Nr. 138. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mar! pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Danematt, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 25. Jahrs. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder beren Raum 60 Big., für politische und gewerkschaftliche Bereins und Bersammlungs- Anzeigen 80 Big ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Bort 20 Bfg. jebes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Bort 10 Bfg., jedes weitere Bort 6 Bfg. Borte fiber 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis& Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition is bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Kaltes Blut! Dienstag, den 16. Juni 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. deutschen Volkes nicht verantwortlich und es hat nicht die Hauptung der Instruktion, andernfalls geringste Lust, für Fehler zu büßen, die nicht begangen sonst die Wahl für ungültig erklärt werden worden wären, wenn es den gebührenden Einfluß auf die muß". Nicht der geringste Anhalt hierfür findet sich im auswärtige Politik hätte. Wenn die deutsche Diplomatie„ ein Gesetz oder in den Ministerialanordnungen. Selbst wenn ein Während die bürgerliche Bresse die zwanzigjährige Wieder- gefreist" ist, dann möge sie aus dem Kreis heraus zu gelangen Beisiger zu Unrecht mitgesessen hat, bleibt die Wahl des suchen; aber sie muß es bei diplomatischen Mitteln bewenden kehr des Tages feiert, an dem Wilhelm II. zur Regierung gelassen. Ihr Werk wird jedoch erschwert durch Aeußerungen, Wahlmanns, der ja an der irrigen Auswahl durch den Wahllangt ist, wird eine neue Kaiserrede bekannt. Die ist, durchaus gültig. So will " Dortmunder 8eitung" veröffentlicht eine Aeußerung, die im Auslande als Provokationen aufgefaßt werden können. vorsteher unschuldig ist, Sonst hätte es das Gegenteil andie der Kaiser in dieser Woche nach der Besichtigung der wir wollen nicht fechten und wir brauchen es nicht. es das Gesetz. Auch wenn man der Ansicht ist, die Beisitzer Gardekavallerie auf dem Döberizer Truppenübungsplage laut Wie die deutsche Arbeiterklasse den Frieden will, wie geordnet. und anscheinend zur besonderen Beachtung für die fremden fie alle Abenteuer der Weltpolitik verabscheut, wie sie dem müßten aus der Zahl der Wahlmänner des Ur wahlbezirks Militärattachés gemacht habe. Der Kaiser habe gesagt: uferlosen Wettrüsten ihre Forderung internationaler Ver- entnommen werden, so liegt in einem Verstoß hiergegen noch „ Nun, es sieht ja ganz so aus, als ob man uns eintreisen ständigung entgegenseßt, so das französische, eng kein Grund zur Ungültigkeitserklärung der Wahlmänner. G und stellen wollte. Das werden wir zu ertragen wissen. lische und russische Proletariat. In allen Ländern wäre das eine der vielen Unregelmäßigkeiten, wie sie bei Der Germane hat nie besser gefochten, als wenn er gehört die Masse des Volkes zur Friedenspartei, deren Kern sich nach allen Seiten hin wehren mußte. Sie sollen uns nur überall die sozialistische Arbeiterpartei bildet.. Wir deutschen vorkommen. Solche wären zu protokollieren und die Entjeder Wahl Reichstags-, Landtags- und Gemeindewahl tommen. Wir sind bereit!" Arbeiter aber sind nicht eingefreist, wir fühlen uns Diese Worte hat das Blatt von hoher militärischer solidarisch verbunden mit den Arbeitern der anderen scheidung über den Einfluß der Unregelmäßigkeit auf die Seite" erfahren und gibt sie nur mit aller gebotenen Re- Nationen und diese mit uns. Wahl dem Abgeordnetenhaus zu überlassen, das durch die serve" wieder. Das Berliner Tageblatt" aber erfährt, daß Wir sind nicht eingefreist und wir wollen nicht Verfassung zur Prüfung der Wahlen seiner Mitglieder berufen zwar der Wortlaut der Ansprache, den die Dortmunder fechten! Aber wir wollen mit allen Mitteln darauf ist. Statt auf ungültigkeitserklärung wäre also im WahlBeitung" veröffentlicht hat, nicht authentisch ist, doch hat sich achten, daß die Politik der herrschenden lassen sowohl in vorstand dahin zu wirken, daß solche Unebenheiten zu den der Kaiser tatsächlich in ähnlichem Sinne geäußert! Deutschland, als in England oder Frankreich nicht zu einer Wahlatten genommen werden. Die ausländische Presse hat die Nachricht bereits über- a tastrophe für den europäischen Frieden nommen und die Börse war aus politischen Gründen" ver- führe. Indem wir Indem wir unseren Kampf um die Demostimmt. fratie, um das Selbstbestimmungsrecht der Nationen führen, Und in der Tat, Grund zur Verstimmung ist vorhanden. fämpfen wir gegen jene Politik, die einzukreisen sucht oder Offenbart doch diese Rede neuerdings, daß auf dem Gebiete sich einfreisen läßt und dann vor dem Gedanken nicht zurückder auswärtigen Politik selbst jeder Schein des Konstitutiona- schreckt, den Kreis gewaltsam zu schließen oder zu brechen. lismus geschwunden, daß hier der Absolutismus unumschränkt Wir wollen den Frieden und müssen probes Generals Steim., General Reim, der Führer der Flottenund unverantwortlich herrscht. Die Politik Deutschlands tann testieren gegen alle Aeußerungen, die nicht zur Erhaltung beeinflußt und in entscheidenden Momenten festgelegt werden, des Friedens beitragen. ohne daß die Vertretung des deutschen Volkes im Reichstage, " ja ohne daß auch nur der verantwortliche Minister irgend Es ist charakteristisch, daß etwas zu ändern vermag. die Rede auf einem Truppenübungsplage gehalten worden Wahlmanöver. Das Kompromiß der Flottentreiber. Bekanntlich hat die Blockpolitik ein Opfer gefordert: die Demission des verantwortlichen Leiters des Flottenvereins, treiberei, glaubte während des Wahlkampfes bei den letzten Reichstagswahlen ein übriges tun und durch die flottenvereins offiziös berbreiteten Flugschriften auch das 8entrum befämpfen zu müssen. Diesem flotten und tolonialbegeisterten Treiben bes Keim und seiner Leute wurde ja dann auch kurz nach den Wahlen die allerhöchste" Anerkennung ist, just nicht an dem geeigneten Orte, um Er Eine schiefe und unrichtige Darlegung in der Instruktion autett: Wilhelm II. felbft sprach dem Fürsten Salm, Elärungen über auswärtige Politit abzugeben. Und nicht des Magistrats an die Wahlvorsteher scheint in freisinnigen dem Intimen des Keim, seine allerhöchste Befriedigung über die weniger charatteristisch ist es, daß diese Rede nur durch die Streisen die Anregung zu dem Wunsche gegeben zu haben, Wahlagitation des Oberflottentreibers aus! Indiskretion eines Buhörers bekannt geworden ist. Denn sozialdemokratische Wahlmännerwahlen deshalb zu kassieren, Das Zentrum freilich fühlte sich durch diese Blockumtriebe des von zwei Dingen eines: Entweder sind solche Aeußerungen weil nichtsozialdemokratische Wahlvorsteher auch Beisitzer er- Flottenvereins- Generalissimus schwer getränkt. Die Angriffe gegen für die Deffentlichkeit bestimmt, dann dürfen sie ihr auch nicht vorenthalten werden oder aber diese Aeußerungen sind nannt haben, die nicht im Urwahlbezirk wohnen. Eine solche das Zentrum hatten die langjährigen ultramontanen Bundesgenossen der konservativen Brotwucherer schwer getroffen. nicht für die Deffentlichkeit geeignet, dann müssen sie völlig Stassation verstieße gegen das Gesetz und müßte sonst selbst- und das Solidaritätsgefühl zwischen den o stelbischen Agrariern unterbleiben. Mit solchen„ Privatäußerungen" geht es nun ein- verständlich auch auf die Wahlmänner der anderen Parteien und den 8entrums agrariern erwies sich als starter, als die mal nicht anders wie mit" Privatbriefen"; sie werden bekannt angewendet werden. In der Instruktion des Magistrats neue Bundesbruderschaft zwischen der Dertelgruppe und den Leuten und Reden um so eher als Privatbriefe, da der Kreis der Wissenden heißt es: des Herrn Wiemer. Als nun gar noch der bayerische Thronfolger ein viel größerer ist. Es ist allerdings nicht unsere Sorge, Die Beisiger und der Protokollführer müssen aus der sich gegen die Blockliebesdienste des Herrn Keim wendete, war ber sondern die der Monarchisten, sich mit der Tatsache abzufinden, Zahl der Urwähler ihres Ur wahlbezirks entnommen werden, Streitfall zuungunsten des Generals Keim entschieden. Keim daß die Aeußerungen des Kaisers durch ihre Nichtveröffentandernfalls sonst die Wahl für ungültig erklärt werden muß. mußte abdanten! lichung gleichsam einer nachträglichen Zensur unterworfen werden. In einem Lande, das ein wirkliches einflußreiches Diese Instruktion verstößt nach zwei Richtungen gegen In Danzig nun fand die Neuwahl des Vorstandes statt. Daß Barlament und eine verantwortliche Regierung besigt, tommen das allein maßgebende Gesetz, nämlich gegen die Verordnung Reim auf der Strede bleiben würde, war von vornherein flar. Aber solche Privatäußerungen überhaupt nicht vor und wir würden über die Ausführung der Wahl der Abgeordneten zur zweiten bes Flottenvereins, daß die Richtung Keim den Sieg davongetragen hat. ebenso flar wurde auf der Tagung der Danziger Delegiertenversammlung das auch für Deutschland dringend wünschen. Denn es ist nur Kammer vom 30. Mai 1849. In dieser Verordnung wird aus allen Reden der Mächtigen im Flottenverein trat es hervor ein schwacher Trost, daß solche Aeußerungen nicht offiziell zwischen Wahl bezirken und Urwahlbezirken geschieden. daß der Flottenverein sich nimmermehr auf die Propagierung des veröffentlicht werden und daher offiziell nicht existieren. Denn Wahlbezirke sind die Landtagswahlbeztrte, Urwahl von der Regierung respektive dem Marineministerium das berhütet zwar, daß solche Reden eine unmittelbare Gefahr bezirke die Urwahlbezirke innerhalb dieser Wahlbezirke. Dem- vorgeschlagenen Flottenrüstungen festlegen will. Der Flottenverein bilden können, aber sie verstärken den Einfluß der imperia- gemäß heißt es in§ 1 der Verordnung: Die Abgeord erflärte vielmehr ausdrücklich, daß er unabhängig sein will von der Listischen und chauvinistischen Agitation im Auslande und sind neten der Zweiten Stammer werden von Wahlmännern in Regierung und den aus Opportunität von der Regierung vertretenen so Deutschland nicht nüßlich. Die Aeußerung des Kaisers zeugt von einer auffallenden Wahl bezirken, die Wahlmänner von den Urwählern Forderungen, Er will auch ferner das Recht für sich in Anspruch Erregung über die jüngsten diplomatischen Ereignisse, die 8u- in Urwahlbezirken gewählt." Der§ 20 der Verordnung, nehmen, über alle Regierungswünsche hinaus für die uferloseste sammenkunft des englischen Königs mit dem französischen der über die Organisation des Wahlborstandes in den Ur. Flottenpoliti! Retlame zu machen und Sturm au Präsidenten und dem Zaren. Sie steht in völligem Gegensatz wahlbezirken sich ausläßt, lautet: zu den Aeußerungen des Stanzlerblattes. Die Nordd. Allg. 8tg." schrieb gestern: Beide Monarchen laufen! Keim selbst wählt das taktisch kluge Manöver, auf eine Wieder§ 20. Der Wahlvorsteher ernennt aus der Zahl der wahl zu verzichten. Sein Komplize Fürst v. Salm dagegen wurde Urwähler des Wahl bezirks einen Protokollführer sowie als Präsident wiedergewählt. Und auch im übrigen fiel die " Der am 9. Juni zu Reval stattgefundenen Begegnung drei bis sechs Beifizer, welche mit ihm den Wahl- Wahl des Vorstandes ganz im Sinne der nationalliberalen und zivischen dem König Eduard von England und dem Kaiser Nikolaus von Rußland hat die Aufmerksamkeit der inländischen borstand bilden, und verpflichtet sie mittels Handschlages an freitonservativen Flottentreiber aus. und ausländischen Presse nach wie vor in erhöhtem Maße gegolten. Eidesstatt. So ist der Doppelzwed erreicht: Der Keim des Berwürfnisses, Die hierbei laut gewordenen Befürchtungen und Besorgnisse sind Das Gesetz läßt also im Gegensatz zu der Instruktion des der Berbreiter antiultramontaner Flugblätter, ist von der Bildfläche aber durch den tatsächlichen Verlauf der Entrevue in feiner Magistrats zu, daß die Beisitzer aus dem ganzen Wahl- berschwunden, aber die Repräsentanten des Systems Weise gerechtfertigt worden. haben der Begegnung ein Gepräge gegeben, aus dem bezirk( Landtagswahlbezirk), nicht nur aus dem Urwahlbezirk Reim beherrschen nach wie vor den Flotten. verein! Auf der anderen Seite kann das Zentrum dem Flottenauch für die weitere Deffentlichkeit erkennbar wurde, daß gewählt werden. Es wäre ja auch unsinnig, zu bestimmen, verein ruhig angehören und die uferloseste Flottenpropaganda mitihnen der Gedanke durchaus fernlag, durch die Begegnung die Beifizer müssen dem Urwahlbezirk angehören, während der machen, da ja der Helfershelfer der Blodpolitik, der Zwietrachtsin die Weltlage ein Element der Unruhe einzuführen. Die Trintſprüche waren beibereits in the equi ruhiger Wahl vorsteher nicht im Urwahlbezirk zu wohnen braucht. Steim aus dem Präsidium persönlich ausgeschieden ist! Sachlichkeit und schlichter Aufrichtigkeit gehalten. Sie verrieten Freilich läßt sich zugunsten der Auffassung des Magistrats Das in Danzig beschlossene Kompromiß der Flottenvereinler nichts von der den Monarchen in der Bresse vielfach zu einwenden, das Ministerium habe unter dem 29. November entspricht also durchaus der politischen Konstellation. Es beseitigt geschriebenen Reigung, ihrer Zusammenfunft eine gegen 1906 ein Reglement auf Grund des§ 32 der Verordnung ben persönlichen Stein des Anstoßes für das Zentrum, den Deutschland gerichtete Spize zu geben und bestätigten bon 1849 erlassen und dies Reglement schreibe in§ 12 vor: General Reim, und gibt den süddeutschen resp. ultramontanen Flotten somit die Urteile, die auch in den besonnenen und ernst zu Der Wahlvorsteher ernennt aus der Zahl der Urwähler des bereinlern die weitreichendste Gelegenheit, bem Blockfreifinn nehmenden Preßorganen laut geworden waren... Nun ist es schon richtig, daß die„ Norddeutsche All. Urwahlbezirks drei Beisiger." Indes dürfte diese Ministerial- an Flottenbewilligungsfreundlichkeit den Nang ablaufen zu können! gemeine" offiziöse Schönfärberei treibt, wenn sie die lezten berfügung nur soweit gültig sein, als sie nach§ 32 der VerEreignisse so gleichgültig behandelt. Nur hat sie dafür ordnung von 1849 zur Ausführung dieser Verordnung" ihre guten Gründe: Es ist die deutsche Politik, der erlassen ist. Zu einer Abänderung der Verordnung von Schutzzoll, die Kolonialpolitik, das Wettrüsten und nicht 1849 war das Ministerium nicht befugt. zulegt die Ungeschicklichkeit unserer auswärtigen Politik, Aber gleichviel, ob die Beisiter aus den Wah I bezirken, welche die Weſtmächte in ein Einvernehmen untereinander wie es das Gesetz, oder nur aus den Urwahlbezirken zu erwischen dem Freifinn auf der einen und Nationalliberalen Jm 12. Berliner Landtagswahlkreise sind die Rivalitäten und mit Rußland getrieben hat. Aber gerade diese nennen sind-die Frage mag auf sich beruhen die Madie MaSchwierigkeiten, die sich die deutsche Politik selbst ge giftratsinstruktion enthält aber noch einen zweiten Verstoß und Konservativen auf der anderen Seite bis zur Stunde noch schaffen, machen eine besonders vorsichtige und zurüc nicht ausgeglichen worden. Sowohl die Freisinnigen haltende Politik zur gebieterischen Notwendig gegen das Gesetz. Und dieser hat auch nicht den Schein eines nicht ausgeglichen worden. Sowohl die Freisinnigen als auch das nationalliberal- tonservative feit und erlauben feinerlei Blöglichkeiten und Impulsi. Rechts infolge von Ministerialverfügungen für sich. Denn ohne Kartell hoffen, dort mit der Sozialdemokratie in vitäten. Denn das muß mit aller Deutlichkeit gesagt werden: eine Spur eines gefeßlichen Untergrundes ist die auch durch Stich wahl zu tommen und dadurch der Wahlhilfe der Für die Fehler der deutschen Politik ist die große Masse des the famoses Deutsch ausgezeichnete weitere Be Blockbrüder teilhaftig zu werden. $ " Der Blockhader im 12. Berliner Candtagswahlkreife. Bezeichnend für die Waschlappigkeit des Freisinns ist es, daß der Freisinn vor einigen Tagen offiziös aufgefordert hat, bei Wahmnnncr-Stich- Wahlen für das nation alliberal-konservative Kartell zu stimmen, wodurch ein Sieg der Sozial- demokratie zu verhindern sei. Der Freisinn arbeitete also ..unentwegt" für die Sache der natioualliberal-kouscrvativea WahlrechtSfeiude, trotzdem ihm, wie sich inzwischen heraus- gestellt hat. keineswegs eine Zusicherung gegeben worden war, daß die K a r t e l l k a n d i d a t e n bei der Ab- geordnetenwahl für den freisinnigen Kandidaten eintreten würden! Trotz der dem reaktionären Kartell vom Freisinn geleisteten reaktionären Liebesdienste wird aller Voraussicht nach das nationalliberal-konservative Kartell seine Wahlmännerstimmen auf den antisemitisch en Kandidaten Ulrich vereinigen. Es ist also fraglich, ob Ulrich oder der freisinnige Kandidat in die Stichwahl kommen wird. Die„ V o s s i s ch e Ztg." tut freilich, als ob sie mit Bestimmtheit darauf rechnet, daß der freisinnige Kandidat in die Stichwahl gelangt. Sie tut weiter so, als ob sie gar nicht daran zweifele, daß dann die Wahlmänner des Kartells für ihren Pastor Nnnze stimmen würden. Denn, so schreibt sie,„es würde ein politischer Gewinn sein, einmal d i e Konservativen kennen zu lernen, die bei der Stichwahl zwischen dem freisinnigen evan- gelischen Pfarrer Dr. Runze und dem Sozial- demokraten Zehn-Gebote-Hoffmann der Wahl fern blieben und dadurch diesem zum Siege verhülfen." Der Blockfreisinn verläßt sich also auf das Band der reaktionären Solidarität, das die Blockpolitik zwischen Freisinn und nicht nur den Nationalliberalen, sondern auch dem juden- fresserischen Konservatismus gewoben hat. Aber gerade diese Zuverficht in die Festigkeit der reaktionären Bett- oemeinschaft zwischen Freisinn und Reaktion hält die block- freisinnige Presse ab. eine Wahlparole auszugeben für den Fall, daß nun doch statt des Freisinnigen der Kartellkandidat Ulrich in Stichwahl mit der Sozialdemokratie gelaugte! Offenbar liegt in dieser Versäumnis der W u n s ch, daß dann der Freisinn für den Antisemiten Ulrich stimmen möge! Immerhin finden sich z w e i f r e i s i n n i g e B l ä t t e r, das„Berliner Tageblatt" und die„Volks» z e i t u n g". die diesen Fall in Betracht ziehen und dem- gemäß ihre Ratschläge geben. Das„Berliner Tage- blatt" schreibt: „Für die freifinnigen Wahlmänner können sich Schwierig» leiten nur dann ergeben, wenn sie gleich beim ersten Wahl» gange unterliegen sollten. Diese Eventualität läßt sich unseres Erachtens vermeiden, wenn jeder freifinnige Wahlmann sich des in ihn gesetzten Vertrauens würdig zeigt. Sollte sie trotzdem zur Wirklichkeit werden, dann hätten die frei» sinnigen Wahlmänner die Entscheidung zwischen dem reaktionären und dem sozialdemokratischen Kandidaten zu geben. In diesem Falle aber müßten sämtliche freisinnigen Wähler geschlossen für den Sozialdemokraten ein- treten; er ist das kleinere U e b e l, weil er wenigstens in Sachen der Wahlreform taktfest ist. UM das Wahlrecht aber dreht sich dieser ganze Wahlkamps.' Die„Volks-Zeitung" läßt sich wie folgt ver- nehmen: »Es fragt sich, wie der Freisinn, ivenn n dieser letzten, für seinen Liberalismus schwersten Belastungsprobe unterworfen wird, die Probe bestehen wird. Gibt er auch diesmal den hypnotisierenden Einflüsterungen des Blockpatronats nach, dann hat er sich um den letzten Rest deS politischen Kredits gebra ch t. Humpglt dsk l.fyf, konservative Kandidat auf f r e i s, n u> g e n Wahlknicken m den Landtag, gewählt in Berlin, dann ist die Freisinns» Ich m ach aufs höchste gestiegen. Wir haben nicht mehr viel Vertrauen zu dem Blockfreisinn nach alledem, was wir in dem letzten Jahre an ihm erlebt haben. Aber daß er sich so» weit vergessen sollte, dem Blockphantom zuliebe mm auch noch einen Berliner Wahlkreis den Konservativen und Anti- semiten auszuliefern, das zu glauben, mögen wir uns trotz alledem und alledem nicht entschließen. Daher: Soll der „Tag von Moabit' nicht zu einem Tag unauslöschlicher politischer Schmach für den deutschen Liberalismus werden, so müssen die frrisinnigen Wahlmänner— nicht aus Liebe zur Sozial- demokrarie, sondern im Interesse des Ansehens des Liberalismus— dafür sorgen, daß. wenn sie den Wahlkreis nicht für ihr« Partei retten können, er den S o z i a l d e m o k r a t e n, den eiitschiedensten Freunden der Wahlrechtsreform, und nicht den Reaitionären, den entschiedensten Gegnern der Reform, zufüllt.' Die Wahl im 12. Berliner Landtagswcchlkreis verspricht danach sehr interessant zn werden I potitifcbe Qeberficbt Berlin, den 15. Juni 1908. Die nichtveröfsentlichte Kaiserrcde. Wie wir an anderer Stelle unserer heutigen Nummer er- wähnen, soll der Kaiser kürzlich in D ö b e r i tz eine Ansprache an die Truppen gehalten haben, die wahrscheinlich, sosern die Meldung nicht noch nachträglich dementiert werden kann — bis jetzt ist ein Desaveu nicht erfolgt— im In- wie im Auslande ein nicht unbegründetes Befremden erregen wird. Wir möchten bei dieser Gelegenheit doch noch einmal daran erinnern, daß die offiziöse Presse bisher jede Auskunft darüber schuldig geblieben ist, weshalb denn jene Kaiserrede, die Wilhelm IL am I. Juni um 91/« Uhr auf dem Tempelhoser Feld an ein Bataillon der Alexandriner und ein oder zwei andere Bataillone gehalten hat, nicht publiziert worden ist, trotzdem sie schriftlich fixiert und vom Blatte abgelesen warben war und ihre Ber- lesnna sechs bis sieben Minnte» in Anspruch nahm 1 Da sonst auch die kürzesten und bedeutungs- losesten Ansprachen von der offiziösen Presse wortgetreu wiedergegeben werden, muß es besonderes Befremden erregen, daß über den Inhalt dieser Rede bisher nicht eine Silbe bekannt geworden ist!_ Zur Finanzreform. Die„Nord d. All g. Ztg." meldet, daß Freitag und Sonntag im preußischen Staatsmini st erium vertrauliche Be- sprechungen über die ReichSsinanzresorm stattgefunden haben. Diesen Beratungen werden weitere mit den anderen Bundesregierungen folgen. Die bisherigen Meldungen werden als „Kombinationen' bezeichnet, denen noch die„ausreichenden Unterlage«' fehlen. Eine Besprechung mit den Blocksührern hätte nicht stattgefunden. Wir zweifeln nicht daran, daß die Beratungen bald die„Unter- lagen' geschaffen haben werden und sich dann die„Kombinationen' im wesentlichen als richtig herausstellen werden.— Des bayerischen Kultusministers Rache. AuS Würzburg wird gemeldet: Gegen den Redakteur der„Freien Bayerischen Schulzeitung", den früheren Landtagsabgeordneten B e h h l ist wegen Gefährdung des Staatswohles das Disziplinarverfahren eingeleitet wnrden. Lehrer Beyhl war der Hauptredner auf der Hackerbräu- Versammlung des bayerischen Lehcrvereins in München. Diese R ede und ein Artikel zum Kamps um Rede und Recht in der Schul- Zeitung bilden den Gegenstand des Disziplinarverfahrens. Herr von Wchnec, Bayerns Kultusminister, ist bekanntlich nach feiner Erörterung des Falles Beyhl im bayerischen Landtag auf einer bedenklichen Gedächtnisschwäche ertappt. Aufgedeckt hat sie Herr Beyhl. Nun hat er das Disziplinarverfahren beschert be« kommen. Ob Herr v. Wehner glaubt, seine blamable Position -durch solche schneidige Maßregel zu verbessern? Der Eulenbnrg-Prozest. Nicht nur wegen Meineids, sondern auch wegen versuchter Per- leitung zum Meineid, so behaupten einige Blätter, werde der Lieben- bcrger noch in diesem Monat vor die Geschworenen gebracht werden. Ein Brief Eulenburgs an den Fischerineister Ernst, der den Gerichts- behöxden in die Hände fiel, soll die Grundlage der zweiten Anklage bilden. Die Aufsicht über die Subalternbeamten. Der jetzige Arbeitersckretär und frühere badische Justizaktuar Jos. F r a n k in Frankfurt a. M. stand am 13. Juni als Beklagter vor dem Schöffengericht in Freiburg t. B. Er war be- schuldigt, den Oberamtsrichter Krimmer in Konstanz beleidigt zu haben. Frank war während seines Dienstverhältnisses in Konstanz mit seinem Vorgesetzten Krimmer in Differenzen geraten und wurde nach Mannheim versetzt. Infolge einer Denunziation, es habe Frank verschiedene Artikel in der.Volksstimme' verfaßt oder inspiriert, welche Pexsonaloerhältnisse in Mannheimer GerichtSkreisen geißelten, wurde Haussuchung bei ihm gehalten und er darauf mit sofortiger Dienstentlassung bestraft. Inzwischen hatte Frank erfahren, daß sein ehemaliger Vor- gesetzter Krimmer, ein Zentrumsmann, bei seiner Versetzung von Konstanz nach Mannheim den Franlschen Personalakten zwei.Skizzen' beigeheftet hatte, die im Konstanzer demokratischen Blatte erschienen waren, betitelt:„Sekretär Balthalsar Jämmerle' und„Der Bürokrat'. Krimmer vermutete, daß diese Arbeiten auS der Feder Franks stammten. Frank schloß, daß die Beigabe dieser Artikel zu seinen Personal- alten durch Krimmer ihn bei seinem neuen Vorgesetzten, Amts- gerichtsdirektor G i tz l e r,.empfehlen' sollten und führte darauf die Schwierigkeiten zurück, die ihm im dienstlichen Verkehr in Mannheim zum ersten Mal seit langen Jahren erwuchsen. In einer begreiflichen Erregung schrieb er nun im Mai 1307 einen Brief an Krimmer, worin er dessen Handlungsweise als .denunziatorisch' und.Gemeinheit' bezeichnete. Frank wollte mit diesem Brief einen Strasantrag provozieren. Kriinmer. der herzleidend ist, klagte ursprünglich nicht. Erst auf die Aufsehen erregende Broschüre Franks hin:.Die Knechtschaft des SubalternbeamtentumS in Baden' und die daran geknüpften Aeußerungen im.Volksfreund' usw. verstand sich Ober- amtsrichter Krimmer zu einem Bericht anS Justizministerium, welches nunmehr Strafantrag einleitet«. In der Verhandlung ergab die Verlesung des Protokolls und der Personalakten, daß Frank ein außerordentlich brauchbarer MaKimantier! €rtcbdi\t ptltiktlkfr zur Mabl! Keiner darf f edlen! rtn vz t* 7 v fr. r*? t h c w twwm Von cinci0 Stimme kann der Sieg abhängen! Beamter war und daß.Krimmer die oben erwähnten Skizzen des. halb zu den Personalakten gegeben habe, nicht weil er selbst sich davon betroffen fühlte, sondern weil sie die Tendenz hätten, das Verhältnis der Snbalternbeamten zu den Vorgesetzten falsch und in lächerlichem Lichte zu zeichnen. Franks künftiger Vorgesetzter' sollte daraus„dessen Charakter erkennen lernen". Das Urteil lautet auf eine Gefängnisstrafe von zwei Wochen. Der Staatsanwalt hatte 3 Monate beantragt. In der Urteilsbegründung wurde alt erwiesen angenommen eine starke Arbeitsbelastung der unteren Beamten, ferner daß Ober- amtsrichter Krimmer sich ständig mit der Frau des Amtsdieners über die Beamten und ihre persön- lichen Verhältnisse unterhalten habe. Strafmildernd kam in Betracht, daß demnach Oberamtsrichter Krimmer nicht korrekt gehandelt habe, und daß der Angeklagte sich zur Zeit der Tat in einer begreiflichen nervösen Erregung befand. Dagegen wurde der Vorwurf der„Gemeinheit" gegen Oberamtsrichter Krimmer als schwer beleidigend angesehen. Der Herr Oberamksrichter hat also durch die Frnu des Amts- gerichtsdienerS ei« förmliche Aufficht über die Subalternbeamten führen lassen. .• Der Konrpronlifj in Freiourg. Aus Baden wird uns gefchrieben: Die unbegreifliche Kampfesnnknst unserer Freiburger Parteigenossen bei den Bürgerausschußwahlen findet nun ihre heftigste Verurteilung durch das Wahlergebnis, d. h. durch die vernehmliche Sprache der Wählerschaft der dritten Klasse. Die vmmiglvn Parteien der Bourgeoisie und die Sozial» demokratie habe« geiiHg Aufforderungen an die Wähler ergehen lassen, zur Urne zu kommen. Und stehe da: von 7 0 0 0 Wählern verzichteten 6 00 0 auf die Abstimmung, die nicht mehr nötig war. Etwa 30 Proz.„Disziplinierter" trugen den Friedenszettcl als Tauben in die Arche; erliche 60 ultramontane glanbenstreue Mannen strichen die Namen des soziatdem akratischen Quartetts(Engter, Kräuter, Grumbach. Kochs ans � nicht loeit ihnen 4 Sozialdemokraten unter 06 Stadtverordneten als gefährliche Hechte erschienen, sondern aus.prinzipiellen" Gründen. Denn nach der Lehre des klerikalen Parteiobersten gehört das Wählen eines Sozialdemokraten in Baden zur Todsünde erster Klaffe. Die anderen Zentrumswahler nahmen diese Sünde auf sich: die Zentrumsmacht durch ein nichtssagendes Kouzesfiöuchen cm die Rote» festzuhalten, das glaubten sie verantworten zu können. Für die Würdigmrg beS taktischen Verhaltens unserer Frei- burger Parteigenossen in»nferen Kreisen kommen folgende Tatsachen in Betracht. Im letzten Jahrzehnt machte in Freiburg i. B. die politische und getvertschasUiche Bewegung erfreuliche Fortschritte. Bei der LandwgSwahl 1906 erhielte« untere Kandidaten in Freiburg« Stadt 1330 Stimmen(21 Proz.); in der Stichwahl half das liberale Bürger» und Beamtentum dem Genossen Kräuter zum Landtags- Mandat. Bei der Reichötugswahl 1907 erhielt unser Kandidat in Freiburg-Stadt 4637 Stimme»(Hei 9292 Gegnern). Als im Jahre 1906 unsere Freiburger Genossen mit den Liberalen im Einvernehmen bei der Stadtverordnetenwahl 3. Klasse dem Zentrum ein Bein stellen wollten(jener Kompromiß errngte damals einen ebenso heftigen Widerfprwch in der Acßeitecfch oft wie jener von 1902 mit dem Zentrum), entfielen aus unsr.'ren Vorschlag 800 Stimmen, der uationalli berate erhielt 900, der nüramontoiu 1800 Stimmen. Das Zentrum triumphierte damals; heute sind die Nationalliberalen und UlttamoManen in gleich glücklicher Stimmung. Die badische Parieipresje nahm vor der Wahl keine kritische Stellung zu dieser unglückliche« Freiöurger Taktik. Heute beklagt die Mannheimer„Volksstimme diesen Mangel an Kampfesmut und diese stumme Resignation der Freibnrger Genosse» wegen einiger vier Mandate. Bedauerlich er- scheint uns dieser Kompromiß auch aus dem Grunde, weil mit solchem dolos far niente sich das neue Partei sekretariat in Freibnrg recht ungünstig einführt, während seine Notwendigkeit mit dem Hinweise auf das so günstige Kampfgebiet im badischen Ober- land begründet wurde._ Oeftcmich. Der Studentenstreik. Wien, 16. Juni. Der Rektor der Wiener Universität hat eine Kundmachung erlassen, in der mitgeteilt wird, daß die in Wien versammelten Rektoren zu der vollen Ueberzeugung gelangt sind, daß der Unterrichtsminister die L e h r f r e i h ei t der Hoch- schulprofessoren und die Freiheit der Forschung in vollem Umfange allerorten unbedingt wahren und die Autonomie der Hochschulen schützen werde. Die Rektoren fordern daher die Studierenden auf, vom Streik abzulassen. Der Rektor fügt hinzu, er habe die gefestigte Ueberzeugung gewonnen, daß die Lehrfreiheit der Hochschulen nicht gefährdet. vielmehr für die Zukunft gesichert sei. dtigarti. Arbeiterwohnungen. Budapest, 15. Juni. Im Abgeordnetenhause unterbreitete der Finanzminister eine Vorlage betreffend die Bewilligung eines Kredits von 12 Millionen Kronen für die Errichtung von Arbeiterwohnungen. franhreieb. Nieder mit dem Zarismus! Paris, 15 Juni. Der Nationalrat der bereinigten sozialistischen Partei hat eine Tagesordnung an- genommen, welche gegen den Besuch des Prä- sidenten Falliöres beim Kaiser von Rußland in einem Augenblick, wo dessen Regierung die Akte der Unter- drückung häufe. Protest erhebt. In Nachahmung des Beispiels der italienischen Soziali st en, die im Jahre 1903 den Besuch des russischen Kaisers in Italien zn verhindern wußten, und des jüngsten Protestes aus den Reihen der englischen Arbeiterpartei gegen die Reise König Eduards nach Rußland, lädt der Nationalrat alle Verbände und Organtsattoaen ein, sich seinem Prote st anzuschließen. ßelguif. ProdinzialratSwahlen. Brüssek» 14. Juni. Die iProvinzialratSwahlen nahmen einen ruhigen Verlauf. Das Ergebnis, soweit eS bis 9 Uhr abends bekannt war, hat die Lage nicht wesentlich verändert. In Brüssel find die Liberalen bezw. Kartel- lierten mit starker Majorität wiedergewählt worden, in der Vor- stadt Scherrebeek ein Sozialist. In den beiden flandrischen Provinzen, in Antwerpen und Limburg hat sich nicht? geändert, im Hennegau gleichen sich Gewinn und Verlust aus. In Luxemburg gewinnen die Katholiken zwei Sitze, in der Provinz Namur fünf, dagegen verlieren sie vier in Joffes und einen m Forrieres(Provinz Lüttich). In Walcourt scheinen sich die Erwartungen der kartellier- ten Liberalen und Sozialiften nickst erfüllt zu haben. Dir Songofrage. Brüssel, 16. Juni. Heute ist ein Schriftwechsel veröffentlicht ivotden, dtzi zwffchen"der amerikanischen � der belgischen und der englischen Regierung bezüglich der Uebernahme de? Kongo- st a a t e S durch Belgien gepflogen wurde. Danach betrachten die englische Uitd amerikanische Regicrimg die' Annexion deS Konaö- staateS als die sicherste Lösung der vorhandenen Schwierig- leiten, vorausgesetzt, daß Belgien dabei gemäß der vorhandenen Vertragsbestimmungen vorgehe. Der belgische Minister des Aus» wärtigen erllärte, daß die Frage vom Parlament in voller Unab» bängigkeit geprüft werden, und daß die Regierung ihre internationalen Verpflichtungen erfüllen wirb In einer amerikanischen Note vom 7. April d. I. wird die Hoffmmg ausgesprochen, daß Belgien sich im Falle der Uebernahme des KongostaateS nach den humanen Bestimmungen der Berliner und der Brüsseler Akte richten werde. In weiteren Schriftstücken bestehen die Ver- einigten Staaten und England auf dem Recht, für die Missionare Land zu erwerben, und setzen ihre Ansichten Hinsichtlich der Besteuerung auseinander. Italien. GemeinderntSwahlen. Rom, 16, Juni. Die gestrigen GemeinderatswaHlen erfolgten in Turin, Mailand und Bologna ohne Zwischenfälle, in Turin erhielten die Sozialdemokraten die Mehrheir. In Mailand ist der Sieg der konstitutionellen Partei gesichert. Unter 2? Gewählten befinden sich nur fünf Sozialoemo» traten. In Bologna ist ebenfalls der Sieg der konstitutionellen Partei gesichert. Englancl. Die britischen Sozialisten and die Lage in Jndicu. London, 12. Juni. In seiner letzten Sitzung nahm das britische Komitee des Internationalen Sozialistischen Kongresses folgende Resolution an: „Wir bedauern zwar tief die Handlungswelse der fanatischen Bengalen, indem sie als Protest gegen Unterdrückung zu Dynamit greifen und unschuldige Menschenleben opfern. aber wir sind der Ansicht, daß die despotische Regierungsweise und die wirtschaftliche Ungerechtigkeit der Briten in Indien dazu führen, daß die öffentliche Züchtigung politischer Agita- toren und die widerrechtlich vorgenommenen Verhaftungen von konstitutionellen Führern derartige Rächer finden."— Für das Frauenstimmrecht. London, 13. Juni. Ein Zug von zehntausend r a u e n mit Fahnen und Musikkorps zog heute vom hemseufer zur Albert- Hall. um den Wahlrechts- Sonnabend zu feiern. Die Demonstration, die ein außerordentlich belebtes Blld bot, wurde von mehreren Damen der Gesellschaft geleitet; unter den Teil- nehmerinnen befanden sich Vertreterinnen der bildenden Künste und der Musik, hervorragende Schriftstellerinnen und Aerziinnen, neben Fabrikarbeiterinnen und Dienstmädchen. In der Albert- Hall wurden leidenschaftliche Reden zugunsten deS Frauen- stimmrechtes gehalten. Norwegen. „Nieder mit Altar, Thron«ud Geldsack!" Kristiania, 12. Juni.(Eig. Ber.) Der Arbeiterverein„Nordens Klippe' in Eydvaranger besitzt eine rote Fahne mit obiger Inschrift. Am 1. Mai wurde dieselbe beim Demonstrationszuge benutzt. Der Amtmann war zum voran? von einigen Getreuen davon unterrichtet worden. Da die sozialdemokratisch« Arbeiterbewegung im nördlichen Norwegen bereit« eine bedeutende Macht bildet, wollte der Amtmann ohne vorherige Konferenz mit dem Justizministerium nicht ein- schreiten. Er telegraphierte an den Justizminister C a st b u r g. ob genanttte Inschrift gesetzwidrig sei und ob« dieselbe verbieten sollte. Der Jnsüzmwlsier antwortete, daß die Benutzung dieser Fahne an und für sich der Polizei keine Gelegenheit zum Ein» schreiten biete. Als die Neoltionäre von dieser ruchlosen Tat Wind bekamen, brachten sie eine Interpellation im Storlhing ein. Aber die kon- servativcn Staatsretter erlitten eine schmähliche Niederlage. Der einzige Erfolg war, daß der Justizminister eine ausgezeichnete Ge- lcgenheit bekam, um, unterstützt von unseren Genossen, seine bereits bekannte demokratische Auffassung zu demonstrieren.. Er führte auS, daß der Text nicht strafbar sei.§ 100 der Verfassung sagt, daß jede freimütige Aeußerung über die Staats- Verwaltung jedermann erlaubt sei. Mit Rücksicht auf den AuL- druck„Nieder mit Thron und Altar" führte er aus, daß es hier viele gäbe, die gegen das Königtum seien, und andere, die Gottesdienst ohne Altar wollten. Der Ausdruck„Nieder mit dem Geldsack I" scheint an gewissen Stellen sehr viel Anstoß erregt zu haben. Aber trotzdem gibt es hierzulande viele, die ihn weghaben wollen. Im übrigen hätten die Ereignisse zur Genüge gezeigt, daß es, um die Ruhe und den Frieden zu fördern, da» beste war, jedes Einschreiten zu unterlassen. ES haben keine Störungen stattgefunden und das öffentliche Interesse hat nicht gelitten. Er müsse sich auch entschieden dagegen verwahren, daß das Auftreten der Autoritäten in anderen Ländern eine Richtschnur für uns sein solle. Die große Mehrheit war mit dem Minister einverstanden und unter solchen Umständen wagten die Konservativen nicht einmal, den Antrag aus Mißbilligung zu stellen. Sie erlitten ein völliges Fiasko._ Unentgeltlichkeit der Lehrmittel. Kristiania, 13. Juni.(Eig. Der.) Der Gemeinderat von D r o» I h e i m hat nach heftiger Debatte mit 86 gegen 33 Stimmen beschlossen, vom nächsten Jahre ab den Volksschulkindern freies Schulmaterial zu verabreichen. Rußland Die Amnrbahn. Petersburg, 13. Juni. In der heutigen Sitzung nahm der R e i ch s r a t trotz der Opposition Witte« die Borlage über die Amurbahn an. Lulganen. Serbische Ueberfälle. trauksurt a. M-, 15. Juni. Die„Frankfurter Zeitung" meldet i o f l a unter dem gestrigen Datum: Im Bezirk Prilen über- fiel eine serbische Bande das bulgarische Dorf Maschiutschischta und tötete einen Mann. TagS darauf überfiel die- selbe Bande den BegräbuiSzug des Ermordeten und machte den Lehrer mit seiner Frau nieder und verwundete einen Mann schwer. Eine andere Bande drang in das Dorf Sekhrzky in demselben Be- zirk ein, schleppte fünf angesehene Bürger unt, erwürgte sie und zerstückelte ihre Leichen. Zürkcl Ein jungtürkisches Attentat. Fraiiksurt a. M., 14. Juni. Wie die„Frankfurter Zeitung' auS Saloniki meldet, wurde gestern nacht gegen den Platzkomman- danten von Saloniki Nazim Bey von einem Leutnant ein Anschlag verübt. Der Tat liegen j u n g t ü r k i s ch e Motive zu Grunde. Nazim Bey wurde am Bein nicht unerheblich verwundet, sein Sekretär ist leicht, eine Ordonnanz und ein Posten schwer verletzt. Der Täter cntlain. Nazim Bey ist nach" ZhmsicNlttNopel�lbgtteiTt— .«toWiirspinrn* Allgemeine Arbeitseinstellung. London, 15. Juni. Wie ein Morgenblatt M>S Teheran meldet, begann gestern die allgemeine ArbeitSein st eilung. — Dem königlichen Lager außerhalb der Stadt strömen täglich Streitkräfte zu..— Das Parlament entlvarf ein Memorandum an den Schah, m welchem er an seine königlichen Versprechungen er- innert wird nnd in dem die verschiedenen Berfassungs- brücke ausgezählt werden. Schließlich ersucht das Memorandum den Schah, mitzuwirken, damit das Bertrauen des Lölkes wieder- hergestellt werde._ Die Anarchie an der Grenze. Urmia, 14. Juni. In der verflossenen Woche wurden 28 Ort- schaften ausgeplündert, darunter 15 christliche. Täglich er- scheinen in der Stadt Flüchtlinge und verlangen vom Gouver- neur Schutz. Da« russisch« Konsulat ist angefüllt mit Christen aus ausgeplünderten oder au» von Kurden bedrohten Orten. Ein Ueber» fall einiger hundert Kurden auf die christliche Ortschaft Brduscha wurde vereitelt. Die Telcgraphenlinie ist abermals von Wurden zerstört worden. JMarohho. Mulah Hasid im Vormarsch. Truppen Mulay Hafids haben die Stadt A l k a s s a r, die nur zwei Tagereisen von Tanger entfernt ist, besetzt. Zwei fr a n z ü» sischeMtlttärpersonen, ein Offizier und ein Unteroffizier, die dem unter französischen Schutz stehenden Befehlshaber als Instrukteure beigegeben waren, wurden gefangengenommen. Man befürchtet, daß das Leben der in Alkassals'wohnendcn Franzosen und französischen Schutzbefohlenen, unter denen sich ein Konsularagent befindet, gefährdet ist. Nach einer anderen Meldung sollen mehrere hundert Reiter Mulay Hafids auS FeS in das Lager der Mahalla Abdul MalikS eingedrungen sein und diese gezwungen haben, sich Mulay Hafid zu unterwerfen.„Petit P a r i s i e n" schreibt, dieses fast unglaubliche Ereignis zeige, wie außerordentlich schnell der HafidiSmuS auch in diesem Teile Nord-Marolkos sich ausgebreitet habe. Tanger scheine ernst» l i ch bedroht. Demselben Blatt wurde an amtlicher Stelle in Berlin unter anderm mitgeteilt: »Deutschland wird nicht mehr noch weniger tun als die anderen Signatarmächte des AlgecirasvertrageS, von dem es sich um keinenPreis zu entfernen ge- denkt. Wenn Muley Hafid in Europa anerkannt werden sollte, so kann das nur geschehen, indem die Mächte so beschließen. Deutschland weist jede isolierte Stellungnahme gegenüber Marokko zu r ü d; das soll man niemals aus dem Gesicht verlieren." Die Antwort ist geeignet, zu einer allmählichen Entwirrung beizutragen.— Venezuela. Ei« neuer Uebcrgriff. New Fork, 15. Juni. Ein Telegramm aus Willemstad meldet, ein venezolanisches Küstenwachtschiff habe auf See in der Höhe von La Bela de Coro zwei holländische Schiffe, die zwischen den Inseln Aruba und Baracoa verkehren, an- gehalten und gezwungen, nach Coro zu gehe«. Dort seien die Schiffe zwei Tage festgehalten und alle an Bord be- findlichen, nicht in Postbeuteln verschlossenen Briefe seieu be- schlaguahmt worden. Huö der parte!» Partei und Jugendorganisation. Man schreibt uns aus dem Partcibureau:„Die„Leipz. BolkSztg." polemisiert in ihrer letzten Nummer unter der Spitznmrke:„I n t e r- es f ante Enthüllungen zum Thema: Gewerk- schaften und Jugendorganisationen" gegen einen Aufsatz des Genossen Legten, der in den„Soz. Monatsheften" zum Gewerkschaftskongreß erschien. Dabei berührt die»Leipz. Bollsztg." auch die Besprechungen, die zwischen Parteivorstaud und General- kommission über die zukünftige Agitation unter der proletarischen Jugend stattgefunden haben. Mit dieser für die Gesamtarbeiterbewegung äußerst wichtigen Frage haben sich Parteivorstand und Gcuerakkommission vor und nach Erlaß des ReichsvereinsgesetzeS mehrfach befaßt, und nach Zustandekommen dieses Gesetzes hat der Parteivorstand sich mit der Generalkommission auf Richtlinien geeinigt, die dem Parteitag in Nürnberg für seine Beschlußfasfmig über die zulünftige Agitation unter der Jugend zur Grundlage dienen werden. Die„Leipz. Bolksztg." schreibt dazu:„Wenigsteus behauptet Legien, daß dem Nürnberger Parteitag ebenfalls die Frage der Jugeiidorganisation vorliegen wird. Die Parteipresse weiß davon noch nicht»."— Die„Leipz. Bolksztg." hat dabei bereits in ihrer Nr. 102 vom 5. Mai 1908 berichtet, daß der Nürnberg ejr Parteitag über die Details der Jugendorgani- sation entscheiden wird. Wenn die„Leipz. BoltSztg." weiter behauptet, daß durch Geheimabmachungen beabsichtigt iei, die Jugendorganisationen zu vernichten, so ist das schon deshalb falsch, weil unter dem ReichsvereinSgcsetz die sozialistischen Jugend> organisationen in der alten Form einfach nicht mehr möglich sind. In Konsequenz dessen beschloß der Verband junger Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands auf seiner Darmstädter Generalverfamm- hing bekanntlich am 3. Mai, den Verband aufzulösen und in den einzelnen Städten Komitees au» den über 18 Jahre alten Mit- gliedern zu bilden, die als provisorische Träger der Jugend- agilation zu gelten haben, bis der Nürnberger Parteitag e»t« schieden hat. Die«junge Garde" hat auf ihrer außerordentlichen Generalversammlung einfach auS dem neugeschaffenen Rechts- zustande die Konsequenz gezogen. Genosse Dr. Frank erklärte in Darmstadt:„Keinen Zentimeter werden wir vor den Bestimmungen des Gesetzes zurückweichen, wir sind entschloffen, die alten Ziele zu erreichen, wenn auch auf anderem Wege". An der Vorbesärechung, die der Darmstädter Generalversammlung voranging, nahm auch ein Vertreter des Parteivorftande» teil. Die Darmstädter Beschlüsse enthalten daS, was dem Nürnberger Partei- tag für ganz Deutschland als Grundlage der Jugendorganisati vorgeschlagen werden soll. Außerdem soll die Gründung eines sozialistischen JugcndorganS beschlossen werden. Da» alle» ist längst bekannt.— Es wäre deshalb gut gewesen, wenn die„Leipz. BolkS- zeitung" ihren eigenen Bericht über die Generalversammlung der jungen Garde einmal gelesen hätte, ehe sie ihre»SensationS- Meldung" in die Welt setzte." Auch ein Leidtragender. AuS Erbach i. O. wird der„Mainzer Bollszeitung' geschrieben, daß dort beim Begräbnis des„Standes- Herrn", des Grafen v. Erbach, einem noch aus der Feudalzeit stammenden Usus gemäß die Leiche vom Erbacher Stadtrat aus der Kirche zum Leichenwagen getragen wurde. An diesem weihevollen AkluS hat sich nun auch einer von den drei sozialdemokratischen Stadträten Erbachs, der Genosse Ehrhardt, beteiligt. Die Erbacher Genossen wollen diesem Leidtragenden in der nächsten Partei« Versammlung den Kopf waschen. Der Entgleiste kann sich zu seiner Entschuldigung auf böse Beispiele berufen. Der LandeSauSschuß der deutschen und österreichischen Sozialisten in der Schweiz, der in Zürich domiziliert, veröffentlicht soeben seinen Geschäftsbericht pro 1907, aus dem»ine sehr erfreulich«. Weitem entivickölmig der' im'allen Teilen des Landes bestehenden Arbeiter bildungsvereine und sozialdemokratischen Mitgliedschaften ersichtlich ist.-.,.Ab» ,B»«chtSj»h» eedteft die LcmdeSvrMisa tlött' Ist' dem E'e» nassen Ja sfee einen ständigen Sekretär. Der Genosse verwendet durch- schnittlich die halbe Woche flir die Besorgung der Sekretariatsgeschäfte, für Agitation uiw. Er hat eine recht rege und ersprießliche Tätig- keit entfaltet. DaS in Zürich errichtete Zentralschriftendepot hat sich gut entwickelt, der Umlatz in der kurzen Zeit eines halben JnhreS beträgt 6873,35 Fr. Der Landesoraanisation gehören 40 Sektionen an, von denen 39 berichteten. Diese zählten Ende 1907 3248 gegen 2917 Mitglieder anfangs 1907, wovon die größere Hälfte auS Deutschland stammt, während sich die übrigen auf zahlreiche Länder und Nationen und selbst auf verschiedene Erdteile verteilen. Die Vereine haben in ihren Bibliotheken 12 900 Bände, von denen 5032 auSgelteycn wurden. Die Einnahmen des LandeSauSschusseS be- trugen 2222 Fr., die Ausgaben 2940,77 Fr., so daß ein Saldo von 231,23 Fr. verblieb. Der internationale Flüchtlingsfonds ver- eimiahmte 78l.2S Fr., die Ausgaben beliefen sich auf 474.59 F.. der Saldo auf 306,67 Fr. Für die deutschen Reichstagswahlen im Januar 1907 wurden 3339,15 Fr. gesammelt, für die österreichischen ReichSratswahlen 1047,10 Fr. Die Zahlen beweisen, daß die aus- ländischen Genossen in der Schweiz die internationale Solidarität erfolgreich betätigen._ Huö Industrie und Handel Firma Krupp. DaS größte industrielle Unternehmen der Eisenindustrie, da« als Aktiengesellschaft firmiert, sich aber tatsächlich in Privathänden be« findet, ist die Kruppsche Kanouenfabrik. Die finanziellen Ergebnisse des Werkes illustrieren folgende Zahlen: Aktienkapital Betriebs- Rein- von Abschreibungen Überschüsse gewinn M. M. M. M. 1903/04 180 000 000 9 846 338 17 290 180 11662 762 1904/05 160 000 000 12 604 037 22 904 817 16 668 291 1005/06 160 000 000 14 803 681 80 279 128 20 926 734 1906/07 180 000 000 16 601 221 84 802 842 26 053 096 Die Firma hat die Aufnahme einer bierprozentigen 60 Millionen Anleihe beschloffen, von der deiimächst ein Teilbetrag von 20 Millionen Marl zur Zeichnung aufgelegt werden soll. Bankfusion. Die Dresdner Bank hat mit der seit dem Jahr» 1870 bestehenden Bankfirma Mauer u. Plaut in Kassel ein Abkommen getroffen, nach dem die Geschäfte derselben mit dem 1. Juli d. I. auf eine daselbst zu errichtende Filiale der DreSdster Bank über- gehen. Der Berein für den Verkauf von GiegerlSnder Roheisen G. m. b. H. in Siegen hat den Bertraa mit dem Robeisensyndikat G. m. b. H. in Düsseldorf für Ende dieses Jahre» gekündigt. Die deutschen Aktiengesellschaften im Jahre 1907. Im Anschluß an die in den BierteljahrSheften zur Statistik des Deutichen Reichs 1907 Heft IV und 1908 Heft I veröffentlichte Beftandsstatistil der deutschen Aktiengesellschaften teilt das Kaiserliche Statistische Amt in dem Heft II sS. 243 ff.) eine Statistik der Bestands« und Kapitalsänderungen der Aktiengesellschaften mit, die zum ersten Male für das Jahr 1907 aufgestellt ist. Im Jahre 1907 wurden 217 Gesellschaften mit einem Kapital von 260,7 Millionen Mark nominal— oder 263,2 Millionen Mark nach dem Ausaabekurs— neu gegründet. Kapitalerhöhungen erfolgten bei 32? Gesellschaften, und zwar bei 42 in Berbindung mir Kapitalherabsetzungen. Kapitalherabsctzuugen er- folgten einschließlich dieser 42 Fälle bei 96 Gesellschaften. Rechnet man die jenen 42 Kapitaländerungen in zweifacher Richtung nur 16, bei denen von Erhöhung überwiegt, zu den Kapitalerhöhungen und nur 27, bei denen die Herabsetzung überwiegt, zu den Kapitalherabsetzungen, so verbleiben 302 Gesellschaften mit Erhöhung und 80 mit Herabsetzung des Kapitals. Im Jahre 1907 traten in Liquidation 68 Gesellschaften mit 62,7 Millionen Mark Nominalkapital, in Konkurs-23 mit 11,9 Mitl. Mark, ohne Liquidation oder Konkurs wurden gelöscht 39 mit 96,1 Millionen Mark Nominalkapital. An tätigen Gesellschaften gab eS danach am 81. Dezember 1907 6147 mit 14218,3 Millionen Mark Nommalkapital, 97 Gesellschaften und 460,2 Millionen Mark Kapital mehr als im Vorjahre. Berkehr im Kaiser Wilhelm-Kanal. Ueber den Verkehr im Kaiser Wilhelm-Kanal während des Rechuungsjahrcs 1907 werden im zweiten Hefte de» Jahrgangs 1903 der VierleljahrShefte zur Statistik des Deutschen Reiches eingehende Nachweise veröffentlicht. Im ganzen haben den Kanal im an- gegebenen Zeiträume befahren 84 993 abgabepflichtige Schiffe mit 6 423 441 RegistertouS Nettoraumgehalt; hiervon waren 23 682 Schiffe mit 6 276 468 RegistertonS beladen. 28 406 Schiffe führten die deutsche Flagge, 33 die belgische, 444 die britische, 1842 die dänische, 39 die französische, 1370 die niederländische, 687 die norwegische, 464 die russische, 1772 die schwedische und 42 eine der sonstigen fremden Flaggen. An reinen Kanalabgaben(abzüglich des auf die Kanalabgabe angerechneten ElbloisgeldeS von 201 244 M.) sind 2 989 388 M. und an Gebühren überhaupt(einschtießlich der Schlepp- gebühren usw.) 3 109 237 M. erhoben worden. Soziales. Bon der nordöstlichen Baugewerks-Berufsgcnosscitschaft. Nach dem uns vorliegenden kümmerlichen Bericht der großen Berufsgeuosienschaft zählte diese am Schlüsse des Jahres 1907 ins- gesamt 23 683 versicherte Betriebe, die 238 762 Arbeiter beschästigen. Die größte Zahl der Versicherten stellen die Maurer mit 113 647, die Moler mit 21098, die Zimmerer mit 31280 usw. Der Bericht erwähnt, daß allein 66 000 M. an Beiträgen ans- fielen, da eine Zwangsvollstreckung bei den versicherten„Bauunter- nehmern" fruchtlos war. Die beigefügte Aufstellung ergibt, daß die BerufSgenossenschasten durch ihre Gefahrenklassen einzelne Berufe ganz gehörig zu Beiträgen heranziehen können. So zahlen z. B. die Tapezierer für 100 M. Lohn in den einzelnen der fünf Sektionen nur 40—66 Pf., während wieder die Unternehmer für„Abbruch von Gebäuden" auf die gleiche Lohnsumme 9,90 M. bis 13.86 M. zu zahlen haben. Gemeldet wurden im Berichtsjahre 11166 Unfälle, gegen 12706 im Vorjahre. Vor Ablauf der 13. Unfallwoche hatten die Krankenkaffen auf ihre Kosten schon 9490 dieser Unfälle acheilt, sodaß nur noch 1676 Unfälle der Berufsgenossenschaft zur Entschädigung zufielen. Dem mageren Bericht ist eine Statistik der Unfälle des JahreS 1906 beigegeben, die uns beweisen soll, daß Montag vormittags 1143, nachmittags 1110 DienStag. 964,„ 1062 Mittwoch„ 1060,, 1026 Donnerstag 1026, 1087 trettag 1042, 1183 onnabend„ 997, 1029 Tonntag, 29,, 8 Unfälle sich ereignet haben. Vergessen darf man nicht, daß Montag gewöhnlich der Beginn eines neuen Arbeitsverhältnisses ist und die Gefahren in einem neuen Betriebe viel größer sind. 176 Bauarbeiter wurden getötet, 8 waren völlig erwerbsunfähig verblieben und 806 dauernd teilweise erwcrbsbeschränkt. Ueber sechs Monate waren ferner 896 Verletzte unterstützt worden. . Für dqS Jahr 1907 fehlen diese Ziffern im Bericht..>-< , �>.».�'AelV.�ußyq.hW.egeietze gegen- ländliche Arbeiter.-* Der Jahresbericht des Landwirtschaftlichen ZentralvercinS Königsberg für das Jahr 1907 konstatiert unter anderem, daß die Güterpreise im Berichtsjahre trotz der ungünstigen Ernteverhält» nisse im allgemeinen ihre steigende Tendenz beibehalten haben. Der Zolltarif tut aljo nach wie vor seine Schuldigkeit, und die Agrarier schwimmen im Golde. Trotzdem fällt es ihnen nicht ein, ihre Arbeiter besser zu besolden, denn der Bericht sagt, daß die Landflucht weitere Fortschritte macht. Besonders die jungen Leute fliehen vom Lande fort. Aber selbst die ausländischen, so überaus bedürfnislose» Aroeiter werden auf den Gütern der oft» elbischeu Junker nicht einmal so.behandelt, daß sie aushalten können. Der Bericht erklärt, es war eine bedeutende Zunahme des Kontrattbruchs, namentlich der ländlichen Arbeiter, zu ver» zeichnen. Damit stellt man in vorzüglicher Weise die Ausbeutung?» wut der Agrarier an den Pranger. ES wird nun weiter gesagt, daß die Militärverwaltung in dankenswerter Weise alle verfüg- baren Mannschaften zu den Erntenrbciten beurlaubt hatte. Da steht man, welch ungeheurer Schaden den Landarbeitern la Militarismus zufügt. Wenn sie keine höheren Löhne, keine bessere Behandlung erzielen, so haben sie da? der Militärverwaltung zu verdanken. Es wird nötig sein, im Reichstage mit erhöhtem Nachdruck auf diesen Mißstand hinzuweisen. Nun sinv die Junker aber durchaus nicht mit den gegen- wältigen Verhältnissen zufrieden. Der Bericht des Landwirt- schaftlichen Zentralvereins begrüßt voll die gegen Recht und Gesetz verstoßenden Legitimationskarten für ausländische Arbeiter, er fordert aber, daß auch die inländischen Arbeiter noch mehr geknebelt werden sollen. ES wird auf die„Ansiedelung", das heißt auf die Hörigmachung der Landarbeiter hingewiesen, und dann heißt eS, dringend erwünscht müsse es jedoch erscheinen, daß zur Bekämpfung dcS KontraktbrucheS überhaupt Strafbestimmungen gegen die Ver- mittler erlassen werden, die die Landarbeiter zum.Kontraitbruch verleiten, und daß auch diejenigen Arbeitgeber, die sich eines der- artigen Vergehens schuldig machen, oder wissentlich kontraktbrüchige Landarbeiter beschäftigen, in Strafe genommen werden. ES soll also der gescheiterte Kontraktbruchgesehentwurf Gesetz werden, da- mit, wie eS im Bericht heißt, die Heiligkeit und Nnverletzlichkeit der einmal übernommenen BertragSpflichten unserer ländlichen Be- völkcrung wieder eingeprägt wird. Das ist ein starkes Stück Heuchelei: fällt es doch gerade den Junkern nicht ein, die„Heilig- keit und Nnverletzlichkeit der einmal übernommenen Vertrags- pflichten" als Dogma anzuerkennen. Viele von ihnen brechen die Verträge sehr oft, ohne Gewissensbisse, von den Arbeitern verlangen sie aber, daß sie dieselben einhalten sollen, und jetzt fordern sie erneut Strafbestimmungen zur Bekämpfung des KontraktbrucheS der Arbeiter._ Bon der„gesicherten Existenz der Arbeiter". In einer Glasfabrik in Pirna verungnickte ein Arbeiter, der siebzehn Jahre lang dort tätig war. ES fiel ihm beim Kohlen- abladen eine Wand der Lore auf den Rücken nnd machte ihn aus einige Zeit arbeitsunfähig. Zwei Tage vor Pfingsten, so quasi zur Erhöhung der Festfreude, ging ihm die Mitteilung von dem Hütten- meister zu, daß er„wegen BetriebSeinschränkung" entlassen sei. Siebzehn Jahre hat der Mann gegen jedenfalls sehr bescheidenen Lohn für die Firma gearbeitet. Im Dienste der Firma erleidet er einen Unfall und wird dann aufs Pflaster gesetzt. Für den Arbeiter aber, fabeln die bürgerlichen Parteien, ist gesorgt bis an sein Lebensende._ Steuererlaß. In Freisenbruch bei Steele beschloß die Gemeinde- Vertretung, allen Kriegsteilnehmern, die weniger als 1600 M. Jahreseinkommen hoben, die Gemeindesteuer zu erlassen. Noch ver- ständiger wäre der Beschluß gewesen, alle Einwohner mit einem Einkommen unter 1600 M. steuerfrei zu stellen. 6ewerkrcbaftUcbe9. Wo ist der Schieber? In der..Deutschen Arbeitgeber- Zeitung" veröffentlicht Syndikus Karl König- Nürnberg einen Hetzartikel gegen den „Bund der technisch-industriellen Beamten". Zum Schluß reizt er wie folgt zu Maßregeln auf: .Aus den Forderungen des Bundes, die sich wie die ganze Organisation aus dem Niveau moderner Gewerkschaften halten. sind gerade die vorstehend näher gewürdigten herausgegriffen worden, weil sie am besten die von dieser Angestellten-Organi- sation eingenommene Kampfesstellung gegenüber den Arbeit- gebern illustrieren. Es hat seinen guten Grund, wenn die .Deutsche Metallarbeiter-Zeitung" ihrer lebhaften Freude über das Anwachsen dieser Organisation Ausdruck gegeben hat. Die Sozialdemokratie und die freie Gewerkschaft sehen in ihr einen Bundesgenoffen, der ihr noch wertvolle Dienste leisten kann. Die Arbeitgeber mögen Vorkehrungen treffen, daß die Hoffnung der Gewerkschaften zuschanden wird; wenn erst einmal die Bureaus und Zeichensäle leer stehen, ist es zu spät." Als der Mann daS schrieb, war die Verfemung der Organisation jedenfalls schon beschlossene Sache. Es dürfte schwer sein, ein Organ ausfindig zu machen, das sich rühmen kann, in Hetzereien mit der„Arbeitgeber-Ztg." konkurrieren zu können._ Berlin und amgcgcnd* Klempner! Bei der Firma Gottschalk, Alte Jakobstraße, sind die Klempner ausgesperrt, weil sie den tarifmäßigen Lohn ver« langten. Die Bauten der Firma sind zu meiden. BctriebSwcrkstätte. Der Inhaber der Sckneidereifirma in Char- lottenburg. Wilmersdorfer Straße 12, Ecke Schulstraße, heißt nicht Stoßmann sondern Hoffmann. Im Kampfe um die Koalition! Der Bund der technisch-industriellen Beamten hat für Dienstag, den 16. Juni, abends 8'/z Uhr, zwei öffentliche Versammlungen nach dem großen Saale der Sophieniäle, Sophienstr.'17/18 und nach dem großen Saale der Germania-Festsäle, Chausseestr. 116, einberufen, in welchen die Herren Lüdemann, Sohlich und Granzin über da? Thema»Im Kampfe um die Koalition" sprechen werden. Oeuttcbca Reich. Zur Tarifbewcgnng der Nciseeffektensattler und Portefeuiller Deutschlands. Nach diermonatlichen Verhandlungen in den vier Tarifstädten Berlin, Frankfurt a. M., Offcnbach und Stuttgart kam eine Verein- barung zustande, wonach Arbeitgeber- und Arbeiwehmervertreter eine Konferenz zum 14. Juni nach Berlin im Savoy- Hotel einberiefen. Als Grundlage der Beratungen galt der vom Offenbacher EinigungSamt gefällte Schiedsspruch vom 16. Juni d. I, und die Forderungen der Arbeiter. Vertreten lvaren 13 Arbeitgeber und Arbeitnehmer, darunter die Zentralvorsitzenden des Sattler- und PortefeuillerverbandeS. sowie der christliche» Lederarbeiterorganisation. Den Vorsitz führten der Vorsitzende der Arbeitgcbervereinigung Herr G. Schloumacher-Frankfurt und der des Sattlerverbandes P. Blum, Berlin. Der prinzipiellen Forderung der Arbeiter, die bei Zwischen- meistern beschäftigten Hilfskräfte mit in da» VertragSverhältniö einzubeziehen, wurde nach langer Debatte stattgegeben. Die Arbeitszeit darf für alle Fabrikbetriebe sowie ftir die Zwischenmeisterbetriebe in den Städten 54 Stunde» pro Woche nicht übersteigen. Nur für Zwischenmeisterbetriebe auf dem Lande kanti die«rbrftszeit S7 Stunden' pro Woche betragen. Die Minimallöhne der Portefeuiller sind erhöht worden und sollen während der Vertragsdauer in festgesetzten Terminen denen der Sattler gleichgestellt werden. Die Minimallöhne der Sattler und Portefeuiller wurden für AuSgelernte um zwei respektive drei Pfennige erhöht. Die übrigen Zeitlöhne wurden gleichfalls erhöht, wogegen die Allordlöhne betriebsweise geregelt werden sollen. Die einheit- lichen Gesichtspunkte, welche am 23. März vereinbart wurden, betreffs Schlichwngskommissionen und des Tarifamtes wurden an- genommen. Die beiderseitigen Zustimmungen zu diesen Abmachungen müsien bis zum 30. Juni dieses Jahre? erfolgen. Die GültigkcitS- dauer der Tarife beträgt drei Jahre. Unter diese Tarife werden ungefähr 6000 Arbeiter und Arbeiterinnen fallen. Nach dem in diesen beiden Branchen für die obgenannten In- dustriebezirke eine Einigung erzielt wurde, machte die Arbeitgeber- Vereinigung den Abschluß der Tarife davon abhängig, daß die seit sechs Wochen im Streik befindlichen Berliner Kofferarbeiter die Arbeit bedingungslos aufnehmen resp. sich den obigen Abmachungen anschließen sollten, in denen den Koffermachern so gut wie gar nichts geboten ist. Auf dieses Ansinnen konnten die Arbeiter- Vertreter unter keinen Umständen eingehen. Da die Portefeuille- und Reiseartikelfabrikanten daS Einigungswerk an diesem Punkt nicht scheitern lassen wollten, machten sie den Vorschlag, den Schiedsspruch des Berliner Einigungsamtes nachträglich anzuerkennen mit Ausnahme des Ablauftermins deS Vertrages. Der Kofferfabrikant TrebesiuS war mit diesem Vorschlag nicht einver- standen, worauf alle Arbeitgeber, mit Ausnahme des ge- nannten Herren, beschlossen, die Parteien zu verpflichten, sich mit obigem Vorschlage einverstanden zu erklären. Be- harren die Kofferfabrikanten trotz dieses Beschluffes auf ihrem ablehnenden Standpunkt, so gehen sie des Schutzes der Arbeitgeber- Vereinigung verlustig und gelten die Verträge für die Portefeuille- und Reiseeffektenindustrie, vorbehaltlich der Zustimmung der be- teiligten Organisationsmitglieder, als gesichert. Kampf gegen den Fabrikarbeiterverband. Seit dem 14. April 1308 stehen die Arbeiter der Wolgaster Zementsabrik sBesitzer Ouistorp) im Streik. Bei den Verhandlungen am 22. Mai, die zwischen Streikenden und dem Besitzer statt- fanden, verlangte dieser von seinen bisherigen Arbeitern Austritt aus dem Fabrikarbeiterverbande. Die Streikenden wiesen das an« maßende Verlangen selbstverständlich zurück, worauf die Verhand- lungen scheiterten. Der Kampf hat dadurch einen Wendepunkt er- hallen. Er wird nun nicht mehr in der Hauptsache um Lohn- erhöhung und Wiedereinstellung der Gemaßregelten geführt, sondern um Anerkennung deS Koalitionsrechtes. In dem Betriebe sind zirka 70—80(nicht 160 Streikbrecher, wie die Parteipresse vor einigen Tagen berichtete) Arbeitswillige an Stelle der 216 Streikenden beschäftigt. Die Arbeitswilligen sind aus den anderen Betrieben des Besitzers abkommandiert. In den anderen Betrieben sind nun die Leute knapp und deshalb sucht der Besitzer für hier.Arbeitswillige". Den Leuten wird in den bürger- lichen Zeitungen freie Wohnung und freies Kartoffelland versprochen. Wir ersuchen alle rechtdenkenden Arbeiter, auf diesen Köder nicht zu beißen und den Zuzug mit allen gesetzlichen Mitteln fern- zuhalten. Gau 4 des Fabrikarbeiterverbandes. Um was die Arbeiter noch kämpfen müssen! In Bärenstein im Erzgebirge sind die Holzarbeiter der Kisten- fabrik Leinbrock Nachf. in den Streik getreten. Die Lohn« und ArbeiiSverhältniffe find dort noch sehr traurige. Die Arbeitszeit be- trägt täglich 11 Stunden, der Lohn 17—24 Pf. Nach langem Bitten legte man den älteren Arbeitern 1—2 Pf. pro Stunde drauf. Nach langen Mühen gelang es, die Arbeiter in den Holzarbeiter- Verband hineinzubringen, und man konnte daran denken, die Ver- Hältnisse mit unserer Zeit einigermaßen in EinNang zu bringen. Es wurden also lOstiindige Arbeitszeit, 4 Pf. Lohnerhöhung und 10 Pf. Aufschlag für Ueberstlniden ver- langt. Statt nun diese mehr als bescheidenen Forderungen zu bewilligen, meinte der Chef: Er zahle schon sowieso die— höchsten Lohne in der Gegend und könne nicht mehr tun. Nachdem auch die Vermittelungsversuche des Gauvorstehers vergeblich waren, traten die organisierten Holzarbeiter in den Streik. Die Slreikenden erklärten in einer Versammlung, daß sie lieber den Ort verlassen wollten als für den Hnngerlohn weiterarbeiten. Nicht weniger als vier Gendarmen bewachen jetzt das Kapital— pardon den Betrieb. Ausland. Massenaussperrungen in ganz Skandinavien. Die großen Arbeitgeberorganisationen der drei skandinavischen Länder haben vor einiger Zeit ein Bündnis zu gemeinsamer Be- kämpfung der Arbeiterschaft geschlossen. Diese Abmachungen scheinen nun in Wirksamkeit zu treten. Fast zur selben Zeit, da der Zentrale Arbeitgeberverband Schwedens seine allgemeine Aus- sperrung beschloß, hat die Leitung der Norwegischen Arbeitgeber- Vereinigung eine Aussperrung aller Bauberufs- arbeiter in Kristiania beschlossen. In der norwegischen Hauptstadt standen seit mehreren Wochen fünf Bauberufsgruppcn in Konflikt mit den Unternehmern. ES gelang jedoch kürzlich, durch Verhandlungen zwischen Vertretern der Arbeitgeberver- einigung und der Landesorganisation der Gewerkschaften eine Einigung zu erzielen. Obwohl nun die Arbeiter mit Rücksicht auf die schlechte Geschäftslage auf Lohnerhöhungen verzichteten, und obwohl die gewählten Vertreter der Unternehmer diese Ab- machungen gutgeheißen haben, verfügt ihre Organisationsleitung die allgemeine Aussperrung. Als 1S05 die Unionsauflösung sich vollzog, da hetzte die schwe- dische Unternehmerpresse zum Krieg gegen Norwegen, und die nor- wegische Bourgeoisie tutete auch weidlich in das patriotische Horn; die schwedischen Mordspatrioten waren mächtig aufgebracht über Dänemark, weil es ihrer Meinung nach die norwegischen Unab- hängigkeitSbestrcbungen allzusehr unterstützte. Jetzt, da es den Kampf gegen die Arbeiterschaft gilt, hat man sich in holder Ein- tracht verbündet. Der schwedische Zentrale Arbeitgeberverband hat die dänische Arbeitgebervereinigung aufgefordert, dafür zu sorgen, daß kein schwedischer Baugewerksarbeiter in Dänemark Beschäftigung findet. Die dänische Unter- nehmerorganisatton hat sofort alle ihre Mitglieder ersucht, danach zu handeln. In Dänemark selbst sind große Aussperrungen beschlossen, die sich auf 3000 Arbeiter erstrecken werden. Eine Aussperrung be- trifft die über 1000 Arbeiter der 7 Zementfabriken des Landes, eine zweite die Sägewerksarbeiter auf den dänischen Inseln und eine dritte das Baugewerbe in Esbjerg. )Ziis der f rauenbewegun� Fern vom Klassenkampf. Der Kapitalismus sammelt in großen Fabriken und Arbeits- räumen Sklaven von männlichen und weiblichen Arbeitskräften. Besonders die letzteren sind ihm als billige und willige Nutz- objekte höchst willkommen. Zum Entsetzen aller Unternehmer und Unternehmerfreunde löste diese Erscheinung ungewünschte Folgen aus, indem durch das Zusammenarbeiten mehr oder weniger großer Gruppen von Arbeitern beiderlei Geschlechts ein aufklärender Geist in die proletarischen Massen fuhr. Und diese erfieuliche Begleit» erscheinung des kapitalistischen Beutezuges wurde genährt von der praktischen Werbe- und Aufklärungsarbeit der kräftig erblühenden sröicn Gewerkschaften. Lange Jahre waren eS rwr Ö+f Beitretet der modernen Arbeiterbewegung, die als Pioniere der Kultur den geknechteten und entrechteten Schichten das reine Evangelium ver- kündeten, ungeachtet des Spottes und Hohnes, der Verfolgungen und Freiheitsstrafen, die sie trafen, leuchteten sie mit der Brand- fackel der sozialistischen Lehre in das Dunkel der Unwissenheit, des Aberglaubens, des grenzenlosen Jammers, die Unterdrückten zum Kampfe, zum organisierten Widerstand gegen das rücksichtslose, moderne Raubrittertum auffordernd. Und was man bis dahin für eine„vorübergehende Erscheinung" angesehen hatte, wuchs mit einemmale zu einer furchtbaren Gefahr für die Herrschenden und Besitzenden auS, riesengroß, wie der ungezügelte Steppenbrand sich weiterverbreitend. Das..soziale Gewissen" erwachte, wie immer, wenn der Besitz oder die Macht in Gefahr sind. Die Gegner rüsteten sich, eine Gegenwehr zu schaffen und die hereinbrechende Flut aufzuhalten, um diese, in ein friedlich plät- scherndes Wässerchen umgewandelt, auf ihre eigenen Mühlen zu leiten. Und hierzu bedienten sie sich jener Männer, die im schroffsten Gegensatz zu ihrem großen Vorgänger, auf feiten der Besitzenden und Herrschenden sieben. Sie gründeten konfessionelle Gewerkschaften, um die guten Schäfchen dem Klassenkampf zu ent- ziehen. Mit„Herz-Jesu-Vercinen", mit frommen Traktätchen und Bibelsprüchen glaubte man die moderne EntWickelung, die mit un- crbittlicher Logik vorwärtsschreitet, aushalten zu können. Die Herren und Damen aus dem christlichen Lager, die sich früher wenig um das Elend der arbeitenden Schichten kümmerten, hüllen sich jetzt in eine Wolke von Arbeiterfreundlichkeit. Die Frauen, von der„einfachen" Frau T. U. bis zur hochwohlgeborenen Frau Gräfin von und zu Soundso zeigen eine rührende Fürsorge für die Arbeiterinnen und mit emsigem Fleiß gründen sie Bereine, in denen statt Kampfeslust und Klassenbewußtsein, Religiosität und widerlicher Byzantinismus gepflegt wird. So hielt in diesem Monat der„Verband katholischer Vereine erwerbstätiger Frauen und Mädchen" im. katholischen Vereinshause in Berlin feinen vierten Verbandstag ab. Dem Geschäftsbericht nach ist die Zahl der Vereine auf 162 mit angeblich 22 600 Mitgliedern gestiegen. Ein Telegramm an Ihre Majestät die Kaiserin,-das die„ehr- furchtsvolle Huldigung" der Frauen und Mädchen ausspricht und „Ihrer Majestät landesmütterliches Wohlwollen" erbittet, ein zweites an den hochwürdigsten Herrn Fürstbischof Kardinal Kopp. Breslau(Jesus wurde von seinen Jüngern schlicht Meister ge- nannt) und ein drittes an den Papst, in dem die Versammelten „Seiner Heiligkeit kindlichen Gehorsam" versprechen und die „Gnade des Himmels" erbitten, gaben dem Verbandstag sein Ge- präge. Hervorgehoben wurde, daß die Beschränkungen des neuen Vereinsgesetzes für die Jugendlichen, keine Anwendung für ihre Vereine finden, da sie nicht„politisch" seien. Das verhindert na- türlich nicht, daß die Sozialdemokratie, besonders zu Wahlzeiten, darin bekämpft wird. Die Forderungen betreffs Gesetzentwurf über Arbeitskammern. Gewerbeordnungsnovelle, sowie Heimarbeit, sind fast nur ein Abklatsch der von uns schon jahrzehntelang ver- tretenen Forderungen. Daß aber die Heimarbeiterschaft von feiten der Kommunen durch Zuführung von elektrischer Kraft unterstützt und den Heimarbeitern(gegen die gänzliche Beseitigung der Heim- arbeit wandte sich die Referentin) durch„die Erziehung des kaufenden Publikums zur Konsumentenmoral" geholfen werden soll, zeigt, mit welchen Augen die guten Leutchen die Wirtschaft- lichen Vorgänge betrachten. Daß zum Jubiläum des Papstes eine Sammlung veranstaltet und die Summe dem„heiligen Vater" durch eine eigene Deputation überreicht wird, ist bezeichnend für die Tätigkeit dieser.Arbeitervereine". Genossinnen! Der Allgemeine Wahlverein, der schon 5000 Mitglieder zählt, hat noch folgende Annahmestellen für Neuaufnahmen und Beiträge eingerichtet: Im 8. KreiS: Frau Knappe, Kottbuser Ufer 60. Frau Schröder, Nitterstr. 66. Frau Marquardt. Melchiorstr. 17. Frau ElSholz, Llexanderstr. 62. Frau Torgier, Neueuburgerftr. 18». Im 6. K relS(Rosenthaler Vorstadt und Gesund« brunnen): Frau Donner, Ramlerstr. 10, Hof IV. Frau Fieber; Putbuser Straße 15, Ouerg. I. Frau Gerth, Swinemünder Straße 60, Hof III. Frau Lonschiuski, Hussitcustc. 20, Hof I. Frau Dumm, Brunnenstr. 146, voru IH. Frau Schmidt, Koloniestt. 42, vorn Hl. Frau Malow, Koloniesir. 26, L Frau Fruböse, Soldiner Straße 6ö, Hof II. Frau Stechcrt, Kolonieslr. 31, Ouerg. II. Frau Bollmann» Stetliner Straße 12, Seitenfl. I. Frau Malschke, Wolgaster Straße 8, vorn I. Der Vorstand. Versammlungen— Veranstaltungen. Mariendorf. Mittwoch, den 17. Juni 8'/, Uhr, in Marienselde bei Oberi'chinidt, Berliner Straße: Vortrag. Herr Emil Unger. Reinickendorf. Miltwocki, den 17. d. M., Versammlung bei Hoff- mann, See- und Aegiersttaßen-Ecke: Vortrag. Pankow. Donnerstag, den 13. Juni, 8Vz Uhr, bei Großkurt, Berliner Straße 27: Vorttag.„Einiges von Fritz Reuter". Genosse. Regler._ Öericbte- Zeitung. Hochstapler-Prozeß. Vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Hl begann gestern ein umfangreicher Prozeß gegen den Reichsgrafen Johann Emanuel Maria zu Arxund Vasegg und die Försterssrau Alwine Leivandowski, welche wegen zahlreicher Be- trügereien. Kreditschwindeleien und Hochstapeleien angeklagt sind. Der Eröffnungsbeichlutz wirft beiden Angeklagten vor, in einer großen Reihe von Fällen bedeutende Schwindeleien begangen zu haben, indem sie, teils gemeinschaftlich, teils jeder für sich, auf Wechsel und durch allerlei Vor- spiegelungen bezüglich der bevorstehenden reichen Heirat de? Grafen Vasegg sich riesige Summen zu verschaffen wußten. So soll sich der Gras vielfach unter Bestätigung der Frau Lewandowski seiner Ver« bindungen mit den höchsten.Kreisen in Wien gerühmt und auch aus« gesprengt haben, daß er Offizier sei, eine monatliche Apanage von 2400—3000 Gulden beziehe und nahe Beziehungen zum Kronprinzen und dem Prinzen Eitel Friedrich habe. Nach ausgedehnter Beweisausiiahme wurde um 5 Uhr die Ver« Handlung auf heute früh um 9 Uhr vertagt. Ueber den Ausgang des Prozesses werden wir berichten. 204 309 Mark Strafe. Der Mühlenbesitzer und Branntweinbrenner Mancher dl Schlier(Württemberg) hat seit 1902 nicht angemeldete Maische ver- wendet, die Brennblase vergrößern lassen und schließlich unter der Brennerei, im Keller versteckt, einen geheimen Maischbehälter an- gelegt, der durch äußerlich nicht sichtbare Röhren mit der Brenn- blase usw. in Verbindung stand. Die Steuerkontrolleure hatten schon längst Verdacht geschöpft, aber erst als dem Mancher angedroht wurde, daß ihm die Brennerei niedergerissen würde, gab er sein Geheimnis preis. Der im Laufe der Jahre hinterzogene Steuerbettag wird auf 60 000 M. berechnet. Die Sttaskammer tn Ravensburg(Württemberg) verurteilte den Mancher wegen der Steuerdeftaudatton zu der Geldstrafe von 204309 M., im Fall der Uneinbrmglichkett zu einJahrGefängniS, ferner wegen Ordnungswidrigkeiten im Betriebe zu 4 60 Mark bezw. 30 Tagen Gefängnis. Sodann wurde gegen ihn auf Ver- bot des Betriebe» des Brennereigewerbes, Ein- ziehung der geheim und unterirdisch angelegte» Maischbottiche, Pumpen und Röhren erkannt._ Der H.... nstuhl in der Kirche. Vor dem Schöffengericht m Rottenburg(Württemberg) fand letzter Tage eine Verhandlung statt, die einen Blick tun läßt in die«nttelalierlichen Zustände, wie st« von der Kirch« sorgsam kon- serviert werden. Der Pfarrer von Frommenhausen hatte sich vor den Schöffen wegen Beleidigung einer Jungfrau seiner Gemeinde zu verantworten. In der Frommenhausener Kirche wird nämlich ein Stuhl aufbewahrt, in dem diejenigen Mädchen Platz nehmen müssen, die ledig ein Kind geboren haben. An einem Sonntag donnerte der Pfarrer von der Kanzel herab, ein Mädchen, das in den H.. renstuhl gehöre, habe sich unter die Jungfrauen gemischt. Die Jungfrauen wurden Puter- rot, die Burschen kicherten, aber niemand wußte, wer jene« Mädchen wohl sei. Ein paar Tage darauf ließ der gestrenge Herr Pfarrer ein Mädchen zu sich in« Pfarrhaus kommen und herrschte sie an: „Du. Maria, Du hast doch eine Frühgeburt gehabt I Warum gehst Du nicht in die Bank, wo Du hin- gehörst?" DnS Mädchen beteuerte hoch und heilig seine Unschuld, der Herr Pfarrer wollte eS aber besser wissen. Die Eltern deS Mädchen» ließen die Beschuldigte beim Medizinalrat Schees in Rottenburg untersuchen, der Arzt bezeugte, daß die Behauptung de» Pfarrer» total unwahr sei. Die Folge war die Klage de» Mädchen» gegen den OrtSgeist lichen. Vor Gericht Jtom ein Vergleich zustande. Hochwllrden lefftet« Abbitte und ubernahm sämtliche Kosten de» Verfahrens. Der Ver- gleich wird 14 Tage lang auf dem Rathaus in Frommenhausen ausgehängt. So endete die SittlichkettSaktion Er. Hochwürden zu Frommenhausen._ Letzte JVacbricbten und Depefcbea Schwere Unfälle bei der Arbeit. Essen, 15. Juni.(B. H.) In der Kruppschen Fabrik stürzte eine Panzerplatte auf zwsi Arbeiter. Beide wurden hoffnungslos verletzt. München, 16. Juni.(B. H.) Ein schwerer Unfall ereignete sich heute vormittag um 8/4ll Uhr in der Akademie der bildenden Künste. Ein junger Mann der Steinbildhauer- klaffe namens Wagner war mit dem Meißeln eines Akte» beschäftigt und suchte dabei den Stein auf die Seite zu ziehen. Der Stein aber geriet ins Rutschen und fiel dem jungen Schüler auf den Kopf. Mit einer schweren Schädelverletzung wurde der junge Mann in die Klinik gebracht._ Dockerstreik. Toulon, 15. Juni.(W. T. B.) Infolge von Lohnstteitig- keiten sind Dockarbeiter in den Ausstand getreten. Mehrere Schiffe sind dadurch an der Ausreise verhindert. Zwischenfälle haben sich nicht ereignet. Hundert Familie« brotlos! Aachen, 15. Juni.(93. H.) Die Nadelfabrik Vorhaaen n. Co. im benachbarten Haaren, die über 100 Arbetter be- schäftigt, ist niedergebrannt. Drei Tote um ein GlaS Bier! Dortmund, 15. Juni.(B. H.) Der hiesige Braucreifuhrmann Lippe brachte gestern abend für seine Brauerei Bier per Automobil nach auswärts. Spät nachts zurückkehrend verlangte er in einer Wirtschaft noch Getränke. Als ihm diese verweigert wurden, geriet er mit mehreren Gästen in Streit und schoß einen Fuhrmann und dessen Begleiter, einen Musketier, nieder. Bei dem Versuch, auf das Automobil zu springen und zu flüchten, entlud sich der letzte Schuß der Browningpistole und der Schuß drang dem Begleittr des Fuhrmann» in die Brust. Alle drei sind tödlich ver- l e tz t.__ Lerantw. Redakt.: Georg Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw.:TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag.- Vorwärts Luchdr. u. VerlagSanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. HierzuLLeilagen«.UnterhaltungSbl. St. 138. 25. L WIM te Jdtiüütts" Klllim lolMliitt. Dienstag, 16. Juni 1908. ein„woblmelnender Rat" eines fnnumisfifyrers. Gegen die Obermeister der beiden Bäcker- Innungen Berlins, Obermeister Schmidt von der„Concordia" und Obermeister Milleville von der„G e r m a n i wurde vor der b. Strafkammer des Landgerichts I Berlin am Montag der von uns bereits angekündigte Prozest in fast siebenstündiger Sitzung verhandelt. Die beiden Jnnungsführer hatten sich zu ver. antworten wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbe- ordnung sowie wegen Beleidigung. Der Bäcker st reik von 1öl>7 und der aus ihm hervorge- gangene Boykott gegen diejenigen Bäckermeister, die die Forde- rungen der Gesellen nicht bewilligten, war ihnen zum Verhängnis geworden. Damals faßten die Jnnungsvorstände den Beschluß, daß über die Meister, die bewilligt hatten, eine Hefesperre verhängt werden solle. Die Veröffentlichung dieses Beschlusies durch die Preßorgane der Innungen hat ihre beiden Obermeister auf die Anklagebank gebracht. In Flugblättern, die den Zeitungen.Concordia" und„Germania" beigelegt waren, sowie in einem Artikel der„Concordia" wurde nicht nur dem Wäckerverband niedrige und verleuinderische Kampfesweise vorge- warfen, sondern es wurden auch die nachgiebigen Meister als Verräter, charakterlose Wichte usw. b e z e l ch- n e t, und gleichzeitig wurde ihnen eine Hefesperre sowie die Entziehung des Kredits in Aussicht gestellt. Es hat lange gedauert, bis auf Anzeige des Bäckerverbandes sowie eines der sich beleidigt fühlenden Bäckermeister die Anklage zustande kam. Wiederholt, zuletzt in Nr. 137 des„Vorwärts", ist dargelegt worden, wie gegen Staatsanwalt und Oberstaatsanwalt, die keinen Grund zum Einschreiten sahen, erst das Kammergericht angerufen werden mußte, von dem dann die Erhebung der Anklage angeordnet wurde. In dem Prozeß vor der 5. Strafkammer trat als Nebenkläger der Bäckermeister Ober reicher auf. Sein Rechtsbeistand war Rechtsanwalt Heine- mann. Die Angeklagten wurden verteidigt durch die Rechts- anwälte Sandberg und Löwe. Staatsan w a l t F i e g e n vertrat die Anklage, den Vorsitz in der Verhandlung führte Landgerichtsrat Lewinson. Die Vernehmung der Angeklagten ergab, daß in Herrn Milleville nicht der Richtige auf die Anklagebank ge- raten war. Milleville war zur Zeit des Bäckerstrciks krank, be- teiligte sich nicht an den Maßregeln zur Abwehr des Boykotts und überließ auch die Sorge für seine Zeitung anderen Personen. So blieb nur Herr Schmidt übrig. Aber auch der lehnte die Verantwortung größtenteils ab. Er versicherte, das erste Flugblatt habe er nicht verfaßt, auch habe nicht e r angeordnet, daß es seiner Zeitung beigelegt würde. Das zweite Flugblatt sei in seinem ersten Teile von ih mverfaßt worden, doch sei just der- jenige Abschnitt, der von der Hefespcrre handelte, von einer an- deren Person ohne sein Wissen nachträglich hinzugefügt worden. Auch hier habe nicht er angeordnet, daß dieses Flugblatt durch seine Zeitung verbreitet würde. Wenn er in seiner Vernehmung vor der Polizei fiir beide Flugblätter die Verfasserschaft anerkannt und die volle Verantwortung übernommen habe, so sei das ein — Irrtum von ihm gewesen. Schmidt suchte glaubhaft zu machen, daß in dem ganzen Ärcit von kW? die Jnnungs- mcister die Angegriffenen und unschuldig Ver- folgten gewesen seien, die„der Herr Hetzschold�vom Bäckervcrband" drangsaliert habe. Als der neue Streik ausbrach, sei nur durch den Terrorismus der Gesellen ein„kleiner Teil" der Mcister gezwungen worden, die Forderungen zu bewilli- gen. Durch die Plakate, die in den Schaufenstern der nachgiebigen Meister ausgehängt wurden, seien die anderen Meister geschädigt worden, durch diese Maßregel erst habe der Boykott seine rechte Wirkung erlangt. Hiergegen habe man sich wehren müssen. Die Hefesperre sei allerdings beschlossen worden, doch habe es sich hierbei nur um eine„leere D r o h u n g" gehandelt. Man habe von vornherein gewußt, daß der Beschluß„undurchführbar sei und auch nicht auf gesetzlicher Basis beruhe". Die Veröfsent- lichung sei von ihm nur in der gemeinsamen Sitzung der Jnnungs- vorstände als empfehlenswert bezeichnet worden, sie sei aber lediglich auf die Jnnungsmitglieder berechnet gewesen, denen ein wohlmeinender Rat gegeben werden sollte, ein Hinweis auf„das, was ihnen bevorstehen könnte". Di« Beweiserhebung sollte beginnen mit der Vernehmung des Magistratsrats von Schulz, des Vorsitzenden vom Gewerbe- gericht Berlin. Herr von Schulz hätte bekunden können, mit welcher Hartnäckigkeit die Meister der Bäckerinnungen in ihrem kleines feuitteton. Defizit-Patriotismus. Der Wiener F e st z u g, den die Geschäftsleute in bar und i» Knopflöchern dem österreichischen Kaiser aufnöligten, hat außer den üblichen Ohnmächten und Verletzungen — süß ist's, fürs Vaterland zu sterben I— ein sehr respektables Defizit ergeben. Der Fremdenzustrom war nicht im erwarteten Maße ausgefallen, und die Heimische» scheinen auch in Baisse- gefühlcn gemacht zu haben. Aber die Maskenverleiher und die Tribünen- und sonstigen Festlieferanten wollen ihr Geld. Aller Patriotismus ist nichts, wenn er nichts einbringt. Und die übriggebliebenen Backhändl ersetzt so niemand. Es war alles in allem kein besonderes Geschäft. Da zahlt keiner gern auch noch extra drauf. Die Komiteeterer, schreibt die„Arbeiterzeitung", sitzen gedankenvoll im Beratungsstübchen und sinnen nach. Zum Glück versichern alle Zeitungen, daß Oesterreichs erste Adelsfamilien mit Freuden an dem patriotischen Werke mitgeian. Hassent- lich wird sich der verehrliche Adel auch jetzt noch beteiligen, wo das Programm der Komiteeterer auf den schlichten Satz zusammen- geschrumpft ist:„Zahlts, Krowoten l" Als verkleideter Starhem- berg, als falscher Radetzky, als historischer Laudon Helden mimen, das paßt den Enkeln. Möge sie die Heldenpose auch jetzt angesichts des Drachens Defizit nicht verlassen I Zum Schaden haben die Arrangeure noch den wohlverdienten Hohn. Wird ihnen doch geraten, sich mit den unbezahlten Rechnungen an den Kaiser zu wenden. DaS wäre in der Tat die ? gründlichste Satire auf diese ekelhafte, aufdringliche und künstlich abrizierte Festmeierei, daran es uns ja in Preußen nicht fehlt. wenn die Geehrten auch die zahlenden Opfer dieses patriotischen Sports würden. Die ZukuaftSschlacht in den Lüften. Zu der Reihe phantastischer Zukunftsdeuter, die in den letzten Jahren die Welt mit Büchern be- schenkt haben, in denen das Schreckgespenst eines kommenden Welt« krieges nnt allen Farben des Grausens ausgemalt wird, gesellt sich jetzt der Engländer Wells, der im letzten Hefte des„Poll Mall Magazine" eine abenteuerliche Schilderung der ersten Schlacht in den Lüften verössentlicht. Deutschland hat unerwartet den Ver- einigten Staaten den Krieg erklärt und die ganze deutsche Flotte von 18 Schlachtschiffen mit einem Heer von Kohlendanipfern und von großen Handelsschiffen, die zur Unterstützung der Operationeil der Lustflotte dienen sollen, kreuzt die Enge von Dover am Pfingstmontag und steuert hinaus in den Atlantischen Ozean, der amerikanischen Flotte entgegen. Die verfügbare Seemacht der Ameri- kaner im Atlantischen Ozean besteht nur ans vier Schlachtschiffen und fünf geschützten Kreuzern. Die Flotten stoßen bereits vor dem Bekanntwerden der Kriegserklärung aufeinander. Die Mehrzahl der Streit mit den Gesellen eine Vermittelung des Ge- Werbegerichts zu verhüten gesucht haben. Angeblich wollen sie von dem Einigungsamt nur deshalb nichts mehr hören, weil Herr von Schulz in der Frage der Backstubenschmutzereien Partei gegen sie ergriffen habe. Diesmal blieb ihnen eine Aus- sage des Herrn von Schulz erspart. Dieser erklärte nämlich, er müsse erst die Genehmigung des Oberbürgermeisters einholen; es wurde dann auf seine Vernehmung verzichtet. Verlesen wurden dann auf Antrag der Verteidigung eine Reihe von Kundgebungen des Bäckerverbandes, die in Flugblättern oder durch das Verbandsorgan bezw. durch den„Vorwärts" veröffentlicht worden waren. Es sollte hierdurch der Nachweis geführt werden, daß die Innungen sich im Zustande der Notwehr gegen- über dem Verband befanden, der es darauf angelegt habe, die nicht gefügigen Meister zu ruinieren. Von Schmidt und seinen Verteidigern wurde behauptet, die Jnnungskundgebungen hätten sich gerichtet nicht ge�jen die Bewilligung höherer Löhne— über diese sei man in den Innungen sogar„sehr er- freut" gewesen—, sondern nur gegen den unlauteren Wettbewerb, der von den nachgiebigen Meistern mit den Plakaten getrieben worden sei. Der Herr Obermeister hatte, wie man sieht, richtig erkannt, auf welche Weise er sich heraus- winden konnte aus den Schlingen des§ 153, durch den mit Strafe bedroht wird, wer durch Drohungen, Ehrverletzungen usw. andere bestimmen will, an Verabredungen zur Erlangung günsti- gerer Lohn- und Arbeitsbedingungen teilzunehmen oder von solchen Verabredungen zurückzutreten. Die Notlage, in die die.treu gebliebenen" Jnnungsmeister durch den„sozialdemokratischen Bäckerverband" versetzt worden seien, wurde in noch grelleren Farben geschildert durch den Alt- meister Müller von der Innung„Gennania", der im Streit nnt den Gesellen.die rechte Hand" des Herrn Schmidt ge- wesen ist. Auf eine Frage des Rechtsanwalts Hcinemann, ob ihm denn nicht bekannt sei, daß auch den Jnnungs- meistern die Gewerbeordnung das Recht gab, jeden Augen- blick von ihren Vereinbarungen zurückzutreten, erwiderte Herr Müller, Jnnungsbeschlüsse feien dazu da, gehalten zu werden. Der Zeuge bestätigte übrigens, daß Schmidt nur für Abfassung des zweiten Flugblattes teilweise verantwortlich sei und die Verbreitung der Flugblätter nicht angeordnet habe. Dasselbe wurde später von Herrn Boß, dem Redakteur des Blattes der Innung.Germania", bekundet. ES folgte die Vernehmung des GewerkschastSangestellten H e tz s ch o l d, der eine instruktive Darstellung der Streitigkeiten im Bäckereigewerbe aus den Jahren 1900 bis 1907 gab. Hetzschold zeigte, wie die Jnnungsmeister eS geflissentlich dahin getrieben haben, daß es 1907 wieder zum„Krach" kommen mußte, wie sie die Abmachungen mit den Gehilfen nicht hielten, auch nicht die bezüglich des Arbeitsnachweises, wie sie die Organi- sation der Gelben zu stärken suchten, uni mit ihrer Hilfe den Kampf gegen den Bäckerverband wagen zu können. Der Zeuge schilderte auch die Not und Bedrängnis, in die die Hefesperre die damit bedrohten Meister versetzen mußte. Kurz, aber nicht uninteressant war die Aussage des Zeugen Florian. Vorsitzenden des Aufsichtsrats vom Hefcfyndikat. Herr Florian bekundete, daß die Hefefabrikanten an die Hefesperre eigentlich nicht herangewollt hatten, und daß er sich sehr gewundert habe, als er hinterher sehen mußte, wie sein Name ohne seine Zustimmung unter einen Beschluß gesetzt worden war. Als Zeuge wurde schließlich auch noch der Nebenkläger Bäcker- meister Oberreicher vernommen. Er gab die Erklärung ab, durch jene Flugblätter der Bäckerinnungen habe jeder Meister sich beleidigt fühlen müssen, der bewilligt hatte; viele Meister hätten diese Enlpfindnng mit ihm geteilt. Oberreicher zog übrigens schließlich durch seinen NechtSbetstand den Strafantrag wegen Be- leidigung zurück. Nach Schluß der Beweisaufnahme wurde vom Staats- anwalt Fiegen bezüglich M i l l e v i l l e S die Frei- s p r e ch u n g beantragt. Bezüglich des Angeklagten Schmidt wurde die Anklage aus I 153 aufrecht erhalten in dein Umfange, in dem er selber sich als verantwortlich bekannt hatte. Zu berücksichtigen sei aber die Erbitterung jenes Kampfes. Schmidt sei gereizt worden, das müsse ihm als mildernder Umstand ebenso angerechnet werden, wie auch einem Streikposten vor Gericht schon das— so meinte der Herr Staats anwalt— zugute komnien würde, daß ein Arbeitswilliger ihn z. B. durch ein höhnisches Lachen gereizt habe. Erkannt iverden könne nur auf Gefängnisstrafe, doch sei die g e r i n g st zulässige Strafe von einem Tag Gefängnis als ausreichend an« zusehen. Rechtsanwalt H e i n e m a n n, der für den Nebenkläger auch nach Zurückziehung des Strafantrages wegen Beleidigung noch als Ver- treter zugelassen werden mußte, weil aus z 153 der Gewerbeordnung ja auch Vermögensrechte des Nebenklägers in Frage kamen, gab die Erklärung ab, dem Nebenkläger sei die Höhe der Strafe gleichgültig. Er wolle nur, daß der K 153 nicht nur gegen Arbeitnehmer, sondern auch mal gegen Arbeitgeber angewendet werde, und daß der Akt des Terrorismus, als den man jenen Beschluß der Hefesperre zweifellos anzusehen habe, gesühnt werde. Heinemann hob auch hervor, daß von den Jnnungsfllhrern in viel austeizenderem Tone gekämpft worden ist als von den Gehilfen. Die Verteidiger, Rechtsanwälte Löwe und Sandberg, forderten Freisprechung auch des Angeklagten Schmidt. Dieser habe im Kampf der Innungen gegen den Bäckerverband und gegen die hinter ihm stehende sozialdemokratische Bevölkerung Berlins nur einen Akt der Notwehr begangen. Nicht um eine Drohung handele es sich, sondern nur um eine Warnung an die gefügigen Meister, um einen wohlmeinenden Rat. Schmidt selber, der schließlich noch zu seiner Verteidigung das Wort ergriff, äußerte sich in demselben Sinne. Das Gericht zog sich zur Beratung zurück, doch wurde gestern noch nicht das Urteil gesprochen. Verkündigung des Urteils soll erfolgen am nächsten Montag um 12 Uhr. Versammlungen. amerikanischen Schlachtschiffe befindet sich im Stillen Ozean und die wenigen Kampfeinheiten, die den Uankees an der Ostküste zur Verfügung stehen, werden sofort ausgcsandt, um die deutsche Invasion wenigstens auf kurze Zeit aufzuhalten, bis Panama und New Uork sich ,n den Verteidigungszustand gesetzt haben. Von der Höhe eines Luftschiffes, das 6000 oder 7000 Fuß hoch überm Meeresspiegel schwebt, verfolgt der erfindungsreiche Schriftsteller die Seeschlacht. AIS fiir die Luftflotte der geeignete Augenblick da ist, um in die Schlacht der Seeschiffe einzugreifen, senkt sich das Flagge schiff der deutschen Luftflotte langsam hernieder; in ansehn sicher Höhe, aber fast unmittelbar senkrecht über der amerikanischen Schlachtordnung, stockt die Bewegung des Sinkens und das Luftschiff hält nun mit der Geschivindig keit der Amerikaner gleichen Schritt. Die Amerikaner sind dem Angriff aus den Lüften gegenüber so gut wie wehrlos; sie be- sitzen keine Mittel, um diesem furchtbaren Feind zu schaden. Nur ein Mann von der Besatzung des Flaggschiffs der deutschen Luft flotte wird durch einen Gewehrschuß getötet. Das ist der einzige Verlust. Und nun beginnt der Angriff. Von dem Luftschiff löst sich eine Anzahl„Drachenflieger" los, kleine flinkgehende A ö r o- plane mit breiten, flachen Schwingen und einem großen vier- eckigen, kostenartigen Vorderteil, die je von einem Mann gesteuert werden. Sie schweben hernieder wie ein Schwärm Vögel und be- streuen die Schiffe in der Tiefe mit Bomben von außer- ordentlicher ExpIosionSIrast. Nach diesem einleitenden An- riff der Drachenflieger übernimmt es ein Dutzend Luft- chiffe, in einer Höhe von 2000 Fuß die Amerikaner zu verfolgen. Sie überholen die Schlachtflotte, senken sich etwas und überhäufen nun das schwachgeschützte Verdeck der Panzer mit Bomben, bis alles in einem Meer von Feuer, Ranch, giftigen Gasen und umher- splitternden Eisenteilen versinkt. Die amerikanische Flotte ist zerstört und nun nehmen die Lustschiffe geradewegs Kurs auf New Uork. „So war Bert Smallwahs(der Held der Erzählung) Zeuge der ersten Schlacht in den Lüften und zugleich der letzten Schlacht jener seit- samcn Erzeugnisse der Kriegsgeschichte: jener stahlgepanzertcn eisenbeladenen Schlachtschiffe, deren Geschichte begann mit jenen schwimmenden Batterien, die_ Napoleon DL zuerst im Krinrkrieg anwandte und die viele Jahrzehnte, siebzig Jahre lang von der Menschheit mit einen, gewaltige» Auf« wand von Kraft und Opfer entwickelt und erhalten wurde. In diesem Zeittamn hat die Welt mehr als 12500 dieser seltsamen lln- geheuer hervorgebracht in Formen und Typen, von denen jede den Lorgänger übertraf und zede ein furchtbareres, tödlicheres Zer- törungsmittel war. Nur fünf von hundert dieser großen Zahl kamen je dazu, im Kampfe sich zu erproben. Einige sanken, die anderen scheiterten, andere explodierten, andere stießen durch Zufall zusammen und gingen unter... All dem aber machten nun die kleinen Dinger aus Korbgeflecht und Gas ein Ende, die aus den Lüften herrnedergehen und alles vernichten..." Eine guthesuchte allgemeine Versammlung der Rohrleger und Helfer Berlins und Umgegend, einberufen vom Deutschen Metallarbeiterverband, tagte am Sonntag in den „Andreas-Festsälen". Ein Vortrag des Genossen Rechtsanwalts Dr. Heinemann über die ßß 152 und 153 der Gewerbeordnung, der sehr instruktiv das fragliche Rechtsgebiet und verwandte Fragen behandelte, fand lebhaften Beifall. Die demnächst stattfindende, vom Hauptvorstand des Deutschen Metallarbeiterverbandes einberufene Berufskonferenz der Heizungsmonteure und Helfer Deutschlands be- traf der nächste Punkt der Tagesordnung. Handle legte die Be- deutung der Konferenz dar und empfahl namens der Agitations- kommission eine Resolution, in der die Forderungen niedergelegt sind und der Metallarbeiterverband als einzig berechtigter Berttag- schließender für die Rohrleger und Helfer legitimiert wird. Nach lebhafter Debatte wurde die Resolution gegen vier Stimmen angenommen. Als Delegierte zur Berufskonferenz wurden Eckert. Hein und Schweineberg gewählt. Zur Berliner Tariffrage nahm Handle als Bericht- erstatter der Kommission das Wort und führte auS: Gemäß der Stellungnahme der letzten Mitgliederversammlung zur Kündigung des Tarifs durch die Arbeitgeber habe man diesen den Empfang der Kündigung bestätigt und sie ersucht, mitzuteilen, wann die im§ 30 des bestehenden Tarifs vorgeschriebenen Verhandlungen der Schlichtungslommission zur Ausarbeitung einer neuen Tarifvorlage stattfänden. Darauf habe Vetter für die Arbeitgeberorganisation folgendes geantwortet:„Teile mit, daß der Lohntarif nach 2>!einung des Arbeitgeberverbandes für den Fall der Erneuerung der Aenderungen bedarf. Eine Komniission wird die Ausarbeitung besorgen und wird sie Ihnen nach Feftstellung vom Vorstand des Arbeitgeberverbandes mitgeteilt werden." Recht sonderbar sei diese Antwort. Im bestehenden Tarif heiße es, daß im Falle der Kiindi- gung die Schlichtungskommission zur Beratung einer neuen Tarif- Vorlage zusammenzutreten habe, und die Unternehmer sprächen von „notwendigen Aenderungen" und wollten einseitig darüber in„einer Kommission" beraten und das Resultat mitteilen. Es sei ganz offenbar, daß die Unternehmer abwarten wollten, welche Organi- sation ihnen die besten Vergünstigungen bieten werde; ob die andere, die sich mit den Christlichen verbündet habe, oder der Deutsche Metallarbeiterverband. Die Unternehmer nähmen Rücksicht darauf, daß der Allgemeine Verband(Wiesenthal) und die christlichen eine Tarifvorlage ausarbeiteten und ihnen einen Akkordtarif auf dein Präsentierteller entgegenbringen wollten. Die Arbeitgeber schienen des für sie schädlichen Glaubens zu sein, jene Richtung hätte die Mehrheit der Berliner Rohrleger und Helfer hinter sich. Da täuschten sie sich aber gewalttg, wie die Zahlen und der Besuch der letzten imposanten Mitgliederversammlung der Rohrleger und Helfer des Deutschen Mctallarbeiterverbandes bewiesen. Es sei an die Unternehmer ein Antwortschreiben abgegangen, worin man ihnen auseinandersetze, daß ihre Zusendung nicht die er- wartete wäre und daß die Schlichtungskommission gemäß§ 30 zu- sammenzuberufen sei, worin Arbeitgeber und Arbeitnehmer säßen. Ferner habe man nachdrücklich die Feststellung einer Vor- läge durch eine einseittge Kommission der Arbeitgeber für unzu- lässig erklärt, die Hinzuziehung zu den Verhandlungen in Notizen. — Ein neues Werk Max Klingers, die Überlebens- große Bronzefigur eines Athleten in knieender Stellung ist im Ober- lichtsaale des Leipziger Klinst Vereins ausgestellt worden. Die schön gearbeitete lebendige Figur ist vor allem ihrer Stellung wegen interessant. Die Gestalt hält sich kniend, das Gesicht ist nach oben gerichtet, die rechte Hand greift bei ausgestrecktem Arm nach oben, die linke Hand hält sich in Brusthöhe wie zum Greisen bereit. In der Berliner S e z e s f i o n ist jetzt auch Klingers Wagner- büste zu sehen.- — Goethe fürs Volk. Die Goethe-Gesellschast, die jähr- sich um Pfingsten in Weimar zu tagen pflegt, beschloß diesmal, einen sechsbändigen Volks-Goethe herauszugeben.(Es ist nur gut, daß das Volk bisher ohne diese Zunft philologischer Goethe-Sektterer ausgekommen ist.) — Das Lauchstädter Theater, in dem zu Goethes Zeiten die Weimarsche Truppe Soinmergastspiele für die Badegast» gab— Lauchstädt war damals ein Bad von Ruf— ist renoviert und mit einer Vorstellung von Goethes„Iphigenie" wieder eröffnet worden. Der Bau hat auch dadurch ein gewisses Interesse, daß eS kein Logen-, sondern im wesentlichen ein Parkcttheater ist. _— Gaston Boissier, der Nestor der französischen Historiker, ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Er hat eine lange Reihe von Werken veröffentlicht, die zun, eist die römische Geschichte und Kultur von der Spätzeit der Republik an behandeln. Seine unter dem Titel„Archäologische Spaziergänge" gesammelten Essays können als Muster einer anziehenden Behandlung wissenschaftlicher Probleme bezeichnet werden. Das letzte Werk Boissiers war eine vor drei Jahren herausgegebene Geschichte der Verschwörung des Catilina, in der die konservative Gesinnung des Verfassers über die Hauptzüge des Bildes entschied. — Jules Verne soll in Amiens ein Denkmal erhalten. — Wie lange lebte der vorgeschichtliche Mensch? Mit der Frage, ob Menschen vom TypuS des Neanderthalers und einer Verwandten bis in die geschichtliche Zeit ausgedauert haben, beschäftigt sich, wie der„Globus" berichtet, ein polnischer Anthropologe K. Stolyhwo. In einem Kurgan bei Nolvosiolka im Gouverne- ment Kiew ist nämlich ein Schädel gefunden worden, der in her- vorragender Weise jenen von Neanderthal, Spy usw. gleicht, die als Homo prirnigsmus und Vorläufer deS Homo sapiens betrachtet werden. Ueber das Alter des Skeletts von Nolvosiolka kann man nicht im Zweifel sein, da die Beigaben, eiserne Waffen, Schuppenpanzer usw., auf die Völkerwanderungszeit deuten. Stolyhwo hat nun diesen Schädel genau anthropologisch untersucht und glaubt nun feststellen zu könne», daß noch bis in die geschicht- liche Zeit Menschen mit Schädelformen existierten, die jenen des Homo primigenius gleichen. Tarifbewegung der Dachdeckerhilfsarbeiter. der Schlichtungskommission verlangt und nochmals um Mit- betonte eingangs seiner Ausführungen, 6on einem streng wissenteilung ersucht, wann die Schlichtungskommission zusammen schaftlichen Vortrag unter Zugrundelegung des üblichen Antrete. Borläufig wäre eine abwartende Stellung einzunehmen. schauungsmaterials absehen und mehr aus seinen persönlichen und Man wolle doch mal sehen, wie weit die Unternehmer gingen. Wenn praktischen Erfahrungen in dieser Frage als Arzt plaudern zu es zum Kampf tommen sollte, werde man seinen Mann stehen. Jetzt wollen. Der Vorteil einer abftinenten Lebensweise werde nicht nur handele es sich darum, bis dahin die Agitations- und Organisations- vom Laienelement nicht genügend gewürdigt, auch in seinen eigenen arbeit fräftig weiter zu vollziehen.( Lebhafter Beifall.) Es ent- Kollegenkreisen bestände noch eine große Gleichgültigkeit gegenüber spann sich eine Diskussion, in der verschiedene Wünsche über die Art der Alkoholfrage. Redner bespricht die Schäden, die der Alkoholder Agitation laut wurden. In der Hauptsache sprachen sich die genuß im Gefolge hat und erklärt, daß nur die Gedankenlosigkeit, meisten Redner im Sinne Handles aus. Ein Beschluß wurde hierzu mit der die geistigen Getränke von allen Nichtabstinenten genossen nicht gefaßt. werden, Schuld daran trüge, wenn die Abstinenzbewegung nicht schneller um fich greife. Aber auch vor den sogenannten alkoholfreien" Getränken müsse er als Arzt warnen. Erstens seien diese unverhältnismäßig teuer, andererseits enthielten sie gesundheitsgefährliche Stoffe, fo, daß sie eigentlich schlimmer wirften, als ein gutes Glas Bier. So enthalte z. B. die bekannte Bilbrause ein gefährliches Nierengift. Am besten sei Selterwasser oder einfaches Leitungswasser. Auch Zitronenwasser fönne er empfehlen. Sportliche und wissenschaftliche Betätigung vertrügen feinen Alkoholgenuß und wären gute Bundesgenossen gegen den Alkoholfeind. Nur in einigen Fällen müsse er als Arzt Alkohol anwenden. Einem Gewohnheitsfäufer fönne ohne jede gesundheit liche Schädigung der Altohol fofort entzogen werden. Alle Seilanstalten müßten alkoholfrei sein. Bei einer abstinenten Lebensweise nehme die Schweißabsonderung ab, man könne die Size viel besser ertragen. Wolle das Deutsche Reich erfolgreich Kolonialpolitit betreiben, so müsse es vor allem den Alkohol aus den Kolonien berbannen. Die Sektion der Dachdeckerhilfsarbeiter des Bauarbeiterverbandes hielt am Sonntag im Gewerkschaftshaus eine Mitgliederversammlung ab, um zur Lohnbewegung Stellung zu nehmen. Da der feinerzeit mit den einzelnen Firmen abgeschlossene Tarif am 1. Juli dieses Jahres abläuft, Forderungen auf Lohnerhöhung, so notwendig fie auch erscheinen, bei der schlechten Geschäftslage auf große Schwierig teiten stoßen würden, kommt es vor allem darauf an, den alten Tarif durch Vertrag von Organisation zu Organisation von neuem algemein festzulegen. Die Dachdecker, die selbst nach ihrem bis 1912 geltenden Tarif am 1. Juli 1908 eine Lohnerhöhung erhalten, haben fich bereit erklärt, mit dafür zu sorgen, daß den Hilfsarbeitern wenigstens der alte Grundlohn von 55 Bf. famt den höheren Löhnen bon 60, 62% und 65 Pf. für Spezialarbeiten gesichert bleibt. Wie der Referent Gräbert mitteilte, haben zwischen den Vertretern der beteiligten Arbeitnehmerorganisationen bereits Beratungen über ein gemeinsames Vorgehen stattgefunden und die Forderung auf Erhaltung der alten Lohn- und Arbeitsbedingungen ist dem Unternehmerberbande auch schon zugestellt worden. Der Asphalteurberband hat sich aus unbekannt gebliebenen Gründen nicht an dem Vorgehen beteiligt. In der Diskussion wurde betont, daß die Unternehmer eigentlich selbst ein großes Interesse am Abschluß eines allgemeinen Tarif bertrages haben müßten, um auf diese Weise die gegenseitige Konfurrenz wenigstens einigermaßen einzuschränken. Einige Firmen find darauf berfallen, blutjunge Leute, die meist nur als Gelegenheitsarbeiter tätig sind, als Lohnbrüder zu gebrauchen, haben aber davon weit mehr Schaden als Nugen. Die Bersammlung erklärte sich einstimmig mit dem Vorgehen der Organisationsvertreter einverstanden. Ferner wurde eine Kom mission zur Ausarbeitung eines Attordtarifs für die Trägerarbeit bestimmt. " Die anschließende Diskussion ergab eine bolle Uebereinstimmung mit dem Referate. Kaufmännische Kranten und Sterbekaffe von 1885(.§. 71). Heute abend 9 Uhr bei Landré, Stralauer Straße 86/37. Vermischtes. Eingegangene Druckfchriften. Bon der Kommunalen Praris", die im Berlage der Buchhands rung Borwärts erscheint, find uns die Sefte 21 und 22 zugegangen. Die Artikel Schulbäder in sächsischen Volksschulen" sowie„ Badeanstalten in fleineren Gemeinden" dürften unseren in kleineren Gemeinden tätigen Genossen wünschenswerte Anregung geben. Abonnementspreis Die Kommunale Praxis" erscheint wöchentlich. 3 M. pro Duartal. " Aus Nr. 13 des Süddeutschen Postillon" ist erschienen. Das Titelbild Bietät" zeigt uns, wie Dichter geehrt werden. Jfenbiel Tell( Schlußbild) trifft im Falle Eulenburg etwas zu nieder und kommt deshalb nicht auf seine Rechnung. Eine Rastelbindergesellschaft leitet den Stimmenfang Der verirrte Professor( Vollbild). zur preußischen Landtagswahl. dem Texte ift hervorzuheben das Leitgedicht: Den preußischen Siegern. Preußische Schuldisziplin. Aus den Tagen vor dem Schandgeset. Stizze Don G. b. Vollmar. Noch einer!( Ged.) Im Bantheon( Ged.). was in der Welt vorgeht. Stoßgebet( Ged.). Der Tellschuß( Ged.). Gloffen und noch vieles andere. Preis per Nummer 10 B. Bu be sieben durch alle Barteibuchhandlungen und Kolporteure sowie vom Verlag M. Ernst, München. Platen, Neue Heilmethode. Liefer. 7-10. 60 Lieferungen a 40 f. Berlag von Bong u. Co., Berlin W. 57. Deutsche Göttergeschichte. Der Jugend erzählt von E. Fal. Geb. 1,20 M. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. Ans dem Notizbuch eines Berliner Frauenarztes. Bon Roderich Beber. 183 Seiten. Berlag von N. Edstein Nachf., Berlin W. 57. 1. Heft der fünf Lieferungen. 75 Bf. Verlag von Kaden u. Co. in Dresden. Le Témoin, Paris. Böchentlich erscheinendes Bigblatt. 8. Jahr gang. Nr. 20-22. Preis der Nummer 20 Pf. Dresdener Galerieführer. Bon D. Schaldt. Briefkaften der Redaktion. Die furistische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter Sof, britter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl wochentäglich abends von 7 bis 9% Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr Sonnabende beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Babl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. 1 P. G. B. J. G. 40. 1. Das Geld ist Ihnen als dem Bertreter Ihrer Kinder aus Die Eisenbahnkatastrophe von Tremessen vor Gericht. Vor dem zuzahlen. Für diese ist es dann von Ihnen zu verwenden. 2. Nein, Sie Landgericht in Tremessen begann der Prozeß wegen des furchtbaren müssen aber das Geld getrennt halten. 3. und 4. Nein. R. 100. Nein. Eisenbahnunglüds, das in der Nacht vom 6. zum 7. Auguſt vorigen Ella 1879. Sie haben Anspruch auf Schadenersatz, müssen aber nach 5. B. 5. 1. Falls der Jahres insgesamt elf Opfer gefordert hatte. Die Einzelheiten der weisen, daß das Kleid in gutem Zustande war. Katastrophe find bekannt. Der D- Zug 52 Eydikuhnen- Thorn- Berlin, Bertrag nicht etwa zum Schein geschloffen iſt: nein. 2. Das Formular in der außerordentlich stark besetzt war, tam in der Unglücksnacht auf der nicht etwa im Statut dem entgegenstehende Vorschriften sich vorfinden sollten. vorher auszufüllen. J. P. 59. Das Verfahren entspräche dem Gefeß, falls geraden zweigleisigen Strede zwischen Tremessen und Gnesen etwa w. K., W. K. 44. Grundsäglich müssen wir die Empfehlung be 1 Kilometer von dem Haltepunkt Thalsee entfernt zur Entgleisung. stimmter Firmen ablehnen und auf den Adreßkalender verweisen. Das Gleis war an der Unglücksstelle einer Ausbesserung unter Leider fa: der Wirt ist im Recht. 3. 1. 500 M. 2. Sie haften mit. worfen, die Schienen waren freigelegt und konnten das Gewicht der 3. Die Klage würde bis zum Betrage von 500 M. durchbringen. schweren Wagen daher nicht tragen. Die beiden Lokomotiven, der M. 29. Leider wäre im Klagewege in Ihrem Falle nichts zu erzielen. Backwagen und vier Personenwagen entgleisten. Acht Reisende O. M. 99. Innerhalb eines Jahres tann Nüdforderung begehrt werden. 8wedmäßiger ist Weiterversicherung. Es genügt hierfür das waren sofort tot, zwei starben bald darauf, eine Frau später, so sleben von wenigstens 20 Marten innerhalb ie 2 Jahren. V. 2. Nein. Heims 23. 1. Ja. 2. Nein. 3. Die Stlage ist innerhalb 6 Monaten daß die Zahl der Opfer elf betrug. Es sind dreizehn Eisenbahnbeamte verschiedener Chargen angeklagt. Der Hauptangeflagte nach Kenntnis von dem Scheidungsgrund anzustellen. D. S. 15. Die ist der 34jährige Eisenbahndiätar Mar Bajohr. Ferner find an Saft wird nicht unterbrochen.-. 39. Leider stehen Ihnen weitere Angeklagt der Hilfsrottenführer Warniak, der Hilfsbahnmeister Braniecki, sprüche als die von Ihnen angegebenen gegen die Strankenkasse nicht zu. die Streckenarbeiter Sommerfeld und Herfig und die Lokomotivführer Versuchen Sie es mit einem Antrag auf. Invalidenrente. Braniecki, Bargel und Tiedemann werden beschuldigt, durch den Fall der Bedürftigkeit verspricht das Gesez vom Mai 1895 ben Bargel und Tiedemann. Die Angeklagten Bajohr, Warniat, Waffertorstr. Die Firma würde im Fall einer Klage nach der herr schenden Rechtspraxis obsiegen. Vernachlässigung ihrer Pflicht einen Eisenbahntransport ge- Beteranen eine Jahresbeihilfe von 120 M. fährdet zu haben mit dem Erfolg, daß Menschen getötet wurden. Die K. D. 500. Mit dem Anspruch würden Sie schwerlich durchdringen. Angeklagten Sommerfeld und Herfig werde weiter beschuldigt, in fahr- Sie würden nur das Recht haben, auf Rücknahme des Stoffers zu flagen. täffiger Weise an dem Oberbau der Strecke Bofen- Thorn durch Dänemark. Wenden Sie fich an das hiesige Auswärtige Amt. Die Austofferung und Lösung von Laschenbolzen sowie durch Nicht- Auskunft ist kostenlos. G. S. 100. 3m Adreßbuch Band II, Tell II, beachtung von Signalen eine Eisenbahnanlage so geschädigt zu einer Klage auf Ersaz würden Sie leider nicht durchbringen. Seite 220 finden Sie die gewünschten Adressen. G. K. 88. haben, daß ein Eisenbahnzug dadurch in Gefahr geriet. Sämtlichen Infulana der Firma sollte Sie zu größerer Borsicht veranlassen. außer acht gelassen zu haben, zu der sie durch ihr Amt besonders ver-| Kenntnis angeſtrengt sein. 2. Das ist möglich, die Beantwortung hängt Angeklagten wird noch zur Last gelegt, die nötige Aufmerksamkeit pflichtet waren. Eine weitere Nachtragsklage ist im Laufe der Unter- von den einzelnen Umständen ab.- Alter Abonnent. Wenden Sie sich fuchung noch gegen den Lokomotivführer Kriegel, die Schaffner Möge und persönlich an das Patentamt, Gitschinerstraße. Dort wird Ihnen gewissen Broschmann und die Hilfsbremser Polentta, Müller und Duhr er- hafter Raf erteilt. Die Anzahlungsgebühr beträgt 20 m. D- Buge die Unfallſtelle paſſierte, begleiteten und die Bel, be aber ergebniffe, her extention, wie viel durchschnittlich gezahlt wird. 8. Rein. hoben worden, die den erwähnten Güterzug, der kurz vor dem 1. und 2. Die Beiträge find verschieden, nach der Unfallhöhe und nach der Gefahr. Die alljährlichen Uebersichten über die Rechnungs Wahrnehmung- Berufsgenossenschaften laffen für die einzelnen Berufs. machten, daß die Ausbesserungsstelle nicht mehr sicher sei, die genossenschaften erkennen, Im Arbeiter- Abstinentenbund, Ortsgruppe Berlin, sprach trotzdem feine Signale gaben. Es find etwa 50 Beugen geladen,. 23. Der preußische Minister erhält 36 000 M. Gehalt und freie Dienst am Freitag Dr. med. Wegscheider über„ Arzt und Altohol". Redner fast alle Passagiere des verunglückten D- guges. wohnung. Die Sektion der Staker des Zentralverbandes der Maurer hielt am 14. Juni im Englischen Garten" ihre Mitgliederverfammlung ab. Die Lohnkommission gab den Bericht von den Verhandlungen mit den Arbeitgebern, die aber noch zu keinem abschließenden Resultat geführt haben. Ursprünglich hatte die Forderung auf 70 Pf. Stundenlohn bestanden, doch wurde diese von den Vertretern der Arbeitnehmer im Laufe der Berhand fungen auf 65 Pf. Heruntergesetzt. Die Arbeitgeber aber wollen über 60 Pf. nicht hinausgehen. Bezüglich der Affordpreise bestehen Differenzen von 1-2 Pf. Die Versammlung nahm eine Resolution entgegen, in der sie ihr Bedauern ausspricht, daß die Arbeitgeber dem Abschluß eines Tarifvertrages im Stakergewerbe so wenig Sympathie entgegenbringen. Die Bersammelten erklären sich damit einverstanden, daß die Lohnkommission noch einmal den Versuch unternimmt, einen Tarifabschluß auf friedlichem Wege herbeizuführen. Andernfalls verpflichten sie sich dafür einzutreten, daß die Forderungen bei geeigneter Zeit zur Durchführung gebracht zu gleicher Zeit tagten die Buzerträger in ihrem Lokal Schwedterstr. 23. Es lagen nur internere Angelegenheiten vor, nach deren Erledigung wurde ein Antrag, die Sonntagskassierung einzuführen, angenommen. Die Sektion der Rohrer beschloß ebenfalls die Einfurbe das Borgehen einzelner Unternehmer, besonders des Unterführung der Sonntagstaffierung. Unter Verbandsangelegenheiten nehmers Richard Arendt, scharf kritisiert. werden. Für den Inhalt der Juierate Schiller- Theater. übernimmt die Nedaktion dem Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater). Publikum gegenüber teinerlei Berantwortung. Theater. Dienstag, den 16. Juni. Anfang 7 Uhr. Königl. Opernhaus. Sannhäuser. ( Anfang 7 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Hamlet. Anfang 8 Uhr. Dentiches. Die Brettlgräfin. Rammerspiele. Tugendwächter. Unterseeboot. Lessing. Der Raub der Sabine rinnen. Nenes. Schöps. ( Morwik Oper.) Dienstag, abends 8 Uhr: Die Afrikanerin. Große Oper in 5 Aften von Giacomo Meyerbeer. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Freischütz. Donnerstag, abends8Uhr: Theater Carmen. Schiller- Theater Charlottenburg. Dienstag, abends 8 Uhr: Ohne Gellint. Schauspiel in fünf Aufzügen von Fedor v. Zobeltig. Mittwoch, abends 8 Uhr: Ohne Gelänt. Donnerstag, abends8 Uhr: Der Herr Ministerialdirektor. Theater des Westens. Urania. Allabendlich 8 Uhr: Ein Walzertraum. Operette von Dslar Strauß. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Nächte Hampt. Stlub. Der ungläubige Thomas. Neues Schauspielhaus. Dollarprinzeffin. Kleines. 2X2= 5. Berliner. Raffles. Komische Oper. Tiefland. Anfang 8 Uhr. Die Mittwoch: Der ungläubige Thomas. Donnerstag: Der ungläubige Thomas. Freitag: Jm weißen Nößl. Bustspielhaus. Die blaue Maus. Schiller 0.( Wallner- Theater.) Die Afrikanerin. Schiller Charlottenburg. Dhne Geläut. Lustspielhaus, Abends 8 Uhr: Die blaue Maus. Friedrich Wilhelmstädt. Can. Neues Operetten- Theater 0 spielhaus. Thomas. Schan Der ungläubige Thalia. Der Selbstmörderklub, Westen. Ein Walzeitraum. Menes Operetten. Der Mann mit den drei Frauen. Luisen. Die Stimme des Blutes. Trianon. Frau Baronin. Bernhard Moje. Am Altar. Schiffbauerdamm 25, an der Luisenstr. Sommerpreise. Anfang 8 Uhr: Der Mann mit den brei Frauen. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Abends 8 Uhr: 2 Streitende Hehdorf. Für 876. 1. und 2. Nein. Mit Die 2. S. 12. 1. Nein, die Klage müßte innerhalb sechs Monaten nach Santa Lucia Fl. 150 u. 200 Kraft- Rotwein G. S. 76. Käuflich in Apotheken, Drogen- u. Kolonial- Geschäften. Häufig wird die Frage an uns gerichtet, wann und wieviel Santa Lucia Kraft- Rotwein der der Stärkung Bedürftige trinken soll?-Antwort: Stunde vor jeder Mahlzeit, also vor dem 2. Frühstück, vor dem Mittag und Abendessen je 4, Glas Santa Lucia genossen, wirkt wunderbar heilsam auf den ganzen menschlichen Organismus. Die deutsche Ostseeküste. DERNHARD ROSE THEATED UOLOGISCHER ZCARTEN Täglich: Gr.Militär- Doppel- Konzert Eintritt 1 M. von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Luisen- Theater. Pollo Reichenberger Straße 34. Abends 8 Uhr: Metropol. Das muß man jeh'n. Die Stimme des Blutes. Mittwoch: Die Stimme des Blutes. Apollo. Die füßen Grisetten. Spe zialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Wañage. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Irania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Die deutsche Dftseetüfte. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Donnerstag: Im Goldland. Freitag: Die Stimme des Blutes. Sonnabend: Die Stimme d. Blutes. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Hütten befizer. Abends: Die Stimme des Blutes. Montag: Goldland. 0000000 a Theater Ab 8 Uhr: Die neuen Attraktionen. 9, Uhr: Die süßen Grisetten. 9: 10% Wiener Feftzug anlählich d. Jubiläums Sr. Maj. des Kaisers von Oesterreich. DERNHARD ROSE THEATER Passage- Theater. Walhalla Gr. Frankfurter Str. 132. Abends 8 Uhr: Am Altar. Beitgemälde in 4 Alten von Baul Blumenreich. Wochentagspreife. NIMERARTEN 6 Neues Programm von Publikum u. Presse glänzend beurteilt. The Trapnell- Family, weibliche Akrobaten. Florence u. Lilian, musik. Produkt. Rebla, komischer Jongleur. Lily Flexmore akrobatische Tänzerin. löwen. Tan Kwai Troupe, Mlle. Juliette, dressierte Seenummer. Der größte Saisonerfolg Gastspiel Willi Agoston in der tollen Burleske Berlin in Stimmung! Das Tollste vom Tollen und die neuen Juni- Spezialitäten. Varit Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Spezialitätenvorst. im Garten. Bei schlecht. Witterung i. Theater. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Anfang d. Gartenkonzerts 5 Uhr. Kleine Preise. Brunnen- Theater Badstraße 58. 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Juni, abends 8 Uhr, Kellers Festsälen, Koppenstr. 29 in Generalversammlung aller zum Zweigverein gehörenden Zahlstellen und Sektionen. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom ersten Quartal 1908. 2. Auſtellung von Kandidaten zur Delegiertenwahl zum Verbandstag. 3. Anträge zum Verbandstag. 4. Gewerkschaftliches. Kottbuser für Brennabor- Räder! Sanssouci, Straße 6. Kein Laden! Günstigste Bedingungen. Berlin SO., Straßenbahn: 1, 2, 4, 17, 59, 62, Louis Barth, Brückenstr. 10a, pt. 68, 74 und Q. Täglich: Theateru. Spezialitäten- Hygienische Vorstellung. Zum Schluß abends 10 Uhr: Wie einst im Mai Bollsstück mit Gesang in 2 Akten. Neue Welt Hafenheide 108-114. Täglich: Täglich: Gr. Doppel- Konzert und Spezialitäten- Vorstellung. Jeden Mittwoch: Großes Kinderfest. Gratisverlosung. Bedarisartikel. Neuest. Katalog m. Empfehl.viel. Aerzte u.Prof. grat. u.f E. Unger, Gummiwarenfabrik Berlin NW.. Friedrichstrasse 91/92 Direttion Wilhelm Reimer. Der Garten ist geöffnet. Sonntag, Montag und Donnerstag: Stürmischer Erfolg! Mitgliedsbuch legitimiert. Der Zweigvereinsvorstand. 138/10 Deutscher Metallarbeiter- Verband. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hof I. Amt 3, 1239. Charitéstraße 3. Hof III. Amt 3, 1987. Am 13. Juni verstarb plötzlich mein lieber Mann, der Buchbinder Gustav Uhr nach kurzer Krankheit. Die trauernde Witwe Martha Uhr. 26845 Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jeru jalemer Kirchhofes in Rirdorf, Hermannstraße, aus statt. Sozialdemokratischer Wahlverein für d 2. Berliner Reichstagswahlkreis ( 30. Wahlbezirk.) Am Sonnabend, den 13. Sunt, perstarb unser trenes Mitglied, der Buchbinder Gustav Uhr. am Die Beerdigung findet Dienstag, den 16. Juni, nachmittags 6 Uhr, von der Leichen halle des Jerusalemer Kirchhofes, Rigdorf, Hermannstraße 84-90, aus statt. 211/2 Der Vorstand. Berliner Sänger wittwoch, den 17. Juni 1908, the father Rideje, be Stets neues Programm. 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Gewerkschaftliches. Mitgliedsbuch legitimiert! Bahlreiches Erscheinen erwartet 171/19 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Rixdorf. Donnerstag, den 18. Juni, abends 8 Uhr, bei Thiel, Bergstraße 151-152: Am Sonnabend, 13. Juni, starb unser lieber Kollege, der Schriftfezer( Invalide) August Schramm im 67. Lebensjahre. Ein ehrendes Andenken werden ihm bewahren 26836 Die Kollegen der Norddeutschen Buchdruckerei. Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 16. Juni, abends 7 Uhr, auf dem Lukas- Kirchhofe in Briz, Tempelhofer Weg, statt. Danksagung. Allen lieben Berwandten, Freunden und Bekannten, besonders den Kollegen der Firma Bolzant sagen wir für die liebevolle Teilnahme unferer teuren entschlafenen Mutter unseren herzlichsten Dant. Karl Böhme nebst Kindern. Dr. Simmel Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, Moritzplatz, dicht am 10-2.5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Dr. Schünemann 25292 Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden, Franenkrankheiten. 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Stellungnahme zur Arbeitsbermittelung.- Mitgliedsbuch und Vertrauensmännerfarte legitimiert. Die Ortsverwaltung. 85/18 Jalousiearbeiter. Mittwoch, den 17. Juni, abends 8%, Uhr, bei Boeker, Weberstraße 17: H.Pfau, Bandagist Branchen- Versammlung. Jetzt: Dircksenstraße 20 zwischen Bahnhof Alexanderplatz und Bolizeipräsidium.- Amt VII, 13799. Für Damen weibliche Bedienung.* Lieferant für alle Krankenkassen. ygienische Bedarfsartikel, Gummiwaren, 1000e Anerk. V. Prof. u. Aerzt. empf., bill. Apoth. S. Schweitzers Fab. hyg, Präp., Berlin O., Holzmarktstr.69-70. Preisi.gratis. Tagesordnung: 1. Bericht des Dbmanns und der Kommiffion. 2. Ver bandsangelegenheiten. 3. Branchenangelegenheiten. Fabrik- Arbeiter- Verband. Verwaltung Berlin, Linienstr. 215. Achtung! Achtung! Die Bezirksversammlungen für Juni fallen mit Ausnahme von Spandau, Nummelsburg und Nord- West aus! 68/20 Die Ortsverwaltung. Hauptgeschäft: Berlin W., Mohrenstraße 37a, an den Kolonnaden, 2. 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Freund, Piano. mechanikfabrik, in Neu- Lichten. berg, für Bodenleger: Berliner Parkettfabrik Badmeyer, Inhaber Roffat in Tempelhof, Ringbahnstraße, und die Bauten Günzelstraße, Ecke Helmstedter Straße in Wilmersdorf; Fregestraße und Friedenauer Straße in Friedenau, Bau Bothe, Düsseldorfer Straße, Ecke Pfalzburger Straße, Bau Hauptstraßen- u. Fregestraßen. Ecke, Friedenau, Bau Tegeler Weg 11/12, Charlottenburg. Norddeutsche Fußbodenfabrik in Hannover. Die Ortsverwaltung Berlin des deutschen Holzarbeiterverbandes. Mr. 138. 25. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Dienstag, 16. Juni 1908. Der Zahlabend für Groß- Berlin findet heute abend flatt. Die Abgeordnetenwahl in Berlin wird heute vollzogen werden. Den Wahlmännern sind vom Magistrat bezw. von den Wahlvorstehern Legitimationen aus gehändigt worden, die am Eingang des Wahllotals vorgezeigt werden müssen; auch die zweite Mitteilung des Wahlkommissars mit dem Hinweis, daß von 9-7 Uhr gewählt wird, ist mit zubringen. Im 3., 4. und 11. Landtagswahlkreis findet Terminswahl statt; die Wahlmänner dieser Bezirke müssen fämtlich pünktlich um 9 Uhr zu Beginn der Wahlhandlung im Wahllofal anwesend sein. In den übrigen 9 Landtagswahlkreisen findet Fristwahl statt; die Wahlmänner fönnen also während der Wahlzeit von 9 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends ihre Stimmen abgeben. Wer es irgend ermöglichen kann, gehe so zeitig wie möglich pflichtungen. Die Wahlhandlung ist genau so öffentlich wie die Urwahl. Die Wahlmänner müssen öffentlich zu Protokoll geben, wem sie ihre Stimme geben wollen. Es tandidieren für die Genosse Dittmer. 2. Diskussion. 3. Berkündigung des Resultats der Landtagswahl. 4. Verschiedenes. Vacat. Welche eigenartigen Blüten die Maßnahmen der Wahlvorstände Reinidendorf- West. Achtung, Parteigenossen! Heute, Diens zeitigen können, zeigt der 79. Urwahlbezirk( Friedrich- Wilhelm- Straße, tag, den 16. 6. M., abends 8% Uhr findet bei Otto, Berliner v. b. Heydtstraße). Dort vermeldet der amtliche Bericht im Ge Straße, ein tombinierter Bahlabend statt. Beiträge meindeblatt als Wahlmänner dritter Abteilung„ vacat", das heißt werden wie an gewöhnlichen Zahlabenden von den Bezirksführern also:„ fehlt". War denn niemand von den 194 Wahlberechtigten entgegengenommen. Besonders werden säumige Bahler ersucht, zur Wahl erschienen? Keineswegs. Es wählten 68 Wahlberechtigte. ihre Bücher zum Halbjahresschluß in Ordnung zu bringen. Von den freisinnigen Kandidaten erhielt einer 84, der andere 31, Erfner. Am Mittwoch, den 17. d. M., abends 8 Uhr, findet von den sozialdemokratischen Kandidaten einer 20, der andere 19, die Bersammlung des Wahlvereins im Lotale von Degebrodt statt. von den konservativen Kandidaten einer 14, der andere 12 Stimmen. Tagesordnung: 1. Die Landtagswahlen 1908. 2. Wahl eines Dele- Es hätte also Stichwahl zwischen den freifinnigen und sozialdemo gierten zum nächsten Verbandstag. 3. Vereinsangelegenheiten. Außerdem werden die Genossen, welche noch Sammellisten in fratischen Kandidaten stattfinden müssen. Diese ist aber Bänden haben, gebeten, dieselben umgehend beim Genossen M. Reis welchem Grunde war nicht zu ermitteln unterblieben. Deshalb mann abzurechnen. berzeichnet der amtliche Bericht lakonisch: vacat. aus Rummelsburg. Heute, Dienstag, findet in allen Bezirken ZahlBalanzen in städtischen Heimstätten. Wie das Kuratorium im und erfülle seine von den Urwählern ihm übertragenen Ber. abend statt. Am Donnerstag, den 18. b. M., findet über den gangen letzten Gemeindeblatt mitteilt, find zurzeit noch in den Anstalten Ort von den bekannten Lotalen aus eine Flugblattverbreitung statt. für brust trante Männer: in Gütergo( treis Teltow) 15 Rönigs- Wusterhausen, Wildau Hoherlehme, Deutsch- Wuster- und in Buch( Mark) 26 Betten frei. Von der Aufnahme aushaufen und Niederlehme. Die Parteigenossen dieser Orte werden geschlossen find Epileptische, Syphilitische, Alkoholiker und Schwerhiermit auf den heute, Dienstag, abends 8 Uhr, in den Bezirks- krante. Formulare zum ärztlichen Attest werden kostenfrei im AufTotalen stattfindenden Zahlabend aufmerksam gemacht. nahmebureau: Neue Friedrichstraße 9/10, born 2 r. berabfolgt. Der Bahlabend findet heute Dienstag, In Blankenburg, Blankenfelde und Malchow, fämtlich für Frauen, den 16. d. M., abends 8 Uhr, beim Genossen Hielscher, Berliner und in Heinersdorf( Kreis Teltow) für Männer ist zurzeit fein Bett frei. und Fennstraßen- Ecke, für alle drei Bezirke gemeinsam statt. Die Resultate der heutigen Landtagswahl werden bekannt gegeben. Marienfelde. Den Genossen zur Nachricht, daß der Bahlabend heute Dienstag bei Berger, Dorfstraße, stattfindet. einzelnen Kreise: Hermann Schubert Serm. Müller( Parteivorstand) Fritz Ebert. Max Grunwald Hermann Borgmann. Hugo Heimanu Baul Hirsch. Paul Singer Berlin 1 " " 11 " • " VII II " " X " XI • " " Heinrich Ströbel Georg Ledebour Dr. Karl Liebknecht Adolf Hoffmann Otto Wels Fritz Zietsch Artur Stadthagen Bernhard Bruns Max Jacobsen • XII Rigdorf- Schöneberg Charlottenburg Ober- und Nieder- Barnim. Für Teltow- Land ist nach dem am Sonntag mitgeteilten Beschluß des Zentralwahlkomitees zu verfahren, nach dem in erster Reihe der Name Eduard Bernstein genannt wird und in zweiter Reihe der Name des bon den Sozialliberalen nominierte Kandidat. Nieder- Schöneweide. Ungültige Zenerungszulagen. Großes Aufsehen erregt in Charlottenburger Stadtverordneten- und Lehrerkreisen die Tatsache, daß die Regierung in Potsdam die weitere Eichwalde, Beuthen, Miersdorf. Der Bahlabend findet Bahlung der Teuerungszulagen an die Charlottenburger Lehrer beute, Dienstag, abends 8 Uhr, statt in i chwalbe bei für ungültig erklärt hat. Der Magistrat hat den StadtWitte, in Miersdorf bei Lier und in Beuthen in dem verordneten die Mitteilung zugehen lassen, daß die Regierung neu zur Verfügung stehenden Lotals Restaurant zur Dorfaue" in Potsdam für die Gewährung von Teuerungszulagen an ( Inh. Lindemann.) Die Sammellisten zur Landtagswahl bitten Rektoren, Lehrer und Lehrerinnen der Gemeindeschulen und wir abzurechnen. Die Resultate der heutigen Landtagswahlen der Bürgermädchenschule ihre Genehmigung in Anspruch gewerden, soweit möglich, bekannt gegeben. Die Bezirksführer. nommen, die ohne diese erfolgte Zahlung für ungültig Schöneberg. Parteigenossen! Die Wahlergebnisse werden in den heute abend stattfindenden Zahlabenden bekannt gegeben. H Wilmersdorf- Halensee. Den Genoffen zur Kenntnis, daß die Bezirke 1-3 gemeinsam bei Bonczet, Kurfürstendamm 126, die Bezirke 6 und 7 bei Herzog, Rankestraße und die Bezirke 13 und 16 bei Reiche, Binderstr. 9 ihren Bablabend abhalten. Alle übrigen Bezirke in den bekannten Lokalen. Der Borstand. Treptow- Baumschulenweg. Der 1. Bezirk hält Umstände halber feinen Bablabend heute abend im Restaurant Bur Rennbahn ab. Die übrigen Bezirke tagen in ihren bisherigen Lokalen. hält seinen Bahlabend gemeinsam bei Gottwald, Schönwalder Spandau. Morgen, Mittwoch, Bahlabend. Der 4. Begirt Straße 80 ab. Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Magistratsoffiziös wird mitgeteilt, daß sämtlichen Wahl männern amtliche Einladungsschreiben für die am Dienstag, den 16. b. M. stattfindenden Abgeordnetenwahlen zugegangen, die am Eingang der bekanntgegebenen Wahllokale vorzuzeigen find. Sollte ein Wahlmann aus Versehen oder durch Zufall teine solche amtliche Einladung erhalten haben, dann genügt eine andere Legitimation und die genaue Angabe des Urwahlbezirks, in dem der Wahlmann gewählt worden ist. Bei der großen Bahl von Wahlmännern ist es dringendes Erfordernis, daß in solchen Fällen tönnen, soweit solche nicht schon betannt sein Die Resultate der Abgeordnetenwahlen Groß- Berlins der Wahlmann genaue Angaben macht, um die Wahlhandlung sollte n, am heutigen Abend von 8%, Uhr an, in der Expedition nicht aufzuhalten, denn zur Stimmabgabe eines jeden Wahlmannesbes Vorwärts", Lindenstr. 69, erster Hof links, in find nur Sefunden berechnet. Empfang genommen werden. Das Zentral- Bureau für den Landtagswahlkreis Schöneberg- Rigdorf und den Landkreis Wilmersdorf- Teltow- BeeskowStorkow befindet sich am heutigen Tage bei Behrendt, Hafenheide 9, Tel.: Amt 4, Nr. 9246. Die Abgeordnetenwahl in Ober- und Niederbarnim " Achtung! Der Aktionsausschuß. erklärt und einen Bericht gefordert hat. Der Magistrat bemerkt hierzu:„ Wir werden hiernach sofort die Genehmigung der Regierung zur Zahlung der Teuerungszulage an die Rektoren, Lehrer und Lehrerinnen der Gemeindeschulen nachträglich nachsuchen, um die Anrechnung der Bulagen auf die spätere Gehaltsreviston gemäß dem Gemeindebeschlusse sicherzustellen. Bis zum Eingang der Genehmigung der Regierung müssen wir die weiteren Zahlungen der Teuerungszulagen vom 1. Juli ab wieder einstellen." Die Regierung ist doch zu gütig; sie verlangt gefragt zu die Lehrer auszahlen darf. werden, ob die Stadt Charlottenburg ihre eigenen Gelder an In der Angelegenheit des neuesten Schülerselbstmordes stehen sich nunmehr die Angaben des Schuldirektors Dr. Marcuse und des Waters des Toten, Herrn Stender aus Friedenau, so. vollständig widersprechend gegenüber, daß eine volle Aufklärung faum zu er warten ist. Der Vater betont immer wieder nachdrüdlichst, daß der Direktor, von einem Einfluß des Borfalles auf das Abiturientenschluß gebrängt habe. Der Direktor weift dagegen alle Schuld von eramen gesprochen und damit den Sohn zu seinem unseligen Entfich und hat am Sonnabend sogar zu dem eigenartigen Mittel gegriffen, sein Berhalten in der Tragödie vor den in der Aula ber fammelten Schülern der Oberllaffen gewiffermaßen zu rechtfertigen und zu verteidigen. Wie heißt es doch im Sprichwort? Qui s'excuse, s'accuse wer sich entschuldigt, flagt sich an! Geschmackvoll war diese, Grabrede" in der Aula sicher nicht. Sie spricht vielmehr für ein ziemlich felbftherrliches, zu raschen und nicht immer vollüberlegten Ent fchlüssen neigendes Temperament des Herrn Direktors. Haben Sie sich schon mal Frank Wedekinds Kinder Tragödie FrühlingsDer Kaiser und die Tunnelprojekte der Großen Berliner. Der Hofbericht vom Sonnabend meldet:„ Der Kaiser traf gestern von Döberit tommend in Berlin ein. Von 8 Uhr ab hörte er im Schloß die Vorträge des Ministers des Innern b. Moltke, des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg Grwachen" angesehen, lebend auf der Bühne angesehen, Herr b. Erott zu Solz, des Ministers der öffentlichen Arbeiten Dr. Marcuse? Nein? Na, dann holen Sie das schleunigst nach. findet, wie wir bereits mitteilten, in fünf Gruppen statt. In Breitenbach, des Polizeipräsidenten v. Stubenrauch Da gibts für moderne Schulmänner viel bran zu lernen. der nach Eberswalde einberufenen Gruppe beginnt die Wahl und des Stellvertreters des Chefs des Siviltabinetts Geheim- Recht bemerkenswert ist es, daß der Vater während seiner um 10%, in den nach Borhagen- Nummelsburg, Lichtenberg, rat D. Eisenhardt- Rothe und empfing um 5%, Uhr den Ober- eingehenden Aussprache mit dem Sohne diesem den Vorschlag machte, Pantom und Reinidendorf geladenen Gruppen um 11 Uhr. bürgermeister Stirschner von Berlin." bie Entscheidung dem zuständigen Provinzialschulrat als Vorgesetzten Da Terminswahl stattfindet, ist pünktliches Erscheinen der Wie später bekannt geworden, hat es sich bei den Audienzen des Direktors persönlich zu unterbreiten. Der Sohn wehrte indes traurig Wahlmänner dringend erforderlich. Um Stimmen- um Erörterung der Streitfragen zwischen der Stadt Berlin ab. Diese Stellungnahme des Jünglings ist äußerst bezersplitterung zu vermeiden, achte man bei der Abgabe der und der Straßenbahn gehandelt. Einem Mitarbeiter des zeichnend. Sie verrät die Kenntnis aller begabten Schüler der Stimmen genau auf die von den Streisen festgesette Reihen- Berl. Tageblatt" gegenüber hat sich der Oberbürgermeister Oberklaffen, daß der Herr Schulrat zwar allmächtig ist und folge. Danach ist an erster Stelle Artur Stadt- Kirschner geäußert: sogar von dem Direktor wie von allen Lehrern geradezu hagen, an zweiter Bernhard Bruns, an dritter In Gegenwart des Ministers des Innern, des Eisenbahn- gefürchtet wird, daß er aber niemals einem fich beschwerenden Mar Jakobsen zu nennen. ministers, des Oberpräsidenten und des Polizeipräsidenten empfing Schüler gegenüber dem Direktor sein Recht zugestehen wird. Der mich am Nachmittag der Kaiser im töniglichen Schloß. Das Thema der Audienz bildeten ausschließlich alle zwischen der Schüler muß eben, sofern sich an ihm nur ein Fünfchen Unrecht Stadtgemeinde Berlin und der Großen Berliner Straßenbahn" nachweisen läßt, stets mehr oder minder gemaßregelt werden, damit das schwebenden Streitfragen. Es wurde eine volle Stunde ansehen der Schule und selbstverständlich vor allem der in Betracht lang über diese Gegenstände eingehend und fachlich verhandelt. fommenden Lehrer nicht im geringsten leidet. Schön, der Grundsat In welcher Weise sich der Kaiser au den einzelnen Fragen ge- bat gerade bei der Schule etwas für sich. Disziplin muß sein, und äußert hat, tann ich nicht sagen; doch darf ich wohl das eine Strafe ist ein notwendiges Uebel. Aber es gibt goldene Mittelwege. erklären, daß der Kaiser gegenüber der Stadt Berlin eine durchaus auf denen unter einfichtiger, wohlwollender Führung beide Teile zu wohlwollende Haltung eingenommen hat. Ueber das Ergebnis ber Audienz werde ich zunächst den städtischen Behörden Bericht ihrem Rechte tommen. Deshalb hätte der Vater den schweren Gang erstatten; bis dahin bedauere ich, mich über den Ausgang der zum Provinzialschulrat immerhin wagen sollen. Es wäre vielleicht Audienz nicht äußern zu tönnen." erreicht worden, daß die Angelegenheit einen weniger tragischen Aus gang nahm. Man konnte beispielsweise, ohne beiden Teilen im mindesten zu schaden, den vor dem Examen stehenden jungen Mann einfach einer anderen höheren Lehranstalt überweisen, in einer Form, daß dieser Wechsel nicht den Stempel einer Maßregelung an fich trug. Wie uns von einem genauen Kenner der internen Berhältnisse auf dem auch für Berlin zuständigen brandenburgischen Provinzial- Schul follegium versichert wird, ist man indes auch hier zu solchem, einem Unglück vorbeugenden Schritte nicht leicht geneigt. Bloß nicht die Autorität der Schule untergraben lieber fann ein Menschenleben draufgehen! Es ist der niederdrückende Wüstenwind, der vom erleuchteten Ministerium des Geistes bis weit hinein in die untersten Befehlshaberstellen des preußischen Schulwesens weht und fein freies Menschentum auftommen lassen will. Die Wahlmänner der Gruppe I wählen heute vormittag um 11 Uhr in Rummelsburg, Restaurant Café Bellevue", Hauptstr. 2. Unsere Wahlmänner werden betr. Feststellung wie Drientierung über die Wahlhandlung dringend ersucht, zu einer Borbesprechung im Saale von Schiefer, Rummelsburg, Hauptstr. 4, pünktlich und vollzählig heute um 10 Uhr vormittags erscheinen zu wollen. Der Wahlleiter der Gruppe I. Partei- Angelegenheiten. Die Genoffen des fünften Landtagswahlkreises erfahren die Resultate der heutigen abgeordnetenwahl bei Baul Hoffmann, Oppelnerstraße 47 und Emil Schulz, Forsterstraße 17. Das Wahlkomitee. Nieder- Schönhausen- Nordend. Wir bringen den Genoffen noch mals in Erinnerung, daß heute der Zahlabend stattfindet, und zwar in allen Bezirkslokalen. Oranienburg. Der Junizahlabend findet am heutigen Diens. tag in den bekannten Bezirkslotalen statt. Was hier der Herr Oberbürgermeister von der durchaus wohlwollenden Haltung des Kaisers gegenüber der Stadt Berlin fagt, berührt uns etwas sonderbar; bisher war im Verein mit den Aufsichtsbehörden nicht viel davon zu bemerten. Wir vermögen auch heute noch nicht recht daran zu glauben. Auf dieses Wohlwollen pochte ja bisher immer die Große Berliner, indem sie glaubte, in Rüdjicht auf die ihr von„ Oben" zuteil werdende Förderung die Stadt Berlin einfach beiseite schieben und ihr alles bieten zu können. Uebrigens ein Beitrag zu der Frage der städtischen Selbstverwaltung, daß Kommunen von dem Wohlwollen ber Strone abhängig sind. Adlershof. Den Parteigenoffen zur Nachricht, daß der dies. malige Zahlabend heute, Dienstag, den 16. Juni, stattfindet, und Die Abstimmung über die Einführung des Achtuhr- Ladengleichzeitig in den Bezirkslokalen die Bekanntgabe der Wahl der schlusses in Berlin und den fünf Städten Charlottenburg, Abgeordneten zum Landtage stattfindet. Gäste, auch Frauen, haben Schöneberg, Wilmersdorf, Nigdorf und Lichtenberg beginnt Zutritt. am nächsten Mittwoch, den 17. d. M., und wird am 30. Juni Weißenfee. Heute, Dienstag abend, in allen Bezirken Bahl Weißensee. Heute, Dienstag abend, in allen Bezirken Bahl. geschlossen. Seitens des Polizeipräsidiums find den nahezu abend. Anlaßlich des Halbjahresschlusses werden die Genossen er 45 000 Inhabern offener Ladengeschäfte in dem in Betracht fucht, nach Möglichkeit bis dahin die Beiträge zu entrichten und tommenden Gebiet während der lezten Tage Aufforderungsnoch etwa ausstehende Listen usw. abzurechnen. Ge erfolgt auch postkarten zugeschickt worden, worin mitgeteilt wird, wo sich Bekanntgabe des Resultats der Landtagswahlen. für den einzelnen die Abstimmungsstelle befindet. Brit- Budow. Die Vereinsversammlung findet heute abend Hoffentlich wird bei der diesmaligen Abstimmung die zur 29 Uhr im Landhaus, Chausseestraße 97, statt. Tagesordnung: Einführung des Achtuhr Ladenschlusses notwendige Bahl er1. Was lehren uns die preußischen Landtagswahlen? Referent reicht. Die neue städtische Straßenbahn. Nur wenige Tage noch und das Berliner Straßenbild wird um eine neue Verkehrsgelegenheit bereichert sein. Die Inbetriebnahme der ersten von der Stadt Berlin selbst geschaffenen Straßenbahn steht unmittelbar bebor. Nur eine wenige Meter lange Echienenstrede an der Kreuzung der Schönhauser Allee werden können. Allerdings in der geplanten ganzen Ausdehnung ist noch notwendig und der Betrieb wird sofort aufgenommen der ersten der Nordlinien vom Baltenplab bis zum Birchow krantenhause fann noch nicht gefahren werden; hieran fehlen zunächst die Streden Baltenplat- Petersburger Straße Ede Bandsberger Allee, two durch den Einspruch der Großen ffletllrt««ftÜ 8«! Posizekbe�orZe fem zweier Dahnförper neben dem der„Grohen Berliner" gelegt werden durfte, trotzdem die Stracke bekanntlich zwei breite Fahrdämme nebst Mittelpromenade hat. Die vom Polizeipräsidenten anempfohlene Einigung mit der nicht nur die Straßen Berlins beherrschenden„Großen" zwecks Mitbenutzung deren Gleise in der Petersburger Straße ist bekannt lich nicht zustande gekommen. Ein weiteres Stück dieser ersten der Nordlinien fehlt serner vom'Weddingplatz durch die Selker st raße über den Nordhafen hinweg bis zur Ecke der Fenn»- und Tegeler Straße; von hier ab ist wieder alles fertig. In der engen Sellerstraße sind noch umfangreiche Bürgersteigrcgu- lierungen, bevor die begonnene Gleisverlegung vollständig zu Ende geführt werden kann. Durch Anlegung verschiedener Weichen hat man sich aber geholfen. Zunächst kann der Betrieb zwischen Weddingplatz und Landsberger Allee(Ecke Elbinger Straß«) ausgenommen werden. Damit ist eine Verkehrslinie ge- schaffen, die sich, was ihre Ausdehnung anbelangt, den längsten bestehenden gleichwertig anreihen wird. Die neue Bahn durchfährt einen sehr großen Teil der nördlichen Peripherie Berlins und die anliegenden Straßenteile dürften damit dem Verkehrszentrum der Großstadt bedeutend nähergerückt werden. Gewiß ist es richtig, daß ein sehr erheblicher Teil der Fahrstraße durch recht spärlich be- völkerte und lückenhaft bebaute Straßenzüge führt, indes mit der älteren städtischen Straßenbahn, die nach Pankow-Nieder-Schön- Hausen führt, war es anfangs auch nicht anders. Wer damals bei deren Eröffnung z. B. durch die Prinzen-Allee und Wollank- strahe, Kreuzstraße usw. ging, schüttelte bedenklich ob der Rentabili- tät der Bahn den Kops.Jjeute denkt er sicher anders. Der neue städtische Straßenbahnhof liegt draußen an der Knip- rodestraße, es sind nur noch einige kleine Baulichkeiten zu voll» enden, unterdessen kann aber der Betrieb aufgenommen werden. Der Bahnhof befindet sich in nächster Nähe der Automobilfeuerwache in der Schönlanker Straße und gibt mit seinen langgestreckten Wagenhallen, Werkstätten und sonstigen Baulichkeiten, alles in roten Backsteinen ausgeführt, und mit dem Mastenwald der Ober- leitung in der noch fast ganz unbebauten Gegend inmitten eines ausgedehnten Laubenterrains ein recht angenehmes Bild mit farbenreichem Kolorit. Aus den, Bahnhof heraus geht die Strecke südlich zunächst nur bis zur Landsberger Allee(Ecke Elbinger und Petersburgerstraße), etwa 5 Minuten entfernt vom Eingang zum städtischen Schlachthof an der Nordringstation Landsberger Allee. Nach Norden zu führt uns die Straßenbahn am Friedrichshain, am sogenannten Neuen Hain(mitten drin das städtische Krankenhaus) vorüber, durch die Elbinger Straße, über die Greifswalder Straße hinweg nach der Danziger Straße. Hier hatte die Stadt gleich bei der Regulierung dieses einstigen Laubenterrains den Bahnkörper auf der Südseite der Promenadenstraße mit verlegen lasten, so daß diesmal nur die Fortführung notwendig wurde, die aber an der Kreuzung mit der Prenzlauer Allee nach Norden hinüber geführt werden mußte, weil die Südseite bis zur Weißenburger Straße als Haltestelle verschiedener ihrer Linien von der„Großen" bereits besetzt war. Aus diesem Wege sind wir an der Gasanstalt Danziger Straße, am städtischen Asyl für Obdachlose und Siechenhaus vor» übergekommen, nur getrennt durch eine der unvermeidlichen städti- sehen Barackenschulen und Lagerplätzen von Baumaterialien. Wir kreuzen nun die Schönhauser und Pappelallee, durchfahren die Eberswalder Straße am Exerzierplatz mit der einsamen Pappel und kommen, am ehemaligen Nordbahnhof vorüber, in die Bernauer Straße hinein. An der Ecke Strelitzer Straße teilt sich die Linie und der Weg führt uns geradeaus am Lazarus-KrankenhauS und Sophienkirchhof vorbei nach der Gartenstraße hinunter zum Stettiner Bahnhof in der Jnvalidenstraße, dann links die Borsig- straße hinein bis zum Endpunkt an der Elsasser Straße. Von der Abzweigung an der Ecke der Strelitzer Straße geht die Nordlinie durch das„elektrische Viertel", die Watt» und Voltastraße, an der neuesten Zwingburg der„Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft" und den„Berliner Elektrizitätswerken" vorbei zur Pankower Strecke in der Hussitenstraße. Gegenüber dem Humboldhain beginnt die inter- estante Berg, und Talfahrt. ES geht durch die steile Grenzstraße, auf dem Gipfel der Gerichtstraße die„Große" kreuzend, hinab zur Schulzendorserstraße, durch diese zu dem verkehrsreichen Wedding. platz, hier vorläufig endend an der Ecke der Sellerstraße mit der großen und ältesten Berliner Gasanstalt. Später geht der Weg über den Nordhafen und die Fennstraße hinweg, durch die Tegeler und Triststvaße bis zum Rudolf-Virchow-Krankenhaus, zu dem wir aus der Triftstraße heraus in einer großen Schleife um den Augustenburger Platz gelangen. Der Weg von der ersten Beschlußfassung, eigene Bahnen zu bauen, bis zur Eröffnung der ersten städtischen Straßenbahn war ein wahrer Leidensweg. Viel Mühe, Arbeit und Ausdauer hat es gekostet, bis dieses Ziel erreicht worden ist. Leider ist die Stadt noch nicht am Ende des Martyriums angelangt. Fortgesetzt hat sich die städtische Verwaliung gerade auf dem Gebiete des Verkehrs. Wesens neuer Eingriffe in ihre Rechte zu erwehren und beim Bau eigener Bahnen mit Schwierigkeiten zu rechnen, die mit dem Wohl wollen, das der privaten Erwerbsgesellschaft der„Großen Berliner' entgegengebracht wird, in grellem Gegensatze stehen. Ob in Zu» kunft das klare Recht der Stadt oder die Macht der„Großen Berliner" Sieger bleiben wird, muß abgewartet werden. Eine neue Frribankordnnng für den Gemeindebezirk Berlin ist vom Magistrat angenommen worden und liegt jetzt der Stadt- verordnetenversammlung zur Beschlußfassung vor. Die Ab. weichungen bestehen darin, daß nunmehr auch Fleisch, das außer. halb des Freibankbezirkes amtlich untersucht worden ist, bedingt tauglich oder minderwertig ist, zur Freibank hier zuzu- lassen ist, und zwar nach einer Anweisung des Oberpräsidenten, wonach die von dem zuständigen Minister genehmigte Musterordnung als Anhalt für die Berliner Freibankordnung gelten soll. In Zukunft kann minderwertiges Fleisch, da« außerhalb unverkäuflich ist, von der Berliner Freibank nur zurückgewiesen werden, wenn ein Verbot im Interesse der Aufrechterhaltung eines ordnungs» mäßigen Betriebes der Freibank geboten ist. Der Magistrat ist mit dem Kuratorium des städtischen Vieh- und Schlachthofes der Ansicht, daß der Betrieb der Freibank einem Unternehmer— zurzeit ist es die Schlachtviehversicherung vereinigter Biehkom- Missionäre— zu übertragen ist. Die neu« Freibankordnung soll sofort nach erfolgter Genehmigung in Kraft treten. Bon den städtischen Nieselfeldern. bbSOOg M. hat der Magistrat Berlin für Neubauten auf den Rieselfeldern bewilligt. die zum großen Teil zur Aufnahme von 200 Milchkühen, 100 Zucht- sauen, Mastschweinen usw. dienen sollen. Immer energischer wird jetzt von feiten der städtischen Rieselgutverwaltung an die Züchtung und Haltung von Rindvieh und Schweinen, deren Mast usw. herangetreten. Um keine großen Verluste bei Seuchen zu haben wird von der Verwaltung der Grundsatz verfolgt, möglichst zu de- zentralisieren, d. h. das Vieh wird getrennt gehalten und kommt auf die Weide. Das Jungvieh kommt nicht mit dem Mastvieh und dieses nicht mit dem Zuchtvieh zusammen. Die Seuchengefahr wird dadurch bedeutend verringert. Bierzehn Boote gekentert— vier Personen ertrunken. Zahlreiche Unglücksfälle sind am letzten Sonntag auf den Gewässern der Um- gebung Berlins vorgekommen, bei denen nach den bisherigen Mel- düngen vier Personen ihren Tod gefunden haben sollen. Die Mehrzahl der Uufälle ereignete sich auf den Gewässern der Oberspree und Kahme, Auf der letzteren kenterte in der Nähe von Zeuthen ein mit drei Personen besetztes Ruderboot. Von den Insassen wurden zwei gerettet, während der dritte ertrank.— Auf dem Seddinsee schlugen in der vierten Nachmittagsstunde zwei Segelboote mit zusammen sieben Insassen um. Sechs derselben wurden gerettet. während der siebente angeblich ertrunken ist.— In der sechsten Abendstunde kenterten auf dem Müggelsee fast gleichzeitig zwei Segel- boote und ein Kielboot. Die Insassen wurden von der Besatzung der Rettungsstation in Sicherheit gebracht.— Auf dem Langen See schlug um 2 Uhr nachmittags ein Kahn, in dem sich zwei Personen befanden, auf der Spree in der Nähe von TabberkS Waldschlößchen und gegenüber dem(fierhäuschen zwei Boote um. Auw hier wurden die Verunglückten sämtlich gerettet.— Einen ebenso glücklichen Verlauf nahm ein Unfall auf der Havel bei Heiligensee. Dort wurde durch einen hestigeu Windstoß ein Segelschiff, in dem sich drei Damen und ein Herr befanden, umgerissen.— Bei Spandau, sowie bei Gatow kenterte je ein Ruderboot. In den letztgenannten drei Fällen wurden die Insassen der betreffende» Fahrzeuge durch die Besatzung von in der Nähe befindlichen Dampfern gerettet.— Auch auf dem Caputher See soll ein Seegelboot umgeschlagen sein, dessen Insassen, ein Herr und eine Dame, ertrunken sind. Auf dem Müggelsee kenterte abends gegen 0 Uhr ein dem Ruderverein„Vorwärts" gehöriges, mit fünf Personen besetzte? Boot infolge des um diese Zeit kräftig einsetzenden Windes. Sämt- liche fünf Insassen fielen ins Wasser, davon wurden vier von dem Rettungsdampfer der Statton Rahnsdorf gerettet, während der fünfte, Otto Becker, in den Fluten verschwand, er ist ertrunken. Seine Leiche ist noch nicht aufgefunden worden. Zu der Eiusturzkatastrophe auf dem Anhalter Güterbahnhofe, über die wir in unserer Sonntagsnummer belichteten, wird»och berichtet: Auf der betreffenden Baustelle war eine Grube ausge- schachtet, um darin Fundamentarbeiten vorzunehmen. Dabei war man auf einen vierseitigen Gully gestoßen, in welchen ein Rohr ein- mündet, an dem der Rohrleger eine Reparatur auszuführen hatte. ?>ie Grube war etwa 3 Meter tief und das Arbeiten darin ohne Absteifung gegen den Gully gefährlich, da Erschütterungen durch Fuhrwerke erfolgten. Das Absteifen war nun vom Maurerpolier angeordnet, vom aufsichtführenden Bahnmeister aber untersagt worden, jedenfalls aus Sparsamkeitsrücksichten. Darüber war es nun zwischen Maurerpolier und Bahnmeister zu Differenzen ge- kommen. Der Bahnmeister erklärte, den Polier samt seinen Leuten fortzuschicken, wenn gegen seine Bestimmungen gehandelt werde. Trotzdem hatte der Maurerpolier dem Rohrleger geraten, die Re- paraturarbeit, welche an der unteren Seite des Rohres vorzunehmen war und weshalb noch tiefer ausgeschachtet werden mußte, ohne Absteifung nicht auszuführen. Dessen ungeachtet, machte sich aber der Rohrleger an die gefährliche Arbeit und buddelte noch selbst die hinderliche Erde weg. Während er so unter dem Rohr sich zu schaffen machte, kippte die eine Seite des Gullys oder einen Teil des- selben ab und das Unglück war geschehen. Der Rohrleger und ein Bauarbeiter lagen unter dem eingestürzten Mauerwerk und dem Erdreich. Zur schnellen Hilfe wurde auch die Feuerwehr gerufen, welche nun die Verunglückten herausholen mutzte. Der Bauarbeiter war bereits tot, der Rohrleger hat schwere Verletzungen erhalten. AlS das Unglück geschehen war und der Sachverhalt polizeilich auf» genommen wurde, suchte sich der Bahnmeister damit zu entschul- digen, daß man sein« Bestimmungen doch nicht hätte wörtlich zu nehmen brauchen. Ueber den Abbruch des ZirkuS Busch und seinen Wiederausbau an einer Stelle, als di« schon das frei« Gelände an der Ecke der Magazin- und Alexanderstraße bezeichnet wurde, waren vor einiger Zeit Gerüchte im Umlauf. Tatsächlich soll seit längerer Zeit ein Projekt bestehen, das sich mit der anderweitigen Bebauung des dem Fiskus gehörigen Zirkusgrundstücks an der Kleinen Präsi- dentenstratze beschäftigt. Hierbei sollen nicht ausschließlich Gründe ästhetischer Natur mitsprechen, die darin zu suchen wären, daß das eigenartige Zirkusgebäude mit seinem architektonisch nicht gerade übermäßig schönen Baustiel zu der hervorragenden Umgebung, ins. besondere zu dem Zwanzigmillionendom, keine würdige Folie mehr abgibt. Man will sogar wissen, daß in dieser Beziehung von hoher Stelle Worte des Mißfallens laut geworden seien. Es ist jedoch verfrüht, an eine baldige Verwirklichung solcher staatlichen Bau Pläne zu denken. Sobald der Fiskus das gesamte Grundstück zwischen Spree, Stadtbahn und Kleiner Präsidentenstraße für eigene Zwecke unerläßlich braucht, würde das eme einheitliche Neu- bebauung bedeuten. Diese scheint schon deshalb vorläufig in weitere Ferne gerückt zu sein, weil da? steuerfiskalische Grundstück an der Straßenfront, in der sich augenblicklich nur das Königliche Haupt- Steueramt für die Stempelsteuer befindet, erst kürzlich von Grund aus renoviert worden ist. Voraussichtlich wird also der Zirkus Busch noch verschiedene Jahre an der alten Stelle seine Pforten öffnen. Eine Hebamme steckbrieflich verfolgt. In der Kochhannstr. 41 wohnte seit drei Jahren die 36 Jahre alte Hebamme Witwe Anna Gühlke mit einer 11jährigen Tochter. Die Frau hatte eine aus gedehnte Praxis. Sie beschränkte sich aber nicht auf die Ausübung ihres Berufes, sondern leistete auch gewerbsmäßig Hilfe, die durch § 219 des Strafgesetzbuchs mit Zuchthaus bedroht ist. Die Todes- fälle zweier Frauen, die Frau Gühlke behandelt hatte, brachten jüngst das Treiben ans Licht. Als die Polizei die Hebamme ver- haften wollte, war sie mit ihrer Tochter verschwunden. Sie wird jetzt vom Untersuchungsrichter beim Landgericht I steckbrieflich verfolgt. Kabelbrand und Berkehrsstockung. Eine große Verkehrsstockung im Straßenbahnbetriebe gab es in der Nacht zum Montag im Süd- Westen der Stadt. Sie wurde verursacht durch einen Kabelbrand, der in der Zentrale Mauerstraße entstanden war. Gleich nach Mitternacht standen plötzlich alle Linien, die von den Speisepunkten 8, 9, 10, 11, 12. 74 und 83 Strom erhalten, still. Das Störungs- ebiet erstreckte sich auf die Leipziger, Mauer-, Charlotten-, Friedrich-, Belle-Alliance-, Dork-, Katzbach-, Kreuzberg-, König- grätzer, Koch- und Lindenstraße. Auch die Wagen nach Marien- dorf waren stromlos. Erst um 1 Uhr konnten einzelne Wagen wieder verkehren. Die Linien der Speisepunkte 10 und 11 nahmen den Betrieb erst nach V63 Uhr auf. Verunglückt. Der 38 Jahre alte Schiffseigner Karl M a r sem Festplatz bereits erteilte Genehmigung wieder zurückgezogen wurde, obwohl die übrigen Gosener Gastwirte, die inzwischen ebenfalls vorstellig geworden waren, diese Erlaubnis er- hielten. Dieses Verfahren dem Gastwirt W. gegenüber ist um so mehr zu verurteilen, als aus öffentlichen Mitteln zu dem?°»Ke 60 M. bewilligt worden waren.__ Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen-Direktion über den Großhandel in den Zentral-Marklhallen. Marktlage: Fletsch: Zufuhr stark, Geschäft ruhig; Preise sür Kalb- und Schweinefleisch nach- gebend. Wild: Zusuhr genügend. Geichäst etwas rege, Preise wenig oer- ändert. Geflügel: Zusuhr genügend, Geschäft schleppend, Preise gut, in Gänsen nachgebend. Fische: Zusuhr mäßig, Geschäft ruhig. Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschält lebhast, Preise un» veräiidett. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft ziemlich rege, Preise fest. Verantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn. Berlin. Für de» Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u.«erlag:L«wSrtt Buchdrucker« u. Verlagsanstalt Paul Singer Sc