Nr. 162. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pränumerando, Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. PoftAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. royal of so that at 25. Jahrg. Vorwärts Berliner Dolksblaff. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 fg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 14. Juli 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. niederträchtigen Diebstahl der Volfsrechte, eine Fraktion von Ovambo- Häuptlinge haben es nicht an Beweisen dafür fehlen lassen, Die ruffiſche Sozialdemokratie.anzia mitaliedern aufweisen kann, wird von den Gerichten daß sie am liebsten nichts mit den Deutſchen zu tun haben möchten. " 1 Zuchthaus gestraft. Wieder geheime Arbeit ohne Möglicherweise hat auch der Hauptmann Franke bei ihnen und durch Zeitungen, ohne Massenorganisation! Aber wie ungünstig die Mitwirkung der Missionare eine so gute Aufnahme gefunden, Die russische Sozialdemokratie macht jetzt ihre schlimmsten gestalten sich jetzt die Bedingungen: feine Unterſtügung mehr weil er nur mit so wenig Begleitern als Gast er Tage durch. In vielen Beziehungen waren für sie die vor seitens des Liberalismus. Noch vor furzem waren wir seine schien. Wie Leutwein erzählt, sind einzelne Reisende revolutionären Zeiten günstiger. Freilich hatte sie damals Freunde von lints", dann seine„ geehrten Gegner" und jetzt und Besucher, die mit geringer Gefolgschaft erschienen, noch keine„ parlamentarischen" Fraktionen: die kleinere in find wir seine Feinde von links" und bisweilen sogar die selbst von Stämmen, die keineswegs deutschfreundlich waren, der Duma, die größere im Zuchthause. Sie war ber- Feinde des Vaterlandes". Seine Wohnung gibt der Spießer freundschaftlich aufgenommen worden, während ein dammt, ihre ganze Arbeit unter dem Boden der legalen für die revolutionären„ Treibereien" nicht mehr her. Geld? Besuch mit starker bewaffneter Gefolgschaft die Feindseligkeit straßenfähigen" Gesellschaft zu verrichten. Aber die Er bittet um Entschuldigung, er braucht es für die eigene der Eingeborenen erregte. Wir halten cs deshalb für einen sehr Atmosphäre, die sie in ihrem Versteck umgab, war Partei, die allerdings von ihm auch nicht viel bekommt. Und gefährlichen Schritt, daß nunmehr den Händlern der Besuch des eine ganz andere: Die Sozialdemokratie stellte da die Provokation, das Erbteil jener Tage, wo die Partei von Ovambolandes gestattet werden soll. Bei dem Charakter dieser mals die weniger bedeutenden Sozialrevolutionären" verschiedenartigsten Elementen überflutet wurde, wütet indessen Händler und bei der großen Rücksichtslosigkeit unserer Kolonialmitgerechnet die einzige politische Partei dar. wie die Best. Wie viele unsichere Stantonisten haben während politiker fann ein 8 usammenstoß mit den Obambo nicht Das gesamte Bürgertum fühlte sich oppositionell und die der letzten zwei Jahre ihre gefährlichen und schwierigen Posten ausbleiben! Und die Ovambohäuptlinge haben immerhin eine Intelligenz noch dazu radikal gestimmt. Die Unterstützung der verlassen! derartige Intelligenz verraten, daß sie sich im Falle der Abwehr Revolutionspartei war in jenen idyllischen Tagen für jeden Es geht aber nichts in der Dekonomie der Natur verloren. deutscher Anmaßungen sehr wohl mit einander berbünden liberalen Philister die einzige Möglichkeit der politischen Be- Und die Natur der revolutionären Politik bildet teine Aus- würden. Ein Krieg aber mit einem so zahlreichen, tätigung. Sein Herz, seine Wohnung, sein Paß und sogar nahme. Die Provokation ist nicht das einzige, was uns das triegerischen und gutbewaffneten Volt in einem sein Beutel standen uns in dieser goldenen Zeit zur Ver- große Jahr vererbt. Es tritt immer und immer mehr die Klima, das für eine weiße Schutztruppe wahrscheinlich fügung. Natürlich nicht das ganze Herz und leider nicht wichtigste und vielversprechende Erscheinung an den Tag. mörderisch werden würde, wäre ein toloniales Abenteuer, das der ganze Beutel. Doch auch seine feige und Drastisch kann sie so genannt werden: Die Emanzipation die Schwierigkeiten des Herero- und Hottentottenkrieges bei weitem geizige Unterstützung war für die Partei von ent- der sozialistischen Arbeiterschaft von der übertreffen würde! scheidender Wichtigkeit. Und dies aus einem sehr einfachen Seuratel der sozialistischen Intelligenz. Die Grunde: die Organisation der Partei bestand zu neun Zehnteln Partei schuf eine bedeutende Schicht von sozialistisch gebildeten aus den Vertretern der bürgerlichen Intelligenz, die von Arbeitern und die Revolution verlieh ihnen politische Beschränkte Oeffentlichkeit der revolutionären Flut getragen ſich ideologisch mit der Erfahrung. Jetzt, in den bösen Zeiten der siegreichen und unbeschränkte revolutionärsten Klasse verbrüdert hatten. Das Proletariat Reaktion, wo die Bahl der„ üben" und der „ EntStimmungsmache. war die potenzielle Kraft der Erlösung, sie schwuren ihm die täuschten" unter den Partei-„ Akademikern" so hoch ist, Gericht und Verteidigung, die beide den Ausschluß Treue und Marrismus war die Eidesformel. Natürlich hatte nehmen die vorgeschrittenen Arbeiter die eigene Sache in die der Oeffentlichkeit im Eulenburg- Prozeß gewollt dabei der größte Teil fahrlässigen Meineid begangen, aber eigenen Hände. Es entstehen Parteikomitees aus lauter haben, müssen schon längst eingesehen haben, daß sie durch das erwies sich erst später Arbeitem, es werden geheime Druckereien von Arbeitern aus die Ausschließung der Presse einen schweren Fehler beWeil die Organisation vor den Augen der Polizei versteckt Arbeitergroschen geschaffen. Die Wichtigkeit dieses Prozesses gangen haben. Das einzige, was sie erreicht haben, ist nur, bleiben mußte, war sie auch vor den Arbeitern verborgen. fann man nicht hoch genug schätzen. Er bedeutet, um es furz baß sie einer einseitigen Stimmungsmache die Möglichkeit Mit der Masse kam sie einigermaßen nur während Streits auszudrücken, die doppelte Sanierung der Partei erstens gegeben haben, auf die öffentliche Meinung fast- unumschränkt und Straßendemonstrationen in nähere Berührung. Also die von dem Uebel der materiellen Abhängigkeit von dem bürger- einzuwirken, während sie alle Gegenwirkungen ausgeschlossen Partei war jedenfalls keine Massenorganisation. Die In- lichen Radikalismus, zweitens von der inneren Krankheit der haben, die diesen einseitigen Gehässigkeiten aus einem ob. telligenzler mit ihren konspirativen Wohnungen, fremden oder unendlichen Streitigkeiten der settiererischen Fraktionen. Mit ieftiven Bericht entstanden wären. Dagegen ist der falschen Pässen, geheimen Druckereien usw. mußten in den voller Zuversicht können wir in die Zukunft der Partei schauen. Zweck, dem deutschen Volke seine Sittenreinheit" zu beNigen und Spalten der bürgerlichen Gesellschaft nisten. Auch wahren, sicherlich nicht gefördert worden, da immer mehr die tonnten sie nicht auf die Arbeitergroschen rechnen: zu regelBeugenaussagen, soweit sie überhaupt wiederzugeben mäßigen Beiträgen wird die Masse nur durch die demosind, in allen Einzelheiten mitgeteilt werden. Nun fratische Organisation erzogen. Diese aber fehlte. Somit war die Sozialdemokratie gänzlich auf die materielle Fürsorge Dieser Tage wurde amtlich gemeldet, daß der Hauptmann Franke begreifen wir vollständig, daß es preußischen Richtern der bürgerlichen Linken angewiesen. von seiner Mission im Ovambolande zurückgekehrt set. Alle fünf Aber nachdem heute heute zwei Redakteure Ber. Die Ovambofrage. " schwer wird, einen begangenen Fehler Fehler einzusehen. Nun tam die Revolution. Die schönsten Hoffnungen Oberhäuptlinge, des Ovambolandes, darunter Kambonde, dem nach liner Blätter als als Zeugen vernommen worden schienen der Erfüllung nahe; das sieggekrönte Proletariat, auf Nechalis Tode die Herrschaft über den ganzen Stamm der Ongonda sind und damit das Recht erworben haben, den Verhandsein Schwert gelehnt, zu neuen Stämpfen bereit, stand im zugefallen sei, hätten die deutsche Oberhoheit bedingungslungen beizu wohnen, kann dem Gericht die Um Brennpunkt allgemeiner Sympathie. Die Sozialdemokratie los anerkannt und sich unter den Schutz der deutschen Regierung fehr wesentlich erleichtert werden. Denn es wäre unbillig, erhob sich mit mächtigem Schwung aus dem unterirdischen gestellt. Sie hätten sich verpflichtet, die Arbeiteranwerbungen jeber- einem Teil der Presse ein Vorzugsrecht einzuräumen, Versteck auf die Höhe der politischen Macht. Die Fabriken, zeit zu unterstützen und ihr Gebiet dem deutschen Handel die Universitäten, die Straßen und die Pläße waren von au erschließen. Bei dieser nicht unbedentlichen Auf- mag auch das Gericht diese Wirkung durchaus nicht gewünscht ihrer Stimme beherrscht. Ganz Rußland wurde zu gabe sei Hauptmann Franke von den im Lande tätigen Missio- haben. So tritt zu allen übrigen Gründen, die den Auseiner Boltsversammlung. Es entwickelte sich binnen naren hervorragend unterstützt worden. Die Begleitung des Haupt- schluß der Oeffentlichkeit als einen Mißgriff erscheinen lassen, zwei, drei Wochen eine sozialistische Presse, deren manns Frante habe nur aus drei Weißen und einer Anzahl Ein- ein neuer hinzu, und es wäre zu wünschen, daß das Gericht in eigenem Interesse sowohl als in dem des Angeklagten gleichen Europa noch nicht gehabt hatte. Der Zustrom geborenen bestanden. ชิน den Neihen der Sozialdemokratie. wuchs bon Durch diese Reise und die Abmachungen des Hauptmanns endlich der Presse eine objektive Berichterstattung ermöglicht. In der Freitagssigung hat Fürst Eulenburg, wenn man Stunde zu Stunde und nicht nur von seiten der Arbeiter, Frante ist eine neue Ovambopotitik begonnen worden. Durch den die zu Hunderten und Tausenden in die Partei eintraten, Hererofrieg gewißigt, hatte die Regierung ein Verbot für die den sehr zweifelhaften Berichten glauben darf, sich als sondern auch seitens der radikalen Intelligenz. Die Boulevard- Händler erlassen, das Obamboland zu betreten. Dieser Erlas Opfer des Klerikalismus bezeichnet. Eulenburg blätter der niedrigsten Art versprachen Kautstys sämtliche bestätigte nur die Auffassung, daß es die Naubpolitik der soll nämlich folgendes erklärt haben: Werke als Zugabe, die Alkovendichter machten proletarische Händler mit in erster Linie gewesen sei, die den HereroDden, sogar die Journalisten der„ Nowoje Wremja" Klopften aufstand hervorgerufen hatte. Man hatte also damals den Standpunkt mit zitternder Hand an die Tür der Sozialdemokratie, und eingenommen, die Dvambos möglichst sich selbst zu überwas nicht das schlimmste war, der Verband der Verbände lassen. Nunmehr soll das Gebiet der Ovambos dem deutschen erhob bedeutende Summen für den Arbeiterdelegiertenrat. Handel eröffnet" werden. Es ist nur zu sehr zu befürchten, daß sich Aber das alles dauerte keine zwei volle Monate lang. die Händler in Ovambolande, wo sie noch viel untontrol" Ich hatte in München Preußen nicht nur politisch, sondern auch kirchlich zu vertreten. Mein Leben lang bin ich ein Verfechter des protestantischen Kaiser. tums gewesen. Das hat mir namentlich im Süden viele Feinde gemacht. Wir haben nicht in Berlin, sondern in München den Nuntius des Papstes; dort sind also wichtige Vera handlungen zu führen, und ich habe sie im Sinne der protestan tischen, der norddeutschen Kaiserreichsidee geführt. Dadurch bin ich dem Klerikalismus ebenso wie dem bayerischen Partikularismus berhaßt geworden. Vielleicht bin ich jetzt eins der Opfer dieser großen Idee. Ich will nichts. Bestimmtes behaupten; aber aus diesem Milieu heraus können diese infamen Berdächtigungen entstanden sein. " Darauf wird im Mittagsblatt der Gegenkamarilla erwidert: daß die Behauptungen Eulenburgs unhaltbar seien, denn es ist ihm an der Hand der Atten der Nuntiatur nachzuweisen, daß er mit Ausnahme von 11 Fragen ziemlich untergeordneter Natur während seiner Amtstätigkeit in München gar nicht in die Lage tam, das protestantische Kaisertum tirchlich zu vertreten. In den Dezember Januar- Kämpfen wurde das Prole- lierbarer find, als seinerzeit im Hererolande, dieselbe tariat vom Bauerntum nicht unterstützt und vom Bürger- Wucherpolitit zuschulden kommen lassen werden, die sie den tum preisgegeben- niedergeschossen. Der Liberalismus fühlte Herero gegenüber übten! Die Gefahr der Aufreizung der sich mit einem mal um ein ganzes Jahrhundert älter und Dbambo ist damit gegeben, und zwar um so mehr, als zurrühmte sich, von nun an die„ revolutionären Illusionen" auf- zeit in Südwestafrika fich zahlreiche zweifelhafte gegeben zu haben. Er hatte schon zurzeit sein eigenes Heim: Existenzen befinden, die nach der Ausrottung und die neugeschaffene Kadettenpartei. Es begann die allmähliche Enteignung der Herero und Hottentotten und durch die VerRonzentration nach rechts.... Auch die radikale Intelligenz minderung der Schutztruppe subsistenzlos geworden sind und fühlte sich enttäuscht, sogar beleidigt: sie hat das Prole- die nunmehr als Händler" versuchen werden, ihr Glück im Ovambotariat in Versen und Prosa als unbesiegbar gepriesen, lande zu machen. und siehe da: es liegt jetzt im Blute zu Boden! Daß es aber feineswegs ungefährlich ist, die Dvambo zu reizen, Die Sozialdemokratie sei zu unentschlossen und die Revolution ist von Oberst Leutwein und allen Kennern Südwestafritas zu langweilig. Es lebe der Anarchismns- nicht der mehr als einmal dargelegt worden. Die auf deutschem Gebiet Es ist ganz interessant zu sehen, wie die Gegenbulgäre", nein, der mystische! Es lebe zur gleichen Zeit der ansässigen Ovambo zählen 100-150 000 Stöpfe, vielleicht auch kamarilla über amtliche Aftenstücke so Liberalismus, nicht der bürgerliche, nein, der philosophische, mehr. Oberst Leutwein schäßte ihre Bahl auf mehr als genau informiert ist und diese nicht etwa dem Geder idealistische, der universelle. Es lebe das neue religiöse 200 000. Die Ovambos find kriegerisch und gut bewaffnet. richt, sondern dem freiwilligen Staatsanwalt des Moniteurs Bewußtsein und die Gleichheit der Geschlechter in der Zwar ist der Häuptling des Ondongastammes, der im Jahre der Hardenclique zur Verfügung stellt. Im übrigen scheint Liebe! Hoch das Reich Gottes und auch Beter Altenberg!... 1904 zugunsten der Hereros einen Angriff auf einen deutschen uns aber die Aufregung der„ Ger thania" sehr geschmackEin betäubender Wirrwar, eine Walpurgisnacht der Ideen. Militärposten unternahm, Nechale, inzwischen gestorben, allein los, die die Aeußerungen Eulenburgs dazu benutzt, um den In diesem Chaos ging während der letzten zwei Jahre der sein Rachfolger Ka mbonde scheint zwar friedliebend, aber durch Satholizismus als bedroht und verfolgt hinzustellen. Die geordnete Rückzug der Intelligenz vom Sozialismus und von aus fein bedingungsloser Anhänger der deutschen Regierung zu sein. Eulenburg- Sensation zu einer fleinen Kulturfampfpaukerei der Revolution vor sich. Erzählt doch Oberst Leutwein in seinem Werte über Südwestafrika, Unterdessen gewann die Reaktion die Oberhand. Sie daß ihm Kambonde im Jahre 1895 auf einen Brief, in dem ihm auszunüßen, scheint uns denn doch sehr unwürdig. richtete hin, sperrte ein und zerstreute die besten Arbeiter, Leutwein die Absicht eines Besuches kundgegeben hatte, geantwortet rottete die sozialistische Presse aus und drückte mit ihrem habe, daß Leutweins Brief sehr schön" sei, daß aber er, Stambonde, Gendarmenstiefel die Sozialdemokratie von neuem in die doch wünsche, Leutwein in seinem ganzen Leben Finsternis der Konspiration nieder. Die Zugehörigkeit zu nicht zu sehen. Denn die Deutschen tämen mit freund- Die von der Saarbrüder Staatsanwaltschaft auf den einer Partei, die unter Wittes Kurienwahlrecht an die 70 Ab- lichen Worten, wenn sie aber da feien, wollten sie Staatsgruben an der Saar eingeleitete Untersuchung geordnete hatte, die sogar in Stolypins Duma, nach dem regieren. und regieren fönne er allein! Auch andere gegen Beamte und Arbeiter wegen Bestechung und Beamtenbestechung in Saarabien. Durch st echerei nimmt einen immer größeren KreiS an, so daß nach Meldung der„Neunkirchener Zeitung" bis jetzt schon gegen bv Personen das Strafverfahren eingeleitet ist. und da die Untersuchungen noch eifrig fortgeführt werden, dürfte sich der Personenkreis noch erheblich vermehren und Saarabien dem- nächst einen neuen S kand alp ro z e ß erleben, der seinesgleichen sucht. Acht höhere Beamte, darunter vier Obersteiger, werden namentlich angeführt, gegen die die bisherige Untersuchung derartig belastendes Material zutage gefördert hat, daß sie nicht nur unter Anklage gestellt, sondern auch vom Dienst suspendiert sind. Es scheint, als ob die Staatsanwaltschaft im Einverständnis mit der Bergbehörde dieses Uebel gründlich aus- rotten will. Aber das darf heute schon gesagt werden: Nicht der hundert st eTeilderUnterZschlei'fen und Bestechereien, die seit Generationen auf diesen„Mu st erWerken" begangen worden sind, werden an die Oeffent- »ichkeit gelangen. Die Machtlosigkeit der Staats- anwaltschaft hat sich ja bei den Untersuchungen über die Ur- ,ache der Grubenunglücke auf„Reden" und„Mathilden- schacht" gezeigt. In beiden Fällen stellte die Staats- anwaltschaft das Strafverfahren gegen die Beamten nach kurzer Untersuchung ein, weil sich nichts.Belastendes" gegen sie ergeben habe. Bei den Durchstechereien auf den Staatsgrubcn an der Saar handelt es sich keineswegs um kleine Verfehlungen einzelner Be- amten, wie es der Handelsminister Dellbrück im Landtag seiner- zeit darstellte, sondern, wie die Bergleute erzählen, um einen von jeher betriebenen Unfug, bei dem es sich in einzelnen Fällen um recht erhebliche Summen handelt, die teils den Bergleuten, teils dem Staat unrechtmäßig entzogen wurden. Die„Saarpost" teilte vor längerer Zeit mit, daß es unter den„königlichen" Gruben- beamten mehrere gäbe, die jedes Jahr mehr Geld auf die Sparkasse brächten, als ihr Gehalt ausmachte, und dabei noch wie ein Nabob lebten. Sie hielten ihre eigenen Jagden, machten Ausflüge nach St. Johann, wo sie in den Weinrestaurants bei den„kleinen Mäd- chen" die„Blauen" flattern ließen. Ihre Söhne dienten einjährig, besuchten die Hochschulen usw. Und das alles bei einem Gehalt von LOOO-tOOV Mark! Wie alte Bergleute erzählen, haben die„königlichen" Berg- Werksbeamten in früheren Jahren ihre Aemter mit wahrer russischer „Beamtentreue" verwaltet. Erst Hilger, der bekannte„Saar- bismarck", hat ihnen die Flügel gewaltig gestutzt, sie in ihrer Will- kür beschränkt und dem Staat hohe Summen gerettet. Bevor Hilger die„Regierung" antrat, fand die Auslohnung der Arbeiterschaft partienweise statt. Der Partiemann— Kameradschaftsfllhrer— erhielt am Lohntage das Geld für seine ganze Partie und einen Lohn- zettel, auf dem die einzelnen Arbeiter namentlich aufgeführt und an- gegeben war, wieviel der einzelne verdient hatte. Hatten die Beamten „zuverlässige" Partiemänncr, führten sie in einer Partie oft 6—10 Mann mehr, als in Wirklichkeit darin arbeiteten; den ftir die„blinden Ar- beiter" gezahlten Lohn zahlte der Partiemann, abzüglich seiner Prozente, an den Beamten zurück. So soll ein Obersteiger von Sulzbach— er ist heute tot— durchschnittlich 60 Arbeiter in den Lohnlisten ge- führt haben, die gar nicht auf der Grube arbeiteten. Im Streik von 1889 wurde dieses System öffentlich besprochen, und Hilger, der damals als Bergassessor„mitten mang" den Streikenden FreiheitS- lieber fang, mit ihnen„fraternisierte", um sie nachher gehörig zu übertölpeln, kam so hinter die Schliche und machte dem Unfug da- durch ein Ende, daß er die EinzeUohnlisten einführte, wonach jeder Bergmann einzeln seinen Lohn am Lohnschalter vom Rechnungs- führer erhält. Eine Anzeige ist damals nicht erstattet, eine Unter- suchung nicht eingeleitet worden, so daß die Oeffentlichkeit und wohl auch die Regierung niemals etwas über den Umfang dieser sonderbaren „Beamtentreue" erfahren werden. Dv nach dem 1893er Streik gegründete Rechtsschutzverein suchte dem Schmierlappe nun Wesen und der Beamten- be st echerei zu Leibe zu gehen. Der 1894 oder 1895 geführte Warkenprozeß brachte schon erhebliche Beamtenbestechungen zu Tage; Hilger wollte dieses Unwesen dadurch beseitigen, daß er in der Arbeitsordnung den Bergleuten bei Strafe sofortiger Entlassung verbot, an Beamten Geschenke sowohl an Geld wie auch an Materialien zu geben, und den Beamten gleichfalls und unter derselben Strafe die Annahme solcher Geschenke. Wenn trotz- dem Jahre hindurch„Wolfskasten" geführt und Beamte auch sonst reichlich geschmiert worden sind, so nur, weil die armen Bergleute aller politischen und gewerkschaftlich en Freiheit beraubt, weil sie bedingungslos der Willkür eines Beamten unterworfen waren. Dadurch hat sich ein unglaub- licher Stumpfsinn und völlige Knechtseligkeit unter ihnen eingebürgert. Die Unterwürfigkeit geht selbst so weit, daß man in Bergmanns- kreisen erzählt, daß einzelne„königliche" Kumpels ihre Rechte im Ehebett an ihren Vorgesetzten abtreten, nur um einen anständigen Lohn zu„verdienen". Unter den acht höheren Beamten, gegen die das Strafverfahren emgeleitet ist, befinden sich mehrere, die besonders schneidig gegen die Arbeiterbewegung aufgetreten sind und jeden Verb an d s kam er a d en gemaßregelt haben, die sich bei den Wahlen als national- liberale Wahlagitatoren hervortaten, den sozialdemokratischen wie ultramontanen„Umsturz" bekämpften und als tadellose Ordnungssäulen galten. Der Obersteiger M i ch a e l y von Grube„Göttelborn" hat 1889 beim Streik die Gendarmen befehligt, unter deren Schutz die Streikbrecher von Neunkirchen aus zur Grube geführt wurden, ist gegen die Streikenden mit aller Schärfe und Rücksichts- losigkeit aufgetreten; heute fitzt er im ZuchthanS und«eitere, wahrscheinlich Zuchthausstrafen harren seiner noch! So krochen die Ordnungssäulen zusammen, so rächen sich die Maßregelungen freier, ehrlicher Männer am Staate und den Vollstreckern dieser Maßnahmen selbst. Was der Prozeß gegen die Durchstechereien auch zutage fördert, er zerschlägt den künstlich auf- geputzten NimbuS von den selbstlosen Grubenbeamten und zeigt uns Saarabien nochmals als ein abschreckendes Beispiel. poUtilcbe ücberficbt Berlin, den 13. Juli 1908. Zeppelin. Zeppelin ist eine TageSgröße geworden. ES gab eine Zeit, da man seine Versuche unbeachtet ließ, da seine Pläne höchstens den Stoff zu mehr oder minder wohlfeilen Spähen für die Witzblätter hergeben mußten. Nun hat er es durchgesetzt. Geradezu widerlich gebärdet sich dabei die Sensattonspresse. Man ist auf dem besten Wege, Zeppelin zu einem Nationalhelden zu machen. Die betrieb- samen Reporter werden ihn interviewen und mehr oder minder belanglose Ereignisse aus seinem Leben für den Tagesklatsch servieren. Der Fall Zeppelin ist typisch als Erfinderschicksal. Wenn heute Fachverbände und technische Hochschulen ihm die Ehren- Mitgliedschaft anbieten, so hat er diese allgemeine Anerkennung früher nicht gefunden. Als der schweizerische Technikerverband ihm vor einigen Tagen ein enthusiastisches Begrüßungstelegramm schickte, da mag der Graf vielleicht an einen Vorfall vor fünf Jahren gedacht haben. Als in Manzel fein erster Aufstieg in- folge eines unvorhergeschenen Hindernisses nicht statt- finden konnte, sda wurde er von dem vielhundertköpfigen Publikum der Schweizer Sondcrschiffe in skandalöser Weise aus- gepfiffen. So ändert sich das Bild. Heute hat sein Name und sein Unternehmen bereits den Anreiz zu ganz eigenartigem Gründungs- fieber gegeben. Zunächst haben einige Hurrapatrioten das Be- dürfnis nach einem Pendant zum Flottenverein, nämlich zu einem deutschen Luftflottenverein. Die Gründung desselben ist von Regierungsrat Rudolf Martin angeregt worden, besten Phantastereien schon wiederholt die Fachwelt beschäftigt haben. Dieser Luftflottenverein will sich die Schaffung und Forde- rung einer deutschen Luftflottenmacht aus privaten Mitteln zur Aufgabe stellen. In den Statuten heißt es. daß im Kriegs- falle sämtliche Luftschiffe des Vereins dem Reiche zur Ver- fügung gestellt werden sollen; die Flotte soll nicht in eigene Regie genommen, sondern die Arbeiten sollen den bestehenden Lufrschiffbaugcsellschaften übertragen werden. Der Mindestmitglieds- beittag beträgt 69 M., womit eine Freifahrt verbunden sein soll usw. Jm.Frankenthaler Tageblatt" erläßt der verant- wortliche Redakteur an der Spitze des Blattes einen Aufruf, eine Gesellschaft für Luftschiffahrt zu bilden, zu der der Beitritt für jeden Deutschen, auch dem A e r m st e n, ermöglicht werde I An jedem Orte müsse eine Ortsgruppe für Luftschiffahrt gegründet werden. Denn die Erfindung des Luftschiffes leite eine„neue A e r a' ein, denn:„Deutschland in der Luft voran." Das ganze deutsche Volk müsse mitwirken an der Schaffung einer Luftflotte, die Deutschland wiederum einen kulturellen und stra- tegischen Vorrang über alle andere Völker sichere! Aber auch der Kapitalismus wittert in den Zeppelinschen Ar- beiten ein glänzendes Geschäft. Schon haben sich mächtige Industrie- gesellschasten, wie Krupp, Siemens- Schuckert, All- gemeine Elektrizitäts-Gesellschaft, dahingehend ver« ständigt, eine Zeppelin- Luftschiff- Bctriebsgesellschaft zu gründen. Das Unternehmen soll als Gesellschaft m. b. H. mit einem Einlage- kapital von 3—19 Millionen gegründet werden. Chauvin! st ische Anmaßung und kapitalistisches Gründungsfieber als Taufpaten einer Erfindung, die dem allgemeinen Kulturfortschritt dienen sollte I Die unzufriedene« Panzerplattenpatrioten. Aus dem Flottenverein ausgeschieden sind bis jetzt der Schwarzburg-Rudolstädtische Landesverband, die Ortsgruppe Mül- heim a. d. Ruhr und Mülheim(Styrum) sowie der unter Leitung des bekannten Lizentiaten Weber in München-Gladbach stehende Gesamtverband evangelischer Arbeitervereine, der dem Flottenverein als korporatives Mitglied beigetteten war. Ferner ist der Vorstand des westfälischen Provinzialverbandes aus dem Flottenverein ausgeschieden. Ihm gehörten an der Fabrikdirektor Schweckendick, Handelskammersyndikus Dr. Martens, Kommerzienrat Wieskott, Kommerzienrat Brügmann, Geheimer Kommerzienrat Kirdorf, Kommerzienrat K l a f i n g, Geheimer Sanitätsrat Dr. Mayweg, Kommerzienrat Meyer. Bemerkenswert ist, daß die Hauptversammlung des Westsälischen Provinzialverbandes, in der diese Vorstandsmitglieder ihre Aemter niederlegten, unter dem Vorsitz des Fürsten Salm selb st stattfand! Die„Tägliche Rundschau' teilt auch näheres darüber mit, weshalb der Fürst Salm den übertragenen Präsidentenposten nicht angenoinmen hat. Fürst Salm hat für die Wiederannahme des Präsidiums die„einzige Bedingung" gestellt gehabt, daß er jeder» zeit ohne Zwischenträger dem Kaiser Vortrag über den Flottenverein halten dürfe. Diese Ver- günstigung habe man zu„hintertreiben" gewußt. Der Präsident des FlottenvcreinS beanspruchte damit also für sich das Recht des Jmmediatvortrages, wie er dem Reichskanzler und Ministerpräsidenten zusteht, während die„gewöhnlichen" Minister dieses Recht nicht ein- mal in vollem Umfange besitzen. Es scheint fteilich, als ob Fürst Salm als Präses der Flottentreiber früher dieses Recht für sich hat in Anspruch nehmen dürfen!-»■_ Vom Brcmserlah. Damit die Lehrergehälter nicht allzusehr steigen, hat bekannt- lich seinerzeit der verflossene Kultusminister Studt den so- genannten Bremserlaß ergehen lassen, das heißt eine Anweisung, daß die Staatsbehörden Einspruch erheben sollten, wenn kom- munale Verbände die Lehrergehälter höher bemessen sollten, als das der Regierung angemessen erscheine. Es sind auch bereits zahl- reiche Fälle bekannt geworden, wo die Regierung dieser Anweisung gemäß Einspruch gegen die Absichten städtischer Gemeinden eingelegt hat. Auch nachdem Studt von der Bildfläche ver- schwunden und Holle an seine Stelle getreten ist, hat sich an diesem System des Bremsens nichts geändert. So wird jetzt wieder daran erinnert, daß die Regierung in Düsseldorf Einspruch dagegen erhoben hat, daß die 70 909 Einwohner zählende Gemeinde B o r b e ck bei Essen im Sommer vorigen Jahres die Anfangs- gehakter der Lehrer um 169 Mark erhöhte, nämlich ein Grundgehalt von 1699 Mark statt bisher 1499 Mark und eine Mietsentschädi- gung von 699 Mark statt bisher von 459 Mark beschloß. Die Düsseldorfer Regierung erklärte, eine Erhöhung des Grundgehaltes um 69 Mark für ausreichend. Die Berufung auf besondere Teuerungsverhältnisse lehnte sie damit ab, daß eine Gleich» st e l l u n g mit Essen, wo 1699 Mark Gehalt gezahlt werden, zu vermeiden sei. AIS gegen diese Entscheidung der Dussel- dorfer Regierung die Borbecker Gemeindeverwaltung, beim Kultusminister Beschwerde erhob, wurde nunmehr, nach einem halben Jahr, ein ablehnender Bescheid erteilt. Die preußischen Ministergehälter sind seinerzeit mit einem Schlag um 16 999 Mark erhöht worden! Aber eine hundert- fach geringere Aufbesserung eines Lehrer gehalts findet im Kultusministerium Widerspruch! Um nicht die Lehrer- gehälter im allgemeinen aufbessern zu müssen, verwehrt man sogar den Gemeinden, die Gehälter ihrer Lehrer nach ihrem Gutdünken festzusetzen. Dagegen hat eS die preußische Regierung mit der Aufbesserung der Gehälter der Geistlichen sehr eilig, so eilig, daß es sogar die Geistlichen-Besoldungsreform während der kurzen Tagung des Landtages im Anfang dieses Monats durch- peitschte! Die 500 Mark- Affare im Angestelltenkonflitt. Wir hatten Gelegenheit genommen, die Mitteilung auf- zunehmen, daß die Maschinenfabrik Nürnberg-Augsburg jedem Beamten ein„Geschenk" von 500 M. gewährt, der für diesen Judaslohn seine Organisation verleugnen will. Die Richtig- keit dieser Mittellung wurde in der bürgerlichen Presse zum Teil sehr lebhaft bestritten. So gering wie man die sozialpolitische Einsicht gerade der bayerischen Industriellen auch von bürgerlicher Seite einschätzt, wurde doch eine solche Handlungsweise nicht für möglich gehalten. Wir erfahren� nun aber von wohlunter- rich'teter Seite, daß diese 500 Mark-Geschichte im vollen Umfange auf Wahrheit beruht. Damit Zeigen die Arbeitgeber, daß sie die auf den Index gesetzten gerbände mit den rücksichtslosesten und schäbigsten Mitteln niederringen wollen. Trotzdem gegen das Vorgehen der bayerischen Arbeitgeber von allen Seiten protestiert wurde, denken die Scharfmacher nicht daran, nachzugeben, vielmehr ist durch diese letzte Maßnahme die Situation noch ver- schärft l_ Ein Richter über de» Richterstand. Ein Richter— freilich ein französischer— hat jüngst über den Richterstand ein interessantes Urteil gefällt. In der Wochenschrift„Morgen" veröffentlicht der weit über Frank- reich hinaus bekannt gewordene Richter Paul M a g n a u d. IPresident honoraire du Tribunal de Chätean-Thierry, einen Aufsatz, betitelt:„Der Beruf und die Pflichten des Richters", in dem er u. a. folgende Ausführungen niacht: „In Frankreich stammen nenn Zehntel der Richter ans Bourgeoisfamilien oder sind in einem Bourgeoismilieu aufgewachsen. Drei Viertel von dem übrigen Zehntel sind der Herkunft nach Aristokraten oder, was schlimmer ist, Leute, die aristokratische Ansprüche machen; das letzte Viertel allein geht aus dem wohlhabenden Arbeiter Proletariat hervor. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, bringt nun aber der Richter die Fehler und Vorzüge des Milien, ans dem er herstammt, in das Gerichtslokal mit, ist also mit einer Anzahl vorgefaßter Meinungen belastet, nach denen er die Menschen und die mensch- lichen Handlungen verurteilt. Daneben besitzt er allerdings eine solide, wenn auch mehr subjektive Fachbildung, kennt zur Genüge die hauptsächlichsten sozialen und politischen Fragen und hat eine gute Moral, wenn ihm auch seine Durchschnittstugend so wenig Heroismus verstattet, wie sie ihn der Gefahr aussetzt, geringen Versuchungen zu erliegen. Er ha: mithin nichts, was ihn in der Achtung oder Liebe des Volkes erhalten oder wieder emporrichten könnte, wenn er sie infolge einer persönlichen Schwäche oder eines begangenen Irrtums oder eines parteiischen Urteils eingebüßt hat. Im übrigen lassen seine Vorurteile keine Ahnung bei ihm auf- kommen, wie grauenvoll ungerecht manche von den Urteilen sind, die er zugunsten der in seinen Augen so gut wie unfehlbaren Reichen und Mächtigen gegen Unglückliche erläßt. Außerdem fürchtet und haßt er jedweden„Skandal", und Skandal nennt er alles, was öffent- lich darauf hinweist, daß die Gesellschaft die Schuldige ist oder daß die Ehrbarkeit der höheren Stände Gemem- heiten verbirgt. Aus diesen Gründen und obwohl in seinen Annalen die Namen einiger Edlen verzeichnet sind, hat sich der Richterstand im großen und ganzen fast immer knechtisch gegen die Starken gezeigt und kann nicht gegen das Mißtrauen aufkommen, das die öffentliche Meinung gegen ihn hegt." Uns dünkt, daß der französische Richter Maynaud nicht nur den französischen Richter mit großem soziologischem und psychologischem Scharfsinn porträtiert hat!— Unkenntnis des Vereinsgesetzes. Die erste Bestrafung eines Jugendlichen auf Grund des neuen Vereinsgesetzes wird ans Wüstegiersdorf Kreis Waldenburg gemeldet. Ein siebzehnjähriger Fabrikarbeiter hatte an einer Versammlung de» Textilarbeiterverbandes teilgenommen. Der Amtsvor- steher in Donnerau hatte ihn daraufhin mit einem Strafbefehl über drei Mark bedacht. Auf den erhobenen Einspruch hat das Schöffen- gericht jetzt die Strafe in Höhe von drei Mark bestättgt. Die Herren Richter haben offenbar— wenn auch unbegreif- licherweife— übersehen, daß das Gesetz nur bei Teilnahme an politischen Vereinen ein Atter von 18 Jahren voraussetzt J— Geschütze, die sich selbst beschießen. Unter dieser Stichmarke berichteten wir seinerzeit über ein sonderbare? Malheur, das in der deutschen Kriegsmarine passiert tvar. Beim Einschietzen(!I) der Geschütze auf dem neu erbauten Linienschiff„Pommern" war einem 17 Zentimeter-Geschütz von einem Nachbargeschütz da» Rohr weggeschossen worden. Man hatte vergessen(I l), das 17 Zenttmeter- Geschütz ausreichend herumzuschwenken und hatte vor dem Abfeuern des nächsten Geschützes nicht bemerkt(II), daß unmittelbar vor seiner Mündung das Rohr des 17 Zentimeter- Geschützes lag. Ueber das Miß- geschick, daS in der ganzen Marine Sensatton gemacht hatte, das aber von der bürgerlichen Presse totgeschwiegen worden war, wurde jetzt vor dem Kriegsgericht des 1. Geschwaders in Kiel verbandelt. Die Sitzung fand an Bord des Unglücksschiffes selber statt. An- geklagt wegen Fahrlässigkeit in der Behandlung der Geschütze waren ein Fregattenkapitän, ein Kapitänleuwant und ein Leutnant zur See. Der entstandene Schaden betrug 65 099—79 090 M. Die Verhandlung fand„im Interesse der Landesverteidigung" hinter ver- schlossenen Türen statt, dauerte fünf Stunden und endigte mit der Freisprechung sämtlicher Angeklagten. Inwiefern das Interesse der Landesverteidigung die Geheim- Haltung der Verhandlung bedingte, ist uns schleierhaft. Oder glaubte man, daß eS für das Renommee der deutschen Marine ge- fährlich sein würde, wenn daS Ausland von einem Malheur Kenntnis erhielte, daS noch nicht einmal der Flotte RoschdwestfchenSIiS passiert war?_ Nationalliberaler Katzenjammer. Die Nationalliberalen in Köln haben am Montag in einer mir für Parteimitglieder zugängigen Versammlung sich über die Frage unterhalten, welche Aufgaben der Partei auS den letzten Wahlen erwachsen. Der Redner des Abends, Professor Molden- Hauer, stellte fest, daß die letzten Wahlen sowohl für den Reichs- tag wie für den Landtag und ebenso auch für die Kölner Stadt- verordnetenversammlung den Nationalliberalen nur Mißerfolge gebracht hätten. Schuld daran sei die L a u h e i t, ja Gleichgültig- keit vieler Wähler. Drei große Gruppen der Bürgerschaft kämen für die nationalliberale Partei in Betracht: die durch ihre Stellung und ihr Vermögen hervorragenden Bürger, die mächtige Zahl des Mittelstandes und drittens die nicht minder mächtige Zahl der Arbeiter. Das Verhältnis der Partei zu der ersten Gruppe sei nicht mehr wie früher; es seien Mißstimmungen eingetreten aus politischen und wirtschaftlichen Ursachen, die manchen früher tätigen Parteifreund zsurückhlalten. Aber auch im Mittelstande, der Hauptstütze der nationalliberalen Partei, bewähre sich der rechte politische Sinn nicht mehr. eS sei ein Schwanken nach rechts, mehr aber noch nach.der radikalen linken Seite zu bemerken. Bezüglich der Arbeiter sagte der Redner: „Ich darf wohl ohne uns zu rühmen sagen, daß wir uns die red lichste Mühe gegeben haben, die Arbeiter für uns zu gewinnen. Bei ihnen ist von Lauheit und Gleichgültigkeit für das politische Leben jedenfalls nicht zu sprechen. hier herrscht eine Teilnahme, wie wir sie in demselben Maße nur den anderen Gruppen wünschen können.(Lebhafter Beifall.) Aber wir müssen uns offen sagen, daß auS dem Arbeiter stände uns kein freundlicher Geist entgegenweht, daß vielmehr mit wenigen Ausnahmen man unserer Partei f e i n d> lich sich gegenüber st ellt. Die Arbeiter stehen hier in Köln im Banne des Zentrums und der Sozialdemokratte. Unsere Versuche, in unseren Versammlungen die Arbeiter über die in der Tat fördernde soziale Tätigkeit der nationalliberalen Partei auf- zuklären und in Gegenwart der Arbeiter selbst über unsere Ziele zu sprechen, sind vergeblich gewesen, und daS wird meiner Ansicht nach auch in den nächsten Jahren noch der Fall sein." Die Ursache für die Minderung des Ansehens bei den ver- fchiedenen Bevöllerungsschichten liegt nach der Ansicht des Redners indem politischen Schwanken der ngtionalliberalen Partei, erst wenn ihre Politik wieder stetig und zielbewußt werde, sei an der Wiedergewinnung des alten Einflusses zu denken. Der Redner gab in dieser Hinsicht einige Fingerzeige und schloß mit dem Rufe:.Ein HundSsott. der unsere Sache auf- gibtl" Wir bezweifeln, daß dieser temperamentvolle Ruf dazu bei- tragen wird, dem Nationalliberalismus die früheren Anhänger zurück- zugewinnen und die jetzigen vor der Fahnenflucht zurückzuhalten. Man darf im Gegenteil annehmen, daß immer mehr Nationalliberale zu der Ansicht kommen: Ein Hund Sfott, wer bei dieser Partei bleibt!-_ Schweiz. Schmählicher Zarendienst. So sind alle Proteste denn doch vergeblich gewesen uitd der Appell an die Humanität hat in dem Lande, auf deren Bergen einst die Freiheit wohnte, kein Echo gefunden. Das B u n d e s g e r i ch t hat sich dem Befehl des Zaren ge- beugt und die Auslieferung des russischen SozialrevolutionärsWassilieffgenehmigt. Tie Schweiz hat aufgehört, ein Asyl für die verfolgten Opfer des Zarismus zu sein, und der Schergendienst, den das will- fahrige Gericht dem Despotismus geleistet hat, vernichtet auf immer das, was den höchsten Ruhm der kleinen Republik ausgemacht hat. Wassilieff war beschuldigt, die Hinrichtung des Polizei- mcisters von Pensa vollzogen zu haben. Dieser Polizist war von den Bluthunden, die der Zarismus auf das russische Volk losgelassen hat, einer der schlimmsten. Mit sadistischer Grausamkeit wütete er gegen unschuldige Bauern; nicht nur Männer, auch Frauen und Kinder wurden auf seinen Befehl zu Tode gemartert und geprügelt, bis ihn schließlich sein 'Schicksal erreichte. Eine sorgfältig und nachdrücklich geführte Verteidigung hatte den Nachweis geführt, daß die Auslieferung Wassilieffs dem Schweizer Recht völlig zuwider wäre, und schon durfte man hoffen, daß das Abscheuliche nicht geschehen würde. Vergebens! Kleinbürgerlicher Klassenhaß und Bs- schränktheit, feige Sorge um die politischen Folgen der Wahrung des Asylrechts haben die Richter vermocht, den Revolutionär den zarischen Henkern zu überliefern. Aber mit Wassilieff haben die gefügigen Richter zugleich die Achtung und Liebe geopfert, die man ihrem Lande entgegen- brachte.— frankreich. Die Verstaatlichung der Westbahn. Paris, 11. Juli.(Eig. Ber.) Nun hat auch die Kammer den Gesetzentwurf über die Verstaatlichung der Westbahn in der Fassung des Senats angenommen. Wenn man den Kassandrarufen der konservativen und manchesterliberalen Presse Glauben schenken wollte, wäre die Republik damit auf die schiefe Ebene geraten, die sie von dem so trefflich eingerichteten kapitalistischen WirtschaftS- system in daS Verderben des Kollektivismus hinabgleiten läßt. Die Durchsetzung des Gesetzes war für die Regierung nicht leicht. Namentlich im Senat war die Opposition unter Führung des alten 5wrruptionisten Rouvier groß. Die Kommisosin hatte Vertagung betantragt, und dieser Antrag wurde nur mit drei Stimmen Mehr- heit abgelehnt, wobei es im Verlauf der Stimmenauszählung ver- dächtige Mogeleien gab. Und schließlich hatte sich Clemenceau doch noch zu einer Konzession an den Senat entschließen müssen, die äußerlich wie ein Zugeständnis an das parlamentarische Prinzip aussieht, aber in der Praxis die Einführung des Staatsbetriebes auf der Westbahn noch empfindlich verzögern kann. Die Orga- nisation und Verwaltung des übernommenen Netzes, sowie die mit dem Ankauf und dem staatlichen Betrieb verbundenen provisorischen finanziellen Maßnahmen sollen nämlich nicht, wie es in dem Ent- wurf hieß, durch ein Dekret, sondern durch ein Gesetz geregelt wer- den. Der Kommunikationsminister Barthou hat die Kundmachung des Verstaatlichungsgesetzes für spätestens Ende 1908 zugesagt. Dies verpflichtet ihn auch, den Entwurf über die provisorische Ver- waltung ohne Verzug vorzulegen. Eine Verlängerung dieses Pro- visoriums aber mühte den Verkehr auf der ohnehin sehr schlecht verwalteten Westbahn total desorganisieren. So wird die Regie- rung wohl auch das Gesetz über die definitive Organisation des Betriebes bald vorzulegen gezwungen sein, ohne freilich die unver- besserlichen Manchesterliberalen des Senats, die zudem bei der Ver- teidigung der Eisenbahngesellschaften ihre persönlichen Interessen ver- treten, hindern zu können, noch einmal alle Künste der parlamen- tarischen Opposition und— Korruption aufzubieten. Die Zustimmung zum„Prinzip" der Verstaatlichung war eine Konzession an die Stimmung der kleinbürgerlichen Demokratie, die die Senatoren bei all ihrer Verknüpftheit mit dem Finanzkapital schon darum nicht verweigern konnten, weil Clemenceau sie flehent- lich angegangen hatte, seine Gendarmenrolle durch die Verwirk- lichung wenigstens dieses einen Punktes seines berühmten Reform- Programms wieder in ein etwas besseres Licht zu setzen. Wenn man die regierungsfreundliche Presse die Verstaat- lichung wie ein großes, für den allgemeinen politischen und sozialen Fortschritt Frankreichs entscheidendes Ereignis feiern sieht, so steckt natürlich ebenso bewußte Uebertreibung darin wie hinter den Unheilprophezeiungen, an denen die großkapitalistische Presse so reich war. Sicher hat für ein Land mit einer so verstockten liberalen Bourgeoisie wie Frankreich die Ausdehnung des Staatsbetriebes auf die Bahnen eine gewisse prinzipielle Bedeutung. Aber eS gehört schon ein ganz unverbesserlicher Optimismus dazu,- im Anblicke des gestrigen Beschlusses seine Seele gelöst zu fühlen und die solange verlegte Bahn des demokratischen und sozialen Fortschritts wieder geöffnet zu glauben. Wie sehr auch die Ver- staatlichung der Verkehrsmittel in der Linie der sozialistischen Gegenwartspolitik liegt, so bleibt darum doch unbestreitbar, daß sie zunächst die Machtmittel des bürgerlichen Staates stärken und die Einflußsphäre der parlamenta- rischen Korruption erweitern muß. Ein Gegengewicht kann da nur die Organisation der Arbeiter und Be- a m t e n bieten, die Schutzeinrichtungen gegen Willkür und Pro- tektion schafft, sowie die parlamentarische Kontrolle durch eine starke sozialistische Vertretung._ Eine Nachwahl. Paris, 13. Juli. Bei der gestrigen Ersatzwahl zur Deputiertenkammer in Valence an der Rhone siegte der Kandidat der unabhängigen Sozialisten C hadert. Die Tagung des Parlaments wurde geschlossert. Olrkei. Die jungtürkische Bewegung. Konstantinopel, 13. Juli. Gestern wurde auf dem französischen Dampfer„Sidon'' während der Fahrt von Saloniki nach Konstantinopel der General Fazil Pascha von einem türkischen Offizier ermordet. Der Dampfer traf heute früh in den Dardanellen ein. Tie Pforte wird die Auslieferung des Mörders verlangen. KSln, 18. Juli. Wie der„Kölnischen Zeitung" aus Kon- Pantinopel gemeldet wird, weigert sich der an Stelle Schemst i Paschas nach Monastir berufene Marschall Osman Pascha ab- zureisen, indem er Krankheit vorschützt. Vertretungsweise wurde Rachmi Pascha nach Monastir beordert, der sich aber ebenfalls weigerte abzureisen. Perfien. Tiibris kämpft weiter. Täbris, 13. Juli.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Eine Schar Revolutionäre hißte heute morgen auf dem Gebäude des ehemaligen Endschumens eine rote Fahne. Mittags zog Rakhim Khan mit tausend Reitern in die Stadt ein und durchquerte das feindliche Stadtviertel Hiaban, ohne bei den Ein- wohnern, die ihre Waffen und ein Geschütz auslieferten, auf Widerstand zu stoßen. Rakhim Khan stellte sich mit seinen Truppen in dem dem Schah gehörenden Garten Äazischaman auf. Man erwartet eine Belagerung des Stadtbezirks Umirakhis, der noch im Wider st and beharrt und wo seit heute früh geschossen wird. Der Schah gab tele- graphisch Befehl, keinerlei Matzregeln zu scheuen, um den Aufstand schleunigst zu unterdrücken. Inäo- China. Die Unruhen. Saigon, 12. Juli. In Neithan, Provinz Bac-nink, sind ein Polizeiinspektor und ein eingeborener Beamter von Piraten ermordet worden. Auf die Angabe von eingebornen Soldaten hin wurden zweiAnnamiten, ein Professor und ein Dolmetscher, verhaftet und der Kommission für Kriminalsälle überwiesen wegen Aufreizung zur Revolte und zur Ermordung von Europäern. Paris, 12. Juli. Einer Blättermeldung zufolge wird die Regie- rung infolge der Ereignisse in Tonkin im Laufe des Juli drei- tausend und bis zum Ende deS Jahres weitere fünftausend Mann Verstärkungen nach Jndochina senden. jVlarokko. Der Marsch der Sultane. Paris, 12. Juli. Aus Fes wird unter dem 8. Juli gemeldet: Hier erhält sich das Gerücht, daß M u l a y H a f i d am 11. Juli entweder nach Rabat oder nach Marrakesch abmarschieren wird. Von Rabat kommt heute die Nachricht, daß Abdul A s i S um 10 Uhr morgens mit dem Machsen nach Tmara, einem süd- lich von Rabat gelegenen Orte, abgereist ist. Sein Ziel ist Marrakesch._ Hua der Partei. Ein amtliches Lob für die Sozialdemokratie. DaS König!. Statt st ische Landesamt für Württemberg veröffent- lichte kürzlich in den Württcmberger Jahrbüchern für Statistik und Landeskunde, Jahrgang 1997, 2. Heft, eine instruktive Arbeit des Finanzrats Dr. A. Schott über„Die Ergebnisse der Landstags- und Reichstagswahlen in Württemberg im Winter 1996 aus 1997". Ueber die L a n d t a g S w a h l wird darin gesagt: „Inwieweit die Proporzwähler der Stadt Stuttgart sich streng an die Parteistimmzettel gehalten und diese u n a b g e ä n d e r l in die Wahlurne eingeworfen haben, ist aus den als besondere Beilage den Wahl- kommissionsprotokollen der 82 Abstimmungsdistrikte angefügten Zähl- bogen ermittelt worden. Danach wurden insgesamt 29 2l6 Stimmzettel, das sind 71,9 Proz, der überhaupt abgegebenen gültigen Stimm- zettel, ohne jegliche Aenderung seitens der Wähler in die Urne ge- lteckt. Allen voran in der sorgfältigen Wahrung der Parteidisziplin stehen die Anhänger der Sozial- d e m o k r a t i e und des Zentrums. Die absolut und relaiiv ge- ringste Zahl von unverändert abgegebenen Stimmzetteln sind bei der konservativen Partei zu verzeichnen." Von der Sozialdemokratie wurden nämlich 92,1 Proz., vom Zcntruni Sl.ö Proz,, von der konservativen Partei 3ö,2 Proz. unab- geänderte Zettel abgegeben. Ueber sie ReichstagSwahlen wird gesagt:„Ebenso war bei den Reichstagswahlen am 2S. Januar 1997 die Sozialdemokratie gegenüber jeder anderen Partei im Uebergewicht. Sie ist zugleich die einzige Partei, die in allen Reichstags Wahl- kreisen Stimmen erhielt. Von 199 gültigen Stimmen trafen auf diese außerordentlich rührigeParteiL? Proz., dann folgten das Zentrum mit 22.8 Proz. und die Volkspartei mit 19,1 Proz." Unsere Toten. In Reistenhausen im Maintal starb der Genosse Robert R ü d. In Hamburg hatte er die Lehren der Sozial- demokratie kennen gelernt. Nachdem er in seine Heimat zurückgekehrt war. hat er unermüdlich für die Partei und seine Gewerkschaft, die der Steinhauer, gearbeitet. Die Proletarierkrankheit hat ihn dahin- gerafft._ Ein seltsames Bohkotturteil. Der Redakteur unseres Geraer Parteiblattes Genosse Hermann Seyfarth hatte sich am Donnerstag wegen Verrufserklärung vor dem Gericht zu Gera zu verantworten. In der.Reußischen Tribüne" war in einer Notiz aus der sächsiichen Enklave Liebschwitz der dortigen Arbeiterschaft mitgeteilt worden, daß den Arbeitern kein Saal mehr zur Verfügung steht und daß sie daraus die Konsequenzen ziehen möchten. In dieser Wendung wurde die Aufforderung zum Boykott erblickt, die durch einen Straf- befehl, der sich aus eine Verordnung der Amtshauptmannschaft Zwickau vom Jahre 1394 stützt, mit 1ö M. Geldstrafe gesühnt werden soll. Unser Genosse beantragte selbstverständlich gerichtliche Entscheidung. Er bestritt die ihm zur Last gelegte Schuld und be- hauptete, daß die sächsischen Verordnungen doch nicht für Reuß j. L. maßgebend sein könnten. Er habe übrigens keine Kenntnis davon, daß die„Reußische Tribüne" in Liebschwitz gelesen würde. Der Staatsanwalt hielt unter Zuhilfenahme des RechtShilfegesetzeS aus den S9er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Verbindung mit § S60,u des Strafgesetzbuches und des§ 29,� deS PreßgesetzeS die Verrufserklärung aufrecht und beantragte 15 M, Geldstrafe. DaS Gericht erkannte demgemäß, weil der Tatbestand der Boykotterklärung gegeben und nach mehreren Reichsgerichts- entscheidungen strafbar sei. Das komische an der ganzen Sache ist, daß unser Genosse nach einem sächsischen Gesetz in Reuß j. L. der« urteilt worden ist. Er wird Berufung einlegen. Soziales. Zur Lage der Staatsarbeiter in Preußen. In dem soeben erschienenen Jahresbericht der Allgemeinen Ar- beitSnachweiSstelle für Kiel und Umgegend findet sich folgender PassuS: Die der königlichen Eisenbahn- Betriebs- Lnspektion unterstellten Bahnmeistereien in Kiel, Hassee und Preetz sowie die Bahnmeisterei in Voorde be- nutzten auch bereits m früheren Jahren unsere Vermittelung. Die Beschaffung der hier benötigten Arbeitskräfte bereitete jedoch be- sondere Schwierigkeiten, da die gestellten Anforderungen bezüglich der körperlichen Tauglichkeit in einem nicht besonders günsttgen Verhältnisse zur Entlohnung stehen, Die Allgemeine Arbeitsnachweisstelle in Kiel ist ein von staat- lichen und kommunalen Behörden sowie von Arbeitgeberorganisationen unterstütztes und in Anspruch genommenes Institut, das unter der Leitung eines LandeSversicherungsrateS steht. Wenn von solcher Seite einem staatlichen Betrieb, sei es auch nur sin verblümten Worten, öffentlich nachgesagt wird, seine Ansprüche seien so hoch, seine Löhne so schlecht, daß sogar Arbeitslose auf solchen königlichen Dienst verzichten, kann man sich die dieser Mitteilung zugrunde liegenden tatsächlichen Verhältnisse, über die leider nichts Näheres ausgeführt wird, gar nicht kraß genug vorstellen. Gegen Freizügigkeit der Landarveiter. Der in Mainz abgehaltene diesjährige landwirtschaftliche Ge- nossenschaftstag erörterte in einer Weise die„Landflucht". Landrat v. Eisen hard-Rot aus Bublitz in Pommern sprach über die Maßnahmen genossenschaftlicher Art, mittels deren sich dem Landarbeitermangel entgegenwirken lasse. Die Bindung an die Scholle sei notwendig, und müßten Einrichtungen geschaffen werden, die den Arbeiter nötigten, bei dem Großgrundbesitzer zu arbeiten. Hier biete das Renten- gutSgesetz eine Handhabe und die Dorfau solle in E r b b a u gegeben werden. Doch solle man nur da zur Eigentumsübertragung schreiten, wo sich keineFabriken in der Nähe befänden, die die Arbeiter anzögen. Die pommersche AnsiedelungS- kommission arbeite bereits in dieser Richtung. Auch solle verhindert werden, und zwar von Reichs wegen, daß eine Gegend der anderen die Arbeiter abjage. Aehnlich sprachen die folgenden Redner. Die Landarbeiter- frage sei Wohnungsfrage. Der Verlust der Arbeitsstelle treibe die Arbeiter in die Stadt, da der Grundbesitzer meist auch der Woh- nungSeigentümer sei. Ein Redner regte an, den Arbeitern Gelegen- heit zum Grunderwerb zu geben, ein anderer empfahl die Schaffung eines Kreditinstituts, etwa einer Parzellierungsbank, ein dritter wollte, daß die Genossenschaften mehr die Parzellierung größeren Grundbesitzes förderten und mit dem erwerbsmäßigen Güterhandel in Wettbewerb treten. Schließlich wurde die folgende Resolutton angenommen: „Der Genossenschaftstag erachtet es für dringend erwünscht, daß der Reichsverband der überaus wichtigen Frage der Seßhaft- machung der ländlichen Arbeiter auf genossenschaftlichem Wege fortgesetzt seine Ausinerksamkeit zuwendet." Die Tagung zeigt wieder klar, daß die Rentengutsgesetzgebung und derlei ähnliche Wünsche nicht von irgend einer Rücksicht auf die Arbeiter, sondern lediglich von der Rücksicht darauf diktiert ist, die Großgruudbesitzer mit willigen und billigen, von ihnen abhängige, hörige, tatsächlich der Freizügigkeit«beraubte Arbeiter zu versorgen. Bereits anfangs der neunziger Jahre be- tonten LandwirtschastSorganisationen, wie die brandenburgische, die Rentengüter müßten so klein sein, daß der Besucher zur Arbeit auf den Rittergütern gezwungen wird. Statt all der Ouacksalbereieu, die der landwirtschaftliche Genossenschaftstag empfiehlt, hätte er rechtliche Gleichstellung der ländlichen Arbeiter mit den gewerb- lichen. vor allem Beseitigung der gegen die ländlichen Arbeiter bestehenden Ausnahmegesetze und Koalitionseinschränkungen verlangen sollen. Arbeiterschutzgesetze für die ländlichen Arbeiter tun dringend not. Die reaktionären Pläne der Herren Groß- grundbesitzer zeigen, wie von Tag zu Tag dringender eine Orgayi- sation der Landarbeiter für Preußen und Deutschland ist. Prämien für Ueicrtretung von Arbefterschutzvorschrifte». In welch rigoroser Weise sich Unternehmer zuweilen über die sozialpolitischen Gesetze hinwegsetzen, ergab eine am Sonnabend vor der Strafkammer in Halle stattgehabte Verhandlung gegen den Kohlengrubenbesitzer Karl Hoffmann und den B e- triebsfüh rer Hermann Metz von dort. Beide wurden beschuldigt, dem Berggesetz sowie der Gewerbeordnung zuwider ihre Kesselheizer bei dem Förderbetriebe vom Sonnabend bis Montag 24 Stunden hintereinander beschäftigt zu haben. Das Gesetz gestattet im Höchstfalle eine 12 stündige Schicht. Um die Gesetzwidrigkeit zu verdecken, zeichnete der Betriebjsführer in den Kontrollisten andereNamen ein. Die ausgebeuteten Heizer waren mit der langen Arbeitszeit nicht einverstanden; sie fügten sich aber dem Zwange, um keinen Schaden zu leiden. Erst durch eine anonyme Anzeige kamen die Vergehen zutage. DaS gefährliche Treiben, � Arbeiter 24 Stunder hintereinander vor einem glühenden Kessel zu be« schäftigen, und die daraus für den ganzen Betrieb resultierenden Gefahren waren den Angeklagten als Fachleuten bekannt. Der Grubenbesitzer kam aber mit 199 M. und der Betriebsführer mit 59 M. Geldstrafe davon. Ueberschlägt der Verurteilte die Höhe deS Gewinnes, den er auS der Gesetzesverletzung gezogen zu haben meint, mit seinen straf- rechtlichen Unkosten, so dürfte die Bilanz wenig geeignet sein, ihn von Wiederholungen der Gesetzesübertretungen abzuhalten. Eine ähnliche, noch leichtere Rechnung mögen die Unternehmer aulstellen, die wegen Unterschlagung von Krankenkassenbeiträgen besonders milde angefaßt werden. Zu den vielen von uns nach dieser Richtung angeführten Beispielen fügen wir ein zu Anfang dieses Monats von der bekannten Schubert-Strafkammer in Königs- berg gefälltes Urteil. Der Bauunternehmer Adalbert Hoff war angeklagt, sich dadurch einen rechtswidrigen Vermögens- vorteil verschafft zu haben, daß er Krankenkassenbeiträge, die er seinen Arbeitern vom Lohn abgezogen hatte, nicht an die Orts- kränkenkasse abgeführt, sondern das Geld unterschlagen und für sich verwendet hat. Der Angeklagte gab zu, sich dieses Vergehens schuldig gemacht zu haben, er sei damals in Gftdkalamitäten gewesen und habe sich. daS Geld für die Lohnauszahlung erst borgen müssen. Daß er sich sttafbar machte, wenn er die Krankenkassenbeiträge nicht sofort abführe, will er nicht gewußt haben, auch habe er noch die Absicht, die Kasse schadlos zu halten. Wie die Verhandlung ergab, datieren die Unterschlagungen'seit dem 29. Juli 1997. Der Gesamt- betrag der der Kasse rechtswidrig vorenthaltenen Beiträge beläuft sich auf etwas über 99 M. Das Urteil lautete auf— 20 M. Macht Reingewinn: 70 M._ KonfumvereinSbSckerci in Chemnitz. Eine Million Mark wird alles in allem der vom Allgemeinen Konsumverein für Chemnitz und Umgegend seit langem projektierte Bau der Brotbäckerei kosten. Die Baupläne sind genehmigt und mit den AusschachlungSarbeiten ist bereilö begonnen worden. DaS 39 999 Quadratmeter enthaltende Bauland liegt an der Reichenhainer Straße an der Aue-Adorfer Eisenbahn in der Nähe des Südbahnhofes; es wird Gleisanschluß erhalten. Das Bauland kostet 399 999 M. Auf ihm wird nicht nur die Konsumbäckerei erstehen, für die 689 599 M. Baukosten veranschlagt sind, sondern auch ein neues Verwaltungsgebäude, und die Deutsche Großeinkaufs-Gesellschaft, Sitz Hamburg, wird ein großes Lagerhaus dort errichten. ES bleibt dann immer noch lltaum für 39 bis 34 Baustellen, die verkaust werden können, sobald der Bebauungsplan aufgestellt und genehmigt ist. Die Bäckerei wird für 12 Backöfen eingerichtet, 6 werden sofort, die anderen nach Be- darf eingebaut. Die technisch vollendetsten Maschine» und modernsten Einrichtungen werden in den Bettieben zu finden sein. Durch Anteilscheine brachten die Mitglieder etwa 199 999 M. auf. Die Krankenkassen find berechtigt, Heilmittel selbst zu verabfolgen. Dieses aus dem Krankenversicherungsgesetz klar folgende Recht der Krankenkassen ist am Donnerstag vom OberverwaltnngSgericht in einem VerwaltungSstreitverfahren ausdrücklich anerkannt. Die Ortskrankenkassen von Wilhelmshaven bilden einen Verband, der eine eigene Niederlage für solche Heil- mittel. Drogen und chemische Präparate errichtet hatte, deren Einzel- verkauf nach den bestehenden Vorschriften auf Apotheken nicht be- schränkt ist. Der Magistrat als Aufsichtsbehörde er- klärte die Verpflichtung der Kassenmitglieder, in nicht dringenden Fälle» die Drogenverteilungsstelle des Kassen- Verbandes zu benutzen, unter Berufung auf ministerielle Erlasse für gesetzwidrig. Durch Verfügung untersagte er die Benutzung derartiger Rezepte und drohte für den Fall der Zuwiderhandlung auf Grund deS§ 45 des Gesetzes Orb nUngSstrafen an. Die Verfügung wurde Borgmann, damals Vorsitzender per Ortskrankenkasse der Maurer und Steinhauer und zugleich Vor- sitzender des örtlichen Verbandes, behändigt. Durch Schreiben vom 18. August 1907 teilte nun Borgmann als Vorsitzender des Ver- bandeS de» Apothekern mit, daß die Kassen nur für gelieferte Arzneien unbedingt Zahlung leisteten, für sonstige Heilmittel aber nur dann, sofern das ärztliche Rezept den Vermerk„dringend" oder die Anweisung des Vorstandes trage.— Der Magistrat bedachte daraufhin Borgmann mit einer Ordnungsstrafe von zehn Mark, weil dieses Verfahren der obigen Anordnung widerspräche, da die Mitglieder dadurch in der freien Auswahl der Lieferanten der„sonstigen Heilmittel beschränkt würden. Borgmann klagte im Vertvaltungsstreit-Ver- fahren. Der Bezirksausschuß wies ihn ab. Der dritte Senat des Oberverwaltungsgerichts in Berlin hob jedoch auf seine Revision am 9. Juli das Urteil auf und setzte die Verfügung des Magistrats außer Kraft. Begründend wurde ausgeführt:„In der Sache selbst gehen wir davon aus, daß auch bei Beratung des Gesetzes man nicht etwa der Ansicht gewesen ist, daß durch Z 26a Nummer 2b eine Ausnahme von der Regel statuiert werden sollte, wenn diese Gesetzesstelle es für zulässig erklärt, durch Statut zu be- stimmen, daß die ärztliche Behandlung, die Lieferung der Arznei und die Kur und Verpflegung nur durch bestimmte Aerzte, Apotheker und Krankenhäuser zu gewähren sind und die Bezahlung der durch Inanspruchnahme anderer Aerzte, Apotheken und Krankenhäuser ent- staudcncn Kosten, von dringenden Fällen abgesehen, abgelehnt werden kann. Zur Beurteilung der vorliegenden Frage muß man von§ 0 des Gesetzes ausgehe». Nach diesem Paragraphen ist von den Kassen zu gewähren: freie ärztliche Behandlung, Arznei sowie Brillen, Bruchbänder und ähnliche Heilmittel. Damit ist lediglich die Verpflichtung zur Gewährung der Mittel in Natura ausgesprochen. Die Mitglieder haben danach keinen Anspruch darauf, Geld zu erhalte» und sich dafür die Mittel selbst zu besorgen, sondern nur auf Lieferung in Natura. Wenn Krankenkassen Einrichtungen treffen, die ihnen ermöglichen, in allen diesen Fällen den Mitgliedern die Mittel selbst zu liefern, so kann das nicht gesetz- widrig sein. Und da die Kassenmitglieder keinen Anspruch auf eine andere Lieferung haben, so ist es nicht gesetzwidrig, wenn ihnen ein Zwang auferlegt wird, die Mittel n a t u»e l l in Empfang zu nehmen. Die Verfügung des Magistrats muß darum außer Kraft gefetzt werden."-- Damit hat wieder einmal eine gesetz- und statutenwidrige An- ordnuug einer Aufsichtsbehörde durch das Oberverwaltungsgericht außer Kraft gesetzt werden müssen. Wenn der Magistrat sich nicht nach preußischen Miuisterialerlassen, sondern allein nach dem Gesetz gerichtet hätte, hätte er nicht wie geschehen vorgehen können. SevverKlcKaftUcKey. Berlin und Umgegend. Die Entlohnung bei einer Weltfirma. Die Hilfsarbeiter in den Betrieben der Allgemeinen ElektrizitätS- gescllschaft erhalten bekanntlich sehr niedrige Löhne. In der Maschinen- fabrik, Brunnen st raße, wird ein Anfangslohn von 36 Pf. pro Stunde bezahlt, der in fünf bis sechs Jahren auf ö2 und 54 Pf. steigt. In der Turbinenfabrik, Hutten st raße, wird ein AufangSIohn von 37 Pfennig pro Stunde bezahlt. Diese niedrigen Löhne sind erst auf dringende Vorstellungen der Hilfsarbeiter vor etwa einem Jahre bewilligt worden. Vorher waren die Löhne noch niedriger und in dem Be- trieb in der A ck e r st r a ß e werden heute noch die alten Löhne von 32 und 33 Pfennig pro Stunde be- zahlt. Die Arbeiter klagen Bitter über die Ungerechtigkeit, welche in dieser Differenzierung zuungunsten der Angestellten in dem Werk Ackcrslraße liegt. Es bestehen durchaus keine Unterschiede in den Anforderungen, die an die Leute gestellt werden. Die Arbeit ist schwer, die Leistung in jedem Werk dieselbe, und doch ist der Lohn verschieden. Die Gesellschaft richtet gegenwärtig neue Zentralen ein, z.B. in der T a u b e n st r a ß e, und die Arbeiter fürchten, daß dort etwa auch die niedrigsten Sätze als Anfangslöhne eingeführt werden. Der Direktor Zwarg in dem Betrieb Ackerstraße erkannte erst jüngst wieder die Vcrbesserungsbedürftigkeit der Lohnverhältuisse für die Hilfsarbeiter an, und es ist zu hoffen, daß die Gesellschaft wenigstens Gerechtigkeit walten läßt und den Anfangslohn von 37 Pf. allgemein einführt. ES ist schon sehr schwer einzusehen, wie ein Arbeiter mit diesem Lohn eine Familie unter den heutigen Lebensverhältnissen ernähren kann. Die Montage-Hilfsarbeiter in der Ackerstraße klagen auch darüber, daß sie entgegen der Fabrikordnung statt 9 Stunden 12 Stunden arbeiten müssen, und sie wünschten, daß der Direktor Zwarg auch diese», Uebelstaude seine Aufmerksamkeit widmet. Die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft hat im letzten Jahre einen Rein gewinn von rund 12,000,000 M. erzielt; sie erhöht die Dividenden ihrer Aktionäre regelmäßig— sollten da nicht einige Pfennige Zu- läge für die schwer geplagten Hilfsarbeiter übrig fein?— Achtung» Former und Gießereiarbeiter! Die Gießerei von Gebauer ist immer noch gesperrt. Die Kollegen werden dringend ersucht, dies zu beachten. Die Firma sucht auswärts(Landsberg, Chemnitz, Leipzig usw.) Arbeitswillige. Deshalb bitten wir arbeiterfreundliche Blätter um Nachdruck dieser Notiz. Deutscher Metallarbeiter-Verband. sOrtsverwaltung Berlin.) Die Rollkutscher kündigen ihren Tarif. Heute haben die Rollkutscher von Berlin, organisiert im Handels- und Transportarbeiterverband, den Unternehmern die Kündigung ihres Tarifvertrages zum 1. September d. I. zugesandt. Mit Einstimmigkeit wurde dieser Beschluß der Organisation in einer starkbesuchtcn Versammlung der Rollkutscher, Begleiter und Bodenarbeiter gefaßt, die am Sonntagabend im..Gcwcrk» schaftshauL" stattfand. Werner referierte über die gegenwärtige Lage und wies darauf hin, daß die Organisation in den letzten drei Jahren, während der Tarif besteht, an Festigkeit erfreulich ge- Wonnen habe und von den Unternehmern in Anbetracht dieser Stärke, die der Verband zeigte, im allgemeinen auch respektiert worden ist. Die im Spcditionsgewerbe tätigen Arbeiter haben da- mit zugleich den Beweis erbracht, daß sie Verträge nicht nur ab- zuschließen, sondern auch aufrechtzuerhalten verstehen. Der Redner erläuterte dann, wie wenig die im Jahre 1905 gewährte Lohnzulage durch die stetige Verteuerung des Lebensunterhaltes zur Geltung gekommen sei. Die Kutscher erhalten 25 und 28 M. Lohn pro Woche, können aber damit nicht mehr auskommen, schon deshalb nicht, weil sie den ganzen Tag über auf der Straße sind und ihre Mahlzeiten in Wirtshäusern einnehmen müssen. Ihre Arbeitszeit beträgt statt 11 Stunden, wie festgesetzt, oft 12, 13 und 14 Stunden pro Tag. Ebensowenig sind die Arbeiter mit ihrem Lohn von 24 und 26 M. bei 6714 Stunden Arbeit pro Woche zu- frieden.— Werner erinnert an den Streik bei der Paketfahrt-Ge- fellschaft, der geführt wurde auf Grund des Paragraphen im Tarifvertrag, der da lautet:„Sämtliche Abmachungen dieses Ver- träges gelten nur unter der Bedingung, daß sie bei allen im Ber- liner Spedttions- und Rollfuhrgewerbe beschäftigten Firmen, gleichviel ob sie dem Lokalverein Berliner Spediteure angehören oder nicht, gleichmäßig zur Durchführung gelangen." Der Streik sei verloren gegangen, aber die Gefellschaft habe dennoch den Tarif- lohn bezahlen müssen; das war ein Erfolg des Verbandes. Starke von der Paketfahrtgesellschaft und Bolle aus Moabit stehen an der Spitze einer Unternehmerorganisation, die sich in den letzten Jahren gebildet hat und den Zweck verfolgt, die Organisation der Arbeiter 'zu bekämpfen. Sie geben schwarze Liften heraus, in denen in erster Linie vor Arbeitern gewarnt wird, die fich der„Hetzerei" schuldig machen. Starke wie Volle nehmen ihren Arbeitern das Koalitionsrecht, indem sie eine Kaution von 101 M. als„Strafe" dafür cinbehaltcn, daß ein Angestellter eine Versammlung des Handels- und Transportarbeitcrvcrbandcs besucht. Die Arbeiter haben einen dahingehenden Vertrag zu unterzeichnen, und das Gericht betonte in einer diesbezüglichen Klage, daß es o a h i n- gestellt bleiben könne, ob diese Klausel gegen die guten Sitten verstoße. Auch die Eisenbahndirektion hat in einigen Orten gegen die Arbeiterorganisation Stellung genommen und von Unter- nchmern verlangt, daß sie diejenigen Angestellten entlassen, die dem Transportarbeikrverband angehören.— Demgegenüber ist zu be- tonen, daß die Organisation der Rollkutscher eine vorzügliche ist und eine nicht zu unterschätzende Macht bildet. 90 Proz. der Kutscher gehören dem Verbände an und zum größten Teil als langjährige Mitglieder. In der Diskussion sprachen sich sämtliche Redner für die so- fortige Kündigung des Tarifes aus, da eine Verbesserung der be- stehenden Verhältnisse dringend geboten sei. Werner besprach darauf den seitens einer schon ftüher ge- wählten Tarifkommission ausgearbeiteten Tarifentwurf. Daraus geht herbor, daß die Kutscher, Begleiter und Bodenarbeiter eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 5 M. pro Woche fordern. Auch wird eine Regelung des Lohnes für Stalleute und jugendliche Mitfahrer, für letztere auf folgender Grundlage, gefordert: Die jugendlichen Mitfahrer unter 18 Jahren erhalten bei einem Alter von 14 bis 15 Jahren 16 M., bei einem Alter von 16 bis 17 Jahren 18 M. pro Woche. Ueber 18 Jahre alte Mitfahrer er- halten einen Lohn von 24 M. pro Woche. Falls Mitfahrer Kutscherarbeit verrichten müssen, erhalten die Betreffenden hierfür den festgesetzten Kutscherlohn ausgezahlt. Eine Verkürzung der Arbeitszeit von 11 auf 10 Stunden pro Tag wird gefordert. Bezahlung der Ueberstunden mit einem Zu schlag von 25 Proz. Ferner Einschränkung der bisher üblichen Sonntagsarbeit, für Kutscher Lieferung von warmen Decken und Regenpclcrinen zum Schuh gegen Nässe und Kälte. In jedem Bc triebe sind, der Zahl der angestellten Kutsckier und Begleiter usw. entsprechend, heizbare Aufenthaltsräume, verschließbare Spinden zur Aufbewahrung der Kleidungsstücke, sowie Waschgelegenheit zu beschaffen. Neuregelung der Ansprüche nach Z 616 des Bürgerlichen Gesetze buches. Gewährung von Sommerurlaub für sämtliche Kutscher und Arbeiter unter Fortzahlung oes Lohnes.— Nachdem sich die Versammelten durch eine Abstimmung mit den von der Kommission vorgeschlagenen neuen Forderungen einverstanden erklärt hatten. fand die Wahl einer 12glicdrigen Lohnkommission statt. Oeutfches Reich. Der Ziegeleiarbeiterfireik in Eisenberg(S.-A.) dauert fort. Die Verhandlungen verliefen ergebnislos. Die Ziegeleibesttzer wollen sich solidarisch erklären und sämtliche Arbeiter aussperren. Masscnprotest der Bergleute gegen die BergwerkSterroristen. Im Ruhrrevier fanden am Sonntag in allen Revieren Massen Haft besuchte Bergarbeiterversammlungen statt, in denen gegen das Sperrsystem, das durch den Zechenschutzverband hervorgerufen ist, energisch protestiert wurde. Die Erregung ist ständig im Steigen begriffen, weil die Wirkungen der Maßregel immer fühlbarer werden. In allen Versammlungen wurde die Resolutton einstimmig an- genommen. Husland. Der Mafienaussperrungstag in Schweden und Dänemark. Der zenttale Arbeitgeberverband Schweden? hat die erst für den 4., dann für den 11. Juli angekündigte Ausdehnung der Aussperrung bei ihren Mitgliedern auf ganz Schweden nun auf den 20. Juli vertagt, nachdem die Verhandlungen im Baugewerbe für die meisten Streitpunkte zu einer Einigung geführt haben. Dasselbe Datum hat bekanntlich die schwedische Arbeitgebervereinigung zu der von ihr be schlossenen Aussperrung gewählt, die wegen des Hafenarbeiterkonflikts veranstaltet werden soll. Am Sonnabend hat nun der Hauptvorstand der Werkstättenvereinigung, die die Eisen« und Metallindustriellen umfaßt, ebenfalls beschlossen, am 20. Juli eine GeneralauSsperung zu veranstalten, falls bis zum 16. Juli die Sperren, die über einzelne Betriebe verhängt sind, nicht aufgehoben werden. Zu diesen drei schwedischen Unternehmerorganisattonen kommt die dänische Arbeitgeber Vereinigung, die am Sonnabend beschlossen hat, sämtliche Mtglieder des dänischen Tischlerverbandes, soweit sie bei Mitgliedern des Eisenindustriellenverbandes in Arbeit stehen, auSzu- sperren, und zwar am 20. Juli. Grund dieser Aussperrung ist, daß die Tischler in vier Maschinenfabriken zu Odense und AarhuS streiken, weil sie nicht für geringeren Lohn arbeiten wollen, als ihre Kollegen bei den selbständigen Tischlermeistern.— Die Lithographen von Kopenhagen haben Sm Sonn» abend die Arbeit eingestellt. Sie kämpfen um den Achtstundentag, der für die Chemigraphen schon besteht und im Buchdruckgewerbe 1910 eingeführt wird. Im Steindruckgewerbe haben die Prinzipale der Forderung hartnäckigen Widerstand entgegengesetzt, und lange Verhandlungen sind erfolglos geblieben. Was ist daran? Das offiziöse Wolffsche Bureau meldet aus M a l m ö, daß in der Nacht zum Montag gegen das Logisschiff„Almathea", auf dem gegen 80 englische Hafenarbeiter untergebracht sind, ein Anschlag verübt wurde. Von einem Unbekannten, der an das Schiff heranruderte, wurde in eine Luke eine Bombe gelegt, die kurz nach Abfahrt des Bootes explodierte. Von den englischen Ar- beitern ist einer getötet, sieben sind verwundet worden. Die Polizei hat eine Belohnung von 1000 Kronen für die Ergreifung des Täters ausgesetzt. Die Verwundeten befinden sich sämtlich außer Gefahr. Die Beschädigung des Schiffes ist unbedeutend.— Sollte es sich bei der ganzen Sache nicht um einen von den un- geschickten Arbeitswilligen verursachten Unfall handeln, der gegen die Streikenden ausgebeutet werden soll? Was für Ladung hatte das angebliche Logisschiff?_ Sämtliche Bedienstete der Pariser Lokalschiffahrtsgesellschaft sind in den Ausstand getreten. Die Verkündigung der Bauarbeiteranssperrung in P a r i S hat dort großes Aufsehen erregt. Die syndizierten Arbeiter werden versuchen, die nicht syndizierten, welche der Aussperrung nicht unterworfen sind, zu veranlassen, gemeinschaftliche Sache mit den Ausgesperrten zu machen. Die Polizei nimmt bereits Stellung gegen die Arbeiter. Die Hauptwerkstätten werden von Polizei- und Gendarmeriebeamten scharf bewacht. Die italienischen Eisenbahner haben am Sonntag in ver- schiedenen Städten Versammlungen abgehalten, worin sie neuer- dings die Uebernahme der Eisenbahn durch Eisenbahnangestellte befürworteten. In dem Referendum, welches über die Frage der Verlegung des Sitze? ihres Syndikats von Rom nach Mailand be- schloffen wurde, stimmten 25 000 für Mailand und nur 3000 für Rom. Dies ist ein Sieg der Syndikalisten gegenüber den formisten...._ Gericbts- Leitung. Gefängnis, die Mitangeklagte Katharina Rupp zu 100 Mark Geld« strafe, die Angeklagten Becker und Tiny zu je 50 Mark Geldstrafe, der Angeklagte Ohlingcr zu zwei Monaten und der Angeklagte Remmel zu einer Gesamtstrafe von einem Monat Geängnis. Bei der Agitation für die Reichtagswahl im Januar 1907, führt das Urteil aus, standen sich in Orscholz das Zentrum und die Stational- katholiken schroff gegenüber. Der Pfarrer Leine warb für den Gcheimrat Roeren, der Ortsvorstcher Sanerwald dagegen für den Kandidaten der Nationalkatholiken. Pfarrer und Ortsvorstehcr, die früher in gutem Einvernehmen standen, kamen dadurch in Konflikt. Einem Konfratcr, der bei Sauerwald nächtigen wollte, riet Pfarrer Leine davon ab, weil S. gegen die Kirche gearbeitet habe. Dem Pfarrer Leine wurde schließlich wegen seines Verhaltens in dieser Angelegenheit von der Regierung die Ortsschulaufsicht und der Religionsunterricht entzogen. Am Sonntag, den 6. Ok- tober 1907, setzte er während des Hochamts von der Kanzel herab seine Pfarreingescssenen von dieser Verfügung in Kenntnis und gebrauchte dabei Worte, welche die Gläubigen gegen den Ortsvor- sicher aufreizten. Die Folge davon war ein allgemeines Vorgehen gegen den Ortsvorsteher. Der Angeklagte Ohlinger spuckte öffcnt- lich vor ihm aus, wofür er von jenem einen Stockhieb erhielt. Das Verfahren gegen den Ortsvorsteher wegen dieses Schlages wurde eingestellt, weil er in Notwehr gehandelt hat. Sauerwald war nebenbei Präsident des Kriegervereins. Der Angeklagte Remmel als Mitglied wollte sich einen solchen Präsidenten nicht mehr ge- fallen lassen und agitierte für seine Absetzung, wobei er den Orts- Vorsteher Lump und Spitzbube schimpfte. Ncisius hat bezüglich der Lehrerin M., die auf Sauerwalds Seite stand, gerufen:„Werft sie doch mit Steinen totl" Als Fräulein M. sich schnell entfernte, rief er ihr Schimpfworte nach. Die Angeklagte Rupp hat zwei Schriftstücke verfaßt, in welchen sich die Jungfrauen und Frauen von Orscholz gegen den Ortsvorsteher aussprachen. Darin sprach sie von der tiefsten Entrüstung, welche durch die Verleumdungen des Ortsvorstehers gegen den Pastor hervorgerufen worden sei. Diese Schriftstücke wurden von den Angeklagten Becker und Diny im Dorfe umhergetragen und zu jedermanns Kenntnis gebracht. Gegen das, diesen Tatbestand erzählende Urteil hatten die An- geklagten Revision eingelegt. Die Angeklagte Rupp hatte sie jedoch vor der Verhandlung zurückgezogen. In der Sitzung des fünften Strafsenats des Reichsgerichtes am Sonnabend beantragte der Oberretchsanwalt in der Hauptsache die Verwerfung des Rechts» mittels. Das Reichsgericht hob aber daS Urteil auf, soweit es gegen die Angeklagten Rupp, Becker, Tiny und Remmel(bezüglich deS ersten Falls und die Gesamtstrafe) ergangen ist. Verworfen wurde die Revision des Angeklagten Neisius, der wegen Bedrohung ver» urteilt ist, und des Angeklagten Ohlinger. Das Urteil gegen die Rupp wußte wegen des Zusammenhangs aufgehoben werden. Die Aufhebung erfolgte, weil in der Anwendung des Wortes Verleum- dung eine Beleidigung formaler Natur erblickt worden ist. Wenn die Angeklagten dem Ortsvorsteher nachsagen wollten, daß er wider besseres Wissens unwahre Behauptungen verbreitet habe, so hätten sie sich des vom Gesetze selbst hierfür gebrauchten Wortes bedienen können. Zu prüfen wird aber noch sein, ob nicht aus den Eigen- schaftswörtern entsetzlich und schwer, welche dem Worte Verleum- dung vorgesetzt waren, die Absicht der Beleidigung herzuleiten ist. Dorfkrieg auS Anlaß der ReichStagSwahl. Wegen Beleidigung des Bürgermeisters von Orscholz und anderer Straftaten sind am 30. März vom Landgericht Trier ver- _______________ urteilt worden, der Schuhmacher Jakob Neisius zu drei Monaten.___ Verantw, Nedakt.: Gura�ovidlshZt Bttlio, LnfergtenteiI.vexgntw�TH.Gl»ikr,.Verlin, Druck u.LerlagKonMt Pg.ul Siiigx.r& Co,, Berlin S.W, Hierzu LBeilagen u.ttnterbaltuoasiil. Letzte Nacbncbten und Depcfcbcn- Hat Phili renommiert? München, 13. Juli.(Abgeordnetenkammer.) In der Debatte über die Frage der Elektrizitätsanlagen wurde von mehreren Rednern auch die angebliche Erklärung des Fürsten Eulenburg berührt. Ministerpräsident Freiherr v. Podewils erklärte, keine deutsche Regierung könne einem deutschen Ge- sandten an einem deutschen Hofe eine Instruktion geben, wie sie Fürst Eulenburg behauptet habe; wenn der Gesandte sie sich s e l b st gebe, handle er gegen feine Instruktion und mache sich eines Disziplinarvergehens schuldig. Streikrüstungen in Frankreich. Montpellier, 13. Juli.(B. H.) Die landwirtschaft» lichen Arbeiter des Bezirkes Beziers haben im Prinzip be- schlössen, den Ausstand zu proklamieren, da die Vorschläge der Landwirte unbefriedigend sind. Nur das Datum des Beginns des Ausstandes bleibt noch festzusetzen. St. Etienne, 13. Juli.(B. H.) Die Bergarbeiter des Loirebeckens haben in ihrer gestrigen Versammlung eine Tagesordnung angenommen, worin sie das Angebot der Grubenbesitzer als unzureichend erklären. Sie beauftragten ihre Delegierten, die Verhandlungen fortzusetzen, und be- schlössen, ein Referendum zu veranstalten über die Frage des Ausstandes, welcher proklamiert werden soll für den Fall, daß alle anderen Mittel, eine Versigndigung herbeizu- führen, scheitern sollten._ BrrgmannStod. Lille, 13. Juli.(©. H.) In dem Schacht Nr. 3 der Grube „Bruay" find gestem zwei Arbeiter verschüttet worden. Nach mehr- stündigem Arbeiten erst konnten die Leichen geborgen werden. SeemannStod. Santander, 13. Juli.(B. H.) Bei heftigem Sturm strandeten gestern an der kantabrischen Küste zwei Boote, wobei dreizehn See- leute ertranken. Mehrere andere Boote werden vermißt. Meuterei. Trieft, 13. Juli.(B. H.) Wie der„Piccolo" meldet, ist auf dem österreichischen Dampfer„Columbia", welcher sich auf der Fahrt von New Fork nach Trieft befindet, eine Meuterei aus- gebrochen, so daß der Kapitän gezwungen war, den Dampfer in Gibraltar landen zu lassen und fünf Meuterer dem dortigen österreichisch-ungarischen Generalkonsulat zu übergeben. Erdbeben. Eatania, 13. Juli.(B. H.) Heftige Erdstöße sind am Fuße des Aetna verspürt worden, der Vulkan selbst ist gleichfalls in Tätigkeit getreten. Unter der Bevölkerung herrscht große Panik. Gewitter in Frankreich. Paris, 13. Juli.(B. H.) Infolge schwerer Gewitter, die gestern abend und heute nacht niedergingen, sind die telegraphischen und telephonischen Verbindungen mit dem Auslande vielfach zerstört. Paris, 13. Juli.(B. H.) AuS Lorient wird berichtet: Schwere Gewitter, welche gestern im Departement Morbihan niedergingen, verursachten den Tod von 10 Personen, während 20 verletzt wurden. Der Blitz zündete an mehr als 20 Stellen. Der angerichtete Schaden ist sehr bedeutend. Nitroglyzerin. Dijon, 13. Juli.(B. H.) Drei Kinder spielten gestern mit einer Flasche, als plötzlich eine furchtbare Explosion erfolgte, wodurch zwei der Kinder auf der Stelle getötet wurden, während das dritte Kind schwer verletzt daniederliegt. Wie sich nachträglich herausgestellt hatte, befand sich in der Flasche Nitroglyzerin. Eine gerichtliche Untersuchung ist bereits eingeleitet worden, um festzustellen, auf welche Weise die KiAder in den Besitz der Flasche gelangt sind. Nr. 162. 25. Jahrgang. 1. frilnp i>ks.AmSrls" Kerlim MidsdlR Nilwlag� Z»li lW. Lulenburg vor den Getcljworencn. Nach zweitägiger Pause wurde die Verhandlung gestern(am 12. Vcrhandlungstage) wieder aufgenommen. Der Angeklagte machte einen außergewöhnlich h i n s ä l l i g e n Eindruck. Als Landgerichtsdirektor K a n z o w die Sitzung eröffnete, fehlte beim Aufruf der Zeugen niemand außer dem Grafen Kuno v. M o I t k e. Dagegen ist der Privatlehrer Hans Bieyer aus München zur Stelle; er erklärte seine Verwunderung darüber, daß er aus der Zeitung habe ersehen müssen, er sei angeblich un- auffindbar gewesen. Es meldete sich der Darlehnsvermittler Reibe danz, der in einer der Verteidigung am Frei« tag zugegangenen Karte gemeldet hatte, daß Riedel in einem hiesigen Cafs sich dahin geäußert habe: wenn der Fürst Eulenburg eine anständige Summe bezahlt hätte, würde er nicht gegen ihn ausgesagt haben. Riedel ist hierüber sehr aufgebracht und erklärte auf dem Wandelgange ziemlich erregt, daß dies eine ganz haltlose Unter- stellung und kein Wort davon wahr sei. Nene Unschuldsbctcucrung. Wie wir hören, hat der Angeklagte bei Beginn der Ver» Handlung erklärt: So lange ihm die Schmerzen nicht die Besinnung rauben, würde er mit seiner letzten Kraft seine Ehre und U n- schuld verteidigen. Medizinalrat Dr. Hosfmann bestätigt, daß das rechte Bein wieder stark geschwollen ist, daß der Angeklagte heftige Schmerzen erleiden muß und die Aerzte der Chanlö ihm dringend abgeraten haben, an Gerichtsstelle zu erscheinen.— Der Zeuge Handelsmann Hermann Borchardt war früher Tischler in Liebeuberg und bekundete, daß er einmal zufällig gesehen habe, daß Fürst Eulenburg vor seinem Leibjägcr im Hemd gestanden habe. Ein Diener Verthold habe ihm erzählt, daß er auf Reisen stets in dem> selben Zimmer wie der Fürst Enlenburg geschlafen habe. Der Am geklagte wies darauf hin, daß dies doch nicht auffallen könne, Senn et sei sehr leidend gewesen und habe für den Fall, daß er in der Nacht Anfälle bekomme, seinen Leibdiener stets hinter einer spanischen Wand in seinem Zimmer schlafen lassen. Der Leibjäger Barsch, der seit etwa 20 Jahren in Diensten des Angeklagten steht, bekundete, daß zwischen ihm und dem Fürsten nie etwas vorgefallen kei, daß er wegen des Leidens des Fürsten oft in deffen Zimmer habe schlafen müssen und daß der Fürst auch manchmal nur im Hemd vor ihm gestanden habe, weil er ihm wegen seineS gichtischen Leidens beim Ankleiden habe behilflich sein müssen. Der Zeuge B e r t h o l d war 1831 bis 1893 Diener bei dem Fürsten. Er soll ebenfalls erklärt haben, daß er sich nicht entfernt. etwas Verfängliches dabei gedacht habe, daß er auf Reisen in dem- selben Zimmer mit dem Fürsten habe schlafen müssen. Sehr eingehend wurde darauf Kriminalkommissar von Tresckow vernommen. Er ist vom Polizeipräsidenten von der Pflicht der Amtsverschwiegenheit entbunden. Er bearbeitet seit 1b Jahren das Ressort der in das Gebiet des Z 175 fallenden Ver- Sehen und der damit verbundenen Erpressungen. Er soll erklärt aben, daß er mancherlei über die sexuellen Neigungen des Fürsten Eulenburg gehört habe, aber eS sei ihm nicht zu Ohren gekommen, daß er sich gegen§ 175 vergangen habe. Die Gerüchte hätten sich zurzeit des Moltke-Hardenprozcsses verdichret, so daß er vom Polizeipräsidenten den Auftrag erhalten, nach Liebenberg zu fahren, um mit dem Fürsten unter vier Augen Rücksprache zu nehmen. Der Fürst habe ihm dort das'Ehrenwort gegeben, daß er sich nie gegen den§ 175 vergangen, noch sonstiger Homo- sexueller Handlungen schuldig gemacht habe. Der Zeuge soll weiter ausgesagt haben, er hqbe dem Fürsten vorgehalten, daß viel davon gesprochen werde, daß er in Wien als Botschafter in eine häßliche Erpresseraffäre verwickelt ge- wesen sei und er. obwohl im Botschaftshotel selbst eme Badeeinrichtimg war, doch eine Badeanstalt aufgesucht habe, in welcher Homosexiielle zu verkehren pflegten. Der Angeklagte soll darauf erflärt haben: der Arzt� habe ihm gewisse Bäder angeordnet, die er nur dort habe nehmen können. Der Zeuge hat dem Fürsten vorgehalten, daß er nach umlaufenden Gerüchten ja an einen Erpresser 50 000 Kronen bezahlt haben sollte. Der Fürst habe ihm darauf geantwortet: er besitze gar nicht die Mittel, um einem gemeinen Erpresser eine solch Hobe Summe zu geben. Der Zeuge hat nach seiner Bekundung dem Fürsten serner vorgehalten, daß es allgemeines Kopf schütteln erregt habe, daß er im Zentralhotel mit seinem Kammerdiener in einem Zimmer geschlafen habe. Der Fürst erklärte dies wie oben. Herr v. Tresckow hat dem Fürsten auch vorgehalten, daß nach Gerüchten er auch in einer Bade- anstalt in der Schönhauser Straße verkehrt und in Beziehungen zum Grafen Lonyay gestanden haben soll. Der Angeklagte soll hierauf erwidert haben, daß viele Gerüchte, die über ihn in Umlauf gewesen sein sollen, sich wahrscheinlich auf einen anderen Mann seines Namens beziehen dürften. Der Vorsitzende soll an den Angeklagten die Frage ge- richtet haben, ob ihm etwa bekannt sei, daß der Zeuge G e r i tz homosexuelle Neigungen habe. Es sei doch immerhin auffällig, welche Karriere dieser gemacht habe. Vom Unteroffizier und Kasino- Ordonnanz bis zum Rendanten und Amtsvorsteher sei doch ein weiter Weg.— Der Angeklagte soll erklärt haben: ihm sei von solchen Neigungen des Geritz nichts bekannt. Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel soll darauf lHerrn v.f Tresckow daran erinnert haben, daß dieser ihm selbst erzählt habe: in hiesigen homosexuellen Lireisen sei Herr Geritz als„der schöne Geritz" bekannt. Zeuge v. Tresckow konnte sich nicht einer derartigen Mitteilung erinnern. Er soll weiter bekundet haben, daß er vom Polizeipräsidenten seiner- zeit den Auftrag erhalten habe, über Geritz nähere Auskunst ein- zuholen. Es war dies zu einer Zeit, als Graf Euleuburg den Zeugen Geritz zum Posten des Amtsvorstehers und zu einer Ordens- dekoration vorgeschlagen habe. Mit dieser Erkundung sei der Kriminalschntzmann Tictze beauftragt gewesen und dieser soll den Spitznamen.Der schöne Geritz" in Erfahrnng gebracht haben.— Der Angeklagte erklärte hierzu, daß es üblich war, daß, wenn Seine Majestät nach Liebenberg gekommen war, bewährte Beamte zur Auszeichnung vorgeschlagen wurden. Geritz habe das allgemeine Ehrenzeichen erhalten und dies sei nichts Auffälliges. Der Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel soll, wie verlautet, weiter an den Zeugen v. Tresckow die Frage gerichtet haben, ob ihm viel- leicht bekannt sei, daß bei dem Friseur B., der, wie kürzlich zur Sprache kam, voin Angeklagten 5000 M. als Darlehn erhalten hatte, viele Homosexuelle verkehrt haben, u. a. auch Gras Hohenau? Da Herr v. T r e S ck o lo hierüber nichts weiß, soll er beaufttagt worden sein, nach dieser Richtung nähere Erkundigungen einzuziehen. Eine Frage des LandgerichtSdirektorS Kanzow ging dahin, ob eS vorkomme, daß die nächsten Angehörigen eines Homo- sexuellen von dessen Neigungen nichts wissen. Herr V. Tresckow soll diese Frage bejaht haben. Ernst und Riedel. Auf eine weitere Bemerkung wurde erwähnt, daß der Hof- schauspieler Arndt vor wenigen Tagen im Gerichtsgebäude erschienen sei und mehreren Vertretern der Presse Mitteilungen über den Zeugen Ernst gemacht habe. Danach soll Ernst im Gespräch Herrn Arndt gesagt haben: wenn der Fürst eine größere Summe geopfert hätte, würde er ihn nicht verraten haben. Ueber diese Aeußerung des HosschauspielerS Arndt wurde Dr. Georg Mode vom.Lokalanzeiger" als Zeuge vernommen. Er soll be- stätigt haben, daß Herr Arndt derartiges gesagt hat. Nach dem Eindruck befragt, den Riedel auf ihn gemacht, soll der Zeuge gesagt haben: Riedel sei schwatzhaft und übertreibe offenbar gern, in der Hauptsache mache er aber einen glaubwürdigen Eindruck. Ueber denselben Gegenstand wurde auch der Journalist F i sch e r vom.Berliner Tageblatt" vernommen. Da diese beiden Herren nun als vernommene Zeugen das Recht haben, im Saale zu verweilen, so wird hiermit das Prinzip der Verhandlung hinter vcrschlossrnrn Türen felbstverstävdlich durchbrochen sein und es wäre wohl angebracht, die Frage zu erwägen, ob der gesamten übrigen Berliner' Presse nicht auch die Möglichkeit gegeben werden sollte, anstatt nach dem Hörensagen nun in gleicher Weise nach den Person- lichen Wahrnehmungen im Saale zu berichten. ES wurde beschlossen, Herrn Hofschauspieler Arndt sofort herbei- zuholen und als Zeugen zu vernehmen.— Zeuge Kriminalschutzmann Tietze soll ausgesagt haben, daß kleines feiullefon. Eine Versammlung bei Lampionbeleuchtnng. AuS Paris schreibt man uns: Die Pariser Gewerkschaftler haben für ein ge- hässigcs Versammlungsvcrbot auf eine lustige Art Rache genommen. Am Mittwochabend wollten sie in der Arbcitsbörse über das Ver» halten der Arbeiterschaft bei einem neuen Arbcitcrmord beraten. Aber der Seine-Präfekt verweigerte die Uebcrlassung des großen Saales, mit dem Vorwand, daß die Arbeitsbörse nur für„korpo- rative" Zwecke da sei. Die Gewerkschaftler ließen sich weder ab- schrecken noch provozieren. Als am Abend die Polizisten das Ge- bäude umringten, deren großes Tor gesperrt worden war, fanden sie nichts zu tun. Keine Massenansanimlung— nur einzeln und in ganz kleinen Gruppen betreten Arbeiter durch einen Neben- eingang das Gebäude. Man kann ihnen den Eintritt nicht wehren. Sie haben auf den Bureaus ihrer Gewerkschaft zu tun und weisen sich durch ihre Mitgliedskarte aus. Die große Versammlungshalle, der mit einem Glasdach versehene Hof, auf den die Fenster der Gcwerkschaftsbureaus gehen, liegt im tiefsten Dunkel. Es ist S Uhr. Plötzlich ertönt eine Stimme:..Pataud! Sende uns Licht!" Pataud ist nämlich Sekretär der Elcktrizitätsarbcitcr. Und wie mit einem Zaubcrschlag fällt buntes Licht in den Raum. Es sind allerdings keine elektrischen Lampen, sondern bunte Lampions, die ihren Schein in die Finsternis werfen. Bald leuchten ihrer hundert in allen oberen Stockwerken. An einem Fenster des fünften aber wird Pataud sichtbar. Er schwingt eine Glocke und ruft:„Die Versammlung ist eröffnet, ich bitte um die Wahl eines Vorsitzenden." Mit Akklamation— aus verschiedenen Etagen— wird Bousquet von den Nahrungsgewcrbcn ge- wählt. Er dankt und fügt einen Satz hinzu, der in etwas mildernder Ucbcrsetzung lautet:„Wir können auf den Präfekten nicht besser pfeifen." Und die Versammlung geht ganz ordentlich vonstatten, wenngleich die Anmeldung der Redner bei dem im dritten Stock thronenden Vorsitzenden manchmal einige Schwierig- leiten macht. Ein Redner löst den andern ab und wenn sie be- greiflicherweise nicht alle„auf gleicher Höhe" sind, so sind sie doch in dem fröhlichen Bewußtsein eins, daß sie Herrn Clemcnceau und seine Leute am meisten haben„steigen" lassen.' Um 11 Uhr nehmen die 1500 bei den Fenstern, auf den Gesimsen und Gittern stehenden, sitzenden und hockenden Versammlungsteilnehmer ein- stimmig eine Resolution an, die für den Fall eines neuen Arbeiter- morde? einen 21- oder 18stündigcn Generalstreik ankündigt und treten stillvergnügt, an den umsonst herbemühten Organen der Tbc- lämmerten hohen Obrigkeit vorbei, den Heimweg an. Musik. Die Morwitz-Oper hat am Sonnabend ein neues Werk als wirkliche.Uraufführung" herausgebracht. Ein Werk, das jeden- falls in der geschichtlichen Entwickelung der dramatischen Musik mit- zählt! Schauspielbesikcher erinnern sich des in Berlin erfolgreich ausgeführten Schauspiels.Die Hoffnung auf Segen" von Hermann Heijerm ans. Ein Gegenwartsdrama aus einem Fischerdorf. Der Reeder Clemens BoS sendet seine morschen Schiffe m den sicheren Untergang, um die Versicherungssunune einstecken zu können. Die zwei Söhne der Witwe Kuiertje sowie junge Angehörige anderer Frauen und Greise sind zum Teil mit Gewalt aus das Schiff gebracht worden, das den Namen unseres Stückes führt. Längst ist es überfällig: die Frauen und Bräute harren umsonst der Wiederkehr ihrer Lieben. Endlich wird ein Holzstück des Schiffes ans Land geschwemmt. Aber die Dinge gehen weiter lvie bisher, und Bos läßt sogar die alte Kniertje wieder zum Scheuern kommen. Der Text des Stückes ist nicht nur in ungebundener Rede ge- halten, sondern ganz der Alltagssprache angepaßt. Walther E h r e n b e r g hat in seiner.revidierten deutschen Uebersetzung" nichts hinzugctan, was den alten Operngewohnheiten entgegen- kommt. So wird die Komposition zu einem einzigen großen Rezitativ und scheut sich nicht vor der Vertonung trivialster Sätze. Eine solche Prosa-Oper dürfte bisher nicht vorgekommen sein, während Prosalyrik wenigstens in früherer Zeit musikalisch nicht selten war. Auch R. Wagnex vertont nur Verse und gelangt höchstens ausnahmsweise zu naturalistischen Wendungen wie.Gutrune, Dir ist übet!" Ein derartiges Neues, vergleichbar dem, womit im 18. Jahr- hundert Lessing u. a. das Schauspiel bereichert haben, verdient alle Aufmerksamkeit, auch wenn der Komponist bei seinem.Musik- drama" sonst nicht viel einzusetzen hat und wenn auch beileibe nicht geglaubt werden darf, daß jetzt das einzig Nichtige gefunden sei. Charles Grelinger erfreut uns vor allein durch das, was seine Komposition nicht enthält. Sie vermeidet alles äußerliche Effektwesen auch in den gut verwendeten Klang- färben und dient in hingebender Weise der Dichtung. Düster ge- stimmt, unheilverkündend, oft quälend ausgeregt, strebt sie doch auch nach lyrischen und selbst heilere» Erhebungen, weicht sogar kleinen Ensembles nicht aus. Allein da verrät sich doch ein Mangel an großer Erfindung und manches wirkt deplaziert, einschließlich einiger bloß gesprochener Worte. Eine solche Operngattung ist allerdings für den Hörer nicht leicht. Nur wenn die Sauger aufs deutlichste aussprachen, das Orchester sich zurückhält oder tief genug gelegt ist und die Hörer den Gcsanittext vorher kennen, sich etwa auch den billigen.Musiksührer mit Notenbeispiclen"<30 Pf.) zulegen: nur dann werden sie ganz zurechl kommen. Und außerdem wird hier Opernsängern zugemutet, was ihnen meist am schwersten ist: durch- gearbeitete mimische Leistungen. Damit war eS bei der Ausführung nicht am besten bestellt. Gesungen wurde im allgemeinen besser. Wir können die zahlreich und anspruchsvoll beschäftigten Künstler nicht aufzählen. Die Träger der Hauptrollen empfehlen sich selbst; vielleicht ist der tüchtige Gesang von Margarete Leu sch in einer Nebenrolle hervorzuheben. Der Komponist dirigierte selber und hob daS Orchester auf eine bemerkenswerte Höhe. Ueberhaupt war die gesamte Leistung, unter Regie von Robert Leffler. sozusagen eine Ehrengabe der ganz auf sich selbst ge- stellten Operntruppe an die Kunst und au uns, wert einer noch größeren Anerkennung, als sie das erste Mal fand. ez. Humor und Satire. Eine Stimme ans Norderney. Deutschlands Zukunft auf dem Wasser! Stöglich I Doch was geht's mich an! Seine Neider, feine Hasser Gerüchte umgingen, nach denen vor zehn bis zwölf Jahren der damalige Graf Eulenburg mehrfach Badegast in der Podegcschen Badeanstalt in der Schönhauserstraße gewesen sei. Dort sollen Homosexuelle verlehrt haben. Der Besitzer dieser Badeanstalt ist gestorben. Zeuge Tietze hat mm das Haus des Bruders dieses Podege, des Masseurs P. wochenlang observiert, da Gerüchte umgingen, daß der An- geklagte auch dort verkehre. Die Beobachtungen haben aber ein negatives Resultat gehabt. Auf Befragen soll Zeuge Tietze bestätigt haben, daß bei seinen Erkundigungen nach Geritz bei Gelegenheit der Ernennung zum Amtsvorsteher usw. ihm mitgeteilt worden sei: dieser sei in homosexuellen Kreisen nicht unbekannt. Vernommen wurde sodann der Zeuge Heinrich Lange, der früher 8 Jahre Diener bei dem Grafen Moltke war und jetzt Kasseudiener bei der Diskontogcsellschaft. Er soll zu dem Rechercheur Ahrens, der im Auftrage des Herrn H a r d e n in dieser Sache Recherchen angestellt hat, früher einmal gesagt haben, der Gras Kuno v. Moltke habe über den Fürsten Enlenburg eine ab- fällige Bemerkung gemacht dahin: in Liebenberg sei die Sache nicht geheuer.— Zeuge Lange bestreitet dies, der Vernommeue Zeuge Ahrens behauptete eS aber.— Auf Be- fragen des Verteidigers erklärte der Zeuge Lange noch, daß in den Briefen des Angeklagten an den Fürsten Eulenburg Verfängliches nicht enthalten fein könne, denn die Briefe hätten ganz offen dagelegen und hätten auch von ihm gelesen werden können.— Der nun an Gerichtsstelle erschienene Hofschauspieler Wilhelm Arndt vom hiesigen könig- lichen Schauspielhause soll zunächst vom Vorsitzenden befragt worden sein, welches Interesse ihn denn in daS Kriminalgerichts« gebäude geführt habe. Der Zeuge soll sich dahin geäußert haben: In erster Linie habe ihn das rem menschliche Interesse und das Mitgefühl für den Fürsten hergeführt, der an seinem Lebens« abend durch einen unerforschlichen Ratschluß Gottes in diese furcht- bare Situation hineingekommen sei. Dann sei ihm der Ton auf den Tod zuwider gewesen, den ein Teil der Presse angeschlagen babe und er wollte sehen, was die Presse zu diesem beispiellosen Haß gegen den Fürsten geführt habe. Bei seinem Aufenthalt vor dem Gcrichtssaal habe er den Ernst beobachtet und sei schließ- lich mit ihm ins Gespräch gekommen. Dieser wäre ihm. da er sich der oberbayrischen Mundart bedient habe, mit größerem Vertrauen entgegengekommen und habe ihm unter anderem auf Riedel deutend gesagt: Der hat mich'neingebracht. Bei der Feststellung dos Wortlauts der Ernst'schen Aeußerung— bei welcher die Summe von 100,000 M. eine Rolle spielt— soll Zeuge Arndt die Möglichkeit zugegeben haben, daß Ernst auch gesagt haben könne:, W e n n mich Riedel nicht hineingebracht hätte. hätte ich denFürsten nicht für 100,000 M. verraten."— Auf eine Frage des Vorsitzenden, die er dem Zeugen mit dem Ausdruck des Bedauerns vorlegt, lehnte dieser jeden Gedanken, daß er selbst etwa homosexuell sein könnte, mit größter Entschiedenheit ab. Zeugs Arndt berief sich übrigens auch noch auf einen jungen Juristen, der die Aeußerung des Ernst mitangehört und der Ansicht gewesen sei, daß die Aeußerung in erpresserischem Sinne zu deuten sei.— Justizrat Bernstein soll sich hierbei erhoben und seine Ansicht dahin ausgedrückt haben, daß Ernst schwerlich durch den bayerischen Dialekt des Herrn Arndt besonders vertraulich angeregt sein dürfte, denn, wie er an den hier im Dialekt gesprochenen Aeußerungen des Zeugen gehört habe, spreche dieser doch nur den Bühnendialekt.— Der bei dieser Zeugenaussage in den Saal gerufene Dr. Magnus H i r s ch f e l d gab auf Befragen eine ganz kurze Antwort. Er wurde vereidigt, soll aber im übrigen erst Dienstag vernommen werden. Kriminalkommissar Dr. Kopp bearbeitet seit fünf Jahren in Gemeinschaft mit dem Kriminal« kommissar v. Tresckow das hier fragliche Dezernat. Er bekundete als Zeuge, daß ihm Tatsachen über eine homosexuelle Betättgung des Angeklagten nicht bekannt geworden seien. Bekannt sei ihm aber, daß der Angeklagte in dem Rufe eines Homo« sexuellen gestanden habe.— Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel ftagte auch den Kriminalkommissar Dr. Kopp, ob ihm bekannt sei, daß in dem schon genannten Friseurgeschäft in der Behrcnstraße homosexuelle Personen, wie Graf Hohenau, Graf Lynar, Graf Edgar v. Wedel verkehrten. Der Zeuge soll bestätigt haben, daß neben Leuten. Hat ein jeder brave Mann. Soll ich wie ein Hündlein bellen Weil der and're mich genarrt? Nein! Vergnügt auf blauen Wellen Schwimme Deutschlands Gegenwart! . Ja, im feuchten Elemente Trällr' ich mein Soso-Lala, Pfeif' ich auf die Parlamente Wie der große Perserschah. Kreuzfidel in Tang und Algen Ruf' ich:.Springt mir über'n Stock I' Wozu brauch' ich einen Galgen? Liegen doch die Kerls im Block I Wie sie winseln! Wie sie kuschen! Wunder wirkt daS rote Tuch. Politik, das heißt Vertuschen; Biichmann ist ein gutes Buch. Wollen kundige Thcbancr Mit uns spielen Katz' und Maus, Wozu sind wir Afrikaner? Spielen wir den Vogel Strauß l (Edgar Steiger im»SimPlicissimuS'� Notizen. — Leo Berg, einer der wenigen Berliner Literaturkritiker, der sich die Unabhängigkeit und Rücksichtslosigkeit der Sturm- und Drangjahre bewahrt halte, ist 46 Jahre alt m Charlottenburg an einem Herzschlage gestorben. Berg schürfte tiefer wie die schäum- bereitenden Salber und weihräuchernden Literaturpropheten, und wenn er im Aufdecken von Zusammenhängen irre ging, so war doch sein Streben rein und ehrlich. Mit der literarischen Revolution, die Ende der achtziger Jahre unter dem Banner des Naturalismus einsetzte, ist Bergs Name maimigfach ver« knüpft. Als Wegbereiter Ibsens und Vorkämpfer des Jndivi- dualiSmus, als Analytiker des Naturalismus und besonders des naturalistischen Romans, als Psycholog deS.Uebermenschen in der Literatur" hat er manche beachtenswerte Schrift, manchen scharf zugreifenden Essay beigesteuert. In die Hinter- gründe der Literaturmach erei hat er hineingeleuchtet. Heine, Nietzsche und Ibsen galt seine letzte eben erst erschienene Essaysammlung, in ihnen sah er die drei wichtigsten Vertreter des Individualismus. Man kann mit ebenso viel und mehr Siecht alle drei als Sozialkritiker ansprechen und da konimt man auf den Grund- mangel Bergscher Kritik: sie übersah geflissentlich die wirtschaftliche und soziale Bedingtheit von Kunst und Literatur. — Die Drachen st ation am Bodensee, die mit Subvention des Reiches und süddeutscher Staaten der Wissenschaft- lichen und praktischen Wetterkunde dienen soll, wurde am Sonn- abend eröffnet. — Die große Zeppelin- Fahrt von 24 Stunden Dauer, die als Prüfung vor der Uclxeruahme seines Ballons in Reichscigentum stattzufinden hat, soll am Dienstag, den 14. Juli, vor sich gehen. Sie wird vom Bodensce den Oberr'hein entlang bis Basel und dann über Straßburg und Mannheim nach Mainz geheim die Liückiahrt wird eine andere Nonte einschlagen. die ÜBet jeden verdacht erhaben find, auch homosexuelle Personen bor- nehmen Standes, verkehren, die der Polizei bekannt seien. Auf eine Frage vom Verteidigertische, woher denn die Gerüchte über den Fürsten Eulenburg herrührten, erklärte der Zeuge, eine bestimmte Antwort nicht geben zu können. Jedenfalls hätten solche Gerüchte be- standen. Ein Leumundszeuge, Baron von Wendel st edt-Neubeuren soll, dem Vernehmen nach, eine sehr leichte Abnormität bei sich konstatieren können, die er aber stets zurückzudrängen wisse. Mit aller Eni- schiedenheit lehnte er Verfehltingen im Sinne des 8 17ö ab. Richtig sei es, das; er mit einem ehemaligen Diener des Grafen Eulenburg, Namens Steinhauer, eine Reise um die Welt gemacht habe. Er kenne den Angeklagten seit 1682, sei mit ihm seit vielen Jahren befreundet und duze sich mit ihm. Auf eine Frage des Vorsitzenden soll der Zeuge erklärt haben: er habe nie eine Wahrnehmung gemacht, daß Fürst Eulenburg homosexuell ver- anlagt sei. Er Wiste, daß letzterer mit Lonyay und Lecomte befreundet gewesen, von irgend einem intimen Verkehr mit diesen sei ihm aber nichts bekannt. Es sei ihm nicht aufgefallen, daß der An- geklagte geWiste Personen sehr schnell zu befördern verstand. Auf eine weitere Frage soll er erklärt haben, daß er bestimmte Ge- rüchte über den Angeklagten nicht gehört habe, höchstens habe man manchmal mit der Achsel gezuckt.— Es wurde sodann der Privatlehrer Hans Melier aus München als Zeuge vernommen. Der Grund zur Vernehmung dieses Zeugen liegt in folgendem: ES wurde behauptet, daß der Fürst � nur immer wohltätig gegen solche Leute war, zu denen er in näheren Beziehungen gestanden. Nun hat die Verteidigung diesen Zeugen geladen, um zu beweisen, daß der Fürst auch anderen Personen Wohltaten erwiesen habe. Der Zeuge war von 1897—1901 als Hauslehrer im Hause des Fürsten und ist mit einer Pension von monatlich 199 M. verabschiedet worden. Außer- dem hat er vom Angeklagten und dessen Sohn Siegwart noch mehrere Darlehen bekommen, als er sich in schlechten Vermögensverhältnisten befand. Er soll ausgesagt haben, daß er nie von homosexuellen Neigungen des Fürsten gehört habe. Der Klatsch über Riedel. Ms letzter Zeuge wurde gestern noch der Kaufmann Georg Reibedanz vernommen. Er erklärte, er habe von einer zweifel- haften Dame gehört, daß Riedel zu ihr geäußert habe: Wenn ich mehr Geld vom Fürsten bekommen hätte, hätte ich anders aus- fiesagt.— Die betreffende junge Dame soll geladen werden. Riedel ollte hierüber vernommen werden, war aber beim Auftuf nicht anwesend. Morgen sollen 14, übermorgen 7 Zeugen vernommen werden, so daß Aussicht vorhanden sein soll, daß der Prozeß noch in dieser Woche zu Ende gehen kann. Nachträglich erfährt man noch aus der Vernehmung des Kriminalkommissars v. Tresckow: Der verstorbene Polizei- direktor v. Mccrschcidt- Hüllessem habe drei Pakete mit Brief- schaften hinterlassen, von denen eins dem Kaiser ausgeantwortet werden sollte, das zweite dem Polizeipräsidenten v. W i n d h e i m und das dritte dem Zeugen v. TreSckow selbst. Auf einer Karte, die sich unter diesen Brreffchaften befand, habe ge- standen: Fürst Eulenbnrg ist in Wien bekannt als Homo- sexueller, er verkehrt hier m Berlin bei Podege m der Schönhauser Straße, steht auch in Beziehungen zu Lonyay. lö.Kkrblllldotag desZeutraloerbandes deiitscherArlUlktti- arbeittt und vemandtkr Kernfsgenosseu. München, 11. Juli. Die Debatte über die Anträge auf Aenderung der Statuten tvurde am letzten Vcrhandlungstage fortgesetzt. Beschlossen wurde, den 8 43a zu streichen und an dessen Stelle folgenden Z 43 zu setzen:„Drohen in einem Bezirk größere Differenzen, so kann nach Einverständnis mit dem Verbandsvorstand eine Bezirkskonferenz einberufen werden.— Konferenzen mit den Bezirksleitern hält der Verbandsvorstand nach Bedarf ab."— Ein Antrag Hannover, die Diäten auf 6 und 4 M. herabzusetzen, wurde von dem Antrag. stcller zurückgezogen mit der Erklärung, daß er sich nun in München überzeugt habe, daß damit nicht auszukommen sei.(Große Heiter- keit.)— Ein Antrag von Frankfurt, Stuttgart, Nürnberg. Fürth, Hamm, Weimar, Frankenthal, Witten, Hannover: den Verbands» tagalledreiJahre abzuhalten, wurde abgelehnt. Ein Antrag des Hauptvorstandes, daß auf 800 Mitglieder' ein Delegierter treffen soll, wurde ebenfalls abgelehnt, ein Antrag Hamburg. auf 599 Mitglieder einen Delegierten, bis zu 1599 Mitglieder zwei und auf jedes weitere 1999 Mitglieder einen Delegierten zu entsenden, wurde angenommen. Ein Antrag, den Titel deS Verbandsorgans abzuändern in: Organ des Zentralvcrbandes der Brauerei, und Brennerei arbeiter und verwandter Berufs» genossen, wurde abgelehnt. Einzelne Delegierte bringen dabei Klagen, wie sie fast auf jeder Generalversammlung laut werden, vor über die Kürzung von Berichten usw. Alle weiteren Anträge auf Vergrößerung des Verbandsorgans wurden nach einigen Auf. klärungen des Redakteurs Krieg abgelehnt. Der nächste Verbandstag findet in Berlin statt. Hierauf erstattete W i t t i ch- Frankfurt den Bericht der Satzungskommission. Die Kommission habe die vorliegenden An- träge genau geprüft und empfehle aus praktischen Gründen, von der Einführung von drei Staffeln in der Beitragszahlung abzu- sehen. Die Kommission habe sich auf zwei Staffeln geeinigt. Der § 5 lautet nach den Vorschlägen der Kommission wie folgt: Der Beitrag beträgt für männliche Mitglieder bei einem Wochenlohn unter 18 M.(ausschließlich des Haustrunks) und für weibliche Mitglieder 39 Pf. pro Woche, für Mtglieder mit 18 M. und darüber 59 Pf. pro Woche. Kost und Logis bei dem Arbeitgeber wird mit 12 M. pro Woche berechnet. Mitgliedern der unteren Beitragsstufe ist es gestattet, in der höheren Beitragsklasse zu zahlen. Entsprechend diesen Sätzen wurden auch die Leistungen des Verbandes erhöht. Zu Z 17 ist hinter Mitglieder einzufügen: Wöchnerinnen gelten als kranke Mitglieder, dieselben treten vom Tag der Niederkunft in die Nutznießung der Krankenunterstützung(ohne Karenzzeit) ein. Die Streikunterstützung soll, soweit es die jeweiligen Kassen» Verhältnisse gestatten, in der Regel betragen: Vom Tage nach der Arbeitsniederlegung an wird pro Tag inklusive Sonntag gezahlt: a) für Mitglieder der höheren Beitragsklasse 2 M., für die Frau 39 Pf. und für jedes Kind bis zu 14 Jahren 15 Pf. bis zu 5 Kindern: b) für weibliche und die in der niedrigeren Beitragsklasse zahlenden männlichen Mitglieder 1,29 M. und für jedes Kind 19 Pf. bis zu 5 Kindern. Ueber den zuletzt bezogenen baren Arbeitslohn hinaus darf Streikunterstützung nicht bezahlt werden. Den unorganisierten Berufsarbeitern kann bei Beteiligung an dem vom Verbandsvor- stand genehmigten Streik Unterstützung bezahlt werden. Die Höhe derselben bestimmt der Verbandsvorstand. 8 59, Abs. 1, soll heißen„4 Prozent" statt 5 Prozent. Abs. 2 wird wie folgt abgeändert:„An denjenigen Orten, wo sich die Not. wendigkeit ergibt, können auf Antrag der betreffenden Zahlstellen Lokalbeamte angestellt werden. Die Beamten werden vom Haupt. borstand im Einverständnis mit den Zahlstellenverwaltungen an» gestellt und aus der Hauptkasse besoldet. Abs. b ist zu streichen und dafür zu setzen:„Erhebungen von Lokalbeiträgen irgend welcher Art bedürfen der Genehmigung des Hauptvorstandes. Die Zahlstellen find verpflichtet, bei jeder Quartalsabrechnung Einnahmen und Ausgaben sowie Kassen- Hestand der Lokalkasse anzugeben. Schließlich schlägt die Kommission folgende Resolution vor: Der Berbgndsvoxjtgnd ist verpflichtet« die in dm Zahlstellen abgeschlossettkn Verträge mit den Lokalbeamten zu übernehmen und analog den Verträgen mit den Bezirksbeamten abzuändern. Lokalzuschüsse, welche in den einzelnen Städten notwendig erscheinen, werden im Einverständnis mit den Zahlstellenver- waltungen geregelt. Ein Antrag, eine dritte Staffel einzuführen, wurde mit großer Mehrheit abgelehnt und schließlich die Vorschläge der Kommission e i n st i m m i g angenommen.— Das neue Statut tritt am 1. Oktober in Kraft. In den Hauptvorstand wurden einstimmig gewählt: Etzel als Vorsitzender, als dessen Stellvertreter P a ck e r t, als Kassierer Kager!, als dessen Stellvertreter W i e d o r f und als Redakteur Krieg. Als Sitz des Ausschusses wurde Frankfurt bestimmt und als dessen Vorsitzender Kollege Wittich gewählt. 39 Delegierte stellen folgenden Antrag: Der Verband führt den Namen: Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter und ver- wandter Bcrufsgenossen und hat seinen Sitz in Berlin. Wittich hebt in seiner Begründung hervor, daß der Antrag nicht gestellt wurde aus Animosität gegen die Hannoveraner Kollegen, sondern aus Zweckmäßigkeitsgründen. Die General» kommission sowie der größte Teil der Gewerkschaften haben ihren Sitz in Berlin und die ganzen Fäden der Arbeiterbewegung laufen hier zusammen. Die Kollegen T r ö g e r und Richter- Berlin bitten diesen Antrag als verfrüht abzulehnen. Der Antrag wurde jedoch mit großer Majorität angenommen. Schließlich wurde, nachdem der Entwurf eine? Gegenseitig- keitSvertragcs mit den Organisationen der Bäcker, Müller und Fleischer mit Stimmengleichheit schon einmal ab. gelehnt war, ein neuer diesbezüglicher Antrag eingebracht. Dieser Antrag sowohl wie der Gegcnseitigkeitsvertrag wurde, nachdem einige der auf die Verschmelzung bezugnehmenden Bestimmungen gestrichen und durch neue ergänzt wurden, einstimmig an» genommen. Damit ist die Tagesordnung des 18. Verbandstages erschöpft, worauf die Tagung mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Arbeiterbewegung geschlossen wurde. Eue Induftm und Handel. Krise und Diebstahl. Die alte Erscheinung, daß mit Verschlechterung der Erwerbs- verhältniste Vergehen gegen Eigenwm zunehmen, zeigt sich auch jetzt wieder. So wurde in einer der letzten Sitzungen des Zentral- Ausschusses Berliner kaufmännischer, gewerblicher und industrieller Vereine lebhaft Klage geführt, über eine„erschreckende" Zunahme der Kollidiebstähle als Folge der verschlechterten Erwerbsverhältnisse. Noch niemals sei diese Art der Diebstähle so umfangreich gewesen, wie zurzeit. Die Ansprüche, die an Diebstahlsversicherungen wegen Schadenersatz gestellt werden, haben die Gesellschaften schon ver- anlaßt, die Versicherungsprämien um 59 Proz. zu erhöhen. An der Besprechung dieser Angelegenheit nahm«in Vertreter der Kriminal- Polizei teil. Man kam zu dem Ergebnis, daß die Diebstähle teil- weise von gewerbsmäßigen Dieben, zum Teil aber von Gelegenheits- dieben ausgeführt werden. Unter diesen sollen Kutscher und Arbeiter der respektiven Geschäfte überwiegen. Es wurde u. a. vorgeschlagen, die Polizei zu ersuchen, eine größere Zahl sogenannter Spitzel mit der Ermittelung von Kollidieben zu betrauen. Damit ist natürlich gegen die eigentliche Ursache der zunehmenden Diebstähle nichts getan._ Die Arbeitslosigkeit im Solinger Jndusiriebezirk mit seiner auS- gedehnten Heimarbeit hat durch die Krise diesmal eine Schärfe an- genommen, wie man es vorher nie für möglich gehalten hat. Die Schäden, die die Heimarbeit im Falle einer Krise für den Arbeiter im Gefolge haben, werden jetzt erst recht offenbar. Für Werk- stätte und Arbeitsgeräte muß der Arbeiter die Unkosten tragen. Was das für die Solinger Arbeiter bedeutet, vermag man zu ermessen, wem, man bedenkt, daß den Schleifern usw., die im eigenen Heim elektrischen Betrieb haben, diese Produktionsmittel mehrere tausend Mark kosten. Die Schleifer. Reider, AuSmacher und anderen Berufsgruppen, die bisher mit Stolz auf ihre„Selbständigkeit" pochten, sind jetzt zum größten Teil im Verdienst beschränkt. Zu Hunderten gehen die Arbeitslosen in den Straßen umher. Tausende arbeiten bei ver- kürzter Arbeitszeit. Die Gemeinden des Kreises haben Notstands- arbeiten begonnen I Wegebanten und PlanierungSarbeiten. Die Ge- meinde Höhscheid hat jetzt 19 999 Mark für solche Zwecke bewilligt. Dabei zähl, daS Städtchen nur zirka 16 599 Einwohner, von denen ein großer Teil noch in landwirtschaftlichen Betrieben tätig ist. Arbeiter und Löhne in der Ziegelei. Nach dem Kataster der Ziegelei-Berussgenossenschaft betrug im Jahre 1997 die Zahl der versicherungspflichtigen Ziegeleibetriebe 11692 mit 293 972 Ar- heitern. Gegenüber dem Jahre 1996 hat die Zahl der Betriebe um 131 abgenommen, während die Zahl der Arbeiter um 4241(je- wachsen ist. Die nachgewiesenen Lohnsummen stellten sich im Jahre 1997 auf insgesamt 198,72 Millionen Mark, während sie im Jahre 1996 199,53 Millionen Mark betragen hatten. Der einzelne versicherte Arbeiter verdiente im Jahre 1998 während seiner Be- schäftigung in der Ziegelei 663,45 Mark, im Jahre 1997 678,97 Mark. Der Verdienst stieg demnach um 14,62 Mark oder um 2,2 Proz. Auf einen Arbeiter entfiel in der Rheinprovinz eine Lohnsumme von 815,52 Mark, in der Provinz Brandenburg dagegen nur eine solche von 645,43 Mark. Marokkanische Einfuhr. Einem vor kurzem erschienenen Konsulats» bcricht auS Laroche und Marrakesch entnehmen wir, daß der Handel unter den politischen Verhältnissen sehr stark zu leiden hat. Die europäischen Exporthäuser machen infolge der unsicheren Verhältnisse nur Kassageschäfte und entziehen den Kunden den Kredit, und diese können. da sie selbst nicht über genügende Barmittel verfügen, sondern immer mir von Kredit leben, keine Aufträge erteilen. Ebenso war es im vorigen Jahre, wo die Lager von Importgütern zu- sammenschmolzen und für manche Artikel zeitweilig Preise erzielt wurden, die um 59—199 Proz. über dem gewöhnlichen Wert standen. Marrakesch wicS 1997 folgende Einfuhrziffern auf: England...... 4 218 125 Frank Frankreich..... 1 419 799„ Belgien...... 439 685, Deutschland..... 266 369, Spanien...... 59 900„ Oesterreich-Ungarn.. 44 000, Italien...... 81500, Die Mittelmecrstaaten stehen also gegen England sehr zurück, wenn auch Frankreich natürlich mehr Geschäfte macht als Belgien und Deutschland. Daß es aber nicht unbedingt so sein muß, geht aus dieser Uebersicht deutlich genug hervor. Belgiens Stärke liegt eben in seiner Industrie und nicht in seiner Flotte oder Armee. Einträgliche Posten in Rabattsparvereinen. Der Rabattspar. verein in Bremen befindet sich gegenwärtig im Kampfe mit der „Neuen Gesellschaft der Bücherfreunde". In diesem Kampfe dreht es sich um die Frage, ob das Vorgehen der Gesellschaft der Bücher- freunde durch Ausgabe von Rabattmarken bei den Mitgliedern des Rabattsparvereins geduldet werden kann. Der Rabattsparverein hat nun seine Mitglieder aufgefordert, keine Marken der Gesell. schaft für Bücherfreunde zu verteilen. Darüber sehr erbost, ver- offentlicht nun die„Gesellschaft der Bücherfreunde" in den „Bremer Nachr." ein Inserat, worin festgestellt wird, daß die Tantieme des Vorstandes des Rabattsparvereins 19 Proz. vom fest. gestellten Ucberschuß beträgt. Der Aufsichtsrat erhält für seine aufopfernde Tätigkeit die nette Summe von 4259 M. jährlich. Für uns ist bei diesem Streite von Interesse, daß der Vorstand des Bobattspgrvereios 10 Proz. des festgestellten Ueberfchusses und der AuffichtSrat 4269 M. jährlich erhält. Diese FeWellung kann als eine weitere Illustration dafür angesehen werden, wie teuer die markensammelnden Kunden ihren Köhlerglauben, daß ihnen die„gemeinnützigen" Rabattsparvereine Vorteile bieten, bezahlen müssen. Außerdem bildet sie ein nettes Gegenstück zu der von den Rabattsparvereinen mit Wohlbehagen kolportierten Phrase, daß die Konsumvereine juir„Futterkrippen für sozialdemokratische Agitatoren" seien, Em der Frauenbewegung. Für die Jugenbabteilung deS Frauen- und Mädchenbildungs» Vereins hatte dessen Leitung am Sonntag im„Gewerkschaftshaus" einen Kunstabend arrangiert, der dem großen, feinen Lyriker Heinrich Heine gewidmet war. Genosse Max Grun. wald übernahm es, das Leben und Wirken dieses deutschesten Dichters, wie er ihn nannte, im Zusammenhang mit den politischen und sozialen Verhältnissen jener Zeitperiode seinem Auditorium zu veranschaulichen. Einleitend bemerkte der Vortragende: Das Lebensbild fast aller großen, genialen Männer weise eine Ge- schlossenheit im Denken, Fühlen und Wollen auf. Ihr Leben gebe dem Beobachter keinerlei Rätsel auf, alles sei klar, bestimmt, un- verrückbar vorgezeichnet, alles Sprunghafte, Widerspruchsvolle fehle in ihrem Entwickelungsgang. Im Gegensatz zu solchen Männern stehe Heine. Das bedingten seine ganze Charakter- anlage, zum großen Teil aber auch die geschichtlichen Vorgänge seiner Lebenszeit. Meist werde er ganz falsch beurteilt. Zweifel- los sei er der deutscheste Dichter im Fühlen und Denken. Von Haß und Gunst umwogt und hin- und hergeworfen, sei eS schwer, Heines Persönlichkeit gerecht zu werden. Sein Lebensbild fei schwankend, sein Streben und Handeln sprunghaft und wider. spruchsvoll. Das sei aber weniger seine Schuld, als die der Zeit, in der er lebte. Das 13. Jahrhundert zeigt Zerrissenheit auf allen Gebieten, sowohl in der Dichtkunst als auch in der Politik und im Staatsrecht. Absolutismus und aufftrebendes Bürgertum kämpften einen erbitterten Kampf. Ueberall waren Gegensätze, überall bunter Wirrwarr; ein greifbares Abbild der damaligen ökonomischen Zustände. Die Interessen des Ostens und Westens prallten zu- sammen, die Ansätze des westlichen Kapitalismus und östlichen Feudalismus. Mitten in diese Kämpfe fällt HeineS Geburt. Düsseldorf zeigte damals die ersten Spuren einer aufkommenden Industrie. Aus England kamen die Begriffe eines geregelten Par- lamentarismus, aus Frankreich der Wirbelfturm der revolutionären Ideen. Die Rheinländer begrüßten Napoleon als den Vollstrecker der Revolution, er brachte bürgerliche Freiheit. Wenn auch die Regierungen seine Macht als Tyrann verspürten, den unteren Schichten, besonders den Juden, galt er als Befreier. Daraus erkläre sich auch die Begeisterung HeineS für den Korsen. Redner schildert dann eingehend den Entwickelungsgang des Dichters, sein zerrissenes, oft von Widerwillen und Ekel geschütteltes Wesen. Sein Handeln verstoße oft gegen die allgemeinen Moralbegriffe, aber er tut es unbewußt, er weiß nicht was gut oder böse im bürgerlichen Sinne ist, er kann seine Sitten nicht in ein System bringen, er lebte eben, wie er aus seinem Drange heraus leben mußte, wie es ihm sein Innerstes gebietet. Dabei immer die Un. zuftiedenheit mit sich selbst. Auch in der Zeit von 1823 bis 1851, die als die höchste Periode seines dichterischen Leben? und Schaftens gelten kann. Gerade da, wo er in Deutschland am meisten verhaßt und verfolgt war, entquillen seiner Feder die innigsten deutschen Gedichte, wie sie kein anderer geschaffen hat. Neben Goethe sei Heine der größte Sprachbeherrscher. Leicht und ungezwungen sino seine Verse, von wunderbarer Konstruktion und doch einfach und natürlich. Seine Lieder sind aus einem Gusse; in ihrer reinen Klarheit verstehe man sie mit 12 Jahren ebensogut wie mit 79. Heine wurde auch der Dichter des gewöhnlichen Lebens» der Groß» stadt und Industrie.-Auch den Tod habe er unvergleichlich schön geschildert, ebenso die Schattenseiten deS Bürgertums, den Nieder- gang der Klassen. Seine sozialistischen Ideen hatten kein festes System, seine Wiedergabe derselben sei deshalb mehr literarisch zu werten. Heine war nur Künstler. Aber da, wo Heine von Liebe spricht, verschwänden alle Gegensätze, alles löse sich zur reinen Harmonie auf. hier sei er durchaus einheitlich und geschlossen. Sein Buch der Lieder werde mit Recht der Katechismus der Liebe genannt. Diese Schöpfungen seien unvergänglich, sie trügen Ewig- keitscharakter.-- Im Anschluß an den mit vielem Beifall aufgenommenen Vor« trag rezitierte Fräulein Kussel in formvollendeter Weise einige der schönsten Gedichte Heines. Herr Friedrich I o h s e l brachte neben mehreren Liedern aus dem Heine-Cyklus noch einige Opern- Arien zu Gehör. Herrn Leo KestenbergS Begleitung am Flügel, mit präziser Sicherheit durchgeführt, paßte sich allen Stimmlagen diskret und schmiegsam an und rang sich, besonders in den Liebeslicdern, zur reinsten Bollendung durch. Alles in allein verlief der Abend würdig in edlem, schönem Genüsse, und wir wünschen, daß dieses künstlerische Bestreben immer weitere Kreise der arbeitenden Jugend umfassen möge. E. U. Allgemeiner Wahlvereia Berlins und Umgegend. Anmeldungen und Beiträge nehmen für den 4. K r e i S(O st e n) entgegen: Frau Zerrn, Elbinger Straße 2 IV. Frau Guhn, Zorn- dorfer Straße 39 III. Frau Bongartz. AndreaSstr. 44 Hl. Frau Böhm, Große Frankfurter Straße 7. Frau Wengels, Warschauer Straße 29 II. Frau Köhler, Schreinerstr. 66 II. Frau Förster, Stralauer Allee 17 HI. Bureau des Wahlvereins Stralauer Platz 1—2 II. Spedition Mann, Petersburger Platz 4. Im 3. KreiS: Frau Knappe, Kottbuser Ufer 69. Frau Schröder, Ritterstr. 56. Frau Marquardt. Melchiorstr. 17. Frau Elsholz, Alexanderstr. 62. Frau Torgler, Neurnburgerstr. 18a. Versammlungen— Veranstaltungen. Steglitz. Mittwoch, den 15. Juli, 814 Uhr. bei Schellhase, Ahorn- straße 15a: Vortrag Genossin M Thiel: Stellungnahme zur Auflösung des Vereins. Versammlungen. Verband der Sattler. In der am Donnerstag abgehaltenen Versammlung der Ortsvcrwaltung Berlin erstattete der Vorsitzende Schulze den Bericht für das zweite Quartal. Er besprach die bedeutendsten Vorgänge dieses Zeitabschnittes: die Tarifbewegung der Täschner und der Kofferarbeitcr, sowie den Konflikt der Militärsattler wegen der Spandauer Arbeit. Der Verlauf dieser Bewegungen, die erst in jüngster Zeit zum Abschluß kamen, ist unseren Lesern bekannt.— Den Kassenbericht erstattet« Weyher. Er bemerkte, daß die Arbeitsgelegenheit im Beruf schon seit zwei Jahren im Rückgang begriffen ist, was natürlich auch auf die Mit- glicderzahl und aus die Einnahmen deS Verbandes ungünstig ein- wirkt. AuS diesem Grunde sind im zweiten Quartal etwa 1899 Beiträge weniger eingegangen als im ersten Quartal. Die Kasse der Ortsverwaltung hat 26 914 M. eingenommen und SS 334 M. ausgegeben. Die Lokalkasse hat 15 257 M. eingenommen und 7541 M. ausgegeben. Die Berliner Verwaltung hat 4035 M. ein- genommen und 2788 M. ausgegeben. AuS der Kasse der Orts- Verwaltung wurden gezahlt: An Streikunterstützung 12 467 M., Mahregelungsunterstützung 763 M., Rciseunterstützung 113 M., Arbeitslosenunterstützung 3498 M.. Kranlenunterstützung 2137 M., Notfallunterstützung 55 M., Beerdigungsbeihilfe 265 M. Die Lokal- lasse zahlte Zuschüsse zur Streikunterstützung 2272 M.. MaßregelungS- Unterstützung 143 M.. Arbeitslosenunterstützung 2326 M.. Kranken- Unterstützung 876 M. Die Zahl der Mitglieder betrug am 1. April 2919, am 39. Juni 1945.— Auf dem Arbeitsnachweis waren eingeschrieben im April 176, im Mai 157, im Juni 197. Arbeiter erhielten im April 67. ivl Rai 71. IM IM SS. S&iE RM« erjuchtk feie KÄlegeu. Slßfl- Briefkaften der Redaktion. fast den Arbeitsnachweis zu benuken und auf das Umschauen zu| Bortvärts.. S. 31. 1. Bei der Heirat, noch einfacher bei dem Auf-| Kündigungsvereinbarung gefchloffen war. 3. 7. Bur Ueberschreibung berzichten. Hierauf erstattete Schulze Bericht über die Tätig gebot anerkennen Sie die Vaterschaft zu Ihrem Kind und beantragen die des Eigentums auf die Ehefrau ist gerichtliche oder notarielle Form Soweit der Bertrag aber etwa geschlossen wird, teit der Gewerkschaftskommission. Als Delegierte zu derselben Umschreibung. 2. Einer genügt. 3. Auch weibliche Personen fönnen erforderlich. Standesamtszeugen sein. F. S. 13. Mich" heißt es. N. N. 59. um vorhandene Gläubiger zu benachteiligen, ist er ungültig, auch wurden wiedergewählt: Weyher, Schulze und Müntner. 1. Nein. 2. Ein Sühneversuch ist nicht erforderlich, ein solcher ist vor Er- wenn die Gläubiger ihre Forderungen noch nicht eingeklagt haben. Kaufmännische Kranken- und Sterbekaffe von 1885( G.. 71.). bebung der Privatflage wegen Beleidigung nur dann notwendig, wenn K. V. 999. Sie können ohne neue Klage wiederholt pfänden lassen. Beute abend 9 Uhr bei Landré. Stralauerstr. 36/37. beide Parteien in derselben Gemeinde wohnen. G. 2. 164. Falls Ihr R. H. 1. Unseres Wissens nein. D. Ch. Sie können den Unfall Mietsvertrag nicht etwa Gegenteiliges besagt, nein. S.$. 500. Die als Betriebsunfall anmelden. Eine Aussicht auf Erfolg liegt aber nicht Kinder bleiben als eheliche eingetragen, nur wenn der Mann der Mutter der vor, weil Unfälle, die auf dem Wege von der Arbeitsstätte nach der Kinder auf Unehelichkeit flagt, ist eine Aenderung des Namens möglich, Wohnung passieren, in der Regel nicht als unfallversicherungspflichtige Behnke. Leider steht der Frau ein Anspruch gegen die Versicherungs- erachtet werden. 5. G. 68. Die Betreffenden erhalten Ihr Geld. anstalt nicht zu. C. G. 27. Ueber den Tod des Neffen erhalten Sie 3. 41. Aber! Selbstverständlich hat Deutschland seine Angelegen feine amtliche Nachricht. Sie müßten sich selbst informieren. Ihr Erbteil beiten selbst zu regeln. Feilenhamer. Die Stiefsöhne tönnten bor tönnten Sie dadurch sicher stellen, daß Sie es auf dem Grundstück eintragen liegendes Testament verlangen, eventuell darauf flagen.- O. 44. 1. Nein. erwachsene lassen, falls der Eigentümer nicht eine Einigung mit Ihnen vorzieht. 2. Der ortsübliche Tagelohn beträgt für Berlin für St. R. Nein. Schulz Herzfelde. 1. Nein, aber Sie konnten nur auf Unterlassung der männliche Arbeiter 2,90 Mart. H. H. Nein. Störungen flagen, nicht aber den Mietsvertrag aufheben. 2. Ja, falls Sie nicht beweisen( Sie können dem Wirt den Eid zuschieben), daß die Die juristische Eprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter Sof. britter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl wochentäglich abende von 7 bis 9%, 1hr statt. Geöffnet 7 1hr Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 hr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erretlt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde bor. D. M. 1000. Semper der Jüngling" ist in Buchform erschienen and loftet brosch. 4 W., geb. 5 M. zu beziehen durch die Buchhandlung Für den Inhalt der Inferate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Dienstag, den 14. Juli. Neucs tgl. Operntheater. 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Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes der Emmaus Gemeinde in Nig dorf, Hermannstr. 130, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Todes- Anzeige. Am 11. Juli verstarb plötzlich mein lieber Mann, unser guter Bater, Schwiegervater und Großbater 36782 Johann Ernst Linke im Alter von 59 Jahren infolge Herzlähmung. Im Namen der Hinterbliebenen: Ww. Linke, geb. Strohmeyer, nebst Kindern. Die Beerdigung erfolgt Dienstag nachm. 5 Uhr von der Leichenhalle des Heilands- Kirchhofs aus. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Nachruf. Hiermit diene den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Kutscher 69/18 Gustav Göthe am 10. d. Mts. im Alter von 61 Jahren an Herzschlag ge storben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung fand am Wunderbare Erfolge, montag, den 18. 8. 2., nach zumal bei gleichzeitiger Anwendung von Budooh. 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Dienstag, den 14. Juli 1908, abends 8 Uhr, in Hoppes Festfälen, Hermannſtr. 49 Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes, des Lehrer- Kollegiums und der Revisoren. 2. Anträge. 3. Schulangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. 6/ 14* Beiträge werden entgegengenommen, ebenso in der jeden Donnerstag von 8-9 Uhr geöffneten Bibliothek. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zement- Branche. Gruppe: Rabitzputzer und Träger. General- Versammlung Zages Drbnung: Zages Ordnung: 15 1. Abrechnung vom II. Quartal. Bericht bon der General bersammlung. 3. Verschiedenes. 2. Mache Freunden, Bekannten und meiner werten Nachbarschaft die Mit teilung, daß ich Voltastraße G 236/ 1* einen 1. Borstands- Bericht. 2. Staffen- Bericht. 3. Bericht von der verflossenen Landtagswahl. 4. Stellungnahme Schultheiß- Ausschank zur Kreis- Generalversammlung und Wahl von 15 Delegierten. 5. Wahl von 30 Delegierten zur Verbands- Versammlung von Groß- Berlin. 6. Vereinsangelegenheiten. Berschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt. Der Vorstand. BeusselMittwoch, ben 15. Juli, aberubs 5% Hyr, bet Jaunaft, Moabiter- Bürger- Sale, Straßes. 8½ Uhr, Inselstraße 10: Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Bekanntgabe des Resultates der Bautenkontrolle vom 16. Juni. 2. Stellungnahme zur Akkordarbeit. 3. Verschiedenes. Um rege Agitation für einen guten Besuch dieser Versammlung ersucht 138/ 14* Der Gruppenvorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Verlin. Sauptbureau: Hoj I. Amt 3, 1239. Charitéstraße 3. Hoj III. Amt 3, 1987. Mittwoch, den 15. Juli 1908, abends 8 Uhr, Bezirksversammlung für Friedrichshagen im ,, Eiskeller", Friedrichshagen, Friedrichstr. 96/97. Tages- Ordnung: 119/2 1. Bericht über den Gewerkschaftskongress in Hamburg. Referent: Rollege Adolf Cohen. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Rixdorf. Donnerstag, den 16. Juli 1908, abends 8 hr: General- Versammlung bei Thiel, Bergstraße 151/152. Zages Ordnung: 1. Raffenbericht. 2. Bericht vom Verbandstag. Angelegenheiten. 87/2 3. VerbandsEs ist Pflicht der Kollegen, in der Versammlung zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. Berlin SO. 16, H.& P. Uder, Engel- Ufer 5. Tabak- Großhandlung und Tabakfabrik. Rauch, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten. Vorteilhaftesto Bezugsquelle für Wiederverkäufer. Größte Auswahl gelagerter Zigarren in allen Preislagen. Sämtliche bezu Originalpreisen. kannten Marken Zigaretten Amt IV, 3014. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pig. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Achtung! 9. Vereine! Achtung! 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Juli zugefagt vorwärts zu bringen vermochten, so daß die Jniaffen der Wagen die Pferde unter der Einwirkung der Hize die Lasten nicht mehr einige Rückenkontusionen. haben, zur Nachricht, daß die Probe heute, Dienstag, den 14. Juli es vorzogen, die nächste Station aufzusuchen und mit der Bahn nach im Lotal Hasselwerder in Nieder- Schöneweide stattfindet. Ferner Berlin zurüdzukehren. gelangen die Freibilletts zur Ausgabe." Königswusterhausen und Umgegend. Die Parteigenossen werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Wahlvereinsversammlung nicht morgen, sondern nächsten Mittwoch, den 22. Juli bei Schumann in Wildau stattfindet. Die gemeinschaftliche Besichtigung der Treptower Sternwarte findet erst am Sonnabend, den 25. Juli statt. Mariendorf. Heute, Dienstag, abends 8 Uhr im Restaurant Bierod, Kurfürstenstraße 44: Generalversammlung des Wahlvereins. Treptow- Baumschulenweg. Heute, Dienstag, den 14. d. M., findet im Restaurant zur Rennbahn am Bahnhof Treptow die ordentliche Generalversammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Vorstandsbericht und Abrechnung des Kassierers. 2. Anträge und Wahl der Delegierten zur Kreis- Generalversammlung und Verbands Generalversammlung Groß Berlins. 3. Vortrag des Genossen Haß über„ Die Aufgaben der Sozialdemokratie". 4. Verschiedenes. Die Mitglieder werden darauf aufmerksam gemacht, daß der Beschluß der außerordentlichen Generalversammlung in Baumschulenweg betreffs Trennung des Wahlvereins vom Zentralvorstand nicht bestätigt worden ist. Die Mitglieder des Frauenbildungsvereins haben Zutritt. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. = B Charlottenburg. Heute abend 8%, Uhr findet im Voltshause, Rosinenstr. 3( großer Saal), die Generalversammlung des Wahlbereins statt. Tagesordnung:„ Die böse Sieben im Landtage." Referent: Landtagsabgeordneter Adolf Hoffmann- Berlin. Vereinsangelegenheiten. Berliner Nachrichten. Die bedrohte Sittlichkeit. Quetschungen erlitten. Die Nacht verbrachte der Patient verhältniss Dr. Dechelhäuser hat einen Schädelbruch und schwere mäßig gut; es sind bis jetzt bedrohliche Erscheinungen nicht fonstatiert worden. Auch von einer Operation fonnte hisher AbDaß die Sittlichkeit bedroht sei, das kann man bald alle Tage stand genommen werden. Gestern morgen wechselte Dr. Dechelin der bürgerlichen Presse lesen. Diese fortgesetzten Deklamationen häuser bereits einige Worte mit seinem Arzt, so daß mit einer über die bedrohte Sittlichkeit wirken um so komischer, wenn man Lebensgefahr nicht mehr gerechnet wird. bedenkt, was heute alles unter den Begriff Sittlichkeit rubriziert Die Ursache der Katastrophe ist nicht völlig aufgeklärt. wird und welche Moralanschauungen von der bürgerlichen Gesell- Dr. Dechelhäuser war ein sehr erfahrener Lenker, und nur dem schaft als fittliche ausgegeben werden; Anschauungen, die vielfach unglücklichen Umstand, daß der Reiter im Waldesschatten und Morgens tief unſittlich sind. Doch darüber wollen wir uns im Augenblic grauen von ihm nicht rechtzeitig gesehen wurde, ist es wohl zuzus weniger verbreiten, sondern nur feststellen, daß man eifrig bestrebt schreiben, daß der Wagen in schneller Fahrt sich der Stelle näherte. ist, in Sittlichkeitsretterei zu machen. Das zeigt sich wieder in dem Das Automobil ist sofort nach dem Unfall untersucht worden. Die Prozeß Eulenburg, in dem die Oeffentlichkeit ausgeschlossen wurde Steuerung erwies sich als vollständig intakt und konnte infolgedessen unter dem Vorwande, die Sittlichkeit sei bedroht. auch nicht versagt haben. Dagegen dürfte die Bremswirkung im Verein mit der einseitigen Gleitschutzanlage die Drehbewegung nach der Kollision noch verstärkt haben. Möglich ist, daß Dr. Dechelhäuser nach der Karambolage mit dem Pferde nicht rechtzeitig die Bremsung wieder aufgehoben hat. Um so sonderbarer muß es angesichts dieser Sorge um die Sittlichkeit berühren, wenn man hören muß, daß an Stellen, von denen man es am allerwenigsten erwarten sollte, ein Benehmen herrscht, das tatsächlich geeignet ist, ernstlich die Sittlichkeit zu gefährden. Und da müssen wir uns einmal an den Herrn Polizeipräsidenten wenden und seine Aufmerksamkeit auf einen Fall lenken, der zu beweisen scheint, daß es im Polizeipräsidium Stellen gibt, an denen es mit dem oben besprochenen Sittlichkeitsschutz sehr schlecht bestellt ist. Eine große Einbrecherbande ist gestern feftgenommen worden, die seit vielen Wochen in der östlichen Umgebung Berlins zahlreiche Einbrüche und Diebstähle verübt hat. Unter der Lokomotive zermalmt. Ein schrecklicher Unfall hat sich Wir haben hier keine privaten Berhältnisse von Angestellten gestern abend auf dem Bahnhof Jungfernheide abgespielt. Ein un im Auge, sondern dienstliche. Ein junges Mädchen wird in einer bekannter, etwa 25 Jahre alter Mann, der durch sein aufgeregtes polizeilichen Ermittelungssache( Diebstahlssache) als Zeugin vor- Wesen die Aufmerksamkeit der Fahrgäste hervorgerufen hatte, stürzte geladen, um seine Wahrnehmungen zu bekunden. Und da muß es sich plößlich vor die Lokomotive eines einfahrenden Nordringzuges. schon befremden, daß der vernehmende Beamte an das Mädchen die Der Maschinenführer bremste sofort, doch konnte er nicht mehr verKleine Leute in der Sommerfrische. Frage richtet, ob es noch Jungfer sei; wenn aber im Verlaufe der hindern, daß die Lokomotive über den Lebensmüden hinwegging. Immer weiter greift der Großstadtpolyp hinaus in den Vernehmung dem Mädchen von dem Beamten das Anerbieten ge- völlig verstümmeltem Zustand wurde die Leiche des Selbstgrünen Saum Berlins, saftige Wiesen und schattige Wälder macht wird, das der Herr höchstens seiner Frau oder einer Pro- mörders hervorgeholt. Siegmund Friedberg kommt zurüd. Der ehemalige Inhaber umflammert er unbarmherzig und preßt sie mit eisernem ftituierten machen sollte, so hört der Spaß auf, und es muß ernstDrud an sein steinernes Herz. Wo noch vor kurzem Blumen lich darauf hingewirkt werden, daß wirklich die Sittlichkeit vor des Bankgeschäfts Siegmund Friedberg war bekanntlich nach dem blühten und Früchte reiften, reden sich jetzt stolze Bauten solchen Leuten geschützt wird. Wir wollen diese Tatsache nicht ver- Busammenbruch des Bankgeschäfts nach New York entflohen. Der cruf, schachten fleißige Arbeiter den Boden aus, rollt die allgemeinern, weil im großen und ganzen über das Benehmen der Behörde war das nicht unbekannt geblieben, der Auslieferung Dampfwalze phlegmatisch und feuchend wie eine asthmatische Beamten auf dem Polizeipräsidium dem Publikum gegenüber keine Familie des Friedberg hatte dieser den Rechtsanwalt Dr. festen sich aber Schwierigkeiten entgegen. Auf Veranlassung der Dame hin. In das Knarren der Lastfuhren schallt die rauhe werthauer bevollmächtigt, für ihn freies Geleit zu erwirken. Stimme des Fuhrmannes, und in den Wäldern klingt die Diesem Antrage entsprechend, hat nunmehr nach Anhörung der Art dumpf und frachend, trotzige Waldriesen neigen ihr föniglichen Staatsanwaltschaft, die sich gleichfalls befürwortend ausstolzes Haupt und stürzen polternd zu Boden. Nur einige gesprochen hat, die zuständige achte Strafkammer des Lands bevorzugte dürfen stehen bleiben; sie sollen der entstehenden gerichts I dem Siegmund Friedberg freies Geleit durch Beschluß zugesichert. Nachdem eine Kaution von 30 000 Mark gestellt und Villa die nötige Stimmung verleihen. eine Reihe weiterer Bedingungen auferlegt worden sind, welche die Sicherheit der Durchführung der Untersuchung gewährleisten sollen, dürfte Friedberg noch im August wieder hier erscheinen. Da die vom Landgerichtsrat Ka de geführte Voruntersuchung im übrigen weit vorgeschritten ist, ist zu erwarten, daß die gegen Friedberg und Genossen gerichtete Antlage wegen verschiedener Straftaten, darunter auch wegen betrügerischen Bankrotts und Verbrechens gegen das Depotgesetz schon im Herbst das Schwurgericht beschäf= tigen wird. besonders nenenswerten Klagen nach dieser Richtung geführt worden find. Allein notwendig erscheint es uns, den Herrn Polizeipräsidenten zu ersuchen, durch einen höheren Beamten das Zimmer 36 etwas genauer in Augenschein nehmen und beobachten zu lassen, besonders wenn es sich um Vernehmung junger hübscher Mädchen handelt. Die Umgebung der Nationalgalerie ist jetzt für das Publikum fast gänzlich gesperrt. Nicht nur der größte Teil der Säulenhalle auf beiden Seiten, sondern auch der östliche unbedachte Raum zwischen Spree und Nationalgalerie ist nicht mehr zugänglich. Sogar den Aufgang zu den beiden Freitreppen hat man mit Stetten abgeschlossen. Diese weitgehende Maßregel erinnert unwillkürlich an die bor einigen Monaten ergangene Drohung der Museums bas Publikum zu sperren, weil angeblich eine starte Verunreinigung direktion, den gesamten Komplex innerhalb der Säulenhalle für durch Stullenpapier und dergleichen Abfälle zu bemerken war. Hoffentlich ist die jetzige Sperrung nur vorübergehend durch die Unterbringung der pergamenischen Altertümer in der Säulenhalle bedingt und nicht etwa der Vorläufer eines grundsätzlichen Betretungsverbotes. Arbeiter Paul Sturm aus der Soldiner Straße 36. St. hatte im Im Walde angeschossen wurde am Sonntag der 45 Jahre alte Tegeler Forst Moos gesammelt. Während er nun ahnungslos dieser Beschäftigung nachging, trachte in seiner Nähe plöglich ein Schuß und eine Stugel zersplitterte dem Mann den Mittelfinger der rechten Hand. Wer den Schuß abgegeben hat, darüber vermag ten Bestimmtes anzugeben. nichts Aber auch noch ein anderes Bild fällt dem Beobachter auf. Wer mit der Bahn nach Norden hinausfährt, sieht allenthalben kleine, meist hölzerne Miniaturvillen, lieblich in buschiges Grün gebettet und von Gemüse- und Blumenbeeten umgeben, auftauchen. Diese Häuschen sind aber nicht mit den kleinen Lauben, wie man sie dicht an der Peripherie findet, zu vergleichen. Sie sind stabiler, solider gebaut und weit geräumiger wie diese. Sollen sie doch auch als richtige" Sommerwohnung dienen, und in Ermangelung eines„ baupolizeilich abgenommenen" Hauses den Sommer über dem Besitzer und dessen Familie ein wohnliches Obdach) bieten. In der Regel enthalten diese freundlichen, mit viel Mühe und Schweiß errichteten Häuschen zwei Zimmer und sogar eine, wenn auch engbegrenzte Küche. Doch reicht sie zu ihrem Wie die Große Berliner Straßenbahn Schadenersatzansprüche Zwecke vollkommen aus; gekocht darf ohnehin nicht in den behandelt, beweist wieder mal der folgende Fall: Bor kurzem stieß Ein Licbesdrama, das mit dem Tode zweier junger Menschen Räumen werden, das wäre auch mehr, als die Polizei bei am Sonntag, morgens 7 Uhr, an der Kreuzung der Alexandrinen- endete, hat sich in dem Forst bei Schmödwitz abgespielt. Zwischen uns erlaubt. So muß der wadelige, winzige Plättofen, und Dranienstraße ein Elektrischer der Linie 95 mit einem Flaschen dem 17jährigen Kaufmannslehrling Alfred Donat aus der Nichterdessen abgebrochene Beine ein paar Ziegelsteine ersetzen, bierwagen zusammen, wobei ein großer Teil der Flaschen nebst den dem 17jährigen Kaufmannslehrling Alfred Donat aus der NichterDer straße 10 in Falkenberg und der 19jährigen Erna Scholz, ebenfalls Kasten zertrümmert und der Wagen selbst beschädigt wurde. der draußen in der angrenzenden Sommerlaube" seinen Stand- angerichtete Schaden beläuft sich auf rund 50 M. Beide Wagen aus Faltenberg, hatte seit etwa einem halben Jahre ein Liebesort nehmen; das erlaubt die liebe Polizei. Die Einrichtung führer trifft keine Schuld. Der Straßenbahnführer, dem selbst der verhältnis bestanden. Obwohl an eine Heirat der jungen Leute der Zimmer" ist allerdings etwas primitiv; ausrangierte Schußmannsposten Vorwürfe machte, erklärte vielmehr, daß die noch nicht zu denken war, so hatten sie doch den festen Entschluß Möbelstücke und solche aus Kisten wundersam hergestellt, Bremse versagt habe und er deshalb auf den Bierwagen auflaufen gefaßt, fo bald als möglich vor den Traualtar zu treten. D. geben der Wohnung das Gepräge. Von irgendwelchem mußte. Obwohl der Sachverhalt der Straßenbahndirektion Klar war in einem kaufmännischen Bureau angestellt. Er erhielt dort Stil" natürlich keine Spur, aber danach fragt weder Vater geschildert wurde, lehnte diese den Anspruch auf Schadenersaß ein öfter den Besuch seiner Braut, und der Chef machte dann hin noch Mutter. Sie haben ein kleines, eigenes Heim, das sie fach mit dem Bemerken ab, daß der Bierverleger sich den Schaden äußerst nett und mollig finden, und das genügt. Es sind vom Straßenbahnführer, dessen Name und Wohnung zu diesem und wieder Beobachtungen, die ihm nicht gefielen. In der ver überraschte er das Pärchen in einer recht 3wed noch mitgeteilt wurde, bezahlen lassen solle. Die Angabe, gangenen Woche ja alles nur kleine" Leute, die nicht nach Heringsdorf oder daß die Bremse versagt habe, also eine fehlerhafte Einrichtung der verfänglichen Situation und er kündigte nun kurzerhand dem jungen Norderney reisen können, und die doch, wenn auch nur jede Straßenbahn schuld an dem Unfall sei, wird einfach totgeschwiegen Mann die Stellung. D. wagte es jest nicht, seinen Eltern vor die Woche von Sonnabend bis Montag früh, dem beklemmenden und der Ersazanspruch auf die kleinen Schultern gewälzt. Selbste Augen zu treten. Er kehrte nicht heim, sondern suchte seine Geliebte Staub und Lärm der Großstadt entfliehen wollen. Oft verständlich wird die Straßenbahn wegen der berechtigten Forde auf. Er überredete sie, mit ihm nach dem Schmöckwißer Forst zu bleiben Frau und Kinder auch wochenlang ununterbrochen rung verklagt werden. gehen. Vorher hatte er sich einen Revolver verschafft. Am Sonnin ihrem selbstgeschaffenen, idyllischen Nestchen, obgleich der Die Kreuzotternplage hat in diesem Jahre anscheinend einen abend abend wurde das vermißte Pärchen im Walde tot aufgefunden. „ dauernde" Aufenthalt daselbst nicht gestattet" ist von Umfang angenommen, wie er noch nicht beobachtet worden ist und D. hatte erst seine Braut und dann sich selbst durch einen RevolverPolizei wegen. Leider können sich dieses Vergnügen nur es werden jetzt Giftschlangen an solchen Stellen angetroffen, wo sie schuß getötet. Db das junge Mädchen ihre Einwilligung gegeben wenige leisten, denn die Sache verschlingt einige hundert schon seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen wurden. So wurden Mark, da der Grund und Boden nicht gepachtet, sondern ge- gestern zwischen Friedrichshagen und Hirschgarten, dicht am Bahn- bat, steht nicht fest. Die beiden Leichen wurden nach der OberDamm, zwei Kreuzottern, die eine Länge von 65 refp. 67 Benti- försterei Grünau gebracht. kauft wird. metern hatten, entdeckt und von Ausflüglern getötet. Die städtische Boltsbadeanstalt in der Gerichtstraße 65/69, an der Banke, wird am 15. d. M. früh um 6 Uhr eröffnet. Sie ent hält neben zahlreichen Wannen- und Brausebädern zwei Schwimmhallen für beide Geschlechter. Die Preise sind die üblichen der in den übrigen fünf städtischen Voltsbadeanstalten. Die Auslegung der Wählerlisten. werden. Bier Kinder unter einem Straßenbahnwagen. In der Adalberta straße, in der Nähe der Köpenider Straße, wollten vier Kinder über Eine Automobilkatastrophe bei Beelitz. Die Straße gehen, wobei alle vier unter einen Wagen der Linie 5 Einen traurigen Abschluß hat eine Automobilfahrt genommen,( Gerichtsring) gerieten. Der Schaffner des Motorwaggons gab die der Regierungsrat Serlo, Rechtsanwalt Dr. A. Dechelhäuser und augenblicklich das Notsignal, und da sich der Zug nur in langsamer der Direktor der Protoswerke, Hermann Hehmann, Sonntag früh in Bewegung befand, gelang es dem Wagenführer, durch Anwendung einem Automobil von Berlin aus angetreten hatten, um sich nach der Gefahrbremse, die Waggons fast auf der Stelle zum Stehen dem Bodensee zu dem Aufstieg des Zeppelinschen Luftschiffes zu be- 3u bringen. Allerdings konnte nicht verhindert werden, daß die vier Kinder unter die Vorderplattform des Anhängewagens Es wird darauf hingewiesen, daß die Liste der stimmfähigen geben. Das Automobil verunglückte fieben Kilometer südwestlich von Nr. 978 famen. Sie wurden hervorgezogen, und drei der Kleinen, Bürger Berlins vom 15. bis einschließlich 30. Juli d. J. von Beelig, wobei Regierungsrat Serfo getötet und Dr. Dechelhäuser die unverlegt geblieben waren, liefen davon, bevor ihre Personalien früh 9 bis nachmittags 3 Uhr( Sonntags nur bis 1 Uhr) im sehr schwer verlegt wurde. Dr. Heymann und der Chauffeur festgestellt werden konnten. Gertrud Stipel hatte leichte Hautstädtischen Wahlbureau, Post straße 16, öffentlich zur Einsicht blieben unverletzt. abschürfungen an beiden Knieen und an der Stirn erlitten. Ei ausliegt. Die Gesammtsumme aller für die Abteilungsbildung Ueber den Unfall werden folgende Einzelheiten berichtet: Sura erhielt auf der Rettungsstation in der Adalbertstraße einen Ver zusammengetragenen Steuern beträgt rund 6934 Millionen Mark. Der Durchschnittssag beträgt 187 M. und 86% 10 Pf. Die erste Abteilung nach 4 Uhr früh wurde die Fahrt angetreten, die Straßen waren band und konnte von dort noch der elterlichen Wohnung gebracht beginnt mit einem Mindeststeuerbetrage von 5558,80 m., die zweite nicht sehr belebt und infolge des Nachttaus noch wenig staubig. Abteilung mit 187 m. und 86% 10 Pf., während die dritte Abteilung Hinter Beelitz kam dem Automobil ein Reiter entgegen, der ordnungsEin umfangreicher Dachstuhlbrand fam Montag abend in dem Reichenberger str. 15, direkt mit 187 M. und 86% 10 Pf. endet. mäßig auf der rechten Seite ritt. Da das Pferd bei der An- Eckhause Sottbuser str. 28. Obwohl in diesem Herbst Stadtverordnetenwahlen nicht statt- näherung des Automobils unruhig war, stieg der Reiter ab und am Kottbuser Tor, zum Ausbruch. Als die Feuerwehr eintraf, stand anden, ist es doch notwendig, die Liste einzusehen und zwar in führte das Pferd an der linken Seite. Plöglich stellte sich das Tier Menschen strömten nach dem Brandplaße und befezten die umbereits der ganze Dachstuhl in bellen Flammen. Tausende von Nüdsicht auf etwa notwendig werdende Ersatzwahlen. quer über den Weg, Dr. Dechelhäuser bremste und stellte Dr. Dechelhäuser bremste und stellte liegenden Straßen. Die Wehr ging von beiden Straßenden Motor auf niedrige Tourenzahl. Einen Augenblick fronten aus über mehrere mechanische Leitern hinweg gegen Mit 43 Grad Celsius brachte der letzte Sonntag die höchste diesjährige Hitze und einen Temperaturzustand, wie er in Berlin später kam es zur Katastrophe. Der Wagen lief vom Wege ab, das verheerende Element vor. Anfangs schien alles Wasseraußerordentlich selten beobachtet wird. An den registrierenden überschlug sich und blieb ungekehrt in der Fahrrichtung mit den geben vergeblich. Stockwerkhohe Feuergarben schossen Während der Löscharbeiten sprang ein großes Thermometern reichte die Papierfläche für den zeichnenden Stift Vorrädern nach oben liegen. Beim Ausweichen war das Pferd von Himmel empor. teilweise nicht aus und deutete damit an, daß die Hige eine ganz dem Gefährt erfaßt worden und mußte später getötet werden. Alle Glasdach infolge der enormen Size und stürzte in die Tiefe. Zum unmögliche" sei. Der in der Mittagsstunde einsetzende leichte Wind Insassen des Automobis wurden herausgeschleudert. Zuerst erholte sich Glück wurden Feuerwehrleute oder sonstige Personen dabei nicht ver führte förmliche Glutivellen nach den Schattenseiten hinüber und Direktor Heymann so weit, daß er sich nach seinem Gefährt umsehen leht. Erst nach fast zweistündigem Wassergeben galt die Gefahr für beseitigt. Der Dachstuhl ist völlig zerstört. Er war erst neu auf statt Erquidung zu bringen, erst recht unangenehm fonnte. Regierungsrat Serlo lag auf der Landstraße mit blutbedecktem geführt worden, nachdem er vor acht Wochen schon einmal abgebrannt empfunden. Unter der Einwirkung der Temperatur war das Asphaltpflaster derartig weich geworden, daß sich die Hufe Munde, das Gesicht nach oben gekehrt, ohne sich zu rühren. Direktor war. Ueber die Entstehungsursache des Feuers ist noch nichts er ber ferde in der Decke abprägten und die Räder von Heymann reinigte ihm den Mund, um ein Ersticken wenn noch möglich mittelt. Die Feuerwehr hatte bis nach Mitternacht mit den AufDmnibussen und Droschken förmliche Nillen zogen. Natürlich zu verhindern. Regierungsrat Serlo war aber bereits tot. Die räumungsarbeiten zu tun. wurde, zum hatten die Pferde unter der enormen Hize am schwersten zu leiden. Bähue des Oberkiefers waren vollständig lose; es ist anzunehmen, Vermißt. Der Bauanschläger Georg Benada, SchornsteinfegerIn welcher Weise dies der Fall war, konnte man am besten daraus daß der Berunglückte mit dem Schädel gegen einen Chausseebaum gaffe 5 IL wohnhaft, hat sich am Mittwoch, den 8. Juli, aus seiner Wohnung entfernt. um auf Einlahmg eines Kollegen in Tegelort um Arbeit anzufragen. Der 61 jährige Mann ist bis heute noch nicht zu seiner besorgten Familie zurückgekehrt. Auch ist es noch nicht gelungen, den Kollegen zu ermitteln, auf dessen Veranlassung Benada nach Tegelort gegangen ist. Zweckdienliche Nachrichten auch nach dieser Richtung bittet die Familie doch sofort an die obige Adresse gelangen zu lassen. Einen erheblichen Verlust hat am Sonnabendabend, zwischen 7 und 8 Uhr, ein Arbeiter erlitten, der seinen ganzen Wochenlohn auf dem Wege von der Britzer Straße bis zum Görlitzer Bahnhof oder vom Görlitzer Bahnhof bis Grünau verlor. Die Barschaft befand sich in einem braunen Portemonnaie und betrug 41,60 M., außerdem 24 Stück 5 Pf.-Briefmarken. Der eventuelle Finder wird gebeten, dasselbe an Ferdinand Keusch, Bohnsdorf bei Grünau, Genossenschaftshäuser abzugeben. Vom gleichen Pech wurde am Somttagnachmittag 4 Uhr der Metallarbeiter Karl Brandt, Mariannenstr. 19, betroffen, der in einem Wagen der Linie 48 am Kottbuser Tor ein Portemonnaie mit 71 Mark Inhalt verlor. Auch B. bittet dringend um Rückgabe. Radrennen in Treptow. Die Hauptnummer des Programms wies diesmal ein»Weltmeister« Match' in drei Läufen mit Arend, Ellegaard und Jacquelin als Teilnehmer auf. Andere interessante Fliegerrennen und ein Halbdauerfahren über 20 Kilometer füllten die Zeit und gab es spannende Endkämpfe. Die Zusammensetzung des Matches war eine gute. Arend. der lange Zeit unter Mißerfolgen litt, zeigte sich von einer guten Seite; auch Jacquelin, der„alte Löwe', feierte seine Wiederauferstehung, während Ellegaard immer der gleiche, gute und selten besiegte Fahrer ist. Das Resultat des Matches ist: 1. Lauf(900 Meter): 1. W. A r e n d, 1. Min. 29'/» Sek.; 2. Ellegaard, Va Länge; 3. Jacquelin, weit zurück. Der Franzose hat vor dem Dänen und Deutschen die Führung, die fortwährend wechselt. Beim Glockenzeichen tritt Ellegaard an, doch Arend schiebt sich vor und in der Zielseite harter Kampf, den Arend zu seinen Gunsten entscheidet. 2. Lauf: 1. Ellegaard, 1 Mi». S6al5 Sek.; 2. Arend, 2 2.; 3. Jacquelin, 1 L. Wieder wechselnde Führung, bis Ellegaard in der zweiten Runde in scharfem Zuge vorbeigeht; die anderen folgen, doch können sie dem. Dänen nicht gefährlich werden. 3. Lauf: 1. Ellegard, 1 Min. 36»/» Sek.; 2. Jacquelin, 2 L.; 3. Arend, gestürzt. Der Franzose führt fast zwei Runden, bei der Glocke tritt Ellegaard an und sichert sich die Spitze. Jacquelin und Arend kämpfen erbittert, da kommt Arend in dritter Stellung zu Fall. Endergebnis: 1. Elle« g a a r d, 8 Punkte und 800 M.; 2. Arend, 12 Punkte; 3. Jacquelin, 16 Punkte. Internationales Hauptfahren. 860 M., 1200 Meter. 1. Ellegaard, 2 Min. 03'/» Sek.; 2. Stabe, 2 L.; 3. Pawke, 1 L.; 4. Arend, 6 L. Wechselnde Führung, Pawke macht einen Vor- stoß, doch sicherte sich Ellegaard und Stabe die Spitze. Vorgabefahren. 1. v. Ratz m er(70), 2. Pawke(10), 8. Trints(90). EntschädigungSfahren. 1. Otto Meyer, 2. Hoffmann. 8. Süßmilch. 25 Kilometer. Rennen. 400, 260. 160 M. I.W.Müller. 24 Minuten 023li Sekunden; 2. Rottnick, 1440 Meter; 3. Jacquelin, 6780 Meter. Meyer aufgegeben. Das Rennen schrumpft auf zwei Teilnehmer ein, da Jacquelin gleich im Beginn Radschaden erleidet und erst in der 24. Runde wieder erscheint. Er ist der schnellste Mann im Felde und holt sich eine Runde zurück, fällt aber zurück. Meyer, der nach Belieben überrundet wird, hat Reifenschaden und gibt auf. Müller fuhr recht brav und setzte sich in der 30. Runde vor Rotwick an die Spitze. Die Berliner Feuerwehr hat in den letzten Stunden eine un« gewöhnliche Menge von Alarmen aller Art registrieren müssen. U. a. wurde sie nach der Ouitzowstraße 18/21 gerufen, wo in einer Grube Chemikalien(Säuren usw.) brannten und lebensgefährliche Dämpfe entwickelten. Hinter dem Hause Triftstr. 17 stand auf freiem Felde «ine große Grasfläche in Flammen. Durch Umfallen einer Petroleum« lampe kam Fruchtsw. 60 Feuer aus und Schwefel brannte in den Lager« räumen Burgstr. 7. In der Prenzlauer Allee war in einem Maschinen» hause Feuer entstanden. Ruß und Späne hatten sich dort entzündet, so daß die Feuerwehr kräftig Wasser geben mutzte. Ilm einen Mann aus einem festgeklennnten Fahrstuhl herauSzu- hohlen wurde die Wehr»ach der Schützenstr. 16/17 alarmiert. Möbel wurden in einer Tapezierwerkstatt ein Raub der Flammen. Grober Unfug lag einer Feuermeldung au« der Reinickendorfer Straße 68 zugrunde. Heute früh um 2>/z Uhr mußte ein Küchen« brand in der Reichenberger Straße 74a gelöscht werden. In der Lippehner Straße 8 brannte Fett und anderes und in der Heiligen- geiststr. 37 Gardinen usw. Weitere Alarme veranlaßten das Aus« rücken der Feuerwehr nach der Wiener Straße 68. Waldstr. 44, Zwinglistr. 10, Oranienburger Straße 26, Alten Jakobstr. 33, Päse« walker Straße 4, Lothringer Straße 66, Griebenowstr. 10/11, Schlesischestr. 22, Beusselstr. 73, Rathenower Straße 46, Büsching- straße 18, Gartenstraße 3, Lüderitzstr. 68. Lippehner Straße 8 und anderen Stellen. Während die Berliner Feuerwehr sich über Alarme «cht beklagen konnte, wurde der Schöneberger Feuerwehr nur ein Lrand aus— Berlin. Schillstr. 1 gemeldet. Vorort- �acbricdten. Eharlottenburg. Die Charlottenburger Fenerwchr wurde am Sonntagabend um 8Va Uhr nach der Spandaner Straße 31 nahe dem Friedrich-Karl« Platz alarmiert. Dort standen in geraumer Ausdehnung der Seiten- flügel mit dem Ouergebäude in Flammen. Diese hatten an dem Inhalt der vielen Bodenverschläge reiche Nahrung gefunden, so daß das Borderhaus gefährdet war. Nach einstündiger Tätigkeit war die größte Gefahr beseitigt. Erst in später Nachtstunde konnte die Feuerwehr, die unter der enormen Hitze und großen Oualmentwicke- lung, weil der Rauch nicht abziehen wollte, viel zu leiden hatte, wieder abrücken. Ueber die Entstehung des großen Brandes konnte Antentisches nicht mehr ermittelt werden. Der Brand war bei An- kunft der Wehr schon über seinen Herd weit hinaus gekommen. Wilmersdorf. Wozu Wilmersdorf kein Geld hat. Wie bekannt, wird mn 28. August dieses Jahres in Jena der Verbandstag des Verbandes der Gewerbe« und Kauf mannsgerichte abgehalten. Alle größeren Städte halten es für eine selbstverständliche Pflicht, zu dieser sozialpolitisch wichtigen Tagung Delegierte aus den Reihen der Beisitzer zu entsenden; und so glaubten denn auch die A r b e i t- nehmerbeisitzer des GewerbegerichtS Wilmersdorf den Magistrat nur anstoßen zu brauchen, um ihm die Erkenntnis beizubringen, daß auch die zweitjüngste Stadt Preußens mit ihren 80 000 Einivohnern auf dem Verbandstage in Jena vertreten sein müsse. Vielleicht mag man im Magistrat sich auch der Einsicht nicht verschlossen haben, daß dieser Ehrenpflicht genügt werden müsse; aber wenn das pekuniäre Wohl und Wehe einer Gemeinde auf dem Spiele steht, dann muß man die bessere Einsicht blutenden Herzens zurücktreten lassen. Die Petenten erhielten nämlich dieser Tage vom Magistrat die Mit- teilung, daß er ihrem Wunsche»Acht willfahren könne, weil ihm hierfür keine Mittel zur Verfügung ständen. Als ob der Magistrat nicht hätte die Stadtverordnetenversammlung um Be- willlgung der paar hundert Mark angehen können, die eine solche Delegation gekostet hätte. An Kleinlichkeit und Engherzigkeit auf sozialpolitischem Gebiete scheint Wilmersdorf andere größere Vorort- gemeinden noch übertreffen zu wollen. Solcher Rückständigkeit gegen- über ist es doppelie Pflicht der Arbeiterschaft, beizeiten sich um die Bedeutung der Stadtverordnetenwahlen zu kümmern; sozialpolitisches Verständnis kann einer städtischen Körperschaft wie Liwaittw«t1icher(Mateiiri Georg Tavidsoh». Berlin. Für ba der Wilmersdorfer nur beigebracht werden, wenn einige sozialdemo- kratische Hechte für die nöttge Aufrüttelung sorgen. Der Arbciter-Nadfahrcrverein„Vorwärts'-WilmerSdorf läßt uns durch seinen Vorsitzenden folgendes Schreiben zugehen: Bezugnehmend auf den Bericht der Generalversammlung bitten wir höflichst folgende Berichtigung aufzunehmen: Die am 1. Juli stattgefundene Generalversammlung des Arbeiter- Radfahrervereins.Vorwärts' hat festgestellt, daß bei der Landtags- wähl siebzehn Genossen von neunzehn organisierten Mitgliedern des Vereins an der Landtaaswahl teilgenommen haben. ES ist weiter festgestellt worden, dag Awei Genossen vom Zentralwahlbureau, welche wiederholt ihren Dienst angeboten haben, von Genossen deS Bureaus forrgeschickt wurden, weil angeblich nichts zu fahren sei und die Genossen dann Schlepperarbeiten verrichteten. Da gerade ungerechterweise der Radfahrerverein„Vorwärts' angegriffen ist, so bitten wir um Aufnahme dieser Richtigstellung.' Die Gewährung einer Teuerungszulage an die städtischen Beamten. Lehrer und Arbeiter, die vom Magistrat in letzter Sitzung der Stadtverordnekenversammlung energisch bekämpft wurde, aber ohne Erfolg, hatte die Beanstandung des Beschlusses durch den Magistrat zur Folge. Um erneut in der Angelegenheit Stellung zu nehmen, waren die Stadtväter am Montag vormitttag 9 Uhr zu einer außerordentlichen Sitzung geladen. Da außer einem Mitglieds des Magistrats nur fünf Stadlverordnete anwesend waren, wurde die Beschlußunfähigkeit der Versammlung konstatiert und eine Sitzung zu Donnerstagnachmittag 6 Uhr angesetzt. Laut Städteordnung steht der konimenden Versammlung das Recht zu, in der Angelegenheit zu entscheiden, ohne Rücksicht auf die Zahl der erschienenen Vertreter. ES bleibt nunmehr abzuwarten, welchen Standpunkt die Stadtväter einnehmen werden und ob sie gewillt sind, sich ohne weiteres mit dem Magistratsbeschluß abzufinden. Banmschulentveg. Ueber die verflossene LandtagSwahl referierte in der letzten Generalversammlung deS Wahlvereins Genosse L ü d k e. Die Aus- führungen des Redners wurden von den Versammelten mit großem Interesse verfolgt. An der darauf folgenden Diskussion beteiligten sich die Genossen Hagel,' Karow und Weege im Sinne des Referats. Bei der nunmehr stattfindenden Neuwahl des Vorstandes wurden folgende Genossen gewählt: erster Vorsitzender L ü d k e, zweiter Hartmann; Kassierer Haak; Schriftführer Mündt; als Obleute wurden Genosse Rundel und die Genossin Hinzel, als Revisoren die Genossen Schiefke, Richard Müller und. die Genossin Karow, in die Lokalkommission Genosse Weege und als Bibliothekar Genosse Kobbert gewählt. Unter Verschiedenes teilte Genosse Lüdke mit, daß in kurzer Zeit am Ort eine Statistik über die Landtagswahl aus- genommen und den Genossen zugestellt wird. Mariendorf. In der Gemeindevertretersitzung regte Genosse Reichardt bor Wahl dreier Amtsausschußmitglieder an, im Gegensatz zu der bis- herigen Praxis die Amtsausschußsitzungen in Zukunft bekanntzugeben und öffentlich abzuhalten, und monierte, daß über das Ergebnis der früheren Sitzungen nicht einmal ein amtlicher Bericht vorliegt. Weiter brachte Reichardt unter anderem die vor kurzem erfolgte Ver- Weisung der Kurz« und Weißwarenhändler vom hiesigen Wochenmarkt zur Sprache. Der Gemeindevorsteher wandte ein. daß nach der Ge- Werbeordnung nur Erzeugnisse der Land- und ForsUvirtschast, nicht aber industrielle wie die von oben bezeichneten Händlern zum Ver- kauf zugelassen werden dürfen. Dies sei ja auch durch Polizei- Verordnung vom 18. April 1900(I) bekanntgegeben. Genosse Reichardt führte Vorortgemeinden an, in denen auch die hier ver- botenen Artikel zum Marktverkauf zugelassen werden. Es seien auch hiesige Angesessene und Steuerzahler durch daS Verbot, ihre Waren auf den Markt zu bringen, schwer getroffen worden. Diese hätten beträchtliche Ausgaben für vermehrte Warenbestände und Verkaufs- buden usw. gehabt. Die Polizeiverordnung von 1900 konnte doch nicht allgemein bekannt sein und hätte nach erfolgter Ge- nehmigung zur Abhaltung deS Marktes nochmals zur Kennwis gebracht werden müssen. Im übrigen könnte man einen Blick in die eigenartige Zusammensetzung der Herren Gesetz« geber tun, die als rein agrarische durch solche Bestimmungen eben nur ihre eigenen Erzeugnisse an den Mann zu bringen suchen. ES wird demnächst ein Antrag eingebracht werden auf Aufhebung der Verfügung durch den Bezirksausschuß. Gegenwärtig führt die Firma Mast(E. G. m. besch. H.) einen großen Entwässcrungskanal in unserem Orte aus, bei der alle mög» lichen Nationalitäten von Arbeitern vertteten sind, sogar eine größere Anzahl Frauen. Die hiesigen arbeitslosen Arbeiter sind von dieser Arbeit ausgeschlossen. Ein solcher Zustand muß die größte Er« bitterung hervorrufen. Wilhelmsruh-Rosenthal. In der letzten WahlvereinSversammlung wurde Bericht für die Zeit vom November bis Ende Juni erstattet. In dieser Zeit haben stattgefunden: 14 Borstandssitzungen, 6 Mitgliederversammlungen und 3 öffentliche Versammlungen. Außerdem sind noch eine ganze Anzahl Kommisstonssitzungen abgehalten worden, welche durch die hier stattgefundenen Gemeinde« und Landtagswahlen nötig wurden. Die Mirgliederzahl beträgt zurzeit 162.„VorwärtS'-Leser sind jetzt 214 am Ort. Flugblätter wurden verteilt zur Gemeinde« Wahl 4000 Stück und 1600 Handzettel, zur LandtagSwahl 4000 Flug« blätter und 2000 Handzettel. Durch Verzug wurden ver- schieden« Ersatzwahlen notwendig. An Stelle des Kassierers Zühlke, welcher nicht gewillt war, sein Amt weiter zu behalten, wurde der Genosse HanS Patsch gewählt. Bezirksführer für den 8. Bezirk ist Rudolf Burkhardt, für den 6. Bezirk Adolf KalS. Zum Revisor wählte die Versammlung den Genossen Zühlke. Weiter wurde mitgeteilt, daß die Bibliothek- ausgäbe am ersten Dienstag sowie am dritten DienStag jeden Monats, abends von 8'/z— 9'/z Uhr stattfindet. Lichtenrade. Die erste sozialdemokratische VolkSverfammkung hat am 9. Juli cr. im Lokale von Rudolf Deter in Lichtenrade stattgefunden. Trotz des schlechten Wetters war die Versammlung überaus gut besucht. Ge« nosse Dentzer hielt einen 1'/, stündigen Vortrag über daS Wesen der Heuligen Reaktion. Er zeigte die UnHaltbarkeit der gegenwärtigen Zustände und legte dar, daß einzig und allein die Sozialdemokratie es sei. die der herrschenden Klasse ernstlich auf den Leib rücke. In der Diskussion führte ein Redner der sozialliberalcn Partei aus, daß sie stets gewillt sein würde, mit der Sozialdemokratie Schulter an Schulter zu kämpfen. In seinem Schlußwort wies der Referent darauf hin, daß nur der feste Zusammenschluß von Partei und Ge- werkschaft eine volle Wahrung der Interessen deS arbeitenden Volkes gewährleiste.— Der Juli-Zahlabend findet erst Mittwoch, den 14. Juli, bei Deter statt. Potsdam. Die WahlvereinSversammlung war gilt besucht. Aufgenommen wurden 7 Mitglieder. ES wird beschlossen, vom 1. August ab eine Bezirkskassierung einzuführen. Diese soll am Mittwoch nach dem 15. eines jeden Monats stattfinden. Ueber die einzelnen Lokale und die Abteilung der drei Bezirke wird in nächster Zeit genauere Anweisung ergehen. Die diesmonatliche Bezirkssitzung findet noch am Sonntag, den 26. dieses Monats, in den be- kannten Lokalen statt. Von der Feier des Stiftungsfestes wird ab« gesehen. Dafür findet in Gemeinschaft mit dem Ge- werlschaftskartell am Sonntag, den 9. August, ein großes GeWerk- schaftsfest statt.— Die Tagesordnung des Parteitages führte zu einer regen Aussprache, hauptsächlich über die Jugend- und Frauen- organisalion, an der sich auch die Vorsitzende des Frauen-Bildungs- Vereins beteiligte. In der wegen der KreiSgeneralversammlung jedenfalls Ende des Monats stattfindenden außerordentlichen General- Versammlung soll über diese beiden Organisationsfragen sowie über die Maifeier weitere Aussprache und Beschlußfassung erfolgen._ Inseratenteil verantwu Ttz. Glocke. Beilin. Druck u. Verlag: Borwärtk Vermischtes. Ein schweres Automobilunglück, so wird auS München berichtet, ercignete sich gestern nachmittag bei Sauerlach. Die seit dem 17. Juni im Hotel Kontinental wohnhaft gewesenen Mister Lord und Sohn, Graf Wachmeister, britischer Konsul und Ministerresident in Kairo, und Miß Enquift unternahmen mit einer Antomobildroschke einen Ausflug nach Tegernsee. Bei Sauerla-b platzte ein Pneumatik und stürzte der Wagen infolge zu starken Brcmsens um, wodurch eine Benzinexplosion hervorgerufen wurde. Der verheiratete Chauffeur Paul Weber wurde auf der Stelle getötet, sämtliche andere Insassen erlitten schwere Verletzungen am ganzen Körper, Schädelbrüche, Quetschungen und innere Verletzungen. DaS Automobil wurde zer- trüinniert. Die Verletzten wurden durch die Rettungsgcsellschaft nach der chirurgischen Klinik in München gebracht, wo sie von Professor Dr. Angerer sofort in Behandlung genommen wurden. Ueber die TyPhuScpidemie in Greiz wird gemeldet: In der Zeit vom 18, Juni, an welchem Tage hier der erste TyphuSfall gemeldet wurde, bis 11. Juli nnttags sind 116 Typhusfälle zur polizeilichen Anmeldung geloimnen; davon entfallen auf die Woche vom 14. bis 20. Juni 3 Fälle, 21. bis 27. Juni 34 Fälle, 28. Juni bis 4. Juli 63 Fälle. 6. bis 11. Juli 16 Fälle. Todesfälle sind 8 vorgekommen. Großfeuer. Wie der„Spremberger Anzeiger' meldet, brach Sonntagvormittag im Maschinenhause der Grube„Anna' in Puls- berg bei Spremberg Feuer aus, das sich mit großer Schnelligkeit ausbreitete. Das Maschineuhaus, die Ladebühne und einige andere Gebäude sowie ein Teil der Brikettfabrik mit etwa 2000 Zentnern Briketts wurden ein Raub der Flammen. Durch den herrschenden Wind wurden die Flammen über die Chaussee getrieben, wo zwei Morgen Waldbestand und ein Kornfeld vernichtet wurden. Der Feuerwehr gelang eS, den Brand aus die Schächte zu beschränken, die Montag früh noch weiter brannten. Ein schweres Gewitter, das von einem orkanartigen Swrm be- gleitet war, wütete gestern abend in Hannover und Umgegend. Der Swrm richtete in der Stadt großen Schaden an. Auf dem Nikolai- kirchhof und an vielen anderen Stellen wurden zahlreiche Bäume beschädigt. Viele Fenster, Dachziegel und Fahnenstangen wurden zer- brochen und ihre Trümmer bedeckten die Bürgersteige. Auf der Chaussee nach Langenhagen wurde eine ganze Anzahl von Chausseebäumen abgebrochen und versperrte die Sttaßenbahngleise. Zahlreiche Telephonleitungen wurden zerrissen. Besonderes Unheil richtete das Unwetter auf dem Schützenplatz an, wo sich eine ungeheure Menschen- menge zusammengedrängt hatte. Große Zelte wurden abgedeckt und die Wege überschwemmt. Ein Mädchen wurde durch einen fallenden Ast verletzt. Die Hilfe der Feuerwehr mußte mehrfach in Anspruch genommen werden. Sonntag abend gegen 8 Uhr warf ein Gewitterswrm das Dach einer Wagenhalle der Station Wesseling auf die Oberleitung der elektrischen Rheinuferbahn, wodurch die Zuleitung des elektrischen Stromes unterbrochen wurde. Der Schnellzugverlehr mußte ein» gestellt werden. Der Personenverkehr wird durch Dampflokomotiven zwischen Köln— Marienburg und Bonn— Ellerstraße aufrecht erhalten. Zur Kölner Brückenkatastrophe wird uns telegraphisch ge» meldet, daß am Sonntag und am Montag die Leichen dreier beim Einsturz der Drücke verunglückter Arbeiter in der Nähe von Köln angeschwemmt wurden. Eine vierte wurde von einem Taucher an der Unfallstelle gefunden. Der Minister der öffentlichen Arbeiten Breitenbach nahm Montag vormittag an der Spitze der Ministerialkommisfion eine Besichtigung der eingestürzten Brücke vor und besuchte in Be- gleitung deS Oberpräsidenten der Rheinprovinz v. Schorlemcr- Lieser und des Oberbürgermeisters Wallraf die bei dem Unglück verletzten Arbeiter, deren Befinden zu Besorgnissen keinen Anlaß geben soll., Zugentgleisungen. Nach amtlicher Meldung entgleisten Sonntag abend um 9 Uhr bei der Einfahrt des Personenzuge» 960 von Dortmund-Süd in den Bahnhof Hörde-Hacheney die beiden letzten Personenwagen. Ein Reisender wurde leicht verletzt. Der Personenverkehr wurde durch Umsteigen aufrechterhalten. Auf der Eisenbahnstrecke nach Rzcsna in Oesterreich.-Galizien entgleiste am Montag ein Personenzug, weil von böswilliger Hand schwere Holzklötze auf die Schienen gelegt worden waren. Die Lokomotive stürzte in den Graben, ein Wagen wurde zertrümmert. Zwei Personen wurden schwer und 16 leichter verwundet..Ein entgegenkommender Verloneiuua konnte noch rcchtzeitia aukae- halten werden. Ueber einen Mord wtrd aus Holzmrnden telegrapytert: Gestern abend wurde unweit der Stadt in einem Schuppen die Leiche eines etwa 70jährigen Mannes gefunden, der offenbar ermordet ist. Die Leiche wies zwei Stichwunden auf. Am Tatorte fand man auch das Mordinstrument, sowie einige Kupfern, ünzen. Dies läßt darauf schließen, daß der Tote auch beraubt worden ist. Es wurden zwei junge Burschen, der Gelegenheitsarbeiter Kämpf aus Bielefeld und ein gewisser Robert Müller aus Berlin, verhaftet, die man in der Gesellschaft des Ermordeten gesehen hatte. Sie waren wahrscheinlich Wandergenossen des Ermordeten. Amtlicher Marktbericht der städllschen Markthallen-DtreMon über den Großhandel in den Zenttal-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr stark, Geschäft ruhig, Preise für Schweinefleisch nachgebend, sonst unverändert. Wild: Zufuhr genügend, Geschäft ziemlich lebhast, Preise etwas nachgebend. Geflügel: Zusuhr genügend. Geschäft still, Preise nachgebend. Fische: Znsuhr genügend. Geschäft sehr schleppend, Preise sllr Hechte nachgebend, sonst wenig verändert. Butter und Käse: Geschajt ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Süd« s r ü ch t e: Zusuhr mäßig, Geschäft rege, Preise schwankend. WitterungSüberflcht vom IS. Juli 1908, morgens« Uhr. Wetterprognose für Dienstag, den 14. Juli 1908.' Kühler, zunächst ziemlich trübe mit Gewitterregen und Irischen Nord- wesUichen Winden: später langsam wieder auillarend. Berliner Wetterbureau. WasserstandS.Nachrichten der LandeSanstalt'sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetlerbureau. >)-s- bedeutet Wuchs,— Fall,—') Unterpegel.___ sdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin£W,