Nr. 140. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pränumerando, Bierteljährl. 3,80 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Cricheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel. geile oder deren Raum 50$ fg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgebructe) Bort 20 Big., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ., Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die betrogenen Betrüger. Donnerstag, den 18. Juni 1908. einer Handvoll freisinniger Führer verliehen worden sind, den um anderthalb Jahre währenden schmachvollen Kotau des Freisinns vor der Reaktion aufwiegen sollen! Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. In einem Wahlkreise, 12. Berlin( Moabit, Wedding), ist Stichwahl zwischen einem Sozialdemokraten und einem Kandidaten der Freisimigen Volkspartei vorzunehmen. Berichtigungen und Ergänzungen. Man mag die politische Intelligenz der Stopsch, Wiemer, Eins der Hauptargumente des Freisinns, um seine Block Fischbeck und Konsorten so niedrig einschätzen wie man will: liebesdienste zu beschönigen, war das, daß nur durch frei- aber daß sie dies Resultat ihres Wahlrechtskampfes, der in fehler gefälscht worden, der die Stimmen des Freisinns unberechtigter. Berlin V. Das gestern mitgeteilte Resultat ist durch den Drud sinnige Konzessionen auf anderen Gebieten der der strupellofesten Unterſtügung der reaktionären Wahlweise um 90 erhöht hat, indem er aus einer 0 eine 9 machte. Der Reaktion das Zugeständnis einer Wahlreform rechtsfeinde bestand, nicht vorauszusehen vermocht hätten, freisinnige Kandidat hat nicht 296, sondern nur 206 Stimmen er abzuringen sei. Um durch Liebesdienste der erniedrigendsten wird auch der rückhaltloseste Bewunderer ihrer negativen halten. In unserer Extra- Ausgabe von gestern ist das Resultat Art die Regierung zu Wahlrechtskonzessionen zu beranlassen, politischen Genialität nicht annehmen können! Wenn also richtig mitgeteilt. fämpfte der Freifinn während des Wahlkampfes ausschließlich der Freisinn im neuen Landtag als der Betrogene Rigdorf- Schöneberg. Das Bahlenverhältnis bei der Stichwah! gegen die Sozialdemokratie, während er sich den dasteht, so doch gleichzeitig als der betrogene Bewar: Ronservativen gegenüber zu jedem nichtswürdigen trüger, als der Komplize der konservativen ReaktioWels( Soz.). Schacher mißbrauchen ließ. näre, der seine politischen Niederträchtigkeiten durch den Reinbacher( Freif.) Und das Ergebnis dieser genialen Politik des Freisinns? bewußten Schwindel beschönigte, all diese Liebesdienste Niederbarnim- Oberbarnim. Das genaue Resultat lautet: Die Reaktion, die es dem Freifinn zu danken hat, daß an die Reaktion würde die durch den Freifinn gestärkte v. Trestow( tons.) 1019, Biethen( freif.) 1034, Dr. Schepp( freit.) sie nicht geschwächt, sondern gestärkt aus dem Wahl- Reaktion durch liberale Zugeständnisse in der Wahlrechts- 1030, Stadthagen( Soz.) 588, Bruns( Soz.) 588, Mar tampfe hervorgeht, denkt gar nicht daran, dem Freifinu in der frage bergelten! Jacobsen( Soz.) 586, Kade( natl.) 128, Stensis( natl. 90, Kohli Wahlrechtsfrage Konzessionen zu machen! Betrogene Betrüger Erst vor einigen Tagen druckte die offiziöse Nord d. Charakterisierung des Blodfreisinns! AIIg. 3tg." einen Artikel des Schwäbischen Merkur" ab, " in dem davor gewarnt wurde, ja, gegen jedes Rütteln " " • • 528 Stimmen 556 • das ist die gelindeste( natl.) 111 Stimmen. . Die Sozialdemokratie bei den Abgeordnetenwahlen. an dem bestehenden Wahlrecht", gegen alle Reform- Partei Preußens nur Die unerhörte Dreiflassenschmach, die der stärksten Den gestern angeführten Wahlkreisen, in denen bei der die Eroberung eines halben Wahl der Abgeordneten sozialdemokratische Wahlexperimente" mit äußerster Energie einzutreten! Selbst die Dutzend von Mandaten ermöglichte, während die konservative männer stimmen abgegeben wurden, treten noch die Bossische Zeitung" muß gestehen:" Es ist be Reaktion in ausschlaggebender Stärke in den neuen folgenden hinzu: zeichnend, daß die„ Nordd. Allg. 3tg.", das offiziöse Landtag einzieht, kennzeichnet das Berliner Lage. Sprachorgan der Regierung, diese Auslassungen durch blatt" folgendermaßen: Abdruck ohne Kommentar bis zu einem gewissen Grade zu den ihrigen macht." Schärfer noch äußern sich heute die tonservativen Drgane über den Freisinn und seine Wahlrechtsschwindeleien. Die Kreuz- Zeitung" verhöhnt den Liberalismus geradezu blutig: " " Brandenburg. Arnswalde, Friedeberg. Gewählt v. Voß( L) und v. Waldow( L.) Noch auffälliger wird das Mißverhältnis zwischen der Bahl mit je 280 St. der Wähler und auch der Wahlmänner, wenn man die sozial 17 St., Brüdner( S03) 2 St., 8ucht( So 3.) 2 St. Es erhielten Traeger( fr.) 17 St., Stopsch( frf.) demokratischen Erfolge mit der sozialdemokratischen Stimmenzahl vergleicht. Nach sozialdemokratischer Berechnung, Landsberg( Stadt und Land), Soldin. Gewählt Holtschle( f.) Es erhielten die allerdings erst noch nachgeprüft werden muß, haben rund mit 305 St. und v. Staldreuth( f.) mit 332 St. 500 000 28ähler für die Sozialdemokratie votiert, Lehmann( natl.) 93 St., Tews( fri) 90 St., Patel( S03.) 28 St. Aber nicht einmal die allerbescheidenste Ero von denen 200 000 auf Berlin, der Rest auf die übrigen Wahl und Kaiser( S03) 28 St. Bersplittert 68 St. treife entfällt. Der Zahl der Wähler nach dürfte die sozial. Königsberg. Gewählt b. Neumann( t.) mit 307 St., b. d. Dsten wartung der Linken ist in Erfüllung gegangen. Die wenigen demokratische Partei die Konservativen weit( t.) mit 307 St. Es erhielten Borgmann( S03.) 11 St., Mandate, die die Konservativen unter tapferer Gegenwehr einbüßen mußten, find mehr als wiedereingebracht durch Eroberungen überflügeln. Sie hat aber nur sechs Mandate gewonnen, Büchner( So 8.) 10 St., zerfplittert 3 St. während die beiden fonservativen Parteien in der Stärke liberaler Wahlkreise. Die tonservative Frattion zieht 4. Stadt Lebus. Geivählt Mathis( natl.) 465 St. und Kauf nicht geschwächt, sondern geträftigt und geschlossener 276 St. Es erhielten Weiland( Soz.) barf es ruhig aussprechen, daß diefe ungleiche Machtverteilung 67 St., Seidel( ft.) 238 St. als je in das neue Abgeordnetenhaus ein, bie Liberalen eine Fälschung des Voltwillens darstellt." aber vermochten nicht einmal die als ihnen Prenzlau- Angermünde. Gewählt b. Arnim( L.) mit 377 St. und Die freisinnig- demokratische Boltszeitung" endlich v. Buch( f.) mit 377 St. Es erhielten Lehrer Selchow- Strasburg vollkommen gesichert erachteten zehn neuen Bahltreise für sich zu gewinnen. und die Gruppe, faßt ihr Urteil über den Blodfreifinn in folgender äßenden( fr.) 18 St., Wels- Berlin( Soz.) 19 St., Fabrikbefizer Sad Stritit zusammen: ( fri.) 18 St. und Expedient a de Ibusch Berlin( S03.) 19 St. Jedenfalls bleiben die grundsazlosen Abmachungen Bersplittert 1 St. der freisinnigen Boltspartei mit den erklärtesten Jüterbog- Luckenwalde. Gewählt b. Dergen( freit.) 162 St. Es Feinden des Reichstagswahltechts für Preußen erhielten Ewald( So.) 64 St. und Fabrikbefizer Pariser( natl.) nebst allen anderen verwerflichen Begleiterscheinungen eines 32 St. die am anmaßendsten auftrat, am strupellosesten agitierte, nach allen Richtungen schacherte, die mit Versprechungen verschwenderisch um sich warf und an den Konservativen feinen guten Faden ließ, die nationalliberale Partei, schnitt am übelsten ab. Das hat sie verdient! Die Welt sieht nun, was hinter den Großsprechereien des famosen erns" des Blods stedt, und insonderheit die leitenden Regierungsfreise werden sich nun wohl von der Werbetraft und dem Ansehen dieses, des angeblich gemäßigten", Liberalismus ein richtiges Bild machen." Gegen jede Wahlreform wendet sich das führende Blatt der Konservativen mit den Worten: " Schon die Wirkungen der sogenannten leinen Wahlrechtsreform, die bei diesen Wahlen zum ersten Male sich geltend machten, haben gezeigt, wie schwerwiegend auch ein nur geringes Rütteln an dem jetzigen bewährten(!) Wahlsystem ist." Die Deutsche Tageszeitung" wendet sich sogar gegen eine Beseitigung der öffentlichen Abstimmung: ,, Bewährt hat sich schließlich auch die öffentliche Abstimmung. Ausgenommen sind scheinbar einige Streise, in denen die Sozialdemokratie brutalen Terrorismus geübt hat. Die staatliche Autorität wie die bürgerliche Frei heit würden aber schmählich tapitulieren, wenn sie sich bor diesem Terrorismus in das Dunkel der Isolierzelle flüchten wollten. Die„ Norddeutsche Allgemeine Beitung" hat schon die Frage aufgeworfen, ob für Staat und Gesellschaft ein solcher Terror erträglich sei. Die Frage aufwerfen heißt zugleich sie verneinen: Gegen diese un würdige Brutali fierung Andersdenkender muß mit aller Macht und unerbittlichem Ernst Abhilfe geschaffen werden; Regierung und Barlament haben daran das gleiche Interesse. So wird hoffent lich der rote Wahlterror das Gegenteil von dem erreichen, was er bezweckte: Er wird bewirken, daß die öffentliche Abstimmung sich weiterhin bewähren wird als ein nicht hoch genug zu ber anschlagendes Mittel zur Erziehung unseres Boltes zu politischer Wahrhaftigkeit." Wir verzichten an dieser Stelle darauf, gegen die lächerlichen Verdrehungen und die schamlosen Verleumdungen des Dertel- Blattes zu polemisieren. Daß die Konservativen nicht auf die öffentliche Abstimmung verzichten wollen, ist ja nur zu erklärlich. Ihr durch schnödesten Zerror behaupteter Einfluß auf das platte Land würde, wie das ja die Reichstagswahlen bewiesen haben, den schwersten Stoß erleiden durch die Einführung des geheimen Wahlrechts! Und wie reagiert der Freifinn anf diese höhnische Verspottung der freisinnigen Wahlrechtsforderungen? " " " fleben. Und wann immer die Matadore des Blockunwürdigen Mandatsschachers an der Partei Rottbus( Stadt und Land), Spremberg, Kalau. Gewählt freisinns fich in geschwollenen Phrasen über ihre Pro- Henning( f.) mit 437 St. und Jeffen b. Dirksen mit 446 St. Ga grammfestigkeit und Prinzipientreue ergehen, wird ihnen ein erhielten Roehrig( frf. Bp.) 202 St., Truestedt( fri. Vp.) 209 St., wahrheitsliebender, ehrlicher, gerader, liberaler Mann mit be- Bernstein( 03.) 107 St. und Schubert( S03.) 107 St. rechtigtem Hohn ins Gesicht lachen dürfen. Die( Bisheriger Befizstand.) " Die Bossische Zeitung" weiß in ihrer Nummer Es bom Mittwochabend in ihrem Leitartikel nichts anderes darzulegen, als daß die Drganisation des Freisinns am 3. Juni bersagt habe. In bezug auf die Organisation des Freisinns müsse eine Reform" unverzüglich in Angriff genommen werden! Von einer Wahlreform ist mit feiner Silbe die Nede! Der Freifinn rechnet also bereits damit, daß auch in fünf Jahren die Landtagswahlen wiederum unter dem elendesten aller Wahlsysteme stattfinden werden! Der Erniedrigung des Freisinns, seine Handlangerdienste für die Reaktion sind also völlig umsonst gewesen, sofern nicht die paar Drden dritter unb vierter Klasse, die Vernichtung der tonservativ- tlerifalen Mehrheit" wurde von dem West- und Oftprignis. Gewählt b. Saldern( t.) mit 312 St., offiziellen Freifinn als das 8iel des Wahlkampfes hingestellt. Wegner( ft.) mit 306 St., Namdohr( ft.) mit 284 St. Es erhielten In Wahrheit hat der Blodfreisinn, angewiesen auf die Liefe( ft.) 213 St., Eggert( ft.) 217 St., Dörfel( natl.) 198 St., gute Laune feiner fonservativen Gönner, den Konservativen Weger( ft.) 11 St., Eggert( ft.) 9 St., Böste( Goa), cichold fein Haar getrümmt; nur nach lints hat er, besonders( Soz.) und Schubert( 03.) je 20 St. in Berlin, den Kampf in maßlos täppischer Weise geführt. Antwort in der Reichshauptstadt: Fünf sozialdemo tratische Mandate. Die übrigen Provinzen. Stettin.( Stadt.) Gewählt Lippmann( frf. Bg.) mit 505 St. Es erhielten Herbert( Soz.) 231 St. Der Eintritt einer Anzahl von Sozialdemokraten in das preußische Abgeordnetenhaus wird, wie wir hoffen, den Ver Lauenburg, Bütow, Stolp.( Stadt und Land.). Gewählt handlungen ein lebhafteres Gepräge geben. Sie werden Schmeling( t.) mit 504 St., Will( t.) mit 503 St., v. Böhn( f.) mit bieles sagen, was von der bisherigen matten Opposition aus 501 St. Es erhielten Herbert( Soz.) 13 St., Kunze( Soz.) Hang zum faulen Blodfrieden nicht gesagt worden ist. Die 18 St., Horn( Soz.) 13 St., Schmidt( frs.) 8 St., Rubow( fr.) Oppositionsreden der Freifinnnigen sind, mit ver- 8 St., Juds( frf.) 8 St. Ge schwindenden Ausnahmen, i'm mer lauer, feichter, ober- Nimptsch, Strehlen. Gewählt v. Lud( t.) mit 207 Stimmen. flächlicher geworden. Es ist nicht jedermanns Sache Es erhielt Schütz- Breslau( Soz.) 10 Stimmen. im Barlament, Qualitätsware zu liefern, wenn er bisher in Langenfalza, Weißensee, Mühlhausen( Stadt und Land.) fleineren politischen Konventiteln lediglich wegen seiner Quantitätsleistungen bewundert worden ist. Auch hat das intime wählt Klemm( ft.) mit 278 Stimmen und v. Hagle( t.) mit 271 Zusammenwursteln mit den Reattionären seit 186 Stimmen, Schäfer( S03) 85 St., Dönnede( Soz.) Stimmen. Es erhielten Jaffé( natl.) 174 Stimmen, Dr. Winter( natl.) 35 Stimmen. dem Bestehen der Blodära, wie bei den Nationalliberalen so auch bei dem Freifinn, den„ praktischen" Politikern Oberwasser gegeben, deren politisches Glaubensbekenntnis in dem Ausspruche gipfelt: Oschersleben, Halberstadt( Stadt und Land), Grafschaft Lieber mit Kröcher als mit Barth". Unter solchen Verhältnissen Wernigerode. Gewählt Wiersdorff( natl.) 415 St., und Boisly wird man im preußischen Abgeordnetenhause das rechte Wort zu( natl.) 413 St. Es erhielten v. Gustedt( t.) 172 St., Riechelrechter Zeit" bielfach nur aus sozialdemokratischem Munde ver- mann( t.) 174 St., Bartels( S03.) 58 St. und Hoffmann nehmen. Dadurch, daß es der Blockfreifinn auf diese Art ben( Soz.) 58 St. Sozialdemokraten erleichtert, moralische Eroberungen zu machen, während er sich sebst andauernd tompromittiert, gräbt er unentwegt an seinem eigenen Grabe weiter. Die Abgeordnetenwahlen. Das Gesamtergebnis. Zu wählen waren 443 Abgeordnete, gegen früher 433. wurden gewählt: 151 Konservative, bisher • 60 Freitonservative, bisher. 64 Nationalliberale, bisher 28 Freifinnige Volkspartei, bisher 8 Freifinnige Vereinigung, bisher 105 Bentrum, bisher. . 144(+7) 64 76 . 24(+4) 9( 1) 96(+9) 6 Sozialdemokraten, bisher 15 Bolen, bisher.. 2 Dänen, bisher 8 Frattionslofe, bisher 442 13(+2) 0(+ 6) 2( unveränd.) 5( 2) Osterholz, Blumenthal, Achim. Gewählt Martens( natl.). erhielten Dr. Martens( natl.) 123 St., Giese( B. d. 2.) 92 St., Zwabekindt( frf.) 38 St. und Zigarrenmacher Eberle( Soz.) 75 St. Osterode Duderstadt. Gewählt Otto( f.) mit 138 St. Es erhielten Schmidt( natt.) 95 St. Rechtsanwalt Liebknecht( S08.) 18 St. Wiesbaden( Stadt), Untertaunuskreis. Gewählt Bartling( natl.) mit 310 Stimmen. Es erhielten Alberti( frs. Bp.) 126, Schneider ( 3.) 6, Vogtherr( Soz.) 22 Stimmen. Glückwünsche zu den Wahlstegen. Budapest, 17. Juni. Selbst im Kampfe gegen ein elendestes aller Wahlsysteme bes glückwünschen wir die deutsche Sozialdemokratie als die fiegreiche Bekämpferin der Dreiklassenschmach. Parteileitung der ungarländischen Sozialdemokratie. Buchinger, Sekretär. Kopenhagen, 17. Juni. Nach vollendeter Landtagswahl sendet die Sozialdemokratie in Dänemark unserer deutschen Bruderpartei herzliche Grüße und Glückwünsche. Euer Sieg ist ein neuer, gut geführter Schlag gegen die Reaktion, und dieses wird mächtig güt Erringung t>eZ«HgeafetneS, gleichen finü btteTfeft Wahlrechts beitragen. Ein Hoch der Durchführung des Rechtes des Prole- tariats! Ein Hoch dem internationalen Sozialismus! Die Sozialdemokratie in Dänemark. I. A.: P. Knudsen. Stuttgart, 17. Juni. Den Bahnbrechern im Junkerstaate herzlichen Glückwunsch zu ihrem Siege. Nicht nur Preußens, des ganzen Reiches Volk setzt seine Hoffnungen auf die große historische Aufgabe, die Euer harrt. Mit kollegialem Gruß die sozialdemokratische Fraktion des württembergischen Landtages. Sie Vorbereitung des Kmfalls. Als ob irgend jemand den verschiedenen Dementis ge- tzlaubt hätte, wird noch einmal offiziös versichert, daß das Spiritusmonopol unter den Steuervorlagen der Re- gierung seine Stelle finden werde. Wir haben daran ebenso- wenig gezweifelt, wie an der Besteuerung des Tabaks und des Bieres. Wir glauben im Gegenteil, daß der Wider- stand gegen die Ausplünderung der breiten Volksmassen sehr b a l d wird einsetzen müssen. Denn wie wir die Block- Majorität kennen, wird sie im Herbst alle Mittel in Bewegung setzen, um den Raub möglichst rasch in Sicherheit zu bringen. Die Taktik des Schweigens und Bewilligens, die beim Vereinsgesetz erfolgreich gewesen ist, wird wiederum anzuwenden versucht werden. Und schon werden die üblichen Mittel angewandt, um dem Blockfreisinn klarzumachen, daß er wieder Order zu parieren hat. Herr Träger, der die Sünden des Freisinns zwar picht billigt, aber doch immer mitmacht, hat vor kurzem erklärt, der Freisinn müsse bei der Finanzreform seine Zu- stimmung solange verweigern, bis die Regierung in der Frage despreußischenWahlrechts nachgegeben habe. Gegen diesen„Kuhhandel" wenden sich nun mit großer Energie die„Münchener Neuesten Nachrichten", ein Blatt, das der Regierung unbedingt ergeben ist, und in dem des- wegen auch der berühmte Müller-Meiningen seine Lakaien- angebote abzulagern pflegt. Auch die neueste Auslassung dürfte auf diesen Herrn zurückzuführen sein. Nun würden wir verstehen, daß, wenn es so etwas wie freisinnige Prin- zipien gäbe, man vom Standpunkt dieser Prinzipien den von Träger vorgeschlagenen Kuhhandel bekämpft. Der Frei- sinn müßte erklären, daß er einer Regierung der schlimmsten Reaktion überhaupt keine Mittel bewilligen, daß er aber selbst um den Preis von Zugeständnissen auf politischem Gebiets unmöglich feine Prinzipien verraten und für indirekte Steuern stimmen könnte, die eine so furchtbare Belastung der Besitzlosen bedeuten. Daß Herr'Müller-Meiningen weder freisinnige noch andere Prinzipien hat, ist jedoch zur Genüge bekannt. Und die Polemik der„Münch. N. Nachr." hat auch einen anderen Inhalt. Der Freisinn sollfürdieReichs- finanzreform stimmen ohne jedesZugeständ- n i s. Der echte Blockfreisinnige hat nicht nur kein Wort des Protestes gegen indirekte Steuern, sondern ihn schüttelt nur die Angst, daß der Freisinn überhaupt irgendwelche Forde- rungcn erhöbe, die die Konservativen verschnupfen könnten. „Den Block über alles", das ist sein einziges Trachten. Da aber der Block auf allen Gebieten die schlimmste Reaktion be- deutet und nichts anderes ist, als die Diktatur der Junker, so hat der Freisinn alles zu vermeiden, was auch nur im ent- ferntesten etwas anderes ist als schlimmste Reaktion. Man mutz Herrn Müller-Meiningen bestätigen, daß er damit nur der Taktik treu bleibt, die der Blockfreisinn bisher be- folgt hat. Man kann dabei ganz gut beobachten, wie rasch der Frei- sinn bereits den reaktionären Jargon zu plappern gelernt hat. Die„Münch. N. Nachr." schreiben: „Die Reichsfinanzreform ist eine nationale Forde» r u n g, ja geradezu die Grundlage künftigen Lebens und Ge- deihens unseres Vaterlandes. Hier Wandel und Ordnung zu schaffen, ist eine gebieterische Notwendigkeit, bei der wir nicht ,n a r k t e n und feilschen." J Gewiß, die Ausplünderung der großen Masse der Nation ist die„nationale" Forderung der Großgrundbesitzer und der Kapitalmagnaten. Und in dieser nationalen Gemeinschaft befindet sich der Freisinn der Börse und der Arbeiterfeindlichkeit gewiß an dem richtigen Orte.' �■*__ poUtifcbe Oeberlicbt. Berlin, den 17. Juni 1903. Die Einberufung des Landtags. Der„Reichsanzeiger" macht bekannt, daß die beiden Hänser des preußischen Landtags auf den 26. Juni 1968 zusammcnberufen werden. Dieser Zusammentritt des preußischen Landtags wird nur von sehr kurzer Dauer sein. Nach zwei Tagen werden wahr- scheinlich die beiden Häuser des Landtags, das Dreiklassen- Parlament und das aus erblicher Belastung hervorgegangene Herrenhaus, wieder vertagt werden. Die Einberufung erfolgt, um dem Artikel 61 der Ver- fassung zu genügen, wonach der Landtag innerhalb 90 Tagen nach seiner Auflösung versammelt sein muß. Die Auflösung fand bekanntlich statt, damit die Wahlen vor dxm Schluß der regulären Legislaturperiode erfolgen konnten, die erst im Herbst ablief.— Ueber die Verlängerung der Dienstzeit zur See. Zu dem neuesten militaristischen Attentat auf das deutsche Volk, dem angeblich vom Prinzen Heinrich ausgehenden Plane, die Dienst- zeit für die zirka S0 000«gemeinen" Marinesoldaten um sechs Monate, also von drei Jahren auf S'/z Jahre zu verlängern, be- merkt Oberst a. D. G ä d k e im„Berliner Tageblatt": „Aber die zwangsweise Verlängerung der Dienstzeit vermehrt die Ungleichheit der drückenden Lasten und damit notwendigerweise die Unzufriedenheit. Wir werden dann in Zukunft Leute von einjähriger, zwei- jähriger, dreijähriger und dreieinhalbjähriger Dien st Verpflichtung haben. Man muß alle anderen Mittel erschöpfen, ehe man zu einer so gehässigen Maßregel schreitet. Und da fragt es fich denn doch, ob man bei tenügend hohem Solde nicht Leute zu einer fteiwilligen )ienstübernahme auf ein viertes Jahr veranlassen kann. Muß man zum Zwange greifen, so kann das nur unter Gewährung einer ausreichenden Gegenleistung seitens des Staates geschehen. Und es ist doch mehr als naiv, wenn man diesen Ausgleich in der Gewährung bestimmter Ernteurlaube an den zweiten Jahrgang des Landheeres erblicken will. Man sieht den agrarischen Pferdefuß und die wahrhaft rührende„Selbstlosigkeit" unserer Junker. Uebrigens— beiläufig gesagt— enthält die Festlegung von Ernteurlauben eine Verkürzung der zwei- jährigen Dienstzeit, die dann von der Negierung nicht «kbr als lakrosalllt hingestellt werden kann.". Wir können nur wtederholen, daß wir eine Verlängerung der dreijährigen Dienstzeit als notwendig auch nur für einen Teil der bisher dreijährig Dienenden überhaupt nicht anzuerkennen vermögen. Die Zahl der länger dienenden Chargierten ist gerade bei der Marine eine so außerordentlich große, daß fich eine Ver- längerung der Marine dienstzeit in keiner Beziehung rechtfertigen ließe. Um so weniger, als man in Frankreich die allgemeine Dienstzeit für die Marine aufzweiJahre herabgesetzt hat l— Eine nette Perspektive. Kürzlich wurde gemeldet, daß England als neuesten Neubau seiner Flotte vom Typ der„ D r e a d n o u g h t"- Klasse ein Schiff von 21666 Tonnen Deplacement und mit noch schwererer Artillerie als bisher in Bau gegeben habe, das durch Gaskraftmaschinen getrieben werden solle. Wie dem„Berliner Tageblatt" von marine- technischer Seite mitgeteilt wird, sollen die neuen Geschütze dieses den„Dreadnought" um 1500 Tonnen Wasserverdrängung übertreffenden Schiffes aus 34,3 Zentimetcr-Geschützen bestehen, während das schwerste Geschützkaliber bisher 30,5 Zentimeter betrug. Schon durch diese abermalige Vergrößerung des riesenhaften Typs und durch die Einführung einer noch schwereren Artillerie würde dies Schiff viel ko st spieliger werden als die größten der bisher in Bau gegebenen Riesen- Panzer! Besonders intereffant ist aber folgende Auslassung des „B. T.": „Für die Fortbewegung des PanzerloloffeS sollen weder Kolbenmaschinen noch Turbinenmaschinen(unb zwar haben bisher letztere alle.Dreadnought"-Schiffe an Bord) zum Einbau ge- langen, sondern G a s'k r a f t m a s ch i n e n, bei denen weder eine Rauchentwickelung stattfindet, noch Schornsteine erforderlich sind. Wenn es den englischen Ingenieuren gelungen sein sollte, eine Gaskraftmaschine zu konstruieren, die sich zum Einbau für ein 2t 000 Tonnen großes Linienschiff eignet, das heißt diese dem Schiff die erforderliche Geschwindigkeit geben kann, so würde dies erneut einen vollständigen Um- fchivung für die Konstruktionspläne der weiter zu bauenden Schlachtschiffe oder Panzerkreuzer bedeuten. Die neuen Schiffe mit Gaskraftmaschinen ohne Schornsteine wären nur noch schwimmende Panzer- festungen, die ein völlig freies Schußfeld nach allen Seiten hätten, da jeder Deckaufbau in Wegfall käme. Derartige Schiffe würden außerdem dem Feinde ein verringertes Zielobjekt bieten und in ihren Bewegungen länger verborgen bleiben. Die Gefechtstaktik würde in neue Bahnen gelenkt werden, deren Folgen sich heute noch nicht im entferntesten übersehen lassen und was dergleichen Neuerscheinungen in seekriegswiffenschastlicher Beziehung mehr wären." Sollte sich die Meldung über den Einbau der GaSkrast- maschinell bestätigen, so würde damit der jetzt vorhandene Typ der Schlachtschiffe mit einem Schlage zum alten Eisen geworfen werden I Die vom Flottenkoller befallenen Nationen müßten dann in fieberhaftem Wettkampf neue Milliarden verausgaben, um an Stelle der so teueren, aber leider entwerteten schwimmenden Särge eine»zeitgemäße" Schlacht- flotte zu schaffen!—_ Zur Naturgeschichte des Blockliberalismus. Der Heidelberger Katholische Frauenvcrein für die stauen- und Kinderfürsorge forderte in einer Petition an die zweite badische Kammer einen StaatSzuschuß unter ausdrücklicher Betonung des konfessionellen Charakter» zur Besserung„gefallener Mädchen", die nur durch die Religion möglich ei. Dem empfehlenden Beschluß der Kommisston gegenüber be- antragten die Sozialdemokraten, daß der StaatSzuschuß nur zü gewähren sei, wenn diese VereinStätigkeit paritätisch nndiert werde. Mit Ausnahme dreier Nationalljberaler stimmte der ganze demokratisch-liberale Block mit dem Zentrum gegen den sozialdemokratischen Antrag. Und zwar au» prwzipiellen Gründen! Proletarier brauchen kein Wahlrecht! Das ist die Ansicht der Stadtverordnetenmehrheit in Aachen. Der Sozialdemokratische Verein für Aachen- Stadt hatte bei der Gemeindevertretung den Antrag gestellt, den zur Teilnahme an der Gemeindewahl berechtigenden Zensus von 6 auf 4 M. herabzusetzen. In ihrer jüngsten Sitzung hat die Stadt- verordnetenversammlung den Antrag mit 17 gegen IL Stimmen abgelehnt. Geschlossen stimmten die„Liberalen" gegen die Herabsetzung. Das hätte den Antrag aber nicht zu Fall gebracht, denn die Z e n tr u m s p a r t e i hat nahezu zwei Drittel der Stadtverordnctensitze. Mit den Liberalen stimmten aber noch der Zentrumsmann Dr. Courth und der Hospitant des Zentrums Kommerzienrat Vossen gcocn den Antrag? ein dritter Zentrums- angehöriger, Thyssen, enthielt(!) sich der Stimme, und fünf Zentrumsstadtverordnete, darunter der Fraktionvvorfitzende Goebbels, waren der Sitzung ferngeblieben, wenn nicht sämtlich, so doch zum Teil, weil sie nicht für den Antrag stimmen wollten. Die Ablehnung des Antrages ist um so brutaler, als in Aachen noch städtische indirekte Steuern erhoben werden, und zwar auf Fleisch, Margarine(I) und Brennmaterial. Zur Befürwortung des Antrages führte ein Zentrumsstadtver- ordneter auch an: die Sozialdemokraten würden die Ablehnung agitatorisch ausnutzen. Das läßt tief blicken!— Der Eulenburff-Prozest. Die„Tägliche Rundschau" will den einander widersprechenden Nachrichten einer Menge Blätter gegenüber auf Grund besonderer Erkundigungen nochmals„feststellen", daß, soweit die Anordnungen der Gerichtsbehörden Einfluß darauf haben, der Prozeß gegen den Fürsten Eulenburg das Schwurgericht am Berliner Landgericht I bereits in seiner nächsten Tagung beschäftigen wird...Das Hauptverfahren ist eröffnet; die Schwurgerichts. Periode beginnt am 22. Juni; die Terminverteilung hat noch nicht stattgefunden, doch ist anzunehmen, daß der Termin auf das Ende des Monats hin, wahrscheinlich auf den 29. d. M., gelegt werden wird. Landgerichtsdirektor Kanzow wird bekanntlich die Ver- Handlungen leiten. Für den Fürsten Eulenbnrg würde ein Auf. schieben der Verhandlungen bis zur nächsten Schwurgerichtsperiode eine Verlängerung seiner Untersuchungshaft um mindestens drei Monate bedeuten. Trotz alledem ist es sehr zweifelhaft, ob es wirklich bereits jetzt zur Hauptverhandlung kommt. Der Fürst ist so krank, daß es unsicher ist, ob er sähig ist, einer mehrtägigen Ver. Handlung beizuwohnen und zu folgen. Die Gerichtsärzte werden in dieser Frage das letzte Wort zu sprechen haben." Also der Fürst ist wieder sehr krank. Ist das die Einleitung zur Feststellung, daß er geistesgestört ist?—-•»—» Soldatenschinder. Wegm Mißhandlung eines Untergebenen und Mißbrauchs der Dienstgewalt hatte sich am 1v. Juni vor dem Kriegsbericht in Breslau der Vizefeldwebel Tietze vom In- santerie-Regiment LI zu verantworten. In der Nacht zum 4. Mai war der Angeklagte � auf der Treppe dem Musketier Gülba begegnet, welcher auSlrete» ging. Der Feldwebel herrschte den Musketier so- fort an:„Wohin gehen Sie?" Gülba enoiderte:„Austreten." Mt den Worten:„So gehen Sie austreten?" versetzte Tietze dem Ge- meinen ohne jeden Grund, wie vor Gericht festgestellt wurde, vier Ohrfeigen und außerdem noch eine Anzahl Rippenstöße. Dem Gefreiten Masur, der davon wußte, drohte der Feldwebel bei Strafe, nichts zu sagen! Der Mißhandelte beschwerte sich jedoch bei dem Hauptmann, und so kam die Sache ver das Kriegs- gericht. Der Anklagevertreter beantragte unter Annahme eines minder schweren Falles die bezeichnend milde Strafe von vierzehn Tagen gelinden Acre st. Der Verteidiger verlangte gar Freisprechung! Das Kriegsgericht erkannte anj drei Wochen gelinden Arrest. Also wenn ein Vorgesetzter einen Untergebenen zufällig be- gegnet und ihm ohne jeden Anlaß vier Ohrfeigen und eine Anzahl Rippenstöße versetzt, so ist das ein„minder schwerer Fall", der mit gelindem Arrest geahndet wird. Aber die preußische Armee war von jeher die klassische Stätte des Verprügelns Untergebener l_ Gegen einen alten Zollzopf wendet sich eine Interpellation der s ozialdemokratischen Fraktion der Zweiten Badischen Kammer, durch welche die Regie- rung zur Beseitigung des Brückengeldes auf der Rhein- brücke Mannheim- Ludwigshafen aufgefordert wird. Diese sozialdemokratische Forderung ist früher schon erfolglos erhoben worden; jetzt kann der alte Vorwand nicht mehr geltend gemachr werden, da die Pfalzbahn aus dem privalen vom 1. Januar 1909 ab in den Staats betrieb übergeht. Die Gebühren sollten ur- sprünglich zur Kostendeckung verwendet werden; sie bildeten schließ- lich eme Quelle zur Erhöhung der Gesellschastsdividenden.—- Oeflermcb. Der Studentenstreik. Trotz der Erklärung der Rektoren, daß die Freiheit der Wissen- schaft gesichert sei, haben die JnnSbrucker Studenten beschlossen, am Streik festzuhalten. Sie verlangen, daß Wahrmund noch im laufenden Semester in Innsbruck Vorlesungen halte. Wahrmund selbst wird für daS nächste Wintersemester als Professor nach Prag berufen.--- franfcmcb. Eiue FriedenSrede PichonS. Paris, 16. Juni. Auf einem heute stattgehabten Bankett der Alliance Röpublicaine-Dömocrattque sprach der Minister des Aeußern Pichon über die auswärtige Lage und führte aus: Die durch enge und solide Freundschaften gestärkte große Allianz Frankreichs hat Frankreich neue Autorität verliehen, die es einzig für den Frieden und die Versöhnung benutzt hat. Kein K r i e g s g e d a n k e hat sich in die vollzogenen Annäherungen und geknüpften Ententen gemischt. Die einen wie die anderen hatten kein anderes Ziel, als zur Erhaltung deS Friedens beizutragen, ohne in einer Bildung von Gruppierungen, die von übelwollenden, auf die Schädigung dieser oder jener Macht hin- zielenden Gedanken erfüllt sind, augenblickliche, gefährliche. unnütze Genugtuungen zu suchen. Wir haben nur im Hinblick auf die internationale Eintracht gehandelt und mit dem auftichligen Wunsche, die Garantien zu vermehren, ohne irgendwo Unruhe oder Feindschaften hervorzurufen. Wir haben nur den einen Wunsch, geschützt vor Komplikationen und indem wir uns vor Abenteuern hüten, unsere demokratische Arbeit fortzusetzen. Wenn unsere Truppen zeitweilig in Marokko, wo sie unser Prestige wahrten und unser Land ehrten, engagiert waren, so war das nötig wegen des Schutzes unserer Interessen, wegen der Sicherheit unserer afrikanischen Besitzungen. Wir sind uns aber unserer Pflichten und Obliegenheiten bewußt und wissen, was wir uns und Europa schulden, und keine Gefahr kann für den Weltftieden aus unserer provisorischen Intervention entstehen, die sich auf unbestreitbare Rechte stützt und die wir in der Unabhängig- keit und in der Ausübung unseres Rechtes begrenzen werden.— Der Streik von Vigneux. Paris, 17. Juni. Aus Vigneux wird eine allmähliche Wiederaufnahme der Arbeit berichtet. Truppen beschützen die Pariser Streikbrecher. Lelglen. Die Proviozialwahlen. Brüssel, 16. Juni.(Eig. ver.) Die Provinzialwahlen, sonst vorwiegend wenn nicht ausschließ- lich von lokalen Interessen beherrscht, hatten diesmal allgemeines politisches Interesse, da man eine neue Minderung des klerikalen Einflusses erwartete. Das Wahlresultat, obgleich eS nur geringe Verschiebungen brachte und die Gewinne und Verluste der Opposition sich aus- gleichen, zeigt dennoch im Anwachsen der oppositionellen Stimmen eine Aenderung, des Kräfteverhältnisses der Parteien zugunsten der Opposition. Für die Klerikalen ist es freilich charakteristisch, daß ihnen die Tatsache, knapp ihre Majorität auftechi erhalten zu haben, genügt.... In der Provinz Bra baut bleibt das alte Verhältnis, bis auf die eine Aenderung aufrecht, daß in U c c I e ein Klerikaler aus- geschieden ist.— In Brüssel sind die Kandidaten des liberal- sozialistischen Kartells mit großer Majorität gewählt worden, ebenso in Anderlecht, einem Brüsseler Vorort. Größeres Interesse konzentrierte sich auf die Wahlen in Namur, wo die Liberalen die Klerikalen zu stürzen hofften. Indes glichen ihre Siege dort ihre Verluste kaum aus. Auch in den anderen Provinzen, wie im Hennegau und Luxemburg, zeigt sich dasselbe Spiel von Gewinn und Verlusten. Die Sozialdemokraten haben nicht nur ihre Situation aufrechterhalten, sondern verzeichnen nach einer Mitteilung des „Peuple" einen Gewinnst von vier Mandaten. Eine Reihe von Stichwahlen werden da» Gesamtresultat kaum wesentlich berühren. Ergeben so die Provinzialwahlen auch im großen ganzen weder Sieger noch Besiegte, so zeigt nichtsdestoweniger ihr Resultat das Erstarken der oppositionellen Stimmen, daS moralische und politische Zurückweichen der Klerikalen, die auf neue Eroberungen längst nicht mehr ausgehen und als höchsten politischen Triumph preisen, noch nicht völlig verdrängt zu sein. UebrigenS sind die Provinzialwahlen die einzigen, die von der Proportionalvertretung ausgeschlossen sind.— Sie sind wohl die letzten, die unter dem alten Schwindelsystem stattfinden— DaS allmähliche aber sichere Zurückweichen des KlcrikaliSmus be- festigt mit jeder Wahl immer mehr die Hoffnung auf die baldige Verwirklichung des Prinzips eines allgemeinen, gleichen und reine»1 Wahlrechts für'alle Vertretungskörper. Eine heikle Frage. Brüssel, 17. Juni. Am Schlüsse der heutigen Kammer- sitzlmg brachten die Sozialdemokraten eine Jnter- pellation ein, worin sie an die Regierung die Frage richten, ob sie sich angesichts des Ergebnisses der jüngsten Wahlen stark genug fühle, die Regierungsgeschäfte fort- zuführen. Italien. Der Abbruch der Verhandlunge« in Parma. Rom, den 12. Juni 1903.(Eig. Ber.) Nach fünftägigem Waffenstillstand ist der Kampf in der Provinz Parma mit der alten Erbitterung wieder aufgenommen worden. Die Vorschläge der EinigungSkommission sind von den Arbeiter- organisationen der 23 an dem Streik beteiligten Ortschaften ein- stimmig zurückgewiesen worden. Denn, wenn diese Kommission auch eme Revision des Pachtvertrages für notwendig erklärte, so ignorierte sie doch in ihren konkreten Forderungen die Ansprüche der Arbeiter vollständig. Daher waren ihre Vorschläge auch den «granern annehmbar erschienen, obwohl unter diesen sich Heißköpfe befanden, die verlangten, die Arbeiter sollten bedingungslos die Waffen strecken. Die wesentlichsten Einigungsvorschläge waren: Der Tarifvertrag vom Mai ISV? ist dahin zu interpretieren, daß alles Hofgesinde— ob es Vieh zu besorgen hat oder nicht— zwei Stunden täglich länger arbeiten muß als die Tagelöhner und daß der Landarbeiter einen Jahresvertrag, wenn er Familie hat, für jede weitere Stube außer dem kontraktmäßigen einzigen Raum 20 Lire jährlich zu bezahlen hat. Weiter hat die Einigungs- kommission vorgeschlagOn, die Verpflichtungen der Arbeiter im Jahresvertrag auch auf deren Frauen auszudehnen und eine Schieds- gerichtskommission einzusetzen, die aus 3 Arbeitern und 3 Grund- besitzern bestehen soll, unter dem Vorsitz der Präsideuten des Ge- richtshofeS. Die Streikenden hätten somit die Arbeit wieder auf- nehmen sollen, ohne ihre Interpretation des Tarifvertrages vom vorigen Jahre durchgesetzt und irgend welche Garantien für die Zu kunft erlangt zu haben. Unter solchen Bedingungen hätten nur Streikende, die am Ende ihrer moralischen und materiellen Wider- standskraft waren, vom Kampfe abstehen köimen. Wie es heißt, wären die Arbeiter nicht abgeneigt, neue Ver- Handlungen anzuknüpfen, auf folgender Basis: Einheitstarif von 27 Cent, pro Stunde für die männlichen, 18 Cent, für die weiblichen Tagelöhner der ganzen Provinz, 600 Lire JahreSgehalt für das Hofgesinde, für das mit Milchwirtschaft betraute 100 Lire mehr. Beibehaltung der zwei Stunden Mehrarbeit für das Hofgesinde ohne Vieh bis zum 11. November 1903, unter der Bedingung, daß die Mehrarbeit nicht Feldarbeit sei. Abschaffung der Kategorie des Hofgesindes ohne Vieh von diesem Zeilpunkt an. Fallenlassen der Forderung, die die Unternehmer nötigen sollte, ihre Arbeiter nur durch die Gewerlschaft zu beziehen. Verhandlungen auf dieser von den Arbeiterorganisationen an- genommenen Grundlage sind aber noch nicht im Gange. Da der wirtschaftliche Schaden für die Provinz unermeßlich groß ist. schlägt der hiesige„M e f s a g g e r o", ein demokratisches Blatt, eine Volks- abstimmung im ganzen Lande vor, die zum Ende des Kampfes raten soll. Da es sich aber um einen Jnteressenkampf handelt, wird auch ein Plebiszit für den Frieden die streitenden Parteien nicht zum Nachgeben bestimmen. Nachgeben werden nur die, die sich am Ende ihrer Kräfte fühlen. Von diesem Punkte sind die Arbeiter noch recht weit entfernt. Gegen 2000 der Streikenden, also gegen b Proz., haben außerhalb Arbeit gefunden, zwischen 6 und 7000 sind in öffentlichen Arbeiten beschäftigt. Bis jetzt sind 2300 Kinder aus dem Streikgebiet ver- schickt worden; in dieser Woche sollen noch gegen bOO abreisen. Die Streiksammlungen haben 100 000 Lire überschritten. Mit Staunen und Bewunderung blickt das italienische Proletariat auf den Riesen- kämpf seiner Kameraden. Solange diese Synlpathie sich in Taten äußert und der Kampfmut der Streikenden ungebrochen ist, warum ollten sie da wohl vom Kampfe abstehen?— England. Annahme des AlterSverficherungSgesetzeS. London, IS. Juni. In der zweiten Lesung des Alters- pcusionSgesetzeS verteidigte der Schatzkanzler Lloyd George die Vor- läge und gab zu bedenken, daß der Entwurf notwendigerweise u n- vollständig und als ein Versuch betrachtet werden müßte. Das Beitragssystem sei in England nicht durchführ- bar. Reiner hob die Großherzigkeit hervor, die in dem Regicrungs- entwurf zum Ausdruck komme, und wies darauf hm. daß die höchste aufzuwendende Summe nach der Schätzung sieben und eine halbe Million Pfund Sterling sein würde. Der Liberale C o x beantragte ein Amendement zugunsten des Beitrags- s y st e m S und empfahl warm das deutsche und das österreichische System. Der Antrag wurde jedoch mit 417 gegen 29 Stimmen abgelehnt. Danach wurde die Borlage angenommen. KnKland. Eine neue Acra Bodrikow. Die Monarchenzusammcnkunft m Reval und die leidenschast- lichen Flotten- und Militärdebatten in der Duma haben eine Frage in den Hintergrund gerückt, die von der größten politischen Trag- weite sein dürfte. Bor einigen Tagen wurde das Protokoll des Ministerrates über die Behandlung finn ländischer An- gelegenheiten veröffentlicht, deren Inhalt die gehe gten Be- fürchtungcn hinsichtlich der Selbständigkeit Finnlands rechtfertigt und den Anbruch einer neuen«era Bobrikow zur Gewißheit macht. Stolypm kündigte bereits bei der Erörterung der Finnlands- Interpellationen in der Duma an, daß die gegenwärtigen Be- ziehungcn Finnlands und des Reiches in der nächsten Zukunft geregelt werden würden. Schon damals war aus den Reden des Ministerpräsidenten unts seiner treuen Gefolgschaft, der Okto- bristen, ersichtlich, daß ein entscheidenderCoup gegen die finnländische Autonomie geplant wurde. Daß er aber von so t i e f e i n s ch n e i- dender Wirkung sein würde, daran glaubten selbst die ge- mäßigsten Politiker nicht. Wie aus dem Protokoll des Ministerrats hervorgeht, sollen fast alle firmländischen Angelegenheiten nicht wie bisher durch den finnländischen Ministcrstaatssekretär direkt dem Zaren, berichtet, sondern vorerst vom russischen Ministerrate geprüft werden. Der Ministerrat gewinnt von nun an das Recht, sowohl Landtags- wie Administrativgefetzcntwürfe. Petitionen und Vorlagen des Landtages und des Senates zu prüfen und sein Gut. achten darüber zu fällen. Er bleibt zwar der Form nach ein be- ratendes Organ, in Wirklichkeit jedoch gewinnt er das Recht, gegen alle Bestimmungen dcS finnländischen Landtages Einspruch zu er- heben. Das bedeutet de facto die Aufhebung der finn- ländischen Autonomie und die Ausbreitung der Macht der russischen Regierung auf die inneren finnländischen Angelegen- Helten. Daß das finnländische Volk diese brutale Verletzung seiner hergebrachten Rechte und die offenkundige Rückkehr zur Bobrikow- scheu Gewaltpolitik nicht ruhig hinnehmen wird, versteht sich von selbst. Selbst das Organ der konservativen altfinnischen Partei, „Unft Suometar". bezeichnet das Vorgehen der russischen Regierung als einen Bruch der Verfassung.«Die Grundgesetze so schreibt das Blatt— verlangen, daß das Land nur mit Bei- Hilfe einheimischer Behörden regiert werden soll und gestatten so- mit nur finnländischen Behörden, öffentliche Macht in finnländi- schen Angelegenheiten auszuüben." Weit energischer drücken sich natürlich die jungfinnischcn und sozialdemokratischen Blätter aus. ES herrscht allgemein die Ueberzeugung, daß die bevorstehenden Landtagswahlen und der neue Landtag die Antwort auf die Schand- säten der Zarenregierung erteilen werden.... Das mannhafte Auftreten der bürgerlichen Demokratie in Finnland hebt sich vorteilhaft ab von der kläglichen Haltung, die die „maßgebenden" Politiker der Kadettenpartei eingenommen haben. So winselt die„Retsch". daß man zwar„von einer vollen Wieder- kehr zum Manifest vom 16. Februar 1899, welche die finnländische Konstitution aufhob, nicht sprechen könne", daß es leicht möglich sei, daß der«gemäßigte Teil der finnländischen Politiker sich mit dieser Maßnahme noch aussöhnen werde", daß aber dem Rechts- bMußtsein des«klcMU Volkes" eiste-schwere Prüfung" guferlegt werde. Darum sei c8 notwendig, daß die tüffifchet» Staatsmänner Halt machten und jeden weiteren Schritt sorgfältig erwägten.... Das ist alles, was die Wortführer des russischen Liberalismus, die auf ihre Dienste bei der Einleitung der englisch-russischen An- Näherung so stolz sind, angesichts des jüngsten Verfassungsbruchs des meineidigen Zaren und des Ausbruchs einer neuen Aera Bobri- low zu sagen vermochten.— Eine neue Anleihe. Petersburg, 17. Juni. Finanzminister Kokowtzow brachte in der Reichsduma einen Gesetzentwurf ein, der den Finanz- minister ermächtigen soll, bereits vor Genehmigung des Reichs- bndgets für 1903 eine innere Anleihe bis zur Höhe von etwa 200 Millionen Rubel aufzunehmen. Die sibirische Bahn. Petersburg, 16. Juni. Die R e i ch S d u m a hat die Vorlage des Wegebauministers betreffend den Bau deszweitenStranges der sibirischen Bahn, dessen Kostenanschlag 127MillionenRubeI beträgt, angenommen. jVlaroKKo. Mulay Hafid au der Regierung. Paris, 17. Juni. AuS FeS wird gemeldet, daß B u ch t a b e n B a g d a d i. sein Bruder Modani und t 1 Notabein aus dem Stamm der Bagdadi als Gefangene nach Marakesch gebracht worden sind. El Glaui wurde zum Großvezir, Benkelbonz zum Justiz- minister, der Bruder GlauiS zum Kriegsminister und Ben Daud zum Gouverneur von Marakesch ernannt. Mulay Hafid hat sich gestern mit seiner Cousine, der Tochter Mulay Ismails, vermählt. Er ließ die eleltrischen Anlagen, die Automobile und alle Gegen- stände europäischenUrsprungS, die Abdul AsiS gehörten, zerstören. Hrnmha. Das Wahlprogramm der Republikaner. Chicago, 16. Juni. Die der heute eröffneten nationalen republikanischen Konvention in der heutigen V«r- sammlung unterbreitete Platform tritt unzweideutig für die Politik Roosevelts ein und verlangt energisch eine Tarif- r e f o r m, welche einen Ausgleich der Zölle dahin herbeiführt, daß dem Konsumenten die günstigsten Preisverhältnisse gesichert werden, Hand in Hand mit dem Schutze der heimischen Industrie und der heimischen Arbeit. Die Zölle müßten der Differenz zwischen den europäischen und den amerikanischen Produktions- kosten einschließlich eines angemessenen Gewinns für den amerika- nischen Unternehmer entsprechen. Das Prinzip des Schutz- z o l l s wird im allgemeinen angenommen. Das Programm empfiehlt eine Abänderung deS AntitrustgesetzeS dahin, daß die Eisenbahngesellschaften in den Stand gesetzt werden, verständige Verkehrsabmachungen einzugehen, ohne gerichtliche Ver- folgung zu riskieren. Dann tritt sie energisch ein für eine fort- gesetzte EntWickelung der Flotte einschließlich einer an- dauernden Vermehrung der Linienschiffe zum Zweck des Schutzes der amerikanischen Interessen im Ausland und zur Stütze für die Monroedoktrin. Endlich spricht sie sich für die Aufrechterhaltung der Armee auf der gegenwärtigen' Grundlage aus. Nach der Eröffnung gab Bundessenator Burrow einen Ueberblick über die republikanischen Errungenschaften der letzten vier Jahre. Als er den Namen Roosevelts erwähnte, erscholl lang- anhaltender Beifall. Vurrow führte auS, die republikanische Partei begünstige solche T a r i f r e v i s i o n, wie sie die veränderten industriellen Zustände in Amerika und im Auslände erheischten, jedoch unter Beobachtung des Hauptgesichtspunktes d eS Schutzes der amerikanischen Industrie. Burrow erörterte ferner die jetzige Weltmachtstellung Amerika«, deren Einfluß im Interesse des Friedens und der Veredelung der Menschheit aus- geübt werde._ Hus der Partei. Die Eröffnung des Pressebureaus ist für den Ib. Juli in Aussicht genommen. Mit der Leitung des Bureaus wurde durch Beschluß des Beirats und des Parteivorstands der Genosse Emil Eichhorn betraut. Gemäß dem Beschluß deS Essener Parteitags wird die Parteikorrespondenz von dem neuen Institut herausgegeben. Sie erscheint vom 1. Juli ab nur noch vierzehntägig. Die Redakteure der Parteikorrespondenz arbeiten im Pressebureau mit. Untergebracht wird das Bureau im Hause Linden- straße 69._ Ans der französischen Partei. Am Sonntag trat der Generalrat der geeinigten Partei zu einer Beratung zusammen, die hauptsächlich der Feststellung der Tages- Ordnung des Parteitags galt, der in der ersten Hälfte des Oktober in Toulouse stattfinden wird, in unmittelbarem Anschluß an den in Marseille tagenden Kongreß der Arbeits- konföderation. Aus den vom Parteisekretär Dubreuilh erstatteten Berichten ist besonders der über die Gemeindewahlen hervorzuheben� Bisher haben bb Partciföderationen die von der Verwaltungs- kommission ausgesendeten Fragebogen zurückgesendet. Danach waren in 760 Gemeinden vollständige oder unvollständige soziali- stische Listen aufgestellt, und in 380 Gemeinden wurden Erfolge erzielt. Im ersten Wahlgang wurden 1981 sozialistische Gemeinde- räte gewählt. Im zweiten Wahlgang drangen in 210 Gemeinden 941 Parteigenossen durch. Bei einer maßvollen Schätzung der Resultate in den Gebieten der zwanzig Föderationen, die ihre Antworten nicht eingesendet haben, kommt man zu einer Gesamt- ziffer von ungefähr 3S00 sozialistischen Gemeinde. raten. Angesichts dieses Resultats kann man von einer Nieder- läge des Sozialismus nicht sprechen. Wohl aber, meinte Dubreuilh. läßt sich von einem Zurückweichen der Demokratie sprechen. Die Führer der radikalen Partei sind nach rechts abge- schwenkt und ihre Wählerschaften desgleichen. Wenn die aus- gesprochen reaktionären Parteien gewonnen haben, geschah daS auf Kosten d eS Radikalismus, nicht auf Kosten dcS Sozialismus. Die Demokratie und die Republik selbst werden immer mehr auf die Kraft der sozialistischen Arbeiterklaffe allein angewiesen, die um ihrer Zukunft willen die politischen Freiheiten verteidigt. Die Diskussion über die Berichte war sehr lebhaft, da Genosse Bracke die Frage der selbständigen Aktion derPartei und das Verhältnis zur Llrbeitskonföderation anschnitt. In der Seineföderation ist nämlich eine Tendenz vor- Händen, die Rolle der Partei zugunsten der Arbeitskonföderation einzuengen und in dieser die Organisation zu erblicken, die eigent- lich alle Aufgaben der proletarischen Revolution zu übernehmen bestimmt ist. Diese Vorliebe für die Auffassungen des Syndikalismus, die namentlich auch in der„Humanite" zur Geltung kommt, hat zuletzt dazu geführt, daß die Verwaltungskommission der Partei nach dem Blutbad von D r a v e i I sich mit einer farblosen Resolution begnügte, im übrigen aber die ganze Protestaktion der Arbeits» konföderation anheimgab, deren jetzige Leiter sie zu antiparlamen» tarischer und anarchistischer Agitation ausnützten. DaS Protest- Meeting im Manöge-Saint-Paul gipfelte in demagogischen Angriffen auf dte sozialistischen Abgeordneten und kindischen Drohungen gegen das Parlament und endigte in sinnlosem Radau. Anarchistische Sturmkolonnen aber, die in das Streikgebiet zogen, richteten un- verantwortlichen Unfug an, der die Situation der Regierung gegen- über den sozialistischen Interpellanten verbesserte und dem Minister- Präsidenten, wenn auch keine Rechtfertigung des Arbeitermords, so doch die Ausrede auf Gewalttätigkeiten der Arbeiter lieferte. ES ist in bei Tat unleugbar, daß eine zweite Katastrophe nur durch die Kaltblütigkeit der Beamten vermieden wurde, und das Lob für den standhaften Unterpräfetten, dem die anarchistischen Ausflügler einen Revolver an die Stirne setzten, verdient kein- Anfechtung, In weiten Kreisen der Partei aber wurde die Besorgnis über die Folgen rege, die das wohlwollende Stillschweigen gcgenüver dieser Jndiancrtaktik, welche sich bis zur Erhebung von Durchfahrts- zöllen von den das Streikgebiet durchquerenden Automobils ver- stieg, für den Geist in den Organisationen haben muß. Diese Stimmung fand besonders scharfen Ausdruck in einem Artikel, den Genosse R a p p a p o r t in der letzten Nummer des„Sozia- I i s m e" veröffentlichte und der über den Kreis der Freunde Gucsdes hinaus Zustimmung fand. Der Artikel protestiert gegen die freiwillige Unterordnung der Partei unter die anarchistischen oder anarchistelnden Leiter der Konföderation, die gerade jetzt übermenschliche Anstrengungen machen, um den Berg- arbeiterverband den Eintritt zu versagen und so ihre erkünstelte Mehrheit zu erhalten. Die Partei müsse endlich die Beschlüsse der Internationale befolgen und das Tischtuch zwischen sich und den Anarchisten zerschneiden. Um die in diesem Artikel entwickelten Gesichtspunkte bewegte sich die Diskussion, die allerdings resultatlos abgebrochen wurde. Die Frag« aber drängt nach der Entscheidung und sie wird Zweifel- los den Parteitag beherrschen. Eine ganze Reihe von Föderationen hat Anträge eingebracht, die auf die Nolle der sozialistischen Abgeordneten und auf die Be- deutung der sozialen Gesetzgebung Bezug haben. Sie werden zusammen als erster Punkt der Tagesordnung unter dem zu- sammenfassendcn Titel: Die Aktion der sozialistischen Partei verhandelt werden. Als zweiter Punkt wurde die Aenderung des Parteistatuts angesetzt, als dritter die Agrarfrage. Der Kon- greß in Limoges im Jahre 1906 hatte die Aussendung von ein- gehenden Fragebogen über dieses Thema beschlossen. Es ist eine genügende Anzahl von Antworten eingetroffen, um dem Gcnosscu Compere Morel, dem bekannten Vorkämpfer der Land-- agitaiion, die Ausarbeitung eines auf diese Erhebung gestützten Berichts zu ermöglichen. Von den übrigen Beschlüssen ist noch zu erwähnen: Eine Be- glückwünschung der preußischen und der belgischen Genossen zu ihren Wahlsiegen, eine Sympathiekundgebung für die streikenden Landarbeiter der Provinz Parma sowie für die in Mailand ver- haftete Genossin S o r g u e, die derzeit der Herveistifchcn Gruppe angehört. Vaillant berichtet über ein Schreiben, das er in seinem Namen sowie in dem des zweiten Delegierten I a u r e s an das internationale Bureau gerichtet hat. Es lautet:„Die Frage, die uns interessiert und die wir auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu setzen beantragen, ist folgende: Die kombinierte Aktion der Proletarier und Sozialisten der be- troffenen Länder, um den europäischen und kolonialen Konflikten vorzubeugen, womit die Regierungen, vermittels ihrer Vereinbarungen, Veruncinigungen und Intrigen sie bedrohen." lieber die angekündigten Freundschaftsbezeigungen zwischen dem Präsidenten der Republik Und dem Zaren beschloß die Versammlung folgende vom Genossen L o n- g u e t vorgelegte und von den Vertretern einer großen Zahl von Föderationen unterzeichnete Resolution: „Der Nationalrat erklärt, daß die französische sozialistische Partei, getreu der Pflicht der internationalen sozialistischen Soli- darität, sich mit Empörung gegen den Besuch des Herrn Fallieres beim russischen Autokraten erhebt, der in einem Augenblick stattfinden soll, wo die zarische Blutregierung die Er- schießungen, die Henkerarbeit und die Deportationen nach Sibirien vervielfacht. Er fordert nach dem Beispiel der italienischen und neueftcns der englischen Arbeiter.die Parteiorganisationen auf. den Protest zur DurckMhrung zu bringen. Er erklärt, daß, falls der Zar Nikolaus, wie man angekündigt hat, nach ? rankreich käme, das ganze Proletariat sich er» eben würde, um den Henkern des russischen Volkes seinen ganzen Haß und seine Verachtung kundzugeben." Die Resolution wurde einstimmig unter lebhaften Beifalls- kundgebungen angenommen. Der Nationalrat beschloß weiter, die Stellung eine?„Attaches deS Kabinetts" in einem Ministerium, die nicht die eines be» zahlten Arbeiters, sondern die eines zu persönlichen Dienstlcistuii- gen Bestellten sei, für unvereinbar mit der Parteimitgliedschaft zu erklären, und forderte die Föderation auf, gegen ihre diesem Beschluß Trotz bietenden Mitglieder mit dem Ausschluß vorzu- gehen. Zum Schluß beauftragte die Versammlung das Bureau mit der Abfassung einer Resolution gegen die Rcgierungspolitit und daS marokkqnische Abenteuer. Hub Industrie und Handel. Börsenkurse im Mai. Wie eine Aufstellung der«Franks. Ztg." deutlich zum Ausdruck bringt, brachte die Erleichterung am Geldmarkt im Monat Mai teil- weise ein Hinaufgehen der Kurse der festverzinslichen Werte, während die Jndustriepapiere im allgemeinen ihren Preisstand nicht behaupten konnten. Die Aufstellnng umfaßt die Hälfte der gc- handelten Börsenwerte und zeigt die folgenden Kursveränderungen: 1908 1907 Mai April Mai Deutsche Staatsanleihen... 89,08 88,16 89,79 Deutsche Provinzial- u. KrciSanl. 9l,8S 91.84 94,39 Deutsche Kommunalanleihen.. 93,43 93,63 9S.61 Ausländ. Staats- u.Konmmnalanl. 99,33 89,40 88,32 LoSpapiere........ 164,07 163,76 161,85 Kommunale u. landschastl. Pfand- und Rentenbriefe..... 91,01 90,71 93,05 Hypothbank.-Pfandbr. u. Oblig.. 92,76 92,20 94,93 Deutsche Eisenbahnprior.-Oblig.. 94,31 94,61 96,14 Ausländ. Eisenbahnprior.-Oblig.. 83,09,. 82,80 83,05 Klein« u. Straßenbahn-Oblig.. 91,72 91,65 92,57 Obligationen von industriellen u. Bergwerksgesellschaften... 96,79 96,63 98,23 90.89 90,22 90,67 Der Durchschnitt im Mai d. I. geht sowohl über den deS Vormonats wie auch über den des Mai im Jahre 1907 hinaus. Eine andere EntWickelung läßt die folgende Zußnnmenstellung erkennen. Kursstand Mai April Mai 1903 1907 Bergbau. Hütten und Salinen. 132,83 186,76 205,11 Sterne und Erden...... 179,85 183,42 192,28 Metalle und Maschinen.... 176,02 174,73 163,06 Chemische Industrie..... 315,63 817,58 297,57 Textilgewerbe....... 134,89 134,65 145,06 Papier.......... 128,64 131,27 160,95 Leder.......... 185,19 134,84 152.86 Holz und Schnitzstoffe.... 241,01 237,79 227,90 Nahrung«- und Genußmittel.. 190,80 190,18 191,90 Baugewerbe........ 125,17 121,96 118.47 Bankaktien, deutsche..... 154,17 164,14 152,50 Bankaktien, ausländische.... 159,44 158,21 177,54 BersicherunaSgewerbe..... 449,58 442,73 449,57 Verkehrswesen....... 106,82 105,11 112,07 Sonstige Gewerbe...... 148,92 148,54 177,08 145,74 145,29 149,67 Daß der Gesamtdurchschnitt im Mai des Vorjahres den d.. Vormonats noch um etwas überholt hat, ist eine Folge des günstigen Standes der deutschen Bankaktien und des etwas gestiegenen Kurses der Metallindustrie- und Maschinenfabrik-Aktien. Recht merklich ist der Rückgang der Werte der Montanindustrie. Bminfgh Mt D« vruNogewim» btt Monate Januar bis März 1S03 betrug nach Abzug der Zentral- Verwaltungskosten und Obligationszinsen 1 792 913,38 Mark, blieb gegen den entsprechenden Zeitraum des Vorjahres um 211 363,05 Mark zurück.— Der Gesamtbruttogewinn der drei ersten Viertel des laufenden Geschäftsjahres beläuft sich auf 5 628 007,38 Marl und ist trotz höherer Werksgewinne gegen daS Vorjahr um 140 738,32 Mark niedriger wegen erhöhter Zinsenlast. Der nord» und ostdeutsche Holzmarkt. DaS Geschäft ist noch immer flau, denn wenn auch fiskalische Bauten in letzter Zeit in Angriff genommen wurden, so genügten diese doch nicht, um den zahlreichen Holzfirmen Beschäftigung zu bieten. Es fehlte eben an der regen Tätigkeit der privaten Bauunternehmer. Dah die Absatz- Verhältnisse auf dem Holzmarlte ungünstige sind, zeigt sich übrigens auch beim Holzeinkauf. Die Platzhändler haben im Jahre 1907 ihre Lager reichlich mit Ware angefüllt, ohne Rücksicht auf den ein- getretenen Geschäftsrückgang, und müssen sich daher vor allem be- mühen, ihre alten Bestände zu veräußern, bevor sie den zahlreichen Angeboten, die von den ostdeutschen Sägewerken in frischen Ein- schnitten gemacht wurden, Beachtung schenken. Die Vorsicht des Holzhandels ist auch an den zurückgehenden Preisen bei den Ter- ininen der oft- und norddentschcn fiskalischen Waldungen sichtbar. Namentlich für geringere Holzarten werden nur niedrige Gebote ab- gegeben; in vielen Fällen mußten sogar Submissionen aufgehoben werden, da die eingegangenen Gebote nicht die Billigung der Behörden fanden. Der Saatenstandsbericht des österreichischen Ackerbauministeriums für Mitte Juni stellt eine gute, zum Teil sehr gute Fechsung in Aussicht. Die Wintersaaten stehen gut, auch sehr gut, insbesondere Winterweizen und auch Winterroggen. Die Sommersaaten zeigen eine gute Entwicklung. Gerste und Hafer stehen befriedigend, Mais ist in bester Entwicklung, dasselbe gilt für Kartoffeln. Die Zucker- rüben weisen einen guten und sehr guten Stand auf, leiden aber in den Sudeten durch Insekten; das Vereinzeln hat begonnen. Klee- wiesen meist vorzüglich, Weinstock ausgezeichnet. Soziales. Schmiergelderuuwese». Einen besonders krassen Fall unlauteren Geschäftsgebarens ver- öffentlicht die„Deutsche Jurijten-Zeitung". Die Papiergroßhandlung I. Wilhelm Aubreville bietet Auwalts-Bureauvorstehern 10 Prozent auf alle Austräge seitens ihrer Chefs. Die Firma bezieht sich dabei auf ein Inserat in der„Juristen-Zeitung". Diese„Juristen-Zeililiig" ist ein in Ausstattung, Format usw. der bekannten„Deutschen Juristen-Zeitung" täuschend nachgeahmte„Zeitung". Die bekannte Juriften-Zeitung hat die geeigneten Schritte gegen die Reklame- zeitung unternommen. Unsere Leser entsinnen sich, daß auch wir vor wenigen Monaten gegen eine Reilamezeitung, die sich unseren Titel beilegte, vorgehen mußten und mit Erfolg vorgegangen sind. Vom Kinderelend auf dem Lande. Seit Jahrzehnten schon kämpft die Sozialdemokratie einen bis- her stets noch fruchtlosen Kampf um das gänzliche Verbot der Kinderarbeit auf dem Lande. So leicht läßt sich der ostelbische wie der westliche Agrarier seine billigsten und willigsten Arbeitssklaven nicht nehmen. Fast schlimmer noch ist es aber, wenn die Eltern selbst ihre Kinder im zartesten Alter schon mit ins Arbeitsjoch fpannen und sie zwingen, die ganze von der Schule freigelassene Zeit und oft noch mehr als diese draußen auf dem Acker in Wind und Wetter, bei Hitze und Kälte ihre schwachen Kräfte zu opfern. Gewiß mag ja die Lage vieler ländlicher Kleinbesitzer— auch hier dank dem Großkapital— eine wenig beneidenswerte sein und sie mögen glauben, ohne die Mithilfe ihrer Kinder nicht durchkommen zu können. Man tröstet sich dann mit der alten Redensart, daß das Schaffen und Sichregen in der freien Natur doch nur gesund fei. Aber das ist bei dem über die jugendlichen Kräfte hinausgehen- den Maße der zu leistenden Arbeit ein verhängnisvoller Irrtum unb dann vergißt man ganz die plötzlichen Gefahren für Leib und Leben, die als sogenannte Betriebsunfälle auch in der Landwirt- schaft die Kinder im höchsten Grade bedrohen. Und wenn dann ein solcher Unfall eingetreten ist, und die Eltern wenden sich an die Berufsgenossenschaft, da werden sie sogar häufig abgewiesen und statt der angeblich nicht zu entbehrenden Arbeitskraft haben sie. nun einen elenden Krüppel zu Hause. Zwei Fälle, mit denen sich jüngst das Breslaner Schiedsgericht für Arbeiterversichcrung zu befassen hatte, sind außerordentlich lehrreich hierfür. In einem Dorfe des Kreises Grotz-Wartenberg hatte ein zehnjähriges Schulmädchen seiner Mutter beim Kartoffel- graben zu helfen, indem es die Kartoffeln in Körbe schütten und nach einem ziemlich entfernt stehenden Wagen schleppen mutzte. Bei dieser schweren Arbeit passierte es, daß der Schuh dem Kinde den Fuß etwas aufrieb. Trotzdem befahl die Mutter dem armen Wurme, die Arbeit fortzusetzen. Am Abend aber war der Fuß stark angeschwollen und da ärztliche Hilfe sofort nicht beschafft wer- den konnte, stellte sich eine bis zur Hüfte sich ausdehnende Knochen- eiterung ein, die mit den schrecklichsten Schmerzen verbunden war und schließlich zur Amputation des Fußes vom Unterschenkelhals an führte. Der Vater der Kleinen beanspruchte als versicherter ländlicher Betriebsunternehmer llnfallrente. Der Kreisausschutz aber lehnte sie ab, einmal, weil in dem Reiben der Schuhe kein Betriebsunfall zu erblicken sei und dann, weil die Knocheneiterung nicht mit jener Reibung im ursächlichen Zusammenhange stehe. Ter Vater verklagte den Kreisausschuß vor dem Schiedsgericht. Es Ivar ein erschütterndes Bild, wie der Bedauernswerte sein ver- krüppeltes Kind auf dem Arme dem Gerichte zeigte. Vergeblich lvar sein Hinweis, daß die Reibung durch das Schleppen der schweren Körbe entstanden sein müsse. Die Klage wurde abge- wiesen. Nicht einmal die recht erheblichen Reisekosten nach Breslau wurden dem Aermstcn erstattet. In dem zweiten Falle hatte eine Stellenbesitzersfrau ihr zwölf- jähriges Töchterchcn.zum Grasmähen mitgenommen. Das Kind mußte das gehauene'Gras sammeln und auf einen Karren tragen, den die Mutter vor sich her stieß. Dabei stolperte sie aber, der Karren fiel in einen Teich und zog die Frau mit ins Wasser. Sie wäre ertrunken, wenn ihr tapferes Kind ihr nicht zu Hilfe gesprun- gc» wäre. Dabei verletzte sich die kleine Lebensretterin aber so empfindlich, daß sie vom November bis zum Mai im Krankenhause zubringen mußte und dauernden Schaden an ihrer Gesundheit er» litten hat. Auch hier lehnte der zuständige Kreisausschutz die Ge- Währung einer Unfallrente ab, weil ein Betriebsunfall nicht vor- liege. Obgleich nun sogar der Vertrauensarzt begutachtete, daß für die erste Zeit die Vollrente und für die Zukunft 33% Prozent zu zahlen feien, kam das Schiedsgericht doch nicht zu einer Anerken» nung. As will erst noch einmal den behandelnden Arzt hören, und schließlich wird auch das Gericht wobl das Vorliegen eines Be- triedsunfalles verneinen._ AuS dem Reiche der Metzgermeister. Dem bereits in Nr. 133 des„Vorwärts" vom 10. Juni kurz besprochenen Geschäftsbericht der Fleischereibenifsgenosfenschaft für 1907 entnehmen wir noch nachstehende interessante Einzelheiten. Ter Bericht meldet die schon erwähnten hohen Unfallziffern und meint treuherzig:„Ja, es zeigte sich schon verschiedene Male, daß auch Unfälle, deren Folge» die Verletzten zur Geltend- machung eines Anspruches wohl berechtigt hätten, nicht ge- meldet worden find und die Verletzten aus diesem Grunde ihrer Ansprüche verlustig gingen. Man ist sich offenbar noch nicht überall darüber klar geworden, daß die Äerufsgenossenschaften ver- pflichtet sind, berechtigte Forderungen, Entichädigungsansprüche, von AmtS wegen festzustellen, also nicht er st dara u'f warten sollten, bis der Verletzte seinen Anspruch geltend macht". Sehr richtig. Nur üben fast alle Berufsgenossenschaftcn verantw. Bedgkt.: Georg Tovidloho, Salin. Lnlsruteoteil psiaattsti Mefe Praxis und freuen sich bann königkich, wenn der unwissende Verletzte die Verjährungsfrist versäumt hat. Die Unfallstatistik des Berichtes ergibt, daß von den gemeldeten Unfällen nur 1120 entschädigt wurden, die 1062 männliche und 68 weibliche Arbeiter betrafen. Unter 16 Jahren waren noch 89 Ver- letzte, unter 20 Jahren 366, während nur 5 Verletzte das 70. Lebens- jähr erreicht hatten. Das Heilverfahren innerhalb der ersten 13 Wochen" des Unfalles wurde nur in 15 F ä l l e n von der Berufsgenossenschafi über- nommen und hierfür ganze— 403 Mark verausgabt! Die Aussichtsbeainten der Berufsgenossenschaft erwähnen in ihrem Bericht ausdrücklich:„Bedauerlicherweise hat die Be- schäftigung jugendlicher Arbeiter an gefährlichen Arbeits Maschinen außer vierzehn Unfällen leichter Art, zehn schwere Unfälle gezeitigt, durch die mehrfach der„Verlust ganzer Hände zu be- klagen war." Ferner:„Bei der geringen Zahl des Aufsichts- Personals— 3 Beamte für 56 500 Betriebe— kann naturgemäß nur ein kleiner Teil des überaus großen Bezirkes in einem Jahre Erledigung finden". Sehr richtigst Man will aber doch keine aus- reichenden Revisionen der Betriebe. Amüsant ist es auch, daß die Beamten schreiben:„Die Betriebsrevisionen fanden zwar im allgemeinen ohne vorherige Benachrichtigung der Unternehmer statt. Nichtsdestoweniger ist in vielen Fällen den Mitgliedern die Anwesenheit der technischen Aufsichtsbeamten bekannt gewesen. Es bringt dies der Verkehr mit den oft aufdenSchlachthöfengeführtenJnnungs-Kranken- kassen, die Revision der Schlachthöfe und der V e r k e h r m i t den Obermeistern und den Vertrauensmännern mit sich"... So kamen die„unverhofften Revisionen" zu stände... Festgestellt wurden wieder 4677 Mängel, obschon nur drei Beamte tätig waren. Die Zahl der revidierten Betriebe wird merk- .würdigerweise nicht angegeben. Bemerkt wird hierzu ferner:„Es zeigt sich, daß eine einmalige Revision der Betriebe nicht g e- n ü g e n d ist, daß vielmehr nachgeprüft werden muß, o b d i e gefundenen Mängel auch tatsächlich beseitigt s i n d." Natürlich. Deshalb hat man ja auch nur drei Beamte angestellt! Sehr richtig bemerkt jedoch der Genossenschaftsvorstand selbst im Bericht:„Es ist eine recht mißliche Sache, wenn junge Leute, die sich dem Fleischergewerbe widmen wollen oder mit Erfolg gewidmet haben, durch den V e r l u st oder Ver- st ü m m e l u n g wichttger Gliedmaßen für ihr ganzes Leben auf das schlv erste geschädigt werden. Der Bezug einer Rente bietet ja niemals einen vollen Ersatz für die in Verlust geratene Erwerbsfähigkeit". Und trotzdem so zaghast in der Unfallverhütung? In 339 Betrieben wurde die Anleitung für erste Hilfeleistung„nicht vorgefunden" und in„227 Fällen das Fehlen von genügendem Verbandsmaterial beanstandet". Auch nieldet der Bericht lakonisch:„Gesundheitsschädlichen Einflüssen sind die Ver- sicherten der Fleischerei-Berufsgenossenschaft nicht ausgesetzt". Einige Zeilen oben klagt aber der Beamte:„Eine Arbeiterin gibt an, daß sie eine Lungenentzündung sich dadurch zugezogen habe, daß der Unternehiner trotz ihrer Einwendungen sie veranlaßte, in einer mit Rauch gefüllten Rauchkamnier Gänsebrüste aufzuhängen. Auf ihre Entgegliung, daß dies des Rauches wegen nicht möglich sei, hat der Unternehmer geäußert:„Na. Ihr seid ja versichert!" So der Bericht selbst! In drei Stunden war aber trotzdem die jährliche Genossenschaftsversammlung zu Ende. Alles war in „bester Ordnung", wie sich die Unternehmer ja selbst bescheinigen. Der Vorsitzende der Berufsgenossenschaft erhält für seine „Mühewaltung" pro Jahr 3500 M. Entschädigung I Sehr zufrieden konnte dieser Herr mit den Erfolgen der Berufs« genossenschaft in» Streilverfahren sein. Die Schiedsgerichte erledigten 299 Berufungen der Verletzten zugunsten der Berufs- genossenschaft und nur 71 zugunsten der Verletzten. Auch das Reichsversicherungsamt war nicht„untätig" und entschied 80 Rekurse zugunsten der Berufsgenossenschast und nur 24 zugunsten der Verletzten oder deren Hinterbliebenen. Se�erksebaMickes. Die„Not" der Zwischrnmrister. Fast möchte man daran glauben, wenn man die soeben erschienene Nr. 1 der„Konfettion", eines Blattes des neugegründeten Zwischen- meister-Bundes liest. Wenn z. B. die„Konfektion" von„unwahren Vorführungen der Heimarbeiterschutz-Ausstellung" schreibt oder von der„eigentümlichen Lage", in der die Zwischenmeister allein sich befanden, oder von „widerstandsloser Masse, die zu vernichten sehr leicht schien" usw., so charakterisiert das einen Geist der Ueberhebung sondergleichen. Und wenn das Blättchen von Kollegen und Kolleginnen spricht, „denen das Messer noch nicht weit genug an der Kehle saß, um für ihre eigene Existenz etwas befürchten zu müssen", dann klingt das wie Hohn über die armen Heimarbeitsklaven. Wir sehen schon im Geiste die armen Zwischenmeister, durch die überaus hohen Forderungen der Arbeiter— Stundenlöhne von 20— 25 Pf. sind schon sehr hohe— gezwungen, mit dem Bettelstab in der Hand die Regierung um Hülfe anflehen. In unzähligen Versammlungen, in vielen Zeitungsartikeln ist 'festgestellt worden, daß die Heimarbeiterschutz-Ausstellung, auch was die Konfektion anlangt, noch zu lichte Bilder gezeigt hat, daß sie gar nicht erschöpfend all das Elend,- die Not, den Jammer unserer Heimarbeiter und deren Familien wiedergeben konnte. Und nun kommen die Herren her und gründen einen�Bund, um besser gegen das Heimarbeiterschutz-Gefetz Stellung nehmen zu können. Der Bund bezweckt weiter die Förderung der gewerblichen Interessen seiner Mtglieder. Gewöhnlich machen daS die Herren Zwischenmeister so: Haben sie z. B. 50 Pf. Lohnaufschlag für ein Dutzend Blusen erzielt, so wandern davon natürlich 45 Pf. in ihre eigene Tasche und die Arbeiterin, die einzig und allein die ganze Schwere der Heimarbeit zu schmecken hat, erhält sage und schreibe 6 Pf. Gewiß gibt es auch noch anständige, humane Zwischenmeister. die im besten Einvernehmen mit ihren Arbeitern leben, die auch gern die evenwell errungene Lohnzulage mit dem Arbeiter teilen. Aber sie sind eben leider nur seltene Ausnahmen. Wenn die Zwischenmeister, die angeblich den gewichtigsten Faktor in der Konfektiousbranche bilden, sich darüber aufregen, ob der eigentümlichen Lage, in der sie allein sich befanden, so sollen sie sich gesagt sein lassen, daß wir das Zwischenmeistershstem allerdings als den schlimmsten Parasit des Heimarbeiters bettachten. Und um da- gegen energisch den Kampf zu führen, ist es notwendig, alle Heim- arbeiter der zuständigen gewerkschaftlichen Organisation, dem Verband der Schneider und Schneiderinnen, zuzuführen. Das ist die beste Antwort auf den Kampftuf der Zwischen- meister l_ Berlin und Umgegend. Der Streik der Schlosser bei der Firma Tenner dauert nun schon zirka drei Wochen, und trotzdem die Firma durch diesen Streik einen nicht unbeträchtlichen Schaden erfahren hat, ist die Bettiebsleitung durchaus nicht zu bewegen, den Streikenden ihre Forderungen zu bewilligen. Die Betriebsleitung will durch ihre ablehnende Haltung wohl den Anschein erwecken, als wenn sie durch die Arbeitswilligen, welche in der letzten Zeit die Plätze der AnSständigen besetzt haben, einen genügenden Ersatz für die Streikendeir bekommen habe, die Streikenden wissen es aber besser, wie es mit diesem„Ersatz" aus- sieht. Vor einigen Tagen ist eine Kommission aus den noch im Betriebe beschäftigten Arbeitern bei der Firma zwecks Beflegung de» Streiks vorstellig geworden. Jedoch diese Vermittelung ist den be- tteffenden Kollegen sehr schlecht gelohnt worden. Der Inhaber der Firma, ein Herr Reich, lehnte nicht nur jede Verständigung ab, sondern erklärte, daß in Zukunft eine ganz andere Be- Handlung der Arbeiter eingeführt wird! Die Sache werde noch schärfer gehandhabt werden! Auf Grund dieser Erklärung sahen sich die Kollegen aus dem Maschinenbau veranlaßt, aus Solidarität für die Streikenden eben- falls die Arbeit niederzulegen. So hat es die Firma durch ihre halsstarrige Ablehnung selbst verschuldet, wenn sie durch die Arbeits- niederlegung dieser Kollegen abermals materiellen Schaden er- litten hat. Die Haltung der Stteikenden selbst ist mustergültig und die Kollegen haben alle Veranlassung, frohen MuteS in die Zukunft zu blicken. Alle Metallarbeiter aber ersuchen wir, im Interesse des Ab- Wehrkampfes unserer Kollegen jedes Arbeitsangebot, ob dieses direkt von der Firma oder von anderer Stelle an sie gerichtet wird, strikte abzulehnen. Die Finna Tenner, Lehrterstr. 18/19, ist gesperrt. Deutscher Metallarbeiterberband. Ortsverwaltung Berlin. veutfebes Reich. Entschwundene gelbe Herrlichkeit. Ueber ein halbes Jahr dauerte der Kampf, den der Verband der Steinarbeiter um das Koalitionsrecht seiner bei der Firma Köhler in Meißen beschäftigten Mitglieder kämpfte. Köhler hatte von seinen Arbeitern den Austritt aus der modernen Organisation und den Beitritt zu einem von ihm zu gründenden Bettiebsverein (einer Art gelber Unterftützungsverein) verlangt. Es gelang Köhler damals, durch Annoncen und Agenten ein paar hundert Arbeits- willige zusammenzubringen. Der Kampf wurde vom Verband eingestellt. Köhler machte aber mit den arbeitswilligen Elementen die allertraurigsten Erfahrungen, hielt aber ttotz- dem an seiner Organisationsfeindlichkeit fest; denn er stellt in dem eifrigen Gesuch an einen Bossierer in der Lausitz, die Arbeit bei ihm aufzunehmen, die Bedingung, daß er fleißig und rechtschaffen ist und keinem Verbände angehört, insbesondere nicht dem Verbände der Steinarbeiter Deutschlands. Er verspricht ihm noch lohnende und dauernde Arbeit. Dem Briefe lag ein Aufruf bei, in dem die Tatsachen während der Aussperrung auf den Kops gestellt waren, wie auch die Durchschnittslöhne in verlockender Höhe darauf verzeichnet waren. Der also Umworbene, ein organisierter Arbeiter, fragte dann bei Köhler an, ob er für die im Aufruf angegebenen Löhne garantiere und die Reisekosten zahle. Da kam aber der hinkende Bote nach und zu Nutz und Frommen derjenigen, die etwa auch Arbeitsangebote aus.Meißen�bekommen. sollten, Isei dieser Brief hier wörtlich angeführt: „Aus Ihrem Schreiben vom.14. d. Mts. ersehe ich gern, daß Sie nicht abgeneigt sind, die Arbeit als Pflastersteinbossierer bei mir aufzunehmen, und erwidere ich Ihnen, daß ich allerdings für den in dem Aufruf angegebenen Lohn nicht garantiereu kann, denn es liegt doch Wohl ganz in Ihrer Geschicklichkeit und Ihrem Fleiß, welche Löhne Sie wöchentlich erzielen. � Jedenfalls ist der Durchschnitt der im Aufruf angegebenen Löhne aus den BerufsgenossenschaftSlistcn ausgerechnet, so daß Sie schon 'mit einem guten Verdienst bei mir rechnen können. Die Reisekosten zu vergüten, bin ich auch nicht in der Lage, weil es mich zu weit führen würde, wenn ich alle diese Ansuchen genehmigen wollte. Es sind Leute aus Oberö st erreich nach hier gezogen und haben auch ihre Familien auf ihre Kosten nachkommen lassen, so daß ich denke, daß auch Sie die Kosten nicht zu scheuen brauchen, um nach hier zu ziehen. Jedenfalls sollte es mich freuen, wenn Sie nach hier kommen könnten, und bleibe ich Ihres EintteffenS gewärtig. Es verharret Hochachtungsvoll , paa. Meißner Granitwerk. Oswald Köhler." Der Arbeiter verzichtete natürlich. Es war ihm nur darum zu tun gewesen, die Versprechungen des Herrn auf ihren richttgen Wert zurückzuführen. Köhler hatte seinerzeit beim Streik der Steinmetzen über 200 Arbeitswillige bekommen. Der größte Teil hat schon längst wegen Unfähigkeit den Betrieb wieder verlassen müssen, und der von Herrn Köhler mit so großen Hoffnungen gegründete gelbe Verein ist im Aussterben._ Schnell beendeter Streik. Der Stteik in der Kistenfabrik von Gebr. Leinbrock in Löwenbein und Niedersedlitz ist zugunsten der Arbeiter beigelegt. Der Streik in der Wolgaster Zementfabrik dauert unverändert fort. Zuzug ist mit allen gesetzlichen Mitteln fernzuhalten. Die Streikleitung. Ausland. Warnung vor Zuzug von Möbeltischlern«ach Arnhem in Holland. Der Allgenieine niederländische Möbeltischlerverband teilt mit, daß in der Möbelfabrik von Munck in Arnhem gestteikt wird. Der Fabrikant, selbst von Geburt Deutscher, pflegt häufig Arbeitskräfte aus Deutschland zu beziehen und ist auch jetzt bemüht, sich deutsche Arbeiter zu verschaffen, die also Stteikbrecherdienste leisten sollen. Kein Möbeltischler, Drechsler, Polierer oder M a s ch i n e n a r b e i t e r soll sich verlocken lassen, nach Arnhem zu reisen._ Toulon, 16. Juni. Der Ausstand der ErzVerlader scheint größere Ausdehnung annehmen zu wollen, da auch die übrigen Arbeiter sich mit den Ausständigen solidarisch zu erklären beabfichttgen. Letzte JVachncbten und Depefchea Das RrichSvereinSgesetz in Hessen. Darmstadt, 17. Juni.(W. T. B.) Die zweite Kammer nahm heute, entgegen dem Antrage des Ausschusses, die Anträge der Abgg. Ulrich und Köhler, betreffend die Ausführung des Reichs- vcreinsgesetzes, an, obwohl diese Anträge durch die inzwischen ver« öffentlichten Ausführungsbestimmungen zum Reichspereinsgeffetz erledigt sind. Die angenommenen Anträge geben im wesentlichen dem Wunsche Ausdruck, daß dem Lande die Vereins- und Ver- sammlungsfreiheit, entsprechend der Zusage der Regierung, er- halten bleibe._ Dreihundert Arbeiterfamilien brotlos. Fürth(Bayern), 17. Juni.(B. H.) Die Spiegelfabrik Zimmer' mann in Zirndorf ist gestern nacht zum größten Teil niedergebrannt- Auch das Wohnhaus des Kommerzienrats Zimmermann, de» Be- sitzers der Fabrik, wurde zum Teil ein Raub der Flammen. Der Schaden wird auf 400000 M. geschätzt. Gegen 300 Arbeiter sind brotlos.__ Bon der Prinz-Heinrich-Automobilraserei. Frankfurt a. W., 17. Juni.(W. T. B.)..... Fünf Wagen blieben mit Defekten auf der Strecke liegen.... Durch den WagenNr. 85 wurde ein Kind leicht amKniever- letzt. Wagen Nr. 67 stürzte eine 10 Meter hohe Böschung hin- ab.... Die Südseite der Straße war für die Mitglieder des Automobilklubs und die ge» lade n e n G ä st e r e serviert....... Th. Wollt, Buliii- T!tiiik ittPeil0L:LmväMBuchbr.u.Lsrlggsan!UZltPsUtlSinger.Lc Co., Beilin Hierzu 2 Beilagen u.UvterhaltungSbl, I.. 140. ZS-ZchMS-{, Dtlllljt!ltS AtlÜlltt MlliSllllitt. Dommtag. 18. Ziu IM. mmmmmmmwmmmuwmmmm wmt\ mi 1 11 i i Staatliche üranhenverikheruDg in norwegen. In Norwegen wurde durch Verordnung vom 19. August 1885 eine Kommission zum Studium der Arbeiterversicherung eingesetzt. Von den verschiedenen Gesetzentwürfen und Anregungen, die seit- dem in Norwegen zwecks Durchführung einer Versicherung gegeben wurden, sind zum gesetzgeberischen Erfolg nur das Fabrikaufsichts- gesetz vom 27. Juni 1892 und das Gesetz über Unfallversicherung vom 23. Juli 1894 gediehen. Dies letztere Gesetz beruht nicht au' dem Unterbau von Berussgenossenschaften. Es sieht vielmehr eine Reichsversicherungsanstalt mit einem Generaldirektor(Oscar Schjöll) und 2 Direktoren sowie einer Reihe(etwa 699) Aufsichts- beamten vor, die von den Gemeindevorständen ernannt, aber der Reichsversicherungsanstalt unterstellt sind. Für die Krantenvcr- sicherung sind die verschiedenartigsten Systeme aufgetaucht. Am einfachsten, billigsten und zuverlässigsten wäre die Durchführung des Vorschlages der norwegischen Arbeiterpartei. Diese verlangte ausdrücklich bei Gelegenheit der Beratung des letzten Vorschlages über Krankenversicherung, der nur 178 999 Köpfe der gesamten etwa zwei Millionen zählenden Bevölkerung umfaßt hätte, aui dem Parteitag im Jahre 1992 eine Bolsversichcrung im weitesten Sinne. Die Mittel zur Durchführung dieser Versicherung sollten durch direkte Steuern erhoben werden. Die norwegische Aroeiterpartei verlangt ferner eine schrittweise Durchführung von Einstellung von Aerzten und Hebammen auf festem Gehalt, freie Medizin und Uebernahme des gesamten Apothekenwesens durch den vtaat samt freie Krankenhauspflege. Leider ist diese Ordnung des Krankenversicherungswesens nicht durchgedrungen. Aber die norwegische Arbeiterpartei hat doch nun- mehr erficht, daß der Kreis der Versicherten viel weiter gezogen werden soll als die ursprünglichen Vorlagen beabsichtigten und als Deutschland durchgeführt hat. Das vorige Storthing beauftragte die Regierung, bis zur nächsten Swrthingsperiode einen Gesetzentwurf für staatliche Krankenversicherung auszuarbeiten und dem Storthing vorzulegen. In einer Resolution gab das Storthing die Grundlage für dieses Gesetz an. Dasselbe sollte in erster Linie die Bersicherungspflicht für alle erwerbstüchtige Arbeiter und Angestellte, die für Lohn in privaten oder öffentlichen Diensten stehen, einführen. Die Aus- gaben sollten von den Versicherten und durch staatliche Zuschüsse bestritten werden. Gleichzeitig sollte aber auch in Erwägung ge- zogen werden, inwieweit die Kommunen und die Arbeitgeber zur teilweisen Tragung der Kosten heranzuziehen sind. Mit der Ausarbeitung eines derartigen Entwurfes wurde eine vom Hcmdelsdepartement eingesetzte Kommission betraut, deren Mitglieder sich aus dem Verficherungsdirektor Schjöll, dem Fabrik- bcsitzer Braenne, dem Schuldirektor Eftestöl und dem Generalsekre- tär des norwegischen Aerztevereins, Dr. Hansson, zusammensetzte. Eftestöl ist Swrthingsabgeordneter und vertritt die radikale Arbeiterpartei. Der Entwurf ist nun fertiggestellt. Die Kommisswn hat bor- geschlagen, daß sowohl die Arbeitgeber wie die Kommunen Bei- träge zahlen sollen. Falls das Gesetz ohne nennenswerte Verän- derungen im Storthing zur Annahme gelangt, würden durch das- selbe nach borläufigen Berechnungen beinahe 59 Prozent der ge- samten Bevölkerung Norwegens berührt und zirka 25 Prozent ver- ficherungspflichtig werden. Der Fabrikarbeiter, der Landarbeiter, die unteren Beamten, Seeleute, Lohnarbeiterinnen, Dimstmädchen u. f. f. über 15 Jahre sollen versicherungspflichtig sein, sobald das Jahreseinkommen auf dem Lande 1299 Kronen und 1499 Kronen in Städten nicht übersteigt. Von Seeleuten find nur diejenigen pflichtig, deren Fahrt sich nicht über 19 Tagereisen von einem nor- wegischen Hafen entfernt erstreckt. Der Entwurf sieht im weiteren eine freiwillige Versicherung für selbständige Arbeiter— Waschfrauen, Näherinnen, Klein- dauern usw.— bor; aber auch Eheleute, deren Vermögen 7999 Kr. auf dem Lande und 19 999 Kr. in der Stadt nicht übersteigt, wer- den zur Versicherung zugelassen. Alle Versicherten sollen in be- stimmte— 6— Einnahmeklassen und Risikoklassen— nicht unter 3 und nicht über 9— eingeteilt werden. Krankengeld und Bei- träge sollen nach mittlerem Tagelohn in den verschiedenen Lohn- tlasseii berechnet werden. lieber die wichtige Frage der Organisation und Verwaltung der Krankenkassen ist in der Kommission keine volle Einigkeit er- I zielt. Die gesamte Kommission verlangt, daß die öffentlichen Krankenkassen— Bezirkskassen— nach dem Prinzip der Selbst- Verwaltung mit selbständiger ökonomischer Verantwortlichkeit orga- nisiert werden. Die Kassen sollen möglichst an die existierende kommunale Verwaltung(die weit demokratischer ist, als die in Deutschland) angefügt werden und unter einer Reichskrankenkasse als Zentralverwaltung sortieren. Jede Kasse soll ein selbständiges Rechtssubjekt bilden. Nach dem Entwürfe soll in jeder Gemeinde eine öffentliche Krankenkasse errichtet werden und soll den Namen Bezirkskasse (Kredskasse) tragen. Jede Bezirkskasse soll sich selbst verwalten und ist für ihre Einnahmen und Ausgaben verantwortlich. Die Kom-. missionsmehrheit— zwei Mitglieder— beantragt, daß die Arbeit. gcber dieselbe Anzahl Vertreter auf der Generalversammlung und im Vorstand haben wie die Versicherten— die Arbeiter. Die Minderheit— der Storthing-Arbeiterrepräsentant und der Arzt — verlangt dagegen, daß die Arbeitgeber nur eine ihrer Anzahl entsprechende Vertretung erhalten und überhaupt nur ein Arbeit- geber dem Vorstande angehören darf. Der Vorstand soll in der Regel aus sechs Mitgliedern bestehen, wovon die Hälfte aus den Kreisen der Versicherten zu wählen ist. Die Kommune soll nach beiden Vorschlägen zwei Vertreter im Vorstande erhalten. Auch auf den Generalversammlungen soll die Kommune eine Vertretung erhalten, da sie nicht nur Beiträge leisten, sondern auch die Ver- antwortlichkcit für die Kasse übernehmen soll. An der Spitze sämtlicher Bezirkskassen steht die Nrichskrankenkassc als kontrol- lierende und verwaltende Zentralbehörde. Die Verwaltungskosten derselben trägt der Staat. Eine Voraussetzung, aber keine Bedingung der Krankender- sicherung ist freie Aerzlewahl. Der Vorstand soll außer der ge- schäftlichen Leitung und Verwaltung der Kassen Uebereinkünfte mit Aerzten, Apotheken, Krankenhäusern u. s. f. treffen und ebenso Klagen über diese behandeln. Als Unterstützung soll in erster Linie freie ärztliche BeHand- lung gewährt werden und bei Arbeitsverlust ein Krankengeld in der Höhe von 69 Prozent des mittleren Tagelohnes, ebenso Be- gräbnisgeld, jedoch nicht über 59 Kronen. Weibliche Mitglieder sollen bei Geburten 4 Wochen Krankengeld und eventuelle ärztliche Hilfe erhalten. Die Unterstützungsberechtigung erstreckt sich auch auf die Ehefrau eines Mitgliedes und dessen Kinder unter fünf- zehn Jahren? in diesem Falle sichert die Kasse jedoch nur freien Arzt. Medizin soll, mit Ausnahme der notwendigen Medizin in chirurgischen Fällen, nicht gewährt werden, kann aber— sowie zahnärztliche Behandlung— bei Zuschlagsprämie gesichert werden. Anstatt freier ärztlicher Behandlung im Hause kann einem Mit- gliede freier Aufenthalt und Verpflegung im Krankenhause ge- währt werden. Dasselbe gilt auch für Frau und Kinder, insofern keine verantwortliche Behandlung im Hause möglich ist. Die Dauer der sämtlichen Unterstützungen sind auf 26 Wochen vor- gesehen. Eine Karrenzzeit von drei Tagen schlägt leider der Eni- Wurf vor. Eine wichtige Bestimmung zum Vorteile der unfallversiche- rungspflichtigen Arbeitgeber enthält der Entlvurf. Nach dem nor- wegischen Unfallversicherungsgesetze sind die Arbeitgeber ver- pflichtet, bei einem Unfälle sämtliche Kosten und Lohn während der ersten vier Wochen dem verunglückten Arbeiter zu zahlen, falls derselbe nicht Mitglied einer Krankenkasse ist. Durch Einführung der öffentlichen Krankenversicherung wird der Arbeitgeber dieser Pflicht enthoben und die Krankenkasse leistet nur die gewöhnliche Unterstützung. Eine Minderheit— der Arbeitcrabgeordnete— will, daß die Kassen nur die ersten vier Wochen Unterstützungen leisten, während der Arzt 13 Wochen wie in Deutschland vor- schlägt. Die Einnahmen der Bezirkskassen sollen wie folgt reguliert werden: vcrsicherungspflichlige Mitglieder bezahlen sechs Zehntel, Arbeitgeber ein Zehntel, die Kommune ein Zehntel und der Staat zwei Zehntel. In Deutschland bezahlen, wie bekannt, die Arbeit- geber ein Drittel, aber Staat und Kommune nichts. Die Kom- mune soll aber im weiteren auch die Kosten für notwendige Loka- litäten für Vorstandssitzungen, Versammlungen und Wahlen tragen. Die freiwilligen Mitglieder sollen sieben Zehntel der Ge- samtkostcn tragen, während Staat und Kommune den Rest über- nimmt. Ein Teil— höchstens ein Viertel— des Staatsbeitrages soll als Rcgulierungsfonds abgesetzt werden, der zur Ausgleichung oder Deckung von Unterbilanzen angewandt werden soll. Der Rest des Staatsbcitrages wird gleich und direkt den Kassen aus- gezahlt. Jede Bezirkskasse soll einen Reservefonds für unvorher- gesehene Ausgaben anlegen. Als einmalige Ausgabe soll der Staat im weiteren 225 999 Kr. für Organisation der Kassen bezahlen. Ob die bereits bestehenden Krankenkassen— private, kommu« nale, gewerkschaftliche— ihre bisherige Tätigkeit fortsetzen können, soll von bestimmten Voraussetzungen abhängen. Als Minimal. leistungen dieser Kassen gelten die Unterstützungsbedingungen der staatlichen Krankenkasse. Keine Kasse— kommunale und Betriebs- lassen ausgenommen— soll in Zukunft anerkannt werden können, welche nicht mindestens 299 Mitglieder zählt. Die Kontrolle dieser Kassen liegt der Reichskrankenkasse ob. Aber auch zu diesen Kassen soll sowohl Staat und Kommune wie Arbeitgeber, der letzte jedoch nur für versicherungspflichtige Mitglieder, Beiträge zahlen. In diesem Falle soll der Staat zwei Kronen für jedes Mitglied pro Jahr bezahlen, Kommune und Arbeitgeber jedoch nur eine Krone. Für Erledigung von Streitfällen sind genaue Bestimmungen ausgearbeitet, ebenso über alle Verpflichtungen und Rechte� der Versicherten, der Arbeitgeber und Kassenbeamten. Die Schieds- geeichte sollen aus drei Mitgliedern bestehen: einem Arbeitgeber, einem Arbeiter und einem Gemeinderatsmitglied. Nach diesem Gesetzentwurfe würde Norwegen 499 999 ver- sicherungspflichtige Hauptpersonen aufweisen. Freiwillige kann man vorläufig auf zirka 59 999 Hauptpersonen rechnen. Dazu kommen aber noch 189 999 Ehefrauen mit 369 999 Kindern unter 15 Jahren. Die gesamte Versicherung würde somit gegen eine Million Menschen oder beinahe 59 Prozent der gesamten Bevöl- kerung umfassen. Die Unkosten dieser Versicherung nach oben genannten Be- rechnungen betragen zirka GVi Mill. Kronen; davon sollen die Ver» sicherten zirka 4 Millionen Kronen oder zirka 9 Kronen pro Mit- glied per Jahr bezahlen. Dies entspricht einem Wochenbeitrage von zirka 18 Oere— 29 Pfg. Die Arbeitgeber sollen über 699 999 Kronen bezahlen, die Kommunen zirka 675 999 Kronen und der Staat zirka 1359 999 Kronen plus Ausgaben für die Zentralver- waltung. Die ganze Prämie, inklusive Zuschüsse des Staates, der Kom- munen und der Arbeitgeber plus Administration ist auf 15 Kronen pro Mitglied angeschlagen pro Jahr! Infolge dieses Gesetzentwurfs würde die jetzige ReichSversiche- rungsanstalt, die sich nur mit Unsallversicherung befaßt, teilweise anders organisiert werden müssen, indem nun beide Versicheruugs- zweige unter eine Oberleitung gelegt werden sollen. Die Reichs- krankenkassc und die Reichs-UnsallversicherungSkaffe(die jetzige Rcichsversicherungsanstalt) sollen zwei parallele Versicherungskasscn bilden, die unter geineinsainer Oberleitung— Reichsversicherungs« Verwaltung— mit juridischer und administrativer Macht stehen. Die Koalitionsfreiheit und die technischen Angestellten. Die öffentliche Versammlung, die der Bund der technisch- industriellen Beamten nach den Sophiensälen einberufen hatte, war sehr zahlreich besucht und füllte den großen Saal samt den Galerien. Der Referent Ingenieur Lüdemann schilderte zu- nächst die Grundsätze und die EntWickelung des Bundes, der, wie der Redner ausführte, nach dem glänzenden Borbild der Lohn- arbeiter die Verbesserung der Lebenslage seiner Mitglieder er- strebt, an Stelle der Alleinherrschaft der Unternehmer ein kon- stitutionelles Fabriksystem einführen will, soziale Forderungen, wie namentlich auch die Abschaffung der Konkurrenzklausel, zu verwirklichen sucht, aber seine Ziele vor allem durch VerHand- lungen mit den Unternehmern zu erreichen trachtet. Mit Ent» rüstung äußerte sich der Redner über das bekannte Rundschreiben des Verbandes bayerischer Metallindustriellen, in dem er insofern auch einen Treubruch erblickt, als am 26. Mai durch Verhand- lungen mit der Generaldirektion der Augsburger Maschinenfabrik, an denen der Redner als Vertreter des Bundes teilnahm, eine Einigung erzielt worden war, wonach die 29 organisierten Angc- stellten angedrohte Entlassung vorläufig rückgängig gemacht wurde. Der Generaldirektor G u g g e n he i m e r ist die treibende Kraft im Vorstand jenes Verbandes, der am 3. Juni durch das Rund- schreiben zur Maßregelung der im Bund und der in 4 Handlungs- gehilfenverbänden organisierten Angestellten aufforderte. Als die Generaldirektion darüber zur Rede gestellt wurde, erhielten die Bundesmitglieder nach allerlei anderen Ausflüchten die Antwort, die verwerflichen Tendenzen des Bundes wären dadurch festgestellt, daß der Bund auf einen einzelne zu gehen kann schließlich unsere Sache viel weniger sein als dem Leser eine weitere Befreundung mit diesen Versuchen einer ästhetischen Sommerkultur zu empfehlen. Ehren wir guten Willen, so mehren wir hoffentlich auch gutes Können. sz. Humor und Satire. — Ein glatter Handel. Leopold zum alten Heuchler Uncle Sam: Beschäftigen Sie sich, bitte, nicht mit dem, was hinter der Tür sich abspielt, und wenn Sie Gewissensbisse haben, seien Sie ohne Sorge: ich will Kautschuk genug fyr ein elastisches Ge- wissen liefern. — Verfehlte Predigt. Der Missionar: Christus hat gesagt: Eure linke Hand soll nicht wissen, was die rechte tut.— Der Eingeborene: Den Neger geht das nichts an. Hier im Dorf hat kein Mensch mehr eine rechte Hand. — Nach der Untersuchung. Leopold, im Bericht lesend: „Am 17. Juni wurden in Si' Sanyo sechzig Frauen gekreuzigt." „Was für die Verrücktheit. Ich will doch nicht, daß man mit der Religion seinen Spott treibe." (I-'�ssiötts au beurre: Der freie Kongo-Kirchhof.) Notizen. — Wie alt sind die Stahlfedern? Diese Frage ge- stattet eine von Herrn v. Fürth herausgegebene Geschichte Aachener Patrizierfamilien genau zu beantworten. Während in England, das vielfach für das Ursprungsland der Stahlfedern gilt, erst 1898 das erste Patent auf Metallfedern genomnien wurde, wurden nach den Aufzeichnungen des Aachener Bürgermeistereidieners Janssen von diesem bereits 1748 zur Zeit des Aachener Kongresses„stahlene Federn' hergestellt und verkauft. Sie waren freilich damals ein Luxusartikel und teuer genug. — Visitenkarten mit Stadtplänen. Loirdon ist jetzt so groß, das Labyrinth seiner Straßen und Plätze ist so kompliziert und die Namen der Straßen wiederholen sich selbst in nahe beieinander gelegenen Ortschaften so häufig, daß viele Be- wohner der Riesenstadt, um etwaigen Besuchern Irrungen und Wirrungen und Zeitverlust zu ersparen, in neuerer Zeit auf die Rückseite ihrer Visitenkarten pud auf ihre Briefbogen einen kleine» Stadtplan drucken lassen, auf welchem genau ihre Wohnung und die angrenzenden Straßen angegeben sind; die nachgebildeten Straßen- züge führen gewöhnlich bis zu einem Punkte, von dem ans man sich leicht zurechtfinden kann, bis zu einem Denkmal, einer Unter- grundbahnstation, einem öffentlichen Gebäude usw. — Schlechter Robbenschlag. Im Jahre 1997 ist, wie der„Zoologist" mitteilt, das Ergebnis des Robbenschlages überaus schlecht gewesen. Ungünstige Wcttervcrhältnisse und außerordentlich starkes Packeis schädigten die Ausbeute sehr. Zwei von den vier- undzwanzig ausgesandten Schiffen gingen verloren und die Zahl der erbeuteten Felle blieb um 199 909 gegen das Vorjahr zurück, was einen, Geldschaden von etwa 690 099 M. entspricht. Insgesamt wurde fast eine Viertelmillion Robben getötet. kleines Feuilleton. Aus dem Rechtsleben der Herero. Das Recht der Herero geigt noch starke Spuren früheren Mutterrechts, besonders im Erbrecht. auf dessen verwickelte Bestimmungen hier aber nicht näher einge- gangen werden kann. Doch auch im sonstigen Familienrecht finden sich noch einige Anklänge. So steht die Mutter in hohen Ehren und bei ihren Tränen und ihrer Haube schwört der Herero. Der mütterliche Oheim vertritt die Stelle des Vormundes und die mütterliche Tante wird Mutter genannt und behandelt Neffen und Nichten auch wie eigene Kinder. Die Namengebung erfolgt, je nach der stärkeren oder schwächeren EntWickelung des Kindes in der ersten bis sechsten Woche nach der Geburt. Das Kind wird zu diesem Zlveck von der Mutter zu dem„heiligen Feuer" ge- tragen, wo es vom Vater sodann mit Fett eingerieben wird und nach irgend einem dem Moment der Geburt begleitenden Zufall oder einer Naturerscheinung, manchmal auch nach dem Namen eines Ahnen seinen Namen erhält. Geburt von Zwillingen, die sonst bei den Naturvölkern in der Regel als Unglück bedeutend ange- sehen wird und meistens zur Tötung von Mutter und Kinder» sührt. ist bei den Herero ein sehr einträgliches Geschäft, da der Vater berechtigt ist, durch Umherziehen im ganzen Lande eine Art Zwillingssteuer i» Vieh zu erheben. Nach verschiedenen religiösen Zeremonien, der Beschneidung, der Zahuweihe und der Haarweihe, werden öbnaben und Mädchen etwa im Alter von 11 bis 14 Jahren volljährig und damit auch ehemündig. Verlobungen finden auch schon vorher vielfach statt. Die Ehe ist wie fast überall bei den Bantustäimnen Kau sehe, und Polygamie ist erlaubt. Faktisch herrscht aber in der Regel Monogamie, da die meisten Herero ihrer Armut wegen sich den Luxus von mehreren Frauen nicht gestatten tonnen. Die Ehe wird von den Eltern geschloffen, die Kinder haben leine freie Wahl. Der Kaufpreis besteht meistens aus einigen Rindern und Schafen. Die Ehefrau kann über ihr Vermögen, das sie von ihren Verwandten oder ihrem Gatten geschenkt erhalten lat, frei verfügen, doch ist sie im übrigen vollkommen Sklavin des Mannes, der sie nur nicht töten darf. Dagegen kann er sie aus- leihen oder vielmehr vermieten, da er dasür Entgelt erhält, was insbesondere Europäern gegenüber geschicht. Trotzdem werden die Frauen aber selten mißhandelt und ihr Einfluß auf die Männer ist nicht zu unterschätzen. Ehescheidung ist sehr leicht. Der Mann kann seine Gattin, die ihm nicht mehr behagt, verstoßen, die Frau den Mann, der ihr mißfällt, verlassen. Das Vermögensrecht ist wenig entwickelt. Eigentum an Grund und Boden ist unbekannt. Jeder kann bauen, weiden, jagen und graben, wo es ihm beliebt. Bewegliche Sachen kann sich jeder an- eignen, wo er sie findet, sie werden dadurch freies Eigentum. Dem Vieh werden vielfach besondere Eigeutumszeichen in das Ohr oder das Horn geschnitten. Nicht nur Sache», sondern auch Mcuschen lonncii verpfändet werden. Kauf und Tausch sind wenig entwickelt, ausgedehnt dagegen das Institut der Leihe. Selbst ohne vorher eingeholte Gcnehuriguiig der Eigentümer hält man sich für befugt, Milchvieh, notwendige Kleidungsstücke und überlwupt Sachen» die ich nicht in pepschlMenen Kästen femckn* zu leihen." Blutrache und Strafrccht der in den Häuptlingen verkörperten Obrigkeit, also staatliches Strafrecht, bestehen nebeneinander. Die Blutrache geschieht von Stamm zu Stamm, von Familie zu Familie, manchmal auch nur durch Wegnahme von Vieh. Viel- fach werden Mord und Totschlag auch als Klagesache vor das Häuptlingsgericht gebracht, doch schoint das Rechtsbewußtsein des Volkes die Blutrache als berechtigt anzusehen. Ablösung der Blut- räche durch ein Wehrgeld ist möglich und kommt nicht selten bor. Die vom Häuptling verhängten Strafen sind in der Regel Ver- mögensstrafen; mit dem Tode werden nur unverbesserliche Diebe und Zauberer bestraft Musik. Die Morwitz-Oper ist nun bereits seit vielen Jahren unser ständiger Sommergast. Arm am Beutel, aber gesund an, Herzen, gibt sie sich redliche Mühe, weiteren Kreisen eine Auswahl des be- währten OpernrcpertoirS darzubieten. Sonnabend, den 13. ds. Mts. ist sie wieder in die Räume des östlichen Schiller-Theaters ein- gezogen. Mit Donizettis„Regimentstochter" und mit Mey erbeers „ A frik a n e r i n" bestreitet die Direktion den ersten Abschnitt ihrer jetzigen Tätigkeit. Unsere Stichprobe wählte die Aufführung der zweitgenannten Oper am Dienstag. Vor 43 Jahren als hinter- lasseneS Werk des kurz vorher gestorbenen Koinpouisten zum ersten- mal aufgeführt, ragt sie in eine Zeit herein, die längst über Meyer- beer den Stab so bricht, wie es Richard Wagner im ersten Teile seiner Schrift„Oper und Drama" mit seiner einseitigen Gründlichkeit getan hat. Wo sitzt nun eigentlich das Unheil? Wir finden es nicht, wenn wir mit unserer Antwort bei der Musik— wohl aber, wenn wir mit ihr beim Texte beginnen. E. S c r i e b c, der große Pariser Theaterstückmann, faßt mit dem Griffe seiner sicheren Routine einen Stoff, der in eines Dichters Hand ebenso zu Gold werden kann, wie er hier zu Blech wird. Die Affäre des portugiesischen Seehelden Vasco de Eama mit einer für ihn sterbenden indischen Sklavin Sclica halten wir dem dramatischen Geschehen gegenüber, das uns der Text etwa von Beethovens „Fidelis" oder von Webers„Freischütz" vorführt. So viel Inner- liches hier, so viel Aeußerliches dort! Dann vergleichen wir die Musik zur„Afrikaner in" etwa mit der zur„Regiments- tochter". So viel leichtfertige Mache bei Donizetti, so viel solide Durcharbeitung bei Meherbeer. Man hat bald heraus, wie er des Orchesters Meister ist, wie er in milden und vollen und doch auch wieder zurückhaltenden Tonkombinationen den, Texte folgt, der ihm nur wenig echte Herzensklänge möglich macht, und wie er sich dann in Spielereien mit dudelndem Gesang, mit aparten Flöten- gängen und dergleichen verliert. Daß unsere Gäste schon mit ihrem schwachen Orchester, d. h. mit 13 Streichern, aller Nachsicht bedürfen, ist leicht zu merken. Daß die Hauptdarstellerin, die hier bereits bewährte Margarete P ö n i g, ihr gut dramatisches Spiel mit einer GesangSkuust verbindet, der nur noch ein weicherer Klang der höchsten Töne fehlt, haben wir eben- falls bald heraus. Und iveim wir die übrigen Künstler betrachten, so unterscheiden wir nicht allzu schwer manche gute Fülle der Stimm- anlage von manchen UngeWcklichleitrn in ihrer Verwertung. Ins «rtikel htt„Post" keine Widerlegung veröffentlicht habe. Merl- würdig ist es nun. dah das Rundschreiben just am selbe» Tage erlassen wurde, als der„Post"-Artikel erschien, man also eine Widerlegung gar nicht abwartete, und ebenso merkwürdig ist es, dah die AuSzüge aus Publikationen des Bundes, die die„Post" in ihren Artikeln gegen den Bund verwegdet. just dieselben Entstellungen enthalten wie die Abschriften, mit denen die Generaldirektion bei den Verhandlungen operierte.— Ter Referent legte großen Wert darauf, daß durch die Gesetzgebung ein wirklicher Schutz des Koalitionsrechtes der Arbeiter und Angestellten ge- schaffen werde, und diese Forderung wird denn auch in der Reso- lution besonders betont, die im übrigen den schärfsten Protest der annähernd 1000 versammelten Privatangestellten gegen das Vor- gehen des Verbandes bayerischer Metallindustriellen enthält. An das Referat schloß sich eine lange Diskussion, die bis Uhr dauerte und an der die auf Einladung des Bundes er- schienenen Gäste regen Anteil nahmen. Von unseren Parteigenossen sprachen die Reichstagsabgeordneten Robert Schmidt und Rechts- anwalt Heine, ferner Schriftsteller Julian Borchardt. Ge- nosse Schmidt bekundete den Angestellten seine rege Anteilnahme an ihrem Kampfe für die Koalitionsfreiheit und die gewerkschaft- lichen Ziele ihrer Organisation, machte sie auf die Klassengegensätze wie darauf aufmerksam, daß bloße Proteste auf die Dauer schwer- lich etwas nützen, sich immer wieder neue Konflikte mit den Unternehmern ergeben würden und der Bund deshalb wie die Arbeiterorganisationen zum Kampf gerüstet sein müsse. Der Redner wies auch darauf hin, daß von der jetzigen Regierung, die ja den Staatsbeamten und Staatsange- stellten selbst aufs strengste verbietet, sich irgendwie zu organi- sieren, kein irgendwie wirksamer Schutz de? Koalitionsrechtes zu erwarten ist, und ebensowenig von den Parlamentsvertretern des Unternehmertums, das ja naturgemäß nur seine eigenen Jnter- essen wahrnimmt. Der nächste Redner war Dr. B r e i t s ch e i d, der die Bundes- Mitglieder aufforderte, ihre gewerkschaftliche Organisation bis zu den letzten Konsequenzen im Sinne der modernen Arbeiterbewegung durchzuführen und da? laue Verhalten gewisser Parteien und Politiker in der Frage der Koalitionsfreiheit bedauerte. Sodann teilte ein Mitglied des Bundesvorstandes mit, daß der Vorstand beschlossen hat, eine Maßregelungsunterstützung in der Höhe von zwei Dritteln des Gehalts an ledige, von drei Vierteln des Gehalts nebst Zuschlägen für die Kinder an verheiratete Mit- glieder zu zahlen, und daß, um das Solidaritätsgefühl unter der Kollegenschaft zu stärken, dafür 3 Monate lang eine Extrastcuer in der Höhe des Monatsbeitrages erhoben werden soll. Echt„nationallibcrale" Ausführungen machte der sich„jung- liberal" nennende Regierungsrat Dr. P ö n s g e n. Er suchte den Anwesenden weißzumachen, wer heute noch Angestellter sei, könne morgen schon Unternehmer sein. Es käme auch gar nicht darauf an, welcher politischen Partei sich die Privatbcamten anschlössen, nur sollten sie innerhalb der betreffenden Partei ihren Interessen Geltung verschaffen. Demgegenüber legte Genosse Wolfgang Heine dar, wie die Angestellten mit akademischer Bildung vielfach noch mehr Unterdrückung und Knechtschaft zu erdulden haben als die stark organisierten Lohnarbeiter, und wie die Unternehmer, denen in ihrem eingebildeten Herrenmenschen- tum alle moralischen Erwägungen für die Katz sind, völlige Unter- werfung von ihnen fordern. Die Privatbeamten sollten aber gründlich erwägen, welche Partei ihre Rechte wirksam vertritt und beachten, was die Vertreter der Parteien im Parlament sagen werden. Genosse Julian Borchardt erklärte, daß die Privat- beamten, die auch nur einigermaßen. mit den Verhältnissen bekannt seien, gar nicht abwarten brauchten, was die verschiedenen Parla- mentsvertreter sagen werden, sondern von vornherein wissen müßten, daß es eben nur die Sozialdemokratie ist, die energisch für die Interessen der Angestellten wie Arbeiter kämpft, während die bürgerlichen Parteien, wie eS nicht anders sein kann, für das Unternehmerinteresse eintreten. Hätten jene 6 Organisationen ihre �300 000 Mitglieder beizeiten über die Klassengegensätze aufgeklärt und zum Kampf gerüstet dagestanden, die Mctallindustriellen würden keine Lust gezeigt haben, mit ihnen anzubinden. Gegenüber dem Bestreben unserer Genossen, den Anwesenden die Grundbegriffe des Klassenkampfes klarzumachen, suchte ein Ingenieur die Fabel von Jnteressenharmonie zu vertreten, wurde aber bald durch allgemeine Unruhe und Schlußrufe zum Schweigen gebracht. Im Laufe der Diskussion gaben Vertreter verschiedener Or- aanisationen Sympathie- und Solidaritätserklärungen ab, so vom Technikerverband, vom Verband der Maschinenbauwerkmeister und vom Verband der kunstgewerblichen Zeichner. » Eine in den Germaniasälen einberufene Versammlung war ebenfalls sehr stark besucht und nahm einen ähnlichen Verlauf. Die in beiden Versammlungen angenommene Resolution lautet: „Die am 13. Juni 1S08 in den Germania, und Sophiensälen aus Einladung des Bundes der technisch-industriellen Beamten versammelten Privatangestellten Grotz-Berlins erheben schärfsten Protest gegen den Hinterhaltigen Eingriff de» PerbandeS bayeri- scher Metallindustrieller in das gesetzlich verbürgte Koalitionsrecht. Sie fordern die gesamten Privatangestellten Deutschlands auf, sich zur energischen Abwehr der gegen die Verbesserung der Standes- Verhaltnisse gerichteten Angriffe zusammenzuschließen und Schulter an Schulter in den Kampf um das Recht der Koalition einzutreten. Von den gesetzgebenden Faktoren erwartet die Versammlung, daß sie nunmehr mit größter Beschleunigung dafür sorgen werden, daß die Verhinderung am gesetzmäßigen Gebrauch der Koalitionsfrei- heit unter Strafe gestellt wird. Der Presse, die sich der bedrohten Angestellten in so einmütiger Weise angenommen hat, spricht sie dafür ihren herzlichsten Dank aus und bittet sie, ihnen auch ferner- hin helfen und fördernd�zur Seite zu stehen." s.# ' In einer imposanten DcmonstrationSversammlung in Rürn- berg protestierten 2000 Angestellte der Industrie gegen den Erlaß d«S Bayerischen JndustriellenverbandeS, der die brutale Entlassung der Angehörigen der Berufsorganisationen der Bureauangestellten, Techniker, Ingenieure usw. forderte. Alle Redner bezeichneten den Erlaß als einen Schlag ins Wasser, der die Privatbeamten endlich aufgerüttelt und sie in Massen den Organisationen zugeführt habe. Referent Professor Hummel- Karlsruhe erklärte, der Erlaß werde eine Epoche bilden in der Geschichte der beut- scheu Arbeiterbewegung, denn auch in den geistigen Arbeitern sei nun der Gedanke erwacht: Nicht mehr getrennt marschieren, sondern immer vereint zu schlagen. Aus allen Teilen Deutschlands liefen Telegramme ein, worin die Privatbeamten den Berufsgenossen Bayerns im Kampfe gegen den Bayerischen Metallindustriellenverband moralische' und finanzielle Unterstützung zusichern. Im Laufe der Versammlung sandten die Metallindustriellen das untey' folgende Schreiben. Dieses Schreiben wurde allgemein als Komödie bezeichnet. Der im Namen der sozialdemokratischen Partei sprechende Abg. Dr. Süßheim wurde mit stürmischem Beifall empfangen. Der Sekretär Osterkorn der Jungliberalen schüttelte den früheren Führer König, der den Erlaß unterzeichnet hat, ab. Ein neuer UkaS. Der Verband der Metallindustriellen hält eS anscheinend auS taktischen Gründen für gut, etwas Oel auf die Wogen hxx Erregung auszugießen, wie folgendes Schreiben kustdgibt� Verband bayerischer Meiallindustriellen. Nürnberg, 16. Juni 1908. Der Beschluß vom 21. Mai 1908 und die an die Mitglieder hinausgcgebene Warnung vor den Angehörigen der im Schreiben vom 3. Juni 1908 bezeichneten Verbände beruht nach lieber- zeugung des Vorstandes auf einer reiflichen Prüfung der Tendenzen der einzelnen Verbände auf Grund vorliegender Aeußerungen derselben. Mittlerweile ist von verschiedenster Seite dem Vorstand Material erbracht worden, welches denselben veranlaßt, in eine wiederholte Prüfung der Frage einzutreten und bis zu deren Erledigung seinen Mitgliedern einen Aufschub im Vollzug des Rundschreibens vom 3. Juni 1908 z u empfehlen. Der Vorstand wird gleichzeitig den im Rundschreiben be- zeichneten Verbänden Gelegenheit geben, über ihre p r i n- zipielle Stellungnahme dem Arbeitgeber gegenüber sich zu äußern und allenfalsige irrige Ansichten hierüber zu berichtigen. Bemerkt wird, daß der Technikerverband in den Be- schluß vom 21. Juni 1908 niemals mit einbezogen war. T«r Vorstand des Verbandes bayerischer Metallindustrieller. I. B. gez.: Nerz, 2. Vorsitzender. Ich habe der heutigen Sitzung nicht angewohnt, erkläre aber zu dem vorstehenden Beschluß mein Einverständnis. gez. Dr. A. Rieppel, 1. Vorsitzender. Entweder die Verbände kriechen zu Kreuze, oder eS handelt sich tatsächlich nur um einen Aufschub der Maßregelung. Viel- leicht erwägt man nur, ob eS nicht besser ist, mit der heimlichen Feme das Strafgericht über die Angestellten hereinbrechen zu lassen._ III. Gevtralvtrsmnlllmg des Zkutraloerbaudes der Schuhmacher Deutschlands. Gotha, 13. Juni 1908. Im festlich geschmückten Saale des VolkshauseS eröffnet Simon- Nürnberg als Vorsitzender des Verbandes die General- Versammlung. Als Vertreter des österreichischen Schuhmacherverbandes ist Müller- Wien erschienen; der schweizerische Schuhmacherverband ist durch Z i n n e r- Winterthur vertreten. Zinner nahm in den achtziger Jahre bereits lebhaften Anteil an der Schuhmacher- bewegung. Da er österreichischer Staatsangehöriger war, wurde er im Jahre 1886— zur Zeit des Sozialistengesetzes— als lästiger Ausländer auS Gotha ausgewiesen. Jetzt ist Zinner Bürger der Schweiz. Der Kollege Bock hatte darum nachgesucht, Zinner für die Tagung der Generalversammlung der Schuhmacher Deutschlands in Gotha den Aufenthalt zu gestatten. Das ist zwar geschehen, das Schriftstück der gothaischen Regierung ist aber ein neues Kennzeichen für die Kulturhöhe Deutschlands, und muß dasselbe daher der Nachwelt erhalten bleiben. Es lautet wörtlich: Abschrift. Stadtrat zu Gotha. Herzogl. Sächsisches Staatsministerium A. II. 2960, zu 3026 II. Gotha, den 4. Juni 1908. Anlage: Akten. Auf ein Gesuch des Wilhelm Bock in Gotha ist beschlossen worden, dem Journalisten Dionis Zinner einen mehrtägigen Aufenthalt vom 12.— 25. Juni 1908 in der Stadt Gotha unter der Bedingung zu gestatten, daß er in keiner Weise«ine politische oder sozialistische Agitation entfalte. Der Stadtrat hat den Wilhelm Bock hiervon in Kenntnis zu setzen und ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß Zinner sofort ausgewiesen werde, wenn er agita- torisch tätig wird. z. An den Stadtrat, hier, I. N. 3026.• In Abschrift an Herrn Wilhelm Bock Hier, Sonneborner Straße 18. Als Vorsitzende werden Simon- Nürnberg und Markus- Kassel, als Schriftführer Lex- Stuttgart, Kluß- Kiel, T i e tz e- Berlin, S o I d m a n n- Schweinfurt, Demberger- Weißenfels, Rohleder- Schmölln, WeikerS- Halle und Finkheimer- Bremen gewählt. Die Präsenzliste ergibt die Anwesenheit von 64 Delegierten, 9 Gauleitern, 3 Vorstandsmitgliedern, 1 Mitglied deS Ausschusses und 1 Redakteur des FachblatteS, des siebzigjährigen alten Veteranen und früheren Vorsitzenden S i e b e r t- Nürnberg, K n o l l» Berlin als Vertreter der Generalkommission. Nach Erledigung einiger Formalitäten erstattet der Vor- sitzende Simon- Nürnberg Bericht. Der Mitgliederbestand hat sich in den beiden letzten Jahren wie folgt gestaltet: Zahl der Mitglieder am Schlüsse des 4. Quartals 1905: 28 546; eingetreten in der Berichtsperiode 29 965; zusammen 58 511. Ausgetreten und aus- geschlossen 20 353; Zahl der Mitglieder am Schlüsse des 4. Quartals 1907: 38 158. Demnach ist in der zweijährigen Berichtsperiode eine Mitgliederzunahme von 96l2 zu verzeichnen. Der christliche Lederarbeiterverband hat etwa 4441 Mitglieder, der Hirfch-Dunckerfche Verband dürste noch etwa 5300 Schuhmacher als Mitglieder zählen, während die Gelben in der Schuhbranche fast vollständig verschwunden sind. Wo bisher der Versuch gemacht wurde, die gelbe Organi- sation zu Nutz und Frommen der Arbeitgeber zu gründen, haben sie nach einiger Zeit schmählich Schiffbruch erlitten. In Burg bei Magdeburg haben wir trotz des Fabrikantenvereins jetzt bei der Firma Tack u. Co. 1350 Mitglieder! Die Arbeitslosigkeit unter den Mitgliedern ist im Zunehmen begriffen. Während im März 1906 nur 142 Mitglieder arbeitslos waren, stieg die Zahl am 3l. Dezember 1906 aus 335 und am 31. Dezember 1907 auf 990, gleich 7,02 Proz. Noch in keiner Berichtsperiode war die Lohn- und Streik- bewegung eine so umfangreiche wie in der letzten. ES fanden statt in den Berichtsperioden: AngriffstreikS AbwehrstreikS M�Sttctf Zusammen 1898/99... 28 29 65 117 1900/01... 20 35 105 160 1902/03... 25 48 124 197 1904/06... 29 66 166 230 1906/07... 84 41 860 486 Insgesamt wurde in den beiden letzten Jahren erzielt: für 12 573 Personen 45996 Stunden Arbeitszeitver- k ü r z u n g und für 15 847 Personen 27 007 Mk. Lohn» erhöhung pro Woche. Diese Zahlen bilden einen Wertmesser für den Erfolg geWerk- schaftlicher Organisation. Die Gesamtkosten der Lohn- und Streik. bewegung betrugen in der Berichtsperiode 1906/07 3 39 8 37 Mk. Bei den Lohnbewegungen hat eS sich gezeigt, daß die Christlichen oft die größten Schwierigkeiten bereiten. Die Jugend darf nicht von der Organisation abgesondert werden. Pflicht der älteren Kollegen muß eS sein, die jungen Kollegen bei Spaziergängen, in Versammlungen usw. in der Naturwissenschaft zu belehren. Die luktuation der Mitglieder ist zwar noch groß, ist aber in der bnahme begriffen. Hoffen wir— so schließt Redner—, daß die Aroeiten der Generalversammlung abermals dazu beitragen, weitere Fortschritte im Interesse der Kollegenschaft zu machen.(Beifall.) Den Kassenbericht erstattet der Kassierer R c u tz- Nürnberg. Die Gesamteinnahme und-Ausgabe bilanziert in den letzten zwei Jahren mit 1642 197.72 Mk. In den Ausgaben figurieren: für Arbeitslosenunterstützung 79 864,46 Mk., für Krankenunterstützung 256 591,61 Mk., für Reiseunterstützung 37 051,96 Mk., für Umzug?» Unterstützung 15 582,92 Mk.. für WöchnerinnenunterstützunA 6928,— Marl, für Notfallunterstützung 3927,02 Mk., für Unterstützung jn Sterbefällen 12 471,— Mk., für MaßregelungSunferstützung 8530,71 Mark, für Rechtsschutz 3566,28 Mr., für Streikunterstützung 290 472.88 Mk.• Der Kassenbcstand betrug am Schlüsse 1907 in der Haupt- kasse 439 640,80 Mk.> G r u n o w- Breslau: Der Bericht des Vorstandes ist allgemein befriedigend. Die Agitation in Schl sien wird besonders gehemmt durch die grotzpolnische Bewegung. Jugendliche kommen hier fast nicht in Frage. Die gewerkschaftlichen Unterrichtskurse in Berlin, woran Redner teilgenommen, können in der jetzigen Form nicht den gewünschten Erfolg zeitigen. Sechs Vorträge an einem Tage sind nicht zu verdauen. Legiens Vorträge müßten gedruckt und dann verbreitet werden. Hölter mann-Pirmasens: Die Christlichen stellten daS Verlangen, auch dort zur Beratung hinzugezogen zu werden, wo sie überhaupt keine Mitglieder hatten. S t a a b- Potsdam" fragt an, ob diejengen organisierten Kollegen, welche als Hilfskellner im Nebenerwerb teilweise tätig sind, auch noch der Organisation der Gastwirtsgehilfen angehören müssen, welche Frage von K n o l l- Berlin als Vertreter der Gcneralkommission im bejahenden Sinne beantwortet wird. Müll er- Wien schildert in längeren Ausführungen die Organisationsverhältnisse der österreichischen Kollegen und stattet der deutschen Organisation den Dank für gewährte finanzielle Hilfe ab. H olzh au s e n- Hamburg: Die Mittel für weitere Be- schickung der gewerkschaftlichen Unterrichtskurse können wir nicht bewilligen. Lcx-Stuttgart: Den christlichen Gewerkschaften gegenüber sind wir von Anfang an viel zu entgegenkommend gewesen. Die Ansicht Simons über die Ausbildung und Belehrung der Jugend- lichen teile ich. Die gewerkschaftlichen Kurse haben wenig Wert. Die Schule des praktischen Lebens ist die beste. B e n d i g- Berlin: Pflicht deS Vorstandes ist es, den Zahl- stellen eine gemeinverständliche Darstellung der jetzigen Vereins- rechtlichen Bestimmungen zur Verfügung zu stellen. Finkheimer- Bremen: Die gewerkschaftlichen llnterrichrs- kurfe find für uns zwecklos. Gotha, 16. Juni 1908. H er r m an n- Nürnberg: Unsere Gewerkschaft darf sich der Pflicht nicht entziehen, für die politische Arbeiterbewegung Opfer zu bringen. Wir können es daher nur mit Freuden begrüßen, wenn unser Kollege Simon das Mandat als bayrischer Landtags- abgeordneter angenommen hat und sich demgemäß hervorragend der politischen Bewegung widmet. Allerdings darf dadurch in der Geschäftstätigkeit des Vorstandes keine Stockung eintreten. Leider ist dies heute teilweise der Fall. Es kommt noch der Umstand hinzu, daß das Vorstandsmitglied Kollege König auch zugleich Gau- lciter für Bayern ist. Letzterer kann infolgedessen auch nur teilweise seinen Posten im Bureau ausfüllen. Die einzelnen Beamten werden dadurch überlastet, worunter die Organisation leidet. Hier muß Abhilfe geschaffen werden. Für die nötigen Ersatzkräste müssen wir sorgen. ES dürfte sich empfehlen, eine siebengliedrige Kommission zu wählen, welche diese und ähnliche Fragen zu prüfen und eine entsprechende Vorlage zu machen hat. Jn der Frage der Beschickung der gewerkschaftlichen Unterrichtskurse herrschen im Vorstand Meinungsverschiedenheiten. Mir scheint diese Art der Ausbildung unserer Gewerkschaftsfunktionäre nicht die richtige. Die Hauptsache ist, in den einzelnen Ortschaften Einrichtungen zu treffen, wo unseren Funktionären Gelegenheit zur Ausbildung in den Elementarfächern gegeben wird. Schaffen wir eine solche Institution, so haben wir ganz erheblichen Nutzen.— Redner bespricht alsdann noch mehrere Fragen, welche in der Debatte berührt worden sind, die aber kein allgemeines Interesse haben. K n o l l- Berlin, Vertreter der Generalkommission, verteidigt die Institution der gewerkschaftlichen Unterrichtskurse und wendet sich in längeren Ausfuhrungen gegen die Ausführungen verschiedener Redner. Herrmann, so führt Redner aus, verkennt völlig die Auf- gaben dieser Kurse. Sie sollen den einzelnen Gewerkschafts- funktionären nur Gelegenheit geben, sich die nötige Sachkenntnis zur systematischen Bearbeitung der die Gewerkschaften inter- essierenden Fragen anzueignen. Gewiß sind noch Mängel vorhanden. Aber wo finden Sie eine so neue Institution ohne Mängel? Freilich ist die praktische Schul« des Lebens nach wie vor not- wendig. Unsere heutige Zeit verlangt aber gebildete Köpfe, zumal auch unsere Gegner juristisch äußerst geschulte Leute in ihren Diensten haben. Es beteiligt sich noch eine ganze Anzahl Reoner an der Diskussion. Neue Momente treten nicht hervor. Mehrere auf den Vorstandsbericht bezügliche Anträge werden teils durch An, nähme, teils durch Ablehnung oder Ueberweifung erledig Elfte Generalversammlung des Jelllralverbandes der Köttcher und Köttchkrei-Silfsarbtiter DellWands. Kassel, 15. Juni 1908. Vom ersten Verhandlungstage ist noch einiges nachzutragen: Der Vorsitzende Winkelmann erklärt, daß die Grenzstreitigkeiten mit dem Verbände der Brauer trotz der auf der Vorständekouferenz gefaßten Resolution nicht beseitigt sind. ES würde Aufgabe deS GewerlschastskongresieS sein, hier Wandel zu schaffen. Mit den Unter ftüvungSeinrichtungen dürfe der Verband nicht weiter gehen, als wie eS geschehen ist, und deshalb müssen alle diesbezüglichen Wünsche begraben werden, wenn nicht eine ziemliche Beitragserhöhung statlsindet. Jn kurzen Worten streift Redner die Verhandlungen des Kölner Gewerkschaftskongresses uud gibt der Meinung Ausdruck, daß die Anficht über de» Massenstreik heut im allgemeinen eine ganz andere ist, als wie zur Zeit der Kölner Tagung. Die Beschickung des Juternationalen Kongresses in Stutt- gart bezeichnet Wnilelmann als nutzbringend für die Organifatton. Auf Beschluß sollen dieselben auch in Zukunft beschickt werden. Nachdem der Kassierer Thierfelder noch einige Erläutc- rungeu zum Kassenbericht gegeben und festgestellt. daß das gesamte Vermögen 78 360,21 Mark beträgt, beantragt die Revisionskommission Entlastung für den Vorstand.— Die gestern für Agitation vermerkte Summe ist nicht richtig, da sich die Ziffern verschoben haben. Es muß heißen: für Agitation wurden 7145,00 verausgabt.— Der Bericht über die Tätigkeit des Ausschusses be- schäftigt sich nur mit inneren Verbandsangelegenheiten. Die Debatte über den gesamten Borstandsbericht gestaltet sich recht lebhast und zeitigt manche gute Anregung für die fernere Agitation. Eine Anfrage, warum die Generallommisfion nicht auf der Generalversammlung vertreten ist, wird im Schlußwort von W i n k e l m a n n dahin beantwortet, daß der Vorstand eS für selbstverständlich gehalten hat. daß die Gcneralkommission sich vertreten lassen würde. Aus diesem Grunde sei keine besondere Einladung erfolgt. Ulrich- Leipzig macht bemerkenswerte Ausführungen betreffs der Grenzstreitigkeilen. Redner glaubt, daß diese Erscheinungen durch die wirtschaftliche Entwickelung gefördert werden, da der Kampf zwischen Industrie- und Berufsverbänden immer mehr in den Vordergrund trete. 2. LerhandlungStag. Den BerichtiiberdaSVerbandSorgan gibt Redakteur Holtmann. Die Verbandszeitung, die aus den kleinsten Anfängen sich emporgearbeitet hat, erscheine heute in einer Auslage von 10 200 Exemplaren. DaS Organ verursachte in der letzten Geschäfts- Periode einen Kostenaufwand von 22 Pf. pro Kopf und Quartal. Jn der Geschäftsperiode wurden drei Anllagen gegen die Redaktion anhängig gemacht, die Verurteilung zu Geldstrafen im Gefolge hatten. G r ö g e r bedauert, daß die Zwistigkeiten zwischen dem Haupt- vorstand und einzelnen Kollegen IN Hamburg nicht in, Verbands- die Sigung wegen der bei der großen Hiße eingetretenen Erschöpfung der Prozeßbeteiligten abgebrochen werden. Zur Fortsetzung des Plädoyers des Dr. Alsberg und Entgegennahme des Plädoyers des Rechtsanwalts Hillebrand wurde hierauf die Sigung auf heute Donnerstag 9 Uhr vertagt. organ, sondern im Hamburger Echo" zum Austrag gelommen find; abgehalten, der von dem Weltberband der Frauen veranstaltet| Verführung Minderjähriger in vier Fällen und Sitt. es sei endlich Zeit, daß Ruhe zwischen Hamburg und Bremen ein wird. Die proletarischen Frauen haben natürlich nichts von diesem Lichfeitsverbrechens in einem Fall eine Gesamtstrafe von trete. Auch die Vorwärts"-Affäre wird bei dieser Gelegenheit Damentongreß zu erwarten. Zur Gröffnungsfeier hatte man Kinder 8 Jahren Buchthaus und 10 Jahren Ghrverlust. nochmals aufgerollt und die Haltung des Redakteurs zu dieser herangeholt, die Lieder singen mußten nicht etiva von Freiheit Nachdem Rechtsanwalt Dr. Isberg in 21stündigem Plädoyer Frage verurteilt. Umland Hamburg verlangt, die Generalver- und Gleichheit sondern zu Lob und Preis der Königin; 3, B. so: über die Schuldfrage des Angeklagten sich ausgelassen hatte, mußte fammlung solle flipp und klar erklären, daß sie mit der Haltung des Unser Niederland ist ein ehrlich Land, Redakteurs in dieser Frage nicht einverstanden ist und die damalige Sein Fürst ist eine Frau! Aeußerung über den Parteivorstand entschieden zurüdweist. Winkelmann Bremen findet die Monita gegen die Schreibweise des Redakteurs nicht ganz berechtigt und weist die Beschuldigungen energisch zurück. Zur eigenen Streitangelegenheit mit den Hamburger Kollegen will Redner fein weiteres Wort verlieren. Durch Schlußantrag wird die Debatte beendet und nimmt Redakteur Holtmann seinen damaligen Vorwurf gegen den Parteivorstand zurück. Es gelangen sodann die zu diesem Punkt gestellten Anträge zur Abstimmung und werden diese mit großer Mehrheit an genommen. Aus der Frauenbewegung. Damenwahlrecht. In den Sozialistischen Monatsheften" veröffentlicht Genoffin Wally Bepler einen Artikel über„ Wahlrecht", der bei vielen fozialistisch gesinnten Frauen starken Widerspruch hervorrufen wird. Genoffin Bepler verweist auf den Wahlrechtskampf der englischen bürgerlichen Frauen und gibt der Erwartung Ausdrud, daß die Wahlreformbill, die Premierminister Asquith in Aussicht gestellt hat, herauskommen und Gesetzeskraft erlangen wird. Und sie will glauben machen, damit sei ein großer Fortschritt erzielt. Das fordert zum Protest heraus. Alle Anerkennung für die Zähigkeit, mit der die Damen ihr Biel verfolgen. Aber in diesem einen Fortschritt zu sehen, müssen wir abweisen. Und es handelt sich hier nur um die Einführung eines beschränkten Frauenwahlrechts, eines Wahlrechts, daß von Befiz, Bildung usw. abhängt, furzum eines Damenprivilegiertenwahlrechts. Die mit vielem Geräusch geführte Frauenwahlrechtsbewegung in England geht in der Hauptsache nur von bürgerlichen Frauen aus, und daß die bürgerlichen Frauen hier Wo Frauenhand das Szepter führt, Gedeiht das Recht der Frauen. Das alte Bolt mit neuem Sinn Baut hoffend auf die Königin, Wilhelmina von Nassau. Man hat in Niederland noch verdammt wenig davon gespürt, daß dort das Recht der Frauen besonders gut gedeiht. Unterschlagung durch einen Anwalt. Der Rechtsanwalt Seiler aus Burgstädt wurde gestern vom Chemnizer Landgericht wegen Unterschlagung von 86 000 Mart Konkursgeldern zu drei Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehr verlust verurteilt. Bergehen gegen die Religion. Der sozialdemokratische Frauenklub und die Föderation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei hatten am Montag eine Versammlung veranstaltet, um ihre Stellung zu jenem Damentongreß flarzulegen. Als Referenten sprachen die Genossen Wijnkoop und Frau Roosje Vos. Jener zeigte, daß durch das Frauenwahlrecht, das die Kongreßdamen erstreben, Ein junger Bursche in Schwandorf( Oberpfalz) machte an Dftern das soziale Elend nicht aus der Welt geschafft werden kann. Da in der dortigen Kirche das Abendmahl mit, wobei er nach Empfang den Damen nichts an dem Wahlrecht für die proletarischen Frauen der Hoftie mit dem Finger in den Mund griff und unter Be liegt, würden fie fich mit einem Damenwahlrecht zufrieden geben. merkungen wie Dred, Bapp usw. ein Stück von dem„ Leib des Die Genoffin Bos nahm sich besonders die„ Liberale Union" aufs Herrn" an seine Hose wischte. Deshalb hat ihn das Landgericht Korn, die bekanntlich ein Frauenwahlrecht mit Ausschluß der Ehe in Amberg wegen Bergehens gegen die Religion zu sechs Ehe- wochen Gefängnis verurteilt. frauen haben will. Es folgte eine Debatte, an der sich auch einige Kongreßdamen beteiligten, die aber gegen die wohlbegründeten Ausführungen der Referenten nicht aufkommen konnten. Allgemeiner Wahlverein Berlins und Umgegend. Anmeldungen und Beiträge nehmen für den 4. Kreis( Osten) entgegen: Frau Berrn, Elbinger Straße 2 IV. Frau Guhn, Borndorfer Straße 39 III. Frau Bongarz, Andreasstr. 44 III. Frau Bohm, Große Frankfurter Straße 7. Frau Wengels, Warschauer Straße 20 II. Frau Köhler, Schreinerstr. 66 II. Frau Förster, Stralauer Allee 17 III. Bureau des Wahlvereins Stralauer Platz 1-2 II. Spedition Mann, Petersburger Blag 4. Veranstaltungen. Versammlungen Unserem Sangesbruder Karl Rylski, Engelufer, zu seinem heutigen 60. Geburtstag ein dreimal brausendes Sängerhoch vom Gefangverein Note Nelte I", Schöneberg. 27035 Schon lange Jahre warst Du treu, Wir hoffen auch, es bleibt dabei Sozialdemokratischer Wahlverein für den wie überall nach Klaffenvorteilen streben, ist erklärlich. Liegt es doch im Rummelsburg. Donnerstag, den 18. Juni, abends 81 Uhr, bei 1. Berliner Reichstagswahlkreis innersten Wesen der bürgerlichen Frauenbetwegung begründet, nicht mit den proletarischen Schwestern zusammen zu kämpfen. Beider Interessen gehen abgrundtief auseinander. Die Erfahrung hat gezeigt und die Forderungen beweisen es täglich, daß die bürgerliche Frauenbewegung fast in keiner Beziehung mit der proletarischen tonform geht. Erstere will lediglich der Frau ihrer Klasse dienen, nicht um die Klassenherrschaft zu schwächen, sondern nur um Mitherrscherin zu werden. Weit entfernt ist sie von dem Gedanken, die Tempel, Alt- Borhagen 56: Vortrag. Genosse Simon Kazenstein: Was muß die Proletarierin vom Alkohol wissen?" Gerichts- Zeitung. Unter der Gefindeordnung. Wegen angeblich unberechtigten Berlaffens des Dienstes waren kapitalistische Gesellschaft durch eine sozialistische zu ersezen; zu die polnischen Arbeiterinnen Josepha und Vittoria Kubit von dem dieser steht sie in diametralem, bewußtem Gegensag. Die proletarischen Gemeindevorsteher in Wurp mit Strafmandaten von je 15 M. beFrauen tönnen aber nur durch Aufhebung der Klaffenherrschaft zu dacht worden. Die Arbeiterinnen, die den Dienst bei dem früheren ihrem vollen Rechte in der Gesellschaft gelangen. Die proletarischen Dienstherrn Michaelis in Burp ganz mit Recht verlassen haben, verFrauen müssen es daher auch ablehnen, sich für Reformen" zu traten ihren Kampf gegen Michaelis mit anerkennenswertem Eifer. engagieren, die tatsächlich eine Verschärfung der Fessel für das Sie nahmen sich einen Verteidiger, scheuten die weite Reise von Proletariat bedeutet, die die Macht der Privilegierten, ihre Aus- Osterwiec nach Halle nicht und rollten da die Behandlung auf dem Gutshofe auf. Man hatte sie bei schwerer Arbeit, treuer Pflichtbeutungsgewalt gegenüber den Arbeitern, vergrößert. Auf dem Internationalen sozialistischen Kongreß in Stuttgart erfüllung schwarze Bande und schlechte Katholiken genannt. Dann hatten sie zu wenig Essen bekommen und der Gutsherr hatte den ist tonsequent das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht beiden Mädchen in der ersten Zeit pro Woche 1 M. und schließlich auch für die Frauen verlangt worden, und den Genossen ist laut 20 m. rechtswidrig vom Lohne vorenthalten. In der Verhandlung angenommener Resolution die Verpflichtung auferlegt, jeder vor der Straffammer Halle nannte der in die Enge getriebene zeit für die Forderung einzutreten. Und das mit gutem Gutsherr die Mädchen Freileins" und gab zu, daß sie noch soone Recht und politischer Logik. Ein beschränktes Frauen- Stücker Mandel Mart" zu fordern hätten. Die Straftammer wahlrecht kann dem Proletariat nur Schädigung seiner Inter- in alle sprach die Mädchen frei. effen bringen. Haben wir einmal ein solches Wahlrecht, so wird es sich als außerordentlich konservativ erweisen. Jedes Privilegiertenwahlrecht bedeutet eine Herrschaftsverlängerung der befizenden Klaffen. Unbegreiflich ist es uns aber, daß eine Sozialistin dem Damentahlrecht das Wort reden kann. Genoffin Repler meint, daß, wenn nur überhaupt erst ein Frauenwahlrecht„ errungen" fei, gleich viel wie es aussieht, eine Werbefferung nicht lange auf fich warten laffe. Der beste Beweis für die Unrichtigkeit solcher Ansicht ist das nun seit 1849 bestehende preußische Wahlrecht. Ein Zeichen, wie wohl fich die bürgerliche Klasse bei diesem Wahlrecht befindet. Und da soll die Sozialdemokratie helfen, noch ein neues Geldsadswahlrecht einzuführen. Der vorgeschobene Geschäftsinhaber. und Der häufig geübten unlauteren Manipulation, zahlungsunfähige Personen als Geschäftsinhaber vorzuschieben, hinter deren Rüden dann die wirklichen Unternehmer Dedung suchen, ist dieser Tage die 2. Kammer des Kaufmannsgerichts mit einer durchaus autreffenden Entscheidung etwas entgegengetreten. Der Kläger N. wurde als Verkäufer für die Filiale eines Beingeschäftes engagiert, als dessen Inhaber ein gewisser Henseler figurierte. In Wirk lichkeit hatte aber die Braut des Henseler, ein Fräulein Neumann, die ganze Geschäftsleitung unter sich. Im März wurde das Geschäft geschlossen, Henseler reiste nach Frankreich. angeblich zur Regelung geschäftlicher Angelegenheiten. Um zu Gerade jezt, wo wir uns eingehend mit dem preußischen Wahl Neumann, dem diese habe das Geschäft geführt, aulegt die Kaffenfeinem Gelbe zu kommen, erhob. die Klage gegen Fräulein recht beschäftigt haben, das Pluralwahlrecht in feiner ganzen Volts eingänge zu sich genommen und dem Kläger auch die eingezahlte feindlichkeit erkannt ist, mutet die Verteidigung des Damenwahl Kaution in Raten zurückgezahlt. Mehrere Beugen bestätigten rechts wie bewußter Hohn und gewollte Provokation an. Jedenfalls auch eidlich die Behauptungen des Klägers. Der Beuge Henseler, wird das Extravergnügen der Genossin 8epler energischen Wider- der kurz vor dem Termin von seiner Geschäftsreise" zurückgekehrt spruch und schärffte Berurteilung auslösen. Um so mehr als die ganze war, wollte die Forderung des Klägers für sich anerkennen, nur Aktion mit einer hahnebüchenen Argumentation gerechtfertigt habe seine Braut nichts damit zu tun, denn er allein fei Inhaber gewesen. Auf eindringliches Befragen des Vorsitzenden wird. Genoffin Bepler bezeichnet unsere Beteiligung an und unter wiederholtem Hinweis auf die Gefahren des Meineids der Landtagswahl als Abweichung von unserem Prinzip. mußte S. aber zugeben, daß er ohne einen Pfennig Daß wir uns heute an den Landtagswahlen beteiligen, bedeutet eigenes Bermögen in furzer Zeit fünf Weinhandlungen nicht im geringsten Anerkennung des herrschenden Systems. Wir gründete, die nach und nach alle verkrachten. Den Hauptbekämpfen dieses heute so gut wie ehedem. Das ist in jeder Ver- Betrag zur Gründung dieser Geschäfte, insgesamt zirka 7000 m., sammlung, in jedem Artikel betont worden, und wir meinen, besser gab ihm seine Braut Fräulein N. fonnte das von Anfang an gestellte Prinzip nicht hochgehalten werden. Die Frage der Wahlbeteiligung ist eine solche der Taktik und nicht Ueberzeugung, des Prinzips. " ge= Das Gericht tam auf Grund der Beweisaufnahme zu der daß die Beklagte fich bereits während Geschäftsinhaberin der Anwesenheit des Henseler als riert hat. Sie hatte die ganze Geschäftsleitung in die Es ist ein fundamentaler Unterschied, об man ohne Hand genommen, hat den Lieferanten Aufträge erteilt und Schuld mit einem schon bestehenden Klaffenwahlrecht Kläger au fchließlich vom eigenen Gelde dem die Kaution hat, oder ob man selbst ein solches befürtportet. zurüdgezahlt. Die Beklagte bat somit die von. begründete Schuld Wer das verkennt und für ein neues Privilegienwahlrecht eintritt, als Selbst schuld neben H. übernommen, wie ja auch in der tun muß damit rechnen, daß er den Lesern der gegnerischen Blätter als Hauptsache mit ihrem Gelbe bas Geſchäft gegründet wurde. Gemäß neuer Weisheitsträger unter den Sozialdemokraten serviert wird.§ 414 des Bürgerlichen Gesetzbuchs ist somit die Beklagte ber Und die Feinde der Arbeiterschaft mutzen die Gelegenheit, wenn sie pflichtet, dem Kläger das Gehalt bis 80. Juni zu zahlen, und die Knüppel, die ihnen aus unserem Lager, wenn auch ungewollt, wird dem Klageantrage gemäß berurteilt. Auffällig ist, wie selten gegen solche Strohmanns- oder Strohgereicht werden, zum Verprügeln der Arbeiter gebrauchen. Benn fräulein- Schiebungen Anklage wegen Betruges durch die StaatsGen. Bepler weiter davon spricht, daß die Sozialdemokratie in anwaltschaft erhoben wird. den verschiedenen Barlamenten für Kleine Verbesserungen stimmt, und das als einen Verstoß gegen die bisherigen Prinzipien erklärt, " Lohnunterschlagung. Todes- Anzeige. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied und langjähriger Vertrauensmann, der Schneider Christian Bohn am Dienstag, den 16. d. M., im 42. Lebensjahre verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. d. M., nachmittags 4, Uhr, von der Leichenhalle des Zentral Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 208/5 Der Vorstand. Verband der Schneider und Schneiderinnen. Todes Anzeige. Den Mitgliedern geben wir hiermit befannt, daß der Kollege Christian Bohn ( Mitglied der Breßkommission) am 16. Juni im Alter von 42 Jahren gestorben ist. 163/6 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag nachmittags 42 Uhr von der Leichenhalle des Städtischen Friedhofes, Friedrichsfelde, aus statt. Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. ( Landsberger Viertel.) Bezirk Nr. 897. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, ber Kellner Gustav Martins ( Werneuchener Str. 12) geftorben ist. 218/18 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. Juni, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Krankenhauses im Friedrichshain aus nach dem GeorgenKirchhof, Landsberger Allee, statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Verband deutscher Gastwirtsgehilfen ( Drtsverwaltung Berlin). Am 15. Juni berstarb nach längerem Leiden unser altes Mitglied Gustav Martins 288/12 im Alter von 52 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. Juni, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des Strankenhauses im Friedrichhain aus nach dem Georgen Kirchhof, Landsberger Allee, statt. Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. Danksagung. Hiermit fagen wir allen Berwandten, dere dem Borstand sowie den Mitgl. der 1. Männerabt. des Turnvereins Fichte", sowie dem Lotterieverein tönigstadt" für die rege Beteiligung und Strangspenden, und allen, die die legte Ehre erwiesen haben, unmeinen innigftgeliebten Sohn Felix Beklagter feren herzlichsten Dant. Sozialdemokratisch. Wahlverein Rixdorf. Todes- Anzeige. Den Parteigenoffen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Maler Max Klemmer ( 16b Bezirk) verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstagnachmittag 4%, Uhr, von der Reichenhalle des alten Rirdorfer Friedhofes( Rudowerstraße) aus statt. Um rege Teilnahme ersucht Der Vorstand. 235/17 Deutscher Metallarbeiter- Verband Berwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Arbeiterin Emma Mielke am 15. d. Mts. an Lungenleiden gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 18. d. Mts., mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Nummelsburger Kirchhofes in Rummelsburg, Neue Brinz Albertstraße, aus statt. Nege Beteiligung erwartet 117/20 Die Ortsverwaltung. Verein Berliner Buchdruck- Maschinenmeister. Den Kollegen bringen wir zur Kenntnis, daß unser Mitglied, der Maschinenmeister Friedrich Gremmers am Sonntag den Tod durch Ertrinken gefunden hat. 20835 Der Vorstand. Danksagung. Sage allen Verwandten, Freunden und Bekannten, besonders dem Personal der Firma Lenz sowie dem Metallarbeiter Verband meinen herz34432 lichsten Dant. Fr. Witwe Preiß. Es empfiehlt sich bei eintretendem Trauerfall möglichst sofort Westmanns Trauermagazin Hauptgeschäft: Berlin W., Mohrenstraße 37a, an den Kolonnaden, 2. Haus von der Jerusalemerstraße, und NO., Gr. Frankfurterstr. 115, 2. Haus von der Andreasstraße, zwecks Auswahl d. passenden Trauergarderobe aufzusuch. Um dem Publikum einen besonderen Vorteil zu bieten, ge währe ich auf diese Auzeige hin bei Kauf 10% Rabatt in bar! 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Dieser wandte ein, er fei seiner Ver aber überhaupt nicht um eine Verbesserung, sondern um eine folgen- pflichtung gegenüber dem Kläger S. ledig, er sich schwere Verschlechterung. Die Sozialdemokratie fordert in prat- besonders darauf berief, daß S. das Geld seinem tischen Fragen alles", um biel zu erreichen. Deshalb zu verlangen, Kollegen B. gestundet habe. S. möge fich an B. halten. Die Freunden und Bekannten, insbeson fie soll ihre Grundsäße verleugnen, um Verschlechterungen zu Sammer III des Berliner Gewerbegerichts unter erlangen, ist eine Argumentation, die das helle Entzüden aller Borsiz des Magistratsaffeffors Dr. Prerauer berurteilte jedoch Nichtsozialdemokraten auslösen wird. Da müssen wir doch die mit Recht den Beklagten, an den Kläger S. die 25 M. Lohn fozialliberalen und anderen bürgerlichen rabitalen Frauen, loben zu zahlen. Begründend wurde ausgeführt, der Arbeitgeber haftet die das neue Vereinsgesetz wegen seines Ausnahmecharakters ab- bem Arbeiter für den Lohn, wenn er das Geld einem unverantwortlichen Mittelsmann gebe und dieser es hinter sich behalte. Der lehnten. Und da muß man erleben, daß fich Sozialdemokratinnen Kollege B. sei ein unverantwortlicher Mittelsmann. für ein Damenwahlrecht erwärmen. Wir haben's wirklich weit ge- müsse dem Kläger S. den verdienten Lohn zahlen und versuchen, Im Namen der Hinterbliebenen meine unfehlbar wirkenden Spezial bracht! das schon mal an B. gezahlte Geld von diesem wieder zu erlangen. Moritz Pfeiffer nebst Familie. mittel nebst Brut vollständig vertilgt. Sage allen Verwandten und Be- n Flaschen resp. Schachteln a 30 Pf., 50 Pf., 1,00 bis 3,75. kannten, der Firma M. Krause und dem Gesangverein meinen herzlichen Bahlreiche lobende Anerkennungen. reiche Kranzspende. 1000 M. Belohnung Der internationale Frauenwahlrechtskongres und die proletarischen Frauen zu Amsterdam. In Eröffnungsfeier des internationalen Kongreffes für Frauenwahlrecht Su amfterdam im„ Concertgebouw" wurde am Montag die Prozeß Riedel. In dem Strafprozeß gegen den Dr. phil. Viktor Riedel begeklagten wegen Werleitung zum Meineide in zwei Fällen. antragte gestern der Staatsanwalt Dr. Schindler gegen ben anWanzen Schwaben, Russen, Flöhe, 27105 Fliegen, Blattläufe 2c. werden durch Dant für die große Teilnahme und 27095 Wwe. M. Uhr. bemj., ber mir ein. Nichterfolg nachweist. Hugo Barth, Drogerie Brunnanste 14. STE REISE PREISE BILLIGSTI Sehr wohlfeil und vorteilhaft: Reise- Anzüge nach Maß. Die folgenden Preise verstehen sich für fertige Kleidung: Papierfaser- Anzüge.... 10.| Knaben- Waschanzüge von 1.50 Stoff- Anzüge 27.- 18.- und 12 M. Knaben- Stoffanzüge von 2.50* Tennis- Anzüge.. 8. Schüler- Waschanzüge.. von 2 11.- und ... M. 813 M. Loden- Anzüge... 27- und 18 M. 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Während nun seine Frau in Genossen in den Vorstand des damals neu gegründeten Wahlvereins der Küche mit dem Zubereiten des Abendessens beschäftigt war, er berufen. hob sich S. plöglich von seinem Lager, riß das Fenster auf und stürzte sich aus der Höhe des dritten Stockwerks auf den Hof hinab. mit zerschmetterten Gliedern blieb der Lebensmüde unten liegen. Der Tod trat fast auf der Stelle ein. Durch sein ruhiges, sicheres und flares Auftreten wurden auch Am Freitag, den 19. Juni, von 7 Uhr abends an, weitere Kreise auf Bohne aufmerksam und betrauten ihn mit den höchsten Parteiämtern. Vom Jahre 1892-1902 fungierte er als VerFlugblattverbreitung trauensmann der Partei in Berlin. findet eine in den Bezirken Groß- Berlins statt. Das Flugblatt soll vornehmlich allen denjenigen behändigt werden, welche bei den Landtagswahlen sozialdemofratisch gestimmt haben. Bom 21. Juni ab ist dann Nachfrage zu halten und zum Eintritt in den Wahlverein und Abonnement für den Vorwärts" aufzufordern. Nach den so günstigen Wahlresultaten dürfte auch diese Arbeit eine erfolgreiche sein und uns denselben großen Erfolg bringen, wie die gleiche Agitation im November vorigen Jahres. Wir erwarten, daß unsere Parteigenossen in der gewohnten treuen Pflichterfüllung die Werbearbeit mit Eifer verrichten. Der Zentralvorstand. Eine öffentliche Schifferversammlung findet am Sonntag, den 21. Juni, nachmittags 5 Uhr, in Feuersteins Festsälen, Alte Jakobstraße 75, statt. Zur Verbreitung der Handzettel ersuchen wir die Genossen, welche dieselbe übernommen haben, an den ihnen bekannten Stellen pünktlich zu erscheinen. Die Genoffen des sechsten Streises, erste Abteilung, treffen sich bei W. Haase, Kastanienallee 95/96. Die Agitationskommission. Rigdorf. Die Parteigenossen werden darauf hingewiesen, daß die am 19. Juni stattfindende Flugblattverbreitung nunmehr wieder nach der alten Bezirkseinteilung erfolgt. Die Bezirksführer werden erfucht, sich am Donnerstag, den 18. Juni, die Flugblätter aus der Parteispedition abzuholen. Wir bitten außerdem, die Beschlüsse der legten Funktionärsizung auszuführen. Der Vorstand. Stralau. Heute abend findet in allen Bezirken eine wichtige Flugblattverbreitung statt. Da dieselbe äußerst gewissenhaft ausgeführt werden muß, wird erwartet, daß alle Genossen pünktlich zur Stelle find. Fredersdorf- Petershagen. Heute abend 8 Uhr im Lokal von Mag Girle, Fredersdorf: Bahlabend. Trotz einer schweren Beinlähmung fand man den Genossen Bohne stets im Bordertreffen der Berliner Bewegung, in welcher er fich allgemeiner Sympathie und Achtung erfreute. Auch in seiner Berufsorganisation war der Verstorbene mit vollem Eifer tätig. An seinem noch offenen Grabe bringen wir dem Dahingeschiedenen den Boll der Dankbarkeit und der Anerkennung dar. In Christian Bohne ist uns einer der treuesten Streiter im Emanzipationskampf des Proletariats entrissen worden. Sein Andenken wird in Ehren gehalten werden! Die Leiche einer jugendlichen Selbstmörderin ist gestern aus der Spree gelandet worden. Hinter dem Grundstück Holzmarktstr. 21 wurde die Tote, eine etwa 18 Jahre alte Frauensperson, ans Ufer getrieben. Die Lebensmüde hat anscheinend den besseren Kreisen angehört. Ihre Leiche wurde zur Rekognoszierung nach dem Schauhause gebracht. Auf dem Wege von der Kochstraße nach der Hagelbergerstraße sind verloren worden eine Kladde Nr. 2 vom Verband der Tapezierer, sowie eine größere Anzahl Marken verschiedener Sorten, Beitungen, acht Verbandsbücher und ein Kontobuch. Abzugeben beim Berband der Tapezierer, Engelufer 15, Zimmer 6a. Beim Sommerfest der Neuen Freien Voltsbühne am Sonntag in der Brauerei Friedrichshain hat eine alleinstehende Frau ihr Portemonnaie mit ganzer Barschaft( 42 M. Inhalt) verloren; fie bittet etwaige Finder um Abgabe an Mathilde Lamprecht, Braunsberger Straße 13, 2 Treppen. verlief tödlich. Auf dem Schlesischen Bahnhofe war seit 39 Jahren Zwei schwere Fahrstuhlunfälle sind wieder zu beklagen. Einer Friedrichsfelder Straße 15 im Füllraum der Beleuchtungsanlagen der 75 Jahre alte Telegraphenarbeiter Samuel Goyte aus der beschäftigt. Gestern nachmittag um 3 Uhr wollte er mit dem zweiten Von der Landtagswahl wird noch berichtet: Durch die Ver- Fahrstuhl vom Bahnsteig A nach dem Postraum an der Fruchtstraße geßlichkeit eines Wahlmannes ist das Resultat im 12. Wahlkreise hinabfahren. Bald darauf fand ihn ein Arbeitsgenosse auf selbem für die Freifinnigen günstig geworden. Bis 2 Minuten vor 7 Uhr Bege tot auf. Der Fahrstuhl war steden geblieben und Goyte jaß, standen die Freisinnigen auf 165, die Konservativen auf 164 Stimmen. mit Kopf und Bruſt eingeklemmt, zwischen dem Stuhlgehäuse und Die Freifinnigen konnten ihre fehlenden Wahlmänner nicht mehr einem Trägerbalfen. Wie das Unglüd möglich war, ist noch Gegenheranbringen, während es einem Schlepper der Konservativen ge- stand der Untersuchung. Im Hotel Adlon Unter den Linden geriet lungen war, noch unmittelbar vor Wahlschluß einen Wahlmann gestern morgen der 20 Jahre alte Fahrstuhlführer Artur Lindemann seiner Partei zu Hause anzutreffen. In rasender Eile wurde der aus der Marienstr. 24 beim Reinigen des Stuhles in das Getriebe. selbe nach dem Wahllokal befördert. Als er sich dem Wahlvorstande Ihm wurde zwischen Stuhl und Wandung das Fleisch vom linken legitimieren sollte, stellte es sich heraus, daß er seine Wahlmanns- Bein abgequetscht und ein Knöchel schwer verletzt. Der Berunglückte bestallung zu Hause vergessen hatte. Es war natürlich nicht mehr mußte in ein Krankenhaus gebracht werden. möglich, diese rechtzeitig herbeizuschaffen und so blieben die Konfervativen durch diese eine fehlende Stimme in der Minorität. Von einem anderen Wahlmanne, der sowohl von den Freisinnigen wie von den Konservativen im 12. Bezirk aufgestellt und gewählt wurde, wird berichtet, daß er von den Schleppern der beiden Parteien nicht aufzufinden war. Es handelte sich um einen Geschaftsmann aus der Calvinstraße, der es anscheinend mit niemanden verderben wollte. In der Zeit von 6 bis 7 Uhr abends hielten eine Reihe von Automobilen und Droschfen erster Klasse vor der Tür, um den Wähler zu holen. Der aber war und blieb verschwunden. Angeblich war er schon früh morgens zur Wahl gegangen und nicht zurückgekehrt. Erst wenige Minuten vor 7 Uhr gelang es einem der findigsten Schlepper, Meister X. zu ermitteln. Der Wahlmann, der im Laufe des Nach mittags aus Angst vor seinen Beinigern in einem Verschlage des Dachbodens tampiert hatte und dort vor Size beinahe gebraten war, hatte sich dann in den Eisteller eines in demselben Hause wohnenden Schlächters geschlichen, um dort den Rest der qualvollen Wahlzeit zu verbringen. spät, denn als das Automobil vor dem Wahllokal anfuhr, verAls er nun entdeckt wurde, war es zu tündete der Wahlvorsteher bereits den Schluß des Wahlaktes. Jm 10. Landtagswahlbezirk hatte ein Wahlmann der Freifinnigen seine Stimme an der verkehrten Stelle abgegeben und war wieder nach Hause gegangen. Gegen 5 Uhr nachmittags wurde in Rummelsburg. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß die der freisinnigen Wählerliste festgestellt, daß Herr. feiner Wahl bereits im Vorwärts" für heute Donnerstag bekanntgegebene pflicht noch nicht genügt habe. Flugs machten sich Schlepper auf, Flugblattverbreitung nicht heute, sondern erst morgen um ihn zur Wahl zu bringen. Der Wahlmann beteuerte hoch und Freitag, abends von 7 Uhr ab, von den bekannten Lokalen aus heilig, daß er bereits am frühen Morgen gewählt habe. stattfindet. Das Flugblatt wendet sich an alle diejenigen Personen, Er ließ sich schließlich bewegen, in δας Wahllokal mitwelche bei der Landswahl für unsere Partei gestimmt haben, es ist zukommen und nun stellte sich heraus, daß der Wahlmann daher äußerst notwendig, daß alle Bezirksführer nach den in ihren ganz wo anders hingeraten war als an den Wahltisch. Im Weißen Besitz befindlichen Urwählerlisten schleunigst entsprechende Hauslisten Saal, der zu ebener Erde belegen ist, befand sich das Wahlbureau anfertigen. Der Vorstand. der sozialdemokratischen Partei; auf dasselbe wurden die sozial demokratischen Wahlmänner besonders hingewiesen. Herr H. muß nun der Meinung gewesen sein, hier könne er seine Stimme abgeben. Er ging an den Tisch des Wahlbureaus heran und ersuchte darum, seine Stimme für den Kandidaten Rosenow entgegennehmen zu wollen. Der dort amtierende Listenführer nahm lächelnd hiervon Der Teltower Kreisausschuß als" Rechts"-Instanz! Notiz und der freisinnige Wahlntann ging nach Hause in dem Be- Der Rechtsbetrieb, wie er in ben von feudalem Geiste be. wußtsein, seiner Pflicht voll und ganz genügt zu haben. herrschten Verwaltungsorganen, speziell in den unteren, gehand Wie bekannt, haben die Stadt Berlin und mehrere Vorort- Arbeiter Bildungsschule Berlin. Wir machen die Mitglieder habt wird, hat schon häufig, aber leider immer noch zu wenig, zu gemeinden den beiden genannten Gesellschaften die mit Rücksicht darauf aufmerksam, daß auch während der Schulferien die Biblio- schärfster Kritit herausgefordert. Besonders in den Verwaltungsauf die Tunnelprojekte nachgesuchte 90jährige Zustimmung noch thet jeben Donnerstag von 8-9 Uhr geöffnet ist. Mit Streitsachen auf sozialem Gebiet macht sich diese Recht" sprechung, nicht erteilt. Wenn Zustimmungen dieser Art von den Ge- gliederbeiträge können gleichfalls daselbst gezahlt werden. die mit dem Volks- und Rechtsempfinden in schneidenstem Widers meinden auf gütlichem Wege nicht erreichbar sind, sind sie, wenn es fich um die Schaffung gemeinnüßiger Angelegenheiten handelt, Die Ohrfeigen des Direktors. Das„ Berliner Tagebl." schreibt: fpruch steht, auf die unangenehmste Weise bemerkbar. Besonders auf Grund des Kleinbahngesetzes( 87) on ben zuständigen Aus einer Reihe von Buschriften, die uns aus unserem Leserkreise in den sogenannten Kreisausschüssen, denen in der Regel in erster Staatsbehörden zu ergänzen. Die Behörden haben gleichzeitig augeht, ersehen wir, daß der Direktor der Luisenstädtischen Ober- Instanz die Entscheidung im Verwaltungsstreitverfahren zusteht, die Höhe des Entgelts festzusetzen, das für die Wegebenubung Realschule, Dr. Marcuse, den ihm anvertrauten Kindern Schläge an blühen die vom Klassengeiste zeugenden Urteile in üppigster Weise an die Gemeinden zu entrichten ist, Wir haben jetzt von diesem den Kopf versezt, die wegen ihrer Gefährlichkeit von der und im reichlichsten Maße. gefeßlichen Rechte Gebrauch gemacht, indem wir an den zustän- Behörde streng berboten sind. Gehören doch tödlich ver- Leider ist die öffentliche Kontrolle über die in diesen Aus Trebbin. Am Sonnabend, den 20. Juni, abends 8 Uhr, bei Wolf: Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder und Kaffe. 2. Ausgang der Landtagswahl. 3. Verschiedenes. Lichtenberg. Den Genossen zur Kenntnis, daß auch für unseren Drt die Flugblattberbreitung erst am Freitag, den 19. d. Mts. stattfindet. Berliner Nachrichten. Die Große Berliner Straßenbahn versendet an die Breffe eine Erklärung zu den Beschlüssen der städtischen Verkehrsdeputation, in der es heißt: 10 Stellen zu tun. Ú. a. nachts in der Mühlenstr. 46, wo in einer Feuerwehrnachrichten. Die Feuerwehr hatte gestern an vielen Bäckerei Holz usw. in Brand geraten war. Um Mitternacht brannten Breßtohlen u. a. in der Werneuchener Straße 7/8. Früh um 4 Uhr hatte der siebente Zug längere Zeit in der Palisadenstr. 10 zu löschen, wo in einem Keller Bolster- und andere Möbel, sowie Vorstelle in einem Schleifraum und Wäsche usw. in der Allensteiner räte zum Tapezieren brannten. In der Fürstenstr. 5 brannten GeStraße 38. Wegen einer Spiritusexplosion erfolgte ein Alarm nach der Birkenstr. 59. Personen sind dabei nur leicht verlegt worden. Der neunte Zug wurde zur Rettung eines Mannes nach dem Anhalter Bahnhof gerufen. Als die Feuerwehr dort ankam, war der Wann schon tot. Weitere Alarme liefen dann noch aus der Dranienstraße 118, Turmstr. 20, Bellealliancestr. 107, Winsstr. 58, Fennstraße 14, Liesenstr. 11, Reichenberger Str. 134, Sonnenburger Str. 10 und anderen Stellen ein. Nach der Schiffbau- Ausstellung mußten gestern früh zwei Dampffprigen entsandt werden. Die Wasserleitung war aus unbekannter Ursache gesperrt. Um für alle Fälle gerüstet zu sein, wurden zwei Dampffprizen mit Wasserwagen dort stationiert. Vorort- Nachrichten. digen Oberpräsidenten den Antrag auf Ergänzung der fehlenden laufene Gehirnblutungen als Folge von Dhrfeigen nicht zu schüssen" gepflegte Spezies der Rechtspflege noch viel zu ungeZustimmung übersandt haben. Inzwischen hat die städtische Ver- den Seltenheiten. In einem uns vorliegenden Schreiben gibt nügend, als daß in absehbarer Zeit eine dem modernen Geiſte tehrsdeputation Breßnachrichten zufolge vorbehaltlich der Ge- Direktor Dr. Marcuse selber zu, einen seiner Schüler gechrfeigt nur einigermaßen entsprechende Judikatur zu erreichen wäre. nehmigung der städtischen Behörden beschlossen, uns gegenüber zu haben. Ein Tertianer, der das Prädikat lobenswert im die Bereitwilligkeit zu erklären, auf ihre Kosten die von Stadt- Betragen hatte, war verdächtigt worden, in dem Hause eines Schul- Dazu kommt als Haupthinderungsgrund, daß die Arbeiterklasse baurat Krause entworfenen Tunnelpläne am Opernplab und freundes einige meffingne Läuferstangen entfernt au haben. Dr. bon jeder Teilnahme der Rechtsprechung ausgeschaltet ist. Die Brandenburger Tor auszuführen und uns diese Anlagen zur Marcuse ließ den Knaben zu fich fommen und fragte ihn, ob er fich Mitglieder der Kreisausschüsse haben allerdings teine Verpflich Benutzung zu überlassen; ferner eine Stommission zur Beratung schuldig bekenne. Der Schüler beteuerte im Gefühl seiner Unschuld, neuer Entlastungspläne für die Leipziger Straße einzusehen. daß er an der Spielerei nicht beteiligt gewesen sei. Die Antwort Eine Stellungnahme unfeverseits gegenüber diesen Be- war eine kräftige Ohrfeige und eine Stunde Arrest. Der Vater aber schlüssen ist naturgemäß so lange unmöglich, bis die Stadt nicht erhielt folgenden Brief: mit bestimmten Borschlägen an uns herantritt. Wir würden Mitteilung von der Luisenstädtischen Oberrealschule. derartige Vorschläge selbstverständlich einer eingehenden Prüfung Berlin, 2. April 1908. unterziehen und dabei wie bisher auf die Förderung der öffentlichen Verkehrsinteressen in vollem Maße Rüdsicht nehmen. Bei dem erheblichen Eingriff in unsere wohlerworbenen Rechte, wie ein solcher bei dem städtischerseits geplanten Arrangement eintreten müßte, darf man sich allerdings nicht berhehlen, daß seiner Durchführung erhebliche Schwierigkeiten im Wege stehen würden, die nur dann zu beseitigen wären, wenn auch seitens der Stadt ein ernsthafter Wille zur Verständigung bewiesen würde. Die Direktionen: Dr. Mice. Koehler. Geehrter Herr! Zu meinem Bedauern muß ich Ihnen mitteilen, daß Ihr Sohn Frizz sich im Berein mit anderen Schülern wiederholt an grobem Unfug beteiligt hat, der außerhalb der Schule verübt ist. Der Verwalter des Hauses Hasenheide 51 hat sich beschwert. Friz erhält eine Stunde Nachbleiben. Als ich ihn gestern wegen diefer Sache befragte, benahm er sich so unbescheiden, daß ich ihm eine Dhrfeige gab. Ich möchte Ihnen ergebenst raten, zu bewirken, daß Friß sich einen anderen Umgang wählt; wenn solche Beschwerden wie die gestrige fich wiederholen, müßte ich eine sehr ernsthafte Strafe eintreten lassen; hoffentlich wird es nicht nötig sein. Hochachtungsvoll ergebenst Dr. Marcuse. tung Rechtskenntnisse zu besißen. Aber sie machen von diesem Vorrecht einen nur allzu ausgiebigen Gebrauch, indem sie sich entweder um gesetzliche Vorschriften überhaupt nicht kümmern, oder aber den schon ergangenen Entscheidungen der höchsten Jnstanz ihre eigene Rechtsprechung entgegensehen, die in 99 von 100 Fällen auf eine Rechtsschmälerung der besiglosen Klasse hinauslaufen. Ein Urteil dieser Sorte fällte gestern der Teltower Kreisausschuß in einer Verwaltungsstreitsache, in der Genosse Wenzel in GroßLichterfelde gegen die Gemeindetertretung dortselbst klagte. Kläger war persönlich erschienen, für die Gemeindevertretung Groß- Lichterfelde der Gemeindevorsteher, Bürgermeister a. D. Schulz. Dem Streitberfahren liegt folgender Tatbestand zugrunde, den wir wegen seiner Bedeutung für alle jene Gemeinden, für welche die Landgemeindeordnung maßgebend ist, nochmals rekapitulieren. Die Erklärung läßt an Dreiftigkeit nichts zu wünschen Die Lichterfelder Genossen hatten die Richtigkeit der Geübrig. Daß die Große Berliner im Wege des Ergänzungsmeindewählerliste angefochten, weil allen denjenigen Gemeindeverfahrens sich die fehlende Zustimmung zu ihren vollkommen unfertigen, in ständiger Umänderung befindlichen Projekten berechtigt ist, an den Kopf zu schlagen. Was soll man aber zu der Teilnahme an den Gemeindewahlen zustand, die aber zur Es dürfte Herrn Dr. Marcuse bekannt sein, daß ein Lehrer nicht mitgliedern, denen das Gemeinde recht, also auch das Recht verschaffen will, hat sie schon oft gefagt; es bedurfte der einem Schulleiter sagen, der selber inforrekt handelt und Kleine Beit der Auslegung der Wählerliste mit ihren Wiederholung einer solchen öffentlichen Versicherung durchaus Vergehen seiner Schüler zu Haupt- und Staatsaktionen aufbauscht?" Gemeindeabgaben im Rückstände gewesen sind, die Aufnicht erst. In Wirklichkeit haben die städtischen Behörden Es ist sehr hübsch vom„ Berliner Tageblatt", daß es Herrn nahme in die Wählerliste verweigert worden ist. bisher weder eine Zustimmung erteilen noch eine solche ver- Dr. Marcuse belehrt, daß ein Lehrer nicht berechtigt ist, an den Jm gestrigen Termin handelte es sich darum, ob der Einspruch weigern fönnen, da die Projekte fortgefekt ergänzt wurden; Kopf zu schlagen. Wir sind auch ganz damit einverstanden, daß seinerzeit rechtzeitig, d. h., noch am 30. Januar beim Gemeindebon einer Ergänzung der Zustimmung fann erst die Rede sein, das gerügt wird, nur haben wir bisher vermißt, daß das Lage- vorsteher eingegangen sei. Bei dem Gemeindeamt in Groß- Lichterblatt" sich zu ähnlichen Rügen aufgeschwungen hat, wenn die gleiche wenn sie versagt ist. Was aber die beabsichtigten Tunnelbauten am OpernWas aber die beabsichtigten Tunnelbauten am Opern. Behandlung Gemeindefchülern widerfahren ist. Beispiele von felde herrscht die löbliche Gepflogenheit, daß die Briefe beim Postplatz und am Brandenburger Tor betrifft, so ist es einfach Prügelpädagogik aus den Gemeindeschulen haben amt abgeholt werden. Das Schreiben mit dem Einspruch ist beim Postamt in Groß- Lichterfelde am 30. Januar, mittags 12.52, einföstlich, zu lesen:„ Wir die Straßenbahn, nicht etwa die wir wahrlich gerade genug in unserem Blatte mitgeteilt. getroffen, aber erst am 31. Januar, vormittags, vom Boten des Behörden würden derartige Vorschläge selbstverständlich Butzsäure ftatt Bier getrunken hat Dienstag abend der 30 Jahre Gemeindeamts abgeholt werden. Der Berichterstatter des Kreiseiner eingehenden Prüfung unterziehen usw. Welche alte Arbeiter Franz Reich, welcher in der Genossenschaftsbrauerei zu ausschusses konnte, wie dies auch nicht anders möglich war, unter Ueberhebung liegt allein in diesem Sage. Wenn die Große Friedrichshagen beschäftigt war. Troßdem zwei Aerzte sogleich alle diesen Umständen die rechtzeitige Einlegung des Einspruches nicht Gegenmittel anwandten, starb R. doch unter ihren Händen an Berliner zum Schluß von dem erheblichen Eingriff in unsere innerer Verbrennung. Der Verstorbene war vom Unglück verfolgt. bestreiten. Der Kläger, der zur objektiven Wahrung der Rechtswohlerworbenen Rechte" spricht, so kann man nicht mehr Erft vor zwei Jahren, als er auf der Friedrichshagener Drahtzaun- ordnung das Verwaltungsstreitverfahren eingeleitet hatte, führte ernst bleiben; sachlich antworten fann man darauf überhaupt fabrit arbeitete, schlug ihm Stacheldraht ins Geficht und riß ihm zur Begründung seines Alageantrages folgendes aus: Der Vernicht. das linke Auge heraus. treter der beklagten Gemeindevertretung habe zugegeben. Christian Bohne. Wieder ist ein braver und treuer Parteigenoffe bahingegangen: der Schneider Chriftian Bohne. Todessturz aus dem Fenster. Auf schreckliche Weise hat sich der daß 135 Gemeindeglieder, denen an sich das Gemeinberecht, Maurerpolier Friedrich Siebert aus der Naunynstraße 72 das Leben glio auch das Stimmrecht zustehe, bei denen aber die Auz. Bor über zwei Jahrzehnten, noch unter dem fluchwürdigen genommen. S. war in den legten Jahren von einem schweren Nerven- übung dieses Rechtes nach§ 44 der 2. G. O. so lange ruhe, bis Sozialistengeses, trat der Verstorbene der Organisation des ersten leiden geplagt worden. Vor einigen Tagen mußte er sich wegen die Gemeindeabgaben gezahlt seien, nicht in die Wählerlifte aufgenommen worden seien. Dies Berfahren fei gefesiBrigy Cine weitere Borlage des Magiftrats verlangt die Einrichtung| Jurist, hat keine Borstellung badon, wie leicht durch ein Betriebsa und habe in Bichterfelde zu einer Verschiebung der Wählerklassen einer Rechtsauskunftsstelle, wofür die Mittel in Höhe von 3300 M. amt die Menschenleben gefährdet werden und sucht vor allen geführt, was ebenfalls von der Beklagten zugegeben sei. Nach§ 55 berlangt werden. Die Einrichtung und Unterhaltung, die im Hause Dingen nach dem Paragraphen der Dienstvorschriften, gegen den der 2. G. O. müsse die Gemeindegliederliste, gemäß§ 39, Apostel- Paulus- Str. 6 gedacht ist, soll dem Verein für Rechtsauskunft der Berschmetterte beim Hinauslehnen verstoßen hat. Die Strafübertragen werden, wofür die Stadt eine jährliche Unterstützung von Abs. 2, die Grundlage der Wahl bilden. Es müßten daher alle 2500 Wt. an den Verein zu zahlen hat. Die Räume werden auf berfolgung eines Direktionsmitgliedes oder eines Eisenbahnjene Gemeindeglieder, die mit ihren Abgaben im Rückstande Stosten der Stadt zur Verfügung gestellt. Einige Redner halten betriebsbeamten ist wieder ausgeschlossen. Die Lokomotivführer feien, bei benen also nur die Ausübung des Wahlrechts für es für bedenklich, einem Verein ein derartiges Institut zu übertragen und Heizer dürfen sich auch fernerhin im Diensteifer an den Pfahldie Dauer dieses Zustandes ruhe, in die Wählerliste auf und verlangen, daß die Stadt die Angelegenheit selbst in die Hand bauten der Eisenbahndirektionen die Köpfe zerschmettern, ohne daß genommen werden mit dem entsprechenden B'er zu nehmen habe. Die Vorlage wird darauf zunächst einem Ausschuß vorbeugende Maßregeln oder Stellungsänderung solcher Lichtmasten mert. Zahle zu erwarten sind. ein solches Gemeindeglied seine Gemeinde- überwiesen. abgaben, so müsse es jederzeit laut§ 44 der 2. G. O. sein Wahlrecht ausüber fönnen, und deshalb müsse auch die Aufnahme in die Wählerliste erfolgen. Wäre die entgegengesette Rechts auffassung der Beklagten richtig, dann wäre der ganze§ 44 der 2. G. D. geradezu unsinnig, und alle diejenigen Wähler, die nach Auslegung der Wählerliste ihre Pflichten gegen die Gemeinde erfüllen, wären einfach rechtlos. Es ist ja bestimmt eine Dienstvorschrift vorhanden, aus der sich Längere Auseinandersetzungen brachte die Vorlage des Magistrats, auf dem städtischen Rieselgute ein Alters- und Siegenheim beweisen läßt, daß der Berschmetterte durch eigene Schuld" zu errichten. In der Debatte sprachen mehrere Stadtverordnete ihre sein Leben verloren hat Verwunderung darüber aus, daß man mit dieser Einrichtung nach dem Rieselgute gehen wolle. Namentlich wendete sich Stadtverordneter Hoffmann( Soz) dagegen, daß man die alten Leute nach dem Riefelgut abschieben wolle, man habe vielmehr die Pflicht, diese Leute in der Nähe der Stadt unterzubringen. Die MagistratsDer Einward der Beklagten, daß die Anweisung des Ministers vertreter heben die Vorteile hervor, die daraus entstehen, wenn das die Aufnahme der mit Steuern rüdständigen Gemeindeglieder Alters- und Siechenheim auf dem Riefelgute errichtet würde. Die in die Wählerliste berbiete, sei hinfällig, weil diese Anweisung angelegenheit wird zunächst einem Ausschuß von 18 Mitgliedern Horizont in eine wilbbewegte Masse verwandelt. Blizz auf Bliz gesezwidrig und von dem höchsten Gerichtshof bereits überwiesen. Potsdam. Die Bestätigung der Wahl unseres Genoffen Magnan in die desabouiert worden sei, auch die von der Beklagten angezogene Schuldeputation, der an die Stelle des nicht bestätigten Genossen Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts vom 7. Juli 1903 fei moltenbuhr gewählt wurde, ist ebenfalls versagt worden. Die nicht anwendbar, da sie sich mit der Städteordnung befasse und Stadtverordnetenversammlung hat nun zum dritten Male an die mit der gegenwärtigen Frage absolut nichts zu schaffen habe. Ersazwahl heranzugehen. Zu seiner des Klägers Ueberraschung berufe sich der Vertreter der Beklagten in seinem Schriftsabe auch auf ein Erkennt. nis des Oberverwaltungsgerichts vom 9. Oktober 1903 in Sachen Jugendspielpläge werden jetzt von der Stadt auf dem brachEisner gegen die Gemeindevertretung Groß- Lichterfelde, das aber liegenden städtischen Terrains an der Kastanien- Allee eingerichtet. von der Gegenpartei völlig mißverstanden worden sei. Gerade Der Magiftrat fordert für die erforderlichen Planierungsarbeiten dieses Urteil, dessen Original hier vorliege, habe sich mit einer alle einen Betrag von 86 M. Der Magistrat kommt damit einem lang gehegten Wunsch der Bevölkerung von Potsdam W. W. nach, deren Zweifel ausschließenden Deutlichkeit auch darüber ausgesprochen, Kinder einen geeigneten Tummelplaz entbehren mußten. Es wäre ob solche Wähler, die mit ihren Abgaben im Südftande seien, in freudig zu begrüßen, wenn der Magistrat auch andere städtische die Wählerliste aufgenommen werden müßten. Es heiße dort Grundstücke, über die nicht verfügt ist, zu selbem Zwede bereit stellte wörtlich:„ Auch dafür, ob die Ausübung des Wahlrechtes Was bei Blagvermietungen an Zinsen auch verloren ginge, das zeitweilig entzogen ist, muß der Inhalt der Wählerliste würde dem unverzinsbaren Interesse des Volkswohles zugute maßgebend sein, so daß dem Wahlvorstand eine Prüfung der kommen. Richtigkeit dieses Jnhaltes nicht aufteht. Nach der Anweis fung II. zur Ausführung der Landgemeindeordnung vom 28. Dezember 1891 au B. Nr. 1, soll bei der Aufstellung der Liste der Gemeindeglieder und Stimmberechtigten(§ 39 der Landgemeindeordnung) in ihr das Ruhen des Gemeinderechts bermerkt werden. Dieser Vermert muß auch demnächst bei Aufstellung der Wählerliste(§ 55), berüdsichtigt werden." Daraus gehe flar herbor, daß der Klage stattgegeben werden müffe auf Berichtigung der Wählerliste. Der Vertreter der Beklagten bezog sich in seiner Grwiderung auf die ministerielle Anweisung, die für den Gemeindeborstand maßgebend sei, und auf eine Entscheidung des Kreisausschusses, der vor einiger Zeit dieselbe Klage von anderer Seite abgewiefen habe. Außerdem meinte Herr Schulz seien doch die Wähler gar nicht besser daran, wenn sie mit dem Vermerk des Ruhens in die Wählerliste aufgenommen würden, weil sie, selbst wenn die Abgaben bezahlt worben wären, infolge diefes Vermerkes nicht wählen dürften, denn eine„ Abänderung" der Wählerliste sei unstatthaft. Es war dem Kläger nicht schwer, den fundamentalen Irrtum des Herrn Gemeindevorstehers au widerlegen. Der Gerichtshof zog sich hierauf zur Beratung zurüd. Genosse Wenzel hatte in seinen Ausführungen deutlich genug turchblicken lassen, daß er das Urteil bereits tenne und so war er durchaus nicht überrascht, als der Vorsitzende die Abweisung der Klage vertünbete mit der Begründung, daß der Kreisausschuß schon einmal in einer gleichen Sache die Klage abgewiesen habe. Was sind Geseke, was ist Recht, was find Entscheidungen der höchsten Instanz für den Teltower Kreisausschuß! Nichts! Es wird dafür gesorgt werden, daß dem Kreisausschuß Be lehrung auteil wird. Charlottenburg. Freie Boltsbühne Charlottenburg. Die Junivorstellung der " F. B. C." findet am Sonntag, den 21. Juni, 8 Uhr nach mittags, im Schiller- Theater, Charlottenburg, statt. Gespielt wird eines der bekanntesten und beliebtesten Stüde, Hermann Suder manns heimat". Die Beitragsmarten müssen am Sonnabend, 20. Juni, geklebt sein. Die nächstfolgende Vorstellung der F. B. E." bringt, wie bereits mitgeteilt, Gerhart Hauptmanns Weber". Schöneberg. Stadtverordnetenversammlung. Gerichts- Zeitung. Nachtlänge zum Jandorf- Boykott. Der Arbeiter Suhr hatte im Oftober 1907 vor dem Warenhause Jandorf in der Veteranenstraße Einladungen zu einer Verfammlung der Handlungsgehilfen verteilt. Es war ihm dafür ein Strafmandat über 5 Mart zuteil geworden, weil er keine Erlaubnis zum Verteilen der Druckschriften hatte. Suhr beantragte gerichtliche Entscheidung. Das befehl, indem es eine unentgeltliche Verteilung bie entgeltliche Söffengericht Berlin- Mitte bestätigte den Strafbedarf teiner Genehmigung deshalb für vorliegend erachtete, befehl, indem es eine unentgeltliche Verteilung weil der Angeklagte die Verteilung vorgenommen hat, ohne Entgelt zu verlangen oder zu erwarten". Diese Begründung erschien dem Landgericht I, das der Angeklagte alsdann anrief, denn doch unhaltbar, zumal ein Zeuge, wie schon in erster Instanz, bekundete, daß er an den Angeklagten für das Bettelverteilen 1 m. gezahlt hatte. Aber auch in zweiter Justanz wurde der Angeklagte verurteilt. Das Landgericht erklomm den Gipfel der Weisheit, indem es für allein entscheidend erklärte, ob die Personen, an welche die Druckschriften verteilt werden, dafür etwas zahlen oder zu entrichten haben. " Ein furchtbares Unwetter entlud sich, wie uns aus Duisburg am Rhein vom Dienstag, den 16. Juni, geschrieben wird, über die Stadt und ihre nächste Umgebung. Schwarz wie die Nacht auf der einen Seite, aschgrau auf der anderen türmten sich drohend die Wolfen gegeneinander auf, und in furzer Zeit war der ganze zudte hernieder, begleitet bon tnatternden Donnerschlägen, und trachend flogen bald von diesem, bald von jenem Dache Ziegel, Sparrenstücke und Dachrinnenteile auf den Straßen umher. In einer einzigen Straße wurden nicht weniger als 7 Blitschläge gezählt, auch eine Volksschule wurde während des Unterrichts vom Blitzschlage getroffen. Telegraphenstangen und Bäume von Mannesstärke lagen an verschiedenen Stellen wie Streichhölzer getniďt abgeschlagen auf der Erde. Dabei floß der Regen in Strömen herunter, Gärten vielfach in einen Schlamm verwandelnd. Viele Mühe und Arbeit in einer einzigen Stunde vernichtet. An verjunge Bäume find entwurzelt und zerknidt, und der Erfolg mancher schiedenen Stellen, unter anderem auch in einem Fabrikgebäude, zündete der Blik, doch konnte unter den strömenden Regengüssen kein größeres Schadenfeuer zum Ausbruch kommen. Wie groß der auf den Feldern und in den Gärten angerichtete Schaden ist, wird sich erst später übersehen lassen. Ein Opfer der Brügelpädagogit. In diesen Tagen züchtigte, wie aus Frankfurt a. M. telegraphiert wird, die 45 Jahre alte Lehrerin Siegismund in dem Vorort Oberrad eine 10jährige Schülerin und schlug sie derart mit dem Kopf auf das Bult, daß das Kind bewußtlos zusammenbrach. Die Schülerin ist gestern nachmittag, ohne das Bewußtsein erlangt zu haben, gestorben. Die Leiche wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Die Lehrerin war bereits 15 Jahre in Stellung. Durch Blitschlag getötet wurde im Kreise Wittlage der Ader bauer Finte nebst Frau und Sohn. Verband der Friseurgehülfen Deutschlands.( 8weigberein Berlin und Vororte.) Heute abend 10 Uhr Generalversammlung Gehilfen. Heute abend 10 Uhr Steinstr. 2. Rosenthaler Straße 11/12. Verband deutscher Barbiere, Friseure und Perückenmacher. Lefse und Diskutierklub Wilhelm Liebknecht". Heute abend Uhr bei Buhl, Danziger Straße 93. 9 " Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, sweiter britter Eingang, Sof. vier Treppen, Fahrstuhl wochentäglich abends von 7 bis 9% Uhr statt. Geöffnet 7 1hr Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ift ein Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort Run ging der Angeklagte an das Kammergericht. Dies wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. hob das Urteil des Landgerichts auf. Es erklärte die Ansicht der M. Müller. 1. Ja. 2. Vorortbahn. E. 83. Die Steuer ist zu E. 2. 500. Strafbar Borinstanz für unzutreffend und sprach aus, daß das Verteilen von zahlen. Berjährung tritt erst in vier Jahren ein. Druckschriften dann unentgeltlich sei, wenn der Verteiler für die nicht, aber nicht richtig. Auf Rüdzahlung fönnte mit Erfolg geflagt werden. N. B. 15. Gegen die Zegeler Steuereinschäßung müssen Sie res Arbeit des Verteilens von seinem Auftraggeber feinen flamieren. P. B. 36. Der Lohn lann in Ihrem Falle in boller Höhe Lohn erhalte. Aber auch das Kammergericht sprach den Angeklagten handelt. A. B. 10. Rigdorf. 1. Nein. 2. Die Bersteigerung konnte noch nicht frei, es geftand zwar zu, daß der Angeklagte nach den mit Beschlag belegt werden, soweit es sich um die laufenden alimentenraten Feststellungen der Strafkammer für die Arbeit des Berteilens eine nur nach gerichtlicher Anrufung gegen den Willen der Miteigentümer zieds Vergütung von einer Mark erhalten hatte, es meinte aber auseinandersetzung durchgejezt werden. Die Koften fallen der Gesamtheit weiter: Gleichwohl wäre die Verteilung feine entgeltliche, wenn zur Last. 3. Schwerlich, das wäre auch ohne Verkauf möglich. etwa der gezahlte Betrag nur zum Schein gegeben, in Wahr- R.. 11a. Ja, für Lie Frau. M. 4. 1. Ja. 2. Von allen heit aber fein equivalent für die aufgewendete Mühe sein sollte". Kindern; für die minderjährigen hätten deren Vormünder zu unterschreiben. Das Kammergericht wies beshalb die Sache an das Landgericht 3. und 4. Ist ohne Einsicht in den Wortlaut der Eintragung nicht zu be antworten. 2 Wettende. Sie find im Recht. 2. 3. 200. Der zurück. Antrag auf Naturalisation ist seitens des Nichtdeutschen an den PolizeiIn der erneuten Verhandlung befündete gestern der präsidenten zu richten. Ein Recht auf Naturalisation hat der Ausländer Beuge Gabler, daß er an den Angeklagten für das Zettelverteilen nicht. Wird dem Antrage stattgegeben, so find 50 Mart Gebühren zu 2. S. 32. Die erste Frage ist zu verneinen, der zweite zu 50 Pfennig pro Stunde gezahlt habe und daß dies der übliche Satz zahlen. bejahen. Db der Inhalt der Mietsverträge etwa eine andere Beant. sei, auf deffen Bezahlung ohne Abrede gerechnet werden könne. in dieselben nicht zu sagen. Daraufhin beantragte der Verteidiger, Rechtsanwalt wortung erhelscht, ist ohne Einsicht 8. S. 1. Die Kündigung ist gültig. 5. B. 7. 1. Nein. 2. Ein Dr. Kurt Rosenfeld, die Freisprechung des Angeklagten Baß ift stedmäßig, aber nicht notwendig. 8. Der Untrag ist zunächst an und die Uebernahme der notwendigen Auslagen bas Standesamt zu richten. 3. 26. 1. Sa. 2. Dagegen gibt es teine der Verteidigung auf die Staatstaffe. Er wies Mittel. 3. Der Mann fann Herausgabe der Kinder verlangen. B. 45. darauf hin, daß es nicht Schuld des Angeklagten gewesen sei, wenn ein: ein Mann wird erst mit zurüdgelegtem 21. Lebensjahre heirats. erst das Kammergericht das geltende Recht richtig angewandt habe. fähig. Sans 222. 1. Machen Sie den Versuch. 2. Borher warm baden. Der Staatsanwalt erachtete die Freisprechung für nötig und Auswärtige Amt.-A. R. 999. 1. Rein. Wenden Sie sich an Meuschel, Weißensee, Rölfeftraße 131 a. ausreichend. Das Gericht erkannte auf& reisprechung und 3. legte ferner die Kosten der Werteidigung der StaatsEinem dringlichen Antrage des Magistrats, nach welchem demfelben die erforderlichen Mittel zur Bekämpfung der Saartrant heit zur Verfügung gestellt werden, wird einstimmig zugestimmt. Auf eine Anfrage aus der Versammlung über die Entstehung tasse auf. und ben Stand der Haarkrankheit erwidert Bürgermeister Blantenstein, daß die Anfänge der Krankheit ungefähr atvei Monate zurüdliegen. Da diese Krankheit hier bisher völlig unbekannt war, so habe man sich erst nach Bern und Paris wenden müssen, um die nötigen Anhaltspunkte herauszufinden. Was den Ursprung der Strankheit betrifft, so sei diese wahrscheinlich Vermischtes. Unsere Eisenbahnzustände. 2. An das Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion über den Großhandel in den 8entral- Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach, Geschäft still, Breise unverändert. Wild: Zufuhr genügend, Geschäft matt, Preise wenig verändert. Geflügel: Bufuhr genügend, Geschäft still, Breise wenig verändert. Fische: Bufuhr genügend, Ges fchäft sehr schleppend, Preise nachgebend. Butter und Käse: Geschäft lebhaft, Preise in Butter höher. Gemüse, Dbst und Sud. früchte: Bufuhr genügend, Geschäft anfangs lebhaft, später flau, Preise Witterungsübersicht vom 17. Juni 1908, morgens 8 Uhr. ziemlich feft. Berlin Barometer fland mm Binb citung Einblarle Better 6° 5.. Temp. n. Stallonen Barometer inb rigtung inbarte 757 2323 781 NW 754 G Meller 4 Regen Xemp. n. G. 7 Uns wird geschrieben: Den Tod auf der Maschine fand der im latholischen Antoniusstift entstanden und dann auf bie latho Rokomotivheizer Bopieka auf dem Bahnhof zu Gleiwit, wo sich P. lische Gemeindeschule übergegangen. Man habe aber nur mit bereinzelten Fällen zu tun, von einer Epidemie kann durch zu weites Hinauslehnen an einem Lichtmast den Kopf zernicht die Rede sein. Eine große Anzahl von Aerzten find schmetterte, so meldet tura und falt ber Telegraph in Nr. 136 gewonnen, um der Krankheit möglichst schnell Herr zu werden. Am dieses Blattes. Daß nur die Angehörigen des Getöteten nicht ver. Donnerstag foll mit den Untersuchungen sämtlicher Boltsschüler be abfäumen, wenigstens ihre Ansprüche geltend zu machen, da es ja Stationen gonnen werden, worauf am Montag die Untersuchung in den höheren nicht gelingt, den höheren Beamten zur Bestrafung zu ziehen, der Schulen beginnt. Durch diese Untersuchungen wird man erst die wirklichen Unterlagen für ben Stand ber Krankheit finden. Bon seiten den Tod des Arbeiters verschuldet hat. Immerhin läßt sich nach. des Magistrats ist alles in die Wege geleitet, um die Krankheit im weisen, daß hier für die fahrlässige Vernichtung eines Menschen Sminembe. 758 GGD 3 balb bb. 21 Saparanda 756 S 1'wolten! 16 Reime zu erstiden. Anlaß zu irgend welchen Beunruhigungen liegt lebens das Eisenbahnbetriebsamt, das die Aufstellung der Richt. Qamburg 756 ND 2 halb bb. 23 Betersburg 768 S 757 SD 2moltent 24 Scilly 1 heiter 13 4 halb bd. 22 berdeen Franfi.a.M. 755 23 nicht vor. Uebrigens ist die Krankheit ohne jeglichen Einfluß masten anordnet, die Schuld trägt. 25alb bb. 10 Das Hinauslehnen aus der Maschine ist eine unumgänglich münchen 756 S 4 heiter 22 Baris auf den Gesundheitszustand der davon Betroffenen. Es handle fich 5 Regen 18 759 SD 2 heiter 23 lediglich um eine Schönheitserkrankung. Stadtv. Dr. Friedenotwendige Diensthandlung, denn Lokomotivführer und Heizer 23ten mann ergänzte noch die Ausführungen, wobei er barauf hinwies, müssen fortwährend die Zeichen und Rufe der Rangierer beachten. Wetterprognose für Donnerstag, den 18. Juni 1908. daß man viel mehr Ursache habe, die Bekämpfung der Stopfläuse Aber selbst wenn es sich nicht um eine Rangiermaschine handelt, Kühler, zunächst ziemlich trübe mit Gewitterregen und mäßigen west. vorzunehmen, als sich über diese Haarkrankheit ganz unnötigerweise bleibt die Sachlage dieselbe. Der Begriff zu weit hinaus. lichen Binden, später langsam wieder aufllarend. Berliner Betterbureau aufzuregen. Der Ausschußantrag, worin der Magistrat ersucht wird, baldigst lehnen" ist nicht nach Zentimetern festzulegen, der Beamte lehnt eine Borlage über die Einrichtung einer Schreibstube für sich eben so weit hinaus, wie es augenblicklich die Wahrnehmung Beschäftigungslose au machen, wird angenommen. Der Magistrate- feiner dienstlichen Tätigkeit fordert, und die Aufstellung der Licht. bertreter teilte bei dieser Gelegenheit mit, daß es besser sei, die maften und alles Eisenbahnrüstzeuges muß so erfolgen, daß durch Einrichtung der Schreibftube einem Verein zu übertragen, als in bloßes Hinauslehnen die Köpfe der Arbeiter nicht zerschmettert eigener Regie vorzugehen. Diesbezügliche Schritte sind schon in die werden, während die Klugen Köpfe der Beamten in der Direktion Bege geleitet. In der nächsten Zeit wird eine entsprechende Bor ihr behagliches Leben führen. lage gemacht werden. Es fehlt leider an Gesezesbestimmungen, auf Grund deren Bugestimmt wird sodann einer Borlage bes Magistrats, Be treffend den Ausbau des Stiefelgutes in Deutsch- Wusterhausen, man die höheren Eisenbahnbeamten für fahrlässige Handlungen Bregel, Insterburg Einrichtung einer Milchwirtschaft und Bau eines Schulhauses. Die aur Verantwortung ziehen kann. Auf den Bahnhöfen ist die Eisen. 28 eifel, Thorn Stroffen erforderlichen Mittel in der Höhe von 204 000 m. werden be- bahnverwaltung selbst Bolizei, es gibt also keine Instanz, die bereit Dder, Matibor wäre, den Beamten, der die fluchwürdige Aufstellung des Mastes Frankfurt willigt. Ein Dringlichkeitsantrag der sozialdemofratischen angeordnet hat, zu verfolgen, denn die Eisenbahndirektion hat jeben- Barthe, Scrimm Fraktion, in welchem die erforderlichen Mittel verlangt werden, um falls den Lageplan, auf den der Lichtmast eingezeichnet ist, geprüft Neze, Bordamm eine Anzahl von stindern in den Monaten Juni, Juli und August und durch Unterschrift eines höheren Eisenbahn Ibe, Reitmeriz täglich nach dem Grunewald zu befördern, wird einem sofort ein- baubeamten genehmigt. Die Direktion wird den Begesetzten Ausschuß von 7 Mitgliedern überwiesen. Die Petition um Ueberweisung von 5000 m2. an die Robert amten nicht nennen und dem nächst untergebenen EisenbahnbauRoch Stiftung wird einstimmig dem Magistrat zur Berüd inspektor, der die Stelle bezeichnet hat, an der der Todesmast tehen foll, auch nicht zu nahe treten. Der Gisenbahnminister ist fichtigung empfohlen. 4 Wasserstands- Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt bom Berliner Wetterbureau. Bafferstand Memel, Tilft 98-1 am feit am feit 16. 6. 15. 6. Bafferstand 16. 6. 15. 6. em cm) cm cm³) 167 -1 30-2 140?+38? 102+3 107-5 Saale, Grochlit Havel, Spandau) Rathenow³) Spree, Spremberg) 94 180-9 148 1 Beeskow 138 114 0 Beser, Münden Landsberg 42 40 Minden -41 62 Rhein, Marimiliansau 496 18 Staub 288 -37 Stöln 802 -145 Nedar, Heilbronn 68 147 141 -11 Main, Bertheim Mosel, Trier 128-2 78 Dresden Barby Magdeburg + bedeutet Buchs, Fall,-) Unterpegel. Für den Juhalt der Juferate übernimmt die Redaktion dem Publitum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Donnerstag, den 18. Juni. Anfang 7, Uhr. Königl. Opernhaus. Die Hugenotten. Königl. Schauspielhaus. Rabensteinerin. Anfang 8 Uhr. Die Deutsches. Die Brettlgräfin. Rammerspiele. Tugendwächter. Unterfeeboot. Leffing. Der Raub der Sabinerinnen. Neues. Nächte im Hampton- Klub. Neues Schauspielhaus. Die Dollarprinzessin. Kleines. 2X2= 5. Berliner. Raffles. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Abends 8 Uhr: Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater). ( Morwin- Oper.) Donnerstag, abends 8 Uhr: Carmen. Dper in 4 Aften von Georges Bizet. Ueber den Brenner nach Venedig. Freitag, abends 8 Uhr: COOLOGISCHER CARTEN Täglich: Gr.Militär- Doppel- Konzert Eintritt 1 M. von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Komische Oper. Die Fledermaus. Die blaue Mans. Lustspielhaus. Die blaue Maus. Schiller 0.( Wallner Theater.) Carmen. Schiller Charlottenburg. Der Herr Ministerialdirektor. Friedrich Wilhelmstädt. Schau: spielhaus. Thomas. Der ungläubige Thalia. Der Selbstmörderklub. Westen. Ein Walzertraum. Neues Operetten. Der Mann mit den drei Frauen. Shijet. Sm Solbiano. Trianon. Frau Baronin. Bernhard Nose. Am Altar. Metropol. Das muß man seh'n. Apollo. Die füßen Grisetten. Spe zialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Wassage. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Hrania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Sternwarte, Invalidenftr. 57/62. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Hopfenraths Erben Kleines Theater. Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Freitag: 2 mal 2== 5. Sonnabend: 2 mal 2 Sonntag: 2 mal 2 5. Montag: 2 mal 2 5. 5. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Ein Walzertraum. Dperette von Dstar Strauß. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Der ungläubige Thomas. Anfang 8 Uhr. Freitag: Jm weißen Rögl Sonnabend: Der Stabstrompeter. Sonntag nachm. 3 Uhr: Madame Sans Gêne. Abends: Der Stabs. trompeter. Neues Operetten- Theater Schiffbauerdamm 25, an der Luisenstr. Sommerpreise. Anfang 8 Uhr: Der Mann mit den drei Frauen. Luisen- Theater. Reichenberger Straße 34. Abends 8 Uhr: Im Goldland. Freitag: Die Stimme des Blutes. Sonnabend: Die Stimme d. Blutes. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Hüttenbefizer. Abends: Die Stimme des Blutes. Montag: Goldland. DERNHARD ROSE THEATED Gr. Frankfurter Str. 132. Abends 8 Uhr: Am Altar. Beitgemälde in 4 Alten von Paul Blumenreich. Wochentagspreise. WINE BARTEN 65 Neues Programm von Publikum u. Presse glänzend beurteilt. Marie, die Regimentstochter. Sonnabend, abends 8 Ubr: Die Afrikanerin. Schiller- Theater Charlottenburg. Donnerstag, abends8 Uhr: Der Herr Ministerialdirektor. Lustspiel in drei Aften von Alexander Bisson und Fabrice Carré. Freitag, abends 8 Ubr: Gebildete Menschen. Sonnabend, abends 8 Uhr Der Herr Ministerialdirektor. Diez' Spezialitäten- Theater Landsberger Allee 76/79, direkt Ringbahn- Station. Bequemste Fahrgelegenheit nach allen Stadtrichtungen. Ob schön! Kommen! Sehen! Staunen! Ob Regen! Täglich: 1 33652* Das größte u. befte Programm Berlins. Nur Attraktionen, u. a.: Zum erstenmal in Europa: Das größte Welträtsel des Erdballs! Bon der gesamten amerit. Bresse als d. größte Weltwunder bezeichnet: The great Simpson. Der Berächter des Todes. Ein bezahlter Selbstmordkandidat! Gr. Ball. Kaffeeküche. Voltsbelustigungen aller Art. Paul Ghiglos Fest- Säle u. Sommer- Theater. Schwedter- Straße 23-24. Empfehle meine Lotalitäten zu Hochzeiten, Fest: lichkeiten jeder Art.. Jeden Donnerstag im herrlichen schattigen Naturgarten: Otto Steidels Hamburger Sänger. Nach der Soiree: Gr. Freitanz. Vereinszimmer, Kegelbahn noch einige Tags frei. Gr. Saal ist noc Sonnabende au bergeben. Hochachtend Paul Obiglo. 34412* Walhalla pollo Varieté- Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Spezialitätenvorst. Im Garten. Bei schlecht. Witterung i. Theater. Anfang der Borstellung 8 Uhr. Anfang d. Gartenkonzerts 5 Uhr. Kleine Preise. Preie Volksbübne Die neuen Mitgliedskarten werden in den Zahlstellen vom 4. Juli ab ausgegeben. Diejenigen Mitglieder, welche auch im nächsten Spieljahr dem Verein angehören wollen, müssen bis 20. Juni ihre alte Mitgliedskarte zum Umtausch in der Zahlstelle abgeben und event. Beitragsreste entrichten. Der Julibeitrag wird nicht erhoben. Der Augustbeitrag und das Einschreibegeld betragen 90 Pfennig. Umschreibungen in eine andere als die bisherige Zahlstelle müssen im Juli- August bewirkt werden. Das neue Spieljahr beginnt am 30. August. Die Vorstellungen finden abwechselnd statt im Neuen Schauspielhause am Nollendorfplatz Thalia- Theater Dresdener Straße 72/73 in eigener Regie. Abend Abteilungen im Neuen Schauspielhause ( jeden Montagabend 8 Uhr). Lessing- Theater Friedrich- Karl- Ufer 1. Herrnfeld- Theater Kommandantenstr. 57 in eigener Regie. Extra- Vorstellungen voraussichtlich in der Neuen Lortzing- Oper. Kunstabende, Konzerte, Vorträge im Bürgersaal des Rathauses Hochschule für Musik- Blüthner- Saal Mozart- Saal- neuen Happoldtschen Konzertsaale. Die Monatschrift ,, Freie Volksbühne“ mit dem beschreibenden Text der Stücke, dem Programm und den Vereinsmitteilungen erscheint einige Tage vor den Premierentagen( Herausgeber Dr. C. Schmidt) im Verlage von G. Winkler und wird in den Zahlstellen unentgeltlich an die Mitglieder verabfolgt. Rixdorf, Fuldastr. 55( Max Zirkel). Teue Zahlstellen sind errichtet in Rummelsburg, Alt- Boxhagen 50( M. Havenstein). SW., Hagelberger Str. 27( Rudolf Daehn). Weißensee, Lothringenstr. 13( Nerlich). Beitrittserklärungen N.: Ernst Beyer, Veteranenstr. 11. H. Roloff, Wörther Str. 31. A. Charlet, Ackerstr. 154. Paul Mazanke, Pankstr. 13. R. Vogel I, Lortzingstr. 37. K. Opitz, Lynarstr. 2. K. Wiesenthal, Ackerstr. 123. A. Tietz, Invalidenstr. 124( Stettiner Bahnhof). Kriedemann, Stargarder Str. 74. NO.: Franz Niemeyer, Weberstr. 19. J. Reul, Barnimstr. 42. 0.: P. Horsch I, Engelufer 15( Gewerkschaftshaus). G. Vogel II, Koppenstraße 83. Lohaus, Thaerstr. 63. W. Henze, Petersburger Str. 34. SO.: A. Böttger I, Skalitzer Str. 107. Friedrich, Mariannenstraße 5. Schulz, Görlitzer Straße 58. Karl Scholz, Wrangelstraße 110. S.: Haase, Kottbuser Damm 4. Gottfried Schulz, Admiralstraße 40a. W. Börner, Ritterstr. 15. F. Meyer, Dresdener Str. 128/129. SW.: Rudolf Daehn, nehmen entgegen: NW. Hagelberger Str. 27. Mudersbach, Lindenstr. 59. F. Ohnesorge, Markgrafenstr. 102. A. Böttger II, Zossener Str. 30. W.: Wiemers, Bülowstr. 59, G. Moldenhauer, Barbarossastraße 64. ( Moabit): Paul Horsch II, Charitéstr. 3( Verbandshaus der Metallarbeiter). Lamprecht, Putlitzstr. 10. C.: H. Ramm, Stralauer Str. 3/6. Alb. Löwenberg Neue Schönhauser Str. 18. Clasen, Gipsstr. 27. G. Weihnacht, Grünstr. 21. Rixdorf: F. Henning, Zietenstr. 69. Charlottenburg: F. Schmidt, Wilmersdorfer Str. 130. Wilmersdorf: E. Meyer, Uhlandstraße 97. Tempelhof: M. Müller, Berliner Str. 41/42. Ober- Schöneweide: H. Knappe, Reuleauxstraße 22. Tegel: Johann Lauer, Berliner Str. 92. 241/6 Der Vorstand. I. Vertr.: Gustav Winkler, Rixdorf- Berlin, Kirchhofstr. 46, 2 Tr. Schweizer The Trapnell- Family, weibliche Akrobaten. Florence u. Lilian, musik. Produkt. Rebla, komischer Jongleur. Lily Flexmore, akrobatische Tänzerin. Mlle. Juliette, dressierte Seelowen. Tan Kwai Troupe, Chinesen. Therese Renz, Reitnummer. Doherty Sisters, amer. Sängerinnen u. Tänzerinnen. The Bounding Gordons, Am Königstor, Am Friedrichshain 29/32 amer. Akrobat. Ferry Corwey, musik. Clown. Trombettas, Straßenbahn: 1, 2, 4, 17, 59, 62, italienisches Gesangs- und TanzDuett. Der Biograph. Garten. 63, 74 und Q. Täglich: TheaterMetropol- Theater. SpezialitätenBum 271. Male: Vorstellung. abends 10 Uhr: man seh'n. Wie einst im Mai Das muß man seh'n. Revue in 12 Bildern m. Gef. und Tanz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Bollsstüd mit Gesang in 2 Alten. HasenArnold Scholz. Neue Welt. helde 109-114. Donnerstag, den 18. Juni 1908: Großes Doppel- Konzert. Gala- Spezialitäten- Vorstellung. Erstes großes Brillant- Feuerwerk des Pyrotechnikers Adolf Bock. Anfang 5 Uhr. Tanz- Reunion. Entree 50 PI. Volksgarten Theater am Bahnhof Gesundbrunnen. Donnerstag, den 18. Juni: Konzert, Theater und Spezialitäten- Vorstellung. Gr. Brillant- Feuerwerk. W. Noacks Theater Direftion: Roh. Dill. Brunnenitr. 16 Großer durchschlagender Erfolg: der 21 Nummern des neuen Progr. Abends 1,10 Uhr: Das ehrliche Berlin. Staffeet. 3, inf. 6 Uhr. Entr. 30 Sonnabend. 20. Juni: Gr. ExtraBorstellung: Er muß aufs Land oder: Der luftige Ehemann. Theater 26 8 Uhr: Die neuen Attraktionen. 9 Uhr: Die süßen Grisetten. 10% Wiener Festzug anläßlich d. Jubiläums Sr. Maj. des Kaisers von Oesterreich. 10%, Bert Bernards Compagnie: Ein Abend in einem amerikanischen Tingel- Tangel. Passage- Theater. Der größte Saisonerfolg Gastspiel Willi Agoston in der tollen Burleske Berlin in Stimmung Das Tollste vom Tollen und die neuen Juni- Spezialitäten. Passage- Panoptikum. Ohne Extra- Entree. Der Riese aller Riesen Pisjakoff Eintritt 50 Pf. Kinder, Soldaten 25 Pt. Brunnen- Theater Badstraße 58. Direkt.: Willi Voigt. DF Täglich: Der deutsche Michel. Erstklassige Spezialitäten. Karl Braun, Berwandlungs- Künstler. Mirzl v. Wenzl, Tschuschtes Liliputaner. Paul Coradini. Eröffnung 2 Uhr. Anfang 5 Uhr. Borverkauf von 10 Uhr ab. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Variétésterne. Burleske von Megsel. Meysel als Saharet. Britton als Isadora Duncan. Anf. Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Fröbels Allerlei- Theater. Schönhauser Allee 148. Täglich: Spreelottchen. Bollsstüd aus dem Berliner Leben. Dazu erstklassige Spezialitäten. Jm Saale von 5 Uhr ab: Tanz. Berliner Prater- Theater Kastanien- Allee 7-9. Täglich Die Welt ein Paradies große Ausstattungs- Revue und das großartige Spezialitäten- Programm. Anf. Sonnt. 4 Uhr, Wochent. 4 Uhr. Kottbuser Sanssouci, Straße 6. Direktion Wilhelm Reimer. Der Garten ist geöffnet. Heute Donnerstag: TanzNeues Elitesoiree Kränzch Progr. Berliner Sänger Stürmischer Lacherfolg! Der gefoppte Feldwebel. Bosse in 1 Aft. Beg. Sonnt. 5, wochent.8 U. Gstbalm- Park Am Küstrinerplatz, Rüdersdorferstr.71 Hermann Imbs. Täglich: Großes Konzert, Theater- und SpezialitätenVorstellung. Max ax Kliems Sommer- Cheater. Hasenheide 13-15. Artist. Leitung: Bernhard Lange. Taglio: Großes Konzert, Theaterund Spezialitäten- Vorstellung. Mittwochs: Kinderfest. Dr. Simmel Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. dicht am Prinzenstr. 41, Moritzplatz, 10-2, 6-7. Sonntags 10-12, 2-4. Landesausstellungspark Neu erbaut: Festsäle Gartenrestaurant Konditorei und Café Täglich Konzert von 4 Uhr ab: Dejsunere von 2.50 an bis 2 Uhr nachm. Diners Soupers v. 4.00 an Zentralverband der Lederarbeiter. Filiale I Berlin. Sonnabend, den 20. Juni, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Schmidt, Prinzen- Allee 33: Extra- Verfammlung. 1418 Zages Drdnung: 1. Hortfehung der Diskussion über den Bericht des Berbendstages. 2. Bericht über den Arbeitsnachweis. 3. Vereinsangelegenheiten. Im Intereffe aller Mitglieder muß es liegen, pünktlich und zahlreich zur Stelle zu sein. Der Vorstand. 8..: F. Range. Verband der Schneider Schneiderinnen und Wäsche- Arbeiter Filiale Berlin I. Montag, den 22. Juni: 12. Landtags- Wahlkreis. Moabit! Moabit! Freitag, den 19. Juni 1908, abends 8 Uhr, im Moabiter Gesellschaftshaus, Wicleffstr. 24: Volks- Wählerversammlung Lagesordnung: 1. Wer soll im 12. Kreise in den Landtag gelangen? Referent: Landtags- Abgeordneter Redakteur Heinrich Ströbel. 2. Ansprache des Kandidaten Stadtv. Adolf Hoffmann. 3. Freie Diskussion. Jeder ist geladen. Das sozialdemokratische Wahlkomitee. Sommerfest Deutscher Holzarbeiter- Verband. Steppdecken in der Brauerei Friedrichshain Am Friedrichshain 16-23. Großes Konzert Dirigent: Herr Kapellmeister Gust. Vogel. Auftreten des Berliner Ulk- Trio. Volkshelustigungen, Preiskegelschieb., Feuerwerk Von 6 Uhr ab: TANZ. Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Kassenöffnung 2, Uhr. Beginn des Konzerts 4 Uhr. Entree 30 pt. Die Kaffeeküche wird um 3 Uhr geöffnet. 163/ 5* Bekanntmachung. Die Firma Julius Lindenbaum, Große Frankfurter Straße 141, hat am Sonnabend, den 6. Juni, die seit dem 22. März 1907 urit turzen Unterbrechungen bestehende Betriebswerkstätte aufgelöst. Bur Unterhaltung einer Betriebswerkstätte ist die Firma vertraglich verpflichtet. Sie versucht sich ihren Verpflichtungen dadurch zu entziehen, daß sie die bisher auf der Werkstätte beschäftigten ledigen Arbeiter auffordert, bei einem Streikbrecher als Gesellen zu arbeiten. Damit versucht die Firma das Zwischenmeistersystem, welches wir durch Errichtung von Betriebswerkstätten zu bekämpfen suchen, In seinen allerschlimmsten Formen zur Einführung zu bringen. Die verheirateten Arbeiter sollen wieder als Heimarbeiter tätig sein. Indem wir dies hiermit zur Kenntnis bringen, ersuchen wir unfere Kollegen, diese Firma so lange zu meiden, bis wir mitteilen, daß diese Differenzen geschlichtet find. 163/4 Verband der Schneider und Schneiderinnen. Die Ortsverwaltung. Abgerissen u. unmodern an Garderobe brauchen Sie bei unseren Preisen nicht zu gehen. Wir empfehlen getragene Monatsgarderobe in feinsten Werkstätten gearbeitet, von Herrschaften, Doktoren. Kavalieren nur Wochen gebrauchte Monats- Anzüge. 7, 10, 14, 18 M. Monats- Paletots 5, 8, 12, 16 M. J.Wand Hauptgeschäft: Große Frankfurter Str. 116 2. Geschäft: Chausseestr. 89 8. Geschäft: Chausseestr. 86 Bekanntestes Spezial- Geschäft für Monatsgarderoben Berlins. Ortsverwaltung Berlin. Heute, Donnerstag, den 18. Juni, abends 8 Uhr, bei Freyer, Koppenstraße 29: Vertrauensmänner- Versammlung Extrapreise! Emil Lefèvre für sämtliche Branchen und Bezirke. Berlin Süd. Seit 1882 Zages Ordnung: 1. Bericht vom Verbandstage. 2. Stellungnahme zur Arbeitsvermittelung. Mitgliedsbuch und Vertrauensmännerkarte legitimiert. BUCHHANDLUNG VORWARTS BERLIN SW- 68 LINDENSTR- 69 ZIELE UND WEGE ERLAUTERUNG DER SOZIALDEMOKRATISCHEN GEGENWARTSFORDERUNGEN PREIS 20PF PORTO 5PF C 85/15 nur Oranienstr. 158 Die Ortsverwaltung. Bunt Cretonne Rote Lotterie Similiseide) zugunsten des Ceoillenhelms. 5793 Gewinne i. W. v. Mark 150000 Hauptgewinne Mark 50000 Lose à Mark 3.30. Stettiner Lose à 50 Pf.- 11 Lose 5 M. Oscar Brauer& Co. Nachf., Androasstr. 46a, Ecke Blumenstr. Dr. Schünemann Spezial- Arzt für 25292 Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schüßenstr. 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Dezember 1907. 87,74 Kreditoren- Konto 2775,64 Mitglieder- Darlehn- Konto 312,91 • 5495, Andreas- Garten. 65/15 Anfang 4 Uhr. Andreasstr. 26. Restauration. Empfehle meine neu renovierten Räume zu Ber fammlungen u. Festlichkeiten. Fremdenlogis, Kegelbahn, Garten, ff. Biere, 32712* 1701,90 Mitglieder- Guthaben- Konto 1600,- gute Speisen u. Getränke, Mittagstisch von 60 Pf. an mit Bier. Jeben TANZ bei freiem 186,80 2655,83 7407,91 Gewinn nnd Verluft- Konto. Handlungs Untoften- Stonto 1967,35 Baren- Konto Lohn- Konto Binjen- Ronto. 2414,04 Utenfilien- Konto 132,21 Acht Stapital- Ronten. 4513,60 7407,91 1753,46 104,31 2655,83 4513,60 Mitgliederzahl am 1. Juli 1907: 8; am 31. Dezember 1907; 7. Die Haftsumme, für welche am 31. Dezember 1907 alle Genossen aufzukommen haben, beträgt 1400 m. Produktiv und Verkaufs- Genossenschaft Berliner Bandagisten. „ Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht." Für den Vorstand: Für den Aufsichtsrat: Paul Peukert. Herm. Hannemann. Bruno Fleischer. Jos. Meistner. Sonntag Es ladet freundlichst ein ORIGINAL SINGER Entree Der Birt F. Merkowski. Singer Nähmaschinen. 28102* Einfache Handhabung! Groke Haltbarkeit! Hohe Arbeitsleistung! Weltausstellung Grand Prix Weltausstellung Paris 1900: St. Louis 1904, luentgeltlicher Unterricht, auch in moderner Kunststickerei. Elektromotore für Nähmaschinenbetrieb. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. Berlin W., Leipzigerstr. 92. Filialen in allen Stadtteilen Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin, Für den Inferatenteil berantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW.