Kr. 146. BftonnnDtDtS'Bttlingungen: SvonnemmtZ- Preii prSnumnando, kierteljährl� ZL0 MI., monall. 1,10 MI.. wöchmllich 28 Pfg. frei inS HauS. Einzelne Nummer 5 Big. Eonnlagz. nummcr mil illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Welt' Ig Psa. Post» Abonnement: 1.10 Mark pro Monat. Eingetragen w die Post. Zeitungs. PreiSllste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl Pro Monat. Vostabonnemems nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland, Italien. Luxemburg. Portugal. HUsiänUn, Schweden und die Schweig, 23. Jahrg. cidiciat Uaiiüi usu noguai. Vevlinev VolKsblcrlk. Zentralorgan der fozialdemokrati fchen Partei Deutfchlands. Ote InlertlonS'GebOIfr beträgt für die fechsgespaltene Kolons geile oder deren Raum bo Pfg., für Politische und gewerlschastliche Vereins- und BersammlungS.Anzeigen 80 Pfg. �Aletn« Snreigen", daS erste ffett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Bort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort k Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition »bgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: vSosisitlimolllitl Berlin". Redaktion: SÄl. 68, Lindcnstrasee 69. Krrnsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Donnerstag, den 25. Jnni 1908. Sxpedition: 851. 68, Lindenstraeec 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1984. fioanzreforn) und Segelsport.} Wilhelm H. hat am Dienstag in Hamburg eine An- spräche gehalten, die nach mehr als einer Richtung hin Jnter» esse beanspruchen darf. Am bemerkenswertesten war dabei, was der Kaiser über die neue Finanzreform äußerte. lieber die Pläne, die bereits f e st g e st e l l t seien, verriet der Kaiser nichts. Aber er gab die Versicherung ab, daß das „hamburgische Blut", das in den Adern des Reichskanzlers fließe, den hamburgischen Reedern und Großhändlern dafür garantieren werde, daß der Aufbau für die Rcichsfinanzreform «rationell, gesund und für das Reich zweck- dienlich" sein werde. Es ist eigentümlich, daß dergestalt Wilhelm II. für die Reichsfinanzreform Stimmung macht, bÄ or der O e f f e n t l i ch k e i t irgend etwas darüber bekannt geworden ist. Es wäre entschieden rat- samer, möglichst bald die Vorlage zu veröffentlichen, damit die Objekte der neuen Besteuerung sich s e l b st ein Urteil über deren Charakter bilden können. Es scheint aber, als ob man mit der so enorm wichtigen und weitreichenden Vorlage wieder einmal Vcrsteckspiel treiben will, um dann in letzter Stunde daS Parlament und das Volk damit zu überrumpeln! Wir fordern deshalb mit aller Dringlichkeit, daß die nach der Aeußerung des Kaisers feststehenden Pläne sobald als möglich der weitesten Oeffentlichkeit unterbreitet werden, nicht nur ewigen ins Vertrauen gezogenen bürgerlichen Parlamentariern. Die Versicherung des Kaisers, daß die Pläne der Steuer- reform„rationell und gesund" seien, weil sie gewissermaßen hamburgischen Geist verkörperten, mögen ja ehrlich genug gemeint sein, aber sie verbürgen uns keineswegs die soziale Gerechtigkeit der Vorlage. Denn gerade der Geist des hamburgischen Kapitalismus ist allezeit ein so egoistischer und unsozialer gewesen, wie ihn nur je ein von einem geldsackschweren Patrizierwm beherrschtes Gemein- Wesen beseelt hatl Daß Wilhelm II. sich über diesen Charakter unseres Kapitalismus täuscht, erklärt sich aus der i m m e r engeren Verbindung, in die die Hofkreise durch den Sport gerade mit den reichsten Schichten des Kapitalismus treten. Man weiß ja, welch außerordentliches Jnteresic der Kaiser selbst und seine nächsten Verwandten an dem Sport nehmen. Der Kaiser für seine Person huldigt leidenschaftlich dem Wasser spart, womit diesmal nicht seine bekannte Vorliebe für die Kriegsflotte, sondern fem Enthusiasmus für den Segel- spart gemeint ist. Die sogenannte„Kieler Woche", die große Segelregatta in der Umgebung Kiels, ist die eigentliche Schöpfung Wilhelms II. und seines Bruders, des Prinzen Heinrich. Erst durch das höfische Vorbild ist dieser Wassersport populär geworden. Populär in dem Sinne, daß auch immer zahlreichere Aristokraten der Geburt und des Geldsacks sich für den Wassersport begeisterten, sich in Deutschland und im Auslande Segel-Jachten bauen ließen, um sich während der„Kieler Woche" an den unter großem Gepränge und lächerlichem Tamtam der Bourgeoispresse stattfindenden Segel- regatten zu beteiligen. Bekanntlich liebt der Kaiser den gelegentlichen jovialen Verkehr mit seinen Sportgcnossen. Eine Reihe von Kapitalisten, die sonst niemals in engere Berührung mit dem Kaiser oder seiner Umgebung gekommen wären, durften sich der Unterhaltung mit dem Kaiser oder seinen nahen Verwandten rühmen. Und es siegt in der Natur der Sache. daß sich die sporttreibenden Aristokraten und Kapitalisten natürlich von ihrer besten Seite zu zeigen be- mühen und durch ihr ganzes Gehaben Vorstellungen bei Wilhelm II erwecken, die mit den wirtschaftlichen Tatsachen im schroffsten Gegensatz stehen. Aber nicht nur der Segelsport, sondem auch der Auto- niobilsport steht unter„höchster" und„allerhöchster" Protektton. Wilhelm II. selbst besitzt eine ganze Anzahl Automobile, und die erst vor wenigen Tagen stattgefundene sogenannte Prinz Heinrich-Fahrt beweist ja, in welcher Weise auch Prinz Heinrich, der Bruder des Kaisers, sich ffir den Automobilsport interessiert. Auch die den Automobilsport pflegenden Kreise gehören den kapitalistisch potentesten Schichten an. Und auch die bei Automobilrennen und anderen festlichen Ver- anstaltungen des Autosports sich vielfach bietende Möglichkeit, mit Personen des kaiserlichen Hauses oder mit Staatsmännern, die ja bei uns die Liebhabereien des kaiserlichen Hauses zu teilen verpflichtet sind, zusammenzutreffen, bietet erwünschte Gelegenheit, durch den persönlichen Verkehr, persönliche Liebens- Würdigkeit und Gefälligkeit die günstigste Voreingenommenheit für diese Repräsentanten des Kapitalismus zu erwecken. Nicht anders ist das bei dem Pferdesport, der ja ebenfalls die Protektton des Kaisers in besonderem Maße genießt und schon mannigfach zur Annäherung der feudalen und großkapitalistischen Kreise beigetragen hat. So ergibt sich, durchaus parallel der infolge der wirtschaftlichen Macht des Bürgertums sich vollziehenden Verschmelzung der Plutokratte mit dem Feudalismus, durch die sportlichen Veranstaltungen eine Annäherung des Kapitalismus an die höchsten Spitzen des Feudalismus, die die Illusion des„sozialen� Königtums" immer mehr zur Illusion macht! Wenn deshalb der Kaiser mit dem Wunsche schloß, daß der Sport blühen möge, so wird die Masse des Volkes, die in dieser Art Sport nichts anderes zu sehen vermag, als einen müßigen Zeitvertreib des Reichtums, als eine ergeudung physischer und intellektueller Energie, für die sich bei einer vernünftigen, ge- rechten sozialen Gesellschaftsordnung nützliche B e- tätigungsmöglichkeit genug böte, diesen Wunsch nicht zu teilen vermögen. Der Schwärm der schaulustigen Gaffer, der sich bei all' den Gelegenheiten einzufinden pflegt, wo die oberen Hundert- tausende mit ihrem Reichtum und ihren: Lebensübermut prunken, ist, um einen Vergleich Wilhelms ll. in seiner Ham- burger Rede anzuwenden, nichts weniger als ein zuverlässiges Barometer für die Stimmung in der wirklichen Masse des Volkes. Das schwer ums tägliche Brot ringende Volk der Arbeit, zumal das durch ein schmachvolles Wahlsystem ent- rechtete Volk Preußens, wird es deshalb bitter empfinden, daß Wilhelm Ii., wenn auch im besten Glauben, die für das Geschick der ohnehin unter schweren indirekten Steuerlasten seufzenden Nation so bedeutungsvolle Frage der Finanz- r e f 0 r m mit in seine Propagandarede für den aristokratisch-plutokratischen Sport einge- flochten hat! Und noch ein anderes: Wilhelm II. hat auch in seiner Hamburger Rede Ausführungen gemacht, die wiederum ge- eignet sind, die Aufregung, die durch die angebliche Döberitzer Rede im Auslande verbreitet worden ist, zu steigern. Der Kaiser erwähnte den Gesang des„alten deutschen Sturmliedes", mit dem man ihn begrüßt habe: „Nun wußte Ich genug. Meine Herren. Ich danke Ihnen dafür. Ich habe Sie verstanden. Es war der Druck der Freundeshand einem Manne, der entschlossen seinen Weg geht, und der weiß, daß er jemanden hinter sich hat, der ihn versteht und der ihm helfen will." Ob diese vieldeuttge Aeußerung notwendig war? Was nützen alle nachträglichen Chamaden, wenn ihnen die Fanfare immer wieder vorangeht! Wie aber immer die Worte Wilhelms IL gemeint gewesen und gedeutet werden mögen: die uncrschütter- liche Friedensliebe des Volkes, das seinen Weg geht und das weiß, daß es die vielen Millionen des Proletariats hinter sich hat, sollte allen etwaigen Mißdeutungen von vornherein die Spitze abbrechen I Die„loyale" flasfiihnins des Oereins- geletzes. Nicht bloß Regierungspräsidenten, auch Polizeipräsidenten und AmtSvorsteher belieben loyale Ausführung des Vereinsgesetzes. AuS Breslau liegt der folgende hübsche Fall vor: Die Breslauer Polizei hat eine Mitglieder- Versammlung deS Sozialdemokratischen Vereins deshalb a u f g e l ö st, weil der Vorsitzende sich die ungesetzliche polizeiliche lieber- w a ch u n g verbat und die Polizisten aus dem Lokale ver- wies. Natürlich wurde gegen diese Auflösung daS Erforderliche unternommen. Was aber antwortete der Polizeipräsident auf die Beschwerde: Er teilte dem Vorsitzenden des Soz. Vereins mit, daß die Mitglieder Versammlung, weil 600 Mitglieder daran teilgenommen hätten, keine Mitgliederversammlung mehr gewesen seil ES seien, führt der gesetzeskundige Herr weiter an, auch Frauen anwesend gewesen. Erst daS Gericht wird also dem Herrn mitteilen müssen, daß dem Soz. Verein seit dem 15. Mai auch Frauen angehören dürfen. DaS wichtigste Stück des Entscheides ist aber das folgende: Der erwähnte Verein umfaßt räumlich das Stadtgebiet Breslau; die Mitgliederzahl wird seitens der„Volkswacht" selbst im Februar dieses Jahres auf über 6000 angegeben. Der Erwerb und Verlust der Mtgliedschast ist an recht ge« ringe und leicht zu erfüllende Voraussetzungen geknüpft und der Mitgliederbestand ist fortdauernd einem erheblichen Wechsel unter- worsen. Unter diesen Umständen bilden die Mit- g lieber deS VereinS keinen in sich geschlossenen. estimmt abgegrenzten KreiS von innerlich unter sich verbundenen Personen(Entsch. d. R.-G. in Strafsachen Bd. 21 S. 256) und die Versammlung vom 12. d. M. trug schon dieserhalb die Merkmale einer öffentlichen Ver- sammlung an sich. Diese famose ReichSgertchtSentscheidung, ein wahres Muster- beispiel der scharffinnigen deutschen Rechtsauslegung, die Begriffe wie Kautschuk zu dehnen weiß, wenn eS die StaatSraison erfordert, ist schon in der Begründung deS Entwurfs des Reichsvereinsgesetz enthalten. Der„Vorwärts" hat während der Beratung deS Gesetzes auf die Falle, die also für die Versammlungen der politischen Vereine aufgestellt wurde, aufmerksam ge- macht, unsere Redner haben im Reichstag ebenfalls darauf verwiesen. Aber der Herr Staatssekretär des Innern protestierte gegen die Unterstellung, daß die Regierungen der Polizei die Handhabe liefern wollten, die Versammlungen politischer Vereine doch unter die An- meldungSpflicht und unter die polizeiliche Ueberwachung zu bringen. Jetzt haben wir den Beweis, was es auch mit dieser loyalen Er- klärung Bethmann-HollwegS auf sich hatte. Das Bild wäre nicht vollständig, wenn der Bescheid deS Breslauer Polizeipräsidenten an den Beschwerdeführer nicht mich noch die beruhigende Versicherung enthielte, er— der Beschwerde führende Vorsitzende deS fozialdemokrattschen Vereins— werde noch ein— Strafmandat aufgehängt bekommen, weil er die Ver- sammlung nicht—— polizeilich angemeldet habe!!! Die lübeckischen Ausführungsbestimmungen zum Vereinsgesetz, die vom Senat der Pfeffersack-Republik erlassen worden waren. tragen bekanntlich einen durchaus sozialistenfeindlichen Charakter und enthalten bedeutende Verschlechterungen gegen das früher in Lübeck bestehende Gesetz. Vor Erlaß der AuSführungSbestimmungen hatten unsere Genossen in der Bürgerschaft den Antrag gestellt, der Senat solle die der Regelung durch die Landesgesetzgebung vorbehaltencn Ausnahmen von den Bestimmungen des ReichsvereinsgesetzeS im Sinne größtmöglichster Freiheit bestimmen. Der Senat kümmerte sich jedoch gar nicht um diesen Antrag,— dessen Be- ratung sonderbarerweise bis nach dem 15. Mai verschoben wurde— sondern schlug der Arbeiterschaft mit der Be- stimmung brutal ins Gesicht, daß es ßum Publikationsorgan für Versammlungen einzig daS ReichsverleumdungSverbandSorgan, die «Lübeckischen Anzeigen" ernannte. In der Bürgcrschaftssitzung vom letzten Montag, in welcher post festurn der vorstehend angedeutete sozialdemokratische Antrag zum RcichSvereinsgesetz zur Verhandlung kam. benutzte Genosse Wissell die Gelegenheit, um das volksfeindliche Gebahren deS Senats in scharfer Weise zu kritisieren. Nicht einmal vom Senatstische wußte man darauf etwas zu antworten. Schließlich wurde der Antrag unserer Genossen sowie ein weiterer Antrag, nach welchem alle'Tageszeitungen zur Publikation von Versammlungen im Sinne des Vereinsgesetzes bestimmt werden sollen, dem Bürgerausschuß überwiesen. Ob der Senat aus der Lektion die nötige Nutzanwendung ziehen wird? Des Gewerßfchaftslsongrelles dritter tag. Am dritten Verhandlungstag wurde die Berichterstattung der Generalkommission und der ihr angegliederten Institute, des Arbeiterinnensekretariats und des Zentral-Arbeitcrsekretariats, zu Ende geführt. Für daS letztere sprach noch Les che-Hamburg über die Vertretung der Rechtsuchenden durch die Arbeiter- und Gewerkschaftssekretäre vor den Gerichten. Be- kanntlich werden Arbeitersekretäre von den Gewerbegerichten und den Schiedsgerichten für Arbeiterversicherung vielfach als Vertreter zurückgewiesen. Der Referent wies nun an der Hand einer ganzen Reihe von Beispielen nach, wie schwer dadurch oft Arbeiter geschädigt würden, die nicht genügend vorgebildet sind, ihre Interessen selbst zu vertreten. Sein Material wurde in der lebhaften Diskussion durch die einzelnen Redner noch weiter ergänzt. Fast alle Ausführungen gipfelten schließlich in der auch durch die an- genommene Resolution festgelegten Forderung nach einem Gesetz, durch dessen Bestimmungen die Arbeiter- und Gewerkschastssekretäre zur Vertretung Rechtsuchendcr bei den Gerichten zugelassen werden müssen. Nachdem der Generalkommission Decharge erteilt worden war, beschloß der Kongreß noch, die Zahl der General- kommissionS-Mitglieder um 2, von 11 auf 13, zu er« höhen. Darauf trat er in die Beratung der vielleicht unangenehmsten Materie, der Grenz st reitigkeiten, ein. Bömelburg als Vorsitzender hatte klug vorbeugend schon am ersten Tage dem Kongreß einen Vorschlag gemacht, der die unangenehme Er- örterung aller Einzelbeschwerden hintanhalten sollte. Er schlug vor, die Redaktionskommission mit der Ausarbeitung einer Resolution zu beauftragen, welche unter Berücksichtigung der vorliegenden Anträge die Richtlinien feststlegt, nach denen die nun einmal unvermeidlichen Grenzzwistigkeiten zu schlichten sind. Der Kongreß stimmte dem zu und die Kommission konnte heute dem Plenum daS recht umfangreiche Resultat ihrer mühseligen Arbeit unterbreiten. S i m 0 n- Nürnberg erläuterte als Berichterstatter die einzelnen Forderungen der Resolution, zu der während seiner Rede bereits einige Abänderungsvorschläge eingingen. In die Diskussion konnte der Kongreß nicht mehr eintreten, da die Kongreßteilnehmer am Nachmittag eine Hafen-Rundfahrt mit anschließendem Ausflug nach Fährhaus Lühe unternehmen. Aber es wirst ein bezeichnendes Licht auf die Stimmung der Delegierten, daß sich schon während des Simonschen Referates nicht weniger als 26 Diskussionsredner eintragen ließen, darunter der Brauereiarbeiter Krieg- Hannover gleich zweimal i Hoffentlich darf man diese äußeren Anzeichen als solche lovens« werten Eifers, nicht etwa als Ausfluß unnützer Erregung deuten. Nach Erledigung der Grenzstreitigkeiten wird Molkenbuhr zum Wort kommen._ Die Konterrevolution In Perfien. Das persische Parlament ist den Kanonen des Schahs erlegen. Sein Zaudern und seine Unentschiedenheit haben dem Schah Mohammed Ali genügend Zeit gelassen, den Staatsstreich vorzubereiten und seine Artillerie hat über die wenigen Flinten, die den Verteidigern der Verfassung zu Ge- böte standen, glänzend gesiegt. Die persische Konstitution war eine Fernwirkung der russischen Revolution, wie ihre gewaltsame Besciti- gung die Frucht des Sieges der Konterrevolution in Rußland. Der Schah folgte nur russischen Ratschlägen und russischen Methoden und der Sieger von Teheran ist in Wirklichkeit der russische General Liakhoff, der Anführer der mordenden und plündernden Kosaken. So bedeutet die Niederlage des persischen Volkes den Verlust der nationalen Unabhängigkeit und Persiens Auslieferung an Rußland, in dessen Einfluß- sphäre Nordpersien nach dem englisch-russischen Ueberem? v kommen fällt. Noch ist aber nicht zu erkennen, ob die Macht der Revo- lution wirklich vollständig gebrochen ist. Die Hauptstadt zwar ist verloren, aber in der Provinz sind die Revolutionäre noch unbesiegt. Freilich, das Zögern des Parlaments, das der- säumt hatte, rechtzeitig Zuzug aus der Provinz herbeizurufen, kann auch hier bereits alles verdorben haben. Der Kampf selbst war trotz der Uebermacht des Zaren außerordentlich heftig und die Verteidiger des Parlaments haben außerordentliche Tapferkeit bewiesen. Der Schah aber hat den Sieg ausgenutzt, wie die Sieger über das Volk ihre Uebermacht immer ausnützen. In bestialischer Weise haben die Kosaken gehaust und was von ihnen verschont blieb, hat der Spruch des Schahs dem Henker überliefert. Uebcr die letzten Ereignisse unterrichten folgende Depeschen: London, 24. Juni. B lätte rmeld ung en aus Teheran zufolge wurden die etwa 200 Verteidiger des Parlaments- gebäudes und der Moschee durch Artilleriefeuer verlrieben, nachdem sie durch Bomben ein Geschütz außer Gefecht gesetzt und den Kosaken schwere Verluste zugefügt hatten. Das Bombardement dauerte bis 3 Uhr nachmittags. Im ganzen sind etwa 70 Menschen getötet oder verwundet worden. Alle hervorragenden Mitglieder der Nationalpartei, ein- schließlich Parlamentsmitglieder und hohe Geistliche, sollen verhaftet worden sein. Eine Plünderung der Stadt, die sich auch auf das europäische Viertel ausdehnte, hat stattgefunden. Die Stadt ist jetzt in den Händen deS russischen Generals Liakhoff, der die Kavallerie befehligte. Die fremden Gesandtschaften sind nicht in Gefahr. Die Z e r st ö r u n g der großen Moschee durch das Bombardement hat das Volk aufs tief st e empört. Der Schah hat die größten Schwierig- leiten, Herr der Situation zu werden. Das„B. T." meldet, daß sämtliche Bazare geschlossen seien; die Regierung erklärte den Belagerungszustand. Der erste Angriff erfolgte auf feiten der Kosaken, was allerdings geleugnet wird. Ferner meldet das Reutersche Bureau: Teheran, 24. Juni. Es bestätigt sich, daß bei der gestrigen Beschießung des Parlamentsgebändes der erste Schuß von den politischen Klubs abgegeben wurde. Die Nationalisten zogen sich zurück, als Truppenverstärkungen eintrafen, und besetzten geschützte Stellungen auf den Dächern; sie hatten einige Verluste, wie viele ist unbekannt. Die Kosaken verloren 15 Mann; 18 Pferde wurden getötet, 3 höhere Offiziere und 20 Mann verwundet. Der Verlust der Infanterie ist nicht bekannt. Die Parlaments- gebäude wurden von den Soldaten vollständig geplündert, die auch verschiedene Leute auf der Straße ausraubten. Die Versammlungsräume von zwei politischen Klubs wurden von der Artillerie zerstört. Der Präsident des Parlaments und viele beliebte Parteiführer, Mitglieder der politischen Klubs und Redakteure wurden verhaftet, 30 in Ketten gelegt. Der Führer der Opposition und 10 Redakteure flohen in die englische Gesandt- schaft. Die englischen und russischen Vertreter ersuchten den Schah, sofort Schritte zur Wiederherstellung der Ordnung zu ergreifen, und wiesen ihn darauf hin, daß ihre Regierungen ihn für alle unliebsamen Zwischenfälle verantwortlich machen würden. Der Schah gab weltestgehende Zusicherungen. poUrtrcbc Clcbcrficbt. Berlin, den 24. Juni 1908. Der Freisinn über Terrorismus. Die blockfreisinnige Presse, die„V o s s i s ch e Z e i t u n g" Ilnd die„Freisinnige Zeitung" rechnen mit Be- stimintheit darauf, daß das von dem Genossen Hoffmann er- obcrte Landtagsmandat im 12. Berliner Landtagswahlkreis wegen des von der. Sozialdeinokratie geübten„Terrorismus" fiir ungültig erklärt wird. Die„Vossische Zeitung" schreibt: Für die Vernichtung des Mandats im 12. Wahlbezirk spricht en.e hohe Wahrscheinlichkeit. Einen Abgeordneten, der mit ähn- lichen Mitteln des Terrorismus gewählt worden wäre wie der Sozialdemokrat in Moabit hat es bisher weder im Landtage noch im Reichstage gegeben. Alle Künste der Einschüchterung und Drohung wurden mit einer bisher beispiellosen Offenheit ver- sucht, und nicht ohne Erfolg. Es wird Sache der Wahlprüfungs- kommission und demnächst des Plenums sein, zu entscheiden, ob ein solches Treiben mit der politischen Moral vereinbar und ein durch derartige Wahlbeeinflussung erlangtes Mandat gültig ist. Das Blatt behauptet dann, daß von 14 auf einer be- sonderen Boykottliste— wie wir aus der bürgerlichen Presse ersehen haben, handelt es sich um einen an ein paar Häuser angeklebten Anschlag ein erheblicher Teil eingeschüchtert worden und nicht zur Wahl gekommen sei. Die„Vossische Zeitung" hätte doch mitteilen sollen, wieviel auf dieser Boykottliste stehende Wahlmänner nicht gewählt haben. Nach ihrer eigenen Angabe wählten im ganzen nur 7 frei- sinnige Wahlmänner, die am 16. Juni gewählt hatten, diesmal nicht. Der größere Teil dürfte diesmal wohl deshalb nicht zur Abstimmung erschienen sein, weil er bereits seine Badereise angetreten hatte. Behauptungen tuns also nicht. Es bedarf der Beweise. Auch daß sich die„Vossische Zeitung" von mehreren„Augenzeugen" be- stätigen läßt, daß„mindestens 6 Wahlmännern", die kurz vor 7 Uhr ihr Wahlrecht ausüben wollten, von der Sozial- demokratie der Weg versperrt worden fei, dürfte erst be- wiesen werden müssen. Aber davon ganz abgesehen. Wenn wirklich der Terro- rismus, der diesmal ausgeübt worden sein soll, die Un- gllltigkeit der Mandate zur Folge haben sollte, so müßten in erster Linie sämtliche freisinnigen Mandate kassiert werden I Hat doch keine andere Partei durch Flugblätter und durch die Presse so skandalösen Ter- r o r i s m u s ausgeübt wie der Freisinn, der allen Be- amten, nicht nur den staatlichen, sondern auch den städtischen Beamten, die Strafe der Entlassung androhte, falls sie bei der Urwahl sozialdemkratisch abstimmen würden! Ueber das Kapitel des Wahlterrorismus wird also im Land- tag erst noch des längeren verhandelt werden müssen. Ob der Freisinn dabei besonders gut fahren wird, wird ja die Erfahrung lehren.—_ Sozialer Kannibalismus! Die„Germania" meldet: „Heute geht uns aus Oberschlesien, Wahlkreis K a t t o» w i tz- Z a b r z e, die Mitteilung zu, daß auf der fiskalischen Ferdinandgrube, die unter Leiwng deS Bergwerks- direktors Edelmann steht, elf unbescholtene, fleißige Arbeiter— sämtlich Zentrumswähler— ohne Angabe eines Grundes ent- lassen worden sind. Das Verzeichnis dieser entlassenen Arbeiter, di» sämtlich verheiratet und Familienväter sind, und die zum Teil 12 bis 37 Jahre auf der Ferdinandgrube gearbeitet haben, liegt unS vor: an der Richtigkeit der Mitteilung ist nicht zu zweifeln. Aber auch über den wirklichen Grund der Entlassung� dieser Zentrumswähler kann kein Zweifel mehr möglich sein. Der Steiger Kubitza hat vor den Wahlen dem Häuer Joseph Schiller aus Bogutschütz(38 Jahre alt, verheiratet und seit siebzehn Jahren auf der Ferdinandgrube) richtig prophezeit:„Wenn Sie nicht wählen, wie ich Ihnen sage(für Voltz). werden Sie die Grube von hinten sehen." Ein anderer Steiger erklärte nach den Wahlen: „Das beste wäre jetzt, eine Kanone auffahren zu lassen und die polnische Bande zusammenzuschießen." Und das ist bei einer fiskalischen Grube, bei preußischen Bergwerksbeamteu gegenüber unbescholtenen fleißigen Arbeitern möglich, die sich nichts anderes haben zuschulden kommen lassen, als daß sie sich bei der Wahl als Zentrumswähler bekannt und nicht fiir die Wahlmänner des Grubenproteges Voltz gestimmt haben I Ist das nicht geradezu unerhört?...* „Norddeutsche Allgemeine Zeitung", her- aus! Auf diese Verüber scheußlichsten„sozialen Kanni- balismus", auf die königlich preußischen Grubenbeamten! „Norddeutsche Allgemeine Zeitung", heraus!—_ Zentrumsleute unter sich. In Aachen ist der Reichstagsabgeordnete Sittart nicht wieder in den Landtag gewählt worden. Mit der Frage des Doppel- Mandats hat dies keinen Zusammenhang. Es hatten sich wegen der Aufstellung Sittarts zwei Gruppen in der Aachener Zentrums- Partei gebildet, die sich in der rabiatesten Weise zu Leibe gingen und sogar Flugblätter gegeneinander herausgaben. Von den Be- fürwortern der Kandidatur Sittart wurde dieser als„verdienst- voller Abgeordneter" und seine Nichtaufstellung als Folge von Intrigen bezeichnet. Hierauf wurde von der Parteileitung eine Erklärung erlassen, woraus sich ergibt, daß Sittart im Land- tage so gut wie gar nichts getan hat. Diese Untätig- keit muß um so mehr wundernehmen, als unter den Reichstags- abgeordneten, die sich dieser Tage an der parlamentarischen Marine- spritz-, Trink- und Eßfahrt beteiligt haben, Herr Sittart einer der Fleißigsten zu sein scheint. In einem weiteren Flugblatt der Parteileitung des Aachener Landtagswahlkrcises findet sich eine Stelle, die wegen des darin zutage tretenden Sauherdentones tiefer gehängt zu werden verdient. Es wird da von den Anhängern Sittarts gesagt, daß- sie „mit Mitteln niedrigster Art" die Gegenkandidatur des Ober- Pfarrers Dr. Kaufmann zu Fall zu bringen suchten. In einer von Sittarts Freunden veranstalteten„Radauversammlung" seien die Führer der Aachener Zentrumspartei„in gemeinster Weise beleidigt, Justizrat Vossen geschmäht, Reichstags- abgeordneter Nacken Verräter und Judas genannt... kurz in Lüge und Beleidigung das MSglichste geliefert" worden. Man wird sich diese Dinge merken müssen für den Fall, daß die braven Zentrumsblätter nächstens wieder anderen Leuten pathetische Borhaltungen über den guten Ton machen, Freisinniger Schwindel. Die„Freisinnige Zeitung" wartete dieser Tage ihren Lesern mit einem fetten Happen auf— sie hatte einen sozialdemokratischen Wahlrechtsverrat ent- deckt. Unsere Genossen im Dresdener Stadtverordneten- kollegium sollten die Verräter sein. Sie haben sich nach dem ehrenwerten Organ der Prinzipienwächter Wiemer, Kopsch, Fischbcck usw. durch ihren Antrag auf Wiedereinführung des alten Listcnwahlrechts unter Anwendung des Verhältniswahl- systems einer elenden Verleugnung der wichtigsten Grundsätze der Partei und kläglicher rückgratloser Kompromiß- sucht schuldig gemacht. Wörtlich heißt es: Das alte System enthielt so viele einschneidende Be- schränkungen deS Wahlrechts, daß die Sozialdemokraten eS im Jahre 1905 ganz energisch bekämpften. Jetzt aber b e a n- tragen sie selbst, das von ihnen vor ein paar Jahren perhorreszierte Wahlrecht wieder einzuführen.... Wie sagt doch gleich die„Leipziger Volkszeitung": Die Sozialdemokratie kämpft um ihre Grundsätze unter Hintanstellung aller anderen Interessen. ?;n Dresden kämpfen die Genosien-Stadtvätcr gegen alle Fort- chrittsgrundsätze unter Hintansetzung aller berechtigten Interessen derjenigen Kreise, deren Vertrauen sie ins kommunale Parlament delegierte. Sozusagen also:.Zielbewußtsein" in höchster Potenz! Die„Freis. Ztg." verfchweigt in dieser gesinnungstüchtigen Notiz zunächst, daß das jetzige Wahlrecht zum Dresdener Stadtverordnetenkollegium ein ausgewachsen reaktionäres Berufs- Wahlrecht ist. Sie verschweigt weiter, daß unsere Genossen damals wie heute die Einführung des allgemeinen, ge- Heimen und direkten gleichen Wahlrechts unter Anwendung deS Verhältniswahl- s y st e m s beantragt haben I Das alte Listenwahl- system kannte unter der Wählerschaft keine Unter- schiede, es beruhte auf dem Prinzip der Allgemeinheit und Gleichheit und war direkt und geheim! Jedoch wurden alle Minoritäten vergewaltigt, da die Stadt einen einzigen Wahlbezirk bildete. Durch die Verbindung der Ver- hältniswahl mit dem Listensystem hätte jede Partei die ihrer Stärke entsprechende Vertretung bekommen. Und also handeln die Genossen in Dresden genau nach der Vorschrift des sozial- demokratischen Programms, wenn sie das alte Listensystem in Verbindung mit dem Proportionalsystem fordern. Die„Freisinnige Zeitung" schwindelt also, wie Figura zeigt, zwar gesinnungstüchtig, aber sehr plump.— „Es ist eine Lust zu leben." ES gibt doch noch Leute auf der Welt, die aufjauchzen, tvcnn sie um sich schauen. Und merkwürdigerlveise sind eS nicht die Villen- bewohuer und Automobilbefitzer, die über die Herrlichkeit des MenschendaseinS jubeln, sondern deutsche Arbeiter, die sich vor lauter Lebenslust nicht zu lassen wissen. Der„R h e i n i s ch-W c st. fälische Arbeiterbote", das Blatt des GcsamtverbandeS evangelischer Arbeitervereine, bringt nämlich zum zwanzigsten Re- gierungsjahr des deutschen Kaisers einen Artikel, worin es heißt: „Daß unser Kaiser das richtige Verständnis für unsere chri st lichnationale Arbeiterbewegung hat. ist au» seinen BreSlauer Worten:„Wählt nationale Arbeiter in den Reichstag" zu entnehmen. Und nicht nur die Arbeiterfragen. sondern alle die Volkswohlfahrt betreffenden Fragen werden von unserem Kaiser auf das lebhafteste ventiliert. Unter seiner Regierung ist das Kirchenelend in Berlin wesentlich ver- mindert worden, und häufig hat er sich als entschiedener Ver- fechter des evangelischen Gedankens bekannt." Weiter sieht der„Arbeiterbote" Industrie, Handel und Technik zu einer Blüte gelangt, die dem gesamten Auslande Bewunderung abringt. Und wie hat sich unter Wilhelm II. der National. Wohlstand gehoben! Zwar muß daS Blatt bekennen, daß der Nationalreichtum nicht in der wünschenswerten Weise unter d,e Ma�sc kommt, aber es gibt sich doch der Gewiß- best hin. daß durch die soziale Reform in absehbarer Zeit eine bessere Verteilung der Güter stattfindet. Und dann des Entzückens Gipfel: „Ein mächtiger überseeischer Handel garantiert uns die Mit- betciligung, wenn nicht gar die Führung auf dem Weltmarkt. Und dieser überseeische Handel darf sich stützen auf eine starke schlag- fertige Flotte. Ein mutiger Geist beseelt unsere Truppen zu Wasser und zu Land, so daß wir ausrufen dürfen: ES ist eine Lust zu leben!" Man sieht, es gibt doch noch zufriedene und glückliche Menschen in Deutschland, und man begreift eS. daß die evangelischen Ar- beitervcreine tu ihrer LebensfrcM zsicht daK Bedürfnis Mpfigdat, an der Besserung ihrer Lebenslage zu ivirken. Wozu auch? Wir haben ja eine starke Flotte, das Kirchenelend in Berlin mildert sick' von Tag zu Tag. der„Nationalwohlstand" der Reichen wächst ins Ungeheure, und auf die christlichnationale Arbeiterbewegung scheint die Gnadensoune des Kaisers, Was braucht der deutsch: Arbeiter mehr, um glücklich zu sein? Für die politische Freiheit der Beamten. Die sozialdemokratische Fraktion deS badi scheu Landtags hat zum Entwurf eines badischeu Bereinsgesetzes in der Zweiten badischen Kammer folgende Resolution beantragt: Die badischen Staatsbeamten dürfen gemäß Artikel 7 der badischen Verfassungsurknnde hinsichtlich ihres Einkommens und ihrer Beförderung in höhere Stellen oder Gehaltsklassen wegen ihrer politischen Gesinnung oder deren Be- tätigung in keiner Weise benachteiligt werden. Landtagsschluft in Hessen. Am Sonnabend ist im Großherzogtum Hessen der 33. Landtag geschlossen worden. Während in den anderen süddeutschen Staaten, in Bayern, Württemberg und Baden, das direkte Wahlrecht eingc- führt ist, ist dies in Hessen, trotzdem dort die Wahlrechtsbewegung am frühesten eingesetzt hat, noch immer nicht möglich. Die Wahl- rechtsvorlage, die dem jetzt verflossenen Landtag vorgelegen hat, ist als solche eigentlich gar nicht im Plenum zur Debatte gekommen. Sie ivar von vornherein ein totgeborenes Kind, weil sie, entgegen dem ausdrücklichen Beschluß des früheren Landtages, eine wesent- liche Erweiterung der Rechte der Ersten Kammer vorsah. Die Regierung war damit dem Verlangen der„hohen und erlauchten Herren" entgegengekommen, die als„einigermaßen genügende Sicherung gegen die bedenklichen Folgen" des direkten Wahlrechts größere Rechte für sich forderten. An diesem Verlangen war im vorigen Landtage die Vorlage gescheitert. Jetzt machte nun die Regierung die Forderung der„Herren" zu der ihrigen, wo- durch sie von vornherein die Vorlage unannehmbar mackitc. Wenigstens auf dem jetzt geschlossenen 33. Landtag. Ter n ä ch jiV Landtag aber dürfte, wenn nicht das Volk ein energisches Won bei der Wahl spricht, glatt einige Volksrechte der Ersten Kammer opfern. Ultramontane, Nationalliberale und Antisemiten, die im hessischen Landtag die Mehrheit bilden. haben nämlich ihre Abneigung gegen eine Kompetenzerlveiternng der Ersten Kammer aufgegeben und sich bereit erllärt, nach dem Wunsche der Regierung nunmehr verfassungsmäßige Rechte der Volksvertretung aufzugeben zugunsten der„Herren". Diesen U m f a l l haben die ultramontanen, nationalliberalcn und antisemitischen Volksvertreter in der letzten Sitzung des Lmid- tags am Sonnabend feierlich vollzogen. Unsere Genossen hatten ge- meinsam mit der aus drei Mann bestehenden freisinnigen Fraktion folgenden Antrag gestellt:' „Die Kammer wolle beschließen, Grofeljerzogliche Regierung zu ersuchen, sofort bei Beginn des nächsten Landtags den Landständen eine Gesetzesvorlage zugehen zu lassen, welche die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten, geheimen Landtagswahlrechts, unter voller Wahrung der ver- fassungsmäßigen Rechte der Zweiten Kammer vorsieht." Der Antrag ist dem Sinne nach derselbe, der auch vom früheren Landtag fast ein st immig angenommen worden war. Aber siehe da! Nationalliberale, Ultramontane und Bauern- bündler waren inzwischen umgefallen und wollten von einer Wahrung der verfaß ungsmäßigen Rechte der Zweiten Kammer jetzt nichts mehr wissen! Für das gleiche Wahlrecht waren diese drei Parteien in Hessen übrigens überhaupt niemals gewesen, sondern hatten dem direkten Wahlrecht nur unter der Be- dingung zugestimmt, daß„genügende" Kautclen gegen die Minderbemittelten darin enthalten seien. Jetzt aber erklären sie sogar jeden für keinen Freund des direkten Wahlrechts, der keine Recht« der Zweiten Kammer preisgeben wollte. Die Herren hatten sich nämlich im Gesetzgebungsausschuß der Zweiten Kammer, dem die Wahlrechtsvorlage überwiesen wor- den ivar, mit der Ersten Kammer in ein widerliches F et l s che n eingelassen, wobei sie sich anscheinend von der Notwendigleit der Vergrößerung der Rechte der„Herren" überzeugt hatten. Kurzum, Nationalliberale, Ultramontane und Antisemiten bekämpften den obigen Antrag. Die Parole in dem bevorstehenden Landtagswahlkampf wird nun wiederum das Wahlrecht bilden. Wann die Wahlen stattfinden, steht noch nicht fest, voraussichtlich Anfangs September. Von den 50 Mitgliedern der Zweiten Kammer scheiden be- kanntlich die Hälfte aus. Von unseren Genossen stehen K. Ulrich- Offenbach(Stadt), Dr. David und B. Adelung in Mainz (Stadt) und I. Orb in Offenbach(Land) zur Wahl. Die Frak- tion war bis sieben Mann stark. In der Kammer verbleiben noch die Genossen Dr. Fulda, Berthold und Raab, Gerechtigkeit. Das Kriegsgericht zu Darmstadt verurteilte einen Musketier zu 22 Tagen strengen A r r e st, weil er in Uniform eine sozio» listische Versammlung in Franlfurtbesucht hatte. Militärjustiz. Eine harte Strafe erhielt vom Kriegsgericht in Königsberg der Füsilier Winning vom Kronprinzregiment zudiktiert. Er hatte als Offiziersbursche eines Abends ein Pferd durch die Straßen zu transportieren. Vorher war er auf einer Geburtstags- frier gewesen und hatte sich einen Rausch angetrunken. Als er sich mit dem Pferde quf dem Transport befand, kam hinter ihm ein Bataillon der Infanterie. Der Dirigent der SpieUeute befahl dem Sol- baten, mit seinem Pferde schneller zu gehen oder beiseite zu treten. Der Mann tat das aber nicht, sondern machte einige Redensarten. Er hatte sich dadurch an der heiligen Disziplin versündigt, daß er wegen ausdrücklicher Gehorsamsverweigerung, Beharrens im Un- gehorsam. Achtungsverletzung und Beleidigung eines Vorgesetzte». alles„begangen vor versammelter Mannschaft" angeklagt und vom Kriegsgericht trotz seiner bisherigen Unbescholtcnheit und guten Dienstfnhrung zu— drei Monaten Gefängnis— verurteilt und � im Interesse der Disziplin— sofort verhaftet wurde! l frankreick. Antimilitaristisches. Paris, 23. Juni. Vierzehn Gestellungspflichtige aus Florent. die jüngst vom Zuchtpolizeigericht wegen antimilita- ri st ischer Kundgebungen zu 20 Tagen Gefängnis verurteilt waren, begaben sich gestern nach Verbüßung ihrer Strafe nach BourgeS. Gegen 500 Personen gaben ihnen daS Geleit zum Bahnhof und brachten ihnen bei der Abfahrt O v a t i o n e N dar, wobei revolutionäre Lieder gesungen wurden. Lelgien. Die Regierung schweigt weiter, ß Brüssel, 20. Juni.(Eig. Ber.) Vanderbelde hat mit seiner Bemerkimg, daß sich die Regierung über daS Parlament moquiert, nur zu recht. Erst D e st r S e, dann Vandervelde und schließlich der Liberale N e u j e a n haben nacheinander von der Regierung Aufklärung ver- langt, wie eS kommt, daß die diplomatischen Verhandlungen der englischen und belgischen Regierung, die das kürzlich veröffentlichte .Graubuch" enthält, nur bis zum24. April reichen, während eS notorisch ist, daß die Verhandlungen über dieses Datum hinaus gehen und England sein letztes Wort anfangs Juni ge- sprachen hat.... Herr Schollaert hatte auf die präzise An- schuldigung, daß die Regierung eine unvollkommene, verstümmelte Korrespondenz geliefert habe, die das letzte entscheidende Abkommen " mung nicht berzeichnet, nur die nichtssagende Phrase, daß das englische Berichtsjahre jedoch auf mehr als 111 000 Personen. Bei Beginn Es handelte sich in den betreffenden Artikeln um die Kritik Ver Graubuch nicht mehr enthalte wie das belgische! Und der des Jahres zählten die Gefängnisse 95 000, am Ende des Jahres Polizeimaßnahmen in mehreren Fällen. Am Dienstag wurde vor Minister D'Avignon erhob einen energischen Protest" und ver- 125 000 Insassen, wobei es Tage gab, daß diese Zahl die Höhe dem Reichsgericht die Revision Hoffmanns verhandelt. ficherte, daß er nicht ermangeln werde, Mitteilungen zu von 165 000 erreichte." Sie rügte hauptsächlich Verkennung des§ 193( Wahrneh Der Reichsanwalt machen, wenn solche zu machen sein würden. berechtigter Interessen.) Das war Soweit das zitierte Blatt. Welche Zustände in den Gefängnissen hielt eine solche nicht für vorliegend. Die bloße Aussicht, auch eindie ganze Antwort" auf die präzise Frage Neujeans, herrschen, ist aus dem amtlichen Bericht nicht zu ersehen. Darüber mal ins Bolizeigefängnis fommen zu können, genüge nicht, um ob die Regierung unter ihrer ministeriellen geben uns die Ereignisse in Jekaterinoslaw, Astrachan usw. den Schutz des§ 193 in Anspruch nehmen zu können. Eine indiVerantwortlichkeit wagen würde, zu bedeutlich genug Aufklärung. Oder ein amtliches Rundschreiben viduelle Beziehung des Angeklagten zu den geschilderten Vorgängen haupten, daß nach dem 24. April feinerlei Verdeckt unfreiwillig die grauenhaften Zustände auf, in welchen habe nicht bestanden. Der Angeklagte habe gar nicht den vermeinthandlungen zwischen England und Belgien in der die Opfer des Barismus schmachten. Wieviel kalte Grau- lichen Mißstand abstellen, sondern lediglich in seinem Pressetricg Rongofrage stattgefunden haben! famteit ist zum Beispiel in folgendem Rundschreiben ent- mit der Polizei recht behalten und einen Trumpf ausspielen wollen.(?!) Das Reichsgericht verwarf die Revision -G Eine gelbe Abfuhr. Nicht doch: die ganze Antwort war es nicht! Die Regierung halten, das die Hauptgefängnisverwaltung anläßlich der zuhat auch die Anträge der Opposition abgelehnt, die Kammer bis nehmenden Hungerstreits in den Gefängnissen versendet:„ Da zum November zu bertagen, bis die Abgeordneten Klarheit der Verzicht auf Nahrung so heißt es in diesem„ Kulturüber die Situation gewonnen haben und die Frage der dokument" ein durchaus freiwilliger() ist und nicht durch Gelben, Rudolf Lebius, hat auch den Genossen Baul Schlegel Der bekannte Er- Sozialdemokrat und jeßige Häuptling- der Monopolgesellschaften, die die durch den Regierungs- Maßregeln verhindert werden kann, die von der Gefängnis- von der Fränt. Tages post" zu Nürnberg wegen Beleidi= vertrag vorgesehenen Lasten um 200 bis 300 Millionen verwaltung abhängen, so ist lettere auch nicht für die Folgen dieses gung verklagt, weil dieses Parteiblatt zu dem Bericht über den bermehren kann, aufgeklärt und gelöst ist. Verzichtes verantwortlich, selbst wenn der Tod eines Prozeß des Lebius gegen den Vorwärts" einige Bemerkungen Die Regierung und die Majorität begehen also die Ungeheuer- Arrestanten eingetreten fein sollte." Die Gefangenen über den früheren Lebenslauf des Lebius gemacht hat. Dieser lichkeit, die unerhörte politische Frivolität, das Haus die Annexion mögen also, bis zum äußersten getrieben, zum letzten Mittel, zum scheint jedoch zu den Nürnberger Gerichten kein Zutrauen zu haben, beraten zu lassen, ohne es über eine der wichtigsten Fragen Hungerstreit greifen. Die Gefängnisverwaltung ist für die Folgen, der Materie, über das Regime der Konzessionen selbst für den Tod der Gefangenen nicht verantwortlich", denn die aufzuklären; ohne aufzuhellen, in in welchem Stadium Handlungsweise der Gefangenen war ja„ durchaus freiwillig"... ihre Verhandlungen und Abmachungen mit der englischen Reaierung sich befinden. Denn es ist natürlich leere Sophisterei, Japan. wenn der Minister erklärt, daß alle Korrespondenzen Besserung der Beziehungen zu China. nesfentlicht wurden, da es sich nicht allein um„ Korrespondenzen" Zolio, 24. Juni. Japan hat seinen Geschäftsträger in Bering schlechthin, sondern selbstredend um alle Formen von diplomatischen angewiesen, der chinesischen Regierung mitzuteilen, daß Japan sich Bereinbarungen handelt, die zwischen den beiden Mächten stattfinden. der Entwickelung des chinesischen eiles der Mandschurei So nüchtern hat sich der gewissenlose, absolute Geschäftsstand- nicht nur nicht entgegenstellen, sondern sie unterstützen werde. punkt, von dem aus das Haus die Annerion„ berät", noch nicht ge- werde auch einem Bahnbau von Hsin- min- tun nach Fa- ku- mönn zeigt, wie in dem gegenwärtigen Stadium. Ausflüchte, leere Phrasen fein Hindernis in den Weg stellen. auf alle Anfragen um Aufklärung der Sachlage und schließlich brutales Schweigen auf die Frage der Opposition, wie weit die Regiernng in ihren Verhandlungen mit England gelangt ist.... Es Amerika. und den Beklagten vor das Schöffengericht Berlin- Mitte zitieren, denn er wollte den fliegenden Gerichtsstand in Anwendung bringen weil in jenem Bezirk die Tagespost" in einer öffentlichen Lejehalle aufliegt. Gegen diese Absicht wurde Protest eingelegt, und das ge= nannte Gericht hat nunmehr die Klage des Lebius abgewiesen, weil es nicht zuständig sei. Der Umstand, daß nach Behauptung des Klägers die Fränt. Tagespost" im Bezirk des Schöffengerichts Berlin- Mitte verbreitet sei, fönne die Zuständigkeit desselben nicht begründen, da Kläger in diesem Bezirk seinen Wohnsitz oder stän digen Aufenthalt nicht habe. T Vom sächsischen Reservatrecht. Der Genosse Robert Grössch von der„ Dresbener Boltszeitung" erhielt einen gerichtlichen Strafbefehl zugesandt, laut dem er vier Wochen und drei Tage aft abbrummen soll wegen angeblicher Uebertretung der( mit dem Reichspreßgefeß in Widerspruch stehenden) Verordnungen der Dresden- Altstädter Amtshauptmannschaft, die den Princeton( New Jersey), 24. Juni.( Auf deutsch- Boytott mit Strafe bedrohen. Die" Dr. Volksztg." berinulèt, atlantischem Kabel.) Der frühere Präsident der Ver- daß das Verbrechen durch einige Notizen über einen Streit in einer einigten Staaten Grover Cleveland ist gestorben. Brotfabrit verübt sein soll. Cleveland gestorben. " Mit der Verwerfung der von Destrée und Neujean ge= stellten Anträge um Bertagung der Verhandlung haben die Annexionisten ihre Taktik der Lösung der Annegionsfrage flar genug enthüllt: im Dunkel die Beratung durchzupeitschen! Grover Cleveland ist 1837 geboren, war zuerst Lehrer, dann Straffonto der Presse. Der Handlungsgehilfe Ahrens zu Erst das Geschäft abschließen mag dann kommen, was da will: Advokaturschreiber, schließlich selbst Advokat in Buffalo, wo er 1881 Hannover, früher Geschäftsführer der dortigen Stelle des antizum Bürgermeister gewählt wurde. Im nächsten Jahr wurde er semitischen Handlungsgehilfenverbandes, hatte wegen einiger Artikel, Ein Konflikt mit England oder der finanzielle Ruin Belgiens Gouverneur des Staates New York und im Jahre 1884 gegen den bie der Bolts wille" zu Hannover während der Kaufmannswenn nur die Beute gesichert ist!... Und selbstredend werden auch republikanischen Kandidaten Blaine zum Präsidenten der Ver- gerichts- Wahlbewegung veröffentlichte, den Genossen Thomaser jene Leute, wenn der Tag anrückt, mitstimmen, die als Deputierte einigten Staaten gewählt. Am 4. März 1885 trat er sein Amt an. berklagt. Das Gericht erkannte wider Thomaser auf 80 Matt im Parlament die Interessen Belgiens und als Ad- Nachdem er 1888 unterlegen, wurde er 1892 gegen den Republikaner Gelstrafe, berurteilte aber auch den Antisemiten auf erhobene ministratoren von Rongogesellschaften. andere Harrison nochmals zum Präsidenten gewählt. Eine Wiederwahl Widerklage zu 30 Mart Geldstrafe. Interessen zu vertreten haben. Denn wenn man, wie die annet- lehnte er ab. tionistische Mehrheit, strupellos die Interessen des Landes in der Songofrage preisgibt, dann wird einem nicht schwer zu erraten, wie die in den Kongogeschäften engagierten Herren den Appell Destrées beantworten werden, im Namen der Ehre und der politischen Delikatesse" an der Kongoabstimmung nicht teilzunehmen. Italien. Der Generalstreik. Cine Privatdepesch e meldet uns, daß die Depeschenzensur die Absendung genauer Berichte verhindert. Der Zustand in Parma sei andauernd ernst. Offiziös wird dagegen mitgeteilt, daß der allgemeine Ausstand in der Stadt Parma beendet sei. Von anderer Seite wird noch gemeldet: Cleveland vertrat innerhalb der demokratischen Partei eine gemäßigte Richtung; der Gegensatz zu den Republikanern bestand wesentlich in für Herabsetzung der Schutzölle. der Ablehnung imperialistischer Bestrebungen und in dem Eintreten Soziales. Das dicke Fell des Arbeiters. Ein Arbeiter, den ein Arbeitgeber schimpft, darf nicht zu rasch Abbruch der Beziehungen mit Venezuela. sich beleidigt fühlen. Wenn er deshalb gar zum Gericht rennt, Washington, 24. Juni. Das Staatsdepartement hat amtlich fann's ihm passieren, daß das Gericht ihn belehrt, er fei doch nur bekannt gegeben, daß der amerikanische Geschäftsein Arbeiter, da brauche er nicht so empfindlich zu sein. Die Frage, träger Benezuela deglassen hat und zurzeit eine wie dick das Fell sein muß ,, mit dem ein. Arbeiter fich gegen reise des Geschäftsträgers wird hier darauf zurüdgeführt, daß die oft aus Anlaß von Entschädigungsklagen, die aus folchen Schimpfe diplomatische Vertretung dort nicht vorhanden ist. Die Ab- schimpfende Arbeitgeber zu wappnen hat, beschäftigt die Gerichte Vereinigten Staaten bie seitens des Gesandten geforderte Genug reien und einer baran anschließenden Arbeitsniederlegung hervor tuung von Präsident Castro nicht erlangen fonnten. Militarismus. New York, 24. Juni. Der stellvertretende Striegssekretär Mailand, 24. Juni. In Parma herrscht Ruhe. In der Res Oliver sagte gestern im Manöverlager, Präsident Roosevelt daktion des Blattes Internationale" find Schriftftüde beplante die Errichtung eines stehenden Seeres in fchlagnahmt worden. Die Angestellten der Straßenbahn haben Stärke von 250 000 Mann in acht Armeekorps, vorausgesetzt, daß sich den Ausständigen angeschlossen. Ueber 10000 Soldaten der Kongreß das Geld bewilligen und das Land die Rekruten stellen find in Parma zusammengezogen. Die Mitglieder des Stadtrats wolle. haben eine Betition eingereicht, um auch gegen die Haltung der Behörden zu protestieren. Die Arbeitsbörsen in Florenz und Genua haben den Antrag auf allgemeinen Ausstand abgelehnt. In Spezia find gestern die Zeitungen nicht erschienen. Rußland. Der neueste Streich. Petersburg, 24. Juni. Eiue Senatsentscheidung verbietet sämtlichen Staats, Landschafts- und Kommunal beamten die Bugehörigkeit zur Kadettenpartei und anderen staatsfeindlichen" Parteien. Hus der Partei. Unsere Toten. In Jena starb der Genosse Dtto The bus im jugendlichen Alter von 32 Jahren. Er hat viele Jahre lang in der Partei- und Gewerkschaftsbewegung mit stets lebendigem Eifer gearbeitet. Das Vertrauen seiner Berufskollegen machte ihn zum Vorsitzenden des Arbeiterausschusses der Firma Karl Zeiß; in dieser Eigenschaft hat er manches für die Arbeiterschaft der Beißstiftung durchzufezen vermocht. Im vorigen Jahre wählten ihn die Jenenser Genossen in das Gemeindeparlament. Dort hat er seine Kraft nicht mehr entfalten können; denn bald darauf schon warf ihn die tückische Krankheit aufs Krantenlager, der er schließlich erliegen mußte. Am Sonnabend fand im Gewerkschaftshause eine stimmungsvolle Trauerfeier für den Verstorbenen statt. Genosse Leber hielt eine tief Ein langer Bug bon Genossen und empfundene Gedächtnisrede. Genossinnen begleitete darauf den Sarg zum Krematorium. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. gehen. Die Gewerbeordnung,§ 124 Biffer 2, gibt dem Arbeitnehmer das Recht, die Arbeit vor Ablauf der verfragsmäßigen Zeit und ohne Auffündigung zu verlassen, wenn der Arbeitgeber oder fernt Vertreter fich grobe Beleidigungen zufchulden fommen ließ. der Möbelfabrik W. Kümmel machte ein Tischlergefelle Sch. bon diesein Recht Gebrauch, nachdem er bom Wertführer Laws beleidigt worden war. Sch., der in Afford arbeitete, hatte auf Lieferung von Material nicht ohne Entschädigung warten wollen. Ja, dem Wortwechsel, den er mit 2. hatte, schimpfte der ihn einen ganz gemeinen Pitti" und einen großen Schmuser". Aus dem Bi fammenhang ging hervor, daß Schmuser" sobiel bedeutete ivis Anschwärzer"," Denunziant" usw. Von dem Wort Pitti" war ohne weiteres flar, daß es gleichbedeutend war mit Sund". Ech. beschwerte sich beim Geschäftsführer Braun, der aber meinte, das feien doch keine Beleidigungen. 2. schimpfte dann in Gegenwart des Br. den Sch. noch einmal:" Sie ganz frecher Pitti! Sie sind sogar noch mehr als das." Sch. erklärte, er werde gehen, wenn L. nicht zurüdnehme. Br. sagte:" Machen Sie, was Sie wollen." Da verließ Sch. die Arbeit. Die Firma W. Kümmel fand, sie sei geschädigt und klagte gegen Sch. auf Schadenersah. Sch. erhob Widerklage auf Entschädigung Was den Echtrussen gefällt. für entgangenen Verdienst. L. Habe ihn durch gröbliche BeleidiPetersburg, 23. Juni. Die Reichsduma setzte heute die Begungen genötigt, die Arbeit zu verlassen. Vor dem Innungsschiedsratung über den Etat des Ministeriums für Boltsaufklärung fort. gericht, das die Sache bekam, gab die Firma die Aeußerungen L.'s zu, machte aber geltend, 2. sei gereizt worden. Das Schiedsgericht Burischkewitsch( extreme Rechte) hielt eine Rede hauptsächlich wies den Sch. ab. Er ging dann ans Amtsgericht, doch wurde er. über die Volksschule. Er führte aus, eine nationale patriotische auch hier abgewiesen. Das Gericht erkannte an, für Sch. sei frecher Volksschule sei der Grundstein der Staatsmacht und des VolksBitti" und großer Schmuser" eine Achtungs- und mittelbar eine wohlstandes, und wies auf den Ausspruch des Fürsten Bismard bom deutschen Volksschullehrer hin, der den Feind befiegt habe. Auch für wurde am Dienstag vom Reichsgerichte auf die Rebifion sofort niederzulegen. Ob nun eine Beleidigung als folche aufzu Bom dolus eventualis bei Preßvergehen. Aufgehoben Ghrberlegung. Aber nur" grobe Beleidigung" berechtige, die Arbeit die höheren russischen Lehranstalten könne Deutschland zum Vorbilde dienen. Redner wies weiter auf die patriotische des Angeklagten das Urteil des Landgerichtes Görlib bom fassen sei, das werde im Zweifel richtig beurteilt allein von den Richtung der deutschen studentischen Korpo- 18. März, durch das der Genosse Hermann Fleißner Standes- und Berufsgenossen des Beleidigten. Schon der GeDresden als Verantwortlicher der in Dresden gedruckten Gör- schäftsführer habe dem Sch, gesagt, das seien keine Beleidigungen. rationen hin. liber Volkszeitung" wegen Beleidigung der preußischen Vor allem aber sei durch das Innungsschiedsgericht von zwei ApRichter und Schußleute zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt beitgebern und zwei Arbeitnehmern des Handwerkerstandes der worden ist. Die" Görlißer Volkszeitung" wird in der Druckerei Spruch gefällt worden, daß Sch. abzuweisen sei. Das habe nur geder Sächs. Arbeiterzeitung"( jetzt Dresdener Volkszeitung") aus fchehen tönnen, wenn das Schiedsgericht die Aeußerungen L.'s nicht dem Satz dieses Blattes hergestellt. Der Angeklagte hatte diejenigen als grobe, die Arbeitsnieberlegung rechtfertigende Beleidigungen Artikel der Arbeiterzeitung", die nicht in der Görlitzer Bolts. angesehen habe. Dem habe hiernach das ordentliche Gericht sich zeitung" erscheinen sollten, rot zu durchstreichen. Es tam aber ge. anschließen müssen. legentlich vor, daß der Metteur aus technischen Gründen auch Artitel in die" Boltszeitung" aufnahm, die durchstrichen waren. Auf diese Weise ist auch der inkriminierte Artikel Uniformierte Bestien" in die Görlißer Volkszeitung" gekommen. Die Pogromisten und die Duma. Ginen interessanten Beitrag zur Charakteristik der„ realen Wachtverhältniffe" in Rußland liefert das Zentralorgan der Schwarzen Hunderte"," Rußfoje Snamja". In einem Artikel, der den jüngsten Pogrom prozessen gewidmet ist, schreibt das Blatt:„ Man wird bis aufs äußerste gereizt durch diese Prozesse, in denen jüdische Mörder, die auf eine Brozeſſion feu erten, als Zivilfläger auftreten. Geben sich denn Justizminister Echtscheglowiłow und die oftobristischen und rechtsstehen den Dumaabgeordneten nicht davon Rechenschaft ab, daß, wenn diefe Angeklagten nicht wären, die von den Juden Pogromiſten" genannt werden, es ihnen nicht möglich gewesen wäre, im Tau rischen Balais aufzutreten.... Mögen sie doch endlich einsehen, daß in Gestalt dieser Angeklagten jenes russische Volt abgeurteilt wird, das die russische Staatsordnung rettete und( den Abgeordneten der Rechten und des Zentrums) die Möglichkeit gewährte, ihre patriotischen Reden in der Duma zu halten. Ausnahmsweise hat das Pogromiſtenblatt ein zutreffendes Urteil abgegeben. Die Ideologie der Herrenduma war nur möglich dank der Praxis der Pogromhelden. Hinter russischen Kerkermanern. " " " " Die Revision des Angeklagten wurde vom Reichsanwalt für begründet erklärt, da der dolus eventualis bom Gerichte nicht ordnungsgemäß festgestellt sei. Das Reichsgericht hob das Urordnungsgemäß festgestellt ſei. teil auf und berwies die Sache an das Landgericht zurück. In der Begründung heißt es: Begründet war der Einwand des Verteidi gers( R.-A. Wolfgang Heine), daß die Anwendung des§ 20, 2 des Breßgefeßes ohne genügende Begründung erfolgt ist. Einen generellen Eventualbolus hat das Landgericht allerdings nicht angenommen, sondern es ist von der Tatsache ausgegangen, daß ab und zu mehr in die Boltszeitung" aufgenommen wurde als der Redat. teur angeordnet hatte. Einwandfrei ist die Annahme des Landgerichts, daß unter diesen Umständen sehr wohl dem Redakteur eine Berpflichtung oblag, zu prüfen, ob die wirklich übernommenen ArDie Petersburger Zeitung„ Slowo" bringt interessante Einzel- titel einen strafbaren Inhalt hatten oder nicht. Wenn das Landheiten aus dem fürzlich erschienenen Bericht der Hauptgericht nun davon ausgeht, daß der Angeklagte sich habe vorstellen gefängnisverwaltung für das Jahr 1906. müssen, daß bei Nichtausübung dieser Prüfungspflicht leicht ein Viel Grelles und Charakteristisches- so schreibt das Blatt- ist Artikel veröffentlicht werden könne, der strafbaren Inhalt hat, so liegt darin kein Rechtsirrtum. Dagegen bedurfte der Eventualin diesem Bericht enthalten, es muß aber gesagt werden, daß er dolus, den das Landgericht auch hat feststellen wollen, allerdings von dem gegenwärtigen Zustande des russischen Gefängniswesens noch der weiteren Begründung, daß der Angeklagte vorhersehen teine genügende Vorstellung gibt. Im Jahre 1907 hat sich konnte, daß sich der ihm als möglich bekannte Erfolg etwa einvieles geändert. Es genügt, darauf hinzuweisen, daß die Zahl der schleichen könne. Neben dieser Feststellung bedurfte es noch der weizu Katorga"( 8wangsarbeit) Verurteilten während des Berichts- teren Feststellung, daß sein Wille darauf gerichtet war, daß dieser jahres bon 2500 bis 5500 Personen stieg und sich Ende mögliche Erfolg eintrete. 1907 bereits auf 12000 Personen belief Ins Reine berechtigten Interessen! dessen sind einige Angaben des Berichtes sehr lehrreich. Es Wegen Beleidigung der Elberfelder Polizei erweist sich, daß nur das Jahr 1892 das Jahr der großen ist am 24. Januar vom Landgericht Elberfeld Genosse Otto Hungersnot mit dem Berichtsjahre 1906 tonfurrieren tann: Hoffmann von der Freien Presse" zu zwei Monaten damals belief sich die Zahl der Gefangenen auf 112 000, im Gefängnis verurteilt worden. Diese Begründung liest sich, wie wenn sie verfaßt wäre nicht von einem Richter, sondern von einem harmlosen Laien, der nicht weiß, daß Gerichtsurteile, Schiedssprüche usw. durch Mehrheitsbeschluß zustande kommen. Das Inmungsschiedsgericht war besetzt mit zwei Arbeitgebern und zwei Arbeitnehmern sowie einem„ Unparteiischen", der den Vorsitz führte. Da ist es leicht möglich, daß der von Standes- und Lerufsgenossen" des Tischlergesellen Sch. gefällte Spruch, der ihn für nicht grob beleidigt erklärte, lediglich hen beiden Arbeitgebern und dem Unparteiischen" zu danken ist. Sch. ging nun ans Landgericht. In der Berufungsschrift führte sein Rechtsvertreter aus, der Geschäftsführer gelte sonst nicht als Standes- und Berufsgenosse des Tischlergesellen, und das Urteil des Schiedsgerichts tönne burch Ueberstimmung ber eigentlichen Berufsgenoffen Sch.'s, nämlich der Arbeitnehmer, zustande getommen sein. Ob jene Beleidigungen grob seien, das könne zutreffender festgestellt werden durch Befragung des Vorstandes vom Deutschen Holzarbeiterverband oder der Arbeitnehmerbeisiger vom Innungsschiedsgericht beztv. vom Gewerbegericht. Doch müsse ohnedies jeder Unbefangene sofort zu der Ansicht gelangen, daß grobe Beleidigungen vorliegen. Das Landgericht gelangte aber nicht au dieser Ansicht, sondern entschied, die Berufung sei zurüdzuweisen. Die Beleidigungen seien nicht grob genug, um Arbeitsniederlegung aus§ 124 der Gewerbeordnung zu rechtfertigen; bei dem Bildungsgrad der in Frage kommenden Personen seien die gebrauchten, Ausbrüde nicht als außergewöhnliche zu betrachten. Man sieht, daß auch Zivilgerichte Urteile fertig bringen, die dem Arbeiter als vom Klassenstandpunkt aus gefällt erscheinen müssen. Bei dem Bildungsgrad der in Frage kommenden Personen sollen jene Ausdrücke nichts Außergewöhnliches sein. Wie gut doch unsere Richter darüber informiert zu sein glauben, was in, Arbeitertreisen Brauch ist! Was würden sie sagen, wenn nun ein Tischlergeselle bei seinem ihm gerichtlich attestierten Bildungsgrad es für nichts Außergewöhnliches hielte, anch mal seine Herren Arbeitgeber oder dessen Vertreter einen ganz gemeinen Pitti" zu titulieren? Und tvaS würde geschehen. Kenn ein Arbeiter eS wagen wollte, dasselbe Kompliment einem Streikbrecher zu machen? Zur Lage der Brauereiarbeiter. Der soeben erschienene Bericht der Brauerei- und Mälzerei- Berufsgenossenschaft beklagt den Rückgang der Zahl der versicherten Brauereien in Deutschland, die von 7212 im Jahre 1906 auf 6978 im Jahre 1907 zurückgegangen sind. Der Bericht erwähnt, dag „deren Löschung fast in allen Fällen wegen Betriebseinstellung in- folge mangelhafter Rentabilität erfolgte, nur in einigen wenigen Fällen handelte es sich um Fusionen mit anderen Brauereien". Und wer vernichtete in erster Linie dieses Kleinhandwerk, diese Kleinbetriebe? Die Sozialdemokratie? Nein... die Regierung selbst, wie wir immer gesagt haben. Die Berufsgenossenschast schreibt selbst:„Beachtenswert und sehr bezeichnend für die un- günstige Lage des deutschen Braugewerbes infolge der Zoll- und Steuerpolitik der letzten Jahre ist der Rückgang der Zahl der Brauereien". Nicht allein die Zahl der Brauereien hat sich vermindert, auch die Brauereiarbciter haben unter dieser unseligen Zollpolitik zu leiden. Die Zahl der versicherten Arbeiter ist von III 684 im Jahre 1996 auf 119167 im Jahre 1997 zurückgegangen. Ter Bericht lx- merkt hierzu, daß wohl auch zum Teil„der Uebergang zum inten- siveren Maschinenbetrieb mitwirken dürfte". Die Arbeiter sind also doppelt geschädigt. Arbeitslosigkeit ist ihr Los. Während die Zahl der versicherten Arbeiter zurückgegangen ist, stieg die Zahl der Unfälle. Der„intensivere Maschinenbetrieb" wird hier seine Wirkung ausgeübt haben. Die Zahl der gemeldeten Unfälle steigt von Jahr zu Jahr und hat jetzt die Zahl von 14 341 gegen 14 248 im Vorjahre erreicht. Auf 1999 versicherte Brauereiarbeiter kommen durchschnittlich 131 Unfälle. Die höchste Unfallziffer hat die Sektion Vl Berlin mit 187 auf 1999 Arbeiter, dann folgt Sektion VII mit 169, während die niedrigste Unfallziffcr: 66 auf 1999 Arbeiter, die Sektion I Strasburg hat. Die Sektion Berlin hält noch fest an der Rentabili- tat der Vorbehandlung der Verletzten und hat allein von 1513 der übernommenen Fälle 1362 Fälle selbst übernommen. Die Berufs- gcnossenschaft hatte dadurch 86 694 M. Ausgaben, kann aber mit dem Resultat zufrieden sein, denn von den 1513 Fällen wurden laut Bericht allein 1491 Fälle„innerhalb der Vorbehandlung er- ledigt". Die Verletzten selbst werden jedenfalls nicht alle mit dieser „Fürsorge" zufrieden gewesen sein: Tausende von Mark wurden sicher mehr an Rente erspart, als die Heilbehandlung in den ersten 13 Wochen des Unfalles der Berufsgenossenschaft gekostet hatte. Entschädigt wurden deshalb auch nur 1615 Unfälle, die laut Bericht in 91 Fällen tödlichen Ausgang, in 32 Fällen völlige, in 737 Fällen teilweise, in 755 Fällen vorübergehende Erwerbsunfähig- keit zur Folge hatten. Nach der Art der Verletzungen zusammen- gestellt waren dies: 149 Verletzungen am Kopf, Gesicht, 656 Ver- letzungen der Arme und Hände(Finger), 489 VerletzunKn der Beine und Füße, 245 Verletzungen anderer Körperteile, 79 sonstige Verletzungen, erstickt sind 5, ertrunken 1 Brauereiarbeiter. 32 Verletzte waren weiblichen Geschlechts. Die 6 Aufsichtsbeamten der Genossenschaft haben im Berichts- fahre 1868 Betriebe besichtigt, geben, aber um alle Welt die Zahl der vorgefundenen, Mängel und Verstöße gegen die Unfallver- hüiungsvorschriftcn nicht an. Sie weisen daraus hin, daß man der Erforschung der Ursachen der so gefährlichen Explosionen beim Faßpichen nachgehe. Der letzte Fall dieser Art habe sich in Dort- mund zugetragen, und sei Professor Richter aus Karlsruhe beauf- tragt worden, an Ort und Stelle die Ursachen zu studieren. Nach dem Gutachten dieses Sachverständigen sei mit aller Wahrschein- lichkcit die Explosion„nach Entzündung der explosiblen Pechdämpfe durch Riemenelektrizität hervorgerufen worden". Besondere Vor- schriften soll deshalb dieser Gelehrte noch ausarbeiten. Ein Brauereiarbeiter war so naiv, die Berufsgenossenschaft auf Schadenersatz zu verklagen, weil diese keine genügende Verhütungs- Vorschriften erlassen habe. Er war durch Fehlzündung eines Motprs schwer verletzt worden, und gab ihm das Landgericht Frankfurt in der Klage Recht, verurteilte die Berufsgenossenschaft, ihm die Differenz der Unfallrente zum Arbeitslohne zu entschädigen, weil „die Berufsgenossenschaft verpflichtet gewesen, ihre Unfallver- Hutungsvorschriften abzuändern und zu berlangen, daß außer der niechanischen Andrehvorrichtung auch noch eine sogenannte Rück- stoßsicherung angebracht werde, nachdem einmal die Anwendung solcher Schutzvorrichtungen allgemein üblich sei". Dadurch hätte der Unfall sicher verhütet werden können. Natürlich ließ sich die Berufsgenofsenschaft dies nicht gefallen und hatte auch am Ober- landesgericht den gewünschten Erfolg. Der Bericht hebt dies be- sonders hervor, da ja„das Urteil für die Praxis ganz unannehm- bar war",„die Berufsgenossenschaften dadurch gezwungen würden. die vielen neuen Schutzvorrichtungen zu erneuern, zu ergänzen" usw. Das Unfallversicherungsgesetz habe ja im§ 135 ausdrücklich den Schadenersatzanspruch— abgesehen von dem Fall der vorsätz- lichen Herbeiführung des Unfalles— ausgeschlossen, weil die— Unternehmer„die Kosten der Unfallversicherung allein tragen und man derartige Prozesse zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vermeiden wollte". Ja, man hat sie durch das Wörtchen„vorsätzlich" auch gänzlich vermieden. Dem Sinne des Gesetzes entspreche es auch daher, daß die Berufsgenossenschaften ebenfalls derartig ge- schützt werden müßten. Natürlich. Mehr Schutz für die Unternehmer und Berufs- genossenschaften ist Parole. Uebrigens gibt der Bericht bekannt, daß„regierungsseitig" die Mitteilung geworden sei, daß„bei der bevorstehenden Reform der Arbeiterversicherung die gesetzlichen Zu- schlüge ermäßigt werden sollten". Der Reservefonds würde zu hoch und der Industrie„ohne Not bedeutende Kapitalien entzogen". Der Bericht erwähnt auch, daß von allen eingelegten Berufun- gen der Verletzten 77 Proz. zugunsten der Berufsgenossenschaft und nur 23 Proz. zugunsten der Verletzten entschieden worden. An- träge auf Herabsetzung der älteren Renten hatte die Berufs- genossenschaft auch noch 326 bei den Schiedsgerichten eingereicht und hier 89 Proz. der Fälle zu ihren Gunsten erledigt erhalten. Zwei Sektionen haben sogar 199 Proz. ihrer Fälle gewonnen. Mehr kann man von den Schiedsgerichten wahrlich nicht verlangen. Das Reichs-Versicherungsamt hatte auch 247 Rekurse zugunsten der Berufsgenossenschast und nur 59 zugunsten der Verletzten oder deren Hinterbliebenen entschieden. Der Jahresverdienst eines Brauereiarbeiters betrug im Jahre 1998 durchschnittlich 1167 M., im Jahre 1997 1241 M._ Bon der Berufsgenosseuschaft der Gas- und Wasserwerke. Nach dem Bericht dieser Berufsgenossenschaft ist die Zahl der versicherten Betriebe von 2420 auf 2596 im Jahre 1997 gestiegen. Versichert sind nun in Deutschland: 1187 Steinkohlengaswerke, 13 OelgaSwerke, 194 AcethlengaS» werke, 37 Luftgaswerke, 3 WassergaSwerke, 1153 Wasserwerke, 89 Kanalisationswerke, die insgesamt 67452 Arbeiter beschästigen. Die Zahl der versicherten Personen hat sich um 13924 gegen das das Jahr 1996 erhöht--- 6,18 Proz. Die Summe der gezahlten Arbeitslöhne hat sich gegen 1996 um 9,12 Prozent gesteigert und entfällt auf einen Versicherten durchschnittlich 1199 Mark Jahreslohn. Unfälle wurden im Berichtsjahre 4 8 8 4(1996: 4486) gemeldet. Auf 1999 Versicherte entfielen somit durchschnittlich 72. 41 Unfälle. Entschädigungspflichtig wurden nur 435 F ä I l e, trotzdem die Be- rufsgenossenschaft an Kosten der Fürsorge für Verletzte während der Wartezeit nur 23 Mark verausgabt hatte II Dagegen ist die Zahl der Todesfälle gegen das Vorjahr von 29 auf 44, also um 51,7 Proz. gestiegen. Die Todesursachen waren laut Bericht in 19 Fällen: Giftige Gase. Verbrennungen, in 19 Fällen: Absturz, in 13 Fällen: Stoß, Quetschung, in 2 Fällen: Verschüttung, in 2 Fällen: Ertrinken, in 5 Fällen: Infektion. 1 Hitzschlag und 1 Blitzschlag. Die Vertrauensmänner der Berufsgenossenschaft haben im Berichts- jähr 222 Betriebe revidiert.„In Ordnung befunden wurden 49; in 182 wurden Mängel und Ver stoße gegen die UnfallverhütungSborschriften festgestellt. In 134 dieser Betriebe wurden bis zum Schluß des Berichtsjahres die ge- fundenen Mängel beseitigt, 48 blieben damit noch rück- st ä n d i g." Es eilt also nicht I Weshalb stellt man keine technischen Aufsichtsbeamten an? 222 Betriebe ist doch von 2596 vorhandenen Betrieben nur ein Bruchteil und die Zahl der bemängelten Betriebe allein schon beweist, wie notwendig eine genaue und sorgfälsige Be- triebsrevision wäre. Von den Berufungen der Verletzten wurden laut Bericht: 198 zurückgewiesen und nur„61 ganz oder teilweise für gerechtfertigt erachtet"! I Das Reichsversicherungsamt hatte 55 Rekurse der Verletzten zurückgewiesen und nur in 10 Fällen stattgegeben. Der„Freisinn" in Nürnberg für Schmutzkonkurrenz. ' Für die Vergebung städtischer Arbeiten und Lieferungen hat der Stadtmagistrat Nürnberg vor einiger Zeit neue Bedingungen aufgestellt, die nur wenig von sozialem Geiste erfüllt sind. Man hat sich vorsorglich vorbehalten, bei Arbeiterausständen und sogar bei Aussperrungen die Lieferungsfristen„nach Ermessen" zu ver- längern. Darum, ob die mit Arbeiten und Lieferungen bedachten Unternehmer ihre Arbeiter auch ordentlich entlohnen, kümmert man sich gar nicht. Im Gemeindckollegium fand die neue Vor- schrift insofern keinen Anklang, als die Mitglieder der städtischen Kollegien von den Lieferungen ausgeschlossen sein sollen. Sie verlangten, daß dieser Passus beseitigt werde; bei dieser Gelegen- heit war es merkwürdigerweise ein Konservativer, der den Antrag stellte, daß Unternehmer, die im Verdachte stehen, schlechte Löhne zu bezahlen und die für das betreffende Gewerbe abgeschlossenen Tarifverträge nicht einzuhalten, ausgeschlossen würden. Die Frei- sinnigen konnten also nicht gut zurückbleiben und verhalfen dem Antrag in der Form zur Annahme, daß der Ausschluß derjenigen Unternehmer erfolgt, von denen bekannt ist, daß sie in ihren Be- trieben eine über das übliche Maß hinausgehende Arbeitszeit ein- geführt haben oder Löhne zahlen, die hinter dem Durchschnitt der in dem betreffenden Gewerbezweig üblichen Löhne und Arbeits- bedingungen erheblich zurückbleiben oder Tarifgemeinschaften oder ähnlichen Vereinbarungen zwischen Arbeitern und Unternehmern, denen die meisten der einschlägigen Betriebe beigetreten sind, sich nicht anschließt". Der freisinnige Magistrat versagte jedoch seine Zustimmung zu beiden Beschlüssen. CkwerKscdaftUcKey. Der Mord des Streikbrechers. Ueber die Mordtat des Streikbrechers in Sommerfeld berichtet die„Märkische Volksstimme': Am Freitag waren der 69jShrige Arbeiter Klimke, der beim Zieglerstreik Arbeitswilligendienste verrichtete und der Verbands- kollege Gustav Kalischke bei der Firma Freitag, Roll u. Kreutz in Streit geraten. Durch die Arbeitsaufnahme schien eS, als ob der Streit wieder geschlichtet wäre, aber gegen Ve7 Uhr trat der Mörder an den Kalischke heran und stieß ihm einen Nicker zwei- mal in die Brust; der Getroffene brach sofort zusammen. Der Arzt konnte nur den, durch zwtzi Stiche in das Herz, auf der Stelle ein- getretenen Tod konstatieren. Der Täter wurde sofort verhafte� und in das Gerichtsgefängnis eingeliefert. Am 22. fand die Lelchen- Öffnung statt, bei der der Mörder an beiden Händen gefesselt vorgeführt wurde; er zeigte keine Reue über die scheußliche Tat. Danach wurde er im Krankenhause interniert, weil er verschiedene Rippenbrüche erlitten haben soll, die ihm die Arbeitskollegen nach der Tat durch Verabreichung einer genügenden Tracht Prügel beigebracht haben. Der Tote hinterläßt eine Frau mit vier Kindern. Vorläufig wollen wir nur eine Frage aufwerfen: wo bleibt die Entrüstung der bürgerlichen Presse über die brutale Streikbrecher- tat? Würde sie wohl so schweigsam sein, wie fie jetzt ist, wenn ein Streiker einen Streikbrecher erstochen hätte? Berlin und Umgegend. Verschmelzung der Berliner und Charlottenburger Gewerkschafts- kommisfiou. In einer am 23. Juni abgehaltenen Sitzung der Charlotten- burger Gewerkschaftskommisfion stand die Frage der Verschmelzung der Charlottenburger mit der Berliner GewerkschaftSkommiision zur Beschlußfassung. Den Bericht über die Verhandlungen der beider- seitigen Ausschüsse über die vier noch strittigen Punkte gab Genosse Flemming. Er ersucht, da man sich über diese Differenzpunkte einig geworden sei, so daß etwaige Bedenken für den Anschluß nicht mehr vorhanden find, dem Anttage des Ausschusses, am 1. Juli er. den Ueberttitt zu vollziehen, zuzustimmen. Nach langer Debatte, an der sich eine große Zahl Redner be- teiligte, fand der Verschmelzungsantrag mit 17 gegen 13 Stimmen Annahme. Angesichts der bis zum 39. Juni er. stattfindenden Abstimmung der Ladeninhaber über den Achtuhr-Ladenschluß wurden die Genossen aufgefordert, in ihren Kreisen Sorge zu tragen, daß die Abstimmung ein günstiges Resultat ergibt. Der Vertteter der Handlungs- angestellten, Genosse Pagel, trat, indem er die Lage seiner Berufs- kollegen und Kolleginnen schilderte, warm für den Achtuhr-Laden- schluß ein. Genosse Scheppke bat, in bezug auf die Ausfüllung der Haus- Haltungsbücher nicht zu erlahmen, da diese wertvollen stattstischen Zwecken dienen. Mitgeteilt wurde noch, daß die Buchbinder wegen ihrer sehr geringen Mitgliederzahl aus der Kommission ausgeschieden find, dagegen ist die Sektion der Gips- und Zementarbeiter des Maurerverbandes mit zirka 199 Mitgliedern der Kommission beigetreten. Ohne Ensschuldigung waren ferngeblieben die Delegierten der Bäcker, Fleischer, Maschinisten und Heizer und Porzcllanarbeiter. Deutsches Reich. Tarifverhandlnngcn im Holzgewerbe im rheinisch-westfälischen Industriegebiet. Auf Veranlassung des ArbeitgeberbundeS für das Baugewerbe sowie deS Arbeitgebervereins für die Holzindustrie waren die Ver- treter des Deutschen Holzarbeiterverbandes, des Zentralverbandes der christlichen Holzarbeiter, sowie deS Gewerkvereins der deutschen Tischler H.-D. zu Verhandlungen zwecks Abschluß eines Bezirks- Vertrages im Industriegebiet eingeladen. Die Verhandlungen fanden am 12., 19. und 22. Juni in Essen im städtischen Saalbau unter dem Vorsitz des Herrn Assessors Hüttne statt, mußten aber, weil ergebnislos, abgebrochen werden. Nach dem Muster des mit den Organisationen im Baugewerbe abgeschlossenen Vertrages beabsichtigten die genannten Arbeitgeber- organisattonen auch einen solchen mit den Arbeitern im Holzgewerbe abzuschließen. Die Arbeitgeber verlangten einen BezirkSeinHeitS- vertrag, den die Arbeiterorganisationen aber mit dem Hinweis ab- lehnten, daß bisher alle am 39. April d. I. abgelaufenen Verträge selbständige Ortsverträge seien. Der Bezirksvertrag sollte sich über mehr als 69 Orte erstrecken. Bei den Spezialberatungen mußten die Arbeitgeber alle die Orte ausscheiden, wo bisher noch keine Ortsverträge bestanden hatten. So verblieben noch 25 Orte, über welche verhandelt wurde. Als Ablaufstermin war von den Arbeitgebern der 81. März 1910 vorgesehen, derselbe Termin, an dem für das Baugewerbe die Ver- träge ablaufen. Arbeitszeitverkürzung und Lohnerhöhungen fehlten natürlich in dem Entwurf der Arbeitgeber, dagegen war die Agitationsklausel, nach welcher auf den Arbeitsplätzen nicht agitiert, keine„Arbeitskollegen belästigt" werden dürfen, nicht vergessen worden. Die Arbeitgeber hatten also noch nichts aus den bisherigen Verhandlungen im Baugewerbe gelernt. Daß ein solcher Vertrag von» den Vertretern der Arbeiter nicht anerkannt werden konnte, war selbstverständlich. Nach langwierigen Verhandlungen erklärten die Unternehmer sich bereit, in allen Orten, wo bisher noch 69 Stunden und mehr die Woche gearbeitet wird, die Arbeitszeit um 1 Stunde pro Woche zu verkürzen und den Stundenlohn in 5 Orten um einen Pfennig, in 19 Orten um zwei Pfennig, in drei Orten um drei Pfennig pro Stunde zu erhöhen. Die übrigen, und zwar die größten Orte, sollten leer ausgehen. Da die Bestimmungen über Montagearbeit, Ueberstundenarbeit und Lohnzahlung für manche Orte Ver- schlechterungen bedeuteten, die Arbeitgeber weitere Zugeständnisse nicht machen wollten, wurden die Verhandlungen abgebrochen oder sind vielmehr als gescheitert zu betrachten. Was nun kommt, muß der Zukunft vorbehalten bleiben. Die Holzarbeiter im Industriegebiet sehen der Weiterentwickelung der Dinge mit Ruhe entgegen.___ MrtallarveiterauSsperrung in Königsberg. Wegen schlechter Behandlung durch die Meister und wegen un« gerechter Entlassung haben am Montag die Arbeiter der beiden Eisendreherei-Abteilungen in der„Union","Lokomotivfabrik und Maschincnbauanstalt, ihre Tätigkeit eingestellt. Am nächsten Tage wurden, da es zu einer Einigung nicht kam, sämtliche Arbeiter aus- gesperrt. Alle Metallarbeiter, Tischler, Drechsler und Maler erhielten ihre Papiere. Die Ausgesperrten hielten am Mittwoch eine von ca. 1999 Personen besuchte Versammlung ab, die ihnen ihre Sympathie be- kündete. Mit den Unternehmern sind Verhandlungen angebahnt. Hustand. Glasarbeiter, Achtung l Die Firma„Siemenssche Glasfabriken' hat ihren Agenten Jendrizki wieder nach Rußland gesandt, um Glasmacher anzuwerben. Ueber die Siemenswerke ist die Sperre verhängt. Wir bitten russische, arbeiterfreundliche Blätter um Ab- druck, damit kein russischer Glasmacher für die Siemenswerke Arbeit annimmt._ Die MassenauSsperninge« in Schwede» breiten sich immer mehr aus. Die vom Zentralen Arbeitgeberverband durchgeführte Aussperrung, die vor allem die baugewerb- lichen Arbeiter betrifft, erstreckt sich nun fast auf alle Städte Mittel- schwedens. Die beiden anderen großen Unternehmerorganisationen Schwedens: die„Arbeitgebervereinigung" und die„Werkstätten- Vereinigung", wollen offenbar mit jenem Verbände gemeinsame Sache machen und eine Aussperrung veranstalten, die sich über mehr als 199 999 Arbeiter ausdehnen wird. Die Verhandlungen zur Beilegung des Stauereiarbeiterkonflikts sind gescheitert und die Kämpfe nehmen auch in diesem Beruf immer größeren Umfang an. In Stockholm sind am Sonnabend 1299 Fuhrleute ausgesperrt worden, und 399 städttschen Straßenbau- arbeitern wurde gekündigt, weil infolge jener Aussperrung das Arbeitsmaterial nicht herbeigeschafft wird. Die herausfordernde Haltung des Unternehmertums hat natür- sich auch eine Kampsstimmung der Arbeiterschaft hervorgerufen. Dem seit Sonntag in Stockholm tagenden außerordentlichen Kongreß der Gewerkschaften liegen aus einer großen Anzahl von Städten An- träge vor, die die Erklärung eines allgemeinen Massenstreiks be- zwecken. Letzte JVachr ichtcn und Depefeben. Unterm neuen Vereins-„Recht"! Dortmund, 24. Juni.(B. H.) Die Arnsberger Regierung verbot den Polenvereinen in Dortmund und Herne im Gegen- satz zu früheren Jahren eine gemeinschaftliche Wallfahrt nach Werl, einem westfälischen Wallfahrtsort. - Der bayrische Moloch. München, 24. Juni.(B. H.) Heute ist der Militäretat für die Zeit vom 1. April bis 1998 bis 31. März 1999 der Kammer zu» gegangen. Der Aufwand für die Armee beziffert sich auf 98 739 629 Mark. Die einmaligen Ausgaben betragen diesmal rund 15 Millionen, die meist für die Artillerie bestimmt sind. ThphuS! Frankfurt a. M., 24. Juni.(B. H.)' Wie man der„Kleinen Presse" aus Gießen mitteilt, ist in Braunfels in der Vorstadt St. Georgen der TyphuS ausgebrochen. Die Krankheit sei von autzerhaslb eingeschleppt und habe mehrere Personpn ergriffen, die in die Klinik nach Gießen gebracht wurden. Es sind sorgfältige Maßnahmen zur Verhinderung der Weiterverbreitung der Seuche getroffen worden. Die persische Revolution. TäbriS, 24. Juni.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Seit dem frühen Morgen findet ein Scharmützel zwischen Aufständischen und Reaktionären statt. Auf feiten der letzteren steht die Geistlichkeit. Die Bazare, Bankhäuser und Bureaus sind geschlossen, der Telephonbetrieb ist unter- krochen._ Die ungarische Regierung macht sich lächerlich, Budapest. 24. Juni.(B. H.) Dem Münchener Witzblatt „SimplizissimuS" wurde für Ungarn das Postdebit entzogen. Ver- anlassung dazu gab das Bild des Wiener FestzugeS, auf welchem der ungarische Handelsminister Kossuth kariliert wurde. Ein großes Schadenfeuer. Memel, 24. Juni.(W. T. B.) Nach einer Meldung deS „Memcler Dampfboot" sind in Russisch-Krottingen nahe der preußi- scheu Grenze durch ein großes Schadenfeuer über 89 Häuser, meist von geringerem Werte, eingeäschert worden. Auch einige Menschen» leben sollen dem schnellen Umsichgreifen des Brandes zum Opfer gefallen sein. Man vermutet Brandstiftung. Gewitterschöden. Lemberg, 24. Juni.(B. H.) Schwere Gewitter und groß» tagelschläge haben in zahlreichen Bezirken Ostgalizicns enormen chaden angerichtet. Mehrere Personen wurden vom Blitz getötet. In Borislaw wurde ein Rohölschacht durch Blitzschlag in Brand geseht. In den Gemeinden Bauzyma und Suchowola drang das Wasser mit großer Macht in das Schulgebäude, sodaß die dort be- findlichen Schüler nur unter Lebensgefahr aus dem Gebäude ge- rettet werden konnten. zurden 49; in 182 wurden Mängel und Ver stoße gegen über welche verhandelt wurde.___ rettet werden konnten._ verantw, Redakt.: Georn Davidsobn, Berlin. Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Druck u.VerIag:VorwärtsLuchdr.u.VerlagSgnstalt Paul Singer Lc Co, Berlin LZV, HierzuL Beilagen ». UnterbaltunaSbl. Dr. 146. 25. Jahrgang. 1. f filnnt Ks Jjtntt" Krlim lilMnt). Donnerstag, 25. Juni 1968. S. Kongreß der GewerMcItfften veutschlands. Hamburg, 24. Zum 1908 Dritt« BerhandlungStag. Vormittagssitzung. Um 8 llhr eröffnet Bömelburg die Verhandlungen. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist das Referat von E. Lösche- Hamburg über die Berttetmig der Rechtsuchenden durch dir Arbeiter- und Gewcrkschaftsseketäre vor Gericht. Redner führte aus: Die persönliche Vertretung der Recht- suchenden vor Gericht lag ursprünglich nicht im Geschäftsplan der Arbeitersekretariate. Man glaubte, daß die Rechtsauskunft und die schriftliche Vertretung der Rechtsuchenden genügen werde. Man scheute bei der persönlichen Vertretung die hohen Kosten und Mühen. Aber schon die Gründung des Reichsarbeitersekretariats ging aus dem Bedürfnis hervor, die Rechtsuchenden vor dem Reichsversicherungs� amt persönlich zu vertreten. Inzwischen hat das Reichsversichcrungs omt nach Bödickers Abgang der Willkür der Bcrufsgenosscnschaften Tor und Tür geöffnet. Die vielen neuen Spruchsenate fällen so verschiedene Urteile, datz der verletzte Arbeiter eine Beute des Zufalls oder seines Anfangsbuchstabens geworden ist. Das alte, längst vergriffene Handbuch für Unfallversicherung kann wegen der Verschiedenheit der Rechtsprechung nicht mehr herausgegeben werden. Eine Reihe von Schlagworten des Reichsversicherungsamtes, so die von der„Uebergangsrente", von der„Gewöhnung", z. B. an den Verlust des rechten Mittel- ftngerS, oder von der„Unbeachtlichkeit von Veränderungen bis zu ä Proz.", die erlaubt, die Renten von 33% auf 25 Proz. zu drücken, werden von den Berufsgenossenschaften fleißig ausgenutzt. Auch die Rechtsprechung der Schiedsgerichte bei der Invalidenversicherung, leider der einzigen Spruchinstanz, hat sich seit der noch vom Grafen Posadowsky angeordneten„Revision" der Invalidenrenten sehr zu- Ungunsten der Arbeiter geändert. Mit der Rechtsprechung in Krankenversicherungssachcn haben sich leider die Arbeitersekretariate bisher viel zu wenig beschäftigt. Namentlich die Rechtsprechung der ordentlichen Gerichte bei Streitigkeiten läßt infolge des häufigen Wechsels der Richter viel zu wünschen übrig. Nur selten wissen die Gerichte, daß die Anmeldungen des Arbeitgebers über die Lohnhöhe oder die Erkrankung in der Arbeit keine konstitutive, sondern nur formale Bedeutung haben. In allen diesen Fragen ist fach- gemäße persönliche Vertretung der Rcchtsuchenden wünschenswert. Ebenso in der gewerblichen Rechtsprechung. Die Rechtsprechung der Gewrrbegerichte ist durchaus nicht einwandfrei. Sie sollten doch einer sozialen Rechtsprechung und Gesetzgebung vorarbeiten. Statt dessen aber vernachlässigen sie die Bestimmung des Bürgerlichen Gesetzbuches, daß, was nicht pfändbar ist, auch nicht aufgerechnet werden kann, oder verweisen die Arbeitgeber, die nicht aufrechnen können, auf ein nicht bestehendes Zurückbehaltungsrecht. Ein besonders schwieriges Arbeitsgebiet für die Sekretäre wird die Ver- trewng der Rechte der Dienstboten sein. Die Verschiedenheit der Gesindeordnungen und ihr mittelalterlicher Charakter erhöhen hier die Größe unserer Aufgabe, aber auch die Notwendig- keit der persönlichen Vertretung. Dazu kommt, daß die neue Zivil- Prozeßnovelle den Anwaltsprozeß bedeutend einschränkt und dem AmlSgerichtSgrozeß ein weites Feld öffnet. Als letztes wichtiges Gebiet der Rechtsprechung, da» noch nicht von uns bearbeitet wird und das doch sehr bedeutungsvoll ist, nenne ich die Arbeitsordnungen, die vielfach unsittliche Bestimmungen enthalten. Leider sind nun die Arbeitersekretäre nur an S von 98 Orten bei allen SchiedS-, Kaufmanns- mid Gewerbegerichten zur mündlichen Verhandlung zugelassen. Selbst an den Schiedsgerichten sind 6 Arbcitersekretariate nicht zugelassen, nämlich Aachen, D o r t in u n d, Essen, Hochhe'ide, Königsberg und Stettin. Aber selbst da, wo die Arbeitersekretäre unbeschränkt zugelassen sind, dürfen sie nicht zu oft kommen, weil sie stets ein Verbot riskieren. Ilm die Rechte der Versicherten und der Arbeitnehmer aber ivirksam zu vertreten, müßten wir den Herren voin Gewerbegericht und Schiedsgericht manchmal recht unangenehm werden.(Sehr wahr!) Deshalb ge- brauchen wir dringend die feste gesetzliche Grundlage für VertretungS- und Vortragsrecht der Arbeitersekretäre. Wir lvollen nicht den Winkelkonsulenten und Jnkassobureaus, die oft in schamlosester Weise arine Schuldner verfolgen, die Bahn öffnen, aber wir verlangen eine kleines fcinllcton. Sachte, sachte; kein Geräusch gemacht! Die preußischen Uni- vcrsitätcn sind in dem Widerstände gegen die Bcvorniundungcn des Lehrziel und Richtung vorschreibenden Ministerialabsolutismus bis- her ebenso regelmäßig wie ruhmlos uinerlegen. Kein Kämpfen war's, sondern ein geheimes Munkeln und schwächliches Remonstrieren in unschädlichen Protokollen. Im Falle Bernhard wird'S nicht anders sein. Der„junge Mann", der den todesmutigen Streitern für Lehrfreiheit aufgezwungen wird, hat die Situation köstlich persifliert, indem er her Fakultät anbot, zurückzutreten— falls sie den Mut haben sollte, es zu verlangen.(Man muß an die komischen Greise denken, die in Aristophanes„Lysistrata" die athenische Burg von den Frauen befreien lvollen.) Wie eine Possen- szene der Wirklichkeit muten die wahrhaft mannhaften Zu- rüstungcn und Vorbereitungen an, die die philosophische Fakultät trifft, um die Professorenburg von dem Eindringling Bern- Harb und der Ministerialokkupation zu befreien. Schon demnächst, ganz gewiß aber noch in diesem Semester— so wird im„Berliner Tageblatt" den aushorchenden Zuschauern, die schon nach Hause gehen wollten, vertraulich kundgetan— wird die Berliner philo- s o p h i s ch e Fakultät sich mit Bernhard dem Jüngsten beschästigen. „Streng diskret und vertraulich und mit Geheimhaltung aller Beschlüsse vor der Ausführung." O, ihr Göltinger Sieben, was habt ihr für lvürdige Nachfahren. Und ihr Schüler der künftigen historischen Slbmollcrschule, was habt ihr für schöne Aufgaben. Ihr dürft einmal späteren Geschlechtern aus Senats- und Fakultätsakten nach- weisen, wie um Bernhard gestritten ward. Die Mitwelt wird aller- dings nichts davon erfahren, denn bis zur Ausführung sind alle Beschlüsse geheimzuhalten.' Tic Zivilisation in Marokko. Mit dem Einzug Mulay HafidS in Fez hat die Herrschast des Sultan Abdul Aziz in Wirklichkeit ihr Ende genommen, und der Herrscherwechsel kam auch darin zum Ausdruck, daß der neue Machthaber den Sultanpalast bezog und die mannigfachen Geräte und Apparate, die Abdul Aziz hier auf- gestapelt hatte, ans dem Palast entfernen ließ. Man hat das Mulay Hafid verübeln wollen; aus dem Umstände, daß der neue Herrscher zuerst die„Zeugnisse westlicher Zivilisation", die sein Vor- gänger im Schlosse angehäuft hatte, beiseite schaffen ließ, zog man Schlüsse über das Verhältnis Mnlay HafidS zu einer fortschrittlichen Entwicklung in Marokko. Der marokkanische Korrespondent der „Times" schildert nun in einem Briefe diese„Zeugnisse ivestlicher Zivilisation".„Lassen Sie mich diese Zeugnisse der Zivilisation be- schreiben. Da liegen eine Anzahl zerbrochener und hoffnungslos ver- rosteter Automobile, denn Straßen gibt es in Marokko nicht. Dort ein ganzer Haufen unbrauchbarer Fahrräder. Hier ei» großes Atelier, das vom Fußboden bis zur Decke vollgepfropft ist mit zahllosen beschädigten photographischen Apparaten und mit allerlei un- brauchbar gewordenem Material. Dort steht eine prunkvolle Staats- kutsche, durch dreijährigen Regen morsch geworden und von Moos positive Bestimmung zugunsten der Vertretungsbefugnis der Arbeitersekretäre. Damit würden wir einen bedeutenden sozialpolitischen Fortschritt erreichen.(Lebhafter Beifall.) Der Referent legt folgende Resolution vor: Nach den Bestimmungen des ß 10 Abs. 2 der Verordnung betreffend das Verfahren vor den Schiedsgerichten für Arbeiter- Versicherung, des Z 31 des Gewerbegerichtsgesetzes— der auch für das Verfahren vor den Kaufmannsgerichten gilt— und des § 157 der Zivilprozeßordnung sind die Gerichte befugt, Bevoll- mächtigte, die das Verhandeln vor den Gerichten geschäfts- nläßig betreiben, zurückzuweisen. Diese Bestimmung wird, von wenigen Ausnahmen abgesehen, von den in Betracht kommenden Gerichten dazu benutzt. Arbeiter und Gewerkschastssekretäre als Ver- treter Rechtsuchender in der mündlichen Verhandlung nicht oder nur ausnahmsweise zuzulassen. In der Erwägung: daß dem auf dem Gebiete der Unfallversorgung von Jahr zu Jahr schärfer hervortretenden Bestreben der Berufsgenossenschaften, die Renten der durch Unfall Verletzten immer mehr herabzudrücken bezw. sie ihnen zu entziehen, schon in der ersten Spruchinstanz— dem Schiedsgericht für Arbeiterversicherung— wirksam entgegen- getreten werden muß; daß nach den Bestimmungen des JnvalidenversicherungZ- gesetzes die Schiedsgerichte für Arbeiterversicherung die einzige Spruchinstanz zur Würdigung der Unterlagen für die Gewährung der Invaliden- bezw. Altersrenten bilden; daß bei den Streitsachen aus der Krankenversicherung eine Vertretung der Versicherten vor den Amts- bezw. Verwaltungs- gerichten in Rücksicht auf die Kompliziertheit des in Betracht kommenden formellen und materiellen Rechts geradezu geboten erscheint; daß von den Entscheidungen der Gewerbe- und Kaufmanns- gerichte viele das dem Arbeiterrecht zugrunde liegende soziale Empfinden völlig vermissen lassen und weil die Arbeiterklaffe um die Anerkennung und Durchsetzung eines vom sozialen Geist ge- tragenen Rechts noch täglich kämpfen muß; daß tvir in Deutschland noch einer einheitlichen Regelung des Gesinderechts ermangeln nnd die aus dem Gebiet herrschende Rück- ständigkeit, sowohl hinsichtlich der gesetzlichen Vorschriften— Preußens älteste Gesindeordnung stammt aus dem Jahre 1732— wie auch hinsichtlich der Anffaffung der Sachlage ebenfalls eine sachkundige Vertretung vor den in Betracht kommenden Gerichten notwendig macht; daß die in Frage kommenden Rechtssuchenden fast durchweg weder Zeit, Mittel noch Vorbildung genug besitzen, um auf allen diesen Gebieten ihre Interessen hinreichend wahren zu können, während die BerufZgenossenschaften, Versicherungsanstalten, Kranken- lassen, Dienstherrschaften usw. in der Lage sind, ihre Interessen durch juristisch vorgebildete Vertreter wahrnehmen zu lassen, und die Bestimmung im Gcwerbegerichtsgesetz, wonach Rechtsanwälte von der Vertretung der Parteien ausgeschlossen sind, für die Arbeiter dadurch an Bedeutung verliert, daß die Arbeitgeber resp. deren Geschäftsführer durch Vorbildung und öfteres Verhandeln vor den Gewerbe- bezw. Kaufmannsgerichten gegenüber den Arbeitern hinsichtlich der Kenntnis des formalen Rechts ohnedies im Vor- teil sind; fordert der Kongreß von den gesetzgebenden Körperschaften die Vorlegung und Verabschiedung eines Gesetzentwurfes, nach dessen Bestimmungen die Arbeiter- und Gewerkschaftssekretäre, un- beschadet der eingangs aufgeführten Bestimmungen, zur Ver- tretung Rechtsuchender bei den Gerichten zugelaffen werden müssen." In der Diskussion bestätigt Bauer- Berlin(Bureauarbeiter) die Notwendigkeit der per- sönlichen Vertretung der Versicherten vor den Gewerbe- und Schieds- gerichten. Vor den, Gewerbegericht herrsche der Parteiprozeß, der auf den Vortrag der Parteien und ihre Gewandtheit gegründet sei. Vor den Schiedsgerichten sei ja das Offizialverfahren vorgeschrieben, aber sehr oft trügen Referent und Vorsitzender die wichttgsten Ent- lastungsgriinde nicht vor. Schon die bloße Anivesenheit eines Arbeiter- sekretärS hift oft den, Arbeiter zu seinem Rechte. Bürger- Hamburg(Staatsarbeiter) betont gleichfalls die Not- wendigkeit der persönlichen Vertretung. Wissel-Lübeck: Die Tätigkeit des ReichsarbeitersekretarialS ist allen Lobes wert. Auf der Konferenz der Arbeitersekretäre am letzten Sonntag ist nicht die geringste Kritik an seiner Tätigkeit geübt worden. Die Rechtsprechung der Sozialgerichte verdient oft scharfen Tadel. Die öffentliche Aussprache dieser Mängel kann nur erzieherisch wirken. Zur persönlichen Vertretung der Arbeiter sollten allen Arbeitersekretären überzogen. Hier ein kostbares großes Schlafbett ans geschliffenem Spiegelglas. Dort ein Personenlift, der natürlich memals ein- gerichtet werden konnte. Hier gewaltige teuere Kochherde, die nur Kohlen brennen, also ein Material, das in Marokko nicht zu erlangen ist, dort ein oder zwei beschädigte und halbverfallene Dampfboote. Dann eine riesige Sammlung photographischer Films, die.Gegenstände darstellen, die in Europa verboten werden müßten. Dort zahllose Kisten prunkvoller goldbesäter Phantasieuniformen, die von dem teuersten europäischen Militärschncider herstammen, ganze Berge zerbrochener mechanischer Spielzeuge, vergoldeter Vogelkäfige, Eisenbahnsignale, eine inkomplette Lokomottve, eine Druckpresse, die so schioer, daß der Apparat sich tief in den Boden des Tennisplatzes eingesenkt hat, wo man sie einmal ausstellte und dann achtlos stehen ließ. Dutzende von Walzen Zeitungspapier, Damenunterkleider, falsche Haare, Feuer- Werksballons, Klaviere, Harmoniums und Drehorgeln, ausgestopfte Vögel und Tausende von anderen Dingen, alle von Moos bekleidet oder von Rost zerfressen, angenagt von den Ratten und von Staub und Spinneweben bedeckt." Ein Fall Lrmoine vor 270 Jahren. Die Geschichte des Diamantenfälschers Lemoine gibt den Pariser Blättern Gelegenheit, von einem ganz ähnlichen Fall zu erzählen, der sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts, im Jahre 1037, zu Paris zugetragen hat. Aller- dings handelte eS sich damals nicht um die Herstellung von Diamanten, sondern um Gold, aber die Mittel, durch die der da- malige Lemoine, ein früherer Kapuziner namens Dubais, das Ver- trauen der hervorragendsten Männer in seine Kunst zu erringen wußte, waren doch denen des Diamantenmachers höchst ähnlich; wie Lenwine mit einem Tiegel, einer Schaufel und einem Pulver aus- gerüstet, wußte DuboiS dem König, dem Kardinal Richelieu und andern den Glauben beizubringen, daß er Blei in Gold verwandeln könne. Er ließ in Gegenwart des Königs und der Hofgesellschaft Bleikugeln in seinen Tiegel legen und bedeckte diese mit seinem Pulver, darauf ließ er dieses Pulver durch einen Blasebalg zer- streuen, so daß den Anwesenden die Augen geblendet wurden, und vertauschte in diesem Augenblick als geschickter Zauberkünstler die Bleikugeln mit Gold. Die plumpe List gelang zuerst vollständig. Dubais Ivurde zum Ritter ernannt, vom König umarmt nnd erhielt das Recht, in allen königlichen Forsten?zu jagen. Richelieu dachte sogar in der ersten Begeisterung daran, alle Steuern aufzuheben, und die Beschaffung des für die Staats- Verwaltung nötigen Goldes dem Künstler zu übertragen, Ivofür ihm zunächst 800 000 Fr. Gold in der Woche genügend erschienen. Allein die Herrlichkeit deS Goldmachers dauerte nicht lange. Nach einem zweiten, nicht minder gelungenen Versuch ließ der König das Gold seinem Goldschnned vorlegen, nnd dieser entdeckte sogleich, daß das nengemachte Gold nicht rein war, sondern nur den Feingehalt des Goldes der königlichen Münzen hatte. Dubois snchte dies damit zu erklären, daß er für seine Versuche Gold von diesem Feingehalt herzustellen pflege; er bat dann, ganz wie Lemoine, um etwa zwanzig Tage Frist, um nach deren Ablauf ganz sicher echtes Gold abzuliefern. Als indessen auch nach dieser Zeit kein Gold zutn Vorschein kam, wurde er nach dem Schloß Bincennes die nötigen, oft nicht geringen Mittel zur Verfügung gestellt werden. Die Anwesenheit der Arbeitersekretäre ist dringend notwendig, um die zahllosen Nachlässigkeiten des Verfahrens, besonders in Unfalllachen, zu verhüten. Werden uns doch bei Bruchleiden dieUrteile mit gedruckten Gründen zugestellt.(Hört! hört I) K ö r st e n- Berlin: Unsere Agitation auf Zulassung bei den Gewerbegerichten nnd Kaufmannsgerichten haben sich die Rechts- anwälte zunutze gemacht. Stadttat Flesch nnd Prof. Schanz sind für ihre nachträgliche Zulassung eingetreten. Diese Zulassung aber tvürde das Ende des bisherigen Sondergerichtsverfahrens bedeuten. Legen auch wir deshalb in vorsichtiger Beschränkung mehr Wert auf unsere Beisitzer als auf unsere Vertretung. Gegen das Lohnbeschlag- nahmegesetz und den§ 394 B.G.B, wird seitens der Unternehmer Sturm gelaufen. Mit Hilfe des Diebstahlsbegriffes,� den man zieht und dreht, schmuggelt man die Aufrechnung wieder in die Rechtsprechung ein. Ohne Gesetz oder Kommentar hatte man den beschlagnahmefreien Lohn von 1500 M. jährlich in einen Wachenlohn von 28,84 M. verwandelt und beschlagnahmt nun ruhig darauf los. Sehen wir zu, daß nicht, was tvir mühsam erkämpfen, den Unter- nehmern durch eine ungerechte Rechtsprechung zurückgegeben wird. (Beifall.) Bauer- Berlin stellt in Uebereinstimmung mit dem Referenten fest, daß dieser nicht etwa den Krankenkassen habe vorwerfen wollen, daß sie ebenso bureaukratisch oder arbeiterfeindlich seien wie die anderen Versicherungszweige. Bei den Streitigkeiten der Kranken- lassen, die gewöhnlich rasch durch persönliche Rücksprache erledigt wurden, handle eS sich meist«m abweichende Rechtsauffasiung oder Unkenntnis der Vorstände der kleinen zersplitterten Krankenkassen. F r i t s ch- Liegnitz klagt lebhaft über die Vertrauens- ärzte der Berufsgenossenschaften. In Liegnitz habe ein Vertrauensarzt einen Arbeiter nach einem Bauunfall für einen Simulanten erklärt, der zwei Tage nachher in das Irrenhaus ge- bracht werden mußte nnd innerhalb weniger Wochen starb. Damit schließt die Diskussion. In seinem Schlußwort tritt der Referent L es che den Ausführungen Körst enS entgegen. Man solle doch vor den Rechtsanwälten nicht solche Angst haben. Die Frage der Zulassung der Arbeitersekretäre und der Rechtsanwälte hat ja gar nichts mit einander zu tun. Aber selbst bei diesem Tausch würden die Arbeiter noch ein gutes Geschäft machen.(Zustimmung.) Die Resolutton Lesche wird einstimmig angenommen. Damit ist die Berichterstattung der Generalkommission und des Zentralarbeitersekretariats beendet/ Es wird der Generalkommission und den ihr zugehörigen Institutionen Entlastung ein- stimmig erteilt und beschlossen, die Generalkommission um 2 Mitglieder(von 11 auf 13) zu verstärken. Nächster Gegenstand der Tagesordnung sind die Grenzstreitigkeiten. Hierzu liegt folgender Antrag vor: „Der Gewerkschaftskongreß empfiehlt den an die General- kommission angeschlossenen Verbänden zur Vermeidung von Grenz- streitigkoiten die nachstehenden Grundsätze: 1.' Die gewerkschaftliche Entwickelung vollzieht sich unverkenn- bar in der Richtung des Zusammenschlusses der Organisationen zu großen, leistungsfähigen Verbänden. In diese sich von selbst vollziehende Entwickelung von außen her durch Konferenz- und Kongreßbeschlüsse einzugreifen, würde nur erschwerend und störend wirken und erweist sich deshalb eine endgültige Grenzregulierung durch solche Beschlüsse als untunlich. 2. Um ein gedeihliches Nebeneinander- und Zusammenwirken der Gewerkschaften zu gewährleiste», wird denselben unter An- erkennung deS gegenwärtigen Organisationsstatuts empfohlen, stritttge AgitattonSgebiete durch besondere Vereinbarungen mit den Zentralvorständen der in Bettacht kommenden Verbände ab- zugrenzen und« alle Fragen der beruflichen wie gemeinsamen Agitation, des Uebertrittes von Mitgliedern und deS Zusammen- Wirkens bei Lohnbewegungen durch feste Bestimmungen(Kartell- Verträge) zu regeln. 3. Die loyale Ancrkeimung des Organisationsstandes erheischt die Unterlassung jeder unlauteren Agitation, besonders unter Hin- weis aus niedrigere Beiträge oder höhere Unterstützung, die Zurück- Weisung Aufnahmesuchender, die aus anderen geschlossenen Ver- bänden ohne genügende Abmeldung und Regelung ihrer Verbind- lichkeiten austraten oder ausgeschlossen wurden, sowie die Unter- lassung jedes Druckes auf vorübergehend in anderen Berufen beschäftigten Gewerkschaftsmitglieder. Die letzteren dürfen Mit- S lieber ihrer Organisatton bleiben, haben sich aber bei gewerk- haftlichen Aktionen den Direktiven des Verbandes ihres jetzigen gebracht, um dort unter Bewachung seine Versuche fort- zusetzen; dort erklärte er indessen, wiederum ganz wie Lemoine, daß er nur in Freiheit arbeiten könne, da die Gefangen- schaft die Kraft seines Pulvers aufhebe. Jetzt merkte Richelieu, daß er von einem Schwindler zum besten gehalten worden war, nnd ließ Dubois vor ein Gericht stellen, das ihn zum Tode durch den Strang verurteilte. Am 23. Juni 1639 ivurde dies Urteil— das einzige, was den Fall Dubois wesentlich vom Fall Lemoine unter- scheiden wird— vollzogen. Vor seiner Hinrichtung hatte Dubois noch ein volles Geständnis abgelegt, daß er lediglich durch gewöhn- liche Taschenspielerei die Bleikugeln im Tiegel mit Goldfeile, die er sich durch das Beschneiden von Goldstücken verschaffte, vertauscht hatte. Notizern — M u s i k ch r o n i k. In der M o r w i tz- O p e r(im Schiller- Theater O) gelangt Sonnabend zum ersten Male„König für einen Tag", komische Oper in drei Akten, Text von?l. Dennery und I. Bresil, Musik von A. Adain, zur Aufführung. — M e n a n d e r i n B e r I i n.„Das Schiedsgericht", die alt- griechische Komödie Menandcrs, die in Lauchstädt ihre erste Wieder- aufführnng etwa seit der römischen Kaiserzeit erlebte, wird diesen Winter auch in Berlin neu erweckt werden. — Eine wirtschaftsgesckiichtlicheBibliothek des 19. Jahrhunderts beabsichtigt Prof. Schmollcr ans einem ihm von seinen Schülern gestifteten Fonds zu errichten. Sie soll Tages- zeitnngcn, Zeitschristen und Geschäftsberichte enthalten und das Quellenmaterial darbieten; sie wird der Seminarbibliothek an- gegliedert. — Ein Schilling- Museum, in dem die Gipsabgüsse sämtlicher Werke des eben 80 Jahre alt gewordenen Bildhauers Schilling aufgestellt werden sollen, will die Stadt Dresden von dem Jubilar erwerben. — Eine internationale B l i n d e n k o n f e r e u z wirö in Manchester vom 27. Juli bis 1. August unter Beteiligung von Delegierten aus der ganzen Welt abgehalten werden. Eine Fülle von wichtigen Tbemen soll zur Verhandlung gelangen. — Eine geräuschlose Feuerwaffe.' H. P. Maxiin hat in New Uork, wie der„Franks. Ztg." von dort berichtet wird, öffentliche Versuche mit einer geräuschlosen Feuerwaffe ausgeführt. ES geschah dies im Bureau der Tierschutzgesellschaft, die sich für diese Erfindung interessiert, da Tierfreunde schon seit langer Zeit nach einem Verfahren geforscht haben, das die schnelle nnd g'cräusch- lose Tötung von Tiereil in den großen Schlachthäusern gestattet. Bei den Versuchen gelang es dem Erfinder, Kugeln durch zwei Bücher, die zusammen sechs Zoll dick waren, zu treiben, ohne daß man im Nebenzimmer etwas anderes als das Aufschlagen deS HahnS hörte. Maxiin gedenkt später einer Militärkommission ein von dein gegenwärtigen Modell wenig abweichendes Gewehr vorzu» legen, bei dem sogar das durch das Aufschlagen deS HahnS Utf ursachte Geräusch vermieden werden soll. Berufes zu fügen. Organisierte Arveiter, die alljährlich regel- mähig unrmterbrocheu länger als drei Monate zu einem und dein» selben Berufe übertreten, müssen sich immer der Organisation des Berufes ansckliehen, in dem sie arbeiten. Arbeiter, die dauernd in zwei Berufen rätig find, haben sich der Organisation deS Haupt- berufes anzuschließen. Diese Arbeiter haben sich in ihrem Neben- beruf bei Lohnbewegungen und sonstigen Differenzen den Beschlüssen der in Frage kommenden Organisation zu fügen. 4. Wenn in einem Betriebe Angehörige verschiedener Berufe beschäftigt sind, dann dürfen die einzelnen Arbeiter nur in die- jenige Organisation aufgenommen werden, welche für ihren Beruf besteht. Abweichungen von dieser Regel sind nur statthaft auf Grund vorheriger bestimmt begrenzter Bereinbarungen zwischen den beteiligten Zentralinstanze». Letzteres gilt auch für die Aufnahme vereinzelt beschäftigter beruflicher Arbeiter in Gemeinde», Staats- und Genosienschafrsbetrieben sowie für Arbeiter, für die am Orte eine Orgaitisation ihres Berufes nicht besteht. 5. Sofern besondere Kartcllverträge über die gemeinsame Behandlung von Lohnbewegungen, Streiks und Aussperrungen nicht bestehen, haben bei Bewegungen, die mehrere Berufs- organisationen umfassen oder Weiterungen für solche erwarten lassen, die betroffenen Verbände sich vorher sowohl über die Inszenierung und Durchführung der Lohnbewegung, als auch über die Unterstützung der Nichtorganisierten zu einigen. Bei genieinsamen Streiks, wie auch bei Beteiligung einzelner Mit- glieder anderer Gewerkschaften an Ausständen unterstützt jede Organisation nur die eigenen Mitglieder. 6. Von etwa abgeschlossenen Kartellverträgen ist der General- kommission durch Uebermittelung einer Abschrift Kenntnis zu geben. Die Redaktionskommisflon: Brey, Fabrikarbeiter, Etzel, NahrungZ- und Genuhmittel, Himpe l. Transportgewerbe, Husemann, Bergarbeiter, R a i t h, Holziitdustrie, R e i in e r s, Textilindustrie, Röske, Baugewerbe, Scheffler, Metall- industrie, S i l l i e r, Graphische Gewerbe, S i m o n, Bekleidungs- industrie und E m m a I h r e r, die anderen Beruft.' Die NedaltionSkommission ergänzt nachträglich diese Resolution Noch durch folgenden Zusatz: „Wird ein Mitglied einer Organisation, welches im Auftrage einer anderen Organisationsleitung agitatorisch oder gcwerkschaft- lich tätig ivar, wegen dieser Tätigkeit gemahregelt oder in ein Slrafverfahren verwickelt, so hat die Organisation die Kosten zu tragen, in deren Auftrag er gewirkt hatte.' Zu dieser Resolution liegen eine Reihe von AbänderungSanträgen bor, die sich snnitlich auf den Absatz 4 beziehen. Die Vertreter der Gemeindearbeiter sMohs, S ch u l tz k i u. a.) beantragen, den Absatz 4 ganz zu streichen. Träger sBrauereiarbeiter) will die ersten beiden Sätze des Absatzes 4 streichen und sie durch folgenden Wortlaut ersetzen: „Wenn in einem Betriebe Angehörige verschiedener Berufe beschäftigt sind, dann dürfen die einzelnen Arbeiter nur in die- jenige Organisation aufgenommen werden, welche für ihren jetzigen Gewerbebetrieb besteht, sofern die Zahl der Arbeiter der einzelnen Berussgruppen eine verhältnisinäßig erhebliche für ihre Berufsorganisation ist und sofern dadurch eine einheitliche Aktion bei Lobnbewegungen und Kämpfen um Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht beeinträchtigt, die Interessen der Gesamtheit der Arbeiter des Betriebes nicht geschädigt werden.' Schließlich beantragen Knoll und 21 andere zu'Absatz 4 Agenden Zusatz, den die Redaktionskommission a kz ep- i e r t n n d in ihren Antrag mitaufnimmt: „Gemeinde- und Staatsbetriebe, in denen Arbeiter ver- schiedener Bernfsarten technisch unabhängig von einander be- schäftigt werden, gelten in ihrer Gesamtheit nicht als.Betrieb' im Sinne dieser Resolution.' Berichterstatter der Redaktionskommission ist Simon- Nürnberg: Die Frage der Grenz st reitigkeiten kst ungemein schwierig, und ich habe hier eine unangenehme Auf- gäbe. Eine endgültige Entscheidung der Grenzstreitigkeiten wird auch heute nicht möglich sein. Wir wollten uns nicht um eine schwierige Ensscheidung herumdrücken, sondern e» standen ihr un- überwtn bliche Schwierigkeiten entgegen. Die Ent- Wickelung von Industrie und Technik hat in sich abgeschlossene Berufe überhaupt nicht mehr bestehen gelassen. Die einzige radikale Lösung wäre die verlockende Idee des allgemeinen großen Rrbeiterdundes. Aber natürlich stehen dem noch die größten Bedenken entgegen, können wir doch beiweiten noch nicht die allgemeine Einführung der Jndustrieverbände vom grünen Tisch aus allgemein dekretieren. Aber das will die Konunisfion noch einmal ausdrücklich hervorheben, daß eS nicht im allgemeinen Interesse liegt, noch lleinere Verbände zu gründen oder kleinere Verbände festzuhalten, wo die Möglichkeit zur Gründung von Jndustricverbänden gegeben ist. Eine ganze Reihe kleinerer Verbände könnten ohne Schwierig- keit in großen Judustrieverbänden aufgehen. Aber wir wollen das der fortschreitenden EntWickelung überlassen, und stellen mit Freude fest, daß seit dem letzten Gewerkschaftskongreß eine ganze Reihe von Verbänden sich verschmolzen hat. Die öffentliche Diskussion der Verschmelzungsfrage in der Fach- und Parleipreffe muß jedenfalls sehr vorsichtig geführt werden, soll sie nicht mehr schaden als nützen. Vor allen Dingen dürfen nicht die leitenden Personen der Fachverbände und Berufsorganisationen egoistischrr Motive bezichtigt werden.(Beifall.) Gute Meinungen und ehrlicher Wille sollten immer anerkannt werden. Jedenfalls gewiimt man unorganisierte Arbeiter nicht, wenn man sich in den Versammlungen über die zuständige Organisation streitet.(Heiterkeit.) In dieser Beziehung ist viel gesündigt worden. Es kommt gar nicht darauf an, ob diese oder jene Organisation ein paar Mitglieder hat, fondern nur darauf, wie sich die Arbeiter am besten organisieren. (Lebhaste Zustimmung.) Im einzelnen hat die Redaktionskommission gestern ihre Beschlüsse nach Ib'/z stündiger Beratung einstimmig ge- faßt. Neu sind gegenüber den'früheren Beschlüssen der Vorstände- konferenz die dreimonatliche Uebergangszeit statt der früheren sechs- wöchentlichen, die Zulassung der Organisation im Haupt- beruf statt im Haupt« und Nebenberuf und die Vor- schriften über die Zuziehung anderer Organisationen bei Streiks und Lohnbewegungen. Nach diesen einstimmigen Beschlüssen halte ich eine ausführliche Erörterung der ganzen Grenzstreitigkeiten mit ihren häßlichen Auswüchsen nicht für erforder- lich. Sie kommen doch zu keinem anderen Resultat als die Organi- fationSverhältnisse und die Enrwickelung der Industrie eS uns vor- schreiben.(Lebhafter Beifall.) Von den AbänderungSanträgen findet der der Gemeindearbeiter auf Streichung des Absatzes 4 nicht die nötige Unterstützung. Die Debatte wird auf morgen vertagt. Heute nachmittag wird eine Hafenrundfahrt und ein AuSflug nach der Lühe gemacht. vie verdrossenen. Die„Sozialistischen Monatshefte" bilden seit Jahren eine ver- gnüglich ausgebeutete Fundgrube unserer Gegner. Nicht eine Nummer dieser Sammelstelle aller Mißvergnügten und Verkannten, aller politisch Brosthasten und an bürgerlichem Heimweh Krankenden er- scheint, in der nicht an der Haltung der Partei und ihrer offiziellen Organe herumgenörgelt und herumgekrittelt wird. Bald sind eS die prinzipiellen Lehrsätze deS Marxismus, die zum 099. Male geloogen und zu leicht befunden werden, bald ist es die Stellungnahme der Partei zu Tagesfragen der Politik, etwa zur Flotten- und Kolonialpolitik, die ihr hochnäsiges Naserümpfen und schulmeisterliche Schelte zuzieht, bald sind es innere Partei- fragen die, den verantwortlichen Organen polternde oder spöttische Zurechtweisungen eintragen. Nur selten haben wir von diesen HerzenSergießungen schöner Revisionistenseelen Notiz genommen. Aber eS hieße doch die Gutmütigkeit bis zur Verletzung von Parteipflichten treiben, wenn wir dieses saubere Treiben nicht wenigstens ab und zu einmal, bei einem besonders anmutigen Anlaste, kennzeichnen wollten. Die Partei hat ein Interesse daran, zu erfahren, wie eS in den Köpfen von Personen aussieht, die nicht nur in der Partei eine gewisse Rolle spielen, sondern die obendrein noch die Rolle einer obersten Partci-BormundschaftL- behörde für sich beanspruchen. In der soeben erschienenen Nummer der„Sozialistischen Monatshefte' sind eS die Genossen Eduard B e r n st e i n und Joseph Bloch, die um die Welte Partei und Parteiorgane haar- beuteln. Eduard Bernstein hat die Entdeckung gemacht, daß die Wahlerfolge in Berlin neben der Kleinarbeit der Genvsten eigentlich ausschließlich der blockgegnerischen Agitation des„Berliner Tage- blatt", der„Morgenpost� und der„Volks-Zeitung' zu danken sind— denn der.Vorwärts' habe seine Sache spottschlccht gemacht und sich seiner Aufgabe wieder einmal nicht gewachsen gezeigt. Man höre: „ES widerstrebt mir anS leicht begreiflichen Gründen, am Organ der Partei in Berlin, dem„Vorwärts", Kritik zu üben. Eine Feststellung kann ich indes nicht umgehen. Wenn sich die Aufgabe deS literarischen Führers im Kampf darin erschöpfte, in Sprache und Argunient tv ahlloS nach rechts nn d links drein zuschlagen, so wird wohl nie- mand dem„Vorwärts" das Zeugnis versagen, daß er dieser Aufgabe nach Menschcnmvglichkeit nachgekommen ist. An Kraft der Ausdrücke hat er es nicht fehlen lasten. Dagegen wird die Redaktion, wenn sie die Nummern ihres Blatte? aus der Wahlperiode nachträglich durchliest, wohl selbst zu der Erkenntnis kommen, daß der Artikel, die die erhebenden Momente des Kampfes hervorheben sollten, der Aufrufe, die geeignet sein konnten, Begeisterung zu er- wecken, verschwindend wenige waren. Und noch dürf- t i g e r war es um die Aufklärung über die umfassenderen Aufgaben des Kampfes, über die allgemein politische Situation und die aus ihr sich ergebenden Ziele bestellt. Hierin stand das in der Hauptstadt erscheinende Organ der Partei sehr hinter einer Reihe unserer Provinzblärter zurück, war eS provinzieller a l s sie. Der Umstand, daß in Berlin der Frei- sinn der Hauptgegner der Sozialdemokratie ist, macht eS erklärlich, daß der„Vorwärts" sich vorwiegend mit diesem beschäftigte. Er hätte Tadel verdient, wenn er es nicht getan. Aber darüber -durfte die Hervorhebung der Tatsache nicht vernachlässigt werden, daß unser Kampf mit dem Freisinn nur einem Nebenzweck eines viel größeren Unternehmens galt, der Haupt- zweck aber in der Zertrümmerung der halbfeudal- plutokratischen Mehrheit bestand, die das preußische Ab- geordnetenhauS beherrscht." Wir wollen uns jedes Wort des Protestes gegen diese liebens- würdige Zensur schenken. Haben wir ja auch nicht protestiert, als am ö. Juni die„Leipziger VolkSzeitung' meinte, daß sich— neben der aufopfernden rastlosen Tätigkeit der Parteiorgani- sationen— der„Vorwärts" ein gut Stück des Berliner Wahl- erfolgeS aufs Konto setzen dürfe. Und wenn daS Lob, das Bernstein der Provinzpresse spendet, eigentlich nur gewissen Korrespondenzen gilt, mit deren Herausgebern Bernstein innige Seelengemeinschaft verbindet, so merkt man die Absicht und wird nur um so heiterer gestimmt. Nachdem Bernstein das Zentralorgan der Partei dergestalt ab- getan, geht er kecklich aufs ganze: die ganze Politik der Partei während der letzten Jahre war kurzsichtig, dilettantisch, unkünstlerisch, ein einziger großer Fehler. Denn die Reaktion stehe ungebrochen. Das sei ja zum guten Teil Schuld des Freisinns, namentlich der Freisinnigen Bolkspartei. Trotzdem fei aber auch in Deutschland eine bürgerliche Demokratie möglich. Die Elemente dazu seien da, die Zwischenschichten zwischen Kapital und Arbeit. Dafür aber, daß jene bürgerliche Demokratie, von deren politischem Einfluß sich Bernstein offenbar Wunderdinge verspricht, noch nicht da ist, macht Bernstein die Politik der Sozialdemokratie verantwortlich. Er klagt: „Hat unsere Partei in Wirklichkeit eine Politik? Wir haben eine in ihren Fundamentalgedanken stichhaltige gesell- schaftliche Entwickelungstheorie. Wir haben ein vorzügliches Programm politischer Grundsätze und Forderungen. Wir haben eine Organisation, die wohl als mustergültig bezeichnet werden kann, und Hunderttausende trefflich geschulter, jederzeit tat- bereiter Kämpfer. Alles das ist gewiß schön und gut. Aber liaben wir eine Politik? Haben wir eine Praxis, die, über das bloße Handeln nach den Zeitumständen hinaus, darauf ge- richtet ist die Umstände selbst so zu g e st a l t e n. wie sie für unser Handeln am günstigsten sind? Nur erst das letztere würde es rechtfertigen von einer Politik der Partei im vollen Sinne dieses Wortes, wo es den Begriff der Staats- kunst einschließt, zu sprechen. Wir sind groß und stark genug geworden eine Politik zu haben, aber was man in weiten Kreisen der Partei dafür hält, ist meist nicht viel mehr als jene wenig geistige Anstrengung erfordernde Bewegung, die der Engländer 6 r i k t i n g nennt, und für die man im Deutschen das Wort wursteln gebildet hat: das selbstbeschauliche Dahin- plätsch-ern im Fahrwasser der Ereignisse." Den Schlüssel zu diesen Verzweiflungsausbrüchen eines durch die unsäglichen Torheiten der Sozialdemokratie gequälten Herzens liefern dann folgende Sätze: „Wir wußten doch lange vorher, daß das Jahr 1908 ein« Landtagswahl bringen würde. Und wir wußten auch, daß, wenn die plutokratische und die klerikale Landtags- Mehrheit gesprengt werden sollten, es beim Drciklasten- Wahlsystem nur durch eine Verständigung mit dem Freisinn möglich war. Eine weitblickende Politik hätte danach ihre Sprache und Methoden einrichten müssen. Es fehlt im Lager des Freisinns nicht an Leuten, mit denen unsere Genossen in den gesetzgebenden Körpern und Kommunal. Vertretungen noch auf dem Diskutierfuße stehen, es fehlt in ihm nicht an Leuten, die die Blockpolitik nur mit halbem Herzen mit- machen. Diesen Elementen galt es Mut einzuflößen, ihnen den Rücken zu steifen, eS ihnen möglich zu machen in der eigenen Partei die Verständi. gung mit der Sozialdemokratie überzeugend zu verfechten." Also das ist des Pudels Kern: Die Sozialdemokratie ist zu wenig glimpflich mit dem Freisinn verfahren. Sie hat seinen politischen Verfall zu schonungslos aufge. deckt, feine Verrätereien zu unhöflich gebrand. markt! Hätte die Sozialdemokratie sich statt der plumpen beut- fchen Sprak verbindlicherer Formen bedient, so— hätte eS keinen Block gegeben, sondern der Freisinn hätte Schulter an Schulter mit der Sozialdemokratie den preußischen Wahlrechtskampf gegen „Plutokratie und KlerikaliSmuS" geschlagen! ES ist, als ob' ein Blindgeborener einem Maler einen Vor- trag über sein Handwerk halten wollte, es ist— einfach Mitleid» erregend! Daß Josef Bloch, der Herausgeber der„Sozialistischen Mo- uatshefte", gleichwohl zu den Bewunderern der Bcrnsteinffchen „StaatSkunst" gehört, versteht sich von selbst. Er sekundiert seinem Mitstreiter folgendermaßen: „Die Liberalen sind wirklich so unpolitisch wie nur möglich; ihre Praxis zeichnet sich weder durch Klugheit noch durch Noblesse aus. Alle Vorwürfe und Anklagen, die wir auf ihr Haupt häufen, sind mehr als berechtigt— am wenigsten vielleicht noch die wegen der Teilnahme am Block, die ihnen doch ein Zipfelchen der Macht öder wenigstens deren Illusion gibt und ihnen daher nicht so zu verübeln ist—, wir wissen, daß der deutsche Liberalismus überall ein sehr wenig charakierfester und sehr wenig intelligenter Bundes- 1 genösse war, utid üm seinetwillen berdietik er wirklich nicht die geringste Unterstützung. Aber als politische Partei hat die Sozial- demokratie nicht die Aufgabe oes Schulmeisters. der nach der Zensur im Betragen lobt oder straft, sondern sie hat ihr eigenes Interesse wahrzunehmen und sich der Hilfsmittel zu bedienen, die sich bieten. Eine von langer Hand vorbereitete Kooperation aller Wahl- reformfreunde hätte die einzige Möglichkeit des Erfolges geboten." Die Freisinnigen sind also zwar nach Josef Bloch die denkbar unzuverlässigsten Gesellen, die einem Zipfelchen von Macht, ja dem Schatten dieses Zipfelchens, einer Illusion zuliebe, alle frei- sinnigen Prinzipien preisgeben und sich dafür der Reaktion in die Arme werfen—; allein trotzdem empfiehlt dieser Stratege dcS Revisionismus eine„von langer Hand vorbereitete Kooperation" mit diesem Freisinn, um sich seiner als„Hilfsmittels" zu bedienen. Nun, auch wir sind ja gerade keine Bewunderer der politischen Klugheit des Freisinns. Aber daß sich selbst der Dümmste von ihnen von einem Bloch oder Bernstein als Werkzeug zu einem von ihm selbst nicht gewollten Zweck gebrauchen ließe, das trauen wir ihm denn doch nicht zu! Aber dcS ganzen revisionistischen Jammers A und O wäre doch so leicht auS einem Grunde zu kurieren I Die Sozialdemokratie brauchte sich nur die„Aufgabe des Schulmeisters" den bürgerlichen Parteien gegenüber abzugewöhnen, auf die Kritik vom- Standpunkte des Klassenkampfes aus zu verzichten, sie brauchte bloß ihren prinzipiellen Charakter preiszugeben, um sich mit dem bürgerlichen Liberalismus, der dann ja bequem die Fahne der Demokratie heraushängen könnte, im Spülicht der charakterlosesten Opportunitätspolitik zusammenzufinden! Das Proletariat würde dabei zwar noch weniger ein Zipfelchen politischer Macht erwischen, als der Freisinn, der doch bei aller Preisgabe der Volksrechte und Volksinteressen wenigstens die Interessen der Börse wahrte; aber die braven Revisionisten würden dann nicht mehr als verkannte Größen das Scitenbänkchen der Nörgler zieren, sondern den Ruhm ihrer „Staatskunst" von der„Morgenpost" bis zur„Tante Voß" ver- kündet sehen! Jammerschade nur, daß einstweilen die Partei von der Strategie dcS revisionistischen GcneralstabS so gar nichts wissen will. Da bleibt diesen Strategen eben nichts anderes übrig, als den Wahlsieg in ihrer Weise durch ohnmächtige Nörgelei zu feiern. Genörgelt wird nicht nur an der Taktik der Partei, sondern auch an ihren einzelnen Instanzen und Organen. So nennt z. B. Josef Bloch die Gesamtvertretung Groh-BerlinS, die die Landtags- kandidatcn für Berlin aufstellte, höhnisch einen. Wohlfahrte- auSschuß der Partei". Wie schade in der Tat, daß Berlin seine Kandidaten nicht von dem Klüngel der„Sozialistischen Monatshefte" küren läßt, der ebenso unfehlbar wie über die der Partei dienliche Taktik auch über die Qualitäten der einzelnen Personen abzuurteilen versteht! Aber die Klagelitaneien der„Sozialistischen Monatshefte" haben ihre tiefe innere Begründung: Für den Re- vifionismus war der im Geiste des Klassenkampfes geführte Wahlkampf, waren die Wahlerfolge wieder einmal eine ver« lorene Schlacht� � Das Forfterdrama vom Müggelsee. Zu Beginn der Sitzung teilt StaatSanwaltschaftSrat Schmidt folgendes mit: ES sei heute Morgen von zwei in der Halleschen Straße wohnhaften Damen ein Brief eingegangen, in dem diese da- von Mitteilung machen, daß sie eines Tage» zufällig am Müggelsee Zeugen eines sehr auffälligen Gespräches zwischen dem erschossenen E erster Schwarzenstein und seinem Sohne geworden wären. Der ertreter der Anklage hält es für angebracht, die beiden Zeuginnen sofort telephonisch zu laden.— Ein Geschworener stellt die Frage. ob sich Pater und Sohn am Abend de» 22. Januar nicht unterwegs getroffen haben. Der Angeklagte sei gegen �7 Uhr zu Hause ge- Wesen, während der Vater kurz vorher weggegangen sei. Der An- geklagte erklärt hierauf, daß er seinem Vater deshalb nicht begegnet sei. weil er selbst, um nach dem Forsthause zu gelangen, einen Schleichweg benutzt habe. Amtsrichter Matz kommt nochmals auf die gestrige Aussag: der Frau Schwarzenstein zurück. Zweifellos habe die Frau, die bei ihrer ersten Vernehmung in begreiflicher Erregung sich befand, ihm in der Boruntersuchung nicht? davon gesagt, daß sie den Schlüssel zur Haustür vom Fensterbrett genommen, die Tür noch einmal aufgeschlossen und den Schlüssel stecken ge- lassen haben. Alsdann finden nochmals längere Erläuterungen über das Auffinden der Flinte' des Angeklagten statt.— Zeuge Wachtmeister Trojan: Ihm habe de: Angeklagte auf dke Frage nach seiner Flinte zunächst gesagt, sie befinde sich bei seinem Bruder in Thüringen. AIS dann später die zuerst vermißte Flinte zum Vorschein gekommen war. sagte er: aus de: Flinte sei schon lange nicht mehr geschossen worden, der Vater habe die Benutzung dieser Flinte auch verboten, weil sie zu klapperig war. Der Zeuge meint, daß in der Ecke kein« Pelerine gehangen hat, die die Flinte verdeckt haben könnte. Wenn eine Flinte da gestanden hätte, wäre sie bei der Durchsuchung der Kleider Zweifel- loS gefunden worden.— Der Angeklagte verbleibt dabei, daß er am 24. Januar Vaters Sachen, die alle durcheinander lagen, auf- geräumt habe, und daß dabei in der Eck« die Flinte zum Vorschein gekommen sei. Sic habe hinter der langen Pelerine in der Ecke fiestanden und der Kolben soll durch Schaftstiefel und einen Ruck- ack verdeckt gewesen sein.— Ein Zeuge, der Vorarbeiter ist, hat die Empfindung gehabt, daß der Angeklagte die Farbe wechselte, als der Kriminalkommissar den Flintenlauf betrachtete und durch- sah.— Wachtmeister Schaffrath: Die Flinte hätte gesehen werden müssen, wenn sie bei der Durchsuchung dagestanden hänr.— Forstmeister Kottmeyer erklärt auf Befragen des Staatsanwalts, daß eine Reinigung der Flinte des Angeklagten längere Zeit in An- spruch genommen haben und nicht unauffällig hätte vorgenommen werden können.— Rechtsanwalt Dr. Schwindt stellt fest, daß zwischen dem Auffinden der Leiche und den ersten amtlichen Fest- stellungen im Försterhause drei Stunden lagen Zeuge Fabrikbesitzer KowalewsN bekundet: Ich bin zwei Jahre lang in Rahnsdorf in Sommer. Wohnung gewesen, habe den Förster täglich besucht und war mit diesem auf freundschaftlichem Fuß. DaS Berhältnis der beiden Eheleute war nicht sehr innig, sie waren zwei harte Steine. AIS die Leiche gefunden worden war, war ich auf tclephonifche Benach- richtigung nach der Försterei geeilt. Ich beschäftigte mich emsig mit der Frage, wer wohl der Täter sein könnte? Ich giivz auch nach der Mordstelle und nahm sie in Augenschein; es war schon alles zertreten und von einer Spür war nichts mehr zu entdecken. Es war zu spät abgesperrt worden. Ich ging auch an den See, der gefroren war. Es ist mir bekannt, daß jenseits des Sees viel ge- wildert wird. Dann ging ich in daS FörstcrhauS zurück und wollte in das Vernehmungszimmer hinein. Ich sah den Willy auf dm Sofa liegen mit umwickeltem Fuß. Mir schoß dann auch der Gedanke durch den Kopf, ob wohl der Fürster mit einem seiner eigenen Gewehre erschösset» sein könnte, und fragte: Sind alle Büchsen da? Kriminalkommissar Leonhard erwiderte, es sei schon alles untersucht worden. Die Herren gingen Büchsenmacher. -An diese Aeußerungen des Beugen knüpfen sich lebhafte De An diese Aeußerungen des Zeugen knüpfen sich lebhafte De. batten. Ariminalkommissar Leonhard: Gerade dieser Zeuge hat auf das Gewehr großes Gewicht gelegt. Wir fuhren in demselben Eisenbahnabteil zurück, und da hat gerade dieser Zeuge zu mir gesagt: Lassen Sie sich doch nichts vormachen! Willys Gewehr fehlt! Den Jungen behalten Sie im Auge!" bann in das Nebenzimmer, ich blieb noch ein Beilchen bei Willy. Tisch des Herrn! Der Angeklagte hat darauf die Versicherung ab- durch ein derartiges Verhältnis nur noch begünstigt. Der Ber Dieser weinte und ich tröstete ihn. Ich ging dann in das Zimmer, gegeben, daß er unschuldig sei und ist darauf zum Abendmahl zu treter der Anklage geht nunmehr sehr ausführlich auf die einzelnen wo der alte Herr geschlafen hatte; da waren wohl an acht Herren, gelassen worden. Der zweite Vorgang war folgender: Als der Geschehnisse bis zu der Mordnacht ein, in der die Familie und es wurde nach einer Büchse gesucht. Ich wußte, daß im Forst- Angeklagte die Anklageschrift erhalten hatte, ließ ich sie mir von Schwarzenstein einem fürchterlichen Erwachen entgegenschlief. hause drei Büchsen vorhanden sein mußten, es fehlte aber eine. ihm geben und gab sie ihm nach einer halben Stunde zurück. Daß Schon sehr auffällig ist das Auf meine Frage, wo das dritte Gewehr sei, ich dabei eine Kritik an der Anklage geübt und gesagt habe: Sie gleichgültige Verhalten des Angeklagten antwortete Willy: Ich glaube, es ist bei dem Bruder oder beim find unschuldig und müssen freigesprochen werden, ist unrichtig! gewesen, als er von den beiden Arbeitern an die Leiche seines Rechtsanwalt Dr. Schwindt: Ist es vielleicht möglich, daß Sie Sie guten Mut, Sie werden freigesprochen werden." Beuge: ber Angeklagte hier benommen. Er wagte nicht die Leiche seines aus einem rein menschlichen Gefühl heraus gesagt haben:" Haben Vaters geführt wurde. Nicht wie ein Sohn, dessen Vater in seinem Blute schwimmend, von Mörderhand getötet, vor ihm liegt, hat sich Nein.- Präsident: Der Angeklagte hat sogar behauptet, daß er nach Ihrer Aeußerung in bezug auf die Handhabung seiner Bere Erzeugers zu berühren, fühlte nicht nach dem Schlagen des teidigung ein ganz anderer Mensch geworden sei.- Rechtsanwalt Herzens, um festzustellen, ob nicht etwa doch noch nicht alles Leben aus dem Körper entflohen sei. Nichts, nichts von alledem! Ohne Dr. Schwindt: Entsinnt sich der Zeuge, daß ich ihn eines Tages eine Träne zu vergießen, ohne die geringsten Zeichen einer Trauer auf dem Wege zur Zentrale traf und ihm sagte, daß ich ihn als Beugen vorlaben würde. Sie haben mir darauf gesagt, ich sollte fagte Willi Schwarzenstein im gleichmütigen Zone: Na, er ist tot, dann müssen wir ihn wegschaffen! das nur sein lassen, er würde ja wohl auch ohnedies freigesprochen werden. Beuge: Das ist mir nicht erinnerlich. Dem An- Jst das das Benehmen eines jungen, zwanzigjährigen Menschen, geklagten habe ich so etwas nun und nimmermehr gesagt. Dem der die furchtbare Nachricht erhält, daß sein Vater getötet sei? Angeklagten wird verschiedentlich vorgehalten, daß er also in bezug Nein, gewiß nicht! auf diesen Punkt die Unwahrheit gesagt habe.- Rechtsanwalt Dr. Wer ist nun der Täter? Schwindt betont, das, was darüber gesagt worden ist, sei nicht aus Wenn ein Förster im Walde erschossen wird, so kommt man zu dem Munde des Angeklagten, sondern aus dem Munde seines Ver- nächst auf die Vermutung, daß ein Wilderer der Täter ist. Es ist teidigers gekommen. aber eine alte Erfahrung, daß ein Wilderer, nur wenn er selbst Der Zeuge Mehlisch wird noch einmal eindringlich befragt, angegriffen wird und es heißt: der Förster oder du, von seiner ob er alles, was er gesagt habe, aufrecht erhalte, namentlich seine Waffe Gebrauch macht, sonst aber die Flucht ergreift. Eine solche Behauptung, daß Willy Schwarzenstein ihn habe beeinflussen Situation ist natürlich in diesem Fall unmöglich, da der Förster wollen, Falsches zu sagen, falls er noch einmal über das Zuschließen bekanntlich gerade in einer gewissen Beschäftigung begriffen war. oder Offenlassen der Tür befragt werden sollte. Der Zeuge bleibt Eine Tat aus Rache ist ebenfalls ausgeschlossen. Der Ermordete dabei, obgleich ihm vorgehalten wird, daß er bei seiner Ver- hatte keinen Feind; obwohl alles versucht war, hierüber etwas zu nehmung vor dem Amtsrichter Mat davon keine Silbe gefagt ermitteln, hat sich nur das eine ergeben, daß der Förster allgemein habe. Er wird, nachdem ihm der Präsident nachdrücklich die Be- beliebt und sogar bei Ausübung des Waldschutzes zu human ge deutung des Eides vorgehalten, bereidigt. wesen ist. Wenn die Tat nicht vorsätzlich verübt wäre, so müßte man zu der Annahme einer Fahrlässigkeit gelangen. Eine solche halte ich jedoch für unmöglich. Schon die Augenscheinnahme hat ergeben, daß eine Verwechselung mit einem Stüd Wild unmög= lich war. Außerdem ist die Etaatsanwaltschaft in wochenlanger, schwerer Arbeit allen Spuren der Personen nachgegangen, die der Wilderei verdächtig waren. Leider, leider führte die Spur schließlich dahin, wo man sie am wenigsten vermuten konnte. Es ist keine große Anzahl Tatsachen, die Ihnen als Schuldbeweise gegen den Angeklagten vorgelegt find, aber diejenigen Dinge, die gegen ihn sprechen, reben eine furchtbar deutliche Sprache, die einen Zweifel ausschließt. Die Beuge( erregt): Diese Aeußerung lasse ich mir nicht unter schieben. Kommissar Leonhard( bestimmt): Das wollen Sie beftreiten? Beuge( laut): Jawohl! Das ist nicht wahr, daß ich solche Worte zu Ihnen gebraucht habe. Kommissar Leonhard: Sie sind es gewesen, der den Verdacht auf den Angeklagten richtete. Beuge: Ich habe vielleicht gesagt: es ist eigentümlich, daß das Gewehr Willys fehlt. Kriminalkommissar Leonhard: Wollen Sie wirklich bestreiten, daß Sie gesagt haben: Sehen Sie sich den Jungen' mal an? Beuge: Das gebe ich zu. Präsident: Wie tamen Sie zu dieser Bemerkung? Zeuge: Das will ich erklären. Der Zeuge Kübler war ein Freund im Försterhause und wurde dort fast wie ein Kind des Hauses behandelt. Nun kam der Angeflagte ins Haus. Kübler war eine Zeitlang mit diesem befreunbet, dann trat eine eine gewisse Stälte zwischen beiden ein; Kübler scheint sich wohl durch den Sohn in seiner Stellung im Försterhause zurückgesez gefühlt zu haben. Kübler hat denn, etwa zehn Tage vor der Ermorderung des Försters, einmal gesagt: Willh habe einmal geäußert: Am liebsten schieße ich den Alten tot! Auf Grund dieser Aeußerung ist bei mir der Verdacht entstanden. Ich bedauere persönlich, daß ich diesen Verdacht ausgesprochen habe. Rechtsanwalt Dr. Schwindt: Sie kennen ja nun auch den Angeklagten sehr genau. Halten Sie den Angeklagten der furchtbaren Tat für fähig? Zeuge: Der Angeklagte ist ein stolzer junger Mann, der etwas Dummstolz besißt. Er war besonders stolz auf feine Försteruniform und hat geweint wie ein Schloßhund, daß er nicht königlicher Förster werden kann, weil er zu schwach befunden ist. Ich halte den Angeklagten nicht für den Täter. Auf weitere Borhaltungen erklärt der Zeuge, daß ihm der Verdacht, den er ausgesprochen, gewissermaßen durch die Aeußerungen des Zeugen Kübler suggeriert worden sei. Der Töpfermeister Spruhn, Vorsitzender des Kriegervereins, bestätigt auf Befragen, daß bei einem projektierten Festspiel zu Raisersgeburtstag der Angeklagte die Rolle eines Leutnants spielen sollte. Der Förster hat, als ihm dies erzählt wurde, geäußert: Bum Leutnant paßt er sich außerordentlich gut. Der Förster sagte ferner: er halte auf ihn, wie auf alle seine Kinder, große Stücke. Muf weiteres eindringliches Vorhalten des Rechtsanwalts Dr. Schwindt erklärt der Zeuge, daß ihm Kübler über den Angeklagten nichts gesagt habe. Dagegen sei davon gesprochen worden, daß am Tage des Begräbnisses die Frau Schwarzenstein dem Manne in die Grube nachgespuckt habe. Der nächste Zeuge ist der Fabrikleiter Kübler- Berlin. Er befundet u. a.: Es ist richtig, daß ich in dem Försterhause sehr oft war. Den Förster hatte ich lieb, er behandelte mich wie einen Sohn. Mit dem Sohne duzte ich mich. Das Verhältnis zwischen Bater und Sohn war nicht sehr innig. Der Sohn brachte sein Gehalt durch und der Vater schimpfte vielfach darüber. Bräfident: Halten Sie den Sohn der Tat für fähig?- Beuge: Darüber fann ich feine Erflärung abgeben! Ich weiß, daß der Angeklagte mehrere Male gesagt hat: Es wird hierauf die Zeugin Antonie Daske vorgerufen, die den eingangs erwähnten Brief an das Gericht geschrieben hatte. Sie bekundet folgendes: Sie hat fast jeden Sonntag einen Ausflug nach dem Forsthaus unternommen. Eines Sonntags sei es sehr stürmisch auf dem Wasser gewesen und mehrere Boote wären getentert. Der Förster Schwarzenstein habe mit dem Angeklagten am Strande gestanden. Als der Vater ein Boot besteigen wollte, um einem in Gefahr befindlichen Ruderer Hilfe zu bringen, habe ihn Willy Schwarzenstein zurüdgehalten und gesagt:" Nein, Vater, Du gehst nicht, eher gehe ich selbst!" Ein anderes Mal habe der Förster den Knecht Mehlisch ausgeschimpft. Dieser habe ihm einen fo bösen Blid zugeworfen, daß es ihr ordentlich kalt den Rücken entlang gelaufen sei". Eine dabeistehende Frau Hesse habe gefagt, dem könne man alles zutrauen. Staatsanwaltschaftsrat Schmidt verzichtet auf die Bernehmung der zweiten Zeugin, die dasselbe betunden soll. verständnis geschlossen. Die Beweisaufnahme wird hierauf unter allseitigem EinDie einzige den Geschtvorenen zu unterbreitenbe Schuldfrage lautet auf Mord. offene Tür, die des Morgens von den beiden Arbeitern aufgefunden war, spricht zu sehr dafür, daß jemand des Nachts das Haus verlassen haben muß. Der Zeuge Mehlisch, der uns hier gesagt hat, daß er des Abends die Tür fest verschlossen hat, wird zwar von seiten der Angehörigen und des Zeugen Otto als unglaubwürdig bezeichnet. Der Förster selbst hatte ihn aber damals als einen durchaus brauchbaren Menschen geschildert. Es steht für mich also fest, daß die Haustür von Mehlisch verschlossen worden war. Der Staatsanwalt legt eingehend dar, weshalb die Bekundungen der Mutter des Angeklagten Blaidoner des Staatsanwaltschaftsrats Schmidt: Glauben nicht verdienen, und fährt fort: Für mich steht es uns In dem Jugenddrama eines unserer beliebtesten deutschen erschütterlich fest, daß die Sache mit der Haustür sich so abgespielt Dichter sprach ein von Gewissensqualen gepeinigter Bösewicht zu hat, wie Mehlisch es dargestellt hat. Wenn die Tür also verschlossen einem Geistlichen, den er hatte tommen lassen: Welches ist die war und am nächsten Morgen unverschlossen vorgefunden wurde, größte Sünde? Dieser Bösewicht erhält von dem Geistlichen die so muß also inzwischen jemand hinausgegangen sein. Wer war Antwort:" Die erste Todsünde ist der Batermord, die zweite ist der dies? Frau Schwarzenstein war es nicht, die brei kleinen MädBrudermord!" Die ganze gesittete Welt steht auch auf diesem chen, welche im Hause wohnten, scheiden auch aus, ebenso Mehlisch, Standpunkt. Es gibt kein größeres Verbrechen, als wenn man die der nach der großen Tagesarbeit, die ihm im Forsthause oblag, feft Hand erhebt gegen den, dem man sein Leben verdankt und ihn, schlief. Bleibt nur der Angeklagte übrig. Was der Angeklagte nicht in aufloderndem plöblichen Born, sondern mit fühler Berech- von dem Oeffnen seiner Zimmertür und dem Herauswerfen seiner nung aus dem Hinterbalt niederschießt. Und diese furchtbare Tat Strümpfe gesagt hat, erscheint ganz unglaubwürdig; ebenso was foll der 20jährige junge Mensch aus anständiger Familie begangen seine fleine Schwester zur Bekräftigung dieser Behauptung hier haben, der selbst für den frischen, fröhlichen Beruf seines Vaters borbrachte. Es ist ja tief traurig, zu sehen, wie ein solch fleines bestimmt war. Dieser junge Mensch soll der einzige Feind des Mädchen offenbar beeinflußt worden ist, um hier die Unwahrheit Am liebsten schieße ich den Alten über den Haufen! Mannes gewesen sein, der, wie allseitig bestätigt worden ist, keinen zu sagen. Wer dies getan, möge sich darüber mit sich und einem Das sagte er auch einmal, als er Tags vorher mit dem Vater Feind hatte! Er soll alle Liebe, die ihm der Vater entgegenge- andern abfinden! Ich stehe ganz fest auf der Ueberzeugung, daß Strach gehabt hatte. Ich sagte ihm darauf: Sagit Du so etwas noch bracht, damit vergolten haben, daß er den Vater, der ahnungslos der Angeklagte es gewesen, der die Tür geöffnet hat, zu dem einmal, dann schlage ich Dir eins über die Schnauze!- Weiter aus fröhlicher Gesellschaft heimkehrte, feige aus dem Hinterhalt 8wed, sich nach der Mordstelle zu begeben. Sein angeschwollener bekundet der Zeuge, daß er auch nach dem Tode des Försters niederknallte! Das ist so ungeheuerlich, daß man es begreiflicher- Fuß hat ihn daran nicht gehindert, denn er ist ja am nächsten im Forsthause war: Ich war mit bei dem Suchen des verschwundenen dritten Gewehres tätig. Ich traf Willi auf dem Sofa liegend mit einem verbundenen Fuße vor. Trotzdem ich ihn dreimal anrief, antwortete er mir nicht; endlich zudte er mit einem Male zu fammen und richtete sich auf. Er erzählte, daß er sich gestern abend den Fuß verstaucht habe. Ich ging dann mit mehreren anderen in die Stube des Försters, wo der Gewehrschrank stand. Ich sagte hier fofort: Es fehlt ja eine Flinte. Willi antwortete mir: Die hat Emil mit nach Thüringen genommen." Als ich ihn darauf aufmerksam machte, daß dies doch unmöglich sei, daß der Bruder doch schon im August in Rahnsdorf gewesen war und ich die Flinte noch nachträglich gesehen hatte, antwortete er mir: Morgen zum Tatort gegangen. Hat er also die Verstauchung des Fußes schon am 22. Januar abends auf dem Wege vom Bahnhof nach Hause fich zugezogen, so hinderte ihn dies nicht, an den Tatort zu gehen; möglicherweise tann er sich aber den bösen Fuß auch auf der Flucht nach der Tat zugezogen haben. Und nun kommt die Geschichte mit der fehlenden Flinte. ent= weise zuerst nicht für glaubhaft hielt. Als ich dem Angeklagten zum ersten Male im Forsthause gegenüberstand und ihm einige freundliche Trostworte spendete, da habe ich nicht geahnt, daß ich ihm nach wenigen Wochen als Ankläger entgegentreten müßte. Er ist aber nicht mehr derselbe, wie ich ihn zuerst gesehen, sein Charakterbild hat sich so verschoben, daß seine Brüder allen Anlaß haben, von ihm abzurüden! Wer seinen Vater und seine Mutter in so andauernder Weise belügt, ein lüderliches Leben führt, Schulden macht, dabei seinen Vater vorschiebt und dessen Unter. Sie war zuerst nicht da, der Angeklagte gab widersprechende und schriften fälscht und ihn öffentlich kompromittiert; wer nicht die unwahre Erklärungen, und dann wollte er fie plötzlich in einer Scheu hat, seine vorgesetzte Behörde schriftlich zu belügen, dem kann Gde vorgefunden haben. Es ist aber flipp und flar durch die Be man keinerlei Glauben mehr beimessen. Es wäre natürlich töricht, weisaufnahme festgestellt, daß das Gewehr nicht dort gestanden hat, zu sagen, daß man ihm wegen dieser Lüderlichkeit und unwahr- wo er behauptet, es gefunden zu haben; denn sonst hätten die sehr haftigkeit auch zumuten könne, einen furchtbaren Vatermord zu sorgsam fuchenden Gendarmen es gefunden. Zum Reinigen des begehen. Das liegt mir vollständig fern. Daß Willi Schwarzen Gewehrs hatte Willy Schwarzenstein teine Zeit mehr, und so stein es mit der Wahrheit nicht genau nimmt, haben die Verhand- konnte von den Sachverständigen festgestellt werden, daß Na, dann wird die Flinte wohl beim Büchsenmacher sein! Lungen hier ergeben, hat beispielsweise auch die Szene mit dem gegen der Behauptung des Angeklagten aus diefer Flinte noch Ich fragte ihn darauf hin, wie der Büchsenmacher in Fürstenwalde Gefängnisgeistlichen bewiesen, dem er völlig Falfches nachgejagt hat. neuerdings gefchoffen sein muß. Der Angeklagte hat sich schließlich Willi Schwarzenstein denkt gar nicht daran, sein Gewissen durch eine Ausrede zurecht gelegt und ist plöblich mit der Behauptung heiße, erhielt aber von Willi teine Antwort. Vorsitzender: Konnte ein Geständnis zu erleichtern! Seine Schuld muß ihm bewiesen herporgetreten, daß sein Vater aus jenem Gewehr noch einmal der Angeklagte hierbei der Meinung sein, daß es sich noch um eine werden. Ich gebe zu: erbrückend ist der Indizienbeweis nicht der auf eine Krähe geschossen habe, die ihn ärgerte. Es ist aber nicht andere Flinte handele, als die später aufgefundene. Zeuge: Nein, ich habe ihn ausdrüdlich nach seiner Flinte gefragt, bie er Bahl, wohl aber der Qualität nach. Willi Schwarzenstein leugnet; nachgewiesen, aus welcher Flinte der Bater da geschossen hat; daß immer benutzt hatte und die jetzt hier auf dem Gerichtstisch liegt. die Schuld muß ihm bewiesen werden. Dabei muß natürlich alles es aus der vorliegenden Flinte geschehen, ist unwahrscheinlich; Unbe- denn aus dieser sind nach dem Gutachten der Sachverständigen Die ganze Sache tam mir schon damals sehr verdächtig vor. Das ausgeschieden werden, was auf ordinärem Klatsch beruht. ganze gleichgültige Wesen des Willi brachte mich auf einen berücksichtigt müssen alle jene höchst überflüssigen Erzählungen bleiben, zwei Schüsse abgegeben worden. Dagegen steht fest, daß aus der stimmten Verdacht. Ich faßte damals auf den Schrank hinauf, wo die Zeugen zum besten geben, die sich mit zuschriften an den borliegenden Flinte die Schüffe abgegeben sein können, die den sonst der Revolver des Försters lag. Als ich ihn dort nicht fand, Staatsanwalt wenden und ihm ohne jede Unterlage darlegen, daß Förster getötet haben. Jede Tat muß natürlich ein sie höchst Wichtiges aussagen fönnen. Wie stand es nun um Willi durchsuchte ich die an der Wand hängenden Kleider sehr genau, Schwarzenstein? Aus dem jungen Manne, der in der freien Luft ob der Revolver in diesen war. Vorsitzender: Halten Sie es für möglich, daß unter diesen Kleidungsstüden das fragliche Ge- des Waldes eine frische und fröhliche Gesinnung sich erworben wehr gestanden hat? Beuge: Ich kann mit aller Bestimmtheit haben mußte, ist ein Mensch geworden, der vom Großstadtleben ansagen, daß unter den Kleidern kein Gewehr gestanden hat. Bor- gekränkelt wurde. Am 22. Januar hatte er fißender: Angeflagter, was haben Sie zu diesen Angaben des 235 M. Schulden, vorgeschwindelt, Familienleben im Forsthause? Motiv haben. Ich gebe ohne weiteres zu, daß die Motive, die ich für die Tat des Angeklagten geltend zu machen habe, nicht jedem ganz überzeugend erscheinen mögen. Aber ich bitte, folgendes zu be denken: Der Angeklagte war am 22. Januar wie ein geheztes Wild, er konnte doch seines Lebens nicht mehr recht froh werden. Er hatte an allen Eden geborgt, und was das schlimmste ist, den Beugen, insbesondere aber zu der Aeußerung:" Ich möchte dem Vater hatte er etwas guten, ehrlichen Namen seines Vaters geschändet durch eine Fäl meinen Vater am liebsten totschießen", die Sie zu dem Zeugen schung, außerdem hatte er seine vorgefeßte Behörde belogen. Er getan haben sollen, zu sagen? Angeklagter: Ich weiß nicht, wie teine Aussicht auf Einnahmen, der vorgesetzten Behörde hatte er mußte vergegenwärtigen, daß es diesmal nicht mit ein paar Maulder Zeuge sich überhaupt solche Aeußerungen erlauben kann. Ich etwas vorgeschwindelt, Aussicht auf eine Stellung war nicht vor- schellen abging, wie damals, als er den Hund angeschossen hatte. habe so etwas nie gesagt. Vorsitzender: Sie hören doch aber, handen. Und wie war das Er wußte ganz genau, daß er bei der Entdeckung hinausgeflogen daß der Zeuge mit aller Bestimmtheit dabei bleibt, und daß er wäre. Ihnen im Aerger über diese Bemerkung gedroht hat, er wolle Ihnen, Eine derartige unwahrhaftigkeit hätte sich sein Vater wenn Sie das noch mal fagen.„ ein paar in die Schnauze schlagen". Wenn ich dieses berühre, so tue ich es nur, um Licht in die nicht gefallen lassen, er hätte ihn herausgeworfen. Aus dieser Sie müssen deshalb doch eine derartige Drohung ausgestoßen haben. furchtbare Sache zu bringen und ich werde dabei keine Rücksicht furchtbaren Angst heraus hat der Angeklagte den wahnsinnigen Angeflagter: Ich bestreite diese Aeußerung ganz entschieden. nehmen auf irgend jemand. Wer nimmt auf mich Rücksicht, der ich bies wäre Unsinn; denn der Angeklagte würde ja durch die Tat Gedanken gefaßt, seinen Vater zu beseitigen. Man sollte meinen, Zeuge: Ein paar Monate später hat Willi genau diefelbe Be- als Staatsanwalt meine ganze Kraft darauf verwende, um die merkung gemacht. Der Angeklagte bleibt auf die wiederholten Sache aufzuflären? Welche Zumutungen werden an meine Leicht- ebenfalls in eine schlechte Lage kommen, da er ja die Familie ihres Vorhaltungen des Vorsitzenden bei seinen früheren Angaben, gläubigkeit gestellt? Ich erinnere nur an Grete Schwarzenstein und Ernährers beraubte. Dies ist aber nicht der Fall. Seine Mutter Dann wird der ihre Mutter. Das kann ich wohl behaupten, es gibt Familien, hatte ja die Aussicht auf die Erbschaft, und er als Muttersöhnchen welche glücklicher zusammenleben als die Familie Schwarzenstein dachte sich, wenn der Vater nicht mehr da ist und die Mutter die als Zeuge bernommen. Er soll bekanntlich nach der gestrigen Be- in dem anheimeInden, sauberen, freundlichen Forsthause, das so reiche Erbschaft gemacht hat, dann wird sie schon für dich sorgen. recht geeignet erscheint, glüdliche Menschen zu beherbergen. Die Ich erkläre nunmehr zum Schlusse: Nur der Angeklagte Willy hauptung des Verteidigers die Anklage des Staatsanwalts gelesen Ehegatten waren eben zwei harte Steine, sie verstanden sich absolut Schwarzenstein, nicht ein anderer, ist der Mörder. Diese Ueber und bei der Zurückgabe derselben zu dem Angeklagten gesagt haben: nicht und gingen sich aus dem Wege. Wenn dieses Verhalten auf zeugung habe ich aus der Beweisaufnahme gewonnen. Ich bitte ' nun sei er von seiner Unschuld überzeugt. Beuge: Es werden die Kinder abfärbt, so ist dies wahrlich kein Wunder. Es war Sie, meine Herren Geschworenen, den Angeklagten nicht deshalb ton dem Angeklagten zwei Vorgänge miteinander vermischt. Am feine Liebe, fein Respett vor den Eltern vorhanden. Das war der Tat für schuldig zu erkennen, damit eir berartiges furcht 29. März war Abendmahlsfeier für die Untersuchungsgefangenen feine Liebe, das war mehr Angst vor einer Züchtigung. Denn der bares Verbrechen nicht ungefühnt bleibt, sondern, weil Sie zu der angesetzt. Diejenigen, die daran teilnehmen wollen, haben sich zu Bater hatte eine sehr lose Hand. Kurzum, Ueberzeugung gelangt sind: Der Angeklagte ist der Mörder! melden, ich spreche dann mit den Betreffenden unter vier Augen; Der Verteidiger Gefängnisgeistliche Hirsch es ist dies eine Art Beichtbesprechung, wobei ich auf die Bedeutung das ganze Familienverhältnis bei Schwarzenstein war untergraben der heiligen Handlung nachdrücklich hinweise. Der Angeklagte hatte und drohte jeden Augenblick zusammenzubrechen. Es war eine ties in längerer Rede auf die Unschlüssigkeit der Indizienbetveise mir von Anfang an immer wieder die Versicherung abgegeben und ewige Unruhe und teinerlei Harmonie. Hinzu kamen noch die hin und legt seine Ueberzeugung von der Unschuld des Angeklagten beteuert, daß er unschuldig sei. Ich hielt ihm noch einmal vor, eigentümlichen Geldverhältnisse und schließlich noch die unglück- eingehend dar. welch fürchterlich schwerer Verdacht auf ihm laste, ich sprach in liche Erbschaftsgeschichte, die einen völligen Bruch zwischen den Ehe- Bum ernstester Weise mit ihm und sagte schließlich:" Nun frage ich Sie leuten herbeiführte. In dieser Familie ist nun Willi Schwarzenletten Wort bei dem allwissenden Gott: Sind Sie schuldig oder unschuldig? stein aufgewachsen. Wenn jemand schon Neigung zum Schlechten verstattet, erklärt der Angetlagte: Meine Herren Geschtvorenen! Treten Sie nicht etwa mit einer Lüge auf dem Herzen vor den hat und leicht auf die schiefe Bahn gerät, so wird diese Veranlagung Ich fann mit reinem Gewissen sagen, daß ich meinen Water nicht ennorbet habe. Ich bitte um meine Freisprechung; ich bin um fchuldig 1 Nach Empfang einer Rechtsbelehrung durch den Vorfizenden siehen fich die Geschworenen um 6 Uhr zur Beratung zurüd. Um 9 Uhr verkündete der Dbmann den Wahrspruch der Geschworenen. Diefer lautet auf Nichtschuldig. Aus Induftrie und Handel. Die oberschlesische Industrie in einer fünfundzwanzigjährigen Entwickelung. Gerichts- Zeitung. unt= Nordamerika, Böhmen, Bulgarien, Canada, Dänemark, Deutsch land, England, Finnland, Ungarn, Italien, Niederlande, NeuSeeland, Rußland, Island, Desterreich, Schweden, Schweiz und Ein Schreckensurteil gegen ein Kind Südafrika sowie Australien, das, ebenso wie Norwegen, auf fällte am Montag die als die Jenste- Kammer durch ihre politischen Staatsfosten vertreten war, und schließlich die amerikanischen Schreckensurteile bekannte zweite Straffammer des Breslauer Staaten Wyoming, Kolorado und Utah, die gleichfalls offizielle Landgerichts. Die knapp 14 Jahre alte Berta Crivoll aus Schön- Vertreterinnen gesandt hatten. In diesen Ländern ist auch das eiche im Kreise Neumarkt hatte zu Ostern d. J. die Schule verlassen politische Frauenwahlrecht eingeführt. Der Gerichtshof erkennt demgemäß auf Freisprechung des An- und mußte, troß ihrer Jugend und der zurückgebliebenen körperlichen auch hervor, daß in den seit dem internationalen Kongreß in Aus dem Bericht über die Fortschritte der Bewegung geht gellagten. Die Kosten werden der Staatskasse auferlegt. wie geistigen Entwidelung sofort den harten Kampf ums Dasein Kopenhagen verflossenen zwei Jahren die Agitation für das aufnehmen. Sie war zunächst Magd bei einem Stellenbefizer, Frauenwahlrecht in die Parlamente von 18 europäischen Ländern, wurde dort aber bald wieder entlassen und kam nun am 1. Mai in das Bundesparlament der Vereinigten Staaten, in die Parlaals Dienstmädchen zu dem Kaufmann Scholz in Neumarkt. Weil mente von 32 dieser Staaten eingesetzt hat, ferner in den gesetzder junge Körper sich gegen die ihm zugemuteten Leistungen sträubte, gebenden Körperschaften von Canada, Viktoria und den Philippinen. galt das junge Ding auch hier bald als faul und unbrauchbar. Die Erkämpft wurde im Jahre 1907 das staatsbürgerliche Wahlrecht Verkrüppelung des Geistes aber zeigte sich darin, daß die 14jährige ihrer der norwegischen Frauen in derselben Beschränkung, wie sie seit Arbeitgeberin wahllos allerhand Tand, wie Handschuhe, Spitzen und 1901 das Gemeindewahlrecht haben, nämlich so, daß man Oppelner Broschen stahl. Die„ Herrschaft" predigte der Kleinen fortwährend gefähr 500 000 mündigen Frauen 200 000 wahlrechtslos geblieben find, und 1908 in Dänemark das allgemeine Gemeindewahlrecht die landläufigen Redensarten von den„ Lastern" der Faulheit, der der Frauen wie der Männer, das ja, wie wir seinerzeit beVerlogenheit und des Stehlens bor. Das Mädchen wurde dadurch richteten, mit verschiedenen Zugeständnissen an die Reaktion erDie Bevölkerung Oberschlesiens betrug am 1. Dezember 1880 nur noch verbitterter, und als gar auf Veranlassung des Kaufmanns fauft worden ist. Daß die Frauen in Finnland das staats1441 296 Seelen, sie stieg bis zum Jahre 1907 um über 600 000 und in seiner Gegenwart der Bater der Berta diese derb züchtigte, bürgerliche allgemeine Wahlrecht infolge des revolutionären auf 2 051 434 Seelen. Ein geradezu glänzendes Bild bietet der Aufschwung des Kohlenbergbaues. Wurden vor 25 Jahren wurde der Haß gegen den Dienstgeber in dieser so groß, daß sie den Generalstreits von 1905 erreicht haben, ist ja bekannt. Die Verbereits 11 793 305 Tonnen gefördert, so waren es 1907 fast dreimal tindischen Plan faßte, diesen zu töten. Und so kindisch wie der treterin dieses Landes, Frau Furuhjelm, verschwieg übrigens fobiel, nämlich 32 221 971 Tonnen, und der Geldwert dieser Pro- Plan, war auch seine Ausführung. Das Mädchen nahm nicht, daß das allgemeine Wahlrecht dort mit außerordentlichen duktion versechsfachte sich in der gleichen Zeit, indem er von 43,6 Kreolin, das im Haushalt zur Vertilgung von Ungeziefer Generalgouverneurs Bobrikoff in dieser Hinsicht Nußen gestiftet zur Vertilgung von Ungeziefer Mitteln erkämpft wurde, meinte auch, daß die Ermordung des auf 272,5 Millionen Mart jährlich anschwoll. Entsprechend der gebraucht wurde und goß dabon einen fleinen Löffel habe, ebenso wie der Umstand, daß, als 1905 die verfassungswidrige Förderung verdreifachte sich ungefähr auch die Zahl der im Kohlen- voll in den Kaffee des Hausherrn. Die Sache wurde Gestellungsorder an die Militärpflichtigen erging, die Mütter ihre bergbau beschäftigten Arbeiter; sie stieg von 36 151 im Jahre 1883 fofort entdeckt. Das eigentümliche Verhalten des Kindes Söhne vielfach aufforderten, dem Utas zu troben, viel dazu beiauf 95 932 im Jahre 1907. Dagegen hielt der Lohn dieser Arbeiter lenkte den Verdacht gleich auf dieses, das auch bald vor der nicht mit dem ums Sech 3 fache gestiegenen Werte der Produktion Schritt, denn er stieg in den fünfundzwanzig Jahren nur auf das Polizei einräumte, es habe den Hausherrn um die Ecke bringen" Fünffache, von 20,6 auf 107,3 Millionen Mark. wollen, weil es Heimweh gehabt und so nach Hause zu kommen gehofft habe. Der foeben erschienene Jahresbericht der Handelskammer bietet eine Reihe höchst interessanter Zahlen über die oberschlesische Industrie. wiederkäut, was in getragen habe, die finnischen Frauen politisch reif zu machen. An diese Rednerin wurden von mehreren Delegierten allerlei Fragen gestellt; der Kongreß beschloß jedoch, nicht weiter über Finnland zu sprechen, weil es ein Re= volutionsland ist. " Der Kongreß erklärt, daß es jetzt Pflicht der Frauen ist, sich zu gunsten des Frauenwahlrechts der Unterstüßung und Mitfvirkung aller Kräfte zu versichern ohne Rücksicht auf ihre anderen politischen oder religiösen Ansichten, alle Verwidelung mit nebensächlichen Dingen zu vermeiden und einfach das Wahlrecht zu denselben Bedingungen, wie die Männer es haben, zu fordern, aber die weitere Ausbreitung des Wahlrechts den Beschlüssen der Männer und Frauen zu überLassen, wenn beide Geschlechter erst das gleiche Wahlrecht und damit die gleiche Macht haben." Um der Kritik, die von sozialdemokratischer Seite jedenfalls verbandes, Fräulen Kramers, ein Amendement, das besagt: zu erwarten war, vorzubeugen, empfahl die 3. Sekretärin des WeltDiesem gewaltigen Aufschwunge steht allerdings ein Rüdgang im Eisenerzbau gegenüber; die Förderung fiel von 670 556 Nun wurde eine Haupt- und Staatsaktion wegen versuchten Tonnen auf 282 515 Tonnen, der Geldwert indessen nicht ganz Giftmordes gegen das unglückliche Kind eingeleitet. Die Jenske- einer Resolution zutage, die gegen Ende des Kongresses beraten Die bürgerlich beschränkte Auffassung trat noch deutlicher in entsprechend von 2,5 auf 1,6 Millionen Mark, die Lohnfumme von fammer tam zu der Ueberzeugung, daß dieses Kind die zur Er- und angenommen wurde. In dieser Resolution wird zunächst den 985 804 auf 862 882 m. jährlich, so daß die oberschlesische Eisen- fenntnis der Strafbarkeit seines Tuns erforderliche Einsicht" besessen Frauen verschiedener Länder Anerkennung gezollt für die Führung industrie sich von Jahr zu Jahr mehr genötigt fah, ausländische habe. Das furchtbare Urteil lautete auf 1 Jahr Gefängnis. ihres Wahlrechtstampfes, den Frauen anderer Länder darunter Eisenerze einzuführen. Welche ungeheuren Mengen von Eisen- Die Schuld an diesem harten Urteil trifft weniger den Richter als auch Deutschland, wegen des politischen Organisationsrechtes der erzen ins Land gebracht wurden, erhellt daraus, daß in jenen 25 Jahren die Produktion der Eisen- und Stahlindustrie den Gesetzgeber und die Schule. Die strafrechtliche Zurechnungs- Frau Glück zu erzielten Fortschritten gewünscht. Daran schließt an Roheisen- und Fertigwaren von 809 010 auf 2400 034 Tonnen, fähigkeit eines Kindes gar schon vom 12. Jahre an ist ein vom sich jedoch folgender Passus: deren Geldwert aber von 35,1 auf 108,2 Millionen Mark ge- Gesetz zugelassenes schweres Unrecht, das weder mit dem Begriff wachsen ist, während die Arbeiterzahl von 6494 auf 13 246 Röpfe eines Kindes noch mit dem eines Strafzweckes vereinbar ist. Die und die von ihnen verdiente Lohnfumme von 3,9 auf 12,5 Millionen Volksschule aber in Ostelbisch- Preußen strebt nicht dem Ziele nach, Mart anstieg. In ähnlicher Weise hat auch die übrige Industrie die geistigen Fähigkeiten der ihm Anvertrauten zu entwickeln, sondern während des mehrfach genannten Zeitraumes fich entfaltet, vor allem das Kind so zu erziehen, daß es möglichst wie ein blödes Vich der die Zementfabritation, deren Versand sich 1883 auf 62 629 Tonnen, im Jahre 1906 aber auf 311 627 Tonnen belief, also sich verfünf- Peitsche seines Antreibers geduldig gehorche und nur fäut und fachte. Mit diesem Aufblühen der Industrie mußte eine gewaltige die Futterkrippe ihm geworfen wird. Steigerung von Handel und Verkehr Hand in Hand gehen, die sich Das unglückliche, unreife Kind ist durch die sozialen Verin folgenden Zahlen ausdrüdt: Im Regierungsbezirt Oppeln hältnisse zum Eriverb gezwungen, zu dem ihm die körperlichen und stieg der Güterversand von 6 861 505 Tonnen auf 19 233 961 geistigen Fähigkeiten fehlen. Schuld an dem Fehltritt ist nicht Tonnen, der Güterempfang aber wuchs nicht zuletzt durch die dieses, sondern die Gesellschaftsordnung, die dem Kinde die Mögvon auswärts zur Verarbeitung herangeführten Eisenerze gar lichkeit geistiger und fittlicher Entwickelung raubt und dann das bon 648 582 Tonnen auf 3477 639 Tonnen. In diese glänzende Entwickelung, an der freilich die ArbeiterIn diese glänzende Entwidelung, an der freilich die Arbeiter. ind die Sünden der Gesellschaft entgelten läßt. Wer den Zu schaft die schlechtest entlohnte aller Berg- und Eisenindustrie- fammenhang der Dinge vorurteilslos betrachtet, muß es als eine zentren Deutschlands längst nicht den ihr zukommenden Anteil himmelschreiende ungerechtigkeit empfinden, daß Taten von Kindern, genommen hat, will nun das auch von der Oppelner Handels- bie auf mangelnde Erziehung zurückzuführen sind, der Beurteilung fammer ausbrüdlich festgestellte entschiedene Nachlassen der wirt- des Strafrichters unterworfen werden. schaftlichen Anspannung", der merkliche Rüdgang des allgemeinen Bedarfs" einen Stillstand bringen. Dieser allgemeine Rückgang habe auch Oberschlesien betroffen, wenn er auch hier etwas später als in Westdeutschland eingesetzt habe und auch einen etwas geringeren Grad als dort aufweise. Zwar könne das Gesamt ergebnis von 1907 trop der rüdläufigen Bewegung noch als befriedigend bezeichnet werden. Aber für 1908 feien zweifellos er hebliche Rüdgänge in den Erträgnissen der wirtschaftlichen Unternehmungen zu erwarten. Besonders ungünstig habe sich mit dem Konjunkturwechsel die un= günstige Wirkung der Handelsverträge bemerkbar gentacht und die zahlreichen Klagen über die A b= sperrung der ausländischen Märkte dürften sich im Jahre 1908, nachdem die Ausfuhr infolge der geringeren Aufnahmefähigkeit des heimischen Marktes von noch größerer Bedeutung geworden ist, noch erheblich vermehren und verschärfen". Trübe jind die Aussichten für die Zukunft. Die Unternehmer freilich trösten sich über das Kommen der mageren Jahre mit dem Uebersegen der berflossenen fetten. Indessen die Arbeiter? Sonderbare Forderung. In Essen halten die Fleischer ihren 31. Verbandstag ab. Am Mittwoch beschäftigte er sich mit der Konfumvereinsfrage. Es lag ein Antrag der Vereine Vor- und Hinterpommerns vor, in dem der Vorstand ersucht wird, in geeigneter Weise dahin vorstellig zu werden, daß mit Rücksicht auf die den Beamten in Aussicht gestellte Erhöhung der Gehälter die Regierung dahin wirke, daß die bestehenden Konjumvereine eingeschränkt und die Neubildung solcher Vereine verhindert werde. Die Handwerker und Geschäftsleute, namentlich in den kleineren Städten, erlitten infolge der Benutzung der Konsumvereine durch Beamte ganz erheblichen Schaden. Der Antrag wurde angenommen. Millionenbetrügereien eines Rommerzienrats vor Gericht. " Der Weltverband für Frauenwahlrecht, das Bestehen des Klassentampfes anerkennend, erklärt mit Nachdruck, die Frauen der ganzen Welt vereinigen zu wollen, um für die politische Gleichberechtigung von Mana nern und Frauen zu wirken durch die Forderung des Wahlrechts und der Gleichberechtigung der Frauen." d Gegen diesen Zusaß machte sich jedoch so starker Widerspruch geltend, daß die Antragstellerin es für gut fand, ihn zurückzuziehen. Dagegen wurde der oben mitgeteilte Saz der Resolution mit 28 gegen 11 Stimmen gutgeheißen. In dem Prozeß gegen den Kommerzienrat Möller verurteilte das Landgericht in Altona gestern den Angeklagten zu fünf Jahren Gefängnis und drei Jahren Ehr- Die Mehrheit der internationalen Wahlrechtsdamen würde sich berlust. Das Gericht nahm willkürliche Bilanz- also wohl auch mit der geplanten mecklenburgischen Verfassung" aufstellung und 22 Betrugsfälle an. Der Staats- zufrieden geben, wenn nur die Damen dabei nicht vergessen werden. anwalt hatte 6 Jahre Zuchthaus beantragt. Der Angeklagte verzichtete auf Rechtsmittel. Hus der Frauenbewegung. Zum Achtuhr- Ladenschluß. Allgemeiner Wahlverein. Anmeldungen und Beiträge für den IV. Kreis, Südosten, nehmen entgegen: Emma Dölk, Forsterstraße 44, IV, Frau Hönife, Wienerstraße 43, Laden, Frau Schreiber, Büdlerstraße 42, II, Parteispedition Laufizer Plaz, Baul Hoffmann, Oppelnerstraße 47. Der Vorstand. Versammlungen. Zurzeit findet in Berlin wieder mal eine Abstimmung über den Achtuhr- Ladenschluß statt; denn obgleich vor einem halben Jahre zirka 20 000 Geschäftsinhaber sich für die Maßnahme erklärten, ergab diese Zahl doch nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Erklärung. Bezugnehmend auf die Erklärung des Vorstandes Sollte in Berlin wirklich nicht möglich sein, was in den anderen des Asphalteurverbandes habe ich folgendes zu erividern: Großstädten, darunter in der Fremdenstadt Hamburg, möglich ge- Ich halte meine in der Versammlung vom 14. Juni gebrauchte wesen ist? Sollen die Kinder der Arbeiter weiter bis in die Aeußerung über den Asphalteurverband aus folgenden Gründen fintende Nacht auf Kosten ihrer Gesundheit und ihrer geistigen aufrecht: Ausbildung hinter den Ladentischen stehen müssen? Sollen die Nachdem am 2. Juni auf Anregung des Dachdeckerverbandes kleinen Ladeninhaber, denen die kürzere Arbeitszeit genau so eine allgemeine unverbindliche Aussprache stattgefunden und ich nötig ist wie den Angestellten, nur deshalb keinen Anspruch darauf hierüber dem Vorstand unseres Verbandes Bericht erstattet hatte, haben, weil Großhändler, die nicht mehr selber hinter dem Raden- wurde auf Anregung meinerseits beschlossen, eine gemeinsame tisch stehen, gegen den Achtuhr- Ladenschluß Front machen? Sigung folgender vier Organisationsvorstände cinzuberufen: Arbeiterfrauen! Die sozialdemokratischen Frauen Berlins 1. Verband der Dachdecker, 2. Christliche Organisation der Dachhaben ein Flugblatt für den Achtuhr- Ladenschluß unterzeichnet; sie decker und Hilfsarbeiter, 3. Verband der Asphaltcure, und 4. Verhaben damit erklärt, daß auch sie den Achtuhr- Ladenschluß be- band der baugewerblichen Hilfsarbeiter. Die Sigung fand am grüßen würden. Agitiert nun auch bei den Geschäftsleuten dafür, der Asphalteurverband fehlte, auch eine Benachrichtigung desselben 10. Juni statt. Alle eingeladenen Verbände waren erschienen, nur daß jeder seine Stimme für den Achtuhr- Ladenschluß abgibt. Der wirtschaftliche Niedergang nimmt in der Nürnberg- Fürther Wenn Ihr das tut, wird die Zahl der Befürworter so groß sein, war nicht eingegangen. Alle Vertreter der anwesenden Organisationen nahmen daher mit Recht an, der Asphalteurverband wünscht Glasindustrie immer größere Dimensionen an. Mit erheblichen daß der Polizeipräsident den Achtuhr- Ladenschluß anordnen muß ein Vorgehen seinerseits nicht. Damit war für uns die Sache erArbeitseinschränkungen wurde schon länger gearbeitet, aber jetzt geht Wirkt auch aufklärend unter unseren Geschlechtsgenossinnen man auch dazu über, ganze Betriebe überhaupt still zu legen. Eine und handelt selbst konsequent. Es ist bedauerlich, wenn die Gegner mit den Arbeitgebern beschlossen. Die Einladungen der Organija. ledigt und es wurde nun erst die Einleitung der Verhandlungen der größten und ältesten Firmen, L. Schienerer in Fürth, hat am des Achtuhr- Ladenschlusses darauf hinweisen können, daß gerade tionsvorstände sind durch den Genossen Karl Görnik( Dachdecker) Sonnabend ihre sämtlichen Arbeiter mit Ausnahme der Meister Arbeiterfrauen erst um 9 Uhr kommen, um ihre Einkäufe zu ererfolgt. entlassen und diese Maßregel mit Arbeitsmangel und damit ver- ledigen. So schwer es häufig sein mag, den Einkauf früher zu bundener Preisdrüderei durch die Facettierwerkbefizer begründet. besorgen, es muß geschehen! Häufig wird aus Gleichgültigkeit erst Wie verlautet, soll eine Anzahl Kleinerer Firmen dem Beispiel bald um 9 Uhr getauft. nachfolgen wollen. gegen 32,25 Ergebnisse der deutschen Seefischerei. Bedenkt, daß es die Kinder des Proletariats find, die dadurch geschädigt werden. Keine Arbeiterfrau darf nach 8 Uhr kaufen! Sorgt dafür, daß die Läden von 8 bis 9 Uhr leer find! Karl Gräber. Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl wochentäglich abends von 7 bis 9½ 1hr statt. Geöffnet 7 1hr Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde bor. :. R. Gobb 20. Sie müssen schleunigst beim Magistrat reklamieren. M. 45. Der Returs ist innerhalb eines Monats einzureichen. Zwed mäßig ist es, fich der Hilfe des Arbeitersekretariats, Engelufer 15, zu be13. Uns nicht bekannt. E. L. G. Auf die Reklamation cr dienen. halten Sie Antwort; beantragen Sie Beschleunigung der Antwort und Steuer. R. C. 29. Der Antrag fam direkt an die Anstalt aber auch an die Invalidenversicherungsanstalt, Im Köllnischen Part, gerichtet werden. Wenn im Vertrage nichts anderes vereinbart ist, entbindet der von Ihnen geschilderte Umstand nicht vom Vertrage. F. G. Wenn die uns nicht bekannten Statuten nicht entgegenstehen, ja. 3... 1872. Benden Sie sich an die Landesversicherungsanstalt. Diese ist berechtigt, aber nicht verpflichtet, ein fünstliches Gebiß zu bewilligen. E. D.30. Wenden Sie sich an den Handels- und Transportarbeiterverband, Engel- Ufer 15. R. F. 50. Für den Fall einer Klage würden Sie zum Schadenersab verurteilt werden, wenn der Richter annimmt, daß bei gehöriger Aufsicht des Kindes der Unfall nicht passiert wäre. Wir würden Ihnen raten, es auf einen Prozeß ankommen zu laffen.- D. E. 81. Rein. In den ersten fünf Monaten find zusammen 50 Proz. mehr Seefische gefangen worden, als in der gleichen Zeit 1907. Die Der internationale Kongres für Frauenwahlrecht. Fangergebnisse stellten sich nämlich auf 45 593 278 Kilogramm im Nord- und Ostseegebiet zusammen gegen 30 257 654 in der ParallelDer vom Weltverband für Frauenwahlrecht veranstaltete zeit des Vorjahres. Die Menge der dem Gewicht nach angegebenen Kongreß, der während der vorigen Woche in Amsterdam tagte, Fische hat also eine Zunahme um 15 335 624 Kilogramm erfahren. hat im allgemeinen gezeigt, daß die international verbündeten Bei einer Reihe Fische, zu denen vornehmlich Heringe und Flundern Frauenrechtlerinnen sich größtenteils damit begnügen, zu fordern, gehören, werden die Fangergebnisse in Stückzahl angegeben und daß den Frauen das Wahlrecht im gleichen Maße zuteil werde, einstweilige Einstellung der Zwangsvollstreďung oder Niederschlagung der nicht die Gewichtsmenge ermittelt; von ihnen wurden in den ersten wie es die Männer in den respektiven Ländern besitzen. fünf Monaten dieses Jahres an 39,45 Millionen Stück gefangen Zu dem Gedanken, daß, wenn man nun einmal das FrauenMillionen im Vorjahre. Also auch bei wahlrecht fordert, es auch unbedingt das allgemeine, gleiche Wahlden der Stückzahl nach angegebenen Fischen sind die Fang- recht sein muß, fonnten sich nur wenige Frauen aufschwingen. ergebnisse träftig gestiegen. Im Mai hat besonders der Manche Vertreterinnen waren der Ansicht, daß sich die FrauenHeringsfang gegenüber dem Vorjahre eine erhebliche Zunahme er- wahlrechtsbewegung überall parteipolitisch streng neutral halten fahren. Im Ostseegebiet, das hauptsächlich für den Heringsfang in müsse, um durch solch vornehmes Betragen Achtung und AnBetracht tommt, wurden im Mai dieses Jahres 4 806 950 Stück erkennung bei allen Parteien zu gewinnen. Auf diese Weise geSeringe gefangen gegen 3-888 200 Stück im Mai 1907 und 2094 240 winnt man natürlich leicht, selbst unter den reaktionärsten ParStüd im Mai 1906. Flundern dagegen, die hauptsächlich auch der teien, Freunde des Frauenwahlrechts, oder vielmehr des DamenStückzahl nach ermittelt werden, wurden weniger gefangen als 1907; wahlrechts, das eben diesen Parteien von Vorteil scheint und gedie Fangergebnisse betrugen im Mai nur 2 663 390 Stid gegen eignet ist, eine alternde Reaktionspartei wieder auf die Beine zu 3 884 860 Stück im Mai 1907 und 2180 621 Stück im Mai 1906. helfen. Nur gegenüber 1906 ist hier also noch ein Vorsprung vorhanden. Der Weltverband selbst hat recht gute Fortschritte gemacht, Patienten in Beelik, Buch usw. Diejenigen unserer Abonnenten, Beträchtlich gestiegen sind die Fangergebnisse bei Schellfisch, besonders ein Beweis für die Werbekraft, die der Gedanke der Gleich die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, bei den geringen Sorten, und bei Kabeljau. Jsländer Stabeljau berechtigung des weiblichen Geschlechts ausübt. Auf dem Gründungs- wollen uns wegen der Ueberweisung von Freieremplaren sofort ihre Adreſſe wurde in einer Menge von 1006 407 Kilogramm gefangen gegen fongreß dieser internationalen Verbindung, vor fünf Jahren, einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen 571 684 Kilogramm im Mai 1907. waren nur 8 Länder vertreten; diesmal aber waren es nicht Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden weniger als 22 Länder und Staaten: die Vereinigten Staaten von Monat neu eingefandt werden. Briefkaften der Expedition. Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 146. 25. Jahrgang. 2. Dkilaze des Jonpärtf Knlm ItlbM. Donnerstag, 25. Inai 1968. Partei- Hiiöfelegcnbeiten. Achtung! 6. Kreis, Moabit. Die durch die Landtags- Wahl verschobene Flugblattverteilung für den „Vorwärts", findet nunmehr am Freitag, den 26., von 7 Uyr abends, von den bekannten Zahlstellen Moabits aus statt. Der Vorstand. Rixdorf. Die Genossen und Genossinnen, welche Bücher aus der Bibliothek entliehen haben, werden gebeten, dieselben wegen der am 1. Juli stattfindenden Inventur möglichst bald zurückzugeben. Bezirk Waidmannslust. Der Wahlvorstand veranstaltet am Sonntag, den 28. Juni, einen Familienausflug nach Hermsdorf und Glienicke. Abmarsch von Borsigwalde mittags 1 Uhr von Reuter. Treffpunkt in Waidmannslust im Schweizerhans um 2 Uhr. Zahl- reiche Beteiligung, besonders der Sänger, erwartet Der Borstand. Straußberg. Am Sonnabend. den 27. Juni. findet im Lokal der Frau Magnus die Wahlvereinsversammlung statt. Berliner Nachrichten* Für einen Teller Wassersuppe Entziehung staatsbürgerlicher Rechte. Es verlautet, daß der hiesige Magistrat beschloffen hat, die Speisung hungernder Schulkinder der Armenverwaltung zu übertragen. Dieser Magistratsbeschluß muß nach den verschiedensten Richtungen hin Aufsehen erregen. Zunächst muß darauf hingewiesen werden, daß in der Stadtverordnetenversammlung allgemein die Meinung ausgesprochen wurde, die Kinderspeisung in den Händen der S ch u l v e r w a l t u n g zu lassen. Auch der Magistrat ist bisher dieser Ansicht gewesen, was schon daraus erhellt, daß der Stadtschulrat Dr. Fischer eine Informationsreise nach Dresden, Prag, Wien, Mrnberg, Straßburg i. E. und München angetreten, um die dortigen städtischen Einrichtungen für die Speisung von Schulkindern kennen zu lernen. Wie wir erfahren, soll der Leiter des städtischen Armenwesens, Herr Stadtrat Münsterberg sich sehr dafür ins Zeug legen, daß die Schulspeisung ein Teil des Armenlvesens werden soll. Von diesem Herrn kann man füglich nichts anderes erwarten, denn er gefällt sich seit Jahren darin, nach außen als ein großer Reformator auf dem von ihm verwalteten Gebiete zu erscheinen, während unter seiner Leitung bisher auch nicht die geringste Reform eingetreten ist, die den Armen von fühlbarem Ruhen gewesen wäre. Mit schönen Vorträgen. Zeitungsartikeln macht man keinen Armen satt. Jetzt sollen diejenigen, deren Kinder einen Teller Suppe gratis er- halten, auch noch als Leute angesehen werden, die aus öffentlichen Mitteln Unterstützung erhalten und demgemäß die staatsbürgerlichen Rechte verlieren. Gegen dieses Verfahren muß öffentlich laut und entschieden Verwahrung eingelegt werden. Es ist kaum zu begreifen. wieso der Magistrat dazu kommt, einen solchen Beschluß zu fassen. Die 16 000 M., die die Stadtverordnetenversammlung zu der Schülerspeisung bewilligt hat, sind der Schulverwaltung bewilligt worden, nicht der Armenverwaltung, die ja auch zu solchen Zwecken keine Mittel in ihrem Etat hat. Schon deshalb kann die Armen- Verwaltung die Regelung der Sache gar nicht in die Hand nehmen. Mit vollein Recht sagt in einem recht verständigen Artikel des „Berliner Tageblatt", überschrieben:„Schulspeisung oder Armen- speisung Dr. Ludwig Cohn: „Herr Stadtrat Dr. Münsterberg scheint nach dieser Richtung alles auf sein Gewissen nehmen zu wollen, während der Herr Oberbürgermeister und Herr Stadtschulrat Dr. Fischer nach den mir zugegangenen Mitteilungen seine ganz extrem armenpflegerische Auffaffuna nicht teilen. Mit einem Saltomortale will Herr Dr. Münstcrberg mit der Kinderspeisung in das Arinenwesen hin- über, keine anderen Erwägungen gelten lassend, als: Wer sein Kind nicht ernähren kann, ist im Sinne des Gesetzes arm, Kinder armer Eltern sind ebenfalls arm, und Ortsarme unterstehen der Armen- Verwaltung. Eins besonders darf angesichts dieser neuen Aenderung im Kurs, den die Schulspeisungsfrage zu nehmen scheint, nicht ungesagt bleiben: es wäre eine unverständliche Härte, wollte man sich oll- gemein dafür entscheiden, ein hungerndes Kind als der Armen- pflege unterstehend zu betrachten. Also schändet Armut doch? Wie taktvoll ist doch da der Franzose I Um es dem armen Kinde nickt fühlbar zu machen, sind die Speisemarken derer, die gegen Entgelt, und derer, die gratis ihr Effen erhalten, ganz dieselben. Die Kinderspeisung ist bisher zu einem erheblichen Prozent- satz den Kindern derer zugute gekommen, die durch Arbeits- losigkeit nur vorübergehend in Rot geraten. Auch sie sollen nun sofort zum Armenvorsteher laufen, sich der Armenpflege unterstellen, sich die Minderung ihrer Qualität als Bürger gefallen lassen, nur weil sie vorübergehend in Rot sind? Da wird so manches liebe Mal der Gang zum Armenvorsteher unterbleiben, und auf wessen Kosten? Auf Kosten der Gesundheit des hungernden Kindes. Wenn Berlin das Recht und den Ruhm für sich in An- spruch nehmen will wie in so vielen Dingen, auch auf sozialpolitischem Gebiete an der Spitze zu marschieren, dann darf eS nicht dulden, daß die liberalen Auffassungen durch einen einseitig armenpflegerische» Eifer erschüttert werden kölinten. Herr Stadtrat Münsterbekg mag für sein Borgehen gute Gründe haben, die sür ihn als den Leiter der Armendirektion verständlich sein mögen, doch außerhalb der Armenverwaltung bleibt es vielen, und vor allem denen unverständlich, die in einem hungernden Kinde nicht lediglich ein Bersuchsobjekt für eine neu einzurichtende, armenpflegerische Praxis zu sehen gewöhnt sind. Diese Auffassung kam mit allem Nachdruck dadurch zur Geltung, daß es eben der Stadtschulrat war, der mit einer Inspektionsreise zur Ermittelung der verschiedenen Systeme der Kinderspeisung betraut wurde." UebrigenS wird wahrscheinlich in der heutigen Stadtverordneten- sitzung diese Angelegenheit zur Sprache kommen. Die Stadt- verordneten Rosenow, Deutsch und Genossen haben der Stadt- verordneten-Bersammlung folgenden dringlichen Antrag unterbreitet: „Die Stadtverordneten-Bersammlung beschließt, den Magistrat um Auskunft zu ersuchen: 1. Weshalb der Beschluß der Stadt- verordneten-Bersammlung, während des Sommers die Speisung bedürftiger Schulkinder fortzusetzen, nicht zur Ausführung gekommen ist? 2. Ob es richtig ist, daß diese Speisung für die Zukunft der städtischen Armenverwaltung übertragen werden soll?" Die Gemeindeschulen Berlins haben in diesem Sommerhalbjahr sich auf 292 gemehrt. Die Zahl ihrer Klassen ist gestiegen auf 6123(einschl. 159 Nebenklaffen), die Zahl der darin unterrichteten Kinder ist jetzt 228 907(einschl. 2438 Kinder der Ncbenklassen). Die Turckschnitisbesetzung pro Klasse stellt sich nunmehr, wenn die Ncbenklassen ausgeschaltet werden, auf 45,62 Kinder. Für die einzelnen Klassenstusen ist, wie bekannt, der Durchschnitt sehr verschieden. Er liegt zwischen 34,20 in den ersten Klassen und 60.83 in den achten Klassen. Diese Zahlen werden mitgeteilt in der neuesten Zusammen- stellung Üdei die Gemeindeschulfrequenz,-die der Magistrat den I Stadtverordneten soeben überreicht hat. Der Magistrat legt Wert ' darauf, in diesen halbjährlichen Zusammenstellungen immer wieder zu zeigen, lvie die K l a s s e n b e s e tz u n g von Jahr zu Jahr weiter heruntergegangen sei. Die Betrachtung der Einzel- Hassen ergibt aber auch diesmal wieder, daß die Abweichungen von den Durchschnitten doch sehr bedeutend sind und daß die Maxi- malfrequenzen noch sehr hoch hinaufgehen. Die höchst- zulässige Frequenz soll in den drei untersten Klassenstufcn 60 sein, so hat die Schuldeputation selber es bestimmt, sie wird aber in nicht wenigen dieser Klassen immer noch überschritten. Die über- Haupt höchste Frequenz ist diesmal 65 l Die Schuldeputation hält solche Uebcrschreitungen für„gering", und sie will glauben machen, daß sie„nicht zu vermeiden" seien. Der Nachteil der zu starken Besetzung soll in den achten Klassen dadurch gemildert werden, daß diesen Klassen für den Unter- richt in Hauptfächern eine Teilung gewährt werden darf, wenn mehr als 50 Kinder in der Klasse sitzen. In diesem Sommerhalbjahr sind von 721 achten Klassen nur 276 geteilt. Es sind keineswegs immer die stärkstbesetzten Klassen, denen diese Wohltat bewilligt wird. Wo Lehrkräfte zur Verfügung stehen, die nicht voll beschäftigt isind, werden auch mäßigbesetzte Klassen der achten Stufe geteilt; wo es an solchem Ueberfluß fehlt, wird die Teilung auch den starkbcsetzten Klassen dieser Stufe ver- sagt. Nur dann, wenn die Frequenz einer achten Stufe sogar über 60 hinausgeht, muß Teilung für die Hauptfächer erfolgen. Man bilde sich übrigens nicht ein, daß diese Teilung so sehr viel zu bedeuten hat. Für 276 Klassen erstreckt sie sich auf zusammen 1195 Stunden in der Woche, macht pro geteilte Klasse wöchentlich nur etwa 4 Stunden. Ein kleiner Fortschritt zum Besseren kann auch diesmal konstatiert werden bezüglich der Mietsschulen und der fliegen- den Klassen. Vom letzten Winterhalbjahr zu diesem Sommerhalb- jähr ist herabgegangen die Zahl der fliegenden Klassen von 70 auf 30, die Zahl der in Mietsräumen unter» gebrachten Klassen von 713 auf 695. Das erklärt sich aus der endlichen Fertigstellung mehrerer Schulhäuser, die zu Beginn des Sommerhalbjahres in Benutzung genommen werden konnten. Bei den Mietsräumen ist die Minderung allerdings noch nicht sehr merklich. 695Klassen in gemietetenRäumen, das ist immer noch eine skandalös hohe Zahl. Und in diesen Klassen sitzen nicht weniger als 27 578 Kinderl Eine Besichtigung des Radialsystems Xl wurde gestern von Mit- gliedern des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung vor- genommen. Im Scheunenvicrtel begaben sich die Herren zunächst am Treffpunkl der Kaiser-Wilhelm- und Hirtenstraße in den dort fertigen Notauslaß, der dort von der künftigen Untergrundbahn Spitlelmarkt— Alexanderplatz— Schönhauser Allee überfahren wird. Nach Besichtigung dieses unterirdischen Bauwerks wurde die Wanderung durch den Notauslaß angetreten. Nach ungefähr 300 Meter beginnt am Prenzlauer Tor der Stollenbau. Bon hier wird nämlich der Notauslaß bergmännisch im Stollenbau vorgetrieben in einer Länge von rund 700 Meter durch den hohen Bergrücken in der Frieden- straße nach der Greiföwalder Straße. In der Friedenstraße liegt der Notauslaß 16 Meter unter der Stratzenoberkante. In der Greifs- walder Straße wurde die noch offene Baugrube des NotauSlasses in Augenschein genommen, die einen Einblick in die Bauweise gestattete. S'.adtbaurat Krause mit den Direktoren des Kanalisationswerkes und leitende Ingenieure gaben dabei die Erklärungen für die neue Bauweise, welche hier zur Anwendung gelangt. Von dort begaben sich die Herren nach dem Bahnhof Weißensee. Hier verschwanden sie wieder unter der Erde, nachdem die technischen Einzelheiten beim Zusammen- treffen eines Sammelkanals mit dem Notauslaß in Augenschein genommen waren. ES ging nun durch den 460 Meter langen oberen Teil des NotauslaffeS bis zur Pumpstation in der Carmen-Sylva- straße. Dort gelangte man an das �sogenannte Ueberfallbauwerk, wo das Regenwasser bei starken Regengüssen unter einer Tauchplatte hindurch in den Notauslaß übertritt. Unterirdisch weiter wandernd kam man in den Hauptsammelkanal der Pumpstation und von da in die beiden Kammern der Aufbereitungsanlage, in der durch schräg liegende Gitter die Schwcbstoffe(Papier usw.) und das Schmutz- Wasser abgefangen werden, um dann, in einem Walzwerk zerkleinert, von der mächtigen Pumpe nach den Rieselfeldern geschafft zu werden. Der Kostenanschlag für das gesamte Radialsystem XI schließt mit 19.2 Millionen ab, wovon 6,4 Millionen allein auf den NotauSlah entfallen. Neue Omnibusverbindungen. Die Allgemeine Qmnibusgesell- schaft verlängert am 29. Juni die jetzige Linie 21(Reinickendorfer «traße>— Kronenstraße) von der Wcrderstraße und dem Werder- scheu Markt über die Kurstratze, den Spittelmarkt, die Beuth-, Kommandanten- und Oranienstratze bis zum Moritzplatz. Es wird so eine Verbindung zwischen dem äußersten Norden und dem Süd- osten hergestellt. Die Wagen gehen Werktags im Norden von 6 Uhr früh bis 9.54 Uhr, vom Moritzplatz von 6.34 bis 10.27 Uhr. Eine vollständig neue Linie 49 wird ferner demnächst vom Ringbahnhof Frankfurter Allee FuiwAlexandcrplatz eröffnet. DieWagen gehen durch die Frankfurter Allee, die Große Frankfurter, Kaiser-, Alexander- und Grunerstraße bis zum Gerichtsgebäude. Betrieb ist Werktags vom Osten von 6.15 bis 9.46 Uhr, vom Alexanderplatz von 6.52 btS 10.23 Uhr. Bei beiden Linien verkehren die Wagen in Abständen von sechs Minuten. i Bummelei in der Steuerverwaltung. Der Geschäftsgang in unserer Steuerverwaltung wird in eine recht grelle Beleuchtung gerückt durch folgendes Vorkommnis, das dokumentarisch belegt wird. Der in der Blücherstraße 34 wohnende Lederarbeiter Max R. wurde vom Steuercrheber in seiner Wohnung nicht angetroffen. Der Steuererheber ließ den bekannten Zettel zurück: Der unterzeichnete Steuererheber hat Sie nicht angetroffen. Sie werden ersucht, die Steuer für die Zeit vom 1. April bis 30. Juni in der Annahme. stelle da und da in den Kassenstunden zu entrichten.— Das war am 11. Mai. Am 18. Mai sandte R. den Steuerbetrag per Post an die Annahmestelle Boeckhstraße 9/10 ein; wie der uns vorliegende Postschein beweist. Am 11. Juni findet R. wieder einen Zettel vor: Ter unterzeichnete Steuererheber usw., in dem er ersucht wird, die bereits am 18. Mai bezahlten Steuern an die Steuerannahmestelle Boeckhstraße 9/10 zu entrichten. Diesem Ansuchen kam R. nicht nach, weil er ffcoh war, einmal bezahlt zu haben. Am 19. Juni fand er an semer Wohnungstür einen Mahnzettel, nach welchem er sür das Quartal Januar bis März 3,20 Mark bezahlen sollte. während er für das erste Viertoljahr im neuen Steuerstihr 13 Mark zu blechen hatte. Es scheint demnach, als ob man im Steuerbureau die Quartale verwechselt oder aber erst sehr spät in den Büchern gefunden hatt, daß R. noch für Januar bis März zu zahlen hatte. Dann aber ist wieder unverständlich, warum die fortgesetzten Auf- forderungcu auf das Quartal 1. April bis 30. Juni lauteten. Jedenfalls zeigt dieses Vorkommnis, daß auf unsere» Steuer- bureaus nicht gerade sehr gewissenhaft gearbeitet wird. Der ohrfeigende Professor. Das Provinzialschulkollegium zu Berlin hatte zugunsten des Professors Wüllenweber, gegen welchen ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung eines Ober- Tertianers schwebte, den Konflikt erhoben. ES war festgestellt worden, daß Prof. Dr. Wiillcnweber den Schüler mehrere Male aufgefordert hatte, sich schleunigst in seine Klasse zu begeben; als der Scküler der Aufforderung nur sehr langsam nachkam, versetzte ihm Professor Wiillcnweber sechs bis acht Ohrfeigen, so daß die Nase zu bluten begann. Auch soll der Schüler einige Zeitlang an neurasthenischer Depression gelitten haben, selbst gegenwärtig will er noch öfters über Stiche im Kopse zu klagen haben. Prof. Dr. Wiillcnweber behauptete, er habe den Schüler für trotzig gehalten und sich für verpflichtet erachtet, den Trotz des Schülers im Interesse der Disziplin zu brechen. Nachdem verschiedene Aerzte sich abweichend geäußert hatten, erklärte das Oberverwaltungsgericht den Konflikt des Provinzialschulkollegiums für unbegründet und gab dem gericht- lichen Verfahren gegen Professor Dr. Wüllenweber Fortgang, indem u. a. ausgeführt wurde, das gerichtliche Verfahren sei nur bei solchen Beamten einzustellen, bei denen unzweifelhaft feststehe, daß sie sich einer Ueberschreitnng der Amtsbesugmsse nicht.schuldig gemacht haben. Eine solche Ueberzenaung habe vorliegend das Oberverwaltungsgericht nicht erlangt. Auf keinen Fall durfte Professor Dr. Wüllenwebcr dann noch den Schüler schlagen, als dieser blutete. Wenn es sich um Gemeindeschüler handelt, haben bisher leider die Gerichte der Prügellust vieler Lehrer recht weiten Spielraum gelassen. Es wäre wünschenswert, wenn in Zukunft die Gerichte auch bei Prügeleien von Volksschulkindern die Prügeler genau so beurteilten, wie das Oberverwaltungsgericht das dem Professor Wüllenweber gegenüber getan hat. Würde das geschehen, dann würden sich die Klagen über Schnlprügeleien erheblich vermindern. Mord und Selbstmord im Automobil. Eine LiebeSgeschichte hat gestern nacht auf der Fahrt zwischen Steglitz und Groß-Lichterselde ihren blutigen Abschluß gefunden. Der 23jährige Lithograph Max Genner aus Rixdorf, Handjerystraße 12, tötete durch einen Revolver- schuß seine 24jährige Verlobte, daS Dienstmädchen Minna Totzke aus Berlin, und verletzte sich dann selbst tödlich, so daß er kurz nach seiner Einlieferung in das Lichterfelder Kreiskrankenhaus starb. Bom Hitzschlag betroffen wurden vorgestern nachmittag zwei Personen. In der LanghanSstraße brach der Tischler Mehl aus Weißenfee plötzlich zusammen. Er wurde nach der Unfallstatton gebracht, wo der Arzt feststellte, daß sich Hitzfieber bei ihm ein- gestellt hatte.— In der Brunnenstraße wurde eine unbekannte etwa 40jShrige Frau von einem Hitzschlag getroffen. Ein Arzt auS der Nachbarschaft ließ ihr die erste Hilfe zu teil werden. Lebensmüde Frauen. Die Leiche einer unbekannten Selbst- Mörderin ist vorgestern am Tempelhofer Ufer aus dem Landwehrkonal gelandet worden. Die Tote dürste etwa 30 Jahre alt gewesen sein, und ihrer Kleidung nach zu urteilen bat sie den besseren Ständen angehört.— Eine andere unbekannte Selbstmörderin wurde auf den, Grundstück Hubertusbaderstraße 13 in Schmargendorf erhängt auf- gefunden. Sie ist ebensalls etwa 30 Jahre alt gewesen. Ein Trau« ring, den die Lebensmüde trug, enthält die Eingravierung A. K. 17. 12. 93. Die Wäsche war mit 3. 3. gezeichnet. Auf der Polizeiwache. UnS wird geschrieben:„Als ich Sonntag, nachmittags?L4 Uhr. die linke Zugangsstratze zum Wannseebahnhof passierte, ertönten auS der im Potsdamer Hauptbahnhof gelegenen Polizeiwache gellende Schreie und Rufe:„Warum schlagen Sie mich denn" und „Solche Gemeinheit, mich hier so zu schlagen".— Das vordere Fenster war geöffnet, durch das geschlossene konnte ich sehen, wie ein Schutzmann auf einen Zivilisten, der durchaus kein rowdy- mäßiges Aussehen hatte, einhieb.>— Der Geprügelte ver- suchte an das geschlossene Fenster zu gelangen, wahrscheinlich um dasselbe zu öffnen und um Hilfe zu rufen, wurde aber dabei von dem Schutzmann immer wieder zurückgeschleudert. Das vordere Fenster konnte er nicht erreichen, da zwischen diesem und dem anderen Regale und Schreibtische stehen.— Mehrer« Passanten gaben ihrem Unwillen über den Skandal deutlich Ausdruck. Wie ich von den am Bahnhof haltenden Droschkenkutscher» erfuhr, war der junge Mensch wegen unerlaubten Blumenhandelns arretiert, aber warum er nachher mißhandelt worden, war auch ihnen ein Rätsel._ Gesperrt ist die Senefeldersttaße von der Danziger Straße bis zur Raumerstraße behufs Umpflasterung vom 24. d. Mts. bi? auf weiteres für Fuhrwerke und Retter zur Hälfte. Gleichfalls gesperrt wird die Burgstraße von der St. Wolfgang-Straße bis zur Neuen Friedrichstraße vom 26. d. MtS. ab. Feuerwehrnachrichten. Durch die Explosion einer Spiritus« lampe kam in der letzten Nacht in der Gleditschstraße 37 Feuer aus. An der Ecke der Prenzlauer Allee und Danziger Straße ent» stand gestern abend Kurzschluß an der dortigen Speisepumpe der städtischen Straßenbahn. Die Feuerwehr beseitigte die Gefahr. Gleichzeitig mußte ein Wohnungsbrand in der Friedrichstraße 138 gelöscht werden. In der Urbanstraße 86 hatte der achte Zug längere Zeit zu tun. Dort war ein Wagen mit Teer in Brand geraten, der enormen Qualm verursachte. Im Erdgeschoß Neue Königstraße 16 brannten bei Gronert Fenster, Gardinen, Möbel, Papier u. a. Der 16. Zug hatte in der Hochstraße 3 einen Brand zu löschen. Körbe mit Brennmaterialien brannten dort. Preßkohlenbränd« wurden auS der Görlitzer Straße und von verschiedenen Bahnhöfen gemeldet._ Vorort- JVachrichtern « Eine Razzia auf dem Baumwerder. Eine der vielen Inseln im Tegeler See, gegenüber von Saat- Winkel gelegen, ist der Baumwerder. Privateigentum eines Herrn Dr. Bolle(nicht etwa Milchbollc). Der Menschenfreundlichkeit des alten, ehrwürdigen, achtzigjährigen Besitzers haben es tauscnde und abertausend« fleißiger Proletarier seit Jahren zu danken, auf der Insel verweilen und Erholung suchen zu dürfen. Die allgütige Mutter Natur hat in verschwenderischer Fülle ihre Gaben auf die schilfumkränzte Insel ausgestreut. Eine weite, einige Morgen große, grüne, windgeschützte Wiese, umstanden von dichten Hasel- nuß-, Hollunder- und Brombeersträuchern, als auch von herrlichen Laub- und knorrigen, harzigen Fichtcnbäumen, das ist der Baum- Werder. Mit seinem fchöncn Badestrand ist er eine Perle des Tegeler Sees. Darum ist es auch nicht zu verwundern, wenn all-. sonittäglich unzählige flinke Ruderboote und Kähne von Tegel, Tegelort. Saatwinkel, von allüberall ihren Kurs auf den Baum- Werder richten und bis in den späten Nachmittag Tausende von Ausflüglern auf der Insel absetzen. So auch am vergangenen schönen Sonntag Schon in den frühen Vormittagsstunden lagerten Hunderte, aller lästigen Kleidung ledig, auf der Wiese und nahmen Sonnenbäder. Die männliche Jugend stählte im Steinwurf Muskel und Sehnen und machte die Glieder durch Turnen geschmeidig. Die holde Weiblichkeit ergötzte sich mit Ballspielen» und wieder andere, jung und alt, nahmen nach den. heißen Tagen der ver- gangenen Woche in den kühlen Fluten ein erfrischendes Bad. Da plötzlich— so schreibt uns ein Leser— erschallt der Ruf:„Die Polizei ist da!" Aus der Wiese steht alles bestürzt, die Badenden fliehen aus dem Wasser. Was ist geschehen?— Galt cß eine Räuberbande festzunehmen?— Ach nein! Die zehn bis zwölf „Stellvertreter Gottes auf Erden" in Zivil und Uniform befleißig- tcn sich einer anderen Tätigkeit. Sie waren eifrig bemüht, nickt nur alle jene festzustellen, die beim Baden überrascht wurden, son- dern auch diejcuigen, die auf der Insel im feuchte» Badeanzug umherstandcn. Wer, so frage ich. hat die Polizei mobil gemacht!? — Vielleicht einer jener Sittlichkeitsfexe, deren Haupttugendcn bekanntermaßen das Laster und die Heuchelei sind?— Ich kann mir's nicht denken, denn während der neun Jahre, die ich als sonn« täglicher Stammgast mit meiner Familie auf der Insel zubringe, sind irgendwelche Rüpeleien, sowie überhaupt Verstöße gegen die guten Sitten nur ganz verschwindend vorgekommen. Das Publikum auf dem Baumwrrdcr hat sich im Laufe der Jahre selbst erzogen und achtet streng darauf, daß Moral und Anstand gewahrt bleibt. Oder sollte der Grund zum Einschreiten der Polizei gegen das mächtig entwickelte Badcleben vielleicht in einer Beschwerde der Besitzer der umliegenden Badeanstalten liegen, insofern, als diese sich in ihrer Existenz bedroht fühlen? Das ware noch kein Grund, in dieser Weise Sorzugehen. Das Bolt sehnt sich nach Freiheit auch in seiner Erholung und fühlt sich felbst in den engen Badeanstalten nicht wohl. Insofern wäre es auch nicht mehr wie recht und billig, wenn der Amtsvorsteher von Tegel dahin wirken würde, daß das Baden an genannter Stelle erlaubt ist. Nixdorf. Geheimrat His bei der ersten Demonstration dieser Krankheitsfälle in der Berliner Medizinischen Gesellschaft zum Ausdrud brachte, haben sich also glüdlicherweise nicht bewahrheitet. Briz- Buckow. von dem Wunderwasser, um es zu trinken. Dabei haben fie an scheinend den Quell etivas getrübt. Jedenfalls erregten sie den heiligen Zorn anderer Grottenbesucher; mehrere fromme Rowdys hielten es deshalb für notwendig und gottgefällig, mit Stöcken und Messern auf die drei Söhne loszugehen und sie derartig zu Was lehren uns die Landtagswahlen? lautete das Thema, über bearbeiten, daß der älteste tot auf dem Plaze blieb, während die das Genosse Dittmer in der letzten Mitgliederversammlung des beiden anderen schwerverlett fortgeschafft wurden. Die Leiche blieb Wahlvereins referierte. Die Versammelten nahmen die Ausführungen zur höheren Ehre der heiligen Grotte am Wunderquell bis zum Einer ganz besonderen polizeilichen Aufmerksamkeit erfreut mit Beifall entgegen. Nachdem der Vorsitzende das Urwahlresultat nächsten Morgen liegen! sich der Vorstand des hiesigen Wahlvereins. Bereits am 11. Juni für Briz bekannt gegeben, verwies Genosse Vogt darauf, daß die Seine Geliebte ermordet. Einem Telegramm aus Schwelm zus teilten wir mit, daß vier Vorstandsmitglieder mit einem Straf- Urwahllokale viel zu klein waren. Mit Recht bemerkte Redner, daß, mandat von je 15 M. bedacht worden waren, weil sie der Polizei wenn keine größeren Lokale zu haben waren, Frist- und nicht Termins- folge ermordete gestern abend der Fabritarbeiter Heinrich Brintüber ein Mitglied nicht die gewünschte Auskunft erteilt hatten. wahlen hätten stattfinden müssen. Genosse Händel regte an, unsere mann seine Geliebte, die 15jährige Tochter des Landwirts SichelDas hiesige Schöffengericht sprach sie jedoch frei. Die vier Bor- Gemeindevertreter zu beauftragen, diesen Mißstand in der Gemeinde- schmidt, indem er ihr mit einem Rasiermesser die Kehle durchschnitt. standsmitglieder haben außerdem noch in einer anderen Sache bertretung zur Sprache zu bringen. Zum Schluß erwähnte der Vor- Der Täter ist flüchtig. je ein Strafmandat von 15 M. erhalten. Die Polizei hatte von figende u. a. noch, daß am 12. Juli eine Dampferpartie nach Nedlitz einem Ausländer, einem Ungar, eine Austrittsbescheinigung aus geplant sei und ersuchte um rege Beteiligung der Genoffen. der sozialdemokratischen Partei verlangt, und ihm gedroht, daß, Ober- Schöneweide. wenn er diese binnen 24 Stunden nicht beibringe, er dann aus Dampfteffelexplosion im Borsigwerk bei Kattowik. Durch die Explosion eines Dampftessels ist gestern früh im Buddelwerk des Borfigwerkes bei Rattowig in Schlesien eine schwere gewiesen würde. Die Bescheinigung wurde erteilt. Bei der Ab- Bei einem entsetzlichen Unglücksfall hat der Kutscher Brahms aus Katastrophe herbeigeführt worden. Eine Depesche aus Borsigwerk, meldung des betreffenden Mitgliedes wurde jedoch infolge Ber- aus der Ohmstraße 1 fein Leben verloren. B. hatte eine Wagen Schlesien, meldet: Jm Puddelwerk des Borfigwerkes explodierte wechselung ein anderes einen ähnlichen Namen führendes Mit- ladung nach Berlin gebracht. Als er auf dem Heimweg begriffen heute früh 4 Uhr ein Dampflessel, wobei diefer in zahlreiche Stüde glieb abgemeldet. Trotzdem dieser Fehler kurz darauf berichtigt war, fchlief er infolge Uebermüdung auf dem Bod ein und stürzte sprang. Ein Obermeister und zwei Arbeiter wurden getötet, wurde, wurden die vier Strafmandate erlassen. Aber auch in während der Fahrt auf die Straße hinab. Er fiel so unglücklich mehrere Personen sind verletzt worden. In der Umgebung des Siesem Fall war es der Polizei nicht vergönnt, in dem schweren unter den Wagen, daß ihm die Räder über den Hals hinweggingen Werkes wurden viele Dächer beschädigt und zahlreiche Fensterscheiben Kampf, den dieselbe mit der Rirdorfer Arbeiterschaft zu führen und den Kopf förmlich vom Rumpfe trennten. hat ein Ausspruch, den kürzlich ein Amtsrichter gebraucht Reinickendorf. haben soll, einen Erfolg zu erzielen. Ginen Tag bor dem stattfindenden Termin erging an die Vorstandsmitglieder die Mitdie Anklage fallen gelassen habe. Achtung, Gewerbegerichtswahl! zertrümmert. Cholera unter amerikanischen Truppen. Nach telegraphischer Meldung aus Manilla ist im Lager zu Grigg unter den amerikaTodesfälle vorgekommen. nischen Truppen die Cholera ausgebrochen. Es find bereits vier teilung, daß der Termin aufgehoben sei, da die Staatsanwaltschaft nachmittags am hiesigen Orte die Wahlen der GewerbegerichtsAm morgigen Freitag finden in der Zeit von 4-7 Uhr Noch ein dritter Fall, der ähnlich lag, wie der erst mitgeteilte, beifizer( Arbeitnehmer) statt. Das Wahllokal für den ersten Bezirk, Infektion durch Pferderozbazillen. In Czernowig waren kürzlich beranlaßte die Polizei, die Vorstandsmitglieder vor ihr Forum umfassend den gesamten westlichen Ortsteil, ist das Restaurant alle Beamten der staatlichen Lebensmitteluntersuchungsanstalt an zu laden, jedoch sind bis jetzt weitere Maßnahmen der Polizei A. Müller, Scharnweberstr. 14. Als Kandidaten aufgestellt sind die Infektion durch Pferderozbazillen erkrankt. Der Assistent Arnoſt unterblieben; hoffentlich hat sie inzwischen die Nutlosigkeit dieses Kollegen: Franz Müller, Bauarbeiter, Bernhard Monaus Prag ist inzwischen gestorben. Das Unglüd wurde durch den Kampfes eingesehen. Erwähnt zu werden verdient außerdem ber to w sty, Holzarbeiter, wilhelm Spiegelberg, Metall- Prosektor Lutsch hervorgerufen, der anscheinend getötete PferderozStampf der Polizei gegen die vom Wahlberein resp. von den Be- arbeiter. bazillen zentrifugieren wollte. Dabei plagte das Rohr und die zirfen veranstalteten Vergnügungen. Bekanntlich wurde unserem sich durch Luksch den ganzen Raum. Im zweiten Bezirk befindet sich das Wahllokal im Restaurant Bazillen verbreiteten Genossen Hoppe die Tanzkonzession seines Lokals entzogen. Die nun bon den einzelnen Bezirken veranstalteten Versammlungen Sabau, Residenzstraße 124, Ede Amendestraße. Aufgestellt als lief hinaus, erkrankte aber trotzdem. Doch befindet er sich jetzt und Bergnügungen erfreuten sich einer besonderen Aufmert- Kandidaten find die Kollegen: Karl Höpfner, Bäder, und wieder auf dem Wege der Genesung. Die übrigen Beamten, die sich im Laboratorium aufhielten, atmeten die Bazillen ein und samkeit seitens der Polizei, und diese bestand darin, daß Kriminal- Wilhelm Nötling, Schneider. bekamen zunächst Lungenentzündung und dann Dysenterie. Der beamte während des Vergnügens draußen vor dem Lokal die bereits Der zweite Bezirk umfaßt das westlich der Sonntagstraße bis Profeftor Lutich beantragte gegen sich eine Untersuchung, wieder nach Hause gehenden Leute anhielt und festzustellen suchte, zum Grünen Weg und der Kühleweinstraße einschließlich dieser gestern ist auch der Kanzlist Lipekty den Folgen der Rozinfektion ob dieselben auch Wahlvereinsmitglieder seien. In einigen Fällen beiden Straßen belegene Gebiet des östlichen Ortsteils. Bur Teil- erlegen. Der Zustand des Laboranten Marco hat sich verschlimmert. soll es den Beamten nun tatsächlich gelungen sein, festzustellen, nahme sind nur Kollegen berechtigt, welche das 25. Lebensjahr Die Landesregierung hat die strengsten sanitätspolizeilichen Maßdaß auch einige Nichtmitglieder an derartigen Vergnügungen teilgenommen haben, und für alle diese einzelnen Fälle ist sowohl dem bollendet, keine Armenunterstützung im vorhergegangenen Jahre aus nahmen angeordnet. Lofalinhaber als dem Vorsitzenden des Wahlvereins ein Straf- Gemeindemitteln bezogen oder dieselbe zurückerstattet haben; außer mandat zugestellt worden. Auch in diesen Fällen ist Berufung ein- dem solche, welche nicht bei einem Jnnungsmeister, aber im Bezirk gelegt worden; in einigen Prozessen ist auch bereits zu unseren des Gewerbegerichts beschäftigt sind oder dort wohnen, falls sie Gunsten entschieden. außerhalb dieses Bezirks in Arbeit stehen. Franz Dtto, Reinidendorf- Dst, Neptunstr. 29. Noch eine Heldentat der Polizei verdient mitgeteilt zu werden. Arbeiter! Es gilt, von Euren wenigen Rechten Gebrauch zu Bekanntlich fand am 16. Juni in der Neuen Welt" die Ab machen. Pflicht eines jeden ist es, seine Stimme den gewerkschaftgeordnetenwahl des Landtagswahlkreises Rirdorf- Schöneberg statt. lich organisierten Kandidaten zu geben. Als Legitimation genügt Augenscheinlich hielt der Wahlkommissar des Kreises, der Rigdorfer Polizeipräsident v. Glasenapp, den Staat in Gefahr, denn hinter eine Bescheinigung des Arbeitgebers oder der Polizeibehörde. stationiert. Es gab aber nichts zu tun für die Beamten; nur am Franke, Auguste- Bittoria- Allee, Muster, Berliner Straße für den der Bühne des Lotals waren 50 Schußleute den ganzen Tag Formulare hierzu find für den ersten Bezirk in den Lokalen von Schluß sollten die Wahlmänner noch sehen, daß wir im Polizei- ateiten Bezirk bei Knebel, Hauptstraße, Fr. Herrmann, Residenzjfaat Breußen leben. Als der Wahlkommissar das Stichwahl straße( Ecke Holländer Straße) und bei Unterzeichnetem zu haben. resultat verkündete, das den Gegner mit 28 Stimmen Mehrheit wählt die Listen der Gewerkschaften! Die Berliner Genossen werden als Sieger bezeichnete, erhoben unsere Genossen lebhafte Ent- ersucht, ihre Reinickendorfer Kollegen auf die Wahl aufmerksam zu rüstungsrufe. Das veranlaßte den Wahlkommissar, die Wahl- machen. Als Legitimation für lettere genügt ein Ausweis, daß fie männer aufzufordern, sofort den Saal zu räumen, welcher Auf- in Reinickendorf wohnen. forderung unsere Wahlmänner unter Absingung der Marseillaise nachkamen. In diesem Augenblick stürmten hinter der Bühne ein Polizeileutnant mit der Schar Schußleute hervor, die nun die letzten Wahlmänner noch bor sich hinaustrieben. Doch unsere Franzöfifch- Buchholz. Barteigenossen verspürten feine Luft, der Polizei Gelegenheit zustand Bericht über die Tätigkeit des legten halben Jahres. Danach besonderer Liebenswürdigkeit" zu geben. Unserer Bewegung schadet die nervöse Haft, mit der die hiesige ist die Mitgliederzahl von 125 auf 135 gestiegen. Die Einnahmen Polizei gegen dieselbe vorgeht, nichts. Das aggressive Vorgehen betrugen 118,85 M., die Ausgaben 74,65 M. Inklusive einem Be der Polizei wird im Gegenteil ein Teil sein von der Kraft, die stande von 76,05 M. vom Januar ist gegenwärtig ein Kassenbestand stets das Böse will und stets das Gute schafft. Eine solche Organi bon 115,25 M. vorhanden. Die Versammlung bewilligte hierauf fation, wie sie die Rigdorfer Sozialdemokratie fich geschaffen, 50 M. als erste Rate zur Anschaffung einer Bibliothet. Für den fchreitet lächelnd über die Hindernisse der Polizei hinweg. zweiten Bezirk wurde an Stelle des Genossen Clemens Genosse Reichwald als Bezirkstaffierer gewählt; für den Bezirk BlankenSchöneberg. burg wurde Genoffe Sette in Aussicht genommen. Zum Schluß forderte Genosse Neumann die Mitglieder auf, die Versammlungen mit Frauen rege zu besuchen sowie neue Mitglieder zu werben. Es müsse nunmehr für den inneren Ausbau der Organisation wie für die Ausbreitung und Vertiefung des sozialistischen Gedankens Sorge getragen werden. In der Generalversammlung des Wahlvereins erstattete der VorVermischtes. VorVerein für die Jntereffen der Sausangestellten. Heute abend 9 Uhr Stegligerstr. 35 bei Marrè- Mürich: Bortrag des Herrn Unger: Bas hat das Christentum den Armen gebracht?" Zentral- Kranten- und Begräbniskaffe für Frauen und Mädchen. Heute abend 29 Uhr: Außerordentliche Hauptversammlung im Gewerkfchaftshaus, Engel- Ufer 15, Saal 3. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion über Marktlage: Fleisch: den Großhandel in den Bentral- Markthallen. Teil inapp, Geschäft befriedigend, Breiſe wenig verändert. Fische: ZuZufuhr schwach, Geschäft still, Preise unverändert. Bild: Bufuhr mäßig, Geschäft befriedigend, Preise wenig verändert. Geflügel: Zufuhr zum fuhr mäßig, Geschäft ruhig, Breife wenig verändert. Butter und Käse: Gemüse, Dbst und SüdGeschäft ruhig, Preise unverändert. früchte: Zufuhr genügend, Geschäft anfangs stid, später rege, Preise be hauptet. Wafferstands.Nachrichten der Landesanstalt für Gewäffertunde, mitgeteilt bom Berliner Wetterbureau. Bafferstand Memel, Tilfit Bregel, Insterburg eifel, Thorn Dder, Ratibor Aroffen Frankfurt Barthe, Schrimm Landsberg nege, Bordamm Elbe, Leitmeriz Dresden Barby Magdeburg 1 Havel, Spandau) Rathenow³) Spree, Spremberg) Beeskow Beser, Münden am feit am feit 23. 6. 22. 6. Wasserstand 23. 6. 22.6. cm cm) cm cm³) 170 0 Saale, Grochlitz 134+12 19+4 77 0 149+7 89 88 84 132 96 -9+8 12 -8 Minden 36 18 -2 Rhein, Marimiliansau 475-2 2-2 Kaub 271 -35+12 Köln 288 -160 103-6 109 5 -10 Nedar, Heilbronn 58 Main, Wertheim 128 +6 Mosel, Trier 132 + bedeutet Buchs, Fall,-) Unterpegel. Witterungsübersicht vom 24. Juni 1908, morgens 8 Uhr. Stallenen Barometer fland mm Bind. clotung inbarte Die Haarschwundepidemie in Schöneberg scheint, wie uns aus Aerztetreifen mitgeteilt wird, nach den bisherigen Beobachtungen einen verhältnismäßig harmlosen Charakter zu haben. Wie erinner lich, haben die städtischen Behörden im Laufe der letzten Woche sämtliche Schulfinder der Gemeindeschulen gleichzeitig von einer Reihe von Aerzten untersuchen lassen und diese Untersuchungen werden in dieser Woche in den höheren Schulen vorgenommen. Das Ergebnis in den Gemeindeschulen ist recht günstig, da nur berschwindend wenig franke Kinder gefunden wurden 8. B. in der am meisten gefährdeten Schule nur zwei und auch die Ein echt oberschlesisches Kulturbild, an dessen Zustandekommen Zahl der verdächtigen Kinder, die weiter beobachtet werden, mitgewirkt zu haben das fanatische Pfaffentum wie die famose ganz minimal ist. Zu weiterer Beunruhigung ist preußische Boltsschule zu gleichen Teilen fich rühmen dürfen, war also nicht der geringste Grund vorhanden. Im übrigen dieser Tage in der Nähe des Franziskanerklosters zu Banewnit bei Swinemde. 767 DND entspricht der Verlauf der Haarschwundepidemie durchaus den Er- Jdaweiche, nicht weit von Kattowiz, zu beobachten. Die Mönche Damburg 767 DND Berlin fahrungen, die in Hamburg, wo ja derartige Krankheitsfälle dauernd unterhalten bort eine Nachbildung der Mariengrotte zu Lourdes. Frantj.a.M. 765D bereinzelt beobachtet werden und nie zu größerer Verbreitung geführt Aus den Steinen rieselt Waffer hervor, das zwar von den Gefund München 763 haben. Selbstverständlich ist es nicht ausgefchloffen, daß auch in heitsbehörden als durchaus gesundheitsschädlich bezeichnet worden ist, Berlin und anderen angrenzenden Orten einzelne Mierosporiefälle aber von der polnischen Bevölkerung für heilträftig angesehen beobachtet werden; es ist jedoch mit Wahrscheinlichkeit anzunehmen, und als Wunderquell verehrt wird. Dorthin wallfahrtete am letzten daß sie bei einiger Aufmerksamkeit der Eltern und Lehrer nicht zu Sonntag auch ein altes Mütterlein mit ihren drei 37 bis einer weiteren Verbreitung führen werden. Die Befürchtungen, die 25 Jahre alten Söhnen. Sie lagerten an der Grotte und schöpften Für den Inhalt der Juierate übernimmt die Sebaftion dem Publikum gegenüber teinerlei Berantwortung. Theater. Donnerstag, den 25. Junt. Anfang 8 Uhr. Deutfches. Die Brettlgråfin. Kammerspiele. Gelbstern. Leffing. Der Naub der Sabine Linnen. Neues. Nächte im Hampton- Slub. Schöps. Neues Schauspielhand. Dollarprinzessin. Kleines. 2X2= 5, Die Berliner. Raffles. Komische Oper. Tiefland. Lustspielhaus. Die blaue Maus. Schiller 0.( Wallner Theater.) Der Wildschütz. Schiller Charlottenburg. Auf der Sonnenseite. Friedrich Wilhelmstädt. Schauspielhaus. Der Stabstrompeter. Metropol. Das muß man seh'n. pollo. Die süßen Grifetten. Spes zialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Baffage. Berlin in Stimmung. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Irania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Die deutsche Dstseetülfte. Sternwarte, Invalidenstr. 67/62. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0.( Wallner- Theater). ( Morwit Oper.) Donnerstag, abends8Uhr: Der Wildschütz. Rom. Oper in 3 Alten v. A. Lorking. Freitag, abends 8 Uhr: Carmen. Sonnabend, abends 8Uhr: Zum ersten Male: König für einen Tag. Schiller- Theater Charlottenburg. Donnerstag, abends8 Uhr: Auf der Sonnenseite. Lustspiel in drei Atten von Ostar Blumenthal u. Gustav Kadelburg. Freitag, abends 8 Uhr: Ohne Gelänt. Sonnabend, abends 8 Uhr: Das Opferlamm. Berliner Theater. DERNHARD ROSE THEATED Metropol- Theater Gastspiel des Neuen Schauspielhauses. Direktion: Alfred Halm. 8 Uhr. Raffles. 8 Uhr. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Freitag: 2 mal 2= 5. Sonnabend: 2 mal 2= 5, Sonntag: 2 mal 2= 5. Montag: 2 mal 2 5. Thalia. Der Mann mit dem Mo- Theater des Westens. nocle. Westen. Ein Walzertraum. Neues Operetten. Der Mann mit den drei Frauen. Luifen. Dir wie mir. Die Stimme des Blutes. Trianon. Frau Baronin. Bernhard Rose. Im Haufe der Sünde. Allabendlich 8 Uhr: Ein Walzertraum. Operette von Dslar Strauß. Lustspielhaus. Sommerpreise. Abends 8 Uhr: Die blane Mans. Gr. Frankfurter Str. 132. 8 Uhr. Sommerpreise. Im Hause der Sünde ( Um eine Liebesnacht). Ein Drama des Sinnenrausches in Bum 278. Male: Das muß man seh'n. vier Aften von Marimilian Braun Rebue in 12 Bildern m. Gef. und Tanz. ( Grundmotiv von Zola). Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Paul Ghiglos Fest- Sälen. Sommer- Theater. Schwedter- Straße 23-24. Empfehle meine Lofalitäten zu Hochzeiten, Fest lichkeiten jeder Art. Jeden Donnerstag im herrlichen schattigen Naturgarten: Otto Steidels Hamburger Sänger. Nach der Soiree: Gr. Freitanz. Vereinszimmer, Kegelbahn noch einige Tags frei. Gr. Saal ist noch Sonnabende zu vergeben. Hochachtend Paul Obiglo. 34412* 766 ND Better Zemb. n. 6. 5° E.— 4° R. Stallonen Barometer. fland mm Bind. 2wolten! 17 Saparanda 766 S Bindflärle Better Temp. n. G. 4halb bb. 10 2 wollent 16 Betersburg 778 NND 1wolten! 15 2 wollen! 18 Scilly 770 NND 4 halb bd. 14 3 halb bb. 20 Aberdeen 773 N 1 mollig 13 2 Regen 15 Baris 767 2 halb bd. 15 761 NNW 4 heiter 19 Wetterprognose für Donnerstag, den 25. Juni 1908. Troden und vorwiegend heiter, am Lage warm bei mäßigen nord öftlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Bien Friedrich- Wilhelmstädtisches| Fröbels Allerlei- Theater. 8 r. Schauspielhaus, 8 uhr. Der Stabstrompeter. Gesangspoffe in vier Arten von B. Mannstaedt. Mufit von G. Steffens. Freitag: Der Stabstrompeter. Sonnabend: Der Stabstrompeter. Sonntag: Der Stabstrompeter. Neues Operetten- Theater Schiffbauerdamm 25, an der Luisenstr. Sommerpreise. Anfang 8 Uhr: Schönhauser Allee 148. Täglich: Spreelottchen. Bollsstud aus dem Berliner Leben Dazu erstklassige Spezialitäten. Jm Saale von 5 Uhr ab; Tanz. Der Mann mit den drei Frauen. Berliner Prater- Theater Luisen- Theater. Reichenberger Straße 34. Abends 8 Uhr: Dir wie mir. Hierauf: Die Stimme des Blutes. Blutes. Freitag bis Montag: Dir tie mir. Hierauf: Die Stimme des Blutes. Sonntag nachmittag zum legten Sale: Sm Golstano. Kastanien- Allee 7-9. Täglich Die Welt ein Paradies große Ausstattungs- Revue und erstklassige Spezialitäten. Anf. Sonnt. 4 Uhr, Wochent. 41, Uhr Im Saale: Täglich gr. Ball Volksgarten- Theater am Bahnhof Gesundbrunnen. Täglich: 1001 Nacht. W.Noacks Theater Riefen Spezialitäten- Programm. Direttion: Rob. Dill. Brimenitr. 16 8 11hr. Nur einmalige Aufführung: Steffen Langer aus Glogau, ober: Kaiser und Seiler. Bor- und nachher: Spezialitäten. Anfang 6 Uhr. Entree 30 Pf. N Olga Verdi. X Fritz Lachmann. Anfang 4 Uhr. U Ik- Trio. Berlin Stralsunderstr. 1. Felix Scheuer Freie Volksbühne Die alten Mitgliedskarten sind behufs Erneuerung zum Umtausch spätestens am Tage nach der Juli- Generalversammlung abzugeben. Der Zutritt zur Juli- Generalversammlung ist nur gegen Vorzeigung der alten Mitgliedskarte gestattet. Desgleichen sind im Monat Juli alle Umschreibungen in andere Zahlstellen zu bewirken. Freitag, den 3. Juli, abends 8%, Uhr, im großen Saale des Gewerkschaftshauses: Generalversammlung. Tages- Ordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstandes. Revisionsbericht. 2. Diskussion. 3. Neuwahlen des Vorstandes, Ausschusses, der Revisoren und Obleute der Ordner. 4. Verschiedenes. Uhr, Sonnabend, den 27. Juni, abends 8 im Gewerkschaftshause, Engelufer 15: Das Erscheinen aller ORDNER- SITZUNG. Ordner ist nötig. 241/7 a Der Vorstand. In Vertr.: G. Winkler. pollo Urania. Theater Das bestventilierte Theater Berlins! ub 8 Uhr: Die hervorrag. Attraktionen, ut. a.: Verona- Truppe, die ersten Radfahrer der Welt. 9: Die süßen Grisetten, Operette. 10 Uhr: Grete Gallus, Soubrette. 10% Uhr: Wiener Jubiläumsfestzug. 10%: Bert Bernards Compagnie: Ein Abend in einem amerikanisch. Tingel- Tangel. Passage- Theater. Der größte Saisonerfolg Gastspiel Willi Agoston in der tollen Burleske Berlin in Stimmung! 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Adlershof( Wollsteins Lustgarten) Bismarckstr. 24. Sonntag, den 28. Juni 1908: Großes Waldfeft arrangiert von den Gesangvereinen ,, Norddeutsché Schleife", Berlin und ,, Frohsinn", Adlershof. ( M. d. A.-S.-B.) Morgens von 5 Uhr an: Großes Früh- Konzert. Nachmittags: Vokal- u. Instrumental- Konzert, Spezialitäten- Vorstellung und Tanz. Nachmittags 3 Uhr! Großer Festzug vom Adlershofer Garten nach dem Festlokal. Abends: Großer Fackelzug. 65/20 Das hervorragendste Erzeugnis der deutschen Schuh- Industrie. Jedes Paar wird von geschulten Arbeitern aus besten Rohstoffen hergestellt, Das Komitee. Allen Freunden, Bekannten und den des 306. Bezirks für die und lationen zur unserer filbernen Hochzeit unseren herzlichsten Dank. Max Sturm und Frau. Deutscher Holzarbeiter- Verband Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Rudolf Scharfenort am 22. Juni berstorben ist. Ehre seinem Andenken! 86/4 Die Ortsverwaltung. Verbano der Maler, Lackierer, Auftreicher usw. Filiale Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Wilhelm Beier ( Pankow) am 21. Juni verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 25. Juni, nachmittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des Gemeindefriedhofes in Bankom ( Schönholzer Heide) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 132/13 Die Ortsverwaltung. Arbeiter Gesangverein Rote Nelke II. Todes Anzeige. Am Montag, den 122. Juni, ver starb plößlich unser langjähriges treues Mitglied, der Maler Wilhelm Beyer. Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 25. Juni, nachmittugs 3 Uhr, auf dem Ge meinde- Friedhof in Pankow statt. Um rege Beteiligung ersucht. 28385 Der Vorstand. Einheitspreis 12.50 Fordern Sie Musterbuch V. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Nachruf. Hiermit diene den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Rolltutscher 69/14 Ferdinand Schenke am 16. d. Mts. im Alter von 39 Jahren an Unfall verstorben ift. Chre seinem Andenken! 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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Baters, fage allen Freunden, Kolleginnen und Kollegen, sowie dem Hilfs Fabritarbeiterverband meinen herz28422 lichsten Dant. Wwe. Anna Scholz. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, fagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie dem Transports arbeiter- Berband unseren herzlichsten Dant. Bitte Pauline Schenke nebst Kindern. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zentral- Kranken- u. Sterbekasse der Maler. Zahlstelle Berlin. Branche der Musikinstrumentenarbeiter. Montag, den 29. Juni, abends 8%, Uhr, in den Andreas- Festsälen, Andreasstraße 21: Kombinierte Branchen- u. Vertrauensmännerversammlung. Tages- Ordnung: 1. Bericht vom Stettiner Verbandstage. 2. Bericht der Branchenfommission und der Vertrauensleute. 3. Branchenangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Bahlreichen Besuch erwartet Die Branchenleitung. Möbelpolierer! Donnerstag, den 25. Juni, abends präzise 8 Uhr, in den Andreas- Festsälen, Andreasstr. 26: Branchen- Verfammlung der Möbel- u. Stuhlpolierer sowie Beizer. Tages- Ordnung: 1. Berichterstattung vom Verbandstage. 2. Diskussion. 3. Verbands. und Branchenangelegenheiten. Die Bertrauensleute werden ersucht, die Mitgliederbücher der Kollegen in den Werkstellen betreffs Versammlungsbesuch( zu kontrollieren. 86/2 Melchiorstr. 28. Filiale Berlin. Fernsprecher: Amt IV, 4787. Freitag, den 26. Juni, abends 82 Uhr, Außerordentliche Mitglieder- Versammlung im Gewerkschaftshause, Engelufer 15. Tages Ordnung: 1. Statutenberatung. 2. Wahl der Abgeordneten zur General Berſammlung. Die Mitglieder aus der Zahlstelle Nordwest haben zu dieser Bersammlung keinen Zutritt. Mitgliedsbuch legitimiert. Freitag, den 26. Juni, abends 8% Uhr, Außerordentliche Mitglieder- Versammlung ( Zahlstelle Nordwest) im Viktoria- Salon, Perleberger Straße 14. Zages Ordnung: • 1. Statutenberatung. 2. Wahl der Abgeordneten zur General Berfammlung. Zu dieser Versammlung haben nur die Mitglieder der Zahlstelle Nordwest Zutritt. 132/12 Mitgliedsbuch legitimiert. Die Ortsverwaltung. Kottbuser Die Branchentommiffion. Otto Schneider, Nutzholzhandlung, fer 40, Stukkateure! offeriert: Stief. Stammbretter I. Klaffe mit 2,20 M. a Duadratmeter II. I. 3,48 3,00 19 3,60 " Sonnabend, 27. Juni, abends pünktl. 8 Uhr, bei Elsner, 28345 Kaiser Wilhelm- Straße 18m: Außerordentliche Mitgliederversammlung Tages- Ordnung: 1. Fortsetzung der Diskussion über den Verbandstag. 2. Welchen Beitrag zahlen insbesondere die Werkstatt kollegen? 3. Verschiedenes, darunter Ueberstundenunwesen und Maiarbeit. 173/ 15* Eintritt nur gegen Borlegung des Mitgliedsbuches. Zahlreiche Teilnahme der Werkstattkollegen und der in Potsdam wohnenden Mitglieder erwartet Die Ortsverwaltung. Andreasstr. 26. Andreas- Garten. Andreasstr. 26. Restauration. 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Norddeutsche Fußbodenfabrik in Hannover. Die Ortsverwaltung Berlin Bewerber, welche in einer derartigen Fabril bereits tätig waren, senden 194/10 Dfferten mit Lohnansprüchen unter Chiffre U. 3 an die Erpedition b. 31. des deutschen Holzarbeiterverbandes. Berantwortlicher Rebatteur: Georg Davidsohn, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.