Nr. 125. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pranumerands Bierteljährl. 8,30 M, monatl. 1,10 M möchentlich 28 fg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 fg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Belt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost- Beitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Humänien, Schweden und die Schweiz Erideint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die sechsgespaltene stolonel geile oder deren Raum 50 Bfg., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 fg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgebruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Bort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Das Zentrum im preußischen Dreiklaffenparlament. Sonnabend, den 30. Mai 1908. öffentlich bekannt ist. Es wäre bei dem gut christlichen Sinne der Saarbergleute nicht so schwer gewesen, den Verein durch Beseitigung der unfähigen Führer in die richtige Bahn zu lenten. Dieses ist nicht geschehen. Nein, er wurde mit allen möglichen Mitteln zerschlagen und zertrümmert, trotzdem es leicht gewesen wäre, ihn noch im letzten Augenblick durch geeignete Führer in die richtige Bahn zu leiten. Eine Neugründung tatholischen Charakters sollte ihn ersehen. Doch dieses Monstrum blieb frog aller höherer Protet tionen in den Windeln stecken. Es starb trotz seiner Brotektoren, ja vielleicht eben an dieser Protektion. Der Rechtsschutzverein war zerschlagen und man war zufrieden." Das Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Herren des Zentrums daran, daß sie hier für Anträge gestimmt haben, die gerade Herr Spahn als solche bezeichnet hat, die ohne tweiteres zum Gesez erhoben werden könnten, und daß diefelben Herren in der Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses und im Plenum gegen dieselben Anträge gestimmt und teilweise auch gesprochen haben, die von meinen Freunden im Abgeordnetenhause aufgenommen worden sind, die wir vorher hier gestellt hatten, für die hier das Zentrum gesprochen und gestimmt hat. Damit ist die zwieschlächtige Haltung der Zentrumspartei in den Bergarbeiterfragen von einem der ersten Sachkenner genügend gekennzeichnet! Und fein Zentrumsmann wagte dem Herrn Abg. Gothein zu widersprechen! " " Die Zentrumspartei ist eine tonserbatib- agrarische; nur aus wahltaktischen Rücksichten mimt sie die„ Volkspartei", der angeblich die Interessen aller Berufsstände in gleicher Weise am Herzen liegen". In der Vertretung Klerikalreaktionärer Forderungen stets konsequent, handelt sie im übrigen abgeordneter Giesberts bestritt die Existenz einer solchen Gewerkvereinsführer über den sozialreformatorischen Genosse Abg. Emme I berief sich darauf, der Zentrums. Es genügt schließlich, die Zeugnisse zentrumstreuer je nach der augenblicklichen Situation. Dasselbe Zentrum, Auslassung des Effert und natürlich war damit- Emmel das in erster Linie verantwortlich ist für die ungeheuer- abgeführt". Wert der Zentrumstaten im preußischen Landtage festzuhalten, liche Vermehrung der Reichsschulden und für die Zoll- und Grenzsperrenpolitik läßt jekt in seiner Presse und Bergarbeiterschuh haben die M.- Gladbacher Zentral- verständige im Landtagszentrum ist der frühere Bergarbeiter Die Reichstagserörterungen über das Thema: Zentrum um sie gebührend zu charakterisieren. Der bergbauliche Sachwild losschlagen auf die blockpolitischen Reichsschuldenmacher, stelle des Katholischen Volksvereins veranlaßt, jegt eine be- bg. Brust. Daß er in den Kommissionen und im Plenum Deckung der von ihm bewilligten Milliardenausgabe gesorgt schutz und Zentrum. Heft 16 der Sozialen Tagesfragen, Ueber diesen erstklassigen Bergbausachverständigen des Zendie nicht für Deckung sorgten"( als ob das Zentrum für fondere Rechtfertigungsschrift herauszugeben( Bergarbeiter- hervorragend tätig" war, wird seitens des Zentrums als eine Gewähr für die Annehmbarkeit des Erreichten" bezeichnet. hätte!), läßt in seiner Presse bewegliche Klageartikel erscheinen herausgegeben bom Volksverein für δας katholische truns heißt es in einem von H. Imbusch gezeichneten, im über die enorme Lebensmittelverteuerung und Deutschland. M.- Gladbach.) M.- Gladbach.) Trokdem bleibt Tatsache: über die Förderung der großkapitalistischen Rohstoff- und Halb- Das Zentrum hat nicht mit der Entschiedenheit, mit vorigen Herbst verbreiteten Gewerkvereinsflugblatt: Herr fabrikate durch die Eisenzölle. Den katholischen" Laien" der es agrarische und zünstlerische Anträge vertritt, rust verteidige die Knappschaftsgesetznovelle, weil er bis wird das Lesen nichtultramontaner Zeitungen geistlicherseits ver- die Bergarbeiterforderungen verfochten. zum 4. September( 1907) die Tragweite der einboten, Zuwiderhandelnde werden mit Kirchenbußen belegt; in- Bentrum hat 1905 den Bergarbeitern lebhafte Hoffnungen beraten und vor mehr als Jahresfrist mit angenommen hat, zelnen Bestimmungen des Berggesetzes, das er selbst mitfolgedessen sind die katholischen Arbeitermassen ja nicht in der auf ein Reichsberggesek gemacht, ihnen heilig und Lage, die Ausführungen ihrer Zentrumspresse nachzuprüfen. teuer versprochen, mindestens die Regierungsvorlage" anzu- im Landtagszentrum konzedieren seine Berufsgenossen bestennicht tannte". Also dem einzigen ,, Bergarbeitervertreter" Daß sich auch bei dieser Landtagswahl die Zentrums- nehmen, nicht weniger, sonst werde es an den Reichstag falls den guten Glauben. partei eifrigst um die direkte und indirekte Unterstützung ausDas offizielle Gewert Das Zentrum hat dann doch die total verhunzten gesprochener Wahlrechtsfeinde bemüht, davon erfahren die Gesetze einstimmig mitangenommen, hat auch Verbesserungs- bereinsorgan aber, Christliche Berg treugläubigen Leser der Zentrumszeitungen in den Industrie- anträge mitabgelehnt und bemühte sich hinterher, das ber- nappe", erklärte am 16. November 1907: bezirken nichts; ihnen wird versichert, die Zentrumspartei hunzte Gesetz den Bergarbeitern zu empfehlen, als sei es noch Der Gesetzesschmied Herr Brust hat ja längst das Vertrauen der Arbeiter eingebüßt berfolge die Beseitigung des Dreiflassenwahlrechts. Auch die günstiger als die Regierungsvorlage". Er scheint also nun noch nicht einzusehen, daß er in einer Arbeiterorganisation nicht mehr zu katholischen Arbeitervereinsmitglieder sind vielfach zur Die neueste Zentrumsbroschüre will ihre Leser glauben gebrauchen und Gründung von Konsumbereinen geschritten; die machen, der Zentrumsfraktion sei es ernstlich um ein Reichsihn die Bergleute lieber steinigen als ihn zu ihrem Führer wählen... Er tönnte sich heute von einem Zentrumspresse versicherte Wohlwollen". Im Landberggesetz zu tun. Aber die Regierung sträube sich hartnäckig Unternehmerverband anstellen lassen So leid es uns tut, tag müssen wir heute doch sagen, es ist nicht nur das Recht, sondern die Pflicht der Arbeiter, den Herrn Abgeordneten Brust taltzustellen, damit er nicht der Arbeiterschaft im allgemeinen und der christlichen Gewerkschaftsbewegung im besonderen unendlichen Schaden zufügt... " " gehen. der Landtagszentrum als Stronzeuge für die„ Kluge",„ überlegende", So die Zentrumsbergarbeiter über den Mann, der vom erfolgreiche" Bergarbeiterpolitik der Zentrumspartei vorgeführt wird! aber stimmte die Zentrumsfrattion der gegen eine reichsgefeßliche Regelung der Bergarbeiterfragen. Sonderbeftenerung der Arbeiter- Konsumgenossenschaften zu! t δας Lettere erst ſeit gestern oder vorgestern Die katholische Westdeutsche Arbeiterzeitung" vom 26. Mai bekannt? Gewiß nicht. Wenn die damals noch zum 1907 schrieb, es ſei„ zu zu bedauern, daß Regierungsblock gehörenden Zentrumsvertreter, wie sie unsere Zentrumspartei wieder die Hand heute beteuern, wußten, daß gar keine Aussicht auf ein dazu bietet, das begangene Unrecht noch zu Reichsberggesek war, warum haben denn im Mai 1905 die bergrößern." Die agrarischen Genossenschaften türden Germania"," Kölnische Volksztg.", Kölnische Volksztg."," Essener Voltsztg." gefördert, aber für , aber für die Konsumgenossen- Tremonia" usw. positiv den Bergarbeitern versichert: Die schaften, an denen vorwiegend Arbeiter betei- Regierungsvorlage ist das Minimum."" Im Reichstage ist Tatsache ist und bleibt die totale Verhunzung des Bergligt sind, hat man nur Unterdrückungsmaßregeln in uns diese Sache ficher." ,, Kein Kompromiffeln."" Den arbeiterschutzgesetzes, des Knappschaftsgesetzes, Tatsache Form von von Ausnahmebestimmungen!" Die Grubenpaschas mit den sieben Roßschweifen wird im Reichstag bleibt es, daß die Zentrumsfraktion gegen den Willen der W. A.- 8." war zu diesem Hieb genötigt wegen der aus den die Macht beschnitten werden" usw.! War ein Reichsberg- Arbeiter, im trassen Widerspruch mit den geKatholischen Arbeiterkonsumvereinen laut gewordenen Protesten. gesetz ganz aussichtslos, dann hat das Zentrum vor den gebenen Versprechungen, für die miserablen Gesetze Natürlich attestierte das M.- Gladbacher Arbeiterblatt" bald Bergarbeitern eine elende Komödie gespielt! gestimmt hat. Tatsache ist schließlich die Reden der darauf wieder dem Zentrum, es sei die arbeiterfreundlichste In der denkbar massivsten Weise hat die Zentrumspresse Regierungsvertreter im Landtage und im Herrenhause Partei unter der Sonne! im rheinisch- westfälischen Industriegebiet die Rechenbesitzer und beweisen es, daß niemals die Gefahr" der ReichsbergIn der Budgetkommission des preußischen Landtages hat ihre Wortführer im Landtage angegriffen; den Berg- gesetzgebung näher war als 1905, als der Riesen. 1906 der Zentrumsabgeordnete Wallenborn, im Plenum arbeitern wurde der Glaube eingeflößt, das Bentrum set geftreit die öffentliche der Zentrumsabgeordnete Sch medding, empfohlen, die willt und in der Lage, die Bergarbeiterwünsche Würde das damals dem Regierungsblock angehörende Zentrum Meinung aufgepeitscht hatte. Unfallrenten bis zu 20 bezw. 25 Proz. nicht mehr auszuzahlen! reich 3 gesetzlich zu erfüllen, wenn nicht mindestens die die Energie gegen die Regierung für ein Reichs berg gesetz Emsig bemühten sich damals zentrumschriftliche Arbeiterführer, Regierungsvorlage" zum Gesetz erhoben würde. Allen entwickelt haben, die es in der Reichs vereins gesetzdebatte das als einen bedauerlichen Ausnahmefall zu beschönigen. Stompromißanträgen gegenüber," so schrieb noch am 16. Mai von den Bülow blodparteien zivecs Ausschaltung der Im Reichstag fikt im Zentrum kein einziger Freund der 1905 die Ess. Boltsztg.", solle das Bentrum steinhart Ausnahmegefeßparagraphen forderte und bei der ZolltarifRentenentziehung" 1908 aber stimmten in der Petitions- bleiben", die Regierungsvorlage sei das mindeste". gesetzgebung für die Agrarier selbst entwickelte, so wären die tommission des Reichstags( mit einer Ausnahme) m gleichen Sinne schrieb das Blatt noch am 22. Mai bescheidenen Hoffnungen der geschundenen Bergarbeiter erfüllt fämtliche Zentrumsvertreter für die Berücksichtigung einer und um selben Tage stimmte die 8entrumsfrattion worden. Jetzt sind sie betrogen! An diesem schmachvollen agrarischen Petition, die ebenfalls die Entziehung der ausnahmslos den konservativ- nationalliberalen Ver- Tatbestand tönnen noch so viele Zentrumsbroschürenschreiber Kleinen Unfallrenten fordert! hunzungsanträgen zu!!! Tags darauf rühmte das Dort- nichts ändern. Die Täuschung würde vollständig gelingen, wenn die munder Zentrumsblatt das total verhunzte Gesetz als einen ttt Sozialdemokraten nicht wären. Im preußischen Land- vollen Erfolg des Zentrums." Dagegen schrieb das tag saß bisher tein unbequemer fozialdemokratischer An- Organ des Gewerfvereins christlicher Bergarbeiter, es feien Kläger. Treten im Reichstag sozialdemokratische den Arbeitern Steine statt Brot gegeben und flagte: Redner auf und vergleichen die Zentrums worte mit den Zentrumstaten, dann wird in der Regel ein ,, christlich nationaler Arbeiterbertreter" bor geschickt, um ein Lamento anzustimmen über die angeblichen ..parteipolitischen Zänkereien", die partout gerade von den Sozialdemokraten angezettelt" würden, wenn eine gemeinsame Aktion" nötig sei. Diese Komödie ist nun schon so oft aufgeführt worden, daß man auch in bürgerlichen Parlamentarierkreisen darüber Gloffen reißt. Am 28. April d. J. hielt Was das christlichsoziale Arbeiterblatt Steine statt Brot der Genosse Abgeordneter Emme I- Mülhausen dem Zentrum nannte, rühmte die Sentrumspresse als einen bollen Erfolg im Reichstag vor, die Zentrumsparteileute hätten sich im des Zentrums". elsaß- lothringischen Landesausschuß der Bergarbeiter nicht Welche Rolle das Landtagszentrum in der angenommen, wodurch sie sich mitschuldig an deren schwerer Berggeseztommission und im Plenum gegenüber So schreibt die Freis. 8tg."- heute. Es fragt sich indessen, Benachteiligung gemacht haben; auch habe die Zentrumspartei Verbesserungsanträgen, beispielsweise hinsichtlich des Rechtes was der Freifinn unter Roalitionsfreiheit" verstehen mag. Und da im Saargebiet mitgeholfen, den Rechtsschutzverein der Berg- der Arbeiterausschüsse, gespielt hat, kann hier leider aus ist von Interesse, daß dieselbe Freis. 8tg." früher, bei einem arbeiter zu vernichten. Die Zentrumsabgeordneten Erzberger, Raumrüdsichten nicht ausgeführt werden. Wir begnügen uns prattischen Anlaß, sich ganz anders vernehmen ließ. Jm Giesberts und Will stimmten das gewohnte Entrüstungsgezeter darum mit dem Zeugnis eines Mannes, dem auch die Dezember 1891, aus Anlaß des großen Buchdruckerstreits, an über„ parteipolitisches Gezänk" und bestritten ent- Bentrumsbroschürenschreiber die genaue Kenntnis der Materie schrieb sie, schieden die Wahrheit der Emmelschen Behauptungen. Der und eine fachliche Stellungnahme nicht absprechen können. Christliche Bergknappe" vom 16. Mai d. J. aber bestätigt Es war der Abg. Gothein, der am 18. Juni 1908, anEmmel, daß im elsaß- Lothringischen Landesausschuß keiner der läßlich der Knappschaftsdebatte im Reichstage, auf den Versuch fleritalen Zentrumsgenossen den„ chriftlichen Gewerkverein" des Zentrumsvertreters, seiner Partei die einwandfreie Arbeitergegen die Angriffe des Gewerberats Rid in Schutz genommen vertretung bei der Beratung der Berggeseknovelle vom 14. Juli habe!!! Welche Rolle gewisse Zentrumsmacher" im Saarrevier 1905 zu atteftieren, antwortete: gespielt haben, hat der christliche Gewerkvereins- Sekretär Effert in der Saarpost" ausgeplaudert, indem er schrieb: Nach meiner Ueberzeugung und soweit es mir möglich war, Material zu sammeln, tragen gewisse Leute bedeutend mehr Schuld an diefen Dingen, als " Freifinn und Koalitionsrecht. „ Sollte dieses Gesetz auch die Zustimmung des Herrenhauses In einem faft drei Spalten langen Leitartikel stürzt sich die finden, so ist dadurch ein wirksamer Bergarbeiterschutz für die Freifinnige Beitung" auf den Vorwärts", um die annächsten Jahre vereitelt. Der Bergarbeiterorganisation erwachsen große neue Aufgaben der Selbsthilfe und die verminderte Fort- geblich arbeiterfreundliche Tätigkeit des Freisinns im Landtage zu fegung des Kampfes, bis die Bergleute zu ihrem Recht gekommen preifen. Wir möchten demgegenüber mit ein paar furzen Zitaten find. Die christlichen Bergarbeiter haben keine Freude an dem aufwarten. Gesetz und nur den dringenden Wunsch, daß das Herrenhaus das Die Freis. 8tg." berweist u. a. auf die Forderung im Eisenacher Gesetz ablehnt, um so die Bahn für die Reichsgesetzgebung frei Programm der Freifinnigen Volkspartei:„ Sicherung und zubekommen." Verallgemeinerunng der Koalitionsfreiheit", und fügt hinzu: Später hat dann der Hamburger Bartettag der Freifinnigen Volkspartei ein ausführliches Arbeiterprogramm aufgestellt" und bei dieser Gelegenheit den Satz von der Sicherung und Verallgemeinerung der Koalitionsfreiheit" wiederholt. " daß es fich bei diesem Streit allgemein barum handelt, die bestehende Gesellschaftsordnung zu vertreten gegenüber einer frechen fozialdemokratischen Kriegserklärung. Diejenigen Buchdruckereibesitzer, welche unter folchen Umständen die Forderungen der Streifenden bewilligen, machen sich der Begünstigung der Sozialdemokratie und der Untergrabung der bestehenden Gesellschaftsordnung schuldig." Meine Herren, trotz aller persönlicher Bemerkungen, die gestern Nun ist ein Streit bekanntlich nichts anderes als die der Herr Abg. Spahn( gegen den sozialdemokratischen Abg. Hue) gemacht hat, fann sich auch die Zentrumspartei feineswegs davon Benuzung der Koalitionsfreiheit. Also schon damals freisprechen. hobe in Abgeordnetenhause nicht eine ganz andere bertrat die Freis. 8tg." die Ansicht, daß die Arbeiter zwar das Stellung zu diesen Fragen einnimmt als hier. Ich erinnere die Koalitionsrecht haben sollen, es aber nicht benugen dürfen! Doch führen wir dieses Zitat auS Stierer Zeit nur an. um zu zeigen, dah dies schon immer der Standpunkt des Freisinns war. Er hat ihn auch seither nicht gewechselt. Im Jahre 1903 waren die Eisenbahner in Holland gezwungen, um ihr Koalitionsrecht zu kämpfen. Sie hatten zu Beginn des Jahres einen Streik siegreich durchgefochten. Darauf brachte die holländische Negierung einen Gesetzentwurf ans Parlament, welcher das Streiken Von Eisenbahnern mit Gefängnisstrafe bis zu 4 Jahren bedrohte. Um dessen Annahme zu verhindern, streikten die Eisenbahner abermals. Dazu schrieb damals die.Freisinnige Ztg.': .Die gegenwärtigen Vorgänge in den Niederlanden find sehr lehrreich auch außerhalb dieses Staates, überall wo es eine starke sozialdeinokratische Partei gibt.(Merkst Du was? Red. d. B.) Die jetzige Bewegung in den Nieder- landen richtet sich gegen die gesetzgebenden Faktoren, um dieselben zu zwingen, Abstand zu nehmen von einem Gesetzentwürfe zur Einschränkung des Mißbrauchs der Koalitionsfreiheit.... Die jetzige Bewegung erklärt sich aus dem Erfolg, den die Streik bcwcgung erzielt hat in den ersten Tagen des Februar.... Die Behörden und auch die bürgerlichen Kreise waren nicht im Zweifel darüber, daß diese Nachgiebigkeit nur weitere Forderungen alsbald hervorrufen werde, und trafen zur Abwehr derselben planmäßig ihre Vorkehrungen.(Auch hier also wieder der Gedanke: Arbeiter, die das Koalitionsrecht be- mibe», greifen an, und man muß sich gegen sie wehren. Red. d. V. ... Es handelt sich(in den, Gesetzentwurf) nicht um eine Ein- schränkung des Koalitionsrechts, sondern um die Bestrafung des Kontraktbruchs." Der Wink mit dem Zaitnpfahl, daß man diese Vorgänge be achten müsie,.überall, wo es eine starke sozialdemokratische Partei gibt', wurde alsbald von einem anderen freisinnigen Blatt auf gegriffen. Die.Weserzeitung' berichtete über das holländische Antistreikgesetz sowie über ähnlische Vorgänge in Norwegen und in Australien und schrieb dazu: »Diese Vorgänge auf dem Gebiete ausländischer Gesetzgebung haben sich sämtlich in Ländern mit durchaus parlamentarischer und überwiegend demokratischer StaatSeinrichtung abgespielt. Sie liefern daher um so mehr den Beweis von der Gemeiugefährlichkeit des sozialdemokratischen Mißbrauchs der Koalitionsfreiheit...' Wenn Worte überhaupt einen Sinn haben, so bedeuten diese Aeußerungen der beiden führenden Freisinnsblätter: wenn die Arbeiter streiken, so mißbrauchen sie die Koalitionsfreiheit, und es wäre an der Zeit, daß auch in Deutschland das Streiken bei Strafe verboten würde! Die„Koalitionsfreiheit', die der Freisinn laut seinem Programm sichern und verallgemeinern will, ist also eine sehr sonderbare Sorte von Koalitionsfreiheit, nämlich eine.Freiheit', die sofort mit Gefängnis bestraft werden soll, wenn der Arbeiter sie durch Streiken benutzen will!_ ASHlt Keine cebenzwittelwucherer! Die bürgerlichen Parteien sind sich einig darin, im Wahl- kämpfe die Frage der Lebensmittelverteuerung nicht zu er- Lrtcrn. Die Wähler sollen an die Zollwucherpolitik und Lebensmittelverteuerung nicht erinnert werden. Und samt- liche bürgerliche Parteien haben begründeten Anlaß, diesen heiklen Punkt nicht zu berühren. Der Zollhunger der Junker ist immer noch nicht gestillt; sie haben noch nicht genug an den unzähligen Millionen, die sie an Liebesgaben und durch die Zöllncrei einheimsen. Zölle auf Milch, Butter usw. sollen die jetzt schon so drückende Last noch steigern. DgS ist der Junkgr Absicht! Das Zentrum und die Nationalltberalen haben eifrig mitgearbeitet an dem Zustandekommen des Wucherzolltarifes, daher ist die Schweigsamkeit von dieser Seite nur zu erklärlich. Aber auch der F r e i s i n n, der bei der Zolltarif- b e r a t u n g die Lebensmittelwucherei und die indirekte Steuer noch bekämpfte, muß nun schämig schweigen l Um den Block, der die„Liberalen' verpflichtet, auf ihre Grundsätze zu pfeifen, wofür sie das Recht haben, bei allen reaktionären Gesetzen„praktisch" mitzuarbeiten, nicht zu gc- sährden, haben sie den heroischen Entschluß gesaßt, die gegcu wärtigcn Zölle als etwas Unabänderliches zu betrachten, woran die Kritik vorbeizugehen hat. Mit solcher freisinnigen Selbstkastrierung waren die Junker aber noch nicht zufrieden: sie verlangten von den Blockknechten auch die Zustimmung zu weiteren indirekten Steuer«. Und die Kopschgardisten haben z u g e st i m ni t. Und nicht nur das! Die einzige konsequente B e k ä m p f e r i n des Lebensmittesivuchers ist die Sozial d e m o k r a t i e, die grimmigsten Volksfeinde und gefährlichsten Zöllner sind die Junker. Und die Freisinnigen schließe» Kompromisse mit der Junkerpartei, um die Wahl von Sozialdemokraten zu der» hindern! Da ist es selbstverständlich, daß für den ver sumpften und verlotterten Freisinn die Lebensmittelverteue rung ein Kräutchen Rührmichnichtan ist. Aber für das arbeitende Volk ist sie eine bösartige Gifb pflanze. Die Brotverteuerung wirkt gesundheitzerstörens, lebenvcrnichtcnd- Und wie die Brotpreise hinaufgeschnellt sind, das lehrr die Preiszusammenstellung des S t a t i st i s ch e n Amts der Stadt Berlin. sDieses läßt an zwei Tagen im Monat aus 40(früher 34) Bäckereien Roggenbrote und Schrippen holen und berechnet den Preis nach Gewicht. Diese Berechnung bringt die tatsächliche Preissteigerung zum Ausdruck. Dabei ergaben sich folgende Resultate: Es kostete im März: Roggenbrot Weizenbrot 1 Kg. in Pfennig 23.93 41.33 29.31 42,13 28.7» 47.03 33.17 54,29 für Roggenbrot im März d. I. gegenüber der gleichen Zeit im Jahre 1902 um 9,14 Pf. pro Kilogramm, gleich»8,S Prozent gestiegen! Der Weizenbrot- Preis zeigt eine Erhöhung von 12,96 Prozent pro Kilogramm, die Steigerung macht 31,3 Prozent aus 1 Nimmt man für eine vierköpfige Familie(Mann. Frau und zwei Kinder) einen Tageskonsum von 4 Pfund Brot an. dann stellt sich der Jahresverbrauch auf rund 730 Kilogramm. Da Weizenbrot (Schrippen) in nur geringer Quantität in Frage kommt, berechnen wir die durchschnittliche Verteuerung auf rund 10 Ps. pro Kilogramm. Somit ergibt sich nach den Märzpreijen 1902/1903 bei der Wahl mit den rücksichtsloscflen VolkSanSpliinderern, mit den Konservativen, überall da verbündet, wo für ihn die— Gefahr bestand, daß ein Gegner des Brotwuchers, ein Sozialdemokrat das Mandat erobern könnte. Unter solchen Umständen ist es ausgeschlossen, daß ein denkender Arbeiter oder Kleingewerbetreibender frei' sinnig-brotwucherisch wählen kann. Arbeiter, Wähler, nieder mit de« Brotwacherer« und ihren freifinnige« Helfershelfer« 1902 1903 1907 1908 Demnach ist der Preis Hiis dem Maklkampf. Eine Verteidigung des Herr« Gerschel. In dem am Sonntag von unseren Parteigenoffen verbreiteten Flugblatt ist den Freisinnigen besonders die Stelle fatal, die dem Landtagsabgeordneten Gerschel wegen seines Antrages zum§ 23 des preußischen Einkommensteuergesetzes die Wahrheit geigt. Um in ihrer Verlegenheit wenigstens etwas zu sagen, klammert sich die„Freisinnige Zeitung' daran, daß unser Parteigenosse Singer sich öffentlich für eine richtige Selbst- emschätzung der Einkommen unter 8000 Mark erklärt hat. Wer den sozialdemokratischen Forderungen entsprechend für eine gerechte direkte Besteuerung eintritt, der muß auch eine richtige Selbsteinschätzung fordern; und so verlangte denn Singer, daß bei einer Steuerfreiheit deS Einkommens bis 900 Mark die Deklarationspflicht bei 1500 Mark Einkommen beginnen solle. Während so Singer für Gerechtigkeit nach oben und nach unten eintritt, postuliert Herr Gerschel im Namen des Freisinns hingegen zweierlei Recht und findet damit selbst' verständlich freudiges Entgegenkommen bei der konservativen Mehrheit des Abgeordnetenhauses. Sein Gesetz gewordener Antrag legt dem Arbeitgeber dir An- zrigepflicht über das Einkommen der von ihm beschäftigten Arbeiter auf. Ebenso besorgt wie dafür, daß die Arbeiter auch den letzte» Groschen ihreS Arbeitsverdienstes besteuern, zeigte Herr Gerschel fich dafür, daß die reichen Steuerzahler nicht genau zur Steve? herangezogen werden. In jener Sitzung des Abgeordneten- Hauses vom 3. Mai 1907, in der sein Antrag zur Beratung stand, sagte Herr Gerschel nämlich weiter: „In der Kommission, in der der Z 23 Abs. 3 angenommen worden ist, ist ein A n t r a g gestellt worden. der nichts weniger als folgendes verlangt: daß Bank- geschäfte, Depositenkassen und ähnliche Geldinstitute, Spar- 1903 Wähler der dritten Klasse. L 6006204 ei«c Verteuerung des Brotkonsums von sage und schreibe 73 Mark! Das ist die Last, die der Konsument allein durch Verteuerung der�Brotprcise zu tragen hat. Hin- zu kommt noch die Steigerung der Preise für andere wichttge Lebensmittel. Der Freisinn will, wie schon bemerkt,«unmehr die Politik der indirekten Steuer grundsätzlich mitmachen, und er hat sich kassen sowie die Verwaltung des StaatSschnldbncheS über die Höhe des Guthabens und der hinterlegten Vermögens' objekte aller mit ihnen in Geschäftsverbindung stehenden Personen Auskunft zu geben habe».... Ich wiederhole: pnncixiis obsta(Hüte dich vor dem Anfang).' So trat derselbe Herr Gerschel. der das Arbeitseinkommen des Arbeiters bis auf den letzten Pfennig herangezogen wissen wollte, mit Entschiedenheit für eine s ch o n e n d e Behandlung des großen Geldsacks ein. Das verurteilt die Sozialdemokratte wie eS jeder a n« ständige Mensch verurteilen muß, und das ist es, was die „Freisinnige Zeitung'— wir wollen einmal annehmen aus Scham— absichtlich nicht verstehen will!— Freifiunige Wahlrechtsfreundschaft— erstunken und erlogen. Ms Regierungskandidat hat sich bei den verflossenen Reichstagswahlen der freisinnige Abgeordnete Hermes seinen Wählern in LandeShut-Jaucr-Bolkenhatn vorgestellt. Diese für einen Freisinnigen ganz besonders empfehlende Eigenschaft begründete Herr Hermes damit, daß ihn» nach der vollzogenen Reichstagsauflösung Fürst Vülow die Hand ge geben hat mit den Worten:„Ich hoffe. Sie im neuen Reichstag wiederzusehen.' Jetzt hat der konservattve Landtags- kandidat für diesen Kreis, Freiherr v. Richthofen-Mert- schütz eine Rede gehalten, die als Flugblatt verteilt wird, in dem folgender Passus vorkommt: „Die Sozialdemokraten— und mit ihnen der Reichtagsabgeordnete für Jauer-Bolkenhain-Landeslnit, der Herr Rcgiernngskandidat Dr. Hermes— wollen:„Für das Reich und alle Bundes st aaten allen über 20 Jahre alten Männern und Frauen das allgemeine, gleiche, direkte Wahl- recht nach dem System der Proportionalwahl eingeführt sehen." Dieser Antrag ist kürzlich im Reichstage gestellt worden.' Darauf entgegnet Dr. Hermes im.I auerschen S t a d t b l a t t« „daß er auf die böswillige Verdächtigung seitens des Herrn V. NichtHofen,„dafj ich mit den So�ialdLinolraten für das Nach und alle Bundesstaaten allen über 20 Jahre alten Männern und Frauen das allgemeine, gleiche, direkte Wahlrecht nach dem«ystem der Proportionaltvahlen einzuführen gedächte,' nur mtt den von Virchow einstmals in Magdeburg gebrauchten krasligen Worten antworten könne:, Er st unken und erlogen!' Der Kernpunkt des konservativen Vorwurfes ist der, daß Dr. Hermes für das allgenieinc, gleiche, direkte und ge- Heime Wahlrecht sei. Daß er einen diesbezüglichen sozial- demokratischen Antrag unterschrieben haben soll, ist von nebensächlicher Bedeutung. Und für den Kern- zunkt des Vorwurfes hat Herr Hermes die Worte:„Er- stunkcn und erlogen!" Ein schlimmeres Urteil konnte über dte vom Frei- sinn vorgespiegelte WahlrechtSfrenndschaft nicht mehr gefällt werden, als dies der freisinnigeRegierungS- mann Hermes getan hat t Zum Wahlrechtökampfe im Ruhrgebiet. Durch die Terminswahlen war es den meisten Bergarbeitern unmöglich gemacht, ihr Wahlrecht auszuüben. In allen Versammlungen wurde deshalb die Proklamierung der Arbeitsruhe am Wahltage begeistert aufgenommen. Aus Angst haben die Nationalliberalen ebenfalls Arbeits- ruhe proklamiert. Die letzten Tage las man Anschläge auf den Zechen: Bergleute fahren abends an, Morgenschicht fällt aus._ Rahardt, der Schaukelpolitiker. Der Mittelstcmdskämpe und Jnnungsobermeister Rahardt kann die Zeit gar nicht abwarten, daß er Inhaber eines Mandats wird. Bei der Reichstagswahl hat er vergeblich gehofft, gewählt zu werden; jetzt aber bei der Landtagswahl winkt ihm der Erfolg. Wie aber hat er sich gewunden und windet er sich immer noch, um sich allen bürgerlichen Parteien als der geeignete Kandidat zu er- weisen. Er ist im Kreise Neuhaldenslcben-Wolmirstedt(Regie- rungsbezirk Magdeburg) von den Konservativen als Kandidat aus- gestellt worden. In diesem Kreise haben die Nationalliberalen bei der letzten ReichStagswahl den Mittclständlern für ihre Wahlhilfe versprochen, bei der Landtagswahl die Wahl eines Mittelständlers zu unterstützen. Die Aufstellung des Mittelständlers Rahardt durch die Konservativen ließ nun den Gedanken aufkommen, daß Rahardt wie diese gegen jede Aenderung des Preußenwahlrcchts sei. Die Nationalliberalen, die wenigstens so tun, als ob sie für ein geheimes und direktes Wahlrecht wären, wollten sich nun über Herrn Rahardts Anschauungen vergewissern. Diese Gewißheit wurde ihnen. Herr Rahardt bekam die Erlaubnis(I) von den Konservattve», das geheime Wahlrecht zu„fordern' und er hielt dann den Nationalliberalen eine entsprechende Rede. Er erklärte die Einführung des geheimen Wahlrechts erstrebens- wert; man werde aber i» der Mittelstandsvereinigung, falls man belehrt werbe, daß die Einführung dieses Wahlrechts dem Staats- wohl widerstrebe, die Erfüllung dieses Wunsches gerne dem Staats- wohl unterordnen! Die Nationalliberalen waren von dieser Er- klärung völlig befriedigt(l), und ihr Vertreter, ein Professor Halbfatz, gab die feierliche Zusage, daß Herr Rahardt nun sicher aus die Stimmen der Nationalliberalen rechnen könne! Woza ein konservativer Landtagsabgeordneter fein Mandat ausnutzte. Zur Zeit, wo die Konservativen im Hinblick auf die Vorgänge im Wahlkreise Memel-Heydekrug den Uneigen» n ü tz i g e n markieren, sei eines Vorganges gedacht, der sich am 23. August 1900 vor dem Schöffengericht Tilsit abspielte. Der konservative Landtagsabgeordnete K o s s a ck- Neuweynothen klagte gegen den Verleger K i o s ch i S von der litauischen Zeitung Houya lietuwiska Ccitunga', weil die Zeitung geschrieben hatte, Kassack habe deshalb für die Verlegung der für Memel bestimmten Präparandenanstalt nach Hehdekrug gestimmt, weil dort sein Stief- vater ein Gut besitze, das dann höheren Wert erhalten würde. Es gelang dem Beklagten, im vollen Umfange den Wahrheitsbeweis zu erbringen. Der damalige Reichstagsabgeordnete SmalakyS sagte als Zeuge aus, daß er bereit sei, eidlich zu bekräfttgen, Kossack habe ihm, als er diesem Landtagsabgeordnetcn Vorhaltungen wegen der Abstimmung machte, geantwortet:„Aber ich muß doch für Hehdc- krug sorgen, mein Stiefvater wohnt dort und dessen Grundstücke werden dadurch teurer.' Kossack hielt es nunmehr für das beste, die Klage zurückzu- ziehen. So plump wie dieser Herr mag es nicht jeder der konserva. tiven Landtagsabgeordneten treiben. Aber daß sie als Herren in Preußen für ihre persönlichen Interessen zu sorgen wissen, lehrt so ziemlich jede Verhandlung im Klassen- parlayient!_ Die Doppelseele des Lizentiate«. Im Lager der Christlichsozialen im rheinisch-westfälischen Industriegebiet herrscht ein wenig Aufregung über eine.Irrung' des Lizentiaten Weber in M.- Gladbach. Die Chttstlich- sozialen hatten in einer Konferenz in Dortmund beschlossen, Wablenthaltung zu proklamieren. Dem Lizentiaten Weber scheint daS nicht gepaßt zu haben. Während die Christlichsozialen mit den Ultramontanen aus gutem Fuß stehen, die beiden Parteien auch gelegentlich mit einander kuhhandeln und der erwähnte Beschluß praktisch auf eine Unterstützung deS Zentrums hinausläuft, ist bei dem christlichsozialen Ehrenrat, Lizenttat Weber, der A n t i- ultramontaniSmuS schärfer ausgeprägt. Wenn eS was zu handeln gibt, macht Weber schon mit. und wenn eS gegen die.Roten' geht, ist der.Blaue' mit den.Schwarzen' ein Herz und eine Seele. War eS doch auch dieser Lizentiate, der vor 10 Jahren auf einer Generalversammlung des GewerkvereinS christlicher Bergleute in Wattenscheid das christliche Wort sprach: Die Leute in jenem Lager sind unsere Todfeinde! Damit waren die freiorganisierten Arbeiter ge- meint. Dieser Christenmcnsch ist nun auch Präses eines e v a n» gelischen Arbeitervereins. Das Doppelmandat als ArbeitervcreinSpräseS und als chnstlichsozialer Ehrenrat hält der Gottesmann anscheinend für die Legitimation, zweierlei Politische Meinung betätigen zu dürfen. Er hat sich um den Beschluß der christlichsozialen Bertreterlonferenz nicht gekümmert: er propagiert nationalliberale Wahlen l Deshalb zur Rede gestellt, verteidigt er seine Haltung in einem Schreiben an de» bekannten Herrn Behrends mit dem Hinweis, daß er nicht als C h r i st l i ch s o z i a l e r. sondern als Bor- sitzender des evangelischen Arbeitervereins den christlichsozialen Beschluß mißachte. Demnach kann man je nach Bedürfnis einen McinungSrock anziehen. Paßt'S dem Herrn Lizentiaten. ist er christlichsozial-ultramontan, paßt's ihm anders, ist er evangelisch-nationalliberall Da die Gläubigen die Weisheit des GotteSinauneS leicht als höhere Erleuchtung ansehen können, der man folgen muß, eröffnet die Argumentation de« Apostels der lautere» Wahrheit schöne Per- spektiven l_ Politische Gcberficbt. Berlin, den 29. Mai 1008. Reichsapanage. Freisinnige und nationallibcrale Blätter haben sich in den letzten Tagen wiederholt gegen eine Erhöhung der Zivilliste des Königs von Preußen ausgesprochen und die Notwendig- keit einer Einschränkung des HofgeprängeS betont. In schärf- stem Gegensatz dazu steht, daß. wie eine hiesige parlamen- tarische Korrespondenz mitteilt, als im Frühjahr die Rc- gierung unter der Hand an die Führer der Blockparteien die Frage richtete, ob sie zu der �Bewilligung einer Reichsapanage bereit seien, auch die Freisinnigen sich für die Reichsapanage erklärten, und zwar für eine jährliche Zulage von Millionen Mark. Die betrcffevde Korrespondenz schreibt Nr. 125. 25. Jahrgang. 1. KtilW des Jotirtrts" ßnlinet NsllisbIM Zoullilbtltd, 30. Mai 1908. hzmmerNti»! Lplgonen. Die„Kreuz-Zeitung' greift in ihrem SonntagSblatt zur Be- kämpfung der Sozialdemokratie auf die Rede zurück, die Marx am g. Januar 1848 in Brüssel gehalten hat— uni ihren Lesern daraus zu beweisen, daß Marx(und mit ihm die deutsche Sozialdemokratie) sehr wohl erkannt hätte, wieviel vorteilhafter das Schutzzollsystem als der Freihandel für die Arbeiter sei, daß er aber trotzdem für den Freihandel eingetreten sei, da er die Verelendung der Massen fördern wollte, um durch sie zur Revolution zu ge- langen. Natürlich geht eS bei derartigen schönen Beweisen nicht ohne einige Fälschungen ab; und das edle Blatt der Hammer- und Kalck- steine leistet sich denn auch tatsächlich einige ganz allerliebste Deutungstricks. Es zitiert zunächst die Einwendungen unseres Alt- meisters gegen die damalige Behauptung der englischen Freihändler, daß der Freihandel die Warenpreise herabdrücke und daher dem Arbeiter gestatte, für seinen Lohn eine größere Warenmenge zu kaufen— jene bekannte Stelle der Marxschen Freihandels- rede, wo dieser ausführt, daß mit den Warenpreisen auch die Lohnhöhe sinkt(Marx spricht hier von einer Zeit, wo der Einfluß der Gewerkschaften auf das Lohnniveau noch nicht existierte), da der Lohn die Tendenz hätte, aus jenes Minimum zu sinken, das nach den jeweiligen sozialen Verhältnissen nötig sei, damit der Arbeiter sich durchzuschlagen und seine Klasse fortzupflanzen vermöge. „Wenn weniger Kosten erforderlich sind," heißt es wörtlich,„um die Maschine in Bewegung zu setzen, welche die Waren anfertigt, so werden die zum Unterhalt dieser Maschine, die sich Arbeiter nennt, notwendigen Dinge gleichfalls weniger kosten. Wenn alle Waren billiger sind, so wird die Arbeit, die auch eine Ware ist, gleichfalls im Preise sinken und, wie wir später sehen werden, wird diese Ware Arbeit verhälmismäßig viel mehr sinken, als alle anderen Waren. Verläßt sich der Arbeiter dann immer noch auf die Argumente der Oeko- nomen, so wird er finden, daß der Frank in seiner Tasche zusammen- geschmolzen ist und ihm nur noch fünf SouS übrig bleiben." Daran knüpft die„Kreuz-Zeitung". indem sie so tut, als folge sie dem Gedankengange von Marx, nachstehende Ausführungen: „Marx erklärt nun. wie durch den Freihandel der Kon- zentrationsprozeß des Kapitals zunimmt, wodurch das Proletariat in gleichem Maße wächst, wie sich seine Lage verschlechtert. Da man stets Mittel findet, die Arbeit mit wohlfeileren und erbärm- lichcren Gegenständen zu ernähren, so ist das Lohnminimum im Sinken begriffen. Wenn dieser Lohn anfangs den Menschen arbeiten ließ, um zu leben, läßt er ihn schließlich auch noch leben, aber daö Leben einer Maschine. Seine Existenz hat keinen anderen Wert als den einer einfachen Produktionökraft, und der Kapitalist behandelt ihn demgemäß. Dieses Gesetz der Ware Arbeit, das Lohnminimnm, verwirklicht sich in dem Maße, als der Freihandel zur Wahrheit, zur Tatsache wird." Und nachdem die„Kreuz-Zeitung" dann noch die Stelle zisiert hat, wo Marx davon spricht, daß das Schutzzollsystem konservativ, daö System der Handelsfreiheit in gewissem Sinne revolutionär sei, fährt sie unter Hinweis auf die„Korrespondenz deS Ausschusses zur Förderung der Bestrebungen Vater- ländischer Arbeitervereine" fort: «Wie ein Blitz beleuchten diese Worte die wahren Gründe, aus denen die Sozialdemokraten den Zollschutz unserer nationalen Arbeit bekämpfen. Sie wissen ganz gcnau, daß durch denselben die Lage der Arbeiter verbessert wird. Das wollen sie aber gerade verhindern. Sie wollen absichtlich die Lage der Arbeiter verschlechtern, um durch die Verelendung der Massen zur Revolution und durch diese zu ihrem phantastischen ZulunftSstaat zu gelangen. An diesem klassischen Beispiel können die Arbeiter klar erkennen, wie sie von den Führern der Sozialdemokratie planmäßig bewogen werde». Sie können die. um mit Marx zu sprechen, unverschämte Heu-belei erkennen, mit der im Reichstage die Sozialdemokraten die Schutz- zölle, namentlich auch für Getreide, als den Arbeitern schädlich bekäinpfen." kleines feuilleton. Ein Preisausschreiben für Geister. Immer wieder wird die Welt der Wundergläubigen und der Gutmütigen, die ernsthaft allen Humbug wissenschaftlich behandeln und dabei selber Opfer der schlauen Betrüger werden, durch unkontrollierbare Nachrichten über geheimnisvolle Materialisationen, hüpfende Tische und ähnliche gcist- reiche Unterhaltungen in Bewegung gesetzt. Ernsthafter Kritik hat bisher keine dieser Erscheinungen stand gehalten. Aber wer weiß, vielleicht ein Preisausschreiben, um die Geister und ihre irdischen Vertreter zu deuilichcrsn Kundgebungen zu veranlassen. Es hat, wie wir der Wiener„Zeil" entnehinen, der Forscher Le Bon fünfhundert Franken dem Medium versprochen, das einen Tisch so in der Luft schweben läßt, daß er von allen Seiten photographiert und das tatsächliche Schweben als un- bezweifelbar festgestellt werden kann. Der Professor Danen ver- doppelt die Belohnung und der Prinz Roland Bonaparte fügt 1000 Franken hinzu, also daß das geisterbeherrschende Medium 2000 Frauken einheimsen kann. Es ist sehr befremdend, daß sich die Medien nicht in Haufen melden, deun das von ihnen geforderte Kunststück ist doch das allereinfachste im Abc ihrer Gcheimkräste. Tische in die Luft steigen lassen, kann jedes unbedeutende Medium, und die Hauptleute, ivie die berühmte Eusapia Paladino, bringen noch ganz andere, weit wunderbarere Dinge fertig. Forsch« und Gelehrte aller Nationen haben das bezeugt: der Engländer CrookeS, der Italiener Lombroso, die Franzosen Marillier. Richer, Flammarion. Zwar haben alle diese Herren auch beobachtet, daß alle Medien ohne Ausnahme zum Betnig neigen, aber alle ohne Ausnahme haben das mit der Gutherzigkeit deS betreffenden Mediums entschuldigt, das den ein Wunder erwartenden Besuchern leine Enttäuschung verursachen wollte. Die große Eusapia ist hundertmal beim Schwindel ertappt worden und trotzdem hat daS den Glauben der Spiritisten an die von Eusapia herbeigeführten Geister- crscheinungen keinen Augenblick getrübt. Man kann daraus er- inessen. daß die Spiritisten sehr gutmütige und leichtgläubige Menschen sind, selbst wenn sie sich auf irgend einem Gebiete der Wissenschaft als hervorragend begabt crloiesen haben. Wahrscheinlich müßte man nicht sowohl Gelehrte, sondern auch Taschenspieler mit der Bcivachung der Medien betrauen. AySco, der gorße Hexenmeister, würde ohne jeden Zweifel im ersten Augenblick Dinge entdecken, die dem gelehrtesten Wissenschaftler erst nach langen mühseligen Forschungen klar werden, wenn sie ihm überhaupt nicht verborgen bleiben. So ein Tausendkünstler würde nicht nur alles nachmachen, was Eusapia ihm vonnacht, sondern er würde auch imstande sein, den Gelehrten ganz genau auseinander- Zusetze», wie die große Eusapia ihre Wunder'zustande bringt. Musik. — Der Berliner Volkschor erstattet soeben seinen vierten Jahresbericht. Leider muß er feststellen, daß die Zunahme der singenden Mitglieder im letzten Berichtsjahre nicht in dem Maße erfolgt ist, wie es für die Erfüllung der künst- lerischen Aufgaben des Ehores wünschcuslvert gewesen wäre. Zwar Die Arbeiter werden, wenn sie sich nicht auf die Angaben der „Kreuz-Zeihmg" verlassen, sondern selbst die im Anhang der Marxschen Streitschrift„Elend der Philosophie" abgedruckte Marxsche Frei- Handelsrede nachlesen, sicherlich nicht erkennen, daß sie von den Führern der Sozialdemokratie planmäßig betrogen werden, sondern daß die„Kreuz-Zeitung" und die erwähnte kuriose Korrespondenz sie planmäßig belügen— eine Tatsache, die allerdings nicht erstaunlich erscheint, wenn man bedenkt, daß in Deutschland die„vaterländische" Flagge fast stets zur Deckung der schmutzigsten Profitsucht dient. Bevor Marx die Bedeutung des Freihandelssystems für die Arbeiter kritisiert, fertigt er nämlich in seiner Rede das Schutzzollsystem ab und zwar sagt er wörtlich: „Hierauf werden Ihnen die Oekonomen sagen: Nun ja, wir geben zu, daß die Konkurrenz unter den Arbeitern, die unter der Herrschaft des Freihandels sicherlich nicht geringer sein wird, sehr bald die Löhne in Einklang mit dem niedrigen Preis der Waren bringen wird. Aber andererseits wird der niedrige Preis der Waren den Konsum vermehren; der größere Konsum wird eine stärkere Produktion erfordern, welche eine stärkere Nachfrage nach Arbeitskräften nach sich ziehen wird, und dieser stärkeren Nach- frage nach Arbeitskräften wird ein Steigen der Löhne folgen. Diese ganze Argumentierung läuft auf folgendes hinaus: der Freihandel vermehrt die Produktivkräfte. Wenn die Industrie im Waibstum begriffen ist, wenn der Reichtum, wenn die Produktivkräfte, wenn mit einem Wort das Produktivkapital die Nachfrage nach Arbeit vermehrt, so steigt auch der Preis der Arbeit und folglich der Lohn. Die günstigste Bedingung für den Arbeiter ist das Anwachse» deS Kapitals. Und man muß dies zugebe». Wenn das Kapital stasionär bleibt, wird die Industrie nicht nur stationär bleiben, sondern zurückgehen, und in diesenr Falle wird der Arbeiter daS erste Opfer sein. Er wird vor dem Kapitalisten zu Grunde gehe n." Erst nachdem Marx hier zugegeben, daß daS durch den Freihandel begünstigte Anwachsen des Industriekapitals immerhin für den Arbeiter besser sei. als eine durch den Schutzzoll zurück- gehaltene industrielle EntWickelung(wohlgemerkt, Marx spricht hier immer vom England des Jahres 1848), wirft er die Frage auf, was selbst dann, wenn durch den Freihandel die industrielle Entwickclung gefördert werde, der Arbeiter schließlich dadurch gewinne. Und er antwortet: „Und in dem Falle, wo das Kapitel anwächst, also in diesem, wie gesagt, besten Falle für den Arbeiter, welches wird da sein Schicksal sein? Er wird gleichfalls zugrunde gehen. Das Anwachsen des Produktivkapitals begreift in sich die Konzentration und Akkumulation der Kapitalien. Die Zentralisation der Kapi- talie» bat eine größere Arbeitsteilung und eine größere Anwendung von Maschinen zur Folge. Die größere Teilung der Arbeit zerstört die besondere Geschicklichkeit des Arbeiters; und indem sie an die Stelle dieser besonderen Geschicklichkeit eine Arbeit setzt, die jeder- mann verrichten kann, vermehrt sie die Konkurrenz unter den Arbeitern."» Also es ist direkt gelogen, wenn die„Kreuz-Zeitung" und die von ihr angezogene Korrespondenz für Arbeiterverdummung be hanptet, Marx(und mit ihm die Sozialdemokratie) wisse, daß der Zollschutz die Lage des Arbeiters verbessere. Nirgends ist in der Freihandelsrede noch in irgend einer Marxschen Schrift davon die Rede, der Zoll schütz sei für den Arbeiter vorteil- h a s r e r. Im Gegenteil, Marx sagt ausdrücklich, daß das Schutzzollsystem in seinen Wirkungen noch ungünstiger für den Arbeiter ist, als der Frei- Handel. Der letzte ist ihm immerhin der„beste Fall". Allerdings jene Vorteile, die damals die englischen Freihandelsagitatoren den Arbeitern versprachen, hat auch der Freihandel nicht, denn wie Marx („Elend der Philosophie" S. 204) sagt, wird durch die Konkurrenz jede Ware auf das Minimum ihrer Produktionskosten reduziert. Demnach ist das Lohnminimum der natürliche Preis der Arbeit, d. h. jener Geldbetrag, der nötig ist, um die zum Unterhalt des Arbeiters unerläßlichen Gegenstände zu produzieren, um ihn in ist die Zahl aller Chormitglieder von 200 auf mehr als 300 gestiegen, doch ist die Zahl der singenden Mitglieder die gleiche geblieben. Der Wechsel der singenden Mitglieder ist ein bedauer- lich starker. Nicht nur durch Verheiratung. Krankheit und Tod gehen dem Chor Mitglieder verloren, sondern vor allem machen sich die wirtschaftlichen Bewegungen im Mitgliederbestand geltend, besonders natürlich unter den jüngeren, den Hauptbestand bildenden Arbeitern. Auch die Erlassung des Beitrages in Fällen der Erkrankung und Arbeitslosigkeit hat diesen Prozeß nicht aufhalten können. Anderer- seits wird auch beklagt, daß manche wieder austreten, weil sie mehr gesellige Veranstaltungen denn ernste musilalische Bestrebungen suchen. Die Dresdener Volks-Singakademie hatte nach vierjährigem Bestehen 420 singende und fast die doppelte Anzahl zuhörende Mitglieder. Ein ähnliches Resultat müßte doch zum mindesten auch in dem vielfach größere» Berlin zu erzielen sein! Mit Recht fiihrt der Bericht auS:„Der Besuch der Konzerte sollte ein Ansporn sein, dem Chor als Mitglied beizutreten; die Freude an den Herr- lichcn Chorwerleu unserer großen Meister, die sich in dem Beifall der Zuhörer ausdrückte, sollte keine einmalige bleiben, sondern— wenn auch in bescheidenerem Maße— in jeder UebungSstunde des Chors empfunden werden. Diese sollen nicht nur eine würdige Er- holung nach der Arbeit des Tages sein, sie allein bieten auch Zu- hörenden wie Mitwirkenden die Gelegenheit, die Schönheiten eines musikalischen Kunstwerkes genauer kennen zu lernen." Diesem Zwecke dienen auch die Einführungsabende, von denen zivei besonders ausgestaltet»nd auch Richtmitgliedern zu- gänglich gemacht wurden. Die Gesamtzahl der Besucher stieg anf zirka 12 800(gegen 14 000 im vorigen Berichtsjahre). Die wachsende Besucherzahl und.die zahlreichen Bitten um Mit- Wirkung des ChoreS bei anderen Festen und Konzerten beweisen, daß er an Boden gewinnt. Im kommenden Jahr wird der Chor in drei Konzerlen mitwirken, er gedenkt H a y d n S Jahreszeiten, Händels Acts und Galatea und den zuftiedengestellten Aeolus von Bach herauszubringen. Außerdem wird ein B r a h m S- und ein heiterer Musikabend(mit Sven Scholander) veranstaltet. Hervorragende Solisten, deren entgegenkommender Mit- arbeit die Beibehaltung des einheitlichen Eintrittspreises von 20 Pf. zu danken ist, haben sich lvieder zur Verfügung gestellt. Um vor allem nur der Arbeiterschaft und den minder bemittelten Volks- kreisen die Konzerte zu reservieren, sollen die Karten möglichst direkt und nur unter der Arbeiterschaft verbreitet werden. Dazu ist aber wiederum eine Zunahme der Mitgliederzahl erwünscht und notwendig. Die zahlreichen Vergünstigungen(freier Zutritt zu allen Vereins- Veranstaltungen, Ermäßigungen in zahlreichen anderen Konzerten), zu denen die Milgliedichaft berechtigt, sollten— ganz abgesehen von der musikalischen Ausbildung— das Opfer von 20 Pf. Monatsbeitrag erschwinglich erscheinen lassen. Für das Musikleben der Berliner Arbeiterschaft ist das Bestehen eines großen und starken Volkschores� eine künstlerische Notwendigkeit. ES muß daher aber auch dafür Sorge getragen werden, daß der Chor über genügende Gesangskräfte ver- fügt. Die Aufnahme von Mitgliedern findet in den UebungS- stimden des ChorS statt; diese werden wie bisher im Sophien- Realgymnasium, Steinstr. 31—34, abgehalten, und zwar ist Freitags Stand zu setzen, sich durchzuschlagen und seine Klasse so viel wie nötig fortzupflanzen. Viel besser als der Zollschutz ist also nach der Marxschen Ansicht der Freihandel in seinen Wirkungen auf die Lebenslage der Arbeiter auch nicht, aber der Freihandel treibt den Gegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoisie auf die Spitze, er beschleunigt die soziale Revolution und kürzt dadurch die Leidcnszeit der Arbeiter ab. Des- halb verdient er den Vorzug I Zum Beweis können wir uns auf Marx selbst beziehen, der neben der Freihandelsrede eine Rede über die Schutzzollsrage auf dem Brüsseler Oekonomfftenlongreß halten wollte, infolge verschiedener Um- stände aber nicht dazu kam. Diese Rede ist in Broschürenform erhalten geblieben(Vergl.„Neue Zeit", 1000/01 I. Band, S. 704) und in dieser Rede fertigt Marx die Argumentation der Schutzzöllner höhnisch ab. Er gelangte zu dem Schluß:„Die Erhaltung, die Konservierung des jetzigen ZustandeS ist also das beste Resultat, wozu die Schutz- zöllner im günstigsten Falle gelangen werden. Gut, aber für die arbeitende Klasse handelt es sich nicht darum, den jetzigen Zustand zu erhalten, sondern denselben in sein Gegenteil zu ver« wandeln." Es ist demnach eine Frechheit sondergleichen, wenn das Blatt der Hammersteinlinge, nachdem es dreist gefälscht hat, obendrein von einer„unverschämten Heuchelei" der sozialdemolratischen Führer spricht. Doch der schönste Fälschungstrick kommt noch. Während Marx stets die englischen Verhältnisse im Auge hat und lediglich vom industriellen Schutzzoll spricht, be- zieht die„Kreuz-Zeitung" und die von ihr angezogene Korrespondenz die Marxschen Ausführungen zum Schluß plötzlich sogar auf die Gctrcidezölle! Weiter kann man die Verlogenheit nicht treiben. Die Hammersteinschen Epigonen sind, was die Skrupellosigkeit an« betrifft, ihres großen Meisters würdig. Vermischtes. „Urgroßmutter Nettclbeck". Ein intereffanter Beleidigungsprozeß der Nachkommen des alten Nettelbeck fand am Mittwoch vor dem Strafsenat des Dresdener Oberlandesgerichts seinen endgültigen Abschluß. An der Hand der in den Jahren 1821—23 vom Kolbcrgcr Superintendenten Haken herausgegebene Lebensbeschreibung Nettelbccks(von Nettelbeck selbst aufgezeichnet erschien im Jahre 1804 in Reklams Universalbibliothek in gekürzter Fassung eine zweite Lebensbeschreibung Nettcl« bccks, versaßt vom Schriftsteller Dr. Max Mendheim in Leipzig. Im Texte, Seite 386, stellte der Verfasser auf Grund eingehender neuer Forschungen die Behauptung auf, die am 11. Juni 1770 in Königsberg i. Pr. angeblich unehelich geborene Rcgine Sofie Nettelbeck sei eine Tochter der Ehefrau Nettelbccks. Diese sei eine Dirne gewesen, habe unsittlichen Lebenswandel geführt, sei später aber durch ihre Verheiratung eine anständige Dame geworden. Ihre Kinder hätten sich den Namen„Bessert- Nettelbeck" zugelegt. Durch diese Behauptung des Schriftstellers Dr. Mendheim fühlten sich die Nachkommen der Negine Sofie Nettelbeck beleidigt, und in ihrem Namen stellte Dr. jur. Bessert- Nettelbeck in Leipzig gegen den Verfasser Dr. Mendheim, Strafantrag(I), wobei er ausführte, daß durch die Verunglimpfung der Regine Sofie Ncttelbeck, der Urgroßmutter der Dr. Bessert- Nettclbeck, seine soziale Stellung beeinträchtigt worden sei(?). Der Verfasser habe damit rechnen müssen, daß noch Nachkomme» der Negine Sofie Nettelbeck vorhanden sein könnten. Das Land- gericht Leipzig sprach den Verfasser Dr. Mendheim jedoch von Strafe und Kosten frei. Und das Oberlandcs- gericht Dresden erkannte auf Verwerfung der Revision. Es führte ans, daß der höchste sächsische Gerichlshof gefunden habe, daß das Landgericht Leipzig von richtigen Grundsätzen ausgegangen sei. Das Oberlandesgericht halte es für ausgeschlossen, daß durch eine Bemerkung in einein wissenschaftlichen Werke über die Nrgroß- mutier deS Klägers dieser in seiner Ehre verletzt werden könne. Der Verfasser habe in Wahrnehmiiiig berechtigter Interessen ge- handelt. Eine Beleidigung der Nachkommeii Netlelbecks liege nicht vor. von 8'/z— 10 Uhr allgemeine Chorprobe, zu der Gäste stets will- koinmen sind._ Notizen. — Theater chronik. Im Neue n> Schau spielhaus findet Sonnabend die letzte Vorstellung von„Judith" zu Volks- tümlich ermäßigten Preisen statt. — Eine Millionen oper. Richard Strauß hat seine noch nicht vollendete Oper Elektra an den Berliner Musik- und Theaterverlag Bloch um rund eine Million Marl verlauft. — Heilig, heilig ist der Briefwechsel. Die Nietzsche- clique, die die wissenschaftliche Beschäftigung mit ihrem Herrn und Meister als Monopol betrachtet, hat einen(Gerichts-) Sieg davon- getragen. Bernoulli hatte in einem Werke über Nietzsche-Overbeck Briefe des jetzigen Beamten am Nietzsche-Archiv, Peter Gast, ver- öffentlicht. DaS Landgericht in Weimar untersagte als Berufung»- instanz die Veröffentlichung, weil sie auf Grund eines vorliegenden Vertragsvcrhältnisses gegen die guten Sitten verstoßen würde. — Ein M ü n ch e n e r M u s i k e r p r o z e ß. Im Anschluß an den Skandal des Kaimorchesters hatten fünf Musiker des ehemaligen KaimorchesterS in einer Münchener Zeitung eine Erklärung erlassen, in der sie den Kapellmeister Schneevoigt des Wortbruchs und der Doppelzüngigkeit bezichtigten. Durch die Bemühungen des„guten Rickiters" OderlandesgcrichtSrat Meyer ist dieser Prozeß jetzt nach zweitägigem Hin- und Herreden durch Vergleich aus der Welt gc- schafft worden. Für etwa kommende Minchener Musikerzwiste soll ein von den verschiedenen Jntcressentengruppen beschicktes unpar- teiisches Schiedsgericht gebildet werden. — Schonzeit für Ruinen. Die Anschläge gegen die Heidelberger Schloßruine, die nach bekannten Vorbildern restauriert werden soll und muß, sind trotz der ablehnenden Haltung der badischcn Kammer noch nicht abgeschlossen. Obwohl der Prof. Schäfer durch den gnädigeren Tod abgehalten wurde, seine Pläne gegen die wehrlosen Ruinen durchzuführen. Aber die badische Re- giernng will ihr Vorhaben nicht aufgeben, nur will sie die Ze� die bei den deutschen Spießbürgern alles reift, eine Weile wirken lassen. Wer also Alt-Heidelberg uuverschandelr sehen will, mag sich beeilen. — Ein ethischer AuStauschprofessor. Als dritte' amerikanischcr Austauschprotessor wird Dr. Felix Adler, Professor für polirische und soziale Ethik an der Columbia-Universität, dicscu Winter nach Berlin kommen. Prof. Adler will in seinen Vorlesungen die Grnndanschauungen des amerikanischen Volkes und deren Einfluß auf das soziale und politische Leben behandeln. Die Prinzipien der Freiheit und Gleichheit sollen dabei berücksichtigt werden. Wir wissen nicht, was Professor Adler, der Begründer der Gesellschaft für ethische Kultur, unter amerikanischer Freiheit und Gleichheit versteht. Aber bemerkenswert ist es mimer- hin, daß über dergleichen in Preußen doziert werden darf, in einem Lande, in dem einem Sozialdemokraten die Befähigung ab» gesprochen wurde, Physik zu� lehren. Zur Beruhigung wollen wir mdes verraten, daß die preußischen Professoren und noch mehr das Ministerium für preußischen Geist an der Bernfung und dem Vor» lesnngsthema des Professor Adler unschuldig sind. Die Amerikaner bestimmen nämlich selber, wen sie über den Teich senden. Zurück- schicken kann man doch den Herrn Professor nicht gut. Oder doch? ***** 19 Unserem Genossen Franz Hebmanowicz nebst seiner jungen Frau die Herzlichsten Glückwünsche zur Vermählung. 24035 Die Genossen des 706. Bezirks. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berl. Reichstags- Wahlkreis. Todes- Anzeige. Am 26. Mai verstarb unser Mitglied, der Maurer 227/6 Karl Kaseh Reinickendorfer Str. 26. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 30. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Nazareth Kirchhofes, Reinickendorf- West, Berliner Straße, aus statt. 9 Um zahlreiche Beteiligung er fucht Der Vorstand. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Todes- Anzeige. Am Dienstag, den 26. Mai, starb unser Kollege 138/5 Karl Kasch. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 30. Mai, nachmittags 4 1hr, von der Halle des neuen Nazareth Kirchhofes in Reinickendorf West, Berliner Straße, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Der Vorstand. Zentral- Verband der Steinsetzer ( Pilasterer) und Berufsgenossen Deutschlands. Filiale Groß- Berlin II. Unterbezirk Berlin N. Am 25. Mai verstarb unser treues Mitglied Anton Kruner Chorinerstr. 13. Ehre seinem Andenken! 175/14 Der Bezirkskassierer. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann und guter Vater, der Tischlermeister 32522 Gustav Ramminger am Donnerstag, den 28. Mai, früh 2 Uhr, nach langem, schwerem Leiden sanft entschlafen ist. Beerdigung am 31. Mai, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Auferstehungskirchhofes in Weißensee. Die trauernde Witwe nebst Tochter. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zahlstelle Nixdorf. Nachruf. Am Freitag, den 22. Mai, berstarb der Kollege Friedrich Zmeck im Alter von 66 Jahren. Ehre seinem Andenken! 138/6 Der Vorstand. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Nachruf. Hiermit diene den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Kohlenarbeiter August Bauch am 26. d. Mts. im Alter von 59 Jahren an Schlaganfall gestorben ist. Ehre seinem Andenken! 69/7 Die Verwaltung II. Am 27. Mai entschlief nach langem, schwerem Leiden meine liebe Fraut, unsere gute Mutter und Schwiegermutter 24055 Pauline Ehrenberg geb. Gabriel im 55. Lebensjahre. Um ftilles Beileid bitten Aug. Ehrenberg und Söhne, Martgrafenftr. 98. Die Beerdigung findet am Sonntag, 31. Mai, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Jerusa lemer Kirchhofs, Rigdorf, Hermannstraße, aus statt. Blumen- und Kranzbinderei Don Robert Meyer, nur Mariannen- Straße 2. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer unvergeßlichen Mutter Margarete Winkelmann sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten den herzlichsten Dant. Hermann Winkelmann und Kinder. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die zahlreichen Stranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Schneiders 24156 Hermann Jehnke fage ich allen Freunden und Betannten, dem 1. Berl. foz. Wahlverein, dem Verband der Schneider, dem Gesangverein Lorbeerkranz, dem Lotterieklub Berzweiflung, sowie der Firma Peek u. Cloppenburg nebst der daselbst beschäftigten Kollegenschaft meinen herzlichsten Dant. Frau Marie Jehnke, geb. Werner. Dr. Schünemann Spezial- Arzt für 25292* Hant- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schüßenstr, 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Uhr Billig! Billig! Invalienstr. 135 Robert Bohn Bessere Herren- Garderoben Riesen- Auswahl. Spottbillig fertig u. nach Maß. Gitigit, flüssig, das Beste geg. Ungeziefer ( Kopf- und Filzläuse), tötet radikal mit Brut, Giftfrei, keine schmutzende Salbe, sauber, wohlriechend, Fl. 50 Pfg. Gebrauchsanweisung liegt überall bei. Erhältlich in den Apotheken und Drogerien. ,, Gitigit" vom Deutschen Reichspatentamt gesch. unter W. Z. 101 896. Engr.: Heinr. Lehmann, Berlin, Würzburger Straße 17, Amt Charlottenburg 10241. Reell! Reell! Gelegenheitskauf von Paletots, Anzügen, Jacketts, Damenkleidern, Uhren, Ketten, Ringen, Wäsche zu allerbilligsten Preisen. Ferner Beleihung sämtlicher Gegenstände, auch Möbel und Instrumente, zu höchsten Preisen. Leihhaus Grüner Weg 48, 1. 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Vers.- Ges. u. Banken Hypothek auf gekauftes Haus Barkautionen und Spargelder. Unterstützungsfonds für Beamte und Hinterbliebene Ueberschuß des Gesamtgeschäfts M 6 000 000 1 200 000 496 283 811 92 91 369 088 50 14 087 058 83 4 608 634 49 600 000 261 051 48 2 519 618 33 28 220 840 22 645 150 103 77 Es werden für das Rechnungsjahr 1907 an Dividenden für die mit Gewinn- Anteil Versicherten verteilt in Summa 26 206 214,05 M. und zwar: a) 40 Proz. der Jahres- Prämie in der Unfall- Versicherungs- Branche, b) 3 Proz. der vom Versicherungs- Beginn an gezahlten Gesamt- Prämien( nicht nur der einzelnen Jahres- Prämie der Lebens- Versicherungs- Branche, d. h. beginnend mit 10 Proz. der Jahres- Prämie für den jüngsten Jahrgang, steigend bis zu 90 Proz. der JahresPrämie für den ältesten Jahrgang 1878. c) 10 Proz. der Jahres- Prämie in der Abteilung der Versicherungen auf den Erlebensfall mit Gewinn- Beteiligung( Tarif L'). d) 25 Proz. der Jahres- Prämie in der Volks- Versicherungs- Abteilung. 10 000 Mark Strafe bei der Deutschen Bank deponiert, verpflichten wir uns an die Armen Berlins zu zahlen, wenn dieses Angebot nicht streng reell ist und auf Wahrheit beruht. Wer sich billig und gut kleiden will, der kafue uns die von unserer Kundschaft nicht abgeholten, eleganten Maß- Anzüge und Paletots ab, welche wir 331 bis 50% unter Preis abgeben, damit unsere guten Sachen nicht den Ramschern zum Opfer fallen. Infolge unseres ausgedehnten Versandgeschäftes hat sich wieder ein großer Posten angesammelt, so daß jeder etwas nach seinem Geschmacke findet. Andere Waren kommen mit zum Verkauf. Kein Kanfzwang, unbehelligtes Ausuchen. Mittelstr. 46, 1 Tr., kein Laden. Gebr. Heinemann, Geschäftszeit: 8-12, 2-7 Uhr. Morgen Sonntag, den 31. Mai, bis 6 Uhr abends geöffnet. Blitz- Schnell tommt man mit der Hochbahn zu Weingarten, Gitschinerstr. 72, Station im Hause. Haltestelle Brinzenstraße. Empfiehlt: 1 Posten Monats- Anzüge, 1 Posten Monats- Paletots, 2 81 Posten Monats- Beinkleider zu staunend billigen Preisen, auch für forpulente Herren passend. 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Gemäß§ 67 der Stassensazung wird hiermit bekanntgegeben, daß durch nach Berlin aus dem Borstande ausgeschiedenen Fabrikanten Wilhelm 8iesing Sonntag, den 31. Mai, Sonntag, den 31. Mai 1908, vorm. 9½ Uhr, im Gewerkschaftshaufe, Engel- Ufer 15 an Stelle des bur Berguges and vormittags 10 Uhr bis nachm. 2 the Außerordentliche Generalversammlung findet die Ersatzwahl Tages Ordnung: 1. Stellungnahme zum diesjährigen Verbandstage: a) Anträge. b) Ausstellung der Kandidaten. 2. Das Bertretersystem zu unseren Generalversammlungen. Buch legitimiert. 63/ 18* NB. Unter Berücksichtigung der vorstehenden wichtigen Tagesordnung wird zahlreicher und pünktlicher Bes fuch erwartet. Am Mittwoch, den 3. Juni, sind die Bureaus anläßlich der Landtagswahlen ges Die Ortsverwaltung. eines Beamten und die Urabstimmung fchloffen. über die Einführung eines Extrabeitrags in folgenden Lokalen statt: Milbrodts Gesellschaftshaus, Müllerstr. 7. Bernhard Rose- Theater, Badstr. 58. Obiglos Festsäle, Schwedter Str. 23. Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42. Elysium, Landsberger Allee 40/41. Bauarbeiter! Sonntag, den 31. Mai, mittags 12 Uhr, in Freyers Festsälen, Koppenftr. 29: Oeffentliche Versammlung der Tichlermeister Paul Friedrich in Weißensee, Langhanssir. 84, gewählt worden ist. Die Wahlperiode läuft bis zum 31. Dezember 1908. 274/16 Weißensee, den 95. Mai 1908. Der Vorstand. Fuhrmaan, Vorsitzender. „ Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein" Mitglied des Arbeiter Radfahrer- Bundes .Solidarität“. Sonntag, den 30. Mai: Vereins- Tour. Früh 6 Uhr: Eberswalde. 1 Uhr: 1. bis 5. Abt.: Bernau( Schüßenhaus). 6. bis 10. Abt.: Ladeburg. Die Abteilungen von ihren Starts. Motorfahrer. Früh 8 Uhr: Schlesische Brücke. Wohin? wird am 11/18. 11. Abt.: Donnerstag, den 4. Juni, Start: Berbandshaus. Nächste Verbormittags 10 Uhr: Nowawes( Singer). fammlung: 15. Juni. Sauers Restaurant, Schönhauser Allee 134a. sämtlicher Banhilfsarbeiter Berlins u. Umgeg. Start befanntgegeben. Litfins Festsäle, Memeler Str. 67. Boekers Festsäle, Weberstr. 17. Tages Ordnung: 30/ 17* 1. Bortrag des Kollegen Wilhelm Brandmohr aus Hamburg über:.Die fetigen Tarifverträge im Baugewerbe und welche Bedeutung haben dieselben für die Berliner Bauarbeiter?" 2. Diskussion. Kollegen! Die augenblickliche Lage im Baugewerbe erfordert es, daß jeder Kollege in dieser für die Der Einberufer. Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15( Saal 1). Berliner Bauarbeiter so hochwichtigen Bersammlung erscheint. Fröhlichs Restaurant, Muskauer Str. 1. Grumbachs Festsäle, Schönleinstr. 6. Wiemers Restaurant, Bülowstr. 58. Kronen- Brauerei, Alt- Moabit 47/49. Volkshaus, Charlottenburg, Rosinenstr. 3. Thiel, Rixdorf, Bergstr. 152. Hoppe, Rixdorf, Hermannstr. 49. Fritsch, Steglit, Floraftr. 2a. Huth, Spandan, Linden- Ufer 17. Warnecke, Ober- Schöneweide, Wilhelminenhofstr. 18. Tempel, Rummelsburg, Alt- Borhagen 56. Lehmann, Köpenick, Bahnhofstr. 34. Roßkopf, Weißenfee, König- Chaussee 38. Halfes, Tegel, Brunowstr. 23. Rozycki, Pankow, Kreuzstr. 3/4. Ohne Mitgliedsbuch fann niemand wählen! Die Stimmzettel werden am Eingang zu den Wahllokalen verteilt. Wahlleiter ist der Kollege Otto Handke, Charitéstr. 3. 117/2 Sonntag, den 31. Mai, vorm. 10 Uhr: Branchen- Versammlung der Werkzeugmacher( Werkzeug-, Modellund Vorrichtungsbauer, Einrichter und Werkzeugschleifer) in den Musiker- Festsälen, Kaiser- Wilhelm- Straße 18m. Tages Ordnung: 1. Arbeits, Lohn- und Organisationsverhältnisse in der Berliner Wertzeugindustrie. 2. Ersatz- und Neuwahlen zur Agitationstommission. 3. Branchenangelegenheiten. Kollegen, sorgt für zahlreichen Besuch der Versammlung. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Der am 3. Juni stattfindenden Landtagswahl und der Pfingstfeiertage wegen findet die Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung in folgender Weise statt: am Dienstag, den 2. Juni, für den 1. und 2. Juni, am Donnerstag, den 4. Juni, für den 3. und 4. Juni, am Freitag, den 5. Juni, für den 5., 6. und 7. Juni, am Sonnabend, den 6. Juni, für den 8. und 9. Juni. Am Donnerstag, den 11. Juni. findet die erste regelmäßige Zahlung für Mittwoch, den 10. Juni, statt. Am Mittwoch, den 3. Juni, am Sonnabend, den 6. Juni, und am Dienstag, den 9. Juni bleibt der Arbeitsnachweis geschlossen. Die Ortsverwaltung. Nationale Krankenkasse der deutschen Gold- und Silberarbeiter und verwandter Berufsgenossen( E. H.). XIX. Bahlabteilung. Berlin- Nixdorf. Montag, den 1. Juni 1908, abends präzise 8% Uhr: General- Versammlung (§ 28 des Statuts) im Saal I des„ Gewerkschaftshauses, Engelufer 15. Zages Ordnung: 1. Erfahwahl zum Vorstande. 2. Anträge, betreffend Statutenänderungen: a) für die Krankenkasse, b) für die Frauenbegräbniskasse. 3. Wahl von vier Vertretern zu der am 3. August 1908 und die folgenden Tage in Heilbronn a. N. stattfindenden XI. ordentlichen Generalversamm lung. 4. Berschiedenes. 23616 Bahlreiches wie pünktliches Erscheinen ist dringend notwendig. Das Mitgliedsbuch legitimiert! Die Beauftragten: C. Holtkamp, Borsitzender, Admiralstraße 18 E. Julius Lindenbaum 141 Frankfurter Straße 141 Ecke Fruchtstraße. Sommer- Paletots und Ulster Feste Preise Feste Preise! elegante und moderne Verarbeitung in allen Stoff- Neuheiten und tausendfacher Auswahl. Nur eigene Erzeugnisse! Yon 12 M. bis 60 M. Jackett- Anzüge in allen erdenklichen Mustern der Nenzeit braun, grau etc.. · von 50 14.50 M. bis 54 M. Rock- Anzüge geschmackvollste Muster, tadellose Verarbeitung von 25 M. bis 54 M. Gehrock- Anzüge Ersatz für Maßanfertigung in schwarz. von 30 M. bis 65 M. Jünglings- Garderobe. Knaben- Garderobe. Berufs- Arbeiterbekleidung für alle Gewerke. Spezialität: Anfertigung nach Maß in eigenen Werkstätten im Hause, unter Leitung erster Zuschneider. In dieser Abteilung leistet meine Firma anerkannt das Beste. Der ständig wachsende Zuspruch aus allen Kreisen bietet die sicherste Gewähr für streng reelle und sachgemäße Bedienung. Kein Laden, nur 1 Tr. 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Demgegenüber sei folgendes festgestellt: Als im Reichstage im Frühjahr unverbindlich seitens der Regierung die Frage an- geschnitten wurde, wie der Reichstag sich zu einer Reichsapanage für den Kaiser stellen würde, wurde auf feiten der Nationalliberalen und der Freisinnigen nur ein geringer Widerspruch gegen einen solchen Plan erhoben, während die übrigen Parteien Bedenken äutzerten und einem solchen Plane erst nähertreten wollten, wenn die Finanz- reformfrage glücklich und ausreichend gelöst würde. Die Libe- ralen meinten, es verstohe wohl nicht gegen libe- rale Grundsätze, wenn sie vom Reiche verlangten, für den Kaiser des Reiches finanzielle Verpflichtungen einzugehen, es sei sogar unbillig, die ganze Last einem einzigen Bundesstaate sPreusten) aufzubürden. Sie erblickten in einer Reichsapanage sogar eine wünschenswerte Festigung des Reichs- gedankens. Vorgeschlagen wurde damals von liberaler Seite, die preußische Apanage nicht zu erhöhen, dagegen eine Repräsentationszulage von SMillionen Mark dem Kaiser vom Reiche aus zu gewähren, von der Preußen ohnehin einen großen Teil tragen müsse, da diese Zulage durch Matrikularbeiträge oder eine ähnliche Beisteuerart aufgebracht werden müsse." Immer auf eigenen Profit bedacht. AIS die Polen-Enteignungsvorlage im preußischen Abgeordneten- Hause zur Beratung stand, traten eine Reihe Großgrundbesitzer aus dem Osten pathetisch für die Vorlage ein— unter Berufung auf das Interesse des preußischen Vaterlandes. Wie eS um diese Begründung ihres Verhaltens bestellt ist, zeigt ein von den»Posener Nachrichten" veröffentlichtes Schreiben der AnsiedelungSkommisfion, in welchem die in der Presse erschienene Mitteilung zurückgewiesen wird, daß in Westprenßen Bestrebungen im Gange seien, die neue Anfiedelungskommisfion dafür zu benutzen, neueFideikommisse zu schaffen. Dagegen liegen der AnsiedelungSkommission allerdings zahlreiche Anträge auf Regulierung größerer Güter nach Maßgabe des Gesetzes vom 20. März 1S08, zur Regelung der Schuldverhältnis'se der Besitzer und die Umwand- lung der Güter in Rentengüter im Interesse und zur Sicherung des deutschen Besitz st andeS vor, zu welchen die AnsiedelungSkommission Stellung nehmen wird, sobald die LuSführungSbestimmungen zu dem Gesetz erlassen worden find. Der eigene Profit war also auch in diesem Falle wieder das »vaterländische" Motiv der Agrarkonservativen. Wie gewöhnlich haben fie den eigenen Nutzen mit dem deS teuren Vaterlandes ver- wechselt._ Das„freiheitliche" Vereinsgesetz. Einen niedlichen Reinfall hat sich dieser Tage der Leiter tiner wationalliberalen Landtagswählerversammlung in Kreuznach zugezogen. In seiner Eröffnungsansprache sagte der Vorsitzende, Dr. Kühler, nach dem Bericht deS national. liberalen»Oeffentlichen Anzeigers für den KreiS Kreuznach" wörtlich: »Wenn das neue VercinSgesetz, unter dem wir heute zum ersten. mal tagen, freiheitlich gestaltet wurde, so ist das mit ein wesentliches Verdienst unserer Partei. Ent- sprechend seinen Bestimmungen richte ich an etwa anwesende Personen unter achtzehn Jahren die Aufforderung, den Saal zu verlassen...." Aerger hat sich wohl noch nie ein nationalliberalcr Phrasen- drcscher selber geohrfeigt. ,,__ Berlin in Preufien voran! Die preußische Hof» und Rangordnung scheint auch in Berlin Schule zu machen. Zu der zu Pfingsten in Dortmund stattfindenden Lehrerversammlung hat der Magistrat einen Schulinspektor, einen Rektor, einen Lehrer und eine Lehrerin als Delegierte entsandt. An TageSgeldern erhalten die beiden letzteren je L M.; der Rektor aber, denn Ordnung muß sein, 12 M. WaS der Schulinspektor erhält, entzieht sich unserer Kenntnis. Es ist aber wohl anzunehmen, daß er als ganz gewöhnlicher Schulinspcktor?0 M., als Titular- Schulrat oder wohl gar als Rat 4. Klasse, denn diese seltsame Menschenspezies lebt auch in Preußen, 25— 80 M. erhält. Der Berliner Lehrerverein zahlt seinen Delegierten täglich 10 M. und fühlt sich deshalb moralisch verpflichtet, den Stadtdclcgicrten, die seiner Organisation angehören, das Fehlende zu ersetzen, damit sie wenigstens nicht schlechter als die VereinSdelcgierten gestellt sind. Vielleicht schneiden die Stadtverordneten dem Magistrat diesen alten Zopf einmal ab.______ Herr Bartling und die„National-Zeitung". Der nationalliberale Abgeordnete Kommerzienrat Bartling, der jetzige Besitzer der.National-Zeitung", bestätigt in einer Zu- schrift an sein Blatt, daß die.National-Zeitung" mit der.Post" fusioniert werden soll. In der langatmigen Erklärung heißt es: »Daß von der beabsichtigten Fusion der politische Teil der .National-Zeitung" nichl berührt wird, vielmehr nur der nicht- politische Teil— Hof- und GesellschaflSnachrichten. Ernennungen, Vermischtes, Lokales, Sport, Handelstcil usw. Daß der politnche Teil dcc.Natwnal-Zeitung" auch in Zukunft, und wie bisher, selbständig von liberalen Redaklenrcn und einem liberalen, selbständigen Ehefredakleur geleitet wird, und daß deren Anstellung genau wie seither von mir allein erfolgt. Daß die.Post" ihre eigenen politischen Redakteure behält und diese und deren Chef- redakteur nicht den geringsten Einfluß auf Hen politischen Teil der „National-Zeitung" und deren politische Redakteur« erhält, und daß der Chefredakteur der„Post" auch nicht Geschäftsführer der „National-Zeitung" wird, als solcher vielmehr ein nationalliberaler Herr bereits vorgesehen ist. Daß ich für das. für die Erhaltung der.National-Zeitung" seither aufgewandte Kapital, soweit dieses nicht durch die Druckerei der Zeitung gedeckt ist letwa ein Drittel). nicht nur keine Zinsen erhalte, sondern mich im Gegenteil bereit er- klärt habe, auch in Zukunft weitere Opser zu bringen, um die. National- Zeitung" der Partei zu erhalten. Daß die Fusion ausschließlich und allein deshalb beabsichtigt ist. weil durch die gemeinsame Herstellung des nicht politischen Teiles an Redaktion«- und Satz. kosten große Summen gespart werden und die Zuschlisse für die .National-Zeitung" dadurch auf ein erträgliches Maß herab- gemindert, wenn nicht überhaupt beseitigt werden können." Herr Bartling sollte selbst Chefredakteur der.National-Ztg." «erden; die nötige Fähigkeit des schriftlichen Ausdrucks besitzt er dazu— wie obige Stilprobe beweist.— Börsentermingeschliste. In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurde den Entwürfen der auf Grund des neuen Börsengesetzes zu erlassenden Bekannt- machuiigni betreffend die Zulassung von Böcsentermingelchäft-n in Anteilen von Bergwerks- und Fabrikunternehinungen' und betreffend den börsenmäßigen Zeithandel in Getreide und Mehl alt der Produktenbörse in Berlin die Zustimmung erteilt.— Der Feldzug gegen den„Hochverräter". Es bestätigt sich, daß der Generalstaatsanwalt zu Berlin gegen das freisprechende Urteil, das das Ehrengericht der An- w a l t s k a m m e r für die Mark Brandenburg im Verfahren wider den Genossen Dr. Karl Liebknecht gefällt hat, Berufung an den Ehrengerichtshof der deutschen Anwaltschaft in Leipzig eingelegt hat. Bei dieser Gelegenheit wollen wir bemerken, daß die VerHand- lung der ersten Instanz nicht öffentlich war und daß der auch von uns am 1. April veröffentlichte Bericht die Vorgänge zum Teil unrichtig dargestellt hat. Vor allem sind die Ausführungen des Genossen Liebknecht selbst und die Urteilsgründe durchaus unrichtig wiedergegeben.—_ Die Schuppcnkette vor Gericht. 8. u. H. Greifswald, 27. Mai. Der seltene Fall, daß eine Dame wegen Beleidigung durch die Presse auf der Anklagebank Platz nehmen mußte, ereignete sich vor der hiesigen Strafkammer. Es handelte sich um die bekannte Schnppenkette, die der frühere Leutnant und jetzige Universitätsprofessor v. Wcnckstcrn bei Gelegenheit der Einweihung des Hardenberg-Denkmals auf dem Dönhoffplatze in Berlin angelegt hatte. Wie erinnerlich hatte Professor v. W e n ck- stern, welcher die Festrede bei der Einweihung hielt, zur Per- wunderung weiter Kreise Offiziersuniform angelegt und erschien mit Helm, die Schnppenkette unterm Kinn. Der Vorgang wurde in der Presse vielfach glossiert und auch in dem in Greifswald und Swinemünde erscheinenden liberalen„Tage- blatt für Vorpommern" wurde eine Darstellung des Falles veröffentlicht, die dem„Berliner Tageblatt" entnommen war. Hieran war eine kurze Betrachtung geknüpft, in der es hieß, daß sich ja auch in den Stand der Universitätsprofessoren leider einige Streber eingeschlichen hätten.— Hierdurch fühlte sich Herr v. Wenckstern beleidigt und stellte gegen Iran Hedwig Koch geb. Becker, die in Vertretung ihres Mannes, des Dr. A. Koch-Hesse, das genannte Blatt redigierte, Strafantrag wegen Beleidigung und übler Nachrede. In der Verhandlung bestritt die Prehsünderin. die vom Fach nicht Schriftstellerin, sondern bildende Künstlerin ist, mit Entschiedenheit, daß mit dem Worte„Streber" der. Professor v. Wenckstern getroffen werden sollte. Professor v. Wenckstern sei zu der Zeit, als der Artikel erschien, bereits nach Breslau versetzt gewesen und habe deshalb gar kein Interesse für ihn vorgelegen. — Durch ihren Verteidiger, Rechtsanwalt Starz, ließ die An- geklagte dem Gericht den Wahrheitsbeweis anbieten, daß, falls das Gericht annehmen würde, der Ausdruck„Streber" sei auf Herrn v. Wenckstern gemünzt, sie beweisen wolle, daß Professor v. Wenck- stern ein Streber sei. Als Zeugen hierfür benannte sie den Reichs- tagsabgeordneten Dr. D o h r n. Dieser werde bekunden, daß Pro- fessor v. Wenckstern seine Stellung wegen Ueberschuldung als Es«»ß sich durchführe» lassen, daß, wen» nicht ein ganz besonderer Arbeitrrmangel besteht, auch die sozial- demokratisch organisierten Bauarbeiter— über deren Zu- geHörigkeit zu dem Hamburger Verbände sich leicht Ermitte- lungeu anstellen lassen— als Saisonarbeiter in den Staatssorstbetrieben nicht beschästigt werden. (Abg. v. Aruim-Znsedom(kons.) am 13. 2. 07.) # ES ist eine unerträgliche Tyrannei, daß die ge- bildete nnd besitzende Klasse der Mehrzahl her Besitzlosen preisgegeben werden soll. ES ist ein üo�ragsicher Zu- stand des die gesetzgch�. Gewalt ihrem, Schwerpunkt nach in die Hände gegeben werden soll, welche nicht geelgnet sind, das Wohl des Vaterlandes zn fördern. (Der konservative Führer Stahl zur Rechtfertigung des Verfasiungsbruches.) aktiver Offizier hätte aufgeben müssen und dann radikale politische Anschauungen vertreten habe. Hierdurch habe er die Unterstützung deS Herrn Dr. D o h r n gefunden, der ihm die Mittel zum akademischen Studium gegeben und dessen Empfehlung er seine wettere Karriere verdanke. Als v. Wenckstern durch eigenes Verschulden die Professur in Japan plötzlich verlor undDr. DohrnseineUnterstützung versagte, habe Herr v. W. seine politische Haltung geändert, um hierdurch die--Untcrstützung des preußischen K u l t u �m i n i st e r S zu gewinnen. Dieser Befürwor- tung. nicht seiner wisse.» schaftlichen Leistung ver- danke Herr v. Wenckstern seine Professur in Preußen. Er habe also seine heutige Position weniger durch feine wissenschaftlichen Leistungen, als durch gewandtes An schmiegen an die Wünsche und Ansichten der Kreise, von denen er Förderung seiner Interessen erwartete, erlangt. Der Gerichtshof lehnte diesen Be- weiSantrag als unerheblich ab. Nach Ablehnung dieses Beweisantrages zeigte die angeklagte Redokteurin keinerlei Interesse mehr für die Verhandlung. Da- gegen bekundete sie um so größeres Interesse für die ihr gegen- uberstehenden Persönlichkeiten, Staatsanwalt und Richter. Und da sie, wie gesagt, bildende Künstlerin ist, so nahm sie einen Zeichen- stift zur Hand und skizzierte die Gesichter dieser Persönlichkeiten. — Ter StaatSanivalt und die Gerichtsherren zeigten indes kein Verständnis für die Skizzen. Sie hielten ein derartiges Gebaren vielmehr für eine grobe Ungebühr und verhängten über die staatS- gefährliche Sünderin zunächst eine Ordnungsstrafe von 30 M.— Im übrigen wurde der unter Anklage stehende Artikel als beleidigend aiigesehen und die Angeklagte zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. � Staatsanwalt und Gerichtshof sind danach vjel empfind. l icher gewesen als Herr v. Wenckstern. der bekanntlich im 2. Berliner ReichStagSwahlkreis anno 1S03 kandidierte. Denn daß Herr v. Wenckstern mit der Schuppenkette nicht darauf drang, den angebotenen Wahrheitsbeweis seinerseits zu entkräften, ist doch sehr seltsam!— Die Wahlrcchtsfrage im ReichSlande stand in der Sitzung des LandeSausfchüfscs am Mittwoch wieder zur Besprechung. Das Rentncrparlament, daS sich kaum zur Hälfte versammelt hatte, machte mit dieser wichtigen Angelegenheit aber nicht viel Feder. lesen». Für die Wünsche des Volkes und seine Rechte ist im reiche- ländischen„Musterparlament" nicht viel Sinn zu finden. So ging man über die Petitionen des sozialdemokratischen KreisvereinS Mülhausen und der sozialdemo- kratischcn Partei Elsaß-LothringenS einfach zur Tagesordnung über— angeblich wegen des„wenig angemessenen Tones" der Petitionen und— weil sich der LandcöauSschuß zu diesem Gegenstand wiederholt zustimmend geäußert habe. Also nicht einmal zu einer Etinnepung der Regierung konnten sich die „Volksvertreter" aufschwingen. Selbst die Liberalen traten für den Ucbergang zur Tagesordnung ein. Wenn der liberale Ab» OWdMe H. Wb Ii MKI'W SUk BeWuigMg djefc# Wnpp, schwänzigen Verhaltens bekönte, daß ick den Petitiocken ein drin- gender Wunsch der Bevölkerung zum Ausdruck komme, so ist das nichts als die bekannte liberale Schaumschlägerei. Der lothringer Abgeordnete D i t s ch erklärte sogar, entgegen dem Programm der lothringer Gruppe, daß, solange man sich in Elsatz-Lothringen in einem Provisorium befinde und das Zweikammersystem noch nicht habe, man sich gegen das allgemeine, geheime, gleiche, direkte Wahlrecht aussprechen müsse. Bis dahin könne im Landes- ausschnß nur das konservative Element vor- herrschen. Die Zahl der Ncbnngsmannschaften des preußischen Heeres im Sommer und Herbst 1908 wird betragen 37 164 Unteroffiziere und 284 869 Gefreite und Gemeine, insgesamt 322 033 Mann. Dwse Zahl bedeutet die Mannschaftssumme von 214 Regimentern. Bon dieser Zahl sind 264 000 Landwehrleute, 58 000 Reservisten; es üben also in jedem Jahre 176 Landwehrregimenter(der Zahl der Landwehrleute nach) und 38 Reservistenregimenter. Aus diesen Zahlen kann man sich einen Begriff machen, welche Ersatzheere Deutschland im Kriegsfalle aufstellen kann, wenn es noch auf die älteren Reservistenjahrgänge zurückgreift, die im 4. bis 7. Jahre ihres Reservistenverhältnisses nicht üben. Trotzdem ist die Mann- schaftsstärke des deutschen Heeres gewissen Leuten noch immer nicht hoch genug. Das Ucbungsgeld und Reisegeld beläuft sich pro Jahr auf 2M> Millionen Mark. Von ehemaligen Einjährigen(Nicht- offiziersaspiranten) üben jährlich 13 850. Oeftermeb. Fünf Bauern erschossen! In Czernichow, in Galizien, haben Dienstag Gendarmen auf Bauern geschossen, fünf, darunter eine Frau und ein zwölfjähriges Kind, getötet und 15 Personen verwundet. Die Gendarmen hatten eine Frau und deren Sohn wegen unberechtigten FischenS verhaftet. Bei den Bauern, die behaupteten, in jenem Fluß zu fischen berechtigt zu sein, entstand große Erregung. Es sollen Steine gegen die Gendarmen gc- schleudert worden sein; diese haben dann sofort, ohne vorhergehende Warnung, auf die Menge drei Salven abgegeben. Der Vorfall hat im Parlament große Erregung hervorgerufen. Der euthenische Sozialdemokrat W i t y k verlangte eine sofortige strenge Untersuchung und die Bestrafung der Mörder. Der Minister sagte die Untersuchung zu. Das Abgeordnetenhaus wird sich mit dem Vorfall noch eingehend beschäftigen. Bei dem heute stattgefundenen Leichenbegängnis der Opfer ereignete sich ein Zwischenfall. Als ein Offizier der Kavallerie die Truppen zum Gebet kommandierte, rief jemand:„Fliehen wir, man will auf unS schießen!" In dem furchtbaren Gedränge. das hierdurch entstand, erlitten 60 Personen leichte Ver- letzungcn.—_ Eine klerikale Denunziation. Innsbruck, 29. Mai. Gegen Professor Wahrmund wurde bei der hiesigen Staatsanwaltschaft die strafrechtliche Ver- folgung wegen Herabwürdigung der Lehren und Einrichtungen der katholischen Kirche, begangen durch die Veröffentlichung seiner bekannten Broschüre, beantragt.— Ungarn. Die Wahlrcsorm. Budapest, 27. Mai. Abgeordnetenhaus. Minister deS Innern Graf Andrassy erklärt auf die Interpellation Mezöfis (Sozialist), er übernehme die bindende Verpflichtung, daß er den Gesetzentwurf wegen der W a h Ir e f o r m be» Beginn der Herbstsession einreichen werde.,, Belgien. tr•- Der Wahlsieg der belgischen Arbeiterpartei. Brüssel, 2«. Mai.(Eig. Ver.) Die offiziellen Ziffern lassen das Bild des sozialistischen Wahl- siegeS noch in schärferen Zügen hervortreten. Die Liberalen versuchen zwar ihre in MonS, Gent, Charleroi und Tournai erlitteneu Schlappen ästhetisch zu verdecken, indem sie die Siege der Sozialdemokraten gemütlich in einen„Sieg der antiklerikalen Opposition" umwandeln.... Nur daß eben der»Sieg der Demo- kratie", mit dem ein Teil der liberalen Presse etwas zweideutig das Resultat übertitelt, ausschließlich auf daS Konto der Sozia» l i st e n geht, die keinen einzigen Sitz verloren und fünf neue getvonnen haben, während die Liberalen ihrem Ver« lust von vier Mandaten nur das den Klerikalen in Tongres- Maeseyck abgenommene entgegenzusetzen haben. Dagegen ist noch festzuhalten, daß der Stimmenzuwachs in den großen Industrie- zentren von der Partei aus eigenen Kräften errungen wurde. Während die Liberalen in den Wahlkreisen, wo sie allein kämpften, nur 16 000 Stimmen als Gewinn zu buchen haben, ver» zeichnen die Sozialisten einen Zuwachs von 36000 Stimmen aus eigener Kraft und haben 273000 Stimmen auf sich vereinigt. Politisch betrachtet, löst sich der sozialistische Wahlsieg allerdings in einen Sieg der gesamten Opposition aus, indem er die RegierungSn»ajorität wieder um eine Staffel tiefer— die Vorstufe zum endgültigen Fall— gerückt, sie parlamentarisch und moralisch geschwächt hat. Aber aus den entscheidenden Zügen der Wahlen erhellt, daß die schliehliche Niederwerfung der Regierungsmajorität in die Hände der Arbeiterpartei gelegt ist. Dieses politische Situationsbtld wird auch durch daS Häufchen ehrlicher Liberaler nicht geändert, die im Gegensatz zu den cnragiertcn Kolonialpolitikern und sozialreaktionären Elementen der Linken, eine demokratischere Politik verfolgen. Der leere Kampf gegen d e u K l e r i k a I i S m u S, bei dem man nach links Kulturkamps- Phrasen bereit hält, nach rechts aber arbeiterfeindliche Politik und Kolonialgeschäfte macht, um schließlich den Millionenforderungen Leopolds seinen Segen zu geben: diese u n- demokratische Politik hat dem Liberalismus mit Fug und Recht nur verlorene Posten eingetragen. Bezeichnend ist, daß die liberale annexionistische Presse ebenso wie die klerikale die.antikoloniale Hetze" der Sozialisten für die Mißerfolge ihrer Freunde verantwort- lich macht. In der Kolonialpolitik verstehen sie sich nämlich beide, Liberale und Klerikale.... WaS die Kartellpolitik betrifft, die ja bei Sozialisten und Liberalen viele Verfechter hat, so hat sie jedenfalls mehr Furcht bei den Klerikalen erzeugt, als den beiden Parteien Nutzen gebracht. Ziffernmäßig stellt sich der Erfolg der Kartellpolitik(die übrigens aus Anlaß der demnächst stattfindenden Provtnzialwahlen zu einem großen Prinzlpienstreit zwischen den Brüsseler Liberalen geführt hat) in einem Geiviun von 20 400 Stimmen dar. Von den 5 neue» sozialistischen Mandaten sind zwei auf Grund von Kartellvereinbarungen errungen: daS von Ath-Tournai, wo der bekannte Anwalt und sozialistische Parteischriftsteller Royer ge- wählt ist und das von Huh-Warenne, wo Genosse W o u t e rS. ein Kenner der Agrarverhältniffe. den klerikalen Schreihals Terwangne ersetzen wird.— Der* neue Genter'Abgeordnete L a m p e» s. der neben Anseele gewählt, ist Arbeiter in einer Pianofortcfqbrik und ein bekannter Kfinipfer deS„Doornit". Die ScnatSwahlen haben keine besonderen Verschiebungen ge« bracht. Die Klerikalen steigen von 62 auf 63 Mitglieder, die Liberalen von 41 aus 42. Die Sozialisten habe» drei SenatSuiandate ein« gebüßt. Die klerikale Majorität gewinnt mit dieser Verschiebung zwei Stinimen. Die Regierung, seit dem Jahre 1902, wo sie noch über eine Majorität von 26 Stimmen verfügte, an das Hinabrutschen gewöhnt, läßt sich sehr kühl über das Wahlresultat aus. Sie vertritt den nicht sehr weitsichtig-politischen Slandpunkt, daß eine Majorität eine Majorität ist, ob sie wie vor der Wahl aus zwölf oder wie nach der Wahl aus acht Stimmen besteht. Arme Leute kochen mit Wasser und auf das„moralische Gewicht" legt die klerikale Re- gierung keinen Wert, zumal sie sich die Ausrede bereit hält, daß das belgische Wahlsystem keine großen Majoritäten zuläßt. Aber abgesehen von parlamentarischen Schwierigkeiten, die ihr bei den acht Stimmen Majorität unterlaufen können und werden, wird der Regierung der Gedanke doch einiges Kopfzerbrechen machen, daß die Opposition nur der Anstrengung bedarf, vier Sitze bei den Wahlen von 1910 zu erobern und— die klerikale Majorität ist nicht mehr. Italien. Eine Verhaftung.:"' Paris, 29. Mai. Nach einer Meldung des„Matin" aus Mai- land fand dort gestern ein großes Meeting für die st r e i k e n d e n Land arbeiter von Parma statt. Frau Sorgue, eine Fran- zösin, die der Herbeistischen Gruppe angehört und mit der Bericht- crstattung für französische Parteiorgane betraut war, hielt eine An- spräche, worin sie die Streikenden zum Widerstande aufforderte. Nach diesen Worten wurde die Rednerin verhaftet und die Ver- sammlung aufgelöst. Da mehrere Anwesende sich dem Ver- sammlungsschluß widersetzten, wurden sie verhaftet. � Spanien. Gegen das Ausnahmegesetz. � � i Madrid, 28. Mai. Unter Leitung des Direktors der Zeitung Liberal fand heute eine Massenversammlung statt, um gegen das Gesetz betreffend die Unterdrückung des Terra- r i S m u s zu protestieren. Snglancl. England— Frankreich— Rußland. Die 26 Arbeiterabgeordneten haben dem Minister des Auswärtigen, Sir Edward Grey, folgenden Protest überreicht: „Wir unterzeichneten Parlamentsniitglieder wünschen unser Bedauern darüber auszudrücken, daß die Regierung den starken Widerwillen, den das Land gegen den offizellen Be- such des Königs beim Zaren von Rußland fühlt, nicht ge- würdigt hat, und sprechen respektvoll die Hoffnung aus, daß der beabsichtigte Besuch noch aufgegeben werde." Dem Protest haben sich auch 31 liberale Abgeordnete angeschlossen. Demgegenüber gab Grey im Unterhaus die Erklärung ab, daß der Besuch des Königs in Reval ein offizieller Besuch sein und denselben Charakter tragen werde wie die offiziellen Besuche, die der König bereits an- deren Souveränen und Staatsoberhäuptern abgestattet habe. Die Beziehungen zwischen beiden Regierungen seien durch die englisch-russische Konvention klargelegt und es bestände nicht die Absicht, eine neue Konvention oder einen neuenVertragzu schließen oder etwa bei diesem Besuche Verhandlungen darüber in die Wege zu leiten. Er sei über- zeugt, daß die guten Beziehungen zwischen den Regierungen und den Bevölkerungen beider Länder durch den Besuch nur gewinnen könnten. Viel populärer ist- alwr das"Einvernehmen"mib Franko reich. Der französische. Minister Pichen konnte in einem Interview nicht mit Unrecht erklären, daß die"Entente cordiale endgültig in die Politik beider Länder als eine der fundamentalen Grundlagen dieser Politik übergegangen sei. Die Entente, fügte er hinzu, sei eines der sichersten Mittel, um alleKombinationen unschädlich zu machen, die mit den Interessen Großbritanniens und Frankreichs kollidieren und den Frieden bedrohen könnten, den beide zu erhalten wünschten, weil es ihr erstes und wichtigstes Bedürfnis sei. Diese Auffassung, hin- sichtlich der alle politischen Parteien in London einer Mei- nung seien, sei bestimmt, den wohltuendsten Einfluß auf ganz Europa auszuüben. Auch in Frankreich herrsche über diese Frage Einstimmigkeit, abgesehen von einer unbedeutenden Gruppe von Gegnern, welche die täglichen politischen Vor- kommnisse dazu benutzen, um das Ministerium Clemenceau zu bekämpfen._ Äuf Kosten der deutschen Steuerzahler." Die freihändlerische englische Regierung denkt über Nutzen und Schaden von Subventionen etwas anders als die deutsche. Als bei der Beratung des Kolonialbudgets mehrere Unionisten eine staatliche Subvention für die Einrichtung eines direkten englischen Dampferdienstes nach Britisch-Ostafrika unter Hinweis darauf verlangten, daß jetzt deutsche und andere fremde Linien den Schiffsverkehr mit Ostafrika ganz an sich ge» rissen hätten, wurde diese Forderung vom Vertreter des Kolonial- amteS mit der Begründung abgelehnt, daß eine solche Subvention sehr hoch sein mühte, und daß, wenn britische Waren auf deutschen Schiffen zu billigeren Frachten befördert würden, als auf eng- lischen Linien, dies auf Kosten der deutschen Steuer. z a h l e r geschähe, welche die hohen Subventionen aufbringen mühten. Rußland. Ermordung eines Deutsche». Das.B. T." berichtet, daß bei einer Haussuchung in Jekate- rinodar drei Personen, darunter der deutsche Reichs- angehörige Truhn ermordet worden sind. Die Haus- suchung fand bei dem Sekretär des Vorsitzenden des Kriegsgerichts Jekaterinodar Ugniwenko, seinem Bruder und seinem Schwager Truhn statt, welche alle beisammenwohnten. Alle Polizisten, welche die Haussuchung vornahmen, waren betrunken. Gegen d Uhr morgens wurden alle drei Hausbewohner verhaftet und unter militärischer Bedeckung abgeführt. Auf dem Wege zum Polizeiamt gab die Bedeckung, wie es heißt, ohne Grund, zwei Salven ab und schoß alle drei Gefangenen nieder. Die Au- schauer waren über den ganzen Hergang im höchsten Grade empört. Die Angabe der Polizei, daß die Arretierten fliehen wollten, wird dadurch hinfällig, daß auch noch eine unbeteiligte Person er- schössen wurde, und alle Getöteten Brust wunden hatten. Der ganze Vorfall ist ein schändlicher Gewaltakt, der auch in der Duma zur Sprache kommen wird. Wir sind neugierig, welche Genugtuung die deutsche Re- gierung fordern und erlangen wird. Hoffentlich läßt die Be- schäftigung mit dem deutschen Schutzbefohlenen in Marokko, Ben Sarbi, dem Auswärtigen Amte noch Zeit, um der Ermordung Deutscher in Europa durch betrunkene Zarenknechte seine Aufmerk- samkeit zuzuwenden._ Unliebsyme Zwischenfälle. Das Panzerschiff„Peter Weliki", das zu dem Geschwader gehörte, welches den König von�England im Revaler Hafen begrüßen wollte, ist von dem, russischen Kriegsschiffen nicht ungewohnten, Ge- schick betroffen worden, in der Nähe von Reval aufzulaufen. Es hat ein Leck erhalten und mußte ins Dock gebracht werden. Aber ZZerantw. Redakt.:&t»t» Davidjohn, Berlin, Inseratenteil verantw,: auch abgesehen von der gewandten Führung der Schiffe, kann sich der Zar zu Wasser nicht sicherer fühlen als zu Lande. Das zeigt folgendes Telegramm: Petersburg, 29. Mai. Zwei als Bauernjungen verkleidete junge Männer versuchten nachts in die in der Nähe der Nikolaibrücke ankernde kaiserliche Jacht„Standart" einzudringen, wurden jedoch von der Schutzmannschaft entdeckt und der Geheimpolizei über- geben. Die Jacht wird einer genauen Untersuchung unterzogen, be- vor dieselbe nach Peterhof abgeht. Der Polizcisumpf. Odessa, 29. Mai. Auf Befehl des Generalgouberneurs wurde eine Reihe P o l i z e i b e a m t e wegen Erpressung verhaftet. Die gerichtliche Untersuchung ergab, daß die Polizisten sich auch in politischen Angelegenheiten Erpressungen schuldig gemacht haben. Japan. Der Aufstand in Korea. Söoul, 29. Mai. Nach Meldungen, die von den Militär- behörden ausgingen, sind im Laufe des Monats Mai zwischen den japanischen Truppen und den koreanischen Aufständischen 53 Zu- sammenstöße vorgekommen. Die Koreaner verloren 549, die Japaner 39 Mann. Die Aufständischen waren in der Ueberzahl, gegenüber den Japanern fünf zu eins. Die größte Tätigkeit der Aufständischen macht sich in den Provinzen Ham-Gyong-Do und Kang-Won-Do bemerkbar. Die Bewegung hat alles organu satorische Ansehen verloren, seit der einzig anerkannte Leiter der Insurgenten sich in Söoul am 27. Mai ergeben hat.— IVlarokko. Mulah Hasid als„Expropriateur". Paris, 29. Mai. Wie die Agence Havas vom 24. Mai aus Fes meldet, dauern auf Befehl Mulay Hafids die Güterkon- fiskationen in Fes und Mekines fort. Auch die Aus- Hebungen von Truppen zur Bildung einer neuen Mahalla werden fortgesetzt. Hoffentlich entziehen unsere Alldeutschen ihrem eigentumfeind- lichen Sultan nicht ihre Sympathien. Die traurigen Reste. London, 29. Mai. Wie ein englisches Blatt aus Tanger meldet, werden die Ueberreste von Abdul Asis Armee, denen es gelang, sich nach Rabat zurückzuziehen, nur noch aus ein D r i t t e l der ur- sprünglichen Stärke geschätzt. Huö der Partei. Falscher Alarm. Aus Essen wurde unterm 29. Mai ein Telegramm verbreitet, wonach Genosse Reichstagsabgeordneter H. Molkenbuhr in Elberfeld von einem Schlaganfall be- troffen worden sei und schwer krank daniederliege. Wie wir auf Grund direkter Mitteilung der Elberfelder Genossen feststellen können, entspricht das Telegramm erfreulicherweise nicht den Tatsachen. Genosse Molkenbuhr hatte sich auf der Reise nach dem Westen einen Jnfluenzaanfall zugezogen, der ihn zwang, zwei Versammlungs- referate abzusagen. Indes hat die kräftige Konstitution unseres Genossen den KrankheitSanfall bereits überwunden, so daß er für Freitag abend in Elberfeld als Redner angekündigt war. Der Sieg in Karlsruhe. Einen glänzenden Sieg hat die Karlsruher Sozialdemokratie, wie schon telegraphisch gemeldet, am vorigen Mittwoch bei den Stadtverordnetenwahlen errungen. In der dritten Wählerklasse entfielen auf die sozialdemokratische Liste 4788, auf die bürgerliche Liste 3956 Stimmen. Damit ziehen in das Karlsruher Rathaus weitere 18 Sozialdemokraten ein und die dritte Klasse ist mit 34 Mandaten vollständig in unserem Besitz. Seit der Wahl von 1995 ist die sozialdemokratische Stimmen- zahl um 1499, die des vereinigten Mischmasches nur um 999 gestiegen. Dabei wählen von 18 399 Stadtverordneten- Wählern 14999 in der dritten Klasse. Der Sieg darf auch um deswillen hoch angeschlagen werden, weil die bürgerlichen Parteien in der badifchen Residenz zum ersten Male bei den Gemeindewahlen ein Kompromiß gegen die Sozialdemokratie schlössen. In diesen waren sogar du Konservativen und das Zentrum einbegriffen, eine Wahlkonstellation, die man sonst in Baden nicht kennt,- weder bei den Reichstags- noch bei den Landtags- wählen. Sieben Parteien standen gegen eine: die Sozialdemokratie. Um so erfreulicher ist das Resultat. Die geheime Stimmabgabe und die Kuvertwahl werden viel zu diesem Ergebnisse beigetragen haben. Polnische Parteiliteratur. Im Verlage der»Gazeta Robotnicza" in Kattowitz i. O.-S., Rathausstr. 12, ist der WahlrechtSkatrchi»«uS von Paul Göhre in polnischer Sprache erschienen. Der Bezugspreis ist der gleiche wie der der deutschen Ausgabe— 49 M. pro Tausend. Die Broschüre ist für die Aufklärung und Agitation unter den polnischen Arbeitern bestens zu empfehlen. Für den preußischen Landtagswahlkampf. Der Landesvorstand der sozialdemokratischen Partei Bayerns hat den preußischen Parteigenoffen zum LandtagSwahlkampfe die Summe 1999 M. zugesandt. Der Parteivorfiand der Sozialdemokratie Hollands ist jetzt durch Referendum bestimmt. Die bisherigen Mitglieder sind bis auf drei wiedergewählt worden. Genosse Troelstra hatte die Wiederwahl abgelehnt, die Genoffen S l e e f und Helschingen stehen mit den Genoffen W i b a u t und Besuyen in Stichwahl. Als Dele- gierte für das internationale sozialistische Bureau wurden in gleicher Weise die Genoffen H. van Kol und P. I. Troelstra wiedergewählt. pollreiUlstes» Ocrfcbtliches ulw. Sin ultramontanrr Fuchs in der Falle. Bor dem Schöffengericht zu Karlsruhe stand der geistliche Redakteur des„Bad. Beob.", Zentralorgan der badischen Zentrumspartei, der Priester Joseph Mayer, welcher in einem Leitartikel mehrere Genoffen, ins- besondere den Abg. Geck, verleumdet hatte. Der Versuch des Wahrheitsbeweises brachte eine Rechtfertigung des Genossen Adolf Geck; der katholische Priester bot unter Bedauern eine ö f f e n t- liche Revokation und Tragung der Kosten an. Darauf ließ man den christlichen Bruder in Gnaden laufen. GewerKfcbaftUcKey. Berlin und Umgegend. Der Scharfmacher auf dem Trockene«! In der letzten Nummer der„Deutschen Bauzeitung" finden wir folgendes Inserat: „Herzliche Bitte.« »Maurermeister mit drei kleinen Kindern, infolge des Streiks und finanzieller Verluste in Not geraten, bittet edeldenkende Kollegen um materielle Unterstützung.. Auch einer von denen, welche auf die Versprechungen der Felisch, Heuer usw. gebaut und sich an der Aussperrung der Bauarbeiter beteiligt haben. Von den Dutzenden der anderen erfahren ihre Kollegen freilich nichts. ch.GlocketBerlin, Druck u.BerIag:VorwärtsBuchdr.u.VerlagSanstalt� Die Berliner Steinarbeitcr beschäftigten sich am Mittwochabend in einer Mitgliederversaminlung mit der Einführung einer örtlichen Arbeitslosenunterstützung. Auf dem jüngsten Verbandstage in Kassel wurde angeregt, die Unterstützung von der Zentralleitung für ganz Deutschland einzuführen. Dies lehnte der Verbandstag ab, empfahl aber den einzelnen Zahlstellen, die Unterslstsung örtlich einzurichteu, wo dies gewünscht würde. Die Berliner Verwaltung war der An- gelegenheit näher getreten und unterbreitete der Versammlung zwei Vorlagen mit verschiedenen Unterstützungssätzen. Eine dritte Vorlage hatte der Kollege Hanschke ausgearbeitet, die in der Platzvertreter- sitzung Annahme gefunden hatte und mm ebenfalls in der Ver« sammlung zur Diskussion stand. Der Borsitzende W i n I l e r rcfe- rierte über die verschiedenen Vorlagen und erklärte, � daß der Vorstand die Vorlage von Hanschke nicht empfehlen könne. In der Diskussion machte sich starke Opposition gegen alle drei Vorlagen geltend und schließlich wurde die Einführung einer Arbeitslosen- Unterstützung überhaupt abgelehnt. Die Erhebung einer Extrasteuer zur Deckung der Maikosten stand darauf zur Beratung. Die Maiaussperrung hat der Lokalkasse Kosten in einer Höhe von 2799 M. verursacht. Der Antrag, daß die Zentralleitung einen Beitrag zn den Kosten leisten sollte, ist ab- gelehnt worden. Nun machte die Ortsverwnltung den Vorschlag, daß die Kollegen eine Exstrasteuer von 2 M. für den Monat Juni, in Raten von 59 Pf. zahlen sollten, um den großen Ausfall aus der Kasse wieder zu decken. Dieser Vorschlag begegnete zunächst einigem Widerspruch, wurde aber dann mit großer Majorität angenommen, dazu ein Antrag, daß die erste Hälfte der Extrasteuer im Juni, die zweite Hälfte im Juli gezahlt werden solle. Winkler legte darauf der Versammlung eine Resolution aus der letzten Platzvertretersitzung vor, die in Bezug auf die Montagearbeit empfiehlt, daß die organisierten Steinarbeiter sich verpflichten, Arbeiten nack> außerhalb nicht unter dem Berliner Stundenlohn nebst einem täglichen Zuschlag von 3,59 M. zu übernehmen. Die Versammlung beschloß demgemäß, da eine emheitliche Regelung für Arbeiten dieser Art notwendig geworden ist.— Deutkebes Reich. Neue Kämpfe im schlefischen Baugewerbe. Der Vorstand des Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe in G l o g a u hat beschlossen, vom 1. Juni ab sämtliche organisierten Maurer und Zimmerer aus- zusperre», falls die neuen Tarife nicht bis zum 29. Mai unter- zeichnet sein sollten. Die Arbeitgeber wollen in eine kleine Er- höhung der bisherigen Lohnsätze unter keinen Umständen ein« willigen. Der Verband christlicher Bauhandwerker hat bereits die neuen Verträge, die den alten Lohnsatz von 33 Pfennig auf zwei Jahre vorsehen, anerkannt.— Auch in Löwenberg war es zu Differenzen gekommen. Dort hatten die Unternehmer sogar die Herabsetzung der Löhne von 38 auf 35 Pfennig geplant; die Maurer waren aber sofort in einen Abwehrstreik getreten, so daß die Meister sich gezwungen sahen, die alten Löhne auch für die Zukunft schriftlich anzuerkennen. Die schönste Folge dieses Kampfe? aber ist. daß sämtliche bisher noch unorgamsierten Maurer von Löwenberg bis auf zwei sich jetzt dem Verbände angeschloffen haben. In der Waggonfabrik zu Gotha find am Mittwoch sämtliche in den fteien Gewerkschaften organisierten Arbeiter ausgesperrt. Zuzug ist deshalb streng fernzuhalten. Der terroristische Akt der Direktion der Hambmgrr Straßenbahn- gesrllschaft, über den wir schon berichtet haben, unterlag der Beurteilung einer in der Nacht zum Donnerstag im.Gewerkschaftshause" statt- gehabten Versammlung der Straßenbahner. Obwohl die vom Stummschen Geiste beseelte Direktion gedroht hatte, jeden nn dieser Versammlung teilnehmenden Angestellten sofort entlassen zn wollen, hatten sich doch etwa 999 Straßenbahner eingefunden. Dt« vor der Eingangstllr postierten Spitzel der Direktion wurde« als solch« erkannt und mutzten sich vor dem Unwillen des Publikums davontrotten. Die Direktion dieser Monopolgesellschast— Konkurrenzlinien existieren nicht— hatte sich durch öffent- liche Bekanntmachung ihres Gewaltaktes— der Entlassung von sechs BeiratSmstgliedern wegen Zugehörigkeit zum Trans- Portarbeiterverband— gerühmt. Unter den Entlaffenen be- findet sich ein Mann, der mehr denn 16 Jahre im Dienste der Dividendenschlucker tätig war und bei Differenzen stets vermittelnd eingegriffen hat. Die Maßnahmen der rückfichtSlosen Kapitalisten« gesellschaft lösten in der Versammlung ungeheuere EntrüstungSstürme aus, die sich noch steigerten, als ein.freiwilliger" DtrektionS- lommisiar die Karten verriet. Danach soll die Direktion Willens sein, die miserablen Löhne der Angestellten zu erhöhen, wenn sie der Organisation Balet sagten I Am Schluß der bis vier Uhr morgens tagenden Versammlung wurde eine das Ver- halten der Gesellschaft brandmarkende Resolution angenommen, welche die noch im Dienste befindlichen BeiratSmitglieder auffordert, Schritte einzuleiten, um die Wiedereinstellung der entlaffenen Kollegen zu bewirken. Letzte JVachncbten und Depefeben. LandtagSwahl. Coburg, 29. Mal Erster Wahlbezirk: Mämpel, Sozial- demokrat, gewählt. Zweiter Bezirk: Freisinn. Dritter Bezirk: Liberal Diäte« für Laienrichter, Jugendgerichte. Dresden, 29. Mai.(SB. T. B.) Bei der Beratung de« Justiz- etat? in der zweiten Kammer erklärte Justtzminister Dr. Otto auf eine Anfrage, daß die sächsische Regierung für die Gewährung von Diäten an Schöffen und Geschworene eintreten werde; diese Frage werde bei der Reform der Strafprozeßordnung, die den Reichstag im Herbst beschäfttgen werde, ihre Erledigung finden.— Zu der Frage der Jugendgerichte erklärte der Minister, das in dieser Hinficht Gefordert« sei eine Sache minderer Bedeutung; eS handele sich jetzt nur darum, ob man den Straf- richter zugleich mit den Funktionen des Vormundschaftsrichters betrauen solle und ob man die Vereine der Jugendfürsorge heran- ziehen solle; das, was not tue, sei eine ganz besondere Auswahl der Schöffen, die Begrenzung der Oeffentlichkeit sowie eine Regelung der Verteidigung._ Erdbeben in Italien. Catauia, 29. Mai.,,, Berlin LW, Hierzu 4 Beilagen«.Nnterhaltungsbl, Nr. 125. 25. Jahrgang. 2. Icilnp Ses Jinuirts" ZMer MMR Sonnabend, 30. Mai 1908. Ale Nerukz. nnck Bctricbszäljlunfl in Preußen gemacht wird. Im Deutschen Reiche fand nach vielem Hin und Her endlich 'am 12. Juni des verflossenen Jahres die große Berufs- und Be- triebszählung statt. Die Berufs- und Bctriebszählung macht sich natürlich nicht allein zu all den Tabellen und Uebersichten fertig, die wir nachher mehr oder weniger schön gedruckt sehen können, das wird oder sollte vielmehr in den statistischen Aemtern gemacht werden. Natürlich sind dazu eine ganze Menge Leute nötig, die das Zählmaterial, das wir in der Form von Zählkarten und Listen ausgefüllt haben, ausarbeiten. Das muh umgeschrieben, tausend- mal hin- und hergelegt werden, ausgeschieden, ausgezählt und wieder umgelegt werden, zusammengerechnet und wer weih was nicht sonst nock alles. Vorher müssen noch die 30 Proz. mangelhaft ausgefüllter Listen, die sich bei solchen Erhebungen zu ergeben pflegen, ausgesondert und zur Richtigstellung zurückgeschickt werden — was, nebenbei bemerkt, in Preuhen nur höchst mangelhaft ge- schieht. Zu all diesen Arbeiten sind sogar sehr sehr viele Leute nötig, wenn man's— nota bene— nicht moderner machen will? Wozu sollten auch die mehreren Millionen Märkerchen verbraucht werden, die für die Sache bewilligt worden sind?— Die Aufarbeitung des Materials geschieht nämlich von den einzelnen Bundesstaaten in ihren statistischen Aemtern; nur einige kleinere Staaten, wie die thüringischen Duodezgebilde, lassen die Sache in Berlin beim Kaiserlichen Statistischen Amt machen, wo das von dem immerhin arbeitskundigen Personal des Amtes selbst geschieht, und zwar von A bis Z. Jeder Leser wird erstaunt fragen: Ja, wozu erzählen Sie uns denn, daß das von dem Amtspersonal geschieht, das wissen wir ja doch oder nehmen es als felbstverständ- lich an! Und da haben wir den ahnungslos unbefangenen Leser wieder einmal gefaßt: Nein, darum erzählen wir Ihnen das ja, weil es nicht die Regel ist, daß diese Arbeiten das Amtspersonal tut! Wo sollte denn dabei die Sozialpolitik bleiben, wovon wir hier erzählen wollten? Oder meinen Sie etwa, wir wollten hier auf die Beamtenbesoldung hinaus? Mit der„Sozialpolitik" hat eS also seine Bewandtnis.— Jedesmal, wenn man in Preuhen eine nicht laufende größere Arbeit statistischer Natur macht, dann stellt man einen Haufen Hilfskräfte ein. Die müssen dann die oben geschilderten Arbeiten der Aufbereitung nach Instruktionen und Anleitungen des Amtes machen und können sich die Arbeit mit nach Hause nehmen. Diese Arbeit wird dann nach festen vorher vom Amte aufgestellten Akkord- sähen bezahlt. Zu einer Arbeit vom Umfange der Berufs- und Bctriebszählung stellt Preußen so mindestens 1000 solcher Haus- arbciter ein. Und hier sind wir bei der preußischen„Sozialpolitik" angelangt. In Berlin gibt es nämlich eine große Menge Pen- sionierter Offiziere, Offiziers- und Bcamtenwitwen und viele andere Leute allerlei Art, die amtliche„Beziehungen" haben und bei ihrer oft recht schmalen Pension Geld noch nötiger brauchen, als Verständnis ausgerechnet für statistische Arbeiten haben. Das letztere ist ja auch nicht so nötig, denn nach dem bewährten Grund- satze: Wem Gott ein Amt gibt usw. usw. Also diese und solche Leute setzen das Hilfspersonal für die Arbeiten zur Berufs- und Betriebszählung zusammen. Ob sie gerade stets das nötige Ver- ständnis für die Sache haben,»das bezweifeln wir mit unseren Lesern zusammen sehr stark, ohne daß wir dabei als Leute mit etwa? statistischem Verständnis leugnen wollten, daß sich unter dieser großen Menge nicht auch einige weiße Raben befinden sollten und einige ander«, die's schon oft genug gemacht haben! Es gibt unter ihnen sogar auch einige Leute mit mehr Verständnis, die ganz genau wissen, wie's nun durchschnittlich gemacht wird. Von dem von den Hilfskräften abgelieferten Material wird vielleicht der dreißigste oder fünfzigste Teil revidiert, das andere bleibt so wie es ist. Nun behaupten manche dabei beschäftigten Leute, man kann nicht anders sagen: mit gewissem Freimut, daß die von den Hilfskräften vielfach abgelieferten Arbeiten oft weiter nichts als gute oder schlechte Schätzungen darstellen könnten, weil es natürlich bequemer ist, die Arbeiten weniger sorgfältig zu machen als gut. Die Hilfskräfte wissen es ja oft selbst nicht; denn wenn sie die Arbeit nicht einmal selbst machen, sondern nur als Zwischenmeister fun gieren, die sich-- Kinder und sonstige mehr wohlfeile als gerade geeignete Arbeitskräfte für diese Zwecke annehmen denen sie vielleicht die Hälfte zahlen und die andere Hälfte als„Unternehmerprofit" buchen, dann kann man von ihnen nicht verlangen, daß sie für die Qualität ihrer Arbeit garan- tieren. Wenn nun bloß ein kleiner Teil der Arbeiten zur Revision kommt, so kann man sich den Einfluß dieser Hausarbeit auf das Gesamtergebnis leicht vorstellen. Nun gibt eS schon seit einer ganzen Reihe von Jahren bei uns zu Lande Fachleute, die behaupten, daß sich die ganze Arbeit wesentlich schneller machen ließe als mit Hausarbeitern. Daß so große Arbeiten tatsächlich auch wesentlich schneller bewältigt werden können, lehrt allein schon der amerikanische Zensus, auf den manche unserer amtlichen Statistiker mit geringschätziger Herablassung hinaufsehen, u. E. mit weniger Recht. Natürlich geht'S auch nach alter Art; in Preußen stellt man zum Zwecke der Beschleunigung eben etwas mehr Hilfskräfte ein. Das hat daS Gute für sich, daß mehr Menschen dabei wenn auch je etwas weniger Geld verdienen, jedoch auch den Nachteil, daß wieder noch mehr Köche den Bret bereiten.— Der Effekt dieser Tatsach« verträgt sich mit dem Sprich. wort ausgezeichnet.— Das ist mithin auch kein Vorteil. Also machen wir's langsamer! würde man amtlich preußisch nur schließen können. Die besagten Fachleute aber schließen wieder anders. Sie sagen nämlich: Wie wäre eS denn, wenn man zu moderneren Arbeitsmethoden überginge, wenn man etwa zur Aus» Zählung— mit Maschinen— eS gibt elektrische Zählmaschinen— überginge, wie eS andere Staaten tun, z. B. die Vereinigten Staaten, oder— wir schämen uns riesig, das folgende Beispiel zu gebrauchen: Nutzland! Es wäre dann nämlich möglich, bei einiger Disposition in den Aemtern ohne Hilfskräfte für diese Arbeiten auszukommen, oder in den Aemtern selbst Hilfskräfte mit speziellen leicht zu erkennenden Arbeiten zu beschäftigen. Bei uns ist man noch nicht so weit. Und wesentlich Preußen ist daran schuld. Was erwiderte doch, wenn wir nicht irren, der jetzige Prä- sident des Amtes Blenck auf den Vorschlag, mit Maschinen zu ar- betten, nicht wörtlich, aber doch dem Sinne nach: Das können wir nicht tun, denn wir treiben mit den Arbeiten eben auch ein Stück —„Sozialpolitik" I— Wer nicht aus vollem Halse lacht, der— weine, wir meinen weniger um den Herrn Präsidenten und um die amtliche preu- ßische„Sozialpolitik" als um die deutsche Berufs- und Betriebs» zählung, die an sich schon unter durchaus nicht günstigen Auspizien in Angriff genommen wurde. Als Politiker und Steuerzahler aber müssen wir verlangen, daß BrfeÄv Hau der WMWit tim Sl&ufp Md BejrWszäMng nicht der Wohltätigkeitsspielerei hochbcamteter Herren und Damen ausgeliefert werden, sondern daß sie so ernsthaft und peinlich sorg- fältig erledigt werden, wie das überhaupt nur möglich ist. Wenn's in der Politik bei uns alles richtig zuginge, so bildete die Berufs- und Bctriebszählung ein wichtiges Stück Grundlage, auf der man� operierte. Da das nicht der Fall ist, so wird der schlechte Einfluß der schlechten Statistik hier nicht so großen Schaden anrichten wie in der Wissenschaft und bei denjenigen Leuten, die die Zahlen ernst- Haft gebrauchen wollen und ihre Qualität nicht kennen.— Wir bemerken ausdrücklich, dag wir davon überzeugt sind, die Arbeit würde ausgezeichnet sein, wenn sie allein von dem geschulten Ar» beitspersonal des preußischen Statistischen Landcsamtes aus der alten Engelschen Schulung gemacht würde, die sich in den grund- legenden technischen Aufbereitungsarbciten da noch immer forterbt, was man von den sonstigen wissenschaftlichen Qualitäten weniger behaupten kann. Sozialea« ■r veberpünktlichkeit. Minutiöse Jnnehaltung der gesetzlichen Mindestruhezeit. Mit einem Rechtsfall, in welchem die Ueberschreitung der Mindestruhezeit eine Rolle spielte, hatte sich gestern die 3. Kammer des Kaufmannsgerichts zu befassen. Bei der beklagten Firma, dem Mannfakturwarengeschäft von M. Löwinsohn Nachf., ist die Ge- schäftszeit von 8 Uhr morgens bis 0 Uhr abends mit zweistündiger Mittagspause, so daß diese Arbeitszeit dem gesetzlich erlaubten Höchstpensum entsprechen würde. Nun wird aber von den An- gestellten verlangt, daß sie schon 10 Minuten vor Geschäftsöffnung iin Verkaufslokal anwesend sind. Ein Lehrling hat das pünktliche Erscheinen jedes Angestellten zu kontrollieren und jeden, der nicht 10 Minuten vor 8 Uhr zur Stelle ist, in ein Kontrollbuch als Zu- spätkommenden einzutragen. Auch die Klägerin, die Verkäuferin Martha N., lvar öfter nach der vorgeschriebenen Antrittszeit, aber immer vor 8 Uhr, ins Geschäft gekommen, ohne daß deswegen Entlassung oder Kündigung erfolgte. Erst als die Klägerin selbst kündigte, wurde von ihr minutiöse Jnnehaltung der Antrittszeit verlangt, und als sie diese dreimal um 3 bis 6 Minuten überschritt, erhielt sie die sofortige Entlassung. Sie macht in ihrer Klage auf Zahlung des Restgehalts geltend, daß sie nur verpflichtet war, um 8 Uhr zur Stelle zu sein, da jedes frühere Erschein«» ein Ueber» schreiten der dem Angestellten gewährleisteten Mindestruhezeit be- deute. Wenn sie trotzdem vor 8 Uhr gekommen sei, so habe sie dies freiwillig getan. Die Firma vertritt dagegen die Ansicht, daß die Klägerin die einmal eingegangene Verpflichtung. 10 Minuten vor 8 Uhr anzutreten, nun auch innehalten mußte und ein dreimaliger Verstoß die Entlassung rechtfertige. Das Kaufmannsgericht verurteilte die Beklagte felbstverständ- lich zur Zahlung der geforderten 50 M., da die sofortige Entlassung völlig unbegründet war. Geringfügiges Zuspätkommen berechtigt überhaupt nicht zur sofortigen Entlassung. Hier war überdies das gesetzwidrige und schikanöse Ansinnen gestellt, mit Einschluß der Zeit von 8— 9 zehn Minuten über die Maximalarbeitszeit hinaus- zuarbeiten. Richtig wäre es, wenn der Chef wegen dieser Ueber» tretung der Vorschrift über die Maximalarbeitszeit unter Anklage gestellt würde._ Sonntagsruhe in Breslau. Das Breslauer Stadtparlament hat beschlossen, daß für Detail- und Engrosgeschäfte im allgemeinen SonntagA vur� zwisthe»..11 bis 1 Uhr verkauft werden darf. Für die Lcbevsmittal�. Gßfluß» mittel-, Tabak- utid Blumenhandlungen hat man jedoch Welt rc» aktiouärere Bestimmungen getroffen. Hier sollen die Geschäfte von 7— 9 Uhr und von 11— 1 Uhr offen sein dürfen. Immerhin be- deutet das neue Ortsstatut gegen den bisherigen Zustand eine kleine Verbesserung, die die kaufmännischen Angestellten in der Hauptsache dem Drängen unserer Genossen im Stadtverordneten- saale und im Zentralverband zu verdanken haben. Eue Induftrie und Handel. Bankdiskont. Die Bank von England hat am Donnerstag den Diskont von 3 Proz. auf 2'/, Proz. ermäßigt. Die Deutsche Reichsbank bleibt mit einer weiteren Ermäßigung noch zurück. In der am Freitag abgehaltenen Sitzung des Zentrall auSschusses wurde betont, daß vorläufig noch an dem Satz von 5 Proz. festgehalten werden müsse. Demnach haben wir zurzeit einen Diskont, der um 100 Proz. höher ist als der der Bank von England._ Die Krise in der Textilindustrie. Nicht nur in Deutschland und England, auch in anderen Staaten nimmt die Krise der Textilindustrie immer größere Dimensionen an. In E n g l a n d hat der Verein der Baumwollspinner, die amerikanische Baumwolle verarbeiten, beschlossen, die Spinnereien für die ganze Pfingstwoche und in den folgenden vier Wochen Mon- tags und Sonnabends zu schließen. Die Verarbeiter ägyptischer Baumwolle verschoben ihre Entscheidung bis nach der Konferenz, die im Juni in Wien abgehalten werden soll. Sehr schwer lastet die Krise auf einzelnen Zweigen der f ran z ö s i s ch e n Textilindustrie. Die großen Flachsspinnereien von Lille und Umgebung benutzten den wirtschaftlichen Aufschwung und schlösse» sich zu einem Kartell zusammen, um die Ein» und Ver- kaufspreise zu regeln. Deshalb und in Anbetracht des stockenden Marktes beschränkten sich die Webereibesitzer und Kommissionäre auf ein Minimum, wodurch natürlich zahlreiche Arbeiter beschäftigungs- los wurden. In Cambresis sind von den zirka 8000 Handwebern etwa 6000 ohne Beschäftigung. Dazu kommen noch 10 000 Sticke. rinnen und Näherinnen. Wenn man bedenkt, daß in dieser Gegend, wo namentlich Taschentücher und andere feine Leinwandarbeiten verfertigt werden, die denkbar schlechtesten Löhne zu Hause sind (1 Fr. pro Tag für weibliche und 1,7S— 2, LS Fr. für männliche Ar- beiter), so kann man sich beiläufig wenigstens� vorstellen, welch namenloses Elend dort herrscht. Auch anderwärts, in Roubaix. Halluin, St. Ouentin, ist die Arbeitslosigkeit in der Textilindustrie groß, und selbst in der Lyoner Seidenfabrikation wird durchschnitt» lich nur 3 Tage in der Woche gearbeitet. Umfassende Bctriel'seinschränkungen will auch der S ch w e i z e- r i s ch e Spinner- und Weberverein einführen. In einer Mitte Mai abgehaltenen Versammlung von Fabrikanten, die über 13 000 Web- stühle verfügen, wurde beschlossen, eine Reduktion der Arbeitszeit von% durchzuführen. Wahrscheinlich werden die Spinner in gleicher Weise vorgehen. In Oe st erreich wollen die Flachsspinner in der nächsten Zeit Betriebsreduktionen durchführen. Ebenso stehen in der Leinen- Weberei Produktionseinschränkungen bevor. Einzeln« Fabriken ar- beiten jetzt schon in verringertem Umfang. Roheisenerzeugung iu den Vereinigten Staate». Ueber den enormen Rückgang der amerikanischen Roheisen- erzeugung unterrichtet folgende Aufstellung. Es betrug die Erzcu- gung in Tonnen: Jan. Febr. März April � April 1906.. 2 068 893 1 904 032 2 165 632 2 073 645 8 212 202 1907.. 2 205 607 2 045 068 2 226 457 2 216 558 8 693 690 1908.. 1045 525 1 079 721 1228 204 1149 000 4 502 450 Demnach hat die Erzeugung in den ersten vier Monaten des laufenden JahreS gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 4 191 240 Tonnen, gleich 48 Proz., abgenommen. Em der Frauenbewegung. Die Genossinnen bei der Wahlarbeit. In den letzten Wochen haben die Berliner Genossinnen frucht- bare Wahlarbeit geleistet. Um den Frauen der organisierten Parteigenossen die Wahlkontrolle in bezug auf die kleinen� Ge- schäftsleute zu erläutern, sind über ganz Berlin Zusammenkünfte veranstaltet worden, in denen Genossinnen und einige Genossen kleine Borträge resp. Ansprachen hielten. Di« Einladung zu diesen Zusammenkünften— cs wurden immer 2, 3 auch 4 Reichstagswahl- bezirke zusammengelegt— wurden in Form eines kleinen Flug- blattes von den Genossen verbreitet. Es war dies die erste gemein- same Arbeit nach dem Inkrafttreten des neuen Vereinsgesetzes. Auf beiden Seiten ist mit Eifer und Hingebung gearbeitet worden, und sind mancherlei Vorteile, nicht nur die Wahlen betreffend, sondern auch bezüglich der Organisation und der Verbreitung der„Gleich- heit" erzielt worden. Die vielen Frauen, deren Männer der Or- ganisation angehören, die aber bisher selbst wenig oder gar kein Interesse am politischen Leben hatten, sind aus ihrer Gleichgültig- keit aufgerüttelt worden. Der direkten persönlichen Aufforderung waren große Scharen von Frauen gefolgt, die mit sichtlichem Jntcr- esse den Ausführungen der Genossen und Genossinnen folgten. Und alle diese Frauen werden am 3. Juni alles tun, um eine strenge Wahlkontrolle durchzuführen. Noch niemals sind die Frauen so ins politische Leben hineingezogen worden wie jetzt. Für den Wahl- verein sind einige Hundert neuer Mitglieder gewonnen. Mit einer stattlichen Mitgliederzahl werden die sozialdemokratischen Frauen nach den Wahlen dem allgemeinen Wahlverein beitreten. Auch das Interesse zum Lesen ist bei diesen Zusammenkünften geweckt worden. Sorgen wir dafür, daß das einmal geweckte Interesse der vielen neuen Genossinnen nicht wieder einschläft und daß immer mehr Frauen der politischen Organisation zuströmen. Wahlbewegung und Wahlrechtsbewegung norwegischer Frauen. Bei den Storthingswahlen im nächsten Jahre werden die norwegischen Frauen im ganzen Lande zum ersten Mal ihr staats- bürgerliches Wählrecht ausüben können, das heißt, soweit sie nicht durch Steuerklausel, die nur für sie, nicht für die Männer gilt, davon ausgeschlossen sind oder etwa durch Armenunterstützung mit Verbrechern und Unmündigen auf eine Stufe gestellt werden. Die sozialdemokratischen Frauen treffen jetzt schon Vorbereitungen zur Wahlbewegung, die gewissermaßen auch zu einer Wahlrechts- bewegung für die noch wahlrechtslosen Frauen werden wird. In Krfst,?Kia!,hielt,, de�,L,xq,Nje�e x st« n-d, d.a-e�A rbeiter- Partei am letzten Sonntag eine allgemeine Versammlung ab, in der'? die' Vorfitzende; Frau Martha Tyaäs und Redakteur Jeppesen von„Socialdemokratcn" sprachen, und dann einstimmig beschlossen wurde, bei den nächsten Storthingswahlen eine kräftige Agitation für das allgemeine Wahlrecht für beide Geschlechter zu entfalten, und alle Arbeiter- und Frauenorganisationen auf- zufordern, erstens in der Sache übereinstimmende Resolutionen zu fassen, die dem Storthing und der Regierung überwiesen werden sollen; zweitens zu beschließen, nur solche Storthingskandidaten zu unterstützen, die sich verpflichten, für völlige politische Gleich- Berechtigung der Männer und Frauen zu stimmen, und drittens zu beschließen, daß diese Forderung als ein Glied in die Agitation für die nächsten Storthingswahlen aufgenommen werde. Viktoria zu Berlin. Der Ucberschuß des abgelaufenen Geschäfts- jahreS beträgt 28 220 840,22 M., gegen 26 186 482,27 M. im Jahre vorher. Von dem Ucberschuß erhalten die Aktionäre der Viktoria eine bare Dividende von 300 M. pro Aktie, gleich 11 Proz. des nominellen Aktienkapitals. Die mit Gewinnanteil Versicherten erhalten 26 206 214,00 W. Gerichts-Zeitimg. Ausbeutung jugendlicher Arbeiterinnen. Gestern stand der Glas- und Metallfabrikant Bruno Klingbeil. aus Rixdorf bor dem R i x d o r f e r Schöffengericht wegen Gewerbcvergehens. Weinend und krampfhast schluchzend konnte der wegen des gleichen Vergehens schon Borbestrafte auf die Anklageschrift, die ihm Ausnutzung jugendlicher Arbeiterinnen zum Vorwurf macht, erst längere Zeit nichts hervor- bringen. Auf Zureden des Vorsitzenden, daß er doch ein Mann sei und nicht weinen dürfe, erklärte der weichherzige Angeklagte, er „glaube" sich jetzt so weit„gefaßt" zu haben, mn sich zu verteidigen, aber„Herr Vorsitzender, man hat doch auch seine Ehre". Durch die Verhandlung und später durch die Vernehmung der als Zeuginnen geladenen fünfzehn Jahre alten Arbeite- rinnen Else Streiter und Erna Vorchardt wurde festgestellt, daß der gegen sich selbst Weichherzige keineswegs ein ebenso fühlendes Herz für seine Angestellten hatte. Die Zeuginnen waren als Bilderpoliererinnen beim Angeklagten mit Gürtler- arbeiten beschäftigt und waren und zu einem wöchentlichen Lohne von 9 M. angenommen. Erhalten haben sie jedoch entgegen der Abmachung nur sechs Mark. Die den jugendlichen Arbeitern gesetzlich gewährleisteten Pausen verweigerte ihnen der Angeklagte mit dem Bemerken, daß er selbst ja täglich 14 und 15 Stunden ohne Unterbrechung arbeiie und auch erst abends essen könne, da ja„die meisten Menschen nach seiner Behauptung erst abends zu Mittag essen." Der Angeklagte hatte jedoch auch mitunter, wenn auch nicht regelmäßig. Eßpausen„gewährt". Die Zeugen geben das zu, behaupten jedoch, daß sie die„gewährten" Pausen haben abends reichlich wieder nach- arbeiten mußten und zwar haben sie regelmäßig 10 st ü n d i g e Arbeitszeit gehabt, haben demnach pro Stunde zehn Pfennige verdient, trotzdem sie pro Woche 9 M., Frühstückspause, eine Stunde MttagS- und i/i Stunde Nachmittagspause zu beanspruchen gehabt hätten. Der Angeklagte fühlt sich nicht schuldig und bittet die Zeugen zu befragen, ob er sogar nicht erlaubt habe, während der Arbeit eine Stulle zu essen. Der Amtsanwalt bezeichnet das Vorgehen des Angeklagten, der auch kennzeichnenderweise nebenbei bemerkt seinen Leuten nicht den kouktraktlich ausbedungenen Lohn gegeben habe, als eine schlimme Ausbeutung des jugendlichen Arberters und beantragt sechzig Mark Geldstrafe. Das Gericht erkennt auf 40 M a r k Geldstrafe mit der Mottvierung, daß die körperliche EntWickelung und Gesundheit der Jugendlichen— noch dazu in solchen schädlichen Gewerbebetrieben — vor einer zu langen Arbeitszeit und einer Ausbeutung jugend- licher Kräfte geschützt werden müssen. Eine solche Ausbeutung sei wohl geeignet, die noch schwachen Kräfte der jugendlichen Arbeite» rinnen aufs schwerste zu gefährden. Die verständigen Gründe des Gerichts stehen mit der Mild« d«r Gtraje nicht in Euillaog. Für den Inhalt der Juferate Abernimmt die Rebattion dem Publikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Sonnabend, den 30. Mai. Anfang 7, Uhr. Königl. Opernhaus. Dame. Die weiße Rönigl. Schauspielhaus. König Richard II. Nenes königl. Opern Theater. Dubrowsth. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Die Räuber. Rammerspiele. Frühlings Er. wachen. Lessing. Der Raub der Sabinerinnen. Berliner. Hobfenraths Erben. Neues. Simjon. Neues Schauspielhaus. Judith. Kleines. 2X2= 5. Hebbel. Cyprienne. Komische Oper. Die verkaufte Braut. Ruth St. Denis. Nachmittags 4 Uhr: Matinee. Nuth St. Denis. Residenz. Der Floh im Dhr. Luftspielhaus. Die blaue Maus. Schiller 0.( Ballner Theater.) Dhne Geläut. Schiller Charlottenburg. Der Beg zum Herzen. M Friedrich Wilhelmstädt. Schau spielhaus. Jm weißen Rößl. Thalia. Der Selbstmörderklub. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Abends 8 Uhr: Die Kruppschen Werke. OOLOGISCHER CARTEN Täglich: Gr. Militär- Konzert. Eintritt 1 M., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren. die Hälfte. Residenz- Theater. Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: -W Der Floh im Ohr. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater). Sonnabend, abends 8 Uhr: Ohne Geläut. Schauspiel in drei Aufzitgen von Fedor v. Zobeltit. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Der Widerspenstigen Zähmung. Sonntag, abends 8 Ulbr: Auf der Sonnenseite. Montag, abends 8 Uhr: Stein unter Steinen. Schiller- Theater Charlottenburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Weg zum Herzen. Lustspiel in 4 Aften v. Adolf L'Arronge. Sonntag, nam. 3 U5r: Der Weg zum Herzen. Sonntag, abends 8 Uhr: Das letzte Mittel. Montag, abends 8 1hr: Ohne Geläut.. Castan's Panoptikum Nen! Neu! 165 Friedrichstr. 165 Neu! König Gustav von Schweden. Kolossal Reptilien- Sammlung. X Berl. Originale. Täglich: Heitere Abende.= Volksgarten- Theater Kasino- Theater. am Bahnhof Gesundbrunnen. Konzert- Theater. und Gustav Schappel- Hedwig Döring Spezialitäten- Vorstellung Julius Wilms, Bros. Docson. Fidele Lumpen. Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr: Partei- Speditionen: Zentrum 1: Friz 3inte, Mauerstr. 89. Zentrum II: Albert a hnisch, Auguftstr. 50, Eingang Joachimstraße. 2. Wahlkreis, Besten: Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14, Hoch. parterre. Süden und Südwesten: Hermann Werner Gneisenaustr. 72, Laden. 3. Wahlkreis: St. Frip, Prinzenstr. 31, Hof rechts part. 4. Wahlkreis: Diten: Robert Bengels, Rüdersdorferftr. 3, am Wilhelm Mann, Petersburgerplaz 4( Laden). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Laufizerplat 14/15 ( Laden). Küftrinerplay. 5. Wahlkreis: Leo Bucht, Immanuellirchstr. 12( of). 6. Wahlkreis( Moabit und Hansaviertel): Karl Anders, Salzwedelerstr. 8, im Laden. Wedding: Karl Weiße, Nazarethkirchstraße 49. Rosenthaler und Oranienburger Vorstadt: Hermann Raschke, Aderstr. 36, Eingang Anlamerstraße. Gesundbrunnen:. Trapp, Stettinerftr. 10. Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Lychenerstr. 123. Alt- Glienicke: Wilhelm Dürre, Rudowerstr. 83 II. Charlottenburg: Gustav Scharnberg, Sesenheimerstraße 1, Ede Goethestraße, Laden. ur noch bis zum 31. Mai: Wilmersdorf- Halensee: 11e, Gigmaringenftr. 5. Der Brandstifter. Der urkomische Mälzer usw. Rezte Vorstellung vor den Ferien Schwank in drei Atten von Georges Feydeau. Deutsch von Wolff- Jacoby. Boffe mit Ges. in 3 Aften b. Reifflingen. Sonntag, den 31. Mai. WING ARTEN Schönholz 2 Min. v.Bahnh. Schönholz, Endhaltestelle der Linien 36 und 37. Lichtenberg, Friedrichsfelde, Wilhelmsberg: Dtto Seifel, Kronprinzenstraße 50, L Rummelsburg, Boxhagen: A. Rofentrans, Alt- Boghagen 56. Grünau: Franz Klein, Bahnhofstr. 6 III. Bohnsdorf und Falkenberg: 6. Pfeifer, Bohnsdorf, Genossenschaftshaus. Rixdorf: M. Heinrich, Nedarstraße 2, im Laden. Schmargendorf: Guftab Staminsky, Cunostraße 2. Schöneberg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Laden. Tempelhof: M. Müller, Berlinerstr. 41/42. Renes Ceretten. Det at Astamien Wanenen Hermann Ramiow. Ober- Schönewelde: Qullus Grano, nr 10, L Westen. Ein Balzertraum. den drei Frauen. Luisen. Im Hause der Sünde. Trianon. Frau Baronin. Bernhard Nose. Der Cowboy. Metropol. Das muß man seh'n. Apollo. Die süßen Grifetten. Spe zialitäten. Kasino. Der Brandstifter. Wintergarten. Spezialitäten. Vaisage. Spezialitäten. Dr. Nüdle. Gustav Behrens. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Folies Bergère. Spezialitäten. 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Reinhardt. 10 Uhr: Grete Gallus, die beste Soubrette. 10%, Uhr: Bert. Bernards Compagnie: Friedrich- Wilhelmstädtisches Ein Abend in einem ameriSchauspielhaus. Im weißen Rößl. Anfang 8 Uhr. Sonntag: Im weißen Nößl. Montag: Jm weißen Rößl. Neues Operetten- Theater Schiffbauerdamm 25, an der Luisenstr. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Mann mit den drei Frauen. kanischen Tingel- Cangel. Walhalla Varieté- Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Abends 8 Uhr. Die groß- Mal- Spezialitäten. artigen Lustspielhaus. Amüsantes Programm. Abends 8 Uhr: Die blaue Maus. Hebbel- Theater, Stoniggråter Str. 57/58. benbs Cyprienne. 8 Uhr: Morgen: Cyprienne. Luisen- Theater. Reichenberger Straße 34. Abends 8 Uhr: Im Hause der Sünde. Sonntag nachm. 3 Uhr zum letztenmal: Der Weg ins Verderben. 8 Uhr: Im Hause der Sünde. Montag zum erstenmal: Jm Goldland oder: Das Haus d. Nätsel. Metropol- Theater Bum 251. Male: Das muß man seh'n. Nevue in 12 Bildern m. Gef. und Tanz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. 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Wir richten an unsere Kunden die ergebenste Bitte, die Bestellung rechtzeitig zu übergeben, damit wir in die Lage gesetzt werden, die bei uns bestellten Maßsachen auf das sorgfältigste verarbeiten zu können. Lieferanten an Vereine und Einkaufsgenossenschaften. 150086 81 361 91 673[ 3000] 860 151176 469 787 868 152005 36 93 569 739[ 500] 49[ 10000] 986 84 153014 96[ 500] 142 898 733 857 941[ 1000] 154035 425[ 500] 26 527 96 616 45 746 805[ 500] 155024 166 214[ 1000] 302 3 563 75 715 851 156368 85 419 958[ 1000] 157036[ 1000] 133 45 832 63 705 63 65 971 158035 [ 1000] 76 86 205 34 69 372 84 431 61 505 10 688 738 987 [ 1000] 159108 287 442 64 599[ 5000] 939 160000 44 65 99 157 80 511 603 70[ 3000] 921 161070 126 74 242 8315 945 54[ 500] 162007 225 470 560 770 163146 201 450 543 47 50 774 808 51 164054 62[ 1000] 164 202 17 86[ 500] 96 599[ 500] 648 91 926 78 165190 492 [ 500] 513 643 67 710 27 60 62 73 834 99 166010 48 455 845 167003 178 635 726 815 86 168023 94 96 763 817 169142 226 776 878 170020 67 119[ 1000] 517[ 500] 68 705 171177 [ 500] 322 33 432[ 500] 842[ 500] 172138 45 616 764864 917 86 173010 43 152 299 442 593 695 742 98 904 174830 487 49 517[ 500] 26 683 98[ 500] 948[ 3000] 175098 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5000, 371 à 3000, 627 à 1000, 949 à 500. 20. Ziehung 5. Kl. 218. Kgl. Preuss, Lotterie. Ziehung vom 29. Mai 1908, nachmittags. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) ( Nachdruck verboten.) 162[ 500] 275[ 1000] 342 737[ 500] 81 1320 52 504 33 [ 1000] 73 897 2034 59 345 736[ 3000] 43 3342 629 61 833 [ 1000] 37 4034 111 276 483 658 726 805 13 997 5167[ 3000] 94 232[ 500] 447 837 6154 226[ 3000] 312 62 85 515 749 53 843 938 7299 315 90 570 81 621 71 827 78 8194[ 1000] 279 512 9224 64 99[ 3000] 327 605 18 96 701 58 882 10036 96 118 682[ 500] 827 11204 78 84 577 924 12173 285-379-499-512 617 22 806 914 27 13119 79 384 14017 8 211 15001 395 417 680 784 818[ 506] 50 999 15020 40 53 194 414 633 710[ 500] 974 16008[ 1000] 48 226 328 403[ 1000] 522 902 17130 53 681 91[ 500] 719 878 18014 121 379 725 50 857 61 990 19076 315 64 665 711 98[ 500] 826[ 500] 20127 336 499 551 635 21062 248[ 500] 312 415 22 640 765 908 22221 576 732 871[ 1000] 93 23050 165 536 765 71 24167 307 43 428 514 61 676 824 25088 590 666 [ 500] 26003 115 55 249 431 83 610 818 937 27059 166 201 [ 3000] 13 350 864 28150 93 574 975 29358 417 623 947 30095 176 234 357 445 79 553[ 500] 31002 40 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719 91 178063 338 420 59 62 607 10 769 900 10 179083[ 1000] 157 539 631 904[ 500] 38[ 3000] 180112 211 339 93 421 605 736 821 62[ 500] 181337 415 593 182838.477 557 649 183164[ 1000] 209 41 311 59 93 422 72 527 87 642 184408 503 739 868 923 42 91 185004 51 205 369 530 643 79 735 82 826[ 1000] 68 186126 62 245 387 589 609 745 994 187052 78 154 216 341 663 940 188423 78 545 649 66 91 189622 54 77 710 27 824[ 500] 69 911[ 500] 52 70 80 190370[ 1000] 610[ 3000] 817[ 1000] 76 191240 328 97 492 543 59 69 698 192051 106 525 82 92 637 701 965 95 193000 22 55[ 300] 159 246 412 645 85 194269 310[ 500] 13[ 500] 467 704 195250[ 1000] 345 426 54 77 520 29 51 636 738[ 500] 60 79 839[ 3000] 52 958 196061 67 157 211 [ 500] 451 577 624 734 36 97 197086 191 347 488 871 198189 401 50 688 843[ 1000] 957 70 199078 206 375 665 834[ 500] 200145 311 99 444 602[ 500] 990[ 1000] 201053 182[ 300] 345 452[ 1000] 785 890 970 74 202072[ 500] 110 683 701 984 203134 96 387 583 620 92 931 56 63 73 79 204085 301 93 492 978 205014 53 148 276 88 483 521 59 96[ 10000] 681 728 49 944 206053 140 81 96 234 375 545 784 802[ 1000] 937 207060 217 328 [ 3000] 630[ 1000] 843 922 208156 96 424[ 500] 39 92 623 855 85 987 209236 321 581 616[ 1000] 210045 109 64 337 512 854 952 211049 111 320 [ 1000] 405 578 80 604[ 1000] 736 86[ 500] 830 34 212029 43 146 353 711 12[ 500] 833[ 500] 213169 306 9 34 [ 1000] 87 98 413 96 662 716 843 966 1500] 214100 410 [ 500] 518[ 3000] 786 995 215039[ 500] 44 184[ 3000] 825 92[ 500] 976 216051 117 398 454 804 48[ 3000] 70 915 217049 111 17 430 621 41 713 32 74 79 897[ 500] 976 218082 290 450 649 709 82 99 901 219407 590 634 93 220198 633 64 777 221059 363 409 45 505[ 3000] 24 55 68 630 62 883 76[ 500] 222200 306 492 686 805 [ 500] 25 95 935 223058 259 533 99[ 1000] 224181 855 225059 256 393 682 96 717 38 68 76[ 500] 882[ 500] 943 95 226284 677 756 87 227079 124 262 387 402. 555 75[ 1000] 710 50 68 850 986 228185 381 417[ 500] 27 46 632[ 500] 58 69 712 30 229215 79 463 553 230045[ 3000] 410 70 556 697 921[ 500] 231030 208 17 64 423 606 756 232166 315 30 59 474 99 550 820 233092 145 387 568 782[ 1000] 892 913 80 234102 80 87 217[ 1000] 377 81 638 49 977 235266 640 747 878 236092 273 635 744 237296 355 414 64 631 49 896 942 238183 251 395 621 965 239130 61 263[ 3000] 329[ 500] 240056 222 423 566 604 739 964 241106 271 371 727 89 914[ 1000] 20 84 242326[ 500] 82[ 500] 430 94 769 973 243112[ 500] 558 609 34 244108 67 205 67. 492 511[ 1000] 48 88[ 500] 647 867 949 245195 256 411 19 585 710 961 246271 89 843[ 500] 74 654 739 878 247026 284 95 438 664 752 801 958[ 3000] 248153 411 691 249000 41 71 104 19 360 602 250506 8 698 815 934 251213 32 349 495 616 724 252824 26 253135 210 436[ 1000] 559 662 254269 305 28 554 650 57 713 60 66 802 62[ 500] 255262 582 694 99[ 1000] 747 850 956 256071 184 346 425 56 624 828 257167 425 97 576[ 3000] 852 258279[ 500] 82 307 781 259127 406 76 680[ 3000] 899 260303[ 500] 935 52 261011 108 349 450 97 721 990[ 500] 262167 91 359 428 49 782 823 90 263289 340[ 500] 476 861 902[ 3000] 264015 186 310 41[ 1000] 84 471 545 659 813[ 3000] 66 919 265088 95 410 609 794 864[ 500] 976 266205 445[ 1000] 86 525 902 267165 356 74 455 605[ 500] 895 268142 213 30 396 464 79 571 692 704 269535[ 1000] 62 744 854 938 270046 49 170 96 268 99 414 923 271114 290 402 635 801 85 90 272103 36 321[ 500] 54 747 802 61 81 93 981 273069 146[ 10 000] 273 331 44[ 3000] 780 914 274000 95 136 215 489 535 808 10 954 275003 31 115 18 366[ 500] 524[ 1000] 276122 245[ 1000] 408 35 46 622 25 900 277078 105 11 276[ 1000] 496 928 278062 205 462 80 508 38 670 710 863 279397 532 58 280414 645 64 733 57 856 912 86 281161 540 614 765 922[ 500] 282180 201 357 481 672 74 767 92 [ 8000] 821 283137 288 500 889 936 83 284008 154 321 73 608 35 65 701 892 285100 84 254[ 1000] 317 562 605 83 286091 167 235 315[ 500] 727 825 287224 360 653 758 844 967 52525 252525 TTTTTTTTT Warenhaus Wilhelm Stein Berlin N., Chausseestrasse 70-71 Sultanin- Rosinen I Sultanin- Rosinen II Grosse Rosinen KUCHL ZUCKE Rosine MEH Burre Pfund 70 Pt. Gebrannte Kaffees Phund 60 Pt. Pfund 60 Pt. Mischung N Anlässlich des Pfingstfestes verabfolgen wir von Sonnabend, den 30. Mai bis Donnerstag, den 4. Juni cr. incl. doppelte Anzahl Sparmarken Wir geben sonst bei einem Einkauf von 1Mk. 4 Sparmarken, an diesen Tagen jedoch 8 Sparmarken 4 grosse Lebensmittel- Tage Sonnabend, d. 30. Mai, Sonntag, d. 31. Mai, Montag, den 1.Juni, Dienstag, den 2. Juni cr., so lange Vorrats Backartikel Kaiser- Auszugmehl Budapester Art Diamant- Mehl 0 Liebigs Backmehl Backpulver. Backessenzen 0.90 110 130 1.50 Unsere Marken sind wegen des vorzüglichen Geschmacks allseitig bekannt. Korinthen Pfund 38 Pf. Kuchenformen Orangeat. Pfund 75 Pf. Frischer Spargel Pfund 25, 30, 40 Pt.| Rehblätter . Schilfleinen, Ledertrageriemen * Ausgenommen einige Artikel. No. 1 2 4 20 35 42 48 55 Pt. Süsse Mandeln f Süsse Mandeln II Bittere Mandeln Citronat. Vanille- Zucker. 5 Pfd. 85 Pt. 5 Pfd. 95 Pt. 5 Pfd. 1.05 Pid. 35 Pt. 3 Pakete 25 PL. 3 Flaschen 25 Pt. Pfund 1.20 Pfund 1.10 . Pfund 1.20 • . Pfund 75 Pf. 1.70-1.90| Grosse Salatgurken. Rucksäcke ca. 85x38 ca. 42 × 45 98 PL. 1.45 Jagdleinen, Ledertrageriemen ca. 48X55 3 Pakete 25 Pt. . Stück 23 Pf. ca. 48 × 58 Regenklappe, Aussen- und Innentaschen 2.50 2.95 3.75 4.75 Reisekoffer Reisekörbe Reisetaschen Reise- Andenken Sonntag, den 31. Mai cr. sind unsere Verkaufsräume von 8-10 und von 12-6 Uhr nachmittags geöffnet. 2525 25252 525252525252525252525252525252525252 Oranienstraße 48 Ecke Luckauer Str. 2525252525252525252525252525252525252525252525252525252 Esders& Dyckhoff Leipziger Str. 50a am Dönhoffplatz Spezialhaus für Herren- und Knabenkleidung empfehlen ihre enorme Auswahl sämtlicher Abteilungen: helle und dunkle Sommer- Anzüge I und II reihig blaue Cheviotblaue Cheviot- Saccos Herren- Wasch- Anzüge 99 99 99 99 99 99 Knaben- u. Kinder- Wasch- Anzüge Feinste Maß- Arbeit aus erstklassigen Stoffen zu mäßigen Preisen Elgene Betriebswerkstätte im Hause Eigene Betriebswerkstätte im Hause Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin, Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Bt. 125. 25. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Morgen Sonntag von 8 Uhr früh an: Sonnabend, 30. Mai 1908. Flugblattverbreitung in Groß- Berlin Zur Landtagswahlbewegung. Freifinnige Wahlmanöver. Alle Mann am Plazze! Dirette Stimm fippe" gehörig bange gemacht, ihm die Frechheit und Un wundernehmen, haben doch preußische Minister öffentlich erklärt, verschämtheit der Forderung des allgemeinen, gleichen, direkten und daß sie es für selbstverständlich halten, daß die ihnen untergeheimen Wahlrechts genügend erklärt hatte, führte er aus: daß ſtellten Beamten nur regierungsfreundlich wählen. Gegenüber in teiner politischen Partei Deutschlands eine einem solchen Terrorismus bleibe uns nur übrig, dort, wo wir solche Lauheit und Faulheit der Wähler vor unsere Macht als Konsumenten fühlbar machen können, den Boykott sn der Berliner Stadtverordneten- Bersammlung hat der handen sei wie in der tonfervativen! Der Herr muß gegen die Arbeiterfeinde voll und ganz durchzuführen. Das dunkle Stadtverordnete Rosenow den Antrag gestellt, den städtischen Be- es ja wissen! Wir haben keine Ursache, an seinen Behauptungen Treiben des Reichslügenverbandes, auch hier am Orte, tennzeichnete amten und Lehrern eine Teuerungszulage zu gewähren. Dieser zu zweifeln. der Redner treffend. Erst dann wird es möglich sein, Antrag wird gerade einen Tag nach den Urwahlen zur Verhandlung Höchst interessant war, zu hören, wie geistreich er sich über die die Sozialpolitit in Preußen Deutschland und mit ihr das Allgemeines Wahl- Koalitionsrecht der Beamten und Landarbeiter zu erringen, kommen, trägt also den Charakter der gewöhnlichsten Wahlmache allereinfachsten Volksrechte ausließ. Boltsschule auf ein höheres Niveau zu bringen und an der Stirn. Herr Rosenow sollte doch wissen, daß die Klagen recht"? Ach was! Bis jetzt hat das Dreiklaffenwahlrecht uns die Ronservativen genügt, wir brauchen keine Reform! Gleiches dem scharfmachenden Junkertum den Garaus zu machen, wenn das der betreffenden Kreise über die Teuerung doch nicht seit gestern ahlrecht für Männer und Frauen"? Ja, meine jezige Wahlrecht beseitigt und durch das allgemeine, gleiche, geheime und heute bestehen. Die Mittel, aus denen diese Teuerungs- Herren! Stellen Sie fich mal vor, was das geben und direkte Wahlrecht ersetzt ist. Lang anhaltender Beifall folgte zulage bestritten werden könnten, stehen ja schon längst zur Ver- würde! Ich bin konservativ und wähle also auch konservativ. dem Vortrage. Gegner meldeten fich trotz wiederholter Auffügung. Warum also erst dieser Antrag? Die Antwort auf diese Meine Frau ist vielleicht nationalliberal, meine älteste forderung nicht zum Wort. Alsdann wurden vom Vorsitzenden, Frage ist sehr einfach. Man glaubt eben, die Beamten und Lehrer Tochter bon 29 Jahren sozialliberal und meine Jüngste Genossen Paezold, unsere Wahlmänner und die Wahllokale bekannthinter das Licht führen können. von 21 Jahren natürlich sozialdemokratisch! Nun denken Sie gegeben und die Wähler aufgefordert, am 8. Juni voll und ganz Im Etat der Stadt Berlin stehen 1 500 000 M. zur Auf- fich, was das zu Hause für Debatten geben würde. Da ihre Schuldigkeit zu tun. hätte man ja überhaupt keine Ruhe mehr!! besserung der Beamten- und Lehrergehälter. Diese Aufbesserung abgabel Darüber ließe sich reden. Man tann ja nie wissen, ob der soll nach dem Willen des Magistrats erst erfolgen, wenn der Staat Wahlmann auch so wählt, wie ich es haben will, aber geheime die Neuregelung der Besoldung seiner Beamten vorgenommen hat. Wah1?! Das läßt sich kein deutscher Mann gefallen 11 Meine Genosse Bruns hat im Februar anläßlich der Etatsberatung dar- Herren! Warten Sie' ne Weile und es wird nach dem Brüllen" gelegt, es gezieme der Stadtgemeinde nicht, erst auf den Staat um diese„ Boltsrechte" ebenso ruhig wie damals nach der sogenannten zu warten, sie sei sehr wohl in der Lage, selbständig vorzugehen. Schweines und nach der Frauenfrage!" Darauf antwortete Herr Mommsen unter Zustimmung seiner die Erhöhung der Beamtengehälter abgelehnt, erklärte er für ein. Der Vorwurf, die Regierung und die konservative Partei hätten 16. Juni, statt. Nur weil die ganze Vorlage Flickwerk sei, 10. Landtagswahlkreis!( Bestehend aus den Abteilungen Meine Herren, ob der Reichstag und der Landtag die Ge- fach Schwindel!" 5, 6 und 7 des 5. Reichstagswahlkreises und den haltserhöhungen bewilligen, das ist ja in der Zeit, in der wir habe man sie abgelehnt. Daß man in Preußen für die unteren Beamten kein Geld Abteilungen 4, 5 und 6 des 6. Neichstagswahl. heute leben, überhaupt nicht mit einiger Sicherheit voraus- habe und sich um sie in anderen Zeiten als in denen der freise 3.) Montag, den 1. Juni, findet Extrazahlabend zusehen, und ich weiß nicht, ob es darum richtig war, schon Wahl herzlich wenig fümmere, verschwieg er wohlweislich. heute die Summe in den Etat einzustellen. Wir haben ja nicht recht sonderbaren Aeußerungen über die Polenfrage und die finden, so ist das Erscheinen aller Genossen erforderlich. Nach statt. Da wichtige Besprechungen zur Landtagswahl stattin dem Sinne bei der Erhöhung der Beamtengehälter stagniert, Brostitution, die die Logit eines föniglich preußischen Amtsgerichtsrats wie es der Staat Preußen und das Reich seit langen Jahren wahre Triumphe feiern ließen, forderte er alle diejenigen, die für Das Wahlkomité. getan haben, und es wäre darum an sich das gebe ich trok König und Vaterland seien, auf, ihn zu wählen. Wer es nicht tun allen Wohlwollens für die Beamten zu nicht nötig, daß wir der lasse es eben!" Das Letzte war eigentlich das ge= dem Staate vorangehen; es genügt, daß wir ihm folgen, wenn scheiteste, das der Herr seinen Wählern sagen konnte. wir seine Vorlage kennen." Freunde: Unter Berücksichtigung der tatsächlichen Verhältnisse waren diese Ausführungen der reine Hohn. will, Rixdorf- Schöneberg. Schöneberg. Achtung, Landtagswähler! Bu den Dazu kommt folgendes: Jm Etatsausschuß haben dann unsere Wahlmännerwahlen am 3. Juni wählen die Urwähler der 1. AbGenoffen eine Resolution beantragt, worin der Magistrat auf- teilung von 1-2 Uhr, die der 2. Abteilung von 2-3 Uhr und gefordert wurde, die Aufbesserung der Gehälter der Beamten und die der 3. Abteilung von 4-8 Uhr. Die Parteigenoffen wollen Lehrer selbständig vorzunehmen. Gegen diefe Resolution hat sich diesen Tag als einen Feiertag betrachten und rechtzeitig zur Wahl Das Wahllomitee. Herr Rosenow, der freisinnige Kandidat für den 10. Berliner erscheinen, um später mit tätig zu sein. Landtagswahlkreis mit großer Schärfe gewendet, weil dadurch nur unerfüllbare Hoffnungen erweckt würden". Teltow. Partei- Angelegenheiten. findet diesmal ausnahmsweise am Dienstag, den Der Juni- Zahlabend Der Zentralvorstand. Ober- und Niederbarnim. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Flugblattverbreitung am 31. Mai auch diesmal in Ober- und NiederBarnim stattfindet, und ersuchen wie die Genossen allerorts, pünktlich zur Stelle zu sein. Der Vorstand des Landtagswahlkreises Ober- und Nieder- Barnim. Heute, Sonnabend, den 30. Mai, 8 Uhr abends, finden an folgenden Orten Versammlungen statt: Hermsdorf, Forsthaus. Friedrichshagen( 9 Uhr), Eiskeller, Friedrichstr. 96/97. Schmötwit, Peters, Restaurant zur Balnte. Trebbin, Gesellschaftshaus, Bahnhofstr. 3. Wannsee, Fürstenhof, Königstr. 40. Steglitz. Die Wahlmännerwahlen finden in unserem Jm 7. Landtagswahlkreis tandidiert Herr Stadt- Ort unter so günstigen Bedingungen statt, daß eine allgemeine Berat Dr. Weigert, Mitglied der Gewerbedeputation, stell- teiligung wohl erwartet werden kann. Nachdem der Antrag des vertretender Vorsitzender des Aeltestenkollegiums der Berliner Gemeindevorstandes auf Frist wahl die ministerielle Genehmigung Referenten: Denzer, Giebel, Kubig, Schütte und Stürmer. Kaufmannschaft. Die Organisationen der Handelsangestellten gefunden hat, ist nunmehr auch die Festsetzung der Wahlzeit in Morgen, Sonntag, den 31. Mai: aller Parteien haben sich wiederholt an den Magistrat ge- liberaler Weise erfolgt. Die Wahlen finden am 3. Juni, die etwa Birkenwerder, 4 Uhr nachmittags, im Paradiesgarten". wendet und um eine Einschränkung der Sonntags- erforderlich werdenden Stich wahlen am 5. Juni statt, und zwar Friedrichsfelde, 12 Uhr mittags, bei Bube, Prinzen- Allee 30. arbeit im Handelsgewerbe gebeten. Im Herbst für die I. Abteilung von 3-3 hr nachmittags, für die II. Abbergangenen Jahres geschah dies auch seitens des Ausschusses des teilung von 32-4/ Uhr und für die III. Abteilung von 4%, bis Hohenschönhausen, 1 Uhr mittags, bei Neumann, Hauptstr. 23. 8 Uhr abends. Berliner Kaufmannsgerichts. Die Gewerbedeputation, daß im Gegensatz zu den Gemeindewahlen bei den Wahlmänner- Schöneiche, 4 Uhr nachmittags, bei Süßmilch," Waldschloß“. Es sei auch hier ausdrücklich darauf hingewiesen, Oranienburg, 6 Uhr abends, in Schumanns" Waldhaus". der der Magistrat dieses Gesuch überwies, setzte zur Bearbeitung wahlen mit Ablauf der festgesetzten Frist die Abstimmung ohne Zegel, 3 Uhr nachmittags, bei Trapp, Bahnhofstr. 1. Senzig, 3 Uhr nachmittags, bei Schinike. eine Subfommission ein, die ihrerseits beschloß, durch die Steuer Rücksicht darauf, ob Wähler anwesend sind, die noch nicht abgestimmt Tegel, 3 Uhr nachmittags, bei Trapp, Bahnhofstr. 1. Referenten: Denzer, Dupont, Giebel, Metke, Mohs, Udo und erheber eine Enquete zu veranstalten und vom Magistrat 4000 M. haben, geschlossen wird. Deshalb muß ein jeder so früh wie zu diesem Zweck zu verlangen. Der Magistrat sagt zu. Kurz möglich zur Wahl gehen. Zahlreiches Erscheinen erwarten Die Einberufer. darauf ging durch die Presse die Notiz, wonach die Reichsregierung Charlottenburg. Morgen( Sonntag) Flugblattverbreitung von eine Umfrage bei den Regierungen der einzelnen Bundesstaaten den bekannten Lokalen aus.- Extrazahlabend! veranstalten will, dahingehend, ob dieselben geneigt seien, einer weiteren Beschränkung der Sonntagsarbeit im Handelsgewerbe vormittags 10 Uhr, stattfindenden Besprechung die gesamten Rigdorf. Die Wahlleiter werden gebeten, zu der am Sonntag, Wählerlisten( Urwähler- und Abteilungslisten) mitzubringen. zuzustimmen. Das Wahlfomitee. Treptow Baumschulenweg. Schulkinder im Dienst e bürgerlicher Wahlagitation? Wie aus einer Anzahl Buschriften hervorgeht, soll der Lehrer Arndt von der Va. Klasse der 2. Gemeindeschule an seine Schüler das Ersuchen gerichtet haben, bürgerliche Wahlarbeiten( Austragen von Flugschriften und Kuverts) zu verrichten. Ist dem so, dann müßte dem Herrn doch ganz deutlich gesagt werden, daß er mit einem solchen Ersuchen die Schule zu verschonen hat. Es wäre ein Stück aus dem Tollhaus, wenn die kleinen Kinder für die nationalliberal freisinnigen Helden, die die Kosten für die Agitation scheuen und selbst zu faul sind, für ihre Ueberzeugung treppauf und treppab zu gehen, Dienste verrichten sollten. Welker. Wilmersdorf. Alle Urwahlbezirtsleiter sowie die Genossen, welche Wählerlisten zu bearbeiten haben, werden ersucht, sämtliches Material Sonnabend abend 8 Uhr beim Genossen Räseler, Lauenburger Straße 20/21, abzuliefern. Der Vorstand. Herr Weigert stellt nunmehr den Antrag, die Enquete fallen zu lassen und auf das Reichsgesetz zu warten. Die Gewerbedeputation entschied sich aber einstimmig, bei voller Besehung, gegen Herrn Weigert und verlangte ausdrücklich, daß Herr Weigert diesen Standpunkt der Deputation im Magistrat zur Geltung bringe. Trotzdem hat es der Herr fertig gebracht, Zehlendorf. Sonntag, den 31. Mai, Flugblattverbreitung. daß die 4000 m. wieder gestrichen wurden. Es war dem Herrn Treptow- Baumschulenweg. Die vom Gemeindevorstand für die Genossen! Die letzte Arbeit muß getan werden, um den letzten also, wie so oft, abermals gelungen, die verhaßte Sache zu Falle Urwahlen beim Minister beantragte Fristwahl ist abgelehnt worden. Mann zum Wahltisch zu bringen. Die Wahl am 3. Juni findet für die 3. Abteilung um 5 Uhr zu bringen. Wenn die Handelsangestellten Sonntags bis mittags Es hat lange gedauert, bis dieser Entscheid gekommen ist. Dem statt. 2 Uhr hinter dem Ladentisch stehen müssen, so haben sie dies in sozialdemokratischen Wahlfomitee, welches um Auskunft über die Friedenau. Am Sonntag, den 31. Mai, findet eine Flugblatterster Linie dem unheilvollen Wirken des freisinnigen Kandidaten Festsetzung der Urwahlen ersuchte, ist vom Gemeindevorstand noch Bescheid ergangen. Der für den 7. Landtagswahlkreis zu danken. Er allein, als Dezernent fein der Beginn Urwahl ist verteilung von den bekannten Bezirkslokalen aus statt. Die Ge diefer Angelegenheiten im Magistrat, ist der Hemmschuh; sonst auf 11 Uhr vormittags festgesetzt. Eine solche Wahlzeit ist ge- noffen des 3. Bezirks treffen sich bei Hegert, Rönnebergstraße, Ede eignet, tiefe Erbitterung in der Arbeiterschaft hervorzurufen, weil Sandjerhstraße. Es ist Pflicht eines jeden Genossen, sich daran zu wäre längst die Sonntagsarbeit im Handelsgewerbe beseitigt. Der Vorstand. Eine wesentliche Stüße in der Wahlarbeit findet der Freifinn dadurch die Ausübung des Wahlrechts mit einem großen Zeitverlust beteiligen. verknüpft ist. Es müssen die Arbeiter bereits am Vormittage die Rummelsburg. Sonntag, den 31. Mai, findet die Landagita. noch in der Lehrerschaft, die sich anscheinend durch den Namen" frei- Arbeitsstätten verlassen, um um 11 Uhr im Wahllokal zu sein. Mit tion nach Rüdersdorf statt. Treffpunkt früh 5 Uhr bei Rosenkranz. finnig" einfangen lassen. Nun beklagen fich diese Lehrer sehr leb- dieser Nadelstichpolitik wird die Behörde aber das Gegenteil dessen Abfahrt 5 Uhr 20 Min. haft darüber, daß bei der Zusammensetzung der neuen Schul- erreichen, was sie beabsichtigt; die werktätige Bevölkerung wird nun Die Taschen sind von den Bezirksführern abzuholen. deputation nur die Mindestzahl der Lehrer zugezogen wurden. erst recht zur Stelle sein und Mann für Mann für die sozialdemo Der Agitationsleiter. Ja, wem ist denn dies zu verdanten? Doch nur Herrn Cassel und kratischen Wahlmänner stimmen. seinen Freunden. Wilmersdorf. Die Wahlmännertvahlen finden für die 1. AbHerr Cassel hat sich ausgesprochenermaßen teilung nachmittags von 3-4 Uhr, für die 2. von 4-5 Uhr und für Es empfiehlt sich, daß die auf den Standpuntt gestellt: es sei gar nicht die 3. Abteilung von 5-8 Uhr statt. wünschenswert, fobiel Fachleute in der Schul- Arbeiterwähler fo früh wie möglich zur Wahl gehen, da erfahrungsdeputation zu haben; es genüge böllig die ge- gemäß abends der Andrang sehr groß ist. setzliche Mindestzahl. Dafür haben die Herren aber be- Teltow. In einer gut besuchten öffentlichen Wählerversammlung schlossen, die doppelte Bahl der Geistlichen aufhielt am Mittwoch abend im Lofal von Preuß! Genosse Schütte einen zunehmen, als nach dem Schulunterhaltungsgesetz notwendig längeren mit Beifall aufgenommenen Vortrag über das preußische ist. Dem ist nun zwar vom Magistrat nicht zugestimmt worden. Wahlunrecht. Redner schilderte die Zeit, ehe Preußen überhaupt eine Aber es ist doch bezeichnend für die Herren. Mehr Geistliche als nötig und weniger Lehrer als erlaubt. Und da wagen die Nationalbersammlung und beleuchtete die Feigheit und den Berrat Verfassung betam, die Revolution von 1848, das Bestehen der des Bürgertums. Disfuffion fand nicht statt. Im Anschluß an den Wie verlangen die Ersetzung der Geistlichen durch Vortrag wurde die Einteilung der Urwahlbezirke befanntgegeben die fachmännische Schulaufsicht und bekämpfen die Kon- und die Wahlmänner in der dritten und zweiten Abteilung aufgestellt. fessionalisierung des Schulwesens." " Stralau. Sonntag, den 31. Mai, morgens 8 Uhr, findet in allen Bezirken eine Flugblattverbreitung statt. Da den Genossen außerdem wichtige Mitteilungen zu machen sind, ist das Erscheinen aller dringend notwendig. Der Vorstand. Treptow- Baumschulenweg. Bur Flugblattverbreitung am Sonntag, den 31. Mai, treffen sich die Parteigenossen früh 7½ Uhr in den Bezirkslokalen. Das Wahlkomitee. Ober- Schöneweide. Sonntag früh 8 Uhr ist Handzettel. berbreitung und Entgegennahme wichtiger Mitteilungen. Es gilt nochmals die Wähler unseres Ortes aufzurütteln. Deshalb, Ge nossen, seid Mann für Mann in den Bezirkslokalen zur Stelle. Dienstag, den 2. Juni, abends 8½ Uhr, findet im Wilhel minenhof" eine öffentliche Wählerversammlung stati. Referent: Genosse Dr. Kurt Rosenfeld. Genossen, agitiert für guten Besuch dieser Versammlung auch bei den Gewerbetreibenden. Der Vorstand. Nieder- Schöneweide. Am Sonntag früh 8 Uhr treffen sich die Ober- und Nieder- Barnim. Genossen in den bekannten Stellen zur Flugblattverbreitung; Der Vorstand. Nieder- Schönhausen. Ueber die bevorstehenden Landtagswahlen zahlreiches Erscheinen ist dringend notwendig. sprach am Mittwoch in einer von etwa 300 Bersonen besuchten Ver- Johannisthal. Sonntag vormittag 8 Uhr findet Flugblatt. sammlung Genosse Stadthagen im großen Saale Neu- und Kuvertsverbreitung statt. Treffpunkt bei Albert Gobin, RoonCarlshof. Redner beleuchtete zunächst die Ungerechtigkeit des Wahl- straße 2. Pflicht der Parteigenossen ist es, pünktlich zu erscheinen. Eine ungewollte aber treffende Kritik seiner Wähler leistete sich systems und die Entrechtung der Frauen, denen man wohl durch die Bei der Terminswahl am 3. Juni, nachmittags 2 Uhr, wählt der am Mittwochabend der konservative Kandidat des Potsdamer Biertels, Bodgefeggebung Bürden auferlegt habe, aber keinerlei politische 1. Bezirk bei Schulz, Friedrichstr. 10, der 2. Bezirk im Rathaus, der Amtsgerichtsrat Köhler. Nachdem er dem Häuflein Rechte gewähren wolle. Daß das Junkerparlament auch die öffent Sigungssaal. Parteigenossen, wer Zeit hat, stelle sich zur Ver feiner Getreuen vor der sozialdemokratischen Bolts lliche Stimmabgabe auf keinen Fall preisgeben wolle, tönne nicht fügung Der Vorstand. perren auch noch, in ihren Flugblättern zu schreiben: Wenn sich die Berliner Lehrerschaft durch diese erbärmliche Heuchelei, trotz dieses offenbaren Wahlschwindels noch einfangen läßt und Rosonow, Cassel und Genossen Wahlschlepperdienste leistet, dann ist ihr nicht zu helfen. Ttmpelhof. Am Sonntag früh findet bSn den detannten, Stellen aus Flugblattverbreitung statt. Vollzähliges Erscheinen I der Genossen ist Pflicht. Der Vorstand. Karlshorst. Heute, Sonnabend, abends 7 Uhr, Flugblatt- und Handzettelverbreitung von den bekannten Stellen aus. Punkt- liches Erscheinen jedes Parteigenossen ist Pflicht. Sonntag, den 31. Mai, mittags 12 Uhr, Versammlung unter freiem Himmel im Garten des Restaurant„Zum Fürstcnbad". Jeder Parteigenosse mutz zur Stelle sein. Für die Wahl der Wahlmänner am 3. Juni ist Fristwahl an- gesetzt. Die 2. Klasse wählt von 2i.h— i Uhr, die 3. Klasse wählt von iVi— 8 Uhr nachmittags. Jeder Landtagswählcr mutz sich mit einer Legitimation versohcn. Britz-Buckow. Sonntag früh 8 Uhr findet im ganzen Ort eine Flugblattverbreitung statt. Die Genossen sind verpflichtet, sich vollzählig und pünktlich in den bekannten Lokalen einzufinden. Montag, den 1. Juni, abends �49 Uhr, bei Röster, Chaussee- stratzc 39, grotze öffentliche Versammlung. Tagesordnung: 1. Vor- trag des Genoffen Reinh. Küter über:„Die bevorstehende Land- tagswahl." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Frauen und Männer von Britz, erscheint in Massen in dieser Versammlung. Schmargendorf. Am Sonntag früh Uhr findet vom „Wirtshaus" aus eine Flugblattvcrbreitung und am Montag abend �8 Uhr von derselben Stelle aus eine Verbreitung von Wahlkuverts statt. Das Erscheinen aller Genossen zu beiden Ver- anstaltungen erwartet Der Vorstand. Rüdersdorf. Sonntag, den 31. Mai, findet im Lokal von Grewe eine öffentliche Urwählerversammlung statt. Tagesord- nung: 1.„Die bevorstehende Landtagswahl. 2. Diskussion. 3. Auf- stellung der Wahlmänner. Der Einberufer. Grünau. Sonntag früh 8 Uhr findet eine Flugblattverbrei- tung statt. Um zahlreiche Beteiligung der Genossen wird ersucht. Treffpunkt:„Grüne Ecke". Mahlsdorf a. Ostbahn. Am Sonntag, den 31. Mai, früh 8 Uhr, findet für Mahlsdorf und Kaulsdorf eine Flugblattverbreitung statt, für die Genossen von Kaulsdorf bei Mees, für Mahlsdorf bei Schliefe, für Mahlsdorf-Süd bei Lange, Köpenicker-Allee, aus. Desgleichen wird auf die heute abend bei Mees in Kaulsdorf statt findende Versammlung aufmerksam gemacht. Der Vorstand des Wahlvereins. Der Wahlvercin von Storkow und Umgegend hält am morgigen Sonntag, nachmittags 3 Uhr, im Rathaus-Hotel eine öffentliche Versammlung ab. Die Genossen und Wähler, welche in Berlin und den Vororten beschäftigt sind, werden besonders auf die Versamm lung aufmerksam gemacht Am heutigen Sonnabend, abends 7 Vh Uhr, findet eine �lugblattverbreitung für Storkow statt. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Königs-Wusterhausen. Am Sonntag früh 8 Uhr findet von den Bezirkslokalen aus eine Flugblattverbreitung statt. Des gleichen werden die Genossen ersucht, nachmittags 3 Uhr an der in Deutsch-Wusterhausen stattfindenden Versammlung auf dem Schulz- schen Grundstück teilzunehmen. Es ist Ehrenpflicht eines jeden Genossen, die letzten Tage vor der Wahl noch seine ganze Kraft der Agitation zu widmen. Das Wahlkomitee. Deutsch-Wusterhausen. Die Parteigenossen werden auf die am Sonntag, den 31. Mai, früh 8 Uhr, stattfindende Flugblattverbrei- tung sowie auf die nachmittags 3 Uhr auf dem Grundstück des Herrn Bauunternehmers Schulz stattfindende öffentliche Wähler- Versammlung hingewiesen. Es ist Pflicht der Genossen, durch tüchtige Agitation für einen Massenbesuch der Versammlung zu sorgen. Das Wahlkomitee. Hoherlehme-Wildau. Sonntag, den 31. Mai, vormittags 8 Uhr, findet vom Bezirkslokal aus eine Flugblattverbreitung statt. Nachmittags 3 Uhr findet im Lokale von Trappe, Hoherlehme, eine öffentliche Wählerversammlung statt. Es wird eine rege Bcteili- gung der Genossen an der Flugblattverbreitung sowohl wie an der Versammlung erwartet. Das Wahlkomitee. Niederlehme. Am morgigen Sonntag früh 8 Uhr findet vom Bczirkslokal aus eine Flugblattverbreitung und nachmittags 3 Uhr im Lokale des Herrn Neichelt(„Bellevue") eine öffentliche Wähler- Versammlung statt. Es ist Pflicht eines jeden Genossen, für regen Besuch der Versammlung zu agitieren. Das Wahlkomitee. Weißensee. Am morgigen Sonntag früh 7% Uhr findet von den bekannten Bezirkslokalen aus eine Flugblattverbreitung statt. Rege Beteiligung ist notwendig. Die Genossen, welche über Land gehen, treffen sich um 7 Uhr früh beim Genossen Rotzkopf, König- Chaussee 38. Der Vorstand. Pankow. Morgen Sonntag von%8 Uhr ab Kuvertsverbreitung von den bekannten Lokalen aus. Die Genossen werden dringend aufgefordert, sich rege zu beteiligen. Der Vorstand. Nieder-Schönhausen. Zu der morgen früh 8 Uhr stattfindenden Flugblattverbreitung ersuchen wir die Genossen, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Das Wahlkomitce. Bezirk Waidmannslust. Am Sonntag, den 31. Mai, vormit- tags 8 Uhr, findet für den ganzen Bezirk eine Flugblattverbrcitung statt. Treffpunkt für Hermsdorf im„Forsthaus", Waidmannslust im„Schweizerhaus", Wittenau bei A. Schulze, Borsigwalde bei A. Reuter. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Borstand. Schönwalde(Bezirk Pankow.) Heute abend 8 Uhr findet im Restaurant des Herrn Schulz eine grotze öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Spieker- m a n n- Lichtenberg über:„Die Sozialdemokratie und der Land- tag." 2. Freie Diskussion. Arbeiterl Bringt Eure Frauen mit. Der Vorstand. Wilhelmsruh-Rosenthal. Morgen, Sonntag, früh 8 Uhr, Flug- blattverbreitung; sämtliche Genossen treffen sich diesmal bei Barth, Viktoriastr. 7. Vollzähliges Erscheinen unbedingt notwendig. Der Vorstand. Tegel. Sonntag früh 8 Uhr von den bekannten Lokalen aus Flugblattverbreitung; gleichzeitig werden Handzettel zu der Ver- sammlung am Montag verteilt. Die Genossen, welche nach Heiligcnsee gehen, treffen sich Sonntag morgen um 7% Uhr bei Krause, Berliner Strasse 11. Am Montag, den 1. Juni, abends 8� Uhr, findet bei W. Trapp, Bahnhofitr. 1, eine Volksversammlung statt. Referent: Genosse Uko. Genossen, agitiert für Massenbesuch und bringt Eure Frauen mit. Der Vorstand. Oranienburg. Am Sonntag, den 31. Mai. früh 71h Uhr, findet im Bezirk eine Flugblattverbreitung statt. Die Genossen werden ersucht, sich vollzählig in den Bczirkslokalen einzufinden. Potsdam. Am Montag, abends%9 Uhr, findet im Viktoria- garten eine grotze Volksversammlung statt. Tages- ordnung:„Die bevorstehende Landtagswahl." Referent: Dr. Kurt Roscnfeld- Berlin. Diskussion. Versäume kein Parteigenosse diese Versammlung. Spandau. Achtung? Am Sonntag früh Flugblattverbreitung für Stadt und Land. Die Genossen werden dringend ersucht, sich um 1H7 Uhr in chren Bezirkslokalen einzufinden, mit Ausnahme des I. und 3. Bezirks, welche sich bei Böhle, Hgvcl-Stratze 20 ein- zufinden haben. Auch die Wahlleiter sämtlicher Wahlbezirke müssen zur Stelle sein. Der Vorstand. Rowawcs. Am morgigen Sonntag von 9 bis 12 Uhr vormit- tagS findet das Einkassieren von Beiträgen des Wahlvereins in folgenden Lokalen statt: 1. Bezirk: Otto Hicmko, Wallstr. bb; 2. Bezirk: Karl Gruhl, Pricsterstr. 69; 3. Bezirk: Ludwig Richter, Grotz-Beeren-Stratze 59. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Berliner l�acbricbten. Kiefernblüte. Die Grasmatten unter den Kiefern des Grunewaldes haben sich in frisches, bald dunkleres, bald helleres Grün ge- kleidet. Die gelben Dolden der Cnpressen-Wolfsmilch bilden im Grase allenthalben dem Auge auffallende Punkte. Beschei- dcner gibt sich die Erdbeere, deren weiße Muten zwischen dem Grase streckenweise den Boden zieren und auch blauen Veilchen Unterschlupf bieten, die hier freilich nur dem Auge, nicht auch der Nase wohltuen: denn sie sind geruchlos. Wo die Kiefern in engem Aneinanderschlutz hochaufstreben, kann unser Auge in den lockeren Kronen, die sich vom Himmel abzeichnen, nichts Auffälliges entdecken. Aber am Rande des Waldes und der Wege und besonders in den Schonungen, sofern sie nur wenigstens zehn Jahre alte Bäumchen enthalten, zeigen die jungen Kiefern ein anziehendes Bild. Der Mai ist ihr Blütemonat. Zwischen den Jungtrieben des Jahres mit der hellgrünen Farbe und den noch kurzen Nadeln stehen die männlichen Aehren, in Form von Zapfen aus gelben, kuge- ligen Gebilden zusammengesetzt, die der Botaniker Pollensäcke nennt. Sie sind prall mit dem Blütenstäube erfüllt, der sich, wenn die Säcke reifen, dem Winde hingibt, von diesem durch die Kronen zu den weiblichen Zapfen getragen wird und auf Wasseransammlungen bisweilen jene gelben Schleier erzeugt, die das Volk irrtümlich als Schwcfelregen bezeichnet. Jedes dieser winzigen Blütenstäubchen trägt zwei mikroskopisch kleine Luftbläschen: so ergeben sich Milliarden punktförmiger Luftballons, die eben durch ihre Massenhaftigkeit trotz des regellosen Spieles des Windes, der bei allen Nadelholzarten diese Rolle auszuüben hat, dennoch ihr Ziel erreichen. Dieses Ziel sind etwa erbsengroße, rote Zäpfchen, an Zahl meist weit geringer, als die männlichen„Schwcfelzapfen" und dem Spaziergänger nicht immer erreichbar. Zwei Jahr braucht der Zapfen, um zu reifen und erst im dritten Jahre entläßt er die Samen. Auch diese sind geflügelt und überlassen dem Winde die Verbreitung. Erst der leere und verholzte„Kien appel" fällt vom Baume zu den toten Nadeln, um hier all mählich seiner Auflösung in Humus entgegenzugehen. Bei uns haben die Samen der Kiefer wenig zu bedeuten, außer für den Menschen. Denn dieser, nicht der Wind, regelt bei uns die Verbreitung des Baumes. Die Windflügel an seinen Samen sind überflüssig geworden: denn niemals würde der Baum eine so riesige Verbreitung gewonnen haben, von Spanien durch Europa und Sibirien hindurch, wenn er sich auf den Wind und seine zähe Lebenskraft allein hätte ver lassen sollen. Es ist der Mensch, der ihn jetzt hegt und formt, weil kaum ein besseres Nutzholz in den gemäßigten Zonen zu finden ist. Aber die Flügel an ihren Samen wird die Kiefer wohl noch undenkliche Zeiten behalten als zcjhes Erbteil. Hausbesitzer und GrunbstMSvesteuerung Als seinerzeit der Antrag unserer Parteigenossen,„die Grund> steuer nach dem gemeinen Wert zu erheben", in der Stadb verordnetenversammlung zur Beratung stand, kam es zu heftigen Zusammenstötzen zwischen unseren Freunden und den Vertretern der Hausagrarier. Vor allen waren es der verstorbene Stadt verordnete Wallach und auch Herr Haberland, die sich heftig gegen den Antrag wandten. Seitens der Grundbesitzervereine war ein Petitionssturm losgelassen worden; allgemein wurde behauptet, dartz diese Steuer eine Schädigung des Grundbesitzes bedeute, und es wurde verlangt, es bei der Steuer nach dem Nutzertrag zu be- lassen. Der Antrag unserer Freunde gelangte trotzdem zur An- nähme und die neue Steuerform trat am 1. April dieses Jahres in Kraft. Die Steuer erfaßt den unbebauten Grundbesitz sowie die- grossen Geschäftshäuser schärfer als seither, während die Mietshäuser mit kleinen Wohnungen besser wegkommen. Jetzt klingt der Ton aus den Grundbesitzervereinen schon ganz anders. In der letzten Versammlung des„Grundbesitzcrvereins der Prenzlauer Tor» und angrenzenden Stadtteile" sprach Herr Recktsanwalt Morris über die Besteuerung der Grundstücke nach dem gemeinen Wert, wie sie seit dem I.April d. I. für die in Berlin liegenden bebauten und unbebauten Grundstücke erhoben wird. In dem Bericht über die Versammlung im„Grundeigentum" heißt es:„In längerer Einleitung besprach Redner die Gründe, die zur Aenderung'der Grundsteuerordnung in Berlin geführt, und be> zeichnete das neue System als außerordentlich ver» ständig. Durch die Steuer nach dem gemeinen Wert werde eine grotze Entlastung der Gebäude infolge der Besteuerung des Bau- geländes herbeigeführt und besonders die kleineren Gebäude zu- gunsten der Grundstücke mit großem Areal besser gestellt. Bisher sei die Grundsteuer nach dem Mietertrage zur Erhebung gelangt, und zwar mit einem Betrage von 5,8 Proz., während nach der neuen Steuer nur 3,15 Proz. fiir dieses Jahr erhoben würden. Der gemeine Wert werde gefunden durch Feststellung deS Boden- wertes, der Fcuerkasse und des Mietertrages." Die Versammlung dankte dem Redner noch durch Erheben von den Plätzen. So rasch und so gründlich ist also die Erkenntnis gekommen! Vielleicht überlegen sich die Herren auch noch einmal, ob ihr Wider- stand gegen die Einführung der Wertzuwachs- st euer nicht ebenso falsch war wie der gegen die Grund- steuer nach dem gemeinen Wert. Es sind dieselben Leute, die. so wie damals, auch diese Steuer in der Stadtverordnetenversamm- lung bekämpften. Das müßte doch sehr zu denken geben. Bei näherem Zusehen wird man finden, daß auch bei dieser Steuer der unbebaute sowie der grotze und spekulative Grundbesitz, oder richtiger gesagt Grundstüclshändler, getroffen, der kleine Besitzer aber dadurch erheblich entlastet werden wird. Je früher diese Einsicht kommt, desto besser, denn kommen wird die Wertzuwachssteuer; je länger sie aber hinausgeschoben wird, desto größer ist der Verlust für die städtischen Finanzen. Unsere Parteifreunde im roten Hause werden gewiß nicht er- mangeln, die Sache nach Kräften zu fördern. Die Entwürfe für den Wettbewerb um die Erlangung von Plänen für die Errichtung des„Schillerhainö" auf den Rehbergen sind im Festsaal des Rathauses ausgestellt und können dort in den nächsten vierzehn Tagen werktäglich von 9 bis 3 Uhr und Sonntags von 19 bis 2 Uhr besichtigt werden. Zwei Arbeiter bei einer Explosion verunglückt. Eine schwere Explosion, bei der zwei Arbeiter erheblich verletzt wurden, ereignete sich gestern(Freitag) nachmittag am Salzufer 16 auf dem Grund- stück der Vereinigten chemischen Werke. Aktiengesellschaft, Abteilung für Glyzerinfabrikation. In dem sogenannten Destillierraume waren mehrere Arbeiter mit dem Destillieren von Glyzerin beschäftigt. Plötzlich kam der Kessel zur� Explosion. Unter lautem Krachen flogen Türen und Fenster auf den Hof. Der 39 jährige Arbeiter Paul Siefert aus der Huttenstr. 7 wurde von herumfliegenden Trümmern so schwer getroffen, daß er einen doppelten Schädelbruch erlitt. In bedenk- lichcm Zustande schaffte inau ihn nach dem Westender Krankenhause. Mit etlvas leichteren Verletzungen kam der Arbeiter August W e g e n e r, am Charlottenburger Ufer wohnhaft, davon. Das entstandene Feuer wurde von der Charlottenburger Wehr unterdrückt. Während der Ablöschungsarbeiten trug sich auf der Stratze noch ein Unfall zu. Ein 13 jähriger Junge, der am Ufer stand und die Tätigkeit der Wehr beobachtete, glitt plötzlich aus und stürzte ins Wasser. Schnell entschlossen sprang rettete den Knaben. ein Feuerwehrmann nach und Im Zeichen des Verkehrs. Erhebliche Verkehrseinschränkungen werden am morgigen Sonntag und am kommenden Montag eintreten. Am Sonntagnach- mittag treten infolge des Besuches des Königs und der Königin von Schweden folgende Verkehrsbcschränkungen ein: Etwa von 31h Uhr nachmittags ab werden für Wagen, Reiter und Fußgänger gesperrt: Kaiser-Wilhelm-Brücke, Lustgarten, Schlotzfreiheit, Schlotzbrücke, Fahrdämme der Plätze am Zeug- uno Opernhause, Fahrdämme, Reitweg und Mittelpromenade der Straße „Unter den Linden". Pariser Platz und Platz vor dem Branden- burger Tor. Später wird der Verkehr am Friedrich-Karl-Ufer zwischen„Alt-Moabit" und Wilhelm-Ufer, über die Alsenbrücke. durch die Alfen-, Bismarck- und Moltkestratze, an der Westseite des Königsplatzes, durch die SiegcS-Allee und den östlich dieser belegenen Teil der Charlottenburger Chaussee und an den Uebergängen der Stratze„Unter den Linden" an der Wilhelm-, Neuen Wilhelm-, Friedrich- und Charlottenstratze zeitweise abgelenkt oder unter- brochen werden. Das Brandenburger Tor wird voraussichtlich erst nach dem Abmarsch der in der Stratze„Unter den Linden" spalier- bildenden Truppen für den gewöhnlichen Verkehr freigegeben werden können. Wenn die Verkehrsverhältnisse es erfordern, wird für den 31. Mai und die die beiden folgenden Tage angeordnet werden, daß die Nordseite der Linden nur in der Richtung nach Westen und dw Südseite der Linden nur in der Richtung nach Osten befahren werden darf. � Aus Anlaß der am Montag, den I. Juni, vormittags 9 Uhr. auf dem Tempelhofer Felde stattfindenden Parade wird die Tempelhofer Chaussee von etwa 8 Uhr an bis zur Beendigung der Parade für jeden Verkehr gesperrt. Die Belle-Alliancestratze. die Lichterfelder Stratze und die Katzbachstratze dürfen von Lastwagen während der Zeit vom Ausrücken der Truppen bis nach deren Ein» marsch in die Stadt, nicht befahren werden. Nur den mit Passier» scheinen versehenen Personenwagen ist daS Befahren der Belle» Alliance-Stratze bis zum Steuerhause gestattet._ Alle übrigen Personenwagen haben bei der Kreuzbergstratze in die Lichterfelder Stratze einzubiegen und durch diese auf das Tempelhofer Feld west- lich der Chaussee zu fahren. Der Betrieb der Straßenbahn- und Omnibuslinien wird auf der Tempelhofer Chaussee und den aus Berlin nach dem Tempel- hofer Felde führenden Straßen(insbesondere auch in der Friedrich» stratze) mit dem Beginn des Ausmarsches der Truppen(etwa von 7 Uhr ab) bis zur Aufhebung der Absperrung eingestellt, bczw. ein- geschränkt oder abgelenkt._ Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Die neue Rang- und Ouartierliste der glorreichen preußischen Armee gibt selbst Tageszeitungen von durchaus konservativer Ge- sinnung und Betätigung den Anlaß, ihre Glossen zu machen über den modernen Ordenssegen. Mit jedem der letzten Jahre ist dieses „goldene Buch preußischen Heldentums" dicker geworden. Neben der Schaffung neuer militärischer Pfründen wird das hauptsächlich zurückgeführt auf die erschreckende Zahl der Ordensverleihungen. Man kennt aus der Geschichte der beiden letzten Jahrhunderte keine zweite Periode, in der der Ordenskultus, wie wohl mit Recht gesagt werden kann, einen auch nur annähernd großen Umfang angenommen hätte. Aber andererseits verschließen sich selbst Leute, die durchaus patriotisch und königstreu sind, nicht der Ansicht, daß heutzutage der Orden stark im Werte gesunken ist. Wenn wir in der Rangliste sehen, daß bei den Gardercgimentcrn junge Leutnants, die knapp die Zwanzig überschritten haben, nicht allzuselten schon fünf Orden, und daß ebendort Oberleutnants sogar bis zu zehn Orden besitzen, so fragt man sich doch unwillkürlich, wo die Verdienste für solche Auszeichnungen zu suchen sind. Aber auch in den höchsten militärischen und höfischen Rangstellungen sind 25 bis— 75 Orden an einer einzigen Heldenbrust doch unmöglich immer als äußere glänzende Anerkennung einer Heldentat für König und Vaterland zu betrachten, sondern sie sind in den meisten Fällen weiter nichts als der Ausdruck einer zeremoniellen Höflichleit, viel- fach genau so ein kleines Geschenk zur Erhaltung der Freundschaft, wie die Mitbringsel, welche das„Bürgerpack" nach Badereisen aus- zutauschen pflegt. ES mutz einen Hauptspatz geben, mal einen dieser hohen Herren im vollen Ordensschmuck zu sehen, beispielsweise unseren hochverehrten Herrn Reichskanzler. Er würde mit mehr als einem halben Hundert Orden ganz sicher den Eindruck einer wan- delnden Seidenband- und Medaillcnhandlung machen. Alle diese„Aus- Zeichnungen" auf einmal anzulegen, ist nämlich ohne Lächerlichkeit einfach unmöglich. Allein beim OffizierkorpS des feudalsten preußischen Regiments. deS Ersten zu Fuß in Potsdam, zählt man nicht weniger als 361 Orden I Diese Unmenge von Glanz und Gleißen in die Tat umgesetzt, entspricht selbstverständlich einem geistigen Können, gegen das Universitätsprofessoren und ähnliche hervorragende Geister der deutschen Nation sich mit ihrer Schulweisheit begraben lassen können. Dagegen weist die Rangliste pauverer Linien-Neginrenter. aus denen erfahrungsgemäß die tüchtigsten militärischen Kräfte hervor- gehen, verhältnismäßig wenige Orden auf, oft insgesamt noch nicht zwei Dutzend. Bemerkenswert sind in der neuen Rangliste auch die neugeschaffenen Orden für Verbreitung der Kultur in den Kolonien. So ist Belgien mit dem„afrikanischen Dienststern", Frankreich mit dem.Drachenorden von Anam" vertreten. Wer die Neger und andere Wilde am besten zu prügeln versteht, bekommt einen Piep- motz. Wir wissen im Augenblick nicht, ob irgend einer der jüngst dekorierten FreisinnShelden in dem militärischen Verhältnis eines ReservelcntnantS steht. Dann wird ja wohl ihr unsterbliches Ver- dienst um den preußischen Staat ebenfalls in der Rangliste mit einem Adlerzeichen festgenagelt sein. Verregneter Himmelfahrtstag. Einen recht trüben Abschluß sollte der Himmclsfahrtstag finden. Während am vormittag die Witterung recht günstig war, begann in der frühen Nachmittags- stunde ein Regen einzusetzen, der bis zum späten Abend anhielt. In dem Familienbad am Wannsee herrschte ein recht starker Andrang, der jedoch bei Eintritt der unfreundlichen Witterung immer mebr nachließ. Bei einem HerrenauSflug den Tod gefunden hat Himmelfahrt ein etlva Lvjähriger junger Mann, der mit einer größeren Gruppe Freunde ein Lokal in Schmöckwitz besucht hatte. Als die Ausflügler wieder aufbrachen, blieb er wegen angeblicher Uebermüdung zurück und begab sich, während seine Bekannten nach Berlin zu marschierten, nach dem Ufer der Dahme. Hier wollte er vermutlich auf einen Dampfer warten und betrat einen Landungssteg, von dem aus er in das Wasser blickte. Plötzlich wurde der Mann dem Anscheine nach von Schwindel ergriffen, taumelte und stürzt: in den Fluß. Der Vorgang war von anderen Ausflüglern beobachtet worden, die sich vergeblich bemühten, dem Verunglückten Hilfe zu leisten. Trotz einer sofort vorgenommenen Absuchung des Wassers konnte die Leiche nicht geborgen werden. Auch die Personalien des Ertrunkenen waren nicht festzustellen, da es nicht gelang, zu ermitteln, wohin sich die Freunde des Verstorbenen gewendet hatten. Abgestürzt. Gestern nachmittag gegen 1�6 Uhr stürzte der mit Reparaturarbeiten beschäftigte Klempnermeifter Stäche, Gneisenau- tratze 31 wohnhaft, vom Dache des vier Stock hohen Seitenflügels in der Schlciermacherstratze 3 ab. Er fiel direkt auf das Gesicht. Das Gehirn spritzte auf dem Hofe umher. Der Verunglückte'war sofort tot. Drei neue Brandstiftungen. Im Laufe des gestrigen Nach» mittags wurden im Norden und Osten der Stadt schon wieder drei Brandstiftungen verübt. Zuerst ging der Dachstuhl des Hauses G I ü o t h gj e x Ktrstze 36 in L lammen gut. Die glarmjette Feuerwehr mußfe hier mit Sier Dampfsprizrohren eingreifen, um das Feuer zu unterdrücken. Bei den Ablöschungsarbeiten erlitt der Feuerwehrmann Bogdanski eine schmerzhafte Verlegung im Rüden, da ihn herabfallende Ziegelstüde trafen. Es liegt zweifellos Brandstiftung vor. Auch im zweiten Falle, in der Marsiliusstraße 7, konnte die vorsätzliche Jnbrandsehung festgestellt werden. Die Wehr fand auf dem Boden des Hauses nicht weniger als drei verschiedene Brandherde. Der dritte Fall ist aus der Caprivi- Straße 9 zu melden. Hier brannten ebenfalls Boden= verschläge mit Inhalt. Der Befund der Brandstelle ließ llar Brandftiftung erkennen. Vermischtes. -R. R., Genoffe Fengler kommt auf den Uebelstand in der Berliner 101. Benden Sie sich direkt an den Metallarbeiter- Berband. A.. Straße an der Binzstraße zu sprechen. Die Große Berliner hat Wilmersdorferstraße. Ja, weisen Sie in der Reklamation_darauf hin, daß hier die Haltestelle hinter den Straßenübergang verlegt und fährt die Anweisung des Finanzministers fich auf Ihren Standpunkt stellt. A. 2. 19. 1. Ja. 2. Der volle Schaden muß ersetzt werden. 3. Sie immer mit voller Kraft an der Straße, dicht an der Bordschwelle, tönnten einen Antrag bei der Polizei stellen. Wenn aber keinerlei Berdachts. vorüber. In vergangener Woche ist dadurch ein Kind überfahren. gründe beigebracht werden können, würde dem Antrag schwerlich statt Der Amtsvorsteher erklärt, bereits die nötigen Schritte zur Ab- gegeben werden können. 3. G. 100. Jeder Teil hat die Hälfte der änderung unternommen zu haben. Kosten zu tragen. Ihr Urteil wird, wenn nicht Berufung eingelegt wird, am 15. Suni rechtskräftig. Sch. 9. Ein Anspruch auf Schadenersah steht dem in Betrachtkommenden leider nicht zu. Hansa 1. Der Che mann ist nicht verpflichtet, den Unterhalt der Frau, die sich gegen seinen Willen außerhalb der Ehewohnung aufhält, zu bestreiten. Sie lönnen auf Wenn Ihre Rüdgabe der Sachen und auf Rückkehr der Frau lagen. Wer ist die Tote? Am 22. Mai, vormittags gegen 5% Uhr, Zusammenstöße. Am Himmelfahrtstage haben sich eine Anzahl Frau innerhalb eines Jahres nach Rechtstraft des auf die Wieder herstellung des ehelichen Lebens lautenden Urteils nicht zurückkehrt, wurde im Tiergarten aus den Gewässern der Rousseau- Insel die Unglücksfälle ereignet. Eine Meldung aus Buenos Aires be- tönnen Sie mit Aussicht auf Erfolg auf Ehescheidung flagen. Leiche einer etwa 24-30 Jahre alten, anscheinend den mittleren fagt: Infolge Nebels erfolgte heute früh ein Zusammenstoß eines Böhme. Unter 2. S. 3. Ihnen liegt solche Verpflichtung nicht ob. Alter Ständen angehörenden Frauensperson gelandet. Die Leiche ist Personenzuges mit einem elektrischen Straßenbahnwagen, twobei Groß- Berlin wird Berlin mit den Nachbarkreiſen verstanden; 1,62 Meter groß, hat blondes startes Kopfhaar, an der linken UnterAbonnent. 1. Lilith. 2. Troz Nachforschung nicht aufgebracht. lippenseite linsengroßes Warzengebilde. Sie war bekleidet mit fünf Personen getötet und 60 verwundet wurden, darunter 25 schwer. E. K. 63. Nach der herrschenden Braris der Rechtsprechung würde die Wie aus Großziegenort berichtet wird, überrannte vor- Armendirektion in Ihrem Falle eine selage mit Aussicht auf Erfolg an gelbem Strohhut mit schwarzem Bande, braunem SommerregenO. G. 10. Nein. Eine vorherige Vereinbarung mit mantel, blau und grün karierter Bluse, dunkelgrauem Rock mit gestern nachmittag der Revierdampfer„ Ziegenort" bei Grabowo an strengen fönnen. weißen und grünen Punkten, schwarzen Strümpfen und schwarzen der Oder ein Boot mit sieben Insassen, das seinen Kurs freuzte. Der Versicherungsgesellschaft wäre aber möglich. 2. Etwa 18. Petersburg. Ihre Anfragen sind in dieser Allgemeinheit nicht zu Halbschuhen, weißleinenem Hemd und weißleinenem Unterbeinkleid Zwei Männer, eine Frau und ein Kind ertranken. beantworten. Wenden Sie sich an den Vorstand Ihrer Gewerkschaft. ohne Zeichen, rotwollenem Unterrock, dunkelblauem Satinunterrock, P. J. 29. 1. Ja. 2. Nein. 3. Nein, fie tann aber den Eine Dynamiterplosion ereignete sich einer Meldung aus Turin Mann ausdrücklich am unteren Ende mit kleinen Säumchen und schwarzer Besenborte auf Pflichtteil feßen. 4. Sa. 1000. Ja. besetzt, roten Strumpfbändern, braunem Ledergürtel. Am linken zufolge gestern früh in der Dynamitfabrik zu Avigliana. Zwei H. M. 111. Eine Reklamation wäre zwedlos. Sie hätten, worauf Personen wurden getötet und mehrere verlegt, darunter eine schwer. wir wiederholt hingewiesen haben, gegen die Urwählerliste wegen der un Ringfinger befindet sich ein goldener Schlangenring. Ulrich 53. Die Bootskatastrophe auf dem Züricher See. Auf dem Züricher See richtigen Steuerangabe Einspruch einlegen müssen. tippte nach einer Meldung aus Zürich vorgestern mittag ein Segel- lage auf Bahlung des Gewinns sowie die Beleidigungsklage hätten Ausauf Erfolg. R. K. 500. Der Schadenersazanspruch in Zivilsachen Zwei von diesen, Herr Boldt aus verfährt in drei Jahren( Unfallsachen verjähren bereits in zwei Jahren). boot mit vier Insassen um. Hamburg und Herr Bödecker aus Bremen, ertranken; die beiden Sit die Verjährungsfrist noch nicht abgelaufen, so würde nur dann die anderen, gleichfalls Deutsche, konnten im letzten Augenblick gerettet Wahrscheinlichkeit eines Sieges auf Ihrer Seite vorliegen, wenn Sie die Sach lache selbst und den tausalen Zusammenhang der Handlungen mit der Krankheit werden. nachweisen tönnen. Sprechen Sie gelegentlich in der Redaktion gegen 5 Uhr vor. M. K., Pappelallee. Wenn nicht Weiterzahlung erfolglos ist, leider ja. 5. M. 100. Dorotheenstraße und Charité. 5. S. 109. Bwischen 10 und 30 m. werden für angemessen erachtet. Eine offizielle Gebührenordnung für Hebammen wird auf Grund des neuen Gesetzes G. G. 1. Sie sind nicht zur voraussichtlich im Oktober erlassen werden. Zahlung verpflichtet. Verjährung würde erst im nächsten Jahre eintreten. Sie würden beim Gewerbegericht flagen können. G. D. Friedenau. Ihr Protest würde Erfolg haben, soweit es sich um die Heranziehung Ihrer Berfon zur Kirchensteuer handelt, nicht aber, soweit der Proteſt die Ehefrau 23. 100. Ja. betrifft, weil diese aus der Stirche nicht ausgeschieden ist. Mitteilungen über die Persönlichkeit nimmt die Kriminalpolizei und jedes Polzeirebier entgegen zu 3237, IV, 59, 08. Die Radrennbahn Spandau, die am Donnerstag zum ersten Male in diesem Jahre ihre Pforten öffnen sollte, hatte auch diesmal unter der Ungunst des Wetters zu leiden. Kurz vor Beginn des Rennens jezte ein Regen ein, der die Abhaltung unmöglich machte und soll das Programm am Sonntag zum Austrag kommen. An dem Stundenrennen werden Salzmann, Bruni, Bedell und voraussichtlich Robl teilnehmen, der an Stelle von Theile tritt. Die Gröffnung entbehrte insofern nicht eines unfreiwilligen Humors, als der Innenraum durch die ungeheuren Regenmengen einem See glich, und ein Radfahrer bei einer Versuchsrunde ausglitt und ein tühles Bad nehmen mußte. " Der brennende See". So lautet ein Punkt des Sommerprogramms des Schlosses Weißensee, der in den nächsten Monaten dem Publikum geboten werden soll. Am Himmelfahrtstage sollte den Zuschauern zum ersten Male die Neuheit vor Augen geführt werden; infolge des ungünstigen Wetters war es aber nur möglich, die ersten Szenen des„ Brennenden Sees" darzustellen. Nächsten Donnerstag hofft die Leitung der neuen Vorführung, den Programmpunkt in seiner ganzen Vollständigkeit erledigen zu können. In der Wählerversammlung im Böhmischen Brauhaus, am Montag, den 26. Mai 1908, ist ein Hut bertauscht worden. Derfelbe ist einzutauschen bei Schildbach, Tilsiter Straße 75 b. IV. Feuerwehrbericht. Auch am Himmelfahrtstage wurde die Feuerwehr mehrfach in Anspruch genommen. Nachts um 2 Uhr erfolgte ein Alarm nach dem Brunnenplak. Grober Unfug war die Ursache. In der Dennewißstraße 36 brannte Papier und in der Trestowstraße 45 in einer Wohnung Betten usw. Kleider, Wäsche, Möbel usw. wurden in der Simeonstraße 13, Lottumstraße 22, Hollmannstraße 38 u. a. Stellen ein Raub der Flammen. Ferner wurde die Feuerwehr nach der Prinzenstr. 57, Waldemarstr. 18, Brunnenstraße 18, Köpenickerstraße 110, 3ionskirchplatz 6 und anderen Stellen gerufen. Am Freitag früh um 5% Uhr stand der Dachstuhl des großen Edhauses an der Schreinerstraße 24 und Voigtstraße 9 in Flammen. Die Gefahr wurde zum Glück bald bemerkt. Als der 7. Zug erschien, brannten bereits mehrere Bodenverschläge und das Dachgebält. Trotzdem gelang es festzustellen, daß der Brand vorsätzlich angelegt worden war. Vom Täter fehlt aber jede Spur. Durch kräftiges Wassergeben wurde der Brand auf den Dachstuhl beschränkt. In der Swinemünder Straße 47 brannte ein Raften der elektrischen Ladestelle. Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Sonntag, den 31. Mai, findet vormittags 10 Uhr, der Unterricht in Geschichte seine Fortsetzung; wir bitten, dies zu beachten. Vorort- Nachrichten. Wilmersdorf. Dammbruch in Kanada. Bei Port Arthur in der Provinz Ontario brach, wie aus Ottawa gefabelt wird, der Damm des Currentflusses. Das Wasser riß die Gleise der Canadian Pacific Railway in der Ausdehnung von einer halben englischen Meile fort. Gin Güterzug wurde von den Fluten erfaßt, wobei drei Mann des Bugpersonals ertranten. Neue Erdbeben in Ungarn. In der Stadt Kecskemet wurde, wie aus Budapest gemeldet wird, vorgestern früh 2 Uhr abermals ein Erdbeben verspürt. Auf ein schwaches Beben folgte 15 Minuten später ein stärkeres, das von unterirdischem Getöse begleitet war. Vormittags 9 Uhr 33 Minuten wurden drei außerordentlich starke Erdstöße wahrgenommen. Unter der Bevölkerung herrscht eine unbeschreibliche Panif. Die Einwohner flüchteten auf die Straßen und tehrten nicht in ihre Häuser zurück. -W Kaninchen, Stüd 0,00. Hübner, Ia per Stüd Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Martthallen- Direttion.( Großhandel.) Ochsenfleisch Ia 66-70 pr. 100 ẞid., IIa 58-64, IIIa 62-57, Bullenfleisch Ia 60-65, IIa 48-58, Stühe, fett 44-54, do. mager 30-40, Freiser 48-56, Bullen, dänische 40-50. Stalbfleisch, Doppellender 110-130, Mastfälber Ia 91-98, Ila 79-89, Kälber ger. gen. 58-73, bo. holl. 50-55. Hammelfleisch Mast Die Cholera auf den Philippinen. Aus Manila wird telegraphisch lämmer 71-74, Hammel la 65-67, IIa 57-62, ungar. 0,00, Schafe gemeldet: In der Provinz Pangasinan ist die Cholera ausgebrochen. 50-55. Schweinefleisch 54-61. Rehböde Ia per Pfd. 0,60-0,75, IIa 45 Bier Städte sind davon betroffen, darunter Dagupan, wo fünf Mit- bis 58. Rotwild per Bfb. 0,50-0,58. Damwild per Pfd. 0,55. Wildschweine, glieder der Familie des Leuchtturmwächters gestorben sind, deren Not per fb. 0,20 bis 0,30. erst entdeckt wurde, als man bemerkte, daß das Licht des Leucht- 1,50-2,50, bito IIa Stüd 0,80-1,40, dito Wolga-, Stud 0,80-1,60. Ham per Stüd 0,00. Zauben, junge, Stüd 0,40-0,63, dito alte 0,30-0,45, turmes während des Tages brannte. Auch in Rizal und Zambales burger Stufen, Stüd 0,45-0,85, Boulets 0,90-1,20. Rapaunen, deutsche, herrscht seit Januar die Cholera. dito italien. 0,00. Enten, per Pfund 0,00, dito per Stüd 1,25-2,25, dito Gänse per Pfd. junge 0,80-0,90. Hamburger, per Stüd 2,00-3,75. Gänse per Stück 2,00-5,00. Buten per Bfb. 0,00. Hechte, ber 100 Bid. 90-111, bo. matt 75-83, bo. groß 64-69, do. groß mittel 0,00, bo. flein 0,00. Bander, groß mittel 0,00, do. matt, groß 0,00. Schleie, groß 0,00, dito unsortiert 100-122, dito bolländ. 95-101. Hale, groß- mittel 98-105, bo. mittel 101-108, do. groß 94-105, do. Kleinmittel 96-106, do. unsort. 92-100, do. Klein 59-84. Karpfen, 20-25er Rodbom 57-60. Plötzen 0,00, matt 0,00. Alland, flein 0,00. Starauschen 70-86. Wels 35-40. Bunte Fische 33-49, bo. matt, 0,00. Barje 0,00, bo. Klein 0,00. Bleie 0,00, Klein 0,00. Bleifische 0,00. Quappen flein 0,00. Winter- Rheinlachs, p. 100 Pfd. 0,00, Ameritan. Lachs la, Seelachs, p. 100 Pfund p. 100 Pfund 110-130, bo. IIa 90-100. 10-20. Flundern, Kieler, Stiege Ia 2-6, bo, mittel, Stifte 0,00, bo. Samb. Stiege 3-6, halbe Stifte 2-3, pomm. Ia Schod 0,75-2,50, Ila 0,00. Büdlinge, dänische per Wall 2,00, Stieler 0,00, englische 0,00, Stralsunder 2,00-3,00. Sprotten, Danziger, Niste 0,00, do. Rügenwalder, 0,00. Aale, groß per fd. 1,10-1,50, do. mittelgroß 0.90-1,10, flein 0,60-0,90. Heringe per Schod 5,00-9,00. Schellfische, Stifte Der Rekord in den Lüften. Wie aus Rom berichtet wird, hat vorgestern der franzöfifche Luftschiffer Delagrange mit seiner Flugmaschine eine Strede von 9, Kilometer zurüdgelegt und damit den Reford geschlagen. Eingegangene Druckfchriften. Von der Neuen Zeit"( Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 35. eft des 26. Jahrgangs erschienen. Es hat folgenden Inhalt: Die preußische Wahlbewegung. Medlenburgische Verfassungsreform". Bon Heinrich Cunow. Zu den preußischen Landtagswahlen. Bon Julius Bruhns. Die Organisation der Landarbeiter in Italien. Bon Dr. Wie die Kontraktbrüche der Landarbeiter B. Totomjanz( St. Petersburg). Literarische Rundschau: Sta aussehen. Bon H. Linde( Königsberg). tistisches Jahrbuch für das Königreich Sachsen. Beitschriftenschau. Die„ Neue Beit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch Duartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei ber Boft nur pro Quartal handlungen, Poftanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 m. pro abonniert werden. Das einzelne Heft tostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. 78-86. 1904er 102, 1905er 102, 1906er 100. 300 bit/ Stifte 2,00-2,50 Sardellen, 1902 er per Anter 0,00, Schottische Vollheringe 1905 0,00, large 40-44, full. 38-40, med. 36-42, deutsche 30-40. Heringe, neue Matjes, per/ Zo. 0,00. Sardinen, ruff., Faz Von der ,, Gleichheit", Zeitschrift für die Intereffen der Arbeiterinnen 1,50-1,60. Bratheringe Faß 1,20-1,40, bo. Büchse( 4 Liter) 1,40-1,70. ( Stuttgart, Berlag von Baul Singer), ist uns soeben Nr. 11 des 18. Jahr Reunaugen, Schodfaß 8, do. fleine 4-5, do. Riesen 10. Krebse per Schod gangs zugegangen. Sie hat folgenden Inhalt: Der Kampf um das Kind. große 41,50, do. mittelgroße 16,50-20,50, bito flein- mittel 7,50-6,50, Bon H. B. Schulspeisung. Bon Luise Kautsky. II. Die Arbeits- do. unsort. 0,00, Galizier, flein 0,00. Seemuscheln 100 St. 1,00. Gier, verhältnisse in der Stolper Weißhandstickerei. Von Hermann Flatom. Lands, unsortiert per Schod 2,80-3,10, do. große 3,75. Butter per Gegen die Juristenweisheit und Polizeiallmacht des preußischen Kapitalisten 100 Bfb. Ia 116-118, Ila 112-115, IIIa 108-111, abfallende 105-108. ſtaates. Gesindeordnungstabelle. Startoffeln Neunte Generalversammlung des Saure Gurten Schod 4,50-5. Bieffergurten Schod 4,50-5. Berbandes deutscher Textilarbeiter. Aus der Bewegung: Borschlag zur per weiße 100 Pjund Dabersche 3,25-3,60, runde 3,00-3,25, Ein und ein Drittel Wähler kommen auf jeden der am Dienstag Neuorganisation der Genossinnen. Agitation in Elsaß- Lothringen. Bon mag. bon. 3,00-3,50. Borree, per Schod 1,00-1,50. Meerrettich, Schoc Die Berliner Genoffinnen im Landtags- 8-14. Sellerie, per Schock 8-15 Spinat per 100 Pfund 5-12. gewählten Arbeitgeber Beifizer zum hiesigen Gewerbegericht, L. Z. Von der Agitation. Jahresbericht der Vertrauens- Bwiebeln per 100 Pfund 7-8,50. Bon den Organisationen. Petersilie, grün. Schodbund 0,80 bis denn zur Wahl der 12 Beisiger erschienen ganze 16 Wähler! wahlkampf. Politische Rundschau. Von 1,00. Rettich, bayrischer, per Stud 0,00, junge, 100 Std 8-12. Mohre Von den Kandidaten selbst haben sich, wie uns versichert wird, nur person der Genossinnen von Niederbaruim. H. B. Aus dem Rheinland. Gewerkschaftliche Rundschau. Fest rüben, 100 Pfund 3,00-5,00. Petersilienwurzeln, per 100 Pfd. 5,00-8,00, knapp die Hälfte an der Wahl beteiligt und dies sind die gleichen stellung des Frauenagitationstomitees. Genossenschaftliche Rundschau. Schodbund 0,00. Schnittlauch, Schodbund 0,50-0,75. Tomaten, kanar., Leute, die die hiesige Arbeiterschaft durch das besonders ausgeflügelte Bon H. Fl. Notizenteil: Dienstbotenfrage. Frauenstimmrecht. per Siste 2,00-5,00. Rhabarber 100 Bund 1,80-4,00. Nabunzen 10 bis Listensystem vom Stadtparlament auszuschließen wußten. Die Wahl Frauenbewegung. Quittung. Feuilleton: Gesang der Titanen. Bon 20. Rübchen 0,00. Radieschen, Schod 0,70-1,00. Waldmeister, Mandel der Arbeitnehmer Beisitzer ergab 443 Stimmen; somit sind Hermann Lingg.( Gedicht.) Grete Bose. Aus Leben und Liebe des 0,25-0,50. Morcheln 30-50. Salat, Schod 2-8, do. Gubener 1,00-2,50. sämtliche Kandidaten der freien Gewerkschaften gewählt. Gegen- Proletariats. Bon Lu Märten.( Schluß.) Moderne Dde. Bon Otto Kohlrabi, Schod 1,20-4,00. Spargel, Beeliger I 100 Bfb. 45-55, do. II fandidaten waren nicht aufgestellt. Erich Hartleben.( Gedicht.) 30-42, do. III 15-30, bo. unsort. 0,00. Spargel, hiefiger I 40-55, Für unsere Mütter und Hausfrauen: Im Frühling. bo. II 25-38, bo. III 15-20, bo. unfort. 30-35. Champignons, per Pid. Charlottenburg. Bon Ed. Mörike.( Gedicht.) Etwas vom Leben. Von Hannah Dorsch. II. 0,60-0,80. Alepfel, Tiroler 100 Bfb. 0,00, Soch in Stiften 5-12, Zajel Die alte Stage und die jungen. Bon Ludwig Pfau. äpfel Ia 15-23, bo. IIa 0,00, Amerikaner, per Faß 18-28, ( ortfehung.) ( Gedicht.) Relegiöse Verängstigung in der Schule. Von K. D. Du Italiener, lose, 100 Bfb. 0,00, do. in Sörben per 100 Pfd. 0,00, do. in schönes Leben. Von Emma Doelz.( Gedicht.) Gedanken über Er Seisten 20-26. Ananas I, per Pfund 0,75-0,85, bito II 0,50-0,60. ziehung. Für die Hausfrau. Bananen, kanar., per 100 Pfd. 22-30, Jamaica 25,00-30,00. Feigen, in Die Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer Stiften 35-40. Bitronen, Messina, 300 Stüd 4,50-7,00, do. 360 Stüd 10 Bi., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich 5,00-8,00, do. 200 Stud 0,00, bo. 150 Stud 0,00. Apfelfinen, Blut- 100 ohne Bestellgeld 55 Pi., unter Kreuzband 85 Pf. Jahresabonnement Stüd 5,00-7,25, bo. Blut 150 Stüd 6,50-7,50, do. Balencia 420 Stüd 2,60 M. 17,00-22,00, do. 714 Stüd 25-30,00, do. Messina 160 Stüd 9-12,00, bo 200 Stüd 8-12,00, bo. 300 Stüd 12-14,00, bo. Blut- 100 Stück 5-7,25, do. 150 Stüd 6,50-7,50, bo. 80 Stüd 4,50-6,50, bo. 160 Stüd 10-15, do. 200 Stüd 11-14, bo. Stalis. 0,00. Datteln, Stalis. 100 Pfund 28-30. Witterungsübersicht vom 29. Mai 1908, morgens 8 Uhr. Zu dem Bericht über die Wählerversammlung am Dienstag bei Schulz, teilt uns das Wahlkomitee mit, daß die Versammlung den Genossen iets nicht als Kandidaten für Charlottenburg proklamiert habe, sondern es sei nur mitgeteilt worden, daß Zietsch bon Charlottenburg für die Kandidatenliste von Groß- Berlin vor geschlagen und akzeptiert worden ist. Pankow. " " Better Stationen Better 5 heiter 12 Haparanda 772 NM 4 halb bb. 15 Betersburg 773 NW 2 halb bb. 17 Scilly 4 bebedt 14 aberdeen 4 bededt 10 Baris 4 halb bd. 11 1 heiter 18 769D 776 S 766 ND 4 bededt 13 1 moltig 9 3 wollent 13 Swinembe. 772ND Hamburg 772 ND Berlin 769 ND Frantf.a.M. 766 ND München 764D 766 NND 2 bede 15 Wetterprognose für Sonnabend, den 30. Mai 1908. Warm und vielfach beiter, aber veränderlich bei mäßigen östlichev Winden, etwas Regen und Gewitterneigung. Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, swelter britter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl Bien Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be Aus der Gemeindevertretung. Im Krankenhause hat sich als nutzung für jedermann, SW., Meganbrinenstr. 26. Geöffnet täglich von besonderer Uebelstand herausgestellt, daß zur Nacht keine Telephon- 5-10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9-1 und 3-6 Uhr. verbindung mit dem dirigierenden Arzt Dr. Adler vorhanden ist. In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Beitungen und Zeitschriften jeder Art Ist des Nachts eine plögliche Operation notwendig, so vergeht immer und Richtung aus. Die Ausleih- Bibliothet ift bis auf weiteres geschlossen. Uhr, längere Zeit, bis der Arzt zur Stelle ist. Die Post hat nun vor- Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 31. Mai, vormittags geschlagen, da für einige andere Zwecke, wie Arbeitsnachweis und in der Halle der Gemeinde, Pappel- Allee 15/17: Freireligiöse Borlesung. Vormittags 10%, Uhr in der Schule Kleine Frankfurter Straße 6: Vortrag Stallonen Sparkasse, sowieso neue Anschlüsse geschaffen werden müssen, einen von Herrn Dr. Bruno Wille über: Was lernen wir an Helen vierten Hauptanschluß zu legen. Es wird nun eine Nachtverbindung steller?" II. Damen und Herren sind als Gäste sehr willkommen. der Polizeiwache mit dem Krankenhause, außerdem des Rat Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter hauses mit dem Arzt Dr. Adler geschaffen. Diese Anlage G. 5. 29, Hamburg), Filiale Baumschulen meg. Heute abend foftet 265 M. Zum 1. Oktober dieses Jahres wird die hiesige 20 Uhr bei Städing, Baumschulenstr. 67: Generalversammlung. Sparkasse eröffnet, wozu zwei Beamtenstellen notwendig find. Für den Nendanten ist ein Gehalt von 2500-4300 M. und für den Stontrolleur 2100-3600 m. festgesetzt. Das Rote Kreuz" ersucht, wie im Vorjahre, wieder um eine Beihilfe zur Walderholungsstätte". Im vergangenen Jahre sind von Pantow 12 Frauen und Sof, 20 Kinder an 900 Tagen berpflegt worden. Wie im Vorjahre wohentäglich abends von 7 bis 9 Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr werden wieder 400 m. bewilligt. Zu dem am 22. und 23. Juni statt Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort findenden Städtetag in Frankfurt a. D. werden Bürgermeister Ruhr und wird nicht erteilt. Gilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Gemeindevertreter Kretschmar delegiert. Bürgermeister Stuhr stellt Ch. Sch. 18. Der Antrag ist mündlich oder schriftlich an die Landes durch eine vorliegende Petition des Grundbesitzervereins fest, versicherungsanstalt, um Köllnischen Bart, zu richten. M. 1000. Bei daß ein bürgerlicher Vertreter Bericht erstattet habe über Fragen, den Landtagswahlen 1903 wurden für die Konservativen 324 157, für die Da verschiedentlich Sozialdemokratie 314 149, für die Freikonservativen 47 957, für die National die in geheimer Sigung verhandelt wurden. ähnliches fonstatiert werden mußte, bitte er, doch mehr die Beschlüsse liberalen 256 220, für die Freifinnige Vereinigung 16 735, für die Freifinnige Boltspartei 73 245, für die Zentrumspartei 251 958 Stimmen abgegeben. zu respektieren und nicht unnötig seine Arbeit zu erschweren. 66 E. 2. Von dem Beitritt zu der Kasse tönnen wir nur abraten. Für den Bürgerpart find 14 500 Stempelgebühr und 900 m. Paris 1. Fragen Sie in den Entbindungsanstalten der Charité und der Da der Park doch ein gemein- Artilleriestraße nach. Eintragungsgebühr zu entrichten. E. W. 50. An Genossen Seifel, Kronprinzenftr. 50. nüßiges Unternehmen ist, war bei dem Minister die Niederschlagung M. D. 18. 1. Das Polizeipräsidium ist zuständig. 2. Behördliche Gedieser Summe beantragt. Jezt ist endlich der Bescheid gekommen, bührensäge werden erst vom 1. Oftober an festgesetzt. G.$. 50. Ja. R. G. Köpenick 107. Die Veranlagung entspricht leider dem Gesez. daß 7250 M., also die Hälfte, und 900 M. niedergeschlagen werden S. P. 4. Das ist möglich, der Ausgang der Selage ist aber ein zweifel 23 arthe, Schrimm sollen, wenn die Gemeinde beschließt, den Part auf zwanzig Jahre Alfred Schöneberg. Unsere Auskunft entspricht dem Gesez und Landsberg in demselben Zustand zu erhalten. Die Vertretung erneuert ihren hafter. alten Beschluß, bis auf wenige Barzellen im Zuge der Schulzestraße den Anweisungen des Finanzministers, wie wir wiederholt betont haben. Nee, Bordamm Das Fahrgeld tönnen Sie abziehen, die beiden anderen Abzüge sind nicht Ibe, Leitmerit den Park zu erhalten, und nimmt so das Anerbieten an. 23. 6. 77. Nein. berechtigt. E. D. 33. 1. Ja. 2. Der Wirt hat das Ginbehaltungsrecht für die Zeit bis zum Ablauf des Vertrages. G. 23. 100. Liegt kein Testament vor, so haben Sie als tinderlose Witwe das Recht auf die Hälfte des Nachlasses. Außerdem fallen Ihnen als Voraus die Haushaltungsgegenstände und die Hochzeitsgeschente au M. M. Sleinlich erscheint allerdings der Standpunkt des Ministers, nur einen Teil der Summe zu erlassen. Die Kosten des Parkes für die Gemeinde find so außerordentlich hohe, daß hier wohl Entgegen tommen erivartet werden könnte. Wafferstands- Nachrichten der Landesanstalt für Gewässertunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Basserstand Memel, Tilsit Bregel, Insterburg Beich fel, Thorn Dder, Ratibor Kroffen Frankfurt Dresden Barby Magdeburg Bafferstand am feit 28. 5. 27. 5. cm cm³) 206+1 113 -10 162+4 0 136-2 183 -19 280-18 Gaale, Grochlit Havel, Spandau³) Rathenow) Spree, Spremberg) 104 Beestow Beser, Münden Minden Rhein, Marimiliansau 636+14 Kaub am feit 28. 5. 27. 5. cm cm ¹) 334 -17 112 170 136 182 189 72 94 57+8 410+21 Köln 547+13 -92 Nedar, Heilbronn 145-30 236 196 Main, Wertheim Mojel, Trier, 180+2 + bedeutet Buchs, Fall, Unterpegel 2435L Mark 40,- 38,50 36.- 34.- 32,50 30.- 28.- 24.Paletots 18 Anzüge 50 an Mark 40,- 38,50 36.- 34.- 32,50 30.- 28.- 24.50 M. Schulmeister an 21. Ser am Kottbuser Tor Dresdener Str. 4,( Hochbahn- Station)= Lachmann& Scholz Turmstraße 76 WARENHAUS ,, MOABIT" Drei Turmstraße 76 Extra- Verkaufs- Tage Sonnabend, der 30. Mai, sind: Sonntag, der 31. Mai, An diesen Tagen verabfolgen wir Montag, der 1. Juni. Doppelte Rabatt- Marken. 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Andere bedauern daß Deinhardt feine besten Artikel in den„Sozialistischen Monats heften" und in der„Gleichheit" erscheinen ließe und ziehen dem „Holzarbeiter" den„Grundstein" vor. Im einzelnen wird über die ungenügende Propaganda für die Maifeier geklagt. Der dies jährige Aufruf zur Maifeier sei erst am 2. Mai erschienen. Gleich viel welche Stellung die Redaktion einnähme, hätte sie über die Strömungen in dieser Frage die Mitglieder besser unterrichten müssen, damit sie nicht plötzlich vor einer vollendeten Tatsache ständen, die ihnen nicht verständlich sei. Bedenken werden geäußert über einige den Ereignissen vorauseilende Notizen über den Ab- schlutz der Tarifverträge. Von mehreren Rednern wird eine Er» Weiterung der..Holzarbeiterzeitung" um wöchentlich zwei Seiten gewünscht, damit sie mehr ökonomische und soziale Artikel bringe. Auch der hohe Wert des„Fachblattes" wird vielfach anerkannt und bedauert, daß es bei den Mitgliedern oft weniger Verständnis finde als bei den Meistern und den selbständigen Unternehmern Gewünscht wird eine größere Detaillierung der Modellzeichnunzen, um sie auch für einfachere Arbeiten brauchbar zu machen. Fn seinem Schlußwort erwidert Deinhardt, daß er es gerade für die Pflicht deS VcrbandsorganS gehalten habe, die Kol- legen, sobald es nur möglich war, in die Dunkel der Tarifverhand- lungen einzuführen. Gerade deshalb habe aus Raumrücksichten auch der Maifestartikcl zurückbleiben müssen. Uebrigens habe auch daS andere Vcrbandsorgan, die doch sehr„prinzipielle"„Gleichheit" ihre Maifeierartikel 1Ä>5 und 1906 erst im Mai veröffentlicht, Wenn darüber geklagt werde, daß aus der„Holzarbeiterzeitung" die Unternehmer zuviel über die Finanzen und das innere Leben des Verbandes erführen, so sei das ein unvermeidbarer und mit dem Wesen der deutschen Gewerkschaftsbewegung aufs engste ver- knüpftcr Zustand. Wie in Amerika die Mitglieder nur noch auf Kuß. Handschlag und Ehrenwort zu informieren, gehe eben in Deutschland nicht an; nur besonders Ausgezeichneten. Beamten und Vertrauensmännern, Einblick in die Finanzwirtschaft zu geben, ist in Deutschland unmöglich. Einen Vergleich mit der Partcipresse kann ich für die„Holzarbeiterzeitung" nicht zulassen. Unser Ver- bandSorgan muß ganz selbständig redigiert werden und für sich allein die Mitglieder über alles informieren, was ein organisierter Kollege in der Gewerkschaft zu wissen braucht. Ein Antrag fordert von uns, daß wir die freie Meinungsäußerung in der Zeitung wahren. Eine solche Mahnung zu Selbstverständlichem und längst Geübtem muß die Redaktion als beleidigend zurückweisen. Die Redaktion hält sich vom Vorstande gänzlich unabhängig und ist frei in ihren Entschlüssen. Sie nimmt an allen Vorstandssitzungen teil und informiert sich dort über die Meinung des Vorstandes und alle Bewegungen im Verbände. Zwistigkeiten zwischen Redaktion und Vorstand sind nicht vorgekommen; das ist gewiß erfreulich für den Verband. Aber wir verlangen, daß sedermann die volle Un- Abhängigkeit und Freiheit unserer Redaktion achtet.(Beifall.)� Es folgt als nächster Punkt der Tagesordnung: Der Gewerkschaftskongreß in Hamburg. Hierzu liegen zwei Anträge vor. Elberfeld wünscht einen Beschluß des Gewerkschaftskongresses, daß den modernen Genoffen- schaften mehr Beachtung geschenkt werde. Bremerhaven be- antragt, daß der Gewerkschaftskongreß beschliehen möge, daß Ueber- tritte innerhalb der deutschen freien Gewerkschaften unentgeltlich sind, und daß eine einheitliche Anrechnung der Beiträge stattfinden möge. In der Diskussion wird eingehend die Frage der Grenz st r etti g k e i t en besprochen. B r e chl i n g- Dresden schildert. wie unter den Sägereiarbeitern gegen den Solzarbeiterverband der Transportarbeiterverband, der Fabrikarbeiterverband und der Müllerverband mit oft recht häßlichen Argumenten agitiert hätten, — Leipart gibt eine Uebersicht über die Beeinträchtigung des Agitationsfeldes des Holzarbeiterverbandes durch den Hafen- arbeiterverband, den Fabrikarbeiter-, Zimmerer-, Schiffszimmerer-. Metallarbeiter- und Transportarbeiterverband. Auch der Holz- arbeiterverband müsse sich energisch dagegen wehren, daß ihm der sachlich zukommende Kreis von Arbeitern eingeengt werde. Des- halb müsse der Verband sich auch entschieden gegen den Anschluß des Verbandes des technischen Bühnenpersonals an die General- kommission aussprechen. Damit schloß die Debatte. Die beiden Anträge fanden An» nahm«. Am Nachmittag beriet der Kongreß in geheimer Sitzung über Tie Tarifverhandlungen mit dem Arbeitgeberschutzverband. Ter Referent Gustav Becker legte folgende Resolu- tion vor: Der 7. ordentliche VcrbandStag de» Deutschen Holzarbeiterverbandes erneuert hinsichtlich der Stellung zu den Tarisver- trägen die Beschlüsse des Verbandstages vom Jahre 1900. In dem erfolgten Abschluß einer großen Zahl solcher Ver- träge in der Holzindustrie erblickt der VerbandStag die An- erkennung des starken Einflusses des Deutschen Holzarbeiterver- bandes. Die Tarifverträge sind dazu angetan, dem Verbände eine weitere innere Festigung zu verleihen und sind ein wesentliches Hilfsmittel in dem Streben der Verbandsmitglieder, die Lohn- und Arbeitsbedingungen zu verbessern und auf einer bestimmten Hohe zu erhalten. Die Tarifverträge können aber nur dann von dauerndem Bestand sein und sichern nur dann einen vorläufigen Frieden im Gewerbe, wenn sowohl von den Arbeitgebern als von den Ar- heitern der ernste Wille an den Tag gelegt wird, jeden ab- geschlossenen Vertrag unter allen Umständen auch zu halten. Der vorjährige Vertragsbruch des ArbcitgcberfchutzverbandeS in Kiel und Burg während der Berliner Aussperrung hat diesen ernsten Willen bei den Arbeitgebern leider vermissen lassen. Für den Abschluß eines Reichstarifvertrages, welcher die logische Konsequenz der jetzigen Tarifverträge in ihrer weiteren Entwickelung sein wird, hält der VerbandStag die Zeit noch nicht für gekommen. Dazu sind die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in der deutschen Holzindustrie noch bielfach zu ungünstig, vor allem aber zu unterschiedlich. Der Abschluß eines Rcichstarifvertragcs unter den gegenwärtigen Verhältnissen würde eine Gefahr für die gesunde Entwickelung der Tarifgcmeinschaft in der Holz- industrie bedeuten, da den Arbeitgebern noch nicht das Vertrauen aeschenkt werden kann, daß sie ernstlich gewillt wären, auf dem Wege eines solchen einheitlichen Tarifvertrags den Holzarbeitern in allen Städten'des Reiches einen auskömmlichen Lohn und eine angemessene kurze Arbeitszeit zu gewähren. Statt dessen empfiehlt der VerbandStag dem Vorstande die «ordxxvng des Abschlusses VW drei» bis pierjährigen Taxifher. trägen für die einzelne Stadt oder für den einzelnen Bezirk. Von Verträgen mit kürzerer Vertragödauer ist in der Regel abzu- sehen. Mit der seitherigen Tätigkeit des Vorstands auf dem Gebiet der Tarifverhandlungen erklärt der Verbandstag sich cinver- standen. Auch das von ihm mit dem Vorstand des Arbeitgeber schutzverbandes vereinbarte„Regulativ für paritätische Arbeits- nachweise", sowie die„Regeln für die Klasseneinteilung der Städte hinsichtlich der Arbeitszeit" erkennt der Verbandstag an. lehnt jedoch jede Aenderung des Arbeitsnachweisregulativs dahin, daß das Obligatorium für die Benutzung des Arbeitsnachweises aufgehoben oder eingeschränkt werden soll, entschieden ab. Ohne das Obligatorium verliert der paritätische Arbeitsnachweis jedes Interesse für die Verbandsmitglieder. In diesem Falle muß den Zahlstellen empfohlen werden, die eigenen Arbeitsnachweise des Verbandes zu pflegen und auszubauen. Den Mitgliedern in allen Zahlstellen legt der Verbandstag die Verpflichtung auf, gerade in Rücksicht auf die Entwickelung der Tarifverträge mit allen Kräften für die Stärkung ihrer Or- ganisation tätig zu sein, damit der Verband den kommenden Ereignissen jederzeit gewappnet gegenübersteht. Referent Gustav Becker gab seine Begründung dieser Re solution in der Form einer umfassenden Geschichte der Entwickelung des Tarifgedankens bei der deutschen Arbeiterschaft und speziell bei den deutschen Holzarbeitern. Das vierstündige Referat fand lebhaften Beifall. Der Korreferent N e u m a n n- Hamburg legte folgende Re> solution bor: Der Verbandstag hält in bczug auf das Tarifvertragswesen an der Nürnberger Resolution fest und konstatiert, daß auf dieser Grundlage unsere volle organisatorische Macht zum Zwecke der Verbesserung der wirtschaftlichen Lage unserer Berufskollegen mit bestmöglichstem Erfolge zur Geltung gebracht werden konnte. Die Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse auf der Grundlage des Ortstarifes wird als zweckmäßigste, den Grund- sätzen unseres Verbandes am meisten entsprechende Form an- erkannt und den Kollegen daher empfohlen, soweit sich Gelegen- hcit dazu bietet, solche Verträge abzuschließen. Im weiteren erkennt der Verbandstag an, daß eS Aufgabe beider Parteien sein muß, auf den Ausbau und die Vervoll- kommnung der Tarifverträge hinzuwirken; insbesondere hält er es für angebracht, daß über die wichtigsten Vertragspunkte ein- hcitliche Grundsätze mit der Unternehmerorganisation angestrebt und die einzelnen Ortsverträge inhaltlich möglichst vereinheitlicht werden. Alsdann könnte die Ausdehnung der einzelnen Ortsver- träge aus größere Gebiete oder Jndustriebezirke als nächstes Ziel ins Auge gefaßt werden. Das Bestreben der Unternehmer, für die zurzeit bestehenden Ortsverträge ohne Rücksicht auf deren Inhalt oder sonstige Be- schaffenheit lediglich den einheitlichen Ablaufstermin festzusetzen, wird entschieden abgelehnt. Desgleichen lehnt der Verbandstag den sogenannten Reichs- tarifvertrag strikte ab, und zwar aus folgenden Gründen: i. Weil ein solcher Vertrag auf feiten der Unternehmer ausgesprochenermaßen nicht als Mittel zur Regelung der Arbeitsverhältnisse, sondern als Instrument zur Nieder- Haltung und Unterdrückung unserer Organisation be- trachtet wird. L. Weil vorläufig noch alle Grundbedingungen zu einem solchen Vertrage— als welche in erster Linie einheilliche, von beiden Seiten anerkannte und durchgeführte örtliche Vereinbarungen zu betrachten sind— fehlen. st. Weil eS aus diesem Grunde gegenwärtig vollkommen un- möglich ist, daß bei den Verhandlungen und dem Abschluß eines solchen Vertrages die Verhältnisse des einzelnen Orte? genügend berücksichtigt werden können. Die Ver- träge sind dann für die einzelnen Orte unzweckmäßig, werden nur mit Widerwillen befolgt und erschweren ein gedeihliches Zusammenarbeiten der Parteien. 4. Weil der Organisation der Unternehmer nach ihrer ganzen Beschaffenheit der Einfluß und die Macht fehlen, um die Anerkennung und Einhaltung eines solchen Vertrages in allen Orten durchzusetzen. S. Weil auch der Arbeitgeberschutzverband für die Holz. industrie nach seinen« Verhalten in den letzten Jahren als vertragstreu nicht bezeichnet werden kann. 6. Weil ein Reichstarifvertrag, bezw. der gleichzeitige Ab- laufstermin aller Ortsvcrträge, den Abschluß von Ver- trägen erschweren und unmöglich machen würde, weil alsdann für das Zustandekommen solcher Verträge nicht mehr die vorhandenen Bedürfnisse des Gewerbes und das Einverständnis der Parteien am Orte, sondern organisa- torische Rücksichten der Unternehmer ausschlaggebend wären. Die Folge würden erbitterte Streiks und Aus- sperrungen sein, welche beiden Parteien große Opfer und dem gesamten Holzgewerbe unberechenbaren Schaden ver- ursachten, was besonders für solche Orte und Bezirke, in denen sich die Parteien einig waren und den Kampf gern vermieden hätten, als schwerer Nachteil empfunden werden müßte. Bei der ferneren Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse sind die Verhandlungen auf örtlicher Grundlage vorzuziehen. Es steht den Mitgliedern der einzelnen Orte frei, sich cm solchen Verhandlungen, die seitens der Zentralvorstände für mehrere Orte zugleich veranstaltet werden, zu beteiligen oder nicht. Etwaige Maßregeln der Unternehmer, um die Mitglieder ein- zelner Orte zur Teilnahme an solchen allgemeinen Verhand» lungen zu zwingen, werden auf das entschiedenste zurückgewiesen. Der VerbandStag hält auch bei dem Abschluß der ferneren Verträge an der dreijährigen Vertragsdauer strikte fest. Der weitere Abschluß von Verträgen mit dem gleichen Ablaufstermin, wie er für die in diesem Frühjahr abgeschlossenen Verträge ver- einbart ist, wird abgelehnt. Die Diskussion wird auf Donnerstag vertagt. Vierter VerhandlungStag. Am heutigen Himmclfahrtstage hielt der Kongreß Nur eine Sitzung ab, die ganz der DiSluffion der Tarifverhandlungen mit dem Arbeitgeberschutzverband gewidmet war. Die Mehrzahl der Redner spricht sich, wenn auch nicht vorbehaltlos, für die Meinung des Korreferenten aus. Hierauf wird zur Abfassung einer einheitlichen Resolutton eine Kommission aus den beiden Referenten und E x n e r- Berlin. Raith- München und Gericke- Leipzig gewählt. Die weiteren Verhandlungen werden auf Freitag vertagt. VI. Gtvttaloerjammlllllg des Verbaudes der Dtlltslhen Köln, 27. Mai ISOS. Am dritten VerhandlungStag- wird zuerst der Bericht der Mandatsprüfungs-Kommissio» entgegengenommen. Nach einer Diskussion über die Gültigkeit des Mandates. von F i cd l e r�BreSlau werden alle Mandate für gültig erklärt. Darauf wird die Debatte über die tarifliche Lage ortgesetzt. Döblin weint, er habe daS Empfinden, als ob die DiS- kuffion bis jetzt nicht auf der Höhe der Zeit stände. Man habe sich fast NM in MMchkeitep peplsitejit einzelne Fälle vorgebracht, die uns nicht weiter bringen und die die Situation nicht klären. Der Kernpunkt sei doch, daß Berlin die Tarifkommission, sowie sie jetzt besteht, nicht mehr unterstützen wolle. Die Kulturfrage des Lohn- und Arbeitsverhältnisses soll behandelt lverden. Unsere Entscheidung in dieser Sache wird auf die Prinzipalität Ein- wirkuicg haben. Bis jetzt bietet die Generalversammlung kein cr- freuliches Bild. Man geht nicht offen und ehrlich vor, nörgelt über Details und wagt sich nicht an den Kernpunkt heran. Wir wollen Klarheit schaffen, nicht mühsam den Bau zusammenkleistern; denn ist man wieder an feinem Platz, so fängt das alte Lied von neuem an. Ein Geschäftsordnungsantrag auf beschränkte Redezeit wird angenommen. Als erster Diskussionsredner gibt Schlcffler« Berlin namens der Berliner Delegierten folgende Erklärung ab: Ueber die gestrigen sehr scharfen Ausführungen des Kollegen Gr es ecke müssen wir unser tiefstes Bedauern aussprechen. Wir müssen um so mehr unsere Verwunderung über diese Ausführungen auf der Generalversammlung ausdrücken, als doch nur die Berliner Gauversammlung kompetent ist, die Mitteilung entgegenzunehmen, daß Kollege Gi es ecke seinen Posten als Kassierer niederlegen will. Die provokatorisch wirkende Art und Weise, in welcher Kollege G i e s e ck e sprach, in Verbindung mit anderen uns bekannten Tatsachen zwingt uns die Ueberzeugung auf, daß diese Angelegenheit ein taktisches Manöver fein soll, um der ganze«« Tarifdebatte eine nicht im Interesse der Organisation gelegene Richtung zu geben und die Berliner Kollegenschaft zu ver- unglimpfen. Wir legen gegen ein derartiges Vorgehen ganz energisch Protest ein.— Dann geht Schleffler auf die Zustände in Berlin ein. Hier sind eS nicht Gehilfen, die eine Verständigung mit der Prinzipalität unrnöglich«nachen, sondern die Prinzipalität ist es. die dank der jetzigen Konstellation glauben, alles von den Gehilfen verlangen zu können. Früher war es möglich, sich der Prinzipalität entgegenzustellen und auf die Verhältnisse ein- zuwirken, jetzt ist'S dank dem Tarife unmöglich. Es geht nicht länger, daß man die Kollegen stets vor die fertige Tatsache stellt; sie müssen daS Mitbestimmungsrecht haben. Aber verkennen Sie uns doch nicht. Unsere Taktikt geht doch nicht dahin, die Tarif- gemeinschaft zu beseitigen. Für so naiv soll«nan unS doch nicht halten. Wir wollen nur. daß die Kollegenschaft mehr aufgeklärt uird gefragt wird, daß sie mit verantwortlich für die Beschlüsse gemacht werden soll. Die Unternehmer haben heutzutage mindestens ebensolche oder größere Vorteile vom Tarif. Bei anderen Tarifen hat sich die Arbeiterpartei lobend ausgesprochen, trotzdem nicht soviel erreicht wurde wie durch unseren Tarif. Und warum? Weil wir mit unseren 80 Proz. aller Kollegen mehr verlangen können. Das Tarifamt hat nicht immer die Parität gewahrt. Die Gehilfen können sich nicht alles gefallen lassen, sie können sich den Anordnungen des Tarifamtes in einzelnen Fällen nicht fügen. Der Tarif wird von der Prinzipalität ausgenutzt, die Verhält- nisse sind fast so wie beim Militär. Sie demoralisieren durch ihre ungerechten Forderungen die Gehilfenschaft. Redner geht auf das Ueberstundenumoesen ein und bezeichnet cz als unhaltbar. Tic organisierten Mitglieder haben in tariflichen Fragen überhaupt nichts zu sagen, das ist ein Jdealzustand für die PrinzipalitSt. Man darf doch die Tariforganisation nicht über die gewerkschaft- liche Organisation stellen. Das tut man aber, und diesen Zustand halte ich für gefährlich. Wir haben uns in Berlin alle Mühe ge. geben, Ruhe zu halten, doch eS ist nicht möglich. Es muß Remedur geschaffen werden. Wenn wir versuchen, berechtigte Beschwerden zu bringen, dann wird es als Nörgelei' bezeichnet. Wenn man jeder Kritik so entgege«ttreten will, dann stände eS schlimm um die Ar- beiterschafi Wir müssen im Gegenteil im Interesse der Organi- satton darauf dringen, unS scharf auszusprechen. Mylau-Leipzig: Auch wir in Leipzig sehen Schattenseiten am Tarif, doch will ich vorher bemerken, daß wir die Tarifgemcin- schaft stets verteidigen. Wenn wir Kritik daran üben, so milß man unsere Beweggründe achten, so gut wie Kollege Schliebs das für sich in Anspruch nimmt. Die Lichtseiten des Tarifes sind bei der Kritik der Schattenseiten ganz vergessen und viel zu wenig gewürdigt worden. Wir werden uns die Kritik nicht beschneiden lassen, aber wir werden stets anerkennen, was geschaffen worden ist. Mit anderen Gewerkschaften verglichen, haben wir gewiß viel im voraus, in den Großstädten ist viel erreicht worden, aber ans dem Lande sind wir nicht weit gekommen. Dähnel- Chemnitz zeigt an einigen Fällen, daß das Tarif- crmt einseitig urteile und kritisiert die Tätigkeit des Tarifamtes aufs schärfste. V o g e n i tz- Leipzig: Schliebs hat bei der Beftwchung der Kritik des Tarifamtes über 8 33 durch die Leipziger erklärt, sie sei dem Bestreebn entsprungen, bei dem allgemeinen Kesseltreiben gegen daS Tarifamt nicht zurückstehen zu wollen. Ich muß das ganz ent- schieden zurückweisen. Ich habe das Tarifamt schon vorher auf die Wirkung einer Verschlechterung in der Bewertung des Um- brucheS hingewiesen und nach der Entscheidung dem Tarifamt ge- schrieben, daß eS feine Entscheidung einer genauen Revision unterziehen und es nicht auf eine öffentliche Kritik ankommen lassen möchte. Außerdem ist noch zweimal der Vorschlag zu einer gemeinsamen Aussprache von mir gemacht worden. Leider ohne Erfolg. Das ist doch alles andere als ein Kesseltreiben! Ueber den materiellen Inhalt der Entscheidung will ich mich heute nicht verbreiten, ich glaube aber, es wird kein praktischer Buchdrucker hier sein, der nicht sagen muß, daß sie unhaltbar ist.(Zustimmung.) Die hier amoesenden Gehilfenvertreter sollten zusamme« um diese Entscheidung aus der Welt zu bringen. Wer hat t••.««« in diesem Falle entschieden? G i e s e ck c kenne ich seit 1873, er«var immer im Zeitungsbetriebe tätig, ihm ist die Praxis fremd geworden; Quick«st Maschinensetzer und Strauch Maschinen- meister. Daß Strauch als angeblich radikaler Kollege ebenso gestimmt hat, kann ich mir nur daraus erklären, daß dem Tarif. amt meine Eingaben nicht vorgelegen haben. Zu der Frage der Tarifgemeinschaft glaube ich zu der Bemerkung berechtigt zu sein, daß bei den Prinzipalen eine viel größere Neigung zu ihrer Aufhebung vor- Händen zu fein scheint, weil uns zuviel Rechte eingeräumt sein sollen. Wir wollen nicht die Aufhebung der Tarifgemeinschaft, aber wir müssen viel mehr für den weiteren Ausbau der In- stiwtionen und Instanzen sorgen, in denen wir unsere Rechte wahrnehmen können. Im weiteren Verlauf der Debatte wird folgende Erklärung Girseckcs verlesen? „Gegenüber dem Protest der Berliner Delegierten, welcher ausspricht, daß ich meine Ausführungen in ungehöriger Form und am falschen Orte gemacht habe, erkläre ich: daß ich mit meinen Ausführungen mcht die Delegierten Berlins getroffen haben will, sondern nur meinem berechtigten Unwillen darüber Ausdruck verliehen, daß Berlin— dem ich in zirka 30jähriger Tätigkeit gedient habe— mir die Anerkennung für meine Dienste in solch verletzender Form zuteil werden ließ. Ueber den Ort. an welchem man seine Beschwerden austragt, kann mar« verschiedener Meinung sein; meine Anficht ist aber die, daß ich im Tarifamt nicht nur für Berlin, sondern für ganz Deutsch- land tätig bin, und deshalb betrachte ich auch die General- Versammlung für meine Beschwerdeinstanz. Daß ich die weiter von mir auS den Vorgängen gezogene Konsequenz angeschlossen habe, habe ich lediglich in Vertretung meiner Manneschre gegenMr mmw altey KaWradcn für Nötig geMten»� Ebel- Berlin sagt, baß.hohe GesichtSpmikte� auch in dem Referat von S ch l i e b S nicht zum Vorschein gekommen seien. In Berlin sei die Erregung wegen der Kontrollzettel und wegen des Uedersrundenwesens entstanden. Wir wollen endlich eine klare Entscheidung darüber, wann Ueberstunden zu leisten sind, denn eS hat keinen Zweck, erst nachträglich einen Schiedsspruch herbei zuführen. Wenn in einer Versammlung von mehreren tausend Personen eine unqualifizierte Aeußerung fällt, soll man sich dann darüber erregen. Die Berliner Delegierten haben sich niemals bemüht, die.große Masse", wie F a b e r sich so geschmackvoll aus� gedrückt hat, vor ihren Wagen zu spannen. Die Tarifgemeinschaft soll der Ausdruck der gegenseitigen Kräfteverhältnisse sein; Frieden um jeden Preis wollen wir nicht. Uns kann das materielle Er- gebnis der Tarifrevision nicht befriedigen; den Prinzipalen hat sie bedeutende Vorteile gebracht. Wenn der Gehilfenschaft das nötige Verständnis für das Tarifwerk fehlt, wie Schliebs meint, so kommt das daher, weil man ihr immer nur einige Brocken hin- geworfen Hot, an denen sie zu kauen hatte; daß man sie in der Hauptsache aber im dunkeln ließ. Aus dem.Korrespondent" haben wir gesehen, daß im ganzen Reiche Unzufriedenheit über den Tarif herrscht. Wir üben unsere Kritik nur im Interesse der Kollegenschaft. Nachoem noch eine Reihe von Rednern, zumeist in demselben Sinne, gesprochen haben, ergreift das Wort Döblin: Tie Debatte hat auch bisher noch keine Klärung gebracht. Es war ein Entgegenkommen des TarisamteS, daß zu den Beratungen Experten hinzrigczogen wurden. UnS werden immer die Schattenseiten des Tarifes gezeigt; zwingt man uns dadurch nicht, im Gegensatz dazu auf seine Lichtseiten hinzuweisen? Durch die Tarife werden nicht alle Schmerzen der Arbeiterschaft aus der Welt gesck»afft; wir können nur die größten Mißstände be- fettigen. Für die Art, wie der Tarif zustande gekommen ist, muß man die Dresdener Generalversammlung verantwortlich machen. die uns den Weg gewiesen hat. Es werden einzelne Fehler heraus- gesucht, und durch ihre Verallgemeinerung erregt man Mißstimmung. Unser Staat gibt die Freiheit, die er meint; Sie wollen d i e Tarifgemeinschaft, die Sie meinen. ES ist doch nicht zu leugnen, daß wir durch den Tarif stark geworden sind; wer daS Gegenteil behauptet, der verwechselt Ursache und Wirkung. Ich wünsche nicht, daß wir den Versuch unternehmen, auch einmal ohne Tarif zu arbeiten. Wie weit eine falsch ver- standene Demokratie geht, das sehen wir an den Berliner Bau- arbeitern, denen sogar Bebel nicht begreiflich machen konnte, daß sie die Bedingungen annehmen möchten. Später haben sie dann eine Niederlage erlitten. Wir müssen die sensiblen Verhält- nisse unseres Gewerbes berücksichtigen.; auch haben wir mit dem Scharfmachertum und mit den„Christlichen" zu rechnen. Es ist leicht, mit radikalen Phrasen zu arbeiten und dadurch Mißstimmung zu erregen. Ich möchte aber das Ge- fühl nicht schildern, das einen befällt, wenn man sich bemüht hat, das Beste für die Kollegen herauszuholen und sich nun so behandeln lassen muß, wie es in Berlin geschehen ist. Der Hinweis auf Oesterreich ist nicht richtig, denn wie das österreichische Verbands- organ beweist, mußte auch dort auf die bestehenden Verhältnisse Rücksicht genommen werden. Mussial hat behauptet, daß die gesamte Kollegenschaft erbittert sei; nun. die Vertreter aus der Provinz werden ihm wohl die Quittung dafür geben. Durch die fortgesetzte Betonung des Kampfstandpunktes werden nur die Kollegen im Lande geschädigt. Sie erwarten von der Tarifgemein- schaft einen Jdealzustand, den sie nicht herbeiführen kann. Wir sind in den Tarifinstanzen viel radikaler als Sie. Aber wir wissen, daß sich darin die beiderseitigen Interessen berühren. Wenn jemand entlassen wird, dann soll die Tarifgemeinschast daran schuld sein. Ich blicke mit Befürchtung in die Zukunft, wenn die Er- ziehung der Kollegen so weiter geht. Die Berliner Delegierten nennen die in Berlin geübte Kritik mild, weil sie selbst nicht davon betroffen werden. Wir waren im Tarifamt immer bemüht, die Interessen der Kollegen wahrzunehmen. Heute stehen wir unter dem Schutze der Tarifgemeinschaft, da wird jede Kleinigkeit vor- gebracht; im Kampfzustande würde man sich nicht so leicht bedrückt fühlen. Ich habe das Bewußtsein, daß wir für die Fortschritte, die wir erzielt haben, noch nicht reif sind. Wir verdammen im Völkerleben die Kriegsgreuel; aber auch die wirtschaftlichen Kämpfe sind brutal. Ist es ein Ideal- zustand, wenn Frau und Kinder Elend erleiden müssen bei wirt- schaftlichen Kämpfen? Es wird kein Arbeiter sagen können, daß die Einrichtungen der Buchdrucker rückständig sind. Man hat uns die Pioniere der Arbeiterschaft genannt; wir sind der Arbeiterschaft gegenüber verantwortlich, nicht nur uns. Unsere Einrichtungen sind vorbildlich geworden. In welchem Berufe haben noch die Arbeiter das Mitbestimmungsrecht im Lehrlingswes.en, wo ge- währt man ihnen Einblicke in die geschäftlichen Dispositionen? Aber weil wir mit den gegebenen Tatsachen rechnen, nennt man uns rückständig und bezeichnet uns als Verräter. Wenn die große Masse daS tut. dann mutz man sich damit abfinden, aber schmerzlich berührt eS einen, daß auch die alten Mitkämpfer in der Arbeiter- bcwegung sich ihnen anschließen. Döblin verliest einige Stellen aus den Druckschriften veS Arbeitgeberverbandes, um zu beweisen, in welcher Weise gegen den„sozialdemokratischen" Buchdruckerverband gehetzt wird. Wir lächeln darüber, aber wir müssen bedenken, daß die Unternehmer tn einem anderen Milieu leben und solchen Einflüssen leicht zu. gänglich sind. Durch die Darstellung der Berliner Delegierten wird die Ansicht geweckt, daß die Organisation auS den Tarif instanzen ausgeschlossen sei. DaS ist grundfalsch. In die Berliner Versammlungen gehe ich schon lange nicht mehr. weil man dort nicht sachlich diskutieren kann. Mit dem Urteil der dortigen Kollegen werde ich mich abfinden müssen, aber die General- Versammlung soll darüber entscheiden, ob unser Standpunkt der richtige ist. Entscheiden Sie nun, ob so weiter gearbeitet werden soll, oder ob wir durch eine veränderte Taktik weiter kommen wollen. Wir müssen endlich zum Schluß kommen, wsr konnten uns aus dem bisherigen Verlauf der Debatte schon ein Urteil bilden. Wir müssen einen Beschlutz darüber herbeiführen, ob wir richtig gearbeitet haben, sonst müssen wir die Verhältnisse schaffen, die die Mehrheit für richtig hält. Nunmehr wird ein .Schlußantrag angenommen; die Abstimmung wird angezweifelt. In einer er- regten Geschäftsordnungsdebatte behauptet man, die General- Versammlung sei überrumpelt worden. Eine neue Abstimmung er- gibt die Ablehnung des Schlußantrages. 37 Redner sind noch zu diesem Punkte vorgemerkt; es sprechen aber zunächst die Ver- treter aus den einzelnen Gauen. Vierter verhanblungStag. Köln. 28. Mai 1908. Die Debatte über die tarifliche Lage wird bis zum Freitag ausgesetzt. Heute wird die Generaldiskussion über die Unterstützungseinrichtungen geführt, wozu Anträge in großer Zahl gestellt wurden. Eifler. Verbandskassierer: In den Mitgliedervbrsamm- lungen spielen vor einer Generalversammlung unsere» Verbandes die Erweiterung der Unterstützungseinrichtungen die Hauptrolle; alle anderen Fragen kommen dann fast gar nicht mehr in Be- i'.acht. Man spricht soviel von unseren gewerkschaftlichen Auf- -üben; viele Kollegen kennen aber nur unser? Unterstützungen. �)er Vorstand ist demgegenüber der Meinung, daß die Unter- stützungseinrichtungen nicht mehr erweitert werden sollen. Wir müssen_ «aS gewerkschaftliche Prinzip hochhalten. Wir können nicht das Existenzminimum gewähren, sondern nur so viel, daß die Kollegen vor Not geschützt sind. Man sieht bei den Forderungen immer nur auf unser Vermögen, nicht aber auf die Verpflichtungen, die wir zu erfüllen haben. Bei unseren 6� Millionen kommen auf den einzelnen Kollegen nur 110 M.; das ist eine geringe Summe, um das auftecht zu erhalten, was wir geben wollen. Wie soll es aber werden, wenn wir einmal zum Kampf gezwungen werden. Der Vorstand hält es für ein Gebot der Vorsicht, es bei dem jetzigen Zustande zu belassen. Es soll ein neuer Beamter in den Vorstand hineinkommen, außerdem die«Korrespondent"-Redaktion um einen Mann vermehrt werden; dann werden Mittel gefordert zu einer Erweiterung und Ver- tiefung der Agitation; die 23 Gauverwaltungen sollen verbessert werden; man verlangt das Obligatorium des„Korrespondent" und die Herausgabe einer Geschichte des Verbandes. Zur Durch- führung dieser Aufgaben wären nach einer oberflächlichen Schätzung l9l lXX) M. jährlich notwendig, nach Abzug der Gauzuschüsse noch 159 000 M. Der Vorstand ersucht, das Obligatorium des„Korrespondent" abzulehnen ebenso die Erhöhung der Reiseunterstützung. Bei uns kann man. wenn man 6,60 M. an Beiträgen gezahlt hat, 280 M. Rciscunterstützung beziehen. Wenn die Arbeitslosenunterstützung erhöht werden soll, dann muß der Gauzuschuß abgeschafft oder beschränkt werden. Mit der Umzugsunterstützung wird vielfach Miß- brauch getrieben. Bei der Jnvulidcnunterstützung müssen wir unsere Beschlüsse so fassen, daß wir der kommenden Generation keine Verlegenheiten bereiten. Für eine Erweiterung der Kranken- Unterstützung ist kein Bedürfnis vorhanden.— Ohne Beitrags- erhöhung siud keine Verbcsserungen möglich. Wir befinden uns in einer absteigenden Geschäftskonjunktur; wie sollen wir in einer un- günstigen Zeit mit unseren Mitteln auskomnien? Im Jahre 1902 haben wir bei 35 000 Mitgliedern 800 000 M. an Arbeitslosenunter- stützung gezahlt, heute würde dieselbe 1 200 000 M. ausmachen. Wir müssen recht wirtschaftlich auftreten, um auskommen zu können; der Vorstand bittet also darum, die Hntersiilyungseinrichtungen nicht zu erweitern In der Diskussion begründen die Vertreter der einzelnen Gaue ihre Anträge; zum Teil schließen sie sich der Meinung des Vorstandes an. Dann wird zur weiteren Beratung eine elfgliedrige Kommission gewählt. Keuser(Paris), der Vertreter der französischen Organisa- tion, richtet vor seiner Abreise einig« Worte an die Delegierten. Wenn der französische Buchdruckerverband als erst« Orzaursation in Frankreich den Neunstundentag erreicht habe, so sei das der tatkräftigen Unterstützung der deutschen Kollegen zu danken. Er wünscht, daß sich die Arbeiter aller Länder gegen Ausbeutung und soziale Not vereinigen möchten. Am Nachmittag(HimmelfahrtStag) unternehmen dir Dele- gierten einen Dampjcrausflug nach KönigSwinter. Am Freitag wi.rd die tarifliche Lage weiter behandelt. Sericdts- Leitung. Aktstudie». Eigenartige„AktstuMen" d«S Inhabers des.EchuhpalasteS" Moritz Krojanker in Breslau kamen tn zwei Prozessen in Breslau zur Sprache. In einem Strafprozeß, der vor kurzem gegen einen ehemaligen Buchhalter des Herrn Krojanker ftattsaird, der Buchhalter wurde freigesprochen— wurde folgendes bekundet: Herr Krojanker hatte den Buchhalter veranlaßt, an eine seiner Ber- läuferinnen einen anonymen Brief zu schreiben, und verlangte auch, den Brief mit einem falschen Namen zu unterzeichnen. AIS sich der Buchhalter weigerte, warf ihn K. auf die Straße I Der Buchhalter teilte dem Mädchen alles mit. Dieses sagte nun vor Gericht folgendes unter Eid aus: Im Privatkontor des Herrn K. befehle er den jungen Verkäuferinnen, sich splitternackt auszuziehen, damit der gestrenge Ches sie in allen erdenklichen Stellungen photographieren könne. Weil das ein« Fräulein einen Bräutigam gehabt Hab«, sei K. wütend gewesen und habe sie mit Hilfe des anonymen Briefes zur Aufgabe ihrer Stellung ver anlassen wollen. Bon einer Entlassung fürchtete er wohl Bloßstellung. In einer KaufmannSgerichtSsitzung am Mttwoch kam die Sache erneut zur Sprache. Wieder wurde bestätigt, daß Herr K. die.Aktstudien" in seinem Kontor getrieben, unsittliche An- träge an die Verkäuferinnen gestellt und ihnen dreist zugemutet habe, mit ihnen zu verkehren. Und wieder wie in der Verhandlung bor dem Straftichter schweigt die gesamte bürgerliche Presse Breslaus den Fall tot. Herr K. hatte auf den Redaktionen gegen Ver- sprechung großer Jnseratenaufträge um gut Wetter ge- beten. Sogar der Redaktion unseres dortigen Parteiblattes mutete der Herr dies zu, wurde aber flott an die Lust gesetzt. SiverS(ohne e) gegen den„Vorwärts". In dem zwei Jahre alten Prozeß des Landrats v. EiverS (ohne e) gegen unseren Verantwortlichen, Genossen HanS Weber, fand am Freitag eine Verhandlung vor dem Schöffengericht in Alt- Moabit statt, mit der allem Anschein nach der Prozeß sein Ende sinden wird. Der Herr v. Sivers fühlte sich durch einen Artikel des .Vorwärts" vom 11. Februar 1906 beleidigt. Seit dieser Zeit ist der Prozeß im Gange. In dem Artikel war geschildert worden, wie daS Junkertum zur Zeit in den baltischen Provinzen hauste und der Verfasser nannte unter anderen einen Herrn v. Si e Vers(mit e). In den voraufgegangenen Prozeßverhandlungen hatte Weber bereits erklärt, daß der Landrat v. Sivers, der Kläger, nicht gemeint war. In der Verhandlung am Freitag wies der Bor- fitzende AmtSgerichtsrat Wollner darauf hin und bemühte sich um einen Vergleich, indem er vorschlug, daß der Angeklagte Weber noch einmal eine ausdrückliche Erklärung in dieser Richtung abgebe und dann der Kläger v. Sivers die Klage zurücknehme, damit die Sache doch endlich einmal ihre Erledigung finde. I u st i z- r a t W a a n e r. der den Kläger vertrat, hatte Bedenken, ob seinem Auftraggeber damit gedient sein werde und verlangte das Zu« geständnis einer Publikationsbefugnis für die Webersche Erklärung rm.Vorwärts". Rechtsanwalt Liebknecht, der den An- geklagten verteidigte, lehnte ein solches Zugeständnis ab, der Prozeß- oericht müsse dem Kläger völlig genügen. Justizrat Wagner regte darauf an, Beklagter solle zur Tragung der Kosten beitragen. Liebknecht lehnte dies Ansinnen ab. Der Borsitzende machte dem Vertreter deS Klägers klar, die paar Mark Gerichtskosten sollten für ihn keine Rolle spielen und wer die Klage zurücknähme, hätte doch auch die Gerichtskosten zu tragen. Nach vielem Hin und Her schlug der Vorsitzende folgende Fassung für die Erklärung vor: Beklagter erklärt: „Ich wiederhole nochmals, wie bereits schon bei den früheren Ver- Handlungen vor Gericht, daß in dem zur Anklage gestellten Artikel vom 11. Februar 1906 der Privatkläger Landrat von SiverS in Römerhof bei Riga nicht gemeint war." Dem Justizrat Wagner wurde zur Rücksprache mit seinem Mandanten über die Zurücknahme der Klage eine Frist von zwei Wochen gewährt.. Geht binnen zwei Wochen ein Widerruf bei dem Gericht nicht ein, so gilt die Klage als zurückgenommen. Anderenfalls geht die Sache weiter und wird Kläger voraussichtlich mit seiner recht grundlösen Klage abgewiesen. Strafbarkeit historischer Kritik. Ein Anarchistenprozeß beschäftigte gestern wiederum die siebente Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Splettstötzer. Angeklagt war der Schlosser und Reoakteur des.Freien Arbeiters" Paul S ch m i d, der sich wegen Aufförderung' zur Begehung strafbarer Handlungen und Aufforderimg verschiedener Klassen der Bevölkerung zu Gewalttätigkeiten gegen einander. Diese Verstöße gegen das Strafgesetzbuch wurden in einem Artikel„Vivo la commune" in Nr. 11, serner in einem Artikel derselben Rummer unter der Ueberschrift.Die Pariser Kommune" und in einem Artikel„Eine geschichtliche Lektion" in Nr. 14 des.Freien Arbeiters" gefunden. Als Jllu- stralion war der Nr. 11 ein Bild angefügt, in dessen Hintergriiiid eine Fabrik sich zeigt, zu deren Schutz gegen angreifende Arbeiter Militär requiriert worden isü Diesem steht eine mit Steinen bewaffnete Menge von Arbeitern gegenüber, die mit Steinen auf die Soldaten werfen. In den Arlikcln wird Bedeutung und Verlauf der Revolution vom 18. März 1371 geschildert, die dabei begangeneu Fehler kritisch beleuchtet und die Mahnung an die Anarchisten daran geknüpft, sich bei einer Wiederkehr der Revolution vor einer Wiederholung dieser Fehler zu hüten. Damit ver- Kunden wird die Mahnung zur Exproprianon deS Eigentunis, zum Generalstreik und zum ölonoimschen Terror ausgesprochen. Der Angeklagte und sein Verteidiger Rechtsanwalt Ludw. Friedmann vertraten den Standpunkt, daß es sich um eine historische Kritik längst hinter uns liegender Geschehnisse handle und die daraus gezogene Nutzanwendung dock nur für eine in ferner Zukunft vielleicht einmal zu erwartende Erhebung berechnet sei, die doch momentan eine Aufforderung zu Gewalttäligkerten.un- möglich emhalten könne, Staatsanwalt F i e g e n war anderer Ansicht und beantragte sechs Monate Gefängnis, llnbranch- barmachung der Artikel usw.— Das Gcrichl erlannte diesem A n- trage gemäß. Danach müssen auch alle sogenannte„pairiotiicken" Geichichlsltittecungen mit Verherrlichung von Schtachren. verurieilt werden._ Die Umgangsformen eines„Gebildeten" luinen in einer Veihandlnng zur Sprache, mit der sich gestern die zweite Strafkammer des LandgericlilS II zu beschäftigen Halle. Wegen Beleidigung der Gattin des türlische» Majors und Flügeladjulanien des Sultans Riffaat bey war der frühere Student der Medizin, jetzige Sekretär eines Automobilklubs Adolf Berliner angeklagt.— Eines Tages Ende Februar d. I. hatte die Gattin des Majors die Hochbahn benutzt und war gerade im Begriff, den Bahnhos Bütowstraße zu verlassen, als sie sich durch das Benehmen deS Angellagten in höchstem Grade verletzt fühlte. Obwohl Frau Riffaat bey sich in Begleitung ihrer Mutter und ihres dreijährigen Töchterchcns be- iand, starrte sie der Angettagte, wie sie angab, in einer im- verschämten Weise an und belästigte fie auch sonst durch ein gewisses, vielsagendes Augenblinzeln, Als die Dame hierauf ihre Mutter aus diesen Vorgang aufmerksam machte und dabei das Wort„Unver- ichämthert" fallen ließ, titulierte der.gebildete" Angeklagte die Dame I.Du alte S... wenn Du nicht gleich hinausgehst, schmeiße ich Dich die Treppe hinunter, Du freches Frauenzimmer!" Frau R. war trotz des ihr angetanen Schimpfes energisch genug, den Angeklagten durch einen Schutzmann fe st st eilen zu laffen.— DaS Schöffengericht Berlin-Schöneberg nahm mit Rücksicht auf die bisherige Unbescholtenheit deS An- geklagten von einer Freiheitsstrafe Abstand und erkannte nur auf 300 Marl Geldstrafe. Hiergegen legte Berliner auch noch Berufung ein. Der Staatsanwalt bedauerte, daß nicht auch von feiten der AmtSanwaltfchast Berufung eingelegt worden fei, da er sonst in der Lage wäre, eine erhebliche Freiheitsstrafe zu beantragen. DaS Gericht wie» die Berufung de» Angeklagten kostenpflichttg zurück. Wir möchten bezweifeln, ob ein Srveiter tn einem ähnliche» Falle eine so gelinde Straf» erhalten hätte. AuS der besten Gefellschast. Gegen den früheren Privatoberförster Paul Lewa»d»wSkt und dessen Ehefrau Alwine L. geborene Fretin v. Korfs- Schmrestng begann gestern der bereits angekündigte Prozeß wegen Kuppelei, versuchter und vollendeter Erpressung und Betruges vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts III. ES find etwa 80 Zeugen zu der Verhandlung ge« laden. Der Angeklagte LewandowSri wurde aus der Straf« anstatt Tegel vorgeführt, wo er die ihm kürzlich vom Schwurgericht zudiktierte dreijährige Gefängnisstrafe verbüßt, da gegen dreses Urteil von ihm kem« Revision eingelegt worden war. Nach dem verlesenen EröffnungSbeschluß werden der Angeklagten trau Lewandowski folgende Straftaten zur Last gelegt: Sie wird eschuldigt, in den Jahren 190Z— 1907 durch mehrere selbständig« Handlungen, zum Teil auch durch hinterlistige Kunst« griffe, der Kuppelei schuldig gemacht zu haben. Ferner wird sie beschuldigt, im Dezember v. I. eine Frau Architett Carola B. durch Drohungen zur Herausgabe eines Schuldscheins und einer NotariatSurlunde über je 100 000 Mark, ferner zur Zahlung von 1000 M. bar und Angehörige der Frau B. zur Zahlung von 6000 M. genöttgt zu haben. Zur Anklage steht ferner je ein Erpresiungsfall gegen den Freiherrn v. W. und einen Kaufmann S., bei welchem eS sich um Summen von 5 bezw. 3000 M. handelt, schließlich handett eS sich noch um einen Belrugsfall gegen einen Kaufmann B. Der Ehemann B. ist wegen Beihilfe zu den Straftaten der Eheftau angeklagt. Sofort nach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses wurde die Oeffentlichkeit für die Dauer der ganzen Verhandlung ausgeschlossen. Mit Rücksicht auf die ganz ungeheuerlich verbrecherischen und von der gemeinsten Gesinnung zeugenden Straftaten beantragte der Staatsanwalt gegen Frau Lewandowski eine Gesamtstrafe von 3 J-a hren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust, gegen den Ehemann wegen Beihilfe eine Zusatzstrafe von 9 Monaten Gefängnis.(Während der Staatsanwalt diesen Antrag stellte, verfiel die Angeklagte in einen Weinkrampf.) Nach längerer Beratung verkündete in später Nachmittags- stunde Landgerichtsdirektor Reichhelm das Urteil dahin: Das Gericht hat beide Angeklagte im Sinne des EröffnungS- befchlusses für schuldig befunden, und zwar zunächst die Ehefrau schuldig der schweren Kuppelei, der Erpressung und des versuchten Betruges. Sie hat durch Gewährung und Beschaffung von Ge- legenheit der Unzucht Vorschub geleistet, sie hat durch Anwendung hinterlistiger Kunstgriffe ein bis dahin unbescholtenes Mädchen, Frl. v. X., dazu gebracht, sich Männern hinzugeben und hat mit besonderer Geschicklichkeit Maßnahmen getroffen, um in dieser Be- ziehung zu ihrem Ziel zu gelangen und mit versteckter Arglist ge- handelt. Sie hat, als sie das Mädchen in ihre Wohnung einlud, durch große Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit die ganze Fa- milie des Mädchens betört, sich das Vertrauen des Mädchens und ihrer Familie erworben und schlauerweise es nach und nach dahin gebracht, daß das Mädchen alle mädchenhafte Scheu ablegte und ihr allmählich gefügig wurde. Der Alkohl hat dabei eine gewisse Rolle mitgespielt. Sie hat sich auch der Er- Pressung in drei Fällen schuldig gemacht und durch Drohungen sich einen Schuldschein über 190 090 M., dann einen notariellen Schuldschein über diese Summe und bares Geld in Höhe von min- bestens 1000 M. verschafft, indem sie der jetzt Verheirateten drohte, sie wolle dem Ehemann� Mitteilung über das Vorgefallene machen! Sie hat vier bis fünf Jahre hindurch die Verfehlungen des Mädchens in habsüchtigem eigenem Interesse ausgenutzt. Der .Mann ist in einem Falle der Beihilfe zur Erpressung schuldig befunden, denn er hat von dem Treiben seiner Ehefrau Kenntnis gehabt, mag er noch so abhängig von seiner Ehefrau gewesen sein. Der Gerichtshof hat die Ehefrau wegen schwerer Kuppelei, Er- Pressung in drei Fällen, Betruges und versuchten Betruges zu vier Jahren Zuchthaus nnd vier Jahren Ehrverlust verurteilt, den Ehemann wegen Beihilfe und Begünstigung zusätzlich zu der am 4. Mai gegen ihn erkannten dreijährigen Gefängnisstrafe noch zu sechs Monaten Gefängnis. Von der Gesamtstrafe werden vier Monate auf die Untersuchungshaft angerechnet.— Der An- geklagte erklärte, sich bei dem Urteil zu beruhigen, die Ehefrau da- gegen verzichtete nicht auf Rechtsmittel. Kergntwortlicher Redakteurl Georg Tavidsohn, Berlin. Für denJnseratenteil verantw-: Th. Glocke, Berlin. Druck«.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u/Verlagsanstalt Pgul Singer& Co., Berlin SW.