Nr. 143 Abonnements- Bedingungen: gi bonnements Breis pranumerands. Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 M, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage, Die Neue Welt" 10 Pfg. Boit Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Solland, Jtalten, Buremburg, Bortugal, Rumänien, Schweben und die Schweiz. Eribeint taglio außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel geile oder beren Raum 50 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pig. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Pfg., jebes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Der Gewerkschaftskongreẞ. Rolle gespielt hat, wie wenige zuvor. Sonntag, den 21. Juni 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Und dabei sollen sich nicht genügende Geldrücklagen machen Praktisch wichtig für die Gewerkschaftsbewegung ist auch die Erörterung darüber, wietveit der Boykott als gewerkschaft laffen? lisches Kampfmittel nüglich und wieweit er zulässig ist. Wenn Ferner: Das Vermögen der Steuerpflichtigen mit eine Gewerkschaft über die Mittel des Streiks und der mehr als 9500 M. Einkommen hatte sich in dem einen Arbeitssperre hinaus zum Mittel des Boykotts greift, wird Jahrzehnt von 1895 bis 1905 um 13 Milliarden verGeute tritt der sechste Kongreß der Gewerkschaften ihr Kampf zur Sache der Gesamtarbeiterschaft. Auch das mehrt! Die Zahl der Vermögenssteuerpflichtigen mit mehr Deutschlands zusammen. Der Gewerkschaftstongreß tagt in Unternehmertum, auch die bürgerliche Gesellschaft bewerten als 9500 M. Einkommen wuchs um zirka 30 000, ihr VerHamburg, in einer Stadt, wo der Gewerkschaftsgedanke eine einen Boykott stets als einen Massenangriff der Arbeiterschaft. mögen um rund 13 000 Millionen! Ausbreitung erfahren hat, wie nirgends sonst, in einer Stadt, Dementsprechend muß er wirken. Und das kann er nur, Und dabei sollen die Kapitalisten nicht genügend die in der Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung eine wenn das Objekt des Kampfes geeignet ist, das Geldrücklagen machen können?! Interesse der Gesamtarbeiterschaft zu weden und Eine frechere Verhöhnung des Volkes, als sie in diesen Der diesmalige Kongreß tritt unter erfreulichen äußeren einen genügend langen Zeitraum zu fesseln und wenn Auslassungen des berüchtigten Scharfmacherorgans zutage Umständen zusammen. Der Zersplitterung in der Klassen über die Nützlichkeit und Notwendigkeit des Boykotts in dem tritt, ist schwerlich schon dagewesen! bewußten Arbeiterschaft ist ein Ende bereitet; das Wort besonderen Falle in der Arbeiterschaft keinerlei Meinungs- Aber diese kapitalistische Begehrlichkeit Bömelburgs, daß Partei und Gewerkschaften eins verschiedenheit herrscht. Keinesfalls darf der Aufruf der sollte wenigstens der großen Masse der Nicht besitzenden feien, ein Wort, das in Köln noch wie ein Sehnsuchts. Massen als Ersatz für die eigene mangelnde Organisation oder auch etwas mehr Begehrlichkeit einpaufen? Oder schrei Klang, nicht wie die Konstatierung einer Tatsache, ist erfreuliche Wirklichkeit geworden, und die Gewerkschafts- die Entziehung des Konsums als Surrogat für die Ver- haben nur die Gemästeten, die Besiger von Hunderttausenden bewegung selbst ist weiter erstarkt. Die hereingebrochene Krise weigerung der Arbeitskraft angesehen werden. Solcher Miß oder Millionen das Recht darauf, Sparrücklagen machen brauch des Boykotts tötet geradezu die gewerkschaftliche Tätig- zu können! hatte wohl in Scharfmacherkreisen die Hoffnung erweckt, daß feit, statt sie zu fördern; er tann ganze Berufsschichten dem unaufhaltsamen Fortschritt der Gewerkschaftsbewegung nun ein Ende geſetzt sei, ja, daß es gelingen möchte, dies dazu erziehen, ihr Heil in der Hilfe der Massen, statt in der eigenen Organisation und zielbewußter Bollwert der Arbeiterschaft niederzuwerfen. Anstrengungen gewerkschaftlicher Tätigkeit zu suchen. Richtig angewendet, iſt der mannigfachsten Art sind zu diesem Zwecke gemacht worden. Der Boykott eine schneidige Waffe in der Hand des Proletariats. ärztliche Gutachten dazwischen treten, wirklich am 29. Juni stattDer Prozeß wider den Fürsten Eulenburg wird, wenn nicht Wir erinnern da insbesondere an die Kämpfe der Holzarbeiter Aber sie wird gar leicht stumpf, wenn man sie unverständig finden. Wie der„ B. 3. am Mittag" aus München telegraphiert und der Bauarbeiter aller Branchen Abwehrkämpfe gegen oder lässig führt. wurde, haben die Zeugen Ernst und Riedel am 19. Juni Vors das Scharfmachertum, das sich zu fühlen begann, gegen die Rahardt und Felisch. Aber die Gewerkschaftsbewegung leider auf jedem Gewerkschaftstongreß wiederkehrt, ist das halten. Ebenso ein in der letzten Woche mit Eulenburg fonEin recht unangenehmer Punkt der Tagesordnung, der ladungen nach Berlin zum Eulenburgprozeß für den 29. Juni erhat die Probe bestanden; sie hat gezeigt, daß die gewer- Stapitel von den Grenzstreitigkeiten. Wir sind abergläubisch frontierter Ausgeher in München, der seinerzeit in einem Starn schaftlich organisierte Arbeiterschaft nicht nur in der Zeit der Hochkonjunktur leichte Siege zu erringen vermag, sondern daß genug anzunehmen, daß die Unglücksziffer bon 13 Anträgen, berger Hotel Portier war und dort unfittliche Handlungen Eulensie auch in der Zeit schwerer Krise das Errungene zu ver- die zu diesem Punkte gestellt sind, dieſe häßliche Erscheinung burgs mit einem Grafen beobachtet hat, Dokumente zum Fall Eulenburg. teidigen weiß. Und daß sie schwere wirtschaftliche Kämpfe Steiner von ihnen beseitigt die Ursache dieser Streitigkeiten, den Versuch der Verleitung zum Meineid lautet, haben Daß die Anklage nicht nur auf meineid, sondern auch auf führen kann, ohne dabei den Ausbau der Organisation zu ver- Sie fortwährend Aenderungen der Produktionsformen und wir bereits vor einiger Zeit mitgeteilt, ebenso, daß sich der letztere gessen. Denn in der Berichtsperiode 1904-1907 weist die Produktionsbedingungen, die bald Arbeitergruppen zusammen- Teil der Anklage auf einen Brief fügt, den Eulenburg an den Generalkommission einen Mitgliederzuwachs der Gewerkwürfeln, Ernst schaften von nicht weniger als 813 398 nach, mehr als doppelt würfeln, bald sie von einanderreißen. Alle Grenzregulierungen Fischermeister Jakob Gruft gerichtet hat. Dieser Brief hat, schaften von nicht weniger als 813 398 nach, mehr als doppelt unterdrücken solche Streitigkeiten nur für einige Zeit. Völlig wie der Münchener Korrespondent des genannten Blattes versichert, fobiel, als die stärkste Mitgliederzunahme zwischen zwei verschwinden könnten aber bei gutem Willen aller Beteiligten ungefähr folgenden Wortlaut: Gewerkschaftskongressen jemals betrug. Und diese Zunahme die verlegenden Formen, in denen sie öfter ausgefochten ist nicht allein auf das Stonto der guten Konjunktur zu ſehen; werden. fie betrug im Jahre 1907, wo die Geschäftsflaue sich Als Finale des Kongresses ist ein Referat Moiten" in vielen Gewerben schon recht unangenehm bemerkbar machte, buhr 3 vorgesehen über die Entwickelung der sozialen Geſetzimmer noch 175 797. Auch der Kassenbestand der Gewerkschaften erfuhr im Jahre 1907 trotz der schweren wirtschaft- gebung in Deutschland". Und das ist gut so. Die Resolution, schaften erfuhr im Jahre 1907 trotz der schweren wirtschaft- bie Moltenbuhr vorlegt, läßt schon erkennen, daß sein Referat lichen Kämpfe noch eine Erhöhung um 7 929 911 M. die Notwendigkeit erweisen wird, daß politische und wirtschaftSo wird der Kongreß mit dem Rechenschaftsbericht der liche Arbeiterbewegung im Interesse des Proletariats Hand Generalkommission wohl zufrieden sein können. in Hand zu arbeiten haben. Wenn der sechste Kongreß der Anders steht es bei den Erörterungen, welche dieser Be- Gewerkschaften in Hamburg diese Ueberzeugung in der deutschen richt sonst zu Tage fördern wird. Da ist in allererster Linie Arbeiterschaft erweitert und vertieft, können wir seine Tätigdie Maifeier. Auf dem Kongreß in Köln waren gegen die die Maifeier. Auf dem Kongreß in Köln waren gegen die feit fröhlichen Herzens als eine der Gesamtheit segensreiche Arbeitsruhe aus Anlaß der Maifeier die allerbittersten Worte bezeichnen! gefallen. Zu einer Abstimmung über die vorgelegten Resolutionen Schmidt, Bock und Glocke kam es aber nicht. Der Kongreß ging ohne Beſchluß nach einer teilweise heftigen Die Begehrlichkeit der Unersättlichen. Debatte auseinander. Diese Debatte aber ebenso wie die ,, Mein lieber Jakob! Du hast gewiß erfahren, welchen Ver dächtigungen ich seit einiger Zeit ausgefeßt bin. Du wirst viel leicht auch aus den Zeitungen ersehen haben, daß man selbst Dich in diese Sache hineinzuziehen versuchte. Ich habe nun heute ge schworen, daß ich mir keinerlei Verfehlungen vorzuwerfen habe. Du wirst ja natürlich, wenn es dazu kommt, auch nur dasselbe aussagen können." Gleichzeitig veröffentlichen die„ Dresdener Neuest. Nachr." zivei Dokumente, die sich auf den Fall des Geheimrats Pierson be ziehen, der als ein Opfer Eulenburgs, an den Folgen einer Heßze, die der Liebenberger, der damals allmächtige Mann in Deutschland, gegen ihn entfesselt hatte, im Februar 1902 zu Berlin starb. Die Gründe mitzuteilen, aus denen er sich den Haß des Liebenbergers zuzog, dem Fürst Gulenburg wollte jedenfalls. Pierson und ſeinen Protektor, den über den Generalstreik zeigte zwingend die Notwendigkeit, daß Die" Post" behauptet in einem Artikel, in dem sich un- Grafen Hochberg, stürzen. An Hochberg, der beim Kaiser in hoher es in gewissen gemeinsamen Fragen zwischen Partei und glaubliche nationalökonomische Unwissenheit mit beispielloser Gunst stand, wagte er sich nicht heran; um so bösartiger war sein Gewerkschaften zu einer Aussprache und Vereinbarung kommen kapitalistischer Begehrlichkeit paart, daß die gegenwärtige wirt- angriff auf Pierson. Eulenburg setzte verleumderische Gerichte, die müsse. In der Maifeierfrage ist zwischen Generalfommission schaftliche Depression, die ja seit Geraumem die deutschen die Geschäftsführung und Kassenverwaltung des Direktors der und Parteivorstand eine solche herbeigeführt worden, welche Arbeiter immer schwerer zu verspüren be- Generalintendantur verdächtigten und in denen von einem Millionen den lokalen Organisationen die Aufbringung der Mittel für tommen haben, darauf zurückzuführen sei, daß man das defizit in der Verwaltung der königlichen Schauspiele die Rede war, die Unterstügung der Maiausgesperrten auferlegt. Das hat Unternehmertum verhindert habe, das zur Steigerung der in die Welt und sorgte dafür, daß sie zu Ohren des Kaisers kamen. den Widerspruch in der Partei und in den Gewerkschafts- Produktion notwendige Betriebskapital zu ersparen". Die Die Prüfungen der Oberrechnungskammer haben die völlige Infartellen hervorgerufen. Dieser Widerspruch gründet sich Börsengesetzgebung, namentlich aber auch die Arbeiter- baltbarkeit aller dieser Verdächtigungen erwiesen. Trotzdem ist durch bei einem Teile der Opponenten darauf, daß diese von einer gefeggebung habe eine Reihe von Erwerbszweigen be- die Eulenburgschen Verleumdungen nach der Behauptung des Gewährsmanns des Dr. N. N. Piersons amtliche Stellung geradezu vernichtet solchen Regelung das Ende der Arbeitsruhe am 1. Mai schnitten" und ungeheuer verteuert". befürchten; er hat seine Ursache aber auch darin, daß in Aus dieser ungeheuerlichen Behauptung zieht dann das worden und sein Tod die Folge der Heze gewesen. Wie das auf Partei und Gewerkschaften alles nach Zentralisation drängt Kapitalisten- und Scharfmacherorgan folgende Nuganwendung: Grund unerwiesener Berdächtigungen geschehen konnte, das kann und deswegen bei den Teilen der Arbeiterbewegung die Unsere Industrie ist zu groß geworden für unseren wohl nur aus den eigenartigen Verhältnissen der Hoffreise erklärt Drgane für eine ausreichende örtliche Unterstüßung bei nationalen Reichtum. Es gibt zwei Mittel, dieses Mi- werden, wo das Stirnrunzeln eines Mannes jede Stellung verberhältnis zu beseitigen. Entweder wird man die Industrie nichten kann. etwaigen größeren Kämpfen lokaler Natur fehlen. Wie auch die Entscheidung in Hamburg ausfallen möge, wir haben jedenfalls den dringenden Wunsch, daß sie der Maidemonstration und damit auch dem Maigedanken keinen Abbruch tun möge. Punkt für Punkt die ganze Tagesordnung des Kongresses durchzugehen, kann natürlich nicht Aufgabe dieses Artikels sein. Man vermag die Arbeit einer Woche nicht in einem Leitartikel zu erledigen.. Wir greifen daher nur einiges aus dem umfangreichen Programm des Kongresses heraus. beschneiden müssen. Dazu braucht's aber feiner besonderen Die beiden Dokumente stammen aus der Zeit, da der Geheimrat Menschenhand. Das wird die niedergehende Konjunktur ganz von Bierson Verleumdungsklage wider den Eulenburger erhoben hatte. selbst tun. Oder man wird den nationalen Reichtum steigern Eulenburg hatte versucht, den von ihm Verleumdeten durch Vermüssen. Dazu bedarf es statt einer einseitigen schleppungsmanöver mürbe zu machen- er wurde frank. Aber Gesetzgebung, welche die handarbeitenden lajien Bierfon blieb fest und zog die Klage nicht zurück, und als der gang einseitig berüdsichtigt, einer Gesezgebung. Liebenberger schließlich einsah, daß er ihr auf diese Weise nicht welche endlich wieder die kapitalbildenden Kräfte im Volte zu förbern geeignet ist, vor allem eine Minderung der Besteuerung des entgehen könne, da versuchte er durch ein Entschuldigungsschreiben Besizes und eine Minderung der Lasten der Industrie. Nur wenn die Zurückziehung zu erreichen. Auf dieses Schreiben erfolgte eine die Industrie, auf der in der Hauptsache das deutsche National- Antwort Piersons, die folgenden Wortlaut hatte: einkommen heute beruht, in der Lage ist, reichlich Geldrücklagen zu machen, kann ein harter Mangel an Betriebskapital vermieden werden, wie ihn das lezte Jahr zum Schaden des deutschen Wirtschaftsganzen gebracht hat." Für die Gewerkschaftsbewegung praktisch von besonderer Bedeutung ist die Frage der Streifunterstützung, zu deren Regelung in Köln ein guter Anfang gemacht wurde. Welche Bedeutung diese hat, lehrt eine Durchsicht der Abrechnung der Also die Arbeiterschußgefeßgebung, die SozialGeneralfommission. Da erhielten die Tabatarbeiter im Jahre reform soll eingedämmt werden! Der Besitz soll fünftig 1905 55 309 02., im Jahre 1907 106 260 m. Unterstügung, bei der Aufbringung neuer Steuern, deren ja bekanntlich nicht die Lithographen und Steindrucker im Jahre 1907 173 000, weniger als eine halbe Milliarde durch die neue Reichsfinanzdie Buchbinder 1906 94 811 M.; die Gesamtsumme der Unter- reform aufzubringen ist, noch mehr geschont werden als bisstützungen betrug 655 742 M. Man stelle sich vor, daß der her! Das wird damit begründet, daß das Kapital nicht geRiesenkampf im Baugewerbe Wirklichkeit geworden wäre: wie nügend„ Geldrüdlagen" habe machen können. Was sagen demgegenüber die amtlichen stattstischen Zahlen? unzureichend sind dann solche Mittel. Die Lithographen haben beantragt, daß statt der freiwilligen Sammlungen Sie besagen, daß zirka dreimalhunderttausend Preußen im Bedürfnisfall eine Kopfsteuer für sämtliche orga- nach der letzten preußischen Steuerstatistik ein Einkommen von nisierten Arbeiter ausgeschrieben wird. Uns will scheinen, 3000 Millionen befizen. Das heißt: Der 120. Teil des als wenn man darüber hinaus vorbeugend Formen suchen preußischen Volfes besitzt nicht weniger als ein Fünftel des muß, welche die Bereithaltung ausreichender Mittel für um gesamten zirka 15 Milliarden betragenden preußischen Volksfangreiche Stämpfe ermöglichen. einkommens! Sr. Durchlaucht Herrn Philipp Fürsten zu Eulenburg und Hertefeld, Kaiserl. deutschem Botschafier in Wien 1 Berlin, 4. Januar 1902. Euer Durchlaucht gnädiges Schreiben vom 28. v. M. habe ich zu erhalten die Ehre gehabt. Wenn ich auch nicht verkenne, daß Euer Durchlaucht bestrebt sind, Ihr Bedauern zum Ausdruck zu bringen, mich gekränkt zu haben, so ist doch Guer Durchlaucht Erklärung insofern unzureichend, daß Euer Durchlaucht nicht von Frau B. allein, sondern von allen Seiten und überall" nur lebles über mich gehört haben wollen. Frau B. bestreitet Unter übrigens entschieden, sich derartig geäußert zu haben. solchen Uniständen und zur Wahrung der Frist blieb mir also nichts anderes übrig, als mich unter den Schutz des Gesetzes zu stellen und Ew. Durchl. Gelegenheit zu geben, den Beweis der Wahrheit für die schweren Beschuldigungen, welche Ew. Durchl. gegen mich erhoben haben, vor Gericht zu filhren. Es kann ja tein Zweifel darüber herrschen, daß diese Herab fegungen zur Kenntnis S. M. des Kaisers und Königs gelangt find imd meine amtliche Stellung geradezu ruiniert Häven. Es handelt sich daher jetzt um die Wahrung meiner Ehre und die Herstellung meiner vernichteten Position. Was die Vor- würfe betrifft, welche Ew. Durchlaucht gegen den Grafen v. Hochberg, meinen Herrn Chef, und den Fürsten zu Dohna« Schlobitten erheben, so kann ich nicht umhin, dieselben als durch- aus unbegründet zurückzuweisen, denn beide Herren haben in jeder Beziehung nur korrekt gehandelt. Wenn man so schwere Beschuldigungen erhebt wie dies von feiten Ew. Durchl. gegen mich geschah, so muß man dieselben im gegebenen Augenblick auch zu vertreten in der Lage sein. Unerwiesene Beschuldigungen können doch nicht als heimliche Warnungen betrachtet werden und den Anspruch erheben, ein unverletzliches Geheimnis zu bleiben. Genehmigen Ew. Durchl. die Versicherung der ausgezeichneten Hochachtung, mit der ich bin Ew. Durchl. ehrerbietigster H. Pierson. Auf diesen Brief hin entschloß sich dann der Gestellte endlich Zur Abbitte. Er stellte folgendes Schriftstück aus: Ich erkläre hierdurch, daß alle Beschuldigungen, die ich gegen den Herrn Geheimen Regierungsrat Pierson ausgesprochen habe, jeder Grundlage entbehren, wovon ich mich jetzt nach Prüfung der Sachlage überzeugt habe. Ich sehe deshalb ein, und bedauere auf das Lebhafteste, daß ich Herrn Geheimen Regierungsrat Pierson hierdurch auf das Tiefste gekränkt und seine amtliche Stellung da- durch bedroht habe. Ich gebe ausdrücklich meine Einwilligung, daß der Vorgesetzte des Herrn Pierson, General-Jntendant Graf von Hochberg— jedoch nur dieser allein— nach Gutdünken diese Erklärung verwende. Wien, 21. Januar 1902. FürstzuEulenburgu. Hertefeld. An den Brief Piersons ist insbesondere die Form bemerkens- wert. Der tödlich Beleidigte, der schimpflich Verleumdete ist ängstlich bedacht, die Höflichkeitsformeln seinem Feinde gegenüber in keinem Punkte zu vernachlässigen. Denn dieser Feind ist nächst dem Kaiser der mächtigste im Reich und wenn sich der Beleidigte im Gefühl des erlittenen Schimpfes etwa zu einer Vernachlässigung der Form hätte hinreißen lassen� so wäre ihm offenbar der Strick gedreht gewesen. Daran, dem Herrn Verleumder seine wahren Gefühle auch nur an- zudeuten, durfte Pierson offenbar nicht einmal denken. So liefern diese beiden Dokumente nicht nur schätzenswertes Material zur Kennzeichnung Eulenburgs, sondern auch zur Charakteristik der Hofgesellschaft. Wie es denn auch bezeichnend ist, daß diese Dokumente jetzt, a Jahre nach dem Tode Piersons und mehr als ein Jahr nach dem Sturze Eulenburgs, nach dem er verhaftet und unter Anklage gestellt ist, veröffentlicht werden. Die Edelsten der Nation, die es als angestammtes Recht be- trachten, in Preußen und im Reich die Herrschenden zu sein, sind in der Tat eine respektable Gesellschaft. politische(Jchcrücht. Berlin, den 20, Juni 1908. Tie Ahnungslosen. Die„Freisinnige Zeitung" erklärt zu dem F l e n s- burger Skandal, daß der schmachvolle Wahlrechtskuhhandel, durch den bei der nächsten Rcichstagswahl den Brotwucherern durch die Hilfe des Freisinns ein Mandat zugeschachert werden soll, der Parteileitung der Freisinnigen Volkspartei in Berlin„völlig unbekannt" gewesen sei. Es handle sich um ein„Abkommen der lokalen Organisation, für das die Partcileisung in Berlin nicht betäntwortlich gemacht werden könne". Ob die Parteileitung der Freisinnigen Vollspartei für Schleswig-Holste in über das Abkommen in ebenso un- begreiflicher Unkenntnis gehalten wurde, darüber schweigt sich die„Freisinnige Zeitung" bemerkenswcrterweise völlig aus! Das skandalöseste aber ist, wie die„Volks- Zeitung" bcnierkt, daß sich in dem Organ der Parteizcntrale nicht r i n Wort der Mißbilligung über dieses schnöde Schachergeschäft findet. Die Herren Kopsch, Wiemer, Fischbeck und Konsorten wollen offenbar erst abwarten, bis im zwölften Landtags- Wahlkreise die Entscheidung gefallen ist! Der Hehler ist ebenso schuldig wie der Stehler I Die„Liberale Korrespondenz" schreibt zu der Affäre: »Wir verlangen— und hoffen damit auch alle Parteiinstanzen ein- verstanden— daß Herr Dr. D u u s das auf so kompromittierende Art und Weise erlangte Mandat sofort niederlegt."„Wir nehmen an", so meint das„Berl. Tageblatt" dazu,„daß hier die Parteileitung der Freisinnigen Vereinigung spricht und warten mit einiger Spannung ab, ob sie innerhalb der freisinnigen Fraktionsgemeinschaft ihre Forderung auch durchsetzt." Wir empfinden nicht die geringste Spannung. Denn eS ist unwahrscheinlich, daß die Fraktion der Freisinnigen Volks- Partei gegen die Art und Weise, wie ihr Mitglied Duus zum Mandat kam, irgend etwas einzuwenden hat!— Warten wir's ab! Die„Germania" berechnet, daß die neue Zusammensetzung des Landtages vom Standpunkte der Einführung des Reichstagswahlrechtes aus einen nicht unerheblichen Fort- schritt darstelle. Die Freunde des ReichstagSwahlrechtes im alten Landtage(Zentrum, Polen und Freisinn) seien nur 142 Mann stark gewesen. Mit Hinzurechnung der Sozialdemokratie hätten sich die Anhänger des Reichstagswahlrechtes also immerhin um 20 ver- mehrt, trotz der unnatürlichen Bündnisse, die der Freisinn mit den Wahlrechtsgcgnern gegen Freunde des ReichstagSwahlrechtS ge- schloffen habe. Der Vorwurf, mit reaktionären WahlrechtSgegnern gegen Wahl- rechtsanhänger komplottiert zu haben, trifft daS Zentrum nicht weniger als den Freisinn! Anch das Zentrum hat in einer ganzen Reihe von Wahlkreisen mit den Konservativen gemeinsame Sache gemacht! Auch das Zentrum hat vor der Auf- lösung des Landtages und während des Wahlkampses die Wahl- rechtsfrage vollständig beiseite ge st eilt! Hätten Zentrum und Freisinn zur rechten Zeit, als die Sozialdemokratie den Sturm gegen das Dreiilassenwahlrecht aufnahm, mit der Sozialdemokratie zusammen eine Phalanx gegen die Wahlrechtsfeinde gebildet, so wäre es keineswegs ausgeschloffen gewesen, eine Mehrheit für die Einführung des Reichs- tagswahlrechts in den Landtag hineinzubringen! Jetzt wollen wir einmal abwarten, welchen Eifer die ISS Zentrumsabgeordneten, Polen und Freisinnigen im Landtag für eine demokratische Wahlreform entwickeln werden I Die kleine sozialdemokratische Fraktion wird sich daS Verdienst zu erwerben suchen, die Attacken der 1S6 gegen die Dreiklassenschmach nach Kräften vorzubereiten und zu unterstützen I— Konservativer Blockliebesdienst. Die„Konservative Korrespondenz" erläßt folgenden Mahnruf: Im zwölften Berliner LandtagSwahlkreise findet am nächsten Dienstag die Stichwahl zwischen dem freisinnigen und dem sozialdemokratischen Kandidaten statt. Die Wahl des Sozialdemokraten kann nur verhindert werden, wenn neben den nationalliberalen alle konservativen Wahlmänner Mann für Mann sich an der Stimmabgabe beteiligen und den Frei- sinnigen Runze wählen. Für die konservative Partei gilt nach wie vor der Grundsatz: unter allen Umständen gegen die Sozialdemokratie. Es ist daher für jeden konservativen Mann Ehrenpflicht, am 23. d. M.— so schwer ihm dies auch fallen ma'g— dafiir zu sorgen, daß das heißumstrittene Mandat des zwölften Berliner Landtagswahlkreises(Moabit) für den freisinnigen Kandi- daten errungen werde und nicht den Sozialdemokraten in die Hände falle. Diese innige konservativ-antisemitisch-börsenfreisinnig-frei- religiöse Kampfgemeinschaft rechtfertigt wirklich das Wort des Fürsten Bülow, daß der Unterschied zwischen Agrariern und dem sogenannten Freisinn nur ein äußer st minimaler seil— Die austerordentliche Tagung des Landtags. Die„Freikons. Korresp." behauptet, daß die Tagung nicht schon am 27. Juni zu Ende gehen, sonden, auf die folgende Woche über- greifen werde. Der Geschäftsplan lautet: Freitag. 26. Juni, 11 Uhr: Gemeinschaftliche Eröffnungssitzung im Abgeordnetenhause. 12 Uhr: Vorläufige Konstituierung des Ab- aeordnetenhauses. Unmittelbar danach Verlosung der angenieldeten Mitglieder in die Abteilungen. Nachher oder abends Fraktions- sttzungen. Sonnabend, 27. Juni, vormittag 11 Uhr: Sitzung sämt- sicher Abteilungen zu ihrer Konstituierung und zur Prüfung der Wahlen. Montag, 2v. Juni: Katholischer Feiertag. Dienstag, 30. Juni, vormittag 11 Uhr: Wahl der Präsidenten und der Schrift« führer. Erste Beratung etwaiger Vorlagen. Animierte Offiziere. Eine Zcitungskorrcspondenz meldet aus Zittau: Ein Vorkommnis unliebsamster Art, dessen Mittelpunkt drei Offiziere des Zittauer Jnfanterie-Regiments bilden, erregt hier das peinlichste Aufsehen. Am Mittwoch abend hatten Hauptmann Mucke und die Leutnants Gebler und Bär dem Hilbrigschen Wein- restaurant einen längeren Besuch abgestattet. In augenscheinlich sehr animierter Stimmung bestiegen die drei Offiziere den Aus- sichtsturm der Zittaucr Johanneslirche. Sie nahmen eine Flasche Sekt mit auf den Turm und ließen sich eine zweite durch den Kell- ner nachbringen. Einer der Offiziere entledigte sich oben seines Rockes und versuchte anscheinend, über das Sicherheitsgeländer des Turmes zu klettern, während seine Kameraden dieses Wagnis zu verhindern suchten. Unten am Fuße des Turmes entstand alsbald ein gewaltiger Menschenauflauf. Man sah dem Tun der Offiziere anfangs mit neugierigen Blicken zu, doch verschärfte sich die Situa- tion, als plötzlich der genannte Hauptmann eine entkorkte leere Sektflasche aus der Höhe auf die Straße warf. Bald folgte der Flasche ein Sektglas, und Flasche und Glas zertrümmerten in tausend Stücke. Glucklicherweise wurde von den Scherben niemand getroffen, aber nun bemächtigte sich des nach Tausenden zählenden Publikums eine große Entrüstung. Immer mehr Menschen sam- melten sich vor der Kirche an. Man rief nach der Polizei und schließlich begab sich ein Polizeibeamter auf den Turm. Er ver- warnte die Offiziere und kam dann zurück. Trotz eines schweren Gewitters harrte das Publikum unten auf der Straße aus; meh- rere Schutzleute machten vergebens den Versuch, die Straße zu säu- bern. Man wollte eben die Offiziere veranlassen, den Turm der Kirche zu verlassen, um sie unten zur Rechenschaft zu ziehen. Die Turmbesteiger aber mochten aus der immer drohender werdenden Haltung des Publikums den Ernst der Situation erkannt haben. Sie blieben einfach oben und erst nach vierstündiger Belagerung verließen sie ihren Standort. Gegen 10 Uhr abends langten sie wieder unten an und wurden nun mit lautem Johlen und Schreien vom aufgeregten Publikum empfangen. Eiligen Schrittes begaben sie sich in das Hilbrigsche Weinrestaurant zurück, begleitet von der Volksmenge. Dann erst trat Ruhe ein und nach und nach cnt- fernte sich das Publikum. Die Militärbehörde hat sofort eine strenge Untersuchung des Vorfalles angeordnet. Der Hauptbetei- ligte an der Affäre dürfte Hauptmann Mucke sein. Leutnant Bär ist aus München gebürtig und hatte soeben eine Reserveübung bc- endet._ Arbeiterabgeordnete in bürgerlichen Fraktionen. Der Abgeordnete Behrens ist bekanntlich beim Reichsvereins- gesetz in Konflikt geraten mit seinen Pflichten als Mitglied der Blockparteien einerseits und als GewcrkschastSbeamter andererseits. In ersterer Eigenschaft hätte Herr Behrens für, in letzterer Eigen- schaft gegen das Gesetz stimmen müssen; er half sich damit, daß er in zweiter Lesung für, in dritter Lesung gegen den Sprachenparagraphen stimmte und sich bei der Abstimmung über das ganze Gesetz der Stimme enthielt. Die Zentrumspresie hat Herrn Behrens vorgeworfen, daß er die Blockpolitik über die Arbeiter- Politik gestellt habe, und das Organ des Gewerkvereins christlicher Bergleute, dessen Generalsekretär Herr Behrens ist, hat ihn der Preisgabe der Arbeiterinteressen bezichtigt. Dagegen sind seine christlichsozialen Parteigenossen für ihn eingetreten und Herr Mumm im„Reich" beanspruchte anläßlich des Falles Behrens für jeden Abgeordneten, auch wenn er Gewerkschaftsbeamter ist, Freiheit der Abstimmung— auf Grund der verfassungsmäßigen Bestimmung und auf Grund der„politischen Neutralität", wonach dem christlichen Gewerkschafter von seiner Organisation leine Vorschriften bezüglich seines polittschen Verhaltens gemacht werden dürften. Dieser Auffassung tritt der Generalsekretär Stegerwald vom Gesamtverbande der christlichen Gewerkschaften in seinem so- eben erschienenen Rechenschaftsbericht über das Jahr 1907 entgegen. Er schreibt dort: „Von den aus der christlichen Arbeiterbewegung hervor- gegangenen Abgeordneten muß in Fragen der Arbeiter- Politik mehr verlangt werden, als von der Partei, der er an- gehört, insgesamt gefordert werden kann. Andernfalls könnte deren parlamentarische Tätigkeit der christlichen Gewerkschaftsbewegung geradezu zum Verhängnis werden. Die mühsame Arbeit der Vertrauensleute, worauf in der Hauptsache der Erfolg einer Be- wegung beruht, würde aus die Dauer von den opferfreudigsten Arbeitern verweigert werden, wenn diese beobachten, daß ihre in den Parlamenten tätigen Führer, die durch die Arbeiterbewegung das geworden, was sie sind, m den wichtigsten Fragen der Arbeiterpolitik ihr Mandat gegen den Gei st und den Sinn unserer Bewegung ausüben würden." Zu diesem Zwecke, meint Stegerwald, müßten die Parteien, die es mit der Sache der Arbeiter ernst meinten und befähigten Arbeiter- führern Mandate in den Parlamenten einräumten, den Arbeiter- Vertretern auch gestatten, in grundlegenden, für die Arbeiterbewegung bedeutungsvollen Fragen(Koalitionsrecht, Vereinsrecht usw.) von der Fraktionsmeinung abweichend zu stimmen; es müsse den christlichen Arbeitervertretern unbenommen bleiben, in solchen Fällen eine größere Rücksicht auf die von ihnen mitgeschaffene G e w e r k- schaftöbewegung zu nehmen, als die Partei, der sie an- gehören, nehmen zu können glaube. So stehen sich in der christlichen Gewerkschaftsbewegung zwei Auffaffungen gegenüber: Herr Mumm fordert den unbedingten Borrang der Partei vor der Gewerkschaft und infolgedeffeo für die Arbeiterbertreter Freiheit der Abstimmung auch in Arbeiterfragen; Herr Stegerwald verlangt für die christlichen Arbeiterabgeordnetc» in Arbeiterfragen ein gebundenes Mandat in dem Sinne, daß die Gewerkschaft über die Partei zu stellen ist. Man darf gespannt sein, welche von diesen Auffassungen die Oberhand behält und wie sich' in praktischen Fällen Partei und Gewerkschaft mit der ihnen zugedachten Rolle abfinden. Für uns beweist diese Auseinandersetzung nur das eine, daß es ein U n d i n g ist, A r b e i t e r p o l i t i k in einer bürgerlichen Partei zu treiben und daß nur diejenige Arbeiterbewegung aus dem rechten Wege ist, die von sich sagen kann: Partei und Gcwcr!- schaft find eins!— Für die technischen Beamten. Die sozialdemokratische Fraktion des bayerischen Landtages hat folgende Interpellation eingebracht: Was gedenkt die Staatsregierung zu tun, um in den Bc- trieben des Verbandes bayerischer Metallindustriellcr angestellten Technikern und Kaufleuten die Ausübung des K o a l>- tionSrechtes zu sichern?— Von der Wahlreform in Hessen. Die Zweite hessische Kammer beriet am Sonnabend in ihre-, letzten Sitzung vor Schluß der Session über einen Antrag der Freisinnigen und Sozialdemokraten, die Regierung zu ersuchen, sofort bei Beginn des nächsten Landtages den Landständen eine Gcsetzesvorlage zugehen zu lassen, welche die Einführung des gleichen, allgemeinen, direkten und geheimen Wahlrechts, unter voller Wahrung der verfassungsmäßige!: Rechte der Zweiten Kammer vorsieht. S t a a t s m i n i st e r Ewald erklärte, daß im Hinblick auf die bezüglich des Wahlrechts gepflogenen Verhandlungen es unbedingt notwendig sei. ein: einigende Grundlage zu schaffen(zwischen zweiter und erster Kammer, an deren Widerstand die Reform bisher scheiterte. D. Red.), ohne welche ein neues Gesetz nicht eingebracht iverden könnte. ES fand eine lebhafte Debatte statt, dagegen keine Abstimmung über diesen Anttag. Zum Fall Bernhard. Professor Ludwig Bernhard läßt folgendes Schreiben veröffentlichen: Kiel, Hotel Bellcvue, 19. Juni 1908. An den Herrn Dekan der philosophischen Fakultät, Berlin. Hochgeehrter Herr Dekan l Wie ich zuverlässig höre, stößt mein Eintritt in die Berliner Universität im Kreise der Fakultätsmitglieder auf Opposition: man wirft mir vor, daß ich den Korporationsgrundsätzen zuwider gehandelt hätte, da meine Ernennung ohne An- hörung der Fakultät erfolgt ist. Ich bin mir bewußt, nichts getan zu haben, was ich nicht aus der gegebenen Siwation heraus vollständig rechtferttgen kann. Um jedoch zu zeigen, wie wenig ich gewillt bin, den korporativen Grundsätzen zuwider zu handeln, erkläre ich mich hierdurch aus fteien Stücken bereit, die Entscheidung noch iiaäi- träglich in die Hände der Fakultät zu legen und. falls diese Entscheidung gegen mich fällt, beim Herrn Minister um meinen Abschied einzukommen. In Ehrerbietung Ihr ganz ergebener Ludwig Bernhard. Herr Bernhard ist sehr klug. Er weiß, daß unsere Herren Professoren jetzt gar nicht anders können, als Ja sagen.— Eine homosexuelle Epidemie scheint nach allen?, was jetzt bekannt wird, in Stettin geherrscht zu haben. Der Landrat dcS KreiscL Randow, Erich v. Goede, der seine Opfer nach berühmten Mustern unter strammen Grenadieren suchte und fand, ist bereits verhaftet lvordcu: ebenso ein„gemeiner" Soldat und ein Unteroffizier. Ein Leutnant und ein Arzt haben sich der drohenden Verhaftung bereits vor einiger Zeit durch Selbstmord enl zogen, während sich andere„auf Reisen" begaben. So unter anderen mehrere Vcrwaltungsbeamte, ein Regierungsrat, ein Konsistorialrat(I), ein Ingenieur und einige Kaufleute. Das Militär auch der Uingegend partizipiert an dieser „Epidemie", da kürzlich ein Hauptmann aus Stralsund und ein Leutnant aus Stargard wegen Männcrlicbe zu hohen Strafen verurteilt wurden. Ein in dem Stetttn benachbarten Finkenwalde ansässiger Hauptmann hat sich ebenso aui die Socken gemacht, wie ein Rentier in Podejuch, der früher herrschaftlicher Diener und als Zeuge sür den Eulcnburg- Prozeß geladen war. Die Skandalaffäreu erregen in Stettin erhebliches Aufsehen.— Das gute Beispiel eines höheren Vorgesetzten. Wegen Mißhandlung und Beleidigung eines Untergebenen wurde der Hauptmann Eyl vom 74. Jnfcinterieregiinem durch das Kriegsgericht der 20. Division, wie die„Köln. VollSztg." aus Hannover erfährt, zu drei Wochen Stubenarrest verurteilt. Hauptmann Eyl hatte seine Ordonnanz einmal mit der Faust auf den Kops geschlagen, ein anderes Mal mit dem Kons gegen die Wand geschleudert, in vier Fällen durch Schimpfworle wie .Mistvieh. Rindvieh" usw. beleidigt. Für die Dauer der Verhand- hing wurde im Interesse der Disziplin die Oeffentlichkeit aus- geschloffen._ Die Haftung deS Reiches für seine Beamten. Eine Vorlage über die Haftung deS Reiches für dir Versehen seiner Beam len beschäftigt zurzeit den Bundesrat. Die entsprechende preußische Vorlage ist durch den Schluß der Session unerledigt geblieben, wird aber wieder eingebracht werden. Eine Nachwahl zum preustischen Landtage ist schon jetzt, wenige Tage nach den Abgeordnetenwahlen notwendig geworden. Der konservative Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Schweidnitz-Striegau. Rittergutsbesitzer Hirt, ist gestorben.— Da die Wahlmänner dieselben bleiben, so ist ein konservativer Stach- solger schon auS diesem Grunde sicher. OeftemicK. Der Studentenstreik. Die Berufung Pros. Wahrmunds nach Prag hat die JnnSbrncker Studenten nicht beruhigt. Sie halten am Streik fest und fordern dasselbe von den übrigen Hochschulen. Es ist aber nicht zu ver- kennen, daß die Berufung Wahrmunds im Grunde einen Erfolg der Sache der Freiheit der Wissenschaft bedeutet. Dem Streik feblt jetzt ein unmittelbares Angriffsobjckt. An den anderen Hochjchulcn ist die Stimmung daher der Beendigung des Streiks günstiger. Zur Beruhigung der Studenten wird auch die Antwort des Unter- richtsministers Marchet aus die Interpellation der Sozialdemokraten über die Kaiseräutzerung beitragen, da sie im wesentlichen auf eine verlegene Abschwächung und Verleugnung der Aeußerungcn hinausläuft. Wenn Könige reden, so haben die Kärrner zu deinen- tierelt. Marchet erklärte, er sei grundsätzlich außer stände, über den Inhalt der Aeußerungen Aufklärung zu geben, stehe andererseits aber nicht an. der Wahrheit gemäß zu konstatieren, dag die Bemerkungen des Kaisers vielleicht an den einen oder anderen Vorgang der letzten Zeit anknüpften, bestimmt aber weder gegen die Rektoren überhaupt, noch auch gegen die unter voller Zustimmung des Ministers gefaßten Beschlüsse der Rektorenkonferenz sich richteten. GS sei daher zur Be- unruhigung der Deffentlichlea oder der interessierten Personen eme Veranlassung absolut nicht gegeben. Die Majorität lehnte auch den Antrag unserer Genossen auf Besprechung der Interpellation ab.— Schweiz. Das Getrcidemonopol. Bern, 19. Juni. Ter N a t i o n a l r a t Hat den Antrag auf Einführung eines Bundesmonopols für den Handel mit Getreioc und Mehl ohne Widerspruch für erheblich erklärt, nachdem der Wundesrat sich mit dem Antrag einverstanden erklärt hatte,—■ franhmeb. Pichon, der Sieger. _ Paris, 19, Juni.(Eig. Ber.) Die Regierung hat heute — natürlich— wieder ein Vertrauensvotum für ihre Marokko- Politik heimgebracht. Das heißt nicht nur für ihre tatsächliche Wendung zu einer vorsichtigeren, auf die Intervention in den marokkanischen Wirren verzichtenden Politik, sondern zugleich auch für ihre zweideutige Einleitung. Die Sozialisten dürfen gleichwohl mit dem Erreichten zufrieden sein. Sie haben durch ihre unaufhörlichen Warnungen die öffentliche Meinung geweckt und die Regierung gezwungen, die Er- oberungsideen öffentlich abzuschwören. Daß ihnen die bürger- liche Mehrheit den Triumph eines parlamentarischen Sieges nicht gönnen würde, war vorauszusehen. Das Ministerium aber hat dennoch heute sehr schlecht abgeschnitten. Das hat C l e m e n e e a u sich selbst zuzuschreiben. da er, um auch die auswärtige Politik als Selbst- Herrscher zu dirigieren, das Auswärtige Amt seinem Knappen Pichon anvertraut hat, dessen persönliche Unzulänglichkeit in einer schwierigen, viel Takt erfordernden internationalen Situation besonders empfunden werden muß. Der heutige Zwischenruf des Ministers gegen Ja uro 2 hat aus allen Seiten der Kammer den peinlichsten Eindruck gemacht. Daß unser Genosse„im Austrage Deutschlands" arbeite, kann man ja im„Temps" so ziemlich alle Tage lesen. Daß Herr Pichon dieses Argument wiederholt hat, mit bc- sonderem Geschick obendrein in dem Augenblick, wo Jaurös davor warnte, das Ansehen Frankreichs durch eine ungeschickte Politik zu kompromittieren, beweist ebenso einen höchst be- scheidenen Vorrat von Einfällen wie einen sehr mäßigen Geschmack.—_ Italien. Generalstreik in Parma. Rom, 20. Juni.(Privat- Telegramm des„Vorwärts".) Gestern kam es zwischen streikenden Landarbeitern und Arbeitswilligen zu Zusammenstößen. Etwa 700 fremde Arbeiter waren durch falsche Vorspiegelungen nach Parma gebracht worden. Als die Streikenden sie alisklären wollten, begann ein Teil der Arbeitswilligen, zu deren Schutz In- fauterie und Kavallerie aufgeboten war, die Streikenden zu provozieren.> Der Arbeiter bemächtigte sich eine große Erregung. Das Militär ging sehr brutal gegen die Landarbeiter vor. Die Kavallerie ritt mehrere Attacken, bei denen diele Arbeiter ver- w u n d c t wurden. Heute proklamierte die• Arbeitskammer den ö c n c r a! st r c i f.-' Dhr Proklamation hatte vollen Erfolg. Nur die Krankenwärter und Eisenbahner arbeiten aus Geheiß der Arbeitskammer weiter. Die Er� bitterung der Arbeiter ist- ungeheuer. Die- Situation drohen d. Die Regierung sendet neue Truppen ins Streik- gebiet. Das offiziöse Depcscheuburcau meldet: Parma, 29. Juni. Mehrere Gruppen A n s st ä n d i g e r ver- suchten heule im Laufe des Vormittags das Schließender Läden durchzusetzen. Da sie Gewalt anwendeten, wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Nachdem die Polizei die An- sammlunge» an der Oper zcrsteut hatte, drängte die Menschen- menge nach der ArbeitSkammer, wo viele die Dächer er- kletterten und von dort durch Feuerwerkskörper zwei Karabinieri schwer und mehrere Soldaten leicht ver- lvuudeten. 9tuf, beruhigende Vorstellungen antworteten sie mit Steinwürfen, bis schließlich zur Räumung der Arbeits- lammer geschritten und erneut Verhaftungen vorgenommen wurden. Bei einem späteren Zusammenstoß in einein anderen Stadtviertel zwischen Ausständigen, die zum Teil Dachziegel anS den Fenstern warfen, und Polizei und Soldaten wurden noch ein Karabiniere und ein Kavallerie- Unteroffizier verwundet. Die Truppe gab daraus Feuer, schoß jedoch, um Verletzungen bei den Ausständigen zu vernieiden, in die Luft. Die Stadt war gegen Abend wieder ruhig.— Sngianct. Eine parlamentarische Nachwahl. London, 17-. Juni. Am 20. d. M. findet in P u d s e y(Dorkshire) eine parlamentarische Nachwahl statt, um an Stelle des ins Ober- Haus berufenen liberalen Abgeordneten G. WHiteley einen neuen Vertreter zu wählen. Bei den Haupllvahlen im Januar 1906 erhielt WHiteley 7043 Stimmen, sein konservativer Gegenkandidat 3S41. Die Arbeiterpartei stellte dort damals keinen Kandidaten auf. Jetzt bewerben sich in Pudsey drei Kandidaten um das Mandat: E. Ogdan(liberal), Od d y(konservativ oder unionistisch), Genosse I. 28. B e n s o n(Arbeiterpartei). Unser Interesse gehört selbstredend dem sozialistischen Arbeiterkandidaten. Benson ist Maschinenbauer und tritt als Sozialist auf. In seiner Kandidatenrede sagte er:„... Ich stehe hier als Arbeiter und Sozialist, der die Befreiung der Arbeiterklasse wünscht. Diese Be- freiung kann nur vollzogen werden, wenn wir unabhängig von den beiden alten Parteien vorgehen, denn diese Parteien vertreten die Grundherren und den Kapitalismus. Die Sozialisten sind nicht da, um die Familie, die Religion und die persönliche Freihejt zu zerstören, sondern die Macht 0eS Grundherren, des Kapitalisten, des Börsenspekulanten und überhaupt aller derjenigen Personen, die von der Arbeit leben. Der Sozialismus ist ein Angriff auf die gegen- wärtige Gesellschaftsordnung mtt ihrer Armut, ihrer Arbeitslosigkeit uvd ihrer Arbeitsunsicherheit."_ Rußland. Russische Greuel. Eine neue Schreckensnachricht kommt aus Warschau: Das Kriegsgericht hat wieder gearbeitet und lleun unschuldige Opfer sind dem Henker"des Zaren verfallen. Nngehört ist der Appell an das Bürgertum Europas verhallt und dem Austuf, den Schriftsteller wie Brandes und Politiker wie Jaurös erlassen haben, antwortet allein schauriges Todcsröcheln. Neue Opfer sind gefallen und das bürgerliche Europa wird teilnahmslos bleiben. Aber die Morde des Zaren werden nicht ungesühnt bleiben; die russische Revolution wird nicht getötet und der Tag der Bechcnschaftsablegung wird noch kommen. Klassenscheidlmg in der Httrcndltma. Die kompakte Majorität der Herrcnduma hat während der letzten Sitzungen einen klaffenden Riß erhalten. Die rechts st ehenden Bauern, die mit Hilfe der Junker in die Duma gewählt, diesen in politischen Fragen treue Gefolgschaft leisteten, setzten es schließ- lich durch, daß der schon im Februar von 39 bäuerlichen Abgeord- neten eingebrachte Antrag wegen gerechterer Verteilung der den Bauern auferlegten Pflichten und Lasten auf die Tages- ordnung gestellt wurde. Die Angst vor den TSählern im Dorfe und das Bewußtsein, während der ganzen Session keinen Finger für die Interessen der Bauernschaft gerührt zu haben, mag die Antragsteller bewogen haben, die Besprechung ihres Antrages trotz des Wider- standes der Junker zu erzwingen. Hierbei kam es zu heftigen Zusammenstößen zwischen den rechtsstehenden Bauern und ihren junkerlichen FraklionSgenossen. „Nieder mit den Parteien, hoch die Klassen," so charak- terisierte die„Nowoje Wremja" den Sinn der Debatten. In der Tat, während der Debatten, die weit über die Grenzen des gestellten Antrages hinausgingen, zeigte sich der tiefe Gegensatz zwischen den bäuerlichen und junkerlichen Elementen ans der rechten Seite der Duma. De» Begründer des Antrages, der frühere Dorf- älteste Dworjanipow, debütierte mit einer„linken" Rede, in der er das HörigkcitSperhältniS der russischen Bauern grell beleuchtete und die Angriffe des Grafen U w a r o w glänzend zurückschlug, ihm folgte eine lange Reihe rechtsstehender Bauern, deren polittscher Konser- vatiSmus sich gänzlich verflüchtigte, als es galt, die rechtlichen und wirtschaftlichen Interessen der Bauernschaft zu verteidigen. Alle Partei- diSziplin verschwand, und die rechtsstehenden Bauern und Dorf- geistliche begrüßten mit demonstrativem Applaus die Reden der Opposition. Die geschilderte Debatte zeigte zur Evidenz, daß die Block- Parteien sehr gut wußten, was sie taten, als sie eS ängstlich vermieden, die Agrarfrage in der Duma aufzurollen. Sie wußten, daß das lünsttiche Gebilde der Regierungsmehrheit zusammenstürzen würde, sobald die wirtschaftlichen Interessen des Bauerntums berührt werden würden. Bisher ist ihnen ihre ObstruktionStaltik gelungen: die Duma geht noch einige Wochen in die Ferien, ohne dieses zentrale Problem des russischen Lebens berührt zu haben. Während der Herbsession wird eS sich aber zeigen, daß selbst der Staatsstreich vom 10. Juni eS nicht vermochte, die Stimme des Bauerntums aus der Duma zu verbannen und die Ruhe der „130 000" Stolypinschen Gutsbesitzer dauernd zu sichern.— Oi'Kei. DaS mazedonische Uebcreiukommen. Seitdem Oesterreich durch das Projekt der Sandschakbahn die Balkanfrage wieder in Fluß gebracht hat, ist eS das Bestreben Eng- lands gegenüber dem deutschen und österreichischen Einfluß in der Türkei seinen eigenen zu stärken. Während aber Deutschland seine Balkanstellung durch stets innigere Freundschaft mit dem Sultan zu stärken sucht, tritt England ans die Seite der kleinen Balkanvölker, die es vom türkischen Reiche loszulösen sucht. Dieses Ziel ver- folgt es vor allem mit Mazedonien, für das die englische Ne- gierung ein weitgehendes Neformprogramm vorgeschlagen hat, das das „europäische Konzert" dem Sultan aufzwingen soll. Die Borschläge stießen auf den Widerstand der anderen Mächte und England suchte zunächst nnt Rußland zu einem Uebereinkommen zu gelangen, dem Frankreich sich ohne weiteres anschließen würde. Dieses Ueber- einkommen ist nun zustande gekommen und eS stellt eine der Früchte der Revaler Znsammenknnft vor. Englands Vorschläge hätten d«r/ unmittelbaren Uebergmtg Mazedoniens zur Selbständigkeit be? deutet. Mazedonien sollte unter die Verwaltung eines selbständigen Gouverneurs gestellt und die Steuern ausschließlich für die Kasten üer inazedönischen Verwaltung verwandt werden. Die Ausgestaltung der Jiistizreformen und des Sicherheitsdienstes sollte den Gräueln des Bandenkrieges ein Ende bereiten. Demgegenüber bedeuten nun die neuen russisch-englischen Vorschläge ein Kompromiß, das jedoch den englischen Forderungen in hohem Maße entgegenkommt. Nach den Mitteilungen der Blätter sollen die Truppen, die die Ruhe aufrecht zu erhalten haben, ausschließlich Ottomanen sein und die Kosten für die Truppen ans Konto des mazedonischen Zivilbudgets übernommen werden. Der Hauptpunkt des neuen Neformplanes sei die Annahme des Greyschen Vor- I ch l a g e s, daß die Ausgaben der mazedonischen Zivilverwaltung im Budget in erster Linie berücksichtigt werden müssen. Der General« inspckteur soll auf sieben Jahre ernannt und sein Gehalt sichergestellt werden. Rußland lverde den Mächten beide Pläne vor- legen und dann bei der Pforte nachdrücklich dafür eintreten. Man glaubt, daß das Zusammengehen der Mächte gesichert sei. Marokko. Hafidistische Erfolge. Tanger, 20. Juni. Die Djebala-Stämme in der Um- gebung von Tanger haben beschlossen, Mnlay H a f i d als Sultan anzuerkennen und werden den Markt von Tanger verlassen, falls diese Stadt ihrem Beispiele nicht folge. Ferner beschlossen sie, die sechs Meilen von der Stadt lagernde Mahalla Abdul Asis anzugreisen. Paris, 20. Juni. Dem„Matin" wird auS Tanger gemeldet, daß die Gegner des Sultans Abdul Asis den Plan gesaßt hätten, bei dem gestrigen Gottesdienst in der dortigen großen Moschee Mnlay Hafid zum Sultan ausrufen zu lassen, indem sie in dem Gebet für den Herrscher den Namen Abdul AsiS durch Mulay Hafid ersetzen wollten. Der Machsen, der rechtzeitig von diesem Plan in Kenntnis gesetzt worden fei, habe 12 Führer der Hafidistcn festnehmen lassen. Durch ein starkes Aufgebot von Geheimagenten und Polizeibeamtcn in und vor der Moschee sei die Proklamierung Mulay Hafids zum Sultan verhindert worden. Es sei dies aber ein Ereignis, auf das man sich jeden Augenblick gefaßt machen müsse. Die Politik Italiens. Rom, 19. Juni. Kammersitzung. Auf eine Anfrage des Abgeordneten Galli, ob Italien an dem Prinzip der Nichtinter- vention in die inneren marokkanischen Angelegenheiten auch für den Fall festhalten wolle, daß Mulay Hafid irgend einen Hafen besetzen würde. erwiderte der UnterstaatSsekretär des Aeuhcren Pompili, daß eS den Anschein habe, als ob Mulay Hafid auf dem Wege sei, sich eine vorherrschende Stellung zu erwerben. Der UnterstaatSsekretär erinnerte daran, daß Italien in Marokko weder eigene Pläne noch besondere Interessen verfolge. Die beiden Mächte, die wegen ihrer geographischen Lage gegenüber von Marokko sowie wegen der be- sonderen Bedeutung ihrer Beziehungen zu diesem Lande von den Mächten mit einem besonderen Mandat betraut worden sind, gingen stets mit vollkommener Loyalität vor und daß man keine Ursache habe, daran zu zweifeln, daß ihre Haltung auch in Zukunft die gleiche sein werde. Die kiirzlichen Erklärungen'P i ch o n s seien dafür eine Bürgschaft.— Amerika. Die Kandidatur TaftS. Der Nationalkonvent der Republikaner hat gestern Taft mit überwältigender Majorität zum Präsidentschaftskandidaten gewählt. Taft erhielt 702 Stimmen, Hughes 63, Cannon 61, Fairbanks 40, Knox 68, Lafollcttex 23, �Fowaker 16, Roose- velt 3 Stimmen. Die Noniinierung Tafts erfolgte dann einmütig. Die Aufstellung der Kandidaten erfolgte in der Weise, daß die Vertreter der Eimelstaaten in alphabetischer Reihen- folge die Kandidaten nannten. Illinois nannte Eannon, Indiana Fairbanks, Neiv Jork Hughes, der nur mit- schwachen Beifallsbezeugungen aufgenommen wurde. Die Galerien, ungeduldig, Taft genannt zu hören, unterbrachen die Sprecher. Als Ohio endlich Taft nominierte, erfolgte eine Szene größter Begeisterung, und 25 Minuten dauerte das Flaggenschwingen, die lauten Zurufe und die L i e d e r. Die Entscheidung des Konvents, die eigentlich nur die Sanktionierung des Willens RooscveltL war, ist von um so größerer Bedeutung, als die Republikaner hoffen dürfen, auch diesmal wieder aus den Wahlen als Sieger hervorzugehen. Die Wahl Tafts bedeutet den Sieg ber Kapital- Magnaten, die bei Taft vor den demagogischen Seiten- sprüngen Roosevelts sicher zu sein glauben. In der Tat hat die amerikanische Platform, die in wenig geänderter Fassung angenommen wurde, die Forderungen G o m p c r s' durch ein schwächliches Kompromiß aus der Welt zu schaffen gesucht. Die Befugnis der Gerichte. Einhalisbefehle gegen die Gewerkschaften auszusprechen soll nicht aufgehoben, sondern nur„eingeschränkt" werden. Das- bedeutet die Verweigerung des notlvcndigen Schutzes des Koalitionsrechtes und die amerikanischen Arbeiter werden trotz der Quertreibereien des Gompers daraus hoffentlich die Konsequenzen ziehen. Es ist zum e r st e n m a l in der Gc- schichte der amerikanischen Partcikongresse. daß die Arbeiterfrage eine so bedeutende Rolle spielt, aber es ist auch sicher, daß das erst der Anfang ist. Die Fortsetzung aber heißt auch dort: Anschluß der Arbeiter au die Sozialdemokratie. DaS Wahlprogramm. Chicago, 18. Juni. Die Platform beschäftigt sich mit dev Trusts und tritt für Gesetze ein. die die Kontrolle des Bundes über die Trustgesellschaften erhöhen, und eine erweiterte Offenlegung der Geschäftsführung derjenigen Gesellschaften sichern. die am zwischenstaatlichen Handel beteiligt sind und die Möglichkeit haben, ein Monopol auszuüben. Ferner empfiehlt die Platform eine Revision des Zolltarifs durch eine besondere Session des Kongresses, die unmittelbar der Einführung des nächsten Präsidenten folgen soll. Die Platform erklärt, die richtige Schutz- Zollpolitik, die am besten dem Auslande gegenüber aufrecht er- halten werden könne und mit einem angemessenen Nutzen für die amerikanischen Industrien verbunden sei, liege in der Errichtung eines Maximal- und eineS M-inimaltarises. Der erstcre soll Anwendung finden bei ungleicher Behandlung ameri- kanischer Waren seitens des Auslandes, der Minimaltarif soll das Normalmaß des Schutzes der amerikanischen Produktion bilden. Ferner wird die Zulässigkeit von Frachtablommen der Eisenbahnen unter Zustimmung der Kommission für zwischenstaatlichen Handel empfohlen und schließlich schlägt die Platform ein Gesetz vor zur Verhütung der übermäßige» Ausgabe von Aktien und Bonds lettens der Eisenbahnen._ Tafts Nachfolger. Washington, 19. Juni. Taft hat seine Demission als Kriegs- sekretär gegeben. Sein Nachfolger wird Luke Wrtgt von Tennesiee, der frühere Botschafter in Tokio.— Der Vizepräsident. Chicago, 19. Juni. Die Stimmabgabe im Republikanischen Nationalkonvent für Vie NönlsntttvNg einer Kandidatur für den Posten des Vizepräsidenten ivar folgende: S h e r m a n 810 Stimmen, Murphy 77 Stimmen. Guild 75 Stimmen. Fairbanks 1 Stimme, Sheldon 10 Stimmen. Darauf wurde James. Shexinän. ein langjähriges Mitglied des Kongresses, unter großem Jubel zum Vizepräsidenten proklamiert.— Ens der partcu Ein neuer Streiter. New York, 1. Juni.(Eig. Ber.) WaS die Parteigenossen New Varls seit Jahren erstrebt, ist nunmehr zur Tatsache geworden. Sie besitzen eine englische Tages- zciiung. Die erste Nummer des„Even in g Call" ist am 30. Mai erschienen. Der Zeitpunkt der Herausgabe ist gut gc- wählt. Fällt er doch zusammen mit oem Beginn des Wahlkampfes um die Präsidentschaft, eines Wahlkampfes, der sich angesichts der Erbitterung derArbeiterschaft gegen die republikanische und auch gegen die demokratische Partei unter ganz neuen Verhältnissen vollziehen dürfte. Nicht nur die beiden sogenannten großen Parteien haben in allen die Slrbeiterklasse berührenden Fragen versagt, sondern auch die gesamte bürgerliche Presse. Unter diesen Umständen ist es verständlich, daß selbst solche Gewerkschaftsführer, die noch vor kurzem jede Identifizierung mit allen von Sozialisten geförderten Bestrebungen zurückgewiesen hätten, das Erscheinen des„Call" in begeisterten Zuschriften begrüßen, und daß sogar die mit republika- nischen und demokratischen Politikern durchsetzte Central Federatch Union(Gewerkschastskartcll) von New Uork den neuen Kamps- genossen willkommen heißt. Die politische Leitung des Blattes liegt in den Händen der Genossen Hurt und Lee, welch letzterer den deutschen Genossen durch seine Mitarbeiterschaft an der Neuen Zeit bekannt ist. Als Mitarbeiter wurden eine Reihe tüchtiger parteigenössischer' Journalisten gewonnen, so daß der neue Mitstreiter im bevorstehenden Wahlkampf treffliche Dienste leisten wird. Tie Auflage des „Call", der den hiesigen Gepflogenheiten gemäß hauptsächlich aus den Straßenvcrkauf angewiesen ist, war schon am ErscheiNUngs» läge eine überraschend große. In den Vereinigten Staaten er- scheinen jetzt fünf sozialistische Tageszeitungen:„The Chicago Socialist",„The Call",„The Daily Pcople",„New Mrker Bolls- zeitung-" und„Philadelphia Tageblatt". Der Tod eineö sozialistischcn Abgeordnete». Rom, 18. Juni. Am 17. d. MtS. ist in Valenz a Genosse Giusto Calvi) Abgeordneter dieses Wahlkreises, im Alter von 43 Jahren gestorben. Calvi, der erst feit einer Legislaturperiode dem Parlament an- gehörte, war einer der einflußreichsten Genossen in Pienwnt. Er lvar Chefredakteur des„Grido del Popolo", des piemontesischen Tageblattes unserer Partei, das aus finanziellen Gründen nach wenigen Monaten sein Erscheinen einstellen mußte. Seinem Fach nach Philologe, war Calvi ein guter Kenner der AuSwanderungs- frage, der er besondere Studien in Südamerika gewidmet hatte. Calvi hinterläßt eine junge Frau und ein Kind. Er ist einem Krebsleiden erlegen. Für die ParlanientSfraktion und für die ganze Partei ist sein Tod ein schwerer Verlust. poNoelllckies» 0erubtl(ches ufw. Strafkonto der Presse. Wegen angeblicher Beleidigung des Hirsch-Dunckerschen BezirkSIetterS Strohfeld wurde am Don- nerStag Genosse H. Wolfs von der„ V o l k S w a ch t" in Breslau wieder einmal zu 20 M. Geldstrafe verurteilt.— Der klagelustige Herr Strohfeld, dem im Prozeß gegen Genossen David- söhn vom„Vorwärts" vom Gericht attestiert wurde, daß er Streik- brecherogent ist, mag noch so viele Verurteilungen sozialdemokra- tischer Redakteure wegen formeller Beleidigung seiner Person erzielen, er wird doch immer der moralisch Gerichtete bleiben. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. bereine, bie den Zwed erfolgen, alle tschechischent und slawischen Berufsangehörigen zu vereinigen. An Einnahmen weisen diese Vereine rund 456 759 Stronen auf, denen 355 026 Kronen an Ausgaben gegenüberstehen. leber den Stand der Zur Lohnbewegung der Koffermacher. Fachpresse sei folgendes mitgeteilt: es egiſtieren 50 deutsche, 44 In einer außerordentlichen Versammlung, die am Freitag- tschechische, 8 polnische, 3 italienische Fachblätter und ein slowenisches. abend im Gewerkschaftshause tagte, besprachen die Koffermacher Die Gesamtauflage dieser Gewerkschaftsblätter betrug 508 690, gegen das Ergebnis der letzten Verhandlungen mit den Unternehmern. 1906 eine Zunahme von 30 020. Das ganze bietet ein Bild erfreuDer Referent 2ange legte dar, daß der Verband dem Wunsche lichen Aufschwungs. Auch die österreichischen Gewerkschaften find der Unternehmer, mit Vertretern der Streifenden direkt zu ver- über die Zeiten hinaus gewachsen, wo jede Geschäftskrisis oder jeder handeln, entgegengekommen sei. Eine Kommission wurde gebildet, verlorene Kampf auch sogleich eine schwere Erschütterung der ganzen Die österreichischen Gewerkdie am Donnerstag mit den Vertretern der Fabrikanten- Bereini- Berufsorganisationen nach sich zog. gung berhandelte. Freilich stand sogleich fest, daß Unterhand- fchaften haben sowohl an Mitgliederzahl als auch an innerer lungen nur auf Grundlage des gefällten Schiedsspruchs Festigkeit gewonnen und bilden gegenüber dem Unternehmertum mögliaj cien. Darüber waren die Unternehmer erstaunt, denn sie eine achtunggebietende Macht. famen mit neuen und für die Kommission überraschenden Vorschlägen. Sie wollen vom 1. Januar 1909 ab für Handkoffermacher 5 Proz., für Rohr- und Holztoffermacher 2½ Proz. Lohnerhöhung bewilligen; für das Jahr 1908 foll überhaupt nichts bewilligt werden. Die Kommission wies diese Vorschläge sofort als unannehmbar zurück. In der Diskussion über den Situationsbericht wurde betont, daß unter solchen Umständen der Streit, der jetzt 6 Wochen dauert, weiter geführt werden sollte. 21 Fabrikanten haben die Forde rungen der Koffermacher anerkannt, 8. Firmen weigern sich da gegen beharrlich, mit ihren Arbeitern Frieden zu machen. Die Zahl der Streitenden beträgt etwa hundert. Der Verbandsborfißende Schulze forderte, daß die Streikenden in eine geheime Abstimmung zu den Vorschlägen der Unternehmer Stellung nehmen und daß eine Zweidrittelmajorität notwendig sein solle, um diese Vorschläge zu verwerfen. Diesem Antrage gemäß wurde verfahren. Das Resultat war, daß die Vorschläge fast einstimmig abgelehnt wurden. Von 97 abgegebenen Stimmen war nur eine einzige zugunsten der Vorschläge der Unternehmer. Der Kampf wird also fortgeführt werden. Schulze erklärte zum Schluß, daß er das Resultat mit besonderer Genugtuung begrüße, denn ihm sei gerade von den Unternehmern der Vorwurf gemacht sporden, daß er seine Kollegen zu stark beeinflusse, und er habe versprochen, sich gerade in dieser Beratung jeder Beteiligung zu enthalten. Jett fönne er erklären, daß die Bewegung feiner Ansicht nach günstig stände und daß es nur darauf als wichtigstes Moment antam, daß die Kollegenschaft freiwillig und geschlossen den Kampf fortsebe. Folgende Resolution wurde angenommen: " Die am Freitag, den 19. Juni, versammelten Koffermacher Die am Freitag, den 19. Juni, versammelten Koffermacher nehmen Kenntnis von den mit der Fabrikantenvereinigung ge= pflogenen Verhandlungen und sind der Ansicht, daß die äußerst dürftigen Zugeständnisse völlig unzulänglich find. Die Streikenden erflären, weiter in dem Ausstand zu beharren, bis ihnen von seiten der Arbeitgeber die Hand zu einem für sie ehrenvollen Frieden geboten wird." Deutfches Reich. Aus der Frauenbewegung. Genoffinnen Moabits! Rosenthaler Vorstadt und Gesundbrunnen. Montag, den 22. Juni: Ausflug der Genossinnen nach Tegel( Waldschänke), vis- a- vis Schloßrestaurant). Bis 4 Uhr gemütliches Kaffeekochen, dann Waldpartie. Treffpunkt 2 Uhr nachmittags in Tegel, Endstation der Elektrischen. Reinickendorf. Mittwoch, den 24. Juni, 8 Uhr, bei Franke, Eichhorn straße 18: Vortrag. Verfammlungen. Deutscher Holzarbeiterverband. Eine Vertrauensmännerber fammlung für sämiche Branchen und Bezirke fand am Donnerstag abend bei Freye in der Stoppenstraße statt. Auf der Tages. ordnung stand der Bericht vom Verbandstage in Stettin. Dazu erhielt Leopold das Wort. Den Mittelpunkt der Verhandlungen bildete neben der Frage der Maifeier die Tarifpolitik des Ver bandes. Der Redner meinte, daß weniger in den Beschlüssen des Verbandstages als in der fruchtbaren Diskussion über alle ange regten Fragen der Wert und die Wichtigkeit der diesjährigen Tagung zu suchen. Es dürfe teine Mißstimmung Plak greifen, wenn die Organisation ihre Aufgaben gegenüber dem andrängenden Jm 12. Landtagswahlkreis wird am Dienstag endgültig der Unternehmertum in vollem Maße erfüllen soll. Die Zahl der Kampf um das Landtagsmandat ausgefochten. Mit Siegeszuversicht Mitglieder wird stetig größer und wenn auch das Wachstum der tritt unsere Partei auf den Plan. Die Sozialdemokratie steht wie Bahl durch die hereinbrechende Krise etwas beeinträchtigt worden ist, immer allein der Reaktion gegenüber, Freifinnige und Konservative tation für den Verband muß um so dringender jedem Mitgliede so kann dies nur eine vorübergehende Erscheinung sein. Die Agiwerden, wie es das Blockbündnis erheischt, geschlossen gegen die zur Pflicht gemacht werden. Sozialdemokratie aufmarschieren. Da gilt es denn unsere ganze manche Unzufriedenheit mit den Leistungen des Verbandstages In der Diskussion gab sich Macht aufzubieten, um dem Freifinn das Mandat zu entreißen. fund. Man sprach sich energisch für die Hochhaltung der Maifeier Genossinnen! Der Freifinn hat bisher bewiesen, daß ihm und gegen einen Reichstarif im Gegensatz zum Ortstarif aus. Es jede freiheitliche Regung längst abhanden gekommen ist, daß die wurde lebhaft begrüßt, daß der Zentralverband nach Berlin vera Arbeiterklasse von ihm nichts zu erwarten hat. Schon aus diesem legt werden soll. Grunde muß das Mandat für den sozialdemokratischen Kandidaten tigen Fragen der Tarifpolitik und der Maifeier zum Gegenstand Auf Anregung von Glode wurde beschlossen, die beiden wichgewonnen werden. Noch einmal müſſen unsere Genoſſinnen die einer eingehenden Beratung in einer der nächsten Versammlungen gegnerischen Wahlmänner, die als Geschäftsleute von Arbeiterkundschaft zu machen, da es unbedingt notwendig ist, daß gerade bei den Ber abhängig sind, auf die Konsequenzen ihrer Handlungs- trauensmännern darüber volle Klarheit herrscht, um befähigt zu weise am 23. Juni aufmerksam machen. Nur eine geringe Stimmen sein, die Aufklärung in weite Kreise der Mitglieder zu tragen. zahl fehlt uns an der absoluten Majorität. Diese noch fehlenden Stimmen aufzutreiben, das muß gelingen! tommt. Die Frauen Moabits haben bisher im Wahlkampfe tapfer geholfen und dieser Appell im legten Augenblid muß sie noch einmal bezirke ist zu ersehen, wer als gegnerischer Wahlmann in Betracht alle auf die Schanzen treiben. Aus den Liſten der einzelnen WahlGenossinnen! Bietet Eure ganze Ueberredungskunst auf, laßt Euch durch nichts abschrecken! Die Belohnung Eurer Aufopferung für die Partei liegt in dem Bewußtsein, den Sieg im 12. Wahlkreis miterkämpft zu haben. Darum auf, Genossinnen, frisch ans Werk! Die Vertrauensperson. Eine öffentliche Engros- Schlächtergesellen- Versammlung, eins berufen vom Zentralverband der Fleischer, fand am Freitag abend unter sehr zahlreicher Beteiligung im Elysium", Landsberger Allee, statt. Die Machtlosigkeit der Berliner Brüderschaft" und es möglich, die langersehnten Wünsche der Engros- Schlächtergesellen des Vereins der Berliner Engros- Schlächtergesellen", und wie ist " Die zu verwirklichen?" Das war das Thema, das von Bergmann in eindrucksvollem 1½stündigen Referat behandelt wurde. Brüderschaft" hatte als Antwort auf einen Mahnruf des Zentralverbandes am Eingang zur Versammlung ein Flugblatt verbreiten lassen, das an Schimpfereien und Verdächtigungen nichts zu wünschen übrig ließ, auch in ihrem Fachblatt gegen die sozial demokratische Partei und den roten Verband losgewettert. Nach einem geschichtlichen Rückblick über das Fleischergewerbe und dessen Die Aussperrung der Etuisarbeiter in Pforzheim verschiedene Organisationen beleuchtete Bergmann die mangels haften Leistungen aller bisherigen Gefellenorganisationen. Er steht noch auf dem alten Fled. Die Fabrikanten lehnten in brüster Streifende Landarbeiterinnen in Preußen! Auch bei den Land- geißelte die Ohnmacht der oben genannten Organisationen und Form Verhandlungen ab, die für den 1. Juni vom Ginigungsamt arbeitern beginnt es mehr und mehr zu dämmern. Vor einigen führte viele Beispiele deren Harmonierens mit den Innungsin Pforzheim anberaumt worden waren. Auf die Resolution einer Tagen legten in Parchwitz( Schlesien) einige Hofgärtnerfrauen vom meistern an. Bereits 1904 hatte eine Bewegung dieser Branche darauffolgenden Etuisarbeiterversammlung und einer öffentlichen Graf Strachwitzschen Gut gemeinsam die Arbeit nieder. Sie ver- stattgefunden, die aber durch den Mangel einer strammen Organis Erklärung der Streifleitung antworteten die Fabrikanten mit einer Gegenerklärung, in der sie aussprachen, daß die Lohnfrage für fie langten eine Lohnerhöhung von täglich 10 Pf., da sie mit der bis- jation verpuffte. Die Verhältnisse auf dem Schlachthofe, bejon ausgeschaltet sei und es ihnen fernliege, eine 10prozentige Lohn- herigen Entlohnung, 70 Pf. den Tag, nicht auskommen konnten. ders die der sogenannten„ Helfer"( nicht festangestellte Gesellen), herabsehung durchzusehen. Sobald daher die Arbeit bei der Firma Die Verwaltung mußte diefer Forderung um so mehr nachkommen, sind die denkbar schlechtesten und komme es häufig vor, daß die Ges sellen durch Kutscher und Hausdiener verdrängt würden. Auch die Dieß wieder aufgenommen würde, bei der zuerst die Mitglieder weil eine Anzahl anderer Frauen, die sogenannten Knechtsfrauen, mangelhaften Konsumberhältnisse trügen zu diesen Nöten mit bei. des Buchbinderverbandes kündigten( nachdem 5 Vertrauenspersonen bereits 80 Pf. Lohn den Tag erhielten und die Ausständigen durch- Der Referent empfahl schließlich die Gründung einer be. der Engros- Gesellen im Zen. finden lassen. Daran knüpfte der Vorstand des Buchbinderver- arbeiten. Und so wurde nach eintägigem Streit die Forderung tralverband. Auf den bandes an, indem er sich nach einem Briefwechsel mit der Vereinibewilligt. Meisterverband eine starke einige Gesellenorganisation entgegenzu gung der Etuisfabrikanten bereit erklärte, die Wiederaufnahme stellen, ohne Rücksicht auf religiöse und politische Anschauung, sei der Arbeit bei der Firma Diez zu empfehlen, sofern seitens der Beiträge für den Allgemeinen Sozialdemokratischen Wahlverein unbedingt nötig.- Löffler, der Wortmacher der Zersplitterer. Fabrikantenvereinigung die Erklärung abgegeben werde, daß sofort der Frauen nehmen für den II. Wahlkreis folgende Genossinnen organisation, versuchte zwar, die Brüderschaft" respektive den nach Wiederaufnahme der Arbeit bei der Firma alle Ausgesperrten entgegen: Frau Marie Döring, W. Steinmetzstr. 23, Seitenfl. IV." Bund", in dem alle blauen, gelben und christlichen Organisationen und Streifenden an ihre alten Bläße zu den bisherigen Lohn- un Frau Agnes Lachmann, W. Kaplerstr. 4, Seitenfl. III. Frau Enima vertreten sind, zu rechtfertigen, aber der Liebe Mühe war ver Arbeitsbedingungen wieder eingestellt würden. Zu dieser Er- Jacob, SW. Razbachstr. 39, born IV. Restaurant A. Wiemers, gebens. Die sonst noch zu erörternden Schlachthofsangelegen. tlärung fonnte sich aber die Fabrikantenvereinigung nicht auf- W. Bülowstr. 58. Frau Marie Klotsch, S. Fichteftr. 1, vorn III. heiten wurden für eine spätere Versammlung zurückgestellt. schwingen, die Wiedereinstellung sollte den Dispositionen und dem Frau Emma Simon, S. Plan- lfer 92 e, IV. Frau Jung, S, PlanErmessen der Fabrikanten" überlassen bleiben. Unter solchen Um- Üfer 34, V. Frau Klingner, S. Nitterstr. 28, II. Frau Egroth, ständen konnte natürlich von der Wiederaufnahme der Arbeit keine S. Boechstr. 46, Quergeb. IV. Rede sein. Das ist dem Vorstand der Fabrikantenvereinigung auch mitgeteilt worden. gemaßregelt worden waren), werde sich ein Weg zur Verständigung aus nicht gewillt waren, zu den alten Bedingungen noch weiterzu- sonderen Sektion Kampfboden sich zu stellen und dem Der Kampf dauert nunmehr über 7 Wochen. Der Buchbinderverband hat sich von Anfang an auf einen langen Kampf eingerichtet und kann daher den Ausgang ruhig abwarten. Ausland. Die Gewerkschaften Desterreichs im Jahre 1907. Soeben ist der vom Genossen Hübeer bearbeitete Bericht über die Stärke und Leistungsfähigkeit der Gewerkschaften Desterreichs im Jahre 1907 erschienen. Selbstverständlich hat die schlechte Geschäftstonjunktur ihren lähmenden Einfluß auf die Arbeiterbewegung ausgeübt. Trotzdem fonnten aber 186 000 neue Mitglieder gemustert werden, von denen allerdings nur 52 824 verblieben, so daß die Gesaintzahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter von 448 270 im Jahre 1906 auf 501 094 Ende 1907 stieg. Hiervon waren 46 401 Frauen. Die Zunahme der weiblichen Mitglieder ist in den letzten Jahren eine ganz erfreuliche gewesen; fie betrug im Jahre 1892 2216, im Jahre 1902 waren es immer erst 5888. Arbeiterinnenmangel. Der Vorstand. Eine Letzte Nachrichten und Depefchen. Während die meisten Berichte der preußischen Gewerbeaufsichts10 000 Bauarbeiter ausgesperrt! beamten für 1907 eine Zunahme der Ausmuzung weiblicher Arbeits- Stockholm, 20. Juni.( W. T. B.) In Mittelschweden und traft fonstatieren, soll sich nach dem Liegniger Bericht ein großer einem Teil von Südschtveden sind heute etwa 10000 Bau Arbeiterinnenmangel auch im Jahre 1907, namentlich in der Textilindustrie, bemerkbar gemacht haben. arbeiter wegen Lohnstreitigkeiten bom Arbeit. große Flachsspinnerei konnte die gute Konjunktur nicht ausnuten; geberberbande ausgesperrt worden. Falls keine Einis fie mußte den fünften Teil ihrer Spindeln außer Betrieb sezen. gung erzielt werden sollte, sind weitere Aussperrungen zu erwarten. Ein Strumpfwarenfabrikant sah sich im Sommer gezwungen, seinen Betrieb einzustellen, weil die Arbeiterinnen Sommerstellen im Gebirge angenommen hatten; ein anderer Fabrikant mußte seinen Betrieb erheblich einschränken. Wahrscheinliche Ursache des Arbeiterinnenmangels dürfte die zu geringe Löhnung in der Textilindustrie sein. Der Tod zwischen den Buffern. Frankfurt a. M., 20. Juni.( B. H.) Jm großen Lokomotiv schuppen des Hauptbahnhofs geriet heute vormittag 10 1hr der 45 Jahre alte Lokomotivpuger Zinner zwischen die Puffer zweier Lokomotiven. Er wurde totgedrückt. Maul- und Klanensenche trok der Grenzsperre! München- Gladbach, 20. Juni.( B. H.) Infolge des Aus bruchs der Maul- und Klauenseuche verbot der Düsseldorfer Regierungspräsident bis auf weiteres die Abhaltung der großen Viehmärkte in Neuß und Dinslaken. Zeppelins Luftfahrt. Auch aus dem Regierungsbezirk Merseburg wird über empfindlichen Mangel an weiblichen Arbeitskräften berichtet. Solche waren in manchen Orten trotz aller Bemühungen der Arbeitgeber Auch die Zentralisierung der gewerkschaftlichen Berufsorgani- nicht zu erlangen." fationen geht in Desterreich in erfreulicher Schnelligkeit vor sich. Ein eigenartiges Verständnis belundet der BerichtIm Jahre 1901 existierten noch 266 Landes- oder Lokalvereine; im erstatter des Regierungsbezirks Stö In. Er bemerkt, daß Betriebe, Borjahre waren deren noch 89 vorhanden, im Berichtsjahre nur die weibliche Arbeitsträfte in größerer Zahl nötig haben, in land noch 77. Die Lokalvereine gliedern sich mehr und mehr den Zentral- liche Gegenden verlegt werden, weil in den Städten berbänden ein. Die Zahl der letzteren ist gleich geblieben, fie be- Mangel an weiblichen Arbeitskräften herrscht." Sollte hier nicht trägt 49, die insgesamt 5030 Ortsgruppen umfassen. vielmehr die willigere, billigere, weil weniger aufgeklärte LandGroße Unterschiede zeigen sich, wenn man die Zahl der organi- bevölkerung von den schlauen Unternehmern den Städtern borfierten Arbeiter, nach Kronländern geordnet, betrachtet. Böhmen gezogen werden? Friedrichshafen, 20. Juni.( W. Z. B.) Kurz nach 5 Uhr hatte, steht mit 178 034 oder 35,52 Broz. aller Organisierten an der Spize. fich der Sturm so weit gelegt, daß Graf Zeppelin seine erste Auf Sodann folgt Wien, wo 125 620( 25,07 Broz.) organisierte Arbeiter Frauen- und Kinderarbeit im englischen Bergbau. fahrt mit dem neuen Luftschiff unternehmen konnte. Innerhalb von borhanden sind. Dann kommen Mähren mit 49 527 GewerkschaftsDas englische Ministerium des Innern veröffentlicht soeben einen sieben Minuten war das Luftschiff aus der Halle gebracht. mitgliedern, Niederösterreich mit 39 992, Schlesien und Steiermark Bericht über die Zahl der beschäftigten Bergleute, Kohlenproduktion, die machte bei tadelloser Fahrt verschiedene Wendungen, kehrte aber be mit je 25 000 Mitgliedern. In den übrigen Kronländern ist die Unfälle im Bergbau usw. im Jahre 1907. Danach betrug die Zahl reits nach dreiviertel Stunden zur Halle zurück. Die Landung ging Zahl der Gewerkschaftsmitglieder sehr gering; an lezterer Stelle kominen die Butowing mit 994 und Dalmatien mit 476. Etwas der im Bergbau und in Steinbrüchen( von mehr als 20 Fuß Tiefe) glatt von statten. anders gestaltet sich die Reihenfolge, wenn man die Zahl der Ge- beschäftigten Arbeiter 1060 034, eine Zunahme gegen 1906 von werkschaftsorganisierten mit den im Beruf Tätigen vergleicht. Hier marschiert Wien mit 39 auf je 100 Beschäftigten an der Spize; es folgt Salzburg mit 33, Niederösterreich mit 27, Schlesien und Steiermart mit je 24, Istrien mit 22, Böhmen mit 20 von je 100 Befchäftigten usw. 59 644 im Bergbau, eine Abnahme von 3702 in Steinbrüchen. Siervon entfielen 940 618 oder 89 Proz. auf Rohlengruben. Der weitaus größte Teil von den letzteren, nämlich 758 000 oder mehr denn 80 Broz. arbeiten unterirdisch, und hierunter befinden sich nicht weniger denn 6000 Senaben im Alter von 13 bis 14 Jahren. Außerdem wurden noch 2665 Knaben unter 14 Jahren sowie 5650 Frauen gezählt, die über Tage beschäftigt werden; unter den letteren im Alter von 16 Jahren. Die Gesamtzahl der im Kohlenbergbau beschäftigten Knaben und Jugendlichen betrug 64 563; diefe berteilen sich wie folgt: Die Gesamteinnahme der österreichischen Gewerkschaften betrug 8 120 763 Stronen, die Ausgaben 7 147 730 Kronen. Von den Ausgaben entfielen 2841 000 Stronen auf Unterstützungszwecke und 4 306 390 Stronen auf andere Vereinszwecke. In der letzteren Summe find die Ausgaben für die Fachorgane im Betrage bon Unterirdisch Oberirdisch 1016 227 Kronen einbegriffen. Außerdem wurden für einen WiderKnaben von 13-14 Jahren 5989 bon 12-14 Jahren 2665 stands beztv. Streiffonds 3 283 716 Stronen aufgebracht, wovon von 14-16 Jahren 14159 1825 587 Stronen für Streits und Maßregelungen ausgegeben Jugendliche v. 14-16 Jahren 41750 Die Zahl der Unfälle in Bergwerken und Steinbrüchen mit tödtDas Gesamtvermögen der österreichischen Gewerkschaften ist mit lichem Ausgange betrug 1283 mit 1868 Toten. Hieran sind die Ende 1907, auf 8806 038 Stronen angewachsen. Hiervon entfallen Sohlengruben mit 1195 Unfällen mit 1279 Toten beteiligt. auf die Buchdrucker 2929 000 kronen, auf die Metallarbeiter Produktion von Kohlen stieg auf 267,83 Millionen Tonnen, gegen 1203 000 Stronen, die Holzarbeiter und Textilarbeiter verfügen über 251,06 Millionen Tonnen. zirka je 2 Million Kronen. wurden. Versammlungen Veranstaltungen. Die Gewitter und Hibe. Stendal, 20. Juni.( W. T. B.) In der Altmark sind heute morgen schwere Gewitter mit Sagelschauern niedergegangen. In Vießen schlug der Blik in den Turm der Kirche und setzte ihn in Brand. Der Gutshof bei Wendemark ist durch Blikschlag vollständig eingeäschert worden. Große Mengen Getreide, 40 Rinder und etwa 15 Pferde wurden ein Raub der Flammen. In Vienau wurden mehrere Rinder auf der Weide erschlagen, und in Dolchau die Kirche durch den Blizz schwer beschädigt. Bamberg, 20. Juni.( W. T. B.) Ein starkes Unwetter ging am Nachmittage über Stadt und Umgegend nieder, durch das mehEin Gärtnerhaus rere Stadtteile unter Wasser gesezt wurden. und eine Scheune wurden durch Blizschlag eingeäschert. Der angerichtete Flurschaden ist sehr bedeutend. Wien, 20. Juni.( B. H.) Infolge der fürchterlichen Hike Schulkinder vom Sibschlag betroffen. Der Schule wurden heute Vormittag in der Bürgerschule am Augarten 15 unterricht mußte sofort fistiert werden. München, 20. Juni.( B. H.) Ein schwerer Unglüdsfall ereignete Die tschechoslawischen Vereine, die in der tschechoslawischen fich heute mittag in der Kellerstraße. Infolge eines OhnmachtsGetverlichaftskommission in Prag vereinigt sind, stiegen von 30 Berlin. Der für Dienstag, den 23. Juni, geplante Ausflug der Ge- anfalls fiel der Wagenlenter Wintermeier zu Boden und kam mit auf 33 mit 465 auf 765 Ortsgruppen; die Zahl der Mit- nossinnen Moabits findet wegen der Landtagswahl nicht dem Kopf unter eine Straßenwalze.. Er wurde bis zur Unkenntlichglieder betrug 37 423. Von diesen sind 12 sogenannte Reichs Die Vertrauensperson. teit zerquetscht. Hierzu 4 Beilagen, ſtatt. Berantw, Rebalt Gepra Davidjohn, Berlin. Inferatenteil verantw. th. Glode, Berlin. Drud u.Berlag: Borwärts Buchdr. u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Jr. 143. 25. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Unsere Korrespondenten und Mitarbeiter, ständige wie gelegentliche, werden wiederholt darauf anf merksam gemacht, für die Redaktion bestimmte Beiträge und Zuschriften unr ,, An die Redaktion" und nicht an persönliche Adresse eines Redakteurs zu richten. Es ist nötig, um unliebsame Verzögerungen zu vermeiden. 1905-1908. die das Dem Gewerkschaftskongres in Hamburg legt die Generalfommission einen umfangreichen Rechenschaftsbericht vor, der einen flaren Einblick in die Entwickelung unserer Gewerkschaftsbewegung nicht nur in der Periode vom letzten Gewerkschaftsfongreß in Köln her, sondern bis zum ersten Kongreß nach Fall des Sozialistengesetes ergibt. Im Jahre 1893 hatten die gesamten Verbände noch nicht einmal eine Viertelmillion Mitglieder. Ihre Einnahmen beliefen sich auf 2½ Millionen Mart, ihr Kassenbestand erreichte nur die Summe von 800 000 M. In den folgenden Jahren zeigte sich eine langsame Aufwärtsbewegung und mit dem Jahre 1899 wird die Mitgliederzahl von einer halben Million erreicht, die Einnahmen find auf 7% Millionen Mart, der Kassenbestand ist auf 44 Millionen Mark angewachsen. In den folgenden Jahren zeigte sich eine unerwartete Entwickelung und mit dem Jahre 1904 ist die erste Million Mitglieder erreicht und eine Einnahme von 20 Millionen und ein Kassenbestand von 16 Millionen Mart zeigen, daß mit dem Anwachsen der Mitgliederzahl die Stärkung der Finanzkraft gleichen Schritt gehalten hat. Zwei Jahre später find den Gewerkfchaften mehr als 500 000 weitere Mitglieder zugeführt und die Einnahmen stehen auf 41% Millionen Mart, der Kaffenbestand beträgt 25 Millionen Mark. Auch im Jahre 1907 ist eine Zunahme an Mitgliedern zu verzeichnen, trot ungünstiger Wirtschaftsfonjunktur und trop Mitgliederverlustes in einzelnen Verbänden. Der Mitgliederbestand wuchs auf mehr als 1% Millionen an, das ist gegenüber dem Jahre 1906 eine Zunahme von 175 797 Mitgliedern im Jahresdurchschnitt. Die Einnahme erhöhte sich auf 51 Millionen Mark, der Kassenbestand auf 334 Millionen Mart. Vergleicht man den Mitgliederbestand des letzten Quartals 1906 mit dem des letzten Quartals 1907, so ergibt sich ein geringerer Mitgliederzuwachs und zwar von nur 73 853. Die Mitgliederzunahme in der Zeit von einem Gewerkschaftsfongreß zum anderen ist nicht gleichmäßig. Von 1892 bis 1896 stieg die Mitgliederzahl von 237 023 auf 329 230+92 207, von 1896 bis 1899 auf 580 473+251 243, bon 1899 bis 1901 auf 678 181+97 708, bon 1901 bis 1904 auf 1052 108+373 927 und von 1904 bis 1907 auf 1865 506+813 398. Den stärksten Zuwachs an Mitgliedern weist somit die lehte Geschäftsperiode auf. Die geringere Zunahme an Mitgliedern im Jahre 1907 gegenüber den Jahren 1905 und 1906 ift eine Folge der ungünstigen Wirtschaftskonjunktur, die zum guten Teil der Zollgefeßgebung zu danken ist. Der anhaltende Aufstieg der Gewerkschaftsbewegung, der erfreulicherweise auch für die verflossene Periode fonstatiert werden fann, hat, wie bei fast allen Gewerkschaften, die der Generalfommission angeschlossen sind, auch bei dieser selbst wiederum eine bedeutende Steigerung der Einnahmen und Ausgaben mit sich gebracht. Seit dem Jahre 1892, von welchem Zeitpunkt ab der Etat der Generalfommission auf feste Beiträge der Gewerkschaften gestellt wurde, ist dies ununterbrochen der Fall gewesen, wie aus folgender Aufstellung hervorgeht: der anlaßt Einnahme Ausgabe 1892-1896 119 399,78 1896-1899 166 578,71 1899-1902 263 586,12 1902-1905 377 428,70 92 418,72 167 506,25 240 350,60 281 529,53 1905-1908 780 341,56 570 895,59 Kleines feuilleton. Sonntag, 21. Juni 1908. Mehr als es sonst der Fall war, wurde in den letzten Jahren Davon entfallen auf Lehrerhonorar 12 192 Mt., auf Schulutensilien die Generalfommission von den Gewerkschaften angegangen um 2758,86 Mt. und auf Miete, Licht und Reinigung 1030,88 Mt. Eine der wichtigsten Aufgaben der Generalkommission ist die Pflege der Gewährung von Darlehen. Eine Folge der vielen und umfang. Statistit. nicht allen Anforderungen in der gewünschten Weise Rechnung gereichen Streits und Aussperrungen in dieser Zeit. Leider konnte tragen werden, soweit aber die Möglichkeit dazu vorhanden war, Im Jahre 1906 fonnte zum erstennial eine Statistik veröffent ist es immer geschehen. Es erhielten einschließlich eines Saldovortrages von 34 000 M. 23 Gewerkschaften zusammen 360 400 m. licht werden, in welcher die Erfolge, die von der Arbeiterschaft und 12 Gewerkschaftskartelle zusammen 33 357,30 M. Insgesamt sowohl durch die Lohnbewegungen, die ohne Arbeitseinstellung wurden also 393 757,30 M. während der Berichtszeit ausgeliehen. berliefen, als auch durch die Streits erzielt wurden, dargestellt Davon zahlten 16 Gewerkschaften zusammen 243 900 m. und ein sind. Mit diesen Erhebungen dürften die Statistiken, welche von Gewerkschaftskartell 6000 m. zurück, so daß noch 149 857,30 M. der Generalkommission zu führen sind, ihren Abschluß gefunden am Schluß des 1. Quartals d. J. ausstanden. haben. Es werden Statistiken über die Entwickelung der Gewert schaften, die Lohnbewegungen, die Streils und Aussperrungen, die Gewerkschaftskartelle und die Arbeitersekretariate aufgenommen und bearbeitet. Die Verbandsvorstände erklärten sich auf Anforderung auch Die hochgehende Streit- und Aussperrungsbewegung hat es auch mit sich gebracht, daß verschiedene Verbände gezwungen waren, die Hilfe der übrigen Arbeiter in Anspruch zu nehmen. Auf AnVon dem Reichsstatistischen Amt wurden Vorschläge zur Ver trag der betreffenden Gewerkschaften und unter Zustimmung der besserung der durch die Gewerkschaften, welche ArbeitslosenunterZentralvorstände wurden aus diesem Grunde eine Anzahl Samm- stüßung zahlen, erfolgenden Arbeitslosenzählungen gemacht. In fungen von der Generalkommission ausgeschrieben, und zwar vier einer Konferenz, an welcher zwei Vertreter des Reichsstatistischen allgemeine Sammlungen, die sich an die breite Masse der Arbeiter Amtes teilnahmen, wurden diese Vorschläge beraten und erfolgte richten und 13 sogenannte beschränkte Sammlungen, die sich an die die Durchführung verschiedener Verbesserungen der Statistik. Zentralvorstände wenden. Zwölf Sammlungen davon waren be= stimmt für das Inland und fünf für das Ausland. Aus den ver- bereit, dem Reichsstatistischen Amt die Materialien für eine fortbliebenen Resten der aufgeführten Sammlungen erhielten, ohne daß extra für sie gesammelt wurde, der Verband der Fleischer laufende Statistik über die Tarifverträge auf einem vom Amt 3000 M., der Verband der Dachdecker 5000 M., das Landessetre- gelieferten Schema zusammenzustellen und alljährlich einzuliefern. tariat in Schweden 7800 M., das Landessekretariat in Bulgarien unter Anteilnahme von Vertretern des Statistischen Amtes wurde statistischen Kommission aus6000 M. und der Ungarländische Gewerkschaftsrat 3000 M. Jns- Das Schema von der erwähnten gesamt wurden 66 167,20 M. an das Ausland abgeführt, während gearbeitet. 581 126,17 M. für das Inland Verwendung fanden. Die Ruchlosigkeit", daß die Generalkommission auch der fämpfenden Brüder im Auslande gedachte, wird natürlich in der vom Reichslügenverband gespeisten Bresse entsprechende Beachtung finden. Sei es drum. Die deutsche Arbeiterschaft tut nicht nur ihre Pflicht, sie übt einen Aft der Notwehr, wenn sie dazu beiträgt, daß die Lebenshaltung der Arbeiter in Ländern mit zurüdgebliebener Entwidelung eine Aufbesserung erfährt. Gleich der Partei veranstaltet auch die Generalkommission eine Reihe von Unterrichtskurfen, Die Hilfe der Gewerkschaften wird für die Arbeiten des Reichsstatistischen Amtes in immer umfangreicherer Weise in Anspruch genommen. Das ist erklärlich und selbstverständlich, denn Arbeiterstatistik läßt sich nur mit Hilfe der Arbeiterorganisationen Auf der anderen Seite sollte dann aber auch die Statistik über die Streits und Aussperrungen nur unter Mitwirkung der Gewerkschaften aufgenommen werden. betreiben. Dazu ist man aber trotz aller Kritif bisher nicht gekommen. Sine Aenderung hat die amtliche Streifstatistik im letzten Jahre erfahren, jedoch kann diese als eine Verbesserung nicht angesehen werden. Bisher wurden amtlich die Streits und Aussperrungen die speziell auf die Aufgaben der Gewerkschaften zuge- Ende des Kampfes angegeben. Das letztere hat man, der Ver nach Verwaltungsbezirken registriert und wurde stets Beginn und schnitten sind. einfachung wegen, fortgelassen, und die Registrierung erfolgt nunabgehalten. Der erste Kursus, vom 20. August bis 15. September mit der gewerkschaftlichen Streifstatistik nahezu unmöglich ge Es sind vom August 1906 bis März 1908 insgesamt 8 Kurse mehr nur nach Berufen. Dadurch ist ein Vergleich der amtlichen 1906, hatte 39 Teilnehmer, der zweite, vom 15. Oktober bis 10. No worden. Es mag ja unangenehm gewesen sein, daß die General bember 1906, hatte 49 und der dritte, vom 19. November bis tommission zuverlässig nachweisen konnte, daß in den Jahren 1901 15. Dezember, 49 Teilnehmer; lettere sämtlich Mitglieder des Ver- bis 1905 in der amtlichen Statistik nicht weniger als 2085 Streits 11. Mai 1907, nahmen 29, an dem fünften, vom 30. September war ein Vergleich zwischen den beiden Statistiken wegen des Fehlens An dem vierten Kursus, vom 8. April bis und Aussperrungen mit 42 776 Beteiligten fehlten. bis 2. November 1907, nahmen 69, an dem sechsten, vom 11. No- der genauen Bezeichnung von Ort und Zeit der Streits in der bember bis 14. Dezember 1907, nahmen 71 Personen teil. Der amtlichen Statistit nicht möglich. fiebente Kursus, vom 13. Januar bis 15. Februar 1908, hatte 65 Aussperrungen von 17 Organisationen, die 2250 Kämpfe zu führen und der achte Kursus, vom 24, Februar bis 28. März 1908, 71 Teil- hatten, mit der amtlichen Statistik nicht in Vergleich gestellt nehmer. Die acht Kurse wurden insgesamt von 442 Teilnehmern werden. Für die anderen Organisationen ist jedoch nachgewiesen, besucht. Außerdem nahmen an den meisten Kursen noch Hospi- daß 257 Streiks und Aussperrungen, die unter Angabe von Zeit tanten teil, die nur einzelne Vorträge hörten. bandes der Maurer. Für 1906 Es konnten die Streiks und und Ort des Kampfes registriert worden sind, in der amtlichen Statiftit fehlen. Die ersten drei Kurse hatten eine Dauer von vier Wochen, die lebten fünf eine solche von fünf Wochen, und wurde für diese Die Generalfommission hat ihrerseits bersucht, das Reichsamt ein neuer Unterrichtsgegenstand( Strafrecht) hinzugenommen. Vom des Innern zu einer Aenderung der amtlichen Streifftatistit zu Herbst 1908 ab sollen die Kurse auf sechs Wochen ausgedehnt werden. veranlassen. Sie richtete im Januar 1904 an das Amt eine Es wurden Vorträge gehalten über: Geschichte und Theorie Eingabe, in welcher die Mängel der amtlichen Statistik dargelegt der deutschen Gewerkschaftsbewegung( 18 Stunden), Die gegnerischen und Vorschläge zu deren Beseitigung gemacht wurden. Auf eine Gewerkschaften in Deutschland( 14 Stunden), Die Gewerkschafts- Anfrage im August 1904 teilte das Reichsamt des Innern mit, bewegung des Auslandes( 15 Stunden), Die Versicherungsgeseh- daß die Erwägungen über die Eingabe noch nicht abgeschlossen gebung( 13 Stunden), Arbeiterschutz( 15 Stunden), Gewerblichen feien. Es wird anscheinend noch immer erwogen, denn bis jetzt Startelle und Unternehmervereinigungen( 15 Stunden), Einführung gelaufen. Im März 1908 nahm dann der Vorsitzende der General Arbeitsvertrag( 13 Stunden), Nationalökonomie( 27 Stunden), ist eine Antwort vom Amt bei der Generalkommiffion nicht einin die Statistik( 13 Stunden), Gewerkschaftliche Literatur kommission, der Genosse Legien, Veranlassung, im Reichstage ( 6 Stunden), Bankwesen und Geldverkehr( 8 Stunden) und Straf- die Mängel der amtlichen Statistik zu kritisieren. Der Staatsrecht( 8 Stunden). Ein Teil der Unterrichtsstunden ist zur Diskussion sekretär erkannte wohl an, daß die amtliche Statistik tein vollüber das Vorgetragene und zu einer Aussprache über den be- ständiges Bild über die Streitbewegung gibt, gab aber keine Er. handelten Stoff zwischen den Vortragenden und den Kursus- klärung dahingehend ab, daß endlich die sich alljährlich wieder. teilnehmern vorgesehen. holende falsche Darstellung, die durch die amtliche Statistik erfolgt, beseitigt werden wird. Die Kosten der Einrichtung belaufen sich auf 15 981,74 Mt. Notizen. ( Jugend".) als Nebel- oder Kondensationskerne dienen. Genau so wirken aber, Drden? hat er feinen gehabt!" So?! Na, da gehen Sie nur wie der Engländer Wilson experimentell nachgewiesen hat, die ruhig nach Hause. Da friegen wir ihn schon!" Gasionen, und zwar die negativen leichter als die positiven. Damit Stillgestanden! Achtung! Augen links! Die Luftelektrizität und und Gewitter. Donner und Blitz haben läßt sich der Verlauf des Gewitters so erklären, daß an heißen, Berliner, die bekanntlich immer zu nörgeln haben, zerreißen sich jezt ihrer Natur nach seit den Kindheitstagen des den Kindheitstagen des Menschen windstillen Sommertagen die Erdoberfläche, die start erhist wird, den Mund darüber, daß ihr Oberbürgermeister Kirschner, wenn ein geschlechts auf Geist und Gemüt den tiefsten Eindruck gemacht. Wärme an die unteren Luftschichten abgibt. Die Luft steigt Naturreligionen fehen in ihnen die Attribute höchster Gottheiten. empor und dehnt sich dabei infolge abnehmenden Druckes aus. Monarch zu Besuch tomumt, mit abgezogenem gut auf dem Pariser Mit wachsender naturwissenschaftlicher Erkenntnis aber hat der Dadurch sowie durch Berührung mit den höheren Luftschichten Plaz dienert. Nun muß man freilich zugeben, daß die Aufstellung Forschergeist der überwältigenden Macht des Gewitters eine rein fühlt sie sich allmählich bis zum Taupunkt ab. Der Wasserdampf des Herrn Kirschner im Freien mit vielen Unbequemlichkeiten ber Hiße er in Gefahr, den fachliche Betrachtungsweise entgegengebracht. Vor etwa anderthalb sammelt sich als Nebel zunächst um die Staubteilchen und dann um bunden ist; bei großer Size schiebt Jahrhunderten ist die elektrische Natur der Gewitterwolfen erkannt die negativen Jonen. Sie bilden eine Wolfe, die nicht so schnell Sonnenstich zu bekommen; bei großer Kälte holt er sich den und durch den Versuch festgestellt worden, ein Jahr vor aufsteigt wie der Luftstrom von der Erdoberfläche, oder die über- Rheumatismus und beim Regen wird sein seidener Zylinder total dem berühmten Franklinschen Drachenversuch durch D'Allibard, haupt nicht mehr steigt, sondern schweben bleibt. Der Luftstrom widerspricht. Alle diese Unannehmlichkeiten vergrößern fich, je länger ruiniert, da der Gebrauch eines Regenschirms der Etikette allerdings durch eine Veröffentlichung Franklins ver- bildet dann bei weiterer Aufwärtsbewegung Tröpfchen um die widerspricht. Alle diese Unannehmlichkeiten bergrößern sich, je länger im Jahre 1752 einer hohen isolierten Stange positiven Jonen, d. h. es entsteht eine positive Wolfe, womit dann die Reden dauern. Sie find aber zu beseitigen, wenn man das beim Herannahen von Gewitterivolten Funken entzog. Troß die Bedingungen zu den Gewitterentladungen geschaffen sind. Programm in drei Punkten ändert: Für Kirschner muß 1. ein Dach, 2. eine regenfeste Kleidung geschaffen werden und 3. muß die gere dieser verhältnißmäßig langen Bekanntschaft mit dem Wesen des Wie entfernt man Sommersprossen? Es gibt wenige Haut- monie möglichst abgekürzt werden. Dies geschieht am besten dadurch, Gewitters ist auch unsere heutige Kenntnis auf dem Gebiete der atmosphärischen Elektrizität noch eine Lückenhafte. Was zu seiner leiden, welche ihre Träger und Trägerinnen so sehr genieren wie die daß für Herrn Kirschner ein Schilderhaus auf den Pariser Plaz geAufhellung ersonnen wurde und was die heutige Wissenschaft darüber Sommersprossen, so harmlos und unschuldig sie an und für sich stellt wird, daß er die Uniform eines Trainsoldaten( 6. Garnitur zu sagen weiß, stellt ein Aufsatz von Professor Brembach im„ Elektro- auch sind. Tatsächlich wird ja auch das schönste Geficht zumal bei anzieht, und daß er präsentiert, während der einziehende Monarch technischen Anzeiger" in fritischer Weise zusammen. Die älteste An- einem sonst sehr zarten Teint sehr erheblich entstellt. Und was das schnell vorbeifährt und die Finger an den Helm legt. nahme, daß die atmosphärische Elektrizität infolge der Reibung zwischen schliminste ist, es gibt kein ficheres Mittel, um die Sommersprossen den Luftteilchen und den darin fein verteilten Wassertröpfchen ent- dauernd zu entfernen, so viele ihrer auch angepriesen werden. Der steht, ist durch unsere heutige Kenntnis, wonach ein Gas in normalem Erfolg bei allen Mitteln ist nur von kurzer Dauer und nach einer Reihe Bustande überhaupt keine Elektrizität aufnehmen kann, widerlegt. In bon Wochen sind die kleinen Flecken genau wieder wie vorher vor- Die Pest in Indien. Die letzten Bestepidemien in befferer Uebereinstimmung mit wirklichen Tatsachen steht die Ver- handen. Alle Sommersprossenmittel haben das gemeinsam, daß fie die Indien haben, wie Lancet berichtet, immer noch eine große örtliche mutung, daß die Luftelektrizität durch Reibung zwischen Eisteilchen farbstofführende Schicht der Oberhaut zur Abstoßzung bringen, nach Berbreitung gezeigt, aber die hohe Sterblichkeit ist doch auf ber und assertröpfchen erzeugt wird. Dabei werden nämlich, wie deren Anwendung führt die neugebildete Haut weniger Farbstoff einzelte Städte und Distrikte beschränkt geblieben. In der PräsidentFaraday gezeigt hat, tatsächlich jene negativ, diese positiv elektrisch. und somit ist der Zweck der Entfärbung zunächst erreicht. schaft Bombay wurden Anfang Mai 1561 Todesfälle in einer Woche Die Eisnadeln der Cirruswolken würden also bei Berührung mit beste Mittel hierzu ist das Sublimat in 1-2 Broz. Lösung, welches gezählt, wovon 496 auf die Stadt Bombay entfallen. In der Provinz den Wassertröpfchen der Haufenwolfen die Gewitterbildung ver- entweder wiederholt aufgepinselt oder in der Weise angewendet wird, ursachen. Endlich hat man den Wärmestrom, der von der Erdoberfläche daß man ein mit dieser Lösung angefeuchtetes Läppchen auflegt und Bengalen gab es 266 Todesfälle in Calcutta, während das Land nach der Peripherie der Atmosphäre fließt, als Quelle der Luft- oder minder stürmisch ab und die sich neubildende ist dann Lucknow, Benares und Bareilly meldeten überhaupt keinen Bestfall. sonst ziemlich feuchenfrei blieb. In den übrigen Provinzen war die Die Haut stößt fich darauf mehr Sterblichkeit nicht sehr bedeutend. Große Städte wie Allahabad, elektrizität angesprochen. Die moderne Ansicht über die Gewitterbildung ruht auf dem Boden der Jonentheorie. In den letzten Jahren ist farblos oder jedenfalls weniger gefärbt. Da diese Kur jedoch Im Bandschab starben insgesamt 2543 Menschen in einer Woche. die Naturwissenschaft davon abgekommen, die Atome der chemischen sehr scharf ist, darf sie nur unter ärztlicher Kontrolle vorgenommen im ganzen ist die Lage immerhin erheblich günstiger als im verElemente als die ficinsten Massenteilchen zu betrachten. Sie nimmt werden. Aehnlich wirkt der Seifenspiritus, welcher dreimal täglich gangenen Jahre und nirgends zeigen fich große Gebiete verseucht. vielmehr an, daß diese Atome aus sehr viel kleineren Partifelchen, aufgepinfelt wird. Mildere Mittel sind der Borag und der Schwefel. wirklich beunruhigend ist nur das neue Auffladern der Epidemie in den sogenannten Jonen, bestehen, deren eine Hälfte innerhalb des was ersteren anlangt, jo reibt man mit einer Lösung, die aus der Stadt Bombay troz aller hygienischen Maßnahmen, die im Atoms positiv und und deren andere negativ elektrisch ist, so daß 15 Gramm Boray, 20 Gramm Kölnisch Wasser und 150 Gramm weitesten Umfange getroffen worden sind. das ganze Atom unelektrisch erscheint, weil sich die Ladungen aus- Spiritus besteht, das Gesicht ein- bis zweimal täglich ein. Den gleichen. Die Atome der Gase können nun durch verschiedene Ein- Schwefel verwendet man in Form einer mit aromatischer Gisigfäure unseres Erachtens nach nicht gerechtfertigt";" meines Erachtens nach flüsse in ihre Jonen gespalten, das heißt ionisiert werden. hergestellten Baſte. Den roten und grünen Schleiern rühmt man läßt sich da nichts mehr tun". Sollte man es für möglich halten, Dies geschieht zum nach, daß sie das Entstehen der Sommersprossen verhüten. zum Beispiel durch die Einwirkung der daß solche Fügungen und ähnliche, wie meines Wissens nach" u. a., ultravioletten Strahlen, der Radiumemanation und anderer selbst bei gebildeten Deutschen immer wieder vorkommen? Seit wann Agentien, die auch in der Erdatmosphäre tätig sind. berbindet man denn„ nach" mit dem zweiten Fall? Würde man auch etiva Dort sind frei Jonen vorhanden, die in steter Wanderung begriffen Sicheres Kennzeichen. In ein Berliner Polizei- fagen: nach meines Wissens?" Wie kommt man nur zu der doch eigentlich find, wobei die negativen Jonen die größere Beweglichkeit befigen. fommiffariat tommt spät abends ein Herr hereingestürzt und ber- unglaublichen Nachlässigkeit, zwei Redewendungen, von denen jede Aus diesem Grunde kommen sie auch in größerer Anzahl an der langt vor den Polizeikommissar geführt zu werden. Dort erzählt er für sich tadellos ist, so töricht zu verquiden Meinem Grachten Erdoberfläche an, die nach dieser Theorie, eine negative Ladung in erregten Worten, daß ihn ein Individuum auf offener Straße nach" ist richtig, und meines Erachtens" ist natürlich ebenso richtig haben müßte. Dies wird nun tatsächlich durch die Erfahrung angefallen, ausgeraubt und noch dazu geschlagen habe. Darauf ent- wie meines Wissens"; aber beides vermischt ist grundfalsch und bestätigt. Die hohen Spannungsdifferenzen, die sich bei einem widelt sich folgender Dialog: Ja, da wird sich schwer etwas machen muß unter allen Umständen vermieden werden. Das VermittelungsGewitter zeigen, hängen in engster Weise mit der Konden lassen.( Pause)- Wissen Sie vielleicht ein besonderes Kennzeichen glied für die unfinnige Wendung wird die Fügung mit weiblichen fation des Wasserdampfes zusammen. Begünstigt wird diese dieses Burschen?" Nein, das gerade nicht!"( Längere Bauſe.) Wörtern meiner Meinung nach, meiner Ansicht nach"- sein, Kondensation durch die in der Luft schwebenden Staubteilchen, die Wissen Sie vielleicht, welchen Drden er hatte?"- Drden? in der man fälschlich den driften Fall als zweiten anfieht. Humor und Satire. Das -" Unseres Erachtens na ch." Diese Maßnahvie ist " Da, „Correfponbenzblatt" der Generalkommission hat seit dem Kölner Kongreß(ISOS) eine wesentliche Neuerung erfahren durch die Herausgabe von stati- st i s ch e n und Adressenbeilagen. Der Stuttgarter Kongreß (löVLZ hatte den Beschlutz des Frankfurter Kongresses(ISSS), betreffend die Herausgabe eines Jahrbuches der Gewerkschaften aufrechterhalten, und auch der Kölner Kongreß hatte nichts daran geändert. Die Ausführung war indes unterblieben, da sowohl in der Gcneralkommifsion, als auch in Kreisen der Vorstände eine klebereinstimmung über den Charakter eines solchen Jahrbuches nicht zu erzielen war. Der Plan der Redaktion, die gewerkschaftlichen Statistiken nebst den Berichten der Gencralkommission, des Zentralarbeitcr- sekretariats, sowie den Berichten über Generalversammlungen und Kongresse in Viertcljahrsheften unterzubringen, welche in geringerer Auflage hergestellt, dann zu einem„Jahrbuch der Gewerkschaften" zusammengestellt werden sollen, beschäftigte auch die Konferenz der Vorstände, doch konnte auch hier keine völlige Uebereinstimmung erzielt werden. Besonders wurde gegen die Herausgabe der gewcrk- schaftlichen Statistiken in geringerer Auflage eingewendet, daß damit ein wertvolles Agitationsmaterial nur noch einem kleinen Teil der tätigen Genossen zugänglich gemacht werde. Man fand schließlich den geeignetsten Ausweg darin, diese Statistiken als „Statistische Beilagen zum Correspondcnzblatt" in dessen voller Auflagenhöhe zu veröffentlichen. In inhaltlicher Beziehung hat das„Correspondenzblatt" durch diese Ausscheidung der umfang- reichen Statistiken die Möglichkeit gewonnen, den deutschen GeWerk- schaftSverhältnissen einen größeren Raum zu widmen. Die Auflage des„Correspondcnzblattes" ist von 16 400 im Mai lbvö auf 25 500 Exemplare im Juni 1908 gestiegen. Bei .-inzelnen Nummern wurde bereits eine Auflage von 26 000 rreicht. Das italienische Blatt„L'Op er a i o I t a l i a n o", das seit oem l. Januar 1906 achttägig, vierseitig, in etwas vergrößertem Formate erscheint, wurde auf Wunsch der Organisationen der Maurer und der Bauarbeiter von'Berlin nach Hamburg verlegt. Seine Auflage betrug Anfang 1905 höchstens 4900 und Anfang 1908 0700 Exemplare. Die Höhe der Auflage wechselt nicht nur mit der Jahreszeit, sondern auch mit der Konjunktur im Baugewerbe. In den Wintermonaten kehren, besonders wenn, wie im vorigen Jahre, geringe Baulust vorhanden ist, Massen italienischer Bau- arbeiter in die Heimat zurück, wodurch die Zahl der Bezieher des Blattes selbstverständlich verringert wird. In den Sommermonaten steigt diese uvd erreichte Mitte 1907 mit 15 800 den höchsten Stand. Auch die Auflage des„O s w i a t a", das gleichfalls seit dem 1. Januar 1906 achttägig, vierseitig, in vergrößertem Format er- scheint, hat sich gehoben von 3700 Anfang 1905 auf 6300 Anfang 1908. Im Verhältnis zu der Zahl der wolnisch sprechenden Ar- beiter ist die Auflage noch sehr gering, doch ist zu berücksichtigen. daß der Bergarbeiterverbano für die polnisch sprechcnben Berg- arbeiter ein eigenes polnisches Organ herausgibt. Das Arbeiterinnen-Sekretariat Kurdi im Oktober 1905 neu eingerichtet. Einige Verbandsvor- stände verhielten sich anfänglich etwas ablehnend gegen das Arbeite- rinnen-Sekretariat. Es hatte den Anschein, als befürchteten sie, da? Sekretariat könne versuchen, sich in ihre inneren Angelegen- heiten unberufenerwcise einzumischen. Da das Sekretariat sich jedoch vor jeder Kompetenzüberschreitung hütete und es sich an- gelegen sein ließ, die Gewinnung und gewerkschaftliche Schulung der Arbeiterinnen zu pflegen und immer von neuem diejenigen Anregungen zu geben, durch die es meinte, die Organisation zu fördern, so schwand jenes anscheinende Mißtrauen bald dahin. Um mit den Vertreterinnen der verschieoenen Organisationen in Fühlung zu bleiben und sie zugleich zur immer besseren und wirkungsvolleren Betätigung für die Sache der Arbeiterbewegung heranzubilden, hielt das Arbeiterinnen-Sekretariat unter Mit- Wirkung von Genossinnen aus dem Arbeiterinnen-Komitee regel- mäßige Zusammenkünfte ab, bei lvelchcn nach Belehrungen über den Aufbau von Referaten und Nachweis von Materialien kleine Vorträge über verschiedene gewerkschaftliche Fragen von den damit Beauitragten gehalten wurden. Der Erfolg dieser Tätigkeit des Arbeiterinnen-Sekretariats ist besonders für einzelne Gewerkschaften schon in außerordentlich günstiger Weise zutage getreten. Eine Anzahl der an diesen UebungSabendcn vorgebildeten Gewerkschaftsgenossinnen betätigt sich bereits mit großer Gewandtheit bei BetricbSzusammenkünften und-besprechungen wie in Mitgliederversammlungen, und einige, die zuvor kaum in der kleinsten Versammlung auch nur in der Diskussion das Wort ergriffen hatten, sind jetzt sehr tüchtige agi- tatarische Kräfte. Vier dieser Genossinnen sind auf Grund ihrer Leistungen von den Zentralvorständen ihrer Verbände für geeignet befunden worden, an den gewerkschaftlichen Unterrichtskursen der Generalkommission teilzunehmen. Eine der in den UebungS- abenden des Sekretariats vorgebildeten Genossinnen wurde in den Zentralvorstand ihres Verbandes gewählt und ist nunmehr als dessen Beamte angestellt. Dieser Verband, der seit 1905 eine Zu- nähme an weiblichen Mitgliedern von mehr als 100 Proz.— in absoluter Zahl ausgedrückt, um etwa 26 000 Arbeiterinnen— zu verzeichnen hat, erhielt durch das Arbeiterinnen-Sekretariat in der Zeit von Oktober 1905 bis März 1908 rednerische Kräfte für etwa 200 Versammlungen gestellt. Das Anwachsen der Zahl weiblicher Gewerkschaftsmitglieder im Jahre 1906 von 74 411 auf 118 908, also um fast 60 Proz.(genau 59,8 Proz.), beweist wohl, daß die von der Generalkommission zur Organisierung der Arbeiterinnen-Agitation geschaffen« Einrichtung zweckentsprechend ist, wenn selbstverständlich auch nur ein Teil dieser Erfolge auf die 563 vom Arbeiterinnen-Sekretariat mit Redne- rinnen versorgten Versammlungen und die von ihm angeregte oder unterstützte schriftliche Agitation zurückzuführen ist. Das » Zentral-Arbeitersekretariat hat in der verflossenen Berichtsperiode eine fortgesetzt gesteigerte Inanspruchnahme zu verzeichnen, eS hat sowohl die Zahl der über- wiesenen Streitsachen als auch die Zahl der schriftlich eingefor- dertcn RechtSauSkünfte zugenommen. Die Verbindung mit den gewerkschaftlichen Landeszentralen .bet europäischen Länder ist in den letzten Jahren wesentlich befestigt und so ausgebaut worden, als sie nach den gegebenen Verhältnissen ausgebaut werden kann. Voraussetzung für eine cnggeschlosscne internationale Verbindung ist möglichst gleichartige Gestaltung der Gewerkschaften in den einelnen Ländern. Diese ist wohl bei den Gewerkschaften einzelner Berufe vorhanden und können deshalb die einzelnen Berufsorganisationen festere internationale Verbin- düngen schaffen, sie fehlt aber noch in mehreren Ländern für die Gesamtheit der Gewerkschaften. Zwar ist das Prinzip, die GeWerk- schaften in einer Landeszentrale zu vereinigen, in allen Ländern, in denen es«ine nennenswerte Gewerkschaftsbewegung gibt, durch- geführt. Jedoch sind die Aufgaben, welche diese LanocSzentralcn zu erfüllen haben, nicht gleichartig. Diese Verschiedenartigkeit der Organisationsverhältnisse er- inöglichte cS nicht, feste Vereinbarungen unter den gewerkschaftlichen Landeszcntralen zu treffen. Die Vereinbarungen können sich nur darauf erstrecken, daß eine regelmäßige Berichterstattung erfolgt und daß gelegentlich gegenseitige Hilfe in den wirtschaftlichen Kämpfen gewährt wird, ohne daß eine Verpflichtung zur Leistung bestimmter Summen besteht. Unter diesen Bedingungen haben sich die gewerkschaftlichen Landeszentralen der europäischen Länder vereinigt. Allzährlich berichten die Landeszentralen an den internationalen Sekretär über die Gewerkschaftsbewegung und Arbeiterschutzgesctz- gebung ihres Landes. Der internationale Sekretär stellt die Be- richte zusammen und veröffentlicht sie in deutscher, englischer und französischer Sprache. Bisher sind vier solcher Berichte(für 1903. 1604/1905 und 1900) erschienen, die in einer Auflage von L00.0 ' m deutscher und je 1000 ick englischer und französischer Sprache herausgegeben sind. In den skandinavischen Ländern wird der Bericht abwechselnd von Dänemark, Schweden und Norwegen in die Landessprache übersetzt und in den drei Ländern verbreitet. Von den europäischen Ländern, in welchen eine nennenswerte Gewerkschaftsbewegung vorhanden ist und eine gewerkschaftliche Landeszentrale besteht, gehört nur Frankreich dem internationalen Sekretariate nicht an. Tie Landcszentrale in Frankreich verlangte schon von der vierten internationalen Konferenz, daß sie sich mit der Frage des Generalstreiks und des Antimilitarismus bcschäf- tigen solle. Diese Konferenz lehnte solches ab, und auch die Kon- fcrenz in Kristiania erklärte, daß es nicht die Aufgabe einer ge- werkschaftlichen Konferenz sei, diese Fragen zu behandeln. Es scheint, als wenn die gomerkschaftliche Landeszentrale in Frankreich sich infolgedessen, wie schon seit dem Jahre 1905, von dem inter- nationalen Sekretariat auch weiter fernhalten will. Die internationale Verbindung ist gegenwärtig so weit aus- gebaut, als sie bei der Vcrschiedenartigkeit der Ausgaben, welche die einzelnen Landcszentralcn haben, ausgebaut werden kann. Eine weitere Ausgestaltung dieser Verbindung kann erst eintreten, wenn die Organisationen in den einzelnen Ländern in bezug auf die Finanzkraft und die Taktik eine mehr gleichartige geworden ist. Ueber die BerwaltungSarbeit der Gencralkommission> mögen folgende Ziffern ein Bild geben: Aus Deutschland gehen insgesamt 94 GeWerk- schaftSblätter ein. Davon erscheinen 1 wöchentlich dreimal, 1 wöchentlich zweimal, 55 wöchentlich einmal, 3 dreimal monatlich, 25 vicrzchntägig bezw. zweimal monatlich und 9 einmal monatlich. Ferner gehen ein aus Oesterreich 17 Gewerkschaftsblätter, Böhmens, Ungarn 4, Bulgarien 1, Polen 1, Schweiz 3, Frankreich 3, Hol- land 5, Skandinavien 9 und aus Amerika 8. Gewerkschaft- liche Zentralorgane kommen von den Landeszentralen in Oesterreich, Ungarn, Schweiz, Frankreich, Belgien, Holland. Eng- land, Norwegen, Dänemark und Nordamerika. Politische Zeitungen aus Deutschland 43. Davon 2 dreimal täglich, 4 zweimal täglich, 35 täglich einmal und zwei wöchentlich einmal. Ferner aus Oesterreich 4, Schweden 2, Norwegen 1, Dänemark 1 und Rußland 1. Journale, Zeitschriften und ZeitungSkorrcspondcnzen gehen 93 ein. Davon erscheinen 10 wöchentlich, 3 vicrzchntägig, 1 monatlich dreimal, 13 halbmonatlich, 23 monatlich, 1 vierteljährlich, 8 sind Unternehmcrorgane, 13 amtliche Organe, 5 internationale Berufs- organe und 16 Korrespondenzen. Außerdem erhält die Gencralkommission von dem Reichsstati- stischcn Amt und den statistischen Aemtern deS Auslandes sämtliche Publikationen, wie auch die meisten Berichte der GewerbeaufsichtS- beamten Deutschlands gegen Lieferung deS„Correspondenzblattcs" und der sonstigen von der Generalkommission herausgegebenen Literatur. Ten Postverkehr der Generaltommission und deS Zentral- arbeitersekretariatS zeigt die folgende Aufstellung: Postverlehr vom 1. April 1905 bis zum 31. Mai 1903. -------- Drucksachen insgesamt 1. Bureau der Generalkommission... 10 794 2. Kasse............. 8 447 3. Arbeiterinnensekretariat...... 562 4. Redaktion deS„CorrespondenzblatteS". 1 424 5. Expedition des„CorrespondenzblatteS". 2 180 6. Zentralarbeitersekretariat...... 15 528 38 935 insgesamt 33 583 17 523 1 179 751 77 523 24 846 Zusammen 155 355 Eine unendlich mühselige, Stück an Stück reihende Arbeit spricht auS diesen Einzelziffern. Eine Arbeit, die aber nach außen dann machtvoll in die Erscheinung tritt in den Riesenzahlen, in welchen die deutsche Gewerkschaftsbewegung sich repräsentiert. Beinahe 2 Millionen organisierter Arbeiter sind«ine Macht, welche sich nicht nur dem Unternehmertum unangenehm bemerkbar macht und alle Scharfmachergelüste zuschonden werden läßt, sondern mit der auch Gesetzgebung und Verwaltung zu rechnen haben. Die Tatsache einer Organisation von beinahe zwei Millionen ist aber auch ge- eignet, das Selbstgefühl deS einzelnen Arbeiters zu heben, ihm einen Rückhalt, einen Stützpunkt für seine Stellung in der Gesell- schaft und im Wirtschaftsleben zu geben. Der Bericht der General- Kommission ist so recht eine Illustration zu dem Wort, daß die Arbeiterschaft vereinzelt nichts, vereint alles sei. AittschsNIicher Aschenbericht. Berlin, 20. Juni 1908. SrisiS in der Textilindustrie.— Roheisenerzeugung.— Versand des Stahlverbandes.— Rohmatcrialpreise.— Politik der Rohstoffverbände.— Getreideprrise an den Weltmärkte». Die Textilindustrie, die zunächst anscheinend von der Krise gar nicht oder nur wenig berührt wurde, befindet sich jetzt in durchaus übler Verfassung. Besonders in der Baumwollbronche ist die Lage verworren. Noch Ende 1907 waren die Webereien und Spinnereien obenauf. Man glaubte wohl des Konjunktursegens fei kein Ende. Den Abnehmern wurden langfristige, bis Ende dieses Jahres laufende Verträge und die ausschweifendsten Jubelpreise aufgenötigt. Bald stellte sich heraus, daß viele Abnehmer, nur um überhaupt anzukommen, mit den Eindcckungen weit über das Bedürsiiis hinausgegangen waren. ES wiederholen sich die Vorgänge unerfreulichen Angedenken? auS dem Jahre 1901 in der Eisenindustrie: Anfechtung der Verträge, Forderung auf Preisnachlaß und Kürzung der abgeschlossenen Mengen, Abnahmeverweigerung auf der einen Seite, auf der andern das Verlangen auf Erfüllung der vertraglichen Verpflichtungen und im weiteren Verlauf: Zwangsverkäufe und Konkurs« I Während unsere Kolonmlschwärmer die Notwendigkeit eigener Baumwollkulturen in an-gegliederten Landes- teilen zu erweisen sich bemühen, ertönt aus der Baumwollindustrie der Notschrei: ProduktionSeinschränkung! Kürzlich schrieb ein Fach- mann im„Konfektionär" folgendes:„Für diese Branche wäre der einzige Rettungsweg gewesen, wenn der internationale Baumwoll- kongrcß, der in den ersten Tagen des Juni in Paris getagt hat, eine einheitliche BetricbSeinfchränkung beschlossen hätte. Tie Produktion ist für den Konsum viel zu groß geworden. Bei den AuSrüstern in den Bleichereien und Färbereien haben sich seit Monaten die Läger riesig gehäuft. Nur durch Betriebseinschränkungen seitens der Webereien, die vorläufig weiter produzieren und auf Abnahme drängen, kann die weitere Anhäufung von drückenden Vorräten ver- mieden werden." Die Webereien drängen also immernoch auf Abnahme, obwohl die Grossisten und Konfektionäre die Läger ebenfalls vollgepfropft haben und nicht ein noch aus wissen. Denn an eine Besteruna ist vor- läufig nicht zu denken: in der Konfektion geht der Absatz weiter zurück. Bei den Detailhändlern find große Posten auS der Frühjahrs- bestellung unverkauft geblieben und die Kleiderfabriken müssen ihre Produktion einschränken, denn die ErzengungSeinschränkungcn in der Eisenindustrie, die Flaue am Baumarkt, die mangelnde Beschäftigung in fast allen anderen Gewerben hat das Emkommen der Arbeiter- bevölkerung teilweise empfindlich geschmälert und da wird zunächst an Kleidung gespart. ES ist daher auch zu optimistisch geurteilt, wenn man annimmt, die Textilindiistrie habe den tiefsten Punkt nunmehr bestimmt erreicht. An eine allgemeine Belebung am Jndnstriemarkt ist leider vorläufig noch nicht zu denken. Wie eS in der Eisen- und Stahlindustrie aussieht, lassen die Produktionsziffern erkennen. Die deutsche Roheisenerzeugung, die in den ersten fünf Monaten 1007 noch um über 200 000 Tonnen, auf 5 311 617 Tonnen, gegenüber dem Vorjahre hinausging, ist für die Parallelzeit 1908 um fast 100 000 Tonnen hinter der Erzeugung deS Jahres 1906 zurückgeblieben und ist somit um über 300000 Tonnen niedriger als die Produktion m der gleichen Zeit 1907. Noch markanter tritt die Veränderung an den Versandziffern deS Stahl- Verbandes in Erscheinung. Die Verbandsleitung hat sich wieder mal das Vergnügen gemacht, gut Wetter vorzuspiegeln, indem sie die Steigerung der Erzeugung im Mai gegenüber April d. I. hervorhebt. Denselben Scherz konnte man sich auch mit dem März- ausweis erladben, denn auch dieser brachte höhere Ziffern als der Februar. Vergleiche kann man natürlich nur mit den gleichen Faktoren anstellen. Und im Vergleich mit den Vorjahren zeigt die Gesamterzeugung in jedem Monat dieses Jahres erhebliche Rück- gänge. Um ein noch einwandfreieres Zahlenbild zu bekommen, stellen wir die Erzeugung der ersten fünf Monate der drei letzten Jahre zusammen. ES sieht so aus: Halbzeug Eiseubahn-Oberbaumat. Formeisen..... Gesamtprodukte A 1906 823 367 809 418 779 597 1907 Tonnen 716 810 936 794 764 821 in 1908 gegen 1008 1906 mehr+ weniger— in Prozent 561 806— 31,8 925 001+ 12,5 590 036— 24,3 2 412 379 2 418 425 2 076 843— 13,9 Während die Erzeugung der Produkte A insgesamt sich im Jahre 1907 noch etwas über die Erzeugungsmenge in der Vergleichszeit 1906 hinaushob, ist sie für das letzte Jahr um fast 14 Proz. gesunken. Trotzdem zeigt sich bei Eisenbahn-Oberbaumaterial eine Steigerung von 12,5 Proz. Die starke Beschäftigung in Eisenbahn- Material, die die Stahlwerke den Eisenbahnverwaltungen ver- danken, war die beste Stütze der vielbeklagten Preis- Politik der Verbände gegenüber den Halbzeugkäufern. Wie die Zahlenreihen zeigen, ist der Versand in Halbzeug relativ erheblich stärker gesunken als die Erzeugung in Produkten A. Indem die Werke den Sclbftverbrauch an Halbzeug steigern konnten, durch Zu- nähme der Erzeugung von Eisenbahnmaterial, waren sie weniger auf den Absatz von Halbzeug angewiesen und so konnten sie leichter die hohen Preise hierfür aufrecht erhalten, als das möglich gewesen wäre, wenn gehäufte Mengen Halbzeug zur Verfügung gestanden hätten. Das erklärt auch den heftigen Begehr nach noch größeren Be- stellungen der Eifenbahnverwaltlmgen. Die stärkere Beschäftigung in Eisenbahnmaterial war für die Stahlwerke ein Segen, indirekt für die Halbzengkäufer ein Nachteil. Die großen Hoffnungen, die man vielleicht an die am 20. Juni abgehaltene Sitzung des CWM- verbände? nach dieser Richtung geknüpft hat, sind wieder mal nicht in Erfüllung gegangen. Wohl weniger um den Halbzeugverbrauchern entgegen zu kommen, als vielmehr zu umfassenderen Käufen anzureizen und für die Stahl- werke einen größeren Auftragsbestand hereinzuholen. hat man den Halbzeugpreis um ganze 5 Mark herabgesetzt. Aber auch das nur mit Bedingnis! Die Ermäßigung gilt nur für da« dritte Quartal und nur für solche Aufträge, die bis zum 15. Juli ab- acschlossen worden sind. Ob die Spekulation der Stahlwerke in Er- füllung geht und nun die Verbraucher große Mengen abschließen, bleibt ja abzuwarten; wir glauben nicht daran. Auch der Verkauf für Formeisen ist für da» dritte Quartal freigegeben worden, Preis- Nachlässe wurden jedoch nicht zugestanden. ES ist wirklich nicht verwunderlich, daß die Unzufriedenheit mit der Preispolitik der Rohmaterialicnvcrbände in den Kreisen der wciterverarbeitenden Industrien stelig zunimmt. Diese müssen die Kosten für die Fettmast der Rohmatenalproduzenten zahlen. Ihre egoistischen Ziele Verstecken diese hinter der fadenscheinigen Be- hauptung. die Stabilität der Preise sei ein Volkswirtschaft- licher Segen. Auch der EiseubahnfiskuS begründete die Nichtermäßigung der Preise für oberschlesische Fisl.ilkohle mit der Bemerkung, die Stabilität sei der einzige sichere Punkt in der allgemeinen Verworrenheit. Einmal ist es für die Rohmaterialverbiaucher ein schlechter Trost, wenn sie hohe Preise zu zahlen gezwungen sind, selbst aber Preisnachlässe auf Fertig- erzeugnisie gewähren müssen. Und schließlich kann von einer wirk- lichen Stabilität gar nicht die Rede sein, wie schon ein Blick auf die nachstehende Tabelle beweist. Wie stark die Preissteigerung der meisten für die Weiter- Verarbeitung wichtigen Rohmaterialien im Jahre 1907 war. zeigt die amtliche Statistik über die Ergebnisse der Bergwerke, Hütten und Salinen in Deutschland. Wir machen daraus folgende Zusammen« stellung, die auch noch die entsprechenden Zahlen deS Jahres 1903 enthält. ES betrug der Durchschnittswert einer Tonne(in Mark): 1903 1906 1907 Steinkohlen....... 8,62 Braunkohlen...... 2,14 Eisenerz........ 3,50 Gießereiroheisen..... 55,89 Gießwaren I. Schmelzung.. 102,90 Besiemerroheisen..... 61,25 Thomasroheisen..... 48,26 8.93 2,33 3,84 62,16 104,44 64,70 54,47 81,11 56,87 39,99 180,46 150,62 138,48 9.74 2,50 4,30 69,71 110,44 71.43 59,12 89,17 63,47 40,00 187,37 172,12 150,61 Stahl- und Spiegeleisen.. 72,77 Puddelroheisen...... 51,06 Bruch- und Wascheisen... 36,13 Gußwaren II. Schmelzung.. 164,23 Schweitzeisen und Sibiveißstahl 133,98 Flußeisen und Flußstahl.. 111,90 Der Weiterverarbeitung gibt man den billigen Trost, sie solle sich auch gut syndizieren, dann sei auch sie in der Lage, die Preise zu hallen und sich vor Verlusten zu schützen. Angenommen, eS sei möglich, für die gesamte Industrie dieselbe Plünderpolitik durch- zuführen, wie sie jetzt von den Rohstoffverbänden getrieben wird, waS wäre die Folge?. Stiege damit auch die Kaufkraft der großen Masse der Produzenten? Nein! Es würde vielmehr die Spannung zwischen Warenpreisen und Löhnen oder zwischen Produktivität und Konsumkraft größer, und das hätte zur Folge eine Verkürzung der Prosperitätsperioden und eine Vertiefung der Krisen. Die Preis- Politik der Rohstoffverbände ist volkswirtschaftlich, und vom Stand- punkte deö Arbeiters als Konsumenten betrachtet, ein Unsegen. Die Getreidemärkte standen in den letzten Wochen fortgesetzt unter dein Einfluß widersprechender Saatenstandsberichte. In der letzten Weche hat sich ziemlich schwach die Meinung für eine gute Welternte behauptet. In Rumänien und Rußland haben sich die EnttcauSsichten verbessert, für Frankreich, Deutschland und England lautet das Prognostikon auf: Ernte ziemlich gut I Verschiedene Versuche. die amerikanischen Ernten weniger hoffnungsvoll erscheinen zu laffen, blieben ziemlich einflußlos. Man rechnet mit erheblicheren Mengen als das Vorjahr erbracht hat. Wie sich im ersten Ouartal 1908 im Vergleich mit 1905 die Getrcidepreise an den verschiedenen Welt- Marktplätzen gestaltet haben, zeigt folgende Zusammenstellung aus den Angaben deS kaiserl. Statistischen Amts. Danach notierte: Berlin Wien Budapest Odeffa Riga Paris Antwerpen Amsterdam London Liverpool. Chicago New-Aork Bucnos-AireS Roggen.. Weizen.. Roggen.. Weizen.. Roggen.. Weizen.. Roggen.. Weizen.. Roggen.. Weizen.. Roggen.. Weiz«.. Weiza»"!... Rogge».. Weizen �. fflei•,«<-.. Weizen.'j Weize«'.. Weize».. Weizen.. Mit den für unsere Boltsernährung fo wichtigen Roggenpreisen Inungen vom 31. Mai 1897 und 17. Februar 1904. Ueber den der Vorjahre bei Großvieh teilweise gefallen, bei Schweinen gesteht demnach Berlin weitaus an erster Stelle, nur Wien fommt Zusammenhang der obengenannten beiden Branchen heißt es: stiegen. Dabei ergibt sich die bemerkenswerte Erscheinung, daß in ziemlich nahe an die Berliner Notierung heran. Auch die Preis. fteigerung hat uns am stärksten betroffen. Da rede noch jemand davon, daß die Zölle tein Eegen find für die Großgetreideproduzenten. Soziales. D. Zur Unfallversicherung der kaufmännischen Angestellten. Nachdem soeben erschienenen Bericht der Lagerei- Berufsgenossenschaft ist die Zahl der bei ihr versicherten Betriebe auf 64 771 mit 300 729 Arbeitern gestiegen. in 1908 geg.1907 mehr+ wenigerin Broz. Unter dem Namen Kostümschneiderei versteht man in Berlin Berlin die Zunahme sich auf Kälber- und Schweineschlachtungen be die Maßschneiderei, in welcher ausschließlich auf Bestellung ge- schränkt, im übrigen teilweise recht erhebliche Abnahme der Schlacharbeitet wird, während in der Musterkonfektion, wie schon der tungen eingetreten ist. Wir machen darüber folgende Busammens Name andeutet, die Muster für die Konfektion hergestellt werden stellung: und später die feinere Konfektion nach den verschiedensten Mustern, Kleine Kommissionen sowie einzelne Stücke gemacht werden. Die Sachen werden im allgemeinen sehr gut gearbeitet, so daß die Konsumenten keinen Unterschied, ob Maß oder Konfektion, erkennen, wodurch allerdings der Maßschneiderei eine erhebliche Konkurrenz entsteht. Dann kommt hier noch weiter in Betracht, daß die Arbeiterschaft dieser beiden Branchen, ob Maß oder Konfektion, fast ein und dieselbe ist. Es gibt sehr viele Schneider und Schneiderinnen, die heute in der Musterkonfektion, morgen in der Kostümschneiderei beschäftigt werden." Pferde... Ochsen. Bullen. • B Deutsches Reich in 1908 geg. 1907 mehr+ weniger1907 1908 in Broz. 37 408 35 987 - 8,77 138 913 1,57 6,91 8,39 Berlin 1907 1908 11 148 COO 76 912 1,35 40 078 4,43 13 815 6,48 26 822 8,63 12 170 141 136 77 968 97 006 107 860+11,19 41 938 Kühe 393 557 420 753 14 773 Jungrinder 184 202 212 612+15,42 29 356 Kälber 1 053 925 1 149 342 9,05 167 926 176 259+4,95 Schweine 4 079 656 4 418 214 8,29 959 417 1 145 808+19,42 Schafe. 440 495 446 180 1,29 475 893 470 714 1,09 Danach ist die Zahl der Schweineschlachtungen in Berlin stärker • 11 Der Bericht bedauert selbst, daß die kaufmännischen Angestellten der Betriebe nur gegen Unfall versichert sind, wenn sie im eigentlichen Betriebe, d. h. mit Lagerungs- und Beförderungsarbeiten beschäftigt werden. Diese Halbheit schreit nach Abhilfe. lichen und 900 weiblichen Personen, ungefähr den achten Teil der Die Erhebung umfaßt 28 Betriebe mit ungefähr 250 männ Die Berufsgenossenschaft bemerkt hierzu noch:" Diese Unvoll- überhaupt in diesen Branchen beschäftigten weiblichen und zwei kommenheit, die der Unfallversicherung der Handelsgeschäfte an- Drittel der männlichen Personen. Der kleinste Betrieb, eine Musterhaftet, wird nicht mit Unrecht von den Betriebsunternehmern, tonfektionswerkstatt, umfaßt 4, der größte bis zu 220 Personen. In gestiegen, als der Durchschnitt für das Reich ausweist. Andererseits welche den berechtigten Wunsch hegen, ihre Angestellten gegen alle ben kleinen Betrieben( bis zu zehn Personen) werden fast ausschließ- hat Berlin erhebliche Rückgänge der Schlachtungen an Großvieh, Betriebsunfälle zu sichern und um von etwaiger Haftpflicht befreit lich Männer beschäftigt. In die vielen kleinen und mittleren während für ganz Deutschland eine relativ bedeutende Zunahme zu sein, daher vielfach noch besondere Privatversicherungsverträge Betriebe, wo außer einem oder zwei Büglern, die hin und sich ergibt. abschließen, als der stärkste Uebelstand empfunden." Ebenso erfreulich ist es, daß die Berufsgenossenschaft fich end- werden, ist die Organisation bisher leider noch nicht für Buddeleisen und Stahlroheisen um 4 M. pro Tomme. wieder eingestellt, nur weibliche Arbeitsträfte beschäftigt Preisermäßigung. Das Roheisensyndikat ermäßigte die Preise lich gegen den Mihstand wendet, daß nur Handelsbetriebe gegen eingedrungen. Es gibt auch noch einige Großbetriebe mit 100 für Puddeleisen und Stahlroheisen um 4 M. pro Tonne. Unfall versichert werden können, wenn sie im Handelsregister ein- und mehr Leuten, bei denen der Verband dank der geradezu rätsel- Saatenstand in Preußen Mitte Juni, wenn 2 gut, 3 mittel, getragen find. Zahlrechie Verletzte haben wegen dieses Formfehlers haften Rückständigkeit der Arbeiterschaft bei dieser Gelegenheit eben- 4 gering bedeutet: Winterweizen 2,8( im Juni des Vorjahres 3,2), feine Rente erhalten können, obschon sie selbst doch ohne jeden falls tein Resultat erzielen konnte. Sommerweizen 2,6( 2,5), Winterspelz 2,2( 2,6), Winterroggen 2,4( 2,8), Einfluß auf diesen Umstand waren. Der Bericht fordert, daß alle Ueber das Ausjegen der Arbeit, das regelmäßig nach Sommerroggen 2,7( 2,7), Sommergerſte 2,6( 2,4), Hafer 2,5( 2,4), Handelsgeschäfte, soweit sie mit Lagerungs- und Beförderungs- der Hochsaison in diesen Branchen eintritt, ist folgendes festgestellt. Erbsen 2,7( 2,7), Aderbohnen 2,6( 2,5), Widen 2,6( 2,5), Kartoffeln betrieben verbunden sind, ohne Rücksicht auf eine Eintragung in Gs beträgt in 5 Geschäften 4-5 Wochen, in 6: 6-7, in 5: 8-9, 2,8( 2,6), Buckerrüben 2,7( 2,6), Winterraps und Rübsen 2,6( 3,5), das Handelsregister der Versicherungspflicht unterworfen sein sollen. in 3: 9-10 und in je einem Geschäft 11, 12 und sogar 16 Wochen. Flachs 2,6( 2,7), Klee 2,1( 3,4), Luzerne 2,2( 3,1), Riefelwiesen 2,1 Angeführt wird, daß auch der Deutsche Handelstag sich dahin aus- Ms Jahresdurchschnitt werden 8 Wochen berechnet, mit den Feier-( 2,7), andere Wiesen 2,4( 3,1). gesprochen habe, daß die„ Gintragung im Genossenschaftsregister tagen sogar 9 Wochen. In den Bemerkungen der„ Statistischen Korrespondenz" heißt es der Eintragung im Handelsregister gleichstehen soll". Das ist sehr tagen sogar 9 Wochen. vernünftig. Es ist nur verwunderlich, daß man erst Jahre brauchte, in denen Hunderte von Verletzten um ihre Unfallrente gekommen find, bis man zu dieser Erkenntnis tamt. Es würden auch die Konsumgeschäfte, wie der Bericht bemerkt, der Versicherung unter stellt werden, wenn die Anregung des Handelstages Gesetz würde. Die Zahl der bei der Lagerei- Berufsgenossenschaft angemeldeten Unfälle betrug im Jahre 1907: 20 937 gegen 19 661 im Vorjahre. Entschädigt wurden davon 3966 Unfälle, darunter 264 Wie die Zahl der Versicherten, leider auch die Unfallziffer, gestiegen ist, beweist uns nachstehende Statistik der Berufsgenossenschaft: Unfälle RentenTodesfälle. Personen Personen Betriebe 1887: 12 657 1897: 22 538 54 382 98 276 300 729 1907: 64 771 36 000 verkrüppelte Arbeiter 1772 8265 empfänger 600 6.300 36 096 20 937 Arbeiter: auszufechten sein. Ueber die gebräuchlichen Löhne finden wir folgende Angaben( in u. a.: die erst spät eingetretene Enttvidelung der Saaten hat in dem der Broschüre, auf die wir verweisen möchten, detailliert geschildert): Berichtsmonate mit einigen Ausnahmen einen erfreulichen Fortschritt Jahreseinkommen( 43 Wochen) für Arbeiterinnen auf genommen. Es wird besonders betont, daß die noch im Mai erwähnte Taillen 999,75 M., Paletots 941,70 M., Röde 935,25 M., Aermel Rückständigkeit des Wachstums bei den Winterfrüchten größtenteils aus928,80 m., Stepperinnen 958,90 M., Buarbeiterinnen 634,25 M. geglichen sein dürfte. Der Winterweizen hat sich erheblich gebessert, Selbständige 1612,50 M., Bügler und Stepper selbst der Winterroggen hat sich im großen ganzen bedeutend ver 1526,50 M., Zuarbeiter 1238,40 M. Auf 52 Wochen berechnet, vollkommnet, und die Befürchtung, daß er mindestens im Strohergibt sich aus diesen Zahlen ein Wochenlohn wie folgt: ertrage schwach sein werde, ist mehr oder weniger zurückgetreten. bei den Arbeiterinnen entsprechend der obigen Reihenfolge von Ueber den Stand der Delfrüchte, Winterraps und-Rübsen enthalten 19,25, 18,10, 17,95, 17,85, 18,45 und 12,20 M.; bei den Männern die Berichte keine besonderen Nachrichten. Am meisten haben die Futterpflanzen und Wiesen gewonnen. Die Sommerhalmfrüchte bon 31, 29,35 und 23,80 m. Betreffs der Bezahlung der Ueberstunden wird an dürften durch das Ueberwuchern des Unkrauts und der Schädlinge geführt, daß es in 18 Geschäften einen Aufschlag von 83%, in fünf wie durch die meist andauernden Niederschläge an einer bedeutenden von 50 Proz. gibt; in fünf Geschäften wird kein Aufschlag ge- Entwickelung gehindert worden sein. Nicht gerade zufriedenstellend zahlt, das heißt nur bei den weiblichen Arbeitern, die männlichen ist der Stand der Hackfrüchte, Kartoffeln und Zuckerrüben. bekommen 33 Proz. Die Eintragungen der UeberEin deutsches Roheisensyndikat. In Düsseldorf zwischen Werks. stunden in die amtlichen Tabellen erfolgen im allgemeinen nicht, wie vorgeschrieben ist. In vielen Ge- bertretern gepflogene Verhandlungen haben zu den vorbereitenden schäften werden nur am Sonnabend, wenn von Rechts wegen keine Schritten zur Gründung eines deutschen Roheisensyndikats geführt. fei: erstens die verschärfte Kontrolle über die Anmeldung der Un- fie niemals in Verlegenheit geraten, die 60 Tage zu überschreiten, Der Bericht erwähnt, daß an der Zunahme der Unfälle schuld ueberstunden gemacht werden sollen, Eintragungen gemacht, so daß Auf dem Wege zum Ziele werden aber noch harte Interessentämpfe fälle, zweitens die größere Gefeßestenntnis der Versicherten, wenn auch an 120 Tagen im Jahre Ueberstunden gemacht werden, Vermehrte Feierschichten. Die in Bocholt dominierende Textil Drittens die wohlwollende Rechtsprechung der Schiedsgerichte und was bei den Arbeiterinnen nichts seltenes ist, zumal da, wo die industrie leidet feit mehreren Monaten so empfindlich unter der des Reichsversicherungsamts( Donnerwetter!), viertens das wach- Ueberstunden nach Tagesstunden berechnet werden. schlechten Konjunktur, daß viele Fabriken nicht mehr mit dem fast sende Gefühl der Sicherheit, welches zur Außerachtlassung der Un- Die Arbeitszeit beträgt in einem Geschäft 8 Stunden, in allgemein vor geraumer Zeit eingeführten einen wöchentlichen fallverhütungsvorschriften führe und fünftens die in der Entwicke- 26 Geschäften 9, in einem für Männer 9 und für Frauen 10 Stunden; Feiertag auskommen, sondern jetzt noch an einem zweiten lung der Industrie ruhende Verdrängung der Handarbeit durch den hier seien die Arbeiterinnen zu feige, Gebrauch von der auch ihnen Tage in der Woche ihre Betriebe ruhen lassen. Daß die ArbeiterDer letzte Grund wird wohl am ehesten anzuwenden sein. bereits vor anderthalb Jahren zugestandenen Verkürzung zu machen. schaft bei der durch die unsinnige Bollpolitik herrschenden Teuerung leber fanitäre Zustände in den Werkstätten läßt sich der Bericht unter dieser Maßnahme schwer zu leiden hat, bedarf keines beIs ungenau muß aber entschieden eine Statistik der Berufs- auch aus. Er bezeichnet sie als sehr schlecht in vielen Fällen; der fonderen Nachweises. genossenschaft aus der Sektion III über die Ursachen der entschä- ermittelte Luftraum z. B. schwankt zwischen 5,60 und 26 Kubikdigten Unfälle angesehen werden. Danach sollen 35 Unfälle durch meter pro Person. Von 17 Werkstätten hatten nur 5 eine Ventilation, Schuld von Mitarbeitern, 545 Unfälle durch ungeschicklichkeit und bei den übrigen geschah die Lüftung durch Deffnen der Fenster, London, 19. Juni. Der Geschäftsniedergang in England Unachtsamkeit der Verletzten, aber nur 52 Unfälle durch die Ge- was mit allerlei linzuträglichkeiten gerade im Schneiderberuf ver- findet seinen Ausdruck in der wachsenden Zunahme der Arbeitsfährlichkeit des Betriebes, 39 durch mangelhafte Betriebseinrich- bunden ist. Die Werkstätten werden im allgemeinen als bell be- tosigteit. Nach der soeben erschienenen Labour Gazette" zeigte tungen, 43 durch Zufälligkeiter usw. entstanden sein... Ja, die Unternehmer verstehen es, Sie Schuld von sich abzuwälzen. Das zeichnet. 22 find hell, 3 nicht genügend hell, 2 find dunkel. 2 Werk- der englische Arbeitsmarkt im Monat Mai eine weitere Ver stätten befinden sich parterre, 9 im ersten Stod, 5 im 2. Stod, 9 im schlechterung. In den 268 berichtenden Trade- Unions mit einer Ganze nennt man dann„ Statistit". Mitgliedschaft von 627 613 waren 49 515 oder 7,9 Proz. Arbeitslose, Auffällig ist es, daß der Bericht wohl die Zahl der von den 3. Stod, 3 im 4. Stod. gegen 3,4 Proz. im Parallelmonat des Jahres 1907. An Lohn technischen Aufsichtsbeamten der Berufsgenossenschaft revidierten änderungen waren 147 600 Mitglieder beteiligt; davon er= Betriebe anführt, jedoch unterläßt, auch die Zahl der vorgefun- Vor den Wahlen betonten die Freisinnigen ständig, daß sie hielten 5400 eine Lohnerhöhung, 142 200 eine 2ohnherabsehung; denen Mängel näher und zahlenmäßig anzugeben. Wir erfahren dabei nur, daß die Beamten von 64 000 Betrieben nur 7407 revi- arbeiterfreundlich seien, praktische Politik treiben, positive Arbeit das Reinergebnis war ein Lohnrüdgang von 3600 Pfund Sterling leisten und auch für eine„ berständige Sozialpolitik" zu haben pro Woche. diert haben. Am häufigsten war das Fehlen von Geländern an feien. Wenn ihnen dann erwidert wurde, daß das nur SchaumTreppen, Nichteinfriedigung von Triebwerfsteilen, Zahngetrieben, schlägerei und Wahlmache sei, da der Freisinn da, wo er die Macht Ein Truft insolvent. Der Frankfurter Zeitung" wird aus mangelhafte Betriebsräume, Fußböden, das Fehlen von Schuß brillen, nicht gesicherte Leitern, mangelhafte Hebewerkzeuge, Fahr- habe, an Arbeiterfeindlichkeit und sozialpolitischer Rüdständigkeit New York telegraphiert: In Philadelphia ist die Lincoln Savings brillen, nicht gesicherte Leitern, mangelhafte Hebewerkzeuge, Fahr- nichts zu wunschen übrig lasse, so fuhren alle Freisinnsperrücken Trust Company insolvent geworden. stühle und Maschinen aller Art zu beanstanden. gefahrvolleren Maschinenbetrieb. und unbrauchbar waren". Interessant ist auch eine Stelle des Berichtes, welche das gewaltige Wachsen des Berkehrs im Hamburger Hafen und die damit vergrößerte Unfallgefahr" schildert. Es tamen nach den amtlichen Nachrichten im Hamburger Hafen an bezw. gingen ab: angekommene Schiffe: 1906: 15 777 mit 11 039 000 Registertonnen 1907: 16 473 mit 12 041 000 Registertonnen, abgegangene Schiffe: Zur Sozialpolitik des Freisinns. Der englische Arbeitsmarkt. Gesamte Gleislänge Lokomotiven 10 019 km 8315 Std. 115 041 1906( 30. 6.) 358 981 km 51 672 Std. 1958 912 799 507 838 Perf. 60 673 171 Bers. 1 631 374 219 t. 208 642 814 t. 9 768 213 000. 1021 788 600 22. 6 454 883 000 614 855 000 Die Bruttoeinnahmen sind im Betriebsjahre 1906/07 um faft Wagen Fahrgäste, beförderte Frachtbeförderung Brutto- Einnahmen Betriebsausgaben -" . Der Bericht hebt hervor, daß die Einrichtungen für den in die Höhe und nannten das eine" freche Verleumdung". Dieser Die amerikanischen Eisenbahnen stellen einen ungeheuren wirts Aranfentransport, erste Hilfe und Ausbildung der Angestellten Tage hat wieder einmal der Freifinn bewiesen, daß er da, wo er schaftlichen Komplex dar, gegen den selbst die ungeheuren Riesenzu Samaritern in den Berliner Warenhäusern besonders gut waren". am Ruder fit, auch nicht entfernt daran denkt, wirkliche Sozialbetriebe der deutschen Bahnen klein erscheinen. Der 21. JahresVon den Kleinbetrieben, der Mehrzahl der versicherten Betriebe, politik zu treiben. bericht der Zwischenstaatlichen Handelskommission der Vereinigten In Königsberg gibt es eine große Zahl bon sogenannten un- Staaten von Nordamerika veröffentlicht über die Entwickelung der da ja nur 4,6 Arbeiter im Durchschnitt auf den Betrieb entfallen, fann man dies wohl nicht sagen. Nebenbei wird erwähnt, daß die ständigen Arbeitern, die ebenso wie die Heimarbeiter feiner Bahnen der Union die folgenden Angaben: Bunahme im Testen Unfallverhütungsvorschriften in sehr vielen Fällen überhaupt nicht Krankenversicherungspflicht unterliegen, falls nicht ortsstatutarisch Bahnen der Union die folgenden Angaben: ausgehängt waren. Häufig find die Plakate an völlig dunklen, Geit Jahren ist eine solche Ausdehnung von den Königsberger die Versicherungspflicht auf diese Arbeiterkategorie ausgedehnt ist. Betriebsjahre ungeeigneten Stellen zum Aushang gelangt, und zwar unaufge- Arbeitern verlangt. Dem ist nun endlich nach siebenjährigem zogen, so daß sie dann infolge nachlässiger Behandlung zerrissen Drängen der Magistrat nachgekommen. Am Mittwoch legte er bem jetzt sozialistenreinen Stadtparlament, in dem die Freisinnigen stark vertreten sind, ein Ortsstatut betreffs der Krankenversicherung der Heimarbeiter und unständigen Arbeiter vor. Es sieht aber eine dreitägige Karenzzeit vor. Unsere Genossen baten in einer Petition, die eintägige Karenzzeit einzuführen. Sie betonten, daß nach dem Vorschlage des Magistrats die unständigen Arbeiter nach wie vor ohne Krankenversicherung bleiben würden, 15 Broz. gestiegen! Die Bahnen beschäftigen 1 521 355 Angestellte, da man sie dann immer nur auf zwei Tage einstellen wird, um sich die Anmeldung an die Krankenkasse zu ersparen. Hauptsächlich würde der weitaus größte Teil der Hafenarbeiter weiter ohne 1906: 15 787 mit 11 008 000 Registertonnen Krankenversicherung bleiben. Diese Gründe waren so durch 1907: 16 507 mit 12 103 000 Registertonnen. schlagend, daß selbst zwei Freifinnige, denen die Sozialpolitik noch Der Hafenarbeiterverband habe ferner bei der Berufsgenossen- ctiras am Herzen liegt, für die eintägige Karenzzeit eintraten schaft beantragt, eine Vorschrift zu erlassen, daß fünftig beim und den Stadtvätern einen dementsprechenden Antrag unterLaden und Löschen fremder Schiffe die Bedienung der Winden breiteten. Doch die Stadtverordnetenversammlung ließ sie im statt wie bisher seitens der Schiffsmannschaft, durch einheimische Stich. Man redete davon, daß der Antrag nicht nur die Arbeit Schauerleute erfolgen solle." Dieses Gesuch mußte abgewiesen geber sondern selbst die Krankenkasse start belasten würde. Diese werden, da die Berufsgenossenschaft zu solchen Anordnungen nicht zarte Rüdsicht auf die Interessen einer Ortstrantentasse ist doch befugt ist". Weshalb aber regte sie dann nicht ein gesehliches überaus rührend. Man genierte sich aber auch nicht, die BeVorgehen an, das diesen Weg zur Herabsehung von Unfällen hauptung aufzustellen, daß die eintägige Karenzzeit selbst den ebnete? Intereffen der Versicherten zuwiderlaufen würde. Also die lächers Das Glüd der Berufsgenossenschaft im Berufungsverfahren lichsten und nichtigsten Gründe wurden hervorgeholt, um die Interschildert uns der Bericht wie folgt: 1831 Berufungen wurden zu- effen der Arbeitgeber zu wahren. Ein Führer des Königsberger gunsten der Berufsgenossenschaft und 503 zugunsten der Ver- Freisinns, Justizrat Lichtenstein, erklärte, daß die Magistratsvorlage ficherten entschieden„ Die für die Berufsgenossenschaft gün- schon einen guten Fortschritt bedeute", und daß man erst Erftigen Entscheidungen schwanken in den verschiedenen Settionen fahrungen über die dreitägige Karenzzeit machen müsse", ehe man zwischen 68,42 und 91,18 Proz. Von den 34 Rekursen, welche zur eintägigen schreite. Dabei liegen solche Erfahrungen aus wenig verändert. die Berufsgenossenschaft trotz dieser Riesenerfolge noch erhoben anderen Städten vor. In Halberstadt ist die eintägige Karenzzeit hatte, wurden 22 anerkannt und 19 zurüdgewiesen. Von den eingeführt und in Altona kennt das dortige Ortsstatut überhaupt insgesamt zur Entscheidung gelangten 477 Fällen hatten 372 für die feine Karenzzeit. Aber nichts half. Das warme Herz des FreiBerufsgenossenschaft günstigen Erfolg, demnach sind 78 Proz. zu finns schlug- jekt nach den Wahlen nur noch für die Arbeitungunsten der Versicherten ausgefallen." geber und daher stimmte außer den beiden sozialpolitisch- einsichtigen Stationen Freifinnigen kein Stadtverordneter für die eintägige Karenzzeit. So sind die unständigen Arbeiter um die Krankenversicherung, auf die sie so lange gehofft haben, dank der Fürsorge des sozialpolitischen Freisinns gekommen. " Und da wagt es der Bericht noch zu bemerken, daß eine vom Standpunkt der Berlebten aus wohlwollende Rechtsprechung der Schiedsgerichte und des Reichsversicherungsamts" vorhanden wäre... " das sind etwa 427 auf 100 Stilometer Gleislänge. Das in den Bahnen angelegte Stapital betrug rund 61194 Millionen Mark, fast biermal soviel wie dasjenige des gesamten Bahnnezes im Deutschen Reiche! Ein Kilometer Bahn fostet also in der Union durchschnittlich 178 382 M., in Deutschland 271 000 M. Legtere Summe ist höher, weil das rollende Material und die festen Anlagen wegen der viel größeren Dichte des Netzes in Deutschland Etwa 33,46 Proz. verhältnismäßig zahlreicher sind als in der Union. des gesamten Anlagekapitals der amerikanischen Bahnen blieb unverzinst, während sich die mittlere Dividende der gewinntragenden Bahnen auf 6,03 Broz. belief. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion übet den Großhandel in den Sentral- Markthallen. Marktlage: Fleisch: Bufuhr schwach, Geschäft flau, Preise unverändert. Wild: Zufuhr nachlaffend, Geschäft etwas lebhafter, Breise fest. Geflügel: Bufuhr ſehr reichlich, Geschäft etwas reger, Breise wenig verändert. Fische: Bufubr reichlich, Geschäft matt, Breise wenig verändert, Seefische taum abjegvar. Butter und Käse: Geschäft lebhaft, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Bufuhr reichlich, Geschäft lebhafter, Breise Witterungsübersicht vom 20. Juni 1908, morgens 8 Uhr. Barometer. fland mm QUI clatung Belter 3wollig 4bedect 3 wollig Xemp. n. 6. Stationen Barometer. fland mm Binde richtung Bindstarle Belter Temp. n. 6. 18 Daparanda 755 SSD 2bededt 12 14 Betersburg 759 SS 1wolten! 22 23 Scilly 761 NN 3 wollig 13 762 NNW 1 bebedt 9 755 NND 3 bedeckt 15 Swinembe. 754 NNM Hamburg 757 NN Berlin 753 N Ueber die Lohn- und Arbeitsbedingungen in der Berliner Kostüm Frantj.a. M. 752 ND Aus Induftrie und Handel. 5 wolfen! 22 berbeen schneiderei und Musterkonfektion hat der Schneiderverband im München 751 SD 2 moltig 25 Baris November- Dezember 1907 eine Enquete veranstaltet, deren Resultate Berlin im Lichte der Schlachtvieh- und Fleischbeschauftatistik. 754 Still wolfen! 22 jegt in einer kleinen Broschüre der Deffentlichkeit unterbreitet werden. Wetterprognofe für Sonntag, den 21. Juni 1908. Das vorliegende Material erstreckt sich auf alle Berufsverhältnisse Nach den im Kaiserl. Statistischen Amt zusammengestellten ErBielfach wollig, zunächst kühler bei ziemlich frischen nordwestlichen und gibt jowohl ein flares Bild über die üblichen 2öhne als auch gebnissen der Schlachtvieh- und Fleischbeschau im 1. Quartal 1908 Winden, später wieder Erwärmung und etwas Neigung zu Gewitter. über die Durchführung der Bundesratsverord( Deutsches Reich) sind die Schlachtungen gegenüber der Parallelzeiten! Berliner etterbureau Bien HERMANN TIETZ LEIPZIGER STRASSE ALEXANDERPLATZ Diese Woche soweit Vorrat: FRANKFURTER ALLEE 109-111 Günstige Angebote für die Reise ca. 10000 Weisse Blusen enorm preiswert India- Mull- Blusen mit Einsätzen und Stickereien ...... 2⁹0 Mull- Blusen in reicher Verarbeitung 465 575 Seidenbatist- Blusen in hocheleganten Fassons ... 675 850 Zephyr- Blusen moderne Streifen 250 Spitzen- Blusenhemden... 1850 Ein grosser Posten Spitzen- und Seiden- Blusen besonders vorteilhaft 1650 2250 a 3000 Knaben- Wasch- Anzüge ca. Anzüge hochgeschlossene und offene Blusen- Anzüge, modernste Stoffe, gute Verarbeitung für das Alter von 3-8 Jahren..... durchweg bedeutend unter Preis 95 Pf. 175 275 450| Anzüge für das Alter von 9-12 Jahren durchweg 350 500 650 Ein grosser Posten Mädchen- Kleider ,, Hoffnung Berliner Schneiderei- Genossenschaft Tor u. Invalidenstr. E. G. m. b. H. Tor u. Invalidenstr. Zwischen Rosenthaler Brunnenstr. 185 Zwischen Rosenthaler Gegr.i. 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Elfte Generalversammlung des Zentralverbandes der Anträge, die sich mit der vom Gewerkschaftstongreß angenommenen lasse gestattet werden. Böttcher und Böttcherei- Hilfsarbeiter Deutschlands. 4. Berhandlungstag. Nach den Anträgen der Kommission wurde beschlossen, drei neue Gaubezirke mit besoldeten Gauleitern zu bilden. Die Gin teilung der Gaue wird dem Vorstand übertragen, doch wird gewünscht, daß Berlin, Dresden und Düsseldorf als Gaufike gewählt werden. Die Gauleiter sollen in Zukunft nur mit beratender Stimme an den Generalversammlungen teilnehmen. Ferner werden die Gauvorstände beauftragt, eingehende statistische Erhebungen zu beranstalten und das Resultat dem Hauptvorstand mitzuteilen, welcher dasselbe zu verarbeiten und zu beröffentlichen hat. Gotha, 19. Juni 1908. Besonders lebhaft gestaltet sich die Debatte über das Unters Ueber den Weingesehentwurf referiert Seel- Mainz. stüßungswesen. Die Streit- und Maßregelungsunterstüßung wird Der bisherige Vorstand wird wiedergewählt. wie folgt normiert: In der 1. Klasse bei 3- bis 12monatlicher Nach Erledigung anderer kleiner Angelegenheiten gilt die Mitgliedsdauer pro Wochentag 90 Pf., nach 12 Monaten 1,25 M., Tagesordnung für erledigt und wird die Generalversammlung ge- in der 2. und 3 Klasse bei 3- bis 12monatlicher Mitgliedsdauer schlossen. XII. Generalversammlung des Zentralverbandes der Schuhmacher Deutschlands. Gotha, 18. Juni 1908. 1,50 M., nach 12 Monaten 2 M. pro Wochentag. Hierzu wird die Bestimmung getroffen, daß die Höhe der Unterstüßung, den Durchschnittsverdienst im letzten Vierteljahr nicht überschreiten darf. An verheiratete Mitglieder, welche sich länger als acht Wochen im Auslande befinden, tann extra eine Mietsentschädigung von 10 M. pro Monat gewährt werden. Bei Arbeitslosigkeit soll die Unterstüßung in der 1. Klasse pro Wochentag 70 Bf., in der 2. Klasse i M., in der 3. Klasse Ueber Beitrags- und Unterstütungsfragen In namentlicher Abstimmung über Beitragserhöhung wird 1,50 m. betragen. Innerhalb eines Jahres wird nur für 40 Tage referiert Winkelmann unter Berücksichtigung der hierzu ge- folgender Antrag angenommen:" Die Beitragsleistung zerfällt in Unterstüßung gezahlt. Das Jahr beginnt mit dem ersten Tage stellten Anträge, um deren Ablehnung er ersucht. drei Klassen, sie beträgt in der 1. Klasse 25 Pf ,. in der 2. Klasse der Unterstüßung. Für die ersten 3 Tage der Arbeitslosigkeit Nach ausgiebiger Diskussion erfolgt die Abstimmung über die 40 Pf., in der 3. Klasse 55 Pf. wöchentlich. In der 1. Klasse können wird unterstüßung nur dann gewährt, wenn die Arbeitslosigkeit Anträge. Giner Beitragserhöhung um 10 Pf. wird zugestimmt. nur weibliche Personen aufgenommen werden und jugendliche Per- diese Zeit überdauert. Mitglieder, die infolge von BetriebsFerner soll dem.§ 5 des Statuts folgender Absah angefügt fonen unter 16 Jahren. Im übrigen ist es den Mitgliedern frei- störungen, Inventuraufnahmen oder schlechten Geschäftsgang vollwerden: Bei Sterbefällen ist den Frauen der verstorbenen Mit- gestellt, welcher Beitragsklasse sie beitreten wollen. Der Beitrag ständig aussehen müssen oder vorübergehend entlassen werden, glieder sowie auch beim Ableben der Frau dem Mitgliede eine ist wöchentlich zu bezahlen. jedoch am 7. Arbeitstage nach eingetretener Beschäftigungslosigkeit Unterstübung von 25 bezw. 50 M. zu gewähren. Jedoch ist im Ueber 50 Jahre alte weibliche Mitglieder können nur der wieder in die alte Arbeitsstelle zurückkehren, haben ein Anrecht ersten Falle eine Karenzzeit von drei Jahren, im zweiten 1. Klaffe, über 50 Jahre alte männliche Mitglieder nur der auf Arbeitslosenunterstützung für diese Zeit nicht. Das Recht Falle eine solche von fünf Jahren erforderlich. Auch müssen 2. Klasse beitreten. Auch ist der Uebertritt zu einer höheren Klasse auf Unterſtüßung tritt für diese Mitglieder erst ein, wenn die die Beiträge voll entrichtet sein. Hinterbliebene lediger Mitglieder für diese Mitglieder späterhin nicht mehr gestattet. Den übrigen Beschäftigungslosigkeit 6 Arbeitstage überdauert und wird dann erhalten nur dann Unterstützung, wenn sie den Nachweis erbringen, Mitgliedern steht der Uebertritt in eine andere Beitragsklasse die Unterstützung vom ersten Tage der Beschäftigungslosigkeit ab daß sie auf die Hilfe des Verstorbenen vor seinem Ableben zu ihrem jederzeit frei; die neue Beitragsleistung erfolgt vom Tage des gewährt. Bezüglich der Notfallunterstübung wird auf Antrag Lebensunterhalt angewiesen waren. Berlin beschlossen, daß dieselbe 40 m. pro Jahr nicht übersteigen darf. Die Auszahlung der Unterstüßung erfolgt nur auf Anweisung des Verbandsvorstandes gegen Einlieferung des Mitgliedsbuches und einer Todesbescheinigung des verstorbenen Mitgliedes. Ferner soll verheirateten Mitgliedern und solchen, die einen eigenen Haushalt führen, sofern diese gezwungen sind, in anderen Orten Arbeit zu nehmen, Umzugsunterstüßung, wenn der neue Wohnort mehr als 20 Kilometer von dem seitherigen entfernt ist und wenn das antragstellende Mitglied in den dem Gesuch vorausgegangenen 52 Wochen eine gleiche Unterstüßung nicht erhalten hat, bekommen; dieselbe foll betragen: nach 104wöchiger Mitglied schaft 20 M., nach 156wöchiger 30 M. und nach 208wöchiger 40 M. Dem§ 12 des Statuts foll folgender Absatz angefügt werden: Bezugsberechtigte Kranke, die die Arbeit versuchsweise aufnehmen sowie Arbeitslose, die zur Aushilfe Arbeit annehmen, sind von der Karenzzeit befreit. Wenn die Arbeit nicht länger als 12 Arbeitstage dauert, und ist dann als eine Fortsetzung der vorhergegangenen Erwerbslosigkeit zu betrachten. Es wird weiter statutarisch festgelegt, daß Krankenhäusern, Heilanstalten und dritten Personen kein Anspruch auf die Erhebung der Unterstüßungsgelder zusteht. Auf Antrag des Hauptvorstandes wird beschlossen: Invalide oder Erwerbsunfähige, welche laut§ 9 tein Anrecht auf Unterftüßung haben, mindestens aber 10 Jahre dem Verbande angehören, können in den Beitragslisten als Ehrenmitglieder geführt werden. Diese haben nur Ansprüche auf das im§ 5 festgelegte Sterbegeld. Die Karenzzeit wird bei allen Unterstüßungseinrichtungen auf B Tage heruntergesetzt. Die erhöhten Beiträge sollen vom 1. Oktober 1908 ab erhoben werden. 5. Verhandlungstag. Uebertritts an". Eine lebhafte Debatte entspinnt sich über die Tarifverträge. Ein Teil der Redner wendet sich dagegen, ein anderer Teil spricht für die Aufnahme in das Statut. Schließlich wird der§ 2, Ziffer 1 des Statuts wie folgt gestaltet: " Der Verband bezweckt die Hebung der sozialen Lebenslage und allseitige Vertretung der wirtschaftlichen und geistigen Interessen seiner Mitglieder. Insbesondere durch Zur Genoffenschaftsfrage wird folgender Beschluß gefaßt: Der Zentralvorstand ist verpflichtet, beim nächsten Genossenschaftstag einen Antrag dahingehend zu stellen, daß die Konsums bereine, die Schuhwaren führen, dieselben nur aus solchen Fa. briten beziehen, welche die tarifmäßigen Bedingungen unseres Ver bandes anerkennen und unseren Kollegen inbezug auf die Zugehörigkeit zum Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands und der Betätigung für denselben nichts in den Wege legen. Die Ortsverwaltungen sind dahin anzuweisen, mit den Arbeiterkonsumvereinen in Verbindung zu treten, um zu verhindern, daß Waren zum Verkauf gebracht werden, welche unter den denkbar schlechtesten Lohn- und Arbeitsbedingungen hervorgegangen find. Bei Streits und Aussperrungen sind die Konsumvereine sofort in Kenntnis zu setzen". Ferner wird der Beschluß gefaßt, daß alle Ortsbeamten nach der bereits früher beschlossenen Gehaltsstala zu entlohnen sind. Betreffs der Frage der. a) Erzielung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen, Abschaffung der Atford- und Heimarbeit, sowie des Kost- und Logiswesens, Beseitigung der Fourniturenlieferung durch die Arbeiter sowie Durchführung von Tarifverträgen und Gemeinschaften; b) Vornahme statistischer Erhebungen, unentgeltliche Arbeitsvermittelung und Regelung des Herbergswesens; c) Aufklärung und Bildung der Mitglieder, Pflege der Solidarität und des geselligen Verkehrs in den Zahlstellen durch Abhaltung regelmäßiger Versammlungen und Veranstaltung von Vorträgen, sowie fachgewerbliche Fortbildung in Fachschulen". Die weitere Bestimmung in Ziffer 2 bleibt unberührt. Neu beschloffen wird folgende Bestimmung: Arbeitslosigkeit lelgetau Unentgeltlich, unter Anrechnung der bisherigen Mitglieds- votiert die Versammlung folgende Resolution: Die Gene dauer, können dem Zentralverband der Schuhmacher beitreten: ralversammlung des Zentralverbandes der Schuhmacher DeutschMitglieder solcher ausländischen Berufsorganisationen, welche lands erachtet es als die Pflicht der Gemeinde und des Staates, der Internationalen Schuhmacher- Union angehören, wenn diese um das Elend der Arbeitslosigkeit zu lindern, an diejenigen geMitglieder in Deutschland in Beschäftigung treten und ihre werkschaftlichen Organisationen, welche ihren Mitgliedern ArbeitsPflichten in der bisherigen Organisation erfüllt haben. Der losenunterstüßung zahlen und dadurch eine der Gesamtheit obs Hebertritt muß innerhalb 6 Wochen nach Eintritt in die Be- liegende wichtige soziale Aufgabe erfüllen, durch Gewährung von schäftigung erfolgen". finanzieller Beihilfe diesen Zwed zu fördern. Nachdem hierin das Ausland( Frankreich, Belgien, Dänemark, Schweiz), schon seit Jahren mit gutem Beispiel vorangegangen sind, erscheint es als höchft zeitgemäß, daß endlich auch in Deutschland diese soziale Pflicht anerkannt und durchgeführt wird" s modra Das Beitrittsgeld wird für die 1. Klaffe auf 30 Pf., für die 2 und 3. Klasse auf 50 Pf. festgesetzt. Männlichen Mitgliedern, die infolge ihres Alters oder Die Sigung beginnt mit Beratung über Regulierung der Ge- dauernder Invalidität in ihrem Verdienst beeinträchtigt find, hälter. kann auf ihren Antrag nach Befürwortung durch die Ortsver Hiernach werden die Verhandlungen vertagt. Wollen Sie etwas Feines rauchen? ,, Salem Aleikum" Wort und Bild sind gesetzlich geschützt Zu haben in den Cigarren- Geschäften Dann empfehlen wir Ihnen Salem Aleikum" Garantiert naturell- aromatische, rein türkische Cigarette. 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NeuerStralsunderstr. 1. Korbmacher. Montag, den 22. Suni, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause( Saal 5), Engelufer 15: Branchen- Verfammlung. Tages Drdnung: 1. Bericht vom Verbandstage. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Vers Tiedenes. Fellx Scheuer Die Harnleiden tbre Gefahren, Verhütung und Beseitigung von Dr. med. Schaper, BERLIN Preis 1 Mark. stes Causend Buschmühl.- Chaussee Da in der Geschoßbranche wichtige Angelegenheiten zu erledigen Verlag Max Richter Frankfurt( Oder) sind, ist es Pflicht jedes Kollegen, zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. Kisten- und Koffermacher. Montag, den 22. Juni, abends 8, Uhr, im Gewerkschaftshause( Saal 8), Engelufer 15: Mitglieder- Verfammlung. Tages- Ordnung: 1. Bericht vom Verbandstag. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegen Helten. 4. Berschiedenes. Bürstenmacher. Kein Mieter für 2-4 3immer wohnungen in Charlottenburg fertigen Neubauten Danckelmannstr.29 berfehle die schönen Wohnungen in den und Horstweg 25, nahe Kaiserdamm ( Untergrundbahn) zu besichtigen. Atelier für künstlichen Zahnersatz. Zugelassen bei den Krankenkassen der Freien Arztwahl. Sprechst. 8-7. Sonntag 8-10. Montag, den 22. Juni, abends 81, Uhr, bei Preuk, Holzmarktstraße 65: Schmerzloses Zahnziehen Branchen- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Bericht vom Verbandstag. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. Maschinenarbeiter. Montag, den 22. Juni, abends 84, Uhr, im Gewerkschaftshause( Saal 7), Engelufer 15: Vertrauensmänner- Versammlung. Jede Werkstatt muß vertreten sein. Die Branchenkommission. Bautischler( Bezirk 2). Dienstag, 23. Juni, abends 61, Uhr( gleich nach Feierabend) bei Litfin, Memeler Straße 67: Branchen- Versammlung. Zages- Ordnung: 1. Bericht vom Verbandstage. Referent: Kollege Reiche. 2. Verbandsangelegenheit. 3. Verschiedenes. Branche der Vergolder! Montag, 22. Juni, abends präz. 8 Uhr, in den„ Arminhallen", Kommandantenstr. 58/59: Branchen- Verfammlung Tages Drdnung: 1. Bericht vom Verbandstag in Stettin. 2. Ergänzungswahl zur Branchenkommission. 3. Verschiedenes. Pünktliches und vollzähliges Erscheinen erwartet Bodenleger. 85/ 17* Der Branchenleiter. Mittwoch, den 24. Juni, abends 8%, Uhr: DF Versammlung Tages Drdnung: unter Leitung eines prakt. Arztes. Alfred Faustmann 6 Manteuffelstr. 6.[ 30122* Wer Stoff hat! Anzug nach Maß Mit meinem Stoff . . Mart 15.30." A. Kelmann, Schneidermeister, Marienburgerstraße 24. nur JOSETTI JUNO 7911 Cigaretten, Cigaretten gerade so gut Kosten das doppelte and mehr. 10 St. für 20 Pig. Josettis ww Arbeiter- Sängerbund Berlins und Umgegend. teppdecken Sonntag, den 28. Juni, vormittags II Uhr, im Saale der Brauerei Friedrichshain: größte Auswahl, sehr preiswert, direkt in d. Fabrit Bernhard Strohmandel, Berlin allein 72 Wallstr. 72, 14, ( zwischen Rok: n. Infelftr.), wo auch alte Steppdecken aufgearb. werb. 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Hauptbureau: Hof I. Amt 3, 1239. Charitéstraße 3. Hof III. Amt 3, 1987. Verwaltung Berlin. Donnerstag, den 25. Juni, abends 8, Uhr: 1. Bericht vom Verbandstage. 2. Berbandsangelegenheiten. 3. Branchen- Dienstag, den 23. Juni 1908, abends 8 Uhr: General- Versammlung angelegenheiten. Die Branchenkommission. Kammacher. Mittwoch, den 24. Juni, abends 8, Uhr, bei Boeker, Beberstr. 17: Branchen- Versammlung der Rammacher und aller in der Haarschmuckbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Mitglieder- Versammlung für im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, Saal 1. Zages Drdnung: Königs- Wusterhausen und Umgegend eines Mitgliedes des Berliner Vorstandes. 3. Unsere Extraunterſtügung in Wildau, im Lotal bon Schumann. Zages Drdnung: Zagesordnung: 1. Bericht vom Verbandstag. Referent: Kollege bandsangelegenheiten. Hildebrandt. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Es ist Pflicht, daß jeder Kollege in dieser Versammlung erscheint. Die Branchenkommission. Modell- und Fabriktischler und Drechsler. Donnerstag, den 25. Juni, abends 8, Uhr: Branchen- Verfammlung. Zages Ordnung: 1. Bericht vom Verbandstage. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. 1. Geschäftliches. 2. Ersatztahl eines Sentralvorstandsmitgliedes, fotvie und Ertrabeitrag. 4. Verschiedenes. 20/11 In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist zahlreicher Besuch notDer Vorstand. 118/4 wendig. 1. Vortrag des Kollegen A. Wuschick. 2. Diskussion. 3. Ver Die Mitglieder werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. NB. Die Zahlstelle des Deutschen Metallarbeiter- Berbandes befindet fich beim Stollegen August Pürschel, Rönigs- Wusterhausen, Bahnhofstraße 1. Die Ortsverwaltung. Verband der Schneider und Schneiderinnen. Achtung! Achtung! Perlmutter-, Horn-, Steinnuß- Knopfarbeiter und Mitglieder sämtlicher Mitglieder sämtlicher Branchen! -Arbeiterinnen. Mittwoch, 24. Juni, pünktlich abends 6, Uhr, im Gewerkschaftshause ( Saal 5), Engelufer 15: Branchen- Verfammlung. Tages- Ordnung: 1. Bericht vom Berbandstag. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. 14. Berschiedenes. Die Branchenkommission. Mittwoch, den 24. Junt, abends 8%, Uhr: Mitglieder- Versammlung im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15. Zages Drdnung: Stellungnahme zum Verbandstag. Mitteilungen der Drtsverwaltung. Mitgliedsbuch legitimiert; ohne dasselbe oder mit mehr als 13 restierenden Wochenbeiträgen fein Zutritt. Branche der Musikinstrumentenarbeiter. 168/7 Zur Beachtung! Die am Montag, den 22. Juni, fällige Branchenbersammlung findet nicht st a ft. Die nächste Bersammlung wird noch besonders durch Inserat bekannt gegeben. Die Branchenkommission. und verwandter Berufsgenossen. Sektion der Konditoren, Arbeiter und Arbeiterinnen der Zuckerwarenfabriken. Verband der Bäcker u. Konditoren H Da die Tagesordnung eine sehr wichtige ift, erwartet zahlreichen Besuch Die Ortsverwaltung I. Bekanntmachung. Die Firma Julius Lindenbaum, Große Frankfurter Straße 141, hat am Sonnabend, den 6. Juni, die seit dem 22. März 1907 mit turzen Bur Unterhaltung einer Betriebswerkstätte ist die Firma vertraglich verpflichtet. Sie versucht sich ihren Verpflichtungen dadurch zu entziehen, daß sie die bisher auf der Werkstätte beschäftigten ledigen Arbeiter aufUnterbrechungen bestehende Betriebswerkstätte aufgelöst. Dienstag, den 23. Juni, abends 8, Uhr, im Gewerkschafts- forbert, bet einem Streitbrecher als Gesellen hause, Engelufer 15, Saal 1: Mitglieder- Versammlung. Zages- Ordnung: 1. Die politische Lage nach der Wahlschlacht am 3. Juni in Preußen. Referent: Landtagsabgeordneter Heinrich Ströbel. 2. Duldsamkeit und Denunziationen der Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereinler. Referent: Kollege Schneider. 3. Verbandsangelegenheiten. Bei der wichtigen Tages- Ordnung ist es dringend notwendig, daß alle Kollegen und Kolleginnen vollzählig erscheinen. 10/16 Der Vorstand. J. A.: M. Thieme. zu arbeiten. Damit versucht die Firma das Zwischenmeistersystem, welches wir durch Errichtung von Betriebswerkstätten zu bekämpfen suchen, in seinen allerschlimmsten Formen zur Einführung zu bringen. Die verheirateten Arbeiter sollen wieder als Heimarbeiter tätig sein. Indem wir dies hiermit zur Kenntnis bringen ,, ersuchen wir unsere Kollegen, diese Firma so lange zu meiden, bis wir mitteilen, daß diefe Differenzen geschlichtet sind. 163/ 4* Verband der Schneider und Schneiderinnen. Die Ortsverwaltung. Deutscher Kürschner- Verband = Filiale Berlin. Bureau und Arbeitsnachweis: Barnim Straße 21, v. pt. Tel.: Amt VII 6789. Mittwoch, den 24. Juni 1908, abends 8 Uhr: Seffentl. Versammlung Kürschnerbranche aller in der fuerbrande befchäft. Arbeiter und Arbeiterinnen im ,, Alten Schützenhause", Linienftr. 5. Zages Drdnung: 1. Die Notwendigkeit der Organisation für die Arbeiter und Arbeiterinnen der Kürschnerbranche. Ref.: Regge. 2. Diskussion. 3. NB. Die Aufnahme in den Verband kann am Eingang des Saales vollzogen werden. Agitiert dafür, daß sämtliche WerkKollegen, Kolleginnen! stätten, namentlich in der Pelzbranche, vollständig vertreten find. Die Ortsverwaltung. 102/5 Erfrischend- Durststillend! Die köstlichsten, erfrischendsten Limonaden, Brauselimonaden u. Fruchtsirupe bereitet man unverfälscht nur felbft mittels Noa's Frucht- Sirup- Extrakte, natürliche der echten Aroma frischer Früchte enthaltend, vorrätig in Himbeer, Kirsch, Erdbeer, Zitronen, Pfirsich, Waldmeister, Apfelsinen, Limetta etc., Preis p. Fl. 50 Pf. zur Herstellung von 4 Pfd. Frucht- Sirup, wovon sich das ganze Pfund fig u. fertig auf nur 25 Pf. stellt. Borzüglich zu Crême, Speisen, Puddings, Weißbier, Selters etc. Mit Buderwasser gemischt, ergibt 1 Fl. Extratt, Preis 50 Pf., 15 Ltr. wunderbar erquidende Limonade. 1 Glas davon stellt sich auf nur 1 Pf., Brauselimonade auf nur 3 Pf. p. 10 Literflasche. Berto. illustr. 192 sett. Rezeptbuch 12. 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Der große Saal des Moabitcr Gesell- schaftshauses in der Wiclefstraße war dermaßen gefüllt, daß die Sitzplätze nicht ausreichten, eine große Zahl der Besucher muhte mit Stehplätzen vorlieb nehmen. Wer, wenn es nach Recht und Billigkeit ginge, den 12. Kreis im Landtag vertreten soll und muß, das ist ja für unsere Parteigenossen selbstverständlich klar; aber es galt die Meinung der Gegner zu hören, sich mit ihnen darüber auszusprechen. Der Vorsitzende, Genosse Vieth, gab von vornherein bekannt, daß die Wahl niänner der bürge r- lichen Parteien sämtlich durch Karten einge- laden waren, und sprach die Hoffnung aus, daß sie nun endlich von dem Recht der freien Diskussion Gebrauch machen würden — allerdings, wie sich später herausstellte, eine vergebliche Hoffnung Als Referent sprach Landtagsabgeordncter Heinrich Ströbe l. Der Jubel, sagte er, der nicht nur das preußische. daS deutsche, sondern das Proletariat der ganzen Welt erfaßte, als eS uns endlich gelungen war, in den preußischen Landtag ein- zudringen, beweist schon, wie jene Frage zu beantworten ist; jeder klassenbewußte Arbeiter wünscht, daß hier in Moabit am Dienstag der Genosse Adolf Hoffmann siegt. So groß und so be- rechtigt die Freude über unsere Wahlerfolge auch ist, täuschen wir uns doch nicht darüber, daß diese Erfolge nur ein erster Schritt sind. Unsere Vertretung im Landtag soll ja nicht nur dazu dienen, Kritik an den schmählichen Zuständen zu üben, sondern gründliche Besserung zu schaffen, zu sorgen dafür, daß endlich in Preußen des Volkes Wille das oberste Gesetz wird. Das ist natürlich nur inöglich, wenn endlich das Volk der ehrlichen Arbeit eine seiner Stärke entsprechende Vertretung erhält. Der Wahlkampf selbst ist für uns nur eine Episode des Wahlrechtskampfes, der einsetzte, nachdem bei den Landtagswahlen von 1S03 die ungeheuerliche Tatsache bekannt wurde, daß die Partei des Proletariats, die trotz der offenen Stimmabgabe 314 000 Stimmen erhalten hatte und nur von den 324 000 konservativen Stimmen übertroffen wurde, nicht einen einzigen Vertreter in den Landtag senden konnte.— Stach diesen einleitenden Worten geißelte der Redner die jämmer- liche Rolle, die der Blockfreisinn in der Wahlrechtsbewegung und den herausfordernden Reden des Reichskanzlers gegenüber spielte, und wies nach, wie töricht, wie schnöde und verräterisch, seihst von ihrem eigenen Parteiinteresse aus betrachtet, die Haltung der Frei- sinnigen nun wieder in diesem Wahlkamps ist, was ja selbst von allen denen, den wenigen freisinnigen Politikern anerkannt und ausgesprochen wird, die sich noch ein ehrliches Gefühl für Demokratie bewahrt haben. Haben doch die Blockfreisinnigen sogar vor den Toren Berlins Mandate an die schwärzeste Reaktion verschachert! Haben sie doch in Flensburg mit einer Schamlosigkeit sonders- gleichen ihren Pakt mit den Konservativen geschlossen! Hätte jetzt in Moabit noch das Volt zu entscheiden, iväre die Sache nicht schon in den Händen der Wahlmänner, so würde auch dieser Kreis den Freisinnigen ohne Zweifel verloren gehen.— Nach einer gründlichen Kritik der sozialen und politischen Zustände in Preußen, nach Widerlegung des törichten Geredes, daß die Sozial- demokratic, die mit aller ihrer Kraft für de» Volkes Recht«, kür eine höhere Kultur kämpft, antinational sein sollte, schloß der Redner mit der Mahnung an die Parteigenossen, nun noch alles aufzubieten, damit dem Freisinn, der Reaktion, auch der 12. Land- tagsbezirk entrissen wird. Nun sollte die Diskussion beginnen. Der Vorsitzende erklärte: Es wäre uns und unserem Kandidaten wirklich angenehm, einmal hier in öffentlicher Versammlung die Gründe der Gegner zu hören. Von den 3W bürgerlichen Wahlmännern, die wir geladen haben, wird doch wenigstens einer das Wort nehmen. Wir haben sie ersucht zu kommen, weil es unS nicht möglich ist, in ihren Vcr- fammlungen uns mit ihnen auszusprechen. Die Freisinnigen laden ja nur diejenigen ein, die ihren Kandidaten unterstützen, die Konservativen verbeten sich sozialdemokratischen Besuch in ihren Versammlungsanzeigen.— Aber trotz aller Aufforderung meldete sich keiner, den so scharf angegriffenen Blockfreisinn zu verteidigen. Es folgte eine kernige Ansprache unseres Kandidaten. Genosse Adolf Hoffmann sprach sein Bedauern darüber aus, daß kein Gegner es unternahm. hier im Kreise für die Grundsätze einzutreten, die der Freisinn nach Mugdans Aeutzerung früher einmal gehabt hat. ES wäre doch Pflicht der Freisinnigen gewesen, auf die Angriffe zu ant- warten, sagte er. Gegenüber der Waschlappigkeit dieses Freisinns ist uns der Konservative als ein Mann von Charakter doch lieber. Als ich angeklagt war wegen Verächtlichmachung des preußischen Landtags sagte der stockkonservativ gesinnte Richter:„Es ist Ihr gutes Recht, den Landtag anzugreifen, und das will ich Ihnen nicht streitig machen." Welcher Freisinnige würde wohl so ehrlich das Recht seines sozialdemokratischen Gegners anerkennen?— Unsere wenigen Genossen im Landtag werden sicherlich nicht im- stände sein, die korrupten preußischen Zustände zu ändern. Das ist allen klar. Aber alle die kleinen Leute in Preußen, alle die Beamten, ja selbst die hochgestellten, werden lauschen auf das, waS die Sozialdemokraten im Landtag zu sagen haben. Der 23. Juni wird hier in Moabit für uns ein SiegeStag sein, ganz gleich wie er ausfällt. Wir siegen ja selbst da, wo wir unterliegen. Wie aber die Wahl auch ausfallen möge, unser Wahlspruch ist: Nieder mit dem Dreiklassenwahlrecht; nieder mit der preußischen Reaktion! Da sich auch jetzt kein Gegner hervorlocken ließ, blieb dem Vorsitzenden nichts anderes zu tun übrig, als die Parteigenossen und besonders auch die Genossinnen aufzufordern, am Wahltage mit größtem Eifer ihre Pflicht zu erfüllen, alles daranzusetzen, um auch diesen Kreis zu erobern. Mit begeisterten Hochrufen auf die Partei schloß die Versammlung. Zur Moabiter Stichwahl schreibt eine Korrespondenz:„Für die am Dienstag stattfindende Stichwahl in Moabit werden Polizei- liche Vorkehrungen getroffen werden, um die skandalösen Vorgänge vom 16. d. M. sich nicht wiederholen zu lassen. Bekanntlich hatten die Sozialdemokraten damals die bürgerlichen Wahlmänner arg belästigt, ihnen den Eintritt durch die Türen erschwert und mit ähnlichen„geistigen Waffen" den Ausgang der Wahl beeinflussen wollen. Solchen Kindereien wird diesmal entgegengetreten werden. Den Saal in der Turmstraße 25/20 dürfen nur Wahlmänner be- t'eten, die sich als solche legitimieren können, bei Andrang sollen olle ab�fertigten Wahlmänner aus Sicherheitsgründen aufgefordert werden, den Saal zu verlassen. Der Wahlvorstand ist zu einer solchen Maßregel bei Ausschreitungen wohl berechtigt. Die Türen, Vorräume usw. sind freizuhalten, eventuell mit Hilfe der Polizei." WaS hier von Belästigungen der bürgerlichen Wahlmänner durch Sozialdemokraten bei der Wahl am 10. Juni gefaselt wird, ist dummes Zeug; insbesondere ist es aus den Fingern gesogen, daß Wahlmännern der Eintritt durch die Türen erschwert worden ist. Der Weg zum Wahllokal führt durch einen Vorgarten. Dort waren, wie das bei jeder Wahl der Fall ist, die Stimmzettel- Verteiler der einzelnen Parteien aufgestellt und präsentierten jedem Wahlmann den Namen des Kandidaten ihrer Partei. Das ist doch keine Belästigung, gehört vielmehr zum Wahlgeschäft. Mit demselben Recht, wie bürgerliche Wahlmänner sich angeblich be- lästigt gefühlt haben sollen, weil ihnen sozialdemokratische Stimm» zettel offeriert wurden, könnten sozialdemokratische Wahlmänner eine Belästigung erblicken, wenn ihnen Stimmzettel bürgerlicher Kandidaten aufgedrängt werden sollen. Ein vernünftiger Mensch nimmt die Zettel ab und ioählt doch wie er will. Die Belästigung hat nur im Kopfe eines übereifrigen Herrn gespukt, der glaubte, Polizei mobilmachen zu sollen. Selbst der diensttuende Polizei- leutnant, der sich einfand, mußte sich überzeugen, daß tatsächlich nichts vorgekommen ist, was irgendwie anstößig gewesen wäre. Der Beamte hat das selbst erklärt in einer Rücksprache, die unser Wahl- leiter mit ihm hatte._ partei- Hngclcgcnhciteru Zur Lokalliste. In Neu-Zittau(T.-B.) steht uns das Lokal „Hubertushof"(Jnh. Wilh. Bauer), Gosener Straße 16, zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung; desgleichen bei Koepenick am Müggelsee das Restaurant«Prinzen- garten"(Jnh. Wilh. Prinz). Folgende Lokale werden uns trotz wiederholt stattgefundcner Verhandlungen hartnäckig verweigert: Ober-Schöncweide: Nestau- rant„Spreeschloß"(Jnh. Hühne) und Nieder-Schönewcidc: Restaurant«N e p t u ns h a in". Die Lokalkommission. Sechster Wahlkreis. Heute, Sonntag, den 21. Juni, findet bei Wille, Brunnenstr. 183,«in Unterhaltungsabend statt. Die Ge- nassen der Rosenthaler Vorstadt sind hierzu ganz besonders ein- geladen. Me Abtcilungsführer. Schöneberg. Parteigenossen! Es gilt von neuem zu werben. Dazu ist ist es notwendig, daß ein jeder, der sich zu uns zählt, in den bekannten Lokalen einfindet und mit tätig ist. Der Erfolg wird um so weniger ausbleiben, je mehr Genossen sich der Pflicht bewußt sind. Darum an die Arbeit. Gleichzeitig weisen wir darauf hin, daß am Sonntag, den 28. Juni, das 18. Stiftungs- fest deS Wahlvereins stattfindet. Alles Nähere durch die Billetts. Die Bezirksführer holen sich die Informationen am Dienstag. Der Vorstand. Friedenau. Die Mitgliederversammlung des Wahlvcreins findet am Dienstag, den 23. d. M. im„Rheinschloß" statt. Der Vorstand. Tempelhof. Am Dienstag, den 23. Juni, abends 8(4 Uhr, Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins bei Martin Müller, Berliner Straße 40/41. Tegel. Am Dienstag, den 23. Juni, abends 3�4 Uhr, findet bei Götz, Schloßstraße 7/8, die Mitgliederversammlung deS Wahl- Vereins statt. Sämtliche Sammellisten von der Landtagswahl sind in der Versammlung abzuliefern. Pankow. Dienstag, den 23. Juni, abends 3(4 Uhr, findet eine außerordentliche Generalversammlung bei Großkurth, Ber- liner Straße 28 statt. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Britz-Buckow. Dienstagabend �>9 Uhr findet in allen Be- zirken der Zahlabend statt. Rixdorf. Die Urwahlleitcr werden dr i n g e n d ersucht, den Auszug über die Abstimmung der Geschäftsleute nebst Abteilungs- liste an das zuständige Komiteemitglied bis Dienstag, 23. Juni, abzuliefern. Ter Vorstand. Trcptow-Waumschulcnweg. Unsere Mitgliederversammlung findet am Dienstag, 23. Juni, in Speers Festsäle statt. Tages- Ordnung: 1. Fortsetzung der Diskussion über den Bericht des Vorstandes; 2. Frauenorganisation; 3. Trennung des Wahlvereins; 4. Abrechnung vom Maifest; 5. Vereinsangelegenheiten und Vcr- schiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Köpenick. Die fällige Wahlvereinsversammlung sindet nicht am 23. Juni, sondern am Dienstag, den 7. Juli, statt. Reinickcndorf-West. Am Dienstag, 22. Juni, findet in den Eichborn fälen eine Mitgliederversammlung statt, mit der Tagesordnung: 1. Beschlußfassung über das Stiftungsfest; 2. Bekanntmachung der Genossen, welche nicht gewählt haben; 3. Verschiedenes. Eichwalde. Heute, Sonntag. 21. I u n i, morgens 7 Uhr, findet eine äußerst wichtige Flugblattverbreitung statt.— Mittwoch, 24. Juni, abends 8(4 Uhr, wird die M o n a t sv e r s a m m l u ng in dem neu zur Verfügung stehenden Lokal„Restaurant zur Dorf» euc"' �(Inhaber: Lindcmann) in Zeuthen abgehalten. Berliner JVacbrichten. Der JubiläumSbazilluS. Wir stehen im Zeitalter der Jubiläen. So könnte man den Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts schließlich auch nennen. Eine fast krankhafte Sucht hat gewisse Kreise befallen, die Feste zu feiern, wie sie fallen, und Feste zu erfinden, tvenn der Kalender keine anzeigt. An Sonntagen, den Festtagen des Volkes, schließen sich dieselben Kreise zum großen Teil vorsichtig in ihre verschwiegenen Gemächer ein. Vielleicht fühlen sie selbst, daß für ihre so vielfach daS Licht scheuende Eigenart kein Platz ist, wo die wuchtige Volksmasse nach harter Arbeit ihr gutes Recht auf harmloses, billiges Vergnügen beansprucht. Jnstinktmäßig spüren sie heutzutage die unüber- brückbare Abgrundtiefe und feiern unter sich ihre Feste in der Woche. Aber gründlich, jeden Tag, bis zur vollsten llebersättigung und Blasiertheit, bis zum Ruin von Körper und Geist. Einen breiten Raum unter derartigen halb öffentlichen, halb privaten Feierlichkeiten mit salbungsvollen Festreden und Posaunen- getute nehmen die Jubiläen aller Art ein. Unser herrliches Deutsches Reich geht auch in dieser Verhimmclungswut allen anderen zivilisierten Staaten mit Pauken und Trompeten voran. Jedes auf der großen Lebensleiter nach oben ge- kletterte Menschenkind, jede staatliche oder bedeutsamere private Einrichtung muß zum rechton oder auch unrechten Augenblick das ominöse Jubiläum haben. Früher nahm man allenfalls den Ablauf eines Vierteljahrhunderts als Anlaß, um der ver- flossenen runden Spanne Zeit ehrende Worte des Gedenkens zu widmen. Heute feiert man schon jeden Jahresabschnitt, der zahlenmäßig mit einer Null oder einer Fünf endigt. Nicht das Ereignis als solches wird gefeiert, vielmehr die Spezial- gelüste einzelner„Macher" stehen im Vordergrund. Ist das„Jubiläumskind" aus Fleisch und Blut, so finden sich Speichellecker, die die Jubiläumsfeier vielleicht ganz gegen den Wunsch des hochgestellten Jubilars zu einer großen Aktion stempeln und sich bei ihm einschmeicheln wollen. Handelt es sich um eine Sache, so gibt es stets Leute, die aus dem Jubi- läum irgendwie Kapital für sich schlagen möchten, sei es auch nur in Form eines Piepmatzes im Knopfloch oder eines Titelchens auf dem Namensschild. Diese Jubiläumsseuche grassiert derart, daß die jeweils zuständigen Minister wieder- holt sich geweigert haben, die beantragte Ordens- oder Titel- Verleihung in Vorschlag zu bringen. Dann steckten sich die „Gönner" der Sache, die gewöhnlich in Finanzkreisen ton- angebend sind, hinter irgendeinen- hochmögcnden Herrn oder wußten gar einen Prinzen in die Affäre hinetnzubugsierow stellten schließlich seufzend eine größere Summe für Wohl- tätigkeitszwecke, lies: Kirchenbauten, zur Verfügung, und nun erst kam der Jubiläumsrummel in richtige Gleis. Wir sind selbstverständlich nicht so skeptisch, jeder Jubiläums- feier einen gewissen inneren Wert absprechen zu wollen. Nur gegen die Auswüchse richten sich unsere Worte. Hat jemand ein halbes oder gar ganzes Menschenleben hindurch sich redlich in ein und derselben Stellung geplagt, im vollstem Maße seine Schuldigkeit oder vielleicht noch mehr getan, so ist es gewiß- ein schöner Beweis von Anerkennung, diesen Ehrentag nichl spurlos und freudlos vorübergehen zu lassen. In unserci Zeit, in der der Proletarier zu jeder Stunde auf dem Sprunge sein muß, aus der Brotstelle gejagt zu werden, ist das lange Ausharren bei derselben Firma eine Seltenheit. Allerdings haben wir uns bei Eintreten eines solchen Falles oft wundern müssen über die Filzigkeit mancher Chefs, die für eine lang- jährige Arbeitsleistung kaum ein Wort der Genugtuung und mehr als ein Trinkgeld übrig hatten.„Da sehen Sie, welche Geduld und Nachsicht ich init Ihnen besaß", sagte mal ein solcher Gemütsathlet, als ihn sein Angestellter leise an sein Jubiläum zu erinnern wagte. Selbst dem Beaniten, dem es nicht weiter schwer fällt, in seiner Sinekure bis zum Jenseits oder bis zum gesegneten Ruhestände lustig aus- zuharren, gönnen wir sein allgemeines Ehrenzeichen oder den roten Jubiläumsadler vierter Garnitur. Leider hat jedoch die Sitte der Jubilätimsfciern auch die unteren Volksstände allzu stark angesteckt. Es mit festlichem Brimborium zu begehen, ivenn man zehn Jahre in derselben Wohnung haust und mit seinem Hauspascha noch keinen Krach gehabt hat oder wenn man ein Jahrzehnt lang sein Handelsgeschäft notdürftig über Wasser hielt, ist eine lächerliche Selbstgefälligkeit. Ebensogut könnte man den zehnjährigen Geburtstag seiner vierbeinigen Haus- freunde feiern oder dem gewerbsmäßigen Bettler den Jubiläums- kränz winden. Tank der Geschäftstüchtigkeit des Scherl- blattes, das eine eigene Beilage für Jubiläen gegründet hat, ist auch die Mode der Ehejubiläen eine öffentliche geworden. Vielleicht regt August Scherl als Pendant zur goldenen Ehe- jubiläumsmedaille noch die Stiftung einer silbernen Marke an. So etwas fällt ja heutzutage, wo Aeußerlichkeiten für fade Köpfe mehr als Talmiwert haben, auf fruchtbaren Boden. Wir haben da recht häufig Jubiläumsnotizen über würdige silberne Ehepaare gelesen, von denen alle Welt weiß. daß die verfloffenen fünfundzwanzig Jahre fast ein einziger Kriegszustand waren. Die zwei oder noch mehr Jahre, in denen man getrennt gelebt hat, werden natürlich beim Ehejubiläum einfach unterschlagen. Und von den unter- schiedlichen sonstigen„Seitensprüngen", die ja in der modernen bürgerlichen und feudalen Ehe gang und gäbe sind, steht erst recht nichts in der Festrede. Schließlich ist's aber derselbe faule Zauber unten wie bei der protzigen Jubiläumsfeier im Höheubereich. Nur die Zeit wird gefeiert „preisend niit viel schönen Reden". Von den Schandtaten, die mitunter der Jubilar oder die jubilierende Einrichtung auf dem Konto hat, will an solchem Tage keiner der Fest- teilnehmer etwas wissen. Nur gut, daß es auch noch Menschen mit vorzüglichem Gedächtnis gibt, die sich nicht scheuen, daran zu erinnern, daß anstatt der Jubiläumsglocken lieber das Armesündcrglöcklein läuten sollte. Mancher, der sich von Tausenden in den Himmel heben läßt, hat oft hundertfach ein Stück Hanf verdient._ - Zum Achtuhr-Ladcnschluß. UnS wird berichtet, daß im Norden Berlins in offenen Ladengeschäften angeblich ein Kaufmann, der in einer Droschke umherfährt, erschienen ist. um die den Geschäftsinhabern zugestellten Abstimmungskarten zuin Achtuhr-Ladenschluß abzuholen. Der Mann gibt vor. im Auftrage des ZentrakverbandeS der Handlungsgehilfen zu kommen. Es scheint sich hier um einen Trick der Gegner des Achtuhr-LadenschlusseS zu handeln, denn der Verband hat niemand hierzu beauftragt, kann eS auch gar nicht. Die Abstimmungskartcn sind, wie aus denselben vermerkt ist, auf dem Polizeirevier persönlich abzugeben oder auf dem Polizeipräsidium gegen Vorlegung ent- sprechender Legitimation. ES ivird hiermit ausdrücklich geivarnt, die AbstimmungSkatten ftemden Personen einzuhändigen, weil in diesem Falle die Stimmen für den Achtuhr-Ladenschluß verloren gehen. Dir SäuglingS-Fürs-rgeftellen. die von der Stadt Berliu ge- schaffen worden sind, werden in diesen Tagen sommerlicher Hitze nöch zahlreicher als sonst von den Müttern kränkelnder Säuglinge aufgesucht. Die Zahl der Kinder, für die die Aerzte dieser Fürsorgestellen um Hilfe gebeten werden, ist gewöhnlich in einem Sommermonat etwa doppelt so hoch wie in einem Winter- monat. Im Sommer ist eben auch die GesundheitS- und Lebens« gefährdung von Kindern zartesten Alters sehr viel größer als in der lühleren Jahreszeit. In den SäuglingS-Fürsorgestellen werden von Spezialärzten an jedem Wochentag von 2— 3 Uhr SP re ch stunden abgehalten, in denen den Müttern(oder Pflegemüttern) schwächlicher oder kränkelnder Kinder des ersten Lebensjahres unentgeltlich Rat über Wartung und Ernährung der Kinder erteilt wird. Die Aerzte sollen vornehmlich darauf hinwirken, daß den Kindern womöglich die Mutterbrust gereicht wird. Wo eine Mutter das nur unter Beeinträchtigung ihrer Erwerbsarbeit und Schmälerung ihres Verdienstes durchführen könnte, ist wenig Hoffnung, daß die dies- bezüglichen Ratschläge der Aerzte auf fruchtbaren Boden fallen werden. Darum soll den stillenden Müttern bei nachgewiesener Be- dürfniSlosigkcit eine Beihilfe in bar gewährt werden, eine sogenannte Stillprä nrie. Die Bezeichnung»Stillprämie" verlockt manche Mütter zu dein Glauben, daß sie nach längerer und erfolgreicher Ernährung ihres Kindes mit Muttermilch sich bei den SäuglingS-Fürsorgestellen melden können, um dort nach- träglich eine Art Belohnung in Empfang zu nehmen. DaS ist ein Irrtum, dem wir öfters begegnet sind. In Wirklichkeit sind die Still- Prämien nur eine laufende Unterstützung, die den bedürftigen Müttern von den Aerzten der Fürsorgestellen unter der Bedingung bewilligt werden kann, daß das Kind der regelmässigen Kontrolle der Aerzte unterstellt wird. Nebe» diesen baren Unterstützungen für selbststillende Mütter besteht die Einrichtung, daß auch den Müttern der künstlich genährten Kinder, der.Päppelkinder", eine Beihilfe gewährt wird. Ihnen ivird gute, ärztlich kontrol- lierte Milch beschafft, je nach Erfordernis zu ermäßigtem Preis oder ganz umsonst. Man darf in den SäuglingS-Fürsorgestellen eine Veranstaltung sehen, die Segen verspricht. Gewiß werden alle Versuche, die Säuglingssterblichkeit herabzumindern, in ihrem Erfolg inuner wieder beeinträchtigt werden durch die sozialen Zu- stände, in denen zu leben die Arbeiterklasse im kapitalistischen Klassen- staat gezwungen ist. Aber schwerlich wird die Einrichtung, die hier r.'■•"jtii wurde, ganz ohne Wirkung und Nutzen bleiben. Die Leiter der Berliner SciiiglingS-Fürsorgestellen haben in den Be- richten über die ersten Jahre ihrer Tätigkeit aufs bestimmteste ver- sichert, daß sie segensreiche Wirkungen schon sehr bald bemerkt haben, wenn auch einstweilen noch nicht statistisch nachweisbar ist, lvelchen Einfluß die Fürsorgestellen au die Höhe der Kindersterblichkeit Berlins allsgeübt haben. Zu wünschen ist freilich, daß von den Müttern die Ratschläge der Aerzte nicht geringer bewertet werden, als die ihnen etwa ge- währte Unterstützung mit Geld oder Milch. Gegenwärtig gibt es in Berlin sieben Säuglings- F ü r s o r g e st e I l e n: 1. Blumenstr. 78, für die Stadtbezirke 1 bis 10. 145-106, 163—188. 130 a. b, c, 190 b, c, e, 195-201; 2. Elsasser Str. 27, für die Stadtbezirke 202—245, 251— 253, 255 bis 259, 264—274; 3. Bugenhagenstr. 7 �Markthalle Arminiusplatz), für die Stadtbezirke 11—14, 279—304; 4. Naunynstr. 63, für die Stadtbezirke 15-19, 22—23, 72-74, 76-144, 167 a. b, c; 5. Pankstr. 7, für die Stadtbezirke 254. 236—263; 6. Groß- beerenstraße 10, für die Stadtbezirke 20, 21, 29—71, 75 a, b; 7. Prenzlauer Allee 45 lEingang II), für die Stadt- bezirke 1893, 190a, ä. 191—194, 246—250. Die sieben Fürsorge- kreise sind noch sehr umfangreich. Eine weitere und baldige Ver- mehrung der Fürsorgestellen ist anzustreben, damit durch Ab- kürzung der Wege ihre Benutzung erleichtert werde. Mütter von Kindern des ersten Lebensjahres sollten die hier mitgeteilte Liste der Fiirsorgestellen aufbewahren, um nötigenfalls bei diesen Instituten Rat und Hilfe suchen zu können. Der Zweck der Fürsorgestellcn, vorbeugend zu wirken, wird am besten erfüllt, wenn die Kinder möglichst bald nach der Geburt den dort tätigen Aerzten zugeführt werden. Die Inanspruchnahme der Säug- lingsfürsorgesiellen gilt nicht als Armenunterstützung, sie hat daher nie die entrechtenden Folgen, die der Hilflose sonst mit hinnehmen muß. Zur Errichtung einer Freibett- Stiftung hat der' Kammerherr Hesse Edler von Hesscnthal zur Erinnerung an seine kürzlich ver- storbene jugendliche Tochter dem Kaiser und Kaiserin Friedrich- Krankenhause 10 000 M. überwiesen. Zum Thema der Schülerselbstmorbe, das in den Blättern aller Parteirichtungcn von mehr oder minder berufenen Moralisten eifrigst beackert wird, hat nunmehr auch die Wissenschaft das Wort ergriffen. In der Psychologischen Gesellschaft hielt Dr. M. Gramzow vor einem großen ärztlichen Zuhörerkreise einen Vortrag über die Psychologie des Selbstmordes und zwar im Anschluß an den traurigen Fall des Primaners Günther Stender. Wir folgen dem Vortragenden nicht auf sein wissenschaftliches Gebiet, das für die Beurteilung des vorliegenden Spezialfalles nicht den richtigen Gradmesser abgeben kann, heben aber aus den mit ziemlich ge- teilten Ansichten aufgenommenen Ausführungen die Schlußbe- merlung hervor, daß die modernen Schülerselbstmorde weit weniger auf pädagogische Mißgriffe, deren Bestehen allerdings nicht hin- weggeleugnet werden kann, als auf Eas ganze gegenwärtige soziale Milieu zurückzuführen seien. Schließlich kommt, so sagt Dr. Gramzow. hierbei auch die Selbstmordneigung unserer müden, nihilisttsch gesinnten, ideallosen Generation zum Ausdruck. Die Müdigkeit lassen wir gelten. Solch ein junger Selbst- Mörder ist es müde, den Kampf gegen sein persönliches Pech und gegen seine Widersacher zu Ende zu führen. Müdigkeit ist also hier gleichbedeutend mit Schwäche. Vielleicht spielt in begabten. vorzeitig reifen Köpfen auch ein gut Teil Ekel gegen das Herr- schende Vergewaltigungssystcm mit. Aber auch ideallos? Nein, wir haben bisher noch meist gefunden, daß gerade in jugendlichen Selbstmördern sehr viele Ideale steckten. Mehr, als immer gut war. Gerade weil solche Brauseköpfe sich in ihren Idealen bc- trogen sehen und zu schwach sind, was Großes für diese Ideale zu tun, also unter Umständen zu leiden, werfen sie müde das Leben fort. Und nihilistisch gesinnt? Warum machen Sie aus ihrem Herzen eine Mördergrube, Herr Doktor, und sagen nicht keck heraus„sozialdemokratisch gesinnt'"? Denn das ist doch wohl des Pudels Kern. Aber auch da hinkt der Vergleich m� dem sozialen Milieu ganz gewaltig. Vielleicht nirgends sind mehr Ideale zu finden als in der Sozialdemokratie. Der ganze soziale Kampf ist weiter nichts als ein einziges großes hohes Ideal, das Ideal der Menschenwürde. Hätte man in dem jungen Selbst- mörder, der sicher alles andere eher als sozialdemokratische Tendenz in sich trug, nicht sein Gefühl der Menschenwürde erstickt, so lebte er wahrscheinlich heute noch. Deshalb bleibt unsere frühere Er- klärung, daß Günther Stender ein Opfer falscher Ehrbegriffe ge- worden ist, daneben doch bestehen. Insofern hat also auch Dr. Gramzow mit dem Hineinbeziehen des sozialen Milieus vollständig recht. Es ist das grundfaule Milieu der bürgerlichen Gesellschafts- ordnung. Eine bessere Zeit wird den Beweis liefern, daß die Selbstmorde aller Schattierungen auf ein Minimum sinken,— sobald die Ideale der sozialen Vorkämpfer für Menschenrechte Wahrheit geworden sind. Der Magistrat von Berlin hat beschlossen, die Stelle eines Direktors für das Berliner Fach- und Fortbildungsschulwesen, die mit 10 000 M. Gehalt ausgestattet ist, öffentlich auszuschreiben, und zwar mit einer Frist bis zum 31. August d. I. Die Allgemeine Berliner OmnibuSgesellschaft veranstaltet Sonntagssonderfahrten mit Automobilomnibussen. 1. a) Vom Oranienburger Tor über das Brandenburger Tor und den Potsdamer Platz, b) vom Halleschen Tor über den Pots- damer Platz, c) von Bülowstraße, Ecke Potsdamer Straße, über Nollendorfplatz. Kurfürstendamm, Halensee, Hundekehle nach Beelitz- Hof(Freibad), Wannsee und meistens direkt oder mit Umsteigen weiter nach Machnower Schleuse und Zehlendorf. Die Wagen ver- kehren vormittags nach Bedarf von 9 Uhr ab. nachmittags von 1 Uhr ab in Abständen von zirka 15 Minuten.— Nach Bedarf auch an den Nachmittagen der Wochentage. 2. Von Wannsee(Bahnhof oder Kaiserpabillon) nach Mach- nower Schleuse und weiter nach Zehlcndorf.— Nach Bedarf auch an den Nachmittagen der Wochentage. Die Wagen verkehren von 1 Uhr nachmittags ab in Abständen von 20 bis 30 Minuten. 3. Vom Brandenburger Tor nach Finkenkrug(Kolonie Neu- Finkenkrug sowie Wirtshaus Alter Finkenkrug und Krug Briese- lang). Die Wagen verkehren vom Brandenburger Tor um Uhr und l410 Uhr und zwischen Bahnhof Finkenkzug und Kolonie Neu-Finkcnkrug einerseits, sowie dem Wirtshaus Alter Finkenkrug und Krug Brieselang andererseits nach Bedarf möglichst im An- schluß an die Züge. 4. Vom Alcxanderplatz nach Wandlitzsee(Liepnitzsee). Dtc Wagen verkehren vom Alexanderplatz um 8, 9 und 10 Uhr. 5. Vom Wandlitzsee(Liepnitzsee) nach Bernau von vormittags 10 Uhr ab nach Bedarf möglichst im Anschluß an die Züge. Der Berliner Magistrat hat beschlossen, aus der im Etat 49 seinerzeit eingestellten Summe von l'/a Millionen Mark allen Gcuicindcbcaiüte» mit einem pcnsionsfähigen Diensteinkommen von gicht mehr als 4300 M. eine einmalige Zulage zu zahlen. Die Beamten von nicht mehr als 2000 M. sollen 100 M. und �die mit mehr als 2000 M. bis 4800 M. 150 M. erhalten. Diese Zulagen sollen den Beamten auf die zukünftige Gehaltsregelung in Anrechnung gebracht werden. Hoffentlich denkt der Magistrat auch an die städtischen Arbeiter! Ter kurzfristige Zyklus von ärztlichen Fortbildungskursen in Berlin, an denen jeder deutsche Arzt unentgeltlich teilnehmen kann. findet nicht, wie zuerst mitgeteilt, im September, sondern vom 19. bis 31. Oktober dieses Jahres statt. Der Borort Britz blüht. Wer jetzt hinaus pilgert, wird über- rascht sein über die großen Veränderungen, die dort vor sich ge- gangen find. Neben der Noseopracht sind es besonders die Ver, änderungen infolge der EntWickelung durch den Teltowkanal. Wo vor einiger Zeit noch Roggen und Kartoffeln geerntet wurden, ziehen sich jetzt breite Straßen hin mit großen modernen Häusern. Fabriken schießen wie Pilze empor. Uebcrall stößt man auf Neu- bauten. Gebuddelt wird an allen Ecken und Enden. Nur noch kurze Zeit und all die vielen Rosengärten und Gärtnereien sind verschwunden. In diesem Jahre sind die Rosen besonders billig. Für ein großes Bouquet der schönsten Gloire de Dyon usw. verlangten die Verkäufer nur 10 Pfg. Groß und Klein war mit Sträußen beladen, deren Duft noch mehr als die Farbenpracht wirkte.... Aus dem Polizeikampf gegen den Straßenhandel wird uns ein sehr sonderbares Vorkommnis berichtet. Am 18. Juni, nachmittags etwa um 2 Uhr, stand in der Unterwasserstraße an der Ecke der Werderstraße(nahe der Schleusenbrücke) eine Stratzenhändlerin Frl. M. mit ihrem Obstwagen. Eine Straßenhändlerin Frau C., die ihr bekannt ist, ging zufällig vorüber, trat an den Wagen und verweilte längere Zeit bei Frl. M. Inzwischen hatte der Wagen bereits die Aufmerksamkeit der Polizei erregt. Ein Schutzmann schlängelte auf Umwegen sich heran, stand plötzlich vor den Frauen und fragte, wessen Wagen das sei.'Man gab ihm die Antwort, der Wagen gehöre Frl. M. Er aber hielt es für erforderlich, samt dem Frl. M. auch die Frau C. trotz ihres Protestes zum Polizeibureau zu bringen. Frau C. hatte, nebenbei bemerkt, keine Ware bei sich; sie war auf dem Wege zu einem Arzt, dem sie ihren Jungen zu- führen wollte. Auf dem Bureau wurden die Personalien des Frl. M. festgestellt. Bezüglich der Frau C. schien es, wie wenn einer der Beamten riet, sie ohne weiteres wieder zu entlassen. Doch der Schutzmann, der die beiden Frauen sistiert hatte, glaubte den offenbar sehr schwierigen Fall erst einer höheren Instanz unter- breiten zu sollen. Er ging zum Herrn Leutnant, und brachte von diesem den Bescheid zurück, Frau C. habe schon lange an dem Wagen gestanden, der Herr Leutnant selber habe das auf der Straße bemerkt. Auch Frau C. mutzte nunmehr ihre Personalien notieren lassen. Hiernach war zu erwarten, daß nicht nur für Frl. M., sondern auch für Frau C.„das Weitere sich finden" werde. Aber beide Frauen nahmen an, daß einstweilen die Sache erledigt sei und man ihnen gestatten werde, nach Hause zu gehen. Sie er- staunten nicht wenig, als sie jetzt genötigt wurden, in der Arrestzelle Platz zu nehmen. Vergebens baten sie, ihnen eine Unterredung mit dem Herrn Leutnant selber zu ermöglichen. Sie kriegten eine Antwort, die sie dahin verstanden, das werde nichts nützen, so sei es hier schon mehr Straßenhändlern und Straßenhändlerinnen ergangen, gegen sie solle in diesem Revier infolge höherer Weisung künftig mit aller Strenge eingeschritten werden, in den letzten acht Tagen seien auf dem Bureau nun schon elf solcher Fälle vorgekommen. Die Frauen richteten nichts aus, sie hatten sich in die Zelle zu begeben und mußten es noch als eine besondere Vergünstigung ansehen, daß man die Tür nicht hinter ihnen schloß. Frau C. hatte darauf hingewiesen, daß zu Hause von fünf kleinen Kindern auf sie gewartet werde. Als sie erneut um ihre Entlassung bat und besonders hervorhob, daß das jüngste Kind erst elf Monate alt sei, wurde bei dem für sie zuständigen Polizei- bureau angefragt, ob das stimme. Ihre Angaben wurden bestätigt. Es wurde nun noch einmal dem Herrn Leutnant Bericht erstattet, und dann kam endlich die Einwilligung, daß die Frau C. nach Hause gehen dürfe. Frau C. versichert, sie habe drei Stunden auf dem Bureau verweilen müssen, erst nach 5 Uhr sei sie wieder herausgekommen. Schlimmer noch erging es ihrer Leidensgefährtin, die weiter dabehalten wurde und in der Zelle sitzen mutzte. Frl. M. erzählt, erst gegen 8 Uhr habe man sie entlassen wollen. Man habe hinzugefügt, auch das sei nur„guter Mille", sie könne noch länger zurückgehalten werden. Ms sie in galgenhumoristischer Stimmung die Antwort gab, daß ihr das gleichgültig sei. sei sie wieder in die Zelle hineingeschoben und schließlich erst gegen 9 Uhr freigelassen worden. Ihre Ware, eine Ladung frischer Erdbeeren, hatte vom Mittag bis zum Abend natürlich be- deutend an Wert verloren, so daß Frl. M. auch an ihrem Geld- beute! geschädigt worden ist. An diesem Tage konnte überhaupt nichts mehr verkauft werden, am nächsten Tage mußte Frl. M. die Erdbeeren zu herabgesetztem Preise losschlagen. So schildern Frl. M. und Frau C. das ihnen widerfahrene Ilbenteuer. Wir sind neugierig auf die Strafverfügungen, durch die die Polizei den Nachweis wird führen müssen, daß sie berech- tigt war, in dieser Weise gegen die beiden Frauen vorzugehen. Pasteurisierte Milch für Kinder. Aus Amerika ist ein Herr Nathan Straus, früher Präsident des Gesund- heitsamtes in New Dork, nach Deutschland herüber- gekommen, um uns zu zeigen, wie man auf leichte und billige Art Milch pasteurisieren kann. Von der Verwendung pasteurisierter Milch zur Ernährung des Kindes verspricht er sich und uns eine bedeutende Herabsetzung der Kinder st erblichkeit. Er hat mehrere Apparate zum Pasteurisieren usw. erfunden, die er ich nicht hat patentieren lassen und deren Nachahmung er jedem rcistellt und sogar empfiehlt. Ihm ist es nicht um Gewinn zu tun, sondern nur um seine philanthropischen Zwecke. Im Hotel „Kaiserhof" hat er in diesen Tagen seine Apparate ausgestellt und sie einem geladenen Publikum zeigen lassen. Dem Gebrauch dieser Apparate in Anstalten dürften keine Hindernisse entgegenstehen, da ihr Herstellungspreis— man sagte uns: 5000 M. für die ganze Einrichtung— kein unerschwinglicher ist. Ein ganz«insacher Pasteurisicrungsapparat zum Hausgebrauch soll schon für 6 M. an- zufertigen sein. Das ist gewiß auch recht billig, aber zahlreichen Familien aus der unbemittelten Bevölkerung dürfte selbst diese Ausgabe immer noch zu hoch erscheinen. Herr Straus selber fabri- ziert keine Apparate. Bezüglich der Unbemittelten denkt er sich die Sache etwa so, haß sie von einer Anstalt die Milch zu ermäßigtem Preise oder ganz umsonst beziehen können. In Amerika besteht diese Einrichtung seit langem. Der Gedanke, den Unbemittelten die Beschaffung der Säuglingsmilch in dieser Weise zu erleichtern, ist ja bekanntermaßen auch in Deutschland längst nicht mehr neu. Als neu kommt hinzu nur die Pasteurisierung mit den Apparaten, die von Herrn Straus erfunden worden sind und empfohlen werden. Herr Straus hat in Amerika bedeutende Mittel drangewcndet, um die Durchführung seiner Ideen zu er- möglichen. Man sagt, er sei bereit, auch in Deutschland seine Apparate denjenigen Anstalten zu schenken, die die Kinderernährung mit pasteurisierter Milch versuchen wollen. Unangenehm wirkte bei der Vorführung der Apparate die Betonung der philanthropi- scheu Verdienste des Herrn Straus, sie schmeckte ein bißchen sehr nach Wohltäterreklame. Sperrung der Puppenallee. Seit Freitag ist die Siegesallee. wie große dort aufgestellte Tafeln besagen, für Lastfuhrwerk und Radfahrer gesperrt. Selbstverständlich wird für diese auffallende Maßregel, die ziemlich überraschend kommt, ein Verkehrsinteresse vorgeschoben. Das hindert uns nicht, unserer Meinung dahin Aus- druck zu geben, daß man an irgendeiner hohen Stelle einen Reini- gungsprozetz und mehr Bewegungsfreiheit wünschte. Die hohen Herrschaften, welche dort ihre Langeweile spazierenfahren, haben sich offenbar schon längst angewidert gefühlt von dem Anblick der Stein- und Mörtelkutscher, die nach Moabit hinüber den nächsten Weg einschlagen, und wollen in ihrer Korsostraße das plebejische Element nicht mehr dulden. Auch Otto der Faule soll sich über Störungen durch knarrende Lastwagen und schimpfende Kutscher beschwert haben. Man will die Siegesallee zu einer Korsostraße für Automobile frei haben und verjagt alles, was hierbei störend wirkt. Damit wird auch die Ausdehnung der Maßregel auf Rad- fahrer erklärlich. Trifft dies zu. so möchten wir uns die ergebene Anfrage gestatten, wo dann das allgemeine Verkehrsinteresse zu suchen ist? Beraubungen von Kindern. Eine dreiste Räuberin treibt seit einiger Zeit in den östlichen und nördlichen Stadtteilen ihr Un- wescn. Sie sucht sich ihre Opfer unter den Kindern. An kleine Mädchen, welche Ohrringe, Armbänder oder andere Schmuckgegen- stände tragen, macht sie sich heran und beraubt sie. Auf raffinierte Weise versteht es die gefährliche Person, den kleinen Kindern die Ohrringe herunterzuziehen. Unter irgend einem Vorwand schickt sie die bestohlenen Mädchen nach einer bestimmten Adresse. Die Schmuckstücke behält sie währenddetz in Verwahrung und sobald die Kinder wieder unverrichteter Sache zurückkehren, ist die Diebin längst verschwunden. Die Täterin ist eine etwa 25 Jahre alte Frauensperson. Auf gefüllte Portemonnaies hat es eine andere Räuberin abgesehen, die im Süden auftritt. Sie hat es gleichfalls auf Kinder abgesehen, die von der Mutter zum Einkaufen fortgeschickt werden. Die Räuberin verwickelt die Kleinen in eine Unter- Haltung und schickt sie ebenfalls nach irgendeinem Mieter, der nur in ihrer Phantasie existiert. Sie läßt sich die Tasche und das Portemonnaie von den ahnungslosen Opfern geben und ver- schwindet damit auf Nimmerwiedersehen. In diesem Falle handelt es sich um eine etwa 30jährige Person. Die Leiche einer unbekannten jugendlichen Selbstmörderin ist gestern aus der Spree gelandet worden. Vor dem Grundstück Mühlenstr. 72 erblickten Schiffer den Leichnam auf der Oberfläche des Wassers und bargen ihn. Die Tote dürfte etwa 18 Jahre alt gewesen sein. Sie war mit weißem Hemd, gezeichnet H. L, weißer Bluse und dunklem Rock bekleidet. Die Leiche wurde nach dem Schauhaus gebracht., � Selbstmordversuch zweier Schwestern. In ihrer Wohnung Tilsiter Straße 2 wurden gestern morgen von Flurnachbarn die beiden Schwestern Florentine Lochow und Therese Berka, geborene Lochow, besinnungslos aufgefunden. Beide hatten Lysol ge- nommen. Fräulein Lochow ist über 60 Jahre alt, während ihre Schwester um einige Jahre jünger ist; sie ernährten sich durch Näharbeiten und erhalten auch eine kleine städtische Unterstützung. Es scheint, daß Frau B., die schon einmal in einer Heilanstalt ge- Wesen war, ihre Schwester zu dem Selbstmordversuch überredet hatte. Die erste Hilfe leisteten den Verletzten, von denen Frau B. kaum mit dem Leben davonkommen dürfte, die Unfallstation in der Warschauer Straße und die Rettungswache in der Schönhauser Allee. Dann wurden beide Damen nach dem Krankenhaus Friedrichshain gebracht._ Ein mutmaßlicher Brandstifter verhaftet. Endlich ist es der Polizei gelungen, einen Mann zu verhaften, der unter dem dringenden Verdacht steht, viele der Brände im Norden der Stadt angelegt zu haben. Es handelt sich um den 28jährigen Wächter Josef SytkowSki von der Wirt- schaftsgenossenschaft Berliner Grundbesitzer! Der Mann hatte sein Revier in der Umgegend der Prinzen-Allce, Soldiner, Wriezener, Völker- und Christianiastraße. Es erschien nun auffällig, daß gerade in diesem Viertel fortwährend Brand- stiftungen vorkamen. Die Kriminalpolizei fertigte daher besondere. Karten an und zeichnete jeden einzelnen Fall ein. Dabei konnte festgestellt werden, daß die Brände immer in aller Frühe. zwischen 2 und 5 Uhr, auskamen, also zu der Zeit, wo Shtkowski Dienst hatte.— Ferner ermittelte man, daß der Wächter fast bei allen Bränden in jener Gegend zuerst auf dem Plan war! In mehreren Fällen hatte Sytkowski sogar selb st die Feuer- wehr alarmiert, um sich die Feuermeldungsprämie zu ver- dienen. Man recherchierte weiter, und immer neues Belastungs- Material wurde zutage gefördert: Da meldeten sich Leute, bei denen der Wächter sich angeboten hatte, gegen ein billiges Geld Wach- dienste zu leisten, natürlich ohne Wissen der Wirtschaftsgenos- senschaft, ferner solche, die Shtkowski mit einer Leiter während der Nacht getroffen haben wollen usw. Die Verdachtsmomente vcrdich- teten sich von Tag zu Tag, so daß die Kriminalpolizei jetzt zur Verhaftung des Mannes schritt, der aber jede Schuld bc- streitet. Bei einem Brande in der Soldiner Straße 12 fiel es besonders aus, daß das Feuer nur von dem dahinterliegenden Grundstück Wriezener Straße 1 5/1& aus angelegt sein konnte. Durch ein Zugloch hatte der Brandstifter mit Petroleum getränkte Lappen in einen Heustall geworfen. Das Grundstück Wriezener Straße stand unter der Wache des Sytkowski! Auf sein Konto setzt man bereits 26 Brände. Der Verhastete wurde gestern in das Unter- suchungsgefängnis eingeliefert.< Bon religiösem Wahnsinn befallen. In einem Anfalle von religiösem Wahnsinn versuchte sich gestern die 34jährlgc Pclznäherin Anna Pietzek aus dem Fenster ihrer im vierten Stock oes Hauses Naunynstraße 49 belegenen Wohnung auf den Hof hinabzustürzen. Das Fräulein zeigte schon wiederholt Spuren von Wahnsinn. Gestern bekam es plötzlich einen Tobsuchtsanfall, demolierte' die Möbel und schrie laut auf. Als andere Hausbewohner in das Zim» mer eindringen wollten, fanden sie die Korridortür verschlossen. Man alarmierte die Feuerwehr, die sofort auf dem Hof ein Sprungtuch ausbreitete, da die Unglückliche Anstalten machte, aus dem Fenster zu springen. Mit Hilfe eines Schlossers wurde die Wohnungstür geöffnet und es geläng, die Wahnsinnige festzu- halten. Sie wurde in eine Anstalt geschafft. Die Wohnung war reichlich mit Heiligenbildern geschmückt.... Thalia-Theater. Bei der jetzigen Hitze ins Theater zu gehen. gehört nicht gerade zu den Annehmlichkeiten; für die Spieler mag so ein Theaterabend sogar eine heroische Tat bedeuten. Trotz alledem hat das jetzt im Thalia-Theater gastierende Gastspielensemble unter Leitung des Herrn Jensen vom Deutschen VoUstheater in Wien den Kampf mit der sommerlichen Hitze aufgenommen und das Schauer- stück:„Im Selbstmörderklub" durch ein neues:„Der Mann mit dem Monocle" ersetzt. Es handelt sich im vorliegenden falle um ein Produkt im Stile der„Nick Carter" und„Raffles". in Lord betreibt das Räuberleben als anregenden Sport und ent» wischt der Polizei, wenn sie ihn schon sicher zu haben glaubte. Sonst ist nicht viel zu sagen. Gespielt wurde mit Ausnahme des Herrn Jensen sehr mittelmäßig, was nicht hinderte, daß daS vielfach auf Freibilletts anwesende Publikum stark applaudierte. Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Am Sonntag, den 2 8. Juni, Familicn-Ausflug nach Pichels Werder. Abfahrt des Stadtbahnzuges nach Grunewald: Schlesischer Bahnhof 8.36, Jannowitzbrücke 8.39 usw. Picknick im Walde.— Treffpunkt für Nachzügler von 12 Uhr mittags ab: Freunds Jnselgarten, Pichels- Werder. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Das Komitee. Im wissenschaftlichen Theater der Urania gelangt in dieser Woche der mit zahlreichen Wandelpanoramen und farbigen Bildern ausgestattete Vortrag„Ueber den Brenner nach Venedig", der eine Fülle der herrlichsten Landschaftsbilder dieser allerersten und schönsten Gebirgsstraße, welche die Herzen Deutschlands und Italiens miteinander verbindet, bietet, am Sonntag und Freitag zur Darstellung. Am Montag und Sonnabend wird der Vortrag„Von der Zug» spitze zum Watzmann" wiederholt, am Dienstag, der Vortrag„Im Lande der Mitternachtssonne", am Mittwoch der Vortrag„Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat" und am Donnerstag der Vortrag„Die deutsche Ostseeküste von den Wanderdünen bis zum Alsensund". Der Gesangverein„Kreuzberger Harmonie" veranstaltet heute im Garten der Brauerei Friedrichshain ein Konzert unter Mit» Wirkung des Berliner� Sinfonieorchesters M. Fischer. Allen Freunden eines guten Chorgesanges wird dieses Konzert bestens empfohlen. Anfang 4 Uhr. Bei ungünstigem Wetter findet bcä Konzert im großen Saale statt. Feuerwehrnachrichtcn. Wegen eines großen Dachstuhlbrandes wurde gestern früh um 7 Uhr die Feuerwehr nach der Paulstraße 1, Ecke Alt-Moabit, gerufen. Der 15. Zug wurde als erster entsandt und fand bei seinem Eintreffen schon einen großen Brandherd vor. Da die Verqualmung bereits weit vorgeschritten war. wurden zum Vorgehen mechanische Leitern benutzt. Durch kräftiges Wassergeben in?! mehreren Schlauchleitungen gelang eS schließlich, die Flammen auf dem Dachstuhl zu beschränken. Die Entstehung wird, wie in all diesen Fällen auf vorsätzliche Brandstiftung zurück» geführt. Von dem Täter fehlt jede Spur. Die Bodentüren waren erbrochen.— Um einen Bienenschwarm einzufangen wurde die Feuerwehr nach der Ebelingstraße 14 beordert. Der Schwärm saß am Dachgesims. Nachdem die Bienen mit einer Handspritze etwas naß gemacht worden waren, wurden sie in eine„Schwarmkiste" gefegt und diese schnell geschlossen. Der Schwärm wurde mit nach der Wache genommen, wo der Imker ihn in Empfang nehmen kann. Früh um 5 Uhr brannte in der Lindenstraße 3 ein Wand- schrank, Putzlappen usw. Ein Kellerbrand beschäftigte die Wehr in der Markusstraße 21. Ferner hatte die Feuerwehr in der Heimstratze 24. Richthofenstratze 32, Thaerstratze 19, Zorkstraße 60. Gneiscnaustraße 48 und verschiedenen Bahnhöfen Brände zu löschen. Arbeiter-Samariter-Kolonne. Montagabend 9 Uhr: 1. Ab- teilung, Dresdener Straße 4S. Vortrag über Knochenbrüche— Verrenkungen— Verstauchungen. Daran anschließend praktische Uebungen. Donnerstag: Monatssitzung der diensttuenden Abteilung. Ter Arbeiter-Radfahrerbund„Solidarität"(Gcku 9, 2. Bezirk) halte heute im Etabliffement„Hasselwerder" in Nieder-Schöneweids sein Bezirksfest ab mit Konzert, Reigenfahren, Korsofahrt und der- gleichen. Konzertanfang mittags 12 Uhr. Vorort- f�ackrickten. Schöneberg. Todessturz vom Dach in die Tiefe. Gestern während des glühenden Mittagssonnenbrandes arbeiteten Maurer und Zim- merer an der Errichtung des Dachstuhles über dem Neubau Bahe- rische Straße 3S. Dabei kam der hoch oben auf dem Sims stehende 21 Jahre alte Maurer Albert Spahn, in Alt-Langewisch. Kreis Zauch-Belzig, wohnhaft, dadurch zu Fall, daß er von einem brett- tragenden Zimmerer aus Unvorsichtigkeit in den Rücken gestoßen wurde. Er verlor das Gleichgewicht, klammerte sich eine Sekunde noch an ein Brett, das jedoch nachgab, und stürzte, mehrmals auf- schlagend und sich überschlagend, in den Hof hinab, wo er mit zer- schmetterten Gliedern besinnungslos liegen blieb. Die Verletzungen waren so schwer, daß er kurz nach Ankunft im Krankenhause West- end verstarb. Die Leiche wurde von der Staatsanwaltschaft be- schlagnahmt. Wie man uns mitteUt, war der Tote der einzige Sohn seiner in Alt-Langewisch wohnenden, betagten Eltern. Charlottenburg. Der städtische Arbeitsnachweis: Charlottenburg, Kirchstr. 5 und Wittenbergplatz 4, wird Stellunggebern und Stellungnehmern zu reger Benutzung empfohlen. Besonders wird darauf aufmerksam gemacht, daß sich die Vermittelungstätigkeit der Zweigstelle' am Wittenbergplatz 4 nicht nur auf Dienstboten, sondern auch auf Lehrerinnen, Erzieherinnen, Kinderfräuleins, Stützen der Haus- frau und Wirtschafterinnen erstreckt. Die Aufträge für diese Ver- mittelungszweige werden werktäglich von 9— 12 Uhr vormittag, auch durch Fernsprecher: Amt Charlottenburg 3ö98, angenommen. Der Nachweis erfolgt für Stellungnehmer und Stellunggebcr kostenlos. Tegel. Aus der Gemeinbevertretersivung. Es wurden zunächst mehrere Mitteilungen gemacht. Die Verwaltungsbehörde hatte bemängelt, daß aus dem Bericht über die letzten Gemeindever- treterwahlen nicht zu ersehen sei, welche Herren als neu gewählt sind und wer von ihnen nach zwei respektive vier oder sechs Jahren ausscheidet. Es wurde beschloffen, die Auslosung dieser Herren später vorzunehmen. Einem Gesuch der Cisenbahnbehörde auf Löschung des Enteignungsvermerks im Grundbuch wurde zuge- stimmt. Es kam dann die Verbreiterung der jetzigen Steinablage und der Dampferanlegestellen zur Verhandlung. Die Verbrci- terung soll sechs Meter in den See hinein vorgenommen werden. Die Verhandlungen selbst führten teilweise zu heftigen Ausein- andersetzungen zwischen dem Bürgermeister und unserem Geossen Lichtenberg. Der Herr Bürgermeister tat dabei den. bemerkens- werten Ausspruch:„Wir leben in einem Rechtsstaat und da hat die Behörde zu bestimmen". Die Vorlage wurde schließlich gegen die Stimmen unserer Genossen und die des Herrn Schuhmacher angenommen. Die Durchlegung der Veitstraße durch das der Witwe Bock gehörige Grundstück nach dem See wurde nach län- gerer Debatte gegen eine Stimme angenommen. Die letzten Punkte der Tagesordnung Erneuerungen im alten Amtsgebäude, Arealerwerb von der Kirche und Pfarre und Enteignung von Grundbesitz wurden einstimmig angenommen,.Es folgte eine ge- Heime Sitzung. Nowawes. Die Festsetzung von Grundsätzen für die Gewährung von Frei- stellen im Realprogymnafium und in der höheren Mädchenschule wurde in der letzten Gemeindevertretersitzung beschlossen. Der Ent- Wurf der Kuratorien dieser Anstalten schlug vor, daß Freistellen allen denjenigen hiesigen Steuerzahlern gewährt werden können, die ein Einkommen bis zu 6099 M. beziehen. Freistellen können bis 5 Proz. der Schülerzahl jeder Schule gewährt werden, der betreffende Schüler muß jedoch ein Jahr die Schule besucht haben; Schulgeldbefreiimgen für die Vorschulklassen werden nicht gewährt. Schülern beziehungs- weise Schülerinnen der hiesigen Genieindeschulen, welche mindestens die vier unteren Klassen einer Gemeindeschule besucht haben, kann bei der Aufnahme in eine höhere Lehranstalt(nicht Vorschulklasse) sofort Freischule gewährt werden, wenn sie bei gutem Betragen, regelmäßigem Fleiße und ausgezeichnetem Erfolge von ihrem Rektor als besonders besähigt für den Besuch einer höheren Lehranstalt empfohlen werden, lieber Schulgeldbesreiungen ist seitens des be- treffenden Kuratoriums von Fall zu Fall zu entscheiden. Ueber diese Vorschläge entspann sich eine lange Debatte, da unsere Genossen, Ivelche sich sämtlich an der Diskussion beteiligten, den Vorschlag von 6000 M., bis zu welchem Einkommen Freistellen gewährt werden können, heftig bekämpften und bürgerliche Vertreter behaupteten, daß man Leute, die 6000 M. Einkommen haben, unter Um- ständen auch als arm ansehen müsse.(Gewiß doch; es soll sogar Leute geben. die mit IS Millionen nicht auskommen können. D. B.) Schließlich wurde beschlossen, 4000 M. als Höchstgrenze festzusetzen, nachdem ein Antrag des Ge- nosseik Zöllner auf 3000 M. abgelehnt war, und die übrigen Vor- schlage der Kuratorien angenommen. Aus der ganzen Debatte ging hervor, daß es den Bürgerliche» wohl weniger darum zu tun ist, den befähigten Proletarierkindern eine höhere Bildung zukommen zu lassen, als vielmehr darum, einigen Kindern des besser situierten Bürgertums auf Kosten der Allgemeinheit Freistellen iu den höheren Schulen zu verschaffen.— Ferner lag der Vertretung ein Antrag vor, das Armenhaus am Friedrichskirchplatz für ein Depot der Straßenreinigung, Kutscherwohnungen usw. zu reservieren und die Ortsarmen in dem Armenhause rn der Großbeerenstraße unter- zubringen, welch letzteres zu diesem Zwecke ausgebaut werden soll. In der Debatte hierüber zeigte sich ebenfalls, wie wenig soziales Verständnis manche bürgerlichen Gemeindevertreter besitzen; machte doch Herr Prillwitz den Vorschlag, die Armen überhaupt aus dem Orte zu entfernen und sie in der Nähe der Klärstation unter- zubringen, wo es vor Gestank nicht auszuhalten ist. Dieser Vor- schlag ging selbst dem Bürgermeister zu weit, welcher Herrn Prillwitz einige derbe Liebenswürdigkeiten sagte; auch von unseren Genoffen wurde dieser Vorschlag energisch zurückgewiesen und beschlossen, nach dem vorliegenden Antrage zu verfahren.— Einem Antrage. den Platz an der Ecke der Goethe- und Plantagenstraße mit Goethe-Platz zu bezeichnen, gab die Vertretung ihre Zustimmung. Ferner wurde eine Aenderung der Pensionsbestimmungen für die Gemeindsbeamten nach dem Staatspensionsgesetz von löst? be« schlösse». Die unleidlichen Zustände, die sich bei den Straßenarbeiten herausgebildet haben, waren schon längst dringend einer Aenderung bedürftig. Die Vertretung beschloß daher, Herrn Friedhofsgärtner Renk die Aufsicht und Leitung der Straßenarbeiten zu übertragen, der infolgedessen sein Gärtnereigeschäft aufgeben muß, jedoch die Auf- ficht über die Friedhöfe beizubehallen har, Beamteneigenschaft erhält und in die Sekretärklasse mit 2000 M. AnfangSgehalt eingereiht wird unter Verzichtlcistung auf die bisherigen Einkünfte aus dem Friedhofe. Wir dürfen uns wohl nunmehr der Hoffnung hingeben, daß auch endlich auf dem Gebiete der Straßenverwaltung geordnete Zustände Platz greifen und die neugeschaffenen Schmuckplätze nicht bis in den Hochsommer hinein in völlig verwahrlostem Zustande daliegen. Potsdam. Die letzte Stadtverordnetenversammlung stand wieder ein- mal im Zeichen langatmiger Debatten, in denen es sich um das in letzter Zeit so viel erwähnte Stadtbauamt drehte. Stadtver- ordnete waren mit dem schleppenden Gang der Pflasterungs- arbeiten unzufrieden und hatten deshalb den Magistrat inter- pclliert, der nun voll und ganz für seinen Ressortbeamten eintrat. Die ziemlich erregte Diskussion endete mit dem oberbürgermeister- lichen Versprechen, künftig mehr dem Stadtbauamt auf die Finger schauen zu wollen. Nach dem Vorbilde der Kanossagänger wurde schließlich auch das entschuldigende Vertrauensvotum erteilt. Für die Erweiterung der Fassungsanlagen auf Wasserwerk und Er- Neuerung der tzeberleitung auf Wasserwerk L wurden 18 000 M. aus dem Etat bewilligt, für die Anschaffung von Schulbänken 430 M. nachbewillgt. Die Planierungsarbeiten auf den städtischen Grundstücken an der Kastanienallee erforderten 86 M., die die Stadtväter genehmigten, um die Terrains als Jugendspiclplätze verwenden zu können. Eine angenehme Ucberraschung wurde der Versammlung durch die Mitteilung zuteil, daß aus dem Ver- waltungsjahr 1907 309 134,85 M. Ucberschüsse erzielt worden seien, über die bis zur Höhe von 266 449,88 M. noch nicht ver- fügt ist. Auf Vorschlag des Magistrats, mit dem sich die Stadt- Väter einverstanden erklärten, wurden nun die Ueberschüsse bis auf 96 249,88 M. den einzelnen Etats überschrieben, während für künftige Notfälle vom Restbetrage 70 000 M. zu einem Aus- gleichsfonds verwendet werden sollen, der bei einer Finanz- misere in Anspruch genommen werden kann. Der Rest von 26 249,88 M. wird zur Bestreitung kleiner' Ausgaben für Ein-, richtungen von beschränkter- Dauer aufgewendet. Die Gründung des Ausgleichsfonds hat für Potsdam angesichts des Ausfalles der Schlachtsteuer erhöhte Bedeutung, sie ist eine verständige kommu- nalpolitische Maßregel, die sich bald genug bewähren wird. Das Baukonto der Gasgesellschaft wird nochmals Gegenstand einer Ausschußberatung sein, da die Stadt als künftige Käufemn der Anstalt, mit der Höhe des preisbestimmenden Baukontos nicht ein- verstanden ist. Betreffs der Stratzenbahnfreikarten an Beamte wurde bestimmt, daß künftig die einzelnen Verwaltungsabteilungen mit den 2064 M. betragenden Kosten belastet werden sollen. Die Sommerfericn der Stadtväter beginnen am 3. Juli und endigen am 11. September. Die Sitzung schloß mit einem Wortduell zwischen Stadtverordnetenvorsteher und Oberbürgermeister. Als Vertreter Potsdams auf dem Brandenburgischen Städtctag wurde in Vertretung des Stadtv. Bolle Stadtv. Toepfer bestimmt. Gerickts-Zeitung. Aufgehobenes Todesurteil. Der Waldarbeiter Franz Hesse ist am 13. April nach achttägiger Verhandlung wegen Mordes zum Tode verurteilt worden. Er soll am 25. November 1907 die unverehelichte Hedwig Hartmann, nach dem er sie von Hagen nach Altena gebracht hatte, ermordet haben. Cr hat bestritten, der Täter zu sein und behaupct, es könne nur ein gewisser Jean Duprez aus Belgien gewesen sein, der von ihm die Lieferung eines Mädchens verlangt habe; die Briefe des D. habe er in der Nähe seines Wohnortes im Forstorte Schlieper Bruch ver- graben. Am 31. März ist er dorthin geführt worden, aber er er- klärte, wegen des Vs— 1 Meter hohen Schnees die betreffende Stelle nicht finden zu können. In der Hauptverhandlung hatte der Bcr tcidiger beantragt, den Angeklagten nochmals dorthin zu führen, damit endgültig festgestellt werde, ob solche Briefe wirklich dort ver- graben seien. Diesen Antrag hat das Gericht abgelehnt. Darüber wurde in der Revision des Angeklagten Beschwerde geführt. Der Reichsanwalt führte am Freitag vor dem Reichsgericht dazu fol- gendes aus: Es handelte sich um einen Urkundenbeweis. Der An- geklagte hatte behauptet, die Briefe rührten aus dem Auslande her und trugen ausländische Stempel. Der Angeklagte ist ein gang einfacher Mann, der sich dergleichen Dinge kaum ausgedacht haben kann. Er wollte beweisen, daß die Briefe von einem ganz bestimm- ten Duprez herrührten. Das Gericht hat das nochmalige Hinaus- führen des Angeklagten als zwecklos bezeichnet. Begreiflich er- scheint es nun aber, daß jemand sich selbst in seiner Heimat nicht auskennt, wenn meterhoher Schnee liegt. Da wird eine Stelle, wo man etwas vergraben hat, kaum zu finden sein. Ich kann es nur tief beklagen, daß die Hinausführung, die einen halben Tag und geringe Kosten beansprucht hätte, unterblieben ist. Hätte der Angeklagte in dem vom Schnee befreiten Gelände die Briefs nicht gefunden, so wäre jedes Bedenken erledigt gewesen: Ich möchte das Urteil so, wie es zustande gekommen ist, nicht zum Vollzüge empfehlen, ohne daß der Angeklagte nochmals hinausgeführt wor- den wäre. Ueberdies ist nach Fällung des Urteils von Belgien anS ein gewisser Duprez ermittelt worden. So bedauerlich es ist, daß eine achttägige Verhandlung wiederholt werden muß— ich vermag die Verantwortung für das Urteil nicht auf mich zu nehmen.— Das Reichsgericht hob das Urteil auf und verwies die Sache an das Schwurgericht zurück._ 1 § 166. Im Prozeß gegen Dr. Heinrich Jlgenstein, den Herausgeber der Wochenschrift„Das Blaubuch", der von der ersten Strafkammer des Landgerichts II von der Anklage wegen Gotteslästerung aus § 166 freigesprochen wurde, hat der Staatsanwalt die von ihm ein- gelegte Revision jetzt zurückgezogen. Hochstaplerprozeß. In dem Prozeß gegen den Grafen Arx zu Basogg und Frau Lcwandowski, geborene Freiin von Korff, wurde gestern in der Verhandlung fortgefahren. Der Vorsitzende teilte mit, daß der Prozeß voraussichtlich von dem kommenden Montag ab gerechnet noch zwei Wochen dauern würde. Wir werden dann im Zusammenhang über die Verhandlungen berichten. Ein Student als Heiratsschwindler. Als ein gefährlicher Heiratsschwindler entpuppte sich am Frei- tag bor der Strafkammer m Halle a. S. der stuck, plisrm. Otto Kaesbach aus Bonn, der wegen Betrugs und Urkundenfälschung in mehreren Fällen angeklagt war. Als K. hier in den Jahren 1906 und 1907 studierte, veröffentlichte er in Halleschen und Berliner -Zeitungen Heiratsgesuche, auf die ehrsame Bürgerstöchter, junge heiratslustige Witwen und Frauen,, die in Ehescheidung lagen. hineinfielen. Auch Damen„mit einem Fehltritt oder einem kleinen Kinde" durften nach den Inseraten ihre Offerten abgeben. Einer Bcamtenfrau, deren Tochter er die Ehe versprochen hatte, schwin- delte er unter der Vorspiegelung, er müsse„seinen Doktor machen", nach und nach rund 6000 M. ab. Als„künftiger Schwiegersohn" jwljx ex eftixs TsgcZ iw FrackwMg zM mit der weißen Binde im TaxäMtsr bör und berkündete seiner Verlobten freudestrahleiüh daß er sein Examen mit„Gut" bestanden habe. Dabei legte er gefälschte Testierbücher und ein„Examenzeugnis" vor, das„von dem Minister" unterzeichnet war. Während die Schwiegermutter glaubte, K. schwitze im Kolleg, machte er mit anderen Geliebten und Verlobten Ausflüge usw. Einer Berliner Witwe nahm er einen„Ehevorschuß" von 1750 M., einer anderen Beamtentochter 550 M. usw. usw. ab. Eine junge Dame bekam in der VerHand- lung einen Ohnmachtsanfall, als sie'ihre intimen Beziehungen zu K. schildern sollte. Gegen K. schwebt auch ein Verfahren wegen Abtreibung. K. wurde zu V/s Jahren Gefängnis verurteilt. Be- antragt waren vier Jahre. Versammlungen. Der Verband der Krankcnkasscnbeamtcn beränstaltete am Freitag eine öffentliche Versammlung, um Differenzen zur Sprache zu bringen, welche zwischen ihm und den Vorständen der Orts- trankcnkassen der Maurer und der Gürtler bestehen. Wenn wir aus den Darstellungen der Versammlungsredner den sachlichen-Kern herausschälen und alles Kleinliche und Persön- liche, was ja bei derartigen Gelegenheiten immer einen� breiten Raum einzunehmen pflegt, ausschalten, so ergibt sich, daß die Differenzen in beiden vorliegenden Fällen ihre Ursachen darin haben, daß die Vorstände, beziehungsweise die Generalversamm- lungen der genannten beiden Ortskassen die Anstellungsbediygungen nicht anerkennen, welche seinerzeit zwischen der Organisation der Kassenbeamten und dem Verbände der Ortskrankenkassen für das Deutsche Reich abgeschlossen sind. Die Nichtanerkennung der An- stellungsbedingungen durch die beiden Kassen wird von den Beamten um so mehr verurteilt, als in den Kassenvorständen gewerkschaftlich organisierte Arbeiter, zum Teil sogar Gewerkschaftler in führenden Stellungen sitzen, von denen man ohne weiteres erwarten müßte, daß sie die Grundsätze, welche sie in ihren Gewerkschaften vertreten und befolgen, nämlich die unbedingte Anerkennung tariflicher Ver- einbarungen, auch da betätigen, wo sie als Vertreter der Arbeit- geber der Kassenbeamten in Frage kommen.— Neben diesen Vorwürfen gegen die grundsätzliche Haltung' der beiden Kassenvorstände in der Vertragsfrage wurden noch besondere Vorwürfe erhoben gegen das Auftreten bestimmter Vorstandsmitglieder und ihr persön. liches Verhalten bei den Verhandlungen über Einführung des Tarifs. Solche Verhandlungen haben seinerzeit mit dem Vorstande der Ortskrankenkasse der Gürtler stattgefunden. Nach der Darstellung der Kassenbeamten ist eine vorläufige Vereinbarung erzielt worden, und der Kassenvorstand soll versprochen haben, die Annahme dieser Vereinbarung bei der Generalversammlung zu befürworten; er soll das aber unterlassen haben und deshalb habe die General- Versammlung den Abschluß des Vertrages abgelehnt.— Mehrere Vorstandsmitglieder der Gürtlerkasse, die' in der Versammlung anwesend waren, bezeichneten diesen Vorwurf als unberechtigt. Sie sagten, die Angestellten ihrer Kasse hätten die Vereinbarungen, welche zwischen den Vertretern der beiderseitigen Parteien getroffen waren, abgelehnt, der Generalversammlung hätte deshalb kein ab- geschlossenes Ergebnis vorgelegt werden tonnen und nachdem die Generalversammlung den Abschluß des Vertrages abgelehnt habe, könne der Vorstand in der Angelegenheit nichts mehr tun.— Dieser Darstellung der Vorstandsmitglieder wurde von der anderen Seite wieder entgegengetreten und der Vorstand eines widerspruchsvollen Verhaltens beschuldigt, wogegen sich die Vorstandsvertreter wehrten. — So stand Behauptung gegen Behauptung, so daß es einem Unbeteiligten nicht möglich ist, zu beurteilen, wie der wirkliche Sachverhalt liegt. Anscheinend wird eine gütliche Beilegung des Konflikts doch noch ermöglicht, was ja auch im Interesse beider Teile das beste wäre. Der Konflikt mit der Ortskrankenkaffe der Maurer konnte in der Versammlung nur von der einen Seite dargestellt werden, da der Kassenvorstand der Einladung, sich in der Versammlung ver- treten zu lassen, nicht gefolgt war. In einem hierauf bezüglichen Schreiben des Kassenvorstandes heißt es: Die Angestellten der Kasse Hütten dem Vorstande keine Beschwerden unterbreitet, der Vorstand habe deshalb keine Veranlassung, der Einladung zur Versammlung zu folgen; wenn die Angestellten Beschwerden hätten, dann müßten diese doch erst dem Vorstande vorgetragen werden. Nach den Ausführungen mehrerer Redner fft auch in der Orts- krankenkassc der Maurer der. zwischen den beiderseitigen Organisa- tionen vereinbarte Vertrag nicht anerkannt. Versuche der Beamten, diesen Vertrag zur Anerkennung zu bringen, feien an dem ab- lehnenden Verhalten des Vorstandes gescheitert. Dies ablehnende Verhalten wird vom Verband der Kassenbeamten deshalb ganz besonders scharf verurteilt, weil August Dähne, der Vorsitzende der Maurerkasse, auch Vorsitzender des Ausschusses des Maurer- Verbandes ist. Die Beamten sind der Meinung, daß der Ausschuß- Vorsitzende einer Gewerkschaft, in der die Tarifgemcinschaft eine große Rolle spielt, seine gewerkschaftlichen Grundfätze verletzt, wenn er als Krankenkafsenvorsitzender gegen die Anerkennung des Tarifs auftritt. Weiter wurde betont, daß ein anderes Vorstandsmitglied, Eugen Simanowski, ebenfalls gegen die Anerkennung des Tarifs sei, obwohl er nicht nur als gewerkschaftlich organisierter Maurer. fondern auch als Vorsitzender der Zentralkommission der Kranken- kassen Deutschlands für die Anerkennung des Tarifs sorgen müßte, der doch mit den gesamten Krankenkassen, deren Organ die Zentral« kommission ist, abgeschlossen wurde. Weiter wurde ausgeführt: Der Vorstand der Maurcrkasse habe selbst einen Anstellungsvertrag ausgearbeitet, der dem Tarif nicht entspricht und diesen den Angestellten vorgelegt, die ihn aber, weil er tarifwidrig ist, abgelehnt haben. Im Februar d. I. soll Simanowski diesen Vertrag den Angestellten zur Unterschrift vor- gelegt und dabei gedroht haben, wer den Vertrag nicht unter- schreibe, der erhalte die fällige, auf frühere mündliche Verab- redungen beruhende Gehaltserhöhung nicht. Als ihm erwidert wurde, auf die Gehaltserhöhung hätten die Angestellten doch unter allen Umständen Anspruch, soll Simanowski geantwortet haben: Womit wollt Ihr das beweisen, habt Ihr denn etwas Schriftliches? Neuerdings soll der Vorstand der Mauerkasse einen der An- gestellten gemaßregclt haben. Dieser Vorwurf wird folgender- maßen begründet: Da sich in letzter Zeit die Zahl der Küssen- Mitglieder und deshalb auch die Bureauarbeit verringert hat, mußten zwei Angestellte entlassen werden. Nach dem Tarif— der allerdings von der Maurerkassc auch jetzt noch nicht anerkannt ist— hätten die beiden zuletzt Angestellten entlassen werden müssen. Der Vorstand kündigte aber zwei Angestellten, von denen der eine drei, der andere sieben Dienstjüngere hinter sich hat. Der Ent- lassene ist der Vertrauensmann des Verbandes der Kassen- angestellten. Daß gerade der Vertrauensmann— Rudolf ist fein Name— gekündigt vwrden ist, das betrachtet der Verband der Kasscnangcstellten als eine Maßregelung. Die Versammlung endete nach lebhafter Diskussion mit der einstimmigen Annahme einer Resolution, in welcher bedauert wird, daß die beiden genanmten Krankenkassen die Einführung des Tarifs wiederholt abgelehnt haben. Ferner erklärt die Resolution die Kündigung Rudolfs asi? eine Maßregelung und spricht die Erwartung aus, daß der Vorstand der Ortskrankenkaffe der Maurer die Kündigung rückgängig machen möge, und daß vor allem die Arbeit- nehmervertreter in den beiden genannten Krankenkassen, ihrem gewerkschaftlichen Standpunkt entsprechend, dahin wirken, daß die Einführung eines von Organisation zu Organisation abgeschlosseneu Tarifs auch in ihrem Krankenkassen verwirklicht werde. Die Kostümschneider und Schneiderinnen hatte ver Verband zum Dienstag, 16. Juni, nach den Arminhallen zu einer öffent- lichen Versammlung eingeladen. Frau Wally Zepler referierte über„Die wirtschaftlichen und sanitären Ver» Hältnisse in der Damen schneidere i, und welche Jnter» essen haben insbesondere die Arbeiterinnen an diesen Fra- Pen?," Kme im Novep.iber-Tezembcx IfiD? aufstswommenx Enquete über die Lohn- und Arbeitsbedingungen in Ser Berliner Kostümschneiderei und Musterkonfektion bildete den Ausgangspunkt des Vortrages, in dem Rednerin die Mängel und Krankheitserscheinungen, die speziell der Schneiderberuf mit sich bringt, an der Hand ärztlichen und statistischen Materials der aufmerksamen Zuhörerschaft, zur Hälfte weiblich, vorführte. Die Unlust der Unternehmer zur Abstellung jener Mängel zu bredjen, sei die Aufgabe der Arbeiter, und die Organisation, die hinter den Arbeitern stehe, müffe gerade in Kreisen der Konfektionsarbeiterinnen mehr als bisher Anerkennung finden. Von 40 000 bei der Berliner Ortstaffe gemeldeten Schneiderinnen seien nur wenige hundert orga: nisiert. Man verlasse sich nicht auf die Ehe, die oft genug mehr noch ins Arbeitsjoch zwinge. Die Gleichgültigkeit, besonders unter den Frauen und jungen Mädchen, gegenüber allen allgemein intereffierenden Fragen müsse verschwinden, denn die moderne Arbeiterbewegung in allen Formen ist es, die alles vorwärts treibt. Der Vorsitzende forderte zum Schluß zu reger Beteiligung an den jezt stattfindenden Verhandlungen betreffs Konfet. tions und Heimarbeit auf. Vermischtes. Stüdweise Beerdigung. Ein empörend er Vorfall hat sich türzlich in Baruth ereignet. Dort ernährte sich ein schon bejahrter Mann mit Namen Sch. schlecht und recht damit, indem er Körbe flocht bezw. solche ausbesserte. Die Weiden zum Flechten holte er sich von den umliegenden Wiesen. Am Freitag, den 5. Juni, ging der alte Sch. von seiner Wohnung fort und wurde nicht mehr gesehen. Am 13. Juni erst fand man den Alten, bom Blih erschlagen, tot auf. Da aber der Tatbestand erst gerichtlich aufgenommen werden mußte, blieb die schon stark verweste Reiche liegen. Die Gerichtskommission erschien am Sonntag, den 14. Juni, wobei der Arzt Blitzschlag feststellte. Abgeholt wurde die Leiche erst am anderen Morgen früh 4 Uhr. Als der hier in Berlin wohnende Sohn mit seiner Frau und seinem Bruder an anderen Tage, also am 16. Juni, nach Baruth tam, erfuhren sie, daß die Leiche bereits beerdigt sei. Es wurde zur Entschuldigung gesagt, man habe die Identität des Toten nicht zweifelsfrei feststellen können. Die Angehörigen nahmen die Gelegenheit wahr, die Stelle aufzusuchen, wo der Bater aufgefunden wurde. Und da stellte sich heraus, daß auf der Unglücksstelle noch die linke Hand und Hautfehen von den Fußsohlen des Erschlagenen lagen. Personen, die in der Nähe anwesend waren und dies sahen, waren mit den Angehörigen über diese Pietätlosigkeit empört, unseres Erachtens mit vollem Recht. So geht man nicht mit Toten um. Die aufgefundenen Zeichenteile wurden nachträglich noch eingegraben. Wochen- Spielplan der Berliner Cheater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Madame Butterfly. Von Montag ab geschlossen. Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Die Rabensteinerin. Von Montag ab geschlossen. Deutsches Theater. Täglich: Die Brettlgräfin. Deutsches Theater( Kammerspiele). Sonntag, Montag, Dienstag: Der Tugendwächter, Das Unterseeboot. Von Mittwoch ab: Gelbstern. Leffing- Theater. Täglich: Der Naub der Sabinerinnen. Berliner Theater. Täglich: Raffles. Neues Theater. Täglich: Nächte im Hampton- Klub. Schöps. Neues Schauspielhaus. Täglich: Das Dollarprinzeßchen. Kleines Theater. Täglich: 2 x 2= 5. Sozialdemokrat. Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis Frankfurter Viertel. ( Bezirk 314.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Bimmerer Gustav Goerz Große Frankfurter Straße 15 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 21. Juni, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes der Freireligiösen Gemeinde, Pappelallee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 218/19 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Stollege, Möbelpolierer Ernst Siebert am 16. Juni verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 22. Juni, nach mittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des Thomas- Kirchhofs in Rigdorf, Hermannstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 85/20 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schleifer Heinrich Isler gestorben ist. 118/5 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 21. Juni, nach mittags 5 Uhr, von der Zeichenhalle des Bions Kirchhofes in Niederschönhausen Nordend aus statt. P Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Verband d. baugewerblichen Hilfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. ( Bezirk Wedding.) Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Julius Enslen verstorben ist. 31/1 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 21. b. Mis., nachmittags 4, Uhr, von der Leichenhalle des Nazareth- Kirchhofes aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Zweigvereinsvorstand. Verband der Maler, Lackierer, Auftreicher ufw. Filiale Berlin. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Karl Miethke ( Norden) infolge Unfall am 17. b. M. gestorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Golgatha- Kirchhofes, Barsusstraße, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Zentralverband deutscher Brauerei- Arbeiter. Zahlstelle Berlin. Sektion II. Am 17. Juni verstarb infolge einer verhängnisvollen Ber wechselung an Bergiftung unser Kollege, der Hofarbeiter Franz Reich ( Genossenschaftsbrauerei Friedrichshagen.) Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 21. Juni, nach mittags 14 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde- Friedhofes in Friedrichshagen, Kirchstraße, aus Der Vorstand. ftatt. 43/4 Empfehlen den Genossen und Kollegen unser Dr. Simmel Beerdigungsinstitut Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. dicht am Prinzenstr. 41, Moritzplatz, " Solidi“ H. Fischer& Kreutzberger, Rixdori, Pflügerstraße 70, O Friedrich Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. = Täglich: Komische Oper. Sonntag: Tiefland. Montag: Hoffmanns Er- Ergebnis ist seinerzeit von uns veröffentlicht und drängt auf gesegliche Vorzählungen. Dienstag: Tiefland. Mittwoch: Die Fledermaus. Donnerstag: schriften zur Regelung der Arbeitszeit hin. 2. Benn Ihr Vater mindestens Tiefland. Freitag: Hoffmanns Erzählungen. Sonnabend: Die Fledermaus. 200 Marken geklebt hat und im Sinne des Invalidenversicherungsgeſehes Sonntag: Carmen. Montag: Hoffmanns Erzählungen. erwerbsunfähig ist, fann er mit Aussicht auf Erfolg den Antrag auj Residenz- Theater. Geschlossen. Zahlung einer Invalidenrente stellen. Eilig 32. Das Gesetz gibt nicht Trianon- Theater. Allabendlich: Frau Baronin. bestimmte Gegenstände an, welche der Pfändung und dem ZurüdbehaltungsSchiller Theater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Afrikanerin. recht des Vermieters unterliegen. Die unentbehrlichen Gegenstände sind Abends: Carmen. Montag: Der Wildschüß. Dienstag: Die Afrikanerin. unpfändbar und dem Zurüdbehaltungsrecht entzogen. Klagen Sie, went Mittwoch: Der Waffenschmied. Donnerstag: Der Wildschüb. Freitag: eine Einigung nicht zustande kommt, gegen den Wirt auf Anerkennung, Carmen. Sonnabend: König für einen Tag. Sonntagnachmittag 3 Uhr: daß die von Ihnen benannten Gegenstände dem Zurückbehaltungsrecht nicht Die Afrikanerin. Abends und Montag: König für einen Tag. unterliegen und von Ihnen aus der Wohnung entfernt werden können. Schiller Theater Charlottenburg. Heimat, abends und Montag: Der Herr Ministertaldirektor. Dienstag gerichtlichem Protokoll seine Vaterschaft anerkannt und sich zur Zahlung Sonntagnachmittag 3 Uhr: E. N. 95. Verjährung liegt keineswegs vor. Hat der Betreffende zu und Mittwoch: Das Dpferlamm. Donnerstag: Auf der Sonnenseite. verpflichtet, so kann ohne weiteres auf Grund dieses Anerkenntnisses Freitag: Dhne Geläut. Sonnabend: Das Opferlamm. Sonntagnachmittag 3wangsvollstreckung vorgenommen werden. Sonst wäre eine Klage er Uhr: Das bierte Gebot. Abends: Der Herr Ministerialdirektor. forderlich. Wegen Anstellung der Klage wenden Sie sich an den Vormund, Montag: Das Opferlamm. event. an das Vormundschaftsgericht. G. E. Eine bestimmte Besuchs Derzeit besteht nicht. Wollen Sie einen Gefangenen besuchen, so müssen Sie bei der Direktion des Gefängnisses schriftlich einkommen. F. A. Weit berbreitet, aber durchaus irrtümlich ist die Ansicht, daß ein Vertragschließender innerhalb 24 Stunden nach Abschluß des Vertrages, einseitig von diesem zurüdtreten fönne. Nach Abschluß des Vertrages ist ein einseitiger Rücktritt nur möglich, wenn bestimmte im Gesez vorgesehene Umstände vorliegen oder wenn beide Teile einverstanden sind. Andersdenkender. Nein R. 216. Die von Ihnen angeführten Gegenstände werden voraus fichtlich vom Gerichtsvollzieher für unpfändbar erachtet werden. Eventuell müßte eine Beschwerde an das Amtsgericht eingelegt werden.- Eichwalde. Sie können fich an die Polizeibehörde wenden, außerdem aber fönnen Sic auf Herstellung der Spülungseinrichtung flagen, auch den Wirt auffordern, innerhalb 24 Stunden die Reparatur herstellen zu lassen, ihm_androhen, daß Sie sonst auf seine Kosten die Reparatur herstellen lassen würden und dann die Drohung ausführen. A. O. 6. 1. Einem solchen Gesuch kann die Gerichtskaffe stattgeben. Verpflichtet ist sie nicht dazu. 2. Nein. 3. Die Höhe der Prozeßkosten richtet sich nicht nach der Anzahl der Ter der Höhe des Objetts und mine, sondern nac danach, ob Beweisaufnahme stattgefunden hat und ein Urteil gesprochen ist. Stabstrompeter. # Theater des Westens. Täglich: Ein Walzertraum. Lustspielhaus. Allabendlich: Die blaue Maus. Thalia Theater. Täglich: Der Mann mit dem Monocle. Neues Operetten- Theater. Täglich: Der Mann mit den drei Frauen. Luisen Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Hüttenbefizer. Abends: Dir wie mir. Die Stimme des Blutes. Montag: Jm Goldland. Von Dienstag bis Sonnabend: Dir wie mir. Die Stimme des Blutes. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Jm Goldland. Abends und Montag: Dir wie mir. Die Stimme des Blutes. Bernhard Nose- Theater. Täglich: Jm Hause der Sünde. Metropol Theater. Allabendlich: Das muß man seh'n! Gustav Behrens Theater. Spezialitäten. Apollo- Theater. Allabendlich: Die süßen Grisetten. Spezialitäten. Walhalla- Theater. Spezialitäten. Passage- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Abends täglich: Berlin in Stimmung. Spezialitäten. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Reichshallen Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. Carl Haverland- Theater. Spezialitäten. Anfang Uhr. Berliner Prater- Theater. Allabendlich 7 Uhr: Die Welt ein Paradies. Urania- Theater. Taubenstraße 48/49. Sonntag, Freitag und Sonntag, den 28. Juni: Ueber den Brenner nach Venedig. Montag und Sonnabend, den 27. Juni: Von der Zugspige zum Wazmann. Dienstag: Im Lande der Mitternachtssonne. Mittwoch: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Donnerstag: Die deutsche Ostseeküste. Anjang 8 Uhr. Sternwarte, Invalidenstr. 57-62. Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter Sof. dritter Eingang, bier Treppen, a Fahrstuhl wochentäglich abends von 7 bis 9% Uhr statt. Geöffnet 7 1hr Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ift ein Buchstabe und eine Zahl als werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. A. 2. 83. 1. Ist über die Kündigung für das Gesinde nichts ber einbart, so beträgt die Kündigungsfrist 6 Wochen zum Ersten des Quartals. 2. Die Herrschaft ist im Recht. Oder das Mädchen müßte bis zum 1. Oftober aushalten. J. G. Die für eine bestimmte Berson abgeschlossene Versicherung gehört nicht zum Nachlaß; die Gelder fallen vielmehr der bestimmten Person zu. A. S. 16. 1., 2., 4. Das Vorgehen des Magistrats ist durchaus dem Gesetz entsprechend. Bugrunde ist das legte Jahr gelegt. Wenn Sie sich der Auskunfterteilung entziehen, so haben Sie die Folgen zu tragen. 3. Der Chef hat nur auf Anfordern von der Stellung Mitteilung zu machen. R. A. 22. 1. und 2. Steuern sind zu zahlen, aber nicht Gewerbe-, sondern Staats- und Gemeindeſteuern. 3. Sie haben nur den bis zum 31. Januar entfallenden Teil der Kirchensteuer zu zahlen. P. P. 74. Nein. Der Bescheid der Kommission ist zutreffend. 101. Reiner. 2. 2. 8. 1. Leider ja. Drei statistische Erhebungen über die Arbeitszeit der Wäscherinnen und Blätterinnen sind gemacht. Zhr Todes- Anzeige. Allen Bekannten zur Nachricht, daß mein lieber Mann, der Bimmermann Hermann Neumann am 18. Juni entschlafen ist. Witwe Berta Neumann. Die Beerdigung findet am 22. d. Mts., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des ZentralFriedhofes in Friedrichsfelde aus statt. 34682 jeder Art AugustaWohne jett 27675* Neue Königstraße 22 II. Frau Heß, Hebamme. Dr. Schünemann 25292* Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ede Schüßenstr. 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Uhr Alter Parteigenoffe empfiehlt seine Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Benukung für jedermann, SW., Alexandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von 5-10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9-1 und 3-6 Ubr. In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Beitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Die Ausleih- Bibliothet ist bis auf weiteres geschlossen. Allgemeine Kranken: und Sterbekaffe der Metallarbeiter ( E. H. 29, Hamburg), Filiale Berlin 6: Heute vormittag 10 Uhr bei Obiglo, Schwedterstraße 23: Außerordentliche Mitgliederversammlung. Kaffen- und Kongreßbericht, Neuwahl der Ortsverwaltung. Filiale Berlin 7: Heute vormittag 10 Uhr bei Hoffmann, Basewallerstraße 3. Wafferstands- Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt bom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilfit Bregel, Insterburg Beichel, Thorn Dder, Ratibor Krossen Frankfurt Barthe, Schrimm Landsberg Nese, Bordamm Elbe, Leitmeriz Dresden Barby Magdeburg Basserstand am feit 19. 6. 18. 6. cm cm) 130+5 86 4 --1 Saale, Grochlik Havel, Spandau) Rathenow) 145 Spree, Spremberg³) 92 Beeskow Beser, Münden-34 Minden Kaub 136 am seit 19. 6. 18. 6. cm cm ¹) 161 -1 22 0 102 -16 92-13 100-2 107-3 30-2 33-2 12 -43+1 51 th'e in, Maximiliansau 483 270 Köln 283 -150 0 Nedar, Heilbronn 62 123 -9 Main, Wertheim 121 123 Mosel, Trier 62 Fall, ³) Unterpegel. 1)+ bedeutet Wuchs, Allen Parteigenossen, Kollegen und Bekannten zur Nachricht, daß ich Mariendorf, Dorite. 2, in Zigarren- Gefchäft eröffnet babe. 27225 Hochachtungsvoll Ernst Raselowski. Preise zahlung. InvalidenZahn- Klinik. beliebige Teil. Olga Jacobson, straße 145. Am besten tausen Sie Blumen- und Kranzbinderei. Hygienische Bedarfsartikel Kassenbäder ad, stopeniderstr. 60 27525 Drehbare GOMMIABSATZE Gustav Neumann Böhowstr. 30. 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Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW, 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Ede Friede litraße. Amt Rirdorf 946 Nr. 143. 25. Jahrgang. 4. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ein Candarbeiter niedergefchoffen. Um seine Stimme den konserbatiben Wahlmännern zu geben, ging am 3. Juni der auf dem Gute Grünblum im Kreise Darlehmen in Dienst stehende 30 Jahre alte unverheiratete Schweizer August Arbeit nach dem Dorfe Sodehnen zur Wahl. Am Nachmittag von dort zurückgekehrt, bat er sich im Gutshause sein Mittag aus. Sein Gutsherr, der Befiber Bohrenz, meinte, Mittag gibt es jetzt nicht mehr, sondern nur Raffee. Darüber gerieten die beiden nun in Wortwechsel, in dessen Verlauf der Schweizer seinen rückständigen Lohn und seine Entlaffung forderte. Beides wurde ihm verweigert. Der Schweizer begab sich darauf aus dem Gutshause nach seiner gegenüber liegenden 19 Meter vom Gutshause entfernt liegenden Arbeits- resp. Wohnstube. Hierbei wurde der Wortwechsel fortgesetzt. Der Befizer rief dem Schweizer zu, er solle nur ruhig sein, sonst schieße er ihn nieder. Dieser erwiderte:„ Na, schießen Sie doch mal!" Gleich darauf, der Schweizer hatte gerade die Türe seiner Stube erreicht, krachte vom Gutshause her ein Schuß, der den noch eben ein luftiges Lied vor sich hinsingenden Schweizer zu Boden streďte. Fine volle Ladung groben Schrotes aus dem Gewehr des Besizers war ihm von der Seite her in Kopf, Hals und Oberkörper gedrungen. Ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, starb er noch an demselben Abend. Der wie ein toller Hund NiedergeschosSountag, 21. Juni 1908. sene war selbst nach dem Zeugnis seines Arbeitgebers ein ordent- er von dem Tode des Sohnes erst nach dessen Beerdigung durch fol. licher, arbeitsamer Mensch geivesen. genden Brief in Kenntnis: Am anderen Tage erschien auf dem Gute eine Gerichtskom. mission, um den Tatbestand festzustellen. Dieser Kommission gegenüber gab der Besizer an, er sei von dem Schweizer mit dem Messer bedroht worden und habe sich in Notwehr befunden, als er den Schweizer niederschoß! Merkwürdig, außer dem Besizer hatte diese Bedrohung niemand gesehen und ist auch ein Meffer bis heute nicht gefunden worden. Ja, ein Kollege des Schweizers behaup. tete, der Erschossene habe überhaupt kein Messer gehabt. Milchpächter ,, Grünblum b. 10 Juni 08. Friedrich Arbeit. Ihnen zur Nachricht, daß Ihr Sohn August Arbeit durc eigene Schuld infolge Unglüdszufalls am Mittwoch d. 3 Juni verstorben und auf gerichtliche Anordnung am 9 Juni begraben ift. Da ich zuerst durch eine vorgefundene Postkarte Ihren Wohnfis erfahren habe, konnte ich Ihnen früher diese Nachricht nicht übermitteln. W. Lohrenz. Gutsbesizer." Der Vater wohnt in der Nähe von Königsberg. Die Papiere des getöteten Landarbeiters hatte der Besitzer am 3. Juni an sich genommen. Es wäre also durchaus möglich gewesen, den Vater sofort zu benachrichtigen. Eine Anklage ist noch nicht erhoben. Der mindestens des Lotschlages dringend verdächtige Gutsbesitzer befindet sich noch auf freiem Fuß. Darauf dürfte es zurüdzuführen sein, daß bürgerliche Zeitungen in Königsberg die Sachlage so darstellen, als habe der Gutsbesizer sich in Notwehr befunden. Tatsächlich ist für seine Behauptung nicht das Mindeste erwiesen. Im Gegenteil, besonders auffällig ist, daß eine Dienstmagd, die wohl den Sachverhalt hätte bekunden können, der Gerichtskommission nicht vorgeführt ist. Die Eltern und Geschwister des Erschossenen befinden sich Während der Verstorbene als ein nüchterner und ruhiger Mensch natürlich in großer Erregung. Sie werden gegenüber der Gefahr allgemein bekannt war, wird Lohrenz als Gewalttätigkeiten zu der Verdunkelung des Sachverhalts schleunigst sich an die Staatsneigend geschildert. So hezte er am 27. Mai anläßlich eines Wort-| anwaltschaft wenden müssen, damit die in der Darkehmer Gegend wechsels mit einem seiner Instleute seinen stetigen Begleiter, einen| aufgetauchte Ansicht nicht Wahrheit werde, die preußische Justiz sei Bluthund, auf den Arbeiter, dem darauf der rechte Arm zerfleischt nicht in der Lage, wegen Mordes oder Totschlags vorzugehen, wenn wurde. Von geringer Gemütstiefe zeugt auch das Verhalten des der Verstorbene ein Landarbeiter, der an dem Tod Schuldige sein Gutsbesikers dem Vater des Erschossenen gegenüber. Diesen sette Gutsherr war. Joseph' Kinder- Tage 1. von Montag, 22. bis Sonnabend, 27. Juni. An diesen Tagen bringen wir eine große Anzahl Artikel für den Bedarf des Kindes enorm billig zum Verkauf. Preis- Rätsel Ein Name aus der biblischen Geschichte. 2. Bezeichnung für jugendliche Menschen. 2. Bezeichnung für jugendliche Menschen. 3. Benennung mehrerer Zeitabschnitte. Für die richtige Lösung haben. Preis 20 M., 2. Preis 10 M., 3. Preis 5 M. wir drei Preise ausgesetzt Die Lösungen sind in geschlossenem Kuvert mit genauer Adressenangabe in den in unserem Lichthof aufgestellten Briefkasten niederzulegen mit der Aufschrift ,, Preisrätsel". Jeder Lösung hat ein Kassenzettel über die bei uns in der Zeit vom 22. bis 27. d. Mts. gekauften Waren beizuliegen. Die Veröffentlichung der Resultate findet am 30. d. Mts. in dieser Zeitung Unter den eingegangenen richtigen Lösungen werden die Gewinner durch das Los bestimmt. Die Kontrolle der Verlosung haben liebenswürdigerweise die„ Rixdorfer Zeitung“ und das„ Rixdorfer Tageblatt" übernommen. statt. 1 An diesen Tagen Portion Eis. im Erfrischungsraum 1 Tasse Schokolade. 1 Tasse Kaffee 1 Stück Torte mit Schlagsahne · 10 Pf. 15 Pf. Ein Glas Bier 10P Pf. 5 Pi. Das Glas mit Goldrand ist gratis mitzunehmen. 10 Pf. 1 Portion Erdbeeren mit Schlagsahne 15 Pf. H. Joseph& Co., Rixdorf, Berliner Str. 54-55. 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