee 40/41. H. Rodenbusch, Schriftführer. Ober- Schöneweide, den 25. Mai 1908. Cignitting Sauers Restaurant, Schönhauser Allee 134 a. Gustav Lindenhayn, Litfins Festsäle, Memeler Str. 67. Boekers Festsäle, Weberstr. 17. Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15( Saal I). Fröhlichs Restaurant, Muskauer Str. 1. Grumbachs Festsäle, Schönleinstr. 6. Wiemers Restaurant, Bülowstr. 58. Kronen- Brauerei, Alt- Moabit 47/49. Volkshaus, Charlottenburg, Rosinenstr. 3. Thiel, Rixdorf, Bergstr. 152. Hoppe, Rixdorf, Hermannstr. 49. Fritsch, Steglit, Floraftr. 2a. Huth, Spandau, Linden- Ufer 17. Warnecke, Ober- Schöneweide, Wilhelminenhofstr. 18. Tempel, Rummelsburg, Alt- Borhagen 56. Lehmann, Köpenid, Bahnhofstr. 40. Roßkopf, Weißenfee, König- Chaussee 38. Halfes, Tegel, Brunowstr. 23. Ohne Mitgliedsbuch kann niemand wählen! Die Stimmzettel werden am Eingang zu den Wahllokalen verteilt. Wahlleiter ist der Kollege Otto Handke, Charitéstr. 3. 116/20 Gastwirtschaft. Telephon: Amt Grünau Nr. 17. Friedrich- Str. 2. Grünau, 5 Minuten vom Bahnhof. Großer Garten. Vereinszimmer. Fremdenlogis. 26612* Vorzügliche Speisen und Getränke in größter Auswahl zu soliden Preisen. Eine Völkerwanderung 000 Zum Einheitspreise von 95 Pt. gelangen in dieser Woche die aus der Jacques Cohn'schen Konkursmasse Müllerstr. 182/183, Seke Sellerstr., erworbenen und andere Waren zum Verkauf. 1 Waschbluse, Matrosenform 1 Unterrock mit Volant O Dtzd. Batist- Taschentücher mit Hohlsaum 12 Dtzd. rein leinene Kaffee- Servietten 12 Paar Herren- Socken 3 Paar Damen- Strümpfe, engl. lang:::: 2 Badehandtücher 1 Badelaken • 95 Pl. B 95 PL. 95 Pf. 95 Pf. • 95 Pl. 95 Pf. 95 Pf. 0 • 95 PL. 95 Pf. 1 Miederkorsett 95 Pl. Blusenstoffe, pr. Tüll, Spachtel Meter 95 Pf. ° Blusenstoffe, pr. Valencienne u. Filet Meter 95 Pl. 2 Spachtelpassen... 95 Pf. • 410 Meter Schweizer Stickerei, 5-10 cm breit 95 Pf. 3 elegante Gummigürtel 95 Pf. 4 Damenkragen 95 Pf. 5 Meter Hemdentuch: • 1 Hausschürze aus pr. waschechten Stoffen 95 Pt. 1 Knaben- Waschbluse. fand am Sonntag aus allen Teilen Berlins und Umgegend nach Moabit statt. Es galt dem Kaufhause Hermann Schlesinger einen Besuch zu machen. Herren- Anzüge und Paletots wurden flott gekauft, Knaben- Anzüge von den Jungens gestürmt und Hosen lagen am Abend nur noch wenige im Regal. Man sieht doch, daß Reellität zum Siege führt. Aus kleinsten Anfängen ist dort, Turmst. 58, ein Geschäft entstanden, das heut zu den ersten Berlins zählt. 95 Pf. Zum Himmelfahrtstage ist der schönste und beste Ausflug nach:::::: Restaurant Waldburg, Conradshöhe. Großer schattiger Garten, doppelte Kegelbahn, Tanzsaal, Ruderboote usw. Für gute Biere und Küche ist gesorgt. R. Kielezkl. 23315 Otto Bochert, Oekonom. Neue Mühle Gasthaus z. Schleuse den geehrten Gewerkschaften, Fabriken, Herrenpartien besonders empfohlen. Um zahlreichen Besuch bittet Wilhelm Thormann. 2327b Zur Himmelfahrt. Restaurant ,, Zum Schwan", Tegelort 99 Großer schattiger Garten, für Vereine, Herrenpartien und Ausflüge besonders zu empfehlen. Neurenovierter Saal, herrliche Wasserterrasse, sowie große Ausspannung. Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt. 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In dieser Zusammenstellung waren auch alle nicht mehr gültigen Vorschriften sowie die jenigen Bestimmungen mir enthalten, die nicht für die Wahl der Wahlmänner, sondern lediglich für die Wahl des Abgeordneten in Betracht kommen. Dadurch ist die für den Wahlvorsteher bestimmte Zusammenstellung fo umfangreich und unüber- sichtlich geworden, daß sie ihren Zweck nicht mehr erfüllt. Dazu kommt, daß gerade sie über häufig wiederkehrende Zweifelsfragen überhaupt keinen Aufschluß gibt. Mit Rücksicht darauf hat der Magistrat von Charlottenburg die für den Wahlvorstand in Betracht kommenden Vorschriften in über sichtlicher Form zusammengestellt und mit Beispielen versehen. Die Anweisung geht den Wahlvorstehern und den SteC Vertretern mehrere Tage vor der Wahl zu. Der Magistrat von Wilmersdorf will die Charlottenburger Anweisung seinen Wahlvorstehern ebenfalls zustellen. Auch für Berlin wäre eine solche Zusammenstellung für die Wahlvorsteher sehr erwünscht. Gewiß versieht auch der Berliner Magistrat den Wahlvorstand mit dem nötigen Material, allein unserer Meinung nach nicht in der Wünschens werten, übersichtlichen Weise, wie das in Charlottenburg der Fall ist. Es ist nur zu hoffen, daß die Wahlvorsteher sich vor dem Wahlakt in die wahlgesetzlichen Bestimmnngen ver tiefen und am Wahltage selbst mit dem Wahlmechanismus genügend vertraut sind. Bisher hat's in Berlin bei vielen Wahlvorstehern mit dieser Kenntnis der Wahltechnik sehr gehapert. Das Zentrum übt Wahlenthaltung. Das Zentral-Wahlkomitee der Zentrumspartei ersucht uns unter Bezugnahme auf die Notiz in der Nr. 119 unter Lairdtagswahlbewegung Steglitz, mitzuteilen, daß es vorgestern in Wilmersdorf nachstehenden Beschluß gefaßt hat: Das Zentral-Wahlkomitee proklamiert für die Laudtagswahl in allen Wahlkreisen Berlins und der Provinz Brandenburg Stimm- enthaltung, nnt Ausnahme des Wahlkreises Teltow- Beeskow-Storkow, woselbst die Zentrumswähler aufgefordert werden, für die Kandidaten der N a t i o n a l s o z i a l e n einzntrete», und in Spandau, woselbst ein Zentrumskandidat in der Person des Herrn Neichstagsabgeordneten Hamecher aufgestellt ist. Teltow. Wilmersdorf. Zwei Wählerversammlungen in einem Saale. Zu stürmischen Szenen kam es gestern abend in einer Landtagswählerversammlung, die von der Freisinnigen Volks Partei und der nationalliberalen Partei nach den„Prachtsälen des Westens", Spichernstroße, einberufen war. Die Mehrheit der Ver- sammlungstcilnehmer bestand aus Sozialliberalen der Grtippe Barth. Schon als die Kompromißkandidaten Liepmann(natl.) und Dr. T u b e n t h a l ihr Programm entwickelten, kam es wiederholt zu stürmischen Protestkundgebungen. Als Dr. Tubenthal dann ab- fällige Bemerkungen über die Qualität des Versammlungspublikums machte, wuchs der Lärm derart, daß der Vorsitzende die Versammlung a u f I ö st e.— Seitens der Sozialliberalen wurde hierauf sofort eine neue Versammlung eröffnet, in der Dr. B r e i t s ch e i d und Witt als Kandidaten proklamiert wurden. Baumschulcinvcg. In einer von über 399 Personen be- suchten Versammlung referierte Genosse Stürmer. Die Ver- sammelten bewiesen durch ihren Beifall, daß sie sich mit der Kritik über das Dreiklassenhaus und seiner„Tätigkeit" einverstanden er- klärten. Die anwesenden Gegner meldeten sich trotz Aufforderung nicht zum Wort. Marienfcldc. Unsere Genossen nahmen am Sonnabend in einer sozialliberalen Versammlung Veranlassung, für die Sozialdemokratie im bevorstehenden Wahlkampf Propaganda zu machen. Nach den Referaten der sozialliberalen Redner Oberlehrer Baumgarten und Kaufmann Zucker warf sich der hiesige Pastor Richter zunächst für die Blockpolitik ms Zeug. Alsdann führte er Klage darüber, daß er vom Genosse» Zubeil schon einmal schwarzer Agent genannt worden sei, obwohl er bisher nur für seine politische Anschauung Propaganda gemacht habe. Genosse Greulich setzte den Versammelten auseinander, daß sie, wenn sie es ernst mit der frei- heitlichen Entwickelung Preußens meinen, am 3. Juni nur ihre Stimmen der Sozialdemokratie geben könnten. Nur bei ihr seien noch Ideale anzutreffen. Genosse Kreuzberg nahm sich den Herrn Pastor aufs Korn. Im Gegensatz zu dein Stifter der christlichen Religion, der bekanntlich nichts hatte, worauf er sein Haupt legen konnte, verlange der Herr Pastor eine Dienstwohnung von neun bis elf Zimmern. Wenn dem Herrn daran liege, durch seine politische Betätigung dem Wohle der Gesamtheit zu dienen, so rate er ihni, sich einmal das in elendem Zustande befindliche Armen- Haus anzusehen und für Beseitigung des Mißstandes Sorge zu tragen. Des Herrn Pastors Werk sei es mit, wenn Genosse Greulich als der einzige, der sich noch um die Armen gekümmert habe, als Gemeindevertretcr nicht wiedergewählt wurde. Genosse Greulich forderte Herrn Richter noch auf, die am Sonntag bereits statt- gefundene sozialdemokratische Wählerversammlung zu besuchen. Gekommen ist er jedoch nicht, er hatte schon a» diesem Abend genug. Unter freiem Himmel fand am Sonntag nachmittag 2>/ij Uhr im Dorfe Alt-Schndow zum erstenmal eine öffentliche Versammlung für Männer und Frauen statt. Nach jahrelanger, schwerer Arbeit und Miihc war es endlich gelungen, allen Anstrengungen der Gegner zum Trotz, die gerade in dieser Gegend des Kreises noch mächtig sind, dem Genossen Fritz Zubeil die Möglichkeit zu geben, vor einem Teil seiner Wähler hier auf dem Lande zu sprechen. Der Besuch der Versammlung war über alles Erwarten gut. Obwohl der Kriegerverein des Dorfes„zufällig" am selben Sonntagnachmittag eine außerordentliche Versammlung abhielt, waren weit über hundert Personen anwesend. Darunter ein bedeutender Teil Frauen. Von allen Dörfern in der Umgegend waren die Teilnehmer zusammen- gekommen. In einer gemeinverständlich gehaltenen Rede machte Genosse Zubeil die Anwesenden init den Forderungen der Sozialdemokratie bekannt und zeigte vor allem, daß die Vorwürfe gegen uns, wie sie von Zeit zu Zeil in den konservativen Kreisblätteru auftauchen, be- sonders kurz vor den Wahlen, nichts weiter wie Lügen und schwere Verleumdungen sind. Als Genosse Zubeil über den preußischen Land- tag redete und im Anschluß daran die Recktlosmachung und Knechtung der Handarbeiter durch die preußischen Junker besprach, da konnte man es den Versammelten von den Gesichtern ablesen, daß ihnen aus dem Herzen gesprochen wurde. Die bei manchen anfänglich zu beobachtende Schau verschwand und wich einem starken Zutrauen und einer freudigen Begeisterung die' sich am Schluß in lautem Bei- fall auslöste.— Zur Diskussion meldete sich niemand. Diese Versammlung war nm- großer agitatorischer Wirkung stir die Partei und hat ihr zweifellos einen großen Teil neuer Freunde erworben.— Nach der Ernte findet eine zweite Versammlung statt und im Anschluß daran wird die Gründung eines Wahlvereins er« folgen. In Schenkendorf bei Königs-Wusterhausen referierte bor gut besuchter Versammlung Genosse Zeglin über:„Die Landtags- wähl". Dem fesselnden Vortrage folgten die Versammelten mit sichtlichem Interesse. In der Diskussion forderte Genosse Klose noch die Anwesenden auf, in, Sinne des Vortrages zu handeln und für die Wahl lebhaft zu agitieren. Ober- und Nieder-Barnim. Mahlsdorf a. d. Ostbahn. Ueber die Landtagswahl referierte Genosse Franz Käming in einer öffentlichen Versammlung im Lokal Heidekrug. An der Hand reichhaltigen Materials beleuchtete der Referent das skandalöse Wahlsystem, das 87 Prozent der preußischen Bevölkerung zur politischen Rechtlosigkeit verurteilt. Es sei eine Tatsache, daß das arbeitende Volk Rußlands aus die dritte Duma mehr Einfluß habe wie das preußische Volk auf den Landtag. Der mit großem Beifall aufgenommene, oft von Entrüstungsrufen unterbrochene Vortrag war eine ver- nichtende Kritik der preußischen Zustände, wo nur der Wille der Junker dominiert. Von einer eingehenden Diskussion mußte wegen der Polizeistunde Abstand genommen werden. Es wurde hierauf mitgeteilt, daß zur Wahl Mahlsdorf in zwei Bezirke geteilt ist und zwar in Nord und Süd. Die Berliner Straße bildet die Grenze, gehört aber noch zum nördlichen Bezirk. Welch hohes Maß sozialpolitischer Einsicht der hiesige Gemeinde- vorstand besitzt, geht daraus hervor, daß die Wahlen in Form von Terminswahl für die 3. Klasse auf mittags 12 Uhr, für die 2. Klasse auf 3 Uhr festgesetzt sind. An der arbeitenden Bevölkerung Mahldorfs liegt es, die Hoffnung des Herrn zuschanden zu machen und trotz der ungünstigen Wahlzeit pünktlich zur Stelle zu sein, da, wer zu spät kommt, seines Wahlrechts verlustig geht.— Es wurde empfohlen, die kurze Zeit bis zum Wahltage auszunutzen, damit auch Mahlsdorf sein Teil dazu beitrage, die unheilvolle Macht des Junkertums im Landtage zu brechen. Wenig Ahnung von den bestehenden Vorschriften zur Landtags- wähl scheint das Gemeindeamt in Fredersdorf zu haben. Kommt da ein Parteigenosse nach dem Amt und wünscht für mehrere die Abteilungsliste einzusehen, dies wurde ihm abgeschlagen mit der Begründung, das Amt hätte die Liste versiegelt zugestellt bekommen und dürfe dieselbe niemand in die Hände geben. Er selbst könne aber für seine Person Einsicht nehmen. Doch haltl Damit der Genosse nicht erfährt, wer außer ihm noch in der Liste steht und was die einzelnen Wähler für Steuersätze zahlen, wird ein Bogen Papier herbeigeschafft. welcher die ganze Liste bedeckt, dann wird ein Stück heraus- geschnitten, so groß, wie das einzelne Feld, wo der Name steht und nun— bitte schön, überzeugen Sie sich, daß Sie in der Liste stehen! Das nennt man dann öffentliche Wahl, zu der vorher die Wähler- listen zu jedermanns Einsicht auslicgen. Reinickendorf. Daß es möglich ist, das reaktionärste, elendeste und widersinnigste Wahlsystem zum preußischen Landtage noch elender zu machen, lehrt uns die hiesige Ortsbehörde. In einer der letzten Gemeindevertretersitzungen stellten unsere Genossen den Antrag, daß die Gemeindebehörde an den Minister des Innern das Ersuchen richten solle, für Reinickendorf die Fristwahl zu bestimmen. Mit Widerloillen er- klärte sich der Bürgermeister damit einverstanden, nachdem die Gemeinde- Vertretung sich einstimmig dafür ausgesprochen hatte. Mit welchem Erfolg, darüber ist man noch im Unklaren, denn bis heute, also acht Tage vor den Urwahlen, hat eS der Reinickendorfer Gemeindevorstand nicht für notwendig gehalten, zu veröffentlichen, ob Fristwahl oder Terminswahl angeordnet worden ist; ebenso wenig ist bisher bekannt gemacht worden, wann und in welche» Lokalen die Wahlen statt- finden. Aber unsere dortigen Genossen wundern sich darüber weiter nicht, denn ihnen sind die Reinickendorfer Krähwinkeleien etwas Alltägliches. Röntgcntal.„Die LandtagSwahlen und die bürgerlichen Parteien" lautete das Thema, über das Genosse Gehrmann im Restaurant Waldhaus(Inhaber Marys in einer Volksversammlung referierte. An der Hand reichen Materials kennzeichnete der Redner das Dreiklassenwahlrecht und die gesamte preußische Politik. Auch geißelte derselbe scharf den Volksverrat der liberalen Parteien. Zum Schluß ermahnte er die Besucher, am Tage der Wahl nur einem sozialdemokratischen Wahlmaune die Stimme zu geben. Unter brausendem Beifall schloß Redner seinen Vortrag. Eine Diskussion fand nicht statt._ Partei- Angelegenheiten. Lankwitz. Heute abend 8Vz Uhr findet in Rettgers Lokal. Callandrellistr. 27, die regelmäßige Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Hoffmann:„Unsere Gegner im Wahlkampf". 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Es wird in Anbetracht der bevorstehenden Landtagswahl den Mitgliedern zur Pflicht gemacht, pünktlich zu erscheinen. Desgleichen werden die Frauen um recht zahlreiches Erscheinen ersucht. Der Vorstand. Lichtenberg. Himmelfahrtstag Agitationstour nach Alt-Landsl berg. Abfahrt früh 7 llhr 26 Min. Bahnhof Lichtenberg-Friedrichs� felde resp. 7 Uhr 29 Min. Stralau-Rummelsburg über Kaulsdorf nach Neuenhagen. Nachzügler und Genossinnen fahren 3 Uhr 26 Min. Lichtenberg-Friedrichsfelde'bis Hoppegarten, Anschluß Kleinbahn bis Alt-Landsberg.— Treffpunkt; Verkehrslokal A. Kalms, Berliner Straße 7. 11 Uhr Aufbruch nach dem Restaurant„Hungriger Wolf", von dort nach Bruchmühle. Um zahlreiche Beteiligung, insbesondere der Sänger, ersucht Der Vorstand, Am heutigen Mittwoch abend 8 Uhr finden in Eichwalde in Wittes Waldschlößchen, Teltow bei Preuß, Berliner Straße, öffentliche Volks- und Wählervcrsammlungen statt. Referenten: die Genossen D e n tz e r und Schütte. Zahlreiches Erscheinen er- warten Die Einberufer. Wildau-Hoherlehme. Die Partei- und Gewerkschaftsgenossen werden auf die heute abend 7 Ubr im Lokale des Herrn Heiser stattfindende öffentliche Wählerversammlung aufmerksam gemacht. Tagesordnung: Die bevorstehenden Landtagswahlen und das arbeitende Volk. Referent: Reichstagsabgeordnetcr Fritz Zubeil. Zahlreiches Erscheinen erwartet Das Wahlkomitce. Paukow. Morgen(Himmelfahrtstag) unternimmt der Wahlverein eine Herrenpartie über Schönerlinde, Schönwalde nach Zepernick. Fahrgeld 39 Pf. Treffpunkt 3li8 Uhr vormittags Breitestraße, Ecke Berliner Straße, an der Haltestelle der Siemensbahn. Nackziigler fahren 8� Uhr ab Kirche bis Französisch- Buchholz und gehen zum Gasthos Sperlinzky in Schönerlinde. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Rei»ickendorf-Ost. Am Freitag, den 29. Mai, abends 8 Uhr, indet bei R a m l o iv(„Kastanienwäldchen"), S ch ö n h o l z 14, eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung:„Nieder mit der Dreiklassenschmach! Auf zur Landtagswahl I" Referent: Genosse A. Stadthagen.— Hierzu findet am D o n'n e r s t a g(Himmel- fahrt) früh 8 Uhr von den bekannten Stellen aus eine Hand- zettelverbreitung aus statt. Zahlreiche Beteiligung an beiden Ver- anstaltungen erwartet Der Vorstand. HcrmSdorf i. M. Am Himmelfahrtstage vormittags 8 Uhr indet vom„Forsthause" aus eine Zettclverteilung statt. Die Ge- nossen werden ersucht, sich hieran vollzählig zu beteiligen. Der Vorstand. Berliner JVacbricbten. Landtagswähler. Wähler A.: O, bitte tausendmal um Verzeihunz- Ich habe Sie wohl auf den Fuß getreten... Wähler B.: Bitte, bitte. A.: Pfarrer Kahlbauch— ist mein Name. B.: Petersen. A.: Es ist ein solches Gedränge... B.: Kein Wunder, bei der dritten Abteilung 1 A.: Ob man lange wird warten müssen? B.: Ich weiß nicht. Ich habe schon gewählt. A.: Aber die Wahlhandlung hat doch eben erst begonnen? B.: Ich gehöre zur ersten Abteilung! A.: Aha, so. Das ist allerdings etwas anderes. Etwas ganz anderes, ja. Ich habe Sie hoffentlich nicht verletzt vorhin, als ich so ungeschickt auf Ihren Fuß trat? B.: Bitte, bitte. Ist ja auch meine Schuld. Eigentlich habe ich hier ja nichts mehr zu tun. A.: Vermutlich sind Sie interessiert, welchen Fortgang die Wahl nehmen wird? B.: Nee. ich will mir nur den Rummel'n bißchen an- sehen. Es macht mir immer Spaß, wenn ich so sehe, wer alles in der dritten Klasse wählen muß. A.: Ja, nicht wahr, es ist ein Mangel, daß man den Ge- bildeten nicht größere Rechte eingeräumt hat? Es ist ja leider nicht immer der Fall, daß sich Bildung mit Besitz vereint, tvie bei Ihnen. B.: Na, wissen Sie, offen gesagt: meine Bildung ist auch nicht viel wert. Ich Hab' nicht mal'ne höhere Schule besucht. A.: Nun, so haben Sie offenbar später nachgeholt, die Lücken nach Kräften ausgefüllt... B.: Dann wär' ich jetzt nicht Wähler in der ersten Ab- teilung. Nee, hör'n Sie, mit Bildung kann man nicht reich werden. A.: Gewiß, was man so Bildung nennt i Da bin ich durchaus Ihrer Ansicht. Die einseitige Ausbildung der Verstandeskräfte ist nicht das Rechte. Sie sind gewiß auch der Meinung, daß es viel mehr auf die Herzensbildung, auf die Charakterbildung ankommt... B.: Hm. A.: Freilich, wenn man die messen oder wägen könnte? B.: Wie wollen Sie denn das machen? A.: Heute, wo die Religiosität so im Abnehmen begriffen ist.... Angesichts der Massenflucht aus der Landes- kirche.... B.: Ich habe drei Kirchenfenster gestiftet. A.: O, das ist ja sehr, sehr... wie soll ich sagen? Diese segensreichen Bestrebungen tragen ihren Lohn in sich selbst. B.: Hat mich auch'nen netten Batzen Geld gekostet. A.: Seh'n Sie, solche Bestrebungen z. B., die müßten durch ein bevorzugtes Wahlrecht belohnt werden. Die Reli- giosität, die Kirchlichkeit würde dadurch sehr gehoben werden. Dagegen müßte man allen denen, die aus der Landeskirche austreten, das Wahlrecht beschneiden oder ganz nehmen. B.: War' nicht übel. A.: Denn ich meine, der Besitz als materielle Macht, und die Kirche als geistige Macht... die müßten doch, mit- einander verbündet, wohl ankommen können gegen alle schlechten Elemente. B.: Sehr viel Ehre, Herr Pfarrer, sehr viel Ehre. A.: O, bitte, ganz meinerseits. Wenn die Kirche die rechte Unterstützung fände von den Besitzenden... B.: Drei Kirchenfenster habe ich... A.: Ja, ich weiß wohl. Wenn nur alle, die die Mittel haben, uns so trefflich unterstützen wollten! Ihre Hilfe ist uns so schätzbar wie unentbehrlich. B.: Sehr schmeichelhaft für mich. Aber ich muß mich nun empfehlen. Habe die Ehre, Herr Pfarrer. A.: Es war mir eine große Ehre. Auf Wiedersehen, Herr... wie darf ich Sie doch nennen? B.: Petersen. Bitte nur ganz einfach Petersen. Adieu. A.: Adieu, Herr Petersen.— Wähler C.: Guteil Tag, Herr Pfarrer. Wähler A.: Guten Tag, Herr Doktor. Wähler C.: Aber was hatten Sie denn mit dem Manne zu reden, Herr Pfarrer? Wähler A.: Wieso? Wie meinen Sie das, Herr Doktor? Ein angesehener Mann offenbar; sehr reich; hat in der ersten Abteilung gewählt. Wähler C.: Kennen Sie den Mann? Wähler A.: Nein. Das heißt... Wer ist es denn? Wähler C.: Das ist der B o r d e l l b e s i tz e r Petersen._ Zum Achtuhr-Ladenschlntz veröffentlicht der Polizeipräsident folgende Bekannt- m a ch u n g:, Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 13. Ja- nuar 1993(Ilb.v. 1388. 97) bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß der dort erwähnte Antrag auf„Einführung des Achtuhr-Ladenschlusses an den Werktagen mit Ausschluß des Sonn- abends für sämtliche offenen Verkaufsstellen in Berlin, Charlotten- bürg, Schöneberg, Wilmersdorf und Rixdorf" ausweislich der nach Maßgabe der Bundcsratsvorschriften vom 23. Januar 1992 tR.G.Bl. S. 38) inzwischen endgültig festgestellten Liste der be- teiligten Geschäftsinhaber von mehr als einem Drittel der letzteren gestellt ist. Ich fordere daher auf Grund des K 139k Abs. 2 der Gewerbeordnung hierdurch alle in der Liste eingetragenen beteiligten Ge- schäftsinhaber einschließlich der Antragsteller auf,„ihre Aeußerung für" oder gegen den oben erwähnten Antrag entweder s ch r i f t- lick oder zu Protokoll in der Zeit vom 17. bis ein- schließlich 3 9. Juni 1998 in den für ihr Geschäft zu- ständigen Polizei-Revierbureaus während der Dien st- stunden einzusenden oder abzugeben. Für die Entgegennahme dieser schriftlichen bezw. Protokoll-.'- rischcn Aeutzerungen, ferner für die Prüfung, ob diejenigen, welch: eine Aeußerung abgeben, zu den(in der Liste eingetragenen) be- teiligten Geschäftsinhabern gehören, endlich zur Eintragung der Aeußerungen in die Liste ist für jeden Rcvierbezirk der betreffende Reviervorsteher(bei Behinderung desselben sein Stellvertreter). für den übrigen Teil des Verfahrens der Königliche Regierungsrat Dr. Schmölders Hierselbst zum Kommissar ernannt worden. Ich bemerke hierbei ausdrücklich, daß gemäß§ 5 Absatz 1 der oben erwähnten Bundesratsvorschriftcn bei der dcmnächstigcn Fest- stellung der Zweidrittelmehrheit, welche für die Einführung des Achtuhr-Ladenschlusses nach obigem Antrag erforderlich ist, nur einmal. " Zur Warnung für Arbeitslose. " " als diejenigen in der Rifte eingefragenen Geschäftsinhaber gezählt p wird sie zwingen wollen, Wohnungen an ihr nicht fonvenierende werden, welche eine bestimmte Aeußerung für oder gegen den AnDie Arbeitslosigkeit nährt doch immer noch ihren Mann, den Mieter zu vermieten; aber nachdem sie vermietet hatte, durfte trag innerhalb der oben festgefesten frist abgegeben nämlich, der Arbeitslosen Arbeit und Brot zu besie dem Einzug der alten Frau feine Hindernisse in haben. Später eingehende Aeußerungen, ferner Aeußerungen, die schaffen verspricht und dabei sich selber einen den Weg legen. Und das ist geschehen, die Greisin unbestimmt oder ausweichend lauten, oder von nicht in der Liste nicht zu knappen Verdienst zu sichern weiß. Die am 20. Mai abends in ihre Wohnung wollte. Der Eintvand, daß eingetragenen Geschäftsinhabern, oder von einer anderen Person Methoden, nach denen solche Leute ihr Geschäft betreiben, sind man um diese Zeit nicht auf den Einzug eingerichtet gewesen sei, ist als dem Geschäftsinhaber selbst, eingesandt oder abgegeben werden, sehr verschieden. Zu Nutz und Frommen der Arbeitsuchenden durchaus hinfällig. Was gibt es denn da groß einzurichten? Hätte bleiben unberücksichtigt. Kein Geschäftsinhaber, auch wenn er zahl- wollen wir hier die Methode eines Mannes schildern, der sich man die alte Frau in ihre gemietete Wohnung eingelassen, war die reiche Filialen befibt, hat mehr als eine Stimme; das Stimmrecht Gustav Nessau nennt und als den Sit seines Unternehmens Sache gut. Unser Gewährsmann hält aufrecht, daß tatsächlich ist in dem für das Hauptgeschäft zuständigen Polizeirevier auszu- Magdeburg angibt. Fr. H. den Ausdruck Dreckliese" gebraucht hat. Im übrigen wollent üben; follte es vorkommen, daß dies in der Liste nicht eingetragen Ein Arbeitsloser las in der Berliner Morgenpost" und im wir auf Wunsch feststellen, daß es irrtümlich war, wenn wir ist, wohl aber eine Filiale, so fann das Stimmrecht in dem für die Auch stellen wir gern fest, Deutschen Blatt" Annoncen, durch die ein Deutscher Fr. H. eine reiche Frau nannten. Filiale zuständigen Revier ausgeübt werden, jedoch jedenfalls nur Stellen Nachweis" Arbeiter vieler Branchen suchte. Er daß Fr. H. nach dem Vorfall die alte Frau mit Essen und Geld Jedem Geschäftsinhaber wird noch durch besondere Postkarte durch den Deutschen Stellen- Nachweis" fönne er Stellung er schrieb hin und kriegte prompt aus Charlottenburg die Antwort, unterſtüßte. Die beste Zeit für Einbrecher und Spizbuben ist der Sonnabend nähere Mitteilung zugehen, aus der sich das für ihn in Betracht halten, wahrscheinlich werde schon der erste Nachweis ihn be- und Sonntag. Die meisten Einbrüche in Geschäftshäuser werden in kommende Polizeirevierbureau nach Straße und Hausnummer sowie die Nummer, unter welcher sein Geschäft in der amtlichen Empfänger ersah, daß der Deutsche Stellen- Nachweis" weiter Einbrüchen in Privatwohnungen vielfach der Sonntag ausgewählt sowie die Nummer, unter welcher sein Geschäft in der amtlichen friedigen. Beigefügt war ein gedruckter Prospekt, aus dem der der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag ausgeführt, während zu Liste eingetragen ist, ersehen lassen. Diese Postkarte ist der schrift nichts als eine Balanzenliste ist. Der Verlag" nennt in wird. Da wird vorher erst genau das Feld fondiert, ob die Belichen Abstimmungserklärung beizufügen bezw. bei protokollarischer dem Prospekt diese Liste ein„ Spezialorgan für industrielles, land- wohner ihre Wohnungen verlassen haben, und ist die Luft rein, Abstimmung mitzubringen, um die Auffindung des Abstimmenden wirtschaftliches, technisches und taufmännisches usw. Personal" und geht's an die Arbeit. So mancher, der den Sonntag benut, um in der Liste zu erleichtern. Außerdem wird es für alle diejenigen Geschäftsinhaber, die versichert, sie bestehe aus Stellenangeboten aller Branchen". die einmal auszugehen, muß nach der Müdkehr die Wahrnehmung bei den Arbeit machen, daß in seiner „ durch schriftliche Anfragen da Abwesenheit„ Besuch" als solche auf dem Revierbureau nicht genügend bekannt sind, gebern ermittelt" worden seien. Jeder Stellensuchende und mitgenommen hat, was mitnehmenswert erachtet wurde. Die sowie allgemein bei schriftlicher Aeußerung über den Antrag der fann," so führt der Prospekt aus, sich selbst seine Stellung aus Herren Spizbuben find da gar nicht wählerisch. Auch da, wo Beifügung bezw. Borlegung einer egitimation bedürfen ( 3. B. Beglaubigung der Unterschrift des Geschäftsinhabers burch wählen, wie ihm beliebt, und findet bedeutend schneller und voraussichtlich nicht viel zu holen ist, scheuen fie oft die Arbeit nicht. den zuständigen Bezirksvorsteher; Beifügung des Steuer- Veran günstiger Stellung durch den Deutschen Stellen- Rachweis als wie Am Sonntag ging ein Tegeler Straße 24 wohnender Arbeiter mit durch die sogenannte Stellenvermittelung." Wer eine solche Liste seiner Familie aus. Als er zurüdfam, mußte er wahrnehmen, daß lagungsschreibens oder Steuerzettels usw.). Für die Rücksendung haben will, muß 5 Mart zahlen; unter Nachnahme dieses die Spizbuben selbst in seine Hof 4 Treppen belegene Wohnung einbrieflich eingesandter Legitimationspapiere ist zugleich ein Frei- Betrages wird dem Stellensuchenden das„ Spezialorgan" zu- gebrochen und alle Türen erbrochen hatten, die Behältnisse durchsucht und Hoffentlich ergibt die diesmalige Abstimmung die für Ein- gesandt. Der Verlag" verspricht ihm, daß er schon in der ersten alles durcheinander gewählt hatten. Mitgenommen hatte die Bande eine führung des Achtuhr- Ladenschlusses erforderliche Mehrheit. Lange Lifte die gewünschte Stellung finden werde. Anderenfalls werde goldene Damenuhr, die der Mieter Juß zur Aufbewahrung angenommen genug hat Berlin hinter vielen anderen deutschen Städten einher- lange zugeschickt erhalten er für die einmal gezahlten 5 Mark auch die folgenden Listen so hatte und wofür er haften muß. Verschwunden ist auch ein Trauring lange zugeschidt erhalten wenn nötig, drei Monate hindurch A. P. 13. 9. 00 gezeichnet, 13 M. Bargeld und Wäsche gleichfalls bis er Stellung gefunden habe. A. P. gezeichnet. Solche für Spigbuben an sich fleine Beute bedeuten Das Schiedsgericht in Sachen der Stadt Berlin und der für den von dem Einbruch Betroffenen immer einen großen Verlust. Großen Berliner hat sich vertagt, um in etwa 14 Tagen seinen Die findige Polizei. Spruch zu fällen. gehinft. es war Das mag manchem sehr verlodend erscheinen, doch unser Arbeitsloser hielt die ganze Sache für Schwindel. Er verzichtete darauf, den Verlag" um Uebersendung des Deutschen Stellen Nachweises" zu ersuchen, aber der Verlag" ließ sich nicht erst lange Wenn Privatleute sich an die Polizei wenden um Hilfe zur Die Abteilung für Erholungsstätten vom Roten Kreuz hielt nötigen. Schon am nächsten Tage kriegte der Arbeitslose ohne Wiedererlangung von gestohlenen Gegenständen, müssen dieselben oft im Kultusministerium ihre Frühjahrsversammlung ab. Für den weiteres die Liste zugefchidi. Anfangs wollte er die die Erfahrung machen, daß die Polizei durchaus nicht so findig ist, Sommer stehen erhebliche Aenderungen in Aussicht. In Eichkamp Sendung zurückweisen, denn sie fostete 5,30 Mart( einschließlich wie man das wünschen könnte. Ein Wäschereibefizer hat das dieser ist eine neue Erholungsstätte für Kinder im Bau begriffen, die Nachnahmegebühr). Aber der Wunsch und die Hoffnung, eine Tage erfahren müssen. Ihm wurde am 10. Mai in der Andreasim Laufe des Sommers bezogen werden kann. Bei Johannisthal Stellung zu erhalten, gab den Ausschlag und er zahlte. Für straße ein Geschäftsdreirad mit Wäsche die ihm nicht gehörte wird eine neue Erholungsstätte, die auch für den Winterbetrieb ge- fcine 5,30 Mart war er nun glücklicher Befizer eines Exemplars gestohlen. Noch an demselben Tage meldete er den Diebstahl auf eignet ist, gebaut. Alle Erholungsstätten sind jest wieder in Be- von Deutschen Stellen- Nachweis, Zeitschrift für offene Stellen". bem 23. Polizeirevier. Die Meldung wurde sofort aufgenommen trieb. Die Anmeldung von Kassenpatienten geschieht durch die Erwartungsvoll entfaltete er das Blatt: es war ein mit der und zwar der Vorsicht wegen einmal als Kollidiebstahl und zweitens Strantentassen auf Veranlassung der Kassenärzte, alle übrigen An- Schreibmaschine lieberlich beschriebener Bogen als Raddiebstahl. In der Annahme, daß dem Spizbuben das Dreimeldungen, auch von Kindern, im Bureau Friedrichstr. 207, vor- Papier," hergestellt vom Verlage des Verfassers, Gustav Nessau, rad nicht viel nügen fönne und er dasselbe nach Entwendung der mittags von 10-1 Uhr. Magdeburg". Aufgezählt wurden da eine Reihe Stellungen aus Wäsche bald irgendwo stehen lassen werde, sandte das Revier auch Eine Armenteiche. Auf dem Friedhof der Stadt- den verschiedensten Branchen, Stellungen für Kaufleute, Hand- gleich Runddepeschen aus, aber ohne jeden Erfolg. Gestern, am gemeinde Berlin, der draußen bei Friedrichsfelde werker, Kutscher, Lehrlinge, Verkäuferinnen, Köchinnen, Zimmer- 26. Mai, teilten Privatleute dem Wäschereibesitzer mit, daß liegt, haben sie wieder mal eine Armenteiche eingefcharrt, ohne daß mädchen, Kellner, Diener usw. usw. Die Arbeitgeber, die diese auf dem Hofe der Konkordia" in der Andreasstraße ein Geschäftsden nächsten Angehörigen des Verstorbenen die Möglichkeit gegeben Stellen besetzen wollten, wohnten über ganz Deutschland zerstreut. Dreirad stehe, das ihm anscheinend gehöre. Und richtig, bei In worden war, an dem Begräbnis teilzunehmen. Dabei waren die Ortsangaben zum Teil so unvollständig oder augenscheinnahme stellte es sich herans, daß das so Ein Pantoffelmacher A., der seinem Lungenleiden im Birchow von so zweifelhafter Schreibung, daß es dem Stellensuchenden mit lange vermißte Rad des W. ist. Dabei ergibt sich, daß Krantenhaus erlegen ivar, mußte auf Kosten der Stadt beerdigt unter recht schwer werden dürfte, erst mal heraus.dieser Radfund dem zuständigen 24. Polizeirebier bereits am werden. Die Hinterbliebenen hatten es fich zwar nicht nehmen zufriegen, wohin er sich zu wenden hat. Hier 16. Mai gemeldet worden ist unter Angabe der Nummernbezeichnung, laffen, einige beffere Kleidungsstüde zu liefern, die dem Verstorbenen ist in buchstabengetreuer Wiedergabe eine Aufzählung der die bereits am 10. Mai dem 23. Revier gemacht worden war. mit in den Sarg gegeben wurden, sie waren aber zu arm, auch noch Orte, aus denen Herr Gustav Nessau Stellenangebote durch W. konnte schließlich sein Rad in Empfang nehmen, mußte aber die Beerdigungskosten selber aufzubringen. Aus dem Krankenhaus schriftliche Anfragen bei den Arbeitgebern ermittelt" hat: Gleiwik, wahrnehmen, daß dasselbe durch das lange unbeaufsichtigte Umher wurde nun die Leiche zunächst, wie das bei Armenbegräbnissen Salzwedel, Schönsee Wpr., Langensalza, Bandekom b. Lübtheen, stehen und Umherstoßen auf dem verkehrsreichen Hofe sehr gelitten üblich ist, an die Leichensammelstelle in der Die stel Lübz i. Medlbg., Kizbühel, Lonik b. Woltudorf, Wilhelsbrück i. P., hatte. In diesem Falle hätte die Polizei, wenn sie einigermaßen meyerstraße überwiesen, von wo aus sie nach dem Ge- Filehne, Tübingen, München, Quassel b. Lübtheen, Karstadt, Czersk, auf dem Boften war, eine sehr nützliche Tätigkeit entfalten können. meindefriedhof hinausgeschafft wurde. Des Verstorbenen Frau Soldau, Bromberg, Lohne a. Rh., Crone a. Raue, Spet bei Straße Schneidigkeit gab's allerdings nicht zu entwideln, wie etwa gegen sowie feine Mutter begaben sich zu dem Verwalter der Leichen- burg, Berstelnicken b. Wazum( Samland), Schleißheim, Stettin, Straßendemonstranten. fammelstelle, um mit ihm zu besprechen, wann die Beerdigung statt- Halle/ Salle, Stuhm, Goldsberg/ Rhein, Alt- Steinhorst( dahinter finden werde. Die Verwaltung wird im Nebenamt mitbesorgt von der Zusatz Grelendo), Wilmersdorf Udermark, Billa/ Dubelno, einem Herrn Bellmann, der im Hauptamt Inspektor des benach Hamburg, Gemlik Westpr. Kraschen Str. Guhrau, Balow Medlingb., barten Friedhofs der Parochialgemeinde ist. Dieser Herr Bellmann Elbing Westpr., Teremessen, Strasburg Westpr., Danzig. redete auf die beiden Frauen ein, sie könnten auch einen Pastor Inser Gewährsmann meint, daß diese Vakanzenliste für ihn mitnehmen, der werde in solchen Fällen gleichfalls umsonst geliefert. gänzlich wertlos fei. Er ist überzeugt, daß er sich nur noch Nachdem sie diese Zugabe akzeptiert hatten, versprach der Herr Verwalter weitere unnüße Geldausgaben machen würde, wenn er werde ihnen noch schriftliche Mitteilung über den Zeitpunkt er um eine diefer Stellen sich bewerben wollte. Und er bittet der Beerdigung zukommen laffen. Offenbar mußte er erst mit dem uns, seine Erfahrungen zu veröffentlichen, damit andere ArbeitsHerrn Pastor verabreden, wann der seine Gratispredigt halten wollte. lose vor gleichen Enttäuschungen bewahrt bleiben. Die Frauen gingen nach Hause und warteten auf Bescheid. Sie warteten einen Tag, sie warteten zwei Tage, aber feine Stellungs- und Kautionsschwindler. Zahllose Opfer sind einem Nachricht kam. Die übliche Frift, die zwischen Sterbetag und Be- gefährlichen Betrüger, dessen Treiben durch die Rigdorfer Ferner hatte die Feuerwehr in der Gräfestr. 72 zu tun, wo in erdigung eingehalten wird, tvar bereits verstrichen, darum Kriminalpolizei jegt ein Ende bereitet worden ist, in die Sände einem Keller Preßfohlen brannten. Um eine nochmalige Gefahr zu entschlossen sie sich, noch einmal bei der Leichensammelstelle gefallen. Der Stellenvermittler" Rudolf Pietsch, der in der verhüten, mußten die Kohlen umgepackt werden. Durch Ueberkochen anzufragen. Der Verwalter schlug verwundert sein Buch auf, machte Erlanger Straße 14 ein Stellenvermittelungsbureau" hatte, ist von Teer tam in der Raupachstr. 16 und durch Ueberkochen von dann ein verlegenes Gesicht, tramte in allerlei Papieren und förderte gestern ivegen einer außerordentlich großen Anzahl von Betrüge- Bohnermasse in den Zelten 18 Feuer aus. Immobilien brannten fchließlich eine beiseite geworfene Bostkarte zutage, deren Absendung reien in Untersuchungshaft genommen worden. P. fündigte Stellen Landsberger Allee 128, Papier, Görlizer Straße 65, Teppische in er vergessen hatte. Er telephonierte nun hinaus nach Friedrichsfelde, aller Art an und tamen Reflektanten, so mußten fie 5-10 M. der Büdlerstr. 26, ein Schornstein u. a. in der Müllerstr. 168. verhandelte mit dem Inspektor des Gemeindefriedhofes und sagte Gebühren zahlen. Anstatt ihnen nun die versprochenen Stellungen Außerdem hatte die Feuerwehr noch an mehreren anderen Stellen dann den Frauen, die Beerdigung werde am anderen Tage vormittags zu verschaffen, schickte der Betrüger seine Opfer nach Berliner zu tun, wodurch die Zahl der Alarme in diesem Monat sich auf um 10 Uhr stattfinden. Sie gingen beruhigt nach Hause, festen Stautionsschwindlern. Diese brachten die jungen Leute dann um 370 erhöht. einige Berivandten in Kenntnis und besorgten Kränze. Da erschien ganz erhebliche Summen. Die Betrogenen mußten hohe Kautionen plöglich in ihrer dürftigen Kellerwohnung der Herr Verwalter der herbeischaffen, von denen sie niemals etwas wiederfahen. Natürlich Sammelstelle, Herr Bellmann in eigener Person! Was wollte er? erhielten sie auch feine Stellungen. Einer dieser KautionsEr brachte die Nachricht, die Leiche sei bereits bestattet schwindler, ein gewisser Räbel, ist der Polizei gleichfalls in die worden, in Friedrichsfelde habe man sie schon am Vormittage Hände gefallen. Nach den anderen wird noch geforscht. dieses Tages der Erde übergeben. Bon einem Schlächterwagen überfahren und getötet wurde gestern Daß der Verstorbene so in aller Stille eingefcharrt worden morgen gegen 4 Uhr an der Ede der Zorndorfer und Tilsiter Straße war, das berührte die Hinterbliebenen überaus schmerzlich. Der ein unbekannter, etwa 45jähriger Mann. Derselbe wollte den FahrBerwalter hatte für sie nur einige Verlegenheitsphrafen. Frau damm an der genannten Streuzung überschreiten, als ein Schlächter und Mutter begaben sich noch an demselben Nachmittag hinaus nach fuhrwerk in ziemlich scharfer Fahrt um die Ede bog. Der Mann Friedrichsfelde und erhielten nunmehr von dem Inspektor des Ge- vermochte dem Gespann nicht mehr auszuweichen, wurde niedermeindefriedhofes die erbetene Aufklärung. Der Verwalter der geriffen und kam so unglücklich zu liegen, daß ihm die Räder des Sammelstelle hatte es unterlassen, hinauszumelden, daß Leichengefolge Wagens über den Unterleib hinweggingen. In besinnungslosem Zutommen wolle. Daher war mit der Beerdigung nicht länger gewartet stande wurde der Verunglückte nach der Unfallstation in der Warworden, zumal da die vorgeschriebene Frist bereits überschritten war. schauer Straße gebracht und von dort aus nach dem Krankenhause Die Leiche war schon der Erde übergeben gewesen, als der Verwalter überführt, wo er bald nach seiner Einlieferung an den Folgen innerer telephonisch anfragte. Sichere Auskunft hierüber konnte ihm erst schwerer Verlegungen verstarb. hinterher gegeben werden. Der Herr Verwalter war dann klug Um sein Leben gekommen ist der beim 11. Artillerieregiment in genug, bie Angehörigen lieber noch an demselben Tage nach Thorn stehende Soldat Ernst Habermann. H. verunglückte am träglich in Kenntnis zu setzen und es nicht darauf ankomnien zu 8. Mai durch ein explodierendes Geschoß derartig, daß laffen, daß sie erst am anderen Tage auf dem Friedhof erfuhren, er seinen Geist aufgeben mußte; am 10. Mai wurde Habermann was geschehen war. Rachläffigkeiten, wie die, die hier dem Verwalter Bellmann zur beerdigt. Bis zu feinem Weggange zum Militär im September 1906 Rachlässigkeiten, wie die, die hier dem Verwalter Bellmann zur war Habermann im zweiten Berliner Reichstagswahlkreis organisiert Zaft fällt, können durch nichts entfchuldigt werden. Die Airche wird es ihm ja danken, daß er die Hinterbliebenen von und hat sich auch ordnungsgemäß abgemeldet. Armen fo eifrig zur Hinzuziehung eines Pastors zu animieren sucht. Ein Elendsbild. Zu der unter vorstehender Ueberschrift dieser Aber das städtische Bestattungsfuratorium, das durch diesen An gestellten einer Stirchengemeinde die Leichensammelstelle mit verwalten läßt, darf fordern, daß er zu allererst an die Pflichten denkt, für die er von der Stadtgemeinde bezahlt wird. Das soute dem Herrn einmal zu Gemüte geführt werden. Die Werderstraße von der Ober- Wallstraße bis zur Kurstraße wird behufs Entfernung einer Abflußleitung vom 27. b. M. ab bis auf weiteres in vollem Umfange für Fuhrwerte und Reiter gesperrt. Der nörbliche Fahrdamm des genannten Straßenteiles ist Straßens bahnarbeiten halber bereits gesperrt. Ein großer Dachstuhlbrand kam gestern vormittag nach 6 Uhr in der Höchftestr., 21, bermutlich durch Brandstiftung, in einem Seitenflügel zum Ausbruch. Als die Gefahr bemerkt wurde, stand der Dachstuhl schon an mehreren Stellen in Flammen, die Treppen waren bereits verqualmt und ein ausgedehnter Brandherd er= schwerte die Feststellung. Schöneberg. " Vorort- Nachrichten. Die Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich in ihrer letzten Sizung zunächst in nichtöffentlicher Sizung mit einem Vertrage, der zwischen dem Elektrizitätswer! Südwest" und der Stadtgemeinde Schöneberg abgeschlossen werden soll. Bekanntlich hat die Stadtverordnetenversammlung sich bereits des öfteren mit dieser Angelegenheit beschäftigt. Der vor einiger Beit unterbreitete Bertrag, wonach die Stadtgemeinde Schöneberg die Hälfte der Aftien des Elektrizitätswerks Südwest" erwerben follte, ist damals abgelehnt worden. Der jeßige Vertrag ist nach sweistündiger Beratung einem Ausschuß überwiesen. Am kommen. den Freitag soll in einer außerordentlichen Eizung endgültig ent schieden werden. In öffentlicher Sizung wurde sodann einem Vertrage mit der Stadtgemeinde Berlin wegen Verlegung des Berliner Drudrohrs auf Schöneberger Gebiet zugestimmt. Der Antrag, im Hause Eisenacher Straße 63 weitere Bureauräume zur Unterbringung der Kanalverwaltung zu mieten, wurde ohne Debatte angenommen. Spandau. In der letzten gutbesuchten Generalversammlung des Wahlvereins Tage veröffentlichten Notiz; nach der einer 78 Jahre alten Frau der erstattete Genosse Richter Bericht von der Kreistonferenz. Redner Eintritt in ihre Stottbufer Straße 9 gemietete Wohnung verweigert sprach sein Bedauern darüber aus, daß der Antrag des Kreiss wurde, wodurch die Greifin für die Nacht ohne Unterkommen war vorstandes auf Einführung von Wochenbeiträgen( pro Woche 10 Pf.), und auf der Treppe des Hauses nächtigen mußte, geht uns von An- welchen Antrag auch der Wahlverein Spandau angenommen hatte, gehörigen der Hauseigentümerin Witwe Heder ein Schreiben zu, in auf der Streisfonferenz mit 16 gegen 15 Stimmen abgelehnt wurde. Beim Beginn des stärkeren Reiseverkehrs sieht sich Minister dem der Vorgang in anderem Lichte dargestellt wird. Es wird Infolgedessen sei auch die Anstellung eines Parteibeamten für den Breitenbach veranlaßt, die sorgfältigste Beachtung der für den bestritten, daß die Frau aus dem Strantenhause gekommen Streis vorläufig ins Wasser gefallen. Debattelos ftimmte die Ber guten Unterhaltungszustand der Personenwagen, ihre Reinigung, fei und daß die Sachen auf den Hofe gestanden hätten. fammlung den Ausführungen des Redners zu. Hierauf wurden die Kühlhaltung, Versorgung mit frischem Wasser usw. geltenden Be- mit Ausnahme eines alten Sofas feien diefelben im Keller unter Wahlmänner zu den Landtagswahlen für alle 47 Stadtbezirke Ebenso wurden für den Landbezirk, zu welchem stimmungen den Eisenbahndirektionen in Erinnerung zu bringen. gebracht worden. Auch sei der Alten das Einziehen nicht verwehrt proflamiert. Ferner sollen die Schaffner und Wagenwäscher darauf achten, daß worden; nur habe man ihr am 7. Mai verweigert, alle Sachen mit Bichelsdorf, Pichelswerder, Spandau Land, Spandau Zitadelle die Türen dicht schließen und nicht klemmen, daß die Türanschlüsse in die Wohnung zu nehmen, und zwar in ihrem eigenen Interesse fowie Sternfeld gehören, ein Wahlmann für die dritte und Genoffe Fint ficher und gut gangbar sind, die Fensterscheiben in ihren Rahmen und im Interesse nebean wohnender Mieter. Darauf sei die Frau zwei für die zweite Abteilung aufgeftelt. nicht flappern, daß die beweglichen Fenster sich leicht öffnen und fortgegangen und am 20. b. W., abends 93% 11hr, wiedergekommen, erstattete hierauf Bericht von der Maifeier und gab die Abrechnung. Von ver schließen lassen und die Fenstervorhänge in Ordnung sind. Endlich um einzuziehen. Darauf sei man nicht eingerichtet gewefen. Endlich Dieselbe ergab einen Ueberschuß von rund 400 m. müßten auch die Flammen in den Beleuchtungsförpern ständig wird in der Zuschrift bestritten, daß Frau Hecker den Ausdruck, Dred- schiedenen Rednern wurde der Wunsch geäußert, daß man bei der überwacht und die Waschräume usw. sauber gehalten werden. liese" gebraucht habe. Dieser Ausdruck sei von anderer Seite ge- nächstjährigen Maifeier nicht so sehr den geschäftlichen Standpunti Etwaige Mängel, die von den Reisenden bemerkt und den Zug- fallen. herborlehren folle. Unter Verschiedenes gab der Vorfizende noch beamten angezeigt werden sollen, soweit es nur irgend angeht, Zu dieser Zuschrift möchten wir bemerken, daß Frau Heder sich bekannt, daß am 31. d. M. eine Flugblattverbreitung stattfindet. schon auf der Fahrt und nicht erst auf der Ankunftstation beseitigt anderweitig erfragt hat, ob sie denn verpflichtet sei, die alte Frau Nach einem träftigen Schlußwort, in welchem der Vorfigende auf einziehen zu lassen, obwohl sie auf die Wohnung Angeld gezahlt, die Bestimmungen im neuen Reichsvereinsgefeß hinwics, wonach Anläglich des bevorstehenden Pfingstfestes hat die Bahnver- also die Wohnung gemietet hatte. Daraus erhellt ohnehin die Absicht nunmehr auch den Frauen das Recht geworden sei, fich politisch zu waltung zahlreiche Sonderzüge nach den verschiedensten Richtungen der Frau H., sich die Alte in irgendeiner Weise abzuwimmeln. Gewiß organisieren, forderte er dieselben auf, dieses Recht nicht ungemust eingelegt. Auskunft wird an den Bahnhöfen erteilt. fann Frau H. ihre Wohnung vermieten, wem sie will, niemand zu lassen und Mitglied des Wahlvereins zu werden. werden. Briefkaften der Redaktion. Die iuriftische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter Geöffnet 7 1hr Sof, dritter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl wochentäglich abends von 7 bis 9 Uhr statt. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mertzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. C. P., Gustavus, Weißensee 109, 2. P. 24, P. V. 25, 2. B. C. 100, O. R. 32, R. 47. Der Wirt ist, wenn im Bertrage nichts anderes vereinbart ist, verpflichtet, die durch Zufall, Hagelivetter usw. zerbrochenen Scheiben zu erleben. In den in Berlin gebräuchlichen Mietsverträgen ist leider meist das Gegenteil vereinbart, so daß der Mieter den Schaden zu tragen hat. W. K. 26. Legen Sie den Sachverhalt dem Vormundschaftsgericht dar und beantragen Sie die Erziehung der Kinder in dem von Ihnen gewünschten Sinne zu regeln. A. G. 4. Homöopathie wäre zwedlos. Wenden Sie sich an einen Arzt, es hängt von der Lage des Einzelfalles ab, ob eine Operation erforderlich ist. R. 2. 31. 1. Siehe die Antwort unter C. P. 2. Ja. W. S. 101. Soweit ersichtlich, steht Ihnen ein Recht auf Aufhebung des Vertrages nicht zu. Ebensowenig ein Recht auf Erstattung der von Ihnen angegebenen Untoften. Bielmehr hat der Vertrag seine Gültigkeit. Begen des Mißstandes müßten Sie den Wirt auffordern, innerhalb einer von Ihnen zu sehenden angemessenen Frist den Uebelstand zu beseitigen, Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, den 27. Mat.. Unjang 7%, Ubr. Königl. Opernhaus. Falstaff. Königl. Schauspielhaus. Heinrich V. König Neues fönigl. Opern Theater. Bique Dame. Berliner. Alt- Heidelberg. Anfang 8 Uhr. Deutsches, Romco und Julia. Kammerspiele. wachen. Frühlings Er. Leffing. Der Naub der Sabinerinnen. Neues. Die ersten Menschen. Neues Schauspielhaus. Der vers Ioiene Sohn. Kleines. 2x2= 5. Sebbel. Cyprienne. Komische Oper. Hofballett. Residenz. Der Floh im Dhr. Luftspielhaus. Die blaue Maus. Schiller 0. ( Wallner Theater.) Hans Hudebein. • Schiller Charlottenburg. Dine Ohne Geläut. Friedrich Wilhelmstädt. Schau: spielhaus. Im weißen Rößl. Thalia. Der Selbstmörderflub. Westen. Ein Walzertraum. Neues Operetten. Der Mann mit den drei Frauen. Luisen. Im Hause der Sünde. Trianon. Seine erste Frau. Bernhard Rose. Der Comboh. Metropol. Das muß man seh'n. Apollo. Die süßen Grisetten. Spe zialitäten. Kajino. Der Brandstifter. Wintergarten. Spezialitäten. Vaijage. Spezialitäten. Dr. Rüdle. Gustav Behrens. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Bergère. Spezialitäten. Liane d'Eve. Neichshallen. Steffiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Ueber den Brenuer nach Venedig. Sternwarte, Invalidenftr. 57/62. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Hopfenraths Erben Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Abends 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. JOOLOGISCHER CARTEN Täglich: widrigenfalls Sie die Beseitigung durch einen Stammerjäger auf seine Stoften| Testament tönnten Sie eigenhändig machen, es muß eigenhändig geschriebent, vornehmen lassen können. Diese Drohung führen Sie dann aus und flagen batiert und unterschrieben sein. Beispiele für solche Zestamente und An eventuell die kosten ein. sich an das Schiedsgericht wenden. 2. und 3. In den ersten fünf Jahren beigefügten Führers. Das Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken aus. A. S. 16. 1. Nein. Der Betreffende foll leitung bazu finden Sie auf den letzten Seiten des dem„ Arbeiterrecht" R. G. 10. Nein. 7. 6. 290. Sie ist das möglich, später nicht. O. N. 51. Ruderklub" Vorwärts", Stralau, Tunnelstr. 17. fönnen einen entsprechenden Abzug von der Miete machen. Die Höhe A. B. 7. Rein, vielleicht erreichen Sie eine solche Stelle durch eine Ueber die Angemessenheit desselben Annonce. 2. St. 38. Wenn Sie das Pfand nicht einlösen oder desselben muß angemessen sein. entscheidet das Amtsgericht. Klagen Sie beim Amtsgericht. wenn verlängern, so werden die Pfänder vom Pfandleiher verkauft. Ohne Zucine gütliche Einigung unmöglich ist... 1000. Nein. ftimmung des Eigentümers fönnen Sie die Sachen zwar einlösen. Sie S. 72. 1. Gine bestimmte Frist sieht das Gesetz nicht vor. 2. Für die werden aber nicht Ihr Eigentum. Sie müßten Ihre Forderung Beschwerde ist das Amtsgericht zuständig. 3. Nein. G. 23. 100. Solche einklagen und dann zwangsvollstreckung für die Pfänder vornehmen. Firmen sind uns nicht bekannt, wenden Sie sich direkt an irgend eine. G. S. 12. Für den Fall der Klage würde voraussichtlich die Firma Czygan. Postassistenten beziehen zwischen 1500 und 3000, Postsekretäre recht behalten. 3. B. 907. Ein solches Beginnen wäre aussichtlos. zwischen 1700 und 3500 M. In Ihrer Anfrage haben Sie die am Kopfe 2. B. 213. Das ist nicht möglich. 23. 18000. Ja: die Aenderuog bes Briefkastens angegebene Forderung, eine Chiffre anzugeben, nicht erfüllt. der Höhe ist aber nicht erforderlich, es läßt sich niemals voraussagen, wie Eine sofortige Antwort können Sie durch den Briefkasten nicht erwarten. groß der Nachlaß sein wird. 23. St. 70. Soweit aus der Sachlage P. H. 67. 1. und 4. Sie müßten bei Gericht das Recht, getrennt zu ersichtlich, wäre eine Anfechtung der Hypothek ohne Aussicht auf Erfolg. leben, erst erwirken. 2. Eine Scheidungsklage wäre in Ihrem Falle nicht Versuchen Sie es nach einigen Jahren von neuem mit einer Zwangsvoll ohne Aussicht auf Erfolg. 3. Sie müssen zunächst beim Amtsgericht stredung. Küfel. Nein. 5. Sch. 34. Eine Klage bei dem Gewerbeeinen Sühnetermin beantragen. Die Klage ist nach fruchtlosem Aus- gericht auf Anerkennung der Rechte der Pensionskasse hätte unseres Erfall des Sühnetermins beim Landgericht durch einen Anwalt anzustellen. achtens Aussicht auf Erfolg. 3. 42. 1. Sie müßten fich die Marke A. G. 100. Sie können sich gegenseitig zu Erben einjeßen und dem event. abholen. 2. Strantenversicherungspflichtig ist Ihre Frau nicht. Db überlebenden Teil die unbeschränkte Berwaltung des Nachlasses überlassen, sie invalidenversicherungspflichtig ist, kann nur aus dem Bertrage selbst müssen jedoch den Kindern für den Fall, daß sie hiermit nicht einverstanden beantwortet werden. 8. Von dem Beitritt zu dieser Staffe können wir nur sind, den unbeschränkten Pflichtteil( Hälfte der Erbportion) überlassen. Das abraten. 4. Versuchen Sie es mit Terpentin. 23. 23. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Hans Huckebein. Schwank in drei Akten von Ostar Blumenthal u. Gustav Kadelburg. Donnerstag, nach m. 3 Uhr: Traumulus. Donnerstag, abend38Uhr: Hans Huckebein. Freitag, abends 8 Ubr: Der Widerspenstigen Zähmung. Gr. Militär- Konzert. Schwarzer Eintritt 1 M., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Die blaue Mans. 57/58. Hebbel- Theater, Stöger 8 lb: Cyprienne. Albends Donnerstag: Frau Warrens Geiverbe. Luisen- Theater. Neichenberger Straße 34. Abends 8 Uhr: Friedrichsberg. Fernsprecher Nr. 8. Schiller- Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Ohne Geläut. Schauspiel in drei Aufzügen von Fedor v. Zobelfit. Donnerstag, nach m. 3 Uhr: Die Jungfrau v. Orleans. Donnerstag, abends 8 Uhr: Ohne Gelänt. Freitag, abends 8 Uhr: Der Weg zum Herzen. Adler Frankfurter Chaussee 5. Jeden Mittwoch und Sonntag: Soiree der Apollo- Sänger. Nach der Vorstellung: Familien- Kränzchen. 765 Im Hanse der Sünde. Letzte Donnerstag nadim. 3 Uhr: Der Weg ins Berderben Abends 8 Uhr: Im Hause der Sünde. Freitag zum 25. Male: Der Weg ins Berderben. Sonnabend: Im Haufe der Sünde. Sonntag nachm. 3 Uhr zum leptenmal: Der Weg ins Berderben. 8 Uhr: Jm Hause der Sünde. Montag zum erstenmal: Jm Goldland oder: Das Haus d. Rätsel. DERNHARD ROSE THEATED Gr. Frankfurter Str. 132. Abends 8 Uhr: Der Cowboy. Wochentagspreise. Vorstellungen von Otto Reutter und das glänzende Mai- Programm. Kasino- Theater. Drama aus Wild West in 4 Atten Lothringer Straße 87. Täglich 8 Uhr: von Kurt Matull. Neues Theater. Metropol- Theater Abends 8 Uhr: Die ersten Menschen. Das Erotisches Mysterium in 2 Aufzügen von Dito Borngräber. Bum 248. Male: muß Nur noch bis zum 31. Mai: Mälzer Der Branstifter. en Ferien Volksgarten- Theater Lezte Borstellung bor Sonntag, den 31. Mai. man seh'n. Rauchen geftatted. Scute Mittwoch, den 27. Wat 1908: Morgen und folgende Tage: Die Revue in 12 Bildern m. Ges. und Tanz. am Bahnhof Gesundbrunnen. ersten Menschen. Kleines Theater. 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Anfang 8 Uhr. pollo Theater Das best ventilierte Theater Berlins. Donnerstag: 2 mal 2 5. Freitag: 2 mal 2= 5. Sonnabend: 2 mal 2 Sonntag: 2 mal 2= 5. 8 116r: Die hervorragend. Attraktionen 5. 1 Theater des Westens. 8 Uhr: Ein Walzertraum. Donnerstag, 28. Mai( Himmelfahrt) u. Sonntag nachm. 3%, Uhr, balbe Breise: Die lustige Witwe. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Im weißen Rößl. Anfang 8 Uhr. Donnerstag, nachm. 3 Uhr: Der gehörnte Siegfried. Siegfrieds Tod. bends 8 Uhr Frei ist der Bursch. Freitag: Frei ist der Bursch. Keine Vorstellung. Nächste Vorstellung Donnerstag ( Himmelfahrt), den 28. Mai 1908. Die Ausgabe der Dauerkarten erfolgt jest täglich im Theater- Bureau Trianon- Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: 9%, llhr: Die süßen Grisetten. Seine erste Frau. Operette von H. Reinhardt. 10 Uhr: Grete Gallus, die beste Soubrette. 10%, Uhr: Bert. Bernards Drig.- Pant. Ein Abend in einem amerikanischen Tingel- Taugel. Gustav BehrensAchtung! Billigste Einkaufsquelle für photographische Apparate, Platten, Papier und Zubehör. Passage- Theater, Abends 8 Uhr: Das größte Phänomen aller Zeiten! Dr. Rückle Berl. Kranken- Unterstützungsund Begräbnisverein für Frauen und Mädchen. Am 25. Mai verstarb nach schwerem Leiden unser treues Mitglied Frau Margarete Winkelmann im Alter von 44 Jahren. Chre ihrem Andenken! Beerdigung: Donnerstag 1 Uhr auf dem Heilig- KreuzStirchhof, Mariendorf, Eisenacher Straße. 287/20 Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Zeilnahme und reichen Strangipenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Gürtlers 23396 Oswald Jungnitsch fage ich hiermit allen, welche dem Entschlafenen die lekte Ehre erwiesen haben, meinen innigsten Dant. Justine Jungnitsch. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten sowie dem Wahlverein Nigdorf und dem Berband der Bau- und Hilfsarbeiter sage ich für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes besten Dank. Frau Radzimski. Danfjagung. Für die vielen Beweise herzlicher Zeilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes fage ich allen Verwandten und BeDas Tagesgespräch annten, fomie ben Herren Chefs und Berlins! Walhalla Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Abends 8 Uhr. Die groß- Mai- Spezialitäten. artigen Amusantes Programm. Ab Montag, 1. Juni: dem Personal der Firma Solon. Co., ben Kollegen, den Parteigenossen des VI. Wahlkreises und dem Gesangverein Gleichheit" hiermit meinen herzlichen Dant. Berlin, den 26. Mai 1908. Witwe Schneidewind nebst Kindern. 23485 Max Kliems Sommer- Cheater. Hasenheide 13-15. Artist. Leitung: Bernhard Lange. für den 55 Niemals. Sozialdemokratischer Wahlverein 1. Berliner Reichstagswahlkreis Todes- Anzeige. Am 25. Mai verstarb unser Mitglied, der Schneider Hermann Jehnke Betristr. 8/9. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 28. Mai, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Petri- Kirchhofes, Friedenstraße 84, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung er sucht 208/4 Der Vorftand. Sozialdemokrat. Wahlverein Schöneberg. für Bezirk 3. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Maurer Fritz Erpel am Montag plöglich an Schlaga anfall verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 28. Mai, nach mittags 4 Uhr, von der Reichen balle des Schöneberger Friedhofes, Marstraße, aus statt. 15/14 Um zahlreiche Beteiligung er fucht Der Vorftand. Am Montag, nachmittags 8 Uhr, verstarb unser lieber Vater, Schwie ger und Großvater, der Tischler Karl Spillner im 67. Lebensjahre an Altersschwäche. Um stilles Beileid bittet im Namen der Hinterbliebenen P. Spillner, Elbestr. 15. Die Beerdigung findet am Donnerstag( Himmelfahrt), nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Friedhofes der Freireligiösen Gemeinde aus statt. Deutscher Tagi: Großes Konzert, Theater- Holzarbeiter- Verband und Spezialitäten- Vorstellung. Mittwochs: Kinderfest. Jeden Donnerstag: Glitetag. Gastspiel bed. Kräfte erster Bühnen. Vorstellung im Garten Reichshallen- Theater. Alleinvertrieb 99 m. gef. gesch. 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Um rege Beteiligung wird erfucht. Nachruf. Am 20. Mai starb der Kollege, Tischler Louis Pfeffer. Ehre seinem Andenken! 84/18 Die Ortsverwaltung. Todes- Anzeige. Hiermit die traurige Nachricht, daß unser lieber Freund und Stollege, der Werkzeugmacher Romann Markowsky am Sonntag, den 24. d. M., berstorben ist. Neues Operetten- Theater Des großen Erfolges wegen prolongiert hochfein rot, bicht Doamnen, wegen teiner Farbfehler a Gebett 30 w, 10 Mark Anzahlung. mittags 3 ihr, von der Leichen Schiffbauerdamm 25, an der Luisenstr. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Mann mit den drei Frauen. Residenz- Theater. Direktion: Richard Alexander, Abends 8 1hr: Der Floh im Ohr. Schwank in drei Aften von Georges Feydeau. Deutsch von Wolff- Jacoby. W. Noacks Theater Direktion: Rob. Dill. Brumenftr. 16. Heute: Geschlossen. Donnerst.( Himmelfahrt): Extravorst. Die Hochzeitsreise. Charakter Lustspiel von R. Benedig. Anf. 8 Uhr. Entree 30 Pf. Tanz. 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Im Auftrage der Hinterbliebenen Karl Hoffmann. 2334b Allen Freunden, Bekannten und Parteigenossen die traurige Nach richt, daß mein lieber Mann, der Maurer Fritz Erpel am Montag plößlich an Schlaganfall verstorben ist. 23456 Die Beerdigung findet Donnerstag, den 28. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Schöneberger Friedhofes, Magstraße aus statt.. Die trauernde Witwe nebst Kindern. Rauchen Sie Phänomen Cigaretten! Devise Qualität ist die beste Empfehlung. Servus Bestes Leder& Schuh- Putzmittel Ueberall zu haben in Dosen zu 10 und 20 Pfg. JOSETTI VERA CIGARETTEN Ihr Gewicht wert in Gold, trotzdem 10 St. nur 30 Pfg. Joselli Jhr Hut muss gereinigt werden mit Hutwäsche 31452* Feuerrad 1 Pack 25 Pf. 3 Pack 65 Pf. W. Zapel, Hut- Fabrik, Skalitzerstr. 131. Größtes Spezial- Geschäft Schönholz. Volksgarten. Schönholz. teppdecken größte Auswahl, sehr preiswert, direkt in d. Fabrik Bernhard Strohmandel, S. 14, ( zwischen Roß- u. Infelftr.), für Seiden- und Filz- Hüte. 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( Nachdruck verboten.) 99 144 327 440 544 677 755 890 98 1096 170 274 626 2058 146 281 469 640 97 921 3088 921 4229 45 344 58 485 645 930 5441 578 707 839 65 90 6030 88[ 500] 145 63 85[ 1000] 309 462[ 3000] 834 91 993[ 500] 7193 274 341 422 51 727 824 50 8029 33 119 74 308 563 74[ 3000] 967 9019[ 500] 135 83 90 317 600 859 585 720 44 840 10070 245 551 714 92 807 42 11035 565 720 44 840 76 12113 514 21 30 65 82 659 849 13235 342 92 662 935 94[ 500] 14121 200 519 733 15075 188 231 366 438 75 550 912 17 54 92 16210 60 360[ 500] 507 767 888 904 17101 31 50 64 525 607 27 97 751 868 903 18377 507 71 673 95 708 44 871 19223 341[ 3000] 99 472 90 502 59 20105 364[ 500] 563 65 789 814 66 926 21191 361 844 22251 336 544 705 15[ 500] 72 95 809[ 500] 62 960 23359 495 627 799 13000] 967 24278 582 689 25000 269 414 56 535[ 3000] 722 822 85 901 58 26096 312 13 574 618 879 971[ 1000] 27227 91 443 753 926 28116[ 1000] 311 31 76 529 622 97 718 47 48 850 29089 311 40 526 821 996 30050 56 331 73 78 425 885 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Ziehung 5. Kl. 218. Kgl. Preuss, Lotterie. Ziehung vom 26. Mai 1908, nachmittags. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) ( Nachdruck verboten.) 250 70 448 527 639 71 725 1053 61 236 729 2000 98 644 846 958 95 3190 202 42 427 606 71 734 859 910 90 4017 45 131 60[ 500] 713 808[ 500] 12 902 5118[ 500] 90 234 991[ 1000] 6151 325 469 520 739 968 7090 317 54 56 663 [ 500] 84 89 710 99 868 8327[ 3000] 569 731 72 9647 797 10078[ 3000] 344[ 500] 586 617 91 841 971 99 11062 153 87.306 610 711 906[ 500] 12132 293 306[ 500] 592 728 65 79 13195 294 360 513 639 48 851 14256 59 343 435 526 648 814[ 1000] 93 917 15084[ 3000] 121 207 13 483 641 16036 323 82 459 667 851 17087 95 237 403 730 48 946 18011[ 500] 277 450 757 833 64 74 19118[ 1000] 76 20076 272 569 690 847[ 3000] 951 76 21095 718 19 22140 57 225 679 784 919 23105 62 335 468 606 725 24018 192 471 91 788 849[ 3000] 79 25080 244 54 91 [ 500] 642 64[ 500] 772 74 26036 53 144 253 530 775 815 905 27134 64[ 1000] 300 494 791 28254 347 80 427 514 34 606 65 925 29068 191 252 326 59[ 500] 67 472 571 628 29 746 963 257 686 78 30154 94 98 414 713 31257 666 78 736 61 927[ 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000, 1 à 60 000, 5 à 30 000, 8 à 15 000, 20 à 10 000, 35 à 5000, 570 à 3000, 936 à 1000, 1379 à 500 69 207 407 140116 52 297 497 583 769 863 952 56 94 141034 98 463 142263 302[ 500] 588 93 896 143081 180 295 415 [ 3000] 44 987[ 1000] 144034 222 307 433 541 641 721 825 987 145211 321[ 500] 415[ 500] 67 542 98 146122 52 78 283 568 919 147101 382 977 148056 80 205 696 709 978 149178 406 566 618 36 856 99[ 500] 954 65 ZurRenovierung bereits gefärbter Hüte in gleicher Farbe od. dunkler 1 Pack 35 Pf., 3 Pack 1 M. Fritz Kratz, Berlin N. 39 Reinickendorferstr. 119. In allen Drogerien, Apothek. usw. Wir verkaufen jetzt noch billigst R 4 Mark OR in Petershagen, Ostbahn, an OR 8 Mark an Seegefeld, am Bahnhof, OR 10 Mark an Kaulsdorf, am Bahnhof, R 10 Mark * Bahnhof Sadowa, ViesdorfKaulsdorf- Süd, OR 30 Mark an Biesdorf, Stadtbahn, a. Bahnhof. Verkaufsstell. a. d. Bahnhöfen. 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Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Br. 123. 25. Jabrgaus 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Jahrgang. IV. Generalversammlung des Verbandes der Deutschen) Buchdrucker. Köln, 25. Mai. 1908. Se find 133 Delegierte angemeldet, dazu die Mitglieder des Vorstandes, die beiden Redakteure des„ Korrespondenten", außerdem der internationale Sekretär der Buchdruckerorganisationen und zwei Gehilfenvorsitzende des Tarifamtes. Als Gäste sind anwesend Vertreter der österreichischen, ungarischen und französischen Organisationen der Buchdrucker. jezigen Besehung sei es kaum noch möglich, alle Geschäfte zu er= ledigen. Mittwoch, 27. Mai 1908. Aus Induftrie und Handel. Zunahme der Arbeitslosen. Diese Tatsache ist in Verbindung mit anderweitigen Meldungen über die Besserung der Konjunktur durchaus geeignet, den vielfach wiedergegebenen Befürchtungen über die Fortdauer der wirtschaftlichen Depression speziell bei uns in Deutschland Abbruch zu tun." Im ersten Beiblatt fällt sie dagegen folgendes Urteil: Der immer noch anhaltende allgemeine Rückgang der Konjunktur macht sich in der Eisenindustrie dadurch bemerkbar, daß in einzelnen Branchen Verkürzungen der Arbeitszeit ins Auge gefaßt werden." Nun hat jeder, was er haben will! Krupp in Meriko. Wie Präsident Diaz in einer jüngsten Steinhardt Hamburg: In Dresden ist der Vorstand wohl mit der Revision des Tarifes beauftragt worden, aber nicht dazu, einen Organisationsvertrag abzuschließen. Man möge die Ueber die Zahl der Arbeitslosen im Tischlergewerbe macht das Bestrebungen, Aufklärung über Sozialpolitik zu schaffen, nicht Fachorgan der Tischlermeister" periodisch Mitteilung. Danach betrug hintertreiben. Man befürchte immer, daß wir dadurch als Sozial- die Zahl der Arbeitslosen am 14. Mai bereits 3387 und ist dann demokraten angesehen werden. Falsch sei es, die Kollegen zu weiter gestiegen bis auf 3501 am 21. Mai. An der Zahl sind die zwingen, in die kleineren Orte zu gehen, wo sie nicht die Fort- einzelnen Branchen wie folgt beteiligt: bildungsmöglichkeiten haben wie in den Großstädten. Bautischler 545, Betten 119, Büfetts und Schreibtische 172, Manteuffel- Berlin wünscht, daß der Vorstand in der Galanterie und Lurus 15, Kastenarbeiter 451, Laden- und WeißAnwendung des guten Tones mit gutem Beispiel vorangehen möge. arbeiter 216, Photographie, Telephon 5, Sigmöbel 50, Salon, Krasser Zwickau: Die gewerkschaftlichen Interessen müssen Spiegel 49, Tische 43, Verschiedene, Kunden 126, Zeichnung 358, Die vom Vorstande vorgeschlagene Tagesordnung wird ge- mehr gepflegt werden. Es sei bedauerlich, daß viele Mitglieder Drechsler 132, Modelle 86, Maschinenarbeiter 285, Polierer 578, nehmigt. Beim den Verband als Unterstüßungsorganisation ansehen. Stellmacher 108, Einseger 110, Stockarbeiter 53. Bericht des Vorstandes Knoblauch- Darmstadt fragt an, warum an die anderen Vom Abflauen der Krise kann da wahrlich keine Rede sein. wird die Diskussion über einen in Leipzig vorgekommenen Zwischen Verbände des graphischen Gewerbes keine Einladungen ergangen fall vorläufig ausgeschieden. Döblin ergänzt den gedruckt vor- feien. Auch die Generalkommission hätte einen Vertreter entEin maßgebendes Urteil. liegenden Bericht, der sich auf drei Jahre erstreckt. Der Verband senden müssen. Die Deutsche Arbeitgeber- Zeitung", die in Anspruch nimmt, in habe einen erfreulichen Aufschwung genommen. Die wirtschaftDöblin antwortet, daß er die Generalkommission, deren allen möglichen und unmöglichen Fragen kompetente Urteile zu liche Krise drücke auf alle Gewerkschaften; sie seien oft gezwungen, Mitglied er sei, vertrete. Die anderen Verbände seien nicht ein- fällen, schreibt in ihrer legten Nummer im ersten Leitartikel des sich der Uebermacht der Unternehmer zu fügen. Der Buchdrucker- geladen worden, aber nicht aus Animosität, sondern weil auf der Hauptblattes u. a. folgendes: berband stehe in dieser Beziehung dank seinem Mitbestimmungs- Tagesordnung nichts stände, was ihre Interessen berühre. recht besser da als die anderen Gewerkschaften. Man möge be- Fülle Berlin weist die Ausführungen Döblins, die sich sonders bei den späteren Erörterungen keine fleinliche Kritik üben. gegen die" linke" Seite der Kollegen gerichtet hätten, scharf zurück. Der Vorstand sei in erster Linie bemüht gewesen, die noch fern- Was in einer der siebzig Parteizeitungen geschrieben werde, stehenden Kollegen dem Verbande zuzuführen. Die Gewerkschaften dafür mache der Vorstand die ganze linke Richtung im Verbande gedeihen nicht durch schöne Reden, sondern durch ihre Taktik. Durch verantwortlich. Es herrsche keine Animosität gegen den Verbandsdie Taktik des Buchdruckerverbandes sei es möglich gewesen, in den vorstand, man habe stets den ergrauten Kämpen der Organisation Tezten drei Jahren zwölftausend neue Mitglieder zu gewinnen. Die volle Hochachtung bewahrt. Aber man brauche deshalb auch Die nächste Aufgabe sei nun, die Mitglieder auch zu guten Ge- nicht mit der entgegenstehenden Meinung zurückzuhalten. Es werkschaftlern zu erziehen. Der Vorwurf, daß der Vorstand keine wäre ein Gewinn dieser Generalversammlung, wenn der Vorstand Agitation und Aufklärung treiben wolle, sei durchaus unberechtigt. sich davon überzeugen wolle, daß auch die linke Richtung nur das Döblin warnt davor, die Dezentralisation im Verbande zu beste der Organisation wolle. Den guten Willen des Vorstandes weit zu treiben. Er wehrt sich gegen die vielen Vorwürfe, welche beim Abschluß des Organisationsvertrages erkennt der Redner an; in letzter Zeit dem Vorstande gemacht wurden. Das Wachsen der es sei damit aber ein neuer Weg in der Gewerkschaftsbewegung Kabinettsjigung bekannt gegeben hat, plant das Kruppsche GußſtahlOrganisation sei der beste Beweis für den gesunden Standpunkt, beschritten worden. Unbedingt hätte allen Mitgliedern Gelegen- werk in Essen die Errichtung einer großen Geſchüßfabrik in der den er eingenommen hat. Dafür hat man uns Lumpen und Ver- heit geboten werden müssen, sich dazu zu äußern. So müsse man Stadt Meriko. Nur der Platz für den Bau des Etablissements soll räter geschimpft, als der Tarif fertig war, trotzdem er den Mit- es jetzt aussprechen, daß der Organisationsvertrag den Gehilfen noch nicht bestimmt sein. Für den Bezug von Batronen und Geschossen gliedern viele Vorteile gebracht hat. Wird ein anderes Programm aufoftrohiert worden sei. Ferner wäre es unbedingt notwendig ge- ist die meritanische Regierung seit kurzem durch eine eigene Fabrik gewünscht, gut, so werden wir die Leute wählen, die es durch- wesen, daß die Generalkommission einen Vertreter hierhergeschickt gedeckt. führen. Der Wert der Tarifgemeinschaft besteht doch darin, daß hätte. Bei den kleinsten Gewerkschaften sei ein Mitglied zugegen; Berliner Jahrbuch für Handel und Industrie. Die Weltesten der die Prinzipale Zugeständnisse machen und dafür das Gefühl der es stehe hier unser Verhältnis zur Generalfommission auf der Ruhe mitnehmen. Wollen wir die friedlichen Verhältnisse, die die Tagesordnung, da kann doch Döblin nicht als unparteiischer Ver- Kaufmannschaft von Berlin haben soeben den zweiten Teil des Berliner Jahrbuchs für Handel und Industrie für 1907 herausTarifgemeinschaft geschaffen hat, durchbrechen, um dafür in den treter der Generalfommission fungieren. Kampf einzutreten? Es ist bedenklich, die Mitglieder durch In der weiteren Diskussion verteidigt MussiaI die Berliner gegeben( Berlag von Georg Reimer in Berlin), der sich mit dem übertriebene pessimistische Anschauungen ängstlich zu machen und Kollegen, weil sie nicht die Gehilfenvorsitzenden des Tarifamtes, Geschäftsgange in den wichtigsten Zweigen von Berlins Handel und gegen den Vorstand aufzuheben. Ueber die Taktik wird noch in Giesecke und Faber, delegiert hätten. Das sei der Ausdruck der Industrie beschäftigt. In 14 Gruppen mit 172 Unterabteilungen bertraulicher Sigung zu sprechen sein. Es wird immer auf andere Mißstimmung gegen die Maßnahmen des Tarifamtes gewesen, wird eine große Anzahl von Spezialberichten über die verschiedenen Geschäftsztveige veröffentlicht. Den Spezialberichten find zahlreiche Organisationen hingewiesen. Bei uns werden aber keine Rohn- aber kein Protest gegen die Kollegen als solche. abzüge von 20 bis 25 Broz. gemacht. Streits und Aussperrungen Döblin geht in seinem Schlußwort auf die einzelnen Tabellen über die Produktion, Preisentwickelung und die Ein- und gegen einen Tarif werden auch in anderen Gewerkschaften nicht Vorwürfe ein. Der Redakteur des„ Korrespondent" sei nicht dem Ausfuhrverhältnisse beigegeben, so namentlich den Berichten über unterstüßt. Bei uns heißt es immer: Das Solidaritätsgefühl Vorstande, sondern der Generalversammlung gegenüber ver- Getreide, Mehl- und Viehhandel, Zuckerhandel, Bierbrauerei, Weinwird unterdrückt. Die Delegierten müssen sich darüber einig antwortlich. Er müsse es deshalb ablehnen, in dessen Tätigkeit ein- handel, Kohlenhandel usw. werden, ob wir die alten, bewährten Wege weitergehen wollen, zugreifen. Die Vorteile der Tarifgemeinschaft werden deshalb oder ob wir eine neue, modernere Politik einschlagen wollen. Die von uns so oft hervorgehoben, weil man uns durch die Angriffe Nach dem fünften halbjährigen Zensusbericht der International Generalfommission der Gewerkschaften befindet sich in vollständigem dazu zwingt. Fülle irrt sich, wenn er meint, der Vorstand greife Einvernehmen mit unserer Tattit. Da können wir doch nicht so grundlos die linke Seite an. Das Verdienst der Partei sei es nicht, Federation of Master Cotton Spinners' and Manufacturers' Assorüdständig sein, wie es behauptet worden ist. Wir müssen uns vor daß wieder Ruhe im Verbande eingekehrt sei. Was sich der Vor- ciations" betrug die Zahl der Spindeln am 1. März d. J. 78 984 106, einer so schmachvollen Behandlung schützen, wie sie uns zuteil wärts" und die Beipziger Volkszeitung" geleistet haben, das während für den 1. März 1907 nur 71 054 503 und für den 1. März geworden ist. konnten sich nur die gutmütigen Buchdrucker gefallen lassen.( Wir 1906 nur 54 297 537 ermittelt worden waren. Die Entwickelung der können diese Behauptung Döblins, soweit sie uns angeht, nicht Baumwollindustrie ist daran deutlich zu ersehen. Ueber die Zahl unwidersprochen lassen. Hätte der Korrespondent" auf die in der Rohbaumwolle verarbeitenden und in der Aufstellung befind jeder Beziehung objektive Stellungnahme des Vorwärts" zu den lichen Spindeln in den verschiedenen Staaten der Welt gibt folgende Tariferrungenschaften ebenso obiettiv geantwortet, so wären die Tabelle Auskunft: nahm den ganzen ersten Verhandlungstag in Anspruch. Die Debatten über den Tarifabschluß eine weniger erregte gewesen. Spindeln Redner erkannten den guten Willen des Vorstandes und die von Das kann jederzeit durch Vorlage der in Frage kommenden Vorin AufEs wurde aber scharfe Kritik an wärts"= ihm geleistete Arbeit voll an. und Korrespondent"-Nummern erwiesen werden. stellung Red. d.„ V.".) Bei keiner anderen Gewerkschaft wäre solches Begriffen einzelnen von ihm getroffenen Maßnahmen geübt. Albrecht Dortmund sagt, es gehe ein aristokratischer Zug möglich gewesen. Man möge uns mehr unterstüßen; uns find durch den Verband. Der Vorstand bestimme und die Mitglieder die Geschäfte über den Kopf gewachsen. Der Fluch für uns ist, müssen sich damit abfinden. Döblin habe nichts auf die Be- daß wir nicht alles sagen dürfen, weil es die vitalsten Interessen hauptungen im„ Korrespondent" gesagt, daß kein Vorstandsmitglied der Organisation schädigen würde. Es gehöre ein Löwenmut dazu, der sozialdemokratischen Partei angehöre. Es sei bedauerlich, daß heute die Geschäfte des Vorstandes zu führen. Wenn ich in Zudie Kleinarbeit nicht genügend gewürdigt werde. Das Ein- funft nicht die nötige Unterstützung habe, muß ich dafür danken. Der Geschäftsbericht wird zur Kenntnis genommen. Es folgt vernehmen zwischen Vorstand und Mitgliedern sei nicht so, wie es die Erörterung der zurückgestellten Leipziger Angelegenheit. im Intersse des Verbandes zu wünschen wäre. Dort hat eine von einem Mitgliede einberufene Versammlung sich die Handsetzer geschädigt glaubten, beschäftigte. Der Vorstand hat die Aufnahme eines Berichtes im„ Korrespondent" abgelehnt. Die Generalversammlung billigt diese Maßnahme des Vorstandes. Sie spricht mit großer Mehrheit die Anschauung aus, daß es dem einzelnen Kollegen nicht gestattet werden dürfe, eine Versammlung einzuberufen. Die dem Vorstandsbericht folgende Diskussion Mussial- Berlin: Die Beschlüsse der letzten Generalversammlung sind nicht beachtet worden. Nicht nur dem Vorstande stattgefunden, die sich mit einer tariflichen Maßnahme, durch die sei durch seine Taktik das Wachstum der Organisation zu danken, auch viele Mitglieder hätten ihre ganze Kraft in den Dienst des Verbandes gestellt. Der Vorstand beklage sich darüber, daß man ihm nicht das nötige Vertrauen entgegenbringe; aber auch der Vorstand sei voll Mißtrauen gegen die Mitglieder, die nicht seiner Meinung sind. Fuhs- Mannheim: Der Vorstand möge dafür sorgen, daß eine bessere Verbindung zwischen ihm und den Mitgliedern hergestellt werde. Bonitzky, Beisiger des Vorstandes, verteidigt dessen Maßnahmen. Das Protokoll der Dresdener Generalversammlung beweise, daß er sich an dessen Beschlüsse gehalten habe. In seiner Zum Andenken an die in der lebten Zeit verstorbenen Kollegen erheben sich die Delegierten von ihren Plätzen. Zum Schluß der Sitzung verliest der Vorsitzende eine Anzahl Begrüßungstelegramme. Zur Reise zu enorm billigen Ausnahmepreisen Staub-, Regen- u. Reifemäntel Wetterfest. 4,75, 6, 8, 10, 12, 15, 18, 21, 24 M. 1500 Sport- und Uebergangs- Paletots Imprägniert. aus Cover- coat u. gedieg. englischen Stoffen 6, 8, 10, 12, 15 M., auf Seide 14,50, 18, 24 M. 2000 Kostümröcke fußfrei, garantiert regenecht 3., 5.-, 8.-, 10.-. Elegante Taftröcke 18.-, 25.-, Faltenröcke, prima Alpakka, schwarz u. farbig, gestreift u. kariert 6.-, 9., 12., 15.- M. 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Italien Schweiz Belgien Japan. • Baumwollspindelstatistik. 3 763 672 455 946 151 097 423 588 224 976 Gesamts fumme der angemeldeten Spindeln Mules spindeln Ring spindeln Großbritannien 38 754 511 Deutschland. 7 323 415 5 615 981 3 954 366 49 841 598 10 026 293 Frankreich Desterreich 4 182 011 2 170 693 6 503 801 2 379 006 940 346 Spanien. Portugal 1 238 396 533 039 45 000 526 000 112 301 1 367 438 2 166 184 211 032 622 748 4 170 632 3 331 506 1 449 428 31 700 1 572 000 1 452 000 75 000 1 139 000 610 000 224 601 336 902 Holland Schweden 1 843 448 179 924 111 503 Norwegen Dänemark 20 588 11 376 1 438 936 483 677 1 820 550 206 296 253 897 52 772 54 684 5 504 106 684 750 206 900 22 556 34 036 2 424 204 324 7147 366 1 054 1 169 481 288 792 285 236 574 028 19 427 1 238 192 791, 89 749 9 272 25 272 221 490 116 259 Rußland 3 000 3 870 898 408 776 399 436 75784 66 060 Ver. Staaten Indien Kanada Meriko Brasilien. 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