Nr. 151. Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis pranumerands Bierteljährl. 8,30 M, monatl. 1,10 RI, möchentlich 28 Big frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt", 10 Bfg. Boft. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Post- Zeitungs Breisliste. Unter Areusband Deutschland und Defterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Solland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Erfdeint täglich außer Montags. für Vorwärts Berliner Volksblaff. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 Big., für bolitische und gemerschaftliche Vereins. und Berjaminlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett gebruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafs stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes meitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Summer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die Gemeinderatswahlen im Reichslande. Straßburg, 29. Juni. Am Sonntag, den 28. Juni, fanden in Elsaß- Lothringen in allen Gemeinden die Wahlen zu den Gemeinderäten statt. In den Gemeinden, wo sich die Sozialdemokratie beteiligte, lautete mit wenig Ausnahmen die Parole:" Hie Sozialdemokratie hie Bürgertum". Pesonders in den vier großen Städten Straßburg, Mülhausen Metz und Colmar trat dies markant in Erscheinung. Es var ein ausgeprägter Klassenkampf in den Gemeinden. Alle die Unternehmer und Kapitalisten, die Beamten des Staates, der Post und der Eisenbahn, die Lehrer, die indifferenten Handlungsgehilfen waren gegen die Arbeiterschaft vereinigt. Nicht weniger denn drei bürgerliche politische Gruppen( Liberalismus, Demokratie, Zentrum) und in einigen Orten lokale Interessenvereine standen gefchloffen gegen die Sozialdemokratie. Und was war die Ursache dieses Zusammenschlusses? Ginesteils die gemeinsamen, politischen und wirtschaftlichen Interessen der bürgerlichen Parteien, die alles Trennende zurückgestellt hatten, dann aber die entfachte Steuerscheu der wirtschaftlich eigentlich zum Proletariat gehörenden Beamten, Handlungsgehilfen, Kleinhandwerker und Kleingewerbetreibenden. Der wildgemachte Kleinbürger leistete wieder einmal seinem ärgften Feinde, dem Kapital, Helfersdienste, derselbe Kleinbürger, der sich früher in einer Reihe von Gemeinderatswahlen entweder der Stimme enthalten oder auf die Seite der Sozialdemokratie geschlagen hatte. Selbst das einheimische Elsässertum war so berhebt, so steuerscheu gemacht, daß es die so oft in protestlerischer Weise herausgekehrten partitularistischen Momente ganz bergessen hatte. Die Angst vor neuen Gemeindefteuern hatte Elsässer und Altdeutsche zusammengeführt gegen den einen gemeinsamen Feind die Sozial. demokratie. Mittwoch, den 1. Juli 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Stimmen stiegen um 32 Prozent, die gegnerischen um 14 Prozent. Chorus der Junker geberdete sich während der Rede Ströbels wie Bon 30 050 eingeschriebenen Wählern beteiligten sich 23 906 an der rasend vor schlußlüsterner Ungeduld, und Kröchers Rufe zur Sache Wahl, das sind 79 Prozent. Leider blieben zahlreiche Arbeiter von begannen bereits stark aus dem väterlichen in den Unteroffizierston der Wahl fern, während die Bürgerlichen ihre sämtlichen Reserven überzugehen. So wurde Genosse Ströbel verhindert, einen heranholten. Fieberhaft wurde von ihnen gearbeitet. Die Be- Vergleich zwischen der Lage der Staatsarbeiter und der der Geisthörden wiesen die Beamten einfach an, wählen zu gehen. Eisen- lichen zu ziehen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben und unsere bahnbeamte, die für den Sonntag einen Freifahrtschein hatten, einschneidende Kritik am Lohnsystem des Vaters Staat wird dem durften vor 9 Uhr nicht abfahren; erst mußten sie wählen. Und Junkerparlament nicht geschenkt werden. Daß Studts Nachfolger eine eiserne Disziplin wurde auf beiden Seiten gehalten. Die Holle auf Ströbels Ausführungen augenscheinlich nichts zu er meisten Listen wurden ungestrichen abgegeben. Auf den bürger. widern wußte die Kürze seiner bisherigen Amtsdauer hat ihmr lichen Listen zu Straßburg befanden sich in schönster Harmonie augenscheinlich noch nicht gestattet, sich mit Rheinbabenscher Gründe Demokraten, Liberale( Pastor Wolf. liberaler Landesausschuß- lichkeit in den Bülowschen Zitatenschatz zu versenken- so übernahm abgeordneter, evangelischer Fanatiker), Zentrum( Prof. Spahn. Dr. Wiemer als allgemeiner Blockredner des Gesamtbürgertums katholischer Fanatiker), Freidenker( Rechtsanwalt Mayer) und die Aufgabe, mit Steinen aus dem Glashause zu werfen und über ein christlicher Arbeiter. Man kann sich hieraus schon ein fleines fozialdemokratischen Wahlterrorismus zu zetern. Erst ganz am Schluß Bild machen, welch heterogene Gesellschaft jetzt im Straßburger seiner Rede erinnerte sich Wiemer an seine spezielle Fraktionsfirma Gemeinderate sitzt. und sagte ein paar Worte gegen das Gesetz, das die FreiUeber den Ausfall der Wahl in Mülhausen schreibt die finnigen übrigens nicht einmal aus sachlichen, sondern bloß aus Mülhauser Volkszeitung": formellen Gründen verwerfen. Nach belanglosen Ausführungen Das Ergebnis der Wahl ist der glatte Gr irgend eines Freikonservativen wurde das Gesetz gegen unsere und folg der Liste von 31 Kandidaten des klerikal der Freifinnigen Stimmen angenommen. Dann schloffen mit den liberal demokratischen Blocks, die mit rund 8000 Stimmen gewählt sind.- mit der um ein üblichen Förmlichkeiten die Beratungen des Dreiklassenhauses, worauf fleines, vielleicht im Durchschnitt um 100 Stimmen gesteigerten 1 Stunden später der ganze Landtag in die Hundstagsferien be Stimmenziffer desselben Blocks vor zwei Jahren, am 21. Ot- urlaubt wurde. tober 1906. Aber das Proletariat hat wader gefämpft, es hat Nach dem Schluß der Entlassungssitzung " 1 ... ihr Vorsitzender, Tochmals der freifinnige Terror. im Sinne der freiheitlichen und fortschrittlichen Stimmen Mül- Herrenhaus- Manteuffel, mußte zu seinem Schmerz wieder er hausens seine Pflicht getan: während der reaktionäre Block nur leben, daß beim Kaiserhoch, dem sechsten in drei Tagen, die durch das Herbeischleppen von Siechen und Halbtoten mittels Tribünen sizen blieben- unterhielt sich Bülow angelegentlichst mit Automobilen und Droichten in politisch rückständigen Stadtteilen, dem Staatsstreichgrafen Mirbach, dieweil sein Adlatus Bethmann wo 1906 die Wahlbeteiligung besonders schwach war, seine Stimmenzahl um eine nicht nennenswerte Biffer zu steigern vermochte, mit Jordan v. Kröcher plauschte. Ein hübsches Omen für die nächste stiegen die sozialdemokratischen Stimmen von Session.. 5400 im Jahre 1906 auf 6500 bis 7200 gestern in den meisten Stimmbezirken dadurch, daß die Stimmen der Blodtandidaten direkt zurückgingen, während die sozialdemokra tischen Stimmen die Gegner mehrfach auch dort überflügelten, Herr Wiemer besaß in der Schlußfißung des Landtages wo diese am 21. Oktober 1906 die ausgesprochene Mehrheit be- vom Dienstag die unglaubliche man muß schon sagen faßen. Der moralische Erfolg des gestrigen Wahltages in Mülhausen gehört also der Sozialdemokratie. Die Zahl der Ab- Unverfrorenheit, über den Terror der Sozialdemokratic zu stimmenden erreichte rund 90 Prozent aller eingeschriebenen wehtlagen. Nur der rücksichtslose Schlußantrag der Rechten Wähler, sie betrug rund 15 000, genau 14 965. Die fünf weiteren berhinderte es, daß Genosse Hoffmann den freisinnigen bürgerlichen Kandidaten auf der Liste von 36, deren Programm Tartüffes sofort eine kräftige Büchtigung wegen ihrer Heuchelei es nach dem verteilten Wahlaufrufe ist, die städtische Ver- zu teil werden ließ. Herr Wiemer kann sich dafür, daß ihm waltung wegzufegen", erhielten rund 6100 Stimmen. Die Rechte die wohlverdiente Abfuhr durch ihre brutale VerEs hat somit am nächsten Sonntag zur Besetzung der letzten fünf gewaltigung der Minorität ersparte, aus vollem Herzen beSize eine zweite Wahl stattzufinden." banken. Bemerkt doch selbst das„ Berliner Tageblatt" Einen schönen Erfolg errang die Sozialdemokratie in Ma 3- in seinem Landtags- Stimmungsbild: münster, wo 6 Sozialdemokraten gewählt wurden, während die Gegner nur 5 Kandidaten durchbrachten. Diese beschuldigte man fälschlich der Mißwirtschaft. In Wirklichfeit geschah oies, um die unheilvolle Mißwirtschaft früherer bürgerlicher Gemeinderäte zu berdeden, die es in Vertretung eigener perfönlicher Interessen unterlassen hatten, neuzeitliche Einrichtungen in den in starker Entwickelung begriffenen Gemeinden zu schaffen, die nicht daran gedacht hatten, die monopolartigen Betriebe Gas- und Elektrizitätswerke, Straßenbahnen usw. in die Regie der Gemeinde zu überführen. Die fortschreitende Vergrößerung der Gemeinden, die Vermehrung ihrer Bevölkerung machte nun in den letzten Jahren die Schaffung von modernen kommunalen Einrichtungen Kanalisation, Straßenverbesserungen, Sanierungen, Schulbauten usw. zur zwingenden Notwendigkeit. Diese Sachen Sonst liegen bis zur Stunde, wo diese Zeilen geschrieben werdurften nicht weiter hinausgeschoben werden, wenn die Bevölkerung den, keine genauen Resultate aus den Landorten vor. Soweit die nicht Schaden leiden sollte. Wahlen in diesen Orten von Wichtigkeit sind, werden wir sie noch nachtragen. In dieser Zeit erhielt nun Mülhausen eine sozialdemoIratische Mehrheit im Gemeinderat( durch die Nachwahl 1906 wurde fie zur starken Minderheit). Ebenso tam eine starte sozialdemotratische Minderheit in den Gemeinderat bon Straßburg. Es zeigte sich, daß die Einwohner in diesen Städten mit der Wirtschaft der früheren Gemeinderäte nicht mehr einverstanden waren. Die Sozialdemokraten drängten nun vorwärts, sowohl in rein fommunalen als auch in sozialen Angelegenheiten, und die bür gerlichen Gemeinderäte machten mit. Die Neueinrichtungen kosteten selbstverständlich Geld, viel Geld, um so mehr, als nun alles zusammenkam. Es mußten Anleihen gemacht werden, die von Sozialdemokraten und Bürgerlichen gemeinsam beschlossen wurden. Dann aber mußten auch die Gemeindezuschläge zur Staatssteuer erhöht werden, die einzige nennenswerte direkte Ginnahmequelle der sonst fast nur auf das Ottroi angewiesenen Stadtgemeinden. Die Zuschläge sind, da sie nicht progressib abgestuft find, für die kleinen und mittleren Einkommen eine harte Laft, während die großen Einkommen sehr geschont werden. Die Schuld an diesem vorsintflutlichen Steuersystem trägt die Regierung und der Landesausschuß, die die Gemeinden vollständig im Stich lassen und ihnen bisher keine ausreichenden Steuerrechte eingeräumt haben. Der Ausfall der Wahlen hat auch eine große politische Bedeutung. Es ist jetzt ausgeschloffen, daß ein Sozialdemokrat in den Landesausschuß einzieht, der nur in den vier großen Städten gewählt werden könnte. Weiter wird das Resultat ungünstig auf die in Vorbereitung stehende Gemeindesteuerreform wirken, die sowieso von der agrarisch- notablen Mehrheit im Landesausschuß mit scheeler Augen angesehen wird. Auf sechs Jahre sind die Gemeinderäte gewählt. Mögen fie jetzt wirtschaften. Und dann werden wir uns wieder sprechen. Alle die schönen Versprechungen aber, die den bürgerlichen Wählern gemacht worden sind, die in den Vordergrund geschobene Absicht, zu sparen, werden eitel Versprechungen bleiben, wenn die großen Gemeinden nicht verlottern sollen. Der Staat ist im Reichslande in erster Linie schuld an der Finanzmifere in den Gemeinden. Gr bürdet ihnen immer mehr Lasten auf, ohne ihnen die Rechte zu geben, die großen Ginkommen schärfer zur Steuer heranzuziehen. hier gilt es einzusehen. Aber dazu sind die Vertreter des Bürgertums nicht zu haben. Erst der Klassenkampf der Arbeiker wird hier Bahn brechen. Candtagsschluß. Diese Erhöhung der Zuschlagspfennige ganz be sonders machten nun die bürgerlichen Parteien zur Das fommerliche Zwischenspiel ist vorüber und die erlauchten, Grundlage ihrer Agitation. Und obgleich ihre Bertreter in den Gemeinderäten mit für die Erhöhung der Zuschlags- edlen und bloß geehrten Herren tönnen sich bis zum Herbst erholen. pfennige geftimmt haben, bürdete man doch den Sozialdemokraten Am Dienstag war das Dreitlaffenhaus schon um allein die Schuld an der Erhöhung auf. Dadurch machte man das Meinbürger- und Beamtentum wild, brachte diese Kreise gegen die Sozialdemokratie auf und trieb große Mengen indifferenter, gebantenloser Wähler zur Wahlurne. „ Herr Dr. Wiemer fühlte sich gedrungen, dem Finanzminister v. Rheinbaben ausdrücklich zu applaudieren. Auch er flagte gewiß mit Recht über Terror und Boykott auf feiten der Sozialdemokratie. Aber der Zufall hat es gefügt, daß einen am felbigen Morgen der Vorwärts" auch bedauerlichen Fall von freisinnigem Boykott erzählen fonnte. Im Moabiter Bezirksanzeiger" hat der freisumige Kandidat für den 11. Berliner Landtagswahlbezirk, Herr Schöler, eine namentliche Liste derjenigen Moabiter Wahlmänner ber öffentlicht, die am 28. Juni au Hause geblieben sind, und in aller Form unter Angabe von Namen und Wohnung einen Wahlmann denunziert, der am 16. Juni konservativ gewählt, am 23. aber seine Stimme nicht für Dr. Runze, sondern für den Sozialdemokraten abgegeben hat." " Sogar die Deutsche Tageszeitung" empfindet den freisinnigen Terror höchst peinlich. Sie fühlt, daß dadurch dem abgeschmackten Entrüstungsgeheul über den sozialdemo fratischen Terror die Spize abgebrochen wird. Sie schreibt deshalb: In einem Moabiter Lokalblatt hat der freisinnige Kandidat für den 12. Berliner Wahlkreis, Herr Schöler, wie wir dem Vorwärts" entnehmen, sämtliche Moabiter Wahlmänner, die bei der Stichwahl ihrer Pflicht nicht genügt haben, mit Namen und unter genauer Angabe ihrer ohnung in einer „ Ehrentafel der treuen, furchtlosen Männer" zusammengestellt, ebenso hat er Name und Wohnung eines Schuhmachers veröffentlicht, der am 23. Juni für den sozialdemokratischen Kandidaten stimmte, während er vorher als konservativer Wahlmann galt. Die Veröffentlichung der Namen ist allerdings von einer Aufforderung zum Boykott nicht begleitet; es mag auch sein, daß Herr Schöler mur die öffentliche Bloßstellung der Säumigen beabsichtigt hat. Trozdem hat der„ Bortvärts" nicht ganz unrecht, wenn er eine solche Veröffentlichung mit einer Boykottaufforderung in Parallele fetzt. Auf welche Weise dem sozialdemo fratischen Terror entgegengetreten werden soll, darüber wird man sich noch schlüssig machen müssen. Das Vorgehen des Herrn Schöler jedenfalls ist verfehlt und kann der Sozialdemokratie nur den willkommenen Vorwand bieten, die Schuld für den politischen Terrorismus bei den Wahlen zum Teil auf andere Schultern abzuwälzen. 10 Uhr versammelt. Der alte Traeger und Müller- Sagan trugen eine rote Blume im Knopfloch, die der Tribünenwiz Barth. Nelle taufte, obwohl sie sich bei näherem Zusehen als eine Geraniumblüte entpuppte. Einziger Punkt der Tagesordnung war, da die Das sind die hauptsächlichsten Ursachen für die bebauerlichen Unanständigkeit der flerital- konservativ- nationalliberalen Mehrheit die Mißerfolge in Straßburg und Mülhausen, die wir be- Beratung unserer Geschäftsordnungsanträge in Sachen Liebknecht und Die gewissenhafte Redaktion des Agrarierblattes wirft in reits gestern meldeten. Für den Zusammenschluß der Gegner in Leinert verweigert hatte, die dritte Lesung der Pa storenborlage. dieser Notiz zwei verschiedene Listen, die eigentliche Boykottden Städten, wo die Sozialdemokratie bisher feinen Einfluß hatte, Die Majorität war von vornherein entschlossen, eingehende Beratungen lifte der 31 Verfemten und die Ehrentafel der 9 Getreuen, war die Furcht bestimmend, es könnte bei einem verstärkten Gin- nicht zuzulassen; durch einen Schlußantrag schnitt sie unserem Genossen durcheinander. Aber der Verdruß des Agrarierblattes über zug von Sozialdemokraten in den Gemeinderat so tommen wie in Abolf Hoffmann das Wort ab. Wohl nur, um der schnöden den allzu brutalen und offensichtlichen Terror seines BlockMülhausen und Straßburg. Bergewaltigung so etwas wie ein fadenscheiniges Mäntelchen genossen ist doch deutlich genug zu erkennen und auch nur zu : Trotz der Mandatsverluste hat aber die Sozialdemokratie in der Unparteilichkeit umzuhängen, hatte sich der fonservative Windler wohl zu begreifen. ber Bevölkerung weitere Kreise erobert. In Straßburg, wo mit auf die Rednerliste feßen lassen, so daß auch er von dem Die Denunziation des Herrn Schöler wird noch wideruns das Bürgertum 16 Mandate entriß und sämtliche 36 Size Schlußantrage mit betroffen wurde. Aber so fura die Sigung war, licher, wenn man berücksichtigt, daß unter den 31 denunzierten mit seinen Kandidaten besezte, erhielt die Sozialdemo- so ging fie doch nicht vorüber, ohne daß Genosse Ströbel einen Wahlmännern, die am 16. Juni nicht gewählt haben, sich tratie insgesamt 8545 Stimmen oder 35 Prozent der Gesamt- Seil auf den groben Klotz gesetzt und dem nicht erschienenen Finanz- auch mehrere Beamte befinden ein Streisausschußzahl der abgegebenen, gegen 6450 oder 34 Prozent der gesamten minister v. Rheinbaben für seine neuliche Anrempelung der Sozial- beamter, ein Obertelepraphenaffisteut, ein Zugführer und ein Stimmen bei der letzten ordentlichen Wahl im Jahre 1902. Die demokratie gründlich heimgeleuchtet hätte. An ein paar schlagenden Magistratsbureauassistent. Wenn diese Beamten nicht ans bereinigten Gegner erhielten insgesamt 14 582 Stimmen 62 Beispielen der allerjüngsten Zeit wies unser Fraktionsredner nach, Messer geliefert werden, ist es wahrhaftig nicht Brozent( eingerechnet ist dabei eine bürgerliche Querlifte), gegen baß die Junkerregierung Preußens mit ungefähr ebensobiel Recht die Schuld des freisinnigen Denunzianten 12 701 Stimmen 66 Prozent im Jahre 1902. Die sozialistischen über Terrorismus flagt, wie der Satan über die Sünde. Der Schöler! Der freisinnige TerrorismuS ist umso frivoler, als Herr Schöler mit nur zu gutem Grund bemerkte, daß in einem Einzelfall die Möglichkeit eines Irrtums nicht aus- geschlossen sei. Ist doch z. B. einer der 31 Präskribierten als sozi a ld em okrati s ch er Wahlmann aufgestellt ge° Wesen, als welcher er beide Male seiner Wahl- Pflicht genügt hat. natürlich nicht zugunsten des Herrn Pastors Runze! Der Freisinn mag sich drehen und wenden, wie er will, »en Schöler und seinen Terror vermag er nicht von den Rock- fchößen abzuschütteln!_ Sie'; gemacht wird. Man schreibt uns aus London, 26. Juni: In seiner Wochenschau der äußeren Politik schreibt Professor S ch i e mann in der„Kreuz-Zeitung" vom 24. d. M.: „In England aber ist eben jetzt ein Buch von Percival A. H i s l a m:„The Admiralty o£ the Atlantic" erschienen, das dafür plädiert, auch die Kanalflotte in der Nordsee zu kon» zentrieren, und überall den Gedanken durchklingen läßt, daß die deutsche Flotte vernichtet werden müsse, bevor sie für England zu stark wird. Denn auf Frankreichs Flotte sei nicht zu rechnen; sie sei durch zu weite Durchführung der Prinzipien: Freiheit, Gleich- heit, Brüderlichkeit in einen Zustand so kläglicher Untüchtigkeit geraten, daß sie trotz ihres formidablen Aussehens auf dem Papier nicht mehr zu den erstklassigen Seemächten gerechnet werden könne. Wir haben, sagt Hislam an anderer Stelle, unsere Mittelmeerflotte auf ihre halbe Stärke reduziert, weil wir eine Entente mit dem dekadenten und sozialistisch verseuchten Frankreich haben. Diese Motive für den Abschluß der Entente zeigen, wie wir schon vor zwei Jahren ausführten, dah die englischen Politiker das heutige Frankreich zu jenen«maller nations zählen, die sie von jeher um sich zu scharen bemüht find. Aber von diesem Ge- sichtspunkte aus betrachtet ist die Freundschaft Englands nicht eben ein Kompliment." Aus diesen Zeilen könnte man schließen, daß Hislam, dessen Buch gegen Deutschland gerichtet ist, irgend welche autoritative Bedeutung hätte. Das wäre ein falscher Schluß. Hislam ist noch ein ganz junger Mann, der seine Kenntnis des Auslandes aus sehr parteiischen Quellen geschöpft hat. So zum Beispiel läßt er sich über die deutsche Sozialdemokratie wie folgt aus:„Der antienglische Geist be schränkt sich indes nicht auf die Staatsmänner des Reiches und die offiziösen Publikationen des Flottenvereius oder auf die„inspirierten" Artikel der Presse. Dieser Geist hat die ganze politische Gedankenwelt Deutschlands durchdrungen, so daß die bekanntesten Führer der sozialistischen Partei mir kürzlich sagten:„Angesichts der außerordentlichen Schnellig- keit, mit der die deutschen Seeinteressen wachsen, ist es un- möglich für Deutschland, seine maritime Stellung vom guten Willen Englands abhängen zu lassen."(I) Der unlängst ver» storbene Karl Blind schrieb vor zwei Jahren:„Auch wenn Deutschland eine Republik wäre, müßte es dieselbe Flotten- Politik treiben". Im Dezember 1899. als die Eng- landfeindschaft auf der Höhe war. haben die„So- zalistischen Monatshefte", das Organ der deutschen Arbeiterpartei(!). ihre Ideale wie folgt ausgedrückt:„Daß Deutschland bis an die Zähne bewaffnet sein und eine starke Flotte besitzen muß. ist von der größten Wichtigkeit für die Arbeiter. Was unseren Exporthandel schädigt, schädigt auch sie. und Arbeiter haben ein dringendes Interesse, den Außen- Handel zur Blüte zu bringen— wenn nötig, auch durch die Macht der Waffen..." Diese Lektion wurde gelernt; und heute tragen zahlreiche Arbeiterorganisationen zum Fonds des Flottcnvereins bei." So Hislam. Er sagt nicht, wer die bekanntesten sozia- listischen Führer waren, die sich mit ihm unterhielten. Er zählt ferner Karl Blind zu den Sozialisten! Er schreibt den „Monatsheften" eine Stellung zu, die sie nicht haben, und mutet ihnen Aeußerungcn zu, die sie unmöglich gemacht haben können.*) Schließlich kennt er sozialistische Arbeiterorganisationen, die den Flottenverein unterstützen! Von ähnlichem Kaliber ist seine Kenntnis der französischen Verhältnisse. Hislam kennt aber auch die englische Politik nicht. England rechnet weder auf die französische Flotte noch auf die französische Armee. Es will nur. daß Frankreich in einem Gegensatz zu Deutschland steht, um letzteres zu ver- anlassen, einen Teil seines KricgSetats aus die Armee ver- wenden zu müssen und um so viel weniger auf die Flotte ausgeben zu können. So weit unser Korrespondent. Das ist also die Autorität, auf die sich der Professor Schiemann stützt, um die„deutsch- feindliche" Stimmung Englands wieder emmal zu beweisen. Das ist die Methode, mit der er systematisch in der„Kreuz-Zeitung" zum Kriege Ijetzt. Professor Schiemann hat nicht wie seine Quelle die Ent- fchuldigung bodenloser Unwissenheit und Leichtfertigkeit. Umso härter muß das Urteil über seine Gewissenhaftigkeit aus- fallen.—_ politifcbe CUbcrltcbt. Berlin, den 80. Juni 1908. Der Raubzug. Gestern fand im Reichsamte des Innern eine Konferenz über die Reichsfinanzreform statt, an der sich unter dem Vorsitze des Reichsschatzsekretärs S y d o w eine größere Zahl von Finanznünistern der Bundesstaaten beteiligte. Wie das„Verl. T a g e b l." mitteilt, erklärten sich die meisten Teilnehmer gegen die Einführung der direkten Reichs st euern, und besonders sprach man sich gegen eine Reichseinkommensteuer aus, die den Interessen der Einzclstaaten widerstrebe. Man war allgemein der Ansicht, daß die Hauptquote der erforderlichen neuen Reichssteuern durch indirekte Steuern aufgebracht werden müsse, und die Vorschläge des Reichsschatzsekretärs fanden im all- gemeinen die Z u st i m m u n g der Konferenzteilnehmer. Das bedeutet also, daß die Erhöhung der Bier-, Tabak- und Branntweinsteuer sicher ist, daß *) Das Zitat Hislams bezieht sich offenbar auf einen Artikel eines Erich Rother, der in den„Sozial. Monatsh." 1833 erschienen ist und worin allerdings gesagt wurde,„was die Exportindustrie triffl, trifft auch die deutsche Arbesterklasse, und sie hat das dringende Interesse, selbst mit Waffengewalt das weitere Prosperieren des Außenhandels und der Exportindustrie sicher zu stellen". Aber selbst Rother tritt für die Ablehnung der damaligen Flottenvorlage ein. HiSlamS Zitat ist überdies gefälscht. Aber auch sonst ist es eine freche Täuschung, die konfusen Auffassungen eines Pseudonymen JünglingS als Auffassungen der Partei hinzustellen. UcbrigenS hat damals K a u t S k y im 18. Jahrgang der„Neuen Zeit" in dem Artikel „Brentano, Schippe! und die Flottenvorlage" das konfuse Zeug als völlig haltlos nachgewiesen. Anm. d. Red. neue Belastungen deS Verkehrs und wahrscheinlich auch die Einführung einer Elektrizitätsabgabe kommen werden. Und unterdessen wird die chauvinistische Hetze mit allen Mitteln angefacht, um die nötige Hurra stimmung zu erzeugen, in der die Blockmajorität den Raubzug gutheißen tviro. Die freisinnigen Organe aber unter st ützen dieses Spiel. Sie beteuern unablässig ihre Bereit Willigkeit an der Reichsfinanzreform mitzuarbeiten, unterlassen eS aber vorsichtig, gegen die ungeheuere Belastung durch die geplanten indirekten Steuern energischen und unzwei d e u t i g e n Protest zu erheben. Sie begnügen sich, der Regierung nahezulegen, ihnen die Zusümmung doch zu er leichtern und verlangen Konzessionen im Detall, um im großen die Regierung umso eher unterstützen zu können. Die Sozialdemokratie wird auch in diesem Kampfe gegen die Ausbeutung der Volksmassen allein kämpfen müssen. Professor Bernhard abgelehnt! Wie eine hiesige Korrespondenz mitteilt, hat die philosophische Fakultät der Berliner Universität in einer außerordentlichen Sitzung, die am 29. Juni nachmittags stattgefunden hat, beschlossen, die Berufung Professor Bernhards an die Ber- liner Universität abzulehnen. Die Fakultät hat er- klärt, daß gegen die Person des Gelehrten keinerlei Einwendungen erhoben worden seien, daß sie aber unter den„heutigen Umständen" den Eintritt von Professor Bernhard nicht wünsche, weil seine Versetzung nach Berlin ohne Anhörung der Fakultät geschehen i st. Wie die Korrespondenz weiter erfährt, will Pro- fessor Bernhard sich ins Privatleben zurückziehen. Interessant ist auch, daß ein großes industrielles Unternehmen sich bemüht, den Nationalökonomen zum Eintritt in seinen Betrieb zu bewegen.— Professor Bernhard hat bekanntlich, als sich Protest erhob gegen seine Berufung über die Köpfe der Professorenschaft hinweg, er- klärt, dah er die Stelle nur antrete, wenn die philosophische Fakul- tät seine Anstellung billigen werde. Dieser Entschluß erschien uns als geschickter Schachzug, da wir nach den bisherigen Erfahrungen mit preußischen Professoren als gewiß ansahen, daß sie nicht gegen den ausgesprochenen Willen der Regierung zu entscheiden wagen würden. Nun ist es doch anders gekommen. Schade, daß die Herren solchen Mannesmut nicht bewiesen haben, als eS sich, wie im Fall AronS, um die Freiheit der Wissenschaft handelte. Erst eine Verletzung ihres Rechts, die akademischen Lehrstühle zu be- setzen, hat sie auf die Beine gebracht. die des von hat, Ein Gelbbnch über britische und deutsche Arbeiterbudgets. Man schreibt unS: In ihren Studien über die Lage der Schutzzoll st aaten im Vergleich mit dem freihändle- rischen England ließ die Regierung auch die Kosten der Lebenshaltung britischer und deutscher Arbeiter untersuchen. Die Resultate der Untersuchung wurden gestern in einem umfangreichen Gelbbuch veröffentlicht. Im allgemeinen wird festgestellt, daß ein englischer Arbeiter. der nach Deutschland auswandern und seine alte Lebensweise bei- behalten würde, seine Ausgaben für Wohnung, Nahrungsmittel und Heizung um ein Fünftel erhöhen müßte, während ein deutscher Arbeiter, der nach England einwandern und seine alte Lebensweise beibehalten würde, seine Ausgaben um etwa 4ö Prozent herabsetzen könnte. Was die deutschen Preise der notwendigen Lebensmittel betrifft, so stellten sie sich im Oltober 1935 wie folgt, wobei die englischen Preise mit 133 angenommen wurden: Würfelzucker.... 113 Schaffleisch.... 137 Butter...... 135 Schweinefleisch... 123 Kartoffeln..... 88 Speck...... 123 Weizenmehl.... 143 Kohle...... 124 Milch...... 75 Petroleum..... 135 Rindfleisch..... 122 Die englischen und deutschen Löhne stellen sich wie IVO»83; die englische und deutsche Arbeitszeit wie IVO»III. Noch eine Belehrung für die Freifinnigen. Die staatsrechtliche Belehrung, die wir gestern den Herren Frei- sinnigen zuteil werden ließen, läßt sich noch durch ein Beispiel ver- vollständigen, daS vielleicht um so erdrückender wirkt, als die staatS- anwaltliche Vergünstigung, an die hier erinnert werden soll, einem Sozialdemokraten zugute kam. Am 17. November 1833 erschien nämlich der damalige sozialdemokratische Abgeordnete Bueb plötzlich im Reichtag, obgleich er erst wenige Tage vorher zur Ab- büßung einer einmonatlichen Gefängnisstrafe in Mülhausen i. E. eingelocht worden war. Auf seinen Antrag hatte aber die Staats- anwaltichaft ihm Urlaub gewährt, damit er seine parlamentarischen Pflichten erfüllen könne. Wenn dieser Schritt vom Wege reichsdeutscher Engherzigkeit nicht weiter verfolgt wurde, so lag daS vielleicht zu einem nicht geringen Teil an der skandalösen Art, in der ein liberales Blatt sich damals gegen die Bueb zuteil gewordene„Vergünstigung" wandte. Die„National-Zeitung" war eS nämlich, die„ernste Bedenken" gegen die ungewohnte Achtung erhob, die ein Staats- anwalt der parlamentarischen Wirksamkeit eines„Strafgefangenen" entgegenbrachte. „Ob Herr Bueb", so schrieb das nationalltberale Blatt, „demnächst im Reichstage anwesend ist oder nicht, das ist uns gleichgültig. Aber nicht gleichgültig wäre eS, wenn die bisher stets festgehaltene Auffassung, daß auf rechtskräftig erkannte Strafen das parlamentarische Vorrecht sich nicht bezieht, ver- dunkelt würde. Je häufiger dieses Vorrecht neuerdings von Ab- geordneten gemißbraucht worden ist, um so bestimmter muß jeder tatsächlichen Erweiterung desselben widersprochen werden." Eine derartige Unanständigkeit war natürlich Wasser auf die Mühle reaktionärer Behörden. Als die Reichstagsabgeordneten Metzger und S t a d t h a g e n. die damals wegen Romenbeleidigung in Hamburg eine Strafe verbüßten, im März 1834 bei der dortigen Oberstaatsanwaltschaft den Antrag stellten, sie zur Teilnahme an der Abstimmung über den russischen Handelsvertrag zu beurlauben, wurde ihnen dieser Urlaub verweigert. Und bei dieser Praxis ist es, dank der Schlappheit, mit der die Parlamente ihre Rechte wahrnahmen, bis heute geblieben.— Christlicher„AntistreikkoUer". Die katholischen Fachabteiler haben, ihren bischöflich approbierten Anschauungen getreu, auf ihrem jüngsten Ver- bandstage mit Inbrunst wider den Streik gewettert, der ver- werflich und verderblich sei innerhalb wie außerhalb der Krise. Hierzu bemerkt das Blatt des christlichen Metall- arbeiter-Verbandes: „Wirklich nette Arbeitervertrcter. Ihr Antistreikkoller e r st i ck t bei diesen Leuten anscheinend jedes logische Denken." Wie das Blatt des christlichen Holzarbeiter-Vcrbandes mitteilt, sind die Fachabteiler den jüngst ausständigen christ- lichen Holzarbeitern in Trier schmählich in den Rücken gefallen, indem sie eifrig Streikbrecher spielten. Wir wollen hinzufügen, daß die katholischen Fachabteiler gehätschelten Lieblinge deutscher Bischöfe sind, im Osten Fürstbischofs von Breslau, im Westen des Bischofs Trier, daß Wetter der Papst sie mehrfach dafür belobt daß sie die soziale Frage durchaus im Sinne der Kirche auffassen. Es wäre gut, wenn die christlichen Gewerkschaften ihren Unmut gegen diejenigen kirchlichen Stellen richten, die die Rückständigkeit der katholischen Arbeiter ausnutzen, indem sie diese zu Verrätern an ihren Klasscngenossen erziehen.-- Ter Spiritismus am Kaiserhofe. In der„Leipz. Abendzeitung' und der„Neuen Hamb. Zeitung" werden Ausführungen Haidens über die Eulenburg- Affäre ver- öffentlicht, die gegenüber Interviewern gefallen sind. UnS interessiert daraus zunächst die folgende Stelle: „Auch der Spiritismus des Fürsten wirkte höchst schädlich auf die Umgebung des Kaisers. Selbst der Kaiser hat spiritistischen Sitzungen beigewohnt. Er hat lange Zeit in stiucr Uhr ein Stück Zeug getragen, das angeblich bei einer Geistererscheimmg zurückgeblieben war." Danach hätte der Spiritismus EulenburgS nicht bloß auf die Umgebung des Kaisers schädlich gewirkt.— Lehrerknebelung in Bayern. Das W. T. B. meldet aus München: Die Abgeordnetenkammer verhandelte heute über eine Interpellation Casselmann(lib.) und Genossen, ob die Regierung die Verfassungsbestimmung über die Freiheit der Meinung dahin auslege, daß gegen Beamte oder V o t k s sch u l leh re r. die in zweifellos berechtigter Ver- tretung von Standesinteressen auch scharfeWorte gebrauchten, mit Disziplinaruntersuchung vorgegangen werden solle. Ministerpräsident Freiherr v. Podewils und Kultusminister v. Wehner erklärten sich zur sofortigen Beantwortung bereit. Dr. Casselmann(lib.) begründete die Interpellation beson- dcrs mit dem Hinweis auf die Disziplinaruntersuchung gegen den Lehrer B e y h l- Würzburg wegen Auslassungen in der von diesem herausgegebenen„Freien Schulzeitung" und wegen Aeuße- rungen dieses Lehrers in Versammlungen. Er warf dem Kultus- minister vor, dieser habe in früheren Reden dem Parlamente un- wahre Angaben gemacht. Ministerpräsident Freiherr v. Podewils erklärte: Das Recht der freien Meinungsäußerung sei für die Beamten kein unumschränktes. Wer sich in den öffent- lichen Dienst begebe, dürfe auch bei Vertretung der Standesinter- essen die Grenzen nicht überschreiten, die durch die Pflicht zum Gehorsam und zur Treue gezogen würden. Die Einleitung des Disziplinarverfahrens gegen de» Lehrer Beyhl sei geboten gewesen. Es wurde sodann die Besprechung der Interpellation beschlossen. Abg. Segitz(Soz.) warf der Rc- gierung Verletzung der Verfassung vor, weil die Bestim- mungen über die Disziplinaruntersuchung nicht auf Lehrer an- wendbar seien. Kultusminister v. Wehner erklärte, letzteres sei unrichtig, und betonte, das Vorgehen gegen Beyhl sei im Ein. Verständnis mit dem Ministerrat erfolgt. DaS DiS- ziplinarverfahren nicht einzuleiten, wäre unkorrekt gewesen. Abg. Dr. Günther(lib.) bemerkte, mit solchen Kleinigkeiten sollte sich das Gesamtministerium nicht abgeben, Repressivmaßregeln ver- fehlten ihren Zweck. Abg. P i ch I e r(Z.) erklärte, die Jnterpella- tion habe den Zweck der Einkreisung des Kultusministers ver- fehlt, vielmehr dessen Stellung befestigt. Wenn es der Re- gicrung nicht gelinge, den Radikalismus in der Lehrerschaft zu beseitigen, müsse sie das StaatSschuI- Monopol aufgeben und freie Schule gewähren. Nach weiterer Debatte wurde ein Antrag auf Schluß der Diskussion angenommen. Für das Koalitionsrecht der Angestellten. In Dresden protestierte eine stark besuchte Versammlung der technisch-induftriellen Beamten gegen den Geheimerlaß der bayerischen Metaliudustriellen. Es kam zu lebhaften Verhandlungen. Nach einem Referate deS Herrn Dr. Mühlphardt über den Geheimerlaß und nachdem der Sekretär des Bundes technisch-industrieller Beamter, Gantzien auS Berlin, das Vorgehen des bayerischen Unternehmerverbandes gekennzeichnet hatte, ergriff Genoffe Dr. G r a d n a u e r daS Wort, der zunächst den TerroriSmuS der bayerischen Metallindustriellen geißelte,' die versammelten technischen Angestellten aber schließlich darauf verwies, wie die organisierten Arbeiter unter demselben TerroriSmuS groß und stark geworden seien. Daran sollten sich die technischen Beamten ein Beispiel nehmen und den Schlag gemeinsam und entschieden parieren. Diese Ausführungen unseres Genossen fanden starken Beifall. Nach weiteren AuS- führungen verschiedener Redner wurde eine Protestresolution einstimmig angenommen.___ Soldatcnschinder. Vor dem Kriegsgericht der 15. Diviston in Trier standen ein Vizefeldwebcl und ein Unteroffizier vom Infanterieregiment Nr. 151. Der Vizefeldwebel hatte den Unter- offizier beauftragt, eine Anzahl Leute von dessen Abteilung„ordent- lich vorzunehmen", weil er nicht mit den Schießergebnissen zufrieden war. Im Beisein des Vorgesetzten ließ der Unteroffizier m einen, der Schießstände die Soldaten solange Lauf-, Kniebeuge- und Gewehrübungen machen, bis sie vollkommen ermattet waren. Einer der Malträtierten fiel vor Entkräftung hin und wurde bewußtlos zum Lazarett getragen, erst nach zehntägiger Pflege wurde er wieder dien st fähig. Das Kriegsgericht verurteilte den Vizeseldwebel zu vier Wochen ge- lindem(!!) Arrestes, den Unteroffizier zu drei Wochen Mittelarrest. So„bestraft" man Menschen, die in bodenloser Brutalität junge Leute in die Gefahr bringen, für ihr ganzes Leben schwere Herzkrankheiten von den furchtbaren Ueberanstrengungen zu behalten!_ Alte Leute. vor dem Kriegsgericht in Breslau hatten sich am 25. Juni die Musketiere Blut und GeriS vom dortigen 51. Infanterie- Regiment zu verantworten. Diese beiden hatten in rohester Weise Rekruten mißhandelt. Nach dem guten Beispiel vieler Vorgesetzten glaubten sie ein Recht zu solcher erzieherischen Unterstützung des Unteroffiziers zu haben. Einen Rekruten hatten die beiden eines Tages so geschlagen, daß er bewußtlos liegen blieb. Der Vertreter der Anklage beantragte für Blut sechs und für GeriS vier Monate Gefängnis. Trotzdem der Verhandlungsleiter betonte, daß gegen derartige Ausschreitungen energisch vorgegangen werden müsse, da sie den Leuten die Lust zum Dienen raubten, verurteilte daS Kriegsgericht die beiden Rowdys doch«ur zu einer recht milden Sttase. Es erkannte gegen Blut auf zwei Monate und gegen GeriS auf 43 Tage Gefängnis. Die Brutalitäten alter Leute gegenüber den jüngeren Kameraden sind das Scheußlichste. waS in der preußischen Armee durch das famose Drillsystem gezüchtet wird. Weiß doch jeder, der die Ber- hältnisse auS eigener Anschauung kennt, daß jeder_ Vorgesetzte bei jeder Gelegenheit die Luffordernng an die Kompagnie richtet: Wem, Ihr dem nicht Ordnung beibringt, schleif ich die ganze Kompagnie! Die Folge davon sind dann Vorgänge wie die oben geschilderten l- Oesterreick. Das Attentat gegen den galizischen Statthalter. Lemberg, 33. Juni. Vor dem hiesigen Schwurgericht begann heute der Prozeß gegen den Mörder des Statthalters Grafen v. Potocki: Siczynski. Die Anklag« lautet auf Verbrechen des Meuchelmorde». Die Anklage war ursprünglich auch gegen die M u t t« r d e s A n. geklagten wegen Anreizung ihres Sohnes zu dem Verbrechen lCS Meuchelmordes erhoben worden, sie wurde jedoch später wieder ler eingestellt, gut Aufrechterhaltung der Sicherheit Und zur Ter- Hinderung von irgendwelchen Attentaten sind die weitgehendsten Vorsichtsmaßregeln getroffen worden. Es ist ein umfangreicher Polizei- und Justizwachtdienst vorbereitet. Militär ist in der Nähe des Schwurgerichts untergebracht, um jederzeit eingreifen zu tönneg. franftreicfc. Eine Rede Vivianis- Paris, 25. Juni.'(Eig. Bei.)' Der Arbeitsminister V«Viani hat bekanntlich ehedem der sozialistischen Partei angehört. Aber es wäre ungerecht, ihn darum seinem Kollegen vom Justizressort gleichzustellen. Seine Zugehörig- tcit beruhte auf einem Mißverständnis und daher verdient auch seine Loslösung nicht mit dem Parteiverrat eines Briand gleichgestellt zu werden, der den überradikalen Revolutionär ge- mimt hat, bis ihm die Parteimitgliedschaft für den weiteren Auf- stieg hinderlich wurde. Viviani ist ein radikaler Sozialreformer mit einer vom Sozialismus berührten Ideologie, ein in sozial- politischen Fragen unterrichteter und arbeitsamer Mann. Zum Unterschied von Briand, der seit dem Beginn seiner Ministerschast noch kein einziges Mal den Sozialreaktionärcn Anlaß zur Unzufriedenheit gegeben, dafür ihnen schon wiederholt freudige Lobsprüche abgewonnen hat. scheut sich Viviani nicht, gelegentlich den Mißmut des ScharfmachertumS zu riskieren. So fällt heute das„Journal des Däbats" wütend über die Grabrede her, die er den Opfern der Grubenkatastrophe von Saint-Etienne gehalten hat. Einige ihrer Sätze verdienen wohl die Wiedergabe. Nach einem Vergleich dieser Opfer vom Schlachtfeld der Arbeit mit den ver- unglücktcn Matrosen vom Kriegsschiff„Jena", sagte der Minister: „Ich bin nicht da, um über dieses Drama und über die V e r a n t- wortlichkeiten, die ihm entspringen, das Urteil der Regie- rung abzugeben, die durch die natürlich noch unvollständige Unter- suchung noch nicht genügend informiert ist. Ich sage nur, daß man diese Verantwortlichkeiten suchen und fe st stellen wird. Ich füge hinzu, daß solche Ereignisse die Menschen zu grS- ßerer Vorficht ermahnen. Und weiter füge ich hinzu, daß die Tat- fache, daß sich diese schrecklichen Begebenheiten von Zeit zu Zeit in der Welt der Arbeiter wiederholen, uns zweifellos auffordert, ihre Situation weniger oberflächlich zu be- trachten. DaS Proletariat— ich spreche nicht nur von den Bergarbeitern— ist eine Vereinigung von Menschen, die dasselbe Fleisch und Blut haben, wie wir. die unsere Schmerzen kennen— aber nicht unsere Freuden; die in einem be- mitleidenSwerten Zustand festgebannt sind, in jenem unsicheren Zustand deS Lohnsystems, wo sie von der Laune der ?!atur und der Laune der Menschen abhängen. Aber diese Todesopfer wären nicht umsonst gefallen, wenn wir, durch daS Mitleid bis zur Gerechtigkeit geführt, die Herankunst der Tage be» söhleunigten, wo alle d iefe Wesen sozial frei sein wer- den. weil sie uns gleich sein werden. Ich aber lege an. gesichtS dieser Gräber Zeugnis ab, daß diese Opfer nicht vergebens bleiben." DaS sind freilich vorläufig erst Worte, und man muß abwar. ten, ob der Minister bei Aufsuchen der Schuldfragen der Ka. tastrophe die nötige Energie aufbringen wird. Immerhin überragt eine solche Rede die Durchschnittsleistungen der Repräsentanten deS bürgerlichen Staates bei solchen Anlässen ganz beträchtlich. Da»„Journal de» DäbatS* keift denn auch, Bwiani habe die Majestät der großen Revolution beleidigt, die ja schon die Gleichheit aller paragraphenmätzig festgelegt habe.> Die Todesstrafe. Paris, Sft Juni. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß Justizminister Briand den Antrag der Kammerkommission auf Au'frechterhaltnng der Todesstrafe annehmen, sich jedoch gegen die Oeffentlichkeit der Hinrichtungen aussprechen werde. Außerdem werde der Minister beantragen, daß, falls durch einen Gnadcnakt des Präsidenten die Todesstrafe in Zuchthaus um- gewandelt werde, die Zuchthausstrafe eine Verschärfung er- fahren solle.----- Italien. Der Agrarstreik. Da» offiziöse Depeschenbureau meldet: Parma, 30. Juni. Die Ernte schreitet unter behördlicher Bewachung regelmäßig und schnell fort und ist zurzeit fast voll- endet. Infolge des Abfalls vieler zur Organisation gehörigen Bauern entschied die Arbeitskammer, daß alle freien Landarbeiter die Arbeit wieder aufnehmen können. Infolgedessen glaubt man, daß die Associatione agricole die Aussperrung für beendigt erklären wird. Der Streik, der am l. Mai begann, ist tatsächlich zu En.de. Cnglanck. Die sozialpolitischen Gesetzentwürfe im Parlament. London, 24. Juni. DaS Unterhaus beschäftigte sich diese Woche mit der Borlage beftesiend den Achtstundentag für Berg- l e u t e und mtt den A l t e r S p e n s i o n e n. Der Achtstundentag stößt auf große Schwierigkeiten und eS wird einer starken Agitation der Bergleute bedürfen, um den Erfolg der Vorlage zu sichern. Die Einwürfe gegen den Achtstundentag lassen sich auf zwei Momente zurückführen. Die Gegner behaupten, die Verkürzung der Arbeitszeit würde erstens die Kohlenausbeute verringern, zweitens zu höheren Lohnforderungen führen. Das Ergebnis würde eine Preiserhöhung der Kohle sein, die sowohl die Industrie wie die Konsumenten schädigen würde. Die Regierung tritt für die Vorlage lebhast ein; aber sie ist bereit, den Gegnern einige Konzessionen zu machen: ste will die Einführung deS Achtstundentages langsam vorbereiten; in den nächsten S Jahren soll die Arbeitszeit stufenweise reduziert werden, bis sie im Jahre IvlS nur acht Stunden von Oberfläche zu Oberfläche(Ein- und Ausfahrt also eingeschlossen) betragen soll. Luch die AlterSpensionSvorlage erfährt in der Kam- misflonSberatung manche Modifikationen, die teils Verbesserung, teils Verschlechterung bedeuten. In ihrer ursprünglichen Fassung sollte jeder männliche und weibliche Bürger im Alter von 70 Jahren und mit einem Einkommen von weniger als 10 Mark die Woche eine Penston von 6 Mark die Woche er- halten; bei einem pensionsberechtigten Ehepaar und zusammen wohnenden Personen nur S.öv M. pro Person. Die Regierung stimmte jetzt dem Antrage zu, bei Ehepaaren und zusammen- wohnenden Personen keine Ausnahme von der Regel zu machen. Dann wurde die Pension abgestuft. Sie soll nicht mehr allgemein S M. bewogen, sondern sie soll nach dem Einkommen eingerichtet werden. Einkommen und Pension sollen im besten Falle nicht mehr als IS M. die Woche bewogen. Zum Beispiel: wer ein Emkommen von S M. die Woche hat, soll K M. Pension erhalten; bei s M. Einkommen soll die Pension nur 4 M. betragen. Die Abstufung würde sich etwa wie folgt stellen: Einkommen Penston 8 Mark und v Mark S.. 4. 10.. 3» 11» o 2» 12»* 1 g Auf jeden Fall soll dle� Pension aber nicht mehr als 5 M. die Woche betragen. DaS gilt selbstredend nur für die Einkommen bis 8 M. die Woche, denn erst mit diesem Einkommen beginnt die Ab- stufung der Pension. Sck'weäen. Englische Streikbrecher. Göteborg, 2S. Jnni. Als heute hier 360 englische Ar- beitswillige einwafen, kam es zu großen Straßen- unruhen, bei denen die Menge, als die Polizei gegen sie vor- ging, mit Steinen gegen die Polizei warf. Luch wurden einige Schüsse abgefeuert und mehrere Personen verwundet. R-ußlaucl. Die neue Anleihe. Petersburg, 29. Juni. In ihrer heutigen Abendsitzung nahm die R e i ch S d u m a die Gesetzesvorlage betreffend die innere An- leihe von 200 Millionen Rubel an. Die Sozial- demokraten und die A r bei t er g rup pe stimmten gegen die Vorlage. perfien. Der wortbrüchige Schah. Der Schah, der den Eid auf die Verfassung gebrochen hat, hat natürlich auch das Versprechen, keine weiteren Hin- richtungen vornehmen zu lassen, nicht gehalten. Zwölf Mitglieder des Parlaments sind noch nachträglich vor ein Kriegs„gencht" gestellt und nach Absolvierung der kurzdauernden Formalität gehenkt worden. In Teheran selbst hat General Liakhoff un- beschränkte Vollmacht. Dagegen dauert in der Provinz der Kanlpf fort und zunächst scheinen die Revolutionäre die Oberhand behalten zu haben. Ueber ganz Pcrsien ist der Kriegszustand verhängt.— Ein englischer Protest. Londo«, 30. Juni.(Unterhaus.) In Beantwortung einer Anftage über die Unruhen in Teheran berichtete Staats- fekretär Grey, daß einige Personen in der britischen Gesandtschaft Zuflucht gesucht hätten und brachte damit die Tatsache zusammen. daß der Schah in der Nähe Ler Gesandtschaft Truppen auf- gestellt habe. Ein häßliches Borgehen, gegen das die britische Regierung Protest erhoben habe, und aus dem ein Briefwechsel mit der persischen Regierung hervorgegangen sei. da man die Flüchtlinge ohne bindende Garantien für ihr leibliches Wohl nicht sich selbst überlassen könne. AuS den Provinzen liegen Nachrichten über Unruhen vor, jedoch stimmen alle darin überein, daß für die Fremden keine Gefahr bestehe. Dillon fragte an, ob die Regierung das Wort deS Schahs als Bürgschaft annehmen werde, worauf Staatssekretär Grey erwiderte, daß Er- wäguugen darüber schweben, welche Garantien zu fordxrn seien. Marokko. Eine bescheiden« Bitte. Tetna«, 29. Juni. In der Moschee wurde ein Brief M u I a h Hafids verlesen, in dem er der Stadt für die Wahl zum Sultan seinen Dank ausspricht und die Entsendung einer Deputation nach Fes verlangt, die ein Geschenk von 500 000 Pesetas überbringen soll.— Mexiko. Die Unruhen. Washington, 30. Juni. Auf Anordnung Präsident Roosevelts hat der Kommandant der in Texas stehenden Truppen Anweisung erhalten, so viele Truppen nach der mexikanischen Grenze zu senden, als dort zur Aufrechterhaltung geordneter Zustände und zur Verhinderung von Grenzverletzlmgm erforder- ltch sind.________ Hua der Partei. Erklärung. Im D i e tz scheu Verlag erschien die deutsche lleberseyung der Schrift des Genossen Tscherewanin:„Das Proletariat und die russische Revolution". Diesen ersten Versuch, den deutschen Lesern eine systematische Darstellung der Anschauungen der sozial- demokratischen.menschewikischen" Fraktion, der wir und Genosse Tscherewanin angehören, zu geben begrüßend, müssen wir doch, um möglichen Mißverständnissen vorzubeugen, um Aufnahme folgender Zeilen bitten. DaS Streben, die in der russischen Sozialdemokratie land- läufigen Vorstellungen über die Besprechungen der Klassen in der russischen Revolution, Vorstellungen, die zuerst so viele Illusionen und nachher so viel Enttäuschungen hervorgerufen haben, einer gründlichen Kritik zu unterwerfen. Dieses Streben, das auch Ge- nassen Tscherewanin bei seiner Arbeit geleitet hat, ist, wie in der Borbemerkung des Verlags richtig gesagt ist, der ganzen„mensche. wikischen" Fraktion gemeinsam. Wir müssen aber feststellen, daß die Methode, der Genosse Tscherewanin folgte, ihn zu den Schlüssen brachte, die, soweit uns bekannt, von der Mehrheit der Menschewiki nicht geteilt werden. Dank dieser Methode ist Genosse Tscherewanin geneigt, den ganzen Gang der russischen Revolution und alle ihre Niederlagen aus den vom Proletariat begangenen Fehlern zu er- klären, indem er seine Bewegung aus dem ganzen sozialen Milieu isoliert. Es sei noch hinzugefügt, daß eine Reihe angesehener russischer Schriftsteller derselben Fraktion, der auch Genosse Tschere- waniu angehört, in ihren der Analyse der Rcvolntwn gewidmeten Arbeiten zu ganz von ihm abweichenden Schlüssen kamen, und daß Genosse Tscherewanin selbst in seinem neulich erschienenen Buche: „Die jetzige Lage und die mögliche Zukunft" erklärt, die Ueber. zeugung gewonnen zu haben, daß es unmöglich sei, die Niederlage der Revolution nur durch die Fehler des Proletariats zu erklären. und daß dieser Niederlage viel tiefere Ursachen zugrunde liegen. Mit genossenschaftlichem Gruß Die Redaktion der„Stimme des Sozialdemokraten", Genf, den 28. Juni 1008.' Im Auftrage der Redaktion: Th. Dahn. Sozialem Vom Tiefbau. Mit der Beendigung des Rechnungsjahre« 1907 kann die Tief- bau-BerufSgenosienschaft auf eine zwanzigjährige Tätigkeit zurück- blicken. Die Verwaltung der Tiefbau-Berufsgenossenschaft fühlt sich ganz als Vertreterin der Interessen der Ticfbauunternehmer. Der Jahresbericht konstatiert mit Genugtuung, daß auch im Jahre 1907 die Lohnsumme gegen das Vorjahr bedeutend gestiegen ist. Seit 1902 zeigen die Lohnsummen eine andauernd steigende Tendenz. Die Lohnsumme stieg zu 1903 um rund 4 Millionen, zu 1904 um 13'/,. zu 1906 um 1ö, zu 1908 um 20 und zu 1907 um rund 21 Millionen. Trotzdem nun die Lohnsumme gegen 1908 um 21 Mill. Mari gestiegen ist, konnte die Gesamtumlage gegen das Borjahr um 34S00 M. erniedrigt werden. ES ist dies hauptsächlich ein Erfolg der B e st r e b u n g e n, die kleinen Renten bis zu 20 Proz.— von den Junkern„Schnapsrentcn" genannt— zu beseitigen. Die„Rentenquetsch-Reisekommission" tut ihre Schuldigkeit. Entgegen der andauernd steigenden Tendenz der im Tiefbau- gewerbe beschäftigten Arbeiter und der ausgezahlten Lohnsummen geht die Zahl der gewerbliche» Tiefbau-Unter- nehmer ständig zurück. Gewerbliche Tiefbau- llnieruehmer waren vorhanden: 1890--- 3425 mit rund 54 Mill. Mark ausgezahlten Löhnen' 1907--- 3156.. 178.. Einschließlich der kommunalen Betriebe wurden an ausgezahlten Löhnen nachgewiesen: 1904--- 134 721 000 M. 1905--- 150 070 000 M., also+ 11,89 Proz. gegen das Vorjahr. 1906— 170 046 000.. J- 13,31.. 1907= 191 488 000..-{-12,61,.# Der Durchschnittslohn eines Bollarbeiters betrug: 1904= 1022 M. 1905---- 1064,+ 4,11 Proz. gegen Vorjahr 1906= 1112,-- 4,51. 1907= 1166„+ 4,86. Diese Steigerung der Arbeiterlöhne macht sich nach der Rcchmmg der Tiesbau-Berufsgenossenschast ganz nett; ist aber nur Blendwerk. Die Steigerung des Durchschnittslohnes eines„Vollarbeiters" ist hauptsächlich auf die ständige Mehreinstellung qualifizierter Arbeiter zurück zu fuhren. Die Maschine, in allen nur möglichen Formen, bürgert sich immer mehr im Tiefbaugewerbe ein. Einzelne der größten Ticfbauunternehmungen haben einen Geräte- park im Werte von Millionen. Bon Jahr zu Jahr wird die Zahl der beschäftigten Monteure, Maschinisten, Heizer, Lokomotivführer, Maschinen- und Werkmeister größer. Diese Arbeiter werden ver- hältnismäßig gut bezahlt. Wochenlöhne von 35 bis 60 M. werden da gezahlt. Es liegt aus der Hand: diese verhältnismäßig hohen Löhne mußten den Durchschnittslohn beeinflussen. Aber schon der Ausdruck.Vollarbeiter"«st geeignet, Uneingeweihte in einen Irrtum zu versetzen. Der.Vollarbeiter" ist nämlich kein persönlicher Arbeiter; derselbe wird in der Weise heraus- gerechnet, daß sämtliche nachgewiesenen Arbeitstage durch 300 geteilt werden. Wenn der wirkliche Tiefbauarbeiter in einem Jahre 300 Tage arbeitet, erst dann ist er ein Vollarbeiter. Nun können aber Tiefbauarbeiter im Durchschnitt höchstens 200 Tage im Jahre arbeiten. Der Jahresverdienst eines Tief- bauarbeiterS stellt sich mithin— selbst nach den falschen Durchschnittslöhnen des„Vollarbeiters"— höchstens auf durch» fchnittlich 777,35 Mark. Dabei ist noch besonders zu be« rücksichttgen. daß etwa 75 Proz. der Tiefbauarbeiter ge- zwungen ist. sich die Arbeitsgelegenheit außerhalb ihres Wohn- sitze« zu suckien, wodurch sie viel mehr für ihren Unterhalt aufwenden müssen. Dabei müssen sie noch meistens in nienschen- unwürdigen Baracke», in Schuppen, Scheunen und verfallenen Ställen— welche für das Vieh nicht mehr gut genug sind— Haufen. Die Unfallziffer ist eine außerordentlich große. Nicht weniger als 13 465 Unfälle wurden 1907 gemeldet: darunter 252 sofortige Todesfälle. Fast 10 Prozent der beschäftigten Voll- arbeiter erleiden Unfälle. Dabei kommt ein großer Teil der Un- fälle gar nicht und die Hälfte erst verspätet zur Anmeldung. Auch im vorliegenden Jahresbericht wird diese Tatsache festgestellt. Die Unternehmer pfeifen zumTeil ausdiediesbezüglichen gesetzlichen Bestimmungen. Und der Vorstand der Berufs- genossenschaft bezeigt den Unternehmern gegenüber eine große Lang» mut und Nachsicht. Es ist dies aber auch erklärlich: Die Unternehmer haben die Verwaltung allein in Händen. Ueber die Unfallverhütung und die UeberwachungStättgkeit der AufstchtSbeamten sagt der Bericht unter anderem: „Die vorgefundenen Mängel waren i» all- gemeinen dieselben wie bisher." ES ist auch dieses nicht weiter verwunderlich. Wurde doch erst vor kurzer Zeit ein Schachtmeister, ivelcher den Tod eines Arbeiters verschuldet hatte, freigesprochen, nachdem ein Geheimer Rcgierungö- Baurat als Sachverständiger ausführte: „Erfahrungsgemäß wird es mit dcnNnfallverhütüngSvorschristen nicht so genau genommen." Das erkennende Gericht begründete dann daS freisprechende Urteil mit den oben angeführten Worten deS Herrn Sachverständige«. Der eigentlich Schuldige— der Unternehmer— war erst gar nicht cm- geklagt. Derselbe konnte vielniehr als— Zeuge, mit seinem Eide, seine Unschuld—„beweisen". Trotzdem nun von den AufsichtSbeamten berichtet wird:„Die vorgefundenen Mängel— betreffs Betriebssicherheit und Unfall- Verhütung— waren im allgemeinen dieselben wie bisher", heißt e§ gleich darauf: „ES ist von allen technischen AufsichtSbeamten mit Genugtuung festgestellt worden, daß das Bestreben, den UnfallverhütnngS- Vorschriften nachzukommen, fast überall sichtbar ist." Ein billiges Vergnügen dieses„Bestreben".' Nun können die Unternehnier weiter die UufallverhütungSvorschriften unbeobachtet lassen. Der technische Aufsichtsbeamte wird auch fernerhiu melden müssen:„Die vorgefundenen Mängel waren im allgemeinen dieselben wie bisher"; aber er wird auch fernerhin mit„Genugtuung" daS „Bestreben" feststellen. Das eigenartigste deS ganzen Berichts bietet folgende Stelle: «Mehr Schwierigkeiten bereitet es indessen, die Arbeiter davon zu überzeugen, daß die Befolgung der UnfallverhütungL- Vorschriften auch in ihrem eigensten Interesse liegt, nicht selten stehen die Arbeiter den UnsallverhütuiigSvorschriften gleichgültig gegenüber, sie verkennen völlig de» Ziveck derselben, sehen darin nur ein Mittel, die Arbeitsweise zu erschwere» und lassen deshalb auS Bequemlichkeit die Vorschriften außer acht. Die Unternehmer stehen in diesen Fällen den Arbeitern, namentlich in Zeiten dps ArbeiterniangelS, machtlos gegenüber, denn Vorwürfe wegen Nichtbeachtung der UnfallverhüttingSvorschristen lassen sich die Arbeiter nicht gefallen, sie legen dann einfach die Arbeit nieder." Also: die lieben Unternehmer zeigen wenigsten» das„Be- streben"; aber die bösen Arbeiter wollen durchaus Krüppel oder gar ins bessere Jenseits befördert werden. Und che sie sich daran hindern lassen, streiken sie. Zu solch unsiiinnigen Ansiöbten würde die Berufsgenossenschaft nicht gelangt sein, wenn sie z. B. die Länge der Arbeitszeit und das vielfach noch herrschende Akkordsystcm als Unfallfaltoren in Rücksicht gezogen hätte._ Schon wieder(in zärtlicher Chef. In Breslau ist der Schnhwarcnhändler Krojankcr, übrigens ein Mitinhaber der Firma Tack u. Co. in Burg, wegen seiner schmachvollen„Aktstudien", die er mit seinen Verkäuferinnen vor- nahm, noch in guter Erinnerung. Unser Breslauer Bruderblatt hat den sauberen Herrn wegen verleumderischer Beleidigung ver- klagen müssen, weil er das Gerücht verbreitete,„er habe die „Bolkswacht" wegen der von ihm handelnden Gerichtsberichte ver- klagt, diese aber habe sich bereit erklärt, 300 M. Buße an ihn zu zahle», wenn er die Klage zurückziehe". Dieser famose Arbeitgeber hat schon wieder in Breslau einen erfolgreichen Konkurrenten erhalten. Der 48 Jahre alte Jmmo- bilienkaufmann Gustav Müller hatte gegen eine von ihm engagierte Maschinenschreiberin ein Sittlichkeitsverbrcchcn in seinem Kontor zu verüben gesucht. Als die Sache ruchbar und er in eine Unter- suchung verwickelt wurde, bestimmte er feinen Buchhalter Schmähe! und die Hebamme Müller durch Versprechung von Geldgeschenken, auf das geschändete Mädchen und deren Schwester dahin cinzu- wirken, daß sie vor Gericht unter Eid zu seinen Gunsten aussagen möchten. Daraufhin wurde gegen die drei Anklage wegen Ver- leitung zum Meineide und Notzucht bezw. Begünstigung erhoben. Die Beweisaufnahme am ersten Vcrhandlungstagc war für Müller so ungünstig, daß er es vorzog, am zweiten Tage eine halbe Stunde vor Beginn der Sibung sich in seiner Wohnung ,,u erschieße«. Die beiden anderen Angeklagten wurden von der Anklag« der Ver- leitung zum Meineid aus Mangel an Beweise« freigesprochen, wegen Begünstigung erhielten der Buchhalter IbO M. Geldstrafe, die Hebamme 6 Monate Gefängnis. SC Gewerkschaftliches. Wieder ein Staatsanwalt, der die Gewerkschaften für politisch erklärt. Wir hatten seinerzeit berichtet, daß der schlesische Gauleiter des Gemeindearbeiter- Verbandes, Gen. Mehrlein- Breslau, für die Abhaltung einer nicht polizeilich angemeldeten Betriebsbesprechung der städtischen Gasarbeiter in Sagan zusammen mit dem Einberufer und dem betreffenden Gastwirt ein polizeiliches Strafmandat über 30 M. erhalten hatte, das am 1. Mai vom Saganer Schöffengericht bestätigt worden war. Es wurde darauf Berufung eingelegt, über die am 24. Juni die Straffammer zu befinden hatte. Inzwischen ist das Reichsvereinsgesetz in Kraft getreten, und dieses mußte Anwendung finden, weil es gegenüber der alten preußischen Verordnung die mildere Bestimmung enthält, daß gewerkschaftliche Versammlungen unter keinen Umständen mehr anmeldepflichtig sind. Doch der Herr Staatsanwalt hatte sich die Sache gründlich überlegt, und er glaubte einen Ausweg gefunden zu haben. Er führte aus: „ Es ist gerichtsnotorisch, daß die freien Gewerkschaften bemüht find, und zwar mit positivem Erfolge, Einfluß auf die Gesetzgebung zu gewinnen, so z. B. beim Arbeiterschutz, bei der Versicherungsgesetzgebung usw. Daraus aber ergibt sich, daß diese Gewerkschaften politischer Natur sind, und deshalb muß wenigstens Mehrlein bestraft werden." " Ausdrücklich hob der Anklagevertreter hervor, daß diese Verurteilung von prinzipieller Bedeutung für die Handhabung des neuen Vereinsgefeges sein werde. Der Wirt allerdings sei nach diesem Gesetze nicht mehr straffällig, er also müsse freigesprochen werden, ebenso der Einberufer, weil dieser bereits eine Polizeiftrafe wegen Berteilens der Einladungszettel erhalten habe und damit wegen derselben Tat bereits bestraft sei. Die ausdrüdlichen Hinweise der Verteidiger wie des Genoffen Mehrlein auf die Erklärungen des Staatssekretärs von BethmannHollweg im Reichstage, daß die Gewerkschaften nicht als politische Vereine betrachtet werden sollten, machten auch auf die Richter wenig Einbrud. Zwar sprachen sie den Genossen Mehrlein frei, aber mit folgender Begründung:„ Die Gewerkschaften der freien Richtung sind sozialdemokratisch; ebenso ist es gerichtsnotorisch, daß sie Einfluß auf die Gesetzgebung zu ges winnen versuchen." Aber obgleich Mehrlein als sozialdemokratischer Agitator bekannt sei, habe er doch freigesprochen werden müssen, weil ihm nicht nachzuweisen gewesen sei, daß er in der fraglichen Versammlung politische Angelegenheiten erörtert habe. So lange aber das nicht der Fall sei, tönne er nicht für die Tätigkeit der obersten Gewerkschaftsleitungen verantwortlich gemacht werden. Berlin und Umgegend. Kammergericht und Tarifvertrag. Wir wollen nicht untersuchen, biefveit dieses Urteil formal I feine( des Notars) Händen sein. Im März aber stellte sich heraus, juristisch eine weitere Prüfung zu bestehen vermöchte, vor der ja daß die Erbschaft im Monde liegt. die Herren Landgerichtsräte sicher sind. Sachlich ist das Urteil von einer so geringen Kenntnis unserer tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnisse diktiert, daß man es humoristisch aufnehmen fönnte, wenn es nicht so traurige Folgen haben könnte. Was sagen unsere Sozialpolitiker zu den günstigeren" vertrags los en Lohn- und Arbeitsbedingungen? Zahlungspflicht der Versicherungsgesellschaft. Focke reiste nach Uebernahme des Wagens nach Spaa unb Köln, wo er den Wagen einmal für 8000 Mt. Lombardierte und an einer anderen Stelle für den gleichen Preis verkaufte. Er verjubelte alles, bis auf 3 Mt., die man bei ihm nach seiner Verhaftung vorfand. Und gerade war er wieder dabei einen neuen Genie fchwindel zu inszenieren. Das Opfer war ein Kölner Kunsthändler, der beinahe eine Anzahl Gemälde im Werte von 40 000 Mt. ver. loren hätte. Infolge der Auskunft, die Notar Riehl über Focke ge Lohnbewegung der Wäschearbeiter in Sicht. geben hat, wurden in Berlin noch mehrere Firmen, unter anderen Im Anschluß an den Streit der Wäschearbeiter und Arbeite auch das Kaufhaus Adam in der Friedrichstraße, um namhafte Be rinnen im Jahre 1905 schloß die Organisation der Arbeiter mit träge geschädigt. Eine Zivillage gegen Riehl wegen Schadendem Arbeitgeberverein für jede Wäschefabrik einen Tarifvertrag ersatz ist von der Automobilfirma angestrengt worden. Im ersten ab. Die Verträge hatten Gültigkeit bis zum 1. Oktober 1908. Nun Termin in dieser Sache wurde beschlossen, zu einer späteren Ver sind seitens des Vereins Berliner Wäschefabrikanten im Namen handlung die Atten des Strafprozesses gegen Focke einzufordern. seiner Mitglieder diese Tarifverträge gekündigt. Seitens des Verbandes der Arbeiter ist zu heute abend 8 Uhr eine öffentliche Versammlung nach den Musitersälen, Kaiser- Wilhelm- Straße 18m, Es flagen in einem Rechtsstreit die Erben eines Gastwirts einberufen, zu der besonders alle Heimarbeiterinnen eingeladen find. Zu Donnerstag nachmittag 6 Uhr ist auf Veranlassung des Bipf zu Seidelberg, gegen die Erste Oesterreichisme Berliner Gewerbegerichts eine Sigung der bisherigen Schlichtungs- ien, woselbst Zipf gegen förperliche Unfälle versichert war. Allgemeine Unfallversicherungsgesellschaft zu kommission einberufen. Im August 1904 wurde 3. von Dr. B. in Heidelberg wegen einer Anschwellung unterhalb des Knies behandelt, die er auf einen Stoß gegen ein Bierfaß zurückführte Da keine Besserung eintrat, begann Dienstag vor dem Berliner Gewerbegericht. Die wurde er in die chirurgische Klinit zu Heidelberg aufgenommen und Verhandlungen sind nicht öffentlich. Die Leitung hat wurde dort das Vorhandensein eines Sartoms festgestellt. das Kollegium der Unparteiischen in Händen, Magistratsrat 10. Oftober erfolgte die Amputation des rechten Beines und am von Schulz als Vorsitzender und Dr. Brenner- München nebst 13. März 1905 verstarb 3. infolge Lungensarkome und dadurch her. die Versicherungsgesellschaft erhobene Klage auf Zahlungen von Dr. Nietfeld Essen als Beisiger. Die an verschiedenen Orten beigeführte Herzlähmung. Die von 3. schon bei Lebzeiten gegen noch bestehenden Differenzen sind zu erledigen, besonders aber Renten, führten seine Erben nach dem Tode des 3. weiter mit den die Frage der Arbeitsnachweise, die von den Unternehmern Antrage auf Auszahlung der vereinbarten Versicherungssumme von aufgeront worden ist. Gegen die Errichtung eigener Arbeits- 5000 Mt. und weiter 1000 Mt. als Entschädigung für die während nachweise, wie sie die Unternehmer wünschen, machen die 300 Tagen bestandene Arbeitsunfähigkeit. Arbeiter schwere Bedenken geltend. Deutfches Reich. Die Konferenz für das deutsche Baugewerbe Fortschritte der Tarifbewegung. Die Metallarbeiter- 8tg." berichtet, daß für 1907 123 Drte und Bezirke zu verzeichnen seien, wo Tarife für Metallarbeiter in Beltung waren, gegen 105 Drte für 1906. Folgende Tabelle er läutert den Fortschritt noch näher: Tarife für Betriebe mit Personen Ende 1906 bestanden Nicht wieder erneuert wurden 1907 wurden neu abgeschlossen 9 294 82 560 8 176 306 72 390 234 8904 74 384 155 2707 22 645 389 11 611 97 029 Veränderung im Geltungsbereich der weiterbestehenden Tarife. Ende 1907. 389 Ein Vergleich mit dem Vorjahr ergibt: Ende 1907 bestanden 1906 " Bunahme 1907 • 1907 389 306 83 - 175 11 436 +3428 100 457 11 436 9 294 2142 27,12% 23,05% 100 457 82 560 17 897 21,67% Am Das Landgericht Heidelberg verurteilte die Beklagte zuz Zahlung von 430 Mt.( 5 Mt. für 90 Tage abzüglich 20 mt. Kosten der Schadensregulierung) und wies im übrigen die Klage ab. Auf die Berufung der Kläger erkannte das Oberlandesgericht au Karlsruhe auf Verurteilung der Versicherungsgesellschaft zur Zahlung der Versicherungssumme von 5000 Mt. nebst weiteren 1000 Mt. abzüglich der bereits zugesprochenen 430 Mf. beim Reichsgericht eingelegt. Der VII. Zivilfenat des Reichs. Gegen dieses Urteil hatte die Versicherungsgesellschaft Revisión gerichts erkannte jedoch auf 3urudweisung der Revision Letzte Nachrichten und Depefcben. Berhaftung eines Brandstifters! Die Berliner Kriminalpolizei hat gestern( Dienstag) einen Mann verhaftet, von dem sie annimmt, daß er in der letzten Zeit im Norden der Stadt verschiedene unbeaufsichtigte Wohnungen erbrochen und in Brand gesteckt habe. Verhängnisvoll wurde dem Verhafteten, einem früheren Kaufmann namens Paul Heidgen, ein als Uhranhängsel dienendes Medaillon, durch das die Polizei auf die Fährte des Mannes tam. Wie weltfremd unsere Kammergerichtsräte sind, zeigte sich wieder einmal an einem Urteil, das am 27. Juni vom Kammergericht in einem Streitpostenprozeß gefällt wurde. Alle Welt weiß, daß Lohn- und Arbeitsbedingungen, die sei es durch Einzelvertrag, sei es durch Kollektivvertrag festgelegt sind, gegenüber nicht bertragsmäßig festgelegten günstigere find. Sogar Richter Von den 389 am Ende 1907 bestandenen Tarifverträgen( einsollten wissen, daß jedes vertraglich stipulierte Verhältnis zwischen schließlich Affordtarifen) regelten 337 die Arbeitszeit, 314 die In den letzten Monaten haben, wie wir mehrmals berichteten. Personen oder Personenmehrheiten schon insofern günstiger ist, als Mindestlohne, 104 die Garantie des Lohnes bei Affordarbeiten, im Norden Berlins Wohnungsbrände stattgefunden, die nach den ber vertragslose Zustand, da der Vertrag ein flagbares Recht 817 Buschläge bei Ueberstunden, Nacht- und Sonntagsarbeiten, polizeilichen Ermittelungen ganz zweifellos auf Einbrecher zurüd garantiert. Unsere Kammerrichter haben in ihrer naiven Auf- 156 Buschläge bei Montagearbeiten und 55 Zuschläge bei schmutzigen zuführen waren. In allen diesen Fällen war aber fein greif. faffung von Welt und Menschen entschieden, der vertrag lose Bu- und gefährlichen Arbeiten. In 282 Tarifen ist die Geltungsdauer, bares Resultat über den oder die Urheber zu erlangen, weil die stand sei der günstigere. in 261 die Kündigungsfrist des Vertrages und in 251 eine Be- Spuren durch das Feuer verwischt waren. Am 21. Juni wurde im Hause Lothringer Straße 55 wieder Während der großen Holzarbeiteraussperrung im vorigen Stimmung über die stillschweigende Weiterbauer des Tarifes, wenn Jahre sollte sich der Tischler S. in Berlin gegen den§ 153 der Ge- teDie tägliche Arbeitszeit wurde in den Tarifen für Kündigung erfolgt, vereinbart. werbeordnung bergangen haben. Es wurde ihm borgeworfen, er 10 693 Betriebe mit 92 348 Arbeitern festgelegt( gleich 91,9 Prozent Die tägliche Arbeitszeit wurde in den Tarifen für eine Wohnung erbrochen und in Brand gestedt. Zwei aur so. genannten Brandkommission der Kriminalpolizei gehörende habe einen anderen durch Ehrverletzung und Drohung zu bestimmen der Arbeiter) und schwankt zwischen 8 und 10% Stunden; Rommiffare fanden nun in einem Wäscheschrank, der erbrochen, versucht, Verabredungen zur Erlangung günstiger Lohn- und Ar- 9, 9 und 10ftündige Arbeitszeit ist überwiegend: nach 82 refp. 188, aber vom Feuer verschont geblieben toar, ein fleines, aufklappbares beitsbedingungen Folge zu leisten. Bekanntlich waren die Ver- resp. 96 Tarifverträgen gleich 311 von den 337 die Arbeitszeit Medaillon in Buchform mit zwei farbigen Photographien, und es Handlungen auf Abschluß eines neuen Tarifvertrags in der Holz- regelnden. Dennoch haben aber weit über die Hälfte der gelang, den Eigentümer dieses Medaillons eben in der induftrie, der an Stelle des Anfang 1907 ablaufenden treten sollte, tariflich entlohnten Arbeiter, nämlich 52 900 57,29 Prozent, Berson jenes Heidgen festzustellen, der nur wenige Häuser von baran gescheitert, daß der Arbeitgeberberband nicht nur alle eine täglich neunstündige und fürgere, nur 62916,81 Prozent eine der Brandstelle( Lothringer Straße) entfernt wohnt!( Heidgen Der Ver. Wünsche des Holzarbeiterverbandes ablehnte, sondern auch den bis zehnstündige und längere Arbeitszeit. herigen Vertrag auf mehrere Jahre festlegen wollte. Der Holz- Beachtenswert ist auch, daß eine große Anzahl Tarife Be, ist wegen Einbruchs bereits wiederholt vorbestraft.) arbeiterverband wollte statt solcher Bindung lieber eine tarif- stimmungen enthalten, wonach die Arbeitszeit bei Arbeitsmangel bis haftete muß das Medaillon wohl während der Durchstöberung des arbeiterverband wollte statt solcher Bindung lieber eine tarifauf 6 Stunden pro Tag verkürzt werden soll, bevor Entlassungen seiner Uhrfette, an der sich das Anhängsel befano, find AbrißIose Beit. Der Arbeitgeberverband ließ nun jedoch die Aus. auf 6 Stunden pro Tag verkürzt werden soll, bevor Entlassungen Wäscheschrankes unabsichtlich verloren haben, denn an der Stelle fperrung eintreten, worauf der Holzarbeiterverband mit der spuren wahrnehmbar! Uebrigens soll Heidgen in der Nähe einiger Verhängung der Sperre über die in Betracht kommenden Firmen Die Maler und Anstreicher in Hann. Münden befinden sich früherer Brandstellen in jener Gegend unmittelbar nach dem antwortete. In diese Zeit fällt das angebliche Vergehen des S. bereits die fiebente Woche im Ausstande, da die Arbeitgeber sich Ausbruch des Feuers gesehen worden sein. Bei dem Verhafteten wurden 150 m. bares Geld gefunden, Das Landgericht berurteilte ihn, nachdem die Sache schon bis zum weigern, den in Berlin vor dem Einigungsamt am 30. April geKammergericht war, wegen Uebertretung des§ 153 der Gewerbe- fällten Schiedsspruch anzuerkennen. Der Arbeitgeberverband für das über deffen Erwerb er sich nicht auszuweisen vermochte. ordnung im Sinne der Anklage zu einer Woche Gefängnis. Die Malergewerbe hat bis jetzt ruhig diesem Kampfe mit zugesehen; er über deffen Erwerb er sich nicht auszuweisen vermochte.... Ehrberlegung fand es wieder einmal in dem Gebrauch des Wortes scheint also keinen Einfluß auf seine Mitglieder in Münden ausüben zu können. Gerüstbruch. ..Streitbrecher". In dem Urteil wurde ausgeführt:„ Es liege eine Achtung, Arbeiter! Die Firma Widingsche Industrie" in Chemnitz, 30. Juni.( B. H.) Heute mittag stürzte Verabredung zum Behufe der Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen vor. Denn die dem Holzarbeiterverband an- Düffeldorf hat ihren Arbeitern den im vorigen Jahre mit der im Saale des Restaurants„ Stadt Mannheim" in der Noch Organisation der Hafenarbeiter abgeschlossenen Lohntarif zum likerstraße infolge Ueberlastung das zur Renovierung des gehörenden Holzarbeiter wollten nicht zu den alten, sondern nur 1. Juli gekündigt, um Lohnabzüge in Höhe von 10 Broz. vorzu- Raumes benutzte Gerüst ein. Sechs Maler, die darauf befür sie vorteilhafteren Bedingungen weiterarbeiten, sei es nun, nehmen, wodurch der Firma ein Profit von zirka 4500. er schäftigt waren, stürzten in die Tiefe und erlitten teils daß diese besseren Bedingungen durch einen mehrjährigen Ver- wachsen würde. Neben dieser Lohnreduzierung soll auch noch die schäftigt waren, stürzten in die Tiefe und erlitten teils trag festgelegt würden, oder daß wenigstens der alte Arbeitszeit verlängert werden, durch welche Maßnahme der Firma schwere, teils leichtere Verlegungen. abgelaufene Vertrag nicht wieder auf mehrere ein weiterer Vorteil entstehen würde. Alles nur im Interesse der Krankenhaus geschafft, wo einer von ihnen bereits gestorben Jahre abgeschlossen würde. Auch im lepteren Arbeiter", da sonst angeblich der Betrieb stillgelegt werden müßte. ist. Der Verstorbene war verheiratet. Falle ständen sich die Arbeitnehmer günstiger, da wenigstens die Möglichkeit offen blieb, von Fall zu Fall im einzelnen günstige Arbeitsverträge und am Ende doch noch einen allgemeinen Verbandsvertrag mit vorteilhaften Bedingungen durch aufeßen." borgenommen werden. Die Firma versucht nun, durch Agenten ehrliche Arbeiter zu ber führen, ihren Arbeitsbrüdern in den Rücken zu fallen. Kollegen, weist diese Streitbrecheragenten und Angestellten der Firma energisch zurück, folgt ihren Lockungen nicht und fallt Guren kämpfenden Arbeitsbrüdern nicht in den Rüden. Berband der Hafenarbeiter. J. A.: Die Kommission. Gerichts- Zeitung. Zug- Zusammenstoß. Sie wurden ins Crefeld, 30. Juni.( Amtliche Meldung.) Heute vormittag turz nach 11 Uhr stieß zwischen Block Nordkanal und Güterbahnhof Neuß ein von Holzheim tommender Güterzug mit einem auf fal schem Gleise von Neuß abgelassenen Arbeitszug zusammen. Bei dem Zusammenstoß wurden etwa 15 Bedienstete und Ar. beiter leichter und schwerer berlebt, jedoch niemand lebensgefährlich. Ueber die Ursache des Unfalls ist Untersuchung eingeleitet. Die Pest in Australien. Sidney, 30. Juni.( B. H.) Hier ist ein neuer Bestfall Der Angeklagte legte Revision ein und sein Vertreter, Rechts. anwalt Th. Liebknecht, machte u. a. namentlich geltend, daß es fich bei Verhängung der Sperre seitens der Arbeiter gar nicht mehr um eine Bestrebung zur Erlangung günstiger Lohn- und Ein intereffanter Schwindelprozeß. Arbeitsbedingungen gehandelt habe. Die Sperre fei nur ein Wegen einer genialen Schwindelei wurde am 20. März in Gegenschlag gegen die Aussperrung gewesen, gegen den Verfuch der Köln ein wegen Hochstapelei Vorbestrafter verhaftet. Er nannte Arbeitgeber, die mehrjährige Verlängerung des alten Vertrages zu sich Baron von Fode, heißt tatsächlich Georg Fode, und gab sich eratvingen. Die Arbeitnehmer hätten zu der Zeit lediglich mit dem für einen natürlichen Sohn des verstorbenen Erzherzogs Josef von vorgekommen. Eintritt einer tariflosen Beit gerechnet. Nach Entscheidungen Desterreich aus. Ende des vorigen Jahres erschwindelte er von des Reichsgerichts könnten als Verabredungen zur Erzielung gün- der hiesigen Vertriebsstelle der Mercedes- Automobile einen Wagen stiger Lohn- und Arbeitsbedingungen nur entsprechende posi- im Preise von 32 000 mt. Fode behauptete, nach dem Tode seiner tive Bestrebungen in Frage kommen, nicht aber das bloße Be- Mutter stände ihm eine Erbschaft von 1 Million Mark zu, die ihm ftreben eine tariflose Zeit zu sichern. Auch müßte sich nach dem eine Budapester Gesellschaft mit 500 000 Mt. Anfang dieses Jahres beleihen wollte und zwar zu Händen des in Charlottenburg domiziReichsgericht das Vorgehen unmittelbar auf die Erlangung lierten Rechtsanwalts und Notars Riehl. der besseren Ledingungen richten. Die bloße Hoffnung auf cine spätere Möglichkeit, eine Berbesserung herbeizuführen, genüge nicht. Nur das wäre mit einer tariflosen Beit ein getreten. Schon deshalb sei das Urteil unhaltbar. Der erste Straffenat des Kammergerichts unter dem Borsib des Senatspräsidenten Lindenberg verwarf jedoch am 24. Juni die Revision mit der Begründung: Es sei festgestellt, daß die Sperre als Gegenmaßregel gegen die Aussperrung beschlossen gewesen sei und daß der Angeklagte einen Kollegen nötigen wollte, die Sperrvorschriften zu befolgen. Es sei der Fall des§ 153 der Erdbeben. Bobs( Norwegen), 30. Juni.( W. T. B.) Heute früh wurde hier ein starkes Erdbeben in öftlicher Richtung verspürt. Um 5 Uhr erfolgte ein schwächerer Stoß, dem um 6 Uhr ein stärkerer mit unterirdischem Getöse folgte. Das mehrere Minuten andauernde Erdbeben wurde auch an anderen Orten wahrgenommen. Dieser Rechtsanwalt und Notar gab der genannten AutomobilFrevelhaftes Spiel mit Menschenleben. firma über Fode auch eine geradezu glänzende Auskunft und erbat sich, zum Abschluß der Beleihung, mit Fode nach Budapest zu London, 30. Juni.( B. H.) Aus Durban wird gemeldet: reisen, wenn man ihm die zur Erlangung der Testamentsabschrift Anläßlich einer Uebung der Durbaner Feuerwehr war eigens nötigen 5000 Mt. und 1500 Mt. Reisespesen vorstreden würde. für diesen Zweck ein Haus errichtet worden, welches in Brand Der Notar Riehl erhielt beides und reiste mit Fode nach gesteckt werden sollte. Um die Sache etwas dramatischer zu ge Budapest. Wie Fode den Notar an der Nase herumgeführt hat, stalten, hatte man im zweiten Stodivert zwei Stnaben und ein wird wohl die Verhandlung ergeben. Interessant ist die Sache Mädchen untergebracht, die während des Brandes gerettet werden jedenfalls. Fode hat keine Erbschaft zu erwarten, ist auch mit dem sollten. Der Brandstifter hatte aber das Feuer zu früh angelegt, Hause Habsburg weder verwandt noch verschwägert. Die Gesell- als die Feuerwehr noch nicht zum Eingreifen bereit war. Die drei schaft zur Beleihung der Erbschaft eristiert auch nicht, obschon der Kinder find deshalb elendiglich in den Flammen umgekommen. t Herr Notar bei seiner Rückkehr von Budapest erklärte, er hätte die Testamentsabschrift besorgt und diese dem Bevollmächtigten der Ein Bergnügen eigener Art. Budapester Gesellschaft zum Zwede der Beleihung übergeben. Serajowo( Bosnien), 30. Juni.( B. H.) Bei den gestern und Alles wäre in Ordnung, und das Automobilgeschäft tönne ab- vorgeftèrn in Jlidze abgehaltenen Pferderennen stürzten 9 Reiter geschlossen werden. Die 500 000 Mt. würden Mitte Januar in Einer blieb tot, einer wurde schwer verfekt, drei leichter verwundet Verantw. Reball: Georg Davidjohn, Berlin. Anferatenteil berant: Th. Glode, Berlin. Drud u.Verlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Boul Singer& Co., Berlin SW. Sierau 2 Beilagen u. Unterhaltungsb Gewerbeordnung. Ein Eingehen auf die gewiß beachtenswerten Darlegungen des Anwalts unterblieb gänzlich in der Publikation. Dagegen zeichnete fich diese durch eine unangenehme Schärfe des Tons aus, die sich gegen den Anwalt richtete. Il HL N. ZichtMg. 1 KeW i>es Lmiirls" Kcrlim WksdIM Mittlvoch. l. Jul! l908. Mgeoränetenkaus. s. Sitzung Vom Dienstag, den 30. Juni 1908, vormittags 10 Uhr. «m vtinistertische: Holle. Sinzig««egenstand der Tagesordnung ist die dritte Beratung de« Gesetzentwurse« betreffend dieErhebungneuerKirchen- steuern für das Etatsjahr 1908. Wg. Ströbel(Soz.) (von der Rechten mV Lachen und Aha-Rufen empfangen): Ich möchte meine Ausführungen einletten mit einigen Bemerkungen gegen die Rede des Freiherrn v. Rheinbaben vom 27. Juni. Freiherr v. Rheinbaben hat auf meine Bemerkung, daß es den Unterbeamten nicht möglich sei, aus der Landeskirche auszutreten, weil ihnen daraus Unannehmlichkeiten erwachsen könnten, bestritten, daß ein solcher Terror überhaupt geübt würde. Er hätte das in sehr einfacher Weise widerlegen können. wenn er kurz und bündig namens der Regierung die Erklärung abgegeben hätte, daß die Unterbeamten künftig ohne jeden Schade» der Landes- kirche de» Rücke« drehen können. Das wäre eine sehr schöne, uns durchaus befriedigende Erklärung gewesen. Herr v. Rheinbaben hat das aber nicht getan, sondern vorgezogen, gegen meine Partei zu polemisieren und zu behaupten, w i r übten den Terror. sSehr ivahr l rechts.) Er hat auch das schöne Wort wiederholt, daß die Sozialdemokratie auf dem Standpunkt stände:„Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag' ich Dir den Schädel ein I" sLautes Sehr wahr I rechts.) Das Wort ist nicht sehr neu nnd wird durch die Wiederholung durchaus nicht richtiger. Es stammt aus der großen französischen Revolution, wurde dann für die bürgerliche Re- Volution von 1848 umgegossen und wieder in Kurs gesetzt, schließlich vom Fürsten Bülow aufgegriffen und auch dem Herrn V. Rheinbaben vererbt. Die Sozialdemokratie hat damit durchaus nichts zu tun, es ist durchaus keine Devise der Sozialdemokratie._ sSehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Wenn die Sozialdenwkratte aber bei verletzten Landtags Wahlkampagne Terror geübt hat, so hat sie durchaus in Notwehr gehandelt und das Recht auf Notwehr läßt sie sich durch keine schönen Redensarten nehme». sBravo! bei den Sozialdemokraten. Lachen rechts.) Beseitigen Sie die öffentliche Stimm- abgäbe, dann verschwindet auch der Terror! Der Terror wird aber zuerst und am schlimmsten geübt von Ihnen, von der Regierung! Da ist es doppelt unbegreiflich, wie Herr von Rhewbaben... Präsident v. Kröcher: Es widerspricht zwar eigentlich nicht der Geschäftsordnung, aber es ist allgemein üblich in diesenr Hause, die Herren von der Regierung mit ihrem Amtslitel zu bezeichnen. (Heiterkeit.) Abg. Ströbel(Soz.) (forffahrend): Also der Herr Finanzminister Frhr. v. Rhein- haben Hai, mn seine eigenen Worte zu gebrauchen, den Mut gehabt, der Sozialdemokratie TerroriSnms vorzuwerfen, während er doch genau weiß, welcher Terrorismus von der Regierung gegenüber den abhängigen Beamten geübt wird. Doch darüber werden wir uns ein andermal recht gründlich unterhalten.(Zurufe rechts: Ein ander- mal! Sehr gut!) Ich will heute nur daran erinnern, daß der Eisenbahn mini st er Breitenbach noch vor kurzem erklärt hat, es dürfe unter keinen Umständen geduldet werden, daß ein Eisenbahnarbeiter oder-Beamter sich zur Sozialdemokratte bekenne. (Stürmischer Beifall rechts.) Aber ist das nicht Terror, ist das nicht allerschUntmfter Gewissenszwang'i Ich möchte gerade das Zentrum daran erinnern, daß Würdt- Horst, als von der Rechten eine ähnliche Forderung aufgestellt wurde, erklärte, das ginge zu weit, dos sei unerhört, das sei die Knechtung des freien Mannes, das sei nichts anderes als Sklaverei. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Das hat Windthorst gesagt und das trifft auch heute noch z». Weil der allerschlimmste TerroriSmns von der Regierung, geübt wird, hatte der Finanz- minister Freiherr v. Rheinbaben allen Grund gehabt, vor seiner eigenen Tür zu kehren. In welcher Weise von der Regierung Terror geübt wird, dafür will ich hier ganz kurz einige Beispiele anführen. Die„Westdeutsche Arbeiterzeitung", kein sozialdemokratisches Blatt, auch kein Blatt der freien Gewersichaftcn, hat in diesen Tagen»ntgeteilt, daß der Vor- sitzende einer Zentralstelle de? christlichen Bauhandwerkerverbandes kleines feuUleton. Die.Himmelserscheinungtn im Juli. Nachdem wir am 21. Juni schon wieder den längsten Tag absolviert haben, geht es astronomisch mit dem Sommer bereits wieder abwärts, aller- dings noch sehr langsam, so daß wir es kaum merken. In Wirk- lichkeit aber beginnt jetzt erst der eigentliche Sommer. Die Sonne sendet täglich ihre Licht- und Älarnreftrahlen fast 18 Stunden lang über unseren Horizont und bringt alle Legetationsformen zur vollen Entfaltung. Tie Wärme setzt erst jetzt richtig ein, obwohl loir im verflossenen Monat schon Proben davon bekommen haben. Im neuen Monat erreicht die Erde wiederum einen ganz beson- deren Punkt ihrer jährlichen Umschwungobewegung um das Mutter- gestirn, die Sonne. Am-2. Juli wird die vvonne am weitesten von uns entfernt sein und die Erde beginnt wieder, sich ihr zu nähern. Das geschieht übrigens gerade in diesem Teile der Erdbahn be° sonders schnell, weil hier die Krümmung der Bahn am stärksten ist. Mit Ende des Juli beginnt auch die Sonnenbahn sich stärker zum Hinnnelsäquator zu neigen. Am 28. Juli bereits verschwindet wieder die mitternächtliche Dämmerung und an ihre Stelle tritt eine kurze aber stetig an Dauer zunehmende Nacht. Das ist das erste sichere Anzeichen, daß die Sone ihren nördlichen Wendepunkt überschritten hat und sich im absteigenden Teile ihrer Bahn be- findet. Dadurch erleidet auch die Dauer der Sonnenstrahlung eine erhebliche Einbuße, die gegen den Monatsanfang 2jH Stunden beträgt. s In den ersten beiden Wochen des Monats gestaltet sich die Beobachtung des Mondes recht lohnend. Vom 6. ab geht er erst wieder nach Mitternacht unter, diesen Untergang immer mehr verspätend. Am 13. um 11 Uhr abends tritt Vollmond ein. so- daß in der Zeit vom 11. his 18. mit Oberflächenbeobachtungen nicht viel zu machen ist. Wenn die Beobachtungsverhältnisfe nach dem Vollmond wieder günstig werden, d. h. wenn die Beleuchtung des Mondes nicht mehr allzu groß ist und sich stark dem letzten Viertel nähert, dann geht der Mond erst wieder sehr spät auf, und der Anfang verspätet sich von Tag zu Tag immer mehr. Der H a l l e y s ch e K o m" t, der im Mai 1910 seine Sonnen- nähe erreichen wird, befindet sich gegenwärtig im Bereiche zwischen Jupiter und Saturn. Die Herren CoweU und Crommelin haben jetzt ihre Rechnungen über diesen Kometen, der alle 78 bis 77 Jahre einen Umlauf um die Sonne vollendet, bis zum Fahre 780 rück- wärts fortgesetzt. Ter 760 beobachtete Komet war schon von Laugier als mit dem Hallehschcn identisch erkannt worden. Die danach nächste Erscheinung fiel mit der Sonnennähe auf den 1. März 837 und ist durch chinesische Beobachtungen bekannt und festgestellt. Uebcr die Erscheinung von 912 sind keine Nachrichten vorhanden, dagegen wieder über die dann folgende von 989. In der Folge sind dann alle Wicdcrcrscheinuugcn des.Kometen durch Beobachtungen belegt und gesichelt, Kiese steten Ken trollen der deshalb nicht zum Unteroffizier befördert»orten ist, weil der Bürgermeister des OrteS einen UnaSbttef an die Militärbehörde schrieb, er sei kein Patriot und den Behörden nicht wohlgesinnt. Das ist genau dieselbe wundersame Meinung, die auch der Finanzminister zu haben scheint, als seien die Behörden dazu da. daß das Volk vor ihnen auf den Knien läge. Umgekehrt: die Behörden find des Volkes wegen da, und das Wott Minister heißt ja zu deutsch: Diener. Womit nicht gesagt sein soll, daß die Minister Fürstenlakaien sein sollen! Sie sollten Diener des Volles fein. Ebenso wurden jüngst t zwei Lehrer gemaßregelt, der eine, weil er in einer Festrede auf Kais« Wilhelm II. einige Worte gegen den HyperbhzantiniSmus hatte einfließen lassen und den Krieg vom Standpunkt des 20. Jahrhunderts aus für eine Kultur- schände erklärt hatte.(Unruhe rechts.) Das wird jeder, der die Weltanschauung des 20. Jahrhunderts hat, zugeben müssen, daß der Krieg, mag man ihn nun für notwendig halten oder nicht, eine Knlturschande ist. Präsident v. Kröchrr: Herr Abgeordneter. Sie schweifen ein bißchen weit von der Sache ab.(Stürmischer Beifall rechts.) Ich kann Sie ja in der Polemik gegen die Rede des Finanzministers nicht beschränken, aber Sie schweifen doch auch etwas sehr weit von der Rede des Herrn Finanzministers ab. Abg. Ströbel(Soz.): Ich weise nur den Borwurf des Terrors zurück, den der Minister uns gemacht hat. Präsident v. Kroch«: Ich bitte jetzt fortzufahren. Abg. Ströbel(Soz.): Wegen dieser beiläufigen Benrerkungen wurde also der Lehrer gemaßrrgrlt.(Stürmische Rufe rechts: Zur Sache! Zur Sache!) Bei dem anderen Lehrer(Wüster Lärm rechts) lagen ganz ähnliche Gründe vor. Der Finanzminister hat weiter behauptet, es sei un« richtig, wenn ich gesagt hätte, daß die Löhne der preußischen Unter- beamten erbärmlich seien. Wenn wir feststellen können, daß die Löhne der Forstarbeiter 18—27 Pf. pro Stunde betragen, daß die Löhne der staatlichen Bergarbeiter viel niedrig« sind als die der Berg- arbeiter in der Privatindustrie, daß der Schichtlohn der staatlichen Bergarbeiter im Saarrevier seit 1891 um ganze 13 Pf. gestiegen ist(Andauernde große Unruhe rechts I) so haben wir wohl ein Recht, von erbärmlichen Löhnen zu sprechen. Der Finanz« minister hat sich daraus berufen, daß die Löhne im letzten Jahr- zehnt gestiegen seien. Es wäre ja auch unerhört, wenn die große Masse der Staatsarbeiter, die die 700 Millionen Betriebsüberschüsse schaffen, gar keinen Anteil an dem steigenden Reichtum hätten I Aber wie ungeheuer der Reichtum der Besitzenden gestiegen ist, dafür nur einige Zahlen.(Lärmende Unterbrechungen rechts.) Nach der amtlichen Einkommenstatistik be- saßen in Preußen..... Präsident v. Kröcher: Herr Abgeordneter, ich rufe Sie zur Sache! (Bravo! Sehr gut! rechts.) Abg. Ströbel(Soz.): Ich bin danach leider nicht in der Lage. Ihnen zahlenmäßig nachweisen zu können, daß das Einkommen der StaatZarbeiter be» weitem nicht gestiegen ist im Verhältnis zum berauschenden Reichtumswachstum der besitzenden Klassen. Wir werden Ihnen den Beweis ein andermal zahlenmäßig erbringen. Einstweilen halten wir uns durchaus für berechtigt, von den Jammerlöhue« der preußische» StaatSarbeit« zu sprechen und werden Sie auch künftig recht häufig auf das Elend dieser Staatsproletari« hinweisen, damit eS auch hier durch unsere Kritik allmählich besser wird. Nun noch einige Worte zu dem Gesetz selbst.(Lachen rechts.) Man hat behauptet, ich hätte den Sin» des Gesetzes nicht verstanden. Wer sich die Mühe gegeben hat, zuzuhören, wird finden, daß ich ihn sehr genau verstanden habe. Man will mir entgegenhallen, die Erhöhung der Umlagen sei eine rein kirchliche Steuer, aber sie ist dem Gesetze nach im Wesen eine Staatssteuer, weil der Staat sie erst bewilligen mutz und weil sie dann in derselben Weise erhoben wird, wie die Staatssteuern. Es ist auch gar nicht richtig, wenn geltend gemacht wird, daß die anderen Beamten Notznlagen bekämen— Notzulagen, die übrigens zum Teil noch nicht ausgezahlt sind— und daß man desbalb auch die kirch- lichen Behörden in die Möglichkeit versetzen müsse, den Geistlichen Notzulagen zu geben. Darum handelt es sich hier gar nicht, das ist nicht der Kern der Sache. Gerade der konservative Abg. Winckler hat gesagt, daß die Notzulagen für die bedürftige:: Geistlichen nur ein Nebenzweck der Vorlage seien, in der Hauptsache Bahn des Kometen sind äußerst wertvoll; zeigen sie doch als sicher an, daß der Halleysche Komet höchstens ganz geringe durch die Schwerkraft nicht zu erklärende Störungen in seiner Bewegung erfahren haben könnte. Diese wären vielleicht aus Einwirkungen der Ausströmungen deS Kerns oder der Schweifbildung zurückzu- führen.— Beim Encke scheu Kometen, der am 27. Mai auf der Sternwarte Kapstadt wiedergefunden wurde, ist die Ab- weichung des wirklichen Ortes von dem berechneten in der jetzigen Erscheinung weit größer als seitens der Berechner vorgesehen wurde. Damit ist auch noch nicht entschieden, ob die Heidelberger Beobachtungen vom Januar d. I., von denen wir damals berich- teten, dem Enckeschen Kometen angehören oder nicht.— Merkwürdige Beobachtungen werden noch über den D a n!i e l scheu Kometen bekannt. Dr. Horn in Catania hat auf 50 photo- graphischen Ausnahmen die Schweifrichtung des Kometen ausge- messen und tan: zu dem Ergebnis, daß die Schweisachse eine periodische Bewegung ausführte, die etwa 16 Stunden dauerte. Die Aufnahmen umfassen 73 periodische Rotationen. Außerdem werden auf den photographischen Platten eine Menge Schweife sichtbar, die in den Fernrohren mit dem bloßen Auge nicht zu sehen waren. Man kann sich das so erklären, daß diese Schiveif- strahlen offenbar aus violetten oder ultraviolettem Strahlungen bestanden, die photographisch außerordentlich wirksam sind, von denen aber das Auge selbst nichts wahrzunehmen vermag.—- Humor und Satire. Zirkusphilosophie. Wir leben in: Zeitalter allgemeiner Veredlung und Vertiefung. Die Tingel- Tangel sind Stätten nationaler Erziehung geworden. In den Kolportageromancn steckt, so man Julius Hart glauben darf, ein ungeahnter Schatz ästhetischer Bildungsmöglichkeit. Und nun erst der Zirkus! Ein ZirkuSdireltor, der Wetzlar entzückte, hat nach der„Franks. Ztg." ein philosophisches Programm erlassei:, das alle Scherl-Aesthete:: zu Stümpen: macht. Das Programn: dieses Zirkus lautet:„aufsteigend und verschwindend wie ein Meteor, glänzend, strahlend und schön wie dieses und trotz der Kürze des Verweilens so nachhaltigen Eindruck hinterlassend." Denn„der kluge Künstler wird vom Schauplatz seiner künstlerischen Tätigkeit zurücktreten, wenn er noch im Zemt seiner Größe steht. Nur der Unkluge oder der, bei dem die Kunst nach dem täglichen Brote geht, wird bleiben, bis die vielköpfige, oft gegen die einstigen Lieblinge grausame Hydra. Publikum benannt, den: einst gefeierten Künstler gegenüber lau wird". Der ZirkuS bietet neben den groß- artigen Leistungen aller Art auch etwas für den„Nervenreiz", da es heutzutage nun einmal nicht mehr geht, ohne daß es etwas gibt, woran man erproben kann, ob man ein„Nervensystem aus Schiffs- tauen oder aus Spinnweben" besitzt. Daneben wirkt der Witz im Zirkus wie eine köstliche Würze, wie der schäumende Sekt. Dann tanzt ei» Eorps äs L-älsi. ein Divertissement, wie— ein Gedicht. Kurzum, dieser Zirkus will daS Zirkuswesen wieder auf die Höhe erheben, auf der cS im klassischen Altertum stand.„Unter den Casare» erwuchs in Rom ein starles und schönes Menschengeschlecht. handele es sich um eine allgemeine Berbessenmg der wittschaftlichee. Lage der Geistlichen. Damit ist zugegeben, daß ich durchaus recht gehabt habe, wenn ich sagte, daß diese Vorlage eine allgemeine Verbesserung der Besoldung der Geistlichen bedeute, nnd daß sie deshalb auf den Herbst bis zur allgemeinen Beratung der Beamten- bcsoldungsrcform verschoben werden müsse. Wenn jetzt dieses Gesetz vorher durchgepeitscht wird, so wird eine Beamtenlategorie zun: Schaden der anderen herausgegriffen. Daß es sich nicht um eine Not zulage für die bedürftigen Geistlichen handelt, geht auch hervor aus dem Bericht des Oberkirchenrates Voigts auf der fünften Generalsynode. Er erklärte da, daß die Witwen- und Waisen- Versicherung keine neuen Umlagen erfordere, daß aber die allgemeinen Besoldungsverhältnisse der Geistlichen aufgebessert werden sollten. und dann fühtte er aus— das ist auch ein sehr interessantes Moment daß man dann auch neue Geistlichcnstellen gründe» könne! ES handelt sich also in Wirklichkeit um eine allgemeine Ans- bessernng der Gehälter der Geistlichen und um die Schaffung neuer Stellen für Geistliche! Ich meine aber, daß an Geistlichen wirklich kein Mangel in Preußen ist, während 3000 Lehrcrstcllcn unbesetzt sind i(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Da sollte man vor allen Dingen einmal dafür sorgen, daß durch eine Verbesserung der Lehrergehälter endlich die Lücke in der Besetzung der Lehrer- stellen ausgefüllt wird und nicht damit bis zum Herbst oder noch länger warten. Sie aber wollen hier nur die Gehälter der Geist- lichen aufbessern und die Möglichkeit schaffen, dir Zahl der Geist- lichen noch zu»«mehren. Das ist des Pudels Kern, wie ich Ihnen dokumentarisch nachgewiesen habe. Wir geben uns natürlich gleich- wohl nicht der Zuversicht hin, dgß Sie das Gesetz nicht bewilligen werden.(Lachen und Sehr wahr! rechts.) Bewilligen Sie es nur, sorgen Sie nur dafür, daß die Unzufriedenheit der Beamten, die jetzt schon sehr groß ist, bis zum Ueberlaufen wächst, sorgen Sie nur dafür, daß das erschütterte Vertrauen der Beamten zu Ihnen voll- ständig über den Haufen geworfen wird.(Lebhafter Beifall be den Sozialdemokraten.) Kultusminister Dr. Holle: Auf die Angriffe des Vorredners auf den abwesenden Herrn Finanzminister will ich nicht eingehen. sondern mich lediglich darauf beschränken, festzustellen, daß ich aus den heutigen Ausführungen die Ueberzeugung entnommen habe, daß die Erklärung des Finanzministers vom 27. Juni schlagend gewesen ist und in jeder Beziehung das Richtige getroffen hat.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Dr. Wiemcr(fts. Vp.): Diese Vorlage scheint mir kein geeigneter Tummelplatz für Auseinandersetzungen über Arbeits- Verhältnisse und Lohnbedingungen.(Lebhaftes Bravo! rechts.) Darauf können wir ja später beim Etat noch aus- führlich genug eingehen. Terrorismus hat die Sozialdemokratie im letzten Wahlkamps in Sonderheit uns gegenüber in der schärfsten Weise geübt. Dieser Terrorismus und Boykott von sozial- demokratischer Seite ist ebenso scharf und entschieden zu verurteilen, wie Wahlbeeinflussungen von anderer Seite. Das Wort von der Notwehr ist lediglich ein beweisloses Schlagwort. Wahlbeeinflussuug von der anderen Seite rechtferttgt noch nicht den Terrorismus und Boykott der Sozialdemokratte gegen harmlose, von ihr abhängige Gewerbetreibende. Es gereicht der Sozialdemokratie wahrlich nicht zun: Ruhme, daß diese Art von Wahlbeeinflussungen vorgekommen ist und hier im Hause noch beschönigt und verteidigt wird.(Sehr wahr! rechts.) Die Borlage selbst ist juristisch und inhaltlich ganz unhaltbar. Sie wird die anderen Beamten verstimmen, und wäre deshalb besier erst im Herbst in einwandfreier Form verabschiedet worden, dann hätte» wir ihr einmüttg zugestimmt. Kultusminister Dr. Holle wiederholt die Behauptung, daß ez sich um rein kirchliche Mittel handele und daß die Vorlage allen ge- setzlicken Anforderungen entspreche. Abg. Jderhoff(sk.) verzichtet aufs Wort. Ein Schußantrag, der dem Abg. Hoffmann(Soz.) das Wort ab« schneidet, wird angenommen, der Gesetzentwurf gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten angenommen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Präsident v. firöch« teilt das Einladungsschreiben zur gemein« samcn Schlußsitzung des Landtages mit, die mittags 12 Uhr im Sitzungssaale des Abgeordnetenhauses stattfindet, und schließt, nach- dem die Sozialdemokraten den Saal verlassen haben, die erste Session des neuen Landtages mit dem üblichen Kaiserhoch. Schluß vor 11 Uhr. ".» Schlußsitzung. Am Mnistertische Ministerpräsident Fürst Blllow, V. Bethmany« Hollweg, Beseler, Breitenbach. Was waren die Gladiatoren anders als die Vollendung einer echten. natürlichen Schönheit und Gesundheit. Die Statuen des klassischen Altertums von Latium und Griechenland reden überzeugend davon. Kulturelle Zwecke zu fördern, auf dem dem Volle leicht eingehenden Wege„aä ooulos äsmcmktrciucluii» est", heute würde man sagen „behördlich", das war der Grund, das Bestreben, das einige Früchte der Schönheit, edler Menschenschönheit, getragen hat!" Notizen. — Die Oeffentliche Lesehalle der Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur, die während des Umzuges von der Münz- straße 11 nach Rungestr. 2S/27 einige Tage geschlossen war. wird am Mittwoch, den 1. Juli, wieder eröffnet. Lesezeit wie bisher. Wochentags von 12—3 und 8—10 Uhr, Sonntags V-llZ— 1 und 5-10 Uhr. K!— DeS Pudels Kern. Der alte Taler wurde abgeschafft — das neue Dreimarkstück soll nun dafür eingeführt werden. Man fragt, wozu die Umstände? Und erfährt aus dem„Lolal-Anzeiger" (ist er wieder hoffähig?): Die neuen Dreimarkstücke, deren Ein- führung in der Bgndesratssitzung am letzten Freitag beschlossen wurde, werden völlig in den Maßen des alten Talers gehalten sein. Sie werden aber das Bild Kaiser Wilhelms II. tragen.— So, so. — Eine neue AuStaus chgelegenheit. In der italienischen Kammer, die wegen der großen Hitze mit Ungeduld der letzten Sitzung am Dienstag entgegensah, gab es große Slandal- szenen, die in ein Jnvektivenduell zwischen den: Präsidenten und dem joziattsttschen Advokaten Giacomo Ferri ausarteten, als letzterer er- klärte, er. werde gegen die Gehaltsaufbesserung der Universitäts- Professoren stimnien, da diese doch nur zu schwänzen pflegten. Auf diese Bemerkung hin entstand natürlich ein heidenmäßiger Spcltakel, die Sitzung mußte aufgehoben werden. Welch' prächtige Gelegen- heit bietet sich da für Deutschland, solche schwänzenden Professoren einzutauschen. Die von besseren Verbindungen lieüntwichc« Universitäten haben Ueberschuß an schwänzenden Studenten." Man gebe ihnen endlich die dazu passenden schwänzenden Professoren! — Die Darwin-Wallace- Medaille. Bei der Ge« dächtnisfeicr, die zu Ehren von Darwin und Wallace in Erinnerung an die fünfzigjährige Wiederkehr der yon diesen beiden Forschern abgehaltenen ersten Vorträge über die Emwickelung der Arten in der Linnaeischen Gesellschaft zu London begangen werden soll, wird auch eine Verteilung von besonders für diefen Zweck geprägten goldenen Medaillen stattfinden. Als erster erhält selbstverständlich der greise Alfred Russell Wallace, der im Gegensatz zu Darwin diese Feier noch selbst wird erleben dürfen, die Medaille, ferner der gleichfalls bereits im Alter von 91 Jahren stehende Botaniker Joseph Hootcr, dann der zurzeit bedeutendste englische Anthropolog Francis Galton und der Zoolog Ray Laukasler. Außerdem erhalte:: die gleiche Aus- zeichnung Ernst Haeckcl, E. StraZburger:md der Freiburger Zoolog August Weismanu. SMS Präsidium fährt Freiherr V. Mantcuffel. Fr eröffnet die tzung kurz nach 12 Uhr und gibt das Wort dem Fürsten Bülow � Verlesung der kaiserlichen Botschaft, durch die die Landtags- lion am 30. Juni geschlossen wird. Darauf bringt er wiederum .S übliche Kaiserhoch aus. Die Sozialdemokraten wohnen der Schlußsitzung nicht bei. pstteitsg der bayerischen SozialdemoRratle. Der neunte Parteitag der bayerischen Sozialdemokratie wurde Sonntag, den 23. Juni, in München von Genosien S e g i tz im Namen des Landesvorstandes eröffnet. Er begrüßte die Delegierten und bedauerte, daß zwei der bewährtesten Kämpen, die Genossen B o l l m a r und E h r h a r t durch Krankheit am Erscheine» ver- hindert find. Doch konnte Segitz unter dem lebhaften Beifall des Parteitages hinzusetzen, daß in beider Befinden eine entschiedene Besserung eingetreten ist. Zu Borsitzenden wurden Segitz und Knierim- München gewählt. Als Gäste sind anwesend Genosse Eb ert-Berlin als Vertreter des Parteivorstandes, Genosse W a s n e r als Vertreter der württembergischen Partei und Genosse Rudolph- Frankfurt als Vertreter des h e s s i s ch- b a y e r i s ch e n Gaues. Genosse Ebert drückte dem Parteitag die Grüße des Partei- Vorstandes aus. Die Tagesordnung enthält wichtige Punkte, die auch für die Gesamtpartei von Bedeutung seien, weshalb der Partei- Vorstand eine Delegation für notwendig erachtet habe. Ebert wies dann auf den Erfolg bei den preußischen Landtagswahlen hin, der das Marschieren der Sozialdemokratie beweise. Die süddeutschen Parteigenossen, besonders die bayerischen, sind im Wahlrechtskampf den norddeutschen vorausgegangen und haben auch die preußischen Genossen in ihrem schweren Kampf unterstützt und sie dadurch ge- stärkt, weiter zu kämpfen, bis auch für Preußen ein gerechteres Wahlrecht erreicht wird. Mit dem Wunsche, daß die Beratungen des bayerischen Landesparteitages auch für die gesamte Partei Früchte tragen mögen, schloß der Redner unter lebhaftem Beifall. Auch die Genossen W a s n e r- Württemberg und Rudolph- Frankfurt begrüßten den Parteitag. Sodann erstattete Gen. Auer den Bericht deS Landes- Vorstandes. Er ergibt, daß die Zahl der organisierten Genoffen in 23 Monaten von 3t 313 auf 17 710 gestiegen ist. DaS gleiche ist in der Entwickelung der Presse zu konstatieren. Die Abonnentenzahl ist erfreulich in die Höhe ge- schnellt. Die.Münch. Post" beziehe eben ihr neues, eigene? Heim und im Herbst wird die„Fränkische Tagespost" das gleiche tun. Der Kassenbericht ergibt 19 251,32 M. Einnahme, 17882,73 M. Ausgabe, somit einen Kassenbestand von 1371,59 M. Für die kommenden Gemeindewahlen beabsichtigt der Landesvorstand eine Broschüre herauszugeben, ein weiteres für die Provinz bestimmtes Flugblatt wird in populärer Darstellung daS Wesen der Sozialdemokratie schildern, eine Reihe anderer Flug- blätter ist für bestimmte Arbeiterkategorie» lWaldarbeiter) bestimmt. In der letzten Zeit hat der Landesvorstand im Berein mir der Fraktion und der„Mllnchener Post" eine Stelle geschaffen, die daS politische Tagesmaterial zu sainmeln und zu sichten hat. Im Gau Nordbayern wurde ein zweiter Sekretär, im Gau Südbayern ein Sekretär angestellt. Bon einer Neueinteilung der Gaue soll voi erst abgesehen werben. Die drei Gaue Nordbayern, Südbayern, Pfalz sollen vorläufig weiter bestehen bleiben. Die Wahlkreise Aschaffenburg und Lohr. die bisher zu Frankfurt gehörten, sollen dem Gau Nordbayern zw geteilt werden. Der Landesvorstand schlägt dem Parteitag vor, den Landes Vorstand zu beauftragen, zu gegebener Zeit einen Programm- entwurf für die Landtagswahlen und zwar so zeitig zu veröffentlichen, daß die Genossen vor dem Parteitag die Möglichkeit haben, dazu Stellung zu nehmen. In der Debatte wurden verschiedene Wünsche und Beschwerden Vorgebracht. Genosse P r o f i t- Ludwigshafen forderte, der Partei- tag solle die Parteileitung beauftragen, eine allgemeine Lgi- tation gegen die Reichsratskammer einzuleiten. Genoffe E i s n e r- Nürnberg wies den Landesvorständen die Auf- gäbe zu,„auswärtige Politik", d. h. Politik gegen Preußen zu machen. Der freiheitlicher entwickelte Süden stehe scharf gegen Preußen mit seinem Dreiklassenwahlrccht. Dieser Zustand werde sich noch verschärfen, wenn das neue bayerische Gemeinbewahlrecht eingeführt sei. Wie die Regierungen der süddeutschen Staaten untereinander Fühlung nehmen zu gemeinsamen politischen Aktionen sVollzugsbestimmungen zum Vereinsrecht), so sollen sich auch die sozialdemokratischen Landesparteien zusammen- schließen, ein Bedürfnis, das bereits die Würzburger Konferenz anerkannt habe. Eine enge Verbindung der süddeutschen Partei- genossenschaften sei dringend notwendig! es sei dafür ein stän- diges Organ zu schaffen und notivendig, eine Kraft zu ge- Winne», die von Berufs wegen die gemeinsamen süddeutschen Ber- Hältnisse übersieht und zu bearbeiten imstande ist. Den Bericht der Landtagsfraktion erstatteten die Genossen Adolf Müller- München und Segitz- Fürth. Müller berichtete über die allgemeine politische Tätigkeit der Fraktion. Die ihr gebührende Vertretung im Landtagspräsidium wurde der Fraktion oerweigert, weil sie sich weigerte, ihre Vertreter zur„Brettl hupferei", d. h. zu ülundtouren bei sämtlichen Prinzen des Hauses Wittelsbach, zu verpflichten. Die Fraktion hat auf allen Gebieten der Landespolitik eifrig gearbeitet; mit Ausnahme der rein kirch liehen Dinge im Knlruselat trägt jeder Etat, jeder Gesetzentwurf, jede Vorlage die Spuren der ernsten sozialdemokratischen Mitarbeit. S e g r tz, der speziell über die Tätigkeit auf sozial- politischem Gebiete sprach, zeigte, was die Fraktion für die Verbesserung der Lage der Staatsarbeiter und der Arbeiter über- Haupt getan hat. In beiden Reden. wurde auf die Noiwendigkeir hingewtcsen. den Kampf gegen die Reichsratskammer aufzunehmen, die in rücksichtsloser Weise die Beschlüsse der Zweiten Kammer des Landtags mißachtet und alle ihre sozial- politischen Anträge unter denTisch geworfen hat. DieDiskussion ergab im allgemeinen völlige Zufriedenheit mit der Tätigkeit der Fraktion. Genosse E i s n e r- Nürnberg bemängelte, daß die Fraktion nicht aus Anlaß der Döberitzer Kaiserrede eine Interpellation eingebracht habe. Der Alarm diene nur dazu, der Reichsfinanzreform die Wege zu bereiten und dem müsie entgegen- gearbeitet werden. Genosse Müller erwiderte, daß die Fraktion nach reislicher Erwägung von einer Interpellation Abstand genommen habe, sie werde aber die Sache gründlich behandeln gelegentlich der Besprechung der R e i ch» f i n a n z r e f o r m, zu der sie ja einen Antrag gegen die drohende ElektrizitätSabgabe ein- gebracht habe. Nach Beendigung der Diskussion und Erkedigung der Anträge und Resolutionen wurde die Verhandlung vertagt. Am Montag referierte Genosse Tinrm-München über daS neue Vereinsgesetz. Dem Referat schloß sich die Beratung der Anträge auf Aenderung des Organisationsstatuts an. Genosse Timm brachte dazu eine Resolution ein, in der er für die weiblichen Mitglieder niedrigere Ortszuschläge als kür die männlichen Mitglieder empfiehlt. Die Diskussion war reckt lebhaft. Me Anträge wurden sämtlich der SatzungStommission überwiesen. enlendnrg vor den Geschworenen. Schon lange vor Beginn der DienStag-Berhandlung hatten sich vor dem Hauptportal deS Moabiter Kriminalgerichts Neu- gierige eingefunden, die sich auf dem gegenüberliegenden Trottoir aufstellten und mit einer bewundernswürdigen Geduld der Dinge harrten, die da kommen sollten. Die Absperrungsmahregeln werden Bon Seit zahlreichen Schutzleuten streng durchgeführt. Gegen 9411 Uhr wird der Angeklagte in einer Tragbahre in den Saal getragen. Von den Zeugen sind heute auch der Oberlandesgerichts- rat Meyer aus München und der Baron v. Rothschild aus Wien erschienen. Der Zeuge Riedel erscheint schon in etwas aufgeregtem Zustande vor Beginn der Verhandlung und ersucht den Gerichtsdiener, einen Brief, den er in der Hand hält, dem Oberstaatsanwalt zu übergeben. Wie Herr Riedel in seinem schwer- verständlichen bayerischen Dialekt den Umstehenden erklärte, soll eS ein Drohbrief sein, den er erhalten hat.) Die heutige Bormittagssitzung wurde noch ausschließlich durch die Vernehmung des Angeklagten ausgefüllt. Ueber denJnhaltseinerBekundungenistbei dem hermetischen Ausschluß der Oeffentlichkeit Zuverlässiges natürlich nicht mitzuteilen, und was gelegentlich durchsickert, ist völlig u n- kontrollierbar. Dem Vernehmen nach bestreitet der An- geklagte nach wie vor mit aller Entschiedenheit, sich im Sinne der Anklage schuldig gemacht zu haben. Er habe durch seinen Eid in Abrede gestellt, strafbare Handlungen im Sinne des s 175 begangen zu haben? mit„Schmutzereien" habe er nur alles das gemeint, waS strafbar sei, er bestreite aber heute noch, sich strafbar gemacht zu haben. Aus die Frage, wie denn aber beispielsweise der Zeuge Ernst zu seiner belastenden Aussage komme, soll der Angeklagte geantwortet haben, daß ihm das ein Rätsel sei. Auf die weitere Frage des Vorsitzenden, wie denn die intimen ver- traulichen Briefe zu erklären seien, die er an Ernst ge- schrieben, soll der Fürst geantwortet haben: er habe mit ihm viel gesegelt, gerudert, gefischt, sei fast täglich mit ihm zusammen gewesen und habe ihn eben liebgewonnen. Standes- unterschiede zu machen, sei überhaupt niemals seine Gewohnheit gewesen. Als dem Angeklagten die Frage vorgelegt wurde, ob er pervers empfunden habe oder noch pervers empfinde, soll er mit einem entschiedenen „N i e m a l s" geantwortet haben. Wir wiederholen aber hierbei nochmals, daß irgendeine Gewähr für derartige Mitteilungen nicht zu übernehmen ist, da die Presse ja auf den nicht ganz würdigen Standpunkt gedrängt worden ist, einzelne Daten aus diesem, die ganze Welt in Spannung haltenden hochwichtigen Prozesse nur vom Hörensagen mitzuteilen. Dem Vernehmen nach soll der Vorsitzende den Zeugen haben mitteilen lassen, daß ihre Wünsch« nicht berück- sichtigt werden können, um nicht die Einheit und den gleichmäßigen Verlauf deS ProzeffeS zu stören. DaS Gericht be- schloß ferner, sämtliche Zeugen bis 9H2 Uhr zu entlassen, da bis l Uhr noch die Vernehmung deS Angeklagten währt und dann eine halbstündig« Pause gemacht werden soll. Nach dieser sollte dann erst die objektive Feststellung deS Eides stattfinden. Hierbei wird Justizrat Bernstein vernommen werden, der, wie der Oberstaatsanwalt ausgeführt haben soll, das größte Interesse daran hat, möglichst der ganzen Verhandlung beizuwohnen. Es sollen ferner die Zeugen E r n st und Riedel sowie der Professor S e i tz von der Münchener Akademie vernommen werden. Letzterer ist von der Verteidigung geladen. Er stand mit dem Fürsten in sehr lebhaftem Verkehr und soll bekunden, daß er nie— auch nicht gerüchtweise— in München oder Starnberg etwas über eine angebliche Betätigung anormaler Triebe bei dem Fürsten vernommen hat. Um IVi Uhr wurde eine halbstündig« Pause gemacht. Die persönliche Vernehmung des Angeklagten war bis dahin noch nicht beendet. Der Vorsitzende gibt dem Angeklagten Gelegenheit, sich in umfangreichstem Maße über seine Lebens- gewohnheiten, seine Charaktereigenschaften, seine künstlerischen Neigungen, seine poetischen Schöpfungen und noch vieles andere zu äußern, was mit dem von ihm geleisteten Eide in nur sehr losem Zusammenhange steht, und der Angeklagte soll von dieser Befugnis reichlichen Gebrauch machen. Was das punctum esliens betrifft, so bleibt er auf wiederholten Borhalt immer wieder dabei, daß er nichts Falsches beschworen habe. Auch die Tatsache, daß er den Zeugen Ernst plötzlich als Diener mit auf Reisen genommen, suchte er ganz harmlos zu erklären. Er soll in dieser Beziehung gesagt haben, daß er in einer augenblicklichen Verlegenheit wegen eines Dieners gewesen sei und deshalb auf Anraten seiner Gattin den Ernst engagiert habe. Nach Beendigung der Pause wurde die Ver- nehmung lies Angeklagten fortgesetzt. Sie dürft« noch länger« Zeit dauern, denn als Medizinalrat Dr. Hoffmann anregte, möglichst schnell den Sanitätsrat Gennrich, den Hausarzt des Angeklagten, als Zeugen zu vernehmen, damit er, der Medizinalrat Hoffmann. stellenweise seinen anderen Berufspflichten nachgehen könne und doch ein Arzt in der Nähe des Angeklagten bleibe, wurde dies als unmöglich erklärt, da die Vernehmung des Angeklagten noch längere Zeit in Anspruch nehmen»verde. Die Vernehmung des Angeklagten mutzte infolge der körperlichen Erschöpfung desselben abgebrochen werden und soll, dem Vernehmen nach, Mittwoch fortgesetzt werden. Nach der Pause wurden der Baron Albert v. Rothschild, Professor S'e i tz- München und ein Zeuge T a n d l vernommen. Letzterer war einige Zeit bei dem Hofrat Ziegler als Diener angestellt ge- Wesen und sollte einen Vorfall bekunden, aus welchem eine angebliche Perversität deS Fürsten hervorgehen sollte. Welcher Art die Aus- sage deS Zeugen war. ließ sich auch nicht annähernd feststellen. Die Vernehmung dieser Zeugen zog sich bis gegen 8 Uhr hin, dann öff- neten sich plötzlich und ganz unerwartet die Saaltüren, die Ber- Handlung war wegen des Gesundheitszustandes des Fürsten abge- brechen worden._________ Hud Inclultrie und ftandel* Juternatlsnal. Wenn Arbeiter sich international verbrüdern, und zwar zum Schutze von Gesundheit und Leben der Lohnsklaven, dann zetert das Unternehmertum und fein Anhang über Vaterlandslosigkeit usw. Darin liegt eine gewisse Logik; die„Nationalirät" der kapitalistischen Kreise entspricht der Dialektik deS Kapitalismus. Diesem ist alle«, waS gemeinhin unter dem Begriff„National" verstanden wird, eine Sache der Geschäftspraxis. Er gebärdet sich„national" und betätigt sich international. Weil er sich hierin, daS heißt in der inter- nationalen Ausbeutung der Arbeitskraft, nicht stören lassen will, darum verdammt er den Internationalismus der— Arbeiter. Einen Beitrag zu diesem Kapitel bot die letzt« Generalversammlung von Siemens u. Halske A.-G. Auf der Tagesordnung stand der Punkt: Erhöhung des Akiienkapital« um nominell 8 500 000 M. Zur Begründung des Antrages wurde vom Vorsitzenden folgendes ausgeführt:' Wir haben den Antrag gestellt, unser Aktienkapital um nominell 8 500 000 M. zu erhöhen, in derAbsicht, diese Kapitalserhöhung ausschließlich dazu zu verwenden, unseren Besitz an Aktien unserer ans- läudischen Häuser zu verstärken. Die ausländischen Gesellschaften bilden einen wesentlichen Teil unseres GefamthaufeS, dessen Bedeutung darauf beruht, daß eS auf dem Gefamtweltmartt eine ausschlug. gebende Stellung einnimmt. ES ist daher nötig, daß die Eni- Wickelung der einzelnen Teile in gleichmäßig erfolgreicher Weise vor sich geht. AuS diesem Grunde empfiehlt eS sich, unserem Gesamt- Hause eine einheitlichere und wirksamere Organisation als bisher zu geben, unbeschadet der nationalen Selbständigkeit in den einzelnen Ländern. Die fortschreitende Entwickelung der Industrie be- kündet sich fast überall in der Bildung größerer Verbände und Zusammenfassungen. In gleicher Weise läßt die fort- schreitende Entwickelung unseres Unternehmens e« angezeigt er- scheinen, auch in unserem eigenen Kreise die vorhandenen Kräfte und Hilfsmittel möglichst wirksam zu organisieren. Nachdem wir vor einigen Jahren dahin geführt worden sind, in Deutschland für unser SlarkstromgeschSft eine besondere Organisation in den Siemens- Schuckertwerken zu begründen, ist es nun geboten, unsere Gesamt- organisation hiermit in größeren Einklang zu bringen. Aus diesen Gründen empfiehlt sich die Vereinigung eines größeren Aktienbesitzes in unseren Händen und wir glauben, daß der richtige Zeitpunkt für die Transaktion jetzt eingetreten ist. Bon unserer Einladung zum Umtausch ihr« Aktien ist seitens der Aktionäre der ausländischen Gesellschafte» in genügender Weise Gebrauch! gemacht worden. Die FamMe von Siemens hat sich Bereft erkvirt, an« ihrem Besitz Aktien der ausländischen Häuser bis zu dem Umfange abzutreten. daß die in Umtausch von uns auszugebenden neuen Aktien 8500000 Marl betragen. Wenn unsere Erwartungen zutreffen, so bedeutet der vereinbarte Umtauschwert von annähernd 1:2 für uns gleichzeitig eine Verstärkung unserer inneren Reserven, welche einer späteren Zeit zugute kommen werden. Von einer Bekanntgabe weiterer Details der einzelnen Transaktionen bitten wir die Herren Aktionäre im Interesse der GefchäftSpolttik Abstand nehmen zu wollen._ Eine Katastrophe. Die Fälle, daß erfolgreiche Industrielle, die älS Ingenieure und Organisatoren nicht unbedeutendes leisteten, schließlich finanziell zusammenbrschen, sind nicht selten in der Geschichte eines jeden Industrielandes. Der Betätigungsdrang, daS Streben nach weiteren Erfolgen, oft auch die reine Jagd nach Mammon, ver- leiten nach umfassenden Unternehmungen und damit zu fincmziellen Engagements, deren Lösung in der Regel mit einer Krise zu- sammensällt, und zwar uirfreiwillig, katastrophenartig erfolgt. Des« Fälle werden jetzt anscheinend um einen neuen vermehrt. Es handelt sich um den Schöpfer der bekannten Internationalen Bohr- gesellschaft, Raky. der dem Unternehmen durch seine Erfindung des Diamantbohrers eine breite Operationsbasis schaffte und zu glänzenden finanziellen Erfolgen verhalf. Das Hauptgeschäft, welches die letztjährige Dividendenzahlung von 500 Proz. ermög- lichte, machte die Gesellschaft mit dem Verkauf umfassender Bohr- gerechtsame an die Rheinisch-w-stsälffche Bergwerksgesellschaft G. m. b. H. Wie verlautet, soll die Internationale Bohrgesellschaft durch spekulative Unternehmen(vorwiegend im Auslande). in die sie Raky verwickelt hat, trotz ihrer Millionenreserven, in böse Verlegenheiten gebracht worden jein. Auch der Schaaff- hausener Bankverein soll schwer bluten müssen. Nach Mitteilungen der„Rh-Westf. Ztg." hat sich Raky auch persönlich in allerhand Unternehmungen in Rumänien, Rußland usw. gestürzt. Am ersten Juli vergangenen JahreS legte Raky sein Amt als Vorstand der Internationalen Bohrgesellschaft nieder, um sich, wie damals die Gesellschaft mitteilte,„in erster Linie den mit der Gesellschaft zusammenhängenden ausländischen Unternehmungen, insbesondere auf dem Gebiete der Petroleumindustrie, welche eine große Be- deutnng gewonnen hätte, und seine vielfache Abwesenheit von Deutschland bedingten, zu widmen". Allmählich muß aber die Ge- sellschaft ein Haar in der Betätigung deS Herrn Raky gefunden haben; denn derselbe Aufsichtsrat. der noch im September 1907 Herrn Rakv den Dank der Gesellschaft für seine aufopfernde und so erfolgreiche Tätigkeit ausgesprochen hatte, sorgte bald dafür, daß Herr Raky auch fein Aufsichtsratmandat, das ihm im Juli über- tragen worden war. niederlegte. Seitdem hat man von Herrn Raky nur noch wenig gehört. Das„Berliner Tageblatt teilt mit, daß Herr Raky dem A. Schaaffhausenschen Bankverein sehr hohe Summen schulde. Auf eine vor einiger Zeit an die Bank ge- richtete Anfrage erklärte diese, daß sie gedeckt sei. Wie das Blatt weiter mitteilt, harrt in Wegberg(bei Erkelenz) eine schlotzartige Besitzung des Einzuges ihres Erbauers Raky; sie wird vergeblich harren! Der einstige Millionär ist durch seine Extravaganzen dazu ver» urteilt, in Off egg in Böhmen ein bescheidenes Dasein zu führen. Kapitalistische Sumpfpflanze. Wir werden darauf aufmerk- sinn gemacht, daß die„Viktoria", die End« 1907 rund 3(4 Millionen ValkLversicherungen abgeschlossen hatte, vor einigen Jahren auch die OuittungSgebühr von 10 Pf. pro Jahr eingeführt hat. Wenn die von der„Bittoria" Versicherten sich die Abgabe haben auf- zwingen lassen, dann liegt natürlich für die von der„Friedrich- Wilhelm" Bewohlfahrteten dazu kein Anlaß vor, der Gesellschaft das Ramschgeschäft ebenfalls machen zu lassen. Gerade die Volks- Versicherung sollte der Gesetzgebung Anlaß geben, dem Privatkapital diese auf Kosten der Armen fließende Profitquelle zu verschließen. Die gesamte Versicherung sollt« eine nur gemeinnützige, von Er- werbszwecken losgelöste Funktion sein und das ausführende, letteude Organ der Staat obet die Kommune. Eine Handelskammer gegen die Regierungspolitik. Der Jahresbericht der Handelskammer für den RegierungS- bezirk Bromberg für 1907 enthält in seiner Einleitung unter anderem folgende, der Regierung und verschiedenen Protzen wohl nicht gerade angenehm berührende, die Lage und den Gang von Sandel und Gewerbe im Regierungsbezirk Bromberg charakteri- sierende Mitteilungen: .. Angesichts der ungünstigen Lage der Holzindustrie müssen wir auch an dieser Stelle unserem Bedauern darüber Ausdruck geben, daß die Staatsregierung ungeachtet unseres lebhaften, ein. gehend begründeten Einspruchs gerade diese Industrie, die sich auf gesunder Grundlage aus eigener Kraft und von kleinen Anfängen zu einer bedeutungsvollen Höhe entwickelt hat, neuerdings mit einer Abgabe belastet hat, die sie in ihrer Konkurrenzfähigkeit schwer beeinträchtigen muß. ES stehen der Holzindustrie Blombergs im Gegensah zu ihrer westlichen Kon- kurrenz keine ausgedehnten Wasserläger zur Verfügung. Sie ist daher auf den allgemeinen Schutzhafen bei Brahemünde angewiesen. Die Hafenliegegelder sind am 1. Oktober 1907 für längeres Lagern in einer die Interessen der Holzindustrie schwer schädigend den Weise erhöht worden. Gegenüber den Bestrebungen, die In- dustrie im Osten zu fördern, bedeutet diese Maßnahme gerade das Gegenteil.... An dem Ausbau deS Eisenbahnnetzes und der Wasserstraßen wird viel zu langsam gearbeitet. Obwohl die so- genannte Kanalvorlage, die eine Verbesserung der Wasserstraßen zwischen Weichsel und Oder vorsieht, vom 1. April 1905 datiert, ist bis heute noch kein Spatenstich geschehen. Wenn dies auch zum Teil darauf zurückzuführen ist, daß seitens der Regierung in- zwischen daS Projekt deS sogenannten„UmgehungSkanalS" aus- gearbeitet worden ist, so kann dieser Umstand doch nicht hinreichend die lange Verzögerung der Entscheidung über den Kanolbau be. gründen. Brombergs Handel und Industrie können sich aber nicht gedeihlich weiterentwickeln, ehe diese Verhältnisse geklärt sind. Namentlich kann die für die Förderung deS Geschäftsverkehrs Brom- bergS so wichtige UmschlagSstekle(Uferbahn) nicht eher gebaut werden, ehe daS Kcmalprojekt erledigt ist.... So werden Be» strebungen auf tarifarische Gleichstellung östlicher Industriezweige mit der konkurrierenden Industrie deS Westen? hinsichtlich deS Be- zugeS ihrer Rohstoffe und dergleichen nicht gefördert, da ein allge- meines Verkehrsbedürfnis nicht vorliege. ... Sehr wenig entgegenkommend zeigte sich auch die Re- gierung gegenüber den Bestrebungen, für die Zukunft von Handel und Gewerbe durch eine bessere Ausbildung der heranwachsenden Jugend Sorge zu tragen. Schon seit Jahren haben wir immer wieder die Notwendigkeit einer Handelsschule in Bromberg her- yorgehoben. Die der Förderung des Gewerbes dienende Kunst- und Gewerbeschule, für welch« die Stadt Bromberg erhebliche Opfer dringen wollte, konnte bisher nicht zustande kommen, weil der Staat es bisher abgelehnt hat, die hierfür erforderlichen Opfer zu bringen...." Klagen darüber, daß die Behörden, die immer viel Aufhebens von der„Ostmark" machen, diese in verschiedenen Beziehungen vernachlässigt, führen auch die ostdeutschen Industriellen in ihrem letzten Jahresbericht. Daß die jüngst geschaffenen Gesetze gegen die Polen noch weiteres Unheil anrichten werden, befürchten auch. wie aus de« Einzelbericht«« hervorgeht, verschiedene Unternehmer, die der Handelskammer angeschlossen find. Versammlungen. Eine Bersammlung der Arbeiter der Stadt Berlin. Im großen Saale deS GewerkfchaftShauscZ fand am Montag- abend eine außerordentlich stark besuchte Versammlung der städh- schen Arbeiter statt. Ein Bete ran der internationalen Arbeiter- bewegung. Genosse Greulich aus Zürich, war von dem Verband der Gemeinde, und StaatSarbeiter(OrtSverWaltung Berlin) ein. geladen worden, einen Vortrag zu galten. DaS Thema lautete: „Die EntWickelung der städtischen Arbeitsverhältnisse in Zürich". Redner überbrachte zuerst die Grüße von Schweizer Genossen, und besprach dann unter großer Aufmerksamkeit der Versammlung die Lage der städtischen Arbeiter in Zürich in den letzten 16 Iahren. Früher hatten die Arbeiter dort keine Organisation. AlS 18S2 eine neue Gemeindeordnung für die Stadt beraten wurde, da sahen auch die Arbeiter die Notwendigkeit ein, ihre Interessen bei der neuen Ordnung der Ding« zu wahren. Die Vertreter der Arbeiter verstanden, eine Reihe günstiger Bestimmungen durchzusetzen. So wurde ein Mindestwhn von 4 Frank bei lOstündiger Arbeitszeit für ungelernte und ein Mindestlohn von 4)4 Frank für gelernte Ar- beirer festgesetzt. Am 1. Januar 1893 wurde die Gemeindeordnung eingeführt, und ein Vierteljahr später kam es zu einer festen Or- ganisation, der städtischen Arbeiter, welche energisch für eine stete Verbesserung der Verhältnisse sorgte. Damals verlangte man noch „Arbeitcrausschüsse", heute verlangt man, daß die Stadt mit der Organisation der Arbeiter direkt verhandelt. Das Be. streben ist darauf gerichtet, die städtischen Arbeiter mit den Be> amten der Stadt gleichzustellen. Unsere Genossen haben mit Erfolg, wenn auch unter heftigem Widerstande der Behörden, dahin gewirkt, daß den Arbeitern viele Zugeständnisse gemacht wurden. Das ist freilich in Zürich, wo demokratisch regiert wird, wo das Volk«ine Summe hat, di- gehört werden muß, leichter als in deutschen Städten. Sozialdemokraten sind in der Verwaltung und auch an den Gerichten tätig. Es besteht keine offizielle politische Meinung, die von den Angestellten in Staat und Gemeinde verlangt wird. Vor 1% Jahren wurde die Gemeindeordnung revidiert, die Arbeiter waren stärker vertreten, ihre Organisation machte sich geltend und die Folge war, daß neue Fortschritte erzielt wurden. Der Neun- stundentag wurde«ingeführt, der Mindestlohn für ungelernte Arbeiter auf S Frank festgesetzt. Ein Hauptbestreben ging dahin. für die unterste, für' die am s ch l e ch t e st e n g e st e l l t e K l a s s e am ersten zu sorgen. Genosse Gr: u l i ch erwähnte auch, daß der 1. Mai überall freigegeben wird, wo eS der Dienst erlaubt. Der 1. Mai ist als Feiertag anerkannt. Was aber bisher errungen ist. soll nur ein UebergangSstadium zu besseren Verhältnissen sein. Tie Gemeinde sollte, als Arbeitgeberin, als Vorbild und Muster gelten, und dazu müssen die Arbeiter daS ihrige tun, indem sie die Solidarität allgemein werden lassen und beharrlich ihre Rechte geltend machen.(S.urker Beifall.) Nach einer kurzen Diskussion und einem feurigen� Appell Greulichs an die Unorganisierten, sich dem Verbände anzuschließen, ging die Versammlung zum zweiten Punkt der Tagesordnung über, nämlich:»Die Antwort des Berliner Magistrats auf unsere diesjährigen Anträge zum Etat". B u j a ck e r verlas diese Antwort, die kurz und bündig lautete: „Auf das uns im Auftrage einer Versammlung städtischer Handioerker und Arbeiter überreichte Schreiben vom 11. April dieses Jahres teilen wir Ihnen mit, daß die uns im Vorjahr übersandten Anträge auf Erhöhung deS Arbeitslohnes usw. durch die Fcfistcllung des städtischen Etats pro 1998 ihre Erledigung gerund:» haben. Wir sind I.icht in der Lage, zurzeit in eine erneute Prüfung der Anträge einzutreten. Kirschner." Busacker kritisierte diese Antwort scharf und unterbreitete den Versammelten folgende Resolution, die einstimmig angenommen wurde: „Die im Gewerkschaftshause tagende, überaus zahlreich besuchte Versammlung der städtischen Arbeiter Berlins nimmt mit Eni- rüstung Kenntnis von der ablehnenden Antwort deS Magistrats auf die erneute Einreichung der Lohnforderungen im April d. I. Die versammelten sind über dies« Abweisung um so mehr empört, als die Gründe, welche für ihre sehr bescheidenen Forde- rungen maßgebend waren, von Magistrat und Stadtverordneten- Versammlung dadurch— mit Recht— anerkannt wurden, daß die städtisckien Beamten in Rücksicht auf die immer schwieriger werden- den Existenzbedingungen Gehaltsausbesserungen zugebilligt erhielten. Unter der gleichen wirtschaftlichen Notlage leiden in noch erheb- licherem Maße die schlecht entlohnten städtischen Arbeiter mit ihren Familien, und erhel>en die Versammelten daher energisch Protest gegen die durch nichts zu rechtfertigend« abweichende Behandlung dezw. Nichtbeachtung der Arbciterwünsche. Die Versammelten erheben ferner Einspruch gegen die Art, wie die Stadtverordnetenversammlung die oben erwähnte Eingabe der Arbeiter abgetan hat: denn weder eine Nachprüfung der An- träge noch eine Antwort ist erfolgt. Sie erblicken darin eine Nicht- achtung, gegen die sie sich entschieden wehren. In der Erwägung, daß die Lebenslage der städtischen Arbeiter durch die andauernde Teuerung der Existenzmittel eine unver- ändert unhaltbare ist und ein- Lohnaufbesserung unumgänglich nötig macht, halten die Versammelten an den aufgestellten Forde- rungen unbedingt fest und beauftragen die Ortsverwaltung des Verbandes der Gemeindearbeiter, unverzüglich mit den Arbeiter» Vertretern im Roten Hause— der sozialdemokratischen Fraktion— in Verbindung zu treten, um mit deren Unterstützung die bald- möglichste Durchführung der beantragten Verbesserungen in den Arbeitsverhältnissen zu erreichen. Aus der eingangs gekennzeichneten Art der Behandlung ihrer Forderungen aber erkennen die Versammelten, daß zur Ernngung günstiger"Existenzbedingungen es der energischen Anwendung der tigten Arbeiter und erwarten von ihnen, daß sie ohne Ausnahme dem Verband« der Gemeinde- und Staatsarbeiter beitreten und in diesem gemeinsam den Kampf um die Hebung ihrer schlechten wirtschaftlichen Lage führen werden." Erklärung. Nach dem Bericht über die Versammlung der Krankenkassen- angestellten in der Nr. 14« deS„Vorwärts" ist g»gen die Arbeit- nehmervertveter der Ortskrankenkasse deS Maurergewerbes der Vorwurf erhoben, sie handelten gegen die gewerkschaftlichen Grund- sätze, weil sie dem in Düsseldorf zwischen Krankenkassen und Kassen- bcamten getroffenen Abkommen nicht ihre unbedingt« Zustimmung erteilt haben. Die Unterzeichneten erklären, daß sie für Abschliehung von Tarifverträgen sind, die Anerkennung von Tarifverträgen unter allen Umständen und in jeder Form als gewerkschaftlichen Grundsatz aber nicht anerkennen können. Da einzelne Bestimmungen des in Frage kommenden Vertrages der genannten Kasse bei ihrem fluk- tuierenden Mitgliederbestände außerordentliche Lasten auferlegen und die Durchführung ihrer sonstigen Verpflichtungen in Frage stellen, so hat die Kassenvcrtretung« Vorstand und Gcneralversamm- lung) diese Anstellungs- und Kündigungsbedingungen fast ein- stimmig abgelehnt, weil hier einseitig den Kassenmitgliedern Ver- pflichtungen auferlegt werden, welche bei den diesseitigen Mitglieder- Verhältnissen schwer schädigend wirken. Andererseits ist die Kassenvertretung bei Normierung der Gehälter beim Anfangsgehalt über die Sätze des Tarifs hinaus- gegangen. Sie hat kürzere Fristen für die Erreichung der Höchst- gehälter eingesetzt, sie gewährt den Angestellten Urlaub von ein bis zwei Wochen; es ist ein Angestellten-Ausschuß und zur Erledigung von Streitigkeiten ein Schiedsgericht vorgesehen. Da die Schilderung der Einzelvorgänge bei den gepflogenen Untcrhand- lungen zu weit führen würde, so sei nur noch erwähnt, daß der jetzt zwischen der Kasse und den Angestellten bestehende Vertrag in gemeinsamer Beratung zwischen Borstand und sämtlichen Ange- stellten(auch des Vertrauensmannes Rudolph) festgestellt und von beiden Seiten ohne Widerspruch anerkannt ist. Unrichtig wiedergegeben ist auch der Vorgang, welcher dem Kollegen c�irnanowski zur Last gelegt wird. Die Verhandlungen über den vom Vorstand vorgelegten Vertrag waren im November vorigen JahreS zum Stillstand gekommen, weil die Angestellten erklärten, sie benötigten erst der Beratungen unter sich, würden aber dem Vorstande umgehend ihre eventuellen Abänderungsvorschläge unterbreiten. Da bis Ende Jernuar 1908 die von der General- Versammlung auf Grund der abzuschließenden Verträge zu ge- währenden zweijährigen Gehaltszulagen fällig wurden, eine Aeuße- rung der Angestellten zum Vertrage aber immer noch nicht vorlag, so ist den beiden Bertrauensmämrern der Angestellten vom Vor- sitzenden und Scyriftführer des Borstandes im Beisein des Kassen- rendanten mitgeteilt worden, daß der Vorstand nun umgehend eine Aeußerung der Angestellten zum Vertrage rewarte, da er sonst dem Beschluß der Generalversammlung nicht nachkommen könne. Diese Aeußerung ist auch in wenigen Tagen durch Vorlegung der Ab- änderungsvorschläge erfolgt und daraufhin die Sache glatt erledigt. Di« Behauptung in der Versammlung, es sei die Unterzeichnung deS Vertrages von den Angestellten vor Auszahlung der Zulagen gefordert worden, ist ebenfalls unrichtig. Ferner wird noch dem 5kassenvorstande der Vorwurf gemacht, er habe zwei der Angestellten unberechtigterwcife entlassen; es bedeute dies bei dem Vertrauensmann Rudolph eine Maßregelung. Ter Kassenvorstand weist diese Verdächtigung ganz entschieden zurück. Die Kasse hat seit dem vorigen Jahr von ihrem mehr denn 19 999 Personen betragenden Mitgliederbestande über 6099 ein- gebüßt, so daß selbst jetzt im Hochsommer nur noch zirka 13 999 vorhanden sind. Da die Zahl der Angestellten 19 betrug, so war es, selbst bei wohlwollendster Berücksichtigung der Interessen der Ange- stellten notwendig, einige zu entlassen. Der Borstand hatte die Frag« schon im Winter erwogen, hoffte aber immer noch auf Besse- rung. Den jüngeren Beamten ist dies auch bereits längere Zeit vor der Kündigungsfrist mitgeteilt worden, damit sie evtl. Gelegenheit zur Erlangung andere« Stellungen benutzen konnten. Auch kann nachgewiesen werden, daß der Borsitzende der Kasse sich selbst bemüht hat, um die zu Entlasseuden in andere* Kassen unterzubringen. Der ein« der Entlassenen war der Jüngstangestellte, nicht, wie im Bericht steht, daß er noch drei hinter sich hatte. Rudolph war allerdings, der Reihe nach, nicht der nächstfolgende. Seine Entlassung ist erfolgt aus verwaltungstechnischen Gründen, auf Beschlutz des Gesamtvorstandes, hat aber mit seiner Stellung als Vertrauensmann nicht das geringste gemein. Wir werden die Angelegenheit auch in der am v. Juli d. stattfindenden außerordentlichen Generalversammlung der KW zur Sprache bringen, um den Delegierten Gelegenheit zur Aus- spräche zu geben und ihr Urteil zu hören. Auch kann es uns nur erwünscht sein, wenn wir in die Lage versetzt werden, unseren gewerkschaftlichen Organisationen Rechenschaft über unsere Maß. nahmen zu geben. Der Gcsamtvorstand der Ortskrankenkasse des Maurergewerbes zu Berlin. I. A.: A.«Daehne, Vorsitzender. E. SimanowSli, Schriftführer. Klus der Frauenbewegung. Dienstbotenlos. Vor der Strafkammer in Breslau hatte sich der Dienstherr Franz PoSpieSzynSki zu verantworten. Der Angeklagte hatte am 15. Februar seinem 15jährigen Dienstmädchen gekündigt, verweigerte ihm aber sein Dienstbuch. Schließlich wandte sich das Mädchen an einen Schutzmann, der ihm den Rat gab, sich an das Kommissariat zu wenden. Davon machte da» Mädchen ihrem Dienstherrn Mit- teilung, worauf dieser in Wut geriet und eS anschrie:„W e r h e i ß t Dich denn zum Schutzmann laufen, verfluchte katholische H..., verfluchtes katholisches S ch w e I.n I" Dabei faßte er das Rind und schleuderte«S an den Aasserhahn, so daß eS eine blutendeK opfwunde davontrug. Sierauf verschloß er die Tür und sperrte das Mädchen ein. Vom Vorsitzenden befragt, wie er dazu komme, erwiderte der Angeklagte: „So etwas kommt in Breslau oft vor!" Das Gericht verurteilte den famosen Herrn zu— 30 Mark Geldstrafe und wegen Freiheitsberaubung zu einem Tag Gefängnis. Dienstbotenlos I Franenarbeit i» Frankreich. Nach einer zwecks Materialsammlung für einen Gesetz veranstalteten Erhebung, gibt eS in Frankreich 6 804 510 arbeite Frauen, d. h. 33 v. H. der gesamten weiblichen Bevölkerung Landes. Frankreich ist demnach die dritte unter den Nationen, die größte Anzahl arbeitender Frauen haben. Die erste ist Oest reich mit 47 v. H. der gesamten weiblichen Bevölkerung, die zweite Italien mit 49 v. H. Es muß aber ausdrücklich bemerkt werden, daß die obige Gesamtsumme der Frauen, die durch eigene Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen, nicht einschließt: die gelehrten Berufe, die Staatsbeamtinnen(Telephonistinnen, Telegraphiftin- nrn usw.) und die Dienstmädchen. Die meisten Frauen beschäftigt in Frankreich die Textilindustrie: 859 999 Arbeiterinnen und 431 249 Burcaudamen, Verkäuferinnen usw. Es folgen die Hut- indnstrie mit 299 999 Frauen, die Lederindustrie mit 59 999 die Korsettindustrie mit 29 999 usw.; in der Nahrungsmittelbranche und in der Holzindustrie sind zusammen 125 999 Frauen beschäftigt. Die Arbeiterinnen verdienen in der Textilindustrie 3— 5 Frank pro Tag, die Modistinnen 2—6 Frank, die Näherinnen 2—5 Frank; andere weibliche Arbeitskräfte verdienen gewöhnlich 4 Frank pro Tag. Im ganzen beziehen die französischen Frauen nach der Sta- tistik an Löhnen und Gehältern jedes Jahr 3 Milliarden und 129 Millionen Frank._ Versammlungen— Veranstaltungen. Verlin-Moabit. Donnerstag, 8)4 Uhr, Zusammenkunst der Mit- glicder deS Frauenwahlvereins in den ArminiuS- Hallen, Bremer Straße 79/71. Bortrag. Beitragzahlung. Berliner Martipretle. Aus vem amtlichen Bericht der städillche» Rarilballen-Direklion.(Grohhandel.) Ochsenlieilch I» 6S— 7l vr 109 P!d., IIa 64 67. lll» 54- 57, Bullenflessch I» 63-69, IIa 52-57, 5106«, feit 49—59, do. mager 39—49, Fresser 50—58, Bullen, dänische 40—54. galbileisch, Doppel! ender 105—120, Masttälbcr la 88—95. IIa 73—83, Kälber ger, gen, 55—69, do, boll. 52—57. Hanunelfleilch, Mastlämmer 77—80, Hammel la 71—74, Ha 63-69, ungar. 0.00, Schale 56—61. Schmriiieflciich 57—63. Rebböcke la per Pfd. 0,60—0,75, IIa 0,47 bis 0,58. Rotwild m. Absch. per Pfd. 0,30— 0,57, Damwild 0,00. Wildschweine, per Psund 0,40. Frischlinge per Psund 0,00. Hiibncr. la per Stück 1,50 bis 2,00, dito da Stück 1,00—1,40, dito junge, Stück 0,50—1,10. Ham- burger Külen, stück 0,80, PouletS 0,70—1,10, Kapannen, deutsche, per Stück 0,00. Tauben, junge, per Stück 0,40—0,50, dito alte 0,09. dito italien. 0,00. Ente», per Psund 0,00, dito per stück 1,50—2,40, dito Hamburger, per Stück 2,25—3,00,00 Psd. 90— tl0, do. matt 76— 96, do. gross 0,00, do. gross-mittel 86, do. klein 0,00. Zander 0,00, Schleie, Aale, gross.mittel 160—113. do. mittel III, do. gross 100—110, do. tlein-mittel 90—99, do, unsort. 96— 104, klein 66—74. Karpfen, 4 Oer 90—105. Roddow 0,00. Karauschen 61—70, do. tiein 50. Weis 41. Bunte Fische 50-74, do, matt 0,00. Barse 00,0, do. klein 0,00. Bleie, matt 56, Winter- RheinlachS, pr. lOO Psund 0,00, Stmcrikan. Lachs la, p. 100 Psund 0,00, do. IIa 0,00. Seelachs, p. 100 Psund 10—13. Flundern, Kieler, Stiege la 2—6, do. halbe Kiste 0,09, do. Hamb. Stiege 3—5, halbe Kiste 2—3, pomm. Schock 1,99—8,99. Bücklinge, dänische, Per Wall 3—4,59, Kieler 9,99, Bornholmer 9,99, Straljunder 4,99—5,59. Sprotten, Danziger, Kiste 9,99, do, Rügcnwaldcr. 9,99. Aale, gross per Psd. 1,10—1,59, do, nüttelgross 9,90—1,19, klein 9,69—9,90. Heringe per Schock 5,99—9,99, Schellfische, Kille 4,09-5,99, dito ss, Kiste 2.99-2'59. Sardellen. 1992 er per Anker 9,99, I9v4er 192, l905er 102, I906et 100. Schottische Vollheringe 1995 0.99, larxs 49—44, lall. 38— 49, med. 86—42, deutsche 39—49. Heringe, neue MatjeZ, per To. 9,99. Sardinen, russ., Fass 1.59-1,69. Bratberinge Fass 1.29-1,40. do. Büchse<4 Liter) 1,49-1,79. Nemiaugen, Schocksass 8, do. kleine 4—5, do. Riesen- 19. Krebse per Schock grosse 26,59, do. mittelgross 12—14, do. klein-mittel 6—9,59, do. kleine 4,59, do. unsortiert 6,59—11.59, Galizlcr, gross 16—18,59, do. mittel 9,59. Seemuscheln, 199 Stück 1,90. Eier, Land,, unsortiert per Schock 3,39—3,69, do. grosse 3,75—4,99. Butter, per 190 Psd. la 114—117, IIa 119—114, lila 194—119, ablallende 109—194. Saure Gurken, per Schock 4,59—3. Pteffcrgurken Schock 4.59—5. Kartoffeln, per 199 Pjund Magdeburger, blaue 6—8, do. Dabersche 8,25—3,89, do. weisse runde 2,75—3,25, do. mag. bcm. 3,25—3,67, do. Zcrbster 6,23—8,50. Porree, per Schock 9,75—1,25. Meerrettich, per Schock 8—14. Spinal per 100 Psund 12—20. Sellerie, grün, per Schockbund 9,89—1,25. Zwiebeln, per 199 Psund 9,99. Pelcriilte, grün, per Schockbund 1.99—2,99. Petersilienwurzeln, per Schockbund 6—7. Schnittlauch, Schockbund 9,50—0,80. Rettich, bahrischer junger, per 199 Stück 6—8. Mohrrüben, Schock 1,69—2,75, do. Holland., per 199 Psund 5—19. Radieschen, per Schock 1,59. Tomaten, ital. per 199 Pfund 18—29. Rhabarber 100 Bund 1,60—3,00. Rabunzen 0,00. Rübchen 0,00. Waldmeister, Mandel 0,25—0,50. Morcheln 9,99. Salat, Schock 1—2, do. Gubener 9,99. Kohlrabl, Schock 9,79—1,19 Spargel, I per Schock 39—45, do. II 15—25, do. III 8—12, do. misorttcrt 9,99. Zittaucr, p. 199 Stück 19—14, do. Hamburger 12—14. Bohnen, grüne, p. 199 Ps.d 49. do. Puss- 3-4, do. ung. 15-29, do. ttal. 15-25. Aepscl in Kisten per 199 Psd., Koch. 9,99. Tiroler 9,99. Australier, 8—15. Italiener, lose, 199 Psd. 9,99, do. in Körben per 100 Psd. 9,99, do. in Kiste« 9,99. Kirschen, ltal., 199 Psd. 29—22, do. schwarze, 199 Psund 9,99, do. Gubener 15—29, do. Werdersche 15—29, do. Schlesische 4—15. do. Natten, ung. 25—49. do. ital. 39—35, i>o. Thüringer S— 18, do. Gins 10—18. Erdbeeren, sranzöstsche, per 199 Psund 9,90, holländische 20—27, Hiesige per 100 Psd. 12-25, Beelitzer 15-25, Wald-, hiesige 25-50. Klnultn- und Kranfliiuderti von ködert»essr.. llllr Ullrlllll»tn-Str«lßt 2. kr. Tvklinvmsiin Spezial-Arzt für 25202' lllnnt- and Harnleiden, FranonkraHkheiton. Frledrichstr. 203, Ecke Schüyenstr. 10-«. 5-7, Somit. 10— IS Uhr Allen Verwandten und Freun- den die traurige Nachricht, dass unser geliebter Vater Hermarm Hlntze nach langem, schwerem Leiden sanft enlschlafeu ist. Die Beerdigung findet heute nachmittag lL5 Uhr vom Nix- dorser Jricdkos, Mariendorser Weg. aus statt. Ol« trauernden Hinterbliebenen. .'sehen ' der ans der Konkursmasse Müllerstr. 182/183 erworbenen und anderen Waren. Müllerstr. 182/183 5000 Mtr. Stickereien 0,95 1,35 1,75 2,25, 2,95 3,40 2000 Mtr. 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Inn 1008. partei- Hngclegcnbcitcn. Stralau. Sonntag, den ö. Juli, nachmittags 2 Uhr. findet im Lokal von Loeke, Alt-Stralau 6, die Generalversammlung des Wahl- verein? statt. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes und des Kassierers, Landtagswahl, Ersatzwahl und Neuwahl zum Vorstand, Parteiangelegenheiten._ Berliner JVacbricbtenv Die Ausbeutung der Stellungslosen wird von gewifien Leuten systematisch betrieben. Der Inseratenteil gewisser Zeiwngen gibt zunächst gewissen Geschäftsleuten Gelegenheit, Leute anzulolken, um sie dann gehörig zu nasführen und ihnen ihre letzten Groschen abzunehmen. Seit einiger Zeit findet man beispiels- weise in dem vom Annoncenkönig Scherl täglich gratis auf den Straßen verteilten.Arbeits markt" des„Lokal-An zeige r' Inserate, die ihrer Form nach als offene Stellen für Beschäftigungs- lose aufzufassen sind. Zum Beispiel: .Hausdiener verlangt Apotheker nach auswärts. Offerten unter Hr. 25 Postamt 20." Statt der erhofften Arbeit erhält der auf diese Annonce Hineingefallene eine Karte als Drucksache zugesandt mit folgendem reklamehaften Inhalt: Handelsgerichtlich eingetragene Firma. Bank-Konto: Deutsche Bank. Berlin 8. 14, Datum des Poststempel» Alte Jakobstraße 7g I. S Minuten vom Spittelmarkt, direkte Verbindungen nach allen Gegenden der Stadt. P- P- Wir bitten um Ihren werten Besuch behufs näherer Rück- spräche der in Auftrag habenden offenen und evtl. für Sie passenden Stellen in der Zeit vormittags 9 bis abends 7 Uhr. Auswärtige bitte um schriftliche Aufrage. Hochachtungsvoll Central-Organ„Existenz" Alte Jakobstraße 79. Hof I Treppe rechts. Geöffnet: Vorm. 9 Uhr bis abends 7 Uhr. Der nach Arbeit Verlangende glaubt doch nun sicherlich, durch diese.nähere Rücksprache" endlich eine Brotstelle zugewiesen zu erhalten, aber die Herren von der„Existenz" haben's mcht so eilig. Zunächst muten sie dem Betreffenden zu, eine Abonnements- gebühr von vierteljährlich sechs Mark zu entrichten. ehe sie mit ihren Vakanzen herausrücken. Das scheint uns denn doch der Gipsel der Unverfrorenheit zu sein, aus der Notlage Arbeit- suchender in so unverschämter Manier Kapital zu schlagen. Aber wie sieht es nun mit den Vakanzen s e l b st aus?_ Da kommt uns die Sache höchst verdächtig vor. Reflekranten, die sich bei- spielsweise als K a s s e n b o t e bei den Firmen Eugen Schneider, Warschauer Straße 45. oder F. Keiinel, Wrangelstraße 7. vorstellten, durch Vermittelung des„Zentralorgans Existenz", wurde erwidert, daß man eines solchen gar nicht bedürfe: ähnlich bei der Firma Charlottenburger Finanz- und Haudelsauskunftei. WilmerS- dorferftr. 29, die angeblich einen Kassierer brauchte, bei der Vorstellung der Reflektanten dies aber verneinte, sie hätte ganz was anderes verlangt. Schließlich werden noch hohe Kautionen ge- fordert, die der Arbeitsuchende natürlich nicht zahlen kann. Man könnte versucht sein zu der Annahme, daß sich die Herren vom .Zentralorgan Existenz" einige Firmen sicherten, um etwaigen„Konsequenzen", die aus ihrer nichts weniger als lauteren Vermittelungstätigkeit entspringen könnten, zu begegnen, wenn man nicht noch anderen Bermulungen Raum geben will. Wie es aber auch sein mag, jedenfalls ist diesen gekennzeichneten Praktiken gegenüber die größte Vorsicht und Zurückhaltung geboten. und die Slellungsuchenden seien gewarnt, unkontrollierbaren Ver« mittelungsbureaus. die die blühendste Reklame nicht scheuen, ihre letzten Markstücke hinzuwerfen. Dort wird zwar viel ver» sprachen, aber wenig gehalten! E. B.-A. Erste Vorort-AuSstellung nennt sich ein Unternehmen, daS gestern in der Potsdamer Straße 4 eröffnet wurde und den Zweck verfolgt, die Äennwis der Verhältniffe der Vororte weiteren Kreisen zu vermitteln. Von zahlreichen Gemeinden sind BebauungS- plane, soweit solche feststehen, ausgelegt worden sowie statistische Tabellen über die einzelnen Orte, deren Verkehrs-, Bau-, Steuer-, Post-, Schul-, Kirchen- und ärztliche Verhälwisie. Vor allem fällt in der Ausstellung die Reklame der Terraingesellschatten auf. die zahl- reiche Pläne. Bilder. Zeichnungen ausgestellt haben und die beweist. daß diese Gesellschaften daS größte Interesse an der Ausstellung haben. Zwar ist dieselbe vom Verlag von Bädecker und Möller arrangiert, in Wirklichkeit scheinen aber die genannten Erwerbs- gesellschaften dahinter zu stehen. Die Ausstellung beschrankt sich gewissermaßen darauf, in Bild und Modell über die Vororte das wiederzugeben, was bereits schriftlich in dem kürzlich in demselben Verlag erschienenen Handbuch:.Die Berliner Vororte" Ausstellung soll eine dauernde sein. Ein Vortragssaal ist eingerichtet, um auf die Vororte bezügliche Fragen zu behandeln. eine Auskunftsstelle soll Ratsuchenden Auskunft geben, während in einem Lesesaal alle wichtigeren Zeitungen und Zeitschriften auS- gelegt werden sollen. Mit der Speisung bedürftiger SchuMuder hatte sich am Montag die Armendirektion in einer besonders zu diesem Zweck einberufenen Sitzung zu beschäftigen. Stadtrat Münsterberg erstattete den Bericht der Verhandlungen der eingesetzten Kom- Mission, zu welcher unser Genosse Ewald und Stadw. Rosenow ver- sehentlich nicht geladen seien. Die Kommission sowie der Magisttat seien der Meinung, daß die Armenverwaltung bei der Schulspeisung zu beteiligen sei. da die Kinder zu bedauern wären, wenn eS mit der Schulspeisung allein abgetan wäre. eS müsse eine weitergehende Prüfung der inneren Verhältnisse solcher bedürftigen Familien Platz greifen. Die Rektoren. Lehrer und Schulkommissionen hätten die Anleitung zu geben, dagegen müsse die Ausführung der Speisung und Rachprüfung der Bedürftigkett den Organen der Armenverwaltung überlasten bleiben. Das Wahlrecht soll aus keinen Fall angetastet werden, denn die Mittel könnten ja. wie bei Entsendung von Kindern in Heimstätten, in den Etat 49 eingestellt werden; die Eltern seien, wo die Ver- Hältnisse eS oestatten, ersatzpflichtig. Auf eine kurze Dauer von 8 bis 14 Tagen solle auf Vorschlag der Schulvorstände auch ohne Recherchen gespeist werden können. Der Herr Stadtrat führte dann zum Schluß auS, daß er sich anscheinend durch Uebercifer eine erhebliche Last auferlegt habe. Dies wurde dem Herrn, der übrigens in viel ruhigerer und fach- licherer Weise als wie in der Stadtverordneten- Versammlung obige Ausführungen machte, durch unsere Genossen Hintze, Ewald und durch Stadtverordneten Rosenow bestätigt. Diese wiesen namentlich darauf hin, daß ein Beschluß der Stadwerordneten- Versammlung vom Dezember 1907 vorliege, nach welchem die Speisung der Kinder in den Schulen zu erfolgen habe. Durch die Beteiligung der Armen- Verwaltung würde auch diese bescheidene Hilfe als Armenunterstützung anzusehen sein. Rektoren, Lehrer, Schulkommission, tvelche die Not- wendigkeit der Unterstützung festgestellt hätten, brauchten nicht noch � durch die Armenverwaltung kontrolliert werden, es liege hierin ein ganz unberechtigtes Mßtrauen gegen die Schulverwaltung. Sowie die Hergabe unentgeltlicher Lehrmittel könne die Schule auch die Speisung der Kinder durchführen; die Probe hierfür ist ja auch bereits in den Monaten Februar und März gemacht und hat zu Klagen keine Veranlassung gegeben. Auf alle Fälle aber sei ein Beschluß auszusetzen, bis die Vertteter des Magistrats und der Armendirektion, welche zum Studium dieser Frage nacki Wanderen Städten entsandt seien, zurückgekehrt und über ihre Er- fahrungen Bericht erstattet hätten. Diese Ausführungen machte die große Mehrheit der Armendirektion dadurch zu den ihrigen, daß ein Anttag auf Vertagung angenommen wurde. Das letzte Wort, ob Schule oder Armenverwaltung die Speisung durchzuführen habe, ist also noch nicht gesprochen. Dem Uebercifer des Herrn Stadtrat Münsterberg sind wenigstens vorläufig Schranken gesetzt worden. Eröffnung einer neuen Straßenbahnlinie. Die neue Straßenbahn- linie 50 Ringbahnhof Schönhauser Allee— Wartburgplatz, die wir schon vor längerrr Zeit angekündigt haben, wird von der Großen Berliner Strotzcnbahn in Gemeinschaft mit der Berlin- Charlottenburger Straßenbahn am 1. Juli eröffnet. Sie stellt vor allem eine an- genehnic Verbindung durch den Tiergarten her. Die Linie geht durch die Schönhauser und Kastanien-Allee, über den Zionskirchplatz die Veteranen- und Jnvalidenstraße. über den Pappelplatz, den Platz am Neuen Tor, über den Lnisenplatz, die Luisenstraße, den Karlsplatz, die Neue Wilhelm-, Dororheen- und Sommerstraße bis zum Brandenburger Tor, durch den Tiergarten über die Charlottenburger Chaussee bis zum Großen Stern, durch die Hofjäger-Allee, die Friedrich- Wilhelm-Straße, über den Lützowplatz, durch die Maaßenstratze zum Nollendorsplatz und endlich von diesem durch die Motz- und Martin- Luther-Straße bis zum Wartburgplatz. Die ganze Strecke kostet 10 Pf. Der Betrieb beginnt Werktags von der Schönhauser Allee 6,35, vom Wartburgplatz 6,37. Der letzte Wagen geht im Westen 10,20, im Norden 10,21. Sonntags sind die Abfahrtszeiten im Westen und Norden L,32 bis 12,17. Gleichzeitig wird die Einsatz- linie 51 H, die ebenfalls zur Entlastung der Linien 51 und 57, aber über die Potsdamer Straße dient, bis zur Pappelallee, Ecke der Schönhauser Allee verlängert. Vermehrte Berkchrsficherheit auf den Straßen. Der Polizeipräsident veröffentlicht folgende Bekanntmachung: „Aus allen Kreisen der Bevölkerung höre ich den Wunsch nach vermehrter Sicherheit des öffentlichen Verkehrs auf den Straßen Berlins. Ich erkenne diesen Wlmsch als berechtigt an. An Vorschriften zur Regelung des Verkehrs fehlt eS nicht; trotzdem ist eine zweckmäßige Gestaltung desselben in den belebten Straßen nur dann möglich, wenn alle Beteiligten die durch den großstädtischen Verkehr gezogenen Grenzen und Richtlinien respektieren und die mit der Regelung des Verkehrs beauftragten Exckutivbeamten in willigem Zusammenwirken unterstützen. Der ständig zunehmende Verkehr verlangt Gewöhnung und Erziehung des einzelnen zur Be- folgung gewister Grundsätze, ohne welche eine leichte Abwickelung des Verkehrs und die Sicherheit des einzelnen in verkehrsreichen Sttaßen von der Polizei nie erreicht werden kann. Die wesent- lichsten Grundsätze stelle ich nachfolgend zusammen und richte an die Bevölkerung Berlins die dringende Bitte, ihnen Beachtung zu schenken: 1. Der Sttaßendamm ist in erster Linie für den Fuhrwerks- berkehr bestimmt, deshalb vermeide der Fußgänger jedes überflüssige Verweilen auf demselben, überschreite ihn nur auf dem kürzesten Wege, das heißt senkrecht zur Straße und nicht in der Diagonale und auch in belebten Straßen nicht an jeder be- liebigen Stelle, sondern nur an einer Straßenkreuzung. 2. Jeder Wagenführer soll im Interesse des eigenen Fortkommens für sein Gefährt nicht mehr Raum von dem Straßendamm in Anspruch nehmen, als er notwendig gebraucht. Hierzu gehört, daß er scharf rechts an der Bordschwelle fährt und beim Einbiegen in eine linke Seitenstraße die Ecke ausfährt, das heißt die Ecke nicht in der Diagonale, sondern in voll aus- gefahrenem Bogen nimmt. Kein Pferdeführer darf mit lose hängendem Zügel fahren, weil er sonst in belebten Sttaßen daS Pferd nicht rechtzeitig zu lenken vermag. 3. Die gefahrdrohende Geschwindigkeit»der Kraftwagen muß in belebten Straßen durchweg gemäßigt werden: Ganz be- sonders ist ein langsameres Fahren erforderlich beim Kreuzen der Straßen und beim Umbiegen um Ecken. DaS schnelle Fahren der leeren Automobile, die aus den Außenbezirken der Stadt in das Innere zurückkehren, wie dies ganz besonders im Westen der Stadt auf dem Kurfürstendamm, in der Potsdamerstraße, auf der Charlottenburger Chaussee und in den Straßen längs des Landwehrkanals zu beohachten ist. hat die Gestalt eines Unfugs angenommen, dem unbedingt Einhalt geboten werden muß. Jedermann aus der Bevölkerung wolle, soweit eS ihn angeht, diese einfachen, im Interesse des einzelnen wie der Gesamtheit liegenden und bei gutem Willen leicht zu befolgenden Vorschriften beherzigen. Jeden bitte ich, an feinem Teil mit Ueberlegung, Rücksichtnahme und Geduld dem Streben der Polizei entgegenzu- kommen, angesichts des wachsenden Verkehrs der Großstadt auch bestere Bedingungen für die Sicherheit des Verkehrs zu schaffen. Berlin, den 27. Juni 1003. Der Polizeipräsident. _____ von Stubenrauch." Da» Märkische Museum(am Märkischen Platz) wird vom t. Juli ab an allen Tagen mit Ausnahme der Sonnabende von 10—8 Uhr geöffnet sein. Der Ein- tritt ist unentgeltlich. Ein kurzer„Führer" durch die Sammlungen ist im Vorraum für 10 Pf. zu haben. Selbstporträt eines verdienstvollen Mannes. Dem Herrn Lieveren z. dem Gemeindeschulrektor, Armen. kommissionsvorsteher, Hausagrarierführer usw. in Moabit, haben wir schon öfters eine Betrachtung widmen müssen. Kürzlich melde- ten wir(in Nr. 137), es sei uns die Klage zugegangen, daß an der 31. Knaben-Gemeindeschule(Alt-Moabit 23), die seit anderthalb Jahren den besagten Herrn Licverenz zum Rektor hat, die Freikarten für die Flußbadean st alten unserer Stadt jetzt mit geringerer Bereitwilligkeit als bisher ausgeteitt würden. Wir warfen die Frage auf, ob es sich hier um eine für ganz Berlin angeordnete Maßregel handele, oder ob nur Herr Lieverenz plötzlich entdeckt habe, daß mit der Hergabe dieser Freckarten kein Luxus getrieben werden dürfe. Wir fügten hinzu, man könne einem Mann wie Lieverenz, der in allem, was irgendwie nach Unterstützung aussieht, die Bedürftig- keits frage zu verneinen leicht bereit sei, es wohl zutrauen, daß er ganz aus eigenem Antriebe sich bemühe, auch den Umfang der unentgeltlichen Benutzung der Flutzbadeanstalten mög- lichst einzuschränken. Als Antwort auf jene Notiz haben wir nun von Herrn Licverenz den folgenden Brief erhalten, den wir trotz seiner Länge unverkürzt wiedergeben: B e r l i n, den 25. Juni 1903. An die Redaktion deS„Vorwärts" hier. Wie ich nachträglich erfahre, haben Sie sich in Nr. 137 Ihres Blattes wieder einmal mit meiner Person„hefchäftigt". Da mich eine Zeitung, wie es der„Vorwärts" ist, nicht beleidigen kann, Ihre Pamphlete mir auch nicht schaden können, weil jeder Mensch die Tendenz Ihres Blattes kennt, so habe ich Sie nicht verklagt und Ihnen gern daS Vergnügen gegönnt, mich zu beschmutzen, da ich mir sagte: Nun, die Menschen wollen auch leben, und wenn dt. sie auch bedauern mußt, ihr Brot auf eine so traurige Weise ver- dienen zu müssen, so haben sie doch wieder mal ein paar Groschen durch dich verdient".— Der Gedanke, daß Sic etwa die löbliche und anerkennenswerte Absicht hatten, bestehenden Uebelständcn ah- zuhelfen, konnte mir nicht kommen, da es zur Erreichung dieses Zweckes ein viel einfacheres, anständigeres und wirksameres Mittel gab, nämlich eine Beschwerde bei den zuständigen Behörden. Aller- dings trifft diese Erwögung auch für den vorliegenden Fall in Nr. 137 zu; aber da Sie diesmal in sittlicher Entrüstung ans- drücklich schreiben: Wir haben uns mit diesem Herrn ja schon mehr- fach beschästigen„müssen", so nehme ich nunmehr doch zu Ihrer Ehre an, daß Sie die ehrenwerte Ahsicht haben, zu bessern! Um Ihnen nun nicht unnötige Arbeit und Aufregung zu bereiten, erkläre ich Ihnen hierdurch, daß ein Blatt wie der„Vorwärts" nicht imstande ist, meine Ansichten zu ändern und mich in meinen Entschließungen zu beeinflussen, zumal ich mit dem Resultat meiner bisherigen amtlichen und außeramtlichen Tätigkeit sehr zufrieden sein kann. Der Umstand, daß ich in 16jähriger Tätigkeit an ein und derselben Schule niemals mit meinen Vorgesetzten in Konflikt ge- raten bin, daß ich in dieser langen Zeit nur ein einziges Mal mit einer Mutter eines Schülers(der Vater war noch auf meiner Seite!—) einen Konflikt hatte, der Umstand ferner, daß mich heute noch zahlreiche ehemalige Schüler— unter ihnen auch Söhne von„zielbewußten" Sozialdemokraten— besuchen und Rat erbitten, beweist mir, daß meine amtliche Tätigkeit nicht verwerflich gewesen sein muß. Und was ich außeramtlich in 17jähriger ehrenamtlicher Tätigkeit als Armenkommissionsvorsteher, Bezirksvorsteher-Stell- Vertreter, stellvertretender Waisenratsvorsitzender, Vorsitzender der 1. Abteilung des Weihnachtsbescherungsvereins, Schriftführer des gesamten Vereins, Vorsitzender■ des Lokalkomitees für Ferien- tolonien, als Mitglied des Vereins gegen Verarmung, als Vorstands. Mitglied des Jugcndfürsorgcverbandes der Berliner Lehrerschaft, des Zentralvereins für Jugendfürsorge, Mitglied des Vereins „Kinderhort" usw. für die Notleidenden getan habe, das ist nach meiner festen Ueberzeugung vielmehr, als alle Redakteure deS „Vorwärts" und alle Führer der Sozialdemokraten zusammen je für dieselben getan haben. Ich habe selbstverständlich niemals auf Tank oder Anerkennung gerechnet, am allerwenigsten seitens deS „Vorwärts". Aber welch eine Gesinnung muß doch dazu gehören, den angeführten Tatsachen zum Hohn die Ehre eines ManncS öffentlich in den Schmutz zu ziehen, ohne die Pflicht zu fühlen, sich vorher genügend zu informieren!— Daß ich in der langen Reihe von Jahren gelernt habe, wahre Bedürftigkeit von simulierter zu unterscheiden, und daher gewerbS- mäßige Bettler und arbeitsscheue Trinker bei mir wenig Glück mit ihren Gesuchen haben, ist erklärlich. Daß so viele Aemter in meiner Hand vereinigt sind, mag fiir diese Art Bittsteller ja sehr unangc- nehm sein; im Interesse einer geregelten Armenpflege aber ist dieses sehr erwünscht. Es ist zu verstehen, wcün die von mir gc- kannten resp. erkannten unwürdigen Bittsteller in ihrem Haß gegen mich sich au den„Vorwärts" wenden, dessen Redakteure den böS« willigen Denunziationen willig Gehör geben, wiewohl ihnen Hun. dcrtc, ja Taufende genau das Gegenteil bezeugen würden. In dieser Weise ist auch im vorliegenden Falle(Rr. 137) natürlich wieder verfahren; denn mein gesamtes Kollegium— ja, sogar meine 1. Klasse— ist Zeuge, daß ich nicht auf dem Standpunkte der Verfügung der Städtischen Schuldeputation vom 4. April d. Js.» die Badelarten„nur an solche Schüler, zu verabfolgen, deren An- gehörigen die Entrichtung des Eintrittsgeldes von 5 Pf. nach ihren Verhältnissen zu schwer fallen würde"— welche Bestimmung vielfach außer acht gelassen sei!— stand resp. stehe.— Nun, Ihre Handlungsweise entspricht ganz meiner Auffassung von den Führern der Sozialdemokratie und deshalb werde ich dem Mir seinerzeit von Ihnen beigelegten Ehrentitel„Sozialistentötcr" jederzeit alle Ehre machen, wozu mir die UnWahrhaftigkeit in den Angriffen dcö„Vorwärts" gegen mich wieder günstige Gelegen- heit bietet. Hochachtungsvoll gez. H. Lieverenz, Rektor, Spenerstraße 21. Herr Lieverenz hatte zu unseren früheren Veröffentlichungen geschwiegen, diesmal also hat er das Bedürfnis gefühlt, zu ant- Worten. Die Begründung, die er für diese Abweichung von seiner Regel gibt, ist ein bisse! konfus. Nur soviel ist herauSzumerken, daß er Genugtuung darüber empfindet, diesmal erklären zu können, er sei zu Unrecht angegriffen worden. Da mußte er denn doch endlich mal sein qualvolles Herz ausschütten. Ihm hat es nicht genügt, kurz und bündig zu antworten: die Schuldeputation sei es, die angeordnet habe, fortan die Badeanstaltsfrcikartcn wem» ger willig zu verteilen, er selber aber halte das nicht für richtig. Er wollte die Gelegenheit benutzen, eS uns einmal ordentlich zu geben. Bisher hatte er ja nur vor seinen Schulkindern auf die Sozis im allgemeinen und auf den„Vorwärts" im besonderen ge- schimpft, jetzt aber sollte der„Vorwärts" selber ihn mal kennen lernen. Zugleich schien es ihm wünschenswert, den fozialdcmo» kratifchen Zeitungsschreibern zu zeigen, ein wie verdienstvoller Mann und guter Kerl er, der Herr Rektor ist. Es freut uns, unseren Lesern sein von ihm selber entworfenes Por- trat bieten zu können. Dieser Brief ist in der Tat ganz Lieverenz! Wir hängen sein Selbstbildnis niedriger, damit alle Welt es genauer betrachten kann. Möge man nun prüfen, ob er„getroffen" ist. Die Schule, in der Herr Lieverenz 16 Jahre hindurch als Lehrer tätig war, ist die 172. Knaben-Gemcinde. schule(Bremer Straße). Zur Sache wollen wir schließlich noch darauf aufmerksam machen, daß unsere Meldung, es werde bei der Verteilung der Badcanstaltsfreikarten jetzt, st renger als bis- her die Bedürftigkeitsfrage geprüft, durch Herrn Lieverenz nicht widerlegt, sondern leider b c st ä t i g t worden ist. Wenn diese Maßregel sich nicht aus die Schule des Herrn Lieverenz beschränkt, und nicht ein bloßer Willtürakt dieses Mannes ist, son. dern für ganz Berlin durch die Schuldeputation angeordnet worden ist, so ist das um so bedauerlicher. Sttaßenbahn- Statistik. In, Zeichen der Statistik steht seit Sonntag wieder mal der Betrieb der„Elckttischen". Jeder Schaffner führt für drei Tage eine Liste mit, in die er jeden Abonnenten, jeden Soldaten. Post- und Polizeibeamten, auch die Schüler einzeln mit einem Strich eintragen muß. Er hat ferner die Aufgabe, an der Abfahrtstelle sowie an den frequentiertesten Zwischenhaltestellen zu zählen, wieviel Personen wegen Ueberfüllung des Wagens zurück- bleiben mußten. Bei dem schönen Wetter am letzten Sonntag ist diese Frage vielfach mit„unzählige" beantwortet worden. Auch solche Haltestellen, die regelmäßig wenig Fahrgäste aufweisen, sollen besonders kenntlich gemacht werden. Die Schaffner schimpfen weid» lich über diese neue Geduldsprobe, obwohl sie nur drei Tage an- hält. Sie kann, wie wir gern zugestehen wollen, in einigen Punkten gute Eriolge zeitigen, wenn die richtige Lehre aus dem gesammelten Material gezogen wird. Bielleicht läßt die„Große" bei der nächsten dieser statistischen Feststellungen, die jetzt jedes halbe Jahr wieder- holt werden sollen, auch die Offiziere und Schutzleute mitzählen, welche trotz Ueberfüllung des Wagens anstandslos noch mit- genommen werden, während man im selben Falle Arbeiter glatt zurückweist. Die Direktion der städtischen Gaswerke will, da der Gasverbrauch während des Monats Juni erfahrungögeniäß geringer ist, als in den anderen Monaten des Jahres, versuchsweise im laufenden Jahre von denjenigen GaZabnehmern, welche die Rechnungen mpnatlich begleichen, den Bewag siir den Verbrauch im Juiii und Juli d. I. durch eine Rechnung einziehen lassen. Diese Rechnungen werden Anfang August d. I. zur Zahlung vorgelegt werden.— Im Moual �u!i haben bfc GaSabnehmer demnach lehte Gasrechnungen zu et» -arten._ J Der Zoologische Garten und daS Aquarium. ® In der Generalversammlung des Aktienvereins Zoologischer < Garten kam es zu einer längeren SluSeinandersetzung über den Vor- schlag des Vorstandes, einen Geländeteil des Gartens zur Neu- errichtung des Aquariums abzutreten. Es ist dazu, wie der Vor- sitzende hervorhob, ein Terrain von rund 2700 Quadratmetern zwischen dem Maschinenhause und dem� Kurfürstendamm in Aussicht genommen. Die Frage sei jedoch noch nicht zum Abschluß gelangt, weil die Verhandlungen mit der Stadt wegen eines Zuschusses für das Aquarium noch schwebten. Der Aufsichtsrat stehe auf dem Standpunkte, daß eine Entschädigung von 20 Proz. der Bruttoeinnahme von dem Aquarium gefordert werden könne. Außerdem müsse kontraktlich festgelegt werden, daß das Institut nach etwa 40 Jahren dem Zoologischen Garten kostenfrei überlassen werde. Die Stadtverordneten Nelke und Bamberg rieten dringend, die Erörterung der Angelegenheit zu vertagen, um die Ver- Handlungen des Stadtverordnetenausschusses, die sich noch im ersten Stadium befänden, nicht zu durchkreuzen. Sie beide seien Mitglieder jenes Ausschusses und könnten nur sagen, daß die Stadtvertreter sich einig seien, Opfer für die Erhaltung des Instituts zu bringen. Als Kommerzienrat Friedmann trotzdem einen Beschluß über das künftige Schicksal des Aquariuins herbeizuführen suchte, griff der im Auftrage des Fiuanzmiiiisters anwesende Ministerialdirektor Förster ein, um ebenfalls für die Vertagung zu sprechen. Der Minister habe ein lebhaftes Interesse an der Vereinigung des Aquariums mit dem Zoologischen Garten und würde es freudig begrüßen, wenn die Ver- sammlung sich prinzipiell mit dem Projekte einverstanden erkläre. Im übrigen aber sei es zweckmäßig, den Punkt heute zu vertagen. Erst möge der Vorstand eine Verständigung mit Dr. Hermes herbei- führen und die Entscheidung der Stadtverwaltung abwalten. Hier- mit zeigte sich denn schließlich auch die Versammlimg einverstanden. Zum Schluß machte der Vorsitzende noch Mitteilung von Verl Handlungen, die mit dem Fiskus schweben über die Abtretung von insgesamt 2000 Quadratmeter Gelände an der Joachimsthalerstroße, die verbreitert werden soll. Der Fiskus hat sich nun bereit erklärt, als Gegenwert 10000 Quadratmeter an der Nordseite des Gartens abzutreten, doch ist daS Uebereinkommen noch nicht perfekt geworden. Im Hinblick darauf, daß der Fiskus die Abtretung des Geländes im Enteignungsverfahren erzwingen könnte, machte sich eine Opposition gegen den Tausch nicht geltend. In die Spree gesprungen und ertrunken ist gestern nachmittag ein unbekannter etwa 30 Jahre alter Mann. Der Lebensmüde war am SieichStagsufer fortwährend auf- und abgelaufeu, so daß er schließlich die Aufrnerksainkeit der Passanten erregte. Plötzlich schwang er sich über das Geländer hinweg in die Spree. Obwohl sofort Rettungsversuche unternonimen wurden, fand der Unbekannte den Tod im Wasser. Bon einem Kohlenwagen überfahren wurde gestern der Schüler Körner in der Scestraße. Die Räder gingen den, Bedauernswerten über die Brust. Schwerverletzt wurde der Kleine von der Unglücks- stelle fortgetragen. Unter den eignen Wagen geraten und totgefahren. Da? Opfer eines bedauerlichen Unglücksfalles ist der Kutscher Hermann Vahlke aus ver Seydelstraße 25 geworden. Während der Fahrt durch die Frank- furter Chaussee stürzte B., jedenfalls infolge eines plötzlich ein getretenen OhnmachtSanfalleS vom Bock herunter und fiel so un- glücklich unter den Wagen, daß ihm beide Räder über den Kopf hinweggingen. Der Schädel wurde dem Unglücklichen fast voll- ständig zermalmt, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Platz für die Erstklassigen. Ein Leser schreibt uns:.Ich begab mich gestern•/< 1» Uhr vormittags auf den Perron des Schlesischen Bahnhofes, um den Zug nach Erkner zu benutzen. Bahn- und Polizeibeamte schoben daS Publikum nach der einen Hälfte des Perrons, während die andere Hälfte freibleiben sollte. Darüber herrschte große Unzufriedenheit, welche um so berechtigter war, als man von den Beamten nicht die geringste Aufklärung über die Ursache erhielt. Man hörte nur die Worte:»Wenn's vorbei ist, dann können Sie einsteigen." Wir waren schon der Meinung, es sei ein Unglück passiert, als der Z»a einfuhr und ihm aus einem besonders angehängten Wagen zwei höhere Offiziere entstiegen, welche unter Honneurs der Beamten den Bahnsteig verließen. Die Beamten schienen durch den Anblick der Uniformen dermaßen hypnotisiert zu sein, daß sie ganz vergaßen, dem Publikum da« Zeichen zum Einsteigen zu geben; diese« wartete daher eine Aufforderung erst gar nicht ab und bestieg den Zug mit leicht begreiflichen Ausdrücken des Unwillens über diese Behandlung. Später hörte ich von einem Augenzeugen, daß der eine der beiden Offiziere Prinz Leopold gewesen sein soll." Also deswegen eine derartige Behandlung des fahrenden Publikums. Im Freibad Grünau ertrunken ist am Sonntagnachmittag aber- malS ein neunzehnjähriger junger Mann, nachdem dort bereits vor vierzehn Tagen ein gleicher Unglücksfall zu verzeichnen war. Wie UNS mitgeteilt wird, hat sich der junge Mann trotz aller WarnungS- fignale des Bademeisters zu weit auö dem Badebereich gewagt und ist infolge Erschöpfung ertrunken. Allgemein sollen gerade hier die Badenden bei dem lebhaften Schiffsverkehr bis über die Hälfte des Flusses schwimmen, trotzdem die Anstalt groß genug ist, um dem Schwimmer Gelegenheit zu geben, sich auszuarbeiten. Es ist des- halb nicht verstandlich, wenn sich Badende der Gefahr aussetzen, vom Dampfer tiberrannt zu werden oder hilflos zu versinken. Ein Wäschewagen mit Pferd. Geschirr und Wäsche ist gestern mittag einem Kutscher in Charlottenburg, Eosanderstraße gestohlen worden. Der Wagen ist gelblich gestrichen mit Firmenschild an Deckgalerie. Bespannt war er mit einem braunen Wallach. Da« Gefährt gehört der Dampfwäscherei Ernst Lasamirick, Greisswalderstraßo 201._ Vorort- JVadmchten* Gültigkeit der Banpolizeiordnnng für die Bororte BerNnS. Eine wahre Volksversammlung von Hausbesitzern aus Friedrichshagen und KarlShorst fand sich am Dienstag im BerhandlungSfaal des 8. Senats des OberverwaltungSgerichtS zusammen. Die Herren waren gekommen, um den Ausgang des ProzesieS abzuwarten, den eine Anzahl Hausbesitzer und Mieter aus Friedrichshagen wegen der massenhaften Verfügungen auf Räumung der Mansardenwohnungen angestrengt hatten. Man hatte sich in Friedrichshagen daran gewöhnt, die Beschränkungen der Anzahl der zum dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmten Geschosse, welche die Baupolizeiverordnung für die Vororte Berlin» einführte, nicht ganz zu beachten. Eine gewisse Nach- ficht, die jahrelang von der Ortspolizeiverwaltung geübt wurde, trug mit dazu bei. Bis es plötzlich, anscheinend auf Ver- anlassung der höheren Behörde, Verfügungen an Besitzer und Mieter regnete. die die Räumung der verbotswidrig als Wohnung hergerichteten Dachgeschosse heischte. Uebrigens waren das zumeist keine„Dachwohnungen" im üblen Sinne des Worts, sondern recht wohnliche Räume, wie der Kenner der örtlichen Verhältnisse weiß. Viele' der unter dem früheren Baurecht her- gestellten Wohnungen der„Perle am Müggelsee" sind schlechter. Unter den mitklagenden Mietern befanden sich denn auch etliche Parteigenossen.— Nach längerer Verhandlung und Beratung wies das ObcrverwalftinzZgericht die gestern zur Entscheidung stehendep Klagen ab. Der Senat erklärte die Baupolizeivcrord- nung für die Berliner Vororte auch in den in Betracht lammenden Bestimmungen, welche das Bcmrecht beschränken, für rechtsgültig. Sie hätten beachtet werden müssen. Der Senat könne nichts an dem gültigen Baurecht ändern, wenn er auch anerkennen müsse, daß es die Interessenten hart treffe. Die RäunmngSverfügung fei auch in dem einen Falle gerechtfertigt, wo entgegen den Vorschriften dem betreffenden Besitzer die Ein richtung von Wohnungen im Dachgeschoß genehmigt sei. Ein Konsens, der gegen das bestehende objektiv bindende Recht verstoße, könne zurückgezogen werden._____ Ichöneberg. Die Liberalen am Pranger. Eine ebenso wohlverdiente wie gründliche Abfertigung holten sich letzthin unsere„entschieden liberalen" Freistnnsmannen in der von der„Demokratischen Vereinigung" einberufenen Versammlung in der Schloßbranerei, in welcher Dr. Barth referierte. Mit äußerster Schärfe platzten die gegensätzlichen Meinungen aufeinander. Die um Zobel und Gottschalk waren erschienen, um den anscheinend arg bedrohten„liberalen Verein" nach Möglichkeit gegen die erlittenen Angriffe der unangenehmen ehemaligen Freunde zu schützen. Daß gerade in Schöneberg der Kampf so heiß entbrannte, wird verständlich, wenn man in Betracht zieht, daß der erwähnte„liberale Verein" noch bis vor kurzem in ziemlich enger Fühlung namentlich mit Herrn Breitscheid stand und sich häufig recht viel auf seinen robusten Liberalismus zugute tat. Der so plötzlich und unvermittelt eingetretene Umschwung in der Kampf- stell ung der führenden Männer des Vereins bot den Herren Barth, Breitschcid und Oestreich mehr als zu viel günstige Gelegenheit, erbarmungslos mit den armen Schachern ins Gericht zu gehen. Ihre ins Gegenteil umgeschlagene Stellung zur Blockpolitik, ihr im Gegensatz zu früher jetzt so nahezu inniges Verhältnis zu den„liberalen" Göttern in der Zimmerstraße, ihr vollständiger Umfall in der Frage der LandtagSkandidatur für Schöneberg Rixdorf, all das und noch viel mehr wurde von den genauen Kennern der örtlichen Borgänge mit ungeschminkter Offenheit zur Sprache gebracht. Bergebens versuchten Zobel und Gottschalk zu retten, was zu retten war: erbarmungslos wurden die Schein- argumente der sonst so erfolgsicheren Klopffechter zerpflückt und nichts vermochte sie vor der Lächerlichkeit zu bewahren, der sie schließlich anheimfielen. Den Höhepunkt der Erregung erreichte die Versammlung, als der gereizte„rote Zobel" sich unvorsichtigerweise in albernes Ge- schinipfe ans die Sozialdemolratie einließ.„Die Sozialdemokraten stellen Posten vor unsere Versammlungslokale, um die Arbeiter vom Besuche unserer Versammlung abzuhalten I" schrie er mit gewaltigem Lungen aufwand in die Versammlung, ohne mit der Wimper zu zucken. Als ihn dann Genoffe Küter, der darauf das Wort nahm, aufforderte, diese Verdächtigung zu beweisen, beschränkte er sich darauf, sie zu wieder holen. Mit vollem Recht machte ihm darauf Genosse Küter unter lebhaftem Beifall der Versammelten den Vorwurf der bewußten Unwahrheit, einen Vorwurf, den Zobel nachher auS einem anderen Anlaß zum zweiten Male von Herrn Breitscheid über sich ergehen lasien mußte, ohne den Versuch einer Verteidigung zu machen! Fazit: Ein schlimmer Tag für den ZimmerstratzenliberaliSmuS im allgemeinen, für den„Liberalen Verein", Schöneberg, im besonderen und für dessen wackere» Vorsitzenben, Herrn Zobel, im ganz besonderen k_ Wilmersdorf. lleber dk Gewährung der Teuerungszulage an die städtischen Beamten, Lehrer und Arbeiter hatte die letzte Stadtverordnelen- Versammlung noch zu beraten. Hierüber entspann sich eine längere Debatte. Bürgermeister Habermann betonte, die Beamten seien so besoldet, daß eine Teuerungszulage nicht nötig fei. Stadtv. Busch stellte demgegenüber fest, daß ein Unterbeamter unlängst beim Ab- leben seiner Frau die Armenpflege in Anspruch nehmen mußte. Den Unterbeamten täte eine Aufbesserung dringend not. Das Ende vom Liebe war, daß die Vorlage zur erneuten Prüfung an die Kommission verwiesen wurde. Für die Renovierung des Restaurants See- fchloßchen wurden 10 200 M. angesetzt. Außerdem sollen einige Straßenzüge im Halenseer OrtSteil reguliert werden. Die Ver- sammlung, der eine geheime Sitzung vorauf ging, tagte bis gegen Mitternacht. Erwähnt fei, daß die Sitzungen um 6 Uhr einberufen waren, aber erst eine Stunde später eröffnet wurden. Zirka 50 Per- sonen eine Stunde warten zu lassen ist eine RückfichlSlosigkeit ohne« gleichen. Rahnsdorf. Selbstmord auf de« Schienen. Kurz vor dem Bahnhofe RahnS- dorf warf sich gestern abend ein junger Mann, dessen Persönlichleit noch nicht festgestellt werden konnte, in selbstmörderischer Absicht vor einen heransausenden Schnellzug. Der Unbekannte fiel so, daß ihm der Kopf direkt abgefahren wurde. Die Leiche schaffte man nach Rahnsdorf. Köpenick. In der letzten Stadtverordnetenfitznng brachte der Vorsteher- Stellvertreter zunächst einen Antrag des Herrn Wilhelm Hilliges zur Verlesung, in welchem derselbe im Namen der hiesigen Freireligiösen Gemeinde um die Errichtung eines städlischen Begräbnisplatzcö er« sucht. Auf Antrag unserer Genossen, welche den Antrag Hillige« zu ihrem eigenen machten, wurde derselbe auf die Tagesordnung der nächsten Stadtverordnetensitzung gesetzt. Nunmehr wurde für den zum unbesoldeten Stadtrat gewählten bisherigen Borsteher Dr. Herrmann der jetzige Stellvertreter Bctcke mit 19 Stimmen zum Vorsteher gewählt. 10 Zettel waren unbeschrieben abgegeben. Die Wahl des neuen Vorsteher-StellvertreterS wird erst in der nächsten Sitzung fttach den Ferien) vorgenommen. Für die An- stellung des zweiten Bürgermeisters sind folgende Bedingungen ge- stellt: 1. RegierungS« oder GerichtSassessor, Kenntnis in der Kommunalverwaltung erwünscht; 2. entgeltliche Nebenbeschäftigung ist nur mit Genehmigung der städnschen Körperschaften gestattet; 3. die Wahlzeit beträgt 12 Jahre vom Tage der Einführung an ge- rechnet; 4. AnsangSgchalt 5000 M., steigend in dreijährigen Perioden bis 0500 M., außerdem 1000 M. Mietsentschädigung. Bei der Festsetzung des neuen BrennkolenderS führte Genosse Nieke Beschwerde über oie schlechte Beleuchtung der Müggelheimer Straße, zwischen der Marienstraße und Grünen Trist; es ist dort nach 10 Uhr abends so finster, daß die Passanten sich gegenseitig anrennen. Stadtrat Selchow verspricht, für Abhilfe zu sorgen. Für den Neubau der Oberrealschule, welche auf dem Heuplatz. Ecke Linden- und Bahnhof- straße(Oenings Pari) errichtet werden soll, wurden 620 000 M. bewilligt; hiervon entfallen auf Baukosten 518 048. ans die innere Einrichtung 40 000, auf Grundstücksregulierung. Pflasterung und Umzäunung 27 951,29, auf Verzinsung des Baukapitals 34 000 M. Zum Schluß teilte der Magistrat noch mit. daß der Minister den ans drei Jahre bewilligten Zuschuß von 400 M. pro Jahr für die Hilfsschule wegen Mangel an Mitieln nicht mehr weiter zahlt. In allseitiger scharfer Verurteilung dieses Standpunktes beschließt die Versammlung trotzdem, die Hilfsschule weiter bestehen zu lassen. Die Ferien wurden wie im Vorjahre auf die Monate Juli und August festgesetzt._ Vermilcktes. Ueber das furchtbare AntomobilunglLck im Taunus wird in Frankfurter Blättern eine eingehende Darstellung gegeben. Der Hergang ist folgender: Am Sonntag war in Eppenhain ein Waldfest. Dorthin fuhren in der Frühe zwei Lastautomobile der Bürgerbrauerei Frankfurt. Die Rückfahrt wurde gegen sieben Uhr angetreten. Einige Bewohner der benachbarten Orte Ruppertshain und F i f ch b a ch baten die Chauffeure, sie mitzunehmen. Es fuhren nun etwa fünf Personen von Eppenhain aus mit. In Ruppcrts- Hain wurde Rast gemacht und in der Wirtschaft zum„Grünen Wald" eingekehrt. Dort befanden sich viele Leute aus Frankfurt, die ihre Angehörigen in der Anstalt Ruppertshain besucht hatten. Auch diese baten die Chauffeure, sie mitzunehmen. Diese weigerten sich an- fangs, nahmen sie aber doch auf inständiges Bitten mit. machten die Leute aber darauf aufmerksam, daß sie auf eigenes Nisilo mit- fuhren. In dem ersten Lastautomobil nahmen zwölf Personen Platz, im zweiten achtzehn. Drei Minuten nach der Abfahrt er- eignete sich auf der Landstraße nach Fischbach das Unglück. Während das erste Automobil an der Kurve knapp vorbeikam, fuhr das zweite Automobil gegen ein am Wege stehendes steinernes Kruzifix, daS in drei Stücke zerschmettert wurde. Die Stücke wurden dreißig Meter weit weggeschleudert. Ein Baum wurde infolge des Anpralls in Stücke zersplittert und hierauf das Automobil mit großer Wucht umgeworfen. Die Jnsaffen lagen jammernd und Hilfe- flehend an der Straßenböschung. Eine Frau Diehl auS Frankfurt war zwischen das zertrümmerte Steinkrenz und den Baum geraten und lag mit dem Gesicht aus dem Steingeröll. Die Brust war durch die Wucht, mit der sie gegen den Baum geschleudert worden war, eingedrückt und der Tod sofort eingetreten. Der zweite Tote, ein Herr Krauskops aus Frankfurt, lag nicht weit von seiner schwer verwundeten Frau. Letzterer hatte eine schwere Kopsverletzung an den Schläfen erlitten, die ebenfalls den sofortigen Tod zur Folge hatte. Der dritte Tote ist ein junger Mann aus Vockenhausen. Er lag ganz seitwärts in einem Wiescngraben und stöhnte furchtbar. Aeußerlich schien dieser Mann vollständig underletzt. Er starb aber während man ihn nach Höchst transportieren wollte. Die Verletzten, darunter eine Anzahl jammernder Kinder, lagen in buntem Durcheinander. Eine Frau, deren Kind an- scheinend schwer verletzt war. lag auf den Knien und rang Hilfe- flehend die Hände. DaS Blut strömte ihr über die Wangen. Frau KrauSkopf war vollständig faffungkloS. Sie warf sich über ihren Mann und flehte:„Macht mich doch auch tot!" Herzzerreißend war der Anblick der Kleinen und der jammernden Mutter. Der Chauffeur— er blieb unverletzt—, der 2vjährige ver» heiratete Valentin Eschcnbach, Lffenbacher Landstraße 35 in Sachsen- Hausen wohnhaft, wurde sofort verhaftet, da ihn die Schuld an dem Unglück treffen soll. Er gab zu. daß er eine verstärlte Eeschwindig- lreit an jener gefährlichen Stelle eingeschaltet habe. Als er daS Unglück vor Augen sah, bremste er mit aller Wucht, so daß der Hinterwagen ins Rutschen kam. Wegen einer gestohlenen Uuiform erschossen. Der Einjährig- Freiwillige Zander hat sich in Blankenburg a. H., Ivo er diente, er- schössen. Zander befand sich Pfingsten auf Urlaub in Nitzahn, wo ihm seine Uniform gestohlen wurde. Dieser Vorfall soll dem Haupt- mann in entstellter Form mitgeteilt worden sein, der ihn deshalb zur Rede stellte. Zander glaubte seine Karriere verdorben und er- schoß sich zum großen Schmerz seiner Eltern und Geschwister. Die Uniform wurde im Walde wiedergefunden. Vermutlich hat eS sich nur um einen Schabernack gehandelt, der nun ein so tragisches Ende gezeitigt hat. Mit ihren Kinder» rrtrSukt. Nach einer Meldung aus Lahr hat sich in Wittenweiler die 25 Jahre alte Ehefrau des Landwirts Wilhelm Schweitzer mit ihren drei Kindern, Mädchen im Alter von vier Monaten bis drei Jahren in der Elz ertränkt. Die Leichen sind gelandet. Gestrandet. B r e st, 30. Juni. Der mit einer Gerstenladung nach Hamburg bestimmte Dampfer„Orion" strandete, wie aus Brest gemeldet wird, gestern ftiih 4 Uhr auf der Höhe von Ouessant. Hinten unter der Wasserlinie ist ein breiter Riß entstände»». Ein Schlepper ist zur Hilfeleistung abgegangen. Berel« der Lehrlinge» jugendlichen Arbeiter«nd Arbeiterinnen Berlins und Umgegend. sA b t e i l u n a XV.) Heute abend 3 Uhr bei Ohnesorge. Markgrasenstr. 102.— Abteilung Weißensee. Heute abend 8 Uhr bei Weber, Friedrichstr 37. Lese- und Dtskutierklud„Südost". Heute abend 8'/, Uhr bei Tolksdors, Görlitzer istratz« 68. Diskutiertlub„Freies Wort". Heute abend bei Schulz, Schreiner- ftratz« 18._ BHefhalteti der Redaktton. XU turlNNcki« Sdrechstnnde Nnve» Lindenitrahe Str. 8, zweiter Hol, dritter ISingang, vier Treppen, MM- Fahrftnhl■CZkZ tnorfientäqlirt) abend« von 7*1, bi«»-/, Nvr statt.«leüstn-» 7 Ufte Sonnabends beginnt die Spreil, stunde um 0 Ufte. Jeder«niraa* ist ein Biichstnbe und eine Kaftl als Merkzetilien beizufügen. Briefliche Antwort wirb nicht erteilt. Eilige grasen trag« man in der Sprechstunde vor. I. M. 48. 1. Sie mützteu sich mit Ihren Miterben verständigen, eventuell gegen dieselben klagen. 2. Auch mit diesen mutzte eine Bcr> ständigung herbeigeführt werden. 3. Nein. 4. Ja. 5. Nein.— 2)t. K. 4S. Der MietStaler und Schadenersatz für durch Verschulden des Dienstboten zerbrochenes Geschirr kann nach der Kesindeordnung leider abgezogen werden.— K. S. IS. 1. London. 2. Sie mutzten sich mit der Organ:- salion in Verbindung setzen. 3. In England. 4. In der Schweiz. — A. H. Auch weniger würde genügen. Ob Rentabllilät vorliegt, hängt von einer Reihe von Umständen ab, die der in Betracht kommende selbst prüsen mutz.— Iii. Schulz IS. Da nach Ihrer Dar- stellung keine feste Vereinbarung, sondern nur eine Vormerkung statt- gesunden hat, hätte eine Klage wenig Aussicht aus Erfolg, — Pollow. Die Frau hatte keine Ansprüche, da sie nicht geklebt hatte. Witterungsübersicht vom 30. Juni 1908, morgens 8 Uhr. Bttitoncn Swinemde. ierli» antf.a M .tünchen Wien Fr Mi 2= 768 OSO 768 NNW 767NO 766 NO 765.W 7S4i Still aeiier heiter 3 halb bd. 3 halb bd. 3woltenl llwolkenl wollenl s 1 S 0 Siaiioue» aranda 765 N eterSburg 768 NNO Seillq llberdee» Paris 766 OSO 772 OSO 765 NO t Vetter »E c t» H tri& 6 better 1 bedeckt 3 bedeckt.. Iwolkenl 14 Lwolkenl 19 9 0 15 Wetterprognose für Mittwoch, de» 1. Juli 1008. Vorwiegend heiter und trocken, am Tage wärmer bel mäßigen nord- östlichen Winden. Berliner W etterburea» Wasserstands, Nachrichten der LiMdeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteM vom _ Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel. Tilstt B r e g el, Jnsterburg Weichsel. Thor» Oder. Nattbor „ Krassen . Franksutt Warthe, Schrnnm , Landsbcrg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg s)+ bedeutet Wuchs,— Fall,—•) Unterpegel. Für den Inhalt der Juierate übernimmt die Medaktion dem Publikum gegenüber teinerlei Berantwortung. Theater. Mittwoch, den 1. Jalt Anfang 8 Uhr. Dentiches. Die Brettlgråfin. Rammerspiele. Gelbstern. Neues. Nächte im Hampton- Klub. Schöps. Neues Schauspielhaus, Dollarprinzessin. Kleines. 2 × 2= 5. Berliner. Raffles. Die Schiller- Theater O. ( Wallner- Theater.) Morwit- Oper. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Wildschütz. Rom. Oper in 3 Atten v. A. Lorking. Donnerstag, abends8 Uhr: König für einen Tag. Freitag, abends 8 Uhr: Der Waffenschmied. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: ustivielhaus. Die blaue Maus. Ueber den Brenner nach Venedig. Schiller 0. Wallner Theater.) Der Wildschütz. Friedrich Wilhelmstädt. Schau: spielhaus. Die Diebin. Thalia. Der Mann mit dem Monocle. Westen. Ein Walzeitraum. Neues Operetten. Der Mann mit den drei Frauen. Bernhard Nose. Im Haufe der Sünde. Metropol. Das muß man seh'n. Apollo. Die süßen Grifetten. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Bajjage. Berlin in Stimmung. Spezialitäten. Carl Saverland. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sånger. Walhalla. Spezialitäten. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Sternwarte, Invalidenftr. 57162. Z COLOGISCHER CARTEN Heute Mittwoch, nchm. 4 Uhr: Großes Wohltätigkeitsfest. 3 Militär- Kapellen. Illumination. Feuerwerk. Sommernachts- Ball. Eintritt 1 M. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Brunnen- Theater Badstraße 58. Direkt.: Willi Volgt. Täglich: Neue Welt. Hasenheide 108-114. Großes Kinderfreudenfest verbunden mit Gratisverlosung: 1. 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Berliner Reichstags- Wahlkreis. Todes- Anzeige. Am 26. Juni verstarb unser Mitglied, Partei- Speditionen: ebber Rischler Zentrum I: Friz 8inte, Mauerstr. 89. Zentrum II: Albert Hahnisch, Auguftstr. 50, Eingang Joachimstraße. 2. Wahlkreis, Besten: Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14, Hochparterre. Süden und Südwesten: Hermann Berner Gneisenauftr. 72, Laden. 3. Wahlkreis: St. Frit, Prinzenstr. 31, Hof rechts part. 4. Wahlkreis: Diten: Robert Wengels, Rüdersdorferftr. 3, am Küstrinerplaz. Wilhelm Mann, Petersburgerplak 4( Laben). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Laufiperplaz 14/15 ( Laden). 5. Wahlkreis: Leo 8ucht, Immanuelkirchstr. 12( of). 6. Wahlkreis( Moabit und Hansaviertel): Karl Anders, Salzwedelerstr. 8, im Laden. Wedding: Karl Weiße, Nazarethkirchstraße 49. Rosenthaler und Oranienburger Vorstadt: Hermann Raschte, Aderstr. 36, Eingang Anflamerstraße Gesundbrunnen:. Trapp, Stettinerstr. 10. Schönhauser Vorstadt: Start Mars, Shchenerstr. 123. Alt- Glienicke: Wilhelm Dürre, Rudowerstr. 83 II. ata Täglich: Theater- Vorstellung, Charlottenburg: Guftab Sharnberg, Sesenheimerstraße 1, Ede Spezialitäten und Ball. 3t2zz, validents. 67/62. Ilange Spenalitäten. Neu: Biccards tomische Pantomime: Mensee: % 81le, Sigmaringenftr. 5. Berliner Theater. Täglich: Raffles. Der deutsche Michel. Erfiklaffige Spezialitäten. Karl Braun, Berwandlungs- Stünstler. Die Einbrecher von New York. Mirzl v. Wenzi, un tamer. Seben bend Berlin steht Kopp. Eröffnung 2 Uhr. Anfang 5 Uhr. Paul Coradini. N Borverkauf von 10 Uhr ab. Kleines Theater. Passage- Theater. Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Donnerstag: 2 mal 2= 5. Freitag: 2 mal 2= 5. Sonnabend: 2 mal 2= 5. Sonntag: 2 mal 2 = = 5. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Ein Walzertraum. Operette von Dstar Strauß Friedrich- Wilhelmstädtisches 8 r. Schauspielhaus. 8 ur. Gastspiel Direttion Pilz. Zum 1. Male Die Diebin. Sensationsschaufp. in 4 Att. v. Lellane. Donnerstag: Die Diebin. Freitag: Die Diebin. Lustspielhaus. Sommerpreise. Abends 8 Uhr: Die blaue Maus. DERNHARD ROSE THEATED ( Gr. Frankfurter Str. 132. 8 Uhr. Sommerpreise. Im Hause der Sünde ( Um eine Liebesnacht). Ein Drama bes Sinnenraufes in vier Aften von Marimilian Braun. Metropol- Theater Bum 284. Male: Das muß man seh'n Revue in 12 Bildern m. Gef. und Tanz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. a pollo Theater Heute 10 Uhr: Premiere: London Suburbia. Szenen aus Londons Borstadtleben. Engl. Burlest- Bantom. in 2 Bildern. 1. Bild: Ein ruhiges Zimmer zu berm. 2. Bild: Die lieben Nachbarn. Ausgef. v. Bert Bernards Orig. Komp. Borher 8 Uhr: Debüts der neuen Spezialitäten. Der größte Saisonerfolg Gastspiel Willi Agoston in der tollen Burleske Berlin in Stimmung! Das Tollste vom Tollen und die neuen Juli- Spezialitäten. ValhallaWalhal Variete- Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Spezialitätenvorst. Im Garten. Bei schlecht. Witterung i. Theater. Neues Programm. Anf. der Borstellg. 8 Uhr. Anf. des Gartentonz. 7 Uhr. 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Königs- Wusterhausen: Friedrich Baumann, Amtsgarten 3. Köpenick: Friedrich Woid, Stiegerstr. 6, Laden. Friedenau- Steglitz- Südende:. Bernfee, Schloßftr. 119, Hof I, in Steglik. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppelstr. 82, und Fr. Shellha se, Ahornstr. 15 a. Mariendorf: Hermann Reichardt, Chauffeefir. 27. Baumschulenweg:. Hornig, Marienthalerstr. 13, L Treptow: Rob. Gramenz, Riefholzstraße 412, Laben. Neu- Weißensee: Kurt Fuhrmann, Sedanstr. 105, parterre. Schönholz: Reinickendorf Ost, Wilhelmsruh B. Gurich, Grünerweg 46 I. Tegel, Borsigwalde Wittenan und Waidmannslust, Hermsdorf und Reinickendorf- West: Baul Stienas, Borsigwalde, Räuschstraße 10. Pankow- Niederschönhausen: Mühlenstr. 73. Bernan- Röntgental: Heinrich Brose, Hobefteinste. 74, part. Eichwalde, Zeuthen, Miersdorf und Hankels Ablage: Erich 8 immermann, Eichwalde, Kaiser- Friedrich- Straße 8. Teltow: Wilhelm Sejler, Hobersteinweg 7. Boltsstud aus dem Berliner Leben. 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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden meiner Iteben Frau Marle George fage ich allen Freunden und Bekannten, insbesondere den Kolleginnen und Kollegen sowie dem Verbande der | Buchbinder meinen besten Dant. 30155 Martin George. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme fotoie für die Stranzspenden bei der Bes erdigung unferes unvergeßlichen Sohnes und Bruders Hermann Glogau fagen mit allen Freunden, Bekannten und Verwandten, insbesondere dem Gesangberein Liederlust unferen herzlichsten Dant. 30165 Die trauernden Hinterbliebenen. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Variétésterne. Burleste von Megsel. Meysel als Saharet. Britton als Isadora Duncan. Anf. Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. ax Kliems Ma Sommer- Cheater. Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Bernhard Langa. Taglia: Großes Konzert, Theaterund Spezialitäten- Vorstellung. Mittwoch: Kinderfest. Donnerstag: Elite- Tag. Volksgarten- Theater am Bahnhof Gesundbrunnen. Täglich: 1001 Nacht. 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Zu dieser Versammlung find alle Wähler freundlichst eingeladen. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 227/ 18* Der Einberufer: H. Sauerweier, Marstr. 16. Kranken- Unterstützungsbund der Schneider. Donnerstag, den 2. Juli, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause ( Saal 5), Engel- Ufer 15: DF Versammlung 1. Abrechnung vom 1. Quartal. 2. Kassenangelegenheiten. 163/9 Die Ortsverwaltung. Orts- Krankenkasse des Maurergewerbes zu Berlin. Jhr Hut Donnerstag, den 9. Juli 1908, abends 8½ Uhr, in den Arminhallen, muss gereinigt werden Kommandantenftr. 58-59: Außerordentliche General- Versammlung mit Hutwäsche 81452* der Bertreter der Kaffenmitglieder und der Arbeitgeber. Feuerrad Zages Ordnung: 1. Beschlußfaffung über die vom Oberpräsidenten unterm 25. Mai 1908 angeordnete Abänderung des§ 30 des Kaffenstatuts betreffend Erhöhung ber Beiträge. 2. Verschiedenes. Berlin, den 29. Juni 1908. 2. Daehne, Borsitzender. Der Vorstand. 30115 1 Pack 25 PL. C. Gimanomstt, Schriftführer. Konsum- Verein für Tegel und Umgegend. ( Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht.) Donnerstag, den 9. Juli, abends 8 Uhr, bei Gö in Tegel, Schloßstr. 7-8: General- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Berichterstattung vom Berbandstag und Genoffenschaftstag. 3. Bahl von 2 Borstandsmitgliedern. 4. Ergänzungswahl des Aufsichtsrats. 5. Verschiedenes. 106/6 Schwarzer Friedrichsberg. Fernsprecher Nr. 8. Der Aufsichtsrat. Jeden Mittwoch: Adler Frankfurter Chaussee 5. Großes Militär- Konzert ausgeführt von der Jugendwehr. Soiree der Apollo- Sänger. Nach der Borstellung: Familien- Kränzchen. Jede Buchhandlung liefert gegen Abgabe der vollen Karten Die Bücher des Deutschen hauses vollständig gratis. 3 Pack 65 Pt. ZurRenovierung bereits gefärbter Hüte in gleicher Farbe od. dunkler 1 Pack 35 Pf., 3 Pack 1 M. Fritz Kratz, Berlin N. 89 Reinickendorferstr. 119. In allen Drogerien, Apothek. usw. 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