Nr. 159. nbonnementS'Btfhwwtn: «iomiements• Preis pränumerando« Sierteljährl. 330 SM., mona«. 1,10 a«, t»öch entlich 28 Pfg, frei ins Haut. ■ Einzelne Nummer 5 Pfg. konntagS. Nummer imt illustrierter EonnlagS- Beilage.Die Neue Wein 10 Pfft. Post- «bonnemeni: 1.10 Marl pro Monat Eingetragen in die Post. Zeitung«- «reisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland g Marl pro Monat. Postabonnements nehnien an: Belgien. Dänemark Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Siumänien. Schweden und die Schweit- 25. Jahrg. Crfditlnt täglich auBtr GioDtaa«. Vevlinev Volksblcrkk. VIe snIeitioni-Ledilhr betrSgt für die scchsgespaltcne Kolonel- geile oder deren Raum KO Psg., für politische und gewcrlschastliche Pcrcins- und BersammIungZ-Anzcigcn M Psg. „ixieine Zn-cigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlas- stellen-Anzeigcn das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort ö Psg. Worte über 1K Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis ä Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. Telcgramni. Adresse: „Sozialderoolirat RsrllB". Zentralorgan der rozialdcmohratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: SRI. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. J Freitag, de» 10. Juli 1908. Expedition: SRI. 68, Lindenstrassc 69* Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. MriCflSlKtzer. Ein großer Teil der bürgerlichen Presse scheint geradezu von einem Anfall chauvinistischer Raserei gepackt zu sein. Nicht nur die allezeit um neue Aufträge für die Panzerplatten fabrikanten besorgte Presse der Kriegsinteressenten vom Schlage der„Rheinisch-westfälischen Zeitung" ergeht sich in wüsten Drohungen gegen das Ausland, sondern auch die„Deutsche Tageszeitung" hat unlängst die beispiellos frivole Drohung ausgestoßen, daß ein Angriffskrieg erfolg- verheißender als ein Abwehrkrieg sei, und die Frage auf- geworfen:„Worauf warten wir eigentlich nochi?" Aber mehr noch. Selbst in die freisinnige Presse scheint der chauvinistische Koller gefahren zu sein. Wenigstens können sich gerade die führenden Organe der freisinnigen Volkspartei, die„Fr eis. Ztg." und die„Voss. Ztg.", nicht genug tun in Angriffen gegen Frankreich, das gegen die Algecirasakte dreist verstoßen habe. Und nicht nur die Zeitungsschreiber des Bürgertums sind dieser chauvinistischen Raserei verfallen, sondern auch bekannte Gelehrte rühren bereits die Alarmtrommel. So hat der Professor Lamprecht letzter Tage in Leipzig eine Rede gehalten, die die eitlen Prahlhansereien und läppischen Rcnommistereien der All- deutschen und Flottcnfexe in den Schatten stellte! Und was ist die U r s a ch e dieses chauvinistischen Treibens? Angeblich die Isolierung und Einkreisung Deutschlands, die durch die englische Politik, durch die Reisen Eduards VII. usw. erfolgt sein soll. Als ob diese Isolierung irgend etwas Neues wäre I Deutschland hat sich s e l b st durch seine törichte Politik bald heißen Liebeswerbens, bald unmotivierter Drohungen in seine gegenwärtige isolierte Lage gebracht. Statt sich mit England auf möglichst guten Fuß zu stellen, kündete man in unzähligen Reden Deutschlands Beruf zur Weltpolitik großspurig an und betrieb man gleichzeitig ein Flottenrüsten, durch das in England notgedrungen Argwohn erregt werden mußte. Durch Deutschlands Zickzackpolitik in der Marokko- frage wurde das Ausland vollends vor den Kopf gestoßen. Ungefähr zur gleichen Zeit, wo Fürst Bülow auf eine Anfrage des Agrarierhäuptlings Grafen Reventlow erklärte, daß es ein U n s i n n sei. sich wegen des bißchen Marokkos irgendwie zu echauffieren, hielt Wilhelm II. auf seiner Mittelmeerreise Reden, die ungefähr das Gegenteil dessen besagten, was Bülow, der offizielle Vertreter der Reichspolitik, erklärt hatte. Aus der ungeheuer gleichgültigen Marokkofrage wurde dann durch Deutsch- lands unerwartetes und brüskierendes Eingreifen ein Zank- apfel der europäischen Diplomatie. Aber Frankreich und England gaben dem deutschen Drängen nach und einigten sich schließlich auf die Algecirasakte. Durch die Wirren in Marokko, durch die Thronstreitigkeiten zwischen den feindlichen Brüdern hat sich dann Frankreich in Marokko militärisch engagieren lassen. Eine tv e i t s i ch t i g e Politik und Diplomatie hätte innige Schadenfreude über diese Verwickelung Frank- reichs empfinden können. Aber seit der französischen Aktion in Marokko sind die Herrschenden in Deutschland nicht verstummt. Und nachdem jetzt der französische General d'Amada eine militärische Aktion unternommen hat, durch die Frankreich die durch die Algecirasakte eingeräumten Rechte überschritten haben soll, ist das Wutgeheul unserer chauvinistischen Presse zu einem geradezu betäubenden Chorus angewachsen. Auch daß die französische Regierung den Schritt d'Amades in- zwischen bedauert und rückgängig gemacht hat, hält unsere chauvinistische Presse nicht ab, die törichtesten Drohungen auszustoßen I Man müßte unsere Chauvinisten, zu denen kich sogar Freisinnige gesellt haben, für geradezu tobsüchtig halten, wenn nicht die Lage im Innern eine derartige wäre, daß sie politischen Abenteurern in der Tat einen frivol angezettelten Krieg als eine Art kleineren Uebels erscheinen ließe. Hat sich doch für die herrschende Klasse die innere Lage überaus kritisch und u n- erquicklich gestaltet. Dem Rausch der Hottentottenwahlen ist bereits gründlichster Katzenjammer gefolgt. Das bewiesen die preußischen Landtagswahlen, wo von einer hurrapatriotischen Stimmung nicht mehr der leiseste Hauch zu verspüren war. Seit den Wahlen hat sich die schleichende Krise immer mehr ausgebreitet und durch Lohnreduk- t i 0 n e n und Arbeitslosigkeit ist eine schwere Miß- stimmnng selbst in den Kreisen erzeugt, die noch vor anderthalb Jahren iin Banne der Phrasen der Bülow, Dernburg und ihrer liberalen Nothelfer standen. Die einsetzende Krise hat auch erst die allgemeineLebensmittelteuerung den breitesten Kreisen fühlbar gemacht. Beträchtliche Kreise des Mittel- standes sind in ihrer Blockbegeisterung bereits erheblich ab- gekühlt, und die Massen des Proletariats sind durch den Stachel der 5krise und die Hungerpeitsche des Lebensniittel- Wuchers erst recht zu Klassenbewußtsein und Kampf- entschlossenheit aufgerüttelt worden. Die gewaltige Be-� telligung des Proletariats an den preußischen Landtagswahlen hat dieser Stimmung den unzweideutigsten Aus- druck verliehen! Aber das Ende der Katzenjammerstimmung, des grauen politischen Elends ist noch längst nicht erreicht. Preußen sowohl als das Reich befinden sich in den bös- artigsten Schwierigkeiten. Um die Unzufriedenheit der vielen Hunderttausende von Beamten zu beschwichtigen, hat man nunmehr für die Einlösung des seit Jahren gegebenen Versprechens, die Beanitengehälter angemessen zu erhöhen, den kommenden Herbst als endgültigen Termin angesetzt. Die Erhöhung der Beamtengehälter in Preußen und im Reich erfordert aber die Summe von zirka'/« Milliarde Mark. Zu diesen kolossalen Mehrausgaben kommt ein enormes, bereits vorhandenes Defizit im Etat, konunen weitere Hunderte von Millionen an M e h r a u s g a b e n für die Flotte und das Kriegsheer. Es ist unbedingt notwendig, durch eine Reich sfinanzrcform endlich Ordnung in die zerrütteten Finanzen zu bringen. Aber so notwendig diese Finanzrcform ist, so schwierig ist sie auch. Die Junker und die Bourgeois wollen nichts oder nur möglichst wenig zahlen. Den Löwenanteil der neuen Steuern sollen wiederum die besitzlosen Klassen aufgebürdet erhalten. Daß das abermals böses Blut erregen muß, wissen auch unsere Besitzenden! Die Lage ist also so verfahren wie nur möglich, und es wäre für unsere Besitzenden in der Tat eine momentane Erlösung, wenn ein Kriegsabenteuer mit einem Schlage alle diese Schwierigkeiten für die erste Zeit beseitigen würde. Selbst gewisse"Kreise des Freisinns fürchten offenbar mehr die Verlegenheiten der Reichsfinanzreform, als verhängnisvollste Verwickelungen mit dem Auslände! Und noch immer haben die besitzenden Klassen sich aus ihren Schwierigkeiten durch die Anzettelung eines äußeren Konfliktes herauszuretten versucht I Die durch einen Krieg früher stets erzengte Hurrastimmung, die Um- wälzung der ganzen Verhältnisse durch ein Kriegsabenteuer hatten ja bisher auch die besitzende Klasse für ein paar Jahre wenigstens aus ihren Schwierigkeiten befreit. Und unsere Bourgeoisie rechnet ja nur mit dem Augenblick. mit den nächsten paar Jahren. Ihr Losungswort ist die alte Metternichsche Parole:„Nach uns die Sintflut!" Aber die herrschenden Klaffen sollten doch nicht der- gössen, daß sich seit 1870/71 die Zeiten denn doch gewandelt haben. Die große Masse des Volkes hat durch die sozialdemokratische Erziehung einen«»endlich tieferen Einblick in die politischen Verhältnisse gewonnen. Die Masse des Proletariats weiß, daß ein Kricgsabentcuer um Marokkos oder auch Mazedoniens willen die ungeheuerlichste Frivolität wäre, die sich ausdenken ließe l Das deutsche Proletariat weiß, daß Hunderttausende seiner Söhne ihr Blut verspritzen würden, nicht für das W 0 h l des Vater- l a n d e s, nicht für den häuslichen Herd, nicht für nationale Unabhängigkeit, nicht zur Wahrung der Volksinteresscn, sondern nur, um größenwahnsinnigen Machtpolitikcrn die Kastanien aus dem Feuer zu holen, um den Aanouen- und Panzerplattenfabrikanten für profitable Bestellungen zu sorgen, um die Taschen der Hcereslieferauten zu füllen, um den durch ihre eigene Mißwirtschaft in Verlegen- heiten geratenen besitzenden Klasse» den Karren aus dem Dreck zu ziehen I Daß das Volk einem Haufen von Beutepolitikern oder einer Handvoll chauvinistischer Narren zuliebe seine Jugend, sein Gut und Blut opfern würde, werden sich unsere Säbelraßler und Hurraschreicr ja wohl selbst kaum einbilden! Gerade im gegenwärtigen Augenblick will das Volk den Frieden und die Ruhe, dannt die innere Entwickelung ihren ungestörten Gang nehmen kann. Das unter den Äucherzöllen leidende Volk heischt Abrechnung mit dem Agrariertum, verlangt eine Verbilligung der Lebensmittel. Die unter der Krise leidenden Proletarier verlangen, daß ihnen, die dem Unternehmertum Milliarden über Milliarden erarbeitet haben, nun endlich auch einmal mit Hilfe der sozialen Gesetzgebung die„Kompottschüssel" gefüllt wird! Das entrechtete Proletariat des größten deutschen Bundes- staates Preußen verlangt, daß das liberale Bürgertum gerade jetzt sein Versprechen einlöst, ihm eine W a h l r e ch ts- r e s 0 r m erkämpfen und bei der R e i ch s f i n a n z r e f 0 r m auch den liberalen Grundsatz zur Geltung bringen hilft, wo- nach die Leistungsfähige» auch in erster Linie zur Steuerleistnng herangezogen werden! Mag den Besitzenden, die die Massen um ihre Rechte prellen»vollen, eine Ablenkung noch so willkommen sein: Die Masse des Volkes will keine Ab- l e n k u n g, sondern die energische Wahrung und Förderung ihrer Interessen, die zugleich die Interessen der Nation sind. Wir können unsere Warnung nicht besser schließen als mit den Worten des Reichskanzlers selbst. Fürst Bülow sagte am 5. Dezember 1904 wörtlich: „Der Herr Abgeordnete Bebel hat weiter ge- meint, die Früchte eines großen europäischen Krieges würde in erster Linie die Sozialdemo- kratie davontragen. Diese Auffassung hatte ich für richtig, und das ist ein Grund mehr» warum die Regierungen aller großen Länder, wie ich hoffe, festhalten werden an ihrer jetzigen ruhigen und besonnenen Friedenspolitik." er behandle den Fürsten Enlenburg besser als jeden anderen An- geklagten. Das ist nach Herrn Kanzow nicht»vahr. Er denkt gar nicht daran, eine Ausnahme zu machen und weiß genau, in welcher Weise der Angeklagte zu behandeln ist. Wir entnehmen dieser Erklärung mit Genugtuung, daß Herr Kanzow alle Angeklagten ohne Unterschied, einerlei weS Standes und Ranges sie sind, höflich behandelt. Daß er alle männlichen Angeklagten„Herr Angeklagter" anredet. Und daß, falls ein Proletarier einmal in ähnlicher Körperverfassung»vie jetzt der Fürst Eulenburg in Untersuchungshaft genommen wird und vor Gericht erscheinen muß, Herr Kanzow ihm gern den fortwährenden Verkehr mit seinen Verwandten und Spazier- fahrten im Tiergarten gestatten wird. Hoffentlich findet das gute Beispiel des Herrn Landgerichts- direktors Nachfolge bei seinen Amtskollegen, bei allen Gerichts- Vorsitzenden und Untersuchungsrichtern. Die haben nämlich bisher vielfach sehr viel andere Umgangsformen ini Verkehr mit Angeklagten und Untersuchungsgefangenen gebraucht. Und haben bisher über die Erlaubnis zum Verkehr mit Anverwandten zn Spazierfahrten meist sehr viel engherziger gedacht, als der Herr Landgerichtsdirektor Kanzow. Wie gesagt, wir hoffen, daß Herrn Kanzows lobenswertes Bei- spiel recht viel Nachfolge findet. Dann wird ihn einst die Geschichte preisen als den Reformator preußischer Angeklagten- und Unter- suchungsgefangenenbehandlung. Kanzolv und Eulenburg I Den letzteren deshalb, weil— der Eulenburg-Prozeß erst kommen mußte, um die allgemeine Anfinerksamkeit auf die humane Praxis des Herrn Land- gcrichtsdirektors Kanzow zu lenken. ».» Die Prozeßverhandlungen am Donnerstag weisen keine dra- matischen Szenen und entscheidende Zeugnisse auf. Die Harden- Presse, voran die„B. Z. am Mittag", ist jedoch in der Stimmungs- mache ebenso eifrig wie in den Vortagen. Die Eulenburgpresse ist naturgemäß stiller, sie muß sich vorläufig auf die Abwehr beschränken. Die„Deutsche Tageszeitung" entrüstet sich über unsere Behauptung, daß sie den Ausschluß der Oeffentlichkeit vor allem deshalb haben wolle, damit die Sünden der obersten Gesell- schaftsklasscn nicht öffentlich verhandelt würden. Es ist ihr an- geblich ausschließlich um das Gefühl der weiteren Volkskreise zu tun, das durch die ständige öffentliche Behandlung solcher Un- reinlichkeiten abgestumpft werden könnte, wodurch der Ucbcrtragung des Uebels Vorschub geleistet werden könnte. Nebenbei betont sie die Selbstverständlichkeit, daß sich die kleinen Kreise, in denen diese Unreinlichkeiten grassieren, in allen Gesellschaftsschichtcn. unten wie oben, finden. Zugegeben. Aber das hindert nicht, foiß wir in den kleinen Kreisen der oberen Zehntausend sie zurzeit auffällig stark gehäuft finden und daß es sich in diesem Prozesse eben um die Interna der„obersten Gesellschaftsklassen" handelt. Wenn die„Deutsche Tageszeitung" in diesem Falle so sehr nach dem Ausschluß der Oeffentlichkeit schreit, sollte ihr der Gedanke an das gefährdete Ansehen der ihr nahestehenden„oberen Gesell- schaftsklasscn" dann so fern liegen? Der Appell an die„nationale", an die„ernste" Presse ist übrigens von kläglichem Mißerfolg gewesen. Selbst das Organ Bülows, die offiziöse„Nordd. Allg. Ztg.". druckt den Bericht der Thieleschcn Gerichtskorrespondenz ab. Wie übrigens auch die „Deutsche Tageszeitung" selberl Sie gleiche Kehzmiiung. Die DonnerStagsitzimg im Eulenburg-Prozeß begann mit einem Protest deS Vorsitzenden. Herr Landgerichisdirektor Kanzow wandte sich gegen die böse» Zeitungen, die da behaupteten, kehtorenßniippei und Freie Skudentenfchaft. Aus studentischen Kreisen wird uns geschrieben: „Die Freie Studentenschaft ist eine Organisation der nicht einem Korps usw. Angehörenden der Universität. Diesen jungen Leuten, die meist in einem ideologischen Liberalismus befangen sind, ist das bürgerliche Wissen, das durch zum großen Teil senilen Professoren in den Hörsälen in dürftigen Portionen verabfolgt wird, nicht ausreichend gewesen; sie wollten nicht bloß theoretisierende Gehirntiere sein, sondern auch Anregung von draußen, vom wirklichen Leben erhalten. So gründeten sie eine literarische, eine staatswissenschaft- Ii che und künstlerische Abteilung, deren Ausgaben vornehmlich darin bestanden, Männer der Wissenschaft, Politik und Kunst heranzuziehen, um Vorträge mit anschließender Diskussion zu veranstalten. Diese Veranstaltungen gingen der hohen Behörde gewaltig wider den Strich. Und als man auch an liberal- demokratische Redner wie Gcrlach und Brcitschcid herantrat. die dort über das preußische Wahlrecht sprachen. als man nicht in der Universitätszunft sitzende Mediziner wie Moll und als man gar die Genossen Bernstein und Bloch aufforderte. über ein philosophisches Thema zu referieren, kam der Schlag von oben, das Berbot der letztgenannten Vorträge mit der Vegrüiidung, daß Sozialdemokraten vor Studenten nicht sprechen dürsten. Ferner wirkten die sozialen Einrichtungen der Freien Studenten- schaft sehr verstimmend. So das Arbeitsamt und die Arbeiter- Unterrichtskurse. Diese Kurse erregten die Wut der Reaktionäre aller Richtungen, Speziell die Korps und die Scharfmacherorgane, wie der„Tag" des Herrn Scherl und die ehrbare„Kreuz-Zeitung", taten ihr Möglichstes, die Veranstalter zu deminzieren. Um den Angriffen, die immer zahlreicher und hitziger wurden, die Spitze zu bieten, sah man sich genötigt, eine Halbmonatsschrift „Die Frei st üben tischen Blätter" zu gründen. In Nummer 4 der Zeitschrift nahm ein Studierender der Kitzistgeschichte Veranlassung, auf Me im„Hilfe'-Verlag erschienene Schrift»Die Reaktion in der inneren Verwaltung Preußens"' vom Bürgermeister X. g). in Z. hinzuweisen� Besonders verbitternd wirkte der Nachweis, daß die über- wiegende Mehrzahl unserer Ober- und Regierungspräsidenten, Land- rate usw. adlig sind und daß unbedingte Voraussetzung für die höhere staatsdienstliche Karriere der Nachweis sei, daß man einem feudalen Korps angehört, somit streng konservativ ist. Der Artikel hatte aber auch einen anderen interessanten Erfolg. Die Nummer wurde in der Universität sofort verboten vom Rektor, der sich als Anwalt der Junker aufspielte. Die oberen Gewalten befriedigte aber noch nicht das Verbot der Zeitschrift. Die Studenten bekamen ein kleines Sozia- listen-Gefetz zu kosten. Man verbot literarische und Volks- wirtschaftliche Vorträge wie die des Herrn Auguste Corun:„Die soziale Lyrik in Frankreich" und des Herrn Dr. Levenstein:„Die individualistischen Hoffnungen des Arbeiters". Nunmehr raffte sich endlich der Vorstand zu einer schüchternen Bitte an den Rektor und Hohen Senat auf, er möge ihnen doch Grundsätze aufstellen, die für Verbote von Vorträgen und Ver- öffentlichungen maßgebend seien. Der Rektor hat nach fünf Wochen erst dem Ausschuß erwidert,„er gebe keine Gründe au". Ferner befahl Se. Magnifizenz, die Mitglieder der Freien Studentenschaft zu notieren und ihm zu Beginn des Semesters die Listen vorzulegen. So geschehen im Jubeljahre der nationalliberal-konservativ- freisinnigen Paarung, ein Gegensatz zu der schönsten Frucht des Blocks: dem Reichsvereinsgesetz. So wurde der Freien Studenten- schaft der GarauS gemacht. Denn der Beschluß deS Rektors kam einer Auflösung gleich. Wer hätte weiter einer Organisation an- gehört. bei der schwarze Listen geführt wurden I Die Mit- glieder waren nicht geneigt, den gewünschten Selbstmord zu begehen und boten einen Kompromiß mr. Das half ihnen aber nichts. Sie mußten die Räume, die sie in der Universität feit Jahren inne hatten, binnen 48 Stunden räumen; die Anschlagebretter wurden noch am selben Morgen von den Dienstmannen des Rektors Stumpf beseitigt. Damit hat die Freie Studentenschaft fak- tisch zu existieren aufgehört. Jetzt ergreift man nun radikalere Abwehrniaßnahnien. Man hofft, daß eine Protest- Versammlung das Verbot rückgängig machen wird. Diese Optimisten werden sich aber gründlich täuschen. Ihre Ver- sammlung wird keinen größeren Eindruck bei den herrschenden Klassen in Preußen machen als die unzähligen weitsichtigeren Arbeiter- Versammlungen. Der einzige Erfolg dürfte sein, daß einige ein- sichtige Elemente den wahren Feind alles Fortschritts in Preußen, die feudal-kapitalistische Reaktion erkennen, gegen die nur eine ein- z i g e Partei imstande ist, mit Energie vorzugehen, daß nur der An- schluß an die Sozialdemokratie Schutz gegen diese KnebelungS- Versuche gewährleistet._ Line richterliche IKulturltampfpaufte. Gleichheit vor dem Gesetz und Gewissensfreiheit sind Forderungen, die auch, wenn sie nicht ausdrückliche Anerkennung in der Verfassung gefunden hätten, in jedem Knlturstaat erfüllt werden müßten. In erster Linie aber sollte der Richter sich ängstlich hüten, seine politische oder religiöse Ansicht da walten zu lassen, wo er über die Rechte eines Andersdenkenden zu entscheiden hat. Im Gegensatz zu dieser ersten Forderung der Gerechtigkeit ist offen und versteckt gegen Gesetz und Recht gegen Sozialdemokraten verfahren. Mag eS sich um Strafsachen handeln oder um zivilrechtliche Streitigkeiten, um Lffentlichrechtliche Befugnisse, wie die aus dem Vereins- recht folgenden, um Bestätigung von Gemeindebeamten, um Ernennung von Beamten, ja selbst beim Kindererziehungsrcchte — auf allen Gebieten deS privaten und öffentlichen Rechtes hat die Sozialdemokratie mit einer Fülle von Beispielen aufzuwarten, in denen Bürger nur deshalb, weil sie Sozialdemokraten sind, entgegen dem Gesetz behandelt sind. Wiederholt ist im Reichstag von Sozial- demokraten das Zentrum dahin apostrophiert, gegen guecksilber- flüssige Begriffe in Gesetzen sich zu wenden und dadurch der Möglich- keit der Betätigung der politischen Befangenheit des Richters ent- gegenzuwirken, da auch das Zentrum wieder zu den verfemten Parteien gehören könne. Leider ist dieser Appell keineswegs stets vom Zentrum beherzigt. Jetzt voröffcntlicht die„Germania" einen— auf Beschwerde hin freilich aufgehobenen— Beschlutz deS Amtsgerichts in Leobschütz vom 3. Juni ISOS. in dem einer G. m. b. H. mit der Firma„Leobschützer Zentrumszeitung. Gesellschaft mit beschränkter Haftung" die Eintragung versagt ist. DaS Reichsgesetz betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung erklärt, daß G. m. b. H.„zu jedem gesetzlich zulässigen Zweck" errichtet werden können. Der Richter versagte die Ge- nehmigung, weil der Zweck der neuen Gesellschaft,„Ver- anstaltungen jeder Art" zu treffen, die dazu geeignet sind, im Kreise Leobschütz die katho- -tische, politisch auf dem Standpunkt der Zen- trunrs Partei stehende Presse zu fördern"— die „Verkörperung eines gesetzlich unzulässigen Zwecks sei". Der kuriose Beschluß wird in längeren, in der„Germania" vom Donnerstag 2'/.j Spalten füllenden Ausführungen„begründet". Schade, daß die Rücksicht auf de» Raum uns die wörtliche Wieder- gäbe dieser richterlichen Arbeit verbietet, die ein köstliches Dokunicnt für die Ftolw bietet, ob richterliche Entscheidungen wissenschaftliche Leistungen sind und ob ein königlich preußischer Richter unbefangen sein kann. Der Beschluß hält dafür, ein Eingehen auf die politische, geschichtliche und soziale Eutwickelung der ZeutrumSpartei sei er- forderlich. Dann wird in nachstehend erheiternder Weise„Geschichte" von der Iphigenie- Sage an wie folgt kulturkämpferisch geklittert: Es mag die Geschichte, wie folgt, selbst sprechen: a) Der uralte Streit zwischen Königsmacht und Priestertum, lvie ihn das Protokoll des Reichstags vom 10. März 1873 erörtert. Aus der neueren Zeit: b) Der Streit um die gemischten Ehen, die Ehescheidungsgesetz- gebung von 1844. die Stellungnahme deS katholischen Klerus — Droste-Vischering, Ketteler dazu, c) Der Kniebeugungsstreit — lies Weber Weltgeschichte 15' Seite 42 bis 54 d) Syllabus vom 8. Dezember 1864§§ 15, 19 ff., 54 ff.,§ 80 „si quis dixerit, Eomanus Pontifex potest et debet cum progressu, cum liberalismo et cum receati oivilitate sese reoonciliare et componere, anatboma sit!" e) Mallinckrodt, Rcichcnsperger, Schorlemer-Alst, katholische Ab- teilung im Ministerium Möhler, Windthorst und seiner Ge- folgschaft; Majunke und die„Germania"; LedochowSly, der vom Papst zum Primas von Polen ernannt wird, sWeber XV. 2. Seite 1096—1116).— Der Polenfreund Schasfranek aus Schlesien, BiSmarck-Erinnerungen II, Seite 123, 127 und 133, Kullmann aus Salzwedel und der vom Pfarrer Störmer geleitete Salzwedeler katholische Gesellenverein.— Dr. Jörg. — Blum, Geschichte des Deutschen Reichs Seite 22, 28, 57, 58. 5) Bischof KettlerS Vermahnnng gegen die Sedanfeier 1372, s) Veranlassung zum Kanzelparagraphen, h) Enzyklika vom 15. Februar 1875, i) Jesuitengefahr—————— k) Dann die neuen, noch außerhalb der geschichtlichen Sachlichkeit keit stehenden Geschehnisse und Personen. Alles dies ist für den freien Denker Stoff zum Aussieben des Für und Wider und des Niederschlages daraus, mit dem der kleine Menschenwitz der Allmacht gegenüber beim Stufcnbau der Weltgeschichte klug tut. Für den preußischen Staat aber sind eS Warnungstafeln, deren Schrift er unverlöschlich erhalten sollte: Bewegungen und Stellungen eines unversöhnlichen, mit- unter latenten Gegners, der taktisch fein gegliedert, strategisch meist geschickt operiert, und wenn es zum Schlagen kommt, auch einmütig diszipliniert ist. Ein Gegner, demgegenüber der preußische Staat, wie sein größter König sagt:„toujours en vedetta" bleiben sollte, eingedenk dessen, was am 23. Juli 1177 nach der verlorenen Schlacht von Legnano vor der Markuslircbe in Venedig zwischen Friedrich Barbarossa und dem Papst Alexander III. geschah. Glaubt hiermit der Beschlutzfasser, der auch andere Meinungen, wie die von Johannes Janssen und derer, die ihm folgen, zu würdigen nicht unterlassen hat, das tbsma probandum: Die Unvereinbarkeit der Anschauungen des Zentrums mit dem Wesen einer, beide Schwerler führenden, protestantischen Monarchie. die keinen Staat im Staate dulden darf, bewiesen zu haben, so möchte er sich doch ausdrücklich dagegen verwahren, daß er Partei- lich gegen den Katholizismus empfindet, der vor dem Gesetz das- selbe Recht hat, wie der Jude und der Evangelische. Der Richter hat sogar ein menschlich wehmütiges Verständnis für den frommen Eifer der sanota simplioitas, die gläubig ad majorem vei glomm gutes zu tun meint, da sie zum Scheiterhaufen von Huß in Gegenwart ihrer Pricsterschaft Reisig zuschleppt!" Der wunderliche Beschluß zitiert ferner eine Acnßerung BiS- marckS aus Hohenlohes Memoiren, betont, daß der Richter— Laun heißt er— 88 Jahre im Amte ist. Nach Hinweis auf Bibel- stellen sRömer 12. 10; 13. 1; 7. 1; Petri 2. 17; Matth. 22. 21) wird dargelegt, daß die zu der Gesellschaft mit beschränkter Haftung gehörigen katholischen Geistlichen und mehrere Staatsbeamte ihre Pflicht verletzen, wenn sie das beabsichtigte Unternehmen fördern. Verkündet wird im Beschluß, der Bevölkerung gehe die Urteilskraft ab, u prüfen, was wahr ist, ihr wohne vielmehr„noch weit hinaus die irrige Vorstellung inne. daß was als Druckschrift die Gewalt der Preßwalze und die Tünche der Druckerschwärze ertragen hat. wahr sein müsse". Die Laien und Nichtbeamten dürften den regierungsabgeneigten Staatsdienern und Beamten nicht die Mittel gewähren. ihre Meinungen zu verbreiten. Trotz Anerkennung der Mitarbeit deS Zentrums durch Bülow im Jahre 1904 sei die ZentrumSpartci „staatsgefährlich". Mithin rechtfertige sich die getroffene Entscheidung. Zur Abwechselung statt Sozialisteuhetze und Polenkrieg Kultur- kampfpaukerei in gerichtlichen Urteilen: die preußisch. deutsche Justiz steht im Mittelpunkt der Gerechtigkeit— überall gleich weit von ihr entfernt. politiscde üebcrticht. Berlin, den 9. Juli 1993. Das Zentrum als Verteidiger des amtlichen Terrors. Endlich, nach vier Tagen, fühlt sich das offizielle Hanpt- organ des Zentrums, die„Germania", bewogen, von den skandalösen Lehrermaßrcgelungen Notiz zu nehmen, über die der „Vorwärts" in seinem Leitartikel vom 5. Juli berichtet hatte. Die „Germania" schreibt nach Wiedergabe unserer Darstellung: „Wir geben zu, daß die Maßnahmen gegen die beiden Lehrer außerordentlich harte sind, aber es geht doch zu weit. wenn der„Vorwärts" sie brutale MaßregelungSakte nennt. Muß doch das sozialdemokratische Organ selbst zugeben, daß die Festrede „des noch jugendlichen und von ehrlichem Enthusiasmus beseelten Lehrers für einen Kriegerverein vielleicht deplaciert war." Eine disziplinarische Rüge wäre deshalb durchaus am Platze gewesen. Jedenfalls ist der liberale sozialdemokratisch angehauchte Geist, der sich in der„Festrede" des jungen Lehrers kundgibt. beachtenswert. Im übrigen hat der„Vorwärts" am aller- wenigsten Anlaß, sich über eine derartige Maßregelung zu beklagen. Die Sozialdemokratie geht gegen die„Genossen", welche sich Ent- gleisungen zu Schulde» kommen lassen oder gegen die orthodoxen Canones der Sozialdemokratie verstoßen, viel strenger und gewalt- tätiger vor." Die„Germania" fälscht unsere Ausführungen! Folgte doch unserer Bemerkung, daß der Vortrag des Redners für einen Krieger- verein„vielleicht deplaciert" gewesen sei, die Erläuterung, daß solche Ausführungen nur deshalb unangebracht gewesen seien, weil die Kriegervereine unter der Leitung ehemaliger Offiziere oder hackeuzusammenschlagender Beamter ja seit jeher der T u m m e l- platz des Byzantinismus und der Untertanen- knechtsseligkeit gewesen sei I Wenn aber die„Germania" die Staatsbeamten auf eine Stufe stellt mit Parteibeamten, so beweist sie ein wirklich ungewöhnliches Maß von Verständnislofigkeit oder— I e f u i t e r e i. Selbst« verständlich bestreiten»vir der ZentruniSpartei niemals das Recht, Personen, die sich, sagen wir einnral, zu einem liberalen Standpunkt hindurchgemausert haben, aus der Zentrumspartei auszuschließen und damit auch etwaiger innerhalb der Zentrumspartei innegehabter A e m t e r zu entheben. Um- gekehrt würden wir es auch dem Freisinn nicht verargen, wenn er einen Parteibeamten seiner Stellung enthöbe, dessen Partei- anschauungen sich denen des Z e n t r u in S genähert hätten. Ganz anders aber ist eS mit Staatsbeamten. Der Staat soll über den Parteien stehen. Einen Staatsbeamten das Recht der unumschränkten Meinungsäußerung rauben, heißt verfassungswidrig handeln, heißt sich auf den Standpunkt gewisser Gruppen von Staatsangehörigen stellen und andere Teile der Staatsangehörigen verfemen. Die Maßregelung der beiden Lehrer im Kreise Mogilno wäre ein skanbalöser Willkürakt, eine schreiende Ungerechtigkeit gewesen, selbst wenn die beiden Lehrer sich nicht nur zum liberal» demokratischen, sondern auch zum sozialdemokratischen Standpunkt be- kannt hätten! Wenn die„Germania" das nicht einzusehen vermag, so beweist sie damit nur, daß auch das Zentrum den reaktionären Terror gut« heißt, sofern er nicht gegen ihre Parteiinteressen verstößt!— Ein gemastregelter Gtimnasialdirektor. Der Direktor des Königlichen Wilhelmsgymnasiums in Berlin, der Geheime Regierungsrat Dr. Leuchten- b e r g e r, soll nach den Meldungen der bürgerlichen Presse gemaßregelt worden sein. Und zwar wegen einer Rede, die er bei der am 17. Mai abgehaltenen Jubiläumsfeier des Gymnasiums über die„Modernisierung des G y m- n a s i u m ö" gehalten hat. Die in gewissen hohen Regionen unliebsam vermerkte Rede vertrat den Standpunkt, daß an dem gymnasialen Charakter des Gymnasiums auf Kosten der sog. humanistischen Bildung nichts geändert werden dürfe. Wenn man das Gym- nasium den Ansprüchen des Weltverkehrs, der Technik und der Industrie anpassen wolle, so dürfe gleichwohl das Griechische und Lateinische nicht verkürzt werden. Wolle man das Englische obligatorisch machen, so könne das nur auf Kosten des Französischen geschehen. Wolle man das Wissen in der Natur bei der Jugend steigern, so möge man dafür gewisse Teile der Mathematik einschränken. Wolle man das geographische Wissen in der Jugend vermehren, so möge man dafür gewisse Partien der Geschichte aus- merzen, die leicht entbehrt werden könnten- Nach dieser knappen Inhaltsangabe über die Rede des gemaßregelten Gymnasialdirektors vermögen wir uns kein Urteil über dessen pädagogisches Programm zu bilden. Mag man das Studium der alten Sprachen so hoch oder so niedrig schätzen, wie man will, man mag das humanistische Gym- nasium für zeitgemäß erachten oder nicht: Dr. Leuchtenberger ist offenbar zur Einreichung seines Pensionierungsgesuchs ver- anlaßt worden, weilseineRededenindenhöchsten Kreisen herrschenden Ansichten zuwider- lief! Bekanntlich ist es ja Wilhelm II. selbst gewesen, der bereits vor 16 oder 17 Jahren den Sturmlauf gegen das humanistische Gymnasium begann. Und so sehr man mit Wilhelm II. in der Kritik über die Unzcitgemäßheit der söge- nannten humanistischen Bildung übereinstimmen konnte, so sehr hat die EntWickelung der Dinge auf dem Gebiete des höheren Schulwesens der Ansicht unseres Friedrich Engels in seinem„Anti-Dühring" Recht gegeben, daß die Ersetzung der humanistischen Bildung durch eine sogenannte realistische Bildung vielfach nichts anderes bedeutete, alsdenTeufel durch Beelzebub austreiben. Jedenfalls aber sollte doch die Stellungnahme nach der einen oder anderen Seite nicht das amtliche Todes- urteil eines verdienten Schulmannes be- deuten! Wenn trotzdem nicht nur simple Schullehrer in Ostpreußen oder Schleswig-Holstein, sondern auch Gym- nasialdirektoren gemaßregelt werden, weil sich ihre Auffassung nicht mit der behördlich borge- schricbcnen deckt, so ist das nur ein neuer Beweis für den unerhörten Terror, der von unseren Behörden, dem Werkzeug des absolutistischen Willens, höheren und niederen Beamten gegenüber geübt wird! Wahlprotest. Gegen die Wahl des Abgeordneten Reinbacher in Rix- dorf-Schöneberg ist von den Genossen dieses Kreises Protest erhoben worden. Durch den Protest werden zunächst eine Anzahl grober Unregelmäßigkeiten bei Aufstellung der Wählerlisten in Rixdorf bemängelt. Es sind dort Stichwahlen zu Unrecht angeordnet worden, und in anderen Bezirken ist wieder die An- ordnung von Nachwahlen widerrechtlich unterlassen worden. In der Hauptsache wird jedoch bemängelt, daß bei Aufstellung der Wählerlisten in Nixdorf— im Gegensatz zu Schöncberg— die Steuersätze des Jahres 1967 zugrunde gelegt wurden und daß außerdem die AbteilungSlisten nicht nach den gesetzlichen Bestimmungen in alphabetischer Reihenfolge geführt wurden. Es wird nachgewiesen, daß durch diese Ungesetzlichkeiten der Sezialdemokratie42 Wahlmänner verloren gingen. Bei der Wahl des Abgeordneten betrug bekanntlich die absolute Mehrheit 548 Stimmen, die Sozialdemokratie erhielt 528 Stimmen. Danach wäre bei gesetzlicher Handhabung der Dinge, der Sozialdemokrat gewählt worden. Ein Preftprozest mit kolonialpolitischem Hintergrund. Kurz vor den Hottentottenwahlcn am 12. Jan. 1907 erschien im Harburg. Parteiorgan ein Artikel, betitelt:„Z ur Auffrischung des Gedächtnisses", indem die Kosten der glorreichen Kalo- nialpolitik des Deutschen Reiches aufgeführt und die Kulturtatcn deS Stationsleiters Geo Schmidt, des Leutnants Schcunemann. der inzwischen zum Hauptmann avanciert ist. und des Hauptmanns Kamptz behandelt werden. Von Scheunemann wird in dem Artikel auf Grund einer Rede Bebels im Reichstage am 1. Dezember 1966 gesagt, daß er die Bestrafung von drei Schwarzen, die er im Verdacht des Ehe- bruchs mit seiner schwarzen Konkubine gehabt, angeordnet habe, und daß der dazu beorderte Sergeant Duara, um die Ausführung des Befehls vorzutäuschen, drei Schwarze, die ihm zufällig be- gegnet seien, ergriffen und ihnen die Männlichkeit ab- geschnitten habe. Die Angelegenheit ist auch später in der Budgetkommission deS Reichstages zur Sprache gekommen. Wegen dieses Artikels hat der Kolonialsekretär Dernburg Strafantrag wegen vcrlcuni- derischen Beleidigung gegen den damals verantwortlichen Redakteur Köpcke vom„Harburger Volksblatt" gestellt, weil die Behauptung bezüglich des Hauptmanns Scheuncmann nicht wahr sein soll, während der sich ebenfalls beleidigt fühlende Herr Schmidt auf den Privatklageweg verwiesen wurde, da er auö dem 5!olonialdicnst ausgetreten ist. Scheunemann ist feit 1900 im Schutzgebiet und war vom Mai 1901 bis 31. Dezember 1902 Stationsleiter von I a u n d e in Kamerun. Die Verhandlung gegen Köpcke fand am Mittwoch nach- mittag vor der Strafkammer I des Landgerichts Stade statt. Der Angckladte bestreitet die Absicht der Beleidigung und be- merkt, er habe die Hauptmann Schcunemann betreffende Beschul- digung dem stenographischen ReichStagSbericht entnommen. Der in Khaki-llniform erschienene Hauptmann Scheuncmann stellt in Abrede, an Duara einen derartigen Befehl erteilt zu haben, wie er von derartigen Grausamkeiten nichts wisse. Der Vorsitzende bemerkt, es sei doch bekannt, daß Eingeborene solche Grausamkeiten verüben. Zeuge Sch.: Duara ist ein unzu- verlässiger Mensch, der aus der Schutztruppe entlassen worden sei; ob D. solche Dinge begangen habe, vermöge er nicht auszusagen; ihm sei derartiges nicht bekannt geworden. Verteidiger Dr. Herz- Altona stellt an den Zeugen die kitzliche Frage, ob gegen ihn nicht von einem Offizier eine Besd)uldigung erhoben worden sei, die auf ähnlichem, in letzter Zeit sehr bekannt gewordenem Gebiet liege. Der Zeuge verneint dies z u n ä ch st. verweigert dann aber auf Vorhalt des Vorsitzenden die Aussage.(DaS Kriegs- geeicht der Gardedivision hat die Herausgabe der Akten gegen Hauptmann Scheuncmann vrweigert; diese befinden sich zurzeit in Afrika.) Der Staatsanwalt beantragt in Rücksicht auf die Schwere der Beleidigung drei Monate Gefängnis, während der Verteidiger, auf die Eigentümlichkeit deS Borverfahrens ver- weifend, für Freisprechung plädiert. Der Angeklagte führt noch aus, er habe durchaus keine Neigung, wegen dieser Sache ins Gefängnis zu wandern; sollte trotzdem auf Gefängnisstrafe erkannt werden, so werde er Mittel und Wege finden, die Heraus- gäbe der Akten gegen Scheuncmann zu erzwingen. Ihm sei eS durchaus nicht darum zu tun, die Angelegenheit sensationell zu be- handeln, aber er wür-de eventuell zu diesem Mittel greifen müssen. DaS in später Stunde erfolgte Urteil lautet auf eine Geld- strafe von 500 M. oder 50 Tage Gefängnis.— Preußische Polizei im Dienste des Auslandes. Die nationale Heimatpolitik des Deutschen Reiches und Preußens hat insbesondere qn der Westgrenze einen bedeiillickien Verlust von Reichsangehörigen znr Folge. Die holländischen Grenzstädtchen Baals und Heerlen nebst den der Grenze entlang liegenden Gemeinden verzeichnen eine sonst in Holland nicht gekannte starke BevölkernngS- zunähme, teils liegt das an der inHolländych-Limburg sich entwickelnden Beramdnstrie, zum weitaus größten Teile jedoch an den deutschen Lebensmittelpreisen und am 8 23 des preußischen Einkommensteuergesetzes. Holland hat nicht nur be» deutend geringere Lebensmittelpreise und WohnuiigSiniete», sondern auch eine nicht entfernt so starke Heranziehung der kleinen Ein- kommen zu den Staats- und Gemeindesteuern. Infolgedessen sind viele Hunderte von Bergleuten, Industrie- und Bauarbeiten» in den letzten Jahren aus dem Wurnrrevier, aus Aachen und Umgegend m kollZndischeS, teilweise auch in belgisches Gebiet verzogen. Trotz der Umständlichleit des Weges zur deutschen Arbeitsstätte, der jedoch teilweise per Balm abgemacht werden kann, und des Verzichts auf die mancherlei Bequemlichkeiten der Grohstadt und der nahen Arbeitsstelle hält die Flucht ins Ausland an. Neuerdings scheint es nun, als ob zwischen den preußischen und holländischen Behörden ein gewisses Einvernehmen in bezug auf gegen- seitige Unterstützung getroffen worden ist. Dabei unter- laufen dann die sonderbarsten Verwechselungen. Die Holländer wachen Jagd auf Spitzbuben und Zuhälter, die Preußen auf Sozialdemokraten nnd organisierte Arbeiter. Anscheinend lassen die holländischen Behörden sich in Ermangelung anderer Gründe auch auf politische D i e n st e ein, bedrohen ihnen von preußischer Seite als Sozialdemokraten denunzierte Zuziehende mit Ausweisung, obschon sie selbst nicht hindern können, daß ihre eigenen Beamten mehr und mehr der Sozialdemokratie zuneigen und mit den Volksschullehrern den Kern der Sozialdemo- kratie Limburgs bilden und agitatorisch tätig sind. So wurde kürzlich ein Arbeiter in Baals zum Bürgermeisteramte geladen. Dort wurde ihm eröffnet, daß er nach Mitteilung der Polizeibehörde in Aachen Sozialdemokrat sei und daß deshalb sein Zuzug nach Baals nicht gestattet werde. Der Arbeiter worüber die ihm zugedachte Parteizugehörigkeit nicht wenig erstaunt, um- somehr, weil er als jM i t g l i e d des christlichen sTextil« arbeiter-VerbandeS Wert darauf gelegt hatte, über die vorgeschriebene Zentrumsgesinnung zu verfügen. Er suchte dem ebenfalls klerikalen Bürgermeister von Baals die Un» richtigkeit der Meldung aus Preußen begreiflich zu machen, doch ohne Erfolg. Er müsse erst durch eine Bescheinigung der Aachener Polizei beweisen, daß er kein Sozialdemokrat sei. In Aachen war man über die Offenheit des Baalser Bürgermeisters einigermaßen in Verlegenheit, doch eine Bescheinigung gab man nicht. Später hat sich dann die Angelegenheit in Wohlgefallen auf- ' gelöst. Wir möchten aber denn doch die Frage aufwerfen, wie eine preußische Polizeibehörde sich erlauben darf, ihre eigenen Staatsangehörigen dem Auslande zu denunzieren! Beide württembergische Kammer« sind in die Sommerferien gegangen. In der Schlußsitzung der Abgeordnetenkammer ging es noch ziemlich turbulent zu. Ein alter, von den„Staatsmännern" der Volkspartei ausgeschirrter Demotrat, der Abgeordnete Dr. Elsas, redete zum Schulgesetz. Todesmutig verlangte er die Uebernahme der Schullasten aus den Staat, er forderte das achte Schuljahr usw. Den volksparteilichen Diplomaten standen ob diesem Radikalismus ihres Parteigenossen die Haare zu Berge. Denn der Mann meint es noch ernst mit seinem demokratilchen Programm. Auch dem Kultusminister wurde bei der Rede schlecht. Er erhob sich deshalb und klagte schmerzbewegt, diese Rede habe seine Hoffnungen auf das Zustandekommen des Gesetzes sehr herabgestimmt. Die.Staatsmänner" der Volkspartei werden den betrübten Minister nachher schon getröstet haben. Der Gesetzentwurf wurde schließlich an die Kommission verwiesen. Von dieser wurden die beiden Referate über den prinzipiellen Teil des Gesetzentwurfes— soweit von.Prinzip" zu reden ist— den beiden Theologen Professor H i e b e r snatl.) und Stadtpfarrer Späth sZentr.) übertragen. Das sagt genug. Ueber die technischen Einzelheiten dürfen sich zwei Lehrer, Löchner«Volkspartei) und Schrempf(Bauernbund) streiten. In der Schlußsitzung der E r st e n Kammer wurde fdie Friedensschalmei geblasen. Wie berichtet, haben die er- tauchten und edlen Herren den Gesetzentwurf der Regierung betreffend Schaffung einer Landwirtschaftskammer ür Württemberg gründlich verschandelt. Der Entwurf sah das gleiche und direkte Wahlrecht für alle Landwirte vor. Die Fürsten, Grafen und Ritter behaupteten, das sei der Umsturz in Permanenz. Sie verlangten deshalb, daß das Wahlrecht ihrem Landwirtschaftlichen Verein übertragen werde, beileibe aber nicht den Mitgliedern deS Verein«, sondern den VereinSanSschüssen. ein paar Dutzend Personen. Der Minister zeigte sich widcrhaarig. Nun haben die Fürsten, Grafen und Ritter einen Kompromißantrag zusammen- gebraut und angenommen, demzufolge wenigstens die Mit- glieder des Vereins, der etwa ein Drittel der Landwirte Württembergs umfaßt, das Wahlrecht erhalten sollen. Die anderen IIS(XX) Landwirte Württembergs mögen sehen, wo sie bleiben. Der Minister ließ durch seinen Vertreter erklären, daß er sich eventuell mit diesem Antrage befreunden könne. Die Zweite Kammer, die auch ein gewichtiges Wörtlein mitzureden hat. wird es um so weniger können.— Auch gegen die B a u o r d n u n g, wie sie aus den Be- ratungen der Zweiten Kammer hervorgegangen ist. opponierten die Herren. Sie machten sich die Arbeit, eine Kommission einzusetzen, die die„Verschlechterungen" wieder beseitigen soll, die von der Zweiten Kammer hineingebracht seien. Viel helfen wird die ungewohnte Arbeit den Herren nicht.— Ein Musterpolizist. Ein Verehrer des weiblichen Geschlechts. war der Polizeibeamte Rudolf Hell w ig in Unterbach bei Düsseldorf. Obwohl verheiratet und Vater von fünf Kindern, stellte er doch den Frauen nach, wo ihm Gelegenheit gegeben war, und unterhielt mit mehreren fortwährend geschlechtlichen Verkehr. In amtlicher Eigenschaft hatte er bei zwei Frauen zu tun, die Armenunterstützung bezogen; auch diese fielen seinen Lüsten zum Opfer. Hellwig war auch ein großer Sozialistentoter und unsere Ge- noffen hatten mit ihm manches Rencontre. Als der Polizist sich einmal im Wirtshause recht mausig benahm, warf ihm ein Arbeiter seine geschlechtlichen Ausschweifungen vor. Die erste Antwort ivar eine schallende Ohrfeige und dann mußte der Arbeiter noch wegen Beleidigung vor Gericht. Hellwig stritt unter Eid jeden außerehelichen Verkehr ab, die Sache wurde vertagt und im zweiten Termin hielt der Polizist seine Behauptungen aufrecht, trotzdem mehrere Frauen das Gegenteil beschworen. Die Folge war die Verhaftung des Hellwig wegen Meineids. Dieser Tage stand der Musterpolizist vor dem Schwurgericht in Düsseldorf. Der Ordnungshüter fand sehr gnädige Richter; wegen wissentlichen Meineids in zwei Fällen wurde er unter An- nähme mildernder Umstände zu 7 Monaten Gefängnis ver- urteilt. Das Gericht nahm an, daß er sich durch eine ivahrheitS- gemäße Aussage strafbar gemacht hätte. Woz» der Staat Geld hat. Das große Spielzeug der Herrschenden, der Moloch Militarismus, der den Steuersäckel des Staates aufs äußerste schröpft, kann nicht genug Gelder verschlucken. Besonders bei den Kavallerieregimentern werden allerlei Experimente gemacht, die geradezu als ein Hohn auf die ungünstige Finanzlage deö Reiches erscheinen. Tritt doch z. B. in der U n i s o r nr i e r u n g der in Posen stationierten Jäger zu Pferde schon wieder eine Aenderung ein. Die weißen Mützendeckel sollen nämlich, um die Sichtbarkeit der Truppe im Gelände zu mindern, fortan durch grau- grüne ersetzt. werde». Es ist dies in den sechseinhalb > Jahren des Bestehens dieser Truppe die sechste UniformSiiderung! Erst wurden statt der blauen Röcke der Offiziere solche in grüner Farbe eingeführt, dann wurden an Stelle'der weißen Reithosen und der langen schwarzen Hosen eben- falls grau-grüne eingeführt. Dann wurde ein blauer Ueberrock kassiert und durch einen grünen ersetzt. Während bei den Mannschaftsröcken die Knöpfe durch eine Borte und Haken ersetzt wurden, behielten die Offiziere wieder die Knopfe, die für unpraktisch befunden worden waren, bei. Vor einiger Zeit wurden nun noch die Lederscheiden der Offizierssäbel, die bis dahin schwarz waren, in braune umgewandelt.— Man kann— wie wir— mit der Tendenz, durch Annähe- rung der AuSrüstungsfarben an die Nuancen des Geländes die Treff« quote des Feindes zu verringern, einverstanden sein, ohne doch die bekannte Art des ewigen HerumexperimentterenS zu billigen. Ocfteirdcb. Gehaltserhöhung für die Staatsbeamte«. Wie«, 8. Juli. In der heutigen Sitzung des Ab- geordnetenhauses unterbreitete der Finanzminister einen Nach- tragsetat von s'/z Millionen Kronen zur Verbesserung der nrateriellen Lage der unteren Kategorien der Staatsbeamten, für die eine völlige Neuordnung des ganzen Gchaltssystems geplant ist. Der jährliche Gesamtaufwand ist mit achtzehn Millionen Kronen veranschlagt. Der Minister erklärte, daß diese Summe das Aeußerste sei, was die Staats- finanzcn für diese Zwecke zur Verfügung stellen' könnten und daß die Vorlage für absehbare Zeit endgültigen Abschluß der Gehaltsregulierungen für die StaatSbediensteten bilden müsse. Gleichzeitig unterbreitete der Finanzminister eine Vorlage betreffend die Reform der G e b ä u d e st e u e r. die vorwiegend eine Ermäßigung der bestehenden Steuersätze be- zwecke. Das HauS setzte alsdann die Verhandlung.des Dring- lichkeitsantrages der Sozialdemokraten betreffend das all- gemeine, gleiche und direkte Wahlrecht zu den Landtagen fort. Das Hau« lehnte die Dringlichkeit des Antrags nach längerer Debatte ab. frznkreid). Ein Versammlungsvervot. Paris, 8. Juli. Nachdem der Polizeipräfekt die Abhaltung einer Versammlung im großen Saal der Arbeitcrbörse zu der Beratung über einen Generalaus st and als Protest gegen die Vorfälle von Vigneux verboten hatte, beschlossen die orga- nisierten Arbeiter, dies Verbot dadurch zu umgehen, daß sie die auf den inneren Hof hinausgehenden Fenster der Bureaus in der Arbeiterbörse mit Lampions beleuchteten und von dort aus Reden hielten, worin sie gegen das Verbot protestierten. Ein Redner erklärte, der Verband der Arbeitersyndikate müsse in allen Korporationen eine Abstimmung über den General- ausstand veranlassen und dem allgemeinen Arbeiterverband Vollmacht erteilen, den Generalausstand zu verfügen, sobald er es für nötig halte. Schließlich nahm die Versammlung eine TagcS- ordnung an, in der sie ihren Entschluß kundgibt, über ihre Jntcr» essen zu verhandeln trotz des Verbotes, in ihrem eigenen Gebäude zu tagen, und worin sie sich verpflichtet, im geeigneten Moment einen GeneralauS st and von 24 oder 48 Stunden zu verfügen. Die Veranstaltung der nächsten Versammlung wird dem Verband überlassen.> Protest gegen den Zarenbesnch. Paris, 9. Juli. Jetzt hat sich auch im Senat eine Stimme gegen den Zarenbesuch erhoben. Der Soziali st FlaissiäreS beantragte eine Streichung an dem Kredit für die Reise deS Präsidenten FalliäreS nach Rußland. Er protestierte gegen den Besuch bei einem Despoten, der einen grausamen und uner» bittlichen Kampf gegen sein eigenes Volk führe. Der Präsident unterbrach den Redner, und Pichon pries dann daS Bündnis mit Rußland als Friedensbürgschaft und Grundlage der französischen Politik. Die Kredite wurden gegen die Stimme Flaissiöres bewilligt.-< Rußland. Das Attentat auf den Richter. Peirosawodsk, 7. Juli. Der Urheber des Anschlags gegen den Präsidenten des Petersburger ObergerichtShofcs K r a s ch c» ninnikow, der neunzehnjährige Sohn eines Arbeiters, wurde verhaftet. Er gestand das Verbrechen ein und erklärte, seine Tat zum P r o t e st gegen eine Reihe seitens des Gerichtshofes in politischen Angelegenheiten gefällter Urteile begangen zu haben. Die Verwundung KrascheninnikowS ist u n- gefährlich._ Gegen die Verschickung. In der Dienstagsitzung der Duma schiloertc der Abgeordnete Romanow die Leiden der administrativ Verbannten. Viele begingen auS Verzweiflung Selbstmord. Die Duma müsse die Aufhebung der willkürlichen Verbannung durchsetzen. Der Oktobrist Meyendorff kennzeichnete den furchtbaren Mißbrauch, den die Regierung treibe; Schuldige und U n- schuldige, die der Regierung unbequem wären, würden ver- bannt. So erspare man das gerichtliche Verfahren. Er stellte schließlich den Antrag, die Regierung zu ersuchen, daß die admini- strative Verbannung, dem Gesetz entsprechend, nur als Mittel zur Verhütung von Verbrechen, nicht aber als Strafe für meist un- bedeutende politische Vergehen zur Anwendung gelange. Dieser Antrag, der allerdings an der Willkür der Regierung wenig ändern wird, wurde mit großer Stimmenmehrheit angenommen.— Der Zar gegen Finnland. Wie die«Nowoje Wremja" rürzlich mitteilte, hat der Zar auf dem„alleruntertänigsten" Bericht des MinisterstaatssekrctärS von Finnland über die Petition des Landtages in betreff der noch bestehenden Abweisungen von der gesetzmäßigen Ordnung Finnlands„höchstcigcnhändig" vermerkt: die Petition ist abzuweisen. Im völligen Einklang mit dieser Entscheidung des Zaren steht der jüngste Vorstoß, den das Ministerkabinett gegen die finnländische Autonomie unternahm. Bekanntlich verfügte der Ministerrat vor kurzem, daß all« finnländischcn Angelegenheiten, die irgend ein Rcichsinteresse tangieren, dem Ministerrate zur Begutachtung unterbreitet werden. In ganz Finnland flammte der Protest gegen dieses brutale gesetzwidrige Vorgehen Stolypins auf, das die Autonomie Finnlands de fakto aufhob. Daß diese Befürchtungen ge- rechtfertigt waren, ist daraus ersichtlich, daß der Regierun gS» anzeiger dieser Tage in der Rubrik„Adininistrative Mitteilun- gen" angab, daß der Ministerrat die Verlängerung der finnländi- schen S t e m p e l b e st« u e r u n g bis Ende 1909 gutgeheißen habe. Also in einer Frage, deren intern-finnlänbischer Charakter keinem Zweifel unterliegt, hat der russische Ministerrat eine be- schließende Rolle ausgeübt! Kein Wunder, wenn selbst ein so regierungsfreundliches Blatt wie die„St. Petersburger Zeitung" entrüstet ausruft:„Falls die jetzt inaugurierte Praxis nicht schnell aus der Welt geschafft wird, können ja überhaupt keine finnländi- schen Männer irgend welche Verantwortung in der Verwaltung des Landes übernehmen— sie werden zu Marionetten herabgedrückt und die ganze finnländische Autonomie wird ein lächerliches N a r r e n s p i e l." Ofkd. Ein General erschossen. Konstantinoprl, 8. Juli. General Echem fi-Pafcha wurde gestern nachmittag in M o n a st i r beim Verlassen des Telegraphen- amteS von einem türkischen Offizier erschossen. Der Täter ist entflohen. Schemsi-Pascha. der Truppenkvmmandant von Mitrowitza. war gegen meuternde Truppen nach Monastir entsendet worden. Man bringt die Tat in Zusammenhang mit der jungtürkischen Bewegung._ Konstitution. Konstantinopel, 9. Juli. Nach Konsulardepeschen wurden in Mona st ir jungtürkische Plakate angeschlagen, in denen die K onstilutton verlangt wird. perfien. Die Lage in TäbriS. Petersburg, 9. Juli. Die„Petersburger Telegraphen- agentur" meldet auS Tab ris unter dem gestrigen Datum: Durch Brotmangel wird die Lage wieder ver« s ch l i m m e r t. In einigen Moscheen wird vor einem zahl- reichen Publikum gegen die Regierung agitiert. Die Bazare bleiben geschlossen. Marokko. Der verzagte Abdul Asis. Köln, 8. Juli. Nach einem Telegramm der„Kölnischen Zeitung" aus Tanger hat der dortige Korrespondent des Blattes Nachrichten ans Rabat erhalten, wonach Abdul Asis auf Vorstellungen von Einwohnern von Rabat und Sale hin den Zug nach Marralesch als aussichtslos aufgegeben hat; nach anderen Meldungen wäre der Zug nur verschoben. Azemur. Paris, 8. Juli. Dem„Temps" wird aus Casablanca ge- meldet, daß General d' A m a d e am 6. Juli das Gebiet des Schtukastammes verlassen habe und etwa 2ö Kilometer von Azemur in der Richtung auf Casablanca lagere. Nach den letzten Meldungen der„Agence Havas" hält die Truppe des Sultans Abdul Asis Azemur besetzt. Hnimka. Der demokratische Parteitag. Denver, 8. Juli. Da der Ausschutz zur Prüfung der Mandate der zur Demokratischen Konvention Erschienenen seine Arbeiten noch nicht beendet hat, beschränkten sich die Arbeiten der Konvention heute auf formelle Angelegenheiten. Das Herein- bringen des Banners mit dem Bildnisse Bryans in den Saal gab wiederum zu einer st ürmi schen Kundgebung für Bryan Anlaß, die über eine Stunde dauerte. Die Banner aller Staaten mit Ausnahme von Georgia, New Dork, Delaware, Minne- sota, Connecticut, Maryland und New Jersey wurden sodann auf einer Estrade um das Banner mit dem Bildnis Bryans gruppiert, und sämtliche Delegationen, die für Bryan sind, hielten im Saale einen Umzug, dem sich auf vieles Drängen schließlich auch die Delegation von Maryland anschloß, während alle Versuche, auch die von New Aork und Georgia zum Anschluß zu bewegen, fehlschlugen. Während des Umzuges wurden fortwährend CheerS ausgebracht und patriotische Lieder gesungen. Jim der parteL Der Breslau« sozialdemokratische Berein hat in seiner letzten Versammlung die dem neuen Vereinsgesetz entsprechenden Statuten- änderungen getroffen und dabei beschlossen, den Monats» beitrag für die weiblichen Mitglieder auf 19 Pf. festzusetzen; der Vorstandsantrag hatte auf 29 Pf. bei Lieferung der „Gleichheit" gelautet; die Freilicferung der„Gleichheit" wurde ab- gelehnt. Der Vorstand soll in Zukunft aus sieben Personen be- stehen, von denen wenigstens eine aus den Kreisen der Frauen genommen werden muß.— Der Polizeipräsident Dr. Bienko hatte diesmal eine Ueberwachung der selbstverständlich wieder nicht angemeldeten Versammlung nicht angeordnet; er scheint also doch bereits zu der Erkenntnis gekommen zu sein, daß Vereins- Versammlungen nun einmal Bereinsversammlungen sind. Da» Wahlmanifest der schwedischen Sozialdemokratie. Der Vorstand der sozialdemokratischen Partei Schwedens hat soeben ein Manifest zu den im Herbst stattfindenden Kcnnmerwahlcn veröffentlicht. Darin wird zunächst auf die schwere Wirtschaftskrise mit ihren Folgen, der Arbeitslosigkeit und Not hingewiesen, sowie auf die großen Kämpfe, die daS Unternehmertum der Arbeiterschaft aufgezwungen hat, wie dies auch im Jahre 199S bei den vorigen Wahlen der Fall war. Offenbar sucht daS Unternehmertnin auf diese Weise daS ja von pünktlicher Zahlung der Stenern abhängige Stimmrecht der Arbeiterschaft noch mehr zu verkünimern, um den Vormarsch der Sozialdemokratie zu erschweren. Ferner wird ausgeführt, daß sich die Rechte des ReichsiagS zu einer aggressiven einheitlichen Klassenkampfpartei der Besitzenden entwickelt hat, die unter dem Deck- inantel von Vaterlandsliebe und nationaler Sammlung die Arbeiter- klaffe gänzlich zu knebeln und zu knechten trachtet. Als die beste Antwort auf die politischen Pläne jener Reaktionspartei wird eine bedeutende Verstärkung der sozialdemokratischen Fraktion bezeichnet. Darum soll, wo eS nur möglich ist, mit aller Kraft für die Wahl sozialdemokratischer Kandidaten gesorgt werden, Um jedoch der Annahme neuer Zwangs« und ZnchthaiiSgefetze gegen die Arbeiterklasse vorzubongen, empfiehlt das Manifest den Parteigenossen, in solchen Kreisen, die durch Aufstellung sozialdemokratischer Kandidaten nur den ärgsten Feinden der Arbeiter- klosse überliefert werden können, eventuell solche bürgerliche Kandi- baten zu unterstützen, von denen man überzeugt sein kann, daß sie an den Grundsätzen der Demokratie festhalten. Besondere Be- dingung ist. daß sie entschiedene Gegner jeder Zwangs- und Klaffen- gesctzgebung sowie jeder Erhöhung der Militärlasten sind. DaS Manifest besagt weiter, daß die sozialdemokratische Fraktion, ebensowenig wie im Jahre 1997, im neuen Reichstag für die da- malS angenommene Wahlrechts- und Berfaffnngsreform stimmen kann, über die ja im nächsten Jahre endgültig beschlossen werden soll. Hierauf folgt eine Schilderung der wichtigsten Forderungen der Partei. polirellicheg� Oericbtiiches ukw. Strafkonto der Presse. Zn 190 M. Geldstrafe verurteilte das Schöffengericht zu Saarbrücken am letzten Mittwoch den Genossen Lerm peterS von der„VolkSwacht" wegen Beleidigung des Fabrikanten Salm aus Sulzbach. Die„VolkSwacht" brachte am 19. März d. I. einen Artikel, in dem behauptet wurde, daß ein Werkmeister der Salnischen Fabrik in einer Woche 196 Stunden, pro Arbeitstag 18 Stunden, in der Fabrik geschuftet habe und daß er, anstatt den Sonntag frei zu bekommen, auch am Sonntagabend wieder nach der Fabrik gemußt habe. In dieser Nacht sei dann in der Maschine ein Rad gebrochen. wodurch eine Unterbrechung im Betriebe entstand. Herr Salm schob das dem abgeschundenen Arbeiter in die Schuhe, beschimpfte ihn als Faulpelz und jagte ihn ohne Kündigung davon. Das Gewerbegericht in Sulzbach hat Salm verurteilt, dem so Entlassenen für volle sechs Wochen den vollen Lohn nachzuzahlen. Durch die Kritik in der „VolkSwacht" fühlte Herr Salm sich beleidigt, strengte Privatklage an und bestritt in der Verhandlung, daß der Mann über- Haupt durchschnittlich mehr als elf Stunden täglich ge- arbeitet habe, wofür er als Beweis die Fabrikrapporte vorlegte. Die SoimtagSnachtarbeit. den Nadbruch wie auch die sofortige Eni- lassung unter Beschimpfung deS Werkmeisters als Faulpelz gab Herr Salm zu. Der entlassene Werkmeister, der zurzeit in Münden in Westfalen arbeitet und dort kommissarisch vernommen worden war. hatte eidlich bekundet, daß er in der betreffenden Woche täglich 13—16, an einem Tage sogar 21 Stunden gearbeitet habe, wonach die 106 Stunden in der Woche herauskomnien.— Das Gericht hielt jedoch die Angaben deö Fabrikrapports für richtig, während die Aussagen des Zeugen nur mit Vorsicht aufzunehmen seien, und verurteilte den Angeklagten in Anbetracht seiner vielen Vorstrafen zu der angeführten Geldstrafe. Soziales. SchNhenfeststimmung im Hamburger Parlament. Hamburg ist ob seiner Gastfreundlichkeit Bourgeois- nnd sonstigen „patriotischen" Veranstalttmgcn gegenüber berühmt. In solchen Fällen werden Tausende aus dem Säckel der Allgemeinheit bewilligt, um die Gäste würdig empfangen und beivirten zu können. In den V9cr Jahren wurde anläßlich eines Kaiserbefnchs mit Hunderttaufenden umhergelvorfen, eine Aegier-Jnfel wurde in der Alster gebaut. kurz— es war alle» da. Verkehrsstörungen und sonstige Bedenken, ftle sonst gegen Arbeiterberanstaltungen herhalten müssen, kommen bei großen Klimbim-Feicrn nicht in Betracht. Als die Arbeiterschaft in diesem Jahre die Hergabe des großen Hciligengcistfeldes zur Aufstellung des MaifestzugeS verlangte, wurde das aus Verkehrs gründen abgelehnt. Mehr Glück haben die Schützenbrüder gehabt, deren 16. deutsches Bundesschießen imJahre 1969 inHamburg stattfindet. Den Schützenbrüdern wird nicht allein auf Wochen das Heiligengeistfcld zur Verfügung gestellt, sondern der Senat beantragt auch noch, zur Ans- gestaltung dieses Festes ISO 000 Mark zu bewilligen. Dieser Antrag beschäftigte am Mittwochabend das illustre Hamburger Parlament Mit guten Gründen zog Genosse S t o l t e n gegen diese Ver schlenderung öffentlicher Gelder zu Felde, dabei betonend. daß die Sozialdemokratie stets für die Förderung von Kultur und sozialen Aufgaben eintrete. Für reine Bergnügnngszwecke könne seine Partei keine Gelder bewilligen, zumal hier stet eine unparitätische Haltung seitens der Behörden beobachtet werde Ein„Freisinniger" verstieg sich zu der Phrase, das Geld müsse be willigt werden,„weil die ganze Welt auf uns sieht". Dieses „Argument" war so durchschlagend, daß die von Schützenfeststiinmuiig beseelte Mehrheit der Bürgerschaft die 150000 M. glatt bewilligte. Leistenbruch als Betriebsunfall. Da heute leider sehr selten Leistenbrüche noch als Betriebs Unfälle angesehen und entschädigt werden, so ist nachstehender Fall doppelt interessant. Die 59 Jahre alte Bauerswitwe M. P. in Unterfranken war im Mai 1907 nachmittags mit Kleemähen beschäftigt. Der Klee war infolge der Hitze umgefallen und deshalb sehr schwer zu mähen. Bei dieser Tätigkeit hatte sich die Sense im Klee verfangen und verspürte die Frau beim Zerren und Mühen plötzlich einen heftigen Schmerz und Stechen in der rechten Leistenbeuge. Zeuge war der Bäcker- lehrling K., welcher den Klee abholen wollte, welcher auch die Verletzte sofort auf einem Wagen nach Hause gebracht hatte. Am anderen Tage wurde der Arzt aus dem drei Stunden entfernten Orte geholt, weicher einen eingeklemmten, nicht zurückzubringenden taubeneigroßen Leistenbruch konstatierte, der noch am gleichen Tage im Krankenhause zu Sch. radikal operiert werden mußte. Die Operation war sehr schwer, so daß eine Darmnaht gemacht werden mußte. Ob- schon der Arzt der landwirtschaftlichen Berufs- genossenschaft mitteilte, daß es sich im vor- liegenden Falle um eine traumatische Hernie sUcberanstrengung plotzlichesAuftreten) handele, lehnte diese doch die Entschädigung des Unfalles ab und gab der schwerverletzten Frau mittels vor- gedruckten Bescheides kund, daß es sich um eine EntWickelung längst bestandener Bruchanlagen gehandelt habe, welche der Arzt aber ausdrücklich bestritten hatte. Die Berufung der Verletzten hatte Erfolg. Das S ch i e d s- g e r i ch t für Arbeiterversicherung zu Würzburg verurteilte die Bcrufsgenossenschaft. der Verletzten eine Rente von 40 Proz. zu zahlen, die aber bei dem niedrigen ortsüblichen Lohne nur 8,90 M. pro Monat beträgt. Der Sachverständige des Schiedsgerichts Dr. Körber schloß sich der Ansicht seines Kollegen L. an und erklärte in seinem Gutachten, daß er die Einklemmung für einen Betriebsunfall halte. Nach der Operation sei Brand des betreffenden Darmstückes eingetreten und sei der Verlauf kein günstiger gewesen. Dadurch sei die Bruchpforte größer geworden, so daß die Frau ständig eine Binde tragen und eine gewisse Vorficht in der Diät halten müsse. Kaum war aber das Urteil ergangen, so hat die Berufs genossenschaft eiligst die Rente wieder auf 15 Proz. herabgesetzt und erhält die Verletzte jetzt gar nur 2,25 M. Rente pro Monat. Um des Anspruchs auf Rente nicht verlustig zu gehen, ist sofortige Anmeldnug beim Austritt des Bruches dringend er- forderlich._ Ueber die Sonntagsruhe in Glashütte» traf soeben der Strafsenat des Oberlandesgerichts als fünfte Instanz eine allgemein interessierende prinzipielle Entscheidung. Die unter der Firma Georg Hirsch in Arnsdorf bei Radeberg bestehende Glasfabrik wurde vor einigen Jahren um einen GlaS- und einen Streckofen erweitert. Vorher hatte die Fabrik mit zwei Glas- und einem Streckofen gearbeitet. Die behördliche Genehmigung zur Erweiterung wurde davon abhängig gemacht, daß an Sonn- und Festtagen jedes Strecken des Glases zu unter bleiben habe. Trotz dieses Verbotes ließen die Inhaber der Fabrik, die Herren A. Georg Hirsch und Julius Haase während der Jahre 1900 und 1907 fast alle Sonntage an den Glas- und Streck- öfen arbeiten. Die Behörde stellte daraufhin gegen die In haber Strafantrag wegen Verletzung der s§ 146 a und 105b der Reichsgewerbeordnung. Der§ 105 d befaßt sich mit dem Verbot der Sonntagsarbeit in Hüttemverkcn und Fabriken. § 105e, 3 und 4, bestimmt dagegen, daß alle den Betrieb vorbereitenden Arbeiten an Sonntagen erlaubt sind, darunter fällt auch das Verarbeiten der flüssigen Glasmassen, das sogenannte Glas blasen. Das Schöffen- und das Landgericht sprachen die beiden Angeklagten frei und erkannten das sonntägliche Glasstrecken als im Sinne der Gewerbeordnung erlaubt an. Die Staatsanwalt- schaft legte daraufhin Revision beim Oberlandesgericht ein und erzielte eine Zurückverweisung der Sache an die Vorinstanz. In der mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht machten die Angeklagten abermals geltend, daß das Strecken des Glases an Sonntagen nicht zu umgehen sei. Der ganze Betrieb würde unter der Einstellung des Streckens an Sonn- und Feiertagen leiden und sich nur unter großen Verlusten aufrecht erhalten lassen. Die fertigen Glaslvalzen ivürden durch den Temperaturwechsel leiden und noch andere Miß- Helligkeiten entstehen. Das Landgericht verurteilte beide Angeklagte zu einer geringen Geldstrafe und führte aus, daß die von ihnen angeführten Schwierigkeiten in allen Glashütten vor- Händen seien und nicht nur speziell für sie in Betracht kämen. Die Auslegungen der Reichsgewerbeordnung lasse übrigens über die Art der SonntagSarbeit keinen Zweifel. Diesem Urteil schloß sich nun- mehr der S t r a s s e n a t des Oberlandesgerichts an, wodurch die Angelegenheit endlich ihre Erledigung findet. Der Prozeß zeigt, wie ungern Gerichte das Vorliegen eines Verstoßes gegen Arbeiterschutzbestimmungen anerkennen. Auch in Preußen soll entgegen dem Reichsgesetz das Strecken des Glases an Sonntagen noch keineswegs verschwunden sein. l Ferner wurde beschloffen, Beweis zu erheben über die Ve- hauptungen der Beklagten; „vor lind beim Abschluß der beurkundeten Abmachungen sei so- Wohl von feiten der Arbeitgeber wie der Vertreter der Arbeiter darauf hingewiesen worden, daß jene Abmachungen keine rechtliche, sondern nur eine moralische Verpflichtung beider Teile begründet, daß sie auch nur für die erste Zeit nach der Aufhebung der Sperre, und spätestens bis 1. Okiober 1907, geitcn sollten; daß ferner der Beklagte Doering bei den Ver- Handlungen, welche zu jenen Abmachungen geführt hätten, aus- drücklich erklärt habe, daß er und sein Verband auf die Presse, insbesondere das„Echo" und den„Vorwärts", keinen Einfluß ausüben und daher für etwaige Zeitungsartikel keine Verant- wortuug übernehmen könnten." Am Donnerstag vor acht Tagen beschäftigte diese Angelegenheit erneut das hanseatische Oberlandcsgericht als Berufungsinstanz. Für die Behauptung, daß es sich bei jenen Abmachungen nur um eine moralische Verpflichtung beider Teile handele und daß Doering damals erklärt habe, daß er auf die sozialdeniokratische Presse keinen Einfluß auszuüben vermöge, wurden mehrere Zeugen ver- nommen. Reichstagsabgeordneter Dr. S. H e ck s ch e r: Er habe nicht als Jurist, sondern als Sozialpolitiker, Nationalökonom und Freund der Gewerkschaften an den Verhandlungen teilgenommen, nachdem er von beiden Seiten zur Teilnahme ersucht worden sei. In England spiele bei wirtschaftlichen Kämpfen der Vermittler, ein unparteiischer Dritter, eine große Nolle. Von den dort gesammelten Erfahrungen geleitet, habe er sich beinüht. beiden Teilen annehmbare Friedens- bedingungen zu schaffen. Es sei in der Verhandlung gesagt worden, zu Herrn Doering, dein Vorsitzenden des Hafenarbeiterverbandes, könne man das Vertrauen haben, daß er die Wünsche der Arbeit- geber hinsichtlich der Maifeier bei seinen Freunden zur Geltung bringen werde. Was die Vereinbarungen anlangt, so erinnere er sich nicht, daß dabei die Frage ausgeworfen worden sei, ob es sich um solche mit juristischer Verbindlichkeit handle, jedenfalls sei nicht ausdrücklich hervorgehoben worden, daß die Ab- machungen einen juristischen Charakter tragen sollten, so daß er den Eindruck gewonnen habe, daß moralische Verpflichtungen'eingegangen worden seien. Als von einem Vertreter der Arbeitgeber verlangt wurde, die Vertreter der Hafenarbeiter sollten für einen längeren Zeitpunkt sich verpflichten, in der Presse Warnungen vor Zuzug nach dem Hamburger Hafen zu unterlassen, habe selbst der Sekretär des Hamburg- Altonaer Arbeitgcbervcrbandes, Freiherr v. ReiSnitz, sich dagegen gewandt init dem Bemerken, daß auch die Arbeitgeber sich auf solche Verpflichtungen von längerer Zeitdauer nicht einlassen würden. Doering habe in der Sitzung keine Garantie dafür übernommen, daß keine War- nungen vor Zuzug in der sozialdemokratischen Presse erscheinen würden. Der Zeuge Doering bestätigt die Ausführungen des Vor- zeugen und fügt hinzn, daß in den Kreisen seiner Freunde all- s gemein die Ansicht vertteten worden sei, daß die Abmachungen nur während der Dauer der Konfliktszeit, bis zum 1. Oktober 1907, gelten sollten und nach Durchführung des Versprechens der Reeder, einen Schichtwechsel einführen zu wollen, gegenstandslos feien. Auf die Presse habe es keinen Einfluß, weil Notizen über„Warnungen vor Zuzug" an den einzelnen Orten entständen und von anderen Parteiorganen übernommen würden. Von einer dauernden Vereinbarung könne überhaupt nicht die Rede ein. Die ganze Zusamniensetzung der Teilnehmer an der Sitzung sei nicht eine derartige gewesen, daß es sich um eine Abmachung im juristischen Sinne handeln könnte, denn selbst der Generaldirektor Ballin sei nicht als Beauftragter einer Organi- sation erschienen gewesen. Er. Zeuge, habe nur gesagt, er wollte seinen Leuten dies und jenes zur Annahme empfehlen, womit er doch klar ausgedrückt habe, daß eS sich um einen Verttag mit Rechtsverbindlichkeit nicht handle, wie er auch einen solchen mit Personen so verschiedener Verbände nicht abgeschlossen hätte. Der Vorsitzende deS Verwaltungsausschusses des Hafenbetriebs- Vereins, Matthias, erklärt, die Reeder würden sich auf solche Abmachungen nicht eingelassen haben, zumal sie mit großen Kosten Leute nach Hamburg geschafft hätten. Die hohen Nachtlöbne hätten ie nur unter Voraussetzung dauernder friedlicher Verhältnisse bewilligt. Der Vertreter der Wäger, Dr. Ehlers, sucht den Nachweis zu erbringen, daß hier Privatabmachungen mit Klageberechtigung in Frage kämen. Des weiteren wendet er sich gegen die Ansichten Dr. Heckschcrs, der„Licht und Schatten nach beiden Seiten" ver- teilt habe. Dr. Blitz. Vertreter der Beklagten, bestreitet, daß ein Ver- trag im Rechtssinne vorliege, wobei er sich auf das Zeugnis des Dr. Heckscher bezog. Nach dessen Aussage falle der Anspruch der Kläger in sich zusammen. Nach mehrstündiger Verhandlung wurde die Urteilsverkündung auf de» gestrigen Donnerstag ausgesetzt. Wie uns ein Privat-Telcgramm meldet, wies das Oberlandes- gericht die Klage der Reeder gegen die Hafenarbeiter in allen Punkten kostenpflichtig ab und hob die einstweilige Verfügung auf. SetverkfebaftUckes. Der Reinfall der Reeder. In diesem wiederholt zur Verhandlung gelangten Zivilprozeß hat der Zivilsenat Hl deS Hanseatischen Oberlandesgerichts als Berufungsinstanz vor einigen Wochen die Berufung deS Klägers gegen das Teilnrtcil des Landgerichts vom 4. Februar d. I., wo- nach die Klage gegen die Mitgliedschaft der Schauerlente des Hafen- arbeiterverbandeS zurückgewiesen wurde, verworfen, während in den anderen Klagepunkten die Reeder ein obsiegendes Urteil erzielten, indem dieser Teil der Klage dem Grunde nach für berechtigt er- klärt wurde. Bezüglich der Klageabweisung gegen die Schauerleute führte das Obcrlandesgcricht aus: ..... Daß bei einen, nicht rechtsfähigen Verein einzelne juristische Personen und nicht rechtsfähige Vereine zugleich Mit- glieder sind, ist nichts Seltenes und unterliegt keinem rechtlichen Bedenken. Es würde daher rechtlich nichts im Wege sein, die Mitgliedschaft, obwohl sie nur einen Teil des Verbandes bildet, als nicht rechtsfähigen Verein innerhalb des Verbandes auf- zufassen. Das wäre aber nur zulässig, wenn dem Statut ent- nommen werden könnte, daß für die Mitgliedschaft ein Wirkungs- kreis besteht, der sich neben demjenigen des größeren Verbandes als ein selbständiger, vom Verbände unabhängiger darstellt. Gerade an diesen Voraussetzungen fehlt es aber Berlin und Clmgegend. Mißstände bei der Firma Steffens und Nolle. Eine Betriebsversammlung der Arbeiter und Handwerker der Firma Steffens und Nolle, Rixdorf, fand am Dienstag abend bei Felsch in der Kncscbcckstraße statt. Die Firma beschäftigt gegen- wärtig etwa 000 Leute, die zum Teil im Metallarbeitcrverband, im Verband der Schmiede und im Handels- und Transportarbeiter- � verband organisiert sind. Ein großer Teil der Arbeiter steht den Organisationen noch fern und darum sind auch die Verhältniffe ' dort schlechter als in anderen Betrieben für Eisenkonstruktionen, obgleich überall noch viel zu wünschen übrig bleibt. W. S i e r i n g vom Verband der Schmiede erörterte in einem längeren Vortrage die besonderen Mißstände bei Steffens und Nolle, über die von den Arbeitern bitter Klage geführt wird. Die Entlohnung ist sehr schlecht; viele Arbeiter verdienen nur 18— 20 Mark pro Woche; lieber stunden werden verlangt, ohne die Arbeiter zu fragen, ob sie auch damit einverstanden sind. Ein Kolonnen- system ist eingeführt, das den Arbeitern schwere Nachteile bringt; sie wissen bei den Akkordarbeiten oft nicht, wieviel sie überhaupt am Sonnabend zu fordern haben. Ein Stundenlohn von 48 Pfg. gilt schon als hoher Verdienst. Und nun beginnt man noch mit Lohnabzügen! Ein Arbeiter, der nach 10 Jahren den Stundenlohn von 48 Pfg,. erhielt, soll jetzt für 40 Pfg. arbeiten. Gegen die Lohnabzüge haben sich die Arbeiter mit Vorstellungen an die Betriebsleitung gewandt, aber ohne Erfolg. Man ver- sucht, durch Verlängerung der Arbeitszeit, durch Ueberstunden die Erbärmlichkeit der Entlohnung zu verdecken. Nicht ein einziger Botrieb dieser Branche in Berlin wechselt die Arbeiter so oft wie Steffens und Nölle. Wer irgend eine bessere Gelegenheit findet, gibt sofort die Arbeit dort auf, und das ist jedenfalls ein beut- licher Beweis, wie schlecht es mit den Arbeitsverhältnissen dort bestellt ist. Große Nachlässigkeit herrscht auch hinsichtlich der sanitären Zustände. Es wird nichts gegen die oft sehr arge Staubent- Wicklung getan, die Ventilation ist äußerst mangelhaft. Mit Ekel greifen die Arbeiter die von der Firma gelieferten Putzlappen" an. Für Hilfe bei Unglücksfällen ist schlecht gesorgt; bei Verletzungen, die nicht selten bei der schweren Arbeit vor» kommen, fehlt der Heilgehilfe, der in anderen Betrieben stets zur Stelle ist, um den ersten Verband anzulegen. Am 4. Juli flog einem Arbeiter ein Stück Schlacke ins Auge; er lief ratlos um- her und niemand wußte ihm zu Helsen. Als er später zum Arzt kam, hörte er, daß entsprechende Hilfe sofort notwendig gewese« wäre und er nun das eine Auge verlieren werde.— In der Diskussion wurden die Klagen noch fortgesetzt. Nicht eine Stimme'erhob sich zugunsten der Firma, obgleich es hieß, daß Vertreter der Betriebsleitung anwesend seien. Im Gegensatz zu den früheren Betriebsversammlungen waren diesmal sehr viele Arbeiter dem Rufe gefolgt und der geräumige Saal war stark besetzt. Nach einem energischen Appell Sierings. den freien GeWerk- schasten als Mitglieder beizutreten, wurde die folgende Resolution angenommen: „Die am 7. Juli versammelten Arbeiter der Firma Steffens und Nölle legen entschieden Protest ein gegen die unleidlichen Be- triebsverhältnisse. Sie fordern von der Leitung eine durch- greifende Abstellung dieser Mißstände. Sie verpflichten sich. Mann für Mann der Organisation beizutreten und unter den Mit- arbeitern für den Anschluß an die freien Gewerkschaften nach Kräften zu agitieren, denn sie sind der Ansicht, daß die Verhältnisse des Betriebes nur durch die Hilfe einer starken Organisation dauernd gebessert werden können." veuvkcbes Keicki. Glasschleiser, Obacht! Die wegen Tarifbruch verhängte Sperre über die Glasschleiferei Otto de Crignis in München ist noch nicht aufgehoben; der Betrieb bleibt weiter gesperrt. Ausland. Lohnkamps der Maschinisten und Heizer der holländische» Rheinschlcppdampfcr. Im vorigen Jahre erreichten die Maschinisten und Heizer der holländischen Rheinschleppdainpfer nach kurzem Streik eine annehm- bare Regelung ihrer Lohn- und Arbeilsverhältnisse. Damals herrschte eine sehr gute Konjunktur, die Besitzer der Schleppdampfer, meist Kleimmternehmer, erzielten selbst hohe Preise für ihre Fahrten und befürchteten mit Recht, daß Unnachgiebigkeit gegen die Forderungen der Arbeiter ihnen das glänzende Geschäft verderben würde. Nun ist die Konjunktur bedeutend abgeflaut, die Preise sind gesunken und die im vorigen Jahre getroffenen Abmachungen mit den Arbeitern sind außer Kraft getreten. Die Arbeiter aber sollen durch Ver- schlechteruug ihrer Arbeitsbedingungen den Schaden tragen. Die Unternehmer haben inzwischen auch eine Organisation gegründet, die unter anderem Festsetzling der Arbeitsverträge des Schiffspersonals auf ihrem Programm hat. Vorschläge des Maschinisten- und Heizer- Verbandes zu einem neuen Tarifvertrag lehnre die Unternehnier- orgnnisation ab und sie sucht nun einen verschlechterten Vertrag den Arbeitern aufzuzwingen. Seit dem 8. Juli werden alle entlassen, die diesen Vertrag nicht anerkennen wollen. In Rotterdam lietzt bereits eine große Anzahl von Schleppdampfern still, von denen die Bemannung ausgesperrt ist._ Der Achtstundentag für Bergleute. Mit überwältigender Majorität ist im englischen Unterhause daS Achtstundengesetz für Bergleute angenommen worden; 390 Stimmen wurden für, 120 gegen diese Reform abgegeben, die für ein Heer von nahezu einer Million Arbeiter einen Gewinn von durchschnittlich l'/z Stunden Muße bringt. Die Kohleninteressenten hatten außer- halb und innerhalb des Hauses alles getan, um Stimmung gegen die Bill zu machen, indem sie auf die daraus entspringende Preis- erhöhung hindeuteten. ES fehlte aber auch nicht an Vertretern berg- baulicher Interessen, die sich für die Reform aussprachen. So er- klärte Sir Mc Laren, daß die Hauskohle pro Tonne höchstens um 20 Pf., andere Kohlen um 25—50 Pf. pro Tonne steigen würde. Die Konsumenten hätten sich aus anderen Ursachen schon Preissteigerungen bis zur täglichen Höhe von 1 Schilling gefallen lassen müssen. DaS Gesetz wurde vom Handelsminlster Churchill mit großer Entschiedenheit vertteten. Er forderte die Einführung des Achtstunden- tages im Interesse der Gesundheit, Erholung, der Kultur und Er- ziehung der Arbeiter, deren Arbeitskraft an Jntenfivität gewinnen werde. Er könne nicht einsehen, warum die Billigkeit der Produkte immer auf Kosten der Humanität erreicht werden solle. Seine Fähigkei! sich zu wundern werde absorbiert nicht durch das Verlangen de> Bergleute, sondern er habe nur Bewunderung für die Kühle, die Ruhe, das Behagen und die Selbstzufriedenheit, mit welcher die Leute im Seidenhut und weißer Weste die Notwendigkeit dieser Reform bestreiten. Er bewillkommne daS Gesetz um seiner selbst willen, aber noch mehr als Vorläufer einer allgemeinen Bewegung zu einem Fortschritt auf dem Wege zur industriellen Demokratie. In den Annalen preußisch-deutschen Parlamentarismus wird mau vergeblich nach solch vernünftiger Rede aus dem Munde eines Ministers suchen._ Letzte JHacbncbtcn und vepelcden. Eine treffliche Antwort an King Edwards Adresse. London, 9. Juli.(W. T. B.) Wegen der Unterlassung der Einladung zu dem Gartenfest im königlichen Park zu Windsor an den Deputierten der Arbeiterpartei Keir Hardie am 21. v. M. beschloß diese Partei, das Hofmarschallamt zu ersuchen, die ganze Partei von der Einladuugs- liste für Hoffestlichkeiten zu streichen, bis Keir Hardies Name wieder auf die Liste gesetzt seil Neichstagswahl. Kolmar in Posen, 9. Juli. lW. T. 93.) Bei der heutigen Rcichstagsstichwahl im Wahlkreise Bromberg 1(Kolmar-Czarniiau- Filehne) erhielten Gutsbesitzer Ritter(k.) 14 507 und Redakteur von Lebinski(Pole) 7407 Stimmen. Erster« ist somit gewählt. Volkshygiene darf nicht viel kosten! Brüssel, 9. Juli.(W. T. B.) Nachdem kürzlich im deutscheu Reichsgesundheitsamt Vorberatungen stattgefunden hatten, tagte heute hier die internationale Hcilstättenkommission, um zur Vermeidung übertriebener Kosten beim Bau von Volks- Heilstätten hygienische Mindestforderungen aufzustellen. die der nach Philadelphia einberufenen internationalen Tubcr- kulosekonfcrenz unterbreitet werden sollen. Teutschland war vertreten durch Direktor Freund, Geheimrat Liebrecht und Pro- fessor Pannwitz, außerdem hatten Frankreich, Oesterreich, England, Schweden, Dänemark und Belgien Vertreter eitt-� sandt._ Milchplantscher. Frankfurt a. M., den 9. Juli.(B. H.) Von dem Schöffen- gericht in Vilbel wurde heute der Gutspächter Georg Dictz aus Niedererlenbach wegen Nahrungsnuttelfälschung(er hatte seit Jahren der Milch bis zu 30 Proz. Wasser zugesetzt) zu drei Monaten Gefängnis, 500 Mark Geldstraf«, seine Frau zu 300 Mark, ein Schweizer zu 109 Mark Geldstrafe verurteilt. LerKNtw. Redakt.: Georg Davidsohn, Berlin. Inseratenteil vergntw,:Th, Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr,il,Berlsgsanstglt Paul Singer Lc Co., Berlin s�v. Hierzu 2 Beilagen u.sinterhaltungSbl. Nr. 159. 25. Iahrgaag. 1. Iciltgt des Jotmärls" Kerlim WldsblM frtitaj, 10. lull 1908. Lulenburg vor den Gei(|)worenen. Zu Beginn der Donnerstag-Sitzung trat der Zeuge Ernst auf, der sehr elend aussieht und einen körperlich fast verfallenen Eindruck macht, und bat dringend, ihn zu seinen Kindern zu entlassen. Er sei herzkrank, halte die fortgesetzten Aufregungen nicht mehr aus und bitte sehr, ihn in den Stand zu setzen. nach Starnberg heim zu reisen. Der Vorsitzende der- sicherte dem Zeugen, daß er ihm durchaus nachfühlen könne. Die Verteidiger hatten gegen eine Entlassung des Zeugen nichts einzuwenden. Oberstaatsanwalt Dr. I s e n b i e l erklärte: Ich habe das tiefste Mitleid mit den seelischen Qualen des Zeugen Ernst und bedauere es sehr lebhaft, daß Ernst in einer ganz un- begründeten Furcht lebt, wir wollten ihm hier etwas tun. Ich halte die Anwesenheit des Ernst für unbedingt erforderlich und erkläre hier, daß ich mich nur dann mit der Entlassung des Zeugen einverstanden erklären kann, wenn derHerr Angeklagte jetzt zugeben sollte, daß alles wahr ist. was Ernst gesagt hat. Wenn Ernst nach Starnberg fährt und uns von dort vielleicht ein Attest einschickt, daß er nicht mehr vor Gericht erscheinen kann, so haben wir hier umsonst ge- arbeitet und die Sache muß vertagt werden. Der Angeklagte erwiderte nichts darauf. Medizinalrat Dr. Hoffmann wurde beauftragt, eine k ö r pe r» liche Untersuchung des Zeugen Ernst sofort in einem Zimmer des Gerichtsgebäudes vorzunehmen. Er stellte eine mäßige , Beschleunigung der Herztätigkeit fest; die Hauptursache seines schlechten körperlichen Befindens sei die seelische Aufregung des Zeugen und seine Sehnsucht nach seiner Heimat und seinen Kindern. Zeuge Emst unterbreitete dann nochmals ein schriftliches Entlassungsgesuch dem Vorsitzenden. Ehe die Zeugen den Sitzungssaal verließen, trat Hofrat Kistler vor und bat, ihm eine Erklärung zu gestatten, da er in der Presse angegriffen worden sei. Der Vorsitzende erklärte jedoch, daß äugen- blicklich keine Zeit sei, darauf einzugehen. Sodann wurde zunächst der SicherhcitSkommissar Seuffert- München noch einmal vernommen. Wie verlautet, ist er dabei der» blieben, daß er den Zeugen Riedel für unglaubwürdig hält.— Nach Seuffert wurden die neuerdings aus München geladenen Zeugen Hayer, Fischer, Wölsel und Dowe ver- nommen, die seinerzeit Arbeitskollegen des Riedel auf einem Bau tvaren. Sie wurden darüber vernommen, wie und was Riedel ihnen über den Eid des Fürsten Eulenburg gesagt hat. Diese Ver» nehmungen dauerten nicht lange. Leumundszeugen für Eulenburg. Nach diesen Bauarbeitern wurden eine Frau Gerke und eine Frau Schönfeld vernommen. Frau Gerke soll bei dem An geklagten als Wirtschafterin tätig gewesen sein. Sie war zweimal in Licbenberg angestellr, einmal in den achtziger Jahren und einnial 1801. Auch in München und in Wien ist sie Wirtschafterin gewesen. Sie soll sehr anerkennend vom Fürsten gesprochen und ihn als einen sehr gütigen Arbeitgeber gepriesen haben, der mit seinem Personal auf sehr guten, Fuß gestanden und sich auch für deren Familien sehr interessiert habe. Gerüchte über unnatürliche Neigungen des Fürsten seien ihr niemals zu Ohren gekommen. Frau Schönfeld war in München während des dorttgen Aufenthalts des Angeklagten in der Wohnung desselben Wirt- schafterin. Dem Vernehnien nach hat sie bekundet, daß sie nichts Belastendes gegen den Fürsten aussagen könne und auch niemals Wahrnehmungen gemacht habe, daß der Angeklagte in seiner Wohnmrg ausfallende Besuche von Soldaten oder anderen jungen Leute» empfing. Dohnas Brief. In der Mittwoch sitzung des Prozesses Eulenburg soll auch der in den„Dresdener Neuesten Nachrichten" zuerst ver- öffentlichte Brief des Für st en zu Dohna-Schlobitten vom Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel zur Sprache gebracht worden sein, in welchen, Fürst Dohna dem Fürsten Eulcnburg grobe UnWahrhaftigkeit und Lügenhaftigkeit vorwarf. Rechtsanwalt Chodziesner soll sehr lebhaft dagegen protestiert haben, diesen Brief zun, Gegenstand der Verhandlung zu machen, da es doch nicht angängig sei, derartige Veröffentlichungen eines dem Fürsten Eulenburg offenbar übelgesinnten Blattes in diesem Prozeß zu verwerten und daraus den Vorwurf ver Lügenhaftigkeit und Unwahrheit gegen den Angeklagten herzuleiten. Sowohl der Vorsitzende wie der Ober- staatsauwalt hätten ja doch auch selbst den Geschworenen ans Herz gelegt, sich nicht durch irgend welche Zeitungsstimmen beeinflussen zu lassen.— Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel soll darauf erwidert haben, daß dieser Vorwurf dem Angeklagten doch von einem Standesgenossen gen, acht worden sei. Der in den„Dr. N. N." veröffentlichte Brief rühre doch von einem angesehenen kleines Feuilleton. Schundliteratur aus den Berliner Stadtbahnhöfen. Ein Leser schreibt uns: Zu den Ausführungen des Leiters der Deutschen Dichtergedächtnisstiftung im Unterhaltungsblatt vom Donnerstag ist nachzutragen, daß die Schundlitteraturhefte sich in Berlin nicht nur aus der Untergrundbahn breit machen, sondern auch von sämtlichen Buchhändlern der Stadtbahnhöse vertrieben werden. Bei einigen nehmen die verschiedenartigsten blutrünstigen Hefte fast die Hälfte der ganzen Auslage ein. Das ist um so bedeutsamer, als die Untergrundbahn den Waren ihrer Buchhändler gegenüber keinerlei Zensur übt. Da- gegen schließt die Staatsbahn ja nicht nur den„Vorwärts" und den„Simplicissimus", sondern sogar die„Welt am Montag" und andere Blätter vom Bahnhofsvertrieb aus. Es sieht den preußischen Ministerien ähnlich, daß sie ihre Macht da, wo es notwendig wäre, nicht zur Geltung bringen. Schließlich ist das begreiflich: WaS kann dem Ministerium für Volks- verdninmung willkommener sein als die Unterstützung der Ver- duminnngspolitik durch private Unternehmer I UeberdieS darf die Behörde sich ja auf Wilhelm II. berufen, der die Detektiv- und Kriminalgeschichten mit seiner allerhöchsten Gunst ausgezeichnet hat. Die Hundertjahrfeier der Lokomotive. In diesem Jahre könnte man daS Zentenarjubiläum der Lokomottve feiern. Im Jahre 1808 stellte der englische Mechaniker Trevethik in London die erste Eisen- bahnlokomotive in Dienst. Trevethik hatte seine Lokomotive zwar schon 1804 auf der Merthhr-Tydfil-Bahn(SüdwaleS) in Betrieb gesetzt, aber dieser erste Versuch war so ziemlich mißglückt. Die erste Lokomotive vermochte eine Last von zehn Tonnen mit einer Geschwindigkeit von fünf englischen Meilen sacht Kilometer) pro Stunde fortzubewegen: die Fahrten mußten jedoch schon nach kurzer Zeit eingestellt werden. da für größere Lasten die Adhäsion der Maschine zu gering war und sie auch die Schienen zu rasch abnutzte. Die 1808 in Betrieb gesetzte Lokomotive war schon weit besser. Was vor allem imponierte, war die große Geschwindigkeit, die man mit der neuen Lokomotive er- zielen konnte, natürlich im Vergleich zu den anderen Transport- mittel,,, über die man damals verfügte. Wie sensationell die Loko- mottven wirkten, ersieht man schon aus den Namen, die den Maschinen beigelegt wurden:„Fange mich, wer kann", hieß eine,„Die Rakete" eine andere. Die erste 1814 von George Stephcnson für das Eisenbcrgwerk Killingworth erbaute Loko- motive„Blücher" legte mit einem 13 Tonnen schweren Suge(ein einziger moderner Eisenbahnwagen wiegt doppelt soviel) > der Stuode 24 Kilometer zurück, während sie es ohne. Lqjt aus Aristokraten her und sei in fast alle Blätter der Welt übergegangen.— Rechtsanw. Chodziesner erwiderte, daß dieser Brief von einem dem Fürsten Eulenburg gehässig gesinnten Blatte zu einer heftigen Polemik gegen den Fürsten ausgebeutet worden sei.— Der Staats- a n w a lt Dr. I s enb iel erklärt, es genüge ihm, festgestellt zu haben, daß der Angeklagte einen Brief von einem Standesgenossen erhalten hat, in welchem ihm der Borwurf der Unwahrheit und Lügenhaftigkeit gemacht wurde.— Der Abdruck des Briefes wurde aus prozeffualen Gründen nicht zu den Akten genommen, sondern dem Oberstaatsanwalt wieder ausgehändigt. Gerüchte. In der Mittwoch Nachmittagsitzung wurde auch der 81jährige Rentier, ehemalige Schneidermeister Ludwig Schwuls als Zeuge vernommen. Den, Vernehmen nach soll dieser Zeuge fteimüttg bekannt haben, daß er selbst homosexuell veranlagt sei und ftüher in homosexuellen Kreisen Berlins und Münchens verkehrt habe. Der Zeuge kennt den Angeklagten nicht persönlich, meint aber, daß es in den erwähnten Kreisen allgemein bekannt gewesen sei. daß der Angeklagte homosexuell veranlagt sei. Der Zeuge will auch von gut unterrichteter Seite gehört haben, daß der Fürst sich wiederholt vom 3. Ulanenregiment Gardeulanen nach SchloßLieben- berg habe kommen lassen, um als Treiber auf den Treib- jagden zu dienen. Der Zeuge soll dann noch mehrere Bekundungen gemacht haben, die sich auf den ehemaligen Sekretär der österreichi- scheu Botschaft in Berlin, Grafen v o n L o n h a y, den Vetter des Gatten der ehemaligen Kronprinzessin Stephanie, bezogen. Der Zeuge behauptete, daß der Angeklagte mit diesem Grasen L. sehr befteundet und Graf L. in homosexuellen Kreisen Berlms eine sehr bekannte Persönlichkeit gewesen sei. Der Zeuge will der Grafen L. seinerzeit in einer von Homo- sexuellen besuchten Kneipe kennen gelernt haben. Der Angeklagte selbst erklärte: er habe niemals Mannschaften des 3. Garde-Ulanen-Regiments zu Treibjagden verwendet, sondern stets Leute aus den umliegenden Dörfern. Auf eine Frage soll der Zeuge sich dahin auSgelaffen haben: er wisse nicht, ob Fürst Eulenburg an den Theeabenden in der österreichischen Gesandtschaft in München teilgenommen hat. Vernommen wurde alsdann der Schriftsteller Dr. A. v. Wilke, Herausgeber der„Neuen Gesellschaftlichen Korrespondenz". Er soll WtK Gerüchte ausgesagt haben, die in München über den Fürsten Eulenburg und einige diesem befteundete Personen im Umlauf waren. Der juristische Ratgeber EulenburgS. Sehr ausführlich wurde Geh. Justizrat Karl Laemmel- V-uruppin vernommen. Er war juristtscher Ratgeber und Sach- Walter des Fürsten Eulenburg. Er bekundete dem Vernehmen nach u. a.: Auf Grund einer Bemerkung Hördens in der„Zukunft" und verschiedener Preßangriffe, die gewöhnlich gegen den Fürsten er- schienen, wenn im Herbst der Kaiier zur Jagd in Licbenberg erwartet wurde, ferner auf Grund einer Mitteilung des Landrats v. d. Knesebeck über tolle Gerüchte, die in Berlin über den Fürsten Eulenburg kursierten, habe er einmal Veranlassung genommen, in Gegenwart zweier anderer Personen mit dem Fürsten Eulenburg darüber zu sprechen. Der Fürst sei ganz perplex gewesen und habe ge- fragt, was man nun dagegen machen solle. Als dann in Nummer 30 der„Zukunft" behauptet wurde, die v i t s. sexualis des Fürsten sei nicht gesund, habe er noch- mals mit ihm Rücksprache genonnnen und ihm gesagt, daß er sich das nicht gefallen lassen könne. Der Fürst habe erst eine Klage gegen Haiden anstellen wollen, er habe ihm aber davon abgeraten, da bei Privatklagen bekanntermaßen durch allerlei Beweisanttäge des Beklagten der Privatkläger oft an- scheinend zum Angeklagten werde. Er habe ihm den Rat gegeben, sich an die Staatsanwaltschaft in Prenzlau zu wenden und die Einleitung eines Verfahrens gegen sich s e l b st zu beantragen. Dies sei auch geschehen. In diesem Verfahren habe Herr Harden sein Zeugnis ver- weigert. Das Verfahren sei eingestellt worden, weil die Beweismittel nicht ausreichend waren. Der Zeuge soll weiter be- kündet haben: Der Fürst habe ihm gegenüber stets erklärt, daß ihm jede homosexuelle Handlung, ob strafbar oder stroflos, ver- abscheuungSmürdig sei.— Als der Bülow-Brandt-Prozeß herannahte und der Fürst als Zeuge geladen wurde, habe er ihm geraten, auf irgendwelche indifferente Fragen, die vielleicht von der Verteidigung an ihn gerichtet würden, sich nicht ein- zulassen, sondern nur auf ganz bestimmte, positive Fragen zu antworten. Auch habe er ihm geraten, eine etwaige Frage nach homosexueller Veranlagung nicht zu beant- Worten, da der Begriff der Homosexualität ein zu all- gemeiner sei. Beim zweiten Harden-Prozeß habe er es nicht für nötig gehalten, dem Fürsten eine nochmalige RechtSbclehrung zu geben. Von einem Ausschnittsbureau habe 48 Kilometer brachte; diese Geschwindigkeit, die heute selbst auf der bescheidensten Sekundärbahn übertroffen wird, galt zu jener Zeit als etwas ganz Außerordentliches. Stephenson hat auch das hohe Ve* dienst, die Eisenbahnen gegen alle Oppofittonen, denen sie be geaneten, energisch in Schutz genommen zu haben. Im Oberhause wurde sein erster Antrag auf Konzession einer Eisenbahn abgelehnt; mehrere Redner behaupteten, daß der Rauch der Lokomotive die Vögel töten, daß der Anblick der dahinsausenden Züge die Tiere erschrecken, daß die Funken der Lokomotwe die Felder in Brand stecken und daß die Konkurrenz der Maschine die Pferde auf den Aussterbeetat setzen würde. Man trug die Panik in das Volk, und es kam nicht selten vor, daß die Lokomotivwerkstütten gegen Uebcrfälle und Angriffe geschützt werden mußten. Aber Stephenson überwand alle Hindernisse. Vor einer parlamentarischen Kommission setzte er eines TageS auseinander, daß es möglich sei, mit der neuen Maschine eine Geschwindigkeit von ö0—60 Kilometer in der Stunde zu erreichen.„Aber, Herr Stephenson". bemerkte einer der Parlamentarier,„nehmen wir einmal an, daß der Zug, von dem Sie sprechen, ganz plötzlich auf eine Kuh stößt: welch entsetzliches Unglück!"——„Ja, für die Kühl" antwortete Stephenson phlegmatisch. Die Medizin vor 2—3000 Jahre». DaS Museum des Royal College für Chirurgie in London ist soeben durch eine außerordent- lich interessante Sammlung von Mumien bereichert worden, die von der ägyptischen Regierung dem Museum überwiesen wurden und die der pathologischen Forschung fesselnde Aufschlüsse über die Heilkunst und die Chirurgie der alten Acgypter gibt. Es handelt sich um die Ernte von Forschungsarbeiten, die sich auf jenen Teil des Niltales erstreckten, der nach der Vollendung des großen Dammes von Assuan unter den Fluten verschwinden wird. Die Expedition hat in der Zeit von September 1907 bis zum April dieses Jahres 47 Totenstätten durchforscht und mehr als 9000 Mumien untersucht, aus denen die Sammlung für das chirurgische Museum zusammengestellt wurde. DaS gesammelte Material gibt interessante Beispiele über abnorme Körpcrbildungen und Knochenformationen, über Krankheiten und Verletzungen und über die Art, wie die alten Aegypter deren Heilung ins Werk setzten. Besonderes Interesse erregen die Exemplare, an denen man die Behandlung von Knochenbrüchen beobachten kann. Die Kuren scheinen durchweg gute Erfolge gehabt zu haben und denen der modernen Methode kaum nachzustehen. Ilnter der Sammlung befinden sich auch eine Reihe von kleinen Stäben, die bei der Behandlung von Brüchen des Vorderarmes zum Einschienen benutzt wurden. Daneben gewahrt man eine reiche Auswahl von Beispielen von Knochenkrankheiten, unter anderem auch eine Menge von Fällen, die zeigen, daß die alten Aegypter unter GtlenkräLiioiatisuuisbielzuleidenhatten. DietwrtreMcheKonservieoiva er einen Ausschnitt aus dem„Bayrischen Courier" vom 4. April erhalten, durch den er zum erstenmal von dem An- stehen des Staedrle-Prozesses Kenntnis erhalten habe, lieber diesen Artikel habe er mit dem Fürsten nicht sprechen können, da dieser damals verreist war. Als dann der Artikel der„Münch. R. N." vom 15. April erschien, habe er sich aus eigener Initiative an den Rechtsanwalt v. Pannwitz gewandt und diesen ersucht, in der am 21. April stattgefundenen Verhandlung die Interessen des Fürsten Eulenburg wahrzunehmen, insbesondere auf Be- Häuptlingen und Beweise zu achten, die Herr Harden oder dessen Vertreter anbieten. Dem Fürsten habe er erst am nächsten Tage mitgeteilt, daß er sich an den Rechts- anwalt Dr. v. Pannwitz gewendet habe. Als dann am Nachmittage des Staedele-Prozesses vom Rechtsanwalt Dr. v. Pannwitz die telegraphische Nachricht kam, daß der Fischer Riedel ungünstig ausgesagt habe, sei er sofort per Wagen nach Lieben berg gefahren, um mit dem Fürsten Rücksprache zu halten. Als am nächsten Morgen die weitere Nachricht kam, daß Ernst noch ungünstiger ausgesagt habe, habe er zusammen mit dem F ü r st e n sofort dem Ober staatsauwalt Dr. Jsenbiel tele- graphische Mitteilung hiervon gemacht. Gerüchte über honrosexuelle Veranlagung bezw. Be- tätigung des Fürsten seien ihm vorher nie zu Ohren gekommen. Um 4 Uhr wurde die Sitzung auf Freitag vertagt. Der Zeuge Ernst ist bis Dienstag entlassen worden. Am Freitag sollen u. a. die Kriminalkommissare v. Tresckow, Dr. Kopp, Kriminalschutzmann Tietze, Gras Kuno v. Mottle und der Masseur Podeyn vernommen werden. ?iir fugendorganifationsfrage. Mehrfache Zuschriften, die uns zugegangen sind, legen von dem regen Interesse Zeugnis ab, das in den Kreisen der Partei wie der Jugendlichen an der durch die bekannten Erörterungen angeregten Frage genommen wird, ivie die Jugendbewegung in Zukunft zu gestalten sei. Eine dieser Zuschriften, vom Genossen I. Kretzen- Solingen, sucht in längeren Ausführungen nachzuweisen, daß die u n- politischen Jugendorganisationen, nachdem sie jahrelang unter dem schlechten preußischen Vereinsgesetz bestanden haben, auch wohl unter dem neuen Rcichsvereinsgesetz von der Polizei ungeschoren gelassen werden müssen. Dann fährt die Zuschrift fort: „Damit kommen wir zu der Frage: Erfüllen die freien Jugendorganisationen in ihrer jetzigen Gestalt ihren Zweck oder können sie ihn erfüllen? Und weiter: B e- deuten die Vorschläge, die i>, Darinstadt gemacht wurden, oder die Legien scheu Vorschläge Ver- bessern n gen? Gleich von vornherein möchte ich meine Ansicht dahin präzisieren: Die der Vereinigung der freien Jugendorganisationen angeschlossenen Organisationen der proletarischen Jugend haben bisher recht segens- reich gewirkt. Sie werden ihre Aufgabe noch viel bester erfüllen können, wenn ihnen von feiten der Gewerkschaften und von er- wachsencn Freunden, die pädagogische Talente besitzen, mehr als bisher beigestanden wird. Die Vorschläge zur losen Organisation sind meines Erachtens vollständig verfehlt. Daß feste Organisationen losen vorzuziehen sind. ist ohne weiteres klar. Feste Organisationsformen erzeugen besseren Zu- sammenhalt, erleichtern ungemein die Verwalttmgsarbeit und die agitatorische und organisatorische Tätigkeit. Die selbständigen Jugendorganisationen sind weit befähigter, ihre Aufgaben zu erfüllen, als andere, die von Erwachsenen geleitet werden. Nun ist ja wohl richtig, daß schon heute in den GeWerk- schaften zahlreiche Jugendliche organisiert sind. Mir sind sogar Orte bekannt, wo die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Jugendlicheil unter 18 Jahren die der in der Jugendorganisation organisierten überwiegt. So beträgt in Solingen(die lokalen Verhältnisse sind mir gerade zur Hand) die Zahl der im Metallarbciterverband organisierten jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen mehrere Hundert; dem lokalen Industrie» arbeiterverband wird ungefähr dieselbe Zahl angehören. Die Jugendorganisation zählt am selben Orte zirka 150 Mitglieder. Nur verhältnismäßig wenige dieser gewerkschaftlich organisierten Jugend» lichen gehören auch der Jugendorganisatton an. Die beiden Verbände aber tun für ihre Jugend nichts; sie würden auch dafür nichts tun können, weil die Jugendlichen einfach teinJnter- esse haben. Sie gehören den Verbänden an, weil sie durch ihre Väter oder Lehrmeister angemeldet sind. Ein weiteres Interesse haben sie nicht. der Mumien ermöglichte eS auch in vielen Fällen noch genau, Gewebekrankheiten festzustellen; in einer sehr gut erhaltenen Leber konnte noch das Vorhandensein von Gallensteinen festgestellt werden, und bei der Mumie eines jungen Mädchens wurde beobachtet, daß sie an Blinddarmentzündung gelitten hatte. Interessant ist es, daß in keinem der Körper Spuren von Tuberkulose und Syphilis fest- gestellt werden konnten; allem Anschein nach waren die alten Aegypter diesen Krankheiten nicht ausgesetzt. Ein eigenartiges Mundwasser. Bei den Angloeru in Ober- guinea sind, wie Missionar Härtter berichtet, die Schulden erblich Da die Angloer ein sorgloser Menschenschlag sind, wachsen die Familienschnlden und die Privatschulden vielfach von Generation zu Generation. So kommt es, daß der glückliche Erbe manchmal bis über den HalS in Schulden steckt und beim besten Willen nicht weiß, wem alles er etwas schuldig. Dies suchen sich natürlich gewissenlose Menschen zunutze zu machen, indem sie behaupten, eine Forderung an den Verstorbenen gehabt zu haben. Da haben nun zum Glück die Angloer ein einfaches Mittel, um wirkliche Gläubiger von den nur angeblichen zu unterscheiden. Man bringt nämlich Wasser, mit dem man den Toten den Mund ausgespült hat und das man akkurat zu diesem Zweck, in einer Flasche ausbewahrt hat. Man bietet dem unbekannten Gläubiger ein Glas dieses eigenartigen „MundlvasserS" an mit den Worten:„Wenn es wahr ist. daß uiisct Vater oder unsere Mutter Dein Schuldner war, so magst Du gern Dein Geld bekommen und am Leben bleiben, aber wenn Du gegen den Toten lügst, so soll Dich sein Geist töten." Der Angloer ist fest von der Wirksamkeit dieses Fluches überzeugt, und nur selten wird ein besonders gottloser Freigeist es riskieren, dieses„Mund- waster" zu trinken, trotzdem der Tote nicht sein Schuldner war. Wie schade, daß wir heutigen Tages nicht mehr so einfache Mittel haben, um Recht und Unrecht zu unterscheiden l Humor«nd Satirc. Prägnanter Stil.(Aus einer geschichtlichen Novelle.) Ergrimmt wars der Lands- dem HauS- den Stiefelknecht an den Kopf. — G u t g e z o g e n. Sie:„Denkst Du heute abend auszu» gehen— Er:„Denkst Du?" — Im alten Schlosse. Kastellansfrau(zun, Dienst- mädchen):„Die Spinngewebe da oben an der Decke können Sie ruhig mal wegfegen, Marie... die sind nicht historisch!" — Unterscheidung.„Wie ist denn das Bier heute?"»» Grandelhnber:„Net zum Saufen, kaum daß raa's trinken kann!" st-Meggendorfer-Blätter.') Dagegen die Jugendorganisation. Da wird gearbeitet. Und ganz allein von Jugendlichen— ganz ohne Beihülfe Er- wachsener sdas ist zwar nicht gut, aber durch die Lauheit derjenigen, deren Aufgabe es wäre, zu helfen, bedingt). Nun gebe ich zwar zu, dag die Gewerkschaftler nunmehr intensiver arbeiten wollen. Aber auch das kann nicht helfen. So lange man dem Jugendlichen nicht selbst zu arbeiten gibt, ist'S mit den Organisationsbestrebungen nicht weit her. Man will sich selbst seine Erfolge verdanken I Aber ein weiteres wichtiges Moment kommt in Betracht. Und da kann ich das rheinische Zentrumsorgan, die„Köln. Volk-Zzeitnng", gegen Legien und Genossen ausspielen- In ihrer Nr. SIL Wittags- Ausgabe) vom 13. Juni d. I. schrieb die genannte Zeitung in einem Leitartikel„Die Jugend in der Politik":„Die Jugend will vor allem große Ziele sehen!" Und da liegt in Wirklichkeit der Schwerpunkt der ganzen Fragel Große Ziele wollen wir sehen. Wir wollen mit dem ungeschwächten Feuer der Jugend, mit unserer un- verbrauchten Kraft, mit Leidenschaft kämpfen können. Für kleine Ziele kann man das nicht. Das Ziel muß des Kampfes wert sein! Wir wollen die große Bedeutung der wirtschaftlichen Kämpfe nicht verkleinern, aber sie können uns diese großen Ziele nicht geben. Vor allen Dingen Selbständigkeit. Des Jugendlichen muntere Regsamkeit, seine Lust an der Diskussion, sein Eifer vergeht, sobald er sich von den Augen des Erwachsenen beobachtet sieht.(Natürlich gibt es hier, wie überall, Ausnahmen. Aber d i e bestätigen ja nur die Regel. Immerhin: unter einer Bedingung wäre die Leitung durch Erwachsene ein Fortschritt— wenirwir pädagogischeTalente genug hätten, die es verstehen, durch ihre Persön- lichkeit auf die Jugendlichen vertrauenerweckend zu wirken, derart vertrauenerweckend, daß alle Schüchternheit undBefangenheit die Jungen verläßt. Aber derart feinfühlige Menschen fehlen uns. Wir bedauern stets, daß der Schule solche Talente fehlen, wir bedauern, daß in der Schule die Jugend unter der Geißel unverständiger Pedanten leidet— und wollten nun denselben Fehler be« gehen? Denn dieser Mangel muß zugegeben werden. Darum: man lasse bei ihrer Arbeit die Jugendlichen allein. Bei der Agitationsarbeit ganz, bei der Bildungstättgkeit soviel wie möglich. Nur da, wo man sieht, daß unfähige jugendliche Führer sich die Rolle eines allwissentlichen Lehrers anmaßen, greife man ernst und energisch ein. Wenn man ganze Arbeit machen will, so beschließe man, daß die norddeutsche Organisationsform auf ganz Peutschlaud übertragen wird. Huö Induftm und Findel. Die Verbände der Eisenindustrie. Bekanntlich sind der von den Rohstoffverbänden(Eisenstein Vereinigung, Roheisensyndikat, Stahiverband) in den letzten Wochen und Tagen borgenommenen Preisermäßigung andere Verbände ge- folgt, und zwar insbesondere jene in Bandeisen und Wahldraht. Da gegen haben am 23. Juni d. I. in Köln die Feinblechwerke der Hagener Vereinigung und der Schwarzblechvereinigung mit Rück ficht auf die geringe Herabsetzung der Halbzeugpreise die Anficht ausgesprochen, daß die seit längerer Zeit Verlust- bringenden Feinblechpreise unbedingt erhöht werden müßten. Umgekehrt soll die rheinisch-westfälische Stabcisenhändlervereinigung die Herabsetzung der Preise für Stabeisen, Bleche und Bandeisen um 10 M. pro Tonne ab 1. Juli beschlossen haben. Die PreiSftage spielt eben in den weiterverarbeitenden Eisenindustrien die Hauptrolle. Die Preisfrage aber ist abhängig von der Nachftage und vom Angebot. Damit steht es aber nichts weniger als günstig. So beschränkte sich der Anfttagsbestand beim Düsseldorfer Roheisensyndikat am 1. Juni auf 134 78S Tonnen(einschließlich der Rückstände vom Jahre 1307 auf 423 S70 Tonnen, minus Verfand 283 785 Tonnen). Dazu die bereits zugewiesenen, aber noch nicht ausgeführten Aufträge von 32322 Tonnen ergibt für das Jahr an vorhandenen Aufträgen 227 107 Tonnen, gleich 38,3 Prozent der Beteiligung der sieben Monate bis zum Jahres- schluß. Natürlich werden im Laufe dieser Monate noch weitere Aufträge eingehen, zumal wegen der Unsicherheit der Preis- gestaltung bisher ja für die späteren Quartale erst wenig gekaust wurde und es überhaupt die Signatur der Lage ist, daß die Käufer erst im Augenblick des Bedarfs mit ihren Aufträgen kommen, statt diese wie in den Zeiten der Hochkonjunktur auf Monate hinaus vorher zu erteilen. Maßgebender ist daher der bisherige Versand. der aber gleichfalls sehr ungünstige Ziffern aufweist. Er betrug beim Roheisen-Syndikat in Tonnen Gießerei- eisen 42 878 51317 43 472 41 230 , 46 376 Puddeleisen und Stahl 10 093 8 518 10 384 6 774 7 841 Thomas- eisen 7 485 3 448 2 937 2 318 2 304 Zusammen 60 456 62 983 57 443 50 882 57 021 Januar l Februar. März.. April.. Mai.. 225 033 44 210 13 542 288 785 Die monatliche Beteiligung wäre demnach 84 663 Tonnen, was einen Ausfall um 20- bis 30 000 Tonnen oder 30 bis 40 Proz. ausmacht. Freilich, so schlimm schneidet der Stahlwerksverband doch nicht ab; denn dieser hat bisher doch wenigstens 75 Proz. der Be- teiligung absetzen können. Aber alle Verbände ernten schließlich nur jene Frucht ihrer Preispolitik, die sie selbst gesät haben, und die ist nun einmal nicht safttger._ Sozialem Privatrechtliche Folgen der Mai-Ausspcrrung. In Nmnmer 10 der Zeitschrist„Gewerbe- und Kaufmanns- gericht" untersucht der unter anderen durch das bedeutsame Werk über den Arbeitsvertrag— der zweite über 1000 Seiten umfassende Teil ist unlängst erschienen— rühmlichst bekannte Berner Profestor Lotmar die Frage, wer die durch eine Mai-Aus- sperrung verursachten Kosten zu tragen hat. Lotmar kommt zu dem durchaus zutreffenden Ergebnis: die von der Mai-Aussperrung betroffenen Arbeiter können von ihrem Arbeitgeber den Lohn für die Arbeit beanspruchen, die sie infolge setner Aussperrung nicht geleistet haben. Die Deduktion das Lotmarschen Aufsatzes ist folgende. Die Maifeier gegen den Willen des Unternehmers ist ein Leistungs- Verzug. Ms Rechtsfolge dieses Verzuges käme, abgesehen von dem für den 1. Mai einttetenden Lohnausfall, rechtlich in Frage, ob der Arbeitgeber, der eine Aussperrung infolge der Maifeier vornimmt, Schadenersatz verlangen oder vom Vertrage zurück« treten könne. Beide Fragen sind zu verneinen. Denn, wer dem Arbeitsausfall eines Tages, den der Arbeiter verursacht, alsbald ein- oder mehrtägigen Arbeitsausfall folgen läßt, gibt dadurch deutlich kund, daß er durch den vom Arbeiter bewirkten Ausfall keinen oder doch keinen empfindlichen Schaden erlitten hat. Wenn er trotz feiner nachfolgenden Aussperrung Ersatz des Schadens für den 1. Mai be- gehrt, so begeht er eine Schikane; sein Anspruch wäre da- her nach§ 226 B. G.-B. abzuweisen. Nach ß 326 B. G.-B. kann der Arbeitgeber unter Ablehnung der Erfüllung, Schadenersatz wegen Nichterfüllung verlangen und vom Verttage zurücktteten, wenn eine angemessene von ihm gesetzte Frist zur BeWirkung der Leistung fruchtlos verstrichen ist. Setzt aber der Arbeitgeber solche Frist, so kann er nicht überdies eine Aussperrung verfügen. Denn dies wäre offenbar widerspruchsvoll: dem arai es nicht ernsthaft um Heilung des Verzuges zu tun fein, der ' selber einen Aufschub anordnet. Wer selber so verfährt, entsägt vielmehr auch für den Fäll, daß die Nachholung innerhalb der Frist nicht erfolgt, den im Bürgerlichen Gesetzbuch. ausgesprochenen Mitteln des Rücktritts und der Schaden- ersatzforderung wegen Nichterfüllung. Lotmar legt dann dar, ein Recht zur kllndigungslosen Entlassung des Arbeiters, weil er„die Arbeit unbefugt verlassen" hat(§ 123, Nr. 3 G.-O.) ist nicht gegeben. Denn zum„Verlassen" gehört, daß der Arbeiter nicht wiederkommen, gänzlich von der Arbeit ausbleiben will, den Rückkehrwillen nicht hat. Ebensowenig kann von einer beharr, l i ch e n Verweigerung der nach dem Arbeitsvertrag dem Arbeiter obliegenden Verpflichtungen die Rede sein. Da kein Verlassen der Arbeit vorliegt, kann auch eine Schadenersatzforderung aus Z 124 b G.-O. nicht in Frage kommen. Gibt demnach nach dem geltenden Recht des Bürgerlichen Gesetz- buches und der Gewerbeordnung das Ausbleiben am 1. Mai dem Arbeitgeber kein Recht zu einer Aussperrung über den I.Mai hinaus, so kommt der Arbeit g e b e r durch die Aussperrung in Annahme- Verzug. Die von der Mai-Aussperrung betroffenen Arbeiter können daher nach K 615 B. G.-B. von ihrem Arbeitgeber den Lohn für die Zeit beanspruchen, die sie infolge seiner Aussperrung nicht geleistet haben. Dieser Anspruch' verjährt erst in zwei Jahren. Professor Lotmar hofft, daß. wenn auch nur einigemal durch mehrere Arbeiter nach K 615 B. G.-B. der Lohn für die AuSsperrungs- tage vom Arbeitgeber verlangt und durch Gewerbegerichte von Rechts- wegen zugesprochen ist, die Maiaussperrung abnehmen oder gänzlich aufhören wird. Dieser Hoffnung vermögen wir uns nur zum Teil anzuschließen.' Denn einmal ist in sehr vielen, vielleicht den meisten Aussperrungsfällen die Kündigungsfrist ausge- schloffen; in diesen Fällen steht, wie auch Lotmar natürlich annimmt, den Arbeitern kein Klagerecht zu. In den Fällen aber, in denen eine Kündigungsfrist für daS Arbeitsverhältnis be- steht, vermögen wir leider gegenüber den Erfahrungen, die Arbeiter aus der Rechtsprechung auch von Gewerbegerichten anläßlich der Maifeier in Deutschland gesammelt haben, die Zweifel nicht zu unterdrücken, ob die Gerichte nunmehr auf Grund der rein wissen- schastlichen Darlegungen der hochangesehenen Autorität auf dem Gebiete des Arbeitsvertragsrechts die Frage so entscheiden werden, wie sie nach Recht und Gesetz entschieden werden müßte. Immerhin möchten wir raten, den Versuch mit der Anstrengung solcher Klagen zu machen, vielleicht ist das Vertrauen, das so mancher»och zur Gewissenhastigkeil und Gerechttgkeit deutscher Rechtspflege in Arbeiter- fragen hat, nicht völlig unbegründet. Nutzbringende Verwendung städtischer Gelder. Zu welchen Zwecken oft die Gelder der Stenerzahler verschwendet werden, zeigt ein Fall ans Bromberg. Dort hatte der Bürgerverein anläßlich der silbernen Hochzeitsfeier des Kaiser- paareS einen Fackelzug arrangiert. Nach Beendigung dieser privaten patriotischen Festlichkeit stellte es sich heraus, daß der Verein dabei ein Defizit von 700 M. erlitten habe. Flugs stellte nun der Verein den Anttag an den Magistrat, die Summe aus städtischen Mitteln zu decken. Und so geschah eS. Ohne Debatte bewilligte die Stadwerordnetenversammlung dem völlig privaten Verein die betreffende Summe aus dem Stadtsäckel. Zu unnötigen Festlichkeiten und überflüssigem LuxuS ist eben Geld da, für hungernde Arbeitslose dagegen gibt der Magistrat keinen Pfennig aus._ Hub der frauenbewegung« Die heilige, von Gott gesetzte Familie. Am 2. und 5. Mai befaßte sich der bayerische Landtag mit den Verhältnissen der Dienstboten. Vier Dienstbotenorganisationen hatten sich mit Petttionen au ihn gewandt. Die des Dienstbotenvereins Nürnberg und Unigebung, sowie die des Vorstandes des Verbandes der Hausangestellten Münchens verlangten konsequente Durchführung der von uns schon längst vertretenen durchgreifenden Forderungen für die Hausangestellten, von denen die wichtigsten lauten: 1. Abschaffung der Gesindeordnung und Gesindedienstbücher. 2. Unterstellung der Dienenden unter die Gewerbeordnung. Ausdehnung aller Versicherungsgesetze auf sie, Gewährung eines gesetzlich gesicherten vollen Koalitionsrechtes. 6. Abschaffung der privaten Stellenvermittelungsbureaus und Einführung von paritätischen Stellennachweisen. Dazu schreibt nun daS Münchener Traktätenblättchen für katholische Dienstmädchen: „Man steht aus diesen Forderungen auf den ersten Blick, daß die sozialdemokratischen Vereine in manchen Punkten zu weit gehen; unsere späteren Ausführungen werden das klar zeigen." Folgen nun die„Wasch mir den Pelz und mach ihn nicht naß- Forderungen' der gesalbten„VereinS-Präses", die die lieben, un- wissenden Schäfchen nach ihrem Willen lenken. 1.«Zeitgemäße Revision" der Gefindeordnung.(Keine Aufhebung derselben, merkts Euch, Ihr katholischen Dienstboten.) Weiter wird verlangt: rechtsgültige Verordnungen hinsichtlich der Arbeits- und Ruhezeit, der Sonntags- und Nachtarbeit; der sittlichen Gefahren: gesunder, verschließbarer Schlafräume. Ferner Schaffung von Hausdienstausschüssen(die ebensoviel zu sagen hätten, wie die ArbeiterauSschüsse in den gewerblichen Betrieben.) 4.(Deckt sich mit Passus 6 aus unseren Forderungen und ist diesen, wie so manches andere entlehnt.) Dergleichen die letzte Forderung: Ausdehnung der Verficherungsgesetze auf das Gefinde. „Wir fordern also nicht", heißt eS dann weiter,„wie die Sozialdemokratte, die völlige Abschaffung der Gesindeordnung und die Unterstellung der Dienenden unter die Gewerbeordnung. Das geht zu w e i t I Warum?" Folgt ein Auszug aus der Rede des Landtagsabgeordneten Walterbach, in dem das altbekannte Lob auf das familiäre Ver- hältnis zwischen Herrschaft und Hausangestellten gesungen wird. Anschließend orakelt daS Blättchen mit öligem Pathos:. „Warum wollen denn die Sozialdemokraten die Aushebung der Gesindeordnung und die Unterstellung der dienenden(mit kleinem d> unter die Gesindeordnung? Frau Lily Braun, die sich mit dieser Frage viel abgegeben hat, sagte einmal: „Unser Hauptziel muß sein, die Dienstboten aus dem Hause herauszubringen und aus den Dienenden zu freien gewerblichen Arbeiterinnen zu machen. Zu diesem Zwecke muß der Privat- Haushalt semer Auflösung entgegengeführt werden." Also. Auflösung des Privathaushalts, oder wie wir sagen, Auflösung der Familie, das strebt man aiw Uns aber ist die Eamilie als eine von Gott gesetzte Ein Dichtung etwas ohes und Heiliges, das wir achten und halten I" Daß die Familie in ausgedehntem Maße schon seit Jahrzehnten durch die Herrschast deS blutsaugenden Kapitalismus„aufgelöst" ist, hat der Gesalbte des Herrn noch nicht bemerkt. Desgleichen hat sich die katholische Kirche, ehe es eine Sozialdemokratie gab, nicht um den Verfall der„heiligen, von Gott gesetzten Einrichtung" be- kümmert oder um die nächsten Ursachen, wie grenzenlose Ausbeutung von Frauen und Kindern, Wohnungsnot, Heimarbeiterelend, Prosti« tutton u. a. m. Auch die.Dienenden' bekamen erst die stürmische Liebe ihrer katholischen Führer zu spüren, als wir uns der Ver- gessenen annahmen. Statt dem Kampfe, wurden die katholischen Vereine der„Himmelsmutter" geweiht. Aber die benebelnden Weihrauchwolken müssen früher oder später doch dem frischen Hauch der Aufklärung weichen. Auch die katholischen Dienstboten entgehen feiner Wirkung nicht. Versammlungen— Veraustalttmgen. Berlin, vierter Kreis. Ausflug, der Leseabendteilnehmerinnen ow 15. Juli. Kaffeekochen in der'„MeN Taverne' in Stralau. Die Vertrauenspersonen. Fünfter Wahlkreis. Am Sonntag, den 12. Juli, veranstalten die Genossinnen des fünften Kreises einen Ausflug mit Familien nach Johannisthal. Treffpunkt: vonnittags 9 Uhr auf dem Perron des Alexanderplatz-Bahnhofes, später im Lokale„Hassel- werder" in Johannisthal. Die Vertrauensperson. Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Jugendabteilung. Sonntag, den 12. Juli, abends 6 Uhr, im„Gewerkschafts« hauS", Engel-Ufer 15: Vortrag über Heine. Gesang, Rezitatton. Jugendliche als Gäste willkommen. Gerichts-Zeitung. Zum Kampf gegen den Antimilitarismus. Vor der ersten. Sttafkammer de» Landgerichts I hatte sich gestem FritzKater wegen Aufreizung zuGewalttätigkeiten zu verantworten. Kater soll eine antimilitaristische Broschüre, betitelt „Der Krieg bei Jena" verbreitet haben. Die Verhandlung fand aus Antrag des Staatsanwalts unter Ausschluß' der Oeffentlichkeit statt. Der Staatsanwalt beantragte drei Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte auf 300 Mark Geldstrafe event. 60 Tage Gefängnis. Der allmählich zum Grundsatz in sogenannten Antimilitarismus- Prozessen erhobene Ausschluß der Oeffentlichkeit widerspricht durchaus dem Interesse der Rechtssicherheit. Die Oeffentlichkeit in Anklagen ist eine der erheblichsten Garantien für eine Rechtspflege. Ihr Aus- schluß gerade in Militärprozessen und die Billigung dieses Aus- schlusses durch die bürgerliche Presse zeugt nicht von großem Ver- trauen der herrschenden Klasse zu dem herrschenden Militärsystem. Konflikt des Polizeipräsidenten zugunsten eines Berliner Polizei, leutnants. Tie Inbetriebsetzung einer russischen Schaukel auf dem „Rummelplatz" an der Magazinstratze verhinderte am 12. Oktober 1907 der Reviervorsteher Polizeileutnant Linke. Vom nächsten Tage ab gestattete dieser jedoch auf höhere Weisung die Jnbetrieb- nähme, und einige Tage später mußte der Besitzer, Schausteller Radoehla, zwecks Sicherung des Publikums, einige kleine Maß- nahmen(Anbringung von Schildern usw.) vornehmen.— Radoehla strengte nun im Dezember 1307 gegen den Polizeilcutnant eine Schadenersatzklage an. Er verlangte 80 M., weil ihm am 12. Ol- tober aus der Verhinderung der Inbetriebnahme der fertiggestellte» russischen Schaukel Schaden in dieser Höhe entstanden sei. Dem Polizeileutnant wurde eine schuldhafte Uebertretung der Amts- befugnisse vorgeworfen. Der Poleizeivräsident von Berlin erhob zu seinen Gunsten den Konflikt und bestritt eine Ueberschreitung der Amtsbefugnissc durch den Rebierborstchcr. Es handele sich um eine zwar selbständige, aber mit Ermächtigung des Polizeipräsi- deuten vorgenommene polizeiliche Maßnahme. Wenn am folgen- den Tage aus Billigkcitserwägungen oder aus Mitleid mit dem Kläger der Betrieb freigegeben und auch schon geduldet worden sei, bevor gewisse kleine Sicherheitsmaßnahmen verlangt und ausge- führt wurden, so liege darin keine Mißbilligung des Betriebsverbots vom 12. Oktober. Das Oberverwaltungsgericht erklärte am Dienstag den Konflikt für begründet, so daß das Verfahren gegen den Polizei- leutnant endgültig einzustellen ist. Es wurde ausgeführt: Nach den Erklärungen des Polizeileutnant Linke, die nicht bestritten seien, wäre als erwiesen anzunehmen, daß er vor Erlaß der An, ordnung vom 12. Oktober 1307 sich auf dem Polizeipräsidium in- formiert habe, und daß ihm der Auftrag gegeben worden sei, den Betrieb russischer Schaukeln zu verhindern, weil er zu stören gc- eignet wäre. Das stimme mit dem Konflikt übcrein, worin von einer Ermächtigung die Rede sei.?llso habe Herr Linke nicht auf die eigene Verantwortung hin gehandelt, sondern auf Anweisung der vorgesetzten Behörde. Infolgedessen könne ihm keine Amtsübcr- schreitung zur Last fallen._ Bom Kampf gegen die Arbeiterkastno-Bereine. Ter Zimmerer Lorius hatte auf Veranlassung de? Vereins Arbciterkasino für Schweinitz und Umgegend einen Saal gebaut. Dieser wurde an den Verein, der etwa 220 Mitglieder zählte, für vierteljährlich 150 M. vermietet. Der Verein war berechtigt, für einzelne Abende an andere Vereine weiter zu vermieten. Der Be- sitzer Lorius erhielt nun mehrere Anklagen wegen Veranstaltung öffentlicher Tanzlustbarkeitcn ohne Genehmigung.(Einzelne Fälle schieden später wegen Verjährung aus.) Es waren durchweg Ver- anstaltungen des Vereins Arbeiterkasino. Trotzdem wurde L. vom Landgericht Halle nach der Anklage verurteilt. L. sei in Wirklich- keit der Veranstalter und der Verein wäre nur vorgeschoben. Wegen der Geringfügigkeit der lausenden Beiträge(10 Pf.) und wegen der nach Lage der Verhältnisse gegebenen Unmöglichkeit, höhere zu erheben oder sich wesentlich auszudehnen, könne der Verein nicht als wirklicher Mieter gelten. Es fehle die wirtschaftliche Zuver. lässigkeit. Andererseits müßten die fraglichen Vergnügungen als öffentliche angesehen werden, weil der Verein Arbeiterkasino eine unter den obwaltenden Verhältnissen erhebliche Größe habe, sich über mehrere kleine Orte erstrecke und sehr lose organisiert sei.— Das Kammergericht verwarf dieser Tage die Revision des Angeklagten mit der Begründung, das Landgericht habe seine Feststellungen ohne Rcchtsirrtum getroffen._ Zum Tode verurteilt. DaS Essener Schwurgericht verutteilte am Mittwoch nach drei- tägiger Verhandlung den Nähmaschinenreisenden Jakob ElSmann, der am 4. Februar d. I. seine Ehefrau durch drei Revolverschüsse getötet hatte, zum Tode._ Ein Bürgermeister wegen Unterschlagung verurteUt. Wegen Unterschlagung amtlicher Gelder hatte sich am Donnerstag der frühere Bürgermeister von Schwersenz H o p p m a n n vor dem Schöffengericht tn Posen zu verantworten. Der Angeklagte, der städtische Gelder für sich verwendet hatte, wurde zu einer Gefängnis- strafe Von vier Monaten verurteilt. Eingegangene Druckschriften. Der Kunstwart. 1. Julihest. Verlag Callwey in München.(Viertel- jährlich 4 M., daS einzelne.'Oeft 75 Pf.) „Roland-, MonatSschrist. Hest 7. Herausgegeben von einer Ver- ewigung Bremischer Lehrer. Halbjährlich 2 M. A. Janssen. Hamburg Das deutsche Schectgcsetz. Erläutert von Dr. Siegfried Buss. Ge- Kunden 3 M.— Gesetz über den Versicherungsvertrag. Erläutert von Geheimrat Dr. Best. Gebunden 5 M. Stuttgart, Deutsch» Verlags- anstalt. PoliS. Rr. 2. Sozialpsychologischc Rundschau. Zürich, Kirchgasse 16. Harden— Hirschfcld. Von E. I. Maccker. 38 Seiten. Selbstverlag, Berlin. Reisckarte vom bayerischen Hochlande. Große Ausgabe 1.25 M. — Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs in München. Prüfung und Krttit einer Bilanz. Von W. Heinzerling. Verlag; Hans Th. Hoffmann, Berlin. 1 M. Verzeichnis volkstümlicher und wissenschastlicher Vorträge des Deutschen Monistenbundes. 1208—1399. Selbstverlag in Berlin W. 57, 30 Pf. l-v Sfas�e Social. Revue rnensuolle. Nr. 6. Paris, Arthur Rousseau. Tagebuch der Madam Violet. 1889—94. 320 Seiten. Verlag R. Eck- stein Nachf., Berlin W. 57. Tozialdeiuokratie und Reakttonsblock aus dem Rathaus von Mül- hausen i. E. Hcransgegeden vom Vorstand des Sozialdemokratischen Vereins. 1 M. Verlag:„Mülhauscr VolkSzeitung" in Mülhausen, Eis. Gesetz und Dämon. Aoman von F. Runkel. 232 Seiten. Verlag: „Vita". Charlattenburg. DaS Deutsche Landhaus. Hest 12. Monatlich 2 Hefte. Pro Jahr 12 Mark. Verlag Fttedenau-verli». Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Xlbcatcr. Freitag, den 10. Juli. Neues kgl. Operntheater. Riga- letto.(Ansang 7 Uhr.) Anfang 8 Ubr. Deutsches. Die Brcttlgräfin. Kammerspiele. Gelbstem. Neues. Der Zerrissene. Stenes Schauspielhaus. Die Dollarprinzessin. Kleines. Geschlossen. Berliner. Rafflet iinftspielhaiis. Die blaue Maus. Weste«. Ein Walzertraum. Schiller O.(Wallner»Theater.) Troubadour. Friedrich- Wilhelmstädt. Schau- fpielhans. Die Diebin. «lhalia. Der Mann mit dem Mo> nocle. Bernhard Rose. Im Hause der Sünde. Merropol. Das muh man seh'n. Wintergarten. Spezialitäten. Apollo. London Suburbia. Spe- zialttäte». Passage. Berlin w Stimmung. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. ReichSballen. Stetüner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. ltrauin. Taubenürnhe Abends 8 Uhr: Ueber dm Brenner nach Vmedia. Sternwarte. Jnvalidenltr. 57/62. UraiHN* Ii Diez' Spezialitäten-Theater Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/19. Abends 8 übr: Ob schön! I-andsbevger Allee 70/79, direkt Ringbahn-Station. Bequemste Fahrgelegenheit nach allen Stadtrichtungen. Täglich: Ob Regen! � Belier flen Breiiner nach lfenej|| nette unj) hestx UrggrllNllN KttliNS Zooiocizcllcii CkRltH 6t Täglich: Eintritt 1 M von abends 6 Uhr ab 50 Pf, Kinder unter 10 Jahren -- die Hälfte.-- Schiller-Ihealer 0. (Wallner-Theater.) Morwth-Oper. Freitag, abends 8 Ubr: Gastspiel Heinrich BOtel: Her Troubadour. Sonnabend, abends 8 Uhr Zum 1. Male: Die Hoffnung auf Segen. Sonntag, nachm. 8 Uhr, bei hawen Preisen: ilarmen. Sonntag, abendS 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Hötel: Der Postillion von Lonjamean. fl Berliner Theater!| | Täglich: Raffles.| Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Ein Walzer(räum. Operette von Oskar Straust_ Friedrich-Wilheimstädtiscties 8 uhr. Schauspielhaus.« uhr. Sommerspielzelt. Leitung v. G. Pütz. Die Diebin,(Leagh Kleschna) Smsationsschauspicl in 4 Sitten von G. M. S. Mc. Lellan. Sonnabend: Die Diebin. Sonntag: Die Diebin._ Lusispielhaus. Sommerpreise. Abends 8 Uhr: Die blaue Maus. s MIMMIIM B Gr. Franksurter Str. tS2. Im Haufe der Sünde Ans. 8 Uhr. Sommerpreise. Auf der Sommerbühnc Ansang 4'/, Uhr. Theatervorstellung. Spezialitäten. 11. a.: Gastspiel Rad. Hhlzer. Hetropol-Theater Zum 292. Male: Revue in 12 Bildern m. Ges. und Tanz. Ansang 3 Uhr. Rauchen gestattet. Ei« Bomben-Lacherfolg. 10 Uhr: Lonäon Suburbia. ©toste englische Burlesk-Pantomime ' m 2 Bildern, ausgesührt von Bert BemardS Original-Kompagnie. Vorher 8 Uhr: Die neuen Attrak- tione» u.»Die füheu Grisetten«. SedluL der Saison: IS. Juli. Abwechslungsreiches Programm von Publikum und Presse glänzend beurteilt. Passage-Theater. Der grbBte Saisonerfolg Gastspiel Willi Agoston in der tollen Burleske IlBül Das Tollste vom Tollen und die bcded Juli-SpezialitM ■p Ohne Extra-Entree. Der Riese aller Riesen Pisjakolf Eintritt SO Pf. Kinder, Soldaten SS Pf. | Schweizer II � flniirvfett. Garten. Am KSnigstor— Am Friedrichshain. Täglich: Theater-Vorstellung, Spezialitäten und Ball. Neu: Piccards komische Pantomime: Die Einbrecher von New York. 3eÄ:nb Berlin steht Kopp. Urlomische GesangSposse von L. Ein. Vollsbclustigungen. Kinematograph. Jeden Mittwoch: Kinderfreudenfest. nrimipi E Brunnen-Theater vadstraste 68. Direkt.: Willi Voigt. 00- Täglich:-Mg Der deutsche Michel. ErMnsßge SpezialMkn. Karl Braun, Verwandlnngs-KmisUer. 6 Schenk Harvelly's. Trio Bnsson. SW Paul Coradlal.-MW Eröffnung 2 Ubr. Ansang 41/» Uhr. Vorverlaus von 10 Uhr ab. Wels mui-Tttr. Schönhauser Allee 148. Täglich: Kerlinn Kerze«. VolkSstück in 2 Akten. Dazu erstdlllssige Spezialitätev. »«»»»»a»»»»»«» briete-Ihester Weinhergsneg 19/20, lloeenth.Tor. Spexlalitätcllvorst. Im Garten. Neues Programm. Bei schlecht. Witterung i. Theater. ""'"orstella. 8 Uhr. Ans. deS Ans. der i �, Gartenlonz. S Uhr. Kleine preise. Rolksgarteu-Theater — am Lahnhos Gesundbrunnen.— Täglich: Der liebe Feld und Freuden. Bolksposse mit Gesang tn 5 Bildern von R. Lindner u. I. Seih sowie daS neue Riesen- Jull-Programm. W.Koacks Theater Dtrelliou: Hob. Dill, Brunnenftr.>« 9 Uhr: Wenn der Flieder hlliht. BorH. die ncuenJuli- Spezialitäten! «r. lleudertv, der grohart. Eqwlibristl Karl Oooh, der Urkomische usw. Ans.« Uhr. Kaffeeküche 3-« Uhr. Sonnabend: Exlra-Vorstellung. Das graste Geheimnis. LerUllerPräler-Tliester L/astanion-Alles 7—9. Die V?eit ein Pnrsdies grolle Ausstattungs-Eevue und erstklassige Spezialitäten. An«. Sonnt« Uhr, Woohent«>/, Uhr. Im Saale; Täglich gr. Ball. Wochentags Anfang 4 Uhr. Entree 80 Bs. Sonntags Ansang 3 Uhr. Entree 30 Ps. Großer Ball. Kaffeeküche. Volksbelustigungen aller Art. «SS«SS««««»«»»»G»»O»väO«S«»««»O»S«SS«G»a AUSST�'UINC MUNCHfiNi9ö8 Ü.B.TVKWlSfifte SXH.d. Prinzreg entert ftpolä V5r» eaycrnv(rn neuen Äüsstciiungsparl/, Uhr: Familien-Rad- und Krcmfer-Tom nachHelligensee(Waldschlost). Zkremscr- Billetts bei Lustig, Oderberger Str. 23. Beteiligung aller Genossinnen und Genossen wird erwartet. 7. Abteilung. Sonnlag, den 12. Juli: Kroste Dampserpartie mit Musik nach Schloß Woltersdorf. Abfahrt srüh 8 Uhr Schlesische Brücke. Hierzu laden wir alle Sportgenossen ein. Billett» sind bei Wegener, Grenzstr. 21, zu haben. Wilmersdorf. Sonnabend, d. 11. Juli, im Luisen- pari bei Dase, WilhelmS-Aue 112: GrosteS Sommernachtssest. Bundes- geuoffm find herzlich willlonm«. Toltes-�uzelge. In der Nacht zum Donnerstag, den 9. Juli, starb unser braver Kollege und langjähriger Mit- arbeiter, der Setzcrmvalidc Karl Mühl im Alter von sünszig Jahr«. Wir werden sein Andenken stets in Ehren hatten. Die Kollegen im„Vorwärts". Zeit und Ort der Beerdigung werden noch belanntgegeben. Für die vielen Beweise ausrichtiger Teilnahme sowie für die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, des Zimmerers TOhelm Göritz sagen wir hiermit allen Verwandten und Bekannten, besonders der Di- rektton, den Beamten, den Arbeitern nebst Fahrpersonal des Münchencr Brauhauses Akt.-Ges. Berlin, oiä auch dem Beerdigungs- Verein Berliner immerleute unserm herzlichsten ank. 467b Wwe. Harle GOrita und Kinder. Billigste Bezugsquelle für VWistiiscbe J» Bedarfs-Artikel Drogerle Xaremba, Berlin N., Weinbergsweg I. ------ Ein Versuch----- ftlhrt zu dauernder Kundschaft. med. Karl Keinhardt's spezial- ärztliche Institute für Haut-, Harnleiden, Potsdamer . Str. 117(5/,12— 2,«/a8-9 abds.) Neanderstr. 12(VjlO— 11 u.'/,5—>/,8). Verlangen Sie im eig. Interesse vor Beginn einer Kur ausjührl. Broschüre über d. Wert sämtl. übl. Hcittnethoden in verschlossenem Kuvert gratts und postsrei oder im Institut. 228/18* Kein Mieter für 8—4 Zimmer» Wohnungen in Eharlottenbnrg versohle die schönen Wohnungen in den fertigen Neubauten Danckelmannetr.29 und Horstweg 25, nahe Kaiserdauun (Untergrundbahn) zu besichtigen. ÜSfeneWeU. <( Hasenheide 108—114. 1! Doppel-Konzert und| Spezialitaten-Vorsteliung. r Hento 10 Clir: Mr. IGadbin II. toilkilbner Kopfsprung aus der> O. Etage. Anfang 5 Uhr. Entree 25 Pf.\ fistbahn-yarfa Am KUstrinerplatz, RBdersdorferstr.71 Hermann Imbs. Täglich: Großes Konzert, Tlieater-undSpezialitäten- _ Vorstellung._ Reiehshailen-Theater. �tettlner länger. Ansang Wochentags 8 Uhr. Anfang Sonntags 7«Hr. *****#* le follcn wir unfreWindep ohne Prügel erziehen? B Von 3. Borchardt PTl Preis 30 Pfeunig LÜJ Der Verfasser geht von dem fflebatrte» aus, dah da« Prügeln in der Schule zu verwerfen sei, daß aber auch das Prügel» der Kinder im Sause für die körperlich. und geistige Ennvickelung des Kinde» verderblich ist. Sr gidt vielfache An. segungen, wie die Eltern ihre Kindes ohne Prügel erziehen können. Duchhandlung Vorwättt Berlin S0. 6S. CTrnndstilck in Bnlilsdorf bei Teltow, 580 Ouadratruten, ganz oder geteilt zu vertausen. GaS, Wasserleitung; Rute 20 M. Offerten unter K. 5 a» die Expedition des.Vorwärts-.* Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau z Hos I. Amt 3, 1239. CharitsstraBe 3. Hos HI. Amt 3, 1987. Soaatsx, den 12. Juli er., vormittags 10 Uhr, im Brunnentheater, Badftr. 58: Sraneben- Tcrfammluiig der Vickler, Isolierer u. Berufskollegen Berlins and Umgegend. Tages. Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen.Sandte über: Unternehmertum und Arbeiterschaft in der gegenwärtigen Krise. 2. Diskussion. 3. Branchenangelcgenheiten. 118/20 Bonnlog, den IS. Juli er., vormillngs OV* Uhr« Bczlrksvcrfammlung fflr Köpenick und Friedpichshagen im Lokal vo» Fritz Ritter, Köpenick, Bahnhofftr. 44. Tages-Ordnung: 1. Bortrag des Kollegen A. Wuschick:„KapitalZkonzenIration und Arbeiterorganisation." 2. Diskussion. 3. VerbandSangelegcnheiten. Z ahlreichen Besuch erwartet_ Die Ortsverwaltnng. Verband nerbaugewerbl. Hilfearbeiter Deufechl. Zweigrerein Berlin und Umgegend. SHT Sonntag, den 12. Juli, vormittags 10 Uhr:"MI Mitglieder- Versammlungen Sektion der Oachdecker- Hilfsarbeiter Sektion der Fahrstuhiarbeiter Sektion der Rohrleger bei Hoffma»«, Koppennr. 47. Sektion der Staker im Englischen Garte», Alexanderstr. 27o. Sektion der Putzerträger m, uhr sei Obiglo. Schmedterstr. 23. Sektion der ISptertrSger Tagesordnung wird in den Versammlungen bekannt gegeben. im Gcwerkschaftshause, Engclufer 15, Saal 7. bei Huth, Michaelkirch' und Wuster» Hausenerstratzen-Ecke. Um recht rege Betelligung ersucht Der Zweigvereiusvorstand. Heute Freitag, abends 8'/z Uhr, im Gewcrkschaftshause, Engelufer 15: Sitaung der Ortsverwaltung. Einsetzer! Sonntag, den 12. Juli 1908, vormittags 9 Uhr, in den bekannten Lokalen: Bezirks- Versammlungen. Tages-Ordnung: SerbnudSangelegenheiten, Branchcnangelegenheiten und verschiedenes. Im 4. und 6. Bezirk: Wahl eines Bezirksleitcrs „Tiara" Spandau, Pichelsdorfer Dir. 39. aSÄ: Gr. Bail. Familien können Kaffee kochen l Tel.: Spandau 53. E. Koepnick. Kranken- Unferstdfzungs- und Begräbniskasse der Lederzurichter Berlins. (E. H. Nr. 50.) Sonntag, 19. Juli. vorm. 10 Uhr: Gener al-Vers ammlung im Gewerlschaftshause, Engeluser 15, Saal 9. Tages-Ordnung: 1. Rechnungslegung vom 2. Quartal 1903. 2. Geschästliches. 4k0b Der Vorstand. I. A.: Lusiav llusso. Gesucht 474b Wird der Korbmacher Xaver Hirnigel aus M i n d e l h e im in Bayern, wegen Regelung von Erbschaftsangelegenheiten. In neuer Auflage erschienen: loSLLN G zu Aves Guyots«nd Sigismund Lacroix' „Die wahre Gestalt des Chnstentums" von �uxust Bebel. Preis 30Ps., bessere Ausgabe 75 Ps. Zu beziehen durch: 245/15« Expedition des„Vorwärts" Berlin 8W. 68 Lindenstrahe 69, Laden. mvmmwwmmwmmw wwmmwmwJ -len w nn ===== Zweigverein Berlin.-==- Sektion der QIps- und Zement>Branche. Gruppe: Rabitzspanncr. Freitag, de» 10. Juli, abends 8'/z Uhr, bei Jannaschk, Jnselstraße 10. Gruppe: 3ementierer. einichaler uns Hilfsarbeiter. Sonntag, den 12. Jnli 1908, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshans, Engelnfer 15: Mitglieder-Uersammlungen TageS-Ordnung: 1. Bekanntgabe des Resultates der Bautcnkontrolle vom 16. Juni. 2. Stellungnahme znr Akkordarbeit. 3. Verschiedenes. 138/12« Pflicht aller Kollege« ist eS. zu diesen Versammlungen zu erscheinen. Die Gruppenvorstände. Arbeiter-Biidungsscliiile Berlin. SUttwocli, 15. Jall, abends S1/, Uhr, Im Schal-Lokal, Grcnadlcrstr. 37: Generalversammlung. Tagesordnang: 1. Bericht des Vorstandes, des Lehrer-Kolleglmns und Ml Revisoren. 2. Anträge. 3. Schnlangolegenheiten. 4. Verschiedenes. mtgllodsbach legitimiert. 6/14* Beiträge werden entgegengenommen, ebenso in der Jeden Donnerstag von 8—9 Uhr geOffbeten Bibliothek. Tischler«Verein zn Serlin. E. H. uro. 89. 198/20 Sonnabend, den 11. Juli, abends 8'/, Uhr, Melchiorstr. 15: General- Versammlung. Bericht vom zweiten Quartal 1908. Herabsetzung der Unterstützung aus 13 Wochen. Sonstige Anträge. Bericht und Wahl der Bidliothelare. ......- Mitgltl'........'--- Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. M o n t a g, den 13. Juli: Sommerfest in der„Venen Welt". Konzert. Spezialitüten, Feuerwerk, Ball. Billetts a 25 Ps. in der Versammlung. D. C. 88 Pf. Woche Heyn& Goldschmidt Danziger Straße 98.— Ecke PappelsAllee. Unsere 88- Pf.- Woche beginnt Fpeitagf den 10. Julr. ---------- in dieser Woche steilen wir große Posten weit wertvollerer Waren zn diesem Preise zum Yerkanl.= 88 Pf. Woche ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen IQr Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 1 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Llndenstrasse 69, bis S Uhr angenommen. _ rrengeschäft, NW., billig verkäuflich. Eilt 1 Näheres Salz- wedclerftraße,„VorwärtS'-Spedition. (Gutgehende Restauratton ist wegen Uebernahme eines GasthoseS billig zu verlausen Rostockerstrahe 22. 468b Zigarreugeschäft, flottgehend, solide Existenz, billig Ackerstratze 93. Fahrräder. Fahrrüder. Teilzahlungen. Jnva- lidenstraße 20 Skalitzerstrasie 40. 320K« Fahrräder» Grammophone, Teil- zahwngen,«ohne Ausschlag, Lolh- ringerstraße 40._ 674»* Herrenfahrrad, Damensahrrad wie neu. 45,00. Holz, vwmen- siratze 36 h_ 977»* Herrenfahrrad, kaum gefahren, kranlheitswegen ganz billig. Friese, Landsberger Allee 50, vorn IV. t59* Verschiedenes. Ausbefleri» empfiehlt sich. Frau Amberg. Graunstratze 10. jlil Patentanwalt Wissel, Gitschiner. siratze 94». 2555K' Lernt die Muttersprache beherrschen! Erfolgreichen, leicht satzlichen Unterricht in Wort und Schrift der deutschen Sprache erteilt Damen und Herren (separat) auch abends ein tüchtiger und gewissenhaster Privatlehrer Die stunde kostet eine Mark. Eine Unter- richtSstunde wöchentlich genügt Ge- fällige Angebote find unter ö. 4 an Expeditton des.Vorwärts* zu richten. Kunststopferei von Frau KokoSky, Schlachtensee, Kursttatze 8, Hl. „Leihbaus Merkur', Grotze Frank- surterstratze 116 I. Hohe Beleihung für Uhren, Goldwaren, Garderoben, Pelzwaren, Wäsche, Möbel sowie jeden Wertgegenstand. 952K* Wer Stoff hat? Ferttge Herren- anzüge 15,00. Wagner, Schneider- meifter, Lichtenbergerftratze 9. 142/17* Platinabfälle, Gold, Silber, Ge- bisse, Kchrgold, Gekrätzen sowie sämt- liche gold- und silberhaliigen Rück- stände kauft Goldschmelze Köpenicker- stratze 29. Telephon IV. 6958.* KeMteur-Geluch. Zur weitereu Ausgestaltung der Frankfurter„Bolköstimme* wird spätestens zum 1. Oktober eine durchausselbstäudige Kraft als polltifcher Redakteur, womöglich mit Tprachenkenntuifle«, sowie ein weiterer Redakteur mit gewerkschaftlicher«nd kommunal-Politischer Schulung gesucht. Be- werbnnge» mit Angabe der bisherigen Tätigkeit sind bis zum IL. Jnli au den Borsibenden der Prestkommisfion. n. Bernhardt, Frankfurt a. M., Frank en-All e e 4 S, zu richten.* Vermietungen. Wohnungen. Prächtige Ein- und Ziveizimmer» Wohnungen losortSoIdinerftratze32/34. Umzugsvergütung! Billige Woh- nungcn Rixdori, Weigand-llfer 10.* Soldincrstraste 9. 2 Stuben, Küche, Balkon, Stube, Küche, Balkon, billig, bei«tender._» Soldinerstraste 8, 2 Stuben, Küche, Ballon, Stube, Küche, Balkon. billig, bei Schnaak._* Grünthalerstrafte 42, 2 Stuben, Küche, Balkon, Stube, Küche, Ballon. billig, bei Stange._ f 1. August prächtige zweisenslrigc Stube, Küche, 21,00, Krautsttatze 36. �rdeitsmarkt. Ltellengesuehe. Blinder Elublflechter billei nm Arbeit. Stühle werden abgeholt und zuiückgeliejcrt. A. Gläser, Mulack- stratze 27.. 1468b Stellenangebote. Ein tüchtiger Leistengrundierer nach Sofia gesucht, womöglich ledig oder nicht zu grotze Familie. Lohn- ansprüche; Reise wird vergütet. Offerten unter.G. 1* Expedition dieser Zeitung. 473b� Botenfrauen finden dauernde und sehr lohnende Beschäftigung König. stratze 56/57 I._ 142/16* BprMstvortljKxr OMsttyip; G»ro Navipsohn, ivexkis,. Für denLnseratkiitest ptxaü&l Si&MÜBtaiia, SWldjlJPötfifliSJewvött# SliSSruckerej Neg«& Sio., Berlin SW. 8t. 159. R.IahtMg. 2, Freitag, 10. W 1903. parte!- Hngelcgenhciten. Erster Wahlkreis. Sonntag, den 12. Juli, Ausflug niit Familie nach Restaurant Heidekrug, Kiekeinal, Station Köpenick. Abfahrt 9.40 vom Stadtbahnhof Friedrichstrabe. Für Nackizügler Treffpunkt im Heidekrug. Zweiter Wahlkreis. Am Dienstag, den 14. Juli, abends 8Vz Uhr, im Lokale„Habels Brauerei". Bergmann- st r a ß e 7/8: Sitzung des BorstandeS mit den BczirkSführer» und Stellvertretern. Der Vorstand. Am Sonutag, den 26. Juli, veranstaltet der Sude» eine Familicnparti� nach Grünau. Abfahrt 8-� vom Gvrlitzer Bahnhofe. Die Gen offen nebst Familien der anderen Stadt- bezirke tverden gebeten, sich an dieser Partie zu beteiligen. Die BergnügungSkommission. Bezirk Waidmanulust. Das Sommerfest des Wahlvereins sindet am Sonntag, den 12. Juli, nachmittags, im Restaurant zum Schweizer- Haus in Waidmannslust statt. Britz-Buckow. Die Teilnehmer an der vom sozialdemokratischen Wahlverein veranstalteten Dampferfahrt nach Nedlitz werden noch- mals darauf aufmerksam gemacht, daß die Abfahrt pünktlich Sonutag früh Uhr stattfindet. Wahlverci» Wanusce. Sonnabend, den 11. Juli 1903, abends S'/o Uhr, im„Fürstenhof", Königstr. 40: Mitgliederversammlung. » Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Vortrag:„Was lehren uns die Landtagswahlen!" 3. Wahl von Delegierten zur Kreisgeneralvcrsammlung u. a. m. Nicdcrlehmc. Die Parteigenossen oben genannten Ortes werden auf den am Sonnabend, den 11. Juli, im bekannten Lokal statt- findenden Zahlabend hingewiesen. berliner JHacbncbten. Sitzgelegenheit. Unter den Linden zu sitzen, ist nicht jedem vergönnt. Es gibt da zwar eine Anzahl Bänke. Aber erstens sind sie voit wahrhaft preußischer Ungeniütlichkeit, und zweitens fast immer besetzt. Sogar doppelt: auf beiden Seiten, Rücken an Rücken, sitzen dichtgedrängt so viele Leute, wie nur eben Platz finden können. Und man muß zugeben: der Mangel einer Rücken- lehne hat ivenigstens den Porzug, daß um so niehr Leute unter- kommen können. Wer überdies zu zweien hier Platz nimmt, kann sich ja gegenseitig als Rückenlehne dienen..Aber das ist nicht so leicht. Es muß gelernt werden, lvie das Schlafen auf einer Bank der vierten Wagcnklasse. Keiner der siamesischen Zwillinge darf sich auch nur kratzen, sonst kommt die Gruppe ins Schwanken. Eine Unterhaltung ist mit großen Schwierigkeiten verknüpft. Sagt der eine etwas und dreht dabei den Kopf nach links herum, so dreht der andere seinen Kopf entweder nach rechts— dann gibt es eine Kollision; oder er dreht ihn auch nach links— dann ist es umsonst. Bleiben aber beide sitzen und schauen schlvatzend, der eine nach Norden, der andere nach Süden, so halten sich die Vorübergehenden darüber auf. Kurz: man hat nur die Wahl, ob man sich(ohne Rückenlehne) nebeneinandersitzend Unterhalten will, oder ob man sich(ohne Unterhaltung) gegen- seitig als Rückenlehne dienen luill. Es sind eben Bänke vierter Klasse. Doch noch schlimmer als solche. Denn in der vierten Klasse hat man wenigstens eine Rückenwand. Es gibt aber auch Sitzgelegenheit zweiter, oder doch dritter Klasse. Denn unter denselben Linden, auch an: Dom usw„ sind nette kleine Stühlchcn aufgestellt, von ein- ladenden Formen und überdies keine Jmmobilia, sondern transportable Dinger, mit denen man nötigenfalls ein bißchen Herunirutschen und die Welt von mehreren Seiten ansehen kann. Aber:„Benutzung 5 Pfennige". Jetzt leuchtet einem auch ein, warum die öffentlichen, die Gratisbänke keine Lehnen haben. Nicht etwa, weil au höchster Stelle die Lehnen mißliebig waren, da sie, gleich der elektrischen Oberleitung,„das Strahenbild stören". Sondern weil sonst kaum jemand einen Fünfer für einen jener Stühle aufwenden ivürde. Das heißt, genau betrachtet ist die Sache natürlich umgekehrt: weil die Bänke keine Lehnen haben, hat man findigerweise Lehnstühle zur Vermietung aufgestellt. Hätte man klüglich in genügendem Umfange für Sitzplätze gesorgt, so würde man auch dies damit erreicht haben, daß bei einer allerhöchsten Vorbeifahrt entschieden„mehr Volk" zu sehen wäre, das noch dazu im wahrsten Sinne, wie dann jedes patriotische Blatt melden dürfte. die Straßen„besetzt" hielte. Aber am Ende wird gerade hierin die maßgebende Behörde unterschätzt? Am Ende hat man all dies durchaus studiert mit heißem Bemüh'n und dennoch„davon Abstand genommen". Zweifellos l Unsere„liebe Polizei" hat ja seit Jahren systeinatisch Leute in Arbeiterklcidung, auch wenn sie Kragen und Schlips trugen, von diesen Bänken verwiesen. Man denke an die große Bauarbeiteraussperrung I Sicher fürchtete eine weise Be- Hörde, die auf den Bänken Sitzenden, magere, blasse Ge- stalten, könnten der Verdauung einer Fürstlichkeit schaden, die nach Tische eine kleine Ticrgartenfahrt machen will. Am Ende würden ja all die guten Sachen im hohen Magen beim Anblick des Elends in offenen Aufruhr geraten. Auf- rühr I Mitten unter den Linden l... Darum Heil dieser weisen Behörde, die vorbeugend dem Publikum die Sitz- gelegenheit beschränkt, die nur demjenigen, der ein paar Extrapfennige übrig hat und einen königstreuen Rock besitzt, einen Stuhl bewilligt; einen Stuhl, der noch dazu die Eigen- schaft hat, beim Nahen hoher Herrschaften sich drehen zu lassen I Heil auch diesen drehbaren Stühlen. die so gut begriffen haben, wormif es in Berlin ganz besonders und immer wieder ankommt: die sich nach Bedarf drehen und wenden lassen, die am Ende gar zusammenklappen können, und die man überdies für sein gutes Geld sich kaufen kann! Was braucht das übrige Volk Sitzgelegenheit unter den Linden! Hat es die nicht rings um Berlin in reichem Maße? Hat nicht jeder Preuße das unbestrittene Recht, jederzeit die Staatspension zu beziehen und sich dort nach Herzens und Gesäßes Lust sattzusitzen? Durch solcherlei Gedankengänge getröstet und gestärkt, verläßt man die Linden, geht behutsam unter dem Gaule des „alten Fritz" durch, damit er einem nicht auf den Kopf tritt. und lenkt hinüber nach der Universität. Aus der Zeit, wo man hier das Bürgerrecht hatte, weiß man, daß unter den Bäumen, schattig und schön, bequeme Bänke stehen. Jetzt, zur Wittagsstunde, sind sie leer. Wer müde ist, pflegt über- dies in den Auditorien besser zu schlafen, wo er als Schlummer- lied die plätschernde Weisheit eines preußischen Dozenten dreinbekonunt.— Nun steht aber geschrieben:„Unbefugten ist der Zutritt verboten". Das ist freilich schlimm. Denn wer könnte wohl unbefugter sein als ein sozialdemokratischer „Artikelschrcibcr", ein Spießgeselle des„Vorwärts", ein falscher Prophet— wie er kürzlich erst genannt wurde. Gleichwohl ivagt man es, im Vertrauen auf den reinen Kragen und den sauberen Nock, den man trägt. Nun sitzt man also mitten im Grünen, sieht den: Gärtner zu, der emsig den Rasen sprengt, freut sich an dem improvisierten Springbrunnen und denkt an den famosen Mann, der gegenwärtig Rektor dieser Anstalt ist. Was würde Herr Stunipf wohl beginnen, wenn er ahnte, ein wie wenig Befugter den Boden seines Bereiches entweiht! Sicher würde sein Unteroffiziersgemüt sogleich in die Wochen kommen mit einem scharfen Erlaß, der strengere Aufsicht an- beföhle. Wenn er gar ahnte, wie wenig ehrfurchtsvoll man diese Stätte preußischer Bildung anschaut, die nächstens hundert Jahre alt wird und der von ihrem wesentlichsten Er- zcuger, jenem W. v. Humboldt, verwirklich nur nach einem Jena preußischer Minister werden konnte, nicht mehr geblieben ist, als sein Denkmal. Denn wirklich: was unsere Wissen- schaft heute noch an Kulturwerten schafft, das leistet sie nur auf den neutralen Gebieten der Medizin, Naturwissen- schaft usw. Die aber werden ausgeübt in den Kliniken, Laboratorien und sonstigen abseits gelegenen Gebäuden. Was aber die eigentliche Akademie noch beherbergt, das ist durch- weg patriotisch, preußisch, ja, militaristisch infiziert, ob es sich nun Geschichte oder Religion oder Philosophie oder Rechts- Wissenschaft nennt... Freilich, was wollen die Herren Professoren machen? Sie brauchen eben auch Sitzgelegenheit. Aber eine Bank tnt's nicht. Und so kaufen sie, so oder so, einen Stuhl. Nicht Unter den Linden, aber nahebei. Einen Lehrstuhl. Hundescclcu. Der alte Fritz war zweifellos ein vorzüglicher Menschenkenner. Schon diese eine, nur von Allmutter Natur bevorzugten Menschen gegebene Eigenschaft lohnt cS, daß andere Menschen auf gleicher oder ähnlicher Höhe ihm nachstreben an Menschenkenntnis, um mit den Menschen persönlichsten Umganges nicht die schönsten Reinfalle zu erleben. Er kannte die Menschen so gut und verachtete nament- lich die höfischen Speichellecker so tief, daß er gegen das Ende seiner Lebenszeit den Verkehr mit treuen Vierbeinen demjenigen mit schoflen Zweibeinen vorzog. Beide Spielarten schweifwedelten, beide hatten Hundeseelen, und doch war ihm die Treue des Hundes hundertmal lieber als die Gemeinheit seiner allernächsten mensch- lichen Umgebnng. Vielleicht hat der geistreiche Spötter auf dem Throne mit der bekannten Tatsache, daß er seine geliebten Wind- Hunde im Parke von Sanssouci begraben und ihnen sogar Denk- mäler setzen ließ, weniger die Treue der Tiere belohnen, als die hündische Menscheit geißeln wollen. Ob erst seit dieser bissigen königlichen Persiflage die Mode der ehrenvollen Bestattung von Hundekadavern aufgekommen ist, ver- mögen wir nicht zu sagen. Sicher ist. daß man nachher in hündischer Nachäffung die Pietät des Preußenkönigs für bare Münze genommen und bis in die neueste Zeit den absonderlichen Mut gefunden hat, „Hundekirchhöfe" zu errichten. Auf Friedrichsfelder Gelände dicht bei Berlin hat jahrelang ein solcher Hundesiicdhof bestanden. Ueber jeder„Ruhestätte" wölbte sich ein grüner, blumengeschmückter Hügel. zu Häupten prangte ein Denkstein mit dem Namen und dem TodeS- tage des treuen Menschenbegleiters. Unwillkürlich schweift von diesem wohlgepflegten Tierfriedhofe der Blick hinüber zu den alten Berliner Armenkirchhöfen, auf denen kein Hügel, kein Denkmal, im günstigsten Falle ein schwarzer Holzstab mit einer Nummer anzeigt, daß hier ein Gottesmensch vom Erdenkampfe ausruht. Wieso wir auf diese Hundeseelen'reminiszenz von Friedrich dem Großen gekommen sind? Weil die allerneueste Zeit zu Vergleichen anregt. Hundeseelen an Königshöfen sind noch heute gangbare Ware. Hundeseelen waren das Charakteristikuin von Bhzanz, und Byzanz ist im modernsten Gewände wieder auferstanden. Mit allem Pomp werden Hundeseelen zu Grabe getragen. Selbst der Hunde- friedhof des Philosophen von Sanssouci ist seiner halb eingeschlafenen hündischen Bestimmung entrissen worden. Hier sieht man auf einem mit Lauholz bewachsenen Hügel einen Denkstein, der den nicht allzu seltenen Namen Waldmann und den Todestag, 27. Oktober 1907, trägt. Das treue Tier war der zu Tode gefütterte Liebling einer nicht mal adligen Offiziers witwe.„Es dürste," so schreibt die„Germania",„gewiß nicht allen Enthusiasten SanSsouciS bekannt sein, zu welchen Bedingungen man dort Hunde ein- scharren darf. Ebenso dürste eS wohl nicht jcderinann ein- leuchten, weshalb die Schrullen eines vergangenen Jahrhunderts lvieder kopiert werden sollen. Solcher Tierkultus ist gröbster Unfug. Zumindest könnte sich doch die vomehme Dame ihren Waldmann in eigener Erde bestatten lasten, anstatt mit dem guten Beispiel zur Gründung eines Zentralfriedhofcs für Hunde in Sanssouci voranzugehen I" Weshalb so viel stamme Aufregung, Frau Germania? Wir freuen uns immer diebisch, so etwas aus Byzanz zu hören. Der Offizierswitwenköter ruht in geweihter Erde, auf königlichem Boden. Er genießt die hohe Ehre, neben den göttlichen Windhunden des ollen Fritzen von feinem Heldendasein auszuschlafen, und schon da- für hat er den Hundehinimel redlich mitverdient. Leicht sei ihm die Erde von Sanssouci! Am jüngsten Tage wird er erzählen können, wie man zu seiner Zeit, im Zeitalter der sogenannten Humanität. die Hunde der Reichen nach dem Tode ehrte und wie man etwas weniger human und ehrenvoll die Menschenkadaver auf den Armen- kirchhöfen verscharrte._ Rcdaktcurfreiidcu. Um den Redaktionsstuhl mit dem Gefängnisschemel zu ver- tauschen, dazu gehört bei einem sozialdemokratischen Redakteur nicht viel. Unsere Staatsanwaltschaft achtet mit ArguSaugen auf den Inhalt unseres BlatteS und klagt an, was das Zeug hält; die Strafanträge sind ja leicht zu haben und Richter finden sich auch, die verdonnern. Und da der Vorwärts-StaatSanivalt, Herr Stein- brecht, den Hauptwert nur auf eine Gefängnisstrafe legt, erreicht er es auch mit der Zeit, daß seinem Wunsche vom Gericht entsprochen wird. Der Redakteur ist zur Strecke gebracht. Preßfreiheit nennt man das bei uns. Gestern hat wieder einer unserer Kollegen, der Gcnoste Mermuth, daS Gefängnis in Tegel beziehen müssen, wo er drei Monate verbüßen soll wegen Beleidigung deS Amts- richterS Stargardt in Mittenwalde. Hoffentlich übersteht unser Freund die Zeit ohne körperliche Nachteile. Außer Mermuth befindet sich auch Genosse Han-Z Weber in Tegel. Das sind so die Freuden eines Redakteurs. Neue Paketaniiahmestelle in Groß-Vcrli». Eine neue Paket- annahmcstelle wirb am nächsten Montag, den 13. Juli, in Schöne- b e r g- Berlin eröffnet. Sie wird sich bei dem Zweigpostamt 4 in der Kriemhitdstraße 7 befinden. Die neue Stelle erhält be- schränkten Tagesdienst. Sie ist also bis 6 Uhr nachmittags geöffnet. Tic Macht der Gewohnheit. Vor kurzem war um die Mittag- stunde einer hiesigen Großhandlung ein GeschäftSivagcn nebst Pferd von offener Straße weg gestohlen worden. Unmittelbar darauf wurde der Diebstahl dem nächstbelcgcnen Polizciburean geisicldet. Später ergab sich, daß der gestohlene Wagen sofort nach der Post- straße gefahren, seiner geringen Beladung beraubt und dann stehen gc- lassen war. Das geschah zivischc» 1 und 2 Uhr mittags. Man sollte also annehmen, daß allerspätestens um 4 Uhr sämtliche Berliner Polizeireviere den Diebstahl hätten wissen müssen, und daß jeder Straßenschntzniann Anweisung erhalten hätte, auf das sogar sehr deutliche Firmenschild des Bestohlcncn zu achten. Trotzdem trieb sich der gestohlene Wagen bis in die achte Abendstunde hinein da heruin, wö die Diebe ihn hatten stehen lassen. Selbst die Anwohner wußten von dem Diebstahl, denn sie fütterten das ans seiner Gewohnheit gekommene Pferd. Nur die Revierpolizei schien nichts zu lvissen. was loS war. Als der in- zwischen benachrichtige Besitzer deS Wagens um 7>/z Uhr auf der Bildfläche erschien, hatte der dabei stehende Schutzmann alle Lust, ihn aufzuschreiben, weil er sein Gefährt so lange Zeit ohne Aufsicht gelasten habe I Wir nehnicn selbstverständlich' an, daß der Mann des Schutzes nur— gespaßt hat. Für die Havelschiffahrt ist nunmehr regierungsseitig eine Ein- schränknng angeordnet worden, nachdem der Rückgang des Wasser- standeS der Oberhavel in den letzten Tagen so bedeutend war, daß für große Schiffe nicht mehr genügender Tiefgang vorhanden ist. Mit Rücksicht darauf ist der Tiefgang der die Spandauer Schleuse passierenden Fahrzeuge auf Ibv Zentimeter festgesetzt. ES ist leider zu befürchten, daß schon in kürzerer Zeit eine lvcitcre Einschränkung der Schiffahrt notwendig wird. Für die Unterhavel ist eine derartige Beschränkung bisher noch nicht erforderlich geworden. Zur Bcrnichtiing der Kreuzotter» wird von verschiedenen Amts- Vorstehern der von Berliner AnSflüglcrn besuchten Gemeindebezirke aufgefordert. Die Kreuzotterplage ist in diesem Jahre größer, als dieS in den Vorjahren der Fall war und aus diesem Grunde wird von den Behörden darauf hingeivicsen, daß auf die Erlegung der» artiger Reptilien eine Prämie von 25 Pfennig pro Schlange ausgesetzt ist. Die Gefährlichkeit der Kreuzotter macht sich besonders jetzt bemerkbar weil sie von Beerensncheru in ihren Schlupfwinkeln gestört wird und dabei leicht zum Beißen neigt. Allerdings sind durch Kreuzottergift, sdwcit bisher festgestellt worden ist, Todesfälle noch nicht herbeigeführt worden, vielmehr sind der- artige, angeblich bisher beobachtete Todesfälle auf andere Ursachen zurückzuführen. Dagegen ist feststebend, daß durch Kreuzotterbisse langwierige schwere und schmerzhafte Erkrankungen hervorgerufen werden, wenn nicht augenblicklich ärztliche Hilfe zur Stelle ist. Ein schwerer Bauunfall hat sich gestern mittag gegen 12 Uhr auf dem Neubau der Kaiser-Wilhelm-Akadeniie in der Invaliden- straße ereignet. Dort befand sich der Arbeiter Trabinsky, Eharlotten- bürg wohnhaft, mit einer leeren Steiulore auf dem Fahrstuhl, als er plötzlich mit dem Kopf zwischen Schiene und Fahrstuhl geriet. Schrecklich wurde der Aermste zugerichtet; der Unterkiefer lvar ihm gebrochen, Zähne ausgeschlagen und nicht zuletzt der Halswirbel schwer verletzt. Der Verunglückte wurde nach dem Augusta-Hospital gebracht. Es ist fraglich, ob er mit dem Leben davonkommen dürfte. Die SittlichkcitSvcrbrccher, die im Grunewald das Attentat auf zwei junge Mädchen ausführten, find gefaßt worden. Die sechzehn- jährige Emma B. aus Schöneberg, die ebenso lvie ihre Freundin Käthe Sch. ein Opfer der jetzt verhafteten Wüstlinge geworden ist, hat sich noch immer nicht bei ihren Angehörigen eingefunden. Das Befinden der im Westender Krankenhaus befindlichen Käthe Sch. läßt die Hoffnung zu, daß die Patientin am Leben erhalten tverden kann. Ein dreistes Schwindelmanöver wendet ein Gauner an, der in den nördlichen Stadtteilen fein Unwesen treibt. Der Betrüger, der etwa 39 Jahre alt ist, sucht solche Ehefrauen aus, deren Männer sich nicht in der Wohnung aufhalten. Er behauptet dann, daß er vor einiger Zeit dem Manne, dessen Freund er sei, eine Geldsumme ge- borgt habe und er müsse das Geld jetzt unbedingt zurück haben, da er cS notwendig brauche. Tatsächlich beruht die ganze Sache auf Schwindel. Da der Ganner äußerst sicher auftritt, fo bleiben die Erfolge bei seinen Schwindelmanöver» auch nicht aus. ES fei daher dringend vor ihm gewarnt. Ei» Privatmarlt wird feit kurzem wieder auf dem G e s n n df- b r n n n e n, dicht neben der Ringbahnstatio», an der Ecke der Bad- und Behmstraße, am Montag und Donnerstag bis mittags 1 Uhr abgehalten. Die Zahl der dort ihre Waren ferlhaltenden Händler ist in steter Zunahme begriffen, und um die Kundschaft heranzuziehen, haben sie auf gemeinschaftliche Kosten Bons gratis hauptsächlich in Arbeiterkreisen verteilt, die beim Einkauf für 29 Pf. angerechnet werden und bis zum 15. Juli Gültigkeit haben. Die dortige st ä d t i s ch e Markthalle mußte bekanntlich schon vor mehreren Jahren geschlossen werden, weil die Geschäfte in ihr derartig schlecht gingen, daß die Standmieten die Unkosten nicht deckten und der Magistrat kein Geld zusetzen wollte an diesem un- rentablen Betriebe. Abzuwarten bleibt, ob sich jetzt daS neue Unter- nehmen halten wird. 1 1 Vom Mädchen für alles. Um eine Katze zn befreien, die sich bei der Jagd auf Spatzen in einer hohen Platane verstiegen hatte, wurde die Feuerwehr nach dem Plannfer, Ecke der Tempelherren- straße gerufen. Mieze miaute jämmerlich, Stein und Bein er» iveichend. Die Feuerwehr erschien und holte das junge Tier zum Gaudium der Passanten mittels einer Leiter herunter. Die Kinderspiele des Berliner Arbciter-TurnvereinS„Fichte" werden fortgesetzt am Sonntag, den 12. Juli. Gespielt wird in den Vormittagsstunden unter Leitung von Turnern und Turnerinnen an fünf folgenden Stellen: 1. auf dem Spielplatz im Friedrichs- Hain, 2. auf dem Spielplatz im Treptower Park, 3. auf dem Tempel- hofer Feld, 4. auf dem Sportplatz Behmstraße, 5. in der Jungfern- Heide. Kinder, die teilnehmen wollen, können sich vorher ver- sammeln an folgenden Sammelpunkten: 1. für Fricdrichshain: a) am Kriegerdenkmal vor dem Landsberger Tor, b) in der PeterS- burgcr Straße am Baltcnplatz; 2. für Treptower Park: an der Obcrfreiarchcnbrückc; 3. für Tcmpclhofer Feld: a) auf dem Cha- miffoplatz, b) in der Hagckbcrgcrstraßc, Ecke Aorkstraße, c) auf der Fontancpromcnade am Kaiser-Friedrich-PIatz; 4. für Sportplatz Behmstraße: a) auf dem Vineta-Platz an der Normaluhr, b) am Bahnhof Gesundbrunnen, c) auf dem Nettelbcckplatz, ck) in der Reinickendorfer Straße, Ecke Schnlftraße, e) in der Schönhauser Allee, Ecke Schivelbciner Straße; 5. für Jungfernheide: am Bahn» Hof Beuffelstraße. Abmarsch von allen Sammelstellen morgens SVj Uhr(nur von Beuffelstraße 8 Uhr). Willkommen ist jcdcS Kind. Das Provinzialsängerfest deS Arbeiter-Sängcrbundes Berlin und Umgegend fand am Sonnabend, Sonntag und Montag in Luckenwalde statt. Dasselbe hatte unter der Ungunst der Witterung zu leiden, nahm aber trotzdem einen prächtigen Verlauf. Gegen 899 Sänger trafen dort bereits am Sonnabend ein. Ein nach Tausenden zäh. lendcs Publikum erwartete die Sängerschar und begleitete dieselbe unter klingendem Spiele nach dem„Bürgerhof", woselbst ein Kom- merö abgehalten wurde. Die Generalprobe, welche Sonntag vor- mittag im„Tivoli" stattfand, ließ erkennen, daß in gesanglicher Beziehung das bestmöglichste geleistet werden würde. Am Sonntag nachmittag bewegte sich der imposante gegen'1500 Teilnehmer zäh- lende Festzug durch die vorher dazu ausersehenen festlich ge- schmückten Straßen der Stadt nach dem„Bergschloßchen". Auf- sehen erregte ein Banner des Gesangvereins„Olympia" Berlin. dessen Rückseite mit einem weißen Tuch behangen war. Das Tuch verdeckte die Worte:„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit". Die Polizei hatte daran Anstoß genommen und angeordnet, das Banner oder wenigstens die anstößigen Worte nicht öffentlich zur Schau zu tragen, was mit gutem Humor befolgt wurde. Auf dem Festplatz begann dann das große Vokal- und Justrumentalkonzert. Der gastgebende Verein„Freie Sänger" brachte das Begrüßungslied ..Festlied" von Jakob Audorf mit Orchesterbegleitung unter der Direktion des Herrn Flicgner jun. weihevoll zum Vortrag. Gc- nvsse Jänicke begrüßte sodann die Sangesbrüder und Gäste in einer kernigen Ansprache und wünschte allen fröhliche Stunden. Unter der meisterhaften Leitung des Bundesdirigenten Herrn Blobel kamen dann die Masscnchöre zum Vortrag. Gesungen wurden „Frühlingsstürme" von Schulken,„Untreue" von Silcher,„Sturm" von Uthmann und„Marseillaise" von Rouget de UJsle. Wohl selten sind diese vier Chöre so prächtig zum Vortrag gelangt, als gerade bei diesem Feste. Der stürmische Applaus der Zuhörer legte Zeugnis ab von den glänzenden Leistungen der Proletarier- sänger. Am Montag früh zogen die noch anwesenden Sänger und Sangesfreunde mit Musik nach der Walkmühle, um dort eine Nach- fcier zu veranstalten. Es war späte Nachtstunde, als die letzten Gäste Luckenwalde verließen, um sich am Dienstag wieder ins All- tagsjoch zu spannen. Der Gesamtvcrlauf des Festes ist als ein sehr gelungener zu bezeichnen. -Vermißt wird seit dein 16. Juni der Kaufmannslehrling Alfred Bona, am 26. Dezember 1831 in Nixdorf geboren, in Falkenberg bei Grünau, Nichterstr. 10 bei Mutter wohnhaft gewesen. Er ist 1,70 Meter groß, von schlanker Gestalt, hat blonde Haare, graublaue Augen, blasse Gesichtsfarbe und auf der Stirn und rechten Backe einen dunklen Leberfleck. Bei seinem Fortgange war er bekleidet mit schwarzem, steifen Hut, dunkelblauem Jackettanzug, gelben Schnür- schuhen, schwarzen, wollenen Strümpfen und gelbem Sporthemd. Nachrichten über den Verbleib des Vermißten werden in jedem Polizeirevier und bei der Kriminalpolizei. Alexanderstr. 3/6, 2 Treppen, Zimmer 336, mündlich oder schriftlich zu 3603. IV. 11. 03 entgegen� genommen. Das ReichStags-Ufer von der Neustädtischen Kirch- Straße bis zur Stadtbahn wird behufs Asphaltierung vom 9. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Feuerwchrnachrichten. Während des gestrigen Gewitters erfolgte ein Alarm nach der Danziger Straße 38, wo infolge eines Blitz schlages in dem Speisekasten der elektrischen Leitung für die städtische Straßenbahn die Kabelumhllllung brannte. Die Feuer- wehr beseitigte die Gefahr und benachrichtigte die Berliner Elektrizitätswerke. Ferner hatte die Feuerwehr in der Schröder- straße 12 und auf mehreren Bahnhöfen, wo Preßkohlen sich ent- zündet hatten, zu tun. Dank den tatkräftigen Nachforschungen der Kriminalpolizei, die in jedem einzelnen Fall von Brandstiftung alle Spuren eifrig verfolgt, haben die Dachstuhlbräude und Vrand- stiftungen fast ganz aufgehört. ersucht, ihre Kinder, Knaben wie Mädchen, daran reilnehmen zu lassen. Der Schluß der Spiele ist 11 Uhr. Die Kinder sind zum Mittag wieder zu Hause. Vermischtes. Vorort- Nachrichten. Ober-Schöneweide. Genieiiidevcrtretcrsitzuug. Der vorgelegte Entwurf der Satzungen für das Kuratorium für das Realgymnasium fand die Zustimmung der Vertretung. Das G a st s ch u l g e l d für die Kinder aus den» Gutsbezirk Köpenick-Forst wurde wie früher auf 30 M. pro Kind und Jahr festgesetzt. Der Bau einer Sezierhalle auf dem Gemeindefriedhof wurde der Firma Mazurkiewicz übertragen. Desgleichen wurden vergeben Kanalisationsarbeiten in Höhe von 148 000 M. an die Firma Windschild u. Langelott, die Zimmerer-, Klempner- und Dach- deckerarbeiten für die 4. Gemeindeschule. Die Heizungsanlagen dieser Schule und des Realgymnasiums wurden der Firma Janek U. Vetter zugeteilt. Eine recht rege Debatte entspann sich anläßlich der Vorlage be- treffend anderweitiger Glcissührung auf dein Friedensplatze im Zuge der Siemensstraße. In Anbetracht dessen, daß die gesamte Gleis- anlage der Straßenbahngesellschaft sich in einem außerordentlich schlechten Zustand befindet, an dem die Gemeinde laut Vertrag der Gesellschaft nichts ändern kann— stellten unsere Genossen den An- trag, vor genereller Zustimmung erst mit der Gesellschaft betreffs Konzessionen zu verhandeln. Es ist dies der einzige Weg, um über- Haupt etwas von der Gesellschaft zu erlangen. Es zeigte sich bei dieser Gelegenheit, in welcher Art manche Ge- meindevertreter darauf bedacht sind, die Gemcindeinteressen zu wahren gegenüber einer Privatgesellschaft. Schließlich wurde der Antrag unierer Genossen angenommen. Köpenick. Für die Stelle deS zweiten Bürgermeisters hat der zu diesem Zweck eingesetzte Ausschuß den Magistratsassessor PrllmerS aus Spaudau in Vorschlag gebracht. Die Stadtverordnetenversammlung dürfte diesem Vorschlag ihre Zustimmung erteilen. Alt-Glienicke. Mit der verflossenen Landtagswahl beschäftigte sich eine außer- ordentliche Generalversammlung des Wahlvereins, nachdem der Vor- sitzende die zum erstenmal erschienenen organisierten Frauen begrüßt hatte. Genosse Dürre unterzog in seinem Referat das Verhalten der bürgerlichen Parteien im Wahlkampfe einer herben Kritik und forderte zum Schluß seiner Ausführungen die Versammelten auf, jetzt mit aller Kraft für die Organisation wie für den„Vorwärts" zu agitieren. Der Vorsitzende machte alsdann darauf aufmerksam, daß das bisherige Verkehrslokal bei Saß sich als zu klein erwiesen habe! er schlug das Lokal des Genossen Knochen vor. Genosse Dürre bemerkte hierzu, daß das Lokal nicht nur aufgehoben werden müsse, weil es sich als zu klein erweise, sondern weil Saß als Mttglied des Wahlvereins nicht einmal gewählt habe. Die Versammlung beschloß noch, am 26. Juli im Lokale von Knochen ein Sommerfest zu veranstalten. Neuaufnahmen waren zwei zu verzeichnen. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken des verstorbenen Genossen Wähnelt-BohnSdvrf in üblicher Weise. Grosj-Lichterfelde-Lankwitz. Fcr!<-lspiele. Der Turnverein„Froh und Frei", Mitglied des Arbeiter-TnrnerbundcZ, veranstaltet während der Ferien auf seinem Spielplatz in der Zietenstraße zu Lankwitz Kinderspiele. Es sind fünf Sonntage vorgesehen, am 12., 19.. 20. Juli, 2. und 9. August. Der Sammelplatz für den Westen ist: Parkstraße, Ecke Chausseestraße, an der Kirche; für den Osten: auf dem Kranoldplatz, Restaurant „Kaiserhof"; für Lankwitz; auf dem Spielplatz in der Zietenstraße. Der Abmarsch erfolgt pünktlich 3 Uhr. Die Parteigenossen werden Einsturz einer Rhcinbriicke. Eine verhängnisvolle Katastrophe hat sich gestern vormittag bei der im Bau befindlichen südlichen Rheinbrücke in Köln ereignet. Nach den bisherigen Meldungen haben dabei 14 Personen das Leben eingebüßt; neun wurde» erheblich verletzt. Ein Telegramm aus Köln meldet: Die im Bau befindliche südliche Rheinbrücke ist heute vormittag eingestürzt. An der mittleren Oeffnnng der Südbrücke stürzte heute vormittag kurz vor Vzll Uhr das Montagegerllst ein, das an der rechten Uferseite nachgegeben hatte. Das Montagegerüst und der darauf befindliche schwere Kran stürzten mit den dort beschäftigten Leuten in den Rhein. Eine Anzahl von Schiffen eilte zur Rettung herbei, ein großes Aufgebot von Polizei und Feuerwehr war bald zur Stelle. Eine Anzahl der Arbeiter konnte gerettet werden. So viel bis jetzt feststeht, sind vierzehn Personen ertrunken und ueun er- heblich verletzt. Ein Privattelegramm aus Köln meldet folgendes: Die„Union' Aktiengesellschaft für Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie in Roden kirchcn bei Dortmund baut gegenwärtig in Köln a. Rh. eine große Brücke, die sogenannte Südbrücke. Heute vormittag gegen 11 Uhr stürzte plötzlich das Montagegerüst des Mittelpfeilers ein. 20 Personen stürzten ins Wasser. Obwohl die Rettungsarbeiten unter den größten Schwierigkeiten sofort begannen, war es nicht möglich, die Wer- unglückten aus den Fluten des Rheins zu ziehen. Es werden sechzehn Personen vermißt, die von den einstürzenden Gerüsten entweder er schlagen worden oder im Rhein ertrunken sind. Nur vier von den abgestürzten Arbeitern konnten gerettet werden. Aus den über dem Wasser befindlichen Gerüsttrümmern wurden zahlreiche Verletzte ge borgen. Die Zahl der Verwundeten ist noch unbekannt. Elf Wer letzte wurden ins Hospital geschafft. Eine weitere Meldung besagt: Die Unfallstelle befindet sich an der sogenannten 16S-Meteröffnung. Die Arbeiter, die auf diesem Teil der Brücke beschäftigt waren, befanden sich gerade in der Mitte des Gerüstes, um ein Schlußstück einzufügen. Dieses Gerüst mußte schon vor einiger Zeit, weil es so schwach war, verstärkt werden. Aber trotz der Verstärkung hat es die Last nicht tragen können. Auf der Stelle nach Poll hat das Montagegerüst mehr nachgegeben als auf der Kölner Seite. Auf der Südbrücke waren ungefähr 60—70 Monteure und Arbeiter der Dortmunder Union beschäftigt. Die Nachricht von dem Brückeneinsturz verbreitete sich mit Blitzesschnelle durch die Stadt; Tausende von Menschen umlagern das Ufer. Aerzte, Krankenschwestern und Geistliche waren sofort zur Stelle, ebenso die städtische, staatliche und Strompolizei, sowie die Feuerwehr mit Krankenwagen und ein Pionierkommando. Dreizehn Personen werden vermißt, sie sind anscheinend ertrunken. Dreizehn Verwundete wurden ins Krankenhaus gebracht. Die Ursache des Gerüst- und Brückeneinsturzes ist in einer Ueberlostung zu suchen. Die Kölner Feuerwehr nahm sofort die Aufräumungsarbeiten auf. Auch die Pioniere arbeiteten an der Rettung und Bergung der Verunglückten mit. Der Rhein ist auf eine Strecke von 100 Metern gesperrt und die Schiffahrt behindert. Bicrrevolution. In dem Städtchen Braunau an der bayrisch österreichischen Grenze erhöhten die Bierbrauer den Bierpreis von 26 auf 28 Pf. pro Liter. Das brachte die ganze Stadt auf die Beine. Die Erregung unter der Bevölkerung wurde außerordentlich stark. Einige Stünden nach der Publikation der Bierpreiserhöhung sammelte sich fast die ganze Stadt— abends 7 Uhr— vor einem Gasthause an, und in einem imposantenDemonstrationS- z u g e ging eS dann— voran einige Musikanten— nach dem b e- nachbarten Städtchen S i m b a ch, wo beim Trinken billigeren Bieres gegen die Preiserhöhung demonstriert wurde. — Mit welchem Erfolg, ist noch nicht gemeldet. Mit Gott für König und Vaterland. Beim Kriegervereinsfest in Zusainaltheim lBayern) rannte einer seinem Kameraden das Messer in den Unterleib. Erdbeben. Breslau,'9. Juli. Die königl. Erdbebenwarte Krietern meldet: Gestern nachmittag wurden zwei Erdbeben re- gistriert, beide in einer Entfernung von ungefähr 3300 Kilometern. Das erste Beben begann 1 Uhr S6 Minuten 43 Sekunden und dauerte l'Az Stunden; das zweite Beben begann 5 Uhr 43 Minuten 45 Sekunden und dauerte Ve Stunde. Fcucrsbrunst. In B o st o n ist gestern der Kai der Cunardlinie durch eine Feuersbrunst teilweise zerstört worden. Das Feuer drohte auf den benachbarten Kai der Leylandgesellschaft überzuspringen. Weiter wird gemeldet, daß bei dem Brande ein der Palmagesellschaft gehörender Sechsmaster zerstört wurde. Die anstoßenden Handels- Häuser wurden ein Staub der Flammen, ebenso drei Leichterer und eine südamerikanische Barke. Den letzten eingetroffenen Nachrichten zufolge sind zwei große Getreidespeicher vollständig vernichtet worden; zwei Personen kamen in den Flamnien um. Der Schaden wird auf über zwei Millionen Dollar veranschlagt. Sozialdemokratischer Zcntralwavlvcrein für den Reichstags- Wahlkreis Züllichau-IchwiebuS- Krassen- Sommerfeld(OrlSvcrein Berlin). Heute abend Uhr bei tzosfmann, Koppenstr. 47: Stellung« nähme zur KreiSlonferenz. eingegangene Vrucklckriften. Von der„Nene» Zeit"(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben da? 4l. Heft des 26. Jahrgangs erschienen. Es hat solgenden Inhalt: Hinter verschlossenen Türen.— Die Bedeutung der Gewertschasten und der Hamburger Kongreß. Von Parvus.— Die Landtagswahlen im Ruhr- «vier und unsere Stellung zum Zentrum. Bon Wilhelm Gewehr.— Die amerikanische Krisis. Von L. B. Boudin(New Jork). II.— Wirtschast- liche Rundschau. Von I. Karsli.— Die Rückwanderungen. Von H. Vogel. — Literarische Rundschau: A. Müller, Bilder aus der chemischen Technik. Von orv.— Zeitschrijtenschau. DaS E r g ä>! z u n g s h es t Nr. 3, welches dieser Nummer beigegeben ist, enthält: Henrik Ibsen. Von G. Piechanow. Deutsch von A. Stein. Die„Zicuc Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolporieurc zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Pf. Probeniunmeni stehen jederzm zur Verfügung. Bon der„Gleichheit--, Zeitschrist für die Interessen der Arbelterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 14 des 13. Jahr- ganges zugegangen. Sie hat folgenden Inhalt: Der Sewerkschastskongrest zu Hamburg.— Zweierlei Terrorismus. Von H. B.— Zum Kampfe der Wirker im sächsischen Erzgebirge. Von H. Jäckel.— Zur Lage der Arbcilerinncn in der Bürsten- und Pinselindustrie. Von M. Keiditsch.— Die Durchführung des gesetzlichen Arbeiterinnenschutzes im Kanton Zürich. Von Z.— Aus der Bewegung: Von der Agitation.— Jahresbericht der Genossinnen von Kalk bei Köln.— Mitarbeit der Genossinnen bei den preußischen Landtagswahlcn.— Konferenz der Genossinnen des Regierungs- bezirks Magdeburg.— Politische Rundschau. Bon H. B.— Gewerkschaftliche Rundschau.— Notizeuteil: Dienslbotensrag«.— Frauenstimmrecht.— Fürsorge für Mutter und Kind.— Feuilleton: Zur Erntezeit.. Von Gott- sried Keller.(Gedicht.i—„Vollblut". Moderne Fabel von August Strmd- berg.— Aus Faust. Von Wolsgang Goethe. Für unsere Kinder: Sei mitleidsvoll. Von Wilhelm Jordan. (Gedicht.)— Wie Tom den Zaun strich. Von Mark Twain.— Das Glück von Edenhall. Von Ludwig UHIand.(Gedicht.)— Trim, der Abenteurer. Von Elisabeth Gnauck-Kühne.— In der Stadt. Von Gottfried Keller. (Gedicht.)— Wie der Simplizius ins Varadies kam und ein Soldat ward. Von A. Fendrich.— In der Heide. Von Karl Lerbs.(Gedicht.)— Das Wirtshaus zum Weidenbusch und seine Gäste.(Schluß.)— Klemer Haushalt. Von Friedrich Rückert.(Gedicht.) Die„Gleichheil" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen bewägt der WonnementsprelS vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf., unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnement 2,60 M._ ßmfharten der Redaktion. Die Iilr>stls»e Epr-chstiind- flnbe« Lind-nftrah- Nr. 8, zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppen, Fahrftuh l~98 wochentäglich abends von?'/, bis»>/, lldr statt. Geöffnet? Uhr Sonnabeuds beginnt die Eprechstuiibc»»i S Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Alcrtzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. S. 68. An den Vertrag sind Sie gebunden; auch ein mündlich ge- schlossener Mietsvertrag ist gültig. Weitverbreitet aber durchaus irrig ist die Annahme, daß iimerhaib einer bestimmten Zeit der Mieter einseilig zurücktreten könne.— ilöpeuick gi. D. Die Kündigung ist ungültig, ver- langen Sie vom Wirt, anzucrlennen, daß der Berwag weitergeht und ver- klagen Sie ihn eventuell aus Anerkennung des Fortbestehens des Vertrages. — Streitkräfte 100. Ja.— R. R. 27. Der Wirt könnte die Miete für August und September verlangen und wegen seiner Forderung die Möbel cinbch alten.— H. N. 100. Der Schwiegervater würde zu vollem Schadenersatz verurteilt werden. Ein Anspruch gegen die Berussgenossenschast steht ihm nicht zu.— Friedrich M. 18. Nein. — E. P. 50. Für den Fall einer Klage würde der Ausgang des Prozesses sehr zweifelhaft sein. Ausschlaggebend ist der Wortlaut des Ver- Iragcs, der sich unserer Kenntnis enlzieht.— E. O. 64. Klagen Sie die Forderung direkt ein und übergeben Sie dieselbe nicht einem Jnkassobureau. — L. F. 87. Klagen Sie auf Zahlung des Lohnes gegen Herausgabe der Bluse beim Amtsgericht.— R. E. Bornholm. 1. Stein. Eine Klage aus Aushebung des Vertrages hätte wenig Aussicht aus Erfolg. Eher eine solche auf Beseitigung der Unruhe. 2. Nach einem Beschluß des Kammer- gerichts vom 14. Dezember 1905 können die Väter auch für Minderjährige die Auslrittserklärung abgeben. Außerdem haben die Minderjährigen vom 14. Jahre ab das Recht zum Auswitt. 3. Welche Swaßen zu den einzelnen Wahlkreisen gehören, ersehen Sie aus dem Adreßkalendcr, II. Teil�Seite 133. F. G. 20.' Nach dem Schreiben der Hauseigentümerin sind Sie lei ohne weiteres berechtigt,, zum 1. Oktober zu ziehen, sondern keines- wcgs ohne weiteres berechtigt, zum 1. Oklovcr zu zieyen., onoern nur, wenn Sie sich mit deren Angebot ausdrücklich einverstanden erklären.— Erfinder. Das Patentgesetz in der Guttentagschen Ausgabe oder in einer anderen würde Ihren Zwecken entsprechen. Sie erhalte» e» durch die Buchhandlung Vorwärts.— F. S. 39. Die Liquidation kann als zutreffend erachtet werden. Bedenken gegen dieselbe können Sie bei dem Gericht geltend machen, bei dem liquidiert ist.— O. W. 25. Berlin gehört nicht zu einem anderen Kreise, sondern bildet einen Verwaltungsbezirk für sich.— K. 3. Sie müßten sich an den Notar oder an das Nachlaßgericht wenden.— Tausend. Nein. — P. Tch. 21. Es müßte erst geklagt werden, der Klage könnte der Sohn entgegensetzen, daß er zur Unterstützung nicht verpflichtet ist, well er nur das hat, was zum standesmäßigen Unterhalt seiner Familie ersorder» lich ist. Tritt eine rechtskräftige Verurteilung ein, so wäre auch eine Pfändung des Lohnes zulässig.— Pankow 08. Wenn Sie ein Interesse storbenen, so genügt es, unter Ueberreichung der Todesurkunde den An- wag zu stellen. Fragen Sie zunächst, bei dem Gericht an, ob überhaupt ein Testament hinterlegt ist.— E. E. Charlottenburg. 1. Um Rückzahlung der Hülste der Beiträge aus der Invalidenversicherung zu erhalten, müssen vor der Heirat mindestens 200 Marken geklebt sein. Der Anwag ist innerhalb eines Jahres nach vollzogener Heirat zu stellen. Zweckmäßiger ist die Weiterversicherung. Für eine solche genügt eS, daß innerhalb e zwei Jahren mindestens 20 Marten geklebt werden.— O. Nein. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Dwektion über den Großhandel in den Zenwal-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr stark, Geschäft rege, Preise für Schweinefleisch nachgebend, sonst un- verändert. Wild: Zufuhr knapp. Geschäft lebhaft, Preise gut. Ge- s l ü g e l: Zufuhr etwas reichlicher, Geschäft mäßig lebhaft, Preis« schwankend. Fische: Zufuhr genügend, Geschäft etwas belebter, Preis« ohne wesentliche Aenderung. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr meist über Bedarf, Geschäft ruhig, Gurken und Kirschen schwer verläujlich, Preise gedrückt._ Witterungsübersicht vom 9. Juli 1908, morgens 8 Uhr. Wetterproguofe für Freitag, de« 10. Juli 1998. Etwas kühler, vorwiegend trübe mit Regensällen und mäßigen wist« lichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wasserstands-Nachrichten der LandeSanstr.lt für Gewässerkunde, mttgeteiU vom Berliner Wettcrbnrcau. Wasserstand M- m e l, Tilsit V r e g e l, Jnstcrburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krossen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, LeiNneritz , Dresden , Barbq , Magdeburg t)-l- bedeutet Wuchs,— Fall,—') Unicrpegel. Verantwortlicher Bedg/Ieur.; Wura Davidfohg, Btzrlio. Für den Jnjergtenteil vprantw.: TH.GlockHLeklin.. Druck Ii. Lerlög: Vorwärts Buchdruckerki u. Verlagsanftglt Paul Singer& Co» Berlin SW.~