Ur. 161. Bbonnements-Bedingunacn: Nlonnements. Preis pränumerando» Bierteljährl. 330 Tit., monafl. 1,10 SRt. wöchcnllich 28 Pfg. frei inS Haus. Einzelne Nummer k Pfg. Sonnlags. nununer mit illustrierter SonMagS« Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. «donnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung». «reisliste. Unter Kreuzband nir Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnemenls nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schwei». AZ. Jahrg. cid) eint Mich au&cr Qontsm. Vevlinev VolksblÄlt. Zentralorgan der rozialdemokrati fdicn parte! Deutfcblands. Die InfertlonS'GebObr betrügt für die sechsgcspaltene Kolonel« geile oder deren Raum KO Pfg., für politische und gewerlfchastliche Bcrcins. und BerfammlungS-Anzeigen SO Pfg. „Uleine Rnreigen", das erste ff est» gedruckte! Wort 20 Pfg., jedes weiiere Wort 10 Pfg. 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Wo sie ein- geführt wurde, war sie nicht in erster Linie ein Ausfluß der Philanthropie, die aus Mitleid mit den unglücklichen Mitmenschen ihr Los zu verbessern suchte, sondern ein Aus- fluß des Strebens, den Unterricht der Volksschule zu ver- bessern. Ueberall waren es die Volksschullehrer, die neben den organisierten Aroeitern als die eifrigsten Agitatoren für die Schulspeisung auftraten. Und das kann auch nicht wundernehmen. Die Lehrer hatten in ihrer eigenen Schul- Praxis empfunden, wie notwendig zum Gedeihen des Unterrichts die körperliche Pflege der Schulkinder ist. Wenn die armen ausgezehrten Geschöpfe mit leerem Magen und mit nassen frierenden Füßen hungernd und fröstelnd dasitzen, dann hilft keine noch so große Hingabe des Lehrers, keine noch so vortreffliche pädagogische Methode. Gegen die Kraftlosigkeit des Geistes, gegen die körperliche Unmöglichkeit, die Auf- merksamkeit kräftig anzuspannen, ankämpfen zu wollen, ist hoffnungslos, und verzweifelnd muß der Lehrer schließlich zu der Erkenntnis kommen, daß zuerst ein gutes Frühstück und warne Schuhe nötig sind, bevor geistige Entwickclung möglich ist. Wo diese physischen Voraussetzungen fehlen, sieht der Lehrer wie die üblen Folgen der körperlichen Vernach- lässigung sich immer mehr festsetzen, wie der Schaden immer unheilbarer wird. Tie hungrigen Kinder kommen nicht vor- wärts, der Geist bleibt kraftlos und schläfrig, er kann sich nicht regen, nicht üben, nicht entfalten. Wo bei gesunden Kindern die geistige Arbeit zugleich eine Freude, ein Be- dürfnis, ein Sprudeln der inneren Kraft ist, bleibt sie bei den Opfern der Armul eine schwere Anstrengung. Sie bleiben in ihrer geistigen Entwickelung zurück; nicht nur bleibt ihr Wissen gering, fondern der Geist bleibt überhaupt schwer- fällig und träge. Treten sie nachher in den Kampf des Lebens ein. so stehen sie hinter anderen jungen Leuten zurück. Sie sind für das Kapital die widerstandsunfähigsten Aus- bcutungsobjekte, und zugleich nur für die geistlosesten Ar- beiten geeignet; von allen Seiten gepufft und gestoßen, ohne Bewußtsein einer eigenen Kraft, sind sie froh, wenn sie schlecht entlohnte Arbeit finden, die keine großen Ansprüche stellt. Sie können sich nicht zu den stolzen Gedanken des kämpfenden Proletariers erheben; aus ihnen rekrutieren sich die Streik- drecher, die Lmnpenproletarier und die Verbrecher. So wirkt die Vernachlässigung der körperlichen Pflege zur Zeit der Kindheit während des ganzen Lebens nach. Die Schulspeisung ist also eine Einrichtung, die zum Unterricht gehört, genau so wie Lehrmittel und Bücher. Sie dient nicht dazu, Personen, die sich nicht selbst unterhalten können, vor dem Hungertod zu schützen, sondern sie soll ver- hüten, daß der Schulunterricht wirkungslos und nutzlos wird. Wo es hungrige Schulkinder gibt, wird ohne die Schulspeisung das für den Unterricht ausgcwendetc Geld zum Teil zwecklos vergeudet. Die Kosten für Schulspeisung gehören zu den Kosten des Unterrichts. Wenn also der Berliner Magistrat die Schulspeisung der Armenverwaltung unterstellen will. zeigt er damit, daß er von dem wahren Charakter dieser Ne- form keine Ahnung hat. Aber das schlimmste ist, daß damit der ganzen Reform das Genick gebrochen wird— was vielleicht auch die geheime Absicht der reaktionären Reformfeinde ist. Denn damit wird ihr derselbe erniedrigende und ent- würdigende Charakter aufgeprägt, den die Unterstiitzung der- jenigen Mitglieder unserer Gesellschaft, die sich nicht selbst ernähren können, gegenwärtig trägt..Die Mehrheit der Eltern, deren Kinder für die Schulspeisung in Betracht kommt, wird lieber darauf verzichten, als sich die gemütlosc und empörende Schnüffelei dxr Armenverwaltung in ihrem Privatleben gefallen zu lassen. Der Hauptgrund des Widerstandes, den die besitzende Klasse der Einführung der Schulspeisung entgegensetzt, liegt in den Kosten. Die Bourgeoisie hat keine Lust, sich Kosten für die Kinder aus der Arbeiterklasse aufzuerlegen. Ihre frühere Schwärmerei für eine gute Volksschule hat sich ohne- hin verflüchtigt und für Verbesserungen des Volksuntcrrichts, wenn diese Geld kosten, ist sie nicht mehr zu haben. Aber hier kommt noch ein anderer Umstand hinzu. In Berlin war das Geld schon bewilligt worden. In der Milli- onenstadt treten die Ucbel des kapitalistischen Systems so schroff auf, klingt die Notwendigkeit, durch Reformen das schlimmste Elend zu steuern, so stark an die Ohren der Stadt- verordneten, daß es nicht überhört werden konnte. Aber die ausführende Behörde zeigte sich viel rückständiger als die Klasse, für die sie regiert. Es ist dies eine allgemeine Er- scheinung in der jetzigen Entwickelungspcriode des Kapita- lismus. Die Großbourgeoisie, die sonst eine Klasse mit mo- dernen und vorgeschrittenen Auffassungen ist, überläßt aus Furcht vor dem Proletariat die Leitung der politischen Ge- schatte den rückständigen Klassen, Junkern und muckerischen Kleinbiirgern, die sie an Geiz und sozialer Verständnislosig- keit wett�überragen Und diese Negierer stehen solchen Re- formen auf£äf.uö£ Mer fecaücßtstt idevlogischeg AMAM» ungen, die ihrer Feindschaft eine Art prinzipiellen Anstrichs gibt, viel schroffer gegenüber. Die Schulspeisung, sagen sie, ist im Prinzip zu verwerfen, denn es ist die Ausgabe der Eltern, ihre Kinder zu ernähren. Durch die Schulspeisung wird die Familie aufgelöst, das Band zwischen Eltern und Kindern gelockert. Wenn Staat und Gemeinde die Kinder speisen, werden die Eltern das Gefühl verlieren, daß es ihre Pflicht ist, die Kinder zu er- nähren, und sie werden es als selbstverständlich betrachten, daß andere für ihre Kinder sorgen.— Was an diesen Auf- fassungen hervortritt, ist nicht nur die blöde Verlästerung der ärmeren Mitmenschen, sondern vor allem die roh-materia- listische Anschauungsweise gerade der Kreise, die sich so gern als Hüter des Idealismus und der Frömmigkeit aufspielen. Die Einheit der Familie, das Band zwischen Eltern und Kindern besteht ihnen im Zusammenessen, in der materiellen Versorgung: wird dies weggenommen, so ist die„Familie zer- stört". Eine wieviel idealere Auffassung haben wir Materia- listen doch von der Familie! Wir erhoffen Verhältnisse, unter denen es infolge der gesellschaftlichen Regelung der Pro- duktion die Gesellschaft als eine leichte und selbstverständliche Aufgabe ansehen wird, die materielle Versorgung ganz aus sich zu nehmen. Und wir sind der Ansicht, daß dabei den Eltern von ihren Pflichten und Aufgaben den Kindern gegen- über gerade die w i ch t i g st e n und schönsten erhalten bleiben! In dieser kleinbürgerlichen Familienidcologie spiegeln sich frühere ökonomische Verhältnisse wieder. In der vor- kapitalistischen Zeit war die Familie in jeder Hinsicht die Zelle der Gesellschaft; die Einheit nicht nur der Produktion, sondern auch der Konsumtion. Die Existenz war im all- gemeinen gesichert; die Familienväter waren imstande,-mittelst ihres Betriebes ihre Familie zu ernähren. Nur für Aus- nahmefälle, wo infolge besonderer Unglücksfälle diese Existenzmöglichkeit fehlte, mußte besonders durch Armenunter- stützung, Waisenpflege u. d. gesorgt werden. Die kapitalistische Großindustrie hat diese kleinbürger- lichcn Verhältnisse völlig zerstört. Jetzt gilt nicht mehr der Satz, daß für die große Masse die Existenz gesichert und nur in Ausnahmefällen einzugreifen ist. Durch die große soziale Umwälzung haben sich ganz neue Verhältnisse entwickelt, bei denen die alte Ideologie genau so versagt, wie die alten übernominenen Institute sozialer Fürsorge. Der größte Teil der Proletarier findet zwar in der Regel regelmäßige Arbeit, aber in Krisenzeiten werden sie massenhaft arbeitslos. Dann mögen die Eltern sich, in welcher Weise immer durchschlagen, und die Not, wenn auch nnt steigender Empörung gegen die heutige Ordnung, aushalten— aber dürfen dann die Kinder dauernd Schaden an Körper und Geist leiden? Kein Arbeiter wird das Gefühl haben, daß e r unterstützt wird, wenn durch Schulspeisung die schlimmen Folgen seiner Not von den Kindern abgehalten werden; er wird das als eine selb st ver ständliche soziale Fürsorge be- trachten! Dann gibt es eine große Anzahl Proletarier, die wenig verdienen, die unregelmäßige Beschäftigung haben, die sich durchschnittlich gerade durchschlagen können, aber immer am Rande der bittersten Armut leben, oft ihren Kindern kein Frühstück geben können, aber deshalb nicht daran denken, zur Armenverwaltung zu gehen, sondern immer aufs neue, rast- los suchend, sich durch neue Arbeit durchzukämpfen bemühen. Für ihre Kinder ist hauptsächlich die Schulspeisung not- wendig. Ihre Not ist ein Ausfluß der industriellen Revo- lution; hier in der geeigneten Weise soweit als möglich Ab- hülfe zu schaffen, ist Pflicht der Gesellschaft. Die alte Ide- ologie, die von der Voraussetzung der sicheren Existenz jedes selbständigen Familienvaters ausgeht, ist hier nicht mehr am Platze. Die Vorurteile rückständiger Kleinbürger haben einer klaren unbefangenen Erkenntnis der neuen sozialen Pflichten zu weichen! Gerade hier, wo Pflichten der Gesellschaft gegen- über den schwachen widerstandslosen Kindern in. Frage kommen, muß der Gebrauch unzeitgemäßer Schlagwörter als Herzlosigkeit erscheinen! � 9er weiße Schrecken. In dem„Blaubuch", der schon mehrfach erwähnten Wochenschrift, kennzeichnet Dr. Rudolf B r e i t s ch e i d nicht übel die Jammerseligkcit des sich über sozialdemokra- tischen„Terror" entrüstenden Block- Freisinns. Herr Breitscheid schreibt: „Die Boykottdrohungen, mit der die Sozialdemokraten einige Krämer in Berlin veranlaßt haben, bei den Landtagswahlcn zu Hause zu bleiben oder gar ihre Stimmen für einen Vertreter der äußersten Linken abzugeben, bieten noch immer Stoff zur politischen Unterhaltung, und die reaktionären Organe einschließlich der der Freisinnigen Volks- Partei werden nicht müde zu klagen und zu jammern und hier und da nach einem Eingreifen der Behörden zu schreien. Auch in der kurzen Tagung des Abgeordnetenhauses, bei der es der sozialdemokratische Redner mit anerkennenswerter Ge- schicklichkeit fertig brachte, einen Zusammenhang zwischen der Wahlrechtsfrage und der Pfarrerbcsoldung zu konstruieren, nahmen die Auseinandersetzungen über den Terrorismus der Arbeiterpartei einen nicht unbeträchtlichen Raum ein, und die Freisinnigen so gut wie der Finanzministcr Rhein- b a b c n machten stark in sittlicher Entrüstung über die Vergewaltigungsakte, die sich die Roten hatten zuschulden lassen» Täteo M ob. nur. die Brutalität tlM Sozial, Expedition: 8Äl. 68, binden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. demokraten zu ihren sieben Mandaten verholfen habe, während die übrigen Parteien sich ausschließlich auf die werbende Kraft ihrer Ideen verlassen hätten. Besonders die freisinnigen Zaunkönige, die unter den schützenden Federn des konser- bativen Adlers verborgen zur schwindelnden Höhe des Ab- gcordnetcnmandats emporgelangt sind, werden Herrn Wiemer zugestimmt haben, als er mit der Partei abrechnete, die dem Liberalismus die Hälfte der Berliner Mandate abgenommen hat: Nie wird ein Freisinniger zu gewaltsamen Mitteln greifen, er zieht es vor, die, wenigen Sitze, die seine angeborene Be» scheidcnhcit anzustreben ihm gestattet,„ohne viel Geld, Zeit una Mühe" auf dem Wege eines Schachergcschäftes mit der Rechten zu erwerben. Nie wird er die freie Willens- äußerung der Wähler durch eine schauerliche Boykottandrohung zu beeinflussen suchen, und wenn er nach der Wahl— wie es in Moabit geschah— die Liste der Kaufleute veröffentlicht, die entweder der Abstimmung fern geblieben sind oder sozialdemokratisch votiert haben, so ist das nichts anderes als das Privatvergnügen eines harmlosen Statistikers.— Kein Boykottvcrsuch, beileibe nicht! Ist das Heuchelei? Nicht unter allen Umständen. Es gibt Leute, denen der Sinn für die Erkenntnis der Bedeutung des eigenen Handelns fehlt. Aber sie sollten dann zum mindesten die anderen all« init gleick)em Maße messen und ihre Ent- rüstungsfähigkeit nicht im Schelten über die Sozialdemokratie erschöpfen. Das ganze preußische Wahlrecht ist eine terroristische I n st i t u t i 0 n> und die Art und Weise, wie die herrschenden Parteien und die Regierung dieses Instrument auch bei den letzten Wahlen wieder gchandhabt haben, böte hundertmal mehr Anlaß zu der aller- schärfsten Kritik als die Einschüchterungen, die in Berlin von sozialdemokratischer Seite angewandt worden sind. Es heißt Mücken seihen und Elefanten verschlucken, sich in zornigen Worten über die Boykottandrohung gegen ein paar Dutzend Kleingewerbetreibende erschöpfen und für ein System, durch das Hunderttausende an ihrer freien politischen Meinungsäußerung gehindert werden, nur die paar hergebrachten Phrasen des Tadels zu haben. Nicht nur bei der öffentlichen Wahl zum preußischen Landtage wird die Gcisteskncchtung von den Herrschenden geübt; wir erleben sie auch bei jeder Reichstagswahl. Was sage ich? Kaum ein Tag vergeht, der nicht Kunde von einem terroristischen Akte bringt. Es gab eine Zeit, wo auch der Freisinn sich gegen solche Vergewaltigung der staatsbürgerlichen Rechte aufbäumte, aber j c tz t> wo es vor allem gilt, sich den Sozialdemokraten vom Leibe zu halten, muß man ein Auge zu- drücken, wenn auch einen Nichtsozialdemokraten das Geschick trifft. Besser ist's schon, es leidet zuweilen auch ein Liberaler. als daß die Idee der Rechtsgleichheit bis zu der Konsequenz durchgeführt wird, daß auch die Angehörigen der sozialdemo- kratischcn Partei wie gleichberechtigte Staatsbürger behandelt werden." Herr B r e i t s ch e i d bespricht dann den amtlichen Terror, der sich namentlich in der Maßregelung dreier Lehrer(der vom„Vorwärts" mitgeteilten Fälle in Mo- gilno und Tönning) von neuem skandalös offenbart habe. Er sagt darüber: „Können Bürgerrechte schlimmer mit Füßen getreten werden als es hier geschehen ist? Kann es in einem sogenannten Rechtsstaat eine blutigere Ver- höhnung der verfassungsmäßigen Garantien geben? Hier haben wir Beispiele von einem Tcrrorismus, der sich einfach nicht überbieten läßt, und man mag höchstens darüber im Zweifel sein, ob die Methode von Mogilno oder die von Tönning die ausreizendere ist...." „Was werden die Freisinnigen gegenüber dem Regierungsterrorismus tun? Der Rektor Kopsch wird sich in einer- Rede seiner Kollegen annehmen, und seine politischen Freunde werden die Glanzstellen mit einem„Sehr richtig!" unterstreichen. Das ist die Partei den Lehrern schuldig» die so viel undankbare Wahlarbeit für sie geleistet haben. Aber was bedeutet eine Rede? Nachher werden die Herren den Frack anlegen, um bei dem oder jenem Minister zu tafeln, denn sie sind ja Vertreter einer„regierenden" Partei, sind Staatsmänner im Vollbcwußtscin ihrer Verantwortliche keit." Das ist freisinnige Kritik am Freisinn! vehMche Angriffe auf die Familie. § 1666 des Bürgerlichen Gesetzbuches bestimmt: Wird das geistige oder leibliche Wohl des Kindes dadurch gefährdet, daß der Vater das Recht des Kindes mißbraucht, daS Kind vernachlässigt oder sich eines ehrlosen oder unsittlichen Ver- Haltens schuldig macht, so kann das Vormundschaftsgericht die zur Abwendung der Gefahr erforderlichen Maßregeln treffen. Bei der Beratung dieses Paragraphen beantragte die sozial- demokratische Fraktion ausdrücklich festzulegen, daß die politische oder religiöse Ueberzeugung oder Betätigung der Eltern nie als ehrloses oder unsittliches Verhalten im Sinne dieses Paragraphen stigmatisiert werden könne. Begründet wurde dies Verlangen auf gesundem Empfinden und dem Gesetz ins Gesicht schlagende Beschlüsse, die freilich vom Oberlandcsgcricht aufgehoben waren. Durch diese war Eltem das Erziehungsrecht entzogen, tveil sie ihre Kinder nicht vom Besuch sozialdemokratischer Turnvereine ab- gehalten hatten. Alle Redner der bürgerlichen Parteien erklärten. daß die angeführten Fälle geeignet seien, die größte Erregung hervorzurufen. Dennoch wurde der sozialdemokratische Autrag ab- gelehnt, weil man meinte, das Gesetz dürfe ein solches Mißtranen zu den Richtern nicht aussprechen, daß eS ohne spezielle Bestimmung solche Ungeheuerlichkeiten ihnen zutraue. Seitdem ist infolge des Mangels eines ausdrücklichen durch das Gesetz fixierten Schutzes der Elternrechte wiederholt von preußischen Gerichten das Elternrecht auf das flagranteste durch mißbräuchliche Anwendung des§ 1666 B. G»-B. verletzt, Wir erinnern an die im Reichstage besprochene» Versuche, Kinder polnischer Eltern und(in Forst) d a S Kind einer im Textilarbeiterverbande organi- sierten Witwe den Eltern zu entreißen, weil- die Eltern in politischen und gewerkschaftlichen Dingen eine verständigere Auf- fassung hatten als der Richter. In den höheren Instanzen sind dann die amtsgerichtlichen Mißbräuche korrigiert, leider aber ein Straf- verfahren wegen Mißbrauchs im Amt oder ein Disziplinarverfahren gegen die Vormundschastsrichter nicht eingeleitet. Aus Bochum wird uns ein Fall mitgeteilt, der die angeführten mißbräuchlichen Anwendungen überholt und an Fälle aus der ärgsten Reaktionszeit der fünfziger Jahre erinnert. Der Richter Möllenhoff hat durch Gerichtsbeschluß der Mutter das Erziehungsrecht über ihre Kinder genommen, weil sie aus der Kirche ausgetreten ist, eine zweite Ehe mit einem ebenfalls aus der Kirche ausgetretenen fleißigen soliden Bergmann eingegangen und die Ehe nicht kirchlich getraut ist l Aus§ 74. 11,1 A. L. R. folgert der Richter: „daß durch die bloße formelle Beschaffung des Unterrichtes die Erziehungspflicht noch nicht erfüllt wird, sondern daß eine Tätigkeit erfordert wird, welche in ihrer Gesamtheit geeignet ist, ein normales Erziehungsresultat— hier in der religiöse» Richtung— zustande zu bringen. Dafür ist aber das bloße formale Schicken der Kinder in die Schule und die Kirche unzulänglich, wenn wie eS hier der Fall die autoritativen Personen der Familie— Mutter und Stiefvater— in der häuslichen Gemeinschaft im Verkehr mit den Kindern von der Religion als etwas Ungeeignetem ausgehen. Stärker nämlich wie Schule und Kirche pflegt auf die Erziehung d erKinder einzuwirken dieFamilie s e l b st. Durch ihr verkehrtes Verhalten in jener Richtung des vom Gesetze gewollten Erziehungsresultates, und zwar fchuldbar, denn sie will die Erreichung jenes Zieles nicht. Zur Remedur bleibt nur die Abschneidung dieser Familieneinwirkung." Dieser seltsame Beschluß, der eben so stark das Recht der Eltern wie die Natur wahrer Religiosität und das Gesetz verletzt, ist natürlich vom Landgericht Bochum aufgehoben.» Die Be- gründung des landgerichtlichen Beschlusses lautet: „Die Beschwerde ist begründet. Die tatsächlichen Fest- stellungen des Vormundschaftsgerichts rechtfertigen nicht die hin- sichtlich der Mutter getroffene Entscheidung. Die Bestimmung des § 7ö II 2 Allg. LandrcchtS verlangt von Personen vom Stande der Beschwerdeführerin nur. daß sie ihren Kindern den in der Volks- schule und Kirche gebotenen Unterricht in der Religion zu Teil werden lasse, die häusliche Beschäftigung derartiger Personen ge- stattet es ihnen vielfach nicht, auch bei der häuslichen Erziehung durch religiösen Unterricht auf sie einzuwirken und darum ist der nach ihrem Stande nötige Unterricht der Volksschule und Kirche. Durch Nichtgewährung religiösen Unterrichts in der Familie kann daher die Annahme einer Gefährdung des geistigen Wohles der Kinder nicht gerechtfertigt werden. Daß in der Familie der Beschwerdeführerin auf die Kinder in einer Weise eingewirkt wird, wodurch das in der Schule in religiöser Beziehung erzielte Erziehungsresultat wieder aufgehoben wird, stellt das Vormundschaftsgericht nicht ausdrücklich fest. Es ist dies allerdings zu vermuten mit Rücksicht auf die religiösen Ansichten der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes und den Umstand, daß die Kinder einige Zeit vom Kirchenbesuch fern- gehalten sind. Diese Vermutung rechtfertigt aber keineswegs die Anordnungen des Vormundschaftsgerichts. Abgesehen von der landrechtlichen Verpflichtung für den Schulunterricht der Kinder in der_ Religion Sorge zu tragen, besteht keine Verpflichtung, diesen Unterricht durch irgend welche Einwirkungen auf die Kinder in der Familie zu unterstützen: vielmehr steht e s den Eltern frei, ihre Ansichten über religiöse Lehren auf die Kinder ein toirken zu lassen, auch wenn diese den im Religionsunterricht erteilten Lehren entgegen- stehen. Dies ist kein schuldhafter Mißbrauch des Rechts der Sorge für die Person des Kindes, der allein gemäß§ 166« B. G.-B. die Anordnung des Vormundschaftsgerichts rechtfertigen kann. Hiernach mußte der angefochtene Beschluß aufgehoben werden." Der Beschluß des Amtsgerichts stellt sich der am 16. d. Mts. von uns niedriger gehängten richterlichen Kulturkampfpauke würdig an die Seite. Als Antwort auf den behördlichen Versuch eines gewaltsamen Eingriffs in die Elternrechte wird wohl nicht nur in Bochum der Austritt aus der Kirche sich mehren. politische(Übersicht. Berlin, den 11. Juli 1908. Amtliche Kennzeichnung amtlicher„Niedertracht". Auch die„Norddeutsche Allgemeine Zeitg." kommt in ihrem letzten Wochenrückblick auf die Frage des Terrorismus bei den preußischen Landtagswahlen zu sprechen. Freilich in ihrer Weise. Sie konstatiert, daß auch der Genosse Heine den Standpunkt vertreten habe, daß das Gezeter über den sozialdemokratischen Terror unbegründet' sei, weil dieser Terror keinen anderen Zweck habe, als den Wahlterror überhaupt aufzuheben und die freie Wahl zu sichern. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" entgegnet darauf, daß der demokratische Professor O u i d d e in einer Münchener Gemeinderatssitzung „seinem Ekel über den politischen Terror der„Genossen" scharfen Ausdruck gegeben und ihn eine Niederträchtigkeit genannt" habe. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", das amtliche Organ der Regierung, fügt dann aus eigenem hinzu:„Und damit hat es inderTatseinBe- wenden." Wenn also der sozialdemokratische Terrorismus, der zur Erzwingung einer Wahlreform, zur Erzwingung der öffentlichen Abstimmung angewendet wurde, nach Ansicht des amtlichen Organs schon eine„Niederträchtig- keit" ist. um wie viel mehr muh nach der Logik der„Nord- deutschen Allgemeinen Zeitung" jener Terror eine Nieder- trächtigkeit sein, der von de» Behörden fort und fort geübt wirdi—_ Holstein und die Marokko-Affäre. Die„Suddeutsche Reichskorrespondenz" behauptet, baß die Mit- teilungen darüber, daß Herr von Holstein neuerdings wiederum bei dem Fürsten Bülow ein- und ausgegangen, Richtiges und Falsches durcheinander geworfen hätten. Die Korrespondenz meint, es sei gar kein Staatsgeheimnis, keine Enthüllung, daß Fürst Bülow mit Herrn von Hol st ein auch nach dessen Ausscheiden aus dem Dien st noch in gesellschaftlichem Verkehr geblieben sei und daß der Reichskanzler vor seiner Ab- reise nach Norderney Herrn von Holstein auf dem Krankenbett besucht habe. Die Natur dieser Beziehungen werde aber e n t- stellt, wenn man sie gegen den Willen der beiden Beteiligten auf das politische Gebiet hinüberspiele. DaS Verhältnis sei ein durchaus persönliches, und der Verkehr des Fürsten Bülow mit Herrn Holstein bedeute keinerlei Beeinflussung der Marokkopolitik durch den letzteren. Wir möchten wirklich auch stark hoffen, daß der Verdacht des Einflusses des Herm von Holstein auf die Marokkopolitik nur dem Argwohn entspringe. Wir hoffest.das imJnteressedeSFürsten Bülow und der ganzen Reich spolitik. Allerdings wäre es unter solchen Umständen Aufgabe der veranilvortlichcn Leitung der Reichsgeschäfte, daß von der Regierung der wüsten Hetze der Scharfmacher und Chauvinisten mit allem Nachdruck eiitgegen- getreten werde! Bisher hat leider die«Norddeutsche Allgemeine Zeitung" keinerlei Veranlassung genommen, den tobsüchtigen Kriegshetzereien der„Deutschen Tageszeitung" und gleichwertiger Blätter mit der gebotenen Energie entgegenzutreten I— Beschwichtigungsredcn. München, 11. Juli. Ministerpräsident von Podcwils erklärte in der heutigen Kammersitzung, daß der diplomatische Aus- schütz des Bundesrates künftig eine regelmäßige Betätigung vornehmen werde. Was die D ö b e r i h e r Kaiserrede anlange, so seien die darüber verbreiteten Mel- düngen fast von A bis Z erfunden. Zur Ncichsfiuanzresorm. München, 11. Juli. In der Fortsetzung der Verhandlungen im Landtag erklärte Finanzminister von Pfaff, über die Vor- läge betr. die Reichsfinanzreform könne er heute noch nichts sagen, da die Pläne der Regierung absolut der- trauliche sind. Die Mitteilungen norddeutscher Blätter über angebliche Erklärungen des Ministers über eine Elektrizität s- sie u er seien also falsch gewesen. Der vertrauliche Charakter der Verhandlungen schließe derartige Mitteilungen vollkommen aus. Jedenfalls dürften die besonderen Interessen Bayerns bei dieser Reichsfinanzreform mit Nachdruck wahrgenommen werden, wie er es schon im Finanzausschuß seinerzeit erklärt habe. Frankfurt a. M., den 11. Juli. Wie man von zuverlässiger Seite zur letzten Reichsfinanzreform gehört haben will, sollen die Dividende- und Umsatzsteuern für Banken end- gültig beseitigt sein, da man sich von diesen Steuern nichts verspricht: dagegen soll man dem alten Gedanken einer Reichswehrsteuer praktischere Form zu geben versuchen, und zwar in einer eigenartigen Verbindung mit der ge- planten Erbschafts st euer. Von der Erbschaft eines Erb- lassers, der nicht seiner Militärpflicht genügt hat, soll eine höhere als die regelmäßige Erbschaftssteuer erhoben werden. Man begründet es damit, daß der betreffende Erblasser seine militärische freie Zeit zum Verdienen habe benutzen können: je nach dem Vermögen des Verstorbenen soll die Steuer i n Klassen abgestuft sein. Das Reichsvereinsgesetz lückenhaft bearbeitet. In N e u st a d t bei Koburg erhielt der Vorsitzende der Zahl- stelle des sozialdemokratischen Landesvereins eine Strafverfügung über drei Mark, weil er die Anmeldung des Vorstandes laut K 3 des Reichsvereinsgesetzes unterlassen habe. Auf die beantragte gerichtliche Entscheidung fand vor dem Schöffengericht darüber Ver- Handlung statt. Zunächst machte der Angeschuldigte geltend, daß die Zahlstelle keinen selbständigen Verein bilde. Die Freisprechung erfolgte aber aus noch einem anderen Grunde. Der Amtsanwalt betonte, daß das Gesetz in den Reichstagsverhandlungen l ü ck e n- Haft bearbeitet worden sei. Im H 3 sei nur von neu- gegründeten Vereinen die Rede. Da aber der in Frage kommende Verein schon mehrere Jahre bestebe, könne eine Be- strafung nicht eintreten, zumal auch nach dem Staatsgrundgesetz eine solche nicht hätte eintreten können.— Deutsche Studenten, die protestieren I Aus Anlaß der Auflösung der Berliner Freien Studentenschaft durch den Rektor der Universität fand am Freitagabend eine von Freunden der freistudentischen Bewegung einberufene öffentliche Akademikerversammlung im Sophiensaal statt. Die Versammlung war sehr stark besucht. Die Leitung erwies sich als überaus ängstlich. Bezeichnend für ihre Feigheit war es, daß sie sich erlaubte, die Verteilung des „Vorwärts", die einige Studenten veranlassen wollten, in der Versammlung zu verhindern. Warum sich dann die Herren darüber beklagen, daß der Rektor ihnen gegenüber tut, was sie selbst anderen gegenüber nicht lassen können, ist allerdings nicht ein- zusehen. Einen lächerlichen Eindruck machte eS auch, als der Vorsitzende sich gegen den Verdacht verwahrte, daß die Freie Studentenschaft mit den Artikeln in' der Presse, die das Verhalten des Rektors kritisierten, in irgend einer Verbindung stünde. Das Verhalten des Vorsitzenden rief allerdings lebhaften P r o t e st bei einem Teil der Versammlung hervor, der sich später wiederholte, als der Vorsitzende Ausführungen Dr. Breitscheids mit der ängstlichen Mahnung unterbrach, man möchte doch diese Akademikerversammlung nicht zu einer— schrecklich zu sagen— politischen Versammlung ausarten lassen. Der Referent über die Maßnahmen des Rektors war nicht viel weniger ängstlich als der Vorsitzende. Er sieht zwar ein, daß die Mäßigung und Besonnenheit, welche er in der vorigen Versamm- lung empfahl, nutzlos war; denn die Auflösung erfolgte ja trotz- dem. Aberganz ist er immer noch nicht von seinemOptimiSmus geheilt. Er bestreitet, daß daS Vorgehen der Universitätsbehörde als eine Machtprobe der Reaktion gegen moderne Kulturbestrebungen auf- zufassen sei. Es liege kein System vor, sondern nur eine lokale Krise an der Berliner Universität. Nicht aus bösem Willen, sondern aus Unkenntnis der Verhältnisse habe der Rektor gehandelt. Die Studenten müßten jedoch zeigen, daß fie einig find, wenn eS gilt, die akademische Freiheit zu verteidigen. Etwas erfreulicher war die Diskussion und jugendliche Leiden« schaft in dem Entrüstungssturm, der losbrach, als der Name des UniversitätsrichterS D a u d e ertönte, des ScharftichterS des Studentendespoten Elster, der die Lex AronS fabriziert hatte. Schließlich wurde von zwei Resolutionen die weniger milde an- genommen. Sie lautet: „Die Versammlung erhebt Protest gegen das scharfe und unverständliche Vorgehen der Universi- tätsbehörden gegen die Berliner Freie Studentenschaft, welches unter völliger Berkennung der gegebenen Per- Hältnisse erfolgt ist. Sie erwartet, daß der einmütig zutage ge- tretene Wille der Versammlung nach Wiedereinrichtung der Ber- liner Freien Studentenschaft die Universitätsbehörden bestimmen wird, ein Fortbestehen der Berliner Freien Studentenschaft in der bisherigen Form zu ermöglichen." Nach dem Verlauf der Versammlung scheint es, daß Rektor und Senat wirklich keinen besonderen Grund zum Vorgehen gegen diese „Freie Studentenschaft" gehabt haben. Von klarer und energischer Stellungnahme war in der Versammlung noch nicht viel zu merken. Aber vielleicht bringt es Herr Stumpf durch seine ausgezeichnete Psychologie und Pädagogik doch noch zuwege, aus den verschüchterten und ängstlichen Jünglingen Kämpfer für die elementarsten Bürger- rechte zu«lachen.—_ Wahlrcchtsjesuiten. Die„Kölnische Zeitung" hatte aus der.Moralphilosophie" des auf dem Gebiete der Sozialwissenschaften und der Staatsrechtslehre bei den Katholiken hochangesehenen Jesuitenpaters V. Cathrein Stellen zitiert, die sich direkt gegen das gleiche Wahlrecht aussprechen. Als Erwiderung hierauf erklärte die„Kölnische Volks- ztg.', die Ansichten Cathreins seien für daS Zentrum nicht maßgebend. Darauf veröffentlichte der Pater in der„Kölnischen Volks- zeitung" eine Erklärung, worin er den mehr als über- flüssigen Nachweis bringt, daß nach seiner Ansicht„das Reichstags- Wahlrecht entschieden den Borzug verdient vor dem preußischen Wahlsystem". Damit, daß man da? NcichstagZwahlrccht dem elendesten aller Wahlsysteina vorzieht, ist man noch lange kein Freund und Verieidiaer des Ncichstagswahlrechts; sondern man wählt von zwei Uebeln das kleinere. Und nichts anderes tut Pater Cathrein. Er ist ein ausgesprochener Gegner des gleichen W a h 1 r e ch l S. Er erklärte denn auch in der Zuschrift an die„Kölnische Volkszeiwng": „Ich bin durchaus für das geheime und allgemeine Wahlrecht, habe aber hinzugefügt, das gleiche allgemeine Wahlrecht, das den Staat bloß als ein Konglomerat von Individuen betrachtet, da- gegen auf höhere und wickitigere Interessen gar keine Rücksicht nimmt, sei lcii» ideales Wahlrecht, sondern mit allerlei Mängeln behaftet. Ich wüßte auch nicht, wann und wo das Zentrum jemals das Gegenteil behauptet habe u sollte, deshalb kann auch vou ciuem Widerspruch zwischen mir und dem Zentrum keine Rede sein." Diese außerordentlich schwerwiegende Feststellung des Paters Cathrein druckt die„Köln. Volkszeiiung" ab, ohne dagegen Einspruch zu erheben, daß das Zentrum kein un- bedingter Anhänger des sgieiche n Wahlrechts sei. Das westdeutsche Hauptvrgan des Zentrums gibt die Richtigkeit der Cathreinschen Behauptung damit st i l l s ck> w e i g e n d zu. Es bleibt dem Blatte auch garnichts anderes übrig. Allein die strikte Ablehnung des freisinnigen Antrags aus Neueinteilung der Wahl- kreise beweist' schon mehr als genug, daß das Zentrum kein gleiches Wahlrecht, sondern eine Bevorzugung des platten Landes und der Bauern gegenüber Großstädten und Industrie will. In der Nummer 515 der„Kölnischen Volkszeitmig" vom 14. Juni stellte ein Mitarbeiter fest, daß„das Plural- shstem an Sympathien zu gewinnen scheint". So ist es in der Tat. Es ist erst einige Monate her� daß der„Rheinische Merkur" das Mehrstiinmensystem„nicht völlig unlogisch" fand, und das Blatt meinte, nachdem es eine Reihe von „Gründen" für das Mehrstimmensystem angeführt hatte, daß sich das Pluralsystem„wenigstens diskutieren läßt". Der Reichs- tags- und Landtagsabgeordnete für Köln, Herr Trimborn, bemüht sich in der„Kölnischen Volksztg." vergeben?, seine vom „Vorwärts" und der„Rheinischen Zeitung" dieser Tage ans Licht gezogene Rede vom 26. April 1S66 abzuschwächen, worin dieser Zeutrnmsführer erklärt hat, daß„das PluralitätSwahIrecht"— wenn das ReichstagSwahlrccht für Preußen„nicht zu erreichen" sei— „durchaus diskutabel" sei, und daß„speziell unter Berücksichtigung des Alters" eS„die Gleichheit nicht verletzt". Solcher Zeugnisse für die Uiizuverlässigkeii. ja F e i n d f ch a f t der Zentrumsleute gegenüber dem gleichen Wahlrecht ließen sich noch mehr prmgen; aber die angeführten sind mehr als ausreichend. Bei der ReichStagsstichwahl im Wahlkreise Kolmar-Czarnikau- Filehne erhielten Gutsbesitzer Ritter(k.) 14 567 und Redakteur v. LebinSki(Pole) 7467 Stimmen. Elfterer ist somit gewählt.— Zentrums-Terrorismus. Wir haben kürzlich den Sieg unserer Genoffen bei den Ge- meinderatswahlcn der Bürgermeisterei Benrath im Landkreise Düsseldorf gemeldet. Sie gewannen zwei Sitze. Es war das erste Mal, daß sich unsere Genossen dort an der Gemeinderatswahl be- teiligten. Um die Mandate stritten sich drei Gruppen, unsere Genossen, das Zentrum und eine„Bürgerlich-Wirtschaftliche Per- einigung". Im ersten Wahlgange errang nur ein Kandidat der letzteren die Mehrheit. In der Stichwahl stimmten unsere Ge- Nossen mit der Vereinigung gegen das Zentrum, das glatt durchfiel. Die Wut der Zentrumsführer, die ihre Partei aus der früher so sicheren Domäne langsam hinausgedrängt sehen, eine Folge der zunehmenden Industrialisierung, war groß und sie versuchten, sich durch Anwendung von ganz schoflen Mitteln zu rächen. In emem längeren Artikel des Zentrumsorgans des Wahlkreises, des„Düffel- dorfer Tageblattes", hieß es in bezug auf die Mitglieder der Bürgerlich-Wirtschaftlichcn Vereinigung: �. „Viele technische und kaufmännische Beamte hwfiger Werke, von denen einige sogar demnächst in das Reserveoffizierkorps aufgenommen werden sollen, wählten die Sozialdemokraten, obschon sie bei der Reichstagswahl sich als Schleppenträger der verbissensten Liberalen betätigten. Und selbst solche, von denen man nach ihrer Amtsstellung annehmen mutz, daß sie gute evangelische Christen sind. scheuten sich nicht, einen Sozialdemokraten zu wählen. Jedem, der noch ein wenig Wert auf seine staatsbürgerliche Gesinnung und auf den seinem König geleisteten Treueid legt, muß doch die Schamröte in die Wangen steigen, wenn er bedenkt, daß hinter seinem Namen in der Wählerliste seine den größten Staats- feinden gegebene Stimme amtlich festgelegt ist." Das Zentrumsorgan unternahm also eine ganz offenbare De- nunziation. Und dann wagt das Zentrum sich über dyi von der Sozialdemokratie geübten Terrorismus auszuregenk« Militärjustiz. Das KönigsberaerKKriegsgericht hat kürzlich einen Alkoholiker zu— drei Jahren Gefängnis verurteilt. Der Kanonier S i m s k y von der 3. Batterie des ArlillerieregimentS Nr. 16, der vor seinem Eintritt in den Militärdienst unbescholten war, soll sich beim Militär so schlecht geführt haben, daß er zur Arbeiterabteilung kommen sollte. Man konnte ihn in diesem Jahre aber nicht dahin befördern, weil er ständig Arrest zu verbüßen hattell Am Pfingstmontag, nachdem er im Revier krank gelegen hatte, sollte er wieder zur Verbüßung einer Arreststrafe abgeführt werden. Das konnte aber nicht geschehen und so wurde er denn unter die Aufsicht eines Gefreiten gestellt. Dieser hatte Stallwache und den Kanonier in den Stall genommen. Plötzlich bat der Soldat den Gefteiten. er möge ihm. doch gestatten, sich ein Paar Pantoffeln von der Stube zu holen, da ihm die Stiefeln drückten. Der Vorgesetzte gab ihm auch die Erlaubnis dazu. Der Kanonier benutzte diese Gelegenheit, um in die Stadt zu gehen und nicht mehr wiederzukehren. Am anderen Tage wurde er in einem Laden, wo er sich dem Ladeninhaber als Verwandter vor- gestellt hatte, von einer Patrouille, die ihn suchen sollte, ergriffen. Er wurde nun zum Arrestanten erklärt und soll sich ans dem Wege zur Wache gegen seine Begleiter renitent benommen haben. Er soll sie beleidigt, gestoßen und geschlagen haben, Das brachte ihn vors Kriegsgericht. Der Angeklagte gab hier an, daß er, wenn er Schnaps getrunken habe, nicht wisse, was ertue. Er erklärte, an jenem Tage Branntwein zu sich genommen zu haben. Sein Feldwebel bekundete auch, daß dem Angeklagten der Alkohol oft böse Streiche gespielt habe zimnüchternenZustandesei er ein tüchtiger Soldati Der Anklagevertreter beantragte wegen»merlaubter Entfemung vom Regiment, wegen Angriffs auf Vorgesetzte und Beleidigung wie Ungehorsam zwei Jahre und sechs Monate Gefängnis. Das Kriegsgericht erkannte aber auf drei Jahre Gefängnis und Versetzung in die zweite Klaffe des Soldatenstandes. Dieses Opfer des Militarismus gehört nicht ins Gefängnis, sondern in eine Heilanstalt. Die fortwährenden Arreststrafen werden schon sehr ungünstig auf ihn eingewirkt haben. Die dreijährige Ge- fängnisstrafe kann ihn aber völlig ruinieren. Aber danach fragt der Militarismus nicht, denn die Disziplin muß aufrechterhalten werden.— v_ Ocrtemlch. Gegen die Kohlennot. Wien, 16. Juli. Abgeordnetenhaus. Gelegentlich eines Dringlichkeitsantrages betreffend Vorkehrungen gegen Kohlen mangel erklärte Arbeitsminister Gcßmann, daS Cisenbahnministerium sei bestrebt, die Rohölheizung für Lokomotiven einzuführen und dem Kohlenmangel tunlichst abzuhelfen. Zahlreiche Freischürfe seien bereits, vom Staate er- worden. fraukmck. Vertagung des Einkommensteuergesebes. "f Paris, 16. Juli. In der gestrigen Kammersitzüng beantragte der.VorjitzMc bsi ZsSW.isiisa föf die».lcucrteioim Pell e t a n He Verlängerung der Parlamentssession zur Erledigung des 6!e- setzentwurfs betreffend die Einkommensteuer. Finanzmiuister Caillaux hielt dem entgegen, daß die Kammer während der Reise des Präsidenten Fallisres nicht wohl tagen könne, er auch fürchte, daß während der Ferien die Mitglieder den Sitzungen in nicht genügender Zahl beiwohnen würden; nichts destoweniger stehe er der Kammer zur Verfügung. Ministerpräsident C l e- m e n e e a u erklärte, es sei eine Vertrauensfrage, dann aber ver- besserte er sich und sagte, die Regierung wolle die Vertrauensfrage nicht stellen. Wenn die Kammer den Antrag Pelletan annehmen sollte, würden Kammer und Regierung zur Bearbeitung der Steuerreform versammelt bleiben. Hierauf wurde der Antrag Pelletan mit 294 gegen 226 Stimmen abgelehnt. In der heutigen Sitzung wurde mit groher Mehrheit ein Antrag angenommen, die Beratung des Einkommensteuergesetzes nach dem Wiederzusammentritt des Parlaments ohne Unter- brechung fortzusetzen. Finanzminister Caillaux hatte sich mit dem Antrage einverstanden erklärt. Kundgebungen gegen FalliöreS Rußlandfnhrt. Paris, 10. Juli.(Eig. Ber.) Die bürgerliche Parlaments- demokratie hat längst ihre Prinzipien verhandelt. Die Zeiten, wo ein Floguet einem Zaren sein berühmtes„Vive la Pologne, Monsieur I* zurief, sind endgültig vorbei. Heute hat man„diplo- matischen Takt" und jene.politische Reife", die einem die Eni- rüstung verbietet, wenn ein großes Volk im Kampf für seine bürgerlichen Rechte dem Henker, dem ErschießungSpeloton, den gedungenen Mörderbanden deS Monarchen ausgeliefert wird. So sind die Sozialisten mit ihrem Protest gegen die Fahrt Fallisres isoliert geblieben und haben wie Ibsens„Volksfeind" die Entrüstung der Machthaber und der chauvinistischen Meute zu kosten bekommen. Die Empörung der Patrioten ist umso stärker, weil das Bewußtsein des eigenen Verrats doch nicht so ganz zum Schweigen gebracht werden mag. Die Sozialisten aber erfüllen unbekümmert um dieses ' Treiben ihre Pflicht als Wächter der Demokratie. Der parlamen- tarischen Aktion der Fraktion folgte ein Aufruf der Gesamtpartei, der alle Parteisektionen und alle sozialistischen Arbeiter auffordert, gegen die Reise FalliöreS zu protestieren, und, wenn diese schon nicht zu verhindern sei, den Gegenbesuch des Zaren unmöglich zu machen.— Die bürgerliche Presse hat für diese Kundgebungen einer ihr allerdings unbegreiflichen Prin- zipientreue nur gemeine Beschimpfungen übrig. So registrirte sie die Versammlung für die russische Freiheit, die am letzten Sonnabend unter dem Präsidium des Genossen Rubanowitsch, als Vertreters der russischen Sozialrevolutionäre getagt hat, als antirussischeVersamm« l u n g I Und das„Journal des Döbats" veröffentlichte über Vaillants Intervention in der Kammer eine unsagbar pöbel- hafte, aber nicht minder blödsinnige Korrespondenz, worin unter anderem die französischen Sozialisten beschuldigt wurden, für die preußische Polizei zu arbeiten. Woraus die Welt zum ersten Male erfuhr, daß die preußische Polizei eine Anhängerin der russischen Revolution ist. Angesichts der tristen Stellung der Blockdemokraten verdient das mutige Auftreten des unabhängigen Sozialisten Flaissiores im Senat wirklich besondere Anerkennung. Man hat von den„Unabhängigen" noch kein Beispiel derartiger Charakter- festigkeit erfahren. Der ehemalige Bürgermeister von Marseilles hat in einer Rede, die in der Form sehr gemäßigt, aber im Inhalt von schärfster Entschiedenheit war, gezeigt, daß bei aller Anerkennung der poli- tischen Zweckmäßigkeit der russisch-französischen Allianz die Reise des Präsidenten überflüssig und für redliche demokratische Republikaner ärgerniserregend sei. Auf das vom Senatspräsidenten Dubost natürlich vorgebrachte gewöhnliche Gerede von„unzulässiger Ein- mischmigen in die innere Politik anderer Länder" antwortete Flaisstöres, man könne sich eben keine Binde vor die Augen legen. Das demo- kratische Frankreich werde hoffentlich durch Vaillants Rede zum Nach- denken gebracht werden. Pichon antwortete mit amtlicher, für die Petersburger Gönner berechneter Entrüstung, und der Kredit für Falliöres Reise wurde mit allen gegen eine Stimme— die Flaissiöres— angenommen. Die„Aurore" verzeichnet dieses Abstimmungsergebnis mit Hohn. Die Demokratie erscheint diesem Blatt, seitdem sich sein Ausverkauf von Freiheilsidecn nicht rentiert hat. als ein sehr verächtlicher Artikel. Italien. Trennung von Kirche und Schule. � Rom, 11. Juli. Die Stadtverordnetenversammlung hat mit 57 �egen 3 Stimmen die A b s ch a f f u n g des gesamten Religionsunterrichts in den Schulen angekommen. Rumänien. Gegen den Duellmord. Bukarest, S. Juli. Um dem Duell in der Armee ein Ende zu machen, ist durch eine königliche Verfügung ein E h r e n r a t für die Offiziere des aktiven Dienststandes und der Reserve und für die Offiziere zur Disposition eingesetzt worden. OrKei. Die jungtürkische Bewegung. Saloniki, 11. Juli. Ein von Monastir nach Janina versetztes Jäg erbat aillon ist zu den Aufständigen in Resna übergegangen. Monastir soll in den Belagerungszustand ver- setzt werden. In Cavalla haben die Jungtürken einen Polizisten, der spionierte, erschossen. Die mazedonischen Reforme«. Entgegen der ursprünglichen Absicht, wird das mazedonische Reformprogramm von Rußland und England nicht als gemeinsamer Vorschlag den Mächten unterbreitet werden. Vielmehr wird Ruß- land die Reformen für das Finanz- und Justizwesen unterbreiten, während England den Mächten bereits Vorschläge über militärische Maßnahmen gegen das mazedonische Bandenwesen gemacht har. England bringt zur Bekämpfung des Bandenwesens die Bildung einer fliegenden Kolonne von 16—12 666 Mann türkischer Truppen, die dem General-Jnspekteur Hilmi-Pascha zur Ver- fügung gestellt werden sollen, in Anregung. Diese Kolonne soll von einem türkischen Offizier befehligt werden, der nach Auswahl und Vorschlag Hilmi-PaschaS vom Sultan ernannt werden soll. Man sieht, diese Vorschläge sind nicht sehr aufregend und unsere Chauvinisten könnten sich auch in dieser Frage beruhigen. Marokko. Nochmals auf dem Kriegspfad. Jonbon, 11, Juli. Nach Meldungen aus Rabat vom 6. d. M. ist A b d u l A s i s im Begriff, Rabat zu verlassen, um an der Spitze einer Streitmacht von 3666 Reitern, 3666 Mann Infanterie und mehreren Geschützen nach Marrakesch zu ziehen. Eine zweite ihm ergebene Truppe soll von Mogador nach Marrakesch auf- brechen, um gemeinsam mit ihm vorzugehen. Aus Tanger sind der Schatzkammer eine halbe Million Pesetas zugegangen, mit denen der Sultan den Truppen den Sold auszahlte, um sich ihre Treue zu sichern._ C, Räuber. Tanger, 16. Juli. Aus Colomb-Bechar wird gemeldet, daß Rachrichten aus Djich zufolge eine marokkanische Räuber. b a n d e von etwa 16g Naoo sich gegenwärtig in Es 8sssm& auf* halte, um einen französischen Transport zwischen Bonanan und Colomb anzugreisen. Alle Maßnahmen seien getroffen worden, um den Ueberfall zu vereiteln. ,-u perfien. Zur Geschichte des Staatsstreichs. London, 9. Juli. Die„Times" von gestern enthält einen Brief aus Teheran vom 19. Juni, in dem ein interessanter Bericht über die letzte Audienz der persischen Parlamentsvertreter mit dem Schah gegeben wird. Am 16. Juni begaben sich 6 Parlamentsmitglieder und der Präsident zum Schah, um ihm eine Denkschrift über die Wünsche des Parlaments vorzulesen. Die Umgebung des Hofes war bereits militärisch besetzt und der Empfang, den der Schah den Volksvertretern gab, war nicht mehr so warm wie früher. Der Präsident zog jedoch seine Denkschrift hervor und begann sie vor- zulesen. Sie erzählte von den Leiden des Landes durch die Despotie der Monarchen und von der neuen liberalen Bewegung, die sich des Volkes bemächtigte, bis schließlich Schah Muzaffer-ed-Din, den Forderungen der Nation nachgebend, eine Verfassung gewährte, die von seinem Sohne Mahommed Ali, dem jetzigen Schah, bestätigt wurde. Muzaffer-ed-Din starb bald darauf und die Krone fiel dem jetzt herrschenden Schah zu. Aber unglücklicherweise befinden sich in seiner Umgebung mehrere Hofleute, die sich gegen die Ver- fassung verschworen haben und den Geist des Schah gegen die Nation vergiften. Um die Verfassung zu sichern, macht das Par- lament den Schah darauf aufmerksam, daß in einem verfassungs- mäßig regierten Lande alle Staatsangelegenheiten auf parlamen. tarischem und legalem Wege erledigt werden müssen, und daß bc- sonders folgende Artikel der Verfassung wichtig seien: „Artikel 44. Die Person des Monarchen ist frei von Verant- wortung, aber die Minister sind dem Parlamente verantwortlich. Artikel 4S. Die königlichen Erlasse haben nur Gültigkeit, wenn sie von den verantwortlichen Ministern gegengezeichnet sind, und in solchem Falle sind die Minister für sie verantwortlich." Die Deputation beklagte sich sodann über die verräterischen Umtriebe der Hofleute, deren Ziel es ist, die Verfassung zu be- seitigen. Sie fügte hinzu, wenn diese Umtriebe nicht aufhörten, würde sich das Parlament auflösen und der Nation erklären, daß es unter den am Hofe herrschenden Zuständen nicht in der Lage sei, seine Pflichten zu erfüllen. Der Schah hörte vorerst die Vorlesung an, dann entzog er dem Präsidenten die Denkschrift und las sie selber. Als er mit seiner Lektüre zu Ende war, machte er ein langes Gesicht und erklärte der Deputation, er betrachte die Perser als seine lieben Kinder, für die er väterlich sorgen würde. Der Schah wurde dann lebhafter in seinen Liebeserklärungen für die Nation und schloß seine Antwort mit folgenden Worten, indem er seine Hand auf den Griff des Schwertes legte:„Aber gedenket, daß meine Vorfahren den per- fischen Thron mit dem Schwerte erobert haben, und ich bin nicht geneigt, ihn zu verlieren, ohne vorher an das Schwert appelliert zu haben." Er versprach den Volksvertretern sodann, eine Denkschrift als Antwort einzuschicken. Die Antwort kam sodann, wie bekannt, aus den Schlünden der Geschütze, die das Parlamentsgebäude zerstörten und die Konterrevolution einleiteten. Es ist jedoch sicher, daß die Tage der alten Kadscharendespotie endgültig vorbei sind. DasMedschlis wird neu entstehen, aber in gemäßigt liberaler Form. Charakteristisch ist es, daß die Deputation aus zwei Exdiplo- maten und zwei ExPriestern bestand. Es war die weltliche und geistliche Intelligenz, die die persische Revolution einleitete. Die Entschuldigung. London, 11. Juli. Wie einem hiesigen Blatte aus Teheran gemeldet wird, begeben sich morgen früh der Hausminister des Schahs und der Minister des Aeußeren in die britische Gesandt- schaff, um formell die persische Regierung wegen der ungebühr- lichen Behandlung der britischen Flagge zu entschul.. d i g e n. Der Schah hat gestern eine neue Verfügung er- lassen, in welcher gerechte Verwaltung und die Ein- setzung von Gerichtshöfen zugesagt wird.- Australien. Das gewerbliche Schiedsgerichtswesen in Neuseeland. London, 9. Juli. In den letzten zwei Jahren ist der Glaube Neuseelands an das gewerbliche Schiedsgerichtswesen, das den sozialen Frieden herstellen sollte, st a r k er- schüttelt worden. Es kamen dort trotz der schiedsgericht- lichen Urteile mehrere Streiks vor, unter denen der Berg- arbeiterstreik besondere Aufmerksamkeit erregte, da er zur Belegung der Streikenden mit Geldstrafen führte. Das Wirt- schaftliche Leben Neuseelands ist offenbar in eine raschere EntWickelung eingetreten, die mit den alten Zuständen auf- räumt. Die Gewohnheit ist aber vorläufig stärker als die neuen Erfahrungen und die Regierung bemüht sich, das gc- werbliche Schiedsgerichtswesen aufrechtzuerhalten, was sie durch die Erhöhung der Geldstrafen zu erreichen hofft. Vor wenigen Tagen brachte sie deshalb eine Novelle zum Schieds- gerichtsgesetze ein, die folgende Geldstrafen vorsieht: Alle in einen Streik eintretenden Arbeiter werden mit je 209 M. bestraft, und für jede folgende Streikwoche mit je 20 M.: die Strafe für eine Aussperrung soll 4000 M. betragen, und für jede folgende Aussperrungs- Woche 1000 M. Spezialstrafen werden vorgesehen gegen Ar- bester, die ihre Arbeit niederlegen in einem Gewerbe, das zum allgemeinen Wohlergehen nötig ists wie Bäckereien. Schlächtereien, Gasfabriken, Kohlengruben und Eisenbahnen. Die den Arbeitern auferlegten Geldstrafen sind von den Löhnen durch die gegenwärtigen oder zukünftigen Arbeit- geber abzuziehen. Die Vorlage stößt auf den h e f t i g e n W i d e x sta n d der Arbeiter. Amerika. �.' Der demokratische Vizepräsident. Denver, 10. Juli. Der demokratische Nationalkonvent hat I o h n W. K e r n(Indianapolis) zum Vizepräsident- schaftskandidaten nominiert. Huö der parteu Aus den Organisationen. Der zweite Jahresbericht des Parteisekretariats Jena für die Wahlkreise Alten- bürg, Weimar Hl, Reuß jüngere und ältere Linie ist soeben herausgekommen. Er erstreckt sich über die Zeit vom 1. April 1967 bis 31. März 1968. Er gibt ein Bild von der leb- haften Tätigkeit des Sekretärs, der 263 Versammlungen, Be- sprechungen lind Konferenzen besuchte. Außerdem gab das Sekretariat zwei Flugblätter heraus. Ueber de» Stand der Organisation wird berichtet: In Llltenburg waren organisiert: Am 1. April 1967: 4216 Mitglieder Am 1. April 1968: 43S9 Mitglieder. In Reuß j. L.(Gera) waren organisiert; Am 1. April 1967: 8396 Mitglieder Am t. April IM: LfttS MMjeder. In R e u ß ä. L.(Greiz) waren organisiert j Am 1. April 1967: 866 Mitglieder Am 1. April 1968: 972 Mitglieder. In Weimar III waren organisiert: Am 1. April 1967: 2223 Mitglieder Am 1. April 1968: 2246 Mitglieder. Die im Agitationsbezirk erscheinenden 4 Parteiblatter.Alten« bnrger Volkszeitung" in Altenburg, die„Reußische Tribüne" in Gera, die„Reußische VolkSzeitung" in Greiz und die„Weimarische Volks- zeitung" in Jena hatten am 1. April 1967 zusammen 23 356 Abonnenten. Davon war ein beträchtlicher Teil während der letzten Reichstagswahl gewonnen worden. Erfreulicherweise ist trotz der Depression im Wirtschaftsleben nicht nur die Zahl der Abonnenten gehalten, sonder» sogar noch erhöht worden. Die Abonnentenziffer stieg bis zum 1. April 1968 auf 25 566. Also ein Gewinn von reichlich 2666 neuen Abonnenten. Die Einnahmen des Sekretariats betrugen 3165,96 M, wovon 666 M. vom Parteivorstand in Berlin, 666 M. vom Wahlkreis Weimar HI, 856 M. von Altenburg, 456 M. von Reuß j. L. und 366 M. von Reuß ä. L., 249,56 M. an Honorar für Versammlungen. Die Ausgaben betrugen 2763,54 M., darunter für Versammlungen 1431,75 M.. schriftliche Agitation 376,36 M. Zuschuß zum Gehalt des Sekretärs 266 M. Der Kasseiibestand war 462,36 M. Die Frauen uutcr dem neuen Vcreinsgesctz. In Elberfeld treten die Genossinnen nach Vereinbarung mit der Leitung des Sozialdemokratischen Vereins unter folgenden Bedingungen dem Verein bei: Es steht den Genossinnen das Recht zu, nach Bedarf und nach Verständigung mit der Leitung der Parteiorganisation be- sondere Frauenversammlungen abzuhalten, und zwar sowohl öffentliche als auch Mitgliederversammlungen. In den Mitgliederversammlungen der Genossinnen werden am Beginn des Geschäftsjahres eine Vertrauensperson, sowie Bezirks« führerinnen gewählt, denen die Werbung von weiblichen Mit- gliedern, die Einziehung der Beiträge derselben und die Ver- breitung der„Gleichheit" obliegt. Die beiden Vertrauenspersonen der Frauen g e« hören dem V o r st a n d e des sozialdemokratischen Vereins an; die Bezirksführerinnen nehmen an den Sitzungen der Bezirksführer mit gleichen Rechten teil. Der Beitrag der Genossinnen beträgt monatlich 36 Pf., wo- von ein bestimmter Prozentsatz<7'/z resp. 16 Proz.) an die Zentrale der Genossinnen in Berlin abzuführen ist. Die Lieferung der„Gleichheit" an die Genossinnen erfolgt un- entgeltlich. Der Veitrag wird allvierzehntägig mit der Zu- stelluug der„Gleichheit" eingezogen. Die Hauptkaffengeschäfte liegen in den Händen des Vereins- kassierers, mit dem die Bezirksführerinnen monatlich abrechne». Nach Kopenhagen reisende Genossen werden darauf aufmerksam gemacht, daß dort ein deutscher sozialdemokratischer Verein besteht. Seine Adresse ist: Deutscher soziald. Ar b e iter- Ve rei« „Vorwärts" Kopenhagen, Knabrostraede 3. Zusammenkunft jeden Sonnabend. Soziales* Ungültigkeit einer TarisvertragSklansel. Zwischen den organisierten Chemigraphen und den organi- sierten Inhabern der chemigraphischen Anstalten besteht über ganz Deutschland ein Vertrag. Darin ist ein Paragraph enthalten, wonach nur organisierte Gehilsen bei organisierten Unternehmern beschäftigt werden und umgekehrt organisierte Gehilfen nur bei organisierten Unternehmern arbeiten dürfen. Aus Grund eines Inserats in der„Graphischen Presse" stellte die Firma Böhme u. Co. in Magdeburg den Chemigraphen Meitze ein. Auf Anftage seiner Kollegen stellte sich heraus, daß er nicht organisiert war. Entsprechend der Vertragsbestimmung mußte er die Arbeit wieder einstellen; es wurde ihm jedoch von der Firma gesagt, daß er wieder anfangen könne, sobald er der Organisation beigetreten sei. Die 2 Stunden Arbeit wurden ihm als halber Tag mit 2,56 M. bezahlt. Meitze verlangte nun für 2 Wochen Lohn und Reise- entschädigung. Er hatte nachdem jedoch bei einer nichttariffreuen Firma Arbeit bekommen, aber nicht angefangen. Der Vorsitzende führte aus, daß die Bestimmung des Tarifs bezüglich der Organi- sationszugehörigkeit nicht den guten Sitten entspreche und daher ungültig sei. Weiter sei es Sache der Firma gewesen, sich zunächst zu erkundigen, ob der Einzustellende organisiert sei. Die Firma wird verurteilt, an Meitze noch für einen halben Tag 2,56 M. zu zahlen, im übrigen wird die Klage abgewiesen, weil der Kläger in- zwischen Arbeit gefunden hatte. Kläger hat fünf Sechstel, Be- klagter ein Sechstel der Kosten des Rechtsstreits zu tragen, lieber die Frage, ob die angeführte Klausel mit den allgemeinen Grund- sätzen der Vertragsfreiheit vereinbar sei, herrschte aus Anlaß der Einführung des erwähnten PassuS ein lebhafter Meinungsstreit. Die getroffene Entscheidung dürste eine nach Lage der Gesetzgebung zutreffende sein._ Bauarbeiter in Schlesien und Pose». Auf die Lage der Bauarbeiter wirft der soeben erschienene De- richt der Schlesisch-Posenschen Bangewerks-Berufsgenoffenschast ein grelles Licht. Versichert waren ini Jahre 1967: 8423 Baubetriebe gegen 8345 im Jahre 1966.„Durch die technischen Auffichtsbeamten wurden im Berichtsjahre wieder eine Anzahl, zum Teil längere Zeit bestehender Betriebe ermittelt und zur Anmeldung gebracht." Die höchste Zahl der versicherten Betriebe entfällt ans die Maler und Anstreicher mit 1625, der Maurer mit 1557, der Klempner mit 1001 usw. Die Zahl der versicherten Arbeiter ist von 124 876 im Jahre 1966 auf 123 586 zurückgegangeu. „Auf jede versicherte Person sind 226 Arbeitstage gerechnet, auf einen Betrieb entfallen somit 14,3 versicherte Personen, auf eine ver- sicherte Person durchschnittlich 574,18 M. Lohn gegen 623,96 M. im Jahre 1966." Die I a m m e r l ö h n e der Bauarbeiter für wohlgemerkt 226 Arbeitstage im Jahre betrug laut Bericht im Bezirke der Sektion I(Breslau): 733.99 M.(761.66 M. 1666) . II(Liegnitz): 666,53.(586,47., , III(Oppeln): 668,44.(562,14.. . IV(Posen): 666,78.<631,18,. . V(Gnesen): 687,85,(646,69„. Im Kreise Oppeln verdient also heute noch ein Bauarbeiter pro Jahr nur 668 M. und soll damit in diesen teueren Zeiten eine Familie ernähren 1 1 Die Zahl der gemeldeten Unfälle betrug 5691 gegen 5325 im Vorjahre. Entschädigt wurden 1684 dieser Fälle. Auf 1666 Ver- sicherte entfielen 41,11 Unfallanzeigen. Obschon die Unfallziffer gegen das Jahr 1966 etwas zurückgegangen ist, ist die Zahl der schweren Unfälle gestiegen. Die Folgen der entschädigten Unfälle waren nach dem Bericht: cf*r,r Dauernde teilweise vorübergehende Jayr Too völlige Erwerbsunfähigkeit 1965 96 7 469 496 1966 96 6 429 563 1967 lOS 7 462 610 Ueber die Tätigkeit der technischen Aufsichtsbeamten, die 7656 M. an Gehalt bekamen, erfahren wir im Bericht gar nichts. Der Vorsitzende der Berussgenoffenschast erhält für„Zeitverlust" 6666 Mark pro Jahr Entschädigung gezahlt! Weil» dies eine LMlranIeMffe sich erlauben würde Z „(STntt* arbeite» die Schiedsgerichte dieses Deziris � Von den Vernflingen der Verletzten wurden laut Bericht abgewiesen Z4! die 3! e» t e erhöht: 47!! Bon den Siek nrsen der Verletzten hatte das Reichs versichermigsamt 135 abgewiesen und nur iu 24 Fällen den Anspruch anerkannt, während die Berufsgenosseuschaft selbst von ihren eigenen Rekursen sechs Siege und nur drei Abweisungen erzielte Eine genaue Liste der Unternehmer, von welchen infolge fruchtloser Zwangsbeitreibung Umlagebeiträge nicht zu erlangen waren, wird dem Bericht beigegeben. Die Krankenkassen mußten, auch allmählich dazu übergehen, diese Drückeberger zu brandmarken. Von der Landwirtschaft in Mecklenburg-Schwerin. Die Mecklenburger Junker haben natürlich auch die Verwaltung der landwirtschaftlichen Bernfsgenossenschaft in Händen. Vorsitzender ist ein Erblandmarschall v. Lntzow. Im Jahre 1907 wurden nach dem Bericht der Berufsgenosseuschaft gezählt: 32 332 landwirtschast liche Betriebe mit einer Abschätzungszahl von 28 91S 700 Normab arbeitstagen gegen 32 196 Betriebe mit 29 003 080 Arbeitstagen im Jahre 1900. Die Zahl der Betriebe hat also etlvas zugenommen� dagegen ist die Zahl der Arbeitstage zurückgegangen. Im Jahre 1907 sind 2078 Unfälle gemeldet worden, wovon 736 Fälle— 33 Prozent entschädigt wurden. Vergeblich sucht man im Bericht die Zahl der versicherten Personen Das nennt man Geschäftsbericht! Auffällig hoch ist die Zahl der weiblichen Verletzten Von den entschädigten Unfällen entfielen: 503 auf Erwachsene männ- lichen und 218 weiblichen Geschlechts! Jugendliche Per fönen unter 16 Jahren wurden entschädigt: 10 männlichen und weiblichen Geschlechts. Von 736 Verletzten waren also 223 weib- lichen Geschlechts! Durch Unfall wurden 39 Versicherte getötet 8 Unfälle hatten völlige, 273 teillveise und 411 vorübergehende Er- werbsnnfähigkeit zur Folge. Durch Fuhrwerke wurden allein 195 Leute verletzt, 80 durch Tiere usw. Trotzdem keine Kranken- Versicherung für landwirtschaftliche Arbeiter und Kleinbauern besteht hat die Bernfsgenossenschaft für Fürsorge für„Verletzte innerhalb der ersten 13 Wochen des Unfalls" nur 616 M. verausgabt. Eine Ueberwachung der Betriebe hat auch nicht statt gefunden, denn diese Rubrik ist leer! Dagegen rühmt sich die Berufsgenossenschaft, eifrig Jagd auf Simulanten gemacht zu haben. Im Bericht heißt es:„Wie in früheren Jahren, haben im Jahre 1907 außerordentliche Kontroll Untersuchungen von Rentenempfängern stattgefunden. Die Untersuchung erstreckte sich auf die in den Bezirken Penzlin, Waren und Malchow wohnhaften Rentenempfänger, und zwar auf solche, bei denen die Ueberwachung bereits aufgehoben war." Diese„Untersuchungen" wurden von einem Medizinalrat aus Schwerin vorgenommen, und zwar„in Gegenwart der Vorstands- Mitglieder John- Schwerin, des Landrats, Zeremonienmeisters v. Gundlach und des Gutspächters Burckard". Waren diese„Sach� verständigen"» auch bei der Untersuchung der weiblichen Ver- letzten anwesend? Das Resultat' dieser Kontrolluntersuchungen war, daß bei 58 Untersuchten in 11 Fällen die Rente ganz ein- g e st e l l t und in 14 Fällen gemindert werden konnte I Das war die Hauptsache! Die Schiedsgerichte haben 144 Berufungen der Verletzten zu- grinsten der Berufsgenossenschaft und nur 50 zugunsten der Verletzten entschieden. Das Landesversicherungsamt hatte 20 Rekurse der Ver letzten abgewiesen und nur in 7 Fällen entsprochen I Während der Genossensckiaftsvorstand allein 6513 M. Tagegelder erhielt, betrugen die Gehälter der Genosseuschaftsbeamten nur 14 600 M. Seit dem Jahre 1893 ist die Summe der Gehälter um ganze oOO M. gestiegen._ Gewerkrchaftlichc� Internationale Scharfmacherorganisation. Eine Scharfmacherorganisation großen Stils ist in der Bildung begriffen. Zwischen der„Norddeutschen Schiffsreederei- Ver einigung" und der die Ost- und Nordsee-Needereien um fassenden„Baltic and White Sea Conference", die ganz Nord Europa beherrschen, sind Verhandlungen im Gange bezw. dem Abschluß nahe, einen„Internationalen Verband der Ueeder" zu gründen. Diese neu zu schaffende Organisation, deren Hauptzweck: „Schutz gegen die Folgen von Ausständen der Seeleute" bilden soll, weist eine Gesamttonnage von 4,4 Millionen (1,9 bezw. 2,5) Tonnen auf. Berlin und Ilmgegend. Die Rabitzspanner vom Zentralverband der Maurer ver- sammelten sich am Freitag abend, um das Resultat der Bautenkontrolle vom 16. Juni zu erfahren. H a e s e erstattete den Be richt. Die Kontrolle erstreckte sich aus 322 Bauten mit 3027 Be rufsgenossen; dazu zählen die Rabitzputzer, Einschalwandputzer, lliabitzspanner, Zementierer, Einschaler, Träger und Hilfsarbeiter. Organisiert waren 2491, unorganisiert 536 Arbeiter. Im ganzen rechnet man mit 3400 Berufsgcnossen. Von den Kontrollierten sind 2271 im Lohn, 266 im Akkord beschäftigt. Am Tage der Kontrolle waren 308 arbeitslos, 58 krank und 124 in anderen Berufen be schäftigt. Die tariflich festgesetzten Löhne werden im allgemeinen bezahlt. Unter dem Lohn arbeiteten 156, einen höheren Lohn er- hielten 132 Arbeiter. Die Arbeitszeit wurde ebenfalls im allge- meinen eingehalten. Die 8'/2- und Ostündige Arbeitszeit ist vorherrschend. Nur auf 37 Bauten waren Baudcputierte vorhanden. Auf diesen Punkt des Berichts wurde in der Diskussion besonders hingewiesen und die Notwendigkeit betont, überall einen Bau- deputierten zu wählen. Die Unternehmer beabsichtigen, im Herbst eine Verschlechterung der jetzigen Arbeitsbedingungen herbei- z"ftihren, und da gilt es für den Verband, auf der Hut zu sein, möglichst genau von den Verhältnissen auf den Baustellen unter- richtet zu werden. Die Frage der Akkordarbeit stand dann auf der Tages- ordnung. Der Sekretär Müller referierte und hob hervor, daß der Vorstand sich in mehreren Sitzungen damit beschäftigt habe und von den Mitgliedern eine Stellungnahme zu dem bestehenden Beschluß über die Akkordarbeiter erwarte. Nach diesem Beschluß soll jeder, der wiederholt Akkordarbeit übernimmt, vom Verband ausgeschlossen werden. Die Diskussion ergab, daß der allgemeine Wunsch dahin geht, unter allen Umständen an der Lohnarbeit fest- zuhalten. Die Akkordarbeit wird �aufs schärfste verurteilt und als schädlich und verwerflich bezeichnet. Unter den jetzigen Verhält- nisten kann aber der genannte Beschluß nicht in vollem Umfange aufrechterhalten werden, und daher sprach sich die Mitglieder- Versammlung in einer Resolution für eine Empfehlung an die Generalversammlung aus. ihn rückgängig zu machen. Achtung, Zigarettenarbeiter und-Arbeiterinnen? In der gestern, am 11. d. M., erneut stattgefundenen Ver- Handlung zwischen dem Zigarettenfabrikanten Herrn Otto K r e s s i n, Pappel-Allee 3—4. früher Schliemannstr. 45. und den Vertretern des deutschen Tabakarbeiterverbandes. Zahlstelle Berlin, wurden die vorhandenen Differenzen zur beiderseitigen Zufriedenheit erledigt. Am Montag, den 13. d. M., nehmen die männlichen Arbeiter die Arbeit wieder auf. Alle sich daran knüpfenden Weiterungen sind hiermit als er- ledigt zu betrachten. Die am 6. d. M. über diesen Betrieb ver- hängte Sperre ist hiermit aufgehoben. Deutscher Tzchakarbeiterverband, Zahlstelle Berlin. Ungültiges Verbot von Tellersammlungen in Versammlungen. HB Am 12. Januar tag:- in Greifswald eine sozialdemokratische Die Geschohkorbuiacher hielten in Berlin eine Konferenz ab. Versammlung. Gegen Schluß forderte Genosse Medenwald die die sich mit der gegenwärtigen Lage in dieser Branche beschäftigte.' Anwesenden auf, sich an einer Tcllcrsammlung rege zu beteiligen. Aus den einzelnen in Frage kommenden Orten wurde fast über- einstimmend berichtet, wie die Unternehmer versuchen, die Löhne auf dasselbe Niveau herunterzudrücken, auf dem die Löhne der Korbmacher im allgemeinen sich bewegen. Leider waren die Arbeiter nicht immer imstande, diesen Reduktionen in der erforder- lichen Weise entgegenzutreten, weil die Organisation unter den Korbmachern immer noch viel zu wünschen übrig lasse. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die Konferenz der Geschoßkorbmacher ist einstimmig der Meinung, daß gar keine Veranlassung vorliegt, von dem im März dieses Jahres festgelegten Preise für Geschoßkörbe abzu- gehen und den Unternehmern niedrigere Angebote zu machen. Die Konferenz spricht sich vielmehr dahin aus, daß nach den letzten Vorgängen die Unternehmer der Korbbranche überhaupt nicht vertragsfähig sind, wenn sie die festgelegten Preise nicht ein- halten. Deshalb erwartet die Konferenz, daß der Vorstand von Fall zu Fall in den einzelnen Orten entscheiden wird, was gc- schehen soll.'_ Achtung, Steinarbeitcr Berlin II! Ersuche alle Kollegen, welche bisher ihre statistischen Frage- bogen noch nicht abgegeben haben, dieses bis zum 15. Juli spätestens zu tun. Leider hat bis jetzt erst die Hälfte der Kollegen ihre Pflicht erfüllt. Laut Beschluß des Verbaudstages in Kassel ist nur derjenige unterstützungsberechtigt, welcher seine Statistikkarte aus- gefüllt und abgegeben hat. Wer also seine Statistik bis zu obigem Tage nicht abgegeben hat, mutz dann alle hieraus folgenden Kon sequenzen selbst tragen. Willy Domann, Ortsstatistiker, 17. 58, Schliemannstr. 28, Stfl. III. Deutfcbes Reich. Achtung, Schamotte- und Ziegeleiarbeiter! In Randhahnswerk zu Eisenberg i. S. sind am Freitag etwa 100 Arbeiter wegen Maß regelung zweier Kollegen, die sich weigerten, mit einem Arbeits willigen zusammenzuarbeiten, in den Streik ßctretcn. Nur die Werkbeamten und der Arbeitswillige arbeiten weiter. Der Zu zug von Ziegeleiarbeitern ist streng fernzuhalten! Der Zentralvorstand der Brauer»ach Berlin verlegt. München, 10. Juli.(Privatdepesche des„Vorwärts"). Der Verbandstag der Brauer beschloß, den Sitz de? Verbandes von Hannover nach Berlin zu verlegen. Ein Aussperrungsbeschluß gegen 190 990 schwedische Arbeiter. Die Schwedische Arbeitgebervereinigung hat am Mittwoch eine außerordentliche Generalversammlung abgehalten, in der— nach dem offiziellen Bericht einstimmig— beschlosten wurde, am 20. Juli eine allgemeine Aussperrung der bei ihren Mitgliedern beschäftigten Arbeiter zu veranstalten, falls nicht bis zum 16. Juli jeder Streik, Boykott, jede Sperre oder andere gegen Arbeitgeber, Schiffseigner, Warenempfänger usw. gerichtete Maß- regel der Arbeiterorganisationen, die direkt oder indirekt mit dein Hafenarbeiterkonflikt zusammenhängt, unter Be dingungen aufgehoben ist, die den Arbeitgebern Sicherheit bieten; und das gleiche gilt für den Konflikt bei der Schwedischen B uckerfabrik- Aktiengesellschaft sowie für die ämpfe im Baugewerbe, die ja vornehmlich den„ZeU tralen Arbeitgeberverband" berühren, aber nach Meinung jener Vereinigung die gemeinsamen Interessen aller Unternehmer der maßen bedrohen, daß auch ihre Beilegung von der Landesorgani- sation der schwedischen Gewerkschaften unbedingt verlangt werden mußte. Dieser Generalaussperrungsbeschluß, der, wenn er in vollem Umfange durchgeführt wird, gut 190 000 Arbeiter außer Arbeit bringt, hat das schwedische Ministerium veranlaßt, am Donnerstag eine außerordentliche Staatsratssitzung abzuhalten. Hier wurde beschlossen, daß die Regierung einen Vcrmittelungs� versuch machen soll, um die Aussperrung zu verhindern. Als ' riedcnsvermittler wurde der neuernannte schwedische Gesandte in openhagen, Ernst Günther, ausersehen. Die erste Einigungsverhandlung war auf den gestrigen Sonnabend anberaumt. Die in Stockholm stattfindenden Einigungsverhandlungen mit dem Zentralen Arbeitgebcrverband find, soweit bis jetzt Nachrichten vorliegen, noch nicht beendet. Sie betreffen neben dem Bau gcwerbe auch die Fuhrleute Stockholms, die bekanntlich auch ausgesperrt sind. Die Unternehmer machen nun zu einer Be dingung des allgemeinen Uebereinkommens, daß die Fuhrleute sich bei dem Hafenarbeiterstreik verpflichten, auch die Waren von gesperrten Schiffen zu transportieren, was aber seitens der Ar beiter abgelehnt wird. Der Zentrale Arbeitgeberverband hatte bekanntlich seinen Generalausspcrrungsbcschluß vom 4. auf den 11. Juli vertagt, nachdem ein vorläufiges Ucbcrcinkommcn für das Baugewerbe erzielt worden war. Diese noch nicht endgültig fest gelegten Abmachungen schließen übrigens einen Sieg der Ar beiterorganisationen in sich. Die Unternehmer ver anftalteten die allgemeine Aussperrung der Bauarbeiterschaft Stock Holms am 1. April, um eine allgemeine Lohnherabsetzung um 5 Oere die Stunde zu erzwingen; die Abmachungen aber besagen, daß die Löhne der Maurer, der Bautischler und der Zimmerer wie bisher auf 65, 60 und 55 Oere bestehen bleiben, daß die Bau- Hilfsarbeiter 40 statt 37 Oere, für Spezialarbeiten 46 und 52 Oere, erhalten sollen, die Rohrleger statt bisher 50 53 Oere, die Kupfeo 'chmicde 58 statt 55 Oere, und so sind für alle Gruppen teils die alten Löhne von neuem festgelegt, teils Lohnerhöhungen erzielt, trotz der schlechten Konjunktur und trotz aller Aussperrungen, durch die das Unternehmertum die Arbeiterorganisationen breitzuschlagen 'uchte._ Verärgerung. Herr Rexhäuser hat seinen Humor verloren. Er will über uns spötteln, aber er wütet nur wie folgt: „Die neue Redaktion des„Vorwärts" mag ihr Bemühen auf stecken, den„SimplicissimuS" nachzuäffen, denn die Figur des Kindermann war schon lange erfunden, ehe der Anonymus im„Vorw." sich als solcher produzierte. Hinter dem Harlekinsgewande des be- treffenden„humoristischen" Redakteurs steckt aber die ganze tödliche Verlegenheit des„Vorwärts", auf eine sachliche Ausführung sachlich nicht erwidern zu können und nachdem wir von 1896 bis Mai 1908 für den„Vorwärts" sehr ernst zu nehmen waren, das beweisen noch seine Zeilen vor Köln, glaubt er auf einmal uns in seine „humoristische Ecke", soweit dieselbe auS dem„Simpl", der„Jugend", dem„Kladderadatsch" usw. gespeist wird, verweisen zu können. Armer„Vorwärts", du gleichst einem Schmierenkomödianten, den man nur bemitleidet, wenn er mit seinem grotesken„Hoppla, Cousin!" das Publikum zu amüsieren versucht. Er hat einst bessere Tage gesehen, der„Vorwärts", aber hin ist hin und für'S Gewesene gibt der Jud' nichts mehr." Das ist weder bajuwarisch grab, noch geistreich zugespitzt. Herr R e x h ä u s e r ist durch unsere Zeilen offenbar in die Stimmung geraten, in der man Spiegel einschlägt. Ob das unsere„besseren Tage" waren, in denen wir den Herrn ernst nahmen, wagen wir zu bezweifeln. Herr Rexhäuser selbst hat darüber kaum ein unbefangenes Urteil; dazu geht ihm— wie Figura zeigt— die Sache zu nahe. Ausland. Eine Aussperrung der Bauarbeiter wollen die Pariser Scharf- inacher inszenieren._______ Gencbts- Zeitung Der Ueberschuß sollte Parteizweckcn dienen. Medenwald wurde wegen Uebertretung einer Polizeiverordnung des Regierungs- Präsidenten zu Stralsund vom 17. Februar 1891 angeklagt. Die Verordnung bestimmt:„Die Veranstaltung und Ausführung von Tellersammlungen in Versammlungen, bei denen die Zahlung der Beiträge und ihre Höhe in das Belieben der Geber gestellt ist, ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Ortspolizeibehörde gestattet." Die Strafkammer in Greifswald sprach den Angeklagten frei, und das Kammergericht verwarf am Donnerstag die Revision der Staatsanwaltschaft mit folgender Begründung: Das Kammer- gericht nehme in langjähriger Praxis an, daß Tellersammlungen in Versammlungen nicht an eine polizeiliche Genehmigung ge- knüpft werden dürften. Der Senat habe die Rechtslage noch mal nachgeprüft. Er habe aber keinen Anlaß, von der Judikatur ab- zugehen. Wenn dieser entgegengehalten werde, es könnte§66 des Polizeiverwaltungsgesctzcs als Stütze solcher Verordnung in Frage kommen, so sei darauf zu erwidern: Nach§ 66 gehöre zu den Gegenständen ortspolizcilicher Vorschriften die Gesetzlichkeit beim öffentlichen Zusammensein größerer Menschenansammlungen. Diese Vorschrift könnte bei Tellersammlungen in Versammlungen doch nur in Betracht kommen, wenn infolge der Sammlung beim Hinausgehen aus dem Saal ein so großes Gedränge entstände, daß eine Gefahr damit verbunden sei. Das sei nicht anzunehmen. Die Leute würden sich nicht so drängen, bloß um ihr Gel� los zu werden. Die Verordnung sei ungültig. Das dreimal heilige Eigentum. Das Landgericht in Halberstadt fällte am Donnerstag folgende zwei Urteile: Weil er auf einer Herberge einem schlafenden Tis6>ler ein Butterbrot und etwa 3 Mark bares Geld aus der Tasche genommen hatte, wurde der vorbestrafte Arbeiter Heinrich Lüdtke aus Halberstadt zu einem Jahr Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt, wobei ihm noch mildernde Umstände zu- gebilligt wurden!— Den Hausdiener Otto Fischer schickte das Gericht auf sechs Monate ins Gefängnis, weil er aus einem Tisch- lasten in einer Gastwirtschaft 50 Pf. entwendet hatte,— Heilig ist das Eigentum! Letzte JVacbncbtcn und Depcfcbcn« Zum Mannheimer Lohnkampf. Mannheim, 11. Juli.(B. H.) Zum Ausstand bei der Firma Brown, Boweri u. Co., an dem etwa 1409 Arbeiter beteiligt sind, und der schon 5 Wochen dauert, teilt die „Volksstimme" mit, daß Verhandlungen zwischen dem Ver- bände der Industriellen und deni Metallarbeiterverband im Gange sind. Ein Ergebnis ist indessen bis jetzt noch nicht erzielt worden_ Schutz vor dem„Schiitz"mann! Offenbach, 11. Juli.(B. H.) In der vergangenen Nacht zwischen 2 und 3 Uhr kam es auf dein Weg vom Schützenplatz nach der Stadt zwischen dem Kaufmann Braß und dem Schutzmann Schmunk zu einem Wortwechsel, weil Schmunk eine sich in der Begleitung des Braß befindliche Dame belästigt hatte. Schmunk zog den Säbel und verletzte den Braß an der Hand schwer, ferner erhielt der Lehrer Kuch, der auch in der Begleitung des Braß war. einen Säbelhieb über den Kopf. Einer Frau wurde das Ohr durchgehauen. Die Verletzten wurden auf der nächsten Sanitätswache verbunden. Notleidende oder„Notleidende"? Mainz, 11. Juli.Siichdr,ii, Berlagsemstalt Mul Singer& Cö., Brrlin SW, Dir Rattenplage. Passau, 11. Juli.(B. H.) In Schwarzach wurde ein achi Monate altes Kind von Ratten angefressen. Als daS Gewimme' von der Mutter gehört wurde, war das Kind bereits entsetzlich zu gerickitet.__ Hierzu ILeilagm. � Nr. 161. 25. Jahrgang. L Sfüagc ilrs Jotmärls" ßetliiitt pIMIntt. Sminfnü, Zur Frage der lugendorganitatioo. Wenn es nutzlos ist. im Kampf mit unabwendbaren Eni- Wickelungstendenzen die Kräfte zu vergeuden, so scheint es mir noch weniger angebracht, aus Furcht vor möglicherweise kommenden Gegenaktionen auf Dinge, die an sich nützlich und wertvoll sind, zu verzichten. Der Mannheimer Parteitag hat beschlossen:„Das allerwärts sich vollziehende Erwachen der Jugend zu selb- ständiger organisatorischer Betätigung wird be- grüßt. Die Parteigenossen werden aufgefordert, überall, w o die Vereinsgesetze es gestatten, die Gründung und Weiterentwickelung von Jugendorganisationen zu fördern." Der Beschluß wurde einstimmig gefaßt. Er stand unter dem Eindruck der kurz vorher ins Leben getretenen Be- wegung der süddeutschen, ausgesprochen politischen Jugendorganisation. Unmittelbar auf den Parteitag folgte die Generalversammlung dieser „jungen Garde", in der u. a. Genosse Karl Liebknecht iir ausführlichem Referat die Stellung zum Militarismus behandeln sollte(wie er es in der Parteitagsnummer des Organs bereits getan hat). Und Genosse Frank hatte in seiner Begründung des Antrages ausdrücklich die Aufklärung der jungen Leute über den Militarismus für notwendig erklärt und die antimilitaristische Dernonstrationsweise böhmischer Rekruten als vorbildlich hingestellt. Weder Genosse M o l k e n b u h r. der sich schon zwei Jahre früher in Barmen als Gegner antimilitaristischer Propaganda bekannt . hatte, noch Genosse Robert Schmidt nahmen damals Anlaß, eine abweichende Ansicht zu vertreten. Danach stand also fest, daß sogar die schärfere politische Richtung der Jugendbewegurg dort, Ivo sie möglich war, auf die Sympathie und die Unter- stützung der Partei rechnen durfte. Daß diese Richtung dabei im Vordergrund der Betrachtung stand, erklärte sich außer den» be- sonderen Interesse, das sie der Partcivertretung einflößen mußte, aus lokalen Gründen. Eine abweisende Haltung gegen die un- politische, in die Schranken norddeutscher Vereinsgesetze gezwängte Jugendorganisatton lag darin durchaus nicht. Hatte doch Karl Liebknecht unter lebhaftem Beifall des Parteitages erklären können:„Auch dort, wo die Jugendorganisationen nicht politische sind, sollte die Partei erklären, daß sie ihnen sympathisch gegenüber- steht. Es ist Pflicht des Parteitages, auch nach Norddeutschland den jungen Leuten zuzurufen:„Wir sind mit Eurer Tätigkeit einver- standen." So 1906. Inzwischen hat sich durch das Reichsvereinsgesetz die Sachlage verändert. Die süddeutsche Organisation hat ihre Auf- lösung beschlossen und der Gewerkschaftskongreß hat einen Beschluß für Jugend-Bildungskommissionen und gegen besondere Jugend- organisationen gefaßt. Die Begründung dieser Resolution durch Robert Schmidt war dabei im wesentlichen gerichtet gegen die politische, seit der Darmstädter Versammlung in Deutschland nicht mehr bestehende Organisation, ihre Wirkung aber soll sich gegen die noch vorhandene, lebendig und gedeihlich sich betätigende norddeutsche Organisation richten. Ich halte das für bedenklich und will, so lange es noch Zeit ist, gegen die Erdrosselung einer ge- sunden Organisation Stellung nehmen. Es ist müßig, nach- dem die Süddeutschen kampflos die Waffen gestreckt haben, gegen diese Entschließung nachträglich zu polemisieren. Meines Erachtens hätte nichts sie verhindert, auf den Boden des neuen Gesetzes zu treten, d. h. auf die politische Betätigung zu verzichten und im übrigen Iveiter zu arbeiten. Was Lehrlinge unter dem preußischen, dein sächsischen Vereinsgesetz, den Stubenrauch zum Trotz, fertig gebracht haben, das wäre unter der milderen süddeutschen Ver- waltungspraxis auch künftig mit Leichtigkeit möglich gewesen. Und die Organisation hätte der norddeutschen, die an ihrer bewährten Taktik nichts zu ändern braucht, sich anschließen können. Wir hatten dann die einheitliche Jugendbewegung für das ganze Reich. Das ist nunmehr nicht mehr möglich. Wohl aber ist es möglich und meiner Ansicht nach notwendig, die bestehende norddeutsche Organisation zu erhalten und ihre Ausdehnung auf das ganze Reich zu befördern. Ich will, weil es keinen praktischen Zweck mehr hat, auf die Angriffe Schmidts gegen die am Selbstmord verschiedene politische Jugendorganisation nicht mehr eingehen, wenngleich ich sie nach meiner Kenntnis dieser Bewegung im ganzen für unzutreffend halte. Umso wichtiger aber ist es, das zu retten, was noch zu retten ist, dessen Preisgabe wir vielleicht später bitter bereuen müßten. Was Genosse Schmidt der bestehenden Organisation vorwirft, läßt sich etwa zusammenfassen in die zwei Worte: Unreife und Machtlosig- keit. Soweit die letztere vorhanden ist, liegt das zum guten Teil an der Jugend der Bewegung. Auch der Holzarbeiterverband hat nach dreijährigein Bestehen nicht an Reichstarif und dergleichen dcnkeil können. Zunr anderen beruht sie auf der ungenügenden Unterstützung, mitunter selbst offenen Feindseligkeit der an den einzelnen Orten maßgebenden Genossen. Im übrigen ist es zwar nicht die Aufgabe der Jugendorganisation, eine selbständige Macht zu gewinnen und wirtschaftliche Aktionen zu unternehmen. Auf dem Gebiete des Ar- beitsverhältnisses hat sie Aufklärung über die gesetzlichen Vorschriften und die tatsächlichen Verhältnisse unter den jungen Leuten zu ver breiten und ihnen zur Wahrnehmung ihrer Rechte behilflich zu sein, ferner die Gewerkschaften durch Anregung und Materialbeschaffung auf ihre Pflichten gegen die jungen Kollege»— schon das Wort wird vielen Gesellen als Verletzung ihrer Würde erscheinen— hin zuweisen. Daß da noch lange nicht alles ist, wie es sein sollte, ja, daß viele Mißstände in den älteren Mitarbeitern selbst ihre Quelle haben, das hat ja auch Schmidts Referat deutlich ausgesprochen Das brutale Vorgesetztenverhältnis der Gesellen zum Lehrling, von dem er spricht, ist kaum die geeignete Unterlage für eine Interessenvertretung der letzteren durch jene, unter Verzicht auf die Selbsthilfe des Lehrlings. Und mit dem, was tatsächlich vorhanden, nichr mit dem, was wünschenswert ist, haben wir zu rechnen. Und was den Mangel an Reife betrifft, so haben auch die Ge werkschaften, und ebenso die Partei, recht viel lernen müssen, ehe sie ihren heutigen Erfahrungsstand erreicht haben. Und dieses Selbst- lernen aus eigener Erfahrung hat sie stark gemacht, besser, als es die Lehren anderer, vertrauensvoll aufs Wort angenommen, hätten tun können. Auch kann man nicht sagen, daß die Jugendlichen einen besonders auffälligen Mangel an Takt und Geschick bewiesen hätten. Im Gegenteil. Der ruhige und erfolgreiche Kampf gegen die Jünglingsvermuckerungsvereine, die besonnene Art, in der sie gegen Polizei und Justiz ihr Dasein verteidigt haben, spricht am besten für ihre Fähigkeit, zu existieren, und die erziehlichen Wirkungen der Selbstverwaltung. Es gibt aber noch eine Anzahl positiver und wichtiger Gründe für die Erhaltung der Lehrlingsorganisatun. Wenn die einzelnen Gewerkschaften, wie die Lithographen es so erfolgreich getan, auch die Transportarbeiter eS eingeleitet haben, Jugcndsektionen gründen, so ist das sicher gegenüber dem heute vor- herrschenden Mangel an jeder Organisation der jungen Leute ein Fortschritt. Es hat aber den Nachteil, daß es von Anfang an die Berufszersplitterung in hie Jugend hineinträgt. So ver- Verblich im ganzen die frommen Vereine auf die geistige Eni- Wickelung wirken, sie haben doch den einen Vorzug, daß sie ihre Angehörigen als Menschen, nicht ohne religiöse und politische Voreingenommenheit, aber doch ohne Rücksicht auf ihre gewerbliche Stellung zusammenfassen. In dem Maße, in dem die praktische Kleinarbeit in den Vordergrund tritt, muß ohnehin der erwachsene Arbeiter sich als Spezialist, als Berufsarbeiter, als gewerkschaftlicher, politischer, genossenschaftlicher, sozialpolitischer, kommunaler, spart Itcher usw. Funktionär fühlen. Die allgemeine Menschlichkeit, die Erfassung des sozialen Ideals inuß dahinter zurücktreten, oft durch die Art der äußeren und inneren Känipfe direkt leiden. Um so wichtiger ist eS, wenigstens die heranwachsende Schicht jeder solchen Art von kleines f cuülcton. Die Verbrennung der Guillotine während der Kommune. Maxime V u i l l a u m e, der zur Zeit der Kommune mit Raoul Rigault, Vcrmersch u. a. zu jener jakobinischen Mehrheit gehörte, die in ihrer Verständnislosigkeit für die moderne proleta- rischc Bewegung den Pariser Ausstand zu einer Nachäfsung der Kommune von 1793 reduzieren wollte, hat sich von einem Leit- artikler des blutrünstigen„Pere Duchene" zu einem sanften Ossi- ziosus Clemenceaus entwickelt, der in der„Aurore" halb bramar- basierend, halb reumütig und immer betriebsam Bilder aus jenen tollen Jugendtagcn aufrollt. Anläßlich der Diskussion über die Todesstrafe erinnert er an die bekannte symbolische Verbrennung der Guillotine durch die Kommunarden und beleuchtet diese für die Psychologie der Revolution von 1871 sehr charakteristische Episode mit einigen interessanten Details. Er erzählt: Am 6. April— die Kommune saß seit einer Woche im Stadthaus— wirbelten die Trommeln im 11. Arrondiffement, oder genauer in dem Teil dieses Arrondissements, der um das heute verschwundene Gefängnis der Roquctte und die Mairie der Place Voltaire lag. Was bedcu- tele das? Einen neuen Ausfall? Man hielt die Trommler an. Der Sammelplatz war die Place Voltaire.— Bald war sie dicht gefüllt. Nationalgarden, Frauen, Kinder. In der Mitte, um den Sockel des Denkmals, ein großer freier Raum, von Mannschaften des 137. Bataillons eingezäunt. Es ist 11 Uhr morgens. Bald er- scheint eine starke Abteilung Nationalgardc. Dahinter 12 Männer. die einen mit Zimmerholz beladenen Karren umgeben. Das ist das Holz der Gerechtigkeit, die scheußliche Guillotine, die man in ihrem Schuppen in der Rue de la Folie-Mericourt geholt hat. Der Zug hält zu Füßen der Statue Voltaires. Die Balten werden auf den Boden geworfen. Obenauf blinkt eine ungeheure Klinge. Das Richtbeil. Oder genauer gesagt: zwei Richtbeile. Denn der Schuppen hat die schreckliche Maschine in zwei Exemplaren bchcr- bergt. Man schichtet aus dem Gebälk einen Scheiterhaufen auf und legt Feuer an. Die Flamme schlägt empor und bald steht das Ganze in Glut. Frauen eilen herzu, um die glimmenden Scheite herauszuziehen, sie als Andenken an die Verbrennung der Guillo- tine aufzubewahren. Und der Rauch umkost die Züge des Philo- sophen von Ferney.— Wie Vuillaume feststellt, ist die Verbren- nung der Guillotine nicht auf einen Beschluß der Kommune zurück- zuführen, sondern auf den bloßen Aufruf eines Bezirkskomitees. Daß die Kommune aber den Akt gebilligt hat, geht daraus hervor, daß ihr„Journal ofsicicl" am 10. April den Aufruf wiedergab, in dem die Bürger aufgefordert werden, durch die Zerstörung des Mordinstruments den Bezirk zu reinigen und die neue Freiheit einzuweihen.— Als die„moralische Ordnung" des Thiers gesiegt hatte und nach den Massenfüsilladen des G a l l i f f e t wieder Raum für den Kleinbetrieb des bürgerlichen Henkers gekommen war, be- eilte sich die Regierung, die verbrannten Guillotinen wieder er- setzen zu lassen, und der Roquetteplatz wurde von neuem der Schau- platz der entsetzlichen Hinrichtungsszcnen, die den Pöbel der Welt- stadt anlockte» und� durch die Gelegenheit zur niedrigsten Theatralik eher den Anxeiz zum Pepbxechcst als eine Abfchcechyng bedeuteten. Nach der Niedcrlegung des Gefängnisses gab die Gemeinde keinen 1 Platz zur Aufstellung der Guillotine mehr her, und so wurde in Paris keine Hinrichtung mehr vollzogen. Jetzt freilich beeifern sich Reaktionäre aller Nuancen, ihr eine neue Heimstätte zu sichern. Lieblingsfächcr in der Schule. In letzter Zeit hat man mehr- fach Erhebungen über die Frage angestellt, welche Schulfächer bei den Schülern beliebt, welche unbeliebt seien. In der Umschau teilt E. Oppermann einige interessante Resultate dieser Umfragen bei Schülern mit. In Kiel ergaben sich bei 6248 Schülern und Schüle- rinnen folgende Beliebtheitswerte, wobei sich die erste Prozentzahl auf Knaben, die zweite aus Mädchen bezieht: Biblische Geschichte 5,09 und 5,92, Katechismusunterricht 0.34 und 3,14, Deutsch 5,06 und 4,84, Rechne» 9,15 und 8,95, Raumlehre 4,70, Geschichte 13,27 und 8,77, Geographie 3,14 und 3,98, Naturkunde 6,89 und 5,14, Zeichnen 9,64 und 3,48, Singen 5,13 und 8.06, Turnen 18,72 und 19,38, fremde Sprachen 4,64 und 7,05, Schreiben 3,56 und 3,83, für Mädchen noch Handarbeit 21,24 und Kochen 20,75. Bei den Knaben sind beliebt: Turnen, Zeichnen, Geschichte, und in erheblich geringerem Grade fremde Sprachen. Gleichgültig lassen sie Singen, Lesen, Naturbeschreibung und Schreiben.'Im Rechnen sind die Meinungen geteilt. Unbeliebt sind Aussatz, Geographie, Naturlehre, Raumlehre, Religion und Deutsch. Bei den Mädchen ergab sich eine allgemeine Vorliebe für Handarbeit, Rochen, Turnen und fremde Sprachen: gleichgültig ließen Lesen, Zeichnen. Geschichte, Singen. Schreiben, Religion, Aufsatz. Verschiedene Meinungen wurden bei Deutsch und Rechnen geäußert. Unbeliebt waren Raumlehre, Naturbeschreibung, Naturlehre. Geographie und deutsche Grammatik, lieber die Beliebtheit des Religionsunterrichts hat Oppermann kurz vor der Konfirmation 140 Schülerinnen der ersten Klasse einer Mädchen-Bürgerschule in Braunschweig, davon 94 Konfirmandinneu. befragt. Er ließ elf an die Tafel geschriebene Fächer nach ihrer Beliebtheit von jedem Mädchen ordnen; dabei setzten nur 34,30 Proz. den Religionsunterricht in eine der ersten sechs Stellen, fast zwei Drittel in die fünf letzten Stellen, über die Hälfte in eine der vier letzten Stellen und über 44 Proz. in eine der drei letzten Stellen. In der durchschnittlichen Wertung kann somit der Religionsunterricht kaum die achte von elf Stellen für sich in Anspruch nehmen. Die Furcht vor dem Scheintod. Der Gedanke, in einem Anfall von Scheintod begraben zu werde» und unter der Erde nochmals zu erwachen, hat etwas so unsagbar Grausiges, daß viele Menschen sich nicht davon losmachen können. Weit mehr als nötig I denn die meisten Schauergeschichten dieser Art kann man ruhig ins Fabelreich verweisen. Trotzdem findet man in den lctztwilligen Verfügungen, sofern sie nicht Feuerbestattung verlangen, nicht selten den Wunich, daß jeder Eventualität durch Ausführung des Hcrzstiches oder Oeffnen der Schlagadern an der Leiche vorgebeugt werde. Der Lancet, der sich anläßlich einer vor kurzem erschienenen und bald danach widerrufenen Zeitungsente von einer „lebenden Frau im Sarge" mit dieser Sache beschäftigt, weist die Möglichkeit ganz vereinzelter Fälle nicht vollkommen ab. Wo aber ärztliche Totenschau besteht, ist jeder Irrtum ausgeschlossen. Fälle von Scheintod sind-an sich äußerst selten, und solche, die vom Fach- mann nicht erkannt werden könnten, gibt es nicht. In Deutschland Spezialisten- und Fachidioten tum zu entziehen. ihr unverlierbare Güter der einfachen und gemeinsamen Menschlichkeit mitzugeben fürs ganze Leben. Darum keine trennende, sondern zusammenfassende Organisation I Nun sind ja auch solche gemeinsame Veranstaltungen zum Zweck der Bildung wie der Interessenvertretung der jungen Arbeiter ge- plant. Und zweifellos werden sich da manche Kräfte finden, wie die Jugendliche», die erst Werdende sind, sie nicht zu bieten vermögen. Ja, es sollen sogar einige Vertreter der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen hinzugezogen werden. Herz, was begehrst Du mehr? Da möchte ich zuerst fragen: warum er st jetzt? Warum haben die klugen, erwachsenen Leute das nicht schon früher getan, statt den Jungen mit ihrer Unerfahrenheit und Täppischkeit darin den Vortritt zu lassen? DaS soll keine Anciennetätsstreiterei bedeuten, sondern auf die einfache Tatsache hinweisen, daß sich dort aus innerem Drang natürlich entwickelt hat, was hier aus Ueberlegung künstlich gemacht werden soll. Die BildungS- kommissionen sollen geschaffen werden— dort sind sie schon vor- Händen. Nebenbei, man möge nicht glauben, daß die Jungen bisher hochmütig die Beratung durch ältere Freunde ihrer Bewegung zurückgewiesen hätten. Im Gegenteil, man hat sie gewünscht, und an einer Reihe von Orten ist die Leitung der Bewegung zunächst von älteren Genossen besorgt worden. Aehnlich nnt dem Lehr- lingSschutz.„Das brutale Vorgesetztenverhältnis der Gesellen zum Lehrling muß in ein gegenseitiges Vertrauens- Verhältnis umgewandelt werden." Sollte man nicht zuerst diese Umwandlung vornehmen, ehe man die brutalen Vorgesetzten den Untergebenen als Sachwalter bestellt? Und wie, wenn derLehrlingsschutz gegen den Gesellen geübt werden muß? Soll man denn den Gutsherrn beim KreiSauSschuß verklagen? Ich denke, die Arbeiterbeweguirg hat reichlich den Beweis geliefert, daß man besser selbst für seine Interessen eintritt, als daß man sich auf das bloße Wohlwollen anderer, die oft entgegengesetzte Interessen wahrzunehmen haben, verläßt. Soweit dieses Wohlwollen wirklich vorhanden ist, kann eS sich teichlich durch die Schaffung von Kommissionen für Lehrlings- schlitz neben den Lehrlingsorganisationen betätigen, statt ihnen den Garaus zu machen nach dem bewährten Grundsatze:„Ich bin groß und du bist klein." Ein weiterer, sehr wichtiger Punkt ist das, was Genosse Schmidt die Vereinsspielerei und Vereinsmeierei nennt. Daß von diesen Lastern auch die Erwachsenen oft nicht ganz frei sind, ist einem Manne von der reichen Erfahrung Schmidts sicher nicht unbekannt. Daß sie sich bei den Jugendlichen in besonders gefährlichem Matze in den Vordergrund gedrängt hätten, habe ich als aufmerksamer Beobachter ihrer Bewegung nicht gefunden. Jedenfalls müßte es nicht nur gesagt, sondern auch bewiesen werden. Ich darf aber wohl an- nehmen, daß Sch. überhaupt die bloße Tatsache der Vereinsorgani» sation schon als Vereinsspielerei ansieht. Wie ja auch die alten Lassalleaner hinsichtlich der lokalen Vereinsorganisation überhaupt so dachten, ohne daß sie diese notwendige und— trotz mancher Nachteile— auch nützliche Bewegung dannt hätten aufhalten können. Ich bin daher auch hier ein entschiedener Anhänger der Selbst- Verwaltung, die ein gutes Stück Schulung, Selbsterziehung in sich birgt. Gerade das kann selbst die beste Kommission nicht leisten. Und sollte wirklich heute, wo man selbst in höheren Schulen das Vereinswesen der Schüler, die nicht reifer sind als die im rauhen Erwerbsleben stehenden jungen Arbeiter. zu dulden beginnt, wo in Amerika mit freiester Selbstregierung von Straßenjungen und jungen Verbrechern glänzende Erfolge erzielt werden, die deutsche Arbeiterbewegung es als ihre Aufgabe ansehen, urwüchsig gewordene, von ernsten und gut gesinnten jungen Leuten geschaffene und geleitete Organisationen zu zerstören? Man blicke hinüber nach O e st e r r e i ch, wo die Jugendbewegung von Anfang ,oit sich der eifrigen Förderung durch Partei und Gewerk- schaften crfteut und eine treffliche EntWickelung genommen hat! Was den Lehr- und Unterhaltungsstoff betrifft, der zu bieten ist. so ist ja die Politik bereits durch das liberale Vereinsgesetz aus- ist eS zum Teil gebräuchlich, den Leichen, die in den Totenkammern aufgebahrt liegen, um eben den wirklichen Eintritt des Todes fest- stellen zu können, eine Klingelvorrichtung in die Hand zu geben. Dazu hat eine berühmte ärztliche Autorität die sarkastische Bemerkung gemacht:.Seit Bestehen dieser Räume hat noch nie jemgtld läuten gehört." Humor und Satire. Kricgsgesang der Lieferanten. Chor(korts): Ha, Deutschlands Ehre ist bedroht! S 0 l o 1(piano): Mir tun ein paar Millionen not; des Krieges Wohltat spür' ich, j Geschosse fabrizier' ich. Chor(karte): Ha, wie der Erbfeind uns bedräut! S o l o 2(piano): ES ist die allerhöchste Zeit, ich brauch' ein paar Millionen; die krieg' ich für Kanonen. Chor(karte); Ha. Deutschlands Ehre ist beschmutzt! Duett(piano): Der Krieg hat uns von je genutzt. � Tenor: Ich lies're Stiefelwichsen— Baß:— und ich Konservenbüchsen. Chor(körte): Ha. Deutschland ist vom Feind umstellt! Solo 3(piano): Ich brauche Geld und nochmals Geld. DaS wird ganz leicht errungen durch Erbswurstlieferungen. Chor(körte): Ha, unser Kaiser ward verhöhnt! S o l o 4(piano): O. wie mein Portemonnaie sich sehnt nach Geldern, nach enormen... Ich lies're Uniformen. Chor(körte): Ha, Deutschlands Ehre ist verletzt I Quartett(piano): Wir schnappen große Summen jetzt Auf Gott den Herrn vertrau'» wir— {crescendo}: die Panzerschiffe bau'» wir. Dutti(kortissimo): Ganz Deutschland ist in UNS gekränkt; dazu die Fürstenhäuser. Drum auf, die Schmach in Blut ertränkt! Mit Gott für unfern Kaiser! lpiani-simo): Zweikunderttausend schießt man tot« von Krüppeln ganz zu schweige», Wir aber sind aus aller Not und tanzen einen Reigen. Franz. geschlossen. Sonst bin ich, im Gegensatz zu den Legienschcn AnMhruujen, gar nicht der Meinung, daß die theoretische Beschäftigung auch mit diesen Fragen dem jugendlichen Alter nicht zieme. Da» Aelter- und Neiferwerdeu besorgt die Zeit ganz von selbst. Aber � wie wir unseren Programmpnnkt des Wahlrechts für Z w a n z i g j ä h r i gjje— in einigen schweizerischen Kantonen ist es schon heute für Achtzehnjährige Gesetz— verwirklicht denken, ohne daß vorher Aüfklärnng über diese Fragen erfolgt, ist mir nicht klar, lind ich glaube, daß die Beschäftigung mit der Menschheit großen Gegen st än den zu den wich- tigsten Erziehungsmitteln gehört, und mit Fichte halte ich jede Wissenschaft und Bildung, die nicht den Zweck hat, dem Leben technisch- praktisch oder sozial- ethisch zu dienen, für müßiges Spiel. Noch eins sei nicht vergessen. Die Selbstverwaltung der Jugendvereine hat sich bewähr t. Sie hat den Erfolg für sich. lind in den Kreisen der Jünglingsvereine beginnt man darum, sie in gewissem Umfange nachzuahmen. Glaubt man den schweren Kampf gegen diese umfassende und reichdotierte Organisation zu er- leichtern, wenn man es ihnen überläßt, bewährte demokratische Berwaltungsmaximen in ihrer Art anzuwenden, sie selbst aber preis- gibt? Die heutige Großstadtjugend liebt die Bevornnindung nicht. Ein gutes Agitationsmittel ist sie darum nicht. Ebenso möchte ich es vermieden sehen, daß man etwa eine Anzahl der eifrigsten und feurigsten jungen Leute durch das Bemutterungssystem, das sie der- schmähen, in die stets geöffneten Arme der A n a r ch i st e n triebe. Eine Gefahr für die Gesamtbewegung läge darin unter unseren Ver- Hältnissen zunächst nicht. Aber es wäre schon schade um einzelne, die so in mannigfacher Richtung unheilvoll beeinflußt werden und einen „Knacks" fürS Leben bekommen könnten. Schließlich— wenn in einer odet der anderen Frage die Jungen von den Alten abweichen sollten, ist's auch kein Unglück. Die Jagd auf„Irrlehren" wollen wir den Römischen und den Preußischen überlassen; ich sehe keinen Schaden, wenn in einigen Punkten die Jugend neue Ideen aufnimmt, ehe sie von den verschiedenen bischöflichen Stühlen„approbiert" sind. Als der beste Kritiker wirkte auch hier EntWickelung und Erfahrung. Um indes den einmal gefaßten Beschluß— der ja dazu noch auf„Vereinbarung", also Wohl mit der Parteileitung, be- ruht— nicht nachträglich und nutzlos zu bemängeln, möchte ich einen Vorschlag zur Güte machen: Man jchaffe die Schutz- und Bildungskommissionen für die Jungen, aber man lasse sie mit den bestehenden Jugendorganisationen Hand in Hand arbeiten und lege der Gründung solcher Organisationen nichts in den Weg. Möge dann jeder Teil die Kraft seines Ringes erproben— nach einigen Jahren wird sich beurteilen lassen, welche von beiden Formen sich besser bewährt hat. Ich vermute, daß man dann zu einer engen Aneinandergliederung beider, ohne Becin trächtigung der Selbständigkeit des einen Teils, kommen wird. Sollte das heute schon zu erreichen sein, dann um so besser. Wenn nicht, möge sich die Jugendbewegung, wie eS jahrelang auch die Frauenbewegung hat tun müssen, ohne die Anerkennung zahlreicher maßgebender Genossen aus eigenen Kräften weiter ent- wickeln und mit Gesetz und Verwaltungspraxis einrichten. Schließ lich würde auch sie, wie die Frauenbewegung, die allgemeine Air erkennung erringen. Aber man hüte sich, ein blühendes Gewächs, weil es nicht in die momentan geltende gärtnerische Mode paßt, lcichthiir auszureißen und auf den Moderhaufen zu werfen. ES wäre jündhast, und man dürste eS später zu bereuen haben. Simon Katzenstein. einer ungünstigeren Position als sein englischer Kollege. Die Mieten sind in England niedriger als bei uns, die Löhne dagegen höher: nach den Feststellungen des Gelbbuches erhalten die deutschen Arbeiter in den Hauptfabrikationszwcigcn ungefähr 17 Proz. an Löhnen weniger als die Engländer bei einer Zahl von wöchent- lichen Arbeitsstunden, die ungefähr 10 Proz. höher ist als die der Engländer� Die� selbstverständliche Folge ist schlechtere Lebens- Haltung, insbesondere schlechtere Ernährung. Ter deutsche Arbeiter verzehrt wenig Ochsenfleisch, viel Schtveineflcisch und Schwarz brot oder Graubrot an Stelle von Weißbrot. Pferdefleisch ist nichts außergewöhnliches. In Berlin wurden im Jahre 1904 11 192, im Jahre 1905 13 752 Pferde geschlachtet, in Hamburg in den selben Jahren 4430 resp. 5300. Nahrung, Miete und Feuerung zu sammen stehen im Preise ungefähr ein Fünftel höher als in Eng land. Das typische englische Arbeitcrbudget beträgt 185 Schilling Es würde, dieselbe Lebenshaltung vorausgesetzt, in Deutschland au: 218% Schilling steigen, während das durchschnittliche deutsche Ar beiterbudget mit 152 Schilling berechnet, in England au 141% Schilling sinken würde. Speziell die deutschen Methoden zur Erhöhung der Fleisch preise werden recht eingehend untersucht, und die Feststellungen des Gelbbuches dürften die neuerdings auch in England aufgetauchten Anregungen, die Grenzen gegen ausländisches Bieh zu sperren, um die heimische Viehzucht zu fördern und Großbritannien vom Auslande unabhängig zu machen, im Keime ersticken.„Haben Sic,' so fragt die volkswirtschaftliche Wochenschrist„Economist" die Bc fürworter jener Politik,„sorgfältig�dic' Wirkungen dieser Politik in Deutschland durchsucht und sind Sie bereit, unseren arbeitenden Klassen die Lebensbedingungen aufzuerlegen, die in Deutschland gerade infolge eben dieser Politik herrschen?" Warenpreise im Juni. Die Zusammenstellung der„Statistischen Korrespondenz über die Durchschnittspreise nach den Notierungen an 23 Marktortcn ergeben für den Juni 1908 im Verhältnis zum gleichen Monat des Vorjahres wiederum teilweise nicht unerhebliche Steigerungen, wie folgende Aufstellung ausweist. Es kostete im Kleinhandel 1 Kilogramm Juni Steigerung 1007 139 Pf. 101.. 238„ 159.. 34„ 1008 148 Pf. 103„ 249. 101. 36. 32„ 863„ 9 2 Ii 2 2 2 17 Pf. Hus Industrie und Kandel. Eine Wahlrechtsbrwegung der Jndnstriegewaltigen versucht die Handelskmwner in Schweidnitz in Fluß zu bringen. In deren letzter Sitzung beklagten sich die kapitalmächtigen AuS- beuter der Eulengebirgsweber und der Waldenburger Kohlengräber gar herzerweichend über ihre schändliche Einflußlofigkeit in den KreiS- tagen und Provinziallandtagen. Während Großindustrie und Groß- Handel zu den Verwaltuugslasten der Kreise und Provinzen den größeren Teil aufzubringen hätten, sei das Wahlrecht zu diesen Körperschaften durchaus agrarisch, insofern als eS an den Grundbesitz gebunden sei, während Aktien- gesellschaften und andere industrielle und Handelsgesellschaften trotz ihrer gewaltigen Steuerabgabcn wahlrechtslos seien. Die Handels- kammer beschloß daher, einer Petition an den Minister sich anzu- schließen, in welcher eine Abänderung der Kreisordnung dergestalt gefordert wird, daß auch das Wahlrecht der Aktiengesellschaften und Gesellschaften mit beschränkter Haftung auf eine andere Grundlage zu stellen ist. Die ausgeprägtesten dieser freikonserbativen Wahlrechtsräuber sich selbst in eigenen Wahlentrechtungsschmerzen krümmen zu sehen, ist ein Anblick für Götter!_ Praktiken der Versicherungsgesellschaften. Man schreibt uns: Die im..Vorwärts", jüngst mit Recht gerügte Manier, auf Umwegen Extralcistungcn der Versicherten zu ergattern, beschränkt sich nicht auf die VolkSversichcrung. Einsender ist bei der Norddeutschen Feuerversicherungsgesellschaft gegen F�uer-, Wasser- und Einbruchsschaden versichert und pflegt die Prämien einzusenden. Am 1. Juli erschien ein Einkassierer der Gesellschaft, der für zwei dieser Versicherungen die Prämien einzog und laut seiner Vor- schrift dabei 39 Pf. Einziehungsgebühr erhob. Ich zog dann bei Einsendung der dritten Prämie diesen Betrag ab, was die Gesellschaft sich ruhig gefallen ließ. Da dies vermutlich die meisten Versicherten unterlassen, tragen sie ohne jeden Rcchtsgrund eine Mehrleistung, die bei den kleinsten Versicherungen volle 19 Proz. ausmacht. Bei der Volksversicherung der„Pikwria" ist die Er- Hebung der Groschengcbühr leider nicht anfechtbar, da sie in der Police bereits Ausnahme gefunden hat. Bei den Millionen von Versicherungen, die da laufen, können mit diesen Armeleutegroschen ein guter Teil der Verwaltungskosten gedeckt werden, und es bleiben weitere Hunderttausende für Riescngehälter und Riesendividenden der Begünstigten. Wenn irgendwo, so wäre auf dem Gebiete der Versicherung die Verstaatlichung angebracht. Namentlich die Volks- Versicherung, bei der fast nur Arme in Betracht kommen, müßte dem Profitinteresse der Kapitalgesellschaften entzogen sein. Einen Schritt in dieser Richtung hat neuerdings der Zentralvcr- b a n d deutscher Konsumvereine getan, der nicht nur in eigener Regie eine Invaliden- und Hinterbliebcnenversicherung für die Angestellten der angeschlossenen Bereine geschaffen und die Jen- tralisation des Versicherungswesens der Vereine mit erheblicher Verbilligung der Prämien eingerichtet, sondern auch die Feuer- Versicherung der einzelnen Mitglieder in die Wege geleitet hat, bei der sich die Prämienzahlung bequem und kostenlos durch Abzug von der Rückvergütung auf die bezogenen Waren voll- zieht.'__ Die Lebenshaltung der deutschen und englischen Arbeiter. Die Regierung in England hat die Herausgabe eines Gelb- buches veranlaßt, in dem ein sehr umfangreiches Material über die Lcbenskosten in deutschen Städten zusammengestellt wird. Auf 099 Seiten werden, wie eine Korrespondenz des Handelsvertrags- Vereins mitteilt, Untersuchungen veröffentlicht, die sich auf 33 deutsche Städte erstrecken und 5940 Familienbudgets umfassen. '. Lv jeder Bczichuvg. ist vex dMchc DllrKschluttÄZibei.tep 40 Schweinefleisch. Geräucherter Speck Eßbutter... Schweineschmalz Weizen.... Roggen...... 30 1 Schock Eier... 846 Die Preise für die übrigen Fleischsorten sind unbedeutend gefallen, um 1 Pf. bei Hammel- und Kalbfleisch, um 2 Pf. bei Rindfleisch vom Bauch und um 3 Pf. bei Rindfleisch von der Keule. Demnach ergibt sich eine ziemlich erhebliche Ver teuerung der Lebenshaltung. Die Verteuerung tritt aber erst recht in Erscheinung bei cinent Vergleich mit den Durchschnitts preisen des Hochkonjtinkturjahrcs 1900. Für 1 Kilogramm stellten sich die Preise wie folgs: Bei Verschlechterung der Arbeitsgelegenheit enorme Vcv teuerung der wichtigsten Lebensmittel und dazu Aussicht auf Steigerung der Steuerlasten, das sind die Folgen neudcutscher Wirtschaftspolitik._ Der englische Austenhandel. London, 9. Juli. Der Geschäftsrückgang in England zeigt sich sowohl in den Staatsfinanzen wie auf dem Arbeitsmarkt und dem Außenhandel. Die Staatseinnahmen gehen zurück, der Prozentsatz der Arbeitslosen wächst. Folgende Tabelle zeigt den Außenhandel des Monats Juni 1908 und der sechs Monate bis Ende Juni, und die Abnahme(—) gegen die gleichen Zeitabschnitte des Jahres 1S07: Juni 1908. in Pfund Sterling ... 40 130 282-1 669 263- 3,5 Proz. ... 28 953 139—4 157 930-12,5, ... 0029 312-1008 914-15.1. Monate bis Ende Juni 1908. .. 298 306 224-39 059175— 9.1 Proz. .. 189 993 395—10 324 974— 7.9, .. 89 290 831-12 252 925-24.0. Einfuhr Ausfuhr. Durchfuhr. Sechs Einfuhr Ausfuhr. Durchfuhr. Klus der frauenbewegung. Beschränktes Frauenwahlrecht. Genosse. Th. Rothstein in London schreibt: „Vielleicht erlauben Sie mir ein wenig Platz, um die Genossin Zcpler in manchen ihren Behauptungen über die Frauenwahlrechts- bcwcgung ia England(„Vorwärts", Nr. 144) richtigzustellen. Es ist unmöglich, in wenigen Worten das in England bestehende Wahlrecht in aller seiner Kompliziertheit klarzulegen. Das ist auch nicht nötig. Das Wahlrecht besitzen Land- und HauSeigen- tümer, wie auch Land- und HauSmietcr. In die letzten werden auch Mieter einzelner Zimmer eingeschlossen, die mindestens 299 Mark pro Jahr(ohne Möbel) zahlen. Dieses Wahlrecht schließt bedeutende Schichten der Bevölkerung aus, z. B. alle diejenigen, die eine kleinere Miete zahlen oder keinen eigenen Haushalt führen oder bloß eine Schlafstelle besitzen usw. In einer reichen Familie kann natürlich jeder erwachsene Sohn ein besonderes Zimmer be- kommen, das mit 299 Marl berechnet wird, oder sogar ein ganzes Haus bewohnen. Nnd so werden Unselbständige wahlberechtigt— wenn sie reiche Eltern haben; aber selbständigen Arbeitern bleibt das Wahlrecht vielfach versagt. Und nun fordern die Frauenrechtlerinnen die Ausdehnung des bestehenden Wahlrechts auf Frauen— nicht mehr und auch nicht Wenigerl Was bedeutet das? Kann man auch nur von einer Gleichberechtigung der Frau in bezug auf das— beschränkte Wahlrecht der Männer reden? Keineswegs I Fast sämtliche verheiratete Frauen bleiben vom Wahlrecht ausgeschlossen, weil eine verheiratete Frau, nach dem sogenannten.Coverture"-Gesetz, keinen eigenen erworbenen Besitz haben darf, sie wird durch die juristische Person ihres Gatten vertreten, sie ist für ihre Schulden nicht verantwort» lich, sie kann folglich kein HauSmieter sein, darf also auch nicht das tzausmieterwahlrecht ausüben. Die Frauenrechtlerinnen haben auf diesen Umstand erst in letzter Zeit Rücksicht genommen und fordern die Abschaffung des Coverturc�GesctzeS, insoweit dieses das Wahlrecht beeinflussen kann. ES ist zweifelhaft, ob pfll Nöglich ist, dg dgZ Gefctz cftz WM Md MßeK GMm dg!- stellt. das stückweise nicht umzuändern ist. Aber, wenn eS auch gelingen sollte, eine Aenderung zu erzielen, wie werden die Tinge sich gestalten? Es ist klar, daß in der Arbeiterklasse fast keine einzige verheiratete Frau das Wahlrecht erlangen wird, da nicht sie, sondern ihr Gatte der Hausmieter sein wird? Umgekehrt in den besitzenden Klassen! Je reicher die Familie, desto größer die Möglichkeit für die verheiratete Frau, in einen eigenen Besitz zu kommen oder von ihrem Gatten ein Stück Land oder ein Haus in nomineller Miete zu übernehmen. Einzig und allein die Witwen werden unter dem Proletariat das Wahlrecht ausüben können, wenn sie den Haushalt fortsetzen. Deren sind aber nicht viele. Auch hier würden die Witwen der bürgerlichen Klassen einen enormen Vorzug haben? Und wie steht's mit den unverheirateten Frauen? Selbständige unverheiratete Mädchen gibt es überhaupt unter dein Proletariat bedeutend weniger als in den bürgerlichen Schichten, da die selb- ständige Existenz für eine Arbeiterin sehr schwer ist. Mädchen sind überhaupt nur selten Zimmermieterinnen im Sinne des bestehen- den Wahlrechts. In den meisten Fällen besitzen sie bloß eine Schlafstelle, entweder bei ihren Eltern, Verwandten oder Bekann- ten. In anderen, selteneren Fällen mieten sie sich ein Zimmer, aber meistens zusammen mit irgendeiner Freundin, wodurch min- bestens eine der beiden ihren Anspruch auf das Wahlrecht verlieren müßte. Wieviel Mädchen aus dem Proletariat würden unter solchen Umständen das Wahlrecht erlangen? Ein kleiner Bruch- teil, eine unbedeutende Zahl. Wie steht es dagegen mit den bürger- lichen Mädchen, mit den Töchtern der bemittelten Familien, mit den zahlreichen unverheirateten Damen der liberalen Professionen, als Doktoren, Schriftstellerinnen, Malerinnen usw.? Sie würden alle für das Wahlrecht qualifiziert sein und es jedenfalls auch aus- üben. Zum Vorteil ihrer, zum Nachteil der proletarischen Klasse. Ich frage nun die Leser: ist das Wahlrecht, das von den englischen Frauenrechtlerinnen gefordert wird, nicht ein Klassenwahlrecht? Haben das Proletariat und die Sozialdemokratie nicht allen Grund, sich diesem Privilcgiertenwahlrccht zu widersetzen? Wenn Genossin Zepler erzählt, wenn das bestehende Wahlrecht auf die Frauen aus- gedehnt wäre, so würde nur eine„kleine" Zahl der Arbeiterinnen ausgeschlossen werden, im großen und ganzen aber werde das Wahl- recht ein demokratisches sein, so hat sie gründlich daneben gehauen. Daß die angeführten faktischen Folgen der Ausdehnung des bestehenden Wahlrechts auf Frauen keine von dem„Fanatismus" und„Doktrinarismus" der S.D.P. diktierten sind, sondern der wahren Sachlage entsprechen, wird durch folgende Zitate aus einem WahlrechtSartikcl belegt: „Von einer Seite ist der größte Teil der Fraucnwahlrcchts- bewegung ein undcmokratischer, ja, ein antidemokratischer. Ohne Zweifel appelliert die Bewegung an jene Massen, die eine Ver- stärkung des Eigcntumswahlrechts verlangen. Das wird faktisch die Wirkung sein, wenn Fräulein Pankhursts(eine der Führerinncn der Bewegung) Verlangen nach Ausdehnung des Stimmrechts auf Frauen unter denselben Bedingungen, wie es den Männern gc- währt wird, verwirklicht werden sollte. Die Erfüllung dieses Per- langens, ohne die Grundlage des männlichen Wahlrechts zu ändern, würde eine durchaus undemokratische und reaktionäre Maßnahme sein.... Wie sie jetzt von Women's Social-.and Political Union (einer der Haupiorganisationen, und zwar der demokratischsten unter allen) manipuliert(enginccrt) wird, birgt die WahlrechlS- bewegung die Gefahr, eine bloße Verstärkung der Macht der Wenigen zu werden...." Und wer hat diese scharfe Verurteilung der jetzigen Frauen- wahlrcchtsbewcgung geschrieben? Niemand auS der S.D.P.? Die obigen Ausführungen sind cntnoMnen einem Lcitarteikel der letzten Nummer der liberalen Wochenschrist„The Nation". Also die Liberalen selbst halten die jetzige Frauenwahlrechtsbcwcgung für eine Klassenbcwcgungl Genossin Zcpler beruft sich jedoch auf eine„genaue" Unter» suchung des Genossen Keir Hardic, der in einem gewissen Wahl» kreise ganze 85 Prozent aller mündigen Arbeiterinnen gefunden hat, die unter dem bestehenden Wahlrecht eine Stimme besitzen könnten. O. zeig' mir das Land, wo die Zitronen blüh'n. Eine Nach» Prüfung wird den Irrtum schon aufdecken. Genossin Zepler reklamiert aber auch die„größte" sozialdemokratisch« Partei Eng- lands, die J.L.P., als Zeugin für ihre Behauptung und fragt pathetisch: Glaubt ihr, daß sie alle Idioten sind, daß sie für ein beschränktes Wahlrecht eintreten? Ach nein, denn auf ihrem letzten Kongresse in Huddersfield haben die Mitglieder der J.L.P. eine Resolution zugunsten des beschränkten Wahlrechts>— verworfen und das allgemeine Wahlrecht für beide Geschlechter feierlich pro- llamiertl Die„größte" sozialistische Partei Englands hat ganz im Sinne der S.P.D. und des Stuttgarter Kongresses gehandelt� und die von Genossin Zepler befürwortete Bewegung verurteilt. Und nicht nur die J.L.P., sondern die ganze Labour Party— die Arbeiterpartei, an die die JJQ.P. angeschlossen ist— hat d r c i m a l nach der Reihe auf ihren jährlichen Kongressen das beschränkte Wahlrecht entschieden abgelehnt und den Antrag der Genossen von der S.D.P. auf Forderung des allgemeinen Wahlrechts für beide Geschlechter angenommen. Die Bemerkungen der Genossin Zepler über den Radikalismus der S.D.P. lvaren demnach mindestens ebenso deplaziert, wie ihr Urteil über die Wahlrechtsbcwegung in England," Die Wahlbeteiligung der finnischen Frauen. In HelsingsorS wie in Nyland überhaupt haben sich die fraucn diesmal an der Landtagswahl noch stärker beteiligt als m vorigen Jahre. In der finnischen Hauptstadt selbst nahmen 17 805 Frauen an der Wahl teil, während die Zahl der wählenden Männer nur 14 484 betrug. Allerdings war auch die Zahl der Ivahlbcrechtigten Frauen bedeutend größer als die der wahlberech- tigten Männer. In 23 Wahlbezirken von Helsingfors waren 29427 Männer und 28 903 Frauen wahlberechtigt. Von den Männern gaben 13 217-- 04 Prozent, von den Frauen 10 989= 57 Prozent ihre Stimmen ab._ Allgemeiner Wahlverein. Beiträge im 2. Kreis nehmen entgegen: Süden: Frau Simon, Planufer 92e, Hof 4 Treppen; �rau Jung, Planufer 34. Hof 4 Treppen; Frl. Kuhring, Jahn- traßc 1; grau Älotzsch, Fichtestr. 1, vorn 3 Treppen; Frau Etzroth, Böckhstraße 40; Frau Klingner, Ritterstr. 28, Frau Schwemle, Kottbuscrstr. 0; Restaurant Hemp, Urbanstr. 179.— Südwesten: stau Jacob, Kätzbachstr. 39, vorn 4 Treppen.— Westen: Frau achmann, Katzlerstr. 4. Seitenfl. 3 Treppen; Frau Döring, Stein- metzstraße 23; Restaurant WicmerS, Bülowstr. 58. Berlin. Versammlungen— Veranstaltungen. „Verein für Frauen und Mädchen der ArbeiterNasse.' Jugeirdabteilung. Sonntag, den IL. Juli, abends 0 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Vortrag. Gen. Max Grunwald.„Heinrich Heine". Rezitation, Gesang, Jugend- lick?e als Gäste willkommen. Roscnthaler Borstiidt und Gesundbrunnen. Mittwoch, den 15. Juli: Ausflug der Genossinnen der Lescabcnde nach Kolonie Rönt- acntal. Lokal des Gen. Emil Braun. Drei Minuten vom Bahnhof. Abfahrt früh g Uhr, Stettincr Bahnhof. 0.05 Uhr - Bahnhof G.ejuMruMLZt, Soztalckmokratlfchcr UH J � ----- Mabwerein----- R» Dienstag, den 14. Juli 190�, abends 8 Uhr, in Hoppes Festsälen, Hermannstr. 4V kenersl'VerzsmmIuug. Tage». Ordnung: 236/1» t. BorstandZ-Bericht. 2. Kassen-Berichl. 3. Bericht von der verflossenen LandlagZwahl� 4. Stellungnahme zur Kreis-Keneralversammlung und Wahl von 15 Delegierten. 5. Wahl von 30 Delegierten zur Berbands-Ver- sammlung von Grotz-B erlin. 6. VereinSangelegenheiten.— Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt. Um zahlreiche Beteillgung ersucht ver Torstand. I. A.: M. Alscher, Schandauerstr. 16/17. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Achtung! Putzer. Achtung! Am Mittwoch, den 13. Juli, abends 8 Uhr finden in den nachstehend folgenden Lokalen die Bezirkssitztingen statt. Bezirke: Weddiug bei Hosfmatin, Pasewalker Str. 3. Gesundbrunnen bei Bachgänger, Biesenthalcr Str. 5. Norden I bei Hoffmann, Swincmünder Str. 47. Norde» II bei Kurzrock, Zionskirchplatz 5. Schönhauser Vorstadt bei Schmidt, Pappel-Allee 64. Osten bei Rahn, Zorndorser Str. 8. �ttd-Oft bei Fröhlich, MuSkauer u. Zeughosstr.-Eckc. Lichtenberg bei Pickeuhagcn. Scharnweberftr. 5. Rixdors bei Hoppe, Hermannstr. 43. Süden und BSesten bei Wicmers, Bülowstr. 58. 134/10 Bezirke: Schöneberg bei Obst, Meininger Str. 8. Steglitz bei Wahreudorf. Schlotzstr. 117. Wilmersdorf bei Okon, Uhlandstr. 106. Eharlottenburg im Bolkshaus, Rosinenstr. 3. Moabit bei Bachstein. Salzwedeler Str. 16. Rord-Ost bei Schirmer, Wörther Str. 16. Pankow bei Clemen, Wollankstr. 122. FricdrichShagcn bei der Ww.Lcrche, Frledrlchstr. 61. Weistcnsec bei Schäfer, Friedrichstr. 6. Adlershof bei Baschi», Metzer Str. 1. Tagesordnung m allen Bezirken: Beratung über die Verlegung deS Bureau» sowie über die Vcr- schmelzung der Lokallassc mit der ZweigvercinSkasse. Uebcr diese Fragen soll dann in der Mitgliederversammlung am 22. Juli der Beschluß gefaßt werden. ES ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, in der Sitzung zu erscheine». Bitte ausschneiden I I. 81.: Der Borstand. Krankenkasse der Hntmachergesellen zu Berlin sE. H. V7). Mittwoch, den 13. Juli 1908. abenös 8'/, Uhr: General-Versammlung bei 31. SlOckel, Kaiser-Wilhelm-Straße Nr. 18n. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Wahl des Ausschusses. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht Der Borftaud. O. Tschoppe. TKsaivrmVvrvin lange Jahre bestehend, Spicllokal 80., Vereinslokal 0., sucht talentierte Mitglieder. Offerten unter»Thalia" Postamt 109 erbeten. l Schönste Hochwald- u. Land- Parzellen am Bahnhof* Ii Sadowa an der Straße na> Min. ab Bahnhoj Biesdorf, beginnend, an. BOMark J Günstigste Zahluiigsbedingungen, | Gas- u. Wasserleitung. Verkäufer l im Restaurant„Waldsrtedcn", Döring in Neu- Sado>va und Restaurant Götze, Kaulsdors. «iesevMe& Hitsche Berlin NO, Neue Königstraße 16. Faiirröfler billiger! Ä Neue Fahrräder 40,—, 45,—. 50,—, in elegantester SufuSoueflllna. lOjähtine Garantie 76 M. 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Tarisocrträgc uns gekündigt haben, serner ihre 8lbsicht ist, der Arbeiterschaft reduzierte Tarife auf die Tauer von fünf Jahren aufzuzwingen, so ist es Pflicht aller in dieser Branche Beschästigten, besonders Pflicht der Heimarbeiterinnen, da sie i» hohem Maße an dieser Frage beteiligt sind, in obiger Versammlung zu erscheinen. ____ WWW WWW. Heimarbeiterin beschäftigt sind, ausmcrlsam zu machen und zu veranlaffen, daß sie diese Versammlung besuchen und dem Bcrband der Tchneider, Schneiderinnen und Wäschcarbeiter Deutschlands, Filiale Berlin III, als Mitglieder beitreten. IHe Oi'tBverwaUnnK Berlin III 252/7* Wtlh. Eue, Vorsitzender. 16aI>lNte11e Berlin ■■■ �——— Branche der Musthinstrunientenarheiter. Die nächste Brrtraueusmänncrversammlung findet am 3l«ntn>s, cken 30. Juli, statt. Die Tagesordnung wird noch bekanntgegeben., 3lontaff, den 3. Anjcnst: 6r. Dnmpferpnrtie mit Mufife nach Iaigts ßrainpenburg gegenüber Schmöckwitz. Abfabrt morgens 7 Uhr von der Jannosvitzbrücke, Slnkegestelle der Stern- aefellschast. Fahrpreis hin und zurück 75 Ps. Kinder über 6 Jahre 20 Ps. BilleUs sind aus dem Verkehrslolale, Adalbertftr. 59, und durch die Vertrauensleute zu haben."_ Die Brancheulettung. Aeiilung! Sodotllcger! tehhists! dMM dir Um liUäs Zweigverein Berlin.■ Sektion der OJps= und Zenient=Branche* Gruppe: Rabitzputzer und träger. Mittwoch, den 15. Juli, abends SVa Uhr. bei Jannaschk, Insel straße 10: Mitglirdei'Uersammlung. Tages-Ordnung: 1. Bekanntgabe deS Resultates der Bautenkontrolle vom 10. Juni. 2. Stellungnahme zur Akkordarbeit. 3. Verschiedeues. Um rege Agitation für einen guten Besuch dieser Versammlung ersucht 138/14*_ Per Gruppenvoratand. Zentralkrankenkasse dJapezierer. Freitag, den 17. Juli 1008, abends 8'/, Uhr: Quartals-Versammlungen. Filiale I bei Jnllas Meyer, Oranienstraßc Nr. 103, „ II bei ItUwcr, Elisabethkirchstraße Nr. 14, „ III im„OewcrkochaftKhause", Engeluser 16, Saal 5. TageS-Ordnung: 289/6 Kassenbericht vom zweiten O-uartal.— Verschiedenes. Zahlreiche Beteiligung erwartet_ Die OrtSverwaltuug. „Hoffnung" Berliner Schneiderei- Genossenschaft E. G. m. b. H. Zwischen Rotenthaler QmiHHOMetl1 iUR Zwischen Rosenlhalar I Ter u. Invalidenstr. vlltttllLlldtl. 100 Tor u. Invalidenstr. Gegr. i. Februar 1906 v. organisiert. Schneidorgehülfen Berlins. Empfiehlt eich allen und Dienstag. de» 14. Juli. abends 8fl, Uhr, im Gewerkschafts- Haufe.(Sngclufer 15: Kommistiotrs-Zitziiug mit Uertraueuslkufen. wer ES ist Pflicht aller Kollegen, daß jede girma vertreten ist.'MS 86/20 Der Obmann.- Herrenkleidung für 1 Mark wöchentliche Tellzablung, fertig und nach Maß. liefert da» bclannle Versandhaus Berliner Herren-Moden, nur Stralauer Str. 28, Molk�-rn. ohne PreiSausschtag. Berarbetluna hallbarer Elosf« unter«Saranlte stlr ladet- losen Eih. Besuch mit Mustern jederzeit. 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Uhr. i« grosten Saale des BolkShanfeS, Roftnenstroste 5: SS General- Versammlung. SS Tages-Ordnung: 1.„Die böse Sieben im iZaudtag." Referent: Landtagsabgeordnetcr Adolf Hoffmauit-Berlin. 2. Vereinsangelegenheiten. Zahlreiche Beteiligung erwartet_ 250/ U_ Der Borstand. !l (ffetzel'sche Kasse). Sonntag, den SO. Juli, vorm. 10 Uhr. bei Wilkc. Brunnenstr. 188: General- Uersoiumlimg. TageS-Ordnung: 1. Verlciung des Protokolls der Generalversammlung vom 26. Januar 1908. 2. Kassenbericht pro erstes Halbsahr 1908 und Bericht der Revisoren. 3. Festsetzung der Pubiilationsorgane pro 1908/09. 4. Verschiedene Kassen- angelegenheiten. PW- Mitgliedsbuch legitimiert.-MG 289/7«__ Bcr Vorstand. I. A.: Otto Winkler. Achtung! Achtung! Die Liste bitten wir aufzubewahren! Nachtrag zur großen Liste der bewilligten Bäckereien Berlins u. Umgegend vom 5. April 1908. »vivUUKtv Bäckerelen. Achtung! Sehr oft wechseln auch bewilligte Bäckereien den Inhaber. In solchen Fällen muß dieser stets den Tarif neu unterschreiben, worauf dann sein Name in die Be- willigungsliste hineinkommt.— Wo trotzdem noch der alte Name verzeichnet steht, da ist durchaus Vorsicht geboten. Anfragen werden bereitwilligst beantwortet! WiSbyerstr. 3. Schulz Allenstcinerstr. 15, Cieluch. Kleine Andrcasstr. 7. Hierse. Anklamersir. 48, Haast. 57, Iber. Barnimsir. 35, Beulhin. Bcusselslr. 56, Herholtz. Birkeusir. 32. Franke. Bosststr. 8, Mntzkc. Buchstr. 1, Völker.' Carinen-Shloastr. 163, Strauß. Euvrhstr. 42, G. v. Lienen. Dolzigerstr. 48, Peter. Erasmusftr. 12, Henning. Fehcbellincrstr. 78. Höffelbarth. Frcienwalderslr. 28, P. Hanke. Fruchtftr. 36, Gebr. Dobrick. Gentersi erstr. 4. Ztetnlops. lNioaauerstr. 26, Lach«. Gotzlowskystr. 6. Müller. Grünthalerstr. 12, Schulz. HennigSdorserstr. 13, Jos. Paulisa. Hussitenstr. 28, Neigensind. Kleine MarluSslr. 12/13, Hierse. Korsörerstr. 2, Müller. Lippehnerstr. 2, Cieluch. Litaucrstr. 14, Schwodoba. Lortzingstr. 6, RiSner. Malmöerstr. 6, Griebel. Memelerstr. 12. Holser. Mulackstr. 10, Grundmann. MuSkauerstr. 6, Dzinian. Oppelnersir. 24. Müller. Panistr. 14d, Eberhardt. Naocnöstr. 1, Mau. Reinickendorstrslr. 121, Eberhardt. Romintenerstr, 20, Bärwolff. „ 41, Bremer. Rostockcrstr. 40, Tschöke. Samoastr. 22, Hundsdörscr. Schönfllcßerstr. 8/4, Klopsch. Schreinerslr. 19, Peier. Schulstr. 28, Naumann. Schwedterstr. 240, Feustcl. Siaraarderstr. 57, A. Peter. Stettincrstr. 54, Zeschmann. Slolpischestr. 54, A. Petcr. Strelitzerstr. 15, v. Graboivsly. Swinemünderstr. 54, Sibock. 90, Aschendors. Tegclerstr. 23, Dahlie. Tieckslr. 16, Kleine. Wichcrtstr. 155. Aug, Peter. Wiencritr. 8, Jahn. WilhelmShavencrslr. 23, George. 74, Aug. Peter. Wollinerslr. 44, Schütte. . 50, RhemuS. ZlonSlirchstr. 2, Gloger. vhnrlnttenhurU. Horstwcg 31, Kolctzlo. Banmselinlenrreg. KiesHolzstr. 179, Lcttau. Bnxhagen- Bnninielsbnrg. Krossenerstr. 2, E. Kroll. Neue Prinz-Aldertstr. 12, Peier. .. 30, Maschmam. Neilc BaHnHosftr. 34, Klcpka. Scharnweberftr. 10, Peier. Schillerstr. 8, Böhme. . 16, Pclcr. Türrschuiidtstr. 38. Peter. Llchtenbers. Junastr. 3, Peter. Wortinbergstr. 58, Peter. Wcscrstr. 22, Mitt-Istedt. N leder-SchönbaaBen. »euthstr. 11. Krügerkc. Körnerstr. 8, Fischer. Bber-SehOnotvold«. Wattstr. 12, Zahl. Pankow. Berlinerstr. 79, Duncker. Reinickendorf- West« Waldsir. 61, Zahl. Rixdorf. Bodeftr. 16, Bayer. Elbesir. 6, März. Jnnftr. 30, Bischoff. Nansenstr. 33, Pipicn. Nogatstr. 25, Kleemann. Prinz-Handjerystr. 70, Lehman». Siegsriedstr. 44, Brückner. Teupitzcrstr. 109, Liebe. Trcptowcrsir. 13, Krause. Weserstr. 179, Marquardt. SchOnebcrg. Eisenacherslr. 63, Mahler. Kysshäuserftr. 27, Ed. Hanke. IVllneersdorr. Ringbahnstt. 246, Ed. Hanke. Den Tarif haben durchbrochen und gelten daher als zurückgezogen: I Badstr. 37», Schicmetzeck. Brüsselerskr. 5, de Bruyn. Franlsiirterstr. 176, Aug. Hanke. " riedrichsstlderstr. 13,«lug. Hanke. lraunstr. 22, Dohrwann. Gubenerflr. 42, Sincjtal. Koloniestr. 71. Klopsch Nachfolger. Lausitzerplatz 12, Konatleiosli. Libauerstr. 22, Aug. Hanke. Liebeiiwalderstr. 10, Biedermann. Memelerstr. 77, Stachowsti. Mllnchcbergcrstr. 15, Leue. MuSkauerstr. 13. Lallcmann. Oderbergerslr. 38, Busch. Planuser 92e, Blum. Schwedterstr. 49, Löchel. Straßmannstr. 2, Fr. Hanke. Swincoillnderstr. 93, Schubert(wies imserem Kontrolleur schroff Kbpenlek. Borgmann str. 6, Bergmann. Grünstr. 8, Ullrich Nachfl. Kaiser-Wilhelmstr. 100, Leische Nachfl. Qlcbtenberg. HubertuSstr. 53, Aug. Hauke. Scharnweberftr. 24, Aug. Hank«. Ober-Schönewelde. Siemensstr. 16, Timm. Rlxdorf. Weichselstr. 60. 40/19 Schöneberg. Sedanstr. 18, Stohk Nachfl. IVelScnsee. Frleihichslr. 1. A. Popp. Lehderstr. 1, Hoffmann Nachfl» Sedanstr. 6, Reichel(bezieht vom die Tür). .Adlershof. BiSmarckstr. 17c, Warienberg. Boxhagen. Grünebergerslr. 10, Aug. Hanke. Parteigenossen! Hausfrauen! Arbeiter! Unterstützt nach wie vor die«m ihre Menschenrechte kämpfenden Bäckergesellen. Der BertraueiiSmann der Bäcker Berlins und Umgegend. größten Gegner der Arbeiter- schaft. dem Meister Bauer, Strenstr. 2, seine Backware). Siraßburgstr. 20, Bierhals. Leiden Sie 175/16| an Vcrstopknng? Dann nennen wir Ihnen de« nnschädliche Mittel zur Herstellung richtiger Verdauung. Eine Postkarte genügt, wenn gjg unser Buch„Sandows Weg zu Kraft und j Gesundheit11 gratis und franko erhalten wollen, um sich für| Ihren Fall den besten Kat zu holen. Versäumen Sie ej nicht. Ihr Interesse steht auf dam Spiel! Kandim s Tkumb Bell Co. Abt.: 16 Berlin, Potsdanicrstraße 1S7— S. Speiseteller tief 20, Bach 15 Pf. Dessertteller 1 0 Pf. Kompotteller 8 Pf. Terrinen Kl 5, 1.35 Kartoffelschüsseln"eckei 88, 85 Pf. Bratenschüsseln oval 25 d!» 80 Pf. Bratenschüsseln«nd 35 Pf. Saucieren 45 Pf. Salatieren 12 w» 45 pt. Kaffeekannen 28, 45 Pf. Milchtöpfe 1 0 Pf. Zuckerdosen 15 Pf. Tassen 12 Pf. Biskuitdosen 45 Pf. Kaffee-Service ST»"" 2.25, 3.75, 4.50, 5.85 m*. 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Kl 5, 1.40, 1.65 Kartoffelschüsseln 75 Pf., 1.10 mit Deckel, blau Zwiebelmuster Saucieren Z�ebelmtater 70 Pf.. 1. 1 0 Bratenschüsseln 20 Pf. bis 1.10 oval, blau Zwicbelmuster Bratenschüsseln 50, 63 Pf. rund, blau Zwicbelmuster Brotplatten rund 20, eck?g 27, 48 Pf. Satz-Salatieren e stück 1.10, l.60 blau Zwicbelmuster Vorratstonnen zwübeimuster 35 Pf. Salz- u. Mehlmesten zwiebeim.80 Pf. Essig- U. Ölflaschen Zwfebelm. 38 Pf. Milchtöpfe Zwlebelmuster 25 bis 70 Pf. Milchbecher Delftmuster 27, 35 Pf. Braune Kochgeschirre mii Blechböden Kasserollen mit sti-i Schmortöpfe Milchtöpfe 30 Pf. ws 1.25 90 pf. bis 2.05 38 pf. bis 1.40 Waschbecken einzeln 1.50 Wasserkrüge einzeln 75 Pf. Seifen- u. Bürstenschalen 1 0 Pf. 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Fruchtschalen geschiiifen 1.20 Käseglocken IX]. 50 pl, I Mk., 1.25 Rotweingläser giatt 20 Pf. Rumflaschen l'hHffen 30, 63, 75 Pf. Römer 23, 28, 38. 45, 55 Pf. Salatieren i Reihe oiiven 27 bis 95 Pf. Kompotteller ou™" 20. 25 Pf. Sturzflaschen gescbiiiren 33, 45 Pf. Wasserflaschenfch|iff35, 45, 50 Pf. Wassergläser geachiiBbn 20, 27 Pf. WeinghsgamHur„Schleifenmuster" Rot- u. Rheinweingläser 32 Pf. Madeiragläser Bowlengläser Champagnergläser Biertulpen Bierbecher Wassergläser Selterbecher 27 Pf. 38 pr. 38 pr. 43 pf. 27 pf. 25 pf. 24 pf. Geleegläser Einmachegläser ■/.■/.'/. i Hafen— 8 9 12 Adler— 28— 38 Perfekt 45 48 53 60 8. 9. 12 pr. !■/, 2 Ltr. 15 18 pf. 45 55 pf. 70 85 pf. i Kasserollen mit Ring Kasserollen nbne Ring Schmortöpfe mit Ring Schmortöpfe ohne Ring Wasserkessel Absatz Wasserkessel für g»» Pfannen rund Maschinentöpfe Durchschläge Schöpflöffel Kaffeetrichter 5 Grössen 4 Grössen 5 Grössen 6 Grössen 5 Grössen 5 Grössen 4 Grössen 4 Grössen 4 Grössen 5 Grössen 5 Grössen 40 pl bis 1.25 35 ws 75 pf. 55 pf. ws 1.75 35 pl bi. 1.50 75 pr. bis 1.75 50 pr bis 1.25 50 bis 90 pf. bis 1 8 Pf. bis 70 Pf. 20 ws 40 pf. 30 bis 50 pf. 10 30 Wassertrichter Seifnäpfe zum Anhängen Teller Topfsiebe mit Gaze Tassensiebe 10 Pf. Kaffeekannen Menagen 4 teiüg Bratenschüsseln ovai Essnäpfe Bauchtöpfe Schüsseln flach 25 und 30 Pf. 12 und 25 Pf. 1 8 und 22 Pf. 4 Grössen 30 bis 60 Pf. Teesiebe mit stiel IOpl 5 Grössen 50 Pf. bis K 1 0 3 Grössen I ,75 bis 3 Mk, 4 Grössen 40 bis 75 Pf. 5 Grössen 1 8 bis 50 Pf. 6 Grössen 25 bis 80 Pf. 6 Grössen 20 bis 50 Pf. Schüsseln tief 6 Grössen 55 Pf. bis I Mk. Konische Krüge« Grössen 1. 1 0(bis 1.65 Schaffnerkannen mit Bügel 40 und 50 Pf. Tassen wannen oval 3 Grössen I Mk, bis 1.40 Schüsseln dekoriert Eimer dekoriert, mit Decke! Eimer Durchmesser zirka 28 CM Fimör neublau, Lanier Durchmesser zirka 28 cm Pim�r marmoriert, Liiinci Durchmesser zirka 28 cm Wannen ovai Wannen rund 2.50 Mk. 2 Mk. bis 3 Mk. 65 pl 85 pl 90 pl 6 Grössen 1.25 bis 3.75 3 Grössen 1 ,30 bis 2.50 W ringmaschinen Reibemaschinen Fleischhackmaschinen Fruchtpressen 2 Gasplätten mit Erhitzer Gaskocher 2 Loch Gaskocher 2 Loch und 2 Wirm.lollen9.50 Mk. Spiritus-Plätteisen 8 Mk. und 9 Mk. 3 Grössen 9 Mk. bis 1 1 Mk. 95 Pf. und 1.40 1.40 Mk. 6.50 Mk. 4.75 Mk. 8.50 Mk. Spiritus-Plätteisen Ru/iseie 5z Mk. und 5.35 Spirituskocher 30 und 50 pr. Giesskannen lackiert 5 Grösaen 40 Pf. bia 1.40 Blumentopfhalter Blumen-Ampeln Gazeschränke Biechiack Zinkwaschfässer 7.50, Zinkzober und 45 Pf. und 65 Pf. 10.50 I I Mk. Reisefussbänke Ärmelbretter bezogen Wäschetrockner W aschmaschinen Auftragbürsten Reise-Kleiderbügel Hoiz 28 pr. 45. 95 pl, 1.25 1.25 27 Mk. 8 pr. 15 pr. Reise-Kleiderbügel vernickelt 30 Pf. Gazeschränke Holz, lackiert 3.75 und geschDizt. TgCTonttwtÜK&et Redatteuri Georg Davidsohl», Berlin. Für den JnseratenteÜ verantw,: Th, Glocke, Berlw. Druck U.Verlag: Borwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanstält Paul Singer Li Co., Berlin LW. Nr. 161. 25. Jahrgang. 2, KrilM Ks Jonrärtö" ßtrliiitr Sonntag, 12. Juli 1908. Streiflichter auf die Knie. Während die europäischen Fabrikanten gegenivärtig um Orders verlegen sind und solche selbst zu niedrigen Preisen akzeptieren, kommen die Aufträge sehr spärlich herein, zumal man weitere Preis- rückgänge erwartet. Die Verminderung der im Weltverkehr zur Verschiffung gelangenden Warenmengen, die unbefriedigende Lage des Frachtenmarktes und die beträchtliche Verminderung der Aus- Wanderung infolge der Abnahme der Arbeitsgelegenheit in Nord- a m e r i k a übten eine sehr nachteilige Wirkung auf die Rentabilität der Schiffahrt aus. In B r i t i s ch- O st i n d i e n ist die wirtschaftliche Situation fortdauernd ungünstig. Die Hungersnot, die durch den Mangel an Regen im Jahre 1907 hervorgerufen wurde, ist groff. loOOOV englische Ouadratmeilen mit ungefähr 50 Millionen Einwohnern sollten von Hungersnot betroffen sein. Die Warenlager find überfüllt und Geld ist sehr knapp: man er- wartet den Konkurs vieler, speziell einheimischer Firmen. In Bombay und Delhi liegen die Verhältnisse besonders im argen � in Bombay foll kein Play zur Lagerung von Waren mehr aufzutreiben sein. Die Händler sehen sich hierdurch veranlagt, Verkäufe zu niedrigsten Preisen zu forzieren, Die Banken wariten, zurzeit mit Delhi Ge- schäfte zu machen. Die Krisis, die in ganz Ostasien herrscht, hat sich auf die Plätze Pcnang und Singapore übertragen. In den Stroits- Settlements haben in letzter Zeit drei bedeutende Firmen bereits ihre Zahlungen eingestellt, teils wurden sie von anderen Export- Häusern übernommen. Auch in H o I lä n d i s ch- O st i n dien, fheziell auf Java, hat sich die Marktlage derart verschlechtert, dah fast täglich von dort Fallimente gemeldet werden. Die Importeure vcr- suchen laufende Kontrakte nach Möglichkeit zu annullieren, um so mehr, als die Lager noch für lange Zeit ausreichen und den chinesischen Händlern wegen der Geldknappheit der Kredit sehr ein- geschränkt wurde. Die für das Frühjahr erwartete Besserung in den Geschäfts- Verhältnissen Chinas ist nicht eingetreten, im Gegen- teil sind infolge Sinkens der Silberkurse neue Schwierig- leiten hinzugekommen und die Importeure waren nicht in der Lage, ihre großen Vorräte loszuwerden. Es macht sich empfindliche Geldknappheit bemerkbar, da die verschiedenen Banken und Kreditgeber teils ihre Fonds aus dem Handel zurückgezogen, teils den Kredit sehr eingeschränkt haben. Die Warenvorräte der Importeure sind bedeutend entwertet, einerseits wegen des Rückganges des Silberkurses, andererseits wegen des beträchtlichen Sinkens der Warenpreise. Es heißt, daß Käufer jetzt in der Lage lvärcn, Bauniwollwaren und andere Artikel uni zirka 40 Proz. billiger anzuschaffen. Dennoch erwartet man für den Herbst laufenden Jahres eine Besserung der Marktlage. Durch verschiedene Fallimente wurde der Markt von schlechten Firmen gesäubert, was zur Gesundung desselben wohl beitragen dürfte. In der Mandschurei ist die Handelslage zur- zeit ganz schlecht, und zwar wegen Mangel an Kapital und Kredit. Die Einfuhr beschränkt sich aufs notwendigste, denn die enormen Warenvorräte, welche sich während des Krieges und hauptsächlich gleich nach Beendigung der Feind- seligkeiten aufgehäuft hatten, wurden noch nicht liquidiert. Durch die russischerseits beschlossene Rufhebung der Zollfreiheit im Amur- und Transbaikalgebiete inklusive Wladiwostok) wird der deutsche Erporthandel nach diesen Gegenden eine Abschwächung erfahren. Japan leidet noch stark an den Ueberimporten. Da die finanzielle Grundlage dieses Landes minderwertig ist, bietet die schlechte Geschäftslage wenig Aussicht auf baldige Besserung. Uli- aufhörlich treffen Berichte über japanische Fallimente und ZahlungS- fchwicrigkeiten in Hamburg ein; auch mehrere alte deutsche und englische Firmen sollen in eine bedrängte Lage gekoinmen sein. In Südafrika ist die geschäftliche Lage geradezu trostlos. Dagegen erklärt die Standard Bank of South Afrika Limited, daß der sonst trübe Horizont auch einige lichtvolle Ausblicke zeige. Wenn auch durch die Krisis in Nordamerika der Diamantcnindustric Kimberleys eine schwere Schädigung zugefügt wurde, so sei die Er- zeugung von Gold in letzter Zeit gewachsen. In Natal nehme die Kohlenproduktion rapid zu. In Transvaal habe die Kohlenproduktion des Jahres 1907 sogar 2 912 WO Tonnen betragen. Auch in der Orange River Colony werde Kohle produziert. Ferner sei auf den Kupfcrbergbau zu verweisen, den z. B. die Cage Copper Company betreibe. Die Entwickelung des Ackerbaues sei befriedigend. Das Geschäft nach Australien läßt zu- wünschen übrig, da sich die differenziellen Zölle zugunsten Großbritanniens für dritte Länder noch immer unangenehm bemerkbar machen. Argentinien gehört zu den wenigen Ländern, in denen der Rückgang der Konjunktur, der die ganze Weltwirtschaft ergriffen hat, bisher wenig fühlbar geworden ist. Dort herrscht laut vor- liegenden Nachrichten eine große Prosperität, und das Land vcr- fügt über einen außergewöhnlich bedeutenden Exportüberschuß in Bodcnfrüchten. Trotzdem wurde auch dort in letzter Zeit über Geldknappheit geklagt. In Mexiko liegen die Geschäftsverhältnisse günstig; mit Ausnahme von Kupfer litten die Bergwerksoperationen nur wenig. Der Ackerbau liefert gute Resultate und der Seehandel ist im Wachsen begriffen. In B r a s i l i e n ist die wirtschaftliche Situation andauernd ungünstig. Verschiedene Häuser sind zahlungsunfähig geworden. Der Grund der schlechten Geschäftslage liegt vor allem in der Geld- knappheit, den Kreditbeschränknngen und in der Gummikrise. Die Kaffeevalorisation hat den auf sie gesetzten Hoffnungen bei weitem nicht entsprochen. In Peru macht sich erst jetzt die Rückwirkung der Depression in der Weltwirtschaft bemerkbar. Hierzu koinmt der Umstand, daß der Import in letzter Zeit, wie überhaupt im ganzen Jahre 1907 allzu große Dimensionen angenommen hatte. Chile ist in der mißlichen wirtschaftlichen Lage, hauptsächlich wegen des Kursrückganges, des Ueberimportes und des Preisfalles wichtiger Landesprodukte. Auch B o l i v i a ist von der rückgängigen Weltkonjunktur, ins- besonders durch den Fall des Zinnpreises in Mitleidenschaft gc« zogen worden. 16. Verbllndstag desIentralverbandes deutscherKrauerei- arbtiter und vrruinlidttr Ktrussgenossen. Tie Diskussion über die prinzipiellen Fragen zur Erhöhung und Staffelung der Beiträge und Leistungen des Verbandes nahm auch den ganzen Freitag vormittag in Anspruch.— Ein Antrag, alle Anträge, die auf größere Leistungen des Unterstützungswesens sowie Staffelung der Beiträge nebst Erhöhung der Beiträge hin- auslaufen, abzulehnen und es bei den bisherigen Beiträgen und Leistungen des Verbandes zu belassen, wurde gegen 18 Stinlmen abgelehnt und die Erhöhung der Beiträge und Staffelung der Beiträge im Prinzip angenommen. Es wurde eine Kommission gewählt, die die bezüglichen Anträge zu sichten und dem Verbandstag entsprechende Vorschläge zu unterbreiten hat. In diese Kommission � wurde gcioählt: W i t ti ch- Frankfurt, A m b o r i n- Leipzig, S t e i n h a u s e n- Stuttgart, G c r n c r- Mainz, Papp- München, D o b l u- Hanau und Döllinger» Hamburg. Es folgen die Statutcnabänderungsan- träge. In den Bericht über die Dienstagssitzung haben sich einige Unrichtigkeiten eingeschlichen. Nicht über eine Konferenz mit dem Müllcrvcrband allein, sondern über eine Konferenz der Vorstände der Organisationen der Bäcker, Müller, Fleischer und B r a u c r c i a r b c i t e r, die eine Verschmelzung der gesamten Verbände zum Zwecke hatte, berichtete der Hauptvorsitzcnde Etzel. Der Vertreter der österreichischen Organisation, Gen. Hupperts äußerte sich über die Frage des Boykotts wörtlich wie folgt: Der Boykott beginnt eine Waffe zweiten Grades zu werden, weil infolge des Eingreifens der Untcrnehmerorganisation seine Wirkung vielfach abgeschwächt wird. Wir in Oesterreich be- fassen uns mit der Frage, ob an Stelle des Boykotts nicht über» Haupt ein anderes Kampfmittel neben dem Streik zu setzen wäre. NIocken-8pielplan cier Berlinci' Chcater. Königl. Opernbaus. Geschlossen. Königl. Schauspielhans. Geschlossen. Neues königl. Lpern-Theatcr. Sonntag: Lohcngrin.(Ans. 7 Uhr.) Montag: Don Juan. Dienstag: Tannhänscr. Mitt>voch: Cavalleria rusticana. Bajazzi. Donnerstag: Lohengrin.(Ansang 7 Uhr.) Freitag: Mignon. Sonnabend: Tannhäuser. Sonntag: Cavallcria rusticana. Montag: Der Troubadour. Deutsches Theater. Täglich: Die Brettlgräfin. Deutsches Theater(Kammerspielc). Täglich: Gelbstern. Lessiiig-Theatcr. Geschlossen. Berliner Theater. Von Sonntag bis Mittwoch: Rafsles. Von Donnerstag ab: Geschlossen. Neues Theater. Täglich: Der Zerrissene. Neues Schauspielhaus. Täglich: Die Dollarprinzessin. Kleines Theater. Täglich: 2 X 2— ö. Komische Oper. Geschlossen. Resideuz-Theater. Geschlossen. Lnftspiclhaus. Allabendlich: Die blaue Maus. Trianon-Thcater. Geschlossen. Schiller- Theater O. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Carmen. Abends: Der Postillion uon Lonjumcau. Montag: Die Hoffnung auf Segen Diens» tag: König snr einen Tag. Mittwoch: Martha. Donnerstag: Die Hoff- nung aus cocgen. Freitag: Der Postillion von Lonjumean. Sonnabend: Der Freischütz. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Wildschütz. Abends: Oberon. Montag: Der Troubadour. Schiller- Theater Charlottenburg. Geschlossen. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Täglich: Die Diebin. Theater des Westens. Täglich: Ein Walzertraum. Thalia- Theater. Täglich: Der Mann mit dem Monocle. Neues Operctteu-Theater. Geschlossen. Luiicu-Theater. Geschlossen. Bernhard Rose-Theatcr. Täglich: Im Hause der Sünde. Metropol- Theater. Allabendlich: Das muß man(efj'n! Gustav Behrens- Theater. Spezialitäten. Apollo-Thcatcr. Allabendlich: London Suburbia. Spezialitäten. Wnlhalla-Thearer. Spezialitäten. Passage-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Abends täglich: Berlin in Stimmung. Spezialitäten. Nächsten Sonntag nachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Reichshalle»- Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. Carl Haverland-Theater. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Berliner Pratcr-Theater. Allabendlich TJIHr: Die Welt ein Paradies. llrania-Theater. Taubcnilraffc 48/49. Sonntag und Freitag: Durch Dänemark und Südschweden. Montag und Sonnabend: Uebcr den Brenner nach Pencdig. Dienstag: Von der Zugspitze zum Watzmann. Donnerstag: Die deutsche Qstseeküstc. Mittwoch und Sonntag, den 19. Juli: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimal. Ansang 8 Uhr. Sternwarte. Jnvalidenstr. 37—62. I-ollen-pelerliieil Wetterschutz* für Touristen Für Herren u. Damen mit Kapuze und Brustbändern 22.50 21.- 13.50 Q 16.50 Ii.- 12.- 9 Kork „Halali' \\u D.R.Q.M. 33288. Als Mantel oder Fclerinc spielend zu verwandeln. Unentbehrlich für 4 j* Touren u. Jagd. 1 Ii Vorzügl. 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Mittwoch: 2 mal 2= 5. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Ein Walzer träum. Operette von Oslar Strauß. Lustspiefhaus. Zonunerpreise. Abends 8 Uhr: Die blane Maus. fsikl!iil:>i-//iI!iöIm8Mi8l!liö8 L Uhr. 8l!>i3U8pieIIiäU8. 8 Uhr. Sommcrspielzcit. Leitung v. G. Piltz. Sonntag, den 12. Juli: Die Diebin.(Leah Kleschna.) Scnsationsschauspiel in 4 Alten von G. M. S. Mc. Lellan. Montag: Die Diebin. Dienstag: Die Diebin._ Ein Bomben-Lacherfolg. 10 Uhr: Sowdon Suburbia. Große englische BurleSl-Pantomimc in 2 Bildern, ausgesührt von Bert Bernards Original-Kompagnie. Außerdem ab 8 Uhr: Das große Zlttraktions'Programm u.»Die süßen Grisetten". « fgzsggö-Iliöglös. Her größte Saisonerfolg j Gastspiel Willi Agoston in der tollen Burleske 10 Sil Das Tollste vom Tollen und die neuen Juli-Spezialitäten. Ohne Extra-Entree. Der Riese aller Riesen Pisjakolf Eintritt 5« Pf. Kinder, Soldaten 25 Pf. Metropol-Theater Zum 294. Male: Revue in 12 Bildern m. Ges. und Tanz. Ansang 3 Uhr. Rauchen gestattet. MMSMIMkl Gr. Fralitturler Str. 132. Im Hanfe der Sünde Ans. 8 Uhr. Sommerpreise. Aus der Gartenbühnet Ansang 4 Uhr. fkestervorstoNuog. SporlalilZten. U. a.: Gastspiel llutLMftlzer. Schweizer � Garten. Am KSnlgstor— Am Friedrichshain. Täglich: Theater-Vorstellung, Spezialitäten und Ball. Neu: PiccardS komische Pantomime: Die Einbrecher von New York. öcton5?b Das Lieserl. Singspiel in 1 Alt. Volksbelustigungen. Kinematograph. Jeden Mittwoch: Kiuderfreudenseft. lllranla. �isssnsoiialdlieliss lDbentsr. Taubsnstrails 43/49. Abends 3 Girr: Durch Dänemark und Südschweden. Montag 8 Uhr: lieber den Brenner nacb Venedig. 0 OOtOClSCHER dilüüLü Heute Sonntag; Df Eintritt:«'V r 1* Kinder unt. 10 Jahren d. Hälfte. Ab nachmittags 4 Uhr: Mililär-Dopp.-Kouzerl Morgen, sowie täglich: Gr. Miiitikr- Konzert. Berliner Aquarium Unter den Linden 68a Eingang Schadow�-Straße No.14. Heute Sonntag Eintrittspreis w 50 Pf.-WU Keichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc._ 143)1 Schluß der Saison: 15. Juli. Abwechslungsreiches Programm von Publikum und Presse glänzend beurteilt. alhalla- Variete-Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Spczialilätenvorst. im Oarten. NeueS Programm. Bei schlecht. Witterung i. Theater. Ans. der Vorstellg. 8 Uhr. Ans. des Gartenlonz. 5 Uhr. Kleine preise. Brunnen-Theater Badstraße 58. Direkt.: Willi Voigt. MP- TUelich: Der deutsche Michel. Crsthlasfige Sjtcholitütfn. Karl Braun, Verwandlungs-Künstler. 5 Schenk Jlarvolly's. Trio ItuHNon. KPaul Coradlni."WM ung 2 Uhr. Ansang 4 Uhr. Vorverlaus von 10 Uhr ab. Früls iH-Uer. Schönhauser Allee 148. Täglich: Knliuer Keric«. Vollsstäck in 2 Alten. Dazu erstklasßgt SpeMlitäten. öerlioer Prsler-Tbesler Kaatanien-AUee 7— 9. OV Täglich Die Welt ein Paradies große Auastattungs-Bevue und erstklassige Spezialitäten. An». Sonnt. 4 Uhr, Wochent. 4'/- Uhr. Im Saale: TSgllch gr. llall. Sanssouci, sSe' . DireNion Wilhelm Reimer. tzeule Sonntag: und Tanzkränzchcn. Durchweg neues Programm. Beginn SonnlagS 5, wochentags 8 Uhr. Morgen: Berliner Säuger, Tanz. KÄhuileii-Mgi'. Letzte Sonntage-Soiree der Siettinep Sänger vor Ihrer Ferienreise. Ansang 7 Uhr. Donneretag, dea 16. Juli: Erstes «astspiel Winler- Tymian. Frankfurter Chaussee 5 (früher 120). cljwarzer Friedrichsberg Stadtbaiinstation Frank». Allee. Inh. I C&6br> Fernspr. Friedrichsberg No. 8. Jeden Sonntag: Kr. Kiinstler-Konzert m(jr. Spezialitäten-Vorsteliang Anfang 4 Uhr. Eatree 20 Pf. Jeden Mittwoch: Gr« Militär«Konzert ausgeführt von der Jugendwehr und Soiree der ApoÜosSänger. 3528L» «■ctf-otl'c Panoptikum w 165 Fi-icdriclistr. 165 Dan Riesen-Vivapium. 36022* Im Eestaurationssaal: Konzert einer rcnominlerten Damcnkopellc. [*Är"heiter-Gesangyerein� Chormeister: Fr. Dargel. Sonnabend, den 18. Juli 1908, bei Kliem, Hasenheido 14/15: = Großes Sommerfest.= im Garten: Große Spezialitäten=Vorste11ung. Nach der Vorstellung im großen Saale: SonimernachtHbull. Eintritt 25 Pf. Verschiedene Ueberraschungen Kinder frei. Billetts sind zu haben: Parteispedition, Gneiaenaustraße 72; in den mit Plakaten belegten Handlungen und im Vereinslokal, j 66/5 ßoeckhstraße 7. d >c Friedrichshagener Männerchor (M. d. A.-S.-B.) Sonnabend, den 25. Juli 1908 Länger* Sommernachtsfest in Friedrichshagen, Müggelschloß, verbunden mit Mondscheinfahrt von Berlin. Großes Vokal- u. Instrumental-Konzert Maisengesinge(u. a.: Sturm, Nicht verzagt, Marseillaise). SW Yolkebelnstlgnngcn. Die Kaffeeküche ist die ganze Nacht geöffnet. Kj) W H Die Dampfer fahren abends 3'/, bis O1/. Uhr von der Schillingsbrücko ab und kosten Teilnehmerkarten, welche an der Abfahrtsstelle zu haben sind, mit Fahrt hin und zurück 6,75 M. 66/4* Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach, 3€ ib. jSL XK ||T)iez* Spezialitäten-Theater EanÜMbergcr Allee 76/7», direkt Ringbahn-Station.' Bequemste Fahrgelegenheit nach alle» Sladlrichlungcn. � Ob schön!• ZWO Täglich:-»a Ob Regen!« si Ws»eiic«iid beste Prsgriiiilm Keriills � Wochentags Ansang 1 Uhr. Enlrce 20 Ps. SonnlagS Ansang 3 Uhr. Enlree SO Ps. Großer Ball. Kasseeküche. Bolksbelnstigungen aller Art. Lm' 8eelerrS5Se. Liehteuherg voa�oroir 14 42 Die breite Roederstraße verbindet LattdS- JlUt»tU!lbll» ll'IO) berger Aller mit der Stadt Lichtenberg. 25 000 Personen fassend. II 000 qn» großer See. Jahrverbindungen ab Alcxanderplatz: Linien 58, 64, 65, 66, 67, 63, 69, 70. 71. 75. 81. Heute sowie f.-, lSnt,~ari sowie um 5'/, u. 9'/,! jeden Sonntag IVUnZcil Uhr: Auftreten der TurinsBilldliislIer der Welt» �«volt u. Miss Zlarz. LlstKIüssiges ZpernMälkn-Thester, � Zliesen-Lsnä- u. V?ssser-7suerwerk l und Ball. d 15 Ruderboote. X Riesen-KasteeMche. X Vier verdeckte Kegelbahnen a Volksbelustigungen.— Anfang 2 Uhr. W Bei«»günstiger Witterung Schuß für 0000 Personen.* Ä Entree 20 Ps., Kinder unter 12 Jahren in Begleitung Erwachsener Oranien-Salon, Oranienstr. 170. Gr. Ball.-.Ä o i ►❖♦♦4 Plötzensee! Insel• Restaurant � a. Jeden Sonntag: Großes Konzert und Spezialitäten-Theater. Jeden Sonnabend: Die beliebten Viktoria- ßlingcr. Im Saal und Bai champStre: Tanz. KaSeeküche. Zwei verdeckte Kegelbahnen. Volksbelustigungen. ►♦♦♦4 i i * Ii pharus'Säle, Snnicr-straßo ns. 100, 1000, 1500, mit Garten 2000 Personen fassend. 5 Kegelbahnen. Varietd- Theater. Künstler-Konzerte. Tanz-Rcunion. Säle zu Hochzeiten und Sitzungen. Sonnabende für VerciuSsestlichkeitea. ES«Michlt sich-Julius HVeruau, W.Wo&Qkslheaiev Dteettioin Rod. Oill. Brininenstr. 16 Lrßte Sonntags-Aufführnugt 9 uhc: Wenn der Flieder bliitit. Vorh.: 25 Nummern Spezialitäten. Zlnsang 5 Uhr. Enlrce 30 Pf. Während u. nach der Vorst.: Ball. Uonnerslag Programmwechscl 1 Rencs Personal._ Uolksgarten-Theater — am Bahnhos Gesundbrunnen.— Konzert, Theater und Spezialitäten-Vorstellung. SamerfestöBSvereiiiisteiiVereiDS unter Mtwirtung deS Mandolinenklubs„L>ra". [ai Kliems M III, öommcr-Cbcatcr. — Hasenbeide 13— 15.— Artistische Leilung: Bernhard Lange Täglich- Großes Konzert, Mer- und Spezialitäten-Vorstelliing. Mittwoch: Kinderfest. Donnerstag: Elite-Tag._ fistbahn-yarh Am Kllstrinerplatz, Rüdersdorferstr. 71 Hermann Imbs. Täglich:. Qroßes Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung._ l KJKA, : liiarkgrafcn-Säle ] Markgrafendamm 34. SSmt VH 4277 ( Inh. Hermann 8choltz. I Heute: Gr. Balls 1 Säle von 100—1000 Personen zu Festlichkeiten und Versammlungen, 2 Kogolkaiinon.* ieftflurant Hnsseluitrder Vledep-tSchtVnewolde (Fünf Minuten vom Bahnhof). Or, Barten zirka 10 000 SKzpIStze. 400 Meter Wassersront. 100 jähriger Baumbestand. 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Mittagstisch a Kuv. 60 Ps.. reiebbailige Abendkarte. Äd. Bartsch, cefonom. � � � � � � � � � A � | Kette Wett. O Hasenhoide 108—114. m> • Gr. Doppel- Konzert| S und S Spezialitäten- Vorstellung. Abends 16 Ehr: Mr. Gadbin DJ tollkütiner Koplsprung aus der 1 6. Etage. Im Riesensaale: Gpoßer Ball. Anfang 4 Uhr. Entree 26 Pf. ••••••••• Karlsgarten Rixdort. Karlsgarten-StraBe 10-11.• Sommer-Spielplan. Ä.",. Apollo-Singer. Mittwoch, Sonnabend, Sonntag: Spezialitäten und Theater. B orher:l2 und 2»/, Uhr nach Schmöckwi« und Ziegenhal». Jeden Donnerstag 9'/, Uhr nach Woltersdorfer Schleuse. -" Preis früh und nachmittags 56 Pj., Kinder die Hälfte. 49Sb »an? Dienstag u. Freilag: Fconicnadonfahrt mit Musil IT»,, l Heul nach'MüggelwerderRahnSdorf. Abs. nachm. 4'/, Uhr. neu. PreiS 10 Pj. hin nnd zurück. Becdcrci 4*- Zachow. Große Dampfer» Ferienfahrten «ach Wernsdorfer Sehieuse(Gosener Berge). Jeden Wochentag(außer Sonnabend))«», früh Uhr, nachmittags 2 Uhr ab öcKtillNgSbrUckS. PWU- hm u. zurück 50 Pf.-qMB' Hierzu ladet freundlichst ein Faul Scltwedler 36398* Restaurant zum Ldcr>2prcc>5kanal. Von nachmittag» ca. 2 Ilhr an(halb. 1 stündl.) Sonntags 30 Ps., wochentags 20 Pj./ IMmt. HC 3 h Sozialdemokratischer Wahlverein für den 3. Berliner Beiehsfags-Wahlkreis. Montag, den 13. Juli 1908: IfÜ Großes Sommerfest USW. in den öesamträumen der 99Neuen Welt44, Hasenheide» Konzert u. Spezialitäten-Vorstellung, Marionetten-Theater, Fackelpoionäse ••« Großes Brillant s Feuerwerk« o« Großer ßflll. Herron, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pt. nach. Eröffnung 8 L'hr. Anfang des Konzerts 4 Uhr. Billotts a 85 Pf. Die Kalfeeküchc stellt den ecchrten Damen von 8 Uhr an znr VcrfUgnns. Jedes Kind erhält am Eingange einen Bons zur Stooklaterno gratis. Zn zahlreichem Besuche ladet ein[213(6*] Der Torstand. I ll~ s r Verband der Maler, Saekierer, Anstrsioksr * Kclchiorstraßc 28. Filiale Berlin. USW. Fernsprecher Amt IV Nr. 4787. Am Sonnabend, den 18. Juli, nachmittags 8 Uhr, findet in den GesamKäumen der Äraucrei Fricdrichshain unser diesjähriges Sommerfeft iiatt. r> Große» Gnrt-«Ko«,ert. o Ätlt Seit Klidnch. S�g&SPSi M- M Zefchet mtRSU A° Vtvv. Außerdem: Oratisverlosnng Nir Damen, lilnder-Paekelzns, wozu jedes Kind Ctocklaterne erhält, und andere Ncberraschuiigen. Wir ersuchen die Kollege», fich mit ihren Frauen recht zahlreich zu beteiligen. Tie Kasserlüche ist den geehrten Damen von 5 Uhr an geöffnet. Billelts sind bei den Bezirfssährern, Hauskassicrcrn sowie im Bureau zu haben. 32/16*__ Die Ortsverwaltung. eine Zlchtung! CnTüiian. Achtung! Slm Sonntag, den 18. Juli, nachmittags S Uhr. im Restaurant Friedrichstr. 23.—„dUgerlians":— Bahtlhosstr. 1. Großes 8oi»ii»SK'L'SSt. Tokal» und Instrumental-Konzert, arrangiert vom Gesangverein. Tangeslust", Grünau(M. d. A.-S.-B.). unter Mitwirkung von sechs er). Mafien- und Einzelgesänge. Sportliche ....--_ � aal 203/2* Gesangvereinen(250 Sänger). Mafien- lind artistische Aufführungen.— Billett ä20 Pf. an der Stoffe.— Im Saal großer Ball. Herren zahlen 50 Ps. nach. Carl Keller5 Neue Philharmonie Köpenlckerstraße 96—97« Femsprecher; Amt IV. No. 2317. 3377L* Empfehle meine 10. Stile, 50 bis 2000 Personen fassend, zu Ver- t-' Sammlungen, Sommerfesfen und anderen Vereinsvergnügungen. Im herrlichen Naturgarten taglich: Konzert« Dosgleichen empfehle mein Lokal „Victoria=Qarten" in Wilmersdorf, Wilhelmsaue 114-115 (Fernsprecher; Amt Wilmersdorf No. 13) ca. 10 000 Personen fassend, mit großer Kaffeeküche, 5 Kegelbahnen usw., zu SouimciTcstcn und sonstigen Veranstaltungen. Täglich: Ktonstler-Konzcrt.— Entree frei: Empsehle den Gewerlschasien usw. �dkrtl mein Werhstatt- -wv«si« zu sitzuugt«. Zimmer für 36 bis 70 Personen. Zahlstelle des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes, der Schueider-Kraukcukaffe. 351311* Witwe Kürbis, Luisenstr. 26. Sozialdemokratiseher Vahlverein des 4. Berliner Reiehslagswahlkreise: �ywwwww-i f....... | Sommerfest Sonntag, den 12. Juli 1908: 219/5 in den Lokalen: Brauerei Friedrichshain. Kellers(Jnh. Freyer), Koppenstraße 29. Alte Taverne, Stralau. Ludwigs Viktoraas garten, Treptow, Köpenicker Landstraße. Mentes Volks» garten, Lichtenberg, Röderstraße. In den vier erstgenannten Lokalen finden besondere Aufführungen und Sehenswürdigkeiten statt, die reiche Unterhaltung bieten und die Gemüter erheitern werden. Mcntos Volksgarten: Auftreten der Harburger Sänger, sowie Spezialitäton und Schausteliungen. In allen Lokalen erhält jedes Kind am Eingang einen Bon für Stocklaterne und Karussel. In jedem ILokal Konzert nnd Tanz._ DBgw Prelslicgelschicben nnd PeuerHcrk bei Ladwlg."®6I Die Kafleekficbe steht auch bei Kellers(Inh. Freyer, Koppenstr. 29) den geehrten Damen für den Garten und die gesamten Räume zur Verfügung. KasscncrUftanng Ä Uhr. Anfang 4 Uhr. Billett 20 Pf. 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Dieselben find jederzeit gern bereit, jede gewünschte Auskunft über Nachtquartier zu erteilen sowie bei Beschaffung von Fährleuten streng darauf zu achten, daß keine Uebervorteilung der Ausflügler durch zu hohe Berechnung der Fahrpreise stattfindet. Darauf hin- weisen wollen wir noch, daß im Spreewaldgebiet uns- nur folgende Lokale jetzt zur Verfügung stehen:.Schwarzer Adler" fBaum- gart) in Lübbenau und„Schützenhaus" in Vetschau. Bei Ausflügen von Vetschau über Burg nach dem Spreewald wende man sich um Auskunst an Genoffen Aug. Klünke. Vetschau, Bahnhofftratze. In L ü b b e n stehen uns keine Lokale zur Verfügung. Sommerfeste. Das Sommerfest deS 6. Wahlkreises findet am Sonntag, den 2ö. Juli, im Schloß Weißensee statt. Das Festlomitee hat es sich angelegen sein laffen, für Unterhaltung für Groß und Klein Sorge zu tragen. Außer gutem Konzert ist auch für guten Arbeitergesang gesorgt. 20 Arbciter-Gesangvereine haben ihre Mtloirkung zugesagt. Sport und Athletik werden durch die Freien Turner und den Arbeiter-Athletenverein vertreten fein. Und der Humor kommt durch Engagement humoristtscher und satirischer Ensembles zu seinem Recht. Das Festlokal kann mit der Stadtbahn fNordring) und durch die Straßenbahnlinien SS, SO, öl und S2 erreicht werden. Die Billetts kosten im Vorverkauf 20. an der Kasse 2S Pf. Teltow-BeeSkov. Das diesjährige Volksfest des Kreises findet am Sonntag, den 19. Juli wiederum in dem Etablissement„Hasselwerder an der Oberspree(Bahnstafion Nieder-Schöneweide— Johannistal) statt unter Mitwirkung von Vereinen des Arbeiter-Sängerbundes Turnerbundes, Radfahrerbundes und des Berliner Ulk- Trios. Morgens um 6 Uhr: Frühkonzert. Nachmittags Beginn des Konzerts um 3 Uhr.— Entree 25 Pfennig. Erster Wahlkreis. Sonntag, den 12. Juli: Ausflug mit Familie nach Restaurant Hcidekrug, Kiekemal, Stafion Köpenick. Abfahrt 9,45 vom Stadtbahnhof Alexanderplatz. Für Nachzügler Trefstmnkt in Heidekrug. Dritter Wahlkreis. Am Montag, den 14. Juli, findet in der Neuen Welt, Hajenheide 108/114, das Sommerfest des Wahlvereins statt. Billetts zu demselben sind noch in den mit Plakaten belegten Geschäften zu haben. Näheres im Inseratenteil. Ripdorf. Den Mitgliedern des Wahlvereins hiermit zur Kenntnis, daß am 14. Juli, abends präzise 8 Uhr, in Hoppes Fest- sälen die Generalversammlung stattfindet. Mitglieds» buch legitimiert. Brih-Buckow. Dienstag, den 14. Juli, abends Va9 Uhr, findet bei Weniger, Werder- Straße 28, die G eneralv er s amm- lung statt. Treptow-Baumschnleinveg. Am Dienstag, den 14. d. M.. findet im Restaurant zur Rennbahn am Bahnhof Treptow die ordentliche Generalversammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Vorstandsbericht und Abrechnung des Kassierers. 2. An- träge und Wahl der Delegierten zur Kreis-Generalversammlung und Verbands- Generalversammlung Groß-Berlins. 3. Vortrag deS Genossen Haß über«Die Aufgaben der Sozialdcmokratte". 4. Ver- schiedeues. Die Mitglieder werden darauf aufmerksam gemacht, daß der Be- schluß der außerordentlichen Generalversammlung in Baumschulen- «reg betreffs Trennung des WahlvereinS vom Zentralvorstand nicht bestätigt worden ist. Die Mitglieder des Frauenbilduugsvereins haben Zutritt. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Wnhlverciii Eichwaldc. Wir inachen auf unser heutiges Sommer- fest in Wittes„Waldschlößchen" aufmerksam. Lichtenberg. Dienstag, den 14. Juli, abends B1/« Uhr, findet eine Generalversammlung des Wahl- Vereins im„Schwarzen Adler", Frankfurter Chaussee 5. statt. Tagesordnung: 1. Halbjahresbericht des Vorstandes. 2. VereinS- angelegenheiten. Karlshorst. Mittwoch, den 12. Juli: Zahlabend bei SabrowSki. Diskussion über den Vortrag des Genossen U m b r e i t. die Beschlüsse des Gewerkschaftskongresses betreffend. Tcuipelhof. Dienstag, den 14. Juli, abends 8'/z Uhr, findet die Generalversammlung deS sozialdemokratischen WahlvereinS im . WilhelmSgarten". Berliner Straße 9, statt. Charlottcuburg. Am Dienstag abend 8'/z Uhr findet im Volks- Hause, Rosinenstr. 3, großer Saal, die Generalversammlung deS Wahlvereins statt. Tagesordnung: Die böse Sieben im Landtage. Referent: Landtagsabgeordnetcr Adolf Hoffmann-Berlin. 2. Vereins- angelegenheilen.________ Berliner JVaebriebtem Für Ferienwanderer. Alljährlich führen die Sommerferien der Schulen aus Berlin und seinen nächsten Vororten Zehntausende von Fa- Milien hinaus in die Ferienerholung. Wieder sind in diesen Tagen, die unseren Kindern den Ferienbeginn brachten, die Schwärme der mehr oder minder Erholungsbedürftigen Groß-Berlins nach allen Himmelsrichtungen von dannen ge- bogen.„. �. In solcher Zeit pflegt auch in manchem der, ach! so vielen, die zurückbleiben mußten, lebhafter als sonst der Wunsch sich zu regen, wenigstens am Sonntag dem Dunst und Lärm der Großstadt, dem Staub und Getümmel ihres Straßengewirres zu entfliehen. Und mancher schon, dem die Umgebung Berlins bisher als nicht sonderlich re,zvoll gegolten hatte, hat just zu derselben Zeit, wo zahlungsfähigere Mitmenschen im Gebirge oder an der See dem Genuß der Naturschönheit sich hingeben durften, die ihm neue Ent- deckung gemacht, daß auch die Mark Brandenburg „nicht übel" ist. � �. Sie hat in der Tat ihre eigenen Reize, unsere Mark. Der tut ihr unrecht, der für sie nichts anderes übrig hat als das oft gebrauchte Bild von der„Streusandbüchse". Der kennt sie nicht, der ihr nachsagt, daß sie aller landschaftlichen Schönheit bar sei. Der versteht sie nicht, der ihre ernsten Kiefernwälder öde nennt und ihre stillen Seen als langweilig empfindet. � � �...... Zur Erschließung der Mark Brandenburg für den Naturfreund, der sie IM, jst in neuerer Zeit manches getan � worden. Es fehlt längst nicht mehr an zuverlässigen W a n d e r b ü ch e r n, die den Ausflüglern und Touristen als sichere Wegweiser dienen können. Ihre Angaben werden unterstützt durch brauchbare Karten, die in reicher Aus- Wahl vorhanden sind. Solche Hilfsmittel sind nicht entbehr- lich? denn nicht jeder hat das Zeug dazu, selber auf Ent- deckungen auszugehen und sich seine eigenen Wege zu suchen. Zu den älteren Wanderbüchern des Straubeschen und des Kießlingschen Verlages sind als neu hinzugekommen die Wanderbücher des Verlages von Spiro: im vorigen Jahre die„Hundert Ausflüge um Berlin", die durch die nähere Umgebung Berlins führen: in diesem Jahre die„Märkischen Wanderfahrten", die dem Wanderlustigen die Reize der ent- legeneren Teile der Mark erschließen wollen. Georg Siege- rist, ein guter Kenner der Mark, hat beide Werkchen ver- faßt: sie zeichnen sich aus durch einfache und klare Dar- stellung. In den„Ausflügen" gibt Siegerist kurze Touren innerhalb des Vorortgebietes, die in einem halben Tag ge- macht werden können. Die„Wanderfahrten" erfordern größeren Zeitaufwand, sie sind berechnet auf ein- bis drei- tägige Dauer und machen auch eine erhebliche Benutzung der Eisenbahn nötig. Jedes der beiden Bücher ist mit eigenen Karten ausgestattet und kostet 1,50 Mark. Ein rechter Wanderer wird auch die ausführlicheren Spezialkarten nicht entbehren können, die der Kießlingschc und der Straubesche Verlag bietet. In der näheren Um- gebung Berlins gibt es kein Ausflugsgebiet mehr, das da nicht Berücksichtigung gefunden hätte. Von Straubeschen Karten, die in Neuauflagen erschienen sind, liegen vor uns: Karten der Oberspree und der Dahme, der Umgegend von Oranienburg mit Birkenwerder, Velten, Kremmen, der Um- gegend von Potsdam mit Werder usw., der Umgegend von Buckow(MärkischeSchweiz) und Eberswalde— Freienwalde. Für weitere Ausflüge, die per Fahrrad unternommen werden, dient Straubes große Touristen- und Radfahrerkarte der Um- gegend von Berlin(132 Ouadratmeilen). An Wanderbüchern und Spezialkarten fehlt es, wie gesagt, nicht. Woran es zur vollen Erschließung der ferneren und selbst der näheren Umgebung Berlins noch fehlt, das sind gute Verkehrsmittel. Niemand wird behaupten wollen, daß für den Ausflugsverkehr Berlins von der Eisen- bahnverwaltung nicht noch mehr getan werden könnte. Wünschenswert wäre eine Ausgestaltung des Verkehrs mit Motoromnibussen, der den Eisenbahnverkehr wirksam er- gänzen und ihm schließlich sogar eine fühlbare Konkurrenz bereiten könnte, wenn die Motoromnibusfahrten billiger würden._ Der Achtuhr-Ladenschluß für Berlin. Ueber das Ergebnis der kürzlich vorgenommenen Abstimmung der Ladeninhaber über die Einführung des Achtuhr-Ladenschlusses geht uns folgende offiziöse Meldung zu: „An der Abstimmung über den Achtuhr-Ladenschluß haben sich etwa 60 Prozent der stimmberechtigten Geschäftsinhaber be° teiligt. Die Zahlen sind noch nicht genau festgestellt, doch dürfte die Zweidrittelmajorität für den Achtuhr-Ladenschluß vorhanden sein." Die Zweidrittelmajorität ist die Voraussetzung für die Ein- führung des Achtuhr-Ladenschlusses für Berlin. Wir hoffen, daß sich die Mitteilung auch nach dem genauen Endergebnisse bestätigt und daß endlich auch in Berlin der Achtuhr- Ladenschluß vom Polizeipräsidenten festgesetzt wird. Abnahme der Berliner Bevölkerung. Zum ersten Male seit Jahrzehnten hat sich die Berliner Bevölkerung etwas verringert. Im Januar 1908 betrug sie 1 021 590 männliche und 1 091 998 weibliche Personen, Ende Mai dieses Jahres nur 1 012 513 männ- liche und 1 088 244 weibliche Personen, also rund 13 000 weniger als im Januar. Diese nicht unbedeutende Abnahme ist auf den Fortzug zurückzuführen; denn es sind in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 51 053 männliche Personen und 44 785 weibliche als fortgezogen polizeilich abgemeldet worden. Hierzu kommen dann noch 12370 männliche und 6994 weibliche Personen, deren Wegzug nicht gemeldet worden ist, so daß insgesamt 115 202 Per- sonen nach außerhalb, meist nach den Vororten, verzogen sind. Diesen Fortzügcn stehen 97 769 Zuzüge gegenüber. Aufreizung zu zweierlei Maß. In einem Berliner Wochenblatt wird das bekannte rigorose Verhalten vieler Polizeibehörden im SchankkonzessionSwesen' beleuchtet und als krasses Beispiel das Halenseer Etablissement„Kursürstenpark" angeführt. Die Zuschrift beruft sich darauf, daß der Inhaber, dem die Polizeibehörde so scharf zusetzt, um so mehr schwer kämpfen muß, als er sozial- demolrafischen Versammlungen sein Etablissement verschließt und darum von dieser Seite aus einen strengen Boykott zu ertragen hat. Am Schluß heißt es wörtlich:„Schon in Anbetracht dessen, daß er so fest und treu zu Thron und Reich hält lind sozialdemokratischen Versammlungen nicht Einlaß gewährt, sollte die Polizeibehörde ein Einsehen haben." Deutlicher und ungenierter kann nicht dazu aufgehetzt werdeit, daß in KonzessionSsachen nicht die gesetzliche Vorschrift, sondern die politische Haltung ausschlaggebend sein soll. Da der Inhaber des „Kurfürstenparks" trotz seiner Königstreue nicht zu seinem Rechte kommen kann, so möge er sich doch entschließen, sein Lokal den Sozialdemokraten zu offnen. Dann werden auch andere Leute als bisher sein Lokal besuchen. Ein braver Parteigenosse ist in der Person deS Schriftsetzers Karl Mühl dahingegangen. Karl Mühl war einer von den Alten, die in der schwersten Zeit, die die Partei durchzumachen hatte, im Vordertreffen der Berliner Bewegung standen. Voil Anbeginn der schmachvollen Zeit des Sozialistengesetzes stand Mühl lange Zeit auf einem vorgeschobenen Posten; keine Gefahr war ihm zu groß, wenn es die Partei galt. Das Tätigkeitsfeld seiner Pionierarbeit war der dritte Wahlkreis, wo er viele Jahre zu einem der rührigsten Genossen zählt«. Als Anfang der achtziger Jahre eine Anzahl Genossen ausgewiesenen Freunden am Anhalter Bahnhof Lebewohl sagen wollten, wurde Mühl aus der Zahl der Genossen heraus- gegriffen und verhaftet. Nach 16wöchentlicher Untersuchungshaft verurteilte das Gericht Genossen Mühl zu einem Monat Gefängnis, der durch die Untersuchungshast als verbüßt angeschen wurde. Obgleich nichts gegen Mühl vorlag, mußte man verurteilen, um nicht zuzugeben, daß ein Unschuldiger mir nichts dir nichts ein- gesperrt worden war. Auch so eine Infamie des fluchwürdigen Schandgesetzes. Das Lebensende des Verstorbenen war ein recht trübes. Zwei Jahre lang lag Mühl infolge eines Schlaganfalles auf dem Krankenbett. Run hat ihn der Tod erlöst. Die Berliner Genossen und die Genossen des dritten Wahlkreises werden dem uneigennützigen Wirken des Genossen Mühl treu gedenken.>— Die Beerdigung findet morgen nachmittag �3 Uhr auf dem Emmaus-Friedhof in Rixdorf statt. Gepäckbeförderung und Paketfahrt. Uns wird geschrieben: Die Berliner Paketfahrt, die kaum imstFydx ist, den Ortsverkehr zu bewältigen, übernimmt auch die Beförderung von Gepäckstücken aus den Vororten nach den Bahnhöfen und— übernimmt sich dabei auf ganz unverantwortliche Art, was sich während der Reisezeit besonders unangenehm fühlbar macht. Wenn sie überall die ihr gewordenen Aufträge so erledigt wie beispielsweise in Pankow, dann tut man allerdings besser, auf die Dienste dieses großen Verkehrsinstituts zu verzichten und etwas mehr für eine Gepäck- droschke anzulegen. Man erspart dabei immer noch etwas— nämlich viel Aerger und Verdruß. Wem an der Annahmestelle für Beförderungsausträge prompte Erledigung zugesagt wird, der glaubt dann wohl, daß nun auch der Wagen der Paketfahrt am Tage vor seiner Abreise vor der Wohnung halten und das Gepäck abholen werde, so daß er am nächsten Tage beruhigt nach dem Bahnhof fahren könne, wo er sein Gepäck bereits vorfinden werde. Es enthält allerhand Gegenständ« für den täglichen Gebrauch und soll als Passagiergut mitgenommen werden. Sonderbarer Schwärmerl Er wartet unter Umständen den ganzen Tag vor der Abreise vergeblich auf den Wagen der Paketfahrt, er bleibt umsonst den ganzen Tag zu Hause, damit die Fuhrleute bei ihrem Erscheinen nur jemand antreffen sollen. Er wartet dann noch umsonst bis 10 Uhr abends, da ihm der Mann in der Annahmestelle auf nochmalige Anfrage die Versicherung ge- geben hat, das Gepäck werde ganz bestimmt abgeholt. Die zwölf- jährige Emmi, die sich bereits krampfhaft auf das Herumtollen in der Sommerfrische freut, vergießt bereits Tränen vor Kummer, daß die Abreise unter diesen Umständen vielleicht noch eine Ver- zögerung erfahren werde. Doch der so heiß ersehnte Gepäckwagen erscheint nicht. Er erscheint auch am nächsten Morgen nicht. Man übergibt endlich in fieberhafter Eile den Koffer dem Bahnspediteur und erreicht den Zug mit Müh und Not, nachdem man an der An- nahmestelle der Paketfahrt noch den definitiven Bescheid erhalten hat, es sei gestern, als das Gepäck abgeholt werden sollte, niemand in der Wohnung angetroffen worden. Traurige Verlegenheit�- auSflucht! Am Abend dieses Tages erscheint, nackchem die Familie gegen Mittag abgereist ist, mit einer Verspätung von nur 24 Stunden der nun überflüssig gewordene Kutscher der Paketfahrt, um irgend einem zurückgebliebenen Familienmitglied zu eröffnen, daß er den Koffer abholen komme. Das ist ein wahrheitsgetreu berichteter Fall aus der Praxis. Er steht jedoch leider nicht vereinzelt da. In der betreffenden An- nahmestelle erschienen an diesem Morgen etwa sieben Personen, um über Nichtabholung von Gepäckstücken durch die Packetfahrt Be- schwerde zu führen. Uebrigens sind uns Fälle bekannt geworden, in denen die Ge- sellschaft die Kühnheit(um keinen stärkeren Ausdruck zu gebrauchen) hatte, für das durch ihre eigene Schuld um 24 Stunden verzögerte Anfahren des dann nicht mehr benutzten Wagens gar noch— Bezahlung zu verlangen! ES wäre wohl die Pflicht der Paketfahrt-Gesellschast, in der unruhigen Reisezeit durch ihre Annahmestellen derartige Beför- derungsaufträge nur bedigungSweise zu übernehmen, anstatt prompte Erledigung zuzusagen und dann ihre Kundschaft schnöde im Stich zulassen. Im Interesse der von der Sommerfrische Zurück- kehrenden sei hier noch darauf aufmerksam gemacht, daß die Ber- liner Paketfahrt auch dann wieder erfahrungsgemäß acht bis vier- zehn Tage Zeit braucht, um Aufträge auf Beförderung von Gepäck- stücken von den Bahnhöfen in die Wohnung zur Ausführung zu bringen. Für den Verkehr in einer Millionenstadt sind das recht traurige Zustände. Hoch klingt da? Lied vom braven Mann. Der Polizeibericht meldet: Gestern nachmittag besttegen der zehnjährige Sohn Erich des Arbeiters Albert Sander und der siebenjährige Stiefsohn Artur Voß des Arbeiters Karl Behrendt heimlich an der Sellerbrücke das Bei- boot des Schiffers Paschke, lösten die Kette und fuhren zum Ufer. Als sie sich hier mit den Händen wieder abstoßen wollten, verloren sie das Gleichgewicht und stürzten kopfüber ins Wasser, das an dieser Stelle etwa zwei Meter tief ist. Der in diesem Augen- blick vorbeigehende Arbeiter Gedawitzsch sprang den beiden Knaben in voller Kleidung sofort nach und brachte beide glücklich wieder ans Land. Ein Bravo dem Tapferen! Warnungen vor Schwindelkrankenkassen haben wir in unserem Blatte schon des öfteren veröffentlicht. ES gibt zahlreiche Kassen, die unter den schönsten Versprechungen durch Agenten Mitglieder werben lassen, dann aber, wen Ansprüche aus Zahlung von Kran» kengeld gestellt werden, sich unter irgendwelchen Vorwänden dieser Verpflichtung zu entziehen suchen. Der beliebteste Einwand, um keine Unterstützung zu zahlen, ist der Hinweis auf eine Krankheit, die früher schon bestanden haben soll und deren Vorhandensein bei der Aufnahme angeblich verschwiegen worden ist. Uns liegen heute wieder eine ganze Anzahl von Fällen vor, die sich auf die „Deutsche Krankenunterstützungskasse'(E. H.) Cassel bezichen und auS denen erhellt, daß die vorgenannte Kasse zu den Kassen gehört, vor denen aufs dringendste gewarnt werden muß. Zur Charakterisierung nur zwei Fälle. Ein Arbeiter erkrankt an Rachenkatarrh, er wendet sich mit seinen Ansprüchen an die genannte Kasse, deren Mitglied er ist. Ihm wird mitge- teilt, daß er in den! letzten drei Jahren öfters an Rachenkatarrh geuiten habe.„Diese Krankheit haben Sie aber," so heißt es wärt« lich in der Antwort der Casseler Kasse,„bei Ihrer Aufnahme in die Kasse verschwiegen und bedauern wir, Sie auf Grund unserer Statuten(§ 7 Abs. B.) aus unserer Kasse ausschließen zu müssen. Krankengeld erhalten Sie darum nicht." Ein anderes Mitglied leidet nach dem Attest seines Kassen- arztes an Bronchifis. Die Deutsche Unterstützungskasse in Cassel kann zwar nicht feststellen, daß dieses Mitglied früher eine ähnliche Krankheit gehabt hat, aber sie weiß sich zu helfen. Man höre und staune wie: Nach dem uns vorliegenden Bericht unsere? Vertrauensarztes leiden Sie an chronischem Alkoholismus. Diese? Leiden haben Sie aber in Ihrem Antrag vom... zur Aufnahme in unserer Kasse verschwiegen und hat darum der Vorstand beschlossen, den zwischen uns bestehenden Versicherungsvertrag nach§ 119 des Bürgerlichen Gesetzbuches und§ 6 des HilfSkassengesetzeS auf- zulösen." Krankengeld gibt's also auch in diesem Falle nicht. DaS Tollste ist die Behauptung, daß der Antragsteller an chronischem Alkoho- lismus leide, wenn man bedenkt, daß das betreffende Mitglied wohl hin und wieder ein Glas Bier trinkt, wie die meisten Men» sehen, aber keineswegs ein Trinker ist. Die Fälle ließen sich vermehren. Die oben mitgeteilten mögen beweisen, in welch gewissenloser Weise die genannte Kasse sich die Leute vom Halse wimmelt, die Ansprüche erheben. Solche Leute kann sie nicht mehr gebrauchen, sondern nur solche, die dumm genug sind, nur zu zahlen. Hoffentlich wird die Zahl der letzteren immer geringer. Betrvgene Arbeiterinnen. Vor der ersten Kammer des Ber» liner Gewerbegerichts wurde am vergangenen Mittwoch, 8. Juli, eine Sache verhandelt, die ein helles Schlaglicht auf das Zwischenmeistertum wirft. Sechs Mäntclnähcrinncn hatten gegen ihren Arbeitgeber, einen KonfektionZzwischcnmcister namens Ge» b a u e r, Willdenowstraße 29, Klage anstrengen müssen, weil der nette Herr ausgerechnet gerade am Pfingstsonnabend ihnen sämtlich den sauer verdienten Lohn vorenthielt. Die Arbeit war ihnen zwar abgenommen worden, aber als sie ihren Lohn verlangten, war der Herr auf und davongegangen, wohin, wußte zunächst niemand anzugeben. Man kann sich die Gefühle der geprellten Arbeite- rinnen ausmalen. Eine von den Sechs'war nicht nur um ihren Verdienst gekommen, sondern auch um weitere sechs Mark, die de- saubere Arbeitgeber ihr dprch Vermittesuyg seiner Ehesrazi hgttc abborgen lassen. Der ehrenwerte Herr soll, wie uns mitgeteilt wird, sonst ein recht honetter„liebevoller" Mensch sein, eine echte Freisinnsgröße, im Besitze verschiedenster Ehrenämter, so z. B. Vorsitzender einer Steuervoreinschätzungskommission, Mitglied der Armenkommission und hervorragendes Mitglied des Parochial- Vereins positiver Richtung, ferner auch noch„Bannerträger" im Verein der Konfektionsschneidermeister. Mehr kann man kaum verlangen. Zum Termin erschien Herr Gebauer nicht; und das Urteil lautete selbstverständlich auf sofortige Aus- zahlung des eingeklagten Lohnes. Die Vollstreckung des Urteils indes dürfte ein negatives Resultat zeitigen, denn der Herr lebt von seiner Frau, jetzt getrennt, und die Wirtschaft soll sein Haus- Wirt wegen Mietsschulden mit Beschlag belegt haben. Nun können die geprellten Arbeiterinnen zusehen, wie sie zu ihrem Gelde ge- langen. Eine von ihnen hatte sich an einen Kollegen des Herrn G. in der Armenkommission gewandt und ihre Not geklagt, sie wurde brüsk abgewiesen. Der Liebcsroman des Reservisten. Zu einem patrouillierenden Schutzmann im Tiergarten trat in der vergangenen Nacht ein junger Mann, der um Hilfe bat. Vor den Augen des Beamten brach der Unbekannte kurz darauf besinnungslos zusammen. Er hatte sich mit Salzsäure vergiftet. Der Schutzmann schaffte den Bewußtlosen nach der Unfallstation am Zoologischen Garten, wo ihm der Magen ausgepumpt wurde. In recht bedenklichem Zu- stände wurde er dann nach dem Garnisonlazarett in der Scharn- Horststraße gebracht. Der Lebensmüde ist der Reservist Hermann Müller aus der Steinmetzstraße 51. M. war vor einigen Tagen zu einer Reserveübung beim 2. Fußartillerieregiment in Swine- münde eingezogen worden. Die Sehnsucht nach der Geliebten veran- Iahten ihn dazu, gestern einen Urlaub zu nehmen und nach Berlin zu fahren. Hier kam es nun zwischen dem Reservisten und der Braut zu einem unliebsamen Auftritt. M. erhielt schließlich den Laufpaß und beschloß, sich das Leben zu nehmen. Im Tiergarten vergiftete er sich gegen Mitternacht mit Salzsäure. Das Opfer einer Gasvergiftung ist die 26jährige Anna Voigt aus der Anklamer Straße 56 geworden. Tie V. hatte sich vor dem Schlafengehen vergewissern wollen, ob auch die Gashähne im Schlaf- zimmer geschlossen seien. Anstatt einen der Hähne zu schließen, öffnete sie ihn durch ein Versehen. Während sie nun schlief, ent- strömten die Gasmengen unaufhaltsam der Oeffnung. Morgens fand man die V. in leblosem Zustand im Bette vor und trans- portierte sie nach dem Lazarus-Krankenhaus. Es wird befürchtet, daß das junge Mädchen nicht wieder aufkommen wird. Im städtischen Asyl vom Tode überrascht wurde gestern der etwa 50 Jahre alte Schneider August Krog. K., der schon seit Mo- naten arbeits- und wohnungslos gewesen war, hatte nachts seine Zuflucht im städtischen Obdacht in der Fröbelstraße gesucht. Gestern brach er dort plötzlich zusammen und starb auf der Stelle. Ver- mutlich hat«in Herzschlag dem Leben des Mannes ein jähes Ende bereitet. Zu wüsten Ausschreitungen kam eS in der gestrigen Nacht am Maybachufer. In der Nähe der Thielenbrücke liegt gegenwärtig der Lastkahn des Schiffers Joh. Milow aus Zehdenick vor Anker. Nachts in der zweiten Stunde vernahm M. von seiner Kajüte aus großen Lärm auf seinem Fahrzeug. Als er auf das Deck hinaufkam, sah er zu seiner Verwunderung, wie eine ganze Rotte junger Burschen aus seinem Kahne allerhand Unfug trieb. Die Burschen machten sich an dem Mastbaum zu schaffen und als M. sie bat, doch den Unfug hinzustellen, wurde er von den jungen Leuten angefallen. Er eilte nach der Kajüte zurück und rie seinen Sohn und den Schiffersknecht zu Hiife. Als er dem letzteren zurief, doch den Revolver mitzubringen, stürzten die Rowdys über ihn her und drohten ihn zu erschießen. Es entstand nun zwischen den drei Schifferleuten und den Exzedenten, etwa 15 an der Zahl, ein verzweifelter Kampf. M. mußte mit seinen beiden Anhängern schließlich der Uebermacht weichen und wieder nach der Kajüte fliehen. Jetzt wurde von den Burschen ein förmliches Stein- bombardement auf die Kajüte eröffnet und auf dem Kahne erheb- licher Schaden augerichtet. Der Besitzer des auf dem anderen Ufer vor Anker liegenden Kahnes, der Schiffer Jänicke aus Niederfinow wollte seine Leute den Bedrohten zu Hilfe schicken. Als die Rowdys dies bemerkten, verließen sie das Fahr- zeug und begaben sich schleunigst nach der anderen Ufer- feite, um dem I. einen Besuch abzustatten. I. trat mit seinen Leuten der Bande am Ufer entgegen. Er wurde sofort von den Heranstürmenden überfallen und niedergeschlagen.„Ins Wasser mit ihm l" ertönten jetzt Rufe und man schleifte den Wehrlosen— die Schifferkncchte hatten sich selbst zu verteidigen— nach dem Uferrand zu. Inzwischen waren jedoch durch den starken Lärm zahlreiche Passanten und auch ein Schutzmann aufmerksam geworden und noch im letzten Augenblick konnten die Burschen von ihrem verbrecherischen Vorhaben abgehalten werden. Die Rowdy? entkamen. Durch eine Reihe hiesiger Polizeibeamter wurde am Morgen eine förmliche Jagd nach den Exzedenten vorgenommen und es gelang, den größten Teil von ihnen hinter Schloß und Riegel zu bringen. Feuerwehrbcricht. Die Berliner Feuerwehr wurde gestern abend um S Uhr dreimal nach der Ackerstr. 16 alarmiert, wo durch Unvor- fichtigkeit Gardinen in Brand geraten waren. Die in großer Stärke ausgerückte Feuerwehr konnte bald wieder abrücken. In der Teltower Straße 14 wurden Möbel und Betten ein Raub der Flammen. Ferner liefen Alarme aus der Tieckstr, 16, Seestr. 68G u. a. Stellen ein. Die Schöneberger Feuerwehr hatte in der Hauptstr. 22 mit einem Zimmerbrande zu tun. Arbeiter-Bilbungsschnle Berlin. Am Sonntag, den 19. Juli, Ausflug nach Budj-Schön Walde. Abfahrt des uges Stettiner Vorortbahnhof 8.59, Gesundbrunnen 9.65 Uhr. reffpunkt für Nachzügler bis 16� Uhr„Salemanns Restaurant", am Bahnhof Buch gelegen, von 12 Uhr mittags ab„Restaurant Sportshaus am Gorinsee", Inhaber H. Borowsli in Schönwalde. Elternverein für freie Erziehung(Verein freier Kinder- garten). Das am letzten Mittwoch wegen des schlechten Wetters abgesagte Kinder spielfe st findet nun Mittwoch, den 15. Juli, im' Restaurant„Waldhaus", Tegeler Weg 33/89, statt. Die gelösten Billetts behalten ihre Gültigkeit. Arbeiter-Samariterkolonne. Montag abend 9 Uhr UebungSstunde der 2. Abteilung Brunnenstr. 154. Es werden Verbände geübt, der angesetzte Vortrag wird nachgeholt. Am Donnerstag UebungSstunde der 3., 4. und 5. Abteilung. Vorort- JVacbricbten. Schöneberg. Aus der Gewerkschaftskommisfion. In der am 1. Juli 1908 stattgefundenen Sitzung der SchönebergerGewerkschaftskommission, gab Ge- nosse Stadtverordneter Däumigsden Bericht vom Städtischen Arbxitsnach- weis. Beim Dienstboten-Nachweis wurde bemängelt, daß die Bermittelung nicht auch für die Dienstgeber unentgeltlich ist. Ueber die Notstands- arbeiten im vergangenen Winter wurde mitgeteilt, daß 73 Mann beschäftigt worden seien, in Anbetracht der großen Arbeitslosigkeit eine sehr geringe Zahl. Das sei aber mit darauf zurückzuführen, daß gelernte beschäftungslose Arbeiter sich zu Erdarbeiten, und nur um solche handelt es sich, aus verschiedenen Gründen nicht so leicht bereit finden. Der Besuch der Städtischen Wärmehalle war trotz der ungünstigsten Verhältnisse nicht so stark wie zu erwarten war. Ferner teilte �Genosse Däumig mit, daß von der Stadt eine Rechtsauskunftsstelle ins Leben gerufen wird. Genoffe Henkel bezweifelt, daß die Auskunft erteilende Person auf sozialpolitischem Gebiete so bewandert sein würde, wie das not- wendig ist, um den Auskunft suchenden Arbeiter zu seinem Recht zu verhelfen. Genoffe Schenk regt an, der Ausschuß möge sich bei den Kommissionen in Berlin, Charlottenburg und Nixdorf erkundigen und nachdem Stellung dazu nehmen. Bis dahin sei es jedoch unbe- dingt geboten, die von der Arbeiterschaft ins Leben gerufene Aus- kunftsstelle, welche sich beim Genoffen Rosanke, Memingersiraße 8, Seitenflügel, befindet, zu benutzen. Der Obmann, Genoffe Karl Henkel wohnt jetzt Neue Winterseldtstr. 44, part. Unentschuldigt fehlen die Vertreter der Gärtner, Straßenbahner und Barbiere. Wilmersdorf. In der Generalversammlung des Wahlvcreins gab Genoffe H i n r i ch s e n den Halbjahresbericht des Vorstandes. Zur Er- ledigung der Geschäfte waren drei engere, sechs erweiterte und eine kombinierte Vorftandssitzung notwendig. Außerdem fanden statt zwei Generalversammlungen, drei Mitgliederversammlungen sowie fünf Volksversammlungen und eine Reihe Flugblattverbreitungen, bei denen die Beteiligung der Parteigenossen leider sehr mangelhaft war. Hierbei gab Redner bekannt, daß infolge der zu unrecht erfolgten Sistierung eines Flugblattverbreiters, der hiergegen ein- gelegten Beschwerde vom Polizeipräsidium stattgegeben und der be- treffende Beamte rektifiziert worden sei. Leider ist der von der Erweiterung der Bezirke sowie der in den Gewerkschaften am Ort betriebenen Agitation erwartete Erfolg nicht eingetreten. Es müsse eben energischer gearbeitet werden. In der sich anschließenden Debatte erhob Genosse Henkel den Vor- wurf, daß die Arbeiten des Wahlkomitees mangelhast gewesen seien und bei wichtigen Zusammenkünften die Leitung nicht vorhanden war. Wolle man die Masse hinter sich haben, so müßten vor allem die leitenden Personen nach Kräften ihre Schuldigkeit tun. Im weiteren Verlauf der Debatte wurden von den Genoffen Hilbig und Schäfer die am Ort befindlichen Arbeitervereine zum Teil scharf angegriffen und festgestellt, daß insbesondere die Genossen des Rädfahrervereins„Vorwärts" ihre Pflicht nicht erfüllt haben, so daß dem Wahlbureau am Tage der Wahl wie der Stich- wähl zur festgesetzten Zeit kein Radfahrer zur Verfügung stand. Genosse Zörner versuchte die Vorwürfe zu entkräften. In seinem Schlußwort ging der Vorfitzende noch auf die in der Diskussion er- örlerten Punkte ein und beantwortete die gestellten Anfragen. Der vom Kassierer gegebene Kassenbericht des II. Quartals schließt mit einer Gesamteinnahme von 471,69 M. ab, dem eine Ausgabe von 382,95 M. gegenübersteht. An den Zentralvorstand wurden 314,66 M. abgeliefert. Aus dem Bericht der Speditionskommission des Genossen O. Riedel ging hervor, daß die Spedition, wie nicht anders zu er- warten war, seit der Neuregelung mit einem Ueberschuß zunächst nicht aufwarten kann, sondern trotz des gewährten monatlichen Zu- schusses in den Monaten April und Mai noch ein Defizit von zu- sammen 17,66 M. zu verzeichnen hatte. Der Abonnenlenstand des „Vorwärts" betrug am Orte 395. Die Ersatzwahlen zum Vorstande ergaben folgendes Resultat: 1. Vorsitzender Genosse Oskar Riedel, 2. Vorsitzender Genosse Schäfer; als Lokalkommissionsmitglieder die Genossen War- schulewski und I a n i ck i. Am Schluß der Versammlung gab der Vorsitzende bekannt, daß am Sonntag, den 12. d. M., im„Luisenpart" das So mm er fest des Wahlvereins stattfindet. Weihensee. Aus der Gemeindevertretung. Ein borzulegendes Projekt, oetreffend den Bau der Oberrealschule, wurde auf Antrag der Hochbaukommission vertagt, da das vorliegende zu teuer erschien und die räumlichen Verhältnisse beschränkter werden sollen. Die Räume der jetzigen Realschule, die sich in einem Privathause be- finden, werden ausgebessert, was einen Aufwand von 286 M. ver- ursacht. Gegen die Stimmen unserer Genossen wurde beschlossen, eincn Polizeihund im Werte von 136 M. anzuschaffen. Bei der Bewilligung von Mitteln für die Einftiedigung des Schloßgrund- stücks konnte es sich der Lieferant von Zerpenschleuser Landbrot, Herr Kohler, nicht verkneifen, die dort beschäftigten Arbeiter zu denunzieren, daß diese nicht genügend leisten, herumstehen und daher besser beaufsichtigt werden müssen. Herr Kohler hat wohl in dem Moment vergessen, daß seine Landbrotabnehmer sich in der Hauptsache aus der Arbeiterschaft Groß-Berlins rekrutieren, dafür hat er auch ein gewisses Recht, diese zu denunzieren. Zum Verbandstage der Gewerbe- und Kaufmannsgerichte in Jena sollen je drei Delegierte entsandt werden, 1 Vorsitzender, 1 Arbeitgeber und 1 Arbeitnehmer. Die Dclegationskosten betragen für 8 Tage je 9 M. und freie Fahrt 3. Klasse. Ein Antrag des Genossen Peukert, 12 M. resp. 16 M. zu gewähren, wurde ab- gelehnt, und zwar begründete Herr Postassistent Mewes die Ab- lehnung damit, daß, wie ihm in der Finanzkommission von einem Herrn der Linken gesagt wurde, dort nur ernste Beratungen ge- pflegt werden, und dazu gebrauche man doch nicht viel Geld. Sieht Herrn Mewes ähnlich. Für die Restaurationseinrichtung der Turnhalle inklusive Saal und Bühne, ferner für die Lichtanlage wurden 18 834 M. bewilligt. Zugleich wurde die Restauration auf 3 Jahre an die Brauerei Patzenhofer verpachtet. Dieselbe zahlt pro Jahr 4566 M. Beim Verkauf von 456 Hektolitern für jedes Hektoliter mehr 11 M. und für jedes Hektoliter über 566 mehr 12 M. Bei dieser Gelegenheit nahmen unsere Genossen Stellung, den Pächter zu veranlassen, bestimmte Preise für das zu verab- folgende Bier, Garderobe, Unentgeltlichkeit der Toilettenbenutzung usw. vorzuschreiben, jedoch fand man bei den übrigen Herren nicht das genügende Verständnis. Die Brauerei Patzenhofer hat das Höchstgebot abgegeben. Nach dem Ausspruch des Vorsitzenden wird die Gemeindevertretung vor Ablauf von vier Wochen nicht mehr zusammenberufen werden. Aus dem Fenster gestürzt. Von einem verhängnisvollen Ge- schick ist das 16jährige Lehrmädchen Herta Szewzig aus der Sedan- straße 25 in Weißensee betroffen worden. Das junge Mädchen hatte sich in der elterlichen Wohnung, die im 2. Stockwerk liegt, ans Fenster gesetzt, um frische Luft zu genießen. Es erlitt plötzlich einen Schwindelanfall, stürzte nach vorn über und fiel aus dem Fenster heraus. In schwerverletztem Zustand wurde die Ver- unglückte nach der Wohnung hinaufgetragen. Steglitz. Unsere Badeanstalt ist also nunmehr wirklich ihrer Be- stimmung übergeben worden. Zugegeben muß werden, daß sie sich in ihrem Aeußeren und Inneren schmuck, ja vornehm präsentiert. und in dieser Beziehung dem stolzen Namen„S t a d t- B a d der neben dem Steglitzer Wappen über dem Eingang prangt, gerecht wird. Gärtnerische Anlagen vor dem ziemlich weit von der Berg- straße zurückliegenden Gebäude tragen das ihrige dazu bei, das Ganze als eine sehenswerte kommunalpolitische Schöpfung er- scheinen m lassen. Faßt man aber den praktischen Zweck einer Badeanstalt ins Auge, so ergibt sich sofort, daß die Kehrseite der Medaille ein weniger schönes Bild zeigt. Nicht nur die beschränkte Anzahl der Badezellen, mehr noch die aushängenden Preis- tafeln lassen darauf schließen, daß man nicht von dem Ge- danken ausgegangen ist, der breiten Masse der Bevölkerung eines Ortes mit über 45 666 Einwohnern Badegelegenheit zu verschaffen, sondern der wohlhabenderen Bevölke- r u n g durch das Schwimmbad und die Verabreichung von medi- zinischen Bädern allerlei Annehmlichkeiten zu bieten. Das wurde ja auch indirekt von einem Mitglieds des Gemeinde- Vorstandes in öffentlicher Sitzung zugegeben durch die Worte, daß man nicht auf einen„Massenbesuch" reflektiere. Für die Arbeiter- schast verbietet sich der öftere Besuch schon durch die Preise von 66 Pf. für ein Wannenbad und 46 Pf.(Handtuch und Badehose 16 Pf. ertra) für ein Schwimmbad. Der lcdige Arbeiter mag das allenfalls bezahlen können. Wo aber bleibt der Verheiratete? Eine vielköpfige Familie müßte für die Wohltat je eines Wannen- bades den Betrag von 2,46 M. opfern. Durch Benutzung der Brausebäder, die„nur" 26 Pf.(mit Handtuch und Seife) kosten, läßt sich der Ausgabeposten allerdings ermäßigen, jedoch nur für männliche Personen. Nun sind allerdings für Wannen- und Schwimmbäder Mittwochs von 3 Uhr ab und den ganzen Sonn- abend die Preise um 26 resp. 16 Pf. ermäßigt, sogar die Brause ist an diesen Tagen um 5 Pf. billiger. Durch Einrichtung dieser „Armentage" ist man jedoch nicht nur dem Bedürfnis der breiten Masse Lntgegcygekommen, sondern xs wird guch damit erzielt werden, daß an den übrigen Tagen die zahlungsfähigeren Bade« gäste hübsch unter sich sind. Ob in der Schule, in der Kirche, ai»t dem Friedhof oder— in der Badeanstalt: die Klassenscheidung muß durchgeführt werden! So ist nach über vierjährigen Vorarbeiten und l�jähriger Bauzeit mit einem Kostenaufwande von rund 356 666 M.(ohne Bodenwert) eine Anlage entstanden, die aus den angeführten Gründen nur einem Teil der Bürgerschaft von Nutzen sein wird. Nieder-Schönhausen. Beschlußunfähig. Die zu Freitag, den 16. d. M., anberaumte Gemcindevertretersitzung konnte wegen Beschlußunfähigkeit nicht stattfinden. Schöffe Rathnow verlas nun ein Schreiben des Ge- meindevertreters Paetzold(Soz.), worin derselbe mitteilt, daß er sein Amt als Gemeindevertreter niederlege, da es ihm infolge seines zu weit entfernten Arbeitsortes nicht mehr möglich sei, die Sitzungen pünktlich zu besuchen. Tegel. Abwässer in den Tegeler See. Die königliche Regierung zu Potsdam hat der Gemeinde Tegel die Genehmigung erteilt, die gereinigten Abwässer aus der Klärstation künftig statt in das Mühlenfließ direkt in den See zu leiten. Es sollen geeignete Maß- nahmen getroffen werden, um eine Verunreinigung des Tegeler Sees zu verhindern. Spandau. Die Mictsschraube haben die Hauseigentümer am 1. Juli wieder ganz hübsch angezogen. Steigerungen von 12—56 M. jährlich find in Menge erfolgt und der 1. Oktober wird einen ganz erheblichen Umzug zeigen. Man muß es den HauSpaschas lassen, sie verstehen die Konjunktur ganz gehörig auszunutzen. An kleineren Wohnungen von Stube und'Küche, oder zwei Stuben und Küche, wie sie in erster Linie die Arbeiter brauchen, herrscht großer Mangel und gerade hier wird am meisten geschraubt. Hört man die Vertreter der Hausbesitzer im Stadtparlament, in dem sie dank der „famosen" Städteordnung die Mehrheit haben, reden, wie sie über die großen Lasten klagen, die ihnen aufgebürdet sind, und bedenkt man, wie sie es verstehen, fast alle Laste», die die Kommune eigent- lich von ihnen zu fordern hätte, auf die Schultern der Allgemeinheit abwälzen, muß man staunen über die Unverfrorenheit unserer HauZ- Paschas. Die Hausbesitzer begründen die Mietssteigerungen meist damit, daß sie zu größeren Hausabgnben herangezogen würden. ES ist wohl die Vennutung nicht unrichtig, daß diese größeren Haus« abgaben in der Bade- oder Sommerreise bestehen, die der HauS- besitzer mit semer Familie machen will oder gemacht hat. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Direktion über den Grotzhandel in den Zentral-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufudr schwach, Geschält flau, Preise unverändert. Wild: Zufuhr reichlich, Geschäft ziemlich lebhaft, Preis« wenig verändert. Geflügel: Zufuhr über Bedarf, Geschäft befriedigend. Preise wenig verändert. Fisch«: Zufuhr reichlich, Geschäft ruhig. Preise wenig verändert, für Hechle nachgebend. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise un- verändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr stark, Geschäft etwas lebhafter, Preise wenig verändert. Allgruirine Kranken- und Sterdekaffe der Metallarbeiter (E. H. 29), F i l i a l e W i i d a u: Heute vormittag 16 Uhr bei Schumann, Wildauer Hof. Allgeineitie Familien-Sterbekasse. Heute Zahltag Ackerswaße 123, bei Wiesenthal. von 3-5 Uhr. Witterungsübersicht vom ll. Juli 1908, morgens 8 Uhr. Wetterprognose für Sonntag, den 18. Juli 1908. Ziemlich warm, vielfach Heller, aber sehr veränderlich bei mäßigen süh« westlichen Winden; etwas Regen und Gewitterneigung. Berliner Wetterburea«. Wasscrstands-Nachrichtc» der LandeSanftalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. ')+ bedeutet Wuchs,— Fall,—') Unterpegel. ßrUfhaften der Redaktion* Sie juriftifibe Sprechstunde findet Lindeuftraße Nr. S, zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppen, DV Fahrstuhl»MG wochentäglich abends von?'/, bis ä1/, Uhr statt.(seöffnet 7 Uhr Sonnabends beginnt die Sprechstunde nm« Uhr. Jeder Anfrage ist ei» Buchstabe und eine Kahl als Slerkzrichen beizufügen. Brieflich« Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. — H. A. 59 und andere Kirchenauslritlsftagen. 1. Den Antrag auf Kirchenaustritt können mehrere unterschreiben. 2. Zu Berlin Wedding. 3. Nachdem man die AuSirittSerklärung abgeschickt hat, hat man die Aus» trittserklärung selbst zu Protokoll bei Gericht zu erklären. Die Erklärung hat auch stattzufinden, wenn keine Vorladung erfolgt. Und zwar mutz sie innerhalb des 29. und 42. TagcS nach Eingang bei Gericht abgegeben werden. 4. Als Bescheinigung lätzt man sich eine Abschrist des Protokolls erteilen. Die Kirchensteuer ist bis zum Schluß des aus den Austritt folgenden Kalenderjahres zu zahlen. Wer also in diesem Fahre austritt, hat vom 31. Dezember 1909 ab Kirchensteuer nicht mehr zu zahlen. — 10« W. Sch. 1. Nein. 2. und 3. Soweit ersichtlich, würden Sie mit einem Antrage gegen die Kasse, anzuerkennen, daß sie noch Mitglied der Kaste sind und Ihnen die statutenmatzigen Leistungen zu gewähren, durch, kommen.— HanS 190«. Ja.— B. B. 100. Ja.— E. W. 8 17. Das neue Vereinsgesetz kommt in Frage.— F. H. Sitz. Sie müssen gezen die falsch« Veranlagung reklamieren und können gleichzeitig sich ver, bitten mit ahnlichen Schreiben belästigt zu werden, weil Sie der Kirche, die Steuern verlangt, nie angehört haben.— H. S. 83. Nehmen Sie rege an den Wahlvereinsversammlungen teil.— A. B. E. Treiviii. Nein. — Sch. P> 44. Im Jahre 1882.— Schöneberg. Die Adresse Bernau genügt.— Z. 35. 1. und 2. Die Abrede ist unseres Erachtcns ungültig, weil nach unserer Anficht L 63 des Handelsgesetzbuches ihr entgegensteht. 3. Ja; klagen Sie aus Ihr Gehalt. 4. Nein.— W. Nein, — G. 48. Die Schadenersatzsumme ist in Ihrem Falle nicht pfändbar. weil Sie aus K 844 Bürgerliches Gesetzbuch beruht.— S. 391. Die Unterschrift des Schuldners genügt. 2. Ja, aber eS müßte vorher Kündigung erfolgen. 3. Nach dem Gesetz nein, indes würde eine Borstellung in Güte bei der Armendirektion Erfolg haben.— A. S. 81. Wenden Sie sich an die Offcnbacher Kranken- und BegräbniSkasse für Frauen und Mädchen, Prinzenstratze SS bei Hinz.— Genosse 8«. Nein.— G. F. 87. Die Kostenrechnung hat ihre Richttgkeit. Sie mützten, um auszutreten, nun nochmals dieselbe Prodezur vornehmen, dann aber bei Gericht er- scheinen.— Streitfrage 5. Etwa 37 Grad.— W. T. 800. Die Fragen sind ohne nähere Darlegung, um welche Stellung (Gewerbegehilnn, HandiungSgehilfm)-S sich handelt, und welche Art Kasse(Lrtskasse, Betriebskasse, JnnungSkajse) in Betracht kommt, nicht zu beantworten.— W. 17. Solcher Verew ist unZ nicht belannt.— A. V. 57. Wenden sie sich an Frau Anna Schenk. Elisabethstr. 45a.— Vier Sterne. 1. Wenn kein triftiger Grund vorliegt, nein. 2. New. 3. Unter Zustimmung des Vormundes und der Waiscnverwalwng. 4. Der Austritt ist zulässig, die Kosten sind dieselben wie für einen Erwachsenen. 5. Nein. 6. Liebknecht. Fremdwörterbuch.— X. F. SS. Ja.— R. S. 44. 1. und 2. Ja, aus die Dauer von vier Jahren. 3. und 4. Ja. F. G. SV. Wenn Sie nicht jetzt sofort mitteilen, daß Sie die Entbindung vom Vertrag annehmen, so braucht die Gesellschaft, wie Ihnen bereits dar» gelegt ist, Sie nicht vor dem 1. April ziehen zu lassen.— M. P. F. 50. Ja.— E. 3t. 73. Sie haben auch nach Abiaus mehrerer Jahre nicht das Recht, die Ihnen nicht gehörigen Sachen zu verkaufen. Das würde Sie Quittung und Aushebung der Beschlagnahme verlangen. — 8. B. Eine Aufwärterin ist nicht krankenverjicherungspflichtig. Sie kann bei der Offenbacher Krankenkasse für Frauen und Mädchen iPrinzen- straffe 66 bei Hinz) Autnahme finden.— H. 93. Keineswegs.— G. V. 1. Leider nein.— A. L. 87. 1. Nein. 2. Die Forderung des Hauswirts gebt vor. 3. Den anderen Forderungen, nicht aber denen des Wirtes geht die Gehaltssorderung vor. 4. Klagen Sie Gehalt und Kantion schleunigst ein und lassen Sie dann pfänden. 5. Nein.— P, H. Ripdorf 39. Nichten Sie an den Magistrat, Steuerdeputation, eine Eingabe. — A. K. 718. Wenn kew Testament vorlag, würden Sie mit Ausficht auf Erfolg einen Erbschastsanspruch geltend machen können.— V. in«. Nein.- M. X. 110. ES müßte aus Anerkennung geklagt werden.-- S. 13. 1 und 2. Ja. 3. New. 4, Das schiff des Norddeutschen Lloyd „Elbe- ist am 31. Januar 1895 unter Kapitän v. Gressel untergegangen.— R. 109. Falls in Ihrem uns nicht bekannten Vertrage nichts Gegen. teiliges vereinbart ist(dieS ist in Berlin die Itegel) hat der Wirt die Reparatur vorzunehmen.— Ramlerftr. 10. 1. Das Amtsgericht ist zu» ständig. Es genügt zunächst ew Antrag der Ehesrau, fie zum Pfleger zwecks Durchsührung der Unsallrentcnansprüche zu ernennen.� 2. Ja; sie selbst kann Vormund werden. 3. Ein Anwalt ist nicht ersorderfich. Der Antrag kann schristlich oder mündlich gestellt werden.— Max 109». Ja» 9 Sozialdemokratisciier Verein im yerlinerReictistagswalreis. Unser treueS Mitglied. der Kürschner Mim Thies (1. Abteilung) ist am 10. Juli dahingeschieden. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 14. d. Mts., nach» mittags l'/s Uhr, von der Leichen- Halle des St. Bartholomäus-Fried- hoses w Weiffensee, Fallenberg er Chaussee, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 221/8 Der Vorstand. Deutscher Kürschner-Verbaud Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Kennwis. daß am Freiing, dm 10. Juli, unser Kollege Thies im Aller von 29 Jahren an der Schwindsucht gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 14. Juli, nach. mittags i'l, Uhr, von der Leichen» Halle des St. Bartholomäus-Kirch- hoseS in Weifsensce(Falkenberger Chaussee) aus statt. 102/6 Um zahlreiche Beteiligung er» sucht Der Vorstand. Verband der Schneider vvd Schaeiderinnen. Locke«» Anzeige. Den Mitgliedern geben wir hierintt bekannt, daß der Kollege krau? fiaschiek am 9. Juli im Alter von 46 Jahren gestorben ist. Ehre seinein Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonnlag, den 12. Juli, nach» mittags 4 Uhr, von der Halle des ScbastiankirchhofeS, Reinicken- dors-West, Scharnweberstraffe, aus statt. 163/11 Die Ortsverwaltung. | Verband d. baugewerblichen ilfsarbeiter Deutschlands. | Zweigverein Berlin u. Umgegend. Den Mitglieder» zur Nachricht, l daß der Kollege Anders I am 8. Juli 1908 insolge Unfalles > verstorben ist. 31/3 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag. ! den 12. d." MtS., nachmittags 4 Uhr, vom Krantenhause Groß» Lichtcrfelde, Dahlemer Straffe, laus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher ' Iranspcrtarbelter- Verband. Hiermit den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Filius Adam gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Sonntag, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Luisen-Kirch» hoseS, CSarlottenburg. Fürsten» brunner Weg, auS statt. 69/17 Um rege Beteiligung ersucht 69/15 Oie Verwaltung II. Deutscher Holzarbeiter-Verbaud Den Mitgliedern zur Nachricht, j datz der Kollege, Tischler Mnand Pinckpank j am 9. Juli gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am j Montag, den 13. Juli, nach- j mittags 4 Uhr, von der Leichen» I Halle deS Zenttal-FriedhoseS in j Zriedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 87/1 Die QrtSverwaltung. ßlumen- und Kruntbinderei vou Aug, Krause WienerstraBe 7. VerewSkränze.Palmen-ArrangemenlS, Girlanden usw. iiesere zu den billigsten Preise». 1646L* Am Donnerstag, den 9. Juli 1908, früh 2II, Uhr, entschlief sanft, nach langem, schweren, mit großer Geduld getragenem Leiden, mein wniggeliebter Mann, unser guter Vater, Bruder, Schwager und Onlel der Schriftsetzer Karl Mühl im Alter von 50 Jahren. DieS zeigen tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Montag, den 13. Juli, nach- mittags>/z3 Uhr, von der Halle des Emmaus-Kirchhofes, Hermannstraffe aus statt. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten für die Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters unfern her,- lichsten Dank. 513b Louise Scholz nebst Kindern. Empsehlen dm Genossen und Kollegen unser Deerdiguugsiustitu! „Solidi" H. Fischer& Kreutzberger, Rlxdorf, Pflugerstraffe 70, Ecke Friedelstraße. AmtRixdors9t6 Wohne jetzt 512b» Ntlle Königstraße 22 II. Frau Heß, Hebamme. Die Harnleiden Ibrc Oefohren. 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Schöne- beck in Allenstein an und vertritt, besonders im Hinblick auf den Allensteiner Mord, die Ansicht, daß sich die höheren Gesellschafts- schichten in einem Stadium moralischer Zersetzung besinden, daß auch im Offizierkorps Heuchler vorhanden seien, die die kirchlichen Gebräuche zwar mitmachen, dieselben aber für eine Chosc halten usw.— Durch diese beiläufige Bemerkung in einem langen Artikel soll das gesamte deutsche Offizierkorps be- leidigt sein. Ter Angeklagte verwahrt sich gegen diese Annahme und bemerkte: Die Offiziere, deren er doch nur nebenbei erwähnte, seien ja nur ein Teil der herrschenden Klasse, die er kritisierte. Darüber sei kein Zweifel, daß sich in den Höheren Gescllschafts- schichten ein moralischer Niedergang bemerkbar mache. Wenn aus dem Artikel eine Beleidigung der Offiziere herausgelesen wcroc, so könnte sich mit ebensoviel Recht jeder Angehörige jedes anderen Teiles der herrschenden Gesellschaft beleidigt fühlen.— Der Staatsanwalt bezeichnete den Artikel als von Gehässigkeit triefend. Die Offiziere seien dadurch schwer beleidigt. Die Ehre sei ein empfindliches Ding. Wenn die Ehre oes Offizierkorps verletzt werde, so sei das besonders verwerflich, denn auf dem �Offizierstande beruhe das Bestehen des Staates. Der Staats- anwalt beantragte ein Jahr Gefängnis! Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Halpert, führte unter anderem aus: Nicht auf der Armee beruhe die Sicher» heit des Staates, Wohl aber könne man das von einer gerechten Rechtsprechung sagen. Aber kein Stand könne behaupten, daß in seinen Händen dte Sicherheit des Staates ruhe. Der Angeklagte habe seine kritische Pflicht im Interesse des Vaterlandes ausgeübt. Selbst ein Jurist, der ohne berufliches Interesse den Artikel lese, werde keine Beleidigung in demselben finden. Daß innerhalb der herrschenden Klassen ein nioralischer Zersetzungsprozeß vor sich gehe, das werde selbst von einzelnen Angehörigen dieser Klasse an- erkannt, aber diejenigen, welche dieser Klasse fernstehen, sehen nichts davon. Wenn der Angeklagte verurteilt werde, so sei er ein Opfer der Auslegungskunst. Das Urteil des Gerichts ging dahin, daß der Angeklagte das Offizierkorps schwer beleidigt habe, indem er einzelne bedauer- liche Vorkommnisse verallgemeinert und sie dem ganzen Offizier- korps zur Last gelegt habe. Das Urteil lautete aus 6 90 Mark Geldstrafe. I' �» II. Unmittelbar nach diesem Prozeß wurde eine zweite Anklage gegen Dr. Laute«dach verhandelt. Diesmal handelte es sich um einen Artikel in der„Tribüne" vom 19. Juli 1997, durch den sich Major v. P f a n n c b e r g, früher Bezirks- ofsizier in Weimar, beleidigt fühlt. Die Staatsanwaltschaft hat die Anklage erhoben und Major v. Pfanncberg tritt als Neben- kläger auf. Vor einiger Zeit hatte Major v. Pfanncberg Strafantrag gegen unser Parteiorgan, die„Leipziger Volkszeitung", gestellt, weil sie schrieb: Herr v. Pfanncberg sei wegen des groben Tones, den er bei Kontrollvcrsammlungen gegen die Reservisten anschlug, nicht in die Weimarer Schühengesellschaft aufgenommen worden, deren Mitgliedschaft er nachsuchte, f Diese Behauptung ist in dem Prozeß gegen den Genossen Seeger von der„Leipziger Volks- zeitung" als wahr erwiesen, jedoch wurde ein anderer Grund für die Zurückweisung des Herrn v. Psanneberg von der Schützen- gesellschaft angegeben. Andererseits wurden aber verschiedene starke Grobheiten des Majors gegen Reservisten festgestellt, er gab solche sogar selber zu und da hiernach keine Aussicht auf Bestrafung Secgers vorhanden war, zog Major v. Pfanneberg seinen Straf- antrag gegen Seeger zurück. Von diesen Tatsachen ging der Artikel der„Tribüne" aus und knüpfte daran eine Kritik des Verhaltens der Ossi- ziere bei K o n t r o l l v e r s a m m l u n ge n im allge- meinen und der A u s d r u ck s w c i s e des Majors v. Pfanncberg im besonderen. Der Artikel schloß mit einer kräftigen Bemerkung gegen den Major, welche der Angeklagte selbst als beleidigend zugibt und sich zum Vergleich bereit erklärt, den aber der Nebenkläger ablehnt. Der Angeklagte bemerkte zur Ablehnung des Vergleickzes, er wundere sich, daß der Major, der selbst andere beleidigt habe, so empfindlich gegen Beleidiguckgen sei. Wenn der Major ein Freund kräftiger Ausdrücke sei, er, der Angeklagte sei es auch, dann brauchten beide sich ja nicht vor Gericht herumzustreiten. Die Beweisaufnahme bezog sich auf dasselbe Material, welches im Prozeß Seeger der- wandt worden ist. Eine große Zahl von Aussagen kommissarisch vernommener Zeugen wurden verlesen, deren wesentlichster Inhalt folgender ist: Major v. Pfanneberg hat auf einen Zeugen den Eindruck gemacht, daß er etwas darin suchte, Kasernenhofblüten zu produzieren, jedoch ohne Absicht der Beleidigung. Andere Zeugen haben aus- gesagt: Major v. Pfanneberg rief bei den Kontrollversammlungen die bestraften Leute vor die Front und hielt ihnen in kränkender Weise ihre Vorstrafen— nicht nur militärische— vor. Zu einem Manne, der wegen Kuppelei bestraft war, sagte der Major: „Sie Schwein, Sie haben den Louis gemacht!" Einen Mann, der in Hausschuhen zur Kontrollversammlung kam, bestrafte der Major mit einer Nachkontrolle. Ebenso wurden auch Leute bestraft, die weit entfernt wohnten und deshalb zu spät kamen, so daß dieselben an zwei Kontrolltagen ihren Erwerb ver- säumen mußten.— Oester trat der Major vor die Koutrollver- sammlung mit den Worten: „Kerls, wenn Ihr mich anseht, müßt Ihr ein Gesicht macheu, als wenn die Sonne aufgeht." Zu Männern, deren Haarfrisur ins Gesicht strebte, sagte der Major, sie trügen Louislockcn und Schneppenfrisurcn. Nicht vorschriftsmäßige Haltung der Hände rügte der Major auf offenem Markt mit den Worten: „Hand vom Sack." Die„Kehrt"-Wendung suchte er den Leuten mit den Worten klar zu machen: „Dreht Euch mit dem Gesicht dahin, wo der Arsch ist." Zu Reservisten, die er für Sozialdemokraten hielt, pflegte der Major zu sagen: „Wer seinen Fahneneid nicht hält, der ist in meinen Augen ein Schuft, ein meineidiger Hallunke." Der Major will aber hinzugefügt haben: Ich hoffe, daß sich von uns niemand einer solchen Handlung schuldig macht.— Andere Zeugen, meist solche in militärischem Verhältnis, stellen dem Major v. Pfanneberg ein günstiges Leumundszeugnis aus und meinen, daß die angeführten Aeutzerungen nicht so schlimm gemeint waren. Herr v. Pfanneberg selbst bezeichnete seine Kraftausdrücke als gemütliche Wendungen im militärischen Verkehr und meinte, er könne sich gar nicht denken, daß anständige, militärisch erzogene Leute solche Ausdrücke übel nehmen. Aber unter den 359 Reser- vistcn, die zur Kontrollvcrsammluug kommen, befänden sich immer etwa 59 sozialdemokratisch angekränkelte Leute, und für die seien solche Ausdrücke ein gefundenes Diner, und das würde dann zu Insulten gegen den Offizier benutzt. Gegen die Insulten einer Gesellschaftsklasse, die unser Empfinden nicht versteht, müssen wir geschützt werden, sagte der Herr Major. Der Staatsanwalt beantragte eine Geldstrafe von 159 Mark. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Halpert, kritisierte die Prozeßführung insofern, als hier eine Reihe von Leumundszeugen zugunsten des Nebenklägers v. Pfanneberg ins Feld geführt werden, während sich doch die Beweisaufnahme ledig- lich an das zu halten habe, was der Angeklagte in bczug auf ocn Nebenkläger behauptete. Herr v. Pfanneberg sei in diesem Prozeß in eine Lage gekommen, daß er, der Verteidiger, ihm nicht geraten haben würde, Strafantrag zu stellen. Nun ging der Verteidiger das Beweismaterial durch und führte Punkt für Punkt aus, daß der Ton, den der Major bei den Kontrollversammlungen ange- schlagen hat, im höchsten Grade verletzend und beleidigend für die Reservisten sei und daß namentlich der Vorhalt der nicht mili- tärischen Strafen nicht nur das Ehrgefühl der Betreffenden ver- letze, sondern sie auch in den Augen ihrer Kameraden herabsetze, ja vielleicht ihrer Stellung und ihrer Existenz schade. Die Be- merkung, die der Major mit Bezug auf den Fahneneid machte, stelle sich dar als eine Ausnutzung seiner militärischen Machtmittel, womit er auf die politische Erziehung der Reservisten einwirken wolle. Niemand habe ein Recht, militärische Machtmittel anzu- wenden, um Angehörige einer großen politischen Partei zu einer anderen politischen Meinung zu erziehen, denn daß der Major die politisch Andersdenkenden nur beleidigen wolle, solle ihm nicht unterstellt werden.— Während der Verteidiger so die Handlungs- weise des Majors v. Pfanneberg würdigte, fiel ihm der Vor- sitzende ins Wort mit der Bemerkung: Aber Herr Verteidiger, jetzt erscheint ja der Nebenkläger als der Angeklagte. Rechtsanwalt Halpert erwiderte darauf: Ja, der Herr Neben- kläger hat doch das Verfahren provoziert und ich habe doch das Recht, den Wahrheitsbeweis, der erbracht ist, zu würdigen. Wenn der Nebenkläger dabei als Angeklagter erscheint, so ist das nicht meine Schuld. Das Urteil lautete auf eine Geldstrafe von 30 0 Mark. Major v. Pfanneberg sei schwer beleidigt. Das Gericht habe nur unter schweren Bedenken von einer Freiheitsstrafe abgesehen, aber es spreche zugunsten des Angeklagten, daß er seine Annahme, der Nebenkläger sei an der Majorsecke gescheitert, für richtig hielt und daß er zur Zurücknahme der Beleidigung bereit war. Wieviel Tausend Mark hätte der Major zu zahlen, wenn seine Ausdrücke eben so hoch bewertet und von dem öffentlichen Ankläger gegen ihn Anklage erhoben wäre? Genckts-Teitung. Ein schwerer Eisenbahnunfnll auf dem Potsdamer Bahnhof lag einer Anklage wegen fahrlässiger Gefährdung eines Eisenbahn- transportes und fahrlässiger Körperverletzung zugrunde, welche gestern in der Berufungsinstanz die erste Strafkammer des Land- gerichts II beschäftigte. Angeklagt ivac der Zugführer Karl Mar- schall aus Schönsberg. Diese Strafsache hatte, tvie seinerzeit mit- geteilt, schon einmal das Strafgericht beschäftigt. Der Angeklagte war am 1. April d. I. von dem Schöffengericht Berlin-Schöncberg von der Anklage des genannten Vergehens freigesprochen worden. Hiergegen legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Am 25. September v. I. ereignete sich auf der Landwehrkanalbruckc dicht vor der Einfahrt des Potsdamer Bahnhofes rin folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einem Personenzug und einem elektrisch betriebenen Vorortzug der Lichterseldc-Ost-Strecke. Der elektrische Zug, welcher von dem Angeklagten geführt wurde, fuhr in ziemlich scharfem Tempo in die Flanke des Personenzuges. Der mit großer Wucht erfolgte Anprall hatte nicht nur einen großen Material» schaden, sondern auch erhebliche Verletzungen von Fahrgästen und Zugbeamten zur Folge. Am schlimmsten war es dem Angeklagten ergangen, der nur durch die Fcnsterwand des Führerstandes gc- schützt wurde. Marschall erlitt derartig schwere Verletzungen, daß er mehrere Monate im Krankenhause zubringen mußte. Die Er- Mittelungen der Staatsanwaltschaft ergaben, daß M. das auf „Halt" stehende Hauptsignal überfahren und dadurch den Zu- sammenstoß herbeigeführt hatte. Gegen Marschall, der seit über 29 Jahren in Diensten der Eisenbahnbehörde steht und völlig un- bestraft ist, wurde die vorliegende Anklage erhoben. Wie durch die Bekundung eines anderen Zugführers, der sich mit dem Angeklagten auf dem Führerstand befunden hatte, festgestellt werden konnte, hatte Marschall das Vorsignal beachtet und vorschriftsmäßig den Strom ausgeschaltet und die Geschwindigkeit ermäßigt. Umso un- verständlicher war es, daß M. trotzdem das Hauptsignal über- fahren hatte. Vor Gericht behauptete der Angeklagte folgendes: Er habe die Geschwindigkeit des Zuges bei dem Vorsignal ver- mindert. Hierbei sei ihm ein Vierkantschlüssel heruntergefallen. Als er sich nach diesem bückte, habe er einen heftigen elektrischen Schlag erhalten, der ihm für längere Zeit die Besinnung geraubt habe. Ehe er handelnd eingreifen konnte, sei es zu spät gewesen. Nach dem Gutachten der als Sachverständige geladenen Eisenbahn- bauinspektor Reichard, Bctriebsinspektor Bod und Oberingenieur Manthe» könne die Möglichkeit, daß der Angeklagte beim Aufheben des Schlüssels einen elektrischen Schlag erhalten habe, nicht ohne weiteres als ausgeschlossen bezeichnet werden. Verschiedene Eisen- bahnbeamte bekundeten, daß sie ebenfalls, insbesondere bei feuchter Witterung, bei Berührung von Mctallteilen elektrische Schläge be- kommen hätten. Der Staatsanwalt hielt in Uebercinstimmung mit dem RechtsanwaltBarnau die Freisprechung des Angeklagten für geboten. Das Gericht nahm an, daß der Angeklagte durch den elektrischen Schlag gerade in dem kritischen Augenblick besinnungS- los geworden sei und dadurch ohne jede Schuld den Unfall herbei- geführt habe. Er wurde freigesprochen. Wegen Beleidigung eines Wahlvorstandes wurde der Gewerkschaftssekretär Genosse Schinkel zu Thale i. H. vomLandgericht Halbcrstadt zu 399 Mark Geldstrafe oder 39 Tagen Gefängnis verurteilt. Schinkel hatte sich auf das Ersuchen einer Anzahl Wähler hin bei der Gcmeindevertrcterstichwahl zu Nein- stedt am 28. März d. I. im Wahllokal eingefunden. Einer Anzahl Wähler der 1. und 2. Klasse war die Anwesenheit Schinkels unan- genehm. Sie forderten seine Entfernung. Es kam zu lebhaften Auseinandersetzungen, in deren Verlauf Schinkel die den Wahl- vorstand beleidigenden Aeußerungcn getan haben soll. Das Gericht ging über den Antrag des Staatsanwaltes noch hinaus. Dieser hatte 299 Mark Geldstrafe beantragt. I.eiillssKi'-CiLsi'sIfen New-Yorker Mischung, sind hervorragend in Geschmack und Aroma. Ceneralterlreler für DeulseMaml: S. Rund, Berlin O., iVlarsi!ius=Str. 23. Amtvn. 10479. H. Joseph& Co., Riidorf, Berliner Straße 54-55. S�SSSSSSS, SSSB=SSS=SSa=| Josephs SO Pf.-Tage vom Sonnabend, den 11. Juli bis Sonnabend, den 18. 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