144. Bbonnements- Bedingungen: • Bonnements Breis prinumeranbe Bierteljährl. 8,30 ML, monatl. 1,10 wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Numuner 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Belt 10 Bfg. Boft. PIbonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Bost- Beitungs. Breisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Boftabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Stalien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz exiacint talich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblatt. 25. Jahry. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die sechsgespaltene Rolones geile oder deren Naum 50 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 80 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., fedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müffen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. The Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Der Blockfreilinn im Angestelltenkonflikt. Als wir über das neueste Unternehmerattentat auf Sas Koalitionsrecht der Angestellten berichtet haben, nahmen wir Gelegenheit, auf die Mittelstandsfreunde um Naumann " Dienstag, den 23. Juni 1908. man zu kompromisseln, die Dinge mit schönen Worten zu berhüllen und dabei jeder klaren Entscheidung auszuweichen. Deshalb wird auch der Vorwärts" jederzeit Gelegenheit nehmen, die Schaufelpolitik Naumanns und seiner Getreuen zu charakterisieren, selbst wenn das einem Mann wie Tischendörfer herzlich unangenehm und unbequem werden sollte, wie er das auch in jenem„ Hilfe"-Artikel zum Ausdruck bringt. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. fach den Landtagswahlen. herum hinzuweisen, die ja jezt in der Praxis für das Ber- Das gewerkschaftliche Arbeiterparlament at fie fich jest auf einige fritiſche Betrachtungen, die die " Nicht bloß der Berliner Blodfreifinn und die Nationalliberalen von Linden haben das Vordringen der Sozialdemokratie bei den Landtagswahlen lagend gespürt. Es gibt noch mehr Leidtragende, und vor allem die Nationalliberalen des Ruhrreviers gehören dazu, wie in unserer Sonnabendnummer eine Zuschrift aus dem Industries gebiet näher dargelegt hat. Natürlich ist die Partei der rheinisch westfälischen Scharfmacher äußerst aufgebracht über ihre Verluste, die die Sozialdemokratie ihr beigebracht hat und ihre Presse zetert voll sittlicher Entrüstung über das schwarz- rote Kartell. Wie ein Nabe sönlichkeitsideal im Großbetrieb" eintreten können. Dieser Hinweis war von uns deshalb gemacht worden, weil wir , Arbeiterzeitung" zu Essen zur Taktit unserer Partei Bom weinfrohen Rhein, wo er vor drei Jahren tagte, hat der bei den Abgeordnetenwahlen veröffentlicht hat. Unser Essener Parteiwissen, daß in Angestelltenkreisen bisher Naumann als der tommende Mann" betrachtet wurde. Seinen Eintritt in den Kongreß sein Domizil nach der laftentragenden Elbe verlegt. Aus organ beklagt, daß die Sozialdemokratie dem Zentrum ohne jede Gegens Reichstag hatte man mit großer Freude begrüßt, gerade von dem" Gürzenich", dem alten Patrizierheim im Schatten des Kölner Leistung in den Kreisen Dortmund- Land, Bochum und Mülheim a. d. Ruhr den Angestellten wurden auf Naumann große Hoffnungen Domes, nach dem Hamburger Gewerkschaftshaus, der„ Waffen- die Kastanien aus dem Feuer geholt habe. Die Hoffnungen der gesezt. Diese Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Selten schmiede" der Arbeiterschaft, wie Genosse Bebel dieses Riefen- Sozialdemokraten einzelner Kreise, das Zentrum werbe in Solingen, Den Vormittag Frankfurt- Land usw. auch für die Sozialdemokratie eintreten, hätten hat eine politische Führerschaft sich so um Hals und Kragen proletarierheim bei seiner Eröffnung nannte. geredet und geschrieben, wie Naumann und seine Leute. des ersten Tages füllten vornehmlich Begrüßungsreden und sich nicht erfüllt, wie das bei der Verräternatur des Zentrums nicht die zur regelrechten Abwickelung der Geschäfte unvermeidlichen anders zu erwarten war. Der gefährlichste Feind der Sozialdemokratie Davon sollten auch die Angestellten lernen. Es war nun für uns besonders interessant, zu beobachten, Formalitäten. Genosse Legien konnte dabei mit Freude Gäste aus im Ruhrgebiet sei nicht mehr der Nationalliberalismus, deffen terrowie sich dieser stellen wird. freisinn zu dem jezigen Angestelltenkonflikt Dänemart, Desterreich, Ungarn und der Schweiz beristische Gewohnheiten für die Arbeiterschaft ihren Schrecken verstellen wird. Wir gestehen, daß unsere Erwartungen in dieser grüßen. Er schilderte den Anteil, den Hamburg an der Entwickelung toren hätten, sondern das Zentrum. Beziehung nicht enttäuscht wurden. In der„ Hilfe", dem offiziellen Naumannblatt, nimmt Tischendörfer dazu das Wort, sein Artikel ist knapp eine Spalte lang; wir müssen allerdings gestehen, wir hätten von einem Gewerkschaftler eine Arbeit erwartet, die weniger oberflächlich an den Kernpunkt der ganzen Angelegenheit vor beigeht. der modernen Gewerkschaftsbewegung hatte und den Aufschwung, In einem zweiten Artifel bemängelt unser Essener Barteiblatt den die der Generalkommiffion angeschlossenen Gewerkschaften seit nochmals, daß die sozialdemokratischen Wahlmänner der drei oben deren Gründung genommen haben. Repräsentiert doch dieser genannten Kreise die Zentrumskandidaten gewählt haben, ohne Rongreß eine organisierte Masse von 1865 506 Arbeitern und irgend eine Gegenleistung dafür zu bekommen, obwohl doch das Arbeiterinnen. Und dieser Erfolg ist erreicht gegen den Willen Bentrum teines der drei Mandate ohne ihre Hilfe hätte bekommen der herrschenden Gewalten, die bis in die jüngste Beit hinein( man fönnen. dente an das neue Vereinsgesetz) sich der Arbeiterorganisation ent- Frankfurt- Land, wo für die Sozialdemokratie einzutreten es den Das Zentrum habe in den Wahlkreisen Solingen und Herr Tischendörfer hält es für nötig, dem Bund der gegenstellten. Genossen des Ruhrrebiers versprochen habe, dies Versprechen technisch- industriellen Beamten eine Strafpredigt zu halten. Die vorgefchlagene Tagesordnung erfuhr eine fleine Abänderung. schmählich gebrochen. Und schließlich sei das Bentrum in der WahlIn einem Leitartikel der Zeitschrift dieser Organisation, der Beantragt und beschlossen wurde, die Maifeier als einen ge- rechtsfrage nichts besser als der Blockfreifinn. Das Zentrum deutschen Induſtriebeamtenzeitung", hatte ein Mitarbeiter fonderten Punkt zu behandeln. Das Referat Moltenbuhrs ist und bleibt eine Gefahr für Deutschlands fulturelle Entwickelung, die Forderung auf Einführung von Kündigungsausschüssen über" Die Entwickelung ber sozialen Gesetzgebung" foll seiner und die Gesamtpartei hat ein lebhaftes Interesse an der Art gestellt. Um den Angestellten und Arbeiter in seinem Arbeits- Wichtigkeit wegen von der letzten auf die fünfte Stelle rücken. Da- unseres Kampfes gegen die Demagogenpartei!. Man seze doch nicht verhältnis nicht unbedingt der Willkür seiner Vorgesetzten mit soll auch der Regierung gezeigt werden, daß man zu viele Hoffnungen auf die„ demokratischen" Elemente im Zentrum. auszusetzen, will der Verfasser in einem Arbeiterausschuß diese Frage nicht als nebensächliche behandelt wissen will. Bezüglich So viel" Demokraten", wie das Zentrum, hat auch der„ veroder in einer besonders zu schaffenden Instanz die Möglich- der Grenzstreitigkeiten wird beschlossen, die Redaktions- tommene Freifinn" noch in seinen Reihen! Für jeden vom Freifeit schaffen, durch Vertreter der Arbeiter und Angestellten kommission mit der Ausarbeitung einer Resolution zu betrauen, die sinn verübten Volksverrat zählt man zwei vom Zentrum verEntlassungen nachprüfen zu können. In der famosen Be- als Grundlage für die Diskussion dienen soll. gründung des Sendschreibens der Arbeitgeber an die bayerischen Mitglieder wird nun dieser Kündigungsausschuß erwähnt. Es wird natürlich das Hineinreden in das Ründigungsrecht des Arbeitgebers" mit großer Entrüstung abgelehnt und als eine unerhörte Forderung bezeichnet. Biemlich ähnlich orakelt auch Tisch en dörfer, indem er wörtlich schreibt: " Ohne Zweifel find im Bunde der technisch- industriellen Beamten mancherlei Fehler gemacht worden. Es liegt durchaus im Angestellteninteresse, dies ohne weiteres zuzugeben. Auch die Ausführungen über den Kündigungsausschuß find so wohl dem Inhalt wie der Form nach verfehrt. Selbst sozialdemokratische Betriebe haben noch keine derartige Einrichtung. Der Gedanke ist noch verfeüht." übte auf." " " " Anderer Ansicht als unfer Effener Parteiblatt find indes die anderen drei Parteiblätter des Ruhrreviers, die Arbeiter Hamburg, 22. Juni.( Privatdepesche des Vorwärts"). zeitung" zu Dortmund, das Boltsblatt" zu Bochum Bei der Berichterstattung über die Tätigkeit der General und die Niederrheinische Arbeiterzeitung" au tommission nahm Genosse Legien Gelegenheit, sich zu der Duisburg. Sie stellen fest, daß die Sozialdemokratie der drei angeblich geplanten Gründung einer gewerkschaftlichen Streise gehandelt hat, wie sie handeln mußte. Denn den erbittersten Frauenzeitung zu äußern. Es ist, wie er ausführt, in der Feinden der Arbeiterschaft, den Vertretern der großzindustriellen Generalfommission offiziell über die Gründung eines solchen Scharfmacher und wütenden Gegnern des gleichen Wahlrechts, Blattes nicht gesprochen worden. Legien selbst hat lediglich ge- ja zum Teil sogar des geheimen Wahlrechts standen Zentrumslegentlich einer Sigung der Generalfommission die Frage auf fandidaten gegenüber, die die von der Sozialdemokratie vergeworfen, ob es nicht nützlich sei, für die Gewerkschafts- langte Erklärung abgegeben haben: 1. Für die presse, die mit einer größeren Zahl weiblicher Refer Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen rechnen Beilage zu schaffen, die speziell stimmen zu wollen. 2. Bei der Verhandlung und Abstimmung über Nun ist die ganze Frage des Kündigungsausschusses den Interessen der Arbeiterinnen gewidmet ist. Eine solche Ein- einen entsprechenden Antrag im Abgeordnetenhause anwesend au hier eine höchst nebensächliche Geschichte. Es wird Herrn richtung würde natürlich nicht getroffen werden, ohne daß die in fein. 3. Für eine Neuregelung der Wahlkreise eintreten Tischendörfer sehr gut bekannt sein, daß es sich hier um die Frage kommenden Gewerkschaften zu den Vorarbeiten herangezogen und stimmen zu wollen. ganz private Aeußerung eines einzelnen Mitarbeiters handelt, werden. Erweise sich die Durchführung der Sache aber einmal als und daß die Arbeitgeber für ihren Borstoß nur nach Schein- notwendig, dann würde sich allerdings die Generalfommission durch geringste einwenden läßt. Angesichts dieser Erklärungen der gründen gesucht haben, um ihre Handlungsweise zu be- feinerlei Einrede davon abhalten lassen. mänteln. зи eine hat, Wir meinen auch, daß sich gegen diese Entscheidung nicht das Zentrumskandidaten, die im Punkt 3 noch über das hinausgehen. Rössel Berlin( Tertilarbeiter) stellt demgegenüber fest, daß was die Zentrumspartei bisher offiziell vertreten hat, mußten unsere In Wirklichkeit handelt es sich hier um viel mehr, als der Bertreter der Generalfommission an mehrere Vorstandsmitglieder Genoffen dem Zentrum gegen die nationalliberalen Wahlrechtsfeinde um die Durchführbarkeit irgendeiner sozialpolitischen Flick des Tertilarbeiterverbandes in einer persönlichen Unterredung die zum Siege verhelfen, ohne das von Gegenleistungen abhängig arbeit. Die Privatbeamtenbewegung hat in den letzten Frage gerichtet habe:" Wißt Ihr schon, daß die Generalkommission machen zu können. Nebenbei hat sich hinterher herausgestellt, daß Jahren eine radikalere Färbung angenommen; die An- mit dem Plane umgeht, eine selbständige gewerkschaftliche Frauen die Mandate von Solingen und Frankfurt- Land auch dann nicht zu gestellten haben die Notwendigkeit erkennen müssen, statt in zeitung zu gründen?" Kotte- Berlin bestätigt diesen Wortlaut. gewinnen gewesen wären, wenn sämtliche Zentrumswahlmänner im Fachbereinen und Harmonieberbänden sich zusammenzu- Umbreit( eben jener Vertreter der Generalfommission) führt entscheidenden zweiten Wahlgange für den sozialdemokratischen schließen, gleich den Arbeitern Gewerkschaftsorgani- die ganze Debatte auf dem Textilarbeitertongreß auf eine mißKandidaten gestimmt hätten. fationen zu schaffen. Der jezige Gewaltstreich der berstandene private Meinungsäußerung zurück und überläßt es dem Die„ Effener Arbeiterzeitung" hält das Zentrum in der Frage Scharfmacher ist nur der erste Vorstoß einer planvoll ein- Gefühl des Kongresses, ob die öffentliche Verwertung dieser der Wahlreform nicht für zuverlässig. Wir tun es ganz gewiß auch Ida Altmann als Bertreterin geleiteten Aktion, die Angestelltenbewegung in ihrer jebigen eußerung loyal sei. Form einfach niedezuringen. Gelänge den Scharf- des Arbeiterinnenfetretariats stellte für dieſes feft, nicht. Aber uns kann es auf keinen Fall schaden, wenn im oben wiedergegebenen Erklärungen machern dieser Borstoß, dann würde auch vorläufig diese Be- daß auf dieser Seite weder der Wunsch nach einer besonderen Bentrum drei auf die die vornehmlich wegung für einige Jahre lahmgelegt sein. gewerkschaftlichen Frauenzeitung noch auch nach einer bloßen Frauen- gewählte Abgeordnete fizzen, Abgeordnete, von Arbeitern gewählt sind und deren Verhalten zur Der zitierte Artikel der Hilfe" erhält aber eine eigen beilage für die Gewerkschaftspresse bestände. Die Angelegenheiten artige Bedeutung dadurch, daß Tischendörfer selbst Ander Arbeiterinnen müßten mit denen der Arbeiter gemeinsam be- Bahlreform unter der noch dem Zentrum folgenden Arbeiterschaft gestellter des Bundes der technisch- industriellen Be- handelt werden. Auch der Kapitalismus mache feinen Unterschied fo oder so aufrüttelnd wirken muß. Der Nationalliberalismus hat amten ist. So viel wir wissen, sind von ihm bisher die Ver- zwischen der Ausbeutung der Arbeiter und der Arbeiterinnen. Die eine hundertfach verdiente Niederlage erlitten, das Zentrum des Ruhrreviers ist mit Verpflichtungen für die Wahlreform beladen sammlungen der Berliner Ortsverwaltung einberufen worden Debatte erstreckt sich im übrigen in der Hauptsache auf die Anträge worden, die es nicht abwerfen kann, ohne Schaden zu leidra Wir worden, die es nicht abwerfen kann, ohne Schaden zu leiden Bir und er hat für den Bund im Auftrage des Vorstandes überall auf Schaffung eines sogenannten Generalstreitfonds in meinen, das ist eine für die Sozialdemokratie und für den WahlDafür sind die VerAgitationsvorträge gehalten. Während seine Organisation den Händen der Generalfommission. da fich gerade jetzt in einem der schwersten Kämpfe befindet, treter der fleineren oder schwächeren Organisationen, ba- rechtstampf ganz gute Konstellation. aus den Reihen der großen und während von der" Post" und der Arbeitgeber- Zeitung" eine gegen die Redner Anders steht es mit den Abstimmungen sozialdemokratischer Heze gegen den Bund inszeniert wird, findet Tischendörfer finanziellkräftigen Verbände, so der Holzarbeiter und als Bundesangestellter nichts Besseres zu tun, als außerhalb metallarbeiter. Die Vertretung der Lithographen und Wahlmänner in einigen anderen Wahlkreisen. der eigenen Reihen wegen einer höchst nebensächlichen Kleinig- Steinbruder läßt aber nach erfolgter Aussprache durch über die Verrätereien des Freisinns in Verbindung mit der Abkeit dem Bund eine höchst überflüssige Strafpredigt zu halten! Sillier den betreffenden Antrag zurüdziehen unter der neigung gegen einen besonders unsympathischen Vertreter dieser Partei Ob als Motive für dieses Borgehen die uns von früher Voraussetzung, daß sich die nächste Konferenz der Gewerkschafts- hat z. B. im schlesischen Landtagswahlkreis Liegnis Gold. berg- Hahn au eine Anzahl sozialdemokratischer Wahlmänner her bekannten Tischendörfereien" zu betrachten sind, können vorstände mit der Sache beschäftige. wir als Außenstehende nicht beurteilen; uns interessiert aber Den Schluß des ersten Tages bildete das Referat der Genoffin dahin gebracht, für den konservativen Kandidaten zu stimmen. Die der Artikel besonders deshalb, weil er eine iŋmpto. Grünberg über die Agitation unter den Dienst- Breslauer Volkswacht" berichtete darüber: sympto- Grünberg matische Bedeutung für die ganze Richtung hat. boten. Die Verhandlungen des Tages zeichneten sich durch ruhige Es ist immer die gleiche Unentschiedenheit des Sachlichkeit aus. Die Zahl der Kongreßteilnehmer beträgt 824. Blockfreisinns, die auch aus jenen Zeilen spricht. Statt die gegebenen Tatsachen flar ins Auge zu fassen, fucht 1320 Die Erbitterung D In diesem Wahlfreise ist Fisch bed, der berüchtigte Frei finnige, noch einmal mit Inapper Mehrheit gewählt. Um ihm feine Abhängigkeit von den sozialdemokratischen Stimmen flar zumachen und ihn ein wenig zappeln zu lassen, stimmte eine Anzahl foaialdemokratischer Wahlmänner in der Stichvayl fflt den konserdatldea ScholMewfegsrmelster Conrad aus Breslau, jedoch nur fo viel, daß Fischbeck mit ein paar Stimmen Mehrheit noch durchkam. Die Ge- nossen in Liegnitz, welche sich diesen Tcherz erlaubten, haben sich damit in Widerspruch zu der vom Zentral-Wahlkomitee fe st gelegten Ab- stimmungStaktik gesetzt, und nur der Umstand, dah sie dem konservativen Kandidaten nicht zum Siege verhalfen, schützt sie vor einer ernsten Otüge. Wir wünschen dem Herrn Fischbeck seinen Durch- fall ebenso von ganzem Herzen als die Liegnitzer, dies Ziel aber durch Abgabe einzelner Stimmen für einen Konservativen zu erreichen, ist absolut unstatthaft. Uebrigens haben sich, soweit wir sehen können, nicht alle Genossen an den« Schabernack be» teiligt, die Parteifunktionäre sind sämtlich der Enthaltungsparole gefolgt." Die freifinnige Prefie hat natürlich über diesen Vorgang ganze Wagenladungen fittlicher Entrüstung produziert. Sie sollte sich lieber an die Brust schlagen und bekennen, daß der sogenannte Linksliberalismus eS selbst verschuldet hat, wenn sozialdemokratische Wahlmänner keinen Unterschied mehr zwischen Blockfreisinn und feinen konservativen Blockfreunden entdecken können. Herr Fischbeck hat übrigens durch seine überaus schofle Kampfeöweise, die er seit Jahren im Kreise gegen die Sozialdemokratie beliebt, ein gut Teil dazu beigetragen, daß eS zu solchem Vorgang gekommen ist. Indes ist trotz all dieser mildernden Umstände das Eintreten sozialdemokratischer Wahlmänner für konservative Kandidaten natür- lich durchaus nicht zu entschuldigen. Die offizielle Parole der Wahlenthaltung hätte unter allen Umständen innegehalten werden müssen. Die disziplinlosen Wahlmänner werden unseres Erachtens trotz des UmstandeS, daß ihr Verhalten auf das Wahlresultat keinen Einfluß gehabt hat, nicht ohne kräftige Rüge davonkommen. •»* Uebrigens hat der ehrenwerte Blockfreiflnn am allerwenigsten Grund, sich über die sozialdemokratischen Wahlmänner von Liegnitz aufzuhalten. Wie haben denn sein« Wahlmänner in der Stichwahl zwischen Sozialdemokratie und Konservativen gestimmt? In Wandsbek stimmten 49 Liberale für denKonservatiden, 24 enthielten sich der Abstimmung und ein ganzer stimmte für den Sozialdemokraten. Und in Frankfurt-Land? Da stimmten für den nationalliberalen WahlrechtSfeind v. Lülow 80 Freisinnige, 22 enthielten sich der Abstimmung und 0 stimmten für den sozial- deinolratischm Kandidaten I .» Im Wahlkreise Guven-Forst-Soraa haben dt« sozial- demokratischen Wahlmänner des Bezirk» Guben in der Stichwahl .ür einen Freikonservativen gestimmt, um den ihnen besonders ver- paßten Nationalliberalen König, einen wütenden Arbeiterfeind, zu Zoll zu bringen. Es mißlang, da die sozialdemokratischen Wahl- nänner zu Forst und Sarau nicht mittaten. Wir verstehen den Wunsch der Gubener Genossen durchaus, trotz alledem ist ihr Ein- reten für einen Freikonservativen in keiner Weise zu rechtferttgen. FebrigenS ist in diesem Wahlkreise mit sozialdemokratischer Hilfe der freisinnige Thurm gewählt worden. .- Ein Freisinniger ist außerdem von den sozialdemokratischen Wahlmännern im Wahlkreis Bielefeld-Herford-Halle jewählt worden. In diesem DreimännerlreiS haben die Sozial- Demokraten den Freisinnigen Lorentz gegen den Christlich- vzialen Mun,m durchgebracht, um diesen für seineu systematischen Getrat an der Arbeiterschaft und seine wüste Hetze gegen >ie Sozialdemokratte und die freien Gewerkschaften mit «m Durchfall zu bestrafen. Der Fall liegt wesentlich anders ilS der von Liegnitz und Guben, weil hier zur Erreichung des zwecks nicht das Eintreten unserer Wahlmänner für ein Mitglied et Junkerpartei nötig war. . Roch ein Glückwunsch aus dem AuSlaude. Aus Paris lief folgendes Schreiben ein: An den Borftand der Sozialdemokratischen Partei Deuischlands. Werte Genossen! Die Sozialisten ganz Frankreichs haben freudigen Anteil ge- »onimen an dem glänzenden Siege, den die Partei bei den Landtags- vahlen in Preußen davongetragen hat. Das Eindringen sozialistischer Vertreter in diese bisher unüberwindliche Festung der Reaktion beeiltet nicht mir für Euch, sondern für die gesamte Internationale inen großen Sieg. Der Nationalrat der Sozialistischen Partei Frankreichs, der am etzten Sonntag in Paris versammelt war, hat an diesem Triumphe egen Anteil genommen und hat sein Bureau beauftragt. Euch bei «ieser Gelegenheit die wärmsten und aufrichtigsten Glückwünsche zu vnden. Ich tue das mit großem Vergnügen durch dies Schreiben. Enipfangt zugleich die Versicherung unserer brüderlichen Soli- mrität. Für den Nationalrat: Louis Dubreutlh. politifchc Ckbcrficht* Verkin, den 22. Juni 1908. Der Raub der halbe« Milliarde. Bekanntlich sind die auch von uns wiedergegebenen An- zadcn der„Köln. V o l k S z t g." über die Reichbftnanzreform vor kurzem dementtert worden. Das Blatt stellt nun richtig, oaß die Blockführer nicht mit dem Fürsten Bülow, sondern mit dem Reichsschatzsekretär konferiert haben. Im Übrigen hält das Blatt seine Angaben vollständig aufrecht und ergänzt sie durch die Mitteilung, daß auch eine Steuer auf Gas und Elektrizität und zwar für Licht wie für Kraft geplant sei. Die Abgabe soll vorerst gering sein, aber sich leicht steigern lassen. Die Besteuerung des Lichtes würde allerdings für die Aera der Blockpolitik, die das Licht schon lange nicht der- tragen kann, sehr passend sein. Wir vermuten sogar, daß es bei Gas und Elektrizität nicht bleiben, sondern daß auch das Petroleum an die.Reihe kommen wird. Denn die Finanzpolitik des Blocks hat es ja vor allem auf die Besitzlosen abgesehen. Wir finden es auch sehr natürlich, daß die Regierung sich in Stillschweigen hüllt, aber wir hoffen, daß ihr diese Taktik nicht viel nützen wird. Gegen die Ueberrumpelung werden die Sozialdemokraten das deutsche Volk rechtzeitig zu schützen suchen. An dem Totschweigen beteiligen sich auch die Frei- sinnigen zum größten Teil. Soweit sich Stimmen vernehmen lassen, sind es solche, die dem Freisinn schon jetzt zum Verrat zureden. Und bereits kann man die ganze natio- nale Schwindel mache vorausahnen, die die Reichöfinanz- reform zu einem glücklichen Abschluß verhelfen soll. Schon beginnt man uns vorzulügen, daß da3 Ausland Zweifel in die deutsche Finanzkraft hege, daß die„Weltstellung" Deutsch- lands infolgedessen leide und daß es daher„nationale" Pflicht Jei, dem deutschen Volke 500 Millionen- abzunehmen. Eine kampague deS Hurrapatriotismus bereitet sich vor. Und wke bei den letzten Wahlen mit allen Mitteln täuschender Reklame der Kolonialrummel inszenirt wurde, so malt man in gewissenlosester Weise KriegSgesPenster an die Wand, um dem deutschen Volke klar zu machen, daß die Reichen nach wie vor im Reiche steuerfrei und die Armen in der Zeit der Krise, der Ar- beitslosigkeit, der hohen, durch das Zollwucher- verbrechen erzeugten Lebensmittelpreise ein halbe Milliarde mehr steuern müssen, damit neue Kriegsschiffe, neue HeereS- rüstungen den Panzerplattenpatrioten neue Profite bringen können. Es ist bezeichnend, daß die freisinnigen Blätter kein Wort des Protestes mehr finden, bezeichnend, daß kaum mehr eine Stimme fragt, ob denn das Defizit nicht durch Er- sparungen, durch Einschränkung der sinnlosen Welt- Politik, die Deutschland nur Opfer kostet und keinen Nutzen bringen kann, beseitigt werden kann. Und doch liegt der Ge- danke so nahe. Eine Verständigung mit den West- mächten, vor allem mit England, über die Ein- schränkung des Flottenbaues— und Hunderte von Millionen wären erspart und die Isolierung Deutschlands in der Welt hätte ein Ende. Doch freilich, die Block- Majorität, die dem Schwindelpatriotismus ihr Dasein verdankt, kann nur vom Schwindelpatriotismus dieses Dasein fristen I Aber wie in aller Weilt kommen die Besitzlosen dazu, die Kosten einer Politik zu bezahlen, die sie ver- abscheuen? Der Raubzug der indirekten Steuern muß ihren erbitterten Widerstand wecken. Dem Programm der Plünderung der Volksmassen setzen sie das Programm entgegen: Keine andere Finanzreform als die der Sparsamkeit und direkter Reichs- st e u e r n l--_ Flensburg. »Der Schlveinehandel von Flensburg," wie Herr b. Gerlach das Verschachern des Reichstagsmandates an den Bund der Landwirte nennt, hat weder den Vorstand der Freisinnigen Volkspartei noch dessen Organ zu einer Mißbilligung veranlaßt. Nach den Vorgängen von Oberbarnim wäre das auch inkonsequent gewesen. Vollends utopistisch ist es, wenn Leute aus der Freisinnigen Vereinigung gar die Hoffnung aussprechen, die Freifinnige Volkspartei würde den Dr. DuuS, eine Frucht liberal-konservattver Paarung, zur Niederlegung deS Mandats bestimmen. AlS ob eS sich diesen Leuten bei den Wahlen um irgend etwas anderes handelte als um Mandate I Wir sind auch überzeugt, daß Herr Dr. DuuS um nichts weniger freisinnig ist als die Fischbeck, Wiemer, Kopsch und Müller. Wir sehen übrigens, in Flensburg nur notariell bestätigt, was die Freisinnigen schon seit längerer Zeit getan haben. Sie stimmen in der Provinz für die Konservativen gegen die Sozialdemokraten, damit die Konservativen sie in Berlin vor dem völligen Durchfall retten. Heute wird eS sich ja im 12. Bezirk wiederum zeigen, wie Konservative und Freisinnige stch verbrüdern werden, um zu vermuten, mit Hilfe deS Dreiklassenwahlrechts einen Volksvertreter zu verdrängen und einen Privilegien- ritter mehr zu schaffen, Die Freisinnige VollSpartei ist eben durch und durch realtionär und nur die widerliche Heuchelei unterscheidet sie von den antisemitischen Radaubrüdern.— Eine elende Scheinreform« Das»Verl. Tagebl." veröffentlicht heute einen Artikel von F. Hoff, dem freisinnigen LandtagSabgeordncten von Kiel, über die geheime, direkte Wahl. Der Herr gibt darin ein Rezept, wie man die geheime, direlle Wahl durchführen kann, och n e die Dreiklasseneinteilung zu beseitigen. Herr Hoff gilt fo als eine Art Uebergang von den.entschiedenen' zu den ganz unentschiedenen Freisinnigen. Und dieser sozusagen Jdefiere Freisinnige' weiß in der Wahlrechtsfrage nichts gescheiteres zu tun, als ein« elende Scheinlonzesston zu jordern, die die Schmach der Klasseneinteilung, die Vergewaltigung von 85 Proz. des preußischen Volkes völlig unverändert läßt\ Gibt es einen stärkeren Be- weis für die Jämmerlichkeit des Freisinns l Bestimmend für die freisinnige Politik sind die Wahlrechtsfeinde um Fischbeck; wenn sich aber schon die Einflußlosen Seitensprünge erlauben, dann kommt so ein elendes Produkt heraus, wie dieser Wahlreformvorschlag des Herrn Hoff. Zieht man vom Freisinn die entschiedeneren Reaktio- näre ab, die jetzt seine Politik bestimmen, so ist der Rest— ein Waschlappen._ Die genarrten Charlottenburger. In Charlottenburg ist bekanntlich Herr Professor von L i S z t alS freisinniger Abgeordneter für den Landtag gewählt worden, nachdem noch kurz vorher ein Flugblatt die Behauptung verbreitet hatte, diese Wahl habe eine Bedeutung über den Rahmen der Partei hinaus, es handle sich darunr, eine»großzügige Persönlichkeit' inS Parlament zu entsenden. Nun hat Herr v. Liszt— wie wir seinerzeit berichteten � kurz vor der Wahl in einer Versammlung zu Cbnrlottenburg ausgeführt: die AuSsickiten der preußischen Wahlreform ständen gar nicht schlecht; wenn die Freisinnigen im Reichstag jede Mithilfe bei der Finanzreform von Zugeständnissen ab- ängig machten, so sei Aussicht vorhanden, wenigstens einen eil dessen zu erreichen, was der Freisinn in bezug auf da« preußische Wahlrecht erstrebt. Da« war keineswegs leichthin geredet,(was ja ohnehin bei einer»großzügigen Persönlichkeit' ausgeschlossen ist), sondern als unser Genosse Borchardt diese Idee als utoptstisch nachwies und sich u. a. auf Herrn H e ck s ch e r berief, der gerade in jenen Tagen die Finanzreform als»nationale Notwendigkeit' bezeichnet hatte, da nahm Herr v. LiSzt Veranlassung, seine Idee noch einmal aus- drücklich zu wiederholen, wobei er nicht unterließ, denjenigen als unbekannt mit den politischen Tatsachen zu bemitleiden, die Herrn Heckscher für einen einflußreichen Mann in: Freisinn hielten. Gerade jene Versammlung ist nun, wie wir positiv wissen, für die Abstimmung vieler Wähler entscheidend gewesen� Manch einer hat Herrn v. Liszt- seine Stimme gegeben in der Meinung. eine so»großzügige Persönlichkeit' werde eS schon in der Fraktion durchsetzen, daß durch kluge Benutzung deS freisinnigen Einflusses bei der ReichSfinanzreform auch für Demokratisierung des preußischen Wahlrechts etwas herausgeholt werde. Aus dieser Sachlage erwächst offenbar kür Herrn V. LiSzt eine bedeutungsvolle persönliche Verpflichtung, an die er je eher je besser erinnert werden muß. Heute ist die Abgeordneten- ivahl erst einige Tage hinter unS, und man weiß, wie schon jetzt das Münchener Organ des Herrn Müller- Meiningen über die Verkoppelung von Reichsfinanzen und preußischem Wahlrecht geschrieben hat. Dazu kommt ein anderes, weniger auffallendes Symptom. Vor der Wahl hat. nicht nur das„Berl. Tagebl.' den Lisztfchen Gedanken aufgegriffen und weiter propagiert— wa» sicherlich auch nicht ohne Einfluß auf die Charlottenburger Wähler geblieben sein wird— sondern sogar die »Freisinige Zeitung' schrieb damals: wenn die Blockpolitik im Reichstag sich»die Kräfte deS Liberalismus nutzbar machen' wollte, fo könne man nicht„dieselben Kräfte, die man an die Tafel des Reiches ladet, im preußischen Staat von der Schwelle weisen.' Die„Freis. Ztg.' war natürlich zu„diplomatisch', um offen und ehrlich den Lisztfchen Gedanken zu übernehmen i sie mußte sich ja für später eine Hintertür offen halten. Aber inhaltlich bedeuten ihre damaligen Worte nichts anderes, als eine Bekräftigung des Lisztfchen Ber- sprechenS und haben auch in diesem Sinne auf die Charlottenburger Wähler gewirkt.— Jetzt, nach der Wahl dagegen druckt die„Freis. Ztg.' zujlwuucud und ohne Kommentar eine Auslassung des Münchener Müller-Organ» Wer die DKerktzer Kakserrede«ch,»orin es am Schluß heißt: »Die Ueberzeugung, daß«vir unser Pulver trocken halten und daß wir insbesondere unsere Finanzen wieder hoch bringen müssen, wächst von Tag zu Tag. Deutschland muß für alle Möglichkeiten gewappnet sein, ein« ander« Frieden i- bürgschast gibt eS heutzutage für uns nicht.' Keinem, der etwas von Politik versteht, brauche«, wir wohl erst auseinanderzusetzen, baß hierin wieder da» Gegenteil de» LiSztscheu Versprechens liegt. Unter dresen Umständen ist e» notwendig. offen und laut an Herrn Professor v. LiSzt die Frage zu richten, ob und wie er seinen Person- lichen Einfluß auf die Herren Wiemer, Kopsch. Müller-Sagan. Müller-Meiningen usw. geltend zu machen versucht hat, damit das versprechen, das erden Charlottenburger Wählern gegeben, auch gehalten wird. Herr Professor v. Liszt wird hoffentlich Über dir Erfüllung de? Versprechens, das er öffentlich gegeben hat, auch öffentlich Rechnung ablegen. Denn er wird doch nicht wollen, daß unter den Chac- lottenburger Wählern der Glaube aufkommt, sie seien— zwar niä't von ihm, aber unter Verwendung seiner»großzügigen Persönlichkeit" genarrt worden._ Sozialdemokratischer Vorstoß für da? Koalitionsrecht der Angestellten« München» 22. Juni. Die Kammer der Abgeordneten verhandelte heute nachmittag über eine von dem Abgeordneten Sueßheim(Sozialdemokrat) begründete I n t e r- pellation über das Rundschreiben de» Berbandc? Bayerischer Metallindustrieller, t« dem die Mitglieder deS Verbandes zur Entfernung der orgauifiertcn Privatbcamten aufgefordert werden. Der Interpellant führte aus. das Rundschreiben bezwecke, durch Drohung mit Entlassung die organisierten Kaufleute und Techniker unter Preisgabe ihres Koalitionsrechts zum Austritt aus den Verbänden zu zwingen. Ministerpräsident v. PodewilS erklärte, die Koalitionsfreiheit sei durch die Gewerbeordnung eingeführt und die Gewerbe- ordnung müsse gegen Arbeitnehmer uno Arbeitgeber gleich au- gewendet werden. Gegen den Verband könne nicht vor- gegangen werden. Jenes Rundschreiben sei sehr zu bedauern. Die zurzeit schwebenden Verhandlungen würden aber hoffentlich einen Ausweg ergeben, durch den Störungen zwischen Industriellen und ihre» Angestellten vermieden werden. Bei der Besprechung der Interpellation erklärten Redner aller Parteien. daß sie jenes Rundschreiben entschieden verurteilten.— Hohenaus Pension. Einige Ordnungsblätter haben sich letzthin wieder über sozial- demokratische Verhetzung beschloert, weil der»Vorwärts' und andere sozialdemokratische Blätter behauptet hatten, Graf Hohenau behali: nach seiner ehrengerichtlichen Verurteilung die Pension. Sie wolltcu wissen, daß das nicht der Fall sei. Jetzt weist die»Germania' im einzelnen nach, daß dem vor Einleitung deS ehrengerichtlichen Verfahrens zur Disposition gestellten General die Pension durch den Ehrengerichtsspruch unter keinen Um- ständen genommen werden kann l ES gibt nur zwei Fäll«, in denen eine gültig zuerkannte Pension erlischt und die find nach§ 22 des MilitarpensionSgesetze«: Die Wiederanstellung im aktiven Dienst und die rechtskräftige Ver- urteilung zu Zuchthausstrafe wegen Hoch-, Landes-, KriegSverrats oder wegen Verrats militärischer Geheimnisse.... Graf Hohenau bleibt also ebenso wie Graf Lynar im Genuß der Penston und zwar infolge des UmstandeS, daß die Untersuchung. welche den Vorschriften und dem allgemeinen Rechteempfinden noa, vor ihrer Verabschiedung hätte erfolgen müssen, erst na 6, derselben unter dem Druck du öffentlichen Meinung in die Weg: geleitet worden ist. Infolgedessen haben also die Steuerzahler da» Vergnügen, jähr- lich 10 000 M. für den Hohenzollernsproß zu zahlen. Die sächsischen Mittelständler gegen die Konsumgenossenschaften und Warenhäuser. Die sächiischen Mittelständler repräsentieren zweifellos die Leute mit engstem Horizont« und rückständigsten sozialen An- schauungen. Sie benutzen ihre Organisation von Staates Gnade». die Gclverbekammern, dazu, um gegen alles Sturm zu laufen, was über ihren Horizont, über ihr wirtschaftliches Verständnis hinau-s- geht. So nahm die Gcwerbekammer Dresden in einem vom säch- fischen Ministerium de« Innern eingeforderten Gutachten über die vom Landtag verlangte Einführung einer Umsatzsteuer für Klein- Handels-Großbetriebe Gelegenheit, ihren ganzen Aerger über die wirtschaftliche EntWickelung und über die Arbeiterkonsumvercine zum Ausdruck zu bringen. ES handelte sich bei dem Gutachten, das die Regierung ver- langte, besonders darum, um Mittel zu erfahren, durch da» di: Abwälzung der Umsatzsteuer auf die Lieferanten der Warenhäuser usw. unmöglich gemacht werde. In bezug auf diese allerdings schwer zu lösende Frage gaben die Mittelständler folgende ingeniös: Deduktion: »Zur Begründung führen wir folgendes an: Wie früher, so ist auch jetzt noch daö Bestreben der Warenhausbesitzer darauf gerichtet, die Waren möglichst billig einzukaufen bezw. Herstelleu zu lassen. Da sie stets bar zahlen, so glauben sie um so mehr ihren Lieferanten die Preise vorschreiben zu können und gehen mitunter in der Preisbestimmung so weit, daß die Herstellungskosten bisweilen kaum gedeckt werden... Was die Frage anbetrifft, welche Mittel anzuwenden sein würden, um die Abwälzung der Warenhaussteuer von den Unternehmern auf die Lieferanten zu ver- hindern, so halten wir es kaum für möglich, daß derartige Mittel auf dem Wege der Gesetzgebung zu finden sein werden. Da> einzige wäre vielleicht, das Ausbeuten der Lieferanten seitens der Warenhausinhaber als Wucher zu bestrafen. Wir glauben jedoch, daß e», falls auf gesetzlichem Wege die Abwälzung de: Steuer nicht zu verhindern sein wird, für die Zukunft den Her- stellern überlassen bleiben kann, sick gegen dre Abwälzung zu schützen, insofern denselben die Möglichkeit gegeben ist, di« au die Warenhäuser zu liefernden Waren um den gewährten Preis. nächlaß schlechter herzustellen. Dadurch wird gerade ein« der beabsichtigten Wirkungen der Warenhaussteuer erzielt: D i e Ware wird schlechter und der übervorteilt: Käufer wird sichgewißvor weiteren Einkäufen im Warenhaus hüten. Deshalb erscheint uns die Ein- führung einer Besteuerung der Warenhäuser auch im Hinblick auf die Erzeuger der Waren unbedent- l i ch. DeS weiteren halten wir es nicht für ausgeschlossen, daß sich die Hersteller zum Schutze gegen Uebergriffe der Waren- bäuser Zusammenschließen und gegen etwaige noch weitergehend: PreiSdruckereien vorgehen werden.' Man sieht aus dieser gewundenen Antwort, daß die Mittel- standsretter um eine Antwort verlegen sind, daß sie im übrige» aber die ganz« Sache nur von einem Geschäftsstandpunkt au» be- urteilen, ohne Rücksicht auf die Schäden, die der Bolkswirtschast und dem soliden Geschäftsgebaren dadurch zugefügt werden. Die bayrische Gemeindewahlreform. München, 22. Juni. Die Abgeordnetenkammer hat heute mit 112 gegen 7 Stimmen das neue Gemeindewahl- gesetz angenommen._ Der Kampf um das Knappschastsstatut. Bochum, 20. Juni. In der heutigen ordentlichen General- Versammlung des allgemeinen Knapp fchaftsvereins wurde das vom Borstand vorgelegte neue(siebente) Statut von dm Werls- Vertretern und den Weitesten(Arbeiterdertretem) ohne Devatte ein- stimmig angenommen. Der neue Entivurf erfüllt im Grundsatz die von den Aeltesten erhobene Forderung auf Erhöhung der Bezüge der Invaliden mit b bis 22 Dienstjahren. Dabei ist eine Erhöhung der Beiträge über 98 Ps. nicht erforderlich. Die Mehrleistung, die jährlich über 200 000 M. beträgt, wird durch die Erhöhung des ZinsfufzeS der vom Knappschaftsverein ausgeliehenen Gelder aufgebracht. Die neuen Satzungen treten am 1. Juli i» Kraft mit Nückwirlung vom 1. Januar d. I._ Säuberung— kein Terrorismus. Die Krieger- und Landwehrvereine im Regierungsbezirk Magdeburg entwickeln eine fieberhafte Tätigkeit, uin ihre Reihen zu»säubern". Sie haben bei der Landtagswahl überall sorgfältig bje Abstimmung der Wähler kontrolliert und alle ihre Mitglieder, die nicht vorschriftsmäßig, d. h. sozialdemokratisch, gestimmt haben, erhalten jetzt einer nach dem anderen die Mitteilung, daß sie aus dem Verein ausgeschlossen worden seien, weil sie durch ihre Abstimmung nicht»der Anforderung der Pflege und Betätigung der Liebe uird Treue zu Kaiser und Reich entsprochen hätten und nicht den guten Geist im Verein durch Wort und Tat hätten fördern helfen". So wurde in Salbke der Arbeiter W. Koch ausgeschlosien, der 30 Jahre dem Landwehrverein angehörte und gar nicht Sozialdemokrat ist, auch keiner politischen Organisation angehört. In Egeln erhielten der Maurer und Kaufmann» F. fwch und der Barbier K. Koch die Mitteilung, daß ihre Namen in der Liste des Krieger- und Landioehrvereins gestrichen seien. Der Maurer gehörte dem Verein ebenfalls schon drei Jahrzehnte an. Auch in Arneburg wurden zwei Mitglieder des Krieger- verein? nicht länger für würdig befunden, diesem anzugehören. Und schließlich ist noch aus Gr.- Salze zu melden, daß dort gleich eine größere Anzahl von Mitgliedern aus der Kricgerkameradschaft auf dem kürzesten Wege hinausbefördert wurde. Man„säubert" also gleich gründlich, aber Terrorismus ist das beileibe nicht.— Klassenbewußte Arbeiter sollten übrigens selbst einsehen, daß sie nicht in diese Brutanstalien der Hurrapatrioten, diese Schutzvcrcine der Reaktion, hineingehören! Vom badischen VolkSschulelend sprach aus dem Dortmunder Lchrertage der Mannheimer Hauptlehrcr Rödel Grundsätzlich bestehe noch die Halbtagsschule und jeder Lehrer habe in zwei 5tlasicn zu unterrichten.„Baden müßte eigentlich ganz nahe an das Land grenzen, das einen Ochfenlopf im Wappen trägt I" Am Freitag hat nun der badische Unterrichts- minister v. Dusch in der Ersten badischen Kammer angekündigt, daß ?;egen Rödel vorgegangen wird, sobald die Verband- ungcn von Dortmund im Wortlaute vorliegen. Zum VolkSschul- elend noch die Maßregelung seiner Kritiker I Chronik der Soldatenmißhandliingen. Das Kriegsgericht der 26. Division in Darmstadt verurteilte den Unteroffizier Gustav Pawelzic der 5. Kompagnie des Infanterieregiments Nr. 117 wegen Mißhandlung Untergebener in 2t Fällen zu IJahr G e f ä n g n ijs und Degradation._ Italien. Das Gewaltregime der Regierung. Rom, 22. Juni.(Privatdcpefche des«Vor wärt«".) Mit unerhörter Brutalität ist die italienische Regierung' gegen die streikenden Arbeiter vorgegangen und mit allen Mitteln der Gewalt sucht sie den Generalstreik in Parma niederzuschlagen. Sie hat a l l e L e i t e r d e s Streiks in Parma verhaftet und dazu noch gegen 100 Streikende. Die Arbeitskammer wurde militärisch besetzt; das g e s ch ä f t s f ü h r c n d e Komitee der haftet und Wegen Aufreizung zu m Volts a u f st a u d e angeklagt. Die Streikkasse wurde Wider alles Recht und Gesetz beschlagnahmt. Gestern und vorgestern kam eS zu Konflikten, in denen viele Arbeiter verwundet wurden. Glücklicherwetsc ist kein Todesfall zu verzeichnen. Die offiziöse Behauptung, daß ein Karabinicre von Streikenden durch einen Schuß verletzt ivurdo, ist eine Lüge: er wurde durch das losgehende Gewehr eines Kameraden angeschossen. Von heute fehlt jede Nachricht, da die D e p e s ch e n z e n s u r außerordentlich streng gehandhabt wird. Fünf sozialistische Abgeordnete sind im Streikgebiet. Ein Komitee aus Vertretern der Landarbeiter und dcS Verbandes der Arbcits-Konfödcration übernahm die Streikleitung. Alle Berichte brandmarken das provokatorische Verhalten der Streikbrecher. Das Organ des S y n- d i k a l i st e n von Parma appelliert an die Solidarität des italienischen Proletariats und fordert die Proklamierung des Generalstreiks. Doch ist es nicht wahrscheinlich. daß es zu dieser äußersten Maßregel, die im gegenwärtigen Moment vielleicht nicht opportun wäre, kommen wird.— Oeftemicb. Der Studeiltenstreik. Wien, den 22. Juni. Der Stüde nie»streik ist be- endet. An allen österreichischen Hochschulen wurden die Vor« lesungen heute ohne Zwischenfall wieder aufgenommen. Aar in Innsbruck wird noch gestreikt; aber auch dort dürfte der Streik morgen beendet sein._ Eine Ancrkemlniig dcö Rektors. Am Eingang der Universität war eine Bekannt- tu« ch u n g des Rektors angeschlagen, in der er mit großer Freude feststellt, daß die Wiederaufnahme der Vorlesungen im Einvernehmen mit den Vertretern aller Gruppen der Studentenschaft erfolgt sei, und sodann seine Befriedigung darüber ausdrückt, daß die tiefgehende Bewegung, welche die österreichische Studentenschast durch die politischen Ereignisse zu einer opferwilligen imposanten Kundgebung trieb, nunmehr durch die wiederhergestellte Einigkeit zwischen den Studenten und den akademischen Behörden einen glän» zenden Abschluß gefunden habe. Die mutigen Worte deS Rektors, Professor Ebner, sind um so anerkennenswerter, weil sie zugleich die Antwort» ja eine scharfe Abfertigung der kaiserlichen Aeußerung von der«netten Gesellschaft" bedeuten. In Preußen-Deutschland ist diese mutige Pflichttreue längst ausgestorben.— franhmeb. Ei» Gedenktag. Narbonne, 21. Juni. Zum Gedenken der blutigen Ereignisse während der W e i n b a u k r i s i S im vorigen Jahre versammelten sich hier heute gegen 40(XX) Personen aus den Departements Herault, Sude und Pyrenäen-Ost. Sie zogen mit Trauer» sahnen und Trauerabzeichen in ruhiger Weise nach dem Rathause, von wo sie sich unter Führung der Stadtverordneten und des Deputierten Aldy nach dem Kirchhofe begaben, um dort an den Gräbern der Opfer Kränze niederzulegen. Cnglancl. Für daS Franrustimmrccht. London» 21. Juni. Die Frauen st im mrechtlerinnen veranstalteten heute eine große Kundgebung, indem sie in sieben Prozessionen nach dem Hhde-Park zogen, wo an mehreren Stellen Reden gehalten wurde». Im ganzen mochten an ZOOllO Frauen aus allen Schichten des Volkes und einige tausend Mitglieder der unabhängigen Arbeiterpartei versammelt sein. Bei den Prozesstonen, die von berittenen Schutzleuten begleitet waren, kamen keine Ruhe- törungen vor. Außer Vertreterinnen vieler Provinzstädte waren auch gegen 30 Vertreterinnen des deutschen Frauen stimm- rechtsbundeö unter Führung von Fräulein Dr. Anita AngSpurg und Vertreterinnen anderer europäischer Länder zugegen.— Die Nachwahl. London, 20. Juni. Bei der Wahl zum Unterhaus in Pudsey(Grafschaft Jork) an Stelle des bisheriaeu liberalen Vertreters Whiteley erhielten Oddy(Unionist) 5444, Ogden (liberal) 5331, Benson(Ardeiterpartei) 1291 Stimmen. Die Wahl bedeutet einen neuen schweren Miß- erfolg der Liberalen, die bei der letzten Wahl mit zirka 8500 Stimmen Majorität gewählt wurden.— Ein Abkommen mit Nutzland. London, 22. Juni. Unterhaus. Lynch(lib.) richtete folgende Anfrage an die Regierung: Ist ein Abkommen zwischen der englischen und der russischen Regierung betreffend die mazedonische Frage getroffen worden? Kann Staatssekretär Grey er- klären, welches die Hauptpunkte dieses llebereinkoinmens sind? Hat das llebcreinkommen die Zustimmung der anderen Signatarmächte des Berliner Vertrages erhalten? An Stelle des Staatssekretärs er- widerte Unterstaatssekretär P e a s e: Wir haben ein Abkommen mit der russischen Regierungjjetroffen, aber es war noch keine Zeit, sich mit den anderen Mächten zu beraten. Bis dies geschehen sein wird, kann Grey nicht sagen, welche Vorschläge in Konstantinopel gemacht werden würden. KulUancl.» Eine Ohrfeige für die Dum». PcterSiurg, 20. Juni. Die Finanzkommissio« des ReichSrates hat die Beratung des aus der Reichsduma ein- gebrachten Gesetzentwurfs betreffend das Budget der Ausgaben des Seeministeriums für 1903 ab geschlossen. Dieses Budget ist von der Finanzkommission um 11 Millionen höher festgesetzt worden, als die Gesamt- summe, die von der Reichsduma festgesetzt war. Diese 11 Millionen sind»nithin der nötige Kredit zum Bau neuer Kriegsschiffe und zur Auszahlung von Vorschüssen an die Kronwerften, welche für das Marineresiort Bestellungen auf kommerzieller Grundlage ausführen. Die Duma hatte bekanntlich diese Kredite gestrichen und wurde wegen dieser oppositionellen Regung, deren Billigung durch Stolhpin man voraussetzte, sehr gefeiert. Jetzt macht ihr der ReickSrat einen Strich durch die Rechnung und man darf neugierig sein, ob die Duma gehorchen oder Widerstand leisten wird. DaS Urteil im Pogromprozetz. Bialystok» 22. Juni. In dem Prozeß wegen des im Jahre 1906 verübten Pogroms wurde ein Angeklagter zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, 13 weitere Angeklagte erhielten Gefängnis- strafen von sechs Monaten bis zu einem Jahr, IS wurden frei« gesprochen.— perlten. Die Forderungen des SchahS. London, 22. Juni. Wie ein hiesiges Blatt aus Teheran meldet, find die Minister bemüht, den Frieden wiederherzustellen. doch ist eine Einigung bei der Art der vom Schah gestellten Forderungen unwahrscheinlich. Diese enthalten unter anderem die Verbannung der nationalen Führer, Schließung der politischen Klubs, Zensur der Presse und Erhöhung der Palastgarde auf 10 000 Mann. Man befürchtet für morgen den offenen Ausbruch des Konflikts. Incllen. Die Bewegung gegen die Engländer. Kalkutta, 22. Juni. Als der Postzug aus Ostvengalen auf ein Haltesignal gegen Mitternacht in der Nähe von Barrackpur außer- halb der Station anhielt, wurde in einen Wagenabteil eine Bombe eworfen. Zwei Engländer wurden schwer verletzt, er Wagenabteil zerstört. Ueber die Motive zu dem Anschlag ist nichts bekannt. Mrokko. Keine„Juteruationalisiernng". Aus Madrid kamen gestern Meldungen, die eine V e r- schlimmerung der Situation besürchten ließen. Da- nach sollten sämtliche interessierten Nationen in Voraussicht möglicher Ereignisse KriegSschisfe nach M a- rokko senden, jedoch einzig zu dem Zweck, um die Sicherheit des europäischen Eigentums zu gewährleisten. Die spanische Regierung hätte den spanischen Schiffen den überein- stimmenden Befehl erteilt, in den marokkanischen Gewässern zu ankern, sich jedoch keinesfalls in den Streit der beiden Sultane einzumischen. Wenn jedoch eine Behörde, wie der Machsen, sie auf- fordere, ihre Autorität für ihn einzusetzen, so sei ihm die Hilfe der europäische» Schiffe gewährt, da nun doch einmal Abdul Asis der alleinige durch die Etguatarmächte der Algecirasakte anerkannte Sultan sei. Danach hätte ein» Jnternationalisierung des Marokkoaben teuer« gedroht, die leicht zu weiteren Ver- Wickelungen hätte führen können. Jedoch scheinen die Mitteilungen falsch zu sein und die Berliner amtlichen Kreise ließen ofsiziös versichern, daß von einer Flottenaltion der Mächte nichts be- kannt sei._ Eine Botschaft Muley HafidS. Paris, 22. Juni.(W. T. B..) Au» Tanger wird gemeldet, daß Si Aisia ben Omer, der Minister deS Aeußeren Muley HafidS, an die Gesandten der fremden Mächte ein neue« Sckreiben ge» richtet habe, in dem er den Einzug Muley HafidS in FcS anzeigt und ersucht, daß die fremden Mächte Muley Hasid alS einzigen und wahren Sultan anerkennen möchte». Die Gesandten haben sich darauf beschränkt, dieses Schreiben ihren Regierungen zu unter- breiten. Amerika. Die Vereinigten Staaten als Vormund. New Aorl» 20. Juni. Das Schlachtschiff.Newhampshire" ging mit 400 Marinesoldaten und sechs Feldgeschützen nach Panama in See. um während der Wahlen in Panama die O r d n u n g aufrechtzuerhalten. Damit sind bereits 300 Marinesoldaten nach dem Isthmus unterwegs_ Hud Induftne und Handel Die Industrie im Osten. Der v or kurzem erschienene Jahresbericht Ostdeutscher Industrieller für das Jahr 1907 enthält unter anderen folgende, die Lage der östlichen Industrie charakterisierende Mit- teilungen: «Der Niedergang des Erwerbslebens, der in der zweiten Hälfte des Jahres 1907 fast allgemein eintrat und die deutsche Industrie stark in Mitleidenschaft zog, hat sich auch im Osten unseres Vaterlandes sehr bemerkbar gemacht. Während »nanche Betriebe in der ersten Hälfte des Berichtsjahres noch reichliche Beschäftigung hatten, waren sie im Herbst u m A u f- träge verlegen. Besonders das Baugeschäft litt außerordentlich unter der großen Geldknappheit und dem dadurch bewirkte» hohen Diskont. Jnfolgedcsicn st o ck t e auch der Absatz der Industriebetriebe, die im Baugclverbe eine» ständigen, bedeutenden Abnehmer haben, also vor allem der Holzindustrie, der Metallindustrie und der Industrie den Steine und Erden. Die Preise der meisten Rohstoffe sind im Berichtsjahre weiter gestiegen, doch befanden sich die Preise für die fertige Ware häufig nicht im Einklang mit den ge- stiegcncn Rohstvffpreisen und mit dem zum Teil wesentlich er- höhten Arbeitslöhnen. Infolge der allgemeinen Teuerung(!) mußten nämlich auch die Arbeitslöhne hinausgesetzt werden, was von billig denkenden Unternehmern ohne Zögern geschah. Freilich wurden mitunter seitens der Arbeiterschaft unberechtigte Forderungen erhoben, die mit Rücksicht auf die Rentabilität der Fabriken und aus Gründen der Fabrik- diöziplin zurückgewiesen werden müßten. Von zahlreichen Fabriken wird über Mangel an tüchtigen und brauch- baren Arbeitern geklagt. Ferner hatten viele Betriebe unter dem Mangel an Eisenbahnwagen sehr zu leiden. Namentlich aber wurde im Berichtsjahre bittere Kl age darüber geführt, daß behördliche Aufträge, die im Osten sehr wohl hätten ausgeführt werden können, der auswärtigen Industrie, namentlich der des Westens zugewiesen wurden. Obwohl das gegen die östliche Industrie herrschende Vorurteil vielfach einem. gewisien wohlwollenden Entgegenkommen Platz gemacht hat, be- weisen doch mehrere Fälle, die zu unserer Kenntnis gelangt sind, wiederum recht deutlich, daß einigeBehörden deSOstenS k e i n e N e i g u n g zeigen, die östliche Industrie bei der Ver- gebung ihrer Arbeiten zu berücksichtigen und dadurch zur Hebung des Ostens beizutragen. Zudem hat die östliche Industrie im Berichtsjahre mehrere empfindliche Schläge erlitten. So wurde der Betrieb des SteinsalzbcrgwerkeS Hohensalza, eines bis dahin blühenden, vorbildlichen Unternehmens, im Juni durch Wasser- einbruch in die Schächte zum Stillstand gebracht. Ferner wurde die große Stuhlfabri! in Gosientin, Kreis Neustadt i. Westpr., durch eine schwere FeuerSbrunst ganz außerordentlich benachteiligt. Auch sind noch eine ganze Anzahl Betriebe deS Ostens in finanzielle Schivierigkeiten geraten, die hier und da sogar zum Konkurs geführt haben." Daß die östliche Industrie kein besonderes Glückskind ist, ist allerdings allgemein bekannt. Trotzdem gelangen aber auch hier teil- weise recht hübsche Dividenden zur Verteilung. Charakteristisch bleibt der Vorwurf, daß die Behörden, die sich sonst im Ostmarken- rummel nicht genug tun können, die östliche Industrie völlig ver- nachlässigen. Daß die Löhne von»billig denkenden Unternehmern" so ohne weiteres hinaufgesetzt wurden, sowie, daß seitens der Arbeiter unberechtigte Forderungen gestellt wurden, die aus „Gründen der FabnkdiSziplin" nicht bewilligt werden konnten, sieht mit den Tatsachen teilweise doch etwas stark in Widerspruch. Was aber sagen die„Ostmärkcr" im Westen zu den obigen Vorwürfen? Preisermäßigung. Wie die«Kölnische Zeitung" meldet, wurden in der Sitzung deS Rohciscn-Syndikats in Düffeldorf am Sonnabend die Ver- kaufspreise ab 1. Juli d. I. wie folgt festgesetzt: Haematit 7b M.. Gicßerei-Roheisen l 72 M.» Gießerei-Roheisen III 69 M., die 1000 Kilogramm Frachtgrundlage Oberhausen: OualitätL-Puddel- eisen 70 M. sowie Stahl- und Bessemer-Eisen 72 M. Fracht- grundlage Siegen. In der letzten Sitzung der Vereinigung rheinisch-westfälischcr Bandeisenwalzwerke wurden die Grundpreise auf 127,00 M. bcztv. 125 M.» Frg.chtgrundlage Köln-Dortmunb. festgesetzt, Soziales. Ter TcrrorismuS einer«rbeltgcberorganisation.','■ In ben Maschen deS 8 183 der Gewerveordnung ist der BSckrrinnnngS.Obermeister Fritz Schmidt nun doch hängen gc- blieben. Alle Versuche, sich herauszuzappeln, die er vor Gericht gemacht hatte, haben ihm nichts genützt. Wir berichteten vor acht Tagen(in Nr. 138 vom 16. Juni) über den Prozcj), in dem er aus Anlaß des Bäckerstrcikö von 1907 und des daran anschlic- zenden BäckcreibohkottS sich hineingchetzt hatte. Die Vcrkündung des Urteils, die ausgesetzt worden war, ist gestern erfolgt. Die b. Strafkammer de» Landgericht» l Berlin hat gegen den Obermeister der Bäcker-Jnnung„Concordia", Herrn Frih Schmidt, wegen Vergehens gegen 8 153 der Gewerbeordnung auf eine Gr- "ängnisstrafe von 3 Tagen erkannt, den Mitangeklagten Obermeister der Bäcker-Jnnung„Germania", Herrn Gustav Millcvillc, hat ie freigesprochen. Das Gericht hat die Tatbcstandsmerkmale des Z 153 der Gewerbeordnung gefunden in der durch die Zettungen der beiden In- nungen veröffentlichten Flugblätter usw., die die Meister durch Bedrohung mit einer Hefesperre, sowie durch Beschimpfungen da- von abzubringen suchten, die Forderungen der Gesellen zu bewilli- gen. Dem Obermeister Milleville habe nicht nachgewiesen werden können, daß er an der Abfassung und Verbreitung dieser Druck- 'chriften beteiligt gewesen sei, er habe daher freigesprochen werden müssen. Dagegen sei der Obermeister Schmidt in hervorragendem Maße daran beteiligt gewesen. Herr Schmidt hatte vor Gericht er- klärt, er habe mit jenen Veröffentlichungen den Jnnungsmcistcrn nur«inen„wohlmeinenden Rat" geben wollen, damit sie wüßten, wie sie sich zu verhalten hätten. Es habe sich nur um eine«leere Drohung" gehandelt, von vornherein sei ihm klar gewesen, daß die tzefesperre sich gar nicht durchführen lassen würde. DaS Gc- richt hat ihm das nicht geglaubt, vielmehr hat es angenommen, der Herr Backer-JnnungS-Obermeister habe durchaus die Voraus- etzungen des 8 153 der Gewerbeordnung erfüllt, er habe mit jenem „wohlmeinenden Rat" in einer strafbaren Weise auf ander: Meister einwirken wollen, habe durch Drohungen und Ehrvorletzun- gen die dem Jnnungsbeschluß zuw/iderhandelnden Meister be-- stimmen wollen, zurückzutreten von den mit den Gesellen getroffenen Vereinbarungen zur Erlangung günstiger Arbeitsbedingungen. Auch Herrn Schmidt» Einwand, daß er in Notwehr gehandelt habe, hat auf daS Gericht keinen Eindruck machen können. Der Angriff gegen die Jnnungsmeister sei, so führt das Urteil aus, von den ozialdemokratischen Gesellen gekommen, die inkriminierten Ver- öffentlichungen aber seien gerichtet- gewesen nicht gegen die Ec- cllen, sondern gegen diejenigen Meister, die sich nachgiebig gezeigt hatten. Bei der Strafabmeffung sei als mildernd in Betracht gc- zogen worden, die Heftigkeit des Kampfes, in dem der Obermeister Schmidt in vorderster Reihe habe stehen müssen, sowie die Er- bitterung der Innungen über den Boykott und über die Reklame, die von ben bewilligenden Meistern mit den Bewtlligungsplakateiz getrieben worden sei. DaS Gericht habe aber keinen Anlaß ge- chen, nur auf die vom Staatsanwalt beantragte niedrigste Strafe von 1 Tag Gefängnis zu erkennen. Schmidt habe die Tragweite einer Handlungen wohl überschauen können, sie seien zu sühnen durch eine Gefängnisstrafe von 3 Tagen. Herr Obermeister Fritz Schmidt, der nun für den von den Bäckcr-Jnungen Groß-BerlinS geübten Terrorismus zu büßen hat, schien samt seinen im Zuhörcrraum sitzenden JnnungSürüdcrn ehr schmerzlich davon betroffen zu sein, daß die zweischneidige Waffe des S 1ö3 sich hier auch einmal gegen einen Arbritgeber richtet, SBenn die Skafhöhe, an Ben gegen BtBeBet aTunntoi Etrn�n gemessen, eine außerordentlich milde und die Strafverfolgung erst auf Beschwerden gegen Staats- und Oberstaatsanwaltschaft er- folgt ist, so ist doch nunmehr an einem Beispiel der Praxis klar- gelegt, daß der Z 153 der Gewerbeordnung und andere Strafbestim- mungen, die nur gegen Arbeiter angewandt werden, auch gegen Arbeitgeber nach dem Gesetz Anwendung finden müssen. Der Obermeister Schmidt ist nur einer von den vielen Arbeitgebern, gegen die Anklage aus Z 153 G.-O. usw. zu erheben wäre.,. Ein Kronzeuge der Streikjustiz. Im Frühjahr streikten in Göttingen die Droschenkutscher. Natürlich durfte dieser Streik so wenig wie irgend ein anderer in Preußen vorübergehen, ohne daß einige rechtschaffene Arbeiter mit Hilfe eines Streikbrechereides ins Gefängnis gebracht waren. Zwei ausständige Kutscher der Firma Kornrumpf in Göttingen sollten ihren„Kollegen" Rohrig„beleidigt" und„bedroht" haben und wurden lediglich auf das Zeugnis dieses Arbeitswilligen auch mit vierzehn Tagen Gefängnis bestraft. Ein während des Streikes in Göttingen anwesender Beamter des Transportarbeiterverbandes mußte ebenfalls einen Prozeß aus§ 153 über sich ergehen lassen, in dem Rohrig als gewichtiger Zeuge auftrat und unseren Ge- nosscn z. B. beschuldigte, ihm vor dem Bahnhof die Zügel seiner Pferde durchschnitten zu haben I In diesem Prozesse erfolgte in zweiter Instanz Freisprechung. Zeuge Rohrig hat aber inzwischen die Nemisis ereilt. Die Göttinger Strafkammer verurteilte ihn am IS. Juni wegen Untreue und Unterschlagung zu vierzehn Tagen Gefängnis. Als Inspektor der Versicherungsgefellschaft„Viktoria" hatte er einen größeren, in Göttingen einkassierten Prämienbetrag für sich verbraucht. Rohrig blieb seiner Neigung für Räuber- geschichten, wie er sie vordem als Zeuge über den„Terrorismus" streikender Arbeiter verzapft hatte, auch in seiner Rolle als An- geklagter treu. Er erzählte, Räuber hätten ihm nachts auf der Wecnder Chaussee seine ganze Barschaft abgenommen. Ohne die Erdichtung des Raubanfalles würde das Gericht dem„Herrn In- spcktor" wahrscheinlich geglaubt haben, daß er sich ein Verfügungs- recht über die unterschlagenen Prämiengelder eingebildet habe. Und auf das Zeugnis solcher Menschen hin müssen ehrliche Männer und Familienväter ins Gefängnis wandern und hohe Ge- richtskosten zahlen— denn dieser Rohrig ist ein Typus, kein Einzelfall! Wie Resolutionen gegen„Vertragsbruch" zustande kommen. Unter welchen Umständen die„Kontraktbrüche" auf dem Lande vielfach zustande kommen, zeigt eine für die hinterpommerschen Wohnungsverhältnisse recht charakteristische Veröffentlichung eines Agrariers in einen- Stolper Blatte. Tem Rittergutsbesitzer von Wallcnius in Grapitz war eine Arbeiterfamilie„kontraktbrüchig" geworden, die auf dem Gut des Besitzers Benjam in Tamerkow Aufnahme fand. Entrüstet hierüber unterbreitete der Agrarier dem landwirtschaftlichen Verein eine Resolution, nach welcher von der Regierung die Bestrafung der Arbeitgeber gefordert wird, die kontraktbrüchige Arbeiter aufnehmen. Als diese Resolution angenommen worden war, veranlaßte Benjam, gegen den sie sich zunächst richtete, eine Veröffentlichung, in der es u. a. heißt, daß die Frau des betreffenden Arbeiters des öfteren zu ihm gekommen sei und ihm geklagt hätte, daß ihnen der Inspektor des Wallenius, trotz mehrmaliger rechtzeitiger Kündigung, den Entlassungsschein regelmässig verweigerte. Das Haus, in dem die Leute wohnten, sei, wie Benjam aus eigener Wahrnehmung versichert, dem Einsturz nahe. Das bißchen Hab und Gut der Leute sei fast verfault, weil der Regen von allen Seiten in die Wohnung strömte. Bei Regen- Wetter mußten die Leute mit den Kindern aus dem Bette, um sich einen trockenen Platz zu suchen! Weil ihn das Ehepaar fortwährend gebeten habe, sie zu sich zu nehmen, da sie in der Wohnung un- möglich länger bleiben könnten, habe er ihnen schließlich den Wunsch erfüllt. Uebrigcns hält Benjam dem Junker mit solch idealen Wohnungsverhältnissen weiter vor, daß er in seiner Eigen- schaft als Amtsvorstehcr ein Einschreiten gegen einen Kontrakt- brüchigen abgelehnt habe, weil es sich um einen Benjamschen Ar- bester gchanüsit habe.— Nette Zustände, die da durch den Zwist zufällig bekannt werden. Herr v. Wallenius wird allerdings an- führen können, daß die Wohnungsverhältnisse der Landarbeiter bei seinen Klasscngenossen auch nicht besser sind. Und da wundern sich diese Leute noch über die Zunahme des„Kontraktbruchs". Prämien für Unterschlagungen. Der Glasermeister Bavtelt in Friedenau zog 357 Mark 54 Pf. Kassenbeiträge vom Lohn der Arbeiter ab, führte die Beiträge jedoch nicht an die Ortskrankenkasse in Friedenau ab. Hierfür erhielt er vom Amtsgericht BerlineSchöneberg ganze— neun Mark Strafe zudiktiert. Darf man sich bei solcher Prämiierung mit 348 Mark 54 Pf. für Unterschlagungen loundem, daß die Unterschlagungen seitens Arbeitgeber nicht abnehmen. Selbstredend sind es in erster Linie so Prämiierte, die dann über die für Arbeitgeber unerschwing- liche Höhe der«Lasten" der Versicherungsgesetzgebung klagen. GcwerkfcbaftllcbCQ. Ein genialer Baumeister. Wir nahmen kürzlich von der„Weisheit" eines Amtsblattes Notiz, das seinen Lesern die Mitteilung machte, der Streik im Bau- gewerbe in Berlin habe Ll) Mill. Mark gekostet. Ironisch bemerkten wir dazu, daß, da die Arbeitsruhe durch die Aussperrungswut der Unternehmer erzwungen worden sei, nach der Logik des zitterten Blältchens die Baugewalttgen die Verantwortung für ein ungeheures volkswirlschnstlichcS Verbrechen zu tragen hätten. In der Redaktton des.Zentralblatt für das deutsche Baugewerbe' hat man die Ironie anscheinend nicht verstanden. Um sich rein zu waschen von Schuld baut man eine Argumentation zusammen, die noch verwogener ist, als die des erwähnten Amtsblattes und leicht zu einer Katastrophe führen kann. Liederliche Konstrukttonen haben ja schon öfter Unglücksfälle herbeigeführt. Der geniale Baumeister ließ folgendes Gebäude erstehen: «Die vorjährige Aussperrung war eine taktische Maßnahme, genau wie der bald darauf folgende Streik. Es zeugt entweder von niaßloser Hetzsucht oder von gewissenloser Unkenntnis der wirklichen Verhältnisse, wenn der„Vorwärts" jetzt von„Aus- sperrwütigen" redet, statt die Bewegung in ihrem großen Zug zu beurteilen. Die ganze Aktion erfolgte, das steht unwider- leglich fest, auf Initiative der Arbeitnehmer, die den zu ver- längernden Tarifvertrag mit dem Achtstundentag belasten wollten. Die Arbeitgeber verteidigten nur ihre Position. Die«Aus- sperrung" wurde ihnen zugeschoben, damit man, wie die Aus- lassung des„Vorwärts" äuss neue beweist, nachher den Un- schuldigen spielen konnte. Das wußten die Arbeitgeber damals wohl, aber sie wußten auch, daß sie derartige Versuche jederzeit durch die Tatsachen widerlegen konnten, und zögerten deshalb nicht, den notwendigen Gegenzug zu tun. Will man überhaupt mit den speziellen Begriffen die Signatur der Bewegung kenn- zeichnen, so spricht man demnach richtiger von„Streik" als von „Aussperrung", denn eS lag ein Angriff der Arbeitnehmer, nicht der Arbeitgeber vor." Das Fundamentale dieses Wunderbaucs ist die Argumentation: die Aussperrung war keine Aussperrung, sondern ein Streik, weil die Unternehmer durch die taktische Maßnahme der Arbeiter zu der Aussperrung gezwungen worden sind. Das ist wirklich grandios I In unbewußter Selbstverhöhnung schließt der Bau-meister sein Kunst- werk mit dem lateinischen Sinnspruch:„Li tacuissesl"—— Wir dlitptlata die ffrgnmentaflon»an wegen:.«uSsperrmig ist Streik I Gestatten uns jedoch auch, den Gedanken logisch weiter zu spinnen: Ist die Aussperrung Streik, dann ist jeder Streik eine Aussperrung, wenn die Unternehmer durch ihre Taktik die Arbeiter in den Streik treiben. Demnach fallen die volkswirtschaftlichen Ver- brechen für die von den Unternehmern erzwungenen Streiks diesen zur Last. Für seine Redseligkeit und seine pyramidale Logik sind wir dem Konstrukteur des Satzes: Streik ist Aussperrung! sehr verbunden. Aus Dankbarkeit wollen wir, trotz unserer„gewissenlosen Unkenntnis", zur Erleichterung der ihn nun sicher schwer drückenden Last des Verantwortungsbewußtseins wegen der vielen durch Streiks- Aussperrungen begangenen volkswirtschaftlichen Verbrechen, mitteilen, daß die Krisis in der Bauindustrie andere Ursachen hatte als der Aussperrungsstreik. Im„Berliner Jahrbuch für Handel und In- dustrie", Jahrgang 1206(Bd. 1) ist bereits(Seite 4) zu lesen: «Die Wirkungen der Versteifung des Geldmarktes zeigten sich bereits darin, daß dem Baumarkt die Geldmittel anfingen knapp zu werden, wodurch die Lebhaftigkeit im Baugewerbe gegen das Vorjahr bis zum Schluß des Berichtsjahrs iu steigendem Maße nachließ." So sah es bereits im Jahre 1906 aus und im Jahre 1807 ge- stalteten sich die äußeren Verhältnisse für das Bangewerbe noch un- günstiger._ Ein arbeitswilliger Mörder. Wie ein Lauffeuer durcheilte am Freitag abend die Kunde von einer Mordtat die Stadt Sommerfeld. Der frühere arbeitswillige Ziegeleiarbeiter August Klinke erstach den Verbandskollegen Gustav Kalischke, so daß der Tod eintrat. Der Ermordete hinterläßt eine Frau und drei Kinder. Der Mörder wurde dem Amtsgericht überliefert. Berlin und Nmgegend. Die Dachdecker nahmen in einer Versammlung am Sonntag Stellung zu dem Vorschlag der Unternehmer, die zugestandene Lohn- erhöhung von 2>/z Pf. pro Stunde erst e i n Jahr später statt- finden zu lassen. Dem abgeschlossenen Tarifvertrag gemäß sollte voni 1. Juli d. I. ab der Lohn von 80 Pf. auf 8B/z Pf. pro Stunde erhöht werden. Die Unternehmer führen nun an, daß die ungünstige wirtschaftliche Lage eine Verzögerung der Lohnerhöhung Wünschens- wert erscheinen lasse. Ferner wünschen sie, daß die gegenwärtige Arbeitszeit von S'/a Stunden auf 9 Stunden verlängert werde. Der Verbandsvorsitzende Görnitz unterbreitete der Versammlung die Vorschläge der Unternehmer und empfahl in beziig auf die Lohnerhöhung, den Termin bis zum 1. April nächsten Jahres zu ver- längern, dagegen jede Verlängerung der Arbeitszeit rundweg ablehnen. Görnitz begründete seine Empfehlung hauptsächlich da- mit, daß die vielen Arbeitslosen im Gewerbe die Stellung des Verbandes dem Tarifverträge gegenüber erschweren.— In der Diskussion erklärten sich sämtliche Redner gegen An- nähme der Vorschläge der Unternehmer. Gegen jeden Unternehmer, der den vereinbarten Tarif jetzt nicht einhalte, müßten sofort die entsprechenden Maßregeln ergriffen werden. Die Versammlung nahm einstimmig einen Antrag an, über die Vor- schlüge der Unternehmer einfach zur Tagesordnung überzugehen. Die Organisation der Christlichen hat die Vor- schlüge angenommen, allerdings mir mit einer Majorität von 4 Stimmen, die unter großen Lärmszenen zustande kam und über- Haupt angezweifelt wird. Die Versammlung beschäftigte sich dann mit den unzulänglichen Maßnahmen zur Verhütung von Unfällen bei der Nordöstlichen Baugewerks-Berufsgenossenschaft. Görnitz gab bekannt, daß er schon oft Beschwerden eingereicht habe, die aber gewöhnlich nicht die gebührende Berücksichttgung fanden. Die Berufsgenossenschaft stellt durch ihre mangelhaften Schutzvorrichtungen bei Neubauten Leben und Gesundheit der Dachdecker aufs Spiel und diese find jetzt gezwungen, sich an die Oesfentlichkeit zu wenden, um das Gewissen der Unternehmer zu schärfen. Man habe beobachtet, daß gerade bei staatlichen oder kommunalen Bauten die Vorsichtsmaßregeln gewöhnlich außer acht gelassen werden. Die folgende Resolution gelangte zur Annahme:«Die am 21. Juni tagende Versammlung der Dachdecker hat Kenntnis ge- nommen von dem Verhalten der Nordöstlichen BaugewerkSbcrufS- genossenschaft in bezug auf Anbringung von Schutzgerüslen bei Neu- bauten. Die Versammelten verurteilen mit aller Entschiedenheit den einseitigen Standpunkt, welchen die Berussgenossenschaft in dieser Frage eingenommen hat und erwarten, daß der Anbringung von Schutzgerüsten mehr Verständnis als bisher entgegengebracht werde. Die Bestimmung, die ein Arbeiten an Gurt und Leine vorschreibt, betrachten die Versammelten bei Neubauten als in jeder Beziehung unzureichend." Achtung, Trahtarbeiter! Die Drahtweber bei der Firma Hutter u. Sckrantz in Wien befinden sich im Streik. Die Finna hat ihre Meister nach Deutschland geschickt, damit sie Arbeitswillige anwerben. Da es nicht ausgeschlossen ist, daß einer dieser Meister auch nach Berlin kommt, so erwarten lvir, daß jeder Drahtarbeiter etwaige Arbeitsangebote von dieser Firma zurückweisen wird. Die Firma Hutter u. Schrantz in Wien ist für Drahtarbeiter gesperrt. Deutscher Metallarbefter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Dcutkchcs Reith. Eine nochmalige Berhandlung im Baugewerbe in der Frage des Tarifabschlusses. Wie unseren Lesern durch die Berichterstattung im„Vorwärts" bekannt ist, regelte der am 27. April in Berlin für das Baugewerbe gefällte Schiedsspruch nur die Lohnfrag« für die zur Verhandlung stehenden Lohnbezirk«, während die übrigen Difsercnzpunkte— die wegen der verschiedenen örtlichen Verhältnisse durchaus nicht gleichartig sein können— zur weiteren Verhandlung in die ort- lichen Justanzen verwiesen wurden, und die eventuell durch ein am Disserenzort einzusetzendes Schiedsgericht.ihre Erledigung finden sollten. Die diesmaligen Tarifverhandlungen sind der erstmalig« Ver- such, für einen großen Teil der bedeutendsten Bezirke und einzelnen Lohngebiete des Reiches die Verhandlungen gemeinsam zu führen. Bei dieser Neuerung ergaben sich erklärlicherweise Schwierigkeiten, die erst durch Erfahrungen überwunden werden können. Es machte sich deshalb eine nochmalige Verhandlung der Jen- tralvorstände der in Betracht kommenden Organisationen erforder- lich, in der die noch vorhandenen Streitigkeiten beigelegt werden sollen. Die Verhandlung wird wieder unter Vorsitz der drei un- parteiischen Herren stattfinden und zwar in Berlin am 28. Juni und folgende Tage._ Generalaussperrung in der westfälischen Textilindustrie! Der Arbeitgeberverband des Münsterlands hat beschlossen, allen organisierten Arbeitern dieser In- dustrie zu kündigen, im Fall bis zum Ablaufstermin der Kündigung keine Einigung bei der Firma Brinkhaus in Warendorf erzielt ist. Bei dieser Firma kam es infolge Lohndifferenzen zur Aus« sperrung zahlreicher Arbeiter in Warendorf und Sassenberg, die dann den obigen Beschluß zur Folge hatten. In der Hauptsache ist der christliche Textilarbeiterverband beteiligt. Metallarbciterstreik in Güstrow Die Arbeiter der Stahlwerke in Güstrow in Meckl.(Inhaber L. Martins) sind in den Streik getreten. Die Arbeitsniederlegung hat folgende Ursachen:_ Zwischen der Firma und den Arbeitern bestand ritt Tarif« bertrag, der am 15. August abläuft und von beiden Seiten recht- zeitig gekündigt worden ist. Die Betriebsleitung gab als Kündi- gungsgrund an, daß sie aus Konkurrenzrücksichten gezwungen sei, die Akkordarbeit einzuführen. Bisher war diese ausgeschlossen. Wegen dieses Streitpunktes hätte sich eine Einigung wahr« scheinlich erzielen lassen, wenn nicht der Unternehmer in mehr als eigentümlicher Weise der Einführung der Akkordarbeit borge- arbeitet hätte. Er führte zunächst Prämien ein. Wenn ein Artikel in kürzerer Zeit als bisher fertiggestellt wurde, bekam der betreffende Arbeiter zum Lohn eine Extravergütung. Hier- durch sollten die Kollegen zu außerordentlichen Leistungen angc- spornt und auf der gewonnenen Basis die Akkordprcise festgesetzt werden. Es wurde ein neuer Meister eingestellt, der eine Treiberei einzuführen begann, wie sie früher in diesem Betrieb nicht bekannt war. Für Fchlguß wurden Strafen bis zu 4 M. verhängt, auch in Fällen, wo den Formern ein Verschulden nicht nachzuweisen war. Die Entlassung mehrerer Kollegen, die„zu« fällig" immer Mitglieder des Arbeiterausschusses oder der Ver- waltung einer der beiden in Betracht kommenden Organisationen waren, schlug dem Faß den Boden aus. Als am 17. Juni wieder ein solcher Fall eintrat, legten die Kollegen die Arbeit nieder. Ver- Handlungen zwischen Vertretern der Organisattonen und Herrn Martins zerschlugen sich. Der Unternehmer fühlte sich im Recht. Aber er war es, der durch die Einführung der Prämien vor Ablauf der Vertragsdauer den Tarif gebrochen hat. Die Arbeits« einstellung erfolgte von den 120 im Betrieb Beschäftigten einmütig. Die Beteiligten sind alle im Deutschen Metallarbeiterverband oder im Fabrikarbeiterverband organisiert. Zuzug von Metallarbeitern aller Branchen ist vsn Güstrow strengstens fernzuhalten!_ Versammlungen. Der Zweigverein Berlin des Zentralverbandes der Maurer hielt am 17. Juni in Kellers großem Saal eine Generalversamm- lung aller ihm angehörenden Zahlstellen und Sektionen ab, in der als erster Punkt der Kassenbericht vom ersten Quartal 1903 auf der Tagesordnung stand. Zunächst verlas der bisherige Kassierer I m- hoff des Ortsvereins der zum Verband übergetretenen Freietr Vereinigung der Maurer die letzte Abrechnung dieses Vereins, die mit 17 327,16 M. Einnahmen, 12 052,88 M. Ausgaben und einem Bestand von ,5274,28 M. abschloß. Der Bestand ist der Zweig. Vereinskasse überwiesen worden. Die Generalversammlung erteilte dem Kassierer einstimmig Decharge. Hierauf verlas der Zweig» »ereinskassierer Wartenberg den Kassenbericht. Die Ein« nahmen der Zahlstellen und Sektionen betrugen samt den alten Kassenbeständcn 157 868,22 M., die Ausgaben 12 214,61 M., so daß am Ouartalsschlutz 145 653,61 M. Bestand vorhanden waren. Die Einnahmen der Zweigvcreinskasse betrugen 129 777,74 M., die Ausgaben— darunter 12 937 M. für Krankenunterstützung und 61 272,75 M. für Bausperren— 109 341,49 M., so daß ein Bestand von 20 436,25 M. verblieb. Der Eesamtbestand des Zweigvereins samt seinen Zahlstellen und Sektionen betrug also am Quartals- schluß 166 089,86 M. Der Zweigverein zählte zur selben Zeit 11737 Mitglieder. Vom Ortsverein der Freien Vereinigung sind 1443 Mitglieder übergetreten. Die Generalversammlung erteilte dem 5tassierer Wartenberg ebenfalls einstimmig Decharge. Es wurde sodann genaue Auskunst über das Inventar des ehemaligen Maurervereins gegeben, das gewissenhaft an den Zweigverein ab» geliefert worden ist. Die Generalversammlung faßte den Beschluß, 500 M. der Bibliothekskasse zur Neuanschaffung von Büchern zu überweisen. Es folgte die Aufstellung der Kandidaten zu den Wahlen der Delegierten zum außerordentlichen Verbandstag, der in Hannover stattfindet und am 30. August beginnt. Auf Vorschlag des Zweig- Vereins und der Vertretersitzung beschloß die Generalversamm» lung, daß die Wählen in den Zahlstellen und Sektionen erfolgen sollen. Sie finden am nächsten Mittwoch statt. Es sind im ganzen 11 Delegierte zu wählen. Die von den Zahlstellen und Sektionen vorgeschlagenen Kandidaten wurden mit wenigen Ausnahmen von der Generalversammlung gutgeheißen. Die Generalversammlung beschäftigte sich dann mit verschic- denen Anträgen zum Berbandstag, die sich größtenteils auf Ab» änderung einzelner Bestimmungen des Statuts bezogen. Zentralverband der Schmiede. Die Zahlstelle Berlin des Schmiedcverbandes hielt am 18. Juni in Dräsels Festfälen eine Mitgliederversammlung ab, in der beschlossen wurde, den Lokal- beitrag auf 10 Pf. festzusetzen, so daß nach Inkrafttreten der neuen Verbandsbeiträge die Wochenbeiträge fiir die Zahlstelle Berlin in der 1. Klasse 70, in der 2. Klasse 50 Pf. betragen. Als Bureaubeamtcr wurde H e n t s ch e l einstimmig wieder- gewählt. In den Verbandsausschutz, dessen Vorsitzender B a s n e r ist, wurden Haberlau d, Battmer. Sauereier und Kriening gewählt: in den Gauvorstand, dessen Vorsitzender Siering ist, Schlinsky, Hentschel, Schubert und Timmermann. Ein Antrag der Verwaltung, der Partcikasse 200 M. als Beitrag zu den Unkosten derL andtagswahlen zu überweisen, wurde ohne Widerspruch angenommen. Ferner wurde beschlossen, daß die Auszahlung der Unterstützungen nur an den Wochentagen stattfinden soll. Erklärung. Von Genossen Simanwoski geht uns, mit der Bitte um Veröffentlichung, folgende Erklärung zu: In der Nr. 143 des„Vorwärts"(dritte Beilage vom 21. Juni 1908, dritte Seite) befindet sich unter„Versammlungen" auch ein Bericht von einer Versammlung des Verbandes der Krankenkassen- beamten ,in welchem auch meine Person wiederholt genannt wird. Ich erkläre hierzu, daß dasjenige, was über meine Person in diesem Bericht gesagt wird, die gröbste Unwahrheit und nur eine diesem Bericht gesagt wird, die gröbste Unwahrheit und nur eine Verleumdung meiner Perion ist. Ich erkläre weiter, daß ich sobald ich von meiner Reise zurückgekehrt bin. die nötigen Maßnahmen in dieser Angelegenheit ergreifen, die Sache weiter verfolgen und die Unwahrheiten berichtigen werde. HochachtungiKioll Eugen SimanowSIi, Berlin, Müllerstr. 1s. zurzeit in Dresden. Letzte JVacbnchtcn und vepelcden. Bauunfall. Breslau, 22. Juni.(B. H.) Ein schwerer Bauunfall ereignete sich heute nachmtttag auf dem Neubau auf dem ehemaligen Risbornschen Parkgrundstück. Drei Arbeiter waren damit beschäftigt, eine Ladung Ziegel mit Hilfe eines Kranes in die Höhe zu winde». Als die Last bis in die Höhe des 3. Stockwerks gelangt war. brach die Mauer infolge Ueberlastung zusammen und die drei Männer stürzten in die Tiefe. Einer der Arbeiter erlitt so schwere Ver- letzungcn, daß sein Zustand hoffnungslos ist, während die beiden anderen Arbeiter leichtere Verletzungen davontrugen. Ei« sauberer Schuldiener. Frankfurt a. M., 22. Juni.(B. H.) Wie die„Kleine Presse' meldet, ist der Schuldiener an einer Mädchenschule verhaftet worden. Er wird beschuldigt, sich an einem geistig zurückgebliebenen Schul- mädchen vergangen zu haben._ TodcSsturz. Salzburg, 22. Juni.(B. H) Der Buchbinder Eoserer stürzte über die 80 Meter hohe Nordwand des Kapuzinerberges ab und fiel als Leiche in den darunter befindlichen Gasthausgarten unter dt« Gäste._ Verantw. Redalt.: Georg Tavidjohn, Berlin. Inseratenteil verantw.iTd. Glocke, Berliu. Druck u.VerIag:VorwärtsBuchdr.u.Verlagsanstalt Paul Singer LtCo�BeilioLW, Hierzu 3 Beilagen u.llntethaltungsbi, Kr. 144. 2Z. Jahrgang. L KilM des Joimirts" Wim PMIott. Dieastag, 28. Innl 1908. ö. Kongreß der GewerWcl)aften veutichlands. Hamburg, 22. Juni 1908. Um 97, Uhr eröffnete der Vorsitzende der Generalkommission Karl Legren den Kongreß. Er begrühte zunächst die Vertreter Dänemarks, Oesterreichs, Ungarns und der Schweiz als lebende Zeugen der internationalen Solidarität. Dann gedachte er des glänzenden Auffchwunges der deutschen Gewerkschaften. Fast zwei Millionen organisierte Arbeiter stehen hinter den versammelten Delegierten. Das sage ich nicht aus Nationalstolz, nicht um die ÄZeiterarbeit durch Selbstzufriedenheit zu hemmen, sondern weil«vir jahrzehntelang nach England, dem klassischen Lande der Gewerkschafts- Bewegung, gesehen und geglaubt haben, daß wir das nie erreichen würden. Aber heute stehen wir nicht nur an Mitgliederzahl, sondern auch an Finanzkrast und Einwirkung auf das öffentliche Leben der Arbeiterorganisation keines Landes nach. (Beifall.) Hamburg aber ist historischer und klassischer Boden der deutschen Gewerkschaftsbewegung. Schon 1863 faßte hier der Allgemeine deutsche Arbeiterverein Lassalles seine erste Sympathie- lundgebung zugunsten der berufsgenossenschastlichen Organisasion. Manche Enttäuschungen begleiteten den Weg der Arbeiterorgani- iatton, aber sie setzte sich gerade unter dem Sozialistengesetz hier in Hamburg durch, und während nicht eine öffentliche Arbeiterversamin- lung gestattet wurde, schloffen sich die gewerkschaftlichen Vereine immer fester zusamnien. Nach dem Fall des Ausnahmegesetzes nahmen sie trotz vorübergehenden Stillstandes bald einen raschen, großen und anhaltenden Aufschwung. Aber diese Entwickelung vollzog sich nur unter dem lebhaftesten Widerstand der Regierung und der herrschenden Klassen!(Sehr wahr!) Ausnahmegesetz, Umsturzgesetz »nd Zuchthausvorlage sagen uns genug. Noch in der letzten Geschäftsperiode mutzten wir das Berufsvereinsgesetz abwehren, das die Gewerkschaften nicht weniger schwer geschädigt hätte als die ZuchthauSvorlage.(Sehr wahr!) Manche Bestimmungen des an- geblich vom liberalen Geiste durchwehten neuen Vereinsgesetzes sind gleichfalls direkt gegen die Gewerkschaftsbewegung gerichtet(Sehr wahr I), so die Bestimmungen gegen die Jugendlichen, die wir er- ziehen nnissen, und gegen die fremdsprachigen Arbeiter, die wir für unsere Organisasionen brauchen. Und doch tun Regierung und herrschende Klassen unrecht, daß sie die moderne Arbeiterbewegung bekämpfen. Denn wenn Deutschland jetzt unter den Industriestaaten »inen ersten Platz einnimmt und sogar dem alten Industriestaat England Konkurrenzmachen kann, so dankteS daS nicht seinem stehenden Heere und seinen Rüstungen, sondern der Intelligenz der deutschen Arbeiterklasse.(Lebhafter Beifall.) Diese Intelligenz aber dankt die Arbeiterklasse nicht den Herrschenden, sondern sich selbst. Aus eigener Kraft, mit Hilfe der Organisation hat sie sich emporgearbeitet zu einem Machtfaktor deS wrrsichaftlichen und polisischen Lebens.(Sehr wahr I) Die Regierungen können sie wohl von Zeit zu Zeit um- gehen, aber entziehen können sie sich unserem Einfluß auch nicht mehr. Ohne die Arbeiterorganisatton kann das Reichsstasistische Amt keine Arbeiterstatistik machen. Wir haben die gesuchte Hilfe stets gern gewährt. Aber auf die Dauer ist der Zustand nicht haltbar, daß eine Reichsbehörde unsere Hilfe in Anspruch nimmt, während die anderen Reichsbehörden uns nicht als vorhanden be- trachten möchten.(Sehr wahr!) Wir werden uns die volle An- crkennung der Regierungen erzwingen, bitten werden wir nicht darun,.(Lebhafter Beifall.) Um das recht drastisch zum Aus- druck zu bringen, haben wir die Regierungen, die sich auf dem Heimarbeiterschutzkongreß nicht hatten vertreten lassen, wo eS sich doch um die Besserung der Lage der elendesten Arbeiterschichten handelte, zu diesem Kongreß nicht eingeladen.(Lebhafter Beifall.) Dieser Kongreß wird auch ohne amtliche Vertresima einen Fortschritt bedeuten zur völligen rechtlichen Anerkennung der deutschen Gewerk- schasten.(Stürmischer Beifall.) Namens des Lokalkomitees begrüßte Genosse Grosse die De- legierten und hieß sie willkommen in Hamburg zu ernster Arbeit in der eigenen Waffenschmiede der Hamburger Arbeiter. Redner schilderte eingehend die vorbildliche Zusammenarbeit von Partei, Gewerkschaften, Genossenschaften und freien Hilfskassen in Hamburg, oen Kampf gegen den WahlrechtSraub und die großen Leistungen der „Produktion". Hamburg habe auch die Frage der Jugendorganisation bereits entschieden. Es sei daS nur eine Frage der Erziehung, nicht der selbständigen Organisation der jungen Leute. Im Anschluß an die Fortbildungsvereine sei die Jugend in Hamburg zweckmäßig organisiert.(Beifall.) Es wird hierauf zur Wahl des Bureaus geschritten. Zu Vorsitzenden werden Legten und Bömelburg, zu Schrlstsührern Cohen- Berlin(Metallarbeiter), Schneider- Hannover(Fabrikarbeiter), K ä p p l e r- Altcnburg(Mühlenarbeiter), kleines feuilleton. JohliitniSfcuer. In manchen Gegenden Deutschlands ist der alte Brauch deS Johannisfeuer noch recht lebendig und zeugt von Opfer- branden aus alter Zeit. Namentlich in Bergländern, Ivo die Flammenzeichen weithin fichtbar sind, hat sich die Sitte erhalten, so u. a. auch in Thüringen, wo ihn die Jugend hochhält. Einer. der als Schulbube dort das Johannisfeuer mitgemacht hat, erzählt uns davon: In Jena find die Johannisfeuer ausschließlich ein Privileg der Schuljugend. Sie sammelt sich selbst das ganze Holz, welches sie dazu gebraucht. Damit möglichst wenig Streitigkeiten beim Einsammeln vorkommen, ist die Stadt in drei Bezirke geteitt. Nach diesen Bezirken, und zwar nach den ehemaligen Stadt- lorcn, nennen sich die„Neutörschen"— welchen ich mit Stolz an- gehörte— die„Johannis- und Saaltörschen". Die Jugend dieser Bezirke versammelt sich alljährlich nach dem Psingstseste auf ihren Versammlungsorten zur„Wahl". Es hat da ein jeder seine Stimme, mag es ein Knirps von fünf Jahren oder ein Konfirmand sein. Zuerst wird der.Oberst" gewählt, dann ein zweiter Oberst und ein erster und zweiter Fahnenträger, denn wir„Neutörschen" hatten es aus zwei Fahnen gebracht. War die Wahl zu Ende, so teilte der Oberst seine Orders aus und suchte sich einen Stab handfester Burschen mit rioch handfesteren„Knitteln" aus, um die Fahne vom vorjährigen Fahnenträger zu holen. Dann wurde Befehl für den nächsten Tag erteilt und ein jeder noch zu treuer Pflichterfüllung ermahnt. Am nächsten Tage wird nun irgend ein Handwagen geliehen und eS beginnt das„Einfodern". Alte Besen, halbe SofaS, Maienbäume, leere Seifen- und andere Fässer, kurz, alles was brennbar ist, wird ein- gesodert. Das Schwierigste aber kommt nun. Kurz vor dem 24. Juni muß der Oberst einen gutmütigen Geschirrführer suchen, der das Holz umsonst auf den Berg fährt, und nicht minder schwierig ist dann das Einfodern für die Wache. Denn so lange daL Holz auf dem Berge liegt, muß eine Wache dabei sein. Da wird dann beim Bäcker. Fleischer, Kolonialwarenhändler usw. geschnurrt, damit die Wache auch etwas Tüchtiges zu essen hat. Zum Schlüsse geht eS in die Rosenbrauerei, wo wir jedes Jahr ein 25 Liter-Fäßchen. Einfachbier erhielten. Wie stolz fühlle man sich, tvenn man für würdig befunden wurde, an der Wache teilzunehmen. Da zog man denn abends in der schlechtesten Garnitur hinauf zum Holz. Neben mir prasselte lustig das Wachtfeuer, unten im Tale schlummerte friedlich die Stadt. Es wurde tüchtig gegessen, ge- trunken, geraucht und lustig geredet. Dazu donnerten unsere selbst- gcfersigten Kanonen, daß das Echo sechsfach an den Bergen wider- ballte. Endlich ist der große Tag da. Da sieht man abends die Jungen mit Fackeln unterm Arm die Berge besteigen. Scharen von«erwachsenen, alte Jenenser, die früher auch als Jungen ge« Wollmann- Charlottenburg(Porzellanarbeiter), Bartels- Dortmund(Bergarbeiter) und K r ä tz i g- Landshnt(Texsilarbciter) gewählt. Bömelburg übernimmt den Vorsitz. Der Kongreß gibt sich seine Geschäftsordnung und setzt seine Tagungszeit fest auf 8—12 Uhr vormittags und 2—6 Uhr nach- mittags. Zu Mitgliedern der Mandatsprüfungskommission werden Hübsch (Textilarbeiter), Sachse(Bergarbeiter), Glocke(Tischler). Schmidt (Gärtner), Knüpf er(Zimmermann), Kloth(Buchbinder) und S ch u l tz k i(Transportarbeiter) gewählt. Am Nachmittag soll eine neungliedrige Redaktionskommission gewählt werden, in der alle Jndustriegruppen vertreten sind. Sie erhält sofort den Auftrag, eine Resolution zu dem Punkte„Grenz- streitigkeiten" auszuarbeiten, um die Debatte fruchtbar zu gestalten, sie abzukürzen— eS liegen 18 Anträge vor— und ihr von vornherein eine bestimmte Richtung zu geben. Es folgt die Festsetzung der Tagesordnung. Zu der von der Generalkommission vorgeschlagenen TageS- ordnung sind folgende Abänderungsanträge gestellt: Der Verband der Sattler(Zahlstelle Hamburg) beantragt auf die Tagesordnung zu setzen: Gewerkschaften und Maifeier. Der Verband der Schuhmacher(Zahlstelle P i r m a- s e n s) will behandelt sehen: Zentral- und Industrie- verbände. DaS Gewerkschaftskartell Karlsruhe beantragt als be- sonderen Punkt: Das Verhältnis der einzelnen Organisationen zu den Gewerkschaftskartellen. und schlägt außerdem vor, den Punkt:.Die Entwickelung der sozialen Gesetzgebung in Deutschland" nicht als letzten, sondern als vierten Punkt auf die Tagesordnung zu setzen. Bömelburg bemerkt zu diesen Anträgen: Die General- kommisfion in Verbindung mit der Konferenz der Zentralvorstände schlägt vor, die Frage der Maifeier im Rechenschaftsbericht der Generalkommission als besonderen Punkt zu behandeln. Dagegen fällt die Behandlung der Frage: Zentral« und Jndustrieverbände offenbar unter den Punkt.Grenz- streitigkeiten" und braucht nicht besonders behandelt zu werden. Dagegen schlagen wir vor, die.Grenzsteitigkeiten" an vierter Stelle zu behandeln und als fünften Punkt zu setzen: Die«Entwickelung der sozialen Gesetzgebung in Deutschland. So wird debattelos beschlossen. Der Antrag Karlsruhe wird abgelehnt. Die Tagesordnung lautet demnach: 1. Erledigung der geschäftlicheu Angelegenheit«!. 2. Rechenschaftsbericht der Generalkommissio». Berichterstatter: C. Legieu. Beratung der Anträge, betreffend: s) Allgemeine Agitation. d) Arbeiterinnen- Sekretariat. Berichterstatterin: I. A l t m a n n> Berlin. o) Agitation unter den Dienstboten. Berichterstatterin: H. Grünberg- Nürnberg. d) Agitation unter den fremdsprachlichen Arbeitern. e) Streikunterstützung und Streikstatistik. l) Heimarbeiterschutz. g) Kommission zur Beseitigung deS Kost- und LogiSzvangeS beim Srbettgeber. ' Berichterstatter: P. Blum- Berlin. h)„Correspondenzblatt". i) Maifeier. Die Punkte a, b, ä, o und h sollen gemeinsam verhandelt werden. 3. Zentral-Arbeitersekretariat. a) Bericht über die Tättgkett. Berichterstatter: R. Schmidt- Berlm. b) Die Vertretung der Rechtsuchenden durch die Arbeiter- und Gewerkschaftssekretäre bor den Gerichten. Berichterstatter: E. L e s ch e- Hamburg. 4. Die Grcnzstreittgkeiten. 5. Die Entwickelung der sozialen Gesetzgebung in Deutschland. Referent: H. Molkenbuhr. 6. Die staatliche Versicherung der Privatangestellten. Referent: P. L a n g e- Hamburg. 7. Die gewerbsmäßige Stellenvermittelung. Referent: H. P ö tz s ch« Berlin. 8. Der Boykott als gewerkschaftliches Kampfmittel Referent: O. A l l m a n n- Hamburg. 9. Die Organisation zur Erziehung der Jugend. Referent: R. Schmidt- Berlin. 10. Beratung der nicht unter den vorstehenden Punften erledigten Anträge. flügelten Schrittes den Berg bestiegen hatten, folgen gemächlich nach, um sich das Schauspiel aus der Nähe anzusehen. Um 8 Uhr ist so ziemlich alles versammelt. Die Zeit bis zum Dunkel- werden wird durch Singen von Liedern verkürzt.„Guck mal unfern Hausen an, mir kriegen'S greßte Feier I" ruft da ein kleiner Gerne- groß.„Das Tärfaß dadrinne habe ich eingefodert".„Von mir sin aber die drei Fässer mit Hobelschpähnen", ruf ein dritter. Und so ist ein lustiges Streiten untereinander, iver wohl das meiste ein- geiodert hat.„Ach, de Lobschen ha'm ihr Feier schon angebrannt I' ruft einer..De Ziegenhainer irsch ooch 1" ein anderer.„Mir warten noch, bis eS ganz dunkel is. dann brennt unsersch am besten". In- zwischen ist es sjiQ Uhr geworden. Die„Saaltörschen" haben ihr Feuer auf dem HauSbcrg schon angebrannt. Auch vom Jenzig flammt daS Feuer schon auf. Nur wir und„Johannis" ivarten »och. Endlich steckt auch dieser seinen Haufen in Brand. Jetzt kommt nun auch bei ims ein„alter Herr" mit der Fackel und setzt unseren Holzstoß kunstgerecht in Brand. Da stimmen wir dann alle das Lied an: „Flamme empor. Flamme empor! Steige mit lodernden Strahlen Von den Gebirgen und Talen Glühend empor!" Brausend mischt sich unser Gesang mit dem Prasseln des Feuers. Freude und Stolz erfüllt uns, denn unser Feuer war unstteitig das größte. Kommando des Oberst: Zum Fackelzug antreten!«Ein jeder entzündet nun seine Fackel an dem Haufen und nun geht's unter den Klängen des Liedes„Ich Hab' mich ergeben" den Zickzack- weg vom Berg herab, herunter in die Stadt. Hier zogen wir vor die Häuser derjenigen Bürger, die uns einen besondere« Gefallen erwiesen hatten, und dankten ihnen durch eine kurze Ansprache und mit Liedern. Humor«nd Satire. Nemesis." Zu den preußischen LandtagSWahlen, Der Mann, der hinterm Ofen hockt, Wird keine Schlachten schlagen; lind wer die Suppe eingebrockt, Verdirbt sich selbst den Magen. Man heizt die Stube nicht mit Eis, Und wer da schwarz sein will und weiß, Blamiert sich wie die Preußen. Verliert der Weise den Verstand, So pflegt er sich ju henken. Freidenker gibt'S im deutschen Land, Die gänzlich frei vom Denken. der «eneralkom- Den Rechenschaftsbericht Mission erstattet Legten: Der ausführliche schriftliche Bericht braucht nur in vier Punkten der mündlichen Ergänzung: 1. in der Frage des Ver- hälsisisses der Gewerkschaften zu den Genossenschaften; 2. in der Frage der Maifeier; 3. in der Frage des sogenannten gewerkschast- lichen Fraucnblattes und 4. in der Frage der fremdsprachigen Ar- beiter. Der Gewerkschaftskongreß in Köln hat bekanntlich den Genossenschaften einerseits seine Sympathien ausgesprochen, anderer- seits bestimmte Forderungen gestellt. Wir glaubten, daß damit das Verhältnis endgültig geregelt sei in der Voraussetzung, daß der nächste Genossenschaftstag die Kölner Resolution zu der seinigen machen würde. Da das nicht geschah, wandte sich die Generalkommission an den Vorstand des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine mit der Frage, wie er sich zu den Fordexnngen der Gewerkschaften stelle. Der Vorstand erklärte, daß diese Forderungen in ihren Einzelheiten nicht so allgemein durch den Genossenschaftstag akzeptiert werden konnten, sondern daß zu ihrer Durchführung besondere Verein- banmgen nötig seien. Darauf ließ die Generalkommission die Sach» zunächst auf sich beruhen, um abzuwarten, wieweit die Forderungen erfüllt werden würden. Da kam die Düsseldorfer Tagung der Konsum- vereine und die dort angenommene Resolution stieß auf er» heblichen Widerspruch in Gewerkschastskreisen, weil ihr Wort- laut den«Eindruck erwecken konnte, als wollten die Ge- nossenschaften nicht mehr mit der alten«Energie dafür sorgen, daß ihre Betriebe vorbildlich seien. Die Generalkommisfion setzte sich wieder mit dem Zentralvorstand in Verbindung und machte nunmehr bestimmte Vorschläge im Sinne der Kölner Resolutton. In einer gemeinschaftlichen Sitzung wurden diese Borschläge eingehend beraten und einige Aendernngen vorgenommen. Der Zentralvorstand erklärte aber, daß es nach dem Jnstanzenzuge nicht möglich sei, die Angelegenheit schon auf dem nächsten Genossenschaftstage zu ver- handeln. Der Genosienschaftstag tagt bekanntlich gleichzeitig und deshalb mußte auch die gegenseitige Vertretung unterbleiben. Die Angelegenheit mußte also zurückgestellt werden, weil sie sich noch im Stadium der Beratung befindet. Eine? haben die Ver- Handlungen aber bereits ergeben: Der Vorstand des Zentral- Verbandes hat keinen Zweifel darüber gelassen, daß die Düsseldorfer Resolutton durchauch�mcht mit dem alten Prinzip der Vorbildlichkeit brechen will. In diesem Sinne wird er dem GenossenschastStag in Eisenach eine Resolution vorlegen. Wird sie, die geeignet ist, die Mißstimmung in Gewerkschastskreisen zu beseisigen, jetzt dort an- genommen, dann können wir unsererseits dieselbe Erklärung wie in Köln zugunsten der Genossenschaften abgeben. In Sachen der Maifeier haben die Verhandlungen des Kölner Gewerkschaftskongresses Veranlassung zu nicht unerheblichen Debatten und Auseinandersetzungen zwischen der Partei« und Ge- werkschaftspresie gegeben. Die Folge war, daß zwischen General- kommisfion und Parteivorstand eine Verständigung darüber gesucht wurde, ob es möglich sei, die Maifeierftage einheitlich zu regeln. Nach der erstmaligen Besprechung wurde in Aussicht genommen, die Frage der Maifeier auf dem nächsten internattonalen Sozialistenkongreß auf die Tagesordnung zu setzen, um eventuell eine Aendcrung des früheren Beschlusses herbei- zuführen lind ihn so zu formulieren, daß die Arbeiterorgani- sationen aller Länder ihm nachkommen können. Die Voraussetzung dafür, daß dieser Punkt auf die Tagesordnung des Internationalen Kongresses kommen sollte, war, daß bei der Vorbesprechung der deutschen Delegierten keine Einigung herbeigeführt wurde. Diese Einigung ist in Stuttgart erzielt worden. Der Parteitag in Essen beaufttagte dann den Vorstand zu Verhandlungen mit der General- kommisfion mit der Maßgabe, daß ihre Vereinbarungen als rechts- verbindlich gelten sollten. Diese Vereinbarung ist bekannt; sie wird den Gegenstand weiterer Erörterungen bei dem Punkte der TageS- ordnung: die Maifeier bUden. Die nächste Frage ist im schriftlichen Bericht nicht erwähnt. Sie betrifft das angebliche Projekt der Herausgabe eines gewerkschast- lichen Frauenblattes. Auf dem Verbandstage der Texttlarbeiter in Leipzig ist gegen diesen Plan von einzelnen Rednern entschieden Verwahrung eingelegt worden. Doch sind die Verhandlungen auf dem Verbandstage mcht in der Art verlaufen, wie im Bericht des „Vorwärts" zu lesen war. Daß der„Vorwärts" einen solchen Be- richt gebracht hat, liegt an der Unfähigkeit des Berichterstatters. Denn ich kann nicht annehmen, daß der Berichterstatter etwa mit Absicht seine eigenen Gedanken in den Bericht hineingebracht hat. DaS stenographische Protokoll ergibt jedenfalls, daß die Verhandlungen dort doch viel sachlicher verlaufen sind, so daß wir keine Veranlassung hatten, uns besonders dagegen zu verwahren. Immerhin mutz ich sagen: loyal war die Handlung der Textilarbeiter nicht. Sie müssen aus lang- jähriger«Erfahrung wissen, daß die Generalkommission nicht- aus eigener Machtvollkommenheit mit solchen Projekten hervortritt, die die allgemeine Gewerkschaftsbewegung angehen. Nun ist in keiner Ausschußsitzung, in keiner Konferenz der Vorstände ein solches Projekt verhandelt worden. Deshalb hätte der Vorstand der Textilarbeiter Und einen Freisinn seh' ich hie Von gleicher Etymologie: Die Kerls sind ganz von Sinnen— In Bayern nennt man'S Spinnen. Nun schwirren rum im Karpfenteich Die sieben roten Hechte. Da schwinimt'ne wunderschöne Leich' Den Burschen ans Gemächte. Schwupp! drehn sie bei und schnappen zu: Nun hat die liebe Seele Ruh'. Gar bitter ist im Sterben Der Anblick froher Erben. (Edgar Steiger im.Simplicissimus".) Notizen. — M u s i k ch r o n i k. Die königliche Oper erwarb zur Aufführung für die nächste Saison: Karl Gold marks Oper .«Ein Wintermärchen" und das in Paris bereits gespielte lyrische Drama„La Habannera" von L a p i e r r a. — Heinrich Hart-Feier. Die Heinrich Hart-Gesellschaft veranstaltet zur Erinnerung an den dahingegangenen Dichter in der Nacht vom 27. zum 28. Juni im.Neuen Krug" bei WilhelmShagcn eine Sonnwendfeier. Der Sonnenaufgang wird auf den benach- barten Pütbergen durch Gesang und Tanz begrüßt werden. Der die Festteilnehmer zum Festplatz führende Sterndampfer verläßt Berlin abends 3 Uhr. Teilnehmerkarten(einschließlich Dampferfahrt 1.50 M.) sind für Freunde und Verehrer des Dichters von dem Aus- schußmitgliede Robert Tantz in Fichtenau(Kreis Niederdarnim) zu beziehen. — Altgriechenland in Lauch st ädt. In dem aus Goethes Zeit stammenden neuhergerichteten Sommertheater in Lauch- städt(bei Halle) wurden zwei von Karl Robert bearbeitete Komödien Wen anders:„Der Schiedsspruch" und„Die Samierin" auf- geführt. Beide Stücke sind charakteristtsche Proben der nacharistophanischen Sittenkomödie mit ihren an das moderne französische Vaudeville erinnernden Verwickelungen, Verwechselungen und In- ttigen. Von dem„Schiedsspruch", der erst vor kurzer Zeit m ägyptischen PapyroSrollen wieder aufgefunden wurde, war hier bereits die Rede. — Der russische Komponist Rimsky-Korsakow ist 64 Jahre alt in Petersburg gestorben. Unter den jung- russischen Musikern lvar eS einer der originellsten. Von feinen Sinfonien und Orchesterwerlen ist einiges auch in Deutschland be» kannt geworden. Außerdem hat er eine Reihe von Opern kom- poniert. die russische Stoffe behandeln und reich sind an russische» Melodien. lohalerweise annehmen müssen, daß ein solches ProZektaiicht existiert. In der Generalkommissii-'n ist darüber nicht verhc>nd>elt worden. Bei der Beratung der Die»>stboienorganisation wurde darüber gesprochen, wie die Presse für diese gestaltet werden solle, und bei dieser Ge- legenheit bemerkte ich, daß ich es für zweckmäßig hielte, wenn wir uns gelegeutlich darüber unterhielten, ob e-Z nicht im Interesse der Gewerkschaften, besonders derer kiege, die eine große Zahl Ar- beiterümen als Mitglieder hätten, wenn für die Geiverlschastspresse eine Beilage herausgegeben würde, in der dto Fragen der Gesetzgebung, die von besonderem Iirtere sse für die Arhetterinnen feien, behandelt würden, um so zu ihrer gewertschaftlichen Erziehung beizutragen. Ich lasse die Frage hier ganz offen, ob die vielfach von Gelverk- schaffen abonnierte„Gleichheit" geeignet ist, unkundige Arbeiterinnen zu gewerkschaftlichen Milkämpsern zu erziehen, weil keine Unterlage zu einer solchen Beurteilung gegeben ist. Ledenfalks liegt die Sache so. daß wir. wenn wir eine solche Einrichtung für zweck- dienlich, noUveudig und nützlich Haffen sollten, uns von niemand dareinreden lassen und sie durchsühren würden. Aher meine Be- merkung kann nicht als ein Projekt der Generalkommisffou angesehen werden. Im Bericht aber stand, die Generalkommission brüte ge- meinsam mit dem Arbeitemnenkomite.e ew solches Projekt aus. (Heiterkeit.) Bon eine»» solchen gemeinsamen BrutgeMst(Heiterkeit) war keine Rede. In der Frage der ausländischen Arbeiter müssen wir protestieren gegen das Borgehen der preußischen N'/gierung, die sie ganz zu willenlosen Lohnsklaven der Arbeffgeber machen will. Die Legitimationskarten, die der preußische Minister deS Innern eingeführt hat. lauten ans einen bestimmten Arbeitgeber und werden nur umgeschrieben, wenn der Ardeiter einen»enen Arbeitgeber findet. Sonst wird er ausgewiesen, wenn er nicht zu seineni alten Arbeit- geber zurückgeht.(Hört! hvri l) Das Verjähren galt ursprünglich nur für die Landarbeiter, aber es greift jetzt mehr und mehr auch in die Industrie über. Das bedeutet für die auslandischen Arbeiter die Aufhebung der Freizügigkeit und spricht aller Kultur Hohn. Der Kongreß wird einmütig in der Verurteilung dieser Nechtslmdrigkeit sein. Wir verlangen, daß die ausländischen ArbeitSgenossen ebenso behandelt werden, wie die Einheimischen und daß der kulturwidrige Erlaß und seine orbefterseindliche Praxis sofort beseitigt wird. (Allgemeiner Beifall.) Damit legt die Generalkommisston ihr Mandat in Ihre Hände zurück. Urteilen Sie über unsere Leistungen! Wir glauben getan zu haben, was in unsrren Kräften stand.(Lebhafter Beifall.) Den Kassenbericht der Generalkommission erstattet K u b e- Berlin: Infolge der Zunahme der Gewerlschafts- Mitglieder ist der Kasseuabschluß günstig. Auch eine Erbschaft von 15 000 Mark ist von einem Kaufmann Piel in Düsseldorf der Generalkommission zugefallen. Allerdings find auch hohe Anforderungen an die Geucralkommisston gestellt worden, von deiicu etwa ein Drittel erfüllt werde» konnten. Die bmipt- sächlichste» Mehrausgabe» wurden nach den Beschlüssen des Kölner Gewerlschaflökongresses gemacht für die Unterrichtskurse, die Be- schaffung von Lokalen, für die Bekämpfung der Heimarbeit und den Ausbau der Stroikstatüstlk. Skanieuö der Revisoren bestätigt Cohen» Berlin, daß die Kasse stet» in bester Ordnuug war. Den Bericht des Arbeiterinnen-Sekretariat» erstattet Ida Altmann-Berltn: Sie führt aus. daß das neugegründete Arbeiterinnen-Sekretariat sich nicht als Franenvertretung betrachte und nicht eine gewerkschaftliche Fraueubewegnng schaffen wolle, sondern sich innerhalb der einheitlichen Gewerkschaftsbewegnng nur als besonderes Organ zur Förderung der Agitation unter den arbeitenden Frauen. Die Tätigkeit des Arbeiterinnensekretariat» in der Agitation habe bedeutende Erfolge erzielt. Bei den Textilarbeiter» sei die Zahl der organisierten Arbeiterinnen von 20 000 auf 40000 gestiegen, ähnlich liege eS bei de» Metallarbeitern und Porzellan- arbeitern. Ihre zweite Hauptaufaabe hat die Frauensekretärin in der Fortbildung der in der Gewerkschaftsbewegung tätigen Frauen er- blickt. Die Organifationsfähigkeft der Frauen sei nicht geringer als die der Männer. 1SS7 haben die organisierten Arbeiterinnen 2 Proz. der Zahl der als Arbeiterinnen erwerbstätigen Frauen be- tragen, 1907 aber schon 10 Proz. Gerade in der jetzigen Zeit der Krise, da vielfach der Mann als Vcsjerbezahlter und Widerstandsfähiger auf die Straße geivorfeu werde, wahrend die Frau in Arbeit bleibe, müsse auch dem männlichen Arbeiter den hohen Werl der Arbeiterinnenorganisation vor Augen führen. Als beste Mittel da- für empfehlen sich die Anstellung von Frauen als Arveitersekretär«, Frauenveriammliiilgen und einfach geschriebene Flugblätter.(Beifalls Mit dem BorstandSvericht zusammen wird«ine größere Zahl von Anträgen verhandelt. Josephsohn- Hamburg begründet folgenden Antrag des BorstandeS des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen:„Der siechste deutsche Gewerkschaftskongreß weist die Bestrebungen, welche darauf gerichtet find, zwischen den in Handel, Industrie und Gewerbe be- schäftigten Angestellten einerseits und den Arbeitern andererseits Mißtrauen zu erregen und sie zur gegenseitigen Bekämpfung zu ver» anlassen, entschieden zurück. Der Kongreß macht darauf aufmerksam, daß die kaufniäuilischen und technischen Angestellten gleichermaßen zu den proletarischen Schichten der Bevölkerung gehören wie die Arbeiter und wie diese von ihrer Hände und ihre« Kopfe« Arbeit leben. Niedrige Entlohnung, lange Arbeitszeit und andere ungünstige Bedingungen sind heute nicht nur für das Arbeitsverhältnis der Arbeiter, sondern auch für den Dienst- Vertrag der Angestellten charakteristisch. Angestellte und Arbeiter haben also das gleiche Interesse gegenüber dem lffiternehmertum zu verfechten. Ueber diese Tatsache vürfen sie sich weder von den Unternehmern selbst noch durch deren heimliche und offene Diener täuschen lassen, denn da? würde lediglich zum Nutzen des Unter- nehmertums und zun» Schaden der Aroeiter und Angestellten aus- schlagen. Der Kongreß erklärt, daß er dm im Sinne der modernen Gewerkschaftsbewegung gehaltenen Forderungen der kaufmännischen und techiiischen Angestellten, die eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lebenslage durch gesetzliche und gewerkschafl- liche Regelung bezwecken, ausdrücklich seine volle Sympathie. Der Kongreß tritt insbesondere den Ausflüchten des Unternehmertums im Handelsgewerbe, daß der geforderte Schutz der Angestellten mit Rücksicht auf die konsumierende Bevölkerung nicht durchzufübren sei, namens der Arbeiterschaft energisch entgegen. Die Berkürzung der Arbeitszeit auf acht Stunden, die Sonntagsruhe usw. sind Forde- rungen. auf welche die kaufmännischen Angestellten und Handels- Hilfsarbeiter wie alle anderen Gruppen der erwerbstätigen Be- völkerung berechtigten Anspruch haben. Der Gewerkschaftskongreß nimmt an, baß die kaufmännischen und technischen Angestellten die in ihren Reihen künstlich genährten arbeiterfeindlichen Strömung«» al» ihnen selbst schädliche erkennen und diesen daher entsagen werden, denn die Erfolge und Mißerfolg« der Arbeiterschaft werden nicht ohne Rückwirkung bleiben auf die Lebenslage' der Angestellten. Der Gewerlschaffstongreh empfiehlt diese Tatsachen sowohl den Angestellten als auch den Arbeitern im beiderseitigen Interesse zur Beachtung." Begründend weist I 0 s e p h s 0 h n auf dm Zusammenbruch der Harmonieduselet der Angestellten durch den jüngsten Erlaß der bayerischen Metallindnstriellen und die Ablehnung der beiden HandlunaSaehtlfcnschutzvorlagen durch den Bundesrat hin. K a»t h- München begründet einen Antrag auf Bsreinheitlichung per Organisation der Forstarbetter im bayerischen Wald. Bon den Grenzstreitigkeiten zwischen dem Fabrik- und dem Gemeindearbeiter» verband hätten nur die Christlichen Borteil gehabt. U n d e u t s ch bittet für Anhalt um mehr Mittel zur Agitation unier den Landarbeitern. Die GtreikbrecherreservoirS müßten an der Quelle verstopft werden. Sillter- Berlin begründet einen Antrag deS Berbande» der Sithographen und Steindrucker, bei größeren Aussperrungen, wenn »te Generalkommission das finanzielle Eingreifen aller organisierten arbeitet für notwendig halte, anstatt der Sammellisten eine Kopf« teuer auszuschreiben. Er weist daraus hin. daß durch Anlegung eines Zentralstreikfoud» nach österreichischem Muster biete Aussperrungen von vornherein für die Unternehmer unmöglich würde». Dieser finanziellen Hilfe bedürften besonders die kleineren Berhände, die sich keinem Industrieverband anschließen könnten. S p i e g e t- Düsseldorf begründet Anträge der Metallarbeiter EffenS und Dortmunds auf Herausgabe einer polnischen GewerlschaftSzeitung. Er teilt mit, daß die RegierungS- Präsidenten in Arnsberg und Münster den Gebrauch der polnischen Sprache in öffentlichen Gewerkschaftsversammlungen entgegen den Versicherungen Bethmann-Hollwegs und deS Abg. Behrens verboten haben.(Hört! hört!) Hieraus ttitt die Mittagspause ein. RachmittagSfitzuug. !für die Redigierung der AntrSae und zur Abfassung einer ution zum Thema der Grenzstreitigketten wird eine elsaliederige Kommission gewählt. Dann wird in die Debatte über den B e- richt der Generalkommission eingetreten. Rössel- Berlin(Textilarbeiter): Leg,en hat un» mit Unrecht Illoyalität vorgeworfen. Der Vertreter der Seneralkommisfio» hatte unS im Privatgespräch und in der Diskussion ausdrücklich gesagt, daß die Generalkommission mit dem Plane»maeht, eine gewerkschaftliche Frauenzeitung zu gründen. Wir waren mit Recht darüber aufgebrocht. daß man UNS vorher gar nicht gefragt hatte und lassen UN» das Recht nicht nehmen, unser« Meinung klar und deutlich zu sagen.— Die Tätigkeit deS Arbeiterinnensekretartat» hat unseren vollen vei- fall. Wir werden e» nach Kräften unterstützen und entlasten. Die bisherige Regelung der gegenseitigen Streithilfe ist sehr verbesierungS- bedürftig. Ohne eingehende Vorberatung in der Generalkommission ist natürlich der Antrag Sillier unannehmbar. M 0 h S- Berlin(Gemeindearbeiter) bittet, die Organistmmg der Waldarbeiter dem Gemeindearbeiterverband zu überlasten und ihm zu dieser schwierigen Arbeit eine Beihilfe zu gewähren, Bruns- Berlin(Fabrikarbeiter) hält eine Revision de« Kölner Beschlusses über die gegenseitige Ttreilhilfe für wünschenswert, lehnt aber den Antrag Sillier ab. Umb reit-Berlin: Meine Aeußerung über die etwaige Schaffung einer Frauengewerkschaftezeitung war rein privater Natur. Ich habe am Biertisch darüber gesprochen, weil im Vorstandsbericht des TextilorbeiterverbandeS über die erfolglose HauSagitasion für die„Gleichheit" geklagt war. Luch auf dem PerbandStage der Textilarbeiter wurde ja der Antrag gestellt, für die Frauen eine besondere Beilage deS„Textilarbeiter" zu schaffen. Ov es richtig und loyal war, meine Aeußerungen mehrere Tage später in die Debatte zu ziehen, überlasse ich dem Kongreß.(Beifall.) L« t p a r t- Stuttgart(Holzarbeiter): Ich spreche der General- kommtsffoil Dank und Anerkennung au« für ihre Tätigkeit in den letzten drei Jahren, besonders in den schweren Tagen nach Köln. Ich will nicht alte Wunden wieder aufreißen. Aber ich muß aussprechen, daß die Generalkommission nach Köln in Ueverein- stimmung mit der großen Mehrheit der Zentralverbände das Interesse der allgemeinen Arbeiterbewegung gut gewahrt hat. Volle Billigung findet bei uns vor allem die Haltung der General- kommission in der Frage der unangenehmen Veröffentlichung des Protokolls der Verbanosvorständekonferenz.(Betfall und Lachen.) Wir haben es sehr tief bedauert, daß der Parteivorstand diefeS vertrauliche Protokoll gegen den Willen der Generalkommission zu veröffentlichen sich hat verleiten lassen. Ich spreche die bestimmte Erwartung aus, daß ei» derartiger Vorfall sich nicht wiederholen wird. Auf den Zentralstreikfonds können sich die großen Ver- bände nicht einlassen. Sie würden dafür nur groß« Kosten haben und sie nicht in Anspruch nehmen. Mit einem solchen Zentral- streikfonds können sich die einzelnen Verbände ntemal» so ent- wickeln, wie unter dem jetzigen Zustand. Auch in Zukunft wird die Finanzkrast der einzelnen Verbände noch gestärkt werden müssen. Dazu werden die Verhältnisse zwingen. Ma s s atsch-Stuttgart: Auch wir lehnen den Zentralstreik- fonds rundweg ab, weil wir damit jede Kontrolle über die Streik- bewegung verlleren. K 0 tz k e- Berlin(Textilarbeiter): Wir konnten die Worte Umbrcits nicht als private Meinungsäußerung auffasten. Solange die„Gleichheit" unseren Bedürfnissen genügt, wollen wir keine neue Frauenzeitung gründen. Wir wollen außer guten Gewerk- schaftlern auch gute Sozialdemokraten erziehen. Wir brauchen die „Gleichheit", um unsere weiblichen Mitglieder im Sinne des Sozialismus zu beeinflussen,(Betfall.) Rössel. Berlin: Die„Gleichheit" ist«in vorzügliches Agitationsmittel. Wenn die Verteilung von 15 000 Nummern der„Gleichheit" diesmal noch nicht ganz den gewünfchten Erfolg gehabt hat, so nur deshalb, weil es das erst« Mal war, daß unser Verband die Hausagitation über da» ganze Reich vorschrieb. U m b r e i t- Berlin(Generalkommission): Alle diese Er- klärungen helfen nicht darüber hinweg, daß man vorher gar nicht um Aufklärung bezüglich de» Arbeitertnnenblatte« gefragt hat. Es ist im übrigen gar kein Verbrechen und kein Hochverrat, ein gewerkschaftliche» Frauenblatt vorzubereiten.(Zuruf Cohen: Was bekanntlich die„Gleichheit" nicht tstl) Weite Kreise der Gewerk- schaftler. unter anderem Legten, sind mit der«Gleichheit" durch» aus nicht so zufrieden wie Kohke und Rössel.(Sehr wahr! bei den Metallarbeitern.) Wenn eS soweit ist, wird die Generalkom- Mission da» Frauengewerkschaftsblatt schaffen. Den Textilarbeitern mag aber zum Trost dienen, daß ihnen, niemand die.Gleichheit" nehmen will.(Heiterkeit.) Damit schließt die Debatte. Da» Schlußwort erhält Legten: DaS Merkwürdigste an dieser Debatte war, daß Kotzke und Rössel den Satz UmbreitS sich wortlich gemerkt haben. Darüber, ob die „Gleichheit" geeignet ist, Arbeiterinnen, die noch aar nicht von unseren Ideen berührt worden sind, zu guten Gewerischaftlerinnen zu erziehen, kann man sehr zweifelhaft sein, denn die„Gleichheit" ist jedenfalls ein politisches und kein gewerkschaftliches Blatt. In erster Linie muh aber die Gcwerkschaftspresse den Boden beackern, ehe die Parteipress« dahin kommt. Welche politische Partei dann unsere Vertretung ist, darüber brauche ich ja nicht erst zu reden. Die Genossen vom Textilarbeitcrverband mögen meinetwegen die „Post" zur Agitation verwenden.(Unruhe.) Ich habe mich drastisch ausgedrückt, um klar zu machen, daß niemand ihnen hineinreden will. Im Ernst glaube ich natürlich nicht, daß Sie die„Post" be- nutzen werden. Was die Zentralstreikkasse angeht, so habe ich stet» die Notwendigkeit einer einheitlichen Organisation der Streikunter- stützung anerkannt. Aber ich stehe mtt dieser Auffassung in der Generalkommission ziemlich allein.(Heiterkeit.) Für die Land- und Waldarbeiter soll eine besondere Organisation geschaffen werden. Ueber die Einzelheiten der Agitation möchte ich nicht öffentlich hier reden. In der Abstimmnng wird die Sympathiekundgebung für die Privatangestellten einstimmig angenommen; der Antrag Sillier betr. die Zemralstreikkasse zurückgezogen, die übrigen Anträge teils durch die Beschlüffe der Generalkommission für erledigt erklärt, teil« ihr zur Erwägung überwiesen. Die Mandatsprüfungskommission erstattet« dann durch Sachs« (Bergarbeiter) Bericht. Anwesend sind 824 Delegierte, die General« kommission ist vollzählig vertreten. Al« Gäste find da Grünwald-Wien (GewerkschaftSkommisfion Oesterreichs). JaSzae-Budapest(ungar- ländischer Gewerkschaftlers Greulich-Zürich, SvenseS-Kopenhagen. teinke-Hamburg(Zentralkommission für Bauarbeiterschutz), Frau ietz-Berlin(Komitee zur gewerkschaftlichen Agitation unter den Arbeiterinnen), Frau Kahler und Dorschu-Frankfurt a. M.(Gewerk- schaftskartell). Die Delegierten vertreten 1 588 172 organisierte Mit- glieder. Sämtliche Mandat« wurden für gültig erklärt. Der nächste Punkt der Tagesordnung ist „Die Agitation unter ben Dienstboten.« Referentin Frl. Grünberg- Nürnberg: Die moderne Dienst- botenbewegung fetzt ein mit der Gründung de» Vereins in Nürn« berg 1900. Das gab den Anstoß zur Gründung einer Reihe von Dienstboteuvereinen in anderen Städten. Die Bewegung beginnt mit der Klarstellung der Rechtsverhältnisse der Dienenden und mit ihrer Unterstützung in Rechtsstreitigkeiten. Die deutschen Dienstboten stehen zurzeit unter 44 Gesindeordnungen, Preußen allein hat 19, davon eine au» dem Jahre 1782, für das Herzogtum Lauenburg. Die Agitation tritt in erster Linie mit der Forderung der Beseitigung der Gesindeordnungen und ihrer Nebenerscheinungen auf. Denn Hebung der materiellen Lage der Dienstboten wird in erster Linie durch die Ge- sindeordnungen verhindert. Rednerin gibt einen Ueberblick über die Entstehungsgeschichte der Gesindeordnungen, die in die Zeit der Erbuntertänigkeit zurückgeführt werden, und über die Unterschiede zwischen den einzelnen Gesindeordnungcn in den Rechtsverhältnissen des Mietsvertrages, des Konttaktbruches, des Schadenersatzes, der ZeugniSauSstellung, der Lohnaufrechnung und deS Verfahrens bei Streitigkeiten zwischen Herrschaften und Ge- finde. Im allgemeinen legen die Dienstbotenordnungen den Dienenden doppelt so viel Verpflichtungen auf als der Herrschaft. Der Macht der Herrschaft sind die Dienenden hilflos preis- gegeben. Alle Klagesachen gehen vor da« Anusgericht und da ist der Klageweg so umständlich, daß viele Dienende lieber auf ihr gutes Recht verzichten. Wie niedrig das Gesetz die Dienenden einichätzt, geht daraus hervor, daß nach dem Gerichts- verfassungsgesetz oie Dienstbote» vom Amte der Schöffen und Ge- schworenen ausgeschloffen sind. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn bei solcher Mißachtung der häuslichen Arbeit die Zahl der Dienstboten, zumal der männlichen, ständig zurück- gegangen ist. Neben dem absoluten Rückgang der Zahl der Dienst- boten zeigt sich der wachsende Zuzug der Dienenden in die großen Städte. In den letzten zehn Jahren ist der Zustrom zur Stadt noch viel stärker geworden als die Berufszahlung von 189S zeigt. Bon den sozialen Gesetzen sind die Dienstboten durch- weg ausäeschlosten. selbst da« Kinderschutzgesetz gilt für sie nicht, und so sind b:e 7500 dienenden Kinder unter 12 Jahren und die 1ö3 000 Dienstboten unter 10 Jahren jeder Bosheit und jedem Unverstand der Dienstherrschaft ausgesetzt, von der Versicherung gilt für die Dienstboten nur die Invalidität«- und Altersversicherung. An der Krankenversicherung der armen Dienstmädchen verdienen in Berlin die Rosenow und Mugdan fehntausende jährlich. Die Hauptklagen der Dienstboten sind die ber die 17 bis löstiindige Lrbeitszett. d. h. 120 Stunden in der Woche für 1 bis ö Pf. Smndenlohiy über den Mangel an Sonn- tagSruhe. über schlechte Behandlung, schlechte Beköstigung, über die gemildheitlich lind sittlich gefahrvollen SchlafrSume, über unwahre und boshafte Zeugnisse, über Krankheiten infolge Ueber- anstrengung. infolge heißem, hastigen oder kaltgewordene» Esse»» und über rheumatische Kranyeiten. Ja, bis zum Selbstmord werden die Dienstmädchen häufig gequält. Selbst der bayerische Minister de» Innern v. Brettrelch hat anerlannt, daß der Dtenstbotenmanael auf Mißstände zurückzuführen und Ab- geordnete aller Parteien haben im bayerischen Landtage anerkannt, daß die Gestndeordnung vielfach mißbraucht werde. Der bayerische Landtag bat Erhebungen über die Lage der Dienstboten beschlossen. Das ist ein erster großer Erfolg unserer bayerischen Dienstbotenbewegung. Auch im Kampfe gegen die Stellenvermittelungsvampyre hat die Dienstboten- bewegung schon manchen Erfolg erzielt. In Nürnberg hat der Wider- wille der Herrschasten gegen die Organisation schon erheblich nach- gelassen. Die Organisation hat überall die deutschen Arbeiter aller Berufe befreit, mich für die Dienstboten liegt in ihr da» Heil. Auch die Dienstboten können nur durch die Organisation den Druck der Knechtschaft von sich abschütteln mid sich ein menschenwürdiges Dasein erobern.(Lebhafter Beifall.) Die Referentin legte folgende Resolution vor: „In Anbetracht ver hohen Zahl Eriverbender, die als Dienende ber Gestndeordnung unterstellt sind und sich ihren Lebensunterhalt bei unbegrenzter Arbeitszeit, schlechter Entlohnung und unter den mißlichsten Verhältnissen erwerben müssen, erachtet eS der 6. Kongreß der Gewerkschaften Deutschlands als Pflicht, die Geucralkommission zu beauftragen, der jungen Dieustbotenbewegung ihre volle Auf- merksamkeit zu widmen. Die Generalkommtssiou wird beauf- tragt, eine Dienstbotenkonferenz einzuberufen, um über einheitliche Agitation zur Hebung der sozialen Lage dieser Arbeiterlategone zu beraten. Die Generalkommission wird ferner beauftragt, die einzelnen Kartell« auf die Notwendigkeit ber Organisation der Dienstboten austnerksam zu machen und dort, wo noch kein Dienstbotenverein be- steht, die Kartelle zu veranlassen, wenn irgend möglich, zur Gründung von Dienstbotenvereinen zu schreiten« Durch eine stark« Organi- satton der Dienenden können diese selbst an der Verbesserung ihrer sozialen Lage mitarbeiten und werden dadurch auch der gesamten Arbeiterbewegung mehr Verständnis entgegen- bringen. Der Kongreß erachtet es als dringende Notwendig- keit, daß die Gesindeordnungen und die Dienstbücher beseitigt werden und volle Koalitionsfreiheit für Dienstboten wie für sämt- liche Arbeiter eingeführt werde, wie auch, daß die Dienenden der Gelverbeordnung unterstellt werden und die Ausdehnung der Ber- sicherungSgesetze auf sie erfolge." Hierauf wird die Weiterverhandlung auf Dienstag früh S Uhr vertagt._ Huö der Partei. StadtratSwahlen in Karlsruh» fanden am Sonnabend, statt und hatten das Ergebnis, daß mich zwei Sozialdemokraten hineingewählt wurden. E« sind die Genossen Eugen Geck und Wilh. Kolb. Außerdem wurde Arbcitersckretär Genosse Willi tn den S t a d t v e r 0 r d n e t e n v 0 r st a n d ge- wählt. Damit wurde die Sozialdemokratie zum erstenmal tn oie Verwaltung der Stadt Karlsruhe berufen. Da bei den letzten Stadlverordnetenivahlen die Sozialdemokraten die gesamte dritte Klasse eroberten, also jetzt mit 82 Sitzen vertreten fiiid, konnten die liberalen Ausschußmitglieder nicht mehr gut ander», als sich mit den Sozialdemokraten verständigen und ihren berechtigten Anspruch auf ein« Vertretung im Stadtrat anerkennen. Früher ist die frei- fnntge und nationalliberale Mehrheit immer kalten Blute« über ie sozialdemokratische Forderung hinweggeschritten und e» ist Ihnen auch dieses Mal sicherlich nicht leicht geworden, in den saueren Apfel zu beißen. Allein e« war außer der gemeinsamen Liste ber bürgerlichen MehrheitSparteien noch die Liste der bürgerlichen Oppositionspartei vorhanden. Und da dt« Liberalen befürchten mußten, die Sozialdemokraten würden mtt dieser Opposition gehen, so ist ihnen ihr Entschluß, endlich auch mal einige Sozialdemokraten zu wählen, erleichtert worden. Im Verhältnis zur Stärke der Partei im BÜrgrrauSschuß müßten den Sozialdemokraten eigentlich sieben Sitze ,m Stadtrat zugebilligt werden, allein wer unsrren Liberalismus kennt, wird nicht allzu viel auf einmal von ihnen verlangen. Wa» jetzt nicht ist, muß später »achgeholt werden._ Zu dem Freiburger Ltadtvererdnetenwahl-Kompremitz. Au» F r e i b u r g wird un« gegen die im„vorwärts� übrigens auch in der Mannheimer„Volksstimme"— an dem Kom- promiß geübte Kritik ein längere« Schreiben gesandt, in dem eS unter einigen für die Sache unwesentlichen Ausfällen gegen unseren badischen Korrespondenten tn der Hauptsache heißt: .. Zunächst wollen wir feststellen, daß man sich immer nur über die Kompromisse in Freiburg aufregt. Es find bis vor wenig Jahren in Karlsruhe noch Kompromisse bei Gemeindewahlen ge- schlössen worden. Auch die Mannheimer Kompromisse liegen noch lein Mcnschenalter zurück. In den letzten Jahren wurden solche abgeschlossen in Offenburg, in Lörrach, rn Baden-Baden, in Mann- herm für die zweite Klasse, auch in Heidelberg und Lahr hat man ähnliches gemacht und man hat nichts von solchen Kritiken gehört. wie sie jetzt der„Vorwärts" brachte. An allen diesen Orten, mit Ausnahme von Baden-Baden, bilden die Arbeiter einen weit höheren Prozentsatz der Wähler als in Frciburg. In Lörrach und Lahr bilden die Arbeiter in der dritten Klaffe mindestens zwei Drittel der Wähler; in Freibura kaum ein Drittel. Die „volksftimme"(Mannheim) meint, in Freiburg hätten wir eine seßhafte Arbeiterschaft. Schon die» ist nicht richtig. Industrie- arieiter hat es hier sehr wenig, und diese wenigen spielen in der ArveiterveSMng eine ganz geringe Rolle. Reil sie zu den schiebt- bezahlten Arbeitern gehören und die älteren davon noch im Schlepp- tau der anderen Parteien, hauptsächlich der Zentxumspartej, sind. Das Gros der organisierten Arbeiter bilden hier die Bau- Handwerker, und diese sind ein recht fluktuierendes Element. Dazu kommt noch, dah das Baugewerbe seit dem letzten Jahre vollständig daniederliegt. Bei der letzten RdchStagswahl waren hier 15 304 Wahlberechtigte. Bei der jetzigen Wahl in allen drei Klassen zusammen 0440, obwohl seither zwei Gemeinden eingemeindet wurden. Ein Weniger an Wahlberechtigten von 5860. Tatz an diesem Ausfall die Handwerker. Bauern und Privatiers am wenigsten beteiligt sind, ist doch sicher. Datz die Arbeiter und Beamten am meisten davon betroffen werden, ist ebenso sicher, und alles was hier trotz der relativ niedrigen Anlage weniger als 0? M. bezahlt, ist Wähler der dritten Klasse. In anderen Ständen zahlen auch die ledigen Personen sehr oft 20 M. Steuer und dürfen dann wählen, während ledige Arbeiter und Angestellte nicht wählen dürfen. In einer Notiz wurde auch davon gesprochen, daß wir bei reger Agitation wenigstens einen kleinen Erfolg hätten erringen können. Dem- gegenüber sei bemerkt, daß es doch bei unserem Wahlsystem mit der Listenwahl nur alles oder nichts gibt. Hätten wir Bezirks- Wahl, dann wäre die Sache anders. Bei der letzten Stadt- verordnetenwahl erhielten die Sozialdemokraten 740, die National- liberalen 7g8 und das Zentrum 1547 Stimmen.(Die Angaben im„Vorwärts" nicht richtig.) Die Kritiker betonen auch scharf den agitatorischen Wert eines Wahlkampfes. Dieser Punkt wurde auch in Freiburg gewürdigt. Nur darf man an einem Ort, der nicht über ein Parteiblatt verfügt, und wo ein positiver Erfolg von vornherein ausgeschlossen ist, den agitatorischen Erfolg auch nicht überschätzen. In der Agitation wäre uns entgegengehalten worden, daß man uns eine Vertretung geben wollte, und die hiesigen Genossen waren eben der Meinung, daß, wenn wir in der Lage sind, bei allen Gelegenheiten aus dem Rathaus unsere Stimme zu erheben, dann wirke das mindestens ebensogut wie ein aussichtsloser Wahlkampf. In allen badischen Städten, wo unsere Genossen jetzt in der Stadtverordnetenversanrmlung sitzen, haben sie durch Kompromiß die erste Vertretung erobert. Die Freiburgcr Genossen haben bei verschiedenen Anlässen gezeigt, daß sie zu kämpfen verstehen, und haben schon wiederholt ihre örtlichen An- gelcgenheiten den allgemeinen Parteierfordcrnissen untergeordnet. 1902 hatten wir den Kompromiß bei den Gemeindewahlen. Da ertönten die Klagen über die Versumpfung. 1003 verdoppelten wir bei der ReichstagSwahl die Stimmenzahl gegenüber der vorigen Wahl. 1905 hatten wir wieder bei der Gemeindewahl, zwar nur ein«lein wenig, gesündigt. Wenige Monate später hatten wir die Landtagswahl mit dem Stichwahlsieg. Und 1907 hatten wir bei der Reichstagswahl einen Erfolg, wie ihn nur wenige Orte in Deutschland zu verzeichnen hatten, ein Erfolg, der uns auch das Karlsruher Mandat rettete. Und wenn es wieder gilt, werden die Freiburger Genossen wieder auf dem Damme sein. Die hiesige Arbeiterschaft ist so geschult, daß wir uns auch einen Kom- promiß leisten können, ohne der Versumpfung zu verfallen. Der Landesvorstand, dem die Sache auch unterbreitet wurde, hat uns auch keinen anderen Rat gegeben. Des weiteren wollen wir noch richtig stellen, daß die Streichungen nicht 50 betrugen, und nicht von Zentrumswählern, sondern von den 30 konservativen Wählern herrühren, die sich in der dritten Klasse befinden. »» » Die Erwiderung im einzelnen müssen wir unserem badischen Korrespondenten überlassen. Das Wichtigste aber scheint uns zu sein, daß die Genossen zu Freiburg den Wert eines frischen, scharf geführten Wahlkampfes zu niedrig und den„positiven Erfolg", d. h. die vier Mandate zu hoch anschlagen. Die Teilnahmslosigkeit der Wähler bei der Abstimmung ist die schärfste Kritik des Ab. kommens. Gerade der Umstand, daß noch viele Industriearbeiter sich im Schlepptau de» Zentrums befinden, sollte die Freiburger Genossen bestimmen, jede Gelegenheit zur Agitation gehörig aus. zunützen. Daß die Tätigkeit der vier Genossen im Stadtparlament agitatorisch wirken wird, ist zu hoffen. Aber die die breiten Massen aufrüttelnde Wirkung eines Wahlfeldzuges ist doch etwas ganz anderes. Ein sozialdemokratisches Waldheim. Der Sozialdemokratische Bczirksvcrein Stuttgart.Heslach erwarb ein zirka vier Morgen große? Wald, und Wicsengrundstück, im sogenannten TachSwald gelegen, und richtete das zu einem ungezwungenen Heim für Groß und Klein aufs prächtigste her. Am Sonntag wurde der Platz seiner Bestimmung durch einen feierlichen Er- öffnungsalt übergeben. Abg. Hildenbrand wies in einer An. spräche auf die Bedeutung und den Zweck der Anlage hin, die jedem zum zwanglosesten Aufenthalt in freier Luft dienen soll. Bei Gesangs- und Konzertvorträgen blieben die Versammelten bis zum Abend beisammen. Zur finanziellen Fundierung de» Unternehmen», das mit der Einzäunung und den UnterkunftS- fowie provisorischen WirtschaftSräumen sich auf etwa 5000 M. stellt, find Anteilschein« zu 5 M. ausgegeben worden. AIS Sommergast kann man für 20 Pf. den ganzen Sommer frische Luft und das genießen, was man sich mitbringt oder an besuchteren Tagen villig erstehen kann. Unsere Toten. In Gelsenkirchen starb der Genosse Gottlieb Berg. Er hat seit seinem Eintritt in die Partei mit unermüd- lichem Eifer für sie gewirkt; nicht minder für den Bergarbeiter« verband. In beiden Zweigen der Arbeiterbewegung hat er bis zu seinem Tode imchtige Vertrauensposten bekleidet. Die Gelsen» kirchencr Genossen haben den Braven, den ein tückisches Leiden schon im 47. Jahre dahinraffte, würdig geehrt. Mehr alS 500 folgten seinem Sarge zur letzten Ruhestätte. Personalien. Der Genoffe Schubert, bislang Redakteur am »Sächsischen Bolksblatt' zu Zwickau, hat die Redaktion deS»volkSblattS" zu Harburg übernommen. Ans der Redaltion der„VolkSwacht* in Breslau ist Genosse Ludwig R a d l o s ausgeschieden, um am 1. Juli sein neueS Amt als Arbeitersekretär in Neumünster anzutreten. fllus der frauenbewegung. Erwiderung. In der Nummer 140 deS„vorwärts" erschien ein„Damen. Wahlrecht" überschriebener Artikel, der sich mit meinen Ausführungen in der Rundschan der letzten«Sozial. Monatshefte' befaßt. Zur sachlichen Erwiderung zunächst folgendes: «u« dem Angriff de» Verfasser» muß jeder, der meinen Artikel nicht gelesen hat. den unbedingten Eindruck gewinnen, als ob ich statt des allgemeinen, ein Domenprivilegierten» Wahlrecht gefordert hätte. Ich brauche für denkende Genossen und Ge- nossinnen kaum zu erklären, daß i ch so gut wie jeder andere Sozial« demokrat dafür eintrete, mit allen anwendbaren Mitteln und in jedem Lande und für jede» Parlament, nur für das allgemeine. gleiche, direkte Wahlrecht für Männer und Frauen zu kämpfen. Etwa» andere» aber ist es, ob ich eS für taktisch und politisch vernünftig halte, wo— wie in Eng- land— ein weit ausgedehnte», wenn auch nicht allgemeine» Frauen« Wahlrecht— auf genau der gleichen Grundlage wie da» dort bestehende Männerwahlrecht— beantragt ist und gegenwärtig erreichbar wäre, für diese» Wahlrecht zu stimmen. Ich halte da» deshalb für richtig, weil erstens für meine lluschauung in der Erringung der politischen Gleichstellung des weiblichen Geschlechts mit bSM männlichen tn einem wirtschaftlich und kulturell so vorgeschrittenen Lande wie England an sich ein gar nicht hoch genug einzuschätzender wirtschastlicher Fortschritt auch für die Arbeiterklasse läge, weil zweitens eö selbstredend unmöglich ist, ein allgemeines Frauen st immrecht in einem Lande zu er- obcrn, so lange das Männer stimmrecht dort noch gewissen Be- schränkungen unterliegt, ein ausschließliches parlamentärisches Fest- halten am allgemeinen Frauenstimmrecht also für solche Länder den Verzicht ans die aktive Beteiligung der Frauen am politischen Leben für längere Zeit hinaus bedeutete. Einen Verzicht, de» ich für eine erheblich größere Schädigung der Frauenwelt, vor allem aber der weiblichen Arbeiterschaft halten würde, als den momentanen Ausschluß einer kleinen Anzahl von Prole- tarierinnen vom Wahlrecht. Weil ich drittens die Prodaganda, die die weiblichen Vertreter der Arbeiterinnen im Parlament selbst entfalten könnten, gerade für eines der vorzüglichsten und wirksamsten Agitationsmittel des weiblichen Proletariats sowohl für das all- nemetue Frauenstimmrecht alö für sonstige dringende Arbeiterinnen- sordenmgen ansehe. Ich wäre natürlich nicht dieser Anschauung, wenn das Frauen- stimmrecht, um das es sich gegenwärtig in England handelt, wirklich ein„Damenprivilegiertenrechl" wäre, das heißt wenn es nur Frauen von„Besitz und Bildung" zuließe, den größten Teil der Proletarterinnen aber ausschlösse. So liegt die Situation in England ganz und gar nicht. Ich muß es einem eingehenderen Artikel vorbehalten, den deutschen Genossinnen, die meist ja über die Wahlrechtsverhältnisse in England absolut nicht unterrichtet sind, diese Wahlrechts- bestimmungen im einzelnen auseinanderzusetzen, will aber zur vor- läufigen Beurteilung der Frage nur folgendes anführen: Ketr Hardie, der Führer der englischen Arbeiterpartei, stellt in einer Broschüre über Frauenstimmrecht nach genauen Untersuchungen fest, daß 82 Prozent der Frauenwähler, denen die Frauenstimmrechtsbill das Wahlrecht verleihen würde, Frauen aus den arbeitenden Klassen wären. Handelte es sich wirklich, wie der Artikelschreivcr glauben machen will, um ein reines Damenprivileaiertenrecht, so wäre auch laum zu begreifen, weshalb die größte sozialistische Partei Englands, die „Unabhängige Arbeiterpartei" mit ihren Führern Macdonald und Keir Hardie an der Spitze, sich so lebhaft für Annahme der Frauenstimmrechtsbill einsetzt. Es können doch schließlich nicht Hunderttausende von Genossen und Genossinnen— nur weil sie auf einem von unserer ofstziellen Parteianschauung abweichenden Stand- punkt stehen— vollkommene Idioten seien. Ebenso wenig ist das von der großen Zahl der englischen Arbeiterinnen anzunehmen, die sich nach den eigenen Berichten deS„Vorwärts" im Berein mit den bürgerlichen Stimmrechtßlämpferinnen an den gegenwärtigen Londoner Riesendemonstrattonen für Frauenstimmrecht beietligen. Nun will ich sogar zugeben, wie ich da» ausdrücklich in meiner Rundschau betont habe, daß möglicherweife die Frauenstimm- rechtsbill momentan eine ganz geringfügige Stimm-Verschiebung im Parlament zuungunsten de« Proletariats hervorrufen könnte. Für mich wie für die Genossinnen der J. L. P.(Unabhängige Arb.- Partei) handelt es sich aber darum, daß diese möglichen kleinen Nach- teile nur bedeutend durch die vorerwähnten Errungenschaften ziigunsten der Arbeiterfrauen überwogen zu sein scheinen. Die Genossinnen der„Sozialdemokratischen Föderation" in Eng- land wie die deutschen Genossinnen in Stuttgart waren nicht dieser Ansicht. Sie sehen eine Parteischädigung darin, einem Gesetz zuzu- stimmen, da» gegen unser Prinzip veS allgemeinen gleichen Wahlrechts verstößt. Demgegenüber habe ich betont, daß' wir derartige Prinzipdurchbrechungen tatsächlich alle Tage begehen, nämlich jedesmal, wo Sozialdemokraten ihre Zustimmung zu Gesetzen gebe». die„wir berechtigterweise nur als winzige Abschlagszahlungen aus unsere Forderungen bezeichnend Unsere Fraktionen in den der- schiedenen Parlamenten wägen bei jedem Gesetzentwürfe vernünftiger- weise die Vorteile für die Arbetterschaft gegen die Nachteile ab, und nach dem Resultat dieser Abwägung richtet sich ihr Votum. Bei dem Vereinsgesetz überragen nach Ansicht der Partei bei weitem die Nachteile; folgerichtig wurde daI Pereinsgesetz abgelehnt. Diese rein taktische Behandlung der Einzelfragen, ohne die ein parlamentarische« Mitarbeiten sich überhaupt verbietet, hindert selbst- redend nicht, daß die Partei daneben für ihre in allen Punkten sehr viel weitergehenden Forderungen fortdauernd agitiert und kämpft. Sollte meine Stellungnahme zum Frauenstimmrecht in England auch nur um Haaresbreite Do« dieser ganz allgemein geübten Kampfesweise abweichen? Dagegen schreibt mein Gegner in der«Frauenbewegung": ,®5 ist ein fundamentaler Unterschied, ob man ohne Schuld mit einem schon bestehenden Klaffenwahlrecht zu tun hat oder ob nian selbst ein solches befürwortet. Wer das verkennt und für ein neues Privilegienwahlrecht eintritt, muß damit rechnen, daß er den Leser» der gegnerischen Blätter alS neuer Weisheitsträger unter den Sozial- demokraten serviert wird. Und die Feinde der Arbeiterschaft nutzen die Gelegenheit, wenn sie die Knüppel, die ihnen aus unserem Lager, wenn auch ungewollt, gereicht werden, zum Verprügeln der Arbeiter gebrauchen. Wenn Genossin Zepler weiter davon spricht, daß die Sozialdemokratie in den verschiedenen Parlamenten für kleine Verbesserungen stimmt, und das als einen Verstoß gegen die bisherigen Prinzipien erklärt, dann stellt sie die Dinge geradezu auf den Kopf. Es ist doch ein Unterschied, ob man gleich möglichst bc- scheiden im Fordern auftritt, oder ob man— nachdem alle Hebel zur Durchbringung einer Forderimg in Bewegung gesetzt sind, aber bei den Gegnern nur tauben Ohren predigt— nimmt, waS über- Haupt noch zu bekoinmen ist." Meine kurzen Gegenbemerkungen werden hoffentlich die Leserinnen des„Vorwärts" überzeugt haben, bis zu welchem Grade der Artikelschreiber den Sinn meiner Ausführungen entstellt hat. wie unhaltbar sich auch rein logisch seine Polemik erweist. In der Sache selbst erhebe ich absolut nicht den Anspruch, die Genossinnen sofort zu meiner Meinung herüberzuziehen. Unbeschadet meiner Ansicht kann ich sehr wohl die Gründe würdigen, die die Genossinnen der S. D. F. in England wie die deutschen Genossinnen in Stuttgart auf die Gegenseite getrieben haben und werde jeder Zeit bereit sein, sachliche Argumente ernst zu diskutieren und ihnen ebenso sachlich meine Gegengründe entgegenzusetzen. Wie ich überhaupt der Ueber- zeugung bin, daß nichts für den praktischen Fortschritt sowohl als für die Theorie der Partei fruchtbarer sein kann, als möglichst ein- gehende sachliche Erörterungen aller strittigen Fragen. Aufs allerschärf st e muß ich mich aber gegen dje Manier des Artikelschreibers verwahren, der taktische MeiuungSverschieden- Helten mit gehässigen persönlichen Jnvektiven bekämpfen zu können glaubt. Eine Anschauung, die von der größten sozialistischen Partei Englands geteilt wird, ist weder ein„Ertravergnllgen", das ich mir leiste, noch kann eS wohl als„bewußter Hohn" und„gewollte Provokation" anmuten. Hält denn wirklich der Verfasser irgend einen Genossen für so gedankenlos, daß er einer sachlich überlegten Anschauung gegenüber eine Wirkung von derartigen persönlichen Angriffen erhofft? Ich meine, die Parteicrfahrungen der letzten Jahre sollten nach- gerade jeden von uns überzeugt haben, daß nicht diejenigen der Partei„Knüppel" drehen und ihr Ansehen nach außen schädigen, die selbstprllfeud in Einzelfragen zu abweichenden Ansichten gelangen, sondern nur diejenigen, die j e d e r Anschauungsabweichung im eigenen Lager mit Verdächtigungen begegnen, wie sie selbst einem Gegner gegenüber im höchsten Maße verwerflich wären. Wally Zepler. »» « Es muß eigentümlich berühren, daß Gen. Zepler eine fach. liche Feststellung zu„gehässigen, persönlichen Jnvektiven" ummünzt. Mit keinem Wort ist ihr der Vorwurf böser Absicht gemacht worden. Sie selbst gibt sich zwar das Zeugnis der„sachlich überlegenen An» schauung", aber deshalb betrachten wir doch ihre Anschauung nicht für so geheiligt, daß die Feststellung der Wirkung ihrer Stellung. nähme— nicht ihrer Absicht— als ein persönlicher Angriff ange- sprachen werden könnte. Im übrigen glauben wir uns als Ant- wort mit der wörtlichen Wiedergabe der in Betracht kommenden Auslassungen der Gen. Zepler in den„<5oz. Monatsheften" begnügen zu können. Sie lauten: .Diejenigen deutschen Genossinnen, die das Aufgeben einer grundsätzlichen Programmforderung unter allen Umständen für verwerflich halten, stehen durchaus konsequent auf dem Stand- Punkt der S. D. F. Aber auch die Geschichte der deutschen Partei hat in den letzten Jahren vollauf bewiesen, daß diese absolute Aufrcchterhaltung des Prinzips in der politischen Praxis mehr und mehr unmöglich wird. Oder sollte es etwas anderes sein als solch eine Prinzipdurchbrechung, wenn wir heute bei den preußi- schen LandtagSwahlen mittun, oder wenn die Partei in den Reich»-, Landes- oder städtischen Parlamenten fortdauernd ihre Zustimmung zu Gesetzen gibt, die mit Recht nur als winzige Ab- schlagszahlungen auf unsere Programmsorderungen bezeichnet werden?" Was ist das anderes, als die notgedrungene Abfindung mit be. stehenden Klassengesetzen gleich zu werten der Befürwortung wei. tcrer Klassengesetze? Trotzdem, Gen. Zepler wird bei dem Urteil bleiben: wenn sie ihre Meinung lagt über die Wirkung bestimmter politischer Stellungnahme, oann sei das ein verdienstliches Werk, wenn aber anders ihre Ansicht äußern über die objektive Wirkung des Bor- gehenS der Genossin Zepler, dann sei das— verwerflich. AuS dem angekündigten Artikel wird man hoffentlich auch er» fahren, warum Gen. Zepler jetzt davon spricht, daß sie kein„reines" Damcnprivilegienrecht befürwortet habe, während der„Vorwärts" nur vom Damenwahlrecht als Begriff für«in beschränktes Frauen- Wahlrecht gesprochen hat._ Versammlungen— Veranstaltungen. Treptow-Baiimschnlenweg. Mittwoch, den 24. Juni, abends 31T Uhr, bei Christ, Marienthaler Straß«, Ecke Ernststraße. Bc- richt des Vorstandes und der Vertrauensperson. Auflösung des„Frauen- und MädchenvereinS" und Uebertritt in den „Sozialdemokratischen Wahlverein". Köpenick. Mittwoch, den 24. Juni, bei Joch, Schönelindestraße I. Vortrag. Wilhelmsruh. Mittwoch, den 24. Juni, abend? S Uhr. bei Bank, Vortrag. Referentin Frl. Hausler. (3end)ts-2einmg. Verleumdung als Kampfmittel im Hirsch-Dunckerfchen Lager. Am 18. März berichteten wir, daß der Redakteur des Hirsch- Dunckerschen Blattes„Regulator" m Berlin Gleichauf vom Schöffengericht wegen verleumderischer Beleidigung zu 150 Mark Geldstrafe verurteilt ist. Er hatte in versteckter Form die bereits gerichtlich als Verleumdung gebrandmarkte Erzählung wiederholt, der Vorsitzende des Deutschen Metallarbeitervcrbandes Schlicke habe sich gelegentlich einer Verhandlung mit Unternehmern in Hamburg tzom Werftbesitzer Blohm mit 100 Mark bestechen lassen. Gegen dieses Urteil hatte er Berufung eingelegt. Wie uns jetzt mitgeteilt wird, ist es in der Berufungsinstanz zu einem Vergleich gekommen. Der Angeklagte erklärte:„Es habe ihm stets fern gelegen und liege ihm auch jetzt fern, gegen den Privatkläger den Vorwurf zu er- heben, daß dieser durch irgend welche materielle Jnleressen, in Sonderheit durch das mehrfach erwähnte Frühstück, sich habe be. einflussen lassen, die Interessen des von chm geleiteten Metall- arbeitervcrbandes zu vernachlässigen. Der Angeklagte erklärt ferner, daß er auch in Zukunft aus der erwähnten Frühstücks» angelegenhcit keine Vorwürfe gegen den Privatkläsier mehr er« heben wird." Ferner übernahm der Angeklagte die Kosten des Verfahrens. Darauf nahm Kläger die Klage zurück. Mißglückte DrangsalierungSversuche gegen Arbeiter. Eine Anzahl von Parteigenossen waren vom Amtsvorsteher von Alt-Glienicke mit Strafmandaten bedacht worden, weil sie am 1. Mai in der Nähe einer Fabrik morgens früh vor Arbeitsbeginn Einladungen zu einer Mnifestversammlung verteilt hatten. Die Strafmandate stützten sich auf eine Kreispolizeiverordnung von Ende 1907, wonach das öffentliche Verteilen von Druckschriften auf Straßen und Plätzen, auf denen ein reger Verlehr herrscht, ber- boten ist. Offensichtlich glaubte man diese Verordnung gegen die politische und gewerkschaftliche Bewegung gut verwenden zu können. Das köpcnicker Schöffengericht hat aber dieser Tag« in seinen beiden Abteilungen diese Poltzetverordnung als mit dem Reichs- Preßgesetz in Widerspruch stehend, auf Antrag des Rechtsanwalts Dr. Hcrzfeld für ungültig erklärt, die Partesaenossen freigesprochen und der Staatskasse auch die notwendigen Auslagen, einschließlich der Kosten der Verteidigung, auferlegt. Wie man Streikbrecher schützt. Vor dem Schöffengericht Erlangen hatten sich die Maurer Dorn und Förtsch von Heroldsberg bei Nürnberg wegen Vergehens gegen den berüchtigten Z 163 zu verantworten. Der Prozeß ent» sprang einer Tarifbcwejjung, die die Arbeiter de» Bauunternehmers Geist in Heroldsberg eingeleitet und in der sie nichts weiter gefor- dert hatten, als daß Geist die bisherige Arbeitszeit und den bis- herigc» Lohn untcrschriftlich anerkennen sollte. Er weigerte sich jedoch, den Tarif zu unterschreiben, so daß ein mehrtägiger Streik entstand. Als Arbeitswilliger fungierte der Maurer Braun. AIS er beim Mittagessen in einer Wirtschaft mit Dorn zusammen kam, redete ihn dieser an mit der Frage:„Nun, schmeckt's?" Braun er- widerte:„Freilich, ich Hab alte» und neues Fleisch." Darauf sagte Dorn:„Nun ja. da wirst Du Doktor und Apotheker nimmer los." Dadurch fühlte sich der Arbeitswillige„bedroht". Der zweite Slngeklagte Förtsch hatte sich mit seiner eigenen Frau über die Differenz unterhalten, wobei ein dabeistehender Dienstbote drohende Aeuherungcn über Geist gehört haben will. Er wurde freige» sprochen, aber in der oben angeführten Aeußerung deS Dorn er» blickte das Gericht tatsächlich eine„Drohung mit Gewalttätig- leiten" und erkannte auf die unerhörte Strafe von vier Wochen Gefängnis!_ Eine originelle Polizeiverordnung. Weil sie gemeinsam ein Fäßchen Bier getrunken hatten, waren die Steinbruchsarbeiter Bieler, Voigt, Schmidt und Peter zu je 3 M. Geldstrafe eventuell einen Tag Haft verurteilt worden. Gegen diese» Urteil hatten sie. bei der Strafkammer in Halle Berufung eingelegt. Das erstinstanzliche Urteil stützt sich auf eine heitere Verordnung, die am 16. März 1907 für das Landstädtchen Löbejün auf Grund de» Allg. Landrechts zum Schutze de» Publikums erlassen worden ist, und wörtlich folgendermaßen lautet: Das Abhalten von gemeinsamen Trinkgelagen innerhalb der Petriebswerkstätten und in ber Umgebung derselben im Umkreise von 500 Metern ist ver« boten. Das Einführen von Bier oder anderen geistigen Getränken in die Betriebswerks»«»»«» in größeren, zum Genuß für mehrere Personen dienenden Mengen ist untersagt. Bieler erzählt, daß er da» Fäßchen Bier an einem warmen Nachmittage mit in den Stein- bruch gebracht und eS dort mit seinen Kameraden, die eS gemeinsam bezahlt hatten, getrunken habe. Streit und Zank mit dem Unternehmer oder den Kameraden sei dabei nicht vorgekommen. Der Verteidiger der Angeklagten wies vor der Berufungsinstanz am Freitag daraus hin, daß die Polizei gar kein Recht habe, solche Verordnungen zu erlassen. Die Strafkammer in Hall«, als Be- rufungSgericht, erklärte zwar die reizende Verordnung nicht sofort für ungültig, sprach die Angeklagten aber frei. Zentralvcrband der Bäcker»ud ttonditoreu. Heut« abend'/,b Uhr im GewcrkschallshauS, Engel-User 15, Saal I: 1. Borrrag des Landtags« abgeordneten Ströbel:„Die politische Situation nach dem Landtagswahl» ampl tn Preußen." 2. Htrsch-Dunckersch« Unduldsamkeit. Deutscher Metallarheiter- Verband. Zentralverband der Maurer Deutschlands. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hof L. Amt 3, 1239. Charitéstraße 3. Hof III. Amt 3, 1987. Graveure! Achtung! Ziseleure! Mittwoch, den 24. Juni 1908, abends 8%, Uhr: Branchen Versammlung B im Dresdener Garten", Dresdener Straße 45. Tages- Ordnung: Bericht von der Branchen Konferenz. P Um rege Beteiligung wird ersucht. Mittwoch, den 24. Juni 1908, abends 8%, Uhr: Verfammlung der Gold- u. Silberarbeiter und verwandten Berufsgenoffen im Gewerkschaftshause", Engelufer 15, Saal 7. Tages Ordnung: 1. Bericht von der Berufskonferenz. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird ersucht! Mittwoch, den 24. Juni 1908, abends 8 Uhr: Allgemeine Versammlung der Drahtarbeiter Berlins und Umgegend im„ Gewerkschaftshause", Engelufer 15, Saal 3. Tages- Ordnung: 1. Vortrag über:„ Nationale Ehre Standes ehre". Referent Kollege Bahn. 2. Diskussion. 3. Tarifangelegenheiten. 4. Verbandsangelegen heiten und Verschiedenes. Zweigverein Berlin. Am Mittwoch, den 24. Juni, abends 8% Uhr, finden im gesamten Zweigverein die Spandan. Allgem. Ortskrankenkaffe. Dienstag, 30. Juni, abends 82 Uhr, im Hotel zum Stern": General- Versammlung 1. 3 Zages Drdnung: Statutenänderung. 2. Verschiedenes. 275/3 Der Vorstand. Wolf, Vorfigender. Delegierten Wahlen teeteri zum 10. Verbandstag statt. Maurer( Bahlstelle Berlin) bei Freyer, Koppenstr. 29. Tagesordnung: 1. Wahl der Delegierten. 2. Vortrag des Genoffen Düwell über: Industrielle Ronzentration und Arbeiterinteressen. 3. Bericht und Neuwahl der Delegierten zur Berliner GewerkschaftsLommission. 4. Berschiedenes. Kleiner Zahlstelle Charlottenburg im Volkshaus, Rosinenstr. 3, Saal. Zahlstelle Rirdorf bei Thiel, Bergstr. 151. Rote zugunsten des Cecilienheims. 5793 Gewinne i. W. v. Mark 150000 Hauptgewinne Mark 50000 Lose à Mark 3.30. Stettiner Lose à 50 Pf. 11 Lose 5 M. Die Versammlungen der übrigen Zahlstellen finden in den Oscar Bräuer& Co. Nachf., betreffenden Verkehrslokalen statt. Puzer, abends 6 Uhr, in den neuen Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59, unterer Saal. Tagesordnung: 1. Wahl der Delegierten. 2. Vortrag des Stadtverordneten Genossen Emil 118/6 Böske über: Der Kampf zwischen Kapital und Arbeit. 3. Verschiedenes. Kollegen! Da in dieser Versammlung betreffs des§ 1 unseres Tarifs wichtige Mitteilungen gemacht werden, damit ein jeder von Ihnen weiß, wie er sich in Zukunft zu verhalten hat, ist es Pflicht, daß Sie für einen guten Besuch dieser Versammlung agitieren. Sektion der Gips- und Zementbranche in den neuen Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59, großer Saal. NB. Den Kollegen von Friedrichshagen und Umgegend gur Kenntnis, daß die Vibliothek für diesen Bezirk eröffnet ist und Bücher jeden Mittwoch, abends von 8-9 ühr, und Sonntag, vormittags von 10-12 Uhr, beim Kollegen nahme zur Affordarbeit. 4. Verschiedenes. Karl Hennig, Friedrichshagen, Seeftr. 117 ausgegeben werden. Achtung! Achtung! Die Kollegen, welche Erwerbslosenunterstützung ( Kranke) beziehen, werden hierdurch ersucht, ihre Unterstützung noch vor dem 1. Juli( Quartalsschluß) abzuheben. Ausgenommen davon sind alle diejenigen Kollegen, welche in Krankenhäusern oder Heilstätten sind und ihre Unterstützung nach Beendigung der Krankheit abheben. Die Ortsverwaltung. Zagesordnung: 1. Wahl der Delegierten. 2. Stellungnahme zur Tariffündigung. 3. Stellung1138/11 Zu allen Versammlungen legitimiert zum 8intritt das Mitgliedsbuch. Der Zweigvereinsvorstand. Andreasstr. 46a, Ecke Elumenstr. Fahrräder billiger! Fabrik. Neue Fahrräder 40,-, 45,- 50,-, in elegantefter Lupus ausfülrg. 10jährige Ga rantie 75. Laufbeden 1,50, Luftschläuche 1,50, Bedale 0,75 sowie sämtliche Radfahrbedarfsartikel; Uhren, Waffen, Masikinstrumente, Nähmaschinen usw. Man verlange fofort reich illustr., 186 Geiten starfen Hauptfatal. grat. u. itio. Berlin E. Machnow. Welamelsterstr. 14. Dr. Schünemann 25292* Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schüßenstr. 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Uhr. Zentral- Verband der Zimmerer H.Pfau, Bandagist Zablftelle Berlín und Umgegend. Mittwoch, den 24. Juni, abends 8½ Uhr, in Litfins Gesellschaftshaus, Memeler Straße 67: Deutscher Holzarbeiter- Verband. Außerordentliche Mitgliederversammlung. Zahlstelle Berlin. Donnerstag, den 25. Juni, abends 8, 1hr, im Rosenthaler Hof", Rosenthaler Str. 11/12: 17 Branchen- Verfammlung der Stellmacher. Tages- Ordnung: 1. Berichterstattung vom Verbandstage. 2. Branchenangelegenheiten. Die Kommission. 3. Berschiedenes. Einsetzer! Die regelrechte Branchen- Versammlung findet ausnahmsweise Am Sonntag, den 28. Jani, vormittags 9%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Saal 1, statt. Achtung! Stockarbeiter! Achtung! Mittwoch, 24. Juni, abends 5%, 1hr, in Feuersteins Festsälen ( Inh. Kube), Alte Jakobstraße 75: Branchen- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Bericht vom Verbandstage. 2. Werkstattangelegenheiten. 3. Verschiedenes. 86/1 J. A. Der Obmann. Zentralverband der Steinarbeiter. Berlin II. Mittwoch, den 24. d. M., abends 8 Uhr, bei Engel, Seydelftr. 30: Mitglieder- Versammlung Tages- Ordnung: 1." Der Wert der Organisation". Referent: Gemeindevertreter Wilh. Denzer. 2. Resultat der Urabstimmung über die Arbeitslosenunterſtügung. 3. Verschiedenes. 171/20 Diejenigen Stollegen, welche ihre Stimme über die Einführung einer Arbeitslosenunterstützung noch nicht abgegeben haben, können dies noch in dieser Versammlung tun. Die Ortsverwaltung. Zentralverein der Bildhauer Deutschlands. Verwaltung Berlin. Donnerstag, den 25. Juni, abends 8, Uhr: General- Versammlung im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, Saal 1. Tages Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Eusatwahl eines Zentralvorstandsmitgliedes, sowie eines Mitgliedes des Berliner Vorstandes. 3. Unsere Ertraunterstützung und Extrabeitrag. 4. Verschiedenes. 20/11 In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist zahlreicher Besuch notwendig. Der Vorstand. Würzburger Hühneraugenmittel bont Dr. H. Unger. Gegen 30 Pfennig auf 10 Pf. Anweisung frei. Dhne Zweifel die bequemste u. wirksamste Hülfe. Der Schmerz ist in 5 min. fort. Das Hühnerauge selbst in 3 Tagen.( Enthält Salicylsäure u. indischen Hanfertrakt.) Dr. H. 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Karl Piehi) Restaurant zum Oder- Spree- Kanal. 34142* Nachmittags von ca. 2 1hr an( halb nach ſtündlich) Boche 20 Bi., Sonntags 30 Bf. Restaurant Kyffhäuser. Manoli MANOLI Abbas Beste 3 Pig. Cigarette. Verantwortlicher Redakteur: Georg Davidfohn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin, Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co, Berlin SW. Hr. 144. 23. Iahrgaaz. 2. SkilHe des Jmättf Matt MsM Dikltstag. 25. M 1908. Das FSrSterdrama vom Müggelsee. Vor dem Schwurgericht des Landgerichts II begann gestern die Mehrtägige Verhandlung gegen den ehemaligen Forstlehrling Willy Schwarzenstein, der unter der schweren Anklage der Ermor- dung seines Vaters, des königlichen Försters Schwarz enstein steht. Den Vorsitz im Gerichtshofe führt Landgerichtsdirektor Schneider, die Anklage vertritt Staatsanwaltschaftsrat Schmidt. der Angeklagte wird durch Rechtsanwalt Dr. S ch w i n d t verteidigt. Geladen sind S9 Zeugen und Sach verständige. Vor Verlesung des Eröffnungsbeschlusses, der auf Mord lautet, erklärt der Angeklagte auf Befragen zu feinen Personalien: Er ist am 25. Juli 1887 zu Rehbrücke, Kreis Belzig, geboren und hat eine Vorstrafe wegen Betruges und schwerer Urkundenfälschung in Höhe von vier Monaten und zwei Wochen Gefängnis. Er ver büßt diese Strafe zurzeit während seiner Untersuchungshast. Vernehmung zur Sache. Präs.: Sie haben durch den Eröffnungsbeschlutz gehört, datz Sie unter der schweren Anklage des Verbrechens stehen, Ihren eigenen Vater vorsätzlich und mit Ueberlcgung getötet zu haben.— Angekl.(weinend): Ich habe meinen Vater nicht ermordet.— Präs. Ist das auch die Wahrheit?— Angekl.: Es ist meine volle Wahr beit.— Präs.: Wenn Sie der Täter sind, wenn Sie wirklich eine so entsetzliche Schuld auf sich geladen haben sollten, dann wäre es doch wohl das beste, Sie sühnten diese Schuld durch ein offenes, reumütiges Geständnis!— Angekl.: Wenn ich es gewesen wäre. würde ich es sagen!— Präs.: Bedenken Sie doch, Sie würden doch im Leben gar keine Ruhe mehr finden können, selbst wenn Sie frei- gesprochen werden sollten. Wenn Sie dann nach Hause kämen, da hängt an der Wand das Bild Ihres unglücklichen Vaters. Sie würden doch nicht die Augen zu dem Bilde des Vaters aufschlagen können!— Angekl.(weinend): Nein, das würde ich nicht fertig kriegen, meinen Vater zu töten. Selbst wenn ich ihn aus Fahr lässigkeit getötet hätte, würde ich es sagen. Ich habe meinen Vater nicht getötet!— Präs.: Von Fahrlässigkeit kann bei der ganzen Sachlage nicht die Rede sein. Sie sollen, wie man hört und liest, eine große Zuversicht besitzen. Ich will hoffen, datz dies die Zuver- ficht eines guten Gewissens ist.— Angekl.: Ich habe ein gutes Ge- wissen!— Präs.: Ich will hoffen und Ihnen wünschen, datz diese Zuversicht bis zu Ende der Verhandlung anhält. Es ist ja unge- heuerlich, datz der eigene Sohn aus dem Hinterhalt seinen Vater ermordet. Sie sollen gesagt haben, Sie könnten es gar nicht be» greifen, datz Ihnen so etwas nachgesagt werden könne. Sie können sich aber wohl denken, datz recht schwere Verdachtsmomente gegen Sie vorliegen müssen. Ich gebe Ihnen volle Redefreiheit und will Ihnen wünschen, datz es Ihnen gelingt, die schweren Verdachts- Momente aufzuklären und zu widerlegen, was bis jetzt noch nicht ge- langen ist. Angeklagter, Sie sind also geboren in Rehbrücke, wo Ihr Vater königlicher Förster war. Ihr Vater wurde dann nach der Försterei Markgrafpieske versetzt, wo Sie auch die Schule be- suchten. Im 16. Lebensjahre verließen Sie die Schule. Welchem Berufe wollten Sie sich nunmehr zuwenden?— Angekl.: Ich wollte, wie mein Vater, Förster werden und kam zu diesem Zweck im August 1602 auf die Förstervorbereitungsschule in Grotz-Schöne- deck. Ich kam dann zur praktischen Ausbildung zu meinem Vater. Im Oktober 1905 kam ich dann nochmals auf die Försterschule und legte hier die Prüfung ab. 1906 sollte ich Soldat werden. Es war dies zu meinem Berufe notwendig. Leider war ich zu schwach und wurde ein Jahr zurückgestellt. Bis zum Mai 1907 wurde ich dann unentgeltlich in der Oberförsterei Köpenick beschäftigt. Als ich 1907 ebenfalls von der Militärbehörde ein Jahr zurückgesetzt wurde, tourde ich beurlaubt.— Präs.: Sie suchten sich nunmehr eine Stellung und fanden eine solche in der Holzhandlung von Hermann Latic in Rummelsburg. Hier blieben Sie nur bis zum 30. November 1907. Weshalb blieben Sie eigentlich nicht länger in dieser Stellung?— Angekl.: Ich hatte großes Heimweh.— Präs.: Sagen Sie doch lieber die Wahrheit. Sie sind doch einfach entlassen worden.— Angekl.: Jawohl. Erst hatte ich Lust und Liebe zu dieser Arbeit, dann aber bekam ich Heimweh und vernachlässigte die Arbeit. Dies war der Grund meiner Entlassung. Nach der Entlassung. Präs.: Von diesem Augenblick an beginnt nun das Unheil, das sich dann später immer weiter fortsetzt. Der Anfang war, datz Sie Ihren Eltern verschwiegen, daß Sie aus Ihrer Stellung entlassen wurden. Weshalb taten Sie dies denn eigentlich?— Angekl.: Ich schämte mich vor meinem Vater und ich nahm mir fest vor, die Eni- lassung zu verheimlichen. Ich wollte bis zur nächsten Stellung beim Militär, die etwa im Februar stattfinden sollte, so tun, als ob ich eine feste Stellung in Berlin hatte, in Wirklichkeit wollte ich Adressen schreiben, um Geld zu verdienen.— Präs.: Was haben Sie denn zu Hause erzählt?— Angekl.: Ich erzählte, datz ich in Lichtenberg eine andere Stellung erlangt hätte und 100 M. Gehalt bekäme. Ich hätte in dieser Gelegenheit, auch die inländischen Hölzer kennen zu lernen, während ich bei Latic nur die ausländischen Hölzer kennen gelernt hatte.— Präs.: Sie bestärkten Ihre Eltern in dieser Unrichtigkeit dadurch, datz Sie pünktlich jeden Morgen nach Berlin fuhren. Wenn Sie eS als blutjunger Mensch fertig be- kommen, Ihre Eltern, vor allem Ihre Mutter, die Sie zärtlich lieb hatte, in dieser Weise zu täuschen, so ist das eine Unwahrheit, wie man Sie sich nicht schlimmer denken kann. Sie belogen Ihren Vater auch nach anderer Richtung hin und renommierten diesem gegenüber, sie hätten an einem Tage 14 Arbeiter entlassen und hätten täglich mehrere tausend Mark einzukassieren. Was haben Sie denn eigentlich die ganzen acht Wochen in Berlin angefangen? Es schwebt hierüber noch ein ziemliches Dunkel.— Angekl.: Ich habe mir alle Sehenswürdigkeiten in Berlin angesehen. Wieder- holt habe ich mich auch stundenlang zu Aschinger gesetzt und ge- Icsen._ Präs.: Sie sollen auch oft sehr spät nach Hause gekommen sein, so datz Ihr Vater sehr ungehalten war und auf Sie schimpfte. Sie sollen einmal eine Leiter von außen an den Zaun gestellt haben und hinübcrgeklcttert sein.— Angekl.: Ich bin vom Geschäft direkt nach Hause gefahren. Ich bin jedoch öfter in Friedrichshagen gewesen und von dort allerdings etwas spät nach Hause gekommen. — Präs.: Woher nahmen Sie nun eigentlich das viele Geld, das Sie doch für Ihren Aufenthalt in Berlin brauchten?— Angekl.: �abe vom Borg gelebt und mir überall Geld geliehen.— Präs.: Sie haben in Berlin auch leichtsinnige Streiche verübt und sollen mit Weibern Verkehr gehabt haben. Sie haben dies früher auch zugegeben?— Angekl.: Jawohl, mehrere Male.— Präs.: Als Sie seinerzeit entlassen wurden, er- hielten Sie Ihr Gehalt von 95 M. ausgezahlt. Was machten Sie denn damit?— Angekl.: Ich zahlte bei einem Kaufmann in Friedrichshagen 80 M. Schulden zurück. Tag der Tat. Vors.: In der Nacht zum 23. Januar wurde nun Ihr Herr Vater erschossen, und zwar ganz in der Nähe des Forsthauscs.— Angekl.: Jawohl.— Vors.: Wie weit liegt denn der Tatort von dem Forst- Hause entfernt?— Angekl.: Etwa 250 Meter.— Vors.: Jawohl, genau zwischen Rahnsdorfcr Mühle und dem Forsthause. Was haben Sie am Tage vor dem Tode Ihres Vaters unternommen?— Angekl.: Ich bin des Morgens mit meiner Mutter nach Neuzittau gefahren.— Vors.: Ihre Mutter hatte dort eine Erbschaft von 10 000 Mark gemacht. Sie begleiteten Ihre Mutter deshalb nach Zittau. Sie sind dann aber nicht mit der Mutter nach Hause ge- fahren.— Angekl.: Meine Mutter fuhr nach Berlin zu Wcrtheim, um einzukaufen. Ich redete ihr vor, datz ich noch in meiner Stellung nach den Arbeitern sehen müßte. Ich bin dann gegen 7 Uhr von Station Frankfurter Allee nach Hause gefahren. Ich traf meinen Vater nicht mehr an. Mutter erzählte mir, daß Vater zur Post nach Friedrichshagen gegangen sei. Da mein Fußgelenk sehr schwach ist und ich Schmerzen hatte, zog ich mir die Stiefel aus und atz dann Abendbrot. Während ich noch die.Forstzeitung" las, sagten die Kinder, sie gingen zu Bett. Ich sagte, ich käme gleich nach. Ich bin dann nach oben gegangen, wo meine acht- jährige Schwester und die Erna Schmidt mit mir in einem Zimmer schliefen.— Der Angeklagte erklärt weiter: Er sei dann noch ein. mal herunter gegangen» weil er noch ein wenig Hunger hatte und eine Stulle essen wollte.— Präs.: Das ist doch sehr seltsam, denn Sie hatten doch eben erst Abendhrot gegessen.— Angekl.: Ich habe mir im Etzzimmer eine Schmalzstulle zurechtgemacht und bin dann in die Küche gegangen, habe Wasser getrunken und bin noch ein- mal draußen gewesen, um ein kleines Bedürfnis zu befriedigen.— Präs.: Bisher haben Sie noch kein Sterbenswort davon gesagt, daß Sie noch einmal draußen waren. Das ist ganz neu.— Angekl.: Ich habe meines Wissens das schon früher gesagt oder ich habe es vergessen.— Präs.: Sie haben doch in der Einsamkeit der Zelle Zeit genug gehabt, über alle Dinge sorgsam nachzudenken, und wollen ein solch wesentliches Moment vergessen haben?— Angekl.: Ich war im Anfange meiner Untersuchungshaft sehr bestürzt und zerstreut.— Präs.: Sie sollen nach den Beobachtungen verschiedener Zeugen gar nicht bestürzt gewesen sein und nicht ein Benehmen gezeigt wie ein Sohn, dessen Vater meuchlings erschossen worden ist. Sie treten auch heute gar nicht so auf, als ob Sie unter der schweren Anklage des Vatermordes stehen. Sie treten hier so auf, als ob Sie kein Wässerchen trüben könnten. Und dabei haben Sie acht Wochen hindurch Ihre Eltern und Ihre Mutter, die Sie so liebte, fortgesetzt betrogen. Das zeigt doch, dag der Grundzug Ihres Wesens nicht Wahrhaftigkeit, sondern UnWahrhaftigkeit ist. — Angekl.: Ja, ich hätte nicht die Dummheit machen sollen, meinen Eltern etwas vorzureden.— Präs.: Das sind keine Dummheiten, sondern Schlechtigkeiten!— Der Angeklagte erklärt aus Befragen weiter: Er sei an dem Abend alsdann oben in seine Stube ge- gangen, wo er mit seiner Schwester und der Erna Schmidt seine Schlafgelegenheit hatte. Erna Schmidt war schon ins Bett ge- gangen und er habe die Tür zugeschlossen, die Lampe ausgelöscht und habe sich im Dunklen ausgezogen.— Präs.: Warum zogen Sie sich im Dunklen aus? Das soll doch sonst nicht vorgekommen sein.— Angekl.: Das kam öfter vor.— Präs.: Die Anklage sagt: Sie hätten sich fast angezogen ins Bett gelegt.— Angekl.: Nein, ich war vollständig ausgezogen. Als ich mir die Strümpfe auszog, sah ich, datz mein schmerzender Fuß angeschwollen war. Ich schloß dann die Tür nochmals auf und warf die Strümpfe, die schlecht waren, hinaus.— Präs.: Aber Angeklagter, Sie bringen ja jetzt lauter neue Tatsachen vor! Die Tür wollen Sie dann nicht wieder verschlossen haben?— Angekl.: Nein.— Präs.: Das ist doch gar nicht möglich, datz Sie die Tür aufgeschlossen und die Strümpfe hinausgeworfen haben. Da hätten Sie ja am nächsten Morgen auf klotzen Füßen an die Mordstelle gehen müssen.— Angekl.: Ich habe mir am nächsten Morgen Ernas Strünipfe rasch angezogen.— Präs.: Das werden wir durch die Beweisaufnahme feststellen müssen. Jedenfalls ist es ganz neu, was Sie hier vorbringen. Das Moment der ge- öffneten Tür gehört doch zu den Hanptverdachtsmomentcn, und da haben Sie in der langen Zeit nichts von dem gesagt, was Sie heute behaupten.— Staatsanwaltsrat Schmidt: Auf dieses wichtige Moment ist der Angeklagte wiederholt hingewiesen worden.— Präs.: Hören Sie, Angeklagter, wenn es unwahr ist, was Sie heute sagen, dann verstehen Sie es gut, sich herauszulügen, wenn es aber wahr ist, dann ist es unbegreiflich, datz Sie es ftüher nicht gesagt haben.— Rechtsanw. Dr. Schwindt: Ich möchte das Verhalten des Angeklagten einigermaßen erkläre». Als ich die Verteidigung übernahm und den Angeklagten auffuchte, konnte ich von ihm zunächst gar keine rechte Auskunft erlangen. Er war eigentlich wie ein Stück Holz. Vor drei bis vier Wochen wurde der Angeklagte ein ganz anderer. Er erklärte mir: Er sei ein ganz anderer, geworden, nachdem der Anstaltsgeistliche meine Anklageschrift gelesen und sie mir mit dem Bemerken zurück- gegeben hatte:„Schwarzenstein, jetzt glaube ich Ihnen, datz Sie unschuldig sind! Ich lasse Sie zum Abendmahl zu." Der An- geklagte war nun mit einem Male ein ganz anderer, sein Be- nehmen war plötzlich viel frischer und freier. Ich hatte den Ge- ängnisgeistlichen zunächst als Zeugen angeben wollen, er bewog mich aber, es nicht zu tun, weil er meinte, es würde sich dann öfter wiederholen, daß man ihn als Zeugen vorladen möchte; er verwies außerdem auf sein Amtsgeheimnis.— Präs.: Das kann ich mir aber kaum denken, datz der Anstaltsgeistliche sich in dieser Weise ausgedrückt habe. Das würde doch ein autzerordentlich be« denkliches Verfahren sein!— Angekl.: Es ist wahr. Als der Herr Geistliche mir die Anklage, die er gelesen, zurückgab, sagte er zu mir:„Ich glaube Ihnen jetzt, datz Sie die Tat nicht begangen haben." Herr Präsident, ich bin unschuldig, und seitdem der Geistliche mir das gesagt hatte, fühlte ich mich wesentlich gestärkt. Der Angeklagte bekundet weiter auf die Fragen des Präsi- denten: Als am nächsten Morgen die beiden Arbeiter kamen, die den Vater am Boden hockend aufgefunden hatten, habe er zunächst das Klopfen und den Lärm nicht gehört. Er sei dann von Mchlisch mit dem Bemerken geweckt worden, datz zwei Männer da seien, die etwas mitzuteilen hätten. Er habe dann die beiden Männer gefragt, was es denn so früh schon gebe? Die Antwort war: sie hätten einen am Forstacker gefunden; es sei ein Mann in Förster- kleidung, mit einem Vollbart und einem Siegelring am Finger. Er sei dann in seines Vaters Zimmer gegangen und als er den Vater nicht vorfand, da sei ihm der Gedanke gekommen, datz es ich nur um seinen Vater handeln könne. Es fei ihm der Gedanke )urch den Kopf geschossen: der Vater sei vielleicht im Gasthaus itzen geblieben, habe Skat gespielt und sei vielleicht im trunkenen Zustande zu Boden gesunken. Cr sei dann mit den Männern ge- gangen und habe seinen Vater entseelt in hockender Stellung und mit entblößtem Hinterteil vorgefunden. Ihm sei bei diesem An- blick das Blut zu Kopf gestiegen, ihm sei in seinem Leben noch nie o zu Mute gewesen.— Präsident: Sie sollen gar nicht sehr auf- geregt gewesen sein, sondern ziemlich ruhig gesagt haben:„Nanu, was ist denn hier passiert? Das ist ja mein Vater!" Der Ange- klagte bestreitet, daß sein Benehmen beim Auffinden der Leiche und bei den weiteren Anordungen zum Transport der Leiche und einen Mitteilungen über das Vorkommnis an seine Mutter ein ungewöhnliches und verdächtiges gewesen sei.— Präsident: Welche Gedanken hatten Sie denn nun, als Sie den Vater tot auffanden? — Angeklagter: Den Gedanken, datz ein Racheakt vorlag, mutzte ich aufgeben, denn Vater hatte keine Feinde; er hat in seinem Revier niemand wegen Wilddiebstahls anzuzeigen Veranlassung gehabt. Wenn die Tat eines Wilddiebes in Frage käme, dann würde es sich nur um eine Fahrlässigkeit handeln können.— Präsident: Früher waren Sie anderer Ansicht, da hielten Sie einen Racheakt nicht ür ausgeschlossen.— Angeklagter: Ich habe früher gesagt: mein Vater hatte als Privatmann keine Feinde, aber vielleicht als Beamter.— Präsident: Wie stellen Sie sich denn wohl diese„Fahr- lässigkeit" vor? Es war doch eine verhältnismäßig helle Nacht. Sachverständige haben bei gleicher Beleuchtung Proben gemacht.— Angeklagter: Ich denke mir, Vater hat ein Bedürfnis zu verrichten gehabt,« hgt sich niedergehockt und ein Wddieb hgt M in dieser Stellung vielleicht für ein Stück Wild angesehen. Vielleicht ha> auch ein Wilderer gedacht, der Forstbeamte, den er sah, habe aus ihn angelegt und er sei ihm dann zuvor gekommen und hat aus Vater geschossen.— Präsident: Ihre Verhältnisse, Angeklagter. drängten, wie die Anklage hervorhebt, zum Zusammenbruch. Sie hatten an allen Ecken und Enden geborgt, Sie wußten nicht mehr aus noch ein, Sie mutzten an dem kritischen Tage eine Entdeckung fürchten. Wenn Sie der Täter sein sollten, dann konnten Sie keine bessere geeignetere Nacht wählen, als die hier in Frag« kommende. Sie mutzten sich— wenn Sie der Täter wären— eine Frostnacht aussuchen, in der es so hell war, datz sie sicher ziele» konnten. Sie durften keine Nacht wählen, in der Schnee gefallen war. ebenso keine Nacht, in der oer Boden weich war, denn sonst würden Futzspuren zurückgeblieben sein. Sie mutzten eine Gc» legenheit wählen, wo Sie wußten, datz der Vater in Rahnsdorf weilte und spät zurückkehrte. Sie mutzten auch wissen, welchen Weg Jhv Vater einschlug und daß die günstigste Gelegenheit zur Ausführung der Tat war, wenn Sie sich hinter die Hecke stellten. Sie mutzten— immer unter der Voraussetzung, datz Sie der Täter wären— auch eine Stacht wählen, wo der Vater ohne den Hund nach Rahnsdorf ging.— Angeklagter: Diese Voraussetzung trifft aber entschieden nicht zu; ich habe niemals den Gedanke» gehabt, meine« Vater zu erschießen und habe eine solche Tat nicht begangen. Wenn ich eine solche Tat hätte begehen wollen, dann hätte ich viel günstigere Gelegenheit gehabt, wenn ich ihn auf einem gemeinsamen Gange im Walde er- schössen hätte, denn wenn man ihn dann dort tot aufgefunden hätte, würde wohl niemand gezweifelt haben, datz die Tat eines Wilderers vorlag. Der Vorsitzend« erörterte alsdann mit dem Angeklagten feine Geld- und Schuldenverhältnisse. Vorsitzender: Sie haben früher selbst gesagt, Sie mutzten tag- lich die Entdeckung und den Zusammenbruch befürchten. Sie haben doch überall gepumpt, selbst von den Bahn- steigschaffnern haben Sie sich Fahrkarten geborgt, von einem Bar» bier 1 M. Außerdem wollten Sie eine Menge anderer Leute an- borgen.— Angeklagter: Ich wollte mir auch 300 M. borgen und meine Schulden damit bezahlen. Diese Summe wollte ich dann, sobald ich Stellung hatte, in Raten abbezahlen.— Vorsitzender: Warum haben Sie sich nicht an Ihre Mutter gewendet, iüw Sie doch voll vertrauen konnten? Sie haben im Gegenteil Ihrer Mutter noch 25 M. zu Weihnachten geschenkt, die Sie sich selbst geborgt hatten. Sie hatten Ihr aber erzählt, datz dieses Geld von Ihrem Gehalt wäre.— Angeklagter: Jawohl, das ist richtig.— Vorsitzender: Was meinen Sie. was Ihr Bater gemacht hätte, wenn er alle Ihre leichtsinnigen Streiche erfahren hätte, ganz ab- gesehen von der Urkundenfälschung?— Angeklagter: Vater hätte sich sehr aufgeregt und hätte Skandal gemacht.— Borsitzender: So, weiter nichts. Sie scheinen ja sehr optimistische Hofftiungen zu haben.— Angeklagter: Die Szene hätte einen Tag gedauert und dann wäre alles in Ordnung gewesen. Ich wäre dann vielleicht strenger behandelt worden.— Vorsitzender: Man kann aber auch sehr gut der Meinung sein, daß Ihr Vater Sie einfach aus dem Hause gejagt hätte.— Angeklagter: Nein, das hätte Vater nicht getan, wenn er auch noch so böse gewesen wäre. Ja, ich habe meine Eltern und den Herrn Forstmeister beschwindelt und bin leichtsinnig gewesen, das ist doch aber noch kein Mord.— Vorsitzender: Es kommt nun noch ein zweiter schwerwiegender Punkt hinzu, auf den sich die Anklage stützt. Der Knecht Mehlisch be« hauptet, datz er am Abend das Hoftor verschlossen hatte. Am nächsten Morgen wurde es aber unverschlossen auf- gefunden, so daß während der Nacht jemand das Haus verlassen haben mutzte. Sie sagen jetzt, datz Sie das Haus am Abend noch einmal verlassen haben. Hiervon haben Sie bis jetzt noch nie etwas gesagt. Noch auffälliger ist es aber, datz Sie, als Mehlisch seiner- zeit angab, er habe das' Tor abends verschlossen, es versucht haben sollten, auf sein Zeugnis einzuwirken.— Angeklagter: So ist es nicht gewesen. Ich habe mit Mehlisch über die Sache gesprochen, nachdem mich der Kriminalkommissar Leonhardt über meine Schulden usw. befragt hatte. Ich sagte ihm hierbei, das höre sich beinahe so an, als ob ich es schließlich noch gewesen sein sollte. Irgendeinen Einfluß auf die Aussage des Mehlisch habe ich nicht gehabt.— Vorsitzender: In der Stube Ihres Vaters stand ein Schrank mit Gewehren, und diese sollten am nächsten Morgen durch die Gendarmerie-Oberwachtmeister geprüft werden, da auch Mehlisch, der von dem Erschossenen öfter geprügelt worden war, in den Verdacht geraten war. Als Sie nach den Flinten gefragt wurden, sprachen Sie immer nur von der aufgefundenen Büchs- flinte, nicht aber von Ihrer eigenen Flinte, die jetzt hier auf dem Gerichtstisch liegt. Erst als Sie direkt gefragt wurden, gaben Sie an, Ihr Vater hätte die Flinte zum Büchsenmacher nach Fürsten- Walde gebracht. Als die Beamten hierauf näher eingingen. änderten Sie rasch die Aussage und erklärten, datz Ihr Bruder Ihre Flinte mitgenommen hatte. Sie wußten doch, datz dies nicht richtig ist, da Sie längst nach dem Dortsein Ihres Bruders mit der Flinte geschossen hatten. Wann haben Sie denn das letzte Mal mit dieser Flinte geschossen?— Angeklagter: Ich war seiner- zeit nicht ganz klar, welche Flinte gemeint war, und hatte damals immer von einer anderen Flinte gesprochen. Mit meiner Flinte habe ich am Sonntag vor Neujahr das letzte Mal geschossen.— Vorsitzender: Es ist doch aber sehr auffällig, datz die Flinte am nächsten Tage urplötzlich wieder da war.— Angeklagter: Ja, ich habe die Flinte selbst beim Herumkramcn unter dem Lodenmantel meines Vaters zwischen seinen hohen Stiefeln und einem Ruck- sack an die Wand gelehnt aufgefunden und habe auch sofort hier- von Mitteilung gemacht. Es wird mir zur Last gelegt, ich hätte die Flinte versteckt. Es wäre dies doch ganz unsinnig, denn wenn ich es fertig gebracht hätte, meinen armen Vater zu erließen, so hätte ich auch noch genügend Gelegenheit gehabt, tzie Flinte heimlich zu reinigen. Ich kann nur immer wieder sagre� ich habe ein reines Gewissen, ich habe meinen Vater nicht cr�aioffen.— Vorsitzender: Sie selbst haben in einem Protokoll gesagt, ein besonders inniges Verhältnis zwischen Ihnen und Ihrem Vater habe nicht bestanden. — Angeklagter: Ich hatte meinen Vater lieb. Es ist aber eine gewisse Trennung eingetreten, als ich selbständiger wurde und die Stellung annahm.— Vorsitzesider: Es ist sehr auffällig, datz Sie es bisher immer so gehalten haben, wenn Ihnen etwas Uu- bequemes und Verdächtiges vorgeworfen wurde, so waren Sie immer bestürzt und sprachlos und haben überhaupt nicht mehr geantwortet. Es schwebt, wie ich noch mitteilen will, gegen Sie noch ein Verfahren wegen Wilddieberei; Sie sollen Hasen verkauft haben. Außerdem sollen Sie auch Rehwild geschossen und verkaust haben.— Rechtsanwalt Dr. Schwindt teilt mit, daß in einer vor der gerichtlichen Vernehmung an ihn gelangten Information des Angeklagten dieser den Sachverhalt genau so dar. gestellt habe, wie er es heute. tue und keinerlei Widersprüche zu entdecken seien.— Die Vernehmung des Angeklagten ist hiermit beendet. Die Zeugen. Als erste Zeugin wird die 14jährige Erna Schmidt vernommen, die beim Förster Schwarzenstein in Pflege war. Sie schlief zu- sammen mit der achtjährigen Grete Schwarzenstein und dem An- geklagten in einem oberen Zimmer des Försterhauses. Das Bett des Angeklagten stand an der Tür. Als man im Forsthause am 22. Januar anfangen wollte, zu Abend zu essen, sei Willy auch MMesen M> hadö mitgogejsW. Etwa ein Stunde später feien sie M Den gegtnrgnt SM fei«s YSniNlsgsgaliym, havr ffy vvn nicht gleich ins Bett gelegt, sondern sei noch einmal heruntergegan- gen. nm sich eine Stulle zu holen. Nach S— 10 Minuten sei er wiedergekommen und habe die Türe zweimal zugeschlossen. Es ist ihr aufgefallen, daß der Angeklagte die Lampe sofort ausgepustet hat und sich dann erst auszog, was sonst nicht geschah. Beim Abend- essen habe Willy schon über seinen Fuß geklagt. Ob sich der Ange- klagte mit dem Anzug ins Bett gelegt, weiß die Zeugin nicht. Sie weiß auch nicht, ob der Angeklagte nach dem Auspusten des Lichtes noch einmal hinausgegangen ist, oder ob er die Tür geöffnet und seiiw Strümpfe hinausgeworfen hat. Als am nächsten Morgen der Knecht Ernst Mehlisch an die Tür geklopft und den Angeklagten geweckt hatte, weil zwei Männer ihn sprechen wollten, habe er seine Strümpfe nicht finden können und deshalb die ihrigen angezogen. Auf weiteres Befragen meint die Zeugin, daß nach dem Auffinden der Leiche der Angeklagte nicht sehr traurig war und nur geweint habe, wenn Leute kamen. Als das Fehlen der Flinte des Willy zur Sprache kam, habe Frau Schwarzenstein zu ihr gesagt: wenn sie gefragt werde, solle sie nur sagen, daß Otto Schwarzenstein die tflinle zu Weihnachten geputzt habe. Schließlich bekundet sie, daß der Angeklagte öfter seine Strümpfe zur Tür hinausgeworfen habe. Die nächste Zeugin ist die kleine Gertrud Schwarzenstein, die achtjährige Schwester des Angeklagten. Sie bestätigt im Großen und Ganzen die Aussagen der Vorzeugin, weicht jedoch in einigen Punkten von ihr und auch von ihren früheren Aussagen ab. U. a. erklärt sie aus eigenem Antriebe, daß der Angeklagte nach dem Auslöschen der Lampe noch einmal die Tür geöffnet und etwas herausgeloorfen habe. Früher hat sie von dieser Tatsache nichts gesagt, sodah der Vorsitzende sie eindringlich examiniert, wieso sie denn jetzt plötzlich mit dieser wichtigen Tatsache hervortrete und ob ihr vielleicht jemand gesagt habe, was sie hier aussagen solle. Die Zeugin verneint dies aber standhaft und bleibt dabei, daß ihr diese Tatsache erst nach einiger Zeit eingefallen sei. Sie geht auch nicht von der Darstellung ab, daß der Angeklagte wirklich die Tür noch einmal geöffnet und etwas hinausgeworfen habe. Zuerst erklärte sie beständig, daß sie nicht wisse/ was dies gewesen sei, dann aber kam sie mit der Bemerkung hervor, daß es Strümpfe gewesen seien. Amtsrichter Dr. Matz(Köpenick) macht Bekundungen über die Tätigkeit der Gerichtskommission.die sich nach geschehener Meldung von dem Verbrechen an den Tatort und später in das Forsthaus begeben hatte. Zuerst habe man an einen Racheakt gedacht, da ver- lautet«, daß der Förster Schwarzenstein an seiner früheren Dienst- stelle Reibereien mit Wilddieben gehabt haben solle. Dann wurde der Verdacht gegen Mehlisch erwogen, auf eine dahingehend« Frag« an den Angeklagten erfolgt« aber ein glattes Rem! als Antwort. Der Angeklagte betonte dabei, daß Mehlisch vom Schießen keine Ahnung habe. Gegen Willy Schtvarzenstein lag damals noch keinerlei Verdacht vor. Gegen den Angeklagten Schwarzenstein schwebt zurzeit bei dem Amtsgericht Köpenick ein Strafverfahren wegen Wilderns. Wie Herr Forstmeister Kottmeyer bestätigen wird, wurde in der fraglichen Gegend sehr viel gewildert. Dortige Einwohner hörten sehr häufig des Nachts in der Nähe des Forst- Hauses Schüsse fallen. Seit der Angeklagte verhaftet ist. haben die Schüsse aufgehört. Der Angeklagte soll die Wildereien mit einem Kuhknecht Röllke unternommen haben. Dieser Röllke ist seit jener Zeit spurlos verschwunden. Alle Bemühungen, ihn aufzu- finden, sind ohne Erfolg geblieben. Nach einstündiger Pause verkündet der Vorsitzende, daß die Be- sichtigung des Tatortes morgen, Dienstag, früh 8 Uhr, an Ort und Stelle stattfinden soll. Kriminalkommissar Leonhardt hat die Recherchen geleitet. Als der Zeuge in das ForsthauS kam, war das Verhalten des An- geklagten eigentümlich. Er lag auf dem Sofa und weinte zunächst nicht; nachher vergoß er einige Tränen, die jedoch bald versiegten. Ich ging dann, so bekundet der Zeuge weiter, in das Zimmer, wo die Gewehre standen. Da stellte sich heraus, daß das eigene Ge- wehr, welches der Angeklagte selbst benutzte, fehlte. Er sagte zuerst, es sei in der Reparatur in Fürstenwalde, dann änderte er seine Aussage und meinte, sein Bruder habe es nach Thüringen mitgenommen. Erst abends, als ich nach Hause fuhr, machte mich der Zeuge Kowalewski darauf aufmerksam, daß, abgesehen von jenen, Gewehr, ein Gewehr fehlte, welches der Angeklagte perfön- lieh zu benutzen pflegte; er erzählte auch von Erbschaftsstreitereien, die in der Familie obwalteten. Die beidsn Arbeiter, die den Er- fchossenen zuerst gefunden, hatten auch gesagt, daß das Benehmen des Angeklagten an der Leiche so gewesen sei, als ob ein Stück Vieh dagelegen hätte. Das machte mich stutzig. Mein Verdacht wurde noch reger,, als ich am nächsten Tage wieder ins Forsthaus kam und das Gewehr plötzlich da war. Er sagte, er habe es in einer Ecke in des Vaters Arbeitszimmer gefunden, wo allerdings Kleider hingen. Aber die Ecke war tagS vorher ganz genau untersucht worden. Als ich ihn fragte, wann denn das Gewehr zum letzten Male gebraucht sei, antwortete er:„Ach. mit diesem Ding kann man überhaupt nicht mehr schießen, es sei so klapprig, daß sein Vater schon Ausgang November oder Anfang Dezember verboten habe, es zu benutzen. Zuletzt sei es am dritten Weihnachtsfeiertage geputzt worden." Das stimmte aber nicht. Es war außen auf- fällig blank, und eS mußte ganz frisch daraus geschossen worden sein. An demselben Tage hatte ich inzwischen festgestellt, daß der Angeklagte Urkunden gefälscht und Schulden hatte. Am 24, Januar ist die Hilfe von drei Polizeihunden in Anspruch genommen worden. Sie wurden auf die Spur hinter dem Eichbusch gesetzt und haben nacheinander eine bestimmte Fährte ganz übereinstimmend verfolgt. Auffallend war das Verhalten der„Nixe". Diese umkreiste den Angeklagten, der mit anderen Personen auf einem kleinen Hügel dem Versuche zusah, mehrere Male. An der Fußspur konnte nur die Größe des Hackens ge- messen werden. Der Zeuge mißt die Hacken der Stiefel des An- geklagten und stellt fest, daß die Größe de? HackenS nicht ganz genau übereinstimmt, die kleine Differenz ergibt sich aber leicht daraus, daß die Spur eben etwas in den Boden breiter ein- gedrückt wird. Forstmeister Kottmeyer-Köpenick ist als Amtsvorsteher als erster am Tatorte gewesen und hat die ersten Feststellungen ge- troffen, namentlich bezüglich der Schußrichtung. Als der Zeuge ins ForsthauS kam, lag der Angeklagte auf einem Sofa und kühlte seinen Fuß. Da kam dem Zeugen blitzartig vorübergehend der Gedanke eines möglichen Zusammenhanges dieser angeblichen Fußkrankheit mit der Tat, daß sie vielleit nur simuliert fei, um irgend einen Verdacht nicht aufkommen zu lassen. Der momentane Verdacht schwand aber wieder; denn als der Zeuge ihm sagte, er solle nur machen, daß das Bein bald wieder gesund werde, antwortete er:„Ach, es wird schon besser werden, denn der Doktor kommt heute wieder." Tatsächlich war aber der Arzt noch gar nicht dagewesen, während die Aeutzerung des Angeklagten anzudeuten schien, bah der Arzt schon tags vorher dagewesen sei. Auf eine bezügliche Frage des Vorsitzenden grbt der Zeuge theoretisch die Möglichkeit einer fahrlässigen Tötung durch einen Wilderer oder jemand, der Karnickel schießen wollte, zu. Was die Persönlichkeit des Verstorbenen betrifft, so sei dieser seit 1904 in dem Revier und ein gutmütiger und beliebter, sehr nachsichtiger Beamter gewesen. Oberförster Waflmann war seinerzeit in der Oberförsterei Köpenick angestellt. Er hat zwei Tage später an dem'Tatorte eine Probe, bei der er den Borfall, wie er sich mutmaßlich zu» getragen hatte, rekonstruiert. Der Zeuge hat schon SO Schritte vorher deutlich gehört� wie ein Mensch die Chaussee entlang kam.— Vorsitzender: War an jenem Tage, als Sie den Versuch unternahmen, der Erdboden wie in der MorZnacht gefroren?— Zeuge: Nein. Es regnete an diesem Abend.— Vor- sitzender: Der Boden war also weicher, so daß man bei fest- gefrorenem Boden viel eher Schritte eines Menschen hören mußte? — Zeuge: Jawohl.— Vorsitzender: Sie haben ganz deutlich eine menschuche Gestalt erkennen können und nicht etwa zu der Mei. nung gelangen können, daß es sich um ein Reh handele? Ich fxa&t dies deshalb» tssil im. AaMsüte be&naiiiä behaMech daß I seiü Bafft wSglicheMerse SM ettfein WWeStt für nti Reh gehalten und fahrlässig erschossen worden ist.— Zeuge: Ich hätte bestimmt, auch bei noch schlechterer Witterung einen Menschen erkannt.— Vorsitzender: War Ihnen der Angeklagte als guter Schütze bekannt?— Zeuge: Jawohl! Die Arbeiter Wolter und Büscher haben den Erschossenen zu- erst gefunden und sind nach dem Forsthause gegangen, um Mel- dung zu machen. Das Hostor stand offen, die Haustür war auch nicht verschlossen; es bedurfte aber der größten Anstrengung, um sich den schlafenden Hausbewohnern gegenüber bemerkbar zu machen. Als der Angeklagte herunterkam und sich von den Zeugen hatte melden lassen, daß sie jemand am Boden liegend gesunden hätten, hat er aus der Beschreibung ersehen, daß es sich wohl nm seinen Vater handeln müsse. Am Tatort habe er sich auffällig be- nommen. Er sei gar nicht sehr bestürzt oder entsetzt gewesen, sondern habe, als er die Schußwunden gesehen, bestätigt, daß der Vater erschossen sei. Er habe die Leiche gar nicht berührt, sondern nur gesagt:„Wenn ich den grünen Rock tragen werde, dann heißt eS: Rache!" Der Angeklagte wollte dann auch darauf hinaus, daß der Tote weggebracht werden müßte, die Zeugen erklärten jedoch, daß man ihn bedecken und zunächst Anzeige erstatten sollte. Das lieb- und„gefühllose Verhalten des Angeklagten ist den beiden Zeugen so aufgefallen, daß sie gegenseitig der Vermutung Ausdruck gaben, der Angeklagte scheine etwas von dem Morde zu wissen. Gehinkt habe der Angeklagte nicht. Der Angeklagte bestreitet, sich gefühllos gezeigt zu haben. Er sei Nur so konsterniert gewesen, daß er ganz fassungslos war. Rechtsanwalt Dr. Schwindt bemerkt hierzu: Nach der In- formation, die ihm der Angeklagte gegeben, habe dieser ein Gruseln vor einer Leiche und könne eine solche nicht berühren. Dies sei auch bei dem Tode seines Großvaters der Fall gewesen. Der Schlossermeister John sowie die Handschuhfabrikanten Zersch und Strauch aus Rahnsdorf sind die Partner des Er- mordeten bei seiner letzten Skatpartie gewesen. Sie bekunden übereinstimmend, daß der Förster Schwärzenstein keine Feinde hatte. SanitätSrat Jacoby(Friedrichshagen) bekundet als Zeuge und Sachverständiger folgendes: Er sei am 23. Januar telephonisch wegen einer Fußverletzung des jungen Schwarzenstein nach dem Forsthause bestellt worden. Hier sei er gegen 10 Uhr emaetroffen. Eine Untersuchung habe ergeben, daß tatsächlich am linken Fuß- gelenk eine leichte Schwellung und Verfärbung zu konstatieren war. Schon am nächsten Tage habe er ihn wieder am Tische sitzen sehen und Todesanzeigen schreiben. Die Schwellung könne durch starkes Laufen oder einen Sprung entstanden sein.— Vorsitzender: Halten Sie es für möglich, daß der Angeklagte diese Verletzung simuliert hat?— Zeuge: Es handelte sich zwar um eine äußerst geringfügige Verletzung, eine Simulation war aber völlig ausgeschlossen. Es wird sodann der Fürsorgezögling Ernst Mehlisch vernommen und von dem Vorsitzenden ernstlich zur Wahrheit vermahnt. Er ist jetzt in der Anstalt zu Strausberg und war vom Jahre 1904 ab bei dem Förster Schwarzenstein, wo es ihm sehr gut gefallen hat. Er hatte dort reichlich zu tun, denn er war sozusagen „Mädchen für alles", mußte auch das Bich besorgen und wenn Gäste da waren, mutzte er auch Kellner spielen. Mit dem Angeklagten stand er so gut, daß er sich mit ihm duzte. Er schlief im Keller des Forsthauses. Er hat am Abend des Mordes, nachdem er Kartoffel geschält hatte, sich in den Keller zur Ruhe begeben, nachdem er die Haustür zugeschlossen, den Schlüssel zweimal herumgedreht und ihn auf ein kleines Fenster gelegt hatte. Am anderen Morgen, als die Männer, die den Leichnam gefunden hatten, kamen und Spektakel machten, hat der Schlüssel in der Haustür gesteckt und die Haustür stand offen. Es mußte also jemand die Haustür von innen schon geöffnet gehabt haben. Willy Schwarzenstein konnte trotz des Lärms erst schwierig geweckt»oerden. Vor der Tür der Schlafstube des Willy hat der Zeuge Strümpfe nicht liegen sehen. Er hat auch nicht bemerkt, daß Willy Schtvarzenstein einen schlimmen Fuß hatte; erst nachher habe derselbe zu hinken äuge- fangen. Der Zeuge bestreitet auf Vorhalt, daß er etwas in den Holzstall getragen habe und daß dies Willys Gewehr gewesen sein könnte. Obgleich er die Reinigung der Wohnung unter sich hatte, hat der Zeuge ein Gewehr in der Ecke des einen Zimmers, wo es angeblich sich vorgefunden haben soll, nicht bemerkt. Schließlich bekundet er, daß er nichts davon wahrgenommen habe, daß der An- geklagte, wie dieser behauptet, noch einmal aus seiner Stube her- untergekommen und herausgegangen sei. Der Angeklagte bleibt trotz aller Vorhaltungen bei seiner mit dieser Zeugenaussage nicht übereinstimmenden Darstellung, daß er nochmals herabgekommen sei, der Schlüssel in der Tür gesteckt und letztere offen gestanden habe. Rechtsanwalt Dr. Schwindt sieht keinen vernünftigen Grund, warum der Zeuge die Tür abgeschlossen und sie nicht einfach offen gelassen habe, da der Förster doch gesagt habe, er komme von der Post bald wieder.— Der Zeuge erwidert, daß die Frau Förster ge- sagt habe: ihr Mann sei doch wohl eingekehrt. Da der Förster seinen eigenen Schlüssel hatte, habe er, wie ihm vorgeschrieben war, die Haustür von innen verschlossen, den Schlüssel abgezogen und auf das Fensterbrett gelegt. Wer die Tür später geöffnet,"nsse er nicht.— Präsident: Nachdem Sie das erste Mal wahrheitsgemäß ausgesagt hatten, haben Sie bei Ihrer zweiten Vernehmung gesagt: Sie könnten sich doch geirrt haben; denn möglnhertveise sei das. was Sie auf den 23. Januar verlegten, an einem anderen Abend geschehen. Wie ist denn das gekommen? Nachher haben Sie dann wieder der Wahrheit die Ehre gegeben. Zeuge Mehlisch: Willy Schwarzenstein ist extra zu mir in den Keller gekommen und hat gesagt:„Hör' mal Ernst, Du hast gestern ausgesagt: Du habest die Tür zugeschlossen und am Morgen sei sie offen gewesen. Wenn jemand noch einmal nach der HauStur fragt, dann sage nur: Du hast nicht zugeschlossen, Du kannst Dich geirrt haben.— Der Zeuge bleibt bei dieser Aussage trotz vieler Vorhaltungen des Angeklagten und des Rechtsanwalts Dr. Schwindt. — Der Angeklagte bestreitet die Behauptung des Zeugen und erklärt, daß er dem Zeugen nur sofort vorgehalten habe, wie er eine so falsche Aussage machen könne.— Rechtsanwalt Dr. Schwindt läßt sich vom Amtsrichter Dr. Matz bestätigen, daß laut Protokoll der Zeuge von dieser jetzt von ihm aufgestellten Behauptung bei seiner Vernehmung gar nichts verlautbart habe. �— Der Zeugt bleibt trotz alledem dabei, daß der Angeklagte in der geschilderten Weise auf ihn habe einwirken wollen.— Zeuge Leonhard bekundet, daß ihm gegenüber der Zeuge genau dieselbe Darstellung gegeben habe wie heute.— Zeuge Mehlisch kennt daS vorliegende Gewehr als das Eigentum Willis und meint, daß aus demselben lange vorher das letzte mal geschossen worden sei. Er selbst wisse mit einem Gewehr absolut nicht umzugehen, wie eine sofort mit ihm angestellte Probe bestätigt. Der Angeklagte habe sich mit seinem Vater manchmal gezankt; letzterer habe oft wegen der vielen Geld- ausgaben seines Sohnes geschimpft. Die Mutter habe diesem dann manchmal etwas Geld zugesteckt, wenn er darum vat. Der Förster habe in seinem Zimmer abgesondert von der Familie allein ge- gessen und geschlafen. Auch mit ihm habe der Förster manchmal § eschimpft, das war aber immer bald wieder vergessen; denn der örstcr sagte nur:„Ernst, ich meine es gut mit Dir!" Er hatte ihm auch versprochen, später beim Militär für ihn zu sorgen. Der Zeuge bewahrt dem Förster noch ein Gefühl der Dankbarkeit. — Rechtsanwalt Dr. Schwindt weist auf verschiedene Unstimmig- ketten m früheren Aussagen des Zeugen hin.— Zeuge Oberförster Wallmann hat von dem Verstorbenen wiederholt sagen hören:„Mehlisch muß manchmal Dresche kriegen, aber sonst ist er ein ganz famoser Junge!". Gerichtschemiker Dr. I e s e r i ch gibt auf Grund seiner Untersuchung sein Gutachten dahin ab, daß aus beiden Läufen des vorliegenden, dem Angeklagten gehörigen Gewehr? in letzter Zeit vor der Tat geschossen worden sei. Der weitest zurückliegende Zeit- räum sei L Wocben, wahrscheinlich sei es aber kürzer vorher ge- wescn.— Oberförster W a l l m a n n hat durch das Gewehr oes Angeklagten einen Wcrgpfropfen hindurchgezogen und ganz frischen Pulverschleim gefunden. Außerdem hat er durch den Geruch fest- gestellt, daß erst ganz frisch aus dem Gewehr geschossen sein mußte. ßv£& Mii leioem eigeueo Gewehr Versuche angestellt und lon-t statiett, daß MM stach 5— B Tagest an dem Gewehrlanf irgendeinen Geruch nicht mehr wahrnehmen kann. Es mußte also auch aus diesem Grunde erst kurz vorher aus der Flinte geschossen woroen sein.— Kriminalkommissar Leonhardt: Ihm habe der An- geklagte direkt bestritten, daß aus der Flinte neuerdings ge- schössen worden sei. Er habe sogar gesagt, daß der Vater ihm verboten habe, das Gewehr noch zu benutzen, da es zu klapperig und deshalb gefährlich sei.— R.-A. Dr. Schwindt: Der An- geklagte hat aber später schon zu Protokoll angegeben, daß er sich besinne, am Sonntag vor Neujahr das Gewehr noch einmal benutzt zu haben. Sachverständiger Hofbüchsenmacher B a r e l l a hat das Gewehr auch untersucht und einen ganz auffälligen Geruch von Pulver- schleim wahrgenommen. Er kommt in seinem Gutachten zu dem Schlüsse, daß erst einige Tage zuvor aus der Flinte geschossen sein muß. Er hat mit einem anderen Gewehr selbst Proben angestellt und Riechversuche gemacht und ist zu der Ansicht gekommen, daß solch ein Geruch nur zirka 4 Tage im Gewehr vorhält. Die Sitzung wurde um 8 Uhr auf Dienstag vertagt. XII. Gentrltloerfammlllvg des Jeatraloerbavdes der Schuhmacher Deutschlauds. Gotha. 20. Juni 1908. Bei Beginn der heutigen Sitzung richtet der Kollege S i e b e r t- Nürnberg, welcher als 70jähriger Veteran und langjähriger Vorsitzender des Verbandes an der Generalversammlung teilgenommen hat, einige herzliche Abschiedsworte an die Vertreter des Verbandes. Es erfolgt hiernach eine kurze Debatte über das „Schuhmacher-Fachblatt". Es erfolgt hiernach eine kurze Debatte über das«Schuhmacher- Fachblatt". B e n d i g- Berlin erstattet den Kommissionsbericht, wonach vorgeschlagen wird, eine Teilung des Gaues 5 nicht vorzunehmen, sich für Beschickung der gewerkschaftlichen Unterrichtskurse zu er- klären, dem Antrage, bei Versetzung eines Beamten diesem bezüg- lich der Gehaltsfrage die früheren Dienstjahre in Anrechnung zu bringen, stattzugeben, in Nürnberg an Stelle deS 2. Kassierers, der zugleich Gaubeamter ist, einen Gauleiter besonders anzustellen und den Kollegen Trefflich als Hilfsarbeiter im Bureau des Vorstandes zu bestätigen.— Diesen Vorschlägen der Kommission wird zugestimmt. Bock-Gotha referiert alsdann über die„Ursachen und Begleiterscheinungen der wirtschaftlichen Krise n". Redner entwirst in seinem einstündigen Referat ein Bild von der kapitalistischen Produktionsfonn und weist nach, daß hierin die Krisen ihre natürlichen Ursachen haben.(Beifall.)! Folgende Resolution wird einstimmig angenommen: „In der Erwägung, daß die moderne Warenproduktion uu- fähig ist, die vorhandenen Produktionskräste in einer für die Gc- sellschaft nutzbringenden Art anzuwenden und durch ihre Plan- tosigkeit die ganze Wirtschaftsordnung in kürzeren oder längeren Perioden in die schwersten Krisen stürzt, unter welcher die ar- bettende Bevölkerung durch unverschuldete Massenarbeitslosigkeit, Hunger und Elend am furchtbarsten zu leiden hat; in weiterer Ertvägung, oaß die Kapitalistenklasse nicht im- stände ist, diese wirtschaftliche Anarchie zu verhindern, erwächst der politsch organisierten Arbeiterklasse die Aufgabe,«ine neue Wirtschaftsordnung an deren Stelle zu setzen. Bis zu der Zeit, an welcher sich diese UmwanÄung vollzieht, haben die Gewerkschaften dahin zu wirken, die Leiben'oer Ar- beiterklasse, welche durch die Folgen der Krisen verursacht werden, zu mildern. Die Generalversammlung der Schuhmacher Deutschlands hält eS deshalb als die unerläßlichste Pflicht der Arbeiter, sich ihren gewerkschaftlichen Organisationen anzuschließen, um den Wirtschaft- lichen Kampf mit Erfolg führen zu können." Ueber den internationalen Schuhmacherkon- greß in Stuttgart erstattet S i m o n- Nürnberg Bericht. Im Zusammenhang mit dem internationalen Arbeiterkongreß tagten die Schuhmacher am 16. und 17. August 1907 in Stuttgart. Vertreten waren 9 Länder mit 32 Delegierten; auch England war vertreten. Bisher ist es allerdings«n England noch nicht ge- lungen, die dortige Gewerkschaft für die internationale Schuh- macherunion zu gewinnen. Durch diese Union ist es uns möglich, cme engere Fühlung mit den ausländischen Organisationen zu bekommen. Der Uebertritt von einer in die andere Organisation ist unentgeltlich. Durch das Fernstehen der englischen Organisa- tion, welche 25 000 Mitglieder zählt, geht uns leider viel verloren. Schweden, Norwegen, Dänemark und die Schweiz haben ziemlich gute Organisationen. Müller- Wien gibt Aufklärung über das Verhältnis der österreichischen Organisation gegenüber der tschechischen. Simon- Nürnberg erstattet alsdann den Bericht vom intcr- nationalen Kongreß in Stuttgart. Zur Frage der Maifeier führt er etwa folgendes aus: Der internationale Arbeiterkongreß hatte diese Frage nicht mit auf seiner Tagesordnung. In einer Kon- ferenz wurde diese Frage erörtert und dem Essener Parteitag über- wiesen. Auf dieser Konferenz waren wir vertreten. Der Essener Parteitag überwies die Unterstützungsfrage dem Parteiborstand und der Gcneralkommission zur weiteren Regelung, bekundete aber im übrigen den bisherigen Standpunkt in der Maifeierfrage. In einer Sitzung der Gewerkschaftsvorstände, welche sich mit dieser Frage beschäftigte, protestierte ich dagegen, daß man unbeachtet der Beschlüsse der Generalversammlungen der Gewerkschaften Eni. scheidungen treffen wolle. Ich erklärte, eine solche Entscheidung sei für unsere Organisation nicht maßgebend.(Lebhafter Beifall.) Durch den Beschluß des Partcivorstandes und der Generalkom- Mission sind wir in eine üble Lage geraten. In Offenbach. wo unsere Kollegen seither stets den 1. Mai durch ArbeitSruhc gefeiert haben, wurde es ihnen in diesem Jahre verweigert. Selbst in Fabriken. wo der 1. Mai als Ruhetag in der Fabrikorduung vorgesehen ist. weigerten sich die Fabrikanten zur Freigabe des 1. Mai, indem sie sich darauf beriefen, daß unsere Führer ja selber die Ar» beitSruhe nicht wollten!(Hört! hört!) So werden uns die größten Schwierigkeiten durch derartige unverständliche Be- schlüsse gemacht.(Sehr wahr!) Wir können unmöglich dulden, daß man in dieser Weise die Maifeier stranguliert. Es ist ein derckrtigeS Vorgehen Wasser auf die Mühle der Drückeberger. Diesen schwillt zetzt der Kamm. Sie stützen sich auf den Standpunkt des ParteivorstandcS uno der Generalkommission. Einige Offen- bacher Kollegen weigerten sich daher, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu begehen. Bei diesen stehen wir jetzt vor der Frage, ob wir sie ausschließen. Hoffentlich wird die Generalversammlung nichts von dem bisherigen Beschluß in der Maifeierfrage aufgeben.(Leb- hafte Zustimmung.) Haupt-Magdeburg: Ich habe der vorerwähnten Konferenz beigewohnt. Auf mich hat sie keinen guten Eindruck gemacht. Man vergißt die Psychologie der Massen. Die Arbeiterschaft muß gegen ein derartiges Verhalten des Parteivorstandcs und der General- kommissiou entschieden Verwahrung einlegen. Durch solche Maß- nahmen tötet man den Idealismus und stranguliert die Maifeier. (Stürmischer Beifall.) Die Generalversammlung beschließt einstimmig, daß de? Nürnberger Beschluß, wonach den Gemaßregelten Unterstützung ge- währt wird, auch für die Folge bestehen soll, und die Anweisung de» Parteivorstandes und der Generalkommission für� die Schuh. macherorganisation nicht entscheidend ist.— Es folgt die Wahl des Vorstandes und werden gewählt Simon als Vorsitzender, R e u ß als 1. Kassierer, König als 2. Kassierr, Herrmann als Sekre- tär, Bock als Redakteur und Haupt als Vorsitzender des Aus- schusseS. Der Ausschuß hat in Magdeburg seinen Sitz.— Die Arbeiten sind damit erledigt.— Nach einem Schlußwort de? Bor- sitzenden wird die Generalversammlung mit einem Hoch auf dx» Verband und die gesamte Arbeiterbewegung geschlossen« Briefkaften der Redaktion. Die fariftifche Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter Sof, dritter Eingang, bier Treppen, D Fahrstuhl wochentäglich abends von 7 bis 9% Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. . S. 34. Sie tönnen gegenseitig Ihr Eigentum anerkennen und zwar zu notariellem Vertrage. Die Höhe der Soften richtet sich nach der Höhe des Objekts. Für den von Ihnen beabsichtigten 8wed ist solch Bertrag aber nicht erforderlich, da der Gläubiger nachweisen müßte, daß das, was von ihm in Anspruch genommen wird, Eigentum Ihrer Frau ift. F. M., Mühlheim. 1. Nein. 2. Ja. M. C. 2. Ja. P. S. 42. Wir können Ihnen nur dringend raten, die 25 M. zu behalten und nicht völlig zwed los dem Kurpfuscher zu übergeben. B. 620. Die Beschwerde ist an bas Polizeipräsidium zu richten. G. 2. 94. Ist das genannte Honorar bereinbart, so ist es zu zahlen, sonst stehen dem Anwalt nur 18 M. zu. Schmargendorf 99. 1. und 2. Nein. Nach§ 965 des Bürgerlichen Gesetzbuches wird als Finder nur der betrachtet, der eine verlorene Sache findet und an sich nimmt. 3. 9. 2. 000. Der Rektor wird Ihre Fragen am fachkundigsten beantworten fönnen. H. W. 26. Ihre Frau Tann die sofortige Herausgabe des Kindes verlangen und außerdem gegen den Bater auf Bahlung der vollen Alimente flagen. H. G. 5. Wilmersdorf, Rosberiger Straße 8. 21. F. 20. 1. und 2. Nein. 3. Ja. E. S. 45. Das geht nicht an: Ihre Frau hat das volle Recht auf Für den Inhalt der Injerate übernimmt die Redaktion bem Bublikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Dienstag, den 23. Junt. Anfang 8 Uhr. Dentsches. Die Brettlgräsin. Rammerspiele. Zugendwächter. Unterfeeboot. Leffing. Der Raub der Sabinerinnen. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: und Unterhalt gegen Ste. p. m. 100. Benben Sie fich an das Bureau, IB. R. 86. Swedmäßig ist es, daß Ihr Mann den Sachverhalt und ein Neue Friedrichstraße 10. 8. 2. 99. Sie würden Ersatz von dem aufzustellendes Bermögensinventar zu notariellem Brotokoll anerkennt. G. A. 100. Eine Klage hätte kaum Aussicht auf Erfolg. an dem Unfall schuldigen Mieter, und, falls der Mietsvertrag dem nicht es mit Rigdorf. Nein. Sie tönnten entgegensteht, auch vom Birt verlangen lönnen. einer Darlegung des Sachverhalts einem bei . B. 100. 1. und 2. Beides ist zur Ergänzungssteuer, nicht aber mit Strafantrage der Staatsanwaltschaft verfuchen. B. N. 3. Zu dem Sühnetermin brauchen Sie nicht zu erscheinen. zur Einkommensteuer heranzuziehen. 3. Ste müssen die Sachlage näher Wenn burch das Zeſtament nichts anderes vereinbart ist, so steht Ihnen betreiben. Zu dem zu diesem Zwede anzuberaumenden Sühnetermine schildern, den Zweck der Hinterlegung, die Beranlassung usw. E. P. 55. Sie können aber nach der Schilderung Ihrerseits die Chefcheidungsklage dasselbe Recht zu wie den Stiefgeschwistern. Wenden Sie sich an das Ge- müßten Sie dann erscheinen. Auf Herausgabe der Möbel tönnen Sie richt mit der Anfrage, ob ein Testament hinterlegt ist und beantragen Sie, lagen, ebenso die sofortige Herausgabe des Kindes verlangen. Sie werden faüs gütliche Einigung mit Ihren Geschistern nicht zu erzielen ist, gericht gut tun, sich an einen Anwalt zur Durchführung Ihrer Rechte zu wenden. liche Erbregulierung. Sollte tein Testament vorliegen, so hat der Stief- 23. G. Db eine solche Polizeiverordnung für den dortigen Ort besteht, vater das Recht, in Ihrem Falle entweder nach dem Recht des Bürgerlichen ist uns nicht befannt. Auskunft müßten Sie von der dortigen Polizei er Gesetzbuches oder nach dem des Märkischen Rechts zu erben. In ersterem Falle halten. fi teine Polizeiverordnung ergangen, die die Handlung mit Strafe fiele ihm ein Biertel des Nachlasses, den Kindern des Nachlasses gemein- bedroht, so hätte ein Widerspruch Aussicht auf Erfolg. Bauke. Nein. sam zu, in legterem Falle würde aus dem Vermögen des Baters und der Maschinenmeister 63. Wenden Sie sich an den Leiter einer der städtischen Berstorbenen eine Masse zu bilden sein. Die Hälfte diefer Masse würde Handwerkerschulen. Dieselben würden Ihnen am besten Bescheid geben. dem Bater, die andere den Kindern zufallen. M. M. 1000. Nein. Tegel 78. Wird Unfallrente gezahlt, so steht ein Recht auf Rüdzahlung von Beiträgen aus der Invalidenversicherung der Witwe nicht au. A. H. 36. 1. ft über Kündigungsfrist bei Aftermietern, Chambre garnisten, Schlafburjchen, mit denen monatliche Mietzahlung vereinbart ist, nichts ausgemacht, so tann jeder von beiden Teilen bis am 15. zum 1. fündigen. 2. Ja. 2. 23. 28. Ja, aber zunächst müßten Sie eine angemessene Frist zur Reparatur sehen und androhen, daß wenn die Frist fruchtlos ist, Sie auf seine Kosten die Reparatur vornehmen lassen werden. Gertrud. Ja, falls die Mutter Vermögen hinterlassen hat. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater). ( Morwit- Oper.) Dienstag, abends 8 Uhr: Die Afrikanerin. Gr. Oper in 5 Aften v. G. Meyerbeer. Im Lande der Mitternachtssonne. to, abends 8 üht: OOLOCISCHER Der Waffenschmied. Donnerstag, abends8Uhr: Der Wildschütz. Schiller- Theater Charlottenburg. Dienstag, abends 8 Uhr: Bum 1. Male: Das Opferlamm. Schwant in 3 Aufzügen von Dstar Walther und Leo Stein. Mittwoch, abends 8 Uhr: Das Opferlamm. Donnerstag, abends8Uhr: Auf der Sonnenseite. ZCARTEN Diez Spezialitäten- Theater Täglich: Neues. Nächte im Campton- Stub. Gr.Militär- Doppel- Konzert Schöps. Neues Schauspielhaus. Dollarprinzessin. Kleines. 2X2= 5. Berliner. Raffles. Die Komische Oper. Tiefland. Lustspielhaus. Die blaue Maus. Schiller 0.( Ballner Theater.) Die Afrikanerin. Schiller Charlottenburg. Das Opferlamm. Friedrich Wilhelmstädt. Schan Eintritt 1 M. von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Coollo Theater spielhaus. Der Stabstrompeter. Das bestbentilierte Theater Berlins! Thalia. Der Mann mit dem Mob 8 Uhr: Die hervorrag. Attraktionen, nocle. Weften. Ein Balzertraum. Landsberger Allee 76/79, direkt Ringbahn- Station. Bequemfte Fahrgelegenheit nach allen Stadtrichtungen. Ob schön! Kommen! Sehen! Stannen! Ob Regen! Täglich: 33652 Das größte u. befte Programm Berlins. Nur Attraktionen, u. a.: Zum erstenmal in Europa: Das größte Welträtsel des Erdballs! Von der gesamten amerit. Breffe als b. größte Weltwunder bezeichnet: The great Simpson. Der Berachter des Todes. Ein bezahlter Selbstmordkandidat! Gr. Ball. Raffeeküche. Voltsbeluftigungen aller Art. 00000 Brunnen- Theater Fröbels Allerlei- Theater. Täglich: 1. a.: Verona- Truppe, die ersten Rad Babstraße 58. Direft.: Willi Voigt. fahrer der Welt. 9: Die süßen Nenes Operetten. Der Mann mit Grisetten, Dperette. 10 Uhr Grete Gallus, Soubrette. 10%, ubr: den drei Frauen. Quisen. Die wie mir. Die Stimme Blutes. Trianon. Frau Baronin. Sünde. Bernhard Rose. Im Haufe der Metropol. Das muß man ſeh'n Lipollo. Die süßen Grisetten. Spe zialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Bajjage. Berlin in Stimmung. Spezialitäten. Carl Haberland. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Deichshallen. Stettiner Sänger. Iranta. Zanbenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Sternwarte, Invalidenftr. 57/62. Berliner Theater. 10 Bernards Come: Der deutsche Michel. Erstklassige Spezialitäten. Mirzl v. Wonzl, Sicurdles Sliputaner Bert Compagnie: Ein Abend in einem ame Karl Braun, Berwandlungs- Künstler. rikanisch. Tingel- Tangel. Luisen- Theater. Reichenberger Strafe 34. Abends 8 Uhr: Dir wie mir. Hierauf: Die Stimme des Blutes. Mittwoch bis Montag: Dir fchuschtes Paul Coradini. Gröffnung 2 br. Uhr. Anfang 5 Uhr. Borverkauf von 10 Uhr ab. W. Noacks Theater Direftion: Rob. Dill. Brummenftr. 16 Alma Alberti Adolf Buls Lia Delinda Anton Hildach- Les Darettys Les Persinas 10. mir. Hierauf: Die Stimme des Blutes.ro. Das ehrliche Berlin. Sonntag nachmittag zum legten Anf. 6 Uhr. Staffeetiche 3-6 Uhr. Mate: Sm Cololano. Donnerstag: Einmalige Aufführung: Steffen Langer. Gaftſpiel des Neuen Schauſpielhauses. DERNHARD ROSE THEATED Direktion: Alfred Halm. 3 Uhr. Raffles. 8 Uhr. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Mittwoch: 2 mal 2= 5. Donnerstag: 2 mal 2= 5. Freitag: 2 mal 2 Sonnabend: 2 mal 2 5. 5. = Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Ein Walzertraum. Dperette von Dslar Strauß.. Friedrich- Wilhelmstädtisches 8 up. Schauspielhaus, sup. Der Stabstrompeter. Gesangspoffe in vier Aften von 28. Mannstaedt. Mufil von G. Steffens. Mittwoch: Der Stabstrompeter. Donnerstag: Der Stabstrompeter. Freitag: Der Stabstrompeter. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Die blaue Mans. Heues Operetten- Theater Schiffbauerdamm 25, an der Luisenstr. Sommerpreise. Anfang 8 Uhr: Der Mann mit den drei Frauen. Metropol- Theater Bum 276. Male: Das muß man seh'n Revue in 12 Bildern m. Ges. und Tanz. Gr. Frankfurter Str. 132. 8 Uhr. Wochentagspreise. Im Hause der Günde ( Um eine Liebesnacht). Ein Drama des Sinnenrausches in bier Alten von Maximilian Braun ( Grundmotiv von Zola). Neues Programm von Publikum und Presse glänzend beurteilt. Passage- Panoptikum. Ohne Extra- Entree. Der Riese aller Riesen Pisjakoff Eintritt 50 Pr. Kinder, Soldaten 25 Pf. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Volksgarten- Theater Passage- Theater. Der größte Saisonerfolg Gastspiel Willi Agoston in der tollen Burleske Berlin in Stimmung Das Tollste vom Tollen und die neuen Juni- Spezialitäten. am Bahnhof Gesundbrunnen. Täglich: 1001 Nacht. Riefen Spezialitäten Programm. Olga Verdi. X Fritz Lachmann. Anfang 4 Uhr. Walhalla Venete Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Spezialitätenvorst. im Garten. Bei schlecht. Witterung i. Theater. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Anfang d. Gartenkonzerts 7 Uhr. De Kleine Preife. Neue Welt Hafenheide 108-114. Täglich: Täglich: Gr. Doppel- Konzert und Spezialitäten- Vorstellung. Jeden Mittwoch: Großes Kinderfest. 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Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäft in Gemüse lebhaft, sonst schleppend, Preise be hauptet. Unserem Freunde und Bartelgenoffen O. Kerkau und seiner lieben Frau zur filbernen Hochzeit ein dreifach donnerndes Hoch! 23045 Die Genossen des 397. Bezirks. Bur heutigen Silber- Hochzeit des Parteigenossen Max Sturm nebit feiner lieben Gattin senden die herzlichsten Glückwünsche Die Mitglieder des 306. Reichstags- Wahlbezirks. #EEEEEE; Unserem Bezirksführer Wilhelm Schulze nebst Fran zu ihrem heutigen 25 jährigen Ehejubiläum ein dreifach Hoch! S. S., K. N., O. W., A. R., 0. S., R. H. vom 9. Bezírt, Borhagen. Na, Wilhelm, Du weißt doch, wie wir's meinen! cecesse Sozialdemokratisch. Wahlverein Rixdorf. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Schankwirt Adolf Nickusch ( 19. Begirl) Berliner Prater- Theater beftorben tit. Kastanien- Allee 7-9. Täglich am Die Beerdigung findet Dienstag, nachmittags 5 Uhr, bon der Leichenhalle des neuen RigDie Welt ein Paradies borfer Friedhofes aus ftatt. große Ausstattungs- Revue und erstklassige Spezialitäten. Anf. Sonnt. 4 Uhr, Wochent. 4%, Uhr Im Saale: Täglich gr. Ball. Kottbuse Sanssouci, Straße 6. Direttion Wilhelm Reimer.. Der Garten ist geöffnet. Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffmanns Norddeutsch. Sänger und Tanzkränzchen Beg. Sonnt. 5, wochent.8 U. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Variétésterne. Burleste von Megsel. Meysel als Saharet. Britton als Isadora Duncan. Anf. Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Ostbahn- Park Am Küstrinerplatz, Rüdersdorferstr.71 Hermann Imbs. Täglich: Großes Konzert, 235/18 Der Vorstand. Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter 8weigverein Berlin. Settion II. Nachruf. Am Freitag, den 19. Jumt, starb unser Kollege, der Stallmann Paul Thormann ( Brauerei J. Bögon) nach langen Leiden an den Folgen eines Ün falles. Ehre seinem Andenken! 42/20 Der Vorstand. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Hiermit diene den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Kohlenarbeiter Karl Giese am 19. Junt im Alter von 57 Jahren an Lungenleiden ge storben ist. Chre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, 23. Juni, vorm. 10 Uhr, bon der Leichenballe des Zentral Friedhofs, Friedrichsfelde, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 69/13 Die Verwaltung II. Männerquartett„ Sangesfreunde" Hierdurch allen Mitgliedern, Freunden und Bekannten bie traurige Mitteilung von dem AbTheater- und Spezialitäten- leben unseres Gangesbruders Vorstellung. -Kinder nahrung Hervorragend bewährte Nahrung. Die Kinder gedeihen Vorzüglich dabel Kranken- u. leiden nicht an kost. Verdauungsstörung. Ausstellungshallen am Zoologischen Garten Deutsche Schiffbau Ausstellung Berlin 1908 Juni bis Oktober Täglich von 10-10 Uhr geöffnet. Donnerstage Elitetage Th. Radtke. Wir verlieren in ihm ein tüch tiges und strebsames Mitglied und werben ihm ein gutes Andenken bewahren! Drt und geit der Beerdigung toerben noch näher bekanntgegeben. 28175 Der Vorstand. Zentralverband deutscher Brauerei- Arbeiter. Zahlstelle Berlin. Sektion II. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß ber Kollege, Hofarbeiter Karl Herrmann Schultheis II am 14. Juni nach längerem, schwerem Leiden verstorben ist. Ehre seinem Audenken! 43/6 Die Ortsverwaltung. Am Freitag, den 19. Juni ber starb plöglich nach zweitägiger Strankheit im 36. Lebensjahre umjer lieber Stollege, der Schriftseker Max Friedrich. Sein biederer Charakter sichert ihm bei uns ein bleibendes Andenken. Das Personal der Kgl. Hofbuchdruckerei E. S. Mittler& Sohn. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23. Juni, nache mittags 5 Uhr, auf dem Luther Stirchhof in Lantwit statt. Donnerstag, früh 2, Uhr, verstarb nach kurzem Leiden meine liebe unvergeßliche Fran Anna Kuschner ( Schöneberg, Raiser- Friedrichstr. 3). Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 23. Juni, nachmittags 6 Uhr, auf dem Schöneberger Friedhof in der Marstraße statt. 34795 Der trauernde Gatte. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachricht, daß metne liebe Frau und Mutter am 21. Juni entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 24. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle der Hedwigs- Gemeinde in Reinickendorf West, Berlinerstr. 26, aus ftatt. 34772 Gust. Mannchen nebst Tochter. Danksagung. Hiermit fagen wir allen Berwandten und Bekannten, sowie den Genoffen des IV. Berliner Reichstags Wahl freises( Landsberger Viertel), dem Verbande deutscher Gastwirtsgehilfen und den Kollegen der Aktienbrauerei Friedrichshain für die rege Beteiligung und tranzspenden unseren herzlichsten Dant. 28055 Fr. Bwe. Maertins nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Baters fage allen Freunden und Kollegen, insbesondere dem Metallarbeiter Verband meinen herzlichsten Dant Witwe Rosa Isler. Es empfiehlt sich bei eintretendem Trauerfall möglichst fofort Westmanns Trauermagazin Hauptgeschäft: Berlin W., Mohrenstraße 37a, an den Kolonnaden, 2. Haus von der Jerusalemerstraße, und NO., Gr. Frankfurterstr. 115, 2. Haus von der Andreasstraße, zweds Auswahl d. passenden Trauergarderobe aufzusuch. Um bem Publikum einen besonderen Vorteil zu bieten, ge währe ich auf diese Auzeige hin bei Kauf 10% Rabatt in bar! Blumen- und Kranzbinderei von Robert Meyer, nur Mariannen- Straße 2. Leihhaus Gelegenheitskäufe verfall. Goldund Silbersachen, Brillanten etc. Seit 25 Jahren Prinzenstr.28 Ecke Ritterstr. M ax Kliems Sommer- Cheater. Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Bernhard Lange. Donnerstag, den 25. Juni: Klassiker- Abend: Minna von Barnhelm. Lustspiel in 4 Atten. 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Für den Bezirk 152 und 153 findet morgen, Mittwochabend 8 Uhr bei Grummbach, Schönleinstraße 6 eine öffentliche Versammlung für Männer und Frauen statt. Um regen Besuch ersuchen Die Bezirksführer. Dritter Wahlkreis. Sonntag, den 28. Juni, findet ein Ausflug mit Familie nach Richtershorn bei Grünau( Inhaber Mohr) statt. Treffpunkt daselbst von früh 10 Uhr an. Pankow. Dienstag, den 23. Juni, abends 8½ Uhr, findet eine außerordentliche Generalversammlung bei Großkurth, Berliner Straße 28, statt. Mitgliedsbuch legitimiert. Sämtliche Funktiomäre werden ersucht, schon um 7% Uhr zur Stelle zu sein, wegen einer Besprechung. Der Vorstand. Dienstag, 23. Juni 1908. Herberge zur Heimat. ebenso wie diese ein neues Backmittel fabrizieri. Aber auch Hart- hofes Grunewald samt dem zugehörigen Gelände näherzutreten mann bekommt in dem Flugblatt kräftige Hiebe. Wie es scheint, beschlossen. In der letzten Gemeindevertretersizung trat man hat der vielgewandte Geschäftsmann früher für" Diamalt" die diesem Projekte von allen Seiten entgegen. Man wies darauf Meklametrompete geblasen, während er neuerdings für die Kon- hin, daß schon jezt das Bahnhofsgelände fast nur von Arbeitern turrenzfirma" Tätosin" die Baute schlägt. Grund genug für die bewohnt sei und die Königliche Eisenbahndirektion daselbst Wohn Diamalt- Gesellschaft, Herrn Hartmann wegen seiner geschäftlichen häuser für über 400 Arbeiterfamilien errichten wolle. Ein solcher Praktiken an den Pranger zu stellen. Der Vorstand. In dem Flugblatt schreibt Zuwachs sei für die Gemeinde Grunewald wenig erwünscht, die Diamalt- Gesellschaft, sie habe Hartmann für seine Fachzeitung er würde die Homogenität der jetzigen Einwohnerschaft, die einen " Internationale Rundschau" ein Inserat gegeben, für das sie einen besonderen Vorzug von Grunewald bilde, in unliebfamer bedeutend höheren Preis zahlte, als sonst überall. Warum die Weise stören und überdies der Gemeinde mehr Ausgaben Diamalt- Gesellschaft einen so ungewöhnlich hohen Insertionspreis als Einnahmen bringen. Die Gemeindevertretung beschloß, das bezahlte, verschweigt sie schämig, aber aus ihren weiteren Dar- Bahnhofsgelände aus den erwähnten Gründen nicht einzugemeinden Icgungen geht es deutlich hervor. Hartmann brachte nämlich im und beauftragte den Gemeindevorsteher, dem Landratsamte mitredaktionellen Teil seines Blattes ausgiebige Besprechungen über zuteilen, weshalb die Eingemeindung, als den Jnteressen der Gedas neue Backmittel und Hinweise auf die Inserate der Gesell- meinde zutviderlaufend, abgelehnt werden müsse. schaft. Ja noch mehr. Wie aus den Ausführungen der Diamalt: Gesellschaft hervorgeht, hat sie selbst wenigstens einen Teil der redaktionellen Artikel über ihr Fabritat an Hartmann geliefert. Dieser mag wohl eine gute Bezahlung seiner redaktionellen Re- täglich die Dranienstraße und hatte schon öfter Gelegenheit rohes Ueber eine robe Mißhandlung schreibt man uns: Jch passiere flame erwartet haben, während die Diamalt- Gesellschaft der Mei- Betragen von Portiers der Herberge zur Heimat wahrzunehmen. nung war, sie habe auf Grund der guten Bezahlung ihrer Inserate mit Schimpfworten und Drohungen wurden Personen, die vor dem ein Anrecht auf redaktionelle Reklame. Das sagt die Gesellschaft Einlaßtor standen oder dort hinaustamen vom Portier regaliert. allerdings nicht. Sie tut vielmehr so, als müßten die Artikel, Auch sah ich schon einige Male, daß Leute hinausgestoßen wurden. welche sie selbst über ihr Fabrikat verfaßt, im Interesse der Die Schimpfereien und Drohungen find Tagesbegebenheiten. Am Leser und Inserenten" aufgenommen werden. Dieser Meinung ist Sonnabendabend kurz vor zehn Uhr passierte ich wieder der geschäftskundige Hartmann natürlich nicht. Als die Inseraten- die Dranienstraße. Der Heimat" gegenüber, auf dem Bürger aufträge geringer wurden, gab er, wie die Gesellschaft sagt, zu verstehen, daß ihr„ bor anderen Firmen ein Vorteil steig an der anderen Seite der Straße lag blutüberströmi ein Mann, dessen Körper von konvulsiven Zuckungen erschüttert für redaktionelle Besprechungen eingeräumt wurde. Von einigen Personen, die dort standen, hörte ich, der werden könnte, wenn ein größeres Inserat auf: Mann sei von dem Portier der„ Heimat" zu Boden geschlagen gegeben würde." Darauf hat die Diamalt- Gesellschaft worden. Der Held, ein Hüne von Gestalt, stand spöttisch hinüberHerrn Hartmann keine Inserate mehr gegeben. Seine Forderungen schauend im Torweg der Herberge. Die wenig schmeichelhaften Bemögen ihr wohl zu hoch gewesen sein. Konturrenzfirina, der Tätofinwerfe" gestellt und dabei noch einen gab mich auf die Suche nach Hilfe. An der Alten Jakobstraße Hartmann hat nun sein Reklamegeschäft in den Dienst der merkungen, die so laut gesprochen wurden, daß sie sein Ohr erreichen mußten, fümmerten ihn anscheinend gar nicht. Ich bes groben Vertrauensbruch gegen seine frühere Geschäftsfreundin, gab mich auf die Suche nach Hilfe. Johannisthal. Parteigenoffen! Heute Dienstagabend 8½ Uhr, die" Diamalt- Gesellschaft", begangen, worüber diese sich also ver- tam mir bereits ein Schußmann entgegen, der von anderer findet bei Heſſe, Parkstraße, die Mitgliederversammlung des Wahl- nehmen läßt: Hartmann sicherte uns seinerzeit schriftlich den Seite schon benachrichtigt war. Ich ersuchte ihn, Zeugen des Borfalles festzustellen und verwies ihn auch an die hici bereins statt, tozu auch sämtliche Wähler, die für uns gestimmt Schutz des Redaktionsgeheimnisses zu. Später wurde uns bekannt, postierte Militärwache. Der wachhabende Soldat erklärte sofort haben, eingeladen sind. daß unsere Briefe bei den Tätosiniverken zirkulieren." Der Mann kam über den Damm gelaufen und berührte mich im Borbeistürzen. Ich dachte: der ist angetrunken! Hinterher kam der Portier, faßte den Mann und schlug darauf los mit den Fäusten ins Gesicht. Dann ging er fort und stellte sich als Zuschauer in den Torweg. lleger die recht wenig christliche Behandlung von Handwerksgesellen durch Angestellte der Herberge ist schon sehr oft Silage erhoben worden, bisher aber ohne jeden Erfolg. Die Prügelhelden in der Oranienstraße scheinen ein besonderes Privilegium zu haben. Nächstens wird von der Gesellschaft ein armer Teufel totgeschlagen, ohne daß ein Hahn danach kräht. Wie lange soll dieser unerhörte Zustand noch geduldet werden? Lankwitz. Morgen Mittwoch, den 24. Juni, abends 8% Uhr, findet im Lokal„ Retiger", Callandrelliftraße 27/29, die regelmäßige Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Heinig über:„ Die Vorläufer des Sozialismus", 2. Vereinsangelegenheiten, 3. Verschiedenes. Briz- Budow. Heute abend 29 Uhr findet in allen Bezirken Treptow- Baumschulenweg. Heute, Dienstagabend, bei Speer Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Die Tagesordnung Tautet: 1. Fortsetzung der Diskussion über den Bericht des Vorstandes, 2. Die Frauenorganisation, 3. Die Teilung des Wahlbereins, 4. Bereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Mitgliedsder Zahlabend statt. buch legitimiert. Der Vorstand. Wahlverein Eichwalde und Umgegend. Mittwoch, den 24. Juni, So geht es. Wenn zwei Geschäftsmänner, die im übrigen abends 8 Uhr, Monatsversammlung im Restaurant" Zur Dorf- einander wert sind, sich befehden, dann bekommt der Außenstehende aue"( Jnh. Lindemann) in 3euthen. Tagesordnung: 1. Bor- manchmal einen Einblick in Praktiken, die keineswegs einwandtrag: Der Landtagswahlkampf, seine Lehren und Erfolge". frei find. Die Diamalt- Gesellschaft hat mit ihrem Flugblatt nicht 2. Bereinsangelegenheiten. 3. Pokalfragen betr. nur einen Beitrag zu dem fürzlich von uns behandelten Kapitel: " Kapital und Breffe" geliefert, sondern auch eine Seite des HandKönigswusterhausen und Umgegend. Die Parteigenossen sämt- mertsretters und gelben Gewerkschaftsführers Hartmann gefennlicher Bezirke werden auf die am morgigen Mittwoch im Lokal von zeichnet, von dem das Flugblatt ganz treffend sagt: Wethorn, abends 7% Uhr, stattfindende Wahlvereinsversammlung" Hartmann beliebe sich nicht als Retter des Fachzeitungshingewiesen. Tagesordnung: 1. Vortrag, 2. Die verflossenen wesens und des Bädergewerbes aufzuspielen, man weiß, daß er Landtagswahlen, 3. Parteiangelegenheiten. Da die Versammlung seine Beitung, seinen Bücherverlag, ebenso wie die Gehilfen der Parteigenossinnen ausfällt, werden dieselben ersucht, zahlreich zeitung als Geschäft betreibt." zu erscheinen. fügen wir hinzu- anders sein in einer Gesellschaft, wo Geschäft und abermals Geschäft, Profit und noch mals Profit der Punkt ist, um den sich die ganze bürgerliche Welt breht. Leider finden sich auch noch Arbeiter, die sich in den gelben Gewerkschaften als Objekt für geschäftliche Spekulationen geriebener Leute hergeben. Biesdorf. Parteigenossen! Heute Dienstag, den 23. Juni, abends 8% Uhr, findet bei Gustav Berlin, Marzahner Straße, Bahlabend statt. Boffen. Am Mittwoch, den 24. Juni, abends 8 Uhr, findet im Lokal bon P. Kurzner, Baruther Straße 10, unsere monatliche Wahlvereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht von der Verbandsgeneralversammlung. 2. Das Ergebnis der Landtagswahlen. 3. Verschiedenes. Diejenigen Genoffen, die noch Sammellisten von der Landtagswahl in Händen haben, werden ersucht, sofort mit dem Raffierer Sa upe, Staubenrauchstraße 4, abzurechnen. Spandau. Morgen, Mittwochabend 8% Uhr, findet bei Schwabe, Seegefelder Straße 54/55, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Halbjahresbericht des Vor standes und Kassenbericht vom letzten Quartal, 2. Hebertritt der Frauen in den Wahlverein, 3. Verschiedenes. Um zahlreiche Beteiligung, besonders der Frauen, ersucht Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Die Stichwahl im 12. Landtagswahlbezirk findet am heutigen Dienstag statt. Es bedarf wohl feines besonderen Hinweises, daß die Wahlmänner unserer Partei, die von den Urwählern übernommenen Verpflichtungen prompt erfüllen und ihre Stimme für den sozialdemokratischen Kandidaten Adolf Hoffmann abgeben. Von den Gegnern wird die Meldung verbreitet, daß schon eine Anzahl gegnerischer Wahlmänner abgereist sei, so daß der SozialDemokrat gewählt werden würde, wenn diese Wahlmänner richt noch zurückommen. Wir möchten unsere Genoffen darauf hinweisen, sich durch solche Gerüchte nicht sicher machen zu lassen und daraufhin ihre Pflicht zu vernachlässigen. Es wird von 9 Uhr vormittags bis 7 1hr abends gewählt. Jeder muß auf dem Posten sein, da die Gegner einmütig ihre Stimme auf den alleinigen bürgerlichen Kandidaten Runze bereinigen wollen. Vor der Hauptwahl las mans anders. Werbt für den Achtuhr- Ladenschluß! Wie könnte es auch .. Kaufmannsgericht. Bei der gestern im Bürgerfaale des Rathauses stattgefundenen Ausschußwahl für das Kaufmannsgericht seitens der Arbeitgeber wurden von der Liste I8 Vertreter, von der Liste II( sozialdemokratisch) 1 und von der Liste III auch 1 Vertreter gewählt. Also auch hier ist Bresche gelegt, was übrigens in den Bei Beginn der Reisezeit nimmt Minister Breitenbach, Reihen der bürgerlichen Vertreter nicht geringe Aufregung hervorrief. Bor den Augen Hunderter von Ausflüglern ertrunken ist infolge der Klagen über Unzuträglichkeiten bei der Abfertigung und Unterbringung der Reisenden in den Zügen, Gelegenheit, die Sonntagnachmittag der 20jährige Schloffer Schmidt, der mit genaueste Befolgung des Erlasses vom 19. Juni 1906 in Erinnerung mehreren Bekannten einen Ausflug nach der Oberspree unters zu bringen:" Ich erwarte bestimmt," heißt es in dem neuen Er- nommen hatte und mit diesen im Walde bei Nieder- Schöneweide laffe des Ministers, daß zu allen Beiten, namentlich lagerte. Der Schloffer beabsichtigte ein Freibad zu nehmen und aber in der bevorstehenden Zeit des lebhaften Reiseverkehrs, mit begab sich trot Abratens der Freunde ins Wasser. Der junge allem Nachdruck auf die durchaus erforderliche Mann schwamm nach der Mitte der Spree zu und befand sich glatte Abwidelung des Personenverkehrs hin. etwa 50 meter vom Ufer entfernt, als er plöblich in den Fluten gewirkt wird." Ebenso weist der Minister erneut darauf berschwand. Das Versinken des Mannes wurde von Hunderten, hin, daß es unerläßlich ist, der Ueberfüllung der Ab- von Ausflüglern beobachtet, die jedoch glaubten, daß der Badende teile durch Handgepäck rüdsichtsloser Reisender nur tauche. Als er jedoch nach längerer Zeit nicht wieder zum energischer vorzubeugen. Die Gepädträger sind streng Vorschein kam, wurden Rettungsversuche unternommen, die je= anzuweisen, daß sie es ablehnen, schwere und doch vergeblich waren. Die Leiche des Sch. konnte nicht gefunden zahlreiche Gepäckstücke als Handgepäd in die werden. 290 Wagenabteile zu tragen. Sie haben vielmehr die Selbstmord des Dr. Benedikt Friedländer. Der sozialwissen. Reisenden zu veranlassen, solches Gepäck abfertigen zu lassen. schaftliche Schriftsteller und Gelehrte Dr. Benedikt Friedländer, Auch die Bahnsteigschaffner haben darauf zu achten, daß derartige der mit seiner Frau und einem Kinde in der stillen Privatstraße Gepäckstücke an der Sperre angehalten werden. Die Stations- und neben dem alten Musik- Konservatorium, Potsdamer Straße 121a, Bugbeamten müssen es sich angelegen sein lassen, darauf zu halten, wohnte, hat in der vergangenen Nacht in Dr. Stockmanne Sana. daß die Risenden nicht mehr Raum für Handgepäck in Anspruch torium zu Schöneberg, wo er zulett Heilung suchte, burch einen nehmen, als ihnen nach der Verkehrsordnung zusteht. Unter Revolverschuß seinem Leben ein Ende gemacht. Dr. F. war feit allen Umständen muß berhindert werden, daß längerer Beit törperlich und geistig schwerleidend und in tiefe einzelne Reisende, wie das vorkommen soll, Handgepäd in Melancholie verfallen. Nachbarabteilen verstauen und auf diese Weise die Dr. Friedländer machte Anfang der neunziger Jahre von fich Rechte ihrer mitreisenden berkümmern und die reden, als er sich anfchidte, Starl Marg in Wort und Schrift zu Bequemlichkeit beeinträchtigen. Bei Streitigkeiten unter den vernichten und Eugen Dühring zu retten. Reisenden haben die Zugführer höflich, aber bestimmt einzuschreiten." Die Ausführung und Beachtung dieser Bestimmungen soll über wacht werden. Einbrecher und Brandstifter. Durch Einbrecher wurde ant Sonntagnachmittag die Wohnung des Kaufmanns B. Schröder in der Lothringerstraße 55 in Brand gesteckt. Bei Ankunft der Den Ferienverkehr betreffend hat die Königliche Eisenbahn- Feuerwehr standen Möbel, Betten, Teppiche, Wäschestücke usw. in direktion Berlin soeben die nachfolgende Bekanntmachung erlassen: Flammen. Der erste Blick zeigte, daß in der Wohnung Einbrecher Während der Reisezeit, namentlich bei Beginn der Schul- gehauft hatten. Sämtliche Behälter waren erbrochen. Die Wehr ferien, wird auf den Berliner Fernbahnhöfen erfahrungsgemäß stellte auch bald gtvei voneinander getrennt liegende Brandherde furz vor der Abfahrt der Züge Reisegepäd in so großen fest und erwies damit die Brandstiftung. Von den Tätern, die Mengen aufgeliefert, daß trotz aller Vorkehrungen die pünkt- nur 45 M. bares Geld erbeuteten, fehlt noch jede Spur. liche Beförderung in Frage gestellt wird. Im Interesse der Die Unglückstreppe am Bahnhof Gesundbrunnen hat SonnBis zum 30. Juni haben die Inhaber offener Geschäfte Reisenden hat deshalb die Eisenbahnverwaltung für die Zeit vom tagabend ein neues Opfer gefordert. Der 38jährige Schloffer Ernst Gelegenheit, ihre Stimme für den Achtuhr- Ladenschluß ab. 25. Juni bis zum 4. August d. J.( einschließlich) die Ein- Bolle aus der Danziger Straße 24 hatte mit seiner Familie einen zugeben. Die Parteigenesjinnen und die Parteigenoffen richtung getroffen, daß Fahrkarten bereits vor dem Ausflug unternommen, und als er abends, auf dem Heimweg be können zu der Erreichung dieses Zieles viel beitragen, indem beabsichtigten Reiseantritt mit dem Tagesstempel griffen, die Treppen des Stationsgebäudes am Bahnhof Gefund sie die Ladeninhaber zu veranlassen suchen, für den Achtuhr- des Reisetages verkauft werden; auch ist die Auflieferung des brunnen hinaufging, rutschte er plötzlich ab und stürzte hinunter. Ladenschluß( Sonnabend ausgenommen) zu stimmen. Der Reisegepäds bereits am Tage vor der Reise in besinnungslosem Zustand wurde B. von Bahnbeamten zum Achtuhrschluß liegt gleicherweise im Interesse der Laden- zulässig. Die Fahrkartenschalter und Gepäckabfertigungen der nächsten Arzt uno von dort nach dem Lazaruskrankenhaus gebracht. inhaber wie des Ladenpersonals; beide Teile haben von seiner hiesigen Fernbahnhöfe sind in der obengenannten Zeit bon 8 1hr Er hatte eine schwere Gehirnerschütterung, eine Berreißung des Einführung Nußen. Der Einwand, was in der Zeit von bormittags bis 10 Uhr nachmittags ununter rechten Ohres und flaffende Kopfwunden erlitten. 8-9 Uhr abends nicht gekauft wird, wird überhaupt nicht brochen geöffnet. Wir empfehlen dringend, möglichst früh Ein verhängnisvoller Zusammenstoß eines Automobilomnibusses gekauft, ist schon längst durch die Tatsachen Lügen gestraft Beitig vor dem Reiseantritt die Fahrkarten zu lösen und das Ges mit einem Breat, wobei fünf Personen berlebt wurden, ereignete worden. päd aufzulieferr." Das Virchow- Denkmal. Genoffinnen und Genossen! Tut, was in Euren Kräften Am Sonnabend fand, wie das„ Berl. Tageblatt" wiffen will, steht, um einer großen Klaffe der Bevölkerung eine Stunde Nuhe mehr zu schaffen. Werbt für den Achtuhr- Ladenschluß! bei Geheimrat Waldeyer eine Sitzung des Birchow- Denkmalfomitees statt. Von den anwesenden Vertretern des Magistrats wurde dars Aus der geschäftlichen Bragis eines Häuptlings der Gelben. gelegt, daß die Entscheidung des Kaisers, welche den Denkmals. Der Buchdruckereibefizer und Verleger Wilhelm Hartmann in entwurf des Professors Klimich verwirft, als rechtlich zulässig anBerlin spielt eine hervorragende Rolle in der gelben Organisation gesehen werden müsse. Bürgermeister Reide regte an, die von der Bädergefellen, ja man fönnte ihn wohl als das geistige Haupt limsch geschaffene Gruppe selbständig, losgelöst von dem Virchow dieser Organisation bezeichnen, wenn im Lager der Gelben über- Relief, in einem Berliner Park aufstellen zu lassen und außerdem haupt etwas von Geist zu finden wäre. Hartmann kämpft un- Herrn Klimsch zu fragen, ob er bereit fei, ein neues Virchowentwegt für die Befreiung der Bädergesellen aus den Klauen der Denkmal, mit der vollständigen Figur des Gelehrten, zu entwerfen. roten Heber, er kämpft ebenso unentwegt für die Hebung des ge- Dieser Vorschlag wurde sehr beifällig aufgenommen. Wir verstehen nicht, wie Vertreter des Magistrats die Meinung samten Bädergewerbes. Er läßt zu diesem Zwede mehrere Fach zeitungen erscheinen und gibt Bücher und Broschüren zu demselben des Kaisers in dieser Angelegenheit so ohne weiteres als gegeben Bwed heraus. Das alles tut Hartmann seiner eigenen Berfiche- hinnehmen oder als rechtlich zulässig ansehen können. rung nach aus reinem Jdealismus, aus Begeisterung für die„ gute Sache". Leute, die nähere Beziehunger zu Herii Hartmann hatten und ihn deshalb kennen müssen, sagen dagegen, ihm sei alles das nur Geschäft. Zufällig ist uns ein Flugblatt in die Hände geraten, welches bte Deutsche Diamalt- Gesellschaft m. b. H. München" in ihrem geschäftlichen Interesse herausgegeben hat. Das Flugblatt wendet ich gegen eine Konkurrensfirma der Diamalt- Gesellschaft, welche Rektoren im Waisenrat. Der Magistrat Berlin hat beschlossen, die Stadtverordnetenversammlung um ihre Zustimmung zu erfuchen, daß die Sektoren der Gemeindeschulen als solche dem Gemeindewaisenrate des Bezirkes, in welchem die Schule liegt, als stimm berechtigte Mitglieder angehören. Plebs, bleib uns vom Halse! Die Gemeindevertretung von Grunewald hatte im vorigen Jahre der Eingemeindung des Bahne fich am Sonntag auf der Grunewaldchaussee in der Nähe des Restaurants Hundekehle. Der in der Swinemünder Straße 62 wohnende Besizer Dreskowiß hatte mit seiner Frau, feinen beiden 10 resp. 12 Jahre alten Söhnen und der Händlerin Golmid aus Schönes berg, Eisenacher Straße 16, auf einem ihm gehörigen Breat einen Ausflug nach dem Grunewald unternommen. Als sich die Gesellfchaft gegen 6 Uhr nach dem Restaurant Hundekchle begeben wollte, wurde sie von einem Automobilomnibus überholt, der das Privat fuhrwerk umfahren wollte; der Kraftwagen schleuderte und stieß derartig gegen den Break, daß dieser umgeworfen wurde und die Insassen auf die Chaussee stürzten. Hierbei erlitt Frau D. eine schwere Gehirnerschütterung, Frau G. eine schwere Berlegung aut linken Ellbogen, D. eine stark blutende Kopfwunde und die beiden Knaben leichtere Kontusionen. Die Verunglückten wurden mittels Droschke nach der Unfallstation XVIII. in der Kaiser- FriedrichStraße in Charlottenburg gebracht, wo ihnen von zwei Stationsärzten Verbände angelegt wurden. Die Verlegung der Frau Dreskowitz war derartig schwer, daß fie mittels Krankenwagens nach ihrer Wohnung gebracht werden mußte. Feuer auf dem Gelände der Karlshorster Rennbahn. Am Sonntag wurden die freiwilligen Feuerwehren von Karlshorst und Ober- Schöneweide nach der Karlshorster Rennbahn gerufen. G3 hieß, es seien dort die Restaurationsräume, eine Tribüne und Teile des Waldes in Brand geraten, In Wirklichkeit handelte es fich aber min um einen a I85tanb. Das Feuer four Surch Nach obiger Schilderung Lönnte es nicht wundernehmen, wenn genügt eine Bescheinigung des Arbeitgebers oder der Polizeibehörde. Funten aus der Lokomotive eines Schnellzuges Berlin- Bosen der Seuchenbazillus nicht nur auf Schweine, sondern auch auf entstanden und hatte etwa 400 Quadratmeter Unterholz erfaßt. Menschen eine gefahrbringende Wirkung hätte. Eine möglichst schnelle Die Wehren griffen mit drei Schlauchleitungen ein Innerhalb Beseitigung dieses Mißstandes ist ein dringendes Gebot. einer Stunde war jede Gefahr beseitigt. Die Lokomotive des Schnellzuges foll angeblich keinen Funkenfänger gehabt haben. Im Freibad Grünau ist gesteru abend 1/26 1hr der Uhrmacher Mag Rypholz aus Berlin, Chorinerstr. 77, ertrunten. Schöneberg. Formulare hierzu sind für den 1. Bezirk in den Lokalen von Franke, Auguste- Biftoria- Allee, Muster, Berlinerstraße; für den zweiten Bezirk bei Knebel, Hauptstraße, Fr. Herrmann, Residenz straße( Ede Holländerstraße) und bei Unterzeichnetem zu haben. Wählt die Listen der Gewerkschaften! Franz Otto, ReinickendorfOft, Neptunstr. 29. Bernau. Die EinUeber den schweren Unglüdsfall, der sich am Freitagnachmittag auf dem Neubau Bayerische Straße ereignete, wird uns nachträglich noch folgende Darstellung gegeben: Nachdem der Bau gerichtet war, war ein Zimmerer damit beschäftigt, im Seitenflügel das Plateau Die Stadtverordnetenversammlung nahm gegen die fünf Stimmen bes Daches zu fchalen. Der Zimmerer hatte schon einen Zeil fertig unserer Genossen die Magistratsvorlage, betreffend die Anbringung und wollte einen zweiten anfangen. Dazu benötigte er eines einer Uhr auf dem Körigstorturm an. Unsere Genossen vertraten die 30 Zentimeter breiten und 4 Meter langen Brettes, das er sich vom Ansicht, daß die gefährliche Passage am Königstor eher abStapel des Borderhausdaches holen mußte. Da das Plateau zureißen fei, anstatt dieselbe mit einer Uhr zu versehen. 1,50 Meter breit ist und ziemliches Gefälle hat, wurde der Arbeiter Die Zeichnungen für das neue Krankenhaus sowie für den mit seinem Brett auf dem Wege nach dem Seitenflügel von einem Schulhausanbau lagen der Versammlung vor; es wurde der Windstoß erfaßt, trat fehl und stürzte in das Sparrenfeld hinein. Magiftrat ersucht, in Bälde mit dem Bau zu beginnen. Dem 8immerer gelang es, sich schnell festzuhalten, wobei er fich führung eines Drtsstatuts, wonach die Krankenversicherungspflicht eine Verlegung am rechten und am linken Oberarm zuzog. Das auf die gesamte Hausinduftrie ausgedehnt werden sollte, wurde einBrett, das vom Winde erfaßt wurde, rutschte die steile Mansarde stimmig vom Magistrat abgelehnt, Bei Begründung der Ablehnung hinunter und traf den am Gefims in bornübergebeugter Stellung wurde angegeben, daß bis jetzt noch die wenigsten Städte sich zu beschäftigten Maurer Albert Spahn, der sofort in die Tiefe stürzte. derartigen Einrichtungen verstanden hätten und auch in nächster Eine Schußrüstung oder ein Brett, an dem Spahn sich hätte fest Beit die Versicherung von Reichswegen geregelt werden halten können, war nicht vorhanden; diese ist erst am Sonnabend dürfte. Außerdem wurde feitens der hiesigen Weberangefangen und fertig gemacht worden. Hätte man das vorher innung die Versicherungspflicht nicht gewünscht. Unsere Ge getan, wäre das Unglüd, wenigstens in dem Umfange, nicht passiert. noffen erachteten die Begründung als nicht stichhaltig, da die Weberinnung mit ihreu 20-25 Mitgliedern gar teine Fühlung Treptow- Baumschulenweg. mit der großen Mehrzahl derjenigen hat, welche die Versicherungspflicht forderten. Im übrigen dürfte es mit der Reichseinführung noch ziemlich lange dauern, weshalb man nicht warten sollte bis das lezte Dorf sich vorher dazu verstanden hätte. Beim Baden ertrunten ist am Sonntag der Bädergefelle Martin Meiners aus Baumschulenweg. Derselbe hatte in der Nähe des Deutschen Bades in der Spree ein Bad genommen. Er schwamm tief in den Fluß hinein und fant plöglich unter. Rettungsversuche, die vom Ufer aus unternommen wurden, hatten leider keinen Erfolg. M. ist wahrscheinlich im Wasser von einem Herzschlag betroffen worden und infolgedessen ertrunten. Vermischtes. Radrennen in Steglik. Das, Goldene Motorrad", ein 100 Kilometer- Rennen, brachte dem Berliner Fris Theile einen überlegenen Sieg über Guignard, Schipke und Hall. Theile hatte bom Beginn ab die Führung, doch der Franzose machte sie ihm streitig und hielt die ersten fünf Runden die Spitze. Theile naht in gewaltigem Buge und beide überrunden Schipke, der nur sehr mäßig fährt. In der 33. Runde wiederholt sich das gleiche Schaufpiel. Guignard läßt sich willig vier Runden nehmen, dann aber fezt er dem Drängen Theiles Widerstand entgegen. In der 88. Runde tommt es zum Rampf, der erst in der 95. Runde zugunsten des Berliners entschieden wird. Ein besonderes Bravourstück leistet fich Theile in ber 117. Runde. Alle vier Gegner find dicht beisammen, und in einem Buge geht Theile an ihnen vorbei; nur Guignard hält sich und vergrößert auch seinen Abstand. In der 124. Runde erfolgt ein neuer Angriff, bei dem Schiple überrundet wird, aber Guignard leistet tapfer Gegenwehr und gewinnt Boden. Doch Theile will seinen Sieg zu einem bollständigen machen. In der 144. Runde greift er an, Guignard schwimmt und nun ist es für den Rest mit ihm vorbei. Theiles Sieg entfesselte großen Beifall. Hall, der an Stelle Roble fuhr, lag während des ganzen Rennens auf dem letzten Platz. Im Preis von Steglib, einem 50- Stilometer- Rennen, standen sich Bedell, Bruni, Nyser und Schwab gegenüber. Nyser, der die Führung hatte, tam in der 88. Runde mit seinem Schrittmacher zu Fall und schied aus dem Rennen, so daß für Bruni der Weg frei war. Schwab wurde Zweiter und Bedell, der tapfer fuhr, aber zweimal Rabwechsel hatte, Dritter. Der Preis von Friedenau ( 30 Kilometer) gab fünf neuen Fahrern Gelegenheit, ihre Kräfte zu zeigen. Sieger blieb Gnilta vor Dubaschny, Schmidt und Wittig; Eine Tiroler Ortschaft durch Feuer zerstört. Sing aufgegeben. Gnilla fuhr ganz achtbar und passierte seine gemeinde Rigdorf, wonach Treptow bie Reinigung, Besprengung und Aus der Gemeindevertretung. Der Vereinbarung mit der Stadt Ein furchtbarer Brand hat den fleinen, allen Tiroler Touristen Gegner leicht. und Treptower- wohlbekannten Die Fliegerrennen boten guten Sport und teilten fich Scheuermann, Wegener, Techmer, Carapezzi, Gansevoort, Peter, unb Stiefholaftraße übernimmt, wurde zugeftimmt.- Für Be fast völlig zerstört. Die Zahl der Dpfer, die das Brandunglück ge sich Scheuermann, Wegener, Techmer, Carapezzi, Gansevoort, Peter, Unterhaltung der Lohmühlen-, Harzer, Heidelberger-, Treptower- wohlbekannten Ort girl bei Innsbruck heimgesucht und das Dorf Rabe, Rubel und Bruns in die Ehren und Preise. Drei Dachstuhlbrände. Im Laufe des Sonntags hatte die schaffung von Lehrmittel für die erweiterte Gemeindeschule II in der fordert hat, steht noch nicht fest, bis jetzt sind zwei Zeichen geStiefholzstraße wurden 1500 m. bewilligt. Die Schule foll als borgen. Berliner Feuerwehr drei Dachstuhlbrände im Norden der Stadt felbständige Mädchenschule eingerichtet werden. Die von der Eisen- Ein Telegramm aus Innsbruck meldet: Ein Brand äscherte zu bewältigen. Zuerst ging der Dachstuhl des Hauses Kleine bahndirektion geforderten Beiträge zur Höherlegung der Görliger gestern abend die Ortschaft girl ein. Das Feuer ist wahrscheinlich durch Hamburger Straße 26 in Flammen auf, bann brannte Eisenbahn betragen bekanntlich für Treptow auf Grund einer Ber- unvorsichtigkeit spielender Kinder entstanden und breitete sich infolge der Dachstuhl des Eckhauses Schröderstraße 15.Gartenständigung mit Nixdorf 66 000 m., die Vertretung bewilligte straße und abends schließlich der Dachstuhl des Hauses Dembie Summe. Für die Regulierung der Baumschulenstraße und des herrschenden Sturmes mit rasender Gile aus. 164 Häuser, miner Straße 34, An der ersten Stelle konnte die Gefahr Hergabe des Borgartenlandes hatten sich seinerzeit alle darunter der Pfarrhof, die Kirche, die Bost und das Gemeindeamtsbald beseitigt werden, in den beiden anderen Fällen nahmen die Grundbefizer bis auf fünf einverstanden erklärt; jekt, nachdem die gebäude, sind niedergebrannt. Das ganze Dorf liegt in Trümmern. Ablöschungsarbeiten aber lange Zeit in Anspruch. Ueberall wird selbe in Angriff genommen worden ist, haben 37 Grundbefizer Gin- 1300 Personen sind obdachlos. Bis jetzt wurden zwei verkohlte Brandstiftung angenommen. spruch erhoben, indem sie sich weigern, das Vorgartenland abzu Leichen unter den Trümmern gefunden, doch werden noch mehrere treten. Sie behaupten, daß die Vorgärten aus hygienischen Rück- Personen vermißt. Vier Personen erlitten schwere, eine große Anfichten bleiben müssen. Welche Fronie. Die Brunnen, welche verzahl leichte Verlegungen. Am Brandplag arbeiteten 18 Feuerwehren. feuchtes Wasser geben, sträuben sie sich gleichfalls zu schließen. Es Wer ist der Tote? Am 2. Juni cr. ist im Tegeler See die soll zunächst mit den Beteiligten versucht werden, eine Einigung Von Jnnsbruck wurde Militär zur Hilfeleistung nach Zirl geschickt. Leiche einer unbekannten männlichen Berson gefunden worden. Die zu erzielen, anderenfalls wird das Enteignungsverfahren ein- Bei einer Explosion getötet. Aus Denver wird gemeldet: Bei felbe ist zirka 30 Jahre alt, 1,65 bis 1,70 Meter groß, hat dunkel geleitet. Borfritifierte bas langsame blondes Haar und ist bekleidet mit graubraunem Jackettanzug, grau- wärtsschreiten der Pflaster- und Kanalisationsarbeiten in der einer Explosion in der etwa zwanzig Kilometer von hier gelegenen wollener Unterhose, brauner Jagdweste, weiß und grau gestreiftem Baumschulenstraße, welches vom Gemeindebaumeister mit der nicht Dupontschen Pulverfabrik in Louver sind einige Arbeiter getötet und Barchenthemd und Schaftstiefeln. Bei der Leiche wurde ein rot und rechtzeitigen Lieferung einzelner Materialien entschuldigt wurde. mehrere verletzt worden. weiß punktiertes Taschentuch, ein leberner Leibriemen, ein Leder Ferner bemängelte Genosse Karow die schlechte Beschaffenheit des portemonnaie mit einem Pfennig und ein Schlüssel, ein Messer und Spielplazes in der Immeschen Baumschule und wünschte, daß berein Hausschlüffel gefunden. Retognofzenten wollen sich beim Amtsschiedene Sträucher, die Disteln usw. entfernt werden. Auch nahm er vorsteher in Tegel melden. Mitteilungen über die Persönlichkeit Veranlassung, auf die Schularztberichte zu verweisen, welche den nimmt auch die Kriminalpolizei und jedes Polizeirevier entgegen. Gemeindberordneten noch nicht zur Kenntnisnahme unterbreitet worden sind. Nach Aussage des Borstehers find dieselben noch nicht eingelaufen, aber eingefordert worden. Die Waisenstraße von der Stralauer Straße bis zur Parochial straße wird behufs limpflasterung vom 22. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerte und Reiter gesperrt. Vorort- Nachrichten. Die Schweinepest vor den Toren Berlins. Sierüber wird uns geschrieben: In den öftlichen Vororten Berlins haben sich viele Geflügel- und Schweinemästereien angesiedelt, oftmals inmitten eines dicht bebauten Ortsteils. Diese leider nicht fonzessionspflichtigen Anlagen bilden für die Nachbarschaft eine ständige Blage. Auch in Friedrichsfelde befinden sich derartige Anlagen. Besonders unangenehm bemerkbar macht sich eine Schweinemästerei von Jähnte, Prinzen- Allee 29, bib- a- vis dem Knabenschulhaus gelegen. Anzeigen der umliegenden Anwohner sowie Beschwerden der Schulleitung ber liefen bisher resultatlos. Am 10. Juni d. J. wurde ganz plötzlich diese Schweinemästerei geräumt und zwar so plöglich, daß, entgegen den polizeilichen Vorschriften, eine Herbe von zirka 25 Schweinen einfach nach der in der Luisenstraße gelegenen Engrosschlächterei von Schmidt getrieben wurden, um dort geschlachtet zu werden. Am folgenden Tage fand auf dem Gehöft große Reinigung statt, wodurch die unangenehmen Gerüche noch vermehrt wurden, zumal auch zu gleicher Zeit die Abfuhr der Fäkalien aus dem Die Straße vor der betreffenden Mädchenschulhause erfolgte. Schweinemästerei glich einem See von Jauche, welche einen pestilenz artigen Geftant berbreitete. Am 15. Juni wurde durch amtliche Bekanntmachung wegen .Schweinepest" über das Grundstück die Gehöftsperre verhängt. Köpenick. Genoffe Karow Schwere Gewitterschäden werden, wie ein Telegramm aus Nürnberg besagt, aus ganz Franken, insbesondere aus dem Maintal gemeldet. Bligschläge verursachten in vielen Dörfern zahlreiche Brände. Der Flurschaden ist sehr groß. In Obertiefheim und in Stohr schlug der Blitz in die Kirche ein. In Hirschhaid wurde ein heufahrender Bauer in die Dunggrube geschleudert und erstickte. Der Bürgermeister von Bamberg ließ Geld und Brot verteilen und die Zeitungen eröffneten Sammlungen für die vom Unwetter Be Ein aufregender Eisenbahnunfall hat fich in der borgeftrigen troffenen. Nacht auf dem hiesigen Bahnhof zugetragen. Der 25 Jahre alte Bahnarbeiter Gottfried Winger, Kaiserin- Auguste- Bittoriastraße 17 Ein verhängnisvolles Automobilunglüd ereignete fich, tole aus wohnhaft, hatte auf einen in die Station einfahrenden Eisenbahnzug Magdeburg berichtet wird, Sonntag bormittag auf der Chaussee auffpringen wollen. Er rutschte dabei vom Trittbrett herunter und Jrgleben- Olvenstedt. Dort berunglückte ein von der Prinz Heinrichtam zu Fall. Unglüdlicherweise stürzte er unter den nachfolgenden Fahrt zurückkehrendes Automobil, als es einem Radfahrer aus Waggon und zwar derartig, daß das rechte Bein unter die Räder weichen wollte. Das Automobil übersprang den Straßengraben, herausgeschleudert. Ein Leutnant der geriet. Es wurde in der unteren Hälfte vollständig abgefahren. Der die Insassen wurden Berunglückte, der ungewöhnlich starke Blutverluste erlitt, fand in der Spandauer Garnison, der die Fahrt als Unparteiischer mitgemacht tgl. Klinik zu Berlin Aufnahme. hat, war sofort tot, die anderen Infassen tamen mit leichteren Verlegungen davon. Grünau. Einen Arbeiter- Turnverein gedenkt die hiesige Arbeiterschaft ins Leben zu rufen. Bu diesem Zwecke findet am Donnerstag, den 25. Juni, abends 8 Uhr, in der„ Grünen Ede" eine Besprechung statt. Da der neu zu gründende Verein auch später bei Arbeiter festlichkeiten mitzuwirken die Aufgabe haben soll, so wird die Arbeiterschaft Grünaus ersucht, das Unternehmen zu unterstügen und an genanntem Abend zu erscheinen. Reinickendorf. Achtung, Gewerbegerichtswahl! Wafferstands- Nachrichten ber Landesanstalt für Gewässertunde, mitgeteilt nom Berliner Wetterbureau. Bafferstand Memel, Tilfit Bregel, Insterburg Weichsel, Thorn Dder, Ratibor Atroffen Frankfurt Barthe, Schrimm Landsberg Rege, Bordamm am ſeit am feit 21. 6. 20. 6. cm cm ¹) 160 0 Bafferstand Saale, Grochliz Havel, Spandau) 21. 6. 20. 6. . 20+1 Rathenow³) Spree, Spremberg) cm cm) 116-7 69-15 90 132 84 97 90 Beeston 104 Beser, Münden 24 Minden 25 Rhein, Marimiliansau 10 Kaub 269 -83 Röln 276 -152 Nedar, Heilbronn 59 Barby -8 Magdeburg 115-10 1)+ bedeutet Buchs, Fall, 116 Main, Wertheim 125 Mosel, Trier 102 Unterpegel. Am Freitag, den 26. Juni 1908 finden in der Zeit von 4-7 Uhr nachmittags am hiesigen Orte die Wahlen der Gewerbegerichtsbeisiger( Arbeitnehmer) statt. Die Neuwahlen haben im ersten Bezirk, umfassend den gesamten westlichen Ortsteil im Restaurant A. Müller, Scharnweberstr. 14, stattzufinden. Als Kan- Elbe, Leitmerih didaten aufgestellt sind die Kollegen: Franz Müller, Bauarbeiter, Bernhard Montowsky, Holzarbeiter, Wilhelm Spiegelberg, Metallarbeiter. Im zweiten Bezirk befindet sich das Wahllokal im Restaurant Sadau, Residenzstraße 124, Ede Amendestraße. Aufgestellt als Kandidaten sind die Kollegen: Karl Höpfner, Bäcker, Wil. helm Nötling, Schneider. Wenn man bedenkt, daß für die Entwässerung dieser Mästerei nichts geschehen ist, ja, daß gestattet wurde, die Jauche in Gräben versichern zu lassen, so muß es Verwunderung erregen, daß die Best nicht früher ausgebrochen ist. Wunderbarerweise suchte der Gemeinde vorsteher Ungewitter diesen standalösen Zustand noch zu decken, als er in der legten Gemeindevertretersizung von unserem Genossen Binfeler interpelliert wurde. Unserem Genossen wurde erwidert, der pestilenzartige Gestant an dem betreffenden Tage rühre einzig und allein von der Abfuhr der Fäkalien vom Schulhause her. Der zweite Bezirk umfaßt das westlich der Sonntagstraße bis Anstatt einem Gemeindevertreter dankbar zu sein, daß derselbe zum Grünen Weg und der Kühleweinstraße einschließlich dieser im Interesse des Drtes auf diese Bustände hinweist, beiden Straßen belegene Gebiet des östlichen Ortsteils. Zur Teil. suchte der Gemeindevorsteher unter wieherndem Gelächter der nahme sind nur Kollegen berechtigt, welche das 25. Lebensjahr meisten bürgerlichen Vertreter, besonders der Karlshorster, dem vollendet, keine Armenunterstüßung im vorhergegangenen Jahre Juterpellanten Nadelstiche zu versetzen. Als den bürgerlichen Herren aus Gemeindemitteln bezogen oder dieselbe zurückerstattet haben; ihr unmännliches Verhalten durch unseren Genossen vorgehalten außerdem solche, welche nicht bei einem Innungsmeister, aber im wurde, fühlten sie sich sehr betreten. Bugleich sei mitgeteilt, daß Bezirk des Gewerbegerichts beschäftigt sind oder dort wohnen, falls diese Fäkalien etwa 25 Meter vom Knabenschulhause abgeladen sie außerhalb dieses Bezirks in Arbeit stehen. wurden, um dort im Sonnenbrand zu verdunsten. Wenn dies in Arbeiter! Es gilt, von euren wenigen Rechten Gebrauch zu der Nähe einer höheren Schule geschähe, so würde dieser standalöse machen. Pflicht eines jeden ist es, feine Stimme den gewert Zustand sicher bald beseitigt. schaftlich organisierten Kandidaten zu geben. Als Legitimation Zur Unterstützung der Bestrebungen des Deutschen SeefischereiVereins, dem Berliner Publikum Cabliau Prinzenstraße 94, an der Ritterstraße. Dresden Witterungsübersicht vom 22. Juni 1908, morgens 8 Uhr. Staflenen 765 ND Swinemde. 767 ND pamburg 767 D Berlin rant.a. M. 763 ND München Bien Better Stationen 4 heiter 16 Haparanda 769 SSD 4 halb bb. 15 Betersburg 771 ND 4 heiter 16 Scilly 3 bededt 761 Still- bedeckt 15 Baris 760 NNA 1 bedeckt 19 16 berbeen Better Temp. n. C. 4 heiter 19 1 heiter 12 766 WSW heiter 14 766 SSD 3 mollig 11 764 NND 2 bedeckt 14 Wetterprognose für Dienstag, den 23. Juni 1908. Troden und vorwiegend heiter, etwas wärmer bei mäßigen öftlichen Berliner Wetterbureau. winden. Seefische Zubereitung in den Kochkursen des Berliner Hausfrauenbillige und gute Seefische zugänglich zu machen, werden wir die Seefisch- Sorten, deren Vereins kürzlich gelehrt wurde, in unseren nachstehend angeführten Geschäften zum Verkauf stellen. Wir offerieren, heute früh hier eintreffend, in lebend- frischer Ware: ohne Kopf, Seelachs Goldbarsch Verkaufsstellen: ohne Kopf, Verkaufsstellen: Schlesischer Bahnhof, Invalidenstraße 131, Gr. Frankfurter Str. 85, Potsdamer Str. 112a, Bogen 8-9, Madaistr., bei der Fruchtstr. vis- a- vis Stettiner Bahnhof. ( Ersatz für Zander), alles Verkaufsstellen: 15 Pf. per Pfd. Wilsnackerstr. 57, Wilmersdorferstr. 111, Spandan. bei der Marsilius- bei der Lützowstraße. bei der Dreysestraße. am Stuttgarter Platz. Breitestr. 54, am Markt. str. 14, Ecke Schlieperstraße. Tel. A. VI, 7190. Tel. A. II, 2039. Tel.Charlottenbg.6718.| Tel. Spandau 748. Größte Hochseefischerei Deutschlands 50 eigene Fischdampfer. Tegel. Tresckowstraße. Tel. Tegel 114. Central- Fernsprecher Amt III, 8804. Deutsche Dampffischerei- Gesellschaft ,, Nordsee", Bahnhof Börse. Ele dampfer Betsch Kontattar gall Eig. Kühlwaggons z. Seefischtransport. Seefisch- Kochbücher gratis. Um Verwechselungen mit ähnlich lautender Firma zu vermeiden, achten Sie genau auf unsere volle Firma. Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruderei u. 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