Nr. 151. Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis pranumerando, Bierteljährl. 8,80 t, monatl. 1,10 R wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 fg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost- Beitungs Breisliste. Unter Kreuzband Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italten, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Eridelat täglich außer Montags. für Vorwärts Berliner Volksblaff. 25. Jahry. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Rolonel gelle aber deren Staum 50 fg, für politische und gewerkschaftliche Bereins und Versammlungs- Anzeigen 30 Big. Kleine Anzeigen", das erste( fettgebructe) Bort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf" stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jebes weitere Bort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition is bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1983. Parteigenoffen Preußens! Sonnabend, den 6. Juni 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. die politische Praxis in jener Zeit begonnen, wo Lassalle die Uns dünkt, ganz so einfach liegen die Dinge denn doch Arbeiter zum Sturm gegen die verräterische Landtagsmajorität nicht. Je weniger die Vertreter des preußischen Volkes gegen aufrief. die Parafiten des politischen Lebens im Landtage ausrichten, Internationale Glückwunschdepefchen zum Wahlileg. Brüssel, 5. Juni. Den niedergerittenen Siegern unser Hoch! Das Internationale Sozialistische Bureau. Vandervelde, Anseele, Furnemont, Huysmans. Brüssel, 5. Juni. Die belgische Arbeiterpartei sendet Glückwünsche zum Dann kam die Wendung. Der deutsche Reichstag desto energischer und wirkungsvoller wird die Unterstützung wurde auf das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahl- sein, die sie beim preußischen Volt außerhalb des LandDas preußische Proletariat hat die Tore des preußischen recht gegründet. In ihm sich die starke Vertretung ihrer Inter- tages werden finden müssen. Und je mehr die Herren im Dreiklassenhauses gesprengt. Das schmachvolle essen zu erobern, war die Aufgabe des deutschen Proletariats, Landtage unsere Vertreter an der positiven Arbeit für das Klassenwahlrecht, die schamlose Sumutung Benugung der Waffe des gleichen Stimmrechts machte Boltsbewegung draußen gegen diese Hindernisse aufbranden. die es immer glänzender gelöst hat. Aber gerade die preußische Volt hindern werden, desto stürmischer wird die der öffentlichen Abstimmung haben die klassenbewußte Arbeiter- dem Bürgertum, das immermehr in die Hände der junker- Der 3. Juni war Wahltag. Aber wenn die Nutznießer schaft ohnegleichen erbittert und aufgepeitscht. Die ob ihrer lichen Bureaukratie abgedankt hatte, den deutschen Reichstag des Privilegs allzu störrig sind, werden diesem Wahltag noch Entrechtung zornentflammten Massen haben die verdächtig. Langsam vollzog sich eine Wandlung. Als der manche stürmische Wahlrechtstage folgen! Sicherungen niedergerissen, die den Landtag deutsche Reichstag gegründet war, da glaubte man, daß das der privilegierten Geldsäcke sozialistenrein halten Drgan der deutschen Einheit träftig sich entwickeln, sollten. daß die historischen Trümmer aus den Zeiten der deutschen Mindestens sechs sozialdemokratische Ab- Berriffenheit, die Bundesstaaten, ihre Parlamente und Fürsten geordnete halten ihren Einzug in die preußische Duma. langsam aber sicher politisch abdanken und zu Organen Die kühnsten Erwartungen des Proletariats sind über- lokaler Verwaltung sich umwandeln würden. Aber aus Angst troffen. Der 3. Juni wird als glänzender Sieges- Einheit verraten, die Entwickelung der Verfassung zum Stillstand vor dem Proletariat hat das deutsche Bürgertum die deutsche tag in der Geschichte der Sozialdemokratie gebracht und die junterliche Bureaukratie hat den Barlafortleben. Noch steht als Folge des wahnwißigen, indirekten menten, vor allen Breußens und Sachsens, neues Leben einWahlsystems nicht fest, wieviel Stimmen die Sozialdemokratie gehaucht. Immermehr wurde dem Reichstage seine Wirkungsam 3. Juni erhielt und wieviel Wahlmänner unserer Partei möglichkeit genommen, immer größer wurde die passive gewählt wurden. Wir haben aber ohne Zweifel die weit aus Resistenz, die die preußische Bureaukratie, die den Bundesrat Brechen der Bresche in die Festung der Konservativen und Kapitalisten. stärtste Stimmenzahl erhalten. Wo Fristahlen ebenso wie die Reichsämter beherrscht, dem Reichstage ent. Es lebe der internationale Sozialismus! Maes, Sekretär. stattfanden, stehen die Stichwahlen vielfach noch aus. Es gegensette, und immer willfähriger unterstützte die Majorität gilt bei den Stichwahlen die Zahl der des Reichstages selbst die Preisgabe des Parlaments, das fozialdmokratischen Wahlmänner weiter zu Aber vollendet wurde die Abdankung erst ganz unter der auf dem allgemeinen und gleichen Wahlrecht gegründet war. Herrschaft der Blockmajorität, der die Konservativen Wo die Sozialdemokratie an Stichwahlen beteiligt ist, fommandieren, die immer Feinde des Reichstages gewesen müssen die sozialdemokratischen Wähler des 3. Juni von sind, weil sie Feinde des gleichen Stimmrechts sind, weil die neuem Mann für Mann antreten, müssen die Ar- Wurzeln ihrer Kraft nicht bei den breiten Massen, sondern in An den Barteivorstand der deutschen Sozialdemokratie. beiterwähler, Ste am 8. Juni zu Hause blieben, das Ver- den Herrschaftsinstitutionen über die Massen, in ber Der Verband der sozialdemokratischen Ab. säumte nachholen und sozialdemokratisch Bureaukratie und im Militär liegen. Sie haben von jeher geordneten im österreichischen Reichsrat freut sich mit Euch über wählen! Breußen über Deutschland gestellt, den preußischen Landtag ben glänzenden Sieg des 8. Juni und über die erste Bresche, die Für die Stichwahlen gelten die bekannten Bestimmungen über den deutschen Reichstag. Und so bedeutete die Block- Preußens Arbeiterschaft in die Zwingburg der Junkerherrschaft geder preußischen Landeskommission. majorität des Reichstags nichts anderes, als die bedingungs- fchlagen hat. Mit Glüdwunsch und Brudergruß für den Verband: Seiz. Es muß alles getan werden, um die Wahl von offenen lose Anerkennung der Oberhoheit des preußischen Landtags. In flarer politischer Erkenntnis hat das preußische Pround versteckten Wahlrechtsfeinden zu ber- letariat die Konsequenzen dieser Entwickelung gezogen. Wird London, 5. Juni. Die Sozialdemokratische Partei beglückwünscht die hindern. der preußische Landtag zu eurem wichtigsten Herrschaftsmittel, deutschen Genoffen zu dem Erfolg bei den preußischen Landtags Die Stichwahlen müssen vollenden, was der 3. Juni dann müssen wir euch dieses Herrschaftsmittel aus der Hand wahlen. Lee, Sekretär. begonnen. Karlsbad, 5. Juni. Den Niedergerittenen herzlichen Glückwunsch zum stolzen Siegesritt West böhmische Sozialdemokratie. vermehren. Drauf und dran! Nieder mit der Klassenschmach! Hoch das freie Wahlrecht! Das Zentralwahlkomitee. Preußen und das Reich. schlagen. Der Kampf gegen das Dreiklassenwahlrecht ist der Stampf für die politische Integrität des gleichen Reichstagswahlrechts. Wählt ihr einen anderen Kampfboden, verschanzt ihr euch nach 38 Jahren der deutschen Einheit hinter eure partikularistischen Ruinen, nun wohl, wir folgen euch auch dorthin! Bewunderung. Wien, Reichsvat, 5. Juni. Bu Eurem herrlichen Siege unseren Glückwunsch und unsere Für die Parteileitung der österreichischen Sozialdemokratie: Staret. Wien, Neichsrat, 5. Juni. Hillebrand. Eure Mitkämpfer in den Lungenheilstätten zu Beeliz. Karlsbad, 5. Juni. So hat das preußische Proletariat zum zweiten Mal Bu dem schönsten aller Eurer Siege gratuliert Euch der in seiner Geschichte den Kampf um den Landtag eröffnet. Politische Verein, Freiheit" Karlsbad. Doch die Zeiten haben sich gewaltig geändert. Damals erGrüße deutscher Landtagsfraktionen. rang das preußische Proletariat im Kampf gegen den Landtag die eigene politische Selbständigkeit. Heute will es die Karlsruhe, 4. Juni. Dürftigere Wahlbetrachtungen hat die bürgerliche Presse politische Selbständigkeit des Landtages vernichten, um Deutsch- erfreut die jüngste sozialdemokratische Landtagsfraktion und deren Die rote Frattion des zweitältesten Landtags begrüßt hoch wohl kaum je angestellt, als in den Tagen, in denen der land von der preußischen Herrschaft zu befreien. Damm des Dreitlassenwahlrechts von der sozialdemokratischen A d. Ged. Die großen Demonstrationen des Januar haben die Erzeuger. Hochflut überschwemmt worden ist. Kaum, daß die linksliberale preußische Wahlrechtsfrage in den Mittelpunkt der deutschen München, Landtag, 4. Juni. Berliner Presse die auf der Hand liegende Tatsache konstatiert, Politit gerückt. Der große Erfolg bei den Landtagswahlen Den preußischen Genossen herzlichen Glückwunsch zu ihrem daß die armselige Jämmerlichkeit des Blockfreisinns unseren hat bewiesen, daß das preußische Proletariat mit brennendem Erfolge, unserer neuen preußischen Landtagsfraktion beste Grüße. Sieg noch erleichtert hat. Aber diese Zurückhaltung hat gute Interesse die Entwickelung in Preußen verfolgt und daß es Die bayerische Landtagsfrattion. Gründe. Denn die politische Bedeutung des Wahlresultats all seine Energie an die Niederzwingung der preußischen Andere Glückwünsche. ist für die bürgerliche Welt und insbesondere für die, die sie Suprematie sehen wird. Preußen muß demokratisch werden, Nauen, 4. Juni. regieren, nicht gerade tröstlich. Sie schweigen, weil sie nichts damit die Demokratie in Deutschland Herrschen kann. Dies Die Tabalarbeiter Nauens beglüdwünschen die Proletarier fagen dürfen. Ziel aber bedeutet den äußersten Gegensatz zu den Zielen der Groß- Berlins zu dem unerwarteten Riesenerfolge bei den gestrigen Es wäre aber ganz verfehlt, den Wahlsieg der Sozial- Blockpolitik. Und so ist unser Sieg, der der erste Sieg der Landtagswahlen. Soch die Sozialdemokratie! demokratie als isoliertes Ereignis zu betrachten. Er ist nur preußischen Wahlrechtsforderung ist, zugleich die Niederein Symptom eines größeren Zusammenhanges. Beelitz( Mark), Heilstätte, 4. Juni. Sechzig lage der Blockpolitik. Nicht, daß deswegen die BlockJahre besteht der preußische Landtag. In dieser langen Zeit politit bereits erledigt ist; sie wird noch genug Schaden an- preußische Reaktion ein freudiges Bravo! Nun rastlos weiter auf Euch waderen Kämpfern zu Euren glänzenden Siegen über hat er große Wandlungen durchgemacht, aber nur zweimal richten. Dem Freisinn steht kein Rückzug mehr offen und das dieser Bahn! hat das Proletariat an diesem Gebilde des Verfassungsbruchs Zentrum fürchtet den entschiedenen Kampf. Aber die größeren Anteil genommen und beide Male in historischer Wahl in Preußen hat gezeigt, daß die Blockpolitik Stunde. Als in den sechziger Jahren der Konflitt zwischen nur die Politik einer Minorität ist, die mit dem der Regierung und der fortschrittlichen Majorität ausgebrochen Volte immer mehr ihren Zusammenhang verliert. So rasch war, als es sich um die Entscheidung handelte, ob Preußen hat noch nie eine Politik moralischen Bankrott ge och eine Stichwahl zwischen Sozialcine wirkliche Konstitution erhalte, ein parlamentarisch macht. Wohin ist der Rausch, der bei den Reichstagsregiertes Land werden sollte, und als bei dieser wahlen große Schichten des deutschen Volkes erfaßt hatte? demokraten und Liberalen. Entscheidung die Fortschrittspartei jämmerlich versagte, da rief Burückgeblieben ist nichts, als der Kazenjammer der gezur entscheidenden Stunde Lassalle das Proletariat Preußens täuschten Hoffnungen. Und wir, die wir seit dem 25. Januar Elberfeld, 5. Junt. zum Kampfe. Aber die Fortschrittsmannen, die mitkämpfen 1907 ungeduldig auf den Tag der Revanche gewartet haben, ( Privatdepesche des Vorwärts".) follten, ließen die proletarischen Stämpfer schmählich im Stich. wir können von heute an in ruhigerer Stimmung und mit Nach den Wahlmännerstichwahlen ist das endgültige ReDer preußische Landtag ist kein modernes Parlament ge- größerer Siegeszuversicht dem Tag der nächsten Reichstags- fultat der Urwahlen im Landtagswahlkreis Elberworden, und der Absolutismus der Bureaukratie siegte wahlen entgegenharren. Wir sind mit der Abschlagszahlung feld: 355 sozialdemokratische, 582 liberale, über die Baghaftigkeit und Unentschlossenheit der zufrieden und wir wissen, daß Erfolg wie Mißerfolg Sozial- 290 tonservative Wahlmänner. Es hat also Stichwahl Bourgeoisie. Doch den Siegespreis trug das Proletariat demokraten in gleicher Weise zu immer intensiverer und immer davon, das in diesem Kampfe sich auf immer von dem emsigerer Arbeit anspornt. Bürgertum trennte, seine politische Selbständigkeit gewann, den Schon zerbrechen sich die bürgerlichen Blätter darüber Klasseninstinkt zum Klassenbewußtsein erhob und sich in der den Stopf, was unsere Fraktion im preußischen Landtag ausdeutschen Sozialdemokratie die Partei gab, die, seitdem mit richten werde, und immer wieder sprechen sie sich den Trost der deutschen Arbeiterklasse völlig verschmolzen, lange Zeit zu, daß die geringe Zahl nichts ausrichten könne. Die vorbildlich war für den Kampf der Arbeiter in aller Welt. reaktionärsten Organe sehen ihre Hoffnung, die das DreiSind die Waffen des Geistes, die der Arbeiterklasse dienen, tlassenwahlrecht eben getäuscht hat, auf die Geschäftsordnung Landtagskandidaten für Groß- Berlin. geschmiedet worden in den großen Bibliotheken von Paris und den Wahlspruch des Herrn v. Kröcher: Besser dumm als und London, wo Mary die bürgerliche Gesellschaftswissen- start". Die Geschäftsordnung und ihr Hüter gegen das Nach den Beschlüssen der Berliner Genossen werden die schaft sich aneignete, um sie durch die Wissenschaft des deutsche Proletariat, die Paragraphen des parlamentarischen folgenden Genossen in den nebenstehenden Wahlkreisen kan Sozialismus zu überwinden, so hat für das deutsche Proletariat Reglements gegen die historische Entwickelung! Didieren: " zwischen Sozialdemokraten und Liberalen stattzufinden. Die fozialdemokratlichen Dr.»«rl Retknecht. I I Berlin XI Heinrich Ströbel.....„IX Hermann Borgmann...„V Paul Hirsch...... VII Hugo Hrimann.....„VI Otto Wels....... Rixdorf-Schöneberg Adolf Hoffmann..... Berlin XII Georg Ledebour.....„ X Paul Singer......„ VHI Fritz Ebert......„ HI Max Grunwald.....„IV Herm. Müller(Parteivorstand)„ II Herm. Schubert.....„ I Fritz Zietsch 4..... Charlottenburg Eduard'Bernstein}•••• Teltow-Land Artur Stadthagen 1 Bernhard Bruns;.. �. Ober- und Nieder-Barnim. Max Jacobsen j Sie fozialdemoltratitche prelle zum Aahllleg. Die Presse der Sozialdemokratie in- und außerhalb Preußens verzeichnet mit stolzer Genugtuung und lebhafter Freude den Erfolg der Partei, die Mandatseroberungen und das gewaltige Wachsen der sozialistischen Stimmen. Dabei konnten manche Blätter die Größe des Sieges noch nicht völlig überblicken und rechnen deshalb in ihren Artikeln noch mit weniger Mandaten, als tatsächlich erobert sind. Aus den Stimmen des Siegesjubels zitieren wir die folgenden Stellen: „Hamburger Echo"r „Die Wahlen am 3. Juni haben eines sichergestellt: dem mannhaften Eintreten der klassenbewußten Arbeiterschaft für ihre politische Ueberzeugung— trotz der öffentlichen Ab- stimm ung— ist es gelungen, Bresche in die Zwingburg des Dreiklassenrechts zu legen. Die S 0 z i a I i st e n r e i n he i t des Dreiklassenhauses hat aufgehört. Es wird in Zukunft eine, »venn auch nur kleine sozialdemokratische Fraktion aufweisen.... Daß es der Sozialdemokratie in Preußen gelungen ist, trotz der entgegenstehenden ungeheuren Schwierigkeiten einige Siege zu erringen auf Grund eines Wahlrechts, in dem alles zusammen- getragen ist, was den arbeitenden Massen einen Erfolg unmög- l i ch machen soll, ist ein trefflicher Beweis für das Wachsen der Agitationskraft unserer Partei, wie für das Wachsen des politischen Selbstbewußtseins der arbeitenden Massen, das selbst die Rücken und Tücke» der öffentlichen Stimmabgabe überwunden hat. Da- mit ist natürlich nicht gesagt, daß nunmehr das Wahlrecht selbst im besseren Licht erscheint. Im Gegenteil: die Hundert- tausende sozialdemokratischer Stimmen im Gegensatz zu den wenigen Mandaten sind ein schreiender Protest gegen die unerhörte Ungerechtigkeit. Der in der kleinen Zahl von Mandaten sich manifestierende große Erfolg der Soziawemokratie ist aber beschämend für die Verteidiger der Dreiklassenschmach. Auch deren Zwing- mauer schützt sie nicht mehr ganz vor dem Eindringen der Sozial- dcmokratie." „Leipziger Bolkszeitung": „Die Ironie der Weltgeschichte hat gestern wieder einmal leinen ihrer berühmten Witze gemacht: der staatlich organisierte Terrorismus, wie er in der Ocffentlichkeit der preußischen Land- tagswahl vorliegt, und wie ihn sich seinerzeit die Junker zur Auf- rechtcrhaltung ihrer Herrschaft schufen, hat dazu beigetragen, die erste Bresche in dieses Bollwerk der Junkerherrschaft zu legen und der Sozialdemokratie den Weg ins Junkerparlament zu ebnen.... Die Junker und die ihnen gesinnungsverwandtcn Freisinnigen, die sich bisher schützend vor das Palladium der Volksentrechtung stellten, haben einsehen müssen,.daß auch das reaktionärste Wahl- gesetz seine Rücken hat und daß in einer bestimmten Situation der Revolution nützen kann, was zum Schutze der Reaktion ersonnen wurde. Nichts kann deshalb amüsanter sein, als das Geschrei der entrüsteten Schelme über den„Terrorismus" der Sozialdemokratie, verdanken sie doch selber ihre ganze Position nur einem jahrzehnte- lang aufs schamloseste getriebenen Schreckensregiment, und haben sie sich doch erst noch im Januar durch den Mund Bülows zur uneingeschränkten Beibehaltung dieses tief unsittlichen Wahlsystems ibekannt. Wenn die Herren aus dem gestrigen Wahlausfall die nötigen Lehren ziehen und die verfaulte Klassenwahl in die Müll- grübe werfen wollen, so soll uns das nur liev sein. In der Tat erblicken wir in dieser fröhlichen ack absurdiim- ührung des preußischen Wahlrechts den Haupterfolg der gestrigen andtagswahlen; denn was die kleine sozialdemokratische Fraktion an„positiver Mitarbeit" wird leisten können, vermag natürlich ein Spatz auf dem Schwanz wegzutragen. Diese„positive Mitarbeit" ist auch nicht der Zweck der Wahlbcwegung gewesen. Ter lag in der Agitation. ES kam darauf an, den Massen darüber die Augen zu öffnen, welche empörende, niederträchtige Brutstätte sozialer Niaubsucht diese preußische„Volksvertretung" ist, wie eine Bande skrupelloser Schnapphähne mit den Interessen der besitzlosen Klassen ein freventlich Spiel treibt, durch ein frivole Schulpolitik die Ver- idummung organisiert, durch raffinierte Stcllenverteilung in Heer und Verwaltung alle Fäden in der Hand hat, durch eine schamlose Finanzpolitik in Reich und Staat sich selber nahezu Steuerfreiheit sicherte und außerdem noch durch große und kleine Liebesgaben Hunderte und Tausende von Millionen in den eigenen Beutel wirtschaftet, durch die rücksichtsloseste Schreckensherrschaft jede freie Meinung niederknüppelt, die Staatsbeamten und-Arbeiter in Staatssklaven verwandelt, ihnen das Koalitionsrccht raubt, sie mit Hungerlöhncn abspeist und das ganze System krönt durch ein Wahl- recht, das an hinterhältiger Verlogenheit und Pcrfidie seines- gleichen sucht. Darüber den Massen die Augen zu öffnen, ist der Sozialdemokratie zum Teil gelungen, und Sache der Abgeordneten wird es sein, die aufrüttelnde Arbeit der Wahlagitation in diesem sogenannten„Parlament" fortzusetzen.... ... Der Wahlausgang selber ist die Antwort auf jenen llv. Januar 1908, als Herr Bülow dem entrechteten preußischen Volke seine Verachtung ins Gesicht spie. Es hat ihm mit einem derben Faustschlag geantwortet und Herr Bülow mag ihn sich als die erste Frucht seiner Blockpolitik ankreiden, die auch im außer- preußischen Deutschland mit unverhohlener Genugtuung be- grüßt wird." .Frankische Tagespost"(Nürnberg): „Ohne Erwartungen ist die preußische Sozialdemokratie in den Wahlkampf gezogen. Sie begehrte nur, ihre Pflicht zu tun, mit aller Leidensch«, st und Hingabe, auch wenn ein unmittelbarer Erfolg nicht möglich wäre. Das, was unsere preußischen Genossen aber erreicht haben, übersteigt selbst die kühnsten Hoffnungen.... -Zum erstenmal sind Sozialdemokraten auch in das preußische Drciklassenhaus eingedrungen.... So werden denn künftig nicht mehr bloß die Rufe der demonstrierenden entrechteten Masse vor den Toren des Parlaments zu tauben Ohren vergeblich zu dringen versuchen, die Forderung des Volkes draußen wird sich verbinden mit der entschlossenen Tatkraft ihrer Vertreter innerhalb des„Bollwerke? der Reaktion". In inniger Einheit und� bewegter Zusammenarbeit der Wähler und Erwählten wird fortan der Kampf uni das Wahlrecht geführt werden können. Die lauten, stürmischen Stimmen draußen werden ausgenommen von de« Polkspertretexn innen. Der„Feind" sieht nicht wehr bloß bor den Toreti, er erhebt sein Haupt innerhalb der Feste. Nicht mehr können deutsche und preußische Minister, wenn sie im Reichstag zur Rede gestellt wenden sollten, sich ins Dreiklassenwahlhaus flüchten; auch hier wird sie fortan die Stimme des Volksgewissens, die Anklage der Freiheit und Wahrheit ereilen und niederstrecken. Das neue Preußen hält seinen Einzug in das verfluchte HauS feudaler Privilegien, freilich nicht um die Zwingburg zu restaurieren, sondern um sie nun auch von innen heraus zu zerstören. Eine Zerstörung durch die unüberwindliche positive Arbeit der Sozial- demokraten. Indem sie ihre Forderungen erhebt, ihre Bereit- Willigkeit zu Reformen eindringlich bekundet und bewährt, trägt sie im schaffenden Zeichen des neuen Preußens das alte Preußen ab. Jede verweigerte Forderung der Sozialdemokraten, jede Ver- gewaltigung und Ricderstimmung unserer Anregungen und An- träge wird als eine weitere Anklage gegen das Dreiklassenwahlrecht wirken, auf«dem die Macht des preußischen Junkertums deruht und ihr parlamentarischer Ausschuß. Der Kampf um die Demokratisierung Preußens kann nun mit gesteigerter Energie beginnen. Der Wahlausfall ist zugleich ein Volksgericht über jene wüsten Ausschweifungen der Reaktion, die man Blockpolitik nennt. Es gärt in den Massen. Der Ucbermut der Herrschenden war allzu frech geworden. Im Zentrum ihrer Fäulnis, in Berlin, ist die Korruption des Blockfreisinns abgeurteilt worden. Der deutsche Süden begrüßt dieses Erwachen Preußens mit besonderer Genugtuung. Die preußische Reaktion ist stete Gefahr und Hemmung auch für die freiere EntWickelung des Südens. Die neue Hoffnung und der neue Ansporn in Preußen belebt und sichert auch unsere Arbeit jenseits des Mains." „Rheinische Zeitung"(Köln): „Wvs früher für ganz unmöglich gehalten wurde, was bis in die letzten Tage hinein nur rosafarbene Optimisten leise zu hoffen gewagt hatten, ist am 3. Juni stolze Tatsache geworden: Die Sozialdemokratie zieht aus eigener Kraft in das preußische Dreiklasscnparlament einl... Die„Niedergerittenen" von 1907 haben am 3. Juni 1908 bewiesen, daß auch sehr hohe Herren falsch prophezeien können; sie haben gezeigt, daß sie fester als je zuvor im Sattel sitzen und mutiger denn je in die Schranken sprengen zu dem großen Kampfe um des Volkes Wohlfahrt, um seine Rechte und seine Kulturideale.... Sieben Sozialdemokraten im Landtag wollen der Zahl nach recht wenig bedeuten, aber diese Sieben wer. den in die muffige Landtagsstube frische Luft hineinbringen, sie werden geradezu revolutionierend wirken und mit einem Schlage das Antlitz des Landtages völlig verändern. ... Und daß der neue Landtag im Zeichen der Wahlreform zusammentreten und nicht Ruhe haben wird, bis die Reform in Fluß gebracht ist, und daß die Reform den Forderungen der Volks- Mehrheit möglichst nahe kommt: dafür werden die sozialdemokrati- 'chen Landtagsabgeordneten zu sorgen haben, denen das rechtlose Volk millionenstark seine Unterstützung leihen wird!" „Volksstimme"(Frankfurt a. M.): ..... Seit 60 Jahren zum ersten Male Vertreter de» Prole- tariats in einem Abgeordnetenhause, das bisher lediglich Angehörige des Junkertums, der Burcaukratie und der Bourgeoisie in meist trautem Verein umschloß! Damit ist der Bann gebrochen und in den Wall der preußischen Dreiklassenschmach Bresche gelegt, allen entgegengesetzten Bemühungen der bürgerlichen Parteien zum Trotz! Man wird zwar das kleine' Häuflein unter 443 Abgeord- neten so oft zu vergewaltigen suchen als man kann.. Aber eS sind 'ieben Sozialdemokraten, und die lassen sich nicht tot machen I Mau wird ihnen auf Grund der Geschäftsordnung das Recht zu selb- ständigen Anträgen bestreiten— aber das wird sie nicht hindern, mit Hilfe der Massen, die sie wählten und die zu Millionen hinter ihnen stehen, Regierung Und Parteien in der preußischen„Volks- Vertretung" vorwärts zu treiben. Tie Arbeiterschaft spricht von jetzt ab auch im Parlament des reaktionärsten und maßgebendsten deutschen Bundesstaates mit, und dieser Erfolg, lediglich aus der Kraft des werktätigen Volkes selbst errungen, bedeutet einen ge- schichtlichen Wendepunkt nicht bloß in der preußischen, sondern auch in der deutschen Geschichte. Er bekräftigt außerdem die sieghafte Wirkung des Evangeliums des Klassenkampfes, das uns auf allen Wegen führt...." „Bolkswille"(Hannover): «ES ist erreicht! Mit einem kräftigen Fußtritt hat die sozial- demokratische Arbeiterschaft die festgerammelten und für unein- nehmbar gehaltenen Tore des preußischen Gcldsackparlaments ge- sprengt.... Der Ausgang der Wahl nicht nur in Linden und Berlin, sondern auch an zahlreichen anderen Orten, wo ein Mandat leider nicht eröbSrt worden, ist ein wuchtiger Protest gqzen die Junkerfrechheit, die in der arbeitenden Bevölkerung lediglich„Objekte der Gesetzgebung" erblickt; gegen die famose Wahlrechtserklärung deS preußischen Ministerpräsidenten v. Bülow, der dem Preußenvolke Steine statt Brot zu bieten wagte; gegen das unverständige Ver- halten der Militärbehörden den Wahlrechtsdemonstranten gegen» über. Die„Niedergerittenen" erheben stolz ihr Haupt. Anstatt aber auszuruhen auf den errungenen Mandaten, werden sie den Wahl- rechtskam pf jetzt mit verdoppelter Energie fort- setzen.., „Bolkswacht"(Breslau): „ES ist erreicht! Mit ungeheurem Jubel konnten unsere Ber- liner Genossen gestern abend das Resultat begrüßen, daß sie als Lohn ihrer aufopfernden Tätigkeit fünf Sozialdemokraten in das Dreiilassenhaus hineingezwungen haben— trotz öffentlicher, trotz indirekter, trotz schäbigster Ltlassenwahll Fünf Mann auf einen Hieb, ein Resultat, das sie selbst aufs freudigste überraschte, den Genossen im ganzen Lande aber die Stellung Berlins als sozial- demokratische Hochburg aufs neue freudig bestätigt... „Bolksstimme"(Magdeburg): „Hinter der Dreiklassenmauer mit den Palisaden der öffent- lichen und indirekten Stimmabgabe wähnten sie sich sicher, die Herren vom hohen Adel und p. t. Bürgerschaft. Ueber diesen hohen Wall konnten die Roten nicht klettern; diesen breiten Damm nicht übersteigen. Nun ist der Traum des echten Preußentums ausgeträumt, die Wahrheit vom 2. Juni am Tage danach zur Lüge geworden. Es ist Bresche gcschoycn worden in die Mauer, hinter der die Volks- Verächter und Volisausbcuter über die anstürmenden Rechtlosen höhnten und lästerten; der Wall ist überstiegen worden, der Damm durchbrochen! Sozialdemokraten halten ihren Einzug in den preußischen Landtag. Nicht einer oder zwei, wie kühne„VertrauenSdusler" am Morgen des heißen 3. Juni zu hoffen wagten, sondern sechs oder sieben. Genug, um einen regelrechten Fraktionsvorstand zu stellen. Was gestern jedem von uns noch unfaßbar war, und was gestern jeder von uns nur mit einem flüchtigen Lächeln begrüßt hätte, ist heute unzerstörbare Wirklichkeit.. „Bremer Bürgerzritung"? „Ter Tage Mühen, die ungeheueren Opfer unserer preußischen Genossen an Zeit und aufreibender Arbeit waren nicht umsonst: Künftig wird auch im preußischen Junker, und Geldsacksparlament die Sozialdemokratie, und damit die preußische Arbeiterklasse zu Gehör kommen. Hei, wie werden die Geister da aufeinander platzen! Hie Sozialismus! Hie Reaktion! Und dazwischen der Liberalismus wie der Greis, der sich nicht zu helfen weiß... Die Sozialdemokratie hat die Schlacht gewonnen! ES ist eine Bresche geschlagen. Der Weg ins Dreiklassenparlament ist frei! Ein Bravo den tapferen Kämpfern!" „Tribüne"(Erfurt): »... Zum ersten Male, seitdem ein Staatsstreich und könig- sicher Eidbruch das Dreiklassenrecht rechtswidrig dem Polle auf- oktrohierte, ivird die Stimme des Volkes in sinn Hause sseS Unrechts gehört werden. Und wenn der freisinnige Abgeordnete Traeger am 10. Januar mit Recht sagte, er wage sich nicht als Volksber- treter zu bezeichnen, so ziehen die Sozialdemokraten als Millionen- stimmig beglaubigte Vertreter des Volkes in das Klassenhaus. Sic wirken dort innerhalb der Mauern im Namen des Volkes für das gleiche Recht, das das Volk außerhalb der Mauern in heroischem Kampfe erringen muß. Der Wahlrechtskampf wird jetzt mit ver- schärften Waffen und verdoppetlen Kräften geführt werden. Es lebe das gleiche Recht!" „Offcnbacher Abendblatt": „Was das Feuer der Leidenschaft und hingebungsvoller Ernst vermögen, das haben die preußischen Arbeiter gestern bewiesen. Am Morgen noch galt für unwahrscheinlich, was am Abend frohe Ge- wißhcit war: mit stürmender Hand wurden die Wälle des Zwinguri Dreiklassenschmach erstiegen, oben flattert nun stolz die rote Fahne. Nicht nur von außen, auch von innen wird jetzt gearbeitet, daß es breite Breschen gibt für das Hereinfluten der Vertreter des revo- tutionären Proletariats." Eine von mehreren Parteiblättem benutzte Korrespondenz sagt: „Damit hat der preußische Landtag ein für allemal aufgehört, der verschlossene Garten der Junker und Pfaffen zu sein, damit hat auch das Dreiklassenwahlrecht für die Vertreter der preußischen Reaktion das Beste seines Wertes verloren... Auch daS„bewährte" Dreiklassenwahlrccht hat sich diesmal im Sinne der Junker nicht mehr bewährt. In den sozialdemokratischen Abgeordneten Preußens wird ein Brennpunkt aller preußischen Volksinteressen geschaffen und ein machtvoller Herd der Agitation, welche jetzt mit erneuten und ver- stärkten Kräften an ihre Arbeit gehen wird. Die Frage des Volks- rechts wird jetzt in allen Debatten des Abgeordnetenhauses auf der Tagesordnung stehen und jeder Versuch, sie zu lösen, wird der Ueberwachung durch prinziptreue Vertreter des gleichen Rechts unterworfen sein. Und so gering die Zahl der gewählten sozialdemokratischen Abgeordneten im Verhältnis zur Gesamtzahl des Hauses erscheinen mag, so werden sie doch als die Vertreter einer großen Idee und einer großen Masse, als die einzigen wirklichen Volksvertreter, eine besondere Stellung einnehmen.� Sie dürfen sich darauf berufen, daß sie die Repräsentanten der größten Massen- partei des preußischen Staates sind, daß hinter ihnen das arbeitende Volk steht, das nicht fehlen wird, wenn sie eS rufen." stmtliche Verächtlichmachung des keichslagsmahlrechts. Bekanntlich interpellierte am 22. Januar die sozialdemokratische ReichStagSfraktion die Regierung wegen der herabsetzenden Form, in der Bülow am 10. Januar von dem Wahlrecht de« Reiches gesprochen hatte. Dieser Teil der Interpellation richtete an den Reichskanzler die Frage, aus welchen Gründen er in jener Sitzung deS preußischen Abgeordnetenhauses vom 10. Januar die Uebertragung deS Reichstagswahl- rechts auf einen Bundesstaat„al? dem StaatSwohl nicht ent- sprechend" bezeichnet habe. Fürst Bülow entzog sich der Beantwortung dieser Frage durch die groteSke Ausrede, daß er es„ablehnen müsse, auf die VerHand- lungen über die Gestaltung deS LandtagSwahlrechts in Preußen ein- zugehen, da dieser Gegenstand eine zur Z u st ä n d i g k e üt der gesetzgebenden Organe Preußens gehörende innere An- gelegenheit des preußischen Staates" darstelle. Genosse Richard Fischer brandmarkte sofort in gebührender Weise diese faule Ausrede. Es müsse daS hoch st e Befremden er- regen, daß der Ministerpräsident des größten deutschen Bundes- staateS in einer offiziellen Regierungserklärung von dem Reichstags- wahlrecht als einem nicht dem Staatswohl entsprechenden gesprochen habe. Der Ministerpräsident sei durch seine Eigenschaft als Reichs- kanzler verpflichtet, die Verfassung de« Deutschen Reiches hochzu- halte» und ihre Grundsätze zu verteidigen! War dieser versteckte Vorstoß des preußischen Ministerpräsidenten Bülow, für den sich der Reichskanzler Bülow in so bequemer Weise der Verantwortlichkeit vor dem Reichstag entzog, schon überaus kenn- zeichnend für die eigentümliche Haltung, die die amtlichen Organe der Bcrsassuug dcS Deutschen Reiches gegenüber einnehmen, so beweist unter anderem eine neuerliche Stellungnahme der offiziösen„Norddeutschen All gemeinen Zeitung", don welcher Mißachtung die höchsten amtlichen Organe gegenüber den verfassungsmäßigen Rechten des deutschen Volles er- füllt sind. Die„Norddeutsche Allgem. Zeitung" druckt eingehend und ohne jede kritisch einschränkende Glosse einen Artikel ab, den die„Kreuz- Zeitung" über einen kürzlich erschienenen Artikel deS Senats- Präsidenten Schmölder im„Tag" veröffentlichte. Der Artikel des Herrn Schmölder nannte sich„Byzantinismus nach unten" und war von Anfang bis zu Ende ein einziger Vorstoß gegen das Reichstagswahlrecht. Natürlich spendete die„Kreuz-Zeiwng" diesen ultrareaktionären Ausführungen ihren ungeteiltetesten Beifall. DaS konservative Organ schließt mit folgenden Sätzen: „Der Byzantinismus nach unten treibt neuerdings im deutschen Volke in stärkerem Maße als jemals sein Unwesen. Es ist sogar schon so weit grkommen, daß, wer sich vor den: allgemeinen gleichen Wahlrecht niSt ver» beugt, sich den Borwurf des Verrates an der Reichs- Verfassung gefallen lassen muß. Aber dieselben Leute, die mir diesem Borwurf am schnellsten bei der Hand sind, verlangen selbst eine Aenderung der Reichsverfassung, indem sie die Aus- dehn ung des Wahlrechtes auf alle über zwanzig Jahre alten männlichen und weiblichen Personen fordern I— Schmölder verdient Dank für die Deutlichkeit, mit der er den Byzantinismus nach unten gekennzeichnet hat. Leider gibt es Leute genug, die für seine Gefahren wohl Verständnis haben. aber nicht den Mut zeigen, ihn, u bekämpfen. Es wäre erfteulich, wenn sie durch die Darstellung SchmölderS sich zur offenen Bekämpfung dieser Gefahren be- stimmen ließen." Die„Kreuz-ZeitungS'-Ritter verwerfen also nicht nur die Ein- führung deS Reichstagswahlrechts für Preußen, sondern sie reißen gleichzeitig daS deutsche ReichStagswahlrechi selb st herunter und bezeichnen auch ihrerseits daS Ein- treten für dieses Wahlrecht als„Byzantinismus nach unten". Ja, sie geben sich ber Hoffnung hin, daß diejenigen, die für die Gr- fahren deS ReichLtagswahlrechts„wohl Verständnis haben, aber nicht den Mut zeigen, ihn zu bekämpfen",(gemeint sind, wie aus einer anderen Stelle deS Artikels der„Krcuz-Zeitung" hervorgeht, gewisse freisinnige und dier eak tionär e nElementedeSZentrums) sich sogar zur offenen Bekämpfung des RcichstagSwahlrechts bestimmen lassen werden! So ruft das führende Organ der konservativen Partei zum Kampf gegen das Reichstagswahlrecht auf, und das Regierungsorgan, die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", druckt diesen von Staatsstreichgelüsten erfüllten Ausfall gegen das Reichstagswahlrecht ohne jede Anmerkung ab, scheut also nicht im mindesten den Anschein, als ob sich ihre Ansicht durchaus mit der des konservativen Blattes decke! Luch diese unverfrorenen Wühlereien der reaktionären Staats- streichler gegen das Reichstagswahlrecht können das Proletariat nur deranlassen, desto unermüdlicher und unwiderstehlicher den Sturmlauf gegen das realtionöre Dreiklasscnwahlrccht Preußens fortzusetzen. Die beste Deckung ist noch allemal der Hieb gewesen l— freiilim und Candtagswahl. Einige freisinnige Preszstimmen verdienen noch nach- fzetragen zu werden. Der„Freisinnigen Zeitung' geht der Erfolg der Berliner Sozialdemokratie nicht minder nahe, wie der „Vossischen Zeitung". Die Wahlerfolge des arbeitenden Volkes Berlins sind für sie um so schmerzhafter. als sie auf Kosten des Blockfreisinns erfolgt sind und nicht nur die Herren Goldschmidt und Schulz unter den Karren ge- bracht, sondern die Fraktion der Kopsch und Konsorten auch um einen so gleichwertigen Zuwachs gebracht haben,»vie ihn der famose Herr Schöler darstellte. Gleich der ehrenwerten Vossin macht das Wiemerblatt seinem Aerger Luft in einer Schimpferei auf die neue Wahlkreiseinteilung in Berlin und Teltow-Becskow und das System der Drittelung der U r w a h l b ezirke. Die„Feis. Ztg." entrüstet sich über die„Vcrkoppelung der Städte Schöncberg und Rixdorf." Seitdem man es erlebt hat. dasi das stark bourgeoise Schöneberg durch die Proletarier- stadt Rixdorf überstimmt worden ist, nimmt der Frei- sinn Anstoß an dieser„Verkoppelung". Wäre es der erst- und zweitklassigen Minorität in Schöne- berg möglich gewesen, die Zehntauscnde proletarischer Wähler krast des schnöden Klassenwahlprivilegs niederzu- stimmen, so würde die„Freist Ztg." in dieser Verkoppelung nur einen Akt„ausgleichender Gerechtigkeit" erblickt haben! Die„prinzipielle" Haltung des Wiemer-Blattes offenbart sich dann besonders hübsch in dem Klagelied über die Dritte- lung nach U r w a h l bezirken: „Zu der sonderbaren Wahlkreiseinteilung kam als weiteres HilfSmiltel der Sozialdemokratie die Drittelung der Ur- Iv a h l b e z i r k e, die nicht einmal durch den ganzen Wahlbezirk hindurch eine Gleichmähigkeit verbürgt, sondern die wunder- l i ch st e n und abge schmückte st en Unterschiede in der Zuweisung der Wähler zu den einzelnen Klassen herbeiflihrt. Diese Drittelung der Urwahlbezirke hat sich die Sozialdemokratie vortrefflich zu Nutzen machen können. Denn in den äußeren Stadtteilen, wo schon ein geringer Steuerbetrag genügt, um in die 2. und 1. Klasse empor zu steigen, vermochten die Angehörigen jener Partei vielfach ihre Wahlmänner durchzubringen." Wenn es also nach dem Blockfreisinn ginge, bekämen wir alsbald wenigstens eine„Reform" des Dreiklassenwahlrechts: die Drittelung nach Wahlbezirken! Daß dadurch die— wie nian ivohl schätzen darf— annähernd 200 000 sozialdemokratischen Wähler Berlins, deren fünf Vertreter zugleich noch 300 000 Wähler des Landes mitvertreten müsien, in ihrer ohnehin so schwachen Vertretung noch mehr verkürzt werden würden, kümmert den gesinnungstüchtigen Wiemer- Freisinn nicht! Für ihn sind die„wunderlichen und ab« geschmacktcn Unterschiede" in der Klasseneinteilung anstößiger, als die Entrechtung der großen Masse des arbeitenden Volkes! Sein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn schätzt vor allem die „Gleichmäßigkeit", wenn es auch die Gleichmäßigkeit der«u- sinnigsten, brutalsten Maffenentrechtung ist! Und da behaupte man noch, der Freisinn habe keine „Prinzipien" mehr! » Die„Frankst Ztg." schreibt: „Wenn man noch eines Beweises dafür bedürfte, wie m i s e- r a b e l das preußische Dreillaffenwahlrecht ist, dann ist dieser Beweis durch den Ausfall der preußlschen Landtagswahlen wieder einmal zur Genüge erbracht. Nicht als ob nicht auch unter dem Dreitlafsenwahlrecht Besseres zu erreichen ge- Wesen wäre; aber daß überhaupt dies Wahlrecht mit seiner ungerechten Abstufung, mit seiner Behinderung für viele, ihrer politischen Ueberzeugung gemäß abzustimmen, eS so ungeheuer erschwert und zum großen Teil ganz unmöglich macht, die wahre Stimmung der Wählerschaft zum Ausdruck zu bringen, das gibt den reaktionären. aus ihre äußere llebermacht gestützten Parteien ein solches Ueber- gewicht, daß die anderen Parteien im besten Falle nur mit Er- folgen rechnen können, die sie um einige Dutzend Mandate ver« stärken könnte. Das wäre diesmal wohl möglich gewesen, wenn für alle diejenigen Parteien, welche ernstlich die Reform des LandtagSwahlrechts er- streben, eine einheitliche Frontstellung zu er- reichen gewesen wäre. Leider gelang das nicht: die. welche hätten zusammcnkümpfen sollen, stritten gegen- einander ain heftigste», und den Vorteil haben die Gegner ge- habt. ES ist müßig, jetzigen Augenblick noch- malS die Schuldtrage abzuwägen, jedenfalls war die Wirkung, daß die Signatur des Landtags keine wesentliche Lenderung erfahren wird, was das StärkeverhältniS der Parteien anbetrifft, wenn auch der Einzug der Sozialdemokratie in den Landtag ein Novum ist." Daß die„Frkf. Ztg.", die jetzt mit pharisäischem Augen- aufschlag beklagt, daß es nicht gelungen sei. eine einheitliche Frontstellung aller Freunde einer ernstlichen Wahlreform gegen die Reaktion zu bilden, es für„müßig" erklärt, „nochmals die S ch u l d f r a g e abzuwägen", gibt verzweifelt wenig Aussicht auf eine Besserung des Blockfreisinns I War es doch die Blockpolitik, die den Freisinn der Reaktion bedingungslos in die Arme trieb,' die ihn, den an- geblichen Verfechter der Wahlreform, während des Wahl- kampfes zum Zutreiber des Junkertums degradierte und seine Front statt nach rechts, nach links richtete! Wenn man es trotzdem für„müßig" erklärt, die Ursachen des liberalen Fäulnisprozesses festzustellen, kann der Verrottung des Freisinns natürlich kein Einhalt geschehen I » Die blockgegnerische, den Standpunkt der„Demokratischen Vereinigung" der Barth-Gruppe vertretende„Volks-Ztg." urteilt: .Die Niederlagen der Freisinnigen Bolkspartei in den ver- lorenen Wahlkreisen find Symptome und zugleich Flüchte einer faulen Politik. Friedrich Wilhelm IV. sagte einst von der ihm angebotenen deutschen Kaiserkrone, sie trage den .Ludergeruch der Revolutton" an sich. DaS Wahlschlachtfeld von gestern strömt den Verwesungsgeruch des Block- f r e i s i n n s auS. Was diese Spottgcburt von politischer Kurzsichtigkeit ynd Grundsatzlofigkeit im letzten Jahre gesät hat, das hat sie gestern in Berlin geerntet. Der empörte Unwille der Bevölkerung hat das Urteil über die Verleugnungen des freisinnigen Programms ge- sprachen, zu denen sich die.führenden" Geister des BlocksteifinnS in Worten und Taten erniedrigt haben. Alle im Laufe der letzten Monate mit mehr Unverschämtheit als Geschicklichkeit vorgebrachten Beschönigungen der korrumpierten Blocktatik sind fruchtlos ge- Wesen. Die blocksteisinnige Presie mag die freisinnigen Wähler Berlins für sehr unreif, für sehr leichtgläubig, für sehr gutmütig- blöde gehalten haben: so dumm, so blindgläubig, so idiotisch ist sie doch nicht gewesen, daß sie sich von dem Dlockschwindel auf die Dauer hätte übertölpeln lassen. Und so hat denn der Block- freistnn gestern die Quittung erhalten für seinen skrupel- und würdelosen, systrmatischrn Verrat von Gniudfätzen, die stühcr von den besten Volksmännern mit heiligem Ernst und ans innerstem Herzensdrange hochgehalten worden waren. Die Blamage der Parteipäpste in der Zimmerstraße ist riesengroß. Freilich, ob sie sich in dem Gefühl ihrer Gottähnlichkeit werden stören lassen, das ist eine andere Frage. Sie haben in den letzten Monaten die vergifteten Pfeile für ihre Schießübungen nach links lediglich aus den Köchern ihrer konservativen Blockfreunde ge- nommen: siewerden vcrmutlichauchjetztmit diesen unsauberen Waffen kämpfen." Die Fiifillade von Draveil. Paris, 4. Juni. lEig. Ber.) Die Pariser Arbeiterschaft ist über das Blutbad, das die Gendarmen unter den streikenden Arbeitern von Draveil angerichtet haben, in einer Erregung, die um so mehr steigt, je mehr die Details der Begebenheit in die Masse dringen. Für die kapitalistische Presse aller Parteien ist die Schießerei, die einen Toten und sieben Schwerverwundete, darunter einen Sterbenden, zum Opfer gefordert hat, ein bloßer„Zusammen- stoß", und die sogenannte„Jnsormationspresse" sieht ihre Aufgabe darin, in scheinbarer Unparteilichkeit die begreif- lichen Ausreden der schuldigen Gendarmen als glaubwürdige Darstellung zu präsentieren. Bon der ganzen radikalen Presse macht nur der„Rappel", das Organ der Combisten. gegen das jetzige Regime Front, das in den sozialen Konflikten die Schießwaffe öfter hat zu Worte kommen lassen, als irgend einer seiner Vorgänger. Das Unglaublichste aber hat diesmal der offiziöse Nach- richtenapparat geleistet. Die amtliche Darstellung sprach sofort von der„Notwehr", worin sich die Gendarmen befunden hätten. Aus dem Gasthaus, wo die Versammlung stattfand, sei ein Schuß auf sie abgefeuert worden und sie hätten erst dann geschossen, als die Arbeiter sie auf der Straße umzingelt und mit Steinen bombardiert hätten. Durch die Fenster sei überhaupt nicht geschossen worden. Aber dem stehen die Aussagen durchaus unbefangener Zeugen, bürgerlicher Ortsbewohner, entgegen. Auch ist es höchst unwahrscheinlich, daß in dem Fall, daß wirklich ein Arbeiter eine Schußwaffe gehabt hätte— was auf das entschiedenste bestritten wird— er in dem folgenden Getümmel keinen Gebrauch davon gemacht hätte. Aber es besteht ein sehr dringender Verdacht, daß der Ueberfall auf die Arbeiter geplant war. Vier Arbeiter haben gehört, daß ein Gcndarmeriewachtmeister zu seinen Leuten gesagt hat:„Die Streikenden wollen Blut, sie sollen es haben!" Die versuchte Verhaftung, die die Veranlassung der Füsillade wurde, wäre demnach nur der gesuchte Vor wand gewesen. Und über die eine Tat- fache kommen auch die kunstvollsten offiziösen Reinwaschungs- versuche nicht hinweg, daß die Gendarmen in den gefüllten Versammlungsraum eindringen wollten, wo sie doch, wofern sie wirklich nur die Verhaftung vornehmen wollten, ganz gut bis zum Schlich der Versammlung hätten warten können. Die Entrüstungskundgebungen in der Arbeiterschaft mehren sich. Nach der �erwaltungskommissünr der �eeizugten- Partei, die eine Resolution beschlossen hat, tritt die A r b e i t s- konföderation mit einem Manifest'h?rvor, dmr d«i Titel*2) i.« M i) r d e r re g re r u n g" hat— denfelb«i, den sie über ihr Manifest nach der Füsillade von Narbonne gesetzt hat und der den Anlaß des mißglückten Prozesses gegen sie geworden ist. Das Manifest fordert die Arbeiterschaft zu Kundgebungen gegen die Negierung auf. Welche Form sie annehmen werden, ist noch nicht bestimmt. Die erste Manifestation hat heute in Draveil selbst stattgefunden. Ueber 6000 Pariser Arbeiter waren in Extrazügen bmaus- gefahren, um am Leichenbegängnis des erschossenen L e f o l teilzunehmen. Am Sonnabend wird im Manege Saint-Paul, dem größten Versammlungssaal von Paris, ein Protcstmeeting abgehalten. Es besteht eine deutliche Stimmung zugunsten eines eintägigen Generalstreiks. Die Kammer wird sich morgen mit dem Ereignis be- schäftigen. Die Deputierten A r g e l i ö s und D a l i m i e r, in deren Wahlkreis das Streikgcbiet liegt, werden eine „A n f r a g e" an den Minister des Innern richten.— Zu einer Interpellation ist den radikalen Herren der Vor- fall wohl zu unbedeutend. Unsere Genossen werden natürlich interpellieren. Clemenceau bat vorläufig verfügt, daß die schuldigen Gendarmen— nicht etwa verhaftet, sondern nur von anderen abgelöst würden. Die Nachfolger aber scheinen es auch nicht besser zu treiben. Die„Humanitä" bezichtigt sie heute der versuchten Zeugenbeein- f l u s s u n g._ politische Oebcrlicbt. Berlin, den 5. Juni 1908. Die Finanzen des Reichs nnd der deutschen Bundes- staaten. In dem eben erschienenen VierteljahrShest zur Statistik des Deutschen Reichs veröffentlicht das Kaiserliche Statistische Amt eine Darstellung der Finanzen deS Reichs und der deutschen Bundes- staaten. Sie behandelt wiederum die Ausgaben, Einnahmen, wichtigere Bestandteile deS Staatsvermögens sowie die Schulden. Die Nachweise beziehen sich durchweg für die Voranschläge auf das Rechnungsjahr 1907, für die Staatsrechnungen auf das Nechnungs- jähr 1905. Insgesamt betragen die StaatsanSgaben nach den Voranschlägen der Bundesstaaten 498« Millionen Mark sdc runter 158 außerordentliche), für Reich und Bundesstaaten 7746 Millionen Mark (darunter 415 außerordentliche). Die � Staatseinnahmen belaufen sich bei den Bundesstaaten auf 4967 Millionen Mark, bei Reich und Bundesstaaten auf 7727 Millionen Mark; davon sind außer- ordentliche Einnahmen(aus Grundstock, Anlehen und sonstigen Staats« fonds) 142 bezw. 400 Millionen Mark. Unter den ordentlichen Ausgaben und Einnahmen der Bunde?- staaten stehen die ErwerbSeinkünfte mit 244t Millionen Mark in Ausgabe und S3S5 Millionen Mark in Einnahme an erster Stelle. Der Hauptanteil hiervon entfällt auf die Sraaiseifenbahnen mit 1790 bezw. 2483 Millionen Marl in Ausgabe und Einnahme. Der Rest verteilt sich auf die Domänen, Forsten, Bergwerke, die Staats- dampffchiffahrt, Post, Telegraph und die sonstigen Staats- betriebe. Die nächstwichtigste Einnahmequelle bilden die Steuern. An Zöllen, Aufwand- und Verkehrsstenern erhebt das Reich 1351, die Bundesstaaten 185 Millionen Mark, letztere außerdem an direkten Steuern 534 Millionen Mark. Zahlenmäßige Nachweise über da? Staatsvermögen der einzelnen Bundesstaaten konnten nur in Beschränkung auf wichtige Bestand- teste erbracht werden. Neben Ueverschüsien stüherer Rechnung?« jähre, verfügbarem Staatskapitalvermögen usw. besitzen die Bundes- staaten an Domänen ein Areal von 758 454 Hektar, an Forsten 4 985 663 Hektar. Die StaatSeisenbahncn repräsentieren eine Länge von 51 141 Kilometer und ein Anlagekapital von 14 110 Millionen Mark. Die fundierten Staatsschulden beziffern sich zu Beginn des Rechnungsjahres 1907 für die Bundesstaaten auf 12 887, für das Reich auf 3644 Millionen Mark, die schwebenden Schulden betragen insgesamt 233 Millionen Mark, sie entfallen in der Hauptsache ans das Reich(160) und Hamburg(51 Millionen Mark). Die gefoppten Beamte« t Unter der Stichmarke„Die wegbleibenden Teuerungszulagen" schreibt die„Volks-Ztg.": „An Stettin, Frankfurt. Potsdam recht sich in unserer Be- schwerdeliste auS unserem Abonnentenkreise n>m auch der Regierungsbezirk Erfurt an. Von dort schreiben unS Lehrer und Lehrerinnen, daß sie bis heute vergebens auf die Teuerungszulagen gewartet haben! Aber weiter I Auch in den Kreisen der Reichsbeamten berniißt man schmerzlich die nock nicht eingetroffene Teuerungs- znlage. Weder im Reich Samt des Innern noch im Reichs- v e r s i ch e r u n g.s a m t hat bisher eine Auszahlung stattgefunden. Dabei sollte das Geld schon vor der Landtagswahl gezahlt werden. Die Beamten haben jetzt sicher mit dem Gelde gerechnet. Mancher kommt durch das Ausbleiben in peinliche Verlegenheit. Woran liegt die Verzögerung? Muß denn alles im Schneckengang gehen?" Daß man die Auszahlung, die man mit Rücksicht auf dieLandtagswahl am l. Juni auszuzahlen versprochen hatte, so sträflich verzögert, ist allerdings eine arge Fopperei der ohnehin seit Jahren so unverfroren gefoppten Beamten l Auch in Gotha Sieben! Gotha, 5. Juni.(Privatdepesche des.Vorwärts".) DaS siebente LandtagSmandat ist in der Stichwahl im Wahlkreis Siebleben von der Sozialdemolratie gewonnen worden. Das interkonfessionelle Zentrum. DaS Zentrum will um jeden Preis der Welt beweisen, daß es eine nicht konfessionelle Partei ist. Deshalb hat es jüngst in Köln einen Protestanten und Freimaurer in die Stadtvcrordnetenversamm- lung gewählt und aus demselben Grunde erkennt es der FuS- angelschen„Westdeutschen Bolkszeitung", die nichts von dieser Jnter- konfesstonalität wissen will, den Charakter als Zentrumsorgan ab. Herr FuSangel in Hagen, der Verleger der.Westd. BolkSztg.", kündigt in seinem Blatte an: Weil der Verleger Fnsangel sich entschieden geweigert bat, ein Schriftstück zu unterzeichnen, in welchem er anerkennen sollte, daß das Zentrum eine interkonfessionelle Partei sei, ist der .Westdeutschen Volkszeitung" der Charakter als ZcntrumSorgan aberkannt worden. Eine sonderbare Methode. Selbst wenn Herr Fnsangel den Zentrumsführern auf zwanzig Stempelbogen bestätigen würde, da? Zentrum sei interkonfessionell, würde kein vernünftiger Mensch diese Behauptung glauben.—_ Auch eine Reform t Ueber die Pläne auf Aenderung der Fahrkarten» st e u e r erfährt der„B a y e r i s ch e K u r i e r" zu M ü n ch e n aus angeblich bester Quelle, daß die Staffelung der Steuer fort- fallen soll, daß man jede Fahrkarte unter 2 Mark steuerfrei lassen will und daß man für alle Fahrkarten einen festen Stempel einzuführen plane. Ob dieser für alle Klaffen gleich sein soll, sei noch nicht entschiede». Die.Reform" würde'danach darin bestehen, daß man die Reisenden der ersten und zweiten Klasse entlastet und die der vierten Klasse belastet!— Die„gründliche Reinigung". Wegen Verjährung ist Graf Hohenau vor dem Kriegsgericht von der Anklage des Mißbrauchs Unter- g e b e n e r und Vergehens wider§ 175 freigesprochen worden. Vom Ehrengericht ist er, wie jetzt bekannt wird,„mangels aus- reichender Beweise" steigesprochen worden. Verjährung einerseits, unzureichende Beweise andererseits— wie reimt sich das zusammen? Nicht nach- gewiesene Taten können zweifellos nicht verjähren. Der Spruch des Ehrengerichts erhält dem deutschen Offizier« korps einen Hohenzollernfproß und läßt diesem Hohenzollcrnsproß eine Pension von etwa 10 000 Mark! Man nennt das im Einemfchen-Stil: Gründliche Reinigung! Die Antwort der mecklenburgischen Regierung. Die Regierung deS Obotritenlandcs hat auf die Ver- werfnng ihres famosen BerfaffungL„refornt"-Entlvurfs durch die Ritterschaft eine kräftige Antwort gegeben. Sie hat den außerordentlichen Landtag vertagt— bis aus weiteres!— Verschuldung der preußischen Landkreise. Das Heft 205 der Preußischen Statistik bringt eine Reibe interessanter Angaben über die Schuldenlast der preußischen Land- kreise im Jahre 1903. Die Gesomtschuldenlast erreicht am Schlüsse dieses Jahres eine Höhe von 357,75 Millionen Mark oder 13,79 M. auf den Kopf der Bevölkerung, und zwar in Hohenzollcrn.... 2,04 M. Hannover..... 12,18 M. essen-Nassau.... 4,32, Ostpreußen..... 15,77, Heinland..... 5,94„ Posen...... 17,70„ Sachsen...... 7,93, Pommern..... 19,38„ Westfalen 9,22„ Westpreußen.... 24,48„ Schlesien..... 12,16„ Brandenburg.... 27,24, ScbleSwig-Holstein..... 30,30 M. Die Verschuldung der Kreise ist also im Osten der Monarchie wesentlich höher als im Westen. Fast alle Schulden, nämlich über 99 Proz., waren Anleiheschulden(354.36 Mill.). Gänzlich schulden- frei waren am 31. März 1904 52 Landlreise, d. h. mehr als der zehnte Teil. Bon ihnen entfielen 1 auf Schlesien, 2 aus Pomniern, 3 auf Westfalen, 5 ans Brandenburg, 6 auf Sachsen, je 11 auf tannober und die Rheinprovinz und 13 auf Hcssen-Nasiau. Für chuldenzinsen brachten die Landkreise im Vcrichlsiabre 11,6 Mill,, für die Tilgung 13,76 Millionen Mark auf. also 0,45 bis 0,53 M. auf den Kopf der Bevölkerung. Durch Rückerstatlnng ermäßigten sich die Zins- und Tilgungsbeträge auf zusammen 0,88 M. pro Kopf. Die Gesamtausgaben der Landkreise beliefen sich auf 183,62, ihre Einnahmen auf 194,93 Mill, M. Darunter waren 48,23 bezw. 54,39 Millionen aus außerordentlichen Ausgaben bezw. Einnahmen. Bei letzteren rührten 44,29 Millionen aus der Ausnahme von An- leihen her. An den Gesamtausgaben waren beteiligt die Landkreise der Provinz:. Brandenburg mit 27,1 Mill. M. Schleswig- Schlesien..„ 26,2„„ Holstein mit 13,5 Mill. M. Rheinprovinz.„ 16,9„„ Westfalen..„ 12,7„„ Posen...„ 16.2„. Sachsen... 12,6„„ Wcstprenßen.„ 14,8„, Pommern..„ 10,0„„ Hannover..„ 14,2„„ Hessen-Nassau„ 5,7„, Ostpreußen., 18,6„, Hohenzollern.„ 0,8„„ Zur politischen Knebelung dienen die WohltätigkeitSanstalten der Unternehmer. LieS kam» den Arbeitern nicht oft genug gesagt und bewiesen werden. Di« Firma«Schling w Svenwal» w Lothringen hat zur Unterstützung alter Arbeiter einen Fonds von 10 000 M. gestiftet. Kürzlich erhielten nun einige Arbeiter aus diesem Fonds Unterstützung, ein VSjähriger Arbeiter, der 48>/z Jahre im Dienste der Firma stand, ging leer aus. Auf seine Frage erhielt er von der Direktion die Antwort:„Sie haben bei der letzten Reichstagswahl schwarz gewählt. Der Herr Kommerzienrat Röchling verlangt, dost seine Leute liberal wählen. Gehen Sie zu ihren schwarzen Brüdern und lassen Sie sich dort die Unterstützung zahlen." DaS ist das wohltätige Unternehmertum, wie es leibt und lebt. Ob blau oder schwarz, wenn die Arbeiter sich politisch nicht knebeln lassen, dann ist es mit aller„Wohltat" aus, und wenn der Arbeiter auch ein gan�-Z Menschenalter den Reichtum des Unternehmers ver- mehren half.—_ Die Opfer einer Ausweisung. Weil seine Tochter, ein ILjähriges Kind, sich„lästig" gemacht, sie hatte irgendwo etwas fortgenommen, erhielt der Hafen- arbeiter Soerlaud in Düsseldorf, ein geborener.Hol- I ä n d e r. vor Ostern die Aufforderung, Preusten zu verlassen. Soerlaud wohnte schon 13 Jahre in Düsseldorf und war länger als 12 Jahre dort verheiratet. Er konnte nicht glauben, daß die Aufforderung ernst gemeint sei, denn als man ihm die Mitteilung machte, daß sein Kind sich fremde Sachen an- geeignet hatte, ersetzte er sofort den Schaden und sandte feine Tochter nach Holland zu Ver- wandten. Durch VermitteluNg des Arbeitersekretärs in'Düffel- dorf gelang es dem Socrland. von der Polizei wenigstens das Ver- sprechen zu erhalten, daß die Sache untersucht würde. Dem Manne wurde dann erklärt, daß seine Frau von dem Treiben seiner Tochter Kenntnis hatte, deshalb müsse die Ausweisungsorder auf- recht erhalten werden. Die Frau/nahm sich Karfreitag aus Scham das Leben! Der Polizei war vorher schon mitgeteilt worden, daß sie im Irrtum sei. ES nm st sich die Unschuld der Frau dann auch wohl herausgestellt haben, denn am Tage vor Ostern erhielt Socrland ein Schreiben, dah er bleiben könne. Der Mann war aber durch den Tod seiner Frau in einen Zustand fortwährender Aufregung gekommen, uifd dieser Tage griff auch er zum Strick! Mit rauher Faust griff hier die Polizei in ein glückliches Familienleben und zerstörte es von Grund aus. In nächster Zeit werden wir wohl erfahren, dast die fünf elternlosen Waisen, alles noch kleine Kinder, als„lästige Ausländer" über die Grenze transportiert werden! Das ist dann das Ende einer preußischen Polizeiaktion.»— Zum Fall Graf Wedel wird mitgeteilt, daß der Graf nicht ins Ausland gegangen ist, sondern sich auf einem Gut in der Mark Brandenburg befindet. fratikmcb. Der Arbeitermord von Vignenx. Paris, 5. Juni. Die in der Kammer eingebrachten Interpellationen über die jüngsten Ereignisse in Vigneu� wurden mit 435 gegen 94 Stimmen bis zum Donnerstag zurückgestellt, da Clemenceau erklärte, er habe noch nicht alle Unterlagen, die er zur Beantwortung brauche. Aus den Reihen der aufs heftigste protestierenden äußersten Linken fiel der Zwischenruf: Es leben die Mörder. Die Ehrung Zolas. Paris, 4. Juni. Im Pantheon war der Sarg mit der Leiche Zolas auf einem großen Katafalk aufgebahrt. Die Feier wurde eingeleitet durch den Bortrag der Marseillaise und mehrerer anderer Musikstücke. Dann hielt Unterrichtsminister Do umergue im Namen der Negierung eine Rede, in der er ausführte, das Parlament habe demsGedächtnis des großen Bürgers eine Huldigung darbringen wollen, der nicht gezögert habe, in einer tragischen, schmerzlichen Stunde seine Ruhe, sein Behagen, seine Freiheit zu opfern, um eine Pflicht zu erfüllen, die ihm von seinem nach Gerechtigkeit und Wahrheit verlangenden Gewissen diktiert wurde, und der sich so viele Bürger entzogen. Zola habe den ersten Platz unter den ersten Verteidigern der Gerechtigkeit eingenommen, er habe laut die Wahrheit ausgerufen, die er ganz gekannt habe, er habe auf Irrtümer, Lügen und Ungerechtigkeiten aufmerksam ge- macht, ohne jemals zu verzweifeln. Zola habe den Hast und die Verleumdung kennen gelernt; die Verirrungen und die Wut der Masse, die Bitternisse des Exils und der Flucht. Er sei ge- storben, ehe der Gerechtigkeit voll Genüge geschehen sei, und er habe nur die Strahlen des siegreichen Morgen- rotS durchschimmern sehen, Die Ehre und die Dankbarkeit, die Zola von der Nation erwiesen würden, seien frei von jedem Gedanken an Revanche und Herausforderung, obgleich die« jenigen immer noch zornig grollten, die auf der Seite der Lüge und Ungerechtigkeit ständen; diese könne die Nation nur bemitleiden. In den Schlachten werde die Volksseele gestärkt. Doumergue sprach schließlich die Ueberzeugung aus, daß die Zukunft die Zola erwiesene Huldigung gutheißen und sich ihr anschließen werde. Das Attentat auf DrehfuS. Paris, 4. Juni. Zu dem gegen Major DrehfuS verübten Anschlag sind noch folgende Einzelheiten zu berichten: Gregory, der 73 Jahre alt ist, welcher unter dem Namen Gregoire seit langen Jahren für„Gaulois" und für„France Militaire" schreibt und Vorsitzender des Vereins der militärischen Presse ist, wohnte der Feier im Pantheon auf der Journalistentribüne bei. Als DreyfuS sich anschickte, mit seiner Familie und Frau Zola das Pantheon zu verlassen, eilte Gregory ihm nach und feuerte einen Revolverschuß hinter Dreyfus ab. Dreyfus wandte sich um und erhob instinktiv den rechten Arm wie zum Schutze. Nur diesem Ilmstande hatte Dreyfus es zu danken, daß er keine schwere Ver- letzung davontrug, denn Gregory feuerte noch aus unmittelbarer Nähe einen zweiten Schuß ab, welcher Major Dreyfus tief in den rechten Vorderarm eindrang. Mathieu Dreyfus, der Bruder des Majors, packte Gregory am Halse. Der Tüter sagte ruhig: Der Revolver ist nicht geladen, ich schoß blind, es ist mir bloß um eine Demonstration zu tun. Mathieu Drehsus ließ Gregory los und suchte ihn gegen die erbitterte Menge zu schützen. Gregory ist ein ehemaliger Mittelschulprofessor, er wohnte wiederholt als Bericht- crstatter auch den deutschen Herbstmanövern bei. In nationa» listischen Kreisen gibt man sich der Hoffnung hin, daß der Schwur. gerichtsprozcß gegen Gregory, welcher zweifellos wegen Mord- Versuchs angeklagt werden wird, Gelegenheit zu einer Art Gegen- rcvision des vom Kassationsgerichtshof verkündeten Freispruchs des Majors Dreyfus geben werde. Infolge von Schmährufen gegen Zola und die Regierung wurden nach der Feier im Pantheon auf dem Boulevard Saint Michel etwa hundert Leute verhaftet. Paris, 4. Juni. Der Untersuchungsrichter verhörte heute mehrere Zeugen, u. a. auch Mathieu Dreyfus, den Bruder des Majors. Die Zeugen waren der Meinung, daß Dreyfus durch den zweiten Schuß, den Gregory abgab, verletzt wurde. Man fand noch in dem oberen Teil des Nockärmels von Dreyfus Spuren einer Kugel und die Aerzte stellten heute nachmittag an der Schulter Dreyfus' eine Verletzung fest, welche von der ersten Kugel her» rühren muß, die in den Blumen, welche den Katafalk umgaben, gefunden wurde._ Berantw. Redakt.: Georg Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw,; DaS SchttleezttrSsekd'. PäriS, 6. Juni. Der Kriegsminister P i c q u a r d wird, wie die„Aurore" meldet, im heutigen Ministerrat den Vorschlag ein- bringen, Dreyfus zum Offizier der Ehrenlegion zu ernennen. Englanck. Der Besuch bei dem Zaren. London, 5. Juni. Der Eindruck der gestrigen Sitzung des Unterhauses ist in wirklich liberalen Kreisen ungünstig und man zollt den Soziali st en heimlich Beifall, daß sie sagten, was die Mehrheit denke. Besonders wundert man sich, daß Sir Edward G r e y in den russischen Ver- Hältnissen eine Besserung sieht, während die Presse täglich ge- naue Statisttken über die von den Richtern und Henkern des Zaren vollzogenen Todesurteile veröffentlicht. l�uKlsncl. Aus der sozialdemokratischen Dumafraktio». Man schreibt uns aus Petersburg, 1. Juni: Gestern hat, wie bereits gemeldet, die Dumamajorität mit 177 gegen 109 Stiminen den Sozialdemokraten Kossorotow aus der Duma ausgeschlossen, weil er angeklagt ist, einige Tage vor der Eröffnung der Duma eine„aufrührerische" Rede gehalten zu haben. Anfang Juli steht sein Prozeß be- vor, und eS unterliegt keinem Zweifel, daß er vom„un- abhängigen" russischen Gericht verurteilt werden wird. Das gleiche Schicksal steht allem Anscheine nach auch dem Sozialdemokraten Astrachanzew bevor, gegen den die gerichtliche Untersuchung schon eingeleitet ist. Es kann also erwartet werden, daß, wenn die Herrenduma längere Zeit existiert, alle Sozialdemokraten allmählich der Regierung ausgeliefert werden.... Was die inneren Fraktionsverhältnisse betrifft, so sei auf folgendes hingewiesen. Eine ganze Reihe russischer und aus- ländischer Blätter übernahmen aus der„Birschewija Wedomosti" die sensationell zugestutzte Nachricht, daß die sozialdemokratische Fraktion aus der Duma ausscheiden wolle. Dem gegenüber bin ich imstande zu erklären, daß diese Nachricht vollkommen aus den Fingern gesogen ist, Allerdings wurde diese Frage in den Kreisen der Fraktionsmitglieder in privaten Unterredungen berührt, sie war aber kein einziges Mal Gegenstand einer ernsten Besprechung in der Fraktion.— pcvtien, Die Flucht des Schahs dementiert. London, 5. Juni. Eine Meldung des Reuterschen Bureaus aus Te h e r a n von gestern besagt, daß die parlamentarischen politischen Klubs mit der Entlassung von sechs beim Volke nicht beliebten Hofleuten aus der Umgebung des Schahs nicht zufrieden sind, sondern ihre Verbannung fordern. Der Schah hat gestern vormittag Teheran verlassen, um sich nach seiner Sommerresidenz zu begeben, wie er es alljährlich, wenn auch früher als im Juni, zu tun pflegt. Die diesjährige Ver- zögerung seiner Uebersiedelung wird dem am 28. Februar gegen ihn verübten Bombenanschlag zugeschrieben. Die persischen Kreise in London erklären das Gerücht, daß der Schah außer Landes ge- flohen sei oder eine Flucht beabsichtige, für vollkommen un- begründet. Japan. Der Aufstand in Korea. Söul, 5. Jum. In den letzten Tagen haben zwischen j a p a- nischen Truppen und koreanischen Insurgenten eine Reihe von Gefechten stattgefunden, bei denen 372 Insurgenten getötet und 55 gefangen genommen worden sind. Die japanischen Verluste sind nicht bekannt. Marokko. Die«nermüdlicheu Gesandten. Paris, 5. Juni. Dem Minister des Aeußeren P i ch o n wurde durch ein Schreiben der Gesandten Mulay Hafids vom 4. Juni mitgeteilt, daß dieser in kurzer Zeit seinen feierlichen Einzug in Fes halten werde, nachdem er seine Herrschast über ganz Marokko durch die Niederlage der Mahalla von Buchta Ben Bagdadi besiegelt habe. Die Gesandten erneuern das Auer- bieten Mulay Hafids, in freundschaftliche Verhandlungen mit der französischen Regierung einzutreten und betonen von neuem seinen Wunsch, alle mit den Mächten abgeschlossenen Verträge zu erfüllen. Neuerlicher Aufschub. Paris, 5. Juni. Die letzten aus Fes und M e k i n e S in Tanger angelangten Nachrichten besagen, daß derMarschMulay Hafids nach Fes auf unbestimmte Zeit hinausge- schoben ist. Sewerklekaftlickey. Psmgstgeschenk. Den Arbeitern der Firma Ludwig Löwe wurde eine recht unangenehme Ueberraschung durch folgende Bekanntmachung: 29. Mai 08. t. Mit Rückficht auf die ungünstige Lage der Geschäfte wird denjenigen Arbeitern, die in Stundenlohn stehen, von Montag, den I.Juni, ab die einviertelstündige Pause von'/«12 bis 12 Uhr nicht mehr als Arbeitszeit bezahlt werden. Diejenigen Leute, die hiermit nicht einverstanden find, wollen stch am Sonnabend, den 30. Mai, als enllassen betrachten. 2. Erhöhungen der jetzt geltenden Stundenlohnsätze find nur noch mit Zustimmung der Direktion gestattet. Berlin, den 29. Mai 1908. Die Direktion. lZwei Unterschristen.) Kurz und bündig: Wer den Schmachtriemen nicht enger schnallen will— fliegt hinaus. Das nennt man im Reiche der fortgeschrittensten Sozialpolitik: Arbeitersürsorge. Berlin und Qmgegend. Der verband der Maler, Lackierer, Anstreicher usw.(Filiale Berlin) hielt Donnerstag in Freyers Festsälen, Koppenstraße, eine Mitgliederversammlung ab. Kollege T o b l e r- Hamburg sprach über:„Die diesjährige Lohnbewegung und deren Resultat für das Malergewerbe." Er schilderte Vorgänge aus der Malerbewegung der letzten Jahre und kam zu dem Schluß, daß es ziemlich unerheb- lich sei, ob ein Tarif im Malergewerbe zur Zeit der Flaue oder zu anderer Zeit ablaufe. Man könne zu eigenem Vorgehen warten bis zur günstigen Zeit, und die Erfahrungen hätten gelehrt, daß Aussperrungen durch die organisierten Arbeitgeber, die das ver- hindern sollten, ins Wasser sielen. Es komme immer darauf an, wie die Organisation der Arbeiter dastehe. Eingehend behandelte Redner die Vorgeschichte der bekannten diesjährigen Berliner Ver- Handlungen und diese Verhandlungen selbst, sowie ihr Resultat. Nachdem der Schiedsspruch von beiden Seiten an- erkannt worden sei, habe sich eine Streitfrage heraus- Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt! gestellt, bte noch der Erledigung harre. ES handele sich um die Bestimmung, die unter gewissen Voraussetzungen eine Lohnaufbesserung von 2 Pf. im fraglichen Lohngebiete vor- sehe. Die Arbeitgeber meinten, die Zulage sei nur den bestehenden Mindestlöhnen zuzuschlagen, nicht aber als allgemeine Lohn« aufbesserung gedacht. Demnach bestritten die Herren, daß Kollegen, die schon mehr als die Minimallöhne erhielte», Anspruch darauf hätten. Die Arbeitervertreler verträten jedoch� den entgegen- gesetzten Standpunkt. Man habe sich beschwert und die Arbeitgeber hätten erklärt, sich einem weiteren Schiedsspruch zu unterwerfen. Zum Schlüsse seiner Ausführungen_ ging der Referent auf die Tarifverhältnisse Berlins ein. Mit Rücksicht auf die ungünstigen Verhältnisse im Beruf empfahl er, den Tarif n i ch i zum 31. Dezember 1908 zu kündigen, so daß er am 31. Dezember 1909 erst ablaufen würde. Dann würde man sich darauf vorbereiten können, mit Nachdruck Forderungen zu ver- treten, und zu kündigen hätte doch nur einen Zweck, wenn man dies könne. Nach einer Diskussion wurde gegen die Stimmen einer Keinen Minderheit folgende Resolution angenommen: „Die Filiale Berlin stimmt der Verlängerung des Berliner Tarifs bis zum 31. Dezember 1909 zu unter der Bedingung, daß der Hauptvorstand schon jetzt erklärt(das geschah durch Tobler), daß er bei Abfassung des zu erwartenden Normaltarifs auf keinen Fall einer Leistungsklausel zustimmt, welche den Minimallohn illusorisch macht." Als Delegierter zum Gewerkschaftskongreß in Hamburg wurde I a ck o b e i t gegen nur vereinzelte Stimmen gewählt. Zentralverband der Dachdecker. In einer am 4. Juni ab- gehaltenen regelmäßigen Mitgliederversammlung gaben die Dele- gierten den Bericht von dem in Mannheim stattgefundenen Verbands« tage. Da hierüber schon im„Vorwärts" ausführlich berichtet wurde» erübrigt sich eine nochmalige Wiedergabe. In der nachfolgenden ausgedehnten und ziemlich erregten Debatte mißbilligten fast sämtliche Redner die gefaßten Beschlüsse de? Ver« bandstages. Die Erhöhung der Beiträge sowie die Einführung der Kranken-, Reise- und Umzugsunterstützung, deren Notwendigkeit in Zweifel gezogen wurde, unterstanden einer scharfen Kritik. Allent- halben kam die Ansicht zum Ausdruck, daß an Stelle der oben genannten Einrichtungen eine Arbeitslosenunterstützung dringlicher und vorteilhafter gewesen wäre. Desgleichen wäre die Neuerung, das Verbandsorgan von 1909 ab wöchentlich erscheinen zu lassen, verfrüht. Die Fetzsetzung des Verbandstages, die dem Zentralvorstande das Recht einräumt, künftig bei Streiks die Höhe der Zuschüsse aus den örtlichen Lokalfonds zu bestimmen, entfesselte eine erregte Diskussion. Eine vorgelegte Resolution, in der die Berliner Ortsverwaltung dem Verbandslage ihre Zufriedenheit mit den geleisteten Arbeiten ausspricht, wird mit überwiegender Majorität abgelehnt. Vorsitzender Görnitz ist ebenfalls mit dem Resultate de? Verbandstages nicht zufrieden, in der Frage des Lokalfonds sei es auch nicht nach seinem Wunsche gegangen. Bezüglich der Arbeitslosenunterstützung hätte auch er deren Einführung gern gesehen, doch läge � zurzeit diese Möglichkeit wirklich nicht vor. Das einzig gute sei die Kranken- Unterstützung, alles andere hätte der Verbandstag weglassen können, dann hätte sich auch die Erhöhung der Beiträge vermeiden lassen. Die Frage der Beitragserhöhung selbst, die als zweiter Punkt auf der Tagesordnung stand, zeitigte noch eine längere Diskussion. Doch wurde der Antrag, die Beiträge für Berlin auf 85 Pf. wöchentlich zu erhöhen, angenommen. Am 11. d. M. findet eine Versammlung der im Dachdeckergewerbe beschäfngten Hilfsarbeiter statt. Achtung, Metallarbeiter! Wegen Preisreduzierungen haben die Schlosser bei der Firma Tenner, Lehrter Straße 13/19, die Arbeit niedergelegt. Die Kollegen ersuchen wir, diesen Betrieb gu meiden. Die Firma Tenner ist bis auf weiteres gesperrt. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsdertoaltung Berlin.. Achtung, Friscurgehilfen! Wegen Differenzen sind für unsere Verbandsmitgliedcr gesperrt: Wildmann.Greifswalder Straße 208; Schnupp, Marienburger Straße 6. Geregelt: Mfetz, Manteuffcl- straße 80; Fröhlich, Mulackstr. 26. Am zweiten Feiertag, in der Zeit von 3— 10 Uhr, melden sich die Mitglieder im Bureau, zwecks Kontrolle. Verband der Friseurgehilfen. Zweigvcrein Berlin, Rosenthaler Straße 57. veuttcfies Reich. Achtung, Glasschleifer(Fassetten-Schleifer). Bei der Firma Chr. Wichmann, Hamburg, haben sämtliche Schleifer gekündigt. Die Firma hat einen organisierten Hilfsarbeiter, der das Ansinnen, Schlclferarbeiten zu verrichten, ablehnte, sofort entlassen. Wir bitten den Zuzug nach Hamburg streng fernzuhalten. Die Ortsverwaltung. I. A.: K. Lutz, Hamburg 6, Asylstraße 7, IV. Die Barbiergeschäftssperre in NawaweS aufgehoben. Die Ber- Handlungen mit dem Vorstande der Barbier-, Friseur- und Perücken« macherinnung Potsdam und Umgegend vom 4. Juni bewirkten eine Erklärung des Obermeisters Herrn E. Pub st. daß den Gehilfen, welche dem Verbände �der Friseurgehilsen beitreten wollen, nichts in den Weg gelegt wird und Entlassungen wegen der Verbandszugehörigkeit nicht erfolgen werden. Auf Grund dieser Erklärung beschlossen unterzeichnete Vorstände, die Sperre aufzuheben und dies hiermit bekanntzumachen. Der Verband behielt sich vor, der Arbeiterschaft die Geschäfte mit organisierten Gehilfen besonders zu empfehlen. Der Vorstand Der Vorstand deS GewerkschaftSlartellS der Verbandes der Friseurgehilfen Nowawes. Deutschlands. Letzte JVadmefoten und Depe leben« Ein lobenswerter Beschluß. Paris, 5. Juni.(W. T. B.) Die Kammer hat mit 400 gegen 107 Stimmen den Gesetzentwurf betreffend die Legi- timierung im Ehebruch erzeugter Kinder angenommen. Der Petent mit dem Revolver. Budapest, 5. Juni.(W. T. B.) Im Handelsministerium über- reichte heute der Tischlermeister Alexander Csukay eine Eingabe, in der er sich über die Geschäftstätigkeit der Pfandleihanstalten beschwerte. Als ihm der Staatssekretär des Handelsministeriums, Jzterenyi, erklärte, daß dieses Gesuch schon im vorigen J�hre überreicht worden sei, daß die eingeleitete Untersuchung aber zu keinem Ergebnis geführt habe, zog Csukay einen Revolver und schoß sich in die Brust! Die Kugel durchbohrte die Lunge. Csukay wurde lebensgefährlich verletzt ins Krankenhaus gebracht. Unwetter. Jena, 6. Juni.(W. T. B.) Ein mit Sturm und Hagel ver- bundenes Unwetter, das heute Nachmittag über die Stadt und Um» gegend niederging, hat namentlich im oberen Saale-Tale furcht» bare Verwüstungen angerichtet. In Rutha wurde vom Wolkenbruch die Obcr-Mühle zur Hälfte weggeschwemmt. Bei Burgau wurde vom Sturm eine Feldscheune weggefegt. In der ganzen Um. gegend wurden viele Dächer abgedeckt und durch Hagel Fenster- scheiden eingeschlagen. Bäume wurden entwurzelt und Telegraphen- stangen umgeworfen._ !gul Singer LCo., Berlin 51V, Hierzu 3 Beilagen u.UnterhaltungSbl. it. 131. 25. Iahrgasg. 1 Icilnp des.Amiirls" ßrtlintt öollislilült. SmuMM, 6. Juni 1908. Die Berliner Gewerkfcbaften im pbre 1907. Die Berliner Gewerkschaftskommisfion hat soeben den(IS.) Jahresbericht über ihre Tätigkeit im Jahre ISO? herausgegeben. Es ist ein« stattliche Broschüre mit 146 Seiten Text und Tabellen über Mitgliederbestand, finanzielle Leistung der Gewerkschaften, Streiks usw. Der zweite Teil enthält den Bericht des Sekretariats. Auch in diesem Teile findet der Sozialpolitiker Materialien über die Arbeiterversicherungsgesetze(Unfall-, Invaliden- und Kranken- Versicherung). Wie gleich vorweg gesagt sein soll: Wenn der Bericht auch keine Zunahme der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter, vielmehr einen schmerzlichen Mitgliederverlust konstatieren mutz, kann man mit der Arbeit und dem Erreichten der Berliner Gewerkschaften, unter Berücksichtigung der gesamten Verhältnisse, zufrieden sein. Obwohl in einer ganzen Reihe von Industriezweigen sich der Niedergang der Konjunktur unzweifelhaft bemerkbar machte, so steht als Kampfesjahr 1967 hinter den Vorjahren nicht zurück. Leider haben Zersplitterungsbestrebungen nicht endgültig beseitigt werden können. Indessen ist anzunehmen, datz das Jahr 1368 auch in dieser Beziehung endgültig freie Bahn schaffen wird. Erfreulich ist es, datz eine der grötzten Lokalorganisatwnen, der„Verein Berliner Hausdiener", die Notwendigkeit eines Zu- sammcnschlusses aller Berufsangehörigen zu einer kraftvollen Or- ganisation erkannte und sich dem Zentralverband der Handels- und Transportarbeiter angliederte. Die Mitgliederzahl der der Berliner Gewerkschaftskommission angeschlossenen Organisationen betrug Ende des Vorjahres 235 986 gegen 252 669 Ende 1966. Das ist ein Verlust von 16 689 Mitgliedern. Verlust an Mitgliedern haben zu verzeichnen: Bau- arbeiter 4996, Maurer 4666, Holzarbeiter 3845, Zimmerer 1157, Maler 949, Töpfer 324, Glaser 274, Bildhauer 264, Stukkateure 252, Tapezierer 197, Stein- und Marmorarbeiter 76, Dachdecker 46, Handels- und Transportarbeiter 2532, Fabrik- und Hilfs- arbeiter 385, Wäschearbeiter(Sektion im Schneiderverband) 1232. Dann folgen mit ganz geringen Verlusten: Buchdruckereihilfs- arbeiter(Sektion 5), Gärtner, Glasschleifer, Hafenarbeiter, Hand- lungsgehilfen, Krankenkassenbeamte, Kupferschmiede, Lederarbeiter < Sektion 1 und 2), Maschinisten und Heizer, Mühlenarbeiter, Photographen. Sattler. SÄirmmacher und die Hutmacher. Ins- gesamt sind 33 Organisationen von dem Mitgliederverlust be- troffen. Eine Mitgliederzunahme haben 25 Gewerkschaften zu der. zeichnen. An erster Stelle stehen hier die Textilarbeiter mit 1685; dann folgen die Steinsetzer mit 675, die Buchdruckerei-Hilfs- arbeiter mit 639, Buchdrucker mit 561, Metallarbeiter mit 519, Buchbinder mit 349, Bäcker mit 316 und die Schneider mit 366 Zu- nahmen. Eine aufsällige Erscheinung ist die Fluktuation. 161 296 Mitglieder, darunter 12 966 weibliche, werden als ausgetreten bezw. abgereist aufgeführt. Das ist im Jahre 1967 ein Mehr von 38 122 gegen 1966. Ganz besonders kratz ist die Fluktuation bei den Bau- arbeitern und bei den Berliner Hausdienern(Sektion des Handels- und Transportarbeiterverbandes). Die letztere Organisation hat bei 9393 Mitgliedern 11 925 Neuaufgenommene und die der Bau- arbeiter bei 6427 Mitgliedern 4621 Neuaufnahmen zu verzeichnen. Fast noch grötzer ist die Fluktuation unter den weiblichen Mit- gliedern. Wir zählen derer 16 982. Im Jahre 1967 sind 11367 ein- und 12 966 ausgetreten, demnach sind 1599 Personen mehr aus- als eingetreten. Interessant gestaltet sich das Stärkeverhältnis der Organi sationen. An erster Stelle steht der Deutsche Metallarbeiter. verband mit 63 169 Mitgliedern, ihm folgt der Handels- und Transportarbeiterverband mit 31 266 und der tzolzarbciterverband mit 24 269, die Maurerorganisation mit 11 124, der- Buchdrucker- verband mit 9838, die Organisation der Schneider mit 8961, die der Bauarbeiter mit 6427, Buchbinder mit 6393, Fabrikarbeiter mit 6611 und der Gemeindearbeiterverband mit 5839 Mitgliedern. Diese 16 Organisationen haben einen Mitgliederbestand von zusammen 173 651 Personen. 1666 bis 5666 Mitglieder haben 16 Gcwerk- schaften. Es zählen hierzu: Bäcker, Bildhauer, Brauer und Brauereiarbeiter, Buchdruckerei-Hilfsarbeiter, Gärtner, Gastwirts- gehilfen, Handlungsgehilfen, Lithographen, Maschinisten und Heizer, Sattler, Schmiede, Schuhmacher, Tabakarbciter. Tapezierer, Textib arbeiter und Töpser. 18 Gewerkschaften haben 566 bis 1666 Mit glieder. Die Asphalteure haben 231, die Photographen und Schirm- machcr je 197, Technisches Bühnenpersonal 176, Xylographen 167, Handschuhmacher 163, Blumen- und Blätterarbeiter 166, Formen- kleines feuilleton. Der offizielle Ruhm. Man schreibt uns aus Paris: Wenn die Bürgertugend so lau belohnt wird, ist die Sache nie besonders interessant, gleichviel ob die Akademie der vierzig Unsterblichen wackeren Provinzlern für erfolgreichen Eifer im Ehebett einen Tugendpreis und eine Rede von Maurice B a r r ö s stiftet oder ob Clemenceau und seine Sippe den toten Emile Zola von chren Beamten lieben, von ihren Polizisten beschützen und von ihren Soldaten ehren lasten. War Zola überhaupt populär? So habe ich mich heute immer wieder fragen müssen. Die Zeremonie im Pantheon konnte die Antwort darauf wirklich nicht geben. Ein paar Tausend Leute waren wohl' da. Nicht die große Pariser Welt der Müßiggänger, nicht das Publikum der Premieren, aber auch nicht die Welt der harten Arbeit, die sich täglich um das Brot plagt und dazwischen Republiken erobert und rettet— dies besonders auch für die„anderen". Im ganzen war, von den Jour- nalisten, Diplomaten, neugierigen Fremden abgesehen, vorwiegend der bureaukratische Mittelstand vertreten, den materielle und ideo- logische Interessen mit dem Regime verhindcn. Dazu die mehr oder ininder republikanischen Offiziere, mit„iäöos avauoöos"(vorgeschrittenen Anschauungen) oder mit Avancementsideen.... Draußen aher, hinter der Polizistenhecke pfeifen ein paar Tausend junge Leute, Studenten der Universität und der Pfaffenschulcn. Auch ein paar„kleine Leute" «ehört der, inS Pantheon?" schreit ein Hat er je eine Flinte auf dem Buckel so einen mutz die Armee aus» weiß nicht, datz im Pantheon ein Leute liegen, die auch nicht den Schietzprügel ge- und so unbekannt sind, datz auf hunderttausend sind unter ihnen. alter Geschäftsdiener, getragen? Und für rücken?" Der Mann paar Dutzend tragen haben Franzosen sicher keine fünf ihren Namen kennen. Aber so unrecht hat er nicht. Gibt es nicht einen Mitzklang. datz man nun den Dichter und großen Bürger zu ehren, auf dem Kalbfell Wirbel trommelt und den leeren militaristischen Glanz entfaltet? Ob Zola wirklich populär war, hätte man vielleicht sehen können, wenn die Regierung nicht die Feier auf einen Wochentag angesetzt, wenn sie das proletarische Paris zugelassen hätte. Hat sie, als sie die Feier auf die stimmungslose Abwickelung eines offiziellen Pro- gramms beschränkte, blotz der Furcht vor den Drohungen der Nationalisten nachgegeben? Oder fürchtete fie vielleicht auch die Popularität des Zolaschen Idealismus selbst? Fürchtete sie die Massen, die die Abrechnung von den glückhaften Testaments- Vollstreckern des großen Bürgers fordern könnten? Kein Wiener und ohne überraschende universelle Bedeutung. Das ist das Resultat, zu dem der Wiener Stadtrat in Sachen Robert Blum gekommen ist. So ein Sozialdemokrat, einer von, stecher 68, Lagerhalter 66 und Zigarrensortierer 56 Mitglieder. Es sind dieses die 16 kleinsten Organisationen. Die Kämpfe der Berliner Gewerkschaften im Jahre 1967 sind folgende: Es fanden 113 Angriffstreiks statt, an denen 36 Gewcrk- fchaften mit 36 666 Personen(darunter 96 weibliche) beteiligt waren. Hierzu kommen noch 1636 männliche und 11 weibliche un- organisierte Personen, insgesamt waren demnach 37 117 Personen beteiligt. An den 113 Streiks waren beteiligt: der Holzarbeiter- verband in 37 Fällen mit 771 Personen(darunter 74 unorgani- sierte), die Metallarbeiter in 25 Fällen mit 612 Personen, die Handels- und Transportarbeiter in 15 Fällen mit 1859 Personen, die Bauarbeiter in 4 Fällen mit 8474(43 unorganisierten), die Sattler in 4 Fällen mit 61, darunter 13 weibliche Personen, die Bäcker und Konditoren in 3 Fällen mit 2378, darunter 23 weiblichen Personen, und 561 Unorganisierten, die Maurer in einem Falle mit 11 864, die Zimmerer in einem Falle mit 4134, die Schneider in 2 Fällen mit 2785(15 unorganisierten) und die Dachdecker in einem Falle mit 566 Personen. Die höchste Dauer der Streiktage weisen mit 83 die Zimmerer auf; ihnen folgen die Maurer und Steinarbeiter mit je 81 Tagen und die Dachdecker mit 77 Tagen. Streikunterstützung an Un organisierte zahlten: die Buchbinder, Gärtner, Porzellanarbeiter und Marmorarbeiter. Die Ursachen der Streiks waren: in 17 Fällen Verkürzung der Arbeitszeit, in 58 Fällen Lohnforde- rungen, in 36 Fällen Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeits. zeit, in 32 Fällen die Einführung eines TarifeS, in 6 Fällen Er- füllung des TarifeS usw. Von den 113 Streiks endeten mit vollem Erfolg 57(rund gerechnet 56 Proz.), mit teilweisem Erfolg 29 (27,65 Proz.) und nur 27 Streiks(23 Proz.) waren erfolglos. Die 113 Angriffstreiks verursachten 2 262 361,47 M. Ausgabe an Streik- Unterstützung. Abwehrstreiks bezw. Aussperrungen haben 121 stattgefunden, an welchen 31 Gewerkschaften mit 18 116 Personen, darunter 283 weibliche, beteiligt warm. Hinzukommen noch 326 unorgani� sierte Personen, so datz die Gesamtzahl 18 436 beträgt. Daran sind die Metallarbeiter in 31 Fällen mit 1616, die Holzarbeiter in 23 Fällen mit 11 387(darunter 87 weibliche), hinzu kommen noch 153 Unorganisierte— insgesamt 11 546, die Trans. partarbeiter in 16 Fällen mit 968, die Töpfer in 6 Fällen mit 2486, die Zimmerer in 6 Fällen mit 62, die Schuhmacher in 5 Fällen mit 131, darunter 7 weibliche— hinzukommen noch 13 Un, organisierte—, insgesamt 144, die Bildhauer in 4 Fällen mit 1333. die Schmiede in 4 Fällen mit 46, die Steinarbeiter in 4 Fällen mit 199, die Stukkateure in 4 Fällen mit 518, die Textilarbeiter in 2 Fällen mit 312, darunter 114 weibliche, die Sattler in 2 Fällen mit 115, die Maler und Lackierer in 2 Fällen mit 156, darunter 2 Unorganisierte, und die Brauereiarbeiter in 3 Fällen mit 126, darunter 6 Unorganisierte, beteiligt. Die höchste Dauer der Streiks hatten die Textilarbeiter mit 99,12 Tagen, es folgen die Maler mit 96,9, Bildhauer mit 73,56, die Sattler mit 75,16, die niedrigste Dauer hatten die Brauer mit 1,36 Tagen. Die Ursachen der Aus- sperrungen bezw. Abwehrstreiks waren: in 25 Fällen Matzregelung, in 51 Lohnreduktion, in 5 Verlängerung der Arbeitszeit, in 27 Nichteinhaltung der Lohn- und Arbeitsbedingungen, in 2 Ein. führung einer Fabrikordnung, in 3 schlechte Behandlung der Ar- beiter und in 13 Fällen andere Ursachen. Mit vollem Erfolge endeten 49 Streiks(46 Proz.) und nur 45 (37 Proz.) mutzten erfolglos aufgegeben werden, währeich in 3 Fällen am Jahresschluß der Kampf noch nicht beendet war. Die 121 Abwehrstreiks bezw. Aussperrungen verursachten eine Ausgabe von 2 468 219,16 M. an Unterstützung. Demnach find die Berliner Gewerkschaften im Jahre 1967 in 41 Berufen mit 54 579 Mitgliedern an 234 Kämpfen um die Er- ringung einer höheren Lebenshaltung, um bessere Lohn- und Ar- beitsverhältniffe beteiligt gewesen. Von diesen wurden 168(14,15 Prozent) mit vollem, 53(22,65 Proz.) mit teilweisem Erfolg für die Arbeiter beendet. Nur 67(32,65 Proz.) aller geführten Kämpfe mutzten ohne Erfolg aufgegeben werden. Von 6 Kämpfen konnte das Resultat nicht festgestellt werden, da sie noch nicht beendet waren. Die Gewerkschaften haben für die Kämpfe im Jahre 1967 ins- gesamt 5 621 275,74 M., also mehr als 5 Millionen Mark auf- gewendet. Bei allen Kämpfen kommen insgesamt 1 681 954 Streiktage, darunter 12 187 für die weiblichen Mitglieder in Frage. Tie direkten Einnahmen der Berliner Gewerkschaften im Jahre 1967 betrugen 16 423 439,52 M. Die indirekte Einnahme (Zuschüsse von den Hauptvorständcn) betrug 13 961 112,82 M. Die Ausgaben sämtlicher Gewerkschaften betrugen 11 947 875,63 M., das sind 4 262 771,38 M. mehr als im Vorjahre. Die Ausgaben denen, die immer darauf auS sind, einer geregelten Verwaltung durch gänzlich überflüssige und konsolidierte Interessen verletzende Anträge zu belästigen, hatte im Wiener Gemeinderat angeregt, nach dem pp. Robert Blum in der Brigittenau eine Gasse zu benennen. Schließlich ist ja dieser Mann auch mit der Geschichte Wiens einigermaßen verbunden. Hat er doch für die deutsche und die Wiener Freiheit in Wien sein Leben gelassen.„Wer hats ihm angeschafft", sagen die magistratischen Luegerleute heute. Was gin. ihn unsere Such' an, die besorgt Lueger viel besser. Und so schrie! denn der Stadtmagistrat dem Antragsteller. datz von der Direktion der städtischen Sammlungen ein ablehnendes Gutachten eingegangen. Im übrigen aber folgendes:„Bei der Benennung von Gassen und Plätzen nach verdienten Personen wurde bisher jederzeit das Prinzip beobachtet, vor allem auf solche Personen Rücksicht zu nehmen, die aus Wien gebürtig sind oder die, wenn auch nicht Wiener von Geburt, sich um Wien verdient geniacht haben. Sonst wurden Namen von Aus. ländcrn nur dann herangezogen, wenn ihnen eine überraschende universelle Bedeutung zukommt. Da dies bei Robert Blum nicht zutrifft, hat die Stadt Wien keinen Anlatz, eine Gasse nach ihm zu benennen." Recht so l Was hat Robert Blum mit diesem Gesindel gemein, das sich in einen, Gutachten von ihm berichten läßt:„Er galt als guter Redner, hatte aber Ivenig politischen Einfluß. Mit Julius Fröbel vom Parlament nach Wien entsendet, um den Revolutionären eine Adresse zu überbringen, nahm er mit bewaffneter Hand an den Barrikadenkämpfen teil und wurde deshalb nach der Einnahme Wiens standrechtlich verurteilt und am 9. November erschossen." Warum, zum Teufel, betrieb auch der Mann kein ordentliches loyales Geschäft oder warum machte er aus der Politik kein Geschäft I Ruincnkunst für Entree. Die„Franks, Volksstimme" schreibt: Bekanntlich wurden die Ruinen der Hohkönigsburg ver- schandelt, um an ihre Stelle eine neue Burg hinzustellen, die mit der alten Burg zunächst nur den Namen gemeinsam hat. Das Schönste ist aber jetzt gekommen. DerKaiser bezw. das Oherhofmarschall- amt verlangt Eintrittspreis für den Besuch der Burg. Ehedem konnte man männiglich frei und ungehindert in den Ruinen wanden,, sich an allem ergötzen und friedlich von da,, neu ziehen, lind jetzt werden nicht nur in preutzischem Stile bestimmte Besuchsstunden vor- geschrieben, es wird auch Eintrittsgeld verlangt. Alfo: 1. Man schenkt dem Kaiser die Ruinen. 2. Man schenkt den, Kaiser 2'� Millionen Mark, um die Ruinen zu restaurieren. 3. Die geschenkte Ruine wird mit von Steuerzahlern geschenkten, Geld restauriert und— verschönert. 4. Der Kaiser fordert von jedem Steuerzahler, der die Burg be- suchen will. Eintrittsgeld. Der deutsche Spießbürger sperrt entsetzt Nase und Ohren auf... der Gewerkschaften gestalten sich wie folgt: Streikunterstützung rund 5 Millionen Mark(gegen 1M>. Millionen im Jahre 1366), Matzregelungsunterstützung 314 786,76 M.. Reiseuntcrstützuug 72 965,66 M., Arbeitslosenunterstützung 1492 617,18 M., Kranken- Unterstützung 1 262 462,49 M., Sterbegeld 96 766,53 M., Invaliden- Unterstützung 83 382,20 M., Rechtsschutz 116 456,26 M.. besondere Unterstützungen 191826,51 M. An Kassenbestand hatten die Ber- liner Gewerkschaften am 31. Dezember 1967 2 668 713,24 M.(gegell 2 665 865,49 M. im Jahre 1966). Die Zahlen beweisen, daß die Zentralverbände ihrer vornehmsten Aufgabe, die Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu verbessern, in vollem Matze gerecht werden. Mehr als 5 Millionen Mark, bei einer Einnahme von 16 bezw. 13 Millionen Mark, wurden für Streiks an die Mitglieder als Unterstützung gezahlt. Damit wird doch wohl denen, die behaupten: die Zentralorganisationen sind keine Kvmpfcsorganisationen, der Star gestochen sein. Die Gewerkschaften haben gezeigt, datz sie den Staat und die Kommune in bezug auf soziale Fürsorge weit hinten lassen. Hoffen wir, datz der Rückgang an Mitgliedern im Jahre 1963 wieder wettgemacht wird, die EntWickelung sich in den, selben Bahnen wie bisher vollzieht. Anfall stier ftifa»? Wie notwendig die Unterstützung durch Arbeitersekretariate für die Verfolgung der Rechte in den Unfallinstanzen ist. jeigt ein interessanter Fall, den Dr. Munter w Nr. 21 der„Medizinischen Reform" mitteilt. Ein Arbeiter Otto W. hatte an einem kalten Februartage einen mit Rohmaterialien beladenen Wagen geschoben und zwar in Begleitung eines Kollegen. Dieser verließ ihn in der Prinzenstraße, wie er später aussagte, vollkommen munter und gesund. Später sah nun ein Hausdiener den W. völlig be- wutztlos an einer Haustür liegend, aus einer kleinen Kopfwunde blutend. Ein Schutzmann brachte ihn per Droschke nach dem Krankenhause, in welchem noch krampfhaste Zuckungen des linken ArmeS konstatiert wurden. Der Mann starb am nächsten Tage, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Die Sektion ergab etwas Eiter in der Nase, Schwarzfärbung des Blutes im Herzbeutel, eine unbedeutende Veränderung an der Lunge und eine ganz leichte Entzündung in den Brauch, alröhren; sonst war der Sektionsbefund vollkommen negativ, speziell auch im Herzen und im Gehirn. WaS war nun den, Manne passiert? Woran war er gestorben? Die Frau deS Verstorbenen erhob Anspruch auf Unfallrente, indem fie geltend machte, datz ihr Mann in Ausübung seines Be- rufes verunglückt sei, wahrscheinlich durch Einwirkung einer äußeren Gewalt auf der glatten und schmutzigen Stratze und dadurch ver- ursachten Gehirnerschütterung. Dann begann die bekannte Rundreise bei den Aerzten: da aber in diesem Falle der zu Begutachtende schon tot war, so konnte nur seine Krankengeschichte umherwandcrn. Und das geschah denn in ausgiebigem Matze. Zuerst wanderte sie zu Professor X.. dem Direktor der chirurgischen Abteilung, welcher begutachtete, daß der Mann, wie aus dem Befund an der Lunge und Nase zu schließen wäre, wahrscheinlich Influenza gehabt, unter den, Einflüsse dieses Leidens einen Schwindelanfall bekommen hätte, somit also keine äußere Gewalt, also auch kein Unfall die Todesursache ge- Wesen wäre. Die Frau wurde also abgewiesen. Auch das Schieds« gericht schloß sich den Ausführungen des Professor X. an. Das Zentralarbeitersekretariat legte nun gegen diese Eni- scheidung Rekurs beim Reichsversicherungsamt ein. Hier wurde in sehr gewissenhafter Weise Beweis erhoben. Das Reichs- versicherungSamt ließ nochmals Zeugen(soweit angängig) ver- nehmen, bei dem Arbeitgeber Erkundigungen einziehen, der den Verstorbenen als einen nüchternen Mann ohne die geringsten Krankheitserscheinungen schilderte, und schlietzlich wurde ein erneutes Gutachten eingefordert, welches Dr. Munter und Professor Stranß erstatteten. Diese kamen auf Grund von genauem Studium der Akten zu dem Schluß(wofür besonders die im Krankenhause beobachteten Krämpfe im linken Arme sprächen), datz eine Gehirnreizung mit nachfolgender Lähmung als aller- wahrscheinlichste Todesursache anzunehmen sei. Da trotz der sorgsamst ausgeführten Sektion keine Anzeichen für eine Eiterung im oder in der Nähe des Gehirns konstattert werden tonnten, so mutz man als Ursache für die Gehirureizung aller Wahrscheinlichkeit nach eine schwere Erschütterung des Gehirns, also eine äußere Gewalteinwirkung annehmen, demnach einen Unfall. Dieses Gutachten wurde nun dem Professor X. vorgelegt; da der- felbe trotzdem auf seiner früheren Ansicht im großen und ganzen Humor und Satirc. Wiegenlied. Schlaf. Wichel, schlaf I Sei immer fromm und brav! Denn im Lande der Kanonen Mutz ein lieber Vater wohnen. Schlaf, Michel, schlaf! Sei immer fromm und brav! Schlaf, Michel, schlaf! Sei immer fromm und brav i Denn die inimer friedlich schlafen, Wird der liebe Gott nicht strafen. Schlaf, Michel, schlaf I Sei immer ftomm und brav! Schlaf, Mchel, schlaf! Sei immer fromm und brav l Bleibst Du auch ein Schaf auf Erden, Droben wirst Du Engel werden. Schlaf, Michel, schlaf! Sei immer fromm und brav l Fridolin. Notizen. — Eine Ausstellung für Grabsteinkunst ist vom Kunstgewerbemuseum veranstaltet worden. Sie umfaßt zwei Ab« teilungen. Eine reichhaltige Anzahl von Abbildungen alter und neuer Grabmälcr ist im Lichthofe deS Kunstgewerbemuseums zu sehen. Ein garteuartiger Friedhof mit neuen Grabsteinen ist im Garten neben dem Erweiterungsbau(Prinz-Albrecht-Str. 8) angelegt. Gegenüber den geschmacklosen und aufdringlichen Figuren, die immer noch auf unseren Friedhöfen alles andere denn Weihe und Ruhe ver- breiten, sind hier Ansätze zu einer schlichten, einfachen Art Grabkunst vertreten, die wohltuend und stimmungsvoll ihrem Zwecke angepatzt ist. Sowohl als historischer Ueberblick loie als Veranschaulichung moderner Bestrebungen ist die Sonderausstellung, die dem Direktor Dr. Jessen zu danken ist. wohl zu beachten. Sie kann vorbildlich und anregend wirken. Die Ausstellung ist unentgettlich zugänglich. — Der Esperanto- Weltkon gretz toird, lvie die Esperanto-AnSkunftSstelle niitteilt, vom 16. bis 22. August 1963 in Dresden stattfinden. Er soll betveiscn, daß es möglich ist, mittels einer leicht erlernbaren Kunstsprache sich mit vielen Nattonen ver- schiedener Sprache zu verständigen. Sowohl bei den Geschäfts- styungen wie auch bei sämtlichen Festlichkeiten wird nur die Esperanto-Sprache benutzt werden. Nach der Zahl der vorliegenden Anmeldungen aus allen Weltteilen schätzt man die Tcilnehmerzahl auf 2666. Der Rot der Stadt Dresden läßt im Interesse der Kongretzbcsucher 24 VerlehrSbeamte in der Esperanto-Sprache unter- richten. — Das N i e tz s ch e- A r ch i v in Weimar, das in der Unter« Haltungsbeilage ausführlicher behandelt wird, hatte von einem Schweden 300 000 M. erhalten, die nun als Stiftung festgelegt wird. Sie soll ausschließlich wissenschaftlichen und Humanitären Zwecken dienen. Wie die Verwaltung, die Frau Förster einem sieben- gliederigen Vorstand anvertrauen will, beschaffen sein wird, muß mit gebührender Skepsis abgewartet werden. oefieDen blieb, wurde das ganze Material Herrn Professor West höfer, Proscltor am Moabitcr Krankenhause, zur Begutachtung vorgelegt. Dieser begutachtete, das; mit abso- luter Sicherheit eine schwere Störung des Gehirns anzu- nehmen sei; daraus deuten die Wunde am Kopf, die Zuckungen des linken Armes und die Bewußtlosigkeit. Da aber Professor X. hartnäckig bei seiner früheren Meinung blieb, so wurde noch ein Gutachten eingeholt und zwar von Geheim rat Orth, dem Nachfolger Rudolf Virchows. Dieser gab ein sehr lehrreiches und eingehendes Gutachten ab, woran ein Mensch überhaupt stirbt, und zwar unterscheidet er 4 Gruppen von Todesursachen 1. Blutverlust, 2. Stillstand des Herzens, 3. Stillstand der Atmung, 4. Funktions- Unterbrechung des gesamten Nervensystems. Die erste Todesursache sei eo ipso auszuschließen und ebenso die dritte; die zweite sei ebenfalls auszuschließen,' denn ein Stillstand des Herzens, ein sogen. Herzschlag, trete nur bei einem kranken Herzen ein, hier seien aber weder im Leben noch bei der Sektion trankhaste Veränderungen des Herzens konstatiert worden. Es bleibt also nur die Todesursache: Funktions- Unterbrechung des gesamten Nervensystems übrig. Da der Verunglückte vorher nie krank gewesen ist, also nicht infolge eines früheren Leidens zu Boden gestürzt ist, so spricht alles dafür, daß er durch eine äußere Gewalleinwirkung getroffen und zu Boden gestürzt ist, da- durch eine schwere Gehirnerschütterung mit Funktionsunterbrechung des gesamten Nervensystems erlitten hat und an dieser gestorben ist. ES siegt also aller Wahrscheinlichkeit nach Tod durch Unfall vor. Das ReichsvcrficherungSamt entschied zugunsten der Witwe: 1. Der Witwe W. werden sämtliche Kosten der Gutachten in Höhe von 90 Mark ersetzt, 2. ihr wird eine Unfall-Hinterbliebenenrente gewährt. Die Zweckmäßigkeit der Durchführung von Unfallsachen durch Arbeitersekretariate und die Notwendigkeit der Arbeiter und ihrer Angehörigen, mit aller Energie ihre Rechte zu vertreten, wird durch vorstehenden Fall aufS neue illustriert. Vierter perbandstag der Such- und Steindrillkerel- Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen Deutschlands. Zu Punkt ,,?l g i t a t i o n" wird von dielen Rednern Klage geführt über das Verhalten der Maschinenmeister. Wie überall, ver- suche man auch in Hamburg das Hilfspersonal von den Rotationsmaschinen zu verdrängen. Dieses Vorgehen begründet man damit, daß für die gelernten Arbeiter gesorgt werden müsse. In Magdeburg arbeiten die Maschinenmeister dem Hilfs- arbeitervcrband direkt entgegen und versuchen sie, insbesondere die Arbeiterinnen von der Organisation abzuhalten. Hier müssen die Mädchen, weil schutzlos, sich alle Schikanen, selbst Angriffe tat- iicher Art, gefallen lassen.— Die von der Generalkommission ins Leben gerufenen Unterrichtskurse werden lobend erwähnt. Die Agitation unter den Arbeiterinnen wird von allen Seiten als eine mühevolle Arbeit bezeichnet. Von fast allen Delegierten hört man das gleiche Lied, daß die Agitation für den Hilfsarbeiterverband durch verschiedene Machinationen etlicher Maschinenmeister sowohl im Buch- als auch im Steindruckgcwerbe sehr erschwert wird. S i l l i e r erklärt, daß er, soweit Maschinenmeister seiner Organisation in Frage komnien, ein derartiges Verhalten seiner Kollegen entschieden mißbillige und daß das Handän-Hand-Arbeiten der Berufskollegen bei allen Bewegungen unbedingt notwendig sei. Kloth(Vertreter der Buchbinder) äußert sich ähnlich und fordert bei Lohnbewegungen eine bessere Verständigung der ört- lichen Verwaltungen im graphischen Berufe. Der Redner ermahnt, die derzeitigen Anzeichen im wirtschaftlichen Leben nicht unbeachtet zu lassen. In ihrem Schlußwort spricht die Referentin Hanna- Berlin ven Wunsch aus, daß die gegebenen Anregungen und Beschlüsse bei der Agitation in Zukunft beherzigt werden mögen. Fräulein Hanna stellte ausdrücklich fest, daß bie angeführten Klagen gegen die Maschinenmeister nicht allgemein zutreffen, sondern daß es noch eine Reihe von Maschinenmeistern und gelernten Arbeitern gebe, die für die Organisation der Hilfsarbeiter tätig sind. Am 4. Verhandlungstage erstattete Redakteur P u ch e r- Berlin Bericht über das Verbandsorgan„Solidarität". Der Redner er- sucht, in der Diskussion über den Punkt Presse in Betracht zu ziehen, daß er die Redaktion im Nebenamte zu besorgen habe. Mängel seien da unvermeidlich. Die gewerkschaftliche Rundschau bedarf einer größeren Beachtung, unter besonderer Berücksichtigung der graphischen Berufe. Auch dem sozialpolitischen Gebiete muß größere Beachtung gewidmet werden. Die„Solidarität" soll auf- klären und werben unter den Berufskollegen. Das war bisher nur in bescheidenem Matze möglich. Um in dieser Richtung mehr zu erreichen, muß die„Solidarität" achttägig erscheinen, es bedarf der Mitarbeit der Kollegen und die Anstellung eines be- soldeten Redakteurs, der sich voll und ganz den RedaktionSgeschüften widmen kann.— Die Debatte gestaltete sich sehr lebhaft und setzte eine scharfe Kritik über die Haltung des Redakteurs bei den ver» fchiedensten Anlässen ein. Die Hauptvorsitzende. Frau Thiede- Berlin, nimmt den angegriffenen Redakteur in Schutz. Solange Kollege P u ch e r die Redaktion im Nebenamte führen müsse, dürften sich die Verhältnisse kaum bessern. Die Rednerin bekämpft den Borschlag, für die weiblichen Mitglieder eine Romanbeilage zu schaffen. Die„Solidarität" soll in erster Linie fachgewerkschaftlichen Fragen dienen, die die Kollegenschaft interessieren; für die übrigen Fragen bietet die Parteipresse und die„Gleichheit" Gelegenheit in Hülle und Fülle.— Die Leipziger Delegierten wünschen, daß in Zukunft religiöse Fragen aus der Diskussion in der„Solidarität" ausgeschieden werden mögen. In der weiteren Debatte wurden auch die Berliner Ver- schmelzungsfrage einiger Zahlstellen und einige Artikel aus dem „Mitteilungsblatt" erörtert. Die Verlesung dieser Artikel findet wenig Anerkennung der Delegierten. ES erfolgt Regelung der Diäten- und Gehaltsfragen. Die Wahl der Vorstandsmitglieder ergab die Wiederwahl der Kollegin Frau PaulaThiedeals Vorsitzende und des Kollegen L o t h a l- Berlin als Hauptkassierer. Als besoldeter Redakteur wird Kollege Pucher gegen 11 Stimmen gewählt. Euq Induftrie und r>andcl Nebcr Preise bei den Fleischlicferungen für die Truppen. Die diesmaligen halbjährlichen Verdingungen der Fleischliefe- rungen für die Berliner Garnison haben stattgefunden. Die Preise find für ein Kilogramm in Pfennigen. n. Halbjahr 1908 II. Halbs. 1907 II. Halbj. 1908 Fleuchsorten Durchschnitt Durchschnitt Durchschnitt Ochsenfleisch... 130% 140% 134", Kuhfleisch.... 126 132'/, 128% Rindertalg.... 97'/, 85 85 Sammelfleisch... 183'/, 144 139 albfleisch.... 150 160 144 Schweinefleisch,. 182 127'fc 134'/, Fetter Speck... 133 140'/, 141 Magerer Speck.. 149 154 152 Hieraus ist ersichtlich, daß die Preise beim Los 1(Rind-, Hammel- und Kalbfleisch) zwar niedriger sind wie im Vorjahre, jedoch sind die Preise gegen das Jahr 1906 für Ochsen-, Kuh- und Sammelfleisch bedeutend höhere. Beim Los 2 find die Preise beim chweinefleisch und fetten Speck höhere als in den beiden Vorjahren, und für mageren Speck ist der Preis etwas niedriger. Erwähnens« wert ist ferner, daß bei den acht Angeboten für das Los 1 ein Breisunterschied von 27 454.— M. zwischen der Mindest- und Höchst- Forderung ist. Beim Los 2 ist der Preisunterschied eui noch höherer. nämlich 82 904.20 M., trotzdem nur vier Angebote eingereicht worden Rnb. Diese Preisangebote sind eine nette Illustration zu den Be- hauptungen, bis Fleifchpreise seien enorm gefallen, Der Ausschuß deS Deutschen Handelstages beschäftigte sich u. a. noch mit einer Reihe von Fragen aus dem Bereich deS Post- Wesens. Nach einem Bericht des Herrn Kommerzieurats v. P fister (München) sprach sich der Ausschuß dafür aus. daß Postkarten mit dem Aufdruck„Drucksache" und aufgedruckter Dreipfennigmarle ein- geführt würden, daß gestattet werde, in gedruckten Anzeigen über eine Zahlung den Betrag der gezahlten Summe und den Namen dessen, für den die Zahlung erfolge, handschriftlich anzugeben, und daß auf Drucksachen die Einfügung handschriftlicher Zusätze in den mechanisch vervielfältigten Text bis zu fünf Worten zulässig sein soll. Ferner sprach sich der Ausschutz nach einem Bericht des Herrn Dr. Vogel(Berlin) dafür aus, daß Einkilopakete ein- geführt würden, die unter Verzicht auf die Haftpflicht der Post zu ermäßigtem Porto befördert würden und für die kein Bestellgeld gezahlt werden solle. Die für Warenproben geltenden Portosätze werden bei der Versendung aller Gegenstände Anwendung finden, die nach Gewicht und Größe die für Warenproben festgesetzten Grenzen nicht überschreiten. Der Ausschutz sprach sich bezüglich der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe für die Beibehaltung der geltenden gesetzlichen Bestimmungen und demgemäß gegen jede weitere Beschränkung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe aus; desgleichen gegen eine gesetzliche Einschränkung der Sonntags arbeit im Binnenschiffahrtsgewerbe. Zwischenhandelsgewinne. Nach der„D. L. P." erzielte die Chemnitzer Viehmarktsbank-Aktiengesellschast einen Reingewinn von 22,5 Proz. des Aktienkapitals. Die Magdeburger Viehmarktsbank brachte einen Reingewinn von 18 Proz. heraus. Die Danziger Viehmarktsbank ist in der Lage. 17 Proz. Dividende zu verteilen. Dagegen erzielte die Berliner Viehkommissions- und Wechselbank einen Reingewinn von— nur 10 Proz. Exportpolitik. Im April l. I. ist die Gründung eines„Zentral- Verbandes der deutschen Exportvereine" mit dem Sitze in Hamburg erfolgt. Durch diese ganz Deutschland umspannende Vereinigung soll unter anderem auch der sogenannte direkte Fabrikantenexport energisch bekämpft werden. Der Verband umfaßt schon jetzt mehr als 600 Exportfirmen Deutschlands und stellt mithin eine Organi- satton von weittragender Bedeutung dar. Der Ledermarkt. Besondere Zurückhaltung im Einkauf zeigt noch immer die Schuhindustrie. Wie die Zurückhaltung der Nachfrage das Preisniveau für Schuhleder beeinflußt hat, geht auS nachstehender Ueberficht hervor: 1 Pfund('/, Kilogramm) kostete in Mar! Anfang April d. I. 1907 1908 Norddeutsches Sohlleder. beste Sorte, 45— 50 Pf. Trierer Sohlleder, Wildochsenleder. Vacheleder, Wild-, besseres Sohlleder Abfälle........... Kipsvache, I, milde....... Mit den Ergebnissen der Frankfurter :) 1907 1.20—1.80 1.50—1.65 1.35—1.45 0.65—0.72 1.26—1.28 Ledermesse 1.10-1.16 1.42—1.66 1.20—1.40 0.60—0.60 1.10—1.20 ist man im ganzen nicht unzufrieden. In den gesuchtesten Sorten, die knapp angeboten waren und worin dem Begehren nicht ganz genügt werden konnte, fanden kleine Preisaufbesserungen statt; im übrigen blieben die Preise wie bisher. Bichciiifuhr. Neuerdings macht sich in Dänemark wieder eine starke Bewegung geltend, dre auf die Ausfuhr tierischer Erzeugnisse abzielt. Das„Andelsbladet"(Nr. 48) schreibt: Die dänische Land- Wirtschaft ist imstande, viel Mastvieh zu erzeugen, und die wachsende Industrie Deutschlands hat einen hohen Bedarf an Rindfleisch. ES liegt daher im wohlverstandenen Interesse beider Parteien, die Ver- bindung zwischen Produzenten und Konsumenten leicht und un- gehindert zu gestalten. Dänemark führt jährlich steigende Mengen von landwirtschaftlichen Erzeugnissen nach Deutschland auS und kauft von dort Industriewaren in ungefähr doppeltem Betrage. In den letzten fünf Jahren hat Dänemark im Handelsverkehr mit Deutschland dem Werte nach importiert 1901: 166,60 Millionen Mark, 1902: 187,86 1903: 213,76 1904: 240,75 1905: 232,83 Hauptsächlich die Quarantäne erschwert die Einfuhr und erhöht die Unkosten. Die Maßnahme ist beim Schlachtvieh— eine sonst gute Grenz- und Schlachtkontrolle vorausgesetzt— unnötig. ausgeführt 76,50 Millionen Mark 77.63 101,25., 118.13 144.00 Soziales. «erztekonferenz über Krankenkassen. Wie wir bereits mitteilten, hat der Staatssekretär v. Bethmann- Hollweg aus den 11. Juni eine Konferenz zur Beratung der Frage über die zukünftige Gestaltung deS Verhältnisses zwischen Hetzten und Krankenkassen einberufen. Die Liste der Teilnehmer an dieser Konferenz weist allein 7 Vertreter der Regierung auf. außer dem Minister als Vorsitzenden der Konferenz. Es sollen vertreten sein: das Reichsamt des Innern, das ReichS-Marineamt. das Reichs- Postamt, daS preußische Kriegsministerium, das Ministerium für Handel und Gewerbe, für Unterricht und Medizinalangelegenheiten usw. AIS Vertreter der Herzte sind nicht weniger als zehn Herren bestimmt und zwar die Aerzte Dr. Backhaus-Wattenscheid (Knappschaftsarzt), Dr. Dippe-Leipzig(Aerzteverband), Dr. Gördt- Bochum(Knappschaftsarzt), Dr. Hartmanu-Hanau, Prof. Dr. Löbker- Bochum(für den Ausschuß der Herzte), Dr. Hartmann-Leipzig(Ober- Häuptling der deutschen Herztezunst), Dr. Markuse-Berlin(als Bor- fitzender der freigewählten Kassenärzte Berlins), Dr. Schwechten- Berlin(Bahnarzt), Dr. Reichel, Knappschaftsarzt auS Chropaczow, Oberschlesien, und Dr. Mugdan-Berlin.... Kein einziger Vertreter der Arbeiter ist zugezogen. AIS B e r- treter der Krankenkassen ist JuliuS Fräßdorf-Drcsden und Eduard Gräf-Franlfurt a. M. sowie der Kassenrendant Küpper-Köln und Rendant Wiskirchen-M.-Gladbach eingeladen, während von Berliner Krankenkassen kein Vertreter zugezogen wurde. Nicht einmal die Zentrale für daS Kranken- kafsenwesen in Deutschland ist eingeladen. AlS„unparteiische" Beiräte hat man ferner eingeladen den Stadtrat Dr. Flesch-Frankfurt a. M.. Stadtrat v. Frankenberg- Braunschweig, Beigeordneten FuchS-Köln, Finanzrat Klüpfel-Essen, Verwaltungsdirektor der niederschlesischcn Knappschaftsvereine Schwerk, Beigeordneten Dr. Wiedfeldt-Efsen und Stadtrat Wobbe-Königs- berg i. Pr. Die eigenarttge Zusammensetzung dieser Konferenz zeigt schon, daß nicht daS Interesse einer Heilung der Kassenmitglieder oder Vorbeugung gegen Krankheiten das Motiv für die Konferenz ge- wesen ist, sondern daß eö sich im wesentlichen um den Ausbau einer Versicherung der Herzte gegen Arbeitslosigkeit oder Unfähigkeit handeln soll. DaS bestättgt auch der In- halt deS umfangreichen Fragebogens, der den Teilnehmen, zugegangen sein soll. Der Inhalt deS Fragebogens enthält nicht die gegenüber dem Herztestreik brennend gewordene Frage, ob der Arzt zur Hilfeleistung verpflichtet sein soll, überhaupt nicht das geringste über Pflichten der Aerzte. Desto massenhafter sind Fragen aufgestellt, die Privilegien den Herzten zu schaffen und die Selbstverwaltung der Kassen lahm- zulegen bestimmt sind— und das alles ohne Zuziehung irgend eines gewerkschaftlichen oder politischen Vertreters der mehr als 11 Millionen Arbeiter, denen doch eigentlich wohl die Kranken« Versicherung dienen soll. Nach dem Fragebogen handelt es sich unter anderem um die ärztliche Behandlung im allgemeinen, ob der Be- griff:„ärztliche Behandlung" einer gesetzlichen Bestimmung bedürfe, ob nur approbierte Aerzte zugelassen werden sollen oder auch ärztliche Hilfspersonen, wie Heildiener, Naturärzte usw., in dringlichen Fällen um Zulassung der im Auslände approbierten weiblichen Aerzte und für Grenz- bezirke ausländischer Aerzte und darum, ob in allen Fällen die Zahlung deS Krankengeldes von der KrankheitS- befcheinignng durch einen approbierten Arzt abhängig ge- macht werden soll? Einen breiten Raum soll die Dis- kussion über die verschiedenen Arztshsteme einnehmen, insbesondere über die Vorteile und Nachteile der freien Arztwahl. Ob für anziehende Aerzte eine längere Karenz- zeit vorzusehen sei? Welche Kautelen für den Fall der gesetz- lichen freien Arztwahl vorzusehen seien? Ob die Arzt- frage durch Abstimmung der Versicherten entschieden werden soll? Welche gesetzlichen Maßnahmen zur Sicherung einer aus- reichenden ärztlichen Versorgung der Kassen- Mitglieder etwa zu treffen seien? Ob da, wo die freie Arztwahl nicht eingeführt sei, den Mit- gliedern die Auswahl mindestens unter zwei Kassenärzten zu gestatten sei? Ob sich eine Aenderung des§ 56a des Kranken- Versicherungsgesetzes empfehle, wonach heute schon 30 Mitglieder Anträge auf Aenderung der Arzt- und Apothekcrsrage stellen können? Ob den Kassen ein Rechtsmittel gegen das Einschreiten der Aufsichtsbehörden— ohne aufschiebende Wirkung— zu gestatten? Ob es sich empfehle, den Landeszentralbehörden daS Recht zu geben, einen Mindestprozentsatz von Aerzten im Verhältnis zu den Kassen- Mitgliedern vorzuschreiben? Ob für jede Kasse eine Arztordnung aufzustellen sei usw.? Ob die Bezahlung der ärztlichen Leistungen überhaupt durch ein Gesetz geregelt werden solle und wie? Endlich welche Schiedsinstanzen in Streit- fällen zwischen Aerzten und Krankenkassen zu schaffen seien? Ob auch für alle Kassenarten diese Aenderungen gettoffen und auch die staatlichen Betriebskrankenkassen einbezogen werden sollen? Eine Unmasse für das Wohl und Wehe der über 11 Millionen Krankenversicherter wichtiger Fragen— ohne Zuziehung einer aus- reichenden Vertretung der Arbeiter. Dafür, daß die wirtschaftlichen Interessen der Aerzte, nicht aber Fragen der Fürsorge bei und Bor- sorge gegen Krankheit zur Geltung gelangen, leisten die Namen der ausgewählten Aerzte Gewähr. Dem entspricht es auch, daß diesen Aerzten Fragen über die Berechtigung der Krankenkassen zu pro- phylaktischen Maßnahmen und über eine Aenderung deS§ 29 des KrankenverficherungSgesetzes nicht vorgelegt werden. Dem Reichs- amt des Innern dürfte doch wohl bekannt sein, daß daS Kranken- Versicherungsgesetz noch nicht den Titel trägt„Gesetz zur Versicherung der Aerzte und Militäranwärter auf Kosten der Arbeiter". Werden die bislang in die Oeffentlichkeit gedrungenen Pläne der Reichsregierung Wirtlichkeit, so dürfte die Aenderung deS Gesetzes- tttelS erforderlich fein._ Um sechs BergmannSlebea lohnt sichS nicht! ES müssen schon schlimme, sehr arge Zustände sein, wenn ein so loyales und unternehmerftommeS Blatt wie der„Breslauer Generalanzeiger" sich zu einer Kritik derselben auffchwingt und da- bei sogar eine Anklage riSttert. Im Juni vorigen Jahres hatte es das Blatt aber tatsächlich fertig gebracht, einen Arttkel abzudrucken, in welchem die auf der Wolfganggrube bei Rüde(Oberschlefien) herrschenden unerhörten und lebensgefährlichen Zustände geschildert wurden. ES wurde darin berichtet, daß dort zwei Pfeilerbaue im Betrieb seien,„bei denen eö als ein großes Glück anzusehen ist, daß die Belegschaft immer noch mit heiler Haut dadonkam. Da eine Fahrstrecke nicht vorhanden sei. müßten die Arbeiter, um zu ihrem Arbeitspunkte zu kommen, stets die stark ansteigende und nur 1,50 breite Förderstrecke benutzen, wo sie in ständiger Gefahr seien, einem heransausenden Kohlenwagen zu begegnen, ohne ihm auS- weichen zu können. Vor dem Besuch deS EinfahrerS oder deS B e r g r e v i e r b e a m t e n fei jene Arbeits- st elleziemlich geschützt, denn der Zugang seiein s e h r b e s ch w e r l t ch e r. Ja, eS sei sogar möglich, daß das Bergrevieramt von diesem Arbeitspunkte über- Haupt nichts wisse. Der Bergverwalter Buchelt als verantwortlicher Leiter der Grube stellte Strafanlrag auS§ 186 Str.-G. und die Sache kam vor der Breslauer I. Strafkammer zum AuStrag. Der angeklagte Redakteur bot den Wahrheitsbeweis an und der gelang in so umfassendem Maße, daß die Freisprechung erfolgen mußte. ES wurde fest- gestellt, daß tattächlich keine F a h r st r e ck e für den Verkehr der Arbeiter— wie die Bestimmungen sie vorschreiben— sondern eben nur die Förderstrecke vorhanden war, die außer- ordentlich enge Dimensionen hatte und eine Steigung von mehr als 4 Proz., so daß auf ihr die freie Handbeförderung nur unter Nichtbeachtung einer ausdrücklichen Ministerialverfügung vor sich gehen konnte. Durchhiebe zum Ausweichen waren zwar vorhanden, sie konnten von der Belegschaft aber nicht benutzt werden. weil sie mit Steinen vollgestopft waren. DaS Bremsen der Kohlenwagen soll vorschriftsmäßig mit eisernen Hemmbolzen erfolgen; es waren auch solche vorhanden, sie konnten aber mchr verwendet werden, weil sie zu lang waren. Ein Zeuge erzählte, in wie großer Lebensgefahr er einmal in jener Strecke geschwebt habe. Er kam mit einem Grubenstempel (einer Art Stützbalken) die Strecke entlang, da sauste ihm plötzlich ein gefüllter Wagen auf der ab- schüssigen Bahn entgegen. Auszuweichen war bei der ge- schilderten Beschaffenheit der Strecke unmöglich gewesen, und der Mann wäre elend gerädert worden, wenn er nicht die GeisteSgegen- wart und die Kraft besessen hätte, dem Wagen den Stempel ent- gegenzuwerfen und ihn so noch im letzten Augenblick zum Stehen zu bringen. Aber daß man sich i n b< fährlichkeit solcher sk- gewesen sein muß. bewies die Verhandlung. AlS nämlich ein Grubenbesitzer dxn Abteilungssteiger auf die Gefährlichkeit aufmerksam machte, meinte dieser zynisch I„Ach hier kommt selten jemand her, und eine besondere Fahrstrecke aufzufahren, lohnt sich nicht!" Der die staatliche Kontrolle ausübende Bergrevierbeamte, der von dem Kläger als Sachverständiger geladen war, gab ein(Gutachten dahin ab: Auf der betreffenden Strecke seien nur vier Schlepper und zwei Häuer beschäftigt ge- Wesen, und wegen so wenig Leuten wäre eine Aenderung in der Betriebsweife nicht lohnend!!!— EineS schlagenderen Beweises für die Gemeingefährlichkeit des privatkapitalistischen WirlschaftSbetriebeS bedarf es mcht._ Für die völlige Sonntagsruhe im Detailhandel erklärte sich das KaufmannSgericht Fürth in einem vom Ministerium eingeforderten Gutachten zu dem Gesetzentwurf des ReichSamteS, der bekanntlich eine dreistündige Verkaufszeit an Sonntagen zulassen will. Die Gehilfenverlreter sowohl als auch der rechtskundige Vorsitzende des Gerichts waren der Ansicht, daß die völlige Sonntagsruhe nicht nur im Interesse des Personals, sondern auch der Prinzipale liege und sehr wohl durchführbar sei. Die Befürchtungen wegen einer Schädigung der Geschäftsleute würden nicht eintreten, wenn für das ganze Reich der Ladenschluß gesetzlich festgelegt sei. DaS Publikum würde sich rasch daran gewöhnen, Werktag» einzukaufen. Der Be- schluß wurde mit 7 gegen 6 Stimmen gefaßt. »er Betriebsleitung derGe- k a n da l ö f e r Zustände bewußt BEECCCC# 9999999 Unserem Kollegen 25285 Karl Stegemann zu seinem heutigen 30. Ge burtstage ein 3mal donnerndes Hoch! Seine Kollegen vom Viertel NO. Unserem alten Freunde und Parteigenossen Alfred Melzer zu seinem heutigen Wiegenfeste ein breifach donnerndes Lebehoch! hoch! 25265 hoch! A. L. W. F. H. M. R. D. Zur Hochzeit unseres Genossen Artur Sichting u. Frau ein dreifaches Hoch! Die Genossen des 5. Bezirks des Wahlvereins Tegel. Sozialdemokrat. Wahlverein Rummelsburg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Klempner Hermann Rotermundt im Alter von 45 Jahren am Donnerstag, den 4. d. Mts., berstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 1. Pfingstfeiertag, nachmittags Deutscher Holzarbeiter- Verband. Ortsverwaltung Berlin. Die Bureaus sind am ersten, zweiten und dritten Feiertage geschlossen. Am Sonnabend, den 6. Juni, find die Bureaus bis 1 Uhr mittags geöffnet. Die Einkassierung der Beiträge in den Zahlstellen erfolgt am 6. Juni von 5 bis 7 Uhr abends. 85/6 Die Ortsverwaltung. Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter. Tel. Amt III 4518. Ortsverwaltung I u. II. C. 54, Muladftr. 16. Heute Sonnabend, den 6. Juni, werden die Bureaus um 2 Uhr nachmittags geschlossen. 43/2 Am Montag, den 8. Juni, find die Bureaus ebenfalls gefchloffen. Die Borstände. Spandau. Orts- Krankenkasse der Tischler. Am Sonnabend, den 13. Juni, abends 81, Uhr, findet bei Gottwalt, Schönwalder Straße 80, eine Außerordentliche General- Versammlung statt. Tages- Ordnung: 1. Statutenänderung. 2. Verschiedenes. Der Vorstand. 274/19 Kurt Marzilger, Borsitzender. Sozialistische Neudrucke. Unter diesem Rubrum erscheinen auf vielfache Anfragen hin eine Reihe vergriffener Schriften in neuer Auflage, deren historischer Alfred Krug, Hutfabrik. wie literarischer Wert wohl Krug's Hüte sind die Besten 1. Geschäft: Brunnen- Straße 54, as 2. ,, Schönhauser Allee 115. Herrenfilzhüte 1.90, 2.40, 3.00, ff. 3.50, 4.50. Haarfilzhüte 5.00, 6.00, 7.00. Zylinderhüte 6.00, 8.00, 10.00, 12.00, 15.00. Mützen für Herren und Knaben von 35 Bj. an. Strohhüte on 50 Bf. an bis zu den jeinsten Neuheiten. Leser dieser Zeitung verlangen bitte 5% Rabatt. Eigene Scholle per Morgen 400 Mark in der Nähe großer Seen, verkauft 25425 4%, Uhr, von der Halle bes Rum Otto Trentepohl, Wensickendorf, ziederbarnim. melsburger Gemeinde- Friedhofes aus statt. 8/5 Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Sozialdemokratisch. Wahlverein für Friedrichshagen u. Umgeg. Todes- Anzeige. Am 2. Zuni verstarb unser Mitglied, der Maurer Paul Hargesheimer Friedrichshagen, Seeftr. 2 im 31. Lebensjahre an der Prole tarierkrankheit. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Sonnabend, den 6. Juni, nachmittags 3 Uhr, von der hiesigen Leichenhalle aus statt. 238/6 Der Vorstand. Hierdurch die traurige Mit teilung, daß mein lieber, guter Mann, unfer lieber Bater, Großbater, Schwiegervater, Bruder und Schwager, der Wertführer Reinhold Zubeil am Freitag, den 5. Juni, morgens 5 Uhr, nach langem, schwerem Leiden im 66. Lebensjahre fanft entschlafen ist. 171/18 Um stilles Beileid bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am zweiten Pfingstfeiertag, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Petri Kirchhofes, Friedenstraße, aus statt. Allen Verwandten, Freunden und Genossen die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau Emilie Heinze geb. Untermann im Alter von 61 Jahren am Dienstag, den 2. Juni, nachmittags 6 Uhr, nach langem schweren Leiden fanft entschlafen ist. Ehre ihrem Andenken! Otto Heinze, Rigdorf, Weserstraße 4. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 6. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen halle des neuen Rigdorfer Kirchhofes am Mariendorfer Weg aus statt. 25396 Für die vielen Beweise herzlicher Zeilnahme und Kranzspendin beim hinscheiden meines lieben Mannes und Baters, des Böttchers Paul Bogen fage ich allen Verwandten und Befannfen sowie den Parteigenossen, den organisierten Kollegen der vereinigten Faßfabriken und dem Verbande der Böttcher meinen herzlichsten Dant. wwe. Martha Bogen 25275 nebst Tochter. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben unvergeßlichen Mannes, unseres guten Waters, Bruders und Schwagers Gustav Liebenow den Genossen und Genossinnen fo. wie dem Gesangverein„ Lorbeerkranz" unseren herzlichsten Dant. Frau Luise Liebenow nebst Stindern. Dr. Simmel Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. Moritzplatz, Prinzenstr. 41, dicht am 10-2,5-7. Sonntags 10-12, 2-4. 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Pfingstfeiertag): Großes Früb- Konzert im Berliner Prater- Theater, Kastanien- Allee 7/9, 00000 unter Mitwirkung erstklassiger Spezialitäten. ☐☐☐☐☐☐ ㅁㅁㅁ Montag, den 8. Juni 1908( 2. Pfingstfeiertag): Großes Früb- Konzert min der Kronen- Brauerei, Alt- Moabit 47/49, unter Mitwirkung des Gesangvereins„ Vereinte Sangesbrüder Moabit" und der Volkssänger- Gesellschaft H. Anke. Montag, den 8. Juni 1908( 2. Pfingstfeiertag): Großes Früh- Konzert in Ballschmieders Etablissement, Bad- Straße 16, unter Mitwirkung der Konzert- Kapelle des Herrn Fritz Blume und des Eröffnung 4 Uhr. Berliner Ulk- Trio. 227/ 9* Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirk Groß- Berlin. Gewerkschaftshaus, Engelufer 14/15 II, Zimmer 31-36, 42-44. Arbeitsnachweis: Telephon Amt IV, 3348. Bureau: Telephon Amt IV, 4747. Sonntag, den 7. Juni 1908( 1. Pfingstfeiertag): * Früh- Konzert* in der Brauerei Friedrichshain( früher Lipps), am Königstor, ausgeführt von der 30 Mann starken Kapelle_des ,, Neuen Berliner Konzert- Orchesters" unter Leitung des Herrn Rudolf Tietz, unter Mitwirkung des Gesangvereins ,, Männerchor der Berliner Handels- und Transportarbeiter"( M. d. A.-S.-B.). Die Kaffeeküche steht den geehrten Damen von 5 Uhr an zur Verfügung. Bei ungünstiger Witterung finden Konzert und Gesang im großen Saale statt. Kasseneröffnung früh 4 Uhr. Anfang des Konzerts 5 Uhr. Billett a 20 Pf., an der Kasse 25 Pf. 69/8 Einen recht zahlreichen Besuch erwartet Das Komitee. A Dampfer- Station Michaelbrücke Pfingst- Sonderfahrten Sonntag, 1. Feiertag: Nach Woltersdorfer Schleuse. Abf. 1, Uhr. Außerdem 2, Uhr nach Wendenschloß, Karolinenhof u. Schmöckwitz. Preis hin und zurück 75 Bj. 2. u. 3. Feiertag: Mit Mufit nach Rübezahl, Müggelwerder u. Woltersdorfer Schleuse. Abf. 73 1hr vorm. und 2 Uhr nachm. Preis hin und zurüd 1,00 M. Nachm. 75 Pf. Am 3. Feiertag: Früh und nachmittags hin und zurüd 50 Pf. Ferner 2. u. 3. Feiertag: 9 Uhr vorm. nach Neue Mühle. Breis hin und zurüd 1,00. Am 3. Feiertag: Früh und nachmittags hin und zurüď 50 Pf. Mittwoch, 10. Juni, 2 Uhr nachm., nach den vorgenannten Stationen. Preis hin und zurüd 50 Pf. Kinder zahlen nur die Hälfte. Reederei G. Zachow. 25236 a. Große Extra- Dampferfahrten mit Musik nach Anfang 6 Uhr. Die Komitees. Empfehlenswerteste preiswürdigste, fertige Sacco Anzüge in tausendfältiger Auswahl. Neuzeitige Stoffe. Hochmoderne bestsitzende Fassons Nur eigene Erzeugnisse. 60.- 55.- 50.- 45.40.- 36.- 33.- 30.27.- 24.- 21.- 18.15M. Für dicke und schmächtige Figuren enorme Auswahl gutsitzender, fertiger Sacco- Anzüge Baer Sohn Spezial- Haus größten Maßstabes Chausseestrasse 29-30 ㅁ 11 Brückenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20 Der Haupt- Katalog No. 84( Neueste Moden 1908) auf Wunsch kostenlos und portofrei. Gesangverein ,, Liedesfreundschaft" Treptow- Baumschulenweg Mitgl. d. Arb.-S.-B. Dirig. N. Böhring. Gegründet 1900. Bahnstation Baumschulenweg. Alle 10 Minuten von der Stadtbahn und Görliger Bahn für 10 Pf. zu erreichen. II. Pfingstfeiertag, Montag, den 8. Juni, morgens 5 Uhr: 1993 Großes Frühkonzert eeeeeee im schönen, schattigen Garten bei Speer( Inh.. Basternadi) Baumschulenweg, Baumschulenstraße Nr. 78. X Startbesetztes Orchester. X Gesangliche Aufführungen. X Jm Saale: TANZ. 65/18 Anfang 5 Uhr. Die Kaffeeküche ist von 5 Uhr ab geöffnet. Eintritt 20 Pf. Bei ungünstiger Witterung findet das Konzert im Saale statt. A Dampfer- Extrafahrten von der Waisenbrücke. Am I. Feiertag: 1. Promenadenfahrten nach dem Müggel. u. Langensee. Abf. 5%, Uhr früh, hin und zurüď 50 Pf. 2. Nach Ranchfangswerder. Abf. 8%, borm. u. 2uhr nachm., hin u. zur. 1 M. Am II. Feiertag: 1. Nach Tenpit( Tornows Idyl). Abf. 7 Uhr vorm., hin u. zurüd 2 M. 2. Nach Rauchfangswerder. Abfahrt 14, Uhr nachm. 3. Nach Woltersdorfer Schleuse Abf. 2 Uhr nachm. 4. Nach Neue Mühle 5. Nach Krampenburg. Abfahrt 2, Uhr nachmittags Am III. Feiertag: Fahrprets hin und zurüc 1 Mart. 1. Nach Woltersd. Schleuse. Abf. 8 vorm. u. 22 Uhr nachm. 1 Hin u zur. 2. Nach Krampenburg. Abf. 9, 1. vorm. und 2 Uhr nachm.( vorm. 75% f. 3. Nach Neue Mühle. Abfahrt 2 Uhr nachmittags nachm 50ẞf. H. Hertzer. Tel. Amt VI 6718. L. Kahnt. Tel. 2. VII 580 u. 13459. Nach Wernsdorfer Schleuse Jenensia- Räder! I 10 Jahre Garantie! ☐ Adler 2428L* Räder! Mod. Teilzahlung! Phänomen= Räder! Groskurths Social- Räder von M. 56.- an! Auswahl in gebrauchten Rädern! Motorzweiräder! Fahrradzubehör spottbillig! R. Groskurth, Berlin C., Münzstraße 23. Credit- Haus Belle- Alliance Auf spielend leichte Teilzahlungen erhalten Sie Damen- u. Herren- Garderoben auch nach Maß. Sämtliche Manufakturwaren. Gosener Möbel Polsterwaren, Uhren, Portieren, Berge Große Extra- Pfingst- Fahrten An allen 3 Feiertagen früh ca. 9, Uhr: Schillings- Brücke. nachm. ca. 2 Uhr: Hierzu ladet freundlichst ein 33172* Am 1. u. 2. Feiertag: Hinfahrt 50 Pf., Rückfahrt 50 Pf. Am 3. Feiertag: Hin u. zurück 50 Pf. Piehl, Gastwirt, Restaurant zum Oder- Spree- Kanal. Am Mittwoch, den 10. Juni, und Donnerstag, den 11. Juni: Avis! Dampfer- Extra- Fahrten. Abfahrt ab Schillings- Brücke wie oben. Hin und zurück 50 Pf. pro Person. Tägl. v. ca. 1 Uhr mittags an halbstündi. Sonntags ,, Kyffhäuser". 30 Bf., Bochentags 20 Bf., nach Sportshaus Ziegenhals Familien- Restaurant Lindengarten ( Inhaber: M. Mörschel) am herrlichen Krossinsee bei Zeuthen. Jannowitzbrücke, Reederei Nobiling, Bridenstraße Schultheiß- Restaurant. hr. Am 1., 2. und 3. Feiertag, früh 82 Uhr. Am 3. Feiertag, nachmittags 2 Fahrpreis am 1. und 2. Feiertag: Hin und zurüd 1 M. · 3. Feiertag: Borm. 0,75, nachm. 0,50 M. Kinder d. Hälfte. b. Reederei Zachow, Michaelbräcke 1, An der Holzmarktstraße. Am 2. und 3. Feiertag, vormittags 10%, Uhr. Fahrpreis: Am 2. Feiertag: Hin u. zurüd 1 M. 3. Feiertag:" " 50 Pf. Kinder die Hälfte. Ober- Schöneweide, Tabbertstraße 5. Schöner schattiger Garten an der Spree. Jeden Sonntag: Großer Frei- Tanz. 1. u. 2. Feiertag: Konzert einer Damen- Kapelle, tvozu ergebenst einladet Fernsp.: 230. Wo? Robert Schulz. machen wir am Sonntag unseren Ausflug? Nach Pichelswerder zum 26552* Alten Freund. Empfehle auch diesen Sommer mein Lokal zu Land- u. Wasserpartien. Gardinen, Betten usw. Nur in Berlin Belle- Alliancestr. 100' schrägüber von Jandorf. Kulante Bedingungen. Manolic MANOLI Abbas Beste 3Pfg. Cigarette. Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Zlr. 131. 25. Iahrgavz. 2. Kkilm to.lorroärtö" Kerlim öolfelilatl. Ssvnabend, 6. Imii 1908. Hd die Parteigenossen Berlins! Am 10. Juni finden die Stichwahlen für alle Bezirke statt, in denen sich am 3. Juni keine Mehrheit für die Wahl- männer ergeben hat. Nach den neuesten Ermittelungen fehlen uns in den Be- zirken Verlin XII und Rixdorf-Schöneberg noch eine kleine Zahl, um die absoluteMajorität aller Wahlmänner zu erreichen. Wir appellieren nochmals an die Genosien Groß-Berlins, wiederum bis zum 10. Juni unermüdlich tätig zu sein, um in allen Stichwahlen den Sieg an unsere sturmerprobten Banner zu fesseln. Wie wir weiter erfahren, haben eine Anzahl freisinniger Wahlmänner das Wahlmannsniandat abgelehnt, so daß sich am 10. Juni Neuwahlen nötig machen, zu denen die Urwähler vom Magistrat geladen werden. Aber auch in allen anderen Bezirken Grosi-Berlins ist es unbedingt notwendig, bei den Stichwahlen auf dem Posten zu sein, da die gewählten Wahlmänner für die ganze Legis- laturpcriode, also für volle fünf Jahre, im Amte bleiben und sowohl jetzt wie auch später jede Wahlmannsstimme zählt. Darum also, Genossen in allen Bezirken, Manu für Mann zur Stichwahl. Rüttelt alle Wähler, welche am 3. Juni fehlten, auf, wenigstens am 10. Juui die solidarischen Pflichten gegen ihre Arbcitsbrüder zu erfüllen und für die Wahl sozial- demokratischer Wahlmänner einzutreten. Parteigenossen! Wie immer ertönt«nser Ruf: An die Arbeit! Hoch die Partei! Der Zentralvorstand. Partei- Angelegenheiten. Achtung! Zwölfter Landtagswahlkreis. Die Parteigenossen werden ersucht, am Sonnabendabend 8 Uhr sich an folgenden Stellen einzufinden: P ü s ch e l, Thomasiusstr. 18. V o l k m a n n, Lehrter Str. 48». Cäsar, Alt-Moabit 119. Bö nicke. Alt-Moabit 79. Achilles. Wiclefstr. 24. Walentowski, Perleberger Str. 13. Parteigenossen! Wir erwarten von Euch in Anbetracht der aussichtsvollen Stichwahl, daß Ihr Eure Schuldigkeit tut und zahlreich antretet. Die in Frage kommenden Wahllciter erhalten das Material am Sonnabend von 5 Uhr an bei Achilles und Hilfskräfte aus den obenbenannten Stellen. Das sozialdemokratische Wahlkomitee des zwölften LandtagSwahlkreises. Rixdorf. Achtung! Unsere Parteigenossen und deren Angehörige machen wir auf das am 2. Pfingslfeiertage stattfindende F r ü h- Konzert, welches vom Wahlverein arrangiert ist, aufmerksam. Das Konzert beginnt um 5 Uhr und wird von Mitgliedern der Zivilberufsmusiker ausgeführt. Entree pro Person 10 Pf., Kinder frei.— Offene Kasse.— Im Saale gemütlicher Tanz. Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 30 Pf. nach. Den Damen steht die Kaffeeküche zur Verfügung. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Nowawes. Mittwoib, den 10. Juni, abends 8'/, Uhr, findet im Lokal des Herrn Emst Schmidt(Deutsche Feftsäle), Wilhelmstr. 41/43, die Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins mit folgender Tagesordnung statt: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag. 3. Besprechung über die stattgefundenen Urwahlen in unserem Ort. 4. Bericht von der Generalversammlung Groß-Berlins. 6. Verschiedenes. Gäste, auch Frauen, haben Zutritt. Auch werden neue Mitglieder sauf- genommen. Französisch- Buchholz. Der Feiertage wegen findet die nächste Wahlvereinsversammlnng erst am Mittwoch, den 17. Juni, statt. Der Zahlabcnd am 10. Juni fällt aus. Näheres wird noch bekannt gemacht. Stralau. Der Wahlverein veranstaltet am 2. Pfingstfeiertag im Lokal»Alte Taverne" ein Frühkonzert mit Tanz. Die Genossen werden ersucht, für guten Besuch Sorge zu wagen. Ferner werden die Genossen gebeten, die noch in ihren Händen befindlichen Sammellisten umgehend beim ersten Vorsitzenden ab- zurechnen. Fricdrichsfclde. Sämtliche Bezirks führer haben sich am Sonn- abendabend 9 Uhr zur Entgegennahme der Arbeiten zur Stichwahl bei Sudbrinc! einzufinden. Das Wahlkomitee. Berliner JVacbrichten. Die Wahlleiter der Landtagswahlbezirke bitten wir darauf zu achten, dast die am 3. Juni gewählten Wahl- männer, soweit dies noch nicht geschehen» die grüne» Jormulare mit der Annahmeerklärung absenden. Der Aktionöauöschust. Frühkonzert. Welcher llrberliner kennt nicht die erquickende Bedeutung dieses volkstümlichen Wortes? Es ist ein Freudenbegriff, der jahrzehnte- lang von Berliner Eigenart untrennbar war und seine Blütezeit in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts feierte. Wer nicht wenigstens an einem der beiden Pfingsttage zum Frühkonzert ging, hatte vom»lieblichsten der Feste" nur die halbe Freude. Es war aber auch ein echtes, rechtes Volksvergnügen, das niemand dem Volke streifig machen konnte. Wenn die Massen der unteren Stände mit frischen Kräften und froher Stimmung in festlichen Kleidern den Konzertgärten zustrebten, waren die entnervten Be« sitzenden knapp erst aus die seidenen Kissen gesunken nach den gewohnten Orgien in jenen Stätten des überschäumenden Genusfes, wo man sich bei Wein und Weibern nicht langweilt. In ihrer Blasiertheit und Hcrzensleere verstanden sie es nicht, dem Reiz der köstlich labenden Frühnatur auch nur den geringsten Geschmack abzugewinnen. Was bedeutet diesen ausgebrannten Kratern, diesen vennorschten Lörvern und Seelen das Pfingstfest? Ein Nichtstuertag, bestimmt zum unersättlichen Lebensgenuß wie jeder andere Tag im Jahre auch. Sie können sich nicht hineindenken in jenes herrliche Gefühl, das der Arme, der um sein tägliches Brot schwer Ringende empfindet, nach sechs Tagen der Oual und der Knechtschaft wenigstens einen Tag frei und ungebunden zu sein, zu Pfingsten schon in früher Morgenstunde am bescheidenen Kelch deS Glücks zu nippen. Ein Dorn im schielenden Auge waren die Pfiiigst-Frühkonzerte von jeher denen, die dem unteren Volke selbst noch die herrliche, freie Gottes- uatur mißgönnen und am liebsten alles Menschliche, um es ganz unter ihren einschnürenden Bann zu zwingen, in den Gotteshäusern kasernieren möchten. Die Woche soll nur zum Arbeiten, der Sonntag nur zum Beten da sein. Als ob nicht die Gewissensreinen und Geistesfreien, die dem Schönen und Guten der allmächtigen Natur huldigen, auf der großen Schuldwage des MenschtumS hundertmal leichter wiegen wie die anderen, die Rückwärtser und Leisetteter, die Augenverdreher und Rosenkranzscheinheiligen I Es war um die Mitte der neunziger Jahre, als die fortgesetzten Bohrversuche der Frommen und Frömmelnden, in die alte Berliner Bolkssitte einen Keil zu weiben, einen gewissen Erfolg hatten. Die erweiterte Polizeiverordnung über die Sonntagsruhe, welche dem Gastwirtsstande anfangs so großen Schaden zufügte, setzte auch dem unschuldigen Volksvergnügen am Pfingstmorgen mit dem Läuten der Kirchenglocken ein Ziel. Viel hat es den Uebereifrigen im Herrn nicht genutzt. Die Kirchen, die unter dem neuen allerhöchsten Kurse wie Pilze aus dem Berliner Boden schössen, blieben nach wie vor gähnend leer. Das bißchen Uebcrschuß an den Pfingst- feiertagen geht bekanntlich aufs Konto der Pfingstkluft, die manche sonderbare Heilige in seltsamer Vorliebe gar zu gern nach den Gotteshäusern spazieren führen. Und wenn etwa ein Jahrzehnt lang die Flut der ungezählten Tausende, die in früherer Zeit nach den Frühkonzerten strömten, etwas abflaute, so lag das zu allerletzt in polizeilichen und kirchlichen Machinationen begründet. Es war die natürliche Folge der modernen Erscheinung, daß gerade die be- liebtesten, volkstümlichen Gartenlokale, namentlich solche auf dem Gesundbrunnen, in der Hasenheide und in Moabit, unter dem gold- halfigen Zwang derBauspekutation ihre Pforten für immer schlössen. Zu- fälligerweise hatte auch jahrelang der Wettergott gerade zu Pfingsten ein so verdrießliches Gesicht aufgesetzt, daß sich die Frühkonzerte von selbst verboten. Erst in neuerer Zeit lebt die alte Volkssitte, nach- dem in den Vororten, nahe der Weichbildgrenze, zahlreiche neue mächtige Volksbelustigungsstätten entstanden sind, kräftig wieder auf. Das ist gut so. Auch an solchem Tage, der für kurze Stunden, die lästigen Fesseln.des Jochs abstreift, soll das Volk zeigen, daß es sich zu seinen vielen Rechtlosigkeiten nicht auch das Recht des Vergnügt- seinS, soweit in unserem herrlichen Staatsleben davon noch bescheiden die Rede sein kann, verkümmern läßt. Wahlepisode«. Auf die Kopfbedeckung abgesehen hatte eS am Tage der Landtagswabl der Wahlvorsteher des 1064. UrWahlbezirkes, der Hussitenstr. 9 sein Wahllokal inne hatte. Der Wahlvorsteher heißt EmSmann und wohnt Hnssitenstr. 2. Schon am Bormittag richtete er sein Augenmerk daraus, daß jeder Wähler in dem geheiligten Raum des'Wahllokals sich seiner Kopfbedeckung entblößte. Jeder Wähler, der unachtsamerweise mit der Kopfbedeckung an den Wahl- tisch trat, wurde barsch zurückgewiesen mit der Bemerkung, erst draußen seinen Hut oder seine Mütze abzunehmen. Ver- schiedene Wähler waren durch diese Anordnung des er- zieherischen Herrn Hauseigentümers ganz verdutzt, gingen hinaus und kamen dann ohne Kopfbedeckung wieder ins Wahllokal, um nun ihr Wahlrecht auszuüben. Bei anderen ging das weniger glatt ab, da sie meinten, sie könnten ja den Hut noch abnehmen und ihn in der Hand behalten. Das half aber nichts,' sie mußten hinausgehen: selbst einem Schutzmann in Zivil und einem ergrauten Manne erging es so. Wiederholt kam es deswegen im Wahllokale, zu lautem Streite. In einigen Fällen drohte der Herr nach der Polizei zu schicken, wenn seinen Befehlen nicht sofort willig Folge geleistet würde, er führte dann diese Drohung auch ans. Die Polizei bekam aber nichts ztz fitfl., Mr wollen nicht dariiber streiten, ob eS richtig ists im Wahllokal die Kopfbedeckung' aufzubehalten f wenn aber die Leute ihren Hut ab- nahmen, hatte der Herr Wahlvorsteher kein Recht, dieselben erst nochmals aus dem Wahllokal zu schicken und sie erst dann zur Wahl zuzulassen. Ist der Herr etwa gar Reserveleutnant, daß er glaubt, in dieser Weise verfahren zu müssen? Sollte Herr EmSmann für die Zukunft wieder einmal zum Wahlvorsteher ausersehen sein, tut das Wahlbureau gut, dem Herrn erst ein Privnttssimum über Rechte und Pflichten eines Wahl- Vorstehers zu halten. Aus dem Hansaviertel wird unS geschrieben: Wenn einem Ge- nossen von einem Arzte Langeweile verordnet werden müßte, dann könnte er ihm ohne Bedenken anraten, die unsinnigen Gespräche des Freisinnklnngels am Wahltisch mit anhören zu müssen. Meine Sprache ist zu dürftig, um die im Haniaviertel verzapfte Summe von Dummheit, Unwissenheit und Aufblähung zu schildern. Die Erst- und Zweitklassigen am Wahltisch hatten teilweise keinen Schimmer von den Pflichten der Wahlmänner, und natürlich ging ihnen auch jedes Gefühl für die Schädlichkeiten deS elenden Wahlgesetzes ab. Auch die Wähler standen mitunter auf preußischer Kulturhöhe schiveigend am Wahltisch, unter anderem zog ein Polizei- Wachtmeister ab, weil er nicht wußte, wie er sich zu Verhalten und zu stimmen hatte, und ein Oberpostschaffner verschwand, als er die Oeffent- lichkeit der Wahl hörte, protestierend. Wiederum wählten Proletarier aus Unlenntnis nur einen Wahlmann und schmälerten so ihr win- ziges Recht noch um die Hälfte. Wenn man von alledem Zeuge sein muß, niöchte man aus der Haut fahren, weil sich eine Regierung dieser Farce von Wahl nicht schämt, und eine Bevölkerung sich so etwas bieten läßt. Lange genug zog die Regierung Vorteil aus der Furcht und der Dummheit ihrer rechtlosen Bürger; eS wird Zeit, diese Schmach hinweg zu demonstrieren. Für die beiden Pfingstfeiertage hat die Eisenbahndirektion Berlin wieder die weitgehendsten Maßnahmen getroffen, um den zu erwartenden Massenandrang der Ausflügler nach den Vororten gerecht zu werden. Nach dem Grunewald werden vom Potsdamer Bahnhof, Rixdorf, Grünau über Stadtbahn, von Weißensee über Nordring und Westend Züge derartig abgelassen werden, daß zirka alle 7% bis 10 Minuten ein Zug auf der genannten Station ein- trifft. Für die Rückbeförderung am Abend werden noch besondere Züge zwischen Grunewald und Charlottenburg eingelegt, so daß mit Einschluß der Vorortzüge zu den Hauptvcrkchrsstunden sich die Trains nach den verschiedenen Richtungen in Abständen von fünf Minuten von der Station aus folgen werden. Für die Strecke Berlin-Hermsdorf ist ein 7� bis 10 Minutenverkehr borgesehen. Nach Friedrichshagen und Erkner werden außer den fahrplan- mäßigen Sonderzügen auch noch solche nach Bedarf bis zu einer Zugfolge von 10 Minuten abgelassen. Um eine übermäßige Be- lastung der Stadtbahn zu verhindern, auf der die Zugdichtigkeit höchstens zwei Minuten betragen darf, wird ein großer Teil dieser Sonderzüge ebenso wie in der Richtung nach Grünau und Nieder- Schöneweide vom Schlcsischen Bahnhof abgelassen. Ausflügler, die von einer Stadtbahnstation abfahren wollen, werden also gut daran tun, bei besonders starkem Verkehr mit einem Stadtbahnzuge bis zum Schlesischen Bahnhof zu fahren und dort�umzustcigen. Für den Verkehr nach Spandau werden ebenfalls Sonderzüge, die die Stadtbahn nicht berühren, vom Bahnhos l5harlottenburg aus ver- kehren. Der Vorortverkehr über die Stadtbahn nach Potsdam wird durch Sonderzüge verstärkt werden, welche die Ferngleise benutzen und dementsprechend nur auf den Fernbahnhöfen halten. Die Aufnahmefähigkeit der in allen Richtungen von früh bis zum Schluß verkehrenden Züge wird über zwei Millionen Personen betragen; dennoch wird eine Uebcrfüllung der einzelnen Wagen- abteilelnicht zu vermeiden sein, weil;a der Hauptverkehr sich immer nur in wenigen Stunden zusammendrängt und zu anderen Zeiten eine geringere Platzausnutzung der Trains erfolgt. Ucber eine widerliche Szene auf dem Bahnhof Halens« wird UNS von einem Augevzeusezi KerWet: Am Tage der Landtagswahl gegen 5 Uhr abends erlebte ich beim Betreten des Bahnsteiges einen Auftritt, der ebenso empörend wie abschreckend wirkte. Auf dem zweiten Bahnsteig, der sonst völlig menschenleer war, waren der mit der roten Dienstmütze bekleidete Vorsteher.und ein Eisenbahn- arbeiter bemüht, einen dem Arbeiterstande angehörenden Menschen ans mir unbekannter Ursache vom Perron zu zerren. Da sich der Arbeiter gegen seine Entfernung sträubte, geriet der Vorsteher der- maße» in Wut, daß er mit dem in der Hand haltenden Signal- apparat(bekanntlich eine an einem handlichen Stock befestigte Scheibe) plötzlich mit wahrer Berserkerwut blindlings auf den Unglücklichen cinhieb. Die auf dem anderen Bahnsteig zahlreich wartenden Passagiere gaben ihrer Empörung über diese Roheit eines Beamten lauten Ausdruck, was den Herrn aber durchaus nicht genierte. Die Einfahrt meines Zuges verhinderte mich leider, den Ausgang dieser Affäre zu erkunden. Aber die Frage muß man doch auswerfen: War es menschlich oder auch nötig, auf einen wehrlosen Menschen, selbst Ivenn er sich eines Vergehens schuldig gemacht liatte, aus so rohe Weise mit einem Knüppel ein- zuhauen? Wo bleibt da die„altbewährte preußische Beamten- tradition", nach welcher die Beamten die Diener des Publikums sind? Hoffentlich erfährt die Eisenbahnbchörde, die ja von Zeit zu Zeit ihren Beamten einschärft, dem Publikum gegenüber„höflich und zuvorkommend" zu sein, von diesem Uebergriff eines ihrer Bs- amten und macht ihm klar, daß auch Arbeiter in ärmlicher Kleidung zum„Publikum" gehören. Bon den„Erfolgen" der Berliner Gemeindeschule. Im Februar entnahmen wir der„Volkszcitung" eine Notiz, die einen wunder- 'lichen„Aufsatz" über den„Pariser Platz", angeblich die Arbeit einer Berliner Gemeindeschülerin, enthält. Dieler„Aufsatz", der wort- und buchstabengetreu wiedergegeben sein sollte, mußte in seinem blühenden Blödsinn als eine geradezu unge- heuerliche Probe der„Erfolge" unserer Gemeindeschulen erscheinen. Die„Volkszeitung" hatte noch hervorgehoben, die Schülerin sei sogar„regelmäßig versetzt" worden Dem gegenüber äußerten w i r Zweifel daran, daß eine solche Leistung irgend einem Lehrer als ausreichende Durchschnittsleistung der betreffenden Klasse gelten könne. Im übrigen wiesen wir darauf hin, daß durch Vcr- öfsentlichungen dieser Art nur die Lehrer selber bla- miert werden. Wir sprachen auch die Vermutung aus, daß schwerlich der Lehrer, der hier in Frage komme, in eigener Person die Veröffentlichung der ihn blamierenden Notiz veranlaßt haben werde. Nunmehr hat nach mehr als drei Monaten der Magistrats- berichterstattcr den Zeitungen gemeldet, die S ch u l v e r w a l t u n g der Stadt habe die„Volkszeitung" um Angabe der fraglichen Schule gebeten, habe aber keine Auskunft erhalten. Auch vom Provinzial- schulkollegium sowie vom Kultusministerium sei vergeblich dort angefragt worden. Es seien dann Ermittelungen vorgenommen worden und dabei habe sich herausgestellt, daß ein„Aufsatz" über den„Pariser Platz" in gar keiner Gemeinde- schule Berlins angefertigt worden war. Erst infolge jener Zeitungsnotiz habe man nachträglich in der 64. Schule den Kindern dieses Thema zu bearbeiten gegeben, aber die Aufgabe sei von den Kindern zur Zufriedenheit gelöst worden. Zu dieser magistratsoffiziöscn Mitteilung hat die„V o l k s z e i t u n g" er- klärt, ihr sei der Wortlaut jenes angeblichen„Aufsatzes" damals von einem Lehrer zugestellt worden, mit Rücksicht auf das Redaktionsgeheimnis habe sie der Behörde keine Auskunft gc- geben. Das Interessanteste an dieser Affäre ist, daß auch die„P ä d a- gogische Zeitun g", das Organ der Berliner Gemcindeschul- lehrer, den angeblichen„Aufsatz" als Tatsache hingenommen und eine längere Erörterung der Ursachen solcher Mißerfolge a:lL>> hängt hatte.' Der Umstand, daß das Kind sogar„regelmäßig ver- setzt" worden sei, wurde von dem Lchrcrblatt zwar als„aus- fallend" bezeichnet, aber sonst mit keinem Worte angc- zweifelt. Wir ersahen daraus zu unserer Ueberraschung, daß sogar in Lehrerkreisen dieses Unmögliche für möglich gehalten wurde. Die magistratsoffiziöse Richtigstellung wird jetzt auch von der„Pädagogischen Zeitung" wiedergegeben. Hinzugefügt wird aber von dem Lehrerblatt merkwürdigerweise weiter nichts als der kahle Satz:„Hiernach zu urteilen, mutz die„Volkszeitung" von dem Einsender grob getäuscht worden sein". Daß der Ein- sendcr nach der Versicherung der„Volkszcitung" ein Lehrer war, wird in der„Pädagogischen Zeitung" nicht mitgeteilt. Berliner Asylvcrcin für Obdachlose. Im Monat Mai nächtigten im Männerasyl 21684 Personen, wovon 9372 badeten, im Frauen- asyl 4835 Personen, wovon 2208 badeten. Die OmnibuSlinir 11„Moabit— Neuer Markt" wird am 8. d.M. ihre' Fahrten einstellen, weil die Benutzung eine zu geringe geworden ist. Dagegen wird der Betrieb auf anderen Linien eine Verstärkung erfahren._ WaS ist beim Fahren ein«weiter Bogen"? Eine Goldgrube für die Polizeikasse sind die Fahrkontraven- tionen auf Berliner Pflaster. Nach dem strengen Buchstaben der Fahrordnung soll stets auf der rechten Seite des Fahrdammcs ge. fahren und nach Nebenstraßen in„weitem Vogen" eingelenkt werden. Auf dem Papier sieht das außerordentlich einleuchtend aus, aber in der Praxis des Riesenverkehrs der Weltstadt ist es tatsächlich nicht immer durchführbar. Wenn diejenigen Wagenführer, welche, ohne damit irgendwelches Unheil anzurichten, für ganz kurze Strecken die Mitte des FahrdammeS halten und nach der Mitte anderer Straßen einbiegen, bestraft werden sollten, müßten täglich noch einige Tausende polizeilicher Strafverfügungen mehr erlassen werden. Die Schutzmannsposten hätten weiter nichts zu tun, als von drei Kutschern mindestens immer einen„aufzuschreiben" und dadurch den Verkehr empfindlich zu stören. Gestern stand wegen einer solchen Straßcnpolizei-Uebcrtretung, und zwar auf Grund einer privaten Denunziation, der Bierkutscher Kr. vor dem könig- lichen Schöffengericht. Es kam dabei zwischen den Zeugen und dem Vorsitzenden zu Erörterungen, was ein„weiter Bogen" sei. Die Zeugen erklärten unter Eid, daß unter Berücksichtigung der außerordentlich günstigen örtlichen Umstände der Angeklagte einen genügend weiten Bogen beschrieben habe, da er auf dem sehr breiten Straßenzuge zwischen Lindenstraße und Schützcnstraße von einer Stratzenmittezur anderen gefahren sei. Es wurde ausdrücklich betont, daß sämtliche Wagenführer an dieser Stelle so fahren und daß sie oft gar nicht anders fahren können. Trotzdem verharrte der Vorsitzende bei dem einseitigen Standpunkte, daß jeder, der nicht genau die rechte Seite hält, sich strafbar mache. Natürlich wurde nunmehr der polizeiliche Strafbefehl richterlich bestätigt. Wir müssen zugestehen, daß dieses Urteil, wenn es sich auch strikte nach der Vorschrift richtet, mit den Verkehrsinteressen nicht in Einklang zu bringen ist. Wer links fährt und nach links einbiegt, also entgegenkommendes Fuhrwerk in Gefahr bringen kann, handelt sicher nicht richtig. Aber auch diejenigen Kutscher zu bestrafen, welche für wenige Sekunden die Mitte der Straße befahren, ist eine unverdiente Härte. Selbst die Schutzleute Pflegen derartige Kutscher nur in ganz seltenen Fällen zur Anzeige zu bringen. Eine mildere Auffassung der Gerichte scheint uns hier bei der Eigenart des Weltstadtverkehrs dringend am Platze zu sein. Ein«euer Franenmord? Im Charlottenburger Verbindung«- kanal, unweit Plötzcnsee, gegenüber der Erziehungsanstalt Lichar, wurde gestern, vormittags 11 Uhr von zwei Arbeitern der Ober- körper einer Frauenleiche im Wasser aufgefunden. Die dorfige Polizei landete die Leiche und erstattete sofort der Berliner Kriminalpolizei Anzeige. Unter Führung deS OberregierungsrateZ Hoppe eilte die sogenannte Mordkommission nach dem Fundort. Auch der Gerichtsarzt Dr. Strauch begab sich dorthin. Die Beiche wurde nach der Leichenhalle des Gemeindefriedhofes ges Die Betriebsleitung der Berliner elektrischen Straßenbahuen A.-G. J Strümpfe. Ihre Wäsche ist mit A. F. gezeichnet. Die Fran Fiedler schafft und dort von dem Gerichtsarzt besichtigt. Dabei ergab fich( Siemens u. Halste) teilt mit, daß bei günstiger Witterung am ist mittelgroß, von unterſetzter Gestalt und hat graublaue Augen; folgendes Resultat: Der Oberkörper der Reiche ist fast 1. und 2. Pfingstfeiertage auf unseren Linien folgende Frühzüge besonders fallen die vorstehenden Backenfnochen auf. Sie ist etwa horizontal abgeschnitten derart, daß an der Vorder- eingestellt werden: 1. Linie Behrenstraße- Treptow: Ab Hollmann- 53 Jahre alt, fieht aber, obwohl fie noch nicht ergraut ist, älter straße Ecke Lindenstraße von früh 430 Uhr an, ab Behrenstraße von aus. Wahrscheinlich ist es, daß sie vor Angst und Aufregung den feite die Bauchhaut etwa 15 Zentimeter länger stehen geblieben früh 500 Uhr an, in Abständen von 10 Minuten. 2. Linie Mittel Kopf gänzlich verloren hat und planlos in Berlin und Umgebung ist als die Haut des Rückens. Die Wirbelsäule ist unstraße- Pantow- Nieder- Schönhausen: Ab Pankow Betriebsbahnhof umherirrt. Nachrichten werden an die Kriminalpolizei, 3460, IV. regelmäßig und zadig durchgetrennt. Die Knochen des Damerowstraße von früh 400 Uhr an, ab Mittelstraße( Ecke Friedrich 6. 08, erbeten und auf jedem Polizeirevier entgegengenommen. Brustkorbes und die Rippen sind fast sämtlich gebrochen. straße) von früh 440 Uhr an, in Abständen von 10 Minuten. 3. Linie Der rechte Oberarm zeigt eine 10 Bentimeter lange Schnittwunde. Badstraße( Ecke Brinzenallee)-Franz. Buchholz: Ab Babstraße( Ede Auch an der linken Augenbraue ist die Haut durchschnitten. Der Prinzenallee) von 425 Uhr an, in Abständen von 35 Minuten. Unterförper fehlt noch. Die Tote scheint eine ArbeitsIofe gewesen zu sein. Ihr Alter wird auf 40 bis 50 Jahre geschäßt. Das Haar ist dunkelblond, die Augen sind braun. Bis jetzt fonnte die Persönlichkeit der Toten noch nicht festgestellt werden. Ebenso ist noch nicht ermittelt, ob es sich wirklich um ein Verbrechen handelt oder ob die Verlegungen von einer Schiffsschraube herrühren. Die Leiche muß schon mehrere Tage im Wasser gelegen Im Laufe de 3 gestrigen nachmittags erschien eine Gerichtstommiffion und ein Vertreter der Staatsanwaltschaft in Blößensee, um den Tatbestand aufzunehmen. Die Leiche wurde mehrmals photographiert. In erster Linie handelt es sich für die Polizei darum, die Persönlichkeit der Toten festzustellen und die noch fehlenden Körperteile herbeizuschaffen. Der Charlottenburger Berbindungskanal wurde nach allen Richtungen hin abgesucht, jedoch ohne Erfolg. Gegen Abend erließ der Polizeipräsident an den Säulen Groß- Berlins folgende Bekanntmachung: haben. 1000 M. Belohnung. Am 5. d. M., bormittags 10% Uhr, wurde im Charlotten. burger Verbindungskanal, etwa 150 Meter südwestlich von der Königsdammbrücke, der Oberkörper einer ungefähr 40 bis 50 Jahre alten weiblichen Person gefunden, der offenbar mehrere Tage im Waffer gelegen hat. Stopf und Arme befinden fich am Körper. Der Unterförper bon eta 15 Bentimeter unterhalb des Nabels ab und die Beine fehlen. Diese Teile liegen wahrscheinlich noch im Wasser. Ihre Auffindung ist von großer Wichtigteit. Die Möglichkeit einer strafbaren Handlung ist nicht ausgeschlossen. Die Person gehört den unteren Ständen an. Das faftanienbraune Haar ist kurz abgeschnitten( sogenannter Titustopf). Die Schneidezähne des Oberkiefers fehlen, im Untertiefer find vier Schneidezähne vorhanden. An der Leiche befinden sich zerriffene Stücke einer schwarzen Cheviotbluse und eines mit Besatz versehenen Hemdes. Für den Fall, daß ein Verbrechen vorliegt, wird die obengenannte Belohnung für die Personen aus dem Publikum ausgesetzt, die zweddienliche Angaben zur Ueberführung des Täters erstatten. Ein Teil der Belohnung ist für die Auffindung der fehlenden Körperteile bestimmt. Berlin, den 5. Juni 1908. Der Polizeipräsident gez. b. Stubenrauch. Wir konnten dem neuen Schauspiel feinen Geschmad abgewinnen. Ein schönes Feuerwerk ist entschieden vorzuziehen. Der Weiße See in Flammen. Dieses Schauspiel soll während der Sommerfaifon im Schloß Weißensee dem Publikum geboten werden. Auf einer bestimmt abgegrenzten Fläche des Weißen Sees lodern aus Ein finkender Frachtdampfer. Der Frachtdampfer Else" des dem Wasser Flammen empor, große und kleine, ganz wie der phroSchiffers Grabert aus Ralfberge, der mit Eisenteilen und gefüllten technische Ingenieur es bestimmt. Seleine blaue Flämmchen hüpfen Biertonnen beladen war, hatte am Donnerstag abend gegenüber wie Ferlichter auf dem Wasser umber, um bald darauf als mächtige dem Hause Friedrichsgracht Nr. 4 angelegt und wollte noch während Feuergarben bis zu einer Höhe von 40-70 Fuß emporzuschießen, der Nacht nach Spandau fahren. Gegen 9 Uhr neigte er sich plötz- eine mächtige Glut und nicht zu wenig Qualm verbreitend. Auch ich nach der Seite und zog Wasser. Der Heizer öffnete sofort das eine Feuersprige tritt in Tätigkeit, um zu zeigen, daß dieses Feuer Sicherheitsventil, um dem Dampf Abzug zu verschaffen und nicht au bämpfen ist. Eine Belagerungsszene mit der obligaten eine Explosion des Kessels zu berhüten. Gleichzeitig setzte Schießerei und Knallerei ist eingeflochten, wobei ein Schiff in Brand er das Signalhorn in Tätigkeit. Feuerwehr und Strompolizei geſtedt wird. waren alsbald zur Stelle. Zunächst wurde der sinkende Kahn mit starten Seilen am eisernen Brückengeländer und an den Steinpfeilern festgebunden, dann für Herbeischaffung eines leeren Lastkahnes geforgt. Diefer legte sich neben den Dampfer und fofort begann die sprechleitungen durch diebische Gesellen wollen kein Ende nehmen, Drahtdiebstähle und kein Ende. Die Zerstörungen von FernUmladung vom Dampfer auf den Kahn. Diese Arbeit war sehr zeit- und trotz der hohen Geldbelohnungen, die seitens der Oberpostraubend und wurde erst nach Mitternacht beendet. Eine Dampf direktion für die Ermittelung der Uebeltäter ausgesetzt werden, sprize der Feuerwehr war während dieser Zeit in Tätigkeit, um das gelingt es nur selten, einen der Burschen abzufassen. Der letzte eingedrungene Waffer auszupumpen. Drahtdiebstahl ist an der Gasanstalt an der Ruschestraße berübt Mädchenhändler unterwegs. Die soziedad philantropica in worden. Mehrere hundert Meter Bronzedraht wurden von den Buenos Ayres hat die hiesige Kriminalpolizei auf Mädchenhändler Leitungsstangen gelöst und entwendet. Auch an der Fernsprech aufmerksam gemacht, welche demnächst nach Europa fommen werden. leitung in der Üdermarkstraße wurde wieder ein Drahtdiebstahl an der Spizze der Gesellschaft steht ein großer Chef der dunklen ausgeführt. Bande der Staftens"( Mädchenhändler), der unter dem Namen Abraham Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Heute abend findet der oder Adolf Dickenfaden oder auch Adolf Napoleon reift. Er steht Tette Geschichte Unterricht für dieses Quartal statt. im Alter von 43-45 Jahren, ist torpulent und hat dunkles Haar Am Sonntag, 7. Juni( 1. Pfingstfeiertag) Ausflug nach Fangund Schnurrbart. Er hat den Typus eines Persers. In seiner Beschleuse. Abfahrt des Zuges nach Ertner Alexanderplatz 8,29 Uhr, gleitung befinden sich 14 Individuen von schlimmstem Rufe, die Jannowitbrüde 8,31 Uhr, Schlesischer Bahnhof 8,34 Uhr. Treff darauf ausgehen, in Europa Mädchen zu verloden, mit ihnen nach punkt für Nachzügler bis 10% 1hr Degebrodts Restaurant", Buenos Ayres zu gehen, um sie dort an öffentliche Häufer zu ber- Friedrichstr. 1 in Erfner, von 12 Uhr mittags ab„ Restaurant zum laufen. Werlfee", Inhaber Franz Karolewsky in Fangschleuse. zu er reichen von Bahnhof Ertner durch Omnibus, Motorbootverbindung oder zu Fuß durch die Hübnerstraße über die Lödnikbrüde, rechts direkter Waldweg. Zahlreiche Beteiligung erwartet " In ber Blanken Hölle" ertrunken. In dem heimtüdischen morastischen Gewässer an der Schöneberger und Tempelhofer Grenzgemartung, der Blanken Hölle, die in jedem Sommer ihre Opfer fordert, hat auch gestern wieder ein junges Menschenleben den Tod gefunden. Trotz des polizeilichen Verbotes, an jener Stelle zu baden, follten Schulknaben in dem Gewäffer herum. Gestern wurden Schulfnaben durch das Jammergeschrei eines der Badenden, des neunjährigen Schülers Ernst Nünger, Ebersstraße 67, plöglich aufgeschreckt. Der kleine St. war an eine tiefe, fumpfige Stelle herangeraten und fant nun unter. Die Leiche des Ertrunkenen wurde bald darauf geborgen. In später Abendstunde erfahren wir, daß die Obduktion teinerlei Anhaltspunkte für einen Word ergeben hat. Viel mehr sprechen verschiedene Anzeichen dafür, daß der Tod durch Ertrinten eingetreten ist. Sorgfältige Unter- werden. suchungen führten zu dem Schluß, daß der Körper der Leiche von zwei Schiffsschrauben fast horizontal durchschnitten worden ist, und daß auch die Verlegungen am Oberkörper auf die gleiche Ursache zurück zuführen sind. 3863 Rigdorf. Das Komitee. Vorort- Nachrichten. Wahlunfug. Unsere gestrigen Mitteilungen, daß National liberale und Konservative oft Leute als ihre Wahlmänner auf Beim Baden ertrunken ist ferner der 17jährige Stealschüler gestellt haben, die nie ihre Zustimmung dazu gegeben haben, werden Scholtz aus der Braunsbergerstraße 27. Der junge Mensch war mit durch folgende Buschrift ergänzt: In dem Wahlmännerverzeichnis anderen Schulkameraden nach dem Halensee hinausgefahren, um in der nationalliberalen Partei sehe ich zu meinem größten Erstaunen der Badeanstalt Schwimm- und Sonnenbäder zu nehmen. Beim mich als Wahlmann der 3. Abteilung verzeichnet. Ich erkläre hier. Baden wurde er plöglich von einem Herzschlag betroffen und ging mit, daß ich noch nie in meinem Leben irgendetwas mit dieser unter. Erst als die Freunde Sch. vermißten, wurde man auf den Partei, welche den Bestrebungen der modernen Arbeiterbewegung Unfall aufmerksam. Die Leiche konnte bisher noch nicht gelandet auf das rüdsichtsloseste entgegenarbeitet, zu tun hatte und empfinde es als eine Schmach, für diese Partei Helfersdienste geleistet haben tonnte man jo recht fehen, daß die Arbeitslosigkeit in Berlin noch Ein Beitrag zur Arbeitslosigkeit. Bei den Wahlen in Spandau u sollen. Paul Ackermann, Mitglied des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen Deutschlands. lange nicht nachgelassen hat. Auf eine Annonce, in welcher die Nieder- Schönhausen. Liberalen girla 100 Bettelverteiler usw. suchten, erschienen nicht Aus der Gemeindevertretung. Die beabsichtigte Anleihe bon weniger denn 700-800 Arbeitslose. Verschiedene von denselben 210 000 m. ist vom Kreisausschuß genehmigt worden. Der Legung Herr Fischbeck hat's durchgescht! Die peptonfutter hatten fein Fahrgeld und kamen von Berlin bis nach Spandau zu von Kabeln seitens der Berliner Elektrizitätswerte in der Erestow fabrit erhält die Gelaubnis einer neuen Fabestation und die Nachdem has Komitee etwa 200 Mann angenommen hatte, straße wurde zugestimmt. Betreffs des Umbaues der Lindenstraße Anwohner des Schlacht- und Vishhofes werden mit dem Verfeerte fich die Straße. erstatteten sie den übrigen das Fahrgeld und erst gegen Mittag zwischen Bingergraben und der hohen Pantebrüde wurde be befferungssystem der ekelhaften Gerüche beglicht. Wie schlossen, vorläufig die schlimmsten Stellen provisorisch zu pflastern. immter foll das neue Berfahren tadellos jein. Der Opfer des Straßenverkehrs. Ein tödlicher Automobil. Da der Beamtenwohnungsverein 17 Häuser zu bauen beabsichtigt, Fachmann und Techniker" Fischbed begutachtete dies. Während un fall hat sich gestern morgen gegen 9 Uhr am Weddingplab so würde sich eine gründliche Pflasterung aus diesem Grunde nicht unten das Plenum der Stadtverordnetenversammlung tagte, wurde ereignet. Zur genannten Zeit wollte dort eine etwa 40jährige empfehlen. Des weiteren hatte die Vertretung Beschluß zu fassen oben im dritten Stock des Rathauses in der Sigung des Stura Frau den Fahrdamm überschreiten, als ein Brauerwagen herannahte. über die Mitbenutzung der Pantower Freibant. Die Regierung toriums des Schlacht- und Wiehhofes der neue Stontratt angenommen, Dieſem ausweichend, geriet die Frau gegen eine neben dem wünscht, daß die Gemeinden für minderwertiges Fleisch Berkaufs welcher auf weitere sieben Jahre die Fabrik draußen auf dem Brauerwagen fahrende Automobildroschte, wurde niedergerissen, stellen errichten. Da ein Schlachthaus hier nicht besteht, so braucht Schlachthofe„ arbeiten" läßt. Es gelang uns, eine fleine Sicher über den Kopf gefahren und erlitt einen Schädelbruch. Die Ver- eine Freibank nicht errichtet zu werden. In 8 Jahren sind erst heitsvorkehrung zu treffen dahingehend, daß in dem Vertrage die unglückte wurde nach der Unfallstation in der Lindower Straße zwei Fälle hier vorgekommen, daß Fleisch beanstandet wurde. Nach Bestimmung aufgenommen wird, daß alles Blut bis zum gebracht, wo der Arzt feststellte, daß Knochensplitter in das Gehirn Berlesung des Tarifs wurde die Mitbenußung beschlossen. Zum Abend des auf den Schlachttag folgenden Tages verarbeitet gedrungen waren. Die Unbekannte, deren Personalien nicht fest- Schluß wurde noch der Einführung des Scheckverkehrs zugestimmt. sein muß sowie daß jede aus der Fabrik dringenden üblen Gerüche zustellen waren, wurde nach dem Rudolf- Virchow- Krankenhaus Zahlungen an die Gemeindekasse können somit auch durch Schecks bermieden werden müssen. Zuwiderhandlungen sollen mit 500 2. ubergeführt, wo sie bald nach ihrer Einlieferung verstarb. erfolgen. Hierauf fand eine nichtöffentliche Sibung statt, Geldstrafe und im dritten Falle mit Schließung der Fabrik bestraft Rummelsburg. werden. Der von sozialdemokratischer Seite abermals gestellte Antrag, eine Kommission zur näheren Prüfung der neuen Fabrikationsart einzufegen, wurde natürlich wieder abgelehnt, was wirklich nicht für all zu große Gewissenhaftigkeit spricht. Jetzt haben die Anwohner die den Kleinen an der Hand führte, die Hennigsdorfer Straße noch Zeit, bis zur nächsten Stadtverordnetenversammlung, der der Vertrag vorgelegt werden muß, sich zu rühren und dagegen zu protestieren, daß sie abermals als Versuchskaninchen benügt werden sollen. Viel Zeit ist nicht zu verlieren. " nur Ein zweiter tödlicher Straßenunfall trug sich gestern abend gegen 27 Uhr in der Hennigsdorfer Straße zu. Der 6jährige Schüler Georg Lidmann, Sohn des in der Liebenwalder Straße wohnenden Arbeiters L., ging mit seiner 14 Jahre alten Schwester, entlang. Blöblich erblickte der Knabe auf der anderen Seite einen Spielkameraden, er riß sich von der Hand der Schwester los und lief auf den Fahrdamm. Hierbei geriet Georg L. gegen das Pferd eines in mäßiger Fahrt sich bewegenden Geschäftswagens, wurde niedergerissen und fiel so unglücklich zu Boden, daß ihm das rechte Vorderrad des Fuhrwerts über den Hals hinwegging. Der Tod des Kindes war, wie auf der Unfallstation in der Lindower Straße festgestellt wurde, durch den Bruch des Halswirbels faft augenblidlich eingetreten. Ein Lebendig verbrüht. Bei einem entfeßlichen Unfall hat das Töchterchen der Schmidtschen Eheleute, Bahnhofftr. 12, den Tod gefunden. Frau Ech. hatte die Kleine baden wollen und bas kochende Wasser neben den Wagen auf den Erdboden gestellt. Als fie fich für einen furzen Augenblick entfernte, richtete sich das Kind empor und stürzte aus dem Wagen heraus. Unglüdlicherweise fiel es in die kochende Flüssigkeit. Auf das Geschrei der Kleinen eilte die Mutter bestürzt herbei. Sie ließ sofort einen Arzt holen, der jedoch nicht mehr viel auszurichten vermochte. Das Kind hatte am ganzen Körper so furchtbare Brandwunden erlitten, daß es kurz darauf starb. Treptow- Baumschulenweg. Die Parteigenossen werden darauf aufmerksam gemacht, daß Baumschulenweg, Baumschulenstr. 78, ein Frühfonzert beranſtaltet, bestehend aus Instrumental- und Botaltonzert und Tanz. Bei ungünstiger Witterung findet das Konzert im Saale statt. Der Eintritt beträgt 20 Pf. Es wird gebeten, wenn möglich, sich daran zu beteiligen. Spandan. Ueber eine ansteckende Haarkrankheit machte in der letzten Sizung der Berliner medizinischen Gesellschaft Dr. Chajes Schöneberg Mitteilungen. Es handelte sich hierbei um eine in Deutschland außerordentlich seltene Erkrankung des Haares, die durch einen Pila, das Microsporon Audonixi" hervorgerufen wird. Diese Krant heit, die mit seltenen Ausnahmen bei Kindern, und Großen Besuch hatten wir gestern in unserer Redaktion. zwar borzugsweise bei Knaben vorkommt, ist äußerst Sollege des Russen Machnot stellte sich uns in der Person des der Gesangverein Liedes freundschaft" am 2. Feiertag bei Speer, langwierig. Es entstehen unter der Einwirkung des Pilzes Riefen Bisjatoff vor, der im Passage- Panoptikum sich für Geld mehrere ein bis fünf Bentimeter große table Flede, die sehen läßt. B. übertrifft den Machnow zwar nur um 1½ Bentimit fleinen Schüppchen bedeckt sind und an deren Rändern meter, feine sonstigen Körpermaße sind aber größer. Unsere Hände die Haare in einer Höhe von zirka drei Millimeteru ab- fonnten wir getroft dreimal nebeneinander in die Batschen des gebrochen sind. Es sind bis zu 10 und mehr solcher Krankheits- Stiefen legen. Seine Handschuhnummer ist 17. Und Füße hat er, herde auf der Kopfbaut beobachtet worden. Unter dem Mikroskop nicht zu flein, Rummer 77 paßt ihm erst. Sein Brustumfang ist fann man die fleinen regelmäßigen Bilzfporen um das Haar herum ganz ansehnlich, er beträgt 174 3entimeter. Wie wir, die wir ihm liegen fehen. Der Erreger dieser Erfrantung ist bereits im Jahre 1848 faum unter den Arm reichten, an ihm in die Höhe fahen, erzählte Stadtverordnetenversammlung. Vor Eintritt in die Tagess entdeckt worden, aber dann in Vergessenheit geraten. Erst im Jahre er uns, daß er 30 Jahre sei und in Rußland bei der Garde geordnung gelangte ein vom Stadtv. Dr. Baumert(.) und Genossen 1892 hat der französische Gelehrte Sabouroud diese Haartrantheit bient habe. Seine Geschwister seien aber alle von normaler eingebrachter Antrag zur Kenntnisnahme, die Einebnung eines wieder von neuem als eigentliches typisches Krankheitsbild beschrieben. Größe. Teiles der Festungswälle bis zum Winter zu verschieben, da die Während in anderen Ländern, besonders in Paris und London, Zeugen gesucht. Die beiden Herren, die am Mittag des 10. April Arbeit dann als Notstandsarbeit ausgeführt werden fönnte. Die biefe Haarerkrankung endemisch ist, d. b. dauernd in zahlreichen an der Friedrichstraße, Ede Oranienburger Straße, sich einem Rad- tonferbativen Herren hatten wieder einmal ihr sozialpolitisches Hers Fällen beobachtet wurde, ist sie bisher in Deutschland nur vereinzelt fahrer als Beugen anboten, werden ersucht, ihre Adresse gefälligit und ihre warme Fürsorge für den Arbeiter entdeckt. Nur schade, aufgetreten. In Schöneberg hat sie jedoch anscheinend eine richtige recht bald an Herrn Buls, Kruppstraße 5, einsenden zu wollen. Der daß sie diesmal, wie fast immer, daneben gehauen haben. Ein Teil Epidemie hervorgerufen, denn wie in der sich an die Demone Radfahrer soll eine Frau fahrlässig umgefahren haben. der Entfestigungsarbeit ist nämlich schon vergeben und in Angriff stration von Dr. Chajes anschließenden Diskussion ergab, find genommen. Dadurch findet aber das Wasser der Festungsgräben bereits 22 Fälle von dieser Krankheit bei Schöneberger Kindern Wer ist der Tote? Am 17. Mai cr., nachmittags gegen 7 Uhr, feinen Abfluß mehr und stagniert. Wenn die Weiterarbeit nun beobachtet worden und es ist nicht ausgeschlossen, daß noch weitere wurde im Spreekanal an der Monbijoubrücke die Leiche eines etwa bis zum Winter aufgeschoben wird und das stagnierende Waffer Erkrankungen zum Vorschein lommen. Es sind bereits von den 20-25 Jahre alten Mannes gelandet. Die Leiche war etwa im Sommer während der großen Hize stehen bleibt, so können sich Schöneberger Behörden umfassende Maßnahmen, z. B. Untersuchung 1,68 Meter groß, hatte langes, dunkelblondes Haar und feinen leicht Krankheitsherde entwickeln. Im fanitären Interesse ist es der Kinder ganzer Schulen usw., in die Wege geleitet worden, um blonden Schnurrbart; bekleidet war sie mit grauwollenem Hemde, fogar wünschenswert, daß die Zuschüttung der Gräben so schnell ein lebergreifen auf die Nachbarstädte zu verhüten. In Paris blau- weiß gestreifter Unterhose, blauer Tuchhose und Weste( Schiffer wie möglich erfolgt. Für etwaige Notstandsarbeiten im Winter hat diefe Krankheit einen derartigen Umfang einen derartigen Umfang angenommen, hoje), dunkelblauer wollener Unterface, schwarzem Jadett, grauen bleibt von den anderen größeren Unternehmungen, welche Spandau daß sich die Stadtverwaltung genötigt sab, unter einem Kosten Strümpfen und dunkelroten Plüsch- Hausschuhen. Ein weißes in Angriff genommen hat, noch genügend Arbeit übrig. Genosse aufwand von 600 000 Frant ein eigenes großes Institut zu errichten, Taschentuch, am Rande mit roten Streifen, war mit einem drei Pieper vertritt auch nach dieser Richtung hin die Ansicht der in dem die erkrankten Kinder bis zur völligen Heilung interniert blättrigen Kleeblatt und den Buchstaben M. S. gezeichnet. Nach der sozialdemokratischen Stadtverordnetenfrattion. Aber noch ein bleiben; fie erhalten dort vollkommen Schulunterricht, da sich der Kleidung zu urteilen, ist der Verstorbene ein Schiffer. Personen, anderes Thema wurde bei dieser Angelegenheit angeschnitten, Aufenthalt in dieser Anstalt bis zu 1 Jahren erstredi so lange welche über die Bersönlichkeit des Verstorbenen Auskunft geben nämlich, daß die Unternehmer bei den Entfestigungsarbeiten vor. Beit ist oft notwendig, um eine völlige Heilung herbeizuführen. tönnen, wollen sich mündlich oder schriftlich im Polizeipräsidium, wiegend ausländische Arbeiter, Rumänen, Russen und Polen be Die Ansteckungsgefahr ist zwar sehr groß, doch gelingt es, wie z. B. Bimmer 249, au Nr. 8122 IV 59 08, oder in einem Polizeirebier schäftigen und Spandauer Arbeiter dort keine Beschäftigung finden, Geheimrat His nach seinen Erfahrungen in Basel erwähnte, recht wohl, melden. trotzdem der Oberbürgermeister bei der Interpellation über den durch geeignete Maßnahmen eine Ausbreitung dieser ansteckenden Bermißt. Seit dem 31. Mai ist die Frau des Schiffseigners Rotstand der Arbeiter Anfang dieses Jahres, indem er auf die Haarkrankheit zu verhindern. Jedenfalls ist diese Vorstellung in der Fiedler aus Hamburg von dem Kahn ihres Mannes verschwunden. viele Arbeitsgelegenheit in Spandau hinwies, nach dem ausdrück Berliner medizinischen Gesellschaft eine Mahnung für die Eltern, Es ist nicht ausgeschlossen, daß sie in den Trubel der Einzugs- lichen Wunsche der Stadtverordnetenversammlung das Versprechen besonders in der Arbeiterbevölkerung, auf etwaige table lede auf feierlichkeiten hineingerissen ist und nun ihren Kahn nicht wieder abgab, daß in erster Linie Spandauer Arbeiter berücksichtigt wer dem behaarten Kopfe, auf denen die Haare ausgefallen oder ab- finden kann; auch mit der Möglichkeit, daß ihr ein Unfall zugestoßen den sollten. Aber wie bei anderen, so auch bei dieser Angelegen gebrochen sind, zu achten, und sofort den Arzt oder den Lehrer auf ist, muß gerechnet werden: Sie trug bei ihrem Berschwinden ein heit, die ja nur Arbeiter betrifft, hatte man wieder wohlfeile Aus mertjam zu machen, damit eine genaue Untersuchung stattfindet. graues Kleib und schwarzen Federhut, schwarze Schnürstiefel und reden. Der Oberbürgermeister meinte nämlich, die Zusicherung, dnß nur Sp«ck>au«r NrLeittt beschäftigt resp. deöorzugt wurden, dntte nur für die Notstandsaribeiten gegolten. Die jetzigen Eni- feitigungSarberten seien ohne eine solche Bedingung ausgeschrieben und die Unternehmer nähmen sich Arbeiter, woher sie solche am billigsten bekämen. Eine solche Bedingung, daß Spandauer Ar- beiter mit dem ortsüblichen ZZagelohn vorzugsweise beschäftigt irurden, könnte möglicherweise noch bei zwei nicht ausgeschriebenen �'osen aufgenommen werden. Um nun gleich die Probe auf das Exempel zu machen, stellte der frühere sozialdemokratische, jetzige wilde Stadtverordnete Ducksch den Antrag, bei den beiden auszu-- schreibenden Losen eine solche Bestimmung aufzunehmen. Hier verjagte aber das soziale Empfinden verschiedener konservativer und auch freisinniger Stadtverordneten. Es wurde nicht nur der Antrag des Dr. Baumert zwcckmäßigerweise, sondern auch der An- trag Ducksch abgelehnt. Wie kann man auch so naiv sein und von den Konservativen und FreisinnSgrösten erwarten, daß sie gegen die Unternehmerinteresien handeln. Was schadet es, datz noch reich- Ich genügend Spandauer Arbeiter und Steuerzahler arbeitslos untherlaufen und schließlich der Armenpflege zur Last fallen? Die Hauptsache ist, datz der Unternehmer auf seine Rechnung kommt. Die Spandauer Stadtverordneten können aber auch anders bandeln, wie aus nachstehender Verhandlung ersichtlich ist. Am 1''. März d. I. beschloß die Versammlung, vier besoldete Armen- pilcgerinnen einzustellen, jedoch unter der Bedingung, datz nur verheiratete Frauen oder Witwen zu diesem Amt zugelassen wer- den. Der Viagistrat hatte nämlich zu diesen Aemtern vier unver- heiratete Damen, die aber einen Kursus in der Säuglingspflege hatten durchmachen müssen und die sich schon längere Zeit beim Iugendschutzverein in bewährter Weis« betätigt hatten, in Aussicht genommen. Dies paßte aber einigen'besonders zart besaiteten mädchenfeindlichcn Stadtvätern nicht und deshalb der ein- schränkende Beschluß. Der Magistrat, der, wie anerkannt werden soll in dieser Beziehung, viel weit- und einsichtiger war, hatte die Aushebung des einschränkenden Beschlusses beantragt. Aber trotz dcr sehr verständnisvollen Rede des neuen Stadtrats Strike, dem der Genosse Pieck zustimmend beisprang, blieb die Mehrheit stolz bei ihrem alten Beschluß stehen und lehnte den Magistratsantrag ab. Die Mehrheit wollte gewiß mal zeigen, daß sie auch fest- bleiben könne. Wenn sie das nur bei anbeten Gelegenheiten betätigte. hier war es wirklich nicht nötig. Es steht aber trotzdem uoch zu hoffen, daß der einschränkende Beschluß aufgehoben wird. Der Magistrat wird schon wiederkommen. Von den Lehrerinnen verlangt man, daß sie nicht verheiratet sind, und hier will man unverheiratete Damen, die sich auch hauptsächlich mit der Kinder- pflege zu beschäftigen haben, ausschließen. Das verstehe wer kann.— Die Vergütung der Hilfslehrerinnen wird von 90 auf 100 M. monatlich erhöht. Man hat in letzter Zeit wegen der ge- ringen Bezahlung keine genügenden Hilfskräfte mehr bekommen können. ' Ein Freund der Jugend scheint der Kaufmann und Eisen- Warenhändler Theodor T r o i k e zu sein, der sich am Donners- tag vor dem hiesigen Schöffengericht zu verantworten hatte, weil er entgegen der Bestimmung des 8 139c der Gewerbeordnung seinen drei 15- und 16jährigen Lehrlingen nicht die gesetzliche Ruhepause von 11 Stunden die die gesetzliche Mittagspause von 1s4 Stunde gewährt hatte. Das letztere gibt dcr Angeklagte ohne weiteres als Verfehlung zu. Zu dem crsteren bemerkt er, wenn er die jungen Leute wirklich mal länger bis 10, 11, 12, 1 oder 2 Uhr nachts be- schäftigt hätte', weil es im Geschäft notwendig war, so hätte er jedenfalls nichts dagegen gehabt, wenn dieselben anderen TageS ctivaS später gekommen wären. Diese wären aber freiwillig und aus Geschäftsinteresse nicht später gekommen. DaS Gericht bestrafte den Jugendfreund usit 20 M. Geldstrafe. Qeffentliche Bibliothek und Lesehalle z« unentgeltlicher Be- nüiiung für jedermann, SW., Alexandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von £■'1,-10 Uhr abends, an Sonn» und Feiertagen von S— 1 und 3—6 Uhr. iVi den Lesesälen liegen zurzeit 616 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung ans.— Die Auslelh-Bibliothek ist bis auf weiteres geschlossen. Freireligiöse Gemeinde. In der Schule Kleine Franksurter Stratze 6: AormiltagS lO'l, Uhr: Sonntag, 1. Feiertag: Herr Pros. El.©ehrte und Nontag, 2. Feiertag: Frt. Ida Altmann: Festvorträge. Vermischtes. Unwetter. In T e t s ch e n und in zahlreichen Bezirken Nordböhmens haben die gestern nachmittag und abends niedergegangenen schweren Ge- Witter großen Schaden angerichtet. Die Esienbahnzüge erlitten große Verspätungen, viele Drahtleitungen wurden zerstört. Ein Gutsbesitzer namens KaulfuS wurde vom Blitz erschlagen, während seine 12jährige Enkeltochter schwer verletzt wurde. Innsbruck, 5. Juni. Durch großen Wassereinbruch wurden bei Götzens 86 Wohnhäuser vernichtet. Weite Strecken sind überschwemmt, so daß Militär zur Hilfe gerufen werden mußte. Brüssel, 5. Juni. Während des gestrigen schweren Gewitters, verbunden mit Hagelschlag, wurde in Charleroi ein Arbeiter, der mit Legung von Telephondrähten beschäftigt war, vom Blitze er- schlagen. In der Umgegend von Grammont sind Hagelschlosien von 35 bis 40 Gramm niedergegangen. Viele Fensterscheiben wurden zerstört und mehrere Häuser durch den Blitz in Brand gesetzt. Ein Haus in Ribcaucourtstraße, in dem sich ein Polizeibureau befindet, wurde bis zum ersten Stock unter Wasser gesetzt, ebenso verschiedene Häuser in benachbarten Straßen. BrUfkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde des„Vorwärts" fällt am Pfingstsonnabend und am dritten Feiertage aus. Wir bitten unsere Leser, davon Notiz nehmen zu wollen. E. B. 201 083. 1. und 2. Stirbt die Ehestau ohne Hinterlassung eines Testaments, fo tritt gesetzliche Erbfolge ein. Es erbt dann der Witwer'1,, die Kinder'I, des Nachlasse?. Zum Nachlaß rechnet alle?, was Eigentum der Frau war. 3. Die Kinder beerbe» den Vater in gleicher Weise. 4. Diese Kinder würden ihre Mutter beerben.— K. M. 100. Wenden Sie sich an einen Arzt.— R. G. 88. Der Verkauf ewes Hauses ändert den Mictsvettrag nicht. Die Rechte und Pflichten des stuheren Hausbesitzers gehen auf den neuen über. Er kann also nicht vorzeitig kündigen. Anders liegt es, wenn das Haus zwangsweise(durch Sub- hastation) erstanden ist. Fn diesem Falle hat der Ersteher des Hasses das Recht, die länger dauernden Mieisoerträge bis am 3. Tage des aus das Kauss- quartal solgenden Monats zum Schluß des Quartals zu kündigen.— A. H. ZI. Wenden Sie sich an die Berliner GcmerkschastSlommission, Engel-User 15. — Th. K. 82. 1. Ja. 2. Ja. 3. Das gleiche Recht hat die Frau dem Manne gegenüber nicht. Darin liegt die Eigenartigkeit. 4. Sie find im Irrtum. 6. Nein. 6. DaS ist möglich. 7. In Ihrem Fall der Mieter. — H. I. 34. Wenn Ihr Mietsverlraz nicht daS Gegenteil besagt, new. — B. 30. Versuchen Sie eä mit einem Antrage an die Berussgenossen- schast. Eine weitere Klage hätte Aussicht aus Ersolg.— B. S. 10. Ihre Eingabe an die Stenerdeputatton wird voraussichtlich Erfolg haben. An sich hätten Sie die Steuer zu zahlen.— W. B. In Leipzig 1836. per 100 Pfund Dabersche 3,25-3,80, weiße rund» JOO-»-», mag. bon. 3,00-3,50. Porree, per Schock 1,00-1.60. Meerrettich. Schock 8-14. Spinal per 100 Psimd 6-15. Sellerie. per Schock 8—15. Zwiebeln per 100 Psund 7-8,00. Pelersilie, grün,«chockbund 0.30 bis 1.00. Rettich, bayrischer, per Stück 0,00. junge. 100 Stück 8-12. Mobr. rüben, 100 Psund 3,00-5,00. Peteffiiienlvmzelu. per 100 Psd. 5,00—8,00. Schockbund 0,00. Schnittlauch, Schockbund 0,50—0,80. Tomate», kanar., per Kiste 1,00-3,00. Rhabarber 100 Bund 1,00-4,0». Rabunzcn 10 bis 20. Rübchen 0.00. Radieschen, Schock 0,50-1.50. Waldmeister. Mandel 0,25-0,50. Morcheln 30-50. Salat. Schock 1-3. do. Gubener 1-3. Kohlrabi, Schock 0,80-2,00. Spargel. Beelitzer I 100 Psd. 23-48, do. 11 20-31, do. III 10-15, do. unsort. 0,00. Dpargeh hiesiger I 20—30, do. n 15-19, do. in 2-10, do. unsort. 20-28. Champignons, per Psd. 0.60-0.30. Steinpilze 0,30-0,40. Mobrrüben, Schock 3— 6. Karotten, Schock 3-8. Psesserunge, 100 Psd. 0.30-0,40. Schoten. 100 Psd�0,40 bis .0,50. aussei, Tiroler 100 Psd. 0,00, Koch- in Kisten 6-lo, Tafel- äpsel la 15—23, do. Ha 0,00, Amerikaner, per Faß 0,00, Italiener, lose. 100 Psd. 0,00, do. in Körben per 100 Psd. 0,00 do. in Kisten 0,00. Kirschen, ttal., 100 Psd. 35-42, do. schwarze 100 Psd. 42 bis 50, do. Gubener. 100 Psd. 30. Fr. Erdbeeren, zirka 5 Psd.-Korb la 1,50-2, do. IIa 1,50-2, Dresdener 1 Pjd.-Schacht. 1,20-2. Stachelbeeren. JL UU. XX IX X, v v v vw i x j �■ w �---- �---- unreife, 1 Pjd. 0,08-0,12, do. ungar., 1 Psd. 0,08-0,12, do. Holland.. 1 Psd. 0,08—0,12, AnanaS I, per Psund 0,75—1,00, dtto n 0,50—0,60. Bananen, kanar., per 100 Psd. 20-30, Jamatca 26.00-30.00. geigen, m Kisten 0,00. Zitronen, Messina. 300 Stück 8,00-12,00, do. 360 Stuck 8,00-12,00, do. 200 Stück 0,00, do. 150 Stück 0,00. Apstlfinen, Blut- 100 Stück 5,00—7,25, do. 150 Stück 6,50—7,50, do. 80 Stück 4,50—6,50, dtto 160 Stück 10—15, do. 200 Stück 11-14, do. Messina 160 Stück 8-12,00, do. 200 Stück 8-12,00, do. 300 Stück 13-14,00, do. Murcia, Blut- 200 Stück 9—11, do. 300 Stück 10—13,50, do. Valencia 420 stüß*7,00—22,00, do. 714 Stück 25-30,00. Datteln. Kalif. 100 Psund' WitterungSnberstcht vom S. Juni 1308. mor, Berliner Marktpreise. SluS dem amtlichen Bericht der flädttlchen Marklhallen-Direktion.(Großhandel.) Ochsenfleisch la 65—69 pr. 100 Psd., Ha 57-63, lila 51-56, Bullenfleisch la 5�-64, IIa 47—57, Kühe, seit 43—53, do. mager 30—39, Fresser 47—55, Bullen, dänische 40—55. Kalbfleisch, Doppellender 110-130, Mastkälber la 91-98, IIa 79-89, Kälber ger. gen. 63—73, do. Holl. 60—65. Hammelfleisch, Mast- lämmer 72—75, Hammel la 66—68, Ha 58—63. ungar. 0.00, schase 51—56. Schweinefleisch 54—61. Rehböcke la per Psd. 0,60—0,75, Ha 0,30 bis 0,58. Rotwild per Pfd. 0,00. Damwild per Psd. 0,00. Wildschweine, per Psd. 0,15 bis 0,30. Kaninchen, Stück 0,30—0,50. Hühner, la per Stück 1,60-2,00, dito Na Stück 0,60-1.40, dito Wolga-, Stück' 1,00-1,60, Ham- burger Küken, Stück 0,85—0,90, Poulets 0,85—1,25, Kapaunen, deutsche, per Stück 0,00. Tauben, junge, Stück 0,40—0,55, dito alte 0,30,-0,40 dito italien. 0,00. Enten, per Psund 0,00, dito per Stück 1,50—2,25, dtto Hamburger, ver Stück 2,75—3,50. Gänse per Pjd, junge 0,80—1,00, Gänse per Stück 1,80—6,00. Puten per Psd. 0,00. Hechte, per lOO Psd. 80—96, do. matt 64—79, do. groß 0,00, do. groß» mittet 0,00, do. klein 80—92. Zander, groß• mittel 0,00, do. matt, groß 0,00. Schleie. groß 67-94, dito klein 74-100, dito mittel 74-92. Haie, groß-nnttel 90—104, do. mittel 94—100, do. groß 90—105, dito klein-mtttel 74—92, do. unsort. 70—99, do, klein 0,00. Karpfen 30er 90—96, do, unsort, 90—94. Rvddow 57—66. Plötzen 0,00, matt 0,00. Aland, Nein 0,00. Karauschen 60—88. Wels 44—48. Bunte Fische 52—72, do. matt, 0,00. Barse 0,00, do, klein 0,00. Bleie 54—67, klein 0,00, Bleifische 0,00. Quappen klein 0,00. Winter-RheinlachS, p. 100 Psd, 0,00, Amertkan. Lachs la, p, 100 Psund 110—130, do. Ha 90—100. Seelachs, p. 100 Psund 10—15. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6, do. mittel, Klite 0,00, do. Hamb. Stiege 3—6, halbe Kiste 2—3, pomin. la Schock 0,76—2,50, Ha 0,00. Bücklinge, dänische, per Wall 2,00, Kieler 0,00, englische 0,00, Stralsunder 2,00—2,50. Sprotten, Danziger, Kiste 0,00, do, Rügenwalder, 0,00. Aale, arog per Psd, 1,10—1,50, do. mittelgroß 0,90—1,10, klein 0.60— 0,90. Heringe ver Schock 5,00—9,00. Schellfische, Kiste 3,00, dito Kiste 2,00—2,50, Sardellen. 19� er per Anker 0,00, 1904» 102, 1905er 102, 1906er 100. Schottische Vollheringe 1905 0,00, large 40—44. fall 88—40, med. 36—42, deutsche 30—40. Heringe, neue Matfe», per'/, To. 0,00. Sardinen, rusj., Faß 1.50-1.60. Bratheringe Faß 1,20—1,40, do, Büchs«(4 Liier) 1,40-1,70. Neunaugen, Schocksaß 8, do, kleine 4—5. do. Riesen« 10. Krebse per Schock große 27—42, do, mittelgr. 13,50—22. do, klein-mittel 7,50— 10,bo. kleine 3,50—6. do, uns. 5— 15, G alizier, gr, 21—27,50, do. uns. 7,50—10. Seemuschcln 100 St. 1,00. Eier, Land-, uns. per Schock 2,30—3,10, do. große 3,75. Butter per 100 Psd. la 118-120, IIa 116-118, lila 108-112, absallende 105-108. Saure Gurken Schock 4,50—5. Pseffergurken Schock 4,50—5. Kartosseln etatunen fa G 5 - I 5 2 Bf Zwwemde. Wien 754 NW 756NW 755 NW 758 SW 759 SW 759 SSO »«er » E ii-- 9 G n>4 M& 3 Gewttt. 5 Regen 1 halb bd. 2 Regen 3 heiter 1 bedeckt Stollwtn 17 18 21 18 22 20 daparanda 757 NNW Mersßurg 752 NNW Sctllh Werdeeu Pari» 767 N 761 ANW "1" »heiter 1 9 2 bedeckt p T »halb bd. 12 6 halb bd.! 11 ss � Wetterprognose für Sonnabend, de» 6. Junk 1908. Kühler, teilweise ausklarend. vorwiegend trübe mit Regensälle» ziemlich frischen nordwestlichen Winden. Berliner W etterburea». und Wasierstands-Nachrichte« »er LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteM vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilsit Pregel, Jnsterbmg Weichsel, Thorn Oder, Rattbor , Krassen , Frankfurt Warthe, Schriunn , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leltmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg si+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Nnterpegel. Gelegenheitskauf von Paletots, Anzügen,• Jacketts, Damenkleidem, Uhren. Kotten, Ringen, Wäsche zu allcrbillissten Preisen. Ferner Beleihnng sämtlicher Gegenstände, auch nobel und Instromente, — zu httchsten Preisen.— Leihhaus Grüner Weg 48,1. Bilder, jel, Gardinen, I Teppiche, Steppdecken, Tischdecken, Portieren, Herren- 1 garderofae, Bezüge, Gaskranen, 1 Uhren, liefert billigst l M. S. Weber, Prcnzlausrslr.49.| I Besuch evtl. Postkarte. I wnri Roh- Tabak mnnhn ENailPn Templiner Str. 8, • liaucil, an der Schwedter Stt. Mark 40.- 38.m 36.- 34- 32.50 30.- 28.- 24.- D Anzüge Mark 40- 33.i» 36.- 34.- 32.50 30.- 28.- 24.- ?i m H. Schulmeister flL. u■ an ffif.l« elf. n,n Kottbnoer Tor �_(Hochbahn-Station) n Warenhaus Wilhelm Siein Berlin N>, Chausseesirasse 70-7 L Preiswerte Angebote für Sonnabend, den 6. Juni er. Fleischwaren solange Vorrats Rotwurst....... m 48 k. Zwiebelleberwurst Pfd. 48 pf Harte Mettwurst Pfd. 80 h. Landleberwurst Pfd. 95 Pf Feine Leberwurst Pfd. 98 pf Rehblätter......... stück 1.70, 1.90 Thüringer Blockwurst.... pfd. 1.25 Thüringer Cervelatwurst.. Pfd. 1.25 Westfäl. Cervelatwurst... Pfd. 1.45 Göttinger Cervelatwurst.,. prd. 1.20 Teewurst.............. Pfd. 1.40 Junge Tauben stück SO, 55 pt Schinkenspeck: m. 98: Pf. Geräucherte Rippchen.::. p». 75 pi. Speck mager........ i!!.. Pfd. 85 Pf. Speck f«tt... i i Pid. 80 Pf. 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Unter der Guillotine. Dollarprinz. Hebbel. Cyprienne. Der Komische Oper. Die Fledermaus. Residenz. Der Floh im Dhr. Lustspielhaus. Die blaue Maus. Gotller 0.( Ballner Theater.) Dhne Geläut. a Schiller Charlottenburg. leste Mittel. Das Fricbrich Wilhelmstädt. Schau spielhaus. Jm weißen RöBL Thalia. Der Selbstmorderflub. Westen. Ein Walzeitraum. Neues Operetten. Der Mann mit den drei Frauen. Enisen. Im Goldland. Trianon. Frau Baronin. Bernhard Roje. Der Cowboy. Metropol. Das muß man seh'n. Apollo. Die süßen Grifetten. Spe zialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Baiage. Spezialitäten. Gustav Behrens. Spezialitäten. Carl Haberland. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Benedig. 8 Uhr: Die Struppschen Werke. Sternwarte, Invalidenftr. 57/62. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Abends 8 Uhr: Die Kruppschen Werke. Z QOLOCISCHER CARTEN Heute nachmittag 6 Uhr: Militär- Doppel- Konzert. Eintritt 1 M., von abenas 6 Uhr ab 50 Pt., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Am 1. und 2. Pfingstfeiertag morgens 6 Uhr: Gr. Militär- Früh- Konzert. Die Wagen der Straßenbahn verkehren auf allen, nach dem Garten führenden Linien ab 5 Uhr früh, desgleichen die Züge die Stadtbahn und die Untergrundbahn. Landesausstellungspark Nou erbaut: Festsale Gartenrestaurant Konditorei und Café Täglich Konzert von 4 Uhr ab i Dejounera von 2.50 an bis 2 Uhr nachm. Diners u. Soupers v. 4.00 an Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater). Sonnabend, abends 8Uhr: Ohne Geläut. Schauspiel in fünf Aufzügen von Fedor v. Zobeltig. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Stein unter Steinen. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Schmuggler. Montag, nach m. 3 Uhr: Heimat. Montag, abends 8 Uhr: Der Herr Ministerialdirektor. Schiller- Theater Charlottenburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: Das letzte Mittel. Schwant in drei Auszügen von Philipp Berges. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Wilhelm Tell. Sonntag, abends 8 Uhr: Gebildete Menschen. Montag, nach m. 3 Uhr: Minna von Barnhelm. Montag, abends 8 Uhr: Das letzte Mittel. Castan's Panoptikum Nen! Lebend 165 Friedrichstr. 165 Neu! Der Schlager der Reptilien- Ausstellung Ein fünf Zentner schweres Riesen- Krokodil. Original Italienisches Mandolinen- Orchester. Belle- Alliance- Garten ( Lorking- Th.), Belle- Alliance- Str. 7/8. Am ersten Eröffnung Feiertage: der = Sommer- Saison= Große Konzerte. Variété 1. Ranges. Gastspiel des 274/ 11* Kleinen Schlierseer Bauern- Theaters. Anf. 4 Uhr. Eintritt 50 Pf. Ende 11 Uhr. Passage- Panoptikum. Kunsttaucher ××× Produktionen im Riesenbassin Neapolitanische Briganten. Panophon- Vorträge: Otto Reutter usw. Experimente der 4. Dimension. Ohne Extra- Entree! Eintritt50Pf., Kinder, Soldaten25Pf. Neue Welt. Hasenheide 108-114. 1. und 2. Pfingstfeiertag Großes Früh- Konzert und Spezialitätenverstellung. Anf. 5 Uhr. Entree 25 Pf. Nachmittags 4 Uhr: Großes Doppel- Konzert und Spezialitäten- Vorstellung. Restaurant Diez' Seeterrasse, Lichtenberg Berliner Prater- Theater Müggelwerder. Die breite Roederstraße verbindet Lands. Roederstr. 11-13. berger Allee mit der Stadt Lichtenberg. 25 000 Personen fassend. 11 000 qm großer See. Fahrverbindungen ab Weranderplatz: Linien 58, 64, 65, 66, 67, 68, 69, 70, 71, 75, 81. Am 1., 2. und 3. Pfingst- Feiertag sotste jed. Sonntag Gr. Konzert foote um 5%, u. 9%, Uhr: Auftreten der besten Turmseilkünstler der Welt J. H. Liepelt ut. Miss Mary Erstklassiges Spezialitäten- Theater, Riesen- Land- u. Wasser- Feuerwerk und Ball. 15 Stuberboote. X Riesen- Kaffeeküche. X Vier verdedte Kegelbahnen. Boltsbeluftigungen. Anfang 3 Uhr. Bei ungünstiger Witterung Schutz für 6000 Personen.* Entree 25 Bf., Kinder unter 12 Jahren in Begleitung Erwachsener fret. Berliner Theater. Metropol- Theater Diez' Spezialitäten- Theater. Abends Uhr: Hopfenraths Erben Neues Theater. Das Abends 8 Uhr: Unter der Guillotine. Hierauf: Liebe bon Gustav Bled. Morgen: Dieselbe Borstellung. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Sonntag: 2 mal 2= 5. Montag: 2 mal 2= 5. Dienstag: 2 mal 2 5. Theater des Westens. 8 Uhr: Ein Walzertraum. Sonntag nagm. 3, Uhr, halbe Preise: Die lustige Witwe. Bum 259. Male: man seh'n Revue in 12 Bildern m. Ges. und Tanz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. WING BARTH Neues Programm. The Trapnell- Family, weibliche Akrobaten. Florence u. Lilian, musik. Produkt. Rebla, komischer Jongleur. Lily Flexmore Landsberger Allee 76/79, direkt Ringbahn- Station. Bequemite Fahrgelegenheit nach allen Stadtrichtungen. Ob schön! Kommen! Sehen! Stannen! Ob Regen! Ab 1. Pfingstfeiertag täglich: Das größte u. befte Programm Berlins. Nur Attraktionen, u. a.: 8um erstenmal in Europa: Das größte Welträtsel des Erdballs! Von der gesamten amerit. Bresse als das größte Weltwunder bezeichnet: The great Simpon. Der Berächter des Todes. 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Den Vorsitz führt Landgerichtsrat Hart, die Anklage bertritt Staats- vnwalt Dr. Pirzelt, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Dr. Hans Philipp. Die Zahl der erschienenen Zeugen beträgt etwa 80, eine ganze Anzahl von Zeugen meldet sich beim Aufruf nicht. Als Sachver- ständige sind Medizinalrat Dr. Stürmer, Gerichtsarzt Dr. Strauch, die Mcdizinalrätc Dr. Hoffmann und Dr. Leppmann und Gerichts- chemiker Dr. Jeserich zur Stelle. Da die Verhandlung zwei Tage in Anspruch nehmen wird, Werden zwei Ergänzungsgcschworene ausgelost. Der Angeklagte, der seit dem 16. April 1663 in Untersuchungs- hast sitzt, ist am 26. Januar 1865 zu Neu-Buckow in Mecklenburg geboren, evangelisch, verheiratet und mehrfach vorbestraft: 1886 wegen Diebstahls mit 3 Tagen Gefängnis, 1884 w-gen Diebstahls mit 3 Wochen Gefängnis, 1891 wegen Urkundenfälschung mit einem Monat Gefängnis, 1892 wegen Betruges mit l�h Jahren Gefängnis und 2 Jahren Ehrverlust, 1967 toegen Diebstahls mit sechs Wochen Gefängnis. Er ist seit dem Jahre 1966 verheiratet, seine beiden Eltern sind nicht mehr am Leben. Ter Erösfnungsbeschluß beschuldigt ihn, am 7. April 1963 den Echneiderlehrling Hermann Blccher ermordet zu haben. Vor Beginn des Verhörs des Angeklagten stellt Staatsanwalt Dr. Porzelt den Antrag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit im Jnter- esse der Sittlichkeit, da in der Verhandlung sehr heikle Dinge zur Sprache gebracht werden müßten. Dem Antrage widerspricht Rechtsanwalt Dr. Philipp. Nach längerer Beratung verkündet der Vorsitzende den Beschluß des Gerichts dahin: Da der Gegenstand der Anklage in jedem Stadium der Verhandlung Anlaß zu Fragen geben kann, die ge- eignet sind, die öffentliche Sittlichkeit zu gefährden, beschließt der Gerichtshof, während der Dauer der Verhandlung dir Oeffentlichkeit auszuschließen. Äurz mögen noch ei.mal folgende Daten hervorgehoben sein: Am 8. April, vormittags 6 Uhr, sah ein Passant zwischen der Char- lottcnburger Brücke und der Stadtbahnbrücke, links dicht an der Straße, ein Paket im Wasser liegen und ihm fiel ein Männ auf, der dort auf und abging und ein etwas scheues Wesen zeigte. Um 8� Uhr desselben Tages fand der Mitfahrer eines Bolleschen Milchwagcns das Paket. Er öffnete es und fand darin zu seinem Entsetzen Teile eines zerstückelten menschlichen Körpers. Die Leiche war in etwa 56 Teile zerschnitten. Nachmittags Uhr sind die fehlenden Leichenteile im Tiergarten im sogenannten Faulen Graben in der Nähe der Löwcnbrücke vorgefunden. Die Leichen- teile waren eingewickelt in ein rotes Tuch und in eine ganz eigen- artig weiß, rot und blau karierte Schürze, welche unten einen Ansatz hatte und sorgfältig mit ähnlichem Stoff geflickt war. Das Pgket war mit einem Stein beschwert und die Ermittelungen er- gaben, daß ähnliche, für Straßenbeleg bestimmte Steine an der Ecke der Kleinen Alcxanderstraße und Linienstratze lagen. Es ist bekannt, wie dann die Gerichtsärzte Medizinalrat Dr. Störmer und Dr. Strauch mühsam die einzelnen Teile des Kopfes so zu- sammengcbracht haben, daß das Gesicht erkennbar wurde und wie dann die Identität festgestellt werden konnte. Der Ermordete war der am 5. März 1893 zu Körösmezo in Galizien geborene Schneider» lehrling Hermann Blecher, dessen Vater Einkassierer für Abzah- lungsgeschäfte ist. Der Knabe war bei dem Meister Elias Laub tn der Steinstratze in der Lehr'. Er hatte großen Hang zum Umher- treiben und ist seinem Lehrherrn mehrmals, auch tage- und Wochen- lang entlaufen. Einmal ist er von Ostern 1967 bis Februar 1968 weggeblieben. Er hat sich dann wohnungslos und meist ohne Be- schäftigung umhergetrieben. Eine Zeitlang verkaufte er Konditor- waren in Kneipen und Varietes. Der Junge wird als sehr vcr- schlagen und sittlich verkommen geschildert. Sein Lehrherr nahm ,hn zuletzt nur auf Bitten des Vaters wieder auf. Am Vormittag des 5. April hatte er von einem Gesellen eine Ohrfeige erhalten, weil er ungezogen war, er verließ darauf seine Lehrstelle und kehrte nicht mehr zurück.— Der Angeklagte Heider ist 1895 nach Berlin gekommen. Er hat im Jahre 1966 seine jetzige Ehefrau als Tochter seines damaligen Meisters geheiratet, übernahm das Echuhwarengeschäft seines Schwiegervaters, mußte dies aber bald wieder ausgeben. Während der letzten 7 Jahre ernährte er sich als Portier und Couleurdiener, wechselte aber seine Stellen sehr häufig. Er war fast ein Jahrlang Portier des Hauses Potsdamer Straße 45, in welchem sich das Restaurant»Fürst Bnlow" befindet; zuletzt war er bei einem Photographen in der Königgrätzer Straße tätig. Hier erkrankte seine Frau an Rheumatismus und begab sich am 7. Dezember v. I. in das Hedwigs-Krankenhaus, wo sie sich zur Zeit der Tat noch befand. Heider zog dann allein nach der Lietzmannstr. 2 im zweiten Stock. Er war beschäftigungslos. Er lebte von einem bei der Deutschen Bank hinterlegten Betrage, welches im Dezember v. I. die Höhe von 1666 M. hatte. ES wird vermutet, daß dieses Guthaben wahrscheinlich aus Diebstählen her- rührt. Gelegentlich der jetzigen Untersuchung sollen bei ihm viele Gegenstände gefunden worden sein, die gleichfalls aus Diebstählen herrühren mögen. Tarunter befinden sich Decken, die er während seines Aufenthaltes im städtischen Erziehungsheim Heinersdorf entwendet haben soll, ferner über 156 Serviekten und zirka 36 Tisch- tücher, welche im Restaurant„Alt-Bayern" oder im„Fürsten Bülow" entwendet zu sein scheinen.— Die Vorgänge, die zur Er- Mittelung des Angeklagten führten, sind noch so bekannt, daß sie nicht wiederholt zu Iverden brauchen. Im heutigen Termin legte der Angeklagte, nachdem ihn der Worsibende eindringlich zur Wahrheit ermahnt hatte, ein teilweises Geständnis ab, wobei er sich bemühte, die Sache auf Totschlag zu modeln. Weinend erzählte er, dem Vernehmen nach, daß er den Ermordeten im Bouillonkeller am Alexandcrplatz habe kennenge- lernt. Er habe ihm ein Paar Schuhe versprochen und ihm des- halb zu sich in die Wohnung bestellt. Zu diesem Zweck habe er ihm einen Zettel mit seiner Adresse gegeben. Der Junge sei am 7. April früh gegen 8 Uhr gekommen, um die Stiefel zu holen, habe sie gleich anprobiert, dann noch eine Weile auf dem Sofa geschlafen. Nachher habe er mit dem Jungen Kaffee getrunken. Tanii wollten sie beide zusammen weggehen. Der Junge habe sich gebückt, um die Stiefel zu putzen und da sei ihm aus der Tasche eine Billcttasche gefallen, die dem Heider gehörte und die er wahr- scheinlich entwendet hatte. Darüber will der Angeklagte ärgerlich geworden sein und dem Jungen nach dem Hemdkragen bezw. Hals gefaßt haben. Ter Junge habe einen unartikulierten Laut aus- gestoßen, mit den Armen in der Luft umhergeschlagen und sei zum Entsetzen des Angeklagten tot gewesen. Er habe nun die verschie- denen Wiederbelebungsversuche gemacht, habe ihn mit Essig ge- waschen, gebürstet und versucht, ihm Kaffee einzugeben— aber alles umsonst! Da habe er einen großen Schreck bekommen und sei davongelaufen. Er habe nirgends Ruhe gehabt und nicht ge- wüßt, was er tun sollte. Schließlich sei er nach Hause zurückgekehrt, um die Leiche zu beseitigen, zunächst durch Verbrennen. Zu diesem Zweck habe er die Leiche zerstückelt, aber die Teile brannten nicht, oder doch nur schlecht und deshalb habe er die Leichenteile in ein Paket gepackt, um sie wegzutragen. Er habe sie zuerst bei Bellevue ins Wasser werfen wollen, dort sei aber zu viel Publikum gewesen und deshalb babe er sich an der Charlottenburger Brücke und an der Löwenbrücke der Leichenteile entledigt. Er sei abends mit der Hochbahn bis Charlottenburg-Knie, dann bis zur Charlottenburger Brücke gefahren und dort habe er das größere Paket ins Wasser geworfen. Auf eine Frage des Präsidenten nach dem Verbleib der Villettasche erklärt der Angeklagte� daß sie noch in der Wohnung sein müsse. Mit aller Entschiedenheit bestreitet der Angeklagte, daß unsittliche Handlungen vorgekommen seien. Soweit das Geständnis des Angeklagten. Die Oeffentlichkeit wird während der weiteren Verhandlung nicht wieder hergestellt. Gerichts-Leitung. Unberechtigte Entlassung. Der»Deutsche Verlag,„G. m. b. H.' in Berlin, Verleger der sattsam bekannten Blätter„Das Deutsche Blatt",»Berliner Neueste Nachrichten" u. dgl., hatte einen Angestellten ohne Kündigung ent- lassen. Dieser klagte darauf das ihm bei rechtmäßiger Kündigung noch zustehende Gehalt von zirka 3666 M. bei dem Landgericht Berlin ein. Das Landgericht Berlin nahm an, daß die beklagte Ge- sellschaft zur Entlassung berechtigt gewesen sei, weil der Kläger in den Monaten April, Mai und Juni 1966 durch fortgesetzte hart- näckige Untätigkeit, sogenannte passive Resistenz, seine Vertragspflicht gröblich verletzt habe; daß also eine eigenmächtige Arbeitseinstellung seit Mitte Mai 1966 für erwiesen zu erachten sei und die Beklagte deshalb zur Entlassung berechtigt gewesen sei. Auf die Berufung des Klägers beurteilte das Kammergericht zu Berlin das durch die Parteien geförderte Beweisergebnis umgekehrt dahin, daß die festgestellte Minderarbeitsleistung des Klägers nicht auf dessen bösen Willen beruht habe, sondern ihm durch daS Verhalten des Chefredakteurs W. aufgezwungen worden fei. Letzterer habe nach und nach die dem Kläger im Anstellungsvertrage überwiesene Tätigkeit eingeschränkt und unter Uebergehung deS Klägers in seine eigene Hand genommen. Infolgedessen erachtete daS Kammergericht die plötzliche Entlassung deS Klägers nicht für gerechtfertigt und verurteilte die Beklagte zur Zahlung de» ein- geklagten Gehalts. Gegen dieses Urteil hatte der Deutsche Verlag Revision beim Reichsgericht eingelegt. Der dritte Zivilsenat deS Reichs- g e r i ch t S erkannte auf Zurückweisung der Revision. In den Gründen wurde ausgeführt: ES sei durchaus zutreffend, daß daS Kammergericht das Verhalten deS Chefredakteurs W., der Vorgesetzter des Klägers war und dem sich Kläger nach auSdrück- sicher Weisung der Beklagten unterzuordnen hatte, für die Frage als maßgebend ansah, ob dem Kläger absichtliche Arbeitseinstellung zur Last falle. Gleichgültig sei es für diese Frage, ob der gesetz- liche Vertreter der Beklagten daS Verhalten des Chefredakteurs ge- kannt oder gebilligt habe._ Ein jugendlicher Mörder vor der Strafkammer. Vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I begann gestern der Prozeß gegen den 15jährigen Kochlehrling Willy Rütting, welcher sich unter der Anklage des Mordes verantworten mußte. Den Vorsitz im Gerichtshofe führte Landgerichtsdirektor Lieber, die An- klage wurde vom Staatsanwalt Heintzmann vertreten. Der An- geklagte wurde vom Rechtsanwalt Heine verteidigt. Der Ange- klagte war von dem Küchenchef, dem er als Kochlehrling unterstellt war, gezüchtigt worden. Um sich zu rächen, kaufte er sich einen Re- volver und schoß den verhaßten Vorgesetzten auf offener Straß« nieder. Nach der VerÜbung der Tat warf der jugendliche Mörder die Waffe mit einer theatralischen Geberde fort und äußerte: Das ist die Rache!— Der jugendliche Angeklagte ist der emzige Sohn eines achtbaren Handwerkers, der durch die vielen dummen Streiche des Sohnes schon viel Kummer und Aerger erlitten hat. Er ist im Jahre 1893 in Charlottenburg geboren und hat die dortige Schule bis zur ersten Klasse besucht. Nachdem er einige Zeit bei Siemens u. Halske als Kontorbursche beschäftigt war, trat er bei dem Restaurateur und Hotelbesitzer Pürschke in der Anhalt straße 14 als Kochlehrling ein. Bors.: Angeklagter, Sie sollen sich hier von Anfang an sehr zur Unzufriedenheit Ihre» Borge setzten, des Küchenchefs Theodor Bülow, geführt haben, so daß er Sie öfter bestrafen mußte.— Angekl.: Jawohl! Bülow hat mich wiederholt bei dem geringsten Anlaß geohrfeigt und manchmal auch mit dem Feuerhaken geschlagen.— Bors.: Sie sollen den Entschluß gefaßt haben, sich an Ihrem Chef zu rächen und ihn niederzu- schießen?— Angekl.: Nein, totschießen wollte ich ihn nicht. Ich wollte zu Ostern ausrücken, da ich zuviel Schläge bekam. Vorher wollte ich ihm aber noch eins auswischen und ihm die Feiertage verderben.— Bors.: Sie gingen also am Sonnabend, den 18. März, nicht mehr zu Ihrer Arbeit und redeten Ihren Eltern vor, Sie hätten Urlaub. Sie kauften sich dann einen Revolver, nachdem Sie sich von Ihrer Mutter das Geld unter der falschen Angabe, Sie brauchten ein neues Messer, hatten geben lassen. Wo kauften Sie den Revolver?— Angekl.: In der Leibnizstraße zu Char- lottenburg. Die Patronen habe ich in der Friedrichstraße gekauft. — Aus der weiteren Vernehmung des Angeklagten geht hervor, daß er sich in der Anhaltstraße gegenüber dem Pürschkeschen Lokal postiert und dem Küchenchef aufgelauert hatte. Als dieser nach beendetem Dienst auf die Straße trat, ging der Angeklagte auf ihn zu. Erst als er ganz dicht an ihn herangekommen war, zog er den Revolver und feuerte zwei Schüsse auf Bülow ab. Schwer ge- troffen sank dieser zu Boden, während der Angeklagte die Flucht ergreifen wollte. Er wurde jedoch von einem Chauffeur Koch, der zufällig des Weges kam, festgenommen. Trotz der schweren Per- letzungen blieb Bülow bei Besinnung; er schleppte sich blutüber- strömt nach dem Restaurant zurück und brach schließlich in der Küche zusammen. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde B. nach dem Krankenhaus am Urban geschafft. Hier wurde festgestellt, daß Bülow einen Schuß in den Arm und einen zweiten in die rechte Kopfseite erhalten hatte. Diese Kugel war unter der Schädeldecke entlang nach der linken Kopfseite gelangt und hatte eine schwere Gehirnverlctzung hervorgerufen, an deren Folgen B. acht Tage später verstarb. Auf dem Polizeipräsidium bestritt der jugendliche Mörder bei einer Vernehmung durch den Kriminal- schutzmann Steife, daß er die Absicht gehabt habe, den Bülow zu töten. Er habe sich nur an ihm rächen und ihm die Feiertage ver- derben wollen. Bei dieser Behauptung verblieb der Angeklagte auch in der gestrigen Verhandlung, zu der etwa 46 Zeugen geladen waren. In der Beweisaufnahme wurde als erster Zeuge der Chauffeur Koch vernommen, der seinerzeit Augenzeuge des Vorfalles gewesen war. Er bekundet, daß er durch den ersten Schuß aufmerksam ge- worden war und dann den Küchenchef Bülow und den Angeklagten dicht nebeneinander habe stehen sehen. In diesem Augenblick habe ein zweiter Schuß gekracht und Bülow sei hintenüber gefallen. Er habe den Eindruck gehabt, als ob der Täter längere Zeit gezielt habe. Der Kriminalbeamte Stelse hat den verstorbenen Bülow in dem Krankenhause am Urban vernomnien, nachdem ihm seitens der Aerzte eine Vernehmung gestattet worden war. Der Zeuge bekundet, daß B. trotz seiner schweren Verletzung sehr geschimpft und unter anderem gesagt hätte:„Dem versl.... Hund, das Aas hätte ich doch lieber gleich totschlagen sollen. Dann wäre mir dies nicht passiert!"— Die Inhaberin des Restaurants, in dem der Angeklagte angestellt war. Frau Pürschke, schilderte den Ange- schuldigten als einen sehr niederträchtigen, bockigen und faulen Menschen, von dem auch das übrige Personal, wenn man ihm gut- gemeinte Ermahnungen gab, noch obendrein ausgelacht wurde. Wegen seines ungezogenen Betragens habe er auch einmal von dem Küchenchef ein paar Ohrfeigen erhallen. Von Mißhandlungen habe sie nichts bemerkt, trotzdem sie solche hätte bemerken müssen. Hierauf wurden mehrere in der Rüche des Restaurants angestellt gewesen oder noch angestellte Köchinnen und Abwaschmädchen vernommen. ■ Auch diese haben hin und wieder bemerkt, daß der Angeklagte von Bülow ein paar leichte Schläge erhalten habe. Von einer Miß- Handlung mit einem Löffel oder Feuerhaken haben sie nie etwas bemerkt. Zur Sprache kam hierbei noch, daß Rütting am Karfreitag, um den Küchenchef zu ärgern, absichtlich die Saucen aus die Erde geschüttet hatte.— Auf Antrag des Rechtsanwalts Heine waren die praktischen Aerzte Dr. Frey und Dr. Levy geladen, die übereinstimmend bekundeten, daß der Angeklagte wegen einbr Nasenwucherung operiert worden sei und daß die Operation mög- licherweise eine gewisse Reizbarkeit und Nervosität hinterlassen habe. Medizinalrat Dr. Hoffmann, der seinerzeit die Obduktion der Leiche des Getöteten vorgenommen hatte, bekundete, daß die Revolverkugel das Gehirn von der rechten nach der linken Seite völlig durchbohrt und den Tod herbeigeführt hatte. Medizinalrat Dr. Leppmann bestätigte, daß eine Nasenwucherung bei einem so jugendlichen Menschen die allgemeine EntWickelung und damit auch die Gehirn- tätigkeit ungünstig beeinflussen könne. Staatsanwalt Heintzmann hielt es für kaum begreiflich, wie ein 15jähriger Junge aus so nichtigen Ursachen zum Mörder werden könne. Es sei durch die Zeugenaussagen, als festgestellt zu erachten, daß von irgend einer Mißhandlung des Angeklagten durch den Ge- töteten überhaupt nicht die Rede sein könne. Trotz der Jugendlich- keit des Angeklagten empfehle es sich doch, die überaus schwere Tat durch eine exemplarische Strafe zu ahnden. Der Antrag deS Staatsanwalts lautete deshalb wegen Mordes auf 8 Jahre Ge- fängnis. Rechtsanwalt Heine hielt weder die Tatbestandsmerkmale des Mordes, noch d«S Totschlags für erwiesen, sondern hielt nur eine Körperverletzung mit tödlichem Ausgange für festzz/tellt. Mit Rücksicht aus die große Jugend des noch völlig unreifen Knaben halte er auch eine langjährige Gefängnishast eher für geeignet, den Angeklagten noch mehr zu verderben als eine bessernde Wir- kung auszuüben. DaS Gericht nahm mit der Verteidigung nur Körperverletzung mit tödlichem Ausgange an und erkannte auf 5 Jahre Gefängnis. Geschäftskundige Aerjte. Zu der durch die Strafkammer in Hamburg erfolgten Ver- urteilung deS Dr. Strahl, über die wir am Donnerstag berichteten, wird uns folgendes geschrieben. Der verurteilte Arzt betreibt seit Jahren einen schwunghaften Handel mit Verbandsstoffen und Spezialmitteln und bedient sich dabei einer geradezu maßlosen Reklame. Das schlimmste dabei ist die nur bei manchen Kurpfuschern übliche briefliche Bc- Handlung, die in letzter Linie darauf hinausläuft, den Kranken zum Bezüge der Strahlschen Patentmedizincn zu veranlassen. Die letzte Frage auf einem den Patienten übersandten Frage- bogen, die sich im übrigen durch eine bodenlos alberne Frage- stellung auszeichnet, lautet wie folgt: Bestellen Sie hiermit meine Verbandsstoffe? Wer auf den Leim kriecht, sich auf diese Weise brieflich„be- handeln" zu lassen, bekommt dann für teures Geld die Strahlschen Allheilmittel, die natürlich nicht einen Funken wertvoller sind als alle anderen empfohlenen und gebräuchlichen Mittel. Es mutz einmal öffentlich darauf hingewiesen werden, daß es ein horrender Schwindel ist, wenn ein Arzt oder ein Fabrikant eine Salbe an- preist, die imstande wäre, bei Beingeschwüren eine den üblichen Mitteln überlegene Wirkung zu erzielen. Das trifft auf alle Spezialmittel" zu, die in manchen Blättern mit großem Geschrei angeboten werden, so auf die Rino-Salbe, Rippsche Salbe, Spran- gersche Salbe u. a. mehr. Diese Mittel sind bei Beingeschwürcn absolut nicht wertvoller als andere Medikamente, die der Arzt verschreibt. Soviel ist sicher, daß die Fabrikanten dabei rascher „gesund" werden als die Kranken. Typisch ist übrigens, daß ein gewisser Teil der bürgerlichen Presse, in deren Spalten die Reklame-Jnserate des Dr. Strahl alltäglich stehen, von seiner Verurteilung gar keine Notiz nimmt. Diese Sorte von Schweigsamkeit ist sehr vielsagend. Aber die bürg«- liche Presse hat ein noch dickeres Fell. Seit einem ganzen Jahre warnt der Polizeipräsident öffentlich vor dem wertlosen Schwindel- Präparat eines Kurpfuschers, der den schönen Namen Lindekuh führt— aber mit eiserner Stirne bringen zwei vielgelesene Tages- blätter und ein Wochenblatt die Inserate, in denen der Kur- Pfuscher seine Mittel anpreist, weiter. Haben die Herrschaften Kenntnis von der Wanrnung oder nicht? lind wenn sie diese Kenntnis von der Warnung oder nicht? Und wenn sie diese schuldigen? In Moral wird eben nur im redaktionellen Teil „gemacht", aber wo der Inseratenteil und der Geldbeutel an- fangen, hört für eine gewisse Presse die Moral auf. Gegen einen priigelnben Schutzmann verhandelte das Landgericht Nürnberg. Der Schutzmann Friedet, der beim Ostasiatischen Epeditionskorps gedient und sich von den Boxern seine Begriff« von den Aufgaben eines Schutzmannes an- geeignet zu haben scheint. Er brachte vor einiger Zeit nachts einen 64 Jahre alten Galvanoplastiker, der sich einen Rausch an» S Strünken hatte, zur Wache� wo« ihn derart zur Türe hinein- ietz, daß sich der Mann überschlug und mit dem Kopfe gegen die Türe zu lag. Als der Mißhandelt« der Aufforderung, sofort aufzustehen, keine Folge leisten konnte, stieß ihn der Wächter der Ordnung mit den Stiefeln wiederholt in die Seite, auch bekam er einige Faust stoße unter das Kinn. In ähnlicher Weise vergriff er sich an einer Prostituierten, die er verhaftete, ohne daß sie sich irgend einer Verfehlung schuldig gemacht hatte. Der chinesische Kulturträger lam mit einer Geldstrafe von 86 M. davon._ Preußische Gewissensfreiheit Auf die verfassungsmäßig gewährleistete religiöse Freiheit be- rief sich Herr Wewer zur Entschuldigung des llmstandes, daß er seine Tochter Sonnabends nicht zur Schule schickte. Er sei Mit- glied der religiösen Sekte der Adventisten und könne es mit seiner religiösen lletwrzeugung nicht vereinbaren, sein Kind Sonnabends in die Schule zu schicken. Er wurde jedoch vom Landjgericht in Bielefeld wegen nicht genügender Entschuldigung der Schulversäumnis seiner Tochter zu einer Geld st rase ver» urteilt.— W. legte Revision ein und berief sich wieder auf Artikel 12 der preußischen Verfassung.— Das Ka m m c r- gericht verwarf die Revision mit folgender Begründung: Angeklagter hätte den Artikel 12 der Verfassung ganz lesen sollen. Die religiöse Freiheit sei gewährleistet, aber die staatsbürgerlichen Pflichten dürften nicht vernachlässigt werden. Wenn Angeklagter durch sein Gewissen bewogen werde, Adventist zu sein, dann gehe das dem Staat nichts an. Wohl aber habe der Staat zu verlangen, daß er fein Kind in die Schule schicke. Eltern könnten durch die Zugehörigkeit einer Sekte nicht straflos werden, wenn sie ibr-> Kinder nicht in die Schule schicken Freidenkrrbroschüren— sittlich und religiös anstößig. Den Verkauf von Broschüren freidenkerischen Inhalts verbot der überwachende Polizeikommissar in einer Frcibenkervccsamm- lung zu Hilden bei Düsseldorf. Für den Inhalt der Broschüren interessierte sich der Beamte sehr, denn vor der Versammlung hatte er sich etliche gekauft. Der Genosse, der den Verkauf der Broschüren leitete, hatte sich dicscrhalb vor dem Schöffengericht zu Gerresheim zu verantworten, obwohl er persönlich mit der Sache nichts zu tun hatte, er lvar Beauftragter des Freidenkervcreins. Mehrere Agitationsbroschüren, z. B. die„Kampflieder",„Ketzer- Prozesse" und„Die Ehe, wie sie ist und sein soll", wurden als sitt» lich und religiös anstößig gefunden, und dabei werden diese Bro- schüren in jeder Buchhandlung geführt. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 96 M. Geldstrafe. Gegen da? Urteil wurde Berufung angemeldet. Behalten Sie Ihr Geld und decken Sie Ihren Bedarf an Garderobe, Schuhwaren etc. bei der Ersten Grossmacht; hier erhalten Sie alles was Sie brauchen in guter reeller Ware bei langfristigen Ratenzahlungen. Zur Anzahlung sind nur ein paar Mark nötig Kredit erhalten bei uns alle Damen u. Herren Verkauf gegen Bar 10% billiger Wir bieten In solider wie höchst eleganter Herren- u. Damen- Garderobe eine gradezu beispiellose Auswahl. Nachstehend offerieren wir zum bevorstehenden Pfingstfest einige besonders gern gekaufte Piècen. Garantie auch bei dem billigsten Stück für guten Sitz. Gutsitzende Elegante Jackett- Anzüge 1950 19. Jackett- Anzüge in dunklen, meliert. Cheviots u. Kammgarnstoff, Anzahlung von 5 M. an, Rate 1 M. Bei Barzahlung 17.50 M. Hochmoderne Sommerpaletots 2400 an aus gestreiften Meltons, Cheviot, Kamm garn etc, Anzahlung von 5 M. an, Rate 1 M. Bel Barzahlung 21.50 M. Elegante Taffetjäckchen 2500 Gutsitzende M. Rock- Anzüge in pr. 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