Nr. 139. Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis pranumerando? Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 r., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Belt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost- Beitungs. Breisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg. Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 25. Jahrg. B Die Infertions Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel geile oder beren Raum 60 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf ftellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pig. jedes weitere Wort 5 Big. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fe recher: Mint IV, Nr. 1983. Der Sieg. Mittwoch, den 17. Juni 1908. unferen Genossen Wels. Und gerade hier zeigt sich die ganze Infamie eines Wahlsystems, das den Erwählten von sicher mehr als der Zweidrittelmehrheit des Volkes des Mandates beraubt und einen der größten Die Wahl der Abgeordneten hat bestätigt, was die Wahl Arbeiter bezirke durch einen Freisinnigen vertreten läßt, der Wahlmänner gebracht hatte. Sechs Sozialdem oder die Stimmen aller Feinde der Arbeiterklasse auf seine fraten ziehen in den preußischen Landtag ein, und die Person vereinigt hat. Feinde des Unrechts stehen im Lager der Gegner. Die Das Gesamtbild, das die preußischen Landtagswahlen Schanzen des Privilegs, hinter dem sich seine frechen Nutz- darbieten, ist uns Sozialdemokraten nichts Neues. Gegen den nießer ganz sicher wähnten, sind überstiegen. Es sind nur machtvollen Aufmarsch des Proletariats haben sich die Besechs Abgeordnete, gerade ein halbes Dutzend von 443. Aber sigenden, die in Preußen noch das böse Gewissen des Wahlist die Zahl auch gering, so sind doch diese Abgeordneten von unrechts zusammentreibt, wieder zu einer reaktionären ganz ganz anderer Art als die übrigen. Der Herr Masse zusammengefunden. Und die sozialliberale Abgeordnete Träger hat einmal die Aeußerung getan, als Ausnahme bestätigt die Regel. Die SozialErwählter des Dreiklassenwahlrechts dürfe er sich nicht einen demokratie hat keinen Zweifel daran gelassen, daß sie Volksvertreter nennen. Nun unsere Sechs- das sind Volts- überall gewillt ist, die wirklichen Anhänger des gleichen vertreter. Sie haben nicht, wie die anderen durch die Privi- Rechts zu unterstützen. In einer ganzen Reihe von Wahllegien gesiegt, sondern trotz der Privilegien. Sie sind nicht treisen wäre es möglich gewesen, die Konservativen zu wie die anderen Nuznießer des Privilegs, Feinde des schlagen. Der Freisinn hat überall vollständig ber Volkes und seines Rechts, sondern sie vertreten das Volt sagt, aus dem einfachen Grunde versagt, weil den freigegen das Privileg. Und so steht hinter dieser Kleinen Zahl sinnigen Bourgeois der Junker tausendmal lieber ist, als der die ganze moralische Wucht der preußischen Vertreter der Arbeiter, Arbeiterklasse. Wenn einer von ihnen das Wort er- In diesem Wahlkampf, der ein Wahlrechtstampf greifen will, dann wird er im Namen der stärksten war, hat es sich wieder gezeigt, daß die demokratische EntPartei in Preußen sprechen, im Namen der Partei, deren wickelung in Deutschland nur einen einzigen Träger schneller Aufstieg, das haben diese Wahlen uns wieder ge- hat, die deutsche Arbeiterklasse. Und die deutsche zeigt, ununterbrochen zur Höhe führt! Arbeiterklasse hat ihre Aufgabe verstanden. Glänzend hat sie den Die Wahl unserer Sechs ist die Kriegserklärung Wahlkampf geführt und der erste Erfolg ist nicht ausgeblieben. der preußischen Arbeiter an den preußischen Land- Ihm müssen weitere, größere folgen! Dieser Erfolg ist ein tag. Als Kämpfer für das gleiche politische Recht sind unsere Ansporn in dem Kampfe, den unsere großen Demonstrationen Abgeordneten in den Landtag gezogen und diesen Kampf begonnen haben, den dieser Wahlkampf gefördert hat und vor allen werden sie führen müssen. So schwer und den wir führen wollen mit aller Ausdauer und aller hart dieser Kampf auch ist, fo auch ist, so kann es es für sie Entschlossenheit, die er erfordern wird! feine Entmutigung geben; denn sie wissen, hinter ihnen steht Keine Ruhe in Preußen, bevor das all. nicht, wie hinter ihren Gegnern, das Unrecht des Privilegs gemeine, gleiche und direkte Wahlrecht er. und des Verfassungsbruchs, sondern die Kraft der Arbeiter obert ist. und das gute Recht des preußischen Volkes auf politische Gleichheit und Mündigkeit. Sie kommen als Feinde zu den Feinden. Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, daß die Besitzenden in Deutschland ohne Unterschied der Partei gewillt sind, mit Zähnen und Klauen an dem Wahlunrecht festzuhalten, an der Scheidewand, die sie von dem Volte trennt, so hätte das dieser Wahlkampf gezeigt. Ruhig und gelassen haben Konservative und Zentrum den Wahlkampf führen können. Die Anstrengungen, die die Wahl zum Reichstag tosten, waren unnötig. Ihren Bedürfnissen vor allem ist das Wahlunrecht auf den Leib geschrieben. Um so frampfhafter haben sich Nationalliberale und Freisinnige bemüht. Die Nationalliberalen sind die Vertreter der Plusmacherei in Industrie und Landwirtschaft und skrupelloseste Plusmacherei ist auch bei den Wahlen ihr einziges Ziel. Etwas anderes als Mandatsjagd ist ihnen die Wahl nicht. An politischer Ehre haben sie bei dieser Wahl nichts verloren, weil sie nichts zu verlieren hatten und das politische Erpresserstückchen, das sie mit der Kandidatur Leidig versuchten, ist mehr ein neuer Beweis für ihre Ungeschicklichkeit als für ihre politische Charakterlosigkeit. Dem Freisinn aber war es vorbehalten, auch dem Naivsten und Illusionssüchtigsten seinen politischen Der deutsche Freisinn Grundcharakter zu entschleiern. zu nichts Frei. ist zu allem fähig, weil er sinnigem mehr fähig ist, Verbündeter oder besser Helfershelfer und Lakai der schlimmsten Reaktion, hat er den Wahlfampf ausschließlich gegen die Anhänger des gleichen Wahlrechts, gegen die Sozialdemokratie geführt. Bei feiner anderen Partei sind die Worte so sehr Lügen wie beim Freisinn. Wie langen seine Phrasen noch kurze Zeit bor den Wahlen, wie wollte er fechten und seine Kämpfe führen gegen alle Feinde des gleichen Wahlrechts! Die Zwingburg nieder!" Und in Wirklichkeit hat er vor allem aus dem Wahlkampf eine freche und verlogene Heze gegen die Sozialdemokratie, gegen die Partei der Arbeiter gemacht. Sie haben die schmählichsten Bündnisse mit den Konservativen in Oberbarnim und mit den Nationalliberalen an vielen anderen Drten geschlossen. Bevor sie einem Vorkämpfer des gleichen Wahlrechts ein Mandat überließen, haben sie lieber drei den konservativen Vertretern der Reaktion ausgeliefert. Mit Schmutz und Schande bedeckt kehren sie aus dem Wahlkampf zurück und können nicht einmal auf irgend cinen erheblichen Gewinn hinweisen. Sie haben sich umsonst prostituiert und hohnlachend prellt sie die Reaktion um das erhoffte Sündengeld. Es hat eine Zeit gegeben, wo die Arbeiter bei den Stichwahlen die Freisinnigen als Kanonenfutter für die Reaktion in den Reichstag gewählt Die Zeiten scheinen vorüber, aber Stanonenfutter haben. ist dieses politische Gesindel geblieben. Nur daß heute die Konservativen fie als Sturmböcke gegen den Fortschritt benutzen. Dhne die Hilfe der Konservativen und Antisemiten hätten die Leutchen in Berlin noch ein viel zerschmetterndere Niederlage erlitten. Und fast muß man es bedauern, daß es ihnen erspart geblieben ist, es hat sich nur um eine Stimme gehandelt- im 12. Berliner Wahlbezirk den Antisemiten Ulrich gegen den Sozialdemokraten zu ivählen. Getan hätten sie es ja sicher, denn wenn Konservative den Stock hinhalten, so springen Freisinnige folgsam darüber. Auch in Rigdorf- Schöneberg verdankt der Freisinn nur der vereinigten Reaktion den knappen Sieg über Die Abgeordnetenwahlen. Sechs Sozialdemokraten gewählt. Berlin V: Borgmann. Berlin VI: Heimann. Berlin VII: Dirfch. Berlin IX: Ströbel. Berlin XI: Dr. Liebknecht. Linden: Leinert. Groß- Berlin. Schubert( soz.). Träger( freif.) Köhler( kons.) Berlin I. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Mr. 1984. Ledebour( soz.). Rosenow( freis.) Berlin X. 438 Stimmen 499 Gewählt Rosenow( frcis.) Berlin XI. • • 0 352 Stimmen 115 Dr. Liebknecht( joz.) Schöler( freif.) Gewählt Dr. Liebknecht( soz.) Hoffmann( foz.) Berlin XII. Dr. Runze( freis.) Dr. Leidig( natl.) Ulrich( kons.) 312 Stimmen 165 " 2 " 164 " Stichwahl zwischen Hoffmann und Runze. Die Stichwahl im Landtagswahlkreise Berlin XII. findet am 23. Juni statt. Rigdorf- Schöneberg. Wels( foz.) Witte( soziall.) Reinbacher( freis.) Voigt( natl.). Eckert( kons.). 528 Stimmen " 344 " 35 " 187 " Stichwahl zwischen Wels( soz.) und Reinbacher( freis.). Stichwahl: Gewählt Reinbacher( freis.) Charlottenburg. Zietsch( soz.) Dr. v. Liszt( freis.) Dr. Karsten( natl.) March( fkons.) 197 Stimmen 590 " P 1 " 49 " Gewählt Dr. v. Liszt( freis.). Teltow- Beeskow- Storkow. Bernstein( soz.) 1. Wahlgang. Dr. Breitscheid( soziall.). Dr. Tubenthal( freif.) Dr. Liepmann( natl.) Felisch( kons.) Hammer( konf.) 402 Stimmen 890 482 " 482 " 618 618 " " Stichwahl zwischen Hammer und Felisch( kons.) und Dr. Tubenthal( freis.) und Dr. Liepmann( natl.) 2. Wahlgang. In der Stichwahl erhielten: Felisch( kons.) 612 Stinimest Hammer( konf.) 612 Dr. Tubenthal( freif.) 481 " 481 " Dr. Liepmann( natl.) Gewählt Felisch( fons.) und Hammer( tons) Ober- und Niederbarnim. Dr. Schepp( freis.) Stadthagen( Soz.). Bruns( Soz.) b. Trestow( fons.) Biethen( freikons.). 88 Stimmen 395 20 Gewählt Träger( freis.) Müller( soz.) Berlin II. Dr. Gerschel( freif.) Dr. Eschenbach( fons.) •• 107 Stimmen 314 14 Gewählt Dr. Gerschel( freis.) Ebert( foz.). Kopsch( freif.) Jacobsen( Soz.). Nationalliberale Sozialliberale. . 1034 Stimmen 1034 1034 " " 571 " 571 " 571 " 122 " 14 " Gewählt v. Treskow( tons.), Ziethen( freikonf.) und Dr. Schepp( freis.). Hannover- Linden. Leinert( soz.). 228 Stimmen • • Berlin III. Voß( natl.) 178 182 Stimmen 277 Gewählt Kopsch( freis.) Berlin IV. Grunwald( foz.) 182 Stimmen Dr. Müller- Sagan( freif.). 278 Gewählt Dr. Müller- Sagan( freif.) Berlin V. Borgmann( foz.) Goldschmidt( freif.) Gewählt Borgmann( soz.). Gewählt Leinert( foz.). Provinzwahlkreise, in denen die Sozialdemokratie in die Stichwahl kam: Frankfurt a. Main( Land)-Obertaunuskreis. 1. Wahlgang. Rudolph( foz.). ( darunter 9 Zentrumsstimmen) 308 Stimmen 296 b. Bülow( natl.) Goll( freis.). . Berlin VI. Heimann( soz.). Schulz( freif.) . • 388 Stimmen 322 Gewählt Heimann( soz.). Berlin VII. Hirsch( soz.) Dr. Weigert( freis.) 356 Stimmen 296 Gewählt Hirsch( foz.) Berlin VIII. Singer( foz.) Caffel( freif.) Gewählt Caffel( freis.) Berlin IX. . 364 Stimmen 527 Ströbel( foz.) 390 Stimmen Stähler( freif.) 160 Gewählt Ströbel([ oz.) 72 Stimmen 116. Stimmen 61 b. Stumpf- Brentano( Bentr.).. 39 Stichwahl zwischen Rudolph( soz.) und b. Bülow( fonf.). 2. Wahlgang. Rudolph( soz.). v. Bülow( natl.) Gewählt v. Bülow( natl.). • 98 Stimmen 146 Bon den Freisinnigen stimmten 30 für b. Bülow, 9 für Rudolph, 22 enthielten sich der Abstimmung. Elberfeld. 1. Wahlgang: Vereinigte Liberale 544, Sozialbemokraten 352, Stonservative 235 Stimmen. 2. Wahlgang: Vereinigte Liberale 723, Sozialdemokraten 351 Stimmen. Gewählt die beiden liberalen Kandidaten. Kiel Stadt, Bordesholm- Neumünster: Im zweiten Wahlgang erhielten Adler( S03.) 278, Soff( Frf. g.) 505 Stimmen. Gewählt: off( Fri. Vg) Altsna. 1. Wahlgang: Wurm(S o z.) 234. Waldflein(Frs. Bg�) 177, Menck(natl.) 60, Schmarge(k.) 66 Stimmen. 2. Wahlgang: Wurm lSoz.) 234. Waldstein(Frs. Vg.) 807 Stinnnen. Gewählt Wald st ein(Frs. Vg.). Wandsbcl-Stormarn. 1. Wahlgang: RoSbitzli(Soz.) 127, t». Bonin(kons.) 169, Spröstel(lib.) 74 Stimmen. 2. Wahlgang: RoSbitzki(Soz.) 127, v. Bonin(kons.) 218 Stimmen, 24 Liberale enthielten sich der Abstimmung, 1 Liberaler stimmte für Rosbitzki, 49 Liberale für v. Bonin. Gewählt v. B o n i n(kons.) Wahlkreise mit größeren sozialkemo- kratischen Wahlmannerzahle». Harburg: Müller(Soz.) 160, Just(natl.) 222, Herz(freis.) 88 Stimmen. Just(natl.) gewählt. Hannover Stadt: Gewählt Fink(natl.) und Arning(natl.) mit je 672 Stimmen. Brey(Soz.) und Schräder(Soz.) erhielten je 268 Stimmen, Magdeburg(Stadt). Gewählt Zuckschwerdt(natl.) mit 650 St. und Schiffer(natl.) mit 650 St. Es erhielten Parteisekretär P sannt uch(Soz) 209 St. und Gewerkschaftssekretär Beims (Soz.) 209 St. Mettmann. Gewählt Dr. v. Böttinger(natl.) mit 312 St. Es erhielt Genossenschasts-Geschäftsführer Großbehrend(Soz.) 63 St. Kassel-Stadt. Gewählt Dr. Schröder(natl.) mit 372 Stimmen. Es erhielt Stadtv. Th ö n e(Soz.) 80 Stimmen. Breslau-Stadt. Gewählt Stroffer(k.), Wagner(fk.) mit je 844, Ziesche(Z.) mit 643 Stimmen; außerdem erhielten Guerich(fts.), Kapriste(frs.) je 479, Wünsch(natl.) 430, L ö b e(Soz.), Neu« k i r ch(Soz.) je 308, Schütz(Soz.) 309 Stimmen. Magdebiirg-Wanzlcbe». Gewählt v. Kotze(k.) mit 183 Stimmen. Schulze(natl.» erhielt 63. S i Iber schmid t(Soz.) 85 Stimmen. Wiesbaden-Land-Höchst. Gewählt Bürgermeister a. D. Wolff(natl.) mit 282 Stimmen. Es erhielten Hähnlein(Z.) 77 Stimmen. Ditt« mann(Soz.) 63. Dienstbach(frs.) 13 Stimmen. Wcsthavrlland- Brandenburg: Gewählt Brandenstem(kons.) mit 365, Graf Bredow(kons.), Metzenthin(kons.) mit 366 Stimmen. ES erhielten Blell(freis.) 228, Thiede(fteis.) 227, Paschke(freis.) 226, S y d o w(Soz.), Müller(Soz.), Schmidt(Soz.) je 136 Stinrmen. Lennep-Remscheid. Gewählt: Friedberg(natl.), Eickhoff(fts. Vp.) mit je 636, Gottschalk(natl.) mit 635 Stimmen. Es erhielten: Scheidemann(Soz.), Hildebrandt(Soz.), S ch a a l(Soz.) je 386 Stimmen. Frankfurt a. M. Stadt: Gewählt Funck(frs. Vp.) mit 653 und Flesch(frs. Vp.) mit 651 Stimmen. Es erhielten Quarck(Soz.) und Huettmann(Soz.) je 278 Stimmen. Wahlkreise mit geringeren sozialdemokratischen Wahlmannerzahlen. Osthavelland, Spandau(Stadt). Gewählt Lüdicke(fteikons.) mit 418 Stimmen. Es erhielten Sobernheim(freis.) 59 Stimmen, Dr. Liebknecht(Soz.) 31 Stimmen. Nordhauscn(Stadt). Grafschaft Hohnstein. Gewählt Dr. Wiemer (Frs. Vp.) mit 168 Stimmen. ES erhielten Kammerherr v. Bila(k.) 98 Stimmen, Geschäftsführer W i ck l e i n(Soz.) 20 Stimmen. Wolmirstcdt'Ncuhaldrnsftbcn. Gewählt Boecker(fteik.) mit 379 und Rahardt(k.) mit 379 Stimmen. Es erhielten N i tz s ch( S o z.) 40, Ludwig(Soz.) 40 Stimmen. Jcrichow II. Gewählt v. Wole und Wulffen(l) mit je 812 Stimmen. Es erhielten Haupt(Soz.) und Katurbe(Soz.) je 52 Stimmen. Ruppin-Templin. Gewählt d. Quast(kons.) und Dietrich(kons.) mit he 339 Stimmen. Es erhielten Wilke(natl.) und Wöllmann (Frei,. Volksp.) je 34, Bebel(Soz.) und Richter(Soz.) je 10 Stimmen. Elbing-Warienburg. Gewählt v. Oldenburg(kons.) und Krieger (kons.) mit je 459 Stimmen. Außerdem erhielten C r i S p i e n (S o z.) und B a r t e l s(S o z.) je 26 Stimmen. Ohlau, Brirg. Gewählt Käcke(kons.), Schaube(fteikons.) mit je 372 Stimmen. Es erhielten S ch ü tz(S o z.). S ch o l i ch(Soz.) je 34 Stimmen. Osterburg, Stendal. Gewählt v. Jagow(k.) mit 252 Stimmen und Bethge(k.) mit 252 Stimmen. Es erhielten Rcip(natl.) 153 Stimmen, Fuhrmann(natl.) 154 Stimmen, Becker(Soz.) und R o s e n b r u ch(Soz.) je 29 Stimmen. Minden-Ltibbecke. Gewählt Sültemcyer(k.) mit 330 Stimmen und Siclermann(k.) mit 329 Stimmen. ES erhielten Schneidermeister Rathert(fts. Vp.) 164 Stimmen und G e w e r k. schaftssekretär Buse(Soz.) 27 Stimmen. Die übrigen zersplittert, r Wahlkreise des Ruhrreviers, in denen zum Teil die Sozialdemokratie mit dem Zentrum gegen die Nationalliberalen ging. Esten(Stadt). Gewählt Dr. Bell(Z.) mit 597 St. ES erhielt Handelskammersyndikus Hirsch(natl.) 252 Stimmen. Esten(Land). Gewählt Arbeitersekretär GieSbertS(Z.) mit 619 St. Es erhielt Fabrikant Huffmann(natl.) 186 Stimmen. Bochum Stadt und Land: Gewählt Bartscher(Z.) mit 537 Stimmen. Es erhielt Gerstein(natl.) 441 Stimmen.(Die Sozial- demolraten stimmten für das Zentrum.) Dortmund(Stadt). Gewählt Schmieding(natl.) mit 341 Stimmen. ES erhielten Stadtverordneter Bickhoff(Z.) 237, Maurer Kahl (S o z.) 69 Stünmen. Dortmund(Land). Gewählt Arbeitersekretär Gronowski(Z.) mit 373 Stimmen. ES erhielt Rechtsanwalt Dr. Crauer(natl.) 242 Stimmen. '.• Das Gesamt» Ergebnis. Bis Dienstag 5412 Uhr abends waren beim Wolffschen Tclcgraphenbureau die Wahlen von 436 Abgeordneten be- könnt. Diese verteilten sich auf die einzelnen Parteien folgendermaßen: 150 Konservative, 59 Freikonservative, 63 Nationalliberale, 26 freisinnige Volkspartei, 8 freisinnige Vereinigung, 105 Zentrum. 15 Polen, 6 Sozialdemokraten. 2 Dänen, 3 Fraktionslose. Tie Angaben sind noch unvollständig. Fest steht, daß die Nationalliberalen erhebliche Einbuße erleiden. Das Zentrum gewinnt im Nuhrrevier mehrere Wandelte, zum Neil durch die Hilfe der Sozialdemokratie. freiiinn und Beamtenschaft. Daß man bei den Vertretern deö Blockfreisinns jede Ver- gewaltigung liberaler Grundsätze und sozialen Strebens voraussetzen darf, dafür haben die letzten Wochen genügend Beispiele gebracht. Es kann deshalb auch nicht wunder- nehmen, daß die Knebelung der technischen Be- amten und ihrer Organisationen durch das industrielle Ueberherrentum den Block- freisinn sehr kühl lasse. Die„Freisinnige Ztg." leistet sich einen die Angestellten höhnenden Erguß, in dem es u. a. heißt: .Er— der„Vorwärts"— phantasiert davon, daß die bürger- liche Gesellschaftsordnung die Angestellten proletarisiere, während in Wirklichkeit die Sache gerade umgekehrt ist. Unter der heutigen Gesellschaftsordnung ist erst mit der Entwickelung von Handel und Industrie die Möglichkeit geschaffen worden für die Bildung des Standes der technischen Angestellten. Es handelt sich nicht um die Proletarisierung bisher selbständiger Existenzen, wie der.Vorwärts" glauben machen möchte, sondern um die Bildung einer neuen Bevolkerungsschicht, die sich in erfreulich aufsteigender Linie bewegt." Von der„erfreulich aufsteigenden Linie" erzählt folgende Zuschrift, die uns von eineni Ingenieur zugeht. Der Mann schreibt: Die Teuerung und das Einkommen der Privatbeamten. «Nachdem Staat und Kommune zu den Teuerungszulagen ihrer Beamten Stellung genommen haben und diese Zulagen auch seitens der Volksvertreter warm befürwortet wurden, erscheint es an der Zeit, auch die Lage der Privalbeaniten zu erörtern, die diese Teuerungszulagen zuin großen Teil durch erhöhte Steuern aufbringen müssen, deren Einkommen jedoch nicht erhöht, ja in vielen Fällen sogar mit Rücksicht auf den schlechten Geschäftsgang herabgesetzt worden ist. So hat z. B. eine Maschinenfabrik-Alticngesellschast bisher an ihre Angestellten jährlich eine Tantieme verteilt.— Auch für dieses Jahr haben die Angestellten darauf gerechnet, zumal die Be« soldungen nicht gerade glänzende sind und bei der anhaltenden Teuerung jeder noch so geringe Betrag willkommen gewesen wäre. — Doch sollten die Angestellten bitter enttäuscht werden.— Der bewilligte Betrag<5200 M.) wurde an die vier höchstbesoldeten Beamten der Firma verteilt; die wirklich arbeitenden Techniker und Kaufleute gingen leer aus! Daß auf diese Weise die Arbeit«- freudigkeit der Angestellten angespornt wird, darf man wohl nicht erwarten. Doch steht die Direktion der Gesellschaft scheinbar auf dem Standpunkte, daß das Geschäftsinteresse durch scharfe Kon- trolle und durch Androhung von Entlassungen den Beamten ein« gebläut werden kann. ES ist angeordnet, daß sämtliche Angestellten, mit Ausnahme der Prokuristen, vor Beginn ihreS Dienstes sich in ein aus- liegendes Buch einzutragen haben.— Mit dem Glockenschlage wird daö Buch weggenommen und wer nicht eingetragen ist, bekommt eine schlechte Note. Einen Beamten, der schon viele Jahre bei der Firma zur vollen Zufriedenheit beschäftigt war und der auch ein- mal zu spät kam, wollte der gestrenge Herr Direktor auf der Steve entlassen und ihm sein Gehalt nur bis zum Entlassungstage aus- zahlen.— Nachdem er aber belehrt wurde, daß der betreffende Beamte Anrecht auf gesetzliche Kündigung hat, änderte er die Maßregelung dahin, daß der Verbrecher zum 1. Oktober seine Stellung zu verlassen hat.— Die Angestellten versuchten gegen die Arbeitskontrolle zu opponieren, doch wurde ihnen eröffnet, daß jeder, der sich weigert, sich in das Buch einzutragen, seine sofortige Entlastung zu ge- wältigen hat und daß diese Maßregel durchgeführt wlrd und wenn sie der Firma Tausende kosten sollte. Der Not gehorchend, entschlossen sich die Beamten, fich der Demütigung zu unterziehen.— Befremdend an der ganzen Sache ist, daß die Firma zur Durchführung einer solchen Schrulle, die ihr nicht den geringsten Vorteil bringt, Tausende zur Verfügung hat. für die Tantiemen, welche die Beamten zu beanspruchen haben, jedoch kein Geld vor- handen ist. Während also der Staats- und Kommunalbeamte aus seiner Stellung nur bei sehr grobem Verschulden entfernt werden kann, ihm außer Wohnunasgeld und diversen Nebenbezügen noch die Teuerungszulage in Aussicht stehk wird dem Privatbeamten sein Einkommen gelürzt, er muß aber höhere Steuern zahlen und hat bei der geringsten Kleinigkeit, wenn er. auch ohne Absicht, den Unwillen des Direktors erregt, die sofortige Entlastung bezw. Kündigung zu gewärtigen." Bisher haben sich die Beamten auf die liberalen Parteien verlassen, nun gehen ihnen die Augen über. Nachdrückliche Unterstützung finden sie— wie alle AnSgebeuteten— nur bei der Sozialdemokratie._ Zur politischen Lage In Sachsen. Der Landtag ist nach fast neunmonatigem Beisammensein bis zum Herbst vertagt worden, wo er noch eine größere Anzahl halbfertiger Gesetzesvorlagen erledigen soll. Seit Mitte der 60er Jahre, wo das Bürgerliche Gesetzbuch und andere große Ge» setze beraten wurden, ist eine Landtflgstagung von solcher Dauer in Sachsen nicht mehr zu verzeichnen gewesen. Die Ursache der Ver» zögerung ist in erster Linie in dem Wahlrechtsjammer zu suchen, womit 5 Monate kostbarer Zeit schließlick nutzlos vertrödelt worden sind. In zweiter Linie war der Grund der langen Tagung die Neuregelung der Beamtenbesoldung, die von den um die Beamtengunst um die Wette buhlenden Dreiklastcn» männern in der Weise durchgedrückt wurde, daß sie noch in dieser Session erledigt werden sollte. Dadurch wurde die Etatdberatung außerordentlich erschwert. Sie ist allerdings vorläufig mit Ach und Krach nach einer großen Hetze, wobei es über Hals und Kopf ging, und eine ordentliche Beratung nicht mehr möglich war. zu Ende ge- führt worden. Die Bcämtenbefoldung macht aber einen Er» gänzungsetat nötig, durch den fast der ganze Etat im Herbst wieder umgemodelt werden muß. Durch die Besoldungsvorlage haben die Staatsbeamten Zulagen von 7 bis 18 Proz. erreicht. Ein Mehraufwand von 13 Millionen Mark ist dadurch nötig geworden. Das ist der vierte Teil des gesamten Einkommensteuerertrages. Zur Deckung der Mehrausgaben soll eine Erhöhung der Stempel st euer durchgeführt werden, die 2 bis 3 Millionen Mark bringen soll. Woher die übrigen Millionen kommen sollen, weiß der Finanzminister, der gewaltig über die Mehrausgabe lamentiert und mehrfach den S t a a t S b a n k r o t t an die Wand gemalt hat, angeblich selbst noch nicht. Neben den Staatsbeamten haben auch die VolkSschul- lehrer Gehaltszulagen erhalten. Die Anfangsgehälter sind für ständige Lehrer von 1200 M. auf 1500 M., die nach 24 Jahren zu erreichenden Endgehälter von 2100 M. auf 3000 M. erhöht worden, außerdem soll fteie Wohnung, wie bisher, gewährt werden. Diese Gehalte sind Mindestsätze, die nach Belieben erhöht werden können. Von den Gehaltszulagen der Lehrer hat der Staat nur einen kleinen Teil übernommen, die weitaus größte Mehraus- gäbe fällt den Gemeinden zur Last. Die Gehälter der Geistlichen sind zu Lasten der Staatskaste ebenfalls er- höht worden, und zwar das Grundgehalt von 2400 auf 2300 M.. die Höchstgehälter von 5400 M. auf 6000 M. Dem Staate erwächst dadurch eine wettere Mehrausgabe von jährlich 504 000 M. Auch diese Gehälter sind nur Mindestsätze. Außer diesen Gehaltsregulierunaen hat der vertagte Landtag wenig positive Arbeit geleistet. Von den größeren Gesetzesvorlagen ist keine erledigt worden. Ein Kirchen- und Schulsteuer- gesetz ist noch nicht einmal in einer Deputation vorberaten. GMcrxs JntercKe tief dgS Waltergeletz teßch, da« bereits den boritzen Landtag und eine Zwischendeputation beschäftigt hat. Die Regierung erstrebte durch ihren Wassergesctzentwurs eine ein- heitliche Regelung der Benutzung fließender Gewässer und eine gene- relle Maßnahme zur Verhütung des Mihbrauchs und gegen die übermäßige Verunreinigung. Ferner sollte den Gemeinden die Wasserversorgung erleichtert werden, wozu besonders eine Eni- eignung von Quellengebieten vorgesehen war. Gegen diese Vor- lagen liefen in erster Linie die Agrarkonservativen Sturm. Von dem„W a s s e r s o z i a l i s m u s" der Regierungsvorlage wollten sie absolut nichts wissen. Nicht nach öffentlich rechtlichen, sondern nach privatrechtlichen- Gesichtspunkten wollten sie die Wasser- benutzung geregelt wissen! Mit anderen Worten: Die agra- rischen und industriellen Interessenten wollten sich dag Recht sichern, aus Gewinnrücksichten dae, fließende Wasser nach Belieben mißbrauchen und verschmutzen zu können! Was sie anstrebten, ist ihnen zum größten Teile auch gelungen! Noch in der Schluß- beratung brachten die Agrarier das Enieignungs- recht für Quell cngebiete zu Fall und schnitten damit den Gemeinden die Möglichkeit ab, sich auf dem Wege der Eni- eignung das nötige Trinkwasser zu beschaffen. Die Agrarier wollten die Notlage der Gemeinden, den Wasser- mangel benutzen, sich ihre Quellen mit Gold auf- wiegen zu lassen. Das weitaus größte Interesse rief natürlich die Wahl- rechtsreform wach. Wie schon angedeut- t, hat man trotz monatclangcn Hin» und HerzerrcnS nichtszu egegebrachl. Die Regierungsvorlage, die die Hälft, der 82 Abgeord- netcn durch Pluralwahlcn(zwei Zuschla'östimmen) mit Proporz, die andere durch kommunale Körperschaften Wahlen lassen wollte, ist einfach beiseite geschoben worden. Auch einen Vcrmittclungsvorschlag der Regierung, die Kommunalvertretcr auf ein Drittel bis ein Viertel der Vertreter zu reduzieren, ließ man links liegen. Dafür baute man einen Kompromihvorschlag zusammen, wonach ein Pluralwahlrecht mit drei ZuschlagSstimmcn eingeführt werden soll, und zwar derart, daß eine Vertretung der Arbeiterschaft so gut wie ausgeschlossen er- scheint. Bei diesem schmählichen WahlrcchtSschacher ließen sich iede der bürgerlichen Parteien nur von engherzigstem Parteiinstinkt leiten, vor allem war es jedem der Wahlrechte- schacherer darum zu tun. da» eigene Mandat zu sichern! Aber auch diese traurige Wahlrechtsmache wurde zu Wasser. Die Regierung will nun auch davon nichts wissen. Sie fordert vor allem eine Einigung über die W a h l k r c i S e i n tc i- I u n g, lehnt es aber ab, selbst eine solche vorzuschlagen. Doch hat ein Geheimrat zugesagt, auf eigene Hand eine solche herstellen zu wollen. Inzwischen hat ein Artikel in der„Norddeutschen All- gemeinen Zeitung" die sächsischen Konservativen, die Haupt- machcr deS Kompromisses, in große Erregung versetzt. ES ivird darin diesen Reaktionären unverblümt gesagt, daß sie sich bei der Wahlrechtsreform hätten nur vom ParteicgoiSmuS leiten lassen, die ganze Kompromißkomödie nur zum Schein aufgeführt hätten, während sie jede Wahlrechts- reform hätten hintertreiben wollen. Die also Eni- larvten vermuten, wahrscheinlich nicht mit Unrecht, daß da» Mini. steriuin Hohenthal dem Artikel sehr nahe steht. Es ist somit die Situation in der Frage der Wahlrechtsreform verworrener denn zuvor. Alles spricht dafür, daß auch in der Herbsttagung nichts zustande kommt. Für den Grafen Hohen- � t h a l, den Minister des Innern, bliebe in diesem Falle, will er seinem Versprechen treu bleiben, nichts weiter übrig, als die Landtagsauflösung oder den Rücktritt. Ein zweites erscheint ausgeschlossen, wenn er als Minister noch ernst genommen werden will. Nach dem bisherigen Verhalten der Negierung kann man aber dem Ministerium Hohenthal soviel Konsequenz und En!- schicdenbeit nicht zutrauen. Tie einzioc Möglichkeit, etwas in der Wahlrechtsreform zu erreichen, könnte nur durch eine mächtige Protestbewegung d e S entrechteten Volke» gegeben werden. Nun voraussichtlich wird die werktätige Bevölkerung Sachsens im Herbst ihre Schuldigkeit tu», und dafür sorgen, daß der Karren der Wahlrechtsreform nicht in dem Sumpfe stecken bleibt, wohin ihn die nationalliberalen und konservativen WahlrcchtSräuber gebracht haben, um auch fernerhin hinter den Dämmen des jetzigen Geldsackstvahlsystems ihr Unwesen treiben zu können. ein Zahr des Staatsstreiches. (16. Juni 1907— 10, Juni 1908.) Arn 16. Juni 1907 wurde laut Befehl de« Zaren die zweite Duma aufgelöst, die sozialdemokratische Fraktion verhaftet und ein neues Wahlgesetz oktroyiert, das die Volksvertretung den Junkern und Kapitalisten auslieferte. Durch einen siechen Gcwaltstreich wurde da» Volk um den größten Teil seiner politischen Rechte geprellt. Der Staatsstreich des garen war ein Verbrechen. Die Artikel 86 und 87 der Grundgesetze verboten unzweideutig die Abänderung de« Wahlgesetze» ohne Zustimmung der Reichs- duma. Der gar setzte sich über dieses Verbot hinweg. indem er in seinem Manifest erklärte, daß.nur der Macht, welche da« erste Wahlgesetz gescheukr hatte, der historischen Macht des russischen Zaren, da» Recht zustehe, dieses Gesetz abzn- ändern und durch ein neues zu ersetzen." Die«Nowoje Wremja" zog die Konsequenzen aus diesen Worten des Zaren und erklärte. daß nicht konstitutionelle Fiktionen, sondern.reale Macht- Verhältnisse" ausschlaggebend seien. Höhnisch fügte sie hinzu, daß„Gesetze dazu da seien, um verletzt zu werden". Gestützt auf das Junlertum, das fett Jahr und Tag zum Staats- streich drängte, und der wohlwollenden Neutralität des Großbürger- tumS bewußt, machte Nikolaus II. nicht einmal den Versuch, sein Verbrechen zu beschönigen, sondern appellierte an die ,um»m- schränkte Gewalt" deS Selbstherrschers als an die einzige auSschlag- gebende Instanz. Der 16. Juni bedeutet einen Wendepunkt in der Geschichte des „konstitutionellen" Rußland». Der Zar wagte es nicht, dem Drangen der Echtrussen nachzugeben, und die Duma endgültig zu vernichte». Er machte sie.unschädlich", indem er den Oktobristen und Recht»- Parteien die Majorität in den Wahlmännerversammlungen verschaffte und sich so eine gefügige Duma zusammenstöppelte, die sich zu jeder Schandtat bereit zeigte. Die Stätte, wo die Regierung bis dahin mir Niederlagen erlitt und die Minister mit Schimpf und Schande davongejagt wurden, wurde nun zum Schauplatz „patriotischer" Triumphe und zum Ausgangspunkt einer ganzen Reibe reaktionärer Maßnahmen, die die Regierung mit der.moralischen Unterstützung" der Dlockvrüder unternahm. Unfähig, an die Lösung der grundlegenden Fragen deS russischen Lebens zu schreiten, sah die oktobristische Duma ihre Hauptaufgabe im Kampfe gegen die Revolution, in der Wiederherstellung der vor- revoluttonären Zustände, in der Unterdrückung der nichtrussischen Nationen und vor allem— in der Unterstützung der mit neuer Macht eingesetzten imperialistischen NegierungS Politik. Die führende Dumapartei war sich darüber einig, daß die herrschenden Zustände umgestaltet werden müßten. Der Kern ihrer Be- strebnngen lief darauf hinaus, die ökonoinische und politische Exploitatton der.nationalen Machtfülle" als Hebel für die weitere Entwickelung des rusfischen Kapitalismus zu benutzen. Die erste Bedingung war aber, daß die Grundlage deS alten Regimes— die politische Rechtlosigkeit der Volksmassen und die ökonomische Abhängigkeit deS Bauerntums vom Großgrundbesitz— aufrecht erhalten werde. Daher die fanatische Verteidigung der Blutjustiz Italien. Bluturteile. England. Kein Zarenbesuch. und der Ausnahmegesete, daher die oktobristischen Gesezes- 1 erwähnten Pläne noch gar keine festere Form angenommen hätten. J Sinne der Einführung des Bundesmonopols für den Handel mit projekte, die nach den Worten der Nowoje Wremja" schlimmer Der Staatssekretär bat dann die hochmögenden Herren um gut Getreide und Mehl zu revidieren sei. find als die ärgste Willfür", daher bie Sanktionierung Wetter: er zollte der Wirksamkeit der Berufsgenossen der Repressalien gegen die Arbeiterorganisationen und die schaften volle Anerkennung und sprach die Hoffnung böllige Ignorierung der Agrarfrage, daher aber auch die An aus, daß bei der in Aussicht genommenen Reform ein Zusammens Paris, 16. Juni.„ Echo de Paris" meldet aus Mailand, griffe der Dumamajorität gegen die Regierung in solchen Fragen, wirken zum allgemeinen Wohle führen werde. Doch die Berufsdie die äußere Stärke des Landes betreffen. Die Bewilligung genossenschaftler ließen nicht locker. Der Vorsitzende( Architekt daß die Führer des Agrarausstandes in der Proving der Amurbahn, die Verweigerung der Flottenkredite, die Kritik der Gerhardt- Elberfeld) wies auf die Erregung hin, die durch die Barma vom Gericht sehr schwer bestraft wurden. Der er ste Großfürstenwirtschaft in der Armee in all diesen Fragen war Beitungsnachrichten entstanden sei, wonach eine Reform der einzelnen Setretär der Arbeiterbörse erhielt 5 Jahre 2 Monate die Duma durchaus konsequent. Die Duma des Staatsstreiches be- Bersicherungsgeseze dahin geplant sei, daß den Berufsgenossen fängnis wegen antimilitaristischer Propaganda. Die freiwilligen Berufsgenossen- Gefängnis, der zweite Sekretär 4 Jahre Gefürwortet, um die Aufmerksamkeit von den inneren Angelegenheiten schaften das Recht, als erste Instanz Entscheidungen festzusetzen, gearbeiter treffen nunmehr zahlreich in der Provinz ein unter dem abzulenken, eine aggressive äußere Politit, denn den nommen und dasselbe auf Lokaleinrichtungen übertragen werden soll. Schuße der Truppen. Die Zahl der Ausständigen und derjenigen, großen Problemen des Staatslebens, der Agrarfrage, der Arbeiter- In der darauffolgenden Debatte gab Zimmermann Nieß die unter dem Ausstande zu leiden haben, beläuft sich auf über frage, der Nationalitätenfrage usw. steht sie ebenso ohnmächtig Braunschweig dem Wunsche Ausdruck, daß die Berufsgenossenschaften 20 000. Der durch den Ausstand bisher entstandene Schaden gegenüber wie die Selbstherrschaft. gehört werden, bevor der in Frage stehende Entwurf an den Bundes wird auf 5 Millionen Lire geschäßt. Hiervon entfallen auf Das sind die politischen Ergebnisse des Staatsstreiches, soweit rat gelange. Die Versammlung schloß sich dem an die Grundeigentümer rund 3 Millionen Lire. fie fich im Brennpunkt des politischen Lebens, in der Reichsduma und beauftragte den geschäftsführenden Auswiderspiegeln. Was der Gewaltstreich vom 16. Juni dem Wolke ge- fchuß, auch die vom Vorsitzenden zur Reform der Versicherungsbracht hat, ist aus folgenden Zahlen ersichtlich: Es wurden während geseze gemachten Ausführungen zur Kenntnis der einzelnen Staaten London, 16. Juni. Unterhaus. Trevelyan fragte, des verflossenen Jahres von den Kriegsgerichten zum Tode ber zu bringen. urteilt 2293 Personen, und hingerichtet 904 Ber Demnach find die Berufsgenossenschaften in offiziellster Weise ob Vorkehrungen getroffen würden für einen baldigen Besuch des sonen( während der Session der dritten Duma stieg die über die Reform der Versicherungsgesetzgebung gehört den Raisers von Rußland in England und ob das Haus Ge. Entscheidungen zusprechen, ehe endgültige Exekutionstätigkeit der Kriegsgerichte um 70 Broz. und die 3 ahi Arbeit ern sind auch nicht einmal die Pläne der Regierung bekannt egenheit haben werde, feine Ansicht über solchen Besuch aus. der Hinrichtungen um 35 Bro 3.1), tausende von Ber- gegeben. Die in den Berufsgenossenschaften vereinigten Scharf- troffen würden. Staatssekretär Grey erwiderte, Vorkehrungen sonen wurden zur 3wangsarbeit und 8uchthausstrafe macher fühlen sich danach mit Recht als die Herren und betrachten für einen baldigen Besuch des Kaisers Nikolaus feien nicht ge,, begnadigt"; die Zahl der nach Sibirien Deportierten stieg die Minister als ihre Handlanger, die das Ministerwort zu ber- troffen und damit erledige sich auch der zweite Teil der Anfrage auf Grund von Gerichtsurteilen um 35 Pro 3., und auf Grund wirklichen haben:" Meine Herren, wir arbeiten doch nur für Sie." Trevelyans. Auf eine andere Anfrage erwiderte Staatssekretär Greh, nach einem Berichte des englischen Geschäftsträgers in administrativer Verfügungen um 68 Proz.( die GesamtTeheran herrsche dort beträchtliche Erregung und zahl der Deportierten in Sibirien belief sich am 1. Januar 1908 auf 74 275); endlich wurden auf admini- Aus dem Jahresbericht des Flottenvereins, der in diesen Unruhe; der Geschäftsträger jage aber nicht, daß für das Leben, strativem Wege( bloß bis zum 1. April) 81 Gewert.Tagen in Danzig tagte, ist folgende Stelle recht interessant, das Eigentum und die Interessen der Ausländer Gefahr bestehe. Rußland. schaften und und 41 Gewerkschaftsblätter unterdrückt. die manche bürgerliche Zeitungen unterschlagen: Hinzuzufügen wäre noch, daß kein einziges Gouvernement des europäischen Rußlands von irgend einer Abart des Ausnahme austandes frci blieb( von insgesamt 661 Kreisen werden bloß 26 auf Grund der gewöhnlichen" Bollmachten der Administration regiert) und daß über ein Sechstel des gesamten europäischen RußLands der Kriegszustand verhängt war. Endlich sei noch darauf hingewiesen, daß gegenwärtig 150 000 Bersonen oder 40 000 personen mehr als die russischen Gefängnisse überhaupt faffen tönnen, im Serter schmachten, wo fie allen Schrecktnissen, beginnend mit den Rigaer und Astrachaner Folterungen bis zum ledtyphus und Storbut aus gesezt sind. Politifche Ueberlicht. Berlin, den 16. Juni 1908. Die Kaiferrede. Die Aeußerungen des Kaisers werden heute dementiert. Das ist sehr vernünftig. Zwar ist es nur das kleine Dementi des Scherl- und nicht das große des Bülowblattes. Aber da diese noch mehr diskreditiert sind, genügt wohl auch diese Verleugnung. Flottenvereins- Vandalen. Als ein ganz hervorragend wirksames Werbemittel haben sich die Fahrten aur Wafferkante bewährt, insonderheit die Sendung der 300 deutschen Volksschullehrer nach Hamburg- Kiel- Helgo land- Bremen. Für diese Lehrerfahrten sollen besonders die Lehrer aus dem Binnenlande und abgelegenen Dörfern heran gezogen werden, um sie für den Flottengebanken zu gewinnen. Die Meldungen der Lehrer zu diesen Fahrten sollen möglichst direkt an den Flottenverein erfolgen, nicht durch Bermittelung des Stultus ministers."( Wozu wir Minister haben! D. St. d. V.) " Schülerfahrten wurden auch im letzten Jahre nach der Wasserkante veranstaltet. Nach Hamburg und Nach Hamburg und Kiel gingen 1700 Schüler. Die Stimmung derselben scheint eine etwas sehr feuchtfröhliche gewesen zu sein, denn der Bericht bermerkt: Nach ber der Präsidialgeschäftsstelle von der Garnisonverwaltung in Kiel übersandten Abrechnung find bei Benutzung des Kasernements in Wit unverhältnismäßig viel Beschädigungen des Juventars vorgekommen. Unter anderen Kleinigkeiten haben nicht weniger als 2 Stehlampen, 4 Hängelampen, 3 Kopfpolster, 163 Handtücher, 51 Wassertrüge, 50 Waschbecken, 58 Wasserflaschen, 97 Trint gläser, für 64,15 M. Fensterscheiben und ein Klosettbecken im Werte von 66,80 m. ersetzt werden müssen." Diese Stelle des Berichts zitieren wir aus der ,, Danziger Beitung" vom 15. Juni 1908. Die hier fragliche feucht fröhliche Schülerfahrt ist ja eine wahre Heimsuchung für die in Mitleidenschaft gezogenen Streise gewesen. Gehauft haben die flottenbegeisterten Jünglinge wie Vandalen. Wenn es sich um Sozialdemokraten handeln würde, das Geschrei in der anständigen" bürgerlichen Presse wollten wir hören! Das Vereinsgesetz in Hessen. Volksschuljammer. Russische Greuel. ge= Wir entnehmen einer Interpellation, die von den Sozialdemo fraten und Arbeitergruppen anläßlich der Gefängnisgreuel in Jekaterinoslaw in der Duma eingebracht wurde, einige Einzelheiten der dort stattgefundenen Mezelei: fich in die obere Etage an die Kammern der Untersuchungsge" Die Aufseher Mamai. Barabasch und andere stürzten fangenen. Obwohl es den letzteren vollkommen unmöglich war, zu entfliehen, begannen die Aufseher durch die Gittertüren der Kammern auf die längst den Wänden und unter den Pritschen niedertauernden Gefangenen zu feuern. Viele flehten auf den Knien, sie zu verschonen, das rettete ste aber nicht.... Es wurden auf diese Weise getötet 3 und berwundet 24 Gefangenel Bei den geschilderten Mordtaten offenbarte sich eine bei. spiellofe Grausamkeit: dem getöteten Wajuscha wurden beide Augen ausgestochen, bei 8uferin wurde die Hand durchbohrt, viele Tote wiesen Bajonett und Säbelstiche auf, die die Eingeweide bloßlegten; bei einigen war der Schädel gespalten. Die Verwundeten mußten sich ohne welche Hilfe bis zum Abend im Schmuß wälzen.... Bei vielen gingen die Wunden in Fäulnis über. Beim Verwundeten Broßia noi, der erst am folgenden Tage ins Landschaftslazarett übergeführt wurde, wurde die Wunde brandig; man mußte ihm beide Beine amputieren und er starb am selben Tage." A Perfien. Der starrsinnige Schah. Paris, 16. Juni. Der New York Herald" berichtet aus Teheran: Der Schab weigerte sich, eine Abordnung ber Nationalversammlung zu empfangen, die ihm eine Bittschrift unterbreiten wollte, in der barüber Klage geführt wurde, daß der Schah die Verfassung nicht achte. Marokko. Die Politik Frankreichs. Noch erfreulicher ist, daß man im Auslande sich an solche Plöglichkeiten gewöhnt hat und sie mit stühle und Gelassenheit aufnimmt. Die französischen Blätter begnügen sich mit der Konstatierung, daß die offizielle deutsche Politik momentan teinen Anlaß zur Beruhigung gebe. Nicht mit Unrecht spricht der Figaro" bon Soldatenberedsamteit". Im Aus Darmstadt wird telegraphiert: In der 3 meiten übrigen erklären sie, daß die Lage durchaus friedlich sei. Stammer führte bei der Beratung von Anträgen betreffend ein zum Reichsvereinsgeseh Doch ist nicht zu verkennen, daß die Kaiserworte auch dies- Ausführungsgeseh mal, wie schon ähnlich bei früheren Gelegenheiten, die Bartet Minister des Innern Braun aus, daß soweit möglich, Rücksicht auf der Kriegsrüstungen und Flottenvermehrungen im Auslande die bestehenden Bustände genommen sei. Das Bestreben sei bahin unterſtügen. Sicher find solche Aeußerungen auch kein ge- gegangen, möglichste Gleichmäßigkeit der Bestimmungen in eignetes Mittel, die Westmächte von ihrer Bündnispolitik ab- ganz Süddeutschland zu schaffen, diese Gleichmäßigkeit sei zubringen. Deswegen wäre es ein für allemal besser, wenn erreicht. Eine Mitarbeit des Parlaments bei ben Ausführungsfolche Worte nicht erst dementiert zu werden brauchten. bestimmungen sei nicht angängig, weil diese schon am 15. Mai in Daß aber private Aeußerungen des deutschen Kaisers Straft treten follten. Weiter bemerkte der Minister, daß der politische Bedeutung haben, ist eben nur der Ausfluß des Sprachenparagraph für Hessen praktisch gar keine Paris, 16. Juni." Petit Parisien" erfährt von zuständiger absolutistischen Systems in unserer auswärtigen Bedeutung habe. Daß die Anzeigepflicht in Hessen gegen Seite, daß die Politit Frankreichs Mulay Hafid Politit. Das englische Parlament tann fast in jedem Augen über anderen Staaten erschwert sei, könne niemand ernstlich be- gegenüber selbstverständlich von dessen eigener Haltung abblick die ihm notwendigen Informationen über auswärtige haupten. Im großen und ganzen fomme es auch bei den Aus- hängen werde. Falls Mulay Hafid die Befreiung der in El Politit erlangen und diese beeinflussen. Das deutsche Parla führungsbestimmungen ganz auf die Handhabung an. Man könne Sfar gefangen gehaltenen französischen Schutzbefohlenen anment ist schon deswegen einflußlos, weil es während des getroft das Zutrauen in die Regierung und die Behörden seßen, ordnen und seine Truppen eine forrette Haltung beobachten größten Teils des Jahres überhaupt nicht vorhanden daß sie bestrebt sein werden, die politischen Rechte der Bevölkerung würden, werde Frankreich sich von dem Gesichtspunkte leiten ist. Während der deutsche Reichstag bereits kurz nach in teiner Weise zu beeinträchtigen, lassen, daß die Anerkennung Mulay Hafids nicht Dftern vertagt wurde und bis tief in den Spätherbst von Frankreich allein, sondern von allen Signatarmächten hinein sich nicht versammeln wird, tagen alle anderen der Algecirasatte abhänge; auch könne die Anerkennung gang großen Parlamente von der russischen Duma bis zum Haus In der Denkschrift zur württembergischen Boltsschulnovelle wird gut aufgeschoben werden, ohne daß Frankreich Mulay Hafid der Gemeinen. Der Ausschuß des Bundesrats für auswärtige mitgeteilt, daß in der württembergischem Voltsschule am 1. Januar bekämpfe oder als Feind betrachte, so lange er nur selbst keine Angelegenheiten ist vollends eine lächerliche Fittion, auf den 1908 in lasien von mehr als 60 Schülern insgesamt feindselige Handlung gegen Frankreich unternehme. Wenn wirklichen Gang der Ereignisse noch viel einflußloser als der 182055 Süler unterrichtet wurden, nämlich 82 697 Schiller beispielsweise die Truppen Mulay Hafids in eine der HafenKanzler und das Auswärtige Amt. Die auswärtige Politik in 511 Klaffen mit 61 bis 65 Schülern, 30 396 Schüler in städte einrückten, so könne Frankreich jeden Zwist, jede Einbehält sich der Kaiser immer mehr als seine eigene An- 447, Rlaffen mit 66 bis 70 Schillern, 49 950 Schüler in 666 Relaffen mischung in die marottanischen Angelegen. gelegenheit vor. mit 71 bis 80 Schülern, 83 665 Schüler in 889 lassen mit heiten bermeiden und ruhig zulassen, daß beide Eben wieder kommt eine Nachricht aus London, in der 81 bis 90 Schülern, 19665 Schüler in 207 laffen Parteien ihren Streit untereinander austrügen; Frankdas deutlich zutage tritt. Danach wären zwischen dem mit 91 bis 100 Schülern und 16282 Schüler in reich werde reinem Thronbewerber Beistand deutschen Kaiser und dem türkischen Sultan mehrere 183 laffen mit über 100 Schülern. Württemberg zählt Leiften. Falls Vertreter Mulay Hafids in einer persönliche Briefe ausgetauscht worden. Der Kaiser 2 337 000 Einwohner. Wenn in diesem Ländchen die äußerst Hafenstadt, in der Frankreich den Polizeidienst zu verwolle im September nach Konstantinopel reisen, und man sei minimalen Forderungen der Novelle durchgeführt, der zur Beit be- fehen habe, als Behörde anerkannt werden sollten, könne in diplomatischen Streifen der Ansicht, daß der Kaiser den stehende Abmangel von 300 Lehrern beseitigt und der durch die Ein- Frankreich sich auf die ihm durch die Algecirasatte zugewiesene Wunsch habe, die Türkei an den Dreib und anzuführung eines 6. Bildungsjahres für die Lehrer entstehende einmalige Aufgabe, für den Schuß der Europäer zu forgen, beschränken. schließen. Persönliche Briefe, eine Reise, der Wunsch des Ausfall von ungefähr 250 Lehramtskandidaten gedeckt werden sollen, Die Politit Frankreichs lasse sich mit einem Worte als Politit Staisers,- es ist dieses rein persönliche Hervortreten des fo hat die Unterrichtsverwaltung für einen außerordentlichen der Nicht einmischung kennzeichnen. Frankreich scheint also das marokkanische Abenteuer ziemlich Raisers, welches unsere auswärtige Politit charakterisiert. Fast ist es unnötig, diesen neuesten Plan zu kritisieren. geht wohl zur Genüge hervor, in welch grauenhafter Weise die rasch liquidieren zu wollen, und es wäre an der Zeit, Der Anschluß der Türkei an den Dreibund würde diesen Boltsschule bis zum heutigen Tage vernachlässigt worden ist. Unter daß sich jetzt auch die närrischesten Andeutschen beruhigen. nicht stärken, sondern ihn mit einer Verantwortung belasten, der Herrschaft der Mutter Kirche. die ihn schließlich sprengen müßte. Für Deutschland bedeutete dies die Uebernahme der Verantwortung für ein völlig zerrüttetes, zu jeder Reform unfähiges, von inneren Unruhen zerrissenes Reich. Deutschland würde damit zugleich in den allerschärfsten Gegensatz zu England, Frankreich, Rußland und Italien treten. Wir wollen gerne zugeben, daß die Nachricht unwahrscheinlich ist. Aber was ist bei dem Charakter unserer auswärtigen Politik noch unwahrscheinlich? Der Staatssekretär des Innern auf dem Berufsgenossenschaftstage. Zuwachs von 800 bis 1000 Lehrern zu sorgen. Daraus Oefterreich. Mulay Hafid an der Regierung. Paris, 16. Juni. Nach Meldungen aus Fes vom 11. b. M. bestätigt sich das Gerücht von Wiedereinführung der Steuer auf Tabak und der Türsteuer. Der Studentenstreik. Wien, 16. Juni. Heute mittag fand eine Demonstration Mulah Hafid schrieb den Gesandtschaften einen Brief, in welchem von Studenten vor dem Parlament ftatt. Die Studenten, er bat, daß die Europäer sowie die Stonsuln nach Fes zurüdfehren. beren Bahl auf 2000 gefchäßt wurde, zogen nach der Parlaments- Wie es weiter heißt, find Mißhelligkeiten zwischen den Chefs der rampe. Das Tor des Parlaments wurde geschlossen. Der Ab- Mahalla von Abdul Afis, bie fich gegen ihn empört hatte, ausgeordnete Bernersdorfer richtete eine Ansprache an die gebrochen. Die franzöfifche Kolonie in El Ksar scheint nicht in Studenten, in denen er sie aufforderte, der Wache keinen Anlaß zum Gefahr zu fein. Einschreiten zu geben. Die Studenten zogen alsbald ab, ohne daß es zu ernsten Busammenstößen kam. Schweiz. Der Mehlzoll. Aus der Partei. Gestern wurde der 22. ordentliche Berufsgenossenschaftstag in Kiel eröffnet. An den Beratungen nahm im Gegensatz zum Unsere Toten. In Hannover starb der Genoffe Frig Strankenkassentongreß eine große Anzahl Regierungsbeamter teil. Bern, 15. Juni. Der Bundesrat hat beschlossen, das von im Alter von 52 Jahren am Herzschlage. Genoffe halbe hat seine Halbe, der langjährige Wirt des dortigen Parteilokals Ballhof. Der Staatssekretär v. Bethmann- Hollweg trat in seiner Begrüßungs- Deutschland angeregte Schiedsgericht in Sachen der in der Pflichten als Parteigenosse allezeit eifrig erfüllt. In der Zeit bes rede als sich entschuldigender Angeklagter auf. Er gab seinem Be- MebI30 IIfrage bestehenden Meinungsverschiedenheiten unter Sozialistengefeges stellte er sein damaliges Lotal im Klostergange dauern Ausdruck über die ablehnende Haltung, welche auch die gewiffen von der Schweiz vorgeschlagenen Bedingungen anauallen polizeilichen Beobachtungen und Schikanen zum Troß stets für Berufsgenossenschaften den augenblicklich den Ausschüssen des Bundes- nehmen, die geeignet erscheinen, eine sachgemäße und beschleunigte Bersammlungen und Sigungen zur Verfügung. rats vorliegenden Entwürfen über die Einrichtung der Lösung herbeizuführen. Dolizeiliches, Gerichtliches ufw. Arbeitstammern gegenüber eingenommen haben und kam dann auf die Erregung zu sprechen, welche die in der Presse veröffentlichten ,, Der Oberhirsch als Streifbrecheragent", Nachrichten über Arbeiterversicherungs- Reformpläne auf Einführung des Getreidemonopols ist dahin ab- so lautete die Ueberschrift einer Notiz, in der wir uns fürzlich der Reichs- Regierung hervorgerufen hat. Diese auf einer groben geändert worden, daß der Bundesrat so rasch wie möglich Bericht mit dem bekannten Herrn Strohfeld in Breslau beschäftigt hatten. Indiskretion beruhenden Nachrichten seien insofern falsch, als die darüber erstatten soll, ob nicht die Bundesverfassung im Strohfeld hat nämlich während des Streits der Metallarbeiter bei Das Getreidemonopol. Bern, 16. Juni. Der fürzlich im Nationalrat gestellte Antrag der Firma Gubisch in Biegniß diefer Firma Arbeitswillige Ser. I schriftliche Erlaubnis der Firma in einer Fabrik Stellung an Arbeiterüberfluß in Bremerhaven.' mittelt. Genosse Wolff, der verantwortliche Redakteur unseres zunehmen, welche die gleichen Produkte fabriziert wie Böhringer Breslauer Parteiblatts, das seinerzeit über den Vorfall in einer Sohn. Auch sollte Dr. K. weiter verpflichtet sein, jede Selbst- versucht es das Unternehmertum doch noch, Arbeiter nach dort zu Obwohl in Bremerhaven Arbeitsfräfte massenhaft brach liegen für Strohfeld nicht gerade schmeichelhaften Weise berichtete, wurde fabrikation oder indirekte Beteiligung an einer Fabrikation der be- lotsen. Es sei daher ausdrücklich davor gewarnt, Versprechunger daraufhin infolge einer Privatbeleidigungsflage Strohfelds wegen treffenden Geräte zu unterlassen und während der dreijährigen Unter- von Agenten, die goldene Berge in Aussicht stellen, Glauben za formeller Beleidigung zu 20 M. Geldstrafe verurteilt. lassungszeit der Firma C. H. Böhringer Sohn jederzeit seinen Wohnungs- schenken. In Bremerhaven ist lohnende Arbeit nicht zu finden. Auch unseren Verantwortlichen, den Genoffen Davidsohn, hat wechsel mitzuteilen, sowie jede zur Selarstellung der eingegangenen Ver Strohfeld verklagt. Die Sache tam am Dienstag vor dem Bres- pflichtungen nötige Auskunft zu geben. Bei Zuwiderhandlung gegen lauer Schöffengericht zur Verhandlung und endete mit der Frei- eine dieser Verpflichtungen sollte Dr. K. ohne Mahnung oder fprechung des Angeklagten. In der Urteilsbegründung wurde Verzugssetzung einer Konventionalstrafe von 100000 m. gefagt, der Ausdruck Oberhirsch, sei keine Beleidigung und der verfallen. Nach Verlauf von 1½ Jahren nach erfolgter Anstellung Ausdruck Streitbrecheragent bezeichne lediglich eine Ta t- fündigte Böhringer dem Dr. K. und trat letterer bei einer anderen Arbeitstag von neun Stunden auf zehnt Stunden hinaufzuschrauben Die Bauunternehmer von Helsingfors haben beschlossen, des ſa che. Firma in Stellung. Nach der Behauptung Böhringers soll das eine Den Arbeitern hat es unendliche Mühe gekostet, den Neunstunden. Herr Strohfeld befand sich im Zuhörerraume, und hinter dem Konkurrenzfabrit im Sinne des unterschriebenen Reverses fein. schüßenden Ofen halb verborgen, nahm er Kenntnis von seiner strengte deshalb Klage gegen R. auf Bahlung von 100 000 m. an. Rämpfe erfordern, Die Arbeiter sind nicht gesonnen, den Neun Arbeitstag zu erfämpfen, nun wird die Erhaltung desselben neu neuerlichen schweren moralischen Niederlage. Der Beklagte berief sich auf§ 138 Absatz 1 B. G.-B. und beantragte stundentag aufzugeben. Abweisung der Klage. " " Er Ausland. Finnland. Aus der Frauenbewegung. Früchte des Hakatismus. Redakteurfreuden. Das Zentralgefängnis in Bütow Das Landgericht Mainz erkannte die Klage im ermäßigten bezog am Dienstag der Genosse Kühn von der Mecklen Betrage von 10000 als gerechtfertigt an und verurteilte burger Boltszeitung". Die Nostocker Straffammer ver- dementsprechend den Beklagten. Die Berufung des Beklagten urteilte Kühn am 30. November v. J. wegen Beleidigung des wurde bom Oberlandesgericht Darmstadt zurüdRegenten von Braunschweig zu sechs Monaten gewiesen. Gefängnis. Es handelte sich um zwei Artikel, die anläßlich der Auf die Revision des Beklagten hin hob der dritte 8ivil: haben sich auch die polnischen bürgerlichen Damen in der Ostmari Die wenigen Vorzüge, die das neue Reichsvereinsgesetz bringt Regentschaftswahl erschienen waren. Das Reichsgericht bestätigte fenat des Reichsgerichts das oberlandesgerichtliche Urteil später δάξ Straffammerurteil, obwohl in diesem est auf und änderte das landgerichtliche Urteil dahin zunuze gemacht. Sie wollen hinfort den Männern im Kampfe stellungen" getroffen worden waren, die von dem Verteidiger ab, daß die Klage in vollem Umfange abgewiefen gegen den preußischen Hakatismus nicht mehr nachstehen und haber und dem Angeklagten in der direkt entgegengesetzten Weise vor- wurde. Der erkennende Senat legt dar, daß der vom Beklagten Aufgabe es sein soll, mit den Männern Schulter an Schulter geger zu diesem Zweck einen Verein polnischer Frauen gegründet, desser gebracht waren. Die Feststellungen" eines Urteils fann bekanntlich unterzeichnete Revers gegen§ 138 Absatz 1 B. G.-B. verstoße. Es das Reichsgericht nicht anfechten. Dieser Prozeß wird ebenfalls in folge dies einmal aus der Bestimmung über die Vertragsstrafe, welche Emanzipation der Frau vom wirtschaftlichen und gesellschaftlichen die Germanisierungsbestrebungen angulämpfen. Also nicht die der Geschichte der Majestätsbeleidigungen" eine in der außergewöhnlichen Höhe bei jeder einzelnen lleber Joch ist ihr Ziel, sondern extrem nationalistische Betätigung. nicht unwichtige Rolle einnehmen. tretung der in dem Revers enthaltenen, höchst umfassenden und minutiösen Verpflichtungen verwirkt sein soll. Demgemäß würde sich Stände unterzeichnet ist, fordert das Komitee alle Frauen und In einem Aufruf, der von einer Anzahl Damen der besseren* unter Umständen eine solche Häufung der einzelnen Vertragsstrafen ergeben, daß eine Summe herauskäme, welche mit der tatsächlichen Mädchen polnischer Zunge in Stadt und Provinz Posen zum BeiEine solche alle Grenzen übersteigende in unerschwingliche Summen fuchten die Damen ihren Einfluß einzusetzen. Ob die Union sämt Sachlage überhaupt außer jeder vernünftigen Beziehung stände. tritt in den Verein auf. Vor kurzem fand in Pofen die erste tonstituierende Versammlung statt, und auch bei den Wahlen vers auslaufende Vertragsstrafe enthalte aber einen Verstoß gegen licher polnischer Frauen der Ditmark, wie sie das Komitee plant, in wiesen worden wäre, daß derartige Bestimmungen Einfluß der Geistlichkeit unter den Polen ist ein nachhaltiger Erfolg die guten Sitten, auch wenn behauptet und be- Balde gelingen wird, bleibt abzuwarten. Bei dem fanatisierenden durch das reelle Jntereffe der Klägerischen Fabrit werft " Eine halbjährige Gefängnisstrafe hat am Montag Genosse Früngel aus Elbing angetreten. Die Strafe erhielt er in dem großen Prozeß wegen Beleidigung der Leitung der Schichaudargestellt. Von der Gefängnisleitung ist dem Genossen Früngel er hatte in zwei Flugblättern die Zustände auf der Werft Selbstbeschäftigung und eigene Belöstigung sowie das Tragen seiner Atleider gestattet worden. Das Lejen einer Beitung dagegen ist ihm bis auf das der Metallarbeiterzeitung nicht gewährt. Soziales. " geboten feien. Denn solche Bestimmungen würden unter Ver- sehr wahrscheinlich. nichtung der Vermögensstellung des Beklagten während seiner ganzen Lebenszeit nur in einseitiger Weise das Interesse des Klägers Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Nachträgliches zur Maiaussperrung. Bund für Mutterschuh. 267 Mütter standen im Alter von 20 bis Von der Konferenz über die Aerztefrage bei den Krankenkassen. wahren. Hierzu komme noch die Verpflichtung des Beklagten mittels Ehren- Selten hat eine Anregung so auf eine tief innerliche Notwendig worts zum Schutze der lediglich finanziellen Intereffen des Klägers. Wenn feit getroffen wie die Mutterschutzbewegung, die trotz der vielen Die Abendausgabe der„ Voffischen Zeitung" vom 18. Juni d. J. der Revers fonach als die persönliche Freiheit über- Feindseligkeiten, die man ihr im Anfang entgegenstellte, sich über t erklärlich sehr verärgert, daß der böse„ Vorwärts" wieder einmal mäßig beschränkend aus§ 138 Absatz 1 Bürgerlichen Gesetz- alles Erwarten fräftig entwickelt. in der Lage war, über eine vertrauliche Konferenz zu berichten, die buchs nichtig sei, so könne er auch nicht aus§ 133 f Absatz 1 Ge- Unter den Frauen, die beim Verein Hilfe fuchten, befanden sich Staatssekretär v. Bethmann- Hollweg auf den 11. und 12. Juni nach werbeordnung aufrecht erhalten werden, denn es handle fich hier im Jahre 1907 auch 38 verheiratete Frauen, die sich vor der Berlin einberufen hatte. Daß solche Beratungen von weitgehendstem nicht um eine Beschränkung der gewerblichen Tätigkeit nach Zeit, Brutalität des Ehemannes flüchten mußten, eine Illustration zu Berlin einberufen hatte. Daß solche Beratungen von weitgehendstem Drt und Gegenstand, sondern um die Art der Bestärkungsmittel dem Dogma von der alleinseligmachenden Ghe. Traurig ist es, Interesse nicht streng geheim sein sollten, mußte auch dieses Blatt eines Vertrages; ob eine solche Beschränkung, welche eine unbillige daß eine so große Zahl ganz junger Mädchen( 53) von 15-19 Jahren einsehen, welches jest selbst bemerkt, daß es im öffentlichen Erschwerung des Fortkommens enthält, vorliege, könne daher ganz schon Mütter wurden. Interesse geboten ist, schon jetzt mitzuteilen, daß nach den ge- dahingestellt bleiben. 25 Jahren, 119 zwischen 26-35 und 17 givischen 36-45 Jahren. pflogenen Verhandlungen eine Aussicht auf gesegliche EinDen größten Prozentsaz bildeten wieder die Dienstmädchen mit führung der freien Arztwahlinden krantentassen 144 Fällen; dann tamen 84 Stüßen, Krankenschwestern, 96 Handlungs nicht vorhanden ist". Das Blatt hat ausnahmsweise mal gehilfinnen, Telegraphiſtinnen, 78 Heimarbeiterinnen, Schneiderinnen, richtig berichtet. Den Scharfmachern der Aerzte brachte diese 34 Arbeiterinnen, 4 Schauspielerinnen, 9 Lehrerinnen, 9 Obdachlose, Konferenz eine Niederlage! Volle zwei Tage diskutierte 1 Prostituierte, 1 Geistestrante. Interessant ferner ist die Tat unter dem Vorsitz des Ministers diese Konferenz und scharfe sache, daß auf die 457 Fälle, die der lezte Jahresbericht um Angriffe erfolgten auf die Aerztezünftler. Bezeichnend war es, daß Trotz der Ankündigung, bis zum 6. Mai ausgesperrt zu werden, 2 jüdische sind. Es hängt das wohl mit dem Umstande zusammen, faßt, unter 404 evangelischen und 51 katholischen Müttern nur in erster Linie die Vertreter der Bahnärzte und Snapp- hatten die organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen der Pianomechanitfabrit Schüze u. Freund in Lichtenberg den daß die jüdischen Mädchen viel mehr heiraten als die schaftsärzte ihren Kollegen von dem Leipziger Verband hart zu- 1. Mai durch Arbeitsruhe gefeiert. Am 6. Mai wurde aber nur ein hriftlichen. Die Mütter waren fast durchweg in den letzten Monaten setzten und deren Treiben arg bloßstellten. Und erst die Groß- Teil vorläufig wieder eingestellt, worauf die Beteiligten bis auf sie wieder arbeiten konnten, doch im allgemeinen fo niedrig ist, daß vor der Entbindung stellungslos, und da ihr Einkommen, auch wenn industriellen und Knappschaftsdirektoren! Diese ritten eine brei solidarisch den Betrieb verließen. Nach mehrmaligem Ber- fie die 20-35 Mart Rostgeld für das Kind, erll. Wäsche und Kleidung, scharfe Attacke gegen die Leipziger", weil dieselben bei den Orts- handeln erhielten die zum Teil neun Jahre und länger dort Be- fie die 20-35 Mark Kostgeld für das Kind, exkl. Wäsche und Kleidung, frankenkassen nicht halt machen, auch die gutgeleiteten" Betriebs- schäftigten ihre definitive Entlassung. taum erschwingen können, so ist für die Frau, für die der Vater des franfenfassen usw. mit freier Arztwahl versorgen wollen. Das Der aussperrungsluftige Unternehmer hat jetzt Jugendliche und Kindes nicht einstehen kann oder will, ein wahres Jammerleben die Allerschönste ist aber, daß dann, nach den Auklagereden der Vertreter Lehrlinge eingestellt, und statt der sonst üblichen dreijährigen soll Folge einer„ Schuld", die doch schließlich nur den vitalsten Bedürfnissen der Ortskrankenkassen, auch die geladenen Unparteiischen", den jugendlichen Arbeitswilligen hergestellten Mechaniken könnte dem spettiven, die vor den jungen Müttern liegen, haben sich doch einige nun eine 14 tägige Lehrzeit genügen. Von der Sauberkeit der von förperlich reifer Menschen entspringt. Trotz der traurigen Berdie Vertreter der Großstädte als Aufsichtsbehörden, bom Herrn Schüße mancher Zusammenseßer etwas erzählen. Der Herr geweigert, den Vater des Kindes zu heiraten, der sich dazu be Terrorismus der Aerzteschaft" schriftliche Belege sei an die Hamburger Firma Jiermann erinnert, die ihren Betrieb reit zeigte, da sie einsahen, daß sie mit dem betreffenden Manne nut brachten, die selbst bei einem Bethmann- Hollweg Kopfschütteln er aufgeben mußte, da die Arbeit Ungeübter die Kundschaft nicht be- unglücklich werden könnten. Von den 4-500 Kindern, für die der regten! Da die ganze Konferenz stenographisch aufgenommen werde, friedigte. Auch dort waren alte Arbeiter zum großen Teil nicht Berein Unterkunft suchte, konnten nur zwei durch Adoption in geso kann sich ja der Kanzler Bülow genauere Informationen jetzt ein- wieder eingestellt worden, die wegen Lohnreduzierung vor andert sicherte Berhältnisse gebracht werden. holen, bevor er wieder einmal eine Rede über den„ Terrorismus halb Jahren die Arbeit verweigert hatten. der sozialdemokratischen Ortstrantentassenborstände im Herrenhaus Iosläßt!! Auf der Anklagebant faß der ,, Leipziger Verband der Aerzte", den Vorsitz führte ein preußischer Staatsminister, Zwangsärzte, Großindustrielle, Direktoren, Staffenvertreter waren die Ankläger und als Zeugen fungierten eigentlich die Magistratsvertreter gegen die Angetlagten! " " Alle Hoffnungen der braben Streiter" wurden zerstört, denn Deutfches Reich. Metallarbeiter! Die Väter rekrutierten sich so ziemlich aus allen Atreifen; es fonnte aber taum die Hälfte der in Frage kommenden Männer eruiert werden; auch waren einzelne Frauen nicht dazu zu bringen, den Vater ihres Kindes zu nennen, um ihm feine Unannehmlichkeiten zu machen. Die Mehrzahl der Väter stand zwischen dem 19. bis 45. Jahre; ein Vater war erst 17 Jahre alt, zwei fchon 50, einer 58 und einer gar 62. Versammlungen Beranstaltungen. Charlottenburg. Mittwoch, den 17. Juni, 8%, Uhr im Voltshause, Rosinenstr. 3. der Minister erklärte ja selbst, daß nach der ihm jezt gewordenen nun mit Unterſtügung der Industriellen- Nachweise die Heranziehung mirdorf. Heute Mittwoch, den 17. Juni, 8%, Uhr bei Thiel, Bergstraße 151/152: Schlußversammlung. Bericht der Vorstzenden und der Kassiererin. Zum Streit und zur Aussperrung bei der Firma Brown, Boveri u. Co. A.-G. in Mannheim ist zu berichten, daß eine wesentliche Aenderung in der Sachlage nicht eingetreten ist. Trotz der vierzehntägigen Dauer des Kampfes ist es der Firma nicht gelungen, Streitbrecher zu bekommen. Neuerdings scheint die Firma Aufklärung an die gefeßliche Einführung der freien wohl vorausseßt, daß die Metallarbeiter zu sehr auf Ehre halten um der edlen Elemente intensiver betreiben zu wollen. Arztwahl nicht zu denken sei! Das war eine bittere sich als Streitbrecher nach Mannheim locken zu lassen, versucht man Bille für die Zünftler des Aerztestandes, die ihre besten Redner vor- es auf einem Unwege, indem Leute für das Schweizer Wert geschickt hatten. Aus den Erklärungen des Ministers ging zum gesucht werden. Durch Fertigstellung der notwendigsten Arbeiten im Schlusse hervor, daß er vorerst einmal durch Gesetz das Verhältnis Schweizer- Wert will die Firma sich aus der Verlegenheit helfen. zivischen Aerzten und Krankenkassen regeln wolle. Es soll aber Wir ersuchen also dringend alle Metallarbeiter, bei Nachweisung tein bestimmtes Aratsystem, insbesondere also nicht das von Arbeit durch den Industriellen- Nachweis, äußerst vorsichtig zu der freien Arztwahl, obligatorisch vorgeschrieben werden, dies sei sein und sich genau zu erkundigen, wohin sie vermittelt werden! den Bereinbarungen zwischen Kassen und Aerzten zu überlassen. es zur Kündigung von seiten der Firma gekommen. Die dort be Auch im Frankenthaler Wert der genannten Firma ist Also der alte Zuſtand, da die Regierung jetzt alle Luft verloren hat, schäftigten Modellſchreiner( 5 Man) haben sich geweigert, für Mann- Letzte Nachrichten und Depeschen. Rummelsburg. Morgen Donnerstag, den 18. Juni, 8 Uhr bei Tempel, Alt- Boghagen 5b: Vortrag. Was muß die Prole tarierin vom Alkohol wissen?" Wilmersdorf. Morgen Donnerstag, den 18. Juni, 8%, Uhr im Luisenpart", Wilhelmsaue 112: Vortrag. In der Badewanne ertrunken. den Schreiern unter den Aerzten zu helfen! Gewisse Normal- heimer Arbeit Modelle zu machen und daraufhin wurde sämtlichen vorschriften für die Arztfrage sollten jedoch erlassen werden, damit die Formern, Modellschreinern und Hilfsarbeitern auf nächsten Donners Streitfragen etwas erleichtert würden. Den Hauptwert legte die tag gekündigt. Es wird dann die Gesamtzahl der Kämpfenden zirka In tiefe Trauer wurde gestern nachmittag die Familie des Regierung in ihren Vorschlägen auf die Schaffung von 1500 Mann betragen. Arbeiters Ackermann aus der Ehlauer Straße 5 bersetzt. Während Schiedsinstanzen für den Fall, daß eine Einigung zwischen Aussicht, durch Verhandlungen mit dem Industriellenverband der Mann sich auf der Arbeitsstelle befand und die Frau Wirt Aerzten und Krankenkassen nicht zustande kommt, und soll das An- den Konflikt beizulegen, ist vorerst nur wenig vorhanden. Wir ersuchen die Metallarbeiter aller Branchen, das gesamte schaftseintäufe machte, faßten die beiden zehn und vierjährigen rufen dieser Schiedsinstanzen zunächst fakultativ ſein. Ferner soll Industriegebiet, Mannheim- Ludwigshafen a. Rh, strengstens zu Mädchen den Entschluß, wegen der drückenden Hiße unbemerkt das Gefez keine Bestimmung über die Bezahlung meiden und auch unter keinen Umständen Arbeit für die Schweiz ein Bad zu nehmen. Zu diesem Zwed ließen sie die Badewanne ärztlicher Leistungen treffen und sollen die Fragen anzunehmen. Ebenso ersuchen wir alle Arbeiter, die auswärtigen boll Wasser und riegelten die Tür ab. Als die Mutter von ihrem offen bleiben, ob Arztordnungen erlaffen werden sollen, Montagen diefer Firma wie bisher weiter genau zu beachten und Ausgange zurückkehrte und auf ihr Klopfen nicht geöffnet wurde, ob die Landeszentralbehörde das Recht haben sollen, für alle fachdienliche Vorkommnisse uns sofort zu berichten. ließ fie boll böser Ahnung die Tür durch einen Schloffer gevalt. Strankenkassen einen Mindestprozentsaz bon Aerzten borsam öffnen. Leider fand sich ihre schlimme Vermutung bestätigt, zuschreiben usw. usw. denn die beiden Mädchen wurden tot in der Badewanne vorge funden. Schamlose Ronkurrenzlaufeln. Die Ortsverwaltung Mannheim des Deutschen Metallarbeiter- Berbandes. Nebergriffe der Unternehmer. 350 Fischer ertrunken. Dienstmädchenleid. Das Reichsgericht hat dieser Tage in einem Prozeß gegen den In der Glasfabrit in Brodniß bei Meißen, in der die Glas insbesondere in chemischen Fabriken gebräuchlichen Terrorismus arbeiter wegen Nichtabschaffung des ungerechten Lohnabzuges von Stellung genommen, der durch hohe Konventionalstrafen gegen An- 5 Broz.( die 5 Broz. werden unbeschadet der sonstigen Nichtabnahme gestellte getrieben wird. Es hat in Uebereinstimmung mit der fehlerhafter Ware bon allen hergestellten Waren noch besonders abNew York, 16. Juni.( Auf deutsch- atlantischem Rabel.) tändig von uns verfochtenen Ansicht und entgegen der herrschenden gezogen) seit einigen Wochen streiten, werden noch ungefähr 100 Nach einer Meldung aus Tokio find an der Küste bei KagoJuditatur einen solchen Vertrag als einen gegen die guten Sitten jugendliche Arbeiter, meist Ausländer( Polen, Galizier usw.) be- schima 50 Fischerboote gesunken und 350 Personen ertrunken. verstoßenden nichtigen bezeichnet. Der Rechtsfall lag folgender- schäftigt. Am Mittwoch voriger Woche erklärten sich nun erst zehn maßen: von diesen Leuten mit den Streifenden solidarisch und gingen Der Chemiter Dr. A. in Grünroda in Sachsen war am Donnerstag nicht zur Arbeit. Da nun die Betriebsleitung offenmit der Firma C. H. Böhringer Sohn in Nieder- bar befürchtete, der Rest der jungen Leute würde seinen wackeren Beuthen, 16. Juni.( B. H.) Aus dem vierten Stod eines Ingelheim einen Anstellungsvertrag eingegangen, nachdem er als Stameraden folgen, wandte sie ein Mittel an, das nahe an Wohnhauses in der Parkstraße sprang ein Dienstmädchen und wurde zweiter Betriebsaffiftent in der Milchsäurefabritation bei einem Jahres- Freiheitsberaubung streift und zeigt, daß das Unternehmertum vor später als zerschmetterte Leiche aufgefunden. gehalt von 2400 M. gegen dreimonatliche Sündigung angestellt nichts zurückschredt, wenn es seine Profitintereffen gilt. Die jungen wurde. In einem bei der Anstellung unterschriebenen Reverse ver- Leute, die am Donnerstag wieder zur Arbeit gegangen waren, pflichtete sich Dr. R. auf Ehrenwort, von dem Geschäft und fanden am Abend einfach die Tore gesperrt. Sie wurden in feinen Einrichtungen ohne ausdrückliche Erlaubnis seitens der Baraden der Firma untergebracht, erhielten Essen und Trinken, Firma niemandem Mitteilung zu machen. Diese Verpflichtung Bigaretten usw. Troß dieser sonst gar nicht gewohnten Freigebig sollte sich bis auf drei Jahre nach dem Austritt aus dem Geschäfte feit der Firma verließen noch einige der Eingesperrten den Betrieb erstrecken, neben der Verpflichtung, während dieses Zeitraums weder über einen zwei Meter hohen Zaun. in Deutschland, Defterreich- Ungarn, Schweden und Belgien ohne Großfeuer. Siegen, 16. Juni.( B. H.) Jm benachbarten Drte Tiefenbach brach heute vormittag gegen 11 1hr Feuer aus, das sich auf elf Häuser verbreitete. Es besteht Gefahr, daß weitere Häuser dem Brande zum Opfer fallen. Verschiedene Wehren aus der Umgegend find nach dem Brandort geeilt. Berantw, Redalt: Georg Davidjohn, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin, Drud u.Berlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Sierau 2Beilagen u. Unterhaltungsbl |i. 139. 25. ZahiMS. L KeilGt des Jorairts" Kerlim WlksM Mv-ch, 17. JimUS®. fehlgeschlagener fcldzug gegen«lie Neikenleer Ortsliranlienkalle. Die Widerrechtkichkeit des BorgeheoS der.Aufsichtsbehörde'(der bekannte Dr. Pape) gegen den Vorstand der Ortskrankenkasse in Weißensee wurde am Diontag in zwei Fällen vom Ober- Verwaltungsgericht anerkannt und die auf Eni- setzung des Vorstands von seinem Amt lautende Ver- fiigung außer Kraft gesetzt. In dem einen Fall bestand das Verbrechen deS Vorstandes darin, daß er die Broschüre.Alkohol und Volksgesundheit' hatte verbreiten lassen, in dem andern Fall genügte der Aufsichtsbehörde zur Amtsentsetzung des Vorstandes der Umstand, daß der Vorstand es ablehnte, für Rückerstattung der Delegationskosten zu sorgen, die durch die Beschickung der Generalversammlung des Verbandes der Ortskrauken- lassen entstanden waren. Die Prozeßberichte lassen wir nachstehend folgen. 1. Alkohol-Fall. Der Borstand der Ortskrankenkasse Weißensee hatte im Mai 1906 versucht, die Zustimmung der Aufsichtsbehörde zur Anschaffung und Verbreitung von 1000 Broschüren:.Alkohol und Volks- gesundheit' zu erlangen. Als diese versagt wurde, beschloß der Vorstand, SOO Exemplare zu kaufen. Wenige Tage darauf wurde deshalb der Vorstand seines Amtes entsetzt, und die Aufsichtsbehörde übernahm selbst die Verwaltung bezw. ließ die Geschäfte kommissarisch verioaltcn. Es wurde dem Vorstand grobe Verletzung seiner Amtspflichten vorgeworfen. Die Klage der Vorstandsmitglieder gegen diese Verfügung wurde wegen des Prinzips aufrechterhalten, obwohl der Gememdevorstand in Gegensatz zu Dr. Pape nach kurzer Zeit die Amtsentsetzung zurück� uahni.— Der Bezirksausschutz z u Potsdam stellte sich auf de» Standpunkt, daß in Anbetracht der Zustimmungsverweigerung der Aufsichtsbehörde der Beschluß auf Anschaffung jener Broschüre eine grobe Amtsverletzung darstelle I Er erklärte aber die Amtsentsetzung für unhaltbar und setzte sie außer Kraft, weil den Vorstandsmitgliedern nicht vorher Gelegenheit gegeben worden ist, sich zur Sache zu äußern. Das Bezirksgericht erachtete die Uebernahme der Kaffengeschäfte seitens der Auffichtsbehörde für berechtigt! Es ging in der Haupt- frage davon aus, daß die mit der beabsichtigten Verbreitung jener Broschüre bezweckte Verhütung von Krankheiten eine Maßnahme sei, die nicht zu den Aufgaben der Krankenkassen gehöre I Der Vor st and focht dies Urteil, soweit die Uebernahme der Kassenverwaltung durch die Behörde dadurch gebilligt war, durch die Revision an. Rechtsanwalt Ruhm machte vor allem geltend, daß die Aufklärung über die Gesundheilsgefahren des Alkohols ganz zweifellos den Kassen diene, da diese doch für ihre Aufgaben größere Mittel gewännen, wenn die Erkrankungsmöglichkeit durch die Ausklärung vermindert werde. Ferner verwies er auch darauf, daß die angefochtene Verfügung, soweit der Bezirksausschuß sie noch aufrechterhalten habe, mit dem Wortlaut des§ 45 Abs. 5 des Krankenverficherungsgesetzes in Widerspruch stehe. Der dritte Senat des preußischen Ober» Verwaltungsgerichts hob denn auch die Vor» cntscheidung auf und setzte die Verfügung der Aufsichtsbehörde im vollen Umfange außer Kra f t. Gründe: Der Senat könne nicht auf die Frage eingehen, ob die Anschaffung solcher Broschüren zu den Zwecken einer Krankenkasse gehörten. Denn die noch strittige Uebernahme der Kassen- Verwaltung durch die Aufsichtsbehörde fei schon aus folgendem Grunde verfehlt:§45 Abs. 5 des Gesetzes besage, daß die Aufsichtsbehörde die Befugnisse und Obliegenheiten der Kasse usw. wahrnehmen könne, solange unter anderem die .Organe der Kasse die Erfüllung ihrer gesetz- mäßigen usw. Obliegenheiten verweigern'. Dieser in Betracht kommende Passus setze doch aber voraus, daß ein Zu- st a n d vorliege, wo die Obliegenheiten der Kasse vor- genommen werden können und sich der V o r st a n d nur weigere. Das sei aber nicht der vorliegende Fall. Darum müsse die Verfügung auch in diesem Punkte außer Kraft gesetzt werden.-- 2. Fall, betr. DelegationSkosten. Die Ortskrankenkasse in Wcißensee hatte 1965 die zwölfte Generalversammlung des Verbandes der Ortskrankenkassen im Deutschen Reich durch ihren Vorsitzenden Reske als Delegierten be- kleines Feuilleton. Wie literarische Gutachten zustande kommen. Um ihrem miserablen Lesefutter durch Titel und Namen ein gewisses Relief zu geben, prunkt die Bibliothek Scherl mit umfangreichen Gutachten, in denen sich„führende deutsche Geister' für diesen Humbug um die Wette blamieren. Wir haben von vornherein angenommen, daß die Mehrzahl der Gutachter düpiert worden ist.(Etwa mit den Geistreichigkeiten, für die Julius Hart Honorar bekommen zu haben zugibt.) Da uns indes das Renommee der deutschen Professoren gleichgültig ist, haben wir die Sache aus sich beruhen lassen. Inzwischen Haft der Maler Hans Thoma, mit dem die Emporleseanstalt auch hausieren geht, mit einigem Humor bekannt, daß ihm die Sache höchst gleichgültig isftund daß er um so mehr als Sachverständiger herbeigezogen wird, je mehr er versichert, daß er von vielen Sachen nichts versteht. Aber einem Zeitungsbeherrscher und Dirigenten des öffentlichen Orchesters wie Scherl gegenüber hat der gute Hans Thonia offenbar nicht den Mut gehabt, szu schweigen oder sich erst einmal anzusehen, was er empfiehlt. Wie's andern dieser Gutachtergilde ergangen ist, deutet Herr Langen an, dem man weingstens mit Recht nachsagen kann, daß er geschäftliche Unter- nchniungen nicht mit den Augeneiues Wolkenheimers ansieht. Er schreibt im„März": „Ich habe mich an die meisten der Herren gewandt, die im ersten Bande der Bibliothek August Scherl für diese Sache ein- traten, und habe auch von den meisten mehr oder weniger aus- ftihrliche Antworten erhalten. Allen diesen Antworten ist eines zemeinsam: Die Herren versprachen sich von der Bibliothek ünen erfolgreichen Kampf gegen die gemeine Kolportage- üteratur. Deshalb unterstützten sie das Unternehmen und waren rwuiit einverstanden, daß ihr Gutachten abgedruckt wurde, selbst wenn dies nicht immer dem vollen Umfange nach geschah. Und noch eins ist für fast alle dieser Antwortschreiben an mich bezeichnend: Die meisten Herren hatten von vornherein einige Bedenken gegen de» Scherlschen Plan. Man bezweifelte, ob man auf diesem Wege wirklich auch gerade an die Leserkreise käme, an die doch nur gedacht worden war: die Leser der Kolportageromane. Andere zeigten auch Bedenken gegen die Auswahl der Bücher, solveit sie ihnen bekannt war. Diese Bedenken wurden aber von den Vertretern Scherls, welche die Herren persönlich aufsuchren, zumeist beseitigt. Die Ge- schicklichkeit dieser Reisenden fand allgemeine Anerkennung." Ist das nicht reizend? Wenn irgend ein neues Mundwasser oder Abführnmtel mir Empfehlungen Sachverständiger ausgestattet wird, weiß jeder, was er davon zu halten hat. In der Literatur war dies Gutachterwesen immerhin noch nicht recht eingeführt. ES ist Scherls Verdienst, diesen Trick mit ganz nettem Erfolg gemacht zu haben. Gesehen hat natürlich kein einziger der Kapazitäten, die der Reklame für Scherl dienstbar gemacht werden, die fürchterlichen Druckwerke dieser Bibliothek. ausgerechnet hat keiner, wie teuer die Lektüre eines I schickt. Aus Kaffennritteln wurden ihm 56 Mark Aufwands- und Reisekostenentschädigung gewährt. Der Gemeindevorstand von Weißensee als Aufsichtsbehörde wandte sich in mehreren Verfügungen dagegen und verlangte die Zurück- z a h l u n g d e r 50 Mark unter Androhung von Ordnungsstrafen für die Vorstandsniitglieder. Als dies nichts half, wurden Ordnungsstrafen von je fünf Mark gegen die Vorstands- Mitglieder verhängt und die frühere Anordnung, für die Rück- Zahlung der 56 M. zu sorgen, unter Androhung weiterer Ordnungs- strafen erneuert. Die Vorstandsmitglieder klagten im Ver- waltungs st reitverfahren und machten geltend, es läge keine ungesetzliche Verwendung von Kasiengeldern vor. Es habe im hohen Grade im Interesse der Kasse und ihrer Mitglieder ge- legen, die Generalversammlung des Verbandes zu beschicken. Das ergäben die Verhandlungen, die sich unt�r anderem auf folgende Fragen erstreckten:„Erhebung der Beiträge für die Invaliden- Versicherung durch die Krankenkassen: Vereinheitlichung der Arbeiter- Versicherung; die deutsche Reichsarzneitaxe; Rechtsprechung des Ober- Verwaltungsgerichts über die soziale Prophylaxe der Krankenkassen; Pensionsftage der Beamten; Anträge auf Abänderung des Kranke:?- verficherungsgesetzeS". Somit wären die 56 M. zu den Verwaltungs- kosten der Kasse zu rechnen. Keinesfalls hätten Ordnungsstrafen fest- gesetzt oder angedroht werden dürfen. Der Bezirksausschuß zu Potsdam wieS jedoch die Klage ab. Er führte u. a. aus: Die Frage, ob es sich bei den 56 M. um Verwaltungskosten im Sinne des§ 29 des Gesetzes handele, sei zu verneinen. Die Verwaltungstätigkeit der Kassen- organe habe sich auf die gesetzlich zulässigen Aufgaben zu beschränken. Die Generalversammlung des Zeutralverbandes der Ortskraukenkassen zu Dresden habe sich im wesentlichen nur damit beschäftigt, wie auf eine Aenderung der bestehenden Gesetze hinzuwirken sei. Die Er- örterung von Vorschlägen über die Aenderung und Verbesserung von Gesetzen gehöre aber nicht zu den Aufgaben von Krankenkassen. Aber selbst insoweit auf der Generalversanimlung des Verbandes Angelegenheiten verhandelt werden sollten, welche an sich zu den Ausgaben der Kassen gehören, habe die Aufwendung von Kassen« geldern hier nicht als notwendig anerkannt werden können, denn die erforderliche Belehrung über die gesetzlichen Aufgaben hätten die Kassenorgane mit geringeren Kosten aus der Literatur erlangen können. Die Anordnung der Auffichtsbehörde wäre gerechtfertigt. Der dritte Senat des preußischen Oberverwal- tungsgerichts hob die Vorentscheidung auf und setzte die Verfügungen des Gemeindevor.standes außer Kraft. Das Gericht erklärte: Die Aufsichts- behörde ist mit ihren Verfügungen einen über- Haupt nicht zulässigen Weg gegangen. Die Be- Hörde hätte nicht das Recht gehabt, dem Vorstand in der fraglichen Weise aufzugeben, die verausgabte Summe wieder zu beschaffen. Erfolgte die Herausgabe nicht, so wäre nur der Rechtsweg in Frage gekommen. Es hätte dem Vor- stand höchstens aufgegeben werden dürfen, den Rechts- weg gegen den Empfänger zu beschreiten und anzuzeigen, daß es geschehen sei. Eventuell habe sich die Aufsichtsbehörde mit der Generalversammlung der Kasse in Verbindung zu setzen. Weigere sich dann diese, die Beschreitung des Rechtsweges eintreten zu lassen, so habe die Aufsichtsbehörde zu erwägen, ob sie selbst für Rechnung der Kasse den Rechtsweg beschreiten oder einen Dritten damit beauftragen wolle. Aus diesen Gründen ergebe sich, daß die Verfügungen des Gemeindevorstandes hier außer Kraft gesetzt werden müßten, ohne daß die materielle Frage zu entscheiden sei, ob die Ausgabe der 56 M. nach Lage der Dinge im Rahmen des§ 29 Kr.-V.-G. sich bewegt habe und Anlaß, gegen die Verausgabung einzuschreiten, überhaupt vorgelegen habe. � Die reichsverbändlerische und mugdanesische Presse hatte seiner- zeit über Mißverwaltung der Ortskraickenkassen usw. alles Mögliche erfabelt. Wird sie nunmehr ihre Leser davon unterrichten, daß nicht der Kassenvorstaud, sondern die Auffichtsbehörde— der Dr. Pape gehört ja wohl dem Reichsverbande an-- das Gesetz kraß ver- letzt hat?_ Der 7. Kongreß der schwedischen SoMldemokratie. Der Parteitag unserer schwedischen Genossen dauerte vom 28. Mai bis zum 5. Juni, volle neun Tage. Die Abrechnung der Parteikasse über die Zeit vom 1. Januar 1965 bis 15. Mai 1968 schließt mit der Bilanzsumme von 477 162,86 Kronen ab. Zur Parteiagitation lag eine Reihe von Anträgen vor, ganzen Schauerroman? dem naiven, professorengläubigen Leser zu stehen kommt. Eine von Hern? Langen angestellte Enquete kommt übrigens zu demselben Ergebnis wie unsere Beobachtung: nicht die unsicheren Kantonisten, die bisher nichts oder doch nur Kolportage- romane gelesen haben, erkürt sich Scherls Geschäftssinn zum Opfer, sondern die zahlungsfähigen Inhaber nicht zu billiger Wohnungen. Die angebliche Volksbeglückung ist nur Vorwand, um der Bourgeoisie endlich auch die Kolportagelektüre in halbwegs an- ständigem Gewände zuzuführen. Dagegen haben wir sowenig etwas einzuwenden wie gegen die Selbstdiskreditierung von Leuten, die noch bei Urteilsfähigen einen Namen zu verlieren hatten. Wir überlassen die Wahrnehmung ihrer Interessen gern den dazu Be« rufcnen und wollen hier nur als bloße Zuschauer registrieren, was diese famose Gründung sonst noch für interessante Enthüllungen über Literatur und Geschäft bringen wird. Fehlen wird es nicht daran. Denn hinter dieser Lesefutteranstalt stehen mancherlei Trust- pläne im Hintergrund, die Scherl hervorkehren wird, sobald der erste Beutezug gelungen ist. Für heute noch eine Frage: hält die Redaktion des „Literarischen Echos" es mit den Pflichten eines unab- hängigen Organs' für vereinbar, einen schmetternden Reklamenrtikel des unvermeidlickien Julius Hart, der diesmal für ein„ungestörtes Auswachsen der ästhetischen Kinderseele des Volkes" plädiert, für die Scherliade zu bringen? Wäre es nicht die erste Pflicht eines un- parteiischen Organs, wirkliche Sachverständige, die nicht in Be- Ziehungen zu Scherlschen jllnternehmungen stehen, statt eines(ideal) Interessierten in dieser Frage zu Worte kommen zu lassen? Das neue San Francisco. Zwei Jahre sind seit der furcht- baren Katastrophe von San Francisco vergangen. Angesichts des ungeheuren Trüunnerhaufens glaubten die größten Optimisten nicht, daß man schneller als in etwa drei Jahren die Massen von Schutt und Asche völlig beseitigen könnte und daß die Spuren des Unglücks bestenfalls in 10 oder 15 Jahren verwischt sein würden. Aber die ainerikanische Energie hat in San Francisco Wunder getan. Wie in der„American Review of Reviews" mitgeteilt wird, wurden im Jahre 1906 512 Häuserblöcke, deren Wert sich auf 400 Mill. M. be- lief, zerstört, und bis heute sind in den zwei Jahren etwa ebenso viele Millionen für Baugelder aufgewandt worden. An Stelle der 28 188 Häuser, die damals verschwunden sind und von denen sehr viele nicht sehr groß waren, sind schon 14270 neue entstanden. die erheblich größer ind. Und die ganze Tätigkeit des Wiederaufbaues ist allein von den Bürgern geleistet worden, obwohl die städtische Korruption und die schwere Finanzkrisis des ganzen Landes weitere starke Hemmnisse gebildet haben. Um eine Vorstellung von der Entwickelung zu ge- Winnen, die das Geschäft in San Francisco bereits erlangt hat, genügt die Anführung der Tatsache, daß in dem Geschäftsjahre, das am 13. April 1907 schloß, der Umsatz der Banken 8268 Millionen Mark betragen hat, von denen 860 Millionen, die von den Versiche- rungsgefellschafren gezahlt wurden, abzuziehen sind, während das Jahr, das am 18. April 1968 schloß, einen Umsatz von 7625 Millionen Mark ausweist. teils auf Anstellung neuer besoldeter Agitatoren, mehverer w e üb- licher Agitatoren, Anstellung weiblicher I o u r n a- l i st e n bei der Parteipresse, teils auf finanzielle Unterstützung der Frauenagitation und der antimilitaristischen Jugendagitation. Die sehr gründliche Debatte endete mit dem Beschluß, vorläufig nur zwei besoldete Parteiagitatorcn anzustellen, und für die� Jrancn- agitation 5000 Kronen zu bewilligen. Bei der Agitation in diesem Sommer soll besonders auch auf die im Herbst stattfindenden Reichstagswahlen Rücksicht genommen werden. Gellivarcs Arbeiterkommune hatte beantragt, einen besonderen Volkshausfonds der Partei zu gründen. Ein solcher Fonds, aus dem Arbeiterkommunen, die ein eigenes Volkshaus bauen oder erwerben wollen, unterstützt werden, besteht jedoch bereits in der Landesorganisation der schwedischen Gelverkschaften. Aus diesem Fonds werden monatlich ungefähr 3666 Kronen verwendet, was allerdings bei weitem nicht ausreicht, um den Gesuchen nach Unterstützung von Volkshausgründungen gerecht zu werden. Be- sonders im Norden, wo die Arbeiterschaft unter der Herrschaft allzu übermächtiger Kapitalistenkliquen oft gezwungen ist, selbst bei bitterster Winterkälte ihre Versammlungen an Landstraßen oder im Walde abzuhalten, ist das Bedürfnis nach Volkshäusern sehr stark. Der Parteitag beschloß, dem Volkshausfonds der Landes- organisation der Gelverkschaften ein Darlehen von 56 666 Kronen aus den Mitteln des Massen st reiksfonds zu geben, der bekanntlich gegründet wurde, um, wenn erforderlich, einen neuen Wahlrechtsstreik durchzuführen, aber nun, nachdem die Wahlrechts- frage vorläufig entschieden ist, nicht mehr so dringend notwendig erscheint. lieber die Organisationsform der Partei wurde, wie wir schon in Nr. 136 des„Vorwärts" unter Gewerkschaftlichem mitteilten, beschlossen, das alte Verhältnis insofern beizubehalten, als die Gewerkschaften sich den Arbeiterkommunen anschließen und ihre Mitglieder damit auch Parteimitglieder werden, jedoch mit der Neuerung, daß Gewerkschaftsmitglieder, die mit der Partei nichts zu tun haben wollen, verlangen können, daß nichts von ihren Beiträgen in die Kasse der Arbeiterkommune oder der Partei fließt, womit dem in Schweden arg verbreiteten Gerede über eine „Zwangsinitgliedschaft" zur Partei der Boden entzogen wird. Zu finanzieller Unterstützung von Parteiorganen wurde die Gründung eines ZeitungsfondL beschlossen, zu dem vom Parteibeitrag pro Mitglied und Jahr 16 Oere abgeführt werden, und überdies die rentablen Zeitungsunternehmen jährlich 26 Pro- zent ihres Reingewinns zahlen sollen.— Ueber die Gründung einer Arbeiterbank aus genossenschaftlicher Grundlage soll der Partcivorstaud Untersuchungen anstellen. Die Errichtung einer Unter st ützungSkasse für die Ange st eilten in der Arbeiterbewegung hielt der Parteitag für notwendig, und erteilte dein Parteivorstand Austrag, gemeinsam mit den Vorständen der andern Zentralorganisationen über diese Angelegenheit zu beraten und eventuelle Vorschläge gut zu heißen, sofern sie die Zustimmung des nächsten Gewerkschafts» kongresses finden.— Zur Unterstützung und Förderung der in» ternationalen Sprache Esperanto lagen verschiedene Anträge vor. Auf Vorschlag des Parteivorstandes sprach der Par. teitag seine Sympathie dafür aus und beauftragt den Partcivor- stand, die Sprache im internationalen Sekretariat zur Sprache zu bringen, damit sie eventuell auf einem internationalen Sozialisten- kongreß zur Erörterung kommt. Zur Genossenschaftsbe- w e g u n g wurde eine Resolution angenommen, in der die orga- nisierten Arbeiter aufgefordert werden, die Genossenschaftsunter- nehmen durch Wareneinkauf und Beitritt zu unterstützen, und die Gründung solcher Unternehmen dort empfohlen wird, wo die not- wendigen Voraussetzungen dazu vorhanden sind. Die Frage der Suspension und des Ausschusses der Herren Hinke Bergegren und C. G. Schröder nahm einen ganzen Verhandlungstag in Anspruch. Sie waren beide anwesend.— Der Brunnswiter Volkshochschule bewilligte der Parteitag eine jährliche Unterstützung von 5666 Kronen bis zum nächsten Parteitag, unter der Voraussetzung, daß ein Revisor des Partei. Vorstandes zur Prüfung der Jahresabrechnungen zugelassen wird und die Schule auch fernerhin den Bahnen der freien Forschung treu bleibt. Zwecks späterer Gründung einer selbständigen Ar- b e i t e r h o ch s ch u l e soll der Parteivorstand gemeinsam mit dem Landcssekrctariat der Gewerkschaften und den? Hauptvorstand des Sozialdemokratischen Jugendverbandes gründliche Untersuchungen vernehmen und dem nächsten Parteitag darüber berichten. Der Bildungsausschuß des Parteitages hatte dazu noch vorgeschlagen, daß jährlich 5666 Kronen zur Bildung eines Grundfonds der Arbeiterhochschule zurückgelegt werden sollen; dies wurde aber ab- Humor und Satire. DernburgS zweite Afrikareise. Wenn Dernburg eine Reise tut, dann könn' wie wat betahlen; Und also nahm er Stock un Hut un fuhr zu'n Kanibalen. Und als er kam nach irgendwo, da sagte er am Wege: Hier will ick eene Eisenbahn, mag's kosten wat et möge. Hier muß se fahren mittendurch vom Berge bis zum Flusse, Und fährt se leer, bat schadet nix, denn laufen, laufen nmß se. Und drüben auf de andre Seit', da muß'ne Zweigbahn kommen, Dat Hab' ick mir zu Hause schon ganz feste vorgenommen. Und meldet sich kein Passagier, da könn' wi Schalter sparen, Und is kein Korn und Gummi da, da wird halt Sand gefahren. Nu los davor, dat schöne Geld verbuddelt in Etappen,— Wenn Dernburg eine Reise tut, dann könn' wi wat berappen l — DieSozi imLandtag. Stimme BülowS vor den Wahlen: Nicht ein einziger Sozialdemokrat ist bis jetzt hineingekommen. Unser Wahlrecht hat sich als ein festes Bollloerk gegen den Umsturz erwiesen, und deshalb muß es erhalten bleiben! Nach den Wahlen: Was? sieben Sozialdemokraten? Und die sind mit diesem Wahlrecht hineingekomnien? Dann tätigt das Wahlrecht nichts und muß abgeändert werden I _(„Lustige Blätter".) Notizen. — Eine neue Volksoper. Seitdem die Lortzingoper ein» gegangen ist, mangelt es in Berlin an einer Stätte, an der zu er- triiglichen Preisen gute Opernaufführungen geboten werden. ES ist also wirklich ein Bedürfnis nach einer VolkSoper vorhandelt, um so mehr, da die königliche Oper für die minderbemittelten Klassen kauin in Frage kommt. An der Potsdamer Straße soll nun in der Nähe des Botanischen Gartens ein neues Operntheater mit 2560 Plätzen errichtet werden. Die Leitung wird der Direktor deS Neuen Operetten- theaters Palfi übernehmen, als Architekt ist der Erbauer des Hebbel» theaters, Kaufmann, in Aussicht genommen. Leider ist das neue Haus wieder als Logentheater mit drei Rängen projektiert. — Ein a k a d e nt i s ch e r B ü h n e n v e r e i n hat sich an der Berliner Universität gebildet. Er will junge literarische Talente durch Ausführung ihrer Werke fördern und wertvolle Dichtungen be- kannter Autoren darstellen lassen. Ob der Verein mit der Tatsache rechnet, daß an jungen literarischen Talenten zurzeit absoluter Mangel ist und daß der hochwohllöbliche akademische Senat ihm sofort die Existenz unterbindet, falls vr etwas gegen die Staats« Weisheit der Perücken unternimmt? — Die Eisenbahnschiene als Telephonleitung. Ein neues System der Telephonie über Ivette Entfernungen unter Benutzung der Eisenbahnschienen als Leitung ist in Rußland erprobt worden. Die Versuche wurden auf der Warsaw-Eisenbahn zwischen Petersburg und Pekvff gemacht. Bei Verwendung geeigneter Schall» verstärkungsvorrichtungen konnten Gespräche in voller Deutlichteit auf Eutstmunaen OOU kost 500.tuamrunnwr» uurta». tzelehnt. Zur Anordnung von Studienkursen in verschie- denen Teilen des Landes wurde dem Parteivorstand eine Summe von jährlich SOOS Kronen zur Verfügung gestellt. Ferner wurde die Gründung einer wissenschaftlichen Monatsschrift der Partei beschlossen, sowie die Herausgabe eines„Bürger- Handbuche s". Za dam Punkt des Parteiprogramms, der das M i l i- tarweseii behandelt, wurde eine Acnderung beschlossen. Er iaLJett bisher:..Ein demokratisches Vcrteidigungssystem.— gegen das Militärwesen.— Internationale Schiedsgerichte" »wd cchkU nun diese Gestalt:„Kampf gegen den Militarismus. Demokratisierung der Verteidigung und sukzessive Verminderung der Militärlasten bis zur Abrüstung. Bindende Schiedsgerichts- Verträge, permanente skandinavische Neutralität, kräftiges inter- nationales Zusammenarbeiten der Arbeiterorganisationen gegen den Krieg." Auch zur Religionsfrage lagen verschiedene Anträge vor. Der Parteitag beschloß jedoch den alten Programmsatz:„Die Religion wird zur Privatsache erklärt" beizubehalten und nahm dazu folgende Erklärung an: „Der Parteitag, der ein für alle Mal den Programmpunkt: die Religion, Privatsache, bekräftigt, erklärt: daß dieser Punkt ganz einfach eine konsequente Anwendung der Parteifor- derung nach vollständiger Gewissens-, Denk, und Redefreiheit ist; daß also, um der sozialdemokratischen Partei beizutret-n, keiner seine religiösen Ansichten aufzugeben braucht; daß dieser Punkt selbstverständlich nicht als irgend eine Einschränkung des Rechts der einzelnen Parteigenossen, über religiöse Fragen zu diskutieren, betrachtet lverden kann; oaß er aber auch eine Mahnung an alle Parteimitglieder in sich schließt, in solche Debatten nicht mit Hohn und Beleidigung religiös gesinnter Personen und ihrer Ueber» zcugung einzugreisen, was ja auch keine eines Sozialdemokraten würdige Art des Diskutieren? ist, und schließlich, daß dieser Pro- grammpunkt von den Parteimitglieder fordert, daß sie allem in der Gesellschaft herrschenden religiösen Zwang energisch entgegen- arbeiten, wobei der Parteitag als eine immer mehr aktuelle For- derung die Trennung der Schule von der Kirche her- vorhebt." .Hinsichtlich der Arbeiterschutzgesetzgebung sprach der Parteitag sein Bedauern darüber auS, daß der schwedische Reichstag das internationale Uebcreinkommen zur Einschränkung der Frauennachtarbeit ablehnte. Zur Alkoholfrage, über die das Parteiprogramm bis jetzt im wesentlichen besagt, daß die Nüchternheitsbewegung gefördert werden soll, wurde folgender Punkt beschlossen: „Bekämpfung des AlkoholiSmuS durch Unterricht an allen öffentlichen Schulen über die Natur und die Wirkungen des Alkohols auf das Individuum und die Gesellschaft, sowie eine Ge- setzgebung, die durch das„lokale Veto"(Alkoholverbot durch Ge- ineindebeschluhl und durch andere wirksame Maßregeln zur Lösung der Alkoholfrage führt." Außerdem wurde an die Parteipresse die Mahnung gerichtet, die Annoncen über berauschende Getränke so bald wie möglich zu- rückzuweisen. Die Wahlen der Parteileitung hatten in der Hauptsache folgendes Ergebnis: Parteivorsitzender Hjalmar Branting, Sekretär und Kassierer C. G. T. Wickmann; GcschäftSführender Ausschutz: H. Lindguist, A. Weidcnhajn, C. N. Carle- ison, Ernst Söderberg und V. L i n d b ä ck. Eetlttillversmmlnng des Jentriilverbandts der Söttcher und Köttcherei-Hilfsarbeiter Deutschlands. K a s s e l. IS. Juni 1908. Der Verban'osvorsitzende Winkelmann eröffnet-den Verbands- äag, indem er einen Rückblick auf die EntWickelung des Verbandes wirft. Nach Erledigung der üblichen Formalitäten werden die Kollegen Gräger und Winkelmann mit Führung der Geschäfte be- auftragt. Es sind 40-Delegierte und S Verbandsfunktionäre an- wesend. Die Tagesordnung deS Verbandstages erstreckt sich auf Agitation und Regelung innerer Verbandsangelegenheiten. Zu. nächst wurden als Delegierte zum Gewerkschaftskongreß gewählt: Winkclmann, Gräger und Seel. In Zukunft soll die Wahl zum GewerkschaftÄkongreß in den Zahlstellen vorgenommen webven. Um die eingegangenen Wahlproteste und Beschwerden schnell zu erledigen, wird die Beschwerdekommission beauftragt, sofort mit ihren Arbeiten zu beginnen. Von verschiedenen Zahlstellen ist be- antragt, den Punkt„Anschluß an den Holzarbcitcrverband" auf die Tagesordnung zu fetzen. Es wird demgemäß beschlossen. Auch der„Weingesetzentwurf" soll als Punkt der Tagesordnung zur Verhandlung kommen. Den schriftlichen Bericht deS Vorstandes ergänzen die Kol- legen Wintelmann und Thierfelder. Die Mitgliederzahl des Verbandes ist in der Berichtsperiode Nrn 1152 gestiegen und beträgt zurzeit 7919, die in 160 Zahlstellen vereinigt sind. Die Anstellung deS besoldeten Gauleiters für den Rhein- und Maingau hat sich gut bewährt. Der Verband hat nicht nur an Mitgliedern gewonnen, sondern auch bei Lohnkämpfen und Tarif. abschlüssen besser wie früher abgeschnitten, auch der Kampf gegen das mittelalterliche System des Kost- und Logiswesen konnte er. folgreich aufgenommen werden. Die in München beschlossene Einführung der Erwerbslosen- Unterstützung hat sich gut bewährt. Bewegungen zur Verbesserung der Lohn» und ArbeitSbedin- yungen ohne Arbeitseinstellung fanden statt: Im Jahre 1S06 61 in 314 Betrieben; an denselben waren beteiligt 3204 Kollegen. Es endeten erfolgreich 34 mit 1824 Beteiligten, mit teilweisem Er- folge 16 mit 1130 Beteiligten. In 2 Fällen wurden die Forde- rungen zurückgezogen und der Austrag auf eine günstigere Ge- fchäftSlage der in Betracht kommenden Betriebe vertagt. Das Jahr 1907 brachte 31 Bewegungen in 162 Betrieben mit 934 Be- fchäftigten. Es endeten mit vollem Erfolg 14 mit 619 Beteiligten, mit tcilweisem Erfolge 17 mit 265 Beteiligten. Durch diese Be- wegungen wurden erreicht fiir jeden Beteiligten durchschnittlich S'/s Stunden Arbeitsverkürzung pro Woche und eine Lohnerhöhung von 2,36 Mk., außerdem wurden in 26 Fälle korporative Arbeits- Verträge für 1048 Kollegen abgeschlossen. Die Lohnbewegungen ohne Arbeitseinstellung brachten ebenfalls Lohnerhöhungen und Arbeitsverkürzungen, erstere für 1272 und letztere für 861 Kollegen. Ferner fanden 4 Aussperrungen statt, die teils erfolglos, teils er- folgreich endeten. Die Kosten für Streiks und Lohnbewegungen betrugen insgesamt 144 002,67 M. Die Gesamteinnahme der Hauptkasse des Verbandes betrug während der Berichtszeit 604 798.21 M., dem sich eine Ausgabe von 470066,61 M. entgegen- stellt. Für Agitation wurden 714 300 M. gebraucht. Die Erwerbs. Icsewunterst ütz un g wurde zur Hauptsache von den Zahlstellenkassen gereg,0 und gelangte dort die Summe von 133 666,37 M. zur Auszahlung.„.. Derlmdstag der Slumen- ittid Kliitterarbtitn und ArbtlieriillltN. ' Die Organisation hielt am 8. und 9. Juni in Demitz(Gach- fett) ihren 3, Verbandstag ab. Vertreten sind die Orte Berlin. Dresden, Neustadt, Leipzig, Sebnitz; Schmölln. Wie der Kassierer Jrrgang berichtete, haben sich die Äaffenverhältnisse dieser noch jungen Organisation bcoeutend gebessert, jedoch ist unter den weiblichen Mitgliedern noch ein bedeutendes Arbeits- feld vorhanden. Mit den französischen Blumenarbeitcrin- nen sowie mit den österreichischen im Putzfach beschäftigten Kol- legen ist eine Verständigung versucht loorden, vorläufig jedoch ohne besonderen Erfolg.— Die Generalversammlung beschloß auf An- trag von Berlin die Einführung von Sterbegeld, und zwar m Höhe bsa 20 bis ev W. für männliche und 16. bis 45 M. für weibliche Mitglieder, abgestuft nach der Zahl der geleisteten Bei- träge. Sie tritt am 1. Juli in Kraft.— Als Vorsitzende wird Frau Ihrer und als Kassierer Jrrgang wiedergewählt, Schriftführer wird Sinn- Berlin. Zur Frage der Heimarbeit, die in dieser Branche eine beson« ders unheilvolle Rolle spielt, konstatiert der Referent W c i ch o l d- Sebnitz, daß dieselbe in der Blumen-, Blätter- und Federindustrie nicht abnimmt, sondern eine immer stärkere Anwendung findet und besonders dadurch ungeheuren Schaden anrichtet, daß die Frauen und vor allem die Kinder im zar- testen Alter zur Heimarbeit heran ge zogen wer- den. Der Referent fordert vor allem unausgesetzte öffentliche Kritik der bestehenden Mißstände und rücksichtsloses Vorgehen gegen die Uebertretcr der Schutzbestimmungen. Als Schutzmaßregeln müssen in erster Linie vorgesehen werden, daß 1. Die sogenannten Vorarbeiten, wie Drücken, Pressen usw., nicht in Wohn-, Schlafzimmern und Küchen angefertigt werden dürfen; 2. Die Zwischenmeisterinnen die gleichen Löhne zu zahlen haben, wie sie für dieselben Artikel in der Fabrik festgestellt sind; 3. Die Wartezeit an den Lieferstellen gleich der Arbeitszeit anzurechnen ist, wenn sie über eine halbe Stunde hinausgeht; 4. Alle Werkzeuge und Arbeitsmittel zur Fabrikation vom Fabrikanten unentgeltlich gestellt werden; 5. Die Durchführung der Gesetzesbestimmungen zum Schutze der Kinder und jugendlichen Personen schärfer zu überwachen sind. Am zweiten Verhandlungstage gab Frau Ihrer einen Ueber- blick aus dem badischen Gelverbeinspektionsbericht über die elende Lage der Putzinduftrie in Baden, wo sich die verdienten Löhn: durchweg unter den gesetzlich festgelegten ortsüblichen Tagelöhnen halten. Besonders sei hierbei zu beachten, daß diese Löhne nicht von einer Person allein verdient werden, sondern immer mehrere Personen dazu herangezogen werden müssen.— Ueber die Fortschritte der sozialen Gesetzgebung sprach gleichfalls Frau Ihrer. Sie kennzeichnete die Wohltaten der Unfallvcrsiche- rung und hob hervor, wie sich jetzt die Regierung bemühe, auch die Krankenkassen noch mehr unter ihre schützenden Fittiche zu nehmen. Ferner wies Rednerin noch auf die Leistungen im Unter- stützungSwesen der Gewerkschaften hin. Die Arbeiterschaft müsse nach wie vor auf dem Posten sein, damit es mit der Arbeitcrfchutz- gesetzgebung vorwärts gehe.— In der Diskussion wird u. a. all- seitig betont, daß eS unbedingt notwendig fei, all« Heimarbeiter der Krankenversicherung zuzuführen und die Wöchnerinnenunter- stützung bester auszubauen. Weiter wird erwähnt, daß bezüglich der Verarbeitung von großen Mengen Spiritus und Schwerbcnzin, die eine große Feuersgefahr bildeten, je-gliche Schutzmaßregeln fehlten, wie überhaupt die Gewerbeaufsicht mangelhaft sei. Bezüglich der Agitation unter den Heimarbeitern wird die Generalkommission ersucht,„kleinere Gewerkschaften, die viel mit Heimarbeit zu tun haben, finanziell zu unterstützen, spe- ziell auch bei der Aufnahme von statistischem Material und zur Be- treibung von Hausagitation". Außerdem zeitigte die Debatte noch eine große Dtenge Anregungen betreffs Agitation PNter den Ar- bciterinnen im Federn- und Blumenputzfach, Ißetallafbeiter-Kcnfercnzen. Graveure und Ziseleure. Im MetallarbciterverbandShause tagte am Montag eine Kon- ferenz der dem Verbände angehörenden Graveure und Ziseleure. Anwesend waren 20 Delegierte auS 16 Städten Deutschlands. Die Konferenz war einberufen worden, um den Graveuren und Zife- lcuren Gelegenheit zu geben zur Besprechung ihrer besonderen Be* rufsangelegenheiten und zum Austausch ihrer Erfahrungen und Wünsche in bezug auf Agitation und Organisation. Nachdem M a s s a t s ch- Stuttgart al» Vertreter de» Haupt- Vorstandes die Konferenz eröffnet und Cohen die Delegierten namens der Berliner Ortsverwaltung begrüßt hatte, sprach Ernst Brückner- Stuttgart über den gegenwärtigen Stand der Organisation nach dem Anschluß an den Mctallarbeiterverband. Der Redner führte untär anderem auS: Der im Jahre 1896 mit 600 Mitgliedern in» Leben getretene Verband der Graveure und Ziseleure trat im Oktober 1907 in den Metallarbeiterverband ein. Er hatte damals 2460 Mitglieder, von denen 2008 den Anschluß mitmachten. Ein kleiner Teil blieb also abseits stehen. Die Uebergetretenen sorgten für den Ausbau und die Ausbreitung der Organisation mit dem Erfolge, daß die Branche der Graveure und Ziseleure am 1. Januar 1908 bereits 2880 Mitglieder zählte. Die gewerkschaftliche Betätigung der Kollegen sei eine gute. Mit den Resultaten, welche nach dem Anschluß erzielt wurden, könne man zufrieden sein. Der Redner machte Vorschläge zum weiteren Ausbau der Organisafton. Er empfahl die Einsetzung tüchtiger Branchenleiter in allen Orten, regelmäßige Abhaltung von Branchenversammlungen. Besprechung der Vertrauensleute, Kontrolle über die am Orte vorhandenen Mitglieder, Beobachtung aller Vorkommnisse im Lager der Unter- nehmer, stetige Fühlung mit der Verbandsleitung usw.— Die weiteren Ausführungen des Redners, ebenso der größte Teil der Diskussion hatten interne Berufsangelegenheiten zum Gegenstand. Im übrigen waren die Redner alle darin einig, daß die Interessen der Graveure und Ziseleure im Metallarbeitervcrband in durchaus befriedigender Weife vertreten werden. Di« Kollegen hätten sich wohl zum Teil noch nicht recht an die neue Organisation und deren Einrichtungen gewöhnt, aber sie würden sich einleben und seien zufrieden mit den Resultaten, die nach dem Anschluß und durch denselben erreicht worden sind. Nicht nur die Mitgliederzahl habe sich vermehrt, sondern die Organisation habe auch Fuß gefaßt in verschiedenen Städten,, wo vordem keine Mitglieder vorhanden waren. Bei reger Mitarbeit der Kollegen würden noch weitere Erfolge erzielt werden. Angenommen wurde folgende Resolution: „Die Konferenz der im Deutschen Metallarbeiterverbande organisierten Graveure und Ziseleure ersieht aus dex Zahl der dem Deutschen Metallarbeiterverbande angehörenden Kollegen, daß der Uebertritt vom Graveurverband in den Deutschen Metallarbeiter- verband sich in befriedigender Weise vollzogen hat. Die Befürch- tungen einzelner Kollegenkreise, daß durch den Uebertritt eine Schädigung der BerufSintereffen eintreten könnte, haben sich nicht erfüllt. Durch den festen Zusammenschluß ist die Möglichkeit einer wirksamen Interessenvertretung gegeben, wenn alle Berufskollegen ihre Pflicht erfüllen." Zum zweiten Punkt der Tagesordnung: Die Organisa- tion der Arbeitgeber und welche Matznahmen sind demgegenüber zu treffen? führte Brückner auS: Der Bund selbständiger Graveure und Ziseleure, die Organi- sation der Arbeitgeber des Gewerbes, habe 360 Mitglieder in elf Städten. In diesen Städten gebe es 390 Meister- und 205 Fabrik» betriebe. Viele Arbeitgeber gehören also dem Bunde noch nicht an. Da aber die Organisation der Arbeitgeber bestehe, so würden sich die Kollegen die Frage vorzulegen haben, ob eS wünschenswert sei, mit derselben zu Vereinbarungen über die Errichtung eines pari» tätifchcn Arbeitsnachweises zu kommen.— Diese Frage wurde auch in der Mskussion nach verschiedenen Seiten hin erwogen und darauf verwiesen, daß gegenwärtig sowohl die Gehülfen- als auch die Mcisterorganifation jede einen eigenen Zentralarbeitsnachweis haben, was weder zweckmäßig, noch förderlich für eine gute Ar- beitsvermittelung fei. Ferner wurde es als notwendig bezeichnet, der ausgedehnten Lehrlingszüchtung und LehrlingSausbeutung, die bei Kleinmeistern des Gewerbes betrieben wird, entgegenzutreten.— Folgende Resolution wurde angenommen: „Da die bestehende Zersplitterung in der Arüeitsvermittelung durchaus nicht im Interesse des Berufes liegt, schließt sich die Kon- ferenz der Gehilfen der Anregung eines Nüriwerger Arbeitgebers an, eine paritätische Arbeitspermittelung auf der Grundlage d«S bestehenden Nürnbttger paritätischen ArbeitSnachweffeS anzn- streben." Eine kurze Erörterung über vorzunehmende statistische Er- Hebungen über die Lage der Berufsangehörigen beschloß die Kon- ferenz. Die Gold- und Silberarbeiter, welche im Deutschen Metallarbeiterverband organisiert sind, hielten am Dienstag eine von 23 Delegierten aus 15 Städten besuchte Berufskonferenz ab. Diese beschäftigte sich ausschließlich mit der Besprechung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse, der Gestaltung der Organisation und der zulünfligen Taktik.— Nach den Ausführungen des Referenten Stein meier- Pforzheim hat die Arbeiterorgani- sation in der deutschen Edelmetallindustrie, die ihren Hauptfitz in Hanau. Pforzheim, Gmünd und einigen anderen Orten Südwest- Deutschlands hat, in den letzten Jahren gute Fortschritte gemacht. Gold- und Silberarbeiter waren im Metallarbeiterverband, der als einzige Organisation für hier in Betracht kommt, organisiert: Das starke Anwachsen der Organisation hat die Hoffnungen und Erwartungen, welche man vor einigen Jahren hegte, weit über- troffen, und wie die Zahlen dartun. ist auch nach der erfolgreichen Lohnbewegung im Jahre 1906 der erwartete Mitgliederrückstand nicht eingetreten. Als Folge der Lohnbewegung find im Jahre 1906 tarifliche Vereinbarungen in Hanau und Pforzheim getroffen worden, deren wesentlichstes die allgemeine Festlegung der neun- ftiindigen Arbeitszeit und eine Lohnaufbesserung ist. Durch diese Vereinbarungen haben die Unternehmer die Arbeiterorganisation an- erkannt. Auf der anderen Seite hat sich aber, ebenfalls als Folge der Lohnbewegung, aus den früheren Lokalvereinen der Unternehmer eine Zentralorganisation der Unternehmer in der Edelmetall- indnstrie gebildet. In dieser Organisatton gibt es neben ein- sichtigen zu Verhandlungen mit den Arbeitern bereiten Mit- gliedern auch scharfmacherische Elemente, denen man zu- trauen kann, daß sie darauf hinarbeiten, bei passender Ge- legenheit die Zugeständnisse von 1906 wieder rückgängig zu machen. Um eine strikte Einheitlichkeit in der gewerkschaftlichen Täftgkeit durchzuführen, schlug der Referent vor, daß eine Zentralstelle für die Edelmetallindustrie geschaffen werde, an die die emzelnen Orte alle« für die gewerkschaftliche Bewegung in der Industrie wichtige Material zu senden haben. Besonders müsse darauf geachtet werden, daß keine Zahlstelle der Gold- und Silberarbeiter mit Forderungen vorgehen dürfe, ehe nicht die übrigen Zahlstellen deS Jndustriebezirks davon Kenntnis erhalten und dazu Stellung genommen haben. Man müsse sich vorläufig darauf beschränken, oaS Errungene festzuhalten und auszubauen. In der Diskussion, die eine sehr ausgedehnte und rege war, stellten sich die meisten Redner hinsichtlich der einzuhaltenden Politik rückhaltlos auf den Standpunkt des Referenten, den auch Massatsch al» Vertreter des Hauptvorstandes einnahm. Einen oppositionellen Standpunkt vertraten die Delegierten auS Hanau. Sie verlangten, daß eine Bewegung zur Verbesserung der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse eingeleitet werde und beantragten, es solle gefordert werden: Ein Mindestlohn von 24 Mark, Einführung der neun- stündigen Arbeitszeit in allen Betrieben der Edelmetallindustrie Deutschlands, Errichtung eineS Zentralarbeitsnachweises und Ge- Währung der Vergünstigung deS§316deS Bürgerlichen Gesetzbuches. — Mit diesen Anträgen, wie überhaupt mit ihrem Standpunkt, blieben die Vertreter von Hanau völlig isoliert. Die Pforzheimer Unternehmer haben, wie der Referent sagte, da? Gerücht verbreitet, die Hanauer Arbeiter wollten in diesem Jahre die Forderung des Achtstundentages stellen.— Die Hanauer Vertreter bezeichneten dieses Gerücht als jeder Grundlage ent- behrend. Weiter wurde in der Diskussion die vom Referenten aufge. worfene Frage der Schaffung einer Zentralstelle für die Bewegung in der Edelmetallindustrie besprochen. Während einige Redner die Zentralstelle in Pforzheim oder einem anderen Orte des Industrie- vezirkS errichtet sehen wünschten, wurde vom Vorstand die Ansicht vertreten, daß der Hauptvorstand auch für diesen Zweck die ge- eignetste Zentralstelle sei. Die nachstehend«, von Massatsch eingebrachte Resolution wurde mit allen gegen die Stimmen der Hanauer Delegierten angenom- men. Cohen bemerkte dazu, wenn die Resolution auch nicht ein. stimmig angenommen wurde, so ist sie doch für alle bindend.(Zu- stimmung.) Die Hanauer Anträge wurden dem Vorstande als Material überwiesen. Die angenommene Resolution lautet: „In Berücksichtigung der eigenartigen Verhältnisse der Gold- und Silberindustrie und der auf zentralistischer Grundlage gcschaf- fcnen Organisation der Unternehmer, die die Verbindung und Verständigung derselben ermöglicht, hält eS die am 16. Juni in Berlin im Verbandshause tagende Konferenz der im Deutschen Metallarbeiterverband organisierten Gold- und Silberarbciter für notwendig, bestimmt« Grundsätze aufzustellen, deren Befolgung allen für diese Berufskreise maßgebenden VerbandSfunktionären zur Pflicht gemacht wird: 1. muß eine möglichst imftge Verbindung aller Orte der Gold- und Silberindustrie hergestellt werden. Um dies zu ermög- lichen, werden die Verbandsfunktionärc verpflichtet, alle wichtigen Vorgänge sowie wichtige Mitteilungen, die für diese Industrie und unsere Organisation von Bedeutung sind, den in Betracht kom- Menden Verbandsinstanzen zuzuführen. 2. dürfen die Kollegen eines Ortes oder Betriebes, bevor sie sich nicht mit den maßgebenden Verbandsinstanzen verständigt und Fühlung mit den in Betracht kommenden Orten genommen haben. keine AngriffSbeivegung einleiten. Auch bei Abwehrbetvegungen ist nach Möglichkeit eine Verständigung mit den in Betracht kommen- den Orten zu suchen. 3. Um die Agitation und alle sonstigen sich notwendig machen» den Maßnahmen wirksam zu gestalten, ist möglichste Vorsicht zu empfehlen, waS nur durch die innigste Berständt» gung erreicht werden kann. 4. Zur Sichtung des für diesen Beruf in Betracht kommenden und für die Agitation verwertbaren Material» beauftragt die Konferenz den Vorstand, der infolge der ebenfalls vorhandenen internationalen Verbindungen am geeignetsten ist, dieses Material zu bearbeiten und im Interesse der Berufskollegen zu verwerten." Em Induftrie und Rande!* Konzentration im Schiffbau. Der Unternehmer, der auf eigenem Schiff Ql�rS Meer fährt, an fremden Küsten seine Waren eintauscht und Schiffer, Reeder und Kaufmann in einer Person verkörpert, ist längst verschwunden. Als Mitte de? vorigen Jahrhunderts die Rechtssicherheit des Seeverkehrs gewährleistet war, fetzte eine Vergefellschaftlichung ein. Die Parten- reederei entstand. Zum Zwecke der gemeinschaftlichen Anschaffung eine» oder mehrerer Schiffe wurden Gesellschaften von Mitreedern gegründet, an deren Spitze gewöhnlich der Korrespondentenreeder stand, der die Geschäfte zu leiten hatte. Diese Mitreeder waren meist kleine Leute, Bewohner der Hasenstädte, die sich von der Teilnahme an der Partenreederei eine gute Kapitalverzinsung versprachen, oder auch SchiffShandwerlcr, die durch Hingabe ihrer Ersparnisse oder ihreS Lohnes vor allem eine Berück- fichftgung ihrer Person bei notwendigen Reparaturen. Neubauten und Lieferungen aller Art versprachen. Mit dem Auftreten der Gründer und Börsenspekulanten wurden diese einen Leute aus den Bartenreedereien vertrieben und dafür großkapitalistische Attiengesellschaften geschaffen. Wie fich die Trustbildungen durchgesetzt haben, geht aus einer Darstellung hervor, die fürzlich S. Haarmann in Sinzheimers technisch- volkswirtschaftlichen Monographien gegeben hat. Den Befizstand und die Betriebsgrößen der gesamten deutschen Handelsschiffahrt auf See zeigt danach folgende Tabelle: Bahl der Gesellschaften Mit mehr als 100 000 To. 50 bis 100 000 4 10 " 25 50 000 11 25 000 25 0 100 000 951 Reeder 10 Unter. Besitz in Nettotonnen 860 211 289 441 283 494 309 507 } 115 Aktiengesellsch. 751 372 28 G. m. b.. Den deutschen Gesellschaften steht die aus amerikanischen und Der Zollschuh der dänischen Zuderfabrikanten. Der neue dänische englischen Reedereien gebildete Internationale Merkantile Marine Bolltarif hat die Zuckerfabritation Dänemarks mit so hohen ZollCompany" mit einem Gesamtkapital von zirka 680 Millionen Mart schranken umgeben, daß es für das Ausland unmöglich sein wird, Eine große als geschlossene Macht gegenüber. Sie verfügt über 1034 884 Tonnen. mit der einheimischen Produktion zu konkurrieren. Aber beide Parteien sind wiederum durch Verträge verknüpft, die Millionengesellschaft beherrscht nun fast ganz allein den Markt, be vorläufig auf 20 Jahre festgesetzt sind. Diese beziehen sich in der Haupt- stimmt die Preise und beutet die Bevölkerung nach Herzenslust aus. sache auf ein Bündnis gegen Konkurrenz auf allen Teilen der Erde Der neue Zolltarif hat eine wilde Spekulation in Buderattien mit und grenzen die Hauptarbeitsgebiete der einzelnen Parteien streng sich gebracht; ihr Kurs ist plöglich von 170 auf 230 geftiegen. Dabei gegen einander ab. Danach bleiben die deutschen Häfen den hat diese Gesellschaft schon seit einer Reihe von Jahren Gewinne von Deutschen und das England- Amerika- Frachtgeschäft dem Trust. 30 bis 40 Proz. ergeben. Nun hofften die Aktionäre noch mehr zu 75 mal jedoch darf sowohl die Hamburg- Amerika- Linie wie der verdienen". Aber der Vorstand beschloß, für dieses Jahr„ nur" 17 Broz. Norddeutsche Lloyd zur Aufnahme von Passagieren auf der Fahrt Dividende zu verteilen und daneben eine Million Kronen dem von oder nach Amerika britische Häfen anlaufen. Die Einrichtung Refervefonds zu überweisen. Man wollte dadurch einer weiteren neuer Linien beziehungsweise eine wesentliche Verstärkung der be- Kurssteigerung vorbeugen und jedenfalls auch dafür sorgen, daß das stehenden ist von beiden Parteien dem gemeinsamen Ausschuß mit Bublifum nicht allzu aufmerksam auf die unverschämten Profite zuteilen. Die andere Partei hat dann ohne weiteres das Recht, sich wurde. Die Aktionäre sind jedoch erbost über die ungewohnt mit einem Drittel an dem neuen Unternehmen zu beteiligen. Die niedrige Dividende und suchen den Vorstandsbeschluß umzustoßen. Vereinigung hat auch eine gegenseitige Gewinnbeteiligung. Ein Inzwischen kommt die Nachricht, daß eine deutsche AttienEs gehören also 60 Broz. der gesamten Handelsflotte 7 Ge- Viertel der Summe, die die deutschen Gesellschaften als Dividende gesellschaft, die über viele Millionen verfügen soll, auf Fünen Die dänischen Buckers fellschaften und 80 Proz. find in den Händen von 38 Unter- ausschütten, gehört dem Trust, 6 Proz. der Summe, die einem eine große Buderfabrit anlegen will. Viertel ihres Attienkapitals entspricht, erhalten die deutschen Gesell- fabrikanten haben seinerzeit nach starkem Bollschuß geschrien, nehmungen. um die Auslandskonkurrenz zu beseitigen. Nun kommen also deutsche Die beiden größten Reedereien Deutschlands find die Hamburg- fchaften vom Trust vergütet. Amerita- Linie und der Norddeutsche Lloyd, die mit ihrer Flotte von Daß natürlich von diesen Trustgesellschaften auch mit der gleichen Buderkapitalisten, um ihnen im eigenen Lande den Profit streitig zu mehr als 1 200 000 Tonnen die mächtigste nationale Reedereivereini- Rücksichtslosigkeit der Interessenkampf den Arbeitern gegenüber geführt machen. Die dänischen Buderkapitalisten beuten übrigens auch ihre Argung überhaupt darstellen. Ihre Einnahmen fließen zum größten wurde, ist selbstverständlich. In einer lichten Stunde hat einmal der Teil in eine gemeinsame Kasse. Beide Gesellschaften find seit der Führer der dortigen Kapitalmagnaten, Ballin, ausgeführt, daß für beiter unverschämt aus. Nur darch schwere Kämpfe ist es den ArZeit ihres Bestehens darauf bedacht gewesen, durch Verabredungen den Unternehmer der Standpunkt als der beste und glücklichste an- beitern hier und da gelungen, geringe Lohnerhöhungen durchzusetzen. und Fusionen ihren Wirkungsfreis zu erweitern. Beispiele von zusehen ist, wenn einer starken Organisation der Unternehmer eine In zwei Fabriken auf der Insel Lolland suchte man den Arbeitern Fufionen, oft felbst mit nachfolgender Ueberkapitalisierung, gibt gleichfalls starte Organisation der Arbeiter gegenüber steht. Der ohne weiteres die vertraglich festgelegten Löhne zu fürzen. Die vor allem die Hamburg- Amerika- Linie. Bei seiner ausgezeichneten Unternehmer fann heute nicht mehr auf dem Grundsatz beharren, Arbeiter flagten beim Schiedsgericht, und die Unternehmer wurden Lage zum Weltineer( im Jahre 1904 betrug die Zahl der an- daß er nur mit seinen eigenen Leuten persönlich zu tun haben wolle; berurteilt, ihnen 600 Kronen Schadenersatz zu zahlen. gekommenen und abgegangenen Schiffe 25 665 mit 18 959 000 Re- wenigstens in größeren Betrieben ist das nicht mehr möglich. gistertonnen) und feinem Reichtum war Hamburg besonders Leider hat Ballin und seine Getreuen im Gegensatz zu dieser dafür geeignet, den Großreedereibetrieb durchzuführen. Hier hat Anerkennung von Arbeiterrechten die gewerkschaftlichen Organisationsauch besonders ein heftiger Konkurrenztampf mit den bestrebungen mit dem gleichen Herrenmut niederzuringen versucht älteren Betrieben begonnen, der schließlich mit der Aufsaugung der wie die Herren im Hause" anderer Industriegebiete. Die kapitaSchwächeren enden mußte. So taufte die Hamburg- Amerika Linie in listische Entwickelung hat eben überall die gleichen Verhältnisse und ben letzten 30 Jahren allein 6 Gesellschaften mit zusammen 41 großen die gleichen Erscheinungsformen geschaffen und erzeugt auch überall Ueberfeedampfern auf. in den Köpfen der Unternehmer den gleichen Großmachtstoler, Für den Inhalt der Jujerate Schiller- Theater. #bernimmt die Nedaktion dem Schiller- Theater O.( allner- Theater). Publikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, den 17. Suni Anfang 7, Uhr. Rönigl. Opernhaus. Die Baltüre. ( Anfang 7 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Goldfische. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Die Brettlgräfin. Kammerspiele. Tugendwächter. Unterseeboot. ( Morwit- Oper.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Freischütz. Romantische Oper in 3 Atten bon Carl Maria v. Weber. Donnerstag, abends8 Uhr: Carmen. Freitag, abends 8 Uhr: Marie, die Regimentstochter. Schiller- Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Ohne Gelänt. Schauspiel in fünf Aufzügen von Fedor b. Zobeltig. Donnerstag, abend38 Uhr: Der Herr Ministeria Idirektor. Freitag, abends 8 Ubr: Gebildete Menschen. Urania. pollo Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Abends 8 Uhr: Theater 215 8 Uhr: Die neuen Attraktionen. 9, Uhr: Die süßen Grisetten. Leffing. Der Raub der Sabine Die Kruppschen Werke. 10%. Wiener Festzug rinnen. Neues. Nächte im Hampton- Klub. Neues Schauspielhaus. Dollarprinzessin. Kleines. 2X2= 5. Berliner. Raffles. Die Komische Oper. Der Mastenball. Lustspielhaus. Die blaue Maus. OOLOGISCHER Z CARTEN anläßlich d. Jubiläums Sr. Maj. des Kaisers von Oesterreich. 10%: Bert Bernards Compagnie: CARTEN Ein Abend in einem ameriTäglich: chiller.( Wallner grater.) Gr.Militär- Doppel- Konzert Freischütz. Schiller Charlottenburg. Dhne Geläut. Friedrich Wilhelmstädt. Schau. spielhaus. Thomas. Der ungläubige Thalia. Der Selbstmörderklub. Westen. Ein Walzeitraum. 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Große öffentliche Versammlung fämtlicher in den und Verwandten, insbesondere dem Sozialdemokratischen Wahlverein für Mahlsdorf und Umgegend, dem sozialdemokratischen Wahlverein Friedrichsfelde, den sozialdemokratischen Geozialdemokratischen Frauenverein Mahlsdorfs und dem Arbeitergesangberein Freiheit", Mahlsdorf, unseren herzlichsten Dant. Krankenkaffen Groß- Berlins beschäftigten Kollegen. mendebertretern Mahlsdorfs, dem Zages Ordnung: Die Vorgänge in den Orts- Krankenkassen der Maurer und Gürtler zu Berlin. Referenten: Paul Rückert und Richard Weiße. Diskussion. 288/ 10* Kollegen! Die außerordentlichen Borgänge und ein brüstes Benehmen der Borstände obiger Kaffen gegen die Angestellten und deren Organisation machen es jedem Stollegen zur Pflicht, in der Versammlung zu erscheinen. Die Vorstände obiger Kaffen find zu dieser Versammlung ein. geladen. Der Vorstand. SALAMANDER Persil SCHUH- GESELLSCHAFT M. B. H. CENTRALE W. Friedrichstr. 182 C. Königstr. 47 SW, Friedrichstr. 221 Fordern Sie Husterbuch, V Pharus- Säle. N., Müllerstraße 142. Inh: Jul. Wernau. Täglich: Großes Instrumental- Garten- Konzert. Mittwoch: Humoristische Soiree der Viktoria- Sänger. Großes Feuerwerk und Ball. Borzugskarten haben Gültigkeit. Neid Verwecken Anfang 7 Uhr. das beste existierende Waschmittel, dessen enorme Wasch- und Bleichkraft das böchste Entzücken der Hausfrauen hervorruft. Well seine wunderbare Wirkung scheinbar unerklärlich, fürchten manche Hausfrauen, daß Persil des Wäsche schädlich sel, aber viele Tausende von Hausfrauen haben sich durch fortgesetzten Gebrauch von der absoluten Unschädlichkeit dieses einzig dastehenden Waschmittels überzeugt und sind sogar zu der Einsicht gekommen, daß Persil die Wäsche schont. Überzeugen Sie sich gleichfalls I Alleinige Fabrikanten: Henkel& Co., Düsseldorf tuch der weltbekannten Henkels Bleich Soda In wenigen Tagen muß das Lokal der früheren Firma Fürst& Liebner, Berlin W., Mohrenstr. 87a, 1. 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Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 18. cr., nach mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofes der Heilig Kreuz- Gemeinde in Mariendorf aus statt. 288/11 Der Vorstand. Zentral- Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 8. Den Berufsgenossen zur Nachricht, daß unser Mitglied Max Werner am 11. Juni 1908 infolge eines Unfalls verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 18. Juni 1908, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Thomas- Kirchhofes in Nigdorf, Hermannstr. 179, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 254/13 Der Vorstand. Verband der Schneider und Schneiderinnen. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern geben wir hiermit bekannt, daß der Kollege Christian Bohn ( Mitglied der Breßkommission) am 16. Juni im Alter von 42 Jahren gestorben ist. 163/2 Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung N.B.: Den Termin, wann die Beerdigung stattfindet, geben wir noch besonders bekannt. Kranken- Unterstützungsbund der Schneider( E. H.) Todes- Anzeige. Den Mitgliedern geben mir hiermit bekannt, daß das Berwaltungsmitglied 162/3 Christian Bohn am 16. Juni im Alter von 42 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Audenken! Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Eduard Jordan am 13. Juni 1908 verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 17. Juni, nach mittags 4 Uhr, von der Halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Rege Beteiligung ertvarlet 85/16 Die Ortsverwaltung. Verband der Maler, Feuerrad dierer, Auffreicher ufw. 1 Pack 25 Pt. 3 Pack 65 Pf. ZurRenovierung bereits gefärbter Hüte in gleicher Farbe od. dunkler 1 Pack 35 Pf., 3 Pack 1 M. Filiale Berlin. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied Max Klemmer am Sonntag, den 14. Juni, ver storben ist. Ehre seinem Audenken! Die Beerdigung findet an Fritz Kratz, Berlin N. 39 Donnerstag, den 18. Juni, nach Reinickendorferstr. 119. In allen Drogerien, Apothek. usw. Gustav Lindenhayn, Gastwirtschaft. Telephon: Amt Grünau Nr. 17 Grünau, 5 minuten vom Bahnhof. Friedrich- Str. 2. Großer Garten. Vereinszimmer. Fremdenlogis. 26612* Vorzügliche Speisen und Getränke in größter Auswahl zu soliden Preisen. Ostbahn- Park Am Küstrinerplatz, Rüdersdorferstr. 71 Hermann Imbs. Täglich: Großes Konzert, mittags 4, 1hr, von der Leichenhalle des Rigdorfer Kirchhofes, Rudower Straße, aus statt. Den Kollegen zur Kenntnisnahme, daß unser Kollege Peter Breicksch verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 18. Juni, nachmittags 6 Uhr, bom Streisfrantenhaus aus auf dem Friedhof in Groß- Lichterfelde, Moltkestraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 132/9 Die Ortsverwaltung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes Franz Schultze fage allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Metallarbeiter- Ber Gesangberein, Bulle" aufrichtigen Theater- und Spezialitäten- bande, dem Wahlverein Rirdorf und Vorstellung. Dant. Wwe. Marie Schultze. Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 139. 25. Zahrgaag. 2. KkilM des Jimirts" K»lim Icllisliinlt. SütM), 17. Juni 1908. Die flbgeordoeteowal)! In Berlin bollzog sich gestern in ruhigen Bahnen; von einem eigentlichen Wahl- kämpf war so gut wie nichts zu bemerken. Schon frühzeitig hatten sich die Wahlmänner aufgemacht, um die von den Urwählern übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen. Im 3., 4. und 11. Landtagswahlbezirk, wo Terminswahl stattfand, waren die Wahlmänner pünktlich zu Beginn der Wahlzeit im Wahllokal anwesend, um nach Erledigung der Einsprüche gegen die Gültigkeit der Wahl einzelner Wahlmänner ihr Stimmrecht auszuüben. In diesen Wahlbezirken wickelte sich das Wahlgeschäft flott hintereinander ab und schon kurz nach 12 Uhr konnte Schluß des Wahlaktes erfolgen und das Endergebnis bekannt gegeben werden. Im 11. Wahlbezirk wurde die Wahl Liebknechts von den zahlreich im Garten der Pharus-Säle in der Müller- straße anwesenden Genossen mit einem Hoch auf Liebknecht ent- gegengenommen. In den übrigen Zkreisen, in welchen Fristwahl üattfand, waren es vor allem unsere parteigenössischen Wahlmänner, die schon früh- zeitig an den Wahltisch rraten. Von diesen Kreisen interessierte uns vor allem der 6.. 6. und 7., während der v. tod sicher war. Hatte doch noch in den letzten Tagen die.Freisinnige Zeitung" große Rosinen im Sack mit den genannten drei Kreisen. Sie hatte ihre Hoffnungen darauf gesetzt, daß aus den verschiedensten Gründen soviel Annullierungen von Wahlmänner vorgenommen werden könnten, daß vielleicht doch noch die Freisinnigen als Sieger aus der Wahl hervorgehen würden. Wohl wurden in verschiedenen Bezirken Ungültigkeitserklärungen gewählter Wahlmäimer vor- genommen, aber nicht soviel, daß die Hoffnungen der»Freisinnigen Zeitung" erfüllt werden konnten. Am interessantesten gestaltete sich die Wahl im 12. Landtags Wahlbezirk. Hier war tatsächlich der Ausgang am wenigsten vorauf zusehen. Einmal stand nicht genau fest, wieviel Wahlmänner ge- wählt waren und dann, welcher Parteirichtung die Gewählten an- gehörten. Noch in den letzten Tagen hatten Wahlmänner, die von Nationalliberalen aufgestellt worden waren, erllärt, nicht national- liberal, sondern freisinnig zu sein. Dazu kam, daß in der Bekannt gäbe des Magistrats über das Ergebnis der Wahlmännerwahl nicht weniger als 45 Wahlmännerstellen als»Valat" bezeichnet wurden. Das Wahllokal in diesem Kreise befand sich in dem AuS- schank der Brauerei Patzenhofer in der Turmstraße. Ein großes Transparent im Brauereigarten richtete die Mahnung an die Wahl- männer: Wählt Dr. Runze. Unsere Genossen waren, wie sich das gehört, bis auf den letzten Mann angetreten. Bereits gegen 1 Uhr hatten sie bis auf 15 ihrer Wahlpflicht genügt und kurz nach 4 Uhr war auch der letzte am Wahltisch gewesen. Im Garten wurden nun die Wahlaus sichten erörtert. Wie wird die heutige Wahl ausfallen? war allenthalben Gegenstand der Diskussion. Roch ließ sich gegen 5 Uhr nichts sagen, denn eS fehlten noch gegnerische Wahlmänner. Die Konservativen und die Liberalen machten sich an die Schlepparbeit und holten einen nach dem anderen heran. Nach t/ä6 Uhr stieg die Spannung immer höher. ES wird aus dem Wahlbureau gemeldet, daß Nunze und Ulrich je IM Stimmen haben. Neue Erörterungen: Mit wem kommen wir in die Stichwahl? Mit dem Liberalen Runze oder dem Antisemiten Ulrich. Ein Wahlmann, der noch nicht gewählt hat, erscheint. Er wird gemustert: wird er Runze oder Ulrich wählen, heißt es. Nicht lange dauert es und es wird die Nachricht kolportiert, Ulrich habe eine Stimme mehr als Runze; aber bald haben die Freisinnigen einen der Ihrigen herangeholt und wieder ist das Verhältnis zwischen beiden ein gleiches: 161 zu 161. So steigt die Spannung immer höher, bis die Uhr sieben zeigt und die Zeit herangekommen ist, wo Stimmen nicht mehr entgegengenommen werden. Die Wähler drängen ins Wahllokal. Am Wahllisch wird gezählt und immer wieder ge- zählt. Minute auf Minute verstreicht. Endlich erhebt sich der Wahlkommisiar, allgemeine Ruhe tritt ein; das End- ergebnis wird bekannt gegeben. Die absolute Mehrheit beträgt 322 Stimmen. Genosse Hoffmann hat erhalten 312, Prediger Runze(frs.) 166, der Konservative Ulrich 164 und Leidig snatl) zwei Stimmen. ES hat somit Stichwahl stattzufinden zwischen Hoffmann und Runze. Die anwesenden Liberalen begrüßen das Resultat mit lautem Bravo, worauf unsere Genossen mit dem Absingen der Strophe:»Das freie Wahlrecht ist das Zeichen" antworten. Langsam teilen sich die Gruppen. In Rixdorf-Schöneierg bot die Wahlhandlung nicht weniger JnteresianteS, nur mit dem Unterschied, daß hier Termins wähl statt- fand. Auch hier stand von vornherein die Zahl der für die einzelnen Parteien gewählten Wahlmänner nicht ganz fest. Der 16. Juni mußte Gewißheit bringen. Je weiter die Zeit vorschritt, desto größer wurde das Jntereffe an dem Ausfall. Auf Messers Schneide stand das Endergebnis, nur brauchten die Wahlmänner nicht so lange auf dasselbe zu warten, wie die im 12. Bezirke. Es wurde rasch hintereinander gewählt. Als der erste Akt vorüber war, stand Stich- wähl zwischen dem Freifinnigen und dem Sozialdemokraten fest. Und da Terminswahl war, ging eS gleich im Anschluß au dem ersten Wahlgang zur Stichwahl. Das Schlußergebnis finden unsere Genoffen an anderer Stelle. ES ist leider nicht geglückt, den Kreis zu holen, auf den wir Hoff- nungen hatten; nahe daran waren wir. Unsere Wahlmänner waren alle anwesend, keiner fehlte, alle hielten tapfer bis zum Schluß aus. Partei- Angelegenheiten. Bezirk Waidmannslust. Am Freitag, den 19. d. M1S., abends '/«S Uhr, findet eine Flugblattverbreitung statt. Es treffen sich die HermSdorfer Genossen im.ForsthauS", die WaidmannSluster im »Schweizerhaus", die Wittenauer bei A. Schulze, Hauptstraße, und die Borstgwalder bei Reuter. Rudow. Am Sonntag, den 21. Juni, abends 6 Uhr, findet die Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins im Lokal von August Palm statt. Die Sammellisten zur LandtagSwahl werden in dieler Versaminlung entgegengenommen. Sonntag, den 21. d. M., früh 8 Uhr findet eine Flugblatt- Verbreitung statt. Pankow. Da det Spediteurposten der Pankower ZeitungS« speditton neu zu besetzen ist, ersuchen wir diejenigen Genossen am Orte, die hierauf reflektteren, ihre Bewerbungen schriftlich bis Freitag, den 19. Juni, an Genossen Körte, Gottschalkstr. 5, zu senden Der Vorstand. I. A.: O. Hilnrann. Bernau. Am Donnerstag, den 18. Juni, findet unser Zahlabend statt. Da dies der letzte i»n ersten Halbjahr ist, werden die Genossen ersucht, recht zahlreich zu erscheinen und die Bücher in Ordnung zu machen._ ßerllmr JVacbncbten. Der Kaiser über BerkehrSfragen In der gestrigen Sitzung der Verkehrsdeputation berichtete der Oberbürgermeister über den Verlaus des ihm am vergangenen Sonnabend vom Kaiser gewährten Ernpsanges unter anderem folgendes. Es wurden die von Herrn Stadtbaurat Krause ge- fertigten Entwürfe neuer Verkehrswege an den vorliegenden Plänen erörtert. Außerdem wurden vorgelegt ein neuer Plan, nach welchem die Tunnelstrecke in der Leipziger Straße an der Fricdrichstraße unter der Untergrundbahn Nord— Süd geführt ist und beide Bahnen in der Nähe der Friedrich- und Leipziger Straßenecke Eingänge in Bahnhöfe erhalten, sowie ein Plan für die Verlegung der Straßen- bahnlinien vor dem Brandenburger Tor unter die Erde, bei welchem das Brandenburger Tor und der Pariser Platz unverändert bleiben. Demnächst erörterte der Oberbürgermeister das Verhältnis der Stadtgcmeinde zur Großen Berliner Straßenbahn und der mit ihr verbundenen drei Straßenbahngcsellschaften eingehend und er- klärte, daß die Stadtgcmeinde bereit sein werde, die zur Beseiti- gung vorhandener Uebelstände erforderlichen Bcrkehrsanlagen selbst herzustellen und den Straßenbahnen gegen eine angemessene Ver gütung zur Benuvung zu überlassen, daß sie aber einer Lösung nicht zustimmen könne, durch welche der Straßenbahn neue Rechte eingeräumt würden und sie in ihrer gegen den Inhalt des Zu- stimmungsvcrtragcs der Stadt gegenüber erlangten Position ge stärkt werde. Der Kaiser erklärte, ohne zu den einzelnen Plänen eine bc. stimmte Stellung zu nehmen, daß die beiderseits vorgelegten Pläne bei ihrer großen Bodeutung und Wichtigkeit einer sorgfältigen Prüfung seitens der königlichen Behörden bedürften und daß er wünsche, es möchten dabei die Interessen der Stadt Berlin nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Es komme in erster Linie darauf an, daß den vorhandenen Uebclstäiidcn alsbald abgeholfen werde, erst in zweiter Reihe darauf, durch wen das geschehe. Wenn die Stadt Berlin das Erforderliche ausführe sei es am besten. Vor allem müsse der oberirdische Straßenbahnverkehr vor dem Branden burger Tor beseitigt werden, weiterhin seien aber auch die Straßen bahnen in der Leipziger Straße zu entfernen, denn bei der ge- waltigen Entwickelung des Westens werde der allgemeine Verkehr in der Leipziger Straße sich fortdauernd derartig steigern, daß diese Straße für diesen allgemeinen Verkehr freigemacht werden müsse. Nach den Erklärungen des Oberbürgermeisters werde sich eine Lösung für die Erfüllung dieser Aufgaben finden lassen. Bei der Erörterung des nördlichen Tunnelprojektes in der Straße Unter den Linden wies der Oberbürgermeister unter an- derem auch auf die Gefahr hin, daß die alten Bäume der Mittel» Promenade eingehen könnten. Staatlichcrseits wurde darauf von zwei der anwesenden Herren erklärt, daß die Ausführung dieses Aunnelprojektes nach ihrer Meinung zurzeit unterbleiben könne. Die Deputation nahm Kenntnis von diesen Mitteilungen und beschloß auf Antrag des Oberbürgermeisters: I. 1. Vorbehaltlich der Genehmigung der städtischen Be- Hörden der Straßenbahn gegenüber die Bereitwilligkeit zu er- klären, nach den vom Stadtbaurat Krause entworfenen Plänen zur Aufnahme der Niveaubahnen vor dem Brandenburger Tor und ebenso zur Aufnahme der Nivcaubahnen am Opernplatz unterirdische Anlagen auf Kosten der Stadtgemeinde herzustellen und der Straßenbahn nach Maßgabe der bestehenden Verträge zur Benutzung bezw. Mitbenutzung zu überlassen; 2. bei den städtischen Behörden die Genehmigung des Be- schlusses zu beantragen; 3. ebenso bei den staatlichen Aufsichtsbehörden die Genehmi» gung der Anlagen. II. Wegen eines Arrangements, durch welches in gleicher Weise eine Anlage zur Entfernung der Gleise aus der Leipziger «Straße ermöglicht wird, eine Kommission einzusetzen. Ueber eine Anzahl minder wichtiger Gegenstände wurde nach den Anträgen der Referenten Baurat Krause und Stadtrat Alberti beschlossen, nachdem vorher noch Baurat Krause seine neuen Pläne eingehend erläutert hatte_ Die neue Automobilfcuerwrhr in der Schönlanker Straße, die erste der Berliner Feuerwehr, wurde am Montag nach der Bau- abnähme der Feuerwehr übergeben. Die neue Wache besteht aus einem dreistöckigen Vorderhause mit einer einfachen Fassade aus roten Ziegelsteinen, einem kleinen Seitenflügel auf der östlichen Seite und einem Ouergebäude mit Steigerturm usw. Im Erdgeschoß, direkt an der Straße, ist ein großer Raum für die vier Automobilfahrzeuge, eine Gasspritze, als erstes Angriffs- sahrzeug, ein Tender- oder MannschastSautomobil.j eine Dampf- spritze und eine große, mechanische Leiter, eingerichtet. Die Wache war seinerzett für einen Löschzug mit Pferdebetrieb projektiert. Durch den Fortfall der Pferdestände ist dieser Raum etwas reichlich groß geworden. JedeS Fahrzeug steht unmittelbar vor einem Tore. Außerdem ist noch eine fünfte Auffahrt vorhanden. Alle fünf Tore öffnen sich bei einem Alarm automatisch und können ebenso wieder geschlossen werden. Die Schlafräume liegen unmittelbar neben diesem Raum; die Wachstuben über den Schlafräumen. Gleit- stangen führen von den Wachstuben zu den Schlafräumen, so daß beim Alarm die Treppen nicht benutzt werden brauchen. Beim Alarm ertönen automattsch sämtliche Glocken in allen Teilen der Wache, die mtt 41 Mann belegt ist. Neben den MannschastSräumen im ersten Stock befindet fich die Wohnung des Wachvorstehers. Brandmeister Gempp, und darüber im zweiten Stock die Wohnungen der Chargierten. Die Einrichtung der Wache und der Wohnimg ist eine durchaus moderne, wobei besonderes Gewicht auf das Praktische gelegt worden ist. Für die Mannschaften fehlt es z. B. an einer gemeinsamen Kochküche mit GaSkochherd, Kaffeemaschinen, Fleisch- Hackmaschinen usw. nicht, ebensowenig an hellen und geräumigen Wasch- und Baderäumen. Zwei verschiedene Dachgärten sind dem Offizier und den Chargierten überwiesen. Außerdem ist ein größerer Garten zu ebener Erde neben dem Quergebäude für die Mannschaften bestimmt. Im Vordcrhause liegt neben dem Telegraphenzimmer ein Zimmer für die Samariterhilfe. Im Ouergebäude und Seitenflügel sind Werkstätten für Sattlerei, Tischlerei, Stellmacherei, Schmiede, Schlosserei usw. vorgesehen, um Reparaturen sofort ausführen zu können. Das Haiiptaugenmerk bei der Errichtung ist auf schnelleBereitschaftgelegt worden. Wirdialarmiert, dann haben die Mannschaften nur nach den nahen Fahrzeugen zu eilen, diese zu besteigen und fort geht eS. Vermieden wird das Loßmachen der Pferde, das Anschirren und Anspannen, das Oeffnen der Türen. Lichtanzünden usw. Zur Bedienung der Automobile find Mannschaften auS allen Kompagnien herangebildet worden. Zum Feuer rückte der vierte Zug, der zur 1. Kompagnie gehört, vorläufig noch nicht aus. Die Berliner Feuerwehr besitzt nunmehr 20 Löschzllge, die gleichmäßig auf 5 Kompagnien verteilt sind. Nach Fertigstellung der neuen, bereits vom Magistrat genehmigten Feuerwache an, Schiller- Hain wird die 4. Kompagnie über 6 Züge verfügen. Zu dieser neuen Feuerwache zur Deckung des sogenannten afrikanischen Viertels dürfte in absehbarer Zeit noch eine neue Feuerwache innerhalb der 4. Kom- pagnie tommwi Zahnärztliche Hilfe für arme Schulkinder. Ueber die Versorgung armer Schulkinder mit zahnärztlicher Pflege hat M. Lipschütz m der Berliner zahnärztlichen Halbmonats- schrist einen Artikel veröffentlicht, dem wir folgende allgemein interessierende Stellen entnehmen. Lipschütz hatte bereits 189? folgenoe These aufgestellt: „In Interesse der Verringerung der KaricSfrcquenz bei Zähnen unbemittelter Kinder find a) die städtischen Behörden der größeren Städte zur Gründung von zahnärztlichen Anstalten anzuhalten. in welchen die Kinoer der Armen vollständig unentgeltlich zahn- ärztliche Hilfe erhalten; d) in Krankenhäusern, in welchen bereits durch Extrahieren von Zähnen teilweise zahnärztliche Hilfe geleistet wird, diese auf die Konservierung von Zähnen auszudehnen.— Mit der Leitung derartiger Abteilungen sind nur approbierte Zahn- ärzte zu betrauen; c) in Städten, in welchen a) oder b) nicht durchgeführt werden kann, sind zur zahnärztlichen Behandlung unbemittelter Kinder Armenzähnärzte anzustellen. Der Verfasser schreibt dann: Es war selbstverständlich, daß bei dem Widerstande. den auch städtische Behörden allen Neuerungen entgegenzusetzen pflegen, die von mir vorgeschlagene These nicht von heute auk morgen verwirklicht werden würde. Es mußten doch aber einmal die Verhältnisse klargelegt und die Wege angegeben werden, die der unbemittelten Jugend, auch der noch nicht schulpflichtigen, die Möglichkeit gewährt, die zur Erhaltung der Gesundheit unbedingt nötige zahnärztliche Hilfe sich unentgeltlich zu verschaffen. Daß diese Ausführungen das Richtige getroffen hatten, beweist der Um- stand, daß man schon seit Jahren, zuerst von zahnärztlicher Seite, dann von seilen der Kommunen und auch von privater Seite zahn» ärztliche Anstalten(Polikliniken, Schulzahnkliniken) begründete und wo dies nicht angängig war, besonders in kleineren Städten, Schulzahnärzte anstellte. Nach einer Umfrage ist zahnärztliche Fürsorge für Gemeindeschülcr bereits eingeführt in 17 Orten und z>var in Straßburg i. E., Darmstadt, Mühlhausen i. E.. Wiesbaden, Ulm, Fürth, Lahr i. B., Nordhausen, Frciburg i. B.> Walden- bürg i. Schl., Elmshorn, Gießen, Kolmar, Offenbach a. M., Altona, Dresden und Köln; sie wird eingeführt in Paderborn. KottbuS, Friedberg, Metz, Frankfurt a. M., Erfurt und Charlottenburg. In fast allen Städten ist oder wird eine Zahnklinik eingerichtet, da diese Art der zahnärztlichen Hilfeleistung die billigste und� beste Behandlung für viele Personen zugleich gewährleistet. Tie Stadt- Verwaltung in Straßburg i. E. hat es in der Versorgung von Kindern mit zahnärztlicher Hilfe am weitesten gebracht. Dort werden nicht nur die ärmeren Kinder der Gemeindeschulen, sondern sämtliche Volksschulkinder und in richtiger Würdigung der Ver- Hältnisse auch die noch nicht schulpflichtigen Kinder unentgeltlich zahnärztlich behandelt. Daß dieses Ideal jemals für Berlin er- reicht werden wird, ist kaum zu erwarten. Es ist etloas anderes, 16 000 Kinder mit zahnärztlicher Hilfe zu versorgen oder 230 000. In zahnärztlichen Kreisen Berlins hat man dieser Frage in den letzten Jahren eine ganz besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Um diese dauernd in Fluß zu erhalten, hat der Berliner Verband zahnärztlicher Vereine eine Kommission zur Einführung zahn- ärztlicher Hilfe an Schulen und Krankenhäusern eingesetzt. Diese Kommission, welcher Herr Geheimer Obermedizinalrat Professor Dr. Kirchner im Auftrage des Kultusministeriums seine wärmsten Sympathien entgegenbringt, hat sich in vielen Sitzungen mit dem Gegenstande beschäftigt und schließliöb den Beschluß gefaßt, mit einer Petition an die Berliner Stadtverwaltung heranzutreten. Um besonders unter den Stadtverordneten Aufklärung zu ver» breiten, fand eine öffentliche Versammlung statt, die zu dem Er- gebnis führte, daß der Stadtverordnete Barth mit Unterstützung unseres Kollegen, des Stadtverordneten Dr. Ritter, einen Antrag an die Stadtverordnetenversammlung richtete, nach welchem der Magistrat ersucht werden sollte, Erwägungen anzustellen,„ob zwecks Uebcrwachung der Zahnpflege der Schulkinder in Berlin besondere Einrichtungen notoendig und durchführbar sind, und Mittel in den Etat einzustellen, uni einen Versuch in dieser Richtung zu machen". Unsere Leser wissen, wie wenig entgegenkommc>ch die Majori- tät der Stadtverordnetenversammlung in dieser Beziehung war. Der Magistrat ist zu nichts verpflichtet worden, und wird voraus- sichtlich ohne weiteres Drängen auch nichts tun, Hcimschwcstern vor Gericht. Die Moabiter Kriminalstudentcn werden demnächst das seltene Schauspiel genießen, fünf„Schwestern" in schwarzer Anstaltstracht vor den forensischen Schranken zu sehen. Ein erheblicher Zeugenapparat ist aufgeboten. Der Zuhorerramn wird gedrängt voll sein von weiblichen Personen, die in Wohltätig- keitskreisen eme Rolle spielen. Und was ist los? Eine armselige iviaus wurde geboren— aus lächerlichem Klatsch hat sich ein„Scn- satiönchen" entwickelt. Die Sache selbst ist so unbedeutender Natur, daß sie uns völlig kalt lassen könnte, wenn dabei nicht wieder mal unsere liebe Polizei in sonderbarem Lichte erscheinen wollte. An dem seit vier Jahren bestehenden Berliner NettungSheim für Trinker- kinder, das wir vor einiger Zeit geschildert und wegen seines ideellen Grundgedankens wie besonders wegen der Uneigennützigkeit seiner Bestrebungen als musterhaft hingestellt haben, wirken eine größere Anzahl von„Schwestern", die zwar in der bekannten schwarzen Tracht gehen, aber nicht auf dem verknöcherten himinelstürmenden Standpunkte stehen, also auch an den Freuden dieser Welt berechtigtes Interesse haben. Eines Tages erhielt die eine der jungen Damen noch in später Stunde den Ans« trag der Oberin, nach der Heimfiliale zu konimen, da sie dort dringend gebraucht werde. Sie war jedoch nicht geneigt, dem Wunsch ihrer Brotgeberin nachzukommen, und legte sich schlafen. Aus rein jugendlichem Uebermut drängten nun die vier anderen Schwestern die Ungehorsame unter Lachen und Scherzen aus dem Bett und zogen ihr die Strümpfe an. Es war eine Szene, wie sie in jedem Mädchenpensionat alltäglich ist. Wer zu den Prüden gehört, ka»» an solcher Katzbalgerei irgend etwa« Ungehöriges finden. Dem Reinen aber ist alles rein. Er wird sich steuen, daß in derarttgen Mädchen- köpfen, die oft nur aus äußerster Not auf einen so dornigen Lebens- weg gedrängt sind, der Sinn für harmlose Heiterkeit noch nicht er- storbeu ist. Zufällig erfuhren von der Sache, die später zur Ent- lassung der ungehorsamen Schwester führte, einige ältere Frauen, die früher im NettungSheim mit die erste Geige zu spielen versucht haben, aber bald auf den Frost gesetzt worden waren. Denn eS hat noch nie zu etwas Gutem geführt, wenn bejahrte weibliche Personen vom bekannten Kaffeekränzchentyp ihre Nase all- zutief in derartige gemeinnützige Sachen hineinstecken. In der Regel verberben sie den Kram. Die entlassene Schwester wurde also nun so lange scharfgemacht, bis sie sich breitschlagen ließ, gegen ihre früheren Kolleginnen Strafantrag wegen„Mißhandlung" zu stellen. Natürlich mußte die Polizei mit allem preußischen Schneid eine hochnotpeinliche Untersuchung anstellen. Wie erstaunten aber die Beteiligten, als sie nach dem Alexandcrplatz vor den— Sitten- kommissar geladen wurden I Es war von irgend einer Seite der in der gegenwärtigen Zeit ja aktuelle Verdacht rege geworden, daß es sich gar nicht um Katzbalgerei, sondern um—— Perversitäten gehandelt habe, und so muhten die armen Dinger, die die praktische Bedeutung der Sache vielleicht kaum dem Namen nach gekannt haben, sich zu recht unangenehmen Erörterungen hergeben. Dabei geschah es, daß eine sehr energische Schwester, die ausdrücklich vor den Kriminalkommissar Dr. Kopp geladen war, die Vernehmung durch einen unteren Sitlenbeamten ,m Bewußtsein der völligen Haltlosigkeit der Anschuldigung zurück- wies und cS durchsetzte, daß der Herr Kommissar persönlich dcni Wortlaut der Vorladmig entsprach. Inzwischen ist das UulersiichuugS- verfahren wegen der angeblichen„crzivuugeuen" Perversiläten eingestellt, dagegen zu allseitigem Erstaunen Anklage wegen der behaupteten Mißhandlungen erhoben worden. Höchstwahrscheinlich verläuft auch diese Aktion im Sande. Eine Einnchluug, die nur das Beste will, wird durch jämmerlichen Klatsch neidisch und grundlos in den Schmutz gezogen. Und«5 BTelBt nur wieder mal daZ alle Dichterwort wahr: Es Uebt die Welt das Strahlende zu schwärzen.... Eine merkwürdige Rohrstockgrschichte wird uns gemeldet aus der 162. Knaben-Gemeindeschule, die in der Danziger Straße liegt. Än einem siebenjährigen Schüler R., der in einer Klasse VII dieser Schule sitzt, sahen seine Eltern Verletzungen im Gesicht, die er mittags aus der Schule mit heimbrachte. Er er- '.ählte ihnen weinend, von der Zeichenlehrerin Fräulein Vi g e r t h habe er einen Schlag mit dem Rohr stock ins Gesicht bekommen. Die Mutter des Jungen suchte noch in der 'Mittagstunde dieses Tages— es war am 13. Mai— den Rektor der 162. Schule, Herrn Bandt, auf, wurde aber von diesem angewiesen, am Morgen des anderen Tages wiederzukommen. Sie ging am nächsten Morgen zuin zweiten Male zu Herrn Bandt, doch gelang es ihr nicht, eine Ausklärung der Angelegenheit zu erreichen. Herr Bandt suchte Frau R. zu beschwichtigen mit der Bemerkung, jedem Menschen sei ja wohl schon mal etwas mißlungen. Offeirbar meinte er, daß Fräu- lein Argerths Rohrstock im Schlagen abgeirrt sei und nur aus Versehen das Gesicht des Jungen getroffen habe. Zu dem Wunsche der Mutter, die Lehrerin selber sprechen zu dürfen, erklärte der Herr Rektor, das gehe nicht an. Frau R. führte dann noch an demselben Tage ihren Jungen zu einem Arzt, ließ die Verletzungen untersuchen und bekam folgendes Attest:„Dicht unter dem linken Auge des Jungen liegt eine schräg von der Nasenwurzel nach außen und abwärts ziehende rot gefärbte strich» förmige Schwiele von zirka 7ZentimeterLänge und"/«Zentimeter Breite. Am Nasenrücken liegt in ihr eine kleine, unten und außen eine größere(1 Zentimeter lange) der Oberhaut beraubte Stelle. Beide Defekte sind trocken und mit Schorf bedeckt. Dem Aussehen nach handelt es sich in der Tat um den Effekt eine? zirka 21 Stunden alten Schlages mit einem länglichen, nicht unelastischen Jnsttunient." Eine schriftliche Darstellung der Angelegenheit wurde unter Bei- fllgung einer Abschrist des Attestes vom Vater an die Schul» d e p u t a t i o n gesandt. Am 6. Juni, nach Verlauf von reichlich drei Wochen, bekam Herr N. ein vom 1. Juni datiertes Schreiben der Schuldeputation, das folgendermaßen lautete:„Auf Ihr Schreiben vom 11. d. MtS. erlvidern wir Ihnen, daß Ihr Sohn nach den angestellten Ermittelungen nicht ins Gesicht ge- schlagen worden ist. Der Knabe hat selbst zugegeben, daß er sich am 13. d. M. auf dem Heimwege gekratzt habe. Wir müssen hier- nach Ihr Gesuch als unbegründet abweisen." Nebenbei bemerkt: statt„14. d. M." und„13. d. M." ist zu lesen.14. bezw. 13. vorigen MonatS". Bei Empfang dieser Antwort waren die Eltern höchst erstaunt darüber, daß ihr Junge„zugegeben" haben sollte,„sich gekratzt" zu haben. Sie befragten den Jungen, und nun stellte sich allerdings heraus, daß er gegen- über dem Rektor Bandt, der in die Klasse gekommen war und ihn verhört hatte, auf dessen Drängen in der Tat„zugegeben" hatte, er habe„sich gekratzt". Gegenüber seinen Ellern bleibt der Junge nach wie vor dabei, daß er von Frl. Agerths Rohrstock einen Schlag über Nase und Backe gekriegt habe; bei dem Berhör durch Rektor Bandt habe er nur gefürchtet, Prügel zube- kommen, darum habe er auf dessen Bemerkung, da werde er sich wohl gekratzt haben, mitja geantwortet. Die Eltern halten es für undenkbar, daß die Verletzungen, die sie selber gesehen haben und über die der Arzt das obige Attest ausgestellt hat, durch des Kindes eigene Hand herbeigeführt worden sein sollten. Ein Junge, der auf fernem Gesicht durch Kratzen eine Schwiele von 7 Zentimeter Länge und'J. Zentimeter Breite hervorbringt, muß allerdings einen ganz ungewöhnlichen Kratztrieb haben. Uns ist es nicht möglich gewesen, aufzuklären, wie die Schwiele entstanden ist. Wir müssen uns daran genügen lassen, hier lediglich über den Verlauf der Auaelegenheit zu berichten. Eltern iverden aus dieser ganzen Affäre ersehen, wie'S kommen kann, wenn sie eine Beschwerde an die Schuldeputation richten. Zu bedauern ist nur, daß der Bescheid derSchuldeputation so sehr knapp ausgefallen ist. Wir vermissen darin z. B. die Angabe, ob das Kino an jenem Tage überhaupt von Frl. Agerth geschlagen worden ist bezw. geschlagen werden sollte. Und auch darüber hätte die Schuldcputation sich äußern sollen, ob Frl. Agerth selber gleichfalls verhört worden ist und eventuell w a s s i e g e- antwortet hat. Geteilt« Freude ist doppelte Freude. SuS der Rosenow» Mugdanschen Dienstboten-Kranlenkasse werden immer erbaulichere Dinge bekannt. So wird jetzt daran erinnert, daß nach den mit raffinierter Geschicklichkeit ausgearbeiteten Statuten dieses Ver- sicherungsvereinS der Aufsichtsrat in der Regel au« elf Mitgliedern bestehen soll, aber nach Belieben auch unter diese Zahl herunter» gehen kann, auf ein halbe« Dutzend und noch weniger. Unlängst sind zwei LufsichtSratSmitglieder verstorben, man trifft aber keinerlei Äustalten zur Neuwahl. Die„Deutsche Krankenkassen-Zeitung" läßt durchblicken, daß man wahrscheinlich die fälligen Entschädigungs» gelder in Höhe von je fünfhundert Mark nur unter den Ucbcrlebenden verteilen will. Auf der Suche nach skrupellosen Leuten kann man doch nicht gut sein. Bon dieser Sorte gibt'« im freisinnigen Lager übergenug. ES wird in den skandalösen Zuständen wohl mcht eher anders werden, als bis sich die 69 000 Vereins» Mitglieder, die jetzt so gut wie nichts zu sagen haben, mal energisch auf die Hinterbeine setzen. Sie sollten be» der nächsten General- Versammlung massenhaft auf den Plan treten, die Statutenänderung durchsetzen und die Psründenschlucker zum Teufel jagen. Leider sind aber die Dienstboten-Herrschasten viel zu bequem, um sich gegen diese Jnteressenwirtschaft zu wehren. Die Dienstboten selbst können c« nicht, da sie schlauerweise vom Stimmrecht ausgeschaltet sind. Das genannte Blatt sagt wörtlich weiter: Noch immer hat der Berein und seine Organe nicht den Mund zu einer Entgegnung geöffnet, trotzdem ihm in der ..Vossischen Zeitung" und der„Freien Deutschen Presse" oder„Frei- sinnigen Zcilung", dem Blatte, dos so oft seinen Namen wie seine früheren Ueberzeugungen wechselt, Organe zur Verfügung stehen, die mü den im AoonnementSverein das große Wort führenden Herren und Märtyrern der Freisinnigen Volkspartei durch dick und diinn gehen. Dteie Herren haben von ihrem Blockgenossen Bülow gelernt, daß eine dicke Haut zeltweise gute Dienste tut. Sie pochen auf ihre Satzung und denken: UnS kann keiner I Stimmt ausfallend. Aber auch das dickste Fell ist mit der entsprechenden Einreibung zuin Platzen zu bringen. Deutschnationale NuiversalgenieS. Wer eS etwa noch nicht wußte, daß die leitenden Herren vom Deutschnationalen antisemuischen Hand- ImigSgehilfenverbande Universalgenies find, der hat jetzt wieder emmal Gelegenheit, sich davon zu llderzeugen. Die Macher diese« Verbandes bchmwten unter anderem, die wirtschaftlichen Jntereffen der Handlung«» gchilsen wahrnehmen zu wollen, bekommen eS aber in ihrer großen lvr.üalität fertig, ihre eigenen in Not geratenen Verbandsmitglieder der schlimmsten Weife auszubeuten. So ist nian z. B. gegenwärtig im Bureau deS Deutschnationalen HandlungSgehilfenverbauocS mit dem Schreiben von Adressen be» sch-ftigt. und zwar betraut man stellungslose Mitglieder mit dieser Arbeit Dafür wird nun der„standesgemäße" Lohn von 4 M. pro Tauiend gezahlt, das entspricht bei größter Routine und angestreng» tester Arbeit einem Stnndciilohn von 3l) Pf. Als ein Mitglied sich bei einem Beamten deS Deulschuationalen Verbandes beklagte, daß er mit dem Verdienst unmöglich auskommen könne, erklärte der Herr: mehr gibt es nicht, und wenn es Ihnen nicht paßt, können Sie ja aufhören.--- Ganz wie der Kapitaljstenprotz und echt deutsch» national. Schrecklich zugerichtet wurde gestern morgen der 22jährige Schmied Otto Schanz aus der Buttmannstr. 7. Schanz hatte auf seinem Zweirade nach seiner Arbeitsstätte, der Schwartzkopffschen Fabrik, fahren wollen. In der Badstraße mußte er einem entgegen» kommenden Lastwagen ausweichen und stieß dabei mit dem Rade gegen einen Straßenbahnwagen von Siemens u. HalSke. Er wurde uuter den Vorderperron gerissen und furchtbar zugerichtet. DaS ganze Besicht wurde dem Bedauernswerten aufgerissen und der Kopf verstümmelt. In besinnungslosem Zustande fand der Verunglückte im vranlenhauje Aufnahme. Beim Baden erttnmkcn. Schon wieder hat der Schwimmsport zwei Opfer gefordert. Im Gamensee bei Ebcrswald« erttank gestern der Sohn eines hiesigen Arztes. Der junge Mann sollte vor den Augen seiner Braut den Tod im Wasser finden. Er hatte mit der letzteren einen Ausflug nach Tiefensee unternommen und im Gamensee ein Bad nehmen wollen. Jedenfalls ist er zu erhitzt ins Waffer gegangen, denn plötzlich sank er unter und ertrank. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Der Scharinützelsee hat ein neues Opfer gefordert. Ein 14 jähriger Schüler, der sich zu weit auf den See hinausgewagt hatte, fand den Tod durch Ertrinken. Ein Waldbrand wütete gestern nachmittag in der königlichen Forst bei Müggelheim. Der Kiefernbestand am Fuße der Müggel» berge war in Brand geraten. Die freiwilligen Feuerwehren von Köpenick und Grünau dämmten den Brandherd durch Sand- auswerfen ein, und so konnte der ausgedehnte Kiefernbestand auf den Müggelbergen gerettet werden. Kunstabend des Vereins für Frmlw und Mädchen. Montags hatten sich im Saale der.Arminhallen" einige Hundert Genossinnen zu einer musikküustlerischcn Veranstaltung«ingefunden, die in der Hauptsache von Eduard Sörmus. einem mit der proletarischen Bewegung in Rußland verbundenen Geiger bestritten wurde. Wer etwa erwartet hatte, einen Hexenmeister auf dem schwierigsten und seelenvollsten aller Streichinstrumente zu hören, wird kaum auf die Rechnung gekommen sein. Technische Virtuosenslückchen zu zeigen, hat dem Konzertgebcr jedenfalls auch ferne gelegen. Die Schwere längerer Haft im russischen Gefängnis, die SörmuS mit unzählige» Proletariern seines Volkes erlitten hat, scheint noch auf ihm zu lasten. Dieser Druck auf das Gemüt vermochte vorerst nicht anders als in Melancholie, in Melodien des Schmerze« sich zu offenbaren. Wo die ganze Volksseele gewiffermaßen auf den Mollcharakter gestimmt ist, konnte sich auch das proletarische Kampflied nicht zu kraftvollen Durklängen hinaufschwingen. Diese Er- scheinung trat denn auch zutage in einigen Revolutionsgesängen, die fich vom Herzen der russischen Arbeiterschaft in Worten und Tönen loSgerungen haben. Mag es uns denn Anhören dieser schwer- mütigen Melodien auch unfaßlich erscheinen, ob sie Kamvfesmut er- wecken können— jedenfalls steckt in ihnen doch eine fortreißende Gewalt, sobald sie von einer mit gleichem Empfinden beseelten Blasse gesungen werden. Und das ist das entscheidende Moment, in An- paffung dessen man das wenig Kunstvolle dieser Produkte sehr wohl in Kauf nimmt. Sörmus spielte mehrere solcher Gesänge, und zlvar:„Der Schwur", das Kampflied des jüdisch- russischen Pro- letariatS, und das sogenannte. Schafottlied". Ein drittes Stück: „Die Sehnsucht" ist eine schwermütige, schlichte Weise, die Sörmus im Gefängnis komponiert hat. Als Geiger verfügt Sörmus über «inen sonoren, breiten Bogenstrich, gute Behandlung des Trillers und der Passagen. Sein Spiel ist rein, auch bei Oktaven und doppelstimmigen Gängen. Sein Vortrag ist schmucklos- innig. Diese Vorzüge, weniger eine freie, virtuose Technik, traten besonder» bei dem Vortrag einer Sonate in C- rnoll von Grieg hervor; desgleichen bei Friedrich Chopins berühmtem Trauer- marsch. Beide Male begleitete Leo Kestenberg am Klavier und zwar mit jener vollen Hingahe und freiwaltenden Kunst, die wir bei ihm gewohnt sind. Den deklamatorischen Teil hatte Fritz Richard vom Deutschen Theater übernommen; er heimste für seine sowohl den tragischen wie den satirisch-heiteren Stil be- meisternden Vorträge mit Recht großen Beifall ein.«. k. Ferienkolonie in Mahlow. Wir werden um Ausnahme folgenden Aufrufs ersucht: Der Vor- stand des Deutschen Bundes der Vereine für naturgemäße Lebens- und Heilweise sNaturheilkunde) hat beschlossen, zusammen mit der Gruppe seiner Berliner Vereine auf seinem 41 Morgen großen Wald- anmdslück in Mahlow für die Zeit der großen Schulferien eine Ferienlolonie für erholungsbedürftige Kinder einzurichten. Das Unter- nehmen ist als sogenannte Tageökolonie gedacht. Die Kinder fahren früh 8,38 Uhr vom Potsdamer Bahnhof gemeinsam nach dem Grund- stück hinaus, halten sich den Tag über im Walde auf und kehren abends zurück, so daß fie gegen 7 bis Uhr wieder zu Hause sind. Für gewissenhafte Beaufsichtigung der Kinder und Anleitung zu Spiel und regelmäßiger Ruhe wird durch fachlich geschulte Kräfte gesorgt. Zwei UnterkunftShäuser bieten Schuy vor Regen und Sonnenbrand. Die Kinder sind dem Umherlaufen auf der Straße mit ihren tausend Gefahren entrückt und erleben draußen jeden Tag neue erhebende Freuden. Für die Ferienkolonie sind auf dem Mablower Grundstück alle Vorbedingungen lgnte Luft im Kiefernwald, Ruhe. Gelegenheit zu schönen Ausflügen usw) vorhanden, uin bleichsüchtigen, erholungsbedürftigen Großstadtkiudern, die in den Ferien Berlin nicht ganz verlassen können, wenigstens am Tage den Aufenthalt auf dem Lande zu ermöglichen. Die Kinder sollen möglichst naturgemäß verpflegt werden und täglich ausgiebig Luftbäder nehmen. Nach den Erfahrungen, die in anderen Städten mit derartigen TaaeSkolonien von Naturheil» und Vegetariervereinen, z. B. in Gera. Leipzig, Kassel, Freiburg, Hannover u. a. gema-bt worden sind, ist zu erwarten, daß die Kolonisten große gesundheit- liche Vorteile haben werden. Der Berliner Aerzteverein für physikalisch- diätetische Therapie/, bt««'/, Hhc statt. Geöffnet? Uhr Sonnabends beginn» die Sprechstunde Ulli o»Hr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe lind eine Zahl als Sttertzeichc» beizufiigeu. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Frage»»rage man in der Sprechstunde vor. E. G. St. Zu raten ist, daß die Frau mit Ansprüchen zwei Jahre lang wartet, weil sonst Abschiebung nach' werden könnte.— B. 71. Ja, als Streit nach■)...._.......... 1. und 2. Nein. Die AuSknnst löniilen Sie nur durch'Anfrage bei der Polizeibehörde des letzten Wohnortes und weitere Nachsorschungcn von den späteren Wohnorten erhalte». Das Gericht hat damit nichts zu tu». 3. Fragen Sie bei der» Vormundschastsgericht an.— M. S. 45. Nur das Vermögen Ihrer verstorbenen Frau, in Ihrem Falle also KleidungS- stücke, Wäsche und dergleichen wäre anzugeben.— Sl. H. Ä!J. Nur der Posten 3(Arveilslicidung) wird vorauSsichttich in der BerusungSilistanz berücksichtigt werden.— O. Nein.— H. Ja. — B. BSV. Durch den Tod deS Hauseigentümers wird, falls nicht der Mietsvertrag Gegenteiliges besagt, der Vertrag nicht bcemträchtigt.— Fritz 4. 1. Den Antrag können!sie stellen, demselben kann, braucht aber nicht stattgegeben zu werden. 2. Nein. 3. Lediglich ivenn Sie im Sinne des JnballdendersicherunasgesetzeS dauernd eriverbsunsähsg sind, würde» Sie Invalidenrente beanspruchen können. Machen Sie einen dahingehenden Versuch.- F. R. 50. Nein.— H. W. 100. Ja.— O. W. 108. Die Gesellschaft ist uns nicht bekannt: ivenden Sie sich direkt an das Aus« wärtige Amt.— I. At. 15. Die alte Veranlagung würde gelten, wenn Sie gegen dieselbe noch nicht reklamiert haben. Die'Anfsorderung der Beschaffung der Lohnbescheinigungen brauchen Sic nicht zu er- füllen, wenn Sie glauben, daß Ihnen daraus Nachteile entstehen würden. — P. H. L8. Sie würden sür die Miete hasten. Ob auch Ihr Bräutigam zu hasten hat, ist ohne Einsicht in den Vertrag nicht zu sagen. Auch wenn er noch zur Gencralstellung muß, ist eine Berehelichung schon vorher durch- aus zulässig.— M. K. ta. Im Klagewege würden Sie die Aushebung des Vertrages aus dem von Ihnen genannten Grunde nicht durchsetzen können.— C. ll. 37. Die Wahl hat mit der Pension nicht das geringste zu tun. Der Staat ist keincsioegs berechtigt, die Pension zu verkürzen oder zu streichen, weil der pensionierte Beamte anders wählt, als die Polizei wünscht. Es würde sich auch in Preußen kein Gericht finden, das einer solchen Klage stattgeben würde, vielmehr würde der Beamte, der eine solche Klage anstellen oder versuchen würde, wegen versuchten Amtsmißbrauchs und Nötigung zu bestrafen oder wegen Verrücktheit zu entmündigen sein. — H. G. t7S. 1. November 1903. 2. Hamburg ist ein(Ltaat und eine Stadt.— Karlshorst. 1. Stein. Ihr am 15. April 1838 geborener Ber- wandter müßte mindestens 083 Marken geklebt haben, um die Altersrente zu erhalten. Ist er erwerbsunsähig, so würden 200 Marken zur Erlangung der Invalidenrente ausreichen, indes scheinen in Ihrem Falle die vor 1906 geklebten Starken verjährt zu sein. 2. Dic SSIste der Markenbeittäge würden der Witwe oder den noch nicht 15 Jahre alten Kindern zujallen.— 36. D. T. 1. Der Antrag ist an die Polizeibehörde zu richten. 2. Der Wandergewerbeschein kann nur in den in den§§ 57 bis 57b der Gewerbeordnung ansgcjührien Fällen versagt werden.— I. ffi. IT» Die Kündigung ist zutreffend und rechtSwirksam.— A. N. Ja. — Schwarz. Nur der neue Eigentümer, nicht der Mieter, hat im Falle der Subhasiation ein vorzeitiges Kundigungsrecht.— H. S. 100. Nein; der Ersatz dieser Kosten hat durch den Gegner zu ersolgen.— E. M. 80. A. H 100. Wenden Sie sich an den Handels- und Transportarbeiter- verband, Engelujer 15.— E. D. 30. Der Erzeuger des Kindes hat zu zahlen. Die Beschlagnahme deS Lohnes wegen der Alimentensorderung ist zulässig.— T. W. R. 3S. Sie würden mit Aussicht aus Erfolg gegen den Wirt aus Anerlennung, daß der Vertrag am 1. Juli sein Ende er- reicht und daß ihm kein Zurückbehaltungsrecht zusteht, Ilagen können.— Uns nicht bekannt.— W. R.. Paris. 1. Ja, Sie müsse» sich an daS Bezirkskommando wenden. 2. Ja. 3. Deutscher Sozialdemokrattscher Lese- Hub, Paris 9, Rite de BaloiS. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtlichen Marlthallen-Direktion.(Großhandel.) Ochsenfleisch In 67—72 pr. 100 Pfd., Ha 65-68, ffla 55—58, Bullenfleisch la 64—70, IIa 53—58, Kühe, seit 50—60, do. mager 40—50, Fresser 52—60, Bullen, dänische 42—66. Kalbfleisch, Doppellender 105— 125, Mastkälber la 88— 95, IIa 76—86, Kälber ger. gen. 55—70, do. Holl. 50—55. Hammelfleisch, Mast- lämmer 77—80, Hammel l» 71—74, IIa 63—63. Ungar. 0.00, Schafe 56— 61. Schweinefleisch 55—62. Rehböcke la per Pfd. 0,60—0,75, IIa 0,30 bis 0,55. Notwild m. Absch. per Psd. 0,50—0,53, Damwild 0,50. Wildschweine, per Psd. 0,15 bis 0,40. Frischlinge per Psd. 0,45. Hühner, la per Stück 1,50—2,00, dito IIa Stück 0,75-1,40, dito jimge, Stück 0.60—1,09. Ham- burger Küken, Stück 0,00, PoulelS 0,40—0,70. Kapaunen, deutsche, per Stück 0,00. Tauben, junge, Stück 0,30— 0,55, dito alte 0,30,-0,45. dito Italien. 0,00. Enten, per Pfund 0,00, dito per Stück 1.00— 1,00, dito Hamburger, per Stück 2.50—3,10. Gänse per Psd. junge 0,70—0,75. dito per Stück 2,00—4,00. Puten per Psd. 0,00. Hechte, ver 100 Psd. 100—115, do. matt 90—102, do. groß 0,00, do. groß-mittel 96, do. klein 196—119. Zander 0,00, Schleie, unsort. 102—126, do. groß 90—108, do. groß.mittel 91—104.'Aale, groß- mittel 0,00, do. mittel 0,00, do. groß 0,00, do. klein-mittel 0,00, do. unsort. 0,00, do. klein 0.00. Karpfen 90—95, do. matt 69—75. Roddow 0,00. Karausche» 62—84. Wels 0,00. Bunte Fische 53—76, do. malt 40. Barse 34, do. klein 0,00. Bleie, klein 44-56. Winter-RheinlachS, p. 100 Psd. 0,00, Amerikan. Lachs la, p. 100 Psund 0,00, do. IIa 0,00. Seelachs, p. 100 Pfunö 10. Flundern, Kieler, Stiege la 2— 6, do. halbe Kiste 0,00, do. Hamb. Stiege 3—6, halbe Kiste 2—3, pomin. Schock 1,00—3,00. Bücklinge, dänische, per Wall 2—3, Kieler 0,00, Bornholmer 0,00� Stralsunder 2,00—3,00. Sprotten, Danziger, Kiste 0,00, do. Rügcnwaldcr, 0,00. Aale, groß per Psd. 1,10—1,50, do. mittelgroß 0.90—1,10, klein 0,60—0,90. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellfische, Kiste 4,00—7,00, dito>/, Kiste 2,50—3.00. Sardellen. 1902 er per Anker 0,00, 1904er 102, 1905er 102, 1906er 100. Schottische Vollheringe 1903 0,00, large 40-44, füll 38—40, med. 36—42, deutsche 30—40. Heringe, neue MatjeZ, per'/» To. 0,00. Sardinen, russ., Faß 1,50—1,60. Braiberinge Faß 1,20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen, Schockjaß 8, do. kleine 4—5, do. Riesen- 10. Krebse per Schock große 0,00, do. mittelgr. 13, do. klein-mittel 0,00, do. kleine 5,50, dito unsortiert 6—9, Galizier, gr. 0,o0, do. uns. 0,00. Seemuscheln 100 St. 1,00. Eier, Land-, uns. per Schock 3,30—3,60, do. große 3,75—4. Butler o. 100 Psd. In 112-114, Na 108—112. Illa 104-107, absallende 100-104. Saure Gurken Schock 4,50—5. Pseffergnrken Schock 4,50—5. Kartoffel» per 100 Psund Dabersche 3,25—3,60, weiße runde 2,75—3,25, mar bon. 3,00—3,50. Porree, per Schock 1,00—2,00. Meerrettich, Schock 8—14. Spinat per 100 Psund 10—12. Sellerie, grün, per Schock 1—1,50. Zwiebeln per 100 Psund 0,00. Petersilie, grün. Schockbuud 1,00 bis 2,00. Rettich, bäurischer, junger, per 100 Stück 6—8. Mohr- rübcn, 100 Psund 3,00—5,00. Peterfilienwurzeln, per 100 Pfd. 6,00—7,00, Schockbund 0,00. Schnittlauch, Schockbund 0,50—0,80. Tomaten, kanar., per Kiste 1,00—3,00. Rhabarber 100 Bund 2,00—4,00. Nabunzen 0,00. Rübchen 0,00. Radieschen, Schock 0,50—1,50. Waldmeister, Mandel 0,25—0,50. Morcheln 30—50.«alat, Schock 1—1,50, do. Gubener 0,00. Kohlrabi, Schock 0,70-1,25. Spargel. Beelitzer I 100 Pfd. 28-36, do. II 18—25, do. III 6—12, do. unsort. 0,00. Spargel, hiesiger I 20—32, do. II 10—18, do. III 5—8, do. unsort. 0,00. Champignons, per Psd. 0,80—1,00. Steinpilze 0,80—0,40. Mohrrüben, Schock 3—6. Karotten, Schock 3-8. Psesserlinge, 1 Psd. 0,18-0,24. Schoten. 1 Psd. 0,10 bis 0,15. Wirsingkohl. Schock 7-10, Weißkohl, Schock 8-10. Aepftl in Kisten per 100 Pfd., Koch- 0,00. Tiroler 0,00. Australier, 10—18. Italiener, lose, 100 Psd. 0,00, do. in Körben per 100 Psd. 0,00, do. i» Kisten 0,00. Kirschen, ital., 100 Psd. 20—35, do. schwarze, 100 Psd. 30 bis 40, do. Gubener 15—25, do. Werdersche 30—35, do. Schiesische 15—20. Erdbeeren, sranzösische, per 100 Psd. 28—38, holländische 20—45, Dresdener 1 Pfd.-Schacht. 0,30-0,40, Hiesige per 100 Psd. 30-42, Beelitzer 35—12, Wald-, hiesige 40—60. Stachelbeeren, unreife, 1 Psd. 0,10—0,12, do. Ungar., 1 Psd. 0,08-0,10. do. Holland., 1 Psd. 0.08-0,11, do. hiesige 1 Psd. 0,09-0,12. AnanaS I, per Pfd. 1,00—1,30, do. II 0,50—0,60. Bananen, kanar., per 100 Psd. 20-28, Jamaica 26.00-28.00. Feigen, in Kisten 100 Psd. 0,00. Zittonen. Messtna, 300 Stück 3,00-12,00, do. 360 Stück 8.00 bis 12,00. Witterungsüberstcht vom IS. Juni 1008, morgens 8 Uhr. euttoKn Swwemde. vi. äetliti Franks.«.! München Kien s 763 SO 760 SO 762 SO 780 Still 76 l SW 763 OSO iaranda!759!WSW erSBurg! 70533 755 NW 748SW 756,630 Seilitz Werdern Pari? 5 heiler 1 heiter 3 wolkig 8 halb bd. IRcgen Wetterprognose für Mittwoch, den 17. Juni 1008. zunächst sehr warm, bei ziemlich lebhaslen südwestlichen Winden und zunchmender Bewölkung; nachher Gewitterregen und etwas Slblühlung. Berliner Wetterbureau. Wasserstandv-Nachrichten der LandeSansilllt für Gewässerlunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l, Tilstt P r e g e l, Jnsterbmg Weichsel. Thor» Oder, Ratibor „ Kroffen , Franksurt Warthe, Schrimm „ Landsberg Netze, Bordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden „ Barby . Magdeburg am 15.6.