" Nr. 145. Medierinde] Abonnements- Bedingungen: bonnements. Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Bost- Beitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen ant: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts 130 Berliner Dolksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Bort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pig.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition i bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Soviel Arbeit um ein Leichentuch! Mittwoch, den 24. Juni 1908. erobert! Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Berlin XII erobert. allein eine solche Neuerung zulässig wäre". So verwarf Schmoller die Arbeitsbücher, aber an sich, daran halte ich fest, sind die Arbeitsbücher nicht verwerflich; es liegt in ihnen eine Maßregel, die auf gleichem prinzipiellen Boden wie die Fabrikfgesetzgebung steht... Die bürgerliche Welt feiert heute den siebzigsten Geburtstag Nur wenn die Unregelmäßigkeit im Leben unserer Arbeiterbeböltedes Nationalökonomen, der innerhalb der preußischen Universitäts- rung, die Kontraktbrüchigkeit und ähnliche schlimme Eigenschaften gebnis der heutigen Stichwahl in den Besitz der SozialAuch der zwölfte Berliner Landtagswahlkreis ist durch das Ertreise das größte Ansehen und den stärksten Einfluß befißt. Wir zunehmen, wenn die unlauteren Elemente dauernd die Oberhand demokratie übergegangen. Von insgesamt abgegebenen 620 gönnen dem alten Herrn aufrichtig alle Huldigungen, die ihm und Herrschaft gewinnen..., dann wird man vielleicht auf die Stimmen erhielt Genosse Adolf Hoffmann 313 Stimmen, dargebracht werden sollen, und es liegt uns fern, sie ihm durch Arbeitsbücher zurückgreifen müssen." So schwärmte Schmoller für während der Freisinnige Runge es nur auf 307 Stimmen kritische Glossen zu trüben; gehörte er zu den gemeinen Strebern das Koalitionsrecht der Arbeiter, aber wir sollen es nicht bloß vom brachte. Genosse Hoffmann ist danach gewählt! des professoralen Schlages, von deren einem eben bürgerliche Standpunkt der individuellen Freiheit, sondern von dem der allBlätter berichten, daß er in einem„ tragischen" Selbstmord geendet gemeinen Wohlfahrt betrachten und regulieren.... Man wird dann vermögen damit bewiesen, daß er in seiner Wahlnummer beständig Der„ Ult", das freisinnige Wigblatt, hat ein glückliches Ahnungshabe, weil ihm zwanzigjähriges Beschimpfen der Arbeiterbewegung auch nicht davor zurückschrecken, es da einzuschränken, wo die Ver- von den sieben Sozialdemokraten handelte. Durch die Wahl im doch noch nicht die ordentliche Professur eingetragen hat, wir wür wilderung, der Haß und die Leidenschaften, die es entfacht, größer 12. Berliner Landtagswahlkreise ist dem Freisimm das dritte von den den heute kein Wort über Gustav Schmoller verlieren. Aber zu werden drohen als der Segen der Institution". Und so weiter bisher behaupteten neun Berliner Mandaten entrissen worden. Die in seinem Leben liegt ein Stück wirklicher Tragit und ein Stück und so weiter. wirklicher Geschichte, der es sich nachzusinnen verlohnt. Dies ist, was Schmoller die Zurückführung der Arbeiterfrage die Hälfte aller Berliner Landtagswahlkreise Sozialdemokratie hat trotz des elendesten aller Wahlsysteme In dem Glückwunschartikel, den Herr Professor France in der auf ihre ethisch- psychologischen Faktoren" nennt. Fruchtbarer war Woche" des Herrn Scherl veröffentlicht, heißt es, daß Goethe nie- sein Historismus" auf dem Gebiete der preußischen Geschichte, wo mals vom Arbeitstisch Schmollers käme. Das ist ein durchaus be- Schmoller sich nach dem Zeugnis des Professors Frande am liebsten gefallen ist, liegt wohl zur Hauptsache daran, daß eine Anzahl kons Daß das Mandat der Sozialdemokratie bei der Stichwahl zu zeichnender Zug. Ein geborener Schwabe, ist Schmoller noch ganz tummelt. Hier haben Schmoller und seine Schule viel geleistet, fervativer und nationalliberaler Wahlmänner sich nicht entschließen im Kreise einer bürgerlichen Bildung groß geworden, die diefen mit einer Tendenz freilich auch für das„ soziale Königtum der tonnten, ihre Stimme für den Freisinnigen abzugeben. Wäre Namen verdient. Nach seinem eigenen Zeugnis hat Gustav Rü- Hohenzollern", aber mit feiner gemeingefährlichen Tendenz. Sie umgekehrt der Antisemit und Agrarier Ulrich, was melin den tiefsten Einfluß auf seine geistige Entwickelung gehabt, find von ihrem Phantom so bezaubert, daß sie seinen Glanz auch ja bei der Hauptwahl am 16. Juni nur an einem Spinnwebfaden, ein Tübinger Stiftler, etwas jünger als die Strauß und Vischer, noch in dem schäbigsten Fistalismus entdeckten. Sie fälschten nämlich an einer Stimme hing, in Stichwahl gelangt, so wäre aber wie sie vielseitig gebildet, obgleich auch wie sie politisch ver- feineswegs den preußischen Schnaps, sondern klebten nur biestert. Als Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung hatte ein Etikett auf die Flasche, wonach der Kartoffelfusel Denn dem Blockfreifinn wäre es schon zuzutrauen, daß er alle feine das Mandat vielleicht in die Hände der Reaktion übergegangen! Rümelin zu der Deputation gehört, die im April 1849 dem preu- edelfter Rüdesheimer sein soll. Um ein Beispiel anzuführen, so Mannen für den antisemitischen Agrarier hätte antreten lassen! Die kischen Köniz die papierene Kaiserkrone überbrachte, und er hat hat ein Schüler Schmollers die Akten über die Regie des alten Konservativen haben sich trotz der Blockbrüderschaft zu einer bis an sein Lebensende jeden für einen Idioten erklärt, der in Frib veröffentlicht, um nachzuweisen, daß der Sozialismus dieses solchen Preisgabe ihres politischen Standpunktes nicht bereitfinden dieser Narrenfahrt nicht den höchsten Gipfel politischer Weisheit er- Hohenzollern tiefer, idealistischer, heroischer" sei als der So- laffen. Die Reaktionäre besigen noch politische Prin blidt. Von Rümelin hat Schmoller die Porusfomanie überkommen, zialismus eines Marr. Aber weshalb soll man diesen anmutigen zipien, politisches Anstandsgefühl, die dem Blod die Schwärmerei. für das soziale Königtum der Hohenzollern", Scherz nicht mit in den Kauf nehmen, wenn die ganz ehrlich ipien, politisches Anstandsgefühl, die dem Blodaber auch mannigfache geistige Anregung; wie Rümelin ein treff- mitgeteilten Aften den unerbittlichen Nachweis führen, daß der freifinn längst abhanden gekommen sind! licher Statistiker und zugleich ein feinsinniger Aesthetiker war alte Frizz in der fiskalischen Massenplünderung ein würdiger VorDer Freisinn hat seine Niederlage um so ehrlicher verdient, als man dente an seine Shakespearestudien so hat Schmoller immer läufer Bismards gewesen ist? er trotz der Drohung der Nationalliberalen und Konservativen, eine mehr sein wollen als Nationalökonom; er hat nicht minder nach Bom Standpunkt feines Historismus" ist Schmoller natürlich selbständige Kandidatur Ulrich aufzufiellen, falls nicht Bom Standpunkt seines" Historismus" ist Schmoller natürlich die Freisinnigen sich entschlössen, ihre Kandidatur zugunsten des dem Kranze des Ethikers und Historikers gestrebt. auf den historischen Materialismus fehr schlecht zu sprechen. In nationalliberalen Profeffors Leidig zurückzuziehen, öffentlich Seine Stärke und seine Schwäche zugleich kündigte sich gleich der Rede, womit er 1897 das Rektorat der Berliner Universität dafür eintrat, daß bei den vorzunehmenden Wahlmännerin der ersten Arbeit an, womit er öffentlich hervortrat, noch in übernahm, weist er die Marrianer wie die Smithianer aus dem den Tagen Lassalles. Was damals die kapitalistischen Soldschreiber Tempel der Wissenschaft, aber mehr als diese, doch noch jene mit und konservativen Wahlmänner stimmen sollten, um auf jeden Fall stich wahlen die freisinnigen Urwähler für die nationalliberalen mit eiserner Stirn bestritten, nämlich die Behauptung Lassalles, ihrem knabenhaften frivolen Appell an die Revolution"; Lassalle den sozialdemokratischen Wahlmännern eine Niederlage zu bedaß alle namhaften Vertreter der bürgerlichen Dekonomie das und Marg schrieben mit Gift und Haß und Blut, und nun gar cherne Lohngefeß anerkannt hätten, das bestätigte Schmoller als ihre Anhänger; nur noch Parteifanatiker oder der Geschichtsehrlicher Mann, aber zugleich erklärte er dies Gesek für eine„ ober- kenntnis bare Schwärmer könnten die historisch- materialistische flächliche Abstraktion", die auf ihre ethisch- psychologischen Faktoren Theorie in der Form genießen, wie sie Engels, Mehring und andere zurüdgeführt werden müsse. Es ist der Grundton, der durch Epigonen von Marg formuliert haben. Schmollers ganzes Leben flingt: eine ehrliche Abneigung gegen Das ist so weit recht gut und schön, aber es bleibt noch eine das manchesterliche Banauſentum, aber auch ein unheimliches Frage, die Schmoller ehrlich genug ist, sich zu stellen, und auch Grauen vor der Klassischen Oekonomie und dem modernen So- ehrlich genug sich zu beantworten. Wie kommt es, daß unter zialismus, der unstillbare Drang, ihrer pressenden Logik zu ent- einem sozialen Königtum", einem„ liberalen, gerechten, anrinnen, auf das weite Blachfeld der bürgerlichen Jdeologie oder ständigen Beamtentum," das„ manche arbeiter- und bauernfreund- liberaler Wahlmänner sich der Wahl enthielten! selbst in den unergründlichen Sumpf, über dem das soziale liche Reformen schuf", bei der Abwesenheit jeder Bourgeoisherr- feinen reaktionären Blockgenossen um so größerer Verachtung begegnet, 1 schaft, von der in ganz Deutschland, im ganzen neunzehnten Jahrreiten! Der Freifinn war also bereit, der Neaktion zuut auch ums Haar den Erfolg, daß der Antisemit Ulrich mit dem Siege zu verhelfen! Die von ihm ausgegebene Parole hatte ja denn Genossen Hoffmann in Stichwahl geraten wäre; eine einzige auch ums Haar den Erfolg, daß der Antisemit Ulrich mit dem Stimme gab den Ausschlag zugunsten des freisinnigen Kandidaten Der Freifinn hat nun die Quittung für diese klägliche Berräterei dadurch erhalten, daß eine Anzahl konservativer und nationalRunze. Der Freifinn könnte also aus dieser Wahl lernen, daß er bei Ein Siegestag in Moabit! Königtum der Hohenzollern" als Jrrlicht gaufelt. Dann aber entfaltete sich zunächst mehr Schmollers Stärke. hundert nirgends die Rede war", dennoch eine Arbeiterpartei als je schamloſer er sich prostituiert. Wir zweifeln freilich sehr daran, Das ethische Pathos", womit er sich gegen die manchesterlichen politisch- wirtschaftliche Macht ersten Ranges und zwar im Sinne daß der Blockfreifinn überhaupt noch einer politischen Belehrung zu Schwäber erhob, konnte nicht anders als sympathisch berühren in republikanisch- revolutionärer Tendenzen" entstehen konnte? gänglich ist! einer Zeit, wo diese Schwäber mit unleidlichem Terrorismus die So die Frage, und nun die Antwort. Schmoller findet einige bürgerliche Presse beherrschten. Neben Brentano wurde sekundäre Ursachen, wie den auf Understand beruhenden törichten Schmoller die Seele des Kathedersozialismus, dessen bedeutendste Preußen- und Hohenzollernhaß am Rhein, in Sachsen, in Südwissenschaftliche Leistung neben Brentanos„ Arbeitergilden" seine „ Geschichte des Kleingewerbes in Deutschland" war. Und ihm zum Heil rannte dann Treitschte mit dem plump- unwissenden Pamphlet über die Gönner des Sozialismus gegen ihn an; Schmollers Gegenschrift wird seinen Namen am längsten erhalten, so wie der letzte Abendsonnenschein bürgerlicher Bildung über ihr nicht sowohl aufleuchtet als verdämmert. " Wählt Runze!" so stand es mit meterhohen Buchstaben deutschland, aber in der Hauptsache haben Lassalle und Marr auf einem Riesenplakat, das vor dem Wahllokal, dem großen die deutsche Arbeiterbewegung in diese verhängnisvolle Bahn ge- Saal der Bazenhofer- Brauerei in der Turmstraße, die Wahldrängt. Beide echt jüdische, zersetzende Geister, beide national- männer grüßte, sobald sie den Garten betraten. Wählt ökonomisch nur auf den Juden Ricardo eingeschworen, hätten sie Runze!" so flehten die Schlepper des Freisinns vor den Türen bei scholastisch angelegten, fanatischen Politikern zunächst den der konservativen Wahlmänner, denen sie herdenweis ins Haus nötigen literarischen Anhang gefunden; die Masse der gelernten, liefen, um sie zur Stimmabgabe für den Freifinn heranzuholen. bald auch der übrigen Arbeiter war gerade geistig so weit gereift, und lange schien es, wie wenn Runze gewählt werden Denn nun entfaltete sich das soziale Königtum der Hohen- um sich durch ihre Theorien begeistern zu lassen, politisch, philo- follte. Er gewann sehr bald vor Hoffmann einen Vorsprung, den er zollern" in seiner ganzen Pracht, in einer Fiskal- und Polizei- sophisch, volkswirtschaftlich so wenig gebildet, um kritiklos an sie fast bis zulegt behielt. wirtschaft, die noch tief unter dem Manchestertum stand, aber von zu glauben...." Die Arbeiter hätten mit diesen Säßen auf den Erst in der allerletzten Viertelstunde mußte es auch dem Schmoller als die Morgenröte der besseren Zeit begrüßt wurde. Bahnen der Wissenschaft zu wandeln geglaubt; fie hätten nicht hoffnungsseligsten der Freisinnigen flar werden, daß die Hilfe Es widerstrebte seiner historischen Auffassung der Dinge"," die sehen können, daß sie damit die Kleider anzogen, die die Wissen- der Konservativen doch nicht ausreichte, den ganze heutige Wendung der Handelspolitik", der Finanz- und schaft eben als verbraucht und unhaltbar abgelegt habe. Freisinn zu retten. Auch δας nügte den Freisimmigen Schutzölle zu bekämpfen;„ der sichere, der wahre Fortschritt war Wenn also Lassalle und Marx rechtzeitig nach Kamerun und nichts, daß sie sich besonders die Beamten vorjederzeit da, wo man es verstand, im rechten Moment und an der Logo deportiert worden wären, so gäbe es teine revolutionäre So- nahmen, die ein Wahlmannsmandat der Konservativen rechten Stelle freihändlerisch und dann wieder schutzöllnerisch zu zialdemokratie und das" soziale Königtum der Hohenzollern" würde hatten. Den Vorsteher eines Bostamtes machten sie darauf aufsein". Und wie die Fiskal, so fand die Polizeiwirtschaft Gnade in ungetrübtem Glanze strahlen. Die Theorie dieses Königtums merksam, unter seinen Leuten seien Wahlmänner, die ihre Wahlvor Schmollers Augen; als das Sozialistengesetz schon aus dem endet in der trivialsten Polizeiweisheit, ganz logischerweise, denn pflicht noch nicht erfüllt hätten. Die Wahlmänner im Postrock letzten Loche pfiff, fuchte er seinen gänzlichen Bankrott noch auf das soziale Königtum der Hohenzollern" ist immer nur trivialste friegten zwar ihren Wink und gingen dann wählen, aber zuhalten durch den sinnigen Vorschlag, die gewerbsmäßigen Dema- Polizeipragis gewesen. sie konnten den Kohl nicht mehr fett machen. Rechtsgogen nach Kamerun oder Togo zu spedieren. Trotz alledem muß man bei einem Rückblick auf den Fleiß der anwalt Ulrich, der Führer der Konservativen Moabits, Darauf nahm das soziale Königtum der Hohenzollern" eine Jahrzehnte, den Schmoller seinem unfindbaren Königtum ge- der in der Hauptwahl ihr Kandidat gewesen war und beinahe andere Wendung. Bismard stolperte über die Februarerlasse, und widmet hat, mehr im Sinne der Klage als der Anklage das Dichter- an Runzes Stelle das Vergnügen gehabt hätte, in der Stichwahl Schmoller erklärte:„ Die Erlasse eröffnen fühn eine neue Epoche wort anrufen: Soviel Arbeit um ein Leichentuch! Denn wenn durchfallen zu dürfen, tam gestern nach dem Kriegsschauplaz deutscher Sozialpolitik". Er bescheinigte sich selbst, daß er mit ieder von uns mehr von den Umständen abhängt, als von seinem und betrachtete sich mürrisch die Situation. Verdroß es ihn, anderen„ die Fahne der sozialen Reform unentwegt vorangetragen" Willen, so war es mehr dem Verhängnis Schmollers beizumessen, daß die Seinen in hellen Haufen antreten mußten, um den habe und fragte: Woher und wohin? Er wollte den Kontratt- als seiner Schuld, daß er am großen Scheidewege der Zeit auf Freifinn aus der Patsche zu helfen? Herr Ulrich war selber zubruch der Arbeiter nicht bestraft wissen, gewiß nicht, aber darüber den falschen Pfad geriet und sich an ihm das Wort- seines Goethe gleich Wahlmann. Db für Herrn Runze, der ihn verdrängt hatte, bin ich zweifelhaft, ob nicht ein Kontrattbruch während der Ernte erfüllt: anders zu behandeln wäre als andere Kontraktbrüche.... Will man aber auf die gesamten unteren Klassen ein solches Strafrecht wieder ohne Ausnahme ausdehnen so kann, so darf es zum mindesten nur geschehen im Zusammenhange mit einer die Arbeiterverhältnisse überhaupt nach allen Seiten reformierenden Ges setzgebung.. Ich würde mit dieser Wendung die vorgeschlagene Bestrafung des Kontrattbruches noch nicht für gerechtfertigt halten, aber ich behaupte, das wäre jedenfalls die Bedingung, unter der stolzen Gang. Aber abseits, wer ist's? Jns Gebüsch berliert sich sein Pfad, Sinter ihm schlagen Die Sträuche zusammen, Das Gras steht wieder auf Die Dede verschlingt ihn. auch er selber stimmen würde? Aber bis zu dieser Selbstentäußerung brachte Herr Ulrich es denn doch nicht: er verließ die Stätte des Kampfes, ohne seine Stimme abgegeben zu haben. Im Garten der Brauerei ging es, je weiter der Tag vorrückte, desto lebhafter zu. Unsere Genossen hatten hier ihr Bureau unter einem offenen Zeltdach, die Freisinnigen berbargen sich hinter den Wänden eines Nebengebäudes der Restauration. Die Arbeiterbewegung aber geht aufwärts ihren ehernen und Der Eingang des Gartens war besezt von Zettelberteilern beider Parteien, die mit lauter Stimme die Namen der Kandidaten ausriefen. Auf unserer Seite arbeiteten auch diele Frauen mit. Ein Freisinniger suchte einen Schutzmann zu animieren, er solle unseren am Eingang stehenden Genossen und Genossinnen die Arbeit erschweren. Der Schutzmann liest sich im wesentlichen nur dazu herbei, zu fordern, dast der Ruf: „Wer fiir freies Wahlrecht ist, wählt Adolf Hoffmann!" nicht zu laut erschalle. Hinterher verbreitete sich das Gerücht, der Schutzmann habe auch die Aeusterung getan, die Frauen sollte» lieber Strümpfe stopfen. Gegenüber unserem Genossen Hoffmann stellte er in Abrede, sich so geäußert zu haben. Hoffmann beruhigte ihn:„Sollten Sie aber Strümpfe haben, denen es not tut, so sind unsere Frauen nach Feierabend gern bereit, auch das noch zu machen." Lustige Szenen gab es besonders in der letzten Stunde vor Schlust ves WahlaltcS. So oft ein F r e i s i n n s s ch l e P P e r in seinem Automobil vorfuhr, ohne den gestichteir Wahl- mann mitbringen zu können, wurde er von der wartenden Menge unserer Genossen und Genossinnen mit fröhlicher Heiterkeit empfangen. Doch die Sache der Freisinnigen schien noch nicht schlecht zu stehen. Sie hatten bereits herangeschleppt, was irgend heranzuschleppen gewesen war; von lg bürgerlichen Wahlmännern, die bei der Hauptwahl gefehlt hatten, waren Ig zur Stichwahl gekommen. Schon hatte die Zahl der Freisinns- stimmen das dritte Hundert überschritten, während für uns noch lange keine Dreihundert zusammengebracht waren. Aber dann rückte mit einem Male der Nachschub unserer Genossen an. Ein Wahlmann nach dem anderen gab jetzt, an den Wahltisch herantretend, seine Stimme für Hoffmann ab. Und der Freisinn wurde überholt! Näher und näher rückte der Uhrzeiger seinem Ziel. ES stand fest, daß der Freisinn nichts mehr einholen konnte. Draußen iur Garten wuchs die Spannung der harrenden Menge, drinnen im Wahllokal wußte man's bereits, wem der Sieg zufallen mußte. Der Wahlvorsteher erhob sich:„ES ist sieben Uhr. die Abstimmung ist geschlossen!" Ein Bravo wurde laut, durch die geöffnete Tür drang's hinaus in den Garten und weckte dort ein hundertfaches Echo. Die Tür wurde geschloffen, der Vorstand ermittelte das Wahlergebnis, dann verkündete er:„313 Stimmen für Hoffmann, 307 Stimmen für Runze!" Ein Frei- sinniger lachte kurz auf, Bravorufe und Händeklatschen der Sozial- demokraten antwortete ihm. Zischen klang von freisinniger Seite da- zwischen, brausende Jubelrufe unserer Genossen übertönten des Gegners ohnmächtige Wut. Machtvoll erklang die A r b e i t e r m a r s e i l l a i s e, mit dem alten Kampf- und Trutzlied der Arbeiterklaffe zogen »vir hinaus. Draußen standen Tausende Kopf an Kopf und stimmten begeistert ein. Hochrufe auf das freie Wahlrecht. auf den Kandidaten der siegreichen Partei, auf die Moabiter Genossen, aus die mittätigen Frauen pflanzten sich fort bis auf die Straße._ Die liiaifeier auf dem Gewerilkhaftshongreß. Hamburg, 23. Juni. Am zweiten Verhandlungstage behandelte der Kongreß zunächst den Heimarbeiterschutz und das Kost» und Logis- Wesen, zwei Fragen, in denen die Delegierten sowohl über die auf beiden Gebieten zu bekämpfenden Mißstände als auch über die Mittel zu ihrer Beseitigung einer Meinung waren. Diese Einmütigkeit hatte rasche Arbeit zur Folge und so kam man schneller als man angenommen hatte, zu der mit Spannung erwarteten Erörterung über die Maifeier. Nasch füllte sich der Saal und die Delegierten folgten den Verhandlungen mit erhöhter Lluimerksamkeit. Das Gewerkschaftskartell und die Vorstände der Zahlstellen der Zentralverbände in Frankfurt am Main hatten den Antrag gestellt, die Generalkommission möge mit dem Parteivorstand erneut in Verbindung treten, um eine befriedigendere Regelung der UnterstützungS- frage bei der Maifeier zu erzielen. Dißmann» Frank- furt a. M. legte in sachlicher Weise den Standpunkt der Frank- furter klar, die aus der Vereinbarung zwischen Parteivorstand und Generalkonrinission her einen Zurückgang der Arbeitsruhe befürchteten. Legien ist dagegen der Meinung, dast die Vereinbarung einen Fortschritt gegen bisher bedeute. So wie die Dinge liegen, lasse sich leider eine nach allen Richtungen befriedigende Regelung der Maifeierfrage überhaupt nicht treffen. Die Vereinbarung solle das Verantwortlichkeitsgcfühl gerade der Genossen schärfen, welche die Beschlüsse über die Maifeier zu fassen haben. Sie gebe auch die Möglichkeit, die Durch- führung der Arbeitsruhe rechtzeitig finanziell vorzubereiten. Temperamentvoller als diese beiden Redner sprach dann Cohen- Berlin als Redner der Metallarbeiter für den Beschlust von Partei- vorstand und Generalkommission, benutzte aber gleichzeitig die Ge- legenheit, alle seine Bedenken gegen die ArbeitSruhe am 1. Mai zum Ausdruck zu bringen. K n o l l als Anhänger der Arbcitsruhe empfahl die tarifliche Regelung der Maifeier. Man käme dadurch am besten dem ParteitagSbeschluß nach, der möglichste ArbeitSruhe verlangt, wenn daraus keine wirtschaftliche Schädigung entstehe. « Hamburg, 23. Juni. 6,50 Uhr nachm. (Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Debatte über die Maifeier nahm den größten Teil ver Verhandlungen des Tages in Anspruch. Im Gegensatz zu der Debatte in Köln, wo ja die Gemüter außerordentlich heftig auf- einander platzten, war diese Aussprache in Hamburg außerordcnt» lich sachlich und würdig, und das, obgleich selbst in den verschiedenen „Fraktionen", die in diesem Arbeiterparlamcnt durch die ver- fchiedenen Organisationen repräsentiert werden, naturgemäß keine Einigkeit über eine Frage herrscht, die über den Rahmen des speziellen FachintereffcS hinausgeht. Das wurde erhellt aus einer Episode, die ein bezeichnendes Streiflicht auf die Verhältnisse in einer Delegation warf, die auf dem Kongreß nach außen hin immer völlig geschlossen in Aktion zu treten Pflegt. Als Cohen- Berlin feststellte, daß von den Metallarbeitern allein Dißmann- Frankfurt und Leber-Jena einen dissentierenden, d. h. der Ar- beitsruhe am ersten Mai geneigten Standpunkt einnähmen, stellte der Metallarbeiterdelegierte Garbe-Kiel unter Zustimmung aus den Reihen seiner Kollegen fest, daß Dißmann und Leber nicht allein ständen. Wer eigentlich auf dem Kongreß in der Mehrheit war, die Gegner oder die Anhänger der ArbeitSruhe, daS ließ sich weder aus der Zahl der Redner, noch aus den Zwischenrufen mit nur einiger Sicherheit feststellen. Legien schnitt die Debatte darüber schnell ab, als er zum zweiten Male zu Worte kam. Er stellte fest, daß es gar nicht Aufgabe de? Kongresses fein könne, darüber zu debattieren, ob ArbeitSruhe oder nicht. Noch immer gelte der Beschluß des Amsterdamer Kon- greffes. Daran, daß die Arbeitsruhe als beste Form der Maifeier zu erstreben sei, dürfe dieser Kongreß nicht rütteln. DaS sei durch Beschluß der deutschen Delegation auf dem letzten Internationalen Arbeiterkongreß, die zu gleichen Teiles ggS Gewerkfcha�tK- und l Parteigenossen bestand, festgestellt. Nur über die Forttt der Unterstützung habe der Kongreß zu entscheiden. Es würde wirklich einmal Zeit, daß Partei und Gewerkschaften sich einigen und anfangen, die Maifeier durchzuführen. Dazu solle die Vereinbarung dienen. Als Legien endete, spendete ein Teil der Zuhörer auf der Galerie ihm spontanen Beifall. Auch durch die Reihen der Tele- gierten ging merkliche Bewegung. Ein schon mehrere Male gc- stellter Schlußantrag wurde nunmehr mit überwältigender Majorität angenommen. Das brachte uns um den Genuß, auch Herrn Rexhäuscr über die Maifeier zu hören, der auf der Liste der noch eingezeichneten Redner stand. Der Kongreß schreitet zur Abstimmung. Uebcr einen An- trag des G e w e r k s ch a f t s k r t c l l s Fürth, der die völlige Beseitigung der' Arbcitsruhe am 1. Mai fordert, erklärt er, nicht abstimmen zu können! da er dazu in Konsequenz der Legiensthen Ausführungen nicht b e- rcchtigt sei. Den Abmachungen zwischen Partei- vorstand und G e n e r a l k o m m i s s i o n stimmt der Kongreß gegen nur 22 Stimmen z u. Mit 178 gegen 101 Stimmen gibt er der Generalkommission außerdem den Auftrag, die Frage der Unterstützung der Maiausgc sperrten noch einmal gemeinsam mit dem Parteivorftande zu erwägen. Der Ausgang der Debatte zeitigte im Saale einen lebhaften persönlichen Meinungsaustausch, so daß sich Robert Schmidt. der nun zum Worte kam. um den Bericht über die Tätig- keit dcö Zentralarbeitersekretariats zu geben, anfangs nur schwer Gehör verschaffen konnte. Seiner cindring- lichen und formvollendeten Art gelang es aber bald, sich Aufmerk- samkcit zu erzwingen für seine wuchtige Anklage gegen die Per. sonen und Institutionen, denen die Durchführung unserer an sich schon so mangelhaften Sozialgesetzgebung übertragen ist und deren Auffassung von ihrer Aufgabe manchen Arbeiter, der die Segnungen dieser Sozialgesetzgebung in Anspruch nehmen mutz, schlimmem Elend ausliefert._- Miiterverlprechungeu und polizeiliche Praxis. In der Sitzung dos Reichstags vom 4. April 1908, in der zweiten Lesung deS Reichsvereinsgcsetzes erklärte der Staatssekretär des In nern v. Bethmann- H o l I w c g nach dem amtlichen Stenogramm u. a.: Der Herr Abgeordnete Graes hat des weiteren auf die Ge- fahren hingewiesen, welche ß 7 der christlichsozialen Arbeiter- bewegung schaffen könne. Auch hier halte ich mich zu der be» stimmten Annahme für berechtigt, daß die Landesregierungen ihre Maßnahmen so treffen tverden, daß, soweit die von dem Herrn Abgeordneten Graes besonders umschriebenen Voraussetzungen für fremdsprachige Teile der Arbeiterschaft zutreffen, (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) diese durch eine ungeeignete Anwendung des tz 7 in der Ver- folgung gesetzlicher Bestrebungen auf dein Gebiete der Regelung ihrer Lohn- und Arbeltsbedingungen nicht beeinträchtigt werden. (Höttl hörtl bei den Sozialdemokraten.— Bravo l bei der Wirtschaftlichen Bereinigung.) Und später erklärte der Staatssekretär in derselben Sitzung: Meine Herren! Aus den Ausführungen des Herrn Abgeord- neten Dr. Müller-Meiuingen entnehme ich, daß meine Antwort auf die Anfrage des Herrn Abgeordneten Graes dahin miß- verstanden worden ist. als ob ich dabei die gewerkschaftliche Be- wegung nur. der christlichsozialen Organisation im Auge gehabt bätte. Ich lege Wert darauf, daß sich in dieser Beziehung kein Irrtum festsetzt, und stelle ausdrücklich fest, daß ich meine Bemerkungen keineswegs auf die christlichsozialen Arbeiterorgani- sationen und diese Teile der gewerlschaftlichen Bewegung beschränkt habe. (Bravo I links.— Zuruf: Sondern?) Der ß.7. von dem der Staatssekretär hier sprach, ist der jetzige§ 12 des Reichsvereinsgesetzes. der berüchtigte Sprachen Paragraph. Der Inhalt der Erklärungen des Staatssekretärs war die Versicherung, daß die Gewerkschaftsbewegung durch den Sprachen- Paragraphen, durch das Verbot des Gebrauchs nicht- deutscher Sprachen in öffentlichen Versammlungen keinen Schaden erleiden solle. Als der Genosse H u c in' derselben ReichStagssitzung aussprach, daß nach der zweiten Erklärung des Staatssekretärs seine Ausführungen auch für die freien Gewerkschaften gelten sollten, erhob Herr v. Bethmann-Hollwcg keinen Widerspruch. Von ganz besonderer Bedeutung ist die Anwendung des Sprachenparagraghen auf Gewerkschaftsversammlungen im Ruhrrevier, wo nächst den östlichen Gebieten mit alt- eingesessener polnischer Bevölkerung die Zahl der polnischen Einwohner größer ist, als in allen anderen Teilen Deutsch- lands, und wo die vorläufigen Ausnahmen, die den Kreisen mit 60 Prozent alteingesessener fremdsprachiger Bevölkerung zu gute kommen, nicht Platz greifen, da im Ruhrrevier die Polen eben nicht alteingesessen sind. Zudem bilden sie auch in keinem der rheinisch-westsälischen Kreise mehr als 60 Prozent der Bevölkerung. Die Gewerkschaftsbewegung im Ruhrrevier ist also an einer Handhabung des Sprachcnvcrbots, wie sie der Staats- sekretär des Innern versprochen, sehr stark interessiert. W i c aber erfüllen die Verwaltungsbehörden des Ruhrreviers das Versprechen des Staats- sekretärs? Zu Anfang des Monats Juni hat der R e g i e r u n g S- Präsident von Arnsberg den Bescheid erteilt, daß in öffentlichen Gewerkschaftsversammlungen nur deutsch, nicht polnisch gesprochen«erde» darf! Und einige Tage später hat der R e g i e r u n g S- Präsident von Münster einer polnischen Berufs- Vereinigung ohne Angabe von Gründen denselben Bescheio erteilt! So achten die preußischen Regierungspräsidenten die Ver- sprechungen des Staatssekretärs deS Innern! Die Sozialdemokratie und die freien Gewerkschaften sind nicht überrascht. Sie wissen aus langjähriger Erfahrung, daß die schönen Versprechungen der Minister für die Polizei noch niemals Hindernisse für die ausschweifendste Auslegung und Anwendung volksfeindlicher Gesetze gewesen sind und haben vorausgesagt, daß es hier nicht anders fein werde. Waö aber sagen jene christlichen Gewerkschaftler und freisinnigen Abgeordneten, die mit dem Hinweis auf die Versprechungen des Staatssekretärs ihre Zustimmung zu dem Schand- Paragraphen des Sprachenverbots beschönigt haben? Der deutsche Gewerkschaftskongreß, der jetzt in Hamburg tagt und der sich auch mit der Agitation unter den fremd- sprachlichen Arbeitern beschäftigen wird, hat Gelegenheit, den Herrn Staatssekretär an sein Versprechen zu erinnern und ihm die Meinung zu sagen über die Art und Weise, lvie er fiir die Einlösung seiner Versprechungen sorgt! cehrfreiheit. Der geschichtliche Zufall liebt manchmal glänzende Antithesen. Während in O e st e r r e i ch die bedrohte Freiheit der Wissenschaft durch den Streik der Studenten, auf deren Seite sich die Rektoren und Professoren der Universitäten gestellt hatten, gegen den An- stürm der Klerikalen, die nur die Sympathien deS Kaisers für sich hatten, schließlich gerettet worden ist, haben in Dentsch- land schon lange die Vertreter und Jünger der Wissenschaft vor dem Krummstab und dem Polizeistock schmählich kapituliert. Und wie konnte cS anders sein in einem Lande, das längst nicht mehr das Land der Dichter und Denker ist, sondern in dein die Wissen- schaft nur mehr eine von den vielen Möglichkeiten geworden ist, Karriere zu machen und Geld zu verdienen. Man vergleiche mit dem leidenschaftlichen Aufflammen der Entrüstung in Oesterreich die Debatte, die kürzlich in der bayerischen Kammer der ReichSrKte geführt wurde, und man wird ein Bild bekommen von der Bureaukratisierung, der Entwündigung der deutschen Univcrsiäten und der feigen RechnungSträgersi der meisten ihrer Professoren. Während in Oesterreich der Kardinal-Erzbischof von Prag und— in frecher Ueberschreitung seines Wirkungskreises— der päpstliche Nuntius in Wien gegen die Versetzung Wahrmunds nach Prag, die zugleich eine Beförderung ist, protestiert haben, konnte in München mit vollem Recht bei Beratung deS Kultusetats der E r z b i s ch o s Stein- München der Regierung für die in der Abgeordneten- kammer gegebene Erklärung über die Grenzen der Lehrfrcibeit der Professoren der Theologie danken. Der Kultusmüüster Wehner beeilte sich, diesen Dank nochmals zu ver- dienen, indem er feierlich die Unfreiheit der Wissen- schaft proklamierte. Die Wissenschaft, meinte er. bedarf der Freiheit. Aber er fügte sofort hinzu, daß die freie Wissenschaft nicht— gelehrt werden dürfe. Denn wenn die Forschung auch frei sein könne, so stehe es anders mit der Lehrfreiheit. Hier darf der religiöse Glaube der Jugend n ich t verletzt werden. Hypothesen sollen nicht ausgeschlossen sein, dürfen aber nicht als fest st ehende Tatsachen vor- getragen werden. Für Professoren der Tbeologie sind die Grenzen noch enger. Die Kirche kann den Vor- trag irriger Lehren nicht dulden. Die Kirche hat das Recht festzustellen, ob eine Lehre irrig ist. Der Staat prüft dann in jedem Falle, welche Konsequenzen cr daraus zieht. Herr Wehn er hat bewiesen, daß er Konsequenzen zu ziehen weiß, die der Kirche angenehm sind; hat er doch den Modernistcu Schnitzer prompt um den Lehrstuhl gebracht. Aber lvie jämuier- lich war erst die Antwort des Universitätsprofessors auf diese Kriegserklärung. Man lese die weitere Debatte: Reichsrat Professor S ch a nz- Würzburg führte aus, für die Lehrfreiheit könne nur das Strafgesetzbuch und das gemeine Reckn als Schranke gelten. Ein Professor könne die Wissenschaft nickit anders lehren, als er sie in feinen Schriften vertrete. Sonst leide das Vertrauen der Studenten zum Lehrer. Die Lehrfreiheit dürfe nicht beseitigt werden. Die Studenten könnten nicht immer am Gängelband geführt werden, sie müßten sich ihre LebenLauffassung selbst bestimmen. Kultusminister Dr. v. W e h n e r führte in seiner Erwiderung aus: Ein Professor muß sich in seinen Vorträgen vor den jungen Leuten eine größere Reserve auferlegen als in seinen . Schriften. Der Student soll nicht am Gängelband bleiben, aber ein Professor muß Hypothesen als solche bezeichnen, er hat nicht volle Lehrfreiheit und darf nicht Lehren vortragen, die an die Grund Wurzel des Staates die Axt anlegen. Reichsrat Dr. Schanz erwiderte, die Lehrfteiheit sei nicht zu beanstanden, da jeder Lehrer einen gewissen Takt besitze. Würde ein Professor antimonarchische oder anarchistische Lehren vortragen, so käme er mit seinem Eide inKonflilt. Hatte Wehner für die Theologen die Kirche als Zensur bestellt, so stellt der weltliche Professor feierlich die Autorität des Strafgesetzbuches und des gemeinen Rechts— wir wissen nicht, ob nur des deutschen oder auch des türkischen und russischen— über die Autorität der Wissenschaft. Und der Byzantiner ist damit noch nicht zufrieden, sondern proklamiert als letztes Resultat aller Wissenschaft die unwandel- bare Verehrung der Monarchie. Wir zweifeln keine» Moment daran, daß Herr Professor Schanz, wäre er im Besitz einer französischen, schweizerischen oder amerikanischen Professur ebenso gern die Ueberlegenheit der Republik über die Monarchie anerkennen würde. Nur möchten wir von dem Gerede, daß preußisch-deutsche Universitäten Stätten freier Forschung und vorauSsetzungSloser Wissenschaft seien, endlich verschont bleiben. Aber die deutschen Studenten? Lebt nicht in ihnen etwas Sinn für die Unabhängigkeit und Freiheit der Wissenschaft? Nun, sie haben andere Sorgen und die Wahl desjenigen Korps, das die beste Karriere verbürgt, bereitet ihnen mehr Kopfschmerzen als alle Ideale von Freiheit. Und die, die für allgemeinere Interessen Sinn haben, gelten als gefährlich und man kann sie nicht streng genug beaufsichtigen. Eben geht die Nachricht durch die Blätter, daß die Berliner Freie Studentenschaft augelöst worden ist, der Raum, den sie bisher an der Universität zur Ver- fügung gehabt hatte, gesperrt, ihre Ankündigungen an dem schwarzen Brett nicht mehr gestattet sind. Begründet wird diese Bosheit damit, daß die freie Studentenschaft e» ablehnte, sich als akademischer Berein zu organisieren und sich damit vollständig der Willkür des Rektors, des berühmten Stumpf, auszuliefern.' Dir Auflösung ist die Antwort auf die Blamage des Herrn Stumpf und ihr Plan muß entstanden sein in jenen Tagen, als alle Welt über den Psychologen des klugen HanS sich lustig machte, der die Abhaltung von Borträgen untersagte, die sich mit sexueller«ufklärmig der Jugend befaßte. Aber ebenso charakteristisch wie die Auflösung selbst ist. daß die deutschen Studenten sich ruhig gefallen lassen, was anderswo ganz undenlbar wäre. Professoren wie Studenten knicken in gleicher Weife zu- fammen, wenn der Polizeistock droht, und von der Freiheit, in der allein wahre Wissenschaft gedeihen kann, verspüren sie längst nicht mehr eine» Hauch.—_ poUtifcbe deberltcbt Berlin, den 23. Juni 1908. DiSzipliulosigkeiteu bei de« Stichwahlen. Man schreibt uns auS dem Partcibureau: Die„Brcsl. Ztg." und nach ihr eine Reihe fteisinniger Blätter behaupten, daß nach dem Laudtagswahlkreisc Licgnitz- Goldberg-Haynau von Berlin aus die Weisung ergangen sei, Fischbeck jedenfalls zu beseitigen. — Diese Behauptung des freisinnigen BlatteS ist erlogen. Die Wahlmänner des Liegnitzer Landtagswahlkreises hatten nach den Beschlüssen der preußischen Landeskommisston bei der Stichwahl zwischen dem Blockbrudcr Ftschbeck und dein Blockbruder v. Forstuer sich der Stimme zu enthalten. Dem Zentralwahlkomitee in Berlin wurde das disziplinwidrige Verhalten eines Teiles der Liognitzer Wahlmänner erst nach, der Wahl bekannt. Aus.diesem Wahlkreise wurde vorher weder eine Änsrage nach Berlin ge- = die aller anderen Parteien zusammengenommen Tod in der Kaserne. Das Kriegsgericht des 8. Armeekorps verhandelte gegen Auch der Sozialdemokratie hat ihr Flares Programm givei Musketiere vom 65. Infanterieregiment in Köln wegen wenn auch nach der negativen(?) Seite hin und nebenbei gemeinschaftlicher Körperverlegung mit Todes allerdings auch eine intensive Agitation, gegen welche folge. Es handelte sich um einen Soldaten, der mit dem immer noch ein Kinderspiel ist, zum lange erstrebten größten Widerwillen diente, sich viele Strafen zuzog, und der Siege verholfen. So viel läßt sich heute schon sagen, daß die bei Vorgesetzten wie Stameraden verhaßt war. Bei den SolSozialdemokratie die weitaus größte 3ahl der Wähler baten herrscht im allgemeinen die Ansicht, daß durch solche auf sich vereinigt. Doppelt bemerkenswert bei der Deffent- Kameraden die ganze Stompagnie leide und so komunt es lichkeit der Wahl. Von diesem fanatischen Bekennermut ihnen gegenüber oft zu den brutalsten Mißhandlungen, die Fönnen alle Parteien viel lernen. Dazu kommt noch ein wichtiges fich in der Regel im nächtlichen Dunkel abspielen. Auch Moment: Während so ziemlich alle Parteien sich irgend welcher in dem vorliegenden Falle geschah der Ueberfall abends, ideeller und materieller Hilfsmittel erfreuten, war die Sozial als der Mann zu spät in die Stajerne fam. demokratie ganz auf sich selber gestellt. Und Er wurde so schwer mishandelt, daß er ins Lazarett trotzdem dieser Riesenerfolg!" Typhus im Heere. Ruffenverurteilungen in München. richtet, noch ist aus Berlin eine Weisung ergangen. Das gehören. So erkläre sich der günstige Ausfall der Wahl für) Zentralwahlkomitee hat sich in seiner das Zentrum und die Konservativen. Dann heißt es: legten Sigung mit dem Liegniter Vorfall beschäftigt und beschlossen, ihn entschieden zu rügen. Ebenso entschieden gerügt wurden die Vorgänge im Landtagswahlkreise Sorau ForstGuben, wo die sozialdemokratischen Wahlmänner für einen Freifinnigen und ein Teil derselben für einen fonservativen Kandidaten an zweiter Stelle stimmten. Nach den klaren Beschlüssen der Landeskommission war auch hier Stimm enthaltung geboten, da in dem Zweimännerivahlkreis uns feines der beiden Mandate überlassen wurde. Die Agitationskommission für die Provinz Brandenburg hatte ausdrücklich diese Beschlüsse der Landeskommission dem dortigen Wahlkomitee auf Anfrage als allein maßgebend bezeichnet. Auch aus Bielefeld, wo die sozialistischen Wahlmänner den Das Blatt meint nun, dieser Erfolg der Sozialdemokratie mußte, wo er nach drei Monaten an den Verletzungen starb. die Sozialdemokratie besonders gehässig bekämpfenden christlich sollte doch endlich genügen, allen denen die Augen zu öffnen, Einmal wurde der Kranke operiert; einer zweiten Operation Der Arzt glaubt, er habe sterben fozialen Agitator Mumm dadurch zu Fall brachten, daß sie die sich bisher immer noch vor der furchtbaren Gefahr widersetzte er sich. einen blodfreifinnigen Stadtrat in den Sattel halfen, hatte von dieser Seite verschlossen. Ein weitausschauender Staats- wollen( 1); so habe er auch troß der schweren Verlegungen man vorher keinerlei Anfrage an das Zentralwahlkomitee ge- mann würde auf die Zusammenfassung aller staatserhaltenden Turnübungen am Strankenlager gemacht. Das Gericht legteren Falle noch nicht darüber beschwert, daß die sozial- katholische Volk als antinational verdächtige und das Zentrum Streiche geführt haben, nicht entdeckt worden richtet. Allerdings hat die freifinnige Presse sich in dem Parteien bedacht sein, während Bülow das Zentrum, das sprach in seinem Urteil die Ueberzeugung aus, daß die eigentlichen Schuldigen, die die tödlichen demokratische Parole der striften Stimmenthaltung nicht inne- von der Mitarbeit ausschließe. gehalten wurde. Das Zentralwahlkomitee hat auf alle An- Das Zentrumsblatt mag sich beruhigen! Die Ultramon- feien. Es verurteilte den einen Angeklagten zu vier, den fragen, die aus anderen Wahlkreisen kamen, geantwortet, tanen verden schon wieder zur Staatstrippe und zweiten zu einem Monat Gefängnis. daß die Beschlüsse der preußischen Landeskommission bindend zum Bunde der staatserhaltenden Parteien zugelassen werden! Die Sozialdemokratie sieht dieser feien.Bei den auf der Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz Wendung um so gelassener entgegen, als sie weiß, daß es Die Reichsfinanzen. nichts an ihren Erfolgen ändert, ob das Zentrum nun von liegenden Soldaten wurde der Thphus fonstatiert. Allen VerJm Finanzausschuß der bayerischen Kammer der Reichs- Bülow gehätschelt oder gefragt wird. Die Sozialdemokratie schleierungsversuchen zum Troß ist jetzt festgestellt, daß 23 MilitärJm Finanzausschuß der bayerischen Kammer der Reichs räte wurde gestern über die Reichsfinanznot geredet. Die bertraut auf ihre eigene Kraft und auf diejenigen Vor- personen von der Seuche befallen sind. Debatte ist weniger bemerkenswert wegen ihres Inhalts, als züge, die das Zentrumsblatt richtig erkannt hat: ihr flares wegen ihrer Form. Man weiß ja, daß Herr Pfaff, der Programm, ihre Agitationsarbeit, ihren Betennermut! bayerische Finanzminister, neben seinem preußischen Kollegen Rheinbaben ein Hauptgegner direkter Reichssteuern ist. Man Die Reichstagserfahwahl in Prenzlau- Angermünde. wird sich daher kaum wundern, daß er sich als Anhänger einer Inseratensteuer bekannte. Wir zweifeln keinen Moment, Ein liberaler Kompromißkandidat wird für den Wahlkreis daß diese Steuer allen Reaktionären genehm wäre. Denn neben Prenzlau- Angermünde gesucht, in dem in Bälde wegen des dieser einer Belastung des Verkehrs bedeutete sie zugleich eine arge Tage erfolgten Ablebens des fonservativen Reichstagsabgeordneten Schädigung für die Presse und was könnte den v. Winterfeldt- Menfin eine Ersatzwahl stattfinden muß. Wie die Herren angenehmer sein als der Arbeiterpresse einen Schaden Volkszeitung" mitteilte, traten am Sonntag in Prenzlau die Verzuzufügen? Da aber diese Steuer nicht nur Arbeiter trifft, trauensmänner der Nationalliberalen, der Freisinnigen Volkssind ihre Aussichten bei der Blockmajorität kaum besonders partei, der Freisinnigen Bereinigung und der Sozialliberalen aus gute. Bemerkenswert ist nur, daß die hohen Herren des mehreren Orten des Wahlkreises zu einer gemeinsamen Beratung Reichsrats doch nicht soviel preußische Junkerfrechheit auf über die Kandidatenfrage zusammen, an der auch je ein Barteibringen, um der Ausdehnung der Erbschafts- fekretär, der Nationalliberalen und der Freisinnigen Vereinigung steuer auf Kinder und Ehegatten allzuviel Oppofition ent- teilnahmen. Die Sozialliberalen, die tags zubor in einer besonderen Junsbrnd, 28. Juni. Die freiheitliche Studenten gegenzusetzen. Dafür zeigten sie sich aber sonst nicht weiter Versammlung über ihre Stellungnahme sich geeinigt hatten, ſuchten schaft der hiesigen Universität hat befchloffen, den Streit ein schüchtern und forderten neben Erhöhung der Tabak- und mit Entschiedenheit jede rechtsstehende Kandidatur zu verhindern. austellen. Damit hat die Streitbewegung in Desterreich ihr Branntweinsteuern, noch Quittungs-, Retlame-, Go blieb denn die Kandidatenfrage noch ungelöst. Es wurde jedoch Ende erreicht. Vergnügungs- und Lurus steuern. Aber dies alles ist nicht besonders neu. Jedoch die Form der Begründungsreden läßt bereits die" patriotische" Schwindelregie erkennen, mit deren Hilfe das deutsche Volt wieder einmal betrogen werden soll. Da wurden ein paar Torheiten aus ausländischen Blättern zitiert, die die deutsche Finanzlage Grau in Grau malen. Da wurde es so hingestellt, als ob es die nationale Sicherheit" erfordere, die Finanzreform mit möglichster Schnelligkeit zu erledigen. Nachdem Jahre und Jahre lang Schulden über Schulden gehäuft wurden, soll jetzt dem deutschen Volke überhaupt keine Zeit zur Prüfung und nüchternem Urteil gelassen werden. Man will Das Ergebnis der Wahl von 1907 lautete: Sonserbatibe 18 206, das Volt in patriotischen Taumel verseken und dann Freisinnige Vereinigung 3710, Gozialoemokraten 4237, gersplittert soll die Blockmajorität das deutsche Volt überrumpeln. 30 Stimmen. Aber man soll sich doch nicht täuschen. Selbst wenn es wahr " beschlossen, eine Zersplitterung in der Wahlbewegung zu vermeiden und nach einem geeigneten Kandidaten Umschau zu halten. Ferner wurden für alle vier liberalen Parteigruppen je drei Vertreter gewählt, die am kommenden Sonntag in einer in den Reichshallen" zu Angermünde stattfindenden Konferenz die Regelung der Kandi. datenfrage erledigen follen. Für die Sozialdemokratie wird der Genosse Otto Wels. Berlin wieder kandidieren. Die Konservativen haben den Sohn des verstorbenen Abgeord. neten, den Oberpräsidialrat von Winterfeldt als Kandidaten in Aussicht genommen. Vor der zweiten Straffammer des Landgerichts München I wurden am Montag drei angeklagte Ruffen, die 28 Jahre alte Studentin Sara Ravitich, der 27jährige Student Ephiafarian und der 25jährige Student Khodjamirianz wegen Begünsti gung zu je einem Jahr Gefänguis verurteilt. Sie sind schuldig erachtet, die Verüber eines am 26. Juni 1907 in Tiflis verübten Bostraubes begünstigt zu haben, indem sie aus diesem Naube stammende russische Banknoten in München und Straßburg umwechselten beztv. umzuiwechseln suchten. Der Staatsanwalt hatte gegen jeden Angeschuldigten vier Jahre Buchthaus beantragt. Oefterreich. Das Ende des Streifs. Italien. Der Generalstreik. Rom, 23. Juni.( Privatdepesche des„ Vorwärts".) Die Behörden haben die Freigabe der Arbeits. tammer, die der Präfett bereits zugesagt hatte, auf den Protest des Gemeinderats hin verweigert. Infolgedessen dauert der Generalstreit in Parma weiter. Die GasLeitung und das elektrische Licht funktionieren nicht mehr. Barma ist von der Umgebung abgeschnitten und der Fleisch und Brotmangel wird immer fühlbarer. Die Ver haftungen dauern an. Zahlreiche Parteigenossen und die Organisatoren des Streits werden verhaftet. Die Organisation der Gelben bleibt natürlich unbehelligt. Jn Bologna und Specia traten die Arbeiter in den Solidaritäts( Calabrien) tam es zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen streit, der ruhig verläuft. In der Gemeinde Olivadi Das neue Gemeindewahlgefeß, das die bayerische Abgeordneten Arbeitern und Polizisten, der aber rein lokalen Ursachen ent fo fann fein patriotischer Schwindel darüber hinweg- fammer am Montag angenommen hat, bringt die von der Sozial sprang und in keiner Beziehung zu den Vorgängen in Parma demokratie lang geforderte Einführung des Proportional- fieht. Trotzdem erhöhen solche Nachrichten die Beunruhigung, täuschen, daß es sich den Besitzenden nur um die sich der öffentlichen Meinung bemächtigt hat. das Privileg ihrer Steuerfreiheit im Reiche wah Isystems für die kommunalen Wahlen. handelt und um nichts anderes. Wenn sie so patriotisch find, so mögen sie es doch endlich einmal beweisen und die Kosten ihres Patriotismus selbst zahlen. Unser Mißtrauen gegen ihre patriotischen Phrasen würde geringer werden, wenn sie das Defizit der halben Milliarde durch dirette Reichssteuern sich zu decken bereit erklärten. wäre, daß die Reichsfinanzreform so dringend ist und wir Verhältniswahl für die bayerischen Gemeindewahlen. sind die legten, die bestreiten, daß es es mit der Schuldenwirtschaft nicht so weiter gehen fann * * Die Hauptbestimmung des Gefeßes lautet: " In Gemeinden mit mehr als 4000 Einwohnern haben die regelmäßigen Wahlen der Gemeindebevollmächtigten, der bürgerlichen Magistratsräte, der nicht berufsmäßigen Gemeinderäte, der nicht berufsmäßigen Adjunkten und der Erfaßmänner nach den Grundfäßen der Verhältniswahl mit freien und verbundenen Listen stattzufinden." England. Achtstundentag im Bergban. London, 22. Juni. Unterhaus. Bei der zweiten. Lesung des Gesetzes über den achtstündigen Arbeits. tag der Bergleute fündigte der Staatssekretär des Das neue Gesetz bedeutet einen wichtigen Fortschritt. Es wird Innern, Gladstone, an, daß er später en derungen München, 23, Juni. Im Finanzausschuß der Abgeordneten endlich dem standalösen Zustand ein Ende machen, daß die Sozial- borschlagen werde, zum Zweck der Prüfung der Schwierigkeit, fammer wurde heute Finanzminister v. Pfaff vom Abgeordneten bemokratie in Nürnberg, obwohl sie über zwei Fünftel der die durch eine plöbliche Kürzung der Arbeitsstunden hervorDr. Pichler wegen der angeblich geplanten Reichs- Elettri sitätssteuer interpelliert. Der Finanzminister erklärte, er sei Stimmen der gesammten Gemeindewählerschaft besaß, auf dem Stat- gerufen werden könne. Die Wirkung dieser Aenderungen in einer peinlichen Lage. Heute seien ihm die Vorschläge hause nicht einen einzigen Vertreter hatte. Die dortige freisinnige werde sein, daß während eines Zeitraumes von fünf Jahren des Reichsschatsekretärs Sydow zugegangen. Die Entwürfe feien Stadtverwaltung hielt zähe an dem Syſtem feft, wonach die ganze die Durchschnittstagesarbeit acht und eine halbe Stunde be bertraulich und er fönne nicht darüber reden. Dr. Pichler Stadt einen einzigen Wahlbezirk bildete, und weigerte fich bis heute, tragen würde und gegen das Ende dieses Zeitraumes die fordert darauf den Minister auf, mit der größten Ent die von der Sozialdemokratie wiederholt geforderte Einteilung in Bestimmungen des Gefeßes mit einigen leichten Abänderun schiedenheit dafür zu sorgen, daß Bayern vor der Schädigung einer mehrere Wahlbezirke zu schaffen. Jetzt retten alle Künfte die frei- gen in Kraft treten würden. Gladstone führte.alsdann eine Elektrizitätsabgabe bewahrt bleibe. Die Regierung habe die finnigen Herren nicht mehr von dem Einzug der Sozialdemokratie Anzahl von Betriebsunfällen als Beweise zugunsten des Ge Boltsvertretung bei diesem Widerstand gegen die Berliner ins Gemeindeparlament. setzes an und erklärte, die Zahlen zeigten, daß die Arbeit Pläne geschlossen hinter sich. Dr. b. aller( 03.) Auch in anderen bayerischen Städten wird die Sozialdemokratie der Bergleute teine gesunde Beschäftigung führte aus, die Erklärung des Ministers lasse genug zwischen den Beilen durchblicken. Der Minister folle sich mit seinen füb- nun die ihr gebührende Zahl von Vertretern in den Gemeinde- sei. Die Bergarbeiter litten unter besonderen Krant deutschen Kollegen zu einer entschiedenen Abwehr ber vertretungen erhalten. Stompromisse mit bürgerlichen Parteien fallen brohenden preußischen Pläne vereinigen. Herr v. Frauendorfer hatte jetzt ohne weiteres fort. furz vorher erklärt, daß an ein Elektrizitätsmonopol nicht gedacht werde, daß aber die Gefahr einer Elektrizitätsabgabe vorliege. Christliche Süßholzraspler. Der Bericht des Generalsekretärs Stegerwald über die christ lichen Gewerkschaften im Jahre 1907 bespricht die Aeußerung eines Reichstagsabgeordneten, der im Parlament den Wunsch geäußert habe, die Lümmelfahre der christlichen Gewerkschaften möchten bald vorbei sein. Die Herren, die solche Wendungen gebrauchten, hätten, so meint der Bericht, wohl keine Ahnung davon, wie schwer es ſei, eine chriftlichnationale Gewerkschaftsbewegung neben der sozialdemokra tischen in die Höhe zu bringen: Ein Kasernenbild. beiten. Da sei zum Beispiel die Augenkrankheit, dies scheine jedoch kein Gegenstand der Sorge für die Opposition zu sein.( Laute Burufe: Zurücknehmen!) Det Sprecher fagte, er halte dafür, daß solche Bemerkungen nicht in der Ordnung seien. Gladstone nahm die Bemerkun Schon seit Jahren hat sich das Kriegsgericht der 16. Devision gen sofort zurück und gab die Erklärung ab, das, was er ( Regierungsbezirk Trier) mit einer außerordentlich hohen Zahl habe sagen wollen, sei, daß die Opposition ihre Auffaffung be von Desertionen zu befassen gehabt, und diese Häufigkeit wurde in züglich der Gesundheitsverhältnisse der Bergleute auf die den Urteilen vielfach als straferhöhend bezeichnet. Durch eine Vers Sterblichkeitsziffer stüße und die erwähnte Strankheit außer handlung, die jetzt vor dem Oberkriegsgericht in Koblenz statt Acht lasse, die sehr ernst sei. Alsdann führte Gladstone aus, fand, erfährt die Deffentlichkeit die Ursache der häufigen daß in anderen Ländern auch das Bestreben bestehe, eine BeDefertionen. Der Angeklagte, ein Musketier von der 5. Kompagnie grenzung der Arbeitsstunden einzuführen, und erwähnte, daß des 30. Infanterieregiments in Saarlouis, erklärte, er habe die deutsche Regierung den Grundsatz der Begrenzung der „ Mit Süßholzraspeln sind bei der starten flüchten müssen, um sich der an dauernden Quälereien und Arbeitszeit angenommen habe, wo die Gesundheit dies er sozialdemokratischen Bewegung in Deutschland schweren Mißhandlungen zu entziehen. Ein Unteroffizier fordere. Redner betonte schließlich, daß das Gesetz reinen Arbeitermassen nicht zu gewinnen. Darüber sollte und zwei Gefreite be stritten unter Eid, daß Mißhandlungen Einfluß auf die Kohlenförderung haben werde. man unter sozial verständigen Leuten nicht mehr zu reden vorgekommen feien. Ein anderer Unteroffizier aber bestätigte Rußland. brauchen." eidlich die Angaben des Soldaten. Dieser war besonders nachts oft Mit anderen Worten heißt das wohl, daß die christlichen Führer schwer malträtiert worden, so daß er sich schließlich zum Schutz Gegen die Russifizierung. bie Neigung zum Süßholzrafpeln haben, daß aber andererseits die bas Seitengewehr mit ins Bett nahm. Am Tage er Petersburg, 22. Juni. Reichsduma. In der heute forts fatholischgläubige Arbeiterschaft von der Sozialdemokratie bereits zu fehr mit Stlaffenbewußtsein erfüllt ist, um das Süßholzrafpeln ihrer hielt er ußtritte, Faustschläge, Rolbenstöße in den gesetzten Beratung des Etats des Boltsaufklärungsministeriums vies Führer noch zu ertragen. Das ist der Grund, weshalb die Herren Rüden usw.; er mußte am heißen Ofen Uebungen machen; Abg. Dmoŋsty( Pole) auf die Schulpolitik des Ministeriums in Giesberts, Schiffer und andere Süßholz raspeln, vor den katholischen feine Brotration wurde ihm auf ein Viertel gekürzt und man drohte Polen hin und führte aus, diese Politik der NussiDas fizierung wirte demoralisierenb auf die Schuljugend, inArbeitern gelegentlich die Zielbewußten und Entschiedenen heraus ihm, er müsse berreden oder davonlaufen. beißen um fich dann vor ihren hochmögenden Gönnern zu ent- Striegsgericht der 16. Division, bas dem Manne Glauben dem fie der Jugend Haß gegen Rußland und alles, was russisch heiße, anerziehe. Daher tönne et mit Recht die russischen Schulen fchuldigen, daß fie in Nabitalismus nur machen, um der Konkurrenz schenkte, bestrafte ihn nur wegen unerlaubter Entfernung in Bolen als staatsfeindliche bezeichnen, die nicht zur Versöhnung, gewachsen zu sein! zu drei Monaten Gefängnis. Das Oberkriegsgericht aber erklärte, fondern zur Entstehung des Nationalhasses beitrügen.D es liege Fahnenflucht vor, und verhängte fechs Monate und Versegung in die zweite Soldatenklasse. Gegen die Gefreiten und den Unteroffizier schwebt ein Verfahren wegen Meineids. Der ver" Ein Lob der Sozialdemokratie aus Zentrumsmunde. Die zentrumsagrarische Rheinische Volts ft imme" bringt einen Artikel über die preußischen Land- urteilte Soldat erklärte vor dem Dberkriegsgericht, er habe sich zweitagswahlen, worin sie darlegt, daß zum politischen Erfolge mal über die Quälereien beschwert; es sei aber nichts barauf vor allem ein flares Programm und unverrückbare Nichtlinien erfolgt! Serbien. Kabinettskrise. Belgrab, 28. Juni. Der König Der König hat die Demission bes Kabinetts Baichitsch angenommen und den Alt rabitalen Belimirovitsch mit der Kabinettsbildung betraut Perfien. Maurer! Auskunft Restaurant Gleimstr. 11. Die Vermutung, daß die Sache nicht rein sei, hat persönDemokraten und ihre Bresse eine unverantwortliche Hehe gegen die Staatsstüße, in seiner Eigenschaft als Vermittler von Streif Krankenkaffenverwaltung inszeniert hätten. Nach Mugdanschem brechern nach allen möglichen Drten Deutschlands, scheint anDas Parlament bombardiert. Rezept wurde die Verwaltung der Krankenkassen verdächtigt, sie gesteckt zu haben. Teheran, 23. Juni.( Meldung des Reuterschen treibe fozialdemokratische Parteipolitit, sie sei so liberal in ihren Bureaus.) Heute früh wurde das Parlamentsge. Leistungen, um den sozialdemokratischen Kaſſenmitgliedern in Not- Morgenpost"( Dienstag, den 23. Juni) folgende Annonce: Da lesen wir zum Beispiel in der Berliner bäude und die daran anstoßende Moschee von Kosaden fällen, bei Arbeitslosigkeit usw. das Wahlrecht zu erhalten usw. bäude und die daran anstoßende Moschee von Kosacken Schließlich trieben es die Herren Demokraten so bunt, daß sich die um stellt und das Parlament aufgefordert, dem Wunsche Arbeitgeber in der Krankenkassenverwaltung, Nationalliberale, des Schahs gemäß einige Personen auszuliefern. Ronfervative usw., zum Teil Leute in führenden Parteistellungen, Das Parlament weigerte sich, diese Forderung zu eröffentlich gegen diese demokratischen Anwürfe verwahrten und liche Information bestätigt gefunden. füllen und von den Mitgliedern eines politischen Klubs, die weiter betonten, daß sie in diesem Streit aus fachlichen Gründen auf das Militär schossen, wurden einige Soldaten ge- und in Ansehung der Leistungsfähigkeit der Kasse mit den Arbeiter fich die Maurer seit zirka fünf Wochen mit dem dortigen In einem nicht weit von Berlin gelegenen Ort befinden tötet. Aus dem Lager des Schahs trafen um 9 Uhr vertretern gemeinsam beschlossen und gehandelt hätten. Der Der Verstärkungen mit Artillerie in der Stadt ein, Krieg hat folgende Vorgeschichte: Im Mai des vergangenen Jahres Unternehmertum im Kampf. Jetzt gibt sich an Stelle Genstes die bis nach 10 Uhr ununterbrochen feuerten. schlossen sämtliche Krantenanstalten Stuttgarts einen Ring zweds ein anderer dazu her, nach dort Arbeitswillige zu vermitteln. Privatnachrichten fügen hinzu, daß das Parlament Sinauftreibung des Pflegefaßes 3. Klasse von 1,70 auf 2,20 M. Es ist der Gastwirt Robert Köppen, Gleimstraße 11. erobert und geplündert wurde. Eine große Anzahl Ratharinenspitals. Die bürgerlichen Kollegien Stuttgarts stimmten pro Tag. Die treibende Kraft war die Verwaltung des städtischen Einer, der Auskunft einholte, schreibt uns: Abgeordneter wurden getötet. Die unmittelbare Beran- der Forderung zu. Mit der Krankenkassenverwaltung vorher zu natürlia, alles Leute, die bereits längere Zeit arbeitslos sind, Bei meinem Eintritt saßen etwa 15-20 Maurer im Lokal; laffung zu dem Gewaltstreich bildete ein Ultimatum, das verhandeln oder sie auch nur zu verständigen, hatte man forgfam die nun, in der Hoffnung, Arbeit zu erhalten, die letzten paar das Palament an den Schah richtete und in dem die Ein- vermieden. Man wollte die Kassen überrumpeln und ihnen die Pfennige bei dem Gastwirt und Arbeitsvermittler umsetzen. haltung der Verfassung verlangt wurde. Nach einer Meldung Mehrausgabe von 80 bis 100 000 m. jährlich aufzwingen, ohne jebe Bei der Gelegenheit macht Stöppen auf Kosten der Arbeitsder Petersburger Telegraphen- Agentur hat die allgemeine Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit. Die Kassen erboten sich, den Stimmung für die Reaktionspartei günstigere Pflegefab von 1,70 auf 2 M. pro Tag zu erhöhen. Monatelang ließ losen noch ein Geschäft. Wendung genommen. Gestern und heute versicherten Mit- Kassenverwaltung Verträge zum Pflegesak von 2 M. mit den unterwegs sei und müsse jeden Augenblick Nachricht kommen, man dieses Anerbieten ohne Antwort. Daraufhin schloß die Den Arbeitsuchenden wurde gesagt, daß bereits ein Trupp glieder der Geistlichkeit und des hohen Adels, sowie früher Spitälern in der näheren und weiteren Umgebung Stuttgarts ab ob noch mehr Leute fahren sollen. der Revolutionspartei angehörende Personen dem Schah und boykottierte sämtliche Stuttgarter Spitäler. Nur transporttelegraphisch ihre Bereitwilligkeit, ihm dienen zu wollen. unfähige Stranke wurden in die Stuttgarter Anstalten eingewiesen. find, wird mit keinem Wort erwähnt. Daß in dem betreffenden Orte Differenzen ausgebrochen Sie schreiben dabei die Schuld an der aufständischen Bewe- Nach wenigen Wochen waren die Privatpflegeanstalten und die der gung einigen bestimmten Personen, unter ihnen dem General- firchlichen Bereinigungen bereits mürbe. Sie traten von der Ber- Berliner Streit Mitglied des Verbandes. Wie Köppen selbst zugibt, war er bis zum vorjährigen einigung mit den städtischen Spitälern zurück und schlossen ihren Frieden mit den Kassenauf der Grundlage des 2 M.- Pflegefaßes. Allem Anscheine nach hat er jetzt mit Leuten Verbindung, Die sozialdemokratischen Rathausvertreter bemühten sich, den Boy- die der Arbeiterbewegung durch Vermittelung von Arbeitsfott gegen die städtischen Anstalten ebenfalls zu beenden. Sie willigen teine guten Dienste leisten. Für organisierte Arbeiter fanden Unterstützung bei Nationalliberalen und anderen bürger- ist es daher angebracht, das Streifvermittelungsbureau nicht lichen Parteien, den Demokraten aber gelang es, die versuchte zu besuchen. Ginigung zu hintertreiben. Vor wenigen Tagen unternahm die sozialdemokratische Fraktion nochmals den Versuch. Am Freitag endlich nahmen die bürgerlichen Kollegien Stuttgarts einen Ber gleichsvorschlag an, der die Basis zu einer Einigung bilden kann. Demnach soll für dieses Jahr noch der Sah von 2 M. gelten; nächstes Jahr soll die Kaffe 2,10 M., übernächstes Jahr dann 2,20 Mart zahlen. Die Tatsache, daß seit Juli des vergangenen Jahres Hunderte Betten in den städtischen Spitälern unbenust stehen, während die anderen Anstalten fast ständig vollbesetzt sind, daß gouverneur, zu. Vormarsch der Türken. Petersburg, 23. Juni. Wie die Nowoje remja" aus Fort Dschulfa meldet, stehen zwei türkische Bataillone, zwei Eskadrons und eine Batterie 5 Werst von Urmia, 17 Bataillone, 5 Batterien und die 6. Kavalleriedivision bei Soudjbulat und Saffys. Das Blatt sagt dazu, es müsse anerkannt werden, daß teinerlei Kriegsvorbereitungen gegen Rußland stattfinden. Marokko. Achtung! Dachdecker Berlins! Wegen Verlegung des Tarifvertrages ist die Firma G. Althaus, Aderstr. 156, gesperrt. Bentralverband der Dachbeder. Berwaltungsstelle Berlin. Deutsches Reich. Der verhängnisvolle Verräterdienst. Während der Hafenarbeiteraussperrung in Königsberg lag im Die Stellung der englischen Regierung. London, 28. Juni. Unterhaus. Ashley( fons.) richtete an Staatssekretär Greg die Frage, ob er, da die Aussicht bestehe, daß die Stellung Mulay Safids als tatsächlicher Herrscher ferner das Leerstehen der Betten bei Fortdauer der Verwaltungsin Maroflo gesetzmäßig wird, darauf vorbereitet sei, mit ausgaben, des Aerztehonorars, der Besoldung des Pflegepersonals Safen ein Schiff, auf dem die auswärtigen Streitbrecher einden Signatarmächten der Algeciras Atte ins Ginvernehmen usw. der Stadtkasse einen Ausfall von rund 100 000 m. verursacht quartiert waren. Eines Abends kam es zwischen Essener und zu treten, um die Anerkennung Mulay Hafids als Sultan hat, hat die bürgerlichen Kollegien den Vernunftsgründen der Elbinger Streitbrechern aus einem nichtigen Anlaß zu einer zu erlangen. Gre y antwortete, es wäre keine nugbringende Auf- Sozialdemokratie zugänglicher gemacht. So steht zu erwarten, daß gabe für die britische Regierung, bei einem in der Marokkofrage etwa beabsichtigten Vorgehen die Initiative zu ergreifen. Was die soeben an ihn gerichtete Frage anlange, so verweise er auf die ausborige Woche in der Kammer gemacht habe. Er habe dem, was führlichen Mitteilungen, die der französische Minister des Aeußeren dort gesagt sei, nichts hinzuzufügen. Aus der Partei. An die Bezirks- und Kreisleitungen der sozialdemokratischen Partei. Laut Beschluß des Parteivorstandes und der Kontrollkommission fchließt das laufende Geschäftsjahr der sozialdemokratischen Partei mit dem 30. Juni d. J. Alle Beiträge der Kreise, die in diesem Geschäftsjahr verrechnet werden sollen, müssen bis zum 30. Juni zu Händen des Kassierers sein. M Der Parteivorstand. beendet sein wird. Aber unvergessen wird bleiben, in welch frivoler der nun fast ein volles Jahr währende Krankenkassentrieg in Bälde Weise die demokratische Presse und ihre Hinternänner gegen die nichts laufen die Verdächtigungen hinaus, die Kaffenverwaltung Selbstverwaltung der Krankenkassen gehetzt haben, denn auf weiter treibe sozialdemokratische Parteipolitik. Etwas vom Arbeiterschutz. fürchterlichen Schlägerei, wobei mit Dolchen, Eisenstangen Revolverschüsse wurden abgegeben. Um den Krawall zu und anderen Gegenständen erfolgreich argumentiert wurde. Auch unterdrücken, mußten 40 Polizisten aufgeboten werden. Zahlreiche dem Krankenhause geschafft werden mußten. Nachträglich wurde Streitbrecher waren verletzt worden, neun davon hatten so schwere Verwundungen davon getragen, daß sie mit dem Unfallwagen nach eine Anzahl Streitbrecher zu recht erheblichen Gefängnisstrafen verurteilt. Einer der Hauptanführer in diesem Kampfe ist aber einen Messerstich ins Bein bekommen, der die Amputierung des erst jetzt zur Verantwortung gezogen worden. Er hatte im Kampfe Fußes nötig gemacht hat. Jetzt hatte sich dieser Arbeitswillige genommen hatte, zu verantworten. Der Staatsanwalt erklärte, ( Feith- Essen) wegen des Krawalls, an dem er in erster Linie teils Feith habe Elbinger Arbeiter in bestialischer Weise überfallen. Er beantragte ein Jahr und sechs Monate Gefängnis. Die Straffammer ließ noch Milde walten und erkannte auf neun Monate Gefängnis! Diesem Streitbrecher ist seine Verräterei schlecht bekommen; er muß nun als Krüppel auf neun Monate ins Gefängnis. Nachher werden die Reeder sich seiner schwerlich annehmen, so daß er der Armenpflege zur Last fallen wird. Einige seiner„ Kollegen" find während ihrer Tätigkeit im Königsberger Hafen ertrunken! Auf der Bauausstellung in Stuttgart ist neben den Arbeiterwohnhäusern, dem Gemeindehause, dem Ferienhause, dem in den Eisenbetonbauten usw. auch ein bis zum zweiten Stockwerk 24 Stunden errichteten Tekton"-Wohnhause, dem Gewerbebause, geführter Rohbau zu sehen, von der Württembergischen Bauberufsgenossenschaft errichtet. An dem Bau soll Fachleuten und Laien vor Augen geführt werden, wie ein muster hafter Bauarbeiterschutz beschaffen sein muß, und wie sehr besorgt Regierung und Bauberufsgenossenschaft um Leben und Gesundheit der Arbeiter sind. Die Bauarbeiterorganisationen Stuttgarts hatten sich bereit erklärt, an der praktischen Darstellung Die Sozialdemokratie Sachsen Meiningens wird am Sonntag, eines musterhaften Bauarbeiterschutzes mitzuwirken. Das war hoch den 5. Juli, eine Landeskonferenz zu Saalfeld abhalten. näfig abgelehnt worden. Der Musterschuh- Bau ist denn auch danach Außer den geschäftlichen Angelegenheiten sollen behandelt werden: geworden. Unser Stuttgarter Parteiorgan wies vor wenigen Tagen Das Reichsvereins geset: a) Jugendorganisation, b) Organichukborschriften außer acht gelassen worden sind. ist durch schiedsgerichtlichen Spruch des Einigungsamtes aufgehoben nach, daß an dem Bau die wichtigsten Bauarbeiter Die Aussperrung der Rabitzer und Zementeure in Frankfurt a. M. sation der Frauen. Das neue Volksschulgeset.( Referent: Nicht nur die Ministerialberfügung, den Bau- worden. Für die verschiedenen Gruppen wurde eine Erhöhung des fation der Frauen. Das neue Boltsschulgeset.( Referent: Landtagsabgeordneter Gen. A. Hofmann.) Die korrigierte" Gemeindeordnung.( Referent: Landtagsabgeordneter Gen. arbeiterius betreffend, muß der Württembergischen Lohnes um 3 resp. 2 Pf. erzielt. B. Seige.) Unsere Stellung zur Abänderung des Ein- Bauberufsgenossenschaft total unbekannt sein, jogar die Rabiger 67 und 3ementeure 60 Pf. pro Stunde. Auch die ZementDie Fliesenleger erhalten 68, tommensteuergesetzes.) Referent: Landtagsabgeordneter Gen. Vorschriften, die die Berufsgenossenschaft selber zimmerer und Bauhülfsarbeiter erhalten eine Erhöhung um 3 f. Knauer.)- Die Landtagswahl im Jahre 1909.( Referent: erlassen hat, find aufs gröblichste verlegt. So ist pro Stunde. Die am Montag stattgefundenen Versammlungen ber Landtagsabgeordneter Gen. E dardt.) der Arbeitermusterschutzbau zur grimmigsten Parodie auf den be- Ausgesperrten haben dem Schiedsspruch zugestimmt, so daß die hördlichen Arbeiterschuß geworden. Der Standal ist groß, so Arbeit am Dienstag früh wieder aufgenommen werden kann. groß, daß die Stadtdirekton als die verantwortliche Behörde ein- So ist auch dieser beabsichtigte Schlag der Unternehmer glänzend des Baues statt. greifen mußte. Am letzten Donnerstag fand die amtliche Revision abgewehrt worden. Der neue Bertrag wurde auf zwei Jahre bis die primitivsten Arbeiterschutzmaßregeln Die Besichtigung ergab, daß in der Tat zum 31. März 1910 abgeschlossen. außer acht gelassen Deutschland studieren sollte, wie ein vorschriftsmäßiger und worden sind. Der famose Ausstellungsbau, an dem ganz mustergültiger Bauarbeiterschutz beschaffen sein muß, wird nun wohl seiner Lebensgefährlichkeit wegen gesperrt oder abgerissen belegt die Württembergische Bauberufsgenossenschaft mit Strafe werden. Vielleicht tut die Stadtdirektion auch noch ein übriges und wegen gröblichster Verlegung der Arbeiterschutzvorschriften an ihrem Muster- Arbeiterschutzbau. Bildungsbestrebungen. Der Verwaltungsausschuß des Allgemeinen Arbeiter- Bildungsinstituts in Leipzig gibt befannt, daß in der nächsten Lehrperiode folgende Kurse stattfinden werden: Ein Kursus über Politische Oekonomie, beginnend am 6. September d. J. Ein Kursus für Geschichte des 19. Jahrhunderts, beginnend Ende September. tember. Ein Kursus für Sozialpolitik, beginnend Mitte SepDer Unterricht in den beiden ersten Kursen wird alle 14 Tage Sonntags, im dritten Kursus jeden Mittwoch erteilt. Für die Schüler, die in der abgeschlossenen Lehrperiode schon an den Kursen teilgenommen haben, findet ein besonderer Kursus über Politische Dekonomie statt. zu Krematorium in Gera. Die Regierung des Fürstentums Reuß j. 2. hat gestern der Die Genossen, die am Unterricht teilnehmen wollen, haben sich Stadt Gera die Erlaubnis zur Errichtung eines Krematoriums erbei ihrer politischen oder gewerkschaftlichen Organisation au teilt. Es bestehen zurzeit in Deutschland Krematorien in Bremen, melden. Jeder Teilnehmer muß sich zum Besuch aller drei Chemnitz, Eisenach, Gotha, Hamburg, Heidelberg, Jena, Karlsruhe, Kurje berpflichten. Die Organisationen lassen dann an Die Organisationen lassen dann an Roburg, Mainz, Mannheim, Offenbach a. M., Stuttgart und Ulm. den Bildungsausschuß bis spätestens 1. August geeignete Vorschläge gelangen. Gewerkschaftliches. Schwarze Liste in der Preffe. Letzte Nachrichten und Depefchen. Das Wiener Proletariat und die Arbeiterversicherung. Wien, 23. Juni.( W. T. 2.) Heute abend fand in der Voltsa halle des Rathauses eine sozialdemokratische Massenversammlung zugunsten der Alters- und Invaliditätsversicherung der Arbeiter statt. Vor dem Rathause sammelten sich mehrere tausend Bera sonen an, die zu dem dichtbesekten Versammlungslokal keinen Zu tritt mehr erhalten konnten. In der Versammlung hielten mehrere sozialdemokratische Abgeordnete Reden. Es wurde eine Resolution sozialdemokratische Abgeordnete Reden. Es wurde eine Resolution angenommen, in der die Regierung aufgefordert wird, zu Beginn der nächsten Session einen hierauf bezüglichen Gefeßentwurf dem Hause vorzulegen. Die Versammlung verlief in vollster Ruhe. Abermals ein Molitor- Prozeß! Mißglückte Heze gegen die Sozialdemokratie. Die technischen Burschenschaften hielten in der vorigen Woche eine R. D. C.- Tagung in Rüdesheim. Auf derselben wurde wiederum die Stellung der Burschenschaft zur Sozialdemo= Karlsruhe, 23. Juni.( W. T. B.) Das hiesige Schöffengericht Seit einer Woche stehen die Arbeiter des Eisen- und hat den Rezitator Karl Waßmann- Berlin wegen Beleidigung tratie erörtert. Es sollte ein Schlag gegen die Karlsruher Stahlwerts in Güstrow in Mecklenburg im Streit. Nach des Fräuleins Olga Molitor zu acht Monaten Gefängnis Teutonia" geführt werden, deren Bundeskonbent im vorigen berühmten Mustern hat nun auch der Güstrower Unternehmer verurteilt! Von der vom Rechtsanwalt Dr. Pannwit, dent Jahre es ablehnte, dem Auftrag des R. D. C. entsprechend, eines über die streifenden Arbeiter eine schwarze Liste und zwar in Bertreter der Klägerin, beantragten sofortigen Verhaftung(!) feiner Mitglieder, einen sozialdemokratischen Abgeordneten, aus der Burschenschaft zu entfernen, weil Sozialismus und Burschen der mecklenburgischen bürgerlichen Presse veröffentlicht. Man wurde Abstand genommen, weil es sich um ein Privatklageverfahren schaft sich nicht vertrage. Die in Rüdesheim versammelten liest da diese Bekanntmachung: Burschenschaften haben es mit sehr großer Mehrheit energisch ab= gelehnt, die politische Inquisition zu treiben. Zu den Scharf machern gehörte vor allen die Berliner Thuringia", die wohl unter dem Einfluß des Reichsverbandes ihr Werk treibt. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Redakteurfreuden. Genosse Freudenthal von der Märkifchen Boltsstimme" zu Rottbus hat eine dreimonatliche Gefängnisstrafe angetreten. Die Strafe wurde ihm wegen einer Notiz audiftiert, durch die ein Geistlicher sich beleidigt fühlte. Soziales. Bom Krankenkaffenkrieg in Stuttgart. Infolge Entlassung eines Arbeiters find nachstehende Handwerker und Arbeiter unter Vertragsbruch im hiesigen Stahl- und Eisenwerk in den Ausstand getreten und werden alle Arbeitgeber dringend ersucht, dieselben nicht zu beschäftigen und bereits eingestellte wieder zu entlassen.(!) Der Vorstand des allgemeinen Vereins der Handel-, Landwirtschaft oder Gewerbetreibenden Arbeitgeber von Güstrow und Umgegend." Dann folgen in tabellarischer Zusammenstellung die Namen bon 116 Arbeitern mit Vor- und Zunamen, Geburtsort und Geburtsdatum. Ob wohl ein Staatsanwalt auf den Gedanken tommt: hier liegt eine Nötigung und Verrufserklärung bor? Berlin und Umgegend. Streifbrecher- Agentur. handele. Zeppelins Lenkbarer". Friedrichshafen, 23. Juni.( W. T. B.) Gegen 5 Uhr nach. mittags unternahm Graf Zeppelin unerwartet einen Aufstieg mit dem neuen Ballon. Das Luftschiff bewegte sich vom schweizerischen Ufer nach der württembergischen Seite zu. Es funktionierte aus gezeichnet. Nach anderthalbstündiger Fahrt ist Graf Zeppelin mit feinem Ballon wieder zur Halle zurückgekehrt. Die Fahrt tann als vorzüglich gelungen bezeichnet werden. Der Ballon beschrieb über Friedrichshafen einige Kreise, fuhr dann bis in die Gegend von Langenargen über den Bodensee, kehrte darauf hierher zurüc und manöverierte dann längere Zeit über dem See, indem er Schwenkungen ausführte, sich hob und senkte. Der Ballon bewegte sich in einer Höhe von 100 bis 200 Metern. Es herrschte eine leichte Brise. Studentenprügelei vor einer Kirche. Seit Jahr und Tag herrscht zwischen der Stadtverwaltung Stuttgart und den vereinigten Ortskrankenkassen ein erbitterter Streit, der dem Stadtsäckel bereits an die 100 000 M. Kriegskosten Graz, 23. Juni.( B. H.) Anläßlich des Stiftungsfestes der verursacht hat. Gegenstand des Streites ist die Höhe des Berpflegungsfabes 3. Klasse in den städtischen Spitälern. Der Krieg fatholischen Studentenverbindung„ Carolina" fam es vor der HerzHerr Genste, feines Zeichens Maurermeister, im Nebenamt Jeju- Kirche zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen deutsch wäre wahrscheinlich gar nicht ausgebrochen, sicherlich aber hätte er Streitbrecheragent, figt bekanntlich) wegen Unterschlagung von freiheitlichen und flerifalen Studenten. Die Bache mußte cin dieje Dauer und Schärfe nicht erreicht, wenn nicht die Herren Rautionsgeldern hinter Schloß und Riegel. Der Ruhm dieser schreiten und zahlreiche Verhaftungen vornehmen. Berantw, Nebatt.: Georg Davidsphy, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th, Glode, Berlin, Drud u.Berlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Sierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsb Nr. 145. 25. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. 6. Kongreß der Gewerkschaften Deutschlands. Hamburg, 28. Juni 1908. Zweiter Verhandlungstag. Vormittagssigung. Einige Delegierte haben sich für heute entschuldigt, um nach Berlin zur Landtagsstichwahl im XII. Kreise zu fahren. Der Kongreß beginnt die Diskussion der Frage der Dienstbotenorganisation. 9 Das Wort verlangt die Genoffin Ziet Hamburg, die als Vertreterin des Hamburger Dienstbotenvereins als Gast dem Kongresse beiwohnt. V Josephsohn Hamburg protestiert zur Geschäftsordnung gegen die Worterteilung. Die Gäste dürften den Delegierten die Zeit nicht wegnehmen. In der„ Gleichheit" sei schon vorher angekündigt worden, daß die Genoffin Zieß hier sprechen würde. D Vors. Bömelburg Hamburg bittet, den Schein persönlicher Motive zu meiden. Er erinnert an die Differenzen zwischen der Generalfommission und der sozialdemokratischen Vertrauensperson in der Frage der Dienstbotenorganisation und hält es für gut, auch cinen Vertreter der Gegenseite zu hören. Der Kongreß erteilt mit großer Mehrheit der Genoffin ziez das Wort. # Luise Biet Hamburg. Ich danke Ihnen zunächst namens des Vereins Hamburger Dienstboten. Wir haben den lebhaften Wunsch, die Agitation und die Organisation unter den Dienstboten auch nach den anderen deutschen Städten zu verpflanzen. Die Dienstboten bewegung ist geboren aus dem Gedanken der Solidarität, um die Arbeiterkategorie, die rechtlich, sozial und wirtschaftlich auf tiefster Stufe steht, zu heben. Von ihr soll auch die allgemeine Arbeiterbewegung Vorteil haben. Denn die Dienstboten werden später die Frauen der Arbeiter( Sehr war) und Sie alle wissen, wie außer ordentlich schädlich indifferente und feindlich gesinnte Frauen und Mütter der Arbeiterbewegung sind und wie außerordentlich nüßlich auch die nicht erwerbstätigen Frauen find, die den Geist der Solidarität erfaßt haben. Ich hoffe daher, daß Sie die Resolution Grünberg einstimmig annehmen werden und auch dafür sorgen werden, daß sie verwirklicht wird. Allerdings ist die Dienstbotenbewegung nur ein Refler der gesamten Arbeiterbewegung und nur möglich, wo die Arbeiterbewegung bereits eine bestimmte Stärke und cin gewisses Alter erreicht hat. Nur dort, wo die Ideologie des Wolfes bereits von dem Gedanken der Arbeiterklasse beherrscht wird. Aber die Drganisation der Dienstboten tann nicht das Wert der Kartelle allein sein. Sie können vielleicht das Geld für die erste Agitation hergeben, aber nicht dauernd die Verwaltungsarbeit leisten. Dazu gehören geschulte Frauenkräfte. Diese Frauenkräfte tönnen auch die umfangreiche Voragitation leisten, die Mädchen aus ihrer Vereinzelung herauszuholen und zum Bewußtsein ihrer Zahl zu bringen. Organisationsfähig sind die Dienstboten. Wir in Hamburg haben schon 3000 Mädchen organisiert, von denen zurzeit über 2000 wirkliche Mitglieder unseres Vereins sind. Ein wirksames Agitationsmittel für unseren Verein und eine wirksame Waffe für die Verbesserung der Lebenslage der Dienstboten ist unser Arbeitsnachweis, der sehr viel besucht wird. Auch unsere Erfahrungen beweisen, daß es möglich ist, durch die Organisation der gefnechtetsten und ausgebeutetsten Proletarierin zu helfen.( Lebhafter Beifall.) Damit schließt die Diskussion. Die Resolution Grünberg wird einstimmig angenommen. Nächster Gegenstand der Beratung ist der Heimarbeiterschutz. Hierzu liegt folgende Resolution Sabath( Generalkommission) vor: ihrer Rückständigkeit die schlimmste Ausbeutung menschlicher ArbeitsDie Heimarbeit ist diejenige Produktionsform, die infolge traft ermöglicht. Die Heimarbeit isoliert die Arbeiter und die Arbeiterinnen, erschwert deren Organisation und macht sie daher unfähig, sich aus eigener Straft gegen diese Ausbeutung zu wehren. Da es mun aber nicht allein im Interesse der Heimarbeiter und Arbeiterinnen selbst, sondern im Interesse des Gemeinwohles liegt, daß dieser durch die Heimarbeit begünstigten Ausbeutung menschlicher Arbeitstraft Einhalt geboten wird, erachtet der sechste Deutsche Gewerk Kleines feuilleton. fchaftstongreß einen ausreichenden gesetzlichen Schutz der Heimarbeit für eine dringende Notwendigkeit. Als das Mindestmaß dessen, was zum Schutze der Heimarbeiter zu geschehen hat, hält der Kongreß die Durchführung der vom ersten Heimarbeiterschußkongreß zu Berlin im Jahre 1904 aufgestellten Forderungen für erforderlich. Daß die Verwirklichung dieser Forderungen eine zwingende Notwendigkeit ist, hat die im Jahre 1906 in Berlin stattgefundene Ausstellung von Erzeugnissen der Heimarbeit zur Evidenz bewiesen. Mittwody, 24. Juni 1908. Zwischenmeistertum fast beseitigt. Das ist der erste Schritt zur Besserung der Verhältnisse in der Heimarbeit.( Beifall.) = Kloth Berlin( Buchbinder) verteidigt die Resolution Börner. Der darin gegebene Zwang sei durchaus gesund. Deichmann- Bremen( Tabatarbeiter): Die fortgeschrittenen Gewerkschaftler sollten sich doch nicht gegen ihre Pflicht sträuben, den zurückgebliebenen Berufen weiter zu helfen. Die Forderung, daß auch die erwerbstätigen Frauen und Töchter der Gewerkschaftler fich organisieren, sollte doch eigentlich für uns selbstverständlich sein. Im übrigen treten wir Tabafarbeiter ivegen den hygienischen Ge fahren für die gänzliche Beseitigung der Heimarbeit ein.( Beifall.) Nach dieser Ausstellung, die das Elend in der Heimindustrie in seiner ganzen Größe und erschreckenden Tiefe gezeigt und das öffentliche Gewissen aufgepeitscht hat, hätte man erwarten dürfen, Hübsch Berlin( Textilarbeiter): Der Vater hat die Pflicht, daß die Reichsregierung ein größeres Maß von Entgegenkommen auch für die Erziehung seiner Kinder zur proletarischen Solidarität gezeigt hätte, den Wünschen und Forderungen der Heimarbeiter zu sorgen. Das wollen wir in der Resolution Börner aussprechen. und Arbeiterinnen entgegenzukommen, als es in dem Entwurf Fritsch Liegniß( Tertilarbeiter): Die bessergestellten Berufe zum Titel VIIa der Gewerbeordnung geschehen ist. sollten uns in dieser Frage helfen; dann würden auch ihre Kämpfe Dieser Entwurf erfüllt weder die Wünsche und Forderungen um weitere Verbesserung ihrer Lebenslage die ungeteilte Sympathie der Heimarbeiter, noch die Versprechungen, die selbst Regierungs- der gesamten Arbeiterschaft finden. bertreter denselben inbezug auf gefeßlichen Schuß gemacht haben. Götte Wilhelmshaven( Schneider): Die Regierung selbst, Er ist nicht nur eine Halbheit er verdient auch nicht einmal besonders das Reichsmarineamt, bedient sich in weitem Umfange den Namen eines Heimarbeiterschutzes. Die ganze Tendenz dieses der Heimarbeit. Da wundert es uns nicht, daß sie nichts ErnstEntwurfes scheint vielmehr darauf gerichtet zu sein, die Schaffung haftes gegen die Schäden der Heimarbeit tut.( Sehr wahr!) eines wirklichen reichsgeseßlichen Schußes in unabsehbare Ferne zu Ein Schlußantrag findet Annahme. Die Resolution Sabath rücken, da wohl die Initiative zum Erlaß von Schutzbestimmungen wird einstimmig angenommen, der Antrag des Tabakarbeiterverbandes fast einstimmig. in die Hände der Polizeibehörden gelegt werden soll. Diese aber müssen nicht, fie tönnen nur Schutzbestimmungen für Heimarbeiter erlassen; es wird also von deren gutem Willen und sozialer Einsicht abhängen, ob sie solche erlassen werden oder nicht. 9 Der nächste Bunft der Tagesordnung ist die Die Beseitigung des Kost- und Logiswesens beim Arbeitgeber. Der Referent P. Blum Berlin( Sattler) legt folgende Reso vor: Da die Arbeiterschaft erfahrungsgemäß keine Ursache hat, der sozialen Einsicht der Polizeibehörden zu vertrauen, steht der Kon- lution greß nach wie vor auf dem Standpunkt, daß ein wirksamer Heimarbeiterschutz nur durch Reichsgesetz mit zwingender Kraft geschaffen werden kann. Diesen reichsgefeglichen Heimarbeiterschutz hält der Kongreß nur dann für gegeben, wenn der Reichstag und Bundesrat dem von der sozialdemokratischen Fraktion ausgearbeiteten Gesetzentwurf stattgibt, der aufgebaut ist auf den Wünschen und Forde rungen, die der Heimarbeiterschußkongreß an die Gesetzgebung erhoben hat und der unter Mitwirkung der organisierten Arbeiterschaft zustande gekommen ist. Der Kongreß spricht deshalb die Erwartung aus, daß bei der tommenden Beratung der Gewerbeordnung der gesetzliche Heims arbeiterschutz von Reichstag und Bundesrat im Sinne des Entwurfs der sozialdemokratischen Fraktion, der den Willen der organisierten Arbeiterschaft zum Ausdruck bringt, gestaltet wird.“ Sabath Berlin begründet die Resolution, indem er auf das der Heimarbeit seit Jahren festgestellte Elend noch einmal einige Schlaglichter wirft. in Von dem Verband der Tabatarbeiter, Zahlstelle Berlin, liegt folgender Antrag vor: " Unter Bezugnahme auf die Beschlüsse des Kölner Gewerks schaftstongresses und unter Berücksichtigung der Refultate, welche die Zentralkommission für Beseitigung des Kost- und Logis zwanges durch ihre Arbeiten, insbesondere durch ihre statistische Erhebung über das Logiswesen im Handwerk erhielt, hat, wonach über vier Fünftel sämtlicher in Frage kommenden Wohnund Schlafräume der beim Arbeitgeber wohnenden Arbeiter auch den allerbescheidensten Anforderungen nicht genügen, erklärt der Kongreß, daß eine reichsgefeßliche Regelung dieser Materie nicht nur dringend geboten erscheint, sondern daß dieselbe unber züglich in die Wege geleitet werden muß. Der Kongreß fordert die völlige Aufhebung des zweiten Ab satzes des§ 115 der Gewerbeordnung, so daß in Zukunft die Arbeitgeber verpflichtet sind, die Löhne ihrer Arbeiter nur in Reichswährung zu berechnen und in bar auszuzahlen. Bis eine gefeßliche Regelung dieser Materie erfolgt ist, fordert der Kongreß, daß die Regierungen geeignete Maßnahmen ergreifen, um die Auswüchse dieses Systems nach Möglichkeit einzudämmen. Insbesondere sind die Gemeindeverwaltungen an zuweisen, durch eine gesunde Wohnungsreform und Einführung einer geregelten Kontrolle dieser Schlafräume, den Gefahren vorzubeugen, denen die betreffenden Arbeiter und zum großen Teil auch das konsumierende Publikum ausgesetzt sind. Die sofortige Ausdehnung der jetzt schon bestehenden behördlichen Vorschriften für das Wohnungswesen auf die Schlafräume der beim Arbeit geber wohnenden Arbeiter erklärt der Kongreß für eine dringende Notwendigkeit." " Der sechste Gewerkschaftstongreß beschließt unter Wiederholung des von dem fünften Gewerkschaftskongreß angenommenen Antrages: Die in den Gewerkschaftsorganisationen organisierten Mitglieder sind zu verpflichten, ihre Frauen und Töchter, welche in gewerblichen Betrieben oder Heimarbeit beschäftigt find und durch ihre Richtorganisation den Fortschritt in den in Frage kommenden Gewerben( Konfektion, TabatIn seinem Bericht über die Tätigkeit der Kommission zur Be industrie usto.) hemmen, den in diesen Gewerben existierenden Gewerkschaftsorganisationen zuzuführen": Die General- feitigung des Kost- und Logiswesens führte Blum aus, daß sie nicht tommission der Gewerkschaften Deutschlands wird beauf ihre Aufgabe darin erblickte, direkt in den Kampf einzugreifen, tragt, an sämtliche Kartelle, Gewerkschaftskommiffionen usw. sondern Material zu sammeln und die öffentliche Meinung zu be durch Rundschreiben auf diesen Beschluß aufmerksam zu machen, einflussen. Der Kommission sind zurzeit Gewerkschaften mit einer dafür einzutreten, daß dieser Beschluß auch voll und ganz zur Million Mitglieder angeschlossen. Eine ständige Korrespondenz über Geltung gelangt." festgestellte Schäden des Kost- und Logiswesens geht vielen ParteiUmfangreiche und Gewerkschaftszeitungen zu und wird benut. statistische Erhebungen wurden von Calwer bearbeitet und allen maß gebenden Stellen zugesandt. Redner schildert an der Hand dieser Bahlen die Schäden des Koft- und Logiswesens, die ammenschlich langen Arbeitszeiten, die 60 Broz. schlechten Wohnungen, usw. und und sta rl- Hamburg( Bäder) schildern den üblen Einfluß des Softbittet um Annahme der Resolution.( Beifall.) Hensel Hamburg( Fleischer), Diesing Berlin( Hotelbiener) und Logiszwanges für ihren Beruf, ihre Organisation und ihre politischen Rechte. Hierauf wird die Resolution Blum einstimmig angenommen. Der Verband der Friseurgehilfen( Bahlstelle FrankBörner Berlin begründet den Antrag. Wer in der Partei oder Gewerkschaft eine Rolle spiele, habe vor allem die Pflicht, seine eigenen Familienmitglieder zur Solidarität zu erziehen. Haad Dresden: Die Forderung ist natürlich ganz berechtigt, aber nicht immer hat der Familienvater die Macht, seinen Willen Antrag einen Bantapfel in die Gewerkschaften.( Lachen und Widerdurchzusetzen.( Lachen.) In der vorliegenden Fassung wirft der spruch.) Weinschild Offenbach( Portefeuiller): Die Heimarbeiterausstellung in Frankfurt a. M. gibt ein ganz falsches Bild. Die Vertreter der Arbeiter, die an der Vorbereitung der Ausstellung beteiligt waren, sind leider dem suggestiven Einfluß des Unternehmertums erlegen. Die dort angegebenen Löhne sind vielfach Zwischen- furt a. M.) beantragt: meisterverdienste, nicht Arbeiterlöhne. Wir haben erfreulicherweise in der Portefeuilleindustrie durch unsere starte Organisation das „ Der Gewerkschaftstongreß beauftragt die Kommission zur Beseitigung des Roste und Logiszwanges in Verbindung mit allen welcher seine Besuche macht oder spazieren geht; begehrt er ander- ähnlicher Weije Fabriziert. Das Rohmaterial liefert jedoch der weitig weibliche Bedienung oder" Berstreuung", so geht er in die Schraubenbaum, Banbanus, eine Pflanze, von der kleine Eremsogenannten Teehäuser, in die Hotels oder in das öffentliche Zirkel. plare bielfach als Bimmerpflanze gepflegt werden. Als echte japanische nie aanhe Chefrau empfindet zwar im allgemeinen diese Gitte Panamehute tönnen die japanischen Fabrikate aber nicht gelten. nicht als brückend oder ihrer unwürdig, weil sie eben von Jugend auf daran gewöhnt ist. Anders natürlich die japanische Ehefrau der höheren Gesellschaftsschichten, welche wenigstens in den Küstenstädten hier und da mit europäischen oder amerikanischen Frauen in Berührung kommt. Eines Tages wird auch in Japan eine Du einen alten Rock von mir schenken; schau aber nach, daß kein Frauenbewegung einsetzen, um die Frau aus einer Sklavin des Orden mehr dran hängt!“ Mannes zu seiner Genossin zu machen. Die rapide wirtschaftliche Entwidelung bürgt dafür. Humor und Satire. Gut versehen. Geheimrat: Dem armen Mann kannst Verboten. Bürgermeister:„ Du, das Taferl Baden ist verboten" stellst verkehrt auf, damit sie's erst lesen können, wenn i' im Wasser drin sind!" f Notizen. Die Stellung der Ehefrau in Japan. Man hat sich allgemein gewöhnt, das Land der aufgehenden Sonne zu den modernen Staaten zu zählen, nachdem es in den letzten Jahrzehnten durch vielfach blendende Aneignung der Errungenschaften moderner Technik sowie durch triegerische Erfolge einen ungeahnten Aufschwung genommen hat. Kenner des Landes sind freilich darüber cinig, daß die Umbildung aus einem halb barbarischen Staat zu cinem modernen Staat im Grunde nur scheinbar stattgefunden hat. Und dies ist ja auch kaum anders möglich. Daß das Reich der tausend Inseln durchaus noch nicht mit modernem Kulturmaß- Die echten Panamahüte, auch Guayaquilhüte genannt, werden stab gemessen werden kann, zeigt wohl am besten die Stellung, aus Bombanassa oder Bombonara gefertigt. Gewonnen wird dies Neue Sorge. Lebemann:„ Höchst unangenehm! Kaum welche die Frau, insbesondere auch die Ehefrau, in Japan ein- Material von einer den Palmen nahestehenden Pflange, Carlunimmt; denn nicht mit Unrecht hat man die mehr oder minder dovica palmata, die vom westlichen Brasilien und Peru bis mittel- hat man sein Auto zur Hälfte abgezahlt, kommt das lenkbare Luftschiff daher!" hohe Wertschäzung der Frau als einen trefflichen Gradmesser der amerika heimisch ist. Die Pflanze wird in den Gewächshäusern - Alles wie daheeme. Sachse( in den Alpen): D' Kultur bezeichnet. Wenn wir erfahren wollen, welche Stellung der unserer botanischen Gärten wie auch in manchem Privatgaven tuljapanischen Ehefrau zukommt, so müssen wir vor allem solche tiviert. In größeren handeltreibenden Sortimentsgärtnereien ist reenste Sächf'sche Schweiz!" ( ,, Meggendorfer- Blätter.") Europäer befragen, die im Lande der aufgehenden Sonne gelebt die Pflanze gleichfalls anzutreffen; doch bildet sie, da sie für die haben und sich einen freien Blick für das Volfsleben bewahrt Pflege im Zimmer ungeeignet ist, feine eigentliche Handelspflanze. haben. Beachtenswert ist ein Auffah, den Dr. Crasselt, der als Wo die Pflanze bei uns in der feuchtwarmen Luft des GewächsDozent in Japan gelebt hat, über" Die Stellung der Frau in hauses gezogen wird, gedeiht sie zwar ganz gut, aber fie erreicht Ein neuer Luftschiffererfolg. Der Luftschiffer Japan" in der Zeitschrift" Anthropos" veröffentlicht hat. Wir er- hier doch nie die Dimensionen wie in ihrer Heimat. Die Pflanze fahren daraus, daß die Stellung der japanischen Frau( d. h. vor- ist stammlos. Auf den bis 3 Meter und darüber langen Blatt- Delagrange umkreiste Montag abend neunmal den großen Blaz in züglich die Frau der mittleren und höheren Klasse) im Grunde stielen stehen die über 1 Meter breiten fächerförmig geteilten Blätter. Mailand mit seiner lentbaren Flugmaschine und legte 15 Kilometer genommen wohl keine andere ist, als vor Jahrhunderten in der Die einzelnen Blätter haben eine Aehnlichkeit mit der bekannten in 16 Minuten zurück. Der Gebrauch des Pferdefleisches zur menschTokugawa- Beit( 16.- 19. Jahrh.). Wie damals tennt auch das Fächerpalme, die vielfach im Zimmer gepflegt wird. fcit 1898 in Kraft befindliche bürgerliche Gesetzbuch" Mimpo" nur Das für die Panamahüte benötigte Material wird von den lichen Nahrung ist in den Kulturländern schon viel älter, als man cinen Ghebruch der Frau, aber nicht einen Ehebruch des Mannes. jungen noch nicht entfalteten Blättern dieser Pflanze gewonnen. gewöhnlich glaubt. Schon im Beginn der christlichen Zeitrechnung Das Tötungsrecht des Ehemanns, der seine Frau in flagranti Man schneidet die Blätter, wobei man möglichst auf gleiche Größe wurde der Name Pferdefleischesser" von den Griechen als Beertappt, besteht zwar nicht mehr, aber doch wird ein derartiger achtet. Dann werden die Blätter in Wasser gekocht und, geschüßt zeichnung für verschiedene Völkerschaften angewendet. Herodot Rächer seiner Hauschre nach ausdrücklicher Bestimmung des japa- vor den Sonnenstrahlen, an der Luft zum Trodnen aufgehängt. erzählt, daß die Perfer an Geburtstagen ihre Tafeln mit im ganzen nischen Strafgesetzbuches äußerst milde bestraft. Eine Frau da- Bevor die Blätter ganz trocken sind, werden sie in Streifen von gebratenen Pferden zu besetzen pflegten; Chinesen, Tataren, Kosaken gegen, welche etwa ihren Ehemann anfallen würde, wenn er in gleicher Breite gespalten; nun läßt man den Trockenprozeß beenden, und viele andere asiatische und afrikanische Völkerschaften betrachten ihrer Gegenwart mit einer seiner zahlreichen Geliebten allzu frei wobei die einzelnen Streifen sich der Länge nach derart frümmen, noch gegenwärtig Pferdefleisch als einen Leckerbissen. Bonifaz be verkehrt, würde noch strenger bestraft werden als ein gewöhnlicher daß die Ränder einander berühren. Das. Kochen und Trocknen schwerte sich bei dem Papste über das Pferdefleischessen der Deutschen. Missetäter, da sie die Gehorsamspflicht gegen ihren Mann die wird zumeist von Frauen besorgt; je nach der Witterung erfordert In Frankreich wurde im Jahre 1629 ein Pferdetnecht hingerichtet, erste weibliche Tugend nach japanischen Begriffen gröblich ver- diese Arbeit einen Zeitraum von zwei bis sechs Wochen. Das weil er Pferdefleisch gegessen. In Paris wurde sein Genuß 1826 Iebt hat. Die ganze Erziehung der Frau ist von Kindheit an Kochen erfordert die größte Uebung insofern, als von diesem Prozeß amtlich gestattet. Stachel und Johannisbeeren. Weber Römer darauf gerichtet, aus ihnen gehorsame Töchter und gehorsame zur Hauptsache die Qualität des Materials bestimmt wird. Frauen und Mütter zu machen. Ein persönlicher Wert kommt den Aus dem sogenannten Rohmaterial wird der Sut geflochten, noch Griechen kannten diese beiden Kulturpflanzen. Sie tamen erst Die Stachelbeere war schon int Frauen nicht zu. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Fortpflanzung der dann geglättet, mit Seife und Zitronensaft gewaschen und im im 16. Jahrhundert in Kultur. des Geschlechts, um die Weiterführung des Ahnenkultus zu er- Schatten getrocknet wird. Der Hauptsitz der Fabrikation der 12. Jahrhundert in einzelnen Gärten zu finden, wurde aber erst im möglichen. Auch heute noch ist die Frau nur auf das Innere des Panamahüte befindet sich zurzeit in Ecuador, bon hier aus hat sich 15. Jahrhundert allgemein. In dieser Zeit wurde die JohannisSauses angewiesen, sie ist noch ebenso lediglich die Sklavin des diefelbe auch über den ganzen Heimatsdistrikt der das Material beere als Medizin gebraucht. Beide sind aus dem Norden Europas Mannes wie zu früheren Zeiten, die einzig und allein dazu da liefernden Pflanze verbreitet. allmählich nach dem Süden vorgerückt, ohne Zweifel von Standis ist, ihm den Haushalt in Ordnung zu halten und die Kinder zu Auch aus Japan werden unter der Bezeichnung Panamahüte" navien aus. Der Johannisbeerbaum wächst wild in Skandinavien, beaufsichtigen. Fast nie wird man wie bei uns ein Ehepaar zu Kopfbedeckungen importiert, die den echten Süten im Aussehen im nördlichen Rußland, in Sibirien, im Kautasus und in Kleinfammen ausgehen sehen, vielmehr ist es stets der Mann allein, laicmlich gleichkommen. Diese japanischen Süte werden auch in lafien. fit Betracht kommenden BerufZliervanden, bei der gesetzgebenden Körperschaft dahin zu wirken, dag der Z 113 Abs. 2 der Reichs- gewerbeordnung vollständig gestrichen oder dahin abgemindert wird, daß der Arbeitgeber den Gehilfen Kost und Logis nicht gewähren darf." Der Antrag wird durch Annahme der Resolution für er- ledigt erklärt. Der nächste Punkt der Tagesordnung ist die Maifeier. Hierzu liegt zunächst die Vereinbarung zwischen Partei- vorstund und Generalkomniission vor: „Zur Vorbereitung der Maifeier ist an allen Orten, möglichst zu Beginn des Jahres, eine Kontmission einzusetzen, für die zu gleichen Teilen das Gewerkschaftskartell und die Parteiorganisation ihre Vertretung bestimmen. Den Vorsitzenden wählt die Kom- Mission selbst. Die Kommission hat die Aufgabe, unter Berücksichtigung der örtlichen und beruflichen Verhältnisse und der Bestimmungen der gewerkschaftlichen Organisationen sowie der Beschlüsse deS Partei- tages, für eine würdige Feier Sorge zu tragen. Die in Aussicht genommene Feier darf an keinem anderen Tage als am 1. Mai stattfinden. Bei Aussperrungen infolge der Maifeier kann den davon betroffenen Arbeitern eine Unterstützung vom Beginn der zweiten Woche gewährt werden, und darauf haben die politisch wie auch die gewerlschastlich organisierten Arbeiter Anspruch. Die für die Unterstützung nötigen Mittel sind von der Partei- organisation und der Gewerlschaft an dem Orte, an welchem die Aussperrung ersolgt, aufzubringen. Zur Unterstützung der Aus- gesperrten soll an den in Frage kommenden Orten ein Fonds ge- bildet werden. Die Mittel für diesen Fonds sind durch Sanmt- lungen und freiwillige Beiträge aufzubringen, Bedarf es eines solchen Fonds ant Orte nicht, oder reichen die Mittel eines solchen Fonds zur Unterstützung der Ausgesperrten nicht aus. so sind die erforderlichen Unkosten am Orte von der Parteiorganisation und den Gewerkschaften, denen diel Ausgesperrten angehören, zu decken. Der Anteil, den jede dieser Organisationen zur Deckung der Unkosten der Aussperrung aufzubringen hat, wird nach der Mitgliederzahl dieser Organisationen berechnet. Anspruch auf Unterstützung aus den Zentralkassen der Partei und Gewerkschaften haben die Ausgesperrten nicht. Erheben die Gewerkschaften im Anschluß an die Aussperrungen Lohnforderungen, so haben sie die Unterstützung der Ausgesperrten allein zu übernehmen." (Durch Abstinnnnng ist zu entscheiden, ob der Kongreß dieser Vereiiibarung zustimmt.) Gewerkschaftskartell und Vorstände der Zahlstellen der Z e n t r al- verbände in Frankfurt a. M. beantragen: „Der Gewerkschaftskongreß möge beschließen: Die General- kommission wird beauftragt, mit dem Vorstand der sozialdemo- kratischen Partei erneut in Verhandlungen zu treten, um eine befriedigende Regelung der Unterstützungsfrage der bei der Mai- feier Gcmaßregelten zu erzielen, wie dies in den bekannten Verein- baruugen geschehen ist." Die vereinigten Gewerkschaften Nürnbergs schlagen folgende Resolution vor: „Die am 20. Mai im Gcwerkschaftshause versammelten Dele- gierten der Gewerkschaften Nürnbergs haben sich einstimmig dahin ausgesprochen, daß die Maifeier' in der von der General- kommission der Gewerkschaften mit dem Parteivorstande verein- barten Fornt unmöglich durchgeführt werden kann. Die einzelnen Orte können nicht das Risiko tragen, das ihnen durch diesen Be° fchlnß auferlegt wird. Praktisch bedeutet dieser Beschlutz die Be- seitigung der Arbeitsruhe am 1. Mai. Die versammelten Dele- gierten der Nürnberger Gewerkschaften verkennen nicht die Schwierigkeit, welche die Maifeier bisher schon den Gewerkschaften und der Partei verursacht hat. Die Gewerkschaftsvertreter fordern deshalb zum mindesten eine klare Stellung vom Gewerkschaftskongreß in Hamburg und eine einheitliche Kundgebung entweder für oder gegen die Arbeitsruhe am 1. Mai mit der Matzgabe, daß, im Falle Arbeitsruhe im Rahmen der Beschlüsse der' internationalen Kongresse begutachtet werden sollte, das Risiko die Zentralverbände zu tragen haben, d. h. die Kosten aus den Hauptkasseu zu decken sind._ Die G«n«>»Ikommissiott ist zu beauftragen, dahin zu wirken, daß die der Partei durch die Maifeier erwachsenden Kosten eben- falls von det-Mtralkasse getragen werden." Schließlkch Ieantragt das Gewerkschaftskartell Fürth: „Der sechste Gewerkschaftskongreß wolle beschließen: In Zukunft ist von der Feier des 1. Mai durch Arbeitsruhe Abstand zu nehmen." Die Unterstützung reicht bei diesem Antrage knapp aus. Dißmann- Frankfurt a. M. erfüllt den Auftrag, die Frank- furter Resolution zu begründen: Die Ausschaltung der Zentralen versetzt der Arbeitsruhe am 1. Mai den Er schwächt die Entschlossenheit der Arbeiter und stärkt � tmwestano des Unternehmertums. Auch der Gedanke der ZentrMisatson tttuß darunter leiden. Die Vereinbarung zwischen Partei und Ge>ve«ti>paste».war eine Enttäuschung; sie zwang auch die Zentralverbande, die schon aus der Zeirtralkasse die Maiunterstützung zahlten, davon zurückzukotflmen. Sie setzte schematisch und gewaltsam den Beginn der Maiunterstntzung auf die zweite Woche zurück. Sie übersah, daß die Mittel, ob sie nun lokal oder zentral aufgebracht werden, doch von denselben Genossen getragen iverdeit müssen. Deshalb sollte die Unterstützung in den Geiverkschaften wie in der Partei zentral geordnet werden. Das Motiv unseres Frankfurter Antrages war der Wunsch die Maifeier hochzuhalten und auch die Arbeilsruhe zu forzieren. Aber alle die aus irgend einem Motiv die Vereinbarungen für ab- änderungsbedürftig halten, können, gleichviel aus welchem Motiv, dein Frankfurter Antrag zustimmen, damit wir eine bessere Ver- ftändigung suchen. Nicht neue Disharmonien wollen wir wecken, fondern im Sinne der Beschlüsse von Stuttgart und Mannheim eine schönere Einigkeit herstellen. Zur Begründung des Abkommens führte L e g i e n aus:_ Gern würden wir eine Einigung unter besseren Bestimmungeu suchen, aber auch der Vorredner hat den besseren Weg nicht gezeigt.(Sehr wahr!) Das Abkommen steht durchaus auf dem Bode» der inter« Nation alen und nationale n Maifeierbeschlüsse und ändert eigentlich nichts an der bisherigen Praxis. Auch bisher gab es ja nur vereinzelt zentrale Uitterstützungen, so im. Metall- arbeiterverband, allerdings unter Bedingungen, die die Mai- feierruhe noch schwerer machen, als dieses Abkommen. Die Ver- einbarung soll an dem bisherigen Charakter als Demonstration gar nichts ändern, sie will nur die Laste» gerechter verteilen. Es ging nicht länger an, daß der eine Teil die Beschlüsse faßte und der andere sie verantworte» mußte. Wir wollen die ArbeitSruhe nicht einschränken, sondern sie soll durch einen einheitlichen Beschluß am Orte gleichmäßig geregelt werden. Gewiß sind wir alle Anhänger der Zentralisation, aber war denn die Maifeier bisher zentralisiert? Konnten wir denn bisher sagen, daß überall der 1. Mai durch ArbeitSruhe zu begehen ist? So lange die Maifeier selbst nicht zentralisiert ist, kann man auch die Unterstützung nicht zentralisieren. Die örtliche Entscheidung wird das VerantwortlichkeitSgefühl stärken: sie erlaubt dem Idealismus, die Arbeitsruhe ein ganzes Jahr lang vorzubereiten. Niemand will auch eine Zentralkasse, die bisher schon Maiunterstützung gezahlt hat, hindern, das auch in Zu- kunst zu tun. Aber das soll unsere Vereinbarung leisten: Das VerantwortlichkeitSgefühl der örtlichen Instanzen schärfen und die rechtzeitige finanzielle Vorbereitung der Maiseier ermöglichen. Stimmen Sie dieser ersten einheitlichen Beschlußfassung in Sachen der Maifeier zu.(Lebhafter Beifall.) Cohen- Berlin(Metallarbeiter): Ich bin autorisiert zu erklären, daß wir Metallarbeiter der Vereinbarung zustimmen.(Zurufe.) Ja, auch Dißmann!(Große Heiterkeit.) Wir stehen ans dem Stand- Punkt, daß Generalkommission und Parteivorstand noch einmal über- legen sollten, ob nicht für die Aufbringung der Mittel ein anderer Weg gefunden werden kann. Für die Schaffung eines Fonds am Orte wird bor dem 1. Mai wenig Stimmung fein. Die Motive des Frankfurter Antrages lehnen wir ab. Wir haben das größte Interesse daran, die Hauptkasse der Gewerkschaften nicht mit der Maiunterstützung zu belasten. Wir können nicht dieses Zentner- gewicht als Ballast an den Beinen herumschleppen. Einige Schwärmer mit gutem Willen, die aber nicht mit den Beinen auf der Erde stehen, möchten ja die Arbeitsruhe um jeden Preis durchsetzen, aber dann müßten die Gewerkschaften alle ihre Einnahmen der Maiseier opfern. Ob das befriedigt, weiß ich angesichts des Schick- sals der Buchbinder und der Berliner Metallarbeiter nicht.(Heiter- keit.) Uns ist in den Großbetrieben durck die Streitigkeiten über Feiern und Nichtfeiern eine zehnjährige Organisationsarbeit ver- nichtet worden und ein Schaden entstanden, den kein Geld wieder gutmachen kann. Mit einem Schlage ist die Arbeit von Hunderten und Tausenden von Kollegen vernichtet worden. Nicht nur finanziell, auch moralisch hat unser Verband Niederlagen erlitten. Wer es mit der Großindustrie und einem brutalen Unternehmermm zu tun hat, muß vorsichtig sein. Im Interesse der Arbeiter und der Gewerk- schaften verlangen wir für die Arbeitsruhe am 1. Mai doppelte Vorsicht.(Lebhafter Beifall.) N e u m a n n- Hambtirg(Holzarbeiter): Die Opposition gegen die Vereinbarung richtet sich in erster Linie gegen die Art, wie die Unterstützung geregelt wird. Damit wird zugegeben, was bisher immer bestritten wurde, daß ein großes Rifiko mit der Mai feier verbunden ist. Wie oft wurde einzelnen Führern vor- geworfen, sie bremsten ganz unberechtigt, die Maifeier sei ganz gefahrlos. Dann wendet sich die Opposition gegen die lokale Entscheidung. ES ist gewiß bequemer, eine kräftige Mairede zu halten oder flotte Artikel für die Maifeier zu schreiben, als selbst ins Geschirr zu gehen und sich Kenntnis von den in- ternen Verhältnissen zu verschaffen.(Heiterkeit.) Vor Beginn der Maifeier soll man jetzt die örtlichen und beruflichen Ver- Hältnisse abschätzen. So wird durch die Vereinbarung das Ver- antwortlichkeitsgefühl gestärkt. Die Vereinbarung steht durchaus in Uebereinstimmung mit den Beschlüssen der deutschen Delegation in Stuttgart. Die Zentralisation baut sich aus den Mitgliedschaften der verschiedenen Orte auf. In den allermeisten Zahlstellen kann an eine Maifeier nicht gedacht werden, die nur in den gut organi- sierten großen Jndustrieorten möglich ist. Wenn nun aus den Zentralkassen die Maifeiernnterstützung gezahlt wird. müssen dann nicht die Kollegen in den kleinen Orten sich sagen: Wir zahlen und zahlen, unsere Lohnbewegungsansprüche werden zurückgewiesen, nur weil sich Hamburg oder Berlin wieder einmal eine ko st spielige Maifeier geleistet haben.(Sehr wahr I) Unser Verband stimntt der Vereinbarung in ihrer Grundform zu. Wir haben aus unserem Berbandstage in Stettin unsere Erfahrungen über die Maifeier ausgetauscht und diese Erfahrungen mußten zu den schwersten Bedenken Anlaß geben. Unsere bisherigen statutarischen Bestimmungen über die Maifeterunterstützuiig sollen nur so lange gelten, als die Vereinbarung noch nicht definitiv ist. Die Regelung, wie sie vorgesehen ist, entspricht den Interessen der Organisationen durchaus. K n o l l- Berlin(Steinsetzer): In der GewerkschaftSbeivegung wie in der Gewerkschaftskommisston gehen die Ansichten über die Maifeier weit auseinander und doch sind wir in der General- kommission zur einstimmigen Annahme der Vereinbarung gekommen. Die Steinsetzer haben stets den 1. Mai durch ArbeitSruhe gefeiert ans Idealismus und ohne Unter« stützungen. Ueberhaupt sollte man die UnterstützungSstage nicht so sehr in den Vordergrund schieben. Die Maifeier ist dte Revolution eines Tages, die Empörung, die schrankenlose Freiheit. Wollen Sie die Revolution auch abhängig machen von dem Vor- handensein ausreichender Unterstützungen?(Heiterkeit.) Stimmen Sie den Vereinbarungen ruhig zu. Herrmann- Nürnberg(Schuhmacher): Auch wir freuen uns ja, daß in dieser Frage eine Annäherung zwischen Partei und Gewerkschaften erfolgt tst, aber dieses Abkommen erfchwert die ArbeitSruhe, ja macht ste unmöglich. Bisher konnten wir den 1. Mai durch Arbeitsruhe begehen, wo das Organisationsverhältnis gut war. Jetzt sollen wir auf die örtliche Unterstützung und alle anderen Gewerkschaften am Orte warten. Das kann nicht unser Wille sein. Mögen Parteivorstand und Generalkommission ein anderes Abkommen treffen zur Durchführung der Arbeitsruhe am 1. Mai.(Beifall.) Leber-Jena: Alle Redner außer Cohen haben sich bemüht, die sachlichen Momente hervorzuheben. Das ist gegen Köln ein bedeutender Fortschritt. Cohen war zu seiner Rede von den Metall- arbeiter» nicht autorisiert.(Lebhafter Widerspruch.) Wir wollten einheitlich dem Abkommen zustimmen, aber nicht wieder sein uraltes Lied hören.(Zuruf: Ein fchöneS Lied!) Legten schloß mit der Hoffnung, daß wtr doch noch stark genug werden würden, die Maifeier würdig zu begehen, Cohen sagte das direkte Gegenteil. Können wir einen tolchen Widerspruch zwischen zwei Mitgliedern der Generalkommission in die Welt hinausgehen lassen? (Cohen ruft: Warum nicht?) Auch wir sind nicht leichtsinnig; aber selbst an kleineren Orten feiert die Arbeiterschaft den 1. Mai immer mehr durch ArbeitSruhe, so daß es ganz zwecklos wäre, wollten wir ihre Beseitigung beschließen. In der Vereinbarung muß die Bestimmung gestrichen werden, daß den Ausgesperrten erst von der zweiten Woche an Unterstützung gewährt wird. Das können wir den Arbeitern, die ohnedies schwere Opfer bringen, nicht zu- muten. Glaubte ich wie Cohen, daß wir auch in einem Jahrzehnt noch keine große und würdige Maifeier haben werden, so würde auch ich sagen: Schaffen wir ste ab, wir haben wichtigeres zu tun. (Heiterkeit.) Aber wir haben nicht immer Ärisenzcit, und unsere großen Verbände dürfen nicht feige sein. Halten wir also fest an der Arbeitsruhe am 1. Mai!(Beifall.) Hierauf tritt die Mittagspause ein. NitchmittagSsitzuttg. Hamburg, den 23. Juni 1908. Dip DflBattc über die Maifeier wird fortgesetzt. P ä p l o w- Hamburg(Maurer): Der Wortlaut des Antrages Franfs tt« ist ja ganz harmlos, so daß wir für ihn stimmen könnten. Er bezweckt ja nur die Nachprüfung der Vereinbarung durch Partei- vorstqnd Generalkommission. Aber wir müssen ja auch die Motive des Antrag» berücksichtigen, und da möchte ich die Generalkommission dringend mocite», sich von den Motiven der Frankfurter leiten zu lassen. Wir sinsi jn alle Anhänger einer guten Zentralisation und einer wuchtigen M a i f e st d e m o n st r a t i o n, aber soweit kann die Zentralliiotioq niast gehen, daß wir die Maiausgespeckfen aus der Zentraliastö- un:'»stützen. Der Maurerverband hat dtzn Zweck der Forderung d« Mgiscier nicht in seinem Statut und wrrd ihn auch nicht aufnehmey. ,Er wird sich das aber auch nicht vom Gewerk- fchastskongreß ymeinschreiben lassen. Die Maifcierzentralisation würde an dem Widerstand der einzelnen Zentralverbände scheitern. So mußte man zur Regelung der Maifeier in lokalem Rahmen kommen. Daß dabei manches noch nicht klappt, bedauern wir, können es aber nicht ändern. Von Kl oth- Berlin ist folgende Resolution eingegangen: „Der Gewerkschaftskongreß nimmt die zwischen General- kommission und Parteivorstand getroffenen Vereinbarungen be- treffs der Maifeier als den gegebenen Verhältnissen entsprechend an, vermag aber eine endgültige Regelung der Maifeierfrage nicht zu erblicken. Der Gewerkschaftskongreß ist vielmehr der Ansicht, daß Ge- ncralkommission und Parteivorstand zu weiteren Beratungen zusammentreten Msd zu prüfen haben, ob eine Durchführung der Arbeitsruhe luttd eine ausreichende Unterstützung der wegen der Maifeier Ausgesperrten und Gemaßregelten, unbeschadet der sonstige«. Aufgaben der Partei und Gewerlschafteit, zu ermöglichen ist. v,| Je nach dem Ausfall dieser Beratungen sind den zuständigen Instanzen geeignete Vorschläge zu machen, welche dann über die Maifeier endgültig zu beschließen haben." Brünn- LudwigShafen(Fabrikarbeiter): Entscheiden über die Maifeier darf nur, wer für den Beschlutz nachher die Verantwortung trägt. Damit ist die finanzielle Gefahr der Maifeier beseitigt. Eine andere Regelung war unter den obwaltenden Verhältnissen nicht zu erreichen. Auf den Idealismus ist der Magen bekanntlich sehr schlecht zu sprechen. Die Aussperrung kann ja auch viele Tage dauern, da können wir die Arbeiter doch nicht hungern lassen. Bessere Vorschläge für die Gestaltung der Maifeier hat niemand ge- macht, weil wir zu schwach sind, die Arbeitsruhe einheitlich in ganz Deutschland herbeizuführen. Hoffen wir, daß wir recht bald stark genug dazu werden. Jeder Ausbau unserer Organisationen ist zu- gleich ein Beitrag zur besseren Lösung der Maifeierfrage. M a s s a t s ch- Stuttgart(Metallarbeiter): Die Metallarbeiter haben sich bis auf zwei gegen den Frankfurter Antrag erklärt. Sie stehen grundsätzlich auf dem Boden der Vereinbarung, wünschen nur eine erneute Beratung der beiden Instanzen, um eine bessere Form für die Aufbringung der lokalen Mittel zu suchen. Zum großen Teil sind wir allerdings auf Grund unserer Erfahrungen für eine Forcierungder Maifeier nicht zu haben. Das tun wir nicht aus Kassengeist, obwohl es uns auch nicht gleich sein kann, wenn wir Tausende zwecklos ausgeben, sondern weil unsere Organisationen durch die Maifeier zerrüttet, ver- nichtet werden, lieber de».Kassengeist" hat ja erst jüngst ParvuS eine Broschüre mit sehr viel Theorie, sehr viel Phantasie und sehr wenig Erfahrung geschrieben. Aber gerade der Klaffen- kämpf wird gefährdet, wenn die tüchtigsten und tätigsten Gewerk- schaftler alljährlich hinausgeworfen werden. Seien wir also mit der Arbeitsruhe recht vorsichtig. Am besten freilich machen wir mit der ArbeitSruhe am 1. Mai ganz Schluß.(Beifall.) Cohen- Berlin(Metallarbeiter): Ich stelle zunächst richtig, daß Dißmann nicht auf dem Standpunkt der übrigen Metallarbeiter steht. Man wirft uns vor, wir wahrten nicht den Klassenkampf- charakter. Aber die alljährlichen Maikämpfe hindern uns gerade, Kämpfe für die Verbesserung der Lohn- und Arbeits- bedingungen zu führen. Wir wollen diesen Kampf nicht mit Phrasen, sondern in Wirklichkeit führen. Leber beurteilt die Verhältnisse genau so wie ich, aber er bringt es nicht fertig, daraus die logischen Konsequenzen zu ziehen. Ich will den Streit mit ihm auf unser» nächsten Verbandstag vertagen, aber ich sage ihm in aller Freund- schaft:„Kauf Dir bis dahin für fünf Pfennig Logik, damit Du nicht unter den Wagen kommst I(Große Heiterkeit.) R ö ß l e r- Altenburg(Fabrikarbeiter): Nachdem die über- wiegende Mehrzahl der deutschen Gewerkschaftler sich überzeugt hat, daß wir die Macht nicht haben, die Maifeier einheitlich zu ge- stalten, ist das Festhalten an der ArbeitSruhe zwecklos. Haben wir also den Mut, dies offen zu sagen. Die meisten Anträge wollen die Entscheidung noch weiter hinauszögern und die Unsicherheit ver- ewigen. Emen besseren Vorschlag zur Regelung der Frage hat auch niemand gemacht. Thiede- Hamburg: Parteivorstand und Generalkommisfion haben sich über die schwierige und strittige Frage geeinigt. Wir können ihm nur zustimmen. Eine Erweiterung der ArbeitSruhe können wir nicht annehmen. Ani liebsten möchten ivir den gordischen Knoten durchhauen, und das Hinderliche, Veraltete und Ueberlebte ganz beseitigen. Damit arbeiten wir für daS, wofür wir am 1. Mai demonstrierten. Bei den Verhältnissen der Großbetriebe mit ihrer besonderen Disziplin ist die Taktik der eintägigen Revolution nicht mehr möglich. Was wir für den 1. Mai fordern, haben wir zum Teil schon praktisch durchgeführt. Die Wirkung unserer Demonstration gefährdet daS Errungene. DaS wird Zeit und Erfahrung auch die Rabiaten lehren.(Beifall und Widerspruch.) Inzwischen ist folgende Resolution K ö r st e n eingegangen: „Der 6. deutsche Gewerkschaftskongreß stimmt der Verein- barung von Parteivorstand und Generalkommission mit dem Er- suchen zu. noch einmal zu prüfen, ob es nicht möglich ist, eine andere örtliche Regelung der Unterstützungsfrage herbeizuführen. W i t t i g- Frankfurt a. ivi.(Brauereiarbeiter): Ich kann die Be- fürchtung der Gewerkschaften nicht von der Hand weisen Ich bin Anhänger der Maifeier, aber ich springe nicht mit beiden Füßen hinein. An der Vereinbarung hat mir nicht gefallen, daß, wenn die örtlichen Instanzen alles Geld aufbringen, ihren Vorschriften über die UnterstütznngSart gemacht werden sollen. Vor allein aber möchte ich betonen, daß die Maifeier auch aus die Streik- bewegung günstig eingewirkt hat. Deshalb stimme ich der Reso- lution Kloth zu. Metallarbeiter Orhölzer- Stuttgart: Die Gcneralkommis- sion war bei den Verhandlungen in einer sehr schwierigen Lage. Sie konnte weder selbst bewirken noch für die Abschaffung der Ar- beitsruhe plädieren. Da müssen wir ihr für die erzielte Resolution dankbar sein. Aber in der Sache selbst ist die Maifeier ganz ohne Erfolg geblieben. Mancher hat leider nicht den Mut, der Katze die Schelle umzuhängen. Ich aber sage, daß die Maifeier eine alliährlich mißlungene Demonstration ist. Eigentlich sollte doch nur gefeiert werden, wo keine Schädigung eintritt. Da aber brauchten wir die ganze Unterstützungsfrage nicht erst zu diskutieren. D i ß m a n n- Frankfurt a. M.:.Der Frankfurter Antrag will lediglich neue Verhandlungen zwischen der Generalkommission und dem Parteivorstand herbeiführen, um eine bessere Lösung der Unterstützungsfrage zu finden. Die Frankfurter erwarten dabei nicht vom Kongreß, daß er selber sagen werde, in welchem Sinne er Aenderungen wünsche. Wenn durch die Maifeierunterstützung irgend eine Belästigung der Zentralkasse herbeigeführt wird, so wäre eS nur konsequent, daß mit der Arbeitsruhe über- Haupt Schluß gemacht werde Ich meine aber, daß man nicht gleichzeitig der Vereinbarung zustimmen und sagen kann, daß sich die Mehrheit für die Beseitigung der Arbeitsruhe erkläre. Dann hat es wenig Wert, an der Maifeier herumzudoktorn. Wir sollten alles tun, um nicht erneut Streitfragen zwischen Partei und Gewerkschaft aufzurollen, Andererseits muß in der Maifeicrfrage, über die jetzt jedes Jahr diskutiert wird, endlich eine Klärung erfolgen. Die Unterstüung der Maiausgesperrten auch durch die Parteiorganisationen führt zu einer Doppelbesteuerung der meisten Parteigenossen. Auch das müßte geändert werden. Es ist gesagt worden, die Arbeiter selber hätten die Lust an der Mai- feier verloren. Wenn ein Teil sie wirklich verloren haben sollte, so vielleicht auch wegen des jahrelangen Streites, vielleicht auch deshalb, weil der Standpunkt manchen Zentralvorstandes den Massen das Vertrauen zur Durchführung der Mai- feier genommen hat.(Widerspruch und Zustimmung.) Ich stehe— das erkläre ich offen— auf dem Boden des Frankfurter Antrages und seiner Motivierung, und werde entsprechend meiner Uebcrzeugung stimmen.(Beifall.) G l o ck e- Berlin: Wohl die gesamte organisierte Arbeiterschaft hat die Vereinbarung mit Freuden begrüßt, da die Maifeierfrage seit Jahren Partei und Gewerkschaft beunruhigt und die Debatte darüber zu ihrer Ausbreitung wahrlich nicht beigetragen hat. Gegen die U e b e r t r ei b u n g c n, die die Redner des Metall- arbeitcrverbandes heute begangen haben, will ich nicht polemi- sieren, sondern nur zur Sache bemerken, daß ich den Passus der Vereinbarung über die Unterstützung so verstanden habe, daß die Zcntralverbände in bezug auf ihre Regulierung autonom bleiben und prüfen können, ob die Lokalorganisationcn alles Nötige leisten können. Nach manchen Reden, die wir heute gehört haben, könnte aber der Anschein entstehen, als hätten die Zentralvorstände den Passus, Anspruch auf Unterstützung aus den Zentralkassen der Partei und der Gewerkschaften haben die Gemaßregelten, nicht be- sonders gewünscht, um die Maifeier nach und nach zu unterbinden. Ich möchte daher empfehlen, diesen Passus zu streichen oder wenigstens diesen Wunsch der Generalkommission für neue Verhandlungen mit dem Parteivorstand mit auf den Weg zu geben. Hübsch-Verlin: Ich kann für die Gesamtorganisation der Textilarbeiter erklären, daß uns die Vereinbarung befriedigt. Ver, schiedene Streitpunkte sind dadurch beseitigt worden und die Be- stimmung, daß auch die Partei für die Kosten der Maifeier beizu. tragen hat, wird hier in vielen Fällen die notwendige Vorsicht 5. Genoffenfchaftstag des Zentraldie Worte hinzuzufügen:„ oder nicht". Der Redner glaust verbandes deuticher Konfumvereine. " werden. Aus Induftrie und Handel. Deutscher Außenhandel im Mai 1908. Nach dem Maihefte 1908 der vom Kaiserlichen Statistischen Amte geben, die bisher die Gewerkschaft allein üben mußte. Die General-| Forderungen entfernt, die wir immer wieder stellen müssen: daß beseitigen, daß die auf Verbesserung der Lebenshaltung gerichteten fommission war redlich bemüht, einen gangbaren Weg in der Unter der soziale Gesetzgeber die Verpflichtung einlösen muß, diejenigen, Bestrebungen sich in diesem Zweck vollständig erschöpfen.- Ober. ftübungsfrage zu finden. Das schließt aber nicht aus, daß noch ein die für Industrie und Handwerk, Handel und Landwirtschaft ihre bürgermeister Schmieder hieß den Kongreß im Namen befferer gefunden werden kann. Deshalb werden wir für die Reso- Kräfte und ihre Gesundheit einsetzen, vor allen Gefahren ihrer der Stadt willkommen. Die Bestrebungen der Genossenschaften lution Kloth stimmen. Tätigkeit zu schützen. sind mit die stärksten Ströme, die augenblicklich in unserem wirtKloth Berlin begründet seine Resolution und erweitert Die weiteren Verhandlungen wurden sodann auf Mittwoch vor- schaftlichen Leben dahinfließen. Sie sind auf einem außerordentlich fie, indem er dem Sat:„ Der Kongreß ist der Ansicht, daß General- mittag vertagt. gefunden Gedanken begründet, auf einem Gedanken, der sich alltommission und Parteivorstand zu weiteren Beratungen zusammenmählich die Welt erobert. Was anders als ein genossenschaftlicher zutreten und zu prüfen haben, ob eine Durchführung der ArbeitsGedanke ist es, wenn wir sehen, daß selbst das Großkapital sich ruhe und eine ausreichende Unterstüßung unbeschadet der sonstigen jetzt zusammentut. Also auch in diesen Kreisen, für die ursprüngAufgaben der Partei und der Gewerkschaften zu ermöglichen ist", lich der genossenschaftliche Gedanke nicht bestimmt par, gewinnt er immer mehr an Voden. Damit ist nicht gesagt, daß alle Formen nicht, daß es möglich sein wird, die Arbeitsruhe weiter auszudes Genossenschaftswesens auch der Allgemeinheit günstig sind. Ich dehnen. Entscheidend dafür sei die Unterstüßungsfrage. Gestern begann in Eisenach im Kurhaus Hotel Fürstenhof der glaube nicht, daß der Genossenschaftsgedante den Mittelstand Eine endgültige Regelung fönne aber nur der nächste inter- 5. Ordentliche Genossenschaftstag des Zentralverbandes deutscher schädigt. Der Mittelstand wird um so besser dastehen, je mehr nationale Songreß treffen. Der ungewisse Zustand könne jeden Konsumvereine. Auf der Tagesordnung stehen vor allem die Be- er sich selbst dem Genossenschaftswesen zuwendet. Das Genoffens falls nicht andauern. Der Redner steht auf dem Standpunkt, den richte der Organe des Zentralverbandes über ihre Tätigkeit im schaftswesen dient allen denen, die sich ihm anschließen, und damit der Frankfurter Arbeitersekretär Dittmann in der Neuen Zeit" Geschäftsjahre 1907, der Bericht des Vorstandes, der Bericht des nicht zuletzt dem Gesamtorganismus, dem Staat. Gerade bei den entwidelt hat: Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schreden Setretärs, der über die Tätigkeit des Tarifamtes und über die Stadtverwaltungen stoßen Ihre Bestrebungen auf weitgehendste ohne Ende!" Entwickelung der Unterstüßungskasse. Diese Berichte liegen aus Sympathie, wenigstens soweit die Städte weiten Blick genug haben, Legien: Ich hatte angenommen, daß es zu einer Diskussion der führlich in einem stattlichen Bande von mehr als 600 Seiten bereits zu erkennen, daß das Genossenschaftswesen nicht darauf abzielt, Frage Arbeitsruhe oder nicht" garnicht kommen werde, ja ich sehe gedruckt vor. Aus dem Berichte des Vorstandes und des geschäfts- den Mittelstand zu untergraben. Ich hoffe, daß die Genossendarin geradezu einen Disziplinbruch.( Zustimmung.) In führenden Sekretärs ist folgendes hervorzuheben: Die Zahl der Köln auf dem Gewerkschaftstongreß hatten wir einen Beschluß nicht angeschloffenen Genossenschaften ist von Ende 1906 bis Ende 1907 schaften gemeinsam mit dem Mittelstand das Volkswohl fördern gefaßt. Als Beschluß galt vielmehr, was Bömelburg als Ergebnis 885 000, die Zahl der Verkaufsstellen von 2300 auf 2560, die Zahl den Geschäftsbericht, dessen wesentlichsten Inhalt wir oben wieder. von 929 auf 985 gewachsen, die Mitgliederzahl von 781 000 auf Darauf erstattete der Vorsibende Rade stock Dresden der Debatten verkündete: wir halten an dem Amsterdamer Beschluß der in der Warenverteilung beschäftigten Personen von 8500 auf auf Arbeitsruhe fest, wir wollen aber, daß vor dem nächsten inter- 10 300, die Zahl der in der Eigenproduktion beschäftigten Personen gegeben haben. nationalen Kongreß sich die maßgebenden Körperschaften über die Maifeier einigen und daß dann auf dem internationalen Kongreß 1906 258 Millionen, für das Geschäftsjahr 1907 303 Millionen. bon 2155 auf 2449. Der Umsatz der Konsumbereine betrug Ende die Frage nicht nebenbei, sondern gründlich besprochen wird. Der Bruttoertrag in den beiden Jahren 41 und 47 Millionen, der Nachdem dann die deutsche Delegation in Stuttgart fich geeinigt Gewinn der Konsumvereinsmitglieder, den man richtiger als Erhatte, erschien eine Erörterung der Maifeierfrage auf dem internationalen Kongreß selbst nicht notwendig. Angesichts dieser Tat- übrigung bezeichnet, 21 Millionen gegen 19,3 Millionen im Vorjahre. Aehnliche Fortschritte wie die Konsumbereine selbst, hat die wir sie heute gehört haben, geradezu als ein Mißtrauensendet hat. Die Zahl der angeschlossenen Konsumvereine ist auf 500 sache erscheinen hier die Ausführungen gegen die Arbeitsruhe, wie Großeinkaufsgesellschaft gemacht, die jetzt ihr 14. Geschäftsjahr bevotum gegen die deutsche Delegation in Stutt gestiegen, die Zahl der bei ihr kaufenden Konsumbereine auf gart.( Beifall.) Wir sind jetzt gebunden, wir und das inter- 1400. Der Umsatz hat sich von 46 auf 60 Millionen Mark, also um nationale Proletariat. Beschließen Sie meinetwegen, daß vor dem fast 30 Proz. gesteigert. Ganz besonders eindringlich begründet nächsten internationalen Kongreß noch ein deutscher Gewerkschafts- der Bericht in langen theoretischen und praktischen Ausführungen tongreß wegen der Maifeierfräge einberufen werde. Aber jetzt das Recht der Konsumvereine, gleich den Startellen und Syndikaten fönnen wir nichts anderes tun. und den Staatsbetrieben auch ihrerseits zur Regelung der ProNun zu der Vereinbarung! Es wird vielfach so dargestellt, als duktion und des Konsums auf dem Boden absoluter politischer bringe fie eine Wenderung der bisherigen Zustände. Das ist nicht der Neutralität beizutragen. Fall; nur geregelt und damit verbessert sind die Zustände immer wieder nach allen Richtungen hin betont. Mit aller EntDiese Neutralität wird immer und worden. Die Unterstügung der Ausgesperrten aus den Bentral- schiedenheit bestreitet der Bericht, daß die Konsumvereine auch da, kassen wurde auch vorher vereinzelt gewährt, und ihre Ge- wo ihre Mitglieder überwiegend Sozialdemokraten seien, irgend währung ist an sehr bestimmte Rautelen geknüpft. Die Vereinbarung etwas mit dieser zu tun hätten. Jede politische Ueberzeugung jagt nun mit feinem Wort, daß die Unterſtügung aus den Zentral habe in den Konsumbereinen ebenso böllige Freiheit wie jede Ron faffen aufzuhören habe, nur ein Anspruch darauf wird nicht fession, und selbst von einem wirtschaftlichen Sozialismus könne gewährt. Die Redewendung ist mit voller Absichtlichkeit gewählt, nicht gesprochen werden, weil dieser eine Wirtschaftsform der Zuum die Einrichtung dort, wo die Zentralverbände sie schon haben, kunft, der Konsumverein aber eine solche der Gegenwart sei. nicht zu durchbrechen. Die Vereinbarung berbietet auch durchaus Der Bericht über die Tätigkeit und Erfolge der Konsumnicht, die Unterstützung schon vor der zweiten Woche zu ge- bereine des Zentralverbandes wird ergänzt durch eine Uebersicht währen. Wir wollten eigentlich beschließen, daß aus den über die Entwickelung des Genossenschaftswesens in Deutschland Bentralfaffen Unterstützungen zu gewähren sind, der Gewerkschafts- überhaupt und über die internationalen Beziehungen der Getongreß tann es nicht, die Generalfommission erst recht nossenschaften. Die deutschen Genossenschaften sind zusammennicht. Es können nur die einzelnen Zentralverbände. Sorgen Sie gefaßt in vier großen Verbänden: dem Allgemeinen Verband der doch in Ihren Organisationen dafür, daß es geschieht.( Heiterkeit.) Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften( Schulze- Delißsch) mit Das beste wäre, die Anträge würden zurückgezogen, die nochmalige 700 000 Mitgliedern, überwiegend städtischen Handwerkern und Verhandlungen zwischen Generalfommission und Parteivorstand Kaufleuten, dem Zentralverband deutscher Konsumvereine, der sich wünschen. Es ist Beit, daß in der Maifeierfrage Ruhe eintritt. Lassen Sie uns doch erst einmal versuchen, auf Grund dieser Bereinbarung zu arbeiten, damit endlich einmal ein fester Boden für die Maifeier gefunden wird.( Beifall.) Ein Schlußantrag wird angenommen, nachdem drei vorhergehende Anträge abgelehnt Genossenschaften, die sich von dem Allgemeinen Verband abgezweigt worden find. Zunächst wird die Bereinbarung zwischen Generalfommiffion und Barteivorstand vom Kongreß mit allen gegen 22 Stimmen gutgeheißen, dann wird die Frage, ob die Generalkommission bis zum nächsten Gewerkschaftskongreß mit dem Barteivorstand noch einmal über die Maifeier verhandeln soll über eine anderweitige Regelung der Unterstügungsfrage, mit 178 gegen 101 Stimme bejaht. Die gestellten Anträge werden hier als Material überwiesen. Der Antrag Fürth auf Beseitigung der Arbeitsruhe wird, weil es zur Kompetenz des Kongresses gehört, diese Frage grundsätzlich zu entscheiden, durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Legter Gegenstand der heutigen Tagesordnung ist der Bericht des Zentral- Arbeitersekretariats. Vorversammlung Deutschlands betrug im Mai d. 3.: herausgegebenen monatlichen Nachweise über den auswärtigen Handel Die Einfuhr 5 250 505 Tonnen verschiedene Waren, ferner 117 160 Stück( nämlich 2059 Stock Bienen, 10 086 Pferde und andere Tiere, 184 Fahrzeuge, 104 881 Uhren). Gegen den Mai des Vorjahres ist ein bedeutender Rückgang wahrnehmbar. Die Ausfuhr 4 026 487 Tonnen verschiedene Waren, ferner 29302 Stück( 123 Stod Bienen, 522 Pferde und andere Tiere, 164 Fahrzeuge, 28 493 Uhren). Gegen den April d. J. zeigt die Ausfuhr einen starten Aufschwung, desgleichen gegen den Mai v. J. In den fünf Monaten Januar bis Mai 1908 erreichte die Einfuhr 23 178 430 Tonnen verschiedene Waren gegen 23 679 139 Tonnen im Vorjahre, ferner 635 663 gegen 740 098 Stück. Der Rückgang beträgt rund 500 060 Tonnen, er ist besonders stark bei Erzeugnissen der Landwirtschaft usw., Spinnstoffen, Eisen und Eisenlegierungen. Die gleichzeitige Ausfuhr machte 18 139 926 Tonnen verschiedene Waren aus gegen 17 630 943 im Vorjahr, ferner 169 050 Stüd gegen 490 694 im Vorjahre. Die Ausfuhr zeigt demnach einen Aufschivung von über 2 Million Tonnen. Die Ausfuhr von Spinnstoffen und Waren daraus ist um über 22000 Tonnen gefallen. Hus der Frauenbewegung. Der Verein der Berliner Dienstmädchen hat nach seinem jüngsten Jahresbericht eine Mitgliederzahl von 456 zu verzeichnen, oder, gegen das Vorjahr 54 mehr. Neueingetreten waren 252, aber eine große Zahl der Mädchen schied aus oder mußte ausgeschlossen werden, weil die Beiträge nicht gezahlt wurden und weil bei dem häufigen Stellenwechsel die Adressen nicht ermittelt werden konnten. Die„ Monatsschrift" des Vereins hat eine Auflage von 1500 Gremplaren und ist außer in Berlin in Breslau, Leipzig, Lübed, Magde burg, Mannheim, München, Wiesbaden und Hannover eingeführt. In allen übrigen Städten, wo Organisationen der Dienstboten be stehen, ist die„ Gleichheit" das Vereinsorgan. Der Kassenbestand des Berliner Vereins beträgt 2108 M. Für die Agitation wurden im Berichtsjahre 339,80 M. ausgegeben, für Rechtsschutz 78,34 M., für die Unterstützung franter Mitglieder 75 M. Acht öffentliche und zehn Vereinsversammlungen, in denen belehrende Vorträge gehalten wurden, fanden im Berichtsjahre statt. 32 000 Flugblätter, zum großen Teil von Arbeiterfrauen verbreitet, tamen zur Verteilung. Die Propaganda für den freien Arbeitsvertrag stößt noch überall auf harten Widerstand; es gelang nur in wenigen Fällen, Dienstgeber zum Abschluß eines solchen Vertrages zu bewegen. Neuerdings werden in Stuttgart und Heidelberg An strengungen gemacht, Dienstmädchenvereine zu gründen. Die meisten dieser Vereine sind überhaupt erst innerhalb der letzten zwei Jahre entstanden. Versammlungen Beranstaltungen. Die Kohlensynditate in Rheinland- Westfalen und Schlesien haben bei den letzten Landtagswahlen zwei eifrige Vertreter im Abgeord netenhause verloren. Nicht wiedergewählt wurde der Syndikus der Handelskammer zu Effen- Ruhr, Hirsch, Schwiegersohn des Generalsekretärs des Zentralverbandes deutscher Industrieller, des Herrn von fünf Jahren von dem ersten Verbande abzweigte, mit ungefähr. A. Bued. Auch der Generalsekretär der Oberschlesischen Kohlenebensoviel Mitgliedern, zu 76 Proz. Lohnarbeitern, dem Reichs- konvention Dr. Volg ist bei der Landtagswahl unterlegen. Neu verband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften( Raiff in den Landtag eingetreten ist dagegen der Generalsekretär des eifen) mit 1% Millionen Mitgliedern, in erster Linie Kredit Bundes der Industriellen, Dr. W. Wendlandt, Vertreter der genossenschaften der Landwirte, und dem Hauptverband deutscher verarbeitenden und fertigen Industrie, die zu den entschiedensten gewerklicher Genossenschaften mit 18 000 Mitgliedern. Es sind das Gegnern der Preispolitit der Kohlenindustrie gehört. haben, um mit der Preußischen Zentralgenossenschaftstasse zu ar beiten. International hat die Genossenschaftsbewegung alle mo dernen Kulturländer ergriffen und macht überall staunenswerte Fortschritte, die geringsten in Belgien und Frankreich, wo fie politisch zersplittert ist. Der Internationale Genossenschaftsbund, der im vorigen Sommer in Cremona tagte, zählt Mitglieder sogar in Australien, Kanada, Westindien, der Napkolonie und auf Cypern. Weitaus am stärksten ist England mit 371 Organisationen vertreten, demnächst Deutschland mit 88. Vorsitzender des Internationalen Genossenschaftsbundes ist der Leiter der schottischen Großeinkaufsgesellschaft Maxwell, Vorstandsmitglieder u. a. ber frühere italienische Finanzminister Luzzati und der dänische Ver= tehrsminister Högsbro. Am 6. Juni sind die Delegierten von Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, England, Frankreich, Ihn erstattet Abg. Robert Schmidt- Berlin: Das Zentral- Arbeiter- Italien, Solland, Norwegen, Desterreich, Rußland, Schottland, Ihn erstattet Abg. Robert Schmidt- Berlin: Das Zentral- Arbeiter Schweden, der Schweiz und Ungarn in New- Port versammelt, um sekretariat ist in einem ständigen Aufschwung begriffen. Es hat die Gründung einer Internationalen Großeinkaufsgesellschaft zu das volle Vertrauen der ratsuchenden Arbeiter und der Gebeschließen. wertschaftskartelle. Auch die Arbeiterfekretariate entwickeln sich In der immer erfreulicher. Eine dringende Aufgabe für diese wertvolle Schöpfung der Arbeiterschaft ist die bessere Ausbildung der Arbeiterfekretäre durch besondere Fachlehrer. Schwierig am Montag abend begrüßte der Präsident des Zentralverbandes feiten wird es nur auf den fleineren Sekretariaten machen, die Setre- deutscher Konsumbereine St a destock- Dresden die Versammlung. der dänischen Gäste täre auf vier Wochen vom Dienste zu befreien und vertreten zu lassen, Dann ergriff zunächst namens Er teilte mit, daß in aber diese Schwierigkeit ist nicht unüberwindlich. Die preußische Re- anjen Kopenhagen das Wort. gierung, die sonst ja für praktische Sozialpolitit nichts übrig hat, hat Dänemark das Genossenschaftswesen erfreulichen Fortgang nehme. auf Anregung des Abgeordneten- und Herrenhauses Subventionen für Prozentual sei die Zahl der Genossen in Dänemart größer als städtische Rechtsauskunftsstellen geschaffen. Uns laffen diese Auskunfts- in Deutschland. stellen sehr talt; denn wir haben doch das Vertrauen der Arbeiter. Dann sprach namens der englischen Großeintaufsfozialpolitisches Material, wie es zum Beispiel der Genosse Linde- Erfolge auch der deutschen Genossenschaften und gab dann eine Weißensee. Donnerstag, den 25. Juni, bei Roßkopf, KönigDie Arbeiterfekretariate gewinnen durch ihre Tätigkeit wichtiges genoffenschaft Deans- London. Er pries die großen Königsberg jüngst über die Gründe des Kontraktbruches ber- Uebersicht über die Tätigkeit der englischen Großeinkaufsgenossenöffentlicht hat. Dieses Material einheitlich zu bearbeiten, schaft. Dieser gehören 1139 Vereine mit einem Kapital von ist eine weitere dringende Aufgabe. Seit langem steht 94 Millionen Mart an. Die englische Großeinkaufsgenossenschaft die Bereinheitlichung der Arbeiterversicherung auf der Tages- hoffe, mit der Zeit alle Produktionswaren selbst herstellen zu Tages- önnen. Der Redner hofft, daß durch eine internationale Allianz ordnung. Unserer Ueberzeugung nach fann sie nur fegensreich wirken, wenn man sich zu der Entschiedenheit aufschwingt, die Zer überall die Genossenschaften sich enger zusammenschließen zu Nuß Wir werden um Aufnahme folgender Mitteilung gebeten: splitterung von Grund auf zu beseitigen und eine einheitliche Organi- und Frommen aller, die dem Genossenschaftswesen huldigen.( Leb-Die Grüße der englischen Genossenschaften Er wies auf das An- Jn Nr. 139 des Vorwärts" befindet sich ein Bersammlungssation der Versicherungen, einschließlich der Witwen- und Waisenhafter Beifall.) bersicherung, unter maßgebendem Einfluß der Arbeiter herbeizuführen. überbrachte der Delegierte Gray. deckerei- Hilfsarbeiter". In diesem sagt das Vorstandsmitglied In dieser Beziehung haben uns die Vorschläge des Staatssekretärs wachsen der englischen Genossenschaften hin. Der Mitglieder- bericht des Verbandes der Baubilfsarbeiter, Sektion der Dach b. Bethmann- Hollweg vollständig enttäuscht. An einer Zuziehung der zuwachs im letzten Jahre betrage mehr als 50 000. Für die niederländischen Genossenschaften sprach Gräbert:" Der Asphalteurverband hat sich der Bewegung aus , unbekannt gebliebenen Gründen" nicht angeschlossen." Arbeiter für Unfallversicherung liegt uns nichts. Sie bleibt ein Wir möchten hierzu folgendes bemerken: Wenn der Bauwertloses Dekorationsstück wie in der Invalidenversicherung. Eine Unterstaatssekretär Elias: Es gibt viele Wege zur Reihe dieser Reformvorschläge bedeutet sogar eine schwere Schädigung schaftswesen. Das Genossenschaftswesen kann aber nur dann der hilfsarbeiter- Verband in eine Bewegung zum Abschlußz bezw. Vererivorbener Rechte der Arbeiter. Der Zugang zum Reichs- edelste Weg sein, wenn es neutral ist, d. H. frei von Politik und längerung der bestehenden Tarife mit den einzelnen Unternehmern versicherungsamt foll erschwert werden, um seiner Ueberlastung zu Religion.( Beifall.) eingetreten ist, so ist dieses ohne vorherige Benachrichtigung des Asphalteurberbandes geschehen. begegnen. Aber bei dem summarischen und formularmäßigen Ver Namens der österreichischen Genossenschaften sprach Karl fahren der Schiedsgerichte legen wir den größten Wert darauf, nevoie. Das Genossenschaftswesen werde in Oesterreich noch Deshalb konnte sich der unterzeichnete Verband auch dem Vorgehen daß den Arbeitern eine zweite Instanz offen bleibt. Der Vorstand des Verbandes der Asphalteure. Im mehr angefeindet als anderswo. Denn kein Reich habe mit so übrigen verlangen wir bei Unfall- und Invaliditäts- desolaten politischen Verhältnissen zu tun und mit einer solchen fachen die Buziehung der Arbeiter zu den Rentenfestsegungs- Partei wie Desterreich mit seiner christlich- sozialen Partei. Das Der Zentralverband der Zivilmusiker, Orisverwaltung Berlin, tommiffionen. sei aber nur ein Ansporn mehr für die Genossenschaften, die heute hielt am 18. Juni bei Wilke in der Brunnenstraße eine GeneralSehr bedenklich ist die Stellungnahme der Aerzte bei den Be- noch neutral seien, wobei man allerdings fragen müsse, wie lange bersammlung ab, in der über das neue Ortsstatuk beraten wurde. rufsgenossenschaften, die viel Unheil stiftet, weil die Aarzte sich einer das noch möglich sein werde. Der hierzu von einer Kommission ausgearbeitete Entwurf wurde Simulationsriecherei befleißigen, die fich nachträglich als ganz grundDie Bibliothet den Mitgliedern unentgeltlich zur Verfügung steht, mit einigen Aenderungen angenommen. Hervorzuheben ist, daß los erweist. Ich möchte von dieser Stelle aus an die Aerzte die dringende Mahnung richten, mit größter Vorsicht und Objektivität zu und zwar bei bis zu vierzehntägiger Benutzung der Bücher. Die berfahren. Sehr großen Wert legen wir auf eine Erweiterung des Musikalien werden mit 10 Pf. pro Piece, die Tanzlieferungen mit Begriffs des Betriebsunfalls. Schwere Berufskrankheiten suchen die 10 f. pro Stimme berechnet. Bei Proben werden die Musikalien Arbeiter in der chemischen Industrie, im Bergbau und besonders in unentgeltlich geliefert. Das neue Ortsstatut soll am 1. Oktober den Binkhütten heim. Die ginthütten bilden vielfach ein Bild der in Kraft treten. Ferner wurde beschlossen, den Arbeitsnachweis Vertoüstung und des Jammers, fie sind eine wahre Hölle für die bon Oktober ab an den Donnerstagen, abends von 8 bis 9 Uhr, Arbeiter. Diese armen Arbeiter sind jezt nur auf das winzige offen zu halten. Ein Vorschlag, in den Programmheften der Krankengeld angewiesen. Die Krankentassen, gegen deren Selbst am Dienstag wurde vom Vorsißenden Radestod- Dresden Freien Voltsbühne" und des Arbeitersängerbundes" zu inserieren, berwaltung sich fortwährend schwere Angriffe richten, find mit begrüßenden Worten eröffnet. Als Vertreter der Groß- wurde ebenfalls angenommen. Unter Bereinsnachrichten wurde ihren Aufgaben in immer wachsenderem Maße gerecht ge herzoglichen Staatsregierung war Bezirkskommissar angeregt, an die Mitglieder eine Umfrage ergehen zu lassen, in wie worden, die Angriffe gegen sie sollen nur berdecken, König erschienen, für die Stadt Eisenach Oberbürger weit sie den Wahlvereinen angehören und sich an den Arbeiten für gefchickt intelligente Arbeiter die Verwaltung führen. meister Schmieder. Bezirkskommissar König dankte die Partei beteiligen. Der Vorstand versprach, diesem Wunsche Die Krantentassen sind der wertvollste Teil unserer Versicherungs- namens der Staatsregierung für die Einladung. Möge die fernere nachzukommen. Mit der Mahnung an die Mitglieder, sich eifrig gesetzgebung. Sonst sind wir sehr weit von der Erfüllung der Entwickelung der deutschen Konsumvereine jeden Zweifel darüber an der Arbeiterbewegung zu beteiligen, schloß die Versammlung. wie BIüß- Basel übermittelt die Grüße der schweizerischen Konsumbereine. Für Finnland sprach Starhusen. Präsident Radestock dankte den Rednern. Das Gehörte werde den deutschen Genossenschaften ein Ansporn sein zu cifriger Mitarbeit. Die Hauptversammlung Chaussee 38, Generalversammlung. Vortrag. Genosse Julius Cohn. Die politische Gesetzgebung und die Frauen", nicht anschließen. Verfammlungen. " Deutscher Metallarbeiter- Verband. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hoj I. Amt 3, 1239. Achtung! Charitéstraße 3. Hoj III. Amt 3, 1987. Achtung! Die Kollegen, welche Erwerbslosenunterstütung ( Kranke) beziehen, werden hierdurch ersucht, ihre Unterstützung noch vor dem 1. Juli( Quartalsschluß) abzuheben. Ausgenommen davon find alle diejenigen Kollegen, welche in Krankenhäusern oder Heilstätten sind und ihre Unterstützung nach Beendigung der Krankheit abheben. NB. Den Kollegen von Friedrichshagen und Umgegend zur Kenntnis, daß die Bibliothek für diesen Bezirk eröffnet ist und Bücher jeden Mittwoch, abends von 8-9 Uhr, und Sonntag, vormittags von 10-12 Uhr, beim Kollegen Karl Hennig, Friedrichshagen, Seeftr. 117, ausgegeben werden. 118/7 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Charlottenburg. Donnerstag, den 25. Juni, abends 8%, Uhr: Mitglieder- Versammlung D im ,, Volkshause", Rosinenſtr. 3. Zages Drdnung: 1. Bericht vom Verbandstage. 2. Gewert schaftliches und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert! Regen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. 86/2 Verband der Isolierer u. Steinholzleger Deutschl. Abteilung II: Steinholzleger. Mittwoch, 24. Juni, abends 81%, Uhr, bei Heufelder, Dragonerftr. 15: Mitglieder- Versammlung Zages Drdnung: 1. Bericht von der achten Konferenz. 2. Distuffion. 3. Bericht der Lohnkommission und Verbandsangelegenheiten. Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Der Vorstand. J. A.: H. 2ange. 288/15 Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands.( Zahlstelle Berlin.) Freitag, den 26. Juni, nachmittags 5 Uhr, in den Pharus- Sälen ( 3nh. Wernau), Müllerstr. 142: Außerordentliche General- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Wahl der Delegierten zum Verbandstag in Köln. 2. Bericht der Statuten- Beratungskommission. 3. Beratung der gestellten Anträge zunt Berbandstage in Köln. 4. Verbandsangelegenheiten. Das Mitgliedsbuch legitimiert. 75/6 Die Ortsverwaltung. Stukkateure! Sonnabend, 27. Juni, abends pünktl. 8 Uhr, bei Elsner, Kaiser Wilhelm- Straße 18m: Außerordentliche Mitgliederversammlung Tages- Ordnung: 1. Fortsetzung der Diskussion über den Verbandstag. 2. Welchen Beitrag zahlen insbesondere die Werkstattkollegen? 3. Verschiedenes, darunter Ueberstundenunwesen und Maiarbeit. 173/ 15* Eintritt nur gegen Vorlegung des Mitgliedsbuches. Zahlreiche Teilnahme der Werkstattkollegen und der in Potsdam wohnenden Mitglieder erwartet LLIGSTE REISE PREISE BILLIGSTE Sehr wohlfeil und vorteilhaft: Reise- Anzüge nach Maß. Die folgenden Preise verstehen sich für fertige Kleidung: M. an an Papierfaser- Anzüge.... 10 M.| Knaben- Waschanzüge von 1.50 M Stoff- Anzüge 27.- 18.- und 12 M. Knaben- Stoffanzüge von 2.50 Tennis- Anzüge.. 8. Schüler- Waschanzüge von 2 Loden- Anzüge..27.- 18 M. Schüler- Stoffanzüge... von 9 11.- und 27.- und .. M. an M. an Stoff- Hosen und 3.20 M. Reise- Mützen.1 M. und 50 PL. .6.und Loden- Pelerinen 12- d 9 M. Seemanns- Mützen 1.50 und 1M. Reise- Joppen 31.90 85 P. Panama- Hüte eigener Import 16 M. Staub- Mäntel.. 5.50 und 4.25 M. Westen- Gürtel.2 M. und 95 P Fantasie- Westen. 4.50. 2.25 M. Rucksäcke. 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Der Vertrauensmann der Bäcker und Konditoren. mit Hutwäsche 31452* Feuerrad 1 Pack 25 Pf. 3 Pack 65 Pi. ZurRenovierung bereits gefärbter Hüte in gleicher Farbe od. dunkler 1 Pack 35 Pf., 3 Pack 1 M. Fritz Kratz, Berlin N. 39 Reinickendorferstr. 119. In allen Drogerien, Apothek. usw. Biesdorf, Stadtbahn, a. Bahnhof. Berkaufsstell. a. d. Bahnhöfen. Nieschalke& Nitsche Berlin, Neue Königstr. 16. Aeltestes Teilzahl.- Geschäft für Brennabor- Räder! Kein Laden! Günstigste Bedingungen. Berlin SO., Louis Barth, Brückenstr. 10a, pt. Es lohnt sich! Die Reiseersparnis ist eine ganz bedeutende Westmann, wenn Sie bei Jerusalemer Straße Hauptgeschäft: Berlin W., Mohrenstr. 37a, kein Eckhaus, 2. Haus von und Berlin No., Gr. Frankfurter Straße 115, der Andreasstraße kein Eckhaus, 2. Haus von kaufen. 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Die Konkursmasse Fürst& Liebner, bestehend in Mänteln und Kostümen, muß bis zum auf meine Firma und 30. d. M. vollständig geräumt sein. Diese äußerst günstige Gelegenheit bitte ich nicht unbenützt zu lassen. Hausnummer. Verband der Maler, Lackierer, Auftreicher usw. Filiale Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Kollege Hugo Wießner am Mittwoch, den 17. Juni, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 132/11 Die Ortsverwaltung. Am Sonntag, mittags 1 Uhr, starb nach schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Bru der, Schwager und Onkel, der Schriftsezer Georg Zinnecker im 44. Lebensjahte. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 24. d. Mts., nachmittags 6 Uhr, vom neuen Kirchhof der Johannisgemeinde, Blögensee, aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. 2831b Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie für die kostbaren Kranz spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes spreche ich allen Beteiligten meinen tiefgefühlten Dant aus. 28305 Elly Wiesner. Orts- Krankenkasse Pankow. Der Wert der Naturalbezüge für die Mitglieder der Orts- Krankenkasse Pankow ist durch Verfügung des föniglichen Landrats des Streises Nieder- Barnim vom 11. Juni 08 Zgb. Nr. K. 3152 für jeden Tag wie folgt festgefegt: " " -O 1. Für volle Koft und Logis: • . • " " " für männliche Mitglieder 1,80. 1,60 weibliche Mitglieder. 2. Für halbe Roft und Logis: für männliche Mitglieder 1,20 M. weibliche Mitglieder. 1,00 3. Für volle Kost ohne Logis: für männliche Mitglieder 1,50 M. weibliche Mitglieder. 1,30 Diese Säße treten mit dem heutigen Tage in Kraft. 275/4 Bankow, den 24. Juni 1908. Der Vorstand der Orts- Krankenkasse Pankow. Gütig, Borsigender. Kein Mieter für 2-4 3immer: wohnungen in Charlottenburg verfehle die schönen Wohnungen in den fertigen Neubauten Danckelmannstr.29 Sozialdemokrat. Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis Köpenicker Viertel. ( Bezirk 201 Teil II.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse und Bezirksführer, der Klempner Paul Pelzel ( Oppelner Straße 3) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 25. Juni, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 218/20 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Todes- Anzeige. Am 21. Juni verstarb unser Mitglied, der Schriftsetzer Georg Zinnecker ant ( Perleberger Straße 43). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 24. Juni, nachmittags 62 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Johannis- Kirchhofes, Plößensee, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. 227/16 Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metallarbeiter Heinrich Wähnelt am 21. d. M. an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 24. Juni, nachmittags 6 Uhr, vom Trauerhause in Bohnsdorf bei Grünau nach dem Bohnsdorfer Gemeinde Kirchhof aus statt. 118/8 Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schmied Adolf Böttcher am 22. d. M. an Wassersucht ge storben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 25. Juni, nach mittags 5 Uhr, von der Leichen halle des Elisabeth- Kirchhofes in der Prinzen- Allee aus statt. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner Paul Pelzel geftorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 25. Juni, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Die Ortsverwaltung. Sozialdemokrat. Wahlverein Alt- Glienicke. ( Bezirk Bohnsdorf.) Den Parteigenossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metallarbeiter Heinrich Wähnelt am Sonntag, den 21. Juni nach langem Leiden verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 24. Juni, nachmittags 6 Uhr, vom Trauerhause, Genossenschaftshaus„ Paradies" aus statt. Um rege Beteiligung bittet 203/1 Der Vorstand. Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Heinrich Schmidt am 22. Juni gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes der Markusgemeinde, Wilhelmsberg, aus statt. 169/10 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Danksagung. Allen denjenigen, die meinem lieben, unvergeßlichen Maun die letzte Ehre erwiesen haben, sage ich hiermit meinen herzlichsten Dank. und Horstweg 25, nahe Staiserdamm Witwe Berta Neumann. ( Untergrundbahn) zu besichtigen. Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidjohn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 145. 25. Jahrgang. 2. KeilM'm.Amiills" Iniinn ilulblilalt. Mitwochs 24.?mi 1908. Die Polizei fäbdaffäre in tlamborn, die wir in Nr. 203 des„Vorwärts" vom 6. September 1907 schilderte», wurde gestern in einem umfangreichen Prozeß gegen unseren der- antwortlichen Redakteur Genossen Hans Weber vor der 4. Straf- kammer des Landgerichts I verhandelt. In dem genannten Artikel wurde ein Vorgang am Bahnhof Neumühl bei Hamborn im Rhein- land in folgender Weise dargestellt: Am 3. September morgens hielt sich eine Menge von einigen hundert Bergleuten am Bahnhof Neu- mühl auf. Sie hatten auf den dortigen Zechen gearbeitet, waren von einem Agenten Kühn für ein Bergwerk in Oschersleben an- geworben und sollten am genannten Tage mit einem Extrazuge dorthin befördert werden. Die Bahnverwallung ließ aber den Extrazug nicht ab, weil der Agent die Kosten desselben nicht erlegen konnte."Der Agent hatte de» Arbeitern freie Fahrt nach Oschersleben zugesagt. Als ihnen mitgeteilt wurde, der Extrazug könne nicht abgehen, weil er nicht bezahlt werde, wollte niemand daran glaube». In der Menge vcr- verbreitete sich Vielmohr das Gerücht, die Fahrkosten seien wohl da, das Geld werde aber zurückbehalten, damit die Arbeiter nicht fort- kämen und deshalb genötigt wären, wieder auf den Zechen in Neu- mühl in Arbeit zu treten. Der Menge habe sich infolgedessen eine große Aufregung bemächtigt, der Bürgermeister habe sie zu be- schwichtigen versucht, das habe nichts geholfen, dann hätten nach der Aufforderung, den Platz zu verlassen, die Polizeibeamten die Säbel gezogen und auf die Menge eingehauen, die dann nach allen Richtungen auseinanderstob. Einem an dem Vorgange unbeteiligten Fuhrmann sei durch einen Säbelhieb die Hand ge- spalten worden. Der Darstellung dieses Tatbestandes hatten wir uatürlich einige kritische Bemerkungen über die bekannte preußische Polizeischneidigkeit und das polizeiliche Vorgehen gegen wehrlose Bürger hinzugefügt. Durch unsere Darstellung, deren Richtigkeit von der Anklage bestritten wird, sollen Bürgermeister und Poliz'eibeamte in Hamborn beleidigt sein. Einige zwanzig Zeugen, darunter der Bürgermeister von Hamborn und eine Anzahl von Polizeibcamten waren zur Stelle. Zu Beginn der Verhandlung hielt der Vorsitzende. Landgericht Sdircktor Lehmann, dem Angeklagten Weber vor, er müsse doch ans seinen bisherigen Erfahrungen wissen, daß in Artikeln, wie dem vorliegenden, vieles übertrieben werde, daß von den angegebenen Tatsachen vieles nicht stimme und die ganze Darstellung durch die Parteibrille gesehen sei.— Weber antwortete darauf: Eine Darstellung des Vorgehens der Polizei gegen eine wehrlose Menge sei doch keine Parteiangelegenheit, es könne also nicht die Rede davon sein, daß die Angelegenheit durch die Parteibrille gesehen sei. Im übrigen müsse er doch darauf verweisen, daß einer Zeitungsredaktion nicht die Mittel zur Verfügung stehen, um festzustellen, ob alles, was im Blatte aufgenommen wird, bis auf das Tipfclchen über den, i stimme.— Nun erhob sich der E r st e Staatsanwalt Stein- brecht und behauptete mit Nachdruck, daß die Darstellung des Ar« tikels doch durch die Parteibrille gesehen sei. Zum Beweise seiner Anschauung wies der Erste Staatsanwalt auf die kritischen Be- mcrkungen über die Schneidigkeit der Polizei hin und meinle, daran sehe man doch, daß der Vorgang den Lesern vom Parteistandpunkt aus dargestellt worden sei. Landgerichtsdirektor Lehmann hielt hierauf eine längere Ansprache an den Angeklanten Weber und hielt ihm vor, daß dies und das und jenes sich doch ganz anders abgespielt habe, als wie es im Artikel dargestellt worden sei, die Polizei— das klang deutlich aus der Rede des Landgerichtsdirektors heraus— habe einwandfrei gehandelt.— Webers Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld, bemerkte hierzu: Was der Herr Vorsitzende eben vorgetragen habe, wisse er doch nur aus den Akten. Dem Angeklagten seien doch alle diese Dinge nicht bekannt gewesen, mau könne ihm also doch nicht vorwerfen, daß er diese Tatsachen bei der Veröffentlichung des Artikels nicht berücksichtigte.— Als Weber hierauf wieder das Wort erhielt, um auf die Vorhaltungen des Vorsitzenden zu ant- Worten, wollte er auch dem Staatsanwalt auf dessen Ausführungen von der Parteibrille etwas erwidern. Das untersagte ihm aber der Vorsitzende mit der Begründung, es solle Punkt für Punkt verhandelt werden. Bei diesem Punkt sei aber die Verhandlung noch nicht angelangt.— Rechtsanwalt Rosenfeld legte Verwahrung dagegen ei», daß der Vorsitzende den Angeklagten unterbreche. Der Staatsanwalt habe hier alle? mögliche vorgebracht, um Stimmung gegen den Angeklagten zu machen. Den Staatsanwalt habe der Vorsitzende nicht unterbrochen. Der Verteidiger dagegen sei schon mehrfach unterbrochen worden' und jetzt unterbreche der Borsitzende auch den Angeklagten, dem doch die Möglichkeit gegeben werden müsse, auf das zu antworten, was der Staatsauwalt gesagt hat.— Der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Lch- mann entgegnete: Gewiß soll dem Angeklagten diese Möglichkeit gegeben werden: aber es ist meine Sache zu bestimmen, wann das geschieht. Ich bitte, mich nicht immer zu unterbrechen.— Rechts- anwaltRosenfeld verwahrte sich dagegen, daß er de» Vorsitzenden unterbreche. Der Vorsitzende sei es ja. der ihn, den Verteidiger, und den Angeklagten fortwährend unterbreche. Damit war dieser für die VerhandlungSart ohne Parteibrille charakteristische Zwischenfall erledigt. Weber konnte nunmehr dem Staatsanwalt antworten, daß er, der Herr Erste Staatsanwalt, die Lehre der Sozialdemokratie nicht kenne, wenn er meinte, es sei ein Ausfluß der sozialdemo- kratischen Lehre, wenn das schneidige Vorgehen von preußischen Polizeibcamten gegen eine wehrlose Menge kritisiert wird. Solche Kritiken seien auch von den Blättern anderer Parteien geübt worden, als in Berlin die Säbelattackcn gegen friedliche Demonstranten und Arbeitslose stattfanden. In dem unter Anklage stehenden Artikel könne er. der Angeklagte, nichts Beleidigendes finden.— Erster Staatsanwalt Steinbrecht: Wegen eines gleichen Artikels sei doch der Redakteur der„Arbeiterzeitung" in Duisburg verurteilt worden.— Weber erwiderte: Das sei nicht der gleiche Artikel gewesen. In dem.Vorwärts"-Artikel fehlen alle beleidigenden Stellen des Duisburger Artikels.— Rechtsanwalt Rosen- feld beantragte nun, daß dieser Artikel, der sich bei den Akten be- findet, sowie das betreffende Urteil verlesen werde, und zwar so- gleich. Denn durch den Hinweis auf das den übrigen Prozeß- beteiligten nicht bekannte Urteil könne doch unbewußt Stimmung gegen den Angeklagten gemacht werden.— DaSGericht lehnte die sofortige Verlesung ab und behielt sich dieselbe für später vor. Nach diesem Vorgefecht um die Rechte dcS Angeklagte» und der Verteidigung begann die Vernehmung der Zeugen. Als erster wurde Bürgermeister S ch r e ck e r vernommen. Seiner Aussage zufolge hat die Ansammlung der vom Agenten Kühn düpierten Bergarbeiter morgens um 8 Uhr begonnen und während des ganzen TageS ge- währt. Auch viele Neugierige hatten sich außer den Bergleuten vor dem Bahnhofe angesammelt. Der Zeuge habe die Polizeibeamten angewiesen, sich den Leuten gegenüber, die ja nur durch die Schuld dcS Agenten in eine unangenehme Lage gekommen waren, recht nachsichtig und geduldig zu verhalten. Er selbst, habe auch verschiedene Versuche gemacht, die Leute zu beschwichtigen. Nach- dem seslstand. daß der Exirazug nicht abgelassen und der Agent das Fahrgeld nicht bezahlen würde, erklärte sich die Eisenbahn- vettvaltung bereit, jeden, der nach Oschersleben fahren wolle, zu dem ermäßigten Extrazugfahrpreise zu befördern. Einzelne machten von diesem Angebot Gebrauch. die meisten hatte» aber kein Fahrgeld. Sie verlangten, nach Oschersleben befördert zu iverden. Der Bürger- meister und sein Polizeiinspektor hätten alles mögliche versucht, um die Leute in Güte zum Fortgehen zu bewegen. Er habe nach Oschers- leben telegraphiert, aber von dort sei das Fahrgeld nicht bewilligt worden. Dann habe er bei den Direktionen der beiden Zechen in Neu- niühl angefragt, ob sie die Arbeiter, die nicht abreisen können, wieder in Arbeit nehmen und ihnen Wohnung geben würden. Die Direktionen hätten sich dazu bereit erklärt, denn es herrschte Mangel an Arbeitern. Das habe der Bürgermeister den Leuten ani Bahnhof mitgeteilt. Hier- durch möge bei de» Leuten die Auffassung entstanden sein, es liege eine Verabredung gegen sie vor, um sie an der Abreise zu hindern und zur Wiederaufnahme der Arbeit in Neumühl zu bewege». Die Mitteilungen des Bürgermeisters seien von den Leuten nicht beachtet worden, sie riefen nur immer, sie wollten abreisen. Schließlich habe der Bürgermeister den Leuten mitgeteilt, wer nicht abreisen wolle auf seine Kosten und auch in Neumühl nicht wieder ansangen wolle und infolgedessen kein Obdach für die Nacht habe, dem werde die Polizei Unterkunft besorgen. Aber trotzdem habe sich keiner vom Platze entfernt. Im Laufe des Nachmittags sei ein Eisenbahn- betriebsinspektor eingetroffen, der habe vom Bürgermeister verlangt, daß der Platz vor dem Bahnhofe geräumt werde, sonst müsse er, der Betriebsinspektor, sich über den Bürgermeister be- schweren.— Gegen 6 Uhr abends habe der Polizeiinkpektor die Aufforderung zum Verlassen des Platzes an die Menge gerichtet. Nach der zweiten Aufforderung hätten sich die meisten entfernt. Nur die Schreier und Krakeeler seien noch dageblieben. Die Polizei- beamten seien nun langsam gegen die Leute vorgegangen und hätten sie crmahnt, sich doch zu entfernen. Einer der Beamten sei von einem Manne angegriffen worden. Erst darauf hätten die Beamten, ohne daß ein Signal dazu gegeben wurde, die Säbel gezogen. Es seien dann noch einige Beamte angegriffen worden, aber der Widerstand der Menge sei bald gebrochen worden. Mehr als 40 uniformierte Beamte seien vor dem Bahnhof gewesen. Mit den Angaben des Bürgermeisters deckten sich die Aussagen des Polizeiinspektors Arnold, der auch bekundete, daß nicht nur die angegriffenen, sondern auch die anderen Polizeibeamten ihre Säbel zogen.— Die weitere Beweisaufnahme erstreckte sich auf eine Reihe von Einzelfällen beim Vorgehen der Polizei. Hier ergab sich dasselbe Bild, was sich gewöhnlich bei derartigen Gerichts- Verhandlungen zeigt. Die Polizeibeamte» behaupteten und beschworen ohne Ausnahme, daß sie die Angegriffenen gewesen seien und nur Angriffe abgewehrt hätten, aber nicht als Angreifer gegen das Publikum vorgegangen seien.— Anders lauteten dagegen die Aussagen derjenigen Zeugen, welche die Wucht der Polizeisäbel am eigenen Leibe schmerzhaft fühlen mußten. Einer dieser Zeugen ist der auch in unserem Artikel erwähnte Fuhrmann Abel. Er kam mit seinem Wagen nach dem Bahnhofe, um Sachen derjenigen Bergarbeiter abzuholen, die in Neumühl bleiben wollten. Abel wurde von den Beamten zurückgewiesen und als er trotzdem versuchte, zum Bahnhof zu gelangen, stießen ihn einige Polizei- beamte und schlugen mit den Säbeln auf ihn ein, wobei ihm die Hand, welche er zum Schutz vorhielt. durch einen Säbelhieb gespalten wurde. Abel hat auch, wie er angab, noch Hiebe bekommen, als er schon fortlief. Ein an dem Auflauf unbeteiligter Zeuge, der die Vorgänge von einer Schankwirtschaft aus beobachtet hat. gab an, die Menge stob schon nach allen Seiten auseinander, aber die Polizeibcamten verfolgten die Fliehenden mit gezogenen Säbeln. In einem Augen- blick war der Platz frei. Dann sei der Fuhrmann Abel gekommen und so behandelt worden, wie er selber es darstellte.— Nach den Aussagen der Polizeibeamten sollen nur zwei von ihnen mit Abel zu tun gehabt und nur einer derselben in Verteidigung ihn ge- schlagen haben.— Durch Aussage des Bürgermeisters wurde jedoch festgestellt, daß gleichzeitig fünf Beamte um Abel herum waren und ein anderer Zeuge hat gesehen, daß mindestens drei Beamte auf Abel einschlugen. Ein weiterer Zeuge bekundete, daß vier Beamte den Abel mit Säbeln schlugen.— Eine Zeugin, die sich nach der polizeilichen Aufforderung entfernte, hat von einem Hausflur aus gesehen, daß Fliehende, die an ihr vorbeieiltcn, von den verfolgenden Polizisten mit dem Säbel geschlagen wurden. An allen Ecken sah man Polizisten. Wenn sie jemanden bemerkten. der auf der Straße stand, dann wurde ihm zugerufen: „Was stehst Tu da!"— und gleich gab es Wichse, sagte die Zeugin. Jeder, der auf dem Wege war. wurde geschlagen. Ein anderer Zeuge gab an, ein Polizist habe ihm zugerufen:„Verfluchter Hund, willst T» gleich fortlaufen" und dann habe ihn der Polizst geschlagen.— Weiter wurde bekundet, daß ein Betrunkener, der bereits am Boden lag, von zwei Polizeibcamten mit dem Säbel geschlagen wurde.— Einmal war bei der Zeugenvernehmung auch die Rede davon, daß einige der an der Versammlung Beteiligten rote Mützen ge- tragen und besonders stark gelärmt hätten, nachdem sie der Schnaps- flasche zugesprochen hatte».— Der erste Staatsanwalt hielt es für notwendig, über Herkunft und Bedeutung der rote» Mützen ein besonderes Verhör zu veranlassen, er fragte auch einen Zeugen, der solche Mütze getragen hatte, ob er denn wisse, daß Rot die Farbe der Sozialdemokratie sei. Bei dem Verhör stellte sich alsbald heraus— daß die verdächtigen roten Mützen nichts anderes waren, als rotbraune Sportmützen mit weißem Stern. In seinem Plädoyer bezeichnete sie der Staatsanwalt als rote Narrenkappen. Bemerkenswert ist noch die Aussage eines Neumühler Zechenbeamtcn, weil sie eine Erklärung für die Stimmung gibt, von der die Menge vor dem Bahnhofe beherrscht war. Dieser Zechenbcamte und noch einige seiner Kollegen sind schon am frühen Morgen auf dem Bahnhofsplatz erschienen und haben die Arbc-iter unter Versprechungen zum Weiterarbeiten in Neumühl zu belvegcn versucht. Das geschah, ehe noch bekannt geworden war, daß der Extrazug nicht abgelassen werden würde. Hiernach ist es durchaus erklärlich, daß später, als es hieß, der Zug geht nicht ab, und als auch der Bürgermeister und die Polizeibcamten den Arbeitern sagten, sie könnten wieder in Neumühl arbeiten, die Menge an ein abgekartetes Spiel glaubte. Nach Schluß der Beweisaufnahme wurde allseitig auf die Ver- lesung des Duisburger Artikels und Urteils verzichtet. Erster Staatsanwalt Steinbrecht beantragte eine Gefängnis st rafe von sechs Wochen und führte zur Begründung des Antrages aus, der Artikel mache dem Bürgermeister von Hamborn den Vorwurf, er habe verkehrte und zweckwidrige Matznähmen gegen die angesammelte Menge angeordnet und den unteren Polizeibcamten werde der Vorwurf gemacht, sie seien ohne Grund mit dem Säbel gegen Wehrlose vorgegangen. Die Beweisaufnahme habe jedoch ergeben, daß die Beamten sich nur gegen Angriffe gewehrt haben. Dies Recht stehe jedem Bürger zu, also haben es auch die preußischen Polizei- beamten. Es sei für die Beamten im höchsten Grade beleidigend, wenn ihr Vorgehen in Parallele gestellt werde mit der Affäre in Breslau, wo nach der Darstellung des„Vorwärts" einem ganz unbeteiligten Manne die Hand abgehauen sei. Rechtsanwalt Dr. Rosenfcld beantragte die Freisprechung des Augeklagten. Er berief sich darauf, daß die Vorgänge am Bahnhofe in dem Artikel nicht «Mrs. dargestellt tssabm lmdt alii tpieiie duich dtp heuLi&e Beweiserhebung festgestellt wurden. Der Bürger. mcister sei nicht angegriffen oder beleidigt worden. Der Artikel erkenne vielmehr an, daß sich der Bürgermeister die größte Mühe gab, um die durch den Agenten schmählich betrogenen Leute zu be- ruhigen und nach Möglichkeit für sie zu sorgen. Am besten wäre es gewesen, die Leute ruhig dort zu lassen, wo sie waren, sie würden sich mit der Zeit schon von selbst entfernt haben. Diese ganz ver- nünftige Maßnahme würde der Bürgermeister auch wohl getroffen haben, wenn nicht der Eisenbahninspektor dazwischen gekommen wäre und l— wie der Staatsanwalt sagte— einen wohltätigen Druck auf den Bürgermeister ausübte, um diesen zur Entfernung der Leute zu bewegen. Im übrigen sei das Verhalten der Polizeibeamten durchaus nicht einwandfrei ge» wesen, sie seien, wie die Beweisaufnahme ergeben habe, nickst korrekt vorgegangen. Ohne Bcfchl und ohne Veranlassung hätten sie die Säbel gezogen und seien damit vorgegangen gegen eine wehr- lose Menge und gegen den am Auflauf unbeteiligten Abel. Mehr werde im Artikel nicht behauptet, und das alles sei erwiesen. Aus diesem Grunde und auch, weil ihm der Schutz der§ 193 zur Seite stehe, müsse der Angeklagte freigesprochen werden. Der Angeklagte Weber betonte in seinem Schlußwort, er würde nach dem Ergebnis der heutigen Verhandlung den Artikel ohne jede Acn- derung aufnehmen und vertreten, da nichts von den tatsächlichen Angaben desselben widerlegt worden sei. Auf der Anklagebank müßte eigentlich der ge- wissenlose Agent sitzen, der einige hundert Arbeiter ins Elend trieb und dadurch auch alles verschuldete, was sich infolgedessen ereignete. DaS Urteil lautete auf einen Monat Gefängnis. In der Begründung sagte der Vorsitzende: Den höheren Polizeibcamten mache der Artikel den Vorwurf, sie hätten ohne Grund die Räumung des Platzes angeordnet und den unteren Beamten werde vorgeworfen, sie seien ohne Grund auf die Menge vorgegangen. Es werde auch a n g e- deutet, die Polizei habe sich in den Dienst der Zechenverwaltung gestellt und da sie nicht erreichte, was sie im Interesse der Zeche erreichen wollte, so sei auf die wehrlose Menge losgeschlagen wor- den. Das alles entspreche nicht den Tatsachen, sondern das Gegen- teil sei erwiesen. Namentlich sei auch der Vorgang mit Abel in ge- hässiger Weise entstellt. Keine Zeuge habe angeben können, daß jemand ohne Grund von den Polizeibcamten geschlagen wurde. Dagegen hätten die Zeugen, die man für zuverlässig halten könne. bekundet, daß, wo die Beamten den Säbel gebrauchten, auch ein ausreichender Grund dazu vorlag. Der Schutz des§ 193 könne dem Angeklagten nicht zugebilligt werden. »* • Verurteilt ist danach in erster Instanz unser Genosse, gerichtet aber das System gewissenloser Zechenmagnaten, das ausländische Arbeiter nach Deutschland lockt und dann ins Elend bringt. Nicht minder gerichtet ist das Polizeishstem: da§ Ergebnis der Beweisaufnahme hat unsere Darstellung bis aufs Tipfelchen über dem i bestätigt. Kein aus Männern des Volks vom Volk gewähltes Gericht hätte ein Schuldig ausgesprochen. Die Berufsrichter haben auch durch die Art und Höhe der Strafe gezeigt, daß sie sich der Ungerechtigkeit ihres Spruchs nicht bewußt sind. Das wird insbesondere nach der Art der Leitung der Verhandlung niemand überraschen. Wenn zum Himmel schreiende Mißstände wie die in der Verhandlung klargestellte» durch Bestrafung derer, die diese Mißstände bekämpfen, aus der Welt ge- schafft werden könnten, so käme solch harten und ungerechten Urteilen wie dem gefällten ein Verdienst zu. So lange aber die Tatsachen und die Logik nicht auf den Kopf gestellt werden. wird man dem Gericht nur das Verdienst zubilligen können. daß eS Tausenden die Augen darüber öffnet, daß in Preußen Justiz und Gerechtigkeit verschiedene Begriffe sind. Die Richter haben nach bestem Gewissen geurteilt— sie konnten nicht gerecht urteilen, weil wie auch die Art der Verhandlung, insbesondere die außerordentliche Erschwerung der Verteidigung durch den Vor- sitzenden, zeigte, sie befangen, so befangen find, daß ihnen das Bewußtsein ihrer Befangenheit und Voreingenommenheit völlig fehlt. Schade, daß eine phonographisch getreue Wiedergabe der Verhandlung unmöglich ist. las Förfterdrarna vorn Mggeliee. Gestern fand zunächst am Tatort selbst ein Lokaltermin statt. Das Gericht, die Geschworenen, der von zwei Sicherheitsbeamten geleitete Angeklagte, der Verteidiger und der Staatsanwalt trafen gegen 8 Uhr morgens auf der Station Rahnsdorf ein. Nach einem kurzen Marsch durch den Kiefernhochwald kommt man an das Wirtshaus.P a r a d i e L g a r t e n". Schwurgericht im Walde. Der Vorsitzende des Gerichts, Landgerichtsdirektor Schneider, hat.mit den beiden Beisitzern und dem Gcrichtsschrciber an einem Gartcntisch Platz genommen und stellt fest, daß die sämtlichen Herren Geschworenen zur Stelle sind. In einiger Entfernung steht der Angeklagte Schwarzenstein mit seinem Verteidiger Dr. Schwindt in eifriger Unterhaltung. In der Gaststube des freundlichen Wirtshauses steht noch der Tisch und das rote Plüsch- sofa, auf dem der Erschossene am Mordabcnde noch den letzten Skat in seinem Leben gespielt hat. Mit Wehmut nehmen die beiden Zeugen, die damals seine Partner waren, wieder an diesem Tische Platz. Bald nachdem der Angeklagte eingetroffen war, setzt sich der Zug in Bewegung. Von dem Restaurant bis zur Mordstelle ist nur ein Weg von wenigen Minuten. Hier angekommen, beginnt der Vorsitzende in ruhiger sachlicher Weise nochmals kurz die ein- zelnen Moinentc der Tat, wie sie sich bisher ergeben haben, vorzu- tragen. Der Busch, hinter dem der Täter gestanden hatte, als er den Schuh abgab, wird zum Gegenstand allgemeinen Interesses und allerlei Versuche werden angestellt. Die Stelle, an der die Leiche des Försters aufgefunden worden war, ist zurzeit nur durch einen Haufen Feldsteine kenntlich gemacht. An einer anderen Stelle macht der Kriminalkommissar davon Mitteilung, daß hier Willi Schwarzenstein gestanden hatte, als ihn der Polizeihund „Nixe" in auffallender Weise beschnüffelte. Wieder ein Stück weiter, am kleinen zum Forsthause gehörenden Kartoffelacker, waren die Fußspuren aufgefunden, die nach Behauptung der Anklage, von dem Angeklagten herrühren sollen. Noch eine kleine Strecke und aus dem dichten Waldesgrün taucht das freundliche Försterhäuschen auf. Vor dem Tor bat der jetzige Bewohner, der Förster Kant. Posta gefaßt. Ein typischer märkischer Försterhof. der sich vor den Blicken der Angekommenen auftut. Ein aus gelben Backsteinen er- bautes Haus, die schilfbedeckte Scheune, die Ställe mit den wohl- genährten Kühen, auf dem Hof allerlei Ackergeräte, das ist der Ort, wo der ermordete Förster Schwarzenstein gelebt bat. Dicht an den Drahtzaun gedrängt, steht eine hundertköpfige Menschenmenge, die gespannt der Dinge warten, die da kommen sollen. Die wichtigsten Verhandlungen spielen sich im Innern beS Hauses ab. Die Flinte des jungen Schwarzenstein, die unter' so ver. dächtigen Umständen erst verschwunden und dann von ihm selbst wiedergefunden war, spielt die Hauptrolle. Der Angeklagte bleibt tlgch wie vor bei der Angäbe, döß er die Flinte hinter den an der Wand hängenden Sachen aufgefunden habe. Die Beugen er flären in seiner Gegenwart, daß dies unmöglich sei. Es werden dann Versuche angestellt, ob der Angeklagte nicht durch das wütende Bellen des Hundes fagt haben:" Der Angeklagte habe einmal sich dahin geredet habent, sie habe ihren Mann ins Grab gefpudt. Ferner geäußert, daß er dem Vater auch noch einmal läßt sich der Verteidiger durch die Zeugin bestätigen, daß sie die ein paar blaue Bohnen Haustür des Försterhauses oft offenstehend gefunden habe. Bei der nun folgenden Vernehmung der Angehörigen des Ermordeten entwickeln sich wiederholt höchst dramatische Szenen. Die jetzt dreizehnjährige Ella Schwarzenstein geben werde." Dieser Rölte ist nicht auffindbar. Angekt.: Jch in der Mordnacht geweckt werden mußte und ob der feste Schlaf bestreite, mit dem Rölte mich in Gespräche eingelassen zu haben. etiva fimuliert war. Ein kleiner Tedel sorgte in ausreichender Nölfe war ein Kuhhirt und ist von dem Förster zweimal weggejagt Weife dafür, daß die im Zimmer des Angeklagten stehenden Herten worden. Präs.: Dieser nicht mehr auffindbare Rölfe ist der zu der Ueberzeugung kommen, daß Schwarzenstein hätte aufwachen Hauptbelastungszeuge gegen den Angeklagten in dem Verfahren wegen Wilddieberei. Angetl.: Rölte war ein oft betrunkener Mann. Amtsrichter Maß, der den Rölte in dem genannten Verfahren vernommen hat, erklärt hierzu, daß Nölke den Eindrud eines quaffeligen Menschen gemacht habe. müssen. Angestellte Schließversuche ergeben, daß die Tür zum Schlafzimmer des Angeklagten bei Anwendung einiger Vorsicht sich geräuschlos öffnen und schließen läßt. Der Gerichtshof tritt im Freien zusammen und beeidet den Förster Kant. Der Förster bekundete, daß er an den Schlössern feine Aenderungen borgenommen hat. Der Angeklagte gibt noch mit flarer und fester Stimme Auskunft über einige Fragen der Prozeßbeteiligten. Dann ist die Handlung geschlossen. Der Angeflagte wird wieder von den Beamten in die Mitte genommen, die übtigen entfernen sich, lebhaft über das Gesehene konversierend. Der Försterhof liegt schon nach wenigen Minuten wieder in seiner traulichen, ländlichen Ginsamkeit. Zm Gerichtssaal. Um 2 Uhr nachmittags wird dann die Verhandlung im Saale des Schwurgerichts fortgesetzt. Der Vorsisende richtet an den Angeklagten die Frage, ob er mit Rücksicht auf die an Ort und Stelle erfolgten Beugenausfagen nicht zu geben wolle, sein zuerst vermißtes Gewehr nach träglich in die mehrfach erwähnte Ede gestellt zu haben. Angefl.: Wenn es der Fall wäre, würde ich es sagen, es ist aber nicht wahr. Präs.: Dann müssen Sie aber auch die Folgen tragen, die daraus gezogen werden können. Beweisanträge. Ein Geschworener erklärt es namens der Geschworenenvant für wünschenswert, falls nicht feelsorgerische Bedenken entgegenstehen, den Anstaltsgeistlichen über die Aeußerungen zu hören, die dieser nach Angabe des Angeklagten über des letzteren Unschuld gemacht haben soll. Ferner wünschen die Geschworenen gegangen ist. Es werden alsdann einige Zeugen bernommen, von denen sich der Angeklagte unter der falschen Vorspiegelung Geld geliehen hat, daß es für seinen Vater sei. Zwei dieser Zeugen bekunden, daß sie den Angeklagten nicht gedrängt oder um Wiedergabe des Geldes gemahnt hätten. Ein Zeuge Fischer bekundet u. a., daß der Angeklagte ihm gefagt habe, er sei so aufgregt, daß er nicht schlafen könne. Der Angeklagte bestreitet dies. Er schlafe stets sehr gut. ficht tief in ihr tränenfeuchtes Taschentuch und konvulsivische Zudun betritt unter Schluchzen und Weinen den Saal. Sie gräbt ihr Gegen durchlaufen den zarten Mädchenkörper. Vorsitzender: Du bist Ella Schwarzenstein, nicht wahr? Es ist für Dich ja sehr schwer, die Fassung zu bewahren, aber nimm Dich, soweit Du fannst, zu fammen. Ella Schwarzenstein erzählt nun unter heftigem Weiner, daß Willy Schwarzenstein gegen 47 Uhr abends nach Hause gee kommen sei und Abendbrot gegessen habe. Gegen 10 Uhr wären Willy noch einmal heruntergekommen und die Küche gegangen sei. sie schlafen gegangen. Nach wenigen Minuten habe sie gehört, wie Sie habe hier die Brotmaschine quietschen hören, so daß sie ans nahm, Willy schneide sich noch eine Stulle ab. Der Vater sei sehr streng gewesen und habe öfter geschimpft, er war dann aber gleich wieder gut. Frau Mathilde Schwarzenstein, Sier im Untersuchungsgefängnis selbst schlafe er täglich zehn die Ehefrau des Ermordeten, betritt hierauf, in tiefes Schwarz Stunden. Präsident: Na, das zeugt nicht von Aufgeregtheit. gekleidet, den Saal. Vorsitzender: Frau Schwarzenstein, Sie Sie berbüßen ja wohl Jhre Strafe in der Untersuchungshaft und haben das Recht, Ihre Aussage zu verweigern. Sie müssen sich müssen arbeiten. Was arbeiten Sie denn? Angeklagter: Jch allerdings in einem Zwiespalt Ihrer Gefühle befinden, Sie haben muß Tüten drehen. Ein Zeuge Otto, der mit dem Angeklagten den Mann verloren, Ihr Sohn steht auf der Anklagebant. Wollen bekannt war, und dessen Passion" es ist, den Charakter der Sie unter diesen Umständen aussagen? Frau Schwarzenstein Menschen zu studieren, erklärt u. a., daß der Angeklagte weich( heftig schluchzend): Ich will aussagen, ich will die reine Wahrheit herzig veranlagt ist und er ihn nimmermehr einer so furchtbaren iagen. Auf Fragen des Vorsitzenden erklärt die Zeugin folgendes: Tat für fähig halte. Restaurateur Rudolf schildert den Ange Sie sei mit ihrem Manne seit 1879 berheiratet gewesen. Seit 1904 flagten als einen angenehmen Menschen, der bei allen beliebt war. habe ihr Mann die Försterei Müggelsee inne gehabt. Diese Stellung Der Vater sei streng gegen ihn gewesen, wie auch gegen die anderen sei sehr einträglich gewesen, so daß sie aus dem Ertrage der Wirt Kinder. Ein intimes Verhältnis habe zwischen dem Angeklagten schaft die gesamten häuslichen Ausgaben bestreiten konnte. Ihr und dem Vater nicht obgewaltet. Der Förster sei streng und barsch, Mann habe sein ganzes Gehalt für sich verwendet, Ersparnisse aber nicht nachtragend, gewesen. Der Angeklagte sei gutmütig, habe er trotzdem nicht gemacht, denn sie habe nur 300 M. im Nachfreundlich und gefällig. Rechtsanwalt Dr. Schwindt: lasse gefunden. Die Zeugin behauptet, mit ihrem Mann nicht unglücklich gelebt zu haben, auch will fic, wie ihre Tochter Ella, an jenem Abend die Brotmaschine habe knarren hören. Als sie dann 1 Hält der Zeuge den Angeklagten eines Vatermordes fähig? Beuge: Wir alle die wir ihn kennen, glauben nicht, daß er seinen Bater erschossen hat.- Blättereibejißer Otto, der nächste Beuge, hat freundschaftlich in der Familie des Försters verkehrt, und läßt sich ausführlich über das dort herrschende Familienleben eine genaue Feststellung, wann in der Mordnacht der Mond auf Staatsanwaltschaftsrat Schmidt: Ich habe auch ein großes Interesse daran, daß der Anstaltsgeistliche ganz genau die Worte wiedergibt, die er angeblich an den Angeklagten gerichtet haben soll. Ich glaube nicht, daß der Herr die Worte so gebraucht aus. Speziell wird er befragt, ob es wahr sei, daß eines Tages haben soll, wie der Angeklagte behauptet. R.-A. Dr. Schwindt die Ella Schwarzenstein heulend aus dem Keller gestürzt gekommen beantragt, auch den Geistlichen zu vernehmen, der dem Angeklagten sei und geschrien habe:" Ernst( Mehlisch) blutet schon, Bater schlägt zwei Jahre Konfirmationsunterricht gegeben und ihn eingesegnet ihn noch tot!" Darauf soll, wie der Zeuge bestätigen soll, der Anhat. Dieser werde die beste Auskunft über seinen Charakter geben geklagte sehr erregt gewesen sein, einen Revolver ergriffen und fönnen. Präs.: Seit der Einsegnung sind doch sechs Jahre ver- bie Abficht gehabt haben, seinem Vater entgegenzutreten, der Zeuge gangen. Ist denn der Pastor in der Lage gewesen, den Angeklagten soll ihm aber zugeredet haben, vernünftig zu sein. Der Zeuge feitdem wieder zu beobachten? Angeff.: Er hat mich einmal ge- schildert den Vorgang in einer Weise, die für den Angeklagten nicht fchen. Präs.: Wenn er Sie sechs Jahre nicht gesehen, dann kann belastend ist. Ein Geschworener: Wir wünschten von dem der Herr Prediger am Ende auch nichts über Ihren Charakter Beugen zu wissen ob der Förster auch den Angeklagten berprügelt fagen. Daß Sie sich sehr verstellen können, beweist doch schon die hat? Zeuge: In meiner Gegenwart niemals. Rechtsanwalt Tatsache, daß Sie Ihre Eltern so, start getäuscht haben. R.-A. Dr. Schwindt: Der Angeklagte gibt ohne weiteres zu, daß er als Dr. Schwindt: Der Angeklagte ist jest 20 Jahre. Er wird doch Junge von seinem Vater hier und da wohl mal eine Ohrfeige bes nicht in sechs Jahren in solchen Grad der Verworfenheit und des kommen hat, wie das nicht so ungewöhnlich ist. In den letzten zwei Verbrechertums hineingestrebt haben, daß er nun des schwersten Jahren ist er aber vom Vater niemals mehr geschlagen worden. Verbrechens, das es gibt, nämlich des Batermordes, fähig wäre. Der Zeuge Gastwirt Graf, bei dem der Förster Schwarzenstein ( Der Angeklagte schluchzt bei diesen Worten.) Daß der Angeklagte am Abend wenige Stunden vor dem Morde noch verfehrt hat, beaus Furcht vor Strafe seine Eltern mehrfach beschwindelt hat, ist stätigt dem Verteidiger, daß etwa um 7% Uhr im Lokal ein gewiß nicht schön. Es wird dies aber hier so oft hervorgehoben, als Mann von etwa 27 Jahren ob man diese kleinen Verfehlungen gewissermaßen als Vorstufe zum bemerkt worden ist, der einen eigentümlichen Eindruck machte. Batermorde betrachten könne. Demgegenüber liegt es doch im Interesse des Angeklagten, wenn ein hochangesehener Geistlicher Rechtsanwalt, Dr. Schwindt beantragt die Ladung eines Beugen, feine Kenntnis von dem Charakter des Angeklagten hier borträgt. bem Fenster feines Hauses aus zwei Männer rasch weglaufen ge der in der Mordnacht Schüsse gehört und unmittelbar danach von Staatsanwaltschaftsrat Schmidt: Es wäre natürlich töricht, aussehen habe. Sitiminalkommissar Leonhardt beinerft hierzu: Gr den Schwindeleien des Angeklagten zu folgern, daß er nun auch habe seinerzeit nach dieser Sache recherchiert. Der Mann habe ich Ses Batermordes fähig sei. Die Schwindeleien des Angeklagten müssen aber doch große Bedenken gegen beffen Wahrheitss damals nicht, auf ficiem Fuß befunden, sondern nur mit der Frau Liebe erregen. R- A. Dr. Schwindt beantragt ferner, einen gesprochen. Diese habe aber selbst gesagt, ihr Mann wolle fich bloß Mann zu laden, deffen Schwiegervater ein gewisser Betusch at Beugengebühren verdienen, und sei absolut unglaubwürdig. ist, der wegen Altersschwäche jetzt in einer Anstalt sich befindet. Es folgen dann mehrere Zeugen, die über das Dieser Betuschak habe einmal seinem Schwiegersohn erzählt, er tenne einen gewissen Rolos in Friedrichshagen. Letterer sei schon wegen Wilddieberei bestraft und habe einmal dahin sich geäußert:„ er wolle dem Förster auch noch einmal eine Bohne in den Leib jagen." Forstmeister Kottmeier bemerkt hierzu auf Be fragen, daß in Friedrichshagen wirklich ein Roloß eristiert, der ein mal wegen Wilddieberei bestraft ist. Was den Betuschaf betrifft, so ist dieser nicht sehr glaubwürdig, denn er ist, wie festgestellt wird, schon wegen Meineides bestraft und jetzt im Irrenhause. Der Berteidiger beantragt ferner, den Töpfer Schwahn, Vorfizenden des Kriegervereins zu Rahnsdorf, darüber zu vernehmen, daß zur Zeit, als Vorbereitungen zu einem Festspiel zu Kaisers Geburtstag getroffen wurden, wobei Willi einen Leutnant darzustellen hatte, der Förster sich sehr anerkennend über seinen Sohn ausgesprochen hatte. Das Gericht behält sich die Beschlußfassung über die Anträge vor. Fortjehung der Beweisaufnahme. Der nächste Zeuge, Invalide Steintopf. hat auf dem Försterhof gearbeitet und tennt auch den Knecht Mehlisch. Dieser sei oft schlecht behandelt worden bon dem Förster, auch noch am Tage vor dessen Tode. Der Zorn sei aber bei dem Förster immer wieder bald berraucht gewesen. Einmal habe die Frau Förster ihm geklagt, daß ihr Ehemann, wenn sie ausging, ihr mehrmals gesagt habe:" Du fährst wohl wieder auf die Friedrichstraße?" Auf die Frage der Frau Förster, was denn das eigentlich heiße, habe er geantwortet:„ Na, das ist ein altes Sprichwort!" Da habe die Frau Förster gemerkt, was damit gemeint sei und habe geweint. Nach weiterer Bekundung des Zeugen soll ein gewisser Rölte einmal geFür den Inhalt der Inserate übernimmt die Rebattion dem Publitum gegenüber teinerlei Berantwortung. Theater. Mittwoch, den 24. Junt Anfang 8 Uhr. Deutsches. Die Brettlgräfin. Rammerspiele. Gelbstern. Leffing. Der Naub der Sabinerinnen. Luifen. Dir wie mir. Die Stimme des Blutes. Trianon. Frau Baronin. Bernhard Rose. Im Haufe der Sünde. Wietropol. Das muß man seh'n. Apollo. Die füßen Grifetten. Spe zialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Paffage. Berlin in Stimmung Spezialitäten. Carl Saverland. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Hrania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. weiter erklärt, fie sei an dem Mordabend, als im Hauſe alles schlief, nochmals aus dem Hause gegangen, um nach ihrem Manne zu sehen, entsteht allgemeine Bewegung im Saale. Vorsitzender: Aber davon haben Sie bisher trob Ihrer wiederholten Bernehmungen niemals auch nur das geringste gesagt! Beugin: Selbstredend habe ich bas immer gesagt. Ich habe immer gesagt, daß ich um 11 Uhr noch einmal die Schlüffel vom Fensterbrett genommen habe und die Haustür aufgeschloffen habe, Ich selbst habe auch die Schlüssel stecken lassen. ( Bewegung.) Borsibender: Es ist doch aber zum mindesten höchst sonderbar, daß Sie nie mit dieser doch für das Schicksal Ihres Sohnes höchst wichtigen Angabe hervorgetreten sind. Es stand doch in allen Zeitungen, daß sich die Anklage hauptsächlich auf die offene Haustür stüßt. Beugin: Ich habe diese Angabe doch gemacht. Amtsrichter Dr. Map: Wenn die Zeugin dies in Ihrer Vernehmung auch nur andeutungsweise gefagt hätte, so märe ich doch auf diesen immens wichtigen Punkt näher eingegangen. Die Vernehmung ist sehr sorgfältig vorgenommen und Sauerte über 2 Stunden. Auf eine Frage des Beisizers Landgerichtsrat Stölting erklärt die Zeugin weiter, daß sie gegen 12 Uhr eingeschlafen sei. Von den Schüffen habe sie nichts gehört. Staatsanwaltsrat Schmidt: Hat Ihr Sohn schon am Abend vorher von Schmerzen im Fuß gesprochen? Zeugin: Jawohl.c hielt früher große Stüde auf ihn. Die Beugin erklärt schließlich Dr. Schwindt: Hieß es denn nicht immer, daß Willi der Lieblingssohn Ihres Mannes sei? Zeugin: Jawohl, mein Mann noch, daß fie der Ansicht sei, daß ein Wilderer ihren Mann erfchoffen habe. Die beiden Brüber bes Angeklagten, ber Sittsföefter Emil S. und ber Bootsmannsmaat Otto S., befunden, daß sie ihrem Bruder die Tat teinesfalls zutrauen und sie auch nachher nicht das ge= ringste Auffällige bemerkt hätten. Ihre sonstigen Bekundungen entbehren jeglichen Interesses. leber die Gewehrfrage läßt sich der Polizeianwärter Krendel, der bei den Recherchen den Kriminalkommissar Leonhardt unterstützt hatte, bahin aus, daß aus dem Gewehr kurze Zeit vor dem 23. Januar geschossen sein müsse. Berhältnis zwischen den Eheleuten Schwarzenstein befragt werden. Verschiedene dieser Zeugen schildern, daß das Verhältnis zwischen den Eheleuten nicht sehr gut war, sondern eine gewisse Spannung zwischen ihnen obwaltete. Ginige Unstimmig feiten sollen wegen der Verwaltung der Erbschaft, die der Frau Förster zugefallen war, geherrscht und sich bemerkbar gemacht haben. Auch das Verhältnis zwischen Vater und Sohn soll nach der Ansicht einiger Zeugen nicht das beste gewesen sein. Der Willy Schwarzen stein habe sich immer als der noble Mann aufgespielt und sei wegen Oberwachtmeister Heister bezeugt: Es sei ausgeschlossen, daß feines etwas arroganten Auftretens im Dorf vielfach spöttisch„ der das Gewehr des Angeklagten, welches ursprünglich nicht zur Stelle Herr Forstrat" genannt worden. Ein Zeuge weiß, daß der Vater war, an der Stelle gestanden haben könne, wo es der Angeklagte fich sehr mißliebig über feinen Sohn ausgelassen und oft darüber borgefunden haben wollte. Er habe nach dem Gewehr gesucht, jedes geklagt habe, daß der Sohn sehr leichtsinnig sei und ihm viel Aerger Kleidungsstück beiseite geschoben und hoch gehoben, aber kein Gebereitet habe. Eine Frau Mewes sagte aus, daß das Verhältnis wehr gefunden. Die Verwechselung des Försters mit einem Stüd zwischen den Eheleuten Schwarzenstein nicht sehr glücklich gewesen Bild sei ausgeschlossen. Der Zeuge hat auch die Insassen des sei. Der Mann habe auf die Frau geschimpft und die Frau auf Försterhauses danach gefragt, ob jemand noch aus dem Hause ges den Mann. Bei einem Vorfall habe der Förster den Sohn im gangen sei, nachdem der Knecht Mehlisch die Tür verschlossen habe; Jahre 1907 geschlagen. Willy sei darüber sehr empört gewesen, es wollte aber niemand nach draußen gegangen sein. so daß er einen Revolver verlangte und sich das Leben nehmen Einige weitere Zeugen, darunter ein junges Mädchen, welches wollte. Der Förster habe der Zeugin nachher gesagt, sie sollte sich mit dem Angeklagten im Liebesverhältnis steht, sind ohne Be gar nicht aufregen, with habe schon lange etwas auf dem Kerbholz. deutung. Die Frau ist eifersüchtig gewesen und sagte: ihr Mann tränke und halte es mit den Weibern. Die Beugin betundet noch weiter: Die Frau Försterin babe braußen zu Zeugen in bezug auf diese Gerichtsverhandlung gesagt: Sie fönnen uns alle den Buckel lang ruffchen, uns tann tein Mensch etwas!- Rechtsanwalt Dr. Schwindt: Das hatte vielleicht Bezug darauf, daß andere Frauen der Frau nachKleines Theater. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Donnerstag: 2 mal 2= 5, Freitag: 2 mal 2= 5. Sonnabend: 2 mal 2 Sonntag: 2 mal 2= 5. 5. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Ein Walzertraum. Operette von Dstar. Strauß.. Sommerpreise. Abends 8 Uhr: Die blaue Maus. Neues Operetten- Theater Schiffbauerdamm 25, an der Luisenstr. Sommerpreise. Anfang 8 Uhr: Der Mann mit den brei Frauen. Metropol- Theater Friedrich- Wilhelmstädtisches Das Bum 277. Male: Die Sachverständigen Medizinalrat Dr. Pfleger und Gerichts arzt Dr. Marg haben, die Obduktion der Leiche des Försters Schwarzenstein borgenommen und bekunden ihre Befunde. Danach war der erste Schuß, der in die Leine des Ermordeten ging, nicht tödlich, dagegen der zweite Schuß, der aus nicht weiter Entfernung Nach Vernehmung noch einiger Zeugen wird die Sigung nach 8 Uhr auf Mittivoch 9% Uhr vertagt. abgegeben sein muß. Luisen- Theater. Reichenberger Straße 34. Abends 8 Uhr: Dir wie mir. Hierauf: Die Stimme des Blutes. Donnerstag bis Montag: Dir wole mir. Hierauf: Die Stimme des Blutes. Sonntag nachmittag zum letzten Male: Im Goldland. man. Seh'n Volksgarten- Theater Neues. Nächte im Hampton Stub. Berliner Theater. supr. Schauspielhaus. 8 Revue in 12 Bildern m. Ges. und Tanz. Nenes Schauspielhaus. Die Gaftspiel des Neuen Schauspielhauses. Schöps. Dollarprinzessin. Kleines. 2X2= 5. 8 Uhr. Direktion: Alfred Halm. Raffles. 8 Uhr. Komische Oper. Die Fledermaus. Luftspielhaus. Die blaue Maus. Berliner. Raffles. Schiller 0.( Ballner Theater.) Der Waffenschmied. Schiller Charlottenburg. Opferlamm. Das Friedrich Wilhelmstädt. Schau: # Fröbels Allerlei- Theater. 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Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u, Berlog: Borwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 145. 25. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Mittwod, 24. Juni 1908. Partei- Angelegenheiten. Rigdarf. Die Genossen und Genoffinnen, welche Bücher aus der Bibliothek entliehen haben, werden gebeten, dieselben wegen der am 1. Juli stattfindenden Inventur möglichst bald zurückzugeben. Berliner Nachrichten. laffen: Denkmalsfrage in Nord- und Süoorutschland. unrecht haben. Aber es ist eben ein höchst trauriger Zustand, daß einmal der Fiskus auf seinem Gelände Wohnhäuser mit Aus solche schematische Behandlung bei uns einreißen konnte. Während gängen nach dem Markgrafendamm errichten will. Bis dahin wird man in vielen städtischen Ressorts schon auf individuelle Anschau- die Regulierung des Markgrafendammes immer noch keine völlige sein. ung der Verhältnisse hohen Wert legt, ist gerade die Armenverwal- Das fistalische Grundstüd ragt noch ein wenig in das Straßenland tung am rüdständigsten geblieben. Erst seit einigen Jahren hat binein, so daß hier die Bordschwelle, um dem Bürgersteig die notwendige Breite geben zu können, einstweilen in den Damm hinein vor man sich, dem Drängen der öffentlichen Meinung folgend, langsam geschoben werden muß. Der Magistrat hofft, daß den vielfachen selagen zu der Ansicht bequemt, daß moderne Reformen hier dringend am der Bewohner von Berlin- Ost über die bisherige Blaze find. Nichts ist bedenklicher im Armenwesen, als die Armut unwegsamteit des Martgrafendammes mit seiner schematisch zu behandeln. Auf diesem verhängnisvollen Fehler Regulierung ein Ende bereitet sein werde. Not tat's längst. basieren die meisten Anklagen, welche seit Jahr und Tag gegen unsere Armenverwaltung erhoben worden sind. Hoffentlich macht Zur Abstimmung über den Achtuhr- Ladenschluß. auch vorliegend Herr Dr. Straßmann, der Dezernent des Kranken- Unsere Leser sind unterrichtet über das Schicksal des preisVon den verschiedensten Seiten gehen uns Mitteilungen und Irrenpflegewesens, wieder gut, was der Wissenschaftler im gekrönten Virchow- Denkmals. Bekanntlich scheitert die Aufstellung zu, nach denen bei Juhabern offener Ladengeschäfte Personen Ressort des ersten Mannes an der städtischen Armensprize nach des Denkmals auf dem Karlsplatz daran, daß der Kaiser hierzu ſeine erschienen sind, um die Abstimmungskarten in Empfang zu Schema F. übers Knie bricht. Genehmigung verjagt hat, weil ihm die Ausführung des Denkmals nehmen. nicht nach seinem Geschmack ist. In Süddeutschland wird nach dieser Da nach einer Bekanntmachung des Polizeipräsidenten die Ladeninhaber ihre Abstimmung für oder gegen Ueber die Verwaltung des städtischen Friedhofes in Friedrichsfelde Richtung hin anders verfahren und zwar direkt entgegengesezt, wie den Achtuhr- Ladenschluß bei dem Vorsteher oder dessen Stell- werden uns in letzter Beit Slagen vorgetragen, die die Amtsführung aus folgender Meldung der Frankfurter Zeitung" ersichtlich ist. bertreter des für das Geschäft zuständigen Polizeireviers des Verwalters bezw. seines Stellvertreters da draußen in ein recht Der Karlsruher Magiftrat hat nachstehende Bekanntmachung erschriftlich oder zu Protokoll erflären sollten, tauchte der Ver- sonderbares Licht rücken. Eine uns zugegangene Zuschrift lautet: Die Generalintendanz der Großherzoglichen Zivilliste teilt mit, dacht auf, daß es sich bei dem Einholen dieser Karten durch Am 19. Juni besuchte ich den Zentralfriedhof in Friedrichsfelde. der Großherzog lasse den Stadtrat einladen, den von Herrn fremde Personen um einen Trick der Gegner des Achtuhr- In meiner Begleitung befanden sich meine Schwägerin und meine Prof. Fridolin Dietsche nunmehr fertiggestellten Entwurf des ge Ladenschlusses handele. Wie uns nach neuerlichen Er- beiden Kinder im Alter von fünf und sieben Jahren. Wir planten Karl- Wilhelm- Denkmals in Augenschein zu nehmen und sich kundigungen mitgeteilt wird, haben einige Unterkommissare haben nahe Verwandte auf dem Friedhofe zu liegen. Nachdem dann zu äußern, ob er geeignet zur Ausführung erohne Kenntnis des Polizeipräsidenten zu dieser Art wir deren Gräber besucht hatten, wollten wir auch gleich der achtet werde. Um auch der Bürgerfchaft Gelegenheit zu der Einholung der Karten durch den Ausschuß Ausschuß der Beerdigung des Genossen Bohn beiwohnen. Wir gingen in geben, den Entwurf zu sehen und sich darüber ein Urteil zu Ladeninhaber und Gehilfen ihre Zustimmung erteilt. die Leichenhalle, wohnten der Andacht bei und erbauten uns an den 21. ds. bis einschließlich Sonntag, den 28. ds., vormittags von bilden, sei Anordnung getroffen, daß das Modell von Sonntag, Im Interesse einer gewissenhaften Erledigung der Abstimmung dem schönen Gefange. Eine Ansprache wurde nicht gehalten, es ben 21. bs. bis einschließlich Sonntag, den 28. ds., vormittags von 11 bis 1 Uhr und nachmittags von 4 bis 6 Uhr täglich im Atelier liegt es aber, die Abstimmung so zu erledigen, wie auf den war auch kein Prediger dabei; dafür aber Kränze und Buketts mit des Verfertigers besichtigt werden kann. Der Stadtrat werde erAbstimmungsfarten vorgeschrieben ist, und sich jeder Verlangen, roten Schleifen. Die Trauerversammlung begab sich aus fucht, hiernach eine öffentliche Einladung an die Bürgermittelung durch Befugte oder Unbefugte zu enthalten. Die der Halle. Der Sarg wurde auf den Wagen gehoben und der fchaft zu erlaffen." Bestimmungen, die der Polizeipräsident über die Abstimmung Trauerzug setzte sich in Bewegung. Wir reihten uns ihm ein; beröffentlicht hat, lauten: meine Schwägerin mit den beiden Kindern etwa zehn Schritte vor " Ich fordere auf Grund des§ 139f Abs. 2 der Gewerbeordnung mir, ich ohne Kind hinterher. Jetzt werde ich gewahr, daß ein hierdurch alle in der Lifte eingetragenen beteiligten Geschäftsinhaber Mann zu einigen Frauen mit Kleinen Kindern auf dem Arm spricht: einschließlich der Antragsteller auf, ihre Aeußerung für" oder gegen Bleiben Sie zurück mit den Kindern 1" Meine Schwägerin bezieht den oben erwähnten Antrag entweder schriftlich oder zu das wohl nicht auf sich. Sie ging mit meinen Kindern weiter. UnterProtokoll in der Zeit vom 17. bis einschließlich 30. Juni 1908 dessen komme ich an dem Herrn vorbei. Sie bleiben auch zurüd!" in den für ihr Geschäft zuständigen Polizeirevier bureaus herrscht er mich an. Ich habe kein Kind," antwortete ich ihm. Da hause gebracht. während der Dienststunden einzusenden oder abzugeben. Für die Entgegennahme dieser schriftlichen bezw. protokollarischen packt mich der Mann am Arm und zwingt mich, herauszutreten. Der Vor den Augen der Frau erschossen hat sich in der LaubenWenkerungen, ferner für die Prüfung, ob diejenigen, welche eine Trauerzug stockt einen Augenblick, setzt sich dann aber langfam folonie an der Ede der Wisbyer- und Neumannstraße der 39 Jahre Aeußerung abgeben, zu den( in der Liste eingetragenen) beteiligten wieder in Bewegung, und neben mir höre ich eine Frau sagen: alte Maler Wilhelm Beyer aus der Kaiser- Friedrichstr. 71. BcGeschäftsinhabern gehören, endlich zur Eintragung der Aeußerungen Weshalb lassen Sie die anderen Frauen mit Kindern durch- schäftigungslosigkeit soll die Ursache sein. in die Liste ist für jeden Revierbezirk der betreffende Reviervorsteher gehen?" Nachdem der Trauerzug vorüber war, richtete ich an den Auf einer Segelpartie ertrunken. Durch den Leichtsinn zweier ( bei Behinderung desselben sein Stellvertreter), für den übrigen Teil Beamten, denn als solcher entpuppte sich der Herr, die Frage, junger Männer hat die 21jährige Anna Meyer aus der Schleusendes Verfahrens der königliche Regierungsrat Dr. Schmölders hier- warum ich denn aus dem Zuge austreten mußte, obwohl ich straße 31 in Woltersdorf den Tod gefunden. Das junge Mädchen selbst zum Kommissar ernannt worden. hatte gestern mit zwei ihm bekannten Herren auf dem Flatensec eine Kahnpartie unternommen. Obwohl das Boot nur für zwei Bersonen berechnet war, wurde es von den drei jungen Leuten bestiegen. Außerdem besaßen die beiden Männer den Leichtsinn, das Fahrzeug, ein Rollfißboot, noch mit einem Segel zu versehen. Es dauerte nicht lange, so schlug der Kahn um und die Insassen stürzten in die Fluten. Während es gelang, die beiden jungen Leute 3 retten, fand die M. den Tod im Wasser. Ihre Leiche konnte noch nicht geborgen werden. " " Ich bemerke hierbei ausdrücklich, daß gemäß§ 5 Absatz 1 der Bureau zu kommen, wo er mich feststellen wollte. kein Kind bei mir hatte, worauf er mich barsch aufforderte, ins Dieser Auf oben erwähnten Bundesratsvorschriften bei der demnächstigen Feststellung der Zweidrittelmehrheit, welche für die Einführung des forderung folgte ich, weil ich selbst wissen wollte, mit wem ich zu tun Achtuhr- Ladenschlusses nach obigem Antrag erforderlich ist, nur hatte. Inzwischen stellte meine Schwägerin die Adressen von Zeugen diejenigen in der Liste eingetragenen Geschäftsinhaber gezählt fest, die den Hergang gesehen hatten." werden, welche eine bestimmte Aeußerung für oder gegen den An- Dieses Vorgehen des Herrn Friedhofsverwalters wird lebhaft trag innerhalb der oben festgesetzten Frist abgegeben haben. Später illustriert durch das Benehmen des Stellvertreters am Grabe des eingehende Aeußerungen, ferner Aeußerungen, die unbestimmt oder Genossen Bohne. Genosse Ernst hatte sich veranlaßt gesehen, dem toten ausweichend lauten, oder von nicht in der Liste eingetragenen Geschäftsinhabern, oder von einer anderen Person als dem Geschäfts- Freund einige Abschiedsworte in die Gruft nachzurufen. Als Genoffe inhaber selbst, eingesandt oder abgegeben werden, bleiben unberüd- Ernst in die Reihen der Leibtragenden zurüdtrat, trat anscheinend sichtigt. Kein Geschäftsinhaber, auch wenn er zahlreiche Filialen derselbe Herr auf unseren Genossen zu, ihn auffordernd, nach dem befigt, hat mehr als eine Stimme; das Stimmrecht ist in dem für Bureau zu kommen. Genosse E. bedeutete ihm, die Feier nicht zu das Hauptgeschäft zuständigen Polizeirevier auszuüben; follte es stören, er werde später seiner Einladung folgen. Kaum war die vorkommen, daß dies in der Liste nicht eingetragen ist, wohl aber Feier zu Ende, erfolgte erneut die Aufforderung, ins Bureau zu eine Filiale, so kann das Stimmrecht in dem für die Filiale zu kommen und wieder mußte dem eifrigen Herrn gesagt werden, sich ständigen Revier ausgeübt werden, jedoch jedenfalls nur einmal. Die den Geschäftsinhabern zugegangene Boſtfarte ist der schrift etwas zu zügeln. Genosse Ernst ging dann freiwillig ins Bureau lichen Abstimmungserklärung beizufügen bezw. bei protokollarischer zur Aufnahme des Tatbestandes. Wir können uns taum erklären, was die Herren veranlaßt, so Abstimmung mitzubringen, um die Auffindung des Abstimmenden in vorzugehen. Haben sie etwa den Rottoller bekommen, daß sie von der Liste zu erleichtern. Außerdem wird es für alle diefenigen Geschäftsinhaber, die als dem Anblick der roten Schleifen so nervös werden? Man müßte es solche auf dem Revierbureau nicht genügend bekannt sind, fowie bald annehmen, wenn man in Betracht zieht, daß bei der Beerdigung, allgemein bei schriftlicher Aeußerung über den Antrag der Beifügung die vorher stattfand, der aber ein Prediger beiwohnte, niemand zu bezi. Borlegung einer Legitimation bedürfen( z. B. Beglaubigung fehen war. der Unterschrift des Geschäftsinhabers durch den zuständigen Bezirks- Dafür hatte es aber schon Vertvunderung erregt, daß Frauen, vorsteher: Beifügung des Steuer- Veranlagungsschreibens oder Steuer- die eine buntgedruckte Schürze umhatten, und ein Grab gießen zettels usw.). Für die Rücksendung brieflich eingesandter Legiti- wollten, diese Schürze abgeben mußten. Erst als diese Frauen ihre mationspapiere ist zugleich ein Freifuvert beizufügen." Gießarbeit beendet hatten und den Friedhof verlassen wollten, Abschiebung altersschwacher Leute nach dem Irrenhause. Wir erstattete man ihnen die Schürzen wieder zurüd. Wir erwarten, daß die städtischen Behörden den Herren flar haben mehrfach berichten müssen, daß bejahrte Personen beiderlei Geschlechts, für die in der Familie nicht mehr ausreichend gesorgt machen, daß sie Beerdigungen nicht zu stören und sich eines Bewerden konnte, und daher der Antrag auf Unterbringung im tragens zu befleißigen haben, das der Würde städtischer FriedhofsSiechenhause gestellt werden mußte, kurzer Hand nach einer der angestellter entspricht. Mit Recht wird hierzu bemerkt, wenn anderwärts ebenso berfahren würde, hätten manche Wizblätter weniger zu tun. Ein Opfer der Site ist der wohnungslose Gelegenheitsarbeiter Ernst Jädel geworden. J. wurde gestern auf einem Holzschuppen hatte einen Sitzschlag erlitten und war, da keine Hilfe zur Stelle am Schlesischen Tor als Reiche aufgefunden. Der Bedauernswerte fam, an den Folgen gestorben. Die Leiche wurde nach dem SchauDie königl. Eisenbahndirektion schidt uns folgendes Schreiben: In Nr. 131 Ihres Blattes vom 6. b. M. brachten Sie einen Ar" In Nr. 131 Ihres Blattes vom 6. d. M. brachten Sie einen Artifel Ueber eine widerliche Szene auf dem Bahnhof Halcnsce", der der Berichtigung bedarf. Der Vorfall hat sich wesentlich anders abgespielt, als Sie ihn schildern. Unzutreffend ist vor allem, daß der Bezirksaufsichtsbeamte mit dem Kommandostabe geschlagen haben soll. Der Hergang ist folgender:„ Der um 4 Uhr 38 Min, nachmittags in Salenfee eintreffende und dort endende Zug sollte vom Bahnsteig fortgesezt werden, als ein Rangierer einen Reisenden in einem Abteil 3. Klaffe lang auf der Bank liegend und schlafend vorfand. Seine Versuche, ihn zu wecken und zum Verlassen des Wagens zu bewegen, waren erfolglos, so daß ihn der Rangierer aus dem Abteil hob und auf eine Bahnsteigbank sette, von der er später heruntergeglitten war, nun auf dem Bahnsteig lag und seinen Rausch weiter ausschlief. Hier fand ihn der Bezirksaufsichtsbeamte und versuchte dieser, ihn durch gütliches Zureden zum Verlassen des Bahnsteiges zu bewegen, wozu er sich aber unter Schimpfen nicht verstehen gierers, jeder an einem Arm faffend, vom Bahnsteig führte, was bei wollte, so daß ihn der Bezirksaufsichtsbeamte mit Hilfe eines Ran der Trunkenheit des Reisenden wohl denn Eindruck des„ Zerrens" gemacht haben kann. Mit dem Befehlsstabe hat der Stationsbeamte nicht geschlagen. Er hatte auch nicht den geringsten Anlaß, sich etwa gegen einen Angriff zu wehren, denn der betreffende Rei fende war durchaus harmlos." " Wir haben die Berichtigung der königl. Eisenbahndirektion un serem Gewährsmann vorgelegt. Derselbe hält die Behauptung, daß städtischen Zrrenanstalten geschafft worden sind. Es bedurfte in Der Betrieb der städtischen Fleischvernichtungs- und Ber- der Aufsichtsbeamte mit dem Kommandostabe wiederholt auf den dem einen Falle crst energischer Intervention beim Stadtrat Dr. wertungsanstalt in Rüdniß bei Bernau ist voll im Gange. Es find Reisenden eingeschlagen habe, und zwar so fräftig, daß man es auf Etraßmann, der dann allerdings die sofortige Entlassung aus Herz- bereits eine Menge Produkte an Fett, Leimgallerte und Tier- dem zweiten Bahnsteig knallen hörte, vollständig aufrecht. Unser berge anordnete. Derartige Abschiebungen nach jenem Orte, wo förpermehl gewonnen. Reflektanten auf diese Produkte können Gewährsmann ist der Meinung, daß die königl. Eisenbahndirektion diese Berichtigung nicht erlassen hätte, wenn sie vorher den Aufman mit den dort Untergebrachten die wenigsten Umstände zu Proben in Rüdnih besichtigen und darauf Offerten abgeben. machen pflegt, werden besonders gern beliebt, wenn es sich um un- Aus den Kreifen der Handelshilfsarbeiter wird uns geschrieben: fichtsbeamten, der zu der fraglichen Zeit auf dem zweiten bemittelte Leute handelt, für die also die Armenverwaltung ein- In Berlin, Rigdorf usw. haben die Inhaber der Warenhäuser, Bahnsteig Dienst hatte, vernommen hätte. Dieser Herr suchte tritt. Mit der Armut macht man ja in der Regel nicht allzuviel Manufakturtaren-, Eisenwaren- usw. Geschäfte durch ein Abkommen unserem Gewährsmann gegenüber zwar das Verhalten seines KoiFederlesens. Der erste Gang führt zum zuständigen Armenvor- während der heißen Monate Juni, Juli und August Sonntags von legen zu entschuldigen, mußte aber doch zugeben, daß 12-2 Uhr geschlossen. Während nun vorgenannte Branchen dieses das Schlagen nicht nötig gewesen wäre. Daß das ſteher, der zweite zum Armenarzt, und dann geht's" nach Schema im Interesse ihrer Angestellten wenigstens gehalten haben, wird jetzt auch in der obigen Berichtigung" zugegeben wird, ist anerkennens F". Das hat fürzlich ein Berliner Armenarzt bestätigt. Dem- während der Werbung des Achtuhr- Ladenschlusses von einzelnen wert, vermag aber natürlich die bedauerliche Tatsache selbst nicht felben wurde eine Greisin zugeführt, die an der Schrulle litt, daß Unternehmern in der Damen- sowie Herrenkonfektionsbranche der aus der Welt zu schaffen. Es beweist nur, wie berechtigt unsere fie ohne Arbeit, kein Anrecht auf Nahrung habe. Sonst ließ sich Verfuch gemacht, diefes Abfonimen zu durchbrechen. Die Handlungs- Stritit war. mit der Frau ganz vernünftig auskommen. Bei geringerem Alter gehilfen sowie die Handelshilfsarbeiter ersuchen uns, dieses der Feuerwehrbericht. In der letzten Nacht hatte die Feuerwehr müßte man ja solche Weigerung zur Nahrungsaufnahme als fire Arbeiterschaft zur Kenntnis zu geben, mit dem Bemerken, daß die mehrere größere und sehr gefährliche Brände zu löschen, die sämt Idee, also als eine ausgesprochene Geistestrankheit, auffaffen. Mit Parteigenossen und Genoffinnen dahin wirken möchten, daß diefe lich durch Selbstentzündung von Breßfohlen ausgekommen waren. alten Leuten wird das dagegen nicht so streng psychiatrisch ge- Bergünstigungen den Angestellten während der Sommermonate vor- Unter anderem mußte der 16. Zug um 10 Uhr abends auf dem läufig noch erhalten bleiben. Kohlenbahnhof Wedding an den Fennstraße längere Zeit löschen. nommen. Man betrachtet und behandelt allgemein praktisch nur Radikaler wäre, wenn endlich durch Ortsstatut die völlige Ein großer Stapel Breßkohlen stand dort in Flammen. Um diese als Altersschwäche, was wissenschaftlich freilich Geistesschwäche ist. Sonntagsruhe im Handelsgewerbe eingeführt würde, so lange das zu löschen, mußte längere Zeit Wasser gegeben und der Stapel ausDiese wissenschaftliche Diagnose darf jedoch nur ausnahmsweise gesetzlich noch nicht geschehen ist. einandergerissen werden. Früh um 3 Uhr stand dort schon wieder den Grund abgeben, daß man die betreffende Person ins JrrenDer Markgrafendamm, der das Stadtgebiet Berlin im Osten ein anderer Stapel in Flammen. Abermals mußte der 16. Zug hous stedt. Soviel Rücksicht ist man doch, falls nicht gerade irgend gegen die Borortgemeinden Stralau und Borhagen Ruvnelsburg Waffer geben. Um 11 1hr abends wurde der 8. Zug nach der ein gemeingefährlicher Zustand vorliegt, schon der Familie schuldig. abgrenzt, soll nun endlich auch in seiner legten Strede Gräfest z. 35 alarmiert, ivo ebenfalls Breßkohlen in großer AusDenn niemand legt Ehre damit ein, daß ein Verwandter sich im reguliert werden. Es hat ein bißchen sehr lange gedauert, bis dehnung in Brand geraten waren, so daß es längerer Löschtätigkeit Irrenhause befindet. Wollte man sämtliche alte Leute, deren Ver- die Regulierung dieses Verkehrsweges, der übrigens nach Eröffnung bedurfte, um den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Der standskräfte gelitten haben, als„ reif für Dalldorf" halten, so des Hafens am Stralauer Anger" noch an Bedeutung gewinnen 20. Zug hatte mit der Löschung eines Kohlenbrandes in der Kreuzmüßten die städtischen Siechenhäuser bis auf wenige Betten entleert wird, in voller Ausdehnung zustande kommen konnte. Die Verzögerung straße 6 zu tun. Ferner brannten Möbel und anderes in der Straß werden. Die Geistesschwäche ist aber ein Krankheitsmoment, mit erflärt sich daraus, daß über die Rechte und Pflichten der beteiligten burger Straße 18, Heidenfeld Straße 20 und anderen Stellen. In dem man sich im Siechenhause so gut als möglich abfinden muß. Weſtſeite des Markgrafendamms gehört zu Berlin, die Ditſeite geraten und auf dem Grerzierplay an der Schiebter Straße eine Gemeinden nur sehr schwer eine Einigung herbeizuführen war. Die der Bellermannstr. 79 war das Laufbrett auf dem Dache in Brand Das hat man anderwärts auch längst kapiert, nur Berlin muß gehört in ihrer füdlichen Strede zu Stralau, in ihrer nördlichen zu alte appel. Außerdem hatte die Wehr noch in der Thomaſelbſt darin wieder mal eine Extravorstellung geben. In dem Borhagen- Rummelsburg. Die südliche Strecke ist bereits reguliert, ftusstr. 8, Rottbuser Straße 27, am Kottbuser Dammunt bert neuesten, zur unserer Kenntnis gelangten Falle wurde der Armen- auf der Berliner wie auf der Strafauer Seite, zu regulieren ist jetzt Stellen zu tun. arzt höflichst gebeten, die Unterbringung im Siechenhause zu be- nur noch die nördliche Strede auf beiden Seiten. Die Einigung der fürworten. Er erklärte jedoch im barschen Amtston: Was Sie Stadtgemeinde Berlin mit Borhagen- Rummelsburg ist erreicht: wünschen, ist mir ganz gleichgültig. Bei uns geht alles nach Berlin reguliert die Strede, Borhagen- Rummelsburg übernimmt Schema F. Ihre Mutter gehört nach Dalldorf oder Herzberge!" fortan ihre Unterhaltung. Dagegen hat ein Uebereinkommen mit Natürlich wurde, nun der Unterbringungsantrag einstweilen 6u- fich noch nicht herbeiführen laffen. der Eisenbahndirektion, der einzigen Anliegerin auf Berliner Seite, Stadtverordnetenversammlung. In Frage kommt hier rückgezogen. Dem Antrage des Magistrats, die Deputation zur Revision Wir gestatten uns, anderer Meinung als der Herr Armendestor eine Beteiligung an den Regulierungskosten und die Uebernahme eines zum Bürgersteig erforderlichen Streifens. des Vertrages mit dem Elektrizitätswerk Südwest aufzulösen, zu sein. Er mag mit seinem Schema F. praftisch nicht so ganz Bom Fistus wird Berlin diese Leistungen fordern, wenn wurde zugestimmt, da ein neuer Vertrag mit dem Elektrizitätswerk " Schöneberg. Vorort- Nachrichten. zustakds gekommen ist. Bei dieser Gelegenheit wurde angeregt, auch in eine Revision des Vertrages mit den Charlottenburger Wasserwerken einzutreten, da das jetzige Verhältnis nicht mehr haltbar sei. Seitens des Magistrats wurde erklärt, dah zur ge> eigneten Zeit eine demcntsprechende Vorlage kommen werde. Längere Unterhaltungen brachte ein Antrag aus der Versamm- lUng, im Berliner Ortsteil eine höhere Mädchenschule zu errichten. Dem Magistrat wurde aufgegeben, die Vorarbeiten zu treffen, damit die Eröffnung am 1. April n. I. vor sich gehen kann. Zugestimmt wurde auch dem Antrage des Magistrats, im Friede- nauer Ortsteil einen provisorischen Wochenmarkt einzurichten und denselben Dienstags und Freitags jeder Woche abzuhalten. Für den Markt find' die über den Dürerplatz führende Verbindungs- st ratze und die Rembrandtstratze von der Eisenbahnuntcrführung bis zu Rubensstratze zu benutzen. Eine Vorlage, wonach auch die Magistratsdiener lebenslänglich angestellt werden können, wurde zunächst einem Aus- schütz überwiesen. Ebenfalls einem Ausschutz überwiesen wurde das vorgelegte Programm zum Bau des neuen Rathauses. Stadtverordneter Küter sSoz.) berichtete sodann über den in der vorigen Sitzung einem AuSschutz überwiesenem sozialdemokratischen Antrag. Der Ausschutz empfahl folgende Beschlutz- fassung: „Der Magistrat wird ersucht, dem Ferienausschutz des Bildungsvereins für Frauen und Mädchen zu Schöneberg 800 Mark für tägliche Beförderung von 200 Kindern an den Wochentagen während der grotzen Ferien mit der Straßenbahn mich dem Grunewald zu überweisen. Ter Verein hat dem Magistrat über die Verwendung des Betrages Rechnung zu legen und einen schriftlichen Bericht zu erstattend In der Begründung hob der Referent die Opferwilligkeit der Mit- glieder dieses Vereins hervor, die bisher durch freiwillige Samm- lungen diese Aufwendungen aufgebracht hatten.— Der Antrag wurde ohne Debatte einstimmig angenommen. Bei dem Antrage des Magistrats, der Erziehungsanstalt Zionshilfe 50 Freistellen für schulgeldpflichtige Zöglinge an den städtischen Gemcindcschulen zu gewähren, wurden verschiedene Mißstände, die angeblich in dieser Anstalt bestehen sollen, gerügt. So sollen die Kinder bereits morgens um fünf Uhr aus den Betten getrieben werden. Wer nicht zur rechten Zeit aufsteht, wird ohne Frühstück zur Schule geschickt. Auch sollen Strafen in Form von Entziehung des Mittagbrotes verhängt werden.— Trotzdem der Magistratsvertreter erklärte, datz diese Mißstände heute nicht mehr bestehen, wurde dieser Antrag einem Ausschutz überwiesen, der die Verhältnisse in der Anstalt einer Prüfung unterziehen soll. Mit Gas vergiftet hat sich vorgestern die 27 Jahre alte Betty T. aus der Gustav-Freytagstratze 4. Lin Lebensmüde öffnete im Wohnzimmer sämtliche Gashähne und legte sich auf einem Sopha nieder. Als die Tat entdeckt wurde, war die T. bereits völlig bc- wutztlos. In recht bedenklichem Zustand wurde die Selbstmord- kandidatin nach dem Auguste-Viktoria-Krankenhause gebracht. Das Motiv soll in unglücklicher Liebe zu suchen sein. Steglitz. Borschußlorbeeren. Die eifrigen Bemühungen unserer Gemeinde- Vertretung um die Verleihung derStadtrechte an unser Dorf, haben bekanntlich bisher noch keinen Erfolg gezeitigt, es sei denn, daß man den Beschlutz des Abgeordnetenhauses, der Regie- rung den diesbezüglichen Antrag als Material zu überweisen, als Erfolg betrachten will. Entweder ist nun neuerdings wirklich ein entscheidender Schritt in dieser Sache geschehen, der aber noch ge- heim gehalten wird, oder aber unser Gemeindcvorstand hat sich nunmehr für das„abgekürzte Verfahren" entschieden und die Er- Hebung zur Stadt einfach selbst beschlossen. Andernfalls wäre der Dualismus, datz der„Gem e ind e v o rstand" für das hiesige „Stadtbad" zwei Badediener sucht, nicht recht zu begreifen. Hoffentlich ist mit der Umwandlung der bisherigen„Gemeinde- badeanstalt" in das„hiesige Stadtbad" auch das Badewasser besser geworden, das bekanntlich noch bor kurzem wie Erbsensuppe aussah. Friedrichshage«. Eine recht unangenehme Entdeckung mutzte der Inhaber des Conradschen Hotels von hier machen. Vor einigen Tagen stieg ein Reisender ab, der einige ungewöhnlich große Koffer mit sich führte. Vorgestern fuhr er wieder ab und nun mutzte der Wirt die unangenehme Entdeckung mchen. datz mit dem Gast auch die Betten und andere Gegenstände aus dem Zimmer verschwunden waren. Der dreiste Dieb hatte die grotzen Koffer lediglich zur Ausführung des Diebstahls mitgebracht. Potsdam. Auf einen alten Gaunertrick sind am Sonnabend eine Reihe hiesiger Geschäftsleute reingefallen. In mehreren Geschäften machte ein Herr, der sich Assessor Graf v. Galen nannte, grotze Einkäufe und benutzte die Gelegenheit beim Aussuchen der Waren zu Dieb- stählen. Seine Lieferanten bestellte er nach seiner Wohnung Alleestratze 2ö, einem Hause, das leider nicht existiert. Erst als die bestellten Waren wieder zurückkamen, bemerkte man, datz der gräfliche Assessor ein routinierter Ladendieb war. Sencbts-Geltung. Eine blutige EhetragSdie» die sich am 4. Juni vorigen Jahres im Hause Linienstr. S abgespielt hat, beschäftigte gestern das Schwurgericht des Landgerichts I. Tie auf vvrsätzliche Tötung, Urkundenfälschung und Konkursver- gehen lautende Anklage richtet sich gegen den Pferdehändler Georg Becker, der sich seit einem Jahr in Untersuchungshaft befindet. Er wird in der Hauptsache beschuldigt, seine Ehefrau Franziska während sie schlief erschossen zu haben. Der Angeklagte hat selbst einen Selbstmordversuch gemacht und hat mit vier schweren Ver- letzungen in der Charit« gelegen und ist seinerzeit noch nach zehn Tagen vom Untersuchungsrichter als nicht vernehmungsfähig er- achtet worden. Ter 40 Jahre alte Angeklagte steckte in grotzen Geld- kalamitäten. Er fälschte dann Wechsel. Durch einen Brief, den seine Frau in die Hände bekam, soll diese von der verzweifelten Situation Kenntnis bekommen und deui Angeklagten nun fort- gesetzt in den Ohren gelegen haben, gemeinschafrlich zu sterben. Er will es ihr tznmer ausgeredet haben. Schließlich will er am 4. Juni beschlossen haben, seinerseits eine Reise nach Hannover anzutreten und sich im Zuge zu erschießen. Er nahm Abschied von seiner Frau, versäumte oann aber den Zug und begab sich in einige Restaurationslokale, wo er sich durch Bier und Champagner Mut trank und einige verzweifelte Abschiedsbriefe an seine Frau schrieb. Dann ist er aber, weil er glaubte, es sei doch besser, wenn er in seiner Wohnung den Selbstmord ausführte, in der Nacht wieder zu seiner Wohnung zurückgekehrt. Er will sich dann noch mit seiner Frau eine Stunde unterhalten und sich dann zu Bett gelegt haben. Dort will er seinen Revolver genommen und zwei- mal auf sich geschossen haben. Was weiter geschehen, wisse er nicht. denn er sei erst in der Charit« wieder zur Besinnung gekommen. Wie die Messerschnitte an seine Arme gekommen, will er nicht wissen; er erklärt sich dies so. datz, nachdem er durch die Schüsse besinnungslos geworden, seine Frau ihm mit ihrem scharfen Messer die Pulsadern geöffnet habe, um seinen Tod herbeizuführen. Die Ehefrau ist tot in ihrem Bette ausgefunden worden; sie hatte zwei Schutzverletzungen und Schnittwunden an den Handgelenken. Der Angeklagte will nicht wissen, wie seine Frau ums Leben ge- kommen ist; die Anklage dagegen behauptet, datz er sie getötet hat. — Der Angeklagte beteuerte heute unter vielen Zeichen großer Gemütserregung seine Unschuld an dem Tode der Frau.— Es sind 72 Zeugen geladen, so d'atz für bis Verhandlung 3 Sihüüg'skäg'e in Aussicht genommen sind. Wir werden das Urteil mitteilen. Wucherprozeß. In einer bis zur späten Abendstunde währenden Sitzung ver- handelte am Montag die zweite Strafkammer des Landgerichts ll einen umfangreichen Wucherprozeh gegen den VerlagSbuchhändlcr Ernst Franke aus Schöneberg, dessen Buchhalter Kaufmann Karl Röhle und den Rechercheur Paul Elze. Das Geschäft des An- geklagten Franke bestand in einer eigenen Art von Darlehnsver- Mittelung. Er erbot sich in verschiedenen Zeitungsinseraten Dar- lehne ohne Provision an sichere Leute zu gewähren. Dieses An- erbieten klang verlockend und das Darlehnsgeschäst nahm bald einen grotzen Umfang an. Der Trick des Angeklagten bestand nun barin, daß er den darlchcnsuchenden Personen allerdings Geld ohne Provision gewährte, sie aber zwang, Bücher und Bilder, die er ihnen ganz unverhältnismäßig hoch anrechnete, von ihm zu ent- nehmen. Es war ein paar Dutzend Zeugen zu vernehmen. DaS Gericht verurteilte Frauke zu 6 Monaten Gefängnis, 200 M. Geld- strafe und 3 Jahren Ehrverlust, Rühle zu 2 Monaten Gefängnis und 150 M. Geldstrafe. Elze wurde freigesprochen. Millionenbctrügereicn eines Kommerzienrats vor Gericht. Vor der Strafkammer des Altonacr Landgerichts hatte sich gestern, wie uns telegraphisch mitgeteilt wird, der Grotzherzoglich- Anhaltinische Kommcrzicnrat Adolf Möller wegen betrügerischen Bankerottvergehens und zahlreicher Betrügereien zu verantworten, die insgesamt die Höhe von 10 Millionen Mark erreichen. Es sind etwa 60 Zeugen und mehrere Sachverständige geladen. Tie An- klage wirft Kommerzienrat Möller überdies vor, datz er während des Konkurses durch seinen Auftvand übermäßige Summen ver- braucht, datz er die Handelsbücher vernichtet oder unordentlich ge- führt hat, daß er entgegen den Bestimmungen des Handelsgesetz- buchcs versäumt hat, Bilanzen zu ziehen. Heber das Ergebnis der Verhandlungen, die mehrere Tage in Anspruch nehmen werden, werden wir berichten. Möller ist als grimmer Sozialistenfresser bekannt. Vermischtes. Zur Brandkatastrophe in Zirl wird berichtet, datz acht Personen ums Leben gekommen sind. Den„Mllnchener N. Nachr." berichtet ein Augenzeuge des Brandes, datz die Bewohner wegen des Herr- schenken Windes in dem enggcbanten Dorfe gleich alles verloren gegeben haben. Es fehlte außer den Handbeilen der Feuerwehr an Werkzeugen und Geräten zum Einreißen der Gebäude, um die Aus- dehnung des Feuers einzudämmen. Die Feuerhaken waren ver- brannt; die Zirler Feuerwehr trachtete nur, die Wasserschläuche zu retten. Auswärtige Feuerwehren legten später Schläuche zu dem 800 Meter vom Brandplatz entfernten Inn. Sie rissen auch die Holzzäune von 20 Häusern ein und entzogen allmählich dem Feuer die weitere Nahrung, so datz noch 20 Häuser gerettet werden konnten. An dem Schaden von zwei Millionen Kronen ist eine mit der Tiroler Landesbrandkasse kartellierte Münchener Feuer- Versicherungsanstalt mit 800 000 Kronen und die Münchcner Rück- Versicherung mit 400 000 Kronen eigenen Risikos beteiligt.— Weiter wird dem„Berl. Lolalanz." aus Innsbruck berichtet: Gestern be- stand auf der Brandstätte die Gefahr einer Benzinexplosion, der Platz wurde daher abgesperrt. Unter dem Schutt liegt viel Geld. das in der Eile zurückgelassen werden mutzte. Die Postkasse wurde aus dem Schutt ausgegraben, ihr Inhalt ist unversehrt. Unter den Toten befindet sich ein Ehepaar, da» im Schlafe vom Feuer über- rascht wurde. Die Entstehung des Brandes wird Kindem zu- geschrieben, die mit Pulver von Böllern spielten, die bei der Fron- leichnamsprozession benutzt worden waren. Ei» furchtbares Unwetter, verbunden mit Wolkenbruch und starkem Hagelichlag hat, wie eine Meldung aus Neusohl besagt, in der Sradl großen Schaden angerichtet und dieselbe teilweise unter Wasser gesetzt. In Kirchen, Häusern und in den Straßen stand das Wasser über 1 Meter hoch. Militär mußte zur Hilfeleistung heran- gezogen werden. In MarmaroS-Zigeth wurden die elektrischen Leitungen durch Blitzschlag zerstört, so daß die Stadt in Dunkel ge- hüllt war. Durch Blitz gezündet. Nach einer Meldung bei Havelberg wurde vor einigen Tagen durch einen Blitzstrahl ein Brand herbeigeführt, bei dem nicht weniger als 50 Stück Vieh in den Flammen umkamen. Auf dem dortigen Gute wurde der große Biehstall in Brand gesetzt. DaS Gebäude brannte vollständig nieder und der gesamte Vieh- bestand kam in den Flammen um. Nahezu 40 Rinder und Kühe und 15 Pferde fielen dem Element zum Opfer. In einer anderen Ortschaft wurde durch einen Blitzschlag ein Wohnhaus angezündet und vollständig eingeäschert. Nur mit Mühe hatten die Bewohner ihr Leben retten können._ Die Eisrnbahnkatastrophe bei Tremessrn. Seit Montag voriger Woche wurde in Gnesen über die Ursachen des Eisenbahnunglücks verhandelt, dem in der Nacht vom 6. zum 7. August v. I. zehn Fahrgäste de« v-ZugeS Eydkuhnen.Berlin zum Opfer fielen. Angeklagt waren ein Bahnmeister-Diätar, sechs Arbeiter, Lokomotivführer, Bremser und Schaffner. SS war nach dem alten Schema verfahren worden, untergeordnete überlastete Leute anzuklagen, denen man Verletzung von wer weiß wie viel Dienstvorschriften zum Vorwurf machte. Während der Verhandlung brach die Anklage mehr und mehr zusammen, und zum Schluß blieb nicht mehr allzu- viel übrig. DaS Urteil lautet: Der Angeklagte Bahnmeisterdiätar Bajohr wird zu acht Monaten Gefängnis, Hilfsrottenführer Wozniak zu drei Monaten Gefängnis und Hilfsbahnwärter Braniezki zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Sämtliche übrigen Angeklagten werden freigesprochen. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende aus. der Angeklagte Bajohr sei im Sinne der Anklage schuldig zu erachten. ES falle für ihn erschwerend ins Gewicht, daß er in der betreffenden Nacht nicht an der Unfall- stelle anwesend war. Als Vorgesetzter des Angeklagten Wozniak hatte er von diesem überhaupt keine Ratschläge einzuholen. Seine Entschuldigung, er sei zum ersten Male mit einem derartigen Umbau beauftragt gewesen, könne ihm nicht mildernd angerechnet werden, da eine Person, die ihre Prüfung abgelegt habe, voll und ganz für die ihr übertragenen Arbeilen verantwortlich sei. Der Angeklagte Wozniak habe fahrlässig gehandelt, er durfte nicht dulden, datz Braniezki auf der einen Seite der Schienen drei Bolzen ausgelöst und datz dieser dadurch die Gefährdung eines Transportes in die Wege geleitet habe._ Ertrunken. Nach einer Meldung aus Lübeck kenterte auf dem Dasiower See ein Segelboot. Zwei junge Fischer ertranken, zwei wurden mit vieler Mühe gerettet. Blutige Rache. Ans Modane(Dep. Savohe») wird berichtet: Bier Sol» baten überfielen auf dem Wege nach der Kaserne einen ehemaligen Unteroffizier des 168. Infanterie- Regiments namens Bovel und töteten ihn. Die Täter wurden verhaftet. Mörder Lynch. Am Sonntagabend sind einer Meldung aus Houston sTexas) zufolge, unweit Hemphill neun Neger gelyncht worden, weil sie zwei Meitze ermordet hatten. Weiße und Neger gehen— waffnet umher; man befürchtet Rassenkämpfe. Sozialdemokratischer Lese- und DiskutierNub„Heinrich Heine". Heute abend 8 Uhr bei Bolze, Rodenbergstr. 8. Lese- und Diskuticrklub„Eintracht". Heute abend 3'/, Uhr bei Beetz. Gotzlerstr. 10/11. Lese-»ind Diekutlerklub„Südost". Heute abend 8'/, Uhr be! Tolksdors, Gürlitzer Straße 58.»Die verflossene LandtagSwahi". Gäste willkommen. ßmfkaften der Redaktion. Sie iuriftische Sprechstunde Hof, dritter Eingang, vier wochentäglich abends von?»/, finde» Lindenstraß« Nr. 3. zweiter Treppen, Fahr st u h l gkCI bis»>/, Ilbe statt. Eeösfne«? Uhr Sonnabends beginnt die EprechstnilSe um 6 Uhr. Jeder Slnsrag» ist ei» Buchstabe und eine �ahl als Merkzeichen beizusiigeu. Briefliche Slntwort wirb uichi erteilt. Eilige Fragen trage man i» der Sprechstunde bor. E. T. 33. Die Laiidesversicheningsanstalt ist berechtigt, aber nicht ver- pflichtet, aus Antrag Hcilställe-Aiisnahine zu gewähren. Stellen Sie einen dahin gerichteten Antrag bei der Versicherungsanstalt, Am Köllnischen Park. — E. 38. Unterbleibt die Eheschließung zwischen Braullcuten, so kann jeder Perlobte von dem andern die Herausgabe desjenigen, waS er ihm geschenkt, oder zum Zeichen des Verlöbnisses gegeben hat, fordern, soweit nicht die Borschriften über die Herausgabe einer ungcrechiscriigten Be- reicherung entgegensteht. Wenn das Verlöbnis durch den Tod eines der Verlobten ausgelöst wird, so ist im Zivcisel angenommen, datz die Rück- sorderung ausgeschlossen sein soll.— L. S. 3V. 1. Ja. 2. Nein. 3. Ja, aber durch Statut der Kasse kann daS Krankengeld bei Doppelversicherung herabgesetzt werden.— Markthalle 7. Die Bcttessenden sind nach dem Gesetze invaliden-, kranken- und unsallversicherungspflichtia. Durch eure Anzeige wäre die tatsächliche Versicherung zu erreichen.— M. N. B. Ja. — Genosse lv. 1. Einer von den Brautleuten mutz die Anmeldung persönlich besorgen. 2. Die Militärpapiere und die Geburtsurkunden sind beizubringen. Der Aushang mutz 14 Tage lang erfolgen, also melden Sie mindestens 4 Wochen vorher die Trauung an.— Ich 330a. Die Ihne» erteilte Auskunst ist falsch. Keineswegs braucht der Fortbildungsschüler oder die FortbilduimSschülerin eingesegnet zu sein.— B. D. 8. Bund sür Mutterschutz, Wilmersdorf, RoSberitzcrstr. 8.— Bruno I.3S. Wenn Ihr Vater Preutze war, sind Sie es auch, gleichviel, ob Sie in Preutzen oder anderswo geboren sind. 2. In Friedrichsselde. 3. DaS ist Geschmackssache. 4. Rem.— W. T. 30. Ueber die Reellität der von Ihnen gznanlitkil Kasse ist uns nichts bekannt. Berliner Marktpretf«. Aus dem amtlichen Bericht der stödttlchea Marktballen-Direktion. fGroßhandel.) Ochsenfleilch la 66—71 Cr. 100 Psd., Da 64-67, IHa 54-57, Bullenfleisch la 63-69. IIa 52-57, Kühe, seit 49—59, do. mager 39—49, Fresser 50—58, Bullen, dänische 40—54. Kalbfleisch, Dopvcllender 100—115, Maslkälber la 85—92, IIa 73—83, Kälber gcr. gen. 52—66, do. boll. 50—55. Hanunelfleilch, Mast- lämmer 75—78, Hammel la 69—72. IIa 61— 67. ungar. 0,00, Schale 54—59. Schweineflcilch 52—58. Rehböcke la per Psd. 0,60—0,80, IIa 0,10 bis 0,55. RotwUd m. Atsch, per Pfd. 0,45—0,55, Damwild 0,50. Wildschweine, per Pfund 15—35. Frischlinge per Psund 0,00. Hubner. la per Stück 1,50 bis 2,25, dito IIa stück 1,00—1,40, dito junge, Stück 0,50—1,09. Ham- burger Küken, Stück 0,00, Poulets 0,40—0,75. Kapaunen, deutsche, per Stück 0,00. Tauben, junge, Stück 0,30—0,45, dito alte 0,30,-0,40, dito italicn. 0,00, Enten, per Psund 0,00, dito per Stück 1,00—2,25, dito Hamburger, per Stück 2,00—3,00. Gänse per Psd. junge 0,60—0,70. dito per Stück 2,00—4,00. do., Hamb., junge, per Psd. 0,70—0,80. Heckte per 100 Psd. 76-106, do. matt 0,00, do. grotz 0,00, do. grotz-mlNel 73. do. Nein 0,00. Zander 0,00, Scklcie, unsort. 82—99, do. klein 0,00, grotz-mittcl 72—83. Aale, grotz. mittel 110—121, do. mittel 108—119, do. grotz 101—106, do. llcin-mittel 100—105, do. unsort. 100—113, klein 79. Karpsen, dän., 0,00, do. malt 0,00. Roddow 63—66. Karauschen 55—78. WclS 49. Bunte Fische 60—67, do. matt 0,00. Barse 00,0, do. klein 0,00. Bleie, matt 30. Winter- Rheinlachs, pr. 100 Psund 0,00, Amerikan. 2achs la, p. 100 Psund 0,00, do. na 0,00. Seelachs, p. 100 Psund 10—15. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6, do. halbe Stifte 0,00, do. Hamb. Stiege 3—6, halbe Kiste 2—3, pornrn. Schock 1,00—3,00. Bücklinge, dänische, per Wall 2—3,50, Stieler 0,00, Bornholmer 0,00, Stralsund er 2,00—3,50. Sprotten, Danziger, Stifte 0,00, do. Rügenwaldcr, 0,00. ilale, grox per Psd. 1,10—1,50, do. mittelgrotz 0.90—1.10, klein 0.60—0.90. Heringe per Schock 5,00—9,00. Schellfische, Käste 4,00—6,00. dito>/, Stille 2,50—3,00. Sardellen. 1902 et ver Anker 0,00, 1904er 102. 1905er 102, 1906cc 100. Schottische Vollheringe 1905 0.00. large 40-44. lull. 38-40, med. 36—42, deutsche 30—40. Heringe, nette MatjeS, per'/, To. 0,00. Sardinen, rufs., Fatz 1,50—1,60. Bratheringe Fast 1.20—1,40, do. Büchse(4 Liter) 1,40—1,70. Neunaugen, Schocksatz 3. do. kleine 4—5, do. Rieien- 10. Krebse per Schock große 33, do. grotz-msttel 30, do. llein-mittel 0,00, do. lleine 4. do. unsortiert 6,50, Galizier, grotz 0.00. Seemuscheln 100 Stück 1,00. Eier, Land-, uns. per Schock 3,30— 3,60, do. große 3,75—4. Butter v. 100 Psd. la 114-117. IIa 110-114, EQa 10t— 110, abiallende 100-104. Saure Gurken Schock 4,50— 5. Pseflergurken Schock 4,50—5. Kartoffeln per 100 Piund Dabcrsche 8,25— 3,60, weiße runde 2,75— 3,25, mag bon. 3,00— 8,50. Porree, per Schock 1,00—2,00. Meerrettich. Schock 8—14. Spwal per 100 Psund 10—15. Sellerie, grün, per Schock 0,80—1,25. Zwiebeln per 100 Psund 0,00. Petersilie, grün. Schockbund 1,00 diS 2,00. Rettich, bayrischer, junger, per 100-«.tück 6—8. Mohr- rübcn, 100'Psund 0.00. PelersilieNwurzeln, per 100 Psund 0,00, Schock- bund 6,00—7,00. Schnittlauch, Schockbund 0,50—0,80. Tomaten, kanar., per Kiste 1,00—3,00. Rhabarber 100 Bund 1,50—3,00. Rabunzen 0,00. Rübchen 0,00. Radieschen, Schock 0,80—1,50. Waldmeister, Mandel 0,25—0,60. Morcheln 0,00. Salat, Schock 1—1,75, do. Gubener 0,00. Kohlrabi, Schock 0,50-0,80. Spargel, Beelitzer I 100 Pjd. 23-35, do. II 10—20, do. m 3—9, do. unsortiert 0,00. Spargel, hiesiger I 20—30, do. U 8—15, do. m 2—5, do. unsort. 0,00. Champignons, per Psd. 0,50—1,00. Steinpilze 0,30—0,40. Mohrrüben, Schock 2,76—3,25. Karotten, Schock 3—6. Psesserlinge. 1 Psd. 0,16-0,25. Schoten, 1 Psd. 0,06 bis 0,12. Wi> fingkohl. Schock 6—10. Weißkohl, Schock 8—10. Aepsel in Kisten per 100 Pfd., Koch. 0,00. Tiroler 0,00. Australier, 10-18. Italiener, lose, 100 Psd. 0,00, do. in Körben per 100 Psd. 0,00, do. in Kisten 0,00. Kirschen, ital., 100 Psd. 20-30, do. schwarze. 100 Pjd. 26 bis 35, do. Gubener 15—25, do. Werdersche 20—26, do. Schlesische 7—18. do. Natten, ung. 25—35. Erdbeeren, sranzösische, ver 100 Psd. 20—25, holländische 20—35, Dresdener 1 Psd.-schacht. 0,25—0,50, Hiesige per 100 Psd. 20—35, Beelitzer 23—35, Wald-, hiesige 60—75. Stachelbeeren, unreife, 100 Psd. 10—12, do, ungar., 100 Psd. 8—10, do. Holland., 100 Psd. 8-10. do. hiesige 100 Psd. 0,00. Ananas I. per Pfd. 0.90-1,00, do. U 0,50—0,60. Bananen, kanar., per 100 Psd. 15—30, Jamaica 25—26. Feigen, in Kisten 100 Pfd. 0,00. Zitronen, Mcjsina, 800 Stück 10,50 bis 12,00, do. 860 Stück 11,00-13,00. tAttterungSuberficht vom 23. Juni 1908, morgens 8 Uhr. eitfltnai Hamburg Berlin Frants.a P München Wien » B Ä 11 Zw *& SlatUaen LS If e: 2 v« Haparanda.771 SW Petersburg 773 NO Seilly Aberdeen Pari« 766&W 767 NNW 766 NNW Oellet ws B% -» I h a 2 wölken! 1 wolkenl 3Nebei 1 bedeckt 2 bedeckt 10 13 16 13 14 Wetterprognose für Mitttvoch, de» 21. Juni 1908. Vielfach heiter, am Tage warm bei mäßigen östlichen Winden; oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. keine WasierftandS-Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Witterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thorn Oder. Ratibor , Krossen , Frankfurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') . Rathenow') Spree, Spremberg') , BeeSkow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub Köln Neckar, Heiibronn Main. Dertheim Mosel, Tritr nur be- ___________')+ bedeutet WuchS,— Fall,—*) Unterpegel. verantwortlicher Redakteur: Georg Davidsöhn. Berlin. FuiTdenJnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei».VerlagSanstältHaul Singer& Co., Berlin SW,