s». ■Soraiontnlä> Preis»rSimmermrd«, SierteijShrl. tXO KL, aunofl. 1,10 Ml, wöchenttick 23 U«. frei M Hau». Einzeln« Rum»« S Pi» Ponnlag«. munrn« mit iSaftrkit« Komitag»» Beilage.Die Reue SEctt* 10 Big, Post- «donnemeut: 1.10 Mark pro MonaL eingetragen in die Post. Zeitung»- PreiZIist«, U-lt« Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für da» übrige«uÄand 3 Marl dr» MonaL Poftabonnement» nehmen an: Belgien. DünemarL embuqh PorMgal» OHM tust afia nntut. 25*- Vevlinev Volksblcrkk. ZcntvaXovgan der fozialdcmokrati fcbcn parte» Deutfcblande. Mt InferHons-GrtOUr betrügt für die sechsgespaltene Kolonel- »eile od« deren Raum 60 Psg, für polilifche und gewerlschastliche Verein»- und BersammIungS-Anzeigen 30 Pfg. »Meine Snreigen", da» erste sseU- gedruckte)«ort 20 Pfg., jede» weiter» «ort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- »tcllen-Anzeigen da» erste«ort 10 Mg, gete» weitere Wort 6 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte., Inserate für die nächste Nummer müssen- bi» 5 Uhr nachmittags in der Expedition «hgegeben werden. Die Expedition>ff bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse: »SuIitlaunoMI BcrllD". Redahtiom SA. 68, Lindenstrasec 69, Ser« spreche»:«ml IT,«r. 1983. Expedition i SM. 68, Ltndenstraeec 69* Sernsprechrr:«ml IT, Nr. 1984. lllakregewng zweier Lehrer. Eine volles Schlaglicht auf die unwürdige Stellung, die unsere Behörden ihren Beamten, auch dem VolkSschul- lehrer stände, zumuten. wirst ein Vorkommnis. das sich in diesem Frühjahr abgespielt hat. Am 26. Januar d. I. feierte der Kriegerverein Josefow o und Umgegend im Kreise Mogilno den Geburtstag Wilhelms II. Bei derartigen Feiern sind es häufig Lehrer, die um die Uebernahme der Festrede ersucht werden. Auch am 26. Januar hatte der in Josefowo angestellte Lehrer P. G. die Festrede übernommen. Der Lehrer beging nun die Unvorsichtigkeit, nicht die bekannte schablonenhafte Verherrlichungsrede zu halten. die man wohl von ihm erwartet haben mochte, sondern eine von freiheitlichen Anschauungen getragene Ansprache. Er leitete gleichwohl seine Ausführungen mit einem Dythirambus auf Wilhelm II. ein. Er sagte u. a.: .Wilhelm II. ist bis jetzt der glänzendste Vertreter des neugegründeten Deutschen Reiches.... Wenn Wilhelm IL daS Kaisertum im Innern befestigt hat, so hat er andererseits das Ansehen deS Deutschen Reiches gegenüber dem Aus- lande nicht bloß erhalten, sondern auch um ein Bedeutendes vermehrt, erhöht. Deutschland kann und darf nicht mehr fehlen im Rate der Böller.... So dürfen wir wohl mit S t 0 z uns rühmen, daß gegen- wärtig kein anderes Volk der Erde solch einen Herrscher aufzuweisen hat, wie das deutsche Volk. Alle Welt richtet die Augen auf ihn. Ueberall hat er glühende Verehrer und Bewunderer, aber auch Neider und Hasser, wohl auch ehrliche Feinde und Gegner. Denn wer ein Kämpfer sein will wie Wilhelm II., der muß es sich auch gefallen lassen, daß die Art und Weise seines Kampfes kritisiert Werde.* Im weiteren Verlaufe seines Vortrages entwickelte der Festredner dann Ansichten, die allerdings zu den sonst krieger- vereinsüblichen Anhimmelungen gekrönter Häupter in merk- lichem Kontrast standen, die aber keineswegs das überschritten, was etwa ein Nationalsozialer oder ein Anhänger der liberalen Demokratie zu sagen pflegt, und die überall mit Respekt vorgetragen wurden. Der Redner führte aus. daß man heutzutage kein Fürstentum mehr kenne, das auf steiler Höh' über dem Volke stehe, sondern nur ein solches, das im Volke stehe und wurzele, darum aber um so fester stehe. Sei Wilhelm II. eine Persönlichkeit, so müsse auch jedermann im Volke, der seinen Platz auszufüllen gedenke, ein Mann, eine Persönlichkeit sein. Wenn so jeder seine Pflicht erfülle, der Fürst und das Volk, wenn eine gegenseitige Liebe die Bürg- schast gebe, daß Fürst und Volk zusammengehörten, dann könne das deutsche Vaterland einer Zukunft entgegensehen, wie sie den besten und edelsten Geistern der Nation vor der Seele geschwebt habe. Nicht mit äußerem Glanz, in äußerer Machtcntfaltung möge das deutsche Volk seinen Ehrgeiz suchen. Der Krieg würde sich einst überleben und als eine Verirrung des Menschengeistes betrachtet werden, die des Menschen im 26. Jahrhundert nicht mehr würdig sei: .Das deutsche Volk soll sich wieder besinnen auf seine Aufgabe, mit der Fackel des Geistes den Völkern voranzuleuchten auf dem Wege der Entwickelung. sie mit sich herauszuwcisen aus der Dämmerung zum Licht. Dann werden die Früchte seines Strebens ihm und der Menschheit nicht zum Schaden, sondern zum Segen gereichen." Neues, vielgestaltiges Leben rege sich; daS deutsche Volk befinde sich in einer Zeit des Werdens, des Neugestaltens. Neue Strebungen und Reformen regten sich überall. Es sei nicht Sache des Vereins, Politik zu treiben, wohl aber sei es die Pflicht jedes Staatsbürgers, sich mit dem Volksleben vertraut zu machen, die verschiedenen Parteien in ihren Zielen und Bestrebungen kennen zu lernen. Es sei falsch, von staatserhaltenden und staatszerstörenden Parteien zu sprechen. Er. Redner, kenne keine im Reichstag vertretene Partei, die den Staat zerstören wolle. Er wolle keines- Wegs für die Sozialdemokratie werben: .Unser Vaterland würde erst vollen Nutzen von ihr haben, wenn aus Sozialdemokraten mehr soziale Demokraten werden, die über ihrem Parteiinieresse nicht das Wohl des ge« samten Volkes aus dem Auge verlieren. Doch gilt diese Forderung ebenso, wenn nicht in höherem Maße, von den angeblich staatS- erhaltenden Parteien, die als solche mit besserem Peispicl voran- gehen müssen. Unsere Demokratie wäre nicht so radikal, wenn eS keine preußischen Junker gäbe." DeS weiteren warnte der Redner davor, einen über- triebenen Kult mit dem Kaiser zu treiben; leider nehme die »elende Untertanengesinnung, die nur das Gehorchen kennt, Kriecherei und Heuchelei im Gefolge hat. erschreckend zu": .Heute darf kaum jemand, der vom Staate irgendwie abhängig ist, seine Meinung frei äußern, ohne für seine Existenz zu fürchten.... Und ich scheue mich nicht, hier in diesem Verein zu sagen: Auch unser vielgepriesenes deutsches Heer ist mit seiner Erziehung zum blinden Gehorsam keine Schule für die Entfaltung freier Persönlichkeit----« Man kann sagen, daß diese Rede des noch jugendlichen und von ehrlichem Enthusiasmus beseelten Lehrers für einen Kriegerverein vielleicht deplaziert war. Freilich nur deshalb. weil die von ehemaligen Offizieren und ,, gesinnungstüchtigen" Beamten beherrschten Äriegervereine die Brutstätten des ödesten Byzantinismus und des devotesten Untertanengeistes sind. Aber man wird zugestehen müssen, daß der jugendliche Lehrer �absolut nichts gesagt hat, waS nach umstürzlerischer 'Gesinnung, nach einem„roten" Glaubens- bekenntnis röche, sondern daß seine Ausführungen ledig- lich jenen Idealismus spiegeln, der das deutsche Bürger- tum in seinem freilich längst verschollenen Blütezeitalter be- stelle, der aber immerhin noch bei den nationalsozialen und liberaldemokratischen Resten des Bürgertums auch heute noch zu finden ist. Was aber geschah mit diesem Spätling des bürgerlichen Idealismus? Er tvurde gemaßregelt! Er wurde seines Lehramtes ent- hoben! Bereits vier Wochen nach dieser Rede fand sich, nachdem man schon vorher die anstößige Rede eingefordert hatte, der Schulrat B. in Josefowo ein, um den fürwitzigen Festredner zu verhören. Der Schulrat erklärte, daß die vorgesetzte Schulbehörde vornehmlich an sieben Stellen der von uns im Auszug wiedergegebenen Rede Anstoß genommen habe. Der Lehrer G. gab zu Protokoll, daß er bedauere, im Kriegerverein derarttges gesagt zu haben und daß er in Zukunft ähnliche Anschauungen bei solchen Gelegenheiten nicht mehr öffentlich wiederholen wolle. Worauf ihn der Regierungs- und Schulrat ftagte:„Und Sie p e r s ö n- lich halten diese Behauptungen aufrecht?" Der Besragte antwortete:„Jawohl, solange bis mich in Zukunft die eigene Ersahrung eines anderen belehrt hat." Trotz- dem ließ sich nach 2'/sstündiger Verhandlung B. auch noch zu der Erklärung herbei, daß er seine Ausführungeil nicht im vollen Umfange aufrecht erhalte. Aber all' das nützte nichts. Bereits am 11. März erhielt der Lehrer folgende Verfügung: .Sie haben durch Ihr außeramtliches Verhalten in gröblichster Weise die Pflichten verletzt, die Ihr Amt Ihnen auferlegt und sich der A ch t u n g, des A n s e h e n s und des Vertrauens, die Ihr Beruf erfordett, unwürdig gezeigt. Wir entlassen Sie daher auf dem Disziplinarwege«it dem 31. März d. I. aus dem Schuldienste." Vergebens wendete sich der entlassene Lehrer an die höheren Instanzen. Vergebens pettttonierte er unter Ein sendung seiner Rede an das Ministerium! In so schamloser und brutaler Weise übt die Regierung Terror! Mit solcher Rücksichtslosigkeit sucht sie mit der Hunger peitsche den Volkserziehern den nichtswürdigen Grundsatz einbläuen:„Ich habe ein Amt, aber keine Meinung!" Aber damit nicht genug I Ein anderer Lehrer, der seiner Zustimmung zu der Rede seines Kollegen durch vernehmliches Bravo Ausdruck verliehen hatte, sollte ebenfalls zu Protokoll einen runden und netten Widerruf vollziehen. Da er das ablehnte, erhielt er am 6. April von der Regierung ein Urteil, durch das sein Verhalten auf das schärfste miß billigt wurde. Man erwartete in Zukunft, daß er sich seiner verantwortungsvollen Stellung als Lehrer bewußt bleibe I Am 6. Mai aber wurde ihm durch die königliche Regierung eröffnet, daß er zur zweiten Prüfung, zu der er bereits zugelassen war, nicht zugelassen werden könne, da ihm die erforderliche sittliche Reife noch fehle! Und die Vertreter einer Regierung. die so brutale Matzregelungsakte veranlaßt resp. gutheißt, besitzen noch die Sttrn, von sozialdemokratischem Terrorismus zu sprechen I Pommeriche Candtagswaljlen. Aus Stettin wird uns geschrieben: .Rücksichtslose Ausbeutung der politischen und wirtschaftlichen Suprematie dort, die völlige Unfreiheit, die politische Erschlaffung hier!" So rechtfettigten liberale Blätter daS Ergebnis der Landtagswahlen in Pommern und llagten gleich zeitig in bewegten Tönen, daß sich in der.liberalen Aera' gegen früher nichts geändett habe! Junkerliche An maßung und behördlicher Terror haben in der Tat in Verbindung mit der öffentlichen Abstimmung den Volkswillen kräftig gefälscht. Nicht nur auf dem Lande, auch m den Städten war die Wahlbeteiligung teilweise eine wahrhaft jämmerlich geringe. So haben z. B. in der vorpommerschen Stadt Grimmen nur 13,7 Proz. Wähler von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht! Die Liberalen haben geradezu blamabel abgeschnitten. Städte, die an dem Ergebnis der Reichstagswahl gemessen. als liberale Domänen bezeichnet werden können, haben völlig versagt. Und zwar zeigt sich in Bor- wie in Hinterpommem das gleiche Bild. Diesen liberalen Mißerfolg kann man mit dem oben zitterten Satz allein nicht erklären, die Ursachen liegen ttefer. Der.ent- schiedene" Liberalismus geht in Pommern aus denselben Gründen den Krebsgang, wie im Reiche überhaupt. Im Vergleich zum Liberalismus hat sich die Sozialdemokratie glänzend behauptet. Stettin hat seine Sttmmenzahl f a st der- doppelt, in Stolp(im hintersten Pommern!) stimmten mehr als die Hälfte aller an den Wahltisch gettetenen Wähler für die Sozialdemokratie, in K 0 l b e r g und K ö S l i n ist die Sttmmen- zunähme erheblich. Auch im.liberalen" Vorpommern ist unser Erfolg teilweise eine glänzender. Hervorgehoben sei hier vor allen Dingen Wolgast, wo die Bajonette der In- fanterie und der selbstherrliche Hochmut eines.liberalen" Unter- uehmers ihr» agitatorische Kraft erfolgreich bewieftn. Auch viele ländliche Orte der Provinz haben trotz der öffentlichen Wahl für uns votiert. In dem Jndustrieort Poi.imereiisdorf bei Stettin blieb dem Liberalismus— ein ganzer Wahlmann in einer der ersten Abteilungen. Alles in allem können wir recht zufrieden sein. Dabei haben Unternehmer und Behörden das Möglichste geleistet, die Wähler zu schikanieren. Die Anklamer Zuckerfabrik gab die Parole auS:.Wer konservativ wählt, erhält die versäumte Zeit bezahlt, tvcr anders wählt, dem wird sie abgezogen". Die Mehrheit der Arbeiter und sogar der Beamten blieb unter solchen Umständen der Wahl fern. Der UkaS des Eisenwerks.Kraft" in Kratzwieck wurde im„Vorwärts" bereits erwähnt. Das tollste leistete der Gemeindevorsteher in Scholtvin, welcher noch nicht einmal die Hälfte aller Wahlberechtigten in die Liste eintrug. Als er die starke Anzahl der herankommenden Wähler sah, äußerte dieser Herr gemütlich:.Die werden sich sehr Wundern, die stehen alle nicht in der Liste!" Von etwa 250 Wahlberechtigten waren ganze 90 in die Liste eingetragen. Zirka 150 bis 200 Arbeiter sind auf diese Weise um ihr Wahlrecht gebracht worden. Merkwürdiger- weise sind alle jene nicht eingetragen, von denen man annehmen konnte, daß sie nicht konservativ wählen würden. Ausgelegen sollen die Listen haben, aber es weiß niemand etwas davon. Die„ortS- übliche" Bekanntmachung, der sog. Umlaufszettel, soll irgendwo hängen geblieben sein. Von einer die Auslegung der Abteilungs listen betreffenden Bekanntmachung scheint vollständig Abstand genommen zu sein, denn auch davon weiß niemand. Bei der Wahl selbst ging es konservativ-gemütlich zu. Als ein Wähler die Namen der beiden Abgeordnetenkandidaten nannte, be- lehrte ihn der Herr Ortsvorsteher— der die Wahlhandlung auch leitete— daß diese erst in Greifenhagen gewählt würden und nannte ihm die Namen der Wahlmänner. Ein Wähler wollte den Ortsgewaltigen selbst als Wahlmann wählen, wurde aber von ihm dahin beschieden, daß er bereits in der dritten Abteilung gewählt sei und daß deshalb die Herren O. und Z. zu wählen seien! In K ö r l i n agitierten die Konservattven im Wahllokale selbst. In K ö S l i n wurden im 11. Bezirk konservative Wahlmänner gewählt, die nicht in dem Bezirk wohnten. Den unsererseits so- fort erhobenen Protest unterließ der Wahlvorsteher einfach zu protokollieren I Ebenso ging es im 10. Bezirk. Wo Konservative mit Sozialdemokraten zur Stichwahl standen, schlugen sich die Liberalen(im Wahlkreise des Herrn Barth!) auf die Seite der Wahlrechtsfeinde l In anderen Kreisen ist es übrigens ebenso gewesen. Die Sozialdemokratte darf mit dem Ergebnis der Wahlen vor« erst sehr zufrieden sein. Daß das Gewonnene behauptet und Neues dazu erobert wird, dafür hat die Arbeit der Genossen zu sorgen. Sie ist schwer, sehr schwer, aber dafür birgt Pommern auch noch viel Neuland für unsere Partei. Und solche Erfolge, wie sie die letzte Wahl brachte, reizen zu den äußersten Anstrengungen. Wik an der Aailerkante. In Altona sind vor kurzem zwei Urteile gefällt worden, die sich, wenn auch das Strafmaß sehr verschieden ist, innerlich so sehr gleichen, daß man auf den Gedanken kommen könnte, sie müßten beide von demselben Kollegium herrühren. Das ist indes nicht der Fall— das eine dieser Urteile ist ein Ausfluß der Militär« j u st i z, das andere ist von Zivilrichtern ausgegangen. Beide gleichen einander darin, daß sie sprechende Zeugnisse jener Justiz sind, die da glaubt, über den Klassengegensätzen zu stehen, während sie in der Tat mitten dann steckt. DaS Oberkriegsgericht der 17. Division zu Altona hat den Arbeiter L i e b s ch verurteilt, der eine Aufforderung, sich zur Konttoll- Versammlung zu stellen, mit einem Bttefe beantwortet hat, in dem er u. a. sagte, er habe dem Kapitalistenstaate samt allen seinen Ein- richtungen den Krieg erklärt, der Militarismus fei die scheußlichste Institution, deren leitende Persönlichkeiten seien Päderasten, der Zweck dieser Einrichtung sei die Ausbildung zum Morde, sollte man gegen ihn vorgehen, so würde er mit Repressalien antworten usw. Diesen Brief veröffentlichte er außerdem mit seiner Namensunterschrist in dem in Berlin erscheinenden Anarchistenblatt.Der Revolutionär". In der Untersuchungshaft hatte er einer ganzen Anzahl militärischer Vergehen sich schuldig gemacht, wie Ungehorsam, Achtungsverletzung, Bedrohung usw., so daß Zweifel an seiner ZurechnungSfähigkeit entstanden. Irrenärzte, die ihn in einer Anstalt längere Zeit beobachteten, erklärten ihn jedoch für zurechnungsfähig. Das Kriegs« gericht verurteilte ihn wegen seiner Handlungen zu der barbarisch harten Strafe von zwei Jahren und neun Monaten Ge« f ä n g n i S. Das genügte aber dem Gerichtsherrn nicht. Er legte Berufung ein, und das Oberkriegsgericht ttat in Aktton. Der Vertteter der Anklage beanttagte fünf Ja.hre Gefängnis— das Oberkriegsgericht erkannte auf sechs Jahre Gefängnis in An- sehung der staatsgefährlichen Bestrebungen des An- geklagten, seiner unerhörten Dreistigkeit und der schweren Gefährdung der Disziplin. Das Urteil ist von einer Furchtbarkeit, die wohl kaum noch zu übertreffen ist! Der Umstand, daß der Angeklagte unter dem Zwange einer Ueberzeugung gehandelt, daß er seine Tat für sittlich gehalten hat, ist ihm von den Militärrichtern nicht als mildernder Umstand, sondern offenbar als verschärfendes Moment angerechnet. Denn die Ueberzeugung, aus der heraus er gehandelt hat, erscheint den Richtern verbrecherisch: sie ist st a a t s g e f ä h r l i ch l Das ist die Tendenz in offenster Form! Milde Militärrichter kann man öfter sehen— wenn Sola datenschinder auf der Anklagebank sitzen. Für 500 Miß, Handlungen M es kaum sin SeMl ftx Siraie. djg üta Sutdä Verhängt wurde. Aber freilich, die Soldafenschinder habeki lein? «.staatsgefährlichen Bestrebungen". Jin Strafmaß nicht zu vergleichen ist mit diesem Urteil der Militärjustiz das Urteil des Altonaer Landgerichts gegen die Ge- nassen Waberskh Und Petersson vom Hamburger -«.Echo" und den Genossen Rosbitzki in Wandsbek auf die Klage eines kleinen Sozialistentöters. Wir haben das Urteil seinerzeit kurz mitgeteilt, es lautet aufZMonate Gefängnis gegen WaberSky, auf je 300 Mark Geldstrafe für Petersson und Rosbitzki. Liest man es so, so wird man das Strafmatz zwar als hoch empfinden, aber da man daran in Pretzprozessen in Deutschland gewöhnt ist, nichts Besonderes darin erblicken. Auffällig wird es schon, wenn man hört, daß die erste Instanz— das Landgericht urteilte als Berufungsinstanz im Privatklagevcrfahren— die drei Beklagten nur zu je 50 M. Geld- strafe verurteilt hatte. Die ganze Ungeheuerlichkeit des Urteils aber kann man erst erkennen, wenn man erfährt, was denn der Gegenstand der Klage und das Ergebnis der Beweisaufnahme war. Der Kläger, ein Hamburger Volksschullehrer und Mitglied des Reichslügenverbandes, Karsten Brandt heißt er, hatte gellagt, weil ihm Rosbitzki, auf Angriffe Brandts erwidernd, in zwei Versamm- lungen erklärt hatte, daß der Herr Gegner, der angeblich den Mittel- stand von der Sozialdemokratie retten wolle, diesen Mittelstand durch Nichtbezahlung seiner Rechnungen schwer schädige. Die beiden anderen Genossen hatten Berichte über die Rosbitzkischen Worte im„Echo" verantwortet. Die Beweisaufnahme ergab nun ein geradezu erdrückendes Material für die Wahrheit der Rosbitzkischen Behauptung. Neun Geschäftsleute, zwei Schulrektoren, mehrere Kollegen mutzten zu- Ungunsten Brandts aussagen. Die Schulbehörde hatte seine Kollegen vor seinen Darlehnsversuchen amtlich gewarnt. Kurz, der Herr Mittelstandsretter wurde der Angeklagte und der moralisch verurteilte. Aber Herr Brandt verlor deshalb den Mut nicht. Er strich seine Tätigkeit als Bekämpfer der Sozialdemokratie gehörig heraus. And er erreichte das oben angeführte Urteil, dessen Strafmatz bei WaberSky mit den vielen Vorstrafen deS Sünders motiviert wurde. Man versteht nun, weshalb wir dies Urteil zu dem des Ober- kriegsgerichtS in Parallele setzen. Es ist aus demselben Geiste ge- iboren. In erstcrcm Falle ist der hart Verurteilte ein Mann, der «.staatsgefährliche Bestrebungen" Nährt, im zweiten der streng gerächte Kläger ein Mann, der„staatsgefährliche Bestrebungen" 'gekämpft. Preußische Justiz! Denn nicht bloß in Altona gn der Wasser- kante chird so gerichtet._> politifcbc ücbcrfkbt. Berlin, den 4. Juli 1908. Der Freisinn für indirekte Steuern. Die„F reis. Z t g.", die jetzt täglich über Barthianer vder noch nicht ganz und gar verblockte Mitglieder der„Frei- sinnigen Vereinigung" herfällt, verlangt heute kategorisch den Ausschluß des Abgeordneten Potthoff wegen eines Ar- tikels über die Reichsfinanzreform. Herr Potthoff kommt darin zum Schlüsse, daß es bei den gegenwärtigen politischen Berhältnissen ohne neue indirekte Abgaben nicht gehen werde. Da aber der Freisinn die Besteuerung notwendiger Lebens- mittel und unentbehrlicher Gebrauchsgegenstände ablehnen müsse, so werde er sich-an der Finanzreform nicht beteiligen können. Das ist es, was die Wut der„Freisinnigen Zeitung" erregt hat. Sie ist zu„ernster Mitarbeit" an der Finanz- reform entschlossen. Für sie ist die Notwendigkeit indirekter Steuern kein Hindernis. Sie sagt auch mit keinem Worte, daß die geplante Besteuerung des Tabaks, des Bieres, des Branntweins und der Elektrizität für sie unannehmbar sei. Aus guten Gründen, denn für den Blockfreisinn gibt es nichts mehr, was für ihn unannehmbar wäre. Es hat allen Anschein, daß wir den Freisinn noch immer überschätzt haben, als wir meinten, er würde bei der Reichsfinanzreform dieselbe Komödie spielen wie beim Vereinsgesetz. Diesmal spielt er nicht einmal mehr Komödie, sondern ist entschlossen, dem Raub der indirekten Steuern nicht nur keinen Wider- stand entgegenzusetzen, sondern ihp mit„patriotischem" Eifer mitzumachen. Es wird der Sozialdemokratie allein überlassen sein, den Widerstand des Volkes gegen die Ausplünderung wachzurufen. Das Papageno-Schloh. Nicht nur die Behörden üben Terror, nicht nur die Minister erlassen Ukase gegen die freie Meinungsäußerung, sondern auch die Ministerselbstsiehenunter dem von den Scharf- «nachern verhängtenTerrorl Das zeigte sich, als der Redner der sozialdemokratischen preußischen Landtagsfraktion am Sonnabend einen Minister auf die Beine gebracht hatte. Zwar spendete die Scharf- '»nachermehrheit des Landtages den unsäglich belanglosen Redens- arten des Finanzministers ostentativen Beifall, aber gleichwohl hat sich Herr v. Rheinbaben durch seine Berlegenheitöphrasen nicht den Dank der Scharfmacher erworbenl Vielmehr wurde ihm in der Scharfmacherpresse, der„P oft", der„N a t i o n a l« Zeitung" und den Blättern ähnlichen Kaliber? ein derber Rüffel dafür zuteil, daß er sich überhaupt zu einer Antwort habe �provozieren lassen. Die Minister hätten im Reichstagesowohl wie im ''Landtage die verdammte Pflicht, ihren Mund zu halten, »damit nicht den sozialdemokratischen Reden ein„Relief" verliehen werde. Herr v. Rheinbaben beherzigte denn auch diese Weisung der Scharfmacherund blieb amDienstag den Verhandlungen des Landtages vollständig fern, um ja nicht in Ver- suchung zu geraten, dem Gebot der Scharfmacher zuwider zu h andelnl An seiner Stelle stammelte der Kultusminister v. Holle einen Satz herunter, der nicht nur bei der Sozialdemokratie, sondern auch auf der Rechten das Gefühl ehrlichsten Mitleids erregt haben mag. Trotzdem aber Herr Holle— was ihn bei seinen intellektuellen, jeden- falls seinen rednerischen Fähigkeiten keine Ueberwindung kostete— nur einen einzigen Satz, eine einzige jammervolle Verlegenheitsphrase von sich gab. entging auch er nicht dem Lose des Finanzministers. wegen seiner Entgegnung von den Scharfmacherblättern derb abgerüffelt zu werden, Zu dem Scharfmachergesindel, das den Ministern ein Papageno- schloß vor den Mund legen will, gesellt sich nun auch die„Köln. Volkszeitung". Sie schreibt: „Bei dieser Gelegenheit trat bereits eine kleine sozialdemo- kratische Gruppe, welche aus den Neuwahlen hervorgegangen ist. in Aktton; man hatte den Eindruck, daß sich namentlich der Finanzminister mit größerer Vehemenz gegen dieselbe wandte, als nötig und rätlich erschien." Wenn das konservativ-nationalliberal-ultramontane Scharfmacher- 'voll die preußischen Minister dazu zwingen will, ihre Rückseite mit der Bülowschen Rhinozeroshaut zu wappnen und die derbsten Prügel «hne Mucksen entgegenzunehmen, so haben w i r dagegen nicht das «eringsts einzuwenden!_ Ter Krakeel im Flottenderew hat noch immer nicht sein Ende gefunden. Der zum Präsidenten gewählte Für st zu Salm, der Intimus des Generals Keim, hat erklärt, seine Wahl nichr annehmen zu wollen. Wie die Panzerplattenorgane behaupten, ist der Fürst zu Salm zu seiner Resignation durch Wilhelm II. selb st bestimmt worden. In Kiel sei in einer Audienz. die Fürst Salm beim Kaiser gehabt, die Entscheidung gegen den Fürsten Salm, gegen den alten Kurs des Flottenvereins gefallen. Die„Rheinisch- Westfälische Zeitung" behauptet weiter, daß dieser Sieg der „Lauen und Leisetreter" auf Rechnungsträgerei gegen- über dem Prinzen Rupprecht von Bayern zurück- zuführen fei.„Dynastisch-politische Rücksichten" hätten sich stärker erwiesen, als die„nattonalen Interessen". Der Flottenverein werde künstig nur ein Anhängsel der Marincverwaltung bilden. Die„Deutsche Tageszeitung' bestreitet, daß der neue Vorsitzende des Vereins, der Großadmiral von Köster, eine Kreatur deS Herrn von Tirpitz sein werde. Habe doch Herr v. Köster nicht nur dem Reichsmarineamt, sondern auch höheren In- st a n z e n gegenüber eine eigene Meinung zu vertreten gewagt. Wie dem aber immer sei: wir sind davon überzeugt, daß die Klagen der Panzerplattenpattioten über ungenügende Flotten- tteiberei völlig unbegründet sind. Was auch der Rechnungs- trägerei gegenüber Bayern zugrunde liegen mag sdaS„Berliner Tageblatt" meint, es s e i unbegründet, eS müsse unbegründet sein, daß dieser Konzession an Bayern eine Gegenleistung Bayerns etwa auf dem Gebiete der Reichsfinanz- reform zugrunde liege— ein Optimismus, den wir n i ch t zu teilen vermögen), davon kann sicherlich keine Rede sein, daß der Marinekoller deS Flottenvereins künstig eine minder große Gefahr für die Volkswohlfahrt, die Reichsfinanzen und den inter- nattonalen Frieden darstelle! Ob Keim, ob von Salm, ob Köster: die die Bolksw ohlfahrt und den Völkerfrirden zerrüttenden Anmaßungen des Flottenvereins«erden auch künftig nicht ausbleibe»! „Hatte Ihnen die Stange." Wilhelm II. hat dem Grafen Zeppelin anläßlich seiner zwölf- stündigen Fahrt am t. Juli telegraphisch seinen Glückwunsch aus- gesprochen. Dieses Telegramm verdiente keinerlei Beachtung, wenn es nicht die Stelle enthielte:„Halte Ihnen nach wie vor die Stange." Ein Mittagsblatt stellt weitläufige Betrachtungen darüber an, was mit dieser Aeutzerung gemeint sei. Vor vier Jahren habe das Kriegsministerium noch vor den Planen des Grafen Zeppelin ge- warnt. Es sei also interessant, zu erkunden, was das„nach wie vor" zu bedeuten habe, d. h. w a n n die persönliche Unterstützung des Kaisers eingesetzt habe. Unseres Erachtens kommt eS darauf absolut nicht an. Die persönliche Wendung des Telegramms offenbart lediglich wieder 'das Bestreben des Kaisers, seine individuelle Meinung zur Geltung zu bringen. Das Telegramm beweist also, daß alle Mah- nungen selbst aus dem konservativen und nationalliberalen Lager an der Grundaufsassung Wilhelms II. von seiner verfassungs- mäßigen Stellung und seinem vermeintlichen Herrscherberufe nicht das geringste geändert haben! Eulenburgs Spiritismus uud der Kaiser. Die offiziöse„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bringt an der Spitze ihrer Sonntagnummer folgende Nottz: In der Presse ist kürzlich die Behauptung aufgetaucht, der Spiritismus des Fürsten Eulenburg habe höchst schädlich auf die Umgebung Seiner Majestät des Kaisers gewirkt. Seine Majestät selbst habe spiritistischen Sitzungen beigewohnt und lange Zeit in seiner Uhr ein Stück Zeug getragen, das angeblich bei einer Geister- erscheinung zurückgeblieben wäre. Wir sind ermächttgt, diese Angaben alS glatt erfunden zu bezeichnen. Hat das Dementi lange gedauert! Bolle sieben Tage find ver- gangen, feit die hier demcntterte Meldung in der„Leipz. Abendztg." und der„N. Hamb. Zeitung" auftauchte, und zwar in Berichten über ein angebliches Interview mit Harden. Dieser hat hinterher erklärt, daß nicht ein Interview, sondern ein Privatgespräch stattgefunden habe und daß der Inhalt„teilweise falsch' wieder- gegeben sei. DaS war sehr diplomatisch ausgedrückt. Ob Harden jetzt zu der Note der„Nordd. Mg. Ztg." das Wort nehmen wird?— Liberaler Wahlterrorismus. Die katholische„ Er m ländische Zeitung" ver- öffentlicht folgendes dem Generalsekretariat des Verbandes der katholischen Arbeitervereine zugegangene Schreiben: „Ich bin am 23. d. M. wegen Wahlagitation arbeitslos geworden. Als ich um ll$ Uhr zur Nachtschicht kam, erklärte mir der Hüttenportier, ich dürfe auf Verbot des Herren Hüttendirektors Wehowski die Hütte nicht mehr betreten. Ich begab mich nun zum Herrn Hüttendirektor. um zu erfahren, welcher Grund zu diesem Vorgehen vor« liege. Da sagte mir der Bnreaudiener des Herrn Direktors: „Der Herr Direktor wird sich jetzt nicht stören lassen!" Als ich nun heraus ging, kam bald der Betriebsingenieur Kästner und sagte, ich möchte doch mit ihm hinaufkommen zum Herrn Direktor. Als ich nun mit Herrn Kästner einttat, sagte mir der Herr Direktor:„Sie haben im Januar einen Urlaub von vier Wochen gehabt und diesen auch ganz ausgenützt 1" Ich antwortete:„Nein, nur drei Wochen." Der Herr Direktor sagte:„Sie haben aber diesen Urlaub nicht zur Anfuhr von Baumaterial gebraucht, sondern Sie waren in Berlin zurAusbildung alsArbeitersekretär und jetzt sind Sie in den Wahlversammlungen gegen uns und für die Polen eingetreten!" Ich erwiderte:„Nicht gegen Sie, sondern gegen Dr. Voltz und nicht für die Polen, sondern für Zentrum l' Der Herr Direktor sagte: „Jedenfalls wohl gegen uns, denn Sie haben den Leuten ge- sagt, sie sollen nur keine Angst haben, denn wir können ihnen nichts machen: auch brauchen sie nicht zu befürchten, daß wir ihnen die herrschaftlichen Wobnungen kündigen, denn wir werden keine Sperlinge reinlassen, deshalb kündige ich Ihnen, Sii dürfen die Hütte nicht mehr betreten und solltenSie es dennoch tun, s o werden Sie wegen HauS- friedenSbrnch gerichtlich verfolgt!" Ich fragte nun, waS ich mir in der Hütte zuschulden kommen ließ und erhielt zur Antwort: Ich hätte in der Hütte nichts verbrochen und eS wird mir auch nicht wegen eines Arbeitsvergehens, sondern wegen der Wahlagitation gekündigt...." Das katholische Blatt äußert dazu: Diese Maßregelung erscheint um so ungeheuerlicher, als der in Frage kommende Arbeiter gemäß den Grundsätzen des Verbandes der katholischen Arbeitervereine(Sitz Berlin), dem er als Mitglied angehört, st eis für den Frieden zwischen Arbeit- gebern und Arbeitern eingetreten ist und sich auch gemäß der Aussage des Herrn Direktors bei seiner Aibeit nichts hat zuschulden kommen lassen. DaS un- geheure Verbrechen, welche? so schwer bestraft werden mußte, be- steht lediglich darin, daß er seiner politischen Ueber- zeugung Ausdruck gab und für daS Zentrum eintrat. Das ist die Freiheit des Liberalismus.(Man vergleiche damit, wie wütend der Liberalismus sich aufbäumt, wenn der Spieß des Wahlterrorismus sich gegen ihn selber kehrt. Wo zu feinen Gunsten terrorisiert wird, ist anscheinend alles m Ordnung. OhnekörperlickienEkel kann man ein solche? Gebaren nicht ansehen. Red.) Wir haben dem nichts hinzuzufügen. Der Kampf um die Volksschule in Württemberg hat mit voller Wucht eingesetzt. DaS Gesetz über das Zichkinderwcsen, dessen wesentlichste Bestimmungen wir bereits mitgeteilt haben, wurde von der Kammer am Dienstag noch erledigt. Leider gelang es dem Zentrum, noch etliche Ver- schlechterungen in das Gesetz hineinzubringen. So werden ehe- l i ch e Kinder, die bei Verwandten untergebracht werden, deS gesetzlichen Schutzes nicht teilhaftig. Der Versuch des Zentrums, die Wirksamkeil deS Gesetzes auf die noch nicht schulpflichtigen Kinder zu bc- schränken, gelang jedoch glänzend vorbei; ebenso lehnte die Kammer den Zentrumsantrag ab, nur die„gegen Entgelt" verpflegten Kinder dem Schutze des Gesetzes zu unterstellen. Es bleibt also dabei, daß in Zukunft Personen, die noch nicht der Schule entwachsene Kinder in Pflege nehmen wollen, sei es gegen Bezahlung oder unentgeltlich, um die Konzession nachzusuchen und nachzuweisen haben, daß die Forderungen des Gesetzes in sittlicher, hygienischer und sonstiger Bc- ziehung erfüllt werden. Sie müssen sich ferner der Kontrolle durch die Ortspolizeibchörde, in Württemberg eine kommunale Bc- Hörde, unterwerfen. Wohl sind bestimmte, vom Ministerium zu bezeichnende Anstalten gemeinützigen bezw. wohltätigen Charakters von der Konzessionspflicht entbunden, aber auch diese Anstalten werden der Kontrolle unterstellt. Alles in allem ein wesentlicher Fortschritt aus dem Gebiete des Kinderschutzes. Um so schlechter sind die Aussichten einer gründlichen Volksschiilrrform. Am Dienstag abend noch kam der Kultusminister v. Fleischhauer zum Wort, der seinen Entwurf mit den in den Motiven bereits bekanntgegebenen Gründen verteidigte. Er hält fest an der K o n f e s s i o n s s ch u I e. Nicht einmal fakultativ für darum nachsucheude Gemeinden will er die Simultanschule gestatten. Von der Entfernung des Religionsunterrichts anS der Schule und Ueber- Weisung desselben an die kirchlichen Organe will er selbstverständlich erst recht nichts wissen. Von einer einheitlichen Regelung des ge- samten Schulwesens gar nicht zu reden I Von der geistlichen O r t s- schulaufsicht ist der Minister sehr erbaut. Nach dem Minister kam der volksparteiliche Abgeordnete L ö ch n e r, der Vorsitzende des Württembergischen Lehrervereins, zum Wort. Seine Rede enttäuschte nach verschiedenen Richtungen. Statt dem Ministerprogramm die Forderungen des weitblickenden Pädagogen entgegenzusetzen und zu zeigen, was das Voll von der Volksschule verlangen muß, verlor er sich in Einzel heiten, redete der fakultattven Simultanschule das Wort, lobte Preußen, das mir eine Oberschulbehörde habe, während Württemberg deren zwei behalten solle, und verlegte sich zum Schluß aufs Bitten. WaS der volksparteiliche Lehrer versäumt hatte, holte Mittwoch vormittag der Sozialdemokrat Hehmann noch. Mit Entschiedenheit trat er den Ansprüchen der Kirche auf die Schule entgegen und verlangte die vollkommene Weltlichkeit der Schule. Cr erinnerte die Volksparteiler und Liberalen daran, daß es einmal eine Zeit gegeben, da auch sie den Einfluß der Kirche aufbie Schule bekämpft hätten. Die Zitate aus Volks- parteilichen und liberalen Reden und Schriften, dre Heymann zum Beweise dessen beibrachte, erregten bei den Apostrophierten lebhaftes Unbehagen, bei den anderen Parteien ironische Heiterkeit. Mit Eni- schiedeuheit verwahrte sich dann unser Fraktionsredner gegen die bängliche Mahnung der liberal-volksparteilichen Schwachmatikusse. der Erörterung prinzipieller Fragen aus dem Wege zu gehen, um das bißchen Fortschritt nicht zu gefährden, daS der Entwurf biete. Im Gegenteil gelte eS jetzt, diese grundsätzlichen Gegensätze in den Vordergrund zu stellen, weil nur mit der Behandlung und Lösung dieser Fragen eine Milderung erzielt werden könne. Neben der Trennung der Kirche von Staat und Schule verlangte unser Redner die Einheitsschule für Stadt und Land. Mit der Bildungsfeindlichkcu des Zentrums und der Konservativen rechnete er gründlich ab. Groß? Heiterkeit erregte ein Zitat aus dem führenden Organ des badische» Zemrums, deS„Badischen Beobachter", der unter dem Titel:„Farrenställe und Schulhäuser" ausgeführt hatte, daß Fairen- stalle notwendiger seien als Schulhäuser, denn vom ABC könne man nicht satt werden. Die Rede unseres FraktionSrednerS machte ttefen Eindruck. Die Abgeordneten Sckrempf(k.) und Späth(Z.) bemühten sich der geblich, die Ausführungen HeymannS abzuschwächen. Dann sprach Haußmann. diplomatisch, gewunden, mit starken Worten die prinzipielle Schwäche seiner Partei zu verdecken suchend. Soviel geht aus der Generaldebatte jetzt schon hervor; das württembergische Volk hat aus keine gründliche Reform zu hoffen, wenn es nicht selbst in die Schranken tritt, wenn nicht eine Bewegung durchs ganze Land entfacht wird, die die bürgerlichen Parteien vorwärts treibt I_ „Patriotische" Versumpfung. Aus Oberschlesien schreibt man uns: Die zerschmetternde Niederlage der oberschlesischen Hakatistcn gegenüber dem mit den Polen verbündeten Zentrum gelegentlich der letzten Land- tagswahlen übt jetzt noch Wirkungen, die ebenso charakteristisch für den moralischen Wert gewisser hochpatriotischer Kreise wie bc- schämend für die so gepriesene preußisch-deutsche Kultur sind. Eine. maßlose Hetze nämlich ist in einem Teil der deutschen Presse Ober- schlesiens wie in zahlreichen dortigen Vereinen aller Art ausgebrochen gegen die„hoch- und landesverräterischen" Polen und ihre Verbündeten, das Zentrum. Die Presse, allen voran die hypcr- hakatistische„Kattowitzer Zeitung", sucht mit allen Kräften scharf zu machen, vor allem Polizei und Staatsanwalt, gegen die„konspirative" Tätigkeit der oberschlesischen Polen, und keine Albernheit ist ihr in diesem Bemühen zu dumm, keincDenun- ziation zu schmutzig, um sie nicht diesem edlen Ziele dienst- bar zu machen. Besonders ekelhaft ist die von derselben Presse bc- triebene denunziatorische Hetze gegen die zahlreichen Eisen- bahn, und Postbeamten, die bei den Landtagswahlen für das Zentrum stimmten. Sie werden fortgesetzt aus Grund der dem Zentrum von den Polen gewährten Wahlhitfe als Helfers- Helfer der„Landesverräter", als Leute, die den ihrem König gc° leisteten Treueid gebrochen, ja ganz offen als«Verbrecher am Vaterlande" denunziert und das schärfste Vorgehen der höheren vorgesetzten Behörden gegen diese„Polengenossen" gefordert. Au diese Schofeleien verächtlichster Art reihen sich würdig die denuu- ziatorischen und beschimpfenden Reden„unentwegter Patrioten" in allen möglichen Vereinen, politischen, wirtschaftlichen wie geselligen Charakters, gerichtet gegen dem Zentrum bezw. den Polen angc- hörende Beamte, Geschäftsleute usw. Möglich»ird ein solches Treiben, in diesem Umfange wenig- stenS, erst durch die o f f e n t I i ch i: A b st i m m u n g bei den LonitagSwahlen. Sie zieht diese Gemeinheit und verächtlicke Streberei groß und belohnt freigebig Niedertracht und Brutalität. Was nicht mit hetzt und denunziert, das schweigt wenigstens dazu und hilft so zu seinem Teile mit am Werke. Das gilt auch für die paar freisinnigen Blätter Oberschlcsiens, die sich so auch nach den Landtagswahlen immer noch des schmählichen Bünd- nisseS würdig zeigen, das sie bei diesen Wahlen mit den rückschritt- lichstu; Hakatistxn und Scharfmachern Oberschlesiens erschlossen.— frankreick. Anarchisten gegen Syndikalisten. Paris, 2. Juli.(Eig. Ber.) Seit einiger Zeit. d. h. seit sich innerhalb der syndikalistischen Bewegung die Grundlinien einer wenn auch noch nicht die Prin- zipien, so doch die Taktik erfassenden Klärung abzeichnen, ist man in den anarchistischen Kreisen mißvergnügt. Radaupolitik durch Or- ganisationSarbeit ablösen, heißt dort„einschläfern". Nach längeren Plänkeleien in der Presse ist eS nun gestern zu einem Zusammen- floß gekommen, vek dem dke Seiden Ms vor kurzem noch zur Bekämpfung der sozialistischen Parlamentspolitik koope- rierenden Richtungen ihre Gegensätze recht handgreiflich kundgaben. Die Syndikalisten hatten eine öffentliche Versammlung einberufen, bei der der Streik von Parma und im Zusammenhang damit die Propaganda für den Generalstreik besprochen werden sollte. In einigen Blättern war schon zu lesen, daß ein Generalstreik in Paris in Vorbereitung sei— eine Tawrennachricht, zu der allerdings einzelne syndikalistische Propagandisten durch die in ihren Kreisen nicht seltene zugleich großsprecherische und geheimniskrämerische Tonart Anlaß gegeben zu haben scheinen. In der von etwa 1500 Personen be- suchten Versammlung gaben aber die syndikalistischen Sprecher zu, daß der heutige Stand der Organisation das Gelmgen eines Generalstreiks sehr in Frage stelle. Besonders offen sprach sich Griffelhues über diesen Punkt aus, waS die anwesenden Anarchisten, die schon früher Skandal geschlagen hatten, veranlaßt?. die Tribüne zu stürmen. Zum Schlüsse der Versammlung begannen die anarchistischen Provokateure, als die Menge sie nicht anhören wollte, eine Keilerei. Sie drohten auch, von nun an alle Ver« sammlungen der Arbeitskonföderation zu sprengen. Vermutlich werden die gestrigen Vorgänge bei den eine wirkliche Organifations- arbeit anstrebenden Gewerkschaftlern die Erkenntnis fördern, die wirtschaftlichen Organisationen des Proletariats nicht mehr un> verantwortlichen Schreihälsen und professionellen Skandalmachem als Tummelplatz für»große" RevolutionSpolitik zu überlassen.— Italien. Der Agrarstreik. Rom, 4. Juli.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Da die Grundbesitzervereinigung beschlossen hat. die sich zur Arbeit Meldenden nicht insgesamt wieder einzustellen, sondern zu umfangreichen Maßregelungen schreitet, hat eine Versammlung von 133 Delegierten der Landarbeiterorgani- sationen die Fortsetzung desAgrarstreiks beschlossen. Doch besteht die Hoffnung, daß es neuen Vermittelungen ge- lingen wird, den Streik bald beizulegen. Parma, 4. Juli. Alle Arbeiterverbände der ganzen Gegend ver- sammelten sich gestern abend, um über das Resultat des Refe- rend ums zu beraten, welches seitens der verschiedenen Arbeiter- verbände beschloffen worden war. Es handelte sich darum, ob und mit welchen Mitteln der Arbeiter den Kampf fortführen sollen. Das Referendum ergab, daß alle Verbände die Fortsetzung des Kampfes billigen. Morgen(Sonntag) findet in St. Giovanni eine Versammlung aller Arbeiterverbände statt, um die Kandidatur des Streifführers A m b r i s für die Kammer auszurufen. Man wird den Abgeordneten Ferri auffordern, für einige Zeit auf seinen Kammersitz zu verzichten, um AmbriS nach seiner Wahl zum Ab- geordneten die Rückkehr nach Italien zu gestatten. . Rußland. Kriegsgerichtsarbeit.-«•"* Reval, 4. Juli. Das Kriegsgericht verurteilte KÖAngeklagte wegen versuchter Losreißung der baitischen Provinzen vom russischen Reich zu Zwangsarbeit von 4 bis 15 Jahren. «chaumschlägerci. Petersburg, 4. Juli. Der Ministerrat beschloß, der Duma einen Gesetzentwurf über Arbcitervcrsicherung vorzu- legen. Die Grundzüge sind folgende: Organisation der Arbeiter- krankenpflege und Einrichtung von Krankenkassen, wozu die Unter- nehmer zwei Fünftel und die Arbeiter drei Fünftel beitragen sollen. Die Abzüge vom Arbeitslohn betragen 1 bis S Proz. Ferner sind geplant: eine Invalidenversicherung, die Errichtung von Gouvernements-Vcrsicherungsanstalten unter dem Vorsitz des Gouverneurs und unter Vertretung der Arbeitgeber und Arbeit- nehmer. Die Oberaufsicht des Versicherungswesens soll dem Reichs- vcrficherungsamt unter dem Vorsitz des Handelsministers obliegen. Jgnaticw. Petersburg, 4. Juli. Der frühere russische Botschafter in Konftantinopel und Minister dcS Innern Graf Nikolai Jgnatiew ist gestern gestorben. Nikolai Pawlowitsch Jgnatiew war lange Zeit das Haupt der panslawistifchen Agitation, deren sich die Politik des Zarismus immer bedient hat, um den russtschcn Einfluß im Balkan zu stärken. Jgnatiew hat als russischer Botschafter in Konstan- tinopel 1864— 78 wesentlich die russische Orientpolitik bestimmt, die den Balkanvöltern die Befreiung vom türkischen Joche durch Rußland vorspiegelte und deren letztes Ziel es war, die durch die Erhebungen und LoSreihungen der christlichen Völker geschwächte Türkei ganz aus Europa zu werfen und in Konstantinopel die russische Herrschaft aufzurichten. Diese Politik führte zu den Aufständen in Bosnien und in Bulgarien 1876 und zum rnssisch-türkischen Kriege. Doch nahm der Berliner Kongreß 1873 den Ruffen die Errungenschaften wieder ab. die ihnen der Friede von San Stefano versprochen hatte. Jgnatiew trat eine Zeitlang in den Hintergrund, bis Alexander III. ihn 1881 zum Minister des Innern er- nannte. 1882 trat er zurück und widmete sich seitdem ausschließlich der panftawistischen Agitation und Organisation. Jgnatiew, der ein Alter von fast 81 Jahren erreicht hat, war em erbitterter Gegner aller liberalen Bestrebungen, ein verbissener Reaktionär. Die Streikbewegung im RevolutionSjahr. Aus Petersburg meldet man uns: Folgende vom Handelsminister soeben veröffentlichten offi« ziellen Zahlen geben einen Begriff vom ungeheuren Um- fang der Streikbewegung im Jahre 1305. Nun ist ein großer Teil der Ausstände in jenen stürmischen Zeiten überhaupt nicht verzeichnet worden oder nicht zur Kenntnis der amtlichen Stellen gelangt. Soweit aber bekannt geworden ist, haben sich an den Streiks insgesamt 13110 Betriebe mit 2 700 605 Streiken- den beteiligt, wobei die Landarbeiter nicht inbegriffen sind. Im Durchschnitt kamen auf jeden Ausständigen 3,7 unbenutzte Arbeits- tage. Die Verluste der betroffenen Betriebe, von den Bergwerken schon abgesehen, wurden mit über 127 Millionen Rubel berechnet. ivozu die Verluste der Arbeiter kamen. Die meisten Ausstände trugen«inen politischen Charakter, nur wenige einen Wirt- schaftlichen, wobei gerade von den letzteren 78 Proz. mit einem völlige» oder partiellen Siege per Arbeiter geendet haben. pernen. Eine diplomatische Intervention. Täbris, 4. Juli.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) DaS KonfularkorpS richtete an den Gouverneur von AserbeidShan eine Kollektivnote, in der gegen das andauernde Raubwesen protestiert, auf die unfahrbaren Wege und die Erschöpfung der Kornvorräte hingewiesen und die Bitte ausgesprochen wird, daß die Zufuhr gesichert und die Sicherheit der Europäer gerantiert werde. Indo- China« Die Massenvergiftung- Paris, 4. Juli. Infolge des gegen die französischen Soldaten gerichteten Vergiftungsversuches ist unter der euro- päischen Bevölkerung von Hanoi lebhafte Beunruhigung cnt- standen. Die Frauen mehrerer Offiziere sind in die Zidatelle geflüchtet. Eine Anzahl Franzosen jpelt eine Versammlung ab und drang krotz Einspruchs des wachthabenden Offiziers In den Palast und das Empfangszimmer des stellvertretenden General- gouverneurs, wo sie von diesem unter ungestümen Rufen:„Tod den Mördern!" verlangte, daß er die infolge Vergiftungsversuchs verhafteten Eingeborenen sofort hinrichten lasse. Der stell- vertretende Generalgouverneur erwiderte, daß er das Gesetz nicht verletzen, sondern nur ein gesetzlich gefälltes Urteil vollstrecken werde. Er forderte schließlich die Franzose» aus. sich zu beruhigen, da die Lgge kxjgesjvxgs kritisch sei. Japan. Ministerkrise. Tokio, 4. Juli. Das Kabinett ist zurückgetreten. Man glaubt, daß der Kaiser den Marquis Katsura mit der Bildung des neuen Kabinetts beauftragt hat, Marokko. Der Zwischenfall von Azemur. Die französische Regierung hat sich beeilt, das aggressive Vorgehen General D'Amades zu d e s a v o u i e r e n. Es ist dies um so erfreulicher, als dadurch die Blamage d c r deutschen Chauvinisten eine vollständige geworden ist. Wir hatten gestern sofort bemerkt, daß das Vorgehen D'Amades seiner eigenen Regierung unerwünscht sein dürfte, und das hat sich jetzt bestätigt. Unsere Chauvinisten aber konnten sich gestern über die„Perfidie Frankreichs" gar nicht genug entrüsten. Es sei bei dieser Gelegenheit bemerkt, daß zu den schlimmsten Hetzern in der Marokkofrage auch die„V o s s i s ch e Z e i t u n g" gehört, was für die poli- tische Verkommenheit des deutschen Freisinns überaus be- zeichnend ist. Die Erklärungen der französischen Regierung mißbilligen übrigens nicht nur die Besetzung Azemurs, sondern zeigen auch, daß Frankreich an der begonnenen Einschränkung seiner Operationen festzuhalten gesonnen ist. Es 1väre also wirk- lich an der Zeit, daß die deutsche Chauvinistenpresse ihre Hetze, die die Beziehungen zwischen Deutschland und Frank- reich nur verschlechtern und uns im Auslande als Friedens- störer erscheinen lassen, endlich einstellen. Nachfolgend die amtliche französische Meldung: Paris, 3. Juli.(Mell>u»g der Ageuce Havas.) Auf die Meldung des Generals d' A m a d e von seiner vorübergehenden Besetzung von Azemur, die er mit dem Verhalten der Bevölkerung dieser Stadt be- gründete, als er mit einem Expeditionskorps die Verbindung zwischen dem Schaujagebiet und M-azagan sicherstellen wollte, Hat die französische Regierung Veranlassung genommen, den General auf seine Instruktionen hinzuweisen. Sie bringt hierbei zum Ausdruck, daß die Instruktionen ihm nicht erlaubt h ä t t e n, den Um er Rebia zu überschreiten. Es genüg« auch nicht, wenn er seine Truppen aus Azemur wieder zurückziehe, sondern er hätte sich gleich aus der näheren Umgegend der Stadt zu ent. fernen und sich bis zu seiner Operationsbasis zurückzube» geben. Die Regierung hat außerdem die Instruktionen des Generals erneuert und ihm wiederholt, daß er sich in den wirk- lichen Grenzen seines Okkupationsgebietes zu halten habe, ohne sich hinreißen zu lassen. Punkte, die ihm als äußerste Grenze für seine Operationen bezeichnet worden seien, zu überschreiten._ Die Beurteilung in Frankreich. Paris, 4. Juli. Die amtliche Havasnote wird bisher nur von wenigen Blättern kurz erörtert. Die Note des Ministeriums bilde einerseits für d'Amade eine Ermachnun� zur Disz.i- plin, andererseits sei sie ein Beweis dafür, daß Frankreich die Gebobe der" internationalen Redlichkeit- genau bcobach t c n wolle. Frankreich habe erklärt, es wolle sein Einschreiten in Marokko zeitlich und örtllch auf das allernot- wendigste beschränken. Es bekunde durch eine bezeichnende Maß- nähme, baß es seine Absichten nichtgeändert habe.„Journal" hebt hervor, zur Expedition General dÄmades habe kein z w i n- gender Grund vorgelegen. D'Amade hätte wissen müssen, daß man sein Vorgehen als offene Unterstützung des Sultans Abdul Asis ansehen werde. Er habe die Anschauung der Regierung gekannt. Man behaupte sogar, daß dje Regierung, als sie vor einigen Tagen von der Absicht dÄmades erfuhr, dem General sofort Gegenbefehl erteilt habe. Um so unbegreiflicher sei seine Handlungsweise. So peinlich auch der dem General erteilte Tadel sei, eS sei doch das beste gewesen, der Angelegenheit rasch ei» Ende zu machen. Paraguay. Eine Revolte. New Dork, 4. Juli. Privattelegramme aus Buenos Aires über eine Militärrevolte in Paraguay berichten, daß in den Straßenkämpsen in Asunyion hunderte getötet oder verwundet wurden.__ Huö der Partei. Die Wanderbücherei der Münchener Genossen' W berichtet in der„Münchener Post": Ein kurzer Uebeichlick über das Ergebnis de? ersten Betriebs» Halbjahres zeigt, daß alle guten Erwartungen erfüllt wurden. 22 OrtSvercine oder Sektionen(mit mindesten? 12 Mitgliedern) haben Bücher bezogen, die eifrigeren schon zum dritten Male. Nur zwei haben den Bezug während der Sommermonate ausgesetzt. Die Leihfrist wurde auf 12 Wochen verlängert und wird auch darüber hinaus dem örtlichen Bedürfnis angepaßt. Jede Sendung enthält in der Regel 12 Bücher aus den verschiedenen Gebieten der Belehrung und der Unterhaltung, auf Wunsch auch solche für Frauen und Jugendliche. Wenn zwar die Wanherbücherei sich aus technischen Gründen auf die Parteiorganisationen stützte, so gc- staltete die Praxis den weiteren Ausleihbetrieb keineswegs so aus- schließlich, was bei dem freundschaftlichen Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaft ja auch erwartet wurde. So ergeben denn die Fragebogen ganz stattliche Leserzahlen.... Das die Lektüre ergänzende Referat(Führung durch die Parteiliteratur) wurde an einigen Orten gehalten und wird im Winter in größerem Umfange zur Verfügung gestellt werden. Starken Zuspruch fand auch der Schristenvertrieb der Wanderbücherei, der es den Genossen an den kleinen entfernten Orten endlich ermöglicht, ohne Umständlichkeit und Verteuerung Schriften jeder Art zu beziehen, und deren Erträgnis ungeschmälert der Bücherei zugute kommt. So sehen wir eine Fülle von An- regung, Belehrung und Erhebung von dem jungen Unternehmen ausgehen zu den am meisten der Unterstützung bedürftigen kleinen Organisationen, bis in die entlegensten Orte des GaueS Süd- bayern, und ähnlich gerichteten gegnerischen Bestrebungen mit Glück begegnen....__ Bon der Parteipresse. Das Gothaer Parteiblatt hat seinen bisherigen Namen„Bolksblatt für Coburg und Gotha" in„Gothaer Volksblatt" umgewandelt. Diese Namens- änderung ist die Konsequenz des Beschlusses der Generalver- sammlung des sozialdemokratischen Landesver» eins für oaS Herzogtum Cobur.g, dte am 13. Juni in Sönneburg tagte. Diese von Delegierten aus 12 Orten be- schickte Versammlung beschloß einstimmig an Stelle des„Volks- blatt für Coburg und Gotha" de»«Thüringer Volks- freund" zu Sonncberg als Parteiorgan für das Herzogtum Coburg einzuführen. Der Schritt geschieht im Einverständnis mit den Gothic Genossen. Die wirtschaftlichen Verhältnijje in Coburg sind gleich oder ähnlich den Sonnebergern. Auch die politischen Verhältnisse sind'ähnlich gelagert' Mdizn�prckktifchet Hinsicht ist die Einführung des»Thüringer Äölksfreunds" wcße» der Nähe Sonnebergs geboten. Warnung. Aus dem Parteibureau wird uns geschrieben: Ein im Alter von etwa 24 Jahren stehender Russe, der sich Revanow Alexandrowicz nennt, sucht die Genossen im Reich zu brandschatzen. Vermutlich legt sich der Genannte auch andere Namen, bei. Sein angebliches Reiseziel ist Zürich. Der Genannte besitzt Empfehlungs- schreiben in verschiedenen Sprachen. Das in deutscher Sprache ab- gefaßte ist, wie festgestellt wurde, gefälscht. Hieraus ist zu folgern, daß die anderen Schreiben ebenfalls gefälscht sind. Der Bursche machte sich schleunigst aus dem Staube, um seiner Entlarvung zu entgehen._-: Der Sozialismus in Südafrika. Jlt Südafrika gewinnt die Sozialdemokratie wachsenden Einfluß in den Gewerkschaften. In einer Konferenz in Johannesburg, die Anfang Juni stattfand und in der die Vertreter der G e w e r k- s ch a f t e n und der sozialistischen Verbände von Pretoria, Johannesburg und Germisto» vertrete» waren, wurde über die folgenden Punkte volle Einstimmigkeit er- zielt. Es wird gefordert: l.'Ein Werkstätten» und Fabrik» g e s e tz, das die Besserstellung der Arbeiter im allgemeinen be- zweckt. 2. Die. gesetzliche Einführung des Achtstundentages. 3. Zwangs schiedsgerichte zur Schlichtung gewerb- lich er Streitigkeiten. 4. Die Gewährung von sechs all- genieinen Feiertagen für die Bergleute anstatt der bestehenden zwei; als vornehmster Feierlag soll der 1. Mai gelten. 5."Die Ab» schaffung der S o n n t a g s ar b ei t und die doppelte Be- zahiung für notwendige Arbeiten am Sonntag. 6. Die A e n d e- rung des Einwanderungsgesetzes dahin, daß alle Kontraktarbeiter., ob Weiße oder Farbige, ausgeschlossen bleiben... Ferner wurde von der Regierung verlangt, daß fie fürdie Be- schäftigung der Arbeitslosen sorgt, denen die festgesetzten Minimallöhne zu zahlen sind. Ein Antrag, daß sich die Konferenz für' die Vergesell- schaftung der Produktionsmittel ausspreche, wurde leb- Haft diskutiert. Ein Amendement, statt Sozi all sie rung z» setzen Nationalisierung, wurde abgelehnt und bgrauf der Hauptantrag angenommen. In einer Diskusston über Kontrakte für RealerungS- arbeiten wurde hervorgehoben, daß der Minister für öffentliche Arbeiten im Parlament erklärt habe, daß solche Kontrakte zukünftig eine Klausel zugunsten der gewerkschaftlich fest- gesetzten Löhne enthalten werden.— Den Vertretern der Arbeiter im Parlament von Transvaal wurde. durch eine» fast ein- stimmigen Beschluß der Konferenz zur Pflicht gemacht,'ihr Ver- halten gemäß den Prinzipien des Sozialismus ein- zurichten. Die oben aufgestellten Forderungen sollen von den Arbeiter- abgeordneten im Parlament eingebracht werden. poUxctUchts, ßerichtltches ufw.>. Strafkont» der modernen Arbeiterbewegung. Im Monat Juni wurde gegen politisch und gewerkschaftlich tätige Genossen von deutschen Gerichten auf a ch t Mo nate dreiTageGefängniS und 2153 Mark Geldstraf« erkannt. GewerhrchaftUcbes* Verlin und llmgcgencl. Die gelbe Gründung der Berliner CafetierS. Die Macher dcS Berliner CofeKsrSvereiM sind eifrigst be- müht; die Orgamfaticm der' C'afecmgestellteN ßü zerstören. DaS soll durch die. Gründung eines gelbe» Gehilfenvereins geschehen, die vor einigen Tagen bei.-dem Cafetier? Oupstin, Vinptaplatz 2, vor sich gegangen ist. Ei»? Anzahl der Herren Prinzipale hatte es sich nicht nehmen lassen, nach Schluß ihrer nächtlichen schweren Tätigkeit(die Versammlung fand morgens 6 Uhr.statt) ihre „Herren" Gehilfen(die sie sonst nur mit Namen aus Brehms Tierleben zu belegen pflegen) zu begleiten. Die Veisammlung war von zirka 80 Personen besucht. Als die Führer der Cafe- angestellten von SB u r st t n aus dem Lokal gewiesen wurden, gingen alle Anwesenden mit. Nur sechs Getreue blieben übrig, die. Meil ihre Prinzipale anwesend waren, notgedrungen dem neuen Verein beitraten, ohne aber iBeiträge yierfür zu entrichten. Hier mußten die Unternehmer«inspringen, sie wollten ihr Werk finanziell fundieren, brachten aber in ihrer Filzigkeit nur ganze 45 M. zu- sammen. Einige Tage darauf haben, nun die Gehilfen eine weitere Versammlung in den Germania-Prachtsälen abgehalten, die von zirka 400 Personen besucht war. Dort wurde beschlossen, die gelbe Gründung der Unternehmer mit aller Kraft zu bekämpfen. Andererseits erklärte sich die Versammlung aufs neue läqreit, niit den Unternehmern über die Errichtung eines paritätischen Ar- beitsnachweises zu verhandeln. Interessant ist die Tatsache, daß die Berliner Cafetiors, von denen die Mehrzahl jüdischen Glaubens und recht viele galizischer Herkunft sind(woraus ihnen unsererseits kein Vorwurf gemacht wird), ihre„literarischen" Stützen finden in der„Staatsbürger- Zeitung" und im„Reich". Die„Volkswirtschaftler" So m m e r. Döring, Mumm und Konsorten erteilen ihnen Lektionen über Streiks, Terrorismus, Boykott und andere Verbrechen- der bösen Sozialdemokratie. Sie vergessen ihr angebliches Programm und ihre Aufgabe, die doch wohl darin bestehen soll, die kleinen Leute arischer Rasse in Schutz zu nehmen gegenüber dem jüdischen Kapital. Gilt es selbständige Arbeiter-Organisationen zu bc- kämpfen, dann ist sich die ganze Gesellschaft von der äußersten Rechten bis zur Linken vollkommen cmig.-- Deutkches Reich. Achtung. Kupferschmiede! Der Streik der Kupferschmiede in Stettin dauert unverändert fort. Im Laufe dieser Woche statt» gefundene Unterhandlungen mit den Meistern haben sich, wiederum zerschlagen. Es wird nun versucht, die Arbeiten anderweitig fertigzumachen und Kollegen unter teilipoiser Benutzung von Deck. adrcssen als Werkmeister, Vorarbeiter usw. nach Stettin zu locken. Wir erwarten von allen Kollegen, daß sie diese Inserate unbc- achtet lassen und den bereits 6 Wochen im Kampf stehenden Kol- legen nicht in den Rücken fallen. Verband der Kupferschmiede. UmS Wohlwillen der. Straßenbahner. Mitte Februar d. I. unterbreiteten die Angestellten der Straßenbahngesellschaft in M a g d e b u r g der Direktion eine Ein» gäbe, die eine Anzahl recht bescheidener Wünsche um mäßige Er- höhung der Bezüge usw. enthielt. SOank der auch in Magdeburg wie fast allerorts vorhandenen Uneinigkeit der Straßenbahner erfuhr die Direktion schon vorher von den Absichten der Angestellte». Sie ließ daher die mutmaßlichen Anstiftcr'zu sich kommen und stellte ihnen— Aufsichtsposten in Aussicht, wenn sie es auf- geben würden, die Wortführer der„Nörgler" zu spielen. Die Direktion hatte mit ihrem Ansinnen Erfolg. Die Eingabe kam aber trotzdem zustande,.und den neuen.Vertrauensleuten der Direktion wußten die Straßenbahner, zu-vexstehan zu. geben, daß sie mit ihnen nichts mehr zu tun haben wollten; au? den Leitungen der Unterstützungsvercine in den einzelnen STepots wurden sie hinausgewählt. Die Eingabe ließ die Direktion unbeantwortet, was natürlich nicht zur Förderung der Zufriedenheit unter den Straßenbahnern beitrug. Vor kurzem hielten' diese' nun einige gut besuchte Versammlung atz. Wie getvöhalich erfuhr auch hiervon Rö KikkÄÄl. Gi»«H» Sa> gv« ftrSdt Ben SnsesteMen nm vis SInfiMEl auf die Eingab« zu geben. Ihren Vertretern wurde eröffnet, daß die Direktion sämtliche Wünsche der Angestellten ablehnen müsse, weil sich fremde Elemente zwischen Direktion und Personal gemischt hätten. Erst wenn das Personal der Direktion wieder wohlwollender gegenüberstehe(!), sei es nicht ausgeschlossen, daß den Wünschen einmal nähergetreten werde l Die Antwort befriedigte die Straßenbahner natürlich keineswegs. Die Leiwng einer modernen Verkehrsinstittution, wie es die elektrische Straßenbahn ist, sollte sich auch in anderen Dingen etwas modern» geigen l Zu ihrem Schaden wäre es nicht.. Ein bedauerlicher Konflikt. In den Saarstädten wurden sämtliche freien GeWerl- schaften wie auch die Parteiorganisation im Jahre 1S06. kurz vor Auflösung des Reichstages, aus dem„Kaisersaal", dem einzigen Lokal in ganz Saarabien, das ihnen bis dahin offen stand, hinaus. geworfen, wofür dem Besitzer Damenkonzerte, Aufhebung des Militärbohkotts, Militärkonzerte usw. gestattet wurden. Ein Per- sammlungslokal, sowohl für die Gewerkschaften wie für die Partei, war in den drei Saarstädten: Saarbrücken, St. Johann und Malstatt-Burbach nicht aufzutreiben, höchstens gelang es einzelnen kleinen Gewerkschaften, in irgendeiner Wirtschaft ein Nebenzimmer zu finden, wo sie ihre Vereinsangelegenheiteü „inkognito", d. h. anscheinend ohne Wissen des Wirtes, erledigten. Tie Buchdrucker hatten schon vor dem Hinauswurf ein solches Nebenzimmer gefunden, das aber kaum die Hälfte ihrer Mitglieder faßte. Außer den Buchdruckern behalfen sich mit diesem Zimmer auch noch die Zimmerer. Der Neichstagswahlkampf machte wenigstens ein Lokal zur dringenden Notwendigkeit; doch man mochte an noch so vielen Saaltüren pochen, sie blieben verschlossen. Die Abhaltung einer Versammlung im städtischen Saalbau in Saarbrücken, dessen Unter- Haltung einen jährlichen Zuschuß von über 30 00l> M. erfordert und hauptsächlich als Parteilokal der nationalliberalen Hüttenpartei dient, wurde von der liberalen Stadtverwaltung abgelehnt. Schließlich gelang es, den„Tivoli"-Saal in St. Johann für eine Versammlung zu bekommen, der prompt der Militärbohkott auf dem Fuß« folgte. Selbst die angesagten Kaisergeburtstagsfeste wurden von der Militärbehörde abbestellt. Das bedeutete für den Wirt einen so immensen Schaden, daß auch er die Arbeiterschaft wieder hinauswerfen wollt«. Die Besitzerin des„Tivoli" machte der organisierten Arbeiterschaft nun das Angebot, entweder ihr ganzes Lokal für eine feste Summe zu mieten oder weiterhin auf den Saal zu verzichten. Damit saßen die organisierten Arbeiter wieder auf der Straße. Nachdem der Parteivorstand und die Generalkommission für den Plan der Mietung des„Tivoli" gewonnen waren und die Mittel zugesagt hatten, wurde der Miets. vertrag abgeschlossen, die Konzession unter erdenklichen Schwierigkeiten— Bittgang zum Landrat und zum Polizeidirektor— erlangt und am 1. April vorigen Jahres der„Tivoli" in eigene Regie der Partei und Gewerkschaften übernommen. Das GeWerk- schaftskartell wählte die Wirtschaftskommission und diesem wird allmonatlich Bericht über den Geschäftsstand erstattet. Sämtliche dem Kartell angeschlossenen Gewerkschaften verlegten ihr Verkehrs- lokal nach dem„Tivoli"— eine Bedingung, von der der Landrat die Konzessionserteilung ahängig gemacht bezw. seine Einwände gegen Erteilung der Konzession zurückgezogen hatte—, nur die Buchdrucker allein blieben bedauerlicherweise in ihrem Nebenzimmer, und zwar, wie sie anführten, aus„Dankbarkeit" gegen die Wirtin und deren Kellnerinnen, die von Trinkgeldern leben müssen, da sie keinen Pfennig Lohn erhalten! Ihre großen Ver- sammlungen hielten sie im„Tivoli" ab, wo sie auch ihr vorjähriges Johannisfcst feierten. Da in einer gewerkschaftlichen Diaspora wie Saarabien ein solches Unternehmen sich nur durch die Solidarität aller organisierten Arbeiter halten kann, und da im„Tivoli" reichlich Platz für eine doppelt, ja dreifach so stark« Gewerkschaftsbewegung ist— zwei schöne Säle, großes und kleines Restaurationsziminer, zwei, nötigenfalls auch drei Nebenzimmer, schöne Gartenanlagen usw.—, konnten"es die anderen Gewerkschaften nicht verstehen, daß die Buchdrucker in ihrer Stube sitzen blieben, das Gewerkschafts- Haus auch sonst so gut wie nicht besuchten. Da alles Unterhandeln nichts nutzte, schnitt die„Volkstvacht" die Sache öffentlich an, was die Buchdrucker jedoch als ein„Herumreiten" auf ihren Verband hinstellen wollten, im Kartell jedoch glatt abfielen. Zu ihrem dies- jährigen Johannisfest, das sie in den Anlagen der Mohr schen fSrauerei in Saarbrücken feiern, stellten sie an das Gewerkschafts- haus das unerwartete Ansinnen, ihnen für 70— 80 Mann ein Taselessen herzurichten. Dieses Ansinnen hat die Geschäftskom- Mission aus rein geschäftlichen Gründen abgelehnt, weil daran mit Bedienung usw. 80 bis 80 Mark hättten zuge- setzt werden müssen. Das haben die Buchdrucker nun als einen„Hinauswurf" aus dem Gewerkschaftshaus aufgefaßt und beschlossen, in Zukunft keinerlei Veranstaltungen mehrim„Tivoli" abzuhalten! Also den förmlichen Boykott über ein Lokal der Arbeiterschaft!— Ein derartiges Verhalten verdient denn doch die allerschärfste Miß- billigung. Es geht doch nicht an, daß man in der Arbeiterschaft die größere oder geringere Verärgerung als Maßstab anlegt für die Solidarität gegenüber der Gesamtarbcitcrbewegung. Selbst wenn in diesem Falle den Buchdruckern Unrecht geschehen sein sollte, haben sie sich in ihrem Mittel der Abwehr stark vergriffen. »slanck. Der Streik der Gasarbeitcr in Budapest hält an. Die Streikenden verbreiten unter den Soldaten antimilitaristische Flug« blätter, in denen die Soldaten aufgefordert werden, sich nicht zur Unterdrückung der Bestrebungen der Proletarier gebrauchen zu lassen. Zwischen der Gasgesellschaft und den streikenden Gasarbeitern sind Unterhandlungen gepflogen worden, die resultatlos verliefen, ob- gleich die Streikenden auf ihre Forderung, daß die entlassenen 27 Arbeiter wieder eingestellt würden, verzichteten. Die Gas« gesellschaft erklärte nämlich, nur 600 der Streikenden wieder an- nehmen zu wollen, da die übrigen Stellen angeblich bereits ander« weitig besetzt seien. Ein Streik der chargierten Seeleute droht in Fiume auszu» brechen. Die Kapitäne und Maschinisten der Ungarisch-Kroatischen Seeschiffahrts-Gesellschast, etwa 120 Mann, beabsichtigen, wegen Nichtbewilligung von Forderungen in den Streik zu treten. Alle Versuche, die Differenzen gütlich beizulegen, sind bisher gescheitert. tvsrd Sftt bat AutomobMwoschbenbefitzern gebMgt, und ihre Organs« saiion hat der Chauffeurorganisation Unterstützung in dem Kampfe um bessere Bedingungen für den Auwmobildroschken- verkehr versprochen. Es ist zwischen den beiderseitigen Organi- sationen nun ein Uebereinkommen geschlossen worden über Maß- nahmen, die den unerträglichen Zuständen ein Ende machen sollen. Der Demonstrationsstreik wurde nach zweitägiger Dauer vorläufig abgebrochen. Ein Generalstreik der Automobildroschkenführer in Kopenhagen. Am Mittwochmorgen traten in der dänischen Hauptstadt sämtliche Automobildroschkenführer in einen Streik, nicht um im eigentlichen Sinne des Wortes ihre Lohn- und Arbeitsbedingungen zu verbessern, sondern um sich gegen ein neues Automobilgesetz und dessen rücksichtslose und parteiische Handhabung zu schützen. Dieses Gesetz, das dem ja nicht gerade rühmlich bekannten Justiz. minister Alberti sein Dasein verdankt, bestimmt, daß die Auw- mobile nicht schneller als eine Meile(7.5 Kilometer!) in einer Stunde fahren dürfen, während für die Pferdedroschken eine Fahr« geschtvindigkeit von IVa Meile die Stunde festgesetzt ist. lieber- tretungen werden mit 50 Kronen Geldbuße geahndet und die Polizei steht mit einem Geschwindigkeitsmesser ausgerüstet in den Straßen und fahndet auf die Chauffeure, als ob es die ärgsten Verbrecher wären. Drei Automobile, nämlich das der Prinzessin Marie, das d«S deutschen und das des englischen Gesandten. können jedoch so schnell fahren, wie es den Herr« schaften beliebt! Außerdem ist die Polizei auch äußerst nachsichtig gegenüber solchen Herren, die in ihrem eigenen Automobil fahren. Nur gegen die Chauffeure der Miets- automobile wird mit aller Strenge vorgegangen.— Der Streik Hua der Frauenbewegung. Nach dem Wahlkampf. Die ersten Tage und die ersten Leistungen des neugewähl- reni preußischen Dreiklassenparlaments liegen nun auch hinter uns, und die Genossinnen haben gesehen, wie unsere Fraktion trotz aller Hindernisse und Widerwärtigkeiten sich Gehör bei den Reaktionären verschafft hat. Sie haben aber auch ferner gesehen, wie ihre B e» tätigung im Wahlkampfe selbst von der bürgerlichen Gesellschaft zuerst zwar Hohnlachen begegnete, als diese Betätigung aber immer ernstere Formen annahm, als Terrorismus schlimmster Art verschrien wurde. Nun, loben braucht jene Gesellschaft uns nicht; wir handeln nach Pflicht und politischem Ermessen, und lassen uns nicht einschüchtern noch bedrohen. Die Haltung der prole- tarischen Frauen im Wahlkampf war wohl erwogen. Den ersten Kämpfen im preußischen Landtag, die sich bekannt« lich um dieAufbesserungderKirchenbeamten drehten. sind die Genossinnen sicher mit regem Interesse gefolgt, denn auch sie werden von der K i r ch e n st e u e r Nicht verschont, die gleich -anderen Abgaben in stetiger Steigerung begriffen ist. Unser Frauenorgan, die„Gleichheit", behandelte bor einigen Wochen unter dem Titel:„Zur Steuerpflicht das Wahlrecht" diese Wirt- schaftlich Wie politisch bedeutsame Frage eingehend und führen wir aus dem Artikel folgendes an: „Die Frau der werktätigen Masse aber muß jedes Antasten ihres Beutels mit größter Sorge betrachten und energisch abzu- wehren suchen. Ob sie als Arbeiteria, Handelsangestellte, kurz als Erwerbstätige selbst ihn füllt oder ob sie als Hausmutter klug verwaltet, was der Mann hineinlegt, ganz gleich: er ist schmal, und so viele Bedürfnisse sollen trotzdem aus?hm be- stritten werden. Der Staat faßt mit festem Griff in die be- scheidene Kasse, und nicht wenig ist es, was er als Steuern— direkte und indirekte— oder in aicherer Form daraus zur Deckung seiner Ausgaben errafft. Seine Hand kann freilich Nicht nach Belieben zufassen, sie wird von der Gesetzgebung ge- lenkt, und was diese über die öffentlichen Einnahmen und Aus- gaben vorschreibt, das hängt in hohem Matze davon ab, wie die gesetzgebenden Körperschaften zusammengesetzt sind. Halten die Frauen sich diese Tatsache vor Augen, so müssen sie auch klar das bittere Unrecht erkennen, das ihnen in Ge- st alt ihrer politischen Rechtlosigkeit zugefügt wird. Ueber die Zusammensetzung der modernen Parlamente entscheidet das Wahlrecht. Daß die Frauen kein Wahlrecht be- sitzen, bedeutet mithin nichts anderes, als daß sie keinen Einfluß darauf haben, wieviel und zu welchen Zwecken auch aus ihrem armseligen Säckel Staat und Gemeinde Geld entnehmen Ein Blick auf die einschlägigen Verhältnisse in Preußen erweist, wie gerechtfertigt es ist, daß die Frau als Wahlberechtigte die Macht erhält, über ihre eigenen Lasten als Steuerpflichtige ein ent- scheidendes Wort mitzureden." Politisch also minderen Rechts, abgesehen etwa von dem armseligen Vereinsgesetz, stellt die Gesetzgebung die Frauen wirtschaftlich mit den Männern gleich; sie werden gleich diesen kapitalistisch in Gewerbe, Landwirtschaft und Industrie ausgebeutet, werden vom Steuerdruck gleicherweise mitbetroffen. Staat und Gemeinde heischen auch von ihnen Abgaben. Auch in den Dienst für das Wohlergehen der Gesamtheit darf sich die Frau stellen, besonders in kommunalen Einrichtungen, aber mit- zubestimmen hat sie nicht oder höchst minimal. Jetzt, nach beendetem Wahlkampf, ist es angebracht, darauf hinzuweisen, wie notwendig eine durchgreifende Erörterung dies-S umfangreichen Themas gerade für die Frauenbewegung in unseren Parteiorganisationen ist; noch mangelt es sehr, wohl auch bei den männlichen Parteimitgliedern» an einer tieferen Erkenntnis in diesen beregten Fragen. Die nun häusiger werdenden gemein» schaftlichen Zahlabende, die Leseabende der Ge« nossinnen bieten die denkbar beste Gelegenheit, Kenntnis und Anregung nach dieser Richtung hin zu verbreiten. Die rege Teil- nähme, die sich bemerkbar macht, bietet auch Gewähr dafür, daß das Interesse am öffentlichen und politischen Leben wächst. Und in diesem Wachsen sehen wir heute schon die Garantie, daß ein späterer Wahlkampf, vielleicht auch mal ein Wirtschaft. l i ch e r Kampf, die Proletarier gewappneter finden wird als bis« her. Nutzen unsere Genossinnen die ruhigeren Zeiten im politischen Leben richtig aus, dann sind uns noch weit schönere Siege sicher, als wir sie jetzt zu verzeichnen hatten. Was aber von weit größerer Bedeutung ist und auch größere Wirkung verspricht, ist intensive Aufklärungsarbeit bei den Indifferenten, denen die Gegner des demokratischen Sozialismus heute noch ihre große Anhängerschaft zu verdanken haben. Hier erwächst der Frau mehr noch wie dem Manne Gelegenheit, sich als p o l i t i s ch e und w i r t s ch a f t l i ch e Agitatorin zu betätigen. Also. Ihr Proletarierinnen. nutzt die Gelegenheit aus, erschemt zahlreich auf den Lese- und Zahlabenden! Wir gehen um so rascher dem Erntetag entgegen» Für de»„Allgemeine» Wahlverew verlw» mfe Umgegend" nehmen Aufnahmegesuche und Beiträge entgegen: Im 1. Kreis: Frau B e l g e r. Zimmerstr. S/4 IV. Frau Stiller. An der Fischerbrücke 11, Hof II. 4. Kreis 80.: Frau D ö l tz, Forsterstr. 44, Stfl. IV. Frau Böhm, Ratiborstr. 2, Ouergeb. II. Frau Handle, Rattoor- stratze 4, Ouergeb. I. Frau Höhnicke. Wrenerftr. 48, Laden. Frau Schuster. Skalitzerstr. 27. Hof IV. Frau T e u e r t, Naunhn- stratze 68, Stfl. H Frau Schreiber. Pücklerstr. 42. vorn Hl und Frau L i t h a u, Reichenbergerstr. 86». Ouergeb. II In der Spedition des„Vorwärts" am Lausitzer Platz. 5. Kreis: Frau Rausch, WinSstr. 12. Frau N ö ck e I, Kaiser« Wilhelmstr. 16o. Frau Davidsohn, Pasteurstr. 13 m Moabit: Frau Ketzler. Oldenburgerstr. 39(nicht mehr 87) und Frau Wulfs. Oldenburgerstr. 42(mcht mehr 40). __ Der Vorstand. Versammlungen— Veranstaltungen. Reinickenborf-Ost. Am Dienstag, den 7. Juli. AuSflug nach Waid« mannslust. Abfahrt von Schönholz früh S.lb Uhr. Treffpunkt 8 Uhr im Vereinslokal bei Gründer. Versammlungen. Protest der Wähler be» 11. Berliaer Landtagswahlbezirk». Eine äußerst stark besuchte Volksversammlung tagte am Frei- tag im„Pharus-Saal" in der Müllerstraße. Die Wähler des Ge- nassen Karl Liebknecht waren es, welche diese Kundgebung veranstaltet hatten, um öffentlich Protest dagegen zu erheben, daß der Vertreter des 11. Berliner Landtagswahlbezirks, entgegen dem klaren Sinn der Verfassung, von der Teilnahme an der verflossenen Tagung des Abgeordnetenhauses ausgeschlossen wurde, und die Mehrheit de? Drciklass enparlamenlS best ftfif 5« sozsaÜkeMlrck? tischen Fraktion gestellten Antrag auf Beurlaubung Liebknecht» aus der Festungshaft nicht einmal zur Beratung kommen ließ.— Genosse S t r ö be l, der in der Versammlung als Referent auftrat, beleuchtete diese Angelegenheit in eingehender Weise. Er führte den Nachweis, daß nach Artikel 84 der Verfassung auch ein in Strafhaft befindlicher Abgeordneter für die Zeit der Parlamentstagung frei» gelassen werden mutz, und daß, wenn es nicht geschieht, das Recht der Wähler, im Abgeordnetenhause vertreten zu sein, in der schwer- sten Weise verletzt wird. Unter lebhaftem Beifall der Versamm» lung verwies der Redner darauf, daß unser Antrag in der Herbst- session natürlich wiederholt wird, und daß unsere Fraktion auch im übrigen, trotz der zu erwartenden Vergewaltigung durch die re- aktionäre Mehrheit in jeder Hinsicht für die Interessen des Volkes eintreten wird.— Nach einigen warm empfundenen Schlußworten des Vorsitzenden, Genossen Fahrow, wurde die nachstehende Resolution einstimmig angenommen: „Die am 3. Juli in den„Pharus-Sälen" tagende, von über 1000 Personen besuchte Wählerversammlung des 11. Berliner Landtagswahlkreises spricht ihre tiefe Empörung aus, daß die Majorität des preußischen Geldsackparlaments: Konservative. Frcikonservative, Zentrum und Nationalliberale, den Antrag auf Haftenilassung ihres Vertreters, des Abgeordneten Karl Lieb- knecht, nicht einmal zur Verhandlung kommen ließ. Sie protestiert auf das energischste dagegen, daß daS Dreiklassenparlament das staatsbürgerliche Recht der Wähler deS 11. Landtagswahlkreises schnöde mißachtet und in klein» licher und gehässiger Rachsucht den Kreis um seine Ver» tretung brachte. Die Versammlung fordert auf das ent- schiedenste, daß in der Herbsttagung das verletzte Recht deS 11. Berliner Wahlkreises auf die Vertretung durch seinen Ab- geordneten wieder hergestellt wird." Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Gasglühlichtgesellschaft Auer hielten am Donnerstag in Litfins Saal eine Betriebsver» sammlung ab. Unter anderem kamen die Verhältnisse der Be» triebskrankenkasse zur Sprache. Von verschiedenen Seiten wurde über den Vertrauensarzt dieser Kasse, Sanitätsrat Dr. Rode gc- klagt. Aus einer Reihe von Einzelfällen ziehen die Arbeiter den Schluß, daß dieser Vertrauensarzt seine Untersuchungen nicht mit der wünschenswerten Gründlichkeit vornehme und deshalb schon öfter zu Feststellungen gekommen sei, Ivelche den Untersuchungs» ergebnissen, zu denen andere Acrzte in denselben Fällen kamen, widersprachen. Die Kassenmitglieder haben deshalb zu diesem Vertrauensarzt der Betriebskrankenkasse kein Vertrauen und wünschen, daß er durch einen anderen ersetzt werde.— Eine andere, in der Versammlung vorgebrachte Beschwerde bezieht sich darauf, daß im Betriebe keine genügenden Vorkehrungen für Hilfeleistung bei Unfällen getroffen seien. Das habe sich gezeigt bei dem seiner- zeit im„Vorwärts" mitgeteilten Unfall im Hallerschen Betriebe. wo zwei Arbeiterinnen durch in Brand geratenes Benzin erhebliche Brandwunden erlitten und zur ersten Hilfe in die Unfallstation des Auerbetriebes gebracht wurden. Diese sogenannte Unfallstation werde von einer alten Krankenpflegerin geleitet. Die Unzulänglich- keit dieser Einrichtung sei dadurch bewiesen, daß bei dem genannten Unfall die vorhandene Verbandswatte nur für die eine Vcrun» glückte reichte, während die andere mit Watte verbunden wurde, loclche im Betriebe zur Verpackung dient.— Was die Arbeiter hinsichtlich der Unfallhilfe fordern, ist in der folgenden Resolution ausgedrückt, die einstimmig angenommen wurde: „Die Betriebsversammlung der bei der Aucrgesellschaft und den Berliner Meiallwerkcn beschäftigten Personen nimmt Kenntnis von den in den letzten Wochen dort vorgekommenen Betriebs. Unfällen. Die Versammlung protestiert ganz entschieden gegen die unzulänglichen sanitären Einrichtungen. Sie verlangt von der Direktion und der Betriebsleitung, daß in dem großen Betriebe eine ständige Unfallstation mit einem staatlich geprüften Heil- gehilfen und dem nötigen Krankentransportmatcrial vorhanden sein muß. Ferner mutz in jeder Abteilung ein Verba.Kskastca mit dem nötigen Material vorhanden sein. Die Versammlung erwartet, daß sich die Direktion innerhalb 14 Tagen zu diesen An- trägen äußert." Letzte JVachncbten und Depefcben« Militär gegen Streikende in Schwede». Goeteborg, 4. Juli.(W. T. B.) Die„Handelstidning" meldet aus Lysekil, daß es dort zu ernsten Streikkund- gedungen gekommen ist. Ungefähr 600 Mann hatten schon in der vergangenen Nacht eine drohende Haltung ein» genommen, den Zugang zu den Schiffen versperrt und die Polizeibeamten von den Bergen herab ununterbrochen mit Steinen beworfen. Heute früh kam das Kanonenboot„KacH- gald" hier an und landete einen Offizier mit acht Mann. Ter Offizier forderte wiederholt die Demonstranten auf, aus- einanderzugehen. Als die Aufforderung mit Gelächter de- antwortet wurde, feuerten die Soldaten blinde Schüsse ob, worauf die Demonstranten sich in die Berge zurückzogen. Ein Arbeiter soll vom Holzpfropfen einer Platzpatrone getroffen und verwundet worden sein. Das Kanonenboot feuerte eben- falls, doch waren Kie Schüsse nur auf die Oberfläche bei Wassers gerichtet._ Spanisch« Arbeitersolidarität. Conma, 4. Juli.(B. H.) Die Arbeitergesellschasten von Coruna haben sich mit den streikenden Weberinnen solidarisch erklärt, um gegen das scharfe Eingreifen der Polizei zn protestieren. Sie haben den Ausstand von zwei Tagen verfügt, woraus die Fabrikbesitzer mit der Aussperrung von ebenfalls zwei Tagen geantwortet haben. Kinderschuh. Lipine(Schlesien), 4. Juli.(B. H.) Einen schrecklichen Tod fand gestern im Silesia-Walzwerk der 15 jährige Arbeiter Natta. Er wurde von einer Maschine erfaßt und zu Tod? gequetscht._ Ein Nachspiel. Lochum. 4. Juli.(SS. T. B.) Vor der hiesigen Strafkammer fand heute eine mit der Annener Roborttkatastrophe in Zusammen- hang stehende Verhandlung statt, in der fich der kauf- männische Leiter der Roboritfabrik in Annen, Ernst Franke, wegen Vergehens gegen§ 9 des SprengstossgesetzeS und Uevertrewng der Verordnung vom 14. Oktober 1393 zu verantworten hatte. DaS Urteil lautete auf 3 Monate Gefängnis. Di« allerneneste Martnerefor«. «UhelmShafen, 4. Juli.(B. H.) Der Kaiser verlieh den Marine» Ingenieuren daS Recht zum Tragen der OfstzierSschärpe. «rohsrner. Lre«l«i, 4. Juli.(v. H.) In dem Orte Jnielin brach gegen 12 Uhr Großfeuer auS, welches drei Besitzungen mtt allen Neben- gebäuden ergriff und in Asche legte. Es wird Brandstiftung ver» mutet._ 228 Tote! Petersburg, 4. Juli.(ffl. T.«.) Laut amtliche»»ngabeit über daS Grubenunglück in Jusowka sind bis heute abend 228 Tote' geborgen worden. 19 verunglückte Arbeiter befinden sich in Kranke», Häusern.! versntw. Redakt.; Georg TuvidMo, Berlin. Inseratenteil veralltw�TH.Glocke�iliv. DutckinLerlag�LorMir�Buchdr.n.Lerlaasavstalt PaulZiogcr& SxiIinSW-> Hierzu 4 Beilsgeii. 9t. 155. 25. ZahMvZ. t KtilM des Jotiüärts" fetlinet DÄsblM s>i»«Iaz, S.ZiililM. Die Parteiprefie zum GewcrWcijafts- Kongreß. „Fridtkische Tagespost(SßürnBctg): „Schon Bei der Frage der M a i f e i e r trat die Bedeutung dieser Verständigung(zwischen Partei und Gewerkschaften) klar hervor. Die Ansichten über die Maifeier haben sich in den Gewerkschaftskreisen seit Köln kaum geändert. Im Gegenteil hat der diesjährige Verbands- lag der Holzarbeiter gezeigt, dasi selbst in dem Verbände, der vielleicht am meisten für die Durchführung der Arbeitsruhe gewirkt hat, die Mahner zur Vorsicht erheblich an Zahl zugenommen haben. Aber das gemeinsame Abkommen zwischen Parteivorstand und Generalkommission bewirkte es, daß die Kölner Debatten über diesen Punkt sich nicht wiederholten. So klang die Auffassung des Kon- gresses dahin aus, dah dem vorliegenden Abkommen wohl zuzustimmen sei, daß aber damit noch keine endgültige Regelung der Unterstützungs- frage erfolgt ist, sondern daß Parteivorstand und Generalkommission in erneuten Unterhandlungen neue Wege zur Erreichung des Zieles suchen mögen. Noch mehr als bei der Maifeier zeigte sich der Wert der Ver- ständigung in der Frage der Jugendorganisation. Diese Frage interessiert gleichermaßen Partei und Gewerkschaften. Den letzteren geht die Organisation der Jugend um so näher, als die Zahl der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen von Jahr zu Jahr steigt, wie auch die Bemühungen des Unternehmertums und der gegnerischen Organisationen, die Jugendlichen dem Einfluß unserer Gewerkschaften zu entziehen, immer eifriger betrieben werden. Das hat zur Bildung der Jugendabteilung im Verbände der Lithographen und Stemdrucker wie auch iin Transportarbeiterverbande geführt. Aber auch die Aufgaben, die sich die„Berliner Richtung" der selb- ständigen Jugendorganisation ganz unberechtigterweise gegeben hat, zwingen die Gewerkschaften, sich der Frage der Jugend- organisation anzunehmen. Das diesbezügliche Abkommen zwischen Parteivorstand und Generalkommission will eine Organisation der Jugenderziehung schaffen, an der Partei und Gewerkschaften gleichermaßen mitwirken sollen. Die Entscheidung über politische Parteiftagen. wie die wirtschaftliche Interessenvertretung, bleiben nach wie vor lediglich Aufgabe der politischen und gewerkschaftlilhen Organisationen. Der Gelverkschaftskongreß stimmte der Resolution zu, die nunmehr den Parteitag wohl beschäftigen wird." „Bolksblatt für Bochum": „Die Frage des gewerkschaftlichen Frauenblattes war erst in den letzten Tagen vor dem Kongreß auf dem Verbandstage der Textil- arbeiter in Leipzig recht unerwartet aufs Tapet gebracht worden. llnd zwar in äußerst leidenschaftlich vorgetragenem ablehnendem Sinne.... Als ob der Gedanke so absurd wäre, als ob er nicht im Gegenteil für jeden praktisch tätigen Gewerkschaftler äußerst nahe läge, so daß man sich eigentlich nur ftagen kann, weshalb, er nicht schon in viel greifbarere Gestalt gebracht worden ist. Namentlich in Hinficht auf die im Werden begriffene Dienstbotenbewegung. Man täusche sich nicht über die relativ stark zugenommene Auf- läge der„Gleichheit". Sie ist erstens noch kein Beweis dafür, daß die„Gleichheit" dem hier in Rede stehenden Bedürfnis genüge. Und dann Hand aufs Herz. Wie viele Abonnements sind nicht lediglich auf einen mehr oder minder„gelinden" Druck oder auf Pflicht- gefühl zurückzuführen? Wieviel Abonnentinnen lesen die„Gleichheit" wirklich aus Interesse, wieviel vermögen vor allem den ziemlich schweren politilchen Stoff zu verdauen? Die M a i f e i e r d e b a t t e ist zwar im wohlwenden Gegensatz zu Köln diesmal gründlicher und offener gewesen. Aber dennoch ist auch sie wieder verlaufen— sagen wir es gerade heraus: wie das Hornberger Schießen. Wie immer sich die Mehrheit zu der Frage der ArbeitsrNhe— d. h. Fallenlassen derselben oder nicht— stellen mochte, so mußte diese Meinung endlich einmal klar und bündig niedergelegt werden. ... daß die„Regelung" der Unterstützungsfrage bei objektiver Würdigung aller in Betracht kommenden Umstände und Erfahrungen nicht anders möglich, als geschehen, das hat der Kongreß mit großer iviehrheit anerkannt. Erkannte er weiter, daß die Regelung an sich als verunglückt anzusehen, dann gab e? nur die eine Möglichkeit. die Konsequenzen daraus zu ziehen und in Form einer Resolution an den deutschen Parteitag das Ersuchen zu richten, sich damit ein verstanden zu erklären, daß auf dem nächsten internationalen Kongreß gemeinsam beantragt werden möge, dem Tanz auf rohen Eiern ein Ende zu machen. Jedenfalls gibt eS darüber nur eine Meinung, daß der Zu- stand unhaltbarer ist denn je. Und da Farbe zu bekeimen. klipp kleines feuilleton. Ein Jubiläum der Entwickelungstheorie. Die Londoner.Linnaean Society" feierte am 1. Juli die 50. Wiederkehr des Tages, da in einer ihrer Versammlungen Darwins und Rüssel Wallaces Abhandlungen„Ueber die Tendenz der Arten, Abweichungen zu er- zeugen, sowie über die Fortdauer der Abweichungen und Arten durch das natürliche Mittel der Auslese" vorgelesen wurden. Einer der ursprünglichen Begründer dieser Lehre, Rüssel Wallace, wohnte der Jubiläumsfeier bei und hielt eine Ansprache, die über die Entstehung dieser Theorien Helles Licht ausbreitet. „Seit Darwins Tode im Jahre 1882 Befinde ich mich— sagte Wallace— in der ziemlich eigenartigen Lage, daß mich verschiedene Schriftsteller mit Lob überhäufen, die über meinen wirklichen Anteil an DartvinS Lebensarbeit ganz im unklaren sind. Um diese Irrtümer zu beseitigen, möchte ich den wirklichen Tatbestand mit- teilen. Die erste und wichtigste Tatsache, die mich mit Darwin ver- bindet, besteht darin, daß wir beide, aber unabhängig von einander, den Gedanken der„natürlichen Auslese" und des„Ueberlebens des Tüchtigsten", sowie seine weitreichenden Folgen erfaßten. Man vergißt indes, daß Darwin diesen Gedanken schon im Oktober 1838, also beinahe zwanzig Jahre vor mir, erfaßt und daß Darwin während dieser zwanzig� Jahre mit großem Fleiße Beweise ge- sammelt, geistreiche Experimente gemacht und originelle Beobachtungen angestellt hatte. Bereits im Jahre 1844, als ich kaum an irgendwelche ernste naturwiffenschaftliche Studien dachte, schrieb Darwin die Grundzüge seiner Absichten nieder� und teilte sie seinen Freunden Lyell und Hooker mit. Ersterer drängte ihn, seine Theorie so schnell als möglich zu veröffentlichen, um anderen zuvorzukommen, aber Darwin lehnte dies ab und wartete,. bis er alle Materialien zu seinem großen Werke zusammengebracht hatte. Erst dann erfüllte sich die Vorhersage Lyells; mein Brief traf bei Darwin ein, wie ein Blitze aus wolkenlosem Himmel. Wie verschieden von diesen langen Studien und Borbereitungen, von dieser philosophischen Bedachtsamkeit, von dieser Entswlossenheit, nichts zu veröffentlichen, bis die Aeioeise überwältigend waren— wie verschieden von alledem war «rein Vorgehen! Ter Gedanke kam mir, wie er Darwin kam, wie ein plötzliches Aufblitzen. Ich überlegte ihn nur wenige Stunden, schrieb ihn nieder nebst einer Skizze von dessen Anwendbarkeit und Möglichkeiten, wie sie mir im Augenblick erschien, dann schrieb ich sie ins reine ab und sandte sie an Darwin � alles innerhalb einer Woche. JchZwar ein junger Mann, der es eilig hatte, Darwin war der sorgfältige und geduldige Gelehrte. Ans Grund dieser-Tatsache würde ich mich nicht beklagt haben, wenn die Anteile, die Darwin und ich an der Lehre haben, im Verhältnis von 20 Jahren zu einer Woche abgeschätzt worden wären. Wäre Darwin dem Rate seiner Freunde gefolgt, hätte er seine Entdeckung nach 10, IS oder 18 Jahren der Ausarbeitung veröffent- 'licht, dann wäre er als der einzige und unbestrittene Entdecker und geduldige Erforscher deS großen Gesetzes der.natürlichen Auslese" und klar Stellung zu nehmen— sei es pro oder kontra— wäre u. E. Pflicht des Gewerkschaftskongresses gewesen. Daß er das nicht getan, ist der einzige dunkle Punkt in seinen Ver- Handlungen... Beim Punkte Jugenderziehung hat es der Referent Genosse R. Schmidt-Verlin in ausgezeichneter Weise verstanden, die Dinge beim rechten Namen zu nennen.... daß die Ausführungen Schmidts namentlich über den springenden Punkt in dieser Frage: Selbständige Organisation oder nicht— von allen Diskussions- rednern mit einer einzigen Ausnahme gebilligt und unterstützt wurden, ist ein erfreulicher Beweis für den praktischen Blick und das aus- gereiste Verständnis der Redner für das, was unserer Jugend wirklich nottut. Noch erfreulicher ist, daß die Resolution Schmidt unverändert gegen eine einzige Stimme angenommen worden ist. Es ist wohl zu hoffen, daß auch die Mehrheit des Nürnberger Parteitages sich auf denselben Boden stellen wird. Alsdann hätten wir endlich in dieser Frage eine klare Marschroute vor uns. Alles in allem hat der verflossene Kongreß sich auf einer Höhe gezeigt, wie wohl kaum einer seiner Vorgänger. Die Früchte werden nicht ausbleiben!" „Arbeiterzeitung"(Dortmund): „Diese vom Genossen Schmidt entwickelten Grundsätze geWerk- schaftlicher Jugenderziehung können unseren Beifall nicht finden. Das ist Philister- und Krämergeist, der diese Anschauungen dittiert. Was die herrschende Gesellschaft durch den erbärmlichen, mangelhaften Volksschulunterricht an den Kindern des Pro- letariats sündigt, das kann auch die von Schmidt vorgeschlagene Erziehungsmethode nicht wett machen. Aber darum handelt es sich bei der Aufklärung und Erziehung der proletarischen Jugend auch gar nicht. Wenn wir die Jugend organisieren und aufklären, so wollen wir sie vor allen Dingen zu tüchtigen und zielbewußten Mitkämpfern, zu Sozialisten erziehen I... Zu diesem Ziele führt aber der vom Gewerkschaftskongreß betretene Weg nicht; er führt zur reinen Fachfimpelei und artet schließlich in öde Sportfexerei aus. Gerade derVergleich mitdenEvangelischenJünglingsvereinen hätte genügen sollen, um zu zeigen, wie sehr der Genosse Schmidt auf dem Holzwege ist. Die in diesem Verein wie auch im Katholischen Ge sellenverein und ähnlichen Korporationen vereinigten jungen Leute werden systematisch in einer ganz bestimmten Weltanschauung, der christlich- konservativen, erzogen. Dieser Umstand erschwert die sozialistische Agitation unter der Jugend deshalb so ungeheuer, weil die jungen Leute erst wieder mit ihrer ganzen Weltanschauung quasi brechen müssen, bevor sie sich uns für immer anschließen.... Die Resolution der Vorstände der Leipziger Jugendorganisation, die auf dem Gewerkschaftskongreß mehr Berücksichtigung verdient hätte, trifft jedenfalls den Kern der Sache. Es ist nur zu wünschen, daß der nächste Parteitag, der sich ebenfalls mit der Frage der Jugendorganisation zu beschäftigen haben wird, sich mehr der in dieser Resolution vertretenen Auffassung nähert; der vom Gewerk- schaftskongreß vorgeschlagene Weg ist für uns nicht gangbar. Die großen Gesichtspunkte vermißte man gleichfalls bei der Debatte über die Maifeier, diesem Schmerzenskinde der Gewerkschaftsbewegung. Die Art, in der die Maiseierfrage von einzelnen Rednern deS Kongreffes Beurteilt und behandelt wird, hat in der Tat etwas Beschämendes an sich. Es gibt Leute genug, die diesen lästigen„Ballast" gern los sein und der Maifeier heute lieber denn morgen den Garaus machen möchten. Dieser„Kassengeist beherrschte durchweg die Diskussion.... Mit Stolz konnte der Vorsitzende der Generalkommission auf die fast 2 Millionen organisierte Gewerkschaftsmitglieder hinweisen, die auf dem Hamburger Kongreß vertreten waren. Die deutsche Gewerkschaftsbewegung hat in den letzten Jahren einen ungeahnten Aufschwung genommen, ist zu einer Macht ge- worden, die dem organisierten Unternehmertum gegenüber eine achtunggebietende Stellung einnimmt. Die vorbildliche englische Gewerkschaftsbewegung ist an Bedeutung und Stärke erreicht ein Erfolg, an den man, wie Legten ausführte, nie geglaubt hätte Bei dieser Nacheiferung sollte es aber sein Bewenden haben. Uns wollte es scheinen, daß auf dem letzten Gewerkschaftskongresse sich bereits der Geist der englischen Gewerkschaften etwas zu stark bemerkbar machte! Die Arbeiten und Bcschküffe des Kongresses in allen Ehren: Aber durch ein stärkeres Betonen und Hervorkehren der großen Gesichtspunkte hätten die Verhandlungen nur noch ge- Winnen können I" „Sächsisches Bolksblatt"(Zwickau): Am Sonnabend gelangte die Frage der Organisation zur Er- ziehung der Jugend zur Debatte. Referent war Robert Schmidt- Berlin. Für uns, das bekennen wir ganz offen, ist diese Frage noch nicht abgeschlosien, sie läßt sich nicht durch einige Resolutionen oder Thesen erledigen, so wenig als es für uns ausgemacht ist. daß diese Organisationen selbständig sein müssen. Vielmehr cheint eine Unterstellung dieser Organisationen oder An« fliederung, wenn man will, an gegebene Organi- ationen(gewerkschaftliche Und pdlitische), der nächste Weg. Die vom Genossen Robert Schmidt vorgelegte und gegen eine Stimme angenommene Resolution dürfte nur als eine borläufige Regelung anzusehen sein, so daß nicht bloß die Debatten über die beste Art, die Jugend sür uns zu gewinnen, sondern auch die fortgesetzten praktischen Versuche, Partei wie Gewerkschaften erst auf den richtigen Weg bringen müssen. Die Frage der Jugendorganisationen gehört zu den schwierigsten, die die Partei und Gewerkschaften seit Dezennien in die Hand genommen haben. „Volksstimme"(Magdeburg): „... Wir machen kein Hehl daraus, daß wir mit den in Ham- bürg gefaßten Beschlüssen durchweg zufrieden sind und daß wir uns dabei in Uebcreinstimmung mit oer Masse der Parteigenossen und Gewerkschaftler zu befinden glauben. Das Maifeierabkommen zwischen Parteivorstand und Generalkommisston stand im Vordergrund des Interesses, obgleich niemand erwarten konnte, daß der Kongreß etwa seine Zustimmung versagen werde. Das Schwergewicht der Verhandlung ruht denn auch in der— programmwidrigen— Auseinanoersetzung über die Arbeitsruhe am 1. Mai. Anhänger der„Arbeitsruhe um jeden Preis" haben auf dem Kongreß das Wort nicht genommen, von allen Seiten wurde anerkannt, daß der Durchführung der Arbeits- ruhe im großen Matzstabe heute größere Schwierigkeiten entgegen- stehen, als je zuvor und es fehlte auch nicht an Stimmen, die die vollständige Beseitigung der Arbeitsruhe verlangten. Solange aber die Mehrzahl der Zentralverbände Unterstützungen aus der Haupt- kasse für die Durchführung der Arbeitsruhe verweigern, wird maj| immer wieder auf die örtliche Regelung zurückkommen. ... Die Ausführungen des Genossen Schmidt über die Jugendorganisationen weichen grundsätzlich von dem ab, was hierin im Auslande und später in Deutschland für gut ge- halten wurde. Seine Resolution verwirst jede selbständige Jugend- organisation und verlangt von den Gewerkschaften und von der Partei das Arrangement besonderer Veranstaltungen zur geistigen und körperlichen Ausbildung der arbeitenden Jugend. Der Bc- schluß des Kongresses, der gegen eine Stimme die Resolution gut- hieß, wird ohne Zweifel mancherlei Anfechtung erfahren, trotzdem diese Leitsätze offenbar in Uebereinstimmung mit den maßgebenden Parteiinstanzen aufgestellt wurden... ...„Gefühlspolitik" wurde hier wahrhaftig nicht getrieben, und doch machten die Verhandlungen einen lebhaften, frischen Ein- druck." � „Bolksblatt für Harburg": „... Es muß mit Bedauern festgestellt werden, daß der Kon- greß die Maifeierfrage tatsächlich auf dem alten Fleck ge» lassen hat, auf den sie durch den wenig glücklichen Beschluß der Partei und Generalkommission gestellt war. anerkannt worden. Es war nur ein glücklicher Zufall, daß mir ein Teil an dieser Entdeckung zugefallen ist. Während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts haben sich viele große Bio- logische Denker und Forscher mit diesem Problem beschäftigt und geistreiche, aber ungenügende Lösungen vorgeschlagen. Warum sind aber so viele große Geister fehlgegangen? Eine merkwürdige Reihe von Uebereinstimmungen sowohl im Geiste wie im Milieu ließen Darwin und mich zur gleichen Lösung gelangen. An erster und wichtigster Stelle steht die Taffache, daß wir beide von Jugend auf fleißige Käfersammler waren. Es gibt keine andere Gruppe von Organismen, die durch ihre fast endlose Zahl spezifischer Formen und zahllose Anpassungen an verschiedene Umgebungen den Sammler mehr zum Nachdenken anregt. Beide hatten wir eine Leiden- schaft fürs Sammeln, ein tiefes Interesse an den Lebewesen. Es war das oberflächliche und kindliche Interesse an den äußeren Formen der Lebewesen, das uns schließlich zur Lösung des Problems der Arten führte. Es war das fortgesetzte Suchen nach Entdeckung von oft unerwarteten Unterschieden zwischen sehr ähnlichen Organismen, das dem Sammeln einen geistigen Reiz verlieh, und wenn es sich was. daß die Sammler zu geistigen Spekulationen neigten— wie es bei Darwin und mir der Fall war—. so konnten sie nicht umhin. über das Warum und Wie dieses überwältigenden und auf den ersten Augenblick zwecklos scheinenden Reichtums der spezifischen Formen der Lebewesen nachzudenken. Etwas später wurden wir beide Reisende und Beobachter in manchen der reichsten und inter- essantesten Teile der Erde, wo sich die merkwürdigsten Erscheinungen lokaler und geographischer Verbreitung unserer Aufmerksamkeit aufdrängten. Seitdem hat uns die Frage: wie die Arten zum Dasein gelangten, nicht mehr in Ruhe gelassen. Schließlich kam der kritische Moment, wo Darwin und ich, voll von Beobachtungen und Nachdenken über das zu lösende Problem, mit dem System der„positiven Verhinderungen", wie sie Malthus in seinen„Prinzipien der Bevölkerung" darlegt, bekannt wurden. Die Wirkung war ein Aufblitzen der Einsicht, das sofort zum einfachen, aber allgemeinen Gesetz des„Ueberlebens des Tüchtigsten" führte, das sich als die langgesuchte wirkende Ursache der fortgesetzten Veränderungen und Anpassungen der Lebewesen erwies." Die Ausführungen Wallaces verlieren dadurch nicht an Interesse, daß inzwischen die Theorien von der„natürlichen Auslese" und „dem Ueberlebcn des Tüchtigsten" mancherlei Korrekturen erfahren haben, während die Hauptidee von der EntWickelung der Arten eine Grundlage der naturwissenschaftlichen Forschung geworden ist. Zur Geschichte der Guillotine. Der reaktionäre Entschluß der französischen Dcpurtiertcn und des famosen„sozialistischen" Justiz- Ministers B r i a n d, die Todesstrafe aufrechtzuerhalten, hat das be- rühmte Instrument, womit sie vollzogen wird, ivieder zur Aktualität gebracht. Die Guillotine ist bekanntlich seit der Revolutionszeit in Frankreich im Gebrauch, aber sie ist keineswegs, lvie man gewöhnlich annumnt, deren Schöpfung. Der Doktor G u i l l o t i n. nach dein sie den Namen hat, ist so wenig ihr Erfinder, wie Amcrigo Lcspucci der Entdecker Amerikas. Im Grunde Beschräult Nachdem also der Gewerkschaftskongreß in dieser Frage eine Haltung gezeigt hat, die schwächlich genannt werden muß, ist cS um so mehr Pflicht der politischen Partei und der Parteipresse. mit aller Energie zu betonen, daß die Maifeier das bleibt, was sie durch den denkwürdigen Beschlutz des Pariser Sozialistenkongrcsses in ihren Grundzügen sein mutz. Eine Dokumcntierung des Klassen- kampfes deS Proletariats, eine Prinzipicnerklärung für den Völker» befreienden Sozialismus und für den Achtstundentag. Wenn man die Debatte über Punkt 11, Korrespondenzblatt, aus dem Rechenschaftsbericht des näheren betrachtet, so kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Generalkommission ge- willt war, der„Gleichheit" einen Konkurrenten an die Seite zu stellen. Vorläufig ist es vereitelt, aber das Projekt tvird wieder auftauchen. Man mag über die Gründung einer eigenen geWerk, schaftlichen Fraucnzeitung denken wie man will, jedenfalls ist eine solche im Hinblick auf unsere vortrefflich redigierte„Gleichheit" nicht nötig, und die Generalkommission könnte der„Gleichheit" nichts Ebenbürtiges an die Seite stellen, was qualitative Kraft vermag. Das ist unsere feste Ueberzeugung. Wir wünschen dringend, daß die hierüber auf dem Kongreß gepflogenen Debatten den Anstoß zu einer lebhaften Agitation für die„Gleichheit" unter den weiblichen Gewerkschaftlcrinnen ab- geben mögen. Gerade in dieser proletarischen Frauenzeitung kommt der gewerkschaftliche neben dem(ozialistischen Geist sehr zur Geltung. Man lese nur das Blatt regelmäßig, um zu finden, daß ein„Konkurrent" nicht vonnöten ist. ... Es darf nicht sein, daß auf dem Gewerkschaftskongresse das letzte Wort über die Frage der Erziehung der prole- sich sein ganzes— wenn man so sagen darf--„Verdienst" um diese Einrichtung darauf, daß er am 10. Ok- tober 1789 in der konstituierenden Versammlung, wo er einer der Vertreter von Paris war, den Antrag stellte, die Todes- strafe allgemein vermittelst eines Enthauptungsapparates zu voll- ziehen. Zur Rechtfertigung diente ihm der Hinweis auf die Mensch- lichkeit, die eine möglichst schnelle Hinrichtungsniethode fordere, aber auch auf die bürgerliche Gleichheit, die die Verschiedenheit der Hinrichwngsart nach dem Stande des Verbrechers ausschließe. Anfang Dezember kam der Entwurf, den Dr. Guillotin geradezu mit Begeisterung vertrat, zur Verhandlung und schon in diescin Monat erwähnte ein rohalistisches Blatt den Vorschlag, die Maschine nach dem Antragsteller„Guillotine" zu Benennen. Im Januar 1790 wurden die ersten vier Artikel des Guillotinschen Entwurfes an- genommen, aber die zwei letzten, die den„einfachen Mechanismus" vorschlugen, wurden an eine Kommission verwiesen, die erst 18 Monate später Bericht erstattete. Am 3. Juni 1791 Beschloß die Nationalversammlung wohl den Artikel:„Jeder zum Tode Ver- urteilte wird geköpft", aber über die weiteren Details kam man so wenig ins Reine, daß mehrere Monate hindurch überhaupt keine Todesstrafe vollzogen wurde, bis im März 1792 das Direktorium des Pariser Departements, zugleich mit dem Justizniinister D up ort. beim Präsidenten der gesetzgebenden Versammlung Beschwerde erhob und dringliche Erledigung forderte. Die Versammlung wendete sich nun an den Sekretär der Akademie der Chirurgie, Dottor Antoine Louis und dieser war eS, der am 7. März in einem detaillierten Bericht die Ersetzung des köpfenden Scharfrichters durch eine sicher funktionierende Maschine befürwortete. Er wies hierbei auf den bereits in England verwendeten Apparat hin, dessen Nachahmung er empfahl. Sein Antrag wurde angenommen. Die Maschine müßte also eigentlich nach dem Mann, der sie, wenn auch nicht erfunden, so doch in Frankreich eingeführt und zur geschichtlichen Berühmtheit gebracht hat, Louisette heißen. Alldeutsche Enthusiasten aber werden mit Genugtuung vernehmen, daß der Mann, der die erste Guillotine konstruierte, ein Deutscher, namens Tobias Schmidt war, ein friedlicher Klavierbauer von Beruf. Der Apparat, der 960 Livres kostete, wurde am 18. April von Dr. Louis an fünf Leichen erprobt und am 25. April an einem Straßenränber zum erstenmal zur Anwendung gebracht. In einem nach der Hinrichtung des Royalisten Collenot dÄngremont gefaßten Beschluß der Pariser Kommune vom 21. August 1792 erscheint zum erstenmal die offizielle Bezeichnung„Guillotine". Die Kommune verfügte, daß die Guillotine auf dem Carrouselplatz errichtet werde und bis auf Widerruf dort bleibe. Nur das Fallbeil selost sollte nach jeder Hin- richtung entfernt werden, und zu dieser Prozedur wurden zwei Kommissare ernannt. Biencnverstand. In dem Streit über das Maß der Intelligenz bei den Bienen, denen unter andere» auch der belgische Dichter- Philosoph Maeterlinck ein eingehendes Studium und ein zugunsten ihrer Klugheit sprechendes schönes Buch gewidmet hat, nimmt m» karischen Jugend gesprochen worden ist. In Hamburg ist man mit einigen billigen Schlutzbemerkungen darüber hinweg. gegangen(abgesehen von den Ausführungen Molkenbuhrs und anderen). Dem nächsten sozialdemokratischen Parteitage wird es vorbehalten bleiben müssen, diese Frage einer prinzipiellen Er- örterung zu unterziehen. Dort muß der grundsatzlose erste Absatz II der Resolution über Me Jugenderziehung ein festes Gerippe er- halten. Man verstehe uns nicht falsch: Wir wollen keine besondere sozialistische Jugendorganisation. Wir wollen noch viel weniger eine besondere gewerkschaftliche Jugendorganisation, aber wir wollen eine Jugendorganisation und können nicht zugeben, daß unseren jungen Arbeitern und Arbeiterinnen, die Tag für Tag schon den schweren Kampf ums Dasein führen müssen, das Selbstbestimmungs- recht genommen wird und sie als unmündige Kinder behandelt werden, wie es auf dem Gewerkschaftskongresse in Hamburg zum Teil geschehen ist." „Brandenburger Zeitung": .. Die Vereinbarung zwischen Parteivorstand und General- kommission über die Maifeier war zwar kein Meisterstück und ist nicht mi� Unrecht hart getadelt worden, aber schließlich muß jeder, der keinen besseren Ausweg aus einer schwierigen Situation anzugeben vermag, anerkennen, daß die Vereinbarung wenigstens den Gelüsten der Unternehmer, die mit Maifeieraussperrungen die Arbeiterschaft aus mühsam errungenen Positionen werfen möchten, einen Damm entgegensetzt, ohne deshalb der Arbeitsruhe am 1. Mai dort, wo sie von starken Organisationen durchgeführt wird, hinderlich zu sein. Unter den gegebenen Verhältnissen, in einer Zeit der Krise, war ein vorsichtiger Beschluß in dieser Sache, selbst wenn er sich bald als verbesserungsbedürftig herausstellen sollte, mehr wert als eine aus augenblicklicher Begeisterung geborene Unbesonnenheit. Als hervorragend wichtig, namentlich auch vom politischen Standpunkt aus, ist sodann die Stellung, welche der Gewerkschafts- kongreß den Arbeiterinnen und der Erziehung der Jugend gegenüber einnahm. Der Plan, ein besonderes Ge- werkschaftsorgan für weibliche Mitglieder zu schaffen, ist mit Recht bekämpft worden und ebenso alle Bestrebungen, die darauf hinaus- laufen, die in der alten Gesellschaft beliebte gesonderte Behandlung des weiblichen Geschlechts auch in der Arbeiterbewegung zu kul- tivieren. Darin liegt eine Geringschätzung des weiblichen Ge- schlechts, gegen lvelche sich die Genossin Altmann mit sehr berechtig- tem Unwillen wehrte. Praktisch verhält es sich doch so, daß, wenn für gewisse Agitationsmethoden die Frauen schwer oder gar nicht ! Zugänglich sind, dies meist auch bei einem großen Teil der Männer ich ähnlich verhält. Dann muß eben, soweit das unter Wahrung unserer Grundsätze zulässig ist, die Agitationsmethode allgemein geändert, mehr dem einfachen Verstände angepaßt, zugleich aber unablässig an der Hebung der Allgemeinbildung des werktätigen Volkes gearbeitet werden. Diese Forderung ist mit btgrüßens- werter Energie auch vom Referenten in der Jugendorganisations- frage, vom Genossen Robert Schmidt, erhoben worden. Die Auf- gäbe kann um so vollkommener gelöst werden, ie größer der Kreis ist, der sich um sie zusammenschließt." culenbui'g vor den Geschworenen. In dem Prozesse gegen den Fürsten Philipp zu Eulenburg und Hertefeld wegen Meineides und Verleitung zum Meineide, der zurzeit unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelt wird, geht nun heute die erste Verhandlungswoche zu Ende. WaS da im großen Schwurgerichtssaale vor sich geht, wird in ein un- durchdringliches Dunkel gehüllt und die hier und da in der Presse veröffentlichten Mitteilungen müssen sich auf Aeußerlichkeiten be- schränken oder beruhen auf Kombinationen. Fürst Eulenburg ist täglich zur Terminsstunde aus der Charite nach dem Kriminal. gerichtsgebäude transportiert worden und hat bis jetzt die nicht geringe Anst.engung einer täglich mehrere Stunden dauernden aufregenden Gerichtsverhandlung anscheinend ohne Schaden für seine Gesundheit ertragen. Dem Angeklagten ist der allerweiteste Spielraum zur Verteidigung gelassen worden. Das beweist schon die Tatsache, daß fast drei Sitzungstage seiner persönlichen Ver- nehmung gewidmet waren und er Gelegenheit hatte, sein Fühlen und Denken, seinen Charakter und seine Ideale in ausführlichster Weise vor den Geschworenen zu entwickeln. Die Quintessenz seiner Ausführungen ist dahin zusammenzufassen, daß er nach wie vor die ihm zur Last gelegten Verfehlungen geschlechtllcher Art bestreitet, die Aussagen der beiden Belastungszeugen aus dem Münchener Prozeß für der französische Forscher Gaston Bonnier eine die höheren geistigen Eigenschaften der Bienen offen verfechtende Stellung ein. Als Beispiel teilt er in den Sitzungsberichten der Pariser Akademie der Wissenschaften mit, daß er Anhaltspunkte für eine Art von Verständigungsvermögen bei ihnen gewonnen habe. Er legte in seinem Garten Zuckerstücke aus, denen die schwachen Freßwerkzeuge der Bienen nicht beizukommen vermochten, zeichnete jedoch die Tierchen, die sich daran abgemüht hatten, um sie wieder zu beobachten. Er sah sie nach ihrem Stock zurückfliegen und etwa eme Stunde darauf mit Verstärkungen zurückkommen, und zwar auf dem Umwege über einen Brunnen, bei dem sie sich einen genügenden Waffervorrat eingepumpt hatten. Mit seiner Hilfe erzeugten sie an der Zuckeroberfläche Sirup. den sie nach ihrem Heim zurücktrugen. Andere Versuche haben Bonnier überzeugt, daß einzelne Bienen Meldungen über auf- gefundene Honigschätze erstatten können, und ihn zu der Ansicht ge- bracht, daß die Zahl der Arbeitsbienen, die zur Bergung des Gutes ausgesandt werden, stets im Verhältnis zur Menge des einzuheimsenden Honigs steht. Humor und Tatire« Zeppelin. Kriegsminister Herr von Einem Schwelgt am Bodensee in seinem Umgangston der Uckermark. Zeppelins dem dünkt die« stark. Darob gibt es eine Szene Zwischen beiden. Nicht mehr scheene Ist es. Selbst der Luftballon Kommt beinah aus der Fasson. Und die Leute sagen:»Kinder» Böse geht es dem Erfinder, Der im Umgang ganz vergißt, WaS ein Vorgesetzter ist." Doch mm zeigt sich, daß auf Thronen Auch noch Hochgefühle wohnen. Denn eS knegt Graf Zeppelin Diesen Glückwunsch aus Berlin t »Freut mich mächttg. Bloß nicht bange. Halte Ihnen stets die Stange." Welch' ein Wechsel! Einem ruft; .Na, NU flieg' ick in die Lust!" Fridolin. » Notizen. — Musikchronik. In der Marwitz. Oper im Schiller-Theater 0. wird Sonntag nachmittag bei halben Preisen»Der Waffenschmied" aufgeführt. Montag eröffnet Heinrich Botel sein Gastspiel im„Troubadour". Sonnabend geht zum erstenmal„Die Hoffnung auf Segen", musikalisches Drama in 4 Akten nach HeijermannS, Musik von Charles Grelinger, in Szene. ganz unbegreiflich erklärt, sich als das Opfer intrigierender Feinde hin- st e l l t und eS entschieden ablehnt, mit dem an den Zeugen Ernst gerichteten Briefe den Versuch gemacht zu haben, den Zeugen zu einer falschen Aussage vor Gericht zu verleiten. Er habe nur der Ueberzeugung Ausdruck geben wollen, daß Ernst, wenn er bei der Wahrheit bleibe, gar nicht anders aussagen könne, wie er selbst. Die Beweisaufnahme befindet sich noch in den Anfangsstadien. Außerordentlich eingehend wurde Justizrat Bernstein vernommen, der bekanntlich seinerzeit Maximilian Horden in den Moltke- Prozessen verteidigt und ihm in seiner Privatklage gegen den Redakteur Städele in München zur Seite gestanden hat. Es gehört nicht große Prophetengabe dazu, um zu erraten, worüber Justizrat Bernstein vernommen wurde. Es kommt in erster Reihe darauf an, die Bedeutung des vom Angeklagten im zweiten Moltke- Harden-Prozeß geleisteten Eides festzustellen. Der Wortlaut des Eides, der damals in einer noch unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit stattgefundenen Sitzung geleistet wurde, ist an sich nicht zweifelhaft, es wird aber darauf ankommen, die Tragweite und innere Bedeutung dieses Eides zu erörtern und festzustellen. Bei dieser Gelegenheit möge darauf hingewiesen werden, daß im Publikum viel- fach irrtümlich angenommen wird, es handle sich auch um den Eid, den der Fürst im Prozeß Bülow- Brand geleistet hat. Die in jenem Prozeß gemachte Aussage des Fürsten steht aber nicht unter Anklage, denn Fürst Eulenburg war an jener Stelle nicht dazu gekommen, seine Ausführungen über seine Geschlechts-Psyche zu vollenden, der Vorsitzende schnitt vielmehr diese Erörterungen als zu weit gehend und nicht zur Sache ge- hörig ab. Es handelt sich also nur um den vor der 4. Straf- kammer unter Vorsitz des Landgerichtsdircktors Lehmann ge- leisteten Eid.— Die Vernehmung deS Justizrat Bernstein er- streckte sich über zwei Sitzungen und kam auch da noch nicht zu Ende. Seine Aussage umfaßt auch die Eindrücke, die er von der Glaubwürdigkeit der Zeugen Riedel und Ernst in dem Münchener Städele-Prozeß empfangen hat und et hatte Auskunft zu geben, wie diese beiden Zeugen über Vorgänge, die fast ein Menschenalter zurückliegen, ermittelt worden sind. Dem Vernehmen nach betonte der Angeklagte, daß er von den Mün, chener Vorgängen völlig überrascht worden sei und deshalb nicht Gelegenheit gelabt habe, den Zeugnissen der Zeugen Riedel und Ernst sofort an Ort und Stelle entgegenzutreten. Es soll aber ein Zeitungsblatt vorgelegt worden sein, in welchem schon vor Beginn deS Städele-ProzesseS mitgeteilt worden war, daß in München die Beziehungen deS Fürsten zu ehe maligen Fischern vom Starnberger See zur Sprache gebracht werden würden. Ueber den in Frage stehenden Eid des Angeklagten wurde auch der Referendar Brandenburg vernommen, der im Moltke� Harden-Prozeß Protokollführer gewesen ist. Vernommen sind in- zwischen noch einige Zeugen, deren Bekundungen ohne Bedeutung waren, so der Graf Günther v. d. S ch u l e n b u r g, der Vertreter des„New Fork Herald" Mr. Stanhope, der Kriminalwachtz meister Müller usw. Eine sehr lange, fast ll�stündige Aussage machte der OberlanbeSgerichtSrat Mayr-München, der eingehend über den Städele-Prozeß berichtete und die hoch dramatische und überwältigende Art schilderte, wie Ernst nach schweren inneren Seelen- kämpfen seine den Fürsten Eulenburg so schwer be lastenden Aussagen gemacht hat. Ernst hat in München zunächst nur zugegeben, daß er den Fürsten Philipp zu Eulenburg seit etwa LS Jahren kenne und ihn während der Sommer, die er in Starnberg verlebte, täglich auf den See hin- ausgefahren habe. Er behauptete zunächst, daß der Fürst mit ihm nichts Unrechtes gemacht und ihn nie auf schlechte Art angefaßt habe. Auch von Schmutzereien habe der damalige Graf nie ge- redet. Ernst hatte dann in München auf eingehendes Befragen deS Oberlandesgerichtsrats M a y r zugegeben, daß er zweimal oder dreimal auf Einladung des Fürsten in Liebenberg war, um dort zu fischen, daß er mit dem Grafen an demselben Tisch Kafiee getrunken habe, daß das Geld zu dem Hause, welches er besitzt, ihm von der Mutter des Fürsten geliehen worden sei, daß er mit dem Fürsten Reisen gemacht und einen Kammerdiener für ihn abgegeben habe usw. Seiner Weisheit letzter Schluß war bei seiner Vernehmung immer: Der Fürst kann mir nichts nachsagen und ich kann ihm nichts nachsagen. ObcrlandeSgerichtsrat M a y r hat dann ebenso wie der Justizrat Bernstein in ernsten und ein- dringlichen Worten an seine Zeugenpflicht erinnert, nichts zu verschweigen. Dann kam er langsam ins Wanken und mühsam und fast stöhnend kam aus ihm schließlich das Bekenntnis heraus: „Wenn ich'S denn sagen muh: wie'S die Leute reden, so war'S!" Und dann hat er daS„was so war", auf weiteres Befragen des Näheren geschildert und die Vorgänge im Kahn auf dem Starn- berger See dem Gerichtshofe verraten und seine Aussage be- schworen. Ob diese beschworene Aussage richtig ist, ist in diesem Prozeß der springende Punkt. Oberlandesgerichtsrat M a y r be- kündete als Zeuge, daß die Bekundungen sowohl des Riedel, als auch besonders des Ernst, auf den Gerichtshof den Eindruck der Wahrhaftigkeit gemacht haben. In der Sonnabendsitzung wurde nach Aufruf der Zeugen fest» gestellt, daß Graf August Eulenburg und der ehemalige öfter- reichische Botschaftssekretär Graf L o n y a y, ein Vetter des Gemahls der ehemaligen österreichischen Kronprinzessin, nicht erschienen sind. Zunächst wurde heute die Vernehmung des Justizrats Bern- stein fortgesetzt. Sie zog sich wiederum bis gegen 1 Uhr hin. Danach wurde der Zeuge Ernst in den Saal gerufen. Er kehrte jedoch sofort wieder zurück, da er heute noch nicht vernommen werben kann, sondern bis Montag entlassen wird.— Als Zeuge wurde sodann der Bergmann Trost aufgerufen, welcher früher Stewart auf der„Hohenzollern" war und bekunden soll, daß Fürst Philipp Eulenburg auf einer Nordlandreise eine schlüpferige Frage an ihn gerichtet hat. Um IM Uhr wurde eine kurze Pause gemacht. Ueber die nachmalige Vernehmung des Justizrats Bern- stein hören wir, daß dieser in der ausführlichsten Weise darüber befiagt worden ist, wie er seinerzeit von Riedel gewisse Mitteilungen erhalten hat. Die Verteidigung will wissen, wie sich die verschiedenen Unterredungen abgespielt hatten und ob nicht vielleicht ganz unbewußt suggestive Einwirkungen auf den Zeugen, selbstverständlich im besten Glauben ausgeübt worden seien. Dem Vernehmen nach soll Justtzrat Dr. Bernstein darauf erklärt haben, daß Riedel wiederholt unaufgefordert bei ihm erschiene» sei. Er habe auch nicht den Eindruck gehabt, als ob Riedel einen Groll gegen den Fürsten habe; er habe den Zeugen stets nur erzählen lassen und nur wenig geftagt. Es soll dann von einem Ge« schworenen der Verwunderung darüber Ausdruck gegeben worden sein, daß Riedel sich nachLSJahrenderVorfälle noch so genau erinnern konnte und der Geschworene suchte durch verschiedene Fragen an den Zeugen zu ermitteln, ob nicht doch etwa dem Riedel dies oder jenes suggeriert worden sein könnte. Justizrot Bernstein soll aber mit aller Bestimmtheit erklärt haben, daß er auch die entfernteste Möglichkeit von der Hand weisen müsse, den Riedel in irgend einer Weste beeinflußt oder etwas in ihn hinein- gefragt zu haben. Riedel habe vielmehr alles frei von der Leber herunter erzählt.— Wie wir hören, kam auch eine Auskunft der Polizeidirektion in München zur Verlesung, durch welche die Wohnungsverhältnisse deS Fürsten während seines Münchener Aufenthalts klargelegt werden sollten. Es scheint so, als ob Riedel in dieser Beziehung eine nicht ganz zutreffende An- gäbe gemacht hat. DaS Gericht beschloß, einen Zeugen aus München zu laden, der nach dieser Richtung hin Bekundungen machen soll. Auf weitere Fragen eines Geschworenen soll Justizrat Bernstein bekundet haben, daß er mit den Zeugen Ernst und Riedel zwei- bis dreimal gesprochen habe. Er habe den Zeugen wiederholt ans Herz gelegt, sich gar nicht aufzuregen und nichts Falsches zu sagen, denn die Sache sei ja schon so lange her. Riedel habe zunächst großen Wert darauf gelegt, unterrichtet zu werden, ob er, wenn er alles sage, sich nicht jetzt noch strafbar mache. Erst als er die Ge- wißheit erlangt hatte, daß alles verjährt sei, habe der Zeuge alles erzählt. Er habe den Riedel in nachdrücklichster Weise davor gewarnt, irgend etwas Unrichtiges oder nur vom Hören- sagen Erfahrenes zu sagen. Er wiederhole, daß er den Riedel nach keiner Richtung hin ausgefragt oder gar beeinflußt habe. Der Vorsitzende wies darauf hin, daß auch der Zeuge Ernst aufäuglich sehr zurückhaltend gewesen ist und sogar zunächst den jetzt zur Anklage stehenden Brief deS Fürsten an ihn ab« geleugnet habe. Von der Verteidigung soll sodann an den Justizrat Bern- st c i n die Frage gerichtet worden sein, ob er zu einem am 14. April in den»Müncheuer Neuesten Nachrichten" und gleichzeitig in der „B. Z. a. M." erschienenen Artikel daS Material gegeben habe oder sonst in einer Beziehung zu demselben steht. Die Be- aiitwortung dieser Frage soll Justtzrat Bernstein abgelehnt haben. Der Artikel, um den es sich handelt, trug die Spitzmarke: „Ein Münchener Hardenpr-zeß"; es wurde darin angekündigt, daß aufsehenerregende Enthüllungen in diesem Prozeß zu erwarten seien. Die Beantwortung dieser Frage soll vom Justtzrat Bernstein aus dem Grunde abgelehnt worden sein, weil er seil langen Jahren Rechtsbeistand der„M. N. N." und auch deren Mitarbeiter sei. Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel hielt diesen AblehnungSgrund nicht für zutreffend, da einem Rechlsanivalt das Recht zur Verweigerung der Aussage nur in bezug auf dasjenige zustehe, was ihm bei der Ausübung seines Berufes anvertraut sei. Dies sei hier nicht der Fall und deshalb sei die Verweigerung der Aussage nicht berechtigt. Die Verteidigung soll schließlich erklärt haben, daß sie der Sache keine weitere Folge geben wolle, für sie vielmehr die Angelegenheit durch die Verweigerung der Aussage erledigt sei. Ueber die Vernehmung de? 32 jährigen Bergmanns Trost hören wir noch folgendes: Der Zeuge war als Obermatrose bei der kaiserlichen Marine auf die„Hohenzollern" befohlen worden. Am Bord hat es ihm obgelegen, die Kabinen zu reinigen. Als er eines Tages im Jahre 1898 in der Nähe der zwei Kabinen des Fürsten Eulenburg Reinigungsarbeiten zu verrichten hatte, sei der Fürst an ihn herangetreten und habe ihm freundlich auf die Schulter geklopft. Der Fürst habe ihn geftagt, wie eS mit seinen Urlaubs« Verhältnissen stehe, und als er geantwortet, er gehe jeden Abend nach 6 Uhr an Land, habe ihn der Fürst gefragt, ob er denn auch eine Liebste habe. Der Zeuge will darauf geantwortet haben, daß er in Westfalen fem Mädel habe. Im An« schluß an diese Unterhaltung soll der Fürst zu ihm eine Bemerkung in Frageform gemacht haben, die etwas schlüpfrig gewesen und auf etwaige nicht strafbare homosexuelle Hand» lungen hindeuteten. Der Zeuge will damals ganz b e» troffen gewesen sein, daß ein Graf mit ihm über solche Dinge spreche. Er habe schon gleich nach diesem Vorfall die Sache seinem Obermaat erzählt. Auf weiteres Befragen soll der Zeuge unter anderem sich dahin ausgelassen haben, daß er während des Moltke-Harden-ProzesieS einmal in einer Gast- Wirtschaft sich über den Prozeß unterhalten habe. Dabei sei er auch auf sein Erlebnis mit dem Fürsten Eulenburg zu sprechen gekommen und habe guten Bekannten diese Sache erzählt. Bald darauf habe er zu seiner Ueberraschung eine Zeugenvorladung erhalten. Auf Frage der Verteidigung soll der Zeuge auf daS besttmmteste ver- »eint haben, daß er sonst irgend etwas über Verfehlungen des Fürsten Eulenburg nach dieser Richtung hin gehört habe oder wisse. Der Zeuge soll alsdann sehr eingehend darüber befragt worden sein, ob er den Angeklagten alS jene Persönltchken wiedererkenne. Der Zeuge soll dies ganz bestimmt be» j aht haben. Er schilderte auch des näheren, daß Fürst Eulenburg zwei Kabinen an der Backbordseite dicht neben denen deS Kaisers innegehabt habe. Fürst Eulenburg soll erklärt haben, daß er diesen Zeugen überhaupt nicht kenne. Er habe sich seines Wissens niemals mit einem Matrosen über solche Dinge unter- halten und eS sei ihm u n v e r st ä n d l i ch, wie der Zeuge hier so etwas sagen kann.— Nach dem Zeugen T r o st wurde Recht»- anwalt Prager vernommen. Er ist der Sozius des JusttzratL Bernstein uno machte Bekundungen über die Art, wie Riedel seine Mitteilungen an den Justizrat Bernstein gemacht hat.— Hierauf wurde Graf Kuno v. M o l t k e in den Saal gerufen; zu seiner Vernehmung kam eS aber noch nicht, da der GeiundheitS- zustand deS Angeklagten eine längere Verhandlung an diesem Tage nicht mehr zuließ. Die Vernehmungen deS Grafen v. Moltke und des Zeugen Ernst sollen erst am Montag stattfinden. Die Sitzung wurde darauf auf Montag 11 Uhr vertagt. Mocken-Spielplan der BerUner Cbeater. Königl. Opernhans. Geschlossen. Köuigl. Schauspielhau». Geschlossen. Neues köuigl. Lperu-Theater. Sonntag: Carmen. Montag: Lohengrin.(Ans. 7 Uhr.) Dienstag: Der Barbier von Sevilla. Mittwoch: MIgnon. Donnerstag: Tannhäuscr. Freitag: Don Juan. Sonnabend: Lohengrin.(Ans. 7 Uhr.) Sonntag: Cavaleria rusttcana. Bajazzi. Mon- tag: Tannhäuser. Deiuiche» Theater. Täglich: Die Brettlgräsin. Deutsches Theater(Kammerspiele). Tägllch: Getbstern. Leist» g Theater«. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Drr Waffen- schnncd. Abends: König sür einen Tag. Montag: Ter Troubadour. DienS- tag: König sür einen Tag. Mittwoch: Der Postillion von Lonjumeau. Donnerstag: König sür einen Tag. Freitag: Der Troubadour. Sonn- abend: Hoffnung aus Segen. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Carmen. Abend»: Der Postillion von Lonjumeau. Montag: Hoffnung auf Segen. Schiller- Theater Charlottenöurg. Geschloffen. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Tägstch: Dte Dievin. Theater deö Westens. Täglich: Ein Walzertraum. Thalia< Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Stew im Wege. Papas Sommerreisc. Allabendlich: Der Mann mit dem Monocle. Neues Oprrctten-Thcater. Geschloffen. Luisen-Theater. Geschloffen. Bernhard Rose.Theater. Täglich: Im Hause der Sünde. Mctropol> Theater. Allabendlich: DaS muß man seh'n l Gustav Behrens> Theater. Spezialitäten. ZCpollo-Theaier. Allabendlich: London Suburbta. Spezialität e». Walhalla-Theater. Spezialitäten. Bassagc-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Abends täglich: Berlin in Stimmung, e-pezialitäien. Nächsten Sonntag nachmittag 3 Uhr: Spezialitiiten. Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. ReichShallr». Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. Carl Havcrland-Theatcr. Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Berliner Prater-Theater. Allabendlich 7 Uhr: Die Welt ein Paradies. llrania-Thrater. Taubcnstvaße 48/49. Sonntag und Freitag: lieber den Brenner nach Venedig. Montag: Die deutsche Ostseeküste. Dienstag und Sonnabend: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Mittwoch: Die deutsche Nordseelüslc. Donnerstag: Von der Zug. -pitze zum Latzmann. Sonntag, den 12. Juli: Durch Dänemark und Süd- chwcdcn. Ansang 8 Uhr. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57— 6a Charlottenbnrg. a Am Donnerstag, den 2. Jnll, .! verstarb plötzlich mein lieber ! Mann, unser guter Vater, Bruder I und Schwager, der Former Waldemar Kamrath j im 41. Lebensjahr. 36272 Um stilles Beileid bitten Frau Hvllivig Kamrath nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonn- i tag, den 5. Juli, nachmittags 1 5'/, Uhr, von der Leichenhalle des ! Luisen-ktfirchhoses(Fürstenbrunner ! Weg) Westend aus statt. chartotteiidiirg. Am Donnerstag, den 2. Juli, [ verstarb plötzlich unser Mitglied Waldemar Kamrath (Gruppe VI). Die Beerdignng findet heute, Sonntag, den 5. Juli, nach» - mittags 5'l, Uhr, von der Leichen- - balle deS Luiscnkirchhojes(Fürsten- > brunner Weg) statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet j 200/10' Der Vorstand. Deutscher I Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, j daß unser Mitglied, der Former Waldemar Kamrath j am 2. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 5. Juli, nach» 1 mittags ö1/, Uhr, von der Leichen- balle deS Luisen»Kirchhoscs in t Westend aus statt. 118/16 Ncge Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. öeerdigim[}8?erem IBerlmer Zimmerleute. ;J Am 3. Juli starb nach sechs- j monatlichem Krankenlager an ! SpeiseröhrcnkrebS im Alter von 156 Jahren unser Mitglied, der j Zimmerer Wilhelm Göritz. Ehre seinem Anbeuten! Die Beerdigung findet heute Srnultag, den 3. Juli, nachmittags -j'I, Uhr, vom. Trauerhause Fran- j seckistraße 26 aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 1 435b Der Vorstand. Deutscher I Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, 1 dast der Kollege, Einsetzer l�oms Wolle j am 1. Juli plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andeukeu! Die Beerdigung findet am I Dienstag, den 7. Juli, vor- mittags 10 Uhr, von der Leichen. I Halle deS PhilippuS-Apostel-Kirch- | hoscs, Müllerstr. 44/45, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht s Die Kommisston der EiuseNer. Allen Freunden, Bekannten und I Verwandten die traurige Nach- richt, dah mein lieber Mann, | unser guter Vater, der Böttcher (histsv Schladale | am 3. d. M. verstorben ist. , Die Beerdigung findet am I Dienstag, den 7. d. M., nach- 1 mittags 3'/. Uhr, vom Trauer- I banse Langestraße 49 aus aus dem St.-Andreas- Friedhos in Wilhelmsberg statt. 43lb Um stilles Beileid bittet Tie tiefbetrubte Familie. ! Unna lledlsitgls, geborene Lrukn, nebst Kindern. Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. daß der Kollege, Möbelpolierer Max Bombe am 2. Juli gestorben ist.• Ehre seinem Andenken! �Dic Beerdigung findet am Sonntag, den b. Juli, nach- mittags 2 Uhr, aus dem Georgen- Kirchhos in Weißensee statt. 86/10 vis Ortsverwaltimg. Allen Freunden und Bekannten sagen wir sür die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten VaterS Ködert VViischhe «nscren besten Dank. 42hb vis trauernde Witwe nebst Kindern. Bon der Reiie zurück Dr. Norbert Auerbach, Alexandcrstr. 14 a.[141/14 „Hoffnung" Berliner Schneiderei- Genossenschaft K. G. m. b. H. Zwischen Rosenthaler QuimMniiet« 4 DR Zwischen Rosenthaler' Tor u. Invalidenstr. OlHnUcUoll. lOö Tor u. Invalidenstr. Gegr.i.Februarl906 v. organisiert. Schneidergehülfen Berlins. Empfiehlt sich allen i und flrbdt«rn, Parteigenossen � lÜltbÜrgern A-Iertigmig elegwitet � Herrei)-D.Knal)enganlerolie Großes Lager fertiger Herren-, Knaben- u, Kinder-Anzüge. Große Auswahl in Sommer-Paletots, Ulster, Radlahranzligen n. FanL-ffeslen in allen Größen and Preislagen sowie Arbeiter- Berufskleidung. Sie Herstellung nnserei Fabrikate erfolgt in i eigenen Betriebswerkstätten unter den von{ unserer Organisation festgelegten Bedingungen. Lieferanten der Konsum-Genossenschaft Ucrlins u. Umgegend, des Berliner und Charlottenburger Konsum Vereins und des Arbeiter-Kadfuhrerbnndes. 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Nicht die Frage, ob Christentum oder Islam, auch nicht die Frage, ob und wie die nationale Auto- nomie der Griechen, Serben, Rumänen. Bulgaren, Albanesen in Mazedonien mit dem Souveränitätsrechte des Padischah zu verein- baren wäre, etwas ganz anderes bestimmt die Konstellation der Mächte: es ist das Sweben um die wirtschaftliche Vormachtstellung in den Balkanstaaten. Wie stark das deutsche Kapital in der Türkei und in den Balkan- staaten überhaupt engagiert ist, läßt sich schwer feststellen. Aber man weiß, daß z. B. ein großer Teil der Aktien der Orientalischen Bahnen in den Händen deutscher Kapitalisten ist, daß in manchen Teilen des großen Gebietes die Waldexploitation von Deutschen besorgt wird, daß deutsche Banken an der Industrialisierung, Rumäniens, Bulgariens und der Türlei oft hervorragend be- teiligt sind. Genaueres als über diese Investitionen weiß man über den Außenhandel Deutschlands mit den Balkanstaaten. In den letzten Fahren insbesondere haben sich diese Handelsbeziehungen ganz wesentlich gehoben. Eine Vorstellung von dem Vordringen der deutschen Industrie erhält man vor allem von der Tatsache, daß so- gar in S e r b i e n der deutsche Import den zweiten Platz sich er- obcrt hat. Oesterreich-Ungarn steht(1906) unter den Bezug- ländern Serbiens mit einem Einfuhrwerte von 21 677 1S2 Fr. (52,39 Prozent) an erster Stelle; aber nach ihm folgt gleich Deutschland mit 9 659355 Fr.(23,32 Prozent), England mit 3 599 579 Fr.(8.43 Proz.), die Türkei mit 1813 755 Fr. (4,33 Proz.); dann erst folgen Frankreich, Italien, Rußland, die Schweiz, Belgien usw. Gegenüber dem Jahre 1995 vermochte Deutschland seinen Absatz um nicht weniger als 12 Proz. zu steigern l Einen derartigen Erfolg hat kein anderer Staat aufzuweisen. Der Anteil Deutschlands am serbischen Import ist im Jahre 1996/97 beträchtlich(um 3 387 117 Fr.) gestiegen. Dabei tritt Deutschland so ziemlich bei allen Warengruppen in den Wettbewerb. Sein Anteil betrug in Frank Prozent der Gesamtheit Erzeugnissen der Landwirtschaft, Eßwaren und Getränken... 2 331 789— 19,22 Textilstoffen........ 3 125 415= 27,35 Metallen......... 1418 571= 22,97 Chemischen Produkten, Farben.. 513 469— 39,64 Leder........... 366 195= 29,76 Papier.......... 246 872— 16,98 Wachs und Waren daraus... 139 554— 41,89 Steinen und Erden...... 196 466— 34,41 Deutschlands Export nach Rumänien belief sich 1995 bloß auf 91,5 Millionen Frank, stieg 1996 auf 142,2 und 1997 gar auf 159 Millionen Frank. Ein etwas anderes Bild ergibt sich, wenn man die Ausfuhr der einzelnen Länder dem Werte nach wägt. Es be- ziffert sich nämlich der Durchschnittswert einer Tonne der nach Rumänien in den letzten sechs Jahren eingeführten Güter auf Frank Italien........ 2195 Frankreich....... 1986 Deutschland.... 1776 England....... 667 Oesterreich-Ungarn.... 855 Rumäniens größte Industrie, die Petroleumproduktion, wird zum großen Teil von deutschen Kapitalisten ausgebeutet. Von den investierten. 240 Millionen Frank entfallen allein auf Deutschland 199 Millionen, auf Rumänien 35, auf Frankreich 39, auf Holland 39, auf Italien 15, auf Amerika 12,5, auf England 6, auf Belgien 3.5, auf Oesterreich-Ungarn 2,5, auf sonstige Länder 5,5 Millionen Frank. Sehr stark ist auch Deutschlands wirtschaftliche Stellung in Bulgarien. Im Jahre 1997 waren am bulgarischen Außenhandel beteiligt: an der Einfuhr Ausfuhr 1997 gegen 1996 1997 gegen 1996 Wert in 1999 Franks Oesterreich-Ungarn.. 34 687+ 6885 8 922— 177 Großbritannien.... 21 424-- 1823 29 795-)- 5779 Deutschland...... 19 669 �- 3435 17 921 4- 1612 Türkei........ 17 547 4- 595 27 282-j- 5583 Frankreich...... 6 593-j- 1229 6 999— 1987 Italien........ 5 483— 69—— Belgien....... 4252+ 1174 26 979+ 6828 Hier steht Deutschlands Industrie an dritter Stelle. Schwach entwickelt ist der Export nach Griechenland, wo außer England die Mittelmeerstaaten Italien und Frankreich dominieren. Ebenso hat Deutschlands Handel in der Türkei mit einer starken Konkurrenz zu kämpfen. Abgesehen von dem westlichen Teil der türkischen Provinzen ist Deutschland aber doch ein Haupt- lieferant in Eisenwaren. Maschinen und Instrumenten, Textilien, Porzellan und Glas, Papier, Chemikalien und Drogen. Deutschland und Oesterreich-Ungarn haben demnach bei einem eventuellen Weltbrand am Balkan viel zu verlieren. Hinter der Entrüstung über die mazedonischen Greuel versteckt sich der Widerstreit der auf dem Balkan zusammenprallenden Handels- politischen Interessen. Darüber muß man sich klar sein, ohne daß man deshalb die anarchischen Zustände in Mazedonien auch nur im geringsten zu entschuldigen braucht. Htlfsraffe der Graveure, Ziseleure und verwandten BerusSgenosfen. Morgen(Montag) abends 8—19 Uhr bei Stehmann, Luisen-User 1. Amtlicher Marktbericht der städtischen Martthallen-Direktion über den Großhandel in den Zenwal-MarlthnÜcn. Marktlage: Fleisch: Schwache Zusuhr, ruhiges Gcschäst, unveränderte Preise. Wild: Zufuhr mäßig, Geichäst befriedigend, Preise fest..Geflügel: Zufuhr reichlich in Gänsen, in anderen Geflügclarten nicht genügend, Preise in Gänsen nach. gebend, sonst gut. Fische: Znsuhr genügend, Geschäft ziemlich rege, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Ob st und Südfrüchte: Reichliche Zu- suhr, flottes Geschäst, Preise behauptet. WasserstaudS-Rachrichte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt MW Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l, Tilsit P r e g e l. Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netz«, Bordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg »)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel. LotMierlnen Wetterschutz für Touristen Für Herren u. Damen mit Kapuze und Brust- b ändern 22.» 21.- 19.» Q Hji 15- 12.- 3«Bl „Halali" AU Mantol oder Peierlo« spielend xu verwendeln. 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Mai 1908 angeordnete Wanderung des Z 30 de» ÄassenftatutZ betreffend Erhöhung der Beiträge. 2. Verschiedenes. 3011b' Berlin, den 2S. Juni 1908. Der Vorstand. _ A. D a e h n e, Vorsitzender. E. SimanowSki, Schriftführer. ssl !k Montag, dt« 6. Juli 1908, abends 8'/, Uhr, findet in den BealSenZ'I'Sataaien, Landsberger Straße, Wo. 81, eine Kombinierte— Mitglieder- Versammlung Ta geS«Or dnun'g: 1. Bericht von der General-Berfammlung. 2. Neuwahl der Gau- kommiffion und Bericht von der Gaukonferenz. 3. Wahl der Delegierten zur Gewertfchastsiommission. 4. Verfchiedenes. ES wird um recht rege Beteiligung ersucht. t Wir ersuchen die Vertrauensleute und BezirlSlasfierer Llll DkilllslUllg. sowie alle Mitglieder, die in den Zahlstellen oder au dem Bureau bezahlen, die Mitgliedsbücher bis spätestens IS. Juli mt genauer Wreffenangabe zwecks Kontrolle aus dem Bureau abzuliesern. Am Sonnabend, den 18.-Inil, findet im Sctawelaer. garten, am KäntgStor ••• Sommerfest••< verbunden mit Konzert, Gosangs-Yorträgen«nd Spezialitaten-Yorstellong statt. | Auch ist für Kinderbelustigung gesorgt.{ Anfang 3 Uhr. Eintritt 30 Pf. Die Kaffreküche ist ebenfalls von 3 vhr an geSffnet. , kg/12 Die OFtsTerwaltnng. A°>>>ms! Arbeitslose! | haben bei uns Gelegenheit, für wenig Geld sich gut und| elegant zn kleiden, denn um die aus der Konkursmasse „Blitz" 8m5I OSO o M. 117m5 I erworbenen Bestände zu räumen, geben wir bei Vorzeigung der Annonce gratis Serie 1! HerrcD-Änzu«ehr haitb« gratis 1 Piqud-Weste Serie 2: HeFren-Paletol, prima Lnckskin gratis I grüne Joppe Serie 3: Herren-Anzug, neueste Muster-. gratis I Herren-Hose Serie 4! 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Billards."90 2 Kegelbahnen Neu eingeführt: Meißbler-Ausschank, Kaffee in Kannen. R. Augustin. Verband der Ilaler, Saekierer, Anstreicher Melchiorstraße 28. Tillale Berlin. USW. Fernsprecher Amt IV Nr. 4787, Am Sonuabeud, den 18. Juli,«achmittagS 5 Uhr, findet in de» Gesamträuumn der Brauerei Friedrichshain uns« diesjährige» Sommerfest Aharlottenbnrg, v»olbliaus. SÄ'S: straffe 3. Beben Sonntag: Gr. MittagStifch a Kuv. SO Pf., roiebbaltige Abendkarte. Ad. Burtsel). Oe-on°m. Bekanntmacliung! Orts- Krankenkasse der Hutmacher, Hutfonrnttnreu- und Mmaren-Verfertiger zu Berlin. Gemäß§ 33 Absatz 4 deS Kranken- Versicherungsgesetzes hat der Herr Oberpräfidenl der Provinz Brandenburg durch Erlaß vom 19. Juni 08 — O. P. 11 908— verfügt, daß die Beiträge unserer Kaffe vom 0. Juli 08 ab für die 1. Klasse 0.96 M. ,, 2., 0,84, .. 3.» 0,50, .. 4.. 0,3k. .. 5., 0,24, zu betragen haben. 428b »er Vorstand. S. Daunheuser. Vorfitzendtt, Alte Jalobstr. 20/21._ Berlins und Umgegend. Montag, den 6. Juli, abds. 8'/, Uhr, bei Heufelder. Dragonerstr. IS: Vvpssnamiung. TageS-Ordnung: Vortrag über:„vor Lozlsllsmus als geschichtliche Notwendigkeit". Referent: Schriststeller Genosse Lustav tandauer. 2. DiSIussion. 427b Gäste habe» Zutritt. iw«. Großes Gartenh-azert.° ÄSÄ «1 SuSrich. r.'SSRStt«f»- i)««' z-scheü waKiS.«,«(« W-Ude. Außerdem; Gratisverlosnng für Damen, Klnder-Facbelzag, wozu jedeS Kwd eine Stocklaterne erhält, und andere Ueberraschungen. Wir ersuchen die Kollegen, sich mit ihren Frauen recht zahlreich zu beteiligen. IW Die Kaffeeküche ist den geehrten Damen von 5 Uhr au geöffnet. Billetts sind bei den BezirkSsührem, HauSlasflerern sowie im Bureau zu haben. 132/16»_ Die OrtSverwaltung. deutscher Netallarbeiter- Verband. A.rbeitsaacbsvei«: Hof I. Amt III. 1230. Verwaltungsstelle Berlin. Charlt6«traße 3. Haapt-Barean: Hof IH. Amt III 10S7. Montag, de« 6. Jnli 1908, abends 8 Uhr: 6 Mitglieder- Uersammlungen in folgenden Lokalen: Germania-Kaie, Ch-»sseestr. m Kouis Keller(Anh. Freyer)» Koppenstr. 29. Gewerkschastshans» u' ZNhlKeS Festsäle, Dennewihstr. 13. Rudorf, F. Hoppe» Hermannstr. 49. Moabiter Gesell schaftshans» Wirlefstr. 84. Tagesordnung: IlS/ld i. Berichterstattung vom Gewerkschaftskongreß. 2. Diskussion. Kollegen und Kolleginnen I Mt Rücksicht auf die Wichtigkeit der Tages-Ordnung und da es notwendig ist. daß jedes Mitglied unserer Organisatton über den Verlauf deS Gewerkschaftskongresses unterrichtet ist, ersuchen wir, zahlreich und pünktlich diese Versammlungen zu besuchen. HttgUednbaob legitimiert. Ohne mtglledabnch kein Zutritt. Die Ortsverwaltung. Die Harnleiden Ihre Oefabren, Verdatung nah Beseitigung von Dr. med. Schaper, BERLIN- Preis I Mark. ■ ites tausend W feMuBicto Empfehle den Gewerlschaslen usw. mew Lokal zu Werkstatt- sitzUNgeN. Zimmer für 36 blS 70 Personen. Zahlstelle deS Deutsche« Metallarbeiter- Verbandes, der Lchneider-Krankentasie. SS19L- Quisenstr. 26. 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DlenStag. de« 7. Juli, nachmittags 3 Uhr, im aroften Saale deS Gewerkschaftshauses. Gngel-ttfer IS:_ Oeffentliche Versammlung;. WW Tagesordnung: 1.»Die neueste Poltzeiverordnung über die Einrichtungen«nd den Betrieb der Bitdereie« vo« Berit«.- Res.: Kollege Heffschold. 2. Der VerbandStag der Bäckerinnungen in Hannover, unser wöchentlicher Ruhetag und seine Feinde. Res.: Kollege Schneider. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes.— Zu dieser Versammlung sind alle Bäcker von Berlin und Umgegend eingeladen. Unsere Verbandsmitglleder ader werden dringend ersucht, vollzählig z« erscheinen und ihre Verbandsbücher mitzubringen.— Kollegen Berlins I In dieser Versammlung stehen ungemein wichtige Punkte aus der Tagesordnung, welche die unmittelbarsten Interessen aller Berliner Kollegen berühren, so daß wir hoffen, daß auch alle Kollegen in der Versammlurg anwesend sein werden._ Kouditorell, Tagksbacker, Arbeiter und Arbtiterinuell der Schokolade- und Zuckerwarenfabrikeu! Dienstag, de» 7. Jnli, abends«'/, Udr, in den„Armtnhallen-, Kommandantenstr. 68—39. Oeffentliche Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Welche Interessen haben wir in unserer OrtSkaffe der Konditoren z« wahre«? Res.: Kollege Nanmau«. 2. Die gegen- wäriige Lage der Konditoren, Arbeiter««d Arbeiterin««» der Zuckerwarenfabriken und die Gemeinheiten und Denunziationen der Gewrrkvereinler. Res.: Kollege Schneider. 3. Freie Diskussion und Verschiedenes. Zu dieser Versammlung sind alle Konditoren, TageSbäcker, sowie die Arbeiter und Arbeiterinnen der Schokolade- und Zuckerwarensabrilm ein» geladen. An unser« VerbandSmitglieder richten wir das dringende Ersuchen, vollzählig zu erscheinen und alle ihre Kollegen und Kolleginnen mit zur Versammlung zu bringen.— Kollegen und Kolleginnen I Sorgt dafür, daß diese Versammlung ein wuchtiger Protest wird gegen die Rigorosität und Scharsinacherpralllken, die besonders in der letzten Zelt von den Fabrik« "aschas mit frischen Kräften getrieben werden. Kein Kollege und keine egin fehle in dieser Versammlung. 40/13 Die BerbandSleitung. I. A.: Fr. Schneider, Engel-Ufer 14. * Großer Frühstück-, Mittag- and Abeodtlsch. ♦ Mittag mit Bier 60 Pf., abend» k la carte in reicher Ausw. zu sei. Preisen. Gr. FremdenlogiS a Bett 40 Pf. 2 VeretnSzimmer(20 u. 60 Pers.) Teleph. AmtlV 2366. Ritterstraße • OTrallllll Nr. IS». Largschiff A. 75,00, B.verseDkbsr 105,00 Bobbin, versenkbar 115,00, Adler und SchoeUnHher. 12,00, 15,00, 18,00 bis 90,00. 1 Kollshl, in Firma„Baby4 Klclatstraase 81, am Wittenbergplatz. BclleallitutceHt. 107 Hallcsches Tor. ClumsaecbtrnsaeSO, an der Boyenatrasae. Fronkfnrteratr. II», an der Andreasatraase. Oranienatrasne 31, an der Adalbcrtatrasse. Bcns�elstiaMse 18, an der Turmstrasso. Invalid enatr. 160, an der Brunnenstrasse. Brnnnenstrasne 0S, an der Rügenerstrasse. Schönhauser Alle» 115, am Ringbalmliot. Spandan, Havclstrasse 20. Aul Wanich grSB. Rater,, ahlnngen bei leelen Kaeea- Prellen fär Nlh-Muchleio bor.», 4,00 aa. 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Treffpunlt bei Sabrowski, TreSkowallee. FriedrichShagen. Die letzte Generalversammlung hat eine neue Bezirkseinteilung beschlossen. Danach tagen die Zahlabende von jetzt ab wie folgt: Bezirk 1: Friedrichstr. 29—113, Köpenicker Straße. Schmaler Weg, Lmden-Allee, Mylius-Garten, Wilhelmstraße, Ahorn-Allee, Westend und Hirschgarten umfassend, im Restaurant Reinhold Schmidt. Wilhelmstr. S3. Bezirk 2: Friedrichstr. 1—28 und 114-137, Kirchstraße. Seestr. 1—23 und 116—131 und Reu- Kamerun umfassend, im Restaurant Robert Richter, Kirchstr. 5». Bezirk 3: Scharnweberstr. 2b— 33, Kurzestraße, Kastanien- Allee, Breest-Promenade, Königstraße, Pollandstraße und Kaiser- straße 1—46 umfassend, im Restaurant Ferdinand Wiething, Kastanieu-Allee 16. Bezirk 4; Scharnweberstr. 1—24 und 09—124, Rahnsdorfer Straße und Verlängerung, Seestr. 24—115, Viktoriastraße, Bellevue- Straße, Waldowstraße und Kaiserstr. 43 und 41 im Restaurant August S i n g u h r, Seestr. 36. Da diese Veröffentlichung nur einmal erfolgt, werden di» Ce- nassen ersucht, sich die Notiz aufzubewahren. Lichtenrade! Marienfclde! Maricndorf l Am Donnerstag, den S. Juki, abends 8'� Uhr. findet im Lokale des Herrn Deter tBahn- Hof Lichtenrade) eure Volksversammlung statt. Die Genossen der umliegenden Orte werden ersucht, für regen Besuch zu agitieren. WilhelmSruh-Nieder-Tchöuhausen-West. Dienstag, den 7. Juli, abends 8 Uhr, findet im Lokal„Feldschlößchen", Kronprinzen-, Ecke Wakderseestraße, die Generalveriammlung des Wahlverems statt. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes und des Kassierer« i Ersatz- wählen und Wahlvereinsangelegenheiten.— Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. FranzSsisch-Buchholz. Am Mittwoch, den 8. Juli, abends S'/z Uhr, WahlvereinSvorsammluug bei Kähne, Berliner Straße 33. Tage«- ordnung: 1.„Vor sechzig Jahren". Referent: Genosse Max Schütte- Berlin. 2. Diskussion. 3. VereinSangelegenheit und Verschiedenes. Der Vorstand. Bezirk WaidtnannSlust. Da« diesjährige Sommerfest des Wahl- Vereins findet am Sonntag, den 12. Juli, nachmittags, im Restaurant „SchweizerhauS" in WaidmannSlust statt. Das Festkomitee hat alles aufgeboten, um den Besuchern einige angenehme Stunden zu be- reiten un�ist daher der Besuch zu empfehlen. Di« General- Versammlung ist auf den 18. Juli ebeufallS im„SchweizsrhauS" angesetzt. Potsdam. Die nächste Wahlvereinsversammlung findet �Mittwoch, den 8. Juni, abends 8'/, Uhr, im Restaurant Ladenthin. Kaiier-Wilhelmstraße. statt. Die Tagesordnung enthält u. a. wichtige Beschlußfassung(Einführung der Bezirkskassierung). Berliner jVacbricbtem Tierschutz und Menscheuschutz. lieber die Großstadtstraste schleppt sich im Schneckentempo «in schwerer Lastwagen. Heist brennt die Sonne auf das Pflaster, auf die ungeschützten Schädel der beiden Gäule. Man sieht es ihrer langheraushängenden Zunge an, daß sie unter der Fronarbelt, die der Unternehmergeist über sie ebenso wie über ihren Führer verhängt, förmlich zusammenknicken. Jetzt geht die Straße bergan, das Pflaster wird noch schlechter. Der Kutscher kennt die Gefahr. Wenn die Gäule nicht im ersten Ansturm die Steigung überwinden, bringt sie vorläufig keine Menschenmacht»veiter. Er schreit, schimpft, flucht im Kutscherjargon. Er arbeitet mit Händen und Füßen, fuchtelt wild mit der Peitsche, aber schlägt nicht, weil er seine Tiere lieb hat. Nichts hilft. Die Karre steht still. Sofort bildet sich ein größerer Menschenkreiü. In allen Tonarten werden die armen Tiere bejammert. Da fällt auch ein scharfes Wort gegen den Kutscher. Man nimmt Partei gegen ihn. Einer will sogar gesehen haben, daß er mit dem Pettschensttel auf die Pferde einhieb. Andere tuten in das- selbe Horn. Man schreit nach dem Tierschutzverein, nach dem Schutzmann. Ach, der Schutzmann ist bei so etwas schnell zu finden. Er weiß ja. daß der Tierschutzverein solchen Schutzleuten, die über schlechte Behandlung der Tiere die meisten Anzeigen machen, Prämien bis zu 160 M. verleiht. Ber- gebenS ist der Protest des Kutschers. Er hat ja die„Zeugen" gegen sich. Also wird er aufgeschrieben und kann sicher eine gepfefferte Strafverfügung erivarten. Und das ist bloß eine von den Tausenden von Strafanzeigen, die in einem einzigen Jahre wegen angeblicher Tierquälerei auf den Amtstisch flattern. Ein anderes Bild. Auf der Ruhebank in einer Parkanlage sitzt eine halbzerlumpte Gestalt. Wohl schon eine halbe Stunde sitzt der Mann zusammengesunken so da. Den ganzen Tag hat er Arbeit gesucht. Alles umsonst. Nun treibt ihm der Hunger und die Erschöpfung wilde Gedanken durch den verzweifelnden Kopf. Ist's überhaupt noch etwas wert, dieses Jammerlebcn? Soll er ein schnelles Ende machen, den er- lösenden Sprung ins Wasser wagen oder wieder ins Asyl wandern, wieder Mehlsuppe mit trocken Brot essen und morgen wieder sein Glück versuchen? Schon lange hat ein Schutzmann den Berdächttgen beobachtet.„Sie ... hier wird nicht gepennt... machen Sie, daß Sie weiterkommen l" Einen verlorenen Blick. einen Blick, der einem Menschen mit Gefühl wie ein Messerstich durchs Herz gehen muß, wirft der Unglückliche auf den Mann des Gesetzes. «Ich schlafe nicht... habe nicht geschlafen... lassen Sie mich gefälligst in Ruhe l" Ein Wort gibt das andere. Der Mann verliert in ohnmächtiger Wut den Kopf, wird grob und ausfallend. Das Ende vom Liebe ist seine Sistierung. I Warum ist er nicht mit einer Tierseele zur Welt gekommen? j Für Tiere hat das Raubtier mit Namen Mensch noch Mitleid übrig, für seinesgleichen... nicht. Nun die Kehrseite der Medaille. Ein schmächttges, un- entwickeltes Kerlchen ist's, da drüben vor dem schweren Hand- wagen, ein Lehrling oder Laufbursche. Heller Schweiß steht ihm auf der Stirn. Man sieht'S ordentlich, wie die schmale Brust des armen Burschen keuchend arbeitet. Nach allen fünfzig Schritten hält er erschöpft inne. Dann eine Minuten- lange Pause; ein neuer, energischer Ruck... langsam, Schritt um Schtttt geht der schwere Wagen hinter dem halben Kinde seine Bahn. DaS Aechzen der Räder klingt fast menschlich, als ob es aus der gequälten Brust des Knaben kommt. Oder kam der Seufzer von einem Mitmenschen, der die Qual des Jungen mitansieht? Ach, geht mir doch mit dem Mitleid der Passanten. Wenn ein Gaul gefallen ist... ja, da wollen sich hundert Hände regen. Wenn ein Köter am Hand- wagen nicht vorschriftsmäßig auf der hölzernen oder wollenen Unterlage ruht,... ja, da tun sich hundert Großmäuler auf. Aber so einem armen Jungen, dem von einem hartherzigen, herzlosen Arbeitgeber eine viel zu, schwere Arbeit aufgebürdet ist. zwischen die Speichen, unter die Arme greifen... das gibts nicht. Der Kutscher da vorhin, der nicht mal schuldig war, der wird denunziert. Für das Tier hat man Mitleid und Schutz übrig. Der prämienlüsterne Tierschutzmann hat sein Auge überall. Nach dem Menschenschutz auf offener Straße kräht kein Hahn._ Ein Vergnügen eigner Art, ist und bleibt'ne Wasserfahrt. Herr Schnitze fährt für sein Leben gern nach Grünau. Schon oft war er mit Weib uno Kind des Sonntags auf der Stadtbahn dori- hin gerollt, und sie hatten das„Vergnügen", für 33 deutsche Reichs- Pfennige vro Person(Kinder die Hälfte) in der berüchtigten drang- voll-sürchterlichen Enge eines Berliner Stadtbahnwagcns cm Schwitzbad im Stehen nehmen zu dürfen, weidlich ausgekostet. Aber schließlich, was soll man tun, wenn man einmal in Grünau vernarrt ist? Und übrigens: diese Fahrt dauert ja„nur" 35 Mi- nuten(von Jannowitzbrücke), und—„es ist doch'mal nicht anders!" Am letzten Sonntag hatte Herr Schultz? einen genialen Ein» all: Wozu sich mit 2 bis 3 Dutzend Menschen zusammen in ein ür Ö Personen berechnetes Stadlbahncoupe drängeln? Man kann a auch zu Wasser nach Grünau kommen, auf einem der de- rühmten(!) geräumigen Sterndampfer. Herr Schultze hatte zu- wohl heißen sollte, daß es Dampfer gebe, die nicht an jeder Station wohl heißen sollte, daß es Dammer gebe, die nicht an jeder Station halten, sondern bis Grünau„durchgehen" oder doch nur zlvei bis dreimal Station machen. Gesagt, getan: Schultze trabte mit Weib und Kind zur Dampfer-Anlegestelle Jannowitzbrücke. Ein kleiner elektrischer Schlag zuckte ihm vom Scheitel bis zum Portemonnaie, als ihm pro Person 55 Pf., für seine Kinder je 33 Pf. abverlangt wurden. Also doppelt so viel wie auf der Stadtbahn! Und als er sich erkundigte, ob es vielleicht Retour- billetts gebe, die die Fahrt ein tvenig verbilligten, da ant- wortete ihm die„Billxtteuse" mit einem erhaben herausgelächelten „Nein". Herr Schultze wollte ihr einen kleinen Vortrag darüber halten, daß die Schiffgesellschaften anderer Städte— Hamburg, Bremen, Stettin, Dresden usw.— in dieser Beziehung doch be- deutend koulanter wären, aber die Glocke läutete bereits, und Schultzes mußten sich beeilen.... Tws Schiff war„knüppeldicke voll",»nie der Berliner sagt. Selbst in der Kabine unten sahen die Menschen, dicht aneinander gepfercht, und ein paar wahrscheinlich nicht sehr abkühlungsbedürf- tige Liebesleutchen hielten es sogar neben dem glutspendenden Dampferschornstein aus. Kurz und gut— Schultzes kamen nicht aus der Gewohnheit: sie mußten— ganz wie in der Stadtbahn— mit Stehplätzen vorlieb nehmen, und als der Dampfer„die Anker lichtete", da fehlte nichts an ihrem gewöhnlichen Sonnwgs-., Vergnügen", im Gegen- teil, es»var„alles da": die dvangvoll-fürchterliche Enge, das Schwitzbad und was sonst dazu gehört. Herr Schultze hatte beim Vorbeilavieren irgendwo auf dem Schiff etlvaS von„57 6 Per- sonen" oder so ähnlich gelesen, aber cS»var ihm klar, daß der Dampfer bedeutend schwerer geladen, daß er mindestens mit 833 Personen reichlich befrachtet war. Und vas Allerschönste: man fuhr nicht„durch", wie der leicht- gläubige Schultze sich eingeredet hatte, im Gegenteil, man hielt alle Naselang an: am Schlestschen Tor, in Stralau, dreimal in Treptow usw., Summa Summarum von Jannowitzbrücke bis Grünau 14 Stationen— ein Rekord, gegen den die Stadtbahn mit ihren„lumpigen" 8 Stationen allerdings nicht auskommen konnte. Schultzes und ihre Hunderte von Leidensgefährten trösteten sich gegenseitig mit der frohen Aussicht, es werde unterwegs schon icerer werden. Aber: Prost Mahlzeit! Schon am Schlesischen Tor wurden noch viele Dutzende von Passagieren aufgenommen— ein Schutzmann stand auf der Brücke und sah der Ueverüberladung des Dampfers lächelnd zu. Und ähnlich so ging's weiter von Station zu Station. Es stiegen allenthalben ein paar Menschen ab, aber die drei- und vier-, auch fünf- und sechsfache Anzahl von Personen wurde aufgenommen, so daß man schließlich nach 2(4stündlger Fahrt mit ungefähr 1333 Menschen an Bord in Grünau landete. Auf der Rückfahrt am Abend nahm Familie Schultze ihr Schwitzbad wieder im Stadtbahncoups.. �, Denselben Dampfer hatte mit Frau und vier Kindern Herr Müller benutzt. Müllers— die Glücklichen!—»varen. nur bis zur Treptower„Abtei" gefahren und hatten sich auf dieser Kunstinsel bis in die zehnte Abendstunde aufgehalten. Daß an der Wurstbudc hier ein Paar Knobländer, für die man anderwärts höchstens 15 Pf. zahlt. 2 5 Pf. kosten, das hatte die Laune de? mit vier hungrigen Knrdern gesegneten Müller schon ein klein wenig vcr- dorben; was er aber im weiteren erleben sollte- das gab seiner Laune den Rest. Müllers hatten auf der Herfahrt zur„Abtei" das Glück gehabt. Sitzplätze zu ergattern; auch waren sie ja nur 43 Minuten an Bord gewesen, so daß sie die Vollkommenheilen des Stern- damPfer-Systems nicht hinreichend gekostet hatten, um auf das „Vergnügen" zu verzichten, auch zur Rückfahrt ein Vehikel dieser Gesellschaft zu benutzen. Herr Müller löste also Billetts und stellte sich mit den Seinen hintenan.„Schon" nach 25 Minuten kam ein Dampfer: der lud zwar ein Dutzend Personen aus, aber er konnte niemand aufnehmen, da er überfüllt war. Herr Müller lobte in Erinnerung an die Herfahrt diese Taktik und wartetv-eine zweite halbe Stunde. Da hatte er wenigstens Zeit, darüber nach- zudenken, daß diese Sterngesellschaft verdammte Achnlichkeit mtt cer„Großen Berliner" uno anderen ausbeuterischen Privatgesell- schaften der Art hat. Was ist es z. B. für eine Manier, daß man die Leute, die den Dampfer verlassen, sich durch die Hunderte von Menschen hindurchquetschen läßt, die da geduloig der Mitnahme harren! Welche brutale Rücksichtslosigkeit gegen beide Teile! Ein „Eingeweihter", mit dem Herr Müller ins Gespräch kam. erzählte ihm zwar, daß die Sterngesellschaft durch Nichthefolgung des Polizei- Inhen Befehls, die Tür zur Brücke bis zum Abstieg der landenden Passagiere geschlossen zu halten, eine„Strafe" von— 3 („drei"!) Mark riskiere, aber aas konnte ihn wenig trösten, zumal da es ihm noch zweimal bcschieden war, total überladene Stern- Kämpfer vorbeipassieren zu sehen. So hatte man anderthalb Stunden vergebens gewartet, und als auch der vierte Dampfer„stolz wie ein Spanier" an. und fortfuhr, ohne die.Abtei"-Besucher zu entführen, da Hub Müllers Jüngster dermaßen zu heulen an, daß man sich entschloß,„auf dem Landwege" heimzukehren. Unter Drängen, Schieben, Stoßen entwanden Müllers sich dem Mcnschenknäuel, und der Vater des Hauses war so glücklich, am Büfett, an dem sich Getränke heischende Kellner mit Fahrkarten begehrenden und ihr Fahrgeld zurückverlangenden Passagiercr uni den Bortritt zankten und balgten, nach zirka 23 Minuten gegen Rückgabe der Fahrscheine sein Geld wicderzubetomme". »llun aber hieß es: Uebersetzen! Den Verkehr zwischen dem „Festland" und der„Insel" vermitteln zwei 73 bezw. 103 Personen fassende Motorboote. Aber fragt mich nur nicht wie! Von einer einzigen Stelle aus wird die Ueberfahrt nach Treptow dirigiert, und da der Hauptstrom der Rückwanderer ungefähr um die gleiche Abendzeit(zehnte Stunde) abflutet, so spielen sich hier fast un- glaubliche Szenen ab. Auf kleinen Raum iverden die der Abfahrt harrenden Menschenhaufen von brutal tobenden und mit der Menge wie preußische Unteroffiziere schnauzenoen Angestellten zusammen- gepfercht und dutzendweis durch ein erstes, dann durch ein zweites Gitter gelotst. Wer das Motorboot zur Hinfahrt benutzt und sein Zehnpfennig-Mllctt aufbewahrt hat. der fährt„frei" zurück, tver — wie Müllers— mit dem Sterndampfer gekommen ist, der muß beim Hinübersctzen 5 Pf. zahlen..,. * Die Stadt Berlin hat mit Seelenruhe zugeschaut, tvie beute- gierige, rücksichtslose Privatgesellschaften sich ihrer Straßen be- mächtigten und jahrein jahraus viele. Viele Willionen aus den Taschen der Berliner Bürger in die der Herren Aktionäre hinüber- leiteten. Die Stadt Berlin hat mit derselben Seelenruhe zugeschaut, als die Wasserstraßen in und um Berlin der privatkapitalist'schen Ausbeutung erschlossen wurden. Sie hätte auch da längst ein- greisen und für gute BerkehrStvege und-mittel sorgen müssen. Stadt Berlin und Große Berliner. Die Schiedsgericht«, die über die Konkurrenzeinwände der Straßenbahn gegen den Betrieb von Schnellbahnen und städtischen Straßenbahnen, wie gemeldet, entschieden haben, haben jetzt, nachdem der Spruch des zweiten Schiedsgerichts den Parteien zugegangen ist, beschlossen, eine zusammenfassende Darstellung der von ihnen behandelten strittigen Verkehrsfragen herauszugeben. Ueber di« Grundzüge dieser Darstellung wird dem„Berliner Tageblatt" von unterrichteterige zu. In geheimer Sitzung wurde die Petition der Lehrerinnen, um Gewährung der Teuerungszulage, in gleicher Höhe wie den Lehrern, gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Angenommen wurde der Antrag, das Grundstück Dorfstr. 108— 110 für den Kaufpreis von 220 000 M. anzukaufen, die Bezahlung einer nachträglich erbetenen Vermittlerprovision aber abgelehnt. Biesenthal. Ein bedauerlichen Borfall hat sich gestern im hiesigen Forst zu- getragen. Der Landwirt Schiele hatte mit seinen Knechten im Walde Holz gefällt. Der älteste Sohn des W.. der die Pferde des Wagens zu versorgen hatte, wurde von dem Handpferd so wuchtig gegen die Brust geschlagen, daß er auf der Stelle tot war. Der Brust- lasten war durch die Hufe vollständig zerschmettert worden. Friedrichsfelde. In der letzten Mitgliederversammulng referierte Genosse Karl Mermuth über:„Di- Pariser Kommune". Der interessante wie lehrreiche Vortrag wurde beifällig aufgenommen. In der darauf- folgenden Diskussion sprachen die Genossen Schwenk und Pinseler im Sinne des Referenten. Genosse Schwenk machte die Genossen noch auf das am Sonntag bei Bube stattfindende Sommerfest aufmerksam und ersuchte um rege Beteiligung. Potsdam. Ein erttunkeuer Steuermann. Vor den Augen der Passagiere de? SterndampferS„Prinz Adalbert", der vorgestern um 6 Uhr abends nach Ferch abgehen sollte, ereignete sich ein tragischer Unglücksfall, der eine längere Verzögerung zur Folge hatte. Der 21jährige Steuermann Paul Liehr wollte das Tau einholen und es an Bord bringen. Das Tau entglitt ihm und er stürzte zwischen Anlegesteg und Bordwand in die Havel. Der Heizer und ein Garde- Pionier sprangen dem Verunglückten nach, alles wurde zur Rettuug mobil gemacht, aber vergeblich. Es gelang nur, die Leiche des er- trunkenen Steuermannes zu landen. Die sofort angestellten Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. DaS Publikum verfolgte mit grosser Aufregung den tragischen Vorfall. Die Stadtverordnetenversammlung, als letzte Sitzung vor den Ferien, hatte noch eine reichhaltige Tagesordnung zu erledigen. Einer von den„wichtigen" Punkten, die nocb vor den Ferien erledigt werden mutzten, war die Feier des Sedanfestes. 500 M. sind wieder wie üblich für Mittags- und Nachmittagskonzerte im Lustgarten und in der Kaiser-Wilhelmsttatze bewilligt.— Eine lebhafte Debatte entspann sich bei Bewilligung der Kosten zum Ankauf eines zirka 50 000 Quadratmeter grossen Geländes zwischen Weinmeister- und Nedliyer Strasse. Gegen diese Spekulation wandte sich energisch Stadtv. Hermann, der Vorsitzende der HauS- und Grundbesitzer, der städttsche Gelder zu solchen Bodenspekulationen nicht verwendet wissen will. Er will dieses Geschäft der Privatspekulation überlassen. Stadtv. Töpfer tritt dieser Ansicht entgegen; gerade die Stadt müsse im eigenen Interesse und mit Rücksicht auf die beabsichtigte Weiter- cntwickelung schon wegen der jetzt herrschenden Unsicherheit bei Grundstücksverkäufen die Sache selbst in die Hand nehmen. Der Oberbürgermeister ist erstaunt, wie bei einem solchen Preise von 2,50 M. pro Quadratmeter die kleinliche Politik eintrete. Die Vor- läge wird darauf mit grosser Mehrheit angenommen.— Stadtv. Pauli referierte über die Magistratsvorlage, von der Wieder- cinziehung der Handwerkskammerbeiträge abzusehen. Die Ein- ziehung dieser Beittäge von zirka 1700 M. von den beteiligten Handwerksmeistern hat so grosse Unkosten und Schwierigkeiten verursacht, dass dieser Betrag aus den Erträgen der Warenhaussteuer gedeckt werden soll. Die Magistratsvorlage enthielt eine Schilderung, nach welcher es dem Potsdamer Handwerkerstande recht kläglich gehen muh. Wegen Tod des Betriebsinhabers, Verzug, „notorischer Armut und Unbeitreiblichkeit" kann der Beitrag nicht zur Erhebung gelangen. Bei 17 Betrieben schwebt das Verfahren noch aus dem Vorjahre. Dabei beträgt der Beitrag für jeden Meister 50 Pf., für den Gesellen 25 Pf. und für den Lehrling 13. Pf.— Bei der Asphaltieruug der Weisenstrasse vor dem Gebäude des Rechnungshofes des Deutschen Reiche? war mit diesem ein Zu schütz von 5000 M. ausgemacht. Jeyt wollen sie nur 0500 M. zahlen. Wegen solcher Kleinigkeit will man nicht ecst noch weitere Schritte einleiten und überninimt deshalb die Differenz von 500 M. selbst. Eine Rechtsauskunftsstelle soll ein- .»-richtet werden. Bereits 1904, 1905 und jetzt wieder hat der ALinister die Einrichtung einer solchen Stelle empfohlen. 1904 hielt »»rn eine solche nicht für nötig. Da die Kenntnis in den soziale» Gesetzen immer schwieriger wird, will man jetzt einen Magistratssekretär dwr Kursus des Sozialen Museums in Frankfurt a. M. besuchen stasi en, damit er dann die Auskunftsstelle übernehmen kann.e der-»tgewählte unbesoldete Stadttat Fabrikbesitzer Urban in fem Amt eingeführt._______ Vermischtes. Der lenkbare Luftballon Zeppelin? setzte t'orgestern die Reihe seiner gelungenen UebungSfahrten fort. Einen besonderen Charakter erhielten die Fahrten dadurch, daß sich auüh das württcmbergische Königspaar daran beteiligte. Schon die Tahjache, dass sich zum erstenmal gekrönte Häupter dem Luft- schiff anvertrauten, dürfte für den Erfinder des„Lenkbaren" von befonderi.vc Bedeutung sein. Heber den vorgestrigen Aufstieg des Grafen Zeppelin er- hält der„Schwäbische Merkur" folgenden Bericht. Um 3� Ulhr verlieh d«ts Luftschiff die Ballonhalle. Es brauchte ohne jegliche Hilfe nuir fünf Minuten. Nach zwei Minuten erhob eS sich lang. sam in die' Höhe und fuhr gegen Süden direkt Über die Halle hin- weg; dann senkte eS sich um 4 Uhr B Minuten auf die Seefläche. Hier wurdt". ein Personenwechsel vorgenommen. Der König und die Königin,, sowie der Generaladjutant Freiherr b. Bilfinger und der erste Kc immerherr Freiherr v. Rassler bestiegen den Ballon. Das Luftschiff stieg wieder in die Höhe und nahm die Richtung nach Friedriihshafen. In etwa 40 Meter Höhe bei Langenargen erfolgte eine Linksschwenkung, dann wurde wieder der Kurs nach Friedrichshaferi eingeschlagr... Das Luftschiff fuhr dann an dem Turm der Sbadtkirche vorbei und direkt auf das königliche Schloss zu. Die zahlreiche Menge brach in begeisterte Rufe aus. Um 5 Uhr 40 Minuten erfolgte die Landung glatt hundert Meter von der Ballonhalle seeeinwärts. Der Ballon machte dann noch weiter- Manövrierübunzzen bis in den Abend hinein. Auch die heutig? Fahrt ist äußettst gelungen verlaufen. Ueber die Rtckordfahrt am 1. I u l i schreibt der einzige Passa. gier, Emil S a n d t, u. a. folgendes: „Der 1. Juli 1908 wird in der Geschichte der Menschheit ein ewig denkwürdiger Tag bleiben; er hat endgültig den Sieg des Menschen über das Luftmeer gebracht. Ohne jede bombastische Auf- bauschung, ohne jeden, auch den kleinsten Seitenschimmer von Re- klame, ist eine Fahrt vollendet worden, für die Graf Zeppelin einen Weg vorgeschrieben hat, wie er gehäufte» an Schwierigkeiten nicht zu erdenken ist. Engpässe, Gebirgssättel, von Wasserfälle» aufsteigende Luftwirbel, aus Seitentälern heraufpfeifende Quer- winde— alles war mit Raffinement ausgesucht, keiner Probe wurde aus dem Weg« gegangen, und das Luftschiff hat sie.alle bestanden. Wir haben Momente gehabt, in denen wir mit voller Kraft fuhren, ohne au ch nur wenig mehr als Futzbreite an Terrain zu gewinnen. Ein Grgeirwind von 48 Kilometer Geschwindigkeit hielt uns fast an die Stelle gebannt. Tief unten auf der sonnen, beschienenen, bergigen Erooberfläche konnte ich sehen« wie der Schatten unseres Schiffes sich— man möchte sagen— Zoll für Zoll vorwärts quälte, und oben fegten die Propeller in rasenden Umdrehungen um ihre Achse, so schnell, dass man nur eine Scheibe sah, von der die Sonnenstrahlen ein kupferrotes Flimmern zurück- warfen, durch die man doch wiederum hindurchseihcn konnte wie durch einen Schleier. Unter uns glitt der Rheinfall bei Schaff. Hausen entlang, dann kam das Reutztal, dann schob sich Luzern heran, diese Perle im helvetischen Schmuckkasten. Das internatio- nale Publikum da unten geriet in einen Taumel, die Dächer wurden buntfleckig von Menschen, die Seeufer erhielten einen lebenden Kranz, in dem Erregung tobte und Jubel zitterte. Es war eine Fest- und Triumphfahrt. Hinüber ging's, nach dem Vierwaldstätter See, Pilatus grüstte von Westen, der Rigi von Süden. Ueber Küssnacht glitten wir. den Gebirgssättel spielend nehmend, nach dem Zuger See hinüber und von da unter sehr schwierigen, für die Prüfung der Lenkbar- keit ganz ausserordentlich wichttgen Umständen an den Züricher See. Wir durchquerten noch die Schweiz über Winterthur und Frauenfeld, flogen dann an den Bodensee heran über Rohrschach, Bregenz, Lindau, Wasserburg wieder zur Heimstätte. Eine mehr als zwölfstündige Fahrt, ein Personal, das noch frisch war. und Maschinen wie Luftschiff, die aus den leisesten An- ruf gehorchten, hatten Graf Zeppelin den Beweis erbracht, dass er mit seinem Rieseninstrument die Luft beherrscht, auch unter schwierigen und widrigen Umständen, die er ja diesmal besonders und absichtlich aufgesucht hat. Es ist nicht nur dar Sieg des Menschen über die Luft, es ist— bei näherem Zusehen— auch ein Sieg seines starren Systems. Die Zukunft kann nach der gestrigen, als Beweisfahrt in allen Phasen wohlgelungenen Fahrt nur noch in Nebendingen Steigerungen bringen, in der Schnelligkeit und vielleicht, im Komfort."_ Die Grubenkatastrophe in JusvwSka stellt sich neueren Meldungen zufolge als eine der schwersten der letzten Zeit dar. Aus Petersburg wird hierüber berichtet: Blätter- Meldungen zufolge sind in dem eingestürzten Schacht in Jusowska noch 150 Arbeiter lebend eingeschlossen. Hilferufe sind hörbar; die Nettungsarbeiten waren bisher vergeblich. Gegen Abend wurden noch 52 bis zur völligen Unkenntlichkeit verstümmelte Leichen ge- borgen, einige ohne Arme, Beine und Kopf. Drei Frauen, die unter den Verstümmelten ihre Männer wiedererkannten, fielen in Ohn- macht. Herzzerreissende Szenen spielten sich bei den Leichen ab. Die Rettungsmannschaften, die vergeblich mit dem Schachtbrand kämpfen, können nicht zu den Verschütteten gelangen, deren An- gehörige oben stehen oder meist auf den Knien liegen und beten. Von den wenigen Geretteten sind bis meisten wahnsinnig geworden. Zu unserer Notiz am Freitag:„Der Störenfried zweier Liebenden" bittet uns der Rechtsanwalt des Fabrikanten Herrn Ernst Hildebrand mitzuteilen, oatz der Haftbefehl gegen Herrn H. aufgehoben und das Strafverfahren eingestellt ist. Branbkatastrophe in Amerika. Nach einem Telegramm aus Cleveland(Ohio) sind bei einem Brande, der in einem Magazin, wo Feuerwerkskörper gelagert wurden, ausbrach, sieben Personen in den Flammen umgekommen. Zwölf dort beschäftigte junge Mädchen konnttn sich dadurch retten, dass sie aus den Fenstern sprangen._ Singegangene Druckfchnften. „März", HalbmonatSschrist für deutsche.Kultur. Herausgeber: L. Thoma, H. Hesse, A. Langen, K. Aram. Erstes Julihest. Preis 1,20 M. Albert Langen in München.._„ �™.. Mar Hesse« Bolksbücherei. Frida Schanz. Der Armenarzt und andere Erzählungen. Preis 20 Pf.— Lotte Gubalke. Ncinhold Stade« Liebe. 40 Pf.— A. v. Perfoll. Ein Akkord.— Die Libelle. Zwei Novellen. 20 Pf— Adolf Bartels. Der Bauernfpiegel oder Lebens- gefchichte des Jeremias Motthelf. 1 M.— Jeremias Gotthelf. Uli der Knecht. IM. Mar HesseS Verlag, Leipzig, Jguis Ardens. PiuS X. und der päpstliche Hof 263 Seiten. Kurt Wigand. Berlin-Leipzig.„..„ ,, Der deutsche Buchbinderverband 1907. E. Kloth, Berlin. Karl Weise. Deutscher Liederschatz. 20 Pf Anton u. Co.. Berlin � Tcr�Stiidteba«. Monatsschrift für die künstlerische Ausgestaltung der Städte. 5. Jahrgang. Hest 7. Peels 20 M. pro Jahr. Ernst Wasmuth, Berlin Vk. 8._ BrUfkaftcii der Redahtion. Di« inriftisch« Svrrchftund« Nndei Lindcnftraft« vir.»,»w->«-r Kos, dritter Etngang, vier Treppen, DM" Fahrstuhl woihentäali» abend» von?-/, vi» vy, Ulir statt.«eöstlie»? Uhr Sonnabend» beainn» die Evreihstund« NM 0 Uhr. Jeder Slnfrage ist ein Buchstabe und«in« Zahl al» Merkzeichen beizufügen. Brietliche Antwort wird nicht»«eilt. Eiliae Fragen trage man in d« Sprechstunde vor A. U. Wir sind nicht in der Lage, mitzuteilen, wo man Geld geliehen bekommen kann.— Romleck. Sie mühten schleunigst bei dem Magistrat, RalhauS, beantragen, daß die Familienunterstützung gezahlt- wird Die Familienuntcrstützunz der eingezogenen Reservisten und Landwehrleute be trägt für die Ehefrau 30 Pro,, und für jedes Kind unter 15 Jahren 10 Proz., insgesamt aber höchstens 60 Proz. de« ortsüblichen TagelohnS Der ortsübliche Tagelohn für Berlin beträgt 2.00 M. Die Unterstützung der Frau also 87 Ps. Der Anspruch aus Familienunterstützung erlischt, wenn er nicht spätestens vier Wochen nach Beendigung des Dienstes Familie beanspruche ich die ihr zustehende Unterstützung. Meine iiannlie besteht aus metner Frau und... Kindern. Die Kinder find geboren Max am..., Emma am..., Anna am... um. Datum. Name, Wohnung." —„Mehrere Freunde.- Die Mitteilung beruht auf Wahrheit. Wer für den Frevel verantwortlich ist, wurde nicht angegeben. Sollte später weiteres belaiint werden, so wollen wir es melden.— A. S. 51. Die Kündigung ist in Ordnung.— Protoö. Eine Kontrolle ist gesetzlich leider nicht vor- geschrieben.— H. M. 8. 1. Ja. 2. Leider ist dagegen nichts zu machen. - A. 70. 1. Mündliche Einwilligung genügt. 2-5. Der Antrag ist bei dem Polizeirevier zu stellen und dabei anzugeben, wie hoch und breit der Kasten ist Nur baupolizeiliche und sicherheiiZpolizelliche Be- denken können gegen die Anbringung geltend gemacht werden. 6. Sie könnten nur eine Zwilklage beim Amisgertcht aus Zurück. gäbe des Schlüssels und Schadenersatz anstrengen.— 1000. Nein. — M. S. 78. 1. Eine Beschwerde oder nochmalige Eingabe kann ge- macht werden, hat aber wenig Aussicht aus Erfolg, weil ein Ausländer ein Recht aus Naturalisation nicht hat. 2. Die Frau verliert durch Heirat ihre StaatSzugcbörigkcit uud erwirbt die StaalSzugehörigkeit des Ehemannes. 3. Bei der Weiterversicherrmg müssen innerhalb je zwei Jahren mindestens 20 Marlen geliebt werden. In Ihrem Falle wären also nicht zwei, sondern 20 Marken zu lieben.— Gustav, Garte, istr. 100. Die Klage ist durch den Vater des Mädchens, dem Vormund des Kindes beim Amtsgericht, in dessen Bezirk der Erzeuger wohnt, möglichst bald anzustellen. Der Vor- mu.id wendet sich an das VormuiidschastSgericht mit dem Antrage, ihm Wecks Erlangung des ArmenrechtS zu bescheinigen, daß das Kind vermögenslos ist und beantragt dann aus Grund dieser Bescheinigung, unter Angabe des Sachverhalts, für den Alimentenprozeß das Armenrecht zu be- willig»:».— A. Kr. 47. 1. Nein. Wenn die Erben sich nicht' einigend so können Sie zwangsweisen Verlaus des Grundstücks zwecks Tsuspiqanher- setzuwg beantragen. Geratener ist eS, das Grundstück in gemeinsamer Verwaltung zu behalten. 2. Ja.- Wilhelm R., 1908. 1. bis. 3. Nein. — Ai:na 70. A. B. 170, C. G. 17., A. II. und andere Fragen betreffend Wohnungsbefichttgnng. Nach eingetretener Kündigung ist der Meter verpflichtet, die Wohnung Mietsiusligen zu zeigen. Darüber, zu welcher Zeit dies zu geschehen hat, find i» erster Reihe die im Vertrag ge- trosscnsa Abmachungen maßgebend. Ist im Vertrag nichts vereinbart, so bat der Mieter die Wohnung zu angemessener Zeit zur Besichtigung zu kellen. Kommt eine Vereinbarung darüber, was angemessen ist, nicht zustande, so hat eventl. das Gericht zu entscheiden. Eine allgemeine Praxis der Gerichte in Berlin und Umgegend hat sich nicht herausgegeben. Es sind die Zeiten von S Uhr bis 5 Uhr nachiniltags, in anderen Er- lennintssen die Zeil von 10 bis 1 und 3 bis 6 an Werltagen für angemessen erachtet. Für die Sonntage ist die Zeit von 9 bis 10 und von 12 bis 2, aber auch eie Zeit von 11 bis 3 für angemessen erachtet. Für die Zelt der Behinderung des Mieters ist dieser verpflichtet, die Wohnung, sei es durch Uebergabe des Schlüssels an den Wirt, oder an den Nachbar oder sonstwie ebenfalls zur Besichtigung freizustellen. Der Wirt oder sein Vertreter hat das Recht, bei der Besichtigung mit anwesend zu sein. Für abhanden kommende Sachen haslct der. Wirt nur, falls ihm ein Verschulden nachgewiesen wird. — F. H. 19. 1. Hiergegen kann Berufung an das Schiedsgericht- für Arbeiterversicherung eingelegt werden. 2. Das können Sie lun. 3. Nein. — A. W. 13. 1. Nci». 2. und 3. Durch 1 erledigt. 4. Der Vater kann sein Erziehungsrecht ausüben! und zwecks Rückkehr des Kindes die Hilfe der Behörde in Anspruch nehmen. 5. Nein.— Waterloo llser. Ein Recht aus Rück« sorderung der eingezahlten Beträge steht Ihnen nicht zu.— E. F. 6. Nein. — L. 5. Eine Klage gegen den Vater aus Ersatz der Kurlosten hätte nur dann Aussicht aus Erfolg, wenn angenommen wird, daß bei gehöriger Aus« ficht der Unfall nicht eingetreten wäre.— A. M. 05. Zur Nachzahlung der Kirchensteuer sind Sie verpflichtet. Aehnliche Aufforderungen sind schon an eine Reihe solcher ergangen, die der Kirche noch angehören und aus der Rachsorderung Anlaß genommen haben, endlich aus der Kirche auszutreten. — K. Z. 44. 1. Eventuell hätten Sie Schadenersatz zu leisten. 2. Nein, falls nicht etwa Betrug vorliegt. 3. Nein. 4. Ja. Die Ansicht, daß man innerhalb 24 Stunden einseitig von einem Bertrage zurück- treten könne, ist zwar weitverbreitet, aber irrig,— C. H. Ja. — P. K. 300. Zur Aufforderung sind Sie nicht verpflichtet. Die Herausgabe des Kindes können Sie verlangen.— A. M. 13. 1. Wenn eine Herabsetzung der Rente erfolgen sollte, so würden Sie Berufung bei dem Schiedsgericht für Arbeiterversicherung einzulegen haben, 2. Wenden Sie sich direkt an den Vorstand der betreffenden Kasse.— Dorgcrloo. I» Ihrem Falle richtet sich die Kündigungsfrist danach, ob ein jährlicher, halb- jährlicher, vierteljährlicher, monatlicher oder wöchentlicher Mietzins ver- einbart und ob etwas über die Länge der Mictszeit oerabredet ist.— M. 14. In der Buchhandlung Vorwärts.— A. 3. 1880. Falls Ihr Vertrag nichts Gegenteiliges enthält, hat der Wirt den Schaden zu tragen. — P. F. 50. Die von Ihnen genannte Bank ist uns nicht näher bekannt. — A. E. 100. Sie müssen beweisen, daß innerhalb der Empsängniszeit noch anderer Verkehr vorlag. Der Erzeuger des außerehelichen KindeS ist nicht berechtigt, die Herausgabe seines Kindes zu verlangen.— W. 3. 20. Für eine nach 1900 geschlossene Ehe besieht, falls nichts anderes verabredet ist, nicht Gütergemeinschaft, sondern Verwaltungsgemeinschast.— B. 109. Leider nein.— Frl. 38. Ja.— P. 3. 23. Nein.— E. M. 22. Von dem Beitritt zu der eingeschriebenen Hitsskasse zu Kassel können wir Ihrer Frau keineswegs raten. Solide ist die Ossenbacher Krankenkasse für Frauen und Mädchen, Prinzenstr. 66 bei Hinz,— F. B. 100. Sie könnten bei der Verwaltung oder bei dem Magisttat Beschwerde einlegen. — M. 13. Für eine Reise nach der Schweiz gebrauchen«oie keine» Heimatsschcin, wohl aber für einen längeren Ausenthalt daselbst. Den Schein erhalten Sie durch die Polizei.— R. 100. Der Vertrag muß notariell oder gerichtlich abgeschlossen werden, um gültig zu sein. Das Altenieilsrecht läuft weiter, wenn Sic sich nicht mit der Berechtigten vergleichen,— Donath. Nein.— C. Z. 1. Sie brauchen keine Formalität zu erfüllen. — O. G. Männer und Mädchen werden mit dem vollendeten 21. Lebens« jähre großjährig, können aber aus Antrag vom Vormundjchastsgericht be» reits vom 18, Lebensjahre ab für großjährig erklärt werden. 2. Ja, aber nicht verheiratet. 3. Falls Großjährigkeilserklärung nicht erfolgt ist, ja.— Vorwärts 149. Im Adreßkalender, Teil II, Seite 157, finden Sie die Stistungen, Seite 104, sind die Vereine ausgeführt. — P. E. 41. Durch Bewilligung des Armenrechts in Prozcßsachen geht kriiierlei politisches Recht verloren,— M. 91. 24. Klagen Sie schleunigst aus Zahlung und Hinterlegung der Alimente,— F. K. 10. 1—3. Wenn die Betresscnde großjährig ist, so ist der Vertrag leider gültig, sonst ungülti und nur durch eine Rücksprache mit der Firma vielleicht ein Verglcb. berbeizusühren. 4, Die nicht unentbehrlichen, 5. Nein,— Beet». Ohne Einwilligung des Anwalts nein.— Daniel. Die Kündigung ist verspätet, teilen Sic dem Wirt mit, daß Sie aus dieselbe nicht eingehen,— Hunt. Der Tiefbau dürste mehr Aussicht haben.—- W. 90. Etwa 100 Marl. — B. A. 100. 1. Der Wirst hat das Recht, die Miele zu vorlangen und die Möbel einzubchalten. Suchen Sie sich mit ihm zu einigen. 2. Ihre Frau kann, wen» sie innerhalb einer Woche der Kasse dies mitteilt, und die vollen Beittäge rechtzeitig zahlt, selbstzahlendes Mitglied der Kasse bleiben.— F. P. 38. Wenn nicht volle Erwerbsunfähigkeit vorliegt, so würde erst vom Abiaus der 26. Wochen ab Invalidenrente gezahlt werden. Den Antrag aus Zahlung müssen Sie selbst stellen.— R. 3. 27. So- bald Sie an den Vormund selbst zahlen, können Sie Quittung verlangen. - F. W. 1. Nein. 2. 20 M. 3. 25 M.- K. W. 20. Ja.— H. P. 4. Die erste Entscheidung erfolgt in der Regel erst in zwei bis drei Monosen. Die Steuer muß inzwischen bezahlt werden.— O. I. 22. 1., 3., 4. Ja, dieselben können aber aus die Erbschaft verzichten. Der Ver- zicht ist notariell zu beglaubigen und innerhalb 6 Wochen denr Gericht einzureichen. 2. Falls keine Enlsagung stattsindet, ja. 5. Ja.— 1000. Ja. — E. H. Der Berliner Bicrboylott war im Jahre 1804.— K. G. 30« 1. Ja. 2. Nein. 3. Im Prozeß würden Sie Ihr? Behauptung zu be- weisen haben.— Rose, Rixdorf. Eine geschiedene Frau muß 10 Monat- von der Rechtslrasi des Scheidungsursteils ab gerechnet, bis zur ferneren Heirat warsten. Dispens von der Wartezeit ersteilt das Amtsgericht, wenn durch ärzlliches oder Hebammen-Atteft dargelegt wird, daß andere Ilinstände nicht vorliegen. Das Schcidungsursteil ist dem Standesbeamten bei der Anmeldung zu überreichen. Verlesen wird es nicht.— R. P. 1. Leider ist der Lohn in Ihrem Falle pfändbar,' das übrige nicht. 2. Das Attest erhalten Sie eventuell von der Anstalt.— H. R. 500. Der Schein, den Sie ausgestellt erhalten haben, muß über Ihre Rechte Auskunst erteilen. Nach Ihrer Schilderung dürsten Sie einem Betrug zum Opfer gefallen sein uud sollten schleunigst Ihr Guthaben durch einen Rechtsanwalt beim Landgericht einklagen. Der Prozeß kann bis zum Erlaß eines Ursteils etwa 6 Monat Zeit in Anspruch nebmeu,— 100 W. M. 1. An den Verlrag sind Sie gebunden, 2, Die Oesen gehören dem Wirst. Sie dürfen sie also nicht mitnehmen,— G. 19. Ist nichts anderes vereinbarst, so ist bei Aster« mietern, Schlafburschen usw., deren Miete nach Monaten berechnet ist, bis am 15, zum Ersten(nicht umgekehrt am 1. zum 15.) zu- kündigen. — Schaufenster, 3. 01. Nein.— E. M. 34. Nur die dem Gegner entstandenen Kosten, nicht aber die Gerichtskosten oder seine Anwaltskosten Hai der zu tragen, dem das Armenrccht bewilligt ist.— Magda 6. 1, Nein. Wer ein Interesse daran hat, kann aber selbst oder durch einen Bevollmächtigten das Grundbuch und die Grundbuchakten einsehen und daraus die nötige Feststellung machen. 2. und 3. Nein.— I. M. 7. 1. Nur im Falle einer Zwangsversteigerung(Subhastation) kann der neue Eigentümer des Grundstückes gegen den Willen des Mieters Mietsverträge vorzeitig kündigen. 2. Chausseeslr. 121.— Paul H. 15. 1. Die Kirche, in deren Sprengel Ihr Vater geboren ist, ist zur Erteilung der Geburts« Urkunde zuständig. 2. Wegen der Berichtigung müßten Sie sich an den Regierungspräsidenten, eocnt. an das Amtsgericht wenden, in dessen Bezirk die standesamtliche Urkunde ausgefertigt ist, deren Berichtigung Sie wünschen. — L. W. 49. Herausgabe Ihres Kindes können Sie erwirken und können auch nochmals Zwangsvollstreckung gegen den Vater versuchen. Die Armendireltion wäre in Ihrem Falle zur Zahlung nicht verpflichtet. — A. 999. Der Vater eines ehelichen Kindes kann dessen Herausgabe von jedem, eventuell mit Hilfe des Gerichts verlangen. Der Vater eines außerehelichen Kindes hat kein Recht aus Herausgabe desselben. — A. A. S1. Leider nein.— H. Köpenick. Die Kündigung ist verspätet. Wir haben wiederholt, noch am 26. Juni, daraus aufmerksam gemacht, daß bei Kündigungsfristen von drei Monaten und drei Tagen die Kündigung spätestens am 27. Juni in den Händen dessen sein muß, dem gekündigt wird.— E. L. 29. Die angeführten Gründe würden eine Ehcicheiduna rechisertigen. Die Ehescheidungsklage muß aber spätestens innerhalb sechs Monaten nach Kenntnis von dem Ehescheidungsgrunde an« gestrengt sein. So lange die Scheidung nicht ausgesprochen ist, müssen Sie Ihre Frau wieder ausnehmen.— W. W. Nein. — X. V. 100. Wenn Sie die von Ihnen angegebene Erklärung nach- weisen, so würden Sie sür den Fall der Klage obsiegen.— M. 100. Urteile sind nach beiden Richtungen ergangen.— G. 3ch. IS. Sic müssen sich an ein Fuhrgeschäst wenden.— F. R. 72. Sie hasten sür die Schuld nicht: sür den Fall einer Pfändung Ihrer Mübel würden Sie mit Aussicht aus Erfolg Widerspruchsllage erheben können.— 3. 12. Zur Offen« banmgseidesleistung sind Sie verpflichtet.— A. N. 83. Sicgestaler sind ebenso wie die anderen Taler außer Kurs. Welchen Wert sie für Liebhaber haben, entzieht sich unserer Kenntnis.—<£. K. Eine nochmalige Kündigung braucht nicht zu erfolgen. Die 14tägige Kündigung kann an jedem Tag« ausgesprochen werden,— E. K. 32. Wenn der Verttag nicht das Gegen« teil besagt, ja._ Wttterungsuberstcht vom 4. Juli 1908, morgens 8 Uhr. LS YS »«i Swtnemde Hamburg Berlin :anks,a.M üncheu Wien il ■ f 757 W 760 WSW 759 WNW 763 NO 761 SW 760 N Fett« 2bedeckt 3!bedeckt 4, bedeckt 3 bedeckt 3 halb bd. l!wolklg a l £ t» Ü S> Stakwnn, LS Ii »= Haparanda Petersburg Scillh Äberdee» Parts »«Un 760 N 749 NNO 764 NNW 766 NNW 764 NNW 4 Regen 1 Regen 2 wolkig 1 bedeckt 2 wolkig »K c% Ä| = I» *5, 5 11 19 12 19 Wctterprognoie für Sonntag, den 5. Juli 1908. Ziemlich kühl bei mäßigen nordwestlichen Winden und veränderlicher Bewölkung; leine erheblichen Niederschläge. Berliner v etterbnr»-«. aillf.MlirnJ E ISrpisspnTiPrjor�IrMnrSr.Qj' ::: Eckhaus Koppenstraße.::: DMA WW%ßmi9w9%ßmmm9%ßA::: Eckhaus Koppenstraße.:::| Größtes Spezial-Geschäft für Damen-Kleiderstoffe, Kostüm=Röcke, Blusen und Unterröcke. Mein diesjähriger großer RSumungs- Ausverkauf hat begonnen und bietet dieser meiner werten Kundschaft eine selten günstige Gelegenheit zum billigen Einkauf. 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Sovlltag, 5. Juli lW. Soziales. AuS dem Gewerbegericht. 1. Unbefugtes Verlassen der Arbeit. Gegen die Brauereigenossenschaft Berliner Bicrverlcgcr klagte der Brauereiarbeiter G. auf Lohncntschädigung wegen unberech- ttgter plötzlicher Entlassung. Gegen die Klage wunde eingewandt, der Kläger habe die Arbeit unbefugt verlassen, da er Sonnabends statt um 6 Uhr um 5� Uhr nach Hause gegangen und Sonntags überhaupt nicht gekommen sei. In der Verhandlung vor der Kammer 6 des Berliner Gewerbegerichts behauptete Kläger, ihm sei nicht gesagt worden, daß er Sonntag arbeiten solle, und am Sonnabend sei er um 5% Uhr gegangen, nachdem ein Mwllege zu ihm gesagt habe, er solle man nach Hause gehen, das bißchen, was noch zu tun sei, werde er(der Mitarbeiter) fertig machen.— Der Gerichtshof unter Vorsitz des Magistratsrats Wölbling wies die Klage ab. Die strittig gebliebene Frage der Sonntagsarbeit ließ dos Gericht außer Betracht. Auf jeden Fall, so wurde ausgeführt, hatte Kläger auf die Worte eines Mitarbeiters hin am Sonnabend nicht um Uhr gehen dürfen, da die tarifmäßige Arbeitszeit bis 6 Uhr währte. In dem Frühergehen sei ein unbefugtes Vcr- lassen der Arbeit zu sehen, das zun Entlassung berechtigte. Die Entscheidung geht fehl. Nach Z 123 Nr. 3 der Gewerbe- ordnung können gewerbliche Arbeiter ohne Einhaltung einer Kün- digungsfrist entlassen werden,„wenn sie die Arbeit unbefugt ver- lassen haben oder sonst den nach dem Arbeitsvertrag ihnen ob- liegenden Verpflichtungen nachzukommen beharrlich verweigern". Aus den durch Fettdruck hervorgehobenen Worten folgt, daß der § 123 Nr. nur dann zur Anwendung gelangen kann, wenn der Arbeiter sich bewußt war, daß er nicht befugt war. die Arbeit zu verlassen. Das ist auch der Standpunkt der meisten Gewerbe- gerichte. » 2. Kündigungsfrist der Aufwärterin. Frau K., die jeden nachmittag einige Stunden in einem Ge- tverbebetriebe als Aufwärterin tätig war, verlangte eine Lohn- entschädigung für 14 Tage, weil sie ohne Kündigung entlassen sei. Die Kammer K verurteilte die Beklagte Born zur Zahlung von 7,50 Mark, welche Summe dem vereinbarten Geldlohn für 14 Tage entsprach. Es wurde ausgeführt: Wenn auch Klägerin jeden Nach- mittag nur etwa 2� Stunden zu arbeiten hatte, so liege doch ein dauerndes Arbeitsverhältnis vor. Die gesetzliche 14tägige Kündi- gungsfrist stehe ihr zu, ohne Rücksicht auf die Lohnzahlungsperiode. Was nun die der Klägerin hier gewährte Beköstigung betreffe, so könne sie bei Bemessung der Entschädigung nicht berücksichtigt werden, da diese Beköstigung nicht als Lohnteil vereinbart gewesen, sondern aus freien Stücken nebenbei gewährt worden sei. Richtbenutzuug von Hängeböden. Im Hause des Herrn Werner in der Krausnickstraße befinden sich verschiedene Hängeböden über Klosetts. Der Polizeipräsident erließ Verfügungen an die Mieter und an den Vermieter, durch die ihnen aufgegeben wurde, die Hängeböden nicht zum dauernden Ausenthalt von Menschen(als Schlafräume) benutzen zu lassen. Der Bezirksausschuß wie« die hiergegen von Werner angestrengte Klage ab und das Oberverwaltungsgericht bestätigte gestern das Urteil. Die Hängeböden seien so beschaffen, daß da» Einschreiten der Polizei durchaus geboten fei. Ein ähnliches Einschreiten gegen alle Hängeböden läge d» all- gemeinen Gesundheitsinteresse._ Die Lauardeitee au der Wasserkante. Warum die BaugewerkS« BerufSgenossenschast, welche ihre Tel- tionen auch in Lübeck. Kiel, Flensburg und Schwerin, außer Ham- bürg hat, sich gerade. Hamburg, sche' BaugewerkS- Berufs- genossenschast nennt, ist uns nicht recht verständlich. Versichert sind nach dem Berichte dieser Berufsgenosienschaft 11252 Baubetriebe gegen 11 11? im Jahre 1306. Während im Jahre 1906 noch 591 neue Betriebe aufgenommen werden konnten, war die Zahl der- selben im Jahre 1907 nur 133. DaS war der Anfang der Krise I Die Zahl der Vollarbeiter betrug im Jahre 1906: 82 206, im Berichtsjahre dagegen 85>58. Der durchschnittliche Arbeitsverdienst eines Bauarbeiters pro Jahr, aus den Lohnsummen berechnet, betrug in: Sektion I Hamburg 1176 SR., Sektion n Lübeck 846 SR., Sektion in Kiel 938 SR., Sektton IV Flensburg 819 SR., Sektion V Schwerin 700 SR. Gemeldet wurden im Berichtsjahr 3544 Unfälle, gegen 8524 im Vorjahre. Im Jahre 1886 wurden zum Beispiel nur 862 Unfälle gemeldet I Entschädigungspflichttg wurden davon 505 Fälle. Auf 1000 Versicherte entfallen durchschnittlich 41,6 ge- meldete Unfälle. Von den 508 entschädigten Verletzten waren 494 erwachsene und 11 jugendliche Arbeiter, keine Frauen I Die meisten dieser Unfälle(159) ereigneten sich durch Fall von Leitern und Treppen. 121 durch Zusammenbruch, Einsturz usw., 45 beim Auf- und Abladen I Die technischen Aussichtsbeamten finden in ihrem Tätigkeits- bericht den.richtigen Ton". Sie sind natürlich sehr.strenge" gegen die armen Bauunternehmer vorgegangen. ES sei.in jedem Falle für Abhilfe sofort gesorgt worden".„Die Arbeitgeber wurden be- straft." Aber—„in vielen Fällen waren die Beschwerden aber übertrieben oder die gerügten Uebel stände waren durch die Gleichgültigkeit der Arbeiter selb st entstanden, auch kam es vor, daß solchen Beschwerden auf einem Racheakt zurückzuführen waren."„In einem anderen Falle wurde der technische SufsichtSbeamte durch das rücksichtslose Verhalten der Arbeiter in unmittelbare Gefahr gebracht." Das ist die Sprache der Scharfmacher und werden solche Worte von den Unternehmern gern gehört.„Deß Brot ich eß, deß Lied ich sing I" Dann müssen die Beamten notgedrungen doch die Zahl der vorgefundenen Mängel näher angeben und erfahren wir folgendes:„485 mal fehlten die Unfallverhütungsvorschristen aus den Baustellen." „463 mal fehlten Rückenlehnen und teilweise auch die Schmeißplanken."„ 5 2 7 m a l waren die Balkenlagen nicht abgedeckt".„602 mal waren Oeffnungen in der Ballenlage, 392 mal waren Treppenöffnungen und 344 mal waren Kalkgruben nicht eingesriedigt."„DaS Fehlen der Umwehrungen wurde 13 3 8 mal festgestellt" usw. Die Beamten meinen auch, daß die meisten Unfälle durch UnfallverhütungS- Vorschriften nicht aus der Welt zu schaffen seien.„Sie entstehen vielmehr durch das ha st ige und flüchtige Treiben, welches teilweise die Akkordarbeit bedingt, so daß die Arbeiter häufig die einfachsten Schutzmaßregeln unbeachtet lassen!" Das läßt sich eher hören._ Sozialpolitische Rückständigkeit. In der Hamburger Bürgerschaft hat man sich in der letzten Zeit einige Male über die Frage der weiteren Ausdehnung der Sonntagsruhe unlerhalten und den Beschluß gefaßt. „den Senat zu ersuchen, auf Grund des§ 106b Absatz 2 und§ 142 der Gewerbeordnung den Erlaß eines Ortsstatuts über die Sonntags- ruhe herbeiführen zu wollen,, durch das die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern in den offenen Verkaufsstellen und in den Kontoren des Handelsgewerbes mit Ausnahme der an Reederei und Schiffahrt beteiligten Bettiebe auf die Zeit von T bis lOVg Uhr vormittags beschränkt wird, und zu dem Zwecke die kirch- lichcn Behörden zu ersuchen, den Hauptgottesdienft auf lO'/z Uhr zu verlegen". Dieser Beschluß erster Lesung wurde in der Sitzung der Bürgerschaft vom Mittwochabend von den„Praktikern" unter boshaften Ausfällen gegen die noch eine weitere Ausdehnung der SsmltagSruhe befürwortenden Juristen,»die in solchen Fragen nicht mitreden sollten", mit Erfolg bekämpft. Mit 69 gegen 63 Stimmen wurde der Beschlutz umgestoßen und alle übrigen Anträge wurden niedergestimmt._ Nichteinhaltung der Wahlzeit ein AnfechhingSgrund? In Oeynhausen waren am 2. November 1307 in jeder Ab- teilung zwei Stadtverordnete zu wählen. Als Wahlzeit angesetzt war für die dritte Abteilung die Zeit von 10 bis 11'/, Uhr vor- inittags, für die zweite Abteilung d,e von ll'/z Uhr bis 12'/, Uhr. Nun kamen kurz vor Fristschlutz m der dritten Abteilung noch recht viele Leute, die noch zur Wahl zugelassen werden mußten. Es wurde 12 Uhr 10 Minuten, bevor mit dem Wahlakt in der zweiten Abteilung begonnen werden konnte. Kurz nach 12% Uhr war die Wahl in der zweiten Abieilung beendet.— Wegen der Verzögerung des Beginns wurde die Wahl der zweiten Abteilung angefochten. Der Bezirksausschutz verwarf jedoch die Klage des Herrn Witzmann und erklärte die Wahlen für gültig. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte am Dienstag dies Urteil. Es ging von der, durch den Bezirksausschuß festgestellten Tatsache aus, daß alle die Wähler der zweiten Abteilung, die bis 12% Uhr erschienen, zur Stimmabgabe zugelassen wurden, und daß die Abteilung nur 80 eingeschriebene Wähler zählte. Be- gründend wurde ausgeführt: Eine bloße Unbequemlichkeit als Folge des späteren Beginns der Wahl in der zweiten Abteilung gebe keinen UngülttgkeitSgrund ab. Für ungültig könnte die Wahl nach der Städteordnung nur erklärt werden, wenn es geradezu zu einer Verkümmerung des Wahlrechts gekommen wäre. Das sei hier nicht der Fall gewesen. Es werde öfter vorkommen, daß mit der Wahl in einer Abteilung, die nicht als erste angesetzt sei, später begonnen werde, als anberaumt. Hier liege bloß eine Un- bequemlichkeit der Wähler vor, keine Verkümmerung des Wahlrechts. Allerdings habe der Wähler einen Anspruch darauf, daß er zur anberaumten Zeit in das Wahllokal hineingelassen werde. Er habe aber keinen Anspruch darauf, daß er bei Beginn dieser Zeit abstimme. Er müsse sich zur Verfügung halten. von der Sittlichkeit auf dem Lande. Ein trübes Bild von den Zuständen auf dem Lande wurde in einer am Donnerstag stattgefundenen Schwurgerichtsverhandlung in Gera entrollt. Der 38 Jahre alte verheiratete Knopfmachcr Lenke aus Schmölln hatte sich im Sommer vorigen Jahres bei einem Großbauern in Röthenitz als Erntearbeiter verdingt. Er hat in der Mägdekammer mit der Dienstmagd Mäder geschlechtlich ver- kehrt. Die Mäder wurde schwanger und stellte Alimentcnansprüche an den in gleicher Eigenschaft dort beschäftigt gewesenen Arbeiter Fleischer. Dieser bezeichnete den Lenke als Mitschwängerer. In dem Prozeß stellte dies Lenke unter Eid in Abrede. In der Ver- Handlung bekundete die Magd. Lenke sei mit dem Knecht Krause oft bis gegen Mitternacht bei ihr im Bett gewesen. In der gleichen Kammer stand noch ein Bett, in dem zwei andere Mägde mit ihren Liebhabern schliefen. Neben Lenke und Krause hat die 22jährige Magd noch mit Fleischer verkehrt. Sie hat schon viermal unehelich geboren. Auf die Frage des Verteidigers, ob es auf dem Lande üblich sei, daß die Burschen sich zu den Mägden legen, erwiderte die Zeugin: Das ist allgemein so Sitte! Lenke habe sie erst an- gestachelt, von Fleischer Alimente zu verlangen. Auch der Knecht Krause bestätigt den Geschlechtsverkehr des Lenke mit der Magd, der sogar in seinem Beisein im Bett der Magd erfolgt sei. Das Urteil lautete auf 1 Jahr 3 Monate Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust. Der Verurteilte ist Vater von fünf Kindern. Vom prügelnden Lehrer. In Finistera benutzte der Volksschullehrer Steppart seit längerer Zeit mit Kenntnis des Kreisschulinspektors und des LokaKchul- tnspektors als Züchtigungsmittel einen Lederriemen, der 75 bis 80 Zentimeter lang, 2 bis 3 Zentimeter dick und einige Zentimeter breit ist. Gewöhnlich faßt er beim Schlagen den Riemen in der Mitte. So schlug er auch ein lljLHriges Mädchen mit dem Riemen dreimal nach dem Rücken. Er nahm an, sie hätte ihn belogen. Da sich die Kleine beim zweiten Schlage duckte und drehte, so ging er fehl, und zwar traf sie das«ine Ende des Riemens über dem Auge. Es trat etwas Blut heraus und die Stelle schwoll an. Damit die Schülerin sich das Auge kühle, schickte Steppart sie in sein Wohnzimmer. St. wurde demnächst von der Strafkammer Tilsit wegen fahr- lässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von— 3 Mark verurteilt. Begründend wurde ausgeführt: St. habe sich zwar in Ausübung seines Züchtigungsrechtes befunden und habe sich auch des Riemens bedienen dürfen. Indessen habe er das Züchtigungs- recht objektiv überschritten, indem er das Auge getroffen habe. Er habe fahrlässig gehandelt, da er das Mädchen im Gange zwischen den Tischen sitzen ließ, statt sie heraustreten zu lassen und sie in zweckdienlicher Weise festzuhalten. Denn er hätte sich sagen müssen. daß sich das Mädchen ducken werde und ein Schlag leicht ins Gesicht gehen könne. Die Regierung in Gumbinnen erhob den Konflikt, nachdem Steppart gegen das Urteil der Strafkammer Revision eingelegt hatte. Der Konfliktsbeschluß führte aus, St. habe seine Amts- befugnisse nicht überschritten. Da irgendwelche Vorschriften dar- über, was als angemessenes Züchtigungsmittel anzusehen sei, hier nickt beständen, so sei die Entscheidung in das pflichtgemäße Er- messen des Mannes gestellt gewesen. Die Strafkammer, das OberlandeSgericht und der Oberstaats- anwalt führten in ihren Gutachten zu dem Konflikt aus, daß es nur darauf ankomme, ob objektiv eine Ueberschrcitung der Amts- befugnisse borliege. Das subjektive Verschulden sei außer Betracht zu lassen. Der objektive Beftind, der Schlag ins Gesicht, liege aber nicht innerhalb der zulässigen Grenzen des Züchtigungsrechts. Darum sei der Konflikt zu verwerfen. Das Oberverwaltungsgericht verwarf am Dienstag, diesem Gutachten entsprechend, auch den Konflikt als unbegründet, so daß das Strafverfahren seine ordnungsmäßige Erledigung zu finden hat. Ein Riemen mit Kenntnis des Lokal- und des Kreisschul- inspeltors als Züchtigungsinittel. Verletzung des Auges, nur 3 M. Geldstrafe und dann noch Erhebung des Konflikts durch den Re- gierungspräsidenten— härter läßt sich der kulturelle Tiefstand unseres Volksschulwesens nicht kennzeichnen. Gerichts-Leitung. Haftbarkeit des FiskuS für Unfälle in der Tierarzneischule. Wie stark sich der preußische Fiskus gegen die elementarsten Verpflichtungen, die er als Arbeitgeber Arbeitern gegenüber zu beobachten hat, wehrt, zeigt ein kürzlich vom Reichsgericht gegen den Fiskus entschiedener Rcchtsfall. Aus dem Grundsatz von Treu und Glauben folgt schon nach römischem Recht, daß jemand, der die Dienste eines Anderen für sich in Anspruch nimmt, die Räume, Vorrichtungen oder Gerät- schaften, die zur Verrichtung der Dienste von ihm zu beschaffen sind, s» einzurichten und zu unterhalten hat und Dienstleistungen, die unter seiner Anordnung oder seiner Leitung vorzunehmen sind, so zu regeln hat, daß der Dicnstleistende gegen Gefahr für Leben und Gesundheit so weit geschützt ist, als die Natur der Dienst- leistung es gestattet. Das besagt auch§ 618 B. G.-B. Diese Vor- schrift findet auf alle Arbeitsleistungen Anordnung, mag es sich um gewerbliche, um ländliche Arbeiter, um Beamte oder sonstwie Dienste leistende handeln. Bei der Vornahme einer Operation an der Tierärztlichen Hochschule in Berlin wurde der Hochjchuldicner voa kivM HMLst.V den er vorführen und halten sollte, gebissen, an die Wand ge- schleudert und dadurch schwer verletzt. Die Operation wurde durch Dr. K. ausgeführt, der dem Kläger kurz vor Eintritt des Unfalles aufgegeben hatte, dem Hengste die Nasenbremse abzunehmen. Trotzdem Kläger auf die Bissigkeit de« Tieres hingewiesen hatte, war Dr. K. aus seinem Begehren stehen geblieben, da die Operation sonst unmöglich sein sollte. Der Kläger behauptete, durch diesen Unfall gänzlich erwerbsunfähig geworden zu sein und verlangte vom Preußischen Staatsfiskus als Tierhalter uno Dienstherr Zahlung seines vollen Gehalt«, indem er die Klage auf die ßZ 833, 618, 278 B. G.-B. stützte. Das Landgericht zu Berlin erklärte den Beklagten als Tier« Halter gemäß 8 833 B. G.-B. für haftbar, ohne auf die Frage der Hastung aus den 618, 278 B. G.-B. näher einzugehen. Auf die Berufung des Beklagten verneinte das Kammergericht die Haftung aus§ 833 B. G.-B., indem es höchstwahrscheinlich die Operation als Einwirkung eines unwiderstehlichen Zwanges aus die Sinne des Tiere« ansieht. Dagegen bejaht das Kammergericht die Verpflichtung zum Schadensersatz aus dem Dienstvertrage in analoger Anwendung der 8Z 618, 278 B. G.-B. Beide Vorinstanzen nehmen an, daß der Kläger durch den Unfall die Hälfte seiner Er- werbsfähigkeit eingebüßt habe und erachten deshalb den Beklagten für verpflichtet, dem Kläger eine Rente von 50 Proz. seines amt- lichen Diensteinkommens und vom 65. Lebensjahre ab die ihm zustehende volle Pension zu zahlen. DaS Kammergericht stellt fest, daß der ursächliche Zusammenhang zwischen der Abnahinc der Bremse und dem Angriffe de« Tieres erwiesen sei, und daß Dr. K. fahrlässig gehandelt habe, als er trotz der ihm bekannt gegebenen Bissigkeit de« Pferdes darauf bestand, ohne vorher anderweitig Schutzmaßregeln anzuordnen. Da Dr. K. aber Leiter der Operation im Auftrage des Beklagten gewesen sei, hätte er nach§ 618 B. G.-B. Anordnungen treffen müssen, die den Kläger hinreichend schützen konnten. Die nach der Abnahme der Bremse getroffene Anordnung, den Zügel de« Pferde« ganz kurz zu fassen. hätte der Kläger nicht mehr ausführen können, da der Angriff de« TiereS ihm zuvorgekommen war. Nach den Ausführungen de« Kammergerichts hat der Beklagte aber nach 8 278 B. G.-B. gir die Fahrlässigkeit seines Vertreters einzustehen, wie für eigene ahrlässigkeit. Gegen dieses Urteil hatte der beklagte FiskuS Revision beim Reichsgericht eingelegt und besonder« geltend gemacht, daß die Operation ohne Abnahme der Bremse nicht zu ermöglichen gewesen sei. Der 3. Zivilsenat erkannte jedoch aus Zurückweisung der Revision._ Da« gerichtliche Verbuk der Aufführung des Stückes„Der Cowboy" im Bernhard Rose-Theatcr, welches vor drei Wochen erlassen worden war, halte gestern vor der 16. Zivilkammer des Landgerichts l ein Nachspiel. Das Recht auf die Bearbeitung eines Bühnenwerkes steht nach dem Gesetz über das literarische Urheberrecht vom 19. Juni 1901 ausschließlich dem Urheber zu. Auch eine freie Benutzung des Werkes ist nur dann zulässig, wenn dadurch eine eigentümliche Schöpfung hervorgebracht wird. Dem- gemäß kam es in der Verhandlung auf die Frage an, ob das im Bernhard Rose-Theater aufgeführte Stück„Der Cowboy" nicht eine bloße Nachahmung des Stückes„The white Man" des ameri- konischen Schriftstellers Milwn Royle, sondern eine eigentümliche Schöpfung ist. Des Weiteren kam insbesondere in Frage, unter welchen Voraussetzungen amerikanische Bühnenwerke In Deutsch- land geschützt sind und ob eS Voraussetzung eines solchen Schutzes in Deutschland ist, daß von dem Bühnenwerke in Amerika zwei Exemplare hergestellt und deponiert werden, wie es für den Schutz der Werke von Ausländern in Amerika notlvendig ist. Der Autor wurde durch die Rechtsanwälte Justizrat Dr. Loewenfeld und Siebert vertreten, während für die Gegenseite Rechtsanwalt Hugo Earo und ein Assessor auftraten. Direktor Bernhard Rose, ferner der Verfasser des„Cowboy" und eine große Anzahl Mitglieder de« Bernhard Rose-Theaters sowie literarische Sachverständige wohnten der Verhandlung bei. Nach mehrstündiger sehr lebhafter Ver» Handlung entschied da« Gericht dahin, daß der„Cowboy" eine un- zulässige Wiedergabe des„The white Man" sei und daß der amerikanische Urheber des letzteren in Deutschland geschützt werde, ohne die für einen Schutz in Amerika erforderlichen Formalitoten zu erfüllen. Das Gericht hielt demgemäß die einstweilige Per- fügung, durch die die Aufführung und Verbreitung des„Cowboy" im Bernhard Rose-Theater verboten wurde, aufrecht und legte Bernhard Rose, dem Zweitbcklagtcn, die Kosten des Verfahrens auf. Olga Molitor und die„Berliner Morgenpost". Vom Land» gericht l in Berlin wurde am 16. März der verantwortliche Rc- dakteur der„Berliner Morgenpost", Martin Schmidt, wegen Be- leidigung des Frl. Olga Molitor zu der ungewöhnlich harten Strafe von 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Es handelte sich, wie unseren Lesern erinnerlich, um zwei Artikel, die am 10. und Tl. August v. I. erschienen und von einem nach Karlsruhe in der Hau-Sache entsandten Mitarbeiter herrührten. Der Angeklagte hatte be- hauptet, er sei an der Veröffentlichung der Artikel gar nicht be- teiligt gewesen, da er an jenen Tagen krank gewesen sei und die Redaktion bereit« längere Zeit verlassen hatte, als die Artikel telephonisch übermittelt wurden. DaS Gericht hat aber trotz der entgegenstehenden Aussagen der unbeeidigt vernommenen drei Kollegen des Angeklagten angenommen, daß er arbeitsfähig war. Hinzu kam noch, daß der Angeklagte an den Anwalt des Frl. Olga Molitor, Dr. von Pannwitz, einen Entschuldigungsbrief geschrieben hat, in welchem er sagte, er habe nur in Vertretung gezeichnet und versehentlich den Artikel in Satz gegeben. Der Schutz des 8 193 wurde dem Angeklagten nicht zugebilligt, da seine Absicht lediglich darauf gegangen sei, Aufsehen zu erregen, das Publikum anzulocken und die Zahl der Abonnenten zu vermehren.— Die Revision des Angeklagten wurde am Freitag vor dem Reichsgerichte durch seinen Verteidiger Leonhard Fricdmann begründet. Gerügt wurde insbesondere, daß drei als Zeugen vernommene Kollegen des Angeklagten zu Unrecht unbeeidigt geblieben seien. Das Gericht hat sie nicht vereidigt, weil sie„eventuell" als Mittäter in Frage kämen. Der Reichsanwalt erklärte die Nichtbceidigung für gc- nügend begründet; auch in materieller Hinsicht fand er keinen Rechtsirrtum in dem Urteile.— Das Reichsgericht erkannte seinem Antrage gemäß auf Verwerfung der Revision. 7500 M. Gelbstrafe. Nach§ 312 d«S Handelsgesetzbuchs sind Mitglieder des Vor. standes oder des Aufstchtsrats oder Liquidatoren, wenn sie ab- sichtlich zum Nachteil der Gesellschaft handeln, mit Gefängnis und zugleich mit Geldstrafe bis zu 20 000 M. zu verurteilen. Auch kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden. Sind mildernde Umstände vorhanden, so kann ausschließlich auf Geldstrafe erkannt werden. Das Landgericht Dortmund hat am 31. März den Generaldirektor einer Aktiengesellschaft in Kastrop, Dr. Franz Bolpert, jetzt in Hamburg, wegen Vergehens gegen 8 312 des Handelsgesetzbuches zu einer Geldstrafe von 7500 M. verurteilt. Die betr. Aktiengesellschaft bezog einen Rohstoff zur Herstellung von Sprengstoffen durch einen Agenten, der dafür eine bestimmte Provision erhielt. Durch Andeutungen de« Inhalt«, daß die Gesellschaft jenen Stoff auch anderswoher beziehen könne, be- wog der Angeklagte den Agenten, die Hälfte der Ueberprovision an den Zeugen R., den Schwager des Angeklagten, abzutreten. Die Strafkammer hat angenommen, daß R. nur Strohmann für den Angeklagten war. Die Strafe wurde wie angegeben bemessen, weil der Angeklagte in Kastrop ein Einkommen von etwa 44 000 M. hatte und jetzt in Hamburg ein solche» von etwa 50000 M. hat.-- Die Revision des Angeklagten wurde am Freitag vom Reichsgericht« txxvtsifSt Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahme' stellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. 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