Nr. 142. Abonnements- Bedingungen: Ebonnements Breis pränumerando Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus, Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Bost- Beitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schmeis Erideint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 50 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 30 fg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Kapitalistische Kultur. Sonnabend, den 20. Juni 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. ( Cosel- Kandrzin) geschaffen werden, welches sämtliche Orte des meinden müßte gestützt sein durch finanzielle Garantieleistung oberschlesischen Industriebezirks mit gutem Trinkwasser in aus- des Staates. Eine weitere Vermehrung deren Schuldenreichender Menge versorgen fann. Probebohrungen haben in lasten um vielleicht zwanzig Millionen Mart würde den Ruin jenem Gebiete so reichliche Wassermassen gezeigt, daß diese mancher Gemeinde herbeiführen. Einmal sagt die Regierung Aus dem oberschlesischen Industriebezirk, dieser kost- nach der Meinung von Fachleuten eine Versorgung des in der„ Schlesischen Zeitung" selbst, daß der oberste Grundsatz barsten Perle in der Krone Preußens", wie ein Landtags- Industriebezirks selbst bei sehr erheblicher Weiterentwickelung des Zweckverbandes nicht der des Erwerbes, sondern der der wahlflugblatt der Grubenbarone fürzlich diese unerschöpf- desselben für die Dauer eines vollen Jahrhunderts garantieren möglichst restlosen Erfüllung des Gemeinwohls" sei. Ein solcher lich fließende Quelle tapitalistischer Bereicherung nannte, follen. Grundsatz verbietet den Gemeinden aber von selbst, hohen fommt wieder eine charakteristische Nachricht. Nicht um das Die Vorarbeiten für das Projekt werden seit mehr wie Gewinn aus dem Verkauf des Wassers zu ziehen, ganz abAuftreten irgend einer neuen ansteckenden Krankheit handelt einem Jahre von privatkapitalistischer Seite, und zwar von gesehen davon, daß ein hoher Wasserpreis doch auch wieder wie es sich dabei diesmal, sondern darum, daß die Trinkwasser- der Kontinentalen Wasserversorgungsgesellschaft in Berlin be- eine drückende Steuer und zwar eine solche auf ein unentbehrleitung für die größere, eine reichliche halbe Million Einwohner trieben. Diese Unternehmer haben der Regierung ein Projekt liches Lebensmittel wirken würde und dabei den Armen viel enthaltende Hälfte des Bezirks ernstlich versagt. unterbreitet, das eine Ausführung der Wasserversorgung mit härter träfe wie den Besitzenden. Ganz neu ist diese Erscheinung den Bewohnern des Be- einem Kostenaufwand von 18-19 Millionen Mark ermöglicht. Nur in einem Falle tönnte der Zweckverband der Gezirks zwar nicht, sie zeigte sich zuerst schon im sehr heißen Daß eine befriedigende Lösung der Wasserfrage für Ober- meinden das ihm gesteckte Ziel erreichen: Wenn der Staat Sommer des Jahres 1904. Man machte sich darum zunächst schlesien nur auf dem hier vorgeschlagenen Wege möglich ist, für die zum Zwecke der Wasserversorgung aufgenommene Anfeine Sorgen. Die hauptsächlichste Ursache der Kalamität ist fann faum bezweifelt werden. Wer aber wird die gewaltigen leihe die Garantie, sowohl für Amortisation wie für Verder Grubenabbau, der die Quellen und Wasserläufe zum Ver Soften tragen? Da es sich um eine Frage des Gemeinwohls zinjung, übernehmen würde, eine Belastung der Gemeinden fiegen bringt. Schon vor 50 bis 60 Jahren war infolge- handelt, müßte vernünftigerweise die Antwort lauten: Die also unter keinen Umständen eintreten könnte, auch dann dessen die Wasserversorgung des Bezirks auf das höchste ge- Allgemeinheit, d. h. der Staat als Vertreter dieser All- nicht, wenn wider Erwarten der Ertrag des Wasserwerks selbst fährdet, ohne daß sich die Herren dieses Bezirks darum gemeinheit. Dabei käme allerdings noch in Frage, wie weit zur Deckung dieser Ansprüche nicht ausreichen sollte. viel fümmerten. Erst als in den siebziger Jahren die meist ungeheuer reichen Herren des hier in Betracht Wird die Staatsregierung den hier gezeigten Weg gehen? des bergangenen Jahrhunderts eine Cholera- Epidemie Ober- tommenden Gebietes an dieser Lösung interessiert wird sie den armen Gemeinden die Beschaffung der Mittel schlesien heimsuchte, ward man sich der furchtbaren Gefahr, sind, welche Vorteile ihnen erwachsen und in welchem ermöglichen? Oder wird sie dem privaten Kapital das feine die im Wassermangel nicht nur für die Hände", sondern auch Maße fie daher ganz direkt zu den Kosten dieser An- Geschäft ermöglichen? Werden Staat und Gemeinden die für die Herren selbst lag, bewußt und ging an die Schaffung lage herangezogen werden müßten. Gewinnen sie doch oberschlesische Wasserversorgung, dies gewaltige Stulturwerk großer Wasserleitungen. Der Staat benutte dazu die Quellen schon beim Wegfall der für die jezigen Quellen bestehenden im Interesse der Allgemeinheit, zum Objekt raffinierter des Adolfschachtes bei Alt- Repten, die noch jezt über Schutzgebiete viele Millionen durch die Möglichkeit rastloser Spekulation, zur Beute profithungeriger Unternehmer machen 200 000 Menschen mit Trinkwasser versorgen, und die Quellen Ausbeutung dieser Gebiete. Die Herren aber denken gar lassen? Darüber werden die neuen sozialdemokratischen Vervon Sawade, nördlich von Gleiwit, die über 150 000 Menschen nicht an die Uebernahme solcher Verpflichtungen. Sie wollen treter im preußischen Landtage gewiß ein Wort mitsprechen, das Wasser bringen. Die Kreisverwaltung von Kattowis offenbar dem privaten Kapital die Lösung dieser gewaltigen und sie werden den entschiedensten Widerspruch gegen jene aber kaufte die Quellen der verlassenen Zinferzgrube, Rosalie" fulturellen Aufgabe zuweisen, dem privaten Stapital die Ge- letztere Möglichkeit erheben müssen. Für unsere fapitalistische nordöstlich von Beuthen und hart an der russischen Grenze, legenheit zu äußerst fetten Profiten verschaffen und sich selbst Stultur" im allgemeinen wie für die oberschlesische„ Kultur" und verwendete sie zur Anlage einer Wasserleitung, die jest jede Belaftung vom Halse halten. Es wäre dabei recht inter- im besonderen aber sind die hier besprochenen Zustände ebenso mehr wie einer halben Million Bewohner des Industrie- effant festzustellen, wer denn die offenen oder stillen charakteristisch wie schimpflich! bezirks dies wichtige Lebensmittel liefert und da das Wasser Teilhaber der Kontinentalen Wasserversorgungsgesellschaft von den angeschlossenen Gemeinden teuer bezahlt werden muß, find. Vielleicht findet man darunter Namen, die auch in dem Streis Kattowiß zu einem Bombengeschäft verhilft. Oberfchlesien gut bekannt sind. " " Zur Candtagswahl im rheinisch- westfälischen Industriegebiet. Aus dem rheinisch- westfälischen Industriegebiet wird uns geschrieben: Seit mehreren Jahren nun ist diese Leitung nicht mehr Daß es sich hier um ein geradezu glänzendes Geschäft in der Lage, genügend Wasser zu liefern, die höheren Stock handeln würde, kann nicht bezweifelt werden. Die Besitzer werke vieler Häuser, ja ganze Ortschaften mit Zehntausenden der Anlage würden das Monopol der Wasserversorgung für Bewohnern haben im Sommer oft tagelang fein Wasser. weit mehr wie eine Million, im Laufe der Zeit für zwei und Welche Zustände das im dicht bevölkerten Industriebezirt, mehr Millionen Menschen in der Hand haben, sie würden sich welche furchtbaren Gefahren im Falle von Bränden, welche für unabsehbare Zeit geradezu berauschende Profite sichern Ueber den hiesigen Ausfall der Landtagswahl und ihre Lehren Gefährdung der Gesundheit der Bewohner des Bezirks diese tönnen, indem sie jene Millionen Menschen mit schweren Ab- wird erst volle Klarheit herrschen, wenn die Abstimmungsverhältnisse Wassernot verursacht, liegt auf der Hand. Der öffentliche und gaben, mit einer drückenden Steuer auf das wichtigste Lebens- aus den einzelnen Urwahlbezirken genau ermittelt und summiert sind. private Verbrauch von Wasser wird nach Möglichkeit ein- mittel, das Wasser, belasten. Unsere Partei ging von vornherein in den Wahlkampf mit dem Bes geschränkt, und doch nimmt der Wassermangel immer bedenk- Auch die Staatsregierung scheint dieser Lösung der wußtsein, keinen Mandatserfolg erringen zu können, aber durch lichere Gestalt an. Das Besprengen der Straßen wird nur oberschlesischen Wasserfrage nicht geneigt. Ein offenbar eine möglichst hohe Zahl aufgebrachter Stimmen gegen das noch möglichst selten vorgenommen, was die ohnehin schreck offiziös inspirierter Artikel der Schles. Zeitung" nimmt recht Geldsackswahlrecht protestieren zu müssen. Vielleicht wären auch liche Staubplage im Industriebezirk vielfach zur Unerträg- entschieden Stellung gegen die Ausführung des Projekts durch Mandatserfolge erzielt worden, wenn unsere Parteigenoffen das lichkeit steigert, ohne den Wassermangel zu berringern. An jene Gesellschaft, wie durch eine private Gesellschaft über- Wahlfeld genauer gekannt hätten und wenn die breiten Arbeitereine Besserung der Verhältnisse ohne vollständige Aenderung haupt. Eine Angelegenheit, die die vitalsten Interessen eines massen mit der öffentlichen Stimmabgabe vertrauter gewesen wären. der Wasserversorgung ist nach dem Urteil Sachverständiger start bevölkerten aufblühenden großen Landesteiles berührt, Die bürgerlichen Parteien fannten vermöge ihrer internen Vernicht zu denken. Ganz ohne Widerspruch konnten diese von diesem Gesichspunkte aus behandeln zu lassen, ist bindungen mit den Kommunalverwaltungen viel früher als wir die in öffentlichen Vorträgen fonstatieren, daß, wenn selbst eine bedenklich", heißt es in der Schlesischen Zeitung". Bezirkseinteilungen, erhielten die Abteilungslisten usw., während wir weitere Verminderung des Wasserzuflusses nicht eintreten sollte und sie weist eindringlich auf die ungeheuere Gewalt im Dunkeln tappten. Bei der Landtagswahl hat sich besonders gezeigt diese wird wahrscheinlich durch den Grubenabbau auf hin, die jene Besiter des Wassermonopols auszuüben daß es hochnötig ist, unsere Anhänger durch allgemeine Beteiligung russischer Seite und die dadurch bewirkte Ableitung der Wasser- vermögen und die sich durch Vertragsbestimmungen und staat- an den Kommunalwahlen an die öffentliche Stimmabgabe zu massen hervorgerufen- bei der fortschreitenden groß- liche Aufsicht vielleicht einschränken, aber nicht aufheben lasse. gewöhnen. industriellen Entwickelung des oberschlesischen Industriebezirks Die Schlesische Zeitung" schlägt vor: Was im allgemeinen die Stimmenabgabe anlangt, so können und der damit verbundenen steten Bevölkerungszunahme in" Darum sollten die Interessenten selbst die Sache in die Hand| wir einen gewaltigen Fortschritt gegenüber 1908 längstens fünf Jahren eine sehr schwere Wasserkalamität un- nehmen, die beteiligten Gemeinden, großen Werke, Berg- und konstatieren. Im rheinisch- westfälischen Industriegebiet find diesmal vermeidlich sein würde. Wie die Verhältnisse liegen, dürfte Eisenbahnverwaltung einen 8 wedverband gründen, der als girta 40 000 Stimmen öffentlich für die Sozialdemokratie abgegeben diese aber schon früher eintreten. feinen obersten Grundsaß nicht den des Erwerbes, sondern den worden, gegen 1903 girta eine Verzehnfachung! In Dortmundder möglichst restlosen Erfüllung des Gemeinwohles hat. Ins- Land fehlten uns nur 6 Wahlmänner, um statt des Zentrums mit besondere sollten die fiskalischen Verwaltungen hierbei die Höhe den Nationalliberalen in Stichwahl zu kommen und Genosse der Betriebsergebnisse nicht ausschließlich im Auge behalten. Wenn nebenbei auch noch Gewinn erzielt wird, so kommt das den König- Dortmund wäre dann wahrscheinlich der erste sozialTaschen der Steuerzahler nur zugute, die dann um so weniger demokratische Landtagsabgeordnete aus dem Ruhrgebiet geworden! Steuern zu entrichten haben. Und diese sind im Der Erfolg des Zentrums( es erhält 6 Mandate von 10 im Industriegebiet wahrlich hoch! Wie jener Verband im einzelnen engeren Industriegebiet, wo es bisher keines besaß) ist die alleinige zu gestalten sein wird, welche Mittel er zur Bewältigung der Schuld des„ Liberalismus“. Unbekümmert um das dumme Volt" technischen Schwierigkeiten und zur Bereinigung und zum Aus- präsentierten die nationalliberalen Werksmagnaten( das sind hier gleich der da und dort divergierenden Interessen in ihm anzu- die Macher) nicht nur lediglich Kandidaten aus ihren Gesell. wenden haben wird, ist spätere Frage. Bewältigung jener " Die schleunige Aenderung eines Zustandes, der Hunderttausenden von Menschen ihre Sicherheit, ihre Gesundheit, ihr Leben in ärgfter Weise bedroht, ist also unabweisbar. Welche furchtbare Gefahr dem oberschlesischen Industriebezirk auch im Falle eines Krieges mit Rußland drohen muß, dadurch, daß feine Hauptwasserleitung hart an der russischen Grenze liegt, bedarf keiner Schilderung. Dazu kommt, daß, wie schon früher im Vorwärts" geschildert wurde( Preußische Kulturarbeit im Osten", Nr. 42 vom 19. Februar 1908), die Fortschaffung der Brauchwässer und Fäkalien in den meisten Orten des Bezirks in geradezu skandalöser Weise durch das einzige dem Bezirk verbliebene Flüßchen Rawa bewirkt wird, und daß eine Beseitigung dieser höchst tnlturwidrigen und gesundheitsschädlichen Zustände erst möglich wird, wenn die für eine Schwemmtanalisation erforderlichen Wassermassen zur Verfügung stehen. Schließlich muß auch auf eine neue und ausreichende Wasserversorgung des aufblühenden Rybniker Industriebezirts Bedacht genommen werden. " Schwierigleiten, Gestaltung und Interessenausgleich mögen schwer fchaftstreisen, sondern diesen Kandidaten ging obendrein der sein, ummöglich sind fie sicher nicht. Jedenfalls ist die Frage einer Stuf reaktionärer, unliberaler, arbeiterfeindlicher Gesinnung laut eingehenden Prüfung wert, ja bedarf sie. Noch ist es 8eit, voraus. Mit Kulturkampfpaukerei und Konfeffionsheze stachelten noch find, soviel wir wissen, irgend welche bindenden Ab- die unsäglich ungeschickten ungeschickten„ liberalen" Parteisekretäre die machungen nicht getroffen. Aber je eher eine Klärung Katholiken erst recht auf. Die Wahl hat zweifellos geerfolgt, um so besser für alle Teile." zeigt, daß der Mittelstand im Industriegebiet, der vorwiegend Ein„ Zweckverband" also ist die Rettung, soll die Mause- den Ausschlag gab, weil die Arbeitermassen sich noch vielfach vor falle sein, in der man die Interessenten fangen, und weniger der öffentlichen Stimmabgabe fürchten( die Scheu wird bis zur Steuern der Speck, mit dem man sie anlocken will! Der nächsten Wahl noch mehr schwinden wie seit der letzten), in seiner Was geschieht nun angesichts dieser äußerst gefährlichen Staat selbst foll an der Kostendedung nur beteiligt werden, großen Mehrheit zentrümlich gesinnt ist. Die brüste Präsentation Lage? In den beteiligten Gemeinden, wie bei den Staats- soweit eine etwaige Verminderung des Gewinnes aus ausgesprochen werksfreundlicher Kandidaten, deren„ Liberalismus" behörden, bis hinauf zu dem daran interessierten preußischen fistalischen Betrieben, Bergbau und Eisenbahn in Oberschlesien, felbst am hellen Tage mit der Laterne nicht zu entdecken ist, hat Ministerium für Handel und Gewerbe, finden seit geraumer Zeit in Betracht kommt. Das dürfte mager genug ausfallen. Da viele liberale Wähler, besonders aus den Privatbeamtenkreisen, zur Beratungen statt. Eben in diesen Tagen ist in Breslau eine bleiben nur die großen Werke" und die Gemeinden. Die Wahlenthaltung veranlaßt, andere haben für das Zentrum gestimmt, das vom Oberpräsidenten berufene Stonferenz zusammengetreten, ersteren haben sich bisher noch immer vor allen zum Zwecke fich wieder einmal als Meister in der Wahlmache gezeigt hat. Zweifelbestehend aus Kommissaren mehrerer Ministerien, Landräten, des Gemeinwohles erforderten Aufwendungen zu drücken los haben auch Angehörige des Mittelstandes und der Arbeiterklasse, die Bürgerateistern usw., die die pretäre Lage beraten und Abgewußt. bei der geheimen Wahl sozialdemokratisch wählen, sich noch gescheut, hilfe schaffen soll. Das ist freilich eine sehr schwere Auf- Da bleiben denn für den„ Zweckverband" nur noch die dies auch öffentlich zu tun, sie zogen es deshalb vor, für die gabe. Hier kommen nämlich leider nicht in erster Reihe oberschlesischen Gemeinden übrig. Wird man sie einfangen, Sentrumswahlmänner zu stimmen, um wenigstens den Sieg der Fragen des Gemeinwohls, sondern Fragen tapitalistischer vielleicht mit der von der Schlesischen Zeitung" eröffneten großlapitalistischen Nationalliberalen zu verhüten. Interessen in Betracht. Man ist nun nun auf folgendes Aussicht, dann weniger Steuern bezahlen zu brauchen? Die Wir hörten von liberalen Leuten sehr charakteristische Aussprüche, Projett gekommen: Es soll ein zentrales Wasserwert durch erwähnte Breslauer Konferenz soll die Gründung des Zweck- so als die Parole der Sozialdemokraten bekannt wurde, unter allen Erschließung von Duellen in der Dderniederung bei Birawa verbandes vorbereiten. Eine Interessengemeinschaft der Ge- Umständen gegen die pseudoliberalen Kandidaten für die -WAP RentrumSlanblbaten zu stimmen, bie sich flir bie Uekertragung beS öteichStagSwahlrcchtS auf Preußen verpflichteten. Da sagten uns bekannte liberale Herren:«Die Sozialdemo. kraten handeln ganz richtig, sie sind die einzig Ehrlichen, sie handeln wirkich liberall" An Ver- tvünschnngcn gegen die großkapitalistischen nationalliberalen Macher, deren brutale Nilcksichtslofigkeit gegen den«Volkswillen' die Nieder« läge des NationalliberaliSmuS zu danken ist, fehlte es nicht. Welchen Einfluß die von den Nationalliberalen betriebene Polenhetze ausübte, kann man aus den Stimmenresultaten in einer großen Zahl Urwählerbezirken erkennen. Dort traten die Polen geschlossen für das Zentrum ein, vielfach in größerer Zahl als die Zentrumsanhänger selbst, und entschieden den Zentrumssieg. Diesem Umstand nur hat das Zentrum seinen glatten Sieg in Gelsenkirchen zu verdanken. Parteipolitisch sehr bemerkenswert und auch ergötzlich war die liebevolle Behandlung der Sozialdemokratie zwischen dcm3. und 16. Juni! NationaMbcrale und Zentrum wetteiferten in der zartfinnigsten Umschmeichelung der.roten Vaterlandsfeinde' So gut haben wir's lange nicht gehabt. An unsere.nationalen' Gefühle wurde appelliert, damit wir doch nur ja nicht den national- liberalen bezw. die zentrümlichen Kandidaten aus der Patsche hülfen. Sonst werden wir verleumdet, daß kein Hund ein Stück Brot von uns nehme. jetzt waren wir viel umworbene Stimmen- vergeber. werte Mtbürger und wer weiß sonst noch was. DaS muß fest gehalten werden mit Rück« ficht auf den brünstigen Eifer. mit dem angesichts der Regierung im Parlament so« wohl Nationalliberale wie Zentrumsleute die Sozialdemokraten als v era b sch eu ungs w ü r d ig e Menschen, mit denen.keine nationale Partei' auchnurentferntzutunhaben dürfe. beHandel nl Ach wie gerne hätten die übernationalen Nationalliberalen jetzt unsere Wahlmännerstimmen gehabt l Wie stellten sich Zentrum und Nationalliberale jetzt gegenseittg das Zeugnis aus, die.größte Ge- fahr für die vaterländische EntWickelung' zu sein, wie reklamierten sie jetzt die.Roten' mit schöngewählten Worten sozusagen uuch als nationalgestnute Männer. Eine ekelhafte Anbettelei, um so widerlicher, wenn man es erlebt hat, daß die jetzt so zartsinnig um« .chmeichclte Partei zu anderen Zeiten dem verehrten Publikum als der Auswurf der Menschheit vorgestellt wird! Die Sozialdemokratte kehrte sich nattirlich nicht an die lockenden ss lötentöne, so wenig sie sich in ihrem konsequenten Handeln durch das Ausgießen von Schmutzkübeln beeinflussen läßt. W i r stimmten gegen die Partei der Gruben- und Hüttenmagnatrn, ohne im geringsten über die zwieschlächttge Zentrumsparteipolitik im Unklaren zu sein! Wären wirklich liberale Kandidaten in Frage gekommen, unsere Leute hätten ihnen in der Stichwahl selbstverständlich den Borzug gegeben. So aber waren nach Lage der Sache die Zenttumskandidaten das kleinere Uebcl. Als in Bochum die sozialdemokratischen Wahlmänner die Stichwahlniederlage des werksliberalen Landrats Gerstein entschieden hatten, haben darüber in Gegenwart bekannter Sozialdemokraten anerkannt liberale Bürger ihre Genugtuung ausgesprochen!.Die Sozial. Demokraten haben ehrlich und liberal gehandelt'. erklärten die erwähnten Bürger. AIS im Zentrumshaupt. quartier das Resultat(Sieg des gentrumskandidaten Gerichtssekretär Bartscher) der Stichwahl bekannt wurde, da brachten die ZentrnmSlentr ein Hoch auf die sozial- demokratischen Wahlmänner aus!! Diese Episode kennzeichnet die parteipolitische Situation im Kohlenrevier wohl zur Genüge. Alles freut sich über die Niederlage der großkapitalistischen Kandidaten. Dzz slensdurger freisimiz-Lchelmenitiick Die freisinnige„Kieler Zeitung" veröffentlicht Nunmehr den Wortlaut des Abkommens, der am 15. Juli, unmittelbar vor dem Wahltage, zwischen dem Vorstande der Lonservativ-agrarisch-antisemitischen Bündlerfiliale und dem Vorstände des freisinnigen Vereins in Flensburg abgeschlossen worden ist. Das Dokument der freisinnig-volksparteilichen Korruption hat folgenden Wortlaut: „1. Der Vorstand des Bundes der Landwirte ver- pflichtet sich, vor der am 16. Juni stattfindenden Wahl zum Hause der Abgeordneten seinen ganzen Einfluß auf die für die Kandi- datur des Herrn Lassen-Unewatthof gewählten Wahlmänner dahin geltend zu machen, daß dieselben ihre Stimme im ersten Wahl- gang für Herrn Dr. D u u s abgeben. Auch verpflichtet der ge- nannte Vorstand sich, Herrn Lassen zu veranlassen, die für ihn gewählten Wuhlmänner aufzufordern, ihre Stimme Herrn Kr. Duus zu geben. 2. Beide Vertragschließenden verpflichten sich, für die nach st e ReichStagswaLl keinerlei private oder offizielle Verhandlungen mit den National« liberalen und den Sozialdemokraten oder ein- zelnen Mitgliedern dieser Parteien zu führen, sondern jeder für sich einen eigenen Kandidaten aufzustellen. 3. Wenn Herr Dr. DuuS am 16. Juni in da? HauS der Ab- geordneten gewählt wird, und wenn später bei der nächsten Äeichstagswahl der Kandidat des Bundes der Landwirte mit einem dritten Kandidaten, einerlei welcher Partei, in die Stich- Wahl kommt, so verpflichtet der Vorstand des f r e i s i n n i- gen Vereins sich, öffentlich und privatim die frei« sinnigen Wähler energisch aufzufordern und auch durch den ausgefallenen Kandidaten auf- fordern zu lassen, für den Kandidaten des Bundes der Landwirte zu stimmen. 4. Beide Vertragschließenden verpflichten sich, die Agttation für die nächste Reichstagswahl streng sachlich und ohne persönliche Angriffe der Gegner zu führen, auch keinerlei Werbe- arbeit in den Kreisen der Sozialdemokratie zu betreiben und in keiner Weise gegnerische Versammlungen durch provozierende Reden, Interpellationen oder dergleichen zu stören. Die beider- fettigen Reichstagskandidaten sowie die sonstigen Redner und die Presse sollen dementsprechend instruiert werden. 5. Dieser Vertrag ist nur gültig, wenn am 16. Juni Herr Dr. Duus in das preußische Abgeordnetenhaus gewählt und soine Wahl von dem Abgeordnetenhaus für gültig erklärt wird." Durch diese Abmachung verpflichtet sich also der Flens- burger volksparteiliche Freisinn als Gegenleistung für die ihm am 16. Juni bei der Landtagswahl zu gewährende Wghlhilfe. nach Möglichkeit bei der nächsten Reichstags- Wahl dem Kandidaten des Bundes der Landwirte mit allen Mitteln zum Siege zu verhelfen. Nicht nur ver- Pflichtet sich der Freisinn, während des nächsten Reichstags- Wahlkampfes die Bündler in jeder Weise zu schonen, sondern er verspricht auch, daß die Redner und die Presse im Sinne der freisinnigen Zutreiberei für den bündlerischen Kandidaten in- st rudert werden sollen! Selbst die ganz und gar nicht radikale„Kieler Zeitung" erwartet mit Bestimmtheit, daß der„geschäftsführende Aus- schuß der deutschfreisinnigen Partei von Schleswig-Holstein Flensburger Mä'chenschaften ableljtM Mrde�. Sie bMnäg sich diesen bei ihr sonst recht ungewohnten Radikalismus um so leichter zu leisten, als sie die Richtung jenes Misch m a s ch- F r e i s i n n s vertritt, der in Schleswig-Holstein schon seit vielen Jahren existiert, und infolgedessen der Frei sinnigen Volkspartci die Verantwortung für den schmach vollen Kuhhandel mit dem Bündlertum überlassen zu können glaubt. Das Blatt spricht sogar die gewagte Erwartung aus, daß die Wahl des Dr. Duus kassiert werde, da die bündlerischen Stimmen durch ein Versprechen er kauft worden seien. Eine Hoffnung, der das„Berliner Tageblatt" bei der Zusammensetzung des neuen Ab- geordnetenhauses mit Recht keinen Raum zu geben wagt. Die„V o s s i s ch e Zeitung" schwingt sich ebenfalls zu einer Mißbilligung des Abkommens auf, offenbar, weil sie aus dem vom„Berliner Tageblatt" geltend gemachten Umstände das Flensburger Mandat in der Tasche zu haben glaubt! Nach einer ihr zu- gegangenen Zuschrift aus Flensburg soll die Aufregung über die Flensburger Vorgänge deshalb so groß sein, weil die Nationalliberalen auf Grund voraus- gegangener Verpflichtungen mit Sicherheit auf die Wahlhilfe der Freisinnigen gerechnet hätten. Diese Prellerei der Nationalliberalen durch die Freisinnige Volkspartei läßt allerdings das Flensburger Schelmcnstück des Kopsch- und Wiemer-Freisinns um so hübscher erscheinen. Bei alledem hat die„Vossische Zeitung" bereits über den Flensburgcr Freisinn den Milderungsgrund ent- deckt, daß ja der Freisinn gar nicht in die Lage kommen werde, sein Versprechen einzulösen. Bei der im Jahre 1967 verzeichneten Stimmenzahl für die einzelnen Parteien erscheine es ausgeschlossen, daß die anti- semitischen Bündler, die damals nur 2359 Stimmen erhalten hätten, überhaupt in Stichwahl gelangten. Als ob nicht ebensogut wie im Jahre 1963 die gleichfalls sehr reaktionär gefärbten und agrarisch angehauchten National- liberalen zugunsten der antisemitischen Bündler auf eine eigene Kandidatur verzichten und dadurch den Bündler in Stichwahl mit dem Sozialdemo- kraten bringen könnten l Jahre 1963 unterlag der konservativ-bündlerisch-antlsemitische Kandidat in der Stichwahl dem Sozialdemokraten gerade deshalb, weil der Freisinn nicht geschlossen für den anti- semitischen Bllndlcr eingetreten war! Es braucht also nur wieder dieselbe Konstellation einzutreten wie im Jahre 1963, um den wahlrechtsfeindlichen, brot- wucherischen Bündler mit freisinniger Hilfe in den Reichstag zu bringe»? Man sieht, dem Wahlkompromiß liegt nicht nur Perfidie, sondern auch eine wohlerwogene Taktik zugrimdcl_ sigrarllche Steuerpläne. Die„Korresp. des Bundes der Landwirte" bespricht die Skcuerpläne der Regierung und wendet sich vor allem gegen das Spiritusmonopol, das 1 5 6 M i l l i o n e n Mark ein- bringen soll. Natürlich nicht deswegen, weil ein Genußmittel der breiten Massen verteuert werden soll. Gegen die Ver- teuerung der Zigarren hat die„Korrespondenz" nicht viel einzuwenden. Aber es fürchtet nicht mit Unrecht, daß die geplante exorbitante Verteuerung den Branntwein- konsum stark einschränken und damit viele Brennerei- betriebe ruinieren müßte. Da aber unsere Agrarier aus dem Brennen, besonders seit dem Bestand des Spiritus- syndikats, sehr hoho Profite ziehen, erklären sie feierlich, sich „gegen jede zu weitgehende Verteuerung des Spiritus, die zu einer starken Verminderung des Konsums führen müßte, auf das entschiedenste zu wehren". Nun, wir nehmen sie beim Wort, wenn auch unsere Motive gegen die Erhöhung der Branntweinsteuer andere sind. Nur machen wir sie darauf aufmerksam, daß das, was für den Spiritus recht, für den Tabak billig ist. Oder wehren sich unsere Bündler nur deswegen so heftig gegen Spiritus- und, wie wir hinzufügen wollen, gegen Z u ck e r steuern, weil es die Profite der Großen sind, die da in Frage kommen, und haben sie nur deswegen so wenig gegen Tabak st euern, weil auf dem Anbau und der Verarbeitung von Tabak.die Existenz vieler Tausender von Kleinbauern und Arbeitern beruht? Freilich, agrarischem Denken ist Profit und Grundrente der Großen stets wichtiger ge- Wesen als die Gesundheit und der Wohlstand des Volkes, und deutsche Junker sind nie davor zurückgeschreckt, ihren Weg über Leichen zu nehmen, wenn am Ende des Weges eine Er- höhung der Rente winkte! Zum zweiten möchten wir die Herren auch deswegen ersuchen, bei ihrem Widerstande zu bleiben, weil es dann um so eher klar werden wird, daß os nur eine Finanzreform geben kann: Direkte Reichs-Vermögens- und Einkommens steuern! Die„Korrespondenz" ver- langt ja selbst stärkere Heranziehung der kapitalistischen Großindustrie. Wir haben sicher nichts dagegen. Aber wir glauben, daß auch dieses Ziel am besten erreicht werden kann durch direkte Besteuerung der großen Einkommen. Das hätte ja auch den Vorteil, daß diese Ricseneinkommen gleichmäßig getroffen werden, ob sie nun aus den Montanwerken Thyssens, den Latifundien des Fürsten Pleß oder der Vereinigung von industriellem Profit und Rente fließen, wie sie Fürst Henckel v. Donnersmarck so trefflich versteht. Allerdings will der Bund seinem Grundsatz treu bleiben, keine Steuern zu bewilligen, die den Konsum ein- schränken, dann muß er auch seinen Widerstand gegen die Besteuerung der großen Erbschaften der Kinder und Ehegatten aufgeben, um das Defizit der halben Milliarde zu decken. Aber wir fürchten, bis zum Herbst wird das agrarische Steuerprogramm wesentlich anders aussehen. Die Agrarier werden sich auf Staatskosten durch neue Liebesgaben für die Einbuße mehr als schadlos halten, die ihnen das Spiritus- Monopol bringen könnte, und nach Sicherung ihrer Rente und Profite im gewohnten Bunde mit dem Großkapital mit um so größerer nationaler Begeisterung die Last der halben Milliarde neuer indirekter Steuern auf die Schultern der Besitzlosen wälzen._ politische Ocbcrlicbt. Berlin, den 19. Juni 1908. Die Kaiserrede. Die„Nordd. Allgem. Ztg." nimmt heute Kenntlüs von avZeMwt. em. llMtpeidMiga Erkläruna diese«Pen Döberitzer äUuiiexutiiua. itailecä. ES Seamans schieht in einem„Zur Lage' Werschriebenen Artikel. Darin heißt es: «In ber Beurteilung ber politischen Lag« macht sich vielfach eine Unruhe geltend, bie sich weniger auf greifbare Tal- fachen berufen kann, als vielmehr in einer weit verbreiteten U n- sicherheit darüber ihren Ursprung hat, ob etwa eine neue Konstellation sich bilden und eine sriedliche Lösung schwebender Fragen erschweren könnte. Es wäre � verfehlt, leugnen zu wollen, daß sich sch w i e ri g e d i p lom atische Auseinander- setzungen ergeben können. Nur sollte darüber nicht vergessen werden, daß man durch ängstliche und übertreibende Ausmalung möglicher Gefahren nicht den sachlichen und gesunden Lösungen vorarbeitet, die herbeizuführen ein allen Mächten genieinsames Interesse gebietet.' Doch bezieht sich dieser Passus augenscheinlich nicht auf die Aeußerungen Wilhelms II. Das ist bei dem offiziösen Blatt ja ausgeschlossen. Vielmehr bezeichnet es das Bülow- blatt als„Unfug, Aeußerungen des Kaisers in unbeglaubigtcr und willkürlicher Form in die Presse zu bringen." Das wäre richtig, wenn es sich um Privat äußenmgen handelte. Da aber solche Aeußerungen, wie Herr v. Bülow bestätigen wird. zugleich privat und politisch sind, so hat die Oeffentlich- keit ein Interesse, sie zu erfahren und erfährt sie auch regelmäßig. Deswegen ist das einzig richttge Mittel. Aeußerungen, die nicht in die Ocffcntlichkett ge- hören, vor der Veröffentlichung zu bewahren. dies. solche Aeußerungen gar nicht zu machen. Die„Nordd. Allgem. Ztg." erklärt, daß die Aeußerungen, die am 29. Mai. also vor der Revalver Zusammenkunst laut wurden, sich„nicht auf polittsche Tagesfragen bezogen haben: es sei darin auch nicht von„Einkreisen" und von„Uns stellen" die Rede gewesen. Wohl aber hat der Kaiser der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß die Armee, dem Geiste Friedrich des Großen getreu, ihren Aufgaben gewachsen bleiben »verde. Wir können nur wiederholen, daß. wenn„schwierige diplomatische Auseinandersetzungen bevorstehen, diese Schwierig- keiten zu einem großen Teile die Folge unserer schlechten auswärtigen Politik sind. Aber weder Marokko, noch gar die Türkei und Mazedonien sind Fragen, die irgendwie Lebensintereffen des deutschen Volkes betreffen. Die deutsche Diplomatie wird daher gut tun, diese Fragen in einer Weise zu lösen, die jede Gefährdung des Friedens voli- kommen ausschließt, und sich rcchtzeittg daran erinnern, daß weder der Balkan noch Marokko die Knochei» eines einzigen Grenadiers wert sind. Die„Tägl. Rundschau" meldet übrigens, daß gegen„die Urheber der Indiskretion" über die Döberitzer.Rede das Ermittelungsversahren eingeleitet sei und energisch betneben werde. Sollte das wahr sein, wozu dann die Demcntts? Wir dächten, die amtlichen Stellen täten am besten, an die Rede nicht mehr als unbedingt nötig zu er- mnern und die unglücklichen Zuhörer ungeschoren zu lassen.— Der schlecht informierte Kaiser. Unsere Leser erinnern sich noch der peinlichen Begleit- umstände, mit denen der letzte amerikanische Botschafter- Wechsel vor sich gegangen ist. Der Kaiser hatte wieder einmal persönlich eingegriffen, um Herrn Tower, der so schöne Feste zu arrangieren wußte, zu behalten. Wieder war ein Privatbrief geschrieben worden, und wieder hatte das persönliche Eingreifen nur die Folge, im Auslande Ver- stimmungen hervorzurufen. Die deutsche Diplomatie hatte einige Mühe, die Sache einzurenken. Herr Tower wurde natürlich abberufen. Herr Hill ist nun Botschafter in Berlin, allerdings, wie es heißt, nur vorübergehend. Unterdessen scheint beim Kaiser die Stimmung umgeschlagen zu sein. Er hat nach der Meldung des„New Aork Herald" sich nach dem Empfang des Herrn Hill außerordentlich günstig über den Botschafter ausgesprochen und nach dem „Verl. Tagebl." hinzugefügt:„Es zeigt sich wieder einmal, wie schlecht ich informiert werd e." Wir freuen uns, einmal ausnahmsweise völlig mit der Ansicht Wilhelms II. übereinstimmen zu können.—- Rache der Zechenherrcn. Auf den Gruben im Bochumer Revier, u. a. auch bei Stinnc?. ist von den Grubenverwaltungen einer großen Anzahl sozialdemokratischer Wahlmänner gekündigt worden, die dank der Sperre vor- erst auf keiner Grube Arbeit erhalten. Im Gelsenkirchener Revier ist vom Schalker-Grubcn» und Hüttenverein 15 ZentrumSwahlmänuern gekündigt worden! llud da faselt man vom Terror der— Sozialdemokratie l Das Spracheuverbot veranlaßte vor einigen Tagen eine interessante Gerichtsverhandlung. wobei allerdings das Reat nicht mit dem neuen V e r e i n s g e s c p zusammenhing. Drei junge Männer auS dem katholischen Dorfe Königshofen(Taubergrund) mußten sich vor der Strafkammer Mosbach(Baden) wegen einer Gottesdienststörung verantworten <§ 167 Str-G.-B.>. welche sie am WeihnachtStage während der Messe begangen haben sollen. Die Orgel intonierte nach einem melodiösen Vorspiel daS.4xnu-> ckoi, in welches der offizielle Kirchenchor auch einsetzte, während daS Voll auf der Empore daS deutsche Lied sang;«J h r K i n d l e i n. k o m nc e t doch all'!'— Schon lange protestieren die Katholiken des Dorfes gegen die lateinische Singcrei, aber das Ordinariat gestatte'. die deutschen Kirchenlieder nicht. Der Pfarrer hielt diesen Sang der Teutschen für eine komplottartige, verabredete Störung. Die Gendarmette konnte nur drei Sänger dem Richterstuhl vorführen, denen aber der Bürgermeister bezeugte, daß sie.auch Religion' haben. Das Urteil lautete: Ihr, Kinderlein, gehet, o gehet doch all'!— Aber deutsch singen dürfen sie nicht wieder in der Kirche, sonst kommt das Sprachenverbot in Anwendung!—_ Bauordnung und Volksschulgesetz iu der Württembcrgischcn Kammer. Die zweite Lesung der Bauordnung in der Kammer näher, sich ihrem Ende. Der Seniorenkonvent rechnet damit, daß die Bc- ratung noch in dieser Woche zu Ende geführt werden kann. Die Erste Kammer wird dem Gesetze, wie es aus der Beratung der Abgeordnetenkammer hervorgehen wird, wahrscheinlich ohne Aendernug zustimmen. Damit würde sich eine dritte Lesung erübrigen. Eine eingehend« Würdigung des Gesetzes ist erst nach Erledigung der noch nicht zur Verabschiedung gelangten Artikel möglich und angebracht. Aber soviel läßt sich schon heute sagen: Den Haupt- anteil an einer den sozial« hygienischen Forderungen Rechnung tragenden, das Volks- interesse gegenüber dem HauSagrarier- und Terrainspekulanten wahrnehmenden Ausgestaltung deS Gesetzentwurfes kann die Sozial- demolratie sich zuschreiben. In Genossen Dr. Linde- mann hatte unsere Fraktton einen sehr sachkundigen, in der De- batte äußerst schlagfertigen Vertreter ihrer Anträge und Forderungen ins Treffen geschickt, der den Rednern der bürgerlichen Parteien Karte knacken sab. Denn merkwürdtgerweise—.oder auch nicht meritvllrdigerweise—» mußte sich die Mion der sozialdemokratischen Fraktion wiederholt und bei weittragenden Gesetzes- destimmungen gegen die bürgerlichen Parteien statt gegen die Regierung richten und in mehr als einer Frage trat die Regierung auf die Seite der das Allgemeinwohl verfechtenden Sozialdemokratie gegen die für den»soliden Grundbesitz' schwärmen- den bürgerlichen Parteien. Nach Erledigung der Bauordnung und einiger kleinerer An- gelegenheiten, Interpellationen usw. will man noch Ende dieses Monats die Generaldebatte über die Volksschnl- gefetz Novelle eröffnen. Am i. Juli, so, hofft man, könnte die Tagung des Landtags geschloffen werden. Die Generaldebatte über die Volksschulreform wird aber Wohl mehr Zeit in Anspruch nehmen, als vorgesehen. Von dem Entwurf ist— abgesehen von den Nationalliberalen und jener Presse, die sich die Gunst der Regierung um jeden Preis erkaufen möchte— niemand so recht erbaut. Es ist ein Kompromistwerk schlimmster Sorte. Die Wünsche und Forderungen der überwiegenden Majorität der Lehrerschaft sind einfach in den Wind geschlagen, von den Forde- rungen des sozialdemokratischen Programms gar nicht zu reden. Wohl ist in der Form die Herrschaft der Kirche über die Volks- schule gemildert, in der S a ch e aber werden die Herrschafts- onsprüche des Klerus über die Schule im Gesetz noch sicherer verankert als das bisher der Fall war. Was die Novelle sonst an Aenderungen und Besserungen bringt, ist teils so geringfügiger oder zweifelhafter Natur, daß die Erregung unter der arbeitenden Bevölkerung in dem Mäste wächst, wie die Novelle genauer bekannt wird. In einer An- zahl sozialdemokratischer Versammlungen hat man sich bereits mit der Sache befaßt, während die bürgerlichen Parteien sich noch abwartend verhalten und nur durch die Presse den Boden zu sondieren suchen. Am 20. Jmri wird sich der Gesamt- vorstand des Württembergischen Volks schul- lehrervereins mit dem Gesetzentwurf befassen und Beschlust fassen über die von Vereins wegen zu unternehmenden Schritte. Ist der Verein gewillt, an seinen, Schulprogramm festzuhalten, so wird er in der Sozialdemokratie die tatkräftigste und konsequenteste Vertretung seiner berechtigten Forderungen finden. Andernfalls wird eben die Sozialdemokratie allein fechten. Zwei Urteile der Militärjustiz! Wegen Misthandlung, vorschriftswidriger Bt- Handlung und Beleidigung in einer ganzen Reihe von Fällen stand der Unteroffizier Bernhardt vom Grenadier- Regiment Nr. 101 vor dem Dresdener Kriegsgericht. Er hat mehrere Rekruten in der rabiatesten Weise mißhandelt. So hat er dem Grenadier Weber den Gcwchrlauf in die Brust gestoßen und gesagt:»Bcrfluchtcr Lausejunge, ich rammele Dich übern Hausen!" Denselben Soldaten hat der Soldateuschinder an Tisch und Schrank gestoßen. Eines TagS mußte die ganze Korporal- schaft den Weber mit Bürsten. Lappen und Seife ab- waschen. Die Prozedur war eine schmerzhafte, der Soldat hatte zcrschundcne Haut. Der Grenadier TreSkow ist einmal am Genick angepackt und in einen Eimer gestülpt worden, auch erhielt er noch einen Schlag ins Genick. Auch dieser Soldat ist an Tisch und Schrank gestoßen worden. Die Verhandlung, während welcher der Angeklagte fast alles leugnete, ergab noch weitere Straftaten. Der Ver- teidiger leistete ei» Glanzstück in der Beschönigung der Soldaten- Mißhandlungen.»Wer sein Kind lieb hat, der z ü ch t i g t es I'. meinte er. DaS Gericht schloß sich dieser milden Auffassung an und verurteilte den Angeklagten wegen Misthandlung in einem, vor- schriftLwidriger Behandlung in fünf und Beleidigung in zwei Fällen zu--- drei Wochen mittleren Arrest!!!— Wegen Beleidigung eines Vorgesetzten stand der Fahrer Roscher vom 12. Artillerie-Regiment vor demselben Kriegs- gericht. In der Batterie des Angeklagten kursierte seit langem das Gerücht, der Sergeant Stoppe habe während des vorigen Manövers fiskalischen Hafer verkauft. Es wurde schließlich eine Untersuchung eingeleitet, während welcher auch der Angeklagte vom Haupt- mann vernommen wurde. Hier soll nun der Angeklagte nach der Behauptung des Hauptmanns angegeben haben, er habe dein Sergeanten Stoppe den Haferdiebstahl auf den Kopf zu- gesagt, ohne daß sich dieser verteidigt habe. Auf Grund der Bekundung des Hauptmanns wurde gegen den An- geklagten eine Anklage wegen Beleidigung eines Vorgesetzten er- hoben. Die Untersuchung gegen den Sergeanten hat nichts er- geben. Der Angeklagte best reitet mit aller Ent- fchiedenheit, die beleidigende Aussage getan zu haben, während der Hauptmann bei seinen Angaben verharrt. Der Vertreter der Anklage beantragte wegen einfacher Beleidigung 4 Wochen strengen Arrest. DaS Gericht erkannte jedoch auf sechs Woche» und eine» Tag Gefängnis._ frunkrcid). Die Marokkodebatte. Paris, 10. Juni. Zu Beginn der Interpellation über Marokko fragte der Abgeordnete Gervais ssozialradikal). ob die Regierung der von der Kammer schon so oft gebilligten Politik treu bleibe, welches die Weisungen für General d'Amade seien und ob die Rc- aierung fortfahre, die AlgeciraSakte als Grundlage des französischen Vorgehens zu beobachten. Gervais empfahl Neutralität zwischen Abdul AsiS und Mulay Hafid.(Beifall.) Der Abg. D e S ch a n e l(Republikaner) erklärte hierauf, Frankreich müsse sich bewußt bleiben, daß es Abdul A sis sei. der die AlgeciraSakte im Namen Marokkos gezeichnet habe. Europa könne einen Sultan, den Marokko die Freiheit habe, sich selbst zu wählen, nur anerkennen, wenn dieser die AlgeciraSakte unterschreibe. DeSchanel schloß, Frankreich kämpfe seit 1834 um seine Stellung am Mittelmecr. In dem neuen Frankreich, welches es sich dort geschaffen habe, müsse es sich der Zugänge versichern. Dies sei der Grund seines sehr begrenzten Lorgehens.(Beifall links und im Zentrum.) Nachdem nun Jaurös ebenfalls um Bekanntgabe der dem General d'Aniade gegebenen Weisungen gebeten hatte, verlas der Minister des Aeustern P i ch o n die Instruktionen vom 10. Mai 1008. In der Instruktion heißt eS: Nach Wiederherstellung der Ordnung und schnellen Bestrafung der schuldigen Stämme, sowie Beruhigung des SchaujagebieteS, wo Mulaq Hafid das Haupthindernis gewesen ist. komme es darauf an, die Sicher» heit im Lande aufrecht zu erhalten, um den europäischen Handel zu erleichtern. Diese Okkupation solle einen vorübergehenden Charakter haben und auf- hören, sobald es ohne Gefahr für die Sicherheit im Lande möglich sei. General d'Amade solle Stützpunkte e i n r i ch t e'n, um die Anarchie niederzuhalten und nach und nach die französischen Truppen durch Eingeborene zu ersetzen. Die Instruktionen schließen mit den Worten: Wir können hoffen, daß ihr Werk, die Beruhigung des Landes erfolgreich vollendet zu haben, sich in kurzer Zeit seinem Ende zuneigen und daß die Algeciras-Akle bald im Schaujagebiet in Wirksamkeit treten wird. Die Regierung vertraut ihnen in bezug auf die zur Ausführung notwendigen Maßnahmen. Hierauf verlas Pichon die dem General Lyauteh gegebenen Instruktionen, die dahin gehen, daß bezüglich der algerischen Grenze die französisch-marokkaniichen Abkommen innegehalten werden und i» Uebereinjtimmung out dem Rachscn dort die Buhe hergestellt tverde. Pichon fügte hinzst, daß die dem General d'Amade erteilten Instruktionen den Signatarmächten der AlgeciraSakte mitgeteilt worden seien.— I a u r e s erklärte, er sei zufrieden, daß die Regierung mit Bestimmtheit den vorübergehenden Charakter des Vorgehens in Marokko bestätigt habe; er glaube aber, die Regie- rnng gehe in der Schätzung ihrer rechtlichen Verpflichtungen gegen Abdul AsiS' zu weit und sie täusche sich über die verschiedenen Machtmittel der beiden Sultane. Alle, mit Ausnahme der fran- zösischen Diplomatie, sähen in Abdul Asis einen Gefallenen, und Frankreich habe es erreicht, daß niit Mulay Hafid das einige Ma- rokko gegen es stehe; Hafid habe Fes, Elksar und Tetuan besetzt und werde morgen unweit der Llüste sein und Frankreich die ernstesten Probleme stellen. Frankreich wolle leidenschaftlich den Frieden, eS würde aber niemandem auch nur den geringsten Einfluß auf die Freiheit seiner Entschlüsse in seinen inneren Angelegenheiten noch in seinen äußeren noch auf die Wahl seiner Alliancen einräumen. (Lebhafter Beifall auf allen Bänken.) Als Innres diese Anspielungen auf Interventionen fremder Mächte machte, rief Pichon energisch: Auch nicht ein einziges Mal habe irgendeine Macht Frankreich gesagt, daß es die AlgeciraSakte überschreite. Nie- mals habe irgend wer von Frankreich die soeben angedeuteten Ver» sichcrungen verlangt.(Bewegung.) Pichon schloß, es hieße den Patriotismus der Regierung schlecht kennen, wenn man glaube, sie hätte es zu ähnlichen Ermahnungen kommen lassen können.— Jaures fügte hinzu, in einer politischen Korrespondenz sei von einer deutschen Note die Rede gewesen, in der angefragt worden sei, ob Frankreich seine Truppen zurückziehen würde. Zwei Tage spä« ter habe Botschafter Cambon den Staatssekretär Schön besucht. „Ersparen Sie uns," ruft Jaures,„in Zukunft'oerartige traurige Zusammenhänge!"(Widerspruch links. Clemenceau und Pichon protestieren' mit Entschiedenheit.) Pichon fragt in großer Er» regung, durch wen Jaures autorisiert worden sei, im Namen Deutschlands zu reden.(Lärm auf der äußersten Linken.7 Der Rest der Rede des Ministers wurde von der Kammer beifällig auf- genommen. Jaures erwiderte, dieselben Gerüchte seien von zwanzig anderen beunruhigten Deputierten verbreitet worden, warum werde er also allein angegriffen?— Darauf fuhr Jaures in seiner Rede fort und der Zwischenfall war damit geschloffen. Jaures schloß seine Rede mit der Bemerkung, daß keine Not- wendigkeit bestehe, Abdul Asis, dessen Herrschaft nur noch einer Ruine gleiche, fernerhin zu stützen, und indem er den Minister des Aeußcrn beschwor, die Akte von AlgeciraS nicht zu überschreiten, um die politische Atmosphäre, die ohnehin so gespannt sei. nicht noch mehr zu gefährden.(Beifall auf-der äußersten Linken.)— Pichon wollte reden, wurde aber durch den Lärm auf der äußersten Linken daran gehindert, wo die Abgeordneten, trotz der Bitten Jaures, mit den Pultdeckeln schlugen.— Präsident Brisson bemerkte, der Aus- druck des Ministers des Aeußern habe seinen Gedanken über- schritten; denn niemand in der Kammer spreche in einem anderen Namen als in dem Frankreichs.(Lebhafter Beifall.) Minister Pichon stimmte der Erklärung des Kammerpräsidenten bei und fügte hinzu, niemals habe der Vertreter einer fremden Macht eine Sprache geführt, wie sie Jaures im Sinne habe. Die Kammer nahm mit 343 gegen 125 Stimmen eine von der Regierung gebilligte Tagesordnung an, in welcher der Regierung das Vertrauen ausgesprochen wird, ohne Einmischung in die inneren Angelegenheiten Marokkos und in Uebereinstimmung mit der AlgeciraSakte die Rechte und die Würde Frankreichs in Mg- rokko zu wahren. Lelgien. Der AuflösungSantrag der Sozialdemokratie. Brüssel, 18. Juni.(Eig. Bcr.) Nach einem entsprechenden Vorspiel, daS die Wahlkorniption der Klerikalen in dem Wahlbezirk H a s s e l t entschleierte, stellte der sozialdemokratische Deputierte tz u b i n in der gestrigen Kammer- sitzung einen TagcSordnungSantrag auf Auflösung der Kammer. Die Wahlen vom 24. Mai, erklärte Hubin. haben auch gezeigt, daß die Wähler die Kolonialpolitik gleichwie daS a b f o l u- ti st ifche Regime Leopolds verwerfen. Die Regierung besitze weder die Autorität noch die Fähigkeit, die schwebenden Fragen zu lösen und eS erübrige sich nichts als die Auflösung. Die Regierung, sagt Hubin weiter, ist mit 132 000 Stimmen Majorität geschlagen worden, sie besitzt keine Majorität mehr und kann nicht hoffen, die AnnexionSfrage und das Kolonialgesetz zu Ende zu bringen. Ein Wahlresultat nach dem anderen richtet sich, ungeachtet des die Klerikalen schützenden Schwindelwahlrechtes, gegen die Regierung. Wenn das Repräsentativsystem einen Sinn habe, müsse die Re- gierung nach einem solchen Rückzug verschwinden oder wenigstens das gesamte Land über eine Politik be- fragen, die sein Geschick in Frage stellt. Nach Hnbin ergriff D e st r ö e zur Kammerauflösung daS Wort.— Die von den Sozialisten eroberten fünf Sitze seien der strikten antikolonialen Haltung der Sozialdemokratie geschuldet und dieser Umstand gebe ihnen das Recht, die Auflösung zu fordern. Die Wiesbadener Ministerkonferenz mit dem König hat gezeigt, daß sich die Situation seit dem 24. Mai geändert habe... Statt mit der angekündigten»feierlichen Erklärung' der Re- gierung, die nichts zu sagen hatte, haben so die Sozialdemokraten die Kongosession mit ihrem Antrag auf Auflösung der Kammer ent- sprechend eingeleitet.— Morgen wird die Debatte über den sozial- demokratischen Antrag fortgesetzt, der in seiner jetzigen Form vom Präsidenten als.unkonstitutionell' zurückgewiesen wurde, da nur dem König da? Recht auf eine Auflösung zustehe.— So viel man sieht, haben es die nach Wiesbaden kommandierten Minister— Belgien wird nur mehr auf diesem ambulanten Wege von Leopold regiert— nicht sehr eilig, zu berichten, w a S sie bei ihrem Auftraggeber.ausgerichtet' haben. Die Reisekomödie scheint nicht einmal das Geld wert gewesen zu sein, das sie ge- kostet hat... Italien. Der Journalistenstreik. Rom. 10. Juni. Zu dem gestrigen Zwischenfall in der italienischen Deputiertcnkammer wird noch berichtet, daß die Bericht- crstatter in einer Versammlung beschlossen haben, kein« Paula» mentsberichte mehr zu veröffentlichen, bis ihnen vollständige Genugtuung wegen des Zwischenfalles gegeben worden ist. Die Räumung der Journalistentribüne erfolgte durch eine Abteilung Soldaten, was besonders Aufregung hervorrief. Rom, 10. Juni. Heute früh wurde die Kommission der Journalisten vom Kammerpräsidenten empfangen. Die Kam- »nssion erkannte bei dieser dieser Gelegenheit an, daß der Präsident in der gestrigen Sitzung die Rechte der Press« vollkommen einwandfrei gewahrt habe. Sie lud deshalb die Kollegen ein, auf die Pressetribüne zurückzukehren. Die Journalisten kamen der Aufforderung nach und nahmen bei Beginn der Nachmittags- sitzung ihre Plätze wieder ein. Der Abg. S a n t i n i hatte vorher in der Kammer um Ent- schuldigung für die Beschimpfung der Journalisten gebeten. Der Präsident hatte, geschickter als Herr Graf Stolberg, in der Kammer sofort folgende Erklärung abgegeben: Er be- dauere lebhaft, zu einer so strengen Maßregel gegen die Journalistcntribüne genötigt gewesen zu sein, sie habe in die De- batte eingegriffen und das könne unmöglich geduldet werden. So- dann sprach der Präsident dem Abgeordneten Santini seinen Dank aus, daß er die Rüge angenommen und eine Erklärung ab- gegeben habe. Nach der Hausordnung hätte er die Journalisten während der ganzen Sitzung ausschließen muffen, aber wegen der Ursache des Zwischenfalles habe er geglaubt, die Kammer auf- foldern zu sollen iHir zu ermächtigen- dnß er dm Leurnalistcn den Zutritt zur gleichen Siffmg wieder gestatte. Wenn sie indessen nicht zurückkommen wollten, so gehe das in einer Kammer den Präsidenten nichts an. Er glaube, der Zwischenfall könne als vollständig beigelegt betrachtet werden,(Lebhafter Beifall.) Der Schaden deS Parmenser Streiks. Rom, den 16. Juni. Nach einer Schätzung des Professors Bizzozzero, eineS landwirtschaftlichen Sachverständigen, hätten die Streikenden von Parma in den anderthalb Monaten des Ausstandes eine Million dreihundcrttausend Lire Lohnausfall erlitten. Der Schaden der Gutsbesitzer beliefe sich ungefähr auf eine Million dreihunderttausend Lire für die höheren den Streikbrechern gezahlten Löhne, 500 000 Lire Verlust an Vieh, durch scklechten Verkauf, höhere Sterb- lichkeit usw., für Verlust der Heuernte 200 000 Lire, für Einstellung der Käseproduktion 200000 Lire. Hierzu kommt der Schaden, der sich aus dem Ausfall der Bestellung der Zuckerrüben, Tomaten, Reben usw. ergibt und auf anderthalb Millionen veranschlagt wird, und schließlich 150 000 Lire für die Vernachlässigung der Seidenraupen. Macht insgesamt für die Besitzer 3 850 000 Lire. Wie es die Unter» nehmer fertiggebracht haben, den Streikbrechern 1 800 000 Lire mehr zu zahlen, als sie normalerweise den Streikenden gezahlt hätten, ist uns unklar. Die Zahl der Streikbrecher soll nie 2500 überstiegen haben. Sollen nun diese absolut die doppelte Lohn- summe bezogen haben, die die zehnmal größere Zahl der Streikenden in gleicher Zeit bekommen hätte? Wenn diese Berechnung stimmte, so wäre sie der beste zahlenmäßige Beweis für die Berechtigung des Streiks.— Die Streikbrecher erhalten 5,25 Lire am Tag, dazu Wer- pflegung und Logis.—_ Die Gcmeindewahlen. Rom, den 13. Juni. Am vorigen Sonntag haben in verschiedenen größeren Städten die Wahlen für die Erneuerung eines Dritteis der Stadlverwaltungen stattgefunden. Diese Wahlen sind für unsere Partei nicht u n- günstig ausgefallen. In Turin, wo die Partei eine Majoritäts- liste ausgestellt hatte, wurden 14 Sozialisten gewählt niit 13 003 bis 12 552 Stimmen. Die übrigen 13 Sitze fielen den Liberalen zu. Die mit den Konservativen verbündeten Klerikalen erlangten keinen Sitz. In der 80 Sitze zählenden Stadtverordneten-Versammlung haben jetzt die Sozialisten 25 Vertreter. In Mailand da- gegen bezeichnet der Wahltag den Sieg der Konservativen und Klerikalen. Die autonomen Gruppen, die allein an dem Wahlkampf teilnahmen, brachten fünf Reformisten als Minoritäts- Vertreter mit 8500 Stimmen durch; die offizielle Parteisektton hatte sich vom Kampf ferngehalten. Im Mailander Stadtrat haben die Reformisten nunmehr sieben Vertreter. Auch in Bologna erlangten die Klerikal-Konservativen die Mehrheit, die Sozialisten eroberten vier Gemeinde- und zwei ProvinzialratSsitze. Sieben Parteigenossen und acht Liberale wurden in Nowara gewählt. Jn Jaenza, Fano.Aversa und anderen Orten SüdttalienS, in denen am Sonntag gewählt wurde, unterlag unsere Partei. während in Catania die Liste der vereinigten Bolkspartcien— Sozialisten, Republikaner und Radikale— die Mehrheit eroberte.--- Rußland. Ein Attentat. Uralsk, 18. Juni. Der Kosakengeneral K o r o s ch k h i n Wurde durch cinxn Schuß durch das Fenster getötet. Perflcn. Der Staatsstreich des Schahs. London, 10. Juni. Ein hiesiges Blatt mekoet aus Teheran, der Schah habe auf das Memorandum des Parlaments noch nicht ge- antwortet und sein Hoflager erhalte Verstärkungen von den Stämmen. Der Schah sei nicht geneigt zum friedlichen Ausaleich und augenscheinlich entschlossen, den Absolutismus wieder- herzustellen. Die Kaufleute in Teheran«rfUsrj.ejj sich für Fortsetzung der Einstellung der Geschäfte«- Eue der Partei. Julius Motteler zum Gedächtnis wurde vorgestern, am 18. Juni, dem siebzigsten Geburtstage unseres teuren Toten, auf dem Südfriedhofe in Leipzig ein würdiges Grabdenkmal enthüllt, das die Gattin als ein äußeres Zeichen niemals versagenden Gedenkens hat setzen lassen. DaS Denkmal besteht aus einem hohen und breiten, weithinragenden Block aus Rochlitzer Porphyr, den vorn ein Medaillon mit MottelerS Kopf in Relief ziert; darunter liest man in einfachen Lettern: öüllüS MOTTELEB 1838-1907 m RASTLOSE» ARBEIT VERZEHRTE SEIN LEBEN DER KAMPF FÜR DIE ARBEITERKLASSE. Das Denkmal macht in seiner einfachen Geschlossenheit einen wirkungsvollen nachhaltigen Eindruck. Zu der Enthüllung hatte sich vorgestern mittag um die Genossin Emilie Motteler ein Kreis alter Freunde aus nah und fern und Leipziger Genossen zahlreich versammelt. Für sie alle sprach zunächst Eduard Bernstein. Er slizzierte den Lebenslauf MottelerS, hob besonders seinen stets und überall bewährten und aufopfernden Dienst für die Arbeiterklasse hervor, seine treue, unver« gleichliche Kameradschaftlichkeit, seine Gradheit und Wahrhaftigkeit; er schloß, daß so geleistete Dienste niemals vergehen würden und auch niemals vergessen werden könnten. An Bernsteins tief empfundene, aus persönlichen Erinnerungen und Erlebnissen vielfach unterstützte eigentliche Gedenkrede, schloffen sich innige Worte deS Dankes und treuen ErinnernS von LipinSki, Gold st ein und Richard Fischer. Noch einmal ergriff B e r n st e i n das Wort, um im besonderen der treuen und gleichfühlcnden tapferen Lebensgefährtin MottelerS Dank und Anerkennung für alles auszu» sprechen, was sie für den Toten und für die Partei geleistet hat. Damit hatte die einfache, eindrucksvolle Feier ihren Abschluß gefunden. •.» Zur Enthüllung des Denkmals liefen mehrere Telegramme ein. In einem von Klara Zetkin, Degerloch bei Stuttgart, heißt es: „Ich gedenke mit Dankbarkeit des selbstlosen Vorkämpfers unserer Sache, der mir ein treuer und führender Freund war." Aus Mössingen war folgendes Telegramm eingegangen: »Am heutigen Ehrentage gibt seiner tiefgefühlten Verehrung für seinen verblichenen Freund und Kampfgenossen hiermit Ausdruck sein Mitarbeiter Belli.'_ Freundschaftliche Kritik und gehässiger Auwurf. Die»Frönt. Tagespost'(Nürnberg) bemerkt in ihrer Nr. 137 zu unserer vor einigen Tagen veröffentlichten Zurückweisung der aus die»Leipziger VolkSzeitung' bezüglichen Stelle ihres letzten Berliner gewcrkschaft- lichen Briefes: »Wir finden diesen vom.Vorwärts' aufgestellten Grundsatz so nett und nützlich, daß wir nur wünschen können, er möge ihn zunächst selbst befolgen. Dann hätte er seiner Notiz nicht die Ueberschrift gegeben:»Ein gehässiger Auwurf', sondern die grimmige»L. V.' ehrfurchtsvoll darauf aufmerksam gemacht, daß es nicht angängig sei. unseren Berliner Mitarbeiter, den»kriti- sterenden Freund' als hetzenden Feind anzuschreien; uud der »Vorwärts' selbst hätte dann seine Auslassung statt»Ei» gehässiger viiwurf'»Freundschaftliche Kritik' betitelt.' Bit Mfaufen ntf, Ml wttztgi ,FrSn0sH« Tagespost' ehrfurch»» doli darauf aufmerksam zu machen, dah wir die Behaupiung. ein sozialdemokratisches Blatt»Hetze gegen die Gewerkschaften', nicht als freundschaftliche Kritik anzuerkennen vermögen. In dieser Wendung liegt die Unterstellung, datz daS betreffende Blatt nicht einzelne Aeußerungen der gewerkschaftlichen Bewegung, sondern die Gewerlschaften an sich bekämpft, zudem in unehrlicher Weise und aus gemeinen Motiven. ES heißt ein Parteiorgan eines der schwersten Bergehen beschuldigen, die ein Srbeiterblatt überhaupt begehen kann. Und angesichts einer solchen Beschuldigung hört denn doch die Ge- mütlichkeit auf._ Sin eigene? Hei» haben sich Partei und Gewerkschaften in Fürth i. B. durch den Ankauf des Hauses Hirschenstrahe 24 zu gelegt, daS den Bedürfnissen entsprechend umgestaltet wurde. Das Parteiorgan, die.Fürther Bürgerzeiwng', hat die für sie bestimmten Räumlichkeiten bereits bezogen, ebenso haben der Metallarbeiter- verband und der Holzarbeiterverband ihre BureauS dahm verlegt. Das Partei- und das GewerkschastSsekretariat werden in den nächsten Tagen nachfolgen. Für eine allenfalls notwendig werdende Er- Weiterung ist Vorsorge getroffen. poUteUidH»� Gericbtttcheo ufw. Ein Frcispruch. Der Genosse O st k a m p von der„Arbeiter- zeitung' zu Essen wurde von der Anklage, einen mit dem all- gemeinen Ehrenzeichen dekorierten Bergarbeiter beleidigt zu haben, von der Strafkammer zu Essen freigesprochen. Die»Arbeiterzeitung' hatte bemängelt, daß die Arbeitsverhältnisse auf der Zeche, auf der der Dekorierte arbeitet, verschlechtert wurden und hatte im Anschluß daran davon gesprochen, daß.einem ausgemergelten Arbeiter ein Stück Blech auf die Brust gehängt wird'. Durch diese Wendung sollte der betreffende Arbeiter beleidigt sein. Seine Vernehmung dem Zechenb ergab, datz er von dem inkriminierten Artikel erst auf bureau durch die Beamten Kenntnis bekam. Dort wurde auch der Strafantrag angefertigt und von ihm unterzeichnet. DaS Gericht kam zu der Ueberzeugung, daß der Angeklagte nicht die Person deS Antragstellers habe treffen wollen, sondern daß er lediglich ein System kennzeichnen wollte. So erfolgte Freispruch. Huq Induftne und Kandel. Vom KokSmarkk. Die flaue Beschäftigung in der Eisenindustrie wird durch folgenden Bericht der„Rhein.-Westf. Ztg." über den Absatz des Koks gekennzeichnet: Der Koksabsatz hält sich in den seitherigen Grenzen und zeigt wenig Veränderung. Das Syndikat nimmt den Kokereien 70 Proz. der Beteiligung ab, wobei eS allerdings gewifle Mengen auf Lager nimmt. Was die Kokereien über 70 Proz. herstellen, müssen sie selbst lagern. Auf verschiedenen Zechen nehmen die Kokslager stark zu; insgesamt sollen die Lagermengen bis jetzt aber 600 000 Tonnen nur wenig übersteigen. Wie der Absatz sich weiter gestalten wird, ist noch nicht übersehbar, da die Mehrzahl der Hütten mit Bestellungen sehr zurückhält. Für das dritte Vierteljahr stehen die Bestellungen größtenteils noch aus. Es wird mehrfach an- genommen, daß die 30proz. Einschränkung für die nächsten Monate kaum ausreichen uud eine weitere Erhöhung der Einschränkung nötig werden wird._ Die Arbeitslosigkeit im Holzgewerbe ist immer noch infolge der äußerst ungünstigen Lage in Berlin überaus hoch. Ende Mai lvarcn nach der Zählung des Holzarbeiterverbandes noch 4,30 Proz. arbcitS- los gegen 4,62 Proz. im April und 1,87 Proz. im Mai 1007. Absolut waren von 146 603 Arbeitern 6436 arbeitslos. Bon diesen entfielen mehr als die Hälfte, nämlich 3716 auf den Gau Berlin. Es waren hier von 33 006 Arbeitern zirka 11,2 Proz. beschäftigungslos. Würde man den Gau Berlin unberücksichtigr lassen, so würde sich die Arbeitslosigkeit für das übrige Deutschland auf nur 2.30 Proz. stellen. Sie wäre auch dann noch imnier höher als in den Vor- jähren, aber doch um 2 Proz. niedriger, als es bei Einbeziehung des Gaues Berlin der Fall ist. Relativ niedrig ist die Arbeits- losigkeit in den Gauen Sluitgart, Erfurt, dann in Danzig, Düffel- dorf und Nürnberg. In: Vergleich mit den Vorjahren bewegte sich die Arbeitslosigkeit in den ersten fünf Monaten des Jahres in Prozent wie folgt: 1006 Januar.... 2,47 Februar... 1,72 März..... 1,66 April..... 1,54 Mai..... 1,48 Schon 1007 als 1006. Aber 1007 2.87 2,68 2.45 2,32 1,87 war also die Arbeitslosigkeit durchschnittlich höher selbst das relativ günstige Jahr 1006 zeigte in 1008 5,81 4,80 4,43 4,62 4,30 manchen Monaten eine noch geringere Arbeitslosigkeit als das Jahr 1007, so gerade im Monat Mai. indem sie bis auf 1,16 Prozent zurückging. Wenn auch die ArbeitSlosenzählnngen des Holzarbeiter- Verbandes nur einen Teil der in Frage kommenden Arbeiterschaft umfassen, so spiegeln ihre Ergebnisse doch die Beschäftigungsverhält- nisse in den größeren Städten ziemlich zutreffend wider. Ein Stahlwerk durch Feuer zerstört. Shelby(Ohio). 10. Juni. Die hiesigen, dem Stahltrust gehörigen Stahl-Röhrenwerke, welche einen Wert von mehr als 2 Millionen Dollar haben, wurden in der zergangenen Nacht durch Feuer zerstört. Huq der frauenbewegung. Um daS Frauenahlrecht. London. 17. Juni. Die Bewegung der britischen Frauen zur Erkämpfung des Wahlrechts ist gegenwärtig in drei Gruppen geteilt: die Womoii's Social and Political League, die liberale Frauen- Vereinigung und die'VVonien's Freedom League. Die stärkste und rührigste ist die elftere Gruppe. Sie wird nächsten Sonntag eine Monster-Demonstration im Hyde-Park abhalten, wobei sich 60 000 bis 100 000 Frauen aus London und der Provinz beteiligen dürsten. Sie tritt indes nicht fürs allgemeine Wahlrecht ein, sondern für die Ausdehnung des b e st e h e n d e n Wahlrechts auf die Frauen. Die letzte Frauendemonsttation war von den liberalen Frauen und von der Women's Freedom League arrangiert. Die Mitglieder der Women's Freedom League sind meistens Sozia- listinnen und gehörten ursprünglich zur Women's Social and Political League. Trotz des Versprechens des Premierministers, das Frauenwahl- recht zu keiner Parteifrage zu machen und den Parlamentsabgeord- neten volle Freiheit der Abstimmung zu gewähren, läßt sich für die nächste Zeit über daS Schicksal der Frauenvorlage nichts sagen. Nur soviel ist sicher, daß die Bewegung Fortschritte macht und daß sie nicht mehr aufzuhalten ist._ DaS Lebe» nnferer Lieblinge. Deutschland, ans deffen herrschenden Kreisen einst der Ruf aus- ging: Völker Europas, wahret eure heiligsten Güter! befolgt diesen Ruf auf die Weise, daß es jährlich rund 400 000 Kinder unter einem Jahre sterben läßt. Deutschland, wo die Zucht und fromme Sitte zu Hause ist, wo für die»Heiligkeit der Familie' in Wort und Schrift unentwegt gestritten wird, sieht gelassen zu, daß in seinen Grenzen der fünfte, in manchen Städten und Arbeiterquartieren der vierte, ja der dritte Teil und mehr von allen Geborenen dahinsiecht, ehe das erste Lebensjahr erreicht ist. Die Säuglingssterblichkeit trifft nicht die gesamte Bevölkerung mit gleicher Wucht. Man kann sie wie die Schwindsucht, die die Erwachsenen hinrafft, ebenfalls eine Proletarierkrankheit nennen. Sie hat ihren Grund in all den Umständen, die das Maffenelend unserer Zeit ausmachen: überkommene Schwäche von den Eltern her, Mangel an Luft und Licht infolg« schlechter Wohnungs verhältniffe, Mangel an Pflege und genügender und passender Nahrung infolge schlechter Einkommensverhältniffe. In den Großstädten stuft sich die Säuglingssterblichkeit genau in Prozenten ab, je weiter man aus den dichtbevölkerten, un- gesunden Arbeitervierteln in die befferen und besten Teile der Stadt vordringt, wo die bemittelten, reichen und ganz reichen Leute wohnen, die ihren Kindern das gewähren können, was der Mensch zu seiner Gesimdheit und zur Entfaltung seiner Kräfte braucht. Zu den Uebeln, die dauernd auf den Gesundheitsstand der Proletarierkinder wirken, kommt nun in den heißen Monaten die Gefahr, daß bei künstlicher Ernährung die Säuglingsspeise(die Milch), in schlechtem, verdorbenem Zustande gereicht wird, so daß Krankheitskeime in den Körper gelangen, die auf Magen und Darm wirken und den Säugling, der ohnehin geschwächt ist, dem ftühen Tode entgegensühren. Man kennt die Gründe der erhöhten Säuglingssterblichkeit m den heißen Monaten; man weiß, datz die Beschaffenheit einer keinifreien, gesunden Milch hier steuern kann. Man hat auch in einzelnen Städten von Gemeindewegen Vorkehrungen zur Herstellung und Ver- teilung einwandfreier Säuglingsmilch getroffen— aber alles nur in einem Umfange und bei Preisen, die die große Masse der Bevölkerung von diesen Maßnahmen ausschließt und nach wie vor zusehen mutz, wie der Würger Tod die Armut sttaft an dem Liebsten, was der Mensch hat: am eigenen Fleisch und Blut. Das sollte namentlich die Arbeiterfrau beherzigen, wenn sie den kommenden Tagen, wo das Leben ihrer Kleinen besonderen Gefahren ausgefetzt ist, mit Sorge und Bangen entgegensieht. Der Sieg des Sozialismus sichert auch die Gesundheit und das Leben unserer Kinder._ Eine vermehrte Verwendung von Mädche» als Echriftsetzerinnen wird in den Jahresberichten der preußischen Gewerberäte für 1007 konstatiert. Im Bericht aus dem Regierungsbezirk K ö s l i n lesen wir: „In einer Druckerei, welche im ganzm 2S Personen be schäftigt, sind allmählich sieben Mädchen zu Setzerinnen herangebildet worden, angeblich, um den Schwierigkeiten, welche mit der Beschäftigung organisierter männlicher Setzer verbunden sind, zu begegnen. Eine solche Beschäftigung von weiblichen Personen in der Setzerei ist wegen des anhaltenden Stehen? bei der Arbeit und der be- sonders dem weiblichen Geschlechte drohenden GesundheitS- fchädigung durch bleihaltigen Staub als unzweckmäßig zu be- zeichnen. Aus diesem Grunde werden sich die Aufsichtsbeamten mit dieser Betriebsneuerung noch näher zu befaffen haben.' Die Buchdruckunternehmer werden die Aufsichtsbeamten mit ihren eventuellen Matznahmen wenig fürchten, wie das auch der Bericht des Breslauer Beamten besagt: »In Breslauer Druckereien ist die Setzerin keine seltene Er- scheinung mehr." Nicht bloß dort, in sehr vielen Druckorten ist die»Kollegin' und auch schon recht lange heimisch. Eine interessante gewerberätliche Nottz lautet: »Im Bezirk O e l s hat im Berichtsjahre ein Buchdruckerei- besitzer, hierzu gedrängt durch eine vom Buchdrucker« verband hervorgerufene partielle Arbeits- einstellung seiner Setzer, zur Setzarbeit Arbeiterinnen ausgebildet und herangezogen, da diese bis jetzt noch außerhalb der Verbandsorganisation stehen." Die„Schwierigkeiten" bestehen einlach in der Forderung an- ständiger Lohn- und Arbeitsbedingungen. Die Vorgänge sind ein neuer Beweis für die Notwendigkeit emer intensiven AgitationS- und Aufklärungsarbeit unter der weiblichen proletarischen Bevölkerung. Versammlungen— Veranstaltungen. Tegel- Borsigwalde. Mittwoch, den 24. Juni, 8'/, Uhr, bei Woitschack in Borsigwalde. Vortrag. SewerKsebaftUcbey. Christlicher Terror im Osten. In der Provinz Posen, der einstigen Domäne der christlichen Organisationen, verschwinden die Zersplitterungsorganisationen nun immer mehr. So sind in Posen seit dem Fall Behren» eine ganze Anzahl christlich organisierter Bauarbeiter in die Zentralverbände übergetreten. Die Führer versuchen nun mit allerhand Mitteln den letzten Rest ihrer Getreuen zusammenzuhalten. Als ein ganz be- soliderer Stratege entpuppte sich dabei der Redakteur des in polnischer Sprache in Posen erscheinenden christlichen Gewerkschaftsblattes »Przywieiel Robotnikow'(Freund der Arbeiter.) Ein ganz besonderes Stückchen hat sich besagter Herr dieser Tage in Kosten geleistet. Als Genosse Schulz dort eine Ver- sammlung abhalten wollte, war auch jener Herr erschienen und hatte er sich mit einem aus Berlin verschriebenen christlichen Agitator in einem Nebenzimmer plaziert. Von hier aus hetzte er nun seine„christlichen" Helfer gegen unseren Genossen auf. Als die Sache zu bunt wurde, warf der Wirt die christlichen Brüder auf die Straße, wo sie ihr Treiben fortsetzten. Diese unter dem Deckmantel der Frömmigkeit segelnden Helden, die nicht genug über Terrorismus zetern können, verüben hier im Osten die größten Rücksichtslosigkeiten. So wurden beispielsweise vor einigen Tagen in Kruschwitz 26 Mit- glieder des Zentralverbandes der Maurer vom Bau gegrault, weil sie nicht, wie die Christlichen, die dort in der überwiegenden Mehr- zahl waren, verlangten, in den christlichen Verband übertreten wollten. Dergleichen Stücke passieren hierorts viele und selbst in der gesamten Posener b ü r g e r l i ch e n P r e s s e ist das Treiben dieser Leute in letzter Zeit wiederholt gekennzeichnet worden. Und daS heuchelt über Terror!_ Berlin und Qmgegend. Die Stukkateure beschlossen in ihrer am Donnerstag ab- gehaltenen Mitgliederversammlung, über die Firma Emil Schulz in der Admiralsttaße die Sperre zu verhängen, weil dieser Arbeitgeber die Lohnsätze des Tarifs nicht innehält.— Nachdem diese An- gelegenheit erledigt war, wählte die Versammlung den Verbands- ausschuß. Die Wahl fiel auf die Mitglieder Hanke, Fuchs, WengelS, Scheck und Gladigo.— In die Gauleitung wurden gewählt: Dietrich als Leiter, Radke als Kassierer und Hanke als Schriftführer.— Hierauf erstattete Krebs Bericht über die Verhandlungen des Verbandstages. Es folgte eine längere Diskussion, in der einige Redner unter dem Widerspruch eines großen Teils der Versammlung ihrem Unwillen darüber Ausdruck gaben. daß der Verbandstag den Wochenbeittag um 10 Pf. erhöht hat.— Schließlich beschloß die Versammlung, daß den Berliner Delegierten die Differenz zwischen ihren Diäten und ihrem tatsächlichen Verlust an Arbeitsverdienst aus örtlichen Mitteln vergütet wird. Deutfcbes Reich. Wir sind Herren! � Die Brockwitzer Glasfabrik hat cS abgelehnt, bor dem von den Glasarbeitern angerufenen Einigungsamt de? Gewerbe- gerichtS zu erscheinen._ t Der Kampf im BreSlauer Barbiergewerbe. � Die organisierten Barbiergehilfen in der schlesischen Haupt. stadt führen seit längerer Zeit einen zähen Kampf darum, sich wenigstens einigermaßen menschenwürdige Arbeits- und Leben»« bedingungen zu erringen. Und während ihnen dabei eine Reihe von in einem freien Verein zusammengeschlossenen Meistern einiger» maßen entgegengekommen sind, haben sie selbst mit den bescheidensten Forderungen bei den Jnnungskrautern bisher einen heftigen Wider- stand gefunden. Die Gehilfen haben daher das Solidaritätsgefühl der Gesamtarbeiterschaft aufgerufen und diese aufgefordert, die in der„Volkswacht" als gehilfenfeindlich bekanntgegebenen Geschäfte zu meiden. Das ist den Herren mächtig in die Nase gesttegen und so haben sie denn drei Mann vorgeschickt, um gegen die„Volks- wacht" Zivilklage wegen Schadenersatz und auf Unterlassung der öffentlichen Bekanntgabe der gehilfenfeindlichen Geschäfte geklagt. Die fünfte Zivilkammer des Breslauer Landgerichts hat den Herren nun zwar nicht den Gefallen getan, ihnen ihr Gelüste nach dem Gelde der„Volkswacht" zu stillen. Aber sie hat unserem Bruderblatt bei 50 M. Strafe für jeden Einzelfall untersagt, die Geschäfte zu veröffentlichen, welche die Gehilfenforderungen zurück- gewiesen haben.— Es ist zunächst Berufung eingelegt worden. ,» Kampf im Tabakgewerbe. Den Unternehmern ist jetzt in den Zeiten der Krise und deS Arbeiterüberflusses der Kamm ganz gewaltig geschwollen. Als die bei der Firma Hebenstreit in Pirna beschäftigten Tabakarbeiter dieser Tage Forderungen einreichten, um den Lohn auf die gleiche Höhe wie in den anderen Beirieben der Stadt zu bringen, da kamen sie schön an. Ter Chef erklärte einfach, wenn die Arbeiter ihre Lohnforderung nicht zurückziehen würden, dann würde er den Bettieb schließen. Er führte diese Drohung auch aus, als die organisierten Tabakarbeiter sich nicht einschüchtern ließen. Eine Verhandlung mit dem Organisationsvertreter lehnte der kleine Stumm rundweg ab mit den Worten: Er habe mit dem Ver- trauensmann nichts zu tun; dem gehe es einen Dreck an. Er habe es nur mit seinen Arbeitern selbst zu tun. Die Arbeiter haben nun beschlossen, nicht eher wieder in den Betrieb zurückzukehren, bis die Forderungen bewilligt sind. � Hustoad, Ein Existenzkampf schwedischer Hafenarbeiter. In den Hafenorten des schwedischen Nordland haben die Hafen« arbeiter seit mehreren Wochen einen schweren Kampf um ihre Existenz zu führen. In verschiedenen Hafenorten haben die Arbeiter bisher das Löschen und Laden der Schiffe genossenschaftlich aus- geführt, hatten also den Stauereiunternehmer, der sonst ein gut Teil des Arheitsverdienstes zu schlucken pflegt, ausgeschaltet. In solcher Arbeitsmethode erblickt aber das gesamte Unternehmertum eine schwere Beeinträchtigung seiner allerheiligsten AuSbeuwngSrechte. Darum hat die Reedervereinigung mit Nordlands Stauereiunter- nehmer-Verband einen Vertrag abgeschlossen, wonach die Hafen- arbeit nur an organisierte Unternehmer vergeben werden und der Kampf gegen die Hafenarbeilergenossenschasten selbst in solchen Hafenorten eröffnet werden soll, wo sonst keinerlei Konflikt besteht. Wo nun genossenschaftlich gearbeitet wird, wollen selbst- verständlich die Hafenarbeiter ihren Verdienst nicht mit einem höchst überflüssigen Unternehmer teilen. Im übrigen fordern sie, daß bei Verteilung der Hafenarbeit die organisierten Arbeiter zunächst berücksichtigt werden. Diese Forde- rung ist höchst wichtig. In allen größeren Hafenstädten sammeln sich leicht Mengen von Gelegenheitsarbeitern an, meist Lumpenproletarier, die, wenn sie nur das Nöttgste verdienen und eS nicht an Branntwein mangelt, zufrieden sind. Ordentliche Arbeiter, die auf einigermaßen regelmäßigen Verdienst angewiesen sind, können ihnen gegenüber nicht aufkommen. Erst durch das Eingreifen deS Schwedischen Transportarbeiter-Verbandes, durch tarifliche oder genossenschaftliche Regelung der Arbeit, konnte in den meisten Hafenstädten ein Stamm zuverlässiger Stauereiarbeiter geschaffen werden. Der Kampf in Nordland hat sich nun im einzelnen auf fast nB* Hafenstädte Schwedens ausgedehnt, indem die Schiffe der dämm beteiligten Unternehmern überall boykottiert werden. Die Unter« nehmer haben sich, wie immer bei solchen Kämpfen der Hafen« arbeitet, nach England gewandt, um Streikbrecher heranzuholen, und haben auch bereits mehrere hundert herübergeholt. Am Dienstag kam auch eine Ladung Engländer— ungefähr 100 Mann— nach Kopenhagen, um von dort«ach schwedischen Häfen versandt zu werden. Dänischen Organisationsvertreter» ge» lang es. an das Stteikbrecherschiff heranzukommen. Ihnen erzählle» die Engländer, sie wären für Kanada angeworben. Ll» sie aber die eigenttichen Absichten des Unternehmer« erfuhren, erklärt« fast alle, daß sie gute Söhne de» freien England seien und mtt de« nächsten Schiff wieder heimfahre» wollte». Letzte JVachnchtcn und Dcpcfcben, Darmstadt, 19. Juni.(V. H.) Zur Reform de» hessisch en Wahlrechtes wurde heute in der Sitzung der Zweiten Kammer eindringlicher Antrag eingebracht: DieKammer wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, sofort bei Beginn des nächsten Land» tages den Landständen ein Gesetz vorzulegen über die Ein« führung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Landtagswahlrechts, unter voller Wahrung der ver» fassungsmäßigen Rechte der Zweiten Kammer. Dieser Antrag ist unterzeichnet von den Abgeordneten der frei» sinnigen und der sozialdemokratischen Fraktton. Die Frage der Dringlichkeit dieses Antrages und ob es mög- lich sei. ihn noch vor dem offiziellen Landtagsschluß zu besprechen, rief in dem vollbesetzten Hause eine längere. zum Teil sogar erregte Debatte hervor. Schließlich wurde die Dringlichkeit gegen dieStimmen einiger National- liberaler, darunter Dr. Osann. und einiger Bauern- bündler angenommen und der Antrag auf die morgige Tagesordnung gesetzt. Holländische Kolouialschlächterei. � Haag. 19. Juni.(W. T. B.) Amtlich wird gemeldet, daß die nach Padang auf Java gesandten Verstärkungen einen Nachtangriff bei Kapetanam in Nieder-Padang abgeschlagen haben, ohne einen Verlust zu erleiden. Von den Angreifern wurden sechs getötet uns einer verwundet. �_ Entgleisung. Jena. 19. Juni.((Amtliche Meldung.)' Heute vormittag 11 Uhr entgleiste in Km. 11.6 der Strecke Weimar— Gera zwischen den Stationen Großschwabhausen und Mellingen vom Arbeitszug 1740 die Lokomotive. Der Lokomotivheizer ist leicht am Arm ver- letzt, das Hauptgleis bis 4 Uhr nachmittags gesperrt. Der Per, sonenverkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. � Unwetter. Troppau, 10. Juni.(B. H.) lieber die Stadt und Umgebung ging ein fürchterliches Unwetter nieder, verbunden mit Wolkenbruch. Zahlreiche Straßen und Häuser wurden in kürzester Zeit unter Wasser gesetzt. Auf den benachbarten Getreidefeldern hat daS Unwetter großen Schaden angerichtet. Krieg im Friede». ' New Jork, 19. Juni.(W. T. B.) Bei einer Festungsübung wurden auf dem Fort Wadcworth im hiesigen Hafen durch vor- zeitiges Losgehen eines Schusses aus einem Sechszollgeschütz ein Mann getötet und mehrere andere verletzt, einer davon tödlich. versittw?icdaki.;.Gksrg DlUftdiÄ»/ Btrlin. Lnfcratenlei! verantw.? Tb.Gl-ste.Berljn, Druck>i.V--rlaa:Born»irfzBuckidr.u.VerlaaSanttait Paul SingetSc Eo� Berlin SW, Hierzu 2 Beilagen».UnterhaltuggSöl. Nr. 142. 25. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Die Ingenieure im Kampfe um ihre Koalitionsfreiheit. Sonnabend, 20. Juni 1908. Phalang von 40000 technischen Angestellten gegen- tum zu kämpfen. Wir würden durch die alleinige Verschmelzung über, von den Handlungsgehilfen abgesehen, deren einhellige Stellung mit den Lederarbeitern benachteiligt. Die Frage der allgemeinen nahme noch nicht vorliegt. oder partiellen Fusion muß getrennt werden. Die Verschmelzungs gleiche Schauspiel wie im Reichstag bei Debatten um Angeſtellten wären. Wir handeln, indem wir uns für die Verschmelzung erDie beiden gestrigen Technikerversammlungen boten fast das frage darf man nicht von dem Standpunkte aus beurteilen, als ob die einzelnen Branchenorganisationen am Ende ihres Lateins Auf den Gewaltstreich, den die Industriellen gegen das forderungen. Bis hinein zum jung- liberalen Lager waren die Ver- Hären, nicht aus dem Gefühl der Schwäche.( Beifall.) Roalitionsrecht der Angestellten geführt haben, liegt eine Antwort ihr Wohlwollen für die Angestellten und ihre moralische Entrüstung als entschiedener Gegner der Verschmelzung zum Lederindustries treter der politischen Parteien erschienen, um mit schönen Worten Mahler, Vorsitzender des Lederarbeiterverbandes: Ich bin Der Bund der technisch- industriellen Beamten veranstaltet jezt über die Unternehmer auszusprechen. Wenn schöne Reden Wirkungen berband bekannt. Die Deduktion der Anhänger der Verschmelzungs überall im Reich Protestversammlungen und gestern haben zwei der haben könnten, dann müßte jezt für den neuen Mittelstand" ein frage, daß mit der Vergrößerung der Mitgliederzahl auch die artige Rundgebungen in Berlin stattgefunden. Aus dem Bericht der goldenes soziales Beitalter beginnen. Aktionsfähigkeit steigt, ist falsch. Das sehen wir beim Holzarbeiter. Führer des Bundes ist besonders die interessante Tatsache bemerkensberband. Die Behauptung, daß der Mangel an Funktionären durch die Verschmelzung beseitigt wird, trifft feineswegs zu. Blume, Vorsitzender des Sattlerverbandes: Ich kann heute der dabei beteiligten Technikerverbände vor. Zu den Versammlungen hat man auch die Bertreter der sozial wert, daß es sich bei dem Anschlag der bayerischen Industriellen um Moltenbuhr, Wolfgang Heine und Robert Schmidt er- schon sagen, daß die Sattler und Portefeuiller schon baldigst ihre demokratischen Reichstagsfraktion eingeladen und waren die Genossen ein systematisch eingeleitetes Verfahren handelt. Von gefälliger Seite, nämlich von Dr. Bürner, find die Direktoren der Maschinenbau- schienen. In gehaltvollen Ausführungen wurde von ihnen dargelegt, Organisationen verschmelzen werden. Sollte es zu einer Vers fabrik Nürnberg- Augsburg auf die neugegründete Ingenieur- daß die bürgerlichen Mittelstandsfreunde den Angestellten nicht helfen schmelzung kommen, so müffen wir bei Festlegung der Grundlagen gewerkschaft aufmerksam gemacht worden. Ganz überrascht von dieser werden, weil sie ihnen nicht helfen können. Die kapitalistische Ent- hinzugezogen werden. und Lederarbeitern. größere Aktionskraft. = Bod Gotha: Der Industrieverband dürfte allen beteiligten Organisationen Vorteil bringen. Hamacher Berlin: Ein Industrieverband gibt uns größere Leistungsfähigkeit; deshalb befürworten wir ihn. = Stunde, daß derartige Organisationsbestrebungen trot Unterstützungs- widelung treibt sie eben zu jenem großen, gewaltigen Interessen- Weinschild: Vorsitzender des Portefeuillerverbandes: Die bereine und gelben Gewerkschaften nun auch unter den Angestellten gegensatz, der keinen Unterschied zwischen Handarbeit und Kopfarbeit wirtschaftliche Entwickelung zeigt uns den Weg des Zusammen. Boden finden, wollte man hier ein Erempel statuieren. Gin Ingenieur, fennt, sondern nur den zwischen Arbeitern und Unternehmern, und schlusses. Diese Entwidelung ist für die Verbindung der Sattler der als Mitglied dieser so gefährlichen Organisation den gestrengen der Stopfarbeiter ist genau so Arbeiter wie der Handarbeiter. Die mit den Portefeuillern gegeben, aber nicht mit den Schuhmachern Herren Direktoren bekannt war, wurde gemaßregelt. Wider Erwarten Angestellten haben es sich selbst zuzuschreiben, wenn sie noch ab- Simon: Der Einwand, daß nach der Verschmelzung die ging diese Aktion aber nicht so glatt wie gewöhnlich von statten, hängiger und widerstandsloser in das Joch tapitalistischer Aus- einzelnen Berufe anderen gegenüber zurücstehen müssen, ist haltlos. von den 150 Ingenieuren der dortigen Werte waren 20 im Bunde beutung eingeschirrt sind wie die Handarbeiter dadurch, daß der wir verkennen nicht die Schwierigkeiten bei Gründung des organistert, die sich mit dem gemaßregelten Kollegen solidarisch er- neue Mittelstand" die volkswirtschaftliche Bedeutung seiner Industrieverbandes. Bei einigem guten Willen kann man diese flärten. Die Werkleitung mußte fich zum ersten Male dazu be- laffe, die sozialen Aufgaben seiner Berufe nicht erkannte, aber lösen. Der Industrieverband verleiht uns zweifelsohne eine quemen, mit ihren Angestellten in einer solchen Angelegenheit zu daß er sich vom Blockrummel einfangen ließ, hat er nicht nur verhandeln, es wurde sogar die Teilnahme eines offiziellen die allgemeinen Voltsinteressen der Reaktion ausgeliefert, sondern Bertreters des Bundes, des Ingenieurs Lüdemann- Berlin er hat auch seine eigenen Interessen verraten. Die heutige soziale durchgesezt. An den Verhandlungen zwischen den Vertretern der Organi- Gesetzgebung, die Rechtlosigkeit des Lohnarbeiters aller Kategorien sation und den Werkleitungen ist die Naivität bemerkenswert, welche dem Kapital gegenüber ist die Frucht der Politik, die von den AnFür die Verschmelzung sprechen noch: Seifert, Selbig die Direktion dabei an den Tag legte. Mit väterlicher Strenge machte gestellten bisher mit begünstigt wurde. Gruno, Weber, worauf Schluß der Debatte erfolgte. man der Bundesleitung darüber Vorwürfe, sich durch die SozialMit der gespanntesten Aufmerksamkeit folgten die Zuhörer den Es wird sodann über die Form der Abstimmung berhandelt. Simon Nürnberg: Der Vorstand hat sich zu folgendem demokratie zur Gründung von Gewerkschaftsorganisationen Ausführungen unserer Redner, der lebhafte Beifall während und am berleiten zu lassen. Auf die Erwiderung, daß es auch christliche und Schlusse der Reden ließ erkennen, daß hier die Macht der Tatsachen Vorschlag bereit erklärt: Es soll nur die einfache Mehrheit aller Mitglieder zur Beschlußfassung erforderlich sein. Die Urabstimmung Hirsch- Dunderſche Gewerkschaften gäbe, erfolgte prompt die Antwort, eine eindringliche Wirkung ausgeübt hat. Die Sozialdemokratie hat auch hier wieder ihr altes, bewährtes stimmungsliste erfolgen. Ueber die Frage, ob auch allein mit dem soll zu einer bestimmten Zeit mittelft Stimmzettel und Abdaß es für den Werkherrn darin einen Unterschied gäbe, daß es sich hier immer um sozialdemokratische Be- Schweineglück, um das damalige verärgerte Wort eines Zentrums- Reberarbeiterverband eine Verschmelzung erfolgen soll, soll eine strebungen handle. Der Rotkoller macht in den Köpfen dieser demagogen zu gebrauchen. Die Sozialdemokratie hat keine Ursache, besondere Abstimmung vorgenommen werden. Der Vorstand Industriemagnaten jede Unterscheidung unmöglich. bei jeder Gelegenheit gleich den bürgerlichen politischen Klopffechtern empfiehlt diesen Vorschlag zur Annahme. Von einigen Rednern Das Resultat dieser Verhandlung zwischen Organisation und betriebsam auf Stimmenfang zu den Angestellten zu gehen. Der wird dieser Vorschlag unterstüht, von anderen bekämpft. Nach Firma war, daß die Maßregelung zurüdgezogen wurde. Nur beste Agitator ist der Scharfmacher. Für uns arbeitet die tapitalistische längerer Debatte wird der Vorschlag des Borstandes angenommen: Es folgt hierauf der Punkt: Statutenberatung wenige Tage später folgte dann der schon bekannte Utas, welcher Entwickelung, welche die Angestellten ganz von selbst in unsere Herrmann- Nürnberg begründet die Anträge des Bor also einen Wortbruch der schlimmsten Art durch die Unternehmer be- teihen hineinzwingt. standes und wird beschlossen, zunächst über die Beitragserhöhung deutet. Inzwischen waren einige Hezartikel auf den Bund in der zu beraten. " Post" losgelassen worden, die ihre Augsburger Herkunft nicht verleugnen konnten. Als die Bundesleitung wegen ihrer Handlungsweise die dortige Direktion interpellierte, wurde ihr die Erklärung zu teil, daß die Industriellen zu ihrem Vorgehen sich deshalb verpflichtet fühlen, weil die Bundesleitung sich gegen die Anwürfe der Post" nicht verteidigt habe. Dieser der Frage der Borfall gibt sicher ein klaffisches Beispiel, welche Unverfrorenheit Verschmelzung aller Organisationen in der Lederindustrie. die Unternehmer sich hier anzuwenden unterstanden. XII. Generalversammlung des Zentralverbandes der Schuhmacher Deutschlands. Gotha, 17. Juni 1908. In der heutigen Sigung beschäftigte sich der Verbandstag mit Das Referat hierüber hält der Sekretär HerrmannElfte Generalversammlung des Zentralverbandes der Böttcher und Böttcherei- Hilfsarbeiter Deutschlands. Kassel, 16. Juni 1908. Zweiter Verhandlungstag( Nachmittagsfizung). Nach dem Schlußwort des Redakteurs wird die Abstimmung Ueber den Anschluß an den Holzarbeiterverband referiert um I and Hamburg. Die Ausführungen find in fols gender Resolution zusammengefaßt: Boraussichtlich werden sich die Scharfmacher aber eine schmäh- Nürnberg: Man kann über diese Frage mehl verschiedener Meinung über die Anträge vorgenommen und werden alle Wünsche auf liche Niederlage holen. Der Bund ist entschlossen, diesen sein. Die Generalversammlung des Lederarbeiterverbandes hat beſſere Ausgestaltung des Fachorgans angenommen. In Zukunft Schlag gründlich abzuwehren, vom Vorstand wurde ein Extra beschlossen, über die Verschmelzungsfrage eine Urabstimmung vor: erhält das Organ den Namen Deutsche Böttcherzeitung". beitrag für eventuelle Gemaßregelten unter zunehmen. Voraussichtlich werden sich die Mitglieder dieser Organis stützung ausgeschrieben. Es steht zu erwarten, daß die fation mit großer Mehrheit für die Verschmelzung erklären. Der 12 000 Jngenieure sich geschloffen diesem Att von Unternehmer- Lederarbeiterverband ist bereit, mit den Organisationen, welche willtür entgegenstellen. Desgleichen gab der Deutsche Tech- fich für die Verschmelzung erklären, zweds Festlegung der Grundniter Verband, der 25 000 Mitglieder zählt, den Beschluß Berbindung zu treten. Wir können diesen Beschluß nur begrüßen. lagen für die Bestimmungen des Industrieverbandes in nähere in der Versammlung bekamut, daß er sich mit dem Bund Mit weit größerer Straft kann der Industrieverband der Untersolidarisch erklärt, Leicht mag der Verbandsleitung dieser nehmerwillfür entgegentreten und die Gefahr der Organisations= Beschluß nicht geworden sein, der sicher eher aus Klugheit vernichtung abwenden, als die einzelnen Berufsorganisatinen es wie aus Tapferfeit gefaßt wurde. Handelt es sich doch bei vermögen. Ob das Fachorgan beim Industrieberband verbilligt dem deutschen Technikerverband in der jezigen Situation einfach um werden kann, entzieht sich meiner Berechnung. Jedenfalls aber eine Lebensfrage. In hellen Haufen würden die Mitglieder dieser muß das Fachblatt den verschiedenen Berufen Rechnung tragen. Organisation den Rücken kehren, wenn er hier versagt hätte. Des- Wir berlangen allerdings zur Beschlußfassung dieser Frage die gleichen steht der deutsche Zeichnerverband und der Verein weidrittelmehrheit. Diese Vorsicht ist geboten. Wenn nun auch nicht alle Branchen sich zur Verschmelzung bereit erklären, so sind der Maschinenban- Wertmeister nicht nur moralisch, wir doch geneigt, auch mit einzelnen Organisationen die Verbindung rung der Agitation und der Lohnbewegungen, die durch Anschluß Korreferent Seel- Mainz führt aus: Die bessere Durchfüh sondern auch materiell hinter den bedrohten Verbänden. Die Scharf einzugehen. Freilich haben wir im Vorstand erhebliche Bedenken an den Holzarbeiterverband angeblich erreicht werden soll, trifft macher haben also mit ihrem Schwabenstreich einen Erfolg erreicht, für die alleinige Verbindung mit dem Lederarbeiterverband. Die nicht zu. Die Wirklichkeit beweist das Gegenteil. Auch der Holzden ste nicht erwartet hatten. Sie sehen sich einer geschlossenen Lederarbeiter haben mit einem sehr kapitalkräftigen Unternehmer- arbeiterverband hat noch über 200 000 Indifferente zu organi Jakob Audorf. tvo " Der Verbandstag beschließt den Anschluß an den Holzarbeiterverband aus folgenden Gründen: Der durch die wirts schaftliche Entwickelung sich vollziehende Auflösungsprozeß und die zunehmende Konzentration der Betriebe, die Erstarkung der Unternehmerorganisation im Böttchergewerbe gestaltet den Kampf um die Besserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen immer schwieriger. Es ist deswegen notwendig, daß die eins zelnen Glieder der Arbeiterbewegung mehr zusammengefaßt werden, um dadurch die Widerstandsfähigkeit und größere Er folgsmöglichkeit zu steigern." " Der Mann, in dessen Liedern sich das fernfeste Wesen seiner Bosnien und Dalmatien. Eine davon, dessen Verfasser Abbe hamburgischen Heimat widerspiegelte, war, wie die meisten Männer, Forlis ift, teilt das- bekanntlich auch von Goethe bearbeitete die es in der sozialdemokratischen Bewegung zu Ruf und Namen Lied über den Tod der Frau des Asan Aga mit, ein Werk über die Behn Jahre sind jetzt seit dem Tode eines Mannes verflossen, gebracht haben, proletarischen Herkommens. Sein Vater, der 1891 Morladen von Madame de Wynnes hat einen Anhang von„ Volts. aus dessen Sang die deutschen Proletarier zu Hunderttausenden Hochbetagt starb. war Weber. Er selber lernte das Mechanikerhand- liedern", die aber sämtlich une cht sind, das dritte Buch enthielt Begeisterung und Stampfesfreude geschöpft haben. Jafob Audorf, wert und durchwanderte nach altem Handwerksburschenbrauch ein eine ziemlich echte Ballade. Außerdem benügte Mérimée bier der Dichter der deutschen Arbeitermarseillaise, schloß am 20. Juni gutes Stück von Deutschland, der Schweiz und Frankreich. Im Beitungsartitel über die illyrische Literatur, deren Verfasser sein Jahre 1869 wandte er 1898 für immer die Augen. sich bon seiner Heimat aus Freund Charles Nodier war. Nodier, von dem Mérimée Sein Sang, so alt wie die deutsche Sozialdemokratie, hat wie nach Rußland, er mehrere Jahre als Werkführer tätig auch den Titel seines Buches hatte, wußte natürlich um diese allen Unterdrückungen getrott. Wie heute noch kaum ein war. Der Hort des Absolutismus nahm ihn Denn nach Ereine wunder den Schwindel und er steigerte ihn noch. Parteifest ohne die Arbeitermarseillaise denkbar ist, so hallte sie als liche Fügung zum zweiten Male auf, als der Senat seiner Vater- scheinen der Gusla" bezichtigte er den Herausgeber des verbotenes Lied durch die Lüfte, wenn die Parteigenoffen unter dem stabt ihn 1881 auf Grund des Sozialistengefezes ausgewiesen hatte. Plagiats! Später, für die Ausgabe von 1842, schrieb Mérimée Sozialistengesetz von ihren geheimen Zusammenkünften heimkehrten. Sechs Jahre darauf durfte er nach Hamburg zurüdfehren; fortan eine Borrede, worin er die Mystifitation recht deutlich durchblicken und damals schon hatte die Marseillaise eine Generation von war er bis an sein Lebensende als Redakteur am" Echo" tätig. ließ. Er sagt da:„ Es kam uns der Gedante, unsere Seise im euroSängern hinter sich. Es wird unsere Leser interessieren, über den Wenige Tage vor seinem Tode sah er noch den Triumph der Partei päischen Osten zu beschreiben, sie vorteilhaft abzufeßen und unseren Geburtstag des meistgesungenen Liedes unserer Partei einiges zu bei den Reichstagswahlen von 1898. Und jetzt, nach zehn Jahren, Profit dazu zu verwenden, um zu sehen, ob wir uns in unseren erfahren. Es war am 20. September 1864, als die Hamburger darf die deutsche Sozialdemokratie abermals triumphierend singen: Beschreibungen nicht geirrt hatten." Aber diese Andeutung wurde nicht beachtet und die Mystifikation ist erst jest nachgetdiefen. Sie Mitgliedschaft des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins bei der Trauerfeier für Ferdinand Lassalle zum erstenmal den Audorfschen stellt für die Südslaven ein Gegenstück zu der Königinhofer Tegt zur Marseillaise sang. Handschrift" dar, der angeblichen aus dem Mittelalter stammenden tscheschischen Dichtung, die heute auch bei allen ernſten tschechischen Gelehrten, wie Masaryk und Gebauer, als eine Fälschung des Patrioten" Hanta gilt. Der„ Nordstern" berichtete am 1. Oftober 1864 darüber: Den Schluß( der Trauerfeier) bildete der Gesang eines nach der Weise der Marseillaise von Herrn J. Audorf d. I. verfaßten Liedes, welches von der ganzen Versammlung mit Begleitung der Musik gesungen wurde." Diese nüchterne Erwähnung in dem sonst mit lebendigster Anteilnahme geschriebenen Bericht deutet kaum darauf hin, daß damals gleich die begeisternde Wirkung der Audorfschen Marseillaise erkannt wurde. Aber gegen Ende der sechziger Jahre war sie unter den Lassalleanern schon so populär, so zeitgemäß" wie heute noch in der ganzen Partei: Das freie Wahlrecht ist das Zeichen Auf guten Boden fiel die Saat; Uns aber bleibt die kühne Tat, Heil'ges Vermächtnis sei sie allen: Kleines Feuilleton. " Henrik Wergeland. Am Mittwoch feierte das norwegische Bolt den hundersten Geburtstag eines Mannes, der in der ersten Hälfte Eine literarische Mystifikation, die das Werk eines bedeutenden des vorigen Jahrhunderts als Dichter und Schriftsteller ber Dichters ist und der andere bedeutende Dichter und Gelehrte zum größten Einfluß auf das geistige Leben des Voltes gesen und Opfer gefallen find, ist von zwei slavischen Philologen, dem Kroaten wie fein anderer zu jener Zeit dem Gedanten demoTomo Matic und dem Pariser Professer Leger, festgestellt tratischer Freiheit und politischer Unabhängigkeit Raum zu worden. Im Jahre 1827 erschien die erste größere Sammlung füd- schaffen suchte. Es ist Henrit Wergeland. Bei Lebzeiten flavischer Volkspoesie in französischer Sprache. Sie hieß: Die gehörte er zu den Ausgestoßenen der guten Gesellschaft; erst bei Gussa( nach dem bei den Südslaven zur Begleitung des Gesanges feinem Tode im Jahre 1845 wurde ihm allgemeine Anerkennung zu dienenden Saiteninstrument), und ihr Herausgeber war Prosper teil, wenigstens als Dichter. Er hatte es mit den Bauern gehalten, In dem wir fiegen. Nun wohlan! Mérimée. Das Buch erregte ein außerordentliches Aufsehen. Es was damals für einen Mann aus dem„ gebildeten Stande" tom Diese Worte erfüllten sich 1867, als das Reichstagswahlrecht verschaffte nicht nur dem jungen Herausgeber Zutritt in die bors promittierend war; er mischte sich unter die Arbeiter, als ob proklamiert wurde. Sie sollen sich noch weiter und zwar in hoffent- nehmsten literarischen Salons, z. B. der Madame Récamier, er selbst zu diesem Pöbel" gehörte. Er gab ein Blatt lich nicht allzuferner Zeit erfüllen, nachdem Preußens Proletariat im sondern wurde auch überall im Auslande mit schwärmerischer Be- Für die Arbeiterklasse" heraus, eine revolutionäre Tat Kampfe gegen die Dreitlassenschmach in diesen Tagen eine wichtige wunderung für die geoffenbarten Schäße naiver und origineller สิน jener Zeit, wenn auch dies Blatt felbft nicht Position erobert hat. Volksdichtung aufgenommen. Pushtin übersetzte es zum Teil besonders revolutionär war und in der Hauptsache zu allgemeiner Aber nicht nur an dem Schlachtgefang der deutschen Arbeiterschaft ins Russische, Browning ins Englische, Midiewicz nahm Aufklärung der Arbeiter dienen sollte. Wergeland sympathisierte mit darf Andorfs Dichtkunst gemessen werden. Er war durchaus nicht einige daraus übertragene Balladen in seine gesammelten Werke auf den sozialistischen Theorien St. Simons. Seine unter den damaligen nur Sänger des Liedes im höheren Chor", sondern ließ auch dem und der berühmte Altmeister der slavischen Philologie Safarit Verhältnissen revolutionäre Pionierarbeit bildete den Ausgangspunkt Humor gern sein gutes Recht. Das Petroleumlied", das nach einer rühmte es in seiner Geschichte der serbischen Literatur als eine wert für die erste sozialistische Agitation in Norwegen. Nicht nur das lustigen Weise aus Mamsell Angôt" gesungen wurde, verspottete volle Anthologie der Volkskunst jener Länder. Die ganze Bürgertum, auch die Arbeiterschaft Norwegens feiert das Andenken 1877 eindrucksvoll die Sozialistenfurcht des Reichsphilisters. Und Sammlung aber ist, wie die beiden obengenannten Gelehrten dieses Dichters und Voltsmannes. " " bis in Audorfs Todesjahr finden wir die von dem Dichter ge- nachgewiesen haben, eine Mystifitation Mérimées. Man schriebenen Sonntagsplaudereien des" Hamburger Echo" mit manchem fennt jezt auch die Quellen, die ihm dabei gedient Natürliche Feinde der Mücken. Der Frantf. 8tg." wird ges fernigen Scherzgedicht eingeleitet. haben. Es sind vor allem drei Reisebeschreibungen über schrieben: Das wirksamste Mittel gegen die Malaria übertragenden fkreit, ebenso genug rückständige Lohn» und Arbeitsbedingungen ihrer Verbesserung entgcgenzuführen. Nachdem sieben Delegierte zu diesem Punkte gesprochen haben, Wird die Resolution durch namentliche Abstimmung mit 36 Stim» men gegen 4 abgelehnt. Hierauf erstattet die Beschwerdekommission Bericht. Die Beschwerden erstrecken sich auf Ausschluß von Mitgliedern und Verweigerung von Unterstützungen, betreffen also nur innere Ver- bandsangelegenheiten. Die Debatte zeitigt die Annahme einer Resolution, die den Funktionären des Verbandes empfiehlt, streng Nach den Bestimmungen dies Statuts zu handeln. Dritter Berhandlungstag(Vormittagssitzung)'. Ueber Agitation und Organisation referiert Kollege S e e l- Mainz. In beredten Worten schildert Redner die Schwierigkeiten, die sich der Agitation in fast allen Gegenden, speziell aber dort, wo der Katholizismus herrscht, entgegenstellen. Die katholischen Ar- beitervereine schießen allenthalben wie Pilze aus der Erde und suchen die Arbeiter im Bann zu halten. Dieser Erscheinung haben unsere Organisationen durch entsprechende Maßregeln entgegen- zutreten und die Agitation für unseren Verband sowohl wie für eine freie politische Anschauung zu fördern. Dazu bedarf es für unseren Verband mehr der Freistellung von Kräften, damit die Agitation planmäßiger betrieben werden kann. Die Debatte zeitigt noch manche praktische Anregung, unter anderem wird den Gauleitern die Aufgabe zugeteilt, sich der Auf- nähme von Statistiken zu widmen. Die Lohn- und ArbeitSver- Hältnisse, die Unfall- und Krankheitsfälle sowie die Art der Er- krankungen dürften ein Feld ungeheueren AgitationSstoffeS bieten.— Die Anträge werden einer fünfgliedrigen Kommission zur Beratung überwiesen. Nebcr den Gewerkschaftskongreß in Hamburg referiert Träger. In einem kurzen Resümee streift Redner die einzelnen Punkte der Tagesordnung und glaubt, daß woljl vor allen Dingen ein großes Interesse für Regelung der Ma,- feier vorliegen dürfe, denn die von Generalkommission und Par» teivorstand gefaßte Resolution sei als eine glückliche Lösung nicht zu betrachten, durch sie werde die Arbeitsruhe am 1. Mai in den Hintergrund gedrängt. Die UnterstützungSfrag« dürfe auf keinen Fall einen lokalen Charakter tragen, sondern müsse auf zentralem Wege geregelt werden. Auch die Beratung über die Grenzstreitig- ketten, wie die Jugendorganisationen sind geeignet, unser Jnter- esse in hohem Maße wachzurufen, so daß auch diesem Kongreß ein: hohe Bedeutung beizumessen ist. Die Debatte gestaltet sich lebhaft und dreht sich hauptsächlich um die Maifeier, wobei die Meinungen der Freunde und Gegner aufeinanderplatzen. Winkelmann verweist auf die Beschlüsse der letzten Generalversammlung und glaubt, daß dadurch die Mai- feierfrage für den Böttchcrverband geregelt fei. Im weiteren wird betont, daß die Arbeitsruhe anläßlich der Maifeier abhängig von der Stärke der Organisation ist und daß nach diesem Grund« sah Verfahren werden muß bei Beschlußfassung über die Ein- ftellung der Arbeit. Im weiteren wird gewünscht, daß ein klarer Beschlutz in dieser Frage zustande kommt. Winkelmann führt aus, daß diesen Wünschen nicht Rechnung getragen werden könne, da nach seiner Meinung weder der Parteitag noch der Gewerk- schastskongreß hier eine Aenoerung treffen kann, denn die Frage sei durch den Internationalen Kongreß gereglt. Pom Referenten ist folgende Resolution eingebracht worden: „Der ll. Verbands tag des Verbandes der Böttcher und Böttcherei-Hilfsarbeiter Deutschlands steht vor wie nach auf dem Boden des Beschlusses des Internationalen Kongresses von Paris(1889) uno verpflichtet unsere Mitglieder, mehr wie bis- her für strikte Durchführung derselben Sorge zu tragen. Der Verbandstag erwartet vom Gewerkschaftskongreß eine klare und bindende Beschlußfassung nach der Richtung hin, daß allen Be- strebungen, welche aus Aufhebung der Maifeier abzielen, die Spitze gebrochen wird. Von der Generalkommission und von dem Parteivorstand wird erwartet, daß sie erneut Vorschläge zwecks der Unterstützungsfrage machen, welche eine Durchführung der Pariser Resolution praktisch ermöglicht." Durch Schlußantrag wird die recht erregte Debatte geschlossen. Nach heftigen Auseinandersetzungen, die m GeschäftsordnungS- debatten zum Austrag kommen, wird die. Resylutioli mit zwei Stimmen Mehrheit abgelehnt. Soziales. Das ReichSamt des Innern gegen Reichsgesetze. � Auf dem Gebiete dcS ArbciterrcchtS treffen das preußische Handelsministerium und daS Reichsamt deS Innern Auslegungen gegen zum Schutze der Arbeiter erlassene ReichSgesetze. Wir er- innern an die Ausschließung der Eisenbahnwerkstätten von der reichsgesetzlich geforderten Gewerbeinspektion und an den mit den Stechmücken besteht, wie man weiß, in der Zerstörung ihrer Larven. Dieses geschieht am besten, indem man die ihnen zum Aufenthalt dienenden Sumpfgewässer mit einer dünnen Petroleumschicht über- gießt. Neuerdings jedoch ist man auf einen natürlichen Feind der Mückenlarve aufmerksam geworden, wie auS einem Schreiben hervor- geht, das auS Barbados von einem dortigen Lehrer an die „Times" gerichtet wird. Diese Antilleninsel ist frei von Malaria und Mückenplage. Als Erklärung dieses auffälligen llmstandes führt der Briefschreiber die Gegenwart eine« winzigen Fisches an, der die Sumpfgewässer der Insel bewohnt und sich von der Larve der Stechmücke nährt. Weil er sehr zahlreich austritt, nennen ihn die Eingeborenen„Million", sein wissenschaftlicher Name ist aber Crirardinus poociloides. Sendungen dieses wohliätigen Fisches sind schon in Jamaika, Ceylon und Britisch- Guyana em- getroffen. Der schwedische Konsul in Sidney hat noch einen anderen kleinen Fisch entdeckt, der sich von Mückenlarven nährt. Derartige Beobachiungen iverden gegenwärtig in der Campagna angestellt, wo schon so viel zur Ausrottung der Malaria getan worden ist. Hygienisches. Der Arbeiter und die Hitze. In den heißen Tagen des Sommers spielt die Hitze vor allen den Arbeitern mit, die ja außerdem noch in einer ganzen Anzahl von Berufen schon an und für sich einer großen Wärmestrahlung ausgesetzt sind. Es steht fest, daß nicht allzuselten durch die gewerbliche Hitze eine Erhöhung der Körper- temperatur um mehrere Grade stattfinden kann, und namentlich wird das der Fall sein, wenn uns der Sommer Tage mit 31—32 Grad Celsius und darüber im Schatten beschert. Da brauchen wir uns nicht zu wundern, daß häufig gesundheitliche Störungen eintreten, namentlich wenn die nötigen Vorsichtsmaßregeln nicht beachtet werden. Bei den Schädigungen durch große Hitze ist zweierlei auseinanderzuhalten: nämlich die Schäden der Wärme- stauung und des Hitzschlages. Im ersteren Falle spielt neben der hohen Temperatur die schlechte Luft eine große Rolle, sei es, daß diese durch eine strotze Anzahl von Menschen in einem engen Räume oder durch übelriechende Gase hervorgerufen wird. Durch die eng gedrängten Menschen wird soviel Wärme und Wasserdampf geliefert, und die Abstrahlung so erschwert, daß die Wärmeabgabe schließlich unmöglich wird. Von dieser Seile droht die größte Gefahr, und zwar schon viel eher, als eine Häufung der Kohlensäure oder irgend eines anderen Gases oder eine Ver- Minderung deS Sauerstosses in einem die Gesundheit beeinträchti- genden Grade erfolgen kann. Die Wärmestauung ist also bei Ar- beitern, die im Sommer einer großen gewerblichen Hitze ausgesetzt sind, am meisten zu befürchten, weil dabei dre„schlechte Luft" eine große Rolle spielt. Unter„frischer Lust" verstehen wir daher vorzugsweise Verhältnisse, die eine bessere Erwärmung des Körpers herbeiführen, während die chemische Beschaffenheit der Luft bei weitem nicht so sehr in Frage kommt. Die letztere wird meisten- teils-schon durch die.SioneLorggne wahrgenommen, denn eine durch Händelsberträgcn und Mit RcichSgesetzen unvereinbaren Legiti- mationskartenzwang gegen ausländische Arbeiter sowie.an die Aus- schließung inländischer Arbeiter von Eisenbahn- und Kunalbauten. In ähnlicher Weise läuft das dem Rcichsamt des Innern unter- stellte Kanalamt des Kaiser-Wilhelm-Kanals gegen das Reichögesctz über die Errichtung des Nordostseeianals vom 16. März 1886 Sturm, soweit der Kanal kulturellen, dem Verkehr dienlichen Zwecken dienen soll. Diese Art der Auslegung eines Rcichsgesetzcs hat dieser Tage das Reichsgericht anläßlich einer Klage der Schiff- fahrtSgcscllschaft Unterweser gegen das Deutsche Reich, vertreten durch das kaiserliche Kanalamt in Kiel, für unzulässig und un- gültig erklärt. Der Leichter 16 der Schiffahrtsgesellschaft Untcrweser war am 13. Dezember 1961 während der Kanalentwässerung des Kaiser- Milhelm-Kanals durch den Dampfer„Hedwig" beschädigt worden. Der Leichter Unterweser 16 lag im Binnenhafen zu Brunsbüttel- koog, als der Dampfer„Hedwig", der durch ungenügende Be- festigung der Pollex losgekommen war, auf ihn stieß. Durch daS Oberlandesgericht Kiel wurde festgestellt, daß daS Loskommen des Dampfers„Hedwig" durch daS kaiserliche Kanalamt verschuldet worden ist und wurde infolgedessen der ReichSfiskuS für schaden- ersatzpflichtig erklärt. Gegen dieses Urteil hatte der ReichSfiskuS Revision beim Reichsgericht eingelegt und sich, wie in den Vorinstanzen, weiter darauf berufen, daß nach§ 1 Absatz 2 der von dem kaiserlichen Kanalamt erlassenen„Betriebsordnung für den Kaiser-Wilhclm- Kanal" vom 28. August 1896 eine Haftung seitens des Deutschen Reichs für Schiffsschäden im Kaiser-Wilhelm-Kanal nicht über- nommcn würde. Der Absatz 2 des s 1 der betreffenden Betriebs- ordnung, der von dem Fahrer der Unterweser 16 aus Anlaß der Anmeldung zur Fahrt durch den Kanal nebst anderen Paragraphen unterschrieben worden ist und von allen Schiffern, die den Kanal passieren, unterschrieben werden muß, lautet wie folgt:„DaS Deutsche Reich übernimmt keinerlei Verpflichtung zur Ersatz- leistung für Schäden, welche die Schiffe im Kanal, auf den beider- seitigen Reeden, oder in dem Vorhafen, oder auf den am Kanal liegenden Schiffsliegeplätzen erleiden, selbst wenn ein Verschulden der Kanallootsen oder anderer Angestellten der Kanalverwaltung dabei in Frage kommt." Der erkennende Zivilsenat des Reichsgerichts lehnte es jedoch ab, diese Bestimmung der Betriebsordnung als gesetzmäßig anzu- erkennen und bestätigte unter Zurückweisung der Revision des Reichsfiskus das Urteil deS OberlandeSgerichtS Kiel. In seiner Begründung hierzu geht daS Reichsgericht zunächst auf den Zweck des Kaijer-Wilhelm-KanalS ein, indem es unter anderem ausführt, daß man bei der Begründung des Entwurfs des Gesetzes vom IL. März 1836 betreffend die Herstellung deS Nordostseekanals auch davon ausgegangen sei, daß es sich neben der Sorge für die Kriegsflotte um die Befriedigung autzerordent- lich wichtiger wirtschaftlicher Interessen handle. Es sollte deshalb dieser Kanal nicht anders angesehen werden als die meisten Binnen- landkanäle, bei denen man ebenfalls nicht auf Verzinsung des An- lagckapitals rechne. Es sollten die Abgaben seitens der Schiffahrt nicht höher fein, als durchaus erforderlich sei, um die Unterhal- tungskosten zu decken. Weiter werde ausgeführt, dast in den Jahren 1877�1881 mindestens 92 deutsche Schisse mit 768 Personen und mit Verlust von etwa 6 158 066 M. verunglückt seien. Die Be- gründung sage dann, daß die Fahrt um das Kap Skagen noch heute zu den außergewöhnlich gefährlichen Seereisen gehöre und es des- halb nicht bloß einen Gewinn in materieller Hinsicht, sondern auch vom humanitären Standpunkt aus bedeuten würde, wenn diese Gefahren durch die Kanalfahrt vermieden werden könnten. ES stehe deshalb nach diesen, zum großen Teil aus Akten der Reichs- regierung selbst bestehenden Tatsachen eine Berwaltungsmaßrcgel wie diese, auf welche sich der Beklagte stütze, und welche wegen der finanziellen Seite des Betriebes, wegen der Notwendigkeit von Zuschüssen, wegen der anderweiten finanziellen Aufgabe deS Reichs und wegen der Möglichkeit der Fahrt um Skalen den Schisfsverkeh» durch den Kanal beschwere, im Widerstreit gegen die Zweckbestim- mong des Gesetzes vom 16. März 1886. Unzweifelhaft enthalte aber der Ausschluß der Haftung des Reichs für Verschulden der Kanalangestcllten durch 8 1 Absatz 2 der Betriebsordnung eine erhebliche Beschwerung der Schiffahrt durch den Kanal. Gerade damit könne der schon in der Kommissionsberatung des Gesetze? vom 16. März 1886 inS Auge gefaßte Anreiz zur Benutzung des Kanals beseitigt oder gemindert, die Hoffnung auf Ermässigung für Assekuranzprämien für die Kanalfahrt vereitelt und so der deutsche und der internationale Schiffahrtsoerkehr auf dem Kanal unterbunden und gerade wieder auf den nach der Absicht deS Gesetzes zu vermeidenden von Gebühren freien Weg um das Kap Skagen verwiesen werden. Fassung und Zweck des Gesetzes ergäben aber weiter als pofi- tiven Gcsetzesinhalt, daß die der Kanalschiffahrt förderlichen und günstigen Rechtsfolgen unangetastet und ungeschmälert bleiben sollten, daß der einzige Ausgleich für die durch die Kanalbenutzung erwachsenden Privatvorteile in der Kanalabgabe bestehen solle. üble Gase verunreinigte Lust ruft Widerwillen und Ekel sowie Appetitlosigkeit und Uebelkeit hervor. Die Almung wird ober- flächlich, man bekommt das Gefühl, daß sich der Körper in Gefahr befindet und sucht instinktmäßig der übelriechenden Lust zu entfliehen. Weiter aber wird den genannten Arbeitern in hohem Grade Wasser entzogen, und zwar durch die übermäßige Schweißbildung. Noch den neueren Anschauungen entsteht dadurch eine Vergiftung des Körpers. Es kommt zu einem reichlichen Austritt deö Blntfarb- stoffes(Hämoglobin) aus den roten Blutkörperchen und zu dessen Uebertritt in das Blutserum des Kreislaufes. Arbeiter verlieren unter den geschilderten Verhältnissen durch den Schweiß und durch Verdunstung von der Lunge aus oft mehrere Liter Wasser, und damit ist dann die Entstehung der Schäden gegeben, die in Atemnot, Erbrechen, Durchfall und Blutharnen bestehen, während in den schwersten Fällen ausgedehnte Gerinnungen in den größeren Ge- säßen oder in den feinsten Aederchen der Lungen zum Tode führen. Da der große Wasserverlust deS Organismus an diesen Schäden die Schuld trägt, so muß rechtzeitig für einen Ersatz d e S WafferS gesorgt werden, aber nicht durch alkoholische Getränke, die vielmehr wieder andere Nachteile herbeiführen. Außerdem ist eine reichliche Bade- und Waschgelegenheit jVrausebäder) geboten, und die Arbeiterschntzkominisstonen tun gut daran, wenn sie auf die Einführung solcher Einrichtungen dringen. Ebenso ist für f�ute Ventilation der Arbeitsräume, Zuführung von rischer, womöglich abgekühlter Luft und Abzug der schlechten und erhitzten Sorge zu tragen. In neuerer Zeit iverden noch Ein- gießungen von Wasser bezw. von physiologischer Kochsalzlösung in den Dann oder Einspritzungen unter die Haut empfohlen, womit ein Aderlaß Hand in Hand geht. Dr. W, K. Humor und Satire. — AuS dem Künftlercafö.„Mein Lieber— so eine Operette ist keine einfache Sache! Da gehören tüchtige Leute dazu: zwei, die den Text einem dritten stehlen, und ein vierter, der die Melodie dem fünften stiehlt." — Zur Mode. Agent:„E' kostbaren, teu'ren Hut haben Se auf, Fräulein... lassen Se sich doch versichern gegen Hagelschlag I" — Ausrede. Richter: Sogar die schwersten Leiden haben Sie brieflich behandelt l"— Kurpfuscher:.Nun ja. wegen ... der Ansteckungsgefahr I"_(.Fliegende Blätter.") Notizen. — Eine Stiftung Haeckeis. Zum 356jäbrigen Jubiläum der Universität Jena, das am 36. Juli gefeiert wird, gedenkt Professor Haeckel das von ihm begründete phhlogenctische Museum, das die EntwickelungSgeschichte der Tierwelt veranschaulicht, der Universität zu übergeben. Ein anderer Teil seiner Sammlungen sowie leine Bibliothek verbleibt dem sookogMen Institut. Die an die Eröffnung deS Kanals als einer össenklichen Wasseft stratze sich knüpfende Rechtsfolge sei die Wirksamkeit des zivili redstlichen Grundsatzes, daß, wer eine Straße zum öffentliche! Verkehre bestimme und einrichte, für die ordnungsmäße und be triebssichere Herstellung und Instandhaltung der Straße und aller zur Benutzung derselben bestimmten Einrichtungen zivilrechtlick verantwortlich sei und wegen Verletzung dieser privatrechtlichcr Pflicht nach§ 823 des Bürgerlichen Gesetzbuchs hafte. Das Gesetz vom 16. März 1886 bestimme, daß die außer» kontraktliche Haftung für Schifssschäden im Kanal nicht abgelehnt werden solle und dürfe. Auch spätere Tarifgesetze beabsichtigten nicht, hieran zu ändern. Der 8 1 Absatz 2 der Betriebsordnung entbehre aber der rechtlichen Grundlage und sei deshalb ungültig Kommunale Arbeitslosenversicherung. Die„Stadtkölnische Versicherungskasse gegen Arbeitslosigkeit in Winter' hatte im Geschäftsjahre 1967/68 1565 Versicherte, gege» 1255 im Jahre vorher. Trotz der Steigerung konnte der Mitglieder- stand von 1965, der 1717 betragen hatte, nicht annähernd erreich. werden. Das Vermögen der Kasse ging infolge der große» Arbeitslosigkeit des verflossenen Winters vor 139 939 M, auf 136 359 M. zurück. Die Stadt Köln zahlt jährlich einen Zuschuß von 26 666 M. an die Kasse und übernimmt außerden. die fiilanziellen Garantien für die Leistungen an die Versicherten Die von den Versicherten gezahlten Beiträge beliefen sich auf 26 798 Mark, die Einnahme an Zinsen betrug 6722 M. Von den bezugsberechtigten 1382 Versicherten wurden 1127-» das sind 81,5 Prozent— arbeitslos. Die Mitglieder ge- hörten fast ausschließlich dem Baugewerbe an. Von den insgesami 1565 Versicherten waren 1166 sogenannte gelernte. 399 ungelernt» Arbeiter. Die Gelernten zahlen jährlich 34 Wochen lang wöchentlich 35 Pf., die Ungelernten 25 Pf. Beitrag. Dafür haben sie in de: Zeit vom 16. Dezember bis 16. März Anspruch auf Tagegelder im Falle unverschuldeter Arbeitslosigkeit. In erster Linie ist die Leitung de» Kasse bemüht, den Versicherten Arbeit zuzuweisen, was durch den engen Zusammenhang der Kasse mit dem städttschen Arbeitsnachweis begünstigt wird. Kann dem Versicherten Arbeit, die„seinem Berufe und seinem bisherigen Verdienste tunlichst entspricht", nicht nach- gewiesen werden, so hat er zu beanspruchen: für die ersten 26 arbeitslosen Tage ausschließlich der Sonntage täglich 2 M., für die übrige Zeit bis zur Höchstdauer von acht Wochen täglich 1 M. Im Berichtsjahre wurden an die Mitglieder 43 669 M. an Tage- geld gezahlt, das sind 42,5 Proz. der Betträge. 158 Versicherte be« zogen die Leistungen bis zur Höchstgrenze. Für das neue Geschäftsjahr ist die bisherige Mitgliederzahl noch bei weitem nicht erreicht. Der letzte Anmeldetermin(statutengemäß der erste Sonntag im Juli) ist bereits auf den 1. August ausgedehnt worden. Jene Tatsache hängt zweifellos damit zusammen, daß eine große Anzahl der bisherigen Versicherten infolge gegen» wärtiger Arbeitslosigkeit nicht imstande ist, die Betträge zu zahlen._ llugültigkeitSerklärung von Stadtverordnetenwahlen. Das Oberverwaltungsgericht erklärte am Dienstag die Wahlen der Herren De Fries. Ilngnad und Breymann zu Stadtverordneten von Dinslaken für ungültig. Es führte aus: Die Wahlen müßten deshalb für ungültig erklart werden, weil der Wahlvorstand nicht gehörig besetzt gewesen sei. Dies sei deshalb nicht der Fall gewesen, weil die Wahl der Beisitzer in der Stadtverordnetenversammlung in nicht gehöriger Weise erfolgt sei. Diese Wahl der Beisitzer für den Wahlvorstand hätte auf der Tagesordnung der betreffenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung stehen müssen. DaS sei nicht der Fall gewesen. Ein nicht gehörig gewählter Wahlvorstand mache aber die Stadtverordnetenwahlen ungülttg. BcricbtQ- Zeitung. . Diebische Neigungen reicher Leute spielten in verschiedenen Strafprozessen eine Rolle, welche gestern das Moabiter Strafgericht beschäftigten. Als eine unverbesserliche Tiebin, die schon wegen Ladendiebstahls vorbestraft ist, präsentierte sid> die Hauseigentümerin Anna Hanisch dem Strafrichter. Vor dem Schöffengericht Berlin-Schöneberg war die H. gestern wegen Diebstahls in zwei Fällen angeklagt. In der Gothenstraße zu Schönebery befindet sich ein Posamcnterie- und Weißwarengeschäft von P., welches häufig von der Angeklagten aufgesucht wurde. Die H. machte immer nur kleine Einkäufe und sudste diel in den ihr vorgelegten Sachen herum. Schon wiederholt hatte die Ver- käuferin die Beobachtung gemacht, daß jedesmal nach dem Weg- gange der Hanisch irgendeine Kleinigkeit fehlte. Daß die als sehr wohlhabend bekannte Hausbesitzerin eine Diebin sein konnte, kam der Verkäuferin wie auch der Geschäftsinhabcrin nicht in den Sinn. Erst als nach einem neuen Einkauf der H. ein Stück Tuch fehlte, beschloß man, der verdächtigen Kundin etwas mehr auf die Finger-zu sehen. Es wurde zu diesem Zwecke in die zur Privat- Wohnung führende Tür ein kleines Loch gebohrt, durch welches man den ganzen Laden überblicken konnte. Als die Angeklagte am nächsten Tage wieder erschien, wurde auf diese Weise be- obachtet, wie sie ein Stück Seidenband mit schnellem Ruck unter ihrem Umhang verschwinden ließ. Trotzdem stellte die H., als ihr der Diebstahl auf den Kopf zugesagt wurde, die Tat in Abrede. Eine in ihrer Wohnung vorgenommene Haussuchung förderte je» doch nicht nur das gestohlene Band, sondern noch anderweitig ge- stohlcne Waren ans Tageslicht. Wegen dieser Diebstähle wurde die H. kürzlich von der Strafkammer m der Berufungsinstanz zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt.— Vor Gericht bestritt die Ange- klagte mit aller Energie, sich gegen fremdes Eigentum vergangen zu haben und hatte durch den Rechtsanwalt Justizrat Wronker und Ludw. Cbodziesner einen umfangreichen Entlastungsbeweis an- treten lassen. Das Gericht hielt die Angeklagte jedoch für voll- kommen überführt und erkannte auf eine Zusatzstrafe von einer Woche Gefängnis. Ein ähnlicher Diebstahlsfall führte den Rentier und Hanseigen- tllmer Simon Matzer vor den Strafrichter. Der bisher unbestrafte Angeklagte hatte sich wegen Diebstahls eines goldenen Armbandes vor dem Schöffengericht zu verantworten. EineS Tages im März dieses Jahres betrat ein elegant gekleideter älterer Herr das in der Chausseestraße gel.-gene Geschäft des Goldwarenhändlcrs F. Der Kunde verlangte für seine Nichte als Geburtstagsgeschenk ein goldenes Kettenarmband zu kaufen. Der Geschäftsinhaber legte ihm verschiedene Armbänder vor, die aber sämtlich nicht dem Ge- schmack deS Käufers entsprachen. Schließlich mutzte er auf dessen Wunsch einen Ständer mit Armbändern auS dem Schaufenster herausholen, so daß er seine Aufmerksamkeit für kurze Zeit von dem Kunden ablenkte. Aber auch unter diesen Armbändern fand der wählerische Kunde kein ihm zusagendes. Er kaufte endlich für einige Mark einen Doublering. Kaum hatte er den Laden verlassen, als der Inhaber das Fehlen eines goldenen Armbandes im Werte von 66 M. entdeckte. Er lief dem Manne sofort nach und stellte ihn auf der Straße. Dieser stellte mit großer Ent- rüstung eine derartige Tat in Abrede, mußte eS sich aber trotzdem gefallen lassen, von einem Schutzmann zur Polizeiwache gebracht zu werden. Auf dem Wege dorthin bemerkte der Beamte, wie der Festgenommene etwas in einen Kbllerschacht warf. Beim Nach- suchen fand man später das gestohlene Armband. Auf der Polizei- wache stellte es sich heraus, daß der festgenommene Ladendieb der in sehr guten Vermögensverhältnissen lebende Angeklagte Mayer war, der u. a. ein Einkommen von jährlich 12666 M. versteuert. Bor Gericht gab M. den Diebstahl j)u und erklärte, daß er einer augenblicklichen Eingebung folgend, über die er sich selbst bis heute noch nicht klar sei, gehandelt habe. Das Gericht erkannte auf eine Gefängnisstrafe von zwei Tagen. Als ein Dieb, der„eS gar nicht nötig hat", präsentierte sich auch der Bäckermeister Karl Becker ans Lankwitz der zweiten Straf- kammer des Landgerichts II. Der Angeklagte hatte sich in zwei voneinander unabhängigen Strafsachen vor Gericht zu verant- wortea. In der Lrobenstraße zu Lankwitz betreibt B. seit längerer Beit ein sehr gutgehendes Bädereigeschäft, außerdem ist er auch finden, da der Angeklagte Graf Basegg nicht zur Stelle war. Nach sonst nicht unvermögend. Am 27. Januar d. 3. wurde bei ihm einer Mitteilung des Medizinalrats Dr. Hoffmann hat der AngeMehl abgeladen. Die beiden Kutscher begaben sich nach getaner flagte einen hysterischen Ohnmachtsanfall erlitten, der so intensiv Arbeit in ein nahegelegenes Schantlokal, um sich zu starten. Diese war, daß seine Beteilgung an der heutigen Verhandlung ausgeZeit benutte der Angeklagte, um sich vorsichtig an den Mehlwagen schlossen erschien. Die Rechtsanwälte Dr. Halpert und Dr. heranzuschleichen und einen Sad Wiener Auszugsmehl zu ent- Werthauer begaben sich infolgedessen zunächst in das Untersuchungswenden. Zufällig wurde er hierbei von einer im Nebenhause gefängnis, um sich zu überzeugen, ob es nicht möglich sei, den Grafen wohnhaften Frau vom Balkon aus beobachtet. Als die beiden wenigstens bis in den Gerichtssaal zu bringen, damit der GerichtsKutscher später den Diebstahl entbedten, erklärte ihnen der Ange- hof persönlich von der gesundheitlichen Beschaffenheit des Grafen flagte, daß er gesehen habe, wie ein verdächtiges Individuum bei sich ein Bild machen könne. Bei dem augenblicklichen Zustande dem Wagen herumgelungert habe. Auf die Angabe jener Frau hin völliger Erschöpfung, in dem sich der Angeklagte befand, war dies nahm der Gendarm Albrecht bei dem Angeklagten eine Haus- nicht zu bewerkstelligen und so begaben sich denn die Mitglieder suchung vor, die den Sack Mehl zutage förderte. In der anderen des Kollegiums in corpore in die Zelle des Angeklagten. Sie überSache hatte B. von einem vor seinem Geschäft haltenden Wagen zeugten sich, daß gestern der Versuch nicht gemacht werden könnte, eine Flasche Litör im Werte von 1,50 M. gestohlen. Das Schöffen- den Grafen soweit herzustellen, daß er verhandlungsfähig erscheinen gericht hatte ihn in der ersten Sache zu 3 Tagen, in der zweiten zu könnte; nach der Ansicht des Medizinalrats Dr. Hoffmann ist aber einem Lage Gefängnis verurteilt. Die Straffammer verwarf in begründete Aussicht vorhanden, daß die Verhandlungsfähigkeit des beiden Sachen die von dem Angeklagten eingelegte Berufung, Angeklagten heute eingetreten sein wird. Unter diesen Umständen vertagte das Gericht die Verhandlung auf Sonnabend 9 Uhr. Da demnächst einige Verhandlungstage ausfallen müssen, weil die Straffammer einige schwebende Haftfachen zu erledigen hat, ist noch gar nicht zu ermeſſen, wenn der Prozeß wird zu Ende geführt werden können. Ueber sein Ergebnis werden wir berichten, Gründerproze. Seib untertan der Obrigkeit. Dazu wurde aus der Versammlung folgenbet Busakantrag gestellt: " Die Versammlung nimmt Kenntnis von den Mißständen bei den Firmen Rosenfeld, Ende und Piet. Die Ver. fammlung erkennt in den Machinationen der genannten Firmen einen Vertragsbruch und verlangt aus diesen Gründen, daß beim Gewerbegericht die Revision des Tarifes zu beantragen sei." Resolution und Antrag wurden einstimmig angenommen Hierauf wurden Vorschläge zu einem Verbandstagsdelegierten gemacht. Die meisten Stimmen erhielt Waldheim, der das mit als Kandidat zu den Delegiertenwahlen aufgestellt ist. Es folgte die Beratung einiger Anträge zum Verbandstag. Außerdem machte der Vorsitzende auf die Bewegung der Fliesenleger in Rheinland- Westfalen und in Frank. furt a. M., wo sämtliche Spezialgruppen ausgesperrt sind, aufmerkjam. Die Fliesenlegergeschäfte werden bon den Fliesen fabrikanten eifrig unterstützt in ihrem Bestreben, die Arbeiter zu tnebeln und ihnen einen unannehmbaren Tarif aufzuzwingen. Der Besiter des Lokals Moabiter Schüßenhaus" teilt uns mit, unterrichtet war. daß er von dem Besuch der jugendlichen Arbeiter am Sonntag nicht ohne Entreezahlung einzulassen, weil er mit dem dort auftretenden Er sei gar nicht berechtigt gewesen, Personen Künstler einen Vertrag geschlossen habe, wonach Entree erhoben werden muß und dem Künstler die Hälfte der Einnahme zusteht. Der Kontraft ist uns vorgelegt worden. Briefkaften der Redaktion. Die furiftische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3. zweiter Dritter Eingang, bier Treppen, Fahrstuhl W. S. 4080. 1. Leider ist die Pfändbarkeit wegen der Kirchensteuer Der Staat find wir, meinte Hochwürden Sanktus Bureauratius von Dünkelsheim im absoluten Staat, der„ Untertan" hat Steuern zu zahlen, Soldat zu sein,' s Maul zu halten und in ersterbender Ehrfurcht" zu uns hinaufzuschauen. Auf daß der " Untertan" feiner untertänigen Stellung eingedent bleibe, uns auch mit Arbeiten, so da sind Beschwerden zu lesen und dergleichen Straftammer des Landgerichts I unter Vorsiz des Landgerichsrats Gin neuer mehrtägiger Strafprozeß nahm gestern vor einer Allgemeine Kranken- und Sterbekaffe der Metallarbeiter tumbes auf Gerechtigkeit hoffendes Zeug, verschone; oder gar durch Bauli feinen Anfang. Es handelt sich um Dinge, die schon eine(.. 29, Hamburg), Filiale Rigdorf: Heute abend 19 Uhr bei Thiel, Aergernis- Erregung unsere Verdauung störe oder unseren Appetit teihe von Jahren zurückliegen. Die Anflage richtet sich gegen burg: Heute abend 9 Uhr im„ Boltshaus", Rosinenſtr. 3. Bergstraße 151. Neuwahl der Drtsverwaltung. Filiale Charlotten berlegte, so defretieren wir, daß jedweder Untertan gehalten fein die Kaufleute Otto Wiener, Emil Geßner und Wilhelm Wein- Schöneberg: Heute abend 29 Uhr Generalversammlung. Wahl der Filiale foll in Eingaben an Behörden in Ehrfurcht zu ersterben, wer aber gar sich erdreisten sollte, Eingaben an öffentliche Behörden mit gaertner. Die Anklage wirft ihnen vor, daß sie bei Gründung Ortsverwaltung usw. ungebührlichen Aeußerungen zu berunstalten, der soll dies büßen einer Gesellschaft wissentlich falsche Angaben bezüglich der Ein- Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 21. Juni, bormittags 9 Uhr, mit Kriminalstrafe. Aus der absolutistischen Zeit stammende Ver- zahlung der Stammeinlagen gemacht, unterlassen haben, eine Bilanz in der Halle der Gemeinde, Bappelallee 15-17: Freireligiöse Borlesung. ordnungen und Gesuche bekräftigen in fast allen Teilen Deutsch zu ziehen, bezw. als Geschäftsführer und Liquidatoren zwei Gläu. Vormittags 10% Uhr in der Schule, Kleine Frankfurter Straße 6: Vortrag lands diese Hochachtung, die Sanktus Bureaukratius vor sich bigern eine Sicherung gewährt haben, auf die sie keinen Anspruch von Herrn M. H. Baege über: Mach und seine philosophische Bedeutung. selbst hat. hatten, und die Handlungsbücher unordentlich geführt haben. Dem Herren und Damen als Gäste sind sehr willkommen. Daß solche alten Verordnungen noch Rechtstraft haben, er ersten Angeklagten wird noch zur Last gelegt, es unterlassen zu Daß solche alten Verordnungen noch Rechtskraft haben, er haben, rechtzeitig den Antrag auf Konkurseröffnung zu stellen. Klärte dieser Tage das Kammergericht in einem die Eingabe eines Neben diesen formalen Delikten wird den beiden ersten AngeRechtsanwalts betreffenden Fall.§ 72 des hannoverschen Polizei- lagten noch ein Fall der Untreue und des Betruges vorgeworfen. Strafgesetzbuches bedroht diejenigen mit Strafe, die in Eingaben an Bei diesem Fall ist der in Wien weilende Angeklagte Weingaertner, öffentliche Behörden sich ungebührlicher Aeußerungen bedienen, so- gegen den in dessen Abwesenheit verhandelt wird, beteiligt. Die weit eine Strafe nicht wegen Beleidigung verwirkt ist. Wegen Straftaten sollen begangen sein bei der am 16. März 1900 stattgeUebertretung dieses§ 72 war der Rechtsanwalt Dr. Budenau angeklagt worden. Ein früherer Hotelier aus Bremerhaven hatte mit beschränkter Haftung„ Cyclop, Eisen- und Maschinen- Industriefundenen Gründung und weiteren Entwickelung der Gesellschaft sein Anwesen dort verkauft und war nach Rotenburg verzogen. Der Gesellschaft", deren Firma später in Berlin- Frankfurter MaschinenKäufer des Grundstücks konnte nicht die Umsatzsteuer zahlen. Die werke" umgeändert wurde. Das Unternehmen beschäftigte sich mit Stadt B. suchte sich nun wegen der Steuer an den ehemaligen der Fabrikation sowie mit dem Kauf und Verkauf von Maschinen Hotelier in Rotenburg als den Zweitschuldner zu halten. Durch und Werkzeugen. Dem Gerichtshof erblüht die Aufgabe, den Vermittelung des Magistrats von Rotenburg wurde bei ihm ge- Werdegang und das Ende dieses Unternehmens in seinen einzelnen pfändet. Das Gepfändete wurde jedoch von seiner Frau und dem Sohn als ihnen gehörig in Anspruch genommen. Sie ließen sich Phasen zu prüfen. Um welche komplizierten Dinge es sich handelt, deuten schon die vor dem Gerichtstisch aufgestapelten Aktenfaszitel und durch Dr. Buckenau vertreten, und dieser erreichte auch eine vor- die in zwei großen Kisten aufbewahrten Schriftstüde an, die sich läufige gerichtliche Verfügung, durch die die Zwangsvollstreckung inhibiert wurde. Demnächst erfolgte jedoch auf Ersuchen der Stadt auf die vielen aus dem Unternehmen entstandenen Zivilprozesse beB. wieder durch Vermittelung des Magistrate von Rotenburg eine ziehen. Das erste der vom gerichtlichen Bücherrevisor Kruse in dieser Sache erstattete Gutachten datiert schon aus dem Jahre 1903. Pfändung, von der dem Rechtsanwalt Dr. Budenau keine Mit- die Verhandlung sind vorläufig 10 Tage angefeßt. Da die Dinge, teilung gemacht worden war. Dr. Buckenau schrieb an den Roten- welche erörtert werden, ein allgemeines öffentliches Interesse nicht burger Magistrat und beschwerte sich darüber, daß er von der Pfändung nicht in Kenntnis gesezt worden sei und daß man einen haben, werden wir uns darauf beschränken. seinerzeit das Urteil sehr frühen Termin zum Verkauf der gepfändeten Sachen angefekt mitzuteilen. habe. Dann hieß es in dem Schreiben des Anwalts wörtlich:" Ich finde Ihr Verfahren recht start, um keinen anderen Ausdruck zu gebrauchen". In diesem Satz wurde die Uebertretung des§ 72 des hannöverschen Bolizeistrafgesetzbuches erblidt! Das Landgericht Verden verurteilte den angeklagten Rechtsanwalt zu einer Geldstrafe. Es führte aus: Wenn man auch von dem ersten Sab: " Ich finde Ihr Verfahren recht start", absehen wolle, so sei doch zweifellos in dem zweiten Sab:" um feinen anderen Ausdruck zu gebrauchen", eine ungebührliche Aeußerung zu erbliden. Der§ 72 wolle, daß die den Repräsentanten der Staatsgewalt geschuldete Achtung nicht verlegt werde. Der§ 193 des Reichs- Strafgeset buches( Wahrnehmung berechtigter Interessen) bestehe nicht gegen über dem§ 72 des hannöverschen Gesezes. Das Kammergericht verwarf die hiergegen eingelegte Revision des Anwalts mit folgender Begründung: Der§ 72 sei noch rechtsgültig und ausdrücklich durch die Verordnung von 1867 übernommen worden. Ohne Rechtsirrtum habe das Landgericht eine ungebühr liche Aeußerung im Sinne dieses Paragraphen festgestellt. Die Doktorfrage, ob in der Tat die Aufrechterhaltung der absolutistischen Ungebührstrafen gegenüber dem System der Reichsgesetzgebung zutreffend entschieden ist, lassen wir auf sich beruhen. Mit der Jdee eines Rechtsstaats ist das Fortbestehen solcher polizei staatlicher Fallstricke für Rechtsuchende unvereinbar. Anders steht es mit der block- liberal- konservativen Karikatur eines Rechtsstaats In eine solche gehören Strafen für Ausübuna des Beschwerderechts Hinein Hochstaplerprozeß. Der Prozeß gegen den Grafen Arg zu Vasegg und Frau Lewandowski schreitet so langsam vorwärts, daß ein Ende noch gar nicht abzusehen ist. Die gestrige Verhandlung fonnte nicht stattFür den Inhalt der Injerate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber teinerlei Berantwortung. Theater. Sonnabend, den 20. Juni Anfang 7%, Uhr. Wintergarten. Spezialitäten. Passage. Berlin in Stimmung. Spezialitäten. Carl Saverland. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Tanbenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Bon der Zugspite zum Waymann. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Königl. Opernhans. Figaros Hopfenraths Erben Hochzeit. Königl. Contal. Schauspielbans. Prins Kleines Theater. Friedrich von Homburg. ( Anfang 7 Uhr.) Anfang 8 Uhr. Deutsches. Die Brettlgräfin. Stammerspiele. Tugendwächter. Unterseeboot. Leffing. Der Raub der Sabine. rinnen. Neues. Nächte im Hampton- Klub. Schöps. Neues Schauspielhaus. Dollarprinzessin. Kleines. 2X2= 5. Berliner. Raffles. Komische Oper. Carmen. Die Lustspielhaus. Die blaue Maus. Schiller 0.( Ballner- Theater.) Die Afrikanerin. Schiller Charlottenburg. Ministerialdirektor. Der Friedrich Wilhelmstädt. Schau. spielhaus. Der Stabsirompeter. ( Anfang 7%, Uhr.) Thalia. Der Mann mit dem Monocle. Westen. Ein Walzeitraum. Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Sonntag: 2 mal 2= 5. Montag: 2 mal 2= 5. Dienstag: 2 mal 2= 5. Mittwoch: 2 mal 2= 5. Verfammlungen. Für Die Sektion der Fliesenleger vom Zweigberein der Maurer hielt am 12. Juni im Gewerkschaftshaus eine Mitgliederversamm lung ab, die sich vor allem mit Mißständen im Beruf, sowie mit dem provisorisch eingeführten Attordtarif befaßte, der offenbar zu keinerlei Besserung der Verhältnisse geführt hat. Ueber biefe Angelegenheit war bereits am 2. Juni in einer Sigung der Schlichtungstommissionsmitglieder beraten worden, von der folgende Resolution vorlag: „ Die Vertreter der drei Fliesenlegerorganisationen und der Organisationen der Hilfsarbeiter sehen gegenwärtig fein dringen des Bedürfnis für vorliegend, eine öffentliche Fliesenlegerbersammlung für Berlin einzuberufen und dieser Verbesserungsvorschläge zum jekt bis zum 1. Juil d. J. probeweise eingeführten Affordtarif zu unterbreiten oder zu empfehlen. Die Kommission betrachtet das Akkordsystem im Prinzip für unseren Beruf als höchst schädlich und empfiehlt daher, in den Bersammlungen überall die Gegenagitation zu entfalten. Des weiteren gilt als festgestellt, daß von den Geschäften nicht an Akkordkolonnen, sondern vielmehr Subunternehmern die Ausführung der Arbeit übertragen wird, und sich unter diesen durch gegenseitiges Abtreiben der zu vergebenden Arbeiten eine Schmuktonturrenz entwickelt hat, welche in unerhörter Weise die Preise drückt und dieser Preisdruck wieder auf die Fliesenleger wie Arbeiter bezüglich des her zustellenden Quantums unheilvoll wirkt. Dieses System ist in allen Geschäften zu beobachten. Es wird baher den einzelnen Organisationen anempfohlen, Maßnahmen zu treffen, welche geeignet sind, diesem unerhörten und ungemein schädlichen Treiben entschieden entgegen zu treten und Abhilfe zu schaffen." Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater). ( Morwit- Oper.) Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Afrikanerin. Gr. Oper in 5 Aften v. G. Meyerbeer. Sonntag, nach m. 3 Uhr, bei halben Breisen: Marie, die Regimentstochter. Sonntag, abends 8 Uhr: Carmen. Montag,, abends 8 Uhr: Der Wildschütz. Schiller- Theater Charlottenburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Herr Ministerialdirektor. Luftspiel in drei Aften von Alexander Bisson und Fabrice Carré. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Heimat. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Herr Ministerialdirektor. Montag, abends 8 Uhr: Der Herr Ministerialdirektor. Castan's Panoptikum Das 165 Friedrichstr. 165 Riesen- Vivarium. of, wochentäglich abends von 7 bis 9½ Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr wird nicht erteilt. Gilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort zulässig. 2. Beds Austritt aus der Kirche richten Sie an das Amtsgericht, in deffen Bezirk Sie wohnen, ein Schreiben etwa folgenden Inhalts:„ Ich melde hiermit meinen Austritt aus der Landeskirche und beantrage, meinen Austritt aufzunehmen." zu welchem Amtsgericht Ihre Wohnung gehört, ersehen Sie aus dem Adreßkalender, II. Teil. Dort ist bei den einzelnen Straßen angegeben, welches das zuständige Amtsgericht ist. Der Antrag iſt von dem Antragsteller zu unterschreiben. Das Gericht ſtellt eine Abrift des Antrages dem Vorstande der Kirchengemeinde zu, der der Antragsteller angehört. Der Austritt selbst erfolgt dann durch persönliche Erklärung des Austretenden vor dem Richter. Ohne eine Ladung willige frühestens am 29. abzuwarten in der Regel erfolgt teine Ladung hat der Austritts. spätestens am 42. Tage fich persönlich bei dem Amtsgericht zur Abgabe seiner Erklärung zu melden. Dort wird innerhalb dieser 14 Tage seine Austrittserklärung zu Protokoll ge Tritt nommen. Damit ist der Austritt vollzogen. Der Austretende tann eine Bescheinigung des Austritts oder eine Abschrift des Protofolls verlangen. Die Kosten werden später erfordert. Sie betragen 3,- M. für das gesamte Berfahren und etwa 50 Pf. Schreibgebühren. Der Austritt aus der Kirche zieht keinerlei Nachteile nach sich. Er hat aber den Vorteil, daß man endlich trittserklärung folgenden Stalenderjahres ab ist der Ausgetretene zu von der Kirchensteuerpflicht befreit wird. Vom Schluß des auf die Auspersönlichen Kirchensteuern nicht mehr verpflichtet. Wer in diesem Jahre austritt, hat also vom Schluß des Jahres 1909 ab Kirchen steuern nicht mehr zu zahlen. Die Ehefrau hat den Austritt be fonders zu erflären. Der Ehemann tann für seine minderjährigen Kinder den Austritt erklären, nicht aber für ſeine Ehefrau. steuern zu zahlen; nach der herrschenden Ansicht haftet hierfür der Che die Ehefrau nicht aus, so hat sie für ihre Berson weitere Kirchen mann. Ein weiterer Vorteil des Austritts ist der, daß der Austretende der Kirche auch dafür leine Gebühren mehr zu bezahlen hat, daß er dieser die Beerdigungsarbeit erspart. In den firchlichen Streifen Berlins herrscht die Ansicht, daß ein der Kirche Angehöriger, der sich auf dem Gemeindefriedhof begraben läßt, troßdem der Kirche für die nichtgeleistete Arbeit ziemlich erhebliche Gebühren zu zahlen hat. Da die Kirchengemeinden für Berlin haben, so fällt die Ersparnis, welche der Kirchenaustritt nach sich zieht, und Umgegend eine erhebliche Erhöhung der Stirchensteuern beschlossen ziemlich erheblich ins Gewicht. R. S. 27. 1. Nein. 2. Ja. W. W. 100. Nein. 8. 59. unseres Erachtens ist das sogenannte austaufsgeld, welches hiesige Kirchengemeinden dafür erheben, daß die Arbeit der Beerdigung ihnen erspart ist, bem Geseß nicht entsprechend. Indessen ist uns ein Urteil des Rammers gerichts oder des Reichsgerichts über diese Frage nicht bekannt. Lassen Sie es auf einen Brozeß wegen der 15 Mart, die für Nichtbenutzung der Grab. ftätte gefordert werden, ankommen. Die Aussicht der Klage ist freilich eine zweifelhafte. Derartigen unberechtigten Forderungen der Kirche entgeht derjenige, der aus der Kirche austritt, auf jeden Fall. Stoften tragen zu können, und der Bescheinigung über den fruchtlosen müßten unter Ueberreichung der Bescheinigung über das Unvermögen, die Ausfall des Sühnetermins beim Landgericht, in dessen Bezirk Sie wohnen, beantragen, Ihnen das Armenrecht zu bewilligen. In diesem Antrag müssen Sie die Gründe Ihrer Klage und die Beweise für dieselben angeben. C. W. 16. Sie Theater des Westens. Metropol- Theater Allabendlich 8 Uhr: Ein Walzertraum. Dperette von Dstar Strauß. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Heute 7%, Uhr: Bum ersten Male: Der Stabstrompeter. Gesangspoffe in vier Aften von B. Mannstaedt. Mufit von G. Steffens. Sonntag 3 Uhr: Madame Sans Gêne. 8 Uhr: Der Stabstrompeter. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Die blaue Mans. Neues Operetten- Theater Schiffbauerdamm an Quiſenſtr. Luisen- Theater. Urania. DERNHARD ROSE THEATER barbam 5, en Der Wulfenta Reichenberger Straße 34. Sonnabend, den 20. Juni: Die Stimme des Blutes. Borher: Dir wie mir, oder: Dem Herrn ein Glas Waffer. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Hüttenbefizer. Abends: Die Stimme des Blutes. Montag: Goldland. W. Noacks Theater Neues Operetten. Der Mann mit Direttion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16 den drei Frauen. Luisen. 8 Uhr. Nur einmalige Aufführung! Die Stimme des Blutes. Er muß aufs Land Trianon. Frau Baronin. Bernhard Nose. Am Altar. Metropol. Das muß man seh'n. Apollo. Die süßen Grifetten. Spe zialitäten. oder: Der luftige Ehemann. Bor- und nachher: Sämtliche Spezialitäten! Anfang 6 Uhr. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: ( Gr. Frankfurter Str. 132. 8 Uhr. Wochentagspreise. Im Hause der Sünde ( Um eine Liebesnacht). Von der Zugspitze Ein Drama des Sinnenrausches in zum Watzmann. Z COLOCIS HER CARTEN Heute Sonnabend nachmittags 4 Uhr: Großes Sommerfest. Konzert von 3 Militärkapellen. Abends: Feuerwerk, Illumination, Tanz. Eintritt 1 M., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. bier Aften von Maximilian Braun ( Grundmotiv von Zola). Sommerpreise. Anfang 8 Uhr: Der Mann mit den drei Frauen. Passage- Theater. Der größte Saisonerfolg! Brunnen- Theater Gastspiel Willi Agoston in der Badstraße 58. Direkt.: Willi Voigt. ous Täglich: tollen Burleske Bum 273. Male: Das muß man seh'n Revue in 12 Bildern m. Ges. und Tanz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Passage- Panoptikum. Ohne Extra- Entree. Der Riese aller Riesen Pisjakoff Eintritt 50 Pf. Kinder, Soldaten 25 Pf. Volksgarten- Theater am Bahnhof Gesundbrunnen. Sonnabend, den 20. Juni: Großer Sommernachts- Ball der. Hamannschen Hamannschen Ackerpachter. Der deutsche Michel. Berlin in Stimmung Berliner Prater- Theater Erstklassige Spezialitäten. Karl Braun, Berwandlungs- Künstler. Mirzl v. Wenzl, Tschuschtes Liliputaner. Paul Coradini. Eröffnung 2 Uhr. Anfang 5 Uhr. Borberlauf von 10 Uhr ab. Das Tollste vom Tollen und die neuen Juni- Spezialitäten. Täglich Die Welt ein Paradies große Ausstattungs- Revue und das großartige Spezialitäten- Programm. Ant. Sonnt. 4 Uhr, Wochent. 4%, Uhr WINDSTARTEN Neues Programm von Walhalla Fröbels Allerlei- Theater. sota democratscher Wahren Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Spezialitätenvorst. im Garten. Bei schlecht. Witterung i. Theater. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Anfang d. Gartentonzerts 5 Uhr. Kleine Preise. ax Kliems Schönhauser 148. Täglich: Spreelottchen. Bolts ftüd aus dem Berliner Leben. Dazu erstklassige Spezialitäten. Im Saale von 5 Uhr ab: Tanz. Ostbahn- Park Sommer- Cheater. Am Küstrinerplatz, Rüdersdorferstr. 71 Hasenheide 13-15. Publikum und Presse artistische Leitung: Bernhard Lange. glänzend beurteilt. Donnerstag, den 25. Juni: Massiker- Abend: Hermann Imbs. Täglich: Großes Konzert, CPOLLO Minna von Barnhelm. Theater- und Spezialitäten a Theater Ab 8 Uhr: Die neuen Attraktionen. 9 Uhr: Die süßen Grisetten. 10% Wiener Festzug anläßlich d. Jubiläums Sr. Maj. des Kaisers von Desterreich. 10% Bert Bernards Compagnie: Lustspiel in 4 Aften. Vorstellung. Diez' Spezialitäten- Theater Landsberger Allee 76/79, direkt Ringbahn- Station. Bequemste Fahrgelegenheit nach allen Stadtrichtungen. Ob schön! Kommen! Sehen! Stannen! Ob Regen! Täglich: 33652* Ein Abend in einem ameri- Das größte u. befte Programm Berlins. kanischen Tingel- Tangel. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Variétésterne. Burleske von Meysel. Meysel als Saharet. Britton als Isadora Duncan. Anf. Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Schweizer Garten. Am Königstor, Am Friedrichshain 29/32 Straßenbahn: 1, 2, 4, 17, 59, 62, 63, 74 und Q. Nur Attraktionen, u. a.: Zum erstenmal in Europa: Das größte Welträtsel des Erdballs! Von der gesamten ameri!. Breffe als b. größte Weltwunder bezeichnet: The great Simpson. Der Verächter des Todes. 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Ergänzungswahl zur Pünktliches und vollzähliges Erscheinen erwartet 85/ 17* Der Branchenleiter. Möbelpolierer! für 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Todes- Anzeige. Am 17. Juni verstarb unser Mitglied, der Ladierer Hugo Wießner Ramlerstraße 35. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 20. Juni, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Himmelfahrt- Kirchhofes in Nieder- Schönhausen aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 227/14 Der Vorstand. Deutscher Transportarbeiter- Verband. ( Bezirk Groß- Berlin.) Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Kollege Ernst Rehse am 16. b. M. verstorben ist. Die Beerdigung erfolgt am Sonnabend, den 20. Juni, vormittugs 10 Uhr, von der Leichenhalle des Heilands- Kirchhofes, Plößensee, aus. Bahlreiche Beteiligung wird erwartet. Ferner zur Nachricht, daß unser Kollege 69/11 Georg Götting am 10. Juni berstorben ist. Die Beerdigung erfolgte am Montag, den 15. d. M., auf dem Georgen- Kirchhof in Weißensee. Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverwaltung I. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Maschinenarbeiter Wilhelm Rugowski am 17. Juni verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 20. Juni, nachmittags 3, Uhr, vom Krankenhause am Urban aus nach dem Rigdorfer Gemeinde- Friedhof am Mariendorfer Weg statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Otto Müller am 16. Juni berstorben ist. Ehre seinem Audenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 20. Juni, nachmittags 6 Uhr, auf dem Heilands Kirchhof in Blößensee statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Kollegen die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann Heinrich Isler am 18. d. M. nach schwerem Leiden sanft entschlafen ist. Um stilles Beileid bittet Die trauernde Witwe nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 21. d. M., nachDeutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schloſſer Julius Görn am 17. Juni an Magenleiden ge storben ist. 118/2 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 20. Juni, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Elifabeth Kirchhofes, Prinzen- Allee, aus statt. 9 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Beerdigungsverein Berliner Zimmerleute. Am 17. Juni starb nach langem Leiden an Herzfrankheit im Alter von 73 Jahren unser Mitglied, der Zimmerer Wilhelm Krüger. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 21. Juni, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause in Charlottenburg, Kaiser Friedrich Straße 10 aus ſtatt. 27386 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Todes- Anzeige. Mittwochnachmittag verschied nach schwerem Kampfe mein lieber Mann, unser guter Vater, der Vergolder 27325 Reinhold Vandamme. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Sonntag, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Weißenseer Kirchhofes, Roelfestraße, aus statt. Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Genossen, die meinem lieben Mann die lezte Ehre erwiesen, insbesondere den Genossen vom Wahlverein und den Kollegen bom Verband der Maler sage ich meinen aufrichtigsten Dant. Witwe Marie Klemmer. Setzen Sie sich mit uns in Verbindung, Sie sparen Geld! Wir liefern moderne Herren Garderoben fertig und nach Maß in guter Verarbeitung unter Garantie für tadellosen Siz. Legen Sie sich täglich nur wenige Pfennige zurüd, denn wir liefern Ihnen die Ware gegen wöchentliche Teilzahlung von 1M. an. Jeder Arbeiter, jeder Handwerker follte zur Arbeit die Lederhose Herkules tragen. Unerreichte Leistungsfähigkeit. Allein- Verkauf. Sehr starkes Leder in praktischen grauen u. braunen Streifen, auch einfarbig. Am Bund aus einem Stüd gearbeitet. Sehr jeste Rappnähte. Haltbarste Pilot- Tajchen. Große Fliden umsonst. 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Sonntag, den 21. Juni, vormittags 10 Uhr, im Lokale des Herrn Wilke, Brunnenstr. 188: Mitglieder- Versammlung Tages Drdnung: Fortsetung ber Diskussion und Abstimmung über die vorliegenden Anträge aus der legten Bersammlung. Die Kollegen werden ersucht, alle zu erscheinen. Der Vorstand. J. A.: Hermann Lange. 288/13 Reigenfahren. Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter Volksbelustigungen aller Art. Gr. Kinderfackelzug. Zweigverein Berlin. — Sektion I u. II. Jedes Kind erhält eine Stoclaterne Geschäftsstelle Berlin C. 54, Muladstr. 10, I. Fernsprecher Amt III, 4518. gratis. Korsofahrt der Vereine mit Sonntag, 21. Juni, nachmittags 2 Uhr, im Gewerkschaftshause, geschmüdten Rädern ab Nigdorf 1 Uhr, Bergstraße 150-151, Johannisthal 3 Uhr. Kaffe neröffnung vormittags 10 Uhr. Konzertanfang mittags 12 Uhr. Kaffeeküche von 2 Uhr ab geöffnet. Engel- Ufer 15, großer Saal: Gemeinsame Versammlung Tages Ordnung: 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Petersburger Platz 8. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hof I. Amt 3, 1239. Charitéstraße 3. Hof III. Amt 3, 1987. Wäsche täglich Eingang von Neuheiten Oberhemden. Kragen, Man schetten, Serviteurs in 5ester Qualität Handschuhe für Herre: und Damen Gottmann Frankfurter Allee 118a. Große Frankfurter Straße 130. Frankfurter Allee 162. Landsberger Straße 73. Montag, den 22. Juni 1908, abends 6 Uhr: Dr. Schünemann Versammlung der Metalldrücker Berlins u. Umgegend im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, Saal 1. Tages Drdnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Chajes über: Die Entstehung und Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten." 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. 118/3 Die Ortsverwaltung. Bahlreichen Besuch erwartet Montag, den 22. Juni 1908, abends 6 Uhr: Versammlung aller in Metallgießereien beschäftigten Former und Berufsgenossen im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 4. Tages Ordnung: Billett 20 Pf., an der Kaffe 25 Br. Die Aufgaben des diesjährigen Verbandstages. berechtigung" Referent: Genosse Eugen Brückner. Kinder frei. Diskussion. 25292 Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schüßenstr. 10-2, 5-7, Connt. 10-12 11hr Zygienische Bedarfsartikel, Gummiwaren, 1000e Anerk. V. Prof. u. Aerzt. empf., bill. Apoth. S. Schweitzers Fab. hyg. Präp., Berlin O., Holzmarktstr. 69-70. Preisl.gratis. Gitigit, flllssig, das Beste geg. Ungeziefer ( Kopf- und Filzläuse), tötet radikal mit Brut, Giftfrei, keine schmutzende Salbe, sauber, wohlriechend, Fl. 50 Pfg. Gebrauchsanweisung liegt überall bei. Erhältlich in den Apotheken und Drogerien. ,, Gitigit" vom Deutschen Reichspatent amt gesch. unter W. Z. 101 396. Engr.: Heinr Lehmann, Berlin, Würzburger Straße 17, Amt Charlottenburg 10241. 1. Vortrag:" Hat die Arbeiterklasse im heutigen Staate Gleich 2. Diskussion. 43/3 3. Verbands- und Branchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. 11m recht zahlreichen Besuch bittet In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist das rechtzeitige Er Wir ersuchen vollzählig und pünktlich zu erscheinen. Das Festkomitee. scheinen aller Mitglieder erforderlich. Die Ortsverwaltungen. Die Ortsverwaltung. Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidjohn, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. 12/6 Br. 142. 25. Jahrgans 2. Beilage des„ Vorwärts“ Berliner Volksblatt. Sonnabend, 20. Juni 1908. Partei- Angelegenheiten. Brit- Budow. Morgen Sonntag früh 8 Uhr findet von den beLannten Stellen aus eine Flugblattberbreitung statt. Boffen. Am Mittwoch, den 24. Juni, abends 8 Uhr, findet im Lokale von P. Kurzner, Baruther Straße 10, unsere monatliche Wahlvereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht von der Verbandsgeneralversammlung; 2. Das Ergebnis der Landtagswahlen; 3. Verschiedenes. Diejenigen Genoffen, die noch Listen bon der Landtagswahl in Händen haben, werben ersucht, sofort mit dem Kassierer Saupe, Stubenrauchstr. 4, abzurechnen. Der Vorstand. Friedenau. Am Sonntag früh um 8 Uhr findet von den bes Tannten Lokalen aus eine wichtige Flugblattverteilung statt. Für den dritten Bezirk treffen sich die Genossen bei Hegert. Nieder- Schöneweide. Dienstag, den 23. Juni, abends 8 Uhr, findet im Lokal von Ferdinand Died, Berliner Str. 92( früher Jul. Fischer), die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tages ordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Nach den Landtagswahlen. 3. Verschiedenes. Es werden alle diejenigen freundlichst eingeladen, die öffentlich ihre Stimme für uns abgegeben haben. Der Vorstand. Wilmersdorf- Halenfee. Am Sonntag früh findet eine Hausagitation statt. Gleichzeitig werden die Abteilungsführer gebeten, so weit es noch nicht geschehen, die Rapportzettel aus ihren Bezirken bom legten Zahlabend dem Genossen R. Krüger auszuhändigen. Königs Wusterhausen, Deutsch- Wusterhausen, Hoherlehme, Wildau und Niederlehme. Den Parteigenossen obengenannter Orte zur Kenntnis, daß am Sonntag, den 21. Juni, vormittags 8 Uhr, in allen Bezirken eine Flugblattverbreitung stattfindet zwecks Werbung neuer Mitglieder und Vorwärts"-Leser. " Berliner Nachrichten. Zum Achtuhr- Ladenschluß. Mühsal eines tropisch heißen Sommertages, um wieder am frühen Morgen mit gestärkten Gliedern für faulenzende Kapitalisten fronen zu können. und stürzte ins Wasser. St. wäre rettungslos ertrunken, wenn nicht ein Schußmann und zwei Baffanten rechtzeitig zur Stelle ge wesen wären und ihn vom Boot aus wieder herausgezogen hätten. von Mars, des altheidnischen Römergottes Gnaden. Wer gibt den mittag fiel der 9jährige Sohn Erwin des Monteurs Burwiz gegen. Das Blut empört sich einem gegen die nächtlichen Ruhestörer Stemmwedel wurde, da er ohne Wohnung und gänzlich durchnäßt war, nach dem städtischen Obdach gebracht. Donnerstag nachTruppenführern das Recht, den Schlaf des Bürgers zu stören? Es über dem Hause Kieler Straße 21 beim Spielen in den Spandauer ist ein spöttischer Hohn gegen das Gesetz! Und wo war die Polizei, Schiffahrtskanal, wurde jedoch von dem Schiffer Woltersdorf mit damit sie jenen Personen, die die Soldaten trommeln, pfeifen und fingen einem Bootshafen wieder herausgezogen. Da er bereits bewußtlos hießen, solchen Unfug verboten hätte?! Sie war entweder nicht ba, war, stellte man Wiederbelebungsversuche an, die auch bald von oder fie jab und hörte- nichts... Erfolg begleitet waren. Sängerchor desselben Beges gezogen gekommen wäre und-haust fich gestern( Freitag) in dem Hause Waßmannstraße 15 zugetragen. Wie nun, wenn zufällig ein sozialdemokratischer Arbeiter- Mordversuch und Selbstmord. Eine blutige Liebestragödie hat du meinen Juden, so hau ich deinen Inden fingend vom Recht In der sechsten Abendstunde gab dort der 19jährige Hausdiener der Straße Gebrauch gemacht hätte, gleich den„ bornehmsten Rod". Adolf Bendig auf seine Geliebte, die 17jährige Fabritarbei Trägern da auf dem Fahrdamm? Heidi, wären dann die Wächter tete dann die Waffe gegen sich selbst. Während Bendix sofort eine terin Johanna Schmidt, drei Revolverschüsse ab und rich der Ordnung von allen Seiten herangesprungen gekommen! Und Leiche war, wirkten die drei Schüsse bei seiner Geliebten nicht töddoch müßten sie am ersten wissen, daß in Preußen das gleiche lich. Tas Mädchen fand im Krankenhause am Friedrichshain Auf echt ist für alle! Obendrein sollte den reinen Ohren der nahme. Wir erhalten über den Vorgang die folgenden Einzelheiligen Hermandad ein Lied, sagen wir einmal die Arbeiter- heiten: marseillaise" doch wirklich nicht übler aufstoßen als jene- kulturwidrige Kasernenkunst! Ein tödlicher Straßenunfall ereignete sich gestern nachmittag an der Ede der Kurfürsten- und Frobenstraße. Der in der Froben straße 40 wohnende Schloffermeister Dorsch wollte den Fahrdamm freuzen, als ein Straßenbahnzug der Linie A der westlichen Vorortbahn herannahte. D., der die Entfernung nicht richtig be messen hatte, wollte noch vor dem Motorwagen das Gleis überschreiten, wurde jedoch von der Plattform erfaßt, niedergerissen und geriet unter den„ Schußrahmen", unter welchen er festgeklemmt wurde. Um ihn zu befreien, mußte der„ Schußrahmen" durchgesägt werden. Dorsch, der einen vierfachen Bruch des rechten Fußes, mehrere Rippenbrüche und Latetschung des Brustkastens erlitten hatte, wurde nach dem Elisabeth- Krantenhaus gebracht, wo er bald nach seiner Einlieferung verstarb. Im ersten Stod des Hauses Maßmannstraße 15 wohnt seit meh reren Jahren eine Witwe Schmidt mit ihren Kindern. Das zweit. älteste Mädchen, Johanna, unterhielt feit Anfang dieses Jahres Die zahlreichen Unglücksfälle beim Rudern auf den Gewässern ein Liebesverhältnis mit dem Hausdiener Bendir. Als die Mutter Teil auf eine Ursache zurückzuführen, nämlich auf die Benugung Sie war grundfäßlich dagegen und duldete auch nicht, daß Bendig in der Umgebung Berlins, so schreibt man uns, sind zum größten davon Kenntnis erhielt, billigte sie diesen Schritt ihres Kindes nicht. der abscheulichen nußschalenartigen Nuderboote, die mit Recht im in ihre Wohnung fam. Das Mädchen entschloß sich daher auch, von Volksmunde als Seelenverfäufer bezeichnet werden. Vor- ihrem Geliebten zu lassen, allein Bendig verfolgte sie unausgesetzt. fichtige Eltern follten ihren Kindern auf keinen Fall das Rudern So wartete er auch gestern vor dem Geschäft der Schmidt und ging in diesen Nußschalen gestatten, denn solche auf Stiel gebaute Boote mit ihr nach Arbeitsschluß fort. Vor dem Hause Waßmannstraße mit gebogenem Schiffsboden sind zum Umlippen geschaffen. Diese Nr. 15 wollte sich das Mädchen von Bendig trennen, der junge Seelenverkäufer bilden seit Jahrzehnten eine wahre Wasserstrafe für die Mann betrat aber ebenfalls das Haus und folgte seiner Geliebten Berliner und bringen alljährlich viel Herzeleid über Alt und Jung. Eine auf Schritt und Tritt. Auf der Treppe des ersten Stocks zog er genauere Statistit über die Wasserunfälle würde ein schlimmes Bild blitzschnell einen Revolver aus der Tasche und richtete ihn gegen ergeben. Es fehlt hier ein energischer Eingriff der Strom- das ahnungslose Mädchen. Es fielen kurz hintereinander drei Johannisthal. Sonntag früh 8 Uhr findet Flugblattverbreitung aufsichtsbehörden. Die Bootverleiher müßten angehalten Schüffe, die alle drei trafen. Alsdann eilte Bendig die Treppe em. statt. Die Genoffen des 1. Bezirks treffen sich bei A. Gobin, Roon- werden, allmählich an Stelle der Boote mit gebogenen Schiffs. por und feuerte noch zwei Kugeln gegen sich selbst ab. Als Haus. böden nur einfache Schifferfähne mit geradem Boden anzuschaffen. bewohner hinzukamen, war Bendir schon to t. Seine Geliebte hatte Weiter machen wir auf die Mitgliederversammlung am 23. d. M. Diese Schiffchen sind gegen Umfippen um vieles sicherer als die sich die Treppen hinabgeschleppt und Hilfe in der im Hause be aufmerksam. Die Tagesordnung wird am Sonntag früh bei der Stielboote und würden, wenn die Strompolizei dem ganzen Ruder- findlichen Gastwirtschaft gesucht. Ein schnell herbeigerufener Arzt Flugblattverbreitung durch Handzettel bekanntgegeben. spiel des Sonntags mehr Aufmerksamkeit schenkte, biel unheil ber- legte der Unglücklichen Notverbände an und ließ sie dann nach dem hüten. Der Kleine Schifferlahn mit geradem, glattem Boden ist Krankenhaus schaffen. feit Jahrhunderten in der Mark üblich und genügt für die unerfahrenen Sonntagsruderer vollständig. Ein Kahn mit geradem Boden fährt sich scheinbar nicht so leicht wie die heutige Nußschale; das ist aber vielfach Einbildung. Es gibt sehr geschickt gebaute Handkähne, die spiß zulaufen und dadurch besser das Wasser durchDie Abstimmung über die Einführung des Achtuhr- schneiden als die bidbauchigen, jeden Augenblid zum Umtippen Die Abstimmung über die Einführung des Achtuhr- bereiten Schautler. Die Fahrsicherheit ist entscheidend. Deshalb ist Ladenschlusses an den Werktagen mit Ausnahme des Sonn- eine Bauvorschrift erforderlich, wonach Personentähne nur mit ebenem abends für alle offenen Verkaufsstellen in Berlin, Charlotten- Boden, geraden, nicht gebauchten Seitenwänden und 50 bis burg, Schöneberg, Wilmersdorf und Rirdorf hat am 17. Juni 60 Zentimeter Tiefe hergerichtet werden dürfen. Für den nie verbegonnen. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß nach meidbaren Unfug der Jugend auf dem Wasser ist mit solcher Kahndem 30. Juni teine Stimme mehr angenommen wird. Es konstruktion die Gefahr erheblich vermindert, das Umtippen dieses wäre wirklich die höchste Zeit, daß endlich auch Berlin den nach dem Muster der Fischerfähne gebauten Fahrzeugs ist nur mit Achtuhr Ladenschluß erhielte, nachdem derselbe in etwa besonderer Anstrengung möglich. Die heutigen Schaukelboote tippen gewöhnlich um durch unvor- Wer ist der Tote? Am 15. Juni cr. ist im Tegeler See die 200 deutschen Städten zur Einführung gelangt ist, unter denen fichtige, hastige Bewegungen, durch weites Hinauslehnen, durch Leiche eines unbekannten Mannes gefunden worden. sich neben verschiedenen größeren Handelsstädten auch Hamburg ungünstige Dampferwellen und durch das beliebte Bläge wechseln. ungefähr 40-45 Jahre alt, 1,75 Meter groß, hat dunkelblonde befindet. Die Gründe für diese Maßnahme und die Einwände Bei hinreichender Geistesgegenwart fönnen Schwimmer sich an einem Haare, hohe Stirn, blonde Augenbrauen, braune Augen, ſtarken, gegen dieselbe sind so oft erörtert worden, daß neues nicht umgetippten Kahn immer noch festklammern und unter Umständen dunkelblonden Schnurrbart, vollständige Zähne, rundes Gesicht, mehr gesagt werden kann. Die Gegner des Achtuhr- Laden- einzelne untundige retten, weil der Kahn sich in der Regel fräftige Gestalt und war mit dunklem Jackettanzug, grauem Stoffschlusses holen dieselben alten Ladenhüter wieder hervor, die schwimmend erhält. Ganz anders liegen die Gefahren beim Chemisett, grauem Barchenthemd mit blauen Streifen, gezeichnet C. K., und Gummihosenträgern bekleidet. In den Taschen befand bereits beim Neunuhr- Ladenschluß vorgeführt wurden, obwohl im Segelsport. Segelboote erfordern Tiefgang und find deshalb mit Ballast sich ein Beutelportemonnaie mit 8,25 M. und eine Uhr mit der Laufe der Zeit es sich gezeigt hat, daß alle Einwendungen beladen. Leichtsinnige Leute, die nichts vom Segeln verstehen, be- Nummer 88783 mit unechter Kette. Refognofzenten wollen sich gegen einen fürzeren Ladenschluß hinfällig geworden sind. geben fich stets in Lebensgefahr, wenn sie sich auf dieses Vergnügen beim Gutsvorsteher in Blößensee melden. Nachricht über die Noch in letter Stunde tritt die Vereinigung von Geschäfts- ohne erfahrenen Führer einlassen, denn ein falsch gesteuertes Wasser Persönlichkeit nimmt auch die Kriminalpolizei sowie jedes Polizeiinhabern aller Branchen von Groß- Berlin zur Abwehr des schöpfendes Segelboot lippt nicht vollständig um, sondern geht sofort rebier entgegen. Achtuhr- Ladenschlusses auf den Plan, um für ihre reaktionäre unter. Die Wallstraße von der Neuen Grünstraße bis zur Neuen NoßAnschauungen zu wirken und die Geschäftsinhaber zu verDie Hige, die augenblidlich herrscht, ist schier unerträglich für straße wird behufs Asphaltierung vom 22. d. Mis. ab bis auf anlassen, gegen den Achtuhr- Ladenschluß ihre Stimme abzu- Menschen und Tiere. Am gestrigen Tage sind 15 Fälle von Hitz- weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. geben. Ein zu diesem Zwed verbreitetes Flugblatt ist aber schlag auf den hiesigen Unfallstationen und Rettungswachen be Feuerwehrnachrichten. Im Laufe des gestrigen und heutigen fo plump gehalten, daß wir nicht glauben können, daß durch handelt worden. Bumeist handelte es sich um leichte Erkrankungen Tages, auch während der letzten Nacht hatte die Feuerwehr zahldiese Gründe" irgend jemand überzeugt werden könnte, der und die davon Betroffenen konnten nach erfolgter Behandlung nach reiche Preßtohlenbrände zu löschen. U. a. zwei auf dem Görlizer, Bewegung für Einführung des Achtuhr- Ladenschlusses seine ihren Wohnungen entlassen werden. Nur drei Personen wurden zwei auf dem Nordbahnhof, mehrere auf dem Moabiter, Anhalter, Stimme zu entziehen. Hoffen wir, daß recht zahlreiche Inhaber nach Krankenhäusern gebracht. Es waren dies der Arbeiter Schulz, Schlesischen- und Ostbahnhof. Ferner mußten Kohlenbrände in der von offenen Verkaufsstellen Einsicht genug befizen, in ihrem sammenbrach, der Kutscher Weber, der in der Brehmestraße infolge Der 12. Zug hatte in der Kurfürstenstr. 146 zu tun, wo ein Mann der auf dem Wege nach seiner Wohnung in der Schulstraße zu- Hussitenstr. 11, Gleimstr. 55 und anderen Stellen gelöscht werden. eigenen Interesse und zugleich im Interesse Tausender von eigenen Interesse und zugleich im Interesse Tausender von eines Hizeanfalles vom Wagen stürzte und überfahren wurde und von einem elektrischen Straßenbahnwagen überfahren worden war. Ladensflaven und-Sklavinnen ihre Stimme für den Achtuhr- der in den Siemens- Werten in Charlottenburg beschäftigte Arbeiter Der Schwerverlegte wurde noch lebend nach dem Elisabeth- KrankenLadenschluß abzugeben. Jeschkeit. hause befördert. Außerdem hatte die Wehr einen Brand zu löschen, " B Heilige Ruhe der Nacht! Kognat umsonst! Das ist wohl das neueste und seltsamste, was die Reklamekunst herausgebracht hat. Eine französische Firma bersendet durch ihren Vertreter soeben einen Prospekt, in dem sie jedem, der die beiliegende Bestellkarte einsendet, gratis und frei von allen Spesen ½ Flasche ihres Rognats zu übersenden verspricht. Vielleicht findet sich jetzt bald auch ein Antialkoholiker und Menschenfreund, der als Gegenmittel des Trinkens von Gratistognat ein Brot oder ein Pfund Fleisch unaufgefordert den Arbeitern ins Haus schickt. 29 Vorort- Nachrichten. Charlottenburg. Unter den Rädern eines Autoomnibusses. Ein schwerer Unglüds- der in einer Bäckerei Alte Schönhauser Straße 57 ausgekommen Es ist kurz vor Schluß der letzten Mitternachtsstunde. Vom fall ereignete sich gestern früh 7 Uhr am Morigplatz. Dort wollte war. Weitere Alarme liefen noch aus der Waldstraße, vom„ Habsoffenen Balton her strömt balsamische Luft ins Zimmer hinein. Drüben der Arbeiter Bedersti noch turz vor einem Automobilomnibus burger Hof" am Askanischen Plag, Wiesenstr. 34, Ritterstr. 84, Berle in einem Brauereigarten ist dem Himmel sei Dank!- die funft der Linie Rigdorf- Friedrichstraße den Straßendamm freuzen. Der berger Straße 60 und anderen Stellen ein. die kunst alte Mann wurde aber von dem Kraftwagen erfaßt und zu Boden mordende Mufitmacherei einer Militärkapelle verstummt. Das abgeschleudert. Er fiel so unglücklich, daß die Räder über ihn hinwegflauende Geräusch tief unten vorüberrasselnder Straßenbahnzüge, gingen. Mit schweren Verlegungen brachte man den Unglücklichen vermischt mit dem flirrenden Geklapper oder schurrenden Krazen der nach der nahen Unfallstation in der Alexandrinenstraße und von Straßensäuberungsmaschinen und Sprizenwagen deucht mir dort nach dem Urban- Krankenhause. Er dürfte kaum mit dem Leben Seraphischer Klingklang, der mich nicht mehr stört. Noch size ich und davonkommen. arbeite. Nun tann ich's wieder und die Feder fliegt über das Wie sozialdemokratische Stadtverordnete um Mandate gebracht weiße Blatt... werden, lehrt der Fall unserer Gennssen Scharnberg und Plötzlich werd' ich unsanft aus meinen Gedankengängen auflemming. Beide waren am 6. November 1907, allerdings nur geschreckt. Von Pantow her tommt der Spektakel und wälzt sich mit 4 bez. 2 Stimmen über die abfolute Mehrheit, im fünften Bezirk stadtwärts durch die Schönhauser allee immer näher. Jetzt der dritten Abteilung zu Stadtverordneten gewählt worden. Gegen hör ich's genau. Ich trete auf den Balkon und äuge über die die Gültigkeit der Wahl erhob Herr Rettor Fiebig Einspruch. Reben anderen belanglosen Einwendungen stügte sich der Einspruch Brüstung hinab. Richtig: da kommt ein Bataillon Infanteristen darauf, daß der Wahlborstand eine Reihe von Wählern zurückgewiesen, dahermarschiert eine dunkle Säule, meinetwegen auch wie ein weil sie sich nicht schriftlich legitimieren konnten, obwohl sie dem gräßlicher Lindwurm oder riesiger Tausendfüßler sich vorwärts Wahlborstande selbst oder anwesenden Mitgliedern desselben bekannt ringelnd. Und die Tambours flappern wie närrisch im Gleichtakt Aus dem Polizeibericht. Donnerstag abend gegen 7 Uhr trat gewesen und letztere auch bereit waren, sie zu legitimieren. Der auf den Alarmtrommeln; und dicht hinter ihnen pfeifen ein Dugend der 38 Jahre alte Kaufmann Eduard Wendig, der sich hier nur Wahlvorstand, an dessen Spize ein liberaler" Stadtverordneter, uniformierter Proletarier einen patriotischen- natürlich patriotischen vorübergehend aufhielt und in einem Gasthaus in der Prenzlauer Herr Jolenberg, stand, hatte zu Beginn der Wahlhandlung - Soldatenmarsch, dessen einziger Vorzug sein total unmelodischer Straße wohnte, an einen Schuhmann heran und sagte ihm, daß er einen so unsinnigen Beschluß gefaßt und proflamiert. frant sei. Da er gleich danach zusammenbrach, schaffte ihn der Nachdem die Stadtverordnetenversammlung im Dezember ben Toncharakter ist. Die armen Kerls pfeifen wie Besessene, pfeifen sich Beamte nach der Unfallstation in der Keibelstraße, wo er gleich Einspruch zurückgewiesen und die Wahlen für gültig erklärt hatte, das Stückchen gesunder Lunge weg; denn sie müssen ja gründlich darauf am Herzschlag starb. Die Leiche ist dem Schauhause zuge- rief Rettor Fiebig den Bezirksausschuß an, der denn auch beide Staub dabei schlucken.. führt worden. Donnerstag nachmittag wurde bei den Funda- Wahlen tassierte. Zwar war es dem Kläger trotz aller Bemühungen Unmittelbar hinter ihnen trotten die Kompagnien im dröhnenden mentierungsarbeiten auf dem Neubau Mendelssohnstraße 4 eine nicht möglich gewesen, so viel Wähler, die ihres Wahlrechts beraubt Schritt der nägelbeschlagenen Kommißstiefeln. Staubwollen wirbeln etwa 4 Meter hohe Absteifung in ihrem unteren Teile von den sind, aufzutreiben, daß das Wahlresultat dadurch beeinflußt wäre, auf- und Staub muß ja nicht bloß der Mensch, sondern Haupt- Erdmassen durchbrochen und der 49 Jahre alte Arbeiter Karl aber der Bezirksausschuß erblidte in dem Verhalten des Wahlsächlich der preußische Soldat fressen, weil denn seine Muhme die Wilmsen verschüttet. Arbeitskollegen befreiten ihn sofort aus vorstandes einen so wesentlichen Mangel des Wahlverfahrens, daß Schlange ist. Am Schwanzende des Zuges reiten dann ritterlich der seiner Lage und transportierten ihn nach der Unfallstation in der die Annahme gerechtfertigt erscheint, daß durch den der gefeßlichen Keibelstraße, wo man leichte Quetschungen des rechten Oberschenkels Grundlage entbehrenden Beschluß des Wahlvorstandes das WahlHerr Major nebst Adjutant. Sie reiten, wie jemand reitet, wenns sowie am Hinterkopf konstatierte und ihm die erste Hilfe leistete. ergebnis so start beeinflußt ist, daß es als zuverlässiger Ausdruck zum Stall oder zur Kaserne geht. Das achtjährige Töchterchen Erna des Wäschereibesizers Albert des Willens der Wählerschaft nicht mehr angesehen werden kann." Kaum sind diese Lärmmacher vorüber, da rückt ein zweites Binzelberg wurde Donnerstag vormittag vor dem Hause Neue Aus diesem Grunde hat der Bezirksausschuß die Wahlen kassiert, Bataillon gleichfalls uniformierter Staubwolfenerreger nach. Sie Roßstraße 2 beim unachtsamen Ueberschreiten des Fahrdammes und die Stadverordnetenversammlung schloß sich dem an, sie vers trommeln nicht, und sie pfeifen nicht; aber sie fingen" rauhkehlig im von der Kraftdroschte Nr. 2020 überfahren und erlitt erhebliche zichtete auf die Einlegung einer Berufung. Chorus ein patriotisch Lied von dem schönen Preußenland und Quetschungen am Rüden, rechten Ellenbogen, rechten Unterschenkel noch wonnebolleren Soldatenstand. Ein Singsang, der Steine er- und linten Oberschenkel. Man brachte die Verunglückte in der weichen, Kazzen, Hunde und Schläfer rasend machen kann! Am selben Droschke nach der Unfallstation in der Brüderstraße und dann zu ihren Eltern. Donnerstag abend war dem 33 Jahre Schwanzende reiten wieder wieder ritterlich der Herr Major nebst alten Arbeiter Johann Stemmwedel an der Belle- Alliance- Brüde Adjutant. Weiter und weiter gehts; das Brüllen hört nicht auf. sein Hut in den Randwehrkanal gefallen. Er versuchte, ihn mit Es knallt widerlich gegen die Häuserwände, bis empor zu den Man- Hilfe eines Rettungstahnes wieder zu erlangen, beugte sich aber, farden abgeraderter Arbeiter, die sich ausruhen müssen von der da er start angetrunten war, au weit über den Rand des Bootes Der Charlottenburger Kommunalfreifinn triumphiert über diesen Erfolg", er merkt gar nicht, wie sehr er sich selbst dadurch blamiert. Denn im Grunde genommen ist das Urteil des Bezirksausschusses doch nur ein Zeugnis der gänzlichen Unfähigkeit des liberalen" Herrn Jolenberg, ein so einfaches Geschäft wie eine Wahlhandlung ordnungsgemäß zu leiten. " Natürlich werden unsere Genossen dafür sorgen, daß der Herzenswunsch des Freisinns, mit Hilfe eines unfähigen Wahl Vorstandes den Sozialdemokraten Mandate abzujagen, nicht in Erfüllung geht. Schöneberg. Em Notschrei wird unZ aus Schöneverg zur Veröffentlichung zugesandt. In demselben heißt eS:„Seit Jahren werden wir Be- wohner der Hohenfriedberg- und Geßlerstraße in Schöneberg, deren �Fenster die Ehre haben, ihre Front nach dem Kasernenhof des 1. Eisenbahn-Regiments zuzuwenden, fast alle 14 Tage nachts durch einen ekelerregenden pestilenzartigen Gestank belästigt. Der Militär- ' siskuS hat eS nämlich bis jetzt noch nicht der Mühe für wert gc- halten, seine Klosetts an die städtische Kanalisation anzuschließen, sondern führt noch das gänzlich veraltete Tonnensystem. Alle 14 Tage werden die gefüllten Tonnen nachts abgeholt. Der un- geheuere Gestank ist mit einfachen Worten nicht zu schildern; er bildet bei der jetzigen Hitze eine drohende Gefahr, daß der Ausbruch einer Epidemie nicht unwahrscheinlich ist. Muß denn immer erst das Kind in den Brunnen fallen, ehe etwas geschieht? Ich habe mich sogar mit einer Beschwerde an das Kaiserl. Gesundheitsamt gewendet, aber alles war bis jetzt fruchtlos. Gibt es denn gar kein Mittel, um den FiSkuS mit Gewalt zu zwingen, dieser abscheulichen Schweinerei sofort ein Ende zu machen V7 Wilmersdorf. Die Stadtverordnetenversammlung von Wilmersdorf beschäftigte sich am 18. Juni mit der Frage der Feuerbestattung. Gegen den vom Stadtverordneten Dr. Wolfs und Genossen beantragten Bau eines Krematoriums wandte sich nur der Führer der Katholiken des Orts, Stadtv. Bresser. Er stellte sich allerdings nicht aus den früher von der katholischen Kirche mit Feuereifer betätigten Standpunkt, daß es nur Ratzen ge- zieme, verbrannt zu werden. Vielmehr fand er die Vorgänge bei der Leichenverbrennung ebenso gräulich wie die beim Verwesungsprozeß in der Erde; außerdem waren ihm die Kosten der Einäscherung zu hoch. Jedoch die Wilmcrsdorfer Stadtverordnetenversammlung, die sonst wahrlich nicht sonderlich dem Fortschritt zugetan ist. kehrte sich diesmal nicht an die frommen Bedenken. Gegen die eine Stimme des Herrn Bresser faßte sie viel- mehr einen Beschluß, wonach der Magistrat ersucht werden soll, alle zweckdienlichen Schritte zu tun, um von der Regierung die Gen eh- in i g u n g zur fakultativen Feuerbestattung zu erlangen und die zur Erbauung eines Krematoriums und einer Urnenhalle erforderlichen Vorarbeiten so rechtzeitig zu unternehmen, daß sofort nach erlangter Genehmigung der Feuerbestattung mit dem Bau des Krematoriums begonnen werden kann. Nachdem die Versammlung durch diesen Beschluß der modernen Kultur einen Tribut dargebracht hatte, sollte ein weiterer Anlauf genommen werden, der— man erschrecke nicht— gegen die königlich preußische Polizei gerichtet war. Aber wie vorweg bemerkt sei, besann sich die Mehrheit zur rechten Zeit vor solchem Wagestück und ließ das Hehrste, was der Preuße kennt, in seiner Gloriole bestehen. Es handelte sich um einen Antrag des Magistrats, der staatlichen Polizei am Orte SM M. für Heb erst linden zu bewilligen. Die Sicherheitspolizei am Orte wird bekanntlich vom Polizeipräsidenten der Stadt Schöncberg kommandiert. Da nun für die Bewachung zu wenig Mannschaften zur Verfügung stehen, kam man zu Ueber- schichten im Sicherheitsdienst. Der Stadtverordnete K l e t k e empfahl im Verein mit dem zur Prüfung der Angelegenheit ein« gesetzten Ausschuß die Ablehnung des Antrags. Sowohl dieser Herr wie auch der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Dr. L e i d i g ließen an der königlichen Polizei kein gutes Haar. Herr Leidig wollte es zwar nicht durchgehen lassen, daß die preußische Regierung, wie sein Vorredner sagte, sich mit dem Antrag lächerlich mache, denn, so meinte er unter stürmischer Heiterkeit, die preußische Regierung könne sich nie lächerlich machen. Jedoch hielt er die Polizeizustände am Orte für so schlimm, daß sie ans Kosten der Stadt in der Berliner Presse ge- schildert werden müßten; alles in allem war er gleichfalls für Nicht- bewilligung der SOl) M. Diese Opposition war der Mehrheit der Versammlung denn doch zu umstürzlerisch. Wenn sie auch anerkannte, daß die Wilmersdorfer Sicherheitspolizei ihre Gebrechen hat, so bewilligte sie in der staatstreuen Gesinnung, die ihr früher mehrfach behördlich attestiert wurde, mit geringer Mehrheit die Forderung des Magistrats. Erwähnt sei ferner noch, daß die Stadtverordnetenversammlung eine Petition der Gastwirtcinnung am Orte um Aushebung der Lustbarkeitssteuer ablehnte. Lichtenberg. 1 Die letzte Stadtverordnctcnsitzung war zu einer recht ungewöhn« kichen Zeit angesetzt, nämlich auf den 16. Juni, den Tag der Land- tagswahl. Von den 48 Stadtverordneten fehlten 10. Zum Waiscnrat des 5. Bezirks(umfassend den nördlichen Teil von Neu-Lichtenberg> wurde der Kaufmann May Leopke, Eitelstr. 70, gewählt. Interessant war die Mitteilung des Ersten Bürgermeisters, der Magistrat glaube, daß Lichtenberg geeignete Personen für die Stellen der Bezirksvorsteher nicht habe l l(Freilich, so lange der Magistrat nur bei den„Herren vom Besitz" die notwendigen Fähigkeiten und den Gemeinsinn sucht, wird er schon recht haben.) Als Waisenrat für den Bezirk 26(von der Weichbildgrcnze bis Blumenthalstraße) wird Herr Schuhmachermeister Paul Konrad, Frankfurter Allee 171, gewählt, zum Annenkommisfar, Bezirk 12 (RummelSburger Straße) der Tischlermeister Emil Rux, Rummels- burger Straße 47.— Beschlossen wird, an der höheren Mädchen- schule eine neue Oberlehrerstelle zu errichten. Desgleichen stimmt die Versammlung für die Errichtung von drei neuen Oberlehrer- stellen am hiesigen Realprogymnasium.— Länger hielt sich die Ver- fammlung bei der Forderung für die Volksschule aus. Der Magistrat fordert für den MichacliSterniin 7 Lehrerstellen, 1 Lehrerin wnd 1 Rektor; die Vorlage findet am Ende Annahme mit der Aenderung, daß die Rektorstelle gestrichen. dafür eine Lehrer- stelle geschaffen wird. Die„Selbstverwaltung" der Gemeinde fand eine schöne Illustration durch die Mitteilung vom Magistratstisch, daß die Regierung noch immer nicht die ganz nach Wunsch gewählte Schuldeputation bestätigt habe! Eine Petition des Komitees für die Ausstellung der Gastwirte und für Kochkunst um Subventionierung des Unternehmens wird auf Vorschlag des PetitionSauSschusteS abgelehnt.— Petition der Anlieger der Oderstraße wegen endlicher Pflasterung des westlichen Teiles dieser Straße wird dem Magistrat zur Berücksichtigung überwiesen. — Beschlossen wird, gegen die Zuteilung der Stadt zur vierten ServiSklasse vorstellig zu werden und die Versetzung in die erste ServiSklaffe zu fordern.— Während bei diesem Punkte die„Pri- vilegierten" sich munter an der Debatte beteiligte», stimmte die „Majorität" schweigend der Vorlage zu, in der der Magistrat wieder einmal für die Klassengenossen dieser Majorität 1439 M. 99 Pf. fordert, um„verauslagte" Bürgersteigsregulierunaskostcn zu erstatten. Der Magistrat fordert die Genehmigung der Mittel für die vor- läufige Regulierung der Straße an den Gemeindewerken(Wiesen« weg). Auch hier ist der„Gemeinsinn" der„Erstklassigen" die Ursache, daß eine definitive, anbaufähige Herstellung der Straße nicht möglich ist und die Gemeinde zur Aufwendung von 63 000 M. gezwungen wird. Die Stadtverordneten erhoben die Vorlage zum Beschluß. In einer„geheimen" Sitzung wurden dann noch einige Grundstücksangelegenheiten beraten und dann— fanden sich dle Blockfreunde zur Feier des„glorreichen Tages" zusammen. P«mkow. Lebendig verbrannt. Einen entsetzlichen Tod hat die 26 Jahre alte Ehefrau Emma Witte aus der Brehmestraße S0 gefunden. Sie hatte für sich und ihre drei Kinder auf einem Spirituskocher Kaffee zubereiten wollen. Als der Spiritus nahezu heruntergebrannt war, goß Frau W. auf die im Erlöschen begriffenen Flammen frischen Spiritus. Im nächsten Augenblick erfolgte eine Explosion und durch die Flammen wurde die Kleidung der jungen Frau in Brand gesetzt. Einer Feuersäule gleichend stürzte sie heraus auf den Korridor. Nachbarn erstickten die Flammen durch lieberwerfen von Tüchern. Inzwischen hatte die 28. aber bereits so schwere Brandwunden im Geffcht und am ganzen Körper erlitten, daß sie bald darauf unter qualvollen Schmerzen starb. Karlshorst. Nm Höhlenbewohner werden zu können, hat Ende Mai der zirka 3S Jahre alte Bildhauer Nagels aus Karlshorst mit seiner Sticf- schwcster eine Wanderung nach Asien angetreten. Beide zeigten in der letzten Zeit Spuren geistiger Abnormität. In Karlshorst sowohl als auch im Osten Berlins waren sie als „Naturmenschen" schon lange bekannt. Um aber ganz naturgemäß leben zu können, hat N. seine Arbeit schon vor einiger Zeit aufgegeben, einen Teil seiner Möbel verkauft, um etwas Reisegeld zu haben, und nun wird er wohl schon, wie er es beabsichtigte, irgendwo in einer Höhle hausen und sich von Wurzeln und Waldfrüchtcn nähren. Als er vor der Landtagswahl besucht wurde, um ihn zur Stimmabgabe für uns zu bewegen, erklärte er, daß er überhaupt nicht wähle, weil das Wählen ebenso unsinnig und überflüssig sei wie die Erziehung der Kinder in der Schule und in der Familie. Tegel. Seinen Berletznnge» erlegen ist der 13jährige Schüler Willy Becker aus Tegel, der, lvie wir berichteten, beim Spielen mit einem Revolver durch eine Kugel getroffen wurde. Bevor noch das Gc- schoß entfernt werden konnte, erlag der Knabe der schweren Schuß- Verletzung. Spandau. Stadwcrorbnetcnversamnilnng. Vom Handelsministcriiim ist ge- plant, eine staatliche Baugetvcrkschule zu errichten. Verschiedene Städte, darunter auch Spandau, haben mit dem Handelsministerium Verhandlungen gepflogen, unter welchen Bedingungen die Bau- gcwerkschule errichtet werden soll. Der hiesigen Stadtverordneten- Versammlung wurde von diesen Verhandlungen Kenntnis gegeben. Danach muß die Stadt, welche das Vergnügen haben will, in seinen Mauern eine staatliche Baugewerkschule zu haben, folgende Be- dingungen erfüllen: Sie muß das etwa 5—0000 Quadratmeter große Gelände unentgeltlich hergeben, das Gebäude auf ihre Kosten er- richten und erhalten sowie die Hälfte der jährlichen Unterhaltungs- kosten der Anstalt, welche sich auf 30 000 bis SO 000 M. stellen, tragen. Der Staat will großmütig die andere Hälfte der Unterhaltungskosten sowie die Instandhaltung des Inventars auf sich nehmen. Dieses Entgegenkommen vom Vater Staat war denn selbst den verbissensten konservativen Stadtvätern zu haarig und man quittierte dankend dieses Entgegenkommen des Staate? durch einstimmige Ablehnung der Borlage. Ob's die anderen Städte auch so machen werden?— Schon vor etwa JahrcS- frist hatte die Versammlung beschlossen, eine Turnhalle zu erbauen. welche den Namen JubilaumSturnhalle führen soll. Die Mittel hierfür wurden auch bewilligt. Jetzt ist man endlich mit den Plänen so weit und soll auch gleichzeitig noch eine Turnhalle für die zweite Gemeindeschnle erbaut werden. Die Gesamtkosten sind auf 118 000 M. veranschlagt, zu welcher Summe noch 23 000 M. fehlen, diese sollen ans den zum Neubau der zweiten Gemeindeschnle bereitgestellten Mitteln entnommen werden. Die Versammlung genehmigt diese Vorlage und eS steht zu hoffen, daß nun endlich mit dem Bau begonnen wird. Ob denn nun auch die Jubiläumsturnhalle, wenn sie fertig ist, unterschiedslos allen Turnvereinen, auch dem Arbeiter-Turnverein zur Verfügung gestellt wird, bleibt abzuwarten.— Zur Herstellung einer Vorflut ftir das Johannesslift und für die landhausmäßige Bebauung soll die im Stadtwald befindliche Kuhlale ausgebaggert und mit dem großen Graben verbunden werden. Die Kosten sind aus 40 000 M. veranschlagt. 12000 M. sind dafür bereits bewilligt und der Rest soll mit je 14000 M. durch die beiden nächstjährigen Etats aufgebracht werden. Die Vorlage wird bewilligt.— Die Angelegenheit betreffend Anstellung besoldeter Armenpflegerinnen, zu welcher die Versammlung zweimal beschlossen, daß nur ver- heiratete Frauen oder Wilwen mit diesem Amt betraut werden, soll nun, da der Magistrat mit dieser Einschränkung nicht zufrieden ist, in gemischter Kommission wciterberaten werden. In diese Kommission wird u. a. auch der Stadtv. Gen. Pieper gewählt.— Nach einer Magistratsvorlage soll der Erundcigentumsdcputation die Befugnis erteilt werden, unter Zustimmung des Magistrats in einzelnen geeigneten Füllen Grundstücke für die Stadt anzukaufen, ohne vorher die Genehmigimg der Stadtverordnetenversammlung einzuholen. Begründet wird diese Vorlage damit, daß die dies- bezüglichen Verhandlungen in der Versammlung, selbst wenn sie in geheimer Sitzung stattfinden, nicht' geheim bleiben und somit von der Spekulation ausgenutzt werden, wodurch der Stadt Schaden erwachse. Gegen diese Entziehimg eines der wichtigsten Rechte protestiert u. a. auch ganz energisch der Stadtverordnete Genosse Schmidt I. Es wird eingewendet, daß ja selbst die Beschlüsse des Magistrats nicht geheimgehalten und an demselben Tage, wo sie gefaßt, schon in der Lokalpresse veröffentlicht werden. Man habe auch keine Garantie, daß die Beschlüsse der GrundeigentiimSdeputation nicht bekannt würden. Der Stadt- verordnete und eben neugewählte Landtagsabgeordnete L ü d i ck e ist ganz mit der Vorlage einverstanden und bereit, das Recht der Versammlung preiszugeben. Glücklicherweise ist die Mehrheit der Versammlung einsichtsvoller und lehnt die Vorlage mit allen gegen drei Stimmen ab.— Kürzlich hatte die Versammlung beschlossen, hier eine Rechtsauskunftsstelle einzurichten und hatte bereits die Mittel für die Anstellung eines Sekretärs bewilligt. Die Angelegen- heit wurde inzwischen in der Kommission weiterbcraten und macht der Magistrat auf Vorschlag der Kommission der Versammlung folgende Vorlage: 1. Aufhebung des Beschlusses, betreffend Be- willigung der Mittel für Anstellung eines Sekretärs; 2. Beitritt zu dem gemeinnützigen Verein für Rechtsauskunft in Grotz-Berlin und Bewilligung des Jahresbeitrages von zwanzig Mark; 3. Ab- Haltung von Sprechstunden zweimal wöchentlich in der Zeit von 6— 8 Uhr abends von einem Beamten vorgenannten Vereins gegen einen jährlichen Zuschuß von 600 M.; 4. Anschaffung einer Bibliothek für etwa 100 M.; 5. Bildung eines Kuratoriums, bestehend aus zwei Mitgliedern der Stadt und einem Mitglied des Vereins. Seitens der sozialdemokratischen Fraktion protestiert Genosse Schmidt I ganz energisch gegen eine solche Rechtsauskunftsstelle, die völlig ungeeignet ist, den Bedürfnissen zu entsprechen. Er meint, das Hauptprinzip scheine hier wieder, wie bei allen sozialpolitischen Einrichtungen, die Sparsamkeit am unrechten sDrte zu sein. Man solle diese Borlage entweder ablehnen oder aber einer hiesigen Zeitung einen kleinen Zuschuß geben, die richte dann sicher auch solch eine Rechtsauskunftsstelle ein. Leider drang Genosse Schmidt mit seinen AuSftihrungen nicht durch und wurde die Vorlage angenommen.— Die Badeanstalt am Wröhmännerplatz, in welcher meist die besser- situierten Einwohner baden, soll neu gebaut werden, und sollen die IIS 000 M. betragenden Kosten durch eine Anleihe aufgebracht werden. Stadtv. Genoffe Schmidt I fordert energisch, daß nun endlich auch die Wilhelmstadt einmal eine Badeanstalt erhält. Ein Bedürfnis sei bei der rapiden EntWickelung dieses Stadtteils sehr stark vorhanden. Von anderer Seite wird auch gefordert, daß die Freibadeanstalt an der Gasanstalt, die sich in einem sehr schlechten Zustand befindet, auch renoviert wird. Aber was fragt die Mehrheit der Versammlung danach, wenn nur die Gutsituierten ihre Leiber ab- spielen können, das arbeitende Voll kann ja in einer Pfütze baden. Hier müßte seitens der Arbeiterschaft ganz energischer Protest eingelegt werden. Spandau hat so schöne Gelegenheit für Einrichtung von Badeanstalten. Aber wie gewöhnlich, wenn Arbeiter in Frage kommen, kommt man aus den Erwägungen nicht heraus oder man muß sparen. Vermifcktes. l Die Familie, Mann, Frau und ein Kind, bewohnt dort setzt ein „eigenes Heim", ein ganzes Haus für sich, drei Stuben, Küche und Baderaum, zwei große Veranden, Garten und Hof für den für uns Berliner, die an ganz horrende Mieten gewöhnt sind, auffallend niedrigen Preis von nur sieben Mark wöchentlich; diese Bezahlungsweise ist dort üblich. Der Mann verdient pro Tag 10 M. bei achtstündiger Arbeitszeit, 8—12, 1— 5. Die Geschäfte werden dort um 6 Uhr abends geschlossen. Sonnabends bereits mittags 12 Uhr. In der Schule wird nur englisch gelehrt. Bücher werden den Kindern geliefert. Vom 10. Lebensjahre ab werden die Knaben zur Wehrhastigkeit ausgebildet, dreimal in der Woche je eine Stunde wird geübt, und die Eltern freuen sich, ihre kleinen Kerle mit Gewehr über! auf dem Schulhofe marschieren zu sehen, der Anfang der allgemeinen Wehrpflicht. Betreffs der Maifeier, meint unser Genosse, könne sich Europa weit hinter Australien verstecken. Jede Arbeit ruhte, Ge- schäfte und Schulen waren geschlossen, mit klingendem Spiele und wehenden Bannern zogen die Arbeiter durch die Stadt zum Fest- platz, jeder auf der Brust die bekannte„8" tragend. Alle GeWerk- schaften waren vertreten. Wann wird man in Deutschland so weit sein, fragt unser Freund. Der Diamantenmacher in Griechenland. Lemoine hat den Schau- platz seiner weiteren Tätigkeit nach Griechenland verlegt, dem Paradiese aller großen Gauner. Hier ist er vor jeder Auslieferung gesichert. Hoffentlich wird er die Geschichte seiner„Entdeckung" und der ganzen Diamantenbegaunerei in einem amüsanten Büchlein: „Wie finde ich Dumme" der lachenden Mitwelt nicht vor- enthalten.— Der Untersuchungsrichter, der den Erzschelm zur Diamantenfabrikatton(und damit zur Flucht) freiließ, ist inzwischen gcmaßregelt worden.__ eingegangene DruchrdmfteiL 9k. H. Francs, Das Leben der Pflanzen. 1. Abteilung: DaS Pflanzen. leben Deutschlands und der Nachbarländer.(Vollständig in 26 Lieferungen Ler. 8° mit 350 Abbildungen und 50 Safein und Karten.) 17. Bis 26. Lies. a 1 M. Verlag des„KosmoS, Ges. der Natursreunde", Francksche Verlags- duchbandlung, Stuttgart. Edmund Michael. Eine Serie von acht Pilzpostkarten. Preis 49 Ps. Verlag Lebenskunsl-Heükunst, Berlin 3. 59. Berliner Marktpreise,«lu» dem amilichen«erichi der städtttchen Markthallen-Direktion.(Großhandel) Ochsenfleisch I» 67—72 pr. 100 Psd., Ha 65-68, in» 55—58, Bullenfleisch la 64—70, II» 53—58, Kube, seit 50-60, do. mager 40—50, Fresser 52-60, Bullen, dänische 42-58, Kalbfleisch. Doppellender 100-115, Mastkätber I» 87—94, II» 75-85, Kälber ger. gen. 54—68, do. Holl. 50—55. Hammelfleisch, Mast. lämmer 77-80, Hammel I» 71-74. II» 63—68. ungar. 0.00, Schale 56—61. Schweinefleisch 54—61. Rchböcke I» per Pfd. 0,55—0,70, II» 0.30 bis 0,50. Rotwild m. Mich, per Psd. 0.40—0.53, Damwild 0,00. Wildschweine, per Psund 0.33. Frischlinge per Psund 0,00. Hübner. 1» per Stück 1.50 bis 2 00, dito da Stück 0,75—1,40, dito junge, Stück 0,50—0,75. Ham» Bürger Küken. Stück 0,80, Poulets 0,40—0,75. Kapaunen, deutsche, per Stück 0,00. Tauben, junge, Stück 0,30—0,50, dito alte 0,30,-0,40, dito ttalien. 0,00. Enten, per Psund 0,00, dito per Stück 1,00—2,00, dito Hamburger, per Stück 2,00— 3,00. Gänse per Psd. junge 0,55— 0,70. dito per Stück 2,00—4,00. do.. Hamb., junge, per Psd. 0,70—0,80. Hechte ver 100 Psd. 90—104, do. matt 80—91, do. groß 0,00, do. groß.mtttel 0,00, do. klein 0,00.«ander 0,00, Schleie, rnisort 84—106, do. klein 110—127, do groß 74—84. Aale, groß- mittel 115—117, do. mittel 114—118, do groß 106—116, do. tleln-mittcl 102—112, do. uns ort. 0,00, do. klein 0,00. Karpsen, dän., 0,00, do. matt 0,00. Roddow 0,00. Karauschen 73—87. W-lS 0,00. Bunte Fische 56—76, do. matt 0,00. Börse 00,0, do. klein 000. Bleie, llein 0,00. Winter- RheinlachS, pr. 100 Psund 0.00. Ameritan. LachS la, p. 100 Psund 0,00. do. Ha 0,00. Seelachs, p. 100 Psund 10. Flundern, Kieler, Stiege I» 2—6, do. halbe Kiste 0,00, do. Hamb. Stiege 3—6, halbe Kiste 2— 3, ponttn. Schock 1,00— 3,00. Bücklinge, dänische. per Wall 2—3, Kieler 0.00, vornholmer 0,00, Slrat under 2,00—3,00. Sprotten, Danziger, Kiste 0,00, do. Rügenwalder, 0,00. Aale, groß per Psd. 1,10—1,50, do. mittelgroß 0.90—1.10, llein 0,60—0,90. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellfische, Kiste 4,00—7,00. dito Kiste 2,50—3,00. Sardellen. 1902« per Anter 0,00, 1904er 102, 1905er 102, 1906ct 100. Schottische Vollheringe 1905 0,00, large 40—44, füll. 38—40, med. 38—42, deutsche 30—40. Heringe, neue MotjeS, per«/. To. 0,00. Sardinen, rufl.. Faß 1 50—1,60. Bratheringe Faß 1,20—1.40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen. Schocktaß 8, do. kleine 4—5, do. Riesen- 10. Krebse per Schock große 22—28, do. groß-mittel 18.50, do. llew- mittel 5—9, do. klein« 4—5, do. unsortiert 5,50-12,50, Kalizier, groß 0,00. Seemuschel» 100 Stück 1,00. Eier, Land-, uns. per Schock 3,30—3,60, do. große 3,75—4. Butter p. 100 Psd. la 114—117, IIa 110—114, lila 104—110, abfallende 100—104. Saure Kurken Schock 4,50— 5. Psessergurteo Schock 4,50— 5. Kartoffeln per 100 Psund Dabersche 3,26—3,60, weiße runde 2,75—3,25, mag bon. 3,00—3,60. Porree, per Schock 1,00—2,00. Meerrettich, Schock 8—14. Spinat per 100 Psund 10—12.«ellerie, grün, per Schock 0,80—1. Zwiebeln per 100 Psund 0,00. Petersilie, grün. Schockbund 1,00 bis 2,00. Rettich, bayrischer, junger, per lOÖ stück 6—8. Mohrrüben, 100 Psund 0,00. PctcrsUicnwurzelu, per 100 Psund 0,00, Schockbund 6,00—7,00. Schnittlauch. Schockbund 0,50—0,80. Tomaten, fanar., per Kiste 1,00-3,00. Rhabarber 100 Bund 1,50—3,00. Rabunzcn 0,00. Rübchen 0,00. Radieschen, Schock 0,60—1,50. Waldmeister, Mandel 0,25— 0,50. Morcheln 0,00. Salat, Schock 1—1,50, do. Gubener 0,00. Kohlrabi. Schock 0,40-0,80. Spargel. Beelitzer I 100 Psd. 20-28, do. II 8—15, do. III 2—5, do. unsortiert 0,00. Spargel, hiesiger I 15—25, do. II 8-13, do. III 2-5, do. unsort. 0,00. Champignon», per Psd. 0,50—1,00. Steinpilze 0,30—0,40. Mohrrüben, Schock 3—4. Karotten, Schock 3-8. Pscsserlmge, 1 Psd. 0,18-0,22. Schoten. 1 Psd. 0,05 bis 0,08. Wiisingkohl, Schock 6—10. Weißkohl. Schock 8-10. Aepfel in Kisten per 100 Pfd.. Koch- 0,00. Tiroler 0,00. Australier. 10—13. Italiener, lose. 100 Psd. 0,00, do. in Körben per 100 Psd. 0,00, do. in Kisten 0,00. Kirschen, ital, 100 Psd. 15-30, do. schwarze, 100 Psd. 26 bis 35, do. Gubener 15—25, do. Werderschi 25—28, do. Schlesische iO— 20. Erdbeeren, französische, per 100 Psd. 20—30, holländische 2u— 85, Dresdener 1 Psd.. Schacht. 0,25—0,50, Hiesige per 100 Psd. 20—30, Beelitzer 25-30, Wald-, hiesige 40—60. Stachelbeeren, unreife, 1 Psd. 0,10—0,12, Co. ungar., 1 Psd. 0,08—0,10, do. Holland., 1 Pfd. 0,08—0,10, do. hiesige 1 Psd. 0,09—0,10. AnanaS I, per Psd. 0,90—1,30, do. II 0,50— 0,6a Bananen, kanar., per 100 Psd. 15—25, Jamaica 26.00-28,00. Feigen, tn Kisten 100 Psd. 0,00. Zitronen. Mesiina, 300 Stück 9,00—12.00, do. SSO Stück 8,00 bis 12,00._ WitternngSiiberstcht vom 19. Juni 1008, morgen« 8 Uhr. Lwtnemd« Hamburg Berlin Franks.a M.'757 NO Müncheu 757 SO Wien>761 SO L S s B o a «v— Ii »? i 761 ONO 758 NNO 756 SO Sktflaoai i-e Ja 5 II Haparanda 763® Petersburg 762 SSW Ecilly Merdeett Pari» 761 WNW 755 S 756 NO OtOR »fii B% »I a> 2 Nebel 2 wolkenl 4 wollig 1 bedeckt 1 Regen 9 23 13 9 16 Wetterprognose fite Sonnabend, den 20. Juni 1908. Sehr warm und schwül, zeitweise heiter, aber veränderlich mit Gewitter- regen und mäßigen Winden aus wechselnder Richtung. Berliner Wetterdurea» WasserstandS-Nachrichten der LanbeSanstalt für Kewäflerkunde, mitgelellt vo» Berliner Wetterbureau. AuS dem Briefe eines nach Brisbane(Australien) ausgewanderten Berliner Metallarbeiters entnehmen wir einige interessante Mit- teilungen: Wasserstand M e m c I. Tilsit P r e g e I, Jnstervurg Weichsel, Thon» Oder, Rattbor , Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Lciwieritz , Dresden „ Barby , Magdeburg ')-i- bedeutet Wuchs,— Falk,—') Unterpegel. Infolge Total- Auflösung unseres Warenhauses und behufs schneller Räumung der vorhandenen noch sehr enormen Vorräte verkaufen wir ohne Rücksicht auf den tatsächlichen Wert an allen Abteilungen zu drei Einheitspreisen 95 95 95 1 Dejeuner, bunt, mit Tablett 95 95 1 Kaffeeservice, 8 tlg. 95 95 1 Rasiermesser, 1 Streichriemen 95 1 Staubk., Taschenkamm 951 Reibemaschine 95 1 Solinger Taschenmesser, I Taschenlampe 95 95 95 95 Pf. 22 bahiW 195 Mk. 295 Dieser Serien- Verkauf bietet diesmal eine zweifellos einzig dastehende und nie wieder4 m gest. Tüllspitze 2 m Filettüll 2 Spachtelpassen 1 Alpaccarockvolant 1 Tüllschleife und 1 Rüsche 1 gest. Kinderkragen m. Manschetten kehrende Gelegenheit. 95% Dutzend b. Herrentaschentücher extra gr 95141 m eleg. Spachteleinsatz gesäumt Perl., Pr.Handsch.- Halt, Flor 1.95 1 Alpacca Rockvolant extra weit 2.95 2.95 1.95 1 Herren- Trikot- Oberhemd mit Einsatz 2.95 1.95 1 bunte Herren- Garnitur Jacke und Beinkleid 2.95 1.95 2 Paar Damen- Handschuhe halblang 2,95 1.95 1 Sopha- Kissen 95 40 m prima Mohairbesenborde, schwarz 95 1 m Lyoner Spitzenstoff schwarz od. weiss 1.951 eleganter Goldgürtel mit Blumen 95 1 Pr. D.- Strumpfhalter m. Curt, 1 Pr. Kragenstützen 95 1 Automobilshawl 2 m lang 95 2 eleg. Hutnadeln, 1 Anknüpftasche( Prinzess) 95 11 m Malintüll 95 6 Pr. Schweissblätter, 1 St. Prima SatinGurtband 8 Mtr. 95 5 Lg. Negergarn u. 2 Kt. Beistrickgarn 95 12 Haarbänder". 2, m gestreiftes Hutband. 95 2 m reinseid, gestreiftes Hutband, bre 2 Paar Damen- Glacé- Handschuhe schwarz 95 1 m reinseidenes Chinéband, 15 cm breit 4 P. kurze Dam.- Zwirn- Handschuhe Fig 95 2 Coup. Stickerei, à 4%, m 3 Paar halblange Mitons, schwarz, wels 95 1 Pr. Kinder- Leder- Stiefel, Gr. 17-19 1 Gummigürtel u. 1 Gold- od. Silbergürtel 1 gest. Leinengürtel u. coul. 3 Paar Damen- Strümpfe, deutsch lang 5 Paar Damen- Strümpfe glatt und geringelt ohne Naht, doppelte 4 Paar Füsslinge, Ferse und Spitze 3 Paar Macco- Socken 2 Corsetschoner mit Einsatz 4 Paar Kinder- Söckchen für das Alter weiß Finger 10 cm breit 14 cm 95 3 Paar Damen- Strümpfe durchbrochen 95 6 Paar bunte Herren- Socken 951 Damen- Tricot- Badeanzug 90 cm lang 95 1 Kinder- Russen- Kittel u.-Hänger vorgez. 95 1 Sonnenschirm 95 1 Frackcorset mit Strumpfhalter 95 1 steifer Herrenhut mit Futter reine Reide 2,95 2,95 2,95 2,95 grav. m. Steinchen 2.95 1.95 1 Kaffeedecke, weiss vorgezeichnet 1.95 1 Küchen- Ueberhandtuch 1.95 1 Sonnenschirm hoch 1.95 1 hocheleg. Haargarn., im eleg. Etui 1.95 2 Dtzd. Stehumlegekragen, 6cm 2.95 1.95 1 eleg. Reise- Necessaire, 6tellig 2.95 Herren 1.951 Reise- Plaidhülle 95 1 Pr. Damen- Lasting- Schuhe, mit Ledersohle 95 1 Yacht- Club- Mütze u. 1 Westengürtel 95 1 Pr. Damen- Reise- Schuhe mit leichter Filz- Sohle 2 Pr. Herren- Filz- Pantoffel 95 1 Knaben- Wasch- Anzug, 2-9 Jahr 95 1 dauerhafte Wasch- Joppe von 1-4 Jahren 95 1 Zephir- Bluse 95 1 Leinen- Bluse 1 Macco- Herrenhemd od. Hose 1 Herren- Sport- Hemd 2 Netzjacken 2 Damen- Tricot- Untertaillen 1 extra grosses Taillentuch( Wolle) 1 Paradehandtuch, gestickt 1 Tülläufer 1 Picknick- Koffer 1 Corset, rosa brochiert 1 Sonnenschirm 1 Toilettengarnitur, best, aus 1 Haarb., 1 Frisierk. 6 1 Kammgarnitur, deilig, goldgeprägt, 95 1 Waschunterrock 95 1 Kinderkleid 95 1 eleg. Brief- od. Cigarrentasche 95 1 Reisetasche, braun, 42 cm lang Forn City Bay) 95 1 eleg. Damen- Flügeltasche m Tresor und hochmodern, 2.95 2.95 1.95 1 Damen- Handtasche, m. Einricht 1.95 1 Paar Damen- und Stiefel, unsort. Grössen und Herren- Tennis Schuhe 2.95 95 1 Coup. 4 Madapolam- Stickerei, Coup. 1951 Paar farb. Damen- Stiefel, ar. 36-42 2.95 95 95 95 1 Kindercape, blau m. Kapuze, 3-5 Jahre 95 95 1 Russenkittel 95 1 Matinée 95 1 Waschservice 4 teilig 1. Fl. Kiefernadelduft, Eau de Cologne 95 6 Paar Messer und Gabeln 3 Fl. Putzwasser, 3 St. 2 Scheuertücher, schaalseife, 3 St. Blumenseife 95 1 Waschleine, ca. 45 Ellen lang im 1 Haargarnitur 3 teilig und 6 Stck. Seife Karton 95 6 Glühlichtstrümpfe, 6 Cylinder und 1 Paar 1 Pr. eleg. Hosenträger Manschettenknöpfe 1 Herren- Strohhut 1/, Dtz. Herrenkragen prima 4 fach 95 6 Strümpfe f. niederbrennend. Gasglühlicht 95 95 1 Garderobenleiste, 5 Nickelhaken 95 1 Schallplatte, gross Wäscheborde Prima Schweizerstickerei 4,10 m Ansatz und 4,10 m Einsatz 1.95 Herren- Lustre- Sacco 1 Paar Kinder- Segeltuchstiefel mit Lederbes. 1951 Herren- Beinkleid Gr. 23-30 1 Pr. Wien. Damen- Halbschuhe P. Lasting 1.95 u. unsort. 1 Paar Damen- Tennis- Schuhe, sort 1.95 1 Herren- Joppe 1 Matiné mit Besatz Herren- Sport- Joppe Knaben- Tennis- Anzug f. 2-9 Jahre 2.95 2.95 2.96 2.95 1 Knaben- Matrosen- Anzug f. 2-9 Jahre 2.95 1.95 Woll- Batist- Bluse mit Futter, weiss, 2,95 2,95 1.95 Matrosen- Bluse, weiss m. blauem Kragen 2,95 1.95 1 Herren- Fantasie- Weste 1 crême und rot 1 Knaben- Tennis- Anzug, 2-9 Jahre 1 1.95 Batist- Bluse mit Stickerei 1 Seidenbatist- Bluse mit Entredeux 1 Zephir- od. Leinenbluse mit Besatz 1951 Alpacca- Unterrock, 4 fach. Volants 2,95 Alpacca- Unterröcke mit Tresse 1.951 Leinen- Unterrock mit 5mal Spitze 2,95 1 Leinen- Unterrock mit Spitze 1.95 Moirée- Unterrock mit Säumchen 2,95 1 Kostümrock mit Tresse 1.95 Kostümrock mit ausspring. 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