Nr. 135. Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Breis pranumerando? Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., möchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Big. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Bost- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Solland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Erideint täglich außer Montags. Vorwürts Berliner Volksblaff. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 Pig., für politische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Bort 20 Pig., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Big., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, den 12. Juni 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. mäßige Niveau emporzuschwingen. Ein Hamburger, ein Leipziger Geheimhaltung" versehen war, aber trotzdem zur Kenntnis und ein Heilbronner Lehrer wollten Aufgabe und Wesen der der bösen Sozis gekommen ist. Es lautet: Die deutsche Lehrerverfammlung Reichsschulbehörde weiter und großzügiger gedacht wiſſen. Reichsin Dortmund. " Seit einiger Zeit sind wir bemüht, in der Glashütte"( im Drgan der Unternehmer der Glasindustrie, d. Red.) durch ge eignete Schriftfäße unberechtigten Forderungen der in den sozial demokratischen Gewerkschaften organisierten Glasarbeiter engegen zutreten beziv. Entstellungen zu widerlegen. Ein Bestreben, das schon teilweise in den beteiligten Kreisen anerkannt wird. Aber nicht nur eine Interessenvertretung verfolgen wir, sondern auch eine Aufklärung für die parlamentarische n Vertreter und die gesegebenden Körperschaften usw. Bisher waren diese zur Beurteilung der Lage in unserer Branche durch die Darstellungen der Gewerkschaften ins formiert. Naturgemäß tam dabei eine einseitige Beurteilung zu stande; denn die Stimmen der Arbeitgeber fehlen fast gänzlich. Um aber unseren Zweck ganz zu erfüllen, bedarf es der regen Mitarbeit aller Betriebe der Glasbranche, und bitten wir auch Sie darum. Dies könnte am besten dadurch geschehen, daß aus den Betrieben Anmaßungen von seiten der organisierten Arbeiter, Fälle von krassem Terrorismus, gestellte Forderungen beziehungsweise Begründung über deren Nichtberechtigung, sowie auch handelspolitische Mitteilungen sofort mitgeteilt werden, unter Schilderung einiger Einzelheiten, damit wir sofort jeglichen Verunglimpfungen und Entstellungen entgegentreten fönnen. Schnellste Information also ist's, um die wir bitten. Sie dienen dadurch nicht nur sich selbst, sondern auch der Allgemeinheit. Wir erbitten Bescheid, ob Sie geneigt sind, uns in dieser Form zu unterstützen, und werden wir Ihnen dann eine Anzahl unserer Auskunftsbogen zugehen lassen." schulgesetz, Einheitsschule vom Kindergarten bis zur Universität, Trennung der Schule von der Kirche lauteten ihre Forderungen, für die sie freilich nicht mit dem ganzen Nachdruck und der vollen Straft ihrer Person eintraten. Es gelang ihnen Es waren keine großen Erwartungen, die man auf die daher nicht, eine nennenswerte Gefolgschaft zu finden. Um deutsche Lehrerversammlung in Dortmund gesezt hatte. Weder aber allen Eventualitäten vorzubeugen, begab sich Blockbruder in der Lehrerwelt, noch außerhalb ihrer Kreise. Welche Um- opsch in die Arena, um mit der widerlichen Gespreiztheit, stände und Momente hätten sie auch bedingen sollen? Etwa die alle Emporkömmlinge kennzeichnet, sein Jahrhundert in die Verhandlungsthemata, die auf der Tagesordnung die Schranken zu fordern. Die Zuhörerschaft tat, wie ihr gestanden? Nun, die Reichsschulbehörde hat bereits vier heißen: sie nahm die Leitfäße Sommers an. Doch der unerträgliche Phrasenschwulst sollte noch nicht Lehrertage beschäftigt eine jener Fragen, die nicht zum Leben und nicht zum Sterben tommen und auch das zu Ende sein. Am Mittwoch wurde Tews, der UnvermeidEr markierte den Thema des Lehrermangels erweist sich seit mehr als liche, auf die Versammlung losgelassen. Beliebte daeinem Menschenalter von unverwüstlicher Lebenskraft und jovialen Biedermann, der gut gefrühstückt hat. Aktuellität. Aber den Verhandlungen einen besonderen Glanz her andauernd zu scherzen. Und gefiel sich ungeheuer in der und einen lebhaften rhythmischen Aufschwung zu geben, dazu Rolle des Spaßmachers. Er sprach über den Lehrermangel. Aber reichliche reichten beide nicht aus. Wo der Stoff versagte, sollte der Nichts Neues und nichts von Bedeutung. Alle den Lehrermangel behandelnden Artikel Name wirken. Man hatte Natorp, den Marburger Pro- zwei Stunden. fessor, der sich als Verfasser des bekannten Werkes über der pädagogischen Presse, die während der lektverflossenen Sozialpädagogit einen Namen gemacht hat, für den Fest- Monate erschienen sind, feierten in seinem Referat ihre Aufvortrag gewonnen. Darin lag ein eigener Reiz. Ihm galt erstehung. Was mit Zahlen und Tatsachen auszurichten war, denn auch das regste Interesse der Teilnehmerschaft; seinem wurde von ihm geschickt und ausreichend ins Wert gesetzt, so Vortrage über Volk und Schule Preußens vor daß seine Ausführungen ein abgerundetes und im großen hundert Jahren und heute wandten sich die drän- ganzen erschöpfendes Bild von der Misere des Lehrermangels Na also, das tann ja eine nette Hege geben! Da genden Erwartungen des ersten Verhandlungstages zu. gewähren dürften. Unausstehlich war dabei aber sein krampf- wird wohl die denkwürdige Dentschrift zur felig ent Ein lockendes Thema! Besonders für einen Mann von haftes Bemühen, bei der Teilnehmerschaft um jeden Preis schlafenen Buchthausvorlage das reine Waisen der seltenen Begabung Natorps. Wie ließ sich gerade in erheiternd wirken zu wollen. Die Sucht, mit groben tind gegen die hier projektierte Kampagne gewesen sein. Dieses diesen Tagen, da das preußische Volt noch frisch unter dem Effekten sich Popularität und Erfolg zu sichern, verleitete ihn Brojeft muß die organisierten Arbeiter umſomehr an aufrüttelnden Sturme der Landtagswahlen steht, die frech zu einer geradezu unwürdigen und empörenden Behandlung spornen, ihrerseits diesen angekündigten parlamentarischen Berleumdungsbrutale Reaktion des Junkerstaates brandmarken! Jena und des Stoffes. Leider tat ihm die Lehrerschaft den Gefallen, auf seine feldzug zu durchkreuzen, um den Reichsverband zu den vielen moralischen Tilsit, der Zusammenbruch der feudalen Herrschaft, die demagogischen Kniffe zu reagieren. Der Erfolg spornte ihn Schlappen, die er schon im Parlament und außerhalb desselben erabgrundtiefe soziale und geistige Not der arbeitenden immer mehr an, Wiße und spöttische Bosheiten über Geheim- litten, einige wohlverdiente neue hinzuzufügen. Was speziell die Stände- welche Bilder von historischer Eindringlichkeit räte, Stultusminister und andere von den Lehrern sonst ehr Glasindustrie betrifft, so wird es selbst den Liebert- Jüngern wohl und Wucht ließen sich da entwerfen! Welche Parallelen fürchtig betazbuckelte Respektspersonen steigen zu lassen, so daß schwer fallen, Schwarz in Weiß zu verwandeln. Nirgends wohl sieht taten sich da auf zwischen Boltsleben und Bildung, er schließlich unter ohrenbetäubendem Applaus und frenetischer es ähnlich traurig in puncto Schonung des Lebens und der Gewirtschaftlicher Kraftverteilung und geistigen Interessen. Begeisterung der Zuhörer sein Referat beenden konnte. fundheit der Arbeiter, ausreichender Entlohnung, schlimmsten Und aus dem tiefen Verfall, dem nationalen Bankrott, der Sachlich hat sein Vortrag nichts zur Klärung und tieferen Er- Terrorismus der Unternehmer und Hüttenbeamten aus wie in der die überlebte Herrschaft der feudalen Raste frönte, führte eine fassung der Frage des Lehrermangels beigetragen. Anstatt Glasindustrie! aufsteigende Linie herauf, gezeichnet von dem Wirtschafts- die ökonomisch bedingte grundsägliche Ablehnung der Volksaufschwunge, der an den Namen des erwachenden Rapita bildung durch den Besitz als lezte Ursache der unwürdigen Belismus geknüpft ist. Und damit werden im Bildungswesen soldung und Behandlung der Lehrerschaft darzulegen, pautt neue Tendenzen lebendig. Herüber und hinüber spinnen sich Tews auf Personen los, die nach seiner Behauptung an allem Der Reichsschatsekretär Herr v. Sydow hat einem die Fäden. Das Interesse der Bourgeoisie an der Bildung Elend schuld find. Was Wunder, daß, wenn Tews den verund geistigen Stultur der Massen wächst zunächst in dem flossenen Studt in den Abgrund der Hölle stößt, nach der Ausfrager des Temps" sein Herz ausgeschüttet. Wenn Maße, in dem die aufsteigende Entwickelung der Industrie, selben unhistorischen Logit ein Pautsch darauf den Holle in deutsche Untertanen" Senntnis von den Plänen ihrer Nebekämpft von der mittelalterlichen Bildungsfeindseligkeit des ben Himmel hebt. Unsere Hoffnung ist die Persönlichkeit gierung haben wollen, so müssen sie eben die ausländische Juntertums, des dentfähigen Hirns und der flinten Hand des Kultusministers. Wir hoffen und erwarten, daß unser Presse lesen. Daß es gerade der„ Temps" ist, dem Herr des Proletariers benötigt. Dann aber, auf einer gewissen Stultusminister das Brandmal von der Stirn der preußischen v. Sydow seine Informationen zukommen läßt, entbehrt Höhe, schlägt der Stultureifer des Besizes um. Jezt wird Boltsschule auslösche." Die Erleuchtung, daß Minister nur ebensowenig eines gewissen pikanten Interesses, wie die Tatdie Bildung der Masse, die zur Erkenntnis erwacht, dem Hausknechte des jeweils herrschenden Systems sind, ist den sache, daß neulich Herr v. Bülow der„ Nowoje Wremja" Geldsad gefährlich. Und im Nu kettet das Band der gemein- Schulpolitikern" Pautsch und Tews noch nicht aufgegangen. einen langen Artikel in Form eines Interviews schrieb: samen Wirtschaftsinteressen den einstigen tapitalistischen 400 Millionen neuer Steuern! " In beiden Fällen handelt es sich um reaktionär. Schulfreund an den junkerlichen Schulfeind, und die Das Wahrzeichen Dortmunds ist die alte Femlinde, die chauvinistische, um Deutschland feindliche gemeinsame Stampffront ist gegen die Arbeiterschaft ge- am Bahnhof ihre dürren Aeste in die Lüfte reckt. Das Blätter. Und die Reklame für diese Organe entspringt richtet. So konnte Natorp in wundervollster Weise die inneren Bauerngericht, das sich vor Jahrhunderten an dieser Femstätte offenbar Erwägungen tiefsinniger Politik. Wie es in Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und Schule, Klassen- abspielte, pflegte mit folgenden Fragen des Fronen eingeleitet Deutschland gelungen ist, durch Vorenthaltung oder Geinteresse und Bildungspolitik bloßlegen. So konnte er für die zu werden: währung von Informationen den größten Teil der bürger. Schulschmach unserer Tage, für die zunehmende Verpfaffung Wollet Ihr, Herr Richter, mir erlauben, daß ich mein lichen Presse in mehr oder minder offiziöse Organe umder Boltserziehung die tiefsten ökonomischen Ursachen auf Schwert ausziehe?"" Ja, ziehe aus Dein Schwert!" zuwandeln, so soll offenbar durch ein ähnliches System auch decken und für das Verständnis ihrer Zeit, ihrer Berufs- Der Frone zog das Schwert, schwenkte es dreimal über dem die ausländische Presse zur Bewunderung der deutschen Restellung, ihrer Aufgaben den Lehrern den Schlüssel in die Stopfe und rief:" Wapen, Wapen, Wapen, alle, die unter dem gierung erzogen werden. Der Gedanke ist sehr kindisch, ist Hand geben! Schwerte von Dortmund ſizen, sollen meinem Herrn ges aber gerade deswegen den deutschen Staatsmännern schon Leider bersagte Professor Natorp gerade in den horsam sein." Herr Richter, wollt Ihr mir erlauben, daß zuzutrauen. Punkten, auf denen das Schwergewicht wirtschafts- ich mein Schwert wieder einstecke?" Herr v. Sydow hat jedenfalls auf die wenig freundschaft" Ja, stede Dein geschichtlicher Erkenntnis ruht, so gut wie völlig! Er Schwert wieder ein!" lichen Gefühle des Temps" gebührend Rücksicht genommen. berlor sich in einem alle historische Tatsachenlogit unbarm- Diese Femszene ist ein Symbol für die Verhandlungen Denn was er ihm eröffnet hat, muß alle Feinde des deutschen herzig umstrickenden Rankenwert frauser Ideologie, das ihm des Lehrertages. Wollt Ihr hohen Herren von der Regierung Volfes mit Genugtuung erfüllen. Herr v. Sydow will dem stets den Arm zurückhielt, wenn er schon einmal zu einem erlauben, daß wir mit einigen Einrichtungen der Schule nicht deutschen Volke neue Steuern von nicht weniger als herzhaften Schlage gegen Junker und Mucker ausholen wollte. zufrieden sind? Wollt Ihr erlauben, daß wir darüber dis- 400 Millionen Mark auferlegen. Im rauhen Durchschnitt " Um die festliche Stimmung nicht zu stören", schenkte er sich kutieren und uns ein wenig entrüften? Habt keine Angst, daß würde also auf den Kopf der Bevölkerung eine und den Lehrern, von denen nur ein fleiner Streis seinen mit es ernsthaft werde mit unserem 8orn; wir reden nur, zur neue Steuerlast von etwa 612 M. entfallen. Der dünner Stimme vorgetragenen Gedankenreihen hatte folgen Tat fehlt uns die Straft. Wollt Ihr, hohe Herren, noch zu- Vorstand einer vierköpfigen Familie müßte dann jährfönnen, die Kritik gerade da, wo sie am unerläßlich st en verlässigere Beweise für unsere Ungefährlichkeit und Harm- lich zirka 26 M. mehr an Steuern zahlen! Aber solche Durchwar! Erst als er gegen das Ende hin einen deplacierten losigkeit haben, als wir sie bereits geliefert? schnittsrechnungen stimmen nicht ganz. Herr v. Sydow hat Borstoß gegen die Konfessionsschule unternahm und ein wenig Die Lehrer stecken das Schwert, mit dem sie zaghaft ge- nicht die Absicht, arm und reich in gleicher Weise heranin Zukunftsmusik machte, indem er in flüchtigen Konturen ein spielt haben, vorsorglich wieder in die Scheide. Und alles zuziehen. Es ist ja das Prinzip der Besteuerung in DeutschBild der Idealschule zukünftiger Zeitläufte erstehen ließ, fand bleibt beim alten. land, daß die Neichen möglichst wenig zur Steuer heraner das Dhr der Versammlung, das er bis dahin vergeblich Gottlob, daß das Schicksal der Schule nicht ausschließlich gezogen werden. Dazu bedient man sich der indirekten gesucht hatte. in den Händen der Lehrer liegt! Steuern. Und Herr v. Sydow ist kein Neuerer. Die Hauptmasse der neuen Steuern soll heute schon wieder auf die schwachen Schultern der breiten Massen abgewälzt werden! Nicht nur der Tabak und der Branntwein, sondern auch das Bier sollen herhalten. Und daß dies in ausgiebiger Weise geschehen wird, ist bei der exorbitanten Höhe der aufzubringenden Summe ja selbstverständlich. Der Reichsverband an der Arbeit. Mochte Natorp enttäuscht und viele Hörer unbefriedigt gelassen haben, sein Vortrag offenbarte doch Geist, Wissen, Belesenheit, Schulung. Wie schroff und deprimierend war der Abfall, in den unmittelbar nach ihm der Reichstagsabgeordnete Sommer- Burg mit seinem Vortrage über Nachdem die politische Brunnenvergiftung den Mannen Lieberts die Notwendigkeit und den Wirkungstreis nicht mehr so recht gelingen will, versucht der Reichsverband jetzt die einer Reichsschulbehörde geriet. Ein Block Arbeiter gewertschaftlich" zu berheßen und dabei zu Aber Herr v. Sydow will ja wohl seine neuen Steuern genosse liberaler Couleur mit all der Lendenlahmheit und kraft- gleich die Industriellen für diesen ihnen er mit der bei der Regierung mit Recht so beliebten BlockLosen Unentschlossenheit, die diese wackeren Stämpen ziert. wiesenen Liebesdienst zinspflichtig zu machen. majorität machen. Und so muß auch den Freisinnigen Reichsschulbehörde, gewiß! Aber nur, wenn Bernhard Bülow Schon vor einiger Zeit wurde der Reichsverbandsgeneral wegen eine Ausrede gegeben werden. Dazu dient erstens einmal damit einverstanden sein würde und wenn es keine Hinder- der in Form eines Flugblattes veröffentlichten, nicht gehaltenen die Ankündigung einer Reform der Erbschaftssteuer und die nisse dabei zu überwinden gäbe. Der Blockfriede darf um Rede zugunsten der glasindustriellen Scharfmacher gehörig zer- der Veredelung" der Matrikularbeiträge. Ueber die Erbfeinen Preis gestört werden! zauft. Aber er hat den Mut anscheinend noch nicht verloren, schaftssteuer hat sich Herr v. Sydow nicht näher ausgelassen, " Die Debatte, die dem mit monotoner Langweiligkeit ab- benn er versandte vor einiger Zeit wiederum ein Zirkular und da die Agrarier keine Freunde von Steuern sind, die gelesenen Vortrage folgte, vermochte nicht, sich über das recht an die Glasindustriellen, das mit dem Vermerk 8ur sie selbst mitbezahlen müssen, glauben wir kaum, daß die Erbs�aftssteuÄ den Nesltzend'en brel zumuken wird. Die Veredelung der Matrikularbeiträge ist aber nichts als ein Worwand, um eine gründliche und den Prinzipien einer ge- rechten Steuerpolitik entsprechende Finanzreform auf die Dauer zu verhindern. Statt eine direkte Reichs- cinkommens- und Vermögens st euer einzuführen, die endlich eine selbständige Reichsfinanzwirtschaft möglich machen und daS Gewissen der herrschenden Klassen gegen- über den riesenhaft anschwellenden Ausgaben der Militär-, Marine- und Kolonialpolitik ein wenig schärfen würde, macht man die Schein reform der„Veredelung", die die Abhängigkeit des Reiches von den Einzel- staaten verewigen und die Aufbringung der Reichs- steuern den Dreiklassenlandtagen Preußens und Sachsens ausliefern! soll Das ist das Finanzprogramm der Regierung! Die gefügige Blockmajorität wird bald Gelegenheit haben, aufs neue ihre Volksfeindlichkeit zu bewähren. Der„Temps" kann Zufrieden seini,«/ terrorlsmus! Um den bürgerlichen Terroristen, die so törichtes Zeug über den Terrorismus der Sozialdemokratie zusammengcfaselt haben, ein wenig den Mund zu stopfen und um gleichzeitig der„N d d. A l l g. Z t g." Material zu weiteren Terrorismus- betrachtungen zu liefern, hängen wir folgende Dokumente aus dem verflossenen Wahlkamps niedriger: .Wie Ihnen bekannt sein wird, ist die Wahl eines national- liberalen Kandidaten im Landkreise Linden, zu dem Seelze gehört, auf das äußerste durch die ungewöhnlich großen An- strengungen der sozialdemokratischen Partei gefährdet. Es kann daher die Wahl eines national- oder antinational- gesinnten Abgeordneten unter Umständen von einer Stimme abhängen. Ich möchte Ihnen deshalb dringend ans Herz legen, Ihrer Wahlpflicht zu genügen und nicht etwa zu denken, es komme auf eine Stimme nicht an. Es handelt sich bei dieser Wahl nicht darum, ob Sie kon- servativ, national oder freisinnig gesinnt sind und hiernach Ihr Wahlrecht ausüben wollen, sondern lediglich darum, ob Sie als patriotisch fühlender Staatsbürger nach Kräften die Wahl eines Sozialdemokraten verhindern wollen. Das Wahllokal befindet sich im Kasino beim Gastwirt Ott- leben. Sie wählen in der---(die Ziffer ist angegeben) Abteilung um— Uhr. Der von den Ordnungsparteien aufgestellte Wahlmann Ihrer Wahlabteilung ist Herr(folgt Name). Bei der Bertranensstcllung, die Sie in meiner Fabrik ein- nehmen, nehme ich als selbstverständlich an, daß Sie nicht etwa einer Partei zum Siege verhelfen wollen, die in f» viele» Fällen ihre feindliche Gesinnung gegen uns betätigt hat. Seelze, den 1. Juni 1S08. Dr. N. de HaSn. (Eigenhändig unterschrieben.) F o r st(Laufitz), Datum des Poststempels. Sehr geehrter Herr! Sie dürsten ja selbst zur Genüge wisien, in welcher unerhörten Art und Weise die Sozialdemokratie kämpft. Boykotterklärungen, Maßregelung bürgerlich gesinnter Arbeiter und Handwerker sind an der Tagesordnung. Druck erzeugt Gegendruck! Wir erlauben uns heute, Ihnen einliegend zu übersenden: t. eine rote Liste, enthaltend die Namen der Handwerker und Gewerbetreibenden, die rot gewählt haben. 2. eine rote Liste, enthaltend die Nameu derjenigen Werkführer und Meister, die rot gewählt haben. 3. eine weiße Liste, enthaltend die Namen derjenigen Hand- werkcr und Gewerbetreibenden, die bürgerlich gewählt haben. 4. zwei blaue Listen, enthaltend die Namen der Arbeiter, die bürgerlich gewählt haben. Wir richten an Sie die Bitte, sämtliche Listen gut aufzubewahren, und empfehlen ganz besonders die nationalen, treu gesinnten Arbeiter dringend Ihrer Fürsorge. Treue um Treue l Gleichzeitig bitten wir Sie, unbedingt darauf zu achten, dnü Ihre Beamten, Meister usw. am 3. Juni ganz de- stimmt zur Wahl gehen. Hochachtungsvoll Der Wahlausschuß der vereinigten bürgerlichen Parteien. Eine schuftige Denunziation der Berliner Beamten, die sich nicht als Stimmvieh für die Reaktion mißbrauchen ließen, leistet sich heute wieder die„Deutsche Tages- z e i t u n g": .Völlig entschuldigt werden steilich diejenigen von den Berliner Beamten, die diesmal säumig waren, dadurch nicht. Nach unserem Dafürhalten mußten sie im schlimmsten Falle doch unbedingt der Sozialdemokratie gegenüber für den Freisinn optieren; das sagen wir mit aller Entschiedenheit, obwohl wir kaum in dem Verdacht stehen, von der politischen wie der sozialen Haltung des Berliner Kommunalfreisinns allzu hoch zu denken, lind ganz unentschuldbar sind nach unserer Ansicht selbstverständlich alle Beamten. die für die Sozial- demokratie gestimmt haben. F e st g e st e l l t ist aber, wie wir mit besonderer Genugtuung betonen möchten, eine solche Haltung nur von einzelnen städtischen Beamten und Lehrern. Jeden Kommentar dazu möchten wir uns sparen. Unser GesamturteU geht sonach dahin: der größere Teil der Beamtenschast von Groß-Berlin hat bei diesen Wahlen seine Pflicht getan; mehrere Beamtenllassen haben sogar besonderen Eiser bewiesen. Trotzdem ist die Zahl derjenigen Beamten, die auch diesmal nicht zur Wahl gegangen sind, augenscheinlich nicht geringer gewesen als sonst. Und das ist und bleibt gegenüber dem stärkeren Ansturm der Sozialdemokratie bedauerlich. Demgegenüber müssen namentlich die rechts« stehenden Parteien in Berlin künftig mehr auf dem Po st ensein, um den Beamten die Erfüllung ihrer Wahlpflicht zu erleichtern. Daß aber ein Beamter seine Stimme einem Sozialdemokraten gibt, wird künftig hoffentlich auch bei städtischen Angestellten nicht wieder vorkommen l Hier werden also mehrere städtische Beamte und Lehrer direkt denunziert! Zugleich wird der Berliner Magistrat scharf gemacht, gleich den Staatsbehörden Wahlterror gegenüber den städtischen Beamten zu üben I Und zu dieser schuftigen De- nunziation, dieser frechen Bedrohung der Beamten fügt das Blatt der Fleischverteuerer und Brotwucherer noch den Hohn, daß künftig die reaktionären Parteien in höherem Maße be- müht sein würden, den Beamten durch Druck die Erfüllung ihrer Wahlpflicht(I) zu„erleichtern"! Und dies schamlose Terroristcngesindel will— die Sozial- demokratie wegen ihres„Terrorismus" zur Rechenschaft ziehen? Mögen die Herren nur im Landtag kommen, an einer gepfefferten Antwort soll's ihnen nicht fehlen! politifcbe CUberlicbt. Berlin, den 11. Juni 1908, Stichwahlresultate. In Teltow-Bttskow sind gewählt: 62S konservative, 464 liberale, 56 sozialliberale, 3ö1 sozialdemo- k r a t i s ch e Wahlmänner, 71 unbestimmt: 10 Wahlen sind nicht zustande gekommen. Es findet also Stichwahl zwischen den konservativen Kandidaten Hammer und F e l i s ch und den nationalliberal-freisinnigen Kompromißkandidaten Dr. Tubenthal und Liepmann statt. In Kiel wurden nach den Wahlmännerstichwahlen gezählt für Hoff(Frsi) S!S. für Adler(Soz.) 273. für Schiffer er(natk) 221, für Schulze(k.) 49 Wahlnmimer. Es ist also Stichwahl zwischen Hoff und Adler nötig. In Bochum, wo 989 Wahlmänner zu wählen waren, sind nach dem Ergebnis der Stichwahl insgesamt für Landrat Ger stein (natl.) 448, für Gerichtssekrelär B a r t s ch e r(Z.) 423, für Gewerk- schastsselretär Husemann(Soz.) 116 Wahlmänner gewählt worden. Zwei Stichwahlen sind nicht zustande gekommen. Somit erscheint Stichwahl zwischen G e r st e i n und B a r t s ch e r sicher. Die Kunst im Leben der„Freisinnigen Zeitung". Die.Freisinnige Zeitung" wird von.Künstlern" redigiert. Von Leuten nämlich, die unübertroffen sind in der Kunst, ihren Lesern ein T für ein U zu machen. Die wunderbare Geschicklichkeit, womit die viedaktion dieses Blattes von jeher die Irreführung ihrer Leser zu betreiben verstand, läßt sich nicht entfernt vergleichen mit dem avmseligen Fälscherhandwerk, das die kleinen freisinnigen Kläffer draußen in der Provinz treiben. Sie hat vollen Anspruch darauf, als Kunst angesehen zu werden. Hier die neueste Nummer aus dem endlosen Programm dieser Künstler. Gegenüber unserem iürzlichen Hiniveis, daß der Freisinn nicht in der Richtung und im Geiste seines Programms gearbeitet, fon- dern seinen angeblichen Gegnern sogar noch geholfen hat, die Durchsetzung liberaler Progrcnnmfordevungcn zu verhindern, ver- langt das Blatt allen Ernstes, wir sollten die Behauptung be- weisen. Im ersten Augenblick steht man starr ob solcher Unver- frorenheit. Nach izh Jahren der Blockpolitik, zwei Monate nach Annahme des Sprachenparagraphen durch 'den Freisinn soll man erst noch beweisen, was alle Welt weiß! Doch alsbald erinnern wir uns. Die Leser der.Frei- sinnigen" wissen das ja oben nicht. Sie haben ja von den Dingen, die die Welt bewegen, immer nur so viel erfahren, wie die löbliche Redaktion ihnen mitzuteilen für gut befand. So z. B. erfahren sie auch im vorliegenden Fall absolut nicht, worum es sich eigentlich handelt. Kein Sterbenswörtchen verrät ihnen ihr Blatt vom Gegenstand des Streites. Nichts davon, daß unsere Notiz eine Erwiderung war auf die freisinnige Verdrehung: die Sozialdemokraten hätten dem Freisinn einen Vorwurf daraus ge- macht, daß er mit seinen wenigen Abgeordneten sein Programm nicht„durchgesetzt" habe! Noch viel weniger natürlich hören sie von unserem Nachweis, daß schon vor fünfzig Jahren der Liberalismus es ebenso gemacht hat wie heute! Man bewundere die Virtuosität dieser Fälschung. Erstens glauben jetzt die Leser der.Freisinnigen", wir hätten auf jene Darstellung nichts erwidert und seien mithin jetzt verpflichtet, im Abgeordnetenhaus unser Programm.durchzusetzen". Zweitens glauben sie, wir hätten aus reiner Kralcelsucht ohne jeden Anlaß einen Streit vom Zaune gebrochen. Drittens müssen sie bei dem sicheren Austreten ihres Blattes annehmen, der Freisinn habe in der Tat sein Programm noch nie verraten. Und dazu kommt noch viertens ein besonderer Knallefekt, indem die.Freisinnige" am Schluß zum so und so dielten Male die Vorkommnisse in Bayern und Oldenburg vorbringt. Dabei weiß sie natürlich ganz genau, daß in Bayern die Sozialdemokraten ein Bündnis abgeschloffen haben, um gegen den Freisinn eine Verbesserung des Wahlrechts durchzusetzen, und daß die Entgleisung in Olden- bürg von uns scharfgemißbilligt worden ist. Ebenso weiß sie, daß solche Entgleisungen bei uns Ausnahmen, bei dem Freisinn aber die Regel sind. Ist es zu viel, wenn wir sagen, in der.Freisinnigen Zeitung" ist das Fälschen zu einer wahren Kunst ausgebildet? Glücklicherweise schadets nicht viel, denn die Leserzahl des Blattes ist verschwindend gering. Mit welch grimmigem Hah der Freisinn die Arbeiterschaft und ihre Bestrebungen betrachtet, das zeigt sich bei jeder großen wie bei jeder kleinen Gelegenheit. So las man dieser Tage in der.Freisinnigen Ztg." folgende Notiz: .lieber blutige Ausschreitungen französischer Arbeiter meldet ein Telegramm aus Paris: Etwa 3000 Mitglieder der Arbeitershndikate hielten Sonnabend abend eine Protestversamm- lung gegen die Vorgänge in Vigneux ab. Nach Schluß der Ver- sammlung kam es zu heftigen Zusammenstößen zw is chen der Polizei und Teilnehmern der Ver- sammlung, bei denen zwölf Polizeibeamte und mehrere Ruhestörer verletzt wurden. Gegen Mittemacht war die Ruhe wiederhergestellt. Wie man sieht, enthält das Telegramm an stch nicht den leisesten Anhaltspunkt dafür, daß die Arbeiter Ausschreitungen begangen haben. ES meldet nur die Tatsache, daß.eS" zu Zusammen- stoßen.gekommen" sei. Diese können also ebenso wohl auch durch Ausschreitungen der Polizei herbeigeführt sein. Jedenfalls kann man von Berlin aus vorläufig absolut nicht wissen, wie der Vorfall entstanden, ja waS überhaupt vorgefallen ist. Aber daS macht nichts. Die„Freis. Ztg." spricht ohne weiteres von„blutigen Ausschreitungen französischer Arbeiter" und erweckt so im Kreise ihrer Leser wieder einmal die gruselige Vorstellung, daß die Arbeiter insgesamt— denn hier ist nicht etwa nur von sozialdemokratischen Arbeitern die Rede— nicht viel anders seien als blutgierige Bestien. die mit eiserner Gewalt im Zaum gehalten werden müßten. Dabei nehmen wir nicht einmal irgend welche absichtliche Verdrehung an. Nein, ihr ist diese Anschauung über die Arbeiterschaft voll- ständig in Fleisch und Blut übergegangen, so daß sie ganz von selbst und unwillkürlich in solchem Vorfall, ohne den Schatten eines Be« weises, eine Ausschreitung der proletarischen Bestie sieht. Allerdings, ein paar Tage vor einer Wahl weiß sie ihre Ge- danken über die Arbeiter besser im Zaum zu hallen.»» Keine Freifahrt für Wahlmänner. Da. wo Wahlmänner zur Ausübung der Abgeordneten- wähl genötigt sind, die Eisenbahn zu benutzen, steht ihnen das Recht auf freie Fahrt nicht zu. Ein entsprechender An- trag ist zwar von den Freikonscrvativen— bekanntlich der- j e n i g e n Partei, die bei dem indirekten Drei- klassenwahlrecht am allerbe st enabschneidet— gestellt worden und am 6. März d. I. im Abgeordnetenhaus zur Verhandlung gelangt, allein der Antrag ist der Budget- kommission überwiesen worden, ohne daß irgend ein Entscheid getroffen worden wäre. Auch eine ministerielle Verfügung im Sinne des Antrages Gamp ist nicht erfolgt. Die Hechte im Karpfenteich. Die„Kreuz-Zeitung" hatte dieser Tage bei einer Be- sprechung des Wahlergebnisses geschrieben, die Vorsätze der neuen ipMdemokratißKxn LandtagSabgeordneten.„in der preußischen LandesderkreMng sich als aufreizende Störenfriede aufzuspielen", würden, auch wenn sie noch so ernst gemeint wären, an der Geschäftsordnung und an dem festen Willen der Mehrheit. Ordnung zu halten, zu- schänden werden. Diese Auslastung des Junkerblattes zitiert in ihrer Nr. 130 die„T r i e r i s ch e L a n d e s z e i t u n g". das be- kannte rheinische Zentrumsorgan, und fügt hinzu: „Ordnung halten ist selbstverständlich; aber deshalb können die Sozialdemokraten den Herren der Rechten sehr viel sage», waS ihnen sehr unbequem ist. Sie werden auch sicher ihre Rede- freiheit reichlich ausnutzen. Die Luft wird eine etwas auderc werden. Es ist doch wirklich nicht so schwer, den»Hecht" im so- genannten Junkerparlament zu spielen." Das Zentnimsblatt sagt die Wahrheit. Indem es aber von den Sozialdemokraten erwartet, daß sie die Hechte im Karpfenteich spielen werden, beschuldigt eS feine eigene Landtagsfraktion der gröblichen Vernachlässigung ihrer Volksvertreterpflichten. Das Zentrum preist sich Tag für Tag als die einzig wahre Volkspartei an und lobt seine Parlamentstätigkeit in den höchsten Tönen. Wir fragen dem- gegenüber: Bedürfte es unter diesen Umständen der sozial- demokratischen Hechte, wenn die schwarzen„Volkssreunde" ihre Pflicht täten? Das Zentrum zählte im preußischen Land- tag bisher schon 97 Abgeordnete; aber es müssen erst sechs oder sieben sozialdemokrattsche Volksvertreter in das Drei- klassenhaus eindringen, um der Regierung und den Junkern die Forderungen des Volkes in die tauben Ohren zu rufen! Die„Trierische Landeszeitung" stellt ungewollt der Sozial demokratie das glänzendste Zeugnis aus, und sie beschuldigt ebenso ungewollt das Zentrum der völligen Unfähigkeit zur mannhaften Verfechtung der Volksinteressen. Idyllische Zustände scheinen im Osten des Königreichs Preußen in den unteren Verwaltungsbehörden zu herrschen. In der„Sozialen Praxis" macht Generalrat Will» er in Krotofchin Vorschläge zur Aenderung der Gewerbeordnung und bemerkt� zu Z 134 c: „UebrigenS wäre es wünschenswert, wenn neuerlassene Arbeits- ordnungen bezw. Nachträge bei den zuständigen Gewerbeinfpe!- tionen eingereicht würden, da diese am ehesten in der Lage sind. auf die Beseitigung unbilliger Bestimmungen hinzuwirken." Die Mitglieder des Reichstages und des Bundesrates, die vor achtzehn Jahren die Novelle zur Gewerbeordnung berieten. werden der Meinung sein, daß sie die Wünsche des Herrn Willne: schondamalSerfüllt haben, als sie dem Absatz 1 des 8 134 e folgende Fassung gaben:„Die Arbeitsordnung sowie jeder Nachtrag zu derselben ist unter Mitteilung der seitens der Arbeiter gc- äußerten Bedenken, soweit die Aeußerungen schriftlich oder zu Pro- tokoll erfolgt sind, binnen drei Tagen nach dem Erlaß in zwei Ausfertigungen unter Beifügung der Erklärung, daß und in welck)«!: Weise der Vorschrift deS 8 134 ck(Anhörung der Arbeiter) genügt ist, der unteren Verwaltungsbehörde einzureichen." Mit den zwei Ausfertigungen wollte man keineswegs die Aktenschränke der Landratsämter füllen, sondern mau dachte sich, daß ein Exemplar am Sitz der unteren Verwaltung!- bchörde verbleibt und das andere Exemplar dem Gc- werbeaufsichtsbeamten zugestellt wird! In dc.i Ostmarken sind die Behörden durch die Polenhatz so stark in Anspruch genommen, daß wenig Zeit zum Nachdenken bleibt; sonst ist eS unbegreiflich, daß noch nie ein Landrat auf den Gedanken gc- kommen ist, einmal anzufragen, weshalb man ihm immer zwei Ausfertigungen der Arbeitsordnung schickt!— Milde Richter in Südwestafrika. vor dem Kriegsgericht zu H a H e a. S. standen am 10. Juni drei frühere südafrikanische Schutztruppler unter der Anklage, einen Gefangenen zu anständig) behandelt und Geschenke von ihm angenommen zu haben. Die Verhandlung erwies, daß sie den Gefangenen, den sie nach der Bahnstatton Ottinerungo transportieren sollten, zuerst nach seiner Farm gebracht und dort mit ihm einen fidelen Bierabend verlebt haben. bei dem sie dem Kaviar, dem Schinken und den Frankfurter Würstcheu tüchtig zusprachen. Zwei der Angeklagten nahmen außerdem.Reise- Unterstützungen" im Betrage von 10 und 20 M. von dem Gefangenen an. Das Kriegsgericht sprach alle drei Angeklagten stei— vielleicht hat es gemeint, ihr Verhalten müsse entschuldigt werden, weil ihnen von ihren Vorgesetzten, dem Hauptmann und dem Leutnant, der Rat erteilt war, den Gefangenen schonend zu behandeln, da er— Reserveoffizier war. Aus diesem Grunde hatte der Hauptmann Freiherr v. Wangenheim, der damals zu Utio die Landes- Polizeigewalt ausübte, es auch nicht für zulässig gehalten. den Herrn Gefangenen in daS Arrestlokal zu stecken, sondern ihn ursprünglich in ein Privathaus einquartiert, wo der Herr sich damit beschäftigte, Briefe an seine Frau zu schreiben, um die Spure:; seiner Taten zu verwischen. Erst als der Herr Gefangene fem Privatquartier verließ, wurde er auf Veranlasiung des Bezirksrichters in das Arrestlokal gesperrt und dann später auf die oben beschriebene Weise ins Gefängnis von Swakopmund spediert. Wessen aber war dieser rücksichtsvoll behandelte Herr Gc- fangene. der Fanner und Reserveoffizier Vjiehhage, dringend ver- dächtig? DeS mehrfachen Mordes: Er war beschuldigt, mehrere Herero f r a u e n und»Mädchen erschossen und erhängt zu haben. Auf seiner Farm wurde ein Sack mit Knochen und Schädeln von tzererosrauen beschlagnahmt I Dem Herrn Farmer und Reserveoffizier wurde der Prozeß gemacht. Und eS wurde festgestellt, daß er ein Hereroweib er- stachen und zwei zu Tode gequält hat. Und da» Obergericht zu Windhuk übte strenge Gerechtigkeit und verurteilte den Reserveoffizier wegen— Totschlags zu neun Jahren Gefängnis! Wir verstehen nicht recht, wie das Zutodequälen zweier Herero- weiber als Totschlag angesehen werden konnte. Da beim Zutodequälen doch eine Ueberlegung anzunehmen ist, die Ueberlegung, die den Mord vom Totschlag unterscheidet. Aber abgesehen davon: der Totschlag wird nach dem deutschen Strafgesetzbuch mit Zuchthaus nicht unter 6 Jahren bestraft. Nur wenn der Totschläger ohne eigene Schuld durch eine ihm oder einem Angehörigen zugefügte Mißhandlung oder schwere Beleidigung von dem Getöteten zum Zorne gereizt und hierdurch auf der Stelle zur Tat hingerissen wurde, oder wenn andere mil- dernde Umstände vorhanden sind, tritt Gefängnis nicht unter sechs Monaten ein. Der Herr Reserveoffizier Viehhage ist wegen dreier an- geblicher Totschläge zu neun Jahr-n Gefängnis, nicht zu Zuchthaus, verurteilt worden. Es wäre sicherlich wünschenswert, zu hören, welche mildernde Umstände den Herrn Reserveoffizier und drei- fachen Totschläger vor dem Zuchthaus bewahrt haben. Der Umstand, daß die Opfer des Totschlägers Schwarze, Hererowciber. waren, kann ja nicht als mildernder Umstand gelten, so sehr solche Annahme auch den Anschauungen gewisser weißer Afrikaner entsprechen mag.—__ Korrektur der Rechtsprechung. Auf der Jahresversammlung deS sächsischen Jagdschutz- Vereins hatte der Vorsitzende der vereinigten Nimrode, Herzog Viktor von Ratibor. darauf hingewiesen, daß die Be» strafungen wegen Wilddiebereien außerordent« lich niedrig seien. Im Anschluß hieran hatte er mitgeteilt, der zweite Präsident deS Vereins, General der Kavallerie von K i r ch b a ch. sei beim sächsischen Justizminister deS« halb bereits vor st ellig geworden und habe bereit- willigst Hilfe gefunden. In einem Falle zu milder Bestrafung eines WildfrevelS durch ein sächsisches Gericht habe der Justizminister be- reitS einzugreifen versucht, aber die Strafe sei schon rechts- kräftig gewesen. Es wurde deshalb um rechtzeitige Mtteilnng der- artiger Fälle ersucht, um rechtzeitig eine Korrektur zu milder Urteile zu veranlasien. MS diese charakteristischen Mitteilungen der feudalen Herren gebührend gewürdigt worden waren, erließ der sächsische Justiz- mini st er im.StaatSanzeige r" eine Erklärung, worin er im wesentlichen alles als richtig zugibt. Nur fei die Schluß- folgerung falsch, daß er Richter habe beeinflussen wollen. Das Justiz- Ministerium habe vielmehr nach Heranziehung der Alten, aus denen zu ersehen gewesen sei, daß das Urteil in diesem Falle un- gerechtfertigt milde war und dem in der Sache tätig ge- wesenen Amtsanwalt zur Nachachtung für etwaige künftige Fälle zu erkennen gegeben, daß und aus welchen Gründen er wegen der Strafhöhe hätte Berufung einlegen sollen. Der Fall kennzeichnet auch in dieser Darstellung die Oberleitung der sächsischen Justiz. Hätte der Justizmwister sich die Mten so schnell kommen lassen, wenn eS sich um eine andere Sache gehandelt hätte, wenn nicht feudale Nimrode interpelliert hätten? Anlaß genug wäre aber dazu vorhanden. Wir verweisen nur darauf, daß dieser Tage in Chemnitz zwei„nationale" Arbeiterführer, die zwei unserer Genossen mit den gemeinsten Schimpfworten wie Zucht- Häusler, Lump. Schuft usw. belegt hatten, nur zu je 2V M. Geldstrafe verurteilt wurden, während es Monate von Gefängnis regnet, wenn ein Arbeiter einmal einen Streikbrecher nur Streikbrecher nennt. Hier läge Anlaß genug für den Justizminister vor. sich die Mten kommen zu lassen und entsprechende Anweisungen an die Staatsanwälte ergehen zu lassen. Bon dieser Art Korrekturen der Justiz wird aber der Justizminister sicher nichts wissen wollen, da wird er wieder, wie vor kurzem im Landtage, den Entrüsteten spielen, der jede Einwirkung auf die Rechtsprechung mit erheblichem Aufwände von Redensarten abstrettet l— Druikfehlerberichtigung. In unserem gestrigen Aartikel, das „Attentat auf das Koalitionsrecht der Angestellte", ist der Name des Anwalts des Deutschen Technilerverbandes richtig Dr. Börner(nicht Dr. Beumer) zu lesen.—_ Ocrtcmldj. Steuerreform. Wien, 10. Juni. Abgeordnetenhaus. Die Regierung hat heute die angekündigte Branntwein st euervorlage eingebracht, welche eine Steuererhöhung um b0 Heller pro Liter Alkohol vorsieht. Von den Mehreinnahmen sollen ungefähr Dreiviertel zur Sanierung der Landesfinanzen verwendet werden, der Rest dem Staatsschatz zufallen. Eine andere Regierungsvor- läge betrifft eine Herabsetzung des Grund st euerausmaßes um IS und der HauSzins- und Hausklassen st euer um 12s4 Proz. Sämtliche Maßnahmen gelten vorläufig bis 21. De- zcmber 1917. �' Schweiz. Der Mehlzoll. Bern, 10. Juni. Heute fand eine neue Beratung zwischen Vertretern des Bundesrates und den schweizerischen Mitgliedern der kürzlich in Zürich gehaltenen Konferenz wegen der Einfuhr deutscher Mehle statt, wobei in erster Linie die Frage geprüft »vurde, ob der von den schweizerischen Müllern vorgeschlagene Zu- schlagszoll von 2,40 Frank genügen werde, um die Wirkung der ddutscheg Alisfuhrprämie aufzuheben.— frankreich. Der Arbeitermord. Paris, 11. Juni. Außer der amtlichen Untersuchung, welche in V i g n y wegen der jüngsten Zwischenfälle vorgenommen wurde, hat auch der sozialdemokratische Abgeordnete WilmS eine solche angestellt. Wilms wird die Regierung heute über diese Zwischenfälle interpellieren. Die Ausständigen in Vigny beschlossen gestern abend die Fortsetzung des Streiks. Morgen findet eine Unterredung zwischen dem Präfekten und den Arbeiterdelegierten zwecks Beilegung des Konfliktes statt. Paris, 11. Juni. Deputiertenkammer. In Erwidc- rung auf eine Interpellation über die Vorkommnisse in Vigny gab Clement e a u dem Bedauern der Regierung Aus- druck, daß hierbei Todesfälle zu beklagen seien. Die Regierung halte es für ihre Pflicht, die belästigten Arbeiter und die Vorräte in den Fabriken zu schützen. Redner berichtete sodann über die Ereignisse, wie sie aus der amtlichen Untersuchung klargestellt seien. Clemenceau tadelte sodann die Gendarmen, weil sie an- ständige Arbeiter, die keine Kundgebungen veranstalteten. angegriffen hätten. Das Gericht werde die Verantwortlichen feststellen und sein Urteil fällen, wenn ein fester Anhaltspunkt gc- geben fein werde. Die Gendarmen feien nicht in der Not- wehr gewesen. Bisher scheine, daß�der Ouartiermeister der Gendarmerie einen schweren Fehler begangen habe, er werde ver- setzt werden. Das gerichtliche Verfahren wegen dieser Mordtaten sei eingeleitet. Dem Präfekten des Departements Seine et Oise dem Unterpräfckten, dem Rittmeister der Kavallerie und dem der Gendarmerie, welche nicht geschossen hätten, würden Belohnungen gegeben werden. Der Ministerpräsident schloß, indem er bat, zu wählen zwischen einer Regierung, die Reformen auf gesetzmäßigem Wege einführen wolle und zwischen aufrührerischen Ausständigen. (Beifall links.) Nach einer Erwiderung der Interpellanten nahm Clemenceau eine Tagesordnung an, in der die Kammer ihr schmerzliches Emp- finden und ihr Vertrauen zur Regierung ausdrückt und die in Vorschlag gebrachten gerichtlichen Matznahmen genehmigt. Diese Tagesordnung wurde mit 429 gegen 63 Stimmen an- genommen. Das HauS beraumte die Besprechung der Jnter- pellationen Gervais und Deschanel, betreffend Marokko, aus den IS. d. Mts, W, Dgi&uf wurde die Sitzung geschlossen» Italien. Die Einigungsverhandlnngen gescheitert. Rom, 11. Juni.(Privatdepesche des„Vor- wärt s".) Das Werk der Einigungskommission. die zur Vermittelung zwischen den streikenden Landarbeitern und den Grundbesitzern von den Bürgermeisten der Provinz Parma einberufen worden war. und von der man die Bei- lcgung des Streiks erwartet hatte, ist gescheitert. Die Landarbcitcrorganisationen von 23 Gemeinden, die hauptsäch- lich an dem Streik betefligt waren, haben die Voisschläge ein- stimmig abgelehnt, weil die Forderungen der Arbeiter gänzlich ignoriert worden waren. Die„Agraria", die Organi- sation der Grundbesitzer, war zur bedingten Annahme bereit. Die Verhandlungen sind abgebrochen worden. Der Streik dauert bereits 41 Tage, und das Scheitern der Verhandlungen hat die Stimmung außerordentlich verschärft. Gelingt nicht bald ein neuer Versuch, so scheint die gesamte Ernte des Jahres verloren.-» Englancl. Keir Hardie über den Zarenbesuch. London, den 11. Juni. Der Führer der Arbeiterpartei Keir Hardie erklärt in emem Interview, daß die Bedingungen, unter" denen König Eduard dem Zaren seinen Besuch ab- gestattet habe, nicht für einen Monarchen paßten, welcher Herrscher eines freien Landes sei. Er fügte hinzu, die Be- gegnung sei ohne Zweifel dem Könige von Kapitalisten suggeriert, wie dies aus den Kursveränderungen an der Londoner und Pariser Börse hervorgehe. foißlauä. Eine offizielle Erklärung. Rcval, 11. Juni. Die Petersburger Telegraphen-Agentur ver- öffentlicht folgendes Communique: Die Zusammenkunft der Herr- scher Rußlands und Englands in Reval hatte den Zweck, die freund- schaftlichen Beziehungen der beiden Regierungen, welche durch die Verträge des letzten Jahres eingeleitet worden sind, zu kräftigen und zu befestigen. Im Laufe der Unterredungen, die bei diesem Anlaß zwischen dem Minister des Aeußern Jswolski und dem Staatssekretär Hardinge stattgefunden haben, wurde festgestellt, daß diese Uebereinkommen den glücklichsten Einfluß hatten auf die friedliche EntWickelung der verschiedenen Fragen, die in diesen Ver- trägen behandelt sind. Eine vollkommene Ueberein- st i m m u n g der Ansichten herrscht auch nach Wie vor zwischen Rußland und England in betreff der Lage in P e r f i e n und Afghani st an und hinsichtlich jener Vorfälle, die sich jüngst einerseits an der indisch-afghani scheu, andererseits an der rufsifch-persischen Grenze ereignet haben. Was Persien anbelangt, sind die Regierungen von Rußland und England nach wie vor fest entschlossen, die Integrität und die Unabhängig- keit dieses Landes zu wahren. Die Besprechungen, welche seit einiger Zeit zwischen den beiden Regierungen hinsichtlich der Lage in Mazedonien gepflogen werden, sind, wie man annehmen kann, auf dem Punkte, zu einer vollkommenen Ueberein st immung zu führen und es erübrigt nur noch, dieser eine feste Form zu geben. Man hofft, daß diese Uebereinstimmung als Grundlage dienen wird für eine allgemeine Entente der an dem mazedoni- scheu Reformwerke beteiligten Mächte. Jswolski und Har- dinge konnten sich außerdem überzeugen von dem gegenseitigen Wunsche Rußlands und Englands, die besten Beziehungen aufrecht- zuerhalten und keinen Anlaß zur Beunruhigung über das von ihnen verfolgte Ziel zu bieten. Dies gilt sowohl für die speziell zwischen den beiden Ländern geschlossenen Uebereinkommen, als auch für ihre allgemeine Politik und kann nicht verfehlen, zur Erhaltung und Befestigung des Friedens beizutragen.— Ein neues Attentat in Grusien. Tiflis, 10. Juni. Rittmeister Karaulow, der Chef der östlichen Gruppe der politischen Polizei, der die vorläufige Unter- suchung in der Angelegenheit der Ermordung des Exarchen von Grusien führte, wurde auf der Fahrt nach seiner Wohnung von einem Unbekannten schwer am Kopfe verwundet, der Täter entkazi; der.Versuch, die Untersuchungsaltcn zu rauben, mißlang._. Die Reaktion. Petersburg, 11. Juni. Die„Nowoj e W rem ja" berichtet von einem Telegramm des Schahs, in welchem dieser den festen Ent- schluß ausspricht, die Leute zu bestrafen, die das Land der „Anarchie" zuführen, jedoch gelobt, der Verfassung treu zu bleiben. Der energische Ton des Telegramms habe die politischen Klubs ein- geschüchtert, die bereits die A b f e tz u n g des S ch a h s proklamieren wollten. Das Telegrarnm soll dem Schah viele Anhänger, in der Mehrzahl von der Geistlichkeit, erworben haben. Mrokko. Die Einschränkung der französischen Operationen. Aus Paris wird nunmehr amtlich gemeldet, daß die Räumung des Schaujagebietes vollzogen sei. Alle Truppen sind in die Lager bei Casablanca zurückgekehrt. Die Periode der aktiven Operationen sei d o m i t b e c n d e t. Die Truppen werden gus hygienischen Rücksichten außerhalb der Stadt lagern.» Hlmerika. Desertion. London, 11. Juni. Wie der„Daily Mail" aus New Dork gc- meldet wird, sind mehr als tausend Mann von der amerika- nischcn Flotte seit ihrer Ankunft in den kalifornischen Kewäjjern desertiert.— Hua der parteu Wieder eine RcichSverbandöliige. Der Leibjournalist der Gründer der AugSburger gelben Vereine verbreitet die Nachricht, der Ver- über eines Lustmordes in Augsburg fei,.wie sich jetzt herausgestellt, Sozialdemokrat und soll sogar Mitglied einer sozialdemokratischen Organisation gewesen sein." Der— übrigens geisteskranke— Mörder hat, wie sich„heraus- gestellt hat", mit der Sozialdemokratie nicht im entferntesten etwas zu tun gehabt. Die sozialdemokratisch« Partei deS KantonS veru hielt am Sonn- tag in Thun ihren Parteitag ab, auf dem über die Tätigkeit der Geschäftsleitung, der sozialdemokratischen KaiitonSratSfraktion, sowie der Koniiiiission für die Schaffung von Kindergerichtshöfen berichtet wurde. Angesichts der zunehmenden Aufgaben und Ge- schäfte der Parteileitung wurde beschlossen, wiederum �einen Partei- sekretär anzustellen, und als solcher sodann Genosse Fähndrich in Biel, gegenwärtig Sekretär des Schweizerischen Grüilivereins und der sozialdemokratischen Gesamtpartei, gewählt, der sich jedoch bis Ende Juni Bedenkzeit zur Entscheidung vorbehielt. Als Sitz der besonderen Lit e r a turkommi s si o n wählte man Bern. Für die im Herbst stattfindenden Nationalratswahlen sollen in allen Wahlkreisen des Kantons Bern sozialdemokratische Kandidaten aufgestellt werden. Den Kreisvorständen ist es frei- gestellt, mit den Bürgerlichen Abmachungen zur Durchbringung eines sozialdemokratischen Kandidaten zu treffen. Gegen den Miß- brauch der Staatsgewalt durch die bürgerlichen BeHorden in den Kämpfen zwischen Arbeit und Kapital erhob der Parteitag einen ent- schiedenen Protest. Der Parteivorstand in Biel erhielt den Auftrag. zugunsten der ivettergeschndigten Landwirtschast vom Bundesrat den Ausfall des diesjährigen TrnppenznsammenzugeS und die Reduktton des Hypolhekarzinfcs für dieses Jahr zu verlangen. Die Bcrner Arbeiterunion erhielt den Auftrag, für die Abschaffung deS noch aus dem Mittelalter stammenden skandalösen landwirtschaftlichen Arbeits- markteS einzutreten, und weiter soll darauf hingewirkt werden, daß zur Hebung der allgemeinen Volksbildung auch der Besuch der Oberschulen obligatorisch erklärt werde. Sozialdemokratische Wahlerfolge in der Schweiz. Im Kanton Baselland habe» unsere Genossen bei den jüngsten Gemeinde- und Kantonsratswahlen mehrere Sitze gewonnen: in Nidau bei Biel wurde der Kandidat der Arbeiterschaft in den Gemeinderat(Magistrat) gewählt. Die sozialdemokratische KantonSratSfrattion im Kanton Solo.thurn hat zu ihren im ersten Anlauf errungenen 28 Mandaten nachträglich noch ein weiteres erhalten, da sich in einem Wahlkreise herausstellte, daß unsere Partei auf ihre Liste eine Stimme mehr erhalten hat, so daß sie nun 24 Mit- glieder zählt. Positive Arbeit der Sozialdemokraten in der Schweiz. In der Gemeinde Nidau wurde das Jnitiativbegehren des Arbeiter- Vereins auf Einführung der unentgeltlichen Beerdigung von der Gemeindeversammliing einstimmig angenommen. Die seit Neujahr in der Schweiz eingeführte Publikation von Monats- bulletinS über die Tätigkeit der schweizerischen Arbeitsämter durch die Zentralstelle in Zürich und über die jeweilige Lage des Arbeitsmarktes ist der Erfolg der Arbeitervertreter in der Ver- waltungskommission des ftädtiichen Arbeitsamtes inWinterthur. ES gibt heute auf keinem Gebiete mehr einen Fortschritt ohne die Initiative und Mitwirkung der Sozialdemokratie. poll-eilickes, öericbrlicbes usw. Als russische„Flüchtlinge" gaben sich am 23. März d. I. der 37 Jahre alte Jakob Weiner aus Wilna(Rußland) und der Wasstly Tschernikoff. gleichfalls aus Rußland, auf der Redaktion der „Pfälz. Post" zu Ludwigshafen aus und wußten nach langem Hin und Her den Genossen Kleefoot als Vorsitzenden des Sozialdemokratischen Vereins zu bewegen, ihnen durch AnweisungS- schein an den Kassierer Genossen Wagner je 2 M. zu bewilligen. Ehe die beiden Strolche jedoch bei Stadtrat Wagner die ihnen geschriebene Anweisung präsentierten, fälschten sie die Anweisung von je 2 auf je 12 M. Wagner schöpfte darob Verdacht und tele- phonierte an Kleefoot, wodurch sofort der Schwindel an den Tag kam. Beide gingen dann flüchtig, wurden aber verhaftet und später wieder auf freien Fuß gesetzt, worauf Tschernikoff ins Ausland flüchtete. Weiner. der übrigens schon seit drei Jahren seinen Wohn- sitz in Mannheim hat, wurde wegen Betrugsversuchs und Urkunden- fälschung von der Frankenthaler Strafkammer zu einer Gefängnis- strafe von drei Wochen verurteilt. Der Staatsanwalt hatte drei Monate beantragt._ Soziales» Geheime Stimmabgabe bei den Landgemeindewahlen in der Provinz Hannover ist zulässig. Bei den Wahlen zum Gemeindeausschuß(Gemeindevertretung) von Norderney, die 1906 stattfanden, ließ der Gemeindevorsteher öffentlich abstimmen. Ein Gemeindemitglied N. wollte g e- beim abstimmen. Der Gemeindevorsteher als Wahlvorsteher ließ das nicht zu. R. erhob gegen die Wahlen Einspruch und der Gemeinde- ausschuß gab dem Einspruch statt und erklärte die Wahlen für un- gültig. Der Gemeindeausschuß berief sich auf die Tatsache, daß die hannoversche Landgemeindeordnung keine Bestimmung darüber treffe, wie bei den Landgemeindewahlen in Hannover zu stimmen sei, geheim oder öffentlich. Nach der Auffassung des Gemeinde- ausschusses sei es deshalb jedem Wähler überlassen, ob er öffentlich oder geheim abstimmen wolle.— Der Gemeindevorsteher focht den Beschlutz deS Gemeindeausschusses durch die Klage an und erzielte, daß der Kreisausschuß den Beschluß der Gemeindevertretung aufhob und die strittigen Wahlen für gültig erklärte. Der Bezirksausschuß bestätigte das Urteil. Er führte unter anderm aus: Aus den Akten der Gemeinde Norderney ergebe sich hinreichend, daß in Norderney seit längerer Zeit öffentlich gewählt werde. Aber es käme darauf auch gar nicht mal an. Es müsse angenommen werden, daß die hannoversche Landgemeindeordnung nur mit der öffentlichen Wahl rechnete, wenn daS auch nicht in der Landgemeindeordnung stehe und sie sich darüber gar nicht auslasse. DaS Stimmrecht sei in Hannover bei den Abteilungen sehr verschieden. Das zeige, daß eine gewisse Kontroll« stattfinden müsse. Dem Wahlvorsteher allein könne man das aber nicht überlassen. Daraus folge, daß die ge- Heime Wahl den Bestimmungen der hannöverschen Landgemeinde- ordnung überhaupt widerspreche. Schon deshalb sei mit Recht vom Gemeindevorsteher verhindert worden, daß jemand geheim ab- stimmte. Das Oberberwaltungsgericht als Revistonsinstanz be- stätigte zwar das Urteil des Bezirksausschusses insofern, als es die Gemeindeausschußwahlen von 1906 ebenfalls für gültig erachtete. ES sprach aber zugleich die Zulässigkeit der geheimen Stimmabgabe bei hannöverschen Landgemeindewahlen aus, indem es ausführte: Nach den Bestimmungen der Kreisordnung für Hannover könne nicht angenommen werden. daß die öffentliche Wahl die einzig maßgebende Wahl sei. Da nun die hannöversche Landgemeindeordnung keine Vestimmung in der Beziehung treffe, so sei eS nicht ausgeschlossen, daß nach GemeindeverfassungSstatut oder Herkommen die geheime Abstimmung stattfinden dürfe. Aber eS stehe nicht im Belieben des Einzelnen, abzustimmen, wie er wolle. Die Gemeindeversassung oder das Herkommen sei maßgebend dafür, ob öffentlich oder geheim bei Landgemeinde- Wahlen in der Provinz Hannover abzustimmen sei. Für Norderney sei anzunehmen, daß dort dlc öffentliche Wahl hergebracht und maßgebend war. Deshalb sei die Borentscheidung im Resultat aufrechtzuerhalten, allerdings aus den dargelegten, ganz anderen Gründen.— UnterstutzungSkasse» gegen die guten Sitten. Bei der Firma L. A. Riedinger in Augsburg wurden jedem Arbeiter pro Woche 10 Pf. Beitrag für eine sogenannt« Unter-' stützungskasse der Fabrik vom Lohn in Abzug gebracht. Beim Aus- tritt aus der Fabrik sollen nach den Statuten die Beiträge nur dann zurückgezahlt werden, wenn der Austritt.ohne Verschulden deS Arbeiters" erfolgt. Das Gewerbegericht in AngS- bürg verurteilte nun die Fabrik zur Herauszahlung der geleisteten Beiträge in jedem Fall. In den Gründen wurde ausgeführt: Würde sich ein zur Einstellung kommender Arbeiter weigern, durch Unterschrift zu betätigen, daß zede Woche für diese Kasse 10 Pf. vom Lohn abgezogen werde» dürfen, dann würde der Arbeiter jedenfalls nicht eingestellt werden. Der Vertrag ver- stößt gegen die guten Sitte» und ist iiugiiltla, weil er die Arbeiter unter AuSnupuna der nioinentanen Not lArocitSlosigkeit) zum Bei- tritt in eine Kaste zwingt, der sie freiwillig vielleicht nicht beitreten würden, und nach dem Gesetze unzulässige Lohnabzüge t>ev einbart._ Aus Industrie und Randet TerrorismuS. Der Verein deutscher Motorfayrzena-Jndustrieller, Berlin, faßte auf seiner letzten Generalversammlung folgenden Beschluß: Der Verein deutscher Motorfahrzeug-Jndustrieller veranstaltet im Interesse einer ruhigen Weiterentwickelung der deutscheu Auto- mobilindustrie bis zum 1. September 1909 keine Automobil- auSstellung in Deutschland. Die Mitglieder des Vereins deutscher Motorfahrzeug- Industrieller verpflichten sich, in diesem Zeilraum keine in Deutsch- land stattsindende Automobilausstellung weder direkt noch indirekt zu beschicken, gleichviel, wo und von tvem sie Veranstalter wird, und zwar bei einer Konventionalstrafe von 10000 M. für den einzelnen Fall und unter Ausschluß aus dem Verein. Die Fabrikanten sind verpflichtet, auf ihre dem Verein nicht angeschlossenen Händler entsprechend einzuwirken, unter sinn- gemäßer Anwendung der§§ 18—21 der BereinSstatuten, und die Händler weder finanziell noch durch Lieferung von AuSstellungS- gegenständen z» unterstützen. Wenn die Fabrikanten nicht ausstellen wollen, so ist das natür- lich ihre Sache. Wie der Beschluß ergibt, will man aber auch auf Dritte einen Zwang dabei ausüben, sich ihrem Willen zu fügen. Das Ende des Roheisensyndilates. Wie die Kölnische Zeitung" als nicht vorhanden erscheinen zu lassen. Dabei wurden dann gern bevorstehenden Lohnherabsehung in große Aufregung. hört, steht die Kündigung des Roheisensyndikates am 1. Juli 1908 Formen gewählt, durch die der Leser in den Glauben versetzt Die Schlepper schleuderten die" Flocks" zur Erde, warfen die Ers ficher bevor. Die Kündigung würde, wie das genannte Blatt schreibt, werden sollte, die in dem besonderen Falle beliebte Berichtigung fennungsmarken in die Markenbude zurück und drohten mit der zur Folge haben, daß die Hütten vom 1. Oftober 1908 ab Verkäufe beweise, daß Klagen über Mißstände usw. nicht viel Glauben bei- Arbeitseinstellung. Es wäre zu größerer Ausschreitung gekommen, für die Zeit nach dem 1. Januar 1909 selbständig tätigen könnten, sofern nicht vorher noch eine Berständigung über ein neues Syndikat zumessen sei. Daß bei der Fülle der Mißstände auch mal unrichtig wenn der Belegschaft nicht mitgeteilt worden wäre, das alles beim sofern nicht vorher noch eine Verständigung über ein neues Syndikat keiten in der Berichterstattung vorkommen, ist erklärlich, man kann alten bleiben soll. Ueber 200 Mann legten die Arbeit nieder und erzielt würde. aber auch die Gewißheit haben, daß, wenn solche vorkommen, gingen auseinander. Die Bewegung hält anscheinend noch an; die Berichtigungen folgen. Wo diese ausbleiben, darf man sicher sein, Rädelsführer fehlen auch heute früh"( d. h. am Dienstag).- E3 daß es nichts zu berichtigen gibt. Die Berichtigungen" find handelt sich hier um einen elementar zum Ausbruch gekommenen nämlich organisiert, wie folgendes Zirkular beweist: sogenannten wilden Streit, der gerade in der Art seines Verlaufs die schwerste Anklage gegen das Grubenkapital bedeutet. Nicht eins mal die Schles. 8tg." wagt es, die„ Rädelsführer" dem Verband der Bergarbeiter aufzuhalsen. Gerichts- Zeitung. Die Wahlrechtsdemonstrationen vom Januar 1908 beschäftigen noch immer die Gerichte. Personen, die an jenen Demonstrationen teilgenommen hatten, und auch solche, die vom blind zugreifenden Schuhmann irrtümlich für Teilnehmer ge halten worden waren, hatten von der Polizei wegen angeblich verübten groben Unfugs und ähnlicher Uebertretun= gen ihre Strafmandate gekriegt. Die Schöffengerichte, die auf erhobenen Widerspruch darüber zu entscheiden hatten, waren meist zu einem verurteilenden Erkenntnis gelangt. In mehreren Fällen brachten die Verurteilten ihre Sache vor die Berufungsinstanz, in einigen anderen war es die Staatsanwaltschaft, die Berufung einlegte, weil ihr die Strafe nicht hoch genug schien. Am Donnerstag hatte die neunte Straffammer des Landgerichts I über zwei Sachen dieser Art zu verhandeln. Ein Schuhmann in Wut. Verein deutscher Eisengießereien. Düsseldorf 3, den 20. Mai 1908. An die Herren Mitglieder der Ortsgruppe Berlin! In der Anlage übersenden wir Ihnen einen Ausschnitt aus Nr. 18 der Metallarbeiter- Zeitung" vom 2. Mai 1908 über Die Aussperrung in Spezialgeschäften des Baugewerbes. In Frank hygienischen Einrichtungen in den Berliner Eisengießereien"." Da furt a. M. hat der Verein baugewerblicher Spezialgeschäfte die wir es für zweckmäßig halten, solchen Veröffentlichungen in unseren a biter und 3ementeure ausgesperrt, um die Ver" Mitteilungen" entgegenzutreten, wenn sie falsch sind, so bitten bandsleitungen zur Annahme des Berliner Schiedsspruchs für das wir Sie, sich zu dem Artikel freundlichst zu äußern, damit wir Baugewerbe und zur Aufhebung des Streits der Fliesenleger zu event. in der nächsten Nummer der„ Mitteilungen" eine Erwiderung veranlassen. Von der Aussperrung wurden auch eine Anzahl Baubringen können. Wir müssen aber darauf rechnen können, daß uns hilfsarbeiter, Zimmerer und Weißbinder in Mitleidenschaft gezogen. in den uns übersandten Berichten die volle Wahrheit gesagt wird. Die Unternehmer versuchen nun, die Arbeiter zum Austritt aus der Es ist besser, wir schweigen zu den Angriffen, wenn sie auf Tat- Organisation zu veranlassen und unterbreiten ihnen die„ berühmten" sachen beruhen, als daß wir versuchen, sie durch nicht ganz stich- Reverse, in denen auf" Pflicht und Gewissen" erklärt werden soll, haltige Gegengründe zu widerlegen. daß der Unterzeichnete feiner Organisation angehört.(!!!) Erfolg haben die Unternehmer damit noch nicht erzielt. Für eine freundlichst gewährte Mitteilung danken wir im Hochachtungsvoll boraus bestens. Verein deutscher Eisengießereien. Der Geschäftsführer, gez. Dr. Brandt. Da man annehmen darf, daß die einzelnen Unternehmer sehr gern die Gelegenheit benutzen, die gegen sie erhobenen Vorwürfe zu entkräften, wenn objektiv die Möglichkeit dazu vorhanden ist, bedeutet Schweigen ausdrückliche Bestätigung. Der Grubenbarone Terrorismus. leber den Malergehilfen Ri d mann war vom Schöffengericht eine Geldstrafe von 25 Mart verhängt worden. Er sollte am 12. Januar, dem Wahlrechtssonntag, etwa um 6 Uhr abends in der fleinen Frankfurter Straße als Beteiligter einer Gruppe von 20 bis 30 Personen groben Unfug dadurch verübt haben, daß er gejohlt und standaliert habe, und die Straßenordnung dadurch übertreten haben, daß er trok Aufforderung eines Schußmanns nicht weitergegangen sei. Das Gericht hatte dem Belastungszeugen Schumann Franz Rawold( Nr. 4588) geglaubt, obwohl Rickmann durch Zeugen nachwies, daß er an jenem Tage bis zum Wie die Dortmunder Arb.- 8tg." zu berichten in der Lage ist, Abend für die Große Berliner Straßenbahn hatte arbeiten müssen nahm ein auf der Zeche Neu- Iserlohn" beschäftiger Bergmann und nur zufällig in die Menge hineingeraten war, als er auf dem( Lehrhauer) im Februar dieses Jahres Urlaub zu einer Reise nach Bureau in der Kleinen Frankfurter Straße sich seinen Lohn holen seiner Heimat. Am 14. März fehrte er zurück und nahm die Arbeit wollte. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht wurde zur vieder auf. Gleichzeitig wollte er seinen noch rückständigen Lohn für Eprache gebracht, daß der Schuhmann Rawold sich Monat Januar im Betrage von 32 M. erheben. Er erhielt auch die mit dem lauten Ruf: Du Hund!" auf einen De Anweisung vom Steiger, wurde vom Rechnungsführer aber zurückmonstranten gestürzt und ihn dabei zu Boden geriffen habe. gewiefen mit dem Bemerken, das Geld wäre schon abgehoben. Da Bei diesem Anblick hatte Ridmann zu seinem Nachbar gesagt: das Geld wirklich nicht zu erhalten war, sah sich der Lehrhauer gezwungen, beim Berggewerbegericht flagbar zu werden. Das geschah. ,, da müßte man sich eigentlich die Nummer notieren", und daraufhin Zwei Tage vor dem Termin erhielt er dann das Geld vom Be war dann er selber von Rawold festgenommen worden. Gegen triebsführer Siebert per Post zugeschickt. Die Beche fühlte sich also das verurteilende Erkenntnis war von Ridmann Berufung im Unrecht, was noch besonders aus folgendem Vermerk auf dem eingelegt worden. Die Verhandlung vor der Berufungs- Bostabschnitt hervorgeht: instanz ergab in allem dasselbe Bild: wieder behauptete Rawold, daß Ridmann in der Menge standaliert habe und trok Aufforde rung nicht weitergegangen sei; wieder wurde von dem Begleiter Rickmanns bekundet, Rickmann habe nur den Wunsch geäußert, sich des Schuhmanns Nummer zu notieren, eine Aufforderung, weiter. zugehen, sei nicht zu hören gewesen. Der Verteidiger Rechtsanwalt eine legte dem Schuhmann Rawold die Frage vor, ob schließlich lag es im allgemeinen Interesse, die Machenschaft der Der Arbeiter ließ es dennoch zum Termin kommen, denn er einen der Demonstranten" Du Hund!" geschimpft habe. Beche einmal gerichtlich feststellen zu lassen. Am 15. Mai war Rawold drückte sich um die Antwort herum, indem er immer wieder der Termin. Schon am 16. Mai wurde dem Arbeiter vom Be bersicherte, er habe auf jenen Demonstranten nicht eingeschlagen". triebsführer bedeutet, daß es besser sei, er, der Arbeiter, kündige, Daß Rawold tatsächlich mit dem Ruf:" Du Hund!" sich auf diesen sonst werde ihm gekündigt. Der Arbeiter zog es vor, felbst Mann gestürzt hat, wurde bewiesen durch die Aussage von Rid- zu fündigen. Während der Kündigungsfrist erklärte Steiger manns Begleiter, der in drastischer Weise schilderte, wie Rawold Schopp:" Ich werde dafür sorgen, " Ich werde dafür sorgen, daß Ihnen eine schöne mit dem Hund" zu Falle kam, Wie das gemeint war, sollte der gegen das lachende Bublitum Abkehr ausgestellt wird." wütend den Säbel zog und dann den Ridmann herausgriff. Rechts- wohl er in Wirklichkeit Lehrhauer war. Mit dieser Abkehr wurde Arbeiter noch erfahren. Er erhielt eine Abkehr als Schlepper, obanwalt Heine wies darauf hin, daß dieser Beamte selber er auf Zeche„ Bruchstraße" zurüdgewiesen, er müffe eine andere AbUnrecht getan und sich dann in seiner Wut gegen Rickmann tehr beibringen. Hiermit fordere ich Sie auf, Ihre Klage zurückzuziehen, und zwar so frühzeitig, daß ich bis zum 15. Mai, 12 Uhr vormittags, von der Spruchkammer Bescheid erhalte, daß die Klage zurüc genommen ist und der Termin am 15. cr. ausfällt. Berlin und Umgegend. Siebert, Betriebsführer." gewendet habe, von dem er nicht einmal zu sagen wisse, was er Schwarze Listen, Uriasbriefe und gekennzeichnete Abkehrscheine, denn eigentlich" standaliert" habe. Den Antrag, das Urteil das sind Unternehmerwaffen im Kampfe gegen Arbeiter. aufzuheben und den Angeklagten freizusprechen, trat das Gericht bei mit der Begründung, zwar solle Rawolds Wahrheitsliebe nicht angezweifelt werden, doch sei nicht als festgestellt anzusehen, daß Rickmann standaliert habe und trotz Aufforderung nicht weitergegangen sei. ,, Das freie Wahlrecht hoch!" Das heimliche Gericht. Mit schwarzen Listen kommen die Unternehmer anscheinend schon nicht mehr aus. Sie halten in Einzelfällen noch besondere Anfrage, um nur ja keine Verfemten einzustellen. Dabei wird ein Weg gewählt, auf dem die Arbeiter dem Nache und Haßgefühl gewissenloser Unternehmer, deren es ja auch wohl gibt, geradezu preisgegeben werden. Vor uns liegt ein vervielfältigtes Birkular, das so aussieht: Carl Flohr Maschinenfabrit. Abteilung 13. Vertraulich. Der bei Ihnen angeblich vom beschäftigt geweſene Berlin N. 4, den.. Chausseestr. 35. bewirbt sich um Arbeit bei mir. Ich frage daher ergebenst bei Ihnen an, ob Genannter ein tüchtiger und zuverlässiger Arbeiter ist, wie sein Betragen bei Ihnen war und besonders, ob er kein 4 Aufwiegler, Heter oder dergleichen ist. Insgesamt sind in Frankfurt a. M. 277 Arbeiter von der Aussperrung betroffen worden. Husland. Politik in der schweizerischen Gewerkschaftsbewegung. Det Berein der schweizerischen Lokomotivführer, der mit 1400 Mitgliedern wohl fast alle Berufsgenossen umfaßt, beschloß auf seiner fürzlich in Genf abgehaltenen Delegiertenversammlung, daß im Verbandsorgan nicht nur Fragen rein gewertschaftlicher Natur, sondern sämtliche, allgemein materielle und soziale Interessen des Lokomotivpersonals berührende Fragen behandelt werden sollen. Hus der Frauenbewegung. Achtung, Genoffinnen! Für den Allgemeinen Wahlverein für Berlin und Umgegend werden Anmeldungen und Beiträge bei folgendeu Stellen entgegens genommen: Berlin: Frau Kaschewski, Schüßenstr. 14. Frau Döhring, Steinmetzstr. 23. Frau Steinkopf, Oranienstr. 45, Stfl. III. Frau Wengels, Warschauer Straße 20, v. IL Frau Dölt, Forster Straße 44. Frau Zern, Elbinger Straße 2. Frau Nürnberg, Chodowiedistr. 21. Frau Panzeram, Pappel- Allee 76, L Frau Matschke, Wolgaster Straße 8, L Frau Hoppe, Bandelstr. 40, v. II. Frau Wulff, Oldenburger Straße 40, Garth. L Niederbarnim. Frau Neumann, Frankfurter Allee 178, b. III. Borsigwalde: Frau Kienast, Näuschstr. 10. Erkner: Frau Dlizka, Friedrichstr. 21. Friedrichshagen: Frau Lindenberg, Friedrichstr. 8, L Karlshorst: Frau Küter, Krausestr. 6. Kaulsdorf: Frau Buchmann, Hönowerstr. 1. Lichtenberg: Frau Liebermann, Lindenstr. 2, I. Bankow: Frau Stiller, Bankow, Binzstr. 8, Qugb. II Reinickendorf- Oft: Frau Albezki, Winterstr. 30. Reinickendorf- Weft: Frau Przewerzinsky, Eichbornftr. 18. Rummelsburg: Frau Zickert, Prinz- Albrecht- Straße 14. Weißensee: Frau Kahl, Friedrichstr. 4. Wilhelmsruh: Frau Zühlke, Linden- Allee 22, L Teltow- Beeskow. Adlershof: Frau Schindhelm, Bismardstr. 36. Baumschulenweg: Frau Kinzel, Marienthaler Straße 2. Brit: Frau Emma Voigt, Bürgerstr. 57. Charlottenburg: Frau Burkert, Brauhofstr. 2. Friedenau: Frau Budraß, Ringstr. 25. E Königs- Wusterhausen: Frau Lorenz, Ludenwalder Straße 4a. Rigdorf: Frau Mohr, Wißmannstr. 10. Schöneberg: Frau Bäumler, Meininger Str. 8. Steglik: Frau Dräger, Ahornstr. 15. Teltow: Frau Keßler, Hoher Steinweg 7. Tempelhof: Frau Thiel, Friedrich- Wilhelmstr. 20. Wilmersdorf: Frau Tölle, Siegmaringenstr. 5. Zehlendorf: Frau Schulz, Hauptstr. 46. Auch werden im Bureau der soz. Frauen, Lindenstr. 8, 1. Sof Tr., Anmeldungen und Beiträge entgegengenommen. Der Borstand. Vor derselben Straffammer als Berufungsinstanz standen der Echneidergehilfe Noad, der Kaufmann Thiessen und der Bribatier Schulz. Bom Schöffengericht waren sie wegen groben Unfugs, den sie gemeinschaftlich am 9. Januar verübt haben sollten, zu Geldstrafen verurteilt worden: Noad zu 35 Mart, Thiessen zu 20 Mart, Schulz zu 20 Mark. Am Abend des 9. Januar sollten sie nach den Wahlentrechtungs- ProtestversammIungen in der Frankfurter Allee sich an einem Auflauf beteiligt und laut gelärmt haben. Die Staatsanwaltschaft hatte die über fie verhängten Strafen für zu gering gehalten und Berufung eingelegt. Die Verhandlung vor der Straffammer ergab nichts, was geeignet gewesen wäre, die Angeklagten noch stärker zu belasten. Road war auf dem Heimwege zufällig in die Menge hineingeraten und war von einem Schuhmann mit bekannter Bravour gepact worden, so daß er in Erregung geriet und demonstrierend ausrief:" Das freie Wahlrecht hoch!" Auch Thiessen war, bon einem Geschäftsweg heimkehrend, zufällig hineingeraten, hatte aber nichts gerufen. Schulz war zur Protestversammlung ge hochachtungsvoll gangen, hatte keinen Zutritt gefunden und hatte dann auf der pro Carl lohr. Straße demonstrierend gesungen:" Das freie Wahlrecht ist das ( Unterschrift.) 1 Freifubert. Beichen!" Das ist die Darstellung, die die Angeklagten gaben. Schulz fügte hinzu, vor fünf Jahren habe er bei den Landtagswahlen nehmer fündigt, so tann er bon diesem sehr leicht das Zeugnis Wenn ein Arbeiter wegen Differenzen bei einem Unterals Wahlmann die ungerechtigteit des Dreitlassen. bekommen, er sei ein Hezer und Aufwiegler, und er ist verſyſtem 3 fennen gelernt, darum habe er jetzt sich an den Demon femt! Gegen diese Art Terrorismus ringt sich die Blodpreffe Letzte Nachrichten und Depefchen. ein Kriminalschuhmann Niesel befundeten, bie An auch nicht ein Wort der Entrüstung ab. strationen beteiligt. Schumann Seelig( Nr. 1090) und Für Ihre gefl. Bemühungen sage ich Ihnen im voraus berbindlichsten Dank und versichere Sie strengster Diskretion. Ihre freundliche Mitteilung bitte ich auf der Rückseite dieses niederzufchreiben. Bu Gegendiensten stets gern bereit, zeichne ich Bersammlungen Veranstaltungen. Berlin. Jugendabteilung, Sonntag, den 14. Juni, nachmittags 6 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15: Vortrag und geselliges Beisammensein. Gäste willfommen. Montag, den 15. Juni, abends 81, Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstraße 58/59: Runstabend. Gäste willkommen. Gr.- Lichterfelde- Lankwik. Montag, den 15. Juni im Kaiserhof Kranoldplag, Gr.- Lichterfelde Dst: Vortrag über:„ Erste Hülfe bei Unglüdsfällen." Armer Correggio! Stuttgart, 11. Juni.( B. H.) In zwei hiesigen Bostkartenhand geklagten hätten in der Menge standaliert"," gebrüllt" usw. Von Die Zahlstelle Berlin des Zentralverbandes der Maurer hielt Road wußte Seelig zu berichten, er habe gesagt: Weshalb sollen am 10. Juni im Gewerkschaftshause eine Mitgliederversammlung wir hier nicht schreien, die vor dem Schloß haben ja ab. Als Kandidaten für den Verbandstag wurden aufgestellt: lungen wurden Reproduktionen des bekannten Gemäldes„ Leda mit auch geschrien." Gegen den Antrag des Staats- Seller, Stegemann, Haase, Mezzel, Thöns, Winzler, Bichod, Wulf, dem Schwan" beschlagnahmt. In nicht öffentlicher Verhandlung anwalts, die drei Angeklagten zu je einer Woche Haft Schiele. Puschel stellte den Antrag, auf dem Verbandstag dafür wurde im objektiven Verfahren auf Einziehung und Unbrauchbar zu berurteilen, machten die Berteidiger Rechtsanwalt Sieb. einzutreten, daß der wöchentliche Beitrag von 25 Pf., ben die machung der Postkarten erkannt. Ein Strafverfahren gegen den Inecht und Rechtsanwalt einemann geltend, daß im von anderer Seite darauf hingewiesen, daß der Ausfall jährlich Händler wurde nicht eingeleitet. Arbeitslosen jetzt zu entrichten haben, in Wegfall kommt. Es wurde " Wieder eine Eisenbahnkatastrophe in Belgien! Hinblick auf jene Wahlrechtsdemonstrationen, die 1907 vor dem 100 000 m. betragen würde, was bei einer eintretenden LohnReichstanzlerpalais und dem Königsschloß stattfanden und den bewegung empfindlich fühlbar werden könnte. Schließlich wurde der Wunsch nach Volt, viel Volt, mehr Volt" wedten, Antrag gegen eine starte Minorität angenommen. Es folgen noch unmöglich gegen die Demonstranten von 1908 mit dem Para- einige Vorschläge in Form von Anregungen. So, daß in der ersten Brüssel, 11. Juni.( B. H.) Auf der Bahnlinie Mons- Ath graphen vom groben Unfug" operiert und härteste Strafen über Krankheitswoche nur der Arbeitslosenbeitrag von 25 Pf. zu entrichten hat sich heute eine neue schwere Eisenbahntatastrophe ereignet. fie verhängt werden könnten. Ihrem Antrage, die Berufung fei, ftatt wie jest 75 Bf. Außerdem solle der Verbandstag die Be- Ein aus Mons kommender Personenzug entgleiste in der Nähe des des Staatsanwalts zu verwerfen, schloß das Geftimmung aufheben, nach der ledige Mitglieder der Streifunter- Bahnhofes Maffle, biele Wagen wurden zertrümmert und gerieten richt sich an. Den Angeklagten müsse, so wurde in der Urteils. fügung berlustig gehen, wenn sie sich bei einer Lohnbewegung durch das aus der Lokomotive ausgeworfene Feuer in Brand. Ein weigern, den Ort zu verlassen. Es wird die Ansicht ausgesprochen, Sonderzug mit Feuerwehrleuten ist aus Chievres nach der Unfall. begründung ausgeführt, zugute gehalten werden, daß sie für ihre wo die moralische Einwirkung versage, auch diese Maßregel nicht stelle abgegangen. Die genaue Zahl der Opfer steht zurzeit noch politischen Ideale eingetreten feien; da sei die über sie verhängte helfe. Am 17. Juni findet in Kellers Festsälen eine General- nicht feft; nach den ersten Meldungen sind 5 Personen getötet und Strafe als ausreichend anzusehen. versammlung statt. 15 verlegt. Dies ist das vierte Eisenbahnunglüd, welches sich auf Deutfches Reich. den belgischen Staatsbahnen innerhalb von drei Wochen zugetragen hat. Die Meldung von der Katastrophe rief in den Wandelgängen der Kammer große Aufregung hervor. Gewerkschaftliches. Wenn sie schweigen. Wer hat sie in den Streit gehett"? Von dem plöglichen Ausbruch einer Lohnbewegung auf der zur Brüffel, 11. Juni.( W. T. B.) Nach einer hier eingegangenen Donnersmardhütte A.-G. gehörenden Konkordiagrube weiß die amtlichen Mitteilung über das Eisenbahnunglüd bei Maffle In einzelnen Fällen haben Unternehmer versucht, durch so Schlesische Zeitung" folgendes zu berichten:„ Die Nachmittags- wurden 3 Personen getötet und 15 berlebt. Die Maschine, der genannte Berichtigungen der Deffentlichkeit unterbreitete Mißstände belegschaft( am Pfingstsonnabend d. B.) geriet infolge einer Gepäcwagen und fünf Personenwagen sind verbrannt. Beranti. Redalt.: Georg Davidjohn, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltuna it. 135. 25. Jahrgang. 1. KtilM i>es Lmiirls" Klllim WlllsblM kreil«� 13.|mi IM. 19. ToteroaDonakr Bergarbeiterkongreß. Paris, 10. Juni 1908. Dm Borfitz führt I a r o l i m- Oesterreich. Die Debatte über die Frage des Minimallohnes wird zu Ende geführt, ohne baß neue Gesichtspunkte geltend gemacht wurden. Die beiden Sie- solutionen, die franzöfische und deutsche, werden emstimmig an- genommen. Der nächste Gegenstand der Tagesordnung ist die Frage der Siegulierung der Produktion. Die Franzosen beantragen: Wenn«in allgemeiner Streik in irgend einem Lande ausbricht, sollten die Bergarbeiterverbände der benachbarten Länder ihre Produktion durch eine vereinbarte Arbeits- cinstellung beschränken. Die Belgier beantragen: ES ist für die Bergarbeiter aller Länder von größter Wichtigkeit, daß die Kohlenproduktion inter- national geregelt wird. Wenn der Kohlenverbrauch abnimmt und die Borräte sich anhäufen, ist eS Pflicht der Verbände in jedem Lande, die Kohlenproduktion zu verringern dadurch, daß die Arbeit eine mehr oder weniger hohe Anzahl Tage pro Jahr ein- gestellt wird. Durch Befolgung dieser Taktik werden die Bergarbeiter imstande sein, gute Lohnverhältnisse aufrecht zu erhalten und sich bessere Arbeitsbedingungen zu verschaffen. Die Anzahl der Tage, während welcher die Arbeit eingestellt werden muß, soll von dem Internationalen Komitee bestimmt werden. Die französische Resolution wird von C o r d i e r- PaS de Calais begründet. Bei den großen Streiks in England, Frankreich und Belgien wurde ebenso ansländische Kohle importiert, um den Streik lahmzulegen. Hiergegen müssen Maßregeln ergriffen werden. Zwar wird die praktische Durchführung der Resolution ein schwieriges Werk sein, aber durch eine starke Organisation und durch die Erziehung des Proletariats zu internationaler Solidarität wird es gelingen. Dezernenten bei jeder Staatsanwaltschaft, die 300 Kriminalbeamten unter sich verteilen und ordnungsgemäß verwenden? Bei der Kriminalpolizei sind die Beamten genau so eingeteilt wie die Verbrecher.(Heiterkeit.) Wir haben Spezialisten für Boden» raub, Geldschrankknacken, Brandstiftungen. Können sie aber einen Staatsanwalt dazu verurteilen, zwei Jahre lang Anklagen wegen Kellerraubs zu vertreten? Die Kriminalpolizei könne unmöglich von der anderen Polizei getrennt werden. Gerade die Jnter- national-Kriminalistische Vereinigung betrachtet die Verbrecher nicht nur als Objekt der Rechtspflege, sondern wolle sie auch betrachten im Zusammenhang mit den gesamten sozialen Verhältnissen. Eine Verschmelzung von Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei sei nur möglich, wenn die Staatsanwaltschaft der Polizeiverwaltung unter- §eordnet sei.(Heiterkeit.) Das sei auch der bestehende vorbildliche ustand in England. Polizei, Staatsanwaltschaft und Strafvollzug müssen gemeinsam dem Ministerium des Innern unterstehen. Amtsrichter Dr. Weidlich(Stuttgart): Herr v. Lindenau hat nur von den Berliner Verhältnissen aus geurteilt, die für das ganze übrige Deutschland nicht paßten. Die Staatsanwälte haben heute meistens nichts weiter zu tun. als Material zu sammeln, denn die Polizei sei so schlecht, daß sie sie zu juristischer Tätigkeit gar nicht kommen lasse. Die Forderungen des Herrn v. Lindenau seien die Konsequenzen des preußischen Polizei- geisteS von Gottes Gnaden. Herr Dr. Lindenau habe sich sehr zu Unrecht aus das Beispiel Englands berufen. Dort gc- hörten die Wohlfahrseinrichtungen zur Selbstverwaltung und für die Wohltätigkeitspslege der preußischen Polizei habe daS deutsche Volk noch nicht sehr gedankt. Daraus sei ihm noch kein Segen er- wachsen. Die deutsche Sicherheitspolizei habe sich zur Maxime gemacht, sich um Strafsachen nicht zu kümmern, weil sie nicht Kri- minalpolizei sei. Dadurch gingen immer entscheidende Minuten für den Angriff gegen das Verbrechen verloren, und die Morde blieb en in der Regel unentdeckt. Man könne nicht der Regierung die WohlsahrtSpflege und Sicherheitspflege und Gott weiß was für Aufgaben zuerteilen. Man solle eine besondere Kriminalpolizei schaffen, die nur die Friedensbewahrung zu sichern und Friedensstörungen zu verfolgen habe. In der Abstimmung wurden die Thesen des Referenten gegen zwei Stimemn angenommen. Sie haben folgenden Wortlaut: l. Tie Vornahme der Ermittelungen, insbesondere die Vernehmung der Beschuldigten, Zeugen und Sachverständigen soll in der Regel durch die Staatsanwaltschaft selbst, bezw. unter ihrer Leitung durch ihre juristischen oder kriminalpolizeilichen Hilfs- arbeiter erfolgen. 2. Die erforderlichen Polizeibeamten sollen der Staatsanwaltschaft mit Disziplinargewalt des Ersten Staatsan- walts in Anlehnung an die Verhältnisse in Baden unterstellt wer- den. 3. Die Exekutivbeamten der Kriminalpolizei sind in der Straf- gesetzgebung, der Kriminaltaktik, der Kriminaltechnik und, soweit es ihrer allgemeinen Bildung entspricht, auch in der Kriminal- Psychologie auszubilden.._ Derbaudsiag der VorMaualbetter. 1 Am Donnerstag diskutierte die Generalversammlung noch mehrere Stunden über die Verschmelzungsfrage und die vom Vor- stände beantragte Finanzreform. Wollmann trat in seinem Schlusswort den Einwendungen der Diskussionsredner entgegen und empfahl den Vorstandsantrag im Interesse deS gewerkschaftlichen Fortschrittes und der finanziellen Kräftigung des Verbandes. — Die Spezialberatung des Antrages wurde einer Kommission von 13 Mitgliedern überwiesen. Hierauf hielt der Verbandsredakteur Z i e t s ch ein einstündiges Referat über den bevor st eh enden Gewerkschafts- kongreß. Der Redner besprach die Tagesordnung des Kongresses. Mit der Tätigkeit der Generalkommission könnten die Ge- werkschaften einverstanden sein, aber man werde fragen müssen, warum die Generalkommission nicht eine lebhafte Agitafton gegen den Vereinsgesetzentwurf eingeleitet habe. Eine energische Protest- bewegung hätte noch vor der parlamentarischen Beratung des Ent- Wurfes veranstaltet werden müssen. Auch der Parteileitung und der ReichStagSfraktion müsse der Vorwurf gemacht werden, daß sie sich nicht mit der Generalkommission über eine Agitation gegen das Vereinsgeseh geeinigt haben. Hinsichtlich des Gesetzentwurfs über die Arbeitskammern habe sich die Generalkommission ebenfalls der Unterlassung einer allgemeinen Agitation schuldig gemacht.— Wünschenswert sei die einheitliche Regelung der Streikunterstützung durch den Gewerkschaftskongreß. Auch die Anwendung des Boy- kotts als Waffe im wirtschaftlichen Kampf müsse geregelt werden, denn diese Waffe sei öfter in unzweckmäßiger Weise angewandt worden. Ueber die Jugendorganisationen lasse sich noch kein end- gültiges Urteil abgeben. Soweit eS nach den Gesetzen möglich ist, müsse die Jugend nicht in besonderen Organisationen, sondern in besonderen Abteilungen der Gewerkschaften im Geiste der Arbeiter- bewegung erzogen werden.— Bei der Frage der Grenzstreitig. leiten gelte es, der unlauteren Agitafton ein Ende zu machen. Mit den nahe verwandten Berufen der Töpfer und der Glasarbeiter habe der Porzellanarbeiterverband keine Grenzstreitigkeiten, wohl aber mit dem Fabrikarbeiterverband.— Die Maifeier stehe zwar nicht auf der Tagesordnung des Kongresses, sie werde aber doch wohl erörtert werden, denn es sei notwendig, eine bestimmte Stel- lung festzulegen, da ja die jetzt bestehenden Beschlüsse an der bis- herigen Sachlage nichts ändern. Die Gewerkschaften seien in der Frage der Maifeier konsequent geblieben, während die Partei, wie sich in dem Abkommen zwischen ihr und der Generalkommission zeige, ihre Stellung gewechselt habe. D r u n s e l verteidigte die Generalkommission gegen den Vor- Wurf, sie habe keine Agitation gegen das Vereinsgesetz betrieben. Eine solche Agitation sei geplant gewesen, sie habe aber nicht aus- geführt werden können, weil durch das Betreiben der Blockmehrheit die Beratung des Entwurfs mit unerwarteter Schnelligkeit beendet wurde. Der Gesetzentwurf über die Arbeitskammern werde auf dem Gewerkschaftskongreß besprochen werden. Was die Maifeier betreffe, so dürfe man nicht verkennen, daß diese als Demonstration gegen den Achtstundentag an Bedeutung verliere, je mehr die Ver- kürzung der Arbeitszeit fortschreitet. Das Abkommen zwischen Parteivorstand und Generalkommission sei insofern zu begrüßen, als dadurch die Maifeier einheitlich geregelt worden sei. Nach dem jetzigen Stande der Dinge hätten die genannten Instanzen keinen besseren Beschluß fassen können. Es wäre ja gut, wenn etwas noch Besseres gefunden werden könne, wodurch den Streitig- leiten über die Maifeier ein Ende gemacht werden könnte. W 0 l l m a n n befürwortete unter anderem die Schaffung eines Zentralstreikfonds. Die großen Gewerkschaften hätten sich bisher dagegen gesträubt, weil sie den Fonds nicht nötig haben. Sie würden sich wohl so lange dagegen sträuben, bis sie sehen, daß auch ihre Macht allein nicht ausreicht und daß»m Kampfe gegen das Unternehmertum auch die großen Gewerkschaften die kleinen brauchen.— Das Maifeierabkommen zwischen Partei und GeWerk- schaff sei daS glücklichste, was der Sachlage nach getroffen werden konnte. Für die Porzellanarbeiter sei die Frage der Maifeier keine brennende, da sie angesichts der Lage in ihrem Beruf zurzeit noch nicht an eine allgemeine Arbeitsruhe denken könnten, aber sie würden sich bemühen, daS Abkommen zu halten.— Im weiteren Verlauf der Diskussion wurden die vom Referenten berührten Fragen noch verschiedentlich erörtert, ohne daß positive Vorschläge für den Gewerkschaftskongreß gemacht wurden.— Nach Schluß der Debatte stellte Wollmann im Einverständnis mit der General. Versammlung fest, daß es ihr Wille sei, daß die Delegierten zum Gewerkschaftskongreß gegen die unlautere Agitation anderer Ge- werkschaften protestieren und dafür eintreten, daß derselben ein Ende gemacht werde. Zum Gewerkschaftskongreß wurden delegiert: Hoffmann- Ilmenau, Se e l m a n n- Kronach, Wollmann, Zietsch und Korn- Berlin. Hierauf erstattete die Beschwerdeprüfungskommission Bericht über eine Reihe von Beschwerden, die von Mitgliedern erhoben sind, welche im Bezüge von Unterstützungen zu kurz gekommen zu sein glauben. Auch der Konflikt der Zahlstellen Katzhütte und Großbreitenbach sowie der Thüringer Gauleitung mit dem Vor- stand lag der Kommission vor, nachdem diese Angelegenheit am Dienstag bereits im Plenum ausgiebig diskutiert worden ist. Die Kommission kam zu dem Entscheid, daß in den genannten Kon- fliktsfällen das Recht auf feiten des Vorstandes ist. Die General- Versammlung stellte sich durch Annahme einer Resolution auf den- selben Standpunkt.__ Der Mzeikommlffar von Ziegenhals. (Eine preußische Tragikomödie in drei Akten.) Erster Akt: Zeit: 23. November 1S07. Ort: Das Gewerk- schaftslokal von Zicgenhals. In dem mittelgroßen Räume drängt sich Kopf an Kopf. Es soll eine sozialdemokratische Versammlung stattfinden. PolizeikommissariuS Piontek läuft monologisierend hin und her. Als vor 4 Wochen zum ersten Male so ein„Roter" aus Breslau in diesem friedlichen Oertchen eine Versammlung hielt, da hatte er, der Herr Kommissar, in höchsteigener Person an der Diskussion sich beteiligt, um Zicgenhals zu retten. Der Erfolg war aber eigentümlicher Weise nur eine unbändige Heiterkeit ge- wesen. Das zweite Mal hatte er dann die Versammlung zu der- hindern sich bemüht, indem er vor Beginn die Leute nach Hause schicken wollte. Und nun ist heute schon wieder so ein Kerl auS Breslau da. Die Versammlung beginnt. Der Sozialdemokrat wagt eS, daS heilige preußische Junkerparlamcnt zu kritisieren. Die Aufregung des Kommissars wird immer grösser. Jeden Augenblick muß der Aufruhr losbrechen. Da— ist sie: die Revolution. Der Redner hat das furchtbare Wort gesprochen. Nun gilts das Vaterland zu retten. Der Kommissar springt auf.„Die Versammlung ist auf- gelöst!" tönt seine Stinnne,— und der Staat ist wieder einmal gerettet. Zweiter Akt: Wenige Tage später im Zimmer der Staats- anwaltschast zu Neige.— Staatsanwalt Guradze studiert in einem Schriftstück von höchster Wichtigkeit. Der Polizeikommissar Piontek von Ziegcnhals zeigt an. daß der sozialdemokratische Agitator Joppich au? Breslau zum Klassenhaß und zu Gewalttätigkeiten aufgereizt habe, indem er in der Versammlung vom 26. November die von ihm. dem KommissariuS, eigenhändig stenographierten Wort gesprochen habe:„Daß die Sozialdemokratie sich, wie die Genossen im Jahre 1348. mit Waffengewalt der Volksrechte bc- mächtigen werde."— Staatsanwalt Guradze schüttelt den Kopf: aab's denn 1848 schon„Genossen"? Aber der Polizeikommissar Piontek hat es wohl stenographiert, und ein preußischer Polizei- kommissar irrt sich nicht. Während der Staatsanwalt sich ans Werk macht, die Anklage wegen Vergehen gegen 8 433 des Reichs- Strafgesetzbuchs auszuarbeiten, fällt der Vorhang leise. Dritter Akt: Zeit: b. Juni 1908. Ort der Handlung: Der Strafkammersaal im Landgericht zu Neiße. Frech mustert der Staatsverbrecher Joppich von der Anklagebank aus den finster blickenden Zeugen Piontek, dem es nicht in den Kopf will, daß so ein gefährlicher Kerl nicht einmal gefesselt ist.— Hinter dem Richterkolleyium hat der Erste Staatsanwalt Meyer Platz gc» nommen."Sein Gehilfe, Staatsanwalt Guradze, beantragt, wegen Gefährdung der Staatssicherheit die Oeffentlichkeit auSzu- schließen.— ES geschiehtll Der Verteidiger beantragt. Sachverständige darüber zu ver- nehmen, daß die Sozialdemokratie ihrem Wesen nach keine Gewalt. tötigkciten anstrebe und daß eS 1848 noch keine Sozialdemokraten gegeben habe und daß der in kriminierte Satz deshalb gar nicht gesprochen worden sein kann.— Der Antrag wird abgelehnt: der Polizeikommissar hat es doch stenographiert!>— Wieder ein An- trag des Verteidigers: Zeugen darüber zu vernehmen, das Piontek unfähig sei. eine Versammlung zu überwachen.— Der Antrag wird abgelehnt. Zeug« Piontek tritt auf.— Der Verteidiger fragt.— Piontek stockt und schwitzt.— Der Staatsanwalt erhebt sich vom Stuhle.— Am Nicht er tisch immer längere Gesichter.>— Der Verteidiger fragt Wetter.'— Piontek stockt noch mehr.— Da ruft der Staatsanwalt plötzlich:„Aber Herr KommissariuS! Heute machen Sie ja ganz andere Angaben, als in der Anzeige!"— Der Präsident fragt nach dem Stenogramm.— Der Zeuge Piontek gibt kleinlaut die Auskunft, daß der KommissariuS gar nicht steno- graphicren kann.— Kühl tönt die Stimme des Vorsitzenden durch den Saal:„Auch ein meineidiger Polizeikommissar kommt ins Zuchthaus.">— Den Zeugen Piontek will sein Gedächtnis jetzt ganz verlassen.— Der Erste Staatsanwalt hat genug; er verläßt den Saal. Sein Gehilfe aber verzichtet auf weitere Beweisaufnahme, da er die Anklage nicht mehr aufrecht erhalten könne. Doch der Verteidiger läßt nicht locker, bis durch Einvernahme von Ent- lastungszeugen und durch ein Plädoyer das Bild von dem zur Versammlungsüberwachung unfähigen Polizeikommissar voll- ständig ist. Der Gerichtshof berät. Vor dem Staatsanwalt Guradze steht der geknickte Zeuge Piontek._Mit schneidender Stimme er- sucht er diesen, nach der Sitzung einmal in sein staatsanwaltliches Amtszimmer zu kommen. Aengstlich fragt Piontek, wo das liege. „Vielleicht zeige ich Ihnen das noch," hört man den Staatsanwalt replizieren. Die Richter kommen zurück. Der Vorsitzends verkündet das Urteil: der Angeklagte wird freigesprochen; die Kosten werden der Staatskasse auferlegt, auch die persönlichen des Angeklagten, mit Ausnahme der Verteidigungsgebühren, da der Angeklagte �als wohl- gebildeter Mann und mit der durch feine langjährige Tätigkeit in der Arbeiterbewegung erworbenen Gewandtheit, keinen Verteidiger gebraucht habe. Der Vorhang fällt zum letzten Make, und der Phantasie der Zuschauer bleibt es überlassen, sich die Schlußszene im verschwie- genen Zimmer des Staatsanwalts auszumalen-> Gcncbtö-Zcltun� Beleidigung des Oberbürgermeisters KirschKfc'� Der Bureaugehilfe Hermann Zimmermann, der früher dlS Kanzlist im Dienste der Stadt Berlin tätig war, hatte sich gestern vor der 6. Strafkammer des Landgerichts I wegen Beleidigung deS Oberbürgermeisters Kirschner zu verantworten. Am 8. Sep- tember 1937 hate er an den Oberpräsidenten der Provinz Branden- bürg eine Eingabe gerichtet, worin er unter anderem behauptete, der Oberbürgermeister habe aus Furcht, daß ein Schatten auf seine Person fallen könne, bei der Unterschlagungssache gegen Bartusch Perfehlungen des damaligen Revisors Lucas und anderer Beamten mit seiner Amtsmacht zu unterdrücken gesucht, damit nichts davon an die Oeffentlichkeit käme. Falle Lucas« so falle auch der Ober, bürgermeister, meinte der Angeklagte in seinet Eingab?. Daß jener vom Revisor zum Oberstadtsekretär befördert, er aber, der Angeklagte, entlassen war und trotz verschiedener Gesuche nicht wieder eingestellt wurde, auch keine Pension und kein Gnadengehaft erhielt und sich und seine Familie seitdem kümmerlich durch Aus- Hilfsarbeiten in PrivatburcauS ernähren mußte, mag wohl die Per- anlassung dazu gegeben haben, daß er jene Beschuldigungen erhob. Er behauptete auch, daß seine Nerven durch Ueberarbeit im städtischen Dienst zerrüttet worden seien und daß d i es— nicht. wie ein ärztliches Gutachten besagt, chronischer Alkoholismus— die Ursache war, weshalb er zweimal nach Herzberge überführt worden war. DaS Gericht hielt eine umfangreiche Beweiserhcbuns für an- gebracht. Der Oberbürgermeister Kirschner und ungefähr noch ein Dutzend Beamte oder ehemalige Beamte der Stadt Berlin wurden als Zeugen vernommen. Es zeigte sich, daß die Beschuldigungen des Angeklagten gegen Kirschner völlig haltlos waren. Dem Re- visor Lucas, dessen Verfehlungen vorgeblich unterdrückt waren, war seinerzeit eine Verwarnung wegen Fahrlässigkeit bei der Revision erteilt worden. Daß die Bartuschschen Unterschlagungen nicht früher entdeckt wurden, war, nach den Zeugenaussagen zu urteilen, auf technische Mängel in der Verwaltung zurückzuführen. Der Staatsanwalt Kahl beantragte gegen den Angeklagten auf Grund des Z 186 deS Strafgesetzbuches zwei Monate Gefängnis. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Eoßmann, sprach mit Rücksicht auf die Gemütsverfassung und die traurige Lage des Angeklagten für eine milde Beurteilung der Sache.— DaS Urteil deS Gerichts lautete auf sechs Wochen Gefängnis und Tragung der Kosten. Prozeß Riedel. Die vor der 3. Strafkammer des Landgerichts l unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Lieber geführte Verhandlung gegen den Dr. Riedel findet fortgesetzt unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt und nimmt einen großen Umfang an. Seitens der Per- teidiger Dr. Alsberg und Hillcbrandt ist noch eine ganze Anzahl von Zeugen geladen worden, so daß eine Beendigung des Prozesses noch in dieser Woche nicht wahrscheinlich ist. Dem Bernehmen nach vertritt der Angeklagte den Standpunkt, daß er sich aus tat- sächlichen und rechtlichen Gründen nicht strafbar gemacht, daß er den Mädchen gegenüber, die ihn in seiner Wohnung besucht haben. leine Künste und keine Ueberredung habe in Anwendung bringen brauchen, da die Mädchen, die ihm gesagt hätten, daß sie über 16 Jahre alt seien, ohne großes Zureden und teils aus eigenem Antrieb sich ihm angeschlossen und ihre Besuche mehrfach wiederholt hätten. Die Mädchen seien auch keineswegs unbescholten gewesen. In einigen Fällen bestreitet der Angeklagte überhaupt jeden Ver- kehr mit den betreffenden Mädchen und erhebt gegen deren Glaub- Würdigkeit die lebhaftesten Einsprüche. Die Prüfung dieser Glaub- Würdigkeit erfordert viel Zeit. Dies war insbesondere der Fall bei der Prüfung des Charakters des Dienstmädchens Klimmert, die sich seinerzeit vergiftet hat— wie behauptet wird, auS Scham über den Verlust ihrer weiblichen Ehre, die sie dem Angeklagten preisgegeben habe. Der Kriminalschutzmann Sticrstädter hatte das Mädchen in die Wohnung des Angeklagten hineingehen sehen und sie sistiert, als sie nach zwei Stunden mit stark gerötetem Gesicht auS dem Haufe herauskam. Sie hat bei der polizeilichen Vernehmung ihre Abenteuer in der Ricdelschen Wohnung und die Attentate, die der Angeklagte gegen sie ausgeübt habe, in aller Ausführlichkeit geschildert. Nach ihrer damaligen Aussage sei sie erst kurze Zeit in Berlin gewesen und habe ihre in der Hollmann- straße in Dienst stehende Schwester aufsuchen wollen, als sie dem Angeklagten in die Hände gefallen sei. Der Angeklagte behauptet dagegen, daß sie keineswegs die Unschuld vom Lande gewesen fei. Er habe sie vielmehr in der Passage kennen gelernt, als sie ihn bedeutungsvoll anlächelte und sie sei durchaus damit einverstanden gewesen, in seiner Wohnung mit ihm Kaffee zu trinken. Auch gegen die Annahme, daß das Mädchen auS Scham in den Tod gc- gangen fei, wurden seitens der Verteidigung erhebliche Bedenken erhoben. So wurde auf einen Brief Bezug genommen, in welchem das Mädchen an ihren Vater geschrieben hatte: sie habe auf die Eltern vergeblich gewartet; wenn sie sich nicht um sie kümmern wollten, sollten sie eS doch schreiben; wenn sie am Sonntag nicht bei ihr wären und sie keinen Brief habe, würde sie sich das Leben nehmen.— Ein sehr ungünstiges Zeugnis soll dein Vernehmen nach dem Mädchen von dem Pfarrer B a h l o w in Liegnitz ans- gestellt worden sein, bei dem sie kurze Zeit im Dienst war. Sie soll dort wiederholt die Absicht, sich zu vergiften, ausgesprochen haben. Schon nach einigen Tagen habe sie aus dem Dienst wieder weggehen wollen und äußerte: sie würde lieber sterben, als dort bleiben. Auch eine Flasche mit Salzsäure soll sie an den Mund gesetzt haben. Trotzdem soll sie am Sonntag sehr vergnügt und fröhlich geputzt weggegangen sein und ihre Lust bekundet haben, mit irgendeinem Manne zusammenzukommen. Sie soll sich auch die Nacht in Liegnitz herumgetrieben haben. Nach diesem Zeugnis habe sie den Eindruck sehr sinnlicher Veranlagung gemacht und sei sehr unsauber gewesen.— Ein Mädchen, welches gleichzeitig mit ihr diente, soll dies bestätigt haben. Sie hat von ihr allerlei pikante Dinge gehört, wonach sie wiederholt in den Licgnitzer An- lagen mit Männern ein Stelldichein gehabt habe. Ihre Erzählungen hätten nicht so geklungen, als wäre es bloße Renommage gewesen. Dieser Zeugin soll sie gesagt haben: man hätte doch nicht ver- hindern sollen, daß sie sich tötete, es wäre doch so schön gewesen. wenn dann alles in den Zeitungen gestanden hätte. DaS Mädchen habe sich auch, wie weiter bezeugt wurde, geäußert: sie wolle sich in die Katzbach stürzen.— Die einzelnen Fälle, die zur Anklage gestellt sind, werden mit großer Gründlichkeit geprüft und erörtert „Quatschen Sie jetzt nicht mehr!" Vor dem Schöffengericht in Rixdorf standen die Kaufleute Alex Gast und Artur Dröser als Angeschuldigte. Sie hatten wegen angeblich ruhestörenden LärmS einen Strafbefehl über je fünf Mark erhalten und dagegen Einspruch erhoben. Die Angeschuldigten unterbrachen wiederholt den als Zeugen ver- nommenen Schutzmann Zfchiefche in seiner Aussage. Darauf äußerte der Vorsitzende. Amtsrichter Laibeng uth: wenn die Rixdorfer Arbeiter sich so bettagen, wundert man sich nicht, die find ungebildet, quatschen Sie jetzt nicht mehr. Das Urteil lautete auf Bestätigung der Geldstrafe von je 6 M. In der Begründung des Urteils hieß eS: die Rixdorfer Arbeiter machten der Rixdorfer Polizei gerade genug zu schaffen. ES hätten die Schutzleute mit den Arbeitern einen sehr schweren Stand. Wiewohl die Angeklagten zu der gebildeten Klaffe gehören. habe das Gericht das von der Polizei ausgeworfene Sttafmaß nicht erhöht. DaS Gesetz oder die richterliche Auslegung des Gesetzes gibt dem Richter ein sehr weitgehendes Recht. DaS Recht, eine Klasse der Bevölkerung, die Rixdorfer Arbeiter, wie vorstehend zu ver« dächtigen und zu beschimpfen, stände ihm aber selbst dann nicht zu, wenn die von ihm gewählte AuSdruckSweise eine höflichere wäre. Die mitgeteilten Aeußenmgen stellen einen richterlichen Uebergriff dar, der zwar deutlich die verlehrte, voreingenommene Anficht des Richters über die ArbeiterNasse wiederspiegelt, aber aufS entschiedenste zurückgewiesen werden muß.- Einsegangene DruckIckHften. Juristisch-psychiatrische Grenzfragea. Hest 2/3.— Psychiatrie im Grotzherzogtum Hessen 2,— M. Hest 4.— Strafrechtliche Reform- bestrebnnqe» im Lichte der Fürsorge" von Dr. I. Longard. S0 Pf. Hest 5/6.— lieber das Verhältnis des geistigen Inventars zur Zurech. nimgs- und Geschäjtssähigkcir von Dr. I. Berge. 2,83 M.— lieber Ge- fänguispsychosen. Von K. Wilmanns. 1,20 M.— Ueber die Nervosität der Frauen und ihre Verhütung von Dr. Weißwange. 23 Pf. Verlag C. Marhold, Halle a. S. Für den Inhalt der Juserate Bbernimmt die Nedaktion dem Publikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, den 12. Junt Anjang 7 Uhr. Rönigl. Opernhaus. Der Frei schüz. Königl. Schauspielhaus. Erfolg. Anfang 8 Uhr. Ein Deutiches. Die Brettlgräfin. Rammerspiele. Tugendwächter. Unterseeboot. Leffing. Die Stüßen der Gesellschaft. Neues. Liebe. Unter der Guillotine. Neues Schauspielhaus. Dollarprinzessin. Rleines. 2X2= 5. Berliner. Raffles. Romische Oper. Braut. Die Die verkaufte Residenz. Der Floh im Dhr. Lustspielhaus. Die blaue Maus. Schiller 0.( allner-Theater.) Herr Ministerialdirektor. Schiller Charlottenburg. Das legte Mittel. # Friedrich Wilhelmstädt. Schau: spielhaus. Im weißen Rößl. Thalia. Der Selbstmörderklub. Westen. Ein Walzertraum. Neues Operetten. Der Mann mit den drei Frauen. Luisen. Die Stimme des Blutes. Trianon. Frau Baronin. Bernhard Nose. Der Cowboy. Metropol. Das muß man seh'n. Apollo. Die füßen Grifetten. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Basage. Spezialitäten. Carl Haberland. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Benedig. Sternwarte, Invalidenftr. 57/62. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Hopfenraths Erben Neues Theater. Abends 8 Uhr: Liebe bon Gustav Bied. Unter der Guillotine. Morgen: Dieselbe Borstellung. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5. 1 Sonnabend: 2 mal 2= 5. Sonntag: 2 mal 2= 5. Montag: 2 mal 2= 5. Dienstag: 2 mal 2 5. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Ein Walzertraum. Operette von Dstar Strauß. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Abends 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. OOLOGISCHER Z CARTEN Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Der Herr Ministerialdirektor. Lustspiel in drei Atten von Alexander Bisson und Fabrice Carré. Sonnabend, abends 8 Uhr: Eröffnung der Morwit- Oper: Marie, die Regimentstochter. Sonntag, nach m. 3 Ubr, bei halben Preisen: Der Freischütz. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Afrikanerin. Schiller- Theater Charlottenburg. Freitag, abends 8 Uhr: Das letzte Mittel. Schauspiel in drei Auszügen von Philipp Berges. Sonnabend, abends 8 Uhr: Ohne Geläut. Sonntag, nach m. 3 1 br: Auf der Sonnenseite. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Herr Ministerialdirektor. CCCCCC# 999999 Unserem Bezirksführer Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Hermann Petschelnahme und Strangspenden bei ber zu seinem 33742 heutigen Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch! Beerdigung meines lieben Mannes, des Klempners Hermann, Du weift ein Hermann Rotermundt jeder Stand hat seine Plage, halte hoch die rote Fahne! Mehrere Genossen vom VII. Deutscher fage ich allen Freunden, Bekannten, insbesondere dem Wahlverein Num melsburg meinen innigsten Dank. 26055 Joa Rotermundt. Danksagung. Gr.Militär- Donnel- Konzert Diez Spezialitäten- Theater Holzarbeiter Verband homes, Eintritt 1 M. von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Metropol- Theater Bum 265. Male: Das muß man seh'n Rebue in 12 Bildern m. Ges. und Tanz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. apollo Theater Ab 8 Uhr: Die neuen Attraktionen. Radfahrer der Welt. Landsberger Allee 76/79, direkt Ringbahn- Station. Bequemste Fahrgelegenheit nach allen Stadtrichtungen. Ob schön! Kommen! Sehen! Staunen! Ob Regen! Täglich: 33652* Das größte u. befte Programm Berlins. Nur Attraktionen, u. a.: Zum erstenmal in Europa: Das größte Welträtsel des Erdballs! Von der gesamten amerit. 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Juni starb der Kollege, Tischler Gustav Lepczinski. Ehre seinem Andenken! Nachruf. Am 6. Juni starb der Kollege, Tischler Roman Borowski. Ehre seinem Andenken! Todesanzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Julius Köhn am 8. Juni gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 12. Juni, nachmittags 3 Uhr, von der LeichenW. Noacks Theater balle bes Emmaus- Kirchhofes in Direction: Rob. Dill. Brummenftr. 16 Täglich durchschlagender Erfolg: Abends 10 Uhr: Das ehrliche Berlin. Sittenstüd a. b. Berliner Boltsleben. Die sensationellen Spezialitäten! Anf. 6 Uhr. Kaffeeküche 3-6 Uhr. Sonnabend: Sie ist wahnsinnig Volksgarten- Theater Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Variétésterne. am Bahnhof Gesundbrunnen. Täglich: von Publikum u. Presse glänzend Konzert beurteilt. Theater The Trapnell- Family, weib- und Spezialitäten- Vorstellung. liche Akrobaten. Florence u. Lilian, musik. Produkt. Rebla, komischer Jongleur. Lily Flexakrobatische Tänzerin. Riesenprogramm Wille. Juliette, dressierte See Rote Lotterie löwen. Tan Kwai Troupe, Chinesen. Therese Renz, Reitnummer. Doherty Sisters, amer. Sängerinnen u. Tänzerinnen. The Bounding Gordons, amer. Akrobat. Ferry Corwey, musik. Clown. Trombettas, italienisches Gesangs- und TanzDuett. Der Biograph. Passage- Theater. Der größte Saisonerfolg Gastspiel Willi Agoston in der tollen Burleske Im weißen Rößt. Berlin in Stimmung Anfang 8 Uhr. Sonnabend: Derungläubige Thomas. Sonntag: Jm weißen Rögl. Montag: Der ungläubige Thomas. Residenz- Theater. Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Der Floh im Ohr. Schwank in drei Aften von Georges Feydeau. Deutsch von Wolff- Jacobh. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Die blaue Maus. Neues Operetten- Theater Schiffbauerdamm 25, an der Luisenstr. Sommerpreise. Anfang 8 Uhr: Der Mann mit den drei Frauen. Luisen- Theater. Reichenberger Straße 34. Premiere: Die Stimme des Blutes. Anfang 8 Uhr. Sonnabend: Die Stimme des Blutes. Sonntag nachm. 8 Uhr: Sm Goldland. Abends: Die Stimme des Blutes. Montag: Die Stimme des Blutes. DERNHARD ROSE THEATED Gr. Frankfurter Str. 132. Abends 8 Uhr: Der Cowboy. Drama aus Wild West in 4 Aften bon Sturt Matull. Wochentagspreise. Brunnen- Theater Das Tollste vom Tollen und die neuen Juni- Spezialitäten. Passage- Panoptikum. Während der Pfingstferien vom 6. bis inkl. 14. Juni: Volkstage! Jeder Erwachsene ein Kind frei! Jedes Kind erhält ein Geschenk! Alles ohne Extra- Entree! Der Riese a. Ries. Pisjakoff. Kunsttaucher im Riesenbassin. Neapolitanische Briganten. Schreckenskammer. Anat. Mus. Eintritt50Pf., Kinder, Soldaten25Pf. Kottbuser Sanssouci, Straße 6. Direttion Wilhelm Reimer. Der Garten ist geöffnet. Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffmanns Norddeutsch. Sänger und Tanzkränzchen Beg. Sonnt. 5, wochent.8 1. zugunsten des Cecilienheims. 5793 Gewinne i. W. v. Mark Burleste von Meyfel. Meysel als Saharet. Britton als Isadora Duncan. Anf. Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. 150000 Schweizer Hauptgewinne Mark 50000 Lose à Mark 3.30. Stettiner Lose à 50 Pf. 11 Lose 5 M. Oscar Brauer& Co. Nachf., Andreasstr. 46a, Ecke Blumenstr. N Garten. Am Königstor, Am Friedrichshain 29/32 Straßenbahn: 1, 2, 4, 17, 59, 62, 63, 74 und Q. Täglich: TheaterRigdorf, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 85/9 Die Ortsverwaltung. Deutscher Für die rege Beteiligung und die zahlreichen Kranzspenden bei der erbigung meines lieben Mannes, unferes guten Vaters Gustav Dreier fagen wir allen Verwandten, Freun den und Bekannten, insbesondere dem Zentralverbande der Zimmerer Deutschlands( Bezirk XI) unseren innigsten Dant. 26045 Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Zeil nahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau Luise Huber sage ich allen Bekannten, im be sonderen dem Gesangverein Nord. wacht" und den Genossen der Bezirke 734 u. 734a meinen herzlichsten Dank. 33732 Hermann Huber. „ Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein" Mitglied des Arbeitere Radfahrer- Bundes Solidarität. Touren gum Sonntag, den 14. Juni. 1. Abt. 6 Uhr: Sebbin 1 Uhr: Teltow. Start: Bülowstraße 59. 2. Abt. 5 Uhr: Kloster Lehnin. 1 Uhr: Nowawes( Singer). Starts: Fontane Promenade. 3. Abt. 6 Uhr: Sel.- Beften. 1 Uhr: Metallarbeiter- Verband itershorn. Starts: MariannenBerwaltungsstelle Berlin. Todes Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metall drücker Franz Schultze am am 10. b. Mts. gestorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 14. d. Mts., nach mittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde- Friedhofes in Rigdorf, Mariendorfer Weg, aus statt. 117/18 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Deutscher Buchbinder- Verband. Zahlstelle Berlin. Am Dienstag, den 8. Juni, berstarb nach langem feranten u. Spezialitäten- lager unfer Mitglied, der BuchVorstellung. Bum Schluß abends 10 Uhr: Wie einst im Mai Bollsstüd mit Gesang in 2 Aften. 6976 Durch Ersparnis an Format, Tabakgewicht und Verpackung entspricht die Qualität dieser Marke der einer 10 Pfennig Zigarre! 9 J- Neumann Max Kliems Cigarren- Fabriken Sommer- Cheater. Hasenheide 13-15. Artist. Leitung: Bernhard Lange. Taglia: Großes Konzert, Theaterand Spezialitäten- Vorstellung. Mittwochs: Kinderfest. Jeden Donnerstag: Glitetag. Badstraße 58. Direkt.: Willi Voigt. Gastspiel bed. Kräfte erster Bühnen. Täglich: Der deutsche Michel. Auf zum Knöpflesschwob! Erstklassige Spezialitäten. Treffpunkt aller Württemberger und Karl Braun, Berwandlungs- Künstler. Paul Coradini. Süddeutschen bei Mirzl v. Wenzi, Tichufchtes Liliputaner Josna Schäfer, Rottbuser Damm 103, Eröffnung 2 Uhr. Ede Maybach- Ufer. Anfang 5 Uhr. 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Potsdam, Nauener Straße 46. Stralau- Rummelsburg, am Bahnhof, Durchgang. Zeuthen bei E. Kollmann. Josef Jakisch. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des MichaelKirchhofes am Mariendorfer Weg, aus statt. 28/8 Um zahlreiche Beteiligung er fucht Die Ortsverwaltung. Hierdurch die traurige Nachricht, daß der Metallbrüder play. 4. Abt. 5 1hr: Teupit. 1 Uhr: Berliner Schweiz. Starts: Küftriner Plaz. 6. Abt. 5 Uhr: Behdenid- Templin. 1 Uhr: Birkenwerder. Starts: Dder berger Straße 28. 7. Abt. 6 Uhr: Nauen. 2 Uhr: Saatwinkel( Remmer.) Starts: Grenzftr. 21. 8. Abt. 7 Uhr: Nauen. 1 Uhr: Finkenkrug. Starts: Huttenstraße 10. 9. Abt. früh 8%, und mittags 12%, Uhr: Potsdam( Bittoriagarten). Starts: Schillingstr. 15/16. Bankow- Schönhausen früh 9 Uhr: Conradshöhe( Joppisch). Start: 12/3 Mühlenstraße( Bahnbrüde). Neue Welt Hafenheide 108-114. Täglich: und Täglich: Gr. Doppel- Konzert Spezialitäten- Vorstellung. Jeben Mittwoch: Großes Kinderfest. Gratis verlosung. Bonbonregen. Puppentheater. Kinderfadelzug. Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Monster- Feuerwerk. Franz Schultze Ostbahn- Park am 8%, Uhr, nach langem, schwerem Peiden berstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 14. Juni, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Rigdorfer Kirchhofes am Martendorfer Weg aus statt. Am Küstrinerplatz, Rüdersdorferstr. 71 Hermann Imbs. Täglich: Großes Konzert, 88722 Theater- und SpezialitätenVorstellung. Dies zeigt tiefbetrübt an Witwe Marie Schultze nebst Kindern. Todes- Anzeige. Allen Freunden, Genossen und Verwandten bie traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter Helene Helbig geb. Boche am 8. Juni nach kurzem Leiden im 34. Lebensjahre sanft ent 83692 fchlafen ist. Um stilles Beileib bittet Adolf Helbig nebst Hinterbliebenen, Frankfurter Allee 90. Die Beerdigung findet Freitag nachmittag 3 Uhr von der Reichen halle der Auferstehungsgemeinde in Weißenfee, Lichtenberger Weg, aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und für die zahlreichen Kranzspenden bei dem Begräbnis meines lieben unvergeßlichen Mannes, unseres guten Baters, Großvaters, Schwiegervaters, Bruders, Schwagers und Onkels, des Werkführers Reinhold Zubeil fagen allen Freunden, Bekannten,[ owie dem Herrn Chef und dem Bers fonal der Firma Förster u. Runge 26106 innigsten Dant. Die trauernden Hinterbliebenen. Auf Teilzahlung Wöchentlich nur 1 Mark! Große Auswahl Uhren, Goldwaten jeder Art. Zithern, Phonographen, Grammophone, Musikwerke usw. Berkauf von prima Platten und Walzen. iett Juhre& König, warschauer Straße 68, 1. Etage, und Reinickendorfer Straße 101, 1 Etage. 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Amt III. 1987. Sonntag, den 14. Juni 1908, vormittags 10 Uhr: Allgemeine Versammlung der Rohrleger und Helfer Berlins und Umgegend in den Andreas- Festsälen, Andreasstraße 21. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Heinemann über§§ 152 und 153 der Gewerbe schiedenes. JOSETTI Konsumverein Friedenau und Umgegend. Donnerstag, den 18. Juni 1908, H. 117/12 abends 8, Uhr, im Rheinschloß: ordnung. 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegterten zur Berufskonferenz. 4. Zarifangelegenheiten und Ber. Kollegen! Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der Tagesordnung erwartet zahlreichen Die Ortsverwaltung. Befuch Verband der baugewerbl. Hilfsarbeiter Deutschlands Zweigverein Berlin und Umgegend. Sonntag, den 14. Juni in folgenden Lokalen: General- Versammlung Tages- Ordnung: 1. Geschäftsbericht des Borstandes. 2. Bericht des Aufsichtsrats. 3. Erfah wahl zum Vorstand und Aufsichtsrat. 4. Antrag der Verwaltung auf Schließung der Geschäftsräume an Sonn- und Feiertagen. 5. Bers schiedenes. 105/20 Der Aufsichtsrat. J. A.: H. Gülde. VERA CIGARETTEN Thr Gewicht wert in Gold, trotzdem 10 St. au 30 Pig. Josetti Achtung, Handlungsgehilfen! Freitag, den 12. Juni, abends 9 Uhr, in den Arminhallen", Kommandantenftr. 58/59: Oeffentl. Versammlung. Zages Drdnung: Der Gewaltstreich der Metallindustriellen. Referent: Julian Borchardt. Handlungsgehilfen und Gehilfinnen, erscheint in Maffen. Es gilt Proteft zu erheben gegen das Attentat der baherischen Metall industriellen auf die Koalitionsfreiheit der Angestellten. 288/7 Mitglieder- Versammlungen Dr. Simmel Sentralverband der Bendlungsgehillena. Gehilfanes Deutscht. Spezial- Arzt Sektion der Rohrer: Bormittags 10 Uhr bei Hoffmann, Roppenftr. 47. für Haut- und Harnleiden. Sektion der Putzerträger: Borm. 11%, Uhr bei Obiglo, Schwedterstr. 23. Prinzenstr. 41, dicht am Bezirk Königstr. 36, I. Sektion der Staker: Bormitt. 10 Uhr im Englischen Garten, Alexanderstr. 270, 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4 99 LOCA Zages Drdnung: Bericht der Lohnkommission von der Verhandlung mit den Arbeitgebern und unsere Stellungnahme bazu. Sektion der Dachdecker- Hilfsarbeiter: Vormittags 10 Uhr im Gewerkschaftshause, Engelufer 15( Saal 7). Zages Drbnung: 1. Stellungnahme zur Lohnbewegung. 2. Diskussion. 30/20 Die Dachdecker werden ersucht, unsere Kollegen auf diese Versammlung aufmerksam zu machen. Bahlreichen Besuch erwartet Der Zweigvereinsvorstand. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Billigste Bezugsquelle für Hygienische Bedarfs- Artikel Drogerie Zaremba, Berlin N., Weinbergsweg 1. Ein Versuch fahrt zu dauernder Kundschaft. 66 Spandau, Pichelsdorferftr. 39. Sonntags Gr. Ball. Anfang 3 Uhr: Familien können Staffee tochen! 52682* Emil Koepnick. 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Der Zeuge Grünwald ist häufiger geschlagen laden sind, vernommen. Einer dieser Zeugen ist der Meinung, worden. Wenn die Leute abends nicht fir genug ins Bett tamen, daß Davids, durch den das ganze Prozeßverfahren ins Rollen bann trat die Klopfpeitsche in Aftion. Grünwald hat gesehen, wie gefommen ist, die Absicht gehabt habe, gehabt habe, vom Militär losBuhr von einem Vorgesetzten mit der Klopfpeitsche ans Ohr ge- zukommen. Davids, dessen Vernehmung ja unter Ausschluß der schlagen wurde, Deffentlichkeit erfolgte, hatte vor einigen Monaten ein umfangreiches Schreiben, in dem er seine Vorgesetzten beschuldigte, an die Behörde gerichtet. Eine Reihe von Zeugen, die jezt aufgerufen werden, wollen von den Angeklagten gar nicht mißhandelt worden sein. Um 8 Uhr abends wird die Sigung auf Freitag morgen 8 Uhr bertagt. Kaum sind acht Lage seit dem Prozeß Thamm und Genofien berstrichen, so muß das Kriegsgericht der I. Gardedivision abermals zuſammentreten, um in einem großen Mißhandlungsprozeß Recht zu prechen. In der vergangenen Woche waren es acht Angeklagte, heute sind es deren sechs und zwar sämtlich Borgesezte, daß das Trommelfell erkrankte. darunter auch ein Offizier. Sie gehören dem 4. Garderegiment zu Fuß an, bei dem auch Unteroffizier Breitenbach herbeigeführt worden sei! Er sollte dann sagen, daß die Erkrankung beim Schwimmen Auch die Grenadiere David und stand. Und auch die Vorgänge, auf die sich die umfangreiche An- Arfa, der gegenwärtig im Irrenhause weilt, wurden häufig mißhandelt. flage stützt, haben sich größtenteils schon zu jener Zeit abgespielt, Arfa wurde einmal von dem Angeklagten Walter gefragt, ob er als Breitenbach noch das Regiment in seiner Storporalschaft führte. mehr Angst vor dem Oberst oder vor ihm selbst habe, worauf Arfa Nicht weniger als fünfzig Zeugen sind erschienen. Die meisten von erwiderte„ vor dem Oberst". Walter antwortete:" Na ja, der Oberst ihnen sind entlassene Grenadiere; sie werden in der Beweisaufnahme tut Dir nichts, aber ich schlage Dir in die Schnauze!" freier herausreden als die zaghaften Kanoniere in der vorigen Ver- Ein anderer Grenadier mußte die Aeußerung hören: handlung. Unter Anklage stehen folgende Personen: Sergeant Balt ( 3. Komp.), Vizefeldwebel Karl Walter, Vizefeldwebel Holz= apfel, Wizefeldwebel Mar Biermann, Feldwebel Christian Buch hop und Leutnant v. Büldringslöwen. Walter, Biermann und Buchhop find bereits in der Landwehr. Die Anklage, die durch den Vertreter der Anklage verlesen wird, ist auch diesmal wieder eine recht umfangreiche. Den Angeklagten Ball, Holzapfel und Biermann wird ein ergiebiges Sündenregister darin vorgeworfen. Die drei haben in den Jahren 1902 und 1903 in Berlin und in Döberiz ihre Untergebenen fortgesett mißhandelt. Sie haben sie zum Teil unter Mißbrauch der Dienstwaffe gestoßen, geschlagen und in anderer Weise mißhandelt. Bei Balt nimmt die Anklage mindestens 300, bei Holzapfel mindestens 200 und bei Biermann 100 Fälle an. Außerdem wird den drei Angeklagten vorgeworfen, die Mißhandlungen zum Teil bei Ausübung des Dienstes verübt zu haben. Vor der Vernehmung der Angeklagten beantragt Kriegsgerichtsrat Dr. Matschte den Ausschluß der Deffentlichkeit. Das Gericht befchließt nach längerer Beratung, die Deffentlichkeit während der Bernehmungen des Angeklagten Balt und des Zeugen David auszuschließen, da hierbei Gefährdung der Sittlichkeit ,, Wenn Du erst einmal trepiert bist, dann kriegst Du einen Tag frei!" Häufig mußten die Leute so lange Schemel auf der Stube strecken, bis manche von ihnen umfielen. Unter die Betten" mußten sie wiederholt friechen und auf dem Bauch„ Kehrt machen". Beim Parademarschüben wurde auf der Stube ein vierkantiger Stab zum Abmessen der Schritte benutzt. Dieser Stab diente aber auch zu Mißhandlungen. Bei den Schlägen mit dem Instrument kam es vor, daß die Haut platte. Partei- Angelegenheiten. Die Genossinnen, die Mitglieder des Allgemeinen sozialdemokratischen Wahlvereins für Berlin und Umgegend find, Vorwärts" unter" Frauenbewegung" die Adressen der Gebitten wir zu beachten, daß Dienstags und Freitags im nofsinnen beröffentlicht werden, die Beiträge für den Verein entgegennehmen. Bei der jetzt schon großen Mitgliederzahl ist es nicht mehr möglich, die Hauskassierung beizubehalten, und werden die Mitglieder ersucht, in diesen Zahlstellen die Beiträge zu bezahlen. Der Vorstand. " Nach Ansicht des Zeugen Schultz sind die Leute fast täglich miß- Rigdorf. Am Freitag, den 12. Juni, abends 812 Uhr, findet handelt worden. Wenn Balt die Untergebenen fragte, ob sie ge- im Lokal von Hoppe eine wichtige gemeinsame Besprechung der schlagen worden seien, und lautete die Antwort berneinend, so war gesamten Wahlleiter sowie der Bezirksführer und Zahlabendleiter es gut, sagte aber der Gefragte" Jawohl", dann gabs neue statt. Es ist Pflicht aller genannten Funktionäre, vollzählig und Schläge. Schwere Zeiten hatte der Zeuge Meher, der bei pünktlich zu erscheinen und ihre Legitimationen mitzubringen. Die Balt diente, zu überstehen. M. steht noch heute unter den nach- Abteilungslisten der Landtagswähler sind schleunigst an die Mitwirkenden Folgen der ausgestandenen Mißhandlungen. glieder des Wahlfomitees abzuliefern, nachdem vorher der Beruf Verhandlungsführer: Wie oft find Sie geschlagen jedes Wählers aus unseren Hauslisten eingetragen ist. worden? 8euge: Defter.- Verhandlungsf.: Wie oft? Das Wahlkomitee. 50-, 100 mal? 8euge: Jawohl! Ich weiß selbst Waidmannslust und Umgegend. Sonnabend, den 13. d. M., nicht!" findet abends 812 Uhr in Waidmannslust im Schweizerhaus" eine Nun schildert der Zeuge all' die Mißhandlungen, die er erdulden Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Bor mußte. Mühsam stößt er die Worte hervor. Bei der trag des Genossen Wilhelm Denger über Sozialdemokratie und ersten Vernehmung machte er seine Aussagen unter Tränen wissenschaft", Diskussion, Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. und auch heute fällt es ihm schwer, die Tränen zurückzuhalten. Wenn er beim Schlagen zu weinen begann, in Betracht komme. Das Gericht spricht die Hoffnung aus, daß so schlug Biermann noch weiter auf ihn ein. Schläge mit der Stallbei anderen Vernehmungen, bei denen geschlechtliche Dinge zur Sprache gebracht würden, in der Presse in passender Weise berichtet stange, mit der Beitsche, Fußtritte, Faustschläge usw. wurden ihm werde. Nach der Vernehmung des Angeklagten Balt wird Holz- und Grell besonders unter den Mißhandlungen zu leiden. berabreicht. Neben dem Zeugen hatten die Grenadiere David, Arfa apfel aufgerufen. Er gibt zu, die Leute hin und wieder An dem Rücken des Zeugen hat Walter einmal eine Stallstange geschlagen zu haben. Die einzelnen Fälle kann er sich nicht entzweigeschlagen. Eine Stallstange hat die Stärke eines Besenstiels. mehr entsinnen. Beim Ererzieren habe er öfter die and Beim Zielen hat sich Biermann atveimal mit beiden Beinen auf den ausrutschen lassen". Nach der Anklage habe er die Leute Rücken des Zeugen gestellt, so daß der Gepeinigte vor Schmerz geschlagen, Stöhnte. getreten und in die Zähne gestoßen. # Einem Grenadier befahl er einmal, ein Gewehr zu holen, mit dem er einen Untergebenen schlug. Dann sagte er zu dem Grenadier:" Du Schwein, ein anderes mal bringst Du ein anderes Gewehr!" Die Leute ließ der Angeklagte unter die Betten friechen, wieder hervorkommen, auf und nieder gehen, auf dem Bauch wenden und wieder zurückkriechen. Der Angeklagte Biermann gibt so gut wie gar nichts zu. Die Aeußerung einem Untergebenen gegen über: Du mußt kaput gehen, Du Kanalbacke", die ihm die Anklage vorwirft, will er nicht getan haben. Zengenvernehmung. Dn mußt tot gehen, Du Kanalbacke!" hat Biermann nach den Aussagen des Zeugen dabei gesagt. Ohne irgend welche Veranlassung schlug Biermann auf Mayer und dessen Kameraden ein. Als David von Beschwerde sprach, erwiderte ihm Balt: Du Schwein, Du willst auch noch melden, Dich kriegen wir noch auf Festung!" Zahllose Fälle von Mißhandlungen Weißenfee. Sonntag, den 14. Juni cr., früh 9 Uhr findet für die gewählten Wahlmänner beim Genossen Roßkopf, KönigChauffee 38, eine Besprechung statt, wozu jeder bestimmt und pünktlich zu erscheinen verpflichtet ist. Das Wahlfomitee. Hohen- Neuendorf und Stolpe an der Nordbahn. Am Sonntag, den 14. Juni, morgens 9 Uhr, findet im Lokal von Paul Schmitz der Zahltag des Wahlvereins statt. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist ein vollzähliges Erscheinen dringend erforderlich. 11 Sozialdemokratischer Wahlverein Wannsee. Sonnabend, den 13. Juni, findet im Restaurant Fürstenhof", Königstr. 40, die regelmäßige Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Gäste will kommen, besonders diejenigen, welche am 3. Juni ihre Stimme öffentlich für die sozialdemokratischen Wahlmänner abgegeben haben. Berliner Nachrichten. Städtische Bauten. Auch den anderen Grenadieren wurde in ähnlicher Weise gebroht. Der Zeuge hat bei Arfa beobachtet, daß Hautstücke aus dem Geficht verschwunden waren. Der nächste Zeuge Buhr ist in der Korporalschaft des Balt In der letzten Sitzung der städtischen Hochbaudeputation legte gewesen. Er ist einmal von Balt auf der Stube so geschlagen Stadtbaurat Hoffmann die Entwürfe vor für eine Gemeindes As erster Zeuge wird der frühere Bataillonstommandeur Oberst worden, daß er zusammenbrach und nicht wußte, wo er war. Gr doppelschule in der Zwinglistraße 2 mit dem über 794.000 m. ableutnant Frhr. v. Spaßhardt aufgerufen. Er entsinnt sich, daß bekam durch die Mißhandlung ein Ohrenleiden und erzählte dem schließenden Kostenanschlage, für den Neubau der Baugewerfseinerzeit ein Mann wegen einer Trommelberlegung Rompagniechef beim Stranfmelden, daß er beim Schießen ver- iule in der Kurfürstenstraße 141 mit dem über 734 000 m. abbei ihm gewesen sei, und daß er in Revierbehandlung gekommen fehentlich gestoßen worden sei. fei. Der Berlegte, Grenadier Buhr, hatte angegeben, daß er beim und aus Angst, daß es noch mehr Schläge geben werde, belog auch Neubau einer Gemeindedoppelschule in der Tegeler Straße mit dem Balt hatte ihm so befohlen schließenden Kostenanschlage, sowie dem besonderen Entwurf zum Zielen von einem Kameraden versehentlich gestoßen worden sei. der Zeuge seinen Hauptmann. Der frühere Grenadier Grell ist 861 000 m. betragenden Kostenanschlage und den„ Speziellen Ents Daß es auf eine Mißhandlung zurückzuführen war, davon wußte wöchentlich 3-4 mal von Ball geschlagen worden. würfen" für die Neubauten der Gemeindedoppelschule in der Thorner der Zeuge nichts. Straße und ein Straßenreinigungsdepot, die zusammen 872 000 M. Der frühere Kompagniechef, Major Graf v. Görg, tritt feien vorgekommen. Balt sei ein sehr aufgeregter Bor- tosten sollen. Zu diesen vier Schulen, deren Kosten sich auf rund warm für seine damaligen Unteroffiziere ein. gefegter gewefen. Buhr sei von Balf einmal fo mißhandelt worden, drei Millionen Mark belaufen, tam noch der Entwurf einer TurnEr hat niemals Meldungen über Mißhandlungen Untergebener cut- baß er zur Erde stürzte und auch jetzt schlug Ball noch auf ihn ein! halle in der Wrangelstraße mit einem Kostenanschlage von 40 000 m. gegengenommen. Immer wieder habe er die Grenadiere, sobald die Auf der Stube wurden auch die Schemel gestreckt. Es tam auch Ferner die besonderen Entwürfe für eine Feuerwache am Schillerhain Kompagnie vereint war, gefragt, ob sie irgendwelche Klagen hätten, vor, daß Balt mit der Seitengewehrspitze den Leuten gegen die Brust nahe der Türkenstraße. Diese Wache soll 425 000 m. foften. Rivei doch niemals habe sich jemand gemeldet. Die Angeklagten seien stieß und mit der glatten Hand vor die Nasen schlug. weitere Entwürfe betrafen Laternen- und Parkwärterhäuschen auf dem vorzügliche Soldaten und sie hätten auf ihn stets einen guten Ein- Wenn der Zeuge beim Zielen auf der Erde lag, erhielt er von neuen Fortenbeckplatz und dem Platz am Neuen Tor. Diese Häuschen sind brud gemacht. Er hätte mit seinen Unteroffizieren Ehre einlegen Biermann Fußtritte ins Kreuz. Der Zeuge Engels befundet, daß er mit rund 10 000 m. veranschlagt. Die Deputation beschäftigte sich fönnen und jeder Kompagniechef fönne stolz sein, wenn er solche dann noch mit den Entwürfen des Magistratsbaurats Stiehl für den unzählige Male mißhandelt Unteroffiziere habe. Assessor Balm fagt aus, daß er sehr Um- und Erneuerungsbau des pathologisch- anatomischen Institutes häufig gesehen habe, daß Holzapfel die Leute beim Dienst worden ist. Mitunter blutete dabei auch die Nase. Fast täglich im städtischen Krankenhause Moabit. Die stosten für diesen Umbau geschlagen und mißhandelt habe. Daß Balt viel geschlagen wurde geschlagen. In Döberitz wurde Arfa von Balk find mit 224 000 m. veranschlagt. Die Deputation genehmigte habe, darüber sei in der Kaserne viel gesprochen worden. mit dem Fenerhaken so lange geschlagen, bis er ohnmächtig wurde. sämtliche acht Entwürfe nach längerer Beratung. Die Gesamtkosten Er habe sich gewundert, daß die Leute nichts meldeten. Durch Holzapfel stieß häufig mit der Faust in den dieser Bauten ohne den Anschaffungswert der Terrains belaufen Serumfragen wurde ihm bald klar, daß es Leib. Er trat den Leuten auch gern auf die Füße und drehte sich auf rund 42 Millionen Mark. dabei die Hacken so, daß sie auf die Füße die Leute zu stehen kamen. Bei Biermann mußten die Leute ererzieren. Vor den Uebungen hatten sie stets Angst und wenn sie oben in der Stube übten, so find für die am 16. Juni stattfindenden Abgeordnetenwahlen gingen die Grenadiere nur zögernd die Treppen hinauf; fie hatten ernannt: für den I. Wahlkreis Stadtrat Kalisch, für den II. Furcht vor der Senge, die ihnen bevorstand. Oben Stadtrat Maas, für den III. Stadtrat Wagner, für den IV. Erst als der Fall Breitenbach bekannt wurde, bekamen auf der Stube versetzte Biermann den Leuten die Leute Mut. Sie meldeten jetzt fast stets sofort erlittene MißStadtrat Münsterberg, für den V. Stadtrat Jacoby, für Fußtritte und Faustschläge in die Zähne. handlungen. Feldwebel Walter habe die Leute, wenn sie schlecht den VI. Magistratsrat Dr. Buls, für den VII. Stadtrat schoffen, mit dem Säbel geschlagen, doch die Leute jahen dies nicht Der Zeuge ist häufig mit Fußtritten in den Rüden traktiert Alberti, für den VIII. Stadtrat Gehride, für den IX. Stadtals Mißhandlungen an. Der nächste Zeuge, Krieger, ein ehe- worden. maliger Grenadier Holzapfels, glaubt nicht, Mißhandlungen Der Beuge hat den Grenadier Arp oft mit blutigem Ge- rat Mielenz, für den X. Magistratsrat Techow, für den XI. erduldet zu haben, da er Ohrfeigen und andere Schläge, ficht gefehen. Auch beim Unterricht hat er oft geblutet. Heinrichs Magistratsrat Dr. Meyer und für den XII. Magistratsrat die er erhalten, nicht als solche ansieht. Von anderen ist mehr als 20 mal durch die Füße korrigiert" worden. Einmal Dietert. Beugen soll befundet werden, daß gerade Krieger von Holzapfel hatte er nicht gut gezielt, als ihm Biermann einen so starken Schlag häufig mishandelt worden ist, aber Benge fann sich nicht mehr so vor die Stirn gab, recht der Fälle entsinnen. Der Zeuge meint, manchmal hatten sie nicht üblich war, Mißhandlungen zu melden. Es sei auch in anderen Rompagnien geslagen worden. Es war überall die Rede davon, doch keine Beschwerden geführt. Zu Wahlkommissaren Druckfehlerberichtigung. In der gestrigen Notiz: Bom großen Magen der Kirche" heißt es an einer Stelle: Aus Küsterkreisen wird der Boss. Zeitung" geschrieben. Das ist falsch, es muß heißen: Aus Richter freisen usw. Dann ist in der Notiz über das Unglüd in den Hallerwerken der Auergesellschaft davon die Rede, daß in einem engen Raum 78 Mädchen beschäftigt seien; hier hat der Druckfehlerteufel eine 7 unnötigerweise neben die 8 gesetzt; es find nur 8 Mädchen da beschäftigt. daß er umfiel und ohnmächtig wurde. etwas schuld, manchmal wäre es etwas hart gewesen. Bei der Ver- Der Vorfall hatte sich auf dem Rasernenhof abgespielt. Bei nehmung des folgenden Beugen, des früheren Grenadiers David, anderen Gelegenheiten trieb Balt die Mannschaften mit der Klopfwird die Deffentlichkeit wieder ausgeschlossen. Da peitsche aus der Stube heraus. Arp soll mindestens 150 m al der Zeuge einer derjenigen ist, die am meisten zu erdulden hatten, mis handelt worden sein. Der Zeuge Palm hat den Ka so währt die Verhandlung längere Zeit. meraden Davids hin und wieder Blut spuden sehen. Es folgen Die Vernehmung Davids dauert über eine Stunde. Auch bei jezt eine Reihe von Zeugen, die über besondere Vorgänge nichts der Bernehmung des nächsten Beugen Buhmann bleibt die befunden können. Dem Zeugen Stuber muß mit Hilfe der früheren Der amtliche Bericht der Berliner Feuerwehr über BrandDeffentlich feit ausgeschlossen. Um 2 Uhr nach protokollarischen Aussagen erst das Gedächtnis etwas aufgefrischt" stiftungen auf Dachböden vom 10. Februar bis Ende April d. J. ist mittags wird die Deffentlichkeit wieder hergestellt. Der Zeuge werden. Der Angeklagte Holzapfel ließ sich von einem Untergebenen erschienen. Wir entnehmen demselben folgendes: Bom 10. Februar Henke befundet, daß er von Balt öfter geschlagen worden ist. eines Tages die Stiefel zehnmal hintereinander 1908 vermehrten sich die Dachstuhlbrände in so ungewöhnlichem Einmal erhielt er Schläge mit der Stallstange, ein andermal Fauft- puzen, weil sie ihm nicht blant genug waren. Walter ließ die Maße, daß die Annahme, es handele sich um planmäßige Brandfchläge, auch mit Leute so lange zielen, bis sie alle zitterten. Der Zeuge stiftungen, nicht mehr von der Hand zu weisen war. Die Aufs Fußtritten Kaiser stand in der Korporalschaft des Holzapfel. Er machte in der zeichnungen für diefen Bericht wurden mit dem 30. April abwurde er trattiert. Zumeist wurde in der Instruktionsstunde ge- Instruktionsstunde wiederholt mit den Fäusten des Angeklagten Be- gefchloffen. In der Zeit vom 10. Februar bis 30. April 1908 fanden schlagen. Gewohnheitsmäßig habe Balt die Kameraden fanntschaft. Der Beuge Benninger, ein direkter Untergebener Holz- im ganzen 168 Dachstuhlbrände statt gegen 21 Brände in derfelben geschlagen. Fast alle feien sie mißhandelt worden. Balt und apfels, ist von diesem Beit des Jahres 1907. In sehr vielen Fällen konnte Brandstiftung Holzapfel hießen unter den Mannschaften beinahe täglich mishandelt mit Sicherheit festgestellt werden, da die Feuerwehr bei ihrem Einworden. Auch mit der Stellstange mnßte er in Berührung kommen. treffen mehrere von einander getrennte Brandherde vorfand. EigenAuch mit der Klopfpeitsche wurde geschlagen. Der Zeuge hat ein-& aft täglich find nach den Angaben des Zeugen die 17 Mit- tümlich war auch der Umstand, daß sich die Brandstifter mit Vorglieder der Korporalschaft von dem Angeklagten Holzapfel geschlagen liebe Eckhäuser aussuchten. Die meisten Brände fanden von 8 Uhr mal beobachtet, wie Buhr mit der Klopfpeitsche von Holzapfel miß- worden. Der Zeuge Beder ist ebenfalls täglich geschlagen vormittags bis 7 Uhr abends statt. An Sonne und Festtagen trat handelt wurde und zusammenbrach! worden. In mindestens 70 Fällen ist er beim Antreten wegen überwiegend Nuhe ein. Die Tätigkeit der Brandstifter erstreckte sich irgendwelcher fleiner Versehen mißhandelt worden. Die Miß- hauptsächlich auf den Norden, Diten und Südosten der Stadt. Der verschont und das Zentrum handlungen bestanden in Fauftschlägen ins Gesicht. Einmal erhielt Westen wurde fast ganz Leutefchinder." Der Schaum stand dem Soldaten dabei vor dem Mund. Buhr klagte über starte Schmerzen und über Mißhandlungen dem Beugen gegenüber. Beuge einen so wuchtigen Faustschlag, daß er ins Rebenzimmer fog. weniger in Mitleidenschaft gezogen. Dementsprechend wurden auch die Kompagnien verschieden beansprucht. Es entfielen feiner entfehlichen Lage befreit werden kann. Nicht lange dauerte es auf die 4. Kompagnie 43, auf die 3. nur 13 Dachstuhlbrände. und es hauchte sein Leben aus. Die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr wurde auf eine harte Probe Wieviel solcher Unglücksfälle müssen sich noch ereignen, bevor gestellt. Soweit angängig, wurden die Mannschaften geschont. In die reiche Straßenbahngesellschaft angehalten wird, wenigstens für erster Linie wurde durch Einschlagen der Dächer für Abzug des praktische Hebevorrichtungen zu sorgen? Rauches gesorgt, ferner die regelmäßige Verwendung von RauchEr mußt aber auch die Situation aus, um den Handlungsgehilfen und Gehilfinnen von neuem die Notwendigkeit des Klassenfampfes vor Augen zu führen. eine große öffentliche Kundgebung in den" Arminhallen", Kommans Morgen Freitag, abends 9 Uhr, veranstaltet der Zentralverband dantenstr. 58/59, zu welcher der Gen. Julian Borchardt das Referat fchuzapparaten angeordnet und die Mannschaften häufig abgelöst. Der Tod im Polizeigewahrsam. In der Polizeizelle vom Tod übernommen hat. In 97 Fällen mußte insgesamt mit 274 Rohren Wasser gegeben überrascht wurde gestern der Arbeiter Karl Borober aus der Alle Handlungsgehilfen und Gehilfinnen sotie technischen Anwerden. Die Zahlung von Feuermeldeprämien für diese Brände Mühlenstr. 31. B. war auf der Straße von einem Schutzmann gestellten seien hiermit auf die Wichtigkeit dieser Versammlung hin wurde eingestellt. Troß der ausgesetzten Brämien und umfassenden wegen Trunkenheit aufgegriffen und nach dem 45. Polizeirebier gewiesen. Tätigkeit der Kriminalpolizei ist es nicht gelungen, die Brandstifter fistiert worden, wo er in einer Belle seinen Rausch ausschlafen sollte. zu ermitteln. Gleichzeitig hat die Feuerwehr fich beranlaßt ge- Als später ein Beamter nach ihm fehen wollte, war er tot. fehen, Leitsäge bei Feuersgefahr befannt zu machen, die Leiche wurde nach dem Schauhaus gebracht. Die zur Belehrung des Publikums bienen sollen. Sie sollen an Eine Polizeiaktion. Die politische Polizei hat sich gestern Schöneberg. den Eingängen der Berliner Häuser angebracht werden. Zunächst Vorort- Nachrichten. heißt es: Feuer! Ruhe und Besonnenheit! 1. Die Feuerwehr wieder einmal in Erinnerung gebracht, um den Beweis zu liefern, Verlegung des Kinderasyls. Das von dem Deutschen Verein alarmieren! 2. Türen nach den Treppen usw. geschlossen halten! daß sie auch noch da und zu etwas nüße ist. Der seit Jahren un- für Kinderafyle seither in dem Hause Martin Lutherstr. 55 in 3. Nicht auf den Treppen aufhalten! 4. Gefährdete Personen haben behelligt gebliebene Sozialistenmarsch und das Lied der Arbeits- Schöneberg unterhaltene Kinderasyl zur Aufnahme von Kindern, fich der Feuerwehr bemerkbar zu machen. 5. Niemals auf Buruf männer haben es der Polizei angetan und so machten sich gestern welche der elterlichen Fürsorge entbehren, ist nach Wilmersdorf, des Publikums herabspringen. 6. In verqualmten Räumen fich zahlreiche Kriminalbeamte auf die Suche nach Liederbüchern, in die Schweidnißer Straße 5( Fernsprecher Amt Wilmersdorf Nr. 2145), Priechend bewegen; ein naises Tuch vor Mund und Nase nehmen. Diese beiden Lieder aufgenommen find, vor allem nach dem von in der Nähe des Ringbahnhofs Halensee, verlegt worden. Lipinsky herausgegebenen:" Singe mit". Die Vorwärts- Buch- Waidmannsluft. Ein Zündholz ohne Ropf= zwei freifinnige Wahlmänner. handlung hatte solche Bücher zufällig nicht am Lager, konnte Ein Dachstuhlbrand richtete in der Villa Diana" ganz er Diese furiose Gleichung ist nicht das Produkt eines übermütigen beshalb teine ausliefern, aber in unserer mit der Expedition heblichen Schaden an. Trogdem die Feuerwehr von Waidmannslust Wigboldes, sondern eine Episode aus dem Wahlkampf. Am 10. Juni verbundenen Buchhandlung wurden einige Liederbücher vorge- fowie die Wehren der umliegenden Ortschaften ziemlich schnell zur fand in Schöneberg im 77. Bezirk in der zweiten Abteilung funden und mitgenommen. In aller Frühe waren schon Stelle waren, fonnten sie es doch nicht verhindern, daß das Geeine Stichwahl zwischen vier Wahlmannskandidaten statt. Alle vier zahlreiche Parteispediteure durch polizeilichen Besuch überrascht worden, bäude bis zum ersten Stockwerk vom Feuer beschädigt wurde. Kandidaten erhielten 13 Stimmen. Die Wahl war unentschieden die vorgenommenen Haussuchungen waren jedoch wenig erfolgreich Wasser und hilfsbereite Menschen waren genügend zur Stelle; aber und nun mußte das Los entscheiden. Da zwei Wahlmänner zu Bei dem Kaffierer des Arbeiter- Sängerbundes beschlagnahmte die nach 2 Stunden brannte die Nordfeite des Dachstuhls noch wählen waren, hätte man erwarten können, daß vier Zettel mit den Polizei 805 Exemplare des vom Arbeiter- Sängerbund herausgegebenen ganz luffig. Von der Straße aus reichte der Drud der Pumpen Namen der Kandidaten geschrieben werden würden und hiervon Liederbuches. nicht bis zum Dachstuhl. Durch den eigenartigen Bau derartiger „ Kasernenvillen" konnte die Feuerwehr die Hakenleitern nicht bezwei ausgelost worden wären. Das Wahlgesetz tennt ja teine BarDie Maßnahme der Polizei ist gänzlich unverständlich, wenn mußen. Für eine mechanische Leiter, die hier durchaus am Blaze teien, sondern nur Wahlmänner. Sei es nun, daß den Mitgliedern man bedenkt, daß die beiden inkriminierten Lieder seit Fall des gewesen wäre, hat die Gemeinde wie es scheint tein Geld des Wahlborstandes das Namenschreiben zuviel Mühe machte oder Sozialistengesetzes unbeanstandet überall gesungen werden fonnten, übrig. Hoffentlich steht die Gemeindevertretung ein, daß Waffer ein anderer Grund vorlag, genug, der Wahlvorstand entschied, daß teilweise sogar- wenigstens der Sozialistenmarsch seit 18 Jahren hauptsächlich dann zum Feuerlöschen gut ist, wenn man es direkt mit Streichhölzern die Sache ausgeknobelt werden solle. Man nahm von Gesangvereinen mit Genehmigung der Polizei bei zahlreichen mit dem Feuer in Verbindung bringen kann. Oder will man erst zwei Streichhölzer, wovon eins einen Kopf hatte und das andere Arbeiterfestlichkeiten. dann eine mechanische Leiter anschaffen, nachdem Menschenleben topflos war. Die Schwierigkeit, daß man die die Kandidaten mit gleicher Stimmenzahl hatte, überwand der geniale Die Spuren der Kirchenbrandstifter. Zu der Brandstiftung in 11 der Pauluskirche wurden unter anderem auch Wachslichte und Pe troleum verwendet. Die Lichte sind teils gedreht, teils einfach. Die gedrehten find grün gefärbt und mit Goldblumen geschmückt. Alle waren mit einer Schnur an die Dachsparren gebunden und dann angezündet worden. Mit Petroleum waren mehrere Stellen getränkt. Das Petroleum hatte sich in einer 250 Grammflasche für äußere Medizin befunden. Diese Flasche ist sechskantig und an drei Seiten gerippt. Sie hat einen Bettel getragen, nach dem sie Wer über den Ankauf der Lichte oder über die Herkunft der Flasche zurüdzugeben war, stammt also aus einem Krankenkassenrezept. etwas mitteilen tann, wird gebeten, sich im Interesse der Aufklärung dieser Brandstiftung schleunigst bei der Kriminalpolizei zu melden. durch einen Brand vernichtet worden find?! Vermischtes. Ein amtlicher Wahlaufruf in Ostpreußen. Aus Ostpreußen wird uns folgende amtliche Bekanntmachung übersendet: Der Gemeindevorsteher Wittoefch in Lüttken( Kreis Heydefrug) hat in seiner Gemeinde folgenden Utas zirkulieren laffen: Erinnerung: Die Herren Nachbaren werden wohl alle im Zeitung gelesen haben, daß Mittwoch den 27. d. M. N. M. 5 Uhr beim Lessing in Schubereiten, ein Konserwatiefer zusammenfumpft wird sein. Darum im Auftrage des Wahlvorstehers Herrn Fischer Schudereiten, wird für Nachbaren Konserwativer partei erinnert, den genannten Tag auch Stunde wahr zu nehmen, und wer andere partei will sich anschließen, so bitte dem jenigen gutzuüberführen, denn wir werden doch nicht lassen von Brandenburger uns bertreten, wir haben auch hier Personen der uns bertreten wird, und auch für seine Majestät Kaiser und König treu bleiben wird und daß der Hauptgrund. Luttken de 26te Mai 1908, Wahlborstand dadurch, daß die vier Kandidaten in atei Kategorien eingeteilt wurden. Bündholz mit Kopf heißt fo biel als Franke und Wegner" und Bündholz ohne Kopf Ehleben und Jänite". Jetzt war die Schwierigkeit überwunden. Ohne erst die schwierige Prozedur vorzunehmen, vier Namen aufzuschreiben, wurde jezt gelost. Als dann der Wahlvorsteher das Zündholz ohne Kopf griff, erklärte er, daß Ehleben und Jänike Wahlmänner seien, denn ein Zündholz ohne Kopf ist gleich zwei freifinnige Wahlmänner. Db die Zündhölzer in die Atten einverleibt sind, um bei der Wahlprüfung feststellen zu können, daß die anderen Enden ohne Merkmal sind, wissen wir nicht. Unsere Genossen haben gegen die Wahl Protest eingelegt, weil vier Wahlmänner gleiche Stimmen- Zwei Kinder unter den Rädern eines Eisenbahnzuges getötet. zahl hatten, wovon zwei auszulosen waren. Die Gleichung: Ein furchtbarer Unglücksfall, der zu dem Gerücht von einem ein topfloses Bündholz gleich zwei freisinnige Wahlmänner wird wohl schweren Verbrechen Veranlassung gab, hat sich gestern auf der nicht als zulässig anerkannt und darum werden Ehleben und Jänite Schlesischen Bahn zwischen den beiden Vorortsstationen Hangelswohl nicht an der Wahl teilnehmen können. berg und Fangschleuse ereignet. Gestern mittag, bald nachdem der von Posen über Frankfurt a. O. nach Berlin fahrende, um 12 Uhr 24 Minuten auf dem Schlesischen Bahnhof eintreffende Personen zug Hangelsberg passiert hatte, fand ein Stredenwärter etwa zwei Rilometer hinter der Station auf dem Bahndamm die Körper zweier Knaben, von denen der eine furchtbar verstümmelt war, während der zweite schwere Verlegungen am Kopf, Händen und Füßen aufwies. Beide Knaben wurden nach Hangelsberg übergeführt, von wo der eine nach dem Wilhelmshagener Krankenhaus geschafft werden sollte, jedoch schon auf dem Transport dorthin starb. Der zweite Snabe fand Aufnahme in dem Fürstenwalder Strankenhause und ist dort im Laufe der Nacht seinen schweren Verlegungen erlegen. Man nahm erst an, daß die beiden Kinder Von der Neuen Zeit"( Stuttgart, Paul Singer) ift foeben das von Angehörigen aus dem Zuge hinausgestoßen worden feien. 37. Heft des 26. Jahrgangs erschienen. Es hat folgenden Inhalt: Diese Vermutung erwies sich aber als falsch. Wie von der Station Hebler und Stehler. Die Abstinenzbewegung und die Sozialdemokratie Ertner, woselbst der oben erwähnte Zug durch Notsignal zum in Finnland. Von M. Martna( Helsingfors). 8teiseelenpraris in der Stehen gebracht worden war, mitgeteilt wurde, gehörten die Ver- Literatur. Bon Georg Davidsohn. Ein Normalarbeitstag für die Landunglüdten einer russischen Auswandererfamilie Josferski an. Die wirtschaft. Von L. H. Mansholt( Westpolder, Provinz Groningen, Holland.) Die Rentabilität der schweizerischen Knaben haben vermutlich an dem Türgriff gespielt, wobei die Tür Mit einem Nachwort von K. Kautsky. Notizen: Die russische Geistlichkeit. aufging und die Jungen hinausstürzten. Der Unglücksfall war Landwirtschaft. Von Dr. J. H- z. nicht sofort bemerkt worden, und so kam es, daß der Zug erst in Die Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle BuchErtner zum Stehen gebracht wurde. handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 m. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Boft mur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft loftet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Der Postbote als städtischer Kohlenarbeiter. Bei der Kaiserlichen Bost in Buch ist der Hilfspostbote. mit einem Gehalt" bon 1,50 M. pro Tag angestellt und dafür muß er der Postverwaltung bon morgens 7 bis 11 Uhr vormittags zur Verfügung stehen, um das Vorwerk Sobrechtsfelde sowie einen Zeil der Kolonie Buch zu bestellen. Mit dieſem horrenden Gehalt kann der Mann natürlich nicht auskommen und so hat er sich noch eine andere Beschäftigung gesucht. Die städtische Betriebsverwaltung in Buch hat den P. im Dampfbetriebe der Zentrale Buch angestellt als Kohlenarbeiter mit einem Monatslohn von 95 Mart. Es ist dort die Wechselschicht eingerichtet, so daß die Heizer, Kohlenarbeiter und Maschinisten abwechselnd zur Nachtschicht herangezogen werden, auch besteht dort seit dem 12. Juni 1906 ein Arbeitsvertrag, worin der Lohn folgendermaßen festgesezt ist: Maschinisten 180 M., Heizer, Kanalwärter, Schloffer 123 M., für Kohlenarbeiter 100 M. pro Monat bei 60 Arbeitsstunden pro Woche. Dem P. waren nun erstens 100 M. zu viel, er erflärte sich mit 95 M. zufrieden, er wollte ferner auch keinen freien Tag in der Woche haben, bat vielmehr die Betriebsleitung, daß er ständig nur Nachtschicht machen wollte, was ihm auch gestattet wurde und zwar laut Anschlag des Betriebsleiters. Gemeindevorsteher Wittoesch." In dem der„ Tilsiter Allgemeinen Zeitung" zugegangenen Original steht hinter Brandenburger" noch das Wort„ Jud", das aber durchstrichen ist. Mit dem Brandenburger ist Geheimrat Schwabach gemeint. Eingegangene Druckfchriften. Von der Gleichheit", Zeitschrift für die Intereffen der Arbeiterinnen ( Stuttgart, Berlag von Baul Singer), ist uns soeben Nr. 12 des 18. Jahr. Schul ganges zugegangen. Sie hat folgenden Inhalt: Alte Lehre. peisung. Bon Luise Kautsth. III. Die gewerkschaftliche Organisation Bom der Arbeiterinnen in der Textilindustrie. Von Martha Hoppe. Elend der Kellnerinnen. Bon g. Siebenter Verbandstag des Deutschen Holzarbeiterverbandes. Bon E. D. Aus der Bewegung: Von der gitation.- Jahresbericht der Vertrauensperson der Stralsunder Die Berliner Genossinnen im Landtagswahlkampf. Emilie Politische Rundschau. Von H. B. Gewerkschaftliche Rund= Die Drehtüren bleiben. An den Eingängen zahlreicher Berliner Ueber einen Diebstahl auf dem Müggelturm wird gemeldet: Hotels und Cafés befinden sich amerikanische Drehtüren, die vielfach Das große Fernrohr, das auf dem Müggelturm für die Ausflügler für feuergefährlich gehalten werden. Man glaubt, daß bei Ausbruch aufgestellt war, ist über Nacht gestohlen worden. Es hat einen einer Banit, beispielsweise also bei Feuersgefahr, die Türen nicht Wert von etwa 300 Mt. funktionieren werden, sobald sich größere flüchtende Menschenmengen Auf dem Bahndamm erschossen hat sich gestern mittag bei zu gleicher Zeit auf zwei Türflügel stürzen. Unter gewöhnlichen Friedrichshagen der Tischlergeselle Felix Pfeiffer, Markusstr. 41 Umständen würde ein solcher plöglicher Ansturm allerdings eine wohnhaft. Gegen 1 Uhr vernahm der in der Bude 16 bedienstete Sperrung der Drehtür und damit eine Katastrophe bedeuten. In Streckenwärter Noad die Detonation eines Schusses und als er Berlin find jedoch auch hiergegen Sicherheitsvorkehrungen insofern daraufhin die Strede revidierte, fand der Beamte zwischen den getroffen, als durch einfachen Hebeldruck die Flügel zusammen Schienen die Leiche des 21jährigen P., der sich durch einen Schuß Genofsinnen. geklappt werden können, so daß alsdann der Ausgang völlig frei da- in die rechte Schläfe getötet hatte. Bei dem Verstorbenen wurde liegt. Wie es heißt, haben die Türhüter sehr strenge Instruktionen ein Bettel vorgefunden, auf welchem er als Motiv zu der Tat schau. Genossenschaftliche Rundschau, Bon H. Fl.- Die Heranziehung der Frauen in die Verwaltungsorgane der Konsumvereine. Notizenteil: erhalten, im Augenblick, einer Gefahr den Klappmechanismus under Liebesgram angab. Dienstbotenfrage. Frauenstimmrecht. Arbeitsbedingungen der Arzüglich zu benußen und sich von dem Hebelgriff niemals mehr als wenige Schritte zu entfernen. Der Berliner Bolizeipräsident hat Betrogene Firmen sollen sich melden. In einem Strafverfahren beiterinnen. Frauenarbeit auf dem Gebiet der Industrie, des HandelsFeuilleton: Des Agenten Erzählung. Von Mart daher keine Veranlassung genommen, sich dem Vorgehen seines Ba- wegen Betruges hat sich herausgestellt, daß die Beschuldigten seit und Verkehrswesens. riser Amtskollegen, welcher die Drehtüren in allen für mehr als 1906 in Hamburg, Berlin, Bremen und der Umgegend dieser Städte Twain. Für unsere Kinder: Wanderlied. Von Wolfgang Goethe. hundert Personen eingerichteten öffentlichen Lokalitäten verboten Kunden gesucht haben für ein Export, Import- und Speditions-( Gedicht.) Die Hufarenuniform. Von Robert Größsch. Die Anfrage. hat, anzuschließen. Hoffen wir, daß das Kind nicht erst in den Adreßbuch, das sie herausgeben wollten. In vielen Fällen haben Von Star! Stieler.( Gedicht.) Sommersanfang im hohen Norden. Brunnen fällt. fie fich 10 bis 50 Mart Jnsertionsgebühren zahlen lassen; heraus- Die Sage vom Hirschgulden. Von Wilhelm Hauff.( Schluß.) gegeben ist das Buch aber nicht. Alle Firmen, die an die Firma fehnte Gewitter. Bon Friedr. Theod. Vischer.( Gedicht.) Unsere Honig Ein Automobil in Flammen. Ein Automobilbrand rief gestern Node u. Wegener Aufträge für das Adreßbuch gegeben und die Ge- biene. Bon Wilh. Prizkow. Lied vom Drohnenkönig. Bon Ludwig in der Grunewaldstraße Aufsehen hervor. Ein Chauffeur der Firma bühren bezahlt haben, werden aufgefordert, dem Untersuchungs- Biau.( Gedicht.) Das Wirtshaus zum Weidenbusch und seine Gäste. Braun u. Gannert hatte mit einem neuen Kraftwagen eine Probe- richter II Hamburg, Justizgebäude, Mitteilung zu machen. Spatenausflug. Von Friedrich Güll.( Gedicht.) fahrt unternommen. Als das Gefährt durch die Grunewaldstraße Die Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer jagte, explodierte plötzlich der Benzinbehälter und im nächsten Augen- Wegen eines großen Dachstuhlbrandes wurde am Mittwoch die 10 Pf., durch die Poft bezogen beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich blick stand der Wagen in hellen Flammen. Als die Feuerwehr er- Feuerwehr nach dem Stottbuser Ufer 24, Ede Grünauer Straße, ohne Bestellgeld 55 Pf., unter Kreuzband 85 Pf. Jahresabonnement schien, war das Auto vollständig verbrannt. Der Chauffeur und alarmiert. Der 8. Löschzug war auf den ersten Alarm schnell zur 2,60 R. andere Infaffen hatten sich durch schnelles Abspringen in Sicherheit Stelle und griff sofort mit mehreren Schlauchleitungen von Dampf- Arbeiter Abftinentenbund. Ortsgruppe Berlin. Heute abend bringen können. sprigen an. Den Bemühungen der Feuerwehr gelang es nach 8, längerem Wassergeben, den Brand auf den Dachstuhl zu beschränken. 8 Uhr im„ Englischen Hof", Neue Roßstraße 3: Vortrag des Herrn Dr. med. Wegscheider: Arzt und Alkohol Der Schaden ist bedeutend und nur zum Teil durch Versicherung gedeckt. Mehrere Mieter find arg geschädigt. Die Entstehung wird auf vorsätzliche Brandstiftung zurüdgeführt. Die Scharfmacher an der Arbeit. m. Das ers Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion über den Großhandel in den 8entral- Markthallen. Marktlage: Fletsch: Bufuhr start, Geschäft flott; Preise unverändert, in Hammel- und Schweine. fleisch etwas anziehend. Bild: Zufuhr reichlich, Geschäft ziemlich leb. hast, Breise etwas nachlaffend. Geflügel: Zufuhr nicht ganz genügend, Geschäft stiu, Preise gut. Fische: Zufuhr mäßig, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Safe: Zufuhr in Butter größer, Geschäft lebhaft, Breise nachgebend. Gemüse, Obst und SüdUnter einem umgestürzten Wagen begraben. Bei einem schweren Unglüdsfall ist der Autscher Steinte aus Rummelsburg ganz erheb lich zu Schaden gekommen. St. hatte eine Fuhre Langholz transportieren wollen. In der Hauptstraße tam das hochbeladene Fuhrivert plöglich ins Schwanken und stürzte um. Der Kutscher wurde bom Bod heruntergeschleudert und geriet unglüdlicherweise unter die Immer und immer wieder ist den Handlungsgehilfen von den schwere Last. Vergeblich bemühten fich die Passanten, den Bedauerns- Leitern ihrer Vereine und Verbände erzählt worden, daß es einen werten aus seiner qualvollen Lage zu befreien. Man mußte erst die Straffenkampf nicht gibt. Nur die bösen Zentralverbändler was Feuerwehr berbeirufen, ehe es glückte, St. wieder freizumachen. In im Jargon dieser Herren gleichbedeutend mit Sozialdemokraten ist einem Wagen der Feuerwehr wurde der Verunglückte gleich nach dem leugnen, daß es eine Harmonie zwischen Prinzipalen und An- früchte: Zufuhr reichlich, Geschäft schleppend, Preise ziemlich fest. Krankenhause gebracht. Witterungsübersicht vom 11. Juni 1908, morgens 8 Uhr. gestellten gibt. Eine bittere Bille ist den Leitern dieser- ach fo Ueberfahren und getötet wurde am Mittwoch mittag turz nach Bahnen Verbände jezt von den bayerischen Metallindustriellen 1 Uhr das Töchterchen der Eheleute Klein, das sich bei der Tante in zu schlucken gegeben worden. Diese haben, wie auch im Vorwärts" der Scheffelstraße aufhielt. Die Kleine war mit einigen anderen hon wiederholt ausführlich erwähnt worden ist, in einem Rundschreiben die Arbeitgeber der Metallindustrie ganz Deutschlands auf Stallonen Kindern auf die Straße gegangen und wollte den Straßendamm gefordert, die Mitglieder eines Verbandes von technischen Angestellten überschreiten. Plötzlich kam ein Straßenbahnwagen der Linie 67 fowie von vier an Mitgliederzahl großen Handlungsgehilfenvereinen mit großer Schnelligkeit angefahren, das Kind kann nicht schnell nicht mehr zu beschäftigen. Barometer Sminembe. 769 23 769 N Wien Better Staklenen Belter Temp. n. G. 1 heiter 15 Haparanda 766 SS 2 heiter 18 2 wolkig 3 bededt 1 bedeckt 768 SG 760528 770 ND 1 bededt 12 4 bededt 13 2 bededt 14 2Nebel 12 genug vorwärts kommen und das Unglück ist fertig. Es liegt unter Vorläufig scheinen die bürgerlichen Harmonievereine vor Schred Bamburg 770 23232 wolfig 13 Petersburg 765 23 dem Wagen und wird, da ein schnelles Halten aus irgend noch nicht die Sprache gefunden zu haben, denn es ist noch alles ruhig Berlin welchen Gründen nicht möglich ist, etwa noch 45 Schritt in ihren Streifen. Scheinbar weiß man noch nicht, wie man das Franti.a.M. 772623 Vorgehen der Kapitalsprozen mit der geliebten Harmonielehre in München 770 N fortgeschleift. ATS der Wagen steht, bemüht bemüht man fich Einklang bringen foll. mit schweren Stangen den Wagen anzuheben, anstatt sofort Der Zentralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen die Feuerwehr zu holen. Und so zeigt sich hier wiederum Deutschlands will auch diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, wie in so vielen Fällen vorher, die standalöse Erscheinung, daß ohne energischen Protest gegen das Gebahren der Unternehmer ein breiviertel Stunden vergehen, bevor das bedauernswerte Kind aus zulegen. Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Vorwärts Bushbruderei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 14 Scilly 11 berbeen 12 Paris 770 N 2 halb bd. 14 Wetterprognose für Freitag, den 12. Juni 1908. Biemlich warm, zeitweise heiter, aber veränderlich bei mäßigen füdwestlichen Binden, etwas Regen und Gewitterneigung. Berliner Wetterbureau