Nr. 150. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerandos Bierteljährl 3,30 M, monatl 1,10 m wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Belt" 10 Bfg. Boste Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Bost- Beitungs Breisliste. Unter Kreuzband fü Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark Solland, Italien, Luxemburg, Portugal Rumänien, Schweden und die Schweiz Eriscint täglich außer Montaga Vorwärts Berliner Dolksblaff. 25. Jahrg Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene stolonel geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 30 Pig. ..Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Bort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pig., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adreffe: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Parteigenossen! Laut Beschluß des letzten Parteitages findet der dies. jährige in Nürnberg statt. Auf Grund der Bestimmun gen der§§ 11, 12, 13, 14 und 15 der Parteiorganisation beruft die Parteileitung den diesjährigen Parteitag auf Dienstag, den 7. Juli 1908. Der Geheimprozeß. Die Herren Kanzow und fenbiel werden sich von Tag 3u Tag mehr davon überzeugen müssen, daß der Ausschluß der Deffentlichkeit im Prozeß wider Eulenburg ein Schlag ins Wasser ist. Heute wird über die Verhandlungen schier noch ausführlicher berichtet, als es geschah, ehe das Schweigegebot auf Umwegen erlassen wurde. Wir haben's vorausgesagt. Sowohl das Interesse der ernsthaften Leute als die Sonntag, den 13. September, abends 7 Uhr, fiebernden Lüfte der Sensationshungrigen treisen um diesen nach Nürnberg in die Städtische Festhalle", Luitpold- oder das andere Verlangen zu befriedigen. Und sie findet den Luitpold- Prozeß, und die Presse sucht je nach ihrer Artung das eine hain, ein. Weg dazu. Es zeigt sich, daß der Appell an die Gentlemen ganz unwirksam geblieben ist, was ganz natürlich ist, da die Behauptung, daß es unanständig sei, aus dem Prozeß Mitteilungen zu machen, sich anf weiter nichts als auf eine ganz willkürliche, unbegründete Annahme der Prozeßleitung und des öffentlichen Anklägers stützt. Mit weit besserem Fug tönnte man behaupten, daß das Durchbrechen des Geheimverfahrens, das Nichtbeachten des Schweigegebots, das kein der wilden Stimmungsmache, die sich im Dunkel des Geheimnisses üppig entfaltet hat. Die Eröffnung erfolgt präzise. Anschließend erfolgt die Konstituierung des Parteitages, Festsetzung der Geschäftsund Tagesordnung, Wahl der Mandatsprüfungskommission. Montag, den 14. September und die folgenden Tage't finden die Verhandlungen des Parteitages in dem Lokal Schweigegebot sein soll, direkt geboten sein tann angesichts " Herkules- Belodrom", Treustraße 10, statt. Als provisorische Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes, a) Allgemeines. b) Organisation und zwar I. Frauenorganisation: II. Jugendorganisation. Berichterstatter: S. Müller. c) Kasse und Presse. Berichterstatter: A. Gerisch d) Bildungsausschuß. Berichterstatter: H. Schulz, 2. Bericht der Kontrollkommission. Berichterstatter: A. Kaden. 3. Parlamentarischer Bericht. 4. Maifeier. Berichterstatter: E. Eichhorn. Berichterstatter: N. Fischer. 5. Sozialpolitik und der neue Kurs. Berichterstatter: H. Moltenbuhr. 6. Die Reichsfinanzreform. Berichterstatter: P. Singer. 7. Sonstige Anträge. 8. Wahl des Parteivorstandes, der Kontrollkommission und des Ortes, an dem der nächste Parteitag stattfinden soll. Parteigenossen! Der Parteivorstand richtet an Euch die Aufforderung, die Vorarbeiten für den Parteitag also die Wahl von Delegierten wie die Stellung von Anträgen rechtzeitig zu bewirken. Die Anträge müssen spätestens am 17. August im Besitze des Vorstandes, Adresse: W. Pfannkuch, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, sein, wenn sie entsprechend den Bestimmungen des§ 14, Absatz 2 der Parteiorganisation im Vorwärts" veröffentlicht und in die gedruckte Vorlage Aufnahme finden sollen. Anträge von einzelnen Parteigenossen bedürfen der Gegenzeichnung der Vertrauensperson oder des Vorstandes der örtlichen bezw. Kreisorganisation, falls sie zur Veröffentlichung und Beratung gelangen sollen. Die Parteigenossen, die zum Barteitag kommen, werden ersucht, von ihrer Delegation dem Vorstande und dem LokalTomitee rechtzeitig Mitteilung zu machen, damit ihnen die Vorlagen und eventuell weitere Mitteilungen zugesandt werden können. Die Adresse des Rokalkomitees lautet: May Tren, Nürnberg, Egidienplatz 22. Mandatsformulare sind durch das Parteibureau: W. Pfannkuch, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, zu beziehen, der Versand erfolgt vom 17. August an. " Die Genossen, die Anträge einreichen, werden darauf aufmerksam gemacht, daß etwaige den Anträgen beigegebene Motive weder im Vorwärts", noch in der den Delegierten zugehenden Vorlage Aufnahme finden können. Es steht den Genossen das Recht zu, ihre Anträge selbst oder durch befreundete Genossen auf dem Parteitag mündlich zu begründen. Ein Abdruck der Motive verbietet sich aber aus räumlichen Gründen und um Wiederholungen zu vermeiden. Berlin, den 7. Juli 1908. Mit sozialdemokratischem Gruß Der Parteivorstand. Diese Stimmungsmache findet natürlich in einer Situation, da alles auf unkontrollierbare Nachrichten angewiesen ist, günstige Lebensbedingungen. Dem Uebelwollenden ist jetzt gute Gelegenheit geboten, unter scheinbarer Wahrung der Objektivität, ohne grobe Mittel, durch Fortlassen gewisser Momente, durch unterstreichung und Betonung einzelner Worte und Gesten, je nachdem es ihm gefällt, für die eine oder die andere Partei zu wirken, die, wenn auch nicht in Person, so doch tatsächtlich in dem ängstlich verschlossenen Schwurgerichtssaal zu Moabit einander gegenüberstehen. Und selbst die gewissenhaftefte Zeitungsredaktion ist bei der größten Vorsicht in diesem Falle nicht sicher davor, daß sie nicht von ihr und ihrem näheren Gewährsmann unbewußt zu unlauteren Zwecken mißbraucht wird. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. gemacht hätten, weil sie un to a hr wäre, schrieb Bolto an den General, daß ihm dies mitgeteilt worden wäre, daß er die Beamten hätte verhören lassen und was sie geantwortet. Hierauf schrieb Graf Hülsen- Haefeler, daß er die Geschichte nicht erzählt und sagte mir auf der Hofjagd in der Göhrde, daß er mich versichern könne, in Rominten kein Wort über Bolfo und die fragliche Untersuchung mit Dir gesprochen zu haben. Diese Geschichte gemacht respettive erfunden zu haben, bleibt also auf Dir sißen, und so scheint es auch mit den Enthüllungen der Frau Bach und den nicht bezahlten Rechnungen der Kautskys schließlich auch zu werden. Du bist ganz einfach so verlogen, daß es mir schwer auf das Gewissen fallen muß, einen solchen Kerl in die intime Gesellschaft unseres geliebten Allergnädigsten Kaisers, Königs und Herrn gebracht zu haben. Wie foll nun dieser groß und vornehm, vor allem aber durchaus gerecht denkende Monarch von uns denten, wenn das alles einmal bekannt wird? Und daß dies geschieht, wenn Bolfo mit seinem Pierson die Generalintendantur auf Seiner Majestät Befehl verlassen müssen, dafür garantiere ich Dir. Bolto mußte dann, um seine vor der Deffentlichkeit an gegriffene Ehre zu retten, die Machenschaften, die zu seinem Abgange führten, aufdecken, und die Veröffentlichungen zu ver Heimlichen, Seiner Majestät gegenüber, wird wohl kaum gehen. Wenn Du Dir also dauernd die Freundschaft S. M. erhalten willst, bist Du jetzt in die Zwangslage bersetzt, entweder S. M.. oder Bolfo gegenüber zu er flären, daß Du Dich geirrt, daß Du Herrn Geheimen Regierungsrat Pierson durch Verbreitung derartiger Gerüchte bitter Unrecht getan, weil Du seine Tätigkeit zu be urteilen gar nicht imstande und meinethalben, daß Du selbst getäuscht worden seist oder Dich getäuscht hättest. Es sind nur Deine innigen Beziehungen zu Eberhard und die alte bis jetzt ungetrübte Freundschaft unserer Familien, welche mich vermocht haben, in dieser traurigen Sache noch einmal an Dich zu schreiben. Hoffentlich bist Du mir für diesen Entschluß dankbar. Ich kann nun einmal aus meinem Herzen teine Mördergrube machen. Richard Dohna- Schlobitten. Der Brief läßt das Charakterbild des Liebenbergers im bösesten Lichte erscheinen. Aber wie schon die ersten Briefe zur Affäre Pierson, die in den„ Dr. N. N." veröffentlicht wurden, in die berzerrten, ungesunden Verhältnisse der Hofgesellschaft hineinleuchteten, so auch dieser. Fürst DohnaDas ist der Nuken des Ausschlusses der Deffentlichkeit! Schlobitten steht nach dem Berliner Tageblatt" in der Die unparteiische, sich selbst kontrollierende Berichterstattung Berliner Gesellschaft seines geraden, bis zur Grenze der Rück wird unterbunden, den Machenschaften der Parteigänger, den sichtslosigkeit ehrlichen Charakters wegen in besonderem AnVerdunkelungen und Verzerrungen wird Tür und Tor geöffnet. Alles um der gefährdeten Sittlichkeit des deutschen Volkes wegen, das Schaden an seiner Seele nehmen könnte, wenn es zum hundertsten Male bestätigt sehen würde, was es mindestens neunundneunzig Male schon gehört hat, das freilich zugleich auch wieder einmal Edelste und Beste der Nation nackt und schn: uzbedeckt zu schauen bekäme. " sehen. Dieser gerade, bis zur Rücksichtslosigkeit ehrliche Charakter aber hat nicht vermocht, den Kaifer über die wahren Qualitäten seines intimen Ratgebers aufzuklären. Auch nach der Erledigung der Affäre Pierson, nach der Rehabilitierung des Berdächtigten blieb Eulenburg in der Gunst des Kaisers, übte er einen weitgehenden Einfluß auf die Politik des Deutschen Reiches aus, er, der durch und durch verlogene Kerl, und das Material, das gegen ihn vorlag, Die Stimmungsmache wird inzwischen von den Partei- wurde nicht benutzt, um ihn unschädlich zu machen. Erst jetzt, gängern Eulenburgs und Hardens eifrig betrieben. Man kann es da der Mann gestürzt und schon im Schatten des Zuchtverstehen, wenn der Vorsitzende die Geschworenen am gestrigen hauses steht, kommt es ans Tageslicht. Jetzt, wo es niemand Tage abermals aufgefordert hat, ihr Urteil nur auf Grund mehr nüßen, aber dem Gefallenen, dem längst unschädlich Gedes im Gerichtssaale Gehörten und Gesehenen aufzubauen. machten noch sehr viel schaden kann. Ein neuer Pfeil von den Feinden Eulenburgs ist in den So hängt sich Skandal an Standal. Wohin man in Dresd. Neust. Nachr." versandt worden. Dieses Sensations- diesen Affären taftet, überall stößt man auf Fäulnis, auf blatt nütt strupellos die günstige Konjunktur für Eulen- Geschwüre, auf Korruption, überall steigen übelriechende burgiana aus. Es hat offenbar nicht die geringste Empfin- Dünfte auf. Hier verwest eine Rafte, die sich vermißt, ein dung dafür, welch' elende Feigheit darin liegt, jetzt gerade mündiges Volk für alle Zeit am Kappzaum zu halten. über den Liebenberger herzufallen mit Anklagen, die zu dem, was in Moabit zur Entscheidung steht, gar feine Beziehung haben. Mit Freuden gibt sich dieses Preßorgan zum Werkzeug der Rachebedürfnisse von Leuten her, die sich gescheut haben, Eulenburg anzufassen, als er sich noch in der Sonne kaiserlicher Gnade wärmte, die sich selbst nach seiner Entlassung noch nicht an ihn heranwagten, sondern erst dann den Mut besaßen, gegen ihn loszugehen, da er als Gefangener und Angeklagter so gut wie wehrlos ihren Angriffen gegenüber ist. Wir sind gefeit vor dem Verdacht, mit Eulenburg irgendwie zu sympathisieren. Aber angesichts solcher Machenschaften seiner Feinde, angesichts solch ausgesucht schoflen Verfahrens, folch' tüdischen Ueberfalls muß dem anständigen Menschen der Etel aufsteigen. ein Fußtritt versekt wird, ist ein Brief, der im Verlauf der Die Veröffentlichung, mit der dem Liebenberger wieder bekannten Affäre Pierson geschrieben wurde. Der Verfasser, Vizeoberjägermeister Graf Dohna Schlobitten, gehört zur näheren Umgebung des Kaisers, den er alljährlich in Bröckelwig zur Jagd bei sich zu sehen pflegt. Der Brief lautet: Berlin, den 18. Dezember 1901. Geehrter Fili! Es erscheint mir Pflicht, Dir über den Verlauf der An gelegenheit zu berichten, welche der Gegenstand unseres letzten Briefwechsels war. Wie Du weißt, geht meine Auffassung von Freundespflichten sehr weit und rechne ich in erster Linie a b jolute Wahrhaftigteit gegenseitig für die vornehmste dieser Pflichten. Jedenfalls weißt Du schon, daß Bolko( Graf Hochberg) sämtliche Beamte der föniglichen Generalintendantur darüber hat vernehmen lassen, ob sie irgend jemand gegenüber ( der Name Hülsen Haefeler wurde natürlich niemanden gegenüber genannt) eine Redensart gleich der, wie Du sie mir von General Hülsen- Haeseler herrührend und Dir gegenüber in Rominten gefallen, mitgeteilt hast, gemacht hätten.( Diese oder vielmehr einige Beamte sollten doch zu Hülsen- Haefeler gesagt haben, daß sie die Bücher so führen mußten, wie sie es nicht vers antworten fönnten.) Nachdem sämtliche Beamte auf ihren Dienst eid bersichert, daß sie niemand gegenüber eine felge Rebensart g Wedel und Eulenburg. Der Berliner Korrespondent der Neuen Freien Presse" berichtet seinem Blatt: Fürst Eulenburg hat erklärt, daß ihm die homoferuellen Dinge mit ihren Nuancen ganz fremd seien. Harden hat in seiner Zeugenaussage angegeben, der Fürst habe von dem homosexuellen Verlag von Mar Spohr in Leipzig die einschlägige Literatur bezogen. Diese Literatur wird beinahe nur von Aerzten und von persönlich Interessierten dauernd bezogen. Landgerichtsrat Schmidt ist im Laufe der Voruntersuchung auch dieser Spur nachgegangen und hat in Liebenberg in der Tat sechs Bücher über Homosegualität beschlagnahmt. Diese Bücher Tagen dort in einem Umschlag, auf den Fürst Eulenburg mit eigener Handschrift geschrieben hatte:" Graf Edgar Wedel." Kammerherr Graf Edgar Wedel, auch ein von Harden ges nannter Zeuge, wurde in der Voruntersuchung vernommen und erklärte, die Bücher gehörten nicht ihm. Als Landgerichtsdirektor Kanzow das in der Hauptverhandlung dem Fürsten Eulenburg borhielt, mußte dieser zugeben, daß die Bücher nicht dem Grafen Wedel, sondern ihm selbst gehören. Er sagte:" Ich bin ein kranker Mann, der jeden Tag sterben kann. Da es nun auffallen könnte, wenn in meinem Nachlaß solche Bücher gefunden würden, habe ich den Namen meines alten Freundes Wedel darauf geschrieben." Dieses Zugeständnis des Fürsten machte einen für ihn sehr ungünstigen Eindruck, und der Vorsitzende verbarg nicht, daß er diese Art, einen anderen vorzuschieben und in Verdacht zu bringen, recht unschön finde. Darauf sagte Fürst Gulenburg: " Ich gebe zu, daß es unrecht war. Aber Graf Wedel ist Junggeselle, und ich dachte, es könne ihm weiter nichts schaden." Auf die Frage, warum er denn diese Bücher angetauft habe, antwortete der Fürst, sie seien ihm ins Haus geschickt worden. Auch habe man versucht, ihn für die Agitation gegen den§ 175 zu interessieren. Auf den Vorhalt, daß man Bücher, die einem ohne Auftrag ins Haus gefchidt werden, doch nicht so sorgsam aufbewahren und noch als einem anderen gehörig bezeichnen müsse, sie vielmehr einfach wegwerfen tönne, mußte Fürst Eulenburg die Antwort schuldig bleiben. Vermutlich wird dieser Punkt noch durch die Bernehmung des Buchhändlers Rohr aufgeklärt werden, der ausausagen haben wird, oh en MrNüy SteTe&uäj(t Wrrfln M-M« NM M Interessant ist dabei, das; Fürst Eulcnburg zugab, mit dem Grafen Wedel intim befreundet zu sein. Graf Wedel, dem als einem seitens dcS Fürsten Eulenburg Empfohlenen erst Dom dem regierenden Kaiser der Grafentitel verliehen wurde, ist ein auch •der Polizei längst bekannter Homosexueller, zu dessen„Tee- abenden" im Prinzessinnenpalais die meisten hochgestellten Homo- sexuellen zu kommen pflegten. Graf Wedel soll vor einigen Jahren in München in den Anlagen links von der Isar in un. zweideutiger Situation mit einem Manne betroffen und auf die Scndlinger Torwache gebracht worden sein. Die polizeilichen Protokolle, die damals mit ihm aufgenommen wurden, hat Land- gcrichtörat Schmidt, der jetzt die Untersuchung gegen den Fürsten Eulenburg geführt hat, nachdem Maximilian Haiden ihn darauf hingewiesen hatte, in München gefunden; eine Abschrift dieser Prowkolle ist dann von der Behörde an den Oberstkämmerer Fürsten Solms-Baruth geschickt worden. Fürst Solms hat dem Kaiser Vortrag gehalten, der verfügte, Graf Wedel müsse sofort die Dienstwohnung räumen, die Titel eines Kammerherrn und Zeremonienmeisters ablegen und solle außerdem vor ein Ehren- gericht gestellt werden._ AMMche! zur Berliner Candtagswahl. Das„Berliner Gemeindeblatt" veröffentlicht einige statistische Zahlen über die Hauptergebnisse der im Jahre 1908 in Berlin vollzogenen Urwahlen zum preußischen Abgeordnetenhause. Aus diesen Zahlen ist zunächst hervorzu- heben, daß sich die Gesamtzahl der stimmberechtigten Wähler sämtlicher Abteilungen von 452 264 im Jahre 1903 auf 482 719 im Jahre 1908 vermehrt hat. Bon dieser Wähler- zahl waren stimmberechtigt in der dritten Abteilung 395 557 gegenüber 401 988 im Jahre 1903, so daß sich die Zahl der Wähler in der dritten Klasse um 6431 vermindert hat. Die Zahl der Wähler zweiter Abteilung hat sich infolge der stärkeren Heranziehung der minderbesitzen. öen Schichten zur Steuerleistung von 42 884 im Jahre 1903 auf 75 043 gehoben, die Zahl der Wähler erster Abteilung von 7392 auf 12119. Die Wahlbeteiligung ist diesmal eine w e s e n t- l i ch st ä r k e r e als im Jahre 1903 gewesen. Trotzdem die Zahl der Wähler dritter Klasse um 6431 gesunken war. nahmen doch 40 598 Wähler mehr an der Abstimmung teil als im Jahre 1903, nämlich 195 490 gegenüber 154 892 im Jahre 1903. Die Wahlbeteiligung in der dritten Wähler- klasse schwankte in den 12 Berliner Wahlkreisen zwischen 35,06 Proz. und 61,15 Proz. Diese letztere stärkste Wahl- beteiligung war im 5. Berliner Landtayswahlkreise zu ver- zeichnen. Auch der 11. Wahlbezirk wies in der dritten Klasse eine Beteiligung von 60,9 Proz. der Wähler, der 9. Wahl- bezirk eine solche von 59,14 Proz. der Wähler auf. Noch größer war die Wahlbeteiligung dieser Kreise in der ersten und zweiten Abteilung. Die stärkste Wahlbeteiligung wies !in der zweiten Abteilung der 6. Berliner Landtagswahlkreis auf, indem 64,50 Proz. der Wähler von ihrem Stimmrecht Gebrauch machten: dahinter kam der 11. Wahlkreis mit 64,22 Proz. und der 9. Wahlkreis mit 59,78 Proz. Im ganzen betrug die Wahlbeteiligung in allen drei Klassen zusammengenommen im 1. Kreise 36,43, im 2. 38,51, im 3. 49,09, im 4. 49,86, im 5. 61,86, im 6. 51,26, im 7. 53,96, im 8. 44,17, im 9. 59,29, im 10. 47,54, im 11. 61,23 und im 12. 50,51 Proz. der Wahlberechtigten. Im Durchschnitt über alle Berliner Wahlkreise war die Beteiligung 50,55 Proz. gegeir 39,70 Proz. im Jahre 1903.*c' eine Ctatsdebatte. Aus Wien wird uns vom 4. Juli geschrieben:' Der österreichische Parlamentarismus hat eine Riesen- lcistung hinter sich, die ihm sobald kein anderer Gesetzgebungs- körper nachmachen wird. Die Riesenhaftigkeit ist allerdings absonderlicher Art: die Leistung ist nämlich groß in der Quantität. Man kann also nicht berichten, daß der österreichische Reichsrat ein besonders schwieriges, ein irgend- wie bedeutsames, nicht einmal ein dem Umfange nach großes Gesetzgebungswerk vollendet habe, die Leistung enthält nicht mehr als die Erledigung des Staatsvoranschlages(Etats), die wohl in keinem Parlament als eine ungewöhnliche Sache gewertet werden wird. Aber für das österreichische Ab- geordnetenhaus, das in allen Formen und Lebensäußerungen wirklich ein sehr merkwürdiges Parlament ist, war die Leistung keine Kleinigkeit, und die Art, wie sie zustande ge- bracht wurde, ist vielleicht ein parlamentarisches Unikum. Eingebracht wurde das Finanzgesetz samt dem dazu gehörigen Voranschlag von der Regierung am 5. November 1907, überwiesen wurde es dem Budgetausschuß nach der ersten Lesung am 21. Dezember, und seinen Bericht hat der Budgetausschuß am 11. Mai vorgelegt. Die Länge dieser Kommissionsberatung, fast fünf Monate, erscheint um so auffälliger, als ihr zuliebe das Haus mit seinen Beratungen nicht weniger als dreieinhalb Monate gänzlich ausgesetzt hatte. Allerdings werden dem Ausschuß nicht wie im deutschen Reichstag nur bestimmte Teile des Etats zugewiesen, fondern er muß vollständig einer Vorberatung unterzogen werden: diese ist bei Regierungsvorlagen überhaupt obli- gatorisch. Diese Ausschußberatung war aber keine bloße Vor- beratung, sondern eine regelrechte Budgetdebatte, in der von den Zahlen des Etats blutwenig, wohl aber unausgesetzt von Klagen und Beschwerden über die Verwaltung die Rede war. Die Plenarverhandlung selbst konnte nur im Wege eines sogenannten Dringlichkeitsantrages geschehen. Ueber eine Tagesordnung hat das neue Abgeordnetenhaus „och niemals verhandelt: die ist unausgesetzt mit Dringlich- keitsanträgen blockiert, zu' deren Einbringung, bei Initiativ- antrügen überhaupt, nur zwanzig Unterschriften nötig sind, und die nach der Geschäftsordnung„sofort" zu verhandeln sind, wenn sie auch manchmal wegen ihres Andranges monate- lang liegen bleiben. Aus diesem Engpaß hat die Regierung nun insofern einen Ausweg gefunden, als sie jetzt ihre eigenen Vorlagen als Dringlichkeitsanträge einbringen läßt und die Blockade der Tagesordnung damit durchbricht, daß eine Tagesordnung neben der Tagesordnung, eine Tages- ordnung der Dringlichkeitsanträge, geschaffen wird. Wie man sieht, lauter parlamentarische Spezialitäten. Nun stand dem Abgeordnctenhause zur Plenarverhand- lung bestenfalls ein Monat zur Verfügung. Wie nun mit dem Etat fertig werden, da die Redelust im öfter- reichischen Abgeordnetenhause so ungeheuer? Zu dem Zwecke wurde zwischen den Parteien ein Abkommen getroffen, wonach für die ganze Budgetdebatte zweihundert Stunden festgesetzt werden, die auf die Parteien gemäß ihrer Stärke aufzuteilen feien. Es wurde also die ganze Budgetdebatte„kon- tingentiert". So„erhielten" beispielsweise die Sozialdemo- fcflje.ö 3336 Stunöen�die Hhristlichsozialen 37 Stunden, der Msnklub 27� Sktlnben,� die v tschechischen AgTfttct 11 Stunden, und so ging es fort bis zu den kleinen und kleinsten Parteien, von welchen der vier Mann große Zionistenklub mit 1s6 Stunden, der drei Mann starke Klub der Alldeutschen mit 136 Stunden bedacht wurde: selbst die „Wilden" wurden nicht vergessen: sie„erhielten" 4 Stunden zugewiesen, alle 21 Parteien des Hauses hatten also ihre Redezeit bestimmt und konnten sie konsumieren nach Belieben: bei welchen Kapiteln und von wieviel Rednern sie wollten. Auf den Tisch des Präsidenten wurde eine Uhr gestellt, nach der jede Redezeit vermerkt und dem„Konto" der betreffenden Partei zur Last geschrieben wurde. Uebrigens sorgten auch schon die Fraktionsgenossen dafür, daß kein Redner zu lange spreche, die ihm im Klub eiugeräumte Zeit„überrede": weil eben dann sie zu kurz gekommen wären. Dieses Abkommen wurde auch getreulich gehalten, und als die zweihundert Stunden ausgeredet waren, wurde die Debatte geschlossen. Dazu waren natürlich auch lange Sitzungen nötig, und die Leistung wenigstens, durch einen Monat jeden Tag mindestens zehn Stunden zu„sitzen", war keine Kleinigkeit. Natürlich konnte es keine Spezialdebatte sein, wie sie in anderen Parlamenten üblich ist, sondern das ganze Zweimilliardenbudget wurde unter einem zur Ver- Handlung gestellt und in einer einzigen Abstimmung wurde es zum Beschluß erhoben. Originell war die Debatte auch deshalb, weil, mit einziger Ausnahme des Handelsministers, der über sozialpolitische Fragen Aufschluß gab, in ihrem Verlaufe kein einziger Minister, der Finanzminister ein- geschlossen, das Wort ergriff. Dennoch hatte die Debatte. ganz abgesehen von dem vielen interessanten Material, das sie zutage förderte, ihren eigentümlichen Wert. Es gelangten nämlich Abgeordnete zu Wort, die sonst auf die Redegelegen- beit noch jahrelang hätten warten müssen. Man kann sagen. daß nun fast das ganze Abgeordnetenhaus gesprochen hat. was bei einem Haus mit 516 Abgeordneten, von denen zwei Drittel neue� Leute sind, wohl nicht wenig ins Gewicht fällt. Es ist ja nicht bloß Redelust, was die Abgeordneten zum Reden antreibt, es ist auch eine durch den politischen Wett- bewerb hervorgerufene Notwendigkeit: und deshalb wird ein Parlament, in dem die„kleinen Leute" des Hauses nicht zu Worte kommen, leicht ein Parlament von Mißvergnügten. deren Stimmung und Verstimmung den ganzen par- lamentarischen Betrieb ungünstig belastet. Von der sozial- demokratischen Fraktion dürsten in der Budgetdebatte an 60 Abgeordnete zu Worte gekommen sein und sich auf diese Weise die parlamentarischen Sporen verdient haben: eine große Fraktion muß eben auch an die Entwickelung ihres Nachwuchses denken. Ueberdies ist die Erledigung des Etats für Oesterreich auch politisch nicht unbeträchtlich. Denn seit dem Jahre 1896 ist im Reichsrat ein einziges Budget beschlossen worden, in den Flitterwochen Körbers: sonst hat man sich immer mit bloßen Ermächtigungsprovisorien be- Holsen, die übrigens durch Jahre hindurch mittels des be- rüchtigten§ 14.also im Wege des Verfassungsbruches, erfolgt sind. Daß das Parlament des allgemeinen Wahlrechtes auf die Beseitigung dieser eingewurzelten Schlamperei drängte. offenbart also sicher sein konstitutionelles Gewissem Diesmal mußte man sich freilich noch mit einem Surrogat einer ernsten Etatsverhandlung begnügen, aber die Hoffnung ist nicht unberechtigt, daß aus dem wirren Gange des jungen Parlaments allmählich auch ein fester Schritt sich heraus- gestalten wird._ poUtifchc Qcbcrlicbt. Berlin, den 6. Juli 1908. Schaumschlägereien. *" Ja München begann cot Sonntag der„liberale Kongreß", d. h. eine Tagung liberaler Kongreßbummler, die dort liberale Phrasen dreschen. Daß es sich keineswegs um eine VersamOTlung handelt, die ein« Radikalisierung des Liberalismus, einen Ruck nach links einleiten könnte, sondern ausschließlich um eine Ver. anstaltung, die durch allerhand liberale Phrasendreschereien über die reaktionären Taten des Liberalismus bis zur äußersten Blocklinken hinwegtäuschen soll, bewies schon die erste Verhandlung. Der Führer der»nationalliberalen Jugend". Rechtsanwalt Marwitz, legte der Versammlung allerhand liberale Leitsätze vor, deren einer beispielsweise lautete: »DaS Reichstagswahlrecht ist das beste aller be» kannten WahlrechtSsysteme. Es ist daher seine Ein- f ü h r u n g in die Bundesstaaten grundsätzlich zu fordern." Natürlich werden nicht nur die Nationalliberalen sich durch die»grundsätzliche" Forderung deS Wahlrechts davon abhalten lassen, mit irgendeinem schnöden Klassenwahlrecht vor- lieb zu nehmen, sondern auch der Freisinn wird trotz alles „grundsätzlichen" FordernS deS ReichStagSwahlrechteS sich bei einem allergeringsten Zugeständnis der Regierung bescheiden! Wirbt doch bereits die„Kölnische Zeitung" dafür, daß der Liberalismus sich gerade in der Wahlrechtsfrage einigen solle, und zwar einigen solle auf eine„Wahlrechtsreform" in dem Sinne, daß Alter. Bildung, berufliche Selbständigkeit usw. (das us«. bedeutet Besitz und Einkommen) berücksichtigt werden sollen. Der Freisinn wird es denn auch an einem solchen Entgegen. kommen sicherlich nicht fehlen lassen! Die.grundsätzliche" Be- tonung der Forderung deS ReichStagSwahlrechteS durch einen Nationalliberalea hat also nicht die allergeringste Be- deutung, sofern sie nicht eine absichtliche Verschleierung des bevorstehenden WahlrechtSverrateS des Liberalismus sein soll l Wie wenig hinter dem Gerede auf dem liberalen Kongreß steckt, bewies auch folgende Episode: Dr. Brunhuber-Köln, ein nationalliberaler Schriftsteller, wandte sich gegen das von der offiziellen Leitung der nationalliberalen Partei empfohlene Pluralwahlrecht und brandmarkte insbesondere, daß in Berlin die Jungliberalen von ihrer Parteileitung auf- gefordert seien, für den Konservativen gegen den Sozialdemo- traten zu stimmen. Man dürfe nicht nur auf Kongressen liberal sein, sondern müsse seinen Liberalismus auch durch die Tat beweisen! Gegen diese Ausführungen wandte sich der Land- tagSabgeordnete Günther mit der Bemerkung, daß hier eine EinigungSverhandluUg stattfinde, in der nur das ver- handelt werden dürfe, was alle Liberalen einige. Und der Führer der nationalliberalen Jugend. Rechtsanwalt Dr. Mar- witz, entschuldigte das Eintreten der nationalliberalea Jugend für den Konservativen in Berlin damit, daß ja auch di: Freisinnigen den Appell an ihre Wähler gerichtet hätten, im Wahlkreise Moabit für die konservativey Wahlmänner zu stimmen! Es handelt sich also nur um liberale Schaumschläge- reien. um eine Dupierung. eine Täulchvog Oeffent- HMt. ÄSUiKZ. » Hütt Schöltt versucht seine unglaubliche Tölpelhaftigkeit durch einen neue« Artikel im»Moabiter Bezirksanzeiger" wieder gut zu machen. Unter den unglaublichsten Tatsache n-Verrcnkiingen und Ver-' gewaltigungen der Logik sucht er den Nachweis zu führen, daß er durch feine Verrufscrklärung der von ihm denunzierten Wahl- männer gar keinen Terror begangen habe! Es liegt um so wemger Ursache vor, auf das weitschweifige Gerede des Durchfallskandidaten des 11. Berliner Landtagswahlkreises einzugehen, als ja selbst die hohe Gönnerin und Schildhalterin des Block- freisinns, die»Deutsche Tageszeitung", den durch Herrn Schüler in seinem Moabiter Leiborgan verübten Terror nicht in Schutz zu nehmen vermochte! Herr Schüler schließt seinen Verlegenheitserguß mit den Worten:„Nun wird der„Vorwärts" natürlich wieder schimpfen Was er nur jetzt alles vorbringen wird! Darüber und über noch einiges andere werde ich das nächste Mal berichten." Ta Durchfallskandidat für den 11. Berliner LandtagSwahllreiS über- schätzt wirklich unseren Ehrgeiz. Uns mit seiner interessanten Person und seinem famosen Weltblatt auseinanderzusetzen fühlen wir wirklich nicht den geringsten Beruf. Mag Herr Schüler den 7000 Mk., die ihm sein Durchfall im 11. Berliner Landtags. Wahlkreis gekostet hat, nach Belieben noch weitere Summen nach- schicken, mag er so viel über den„Vorwärts" und„über noch einiges andere" schreiben, wie er will! Wir werden von seiner Existenz nur dann wieder Notiz nehmen, wenn er sich durch neue TerroriSmusakte und Durchfallskandidaturcn für die Oesfentlichkejt wieder bemerkbar macht.— Die Lehrermaßregelung. die wir in unserer Sonntagsnummer mitteilten, wird nicht nur von der konservattven. sondern auch von der block- freisinnigen Presse einfach totgeschwiegen! Dagegen finden die Organe des Freisinns, die der demo- krattschen Vereinigung nahestehen, kräftige Töne der Krittk. So schreibt das„Berk. T a g e b l.": Auch diesmal wieder handelt es sich nicht etwa um einen Kampf der Schule gegen den Lehrer von Josefowo, sondern um einen Kampf dc-Z Byzantinismus. um einen Kampf der Reaktion gegen die Schule. Es ist ein ebenso altes wie wahres Wort, daß, wer die Schule hat. auch die Macht hat. Die regierenden Gewalten, die in unseren Tagen ihrerseits wieder völlig und ausschließlich von der blindesten und rücksichts« losesten Reaktion beherrscht werden, haben bekanntlich von je die Aufgabe der Schule dann erblickt, alle geschichtlichen Tal- bestände im dynastischen Interesse umzubilden, nun stellen sie die Schule auch noch— was nicht dasselbe ist— in den Dienst des Byzantinismus. Die Jugend des Volkes darf, um»loyal" und um„religiös" zu bleiben, möglichst wenig lernen. Nicht nur die Schule aber muß zu solchem Ende auf einem gc- wissen Tiesstand erhalten werden, auch über dem Lehrer muß alleweil die Knute geschwungen werden. Die„Volkszeitung" bemerkt: So verfuhr die preußische Regierung mit diesen beiden Sündern, und die„gutgesinnte", das heißt reaktionäre Presse wird darob in ein Beifallsgebrüll ausbrechen, denn nur wer einen neuen Rekord im Byzantinismus ausstellt, gilt bei ihr als „Patriot": wer aber es wagt, die Dinge beim rechten Namen zu nennen, der wird gekreuzigt und verbrannt. Einst, zur Zeit der ärgsten Verfolgungssucht gegenüber allen»xcvo- lutionärer" Gesinnung Verdächtigen, sang der VollSwitz ingrimmig: »Wer die Wahrheit kennet und sagt sie frei, Der kommt gewiß auf die Stadtvogtei." Heute sind wir wieder so weit. Wir werden noch viel weiter kommen, nämlich auf der abschüssigen Bahn, wenn das System „Gehorchen, Steuern zahlen. Maul halten" sich weiter so belätigt, wie es hier wieder einmal geschehen ist. Und eine sich frei- sinnig nennende Partei wagt es, die Politil einer solchen Regierung zu unterstützen! Der B l o ck f r e i s i n n. wie gesagt, schweigt sich über die skandalöse Maßregelung zweier Lehrer einstweilen völlig aus!— Die Gemeinderatswahlen in Elsaß-Loth ringe«. Das Ergebnis der am 6. Juli erfolgten Mülhauser Ge- meinderatSnachwaHlen ist, wie vorauszusehen war, bei etwas schwächerer Wahlbeteiligung die Wahl der letzten füns bürgerlichen Scharfmacherkandidaten mit rund 1000 Stimmen Mehrheit: 6800 bürgerliche gegen 6700 sozialdemo- kratische Stimmen. Die sozialdemokratische Liste erreichte wieder ihre 46 Prozent aller abgegebenen gültigen Stimmen. Damit hat die Stadt Mülhausen eine ausgesprochen klerikale Mehrhett mit Hülfe der Demokraten» nd Liberalen. Ueber weitere Resultate der Gemeinderatswahlen wird uns gemeldet: Es wurden gewählt: in Ober-Grafen st aasen 11 Sozial- demokraten; in D a a r erhielten wir vier Sitze; in Metz wurde ein Sozialdemokrat gewählt; in S a a r g e m ü n d ist ein Genosse gewählt; in E s ch a u vier Sozialdemokraten; in Bischwetler ein Sozialdemokrat: in Hagenau kein Sozialdemokrat(hier drang die ganze klerikale Liste durch). Die allgemeine Situation ist demnach so. daß wir jetzt in den größten Städten: Mülhausen, Colmar, Metz, Straßburg über- Haupt nicht vettreten sind, während wir in den k l e i n e r e n Otten unsere Positionen behaupten bezw. hier und da neue Mandate gewinnen konnten. DaS Gefasel in der bürgerlichen Presse über unsere»Wahl- Niederlage' bei den Gemeinderatswahlen In Elsaß-Lothringen ist durchaus ungerechtfertigt. Zunächst darf man bei Betrachtung der Wahlergebnisse niemals außer acht lassen, daß das elsaß- lothringische Gemeindewahlrecht ein Klassenwahlrecht zu- gunsten der Besitzenden ist, das den Bolkswillen gefälscht zum Ausdruck bringt. Während Hausbesitzer. selbständige Gewerbetreibende und öffentliche Beamte die Wahl- berechtigung haben, sobald fie ein Jahr in der Gemeinde ansässig find, steht dem Proletarier die Ausübung deS Wahlrechts erst nach drei jährigem Wohnsitz in der Gemeinde zu— ein Klassen- unrecht, daS zur Folge hat, daß z. B. in Mülhausen die Zahl der ReichStagswähler am 28. Januar ISO? um nahezu SOOO höher war. als trotz eingetretener Bevölkerungsvermehrung die Zahl der Gemeindewähler am 28. Juni 1808. Nur diesem Umstände, der die politische Partei deS Proletariats, die Sozialdemokratie, um wenigstens 2000 Stimmen hier benachteiligt, verdankt der klenkal-liberal-demokratische Wahlblock in Mülhausen den diesmaligen Sieg. Bei einer Wahlbeteiligung von SO Prozent betrug der Durchschnitt der auf den bürgerlichen Block entfallenen Stinimen 8120, der Durchschnitt der Stimmen der sozial- demokratischen Liste 6866, so daß nur ein Abstand von rund 1300 Stimmen besteht. Bei dieser Wahlbeteiligung, die so ziemlich die Grenze alles Erreichbaren auch beim rasendsten Schlepperdienste darstellt, — daS Wahlkomitee des Blocks hatte in Mülhausen am Wahltage 35 Droschken und eine Reihe von Automobilen zum Schlepperdienste in Bewegung— erzielte die sozialdemokratische Liste 45 Prozent aller abgegebenen gültigen Stimmen. gegen 40 Prozent bei der Ersatzwahl vom 21. Oktober 1806 und 34 Prozent bei der Ersatzwahl vom 12. Juni 1804, ein st e t e s und sicheres Aufsteigen, das alles andere bedeutet, als ein Rißtrauen?- und TadelSbotum der Beböltemng gegen die Tätigieit der Sozialdemokratie in der Gemeinde. Die Sozialdemokratie hat hier im Jahre 1S02 durch das Zusammengehen mit der bürgerlichen Demokratie die Mehrheit im Gemeinderat erlangt, die im Jahre 1904 durch die nachmalige Spaltung der bürgerlichen Parteien bestätigt wurde, um darauf im Jahre 1906 durch die erstmalige Bereinigung des Zentrums, der Liberalen und der Demokraten gebrochen zu werden. Nun, dieses Wahlergebnis vom 28. Juni 1908, das die sozial- demokratischen Stimmen erneut von vierzig auf sünfund- vierzig Proz. der Gesamtwählerziffer steigerte. bedeutet doch nur eine Anerkennung der sozialdemokratischenKommunal- tätigkeit in Mülhausen, und eine unfreiwillige Verbeugung vor dieser Tätigkeit war eS auch, daß die bürgerlichen Parteien den Wahlkampf mit der Erklärung eröffneten. eS sollten fünf Sitze(auf insgesamt 36) der Sozialdemokratie überlassen bleiben, um ihr auf alle Fälle eine Vertretung zu sichern. Dieses Versprechen wurde zwar jetzt nach der'Hauptwahl gebrochen, und der bürgerliche Block kämpft unter veränderter Flagge mit Aufwand derselben riesigen Geld« und sozialen Machtmittel beim zweiten Wahlgange auch um die letzten fünf Sitze, aber der Umstand, daß man ein solches Ver- sprechen zur Erzielung des Erfolges im ersten Wahlgang für nötig erachtete, enthält eine unfreiwillige Anerkennung der , Tätigkeit und Bedeutung der Sozialdemokratie in der Gemeinde. Da auch in Colmar und Straß bürg, wie überhaupt überall, unsere Stimmenzahl prozentual mehr gestiegen ist, als die Stimmenzahl der vereinigten Gegner, so hat die bürgerliche Presse wirklich keinen Grund zu Jubelhymnen.— Abwehrstreik gegen politischen Terror. Aus K a t t o w i y wird uns durch ein Privat- telegramm gemeldet: Am Sonntag beschlossen in einer Versammlung unter freiem Himmel 2000 Bergleute der Ferdinandsgrube in Kattowitz nach einem Referat des Landtagsabgeordneten Korfanty, am 20. Juli in den Streik zu treten, wenn nicht bis dahin die wegen der Landtagswahlen gemaßregelten Bergleute wieder einge- st e l l t sowie die Achtstundenschicht, eine zehnprozentige Lohn- erhöhung und eine bessere Behandlung der Arbeiter bewilligt werden. Es wurde eine dreigliedrige Kommission eingesetzt. die der Verwaltung die Forderung einzureichen hat. Die Be- wegung wird geleitet von dem polnischen Arbeiterverein �.Gegenseitige Hilfe" in Beuthcn. Der Arbeitskammergesetzentwurf im Württembergischen Landtag. Zu einer interessanten Auseinandersetzung über preußische Regierungskunst kam es am Freitag in der Württembergischen Kammer. Die sozialdemokratische Fraktion hatte an die Regierung die Anfrage gestellt, ob sie bereit sei, Auskunft darüber zu geben, welche Stellung sie im Bundesrat zu dem im„ReichSanzeiger" veröffentlichten Entwurf eines Gesetzes über Arbeits- k a m m e r n einzunehmen gedenke. Die Anfrage wurde vom Arbeitersekretär Gen. Mattutat begründet. Er zeigte die Un- sinnigkeiten des Gesetzentwurfs auf. Seine Kennzeichnung der preußisch-sozialen GeheimratswciSheit löste wiederholt zustimmende Heiterkeit auS. Dem preußischen Gesetzentwurf stellte er schließlich folgenden Antrag gegenüber: .Die Kammer wolle beschließen, die Staatsrcgicrung zu ersuchen: Im Bundesrat für die Schaffung von Arbeiter- katnmcrn auf territorialer G rundlag e mit Ab- teilungen für die wichtig st«nJndu st r,e- undGe- wcrbezwcige als gesetzlich anerkannte Arbeitervertretung einzutreten. Die Arbeiterkammern sollen berufen sein, in allen die Interessen der Arbeiterschaft betreffenden Angelegen- heilen Anträge zu stellen, Gutachten zu erstatten, Beschwerde zu führen, bei der Veranstaltung von Enqueten und arbeits- statistischen Aufnahmen, sowie insbesondere bei der Ausgestaltung, Durchführung und Beaufsichtigung des Arbeiterschutzes und an der Förderung korporativer Arbeitsverträge mitzuwirken." Weiter verlangt der Antrag, daß in den Kamnrern alle in Bergbau. Industrie und Handel, Verkehr und Landwirtschaft tätigen Personen Vertretung finden sollen. Die Wahl der Kammermit- iglieder soll auf Grund von Verhältniswahlen bei gleichem, direktem und geheimem Stimmrecht erfolgen, und zwar sollen alle Großjährigen beiderleiGeschlechts wahlberechtigt sein. Den Arbeiterkammern übergeordnet soll als selbständige Reichsbehörde ein Reichsarbeit samt errichtet werden. Unserem Genossen antwortete sofort Ministerpräsident von Weizsäcker. Er meinte, der Entwurf befinde sich noch im Stadium vorbereitender Besprechungen in den zuständigen In- stanzen des Bundesrats. Er könne deshalb noch keine Mitteilun- gen machen über die Stellungnahme der Regierung Im weiteren teilte der Ministerpräsident noch mit, daß der Gesetz. entwurf der Regierung vor der Veröffentlichung im„Reichs. anzeiger' nichtbekanntgegebensei. Das Bekanntwerden dieser preußischen Praxis den Bundesstaaten gegenüber erregte Erstaunen und Entrüstung. Nach Mattutat nahm noch Genosse Reichel den Gesetzentwurf unter die Lupe. Das bemerkens. werteste an der Debatte war. daß auch nicht eine bürgerliche Partei den Gesetzentwurf zu verteidigen wagte. Alle— mit Ausnahme der Volkspartei— waren darin einig, daß mit dieser Leistung Berliner Regierungsweisheit so gut wie gar nichts anzu- fangen sei. Der Volkspartei des Herrn Paher allein war diese Erkenntnis noch nicht aufgegangen. Das Machwerk zu verteidigen wagte aber auch sie nicht. Schließlich wurde ein Antrag Keil angenommen, der besagt, daß der Gesetzentwurf keine geeignete Grundlage zur Schaffung einer Arbeitervcrtretung sei. Die Volks- partei enthielt sicki der Abstimmung! Einstimmig wurde sodann noch beschlossen, den Antrag Mattutat an die zuständige Kommission zu verweisen._ Genosse Karl Liebknecht schreibt uns: Wie ich der„Bremer Bürgerzeitung" vom 30. Juni entnehme. schreiben Sie zu dem auf meinen Wunsch im Abgeordnetenhause unterbliebenen Antrag aus Aussetzung des Ehrengerichtsverfahrens: .ES liegt dem Genossen Liebknecht daran, vor aller Welt fein Sicherheitsgefühl im Disziplinarverfahren an den Tag zu legen." Ich bitte, bemerken zu dürfen, daß mir eine solche pathettsche und überflüssige Demonstration nicht in den Sinn gekommen ist. In irgendeinem Prozeß mit seinem Sicherheitsgesühl zu prunken. könnte wohl nur einer Kombination von Glücksspielern und milos gloriosus beifallen. Es paßt mir nicht, im Kampfe um die— wenn auch nur instanzmäßige— Beurteilung meiner Berufs- ehre— mag dieser Kampf so ausschließlich politisch sein. wie er will— hinter der Immunität und gar einem Beschluß des Junker- Parlaments— mag es sich dabei auch nur um eine Betätigung des gewöhnlichen parlamentarischen AnftandeS handeln— Deckung zu suchen; und es paßt mir nicht, den wohlwollenden Bemühungen meiner Verfolger hier formelle Schranken zu setzen. Da» waren die Motive meines Wunsches, der inzwischen ja> durch Schließung des Landtages die Aktualität verloren hat. Mit freundlichen Grüßen Ihr Dr. K. Liebknecht. Nachsatz der Redaktion: Wir gewähren dieser Zuschrift gern Abdruck, wenn es uns auch scheinen will, als gebe Genosse Lieb- knecht unserer Rotiz vom 30. v. M. eine keineswegs notwendige Auslegung. Scftweiz. Verfassullgsrevision. Bern, 5. Juli. In der heutigen Volksabstimwung wurde die von der Bundesversammlung vorgeschlagene Vcrfassungs- r e v i s i o n, wonach der Bund das Recht der Gesetzgebung auf dem Gebiete der Gewerbegcsetzgebung erhält, mit 223 508 Ja gegen 87 851 Nein und mit 21�4 gegen% Kantons- stimmcn angenommen. Das Jnitiativbegehren betreffend Verbot des Absinth wurde mit 223 347 Ja gegen 134 502 Nein und mit 20 gegen 2 Kantonsstimmen angenommen. Keine Verwendung von Bleiweiß. Bern, 6. Juli. Der Bundesrat beschloß, sämtliche cid- genössischen Verwaltungen � anzuweisen, bei der Vergebung oder Regicausführung von Malerarbeiten für den Anstrich von Jnnenräumen die Verwendung von B l e i w e i ß auszuschließen. franhrdcb. Protest gegen den Zarenbesitch. Die Vereinigung der Sozialisten des Seine-Dcpartements veranstaltete am Sonnabend abend eine Protestversamm- l u n g gegen die Reise des Präsidenten Fallieres noch Rußland. 2000 Personen nahmen daran teil, unter ihnen viele russische Flüchtlinge. Die Redner kündigten an, daß diese Versammlung nur das Vorspiel zu einer allgemeinen Protestbewegung in ganz Frankreich bilde. In der Ver- sammlung sprachen außer dem Russen Roubanovitch die Abgeordneten Allard, Vaillant, Sembat und andere. In der angenommenen Resolution wird auf das heftigste protestiert gegen den Besuch eines republikanischen Präsidenten bei einem Despoten, der durch seine Infamien den traurigen Ruhm des blutigen Sultan Abdul Hamid in Frage stellt. Dann fährt die Resolution ffort: „Die Versammlung entbietet ihre Sympathien und ihre Bcwundc» rung den Gefangenen der Schlüssclburg, den heroischen Frauen und den Männern der revolutionären Altion, die nichts zu cnt- mutigen imstande ist, und versichert sie, daß sie Paris vor der Schande bewahren wollen, beschmutzt zu werden durch die Gegenwart des Zaren, des Mörder seines Volkes, des Aus« Plünderers Frankreichs. ES lebe die Internationale der Arbeit I" AuS dem Polizeistaat ClemenceauS. Paris, 8. Juli.(Eig. Ber.) Wie die„Humanitö" berichtet, hat Clemenceau an alle Polizei- kommissäre des Landes ein geheimes Rundschreiben ge- richtet, daS genaue Erhebungen über die geeinigte sozialistische Partei anordnet. Die Namen und Adressen der Funktionäre der Föderationen, der Delegierten zum Nationalrat und der in der Propaganda besonders tätigen Parteimitglieder sollen fest- gestellt werden. Was der Ministerpräsident mit dieser an die übelsten Traditionen deS Kaiserreiches anknüpfenden Anordnung bezweckt, ist rätselhaft. Sollte man am Ende Vorbereitungen treffen, um die Aktion der Sozialisten gegen ein internationales Aben- teuer im kritischen Moment durch einen Gewaltstreich zu verhindern? Wo die Staatsbürger bei Ausübung ihrer politischen Rechte derart unter Polizeikonttolle stehen, ist es nicht verwunderlich, daß man mit„lästigen" Ausländern wenig Federlesens macht. Die Liste der im bürgerlichen Klasseninteresse AuS- gewiesenen wächst immerzu an. Das jüngste, darauf verzeichnete Opfer ist der italienische Arbeiter Luzzini. Seine staatsgefährliche Tätigkeit gipfelte darin, daß er dem Genossen T a r b o u r i e ch, der als Anwalt im Aufttage der Liga der Menschenrechte im vorigen Jahre Erhebungen über die Ausweisung der Brüder Gnemmi anstellte. Material lieferte. Die Brüder Gnemmi waren dem Großindustriellen Wendel zuliebe ausgewiesen worden. weU einer von ihnen die in das Departement Meurthe-et-Moselle gezogenen 30000 Arbeiter zu organisieren versucht hatte. Der andere wurde eigentlich nur so mitgenommen, trotzdem er ein fried« licher Geschäftsmann war und der Politik durchaus fernstand. Luzzini hat allerdings eine Zeitlang auch ein Gewerkfchaftsblatt in italienischer Sprache herausgegeben. Und er wurde mit der Aus« Weisung wohl auch darum bestraft, weil er seine Landsleute auf- gefordert hatte, ihren französischen Klassengenossen gegenüber nicht zu Lohndrückern zu werden. Der Millionenprofit der Wendel usw. aber ist ein.nationales Interesse". Cnglancl. Keir Hardie und Eduard VII. London, 4. Juli. Der„Labour Leader' von gestem enthält einen Bericht über eine Versammlung, in der Keir Hardie auch seinen Ausschluß vom Gartenfest in Windsor besprach. Er sagte:„Ich trat im Jahre 1892 ins Parlament ein. Seitdem habe ich jedes Jahr viele offizielle Einlädungen erhalten, die ich unberück- s i ch t i g t ließ. Ich war stets republikanisch gesinnt, aber ich habe mich mit republikanischer Propaganda nie befaßt. Der Sturz eines Königs und seine Ersetzung durch einen Präsidenten kann keine einzige der großen sozialen Fragen lösen; das Leben ist zu kurz für Nebensachen; ich beschloß deshalb meine Angriffe gegen daSWirt- schastsshstem zu richten, das daS Volk zur Sklaverei verurteilt.... Warum aber habe ich gegen die Reise des Königs zum Besuche deS Zaren protestiert? Weil ich die Methode, die die russische Regierung gegen ein nach Freiheit ringendes Volk anwendet, auS ganzem Herzen hoffe. Es sind barbarische Methoden. Deshalb protestierte ich in Versammlungen und im Parlamente gegen die Reise deS Königs. Die Einladung zum Garteufeste in Windsor blieb deshalb auS.... Ich habe bereits erklärt, daß ich derartigen Ein- ladungen nie folgen werde. Dennoch kam» ich nicht gestatten, daß mir meine Rechte als Parlamentsmitglied beschnitten werden. Ich erhalte diese Einladungen, nicht weil ich Keir Hardie heiße, sondern weil ich Mitglied des Unterhauses bin, und wenn ich gut genug bin, einen parlamentarischen Wahlkreis zu vertreten, bin ich auch gut genug, dem Gartenfeste in Windsor beizuwohnen. WaS wir dagegen machen werden, weiß ich noch nicht, aber eS ist sicher, daß diese Angelegenheit nicht ohne Protest ablaufen kann." Ein Rauchverbot für Kinder. London, 5. Juli. An dem Gesetz betr. das Rauchverbot für Kinder unter 16 Jahren hat die parlamentarische Koimnission in 16 Sitzungen 363 Abänderungen vorgenommen, von denen die meisten das Zigarettenrauchen betreffen. Der abgeänderte Entwurf gestattet Kindern unter 16 Jahren das Kaufen von Zigaretten, wenn sie von erwachsenen Personen hiermit beauf- tragt worden sind. Die Schutzleute. Parkwächter und andere staai- liche oder städtische Beamte in Uniform sind befugt, Kindern unter 16 Jahren, falls sie beim Rauchen erwischt werden, die Zigaretten abzunehmen, es ist den Beamten jedoch nicht erlaubt, die Taschen der betr. Kinder zu durchsuchen. Jedes beim Zigarettenrauchen oder Kaufen von Zigaretten betroffene Kind wird seinen Eltern gemeldet. Im Wiederholungsfalle erfolgt zweimaliger Verweis und beim dritten Male treten Gclostrafen von 5 Sh. ein, f Rußland. Das illusorische Budactrecht. �> Petersburg, 5. Juli. Nachdem die Einigungsverhand» luaasäs iWiSisa dcm ftsjjtsicii und*c£ KdäiSbuma. in Sev Frage fift Beivilliguikg von 11 250 000 Rubel zum Bau von Panzerschiffen gescheitert sind, tritt der§ 13 des Etatsgesetzes in K�aft. demzufolge das vorjährige Budget in Geltung bleibt, das der Regierung Mittel zum Bau von Panzer- schiffen zur Verfügung stellte. Der Fiuanzmiiiistcr hat am 27. Juni im Rcichsrat erklärt, die Regierung werde gegebenenfalls diesen Paragraphen auwenden. Kampf mit»Anarchisten". Shitomir(Gouvernement Wolhynien), 4. Juli. Einer A na r ch ist e nb a n d e ist man hier auf die Spur gekommen. Bei ihrer Verhaftung durch Gendarmen leisteten die Mit- gliedcr energischen Widerstand. Schüsse wurden gewechselt, durch die drei Anarchisten getötet und drei verwundet wurden. Sechs Gendarmen wurden verwundet, von denen eigex gestorben ist. Dreizehn Anarchisten sind verhaftet worden. � pcrRcn. DaS Wüten des Schah. Der Schah von Perfien setzt trotz seiner Versprechungen sein Henkerwerk fort. Wie dem„L.-A." ans Teheran telegraphiert wird, sucht er sich aller Führer des AufstandeS zu bemächtigen. So wurde einer der gesuchtesten Revolutionäre, Sejed Chemal, als Soldat verkleidet in Hamadan verhaftet. Er wird nach Teheran gebracht, wo die Todesstrafe seiner wartet. Er war während des Bombardements cnt- flohm. Die höchsten Führer der schiitischen Religion in NedShef sollen eine Bitte um Hilfe gegen das Vorgehen des Schahs an die deutsche und englische Regierung gerichtet haben. Der englische Geschäftsträger, dessen Abberufung der Schah verlangt hatte, wurde nicht abberufen, sondern soll durch Verleihung eines hohen englischen Ordens ausgezeichnet worden sein. Da in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend die englische Gesandtschaft wiederum durch 60 Kosaken schärfftenS über- wacht und beobachtet wurde, hat der Geschäftsträger dies für einen Akt der internationalen Un Höflichkeit erklärt; er verlangt eine offizielle Entschuldigung der per- fischen Regierung durch Besuch in Uniform seitens des Ministers deS Aeußern und des Kricgsministcrs. In T ab r i s dauert von dort eingetroffenen Nachrichten zu- folge das Blutvergießen fort. Die indisch-europäischen Telegraphen. leitungen wurden durchschnitten, und um 2 Uhr nachts war die Verbindung ygch Teheran und Europa noch nicht hergestellt, Xndo- China. Annamitische Revolutionäre. Im fran-zösischen Ostasien ist seit einigen Monaten eine Volksbewegung im Gange, die die Rcgierungskreise auf das höchste zu beunruhigen beginnt. Der vor einigen Tagen gemeldete Versuch einer Massenvergiftung von Soldaten in Hanoi— eine Begebenheit, die man allerdings nicht ohne weiteres den Revolu- tionären wird in die Schuhe schieben dürfen— scheint anzudeuten, daß die Situation der europäischen„Herren" in dem schamlos aus- geplünderten Land kritisch wird. Eine im„TempS" veröffentliche Korrespondenz gibt ein merkwürdiges Bild der annamilischen Volkserhebung. Danach ist man versucht, zu glauben, daß die Vergiftungsaffaire isolierten Fanatikern zur Last fällt, sofern sie nicht überhaupt erfunden ist, um den ChefS der Kolonialverwaltung den Vorwand für eine gewaltsame Unterdrückung der Opposition zu liefern. Denn die revolutionären Annamiten geberdcn sich eher wie Anhänger Leo Tolstois, denn wie mit Dolch und Gift arbeitende Terroristen. Sie kommen in imposanten Massen vor den Sitzen der französischen Behörden zusammen, lassen sich aber — wie der gewiß einer Sympathie für sie unverdächtige Bericht- erftatter bezeugt i— mit seltenen Ausnahmen zu keiner Gewalt- tätigkeit hinreißen. Die ehemals bei Volksbewegungen üblichen Fälle von Piraterie kommen diesmal so gut wir gar nicht vor. Die Massen beobachten eine passive Ruhe, die den gemeinsamen Protest gegen den jetzigen Zustand kundgibt. Kein einziger Telegraphendraht ist zerschnitten worden, selbst nicht in den er- rcgtesten Gegenden. Die Post verkehrt ungehindert. Die meisten Manifestanten tragen kurz geschorenes Haar nach japanischem Vorbild. Sie sind mit gesuchter Einfachheit gekleidet, nach dem Rat der in vielen Tausenden unter ihnen verbreiteten japanischen Broschüren, die eine sittliche Reform als Vorbedingung der politischen hinstellen. Sie nehmen den Frauen den Schmuck ab. jedoch ohne Gewaltanwendung, und werfen ihn weg mit den Worten:„Wir sind ein armes Volk und müssen jeden unnötigen Luxus verbannen". Die Demonstrationen nehmen einen wachsen- den Umfang an. Am 14. April versammelten sich in Hu6 vor dem Residenzgebäude über 2000 Eingeborene. Man fand ihre Haltung „drohend" und ließ sie mit den Bajonetten auseinandertreiben. Aber der Korrespondent vermerkt selbst, daß kein einziger von ihnen bewaffnet war. Mitte Mai demonstrierten 4000 Annamiten vor der Zitadelle von Binh-Dinh. In der Umgebung von Bong-son strömten über 20 000 zusammen. Sie überschwemmten in Banden die Dörfer und propagierten die Steuerverweigerung. Den Dorfoberhäuptern und den angesehensten Bewohnern schnitten sie die Haare kurz und nahmen ihnen die Gewänder, die ihnen zu luxuriös schienen.— Es scheint übrigens, daß die Bewegung einen lediglich sozialen Charakter hat und nicht europäerfeindlich ist. Denn der Korrespondent des„Temps" will einen Teil der Schuld dem europäischen Redakteur einer tonkinxsischcn Zeitung zuschieben, die bis in die kleinsten Dörfer angeblich„anarchistische" Gedanken trägt. Der Verruchte soll sogar schon die„Juter- nationale" vür annamitischen Ohren gesungen haben,> �- IMarohho. Azemnr. Man weiß. daß eS ursprünglich hieß. daß nicht französische. sondern Truppen Abdul Asis' A z e in u r besetzt hätten. In Wirk« lichkeit sind aber diese Truppen, wie jetzt bekannt wird, zwar gegen Azemur marschiert, aber von den Truppen Muley HafidS zer- sprengt worden. Sie hatten 10 Tote und 23 Verwundete. Dies gibt auch eine gewisse Erklärung des Vorgehens des Generals d'Amade. Paraguay. Sturz der Regierung. Buenos Aires, 6. Juli. Der Minister des Aeußeren erhielt von der Gesandtschaft in A s u n c i o n ein Telegramm, in dem .diese mitteilt, daß die Revolutionäre die alte Regierung gestürzt und eine neue unter der Präsidentschaft deS bisherigen Vizepräsidenten Dr. Emiliano Gonzales Navciro eingesetzt hätten. Mehrere Minister seien geflohen. Die argentinische Gesandt« schaff habe Asuncion verlassen. Die internationale fugend. Meine Antwort an den Genossen Schmidt kann um so kürzer sein, je weniger dessen von einer saftigen Jnvektivc gekrönte Ent. gegnung von sachlichem Inhalt beschwert ist. Daß meine Fest, stellnngcn ins Schwarze getroffen haben, zeigt die Tatsache, daß es Schmidt aber auch nicht in einem einzigen Falle gelungen ist. meine Behauptungen zu entkräften. Wenn Schmidt schließlich erklärt, daß die auf der Internationalen Jugendkonfereuz au- genommenen Resolutionen für jeden„Einsichtigen" auch ein politische» enthalten, jg ton, ZÄ VW umhin, dttse Ilster, pretationstun zu bewundern, muß aber ablehnen, ihr zu folgen, benn sie ist verwandt mit den Künsten preußisch- sächsischer Polizei pragis nach dem Grundsah:" Regt ihr nicht aus, so legt ihr unter!" Nachdem ich Schmidt nachgewiesen habe, daß seine Worte über die internationale Jugendkonferenz nichts weniger als objektiv waren, tann mich sein Vorwurf leichtfertiger Kritik nur beluftigen. Mit der gleichen heiteren Gelassenheit nehme ich auch die Blüte des Schmidtschen ,, Guten Tones" hin, daß ich durch die Jugendorganisation noch nicht aus den Flegeljahren herausgehoben worden sei. Schmidt bestätigte dadurch nur mit ſeiner Person die Wahrheit des Dichterwortes: Ein jeder Mann hat seine Flegeljahre. Der ivird kein ganzer Kerl, der nie ein Flegel war, Nur freilich, daß es geht, so wie man's treibt: Mancher sein Lebtag bloß ein Flegel bleibt. Im übrigen zeigt ein Vergleich meiner Erklärung mit der Entgegnung von Schmidt aufs deutlichste, wie er sich um meine Feststellungen herumbrückt. Otto Krille, Stuttgart, Aus der Partei. fationen hierbei in Betracht kommen, ausgeübt foird, und be auftragt die Ortsverwaltung resp. die Agitationskommission, mit den betreffenden Organisationsleitungen deswegen zu berhandeln. an. Rusland. Die Arbeiterkämpfe in Schweden. Es scheint, daß es dem schwedischen Unternehmertum sehr daran Noch eine zweite Resolution fand einstimmige Annahme. Gie gelegen ist, den Eristenzkampf der Hafenarbeiter, wenn irgend möglautet: lich, zu einem blutigen Krieg ausarten zu lassen. Ein Vorspiel dazu Die Versammlung nimmt mit Entrüstung Kenntnis von hat ja, wie Sonntag eine Depesche meldete, bei Lysekil, an der dem Zirkular der Unternehmer, nach welchem die Zahl der Un- felsigen Küste von Bohuslän, stattgefunden. Man begnügt sich vororganisierten festgestellt werden soll. Die Versammlung verurteilt läufig damit, Schreckschüsse abzugeben; aber alles deutet darauf hin, das Vorgehen der Unternehmer, da durch derartige Maßnahmen daß man auch bereit ist, schwedische Arbeiter zur höheren Ehre des ein friedlicher Abschluß des Tarifs ganz bedeutend erschwert Rapitalismus und seines englischen Streitbrechergesindels mitleids wird. Die Versammlung sieht die Bestrebungen der Unternehmer los niederzuschießen. Nur muß man die Arbeiterschaft erst noch als eine beabsichtigte Gründung eines gelben Rohrlegervereins mehr aufheben, damit Unruhen entstehen, die ein militärisches VorFür jeden organisierten Kollegen ergibt sich hieraus die gehen berechtigt" erscheinen lassen. Die Klassenjustiz trägt auch Verpflichtung, die Bestrebungen der Unternehmer dadurch zu ihr Teil dazu bei, die Aufregung in der Arbeiterschaft zu steigern. durchkreuzen, daß ein jeder für die Ausbreitung des Deutschen In. Malmö hat sich außer dem englischen Streitbrecherführer Metallarbeiterverbandes nach Kräften Gorge trägt, da begründete Collingwoord auch ein schwedischer Kapitän Stenfeldt im Ursache vorliegt, alle Nichtorganisierten für Anwärter einer Revolverschießen auf die einheimischen Arbeiter geübt. Er kam bon seiner Kabine aufs Deck gestürzt und gab plötzlich zwei Schüsse auf Streitbrecherorganisation zu halten, a die streikenden Arbeiter ab, die am Hafen standen und nach seinem Schiffe hinüberblickten. Glücklicherweise gingen beide Schüsse fehl Dieser doppelte Mordversuch wurde mit 15 Kronen Geldbüße bes straft, während bekanntlich jener englische Revolverheld gänzlich straflos davonkam. Dagegen hat man in Göteborg einen streikenden Hafenarbeiter, der sich hinreißen ließ, einem Kapitän Schimpfworte zuzurufen und einen Streifbrecher zu schlagen, sofort festgenommen. Er wird jedenfalls auf Grund des schwedischen Zuchthausgesetzes, das für solche Vergehen in Streitfällen viel härtere Strafen vorsicht, als sonst üblich find, nicht mit Geldbuße davon. Deutfches Reich. An die Jfolierer, Steinholzleger, fowie alle organisierten Bauhandwerker, wie Maurer, Zimmerer, Rohrleger, sowie Maschinisten und Heizer! Aus der Sommerschen Organisation. Die Wahlkreise Naus gard Regenwalde und Greiffenberg- Cammin Die Jfolierer der Firma Haake u. Co. in Celle( Hannover) hielten am Sonntag ihre Generalversammlung gemeinsam ab. haben wegen Maßregelung zweier organisierter Kollegen die Arbeit Die Verhandlungen legten beredtes Zeugnis ab von den Schwierig niedergelegt. Diese beiden wurden entlassen, weil sie sich geweigert feiten, die hier einer proletarischen Klassenorganisation noch im hatten, mit dem Montagemeister zusammen einen Bau in Afford Wege stehen. Vor allen Dingen hindert jeglicher Lokalmangel die auszuführen. Sie verlangten, daß wenn sie dieses täten, der MonBewegung, doch fehlt es auch vielfach an geeigneten Personen. tagemeister von dem eventuellen Ueberschuß nach Fertigstellung der Greiffenberg- Cammin muß noch von Stettin aus verwaltet werden. Arbeit nicht mehr zu beanspruchen habe, als seine( in diesem Fall) Hoffentlich trägt die diesjährige Tagung zu einer Besserung der Arbeitskollegen. Dieses aber wurde von seiten der Firma nicht Verhältnisse bei. nur rundweg abgelehnt, sondern man warf die Leute obendrein aufs Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Pflaster. Eingestelltes Berfahren. Ginen Tag vor der Reichstagsstichwahl am 24. Januar 1907 erschien in der Volksstimme" zu Frankfurt a. M. unter der Ueberschrift: Wie unsere nationale Ehre gewahrt wird" ein Artikel über Kolonial- Greuel mit einem Bild, das 6 Neger am Galgen zeigte. Bild und Tert wurden unserem Mannheimer Parteiorgan entnommen, deffen verantwortlicher Redakteur später vom Schwurgericht zu einem Monat Gefängnis berurteilt wurde. Nach wiederholt stattgefundenen Verhandlungen erkannte am Montag die Straffammer auf Einstellung des Verfahrens, da der Strafantrag au spät gestellt worden war. Gewerkschaftliches. Neuer Scharfmacherverband. Ein neuer Unternehmerverband, der sich über die Proving Hannover, Braunschweig, Lippe- Detmold und SchaumburgLippe erstreckt, ist soeben in Hannover gegründet worden. Dieser neuen Gründung, Verband der Ziegeleibesitzer", find bereits 200 Biegeleibefizer beigetreten. Hauptzweck der Organisation soll sein:„ Herstellung eines gedeihlichen Verhältnisses zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern"; aber auch und dies ist wohl die Pointe- Abwehr unberech tigter Forderungen der letzteren". Berlin und Umgegend. Bur Tarifbewegung der Rohrleger Die Firma, die erst vor ganz kurzer Zeit einige bei ihr beschäftigte organisierte Schloffer, die sich erlaubt hatten, Lohnforderungen zu stellen, aufs Pflaster geworfen hat, ließ sich auf teine Verhandlungen ein. Daher erklärten sich sämtliche organisierten Isolierer mit den Gemaßregelten solidarisch und legten am 30. Juni 28 Mann die Arbeit nieder. Da nun die Firma eine der größten und tapitalfräftigsten in diesem Berufe ist, welche außer dem Hauptgeschäft in Celle noch in Berlin, Breslau, Hamburg, Düsseldorf, wie auch noch in einer großen Reihe anderer Haupt- und Industrieorten Filialen besitt, so appellieren die im Stampf Stehenden an alle oben angeführten Berufsangehörigen, sie im Kampf mit dieser Firma dadurch solidarisch zu unterstützen, daß man diejenigen, die etwa aus den Filialen Streifarbeiten für diese Firma ausführen sollten, darauf aufmertfam macht, daß sich ihre Kollegen vom Hauptgeschäft im Streit befinden. Die Kollegen in den Filialen aber werden aufgefordert, sich dem Vorgehen der Celler ohne weiteres fofort anzuschließen. Die Konjunktur ist teine schlechte, und wäre die Firma in furzer Zeit gezwungen, die berechtigten Forderungen ihrer Isolierer anzuerkennen. Der Sieg in Celle aber würde auch sofort den in den Filialen beschäftigten Kollegen zugute fommen, denn ohne Celle ist in den Filialen nichts zu erobern. bandes der Isolierer und Steinholzleger Deutschlands, Berlin C 54, Alle Anfragen sind zu richten an den Hauptvorstand des VerSteinstraße 38, oder an H. Niemann, Celle, Restaurant Waßmann, Neuestraße. Die Geschäftsleitung. Hermann Lange. tommen. Die Verhandlungen im Hafenarbeiterkonflikt, die auf Beschluß des außerordentlichen Kongresses des schwedischen Gewerkschaftsverbandes wieder angeknüpft wurden, und in Stockholm stattfanden, find am Freitag wieder einmal ergebnislos verlaufen. Die Ar beitervertreter waren den Unternehmern hinsichtlich des viel umftrittenen Arbeitsfreiheits"-Paragraphen aufs äußerste entgegengekommen. Sie verlangten dabei auch Arbeitsfreiheit für die Stauereifirmen, die den organisierten Arbeitern einigermaßen wohl wollend gegenüberstehen. Aber die Reedervereinigung möchte die Stauereiunternehmer, die nicht nach ihrer Pfeife tanzen, nach wie bor boykottieren und sie wirtschaftlich zugrunde richten. Eine be fondere Stellung im Hafenarbeiterkampf nimmt Norrköping ein, insofern als die schwedischen Reeder und Stauereiunternehmer sich verbündet haben, die dort bestehende Arbeitsgenossenschaft der Stauer zu vernichten, damit die neugegründete Stauerei- Attien gesellschaft von der ganzen Hafenarbeit den üblichen Mehrwert einheimsen kann. Bei den Verhandlungen in Stockholm machten nun die Arbeitervertreter den Unternehmern in dieser Angelegenheit zwei Vermittlungsvorschläge: entweder sollten der Arbeitergenossen. fchaft 70 Proz. und der Aktiengesellschaft 30 Proz. der Arbeit im Hafen gesichert werden, oder die Aktiengesellschaft sollte sich mit der Ausbeutung von 70 Arbeitern begnügen, aber was die nicht ausführen können, der Arbeitergenossenschaft überlassen. Aber von diesen beiden Vorschlägen wollten die Unternehmer durchaus nichts wissen. Die Verhandlungen endeten damit, daß man es dem Vermittlungsbeamten anheimgab, eventuell neue Eingungsversuche zu machen. Inzwischen hatten in Göteborg lokale Verhandlungen stattgefunden, die auch zu keinem Ergebnis führten. Die Vertreter beider Barteien sprachen jedoch die Hoffnung aus, daß in Stockholm die Verhandlungen zwischen den Hauptorganisationen zur Beilegung des Kampfes führen möchten. Der Geheimbund der Bergwerksterroriften gegen die Bergarbeiter. Bu gleicher Zeit wurde in Stocholm auch über den großen In zwei startbesuchten Versammlungen Gelsenkirchen und Kampf im Baugewerbe verhandelt. Hierbei tam ein bor. Oberhausen haben die Bergleute des rheinisch- westfälischen Läufiges lebereinkommen zustande, wonach der Zentrale Industriebezirks am Sonntag gegen den Zechenschutzverband der Arbeitgeberverband die zum 4. Juli angekündigte Ausdehnung der Grubenbefizer Stellung genommen. Die Folgen der Maßregel find Generalaussperrung auf ganz Schweden bis zum 11. Juli hinaus. erst im Anrücken und doch zählen die Opfer dieser Maßregel zu fchob. tausenden. Wenn etwas die Bergleute aufweden wird, dann ist es die jetzige Maßnahme der Bergwerksbefizer. Die Erregung hierüber ist unter den Bergleuten im Steigen begriffen. In der nächsten Beit werden die Bergleute in zahlreichen Versammlungen sich mit der Angelegenheit beschäftigen. In der am Sonntag abgehaltenen Vor den Brauereihandwerkern, Maschinisten und Heizern hielt Versammlung wurde folgende Resolution angenommen: Genosse eine am Freitagabend einen Vortrag über die§§ 152, Verlammlungen. nahm eine vom Deutschen Metallarbeiterverband einberufene allgemeine Versammlung der Rohrieger und Helfer Stellung. Die Versammlung tagte am Sonntag im großen Saale des Gewerk schaftshauses. Der Referent andke besprach den seitherigen Verlauf der Angelegenheit. Er verwies darauf, daß nach der Kündigung des Tarifs durch die Unternehmer der Allgemeine deutsche Metallarbeiterverband( Wiesenthal) sich beeilt hatte, den Unter nehmern seine Genugtuung über die Kündigung auszusprechen und Die heutige öffentliche Bergarbeiterversammlung nimmt Kenntnis 153 der Gewerbeordnung, der mit großem Beifall aufgenommen dann auch Forderungen für die Tarifberatung aufzustellen. Das von dem ungeheuerlichen Vorgehen der Grubenbefizer, dem ungeheuerlichen Vorgehen der Grubenbefizer, mißwurde. Der Vorsitzende Schwittau machte bekannt, daß von sei ein ganz verkehrtes Vorgehen. Die Stellung des Deutschen liebige Arbeiter in Maffen auf Monate hinaus auszusperren. 27 Brauereien eine Statistit über die Organisationsverhältnisse Metallarbeiterverbandes sei die: Selbstverständlich darf eine VorSie findet ein solches Vorgehen nicht nur brutal und der Handwerker usw. vorliegt, nach welcher von 680 Berufsgenossen lage zu einem neuen Tarif nicht einseitig von den Unternehmern ungeheuerlich, sondern auch gefezwidrig, um so mehr, da 487 organisiert sind. Von 15 Brauereien sind bis jetzt keine Anta aufgestellt werden, sondern beide Teile müssen daran mitwirken. nicht nur Nachdem aber die Unternehmer den Tarif gekündigt haben, sei es maßregeln betroffen werden. tontraftbrüchige" Arbeiter von den Aussperrungs- worten eingelaufen. In den Schultheißbetrieben sind die Verhält besondere Beleuchtung nisse nicht so, wie man es wünschen sollte. Bei Schultheiß I find ihre Sache, Vorschläge darüber zu machen, wie sie sich die Gestaltung findet das Vorgehen der Grubenbefizer noch durch die Tatsache, daß von 65 Beschäftigten 28 organisiert, bei Schultheiß II find von des neuen Tarifs denken. Der Allgemeine Verband jei ja in- fie jetzt, in der Zeit der wirtschaftlichen Krise, Tausende von 91 Beschäftigten 60 organisiert. Von den Organisierten gehören zwischen darüber belehrt worden, wie die Unternehmer feine Hoff- Arbeitern auf Straßenpflaster werfen, während immer noch das 201 dem Verband der Handwerker, Maschinisten und Heizer an, nungen erfüllen, denn es sei ja in den Betrieben die Bekannt- leberschichtenunwesen blüht und fremde Arbeiter unter trügerischen die übrigen find Mitglieder in zahlreichen anderen Verbänden, je machung erfolgt, daß sich diejenigen Arbeiter, welche weder dem Versprechungen nach dem Ruhrbeden gelodt werden. Die Ver- nach der Berufsart. Die Vertrauensleute werden aufgefordert, zur Allgemeinen noch dem Deutschen Metallarbeiterverbande an= sammlung empfindet diesen Terrorismus der Werksbefizer als einen Vervollständigung der Statistit ihre Pflicht zu tun und die Ver gehören, melden sollen. Hieraus gehe hervor, daß die Unternehmer, Schlag ins Gesicht der Arbeiter und ist empört, daß sich bisher bandsleitung über die Verhältnisse in den noch fehlenden Brauereien vielleicht durch Gründung einer gelben Gewerkschaft, sich eine An- noch fein Staatsanwalt gefunden hat, der die Wertsherren in die zu unterrichten. zahl Arbeitswilliger sichern wollen für den Fall des Kampfes, gefeglichen Schranken zurüdweist. Um so mehr verlangt die Ver( Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) den die Unternehmer durch die Kündigung des Tarifs eingeleitet den die Unternehmer durch die Kündigung des Tarifs eingeleitet jammlung ein Vorgehen der Behörden, als die Staatsanwälte bei haben. Durchaus falsch sei die Angabe bürgerlicher Blätter, wonach die Arbeiter aus Anlaß der Tariffündigung einen allgemeinen geringen Bergehen( Streitbergehen, bei Boykotts usw.) sehr oft im Intereffe einzelner Unternehmer Arbeiter unter Anklage stellen. Die Streit im Rohrlegergewerbe durchführen wollen. Wenn es zum Maßregelung tausender Arbeiter durch den Geheimbund der Terroristen Letzte Nachrichten und Depeschen. Kampf kommen sollte, dann könne nur das Vorgehen der Unter- bedingt absolut das Vorgehen der Behörden im öffentlichen Interesse. nehmer daran schuld sein und ihre Absicht, die Arbeitsbedingungen Ein Sichgehenlassen der Dinge bedeutet in den Augen der Verzu verschlechtern. Achtstundentag für Berglente. Am 23. habe die Verbandsleitung ein Schreiben sammelten nichts mehr und nichts weniger als eine Sanktion der von den Unternehmern erhalten, worin diese mitteilen, daß sie unternehmerprattiken durch die Behörden. Dadurch wird das RechtsLondon, 6. Juli.( W. T. B.) Das Unterhaus nahm die bereit sind, wegen Abschluß eines neuen Tarifs mit einer Kom- empfinden der Bergarbeiter aber schwer verlegt und ihr Glaube an zweite Lesung des Gesetzes über den achtstündigen Arbeitstag mission der Arbeiter zu verhandeln, in der nicht nur der Deutsche, die Unparteilichkeit der Behörden muß in die Brüche gehen. Die der Bergleute mit 390 gegen 120 Stimmen an. sondern auch der Allgemeine Metallarbeiterverband vertreten fein Bersammlung fordert daher ein baldiges gefeßliches Einschreiten felle. Hierzu fagte Handke: Der Deutsche Metallarbeiterverband habe seinerzeit den alten Vertrag mit den Unternehmern ab- gegen die Zechenterroristen. Das Vorgehen der Wertsherren zwingt geschlossen. Deshalb tönne auch nur diese Organisation für den die Versammlung aber auch, an alle rechtlich denkenden Bergarbeiter Abschluß eines neuen Vertrages in Frage kommen. Keine andere die Mahnung zu richten, den Bergarbeiterverband zu stärken. Eine Organisation habe etwas damit zu tun. Mit dem Allgemeinen starte, einheitliche Organisation der Bergarbeiter ist die beste Waffe Verband lönne fich der Deutsche Metallarbeiterverband nicht ein- auch gegen den willkürlichen Terrorismus der Grubenbefiger, der, lassen, denn der Allgemeine habe schon mit den Christlichen ge- wenn er in derselben Weise fortgefegt wird, folgenschwere Wirkungen meinsame Sache gemacht; er sei auch den Unternehmern schon zu nach sich ziehen muß. weit entgegengekommen, auch seien die Anschauungen, welche beide Berbände trennen, so verschieden, daß ein gemeinsames Verhandeln in der Tariffrage ausgeschlossen sei. Andererseits müsse von den In der Schuhfabrit von Nierth u. Selbig in Unternehmern erwartet werden, daß sie mindestens Andeutungen Dresden befindet sich die Arbeiterschaft seit einiger Zeit wegen darüber machen, welche Aenderungen des Vertrages sie wünschen. erfolgter Lohntürzungen im Streit. Die Firma wollte an Zu Verhandlungen mit den Unternehmern sei der Deutsche Metall- Stelle des bestehenden Lohnsazes den Akkordlohn einführen, arbeiterverband natürlich bereit. Er habe sich auch mit den Ver- wodurch die Lage der Arbeiterschaft ganz bedeutend ber bänden der Kupferschmiede und der Schmiede verständigt, damit schlechtert würde. Bei einer gemachten Probe mit dem neuen Leipzig, 6. Juli.( B. H.) In der Hainstraße erfolgte heute sie, soweit ihre Mitglieder im Rohrlegergewerbe beschäftigt find, Lohnsystem" ist es vorgekommen, daß einige Arbeiter 75 und ein Gerüsteinsturz. An dem Hause Nr. 10 war wegen eines Um mit dem Deutschen Metallarbeiterverband gemeinsame Sache 82 Pfennig pro Tag!! verdient haben. Die Arbeiterschaft baues ein Gerüst angebracht; plötzlich fiel ein schweres Gesimsstüd machen. Nach kurzer, Diskussion wurde folgende Resolution fast lehnte selbstverständlich das Anerbieten der Firma ab und beschloß, herab und brachte das Gerüst zum Einsturz. Hierbei wurden einstimmig angenommen: in den Streit zu treten. Bei den von der Drganisationsleitung zwei Arbeiter schwer verleßt. Die Versammlung der Rohrleger und Helfer Berlins und angebahnten Vermittelungen stellte sich nun heraus, was die Firma der Umgegend nimmt Kenntnis von dem Schreiben der Arbeit- mit ihrem Vorgehen verfolgte. Man erklärte flipp und flar, es geberorganisation vom 23. Juni und erklärt, daß mit Rücksicht mußte zu einem Streif kommen, alle Arbeiter würden nicht auf die Berdächtigungen und Verleumdungen seitens des All wieder eingestellt und wer von den streifenden Arbeitern aufftimmig die Dringlichkeit des sozialdemokratischen Antrages betr. Wien, 6. Juli.( W. T. B.) Das Abgeordnetenhaus nahm eins gemeinen deutschen Metallarbeiterverbandes gegen den Deutschen Wiedereinstellung reflektiere, müsse aus dem Verband stimmig die Dringlichkeit des sozialdemokratischen Antrages betr. Metallarbeiterverband von einer gemeinsamen Verhandlung in treten!! Die Firma erklärt, daß ihr die in ihrem Betriebe vor die Reform und den Ausbau der Arbeiterversicherung an. Im dieser Tarifbewegung nicht die Rede sein kann, um so weniger, handene starte Organisation nicht passe. So ist dieser Kampf zu Laufe der Debatte teilte der Minister des Innern mit, daß die da die große Mehrheit der organisierten Rohrleger und Helfer einem solchen ums Koalitionsrecht geworden, welcher von Arbeiten zur Fertigstellung des Entwurfes in kürzester Frist be Mitglieder des Deutschen Metallarbeiterverbandes find. Die den Dresdener Unternehmern mit großem Intereffe berfolgt wird endet sein würden. Der Entwurf werde nicht nur eine Reform Bersammlung betont ausdrücklich, daß mit diesem Beschluß nicht und für die Arbeiterschaft von großer Bedeutung ist. In einer Ver- der Kranken-, Unfall- und Invalidenversicherung, sondern auch etwa die Verhandlungen mit den Arbeitgebern prinzipiell ab- fammlung der Dresdener Schuhmacher, welche sich mit dem Vor- bindende Fürsorgeeinrichtungen vorschlagen für den Kreis jener gelehnt sind, sondern beauftragt ihre Vertreter in der Schlich gehen der genannten Firma beschäftigte, wurde eine Resolution wirtschaftlich Selbständigen, die nach ihrer Lebenshaltung der tungstommiffion, wenn die Arbeitgeber Verhandlungen mit ihnen angenommen, wonach den im Kampfe ums Roalitionsrecht stehenden Arbeiterschaft nahestehen und in gleicher und ebenso berechtigter wünschen, dieselben anzunehmen. Ferner erklärt sich die Ver- Kollegen die weitgehendste Unterstügung zugefagt sammlung damit einverstanden, daß diese Tarifbewegung ge- und die örtlichen Instanzen aufgefordert werden, alle Hebel in Be- Weise das Bedürfnis nach Versorgung für die Zeit der infolge fortmeinsam mit dem Verbande der Kupferschmiede und dem Zen- wegung zu setzen, um diesen Plan der Unternehmer abzuwehren. schreitenden Alters verminderten Erwerbsfähigkeit empfinden. Ein Kampf ums Koalitionsrecht. Seh'n Sie: Das ist ein Geschäft...! Darmstadt, 6. Juli.( B. S.) Großes Aufsehen erregt in weiten Kreisen das Verschwinden des bei der Weltfirma E. Merk hier seit Jahren beschäftigt gewesenen Chemikers Dr. Zimmer. Er hat als Abteilungschef die Lohnlisten der unter ihm beschäftigten Arbeiter gefälscht, indem er in die Bücher höhere Beträge eintrug als er wirklich auszahlte. Auf diese Weise soll er sich bis zu 8000 Mart im Jahre angeeignet haben. Die Gesamtbeträge der Unterschlagungen werden auf 70 000 Mart geschäst. Seine Familie mit zwei Kindern hat er zurüdgelaffen. * Gerüsteinsturz. Sozialreform in Desterreich. tralverband der Schmiede, soweit die Mitglieder beider Organis ( Lebhafter Beifall.) Berantw. Redakt: Geora Davidiohn. Berlin Snieratenteil verantw Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlaa: Vorwärts Buchdr.u.Verlaasanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW, Sierau 2 Beilagen u. Unterhaltungsbl. Ii. 156. 25. IahrgNg. t KeilP des.lomSrlä" Knlim Ballislilall. Sitnolag, 7. Mi 1908. Zweiter Deutklyer Städtetag. (Telegraphischer Bericht.) München, den S. Juli 1308. Im Theatersaat der Münchener Ausstellung wurde heute vor- mittag vom VorfiKenden Oberbürgermeister Kirschner- Berlin das dentyche Städtcparlamenl, die Vertretung der im Deutschen Städtetag organisierten deutschen Städte über 25 000 Einwohner, eröffnet. Es sind ungefähr 300 Teilnehmer anwesend. Oberbürgermeister Kirschuer teilte mit, daß von den 163 deutschen Städten, die beitrittsberechtigt find, alle bis auf 5 dem Deutschen Städtetag beigetreten sind. Zu diesen größeren deutschen Städten gesellen sich eine große Anzahl kleinerer Städte, die zu Stadteverbänden vereinigt sind. Wir können deshalb ruhig behaupten, daß im Deutschen Städtetag die gesamte deutsche städtische Bevölkerung organifiert ist. Eine solche Organisation ist aber nur möglich und kann nur gedeihlich wirken auf der Grundlage eines geordneten Reiches und deshalb richten wir bei Beginn unserer Arbeit unseren Blick auf unser geliebtes Baterland und die deutschen Fürsten, vor allem auf unseren geliebten deutschen Kaiser, der un- ablässig bemüht ist, den Frieden zu wahren und die Werke des Eriedens zu fördern sowie auf den ehrwürdigen Fürsten, in dessen and wir tagen. Se. Majestät der deutsche Kaiser und Se. Kgl. Hoheit Prmzregent Luitpold leben hoch I(Die Versammlung hat sich erhoben und stimmt dreimal in das Hoch ein.) Darauf nahm Oberbürgermeister Dr. Ritter von B o r s ch t(München) das Wort zu folgender Ansprache:»Hochgeehrte Herren I Der Willkommengruß, den ich Ihnen im Namen der Stadt München darbringe, soll nichts gemein haben mir den Akten konventioneller Höflichkeit, die fast allen Kongressen und Jahres- Versammlungen gegenüber zur stehenden Regel und damit zu einer Formsache geworden sind, deren Berechtigung nachzuprüfen einmal die Aufgabe des deutschen Städtetages sein dürste.(Heiterkeit und Beifall.) Was ich zum Ausdruck bringen möchte, find nicht lediglich verbindliche Worte, sondern die aufrichtigen Empfindungen, mit denen pie hiesige Bürgerschaft dem zweiten Deutschen Städtetag entgegen- gesehen hat. Mit dem wärmsten Dank dafür, daß der Vorstand unseren Antrag, den zweiten Städtetag in München abzuhalten, an- genommen hat, verbinde ich die Versicherung, daß wir uns glücklich schätzen, so vielen Vertretern der deutschen Städte unsere Ausstellung zeigen zu dürfen. Wir begrüßen in Ihnen eine Korporation, die an Ansehen und Bedeutung und was die Tüchtigkeit ihrer Mitglieder mrd deren Einfluß auf die Wohlfahrt unseres Vaterlandes anlangt, unter allen Interessendereinigungen— ich darf wohl ohne Heber- Hebung sagen— an erster Stelle steht. Was der Deutsche Städte- tag bedeutet, wird schon durch die Tatsache beleuchtet, daß er 166 deutsche Städte mit einer Gesamteinwohner- zahl von 16 Millionen, d.h. dem viertenTeil der deutschen Bevölkerung überhaupt, repräsentiert. Die Haushaltungspläne der im Deutschen Städtetag organisierten Städte schließen mit einer größeren Summe ab, als, von Preußen und den drei Hansastädten abgesehen, die Etats der sämt- lichen Bundesstaaten zusammengerechnet. Die Anleihen der hier vertretenen Städte überschreiten die Summe von 4 Milliarden Mark.(Zuruf: Leiderl Leiderl Heiterkeit.) Man vergegenwärtige sich aber dabei, daß mit diesen enormen Aufwendungen eine Fülle von segensreichen Werken ge- schaffen worden ist, die mit zu den höchsten Kulturgütern des deutschen Volkes zu zählen sind. Wenn das Ausland m der gewaltigen Entwickelung der deutschen Städte eine der wichtigsten Erscheinungen der Gegenwart erblickt, so liegt das vor allem an der Opferwilligkeit und dem Weitblick des deutschen Bürgertums. Wenn das der Fall ist, dann begreift man aber auch, wie berechtigt der Wunsch der Stadtverwaltungen ist, von den staatlichen Gewalten so anerkannt zu werden, wie sie es als mächtige und uneigen- nützige Träger der öffentlichen Wohlfahrtspflege und als Grund- pferler staatlicher Ordnung verdienen.(Lebhafter Beifall.) Auf diese Notwendigkeit hinzuweisen, scheint mir gerade im Hinblick auf das erste Thema der diesjährigen Tagung, die Kreditverhältnisse der deutschen Städte, dringend geboten. Wenn die sämtlichen, dem deutschen Städtetag angehörenden Städte die enorme Schuldenlast von 4 Milliarden Mari auf sich genomnien haben, wenn keine größere deutsche Stadt mehr ohne periodisch wiederkehrende In- anspruchnahme des Geldmarktes ihren Aufgaben gerecht zu werden vermag, so geschieht das wahrlich nicht aus Freude ani Geld- lausgeben, sondern ist auf das zielbewußte Streben zurückzuführen, �siber die engen Grenzen gesetzlicher Verpflichtungen hinaus muster- t gültige Einrichtungen zu schaffen und damit Werte ins Leben zu rufen, die materiell und ideell das aufgewandte Kapital überreich verzinsen.(Lebhafter Beifall,) So sehr man auf der einen Seite die Höhe dieser Belastung beklagen mag, so steht andererseits fest, daß sie ein sicheres Kennzeichen emporsteigender Entwickelung ist, nicht ein Beweis für eine finanzielle Mißwirtschast, sondern im Gegenteil der Ausdruck steter Opferfreudigkeit. In einer Zeit, in der' fast überall der Ruf nach Entlastung ertönt und einzelne Staaten kein Bedenken tragen, für die Erfüllung ihrer eigenen Ob- liegenheiten die Mitwirkung der Städte in.Anspruch zu nehmen, wobei sie gleichzeitig an sie die Mahnung nach Sparsamkeit richten (Heiterkeit und Zustimmung), ist es wohl angebracht, hervorzuheben, daß gerade die deutschen Städte ohne Unterschied das Maß ihrer Verpflichtungen niemals einzuschränken versucht haben. Besonderen Dank hierflir zu fordern liegt uns fern. Was wir ver- langen, ist nichts als Vertrauen.(Beifall.) Möge die Erkenntnis, daß die Zukunft unseres geliebten Vaterlandes in hervorragendem Maße in der weiteren Entwickelung der deutschen Städte liegt, durch den Zweiten Deutsche!: Städtetag erneut geweckt werden, und mögen die Verhandlungen dieser Tage den Nachweis führen, daß die finanziellen Fragen der deutschen Städte von den Konstellationen der politischen Parteien unabhängig und eine gemeinsame An- gelegenheit aller find, denen ein warmfühlendes Herz für das Wohl und Wehe ihrer Heimatstadt in der Brust schlägt.(Lebhafter Beifall.) An erster Stelle der Tagesordnung steht das Thema: „Die Krcditverhältniffe der deutschen Städte unter besonderer Berück- sichtigung der Finanzverhältnisse und der städtischen Anleihen." Das Thema ist in zwei Teile eingeteilt: 1. der Kreditbedarf im Haushalt der Städte und 2. die Formen und Wege zur Befriedigung des Kreditbedarfes der Städte. Ueber den ersten Punkt sprach Stadtrat Dr. W o e l l(Frankfurt a. M.). Er führte aus: Die ungeahnte Entwickelung der deutschen Städte in den letzten Jahrzehnten hat ihrer Finanzierung eine besondere Bedeutung und Tragweite verliehen. Die Finanz- und Kreditpolitik der Städte be- darf der sorgsamsten Beobachtung. Von Ausnahmen wie Krieg, Katastrophen usw. abgesehen, ist die Kreditbenutzung nur für solche Anlagen gestattet, welche dauernd der Zukunft zugute kommende Werte darstellen. Für die innere Rechtfertigung einer Anleihe soll allein entscheidend sein ihr Verwendungszweck und dessen Ver- hältnis zur Leistungsfähigkeit der Gemeinde. Die Finanzierung der gewerblichen Betriebe, wie Gas- und Elektrizitätswerke, Straßen- bahnen sowie öffentlicher Unternehmungen(Schlachthöfe, Markt- hallen, gemeinnützige Wohnungen. Friedhöfe usw.) kann un- bedenklich im Wege der Kreditbenutzung geschehen. Für die gewerb- lichen Betriebe ist dieser Weg sogar als dem Gemeinwohl förderlich anzusehen. Die Tilgung der für vorstehende Zwecke aufgenommenen Anleihen hat nach den Grundsätzen der kaufmännischen Abschreibungen zu erfolgen. Für ertraglose Unternehmungen und solche mit nicht genügender Ertragsfähigkeit soll die Kreditbenutzung mit besonderer Zurückhaltung erfolgen, und es können in finanztechnischer Hinsicht folgende, allgemein gültige Richtlinien aufgestellt werden: Zur Vermeidung kurzfristiger Darlehen(schwebende Schulden) sind aus der zeitlichen Ungleichheit zwischen Einnahmen und Ausgaben entspringende Differenzen durch Bildung eines Betriebsfonds zu beseitigen. Die Störungen des Etatgleichgewichts durch Schwankungen der ordentlichen, insbesondere steuerlichen Ein- nahmen sind durch Ansammlung eines Ausgleichsfonds möglichst fernzuhalten. Soll die Frage der Bedarfsdeckung im Gemeinde- haushaltsetat eine auf die Dauer erfolgversprechende Lösung finden, so ist die Aufgabe nicht nur in der Jahresbilanzierung zu erblicken, sondern es muß für Ausgaben, die nach verständiger Voraussicht in kürzerer Zeit speziell oder generell wiederkehren, ein langfristiges Finanzprogramm aufgestellt werden, in welchem die tunlichste Vermeidung der Kreditbenutzung für solche Zwecke anzustreben ist. Soweit es sich hierbei um Anlagen handelt, die zwar nicht un- mittelbar der Gemeinde, wohl aber einzelnen Teilen der Be- völkcrung wirtschaftliche Vorteile bringen, wie die Umlegung von Straßen, die Anlegung von Parks, Brückenunterführungen, Fluß- regulierung usw., ist die Kreditbenutzung nicht nur zulässig, sondern im Juteresse der Gemeinde sogar angezeigt. An dieselbe hat sich alsdann aber ein Ausbau des Steuerwescns, Wertzuwachssteuer u. a. m. anzuschließen, dessen Ertrag zur Tilgung der Anleihe zu verwenden ist. Bei periodisch wiederkehrenden Aufwendungen erscheint grundsätzlich die Bildung von Fonds geboten. Das gilt vor allem kleines Feuilleton. Studium und Hunger in Rußland. Die allgemeine Armut unter den russischen Studenten ist eure bekannte Tatsache. Der russische Swient ist in den meisten Fällen ein Bettelstudent. Man hat sich an diese Erscheinung gewöhnt. Und doch wird die Not unter der studierenden Jugend von Jahr zu Jahr größer. Das intelligente Proletariat ist in steten: Anwachsen begriffen, in gleichem Maße wie überhaupt die Zahl der Studenten. Wegen Nichtentrichtung der Kollegiengelder sind aus der Petersburger Universität allein inehrere Hundert ausgeschlossen worden. Aus der Universität, an der den Studenten die Zahlung mit Nachsicht von Jahr zu Jahr gestundet wird, an der bei manchen Studenten die rückständigen Universitätsgebühren und Kollegiengelder sich auf 300 Rubel und mehr belaufen. Von den: Grabender Armut und Verzweiflung legen die Zeitungsinserate und die Ankündigungen in den Korridoren der Hochschulen eindringliches Zeugnis ab.»Ein Student sucht Stunden. Weder Entfernung noch Zeit kommen fiir ihn in Betracht".„Ein gebildetes Mädchen, die höchste Not leidet, sucht schriftliche Arbeit oder eme Stelle als Gesellschafterin, Wirtschafterin, Stubenmädchen eventuell zu alleinstehendem Herrn". „Ein hungeriger Student sucht irgend eine Beschäftigung... ist überhaupt zu jeder Beschäftigung bereit."„Ein Student in äußerster Not bittet um irgend eine Arbeit, ist bereit, selbst die eines Tage- löhnerS zu übernehmen."„Ein Student rasiert, frisiert, schneidet Haare sehr billig" usw. Man lese diese Annoncen aufmerksam: jede von ihnen birgt ein ganzes Drama. Von einem besonderen Fall weiß in der„Now. Wremja' HerrjAIexandrowilsch zu berichten.(Ob*es wahr ist, wollen wir noch hingestellt lassen I) Ein Student hatte an der sozialistischen Agitation teilgenommen und war als Kandidat für den Posten eines Vorsitzenden einer Sektion aufgestellt worden. Und er ging in das Lager seiner volittschen Gegner über, bat um Arbeit und erklärte sich bereit, als Gegner der Sache aufzutreten, der er gedient hatte. Soweit hatte ihn die Verzweiflung der Armut gebracht.... Die öffentliche Wohltättgkeit. welche heute existiert, kann die Studenten nicht vor Bettelarmut schützen. Alle Hilfsvereine, die dafür be- stehen, verschwinden wie ein Tropfen Wasser im Meer. Außerdem wirkt die Art der Wohltättgkeit. die in Almosenspenden besteht, nach- teilig auf die Psyche des Beschenkten ein. Man sieht die Spenden nicht als Darlehen und zahlt sie niemals zurück. Einen Beweis dafür gibt die �Unterstützungskasje der Studenten, deren Darlehen auch später, wenn der Student schon die Hochschule verlassen hat und in Amt und Würden ist, nur selten zurückgezahlt werden. Ein großer Teil wird durch die Geringfügigkeit der materiellen Unterstützung erbittert und schließt sich der Sozialdemokratie an. In den letzten Jahren hat man begonnen, sich nach einer anderen Art der Unterstützung umzusehen: nach Verschaffung von Arbeits- gelegenheit und Erwerb. Es entstanden an den Hochschulen„Bureaus für Ärbeitshilfe". Aber sie waren nicht zweckmäßig organisiert. Man beklagt sich über Ungerechtigkeiten: die Leiter der Bureaus seien ge- neigt, ihre Bekannten zu begünstigen. Diese Bureau» empfehlen außerdem nicht ihre Stellensuchenden, sondern weisen nur auf sie hin. Sie kennen weder den Stellensuchenden noch den Arbeit- geber. So spielt denn auch der Zufall des Angebots und der Nach- frage seine Rolle. Nur eine gutesorganisierte Hilfe durch rationelle Stellen- vernnttelung könnte die akute Not unter den Studenten etwas lindern. Solange die allgemeine Lage Rußlands sich nicht ändert, wird das Proletariat der Intelligenz von Jahr zu Jahr zunehmen und die Reihen der Arbetterklasfe vermehren helfen. Theater. I NeueSTheater(Sommergast spiel):„DerZer- rissene". Posse in 3 Akten von N e st r o y. Die Aufführung fand ein äußerst dankbares Publikum, ein ungleich dankbareres als ein moderner Autor für einen Schwank von gleichen geistigen Qualitäten hätte erwarten dürfen. Bringt man die Gewichte, die die Tradition in die Wagschale wirst, in Abzug, so steht eS um die alten Wiener Nestroh- Possen nicht besser als um die berühmten Berliner Possen aus der guten alten Zeit, die gleichfalls gern in sommerlichen Tagen ausgegraben werden. Der Reiz, durch den sie wirken, fließt nicht aus irgend einer originellen Kraft des Witzes und Humors, vielmehr aus den Erim:erungen. die sich an sie knüpfen. Es interessiert zu sehen, an welchen Dingen Väter und Großväter sich anspruchslos erfreut. Das hübsche Thema, auf welches der Titel deutet, die Verulkung jener Sorte von Leuten, die sich als Zerrissene aufspielen und m:t Weltschmerz prunken, ivird nur im ersten Akte, und auch da nur in sehr oberflächlicher Weise gestreift. Die Figur des reichen Herrn v. Lipps, der, um seine Langeweile durch eine Sensatton momentan zu verscheuchen, da§ erste weibliche Wesen, das ihm begegnen werde, zu heiraten be- schließt, erschöpft sich in dieser einen, mageren Pointe, bringt eS als Karikatur zu keinerlei komischer Schlagkraft. An Stelle der Charakter- Parodie schiebt sich die viel bequemere Parodie auf die Geschwollen- heiten des in pathetischer Empfindung und grausigen Wechselfällen schwelgenden Abenteurer- und Kriminalromans. Die drolligen Effette der Posse wagen durchgängig den Grundzug solcher Persiflage, sie gipfeln in der Szene, wo der romantisch- alkoholische Schlosser und der Zerrissene, die sich in einem neben- buhlerischen Ringkampfe wechselweise umgebracht zu haben glauben, von schrecklichen Gewissensäsigsten gefoltert nächtlicherweile einander in die Arme laufen. Natürlich fehlt auch nicht ein edles und armes Mädchen für den Zerrissenen, das ihn in einer Musterehe heilflicken wird. Die Schauspieler, alles geborene Oesterreicher wie es schien, agierten mit Lust und Liebe. An erster Stelle stand der gefühlvolle Schlosserriese des Herrn Stift. Herr Forest in der wenig dank- baren Titelrolle trug die Couplets ganz ausgezeichnet bor.«it. Im M ü n ch e n e r Künstler- Theater wurde Josef Ruederers„W o l k e n k u ck u ck s h ei n:" mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Das Stück ist in sehr freier Anlehnung an die„Vögel" von AristophaneS als politische Zeitsatire gedacht, versandet aber in allerlei ingrimmigen Ausfällen, die Euelpides-Ruedcrer, der im Mittelpunkt der Handlung steht, auf seine Mitbürger in Athen(an der Isar) macht. Hält man sich an die einzelnen Typen, die klassisch gewandct für Städte mit raschwachsender Bevölkerung. Im Interesse des Erwerbes von Gelände für städtische Zwecke ist die Errichtung eines Grunderwerbungsfonds ins Auge zu fassen. Für Aufwendungen, die nach besonderer Beurteilung der gesamten Verhältnisse in absehbarer Zeit wiederkehren, wenn auch erst nach längeren Perioden, namentlich Aufwendungen für Kunst und Wissenschaft und zur Förderung der Volksbildung, ist ebenfalls die Anlegung von Fonds empfehlenswert. Die Durchführung dieser Finanzpolitik wird wesentlich gefördert, wenn die Ausgaben, die ihrer Natur nach und vom Standpunkt des gesamten GemeininteresseS an einem bestimmten Zeitpunkt gebunden sind, als Tilgungsdauer ebenso wie bei rentablen Unternehmungen, die Benutzungsdauer der geschaffenen Anlage zur Obergrenze haben. Auch ist anzustreben, daß die Tilgung b:s zur Wiederkehr der gleichen oder generell gleich zu stellenden Ausgabe beendet ist.(Lebhafter Beifall.) Ueber den zweiten Teil des Themas: „Die Formen und Wege zur Befriedigung des Kreditbedarfs" sprach Oberbürgermeister Ku her-Fürth. Er erblickt in'der Zentralisierung des städtischen Kreditwesens daS Heilmittel. Aufgabe einer Zentrale mutz es nach seiner Meinung sein, einen genügenden Teil des verfügbaren Kapitals für die deutschen Städte zu den der Anlage des Geldmarktes entsprechenden und den Vorzügen der Forderungen gegen Städte angemessenen Bedingungen zu gewinnen. Was den vorübergehenden Geldbedarf anlangt, so könnte zu seiner Befriedigung und zur Unterstützung ihrer sonstigen Aufgaben die Zentrale das Kontokorrent- und De'positengeschäft aber nur mit den Städten und ihren Finanzverwaltungen durch Heranziehung ihrer vorübergehend freien oder auf Anlage wartenden Bestände pflegen. Für den Anleihebedars im engeren Sinne kömtte die Zentrale Dar» lehen bei denjenigen Korporationen vermitteln, die jetzt schon in beträchtlichein Umfange solche Darlehen gewähren. Sie könnte bei denselbei: auch selbst Darlehen aufnehmen, sie an mehrere Städte weiter begeben und so manchmal die von einander abweichenden Wünsche der Darlehensnehmer befriedigen. Auch die Unterbringung der Obligationen der Zentrale bei diesen Korporationen verspreche besseren Erfolg als jetzt die der einzelne:: städtischen Papiere. Diese gelte insbesondere für die Sparkassen. Die Sparkassen sowie die städttschen Sttstungen und Fonds würden durch lieber- tragung ihrer An- und Verkäufe von Wertpapieren auf die Zentrale zu deren Kräftigung und zur Schaffung eines sorgfältig gepflegten Papiers beitragen können. Besonder? wichtig Iväre, daß der Verein selbst aus den Tilgungsbeträgen der Städte Darlehen gewähren und dadurch die Beanspruchung des Weltmarkts verringern könnte. Denn die Zentrale ivürde zwar mit den Städten festtilgbare Darlehen vereinbaren, dagegen ein einheitliches Stentenpapier be- geben, also zwar kündbare, aber einem bestimmten Tilgungsplan nicht unterworfene Jnhaberschuldverschreibungen wie Steich und Staat schaffen. Durch dieses Jnhaberpapier, das an Stelle der zahlreichen Einzelanleihen treten würde, dann durch Anlage eines Schuldbuches der deutschen Städte, durch Ausdehnung der Einlöse- stellen, Heranziehung der Stadt- und Sparkassen zu diesem Dienst, durch tunlichste Aufnahme auf den Markt kommenden schwimmenden Materials mit Unterstützung wiederum der' städtische!: Finanz- institute und der freien Tilgungsraten, durch die hierdurch ge- wonnene größere Marktgängigkeit und Widerstandsfähigkeit würde das städttsche Papier das kapitalanlegende Publikum mehr fesseln als bisher. Auch der heute an städtischen Anleihen höchstens vorübergehend interessierte Bankier, für den im übrigen die vielen städttschen Anleihen eine wahre Last bilden, würde zur Empfehlung des Papiers gewonnen werden können. Eine direkte Propaganda wäre auch durch die Sparkassen möglich, deren über- mäßige Anfüllung mit größeren Einlagen sich zum Vorteil ihrer Garanten einschränken ließe, wenn wie in England der Umtausch zu hoher Bestände in Staats- und städttsche Werte zugestanden würde. Diese Maßnahmen ivürden auch den Wert der Stadtanleihe er- höhen. Zwar würde die Zentrale nicht auf die Solidarhast der Städte sich stützen, die ja auch bei den Hypothekenbanken und ihren Kommunaldarlehen völlig ausgeschlossen ist, aber alle ihre Schulden würden durch mündelsichere Forderungen gegen die Städte gedeckt sein. Die deutschen Städte seien alle absolut sichere Schuldner. Die Kursunterschiede ihrer Anleihen bedeuteten keinen Unterschied der Bonität. Das von der Zentrale ausgegebene wohlgepflegte Papier hätte alle Aussicht, gleich Reichs-'und Staats- papieren geschätzt zu werden. Die Form der Zentrale ergebe sich aus ihrer Aufgabe. Sie bedürfe ständiger Fühlung mit den Städten und ihren Instituten, auch mit den darleihenden Korpo- im Offenbach-Stil oder im Vogelkostüm glossiert werden, so vermag daS dramatische Pasquill zu amüsieren. Teils im Dreschflegelhumor. teils mit mehr Gallenstein als attischem Salz werden da den: Spott preisgegeben vor allem Michel, der brave Deutsche mit der Nacht- mütze, Herr Banausios mit dem Kapital, der Volkslenker(Wiedehopf), der Zentrumsmann, der Professor, der Schutzmann, Literaturjüdchen, Scherltum, Ueberweib. Doch das alles macht eine Witzblatt-Nummer, aber keine Komödie aus. Die Pointe der Geistesschnitzel geht darauf hinaus: Böotien ist ewig und auf Euelpides-Ruederer w:rd auch in Wolkenkuckucksheim nicht gehört. Die Absichten deS Autors wurden durch die szenische Ausstattung von Adolf Hengeler trefflich unter- stützt. zu. Humor und Satire. — D e u t s ch e M o d e r n i st e n.„Radikalismus ist immer eine böse Sache; ich für meinen Teil möchte beispielsweise bei dem heiligen Rock in Trier wenigstens das Futter für echt erklären." „Katarrh" und„Gicht" im Agrarier-Deutsch. Gräfin(zu dem niesenden Gutsinspektor):„Wohlsein, Herr Inspektor I Sie scheinen sich stark erkältet zu haben."— Inspektor:.Ja, Frau Jräfin, ick habe eenen furchtbaren Schweinerotlauf in die Näse. Wenn ick man bloß nich wieder ooch noch meine olle Klauenseuche in die rechte Vorderpfote kriege."(„Simplicissimus.") Die Beichte. Ein junges sauberes Diandl geht beichten. Die unangenehmsten Bekenntnisse, nämlich die Sünden gegen das sechste Gebot, bewahrt sie sich bis zuletzt auf. Aber auch da will sie nicht ordentlich mit der Farbe herausrücken. Um ihr das Ge- ständnis zu erleichtern, fragt sie der Herr Pfarrer:„Hast loa Ver- hältniS nit?"— Das Diandl erwidert etwas zögernd:„A bois (ein wenig) schon."— Der Pfarrer:„Ja. was tuat denn nacha Dett Bua?"— Das Diandl:„Er kimmt an's Kammerfenster."— Der Pfarrer:„Und nachher?"— Das Diandl;„Nachher klopft er halt an."— Der Pfarrer:„Und nachher?"— DaS Diandl: „Nachher kimmt er halt einer."— Der Pfarrer:„Und was tuat er denn nachher?"— Es entsteht ein peinliches Schweigen. Schließ- lich fragt das Diandl. der ihr sehr unangenehmen Inquisition aus- weichend, Se. Hochwürden:„Was tätest denn nachher Du?" _(„Jugend.")� Notizen. — Jonas L i e, neben Ibsen und Björiffon der bekannteste norwegische Dichter aus der alleren Generation, ist an: Sonntag in Kristiania gestorben. Im November wäre er 75 Jahre alt ge- worden. Seine Novellen, Romane, die ein getreues Spiegelbild norwegischen Lebens geben und seelische Probleme von allgemeinem Interesse in lebendiger Darstellung erörtern, sind auch in Deutsch- land populär geworden. — A t e m ü bangen in der Schule. In einer Pariser höheren Knabenschule nahm ein Arzt mit 200 Schülern täglich etwa 10 Minuten lang Atemübungen vor. Stach einigen Wochen hatte, wie Messungeil feststellten, der Brustumfang um zwei bis sechs Zentt« mcter zugenommen. Tie Versuche sollen aus breiterer Basis fort- gesetzt tverden rationen und ständiger Erforschung des Geldmarktes. Ein dank- mäßiger Betrieb sei ebenso wenig erforderlich wie ein großes Grund« kapital. Die beitretenden Städte würden gewisse Barleistungen zu machen und auch eine gewisse Haftung zu ubernehmen haben, so lange nicht die Reserven ausreichen. Die Reserven würden Vorzugs« weise gewonnen werden durch mäßige Abzüge zu Lasten der jetzt weniger günstig gestellten Städte, die von der Gründung der Zentrale den größten Nutzen haben. Man habe früher an eine große, nicht von den Gemeinden gegründete Aktiengesellschaft, an einen weitverzweigten Bankbetrieb, an eine Hypothekenbank, an die Beteiligung der Großbanken gedacht. Das alles erscheine nicht .rforderlich. Es genüge ein gutgeleitetcr, von einem Aufsichtsrat der Städte verwalteter Verein deutscher Städte. Seine Gründung würde beim Beitritt von Städten mit einer Einwohnerzahl von etwa fünf Millionen gewahrt werden können. Die Unterstützung der /iegicrungen würde zu erwarten sein, denn die Besserung des Geld- Marktes durch Aufhören der einander drängenden Einzelanleihen sei auch dem Staate nützlich. Die höhere Wertschätzung der Papiere .verde jeder Stadt zugute kommen. Nachteile seien der guter Leitung nicht zu befürchten. Der Redner schloß mit dem Wünsche, daß im Jahr der Säkularfeier der Steinschen Reformen ein Weg gefunden nerden möchte, der der Selbsthilfe der Städte und ihrer Größe die Buhnen ebne.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion wurden Bedenken dagegen laut, ob der angeregte Städteverein mit Solidarhaft aller Städte sich werde ermöglichen lassen. Schließlich wurde der vom Oberbürgermeister Ehlers« Danzig gestellte Antrag:„Der deutsche Städtetag wolle beschließen, die Leitsätze und Referate dem neuen Vorstand zur Prüfung und weiteren Bearbeitung zu überlassen', einstimmig an- genommen. Am Dienstag werden die Verhandlungen fortgesetzt. euleitburg vor den Geschworenen. Die Verhandlungen wurden Montag vormittag wieder auf genommen. Bis jetzt find erst 10 Zeugen vernommen worden, und da noch etwa 40 Zeugen zu vernehmen find, so dürfte der Prozeß mindestens noch bis Ende nächster Wocke dauern. Wie man hört, wollen die Aerzte in der Charits eS für aus geschlossen erklären. daß der A n g e k l a g t e fernerhin sechs VerhandlungStage hintereinander� aushalten kann, und auf Freilassung eines Tages in der Woche dringen. Schon am Sonnabend ist der medizinische Sachverständige vom Vorsitzenden befragt worden, ob die„Spazierfahrten' des Angeklagten, über die sich ein Teil der Presse sehr aufgeregt habe, wünschenswert seien. Medizinalrat Dr. Hoffmann er« klärte, die Fahrten seien nicht nur wünschenswert, fondern direkt notwendig zur Erhaltung der Gesundheit und Ver Handlungsfähigkeit des Angeklagten; jeder Gefangene gehe täglich eine halbe Stunde im Freien spazieren, und da der Fürst wegen seines Leidens nicht gehen könne, müsse er eben fahren. Zu Beginn der heutigen Sitzung meldete sich zunächst Justiz- rat Bernstein noch einmal zu einer kurzen Bemerkung. Von den Zeugen sollen heute nur sieben vernommen werden, und zwar Oberhofmarschall Graf Eulenburg. Milchhändler Georg Riedel. Oekonom Bernhard B eutler-Bieling, Polizeikommissar Seuffert« München. Vizewachtmeister R o g a t i- Tutzing. Gendarmeriewaöht- meister Schöpf- München und Kriminalschutzmann T i e tz e« Berlin. Der zunächst aufgerufene Zeuge August Graf zu Eulenburg, ein Verwandter des Angeklagten, ist Ober-Hof- und Hausmarschall des Kaisers und Oberzeremonienmeister. Seine Vernehmung dauerte etwa eine halbe Stunde. Alsdann wird der Zeuge Riedel in den Saal gerufen. Er ist neben dem Zeugen Emst, der noch nicht vemommen wird, bekanntlich der wichtigste Zeuge, von dem das Schicksal des Fürsten Eulenburg hauptsächlich abhängen wird. Georg Riedel ist 4« Jahre alt, katholischer Religion, verheiratet und Vater von fünf Kindem. Er stammt aus Feldafing. wo sein Vater Fischer war. Er selbst war früher Fischerknecht und ist seit geraumer Zeit Milchhändler in München. Er hat eine Reihe von Vorstrafen, darunter zumeist wegen Beleidigung, Gewalttätig« leiten u. dgl. Er hat im Alter von neunzehn Jahren Herrschaften auf dem Stamberger See gefahren und ist dabei mit dem da« maligen Grafen Eulenburg bekannt geworden. Was er in dieser Hauptverhandlung aussagen wird, ist natürlich nicht vorher zu sagen. es dürfte zur Orientierung der Leser aber dienen, darauf hinzu- weisen, über welche Dinge dieser Zeuge vemommen wird und was er bei seiner Vernehmung im München er Städele-Prozrß ausgesagt hat. Danach hat er den Angeklagten wiederholt auf den See hinausgemdert und der„feine Herr' hat sich recht jovial mit ihm unterhalten und sich nach seinen Familienverhältnissen usw. er- kundigt, geftagt, ob er schon ein Liebchen habe, ob er schon intim mit fernem Mädel verkehrt habe und den strammen Fischerknecht mit glänzendem Trinkgeld bedacht. Auf einer derartigen Wasserfahrt habe dann der Graf Eulenburg von seiner eigenen Militärzeit er- zählt und dem Riedel gesagt, er habe einen Offizier bei dm Leib- kürafsieren in Breslau zum Freund und wolle Riedel, wenn dieser werde dienen müssen, dort>n Breslau anbringen. Dann fei der Graf immer liebenswürdiger geworden, habe sich höchst kordial über allerlei sexuelle Dinge mit ihm unterhalten und schließlich habe er bei Leutstetten mit ihm sich im Walde gelagert und eine Flasche Wein mit ihm geleert. Bei dieser Gelegenheit habe dann der Angeklagte an ihm einen Akt perverser Natur vorgenommen, der nicht unter Z 178 Str.-G.-B. fällt. Riedel hat weiter erzählt, daß er dann den Angeklagten etwa noch achtmal gefahren habe. Als er zum Militär ausgehoben wurde, habe er vor der Musterung den Grafen — auf dessen Einladung— in München, Promenadenplatz 21, im zweiten Stock, besucht. Dabei habe ihm der Graf die ganze feine Wohnung gezeigt und ihm zehn Mark geschenkt. Auf seinen Wunsch habe er sich bei der zweiten Musterung zur Kavallerie gemeldet und sei auch richtig zu den Vierten ChevaulegerS gekommm. Nach Riedels Behauptung hat er wiederholt recht nette Summen vom Grafen bekommen, er will aber niemals dabei irgendwelche Drohungen gegen den Grafen ausgestoßen haben. Im ganzen habe er wohl 1500 Marl von ihm erhalten. Einmal habe er in seiner schönen Uniform den Grafen in München besucht und in der Wohnung am Promenadenplatz außer dem Grafen noch einen anderen jungen Herrn getroffen. Der Graf habe ihm dann, nachdem sie zusammen gut gegefsen, 10 M. gegeben, habe sich entfernt und ihn mit dem fremden Herrn alleingelassen. Diefer habe mit ihm dann unzüchtige Handlungen vorgenommen und ihm 10 M. geschenkt. Nachher will Riedel noch mehrere Male an den Grafen geschrieben, aber nun keine Antwort und auch kein Geld mehr erhallen haben.— Dies ist in großen Zügen der Inhalt der Aussage Riedels vor dem Münchener Schöffengericht. �Er hat sie beeidet. Ob er jetzt bei seiner damaligen Aussage bleiben wird, wird mit ausschlaggebend für den Ausgang des Prozesses. Daß er auf Herz und Nieren geprüft wird, zeigt die Tatsache, daß seine Vernehmung bis zur Mittagspause noch nicht zu Ende war. Während Riedel vernommen wurde, mußte Justizrat Bernstein den Saal verlassen. Hofmarschall Graf August zu Eulenbnrg soll dem Vernehmen nach bekundet haben, daß er niemals auch nur gerüchtweise von homosexuellen Neigungen des Angeklagten, mit dem er nur entfernt verwandt ist, den er aber von Kindheit an kennt, das geringste gehört habe. Er hat auch niemals etwas darüber vernonlinen, daß der Angeklagte zu seiner München« Zeit außer seiner Hauptwohnung noch mehrere Zimmer zu seiner Benutzung ge- mietet gehgbt habe, wie behauptet zu sein scheint. ES soll dann auch noch kurz die Affäre Lecomte gestreist worden sein. Der Zeuge soll auf eine Frage erklärt haben, baß der Angeklagte nicht die Einladungen zur kaiserlichen Hostafel besorgt und auch keinnlei Einwirkungen auf solche Einladungen, wie z. B. des Herrn Lecomte. gehabt habe. Diese Einladungen werden vom Hofmarschallamt erledigt. DaS Familienverhältnis in der Familie deS Angeklagten sei stets das innigste und freundlichste ge- wesen. Es soll dann zur Sprache gekommen sein, daß der Zeuge Riedel wieder einen Drohbrief erhalten habe.— Ueber die Vernehmung deS Zeugen Riedel hören wir, baß dieser bei seiner früheren Aussage geblieben ist und seine Darstellung von seiner Bekannt- schast mit dem jetzigen Fürsten Eulenburg und dem weiteren Verlauf der Dinge ganz mit derjenigen übereinstimmt, die er vor dem Schöffengericht in München gegeben hat. Ins- besondere soll er genau die Szene geschildert haben, wie der An- geklagte eines Tages mit ihm das Boot verlassen hat. in ein Gehölz gegangen ist und ihm dort aus einer mitgebrachten Flasche feurigen Wein zu trinken gegeben habe. Dabei babe er, Zeuge, sich dann etwas beschwipst, uird auf Aufforderung des Angeklagten fei eS zu einer Schmutzerei gekommen. Auch seine übrigen Begegnungen mit Eulenburg in München schilderte der Zeuge, wie wir hören, übereinstimmend mit seinen früheren Aussagen; er soll wiederum alle Einzelheiten dem Gerichte vorgeführt haben. Ueber die Dar- stellungsart dieses Zeugen hieß es in dem Urteil des Mün« chener Schöffengerichts:„Riedels ganze Erzählung, mit einer Unmenge von Einzelheiten, wie sie der raffinierteste Lügner kaum ersinnen und der gewandteste Betrüger nicht mit solcher Fertigkeit, Sicherheit und WiderspruchSlosigkeit zum Vortrag bringen könnte, machte den Eindruck unbedingter Glaubwürdigkeit.' Riedel soll auch gestern die Szene mit dem fremden jungen Herrn in der Wohnung des Angeklagten ebenso geschildert habe, wie seiner- zeit in München. Dieser fremde junge Herr, der den Versuch gemacht habe, eine Handlung im Sinne des Z 175 an ihm vorzunehmen, sei von dem Angeklagten auch„Herr Graf' an- gesprochen worden. Der Zeuge soll, so hören wir weiter, auf wiederholte eindringliche Vorhaltungen des Land- gerichtsdirektorS K a n z o w versichert haben, daß das, was er hier ausgesagt, die reine Wahrheit sei und er nicht anders aussagen könne. Den Umstand, daß er nach 24 Jahren auf diese Geschichten zurückgekommen sei, soll der Zeuge dahin erläutert haben: Als er im Herbst vorigen JahreS die Photographie des Fürsten Eulenburg gesehen, habe er ihn sofort wieder erkannt und einem Bekannten erzählt, was ihm seinerzeit mit demselben Manne passiert sei. Als ihm später gesagt wurde, daß der Fürst beschworen habe, daß er nie mit einem Manne häßliche Dinge gemacht, habe ihm ein Bekannter gesagt, er solle doch seine Erlebnisse dem Justizrat Bernstein mit« teilen, denn der Fürst müsse ja einen Meineid geleistet haben. Dem Justizrat Bern st ein habe er alles freiwillig erzählt. Der Justizrat habe ihn nach seinen etwaigen Bor st rasen gefragt und als er erfahren, daß Vorstrafen wegen Beleidigung, Körper- Verletzung und groben Unfug vorlagen, habe er ihn wiederholt befragt, ob da? auch alles wirNich wahr sei und habe ihm vorgehalten, daß eS eine große Sünde wäre, einen Nebenmenschen fälschlich zu beschuldigen. Er sei dann später aus die Polizei geladen worden und plötzlich habe alles in den Zeitungen gestanden. In großer Erregung klagte der Zeuge darüber, welches Ungemach er zu erdulden gehabt habe: Sein Name habe überall gestanden, sein Geschäft sei zurück- gegangen und jeder habe auf ihn gezeigt. Beemflußt sei er nimmermehr worden, ihm sei vielmehr immer ans Herz gelegt worden, nichts als die reine Wahrheit zu sagen. Dem Zeugen wurden vom Vorsitzenden einige kleine Unrichtigkeiten in seiner Aus- sage vorgehalten, er blieb aber im großen und ganzen bei seinen Bekundungen. Er erkenne den Fürsten auch bestimmt wieder. Wie wir hören, soll der Zeuge stets gesagt haben, der Mann, mit dem er damals zu tun gehabt, habe schwarze Haare ge- habt, während Fürst Eulenburg betonte, daß er immer blonde Haare und blonden Bart gehabt habe. WaS den Fürsten Eulenburg betrifft, so soll er auf eine Frage deS Präsidenten geantwortet haben: « erkenne den Riedel jetzt mied«. Als er ihm das erste Mal vorgestellt worden, habe er gesagt. erkönne sichseiner nicht mehr erinnern. Ergebe zu, ihn von der damaligen Zeit her zu kennen. eS lei ihm aber ganz unverständlich, wie Riedel so etwas erzählen könne. Der Zeuge mußte den Angeklagten immer wieder genau ansehen, auch eine Photographie deS Fürsten auS damaliger Zeit und blieb dabei, daß er sich in derPerson nichtirre. Auch die örtlichen Verhältnisse der Umgegend deS Starnberger Sees sollen sehr sorgfältig erörtert worden sein, und Riedel soll recht genau die Lage des Gehölzes beschrieben haben, in welchem die Szene mit der ihm von dem Angeklagten gespendeten Weinflasche und die daran sich knüpfenden Vorkommnisse sich entwickelt haben sollen. Die Glaubwürdigkeit des Zeugen wurde des weiteren in einem Kreuz- verhör, dem dieser unterworfen wurde, geprüft, der Zeuge soll aber mit aller Bestimmtheit bei sein« Aussage geblieben sein. Auf der anderen Seite verblieb aber der Angeklagte dabei, daß eS ihm unerfindlich sei. wie der Zeuge ihm solche Schmutzereien, die ihm selbst höchst widerwärtig seien, nach- sagen könne. Der Zeuge müsse irgend etwas verwechseln und sich später eingeredet haben, daß er(der Angeklagte) derjenige sei, mit dem er damals so etwas gemacht habe. Zur Beurteilung der Glaubwürdigkett des Zeugen sind die sämtlichen Strafakten Riedels eingefordert worden. ES sollen auch die sämtlichen Militärakten deS Riedel herbeigeschafft werden. Um 3 Uhr mußte die Sitzung abgebrochen werden, da der An- geklagte erklärte den Vorgängen nichr mehr folgen zu können.— Bei der Mitteilung von dem neuen Drohbriefe, den der Zeuge Riedel erhalten, soll äußerem Vernehmen nach der Vorsitzende nochmals an die Geschworenen die dringende Mahnung gerichtet haben, sich durch nichts, was sich außerhalb dieses Saales abspielt, durch keine Meinungsäußerungen für oder gegen den Angeklagten sich beeinflussen zu lassen, sondem lediglich die Dmge, die sich hier im Saale abspielen. zur Grundlage ihrer Beurteilung zu machen.— Ein Ersatzgeschworener, der ein mit schwerer Krankheit begründetes Gesuch eingereicht hatte. mußte entlassen werden. Außerdem sollen noch mehrere Geschworene, die sich gleichfalls krank fühlen, den Wunsch geäußert haben, entlassen zu werden. Land- gerichtSrat Kanzow soll aber die dringende Bitte an die Ge- schworenen gerichtet haben, im Interesse der Sache alle Kräfte zusammen zu nehmen, damit nicht der Prozeß schließlich noch ver- tagt werden müsse.— Die Verhandlung soll heute 11 Uhr fortgesetzt werden. 16. Verbaudstag des Zentralmbandes der Kraverei- llrbeiter und vemllndtev Kerufsgeuossell Dtutschlands. M ü n ch e n. 0. Juli 1008. Im Arzberger Keller zu München beginnen Dienstag die auf vier Tage berechneten Verhandlungen des 10. VerbandStageS des Brauereiarbeiterverbandes. Auf der umfangreichen Tagesordnung steht u. a. die Gründung eineSJndustrie-Verbandes für die Nahrungsmittelindustrie. Ter Geschäftsbericht beS Hauptvorstandes liegt den Delegierten gedruckt vor. Er erstreckt sich auf die letzten zwei Jahre und gedenkt eingangs des schmerzlichen Verlustes, den die Organisation durch den Tod des Hauptvorsitzenden Bauer, der seinen letzten LekenSnexv der Größe und dem Wohle des Ver- Bandes widmete, erlitten hak. Mit See vorläufigen Fortführung der Geschäfte des Verbandsvorsitzenden hat eine kombinierte Sitzung 'des VerbandSvorstandes und des Ausschusses Etzel betraut. Kurz vor dem Tode des Hauptvorsitzenden Bauer wurde der Beschluß gefaßt, wegen seiner häufigen 5h:ankheit und der nicht mehr zu bewältigenden Arbeit einen zweiten Vorsitzenden anzustellen; aber Bauer sollte die Anstellung nicht mehr erleben. Bald wurde dem Hauptvorstande klar, daß mit der Anstellung eines einzigen Beamten die Geschäfte nicht ordnungsgemäß erledigt werden konnten und eine durchgreifende Aenderung vorgenommen werden müsse. Nicht allein der Haupworsitzende, sondern auch der Redakteur und der Hauptkassierer mußten entmstet werden. Die Diffe- renzen und Lohnbewegungen haben einen erheblichen Teil der Tätigkeit des Verbandsvorsitzenden in Anspruch genommen. Aus den Kämpfen mit dein Unternehmertum habe die Organisation einen ungeahnten moralischen Nutzen gezogen, der die finanziellen Opfer ausivicgt. Die erfreuliche Zunahme der Mitglieder- zahl, die günstige Entwicklung der Kassenverhältnisse und vor allem das innige Verwachsen der Braucreiarbeiter mit ihrem Ver- band, deren Treue und Begeisterung für ihn so leicht kein Stoß mehr erschüttern kann, seien beredte Zeugen dafür, wie die Kämpfe dazu beigetragen haben, die Organisation zu kräftigen. Angriff st reiks fanden in den letzten zwei Jahren in 60 Orten 73 statt; in 52 Orten sind 57 Abwehr st reiks und 14 Aussperrungen zu verzeichnen. Im Jahre 1006 waren an den Kämpfen insgesamt 706 männliche und 5t) weibliche, im Jahre 1007 aber 2373 männliche und nur 18 weibliche Mitglieder beteiligt. Die Dauer der Streiks betrug in den zwei Jahren ins- gesamt 4253 Tage und verursachten insgesamt 168 333 M. Aus- gaben. Wenn auch schwere Opfer gebracht werden mußten, so wurde dem Unternehmertum doch die Erkenntnis beigebracht, daß es ein gefährliches und nußloseS Unterfangen ist, den Brauerei- arbeiterverband vernichten zu wollen. Die Vorgänge beim Augs- b u r g e r Kampf und die Stellungnahme des Boykottschutz- Verbandes haben die Verbandsleitung gezwungen zu einer neuen Waffe für den Kampf mit dem Unternehmertum zu greifen, nämlich zum Ankauf und Betrieb einer eigenen Brauerei. Mit dem Erfolg, den dieser Schritt für die Organi- sation gebracht hat, könne man vollauf zufrieden sei. Die zahl- reichen und kostspieligen Kämpfe machten die Erhebung von Extra- beitrügen notwendig und macht der Bericht die lobende Erwähnung, daß die übergroße Zahl der Mitglieder bei Entrichtung der Extra- beitrüge ihre Solidarität und Disziplin im schönsten Lichte gezeigt haben.— Der Bericht konstatiert ferner, daß in einer Reihe von Fällen die Kollegen unter Außerachtlassung der Disziplin in Streiks Sreten sind, ohne sich mit dem Haupworstand in Verbindung zu en oder dessen Genehmigung eingeholt zu haben. DaS sei um so verwerflicher, als die Bezahlung der hohen Boykottentschädigung unrentable Brauereien geradezu anreizt, Konflikte heraufzu- beschwören, um in den Genuß der Entschädigung zu genügen. Mit «nd ohne Streiks wurden in den beiden Jahren für 16 010 Arbeiter zusammen 77 554 Stunden Arbeitszeitverkürzung und für 31 740 Arbeiter zusammen 81 033 M. Lohnerhöhung pro Woche erzielt, was bei den einzelnen im Durchschnitt 2,55 M. Lohnerhöhung und 4,84 Stunden Arbeitszeitverkürzung ausmacht.— Im Jahre 1006 wurden 107 Tarifverträge für 14 450 Personen und 1007 184 Tarifverträge für 17 447 Personen abgeschlossen. Der Mitglieder- stand betrug im Jahre 1006 28 501, im Jahre 1007 33 255 Mit- glieder.— Der Bericht klagt über große Fluktuation. Bei 28 163 Neuaufnahmen innerhalb 2 Jahre beträgt die Mitgliederzunahme 0835. Doch wurden nicht weniger als 18 328 65 Proz. der auf- genommenen Mitglieder wieder fahnenflüchtig. Die größte Fluk- tuation weist der Bezirk Breslau auf. ihm folgt Karlsruhe und Berlin.— Für 220 Sterbefälle wurden insgesamt 14 183 M. Sterbe- Unterstützung bezahlt; Rechtsschutz wurde 215 Kollegen gewährt und beliefen sich die hierfür ausgegebenen Kosten auf 16 587,59 M. Der Kassenbericht schließt im Jahre 1006 mit einer Einnahme von 511 328 M und einer Ausgabe von 375 117,57 M. ab, was eine Mehre innahme v on 117 737,01 M. ergibt. Das Jahr 1907 schließt mit einer Einnahme von 665 147,44 Mk., einer Ausgabe von 542 803.60 M. ab, was eine Mehreinnahme von 122 283,78 M. ergibt. Die Auflage des VerbandSorganS„Brauereiarbeiter- zeitung" betrug im Durchschnitt 32 688 Exemplare. Soziales. Wie ein konservativer GutSschmied Sozialdemokrat tvurbe, lehrt nachstehender an die Redaktion des.Landboten' in Königsberg gerichteter Brief eines ehemaligen Gutsschmiedes vom 20. Juni d. I. Derselbe lautet wörtlich: „Ich bitte hiermit um Zustellung des„Landboten' und bezahle ihn auch gleich für daS ganze Jahr. Ich habe jetzt das zweite Mal meiner Heimat Ostpreußen den Rücken gekehrt. Aber das erste Mal, als ich meine Heimat verließ, nahm ich den.Landboten' noch nicht in die Ferne mit; denn früher war ich christlich-konservativ und wäre dieser Richtung auch treu geblieben bis an den Tod, wenn mich nicht mein Weg noch einmal nach der Heimat zurück- geführt hätte. Da habe ich nämlich erst am eigenen Leibe die barbarischen Zustände in Ostpreußen, meiner Heimat, kennen ge- leiden hat. Jeder wahre Patriot, der sein Volk und sein Vater- leiden hat. Jeder wahre aPtriot, der sein Volk und sein Vater- land lieb hat, muß solche Zustände verfluchen. Dieses Ausnahme- gesetzen entsprungene ländliche Elend ist nebst Gott nur den Sozial- demokraten zu klagen; denn von anderen werden die Klagen nicht gehört. Als der konservative, christlich sein wollende„VollSfreund' sich anfangs dieses Jahrhunderts für das Kontraktbruchgesetz ins Zeug legte, da machte ich ihn von Thüringen auS, wo ich damals wohnte, aufmerksam, daß es so schon schlecht genug mit der länd- lichen Arbeiterbevölkerung stünde und es keiner Verschlechterung mehr bedarf. Der„Volksfreund' teilte darin meine Meinung, aber er tröstete mich, daß es besser werden würde. Nun. diese Besserung habe ich jetzt gründlich kennen gelernt in den paar Jahren, die ich nun wieder in der Heimat verlebt habe. Wohl hatte ich zur Rückkehr keine Not. Aber ich dachte, in der Heimat schläft sich? besser, wenn auch auf hartem Lager. Ich wußte aber nicht, daß der Landarbeiter heute in Ostpreußen keine Heimat mehr hat. Ich erwähne als Beispiel nur einen von mehreren mir passierten Fällen. Im August 1005 schloß ich mit einem GutS- besitz« im Kreise Golbap einen Vertrag auf ein Jahr. Mein« mir obliegenden Arbeiten habe ich gewissenhaft, sogar zur Zufriedenheit deS Besitzers erfüllt. Bis zur Winterszeit, als ich ihm wohl zu teuer wurde, da suchte er mich auf die niederträchtigste Art los zu werden. Meiner Kuh entzog der Besitzer daS zum Deputat ge- hörige Futter. Dann hatte er fortgesetzt etwas an meiner Ma. schinenarbeit zu nörgeln. Befehle, die er heute erteilte, widerrief er unter Fluchen und Schimpfen morgen wieder. Bei der ge- ringsten Rechtfertigung meinerseits brauste er dann wütend auf. Bei einer dieser vom Zaune gebrochenen Auseinandersetzungen ent- lieh mich der Besitzer auf der Stelle. Ich suchte Rat und Schutz bei dem AmtSvorsteh«; der stand mir nicht einmal Rede und Ant- wort. Barsch wies er mich ab. Meine Kuh ließ der Gutsbesitzer bei Frost und Schnee auf die Straße führen. Auch ich sollte mit meiner Familie die Wohnung verlassen, obdachlos werden. Noch che ich eine andere Wohnung fand, klagte der Besitzer auf Ex- missi-n. Vor Gericht erklärte ich. laut Kontrakt Anspruch auf die Wohnung zu haben und nicht ich, sondern der Besitzer hätte den Kontrakt gebrochen. Der Nichter belehrte mich aber, zum Halten des Kontrakts könne der Besitz« nicht gezwungen werden. Such Wenn dieser Ben Konttals gebrochen hat, müsse ich die Wohnung räumen, wenn das Arbeitsverhältnis gelöst sei. Mir stehe aber, so belehrte mich der Richter weiter, das Recht zur Klage auf Ent schädigung gegen den Befizer zu. Ich wurde also verurteilt, die Wohnung zu räumen. Irgendwo fand ich ein primitives Obdach, winterüber aber teine Arbeit. Auch mußte ich für die Kuh Futter taufen. Unter Aufwendung großer Soften, wobei meine Ersparniffe draufgingen, strengte ich nun eine Schadenersaktlage gegen den Besizer an. Die erste Instanz wies mich ab. Die zweite Instanz entschied zwar zu meinen Gunsten, entdeďte aber auch gleichzeitig einen Formfehler in der Klage. Denn nach einer Kabinettsorder bom Jahre 1887 war ich als Bandarbeiter dieser Kategorie Arbeiter gehörte ich als Schmiedemeister nach Anficht des Gerichtsverpflichtet gewesen, erst die Bermittelung der Ortspolizei, also bes Amtsvorstehers, nachzusuchen, ehe ich vor Gericht zu klagen begann. Nun berief ich mich zwar auf den Amtsvorsteher, dessen Rat ich einzuholen versuchte, der mich aber barsch und grob abgewiesen hatte. Der wurde denn auch als Zeuge bernommen, beschwor aber, daß ich wohl bei ihm gewesen wäre, aber Vermittelung nicht verlangt hätte. Also wurde ich mit meiner Entschädigungsflage abgewiesen, und mir nur mein rüdständiger Lohn bis zum Tage der Entlassung zugesprochen. über die Erfüllung kontraktmäßig übernommener Verbindlichkeiten, stimmt. Es wurde der Referentin von zahlreichen Seiten Borge während des bestehenden Dienstverhältnisses die Polizeibehörde auf werfen, sie habe in der Darstellung früherer Jahrhunderte viel zu dieselbe Weise, wie es für die eigentlichen Gesindefachen gesetzlich stark die gesellschaftliche Stellung des Weibes unter den Befißenden, vorgeschrieben ist, die vorläufigen Bestimmungen erlassen und mit wie die rein geistigen Strömungen in der Frauenwelt berücksichtigt, Vorbehalt des beiden Teilen dagegen zustehenden Antrags auf die ja ebenfalls nur von den Frauen der herrschenden Klaffen aus. gingen, dagegen dem weiblichen Proletariat und seinem Da gerichtliche Entscheidung zur Ausführung bringe." Gine inhaltlich sein zu wenig Raum gewidmet. Ebenso erhob sich starker Widergleiche Bestimmung wie diese Kabinettsorder trifft für Neuvor spruch gegen ihre Wertung der Frauenemanzipationsbewegung als pommern und Rügen§ 174 der Gesindeordnung für Neuvor einer bedeutsamen Kulturbewegung überhaupt. Mehrere Dis pommern und Rügen rüdsichtlich der Einlieger, Kätner und über- fussionsredner wandten sich auch gegen die Ausblicke der Rednerin haupt solcher Dienstleute, welche von dem Befiber eines Landguts in bezug auf die aufünftige Gestaltung des Frauenlebens. So rief zur Bewirtschaftung desselben gegen Gewährung einer Wohnung die Frage eine besonders eifrige Debatte wach, ob bei einer unter in den dazu gehörigen Gebäuden und gegen ein im voraus ein- ebung der Lebenslage der Arbeiterschaft dennoch auch für die berheiratete Proletarierin die Tendenz bestehen bleiben für allemal bestimmten Lohn angenommen worden sind." Gleichbiel aber, ob das ostpreußische Gericht mit Recht oder werde, selbständige Berufsarbeit zu leisten, die Frage also, ob die zunehmende gewerbliche Mitarbeit der Arbeiterfrauen aus. mit Unrecht glaubte, aus dem Gesetz herauslesen zu müssen: Ge- fchließlich durch den ungenügenden Erwerb der männlichen Arfinde und auch Gutshandwerker haben kein Recht, bei dem ordent- beiter hervorgerufen sei oder ob die Frau des Proletariats auch lichen Gericht kontrattbrüchige Gutsbesitzer zu berklagen, bebor fie aus dem Wunsche wirtschaftlicher Selbständigkeit zur Berufsden Amtsvorsteher gebeten haben, den Gutsbesizer um Wiederauf- arbeit greife. Endlich entspann sich ein lebhafter Meinungsnahme des au Unrecht Entlassenen zu ersuchen diese tatsächliche austausch über die Ursachen der in allen Gewerben so viel gerin Prämierung der Gutsbesizer für Kontraktbruch entspricht dem geren Entlohnung der Frauen. gegenüber der Männerarbeit, ein Wunsch der herrschenden bürgerlichen Parteien. Sonst hätten sie Problem, das ebenfalls in den Vorträgen berührt worden war. In bezug auf den ersten Punkt wies die Referentin im Schluß längst diese zum Himmel schreiende gefeßliche Begünstigung des wort, wie schon mehrfach in der Diskussion, darauf hin, daß vor Vertragsbruchs Wohlhabender beseitigt. Der Gutsschmied hat aber dem Entstehen der mod.enen Arbeiterbewegung wenig geschichtliches darin Recht: weil die Erfüllung dieser Forderung der Gerechtig- Material gerade über die Frauen der proletarischen Klassen geteit entspräche, ist sie nur von der Sozialdemokratie zu erwarten. fammelt worden sei, ihr zurücktreten in einem historischen Ueber. blick über die Geschichte des Weibes deshalb unvermeidlich wäre. In den übrigen Fragen wahrte Frau Bepler ihren Standpunkt und betonte zum Schluß besonders, daß ihrer Anschauung nach die sehr tiefgehenden Probleme, die für das Frauenleben genau so gut im Proletariat wie im Bürgertum egiftierten, in der Sozialdemo fratie oft zu wenig Beachtung fänden, daß jedenfalls aber eine möglichst eindringende Diskussion aller aufgerollten Einzelfragen höchst wertvoll sei und nur immer wieder zur Vertiefung unserer fezialistischen Ueberzeugung beitragen könnte. Ob nun das Gericht richtig geurteilt hat, weiß ich nicht, auch nicht, ob die Kabinettsorder zu Recht besteht; aber das Haus, aus dem die Kabinettsorder hervorgegangen ist, mag jest brennen, da gehe ich nicht löschen. Aber Dant bin ich der preußischen Gerichtsbarkeit doch schuldig. Sie hat mich zu dem gemacht, was ich jetzt bin, zum Sozialdemokraten. Und das ist viel wert. Aber nicht ich allein, tausende sind auf diese Art auf den richtigen Weg geführt worden. Und so treiben die sogenannten Staatserhaltenden ihr Weisheit dahinter steckt. Mit beftem Gruß Aus der Frauenbewegung. Die Generalversammlung des Vereins für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse Zerstörungswerk an sich selbst weiter. Ein Zeichen, daß wenig fand am Montag, den 29. Juni, im Klubhaus, Kommandanten straße 72, statt. Die Vorsitzende, Frau Stod, erstattete den Borstandsbericht. Die Vereinsabende dieses Winters waren zum größten Teil durch einen Zyklus von Vorträgen:" Bur Geschichte der Frau" eingenommen. In diesen Vorträgen behandelte die Referentin, Frau Bepler, in knappen Umrissen die Stellung des Weibes im Kultur- und Wirtschaftsleben der Menschheit von den ältesten ge= schichtlich bekannten Beiten bis zu unserer modernen Frauen- und Arbeiterinnenbewegung. richten." Nach dem Vortragszyklus veranstaltete der Verein in diesem Jahre noch drei Abende, die sich mit künstlerischen Themen resp. Borträgen befaßten. Einem Vortrag von Dr. Keesbach über die Betrachtung fünstlerischer Werke waren zwei Museumsführungen für die Bereinsmitglieder ebenfalls unter Zeitung des Dr. Kees bach vorangegangen. allzeit Ihr F. Jeffot." Die Deutsche Tageszeitung", Kreuzzeitung"," Post"," Tägliche Rundschau" und andere Blodorgane werden aber nach wie bor für Aufrechterhaltung der Rechtlosigkeit des Gesindes und der Bandarbeiter und für die Ausdehnung derartiger Vorschriften auf alle Arbeiter eintreten. Das Recht des fonservativen Gutsschmiedes Dem Bericht der Vorsitzenden folgte zunächst der Kaffenbericht ist zweifellos arg verlegt. Aber diese Rechtsauslegung liegt im Der historische Abriß begann mit einer Darstellung der der Kassiererin Frau Klotsch und der Revisorinnen. Der Sinne der bürgerlichen Parteien.§ 160 der altpreußischen Gesinde Forschungen zur Ürgeschichte der The und Familie, behandelte dann Kassiererin wurde Decharge erteilt. Darauf fand die Diskussion ordnung vom 8. November 1810 schreibt vor: in furzer Zusammenfassung die Stellung des Weibes im alten über Vereinsangelegenheiten statt. Sie bewegte sich hauptsächlich „ Eine Herrschaft, die aus anderen als gefeßmäßigen Ursachen Griechenland und Rom, die Umwertungen, die das Christentum um die Frage der Stellung des Vereins gegenüber dem neuen Ver das Gesinde vor Ablauf der Dienstzeit entläßt, muß von der und sein astetisches Ideal für die Beziehungen der Geschlechter einsgefehe. Von allen Seiten wurde die Wichtigkeit des Bestehens Obrigkeit, dasselbe wieder anzunehmen und den Dienstvertrag mit sich brachte, die Stellung der Frau und ihre Mitarbeit im eines Arbeiterinnen- Bildungsvereins neben den politischen Orga fortzusehen, angehalten werden." Wirtschafts- und Kulturgetriebe des germanischen Mittelalters. nisationen betont, da die Mitglieder die wissenschaftliche und Hierin, sollte man annehmen, liegt die Vorschrift, daß die Ein weiterer Vortrag befaßte sich mit dem geistigen Aufstieg der künstlerische Anregung, die ihnen der Verein biete, in gleicher Art Polizei von Amtswegen die Herrschaft zur Befolgung des Vertrags Frauen bestimmter Gesellschaftsklassen in der Hochblüte der italie- an anderer Stelle schwerlich zu finden vermöchten. Nach der Diskussion wurde noch Bericht erstattet über die seit anhalten müsse. Weit gefehlt! Die preußischen Gerichte haben nischen Renaissance. Daran schloß sich ein Ueberblick über die Re- dem Mai dieses Jahres auf Anregung der Vereinsmitglieder neu dem Mai dieses Jahres auf Anregung der Vereinsmitglieder neu aus diesem Paragraphen in Verbindung mit dem folgenden§ 161: formationszeit in den germanischen Ländern und die Betrachtung gegründeten Jugendabteilung des Vereins. Die Jugendabteilung der deutschen Klassiker- und Romantikerperiode mit ihrem starten Weigert sie sich dessen beharrlich, so muß fie dem Dienst Servortreten des weiblichen Einflusses im Geistesleben. Die weis hat bisher an fünf Sonntagen Veranstaltungen für die Jugend boten Lohn und Libree auf die noch rüdständige Dienstzeit ent- teren Referate behandelten eingehender die Epoche der großen fran. arrangiert, und zwar dreimal in einem Saal des Gewerkschafts Diese Zusammenfünfte erfreuten gefolgert: das Gesinde ist verpflichtet, die Polizei zu ersuchen, die zösischen Revolution, das endliche Aufflammen politischen und sich von Anfang an einer äußerst lebhaften Beteiligung der jugendsozialen Interesses auch unter den Frauen jener Lage, die ersten lichen Arbeiterinnen. Wie der Vorstand berichtete, hat er bereits Herrschaft zur Fortsetzung des Dienstvertrages zu veranlassen. Hat glühenden revolutionären Erhebungen des weiblichen Proletariats, lichen Arbeiterinnen. Wie der Vorstand berichtete, hat er bereits das Gesinde das nicht getan, so habe es kein Klagerecht. So find das Erwachen der Emanzipationsideen. Endlich die großen tech- Jugendveranstaltungen gewonnen und hofft im Winter die neue eine Anzahl geeigneter Hilfskräfte speziell für die Zeitung der die Gerichte, die ja nach der schon vor hundert Jahren geäußerten nischen und wirtschaftlichen Umwälzungen des 18. und 19. Jahr- Abteilung nach allen Seiten hin möglichst reich und vielseitig aus. Ansicht des Ministers Suarez im Zweifel stets augunsten der hunderts, die die Frau als selbständig Schaffende in das WirtHerrschaft entscheiben werben, dazu gelangt, burch Weigerung oder schaftsgetriebe hinausstießen und damit zur Grundlage des welt- gestalten zu können. Erschwerung des Rechtswegs den kontrattbrüchigen Gutsbesitzern historischen Frauenbefreiungstampfes wurden, in dessen heißestem eine Brämie für ihren Bertragsbruch durch diese Praris zuzu- Ringen die bürgerlichen wie die proletarischen Frauen noch heute stehen. sprechen. Diese Beschränkung des Rechtswegs ist spätestens mit der Zivilprozeßordnungsnovelle von 1897 in Fortfall gekommen. In tes, die herrschende fonservative Partei, ihr liberales Anhängsel und die Zentrumspartei schwärmen für den Kontrattbruch der Gutsbefizer und schreien nach neuen Ausnahmegefeßen wegen angeblichen Kontraktbruchs der Arbeiter. Dieser Auffassung entsprechend hat die Gerichtspraxis fich für das Fortbestehen der Brämien für kontraktbrüchige Gutsbesizer erklärt. Darüber hinaus hat das Gericht in dem oben vom Gutsschmied geschilderten Falle gar die Gutsschmiede in Gefinde verwandelt und auch dem Gutsschmied sein Recht auf Schadenersatz genommen, und das, wiewohl diefer sich an den Amtsvorsteher gewendet hatte. Hierbei ist es nur den Spuren fammergerichtlicher Judikatur gefolgt, das bereits im Jahre 1898, entgegen dem flaren Wortlaut des Gefeßes, Gutshandwerker als unter das Ausnahmegefeß vom April 1854 fallend erklärte, weil die Handwerker mittelbar dem eine fulminante Auslegung, Landwirtschaftlichen Betriebe bienen eine fulminante Auslegung, nach der schließlich auch alle gewerblichen Arbeiter und auch alle Beamte ländliche Arbeiter wären, die dem preußischen Ausnahmegefet von 1854 berfallen find. In dem Fall des von der konserba tiven Partei abgefallenen Gutsschmiedes hat mit Unrecht das Gericht sich auf die Rabinettsorder bom 8. August 1887 berufen. Diese bezicht sich nicht auf Handwerker, sondern auf Instleute. Mit ihrer Entstehung steht es fo: Die Junter beantragten im Jahre 1834 auf dem Landtag der preußischen Provinzialstände, die Inftleute der Gefindeordnung zu unterstellen. Die Kabinettsorder bom 8. August 1837 lehnte dies Anfinnen ab, bewilligte aber:„ daß fünftig bei den Streitigkeiten zwischen den Dienstherrschaften und Instleuten in der Provinz Preußen über den An- und Abzug und Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Dienstag, ben 7. Sult Anfang 7, Uhr. Neues Egl. Operntheater. Barbier von Sevilla. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Die Brettlgräfin. Rammerspiele. Gelbstern. Neues. Der Berriffene. Neues Schauspielhaus. Dollarprinzessin. Kleines. Gefchloffen. Berliner. Raffles. Walhalla. Spezialitäten. Berliner Prater. Die Welt ein Paradies. Anf. 7 Uhr. rania. Tanbenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Die Gletscher der Eiszeit Hochgebirge und die Eeit unserer Heimat. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Schiller- Theater 0. ( Wallner- Theater.) Morwit- Oper. Der Dienstag, abends 8 Uhr: König für einen Tag. ( Si j'étais roi.) Komische Oper in 4 Aufz. von A. bam Mittwoch, abends 8 Ubt: Gastspiel Heinrich Bötel: Die Der Postillon von Lonjumeau. Lustspielhaus. Die blatte Maus. Schiller 0.( 28allner Theater.) Rönig für einen Tag. Donnerstag, abends8uhr: König für einen Tag. Berliner Theater. Friedrich Wilhelmstädt. Shan. Täglich: Raffles. pielhaus. Die Diebin. Thalia. Der Mann mit dem Monocle. Weften. Ein Balzertraum. Bernhard Rose. Sm Hanse der Sünde. Karlsgarten Rixdorf. Karlsgarten- Straße 10-11. Werrovot. Das muß man feh'n. Sommer- Spielplan. Wintergarten. Spezialitäten. elle. London Suburbia. Spent: Apollo- Sänger. Montag: Paffage. Berlin in Stimmung. Mittwoch, Sonnabend, Sonntag: Apollo. gialitäten. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Borher: Garten- Konzert. Versammlungen Beranstaltungen. Reinidendorf. Dienstag, den 7. d. M.: Ausflug nach Wiadmannsfuft Abfahrt früh 8.15 bon Schönholz. Treffpunkt im Vereinslokal bei Gründer. Bei schlechtem Wetter acht Tage später. Der Vorstand. Friedenau. Dienstag, den 7. Juli, abends 8%, Uhr, im Rheinschloß: Generalversammlung. Bersammlung in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59. 1. Belche Konditoren, Hilfsarbeiter! Heute abend 9 Uhr: Deffentliche Interessen haben wir in der Drtskrankenkasse der Konditoren zu ver Bülowstr. 37: Mitgliederversammlung. Berliner Freibäder- Berein. Heute abend 9 Uhr im Königsho treten?" 2. Hirsch- Dundersche Denunziationen. Am Schluß des Vortragszyklus gab die Referentin eine Zuſammenfassung des Ganzen und entwickelte auf der gegebenen historischen Basis in allgemeinen Bügen die Richtlinien für die zufünftige Gestaltung des Frauenlebens, wie sie sich ihr aus den heutigen Strömungen zu ergeben schienen. Sie suchte einerseits in bezug auf die bürgerlichen Frauen nachzuweisen, daß die geistigen und sozialen Tendenzen, die sich unter ihnen herausgebildet haben, die Probleme, die im Emanzipationskampf für sie entstanden sind, ihre Lösung niemals im Kapitalismus, sondern einzig und allein in einer sozialistisch organisierten Gesellschaft finden können. Andererseits entwickelte sie im Anschluß an die Schilderung der modernen Arbeiterbewegung und des großartigen Aufstiegs der Sozialdemokratie in allen Kulturländern die Ursachen, die die Frauen des Proletariats von einem reinen Geschlechtstampf fernhalten und sie im Gegenteil mit Notwendigkeit dahin führen mußten, ihre soziale und geistige Befreiung nur im Mittampfe mit dem Manne ihrer Klasse, in der gewerkschaftlichen und politischen Sozialdemokratie zu suchen. Die sozialistische Zukunftsgesellschaft Organisation, in dem bewußten Ringen um die Forderungen der werde nach allem, was wir heute zu erkennen vermögen, auch eine Memel, fit grundlegende Umgestaltung der Familienbeziehungen sowohl wie Bregel, Insterburg der Grundlagen der Kindererziehung und der Hauswirtschaft mit eigiel, Thorn Dber, Ratibor fich bringen. Sie werde das weibliche Geschlecht vermutlich zu einer Stroffen allgemeinen Berufsausübung führen, andererseits aber die MutterFrankfurt schaft und Kinderpflege als eine hohe Leistung für das Ganze geLandsberg fellschaftlich entsprechend werten und so erst die Widersprüche Bordamm wirklich lösen, die sich in jeder anderen Wirtschaftsorganisation für die Freiheit des Weibes aus seiner Gebundenheit durch die Mutterschaft ergeben. Die Vorträge, die mannigfaltige Probleme aufgerollt hatten, wedten eine äußerst lebhafte Diskussion, die die verschiedensten Fragen berührte. Für diese Diskussion war ein eigener Abend beWafferstands- Nachrichten ber Landesanstalt für Gemässerfunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wafferstand Barthe, Schrimm nese, Ibe, Leitmerik Dresden Barby Magdeburg )+ bedeutet Wuchs, am feit am 5. 7. 4. 7. Basserstand 5. 7. 4. 7. cm cm³) cm cm³) 120 -3 Saale, Grochlit 86 -4 Havel, Spandau) 50 38 0 Rathenow) 114 75 -3 59 -2 68 Spree, Spremberg) Beestow Beser, Münden-82 78 112 2 +2 Minden 4 -7 Rhein, Maximiliansau 448 -9 -76 -189 66 82-11 Raub Köln Nedar, Heilbronn 231 232. 36 Main, Wertheim Mosel, Trier 96 Fall, Theater des Westens. Urania. Brunnen- Theater Allabendlich 8 Uhr: Ein Walzertraum. Dperette von Dslar Strauß. Friedrich- Wilhelmstädtisches Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Badstraße 58. Direkt.: Willi Voigt. De Täglich: Der deutsche Michel. 8 115r. Schauspielhaus. 8 Uhr. Die Gletscher der Hochgebirge und Erstklassige Spezialitäten. 85. Sommerspielzeit. Leitung v. G. Pilz. Die Diebin.( Leah Kleschna.) Sensationsschauspiel in 4 Atten von C. M. S. Mc. Lellan. Mittwoch: Die Diebin. Donnerstag: Die Diebin. Lustspielhaus. Die blaue Maus. Metropol- Theater Sommerpreise. Abends 8 Uhr: Bum 289. Male: Das muß man seh'n Revue in 12 Bildern m. Gef. und Zanz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. DERNHARD ROSE THEATED DERNHARD ROSE THEATED Br. Frankfurter Str. 132. Im Haufe der Sünde Anf. 8 Uhr. Sommerpreise. Auf der Gartenbühne: die Eiszeit unserer Heimat. Z OOLOGISCHER CARTEN Täglich: Gr.Militär- Doppel- Konzert Eintritt 1 M. von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. apollo Theater 10 Uhr: Ein Bomben- Lacherfolg. London Suburbia. Große englische Burlest- Pantomime in 2 Bildern, ausgeführt von Bert Bernards Original Stompagnie. tionen u. Die fühen Grifetten". Carl Haberland. Spezialitäten. Spezialitäten und Theater. Theatervorstellung. Spezialitäten. Borher 8 Uhr: Die neuen Attrat. 11. a.: Gaftipiel Rnd. Mälzer. Karl Braun, Berwandlungs- Künstler. 5 Schenk Marvelly's. Trio Busson. Paul Coradini. Eröffnung 2 Uhr. Anfang 4%, Uhr. Borverkauf von 10 Uhr ab. W.Noacks Theater Direktion: Rob. Dill. Brunnenſtr. 16 9115r: Wenn der Flieder blüht. Borb. die neuen Juli. Spezialitäten Mr. Neuberty, der großart. Equilibrist! Karl Cook, der Urtomische usw. Anf. 6 Uhr. Kaffeeküche 3-6 Uhr. Donnerstag: Benefiz C. Reich: Hüttenbefizer. Fröbels Allerlei- Theater. Schönhauser Allee 148. Täglich: Bollsstück Spreelottchen. Boltsitud aus dem Berliner Reben. erftklassige Spezialitäten. Dazu Jm Saale von 5 Uhr ab: Tanz. 2) Unterpegel. Neue Welt. TTTTTTTTTT! Hasenheide 108-114. Heute a. folg. Tage: Mr. Gadbin II. tollkühner Kopfsprung aus der 6. Etage. Doppel- Konzert und Spezialitäten- Vorstellung. Anfang 5 Uhr. Entree 25 Pf. 0000000 Volksgarten- Theater am Bahnhof Gesundbrunnen. Täglich: Der Liebe Leid und Freuden. Bollspoffe mit Gesang in 5 Bildern von St. Lindner u. 3. Seit fomie das neue Riesen- Juli- Programm. Berliner k- Trio. Follx Scheuer U Stralsunderstr.1. 000000 00000 Diez' Spezialitäten- Theater Verband der Sattler Statemokratischer Wahrverein Landsberger Allee 76/79, direkt Ringbahn- Station. Bequemite Fahrgelegenheit nach allen Stadtrichtungen. Ob schön! Täglich: 1 Ob Regen! Das neue und befte Programm Berlins Entree 20 Bj. Entree 30 Pf. Wochentags Anfang 4 Uhr. Sonntags Anfang 3 Uhr. Großer Ball. Kaffeeküche. Volksbelustigungen aller Art. Dampfer- Station Michaelbrücke an der Michaelkirchstraße. Ortsverwaltung Berlin. Donnerstag, den 9. Juli, abends 8%, Uhr, in den ,, Arminhallen", Stommandantenstr. 58-59: General- Versammlung. 1. Geschäftliches. Tages Ordnung: 2. Bericht und Abrechnung vom 2. Quartal 1908. 3. Bericht der Delegierten der Berliner Gewerkschaftskommission sowie Neuwahl derselben. 4. Berschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Kollegen! Wir erwarten, daß die Kollegen recht pünktlich u. zahlreich erscheinen. Die Ortsverwaltung. Beginn der billigen Ferienfahrten mit Mufit 157/9 heute, Dienstag, nachm. 2, Uhr: nach Freibad Grünan, Schmöckwit und Ziegenhals. Mittwoch: Freibad Grünau, Schmöckwik und Neue Mühle. Donnerstag und Freitag: nach Woltersdorfer Schleuse, Freibad Grünau, Schmöckwik und Ziegenhals. Abfahrt früh 812 Uhr, nachm. 2, Uhr. Preis hin und zurück früh und nachm. nur 50 Bf., Kinder die Hälfte. Reederei Zachow. 444b Passage- Theater.chweizer Der größte Saisonerfolg Gastspiel Willi Agoston in der tollen Burleske Berlin in Stimmung! Das Tollste vom Tollen und die neuen Juli- Spezialitäten. Garten. Am Königstor Am Friedrichshain. Täglich: Theater- Vorstellung, Spezialitäten und Ball. Neu: Piccards tomische Pantomime: Die Einbrecher von New York, Jeden Abend Berlin steht Kopp. 10 Uhr: Urtomische Gesangsposse von L. Ely. für den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. ( Stralauer Viertel.) Bezirk Nr. 329. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genoffe, der Böttcher Gustav Schladale 219/4 Langestr. 49 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 7. Juli, nachmittags 3, Uhr, vom Trauer: hause aus nach dem AndreasKirchhof in Wilhelmsberg statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Zentralverband der Lederarbeiter. Zentral- Verband der Böttcher Filiale I Berlin. Donnerstag, den 9. d. M., abends 8 Uhr, im Lokal von Herrn Schmidt, Prinzenallee 35: Mitglieder- Verfammlung. Zages Drdnung: 1. Stellungnahme zur Gaufonferenz und Wahl der Delegierten zu derselben. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Vereinsangelegenheiten und Ver schiedenes. 144/9 Der Vorstand. Bahlreiches fomie pünktliches Erscheinen erwartet Boltsbeluftigungen. Stinematograph. Bitte ausschneiden Jeden Mittwoch: Kinderfreudenfeft. Passage- Panoplikum Max Ohne Extra- Entree. Der Riese aller Riesen Pisjakoff Eintritt 50 Pf. Kinder, Soldaten 25 Pf. WINE BARTEN Kliems Maler und aufbewahren! Kollegen, besonders günstig für die, welche in der Schilderschreiberei nicht geläufig find, aber dennoch Schaufensteraufschriften und Schilder zu Sommer- Cheater. Schreiben haben, liefert sehr billig, auch an Private. Hasenheide 13-15. Artistische Bernhard Lange. C. Paasch, O. 112, Bettenkofer- Straße 36 I. zati: Großes Konzert, Theater Moabiter- Bürger- Säle, Straße. und Spezialitäten- Vorstellung. Mittwoch: Kinderfest. Donnerstag: Elite- Tag. Beussel9. Achtung! Vereine! Achtung! Bom September 1908 ab sind meine Säle, 350 und 100 Personen zu bergeben. Achtungsvoll J. Kirschkowski, Gastwirt. Orts- Krankenkasse faffend, außer an den üblichen Sonnabenden, auch Sonntags an Bereine für das Gewerbe der Tischler und Pianoforte- Arbeiter zu Berlin. Den Herren Arbeitgebern sowie den Mitgliedern unserer Kaffe zur gefälligen Rennmisnahme, daß die bon der Generalversammlung am 23. April 1908 beschlossene Statutenänderung, betreffend die Erhöhung Abwechslungsreiches der Beiträge, bom Bezirksausschußz Programm von genehmigt ist und mit Montag, den 13. Juli 1908, in Straft tritt. Die wöchentlichen Beiträge befragen nunmehr vom Montag, den 13. Juli 1908, ab: 1. für erwachsene männliche Kaffenmitglieder( ausschließlich der Lehrlinge). 0,81 m. Publikum und Presse 2. für erivadhfene weibliche glänzend beurteilt. Berliner Prater- Theater Kastanien- Allee 7-9. Täglich Staffenmitglieder. 3. für männliche Kaffen. mitglieder unt.16Jahren und für Lehrlinge 0,42 " 0,30 " 4. für weibliche Staffenmitgliederunt.16Jahren 0,24 Die Welt ein Paradies 4425 große Ausstattungs- Revue und erstklassige Spezialitäten. Anf. Sonnt. 4 Uhr, Wochent. 41/2 Uhr. Im Saale: Täglich gr. Ball. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Anfang Wochentags 8 Uhr. Anfang Sonntags 7 Uhr. Kottbuser Sanssouci, Straße 6. Direttion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffmanns Norddeutsch. Sänger und Tanzkränzchen Beg. Sonnt. 5, wochent.8 U. ValhallaWa Varieté-Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Spezialitätenvorst. im Garten. Neues Programm. Bei schlecht. Witterung i. Theater. Anf. der Vorstellg. 8 Uhr. Anf. des Gartentonz. 5 Uhr. Kleine Preise. Ostbahn- Park Am Küstrinerplatz, Rüdersdorferstr.71 Hermann Imbs. Täglich: Großes Konzert, Theater- und SpezialitätenVorstellung. Der Vorstand. 09 E. Boeste, Vorsitzender. M. Grabe, Schriftführer. Bäckereigenossenschaft ,, Produktion"( E. G. m. b.§.) zu Charlottenburg. Mit dem 1. Juli ist obengenannte Genossenschaft in Liquidation ges treten. Etwaige Forderungen sind umgehend an die Adreſſe„ Konsumverein Charlottenburg", Ballftr. 23, zu richten. H Die Liquidatoren. A. Winter. A. Sellin Ein Triumph der Zigaretten- Fabrikation! Selowsky's Caruso Zigaretten nur 3 Pf. per Stück! Zentralverband der Zivilmusiker Deutschlands Ortsverwaltung Berlin. Bureau: Berlin N. 54, Brunnenstr. 188, Restaurant Bille. Amt IIIa, 4835. Achtung! 50/ 4* Bir empfehlen bei Beranstaltung von Bergnügen usw. den geehrten Vorständen, Komitees und Saalinhabern unseren fostenlosen Arbeitsnachweis, Brunnenstraße 188. Geschäftszeit täglich von 10%-1 Uhr mittags. Kapellen vom größten bis fleinsten Drchefter stehen jederzeit zur Verfügung. Der Vorstand. NB. Unsere Mitglieder sind im Befit einer Kontrolltarte. Dieselbe ist für das 3. Quartal braun und muß mit dem Verbandsstempel versehen sein. Alle andere Legitimation ist ungültig und ist sofort anzuhalten. Blendo Blendol mit dem Putzmämchen bestes flüssiges Metallputzmittel In Glasfl. zu 10 u. 25 P., Blechfl. zu 20, 30 u. 50 Pf. überall erhältl. Fabrik: Urban& Lemm, Charlottenburg. und Hilfsarbeiter Deutschlands. Filiale Berlin. Todes Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Gustav Schladale am 4. d. M. an Herzlähmung plöglich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 7. Juli, nachin. 32 Uhr, vom Trauerhause, Langes ftraße 49, aus nach dem Santt Andreas- Kirchhof in Wilhelmsberg statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. 39/13 Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schmied Paul Walter gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 7. Juli, nachmittags 5, Uhr, von der Leichenhalle des St. Ppilippus Kirchhoses in Berlin, Müllerstr. 44/45, aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schloffer Fritz Dorn an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. Juli, nachmittags 6 Uhr, von der Beichenhalle des Heiligen- Kreuz- Kirch hofes in Mariendorf, Eisenacher 118/17 Straße, aus statt. Rege Beteiligung erivartet Die Ortsverwaltung. Zentral- Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. Ortsverwaltung Berlin 10. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß das Mitglied Paul Walter am 4. Juli gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 7. Suli, nachmittags 5 Uhr, auf dem ApostelKirchhof, Müllerstraße 44/45 statt. 253/7 Die Ortsverwaltung. Am 4. Juli verschied nach furzem, schwerem Leiden unser Rendant, Herr Hermann Heilmann. Wir verlieren in ihm einen liebevollen und rechtdenkenden Borgesetzten und Kollegen und werden ihm ftets ein ehrendes 275/8 Andenken bewahren. Die Beamten der Ortskrankenkasse für das Bierbrauergewerbe zu Berlin. Am 4. Juli verschied nach kur zem schweren Leiden der Rendant unferer Kaffe Herr 275/7 Hermann Heilmann. Bierzehn Jahre hindurch hat er mit außerordentlicher Pflichttreue und Sachkenntnis unsere Kaffe berwaltet und hat diese durch feinen Tod einen schweren Berluft crlitten. Wir werden das Andenken des Berstorbenen stets in Ehren halten. Berlin, den 6. Juli 1908. Der Vorstand der Orts- Krankenkasse für das Bierbrauer- Gewerbe zu Berlin, Otto Ullrich, Vorsitzender. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. Juli, nachm. 4, Uhr, von der Kapelle des Heilandskirchhofes in Pickensee aus statt. Danksagung. Bir sagen allen, die meinem Mann, unserem lieben Vater die letzte Ehre erwiesen haben, insbesondere dem Wahlverein sowie dem Metallarbeiter Verband, unseren herzlichsten Dank. Witwe Kamrath nebst Kindern. Allen Verwandten, Freunden, wie Bekannten auf diesem Wege die traurige Nachricht, daß am 4. Juli, meine liebe Frau, unsere forgfame Mutter Frau 4415 Luise Bredow nach langen Leiden sanft entschlafen ist. Dies zeigen tiefbetrübt mit der Bitte um stille Teilnahme an Robert Bredow nebst Kindern. Die Beerdigung findet heut nachmittag 5 Uhr von der Leichenhalle des neuen Paulskirchhofes in Plößensee aus statt. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, dem Rauchklub Mehr Licht", dem Verband der Freien Gast- und Schankwirte sowie den Sängern sagen wir für die Beteiligung bei der Bes erdigung meiner lieben Frau unserer guten Mutter unserenherzlichen Dant. Julius Leye nebst Kindern. Blumen- und Kranzbinderei von Robert Meyer. nur Mariannen- Straße 2. • med. Karl Reinhardt's spezialärztliche Institute für Haut-, Harnleiden, Potsdamer Neanderstr. 12( 10-11 u. 25-1/ 28). Verlangen Sie im eig. Interesse vor Beginn einer Kur ausführl. Broschüre über d. Wert sämtl. übl. Heilmethoden in verschlossenem Kuvert gratis und 228/18 postfrei oder im Institut. 4 Es empfiehlt fich bei eintretendem Trauerfall möglichst sofort Westmanns Trauermagazin Hauptgeschäft: Berlin W., Mohrenstraße 37a, an den Kolonnaden, 2. Haus von der Jerufalemerstraße, und NO., Gr. Frankfurterstr. 115, 2. Haus von der Andreasstraße, zwecks Auswahl d. passenden Trauergarderobe aufzusuch. Um dem Publikum einen besonderen Vorteil zu bieten, gewähre ich auf diese Auzeige hin bei Kauf für 10% Rabatt in bar! ygienische Bedarfsartikel, Gummiwaren, 1000e Anerk. V. Prof. u. Aerzt. empf., bill. Apoth. S. Schweitzers Fab. hyg. Präp., Berlin O., Holzmarktstr.69-70. Preisl.gratis. Deutschlands Spezialgeschäft grösstes Bettfedern Erste Bettfedernfab. m. elekt. Betriebe Gustav Lustig BERLIN S. 390 Prinzenstr. 46 berfendet geg. Nachnahme garantiert neue und gut entſtäubte, gut füllende Bettfedern p. Pfd. m. 0.55-1.00-1.25; prima Halbdaunen M. 1.75; Gänse: rupffedern M. 2.00; prima weiße Gansehalbdaunen M. 2.50-3.00-3.50 echt chines. Monopoldannen Mm. 2.85, echt ruffisch. Matas dor: Gänsedaunen M. 3.50 Von den Daunen genügen 3-4 Pfd. zum groß. Oberbett. Gänsefedern ( 3. Reißen) M. 0.60 per Pfund; Gänse: fchlachtfedern, wie fie von der Gans fallen, mit allen Daunen M. 1.50. Proben und Preisliste gratis. Um tausch oder Rücksendung geftattet. Verpackung foftenfrei. Bektjähriger Umsatz über 2000 Zentner Bettfedern, von feinem aweiten Betten: u. Betts federngeschäft erreicht. H.Pfau, Bandagist Jetzt: Direksenstraße 20 zwischen Bahnhof Alexanderplatz und Polizeipräsidium. Amt VII, 13799. Für Damen weibliche Bedienung. Lieferant für alle Krankenkassen. Fahrräder billiger! direkt ab Fabrik. Neue Fahrräder 40,- 45,-, 50,-, in elegantefter Luxus ausfülrg. 10jährige Ga rantie 75 W. Laufbeden 1,50, Luftschläuche 1,50, Pedale 0,75 fowie sämtliche Radfahrbedarfsartikel; ühren, Waffen, Mafitinfirumente, Nähmaschinen usw. Man verlange fofort reichilluftr., 186 Geiten starten Hauptfatal. grat. u. frko. Berlin E. Machnow. Weinmeisterstr. 14. Leihhaus Gelegenheitskäufe verfall. Goldund Silbersachen, Brillanten etc. Seit 25 Jahren Prinzenstr.28 Ecke Ritterstr. Hygienische Bedarfsartikel. Neuest. Katalog m. Empfohl.viel.Aerzte u.Prof. grat. u.fr E. Unger, Gummiwarenfabrik Berlin NW.. Friedrichstrasse 91/92 Am besten kaufen Sie Hygienische Bedarfsartikel jeder Art im 33372* Drogenhaus H.Bocatins Berlin NW., Birkenstr. 12. Berantwortlicher Bedakteur: Gears Davidishn, Berlin, für den inferatenteil beranim: Th. Glede Berlin. Drud u. Verlag: VorwärtsBuchdruderei u. Verlagsanstalt Raul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 156. 25. Jahrgang. 2. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Dienstag, 7. Juli 1908 Am Mittwoch findet für Berlin und Vororte der Zahlabend statt. Partei- Angelegenheiten. Zum Zahlabend. Auf Beschluß des Aftionsausschuffes veröffentlichen wir hiermit nochmals die Leitsäge, welche von Parteivorstand und der FrauenYonferenz bereinbart sind und als Grundlage der Verhandlungen, auch am Zahlabende, dienen können. 1. Jede Genoffin ist verpflichtet, der sozialdemokratischen Parteiorganisation ihres Ortes beizutreten. Politische Sonderorganisationen der Frauen sind nicht gestattet. Ueber das Fortbestehen besonderer Frauen- Bildungsvereine entscheiden die Genossen und Genossinnen der einzelnen Drte. Die Mitgliedschaft in solchen Vereinen enthebt jedoch die Genossinnen nicht der Verpflichtung, den sozialdemokratischen Parteiorganisationen anzugehören. 2. Unabhängig von den Vereinsabenden der Männer sind für die weiblichen Mitglieder Zusammenkünfte einzurichten, welche ihrer theoretischen und praktischen Schulung dienen. 3. Die Festsetzung der Beiträge für die weiblichen Mitglieder bleibt den einzelnen Organisationen überlassen. Empfehlenswert ift, die Beiträge für die weiblichen Mitglieder niedriger zu bebemessen wie für die männlichen. 4. Die weiblichen Mitglieder sind im Verhältnis zu ihrer Zahl im Vorstand vertreten. Doch muß diesem mindestens eine Genoffin angehören. 5. Den weiblichen Mitgliedern des Vorstandes liegt es ob, bie notwendige Agitation unter dem weiblichen Proletariat im Einbernehmen mit dem Gesamtvorstand und unter Mitwirkung der tätigen Genoffinnen zu betreiben. 6. Solange betreffs der Beschickung der Parteitage durch die Barteiorganisationen noch das gegenwärtige Provisorium gilt, bteiben auch für die Delegierung der Genossinnen die jetzigen Bestimmungen des Parteistatuts in Kraft. Das Zentralbureau der Genoffinnen bleibt bestehen. Die Vertreterin der Genoffinnen darin wird dem Parteivorstand angegliedert. Die im Zentralvorstande Groß Berlins hierüber gepflogene Distuffion sowie die Denkschrift der Frauen zur Begründung ber Borschläge ist im Mitteilungsblatt ausführlich wiedergegeben. Bei der Wichtigkeit des Gegenstandes erwarten wir, daß die organisierten Genossen und Genossinnen am morgigen Bahlabend zahlreich erscheinen. Der geschäftsführende Ausschuß. Achtung, fünfter Wahlkreis! Die zweite Abteilung hält am Mittwoch gemeinsamen Bahlabend bei Borde, Neue & önigstr. 7, ab. Bahlreiches Erscheinen erwartet Der Abteilungsführer. Wilmersdorf Halensee. Am morgigen Bahlabend tagen die Genossen vom 1., 2. und 3. Bezirk beim Genossen Bouczed, Nur fürstendamm 126. Die Bezirke 13, 14, 15 und 16 halten den diesmonatlichen Bahlabend gemeinschaftlich betm Genossen Fischer, Bruchfalftraße, Ede Durlacher Straße, ab. Die anderen Bezirke tommen in ihren alten Bezirkslokalen zusammen. As Köpenid. Die Versammlung des Wahlvereins findet umstände halber nicht heute, sondern morgen, Mittwoch, den 8. Juli, abends 8%, Uhr, im„ Kaiserhof", Grünstraße, mit reichhaltiger Tagesordnung ftatt. Der fällige Zahlabend wird später abgehalten. Adlershof. Parteigenossen! In dem am Mittwoch, den 8. d. M., stattfindenden Zahlabend soll in allen Bezirken über den Uebertritt der Frauen in unseren Wahlverein" diskutiert werden. g " Hohen- Neuendorf und Stolpe an der Nordbahn. Am Mittwoch, ben 8. Juli, abends 8%, Uhr, findet im Lokale von P. Schmit, Ruhwaldstr. 45, ein Zahlabend für Männer und Frauen des Bezirtes statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Walter Bimmermann Karlshorst über: Die Frau im Kampfe für Boltswohl und Volksrecht". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Am Mittwoch, den 8. Juli, findet die Generalbersammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Bericht des Borstandes. und sämtlicher Funktionäre, Ersazwahlen und Vereinsangelegenheiten. Berliner Nachrichten. Der Klatsch. Schwester Hasenpflug, die jetzt im Krankenhause Bethanien als die Straßenbahn bis Nordend, nach letteren muß die Eisenbahn Probeschwester fungiert. Troß oder vielleicht gerade wegen der benutzt werden und zwar die Vorortstrede bis Buch( vom Stettiner väterlichen Worte des Vorsitzenden knickte die Klägerin so zusammen, Vorortbahnhof aus) und für den Spielplatz Bürknersfelde die daß sie nur mit äußerster Anstrengung und sißend den Eid leisten Strecke Wriezener( Schlesischer) Bahnhof- Marzahn. Es sei fonnte. Nach diesem Eide blieb eine einzige„ tätliche Beleidigung" darauf hingewiesen, daß die Kgl. Eisenbahn- Direktion in wohl. seitens der einen angeklagten Schwester übrig. Der Vorsitzende wollendem Entgegenkommen die Ausgabe von unübertragbaren persönlich redete dringlich zu, den Strafantrag zurückzuziehen, da Zeitkarten mit 31tägiger Giltigkeitsdauer angeordnet hat: nach drei der Schwestern so wie so auszuschalten wären. Jetzt gab es Buch zum Preise von 4,80 M., nach Marzahn zum Preise von 3,50 unter dem stillen Gaudium im überfüllten Zuhörerraum noch eine Mart. Den interessierten Eltern wird dringend empfohlen, von fleine Ohnmacht, die fast wie ein Gewissensbiß aussah, und hinter- dieser Vergünstigung Gebrauch zu machen und etwaige Anträge her den allerseits erwarteten Freispruch. Strahlend vor Freude unverweilt für Buch bei Herrn E. Richter, Berlin C, Koppenplatz 6, berließen die vier jungen Krankenschwestern den Anklageraum, in- und für Bürtnersfelde bei Herrn Lehrer Th. Brumme, Rigdorf, des die völlig zusammengebrochene Klägerin nach einer Droschte Kaiser- Friedrichstraße 43/44, zu stellen. Genannte Herren geben geleitet wurde. Hoffentlich ist ihr diese erste Gastrolle vor Gericht auch gern jede weitere Auskunft." eine heilsame Lehre fürs Leben. Es stünde besser in der Welt, wenn die überempfindlich gewordenen Menschenkinder nicht wegen jedes Klatsches und Tratsches gleich zum Stadi laufen wollten. Ueber den Charakter der Ferienspiele haben wir dieser Tage uns bereits eingehender ausgelassen. Bei einem verhängnisvollen Straßenbahnunfall ist in der ver Erwerbung von Ländereien zu Rieselzwecken. Sigung der städtischen Deputation für die Kanalisationswerke und In der letzten gangenen Nacht der Arbeiter Heinrich Müller aus Blankenfelde tödlich berlegt. Als M. über den Fahrdamm der Prinzen- Allee schritt, Riefelfelder wurde mitgeteilt, daß der Minister für Landwirtschaft brach er auf den Gleisen plößlich zusammen. In diesem Augen und Forsten den Erwerb von rund 4000 Morgen Forsten des blick kam ein Straßenbahnwagen der Siemens u. Halske- Linie herangesaust. Der Führer konnte das Hindernis auf den Schienen Fistus seitens des Magistrats zu Rieselzwecken genehmigt hat. Diese erst beobachten, als der Waggon dicht herangefahren war. M. wurde Forsten liegen bei Schönwalde um den idyllischen Gorinsee und gehören zu den schönsten Waldungen der Umgegend von Berlin. infolgedessen überfahren und so schwer verletzt, daß er in hoffnungs Der Gorinsee ist schon seit längerer Zeit mit dem Anlauf von Buch lojem Zustande nach dem Lazarus- Krankenhause gebracht werden in den Besiz der Stadt Berlin übergegangen. Diese neuen Wal- mußte. Ein weiterer schwerer Straßenbahnunfall erfolgte in der Schön bungen grenzen westlich an die Mühlenbecker Forst, nördlich an die Bernauer Stadtforst und östlich an die Nieselfelder in Schönow und hauser Allee. Der 28 Jahre alte Schlosser Franz Streuchmann aus der Simeonstraße 25 versuchte während der Fahrt auf einen Straßen Schmetzdorf. Sie sind am schnellsten mit der Kleinbahn zu erreichen, bahnwagen der Linie 47 aufzuspringen. Er tam zu Fall und wurde die von Reinickendorf- Rosenthal nach Schönwalde führt. von dem nachfolgenden Anhängewagen überfahren. Der Zustand des Verunglückten ist ebenfalls recht bedenklich. Ein ungewöhnlich starker Berkehr herrschte an den letzten Tagen auf den Berliner Bahnhöfen; an die Verwaltungen wurden Anforderungen gestellt, die nur unter Heranziehung der gesamten Eine Familientragödie hat sich im Osten Berlins abgespielt. In Verkehrsmittel erfüllt werden konnten. Am Sonntagvormittag er- der Scharnweberstr. 31 wurden die 55 Jahre alte Martha Raed und reichte der Ferienverkehr seinen Höhepunkt, so daß die Mehrzahl ihre 22jährige Tochter Stlara in der Wohnung tot aufgefunden. Frau der von Berlin abgelassenen Bäderzüge geteilt werden mußte und Raed wies an den Bulsadern tiefe Messerschnitte auf. Die Leiche dennoch bis auf den letzten Platz gefüllt wurden. Von sämtlichen hing am Bettpfosten. Der Tochter waren an beiden Armen die Bahnhöfen wurden in der Nacht zum Sonntag eine größere Anzahl Bulsadern geöffnet und der Hals durchgeschnitten worden. Zweifellos Sondergepädzüge abgelassen, deren auf der Strecke nach Schlesien hat die Mutter erst ihre Tochter getötet und sich dann selbst das nicht weniger als sieben verkehrten. Nach den Ostseebädern fuhren Leben genommen. Das Motiv zu dem Drama ist darin zu suchen, fünf Sondergepäckzüge und ebenso groß war die Zahl derartiger daß der Bräutigam der Tochter, ein Charlottenburger Gastwirt, waltungen in der Abfertigung der Züge war um so schwieriger, als Trains nach den Nordseebädern. Die Aufgabe der Bahnver- plöglich an einem Herzschlage gestorben ist. Ballonunfall eines Berliner Arztes. Ein Ballonunfall, bei dem der erste Feriensonntag auch einen außerordentlich starken Ausflüglerverkehr brachte. Das ganze rollende Material der Berliner ein Berliner Arzt verlegt wurde, ereignete sich gestern nachmittag in Gisenbahndirektion mußte zur Bewältigung dieses Massenverkehrs der Nähe von Mittenwalde auf dem Schenkendorfer Grund. Der herangezogen und zahllose Ertrazüge nach Friedrichshagen, Grune Ballon Begold" des Berliner Vereins für Luftschiffahrt war am wald, Hermsdorf und Potsdam cingelegt werden. Dazu tam noch, Nachmittag in Schmargendorf mit vier Herren aufgestiegen. Die daß auch die von den Bädern und aus den Gebirgen eintreffenden Führung hatte Dr. Stade, einer der Führer des Vereins, übernommen. Bahnen eine sehr starke Besehung aufzuweisen hatten, weil am Es war eine Sportfahrt. Der Ballon hielt sich immer in mäßiger Sonntag die erste Gruppe der Urlaubsreisenden zum größten Teil Höhe und nahm die Richtung nach Königswusterhausen. In der Nähe wieder nach Berlin zurüdkehrte. Daß unter solchen Verhältnissen von Mittenwalde wollte Dr. Stade landen. Als der Ballon sant, bemerkte die Fahrpläne nicht stritte innegehalten werden konnten, ist er- Dr. Stade noch im letzten Moment, daß an der Landungsstelle eine flärlich und die Mehrzahl aller Züge traf mit Verspätungen von Telegraphenleitung lief. Die Landung fonnte dort also nicht er15 Minuten und mehr auf den hiesigen Bahnhöfen ein. Ebenso folgen, da sonst die Leitung zerstört worden wäre. Dr. Stade gab erlitten die abfahrenden Trains zum Teil beträchtliche Ver- Ballast auf, um über die Telegraphenleitung hinüberzukommen. Der Ballon stieg etwas und geriet in einen nach oben aufströmenden spätungen. Luftwirbel. Hierdurch wurde er bis in eine Höhe von 3000 Meter Verlegung von Straßenbahnlinien aus der Zimmerstraße. Die getragen. Es war mir noch wenig Ballast vorhanden. Dieser reichte Straßenbahn ist genötigt, wegen Asphaltierung der Zimmerstraße nicht aus, um die Fallgeschwindigkeit zu vermindern. Der Ballon zwischen der Wilhelm- und Friedrichstraße die Linien, die durch die stürzte mit in die Tiefe. Der Führer Dr. Stade rief:„ Achtung! Bimmerstraße führen, zu verlegen. Die Arbeiten und die Verlegung Klimmzug!" Jm nächsten Moment seßte der Korb auf dem Erdboden auf. beginnt am nächsten Donnerstag, den 9. Juli. Die Linie 59 Einer der Mitfahrenden, der Spezialarzt Dr. Richard Simon aus Weißenfee- Steglig und 62 Weißenfee- Wilmersdorf gehen von der der Bülowstr. 11 zu Berlin, überhörte den Befehl und fing, als der Zimmerstraße durch die Charlotten, Koch-, Wilhelm-, Anhalt- und Korb aufschlug, die ganze Wucht des Stoßes auf, so daß er einen Schöneberger Straße und zurück. P Westend- Dönhoffplatz geht durch Knöchelbruch davontrug. Die anderen drei Insassen blieben un bie Königgräger-, Anhalt, Wilhelms, Roch, Charlotten- und verlegt. Dr. Simon wurde sofort nach dem Mittenwalder KreisZimmerstraße, während R durch die Leipziger Straße bis zum Spittel- trantenhause geschafft und dort von dem Sanitätsrat Dr. Hahn markt verkehrt. verbunden. Am Abend schaffte man den Patienten dann mittels eines Koppschen Krantenautomobils in die tönigliche Klinik in der Ziegelstraße. Ueber die Benußung der Monatskarten auf der Stadt- und Ringbahn scheinen recht eigentümliche VorUeber einen Raubanfall wird gemeldet: Gestern vormittag um schriften im Schwange zu sein. Bekanntlich enthalten die Monats= farten den gedruckten Vermerk:" Gültig für Stadt, Ring- und 8 Uhr drang der Schuhmacher Josef Lang, geboren am 12. DeVorortzüge". In der Praxis wird dieser Vermert aber recht eine gember 1882 zu Donauwörth, Liezmannstr. 8 bei Rutschmann wohnfeitig durchgeführt. Während der Inhaber einer Monatstarte nach haft, in den im Hause Büschingstr. 5 befindlichen Keller des 72 Jahre dem Westen zu nach zahlreichen Vorortstationen fahren kann, ist alten Schuhmachers August Zwink und versuchte, ihn mittels eines es nach dem Osten zu sehr schlecht nach dieser Richtung hin bestellt. Halstuches zu erwürgen. Auf die Hilferufe des überfallenen alten Rann man beispielsweise mit der Monatskarte vom Bahnhof Pape- Mannes floh Lang, wurde aber vom Publikum verfolgt und so straße nach dem Potsdamer Bahnhof und dessen Vororten kommen, lange festgehalten, bis ihn ein Schußmann festnahm und der Wache so muß der Monatskarteninhaber, der die Stationen Rummelsburg- zuführte. Dann wurde er der Kriminalpolizei übergeben. Lang Dit oder Lichtenberg- Friedrichsfelde benuten will, die Erfahrung hatte es auf die Kasse des Zwink abgesehen. machen, daß er dem Vermert:" Gültig für Stadt, Ring- und Vorortzüge" zuviel getraut hat; er muß in diesem Falle ein besonderes Billett lösen. Und dabei gehören die Stationen Rummelsburg- Ost und Lichtenberg- Friedrichsfelde noch zum Stadtbahn- und nicht einmal zum Vorortverkehr. Will uns die Eisenbahnverwaltung nicht sagen, wie sich das zusammenreimt? 9 Warnung. Der Polizeipräsident gibt bekannt: In hiesigen Beitungen wird von der Firma Dr. med. Numler in Genf, deren Inhaber jetzt ein Dr. med. Ringelmann ist, ein Buch als Wegweiser und Ratgeber zur Verhütung und Heilung von Gehirn-, Rückenmarksund Geschlechtskrankheiten angepriesen. In dem„ Neurasthenie" bes titelten Buche werden eine Reihe der schwersten Krankheiten als Folgen geheimer Leiden in übertriebenster Weise dargestellt, um die Stranten in Angst zu bersetzen und sie zu veranlassen, einen dem Buche beigegebenen Fragebogen auszufüllen und sich danach in briefliche Be handlung durch die Firma zu begeben. Bor diefem auf Ausbeutung leichtgläubiger und ängstlicher Personen berechneten Schwindel wird hiermit gewarnt. Kaulsdorf. Mittwoch, den 8. Juli, findet ein Bahlabend in Raulsdorf bei Mees und in Mahlsdorf- Süd bei Träger statt. Marienfelde. Der Bahlabend findet im Lokale von Oberschmidt statt. Nowawes. Morgen Mittwoch, den 8. Juli, abends 8, Uhr, findet im Lokale des Herrn Ernst Schmidt, Wilhelmstr. 41/43, die Versammlung des Wahlvereins mit folgender Tagesordnung ftatt: 1. Geschäftliches. 2. Die Lehren der Landtagswahl. Referent: Gen. Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld. 3. Sommerfest. 4. Ab- Im Irrenhausprozeß gegen den Redakteur Karl Schneidt von rechnung von der Maifeier. 5. Verschiedenes. Gäste, auch Frauen, der Beit am Montag" ist der auf den 6. Juli anberaumte Verhaben Zutritt. handlungstermin aufgehoben worden. Die Aufhebung erfolgte, Königs Wusterhausen und Umgegend. Am Mittwoch findet für weil der Beklagte furz vorher feine Absicht fundgab, zur Erbringung Sämtliche zum Wahlverein gehörenden Bezirke in den bekannten eines umfangreichen Wahrheitsbeweises, daß der Fabrikbefizer und Rotalen Zahlabend statt. Stadtverordnete Emanuel Lubedi aus Beuthen zu Unrecht fünf Monate in der schlesischen Provinzial Jrrenanstalt Leubus fest- Ein großer Dachstuhlbrand kam am Sonntagmittag um 12 Uhr gehalten worden sei, eine große Anzahl wichtigster Zeugen zu laden. im rechten Seitenflügel Bellealliancestr. 59 an der Fidicinstraße, Voraussichtlich wird die Verhandlung erst unmittelbar nach den vermutlich durch Brandstiftung, zum Ausbruch. Als die Feuerwehr Gerichtsferien, also in der zweiten Hälfte des September, statt mit den Zügen 9 und 11 auf den zweimaligen Alarm an der Brandfinden. stelle antam, stand der Dachstuhl schon in geraumer Ausdehnung in Was dem Staatsanwalt alles passiert. In einer Schöffen- Flammen. Diese wurden von einem heftigen Sturm, der sich gleichEin selbst für den Moabiter Justizpalast seltenes Schauspiel gerichtsverhandlung, die am Sonnabend in Moabit vor der 120. Ab- zeitig erhoben hatte, mächtig angefacht. Dazu kam, daß der Brandgab es am letzten Sonnabend- vier blutjunge, schüchterne, gerichts- teilung stattfand, mußte der Hauptangeklagte auf Grund des Klaren stifter eine größere Menge Petroleum zum Anstecken gebraucht hatte, anerfahrene Krankenschwestern in ihrer charakteristischen schwarzen Ergebnisses der Beweisaufnahme verurteilt werden, weil er bei einer bas Dämpfe entwickelte, unter denen die Löschmannschaft anfänglich Tracht nebeneinander auf der Anklagebant. Es hilft nichts" nächtlichen Schlägerei einer hochschwangeren Frau schwere Hiebe über sehr zu leiden hatte. Durch längeres kräftiges Wassergeben gelang meinte bedauernd der liebenswürdige Vorsitzende, als er die vier den Leib mit einem Stahlstock versetzt hatte. Auf diese Mißhandlung es, den Brand auf den Dachstuhl, der nicht mehr zu retten war, zu Angeklagten" in den gefürchteten Raum hineintomplimentierte. wird es zurüdgeführt, daß das Kind bald nach der Geburt starb. beschränken. Den Mietern find eine Menge Hausrat, besonders Wie wir es schon in unserem Vorbericht über das bereits genau ge- für die bewiesene„ Roheit und Gemeinheit", wie der Vorsigende fich Papier und Brennmaterialien usw., verbrannt. schilderte, anerkennenswerte Rettungsheim für Trinkerkinder" in Der Arbeiter- Schwimmerbund hielt am Sonntag im Rummels Berlin und Halensee voraussagten, hatten Drahtzieher hinter den päter ausdrüdte, beantragte der Vertreter der Staatsanwaltschaft, indem er mildernde Umstände ausgeschlossen wissen wollte, eine Stuliſſen der Heimleitung eins auswischen wollen. Das ging aus Woche Gefängnis! Ebenso amtshöflich wie bestimmt machte darauf burger See sein diesjähriges Dauerschwimmen ab. Das Schwimmen der Beweisaufnahme nur zu deutlich hervor. Der Vorsitzende selbst ging über zirka 1350 Meter mit der Ziebesinſel als start der Vorsitzende, unbeirrt burch die grinsenden Kriminalstudenten, erklärte, daß man hier eine harmlose Sache ungeheuer aufgebauscht barauf aufmerksam, daß bei Ausschluß mildernder Umstände und bei Etablissement Neu- Seeland" in Stralau als Ziel. Das Dauerhabe. Das war gleichzeitig ein kleiner Seitenhieb auf die Polizei Verwendung eines Lebensgefährlichen Werkzeuges bas geringste schwimmen war ein glänzendes Zeuguis für die Arbeit, die von berwaltung der Kolonie Grunewald, die sich ein Verdienst erworben Strafmaß zwei Monate sei. Der Gerichtshof zog sich zur Beratung geleistet worden ist. Die erzielten Zeiten der Knaben und den einzelnen Vereinen auf dem Gebiete der Jugendausbildung hätte, von der Stellung des Strafantrages abzureden. Wenn vier zurück und erkannte auf drei Monate Gefängnis. solche nicht bloß ewig betende, sondern auch mal übermütige junge Jugendschwimmer waren sehr gute, wenn man bedenkt, daß der Schwestern eine fünfte Berufskollegin, die für die fragliche Nacht. Ferienspiele. Wir erhalten von dem ersten Leiter der Ferien- größte Teil von ihnen zum ersten Male eine so lange Strecke durchAuch die Damen bewährten sich als mutige Das Heim wechseln sollte, neckend aus dem Bette lotsen und ihr da- spiele folgende Buschrift mit der Bitte um Veröffentlichung: Am schwamm. Fei die eine mit den Worten Schrei doch nicht so!" ein paar Klapse Montag, den 6. beginnen in diesem Sommer die von der Stadt Schwimmerinnen, bon sieben Startenden gingen sechs durchs Ziel auf die Schulter gibt, so ist das doch wohl weder Perversität, noch Berlin seit einer Reihe bon Jahren aufrecht erhaltenen Ferien- Die einzelnen Resultate waren folgende: I. naben: 1. C. Lobiz( Borivärts"-Nigdorf) 32 Min. 22 Set. Mißhandlung oder vorsägliche gemeinschaftliche Rörperverlegung. fpiele, die sich je länger einer desto größeren Anerkennung und eines Um nicht allzusehr nebenbeizubauen, war bei der Anklage die Ber- ftets steigenden Zuspruchs erfreuen. Besondere Anziehungskraft und 2. M. Badice( Vorwärts"-Berlin) 82 Min. 322 Get. bersität", die irgend ein ganz besonders Schlauer gewittert hatte, erfolgreiche Wirkungen üben die Außenplätze, deren vier in diesem II. Jugend: 1. D. Nöder( Freie Schwimmer"-Charlottenfallen gelassen worden. So kam nur die kleine Holzerei zur Sprache. Jahre dem Spielverkehr offen gehalten werden. Blankenfelde I Fast dramatisch gestaltete sich die Wernehmung der Klägerin, und II, Buch und Bürknersfelde. Nach den ersteren beiden führt " burg) 28 Min. 7 Gel. 2. W. Frank( Borivärts"-Rigdorf) 28 Min. 24% Set. 3. D. Krüger( Spreehort") 29 Min. 11% Sel. HL Samen: 1. I. Tußner(„Freie Schwimm»') 83 Min. 2. W. Kutschkau(„Freie Schwimmer") 33 Min. 85% Sek. 8. H. Schlöffe!(„Damenschwimmklub Rixdorf") 37 Min. 27% Sek. IV. Junioren. 1. P. Sckmidt(„Vorwärts"»Berlin) 32 Min. 2. Schwarze(.Delphin"-Tegel) 32 Min. 25% Sek. 3. W. Hamann („Spreekort") 33 Min. 24% Sek. V. S e n i o r e n. t. K. Krebs(„Vorwärts"-Berlin) 20 Min. 40 Sek. 2. F. Reimann(.VorwärtS"-Berlin) 30 Min. 13 Sek. Das mit dem Schwimmen verbundene Sommerfest wurde durch de» später eintretenden Regen leider gestört. Durch die obige Veranstaltung zeigte der Arbciter-Schwimmer- Lund, datz es ihm mit seinen Bestrebungen sehr ernst ist. Hoffentlich ruft dieselbe auch bei den Genossen Interesse wach, die noch den hurrapatriotischen bürgerlichen Schwimmvereinen angehören. Radrennen in Steglitz. Das Nennen um den„Großen Sommer-Preis" war reich an interessanten Momenten und zeitigte ein sehr gutes Ergebnis. Sieger in dem 100 Kilometer- Rennen blieb Br. Salzmann in 1 Stunde 10 Min. 30 Sek., Robl<770 Meter). Bedell<1060 Meter),. Verbist<0100 Meter) zurück und Stellbrink, der kurz vor Schluß aufgab. Stellbrink eröffnete als erster das Rennen und passierte schon in der dritten Runde Robl, als in der achten Runde sein Motor aussetzt und Verbist die Füh- rung übernimmt; doch Bedell löst ihn bald ab und fährt ein schönes Nennen. Aber auch Robl ist zeitweUig sehr schnell und passiert Bedell. um dann wieder zurück- zufallen. Stellbrink hat inzwischen seinen alten Motor wiedererhalten und fährt mit großer Bravour und überrundet Salz- mann. Robl und Bedell, als abermals sein Motor versagt. Auch Bedell muß seine Führung wechseln und vom 40. Kilometer ab ist Salzmann an der Spitze und hält diese bis zum Schluß. Robl hat sich den zweiten Platz erobert und fährt sehr schnell, kann aber nicht verhindern, daß Salzmann ihm eine Runde abnimmt. Verbist und Stellbrink haben unter Motor- und Radschaden zu leiden und fallen weit zurück. Salzmann legte in der Stunde 85,220 Kilometer zurück.— Die Flieger- rennen boten guten Sport und wiesen starke Felder auf. Im Hauptfahren siegte Peter vor Scheuermann, Wcgcner und Carapezzi. In dcir vier Vorgabefahren siegten Ganze- v o o st<40), T h i e m(65), K e l m(60) und Arndt<75). Das Tandem-Prämienfahren gewannen Scheuermann- We gener vor Carapezzi-Padewald, Techner-Peter und Pawke- Sützmilch! letztere errangen außerdem 7 Prämien. Straßensperrungen. Es werden gesperrt: Die Jungfernbrücke behufs Erneuerung des Bohlenbelags; die Sparrstraße von der ... Lynarstraße bis zum Hause Nr. 22; der nördliche Damm der Git- schinerstraße von der Prinzenstraße bis zum Luisenufer; die Stralauer Straße von der Jüdenstraße bis zur Hausgrenze Stralauer Straße Nr. 55/53