Nr. 137. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pranumerando Bierteljährl. 8,30 mt., monati. 1,10 M., möchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. BostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich außer Montags. Vorwürts Berliner Volksblaff. 25. Jahrg Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Naum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Versammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Bort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Morte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 11hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. An die fozialdemokratifchen Wahlmänner des Landtagswahlkreises Teltow- Land! Zur Abgeordnetenwahl im Landtagswahlkreis TeltowLand hat das Zentralwahlfomitee im Einverständnis mit dem Zentralvorstand des Reichstagswahlkreises Teltow- BeeskowStorfow- Charlottenburg beschlossen, mit den Sozialliberalen, der jezigen demokratischen Vereinigung, bei der Wahl der Abgeordneten am 16. Juni zusammen zu stimmen. Es wird also von den beiderseitigen Wahlmännern zuerst der Name unseres Kandidaten des Schriftstellers Eduard Bernstein, Schöneberg, Rosenheimer Straße 5, und dann der des von den Sozialliberalen nominierten Randidaten genannt werden müssen. Sollten die Wahlmänner der sozialliberalen Partei sich nicht strikte an diese Abmachungen halten, so gelten fie für aufgehoben. Es wird dann nur für unsere Kandidaten Bernstein und Zubeil gestimmt. Von der Disziplin unserer Genossen erwarten wir unbedingte Innehaltung dieses Beschlusses. Das Zentralwahlkomitee. Zweierlei Sozialismus. Sonntag, den 14. Juni 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Arbeitss Sann ausgefochten werden zwischen dem organisierten der Neger an sich faul sei, aber er empfahl doch den bekannten Proletariat und jenen Unternehmerschichten, die ein Interesse sanften Druck" durch Besteuerung, daran haben, die Ausbeutung der Arbeiter durch die sozialen wang usw., um die Eingeborenen den weißen Groberern Schutzgeseze möglichst wenig eingeengt zu sehen. Die Parla- gefügig zu machen. Seine Rede gipfelte in dem Wort: Schwarz mentsverhandlungen, die hinter den Kulissen vor sich gehende, bleibt schwarz und Weiß bleibt weiß." Die Neger infolgedessen der Deffentlichkeit meist berborgen bleibende, haben die Beherrschten zu bleiben und wir die Bes manchmal freilich auch durch einen Zufall der Deffentlichkeit herrscher". bekannt gewordene Bearbeitung der Regierung Direktor Dr. Hindorf vertrat gleichfalls den Standpunkt, durch die interessierten Kapitalistenkreise daß die Weißen den Eingeborenen gegenüber ihr Herrenrecht liefern den Beweis dafür, daß alle gesellschaftlichen Reformen zur Geltung zu bringen hätten. Auch der bekannte nationalliberale nur durch den ehernen unerbittlichen Klassenkampf, nicht Kolonialpolitiker Dr. Paasche, der verflossene und vielleicht auch aber durch schöne Resolutionen von evangelisch- sozialen Kon- noch einmal fünftige Kandidat für den Posten eines Kolonial gressen und anderen ideologischen Körperschaften entschieden sekretärs, meinte, daß man dem Neger, sei es auch in milder werden können! Form, den Herrn zeigen müsse". Herr Paasche warnte im Gegens Bezeichnend für die Unfruchtbarkeit des, sagen wir ein- fatz zu Dernburg davor, die deutschen Kolonien zu Neger mal, ethischen„ Sozialismus" ist es auch, daß dieser sich um tolonien machen zu wollen, das heißt, vor einer Ueberschätzung alle tontreten Fragen äußerst wenig fümmert. Bekannt- der Eingeborenenkultur. Dr. Hupfeld, Direktor der Deutschen lich ist ja der preußische Landtag derjenige Ort, wo die ein- Togogesellschaft, erklärte rund heraus:„ Wir treiben Kolonial schneidendsten wirtschaftlichen Interessen des politik für uns und nicht für eine fremde Rasse. Wir preußischen Voltes zum Austrag gelangen. Durch das gehen nicht hinaus, weil sich dort die Schwarzen dann und wann Dreitlassenwahlsystem ist die Masse des Voltes, ist aufgefressen haben. Denn wir sind nicht der Allerweltsschutzmann." gerade derjenige Teil, der durch seine Arbeitsleistung das Eine ebenso aufrichtige wie richtige Erklärung. Denn trok Fundament des ganzen Staatsgebildes darstellt, der alle aller Menschenfresserei, trotz aller angeblichen blutdürftigen Einmateriellen Werte schafft, schafft, von von einer wirksamen Ver- geborenen- Fürsten, troß aller Greuel der Sklaverei hat gerade erst tretung seiner Interessen vollständig ausgeschlossen! die Verbreitung der europäischen Kultur die Reihen der EinMan sollte meinen, daß die Herren, die, wie es auf dem geborenen zu lichten begonnen! Bei allen einheimischen Brutalis legten evangelisch sozialen Kongreß geschah, mehr Sozialis- täten gediehen sie. Erst als Bulber und Blei, die Syphilis, mus", d. h. mehr Berücksichtigung der sozialen Interessen, der die Nilpferdpeitsche, der Schnaps und das moderne Kleinkalibrige Interessen der Voltsmassen verlangten, sich doch auch Gewehr unter ihnen aufzuräumen begannen, verminderte ein wenig für die politische und infolgedessen auch soziale Ver- sich die Bevölkerungszahl! Ein Beweis dafür, daß ihnen die christs tretung der entrechteten Volksschichten interessiert hätten! liche Kultur viel weniger zuträglich ist, als alle angebliche ein Aber die Frage des preußischen Landtagswahlrechts kümmerte heimische Barbarei! = Seitdem der moderne Kapitalismus den modernen Sozialismus, den Klassenkampf der Arbeiter die Herren des evangelisch- sozialen Kongresses ebensowenig, Sehr interessant war es, daß der Unterstaatssekretär von klasse mit dem Endziel der Vergesellschaftung wie sie die unerhörten Soldatenschindereien jemals Lindequist sich der Auffassung des Herrn Dernburg in nur der Produktionsmittel geschaffen hat, ist das Ko- in konkreter Weise beschäftigt haben, oder wie sich jemals ein sehr schwächlicher Weise annahm und die Vorstöße gegen den fettieren mit dem Sozialismus sehr beliebt geworden. Der evangelisch- sozialer Rongreß mit gebotener Entrüftung gegen Stolonialsekretär hauptsächlich auf ,, Mißberständnisse" Sozialismus der Phrase sproßt überall üppig empor. Kolonialbestialitäten, etwa die Ausrottungsstrategie zurüdführte. 11 Man kann deshalb diesen Sozialismus der Phrase nicht niedrig genug einschätzen! Diese niedrige Einschäzung gilt ganz und gar nicht der Person der diese Sorte von Solismus Vertretenden, sondern nur der Unfruchtbarkeit und Zwecklosigkeit der Sache! Die große Masse der deutschen Steuerzahler aber hat schließlich in letter Linie für die Profite unserer Solonialabenteurer, sei es der börseanischen, sei es der agrarischen Richtung, aufzukommen! Wo man irgendwie an den sozialen Schäden herumquad- des südwestafrikanischen Generalissimus v. Trotha, gewendet hat! Die Tagung der Kolonialgesellschaft beweist, daß die deutsche falbert, da nimmt man gleich den Mund voll von Sozia- Man sieht, alle Menschenfreundlichkeit, aller Sozialismus Kolonialpolitik trotz des Herrn Dernburg, oder gerade wegen lismus", wohlverstanden von dem wahren", dem ethischen, bleibt eine Phrase, solange er nicht in energischster Weise der kolonialen Blockepisode, noch genau denselben auss dem„ berechtigten" Sozialismus im Gegensatz zu jenem zu den konkreten Fragen der Politik und der Gesellschaft beuterischen und brutalen Charakter trägt wie Sozialismus der Sozialdemokratie, den man als Stellung nimmt. Er bleibt eine Phrase nicht deshalb, weil bordem! Herr Dernburg benutzt sein Programm der Einges unberechtigt und utopistisch in den Bereich der Unmöglichkeit es den bürgerlichen Ethikern an gutem Willen gebräche, borenenkultur nur dazu, um den Börseninteressenten durch den verweist. Der Sozialismus der Phrase braucht dabei nicht sondern deshalb, weil der allgemeinen Willensäußerung Bahnbau usw.fette Profite zuzuschanzen. Unsere Kolonialagravier, immer unehrlich zu sein. Es können wirklich brave und jede raft fehlt, die Funktionen des Staatslebens die ebenso energisch sind wie unsere ostelbischen Agrarier, sorgen menschenfreundliche Gemüter sein, die sich um die Besserung irgendwie zu beeinflussen! dann ihrerseits schon dafür, daß auch das Interesse der Negerder sozialen Schäden in bescheidenen Grenzen verdient zu peiniger und Negerausbeuter nicht zu kurz kommt! machen suchen, und sich dabei einbilden, sie, und sie allein, arbeiteten„ werftätig" am Fortschritt der Gesellschaft, während die Sozialdemokratie gerade wegen ihrer unrealisierbaren" Forderungen mit Unfruchtbarkeit geschlagen sei. Zu den zum Teil wirklich ganz braben und biederen Umgekehrt braucht durchaus nicht jeder einzelne derer, Leuten, die ihre Augen vor den sozialen Gebrechen nicht ver- die im proletarischen Klassenkampf mitkämpfen, ein Muster schließen, sondern wenigstens die Beseitigung der frassesten der Vollkommenheit zu sein. Aber jeder Proletarier, jeder Ungerechtigkeiten unseres fapitalistischen Systems fordern, Angehörige der nichtbesitzenden Mehrheit des Volfes, der im gehören auch manche der Herren, die zu den Stammgästen der sozialen Kampf mannhaft und energisch seinen Mann steht, handlung sozialdemokratischer Breßsünder in preußischen Gefängnisfen Schon oft hat die sozialdemokratische Presse die unerhörte Bes evangelisch- sozialen Kongresse gehören. Es und dadurch sei es selbst unbewußt die Interessen die Interessen gibt unter den Besuchern dieser Kongresse Personen, die der Mehrheit des Volfes, der ausgebeuteten scharf fritisieren müssen. Und heute sind wir wieder genötigt, gegen wirklich von anständigster und menschenfreundlichster Ge- Klasse, gegenüber den Interessen des Ausbeutertums unwürdige und harte Behandlung eines sozialdemokratischen Refinnung beseelt sind, und die auch aufrichtig an ihre Mission rücksichtslos vertritt, ist im historischen und real- dakteurs im Gefängnis zu protestieren. glauben, durch Aufrüttelung des sozialen Gewissens" der politischen Sinne ein unendlich wertvollerer Streiter für die herrschenden lassen das Elend unserer heutigen höchsten Ideale der Menschheit, als der ihm vielleicht indi. gesellschaftlichen Ordnung wenigstens auf ein erträgliches viduell weit überlegene bürgerliche Ideologe, der zwar alles Maß herabmindern zu können. Diese Herren haben sich auch mögliche Gute will, aber in Berkennung der einzig in den letzten Tagen in Deffau wieder ein Stelldichein ge- anwendbaren politischen Mittel nicht das Geringste ausgeben und allerhand soziale Brobleme in der ihnen eigenen richtet! ethisch- theologischen Weise behandelt. Marckwald- Cynar. Bekanntlich verbüßt Genosse Marc wald von der Königs. berger Boltszeitung" feine fünfzehnmonatliche Strafe, die die Königsberger Richter wegen Beleidigung eines Dent mals über ihn verhängten, im Gerichtsgefängnis zu allenstein. Sein Gesuch, die Strafe im Königsberger Gefängnis abzumachen, wurde zurückgewiesen. Nun erfahren wir aus Womit natürlich nicht gesagt sein soll, daß der politische allenstein, daß Genosse Mardwald im Gefängnis trog So wenig wir den guten Willen dieser und ähn- Klassenkampf nur eine Summierung des rein egoistischen, feines Antrages auf Selbstbeschäftigung mit dem Stricken von Netzen licher Apostel des humanitären, bourgeoisen Sozialismus be- der höheren Einsicht und Ethik baren Masseninstinktes sei. beschäftigt wird! streiten wollen, so sicher ist es doch, daß es sich bei all diesen Im Gegenteil: unter den Millionen der Masse lösen sich Diese Nachricht erschien uns zuerst ganz unglaublich, da nach Bemühungen um nichts anderes als einen Sozialismus der gerade im Klassenkampfe soviel sittliche und in§ 16 des Strafgesetzbuches die zu Gefängnisstrafe verurteilten GeBhrase handelt. Denn so sehr auch die Vertreter dieses tellektuelle Sträfte aus, die sich ihres Weges und des fangenen auf ihr Verlangen in einer ihren Fähigkeiten und VerSozialismus der Phrase von der Wichtigkeit ihrer Wirksam- erhabenen Endzieles ihres sozialen Strebens voll auf behältnissen angemessenen Weise beschäftigt werden müssen. Die feit überzeugt sind, so wenig kümmern sich doch die aus- wußt sind, daß sie sowohl an kritischer Einsicht in die durch Königsberger Genossen haben daher Erkundigungen über die Beschlaggebenden, die die Gesellschaft beherr die Tagespolitik gebotene Taftit, als auch an Ver- handlung des Genossen Marcwald eingezogen, und die haben leider fchenden Kräfte und reise um die sozialen ständnis für die menschheiterlösenden Fernziele die obige Angabe bestätigt. Pflichten", die auf dergleichen Konventikeln ausgehect des Sozialismus selbst die besten der bürgerlichen Ethiker worden sind. Im Leben sind eben nicht sittliche" turmhoch überragen! Postulateausschlaggebend, die von wohlmeinenden Ideologen vertreten werden, sondern die wirtschaftlichen Triebkräfte, die wirtschaftlichen Interessen! Deshalb ist jener Sozialismus", der von Pastoren, Professoren, Ethifern, kurzum den verschiedensten Ideologenkreisen bei uns vertreten wird, mit absoluter Unfruchtbarkeit geschlagen. Um irgendein wirtschaftliches Prinzip durchzusehen, dazu ist es notwendig, daß eine politisch einflußreiche Klasse ihr Gewicht mit voller Wucht in die Wagschale wirft! Solange es sich um allgemeine Forderungen hu- läuft. Bei der Behandlung des Punktes der Tagesordnung, der Wer hat die gefezwidrige Behandlung Mardwalds angeordnet? manitärer Natur handelt, begegnen unsere bürgerlichen Jdco- die Eingeborenen frage betraf, waren sich alle Redner, Unsere Königsberger Genossen versichern uns, daß der zuständige logen natürlich nur geringem Widerspruch. Jeder an- selbst die Herren Missionare, darin einig, daß die Eingeborenen Staatsanwalt die Gewährung der Selbstbeschäftigung befürwortet hat. ständige und gebildete Mensch" wird ihnen in der Theorie nicht als gleichberechtigte Menschen zu betrachten seien. Danach müßte der Oberstaatsanwalt, der die Entscheidung trifft, gern zustimmen. Aber bei der Praris versagt das all- Herr Konsul Vohse empfahl zwar die Erziehung der Ein- wider die Befürwortung des Staatsanwalts aus eigenem die Abgemeine Ethos vollständig. Wenn das Proletariat für geborenen zu selbständigen Elementen, die Hebung der Ein- lehnung des Marchwaldschen Gesuchs beschlossen haben! durchgreifende Arbeiterschußgefeße fämpft, geborenenkultur; aber die folgenden Diskussionsredner waren Die Parlamente sind geschlossen. Erst im Herbst wird im nügt ihm die wohlmeinende Sympathie des Pastoren- und damit keineswegs einverstanden. Der Reichstags- Reichstag und Landtag die Möglichkeit gegeben sein, den preußischen Katheder- Sozialismus nicht das geringste. Der Kampf muß abgeordnete Arning protestierte zwar gegen die Auffassung, daß Justizminister zur Rede zu stellen Das Bekenntnis zum kolonialen Es tann feinem Zweifel unterliegen, daß hier wieder einmal in frasser Weise gegen den Willen des Gesetzgebers verstoßen wird, denn kein Mensch, fein Justizbeamter wird bestreiten können, daß ein Mann wie Marckwald, der sich stets geistig beschäftigt hat, durch Negestriden nicht in einer seinen Fähigkeiten und Verhältnissen entsprechenden Weise beschäftigt wird. Der Strafvollzug, wie er hier beliebt ist, stellt eine direkte ungefeßlichkeit dar, es wird anstatt Gefängnisstrafe 8uchthausstrafe an Mardwald vollDie Verhandlungen der Deutschen Kolonialgesellschaft in streckt: Nur der Zuchthaussträfling hat auf die Wohltat des§ 16, Bremen bewiesen von neuem, daß trotz aller wirklichen oder an- daß der Gefangene auf sein Verlangen in einer seinen Fähigkeiten geblichen Absichten des Herrn Dernburg unsere Kolonialpolitik auf und Verhältnissen angemessenen Weise beschäftigt werden muß, die Etablierung des rücksichtslosesten Herrenmenschentums hinaus teinen Anspruch. Herrenmenschentum. Ms dahin bleibt unZ nichts, als der Appell an die Oeffentlich- keit! Wird die deutsche Presse den Mut finden, zu dieser un- würdigen Behandlung eines politischen Gefangenen zu schweigen? Oder wird sie das Ihrige tun, um die preußische Justiz zu zwingen, dem zu langer, ISmonatiger Freiheitsentziehung Verurteilten w e n i g st e n S die Behandlung zuteil werden zu lassen, die zu- gestandenermaßen dem Grase» Lyuar im GefSnguiS zu Sicglmrg zuteil wirb??! Wir wiederholen: Wird die deutsche Presse eS schweigend gut- heißen, daß ein politischer Gefangener mit ungewohnter mechanischer Arbeit gequält wird, während der wegen gemeiner Vergehen, tvegen Mißbrauchs von Untergebenen zu unsittlichen Zwecken ver- urteilte Graf Lyuar alle Bcrgünstigungcn genießt, die das Gefängnis- reghment gestattet? I— Das fluchbelsäene System. Der Oberst a. D. Gädle schreibt im„Berl. Tagcbl." über die beiden letzten großen Soldatennnßhandlungsprozesse. In den Ausführungen dieses Fachmannes heißt es: .... Auch anderswo kommen natürlich Exzesse von oben vor, auch anderwärts haut der Vorgesetzte gelegentlich über die Schnur, auch in anderen Heeren wird ab und an geschlagen: nirgends aber liest man so oft von systematischen gemeinen Quäle- reien, die den Untergebenen zur Verzweiflung, zur Widersetzlichkeit, in den Tod treiben. Ich lege daher auch keinen allzugroßen Wert darauf, daß die Zahl der Bestrafungen wegen vorschriftswidriger Behandlung und wegen Mißhandlung in einer langsamen Abnahme begriffen ist, so lange gerade die groben Fälle nicht nnt Stumpf und Stiel ausgerottet werden. Der„eiserne Besen" des Herrn v. Einem ist in dieser Beziehung so gut eine Phrase geblieben wie in jeder anderen. Worte, nichts als Worte, auf die unsere Reichs- boten in ihrer ganz unpolitischen Gutmütigkeit immer wieder hineinfallen!" Der Artikel fordert dann, da die Heeresverwaltung sich unfähig erwiesen habe, das Nebel einzudämmen, eine Verschärfung der Strafen. Zuchthausstrafe für alle Fälle, wenn der Vorgesetzte Dinge vom' Untergebenen ver- langt, die an sich ehrenrührig sind, wie„unter die Betten kriechen. Staublecken, Speichelschlucken" und ähnliche Infamien. Zugleich sollte für alle Fälle gewohnheits- mäßiger Mißhandlungen die M i n d e st st r a f e erhöht werden und niemals unter einem Jahre Gefängnis und Degradation betragen. Unter Hinweis auf die Genugtuung, mit der sie ver- zeichnet haben, daß in Dänemark die Prügelstrafe für Nyheits- verbrechen erneut eingeführt wurde, werden die konservativen Blätter gefragt, wie es wäre, wenn auch für gewohnheitsmäßige Roheitsverbrechen von Vorgesetzten die Prügelstrafe vorgesehen werde. Eine viel höhere Strafe wird für den Versuch verlangt. Untergebene durch Drohungen von dem Andringen einer Be- fchwerde abzuhalten. Seltsamerweise verneint Gädke die Reformbedürftigkeit des Beschwerderechts. Wir meinen, daß hier viel zu bessern wäre. So muß z. B. dem Soldaten das Recht gegeben werden, sich sofort zu beschweren— jetzt darf er's erst nach vier- undzwanzig Stunden l Und die Drohung, daß unbegründete Beschwerden schwer bestraft werden, muß aus der Beschwerde- ordnung heraus! Ganz recht hat indes Gädke in dem folgenden Abschnitt, wo er eine Seite des fluchwürdigen Systems, das die Wurzel der Mißhandlungen ist, also charakterisiert:- .. Es ist der Geist, in dem die an sich weitherzige Beschwerde- ordnung trotz alledem und alledem gehandhabt wird— der gleiche Geist im Grunde, aus dem die Roheitsverbrechcn der Vorgesetzten überhaupt hervorgehen. Die Auffassung von der schrankenlosen Allgewalt des Vorgesetzten, die Meinung, daß eine Beschwerde im Grunde immer eine Auflehnung gegen die Disziplin sei, die Ueberzeugung, daß man dem Untergebenen gegenüber die Auto- rität des Vorgesetzten soweit nur irgend noch möglich— auch im Falle vorschriftswidriger Behandlung— schützen müsse, die Er- schcinung, daß Vergehen gegen die Disziplin weit härter bestraft werden als schwere Roheitsausbrüche der Vorgesetzten. In- stinktiv liegt in unserem Offizierskorps noch die alte Vorstellung des Söldnerheeres, als sei die Quelle allen Rechtes für den Unter- gebenen nicht das für alle gleiche Gesetz, sondern die Willkür des Vorgesetzten. Dieser Wurzel und einer eingewurzelt rauhen Auf. fassung des Heeresdienstes— Reste aus dem achtzehnten Jahr- hundert, wo der Söldner auf der untersten Stufe der sozialen Rangordnung stand, wo Friedrichs des Großen Behauptung un- Wzßetiei' Hille. Von Max Stempel. (Nachdruck verboten. Alle Rechte vorbehalten.) Zur Zeitung gebückt, auf der Nase die Brille, Im ärmlichen Stäbchen sitzt Mutter Hille. Die verschrumpelten Finger zittern beim Lesm, Sie sind zu lange fleißig gewesen: An die vierzig Jahr, und wohl etliche mehr, Waren sie nie von Arbeit leer; Haben emsig genäht, gestopft und geflickt, Hemden gewaschen und Sttümpfe gestrickt. Nun rückt sie das Blatt recht dicht vors Auge Und Prüft, ob die Dämm'rung zum Sehen noch tauge, Die schwer und schwül, schwarz mit Wolken behängt, Zwischen Himmel und Dach ihre Schatten drängt. Verworren herauf, in zerrissenen Tönen, Flattert der Großstadt Jauchzen und Stöhnen, Steigen durch ftaubgeschwängette Lüfte Kehrichtdünste und Fliederdüste. Mutter Hille sitzt stumm und starrt aufs Blatt, Drinn fi« jäh, was sie suchte, gefunden hat: Den Spruch des Gerichts für den Mörder und Dieb. Der den Sohn ihr stahl und ins Wasser ihn trieb. Ward er verurteilt zu schimpflichem Tod? Oder warf ihn ins Zuchthaus der Richter Gebot? Ist nicht für solchen das Zuchthaus zu schade? Mörder verdienen nicht Schonung und Gnade. Da steht es gedruckt; doch man sieht's nicht genau, Denn die Luft ist so dick und die Dämm'rung so grau. Mutter Hille sitzt ratlos und starrt aufs Blatt, Uns sie schleppt sich ins Stäbchen, zum Sterben matt. Ein Zündholz knistert, die Kerze flammt— O Gott: ivard er wirklich zum Tode verdammt? Er ist doch ein Mensch, ob noch so vercucbt, Den die Mutter beweint, wenn sie selbst ihm auch flucht. Bleich bückt fich die Alte zur Zeitung nieder; Doch sie traut nicht dem Blick und chr fliegen die Glieder: „Drei Monat Gefängnis und Degradation".., Das ist nicht Strafe, das ist ja Lohn!— Drei Monat Gefängnis: wie bald sind die um. Und Degradation beugt den Rücken nicht krumm; Man braucht ihn nur schmeidig ein bißchen zu biegen: Im Nu ist man neu ivieder aufwärts gestiegen Und klettett die Sprossen der Letter enipor, Bis nwn doppelt so hoch llomm, wie jemals zuvor! eingeschränkte Gültigkeit hatte, daß der Soldat den Offizier mehr fürchten müsse als den Feind— diesem atavistischen Borstellungs- krcise entspringen die Mißhandlungen ebenso wie die Berkümme- rung des Beschwerderechtes.... Nicht die Bestimmungen müssen geändert werden, sondern der Geist, in dem sie gehandhabt wer» den. Tas können nur Erziehung, harte Strafen und die rück- sichtslose Bloßstellung vor der Oeffentlichkeit tun." Und noch eine andere Seite des Systems hebt Gädke treffend als eine der Ursachen des Uebels heraus, indem er schreibt: „Allerdings ist auch die nervöse Hast unseres Dienstbetricbes bis zu einem gewissen Grade an den Mißhandlungen schuld; sie wird weit weniger durch die zweijährige Dienstzeit— ein bequemes Feigenblatt für die Leichtfertigkeit, mit der dem Drän- gen des Parlaments begegnet wird— als vielmehr durch die unnötig hochgeschraubten Anforderungen, insbesondere auch durch das noch immer wuchernde Uebermatz des Paradedrills— und vor allen Dingen auch durch die Unsicherheit der Stellung des Offiziers wie des Unteroffiziers hervorgerufen. Man bringe größere Ruhe und Gelassenheit in unseren Dienstbetrieb, mache das Verbleiben der Vorgesetzten im Dienst nicht von dem Ausfall jeder der viel zu zahlreichen Besichtigungen abhängig, und mit der größeren Sicherheit der eigenen Existenz wird auch ein grö- ßeres Wohlwollen und gegenseitiges Vertrauen in die Bezichun- gen zwischen Vorgesetzten und Untergebenen einkehren." Der Oberst a. D. und liberale Politiker ist hier zu opti- mistisch solange das Heer ein Werkzeug der Herrschenden wider das Proletariat ist. solange es ein Klassenheer ist, wird es stets ein Stück vom Charakter des Söldnerheeres behalten. in dem der Stock offiziell regiert. Auch was Gädke empfiehlt, sind nur Palliativmittelchen. Aber selbst gegen sie, die das System nur modifizieren, nicht aufheben würden, wehren sich Regierung und Regierungsparteiens." Stolypins KMzeug, Man schreibt uns aus Petersburg: „Daß die Duma die Bewilligung der wenigen 11 Millionen Rubel für neue Panzerschiffe verweigert hat, kann manchem weniger mutig als unerwartet scheinen, nackchem dieselbe Duma 300 Millionen für die Amurbahn, in den Rachen der Ostasien- Abenteurer hineingeworfen hatte. Aber die Motive dieser Verweigerung sind bereits ein öffentliehes Geheimnis: das Ziel der Ver- lveigerung ist die Beseitigung des Einflusses der sogenannten „unverantwortlichen Personen" auf die Kriegsverwaltung. Ueber den Ministerien des Krieges und der Marine steht der von einem der Großfürsten„geleitete" Staatsschutzrat, der auch die beiden Minister einschließt und unmittelbar dem Zaren unterstellt ist. Stolypin will jetzt diesen Großfürstenunrat abschaffen, um die ganze politische Macht in seinen Händen zu konzentrieren, und kein anderer als der Premierminister hat die ganze große„oppositionelle Tat" arrangiert, wie es auch Swlypin gewesen war, der die anti- finnländische Interpellation der Oktrobisten einbringen ließ, um für seinen jüngsten Staatsstreich in Finnland günstige Bedingungen zu schaffen. Die Duma sieht ihre einzige Stütze im guten Willen des Premierministers. Und Stolypin will seinerseits die Duma als Mittel im Kampfe der Bureaukratie gegen die Grohfürstenkamarilla und die Unabhängigkeit Finnlands verwenden. Er hofft auf diesem Wege unabhängig nach beiden Seiten zu werden. Rußland hatte schon ein„unabhängiges" Ministerium dieser Art: das des Grafen Witte. Seine Laufbahn ist bekannt. Aber Witte hatte wenigstens die europäische Börse für sich. Und was hat Stolypin außer der drittelt. Drxma? Und was hat die dritte Duma außer der Möglich- keit, dem heutigen Haupte der Regierung Hintertreppendienste zu leisten? Daß die Großfürstenelique nicht ohne weiteres einem mit der Duma liebäugelnden Parvenü ihren Platz räumen wird. versteht sich von selbst. Aber der Kampf ist schon eingeleitet und kann für die Dumamehrheit bittere Konsequenzen haben. Deshalb ruft„Rjetsch", das Zenttalblatt der Kadettenpartei, den Oktrobisten in angstvoller Sorge zu:„Wohin führt ihr die Duma mit eurer Verweigerung? Das ist ein Hasardspiel!" Und es ist dem wirklich so, insbesondere jetzt, wo der Zarismus sich durch die Seeluft der Revaler Zusammenkunft so erfrischt und gestärkt fühlt. Nichtsdestoweniger entfalten die Kadetten den größten Enthusiasmus für die russisch-englische Entente, wie sie überhaupt die ganze äußere Politik des Zarismus gegenwärtig ideologisch(das heißt: platonisch) mitmache,�, oder besser mit empfehlen. AuS der Geschichte der russisch-französischen Allianz Mutter Hille sitzt starr und eS stammelt ihr Mund: „Du Lump I Du Schuft I Du Schiuder I Du Hund l* Und aus der Bluse, am Herzen versteckt, Zerknüllt, zerknittert, von Tränen befleckt, Zieht sie ein Schreiben, das allerletzte, DaS Wilhelm ihr schrieb, den zu Tode man hetzte. Sie liest es tagtäglich unzählige mal, Sie kennt jedes Wort, jedes Wort schafft ihr Oual; Und doch: sie mag aus die Oual nicht verzichten, Den Blick immerzu auf die Zeilen zu richten. „Lieb Mütterchen." klagt da der Wilhelm in Hast, „Was heut ich Dir schreibe, das trage gefaßt. Ich schreib' insgeheim, statt mit Tinte, mit Blei; Wenn Du hörst, daß ich tot bin: Du Gute, verzeih'!— Du weißt, stets verlacht' ich das dumme Getue, Renommierte nie laut, sondern hielt's mit der Ruhe; Und war ich auch zehnmal Sozialdemokrat. So wurd' ich mit Lust doch und Liebe Soldat. Denn im Oualin und im Alkoholstank der Budiken, In der Fron und im Rauch und im Ruß der Fabriken, Fühlt häufig man härter des Jammers Wucht Als im Druck und im Drill der Kasernenzucht. Frei hebt sich die Brust und der Atem geht frisch Viel eher beim Marsch, als am Arbeitsttsch; Und ob auch der Felddienst erst lastet und quält: Wie werden da Nerven und Muökeln gestählt I" Mutter Hille blickt hoch und träumt schluchzend zurück An ihr alles und einö, ihren Wilhelm, ihr Glück. So kräftig sein Körper! Die Haltung so stolz! Ja, der war geschnitten ans kernigstein Holz. Wie machte sie Sonntags so gern mit ihm Staat; Der Musketier Hille: welch strammer Soldati Was grüßten die Mädels ihn freundlich beim Gehn Und guckten und tuschelten:„Du. sieh' mal Den!" DaS ist nun vorbei.— Mutter Hille seufzt ttef, Und still liest sie weiter:„Zu lang wird mein Brief. So weit bin ich runter: ich fürchte mich schier l Gleich kommt auf die Stube der Unteroff'zier. Klemm heißt die Kanaille. Wenn der mich ertappt Und liest, was ich schreibe, dann hat eS geschnappt. Mutter, bei dem gilt nur rohe Gewalt! DaS ist eine Bestie in Menschengestalt. Der hat mich gepiesackt bei Tag und bei Nacht Und mir die Kaserne zur Hölle gemackt. Gleich am ersten Tag hieß eS:„He. Musketier Hille! Was stierst Du so blöde? Kerl, bist Du denn knille? tand an die Naht, Du besoff'neS Schwein: onst schlag' ich Dir in die Visage hinein!"—- Kaum sprach es ver Unmensch, jo schlug er schau las. haben sie nichts gekernt, und sie hegen die törichte Hoffnung, daß die Annäherung an das liberal-demokrattsche England die besten Resultate für die innere Politik der Zarenregierung ergeben werde. Hat doch Äimpbell-Bannerman nach der Auflösung der Duma ge- rufen:„Die Duma ist tot, es lebe die Duma!" Zugleich hoffen die Liberalen die Regierung vom„bösen deutschen Einfluß" zu ve- freien. Das alles zusammen nennt sich natürlich„freiheitliche Realpolitik." Wenn aber manche deutsche Zeitungen über den„Haß gegen alles Deutsche, wie er aus der gesamten ruffischen Presse gegen das Reich, wie gegen die Deutschen Oesterreichs hervorbricht", in Klage und Empörung ausbrechen, so ist dies eine unerklärliche Uebertreibung, wenn man sie nicht durch die Unkenntnis der wirklichen Lage in Rußland erklären darf. Erstens muß erwähnt wer- den, daß„die gesamte russische Presse" denjenigen Rest bedeutet, den Stolypin noch duldet,— von den Kadettenzeitungen des rechten Flügels bis zu den Pogromblättern. Und von dieser Tonleiter der legalen öffentlichen Meinung sind es nur die Kadetten, die mit ihrer Abneigung gegen„alles Deutsche"(genauer: gegen die deutsche Regierung und die deutsche S o z i a l d e m o k r a- t i e) paradieren. Was aber die Rcgierungs-, die Oktrobisten- und die Progrompresse angeht, so wird diese nicht müde, klarzulegen,— und das macht sie gewiß ganz aufrichtig— daß ihre intimsten Herzensneigungen sie nicht zum Anschluß an die englische, sondern an die deutsche Regierung treiben. Und je unabhängiger ein kon- servatives oder reaktionäres Blatt ist, desto ungenierter offenbart es seine Ueberzeugung, daß man, wenn wieder böse Zeiten kommen. immer noch an der Spree ein treueres Herz finden werde als an der Themse. Damit können sie auch recht haben. Daß aber die Kadetten- schwärmerci für den liberalen Einfluß des neuen Freundes nur den Weg für eine Anleihe des alten Feindes ebnet, liegt am Tage. Wenn aber die Duma, die sich zu dem schmachvollen Werkzeug Per bureaukratischen Pläne und Intrigen degradiert hat, nach Stolhpins Niederlage erst auseinandergejagt sein wird, dann werden die Kadetten aus dem Munde des Herrn Asquith das trockene Wort hören müssen:„Die TxiMS»st tot, es lebe die ehrliche Verzinsung der Staatsschulden poUrtfcbc Qeb erficht» Verlin. den 13. Juni 1908, Eine Bestätigung. Gegenüber den von uns gestem tviedergegebenen An- gaben der„Kölnischen V o l k s z e i t u n g" über die un- geheucrliche Mehrbelastung der besitzlosen Volksklassen erfährt das„B. T.", daß sie„in ihrer Mehrheit auf ungenauen und unrichtigen Informationen beruhen. Insbesondere ist es im höchsten Maße unwahrscheinlich. daß sich unter den Steuer- Projetten des Schatzsekretärs auch eine Erhöhung des Post- zeitungstarifs befinden wird". Dieses Dementi klingt sehr nach Bestätigung. Wirklich in Abrede gestellt wird nur die Erhöhung des ZeitungstarifcS. die vom Standpuntt des Stcuerergebnisses ziemlich nebensächlich ist. Denn die Bedeutung dieser Erhöhung liegt nur darin, daß damit ein neues Hindernis für die Verbreitung der Zeitungen geschaffen würde, zuzutrauen ist daher eine solche Maßregel der zeitungsfeindlichen Bureaukratie inimer- hin. Im übrigen kann ein Dementi die Vertrauenswürdigkeit einer Mitteilung in der Regel nur erhöhen. Die„iköln. Volksz." behauptet, daß der Freisinn bereit sei. 450 Millionen indirekter Steuer>» zu bewilligen; er wolle nur eine Art Anstandssteucr, um die liberalen Gewissen zu beruhigen. Diese Anstandssteuor solle die erweiterte Reichserbschaftssteuer sein. Der Reiche- kanzler sei bereit, die Erbschaftssteuer ans Kinder und Ehe- gatten auszudehnen, wenn eine Majorität im Reichstage dafür zu finden sei; aber diese dürfe nur 20 Millionen bringe«, während der Freisinn 50 Millionen als Feigenblatt für die Bewilligung von 450 Millionen indirekter Steuern verlange. Das Steuerprograimn der Regierung sei in einer Besprechung am Donnerstag dcnBlockführern bekannt gegeben worden. Geladen waren die Abgg. Bassermann, Paasche, v. Gamp. v. Richthofen und die Frei- sinnigen Müller-Meiningen und Wiemer. Nach dieser Konferenz gehen die Sydowschen Pläne an das preußische Denn im Schlagen, da war er, wie keiner, so groß: Er schlug auf den Kops mich, er schlug mich ans Ohr, Er zerrte am Haar aus dem Gtiede mich vor; Er trat mit dem Stiefel mir derb vor den Bauch, Es hagelte Prügel mit Stock und mit Schlauch; Scharf sauste hernieder sein lederner Riemen lind fleckte den Leib mir mit blutige» Striemen; Und ließ er. um mal zu verschnaufen, sich Zeit i Schon standen zum Hauen die andern bereit; Die lange, gedienten, die älteren Leute; Die nahmen mit Lust den Rekruten zur Beute Und schwangen, wie Klemm, Stock, Riemen und Schlauch; Nicht immer so schmerzhast, doch weh tat es auch." Mutter Hille hält ein, und eS glüht ihr Gesicht; Dann liest sie, ob stückweis das Herz ihr auch bricht: „Lang' Hab ich's erduldet; das Maß ist nun voll; Ich ersticke vor Scham und vor Ohnmacht und Grol� Kein rettender Ausweg I Denn führt' ich Beschwer': Man glaubte nur ihm und ich litte noch mehr. Ich drohte ihm jüngst, beim Appell es zu sagen: Da hat er mich einfach zu Boden geschlagen. Ich fiel ohne Laut, und ich lag wie ein Toter; „Was?" rief er,„Du willst mich verpetzen, Du Not«? Willst ein Soldat sein, erbärmlicher Wicht? Lauf' nur und petze; mau glaubt eS Dir nicht! Wer, so wie ich, wirkt für Thron und Altar, Dem krümmt ein Sozi, wie Du bist, kein Haar. Warte, gleich fährt Dir die Faust ins Gebein; Lümmel, Dich lehr' ich noch, Hurra zu schrei'»'.• Ja. er hat recht; wie ich's drehe und wende: Rettung bringt nur ein freiwilliges Ende. Mutter, mir ist das Leben verhaßt! Wenn Du hörst, daß ich tot bin, ttag' es gefaßt.' Mutter Hille sitzt starr und eS stammelt ihr Mund: „Du Lump I Du Schuft I Du Schinder l Du Hund l*» Und»nährend eS draußen wetterleuchtet, Liest sie, das Auge von Tränen befeuchtet: „Nachschrift. Mutter, alle« ist auS I Vorüber der Schmerz und vorüber der ErauS. Höre: heut war ein Tag der Schrecken; Was mußt' ich an Schimpf und an Schmach einstecken! f» Dann graute der Abend, Müde der»stein. Hockt' ich am Ofen mit Zwei'n oder Drei'n; Stumpf und verzweifelt. Da kam der Bube, Der Klemm, noch einmal auf unfre Stube Und befahl mir höhnisch, zum Abendessen, Pfui Teufel, den eignen Dreck zu fressen. Mutter. Mutter! Mich packte die Wut; StaatSministerium. das noch vor den Ferien Stellung nimmt; der Bundesrat hat sich erst im Herbst mit den Vorlagen zu befassen und zwar in den ersten Scptembertagen. Die Steuer- gcsetze sollen dann dem Reichstage sofort bei der Wieder- aufnähme der Arbeiten vorgelegt werden. Soweit das rheinische Zentrumsblatt. In den Organen der freisinnigen Volkspartei herrscht vorläufig Schweigen. Ob der Freisinn für indirekte Steuern, die eine unerhörte Be- lastung der Besitzlosen bedeuten, zu stimmen die Schamlosigkeit haben wird, läßt sich schwer voraussagen. ES hängt davon ab, ob der Freisinn größere Furcht vor seinen Wählern oder vor der Blamage der Ausschaltung aus dem Block haben wird. Sein bisheriges Verhalten deutet ja allerdings darauf hin, daß er. nachdem er seine Anhänger politisch verraten hat, sie jetzt auch wirtschaftlich verraten wird.-» Ein Geständnis. Die»Norddeutsche Allgemeine Zeitung" be- handelt weitschweifig die Frage der Landtagswahl im 12. Berliner Landtagswahlkreis. Bekanntlich hat das konservativ-nationalliberale Kartell dort gedroht, bei einer eventuellen Stichwahl zwischen Sozialdemokratie und Freisinn konservativ-antisemitisch zu stimmen, wenn nicht der Freisinn sich vorher auf eine nationalliberale Kompro- i» i ß k a n d id a t u r einige. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", das Organ Bülows, nimmt zu diesem edlen Konkurrenz- streit keinerlei Stellung, sondern spricht nur sein Bedauern dar- über aus, daß es durch die Unnachgiebigicit der einen oder anderen Partei der Soziakocmokratie möglicherweise gelingen könnte, den Sieg davonzutragen. Aber nicht diese skrupulöse Unparteilichkeit, sondern folgender Passus der Auslassung der„Norddeutschen All- gemeinen Zeitung" ist interessant. Das Bülow-Organ schreibt nämlich: .In Moabit stehen die Dinge einfach so, daß das System unseres LandtagSwahlverfahrenS sich mit aller Klarheit zu bewähren haben wird, und daß die bürgerlichen Parteien es ebenfalls werden tun müssen." Soweit dieser wahrhaft schandbare Stil Schlüsse auf den Sinn' zuläßt, will das offiziöse Organ damit sagen, daß sich gerade bei der Wahl im 12. Berliner Landtagswahlkreis das infame Dreiklassenwahlsystem bewähren müsse! Daraus würde zu schließen sein, baß die Negierung keineswegs ernstlich an eine Wahlreform denkt! Wenn trotz dieser offiziösen Erklärung freisinnige Wahlmänner gegen den sozialdemokratischen Kandidaten und für r e a k. tionäre Kandidaten stimmen, so beweisen sie damit nur. daß sie selbst eine Wahlrcform. wenigstens in demokratischem Sinne, nicht wünschen!_ Wie's trefft. Als jüngst der„Vorwärts" das Zentrum darauf festnagelte, daß es die Konservativen, also die ärgsten Wahlrechtsfeindc, unterstützte, da meinte die„Kol- nische Volkszeitung", die Wahlreform spiele bei den jetzigen Landtagswahlen keine Rolle. Dasselbe Blatt schreibt aber am Vorabend der Wahl: „Gerade auf die gegen wärtige Wahl kommt ungeheuer viel an. Vielleicht ist sie die letzte, die nach dem bisherigen Wahlverfahren zustande kommt. Vielleicht. Den liberalen Parteien braucht niemand etwas Gutes zuzutrauen im Punkte der Wahlreformfreudigkeit, aber gerade deshalb sind alle, die ein wirklich gerechtes Wahlrecht wünsckien, die nicht ein neues Unrecht an Stelle des alten setzen oder diesem noch hinzufügen wollen, um so mehr verpflichtet, am Wahltage ihre Schuldigkeitzu tun und namentlich dafür zu sorgen- daß die Bäume der Nationalliberalen nicht in den Himmel wachsen." Dafür sorgt das Zentrum um so mehr dafür, daß die Bäume der Konservativen, der ärgsten Wahlrechts- feinde, in den Himmel wachsen! Wie steht's mit dem Zentrum? Seit das Zentrum sich in der Opposition befindet, hat es ew merkwürdig feines Verständnis für die Fehler und Schwächen der Regierungsparteien. So sagte in einer ZentrmnSwählervcrsammlung in Köln der Redner. Stadt- verordneter Dr. Schulte: .Angesichts der Tatsache, daß die vereinigten Freisinnigen im Abgeordnetcnhause im Januar dieses Jahres einen Antrag auf Abänderung des preußischen Dreiklassenwahlrechts stelkten. ist es von Bedeutung, darauf hinzuweisen, daß die freisinnigen Parteien nicht in der Lage sind, im Abgeordnetenhause eine Mehrheit zu bilden gegen Konservative und Nationalliberale, daß cS ihnen demnach bewußt war, Anträge auf Abänderung des preußischen Vom Herzen zum Hirn schoß mir siedend das Blut; Ich spie und ich schrie, und eS schäumte mein Mund: „Du Lump I Du Schuft! Du Schinderl Du Hundt'-» Was ich seit Monden hinuntergeschluckt, Hab' ich ihm mitten ins Antlitz(�stuckt; Die Faust ihm geschmettert ins freche Gesicht~ WaS weiter geschah, ich weih eö nicht; Ich sah ihn taumeln, im Kreise sich drehn, Sah, wie im Nebel, die andern stehn � Und floh aus der Stube, der dumpfen Kaserne Fort, iinmer fort, in die dämmernde Ferne. Endlich, vom Rennen mich auSzuruhn, Betrat ich ein Gasthaus; da schreib' ich NUN. Mutter! Ich weiß, sie werden mich fassen; BorS Kriegsgericht wird man mich stellen lassen. Wer sich, ivie ich. so ungeschliffen Hat am Herrn Vorgesetzten vergriffen. Den sperrt man ins Zuchthaus acht, neun Jahr Und lieber sterb' ich; daS ist doch klar. Mutter, mir ist der Tod ein Genuß! Zürne nicht, Mutter; denn Mutter: ich muß. Tausend Küsse!— Der Fluß ist nah; Ich ersaufe für Thron und Altar; Hurra!" Der Brief ist zu Ende; das Wetter tollt, Blitze zucken, der Donner rollt. Mutter Hille sitzt stumm und grübelt und sinnt Und denkt an ein Grab und ihr totes Kind. Wenn der Vater noch lebte, der früh verblich, Vom Dampfe verbrüht, der dem Kessel entwich. (Sie fanden den Leichnam verkohlt und zerstückt) Wenn der Vater noch lebte, der würde verrückt! Und soll man nicht selber verrückt dabei werden? Giebl's denn noch redliche Richter auf Erden? „Drei Monat Gefängnis und Degradation"» Das ist kein Urteil, das ist ja Hohn l Der Men wird'S plötzlich im Kopfe so wirr, ES krampst sich ihr Finger, das Auge blickt irr. Sie beginnt mit den Stühlen im Slübchen zu raufen Und kreischt, daß die Nachbarn zusammenlausen, Schrill, unaufhörlich, Schaum vorm Mund: »Du Lump! Du Schuft! Du Schinderl Du Hund!' Wahlrechts gegen die derzeitigen Intentionen des Fürsten Bülow beziehungsweise der preußischen Regierung nicht durchsetzen zu können. Dies Bewußtsein ließ den Freisinn mit ManneSmut auf die Tribüne treten, da er sich die Gunst des Kanzlers nicht der- scherzen konnte." Nun hat aber doch daS Zentrum ebenfalls im Ab- geordnetenhause einen Antrag auf Einführung des allgemeinen. gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für Preußen eingebracht und es ist genau wie der Freisinn nicht in der Lage, eine Mehrheit zu bilden gegen Konservative und Nationalliberale. Hat man, zumal bei der schlappen Haltung der Ultra montanen in der Wahlrechtsfrage, nicht allen Grund, vom Zentrum dasselbe an- zunehmen, was es selber vom Freisinn annimmt— nämlich, daß ihm sein Antrag nicht ernst gemeint und daß er nur deshalb ein- gebracht worden ist, weil daS Zentrum weiß, daß sich dafür keine Mehrheit findet.—_ Aus dem Danziger Landtagswahlkampf. In Danzig beteiligte sich die Sozialdemokratie zum c r st e n M a I e an den Landtagswahlen. Die Feuerprobe ist gut bestanden. Etwa 15(10 Stimmen wurden in der 3. Ab- teilung für die Sozialdemokratie abgegeben, dazu einige in der 1. und 2. Abteilung. Das ist ein Achtungserfolg, der uns zu guten Hoffnungen für die Zukunft berechtigt. Das Resultat der Wahl kann erst unter Berücksichtigung aller Umstände voll gewürdigt werden. In Ermangelung geeigneter Säle zu großen Volks- Versammlungen mußte sich die Wahlarbeit auf st i 1 1 e Kleinarbeit allein beschränken. Erbärmliche Feigheit schloß uns schon auf den Einladungen von gegnerisck>eii Versammlungen aus. So gesichert, bewarf man die Sozial- demokratie mit Schmutz und tat arbeiterfreundlich bis zum Ekel. Keine gegnerische Partei machte eine Ausnahme! 1590 Arbeiter gaben öffentlich ihre Stimmen für die Sozialdemokratie ab! Bei einer geheimen Wahl wäre die Zahl sicher vier oder fünfmal größer gewesen. Der staats- erhaltende Terror sorgte dafür, daß die Tausende von Arbeitern der Kaiserlichen Werft, der Gewehrfabrik und sonstigen staat- lichen Betrieben nicht ihrer Ueberzeugung entsprechend stimmen konnten! Aber auch die privaten Unternehmer leisteten das Menschenmöglichste an Vergewaltigung der freien Meinung, wie der von uns bereits mitgeteilte Fall der Vöttcheraussperrung zur Genüge beweist. Die Wahlzeit für die 3. Abteilung, von lls/fj Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags, entsprach ganz der Arbeiterfreundlich- keit und dem sozialen Verständnis des liberalen Magistrats. In ländlichen Bezirken begann die Wahlzeit um 2 Uhr nach- mittags I 1500 Stimmen und nicht einWahlmann! Auch hierdurch wird das famose Dreiklassenwahlrecht prächtig illustriert. 2 Wahlmänner verloren wir durch das Los. Der Zufall selbst war also gegen unsl Weitere 6 Wahlmänner wären uns sicher gewesen, wenn unsere Wähler in ländlichen UrWahlbezirken nicht vor den Stichwahlen das Wahllokal verlassen hätten. In der Stadt kamen 15 sozialdemokratische Wahlmänner in Stichwahlen. In vielen Bezirken unterlagen wir mit wenigen Stimmen. Unsere Beteiligung brachte ferner liberale Wahlmänner gegen konservative in einer großen Anzahl UrWahlbezirke in Stichwahl. Hier waren wir überall»Mchlaggebend... Darüber kann kein Zweifel bestehen: hätten die Liberalen ein Mandat an die Sözsialdemo- k r a t i e— wie verlangt— abgetreten, dann wären sie heute nicht die Besiegten I Wir hätten unseren ganzen Wahlapparat mit größter Kraftentfaltung gegen die Konservativen mobil gemacht. Zwei Mandate für die Liberalen, eins für die Sozialdemo- kratie wäre in diesem Falle der Wahlansfall gewesen! Wer die Wahlziffern studierst, der muß zugeben, daß die Sozial- demokratie in unserem Kreise das„Zünglein an der Wage" war, auch ohne einen einzigen Wahlmann. Die Danziger Sozialdemokratie schöpft aus dem ehrlich errungenen Achtungserfolge frische Kraft zu neuer Arbeit für die Organisation!_ Ein schlechtes Gedächtnis. Im bayerischen Landtag wurde am 5. Juni bei der Debatte über die Lehrerbcsoldung auch über die„Freie b a h e- rische Schulzeitung" gesprochen, die von dem linksliberalen Lehrer Beyhl in Würzburg redigiert wird. Auf eine Anfrage des liberalen Abgeordneten Oberbürgermeisters Dr. Casselmann, ob die Gerüchte von einem Vorgehen de» Kultusministers gegen diesen Lehrer richtig seien, gab der Kultusminister Dr. von Wehner eine verneinende Antwort. Nun veröffentlicht Lehrer Beyhl in seiner Zeitschrift eine Entschließung der könig- lichen Regierung von Unterfranken, in der es unter anderem heißt: „Im Vollzuge eines Auftrages der genannten königlichen Stelle beziehungsweise des königlichen Staatsmini» steriums für Kirchen- und Schulanstelegen- Heiden vom 13. Mai d. I. werden Sie als Schrlftleiter der genannten Schulzeitung sich selbst größerer Mäßigung befleißigen und Aufsätze Ihrer Mitarbeiter, die nach Inhalt und Sprache ungehörig sind, strenger als bisher zurückweisen." Am 13. Mai gibt der Kultusminister der Kreisregierung den Auftrag zur Maßregelung des Lehrers Beyhl. Am ö. Jurn erklärte er im Abgeordnetenhause: er wisse von einem solchen Schritte nichts. Einem Minister kann ein schlechtes Gedächtnis sehr unan- genehm werden.—-_ Der Eukenburg-Prozeh. Entgegen allen Anzweiflungen, ob Fürst Eulenburg vor die Geschworenen kommen wird, meldet daS„Berliner Tageblatt": Wir haben bereits gemeldet, daß die Verhandlung gegen den Für- sten Eulenburg in der am 22. Juni beginnenden Schwurgerichts- Periode des Landgerichts I stattfinden wird. Borsitzender des Schwurgerichts ist Landgerichtsdirektor K a n z o w, der lange Jahre Staatsanwalt, dann Vorsitzender der V Strafkammer war und jetzt Vorsitzender einer Ziviltamiilcrjst� Eine Verhaftung aus Anlast des Kaiserbesuchs wurde am Pfingstdienstag. wie jetzt erst bekannt wird, in L i e g n i tz vorgenommen. In den Vormittagsstunden jenes TageS traf Wilhelm II. in der alten Piastenstadt ein— wenn wir uns recht erinnern, um der Einweihung irgendeiner Kirche beizuwohnen. Be- reit« in der Frühe hatte man die Familie des ehemaligen Schrankenwärters Henschel— Mann. Frau und Tochter— in polizeilichen Geivahrsam genommen. Die drei sollen nämlich an religiösem Wahnsinn leiden und früher bereits Drohbriefe an den Kaiser gerichtet haben. Man wollte nun„unliebsame Zwischenfälle" vermeiden.— Die Liegnitzer Polizeibehörde wird gut tun. Aus- llärung über den Vorfall zu geben. So wie er in die Oeffentlichkeit gedrungen ist. stellt sich die Verhaftung unseres Erachtens als eine Ungesetzlichkeit dar.—-_ Hohenau Versteckspiel. Zur Abwechselung meldet jetzt wieder einmal eine Kor- rcjpoud�nz»von zuverlässig» Seite"« daß der Kaiser den ijjm vor, gelegten Spruch des Ehrengerichts gegen den Grcffcn Wilhelm Hohenau bestätigt habe. Der Spruch des Sondcrehrengcrichts soll nicht auf Freispruch wegen mangelnder Beweise, sondern auf Eni- fernung aus dem Heere lauten, was den Verlust des Titels und der Uniform zur Folge hätte. Vielleicht erfährt die Oeffentlichkeit zu gelegener Zeit einmal etwas AMeytischxs,— � ftamhmcb. Ein Proteststreik. Paris, 13. Juni. Die verschiedenen Gruppen deS Ver» bandcs der Bauarbeiter nahmen gestern abend den Be- schluß an. die von der- Regierung auS Anlaß der blutigen Vorfälle in Vigneux getroffenen Maßnahmen mit einem 24 st ü n d i g e n A u s st a n d e zu beantworten. Die Ve- stimmung des Zeitpunktes soll dem Ausschuß des Verbandes überlassen bleiben.— Italien. Schandjustiz gegen Arbeiter. Rom, 11. Juni. Die an preußische Gepflogenheiten gemahnenden Urteile mehren sich in Italien. Am 10. d. M. hat man in Pia- cenza ein geradezu infames Urteil gegen 11 Landarbeiter gefällt. die einen Streikbrecherzug, der für P a r m a bestimmt war, angehalten hatten. Man hatte die Anklage nicht wegen Verbrechens gegen die Freiheit der Arbeit erhoben, weil man dafür nicht so unerhörte Strafen hätte verhängen können, sondern wegen Gewalttat und Nötigung, mit den erschwerenden Umständen des gemeinsamen Vor- gehens und des erreichten Zweckes. Das Urteil lautete für acht Angeklagte auf je 2 Jahre ö Monate Gefängnis, für drei auf 1 Jahr 6 Monate: Macht im ganzen 24Vz Jahr Gefängnis! Und diese Herren Richter halten den Klassenkampf für eine Erfindung der Sozialisten! Cnglancl. Die irischen Gewerkschaften und die Arbeiterpartei. London, 11. Juni. Während der Pfingsttage hielten die irischen Trade-Unions ihren 15. Jahreskongrcß im Belfast ab. Neben rein gewerkschaftlichen und irischen Angelegen- heilen kam auch die Frage des Anschlusses an die britische Arbeiterpartei zur Sprache. Die Frage war nicht leicht zu entscheiden, da das irische Volk sich seit vielen Jahren aus- schließlich mit nationalen Angelegenheiten beschäftigt und deshalb einer Klassenorganisation nicht geneigt ist. Hinzu kommt, daß die irische Fraktion oppositionell ist und in der Regel für sozialpolitische Vorlagen eintritt. Nach einer längeren Diskussion nahm indes der Kongreß folgende Reso- lution an: „Wir sind der Ansicht, daß die irischen Trade-Unions sich unverzüglich der Arbeiterpartei an- schließen sollen, um auch in Irland eine selbständige politische Arbeiterbewegung zu schaffen." Die Resolution wurde gegen eine verschwindende Minder- heit angenommen. Führen die Trade-Unions diese Resolution aus, so wird dies geradezu eine Revolution i w Denken des irischen Proletariats bedeuten. Eine Kundgebung für daS Franenwnhlrecht. London, 13. Juni. Seit heute früh treffen zahlreiche Ab» o r d n u n g e n v o n ,F r a u e n r e ch t l es» tu uem aus der Provinz ein, welche der heutigen Riesenkundgebung beiwohnen werden. Zahlreiche fremde Delegationen sind gleich- falls eingetroffen, darunter solche aus Franlreich. Oesterreich-Ungarn. den Vereinigten Staaten, Kanada. Australien, Südafrika usw. Die Delegationen wurden am Bahnhos Yon Vertreterinnen der Londoner Frauenrechtlerinnen in Empfang genommen. Bon 15 Musikkorps begleitet zogen die Kundgeberinnen nach der Alberthall, wo das Riesenmeeting stattfand, Auf der Tagesordnung stand als einziger Punkt die Erklärung, daß die Frauen daS Anrecht auf das Stimm- recht erlangen möchten. Nach dem Meeting fand ein II m z u g nach den, Trafalgar Square statt, als Zeichen deS Protestes gegen die Haltung der Negierung in der Frage der Beschäftigung von Frauen in den Schanlwirtschaften. Rußland. Verhaftungen. SoSnowiee, 12. Juni. Wegen revolutionärer Umtriebe»vurden gestern vierzehn Personen, unter ihnen eine Studentin und eine Zahnärztin. verhaftet und nach Petrikau gebracht; in der Wohnung der Zahnärztin wurden Waffen und revolutionäre Schriften beschlagnahmt.—_ Russische Gräuel. Bor kurzem versuchten in JrkaterinoSlaw politische Ge- fangene au» dem dortigen Gefängnisse zu entkommen. Die grauen. haften Vorgänge, die dem verunglückten Versuche folgten, schildert ein Brief eines Gefangenen folgendermaßen: «Am 11. Mai unternahmen die Insassen der zehnten Kammer. die zum Spazierengehen herausgeführt waren, um 12 Uhr 20 Min. einen Fluchtversuch, indem sie die westliche Gefänznismauer in die Luft zu sprengen suchten. Da sie keine Zeit fanden, die Spreng- ladung in die Mauer zu stecken, legten sie das in Matratzen befind- liche Dynamit an der Mauer nieder und entzündeten die Matratzen. Infolge der Explosion platzten fast alle Fensterscheiben im Gefäng- nis und in einigen Zellen sprangen die Schlösser von den Türen. Die Mauer jedoch erlitt fast keine Verletzungen. Als die Insassen der 10. Kammer sahen, daß die Explosion er. folgloS geblieben war. stürzten sie längst der Mauer dem Hinter. gebäude zu. Zwei von ihnen, I. Nagorny und D u b i n i n. versuchten, au« einem Revolver feuernd, über das Dach des Hinter» gebäudcs nach dem staatlichen Brmintwcinlager zu entkommen. Ein anderer lief, aus einem Revolver feuernd, längs dem Hinter- gebäude bis zur östlichen Gefängnismauer. Die übrigen. 12 bis 13 Personen, suchten Deckung in der Küche. Während dieser Zeit gingen die Insassen der 12. Kammer (IS bis 20 Personen) in der Nähe der östlichen Mauer in einem von einer Drahtumzäunung umschlossenen Platze spazieren. Die Aufseher und Konvoisoldaten, die gleich nach dcr Explosion aus dem Amtszimmer stürzten, eröffneten ein unregelmäßiges Feuer — längs der östlichen Mauer, d. h., gegen die nichtsahnepdcn In- fassen der 12. Kammer, die gerade spazieren gingen, und desgleichen auf die Fenster des Gefängnisgebäudes, den Hof und die Küche. Das Feuer hielt mehralseinehalbeStundean. Das Resultat war: zirka 40 Tote und 35 Ver» w u n d e t e. Von den Insassen der 10. Kammer wurden q l l e mit Ausnahme von 4 Personen getötet. In der 12. Kammer waren 12 tot und 4 verwundet. Auch in den anderen Kammern fanden sich Tote und Verwundete. Die Opfer rekrutierten sich aus- schließlich aus den Reihen 5er politischen Gefangenen, an denen die AdminiLrütikk! Gelegenheit fand, ihr Mütchen zu kühles.... Die Metzelei wurde eingeleitet vom Oberaufseher Beloko'S. Er war es auch, der den Verwundeten den Rest gab. Ein anderer Aufseher. Anatoli Dntitrijewitsch, schoß aus einer Ent- fcrnung von tO— 15 Schritten die Insassen der 12. Kammer (die sich auf dem Hofe befanden) aus einem Nogangewehr nieder. Der Gefängnisdirektor verfolgte persönlich den Gang der Metzelei. Zwei Aufseher, M a m a i und B a r a b a s ch, traten an die Gitter- tür der 2. Untersuchungskammer und begannen die längst der Wand niederkauernden Gefangenen einzeln niederzuschießen! Es wurden hierbei verwundet 9 und getötet 2 Personen. Die Verhältnisse im Gefängnis nach der Metzelei sind schreck- lich. Die Vorgesetzten zeigten sich nicht. Die Gefangenen sind der Willkür der bestialischen Au.fseher mit dem„braven" Belokos an der Spitze, ausgeliefert. Die Gefangenen wer- den geprügelt, in den Karzer geschleppt. Abends finden im Zimmer der Aufseher Trinkgelage mit Musik und Gesang statt. Nachts wird immer wieder in die Fenster hinein- geschossen. Jeden Augenblick kann abermals eine Metzelei los- brechen, wie sie am 11. in der zweiten Untersuchungskammer statt- fand. Angesichts dieser Perspektive verlohnt es sich nicht, die materiellen Entbehrungen zu erwähnen, die allen Ge- fangenen als„Straf e" dafür auferlegt worden sind, daß die bestialischen Aufseher am 11. Mai 60 Personen aus ihrer Mitte getötet und verwundet haben"... Diesem Brief ist nur hinzuzufügen, daß Stolhpin diesen Bestien seinen Dank für ihre„brave Haltung" ausgesprochen hat.—. Pcrncn. Der Aufruhr. Köln» 12. Juni. Der„Kölnischen Zeitung" wird aus Teheran von heute telegraphiert, die Provinzen wollen den Schah absetzen. Ueber 560 bewaffnete Mitglieder der Geheimen Gesellschaft hielten die Gegend des Parlaments zwei Tage besetzt. Der Schah ließ sie auffordern, wegzugehen und sandte Kosaken hin, worauf sie sich zurückzogen. Das Ansehen des Schahs wächst.— London, 13. Juni. Dem Reuterschen Bureau wird aus Teheran über Unruhen, die gestern dort vorgekommen sind, gemeldet, daß die vor dem Parlament und der benachbarten Moschee versammelte Menge zum Teil bewaffnet war und daß bei der Entwaffnung durch die Soldaten einige Personen ver- w u n d e t wurden. In dem Augenblick, als die Unruhen einen ernsten Charakter anzunehmen schienen, langte ein Schreiben des Schahs an das Parlament an. welches besagte, daß die Menge durch die Truppen zerstreut werden werde, wenn sie nicht bis 5 Uhr auseinandergehe. Schließlich zerstreute sich das Volk freiwillig. Heute früh ist alles ruhig. Hua der Partei. Sozialistische Neudrucke. Unter diesem gemeinsamen Titel beabsichtigt unser Parteiverlag Buchhandlung Vorwärts eine Reihe längst vergriffener Schriften herauszugeben, die als historische Dokumente zugleich so hohen literarischen Wert besitzen, daß sie heute noch das Interesse jedes klassenbewußten Arbeiters verdienen und seine sozialpolitische Einsicht zu fördern geeignet sind. Als erstes Werk dieser Sammlung ist soeben erschienen:„Der Deutsche Bauernkrieg" von Friedrich Engels mit Einleitung und Anmerkungen herausgegeben von Franz Mehring. Preis broschiert 1,30 M., gebunden 2 M. Die erste Auflage dieser seit langen Jahren vergriffenen Schrift erschien im Jahre 1850. unter dem frischen Eindruck des weißen Schreckens. Engels hat, wie er im Vorwort zum zweiten Abdruck mitteilt, das Tatsachenmaterial dem Werke von Zimmermann über den deutschen Bauernkrieg entnommen. „Meine Darstellung versuchte, den geschichtlichen Verlauf des Kampfes nur in seinen Umrissen skizzierend, den Ursprung des Bauernkrieges, die Stellung der verschiedenen darin auftretenden Parteien, die politischen und religiösen Theorien, in denen diese Parteien über ihre Stellung sich klar zu werden suchen, endlich das Resultat des Kampfes selbst mit Notwendigkeit aus den historisch vorliegenden gesellschaftlichen Lebensbedingungen dieser Klassen zu erklären; also die damalige politische Verfassung Deutschlands, die Auflehnungen gegen sie, die politischen und religiösen Theorien der Zeit nachzuweisen, nicht als Ursachen, sondern als Resultate der Entwickelungsstufe, auf der sich damals in Deutschland Ackerbau, Industrie, Land- und Wasserstraßen. Waren- und Geld- Handel befanden." Engels enthüllt also die ökonomischen Tatsachen als die letzte Instanz der Revolution des Jahres 1525. Es sind die neuen Produktivkräfte, die an den verlebten Produktionsfornien rüttelten. Diese Enthüllung zeigt aber zugleich die Männer der Revolution: die H u t t e n. die L u t h e r, die M ü n z e r, wie M e h r i n g in seiner Vorbemerkung sagt:„nicht mehr im trügerischen Lichte von Männern, die die Geschichte machen, sondern als lebendige Ge- stalten..., als die Vorkämpfer von Klassen, die in einer Welt- umwälzenden Zeit auf Tod und Leben miteinander rangen." Was aber die Schrift ganz besonders wertvoll auch für die heutige Zeit macht, das ist die Parallele, in die Engels die deutsche Revolution des Jahres 1525 mit der des JahreS 1848/19 stellt. So wird die Schrift der deutschen Arbeiterklasse die Waffe bieten zu kräftiger Propaganda, geeignet wie keine andere, dem modernen Proletarier die deutsche Revolution in dem historischen Kern ihres Wesens lebendig zu machen, nicht nur seine historischen Kennmisse zu erweitern, sondern auch das richtige Verständnis der Aufgaben zu schärfen, die sein heutiger Emanzipationskampf zu lösen hat." Die Sozialdemokratie im Deutschen Reichstage. Es ist unseren Lesern schon bekannt, daß im Verlage der Buchhandlung Vor- w är tS eine Reihe von Abhandlungen über die Tätigkeit der sozial- demokratischen Reichstagsftaktion erscheinen. Von dieser Sammlung ist soeben Heft III ausgegeben. Es enthält die s o z i a l d e m o- kratischen Wahlaufrufe für die Reichstagswahlen von 1881, 1884, 183 7. Da diese Aufrufe in die Zeit des Sozialistengesetzes fallen, dürften sie einer besonderen Beachtung sicher sein, spiegeln sie doch ein interessantes, an Kämpfen reiches Zeitbild der Parteigeschichte wieder. Preis 1 M. Zu beziehen durch alle Parteibuchhandlungen und Kolporteure. Ein gehässiger Anwurf. In einem Berliner Gewerkschaftlichen Briefe der„Fränki- schen Tagespost" zu Nürnberg vom 9. Juni— wir werden nachträglich durch eine Verwahrung der„Leipziger Volkszeitung" daraus aufmerksam gemacht— heißt eS: „Gewiß, Rexhäuser lebte bisher in Leipzig, wo da? Organ der ökonomisch-historifchen Erbpacht erscheint, und wie dieses Blatt bis aus den heutigen Tag gegen die Gewerkschaften und ihre Stellung hetzt, ist in der Partei wie in den Gewerkschaften notorisch. Diese gehässige� Verdächtigung unseres Leipziger Parteiorgans verdient scharfe Zurückweisung. Gewisse Leute, die keine Kritik ver- tragen können, wodurch sie ihre werte Persönlichkeit mit betroffen glauben, sind auf den verflucht gescheiten Gedanken gekommen, jede Kritik an bestimmten Erscheinungen des Gewerkschaftslebens als „Hetze gegen die Gewerkschaften" auszugeben. Indes ist es in Partei und Gewerkschaften notorisch, daß Gewerkschaften ebenso gut wie Parteiinstitutionen Kritik vertragen können, und daß die Taktik, den kritisierenden Freund als hetzenden Feind auszuschreisy, unter aller Kritik ist. Das Befind«, Bollmars. Za unserer Freude können wir mit- teilen, schreibt die„Münch. Post", daß die Erkrankung Vollmars in keiner Weise bedenklich ist. Es handelt sich um einen Jnfluenzaanfall mit Fieber und rheumatischen Schmerzen und es ist allem Anschein nach zu hoffen, daß Wollmar in etwa 14 Tagen wieder an den Ver- Handlungen des Landtages teilnehmen kann. Unsere Toten. In Bremen starb nach längerem Nervenleiden am Gehirnschlag der Genosse Heinrich Bohle. Er hat stets mit allen Kräften für die Partei gearbeitet. Weder Krankheit noch Wirt schaftliche Widerwärtigkeiten konnten ihn abhalten, seinen Mann zu stellen. Auch der Verband der Schneider verliert an dem Ver- schiedenen eines seiner rührigsten Mitglieder. poll�eilicbes» ßmcbtllcbes ulw. Strafkonto der Arbeiterbewegung. Gegen Genossen wurde wegen ihrer Tätigkeit in der modernen Arbeiterbewegung im Monat Mai 1908 von deutschen Gerichten auf 10 Monate 3 Tage Gefängnis und 3421 M. Geldstrafe erkannt. Strafkonto der Presse. Wegen Beleidigung eines Färbermeisters wurde Genosse Grueger zu Lüneburg vom„Volksblatt für Harburg».Lüneburg" zu 3 M. Geldstrafe verurteilt. — Das Schöffengericht München I verurteilte den Genossen M. Grub er von der„Münchener Post" wegen Beleidigung des Zentrumsabgeordneten Oswald und des Redakteurs der christ- lichen„Gewerkschaftsslimme", Wolf, zu 10 M. Geldstrafe. Da Gr über gegen Wolf Widerklage gestellt hatte, wurde der christliche Herr zu 60M. Geldstrafe verurteilt. G r u b e r hat ein Fünftel, Wolf dagegen vier Fünftel der Kosten zu tragen, Gexverkfebaftliebey. Die erste Aktion! Wir besprachen vor einigen Tagen das Geheimz-rkular der bayerischen Metallindustriellen, das eine Kriegserklärung gegen die organisierten Beamten und Ingenieure der Privat- industrie enthielt. Die Maschinenfabrik Augs- bürg(-Nürnberg), die sich rühmen kann, zwei Drittel ihrer Arbeiterschaft„freiwillig" zum Beitritt in den gelben Arbeits- willigenverein gebracht zu haben, geht auch in der Nieder- knüppelung der Beamtenorganisation bahnbrechend voran: 20 I n g e n i e u r e und Techniker, die sich durch ihre Zugehörigkeit zu einer Organisation, die nicht auf gelbem Boden steht, mißliebig gemacht haben, haben zum 1. Juli die Kündigung erhalten. Harmonie der Interessen! Berlin und tlmgcgcnd. Achtung! Klempner und Rohrleger! Bei der Firma Gottschalk, Alte Jakobstraße 49, sind die Klempner, als sie den tarifmäßigen Lohn verlangten, am Sonn- abend entlassen worden. Deshalb ist die Firma Gottschalk für Klempner und Rohrleger bis auf weiteres gesperrt. Das gilt auch für folgende Bauten, wo die Firma Arbeiten ausführt: Bau Bel° fortcr und Ecke Elsasser Straße in Weitzensee, und der Bau in Berlin kl., Schöningstraße. Da in der Schöningstraße keine Haus- nummern sind, genügt folgende Bezeichnung: von der Müllcrstraße aus, vorletzter Bau links. Die Bauarbeiter ersuchen wir, unsere Kollegen auf diese Sperre aufmerksam zu machen. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Eine Protefiversammlung der Handelsangestellte» gegen das Koalitionsrechtsattentat der bayerischen Metallindustriellen. vom Zentralverband der Handlungsgehilfen ein- berufen, wurde am Freitag in den Arminhallen abgehalten. Der Referent, Genosse Julian Borchardt, zerpflückte an der Hand des Geheimzirkulars das Märchen von der angeblichen Interessen- Harmonie zwischen Angestellten und Prinzipalität im Handelsgewerbe. Hier zeige sich wieder daß es die Prinzipale sind, die rücksichtslos den Klassenkampf führen, während in den Vereinen der Angestellten alles getan werde, das Klassenbewußtsein nicht aufkommen zu lassen, es zu trüben und zu verschleiern. Das Attentat der bayerischen Metallindustriellen richte sich nicht nur gegen den „Bund der technischen und industriellen Beamten", sondem der Bannstrahl soll auch die übrigen Vereine treffen, eS soll das Koalitionsrecht auch jenen Handelsangestellten illusorisch gemacht werden, die in der Wahlnacht dem Blockkanzler johlend ihre Huldigung darbrachten. DaS Geheimzirkular sei nur ein Glied einer Kette von Verfolgungen der Koalftionsfreiheit seitens der Prinzipale. Keiner der vier Harmonievereine habe bis jetzt gegen das Bor- gehen der Metallindustriellen Front gemacht; nur der Leipziger Ver- band hat sich zu dem überaus kühnen Schritt aufgerafft, dem „Berk. Tageblatt" einen Schreibebrief in dieser Angelegenheit zur Veröffentlichung zu übersenden. Denkende Handelsangestellte werden aus diesem Vorgange die Lehre ziehen, daß sie bislang irre geführt wurden. Die Prinzipale pfeifen auf die Harmonie der Interessen und die Vereine der Angestellten leugnen den Klassenkamps, dessen Vorhandensein klar erkannt und der energisch geführt werden müßte, wenn die erbärmliche Lage der Angestellten gehoben werden soll. Dieses Ziel habe sich der Z e n t r a l v e r b a n d der Handlungsgehilfen gesteckt. Um Maßnahmen wie jetzt die der bayerischen Metallindustriellen zu verhindern, sei es notwendig. daß die Handelsangestellten in Massen dem Zentralverband bei- treten.(Lebhafter Beifall.) Einstimmig wurde folgende Resolution angenommen: „Die am 12. Juni nach den„Arminhallen" vom Zentralverband der Handlungsgehilfen einberufene, zahlreich besuchte öffentliche Versammlung stimmt den Ausführungen des Referenten in allen Teilen zu. Sie nimmt mit Entrüstung Kenntnis von dem vertrau- lichen Rundschreiben des Verbandes bayerischer Metallindustriellen, nach welchem Handlungsgehilfen und Techniker, die bestimmten Ver- bänden angehören, entlassen, beziehungsweise nicht eingestellt werden sollen. Die Versammelten protestieren energisch gegen ein derartiges gemeingefährliches Vorgehen moderner Scharfmacher und ste ersuchen die Reichsregierung, für die baldige Aufhebung des 8 163 der Gewerbeordnung zu sorgen und an dessen Stelle folgenden Para- graph zu setzen: „Den Arbeitgebern ist untersagt, Arbeitnehmer durch Verab- redung, schwarze Listen oder Einrichtungen anderer Art wegen Zugehörigkeit zu Bereinigungen und Verabredungen(8 162) um ihre Stellungen zu bringen oder sie aus diesen oder anderen Gründen an der Erlangung einer neuen Stellung zu hindern. Der Versuch ist strafbar. Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft, sosern nach dem allgemeinen Strafgesetze nicht eine höhere Strafe einttitt." Von den Angestellten aber erwartet die Versammlung, daß sie sich die brutale Willkür der Metallindustriellen nicht gefallen lassen und daß ste aus deren Vorgehen die Konsequenzen ziehen, den Harmonievereinen den Rücken kehren und sich der modernen Gewerk- schaft, dem Zentralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen Deutschlands anschließen."_ BetriebSwcrkstätten. Wie auch aus dem Inseratenteil der gestrigen Nummer des„Vorwärts" ersichtlich, gibt die Ortsverwal- Der liberale Antrag des dortigen Baukontrolleurs aus kiffifi des Zenivakvsrbavdes dSr Schneider bekannt, baß 6fe Fi NN» Lindenbaum ihre Betriebswerkstätte hat eingehen lassen. Berichtigung. In der Notiz betr. Bctriebswerkstätte in unserer Nummer vom 10. Juni muß es nicht heißen:„Kvnfekrchiisfirma „Noßmgnn" in Charlottenburg, sondern„Stoß mann", DeutfcKes Reich. , Banarbeiterschutz. Stadtmagistrat in Kempten hat den Gewerkschaftskartells auf Anstellung eines Arbciteflkreisen abgelehnt, weil die Bauunternehmer erklärt hatten, es liege hierfür kein Bedürfnis vor und weil in den letzten zwei Jahren„n u r" 153 Bauunfälle vorgekommen seien.— Einige Tage nach Ablehnung dieses Antrages stürzte ein Bauarbeiter ab; er wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Grunb des Unfalles: Fehlende Schutzvorrichtungen! Streik. Beim Bau der städtischen Wasserleitung in San t» Hofen(Bayern) legten sämtliche Arbeiter— Vorarbeiter und Bauführer ebenfalls— die Arbeit nieder. Die weitbekannte Firma Glasfabrik Siemens in Dresden wurde, da die jahrelangen Bemübringen der Organisation, anstäu- dige Lohn- und Arbeitsverhältnisse im Betriebe herzustellen und die Firma zur Respektierung des Koalitions- und Versammlungs- rechtes der Arbeiter zu bewegen, vergebliche sind, für die organi- sierten Arbeiter gesperrt. Diese Sperre hat gut gewirkt; denn an und für sich sehnt sich nicht so leicht ein deutscher Glasarbeiter nach diesem Betriebe. Die Firma ist darüber natürlich aufs äußerste erbost, um so mehr, als kürzlich noch ein junger Trupp russischer Glasmacher— die Firma angelt aus wohl zu verstehenden Grün» den nach Ausländern— abreiste, und sucht ihrem Aerger durch weitere Maßregelungen Ausdruck zu geben, wodurch sie natürlich ihre Lage � Mangel an tüchtigen Arbeitern— nur verschlimmert und damit indirekt den Bestrebungen der Organisation entgegen- kommt. Erst kürzlich wieder nahm sie derartige Maßregelungen vor. Die Glasarbeiter allerorten werden dringend ersucht, dafür zu sorgen, daß die Sperre des Siemensschen Betriebes wirksam bleibt. Es ist das nach Lage der Sache einzige wirksame Mittel. der Firma Respekt von der Organisation der Arbetter bcizu- bringen._ An die Gewerbegerichtsbcisitzer Deutsckilands(Arbcitcrbeisitzer). Die Verbandsversammlung des Verbandes deutscher Gewerbe- und Kaufmannsgerichte findet in diesem Jahre in Jena im Saale des Volkshauses statt. Das Organ„Gewerbe- und Kaufmanns- gericht" vom 1. März enthält die reichhaltige Tagesordnung, als deren wichtigster Bcratungspunkt der Gesetzentwurf über Arbeits- kammern eine erhebliche Zeit in Anspruchs nehmen dürste, so daß anstatt der auf früheren Verbandstagen üblichen zwei Tage, wie bereits angekündigt, nunmehr durch eine neuerliche Bekannt- machung im„Gewerbe- und Kauftnannsgericht" vom 1. Mai drei Tage vorgesehen sind, und demnach der Verbandstag den 27., 28. und 29. August tagen wird. Dem früheren Gebrauche gemäß findet im Zusammenhang da« mit eine Konserenz der Arbeiterbeisitzcr statt, welche vor dem Ver- bandstag, und zwar den 25. und 26. August stattfinden soll. Ter Zentralausschuß hat hierzu vorläufig folgende Tagesordnung auf» gestellt: 1. Bericht des Zentralausschusses. 2. Bericht des Aussagiß- Mitgliedes des Verbandes. 3. Das Einigungsverfahren vor dem Gewerbegericht. 4. Tie Verhältniswahlen. 5. Die Rechtsprechung an den Gewerbegerichten. 6. Stellungnahme zur Tagesordnung des Verbandstages. 7. Wahl des Vorortes zum Zentralausschnfi und Wahl eines Ausschußmitgliedes für den Verband. Die Gewerbegcrichtsbc isitzcr werden ersucht, hierzu Stellung zu nehmen und etwaige Beratungspunkte oder Anträge, welche mit auf die Tagesordnung gestellt werden sollen, bis spätestens den 26. Juli an den Unterzeichneten schriftlich einzureichen. An allen Gewerbegerichtcn, bei denen bisher Delegationen«ruf Kosten der Gemeinde nicht erfolgten, sind diesbezügliche Anträge zu stellen bezw. zu wiederholen. Im Falle der Ablehnung des Gesuches wird es notwendig sein, mit dem Gewerkschaftskartell in Verbindung zu treten um Bewilligung der Mittel zum Besuche der Konferenz und der Verbandsversammlung. Wo die von den Gemeinden ge» währten Mittel auch zur Teilnahme an der Konserenz nicht auäo reichen, wird es sich nur um eine Beihilfe der Kartelle handeln. Die Namen der gewählten Delegierten sowie deren Adressen mit Angabe, ob die Beschickung von der Gemeinde oder dem Kartell bezw. mit einer Beihilfe von letzterem erfolgt und womöglich, welche Mittel den Beisitzern von der einen oder der anderen Seite b» willigt werden, sind an den Unterzeichneten zu melden. Weitere in der Sache notwendigen Bekanntmachungen werden später erfolgen. Alle Partei-, Gewerkschafts- und arbeiterfreundlichen Zei- tungen werden um Abdruck dieser Bekanntmachung gebeten. Die Zentralkimmission der Gewerbegrrichtsbcisitzcr(Arbeitnehmer)' Deutschlands. I. A.: Richard Holz, DreSden°A., Am See 33. HusUnd. MassenauSsperrnng im Baugewerbe Schwedens. Der Zenttal-Arbcitergeberverband hat in der verflossenen Woche beschlossen, vom 20. Juni ab sämtliche organisierten Arbeiter in den Bauberufen zunächst im mittleren Schweden auszusperren und, wenn die im Konflikt mit den Unternehmern stehenden Gewerkschaften sich auch dann nicht unterwerfen, die Aussperrung vom 4. Juli ab auf das ganze Land auszudehnen. Den Ortsvereinen der Arbeitgeber ist es von dem Tage verboten, mit den Gewerkschaften zu verhandeln. Wünschen die Arbeiter zu verhandeln, so soll dies nur mit der Zentrale der Arbeitgeber geschehen.— Nach Berichten der Unter» nehmerpresse wird die Aussperrung zunächst 20000 Arbeiter, später noch weitere 15000 treffen. Die Unternehmer brechen eine Reihe Tarifverträge, wen» sie die Aussperrung wirklich, wie geplant, durchführen wollen. Letzte JVacbricbten und Depefeben« Lieber tot als gesangen! Breslau, 13. Juni.(B. H.) Den Tod dem Gefängnis vor» gezogen hat ein Maurer, der in der heuttgen Mittagsstunde von der Stadtgrabenbrücke, gegenüber dem Landgericht, ins Wasser sprang. Er war kurz vorher in einer Gerichtsverhandlung vor der Strafkammer zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden. Leiche wurde noch nicht ausgefunden. Die Lerantw. Nedakt.: Georg Davidjohn, Berlin. Inseratenteil verautw.z Th. Glocke, Berlin. Druck u.Berlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer Lc Co.. BerlmLVii. Ein falschmünzender Advokat. Brüssel. 13. Juni.(B. H.) Zu der heute berichteten Falsch. münzerangelegenheit wird mitgeteilt, daß einer der Verhafteten ein Lsidvokat beim hiesigen Appellationsgerichts. Hofe ist! Ein Graveur, der vor einiger Zeit zu Unrecht der Falschmünzerei beschuldigt worden war, hatte Anzeige er. stattet, daß er von verschiedenen Personen, darunter auch von einem Advokaten, Aufträge zur Herstellung von falschen Stempeln er» halten habe. Der Plan der Angeschuldigten bestand darin, Bank. noten von 500 Frank in großer Menge anfertige» zu lassen, die« seilen in Antwerpen zum Ankauf einer großen Schiffsladung zu verwenden und. dann die Schiffsladung sofort zu Geld zu machen und mit diesem in das Ausland zu flüchten. Die Angelegenheit ruft großes Aufsehen hervor.___ Hierzu 4 Bcila«r». Kr.M. 25. Jahrgang. 1. KtilM des.Fmiirts" Kerlim NcksblM K-mIag, I�ZmilW. Reform der Melterverncfterirog. Das Versteckspiel mit den gegen die Arbeiter gerichteten Reformplänen der Reichsregierung wird fortgesetzt. Ueber die am 11. und 12. Juni abgehaltene Konferenz zur Umwandlung der Krankenkassen in Kassen zur Versorgung von Aerzten und Militär- anwärtern wird strengstes Stillschweigen beobachtet. Auch die vom„Zentralblatt für das deutsche Baugewerbe" teilweise der- öffentlichten, von uns wiedergcgebcnen..Grundzüge für die Re- form der Arbeiterversicherung" sind bislang von der Regierung noch nicht veröffentlicht. Das ist ein horrender Zustand. Nachdem das genannte„Zentralblatt" die„Grundzüge" soweit veröffentlicht uattc, als es ihm im Interesse der Berufsgenossen- s ch a f t e n wesentlich schien, war eine Veröffentlichung der ge- samten Grundzüge durch die Regierung eine Pflicht, wenn nicht der Regierung nahestehenden Leuten daran lag. die Scharfmacher und insbesondere die Berufsgcnossenschaften zur weiteren Ver- schlechterung der Grundzüge mobil zu machen. An Stelle der Ver- öffentlichung ist aber ein mit der Wahrheit unvereinbares offiziöses Dementi erfolgt. Im„Zentralblatt für das deutsche Baugewerbe" vom 12. Juni werden noch einige Partien der„Grundzügc" mit- geteilt. Zweck dieser Veröffentlichung ist das Scharfmachen der Unternehmer, die am 16. d. Mts. in Kiel zum Berufsgenossenschafts- tag zusammentreten. Nach dem„Zentralblatt" beabsichtigt der Staatssekretär des Reichsamts des Innern an diesem Genossenschaftstag persönlich teil- zunehmen. Bei der engen Beziehung, in der das Scharf- machertum zum„Zentralblatt" und zur Regierung steht, liegt kein Grund zur Anzweiflung der Meldung des.Zentralblattes" vor. Wir werden es also erleben, daß dasselbe Reichsamt, das den Kongressen der versicherten Arbeiter ferngeblieben ist, der Organisation der Unternehmer beiwohnen wird, um sich von den Herren dafür abkanzeln zu lassen, daß er es gewagt hat, auch nur ein Jota anders vorzuschlagen, als das Herrentum für gut be- findet. Es soll das Reichsamt des Innern dafür mürbe gemacht werden, auch den letzten Schein vonSelb st Verwaltung der Arbeiter in Krankenkassen-Angelegenheiten zu beseitigen. Außerdem soll er den ungeheuerlichen, Leben, Ge- sundheit und Rechte der Arbeiter bedrohenden Mißständen auf dem Gebiete der Unfallversicherung seinen ausdrücklichen Segen er- teilen. Offensichtlich zu diesem Zweck veröffentlich das„Zentral- blatt" eine Reihe weiterer Bruchstücke aus den„Grundzügcn". Wird nun endlich diesem Treiben gegenüber das Reich samt des Innern den vollen Wortlaut seiner„G r u n d z ü g e", der ja nach den ,.Zentralblatts"°Mit- teilungen längst im Besitz der Scharfmacher ist, authentisch veröffentlichen, damit die in allerer st er Linie Interessierten. dieArbeiter. Stellung nehmen können? Die neulichen Mitteilungen deS„Zentralb lattes' sind apokryph, mit Bemerkungen über angebliche Benachteiligung der Arbeitgeber untermischt und sollen die Berufsgenossenschaften und die Regierung gegen den letzten Rest der Rechte der Arbefier Hetzen. Trotzdem glauben wir bei der Wichtigkeit der Materie, diese nunmehr vom „Zentralblatt" veröffentlichten Bruchstücke wiedergeben zu sollen. DaS.Zentralblatt" erklärt, es wolle„einzelne markante Stellen" aus den.Grundzügen" mitteilen. Es will sich an die „Reihenfolge der EntWickelung in den Grundzügen" halten und beginnt deshalb mit den Aratlk«nkasi«n. 'k Ueber deren äußere Organisafion, sagt das„Zentralblatt". heißt eS in den Grundzügen:„Zur Bekämpfung der mannigfachen Uebelstände, welche die gegenwärtige Zersplitterung des Kranken- lassenwesens im Gefolge hat, muß die Schaffung größerer und leistungsfähigerer Kasicnverbände angestrebt werden. Dabei muß dem auf Grund geschichtlicher Entwicklung nun einmal bestehenden Zustande Rechnung getragen werden. Beizubehalten sind deshalb die vorhandenen Arten der Kassenorganisation, die sich bewährt haben und in den Rahmen der Neuorganisatton hinempassen." „Die Zentralisierung soll dahn einmal durch weitgehende Erleichterung und Förderung der freiwilligen Verschmelzung mehrerer Einzelkasscn und sodann durch die allgemeine gesetzliche Einführung des Zusammenschlusses sämtlicher Kassen eines Bezirks zu einem Verbände erreicht werden." „Dementsprechend bleiben neben den Ortskrankenkassen die besonderen Kassenarten des Krankenverficherungsgesetzes— Betriebs-, Bau-, Jnnungs- sowie Knappschaftslassen nach wie vor zugelassen." Es folgen nun Vorschriften über Wegfall der Gemeinde- krankenversicherung, Errichtung von Landkrankenkassen für die Versicherung der Landarbeiter(wo keine Landkrankenkasse er- richtet wird, werden die Landarbeiter den Ortskrantentassen zuge- wiesen), über Gleichartigkeit der Kassenleistungen, über Einspruchs- recht der Ortskrankenkassen gegen die Neuerrichtung von Sonder- lassen, falls durch dieselbe der Bestand von Orts- und Land- krankenkassen gefährdet wird, von dem freiwilligen Zusammen- schluß von Ortskrankenkassen, auf welchen mit Nachdruck im Ver- waltungswege hingewirkt werden soll, über die Auseinandersetzung im Falle des Zusammenschlusses u. dgl. m. Für die Ortskranken- lassen soll grundsätzlich der Abgrenzung nach Bezirken der Vorzug vor der bisherigen, überwiegend berufsgenossenschastlichen Gliede- rung gegeben werden. Was die innere Organisafion der Krankenkassen anbelangt, so sollen grundsätzlich die Rechte und Pflichten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleich sein und die Beiträge je zur Hälfte gezahlt werden. Dieser Grundsatz, meint mit Unrecht das„Zentralblatt", wird aber verlassen, sobald die wichtigsten Abstimmungen über Kassenunterstützungen und Beiträge in Betracht kommen. Hier soll, wie wir schon ausgeführt haben, den Arbeitern zwei Drittel, den Arbeitgebern ein Drittel der Sfimmen zukommen, trotz der gleichen Beitragsleistung. Es soll die Pflicht der Beteiligung der in den Vorstand Gewählten eingeführt werden; die Zwangsmittel sind dieselben, wie sie der§ 96 des Jrivalidenversicherungsgesetzes vorsieht. Die Vorstände sollen einen„unparteiischen" Vorsitzen. den erhalten.„Die Bestellung eines solchen wird dem Kommunal- verbnade übertragen; er ist Kommunalbeamter." Bei Stimmen- gleichheit gibt seine Stimme den Ausschlag. Die übrigen, die innere Organisation der Krankeickassen betreffenden Bestimmungen behandeln die Verhältniswahl, den Vorstand und einen Ausschuß und die Sondervorschriften für Landkrankenkassen. Die Geschäfte des Vorstandes dieser Kassen werden in der Regel vom Vorsitzen- den allein wahrgenoimnen. Seine Wahl erfolgt durch den Kreistag. Im übrigen wird für die K a s s e n b e a m t e n der Erlaß einer Dienstordnung vorgesehen und zum Ausdruck gebracht, daß nach Ablauf einer Probezeit, deren Dauer das Ge- setz vorschreibt, die Kündigung und Entlassung nur erfolgen kann, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Es folgen Vorschriften über den Kassenverband und das Versicherungsamt. Hierüber heißt es zunächst wörtlich:„Die sämtlichen Kranken- lassen der verschiedenen Arten innerhalb des Bezirkes jeder un- teren Verwaltungsbehörde bilden zusammen lraft Gesetzes einen Kassenvcrband. Diesem liegt zunächst als solchem die Wahrnehmung bestimmter Aufgaben ob, die alle ihm angehörenden Kassen gemein sam berühren. Er dient aber zugleich als die Grundlage derjenigen Stelle, die das verbindende örtliche Glied für alle Zweige der Arbeiterversicherung darstellt. Diese Stelle vereinigt in sich die Funktionen eines gemeinsamen Unterbaues der Unfallversiche rung, der Invalidenversicherung und der Hinierbliebenenversicho rung, der Aufsichtsbehörde der Krankenkassen sowie der regele mäßigen Spruch- und Beschlußbehörde erster Instanz in den Streitsachen aus dem gesamten Gebiete der Arbeiterversicherung Ueberdies übernimmt sie im allgemeinen diejenigen ferneren Ob- liegenheiten, die nach der geltenden Gesetzgebung Sache der unteren Verwaltungs- und sonstiger örtlicher Behörden sind." Diese örtliche Stelle soll Bersicherungsamt heißen. Der Versicherungsamtmann soll als Einzelbeamter diejenigen Geschäfte allein erledigen,„welche sich zur kollegialen Behandlung nicht eignen". Nachdem ausgesprochen ist, daß dem Versichcrungs- amt die Aufsicht über die Krankenkassen und die Entscheidung von Streitigkeiten zwischen den Arbeitgebern und Versicherten sowie kleines feuilleton. LerNner Theaterkultur. Das Theater ist ein Geschäft wie jedes andere im kapitalistischen Bereiche, und es ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, die es unterhält. Diese Binsenwahrheiten sind in der EntWickelung des Berliner Theaters die letzten Jahre auch Leuten aufgegangen, die sonst der naiven Anschauung huldigen. Kunst, Wissenschast und Literawr gingen ihre eigenen' Wege und könnten sich von ihrem gesellschaftlichen Unterbau emanzipieren. Man begreift diesen Illusionismus bei Künstlern, die ver- urteilt sind, in einer niedergebenden Gesellschaft, deren herrschenden Schichten aber noch alle Bildungsmachtmittel in Händen haben, zu schaffen und— zu leben. Man begreift sie und ihren manchmal tragischen Versuch, Mensch sein zu wollen, wo sie doch zu Amuseuren der zahlungs- sähigen„Kultur"schlchten bestimmt sind... Aber beim Theater liegen die Verhältnisse so klar, daß nur jemand, der ge- täuscht sein will, getäuscht werden kann. Ausstattung oder ordinärste Spektakelstücke. daS sind die Pole, nach denen sich unsere hauptstädtischen Theater immer mehr orienfieren. Die großen Namen und Traditionen, die manche Theater noch als Aushänge- schild vor die Türe hängen, bergen je länger je mehr Konterbande. lind bald wird auch die holde Scham, die noch an ihnen hängt, ver- schwunden sein. Die Konkurrenz wird schon die Paar bekehren, die noch höhere Interessen verfolgen. Zudem lassen sich Theaterdirektoren meist sehp gern bekehren. So ausdringlich und blamabel wie diesen Sommer ist der Tiefstand der Berliner Bühnen noch nie hervorgetreten. Selbst ein Kritiker des„Berliner Tageblatts", das doch keinem reellen Geschäfts- manne von Theaterunternehmer übel will, fängt an. Lärm zu schlagen. Er entrüstet sich moralisch. Wenn auch Moralpredigten kaum je ctmaS genützt haben, so sind sie doch als Zeichen der Zeit zu beachten. Also der wohlmeinende, respektable, bürgerliche Kritiker stellt folgende Sammlung von Stücken aus dem Wochenspielplan der Berliner Bühnen zusammen:„Die Brettlgräfin."—„Im Unterseebot."—„Unter der Guillotine."—»Die Dollarprinzessiii."—«Der Floh im Ohr." —.RassleS."—„Die blaue Maus."—„Die Frau Baromn."— Der Sclbstmörderklub." Dann fährt er fort:„Das find neun Stückctitel, die ich herausgreife. Ich könnte hinzufügen, daß die nächste Woche noch zwei Stücke bringen wird:„Nächte nn Hampton Klub" und„Schöps", und daß im Lessing-Theater neben dreimal Ibsen viermal„Der Raub der Sabinerinnen" gespielt wird.� Bedarf es noch mehr Beweise, daß es auf den Theatern Berlins jetzt lehr luftig, sehr geistreich und höchst gediegen zugeht?" Auch unser famoses Operettenrepertoire findet er auf demselben Niveau an. Als Psychologe— die Psychologie ist bekanntlich die äußerste Grenze bürgerlicher Kritik, weiter zu sehen ist nicht er- laubt— analysiert er die Zuschauerseele.„Nur den Rausch deS Tages in einem stärkeren Abendrausch fortzusetzen I Das scheint uns eine ganz selbstverständliche Steigerung, gegen die niemand etwas einwenden soll. Ftagellicren wir diese Nerven, prügeln, peitschen, zwicken wir sie, und wenn uns dann Schauer über den feuchtkalten Rücken lausen, dann stürzen wir in die Garderobe und sagen:„War doch ein sehr interessanter Abend I" � Ganz gut. Und wie könnte es anders sein in einer Gesellichaft, in der das Geld alles ist und alles zur Ware wird, in der das AnZbeuUr- und Jobbertum das Stammpublikum der teuren Theater zwischen diesen beiden und den Krankenkassen, den Krankenkassen untereinander oder mit sonstigen Versicherungsträgern oder mit Gemeinden und Armenverbänden zusteht, heißt es unter Nr. 39 der Grundsätze: Feststellungsinstanz.„Sowohl auf dem Gebiete der Ilnfallversicherung als auch auf dem der Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung soll für die Feststellung der Eick- schädigungen in dem Versicherungsamt eine unparteiische, den ein- schläglichen örtlichen und persönlichen Verhältnissen nahestehende erste Instanz im eigentlichen Sinne geschaffen werden, bei der Ar- beitgebcr und Versicherte in paritätischer Besetzung sowie der Regel nach in einem mündlichen Verfahren mitwirken. Es über» nimmt also für alle hier genannten Zweige der Arbeiterversiche» rung das Bersicherungsamt die Tätigkeit, die in Sachen der In» validenversicherung durch die ZZ 67 ff. und 79 ff. des Jnvaliden- versicherungsgesetzes den unteren Verwaltungsbehörden oder Ren- tenstellen übertragen worden ist, mit der sehr wichtigen Maßgabe jedoch, daß an Stelle der bloßen Begutachtung der Anträge aus Bewilligung von Renten, der Entziehung von solchen usw. die Be- schlußfassung hierüber tritt. Das Versicherungsamt ist dabei auch zur Entscheidung über Anträge der Versicherten und der Versicherungs- träger in denjenigen Fällen zuständig, in welchen eine Aenderung der Feststellung, infolge Veränderung der Verhältnisse erforderlich wird, also bei Erhöhung, Herabsetzung, Aufhebung oder Eni- ziehnng der Leistungen der Versicherungsträger. Das gleiche gilt für die Einstellung von Rentenzahlungen in den Fällen des Ruhens der Rente und für Kapitalabfindungen. Eine e i n s c i- t i g e Aenderung einmal festgestellter Renten durch die Träger der Versicherung findet nicht mehr statt. Dagegen verbleibt den letzteren die alleinige Entscheidung über die Gewährung der vom Gesetz zugelassenen rein freiwilligen Leistungen. Hierin gehören beispielsweise die Erhöhung der Teilrenten bei unverschuldeter Arbeitslosigkeit, die Gewährung von Witwenrenten, wenn die Ehe erst nach dem Unfall geschlossen ist, von Kindcrrenten bei Lebzeiten des Vaters." Nachdem ferner ausgesprochen wird, daß neben der Feststellung der Entschädigungen das Versicherungsamt in Sachen der Unfall- Versicherung und Invalidenversicherung alle jetzt der unteren Ver- waltungsbehörde zugewiesenen Obliegenheiten übernimmt, heißt cS unter 41 der Grundzüge, daß dem Versicherungsamt in Unfallversicherungssachen die Entscheidung zu- steht:„auf Beschwerden in Sachen des Katasters, Beitragsbeschwer- den, Prümienbeschwerden(hinsichtlich der Prämien der bei den Baugewerks-Berufsgenossenschaften bestehenden Versicherungsanstalten), in Streitigkeiten zwischen Bauherrn oder Zwischenunter- nehmern und Berufsgenossenschaftcn oder deren Versicherungs- anstalten, auf Gefahrentarifbescksivcrden, auf Beschwerden gegen die Abschätzung des Arbeitsbedarses landwirtschaftlicher Betriebe, auf Strafdeschwerden, über die, jetzt Landcsbehörden oder das Reichsverficherungsamt zu entscheiden haben, auf Beschwerden wegen strafweiser Einschätzung eines Betriebes in höhere Ge- fahrenllassen, auf BesckMerden wegen Auferlegung von Kosten, die der Unternehmer durch Nichterfüllung seiner Pflichten verursacht hat." Im Anschluß an diese Aufzählung heißt es in den Grund- zügen:„Ein Eingriff in die Selbstverwaltung der Berufsgenossenschaften liegt hierin nicht, da sie in dem btshcrigen Umfange die erste Entscheidung sowie die Einsprüche zu tresfen haben." „Die Unfalluntersuchung wird den Polizeibehörden belassen im gesetzlich vorausgesetzten Auftrage des VersicherungSamteö." „In den eigenen örtlichen Angelegenheiten der Unfallversiche- rung und Invalidenversicherung unterstützt das Versicherungsamt diese vor allem durch Uebernahme der Kontrolle der Beitrags- leistung und der Rentenempfänger. Zu diesem Zwecke hat eS einen' oder nach Bedarf mehrere ständige Kontrollbeamtc anzustellen. In den genannten Angelegenheiten hat das Versicherungsamt nach 1 Maßgabe seiner Geschäftsordnung den Ersuchen der Versicherungs- träger zu entsprechen. Was die Ueberwachung der Betriebe zwecks Durchführung der llnfallverhntnng anbelangt, so sollen die Bc- rufsgenosscnschaften zur Anstellung technischer Ilufsichtsbeamten verpflichtet werden, jedoch befugt sein, namentlich soweit die Land- Wirtschaft und das Bauwesen auf dem. Lande in Betracht kommen, dem Versicherungsamt die Befugnisse der technischen Anfiichts- bildet und den Geschmack in jeder Luxuskunst diktiert. Das sexuelle Amüsement, die aufpeitschende Kriminalaffäre, die wüste Sensation beherrscht das Theater so naturgemäß— wie die Zeitungen, illustrierten Zeitschriften und die sonstigen Kulwraiizeiger der kapitalistischen Welt. Der.Krittler de»„Berliner Tageblatts" wird ungerecht, wenn er den großstädttschen Theaterbetrieb allein für„ein ganz schmutziges Ding", eine bloße GeschästSanstalt ohne Vornehmheit, für amerikanisiert und sonst noch waS erklärt. Unser Theater ist ganz wie es sein muß, und es ist nicht aus bloßem schlechten Willen dazu geworden. Es ist nur eine Teilerscheinung, freilich eine in die Augen springende, eines ganzen Systems. Und was es bietet, ist der ge- tteue Ausdruck einer korrumpierten und korrumpierenden Gesellschaft, die daS Theater hat, was sie braucht und verdient. Vom Schminken einst und jetzt. Aus der klassischen Zeit der Schminke und des Puders führt der Geschichtschreibcr der franzö- fischen Sitten, Alfted Franklin, in einem neuen Buche ein paar bezeichnende Beispiele an. In einem Hungerjahre des siebzehnten Jahrhunderts brauchten die eleganten Herren des französischen Hofes soviel Mehl zum Pudern, daß man damit gut 10 090 Leute hätte speisen können. Zu der höchst schwierigen und keineswegs angenehmen Operation, die das Schminken darstellte, kam ein Friseur, der mit einer Art Handblasebalg ausgerüstet war, und um das Haus nicht in eine Mühle zu verwandeln, wenigstens dem Aussehen nach, wurde das Pudern auf der Treppe vorgenommen. Der Elegant, eingehüllt in einen Bademantel und das Gesicht be- deckt, setzte sich geduldig dem langwierigen Spritzen mit dem Puder aus, bis das Haar wie mit einer dichten Schnceschicht bedeckt war, und dann bekam auch das Gesicht sein Teil ab. Eine wie absolute Hertschaft die wunderliche Mode ausübte, illustriert am besten folgender Zwischenfall: Als im Jahre 1746 Maria Theresa aus Spanien kam. um mit dem Dauphin verheiratet zu werden, be- merkten die ihr entgegengesandten französischen Hofleute mit Eni- setzen, daß sie sich nicht schminkte. Auf ihre Vorstellungen, daß auch der frischeste Teint einer sechzehnjährigen jungen Dame keinen Vergleich mit der geschminkten Schönheit der französischen Hofdamen aushalten könnte, wollte die Prinzessin sich jedoch nicht fügen, es sei denn, daß der König, die Königin und der Dauphin es ihr befehlen. Ein Eilbote jagte mit verhängten Zügeln nach Versailles, wo man einstimmig der Meinung war. daß der Anblick eines ungeschminkten Gesichts allzusehr an einen Sterbenden er- innnerte und den Dauphin erschrecken könnte. Der Herzog von Richelieu eilte selbst der Prinzessin entgegen, und es gelang ihm, sie endlich von der Notwendigkett deS Schminkcns zu überzeugen.... Andere Zeiten, andere Sitten. In England erlangte kürzlich ein Mann die Scheidung von seiner Frau, weil sie sich— schminkte! Sie hätte ihm damit vor der Hochzeit ein Gesicht borgetäuscht. das in Wahrheit nicht das ihre wäre, und eine Frau, die über ihr Gesiebt eine Lüge verbreitete,— welcher Lüge wäre die nicht fähig? Aber das Merkwürdigste an der Sache iü. daß die Scheidung auf Grund eines Gesetzes ausgesprochen wurde, das zweieinhalb Jahr- hunderte zurückdatiert, also gerade in der klassischen Zeit der Schminke erlassen wurde. Das ehrwürdige Gesetz ans dem Jahre 1670 erklärt, daß jede Frau, welchen Alters und welchen Standes sie auch sei, die einen der männlichen Untertanen seiner Majestät durch den Gebrauch von Schminke, Schönheitsmitteln, künstlichen allzu hohe Hacken zur Eheschließung verleitet, den Gesetzen ver- fallen solle, die gegen die Zauberer und Hexen(!) in Kraft find, und daß ihre Ehe null und nichtig sein solle. Das Gesetz war wie so viele andere in dem konservativen England auch heute noch nicht außer Kraft gesetzt, und so konnte es angewendet werden, obwohl sonst kaum ein Engländer daran gedacht haben mag. Das neueste Rettungsboot. AuS London wird berichtet: Einen seltsamen Anblick genossen am Mittwoch die Passanten an den London Docks und an der Westminster-Brücke: am Kai legt» ein wunderlich geformtes kleines Fahrzeug an, und dem halb- runden, ovalen Rumpfe entstiegen durch eine kleine Oeffnung drctz Gestalten, die sich als der norwegische Kapitän Brude, sein Gehilfe und ein Journalist aus Kristiania erwiesen. In ,hrer kleinen Nußschale, die einem schwimmenden großen Ei gleicht, haben die drei die Ueberfahrt von Norwegen nach London unternommen, um das von dem Kapitän Brude neukonstruierte unversintoare Retwngs- boot dem Londoner Board of Trade vorzuführen. Das Fahrzeug. das den Namen„Uraed" führt, ist völlig gedeckt, von ovaler Gestalt, der Mast sitzt sehr weit vorne, und in das Innere des Bootes führt nur eine schmale senkrechte Oeffnung, die verschlossen werden kann. Die Experimente, die der Erfinder mit diesen: merkwürdigen Boote vorgenommen hat, haben seine außerordentliche Widerstandskraft. seinen ruhigen Lauf und seine völlige Unversinkbarkeit erwiesen, so daß es zu Rettungszwecken wie geschaffen ist. Während der schweren großen Herbststürme fuhr der Erfinder mit dem„Uraed" Von Aalsund nach Neu-Fundland. Wenige Tage nach der Abreise von Norwegen begegnete man einem Walsischjäger, der das wunderlich geformte Fahrzeug in der Nacht für einen Walfisch hielt, glücklicherweise aber im letzten Augenblick noch die Signale des Seglers erkannte. Nach der Vorführung in London wird das neue Rettungsboot auch im Haag und in Frankreich praktisch er- probt werden. Humor und Satire. Feierliche Inschrift auf ein Familienbad. Bon Kassian Kluibenschädel, Tuifelemaler. für die Familienbäder am Wannseestrand hat die zu» ige Behörde die Verfügung getroffen, daß Ehepaare, die ins Familienbad zu kommen wünschen, ein Kind als Legiti« mation bei sich haben muffen. Bevor du diesen Ort der Reinigung betrittst, erforsche dich,»nein lieber Christ, Ob du auf Erden hier auch gültig wohl verheiratet bist? Doch ist einTrauschein nicht genug, daß ihr euch hinter ihm verschanzt; Man mutz die Frucht der Ehe sehen, ihr müßt euch haben fortgepflanzt l So ihr nicht fleißig habt erfüllt des heiligen Matrimoniunis edlen Zweck, Dann wascht gefälligst jedes für sich ganz allein euch ab den Dreckl — Ein deutscher Orche st ermusiker mrtcrhielt sich vor der Probe»nit einem Bekannten.„Die Pianissimostellen liebt unser Kapellmeister nicht— da hört nämlich'S Publikum unser Magenknurren." � DaS preußische Kasperletheater. Bükvw als Kasperle im Abgeordnetenhaus:„Seid Ihr alle loiedcr da?"— Die konservativ- klerikale Mehrheit:„Ja!"— Bülow- Kasperle: Dann spielen wir wieder das belieble alte Stück: Borussia, det Zähnen, falschen Haorfltz durch eine ausgepolsterte Büste oder j Machen mit die Rnckjqrittsbeene l" („Jugend.") beamken zu übertragen. Die gleiche Befugnis wird den Betufs- genossenschaften hinsichtlich der Nachprüfung der Lohnlisten und Geschäftsbücher beigelegt, für welchen Zweck sie im übrigen be- sondere Rechnungsbeamte zu bestellen haben." Dem Versicheruugamt wird ferner die Bestimmung darüber übertragen, ob der Träger der Unfallversicherung zur Ucbcrnahme des Heilverfahrens während der ersten dreizehn Wochen nach dem Unfall oder zur Anordnung der Heilanstaltspflege verpflichtet ist. Das nötige Beamtenpersonal soll vom Kommunalverbande mit der Eigenschaft von Kommunalbeamtcn bestellt werden.„Es wer- den dafür die bei Durchführung der neuen Organisation voraus- sichtlich entbehrlich werdenden Beamten bei den Bersicherungsan- stalten und Berufsgenossenschaften vorzugsweise zu berücksichtigen sein." Hinsichtlich der Ober-BerfichrmnßsLmter teilt daS„Zentralblatt" mit: Die jetzigen Schiedsgerichte, welche auch die Entscheidung auf dem Gebiete der Kranken- und Hinter- blicbenenversicherung zugewiesen erhalten, sollen als mittlere In- stanzen Obcr-VcrsicherungSämter heißen. „Dann bilden Versicherungsamt, Obcr-Vcrsicherungsamt und Reichts-Versicherungsamt einen einheitlichen Aufbau, der schon durch seine Bezeichnung(Versicherungsamt Saarbrücken, Versiche- rungsamt Osthavelland, Ober-Versicherungsamt Trier) für alle Beteiligten leicht verständlich ist," sagen die„Grundzüge". Die Spruchkammer des Ober-Verstcherungsamts wird besetzt mit dem Vorsitzenden und je zwei gewählten Beisitzern aus dem Stande der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die B e. schlußkammcr mit je einem Beisitzer, zwei beamteten Mitglie- dern und dem Vorsitzenden. Dieselbe erweitert sich durch Hinzu- tritt je zweier von den Standcsvertretungcn gewählten Beisitzer aus dem Arzt-(Apotheker-) Stande zur Schiedskammer für Arzt. (Apotheker-) Sachen. Reichs-BersicherungSamt. Zum Geschäftsbereiche der Abteilung für Jnvalidenversiche- rung treten die Angelegenheiten der Kranken- und Hinterbliebenen- Versicherung. Alle Spruchsenate entscheiden in der Besetzung von fünf Mitgliedern, der erweitcrete Senat mit sieben Mitgliedern. Besondere Beschlußsenate werden gebildet.„Es erscheint ange- messen, den Versicherungsanstalten bei der Besetzung des Reichs- Versicherungsamtcs einen anteiligen Einfluß neben den Berufs- genossenschaften einzuräumen." Verfahre». In e r st e r Instanz entscheidet das Versicherungsamt, auf dem Gebiete der Krankenversicherung in Streitfällen, auf den übrigen Gebieten der Arbeitervcrsicherung in allen Fällen. Die Eni- schädigungsfeststellung tritt auf dem Gebiete der Unfallversiche- rung von Amts wegen, auf dem der Invaliden- und Hinter- bliebenenversicherung auf Antrag ein. Die durch die OrtSpolizei- behörden geführten Unfalluntersuchungsverhandlungen sind dem Versicherungsamt einzureichen; dieses nimmt sofort die geschäst- liche Behandlung in die Hand. Die gesamten Verhandlungen und Vorgänge sind den Versicherungsträgern zur Einsichtnahme und Erklärung vorzulegen; diese sind befugt, Ergänzung des Beweises zu verlangen. Will das VersicherungSamt den Anspruch ablehnen, so bedarf es der Anhörung der Versicherungsträger nicht. Gegen die Entscheidungen deS Versicherungsamts soll das Rechtsmittel der Berufung an das Ober- Versiche- rungsamt zustehen. Die Ober-Bcrsicherungsämter sind an die grundsätzlichen Entscheidungen des Reichs-Versicherungsamtes gc- bundcn. Sie müssen Streitsachen an das letztere abgeben, wenn es sich um eine noch nicht festgestellte Auslegung gesetzlicher Be- stimmungen handelc, oder wenn sie in einer grundsätzlichen Frage von einer veröffentlichten Entscheidung des Reichs-Versicherungs- amts abweichen wollen. In diesen Fällen entscheidet das Reichs- Versicherungsamt an Stelle des Ober-Versicherungsamts. Gegen die Entscheidungen des Ober-Versicherungsamts soll es das Rechtsmittel der Revision an das Retchs-Versiche- rungsamt geben. Welche Fälle von der Revision ausgeschlossen sind, ist schon früher von uns auS dem Artikel des„Zentralblattcs" vom 1ö. Mai 1908 dargelegt. Was die Beschlußsachen, also Ent- scheidungen in Beschwerdesachcn anbelangt, so steht gegen die Be- Müsse des VersicherungSamts nur die Beschwerde an das Ober- Versichcrungsamt zu. Die Pflicht zur Tragung der Kosten soll in der Hauptsache für das VersicherungSamt den Versicherungs- trägern, für das Ober-Versicherungsamt dem Bundesstaate und für das Reichs-VersicherungSamt dem Reiche, für die Landes-Ver- sicherungsämter den betreffenden Bundesstaaten zufallen. Das Gehalt des Versicherungsamtinanns trägt der Kommunalverband, der ihn ernannt hat. Die Kosten des Verfahrens des Ober-Ver- sicherungsamts, die durch die einzelnen Streitfälle erwachsen, haben die Versicherungsträger zu erstatten. Dem Bundesstaate fallen die Verwaltungstosten zu, also die Bezüge der Beamten, die Kosten für die Geschäftsräume, Inventar und Geschäftsbedürfnisse, Ver- gütungen an die Beisitzer, die Tagegelder und Reisekosten der Vor- sitzenden, Portoauslagen usw. Dazu bemerken die Grundzüge: „Die Mehrbelastung, die hier die Bundesstaaten gegenüber dem jetzigen Zustande trifft, bildet den Ausgleich für die dem Staate aus der geschäftlich.'» Entlastung der Verwaltungsbehörden durch die Versicherungsämter erwachsenden Vorteile." Ferner:„Bei den Berufsgenossenschaften und Versicherungsanstalten wird die Dezentralisierung der Verwaltung und der Rentenfeststellung finanziell vorteilhaft wirken"„Zunächst freilich werden, wie bei jeder Dezentralisation, durch die Schaffung neuer Stellen in der Lokalinstanz neue Aufgaben hervorgerufen." Wegen der Verteilung der Kosten auf die Versicherungsträger erklären die„Grundzüge", daß diese sich nicht völlig genau danach abgrenzen läßt, was der einzelne Versicherungsträger tatsächlich dem Versicherungsamt an Kosten verursacht hat. Dazu heißt eS wörtlich:„Dies wird indessen keinen wesentlichen Widerstand be- deuten." Als Verteilungsmahstab wird bei der Unfallversicherung die Zahl der angemeldeten Unfälle, bei der Invalidenversicherung die Zahl der erteilten Bescheide vorgeschlagen. Man darf annehmen, daß das„Zentralblatt" alles ber- öffentlicht hat, was vom Standpunkte der extremsten Scharfmacher zu bekämpfen ist. Tatsächlich ist das gleich null: die Berufs- genossenschaften bleiben ein Staat im Staate, mächtiger als die Regierung, werden sogar noch in ihrer Machtfülle gestärkt. Der Arbeiterklasse wird aber eine noch größere Einengung der Selbst- Verwaltung auf dem Krankenkassengebiete angesonnen. Bei dieser Lage der Dinge muß im Interesse der Arbeiterklasse und der Ge- samtheit die Forderung nach voller Veröffentlichung der ..Grundzüge" und endlicher Heranziehung von Arbeitcrvertrctern üUr Begutachtung der bislang nur den Scharfmachern bekannt- gemachten Reformplüne eindringlichst wiederholt werden. I?. Fnternaflonakr ßergarbeiterkongreß. Paris, 12. Juni 1908. Den Vorfitz führt Edwards« England. Zunächst wird über die Frage der Arbeiterinspektoren verhandelt. Die Deutschen beantragen folgende Resolution: »Die großen Grubenkatastrophen der letzten Jahre haben wieder die großen Mängel der Grubcnkontrolle bewiesen. Nur in der An- stellung von Grubenkontrolleuren auS den Reiben der praktischen Bergarbeiter ist eine wirksame Reform der Bergwerkskonlrolle zu erblicken. Diese Arbeiterinspektoren müssen von der Arbeiterschaft gewählt, aus Staatsmitteln besoldet werden und das Recht haben. so oft sie wollen oder die Arbeiter eS verlangen, die Betriebe zu inspizieren." Diese Resolution, die W o l f(Verband) begründet, wird nach kurzer Debatte einstimmig angenommen, ebenso folgende Resolution der Belgier über denselben Gegenstand: „Dieser Kongreß verlangt häufige Untersuchungen der Gruben durch Arbeiter, welche von ihren Kameraden selbst zu Jnspelloren ernanul und aus öffentlichen Mitteln bezahlt werden." Der nächste Punkt der Tagesordnung lautet: Für den Frieden, gegen den Krieg. Hierzu liegen folgende Resolutionen vor: Franzö'sischeDelegation: Der Internationale verband der Bergarbeiter hat mit allen Mitteln die öffentliche Meinung dahin zu beeinflussen, daß alle Regierungen veranlaßt werden, jede Streitigkeit, die den Frieden der Welt stören könnte, obligatorischen Schiedsgerichten zu unterbreiten. Bergarbeiter-Föderation Großbritanniens: Dieser Internationale Kongreß der Bergarbeiter drückt einstimmig die Ueberzeugung aus, daß im wahren Interesse der Arbeiter der ganzen Welt internationale Streitigkeiten auf dem Wege der SchiedS- gerichte erledigt werden müssen. Die französische Resolution wird von Gouiaux(Nord- Departement), Mitglied der Kammer, begründet: Zum dritten Male wird eine Resolution für den Frieden und gegen den Krieg dem Jntemationalen Bergarbeiterkongreß vorgelegt. Die Ehre der ersten Anregung gebührt den Engländern. 190ö schlug der alte Burt eine solche Resolution dem Kongreß in Lüttich vor, in Salzburg wieder- holten wir Franzosen diese Resolution und nun tun wir es mit den Engländern gemeinsam. Die Zeit für die Friedensbewegung ist günstig. Alle Welt spricht von der ontsnto oordi-tts. Wenn eS gelingen sollte, die Bergarbeiter aller Länder international zu organisieren, dann wären die Bergarbeiter die stärkste Orgainsation der Welt und könnten den Regierungen diktieren, daß Schiedsgerichte an die Stelle der Kriege z» treten hätten. Welches Argument wird unseren sozialen Forderungen stets entgegengehalten? Ihre Durch- führung koste zu viel Geld, die Staatskassen seien leer. Aber die Völler Europas müssen jährlich 10 Milliarden Frank für Militär und Marine aufbringen— also zur Zerstörung der Zivilisation. Was für Werke der Zivilisation könnten dafür geschaffen werden.(Leb- hafte Zustimmung.) Man wirft uns vor, wir seien keine Patrioten. Aber nichts liegt uns ferner, als unser Vaterland zu verleugnen und den Fremden preiszugeben. Wir sind dagegen, daß eine Nation die andere unterdrückt.(Lebhafte Zustimmung.) Wir hoffen, daß die Deutschen diesmal für die Resolutton stimmen werden. In Salz- bürg stimmten sie dagegen, weil sie ihnen zu politisch war.(Rufe bei den Deutschen: Der Wortlaut war anders I) Die einstimmige Annahme der Resolution durch den Bergarbeiterkongreß wäre eine Garantie des Weltfriedens.(Lebhafter Beifall.) Smillie- England schließt sich diesen Worten auS ganzem Herzen an. Keine Arbeiterklasse der Welt wünscht den Krieg. Die Kriegstreiber sind die Kapitalisten, die Finanzleute und die Sen- fationsprefse.(Lebhafte Zustimmung.) Auf die Arbeiterklasie fallen die Bürden deS Krieges( sie müssen ihr Blut und den letzten Pfennig hergeben. Die reichen Leute, die auf ihre Steuerleistungen verweisen, sind nur die Kanäle, durch die das Geld hindurchgeleitet wird, nicht die wirklichen Bezabler. Alle ihre Steuern stammen aus dem Mehr- wert, den die Arbeiter erzeugen. Die internationalen Bergarbeiter- kongresse stellen gewiß eine Macht dar. aber eine viel größere Macht ist der Sozialismus, sind die sozialistischen Parteien, die den Geist der Brüderlichkeit unter den Völkern verbreiten und die Barbarei bekämpfen.(Lebhafter Beifall.) Sachse- Deutschland: Die deutsche Delegatton wird diesmal einstimmig für die Resolutionen stimmen.(Bravo l) In Salzburg hinderte uns der Wortlaut der Resolution daran, der diesmal ge- ändert ist. Ueber die Notwendigkeit internationaler Schiedsgerichte waren wir aber immer einer Meinung. Nicht nur die Bergarbeiter, nein alle Arbeiter sind für den Frieden und gegen alle Pläne des Größen- Wahnsinns. Mit Freuden haben wir die Rede O Gradys im eng- tischen Parlament gegen die Reise Eduards VII. nach Rußland begrüßt. Wenn die Fürsten zusammenkommen, ist der Friede ge- fährdet. Königsreisen und Telegramme haben fchon viel Unheil angerichtet.(Heiterkeit und Beifall.) Wir sind die entschiedensten Gegner der Politik der Plötzlichkeiten. Wir wollen den Frieden und internationale Schiedsgerichte, um das Faustrecht auch hier abzu- schaffen.(Lebhafter Beifall.) M a r o i l l e- Belgien: Dieser Kongreß ist ein Kongreß deS Friedens und der Brüderlichkeit. Die Arbeiter sind gegen den Krieg, weil sie den Brudermord verabscheuen und weil der Militarismus einen so großen Teil deS nationalen Einkommens verzehrt.(Beifall.) I a r o l i n- Oesterreich erklärt: Ich bin Gewerkschaftler und Sozialist, werde mich aber der Abstimmung enthalten, da ich eS nicht für richtig halte, daß solche Fragen, die vor den Internationalen Sozialistenkongreß gehören, von einem Gewerkschaftskongreß erörtert werden. Die beiden Resolutionen werden hierauf angenommen. Der Internationale Sslretär Ashton erstattet hierauf Bericht über seine Tätigkeit. AuS Amerika waren zwei Delegierte an- gemeldet; sie sind aus unerklärliche» Gründen aber nicht eingetroffen. Vielleicht ist der im vorigen Jahre eingetretene Wechsel in der Leitung der amerikanischen Bergarbeitorbewcgung die Ursache. In einem Briefe aus Russisch-Polen wird mitgeteilt, daß sich in den Bezirken Dombrowa und Sosnowiece mit ihren 20 000 Bergarbeitern trotz aller Schwierigkeiten eine Organisation gebildet habe, die bereits 18(30 Mitglieder zähle. Leider köiniten die Kameraden nur mit ihrem Herzen auf dem Kongresse sein, dem sie den besten Erfolg wünschten. Das Budget des Internationalen Sekretärs setzt sich aus folgenden Beiträgen zusammen: England 160 Pfund Sterling, Amerika 150, Oesterreich 13,4, Deutschland 87.2, Frankreich 12 und Belgien 26 Pfund Sterling. Die jetzt der englischen Föderation beigetretenen Bezirke Durham und Norlhumbcrland haben im vorigen Jahre 38 und 10,8 Pfund Sterling Beitrag geleistet. Die Ausgaben des Sekretärs haben 463 Pfd. Sterling betrogen. Der Kongreß entlastet den Sekretär und beschließt, die' Bei- träge im laufenden Jahre in derselben Höhe wie im voran- gegangenen zu erheben. Der Antrag der B e l g i e r, jedes Jahr 14 Tage Ferien für die Bergarbeiter einzuführen und zwar so, daß eine Woche dieser Ferien in den April, die andere in den September fällt. wird auf Antrag L e b l a n c- Belgien dem Internationalen Komitee debattelos zum Studium überwiesen. Der weitere Antrag der Belgier, den ersten Montag im August zum internationalen Fe st tag der Bergarbeiter zu inachen, wird von den Deutschen und Oesterreichern bekämpft. Sachse- Deutschland: Wir find mit der Idee einverstanden, nur mit dem Datum nickt. Es muß 1. Mai heißen. Seit 1339 ist der 1. Mai von allen Internationalen Sozialistenkongressen zum Weltfeiertag erklärt worden. Daran wollen wir festhalten und nur dafür sorgen, daß auch die Bergarbeiter den 1. Mai überall feiern. I a r o l i m- Oesterreich: Für einen besonderen Festtag für Bergarbeiter außerhalb de» 1. Mai sind wir nicht zu haben. Die österreichischen Bergarbeiter haben sich den I.Mai als Feiertag voll- ständig erobert. DeSjardinS- Belgien: Wir feiern auch den 1. Mai. Mit unserem Antrage wollten wir den Engländern entgegenkommen, die am ersten Montag im August feiern. Edwards- England: Wir könnten ja sehr leicht für den Antrag stimmen, denn der erste Montag im August ist allgemeiner Feiertag in England, ein sogenannter Bankfeierrag und da feiert alle Welt. Aber was wäre damit gcivonnen? Das beste wäre, den Antrag dem Internationalen Komitee zu überweisen.(Heiterkeit bei den Deutschen. Ruf: Internationaler Papierkorb!) Martin- Frankreich: Wir sind gegen den belgischen Antrag. Wir haben schon genug Schwierigkeiten mit dem 1. Mai. Der belgische Antrag wird hierauf dem Internationalen Komitee überwiesen. Der letzte Gegenstand der Tagesordnung ist folgender Antrag der deutschen Delegation: »Dieser Kongreß empfiehlt allen Bergarbeitern, bei allen Wahlen zu gesetzgebenden Körperschaften nur solche Kandidaten zu unter- stützen, die sich ehrenwärisich berpflichten, km Falle ber Wahl energisch für die gesetzliche Bewilligung der Bergarbeiterfordcrungen einzu- treten, deren unbedingte Notwendigkeit von dem internattonalen Bergarbeiterkongreß anerkannt ist." Hermes- Deutschland: WaS nützt es uns aber, wenn alle unsere Errungenschaften, wenn unsere ganze Tätigkeit durch reak- tionäre Gesetze und reaktionäre Regierungen und Parlamente wieder illusorisch gemacht werden. Deshalb müssen wie auch an dem polt- tischen Kampfe teilnehnien.(Lebhafter Beifall.) Nach Befürwortung des deutschen Antrages durch Edwards« England und M a r o i l l e- Belgien wird der Antrag einstimmig angenommen.(Lebhafter Beifall.) Der Kongreß beschäftigt sich dann mit der Geschäftsordnung, die auf künftigen Internationalen Kongressen gelten soll. Auf Antrag der Deutschen wird beschlossen, künftig die Redezeit für Antragsbegründer auf 15 Minuten und für die anderen Redner auf 10 Minuten zu beschränken. Weiter beantragen die Deutschen, den Internationalen Berg- arbeiterkongretz nur alle zwei Jahre stattfinden zu lassen; wenn es wichtige Vorkommnisse notwendig machen, so kann das nternationale Komitee den Kongreß zu einer außerordentlichen agung einberufen. Den Antrag begründet I a r o l i m- Oesterreich: Er erkenne die hohe Bedeutung der Internattonalen Kongresse voll und ganz an. Aber aus praknschen Gründen müssen die Deutschen und Oesterreicher die jährliche Wiederkehr der Kongresse ablehnen. Die Engländer erklären, sie hätten ein imperattveS Mandat, für die jährlichen Kongresse zu stimmen. Ebenso verwerfen die Belgier und Franzosen den deutschen Antrag, der gegen die ver- einten Stimmen der Deutschen und Oesterretcher abgelehnt wird. Als nächster Kongretzort wird eine deutsche Stadt gewünscht. Sachse erklärt, daß der Deutsche Bergarbeiterverband ihm den Auftrag gegeben habe, für das Stattfinden deS Kongresses alle zwei Jahre mit aller Kraft einzutreten. Da dieser Antrag leider ab- gelehnt sei, wisse er nicht, ob der nächste Bcrbandstag nicht die Be- schickung deS Internationalen Kongresses ablehnen werde. Da sei eS mißlich, eine deutsche Stadt als Kongreßort zu wählen. Hieraus wird Brüssel als Ort der nächsten Tagung ge- wählt. Zum Sekretär des Internattonalen Komitees wird Ashton wieder- gewählt, zum Schatzmeister Abraham; zu Landessekretären Huc- Deutschland, Jarolim-Oesterreich, Maroille-Belgien, Lamendin-Frank- reich und Ryan-Amerika. Das Internationale Komitee setzt sich zusammen aus: Hue, Sachse, Schröder(Deutschland); Ebert, Cingr, Jarolim(Oesterreich); Lamendin, Bexant, Geniaux(Frankreich); Callewaert, Cavrot, Ma- roille(Belgien) und Abraham, Edwards(England). Es folgen Dank- und Schlußreden. Dann geht der Kongreß unter dem Gesang eines englischen Bergarbeiterliedes und der Jnier- nationale auseinander. HttMstllg der Porzellanarbeiw. Am Sonnabend legte die Kommisston. der die Beratung ber Finanzreform-Anträge übertragen war, daS Ergebnis ihrer Arbeit vor. Die Kommission konnte noch nicht das ganze ihr überwiesene Material durcharbeiten. AuS diesem Grunde war die Diskussion über die Finanzreform im Plenum eine sehr ausgedehnte. Nach längerer Debatte wurde die Angelegenheit nochmals in die Kom- Mission verwiesen. Das Ergebnis der erneuten mehrstündigen Kommissionsberatung wurde von der Generalversammlung fast einstimmig angenommen. Das wesentlichste aus diesen Beschlüssen ist folgendes: Statt der bisherigen, nach dem Arbeitsverdienst ab- gestuften sechs Beitragsklasfen werden vier Klassen eingerichtet nach einem Wochenverdienst von 8, 12, 18 und über 18 M. Der Beitrag bettägt 15, 39, 45 und 60 Pf., die Arbeitslosenunterstützung 4, 7, 11 und 14 M.— Die Krankcngeldzuschußkasse erhält eben- falls statt sechs Klassen vier Klassen mit Beiträgen von 10, 20, 30 und 40 Ps. und Unterstützungen von 2,60, 5,—, 7,50 und 10,— M. — Entgegen der Absicht des ursprünglichen Vorstandsantrages bleibt diese Zuschußkasse eine besondere Institution, der zwar jedes Mitglied angehören muß, doch steht es ihm frei, ohne Rücksicht aus seinen Verdienst und feinen Verbandsbeitrag, einer beliebigen Klasse der Zuschußkasse beizutreten.— Die Dauer der Unter» stützungen bleibt wie bisher.— Streikunterstützung wird nach einer Mitgliedschaft von miydestenS 26 Wochen(bisher ohne Karenzzeit) gewährt, und zwar in den vier Klassen: 6, 9, 13 und 16 M. und für jedes Kind 1 M. Zuschlag. Zur Verschmelzungsfrage wurde die nachstehende, von der Kommission empfohlene Resolution einstimmig ange- nommen: „Die Generalversammlung steht der Verschmelzung mit den Verbänden der Glasarbeiter und der Töpfer durchaus sympathisch gegenüber, sie ist aber überzeugt, daß diese Frage in Mit- gliederkreisen noch nicht genügend diskutiert ist, um sie für spruchreif zu halten. Der Verbandsvorstand wird beauftragt, die Mitglieder für diese Frage mehr als bisher zu interessieren und gemeinsam mit den Vorständen dcS Glasarbeiter- und des Töpferverbandes die Grundlage für eine Verständigung zu suchen." Hierauf wurde noch eine Reihe anderer Anträge verhandelt. Der Vorstand wurde ermächtigt, wenn es nach reiflicher Erwägung notwendig erscheint, einen weiteren Bureaubeamten anzustellen und dabei die Person des zweiten Vorsitzenden zu berücksichtigen. -— Die gleiche Vollmacht wurde dem Vorstande für die eventuelle Anstellung von Gauleitern erteilt. Die nächste Generalversammlung soll wieder in Groß-Berlin abgeholten werden,_ Sozialee« JnnungSführer auf ber Anklagebank. Wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbeordnung und Be« leidigung sind die Obermeister der beiden Berliner Bäckcrinnnungen angeklagt. Obermeister Schmidt von der„Concordia"- und Ober- meister Milleville von der„Germania"-Jnnunz sind eS, die am Montag vor der 5. Strafkammer des Landgerichts I zu erscheinen haben, um sich auf die obige Anklage zu veranworten. Es ist ein äußerst seltener Fall— unseres Wissens ist es überhaupt, wenigstens in Berlin, das erstemal— daß sich JnnungSführer in den Schlingen des Z 153 gefangen haben. Damit ist nicht gesagt, daß sich Minstxr und Unternehmer bei Lohnbewegungen nicht gegen den genannten Paragraphen vergehen. Auch die Unternehmer wenden ja bekannt- lich im wirtschaftlichen Kampfe nicht nur gegen die Arbeiter, sondern auch gegen ihre eigenen Köllen, die nicht mitmachen wollen, Mittel an, die mit Strafen geahndet werden müßten, wenn der ß 153 der Gewerbeordnung gegen Unternehmer ebenso rigoros an- gewandt würde, wie eS den Arbeitern gegenüber in der Regel ge- schieht. Kein Streik, keine Lohnbewegung geht vorüber, ohne daß nicht selbst ganz harmlose Handlungen von Arbeitern als Drohun- gen. Ehrverletzungcn usw., imSinne des§ 153 unter Anklage gestellt und schwer bestraft werden. In der Erhebung von Anklagen gegen von Arbeitern angeblich begangenen Streikvergehen, tut die Staats- anwaltschaft lieber zu viel als zu wenig. Aber die ganz gleich. artigen Handlungen von Unternehmern sieht die„objektive Behörde der Welt" nicht, und wenn man sie darauf aufmerksam macht, dann hält eS— wie der vorliegende Fall Schmidt und Milleville zeigt— ungemein schwer, die Staatsanwaltschaft zu einer Anklage zu be- wegen. Dabei liegt der Fall so klar, daß nach der gegen Arbeiter üblichen Rechtsprechung, gar kein Zweifel an dem Vergehen der beiden Obermeister sein kann. Es war im vorigen Jahre während des Bäckerstreiks. Viele Bäckermeister hatten die Forderungen der Gesellen bewilligt. Da ständen keinen anderen Ausweg. " Revolverattentat. faßten die Vorstände der beiden Innungen den Beschluß, daß allen| bersand entfallen auf Halbzeug 114 599 Tonnen( 130 353 Tonnen des Hauptinhalts und nicht zu dessen vertragsmäßiger Abgrenzung Meistern, welche die Forderungen der Gesellen bewilligt hatten, teine im Mai 1907); auf Eisenbahnmaterial 162 913 Tonnen( 188 916 Tonnen bestimmt. Die Beklagte hat gegen den Klageanspruch eingewendet, Hefe mehr geliefert werde und daß auch den Hefehändlern, welche im Mai 1907) und auf Formeisen 187 343 Tonnen( 175 028 Tonnen die Klägerin könne, wenn deren Vertragsauslegung richtig sei, sich diesem Beschluß nicht fügen, die Hefe entzogen werde. In einem im Mai 1907). immer nur fordern, daß die Beklagte die erforderlichen Arbeiten Flugblatt, welches diesen Beschluß veröffentlichte, heißt es, die ausführe, wozu ihr eine angemessene Frist zu lassen sei. Daß das Die Krise in der Binnenschiffahrt. nicht geschehen sei, vielmehr die Klägerin einseitig die Arbeiten niedrige und verleumderische Kampfesweise des Bäderverbandes Während in früheren Jahren bei günstigem Wafferstande nicht ausgeführt habe und die Erstattung der Mehrkosten fordere, so habe und das feige Verhalten vieler Meister ließen den Innungsvor- genug Laderaum in der Schiffahrt der Elbe zur Verfügung stand, hat sie der Beklagten die bertragsmäßig geschuldete Leistung unmöglich in diesem Jahre die Krise einen Ueberfluß an Versandgelegenheit ge- gemacht und fordere etwas, was ihr nach dem Vertrage nicht geDies Flugblatt wurde der vom Obermeister Schmidt heraus- bracht. Die Betriebseinschränkungen bei den drei Elbschiffahrtsgesell- schuldet werde. Das Berufungsgericht hat das zurückgewiesen, gegebenen Zeitung der" Concordia" Jnnung und der vom Ober- schaften haben großen Umfang angenommen. So find in den letzten weil sich aus dem Zusammenhang mit§ 7 des Vertrages das Recht meister Milleville herausgegebenen Beitung der Germania"-Jnnung Tagen nicht weniger als 120 Mann abgelohnt und entlassen worden. der Klägerin ergebe, entweder die Arbeiten durch die Beklagten beigelegt. In beiden Zeitungen erschien auch ein Artikel, in welchem ausführen zu lassen, oder die Erstattung der Kosten zu fordern. tie Meister, welche die Gesellenforderungen bewilligt hatten, als Kakaoernte und Kakavverbrauch 1908. Der„ Gordian" berechnet, Diese Vertragsauslegung ist rechtlich unbedenklich und trägt die Verräter, Ehrenwortbrecher, charakterlose Wichte usw., bezeichnet daß in acht Ländern, in den ersten drei, vier, fünf Monaten, fchon angefochtene Entscheidung. werden, auch wird ihnen die Entziehung des Kredits und der Hefe 21 000 000 Kilo Kakaobohnen mehr geerntet worden sind, als 1907. Zugleich hat der Verbrauch in den Hauptländern in diesem Jahre angedroht. rund 7 600 000 Kilo Kakaobohnen weniger genommen, so daß bisher Ein eifersüchtiger Hausfreund, der wegen des Wirken im Sowohl der Bäderverband als auch einer der beleidigten 1908 rund 28 000 000 Millionen Kilo Kakaobohnen mehr zur Aus- Bunde" zum Revolver gegriffen hatte, mußte sich gestern vor dem Bäckermeister stellten gegen die beiden Obermeister füllung der Weltvorräte benutzt werden konnten, als im vorigen Strafrichter verantworten. Wegen Körperverlegung mittels geStrafantrag wegen Bergehen gegen§ 153 der Gewerbe- Jahre. fährlichen Werkzeuges verhandelte die 2. Straffammer des Landordnung und Beleidigung. Die Staatsanwaltschaft beim Da die Ernteaussichten weiter gut sind, glaubt das Fachblatt gerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Liebenow gegen Der Angeklagte hat Landgericht I lehnte jedoch die Erhebung der Anklage ab und annehmen zu können, daß das Jahr 1908 wieder gut machen wird, den 28jährigen Musiker Paul Storuppa. sagte in der Begründung, daß sie in der Handlungsweise der Ober- was die Spekulation in den beiden letzten Jahren bei dem Fehlen schon einmal wegen einer fast gleichartigen Revolverschießerei in meister die Tatbestandsmerkmale der Drohung vermisse. Auf überreicher, allzusehr drückender Vorräte den Kataokonsumenten und Neudamm eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten erlitten. Schon Beschwerde der Antragsteller wies der Oberstaatsan der Kakaoindustrie geschadet hat. Die Preise werden daher bald damals war er bei dem Schaubudenbesizer P. als Mufiter angewalt beim Kammergericht die Staatsanwaltschaft an, bon mittel allgemeiner wieder verwandt werden können". wieder so stehen, daß Kalao und Schokolade als tägliches Nahrungs- stellt. P. ist Befiber eines Wachsfigurentabinetts, mit welchem er in den üblichen Wohnwagen auf Schüßen- und Rummelplätzen neuem in Grmittelungen einzutreten. Das geschah. umherzieht. Als great attraction" dient ihm hierbei der AngeAber auch diesmal fand die Staatsanwaltschaft Der Rückgang des englischen Außenhandels. London, 11. Juni. flagte, der in süßschmelzendem Tone vor der Schaubude Trompete feinen Grund zum Einschreiten. Sie begründete das damit, Schon die letzten Monate des verflossenen Jahres zeigten, daß es spielt, um die Neugierigen anzuloden. Durch seine mehr oder daß sie sagte, die Beschuldigten hätten in Notwehr gehandelt, da mit der Geschäftsblüte zu Ende war, und die ersten fünf Monate des weniger wundervollen Melodien hatte er sich allmählich in das laufenden Jahres haben den Niedergang des Geschäftslebens außer Herz der Schaubudenbesikersgattin hineingeblasen. Wie der Anfie lediglich gegen die seitens des Bäckerverbandes und des„ Bor- Zweifel gestellt. In den Monaten Januar bis Ende Mai belief fich geklagte behauptete und wie auch die elf Jahre ältere Frau P. tvärts" planmäßig und eifrig betriebene Boykottierung derjenigen die Einfuhr auf 252 205 881 Pfund Sterling, die Ausfuhr auf zugab, hatte ihm diese schon bald nach seinem Dienſtantritt einen Bäckermeister, welche die Gesellenforderungen nicht bewilligt hatten, 161 040 256, die Durchfuhr auf 88 267 019 Pfund Sterling. Gegen Liebesantrag gemacht. Storuppa war auch gar nicht spröde und verteidigen wollten. Dieser Auffassung trat auch der Ober die gleiche Beriode des Jahres 1907 zeigt die Einfuhr eine Abnahme bites der Frau zur Linderung ihrer heißen Liebesschmerzen die staatsanwalt bei. Die Antragsteller wandten sich nunmehr von 28 355 830, die Ausfuhr eine solche von 12 166 144, die Durch- schönsten Melodien auf seinem Piston vor. Dieses nette und einan das Kammergericht. Dasselbe hat daraufhin vor einigen fuhr 11 184 011 Pfund Sterling. Am meisten hat die Durchfuhr trägliche Verhältnis dauerte sechs Jahre hindurch. Eines schönen Monaten die Erhebung der Anklage wegen Vergehens gegen§ 153 gelitten, die fich um 25,2 Proz. berringerte. Tages tauchte jedoch ein neuer Stern auf. Der Angeklagte glaubte der Gewerbeordnung und Beleidigung gegen Schmidt und Milleville eine erhebliche Abkühlung in den Gefühlen der Frau P. zu be= angeordnet. merken. Als er dem Grunde dieser Erscheinung nachging, entdeckte er, daß Frau P. auch ihm untreu geworden war und ihre eigung einem Neger Namens Thomas zugewendet hatte, der ebenfalls in einer Schaubude angestellt mar. Dieser neue Günst ling blies nämlich in herzerweichender Weise die Flöte und diesen füßen Flötentönen fonnte Frau B. nicht widerstehen. Der Ange tlagte glaubte jedoch ältere Rechte in seiner Eigenschaft als lang. jähriger Hausfreund zu haben und stellte den schwarzhäutigen Nebenbuhler zur Rede. Dies bekam ihm aber sehr schlecht, denn der Schwarze schien auch großer Meister in der edlen Kunst des Bogens zu sein. Der Angeklagte belam, wie er sich ausdrüdte, bon ihm furchtbare Keile". Mit finsteren Rachegedanken taufte sich S. einen Revolver. Am Abend des 20. April d. J. stand Frau 3. mit mehreren Bekannten vor der Schaubude ihres Mannes, der damals ein Gastspiel" auf einem Rummelplab in der Landsberger Allee gab. Als sie den Angeklagten erblidte, belegte sie ihn mit einer Reihe Schimpfworte. In höchster Wut und Eifersucht riß Storuppa seinen Revolver hervor und feuerte auf seine ehemalige Geliebte zwei Schüße ab, von denen einer sie in den Mund traf und ihr die Zähne zerschmetterte, der zweite eine leichte Hautunde am Genick hervorrief. Als das Publikum auf ihn eindrang, feuerte S. noch einen dritten Schuß ab. Erst als ein Beherzter mit einer langen Latte dem Angeklagten den Revolver aus der Hand schlug, fiel die wütende Menge über ihn her und hätte ihn fast totgeschlagen, wenn nicht die Polizei im lekten Augenblick eingeschritten wäre. Der Angeflagte hat bei dieser Lynchjustiz so schwere Verlegungen davongetragen, daß er noch im Verbande zum Termin erscheinen mußte. Der Staatsanwalt beantragte eine Das Gericht erkannte auf Gefängnisstrafe von 2 Jahren. Man sieht, welche Schwierigkeiten es machte, um die terrorifierenden Obermeister endlich vor Gericht zu bringen. Die Ver. Handlung findet am Montag, früh 9 Uhr, vor der 5. Straftammer statt. Das Elend im Gehrock. Das Elend der Bureauangestellten ist wiederholt besprochen. Und dennoch dürfte man die wirtschaftliche Lage dieser Arbeiterschicht bisher immer noch zu rosig gesehen haben. Eine Erhebung des Verbandes der Bureauangestellten unter den Hilfskräften der Berliner Rechtsanwälte gibt über deren Lage Auskunft. Die Verhältnisse in Berlin dürfen dabei als typisch für das Reich angesehen werden. Die Zahl der Angestellten bei den Berliner Rechtsanwälten ist in der Zeit von 1895 bis 1908 auf etwa das Doppelte, bon 1485 auf 2734 Frankreichs Außenhandel. Nach der amtlichen Zollstatistik betrug in den ersten fünf Monaten des Jahres 1908 der Wert der Einfuhr 2 577 920 000 Fr. gegen 2719 272 000 Fr. im gleichen Zeitraum des Jahres 1907 und der der Ausfuhr 2158 420000 Fr. gegen 2800 167 000 Frant im Vorjahre. Aus der Frauenbewegung. Allgemeiner Wahlverein. Beiträge nehmen entgegen: Für den fünften reis: Frau Ntausch, Winsstr. 12; Frau Möckel, Kaiser- Wilhelm- Straße 16n; Frau Nürnberg, Chodowiedistraße 21. Für den sechsten Kreis, Schönhauser Vorstadt: Frau Schent, Kastanienallee 57, Quergeb. IV; Frau Lohse, Oderberger Straße 20, b. IV; Frau Leder, Rykestr. 42; Frau Förster, Rhinower Straße 9; Frau Bradke, Schwedter Straße 80; Frau Ligle, Rodenbergstr. 31; Frau Grabber, Czarnitauer Straße 14; Frau Gerlach, Schönhauser Allee 42; Herr Sauer, Schönhauser Allee 134( Restaurant); Frau Schramm, Lychener Straße 25; Frau Elbe, Danziger Straße 20, Quergeb. III; Frau Panzeram, Pappelangelwachsen. Der weitaus größte Teil des Zuwachses kommt dabei den weiblichen Arbeitskräften zugute, die 1895 nur 5,8 Proz., 1908 schon 40,8 Proz. aller Angestellten ausmachten. Die Schreibmaschine hat diese Umwälzung verursacht. Eigentümlicherweise sind die Unterschiede zwischen den Löhnen der männlichen und denen der allee 76. weiblichen Angestellten nicht sehr groß, die mittlere Lohnhöhe ist bei diesen am meisten vertreten. Die folgende Zusammenstellung gibt ein Bild von der Verteilung der Gehälter für alle Angestellten: Bu oder Lohnhöhe bis 35 M. 35-70 70-100 100-130 1904 1908 28,79 Proz. 28,31 Proz. 28,27 21,35 13,58 28,14 " 20,85 " " " 16,54 11,16 " 9 " Abnahme 5,48 Proz. 0,13 0,50 2,96. 130-1663" 8,01 3,15 Wenn diese Statistit auch nachweist, daß die Löhne im all gemeinen gestiegen sind, so geht aus ihr doch auch hervor, daß noch immer mehr als 50 Proz. der Angestellten nur bis zu 70 W. verdienen. Kein Industriearbeiter, der eben ausgelernt hat, fein Lauf bursche tauscht mit diesen besseren Arbeitern". Wenn solche Zustände noch in Berlin herrschen, wie soll es da in der Provinz aussehen! Hoffentlich leuchtet der Verband einmal mit einer Lohn statistik in die engen Amtsstuben der Rechtsanwälte vom ganzen Reiche hinein. Vielleicht kommen dann auch diese Arbeiter zur Erfenntnis ihrer Lage und erzwingen sich Besserung durch eine energische Organisation. " Für Wedding und Oranienburger Vorstadt grau Marie Jacobey, Wiesenstr. 10 vorn II, Frau Elise Rommel, Wiesenstraße 40 vorn II, Frau Martha Jahn, Bankstr. 88 born IV, Frau Marie Rudolph, Müllerstr. 7, Seitenfl. IV, Frau Auguste Beier, Müllerstr. 153, of III, Frau Elise Richter, Banfftr. 88 born IV Frau Minna Neiß, Schererstr. 4, Quergeb. III, Frau Marie Ratscha, Tieckstr. 15 im Keller, Frau Adam, Wöhlertstr. 8, Quergeb. III, Frau Uhligfch, Nord- Ufer 14, 1. Aufgang Seitenfl. II, Frau Anna Hoppe, Bandelstr. 40 vorn II. Für Moabit: Frau Reichert, Flemmingstr. 16 born IV, Frau Regler, Oldenburger Str. 87, Duergeb. III, Frau Pohl, Rostocker Straße 27, Frau Jordan, Lübeder Str. 48, rechter Seitenflügel I, Frau Wulff, Oldenburger Str. 40, Gartenhaus, 2. Aufgang I. Der Vorstand. Erklärung. Hiermit erkläre ich, daß mein Name als Referentin für die heutige Versammlung des Vereins der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen ohne meine Bewilligung verwendet worden ist. Marg. Kussel. Versammlungen Veranstaltungen. " " 1 2 Jahre und 6 Monate Gefängnis. Wie der Vorsitzende verkündete, hatte das Gericht lange geschwankt, ob nicht versuchter Mord an aunehmen und die Sache an das Schwurgericht zu verweisen sei. Die unzufriedenen Klingelbeutelchriften. Irgendwo im Dbotritenlande liegt ein Städtchen Schönberg. In diesem Dertchen besteht die Vorschrift, daß jeder Hauseigentümer mit dafür zu sorgen hat, daß Sonntags der Klingelbeutel in der Kirche in Bewegung tommt. Die alte Generation ist diefem Gebote getreulich nachgekommen, unter dem jungen Nachwuchs von Schönberg aber fehlte es nicht an Stimmen, die gegen das Klingelbeutelgebot opponierten. Und zwar trat der bei Spießern seltene Fall ein, daß die Unzufriedenen es nicht beim Schimpfen bewenden ließen, sondern daß einzelne passiven Widerstand leisteten. Anstatt nun getreu dem Bibelwort„ Die Nache ist mein" die Bes Berlin. Heute nachmittag 6 Uhr im Gewerkschaftshaus", Engelstrafung beziehungsweise Befehrung der Mißvergnügten dem höchsten Ufer 15: Jugend- Abteilung. Vortrag: Frau Weyl. Geselliges Richter zu überlassen, schien sich der Kirchenvorstand von Schönberg Beisammensein. Gäste willkommen. von der irdischen Gerechtigkeit mehr zu versprechen. Er ging nach Montag, den 15. Juni, 8 Uhr, in den Arminhallen", Streliz ans Landgericht und dies hat die faulen Klingelbeutel Kommandantenstr. 58/59: Kunstabend. Mitwirkende: Geigen- christen denn auch wieder mobil gemacht. Es entschied, der Kirche tünstler Sörmus, Schauspieler Richard vom Deutschen Theater, stehe das Recht zu, jeden Einwohner, der ein Grundstüd befize, Leo Kestenberg. Friedrichshagen und Umgegend. Montag, den 15. Juni, im Restaurant zum Tragen des Klingelbeutels heranzuziehen oder für die Be" Wilhelmsbad". Vorlesung:„ Geschlechtliche Erziehung in der freiung von diesem Diente eine Abgabe einzufordern." Wie fann es aber auch in Mecklenburg jemand einfallen, geger Lichtenberg. Montag, den 15. Juni, bei Bühl, Pfarrstr. 74: Vortrag." alte Heberlieferungen" angehen zu wollen! Arbeiterfamilie". Die Gültigkeit einer Polizeiverordnung des Regierungspräsidenten in Trier war vom Fleischermeister Breit bestritten worden, und zwar meinte er, daß nicht gültig sei die folgende Bestimmung: Alles unmittelbar zum Verkauf bestimmte, im Schaufenster oder sonst ausgestellte Fleisch muß durch Gaze, feines Drahtgeflecht usw. gegen die Berührung mit Staub und Insekten geschüßt werden." Das Landgericht Trier verurteilte jedoch B. wegen Uebertretung der Vorschrift und das Kammergericht berwarf seine Revision, indem es die Berordnung mit folgender Begründung für rechtsgültig erklärte: Angeklagter könne fich nicht auf das fogenannte Menschenseuchen Gesetz berufen. Dieses regele nur die Materie der ansteckenden Krankheiten erschöpfend. Hier handele es sich aber nicht um den Schuß gegen Verbreitung von ansteckenden Krankheiten. Die Verordnung wolle vielmehr die Gesundheit insofern schützen, als es das Publikum vor dem Erwerb Hat die Straßenbahn oder die Stadt die Mehrkosten zu tragen, die Maurer, 8weigverein Berlin) hielt Freitag im Geund dem Genuß von Fleisch schüßen wolle, das infolge der Be- durch das Wiedereinbauen der Straßenbahngleise in die Neurührung mit Staub und Insekten dem Verderben zuneige und dem menschlichen Magen unverträglich fei. Somit finde die Berordnung ihre Stüße im§ 6 des Polizeivert.- Gesetzes. Aus Induftrie und Handel. Erhebliche Betriebseinschränkung. Die Arbeiter der Maschinenfabrik Ludw. Löwe wurden am Sonnabend durch folgende Bekanntmachung unangenehm überrascht: Mit Bezugnahme auf§ 5 der Arbeitsordnung bringen wir hiermit zur Kenntnis, daß wir uns entschloffen haben, vom Montag, den 15. Juni d. J. an die regelmäßige tägliche Arbeitszeit in unseren sämtlichen trieben wie folgt abzufürzen, um die sonst in größerem Umfange notwendig werdenden Arbeiterentlassungen zu vermeiden. Dr. Zadek: Frauenleiden". würde. Gerichts- Zeitung. anlagen entstehen? Verfammlungen. Die Sektion ber Gips- und Bementbranche( Berband der wertschaftshause eine Generalversammlung ab, um zum 10. außerordentlichen Verbandstag Stellung zu nehmen. Als Kandidaten Die Stadtgemeinde Rigdorf hatte im Jahre 1905 in der Ber- zu den am 24. Juni stattfindenden Delegiertenwahlen wurden Otto liner Straße das Steinpflaster durch Asphaltbelag ersetzt. Sie Haase, Rudolf Grundmann, Karl Gohlke und Frik Müller nominiert. Dann wurden aus der Versammlung heraus verschiedene verlangt nun die Mehrkosten von der Straßenbahngesellschaft er- Anträge zum Verbandstag gestellt, über die lebhaft diskutiert wurde. stattet, die ihr durch das Einbauen des dort befindlichen Doppel- Die Stuffateure haben seinerzeit ihren Verbandsvorstand beaufgleises der Straßenbahn in das neue Pflaster entstanden sind. Die Forderung der Stadtgemeinde stüßt sich besonders auf§ 9 Abs. 2 tragt, einen Kartellvertrag mit dem Maurerverband abzuschließen. Dagegen wendet sich ein. Antrag Grundmann, der Verbandstag des für sie und die Straßenbahn gültigen Bertrages, und zwar möge den Abschluß eines Startellvertrages mit den Stukkateuren soll das, was in Abs. 1 für die erste Anlage der Gleise zu gelten für so lange untunlich erklären, als die Stuftateure noch solche habe, nach Abs. 2 auch in dem Falle gelten, wo später das Stein Verträge abschlössen, wie den Dresdener. Dort haben die Stuttapflaster durch eine andere Art der Straßenbefestigung ersetzt werden teure durch einen Bertrag ihre Unternehmer verpflichtet, teine Während das Landgericht Berlin die klagende Stadtgemeinde Rabiber usw. zu beschäftigen. Grundmann meinte, mit einer Geabgewiesen hatte, trat auf die Berufung der Klägerin das Kammer- werkschaft, die die im Maurerverband organisierten Kollegen von gericht der erwähnten Auslegung bei und erkannte auf Berurtei- der Arbeit bei den Stukkateurmeistern ausschließze, könne der Maurerverband kein Kartellverhältnis eingehen. Auch hätten die Be- lung der Straßenbahn. Das Berufungsgericht gelangt zu feiner Stuffateure es an anderen Orten abgelehnt, die Rabibarbeit nur Auslegung des Vertrages von der allgemeinen Erwägung aus, daß im Lohn auszuführen.- Grundmann empfahl ferner, beim Verdie Stadtgemeinden, wenn sie die Zustimmung zur Anlage bon bandstag zu beantragen, daß er den Verbandsvorstand beauftrage, An den ersten fünf Wochentagen beginnt die regelmäßige Straßenbahnen erteilten, Sorge dafür zu tragen pflegten, baß in bem demnächſtigen Verbandstag eine Vorlage zur Einführung der ihnen daraus nicht mehr Kosten erwüchsen. Die von der Großen Berliner Straßenbahn gegen das Be- Arbeitslosenunterstüßung zu unterbreiten. Beide Anträge GrundAngenommen wurde noch ein rufungsurteil erhobene- Revision wurde vom VI. Zivilsenat bes Antrag, daß der Verbandstag beschließen möge, Arbeitslose für die Reichsgerichts zurückgewiesen. In seinen Entscheidungsgründen hierzu führt der erkennende Senat unter anderem aus:" Bunächst Beit der Arbeitslosigkeit von der Beitragsleistung zu befreien. ist es unrichtig, wenn sie behauptet, die Auslegung des Berufungs- Schließlich tam noch ein Antrag zur Annahme, welcher die gerichts stehe in direktem Widerspruch mit dem flaren Wortlaut Streichung des§ 19 des Streifreglements bezwedt. des Vertrages und fei darum unmöglich. Es kann zugegeben Die Zuschneider und Zuschneiderinnen( Filiale Berlin II bes werden, daß die Stellung des Absatz 2 beim ersten Lesen zu der An- Schneiderverbandes) hielten am Freitag bei Dräsel in der Neuen nahme führen kann, es sei nur der Fall vorgesehen, wo die erste Friedrichstraße eine Mitgliederversammlung ab, in der die Wahl Anlegung eines Bahngleises in einer Straße erfolgt, die statt des eines Delegierten, sowie Anträge zum Verbandstag auf der Steinpflasters eine andere Straßenbefestigung hat. Aber die Wort- Tagesordnung standen. Als Delegierter wurde Slein( Grünau) fassung des Abs. 2 läßt auch die gegenteilige Deutung zu und da- gewählt. Es wurde ein Antrag angenommen, wonach der Ver= rum ist durch sie das Berufungsgericht nicht gehindert gewesen, der bandstag den Hauptvorstand beauftragen soll, die Agitation unter durch andere Umstände unterstüßten Auffassung der Klägerin bei den Konfektionszuschneidern und Zuschneiderinnen in die Wege zutreten. Die Ueberschrift des§ 8, der die Revision eine erhebliche zu leiten und eventuell eine geeignete Person aus der Branche für Bedeutung beilegen will, ist lediglich eine knappe Kennzeichnung' diese Aufgabe ausbilden zu lassen. bis 1 Uhr statt. Arbeitszeit morgens um 7 Uhr und endet nachmittags um 4 Uhr. Während dieser Beit findet eine Arbeitspause von 11% Am Sonnabend beginnt die regelmäßige Arbeitszeit morgens um 7 Uhr und endet nachmittags um 1 Uhr. Eine Arbeitspause findet an diesem Tage nicht statt. Die Direttion. Berlin, den 12. Juni 1908. Diese Arbeitszeitverkürzung macht pro Woche über eine Schicht aus, fie entspricht einer Einschränkung von über 16 Prozent. Bersand des Stahlwerkverbandes. Der Versand des Stahlwerk verbandes an Produkten A betrug im Monat Mai 414 845 Tonnen ( Robstahlgewicht)( gegen 489 307 im Mai 1907). Von dem Maimanns wurden angenommen. A.WERTHEIM REISE- UND BADE- ARTIKEL LEDERWAREN Garderoben- Koffer braunem Pluviusinstoffhohe Form Bezug, Rindleder- Griff und Handtaschen aus starkem braunem Rindleder, Länge ca. 36 39 42 48 cm 75 cm Schloss( 55 und 60 cm 1 Schloss und Schnallenriemen, 65-75 cm 2 Schlösser) Länge ca. 55 60 65 70 3.25 3.50 3.75 4.25 4.75 Garderoben- Koffer mit braun. Pluviusinstoffund Schloss 60 65 70 Bezug, Rindleder- Ecken 75 cm Länge ca. 55 4.25 4.50 5.25 5.50 5.75 Kupeekoffer brauner wasserdicht gefirnisster Stoffbezug mit Ledereinfassung, starkem Ledergriff und gutem Schloss Länge ca. 55 65 60 7 MK. 6.50 6.75 7 MK. 70 cm 7.50 Reisekoffer aus leichtem, dauerhaftem Holz, mit wasserdicht gefirnisstem Stoffbezug, Schutzbügel Einsatz und Schloss Länge ca. 80 15.50 90 18.75 45 10.50 11.75 13.50 14.50 16.50 m. Regenklappe, Pluviusin- EinRucksäcke fassung und Rindleder- Riemen 95 Pf. Grösse ca. 42 × 40 cm Rucksäcke mit Vortasche, Regenklappe und Kunstleder- Einfassung Grösse ca. 44 × 48 48 × 52 cm 1.75 1.90 Mk. Rucksäcke aus imprägniertem Jagdleinen, mit Innenund Aussentasche, Regenklappe, LederEinfassung und starken geschweiftem Rindleder- Riemen Grösse ca. 5260 52X65 cm 2.85 3.50 Mk. Plaid- u. Garderoben- Hüllen us braunem Segeltuch m. Leder- Einfass., Innen- u. Aussentaschen u, Aussenriemen Grösse ca. 60 65 70 cm 100 cm 22.50 Mk. 6.50 Grösse ca. 65 Handtaschen aus starkem braunem Rindleder, Länge ca. 36 39 lange englische Form 42 45 48 cm 7 M 7.75 8.75 10.50 12 Mk. Mk. kariert 9 Mk. 7.75 70 10.50 9 MK. 75 cm 11.50 Mk. Schirm- u. Stockhüllen 95 PL, 1.25 Mk. aus braunem Segeltuch m. Leder- Einfassung u. Klappe Reisekörbe 6.75, 7.75,9.50, 10.50, 13.75 PLAIDS Herren- Plaids grau oder mode gemustert Decken Grösse ca. 150 × 200 6 o 15.50, 20 M., 30 M. mit Franse, blau, braun, grau, schottisch, Innenseite Damen- Plaids farbig gemustert Damen- Plaids 2.50, 3.75, 5.50 seidenweiche Qualität 7 MK., 9.75, 14.50 Grosse Umschlagetücher grau oder mode 3.50, 4.50, 6.50 Grosse Umschlagetücher schottisch kariert 7 MK., 9.25, 14.50 Netzballwerfer Fussbälle 1.50 1.90, 2.85, 4.50 Hängematten Sandformen 1.75, 2.90, 4.50 45 PL, 95 PL, 1.50 DAMENGÜRTEL Ledergürtel weiss, gerippt, ca. 5 cm breit, 45 PL m. breit., lederbezog. Schnalle Schweizer- Stickerei- Gürtel ( waschbar), mit breiter, lederbezogener Schnalle, ca. 6 cm breit Goldbrokatband ca. 6 cm breit, und Phantasie- Schnalle mit Atlasfutter 95 PL. 85 PL. Phantasieband mit Goldborte besetzt und 95 Pl gefüttert, ca. 6 cm breit Phantasieband mit Seide und Gold durch- 1,40 wirkt, ca. 6 cm breit Gummiband gerippt, in verschieden Farben, 1.25 m. Phantasie- Schloss ca, 6 cm br. Gold- oder Silber- Gummiband mit modernen farbigen Pressungen, ca. 6 cm breit Goldgummiband 2.25 mit farbiger Blumenpressung und 2.50 polierter Bronze- Schnalle BADE- ARTIKEL Damen- Bade- Anzüge rot Kattun bunt Perkal 1.80, 2 Mk. 1.90, 2.30 Mk. blau Cheviot, Bluse u. Beinkleid 4.75 Mk. Mädchen- Bade- Anzüge rot Kattun Bademäntel Weiss bunt 1.20, 1.30 Mk. Frottierstoff 4.50, mit Frottierstoff 4.25, mit Badelaken weiss Frottierstoff Badelaken bunt Frottierstoff Grösse ca. 100/100 em Grösse ca. 100/150 cm Grösse ca. 130/130 cm Grösse ca. 130/160 cm Grösse ca. 130/200 cm Grösse ca. 165/200 cm Frottierhandtücher 1.70 MK. 2,60 M. 2.90 Mk. 3.50 MK. 4.50 MK. 5.60 MK. weiss 48, 65 Pf., 1.05 bunt 45, 95 Pf. 5.50 Kappe Kappe 5 Mk. Grösse ca. 100/100 cm Grösse ca. 130/130 cm Grösse ca, 130/200 cm Grösse ca. 165/200 cm 1.50 MK. 2.60 Mk. Badekappen Badehüte 4 MK. 5 MK. Gummibadehauben 85 Pf. 12, 20 Pf. 95 Pf. Frottierbänder Seifhandschuhe Rückenreiber mit Stiel SOMMERSPIELE Tennis- Schläger ,, Gigant" 10.75, 17.75 Mk. Tennis- Bälle ,, Gigant" Dutzend 10.50, 13.50 MK. 15, 42 Pl. 65, 85 Pf. 1.50 Mk. 25 Pf. Badepantoffel Strohgeflecht, gefüttert, Badepantoffel grau, mit Linoleumsohle 65 Pf. Schwimmschuhe 1.45 Mk. Botanisiertrommeln 45 PL, 95 PL mit UhrDampfer work 60 PL, 1.50, 2.90, 4.50 Kroquetspiel 6 Pers. 2.90, 4.50, 7.50 Diabolospiele 95 Pf., 1.60, 2.90 Besonders preiswert: Knaben- Wasch- Anzüge für ca. 3 Jahre, jede weitere Grösse 25 Pf. mehr 4.50 Matrosenform, aus guten gestreiften Drellstoffen mit abnehmbarem, blauem Ueberkragen und Manschetten Ein grosser Posten Herren- Lüster- Jacketts gestreifte und einfarbige Muster 4.65 Photographisches Atelier Leihbibliothek Besonderes Atelier für künstlerische Aufnahmen. Vergrösserungen. Reproduktionen. III. Stock Leipzigerstrasse Rand gesetzl. geschützt. Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderci u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. HID& 5610 furspider ge Nr. 187. 25. Jahrgang. 2. SrilnQt des Jimirts" Krim WksdlM Sonntag, ii. Juni 19Ö8. Sllrtfcf)aftnci)er Aochenbencht. Berlin, 13. Juni 1908. Ivßenhantel— Verbünde— Selbstkosten und Erlöse— Kohlenpreise. Auf der am 10. Juni in Düsseldorf abgehaltenen Haupt- dersammlung des.Vereins zur Wahnng der gemeinsamen Wirtschaft- lichen Interessen in Rheinland und Westfalen" hielt der Abgeordnete Dr. Beumer ein Referat über»Das Wirtschaftsjahr 1907/03". Er be- zeichnete darin den Zustand, in dem wir uns jetzt befinden, als Abflauung, zu der wir durch einen allmählichen, krisenlosen Uebergang von der Hochkonjunktur gekommen sind. Daß sich die Veränderung nicht katastrophenartig vollzogen hat, ist richtig; die Abflauung setzte bereits vor einem Jahre ziemlich unmerklich ein und hält immer noch an. Ob die schleichende Krankheit nun gerade ein be- sonderer Vorzug ist, kann wohl bezweifelt werden. Das Wesentliche, worauf es ankommt, ist der Grad der Einschränkung der Güter- erzeugung. Eine kurze starke Unterbrechung ist in ihrer Gesamt- Wirkung schließlich weniger schmerzhaft als ein langsames Hinab- gleiten auf der Wirtschaftsbahn, besonders dann, wenn dabei ein Punkt erreicht wird, der eine umfangreiche Brachliegung der Arbeits- kräfte bedingt und der Ermattungszustand lange Zeit anhält. Was nun die Lage aus dem Arbeitsmarkt anlangt, so muß für den Monat Mai eine weitere Abschwächung konstatiert werden. Der Außenhandel ist stiller geworden, wie folgende Anfstellung dartut: Es betrug in Doppelzentnern Baumwolle gebr. usw. Flachs. Hanf. Jute und Jutewerg Merinowolle... Kreuzzuchtwolle.. Eisenerz.... Steinkohlen... Braunkohlen... Erdöl, ger.... Chilisalpeter... Roheisen.... Kupfer..... Als charakteristisch für die Verschlechterung der Lage gegenüber dem Vorjahre ist hervorzuheben die Minderversorgung in Baum- wolle und Flachs: die Einfuhr sank, die Ausfuhr stieg I Auch die Jnlandsveri orgung mit Eisenerz hat sich vermindert, anderseits ist der Ausfuhrüberschuß bei Kohlen größer geworden. Das Syndikat benutzt die hohen Inlandspreise nun dazu, um durch billige Angebote im Auslande die Ausfuhr zu steigern. Dadurch wird natürlich die Konkurrenzfähigkeit der ausländischen Verbraucher gegenüber den heimischen weiter gestärkt. Bemerkenswert ist ferner. daß der Einfuhrüberschuß bei Roheisen von rund 1li Millionen Doppelzentner auf rund Vio Millionen Doppelzentner zurückgegangen ist. Dabei wachsen die Vor- rate auf den Lagerplätzen der heimischen Werke gewaltig an, und die Produktionseinschränkungen machen in einzelnen Zweigen der Montan- und Eisenverarbeitungsindustrie dreißig und mehr Prozent aus. Wie wenig tröstlich man die Lage in den beteiligten Kreisen ansieht, zeigen die Schwierigkeiten bei den Versuchen, eine Verlängerung der Verbände herbeizuführen. Die Trägerhändler-Vereinigung scheint in die Brüche zu gehen, das Düsseldorfer Roheisensyndikat ist von verschiedenen Seiten gelündigt, flber es soll das noch geschehen. Die Preispolitik des Syndikats, das den Spuren deS Kohlen- und Koks- hsyndikats folgte, hat eine große Unzufriedenheit bei den Abnehmern hervorgerufen. Man verlangt, die Rohstofflieferanten sollen die Preisgestaltung mehr den Marktverhältnissen anpassen. Das aber wollen die Syndikate nicht, sie erklären, gerade in der Stabilität der Preise liege für sie der Wert der Zusammenschlüsse. Die so- genannte Stabilität ist aber tatsächlich gar nicht vorhanden. Der beklagte Zustand besteht ja darin, daß die Rohstoff- und Halbzeug- käufer in den Perioden abflauender Konjunktur die höchsten Preise zahlen müssen und dadurch die Gestehungskosten vielfach über die Verkaufspreise hinauswachsen. Die Rohstofflieferanten machen sich solche Argumentation zu nutze. Sie behaupten, nur der Not gehorchend, um Selbstkosten und Erlöse in Einklang zu halten, weigerten sie die geforderten Preis- Nachlässe. Das ist Schwindel. Hier ein konkretes Beispiel dafür; Die Gewerkschaft„König Ludwig", Kohlenbergwerk, tritt in dem letzten Ge- schäftsbericht warn, für die Preispolitik des Kohlensyndikats ein. Das ist ihr gutes Recht, aber man varf doch Wohl verlangen, daß dabei die objektive Wahrheit nicht allzusehr vergewaltigt wird. Das geschieht mit der schon so oft widerlegten Behauptung, die Preissteigerung sei immer noch hinter der Erhöhung der Selbstkosten zurückgeblieben. Die Behauptung in dem Geschäftsbericht der genannten Gesellschaft steht in krassem Widerspruch mit den Angaben über die Betriebs- ergebniffe. Es wird z. B. ausgewiesen, daß der Erlös pro Tonne Kohlen gegen das Vorjahr von 10,77 M. auf 12,00 M. und pro Tonne Koks von 14,76 auf 17,01 M. gestiegen ist. Dem steht gegenüber eine Steigerung der Selbstkosten von 9,2ö M. auf 10, OS M. pro Tonne Förderung. Demnach betrug die Steigerung pro Tonne Selbstkostenpreis 0,80 M. oder 8,63 Proz. Erlös aus Kohlen 1,23»» 11,42» „ Koks 2.25,. 15,24» Nimmt man den Mehrerlös, den die Gesellschaft pro Tonne Förderung erzielte, als Durchschnitt für den Ruhrbergbau an, dann ergibt sich folgendes interessante Resultat: die Förderung im Ober- bergamtsbezirk Dortmund betrug im Jahre 1907 rund 80 Millionen Tonnen. Pro Tonne 1,23 Mehrerlös ergibt rund 96 Mill. M. Gewinn- zunähme. Nach den amtlichen Ausweisen wurden im genannten Bezirk an Löhnen gezahlt: im Jahre 1906: 373 351 584 M., im Jahre 1907: 439 435 021 M.. mithin im letzten Jahre 80 Millionen mehr. So- nach verbleibt zugunsten der Unternehmer ein Mehrerlös won 18 Millionen Mark. Wie die obige Rechnung zeigt, stellt sich der Mehrerlös für Koks um 1,02 M. höher als für Kohlen. Da es sich nur um eine schätzungsweise Ermittelung handelt, können wir die Umrechnungen unterlassen und einfach pro Tonne erzeugter Koks- nrenge 1 M. Mehrerlös einstellen. Im Oberbergamtsbezirk Dort- mund betrug die Kokserzeugung rund 16 Millionen Tonnen. Mithin ist dem Plus von 18 Millionen Mark für die Zechen noch der Betrag von 16 Millionen Mark zuzurechnen, so daß nunmehr der Mehrerlös im Jahre 1907 sich schon auf 34 Millionen Mark stellt. In diese Summe sind aber noch nicht eingerechnet die Mehreinnahmen aus dem Verlauf von Nebenprodukten. Angesichts solcher Ergebnisse kann man doch nicht die Behauptung aufrechterhalten: die Selbstkosten sind stärker ge» stiegen als die Erlöse I Man könnte einwenden, im Jahre vorher habe sich das Verhältnis so ungünstig gestaltet, daß trotz der stärkeren Einnahme im Jahre 1907 die Preissteigerung immer noch hinter der Selbstkostenerhöhung zurückbleibe. Solchen Einwand widerlegt aber auch wieder derselbe Geschäftsbericht. Er teilt näinlich mit, daß im Jahre 1906 der Selbstkostenpreis gegenüber 1905 von 9,41 Mark ans 9,25 Mark pro Tonne Förderung zurück- gegangen ist. Man weiß aber auch, daß die Kohlenpreise von 1905 auf 1906 um durchschnittlich 0,80 M. pro Tonne gestiegen sind. Die relativ große Selbstkostenerhöhung im letzten Jahre ist weniger auf Lvhnsteigerung als auf Vergrößerung der Zinsenlast und Er- Weiterung der Vorrichtungsarbeiten zurückzuführen. Daß die Gesell- schaft die Syndikatspolitik verteidigt, ist nur zu erklärlich. Hat sich doch bei der angeblich über die Preissteigerung hinausgehenden Selbstkostenerhöhung der Gewinn von 2.44 Mill. Mark auf 3,25 Mill. Mark erhöht. Die Ausbeute, die für 1906„nur" 600 000 M. betrug, kommt für das letzte Jahr mit 1 Mill. Mark zur Verteilung. Dieser Effekt gebiert die Sucht, die Preispolitik des Syndikats aufrecht zu erhalten. Dem Sonderinteresse eines Häufleins Gewerke steht aber das Allgemeininteresse entgegen, das durch jenes in ganz empfindlicher Weise geschädigt ivird. Die hohen Preise bleiben in Geltung, aber die Löhne sinken. Nehmen wir den Hauptbergamtbezirk sDortmuiid) heraus. Dort betrugen im nördlichen Revier die Tagesdurchschnitts- löhne im 4. Quartal 1907: 5,03 M., im südlichen Revier 4,89 M.; im 1. Quartal dieses Jahres sind die Löhne auf 4,91 M. resp, 4,77 M., also um 2.4 Proz. resp. 3,3 Proz. zurückgegangen. Für den Arbeiter wird das Hinabgehe« der Tageslöhne noch unangenehm verschärft durch Verminderung der Arbeitsschichten. Von einem Hinabgehen der Preise ist aber keine Rede. Nach den Notierungen der Düsseldorfer Börse ergeben sich folgende Vergleiche: 4. Mai 19. April 24. April 1906 1907 1903 in Mark pro Tonne(höchster Preis) Generatorenkohle.. Gasflammförderkohle Fettsörderkohle... Magere Förderkohle elie � 12,50 11,00 10,50 10,00 11,25 13,00 16,50 18,50 13,50 Melierte Magerkohle. Gießereikoks... Hochofenkoks... Nußkoks, gebr.... Briketts..... ES sind demnach verschiedene Sorten Brennmaterialien, die die Weiterverarbeitung verwendet, jetzt noch teurer als im Vorjahre. v. 13,75 12,75 11,50 11,50 13.75 20,00 19,00 21,00 14,25 13,75 12,75 11,50 11,50 13,75 21,00 18,50 22,00 13,75 LriefKalten der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch usw. Diejenigen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns lvcgen der Ucbcrweisung von Freiexemplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Runimern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. Wasserstands-Nachrichte» der LandeZanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. '}+ bedeutet Wuchs,— Fall,—•) Unterpegel. Für den Juhalt der Jujerate übernimmt die Redaktion bem Publikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. ( Siche Wochen Spielplan.) Sonntag, den 14. Junt. Freie Boltsbühne. Nachmittags 3 Uhr: 2./3. Abteilung: im Neuen Schauspielhause: Durchs Dhr und Der Dieb. 11./12. Abteilung, nachmittags 3 Uhr: im Berliner Theater: Der ledige Hof. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Hopfenraths Erben Neues Theater. Abends 8 Uhr: Liebe von Gustav Bled. Unter der Guillotine. Letzte Borstellung vor den Ferien. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Montag: 2 mal 2= 5. Dienstag: 2 mal 2= 5. Mittwoch: 2 mal 2= 5. Donnerstag: 2 mal 2 5. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Abends 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Montag 8 Uhr: Die Kruppschen Werke. OOLOGISCHER CARTEN Heute Sonntag: 50 Pf. Eintritt: Kinder unt. 10 Jahren d. Hälfte. Ab nachmittags 4 Uhr: Militär- Dopp.- Konzert Morgen, sowie täglich: Doppel- Konzert. Passage- Panoptikum. Heute: Letzter Volkstag! Jeder Erwachsene ein Kind frei! Jedes Kind erhält ein Geschenk! Alles ohne Extra- Entree! aller Riesen Der Riese er Pisjakoff. Schreckenskammer. Anat. Mus. Eintritt50Pf., Kinder, Soldaten25Pf. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater). ( Morwit- Oper.) Sonntag, nach m. 3 Uhr, bei halben Preisen: Der Freischütz. Romantische Oper in 3 Alten bon Carl Maria v. Weber. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Afrikanerin. Große Oper in 5 Aften von Giacomo Meyerbeer. Montag, abends 8 Uhr: Marie, die Regimentstochter. Dienstag, abends 8 Uhr: Die Afrikanerin. Schiller- Theater Charlottenburg. Sonntag, nam. 3 br: Auf der Sonnenseite. Qustspiel in drei Atten von Dalar Blumenthal u. Gustav Kadelburg. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Herr Ministerialdirektor. Lustspiel in drei Alten von Alexander Biffon und Fabrice Carré. Montag, abends 8 Uhr: Der Herr Ministerialdirektor. Dienstag, abends 8 Uhr: Ohne Geläut. Neue Freie Volksbühne. Heute Sonntag, den 14. Juni, in der Brauerei Friedrichshain ( am Königstor): Sommerfest der Ordnerschaft. Konzert, Gesang und Turnerische Aufführungen unter Mitwirkung des gesamten Berliner SinfonieOrchesters, des Opernsängers Willy Frank, Berliner Ulk- Trio u. a. m. Bücherverlosung. Belustigungen aller Art. Großer Sommernachtsball. Beginn des Konzerts nachm, 5 Uhr. Die Kaffeeküche ist von 3 Uhr ab geöffnet. Billetts für Mitglieder und Gäste a 30 Pf. an der Tageskasse. 150/9 Theater des Westens. Passage- Theater. Castan's Panoptikum Allabendlich 8 Uhr: Ein Walzertraum. Operette von Dstar Strauß. Der größte Saisonerfolg Neues Operetten- Theater Gastspiel Willi Agoston in der Schiffbauerdamm 25, an der Luisenstr. Sommerpreise. Anfang 8 Uhr: Der Mann mit den drei Frauen. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Die blaue Maus. Residenz- Theater. Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Der Floh im Ohr. Schwant in drei Atten von Georges Feydeau. Deutsch von Wolff- Jacoby. Luisen- Theater. Reichenberger Straße 34. Nachmittags 3 Uhr: Im Goldland. Abends 8 Uhr Die Stimme des Blutes. Montag: Die Stimme des Blutes. Dienstag: Die Stimme des Blutes. Mittwoch: Die Stimme des Blutes. Donnerstag: Jm Goldland. Freitag: Die Stimme des Blutes. Sonnabend: Die Stimme d. Blutes, Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Hütten befizer. Abends: Die Stimme des Blutes. tollen Burleske Berlin in Stimmung! Das Tollste vom Tollen und die neuen Juni- Spezialitäten. Nen! Lebend 165 Friedrichstr. 165 Neu! Der Schlager der Reptilien- Ausstellung Ein fünf Zentner schweres Riesen- Krokodil. Original Italienisches Mandolinen- Orchester. Neu eröffnet! Neu eröffnet! Eichbornsäle Reinickendorf- West, Eichbornstr. 60. Jeben Sonntag: Großer Ball bei start befettem Orchefter. Es ladet freundlichst ein 3. B.: Heinrich Schiller, früher Storchnest, Schönholz. Metropol- Theater Borussia- Festsäle Bum 267. Male: Das muß man seh'n. Revue in 12 Bildern m. Gef. und Tanz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Neues Programm von Publikum u. Presse glänzend beurteilt. The Trapnell- Family, weibliche Akrobaten. Florence u. Lilian, musik. Produkt. Rebla, komischer Jongleur. Lily Flexmore akrobatische Tänzerin. Friedrich- Wilhelmstädtisches le. Juliette, dressierte SeeSchauspielhaus. Nachm. 3 Uhr: Madame Sans Gêne. nummer. Abends 8 Uhr: Im weißen Rößl. Montag: Der ungläubige Thomas. Dienstag: Der ungläubige Thomas. DERNHARD ROSE THEATED Gr. Frankfurter Str. 182. Abends 8 Uhr: Der Cowboy. löwen. Tan Kwai Troupe, Chinesen. Therese Renz, ReitDoherty Sisters, amer. Sängerinnen u. Tänzerinnen. The Bounding Gordons, amer. Akrobat. Ferry Corwey, Trombettas, musik. Clown. italienisches Gesangs- und TanzDuett. Der Biograph. a pollo Theater 26 8 Uhr: Die neuen Attraktionen. Drama aus Wild West in 4 Aften 9%, Uhr: Die süßen Grisetten. $ von Kurt Matull. Nachm. 3 Uhr: Am Altar. Beitgemälde in 4 Aften v. Blumenreich. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Variétésterne. Burleste von Webfel. Meysel als Saharet. Britton als Isadora Duncan. Anf. Bochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. 10% Wiener Feftzug anlählich d. Jubiläums Sr. Maj. des Kaisers von Oesterreich. 10% Bert Bernards Compagnie: Ein Abend in einem amerikanischen Tingel- Tangel. W. Noacks Theater Direftion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16 Abends 1,10 Uhr: Das ehrliche Berlin. Anfang 5 Uhr. Borh. 21 Nummern d. neuen Progr. Entree 30 Bf. Während und nach d. Borst.: Tanz. Sonnabend, 20. Junt: Gr. ExtraBrunnen- Theater Borstellung: Er muß aufs Land Badstraße 58. Direft.: Willi Voigt. HOTäglich: Der deutsche Michel. oder: Der Inftige Ehemann. Berliner Prater- Theater Kastanien- Allee 7-9. Täglich Erstklassige Spezialitäten. Die Welt ein Paradies Karl Braun, Berwandlungs- Künstler. Mirzl v. Wenzl, schuschtes Liliputaner. Paul Coradini. Eröffnung 2 Uhr. Anfang 5 Uhr. Borverkauf von 10 Uhr ab. große Ausstattungs- Revue und das großartige Spezialitäten- Programm. Anf. Sonnt. 4 Uhr, Wochent. 4 Uhr. Walhalla Fröbels Allerlei Theater. Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Spezialitätenvorst. im Garten. Bei schlecht. Witterung i. Theater. Anfang der Borstellung 8 Uhr. Anjang d. Gartenkonzerts 5 Uhr. Kleine Breife. Allee 148. Täglich: Spreelottchen. Bollsstück aus dem Berliner Leben. Dazu erstklassige Spezialitäten. Im Saale von 5 Uhr ab: Tanz Inh.: Georg Wolffgramm Berlin N., Ackerstraße 6/7, nahe Elsasser Straße. 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Zameitat. ta: Apollo- Sänger. Moerners Blumengarten Mittwoch, Sonnabend, Sonntag: Spezialitäten und Theater. Borher: Garten- Konzert. Adler Frankfurter Chaussee& ( früher 120). Stadtbahnstation Frankf. Allee. Inh.: Gebr. Arnhold. Fernspr. Friedrichsberg No. 8. Jeden Sonntag: Gr. Künstler- Konzert und Spezialitäten. Anfang 4 Uhr. Entree 20 Pf. Bei ungünstiger Witterung findet die Soiree im großen Saale statt. Jeden Mittwoch: Militär- Konzert der Berliner Jugendwehr and Soiree der Apollo- Sänger. Diez' Spezialitäten- Theater Landsberger Allee 76/79, direkt Ringbahn- Station. Bequemste Fahrgelegenheit nach allen Stadtrichtungen. Ob schön! Kommen! Sehen! Staunen! Ob Regen! Täglich: 83650 Das größte u. beite Programm Berlins. Nur Attraktionen, u. a.: Zum erstenmal in Europa: Das größte Welträtsel des Erdballs! Bon der gesamten amerit. Breffe als d. größte Weltwunder bezeichnet: The great Simpson. Der Berächter des Todes. Ein bezahlter Selbstmordfandidat! Gr. Ball. Raffeeküche. 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G Restaurant Sonntag, den 14. Juni 1908, nachmittags 2½ Thr: ewerkschafts- Oeffentl. Versammlung haus. Engelufer 15. Menu 75 Pf. Heute Sonntag: Dchsenschwanzfuppe. im großen Saale der Germania- Prachtsäle, Chauffeestraße 110. Zages Drdnung: 1. ,, Die arbeitende Jugend und das Recht." Referent: Herr Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld. Verein für Frauen und Mädchen Schönebergs in Butter oder Blumentopia. Was tut der weiblichen Jugend im befonderen not? und Umgegend. Sonnabend, den 20. Juni 1908, in den Neuen Rathausfälen ( früher Obst), Meininger Str. 8: 00 Neuntes Stiftungsfest. Theater und Tanz. Festrede, gehalten von Herrn R. Küter. Bur Aufführung gelangt in 4 Aften: Ihre Familie. Anfang 8, Uhr. Entree inklusive Tanz 50 Pf. Ende??? Um 2 Uhr im fünstlich angelegten Garten: Großes Kaffeekochen. Freunde und Gönner des Vereins sind hierzu freundlichst eingeladen. Der Vorstand. 55/20 mit Schnitzel. Frischer Schweineschinken oder Hammelleule. Kompott oder Salat. X Reichhaltige Abendkarte. X Wochentäglich: Großer bürgerlicher 3. Freie Aussprache. Referentin: Frau Ketty Guttmann. Nach der Bersammlung: Gemeinsamer Ausflug nach Plökensee. 288/8 Behrlinge, ingendliche Arbeiter und Arbeiterinnen, erscheint zahlreich in diefer Bersammlung Erwachsene willkommen. Verein der Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins und Umgegend. Bureau: Berlin C., Stralauer Straße 13/14, III. Mittagstisch Couv. 60 P. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Deutscher Holzarbeiter- Verband. 2 franz. Billarbs. Zweigverein Berlin. Montag, den 15. Juni, abends 5 Uhr( gleich nach Feierabend): Versammlung für den Bezirk Südosten bei Muhs, Manteuffelstr. 95. Tages Drdnung: 1. Vortrag des Kollegen Nitschke. 2. Diskussion. 8. Berbands. und Werkstattangelegenheiten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Obmann. Moabiter Schützenhaus mit großem schattigen Garten Plötzensee Inh.: Max Engelhardt. Sonntag, den 14. Juni: Großes Promenaden- Konzert. Entree 10 Pf. Auftreten der berühmten Turmseil- Künstler The Wichmanns auf dem ca. 80 Fuß hohen Seil. Familien- Kaffeeküche ab 2 Uhr. Kegelbahnen. Wo amüsieren wir uns? 85/11 Tm Krug zum grünen Kranze, Ober- Schöneweide, Waldstr. 74. Küche und Keller vorzüglich. Vereinen und Gesellschaften bestens empfohlen. Ernst Höflich. SPREE HAVEL Stern GESELLSCHAFT POTSDAM BERLIN SO. DAMPESCHIFFFAHRT Billige Dampfer- Sonderfahrten. Jeden ( 9 u. 2 Uhr nach Woltersdorfer Schleuse Montag* 2.15 Rauchfangswerder Woltersdorfer Schleuse Woltersdorfer Schleuse Hessenwinkel Rauchfangsworder Woltersdorfer Schleuse Neue Mühle Fahrpreis hin und zurück früh 75, nachmittags 50 Pf. Kinder 40, bezw. 25 Pf. n 19 8 Dienstag 0 " 91 Tenpitz( 2.00 M.) 9 u. 2 11 n * 2.15 11 n Müggelheim u. 2 27 29 Mittwoch 2 37 13 * 2.15 29 " Donnerstag 19 u.2 " n * 2 27 " Freitag Sonntag{ 19 u. 2 37 " * 2.15 33 "} Woltersdorfer Schleuse Rauchfangswerder 9 33 23 10 27 13 Woltersdorfer Schleusei Schmöckwitz einf. Fahrt 70 Pf. Abfahrt: Jannowitzbrücke( Belvedere), * Brandenburger Ufer( aw. Jannowitz- u. Waisenbrücke). Sämtl. Schiffe legen 15 Min. später am ,, Schlesischen Tor" an! Die Dampfer nach Woltersdorfer Schleuse haben Anschluß an die auf der Löcknitz nach Fangschleuse, Bergluch, Grünheide und Alt- Buchhorst verkehrenden Motorboote. Dampferstation Michaelbrücke, an der wichaelkirchftraße. Dampfer- Sonderfahrten mit Musik von Montag bis Freitag, den 19. Juni. Täglich nach Rübezahl, Müggelwerder, Wolters. dorfer Schleuse. Außerdem Montag und Mittwoch nach Nichtershorn, Schiöchwik und Neuemühle. Dienstag und Freitag: Nichtershorn, Schmödwik und Ziegenhals. Donnerstag: Richtershorn und Abfahrt 2 Uhr. Preis hin und zurüd 50 Pf. Kinder die Hälfte. Reederei G. Zachow. żelephon: Amt 4, 5621. Schmöchwin. A G 26425 2 Kegelbahnen Neu eingeführt: Weißbier- Ausschank, Kaffee in Kannen. R. Augustin. harlottenburg, Volkshaus, rake 3. Cha Rofinen Jeden Sonntag: Gr. Mittagstisch a Stub. 60 Bf., reichhaltige Abendkarte. Großer öffentlicher Ball 33542 bei freiem Entree. Ad. Bartsch, Defonom. Arbeiter- RadfahrerTelephon: Amt 4. 4093. Zweigverein Berlin. in Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 53. Mittwoch, den 17. Juni, abends 8 Uhr, Kellers Festsälen, Koppenstr. 29 Generalversammlung aller zum Zweigverein gehörenden Zahlstellen und Sektionen. Tagesordnung: 1. Staffenbericht vom ersten Duartal 1908. 2. Aufstellung von Kandidaten zur Delegiertenwahl zum Berbandstag. 3. Anträge zum Verbandstag. 4. Gewerkschaftliches. verein Lichtenberg Stukkateure! Tour am Sonntag, 14. Juni: Familientour nach Pichel swerder. Start 1 Uhr bei Pühl, Pfarrjtr. 74. Freireligiöse Gemeinde. der Firma egen ber ftändigen Tartsbrüche Emil Schulz, ftraße 18 a, Mitgliedsbuch legitimiert. Der Zweigvereinsvorstand. 138/10 Deutscher Metallarheiter- Verband Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptburean: Charitéstraße 3. Hof II. nt 8, 1987 of 1. Amt 3, 1239. Admiralwerden die dort beschäftigten organi fierten und unorganisierten Bau- und Werkstatttollegen hiermit zu einer Gemeindemitglieder werden aufgefordert, in der am 15. b. Mis. Besprechung geladen, die am Sebastianstr. 39, 8, Uhr, statt- Montag d. 15., abends 6 Uhr, findenden Versammlung gegen bet Weihnacht, Grünftr. 21, die Maßnahmen des Vorstandes zu stattfindet. protestieren. 34032 173/12 Der Einberufer. Freireligiöle Gemeinde. Montag, den 15. Juni, abends 8 Uhr: Zutritt.) Mittwoch, den 17. Juni 1908, abends 8 Uhr: Bezirks- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle in folgenden Lokalen: Often: Bei Litfin, Memeler Str. 67. Rummelsburg- Boghagen- Stralan: Del Tempel, m. Bog bagen 56. Beschließende Versammlung. ( Nur vollberechtigte Mitglieder, burch weiße Duittung legitimiert, haben Süden: Sm Gewerkschaftshause, Engelufer 15, großer Enal. 62/2 Rixdorf: Bei Hoppe, Nigdorf, Hermannstr. 49. Tagesordnung: Innere Angelegenheiten der Gemeinde( laut 87 ber Westen und Schöneberg: Bet Zühlke, Dennewitftr. 18. Der Schriftführer im Namen des Vorstandes. Charlottenburg: Im Volkshause, Rosinenstr. 3. Verband der Schneider und Schneiderinnen. Moabit: In der Kronenbrauerei, et- Moabit 48/49 Statuten.) Kostümschneider und Schneiderinnen! Norden: In der Bockbrauerei, Chauffeeftr. 64. Norden: Im Brunnentheater, Badstr. 58. Tegel: Bei Trapp, Bahnhofstr. 1. Dienstag, den 16. Juni 1908, abends 8%, Uhr, Oberschöneweide: Haffelwerder, Gaffelwerder Straße. in den Arminhallen. Kommandantenstr. 58/59: Oeffentl. Versammlung. Zages Ordnung: Die wirtschaftlichen und sanitären Verhältnisse in der Damenschneiderei und welche Interessen haben insbesondere die Arbeiterinnen an diesen Fragen. Referentin: Frau Dr. Zeppler. In Anbetracht ber sehr wichtigen Tages- Ordnung erwartet zahlreiches Erscheinen Der Einberufer. Steglit u. Umgegend: Sm Birkenwäldchen, Gr. Lichterfelde, Chauffeestraße. Tages- Ordnung in allen Berfammlungen: 1. Bericht von der Generalversammlung. 2. Diskussion. 3. Die Bedeutung der Konsumgenossenschaften für die Arbeiter. NB. In dieser Versammlung wird eine Broschüre, in welcher die Karl Giebel, Paul Göhre, Fr. Güttler, Hetzschold, Referenten: Ed. Bernstein, Dr. Bruno Borchardt, Lohn und Arbeitsverhältnisse in der Berliner Kostümschneiderei und Hildebrandt, F. Huhn, O. Mücke, C. Schubart, H. Schuh Musterkonfektion zusammengefaßt sind, unentgeltlich verteilt. 163/1 Bäcker Berlins und der Umgegend! Dienstag, den 16. Juni, nachm. 3 Uhr: Mitglieder- Versammlung im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( großer Saal). Zages Ordnung: 1. Die politische Lage in Preußen nach der Wahlschlacht am 18. Junt. Referent: Schriftsteller Ströbel. 2. Die Lohnbewegungen und Streits der deutschen Kollegen in diesem Jahre. 3. Berbandsangelegenheiten. Zu dieser Bersammlung haben nur Mitglieder und von Mitgliedern eingeführte Kollegen Zutritt. inige Dampferfahrten be be Waisenbrücke. Täglich außer Sonntag nach Voigts Krampenburg( Berliner" Alpen), herrlich an den drei schönsten märkischen Seen und am Fuße der Müggel berge gelegen. Abfahrt vorm. 9, und nachm. 2 Uhr. Hin und zurüc 75 Pf., nachm. 50 Pf. tinder 25 Pf. Jeden Montag u. Donnerstag nag Hessenwinkel und Heideschloß Hohenbinde um Gutenberg", schönster Bunkt der Oberspree, bart am 40/14 Walde gelegen. Abf. vorm. 10 Uhr. Hin und zurüd 75 Pf. Kinder 40 Pf. Reederei L. Kahnt, Stralau- Berlin. 33612* Telephon: Amt VII, 580 und 13459. Sonntag 2 Große Promenadenfahrt nach Achtung! Voigts Kampenburg. Fahrpreis hin u. zurüd 50 Bf. Brauerei Karl Gregory Aktiengesellschaft 2653L Telephon Amt III, Telephon Amt III, Berlin N., Hochstr. 21/24, No. 1608 u. 3183. No. 1608 u. 3183. empfiehlt ihre aus den beften Rohmaterialien bergeftellten, gut bekömmlichen Biere, als Gregory Lagerbier( goldgelb) Pilsener( Spezialität) Hofbräu( Minchener Art) Deutscher Bäcker und Konditorenverband. Bezirksleitung Berlin. ..: Fr. Schneider, Engel- llfer 14 III. Fernspr. Amt IV 2396. Englischer Garten Alexanderstraße 27 c. Den werten Gewerkschaften, Bereinen usw. zur gefälligen Mit tellung, daß ich obiges Etablissement von Herrn Karl Hoffmann übernommen habe. Empfehle meine Säle angelegentlichst zu Bersammlungen und Festlichkeiten jeder Art. Sonnabende und Sonntage habe ich noch im Juni, Juli, August usw. zu Bergnügungen frei. Fernsprecher: Amt VII, Nr. 10 628. Hochachtungsvoll Cafimir Hoffmann. Achtung! Allen Parteigenoffen, Kollegen und Bekannten zur Nachricht, daß ich Prinzen- Allee No. 53 ein macher und A. Störmer. Ohne Mitgliedsbuch telu Zutritt. Bahlreicher Besuch wird erwartet. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß die Zahl stelle 48 von Sohl, Reichenberger Straße, nach E. Schulze, Forsterstraße 17, verlegt worden ist. 17 Die Ortsverwaltung. Steinarbeiter. Berlin I. quelle", Rommandantenstr. 20: Donnerstag, den 18. Juni, abends 8 Uhr, in der„ Lebens. Mitglieder- Verfammlung. Tages Drdnung: 1. Bortrag des Genoffen Robert Fendel über: Was lehren uns die Landtagswahlen?" 2. Gewerkschaftliches. Mitgliedsbuch legitimiert! Bahlreiches Erscheinen erwartet 171/19 Die Ortsverwaltung. Nationale Kranken- u. Begräbniskasse der deutschen Gold- u. Silberarbeiter. ( E. H. 3.) Sib: Schwäb.- Gmünd. Ortsverwaltung Schöneberg Friebenan Montag, den 15. Jnni, nachmittags 4 Uhr, im Rheinschloß, Friedenau, Rheinstr. 60: Mitgliederversammlung. Tages Drdnung: 1. Neuwahl eines Borjizenden. 2. Wahl von zwei Kontrolleuren. 3. Anträge zur Generalversammlung in Heilbronn. 4. Wahl von drei Delegierten zur Generalversammlung in Heilbronn. 5. Verschiedenes. Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist zahlreiches wie pünktliches Erschemen dringend nötig. Mitgliedsbuch legitimiert. Ortsverwaltung Schöneberg- Friedenau. 000 Zigarren- Geschäft ooo eröffnet habe. Sochachtungsboll Rudolf Hoppe. 26395 n Steglik. Friedrichshagen. 3. 2.: W. Kieschke. H. Greifenhagen Veteranenstraße 1-2 Kinder- Kleidchen Serie I Alter bis 5 Jahre 1.95 Wert bis 500 Mark Magerkeit schwindet durch Haufes Nährpulver ,, Thilossia". Preisgekrönt Berlin 1904. In 3 bis 4 Wochen bis 18 Pfd. Zunahme. Gar. unschädl. Viele Anerk. Karton 2 Mk., bei Postversand Porto u. Nachnahmespesen extra. Fr. H. Haufe, Berlin N., Greifenhagener Str. 70. Depots in Berlin: S. Luisenstädtische Apotheke, Köpenicker Str. 119. S.W. Askanische Apotheke, Bernburger Str. 3 beim Anhalter Bahnhof. O. Ostend- Apotheke, Frankfurter Allee 94.-C. Stein- Apotheke, Rosenthaler Str. 61.-N.W. DianaApotheke, Turmstraße 28. In Charlottenburg: Minerva- Apotheke, Bismarckstraße 81. Bestandteile: F'flanz. Eiw. 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Vereinigungen, Bezirksverein Norden etc. Berantwortlicher Redakteur: Gears Davidson, Berlin, Für den Inseratenteil vexantin: Th Glade, Berlin, Drud Berlag: Borwärts Buchdruckerei u. Berlagdanstalt Paul Singer& Co, Berlin SW ».«. 3. KeilM des Jotoitb" Srtliiift MMR Der Zihlxbcid für -KM Det m»Wen Dimttg M. Sie übgeorSnetenMshl > findet bekanntlich diesmal nach dem neuen Wahlreglement Itatt. Wir haben gestern bereits darauf hingewiesen, daß im 3., 4. und 11. Landtagswahlkreise Terminswahl an- beraumt ist, die Wahlmänner deshalb sämtlich pünktlich zu Beginn der Wahlhandlung im Wahllokale anwesend sein nässen. In den übrigen neun Kreisen findet F r i st w a h l tatt; die Wahlmänner können also während der festgesetzten -jeit von 9 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends ihre Stimme pgeben. Es empfiehlt sich aber, möglichst zeitig sein Wahl- echt auszuüben, da in den meisten Bezirken bei der fest- iesetzten Zeit aus die Abfertigung eines Wahlmannes nicht .inmal eine Minute kommt I Soweit es sich um die Wahlhandlung bei der Abgeordnetenwahl handelt, vollzieht sich dieselbe nach folgenden Bestimmungen, deren wesentlichste wir hier folgen lassen: Nach tz 24 stellt der Wahlkommissar aus den Urwahlprotokollen ein nach Kreisen, obrigkeillichen Bezirken oder in sonst geeigneter Weise geordnetes Verzeichnis der Wahlmänner seines Wahlbezirkes auf und veranlaßt, daß dieses Verzeichnis durch Auslegung in den Geschäftslokalen der Landräte fOberamtmänner), sowie der Magistrate ver einen eigenen Kreis oder Wahlbezirk bildenden Städte und durch Abdruck in den zu amtlichen Bekanntmachungen dienenden Blättern eröffentlicht wird. Nach ß 25 ladet der Wahlkommissar die Wahlmänner schriftlich zur Wahl der Abgeordneten ein. Die Zustellung ist durch einen vereideten Beamten zu bescheinigen. Die Vorladung der Wahl- männer kann auch sofort im Urwahltermine durch die Wahlvorsteher bewirkt werden. Wo die Abstimmung in Gruppen oder in Form der Fristwahl stattfindet, sollen die erforderlichen Angaben hierüber in den Vorladungsschreiben aufgenommen werden. In diesen Schreiben soll auch darauf hingewiesen werden, daß von den zur Wahl erscheinenden Personen die Vorlegung einer Legitimation erfordert werden kann. Bei der Wahlverhandlung werden nach§ 26 der Protokollführer und drei bis sechs Beisitzer, welche mit dem Wahlkommissar den Wahl borstand bilden, von den Wahlmännern aus ihrer Mitte auf den Vor- schlag des Wahlkommissars gewählt und von diesem Nuttels Hand- schlages an Eidesstatt verpflichtet. Bei der Entscheidung der Versamm lung über die von dem Wahlkommissar für ungültig erachteten U r w a h l e n sind auch diejenigen Wahlmänner stinimberechtigt, deren Wahl von dem Wahlkommifiar beanstandet wird. Wo Fristwahlen stattfinden, entscheidet über die Gültigkeit der beanstandete» Nrwahlcn zu Beginn der Wahlverhandlnng der Wahl- vorstand. Die Entscheidung wird mit Stimmenmehrheit getroffen; bei Stimmengleichheit ist der Wahlmann zur Wahl der Abgeordneten zuzulassen. Besonders aufmerksam machen wir auf den§ 27, der wie folgt lautet: I. Die Wahl erfolgt, indem jeder Wahlmann einzeln, — bei der Terininswahl. nachdem sein Name in der Reihenfolge des Wahlmännerverzeichnisses aufgerufen ist, bei der Fristwahl ohne diesen Aufruf.— an den vor dem Wahlvorstand aufgestellten Wahl- tisch tritt, auf Erfordern sich legitimiert und, nachdem nötigenfalls fein Name in deni Verzeichnis ausgesucht ist, den Namen desjenigen benennt, dem er seine Stimme gibr. Sind mehrere Abgeordnete zu wählen, so hat jeder Wahlmann sogleich anzugeben, wen er an erster, zweiter oder dritter Stelle zum Abgeordneten wählt. II. ES ist nicht un- zulässig, für jede Stelle denselben Namen zu nennen. HX Der Protokollführer trägt den oder die von dem Wahlmann bezeichneten Namen sofort neben den Namen des Wahlmannes in die entsprechenden, zur Aufnahme der AbstimmungSvermerke bestimmten Spalten der Wahlmäunerliste ein. Dabei sind Abkürzungen statthaft, welche keinen Zweifel über die gewählte Person lassen; auch kann, wenn bei einer engeren Wahl Namen anderer als der noch in der Wahl gebliebenen Personen bezeichnet werden, an Stelle der genannten Namen lediglich ein Vermerk über die Ungültigkeit der Stimmabgabe eingetragen werden. IV. Wer auf den Namensaufruf nicht sogleich vor dem Wahltisch erscheint und feine Stimme abgibt, kann einst- weilen übergangen werden. V. Nach Beendigung de? Namens« aufrufeS fragt der Wahlkommissar an. ob Wahlmänncr anwesend sind, die ihre Stimme noch nicht abgegeben haben, und läßt diese zur Abstimmung zu. Darauf erklärt er die Abstimmung für ge- schlössen. Wo F r i st w a h 1 stattfindet, wird die Abstimmung, sofern nicht sämtliche eingetragene Wahlmänner zu einem früheren Zeitpunkt ihre Stimme abgegeben haben, mit dem Ablauf der festgesetzten Ab- stimmungsfrlst geschlossen; später dürfen keine Stimmen mehr ent- gegengenommen werden. In s 28 wird bestimmt: Gewählt ist,' wer die absolute Stimmenmehrheit(mehr als die Hälfte der für das betreffende Abgeordnetenmandat abgegebenen gülligen Stimmen) erhalten hat. Ergibt sich keine absolute Stimmemnehrheit. so findet zwischen den- jenigen beiden Kandidaten, welche die meisten Stimmen erhalten haben, eine engere Wohl statt; bei dieser ist jede Wahlstimme, welche auf einen anderen als die in der Wahl gebliebenen Kandidaten fällt, ungültig. Nach ß 29 entscheidet der Wahlvorstand über die Gültigkeit emzelner Wahlstimuien. Ter Zentralvorstand erläßt folgenden Aufruf: Am 16. Juni finden die Abgcordnetenwahlen zum preußischen Landtage statt. Bon den Wahlmännern erwarten wir, daß sie allerorts pünktlich antreten, gleichviel ob Termins- oder Fristwahl an- gesetzt ist und sich nach erfolgtem Wahlakt der Kreisleitung zu den nötigen Wahlarbeitcn(Schleppen usw.) zur Verfügung stellen. Bei dem Vorgehet unserer Widersacher müssen wir auf jegliche Nichtswürdigkeit gefaßt sein, der wir nur durch euer- gisches Eintreten aller unserer Freunde begegnen können. Wir ersuchen, den von der Leitung ausgegebenen In- struktionen Folge zu leisten, so früh als nur möglich zu wählen und dort, wo Fristwahle» stattfinden, sich sofort nach der Stimmabgabe zur Verfügung der Leitung zu stellen. Im 6. Wahlkreise befindet sich das Zentral- b u r e a u am 16. Juni bei Franz M e r k o w s k i,„An- dreaS- Garten", Andreas st r. 26. Partei- Angelegenheiten. Rixdorf. Am Montag, den 15. Juni, abends 7 Uhr, finden in Nixdorf in den bekannten zehn Lokalen Besprechungen der Wahlleitcr mit dem zuständigen Komiteemitglied statt. Die Wahllester werden ersucht, unbedingt pünktlich zur Stelle zu sein. Steglitz. Der Zahlabend für unseren Ort findet am Mittwoch. nicht Dienstag, statt. Wir bitten die Genossen, dies zu beachten. Wahlverein Karlshorst. Parteigenossen! Der Zahlabend findet am Mittwoch, den 17. Juni, abends 8zh Uhr, bei Sabrowski statt. Französisch-Buchholz. Am Mttwoch, den 17. Juni, abends 8V3 Uhr, findet bei Kähne, Berlinerstr. 39, die Generalversamm» lung deS Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vor- standes und der Revisoren. 2. Rechenschaftsbericht von der Ge- mcindewahl und vom Maifest. 3. Vereinsangelegenhcitcn und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Britz-Buckow. Dienstag, den 16. Juni, abends zhg Uhr. findet im Landhaus, Chausseestraße 97, die Vereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Dittmer über„Was lehren uns die preußischen Landtagswahlen". 2. Diskussion. 3. Verkündigung des Resultats der Landtagswahl. 4. Verschiedenes. Stralau. Am Dienstag, den 16. Juni, abends 8% Uhr, findet in allen Bezirken-der Zahlabend statt. Da dies der letzte Zahl- abend im ersten Halbjahr ist, werden die Genossen ersucht, ihre Bücher in Ordnung zu bringen. Friedenau. Der Zahlabend findet am Mittwoch, den 17. Juni, in den bekannten Lokalen statt. Für den dritten Bezirk bei Hegert, Handjerystraße, Ecke Rönnebergstraße. Zernsdorf. Am 14. Juni, nachmittags 3 Uhr, findet im Saale de? Herrn Kaiorr eine Mitgliederversammlung des Sozialdcmo- kratischen Wahlvereins Zernsdorf' und Umgegend statt. Tegel. Den Mitgliedern des Wahlvereins zur Kenntnis, daß die am Dienstag, den 16. Juni fällige Mitgliederversammlung acht Tage später stattfindet. Dafür ist am Dienstag, den 16. Juni Zahlabend in den bekannten Bezirkslolalen. Teltow. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß am Dienstag, den 16. d. M., abends 8Vz Uhr, im Lokal deS Genossen W. Bonow unsere regelmäßige Mitgliederversammlung deS Wahlvereins statt- findet Gäste haben Zutritt, besonders diejenigen, welche am 3. Juni ihre Stimme dem sozialdemokratischen Wahlmann gegeben haben. Zehlendorf. Dienstag, den 16. Juni, abends 8'/, Uhr, Ver- sammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genoffen Dr. Pleßner-Berlin über: Preußischer Landtag und Arbeiter- fragen. 2. Diskussion. Gäste, insbesondere diejenigen, die bei der Wahl in sozialdemokratischem Sinne gestimmt haben, sind ein- geladen. ßerliner J�acbricbtcn. Brandstiftungen. Die Landtagswahlen, die Eulenbur�-, Molitor- und andere Prozesse haben die Aufmerksamkeit in den letzten Wochen so stark in Anspruch genommen, daß sie gewissen Vor- gängen nicht die Beachtung geschenkt hat, die sie wohl ver- dienten, nämlich den zahlreichen Brandstiftungen, denen in Berlin in den letzten Monaten eine große Reihe Dachstühle und so weiter, selbst Kirchen zum Opfer fielen. Auch sonst sind von Zeit zu Zeit Brandstiftungen bei uns und ander- wärts in den Städten und auf dem Lande vorgekommen, u» denen ein wirklich oder vermeintlich schlecht behandelter Lehr- ling, eine Oienstmagd oder ein Dienstknecht das Haus oder die Scheune des Dienstherrn aus Rache sür erlittenes Unrecht anzündeten. Als in Polen und ganz Rußland Wald- und Güterbrände an der Tagesordnung waren, da sagte sich jeder, daß das das Aufbäunien des unterdrückten und mißhandelten Volkes gegen die schändlichen Ungerechtigkeiten der russischen Justiz und gegen die empörenden Uebergriffe der Beamten und ihrer Schergen war, da sich der arme Mann nicht auf andere Weise zu rächen wußte. Auch in England fanden in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in den Wintermonaten auf dem Lande zeitweise Brandstiftungen in größerem Umfange statt, so namentlich in den Wintern 1839/31 und 1843/44. Engels erzählt 1845 in seinem Buche„Tie Lage der ar- beitenden Klassen in England"(Seite 318 ff. der ersten und Seite 269 der 2. Auflage):„In dem Winter, der auf die Juli- revolution folgte, 1839/31, wurden diese Brandstiftungen zum ersten Male allgemein, nachdem schon anfangs Oktober in Sussex und den anstoßenden Grafschaften Unruhen wegen verstärkter Küstenpolizei, wegen Neuerungen in der Armen- Verwaltung, niedrigen Lohpes und Maschineneinführung stattgefunden und die ganze Gegend in Aufregung versetzt hatten. Im Winter also wurden den Pächtern die Korn- und Heuschober auf den Feldern, ja die Scheunen und Ställe unter ihren Fenstern angezündet. Fast jede Nacht flammten ein paar solcher Feuer und verbreiteten Entsetzen unter den Pächtern und Grundeigentümern. Die Täter wurden nie oder sehr selten entdeckt(wie bei uns), und das Volk übertrug diese Brandstiftungen aus eine mythische Person, die es Swing nannte. Man zerbrach sich die Köpfe darüber, wer dieser Swing sein möge, woher diese Wut unter den Armen der Landdistrikte entstehe; an die große, bewegende Kraft, die Not, die Unterdrückung, dachten die wenigsten, in den Acker- baudistrikten selbst gewiß niemand. Seit jenem Jahre haben sich die Brandstiftungen mit jedem Winter, der für die Tage- löhner brotlosen Jahreszeit, wiederholt. Im Winter 1843/44 waren sie wieder einmal außerordentlich häufig. Mir liegen eine Reihe Nummern des„Northern Star" aus jener Zeit vor, deren jede mehrere Berichte von Brandstiftungen mit An- gäbe der Quelle enthält. Die fehlenden Nummern dieses wöchentlichen Blattes in der folgenden Liste liegen mir nicht vor, enthalten aber jedenfalls noch eine Menge Fälle. 16. De- zember: In Bedfordshire seit 14 Tagen allgemeine Aufregung wegen häufiger Brandstiftungen, deren jede Nacht mehrere vorkommen. In den letzten Tagen zwei große Pachthöse niedergebrannt. In Cambridgeshire vier große Pachthöfe. Hertfordshire einer, und außerdem noch fünfzehn Brandstiftungen in verschiedenen Gegenden.— 39. Dezember in Norfolk eine. Suffolk zwei, � Essex zwei, Herts drei, Cheshire eine, Lancashire eine, in Derby, Lin- coln und dem Süden zwölf Brandstiftungen.— 6. Januar 1844 im ganzen zehn. 13. Januar sieben, 29. Januar vier Brandstiftungen. Von jetzt an werden wöchentlich im Durchschnitt drei bis vier Brände gemeldet, und zwar nicht nur wie früher bis ins Frühjahr, sondern bis in den Juli und August hinein, und daß mit dem Herannahen der strengen Jahreszeit 1844/45 diese Art Verbrechen einen neuen Auf- schwung nahm, beweisen die mir seitdem zugekommenen eng- tischen Zeitungen und die Berichte in deutschen Blättern." Ein Pfarrer Girdlestone in Devon, ein weißer Rabe, war es, der durch seine Agitation die englischen Landarbeiter end- lich veranlaßte, daß sie von den Brandstiftungen abließen; er brachte sie zu einer Organisation, veranlaßte die Ueber- siedclung Arbeitsloser in andere Gegenden und regte die Agitation um das Koalitionsrecht unter ihnen an. das sie schließlich auch errangen. In England waren es, wie Engels erwähnt, die Land- arbeiter, die in ihren einsamen Arbeitsstellen viel später als die Industriearbeiter zum Bewußtsein ihrer Klassenlage ge- kommen, durch die Einführung landwirtschaftlicher Maschinen, durch den Uebergang zum„industriellen Ackerbau", durch die neue Armengesetzgebung mit dem leidigen Workhouse und durch einen unklaren Anarcho-Chartismus verbittert und zur Verzweiflung gebracht, nur in den Brandstiftungen einen Ausweg und eine Sühne für ihnen geschehenes Unrecht sahen. Bei uns sind es nicht solche wirtschaftliche Neuerungen, sondern es sind Gründe sozialer Natur, die vereint mit einer falschen Erziehung und Vernachlässigung breiter Massen durch die heutige Gesellschaft zu solchen schlimmen Erscheinungen beitragen._ Der ntueste Schüler-Selbstmord. Man schreibt uns:„Wenn an der Schilderung über die EntWickelung der neuesten Schülertragödie auch nur die Hälfte richtig ist, so kann die Schule abermals von einem schweren Vor- Wurf nicht freigesprochen werden. Aus Zuschriften deS Schul- direktors an den Vater des unglücklichen Schülers geht hervor, daß der Direktor, hinter dem natürlich ein Teil des Lehrerkollegiums steht, mit verknöcherter Strenge zu Werke gegangen ist, wie sie selbst dann nicht zu billigen wäre, wenn der Schüler die mathe- matische Arbeit, um die sich alles dreht, einem Mitschüler nicht bloß zur Belehrung, sondern wirklich zum Abschreiben überlassen hätte. Diese Zuschriften lassen auch aus recht eigentümliche Praktiken beim Abiturientenexamen schließen. Sollte es möglich sein, daß ein Primaner wegen einer einzigen Unwahrheit, die doch noch nicht einen schweren moralischen Defekt bedeutet, schon von vornherein als im Abiturientenexamen durchgefallen gilt, vielleicht trotz guter Arbeitsleistungen, oder daß aus demselben Anlaß eine sonst sichere Versetzung hintertrieben wird, so hätte man ja hier einen Grund mehr zu suchen und zu finden für die sich immer mehr zu einer Epidemie auswachsenden Schülerselbstmorde. Zum mindesten scheint der Direktor, wie aus seinen drakonischen Zuschriften an den Vater ersichtlich ist, mit wenig Vorsicht und vor allem mit ge- ringer Menschenkenntnis verfahren zu haben. Junge Leute, die vor einem so schwerwiegenden Lebensabschnitte stehen, wie es das Reifeexamen an der höheren Schule ist, sind erfahrungsgemäß häufig sensibler Natur. Die Hoffnung des Schullebens, die Krönung jahrelangen Feißes, aus verhältnismäßig doch recht geringfügiger Ursache mit einem Schlage zu vernichten, ist eine Härte, die sich nicht verteidigen läßt. Ein Tadel war sicherlich am Platze, aber keine moralische Verurteilung. Hier scheint es sich sogar um so etwas wie Degradation vor der ganzen Schule ge- handelt zu haben. Ist denn dem Direktor und den uächstbetciligten Lehrern gar nicht die Erinnerung aufgestiegen an den bekannten. noch nicht so lange Zeit zurückliegenden Selbstmord des Fünfzehn- jährigen vom Sophiengymnasium? Sogar in der Stadtverordneten- Versammlung ist dieser Fall lang und breit besprochen worden. Das Ende war die Strafversetzung des schuldigen Lehrers. Und nun haben wir einen Schulskandal ganz ähnlicher Art. Die Schuldfrage wird ja durch die schulobrigkeitliche Unter- suchung wohl noch geklärt werden. Mag sich nun die Schuld der Schule oder d«S jungen Selbstmörders ergeben— am schuldigsten ist und bleibt die Gesellschaft. Auch dieser traurige Fall ist.weiter nichts als die natürliche Folge der modernen Erziehung. Er wurzelt am allertiefsten in den anerzogenen falschen Ehrbegriffen. Solch ein leichtsinniges Verpuffen blühenden jungen Menschenlebens kommt uns regelmäßig vor wie eine Art amerikanisches Duell, in dem der hoffnungsvolle Jüngling stets das Todeslos zieht und die moderne Gesellschaftsmaxime siegreich am Leben bleibt, um weiter unheilvoll zu wirken. Ist der eigene Vater gegenüber den sittlichen Verfehlungen seines Sohnes viel- leicht noch so nachsichtig, so stößt brutal die Gesellschaft in die Ver- rufstrompete. Man betrachtet den im Examen Durchgefallenen als einen halben Paria. Er zählt nicht mehr für voll mit. wird jähre» lang über die Achseln angesehen. Er empfindet die Zurücksetzung. mag sie sclbstverschuloet sein oder nicht, als einen Makel an seiner „Schülerehre". die doch nur ein eingebildeter Begriff ist. Er glaubt den„Schimpf", der doch nur ein Tadel ist. genau so mit Herzblut wegwaschen zu müssen, wie ein säbelrasselnder Halbgott irgendeine lumpige Anrempelet. Und da er seinen Gegner nicht zur Strecke bringen kann, wütet er gegen sich selbst. Mit dem jugendlich un- reifen Kopf sieht er nebenbei ganz sicher noch so etwas wie eine Goriole sein Dulderhaupt umschweben. Alles das ist menschlich verständlich. Der junge Hochschüler, der das Leben noch so voll vor sich hat und eS fast spielend von sich wirft, verdient als Mensch unser Mitleid. Um so härter muß man die modernen Sittennnschauungen anklagen. Die falschen Ehrbegriffe, die in diesen Köpfen groß- gepäppelt werden, müssen in die Versenkung fallen— sei es durch die eindringliche Arbeit der Schule, sei es durch die Arbeit des Gesetzgebers. Denn der Schülerselbstmord ist im Grunde genom- men genau dasselbe wie ein modernes Duell, nur in anderer Form. Er entwickelt sich auS denselben verrotteten Sittenanschauungen. die schon so unendlich vielen jungen Menschenleben den Tod gegeben haben. WaS muß sich der Arbeiter alles gefallen lassen! Und der hat doch auch seine Ehre, oft eine viel besser fundierte Ehre, hat doch namentlich in höherem Lebensalter nicht selten auch eine Geistesbildung, die weit über den Durchschnitt hinaufreicht. Nein, solange nicht unsere gesamte Gesellschaftsordnung, mit ihren bürgerlichen Moralbegriffen geändert wird, ist gar keine Aus- ficht, solch häßliche Vorkommnisse aus der Welt zu schaffen. Im Gegenteil— sie werden sich mehren, ze lächerlicher und leider auch verhängnisvoller der verfaulte Sittenkodex seine dunklen Schatten wirft." Zur Charakterisierung des Direktors der obengenannten Schule wird uns von anderer Seite geschriebene„Im verflossenen Winter nach reichlichem Schneefall vergnügte sich ein Sextaner damit, seine Kameraden zu schnecballen, selbstverständlich in der Pause. Ein gewiß harmloses Vergnügen. Zu seinem Schrecken erschien der wegen seiner Härte und Gründlichkeit gefürchtete Herr Direx mit dem Rohrstock und rief den betreffenden Schüler zu sich, und ob- wohl der betreffende Knabe vor Angst auf den Knien lag. wurde er von dem Allgewaltigen höchst eigenhändig nftd d'erbe durchgeprügelt. Dieses Prügeln ist aber keine Ausnahme, sondern eine beständige Einrichtung, da mir davon schon öfters Mitteilung gemacht wurde." Der Selbstmord des Oberprimaners Günther St., der sich aus gekränktem Ehrgefühl im Grunewald erschossen hat, beschäftigt be- reitS die städtischen Behörden. Der Direktor der Luisenstädtischen Oberrealschule, Dr. Marcuse, ist vom Berliner Magistrat aufgefordert ivorden, über die Vorgänge, die den Oberprimaner Günther St. in den Tod getrieben haben, amtlich Bericht zu erstatten. Ebenso dürfte auch vom Provinzialschulkollegium eine offizielle Darstellung des traurigen Falles eingefordert werden. Die Abgeordnetenwahl für die zu einem Wahlbezirke der- einigten Kreise Ober- und Niederbarnim und des Stadtkreises Lichtenberg findet in fünf Gruppen der Wahl- Männer stutt und zwar am Dienstag, den 16. Juni, für Gruppe 1 in Boxhagen-Rummelsburg im Etablissement„Cafs Bcllevue", Hauptstr. 2, vormittags 11 Uhr, für Gruppe 2 in Lichtenberg im Saale des Restaurants„Zum schwarzen Adler", Frankfurter Chaussee 5, vormittags 11 Uhr, für Gruppe 3 in Pankow im Bayerschen Restaurant„Bellevue", Breitestr. 21a, vormittags 11 Uhr, für Gruppe 4 in Reinicken- dorf im Lcdcrschen Saale, Residenzstr. 1, Ecke Hauptstraße, vormittags 11 Uhr, und für Gruppe 5 in Eberswalde im Julius Mewesschen Restaurant„Harmonie", Weinbergstr. 6a, vormittags lO'/z Uhr. Die Verkündigung des Ergebnisses der Abgcordnetenwahl findet am Donnerstag, den 18. Juni, vormittags 9 Uhr, in Eberswalde im Julius Mewesschen Lokale statt. „Affenkomödie". AuS dem 209. UrWahlbezirk des vierten Berliner Landtags- Wahlkreises wird uns von parteigenösflscher Seite noch nachträgllch geschrieben: Einen besonders typischen Fall für die Art, wie der Freisinn die Aufstellung seiner Wahlmänner betrieb, hat unser Wahl- bezirk zu verzeichnen. Am Tage der Hauptwahl wurden in der zweiten und dritten Klasse die sozialdemokratischen Kandidaten mit großen Mehrheiten gewählt und auch in der ersten Klasse war der Sieg unser, da zwei sozialdemokratischen Wählern nur ein freisinniger gegenüberstand. Infolge unkorrekter Naniensangabe seitens des einen sozialdemokratischen Wählers wurde nur der eine sozialdemokratische Wahlmann als gewählt proklamiert, während zwischen dem zweiten und dem Freisinnigen das LoS entschied, nach bekanntem Beispiel zugunsten des letzteren. Als dieser indessen zur Anerkennung seiner Wahl aufgefordert wurde, verweigerte er die Annahme des Mandats mit der Begründung, ihm sei von seiner Aufstellung als Wahlmann der Freisinnigen nicht das mindeste bekannt, im übrigen danke er für die Ehre. Bei der am Mittwoch stattgefundenen Neuwahl waren die beiden sozialdemokratischen Wähler wieder zur Stelle, ebenso der freisinnige Wähler, der nicht identisch mit dem ablehnenden Wahl- mann ist, nunmehr aber selbst als Kandidat der Freisinnigen auf- gestellt war. Gegen diese Ausstellung protestierte der Herr in auf- geregter Weise zunächst beim Wahlvorsteher, der ihm indes bedeutete, daß die Aufstellung der Kandidaten Sache der Parteien und nicht des Wahlvorstandes sei; durch den anwesenden steiflnnigen Wahl- kontrolleur ließ er sich endlich so weit beruhigen, daß er sein Wahlrecht ausübte und sich selbst wählte mit dem ausdrücklichen Hinweise, er sei anr 16. Juni, dem Tage der Abgeordnetenwahl, gar nicht in Berlin anwesend. Letzteres ist auch nicht nötig, denn gewählt wurde der Sozial- demokrat, so daß der 209. Wahlbezirk ausschließlich sozialdemokratische Wahlmänner besitzt. Trotz dieses für den Freisinn doppelt blamablen Wahlausganges meldete die Freisinnspresse den«Sieg" ihres Kan- didqten; wahrscheinlich fühlte der freisinnige Wahlkontrolleur daS Bedürfnis, seinen Auftraggebern seine Tüchtigkeit und die Berechtigung auf die von ihm verdienten Diäten darzutun. Von unseren die Wahl kontrollierenden Genossen wurde die doppelte FreisinnSblamage nach Gebühr belacht und der Wahlvorsteher meinte in begreiflichem Aerger: eine solche Wahl sei«die r e i n st e Affenkomödie"! Wogegen sich nichts einwenden läßt. Früchte der Prügelpädagogik. Wieder chat ein Lehrer, der allzurasch zum Stock griff und auf einen Schüler allzuforsch cünhieb, durch, seinen Prügcleifcr dazu beigetragen, die ohnedies nicht freundlichen Be- Ziehungen zwischen Schule und Familie noch zu verschlechtern. Die Prügelleistung ist so beträchtlich und ihr Anlaß erscheint so gering, daß man über die Erregung, die sie bei den Estern hervorgerufen hat, sich wirtlich nicht wundern kann. In der 43. K n a b c n- G e m e i n des ch u l e. die in der Grünthaler Straße liegt, war an den zwölfjährigen Jungen die Wiederimpfung ausgeführt worden. Die Ge- impften wurden angewiesen, an einem bestimmten Tage um 6 Uhr abends auf dem Schulhof anzutreten, von hier gemeinsam nach der Schule in der Christianiastraße zu gehen und dort sich vom Impf- arzt besichtigen zu lassen. Ein Schüler K. verspätete sich und langte auf dem Schulhof der Grünthaler Straße erst an, als seine Käme- raden schon abmarschiert waren. Er lief ihnen nach und traf in der Schule der Christianiastraße noch rechtzeitig ein. bevor er auf- gerufen wurde. Er kam dann heran, wurde vom Arzt besichtigt und kriegte seinen Impfschein, der die Wiederimpfung als erfolg- reich bezeichnete. Hiermit wäre alles erledigt gewesen, wenn nicht schon in der Grünthaler Straße bemerkt worden wäre, daß K. fehlte. Dem Rektor Neumann wurde das gemeldet, doch wurde anscheinend unterlassen, den Zusatz zu machen, daß K. sich in der Christianiastraße noch rechtzeitig eingefunden hatte. Man sagt uns, in der Grünthaler Straße seien die Kinder unter Auf- ficht eines Lehrers angetreten, dieser Lehrer habe sie dann aber nicht nach der Christianiastraße begleitet. Am anderen Tage langte Rektor Neumann sich den K. heraus, um ihn zu bestrafen. K. wollte den Sachverhalt aufklären, aber Herr Neumann schnitt ihm die Berte-vigung ab, sagte ihm auf den Kopf zu, daß er lüge, und hieb mit dem Stock auf ihn ein. An dem auf diese Abstrafung folgenden Tage führten die Eltern den Jungen einem Arzt zu, der ihn untersuchte und über den Befund ein Attest ausstellte. In diesem Attest, das uns im Original vorgelegt worden ist, wird berichtet über zahlreiche Striemen, Hautverfärbungen usw., die sich vorfanden auf dem ge- impften Oberarm, auf dem Unterarm, auf der Schulter dieses Armes, auf der Schulter des anderen Armes, auf dem Rücken, auf einem Oberschenkel, an den: Kniegelenk, auf der Wade, am Fuß- gelenk; ferner spricht das Attest von Beulen am Kopf und von t-chmerzen in der Äauchgegend. Aus den Angaben dieses Attestes kann man sich leicht ein Bild davon machen, wie der Herr Rettor darauflos gehauen haben muß. Ueber die Zahl der Schläge schreibt der Arzt:„Man kann heute noch von der Haut die Schläge ablesen; ich zähle mindestens fünfzehn." Aus seinen Einzelangaben sei hier hervorgehoben, daß die eine der vier Impfstellen„inmitten einer fünfmarkstückgroßen blaugelben Ver- färbung der Haut" lag, und daß ein Bein auf der Außenseite in der Mitte der Wade„eine Durchtrennung der Haut in der Länge von l'/b Zentimeter, in der Breite von Vi Zentimeter" zeigte. Der Junge blutete noch am geimpften Oberarm so- wie an der Wade, als er mittags nach Hause kam. Daß K. geimpft worden war, konnte dem stockschwingenden. Rektor nicht un- bekannt sein; diese ganze Prügelasfär« stand ja in engstem Zu- sammenhang mit der Impfung des Jungen. Die Impfung war erfolgreich gewesen, so stehts im Impfschein, den wir uns haben vorlegen lassen. Hiernach kann man sich denken, welche Wirkung die Stockhiebe gehabt haben, die den geimpften Lchergrm, den Unterarm und die©chulto Ualiü, Die Mutter LeS Jungen war entsetzt, als sie sah. wie er zugerichtet worden war. Sie lief nach der Schule, ließ sich den Rektor rufen und stellte ihn erregt zur Rede. Bat der Herr Rektor um Entschuldigung? Ach nein, das glaubte er nicht nötig zu haben. Dafür kündigte er aber der Mutter an, daß er s i e o b e n- ein noch wegen Beleidigung belangen werde. Gewiß doch, so ists richtig: erst den Jungen zerschlagen und dann die Mutter vor Gericht schleppen. Der Mann hat in der Tat Mut. Und er scheint nicht mal zu fürchten, daß von den Eltern gegen ihn selber der Staatsanwalt mobil gemacht werden könnte. Wenn ihm die Schulbehörde den Gefallen tun wollte, Strafantrag gegen die Mutter zu stellen, von der er beleidigt zu sein behaupiet, so müßte das ein sehr interessanter Prozeß werden. Einstweilen haben die Eltern gegen ihn eine Beschwerde an die Schuldeputation ge- richtet. Wir sind nicht gespannt auf den Bescheid, den sie kriegen werden. Man kennt ja die nichtssagenden Antworten, die es in solchem Fall gibt. Die Schuldeputation, in der nur freisinnige Männer sitzen, ist blind gegen den Schaden in erziehlicher Hinsicht, den solche Prügelleistungen bringen, blind auch gegen die Störung des Friedens zwischen Schule und Haus, die durch die prügelnden Pädagogen verschuldet wird. Die Milllon-Stiftung Berlins für feine Beamten. Unter Vorsitz deS Oberbürgermeisters Kirschner hat gestern mittag die aüS Mit- gliedern des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung ge- bildete Kommission getagt, die die aus Anlaß der Jahrhundertfeier der Steinschen Städteordnung geplanten Veranstaltungen vorberaten soll. Gestern wurde nun beschlossen, zur bleibenden Erinnerung an den Zentenartag eine Stiftung von einer Million zu machen, die bestimmt ist, für ehemalige besoldete und ehrenamtliche Beamte der Stadt und deren Angehörige zu wirken. Ihre Ver- waltung soll dem Kuratorium der Forckenbeck- Zelle- Stiftung unterstellt werden. Begründet wurde diese Stiftung zu gleichem Zweck im Frühjahr 1891 aus Anlaß des 70. Geburtstages des damaligen Oberbürgermeisters von Forckenbeck. Den Grundstock bildete ein Vermögen von 200 000 M. Als Oberbürgermeister Zelle dann vor Ablauf seiner Wahlzeit im Herbst 1898 seinen Abschied nahm, wurde ihm zu Ehren diese Stiftung durch eine Dotation von 300 000 M. erweitert. Im Juni 1902 wurden ihr von einem Un- genannten 10 000 M. überwiesen, und 1906 folgte die Aachener und Müncheuer Feuerversicherungsgesellschaft mit einer Spende von 20 000 M. Das Vermögen der Forckenbeck-Zelle« Stiftung beträgt daher zurzeit 530 000 M. Eine neue Polizei-Verordnung, betr. die Veranstaltung öffent- licher„Lustbarkeiten" usw., tritt am 1. Juli d. I. für den Gesamtumfang des Landespolizeibezirks B e r I i n in Kraft. Da- nach müssen die Tanzlustbarkeiten künftig binnen 24 Stunden bei demjenigen Polizeirevier ordnungsgemäß angemeldet werden, in dessen Bezirke die Veranstaltung stattfinden soll. Da- gegen sind Ausstellungen, Basare, musikalische, theatralische usw. Aufführungen, Kostümfeste, Schaustellungen usw., mindestens zwei Wochen vorher und zwar bei der Ortspolizeibehörde (Präsidium usw.) schriftlich anzumelden, sofern es sich um Räume von mehr als 70 Quadratmeter Hausfläche oder einen Fassuagsraum von mehr als 100 Personen handelt. Die Anzeige, für die nicht allein die Veranstalter, sondern auch die Saalbesitzer verantwortlich sind, mutz genaue Angaben über die Art und Zeit- dauer der Veranstaltung, die Ausnutzung der Räume durch Auf- stellen von Dekorationen, Buden, Kulissen, Ausstellungsgegen- ständen usw.— nötigenfalls unter Beifügung von Zeichnungen— enthalten. Die von der Zensur geforderten Vorlagen werden dadurch nicht berührt. Den mit der Beaufsichtigung von öffent- lichen Darbietungen beauftragten Beamten müssen ange- messene Plätze unentgeltlich eingeräumt werden. Die sechs Paragraphen umfassende Polizei-Verordnung wird, wie aus- drücklich bemerkt ist,„im Sicherheits-Jnteresse" erlassen. Die Berliner Stratzenhändler und-Händlerinnen hielten gestern nacht eine stark besuchte Versammlung ab, um gegen das Verbot des Stratzenhandels an Sonntagen Stellung zu nehmen. Nach lebhafter Debatte wurde einstimmig beschlossen/ an den Polizeipräsidenten folgende Petition zu richten:„Die heute ver- sammelten Stratzenhändler und-Händlerinnen Berlins ersuchen den Herrn Polizeipräsidenten, den Händlern den Bertrieb ihrer Waren auch des Sonntags mindestens in den zum Verkauf frei- gegebenen Stunden gestatten zu wollen. Die Versammelten er- warten besonders die Erlaubnis zum Verkauf von Obst und Blumen, wie er in verschiedenen Orten selbst nach zwei Uhr nach- mittags gestattet ist. Da auch die Straßenhändler große Ausgaben haben und ebenso wie die seßhaften Geschäftsleute hohe Steuern zahlen müssen, sind sie der Meinung, daß es der Billigkeit ent- spricht, wenn ihnen der Verkauf auch Sonntags gestattet wird." Falsche Einmarkstücke sind zurzeit in ungewöhnlichen Mengen in Umlauf. Die Falsifikate scheinen zumeist aus ein und der- selben Falschmünzerwcrkstatt zu stammen, da die Mehrzahl der- selben die gleiche Prägung aufweist. Diese ist gut und scharf, doch haben die Falschstücke ein bleifarbiges Aussehen; sie tragen das Münzzeichen A und die Jahreszahl 1887. Besonders verbreitet werden diese Fälschungen bei Straßenbahn- und Omnibus- schaffnern, sowie auch bei Geschäftsleuten in der weiteren Um- gebung Berlins. Außer den genannten Falsifikaten sind auch noch nachgemachte Zwei- und Fünfmarkstücke in Umlauf. Besonders von den Fünfmarkstücken sind in den letzten Tagen mehrere Exemplare in den westlichen Vororten angehalten worden. Eine folgenschwere Einsturzkatastrophe hat sich gestern vor- mittag gegen 11 Uhr auf dem Anhalter Güterbahnhofe ereignet. Zwischen dem Versandgebäude und dem Bureauhaus ist vor einiger Zeit ein Teil des Bauwerkes herqusgerisson worden. Es soll ein größeres Bureau errichtet werden, und die Stelle, die abgerissen worden ist, soll zur Erweiterung des Bureaus verwendet Wersen. Bis auf eine zwei Meter hohe und breite Seitenmauer war das alte Gebäude bereits abgerissen. Gestern morgen stürzte die Wand plötzlich zusammen. Der 54 Jahre alte Rohrleger Jven auS der Großgörschenstratze, der schon viele Jahre hindurch bei der 80. Bahn- meisterei angestellt war. hatte in dem Augenblick des Einsturzes gerade unterhalb der Mauer gearbeitet. Er wurde von einem 15 Zentner schweren Baublock niedergeschlagen und auf der Stelle getötet. Der Schädel war dem Unglücklichen fast vollständig zer- schmettert worden. Der Maurer Kelling, der ebenfalls dicht an der Unfallstelle beschäftigt gewesen war, wurde auch verschüttet. Müh- sam vermochte er sich aus den Trümmern herauszuarbeiten. Er brach aber gleich darauf besinnungslos zusammen. Ein hinzu- gerufener Arzt stellte fest, daß K. einen schweren Oberarmbruch davongetragen hatte. Anscheinend hat er auch innere Verletzungen erlitten. Bei I. konnte nur noch der Tod konstatiert werden. K. wurde nach Anlegung von Notverbänden nach dem Krankenhaus gebracht. Eine Schuld an dem Unglücksfall soll den Polier treffen, Oer angeblich unterlassen haben soll, die Wand gehörig abzusteifen. Eine Petition gegen den Betrieb der Peptonfutterfabrik auf dem stödtischen Schlachtvichhofe liegt, wie uns mitgeteilt wird, beiKroske, Heidenfeldstr. 12. zur Unterschrift aus. Unkosten entstehen den Unter- Zeichnern dadurch nicht. Gegen den„BadeluxnS". Die Flußbadeanstalten der Stadt dürfen von zahlreichen Gemeindeschulkindern unentgeltlich be- nutzt werden. Alljährlich werden zu Beginn der Badesaison den Gemeindeschulen Freikarten zur Verfügung gestellt, die unter die Kinder verteilt werden. Ursprünglich wurde hierbei der Grund- fatz befolgt, daß di, Freikarten nur solchen Kindern zu bewilligen seien, deren Eltern als arm gelten können. Seit langem ist aber diese Vorschrift nicht streng befolgt worden, vielmehr wurden die Karten so ziemlich an jedes 51 ind gegeben, das sich meldete. Das war auch gut so. Es ist durchaus zu billigen, daß die Benutzung der Badeanstalten den Kindern der Minder- bemittelten möglichst erleichtert werde. Wir gehen noch weiter und halten eS für sehr wünschenswert, daß die Stadt ihre Bade- anstalten allen Gemeindeschulkindern ohne weiteres zu unentgeltlichem Benutzung öffnet. Indes, so weit ist man noch nicht in Berlin. ES scheint sogar, daß künftig die Benutzung der Badeanstalten den Ge» meindeschulkindern nicht noch mehr erleichtert, sondern wieder er« schwert werden soll. Aus Moabit wird uns gemeldet, daß an der 31. K n aben-Gemeinde schule(Alt- Moabit 23) in diesem Jahre bei der Verteilung der Badeanstalts- Freikarten die B e« dürftigkeit der Eltern strenger als bisher geprüf. wird. Geschieht das nur in dieser einen Schule oder wird in anderen Schulen jetzt gleichfalls mit größerer Strenge als bisher darauf geachtet, daß die Eltern auch„bedürftig genug" sind\ Tatsächlich sind uns Klagen hierüber nur erst aus der 3t. Schule zugegangen. Nun wird diese Schule seit dem Herbst 1906 geleitet vom Rektor Lieverenz, einem Mann, der in allem, was irgendwie nach„Unterstützung" aussieht, die B e« dürftigkeitsfrage zu verneinen leicht bereit ist. Als dieser Herr Lieverenz die Leitung der 31. Schule übernahm, brach er bald mit dem von seinem Vorgänger geübten Brauch, bei der Verteilung unentgeltlicher Lernmittel so weitherzig wie möglich zu verfahren. Herr Lieverenz hält es für seine Pflicht, darüber zu wachen, daß nicht durch allzuwillige Hergabe unentgeltlicher Lernmittel das Geld der Stadt„verschwendet" werde. Vielleicht hat er inzwischen die Entdeckung gemacht, daß auch die Her« gäbe von Freikarten für die Badean st alten ein „Luxus" ist. den er einschränken zu sollen glaubt. Wir haben uns mit diesem Herrn ja schon mehrfach beschäftigen müssen icnd haben ihn geschildert in seiner Tätigkeit als Gemeindeschnlreklor, als Armcnkominissionsvorsteher, als Hausagrarierführer. Zuzutrauen wäre e» ihm, daß er ganz aus eigenem Antrieb jetzt darauf hin« arbeitete, auch den Umfang der unentgeltlichen Benutzung der Fluß« Badeanstalten unserer Stadt möglichst zu verringern. Einsam gestorben. Fünf Tage lang hat der siebzig Jahre alte Arbeiter Reinhold Lehmann aus der Rheinsberger Straße 20 tot in seiner Wohnung gelegen. Lehmann, ein alter Junggeselle, der eine monatliche Armenunterstützung von 21 M. erhielt und hin und wieder in Lokalen mit Pojtkarten handelte, hauste als Einsiedler in einer Küche im dritten Stock. Er besorgte seine ganze Wirtschaft allein und ließ niemanden in seine Wohnung ein. Seit Sonnabend nachmittag hatte man ihn nicht mehr gesehen. Gestern nachmittag stellte auf Veranlassung einer Hausgenossin der Verwalter eine Leiter an das Küchenfeuster und sah Lehmann regungslos auf dem Bett liegen. Die Revierpolizei ließ jetzt die Wohnung öffnen und ein Arzt stellte fest, daß der Mann schon fünf Tage tot war. Wahr- scheinlich hat ihn der Schlag gerührt.. Die Leiche wurde beschlag- nahmt und nach dem Schauhause gebracht. Ein schrecklicher Unfall, bei dem ein Kind sein Leben verlor, er« eignete sich vorgestern auf dem Grundstück Thaerstr. 21. Dort wohnt im Ouergebäude der Arbeiter Schlachter mit seiner Familie. Wäh- rend sich die drei älteren Kinder in der Schule befanden, ging Frau Schlachter vorgestern mit dem jüngsten, einem fast l'/z Jahre alten Töchterchen, nach dem Trockenboden, um Wäsche aufzuhängen; dort setzte sie die Kleine auf den Fußboden und wandte ihr dann den Rücken zu, weil sie bis an das andere Ende des Bodens gehen mußte. Ohne daß die Mutter etwas merkte, kroch das Kind an das Bodenfenster heran und sah hinaus. Hierbei verlor es das Gleichgewicht und fiel auf den asphaltierten Hof hinab, wo es tot liegen blieb. Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrank» heiten veranstaltet am Freitag, den 19. Juni, abends 8 Uhr, in den Germania-Prachtsälen. Chausseestr. 110 einen öffentlichen Vortrags» abend. Herr Dr. med. O. Dreyer spricht: Ueber Wesen und Gefahren der Geschlechtskrankheiten. Der Zu« tritt ist— auch für Nichwütglieder— kostenlos. Ein interessanter Kunstabend wird vom Verein der Frauen und Mädchen am Montag in den„Arminhallen" veranstaltet. Der estnische Genosse SörmuS, der als Geigen« künstler eines guten Rufes genießt, wird außer Grieg und Chopin Stimmungen und Gefühle eines russischen Freiheitskämpfers zum Vortrag bringen. Verschiedene andere Künstler haben gleichfalls ihre Mitwirkung versprochen. Feuerwrhrnachrichten. Um eine Schwalbe zu befreien, wurdr gestern nachmittag die Feuerwehr nach der Fürstenstraße 3 gerufen, Die Schwalbe hing am Gesims des Hauses. Während der Ben freiung, als die Feuerwehrmänner sich dem Gesims näherten, kcmi oas Tierchen zum Gaudium des zahlreich versammelten Publikum!! allein los und flog von bannen. Gestern früh um 7 Uhr wurde der 1. Zug wegen einer Gasvergiftung nach der Greifswalder Straße 204 alarmiert. Zwei kleine Knaben des Gastwirtes Post waren bewußtlos aufgefunden worden. Durch Einflößen von Sauerstoff gelang es, die Knaben zu retten. In all solchen Fällen sollte man niemals zögern, die Feuerwehr sofort zu be« nachrichtigxn. Hilfe ist nur möglich, wenn sie gleich erfolgt. Ferner hatte die Feuerwehr in der Fruchtstraße 4 längere Zeit zu tun, wo nachts um 4 Uhr in einer Tischlerei ein gefährlicher Brand aus» gekommen war und bei der Ankunft des 7. Zuges bereits Hölzer. Balken, Decken und das Zwischengebälk usw. in Flammen stand. Durch energisches Vorgehen und sofortiges Wassergeben gelang es, den Brand auf die Tischlerei zu beschränken. Um Mitternacht brannte der Bohlenbelag der Eisenbahnbrücke der Ringbahn über den Landwehrkanal am Südufer. Durch Umfallen einer Petroleum- lampe kam in einer Wohnung in der Wrangelstraße 18 Feuer aus, das in dem Hause große Aufregung verursachte, die sich erst nach Ankunft der Feuerwehr legte. Ein Teerbrand beschäftigte den 3. Zug gestern früh in der Oderberger Straße 19. Durch Auf- werfen von Sand konnte er gelöscht werden. Mehrere Preßkohlen. brande mußten auf dem Moabiter-, Anhalter, u. a. Bahnhöfen gelöscht werden. Zur Beseitigung einer Ueberschwemmung infolge eines WasserrohrbrucheS wurde die Wehr nach der Schützenstratze 5 alarmiert. Ferner liefen noch Alarme aus der Linienstratze 42 u. a, Stellen ein., Arbeiter-Samariter-Kolonne. Montag, abends 9 Uhr. 2. Ab. teilung, Brunnenstraße 154. Vortrag über:„Verletzungen, Wund. behandlung und Blutstillung". Daran anschließend praktische Uebungen. Neue Mitglieder werden noch in allen Abteilungen auf. genommen. Am Donnerstag findet der Unterricht in der 3., 4. und 5. Abteilung statt. Vorort- I�acdrickten. (dorf. Erst Geld, dann helfe ich. ES mehren sich in unheimlicher Weise die Fälle, iy denen Aerzte den Grundsatz in die Praxis übertragen wollen, daß erst Geld auf den Tisch gelegt werden muß, bevor sie an einen Kranken oder Verunglückten Hand anlegen. Uns wird folgendes Vorkommnis berichtet: Am Dienstag(3. Psingsttag) vergnügte sich m der Königsheide eine Gesellschaft bei Musik, als zwischen 5 und 6 Uhr ein siebenjähriger Knabe seinem Vater weinend und blutend überbracht wurde. Ein 13jähriger junger Mensch hatte ihn unvorsichtigerweise mit einem Taschentesching in die linke Stirn» leite getroffen. Auf einem zufällig anwesenden Fuhrwerk begaben (ich der Vater mit dem verletzten Knaben, der unglückliche Schütze und der Besitzer des FuhrlverkS zu dem nächstwohnenden Arzt Dr. Bildt, Baumschulenstr. 15/10.„Der Herr Doktor ist nicht zusprechen, chläst jetzt, darf niemand hereinlassen", gab das öffnende Dienst« mädchen zur Auskunft. Nach vielem Hin- und Herreden, daß es sich um ein Kind handle, welches durch einen Schuß verwundet sei, erschien endlich der Arzt und packte sofort sein HandwerlSzcug aus. Ehe er aber zum Gebrauch desselben überging, sagte er:„Die Operation kostet 10 M-, haben Sie Geld?" Auf die Antwort:„Nein, so viel haben wir nicht bei uns I" knöpften beide, der Vater ,'nwohl wie der Schütze, ihre Ketten mit den Uhren ab, um sie dem Herrn Doktor 1010. Sa. Weitererhebung der Bürgerrechtsgelder Abstand genommen. als Pfand ba au laffen. Rann ich nicht brauchen, damit habe zu| Potsdam. K. P. 1. Zum Eintritt in die von Ihnen genannte Kasse bermögen Der Achtuhr- Ladenschluß in Potsdam. Bugunsten des Achtuhr- wir nicht zu raten. schlechte Erfahrungen gemacht und wenn Sie nicht bar zahlen, mache H. S. A. Berlin, Spandauerstr. 5. O. N. 15. ich es überhaupt nicht. Ob sie denn 4 M. hätten, dann würde er Ladenschlusses ist jetzt in Botsdam eine von verschiedenen tauf Der Bertrag beziv. die löschungsfähige Quittung muß notariell oder gericht ausgestellt werden. Wenn die Eintragung nur einen Verband anlegen."„ Nein, leider nicht, er möge doch die männischen Vereinen eingeleitete Bewegung im Gange, die sehr viel lich und Löschung oder gerichtlich bewilligt ist, so ist die Anwesenheit Uhren einstweilen als Sicherheit annehmen."" Nein, ohne Geld Aussicht auf Erfolg hat. Die Inhaber der beiden hiesigen Warens notariell A. C. 186. Nein. mache ich es überhaupt nicht, fahren Sie nur nach Rigdorf mit dem häuser haben den Achtuhr- Ladenschluß in diesem Jahre probeweise des Bewilligenden nicht erforderlich. H. N. 76. Sie könnten dann durch einen Anwalt weitere Beschwerde Knaben. Adieu!" Auf die Entgegnung des Fuhrwerksbesitzers: durchgeführt und befriedigende Resultate insofern erzielt, als andere nichts zu machen. W. S. 99. Wenn Sie spätestens bis am 3. Juli „ Wenn dem Kinde unterwegs etwas zuſtößt, wohl gar stirbt!" Firmen ihrem Beispiele gefolgt sind. Nun wird die Bewegung von beim Reichsgericht einlegen laffen. Wird auch diese abgelehnt, so ist weiter 23. 23. 1873. 1. Ein antwortete der Herr Arzt:„ Ach, so gefährlich ist es nicht 1" Nowawes aus sehr unterstützt, wo man ebenfalls auf einen einheit fündigen, so fönnen Sie am 1. Oktober zichen. lichen Ladenschluß hinarbeitet. Die meisten dortigen Geschäfts- Stunfischein ist nicht erforderlich. 2. Ohne Stenntnis des Wortlauts der be Und richtig mußten die Leute mit der Eisenbahn von Baum- inhaber stehen dem Achtuhr- Ladenschluß sympathisch gegenüber und treffenden Verfügung ist ein Nat unmöglich. H. R. 42. Ihre Ver G. W. 571. Wenden Sie sich direkt an die schulenweg nach Rigdorf zur Unfallstation mit dem verwundeten Kinde man fann hoffen, daß er bald in Potsdam und Nowawes obligatorisch sicherung hätte zu zahlen. R. 10. Die Kasse hat recht. Ihre Frau fahren. Der Arzt leistete keine Hilfe, weil es arme Teufel waren, eingeführt wird. Es ist eine nicht zu leugnende Tatsache, daß die Oberpostdirektion Berlin. die nicht 10 Mark für eine Operation resp. 4 Mark für einen Ver- Kauflust des Publikums in Kleinstädten immer zu gewissen Stunden könnte sich als selbstzahlendes Mitglied in der Offenbacher Strankenkasse für Frauen und Mädchen, Prinzenstr. 66, aufnehmen lassen.- J. S. 10. Aber! band augenblicklich ihr Eigen nannten und zwei Uhren dem Herrn rapide abnimmt und gerade diese Bemerkung, die hier besonders Darüber ist in etwa 100 Artikeln von uns geschrieben. Die Drittelung Doktor als Sicherheit nicht genügten. Gewiß ein tüchtiger Ge- zutrifft, empfiehlt die Einführung des einheitlichen Achtuhrladen- erfolgt in den einzelnen Urwahlbezirken. Daher können in einem Bezirk schäftsmann, dieser Herr Bildt, Baumschulenstraße 15/16! Uebrigens konnte man die Kugel fühlen, förmlich sehen, wo ſelbe faß, es wäre also eine Kleinigkeit gewesen, selbe zu entfernen. Rummelsburg. Zu dem gestern mitgeteilten Gesamtresultat der Wahlmännerwahlen wird uns noch geschrieben: Von den abgegebenen gültigen Stimmen entfallen nach Prozenten berechnet auf die einzelen Parteien: Freifinnig- konservativer Block 2,8 Proz., Nationalliberale 10,00 Broz., Sozialdemokraten 87,2 Proz. Insgesamt wurden Stimmen abgegeben: Freifinnig Tonservativer Bloc National Sozialdemo liberale fraten Ber splittert 1. Abteilung 4 98 94 6 2. Abteilung 55 153 721 11 3. Abteilung 69 213 Summa 128 464 3156 3971 63 80 fraten 81. schlusses. Der Bau der Straßenbahn nach Nowawes ist jetzt nach langem Aufschub in Angriff genommen worden. Mit Rücksicht auf das magnetische Observatorium müssen auch diesmal wieder umfangreiche Isolierungen der Schienenlager vorgenommen werden, um ein Abirren der Ströme zu vermeiden. Bisher wurde die Baustelle vor Langen Brüde und auf der Eisenbahnbrüde eröffnet. solche mit 32 M. in der ersten Klasse wählen. M. 37. 1. Ja. 2. Geburtsurkunde und Militärpapiere sind erforderlich. Wähler mit 6000 M. Steuern in der dritten, in einem anderen Bezirk Nirdorf 50. Nein. 3. Der außereheliche Erzeuger hat kein Recht auf Herausgabe des Kindes. Argentinien 17. Ja, Sie müßten aber beim Bezirkskommando unter Angabe des Grundes um Erlaubnis zur Auswanderung einkommen. 1X15. 1. Der Vater ist zahlungspflichtig. 2. Invalidenrente wird nicht mit einem bestimmten Jahre, sondern dann ausgezahlt, wenn Erwerbs. unfähigkeit im Sinne des Invalidenversicherungsgefezes vorliegt. Mters. rente wird mit dem vollendeten 70. Jahre gezahlt, wenn die genügende M. St. 2. Laden Sie den Sergeanten Allgemeine Familien Sterbekaffe zu Berlin. Heute Bahltag Anzahl Marken geklebt ist. M. 2. 1000. Leider nicht. zur Leiftung des Offenbarungseides. Aderstraße 123 bei Wiesenthal von 3-6 Uhr. F. N. 100. 1. Wird Ihnen die Bescheinigung, daß Sie nicht zur Zahlung der Kosten imstande sind, abgelehnt, so können Sie Beschwerde einlegen. Bei den von Ihnen geschilderten Vermögensverhältnissen würde dieselbe schwerlich Erfolg haben. 2. Nein. M. B. Wenden Sie sich an Ver die Charité oder an die Entbindungsanstalt in der Artilleriestraße. Wienerstraße. Sie haben sich an das Amts. gnügte Armut. Nein. gericht Bérlin- Mitte, Grunerstraße, zu wenden. In welchem Zimmer die P. 18. 1. Nein; Erklärung abzugeben ist, wird Ihnen dort mitgeteilt. indessen ist nicht Ihre Ansicht, sondern die Ansicht des Sachverständigen schließlich entscheidend. Wie diese ausfällt, ist nicht vorauszusagen. 2. Wenn ausdrücklich die von Ihnen beschriebene Form ausgemacht ist, brauchen Sie die andere nicht abzunehmen. Wochen- Spielplan der Berliner Cheater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Rienzi.( Anf. 7 Uhr.) Montag: Geschlossen. Dienstag: Tannhäuser.( Anf. 7 Uhr.) Mittwoch: Die Walküre. ( Anf. 7 Uhr.) Donnerstag: La Triviata. Freitag: Der fliegende Holländer. Sonnabend: Figaros Hochzeit. Sonntag: Madame Butterfly. Montag: Beschlossen. schloffen. Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Der Schwur der Treue. Montag: Geschloffen. Dienstag: Hamlet. Mittwoch: Goldfische. Donnerstag: Es erhielten Wahlmänner am 8. Juni in allen drei Abteilungen: Die Fabensteinerin. Freitag: Faust.( Anf. 7 Uhr.) Sonnabend: Prinz Freifinnig- Konservative( Blod) 5, Nationalliberale 25, Sozialdemo- Friedrich von Homburg. Sonntag: Die Rabensteinerin. Montag: GeAmtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen- Direktion über Deutsches Theater. Täglich: Die Brettlgräfin. den Großhandel in den Zentral- Markthallen. Marktlage: Fleisch: Deutsches Theater( Stammerspiele). Täglich: Der Tugend- Zufuhr schwach, Geschäft ruhig; Preise unverändert Wild: Bufuhr reichlich, wächter. Das Unterseeboot. Geschäft still, Breise mittelmäßig. Geflügel: Zufuhr reichlich, Geschäft lebhaft, Preise etwas nachgebend. Fische: Zufuhr mäßig, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft lebhaft, reichlich, Geschäft etwas lebhafter, jedoch unbefriedigend; Preise wenig ber ändert. Recht auffällig für unseren Drt ist hierbei die Abschwenkung der bürgerlichen Wähler vom freifinnig- konservativen Blod, ganze 128 Stinnen und 5 Wahlmänner fonnten die beiden brüderlich bereinigten Parteien mit der schönen klangbollen Wahlparole für König und Vaterland gegen die Sozialdemokraten nur ihr eigen nennen. Das Resultat in den einzelnen Abteilungen stellt sich folgendermaßen: In der ersten Abteilung gaben von 619 eingeschriebenen Wählern 223= 36 Broz. ihre Stimme ab. Davon erhielten: Blod 25, Nationalliberale 98, Sozialdemokraten 94, zersplittert 6 Stimmen. Gewählt wurden Wahlmänner: Blod 4, Nationalliberale 18, Sozialdemokraten 11, Stichwahlen 6. tag Leffing- Theater. Täglich: Der Raub der Sabinerinnen. Berliner Theater. Täglich: Raffles. Neues Theater. Sonntag: Liebe. Unter der Guillotine. Bon Mon- Breise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr ab täglich: Nächte im Hampton- Klub. Schöps. Neues Schauspielhaus. Täglich: Das Dollarprinzeßchen. Kleines Theater. Täglich: 2x2= 5. Komische Oper. Sonntag: Tiefland. Montag: Hoffmanns Erzählungen. Dienstag: Tiefland. Mittwoch: Der Mastenball. Donnerstag: Die Fledermaus. Freitag: Tiefland. Sonnabend: Carmen. Sonntag: Tiefland. Montag: Hoffmanns Erzählungen. Residenz- Theater. Sonntag: Der Floh im Dhr. Von Montag ab: Geschlossen. Trianon- Theater. Allabendlich: Frau Baronin. S Schiller Theater 0. Abends: Die Afrikanerin. Witterungsübersicht vom 13. Juni 1908, morgens 8 Uhr. Stationen Barometer. Stand mm Binb. Bun Binbftärke Beller 750 WSW 4 bedeckt 760 SW 1 bedeckt 2 halb bd. 3 heiter wollig Franfj.a. M. 762 W Münden 23ien Temp. n. G. 5°. 4°. Stationen Barometer. Sum QUI 17 Haparanda 758 S 15 Petersburg 766 SD 17 Scilly 19 Aberdeen 19 Baris 15 762 SSW 752 SW 764 NO Windstärke Belier Temp. n. C. 2 wolfig 11 1 wolfen! 15 4 bedeckt 12 3 bededt 12 1 wolkig 15 D 763 SW 765 Still Wetterprognose für Sonntag, den 14. Juni 1908. Etwas fühler, zeitweise heiter, aber sehr veränderlich mit Gewitterregen und mäßigen südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. In der zweiten Abteilung gaben von 2434 eingeschriebenen Wählern 940= 38,6 Proz. ihre Stimme ab. Davon erhielten: Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Freischüß. Swinemde 759 SSW 2 bedeckt Blod 55, Nationalliberale 153, Sozialdemokraten 721, zerfplittert Montag: Die Regimentstochter. Dienstag: Hamburg 11 Stimmen. Gewählt wurden Wahlmänner: Block 1, National- Die Afrikanerin. Mittwoch: Der Freischüß. Donnerstag: Carmen. Frei Berlin liberale 4, Sozialdemokraten 34, Stichwahlen 2. tag: Die Regimentstochter. Sonnabend: Die Afrikanerin. Sonntag In der dritten Abteilung gaben von 7445 eingeschriebenen nachmittag 3 Uhr: Der Wildschüz. Abends: Carmen. Montag: MorwigWählern 3501= ====== 47 Prozent ihre Stimme ab. Davon erhielten: Oper. Block 69, Nationalliberale 213, Sozialdemokraten 3156, zersplittert Schiller Theater Charlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Herr Ministerialdirektor. 63 Stimmen. Gewählt wurden Wahlmänner: Blod 0, National- Auf der Sonnenseite. Abends und Montag: Dienstag und Mittwoch: Dhne Geläut. Donnerstag: Der Herr Ministerialliberale 3, Sozialdemokraten 36, Stichwahlen 0. direktor. Freitag: Gebildete Menschen. Sonnabend: Der Herr MinisterialDas Wahlresultat tönnte für unsere Partei ein noch günstigeres direktor. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Heimat. Abends und Montag: sein, wenn nicht zwei Urwahlbezirke, welche zusammen 9 Wahlmänner Der Herr Ministerialdirektor. zu wählen haben, vorhanden wären, die ausschließlich nur Beamten- Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntagnachmittag bevölkerung aufweisen, es sind dies das Beamtenwohnhaus in Box 3 Uhr: Madame Sans- Gêne. Abends: Im weißen Nößl. Montag bis Jm weißen Rößl. Donnerstag: Der ungläubige Thomas. Freitag: hagen und das städtische Arbeitshaus. Sonnabend: Der Stabstrompeter.( Anf. 7%, Uhr.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Madame Sans- Gêne. Reinickendorf. Abends und Montag: Der Stabstrompeter. 30 to In der Gemeindevertreterfibung vom 11. Juni wurde beschloffen, das Fremben. bezto. Gaft- Schulgeld von 24 M. auf 60 M. per Kind und Jahr zu erhöhen. Ein Antrag unserer Genossen, den Gemeindearbeitern eine Teuerungszulage zu gewähren, wurde vom Gemeindevorstand wie einigen bürgerlichen Vertretern energisch bekämpft, weil seit der Etatsberatung eine Aenderung in den wirtschaftlichen Verhältnissen nicht eingetreten sei, und die alten Gründe aufgeführt: Ein großer Teil der Arbeiter würde nur aus Gnade und Barmherzigfeit beschäftigt, um sie nicht der Armenpflege zur Last fallen zu laffen, es feien alte Leute, die eine volle Arbeitsleistung nicht mehr vollbringen könnten, sie würden dauernd beschäftigt und dergleichen. Unseren Genossen gelang es trotzdem, eine Mehrheit für eine Bulage von 3 Bf. pro Stunde zu gewinnen für diejenigen Arbeiter, die bei einer Arbeitszeit von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends nur 35 Pf. pro Stunde erhielten. Es ist zwar nur sehr wenig, was erreicht werden konnte; es muß aber betont werden, daß dieses Wenige erreicht wurde gegen den Willen derjenigen Gemeindevertreter, denen ein großer Teil der Gemeindearbeiter bei der letzten Gemeindevertreterwahl ihre Stimme gegeben hat. Der Gemeindevorstand wurde beauftragt, die Desinfektoren gegen Berufsunfall zu versichern. Es wurde beschlossen, 2 Millionen Mart auf 10 Jahre von der Arbeiter- Pensionskasse der Preußisch- Hessischen Eisenbahngemein schaft zu 4 Proz. Zinsen, 1½ Proz. Abschluß und bis 4 Proz. Vermittelungsgebühren aufzunehmen für Grunderwerb, Straßenund Schulbautosten, desgleichen von anderer Stelle 650 000 M. zum Bau des genehmigten, auf zirka 1 Million Mart veranschlagten Krankenhauses. Die polizeiliche Fortschaffung von gefallenem, berendetem und beschlagnahmtem Bich und Teilen desselben wird für die Folge durch die Abdeckerei Spandau borgenommen, die für Großvieh ( Pferde und Rinder) keine Gebühren berechnet, aber auch für Häute teine Entschädigung zahlt, dafür aber für Kleinvieh 7,50 m. bis 12 M. berechnet. Nowawes. Erben gesucht! Kassenbäder jeber Art AugustaBad, Röpeniderstr. 60 Am besten laujen Ste Lustspielhaus. Allabendlich: Die blaue Maus. Thalia Theater. Sonntag bis Donnerstag: Der Selbstmorder Klub. Freitag bis Montag: Der Mann mit dem Monocle. Neues Operetten- Theater. Sonntag und folgende Tage: Der Mann mit den drei Frauen. beater beseften. Täglich: Ein Walzertraum 15 Julius und Abolf Werbelt Hygienische Bedarfsartikel Die Kinder der verstorbenen Euphrofine Podszuck, geb. Walenski, Evaline, namens Albertine, auf gefordert, fich zivecs Empfangnahme der Erbgelder aus dem Preußischen Nachlaß bei dem tgl. Amtsgericht zu Staisgirren, Ditpreußen, zu melden. Gobienen, den 29. Mai 1908. Johann Czupprien, Pfleger. * 25292* Spezial- Arzt für Hant- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Luisen Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Jm Goldland. Abends bis Mittwoch: Die Stimme des Blutes. Donnerstag: Im Goldland. Freitag und Sonnabend: Die Stimme des Blutes. Sonntagnachmittag Dr. Schünemann 3 Uhr: Der Hüttenbefizer. Abends: Die Stimme des Blutes. Montag: Jm Goldland. Bernhard Nose- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Am Altar. Täglich: Der Cowboy. Metropol Theater. Allabendlich: Das muß man seh'n! Gustav Behrens Theater, Golzstraße 9. Spezialitäten. Anfang Apollo Theater. Allabendlich: Die süßen Grisetten. Walhalla- Theater. Spezialitäten. 8 Uhr. Friedrichstr. 203, Ede Schüßenfit. 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Dr. Simmel Spezial- Arzt Paffage- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Täglich: Berlin in Stimmung. Spezialitäten. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: für Haut- und Harnleiden. Spezialitäten. Prinzenstr. 41, Moritzplatz, Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. dicht am Urania Theater. Taubenstraße 48/49. Freitag: Jm Lande der 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Mitternachtssonne. Sonntag, Donnerstag und Sonntag, den 21. Juni: Ueber den Brenner nach Benedig. Montag und Mittwoch: Die Kruppschen Berte. Dienstag: Die deutsche Ostseeküste. Sonnabend, den 20. Sunt: Atelier für künstlichen Zahnersatz. Bon der Zugspiße zum Batmann. Anfang 8 Uhr. Sternwarte, Invalidenstr. 57-62. Briefkaften der Redaktion. Zugelassen bei den Krankenkassen der Freien Arztwahl. Sprechst. 8-7. Sonntag 8-10. Schmerzloses Zahnziehen unter Leitung eines prakt. Arztes. Alfred Faustmann 6 Manteuffelstr. 6.[ 30122* Goldgrube. Wunderschöne Ede, Hauptverkehrsstraße, Wohnung 2 St., 30/2, viel Spirituosen, erforderlich 2500. Miete 18. Näheres Liebigstr. 34. Empfehle d. Freunden und Genossen mer Restaurant. Vereinszimmer, 50 Pers. faffend. Bürgerlicher Mittagstisch. Karl Stephan, frafe 60. Zimmer: W. Hermann Müller, Berlin, Magazinstr. 14. No. 5927. 1906er Märker, lose Blätter, a 73 Pf. No. 6049. Mexiko- Einlage, würzig, leicht, a 1,25 Mt. Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter britter Eingang, Hof, vier Treppen, Fahrstuhl wochentäglich abends von 7 bis 9% Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ift ein Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. R. A. 35. Nein: die Betreffende müßte fich durch die Polizei eine Ersazkarte ausstellen laffen. A. M. 15. Der Antrag ist an die Landesversicherungsanstalt Mecklenburg zu Schwerin zu richten. Die Anstalt ist berechtigt, aber nicht verpflichtet, dem Antrage ſtattzugeben. Januar. Die Wahlmännerwahlen am hiesigen Ort wurden in der 1. Rein. 2. Nein, er fann aber ohne Grund Sie auf das Pflichtteil( Hälfte letzten Versammlung des Wahlvereins einer Besprechung unter der gesetzlichen Bortion) feßen. 3. Ihnen muß das Pflichtteil, also ein zogen. Genoffe Gruhl hielt das einleitende Referat, in welchem Biertel des Nachlasses bleiben. Die Adresse ersehen Sie aus dem AdreßH. M. 50. 1. Zweckmäßig ist es, etwa einen Monat vorher er ausführte, daß von 4770 Wahlberechtigten 2227 ihr Wahlrecht falender. ausgeübt haben; in der 3. Abteilung stimmten von 3821 Wahl- das Aufgebot zu besorgen. 2. Nein. 3. Die Geburtsurkunden, die Militärberechtigten 1778, und zwar 1209 für die Sozialdemokraten, 345 für papiere und für den Fall, daß Ihre Braut minderjährig ist, die Einwilligung des Vaters, find beizubringen. R. 13. Der Lohn ist zu zahlen. die Liberalen, 212 für die Demokraten und 12 für die KonservaSteuer. Der 1500 M. übersteigende Teil des Lohnes kann in vollem tiben; in der 2. Abteilung beteiligten sich von 730 Wahlberechtigten Umfange gepfändet werden. Eine Beschwerde wäre daher in Ihrem Falle 355 an der Wahl, von denen 168 für die Sozialdemokraten, 138 für aussichtslos. K. 6. Die Drohung wäre in Ihrem Falle noch nicht die Liberalen, 39 für die Demokraten und 10 für die Konservativen strafbar, wohl aber deren Ausführung. Kleid 85, A. W. 38. Nein, stimmten; in der 1. Abteilung gaben von 219 Wahlberechtigten 94 durch Beitablauf werden die Sachen keineswegs Ihr Eigentum. Sie ihre Stimme ab, und zwar 24 für die Sozialdemokraten, 50 für die fönnten lediglich auf Zahlung gegen Ablieferung der Sachen flagen und Hugo Schw. Liberalen, 16 für die Demokraten und 4 für die Konservativen. Es event. in die Sachen Zwangsvollstreckung vornehmen. Ihrem Antrage stehen gesetzliche Hindernisse nicht entgegen. O. 3. 1876. wurden Wahlmänner gewählt in der 3. Abteilung 22 sozialdemo- 1. Aussicht auf Erfolg hätte der Antrag nicht, weil das Gesetz diese Befratische, 2 liberale, in der 2. Abteilung 10 sozialdemokratische, nachteiligung der Hinterbliebenen zuläßt. 2. 8medmäßig ist es, ein 12 liberale, 1 demokratischer, 1 konservativer, in der 1. Abteilung Inventarverzeichnis aufzustellen, die Möbel zu kennzeichnen und das Eigentum 6 sozialdemokratische, 14 liberale, 2 demokratische, 2 konservative, notariell oder gerichtlich unter Ueberreichung des Inventars anzuerkennen. F. H. 991. 1. Nein. 2. Ja. E. M. Drontheim 14. Ja. im ganzen 38 sozialdemokratische, 28 liberale, 3 demokratische und 3 fonservative Wahlmänner. In Kl.- Glienide beteiligten sich von In Al.- Glienicke beteiligten sich von Armenfache 17. Für den Fall des Verzuges würde zunächst nicht Berlin, Max sondern die neue Aufenthaltsgemeinde darüber zu entscheiden haben, ob 256 Wahlberechtigten 145 an der Wahl und erhielten die Konserva- und in welcher Höhe Unterstützung zu zahlen ist. Die neue Aufenthaltstiven 129, die Sozialdemokraten 16 Stimmen, während in Drewiß gemeinde fönnte auch den Zuzug verweigern, weil Hilfsbedürftigkeit vor E. Nauen, an der Schwedter Str. von 4 zu wählenden Wahlmännern 3 sozialdemokratische und 1 konliegt. G. 23. 55. Ist nichts vereinbart, so beträgt die Kündigungsfrist servativer Wahlmann gewählt wurden. Genosse Gruh I er- für gewerbliche Arbeiter 14 Tage. 2. 69. Die Adresse war zutreffend. flärte, daß es Aufgabe der Genossen sein müsse, diejenigen Wähler, Gie tönnten nochmals anfragen oder Beschwerde beim RegierungsC. H. 17. Berlin bildet eine Art Provinz für welche für uns gestimmt haben, zu veranlassen, dem Wahlverein präsidenten einlegen. beizutreten. Nach einer kurzen Diskussion, in welcher die einzelnen sich. Die Funktionen des Regierungspräsidenten verficht im allgemeinen Redner ihre eft heiteren Erlebnisse bei der Wahlhandlung schil- der Polizeipräsident, der Oberpräsident von Brandenburg fungiert als Oberpräsident. derten, gab der Vorsitzende bekannt, daß sich die gewählten Wahlmänner Montag abend 29 Uhr im Restaurant von Hiemte, Wallstraße, einzufinden haben, um dort Informationen betr. der Abgeordnetenwahl entgegenzunehmen. Unter Verschiedenes" wurde beschlossen, am 2. August ein Sommerfest abzuhalten. Nieder- Schöneweide. 1. und 2. Nein. 3. Ungewiß. Sch. K. Benden Sie fich an die Universitätsflinit, Ziegelstraße. mattner, Müllerstraße. Böhmerwald. W. M. Das preußische Gesetz betreffend die Aufhebung der Einzugsgelder vom 2. Mai 1867 brachte die beim Erwerb der Gemeindeangehörigteit mit 20 Talern zu entrichtende Abgabe für ganz Preußen in Wegfall. Berlin hat darauf auch von der Billige Rohtabake.. Jacoby, Strelitzerstr. 52. Roh- Tabak B Templiner Str. 3, Heinrich Franck Berlin, Brunnenstr. 185 Pfg. Sumatra 250 Pis. hell bis fahl, Vollbl. 33372* jeder Art im Drogenhaus H.Bocatius Berlin NW., Birkenstr. 12. Wer Stoff hat! Anzug nach Maß.. Mark 15.Mit meinem Stoff 30.A. Kelmann, Schneidermeister, Marienburgerstraße 24. + Hygienische Bedarfsartikel. Neuest. Katalog m. Empfehl.viel, Aerzte u.Prof. grat. u.f H. Unger, Gummiwarenfabrik Berlin NW.. Friedrichstrasse 91/92 3306L TeppichSpezialhaus Emil Lefèvre Berlin Süd. Seit 1882 nur Oranienstr. 158. 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Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Felix Pfeiffer am 19. Juni gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 15. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Markuskirchhofs in Wilhelmsberg aus statt. 85/12 Die Ortsverwaltung. Turnverein ,, Fichte" Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß der Turngenosse Felix Pfeiffer Mitglied der 1. M.- Abt., am Mittwoch, den 10. Juni, freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 15. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des St. Markus- Kirchhofs in Wilhelmsberg aus statt. Bahlreiche Beteiligung erwünscht. 288/9 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Berwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Arbeiter Max Preiß am 11. b. Mts. am Herzschlag geftorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 15. d. Mts., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Gethsemane- Stirchhofes in Nieder- Schönhausen aus statt. Rege Beteiligung erwartet 117/15 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unfer Mitglied, der Schrau bendreher August Krause am 9. d. M. an Nervenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 14. Juni, nachmittags 4, Uhr, von der Leichenhalle des Georgen- Kirchhofes in Weißensee aus statt. 117/16 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Um zweiten Feiertage, den 8. Juni 1908, verstarb mein lieber Mann und guter Bater Todes- Anzeige. Hiermit zur traurigen Nachricht, daß unsere liebe Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Marie Salewski geb. Gießler am 12. Juni 1908 im 62. Lebensjahre plöglich und völlig unerwartet verstorben ist. 34082 Dies zeigen tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen Die Beerdigung findet am Montag, den 15. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Friedhofes, Nirdorf, Hermannstraße aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und für die vielen Kranzspenden beim Begräbnis meines lieben Mannes, des Täschners Karl Fiedler sage allen Freunden und Bekannten sowie den Kollegen der Firma Loth u. Weinland und dem Berband der Sattler( Ortsverwaltung Berlin) meinen herzlichsten Dant. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Witwe Elise Fiedler geb. Albrecht. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unseres guten Vaters Ferdinand Jache sagen wir allen Verwandten und Be fannten unseren herzlichsten Dant. Die trauernden Hinterbliebenen. Auguste Jache geb. Matschall, nebst Kindern. Danksagung. Frauen brauchen nicht mehr waschen 99 denn Dr. LOHMANN'S Fix and Fertig" wäscht selber fix und fertig ohne Reiben, ohne Maschine, ohne Chlor, ohne Einweichen, nur durch einmaliges Kochen schneeweiß Zu 5 Elmern 60 Pf. Ueberall zu haben! Zu 2 Eimern 25 Pf. Fabrikanten: HOPPENER& Co., G. m. b. H., Schöneberg, Hauptstr. 159. Amt VI, 2118 Bitte darauf zu achten, nur chemische Edelseife FIX u. FERTIG zu verlangen. Drehbare GUMMIRBSATZE 0 Verhind. d. Erschütterung d. Körpers, machen den Tritt geräuschlos, schützen gegen Ausgleiten. Keine schiefen Absätze mehr. Von Jedermann leicht anzubringen. Bei Bestellungen genügt Umriss d. Absatzes Für Herren das Paar 1.00 Mk. Für Damen das Paar 0.75 Mk. SALAMANDER SCHUH- GES. m. b. H. BERLIN W. Friedrichstr. 182, C. Königstr.47, SW.Friedrichstr.221 Doppelseit. bespielt Pass. f. jed PlattenSprechmaschine. Größtes Repertoire Ueberall erhältlich Kataloge gratis u. franko. 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Für die Liebe und Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unferer guten Mutter, sagen wir unseren berzlichen Dank. Adolf Helbig, 34052 Frankfurter Allee 90. Es empfiehlt fich bei eintretendem Trauerfall möglichst sofort Westmanns Trauermagazin Hauptgeschäft: Berlin W., Mohrenstraße 37a, an den Kolonnaden, 2. Haus von der Jerusalemerstraße, und NO., Gr. Frankfurterstr. 115, 2. Haus von der Andreasstraße, zweds Auswahl d. passenden Trauergarderobe aufzusuch. Um dem Publikum einen besonderen Vorteil zu bieten, ge währe ich auf diese Auzeige hin bei Kauf 10% Rabatt in bar! Blumen- und Kranzbinderei Don Aug. Krause Wienerstraße 7. Bereinsfränze, Palmen- Arrangements, Girlanden ufw. liefere zu den billigsten 16462* Preisen. Empfehlen den Genossen und Kollegen unser Beerdigungsinstitut Solidi H. Fischer& Kreutzberger, Rixdorf, Pflügerstraße 70, Ede Friedelstraße. Amt Rirdorf 946 August Krause. Wer- Stoff- hat Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 14. d. 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Bollalliancen und Zollunionen, in ihrer Bedeutung für die Handelspolitik der Vergangenheit und Zukunft von Dr. L. Bose. Aus dem Französischen übersetzt von Dr. S. Schilder, Sekretär des österreichischen Handelsmuseums in Wien. Verlag von Elwin Staude, Berlin. Der Wortführer der NationaПliberalen, Dr. Paasche, hat das Werk mit einem Begleitwort bersehen. Das mutet seltsam genug an! Denn der Bevorworter hat bei den lehten deutschen Zolltariffämpfen gar wader mitgewirkt, die deutschen Zollmauern zu erhöhen und zu verstärken, war bisher für jede imperialistische und protektionistische Maßnahme des deutschen Industrie- und Agrartapitalismus ohne Einschränkung zu haben. Und nun redet er auf einmal einer europäischen Zollverständigung das Wort? Bollallianz und Zollvereinspläne, die der Verfasser in seiner Arbeit behandelt, sind seit dem Zustandekommen des ehemaligen Deutschen Zollvereins nichts Neues mehr. Schon Friedrich List hat 3. 28. 1841 auf die einstige Notwendigkeit eines europäischen Zoll vereins gegenüber Amerika hingewiesen, also zu einer Zeit, wo die Weltmarktspositionen der europäischen Handelsstaaten noch nicht durch die industrielle Expansion Nordamerikas sowie das Auftauchen eines neuen Weltmarktskonkurrenten in Gestalt Japans eingeengt und bedroht wurden. Seit Friedrich List ist die Idee eines europäischen Zollvereins in den verschiedensten Staaten immer wieder diskutiert worden. Alle möglichen Kombinationen sind da im Laufe der Zeit aufgetaucht, die der Verfasser im Anschluß über das Werden und Wesen des Deutschen Zollvereins in wirtschaftlicher und staatsrechtlicher Beziehung registriert und erörtert. In dieser zusammenfassenden Darstellung des Bollvereinsproblems in Bergangenheit und Gegenwart liegt der Wert, den das Wert in seiner Gesamtheit beanspruchen darf. Jm einzelnen erscheint dem Verfasser gar manches in der Beleuchtung oder in Rüdstrahlung auf die Zollvereinsidee als wichtig und aktuell, das im wirklichen Ausmaße der Verhältnisse zu einer herzlich nichtssagenden und unbedeutenden Aktion zusammenschrumpft. In der Hauptsache beschränkt sich der Verfasser bei seinen Ausführungen auf das rein wirfschaftliche Gebiet der Frage. Jedes Festlegen auf irgend einen prinzipiellen Standpunkt vermeidet er dabei, sucht vielmehr zwischen den wirtschaftspolitischen Gegensäßen soviel wie möglich zu vermitteln. Sein Jdeal ist der" defensive" Zollverein, der Freihändler und Schutzöllner unter Wahrung jeder politischen und nationalen Selbständigkeit zur Abwehr der drohenden Konkurrenz der Weltreiche( der Vereinigten Staaten von Amerika) sowie der Macht der für das alte Europa gefährlichen amerikanischen Trusts" vereinigen soll. Das ist natürlich leichter gesagt wie getan! Sonntag, 14. Juni 1908. Brasilien z. B. den Vereinigten Staaten einen 20 prozentigen Vor- erschöpft sich in der Erreichung Kleiner Gelegenheitsvorteile für ihre Jugszoll einräumte, so war dies keine von wirtschaftlichen Rücksichten Anhängerschaft. Solch unsichere Kantonisten fönnen natürlich die bittierte Maßnahme, sondern eine politische Rückversicherung für Idee eines mitteleuropäischen Zollvereins nicht in ersprießlicher den Fall etwaiger politischer Konflikte zwischen Argentinien und Weise vorwärts bringen. Uruguay. Ist die egoistische Richtung in der Handelspolitik der euroWenn heute in fast allen Handelsstaaten die Agrarier päischen Staaten, die allüberall von den Agrariern inauguriert und dominieren, in ihrem Sinne und zu ihren Gunsten die Bahnen mit brutaler Bähigkeit festgehalten wird, einmal überwunden, so ist der wirtschaftlichen Entwickelung beeinflussen, so tun sie dies eben- der Haupthinderungsgrund eines gemeinsamen Wirtschaftsverfalls nicht auf Grund der Summe der agrarischen Interessen, die bandes befreundeter oder gar verbündeter Staaten ganz von selbst sie vertreten, sondern auf Grund ihres politischen Einflusses, den hinweggeräumt. Hätte die deutsche Regierung 8. 2. die Richtlinie fie überall, weit über ihre wirtschaftliche Berechtigung hinaus, der Handelspolitik, die sie 1891 unter Caprivi einzuschlagen gewillt geltend machen. Auch bei der drohenden Möglichkeit, daß England war, stetig weiter verfolgt, so würden wir sicher heute in greifbarer in das schutzöllnerische Lager überschwenkt, würde eine Gefahr Nähe eines gemeinsamen mitteleuropäischen Wirtschaftsverbandes Leider siegte weniger in wirtschaftlichen als in politischen Ursachen liegen. Die stehen. die reaktionäre Wirtschaftspolitik des Situation auf dem englischen Wirtschaftsmartte bietet gar keine Agrariertums und verhalf dadurch auch in den Nachbarländern den Veranlassung zu einer Aenderung der bestehenden Verhältnisse. Agrariern und jener unsinnigen Zollpolitik zum Siege, die, das Die schußzöllnerische Agitation hat ja seit dem Ausscheiden Joe Inland durch preissteigernde Bollmauern absperrend, auf dem Chamberlains auch ganz merklich nachgelassen. Wohl aber die all- Weltmarkte mehr und mehr zum wirtschaftlichen Kampfe auer gemeine politische Lage. Fährt Deutschland z. B. in seiner un- gegen alle führt. sinnigen Flottentreiberei fort, so fönnte England eines schönen Tages, um sein Uebergewicht zur See gegen Deutschland zu behaupten, zu gleichen Mitteln greifen, die jenem sein marinistisches Vorgehen ermöglichen, d. h. zu ausgiebigem Schutz und Finanzzöllen. In die Augen springend ist dieser Fehlschluß bei zu einseitiger wirtschaftlicher Betrachtung der vorliegenden Materie auch bei der Würdigung der Stellung, die Deutschland zu der mitteleuropäischen Bollvereinsfrage in den Augen des französischen Verfassers einnimmt oder vielmehr einnehmen soll. Er behauptet, Deutschland sei, von allen Ländern Europas dasjenige, in dem die Zollvereinsfrage am lebhaftesten und mit dem größten Eifer erörtert würde. Wenn das wahr ist, so hat die Angelegenheit in anderen Ländern ganz außerordentlich schwache Wellen geschlagen. An akademischen Abhandlungen von seiten der Alldeutschen( deren Auslassungen der Verfasser über die Maßen hinaus wichtig und ernst nimmt), einzelner Minister und Parlamentarier, von Professoren( Frande, Brentano, Wagner, Schmoller) sowie einer Anzahl Handelskammersekretäre, an platonischer Zustimmung einzelner industrieller Verbände, wie z. B. diejenige des Bundes derselben im Oktober 1900 zu Berlin usw. hat es allerdings nicht gefehlt. Für die Praxis beweist dies alles aber gar nichts. Das vorliegende Werk ist in der Ursprache 1904 erschienen. Schon die Haltung der gleichen Industriellen, die im Jahre 1900 die Zollvereinsidee für beachtenswert erklärten, bei den Zolltarifberatungen im Jahre 1902, hätte den Verfasser in seiner Annahme schwankend machen sollen. Hand in Hand mit den Agrariern beschlossen die Industriellen damals unter Führung Paasches die unsinnigsten Tarifpofitionen. Jene Kreise wären heute 3. B. für einen Zollvereinsvertrag mit Desterreich, Italien, Holland, die Schweiz oder sonst einem Staate nur unter der Bedingung zu haben, daß der bisherige deutsche Bolltarif auf rechterhalten und dazu nur noch ein zweiter gemeinsamer, mit noch höheren Bollfäßen gegen die überseeische Konkurrenz geschaffen würde. Darüber ist sich der Verfasser selbst auch vollständig flar. Unter solchen Umständen wird natürlich eine jede Zollvereinsbestre. bung zur reinen Farce. Um die Materie durch das Hineintragen politischer Momente nicht zu verwickeln, läßt der Verfasser denn auch diese soviel wie irgend möglich aus dem Spiele. Diese absichtliche Beschränkung feiner Ausführungen auf die rein wirtschaftliche Seite der Zollhereinspläne und die Ausschaltung aller politischen Kombinationen hat jedoch bedenkliche Begleiterscheinungen zur Folge. Politik und Wirtschaftsleben stehen heute in so engen Wechselbeziehungen, daß In Wirklichkeit hat denn auch die ganze Angelegenheit zurzeit sich ohne Gefahr nicht eines der beiden aus der Betrachtungslinie im deutschen Volke durchaus keinen breiten Resonanzboden. Bei entfernen läßt. Daß dies geschieht, daß dem Einfluß der Politik der Aussicht, den hohen europäischen Gegenwartszöllen höchftens auf den Gang der wirtschaftlichen Entwidelung zu wenig Rechnung noch höhere überseeische Kampfzölle hinzuzufügen, hat z. B. die getragen wird, führt nicht selten zu anfechtbaren Schlußfolgerungen. Sozialdemokratie nicht die geringste Ursache, sich für den BollAllerdings springt der Ueberfeber des öfteren zur rechten Beit in bereinsgedanken irgendwie propagandistisch ins Zeug zu legen. die Breschen, die das Werk selbst in dieser Beziehung bietet. Jener Der mitteleuropäische Zollverein ist für uns nur dann diskutabel, weist z. B. auf den politischen Charakter der Common wealth of wenn er die gegenseitigen Zollschranken der Vertragsstaaten nieder Australia hin, auf den tanadischen Zollverein, auf die südafrikanische legt und teine Kampfspike gegen Amerika oder England erhält. Bollunion, die ihre panbritische Gestaltung( Vorzugszölle zugunsten Auf Grund ihres Freihandelsprinzips tämen als Vorfechter des britischer Waren) einem rein politischen Motive verdankt. Auch das mitteleuropäischen Zollvereins in Deutschland dann nur noch die politische Motiv in einzelnen Vorkommnissen auf dem Gebiete der freifinnigen Handelsvereinler in Betracht. Denen fehlt aber jedes panamerikanischen Bestrebungen darf nicht übersehen werden. Wenn feste Ziel in Fragen der Wirtschaftspolitik und ihr ganzes Streben Wie die Dinge heute liegen, ist durch die zustande gekommenen Handelsverträge bis 1918 jeder Zollverständigung der Weg gesperrt. und die Vereinigten Staaten von Europa" haben vollends gute Wege! An diesen Verhältnissen wird auch die„ amerikanische Gefahr" nichts ändern, die als Pressionsmittel in den Gedankenreihen des Verfassers eine überaus wichtige Rolle spielt. Der Ruf„ Hannibal ante portas" fonnte den Römern keinen größeren Schreck einjagen, als die Ueberschwemmung des Weltmarktes mit amerikanischen Gangfabrikaten und die steigende amerikanische Handelsbilanz dies bei dem Verfasser tut. Schon sieht dieser Europa wirtschaftlich be fiegt zu den Füßen des amerikanischen Industrieriesen liegen. Er hört daher durch ganz Europa den Sturmesruf: Krieg gegen den Emporfömmling Amerika" brausen. Für Deutschland stempelf cr z. B. Wilhelm II. zum Heerrufer im Streite als den überzeug teften Befürworter des unvermeidlichen Widerstandes gegen die Vereinigten Staaten. Liegt nicht die Idee eines europäischen Zoll. bereines jenen so berühmt gewordenen Worten zugrunde: Völker Europas, wahret eure heiligsten Güter", so frägt er, eine Ansicht, die schon der Ueberseber mit einem berechtigten Fragezeichen be gleitet. In Wirklichkeit ist von einer lodernden Kampfstimmung gegen Amerika bei uns natürlich keine Rede. Was da vom Verfaffer als folche alles registriert wird, sind nichts als papierne Drohungen. Im übrigen zeigt ja die herrschende Krise, daß auch in Amerika die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Mit dem amerikanischen Gespenst gehen nur die extremen Agrarier krebsen, die durch einen Zollkrieg à tout prix die amerikanische Lebens. mittelzufuhr nach Deutschland vollständig ausschalten wollen. Ein intereffantes Kapitel ist neben den Grörterungen der pan. britischen und panamerikanischen Zollvereinsbestrebungen das jenige, in welchem der Verfasser von dem Kampfe gegen die pri baten Exportprämien der Trusts und Syndikate mit Hülfe zollpolitischer Abmachungen spricht. Er verweist da ausdrücklich auf die Unterbilanz dieser Prämien durch die Brüsseler Buderkonven tion. Und in der Tat verdiente dieses Vorgehen Nachahmung, allerdings nicht nur einseitig in Beziehung auf die amerikanischen Trustprämien für den Außenhandel, wie er dies will. Das Vorgehen des deutschen Kohlensyndikates, das den Inlandmarkt auswuchert, um dadurch im Auslande Breisschleuderei treiben zu tönnen, ist mindestens genau so gemeingefährlich wie dasjenige irgend eines amerikanischen Trusts. Auf alle Fälle würden daDurch für viele Artikel die Inlandpreise im gleichen Maße gesenkt werden, wie das bei den Buderpreisen der Fall war. Bisher hat nur Canada( bon der Brüsseler Budertonvention abgesehen), im nennenswerten Umfange Ausgleichszölle gegen Exportprämien der Kartelle eingehoben. Das Treiben der Trust- und Shudikatz magnaten in Amerika sowohl wie in Europa ist jedoch ein so offen bar gemeinschädliches, daß ein Vorgehen im Sinne des Verfaffers nur eine Frage der Zeit ist. a. a. Jacques Cohn Müllerstr.182-188 Besonders günstiges Angebot in Zephir und Wollstoffen Zephir, gestreift und kariert, pr. Qual. Baumwolle- Mousseline in gr. Sortim Batist à jour teils aus der Konkursmasse herrührend. • Mtr. 0.28 0.35 . Mtr. 0.32 0.38 .. Mr. 0.35 0.42 0.58 Baumwollene Mousseline mit Seidenstreifen Gestreifter u. karierter Percal für Blusen und 0.35 0.42 Imitiertes Kleiderleinen. Kleider Mtr. 0.35 Etamine ca. 110 cm breit.... Toulé doppelt breit in modernen Farben.. Wollene Cheviots ca. 110 cm breit. Satin- Tuch in div. Farben 110 cm breit Elfenbeinfarbige, gestreifte und damassierte Kleiderstoffe::: · Mt. 0.58 . 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