Nr. 164. BbonnfmenfS'Btdlngnnsen: Oonnementf- Preis tt4num«(mi»» »ierteljährl. 830 Mk, monatL 1,10 Mi, wöchentlich 28 Pfg. frei tn5 Hau». Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonnlag»« nummer mit illuftrierter Sonntag»« Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post« Abonnement: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Post.ZcitungS» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungar» 2 Marl, für da» übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnement« nehmen an: Belgien. Dänemark Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Siumünien. Schweden und die Schwei» 35* Jahrg. Crhttlit agil» ufitr OoDtui Vevlinev Volksblerlk. VI« lnIeMons-eedahk betrögt für die sechsgespaltene Kolonel» geile oder deren Raum SO Pfg., sür politische und gewerkschaftliche Vereins- und VcrsammlungS, Anzeigen M Pfg. «Ateine Anreizen", das erste ssctl- gedruckte) Wort 20 Pfg.. jedes weiicce Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg., jcdcS weitere Wort s Psg. Worte über 1K Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „SozialilcnicKrat Berlin". Zentralorgan der rozialdemohrati fchen partei Deutfcblands. Redaktion: 601. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. I Donnerstag, den 16. Jnli 1668. Expedition: GM. 68. I-indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. mmmmmmmmmamBmmmmmmmmmtmmKBBmmmmmma Id) Bann nicht schweigend Von Leo Tolstoi. -„Sieben Todesurteile: zwei in Petersburg, eins in Mos kau. zwei in Penza und zwei in Riga. Vier Hinrichtungen , zwei in Kharsen, eine. in Wilna, eine in Odessa." Täglich wars in jeder Zeitung zu lesen und fortgesetzt, nicht Wochen nicht Monate, nicht ein Jahr hindurch, nein: seit Jahren geht es nun so! Und dies geschieht in Nußland, demselben Nuß land, wo die Leute jeden Verbrecher als einen Bemitleidens' werten betrachten, und wo bis vor ganz kurzer Zeit Todes- strafen nicht vom Gesetze bestätigt wurden! Ich erinnere mich. wie stolz ich zu sein pflegte, wenn ich davon mit Westeuro- väern sprach: aber jetzt haben wir schon das zweite, ja selbst das dritte Jahr hindurch Hinrichtungen, Hinrichtungen, Hin ricktungen ohne Ende. Ich nehme die heutige Zeitung in die Hand. � Heute, am 9. Mai, ist es entsetzlich. Die Zeitung ent hält diese wenigen Worte:„Heute wurden in Kherson aw dem Streibitzky-Felde zwanzig Bauern gehenkt als Strafe für einen räuberischen Ueberfall auf den Besitz eines Landmannes im Elizabeth-Distrikt." Die Zeitungen haben seitdem dieser Mitteilung wider sprachen, daß zwanzig Bauern gehenkt worden seien. Ich kann mich nur über diesen Irrtum freuen, nicht nur darüber, daß acht Menschen weniger gehenkt wurden, als zuerst mit- geteilt, sondern auch darüber, daß das entsetzliche Ereignis mich dazu veranlaßte, mich über ein Gefühl auszusprechen, welches mich lange gequält hat. Indem ich deshalb das Wort zwanzig durch das Wort zwölf ersetze, lasse ich alles übrige unverändert, denn was ich sage, bezieht sich nicht nur auf die zwölf, die gehenkt wurden, sondern auf all die Tau sende, welche seitdem unterdrückt und getötet worden sind. Zwölf dieser Menschen, von deren Arbeit wir leben, der selben Menschen, die wir demoralisiert haben und noch mit allen Mitteln, welche in unserer Macht stehen, demoralisieren — von der Wirkung des Branntweins bis zu der schrecklichen Lüge eines Glaubens, an den wir selbst nicht glauben, den wir ihnen aber mit aller. Macht aufdrängen zwölf, dieser Menschen mit Stricken gehenkt worden von denen, die sie er- nähren, kleiden und erhalten, die sie verdorben haben und sie zu verderben fortsetzen. Zwölf Gatten, Väter, Söhne, auf deren Güte, Fleiß und Einfachheit allein das Leben des ganzen Rußlands ruht, wurden ergriffen, eingekerkert und gefesselt. Tann wurden ihre Hände auf den Rücken gebunden, damit sie nicht die Stricke ergriffen, mit denen sie gehenkt werden sollten, und sie wurden zu den Galgen geführt. Mehrere Bauern, ähnlich denen, welche gehenkt werden sollten, aber be wast'net, in sauberer Soldatenuniform gekleidet und mit guten Schuhen an den Füßen und Gewehren in der Hand, begleiten die verurteilten Männer. Neben ihnen geht ein lang- paariger Mann mit Stola und Meßgewand aus gold- oder silbergesticktem Tuch und einem Kreuz in der Hand. Die Pro- zession steht still. Der Führer der ganzen Sache sagt etwas, der Sekretär liest ein Dokument vor, und nachdem er geendet hat, sagt der langhaarige Mann, indem er sich an diejenigen wendet, die von anderen Leuten mit Stricken gehenkt werden sollen, etwas von Gott und Christus. Sofort nach diesen Worten löst der Henker(es sind deren mehrere, denn ein Mann kann nicht ein so kompliziertes Geschäft leiten) etwas Seife, und nachdem er die Schlingen der Stricke eingeseift hat, da» mit sie besser halten sollen, ergreift er die gefesselten Männer, legt ihnen das Sterbehemd an, führt sie zum Schafott und legt die gutgeseiften Schlingen um ihren Nacken. Und dann werden lebendige Menschen, einer nach dem anderen, von den Bänken gestoßen, die unter ihren Füßen fortge�ogen werden, und durch ihr eigenes Gewicht ziehen sie die Schlingen um ihren Nacken zu und werden mühsam ge- henkt. Menschen, die eine Minute vorher am Leben waren, hängen jetzt mit dem Körper an einem Strick, erst langsam schwingend, dann in toter Ruhe. Diese ganze Sache wird sorgfältig von gebildeten und auf» geklärten Leuten der oberen Klasse vorbereitet und ge- plant. Sie richten es so ein, daß diese Dinge geheim, bei Tagesanbruch geschehen, und sie richten es so ein, daß die Verantwortung für diese Ungerechtigkeiten unter denjenigen, welche sie begehen, so verteilt wird, daß jeder denken und sagen kann, er sei nicht dafür verantwortlich. Sie richten es so ein, daß sie die am meisten demoralisierten und verunglückten Menschen heraussuchen und, während sie sie zwingen, dieses Geschäft auszuführen, das von uns geplant und gebilligt wird, halten sie den Schein des Abscheus gegen diejenigen auf» recht, welche es tun. Ein Arzt macht seine Runde bei den Leichen, befühlt sie und berichtet dann den Behörden, daß das Geschäft richtig erledigt ist: alle zwölf sind vollständig tot. #) Die Zeitschrift.Morgen' veröffentlicht ein Manifest de? großen Dichters, einen ergreifenden Protest gegen die Greuel des stlutigen Zaren, um dessen Gunst die europäischen Regierungen so schamlos buhlen. Tolstoi, der„letzte Christ", der das Dulden und Nichtividerstreben gepredigt hat. der Anarchist der Passivität hat der siegenden Revolution versiehende Sympathie versagt. Aber dem Milien der Reaktion setzt der Mut und die Unerschrockenheit des Achtzigjährigen den ganzen Zorn und die volle Verachtung entgegen. über die die beleidigte Menschlichkeit verfügt. Wir geben oben einen Auszug aus dem Manifest. I Und die Tschinowniks kehren zu ihren gewöhnlichen Beschäf- �tigungen zurück, mit dem Bewußtsein, eine notwendige, wenn I auch unangenehme Tat gewissenhaft durchgeführt zu haben. .'Die nun erkalteten Leichen werden heruntergenommen und ! beerdigt. Die Sache ist entsetzlich' Und dies geschieht nicht nur einmal und nicht nur mit diesen zwölf unglücklichen, irregeführten Menschen aus der besten Klasse des russischen Volkes, sondern es geschieht Jahre hindurch unaufhörlich mit Hunderten und Tausenden von ähnlich irregeführten Menschen, irregeführt von demselben Volke, das sie in dieser Weise be- handelt.— Und es passieren nicht nur diese Art Schrecken: unter demselben Vorwande und init derselben kaltblütigen Grausamkeit werden alle anderen Qualen und Gewalttaten in Gefängnissen, Festungen und Sträflingskolonien verübt. Und während dies Jahre hindurch im ganzen Rußland geschieht, sind die Hauptschuldigen dieser Taten— diejenigen, durch deren Order diese Dinge geschehen und die sie verhindern könnten— vollständig davon überzeugt, daß solche Taten nützlich, ja sogar absolut notwendig sind. Sind entweder damit beschäftigt, neue Methoden zu erfinden und Reden darüber zu halten, wie man die Finnländer daran hindern kann, zu"leben, wie es ihnen beliebt, und dazu zwingen, nach dem Wunsche gewisser russischer Persönlichkeiten zu leben, oder sie veröffentlichen Orders zu dem Zwecke, daß „die Aermelaufschläge und Kragen der Soldatenjacken in den Husarenregimentern von derselben Farbe sein sollen wie die Jacken, während die Pelzröcke derjenigen, die sie zu tragen berechtigt sind, keine Schnüre um die Aufschläge über dem Pelz haben sollen." Dies ist entsetzlich! Sie sagen, daß Sie all diese Schrecken ausüben, um Frieden und Ordnung wieder herzustellen. Sie stellen Frieden und Ordnung wieder her! Durch welche Mittel stellen Sie sie wieder her? Durch die Tatsache, daß Sie, die Vertreter einer'christ- lichen Macht, Führer und Lehrer, durch die Diener der Kirche anerkannt und ermuntert, die letzte Splir von Glauben und Motal im Menschen zerstören, indemSiedicgrößten Verbrechen ausüben: Lügen, Falschheit, Peinigungen jeder Art und das letzte entsetzlichste Verbrechen, den einen Mord, nicht einen einzigen Mord, aber unzählige Morde, welche Sie zu rechtfertigen suchen durch stumpfsinnige Hin weise auf diese und jene von Ihnen selbst geschriebeneu Para graphen, in Ihren stumpfsinnigen und lügen- haften Büchern, welche Sie lästernd die Gesetze nennen. Sie sagen, daß dies das einzige Mittel ist, um das Volk zu beruhigen und die Revolution zu unterdrücken: aber das ist augenscheinlich falsch. Es ist klar, daß Sie nur das Volk beruhigen können, wenn Sie das Verlangen nach der allereinfachsten Gerechtigkeit befriedigen, welches die ganze landwirtschaftliche Bevölkerung Rußlands stellt, nämlich die Aufhebung des privaten Landeigentums, dasselbe nicht mehr zu bestätigen, und in verschiedener Weise die Bauern nicht zu erregen, ebenso wie diese unbeherrschten und erbitterten Leute, welche einen heftigen Kampf mit Ihnen angefangen haben. Was Sie tun, tun Sie nicht für das Volk, sondern für sich selbst, um die Stellung, welche Sie einnehmen, fest- zuhalten, eine Stellung, welche Sie irrtümlicherweise für günstig halten, die in Wahrheit aber höchst erbärmlich und abscheulich ist. Sagen Sie uns ja nicht, daß Sie etwas für das Volk tun: Dies ist nicht wahr! All die Abschculichkeiten, die Sie begehen, unternehmen Sie für sich selbst, für Ihre eigene Habsucht. Ihren eigenen Ehrgeiz, Ihre eigene Eitel- keit, Ihre eigene Rachsucht, Ihre persönlichen Ziele, um noch ein wenig länger die Verderbtheit fortzusetzen, in der Sie leben und die Ihnen so wünschenswert erscheint. Wie ausdrücklich Sie auch erklären mögen, daß alles, was Sie machen, für das Wohl des Volkes geschehe: die Menschen fangen an, sie mehr und mehr zu verstehen, das heißt: Sie mehr und mehr zu verachten und Ihre Zwangs» und Unterdrllckungsmaßregeln anders zu be- trachten, als Sie sie betrachtet wünschen: nicht als die Tat eines höheren Wesens, der Regierung, sondern als die per» sijnlichen schlechten Taten einiger schlechten Egoisten." f « Ihr am Ruder nennt die Taten der Revolutionäre„Ab- cheulichkeiten" und„große Verbrechen", Sie aber haben nichts getan, das Ihr nicht auch tut und in unvergleichlich größerer Ausdehnung tut--,, Ihr sagt, Ihr habt die Traditionen der Ver» gangenheit zu behüten. Und nehmet die Handlungen >er großen Männer der Vergangenheit als Beispiele. Sie haben auch ihre Traditionen aus der Vergangen» h e i t, selbst vor der französischen Revolution, und was die großen Männer betrifft: Modelle zu kopieren, Märtyrer, welche für Wahrheit und Freiheit starben, so haben sie kein anderes Mittel dafür als Ihr. Wenn also ein Unterschied zwischen Euch besteht, so ist es nur der. daß Ihr wünschet, daß alles so bleiben soll, wie es war und ist. während sie eine Aenderung wünschen. Und indem sie meinen, daß Ms yjcht immer so bleiben kann, wie es zu sein pflegt, würden sie eher recht haben als Ihr, hätten sie nicht von Euch diesen sonderbaren, Verderb- lichen Wahn angenommen, daß eine Schar Menschen eine Lebensform kennen sollte, die für alle Menschen in Zukunft passend sein sollte, und daß diese Form durch Gewalt er- reicht werden könne. Wenn ein Unterschied zwischen Euch besteht, so ist er sicherlich nicht zu Eure n, sondern zu ihren Gunsten. Die mildernden Umstände auf ihrer Seite sind erstens, daß ihre Verbrechen mit weit größerer persönlicher Gefahr ausgeübt werden als die Euren, und Risiko und Gefahr entschuldigen manches in den Augen eindrucksfähiger Jugend. Zweitens, daß die weitaus größte Mehrheit unter ihnen ganz junge Leute sind, für die es fast natürlich ist, vom rechten Wege abzukommen, während Ihr meist Menschen reiferen Alters seid, alte Leute, für welche vernünftige Ruhe und Sanftmut gegen die Irregeführten natürlich sein sollte. Drittens ist ein mildernder Umstand zu ihren Gunsten derjenige, daß sie, wie abscheulich ihre Morde auch sein mögen, doch nicht so kalt» blütig, so systematisch grausam sind wie Eure Schlüssel- bürgen, Transportationen, Galgen und Niederschießcreieu- «#• Es ist unmöglich, so zu leben.- Ich wenigstens kann und will nicht so leben. Dies ist der Grund, weshalb ich dies schreibe und, soweit ich kann, auch verbreiten werde, so wohlin Rußland als iin A u s l a n d e— ich wünsche, daß eines von zwei Dingen geschehen möge, entweder, daß mit diesen unmcnsch» lichen Taten eingehalten wird, oder daß meine Verbindung mit ihnen entdeckt und ich ins Gefängnis geworfen werde, wo es mir klar zum Bewußtsein kommen mag, daß diese Schrecken nicht um meinetwillen begangen werden: oder noch besser(es ist so gut, daß ich von solchem Glück fast nicht träumen darf) wäre eS, sie würden mich, wie diese zwanzig oder zwölf Bauern, in einen Sack und eine Mütze kleiden, mir die Bank fortziehen, und ich würbe durch mein eigenes Gewicht dann die gut eingeseifte Schlinge"M meine alte Kehle zusammenziehen,_ Denunzianten-Kretins. Die Redaktion des„Vorwärts" hat die Freundlichkeit gehabt, mir zwei Nummern der„Freisinnigen Zeitung" zu übersenden, durch die ich die alte, erfreuliche Tatsache bestätigt finde, daß der moralische Verfall immer in demselben Grade den intellektuellen Verfall nach sich zieht und somit an Eugen Richters scl. Erben der Kretinismus sich auf gleicher Höhe hält mit ihrem Denunziantentum. Am 26. Februar d. I. hatten die freisinnigen Abgeordneten Kopsch und Mugdan die Unverschämtheit und zugleich Verlogenheit, von der Rcichstagstribüne herab zu erklären, Genosse Ledebour und ich seien zur Zeit, wo wir die Berliner.VolkSzeitung" rcdigi�t und an fteisinnigen Siegesfeiern teilgenommen hätten, bereits ein» geschriebene Mitglieder der sozialdemokratischen Partei gewesen. Ledebour gab gleich im Reichstag die gebührende Antwort, und ich erwiderte am 29. Februar im„Vorwärts" mit einem kleinen lllk, der harmlos genug die hahncbiichenen Verleumdungen abwies, wo« mit Kopsch und Mqgdan die Reichstagstribüne besudelt hatten. Nach mehr als vier Monaten kommt nun die„Freisinnige Zeitung" auf die Sache zurück in einem feierlichen Leitartikel, worin sie nachweisen will, daß„der wissenschaftliche Großmeister der Sozial« demokratie" sich grober Fälschungen schuldig gemacht habe. Es wird mir schwer, auf den Blödsinn zu antworten, und ich würde es mir gern schenken, wenn die„Freisinnige Zeiwng" nicht nieine „Fälschungen" als Proben der sozialdemokratischen Anklagen gegen die Freisinnige Volkspartei aufführte; man könne daraus ersehen. „welchen Wert dergleichen Vorwürfe haben, selbst wenn sie an« cheinend dokumentarisch belegt sind". Es ist immerhin charakteristisch. daß die„Freisinnige Zeitung" die Vorwürfe, die im Wahlkampf von sozialdemokratischer Seite gegen sie erhoben worden sind, nicht anders entkräften kann, als daß sie sich mit wahrer Leichenbitter« miene auf einen kleinen Scherz stürzt, der vor nahezu einem halben Jahre im„Vorwärts" gestanden hat. Mein Artikel begann, soweit er sich auf Herrn Mugdan bezog, mit dem Satze:„Ich bekenne gern, mit dem großen Staatsmann durch die Bande der Sympathie verbunden gewesen zu sein, die zwischen hoffnungslosen Minoritäten sich von selbst zu weben pflegen: wir waren vor zwanzig Jahren Mitglieder eines Stammtisches, an dem Herr Mugdan der einzige Vertreter der christlichen Religion und ich der einzige Vertreter der arischen Rasse war." Diesen Satz trägt die„Freisinnige Zeitung" ihren Lesern in der Form vor. ich hätte mit antisemitischen Witzen, wie sitz sich für einen alten Mitarbeiter der„StaatSbürger-Ztg." ziemen,„stolz die Tatsache erwähnt, daß ich an jenem Stammtische der einzige Vertreter der arischen Rasse ge- Wesen sei". Das fei aber erlogen, denn auch andere Mitglieder des Stammtisches feien Arier gewesen, wie der ftühere Stadtverordnete Vortmann und der jetzige Stadtverordnete Modler und einige seit« dem verstorbene Personen; ja. in einem zweiten Artikel reitet die «Freisinnige Zeitung" noch einen Herrn Professor R. Werner- Tempelhof vor, der sich bei ihr. bewaffnet mit Zeugnissen„rein arischer Abstammung", als Mitglied jenes Stammtisches gemeldet habe. Hier ist die einzig mögliche Kritik: Dalldorf. ES ist natürlich eine jener böswilligen Verdächtigungen, in denen die„Freisinnige Zeitung" seit den Tagen des seligen Eugen unüber« troffene Meisterin ist. wenn sie mich mit dem„Antisemitismus" der„Staatsbürger- Zeitung" kujonieren will; als ich vor einigen dreißig Jahren an der.StaatSbürger-Zeitung" mitarbeitete, war sie ein kleinbümerlicheZ Sinti; mit der antisemitisch-reaktionären Rich- tung, die sie im Anfange der achtziger Jahre einschlng, habe ich nichts zu tun gehabt. Doch macht die„Freisinnige Feitung"� ihr Unrecht■ loieder gut, indem sie mir die frivolste Fälschung meines Artikels erst aufmutzt, die Fälschung einer so ehrwürdigen Urkunde, die ein christlicher Tauffchein ist; Herr Mugdan zählte sich nämlich vor 20 Jahren noch nicht zur christlichen Gemeinschaft der Heiligen. Daß jener Stammtisch in dein seligen Eugen einen großen Partei- verdcrber erblickt habe, wagt die„Freisinnige Zeitung" nicht zu be- streiten; es wäre selbst für sie zu viel der Verlogenheit, da ihre alten Jahrgänge ja noch die Bannflüche des Gewaltigen gegen die „Fraktion Ullmann" enthalten� wie er den Stammtisch nach dessen liebenswürdigem Wirt nannte. Sie giht die Tatsache in der schäm- haften Forin zu, ein großer Teil des Stammtisches habe aus persönlichen Verehrern des Herrn Barth bestanden, mit Aus- nähme jedoch deS Herrn Mugdan, der„damals schon ein glühender Anhänger Eugen Nichters" gewesen sei. Die Möglichkeit dieser Ausnahme habe ich ja aber gar nicht bestritten, im Gegenteil schon in meinem Artikel Herrn Mugdan als die komische Person des Stammtisches vorgeführt, wobei ich immerhin zugab, daß er auch wohl einmal auf dem Gebiete des aktiven Humors tätig gewesen sei, als Verfasser eines sinnigen TafelliedeS, als den ich ihn zwar nicht, wie die„Freisinnige Zeitung" liigt,»schlankweg einfach" genannt, aber allerdings an- gedeutet habe. Leider zerstört die„Freisiimige Ztg." meine wohlwollende Annahme, indem sie mit philosophischer Gelehrsamkeit Herrn Mng- dan völlig von dem Verdachte reinigt, sein TafcNied gedichtet zu haben. Es tut mir weh, aber ich muß meine literarische Kon- jektur, ans die ich mir immerhin etwas einbildete, ganz und gar zurücknehmen. Um fo mehr muß ich daher die Lüge der„Freisinnigen Zeitung" zurückweisen, wonach ich behauptet haben soll, folgende vier Verse des TafelliedeS seien auf den seligen Eugen gemünzt gewesen: Baissier ist er ja von Natur, Von Hausse hat er keine Spur; Er fixt den Freisinn munter,> Auf sieben Mann herunter. Ich habe vielmehr ausdrücklich gesagt, der Dichter ziele mit diesem Verse auf den Stammtisch, wie übrigens auch aus dem ganzen Znsanmrenhange hervorgeht, und ich bitte gern dem seligen Stammtisch ab, daß aus der„dreißig" des Urtextes in einem Zitat eine„sieben" geworden ist. Nicht auf einer Lüge der„Freisinnigen Zeitung", sondern nur auf ihrer moral insanity beruht es, wenn sie dann als Schlnßtrumpf meine„Fälschungen" ausspielt:„Da der Anschein erweckt werde, daß zu jener Siegesfeier kein Anhänger Eugen Richters als Ehrengast eingeladen worden sei, so zitiert Mehring ganz einfach: Gegrüßt sei Schräder und Freund Barth, die Ledebour und Mehring, während tatsächlich in dem Tafel- liede Herr Ledebour gar nicht vorkommt, sondern der betreffende VerZ heißt:„Der Kaufs mann-auch und Mehring". Das Motiv, das mir die„Freisinnige Zeitung" unterschiebt, erledigt sich dadurch, daß mein Freund Kauffmann über den seligen Eugen nicht günstiger dachte als Herr Barth, wenn anch, wie ich gerne zugebe, günstiger als ich. Er wollte mir nie glauben, wenn ich ihm sagte: Sie werden mit dem Burschen dieselben Erfahrungen machen, wie alle anständigen Leute Ihrer Partei. ES ist bekannt, in welchem Umfange Kauffmann diese Erfahrung gemacht hat, und da ich dies Elend aus nächster Nähe mit angesehen, so wider- stand es nur. den NamM nt?ines armen Frermdes in einem scherz- Zusammenhange mit Leuten zu nennen, die ihn in einen traurigen Tod. getrieben. Dcshalh setzte., ich, den Namen Ledebour an die Stelle von Kanffmanns Nacken, was der historischen Wahrheit nicht den geringsten Eintrag tat, da Ledebour an jenem Abeizd ebenso geladener Ehrengast war wie Kauffmann und ich. Daß die Denunzianten-KretinS der„Frcisinnigen-Zeitung" mein wirkliches Motiv nicht verstehen können und insofern vollkommen entschuldigt sind, erkenne ich bereitwillig an, ebenso wie ich„voll und ganz" den Schlußfloskeln zustimme, die sie daran' knüpfen: „Con-ixer la fortune ist der Wahlspruch der Falschspieler. Daß aber ein Mann, der, wie Herr Mehring, einer der ersten wissenschaftlichen Schriftsteller einer großenPartei ist, nachgewiesener- maßen bei einer literarischen Arbeit sich diesen Falschspielertrick zu eigen macht, ist bisher noch nie dagewesen. Trotzdem sind wir über- zeugt, daß Herr Mehring auch hierfür bei der sozialdemokratischen Partei Verzeihung finden, und, wenn er lange lebt, noch viele ' Leitartikel in dem wissenschaftlichen Hauptorgan der Sozialdemo- kratie schreiben wird, in denen er über die Verlogenheit der • Freisinusgrößen sich ereifert. Wir sind davon überzeugt, weil wir genau wissen, daß auch Sozialdemokraten, die führende Stellung in der Partei einnehmen, wußten, daß der von uns heute be- sprochene Artikel de? Herrn Mehring grobe Unwahrheiten enthielt ■und keiner von ihnen den Anstand besaß, der Wahrheit die Ehre zu geben." In der Tat-- mit dieser neuesten„Ueberzeugung" wird die „Freisinnige Zeitung" besser fahren, als mit den„früheren lieber- zetigungen", die Herr Riugdan so munter auf den Kehrichthaufen geworfen hat. Ich weiß zwar nicht, wie viel„führende" Sozial- demokraten meine» Artikel gelesen haben, aber so viel weiß ich, daß jeder„führende" Sozialdemokrat, der ihn gelesen hat,„grobe Unwahrheiten" darin entdeckt hat, denn es gibt keinen„führenden" Sozialdemokraten, der fähig wäre, die satirische Abwehr eines ver- leumderischen Angriffes ä la Dalldorf zu verstehen. Ein Paar dieser Sünder will ich indessen dem Dividenden- Müller und seinen Kumpanen von der„Freisinnigen Zeitung" noch zur moralischen Abstrafung ausliefern. Gleich nach Veröffentlichung meines Artikels traf ich zufällig mit den Genossen Bebel und Müller vom Parteivorstand zusammen, von denen Bebel niir lachend sagte: Hören Sie, Ledebour wird Sie bei den Ohren nehmen, weil Sie ihn ans der arischen Nasse geworfen haben, und ebenso lachend Müller: Aber dm guten Mugdan haben Sie viel zu früh getauft, der schlvor damals noch zum Gotte seiner Väter. Da„keiner" dieser„führenden" Genossen bisher den„Anstand beseffen" hat,„der Wahrheit die Ehre zu geben", die sie doch unter vier Augen bekannt haben, so wird die„Freisinnige Zeitung" mir dankbar sein, ihr diese Verbrecher auf den Scheiterhaufen ihrer sittlichen Entrüstung geliefert zu haben. Eigentlich hat sie eS nicht um mich verdient, aber wenn ich mir fo die ehrwürdigen Züge unseres guten, christlichen Kirchenvaters Mugdan vergegenwärtige, dann denke ich gern der milden Weisheit, die diesen ernsten und strengen Denker dem Gotte der Rache ab- wendig gemacht hat und handle nach dem Worte: Liebet, die Euch hassen, und tut wohl denen, die Euch verfolgen I F. Mehring. Line vusthe für die Kriegshetzer! Nicht nur in den führenden Organen unserer herrschenden Klassen und chauvinistischen Parteien ist in den letzten Wochen eine schäm- und sinnlose Kriegshetze getrieben worden, sondern die chauvinistischen Delirien haben auch bis nach Süddeutsch- land hinein krampfhafte Zuckungen hervorgerufen. So schrieb selbst ein Darmstädter Blatt: „Warum jedoch zögern wir? Als die französi- scheu Tücken in Marokko mit aller Wortbrüchigkett be- ganncn, hatten wir ein sittliches Recht, loSzuschlageu. Ueber- rannt hätten wir das französische Heer, bevor auch nur dessen strategischer Aufmarsch vollendet gewesen wäre. Um solchen Krieg kommen wir auf keinen Fall herum; je länger hin verschoben, nur unter desto ungünstigeren Umständen." Diese chauvinistische Raserei ist noch gesteigert worden durch die lächerlich überschätzten Erfolge deS Grafen Zeppelin. Die grotesken Aufforderungen in der Presse, nach dem Vor- bild des Flottenvereins einen alldeutschen Luft- flottenverein zu bilden und dadurch Deutschlands Ucberlegenheit in derLuft dauerd zu sichern, bewiesen zur Genüge, daß die kriegerische Stimmungsmache und die chauvinistische Hetze gewisser Beutepolitiker in der kindischen Phantasterei chauvinistischer Narren einen üppigen Wücherboden gefunden hatte! So sehr man deshalb aus Gründen persönlichen Mitgefühls das Mißgeschick bedauern mag, das den Grafen Zeppelin bei seinen letzten Versuchen, durch eine Vierundzwanzigstundensahrt die Brauchbarkeit seines Fahrzeuges zu erweisen, betroffen hat, so sehr könnte man sich andererseits darüber freuen, daß durch diese Zwischenfälle in die a l l z u tob- süchtige Hurrastimmung unserer Chauvinisten eine sehr notwendige Portion kaltes Wasser gegossen worden ist! Träumten doch unsere Lllft- flottenphantasten schon von der Schaffung einer mächtigen Luftkreuzerflotte, durch die Deutschland eine Vormacht- st e l l u ii g in der Welt geschaffen werden könne. Diese an- niaßenden Toren bedachten nicht, daß Zeppelins Erfindung zwar den ersten Schritt zur Lösung eines bedeutsamen tech- nischen und kulturellen Problems darstellt, aber immerhin einen, wie wir kürzlich in unserem Artikel„Zeppelin" hervor- hoben, noch so„primitiven" ersten Schritt, daß sich unsere Chauvinisten durch ihr Siegesgeheul nur lächerlich machen konnten. Aber die Stimmung unserer Kriegshetzer ist so un- berechenbar und so jähenr Wechsel unterworfen, daß es die dringende Pflicht der Masse des Volkes ist, den verbrecherischen Kriegstreibereien»nserer Kriegshetzer gegenüber mit doppelter Energie die Friedensliebe des werktätigen Volkes zu beknnden! Mögen die V e r s a ni m l u n g s d e m o n st r a t i o n e n, die in Berlin und anderwärts in Deutschland stattfinden, den herrschenden Klaffen zeigen, daß die Kriegshetzerei der Panzcrplattenpattioten und sonstigen Kriegsinteressenten dem tatkräftigste» Widerstande des Proletariats begegne»! Aiedep vertagt. Der Prozeß Eule»bürg ist auch heute nicht von der Stelle gerückt. Der Angeklagte hatte noch Fieber und war nach dem Gutachten der Aerzte— auch Gcheimrat Kraus, der Leiter der internen Abteilung, gab heute ein längeres Gutachten ab— nicht verhandlungsfähig. Mau hofft aber bestimmt, morgen die Ver- Handlung im Beisein des Angeklagten wieder aufnehmen zu können. Eulenburg soll von jetzt an den Konferenzsaal der Charite, der zur Gcrichtsstäite umgewandelt worden ist. zugleich als ständiges Krankenzimmer angewiesen erhalten, so daß der nach den Aus- sagen der Aerzte lcbcnsgefährdende Transport von nun an ver- mieden werden kann. Co hofft man den Prozeß doch noch zu Ende führen zu können. Es wird übrigens immer wahrscheinlicher, daß dem Haupt- Prozeß noch andere folgen werden. Eulenburg ist bekanntlich auch wegen Verleitung zum Meineid angeklagt. Es scheint aber, daß er sich bei den Versuchen, die bayerischen Zeugen und besonders Ernst zu beeinflussen, auch Mittelspersonen bedient hat. Als solcher Mittler wurde Hofrat K i st l e r genannt. Wie dem„Bcr- lincr Tageblatt" aus München gemeldet wird, fand bei diesem, während er selbst in Berlin war, in seiner Münchener Wohnung eine Haussuchung statt, deren Ergebnis geheim gehalten wird. Jedoch verlautet, daß zwei Briefe des Fürsten Eulenburg an den Hofiat Kistler beschlagnahmt worden seien, in denen der Fürst den Hofrat Kistler auffordert, mit dem Fischermcister Ernst über dessen Aussagen im jetzigen Schwurgerichtsprozeß zu ver- handeln. Noch immer hält das Gericht seinen schädlichen Beschluß auf Ausschluß der Oeffcntlichkcit in dem bisherigen Umfange aufrecht. Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, daß jetzt zwei Redak- teure Berliner Blätter, die ihre Anwesenheit dem zufälligen Um- stand verdanken, daß sie über einen nebensächlichen Punkt als Zeugen gehört wurden, den Verhandlungen beiwohnen und ihren Zeitungen Bericht erstatten. Für diese Zeitungen ist damit ein Privileg geschaffen, das durch nichts gerechtfertigt ist. Es ist absolut nicht einzusehen, warum nicht wenigstens dem in Moabit beglaubigten Berichterstatter erlaubt wird, den Verhandlungen beizuwohnen. Unter den jetzigen Umständen ist dies durchaus im Interesse einer objektiven und kontrollierbaren Berichterstattung gelegen. Die Prozeßleitung würde sich ein Verdienst erwerben, wenn sie den ursprünglichen Beschluß, dessen völlige Durchführung ohnehin sich als unmöglich herausgestellt hat, endlich abänderte. Polirtlcbe dcbcrlicbt. Berlin, den 15. Juli 1908. Der Terrorismus gegen die Angestellten. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte für den Wert einer starken gewerkschaftlichen Organisation, die aus eigener Kraft der Herrschsucht übermütiger Unternehmer Schranken setzen kann, so wird ein solcher Beweis durch das Vorgehen der Maschinenfabrik Augsburg in ausreichendstem Maße geliefert. Die Entrüstung der öffentlichen Meinung hat die Herren nicht im geringsten eingeschüchtert. Sie wissen ja auch, daß der größte Teil der bürgerlichen Presse bald der- stummen wird, wenn sie gegen die Angestellten üben, was sie gegen die Arbeiter unter dem Beifall oder wenigstens dem Stillschweigen der bürgerlichen Presse stets getan haben, solange sie nicht die Macht der Organisation zum Einlenken ge- zwungen hat. Unsere Leser wissen, daß die Maschinenfabrik Augsburg von ihren Angestellten den Austritt aus ihren Or- ganisationen um jeden Preis erzwingen will. Ueber die Art. wie dieser Gewaltakt vollzogen werden soll, meldet das„Verl. Tagebl." folgendes: „Den Führern der Organisationen ist nicht ge- kündigt worden, aber eS wird ihnen am n ä ch st m ö g l i ck, e n Termin, das ist Mitte August, gekündigt werden. Den Organisierten ist eröffnet worden, daß sie weder Aus- besser un gen. noch Gratifikationen, noch llr- laub bekommen! Die auf der Vorschlagsliste zur Auf- besserung stehenden Beamten sind gestrichen worden, soweit sie organisiert sind. Die organisierten Beamten, die austreten, bekommen die für die Verbände und deren Krankenkassen ein- gezahlten B e i t r ä g e bis zur Höhe von 500 Mark ausbezahlt. So sind auch tatsächlich bereits Austritte erfolgt, und es erhielten unter anderen in einem Falle der Ausgetretene 160 M.. ein anderer Ausgetretener 400 M." Der bedrohten Organisation suchen unsere Genossen im bayerischen Landtage zu Hilfe zu kommen. Die Abgeordneten Dr. Süßheim, Bauer und Genosscu haben einen Antrag eingebracht, die Kammer wolle beschließen, die Staatsregiernng zu ersuchen, bei Vergebung ftaat- licher Arbeiten und Lieferungen solche Unter- nehmer auszuschließen, die auf irgendeine Art ihre Ange st eilten, Techniker und K a u f l e u t e an der Ausübung ihres Koalitionsrechtes zu hindern oder sie zu dem Verzicht auf das Koalitionsrechts zu ver- anlassen versuchen. Nach den Beteuerungen der bürgerlichen Parteien über die Koalitionsfreiheit sind sie verpflichtet, diesen Antrag anzunehmen und den Unternehmerterrorismus so wenigstens einigermaßen zu zügeln. Die Hauptsache bleibt freilich, daß die Ä n g e st e I l t e n s e l b st fest bleiben, ihre Organisationen stärken und sie im Sinne der modernen Gewerkschaften schleunigst ausbauen._ Der Fall Bernhard. Wir haben seinerzeit über den Fall Bernhard berichtet, der da- durch entstanden ist, daß Professor Bernhard vom Kultusministerium ohne die übliche Befragung der Fakultät an die Berliner Universi- tät als ordentlicher Professor berufen worden ist. Die Fakultät erhob gegen die Mißachtung ihrer Rechte Protest, dessen Wortlaut übrigens geheimgehalten wurde: Bernhard erklärte, ohne die Zu- stimmung der Fakultät die Professur nicht übernehmen zu wollen, und da er diese Zustimmung nicht erlangte, überreichte er sein Entlassungsgcsuch. In der bürgerlichen Presse ist darob ein er- götzlicher Streit entbrannt, der im wesentlichen dahinging, ob die Prinzipien, die das Kultusministerium, oder diejenigen, die die Fakultät bei ihren Borschlägen zur Ernennung erledigter Pro- fessuren befolge, die reaktionäreren sind. Wir haben uns in diesen Streit nicht eingemengt, denn in der Nacht der Reaktion noch Licht- unterschiede zu entdecken, dazu gehören Augen, über die wir nun einmal nicht verfügen. Die preußischen Universitäten haben dos Prinzip der Freiheit der Wissenschaft nie anerkannt und sind darin mit dem Kultusministerium völlig einig. Ob also die Vorschläge der Fakultäten wirklich dazu führen würden, daß aus unseren Univcrsttäten jeder freie Luftzug und jede neue Meinung noch mehr verbannt würden, als wenn das Ministerium— dos preußische Kultusministerium!— ohne Rücksicht auf die Vorschläge in seinen Ernennungen vorginge, das läßt sich, so nachdrücklich eZ von der einen Seite behauptet und von der andere» bestritten wurde, wirklich nicht entscheiden. Wenn aber in Preußen Reaktionäre miteinander streiten, so endet das gewöhnlich mit einem versöhnlichen Kompro- miß. Auch diesmal scheint das der Fall zu sein. Herrn Pro- fessor Bernhard ist eröffnet worden, daß sein Abschiedsgesuch vom Ministerium nicht genehmigt worden ist und außerdem hat er wegen seiner Eigenmächtigkeit, die Fakultät nachträglich befragt zu haben, noch einen Rüffel bekommen, der ihm in Erinnerung bringt, daß ein Universitätsprofessor in Preußen vor allem ein Beamter ist, der Order zu parieren hat. Bernhard hat einen sechs- monatlichen Urlaub erhalten und scheint im übrigen mit der Er- lcdigung der Angelegenheit zufrieden zu sein. Denn es heißt, daß er im nächsten Sommersemester in Berlin lesen wird. Auch die Fakultät wird diese„Erledigung des Altes", die im wesentlichen einen völligen Sieg deS Kultusministeriums dar- stellt, wahrscheinlich ruhig hinnehmen. Denn die Andeutungen, die über die Art, wie sie ihr Vorschlagsrecht ausübt, und über die Protektion, die dabei eine Rolle spielt, gemacht worden sind, haben das Ansehen der Herren nicht gerade vermehrt. Und sie wisse» selbst, daß das Material noch bedeutend vermehrt werden kann. Freiheit ist eben ein Ganzes. Und man kann sich nicht in einem und noch dazu untergeordneten Punkt auf die Freiheii stützen, wenn man sie in der Hauptsache längst verleugnet hat._ Scherl dementtert. Die Scherlpresse denientiert die Meldung der„Marli- schen Volkszeitung", daß noch vor Ablauf des SextennatS dem Reichstag die Forderung einer neuen Festsetzung der Friedens- Präsenzstärke des Heeres unterbreitet werden solle. Eine solche Militärvorlage sei vor Beendigung deS SextennatS nicht zu erwarten. Daß die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" sich über die sicher nicht aus der Luft gegriffene Meldung des ultra- montanen Blattes bis jetzt völlig auSschweigt und Scherl das Dementieren überläßt, gibt der Meldung des ZentrumSblaticS immerhin eine gewisse Wahrscheinlichkeit. Aber selbst, wenn die j 1 ohnehin so argen Finanzkalamitäten das frühere Einbringen cincr anspruchsvollen Militärvorlage nicht zulassen sollte, so wird man 1910 oder 1911 mit um so unverfroreneren Forderungen kommen!_ Wahlproteste. Nach der„Nationalliberale n Korrespon denz" sind nunmehr, nach Ablauf der Einspruchsfrist gegen die preußischen Landtagswahlen. Wahlproteste gegen 52 Abgeordnete erhoben worden, lind zwar gegen 23 Konservative, Freikonservative und Bündler, gegen 8 Nationalliberale, gegen. 6 Ultramontane, gegen 5 Freisinnige, 4 Sozialdemokraten und 6 Polen, Dänen und Wilde. Von sozialdemokratischen Wahlen werden angefochten Berlin V(Vorgmann), Berlin VI(Hey- mann, Berlin VII(Hirsch) und Berlin XII(Hoffmann). Ein Parteigenosse von Schutzleute» erschossen. Eine Tragödie spielte sich in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag in dem rheinischen Bcrgarbeiterstädtchcn B o r b e ck bei Essen ab. In der Backstraße, einer Vorortstraße, die nur vier kleine Häuser zählt und im übrigen von wogenden Kornfeldern und Kartoffeläckern umgeben ist, wurde am Sonnabendabend Geburtsteg gefeiert, man zechte ein wenig, mmi unterhielt sich bei offene n Fenstern vielleicht etwas laut, doch nicht so, daß etwa ein polizeiliches Eingreifen erforderlich gewesen wäre. Selbst wenn man gesungen haben würde, wem hätte das schaden können im freien Felde! Anders dachten darüber jedoch die Polizei. beamten Schmitz und Ringel, als sie gegen 11 Uhr die Straß: passierten. In barschem Tone wurden die Leute aufgefordert, sich ruhig zu verhalten. Als es darüber zu einem Wortwechsel mit den Polizisten kam und der Hauseigentümer sich zugunsten der Ge- burtstagsgesellschaft ins Mittel legte, wurden zwei der Au« wescn den sowie der Hauseigentümer kurzer. Hand beim Kragen genommen und zur Polizeiwache gebracht. Dem Hausbesitzer, der nur mit Hemd und Hosen bclleidct infolge der Auseinandersetzung mit den Pölizd- bcamtcu hinzugekommen war, ließ nian nicht einmal Zeit, sich ordentlich anzuziehen. Natürlich erregte das Auftreten der Polizei die Gemüter, und so blieben denn die nichtverhaftcten Frauen noch eine Weile stehen, um sich über die segensreiche Einrichtung prcn- zischer Polizeiwachen und die Allmacht des Schuhmanns zu unter- halten. Doch auch dies Vergnügen sollte nicht lange dauetn. Nach kurzer Zeit kamen die beiden Schutzleute in Begleitung eines Herrn in Zivil(angeblich eines Kriminalbeamten Osten) zurück und ferdcrtcn unter Androhung von weiteren Verhaftungen die Frauen auf. in ihre Wohnungen zu gehen. Insbesondere die Frau d c S Bergarbeiters Hagenberg, die im Parterre des Hauses wohnt und deren Stubenfenstcr offen standen, wurde mit„Ein- loche n" bedroht, wenn sie nicht ihr Fenster zumache und sich zurückziehe. Dabei hatte aber gerade diese Frau mit der Ge- burtstagsfeier nichts zu tun, sondern sie erwartete ihren von der Arbeitsschicht heimkehrenden Mann. Hagenberg kam denn auch bald und erfuhr von den in größter Aufregung sich befindenden Frauen den Hergang. Hagenbcrg, ein guter Parteigenosse und (Gewerkschaftler, auch Vorsitzender des Arbeitcrgesangvercins und ein ruhiger, besonnener Mann, ging nun in aller Ruhe zu den aus- und abpatrouilliercndcn Schutzleuten und redete einen derselben mit den Worten an:„Sind Sie Herr Schmitz?" worauf dieser in überlauter, provozierend scharfer Ton- art entgegnete:„Ja, das bin ich." Als dann Hagenberg weiter bemerkte:„Aber wie konnten Sie denn meine Frau so anfallen?" entgegnete der Beamte wieder im höchsten Diskant:„Das sind Ihre Sachen nicht. Was wollen Sie überhaupt von mir?" Und als nun Hagenbcrg wieder entgegnete:„Ich will weiter nichts von Ihnen, ich wollte nur wissen, weshalb Sie meine Frau so angefahren haben," da schrie ihn der Schutzmann abermals an:„Scheren Sie sich hinein, sonst nehmen wir Sie auch fest!"— Nun muß wohl dem sonst so ruhigen Hagenbcrg die Galle übergelaufen sein, denn er entgegnete eben- falls gereizt:»Das wollen wir denn doch mal sehen!" drehte sich um und lief ins Haus, dabei seiner Frau zurufend: „Gib mir doch mal das Ding her"(gemeint war eine Flobertbüchscl. Jetzt setzten die Polizcibcamtcn hinter ihm her. Einer von ihnen dringt durch die Tür, der andere mit dem Zivilisten durchs Fenster in die Stube. Gleich darauf fallen in der Stube mehrere Schüsse. Hagenberg stürzt zur Erde und i st, von drei Schüssen getroffen, in kurzer Zeit eine Leiche! Als die„Schutzleute" dergestalt ihr Werk vollbracht hatten, schreit Ringel, aus dem Hause stürzend, er sei gestochen. Mög- • lich und erklärlich wäre cS schon, wenn Hagenbcrg in seiner Be- drängnis zum Messer gegriffen hätte, doch will niemand von den Zeugen Blutspuren gesehen noch ein Messer gefunden haben. Hagenberg selbst aber kann es nicht beiseite geschafft haben, denn er hat nach einigen Minuten auf der Stelle, wo er niedergeschossen wurde, seinen Geist aufgegeben. Wer nun aber angesichts eines solchen Falles etwa der Meinung sein sollte, die bürgerliche Presse würde mit uns im Interesse der öffentlichen und persönlichen Sicherheit st r e n g st c Rechenschaft von der Polizei fordern, der irrt sich gewaltig. Sie ist im Gegenteil recht schnell bei der Hand— die brave, Polizei- fromme bürgerliche Presse— die Handlungsweise der Schutzleute zu entschuldigen und unseren in seiner eigenen Wohnung von Polizeihand erschossenen Genossen als Rowdy hinzustellen, der durch sein Verhalten die Schuld an dem bedauerlichen Vorkomm» nisse getragen haben soll!_ Prenhische Gastfreundschaft. Vor einigen Tagen brachte das hier erscheinende dänische Blatt „FlenSborg Avis" die Nachricht, daß 150 Arbeiter der Hessischen Fabrik in Middslfart(Dänemark) einen Ausflug nach Sonderburg unternehmen wollten, doch sei ihnen von hier aus mitgeteilt worden, das ihnen das Betreten des Landes verboten werden würde. Die köllerfreundliche, freikonservative„Flensburger Nordd. Zeitung" war trotz ihrer sonstigen dänenhetzerischen Tendenz an» scheinend der Ansicht, daß hier ein schwerer Fehler der Behörde, oder eine unlvahre Nachricht der dänischen Presse vorlag. Sie wandte sich um Auskunft an die Fabrikleitung in Middelfart und erhielt von dort folgenden Bescheid: „150 Arbeiter unserer Fabrik wollten gestern(12. Juli) eine Lusttour nach Alson(Sonderburg) unternehmen und hatten sich mit dem Hotel„AlSsund" dort in Verbindung gesetzt. Im letzten Augen- blick'kam jedoch die telegraphische Meldung, daß eine Landung uicht erlaubt würde." DaS Telegramm war unterzeichnet„Hotel AlSsund". Jetzt wünscht selbst die„Fl. Nordd. Zeitung", daß die Regierung gegen solche Maßregeln der Polizeibehörde vorgehen solle! Die Reisen des Oberpräsidenten. DaS Zentrum ist dem Oberpräsidenten der Rheinprobinz. dem Freiherrn von Schorlemer, nicht hold, weil er, statt den politischen Bahnen seines VaterS, des„westfälischen Bauernlönigs" und ehemaligen Zentrumsführers zu folgen, sich vom Zentrum ab- gewendet hat und als Förderer der nationalkatholischen Bewegung sogar in offenen Gegensatz zum Zentrum getreten ist. Im März dieses Jahres wandle sich der Zentrumsabgeordnete Kirsch im Landtage gegen die häufigen Sseisen des Oberpräsidenten, indem er nieinte: „Bei dem Oberpräsidenten der Rheinprobinz hat man den Gedanken, daß er vielfach nicht zu amtlichen Zwecken, sondern zu anderen Zwecken, die mit seinem hohen Amte an sich nichts zutun haben. Reisen unterninnnt und diesen seine Tätigkeit zuwendet. Er soll z. B. Stütze und Mitbegründer der Deutschen Vereinigung sein, einer Gründung, die ihn als Oberpräsidenten nichts angeht.". Bei der Einweihung des Kreisständehauses in Neuwied hat Herr von Schorlemer aus diesen Angriff aus dem mißvergnügten Zentrumslager geantwortet. Er stehe, so meinte er, in dem Rufe, ass Oberpräsident viel auf Reisen zu sein. Hierauf müsse er er- widern, daß er sich nicht davon abhalten lasse, jede Zeit zu nutzen, um aus eigener Anschauung die Dinge kennen zu lernen und die Wünsche an Ort und Stelle eiitgegeiizuiisbineii. Damit habe er die beste Erfahrung gemacht, und er glaube, daß er trotz der Klage dieses einen Abgeordneten die Zustimmung der Provinz habe. Wir vermögen nicht festzustellen, ob und wie weit die Reisen des rheinischen'Oberpräsidenien amtlichen oder politischen Zwecken dienen, jedenfalls aber ist anzunehmen, daß das Zentrum an den Reisen des Oberpräsidentcn nichts auszusetzen hätte, wenn sie statt im Interesse der Deutschen Vereinigung im Jntercsie des Z e n- trums geschähen! Wenigstens ist uns kein Fall bekannt, wo das Zentrum Klage geführt hätte über die eifrige politische Tätigkeit, über die AgitationSreisen von Geistlichen, Oberlandesgerichtsräten und sonstigen Beaniten, die im Dienste der ultramontanen Partei tätig sind.—_ Ein neues Forbach. AusMünchen»vird gemeldet: In der Abgeordneten- k a m m e r erklärte heute der Kriegsministcr Freiherr v. Horn auf eine Bemerkung aus dem Hause, den traurigen Verhältnissen, wiesieinDieuze herrschten, Ivo Schuldenafsäre», Spielskandale, Trinkgcschichten und Selbst- morde eine Rolle spielen, müßte dadurch abgeholfen werden, daß man die größte Aufmerksamkeit dorthin lenke. Es seien bereits vier der besten Offiziere nach dort geschickt worden, auch werde die Versetzung des Regiments zu erwägen sein!_ Die bayerische Regierung gegen einen liberale» Lehrer. Der Volksschullehrer B o y l i» Würzburg. der sich als Heraus- geber der„Freien bayerischen Schulzeitung" und als Redner in der bayerischen Lehrerversmumluiig in München gegen die„A u t o r i tä t des Staates" vergangen haben soll und gegen den deshalb ein Disziplinarverfahren eingeleitet ist, soll nach einer Mitteilung der »N. bayr. LandeSzeitling" in einer Zuschrift des Kultusministers v. Wehner an den Stadtmagistrat Würzburg ein„Aufwiegler' genannt worden sein, der beim geringsten„Rückfall" straflveise versetzt oder überhaupt aus dem Dien st e entlassen werden solle. Wie unser Mitarbeiter auS sicherer Ouelle erfährt. veranstalten die liberalen Lehrer Bayerns gegenwärtig für„ihren Boyl" eine Sammlung, um ihn in seiner Existenz und als Herausgeber der„Freien Schulzeitimg" im Kampfe gegen den dem Zentrum gefügigen bayerischen Kultusminister unabhängig zu machen. Die Sammlung soll bereits 12000 Marl er- geben haben.—_ Vikar und Kreisschulinspektor. Bei der letzten Landtagswahl hatten die ZentrumSleute in in T u ch e l(Wpr.) zwei Kandidaten, den Dr. Gatz und den Böttcher- meister Weiland in dem Bezirk der Abteilung aufgestellt, in welcher auch der Vikar und Religionslehrer Aeltermann wählte. Die konservativ-liberale Allianz nominierte den Kreis schulinspektor Brühl) und den Bürgermeister Lutze als Kandidaten. Bruhy ist stellvertretender Dirigent des Deutschen katholischen Kirchenchors, in welchem er bis vor einigen Wochen Dirigent war. Nach dem Zentrumsorgan für Westpreußen schrieb der Vikar Aeltermann folgenden Brief an Bruhy': Tuchek, den 3. Juni 1903. Geehrter Herr Kreisschulinspektor! Ich drücke hiermit mein tiefes Bedauern aus, daß Sie, als Dirigent des katholischen Kirchenchors, gegen die waschechten deutschen katholischen Herren Dr. Gatz und Weiland sich haben aufstellen lassen. Aeltermann. Die Antwort lautete: Tuchel, den 3. Juni 190S. Geehrter Herr Vikar! Die Kritik meines Verhaltens verbitte ich mir— den Brief halte ich zur weiteren Verwendung zurück. Bruhy. Die Verwendung des Briefes bewirkte folgende Verfügung: Marieiiwerder. den 18. Juni 1008. Königliche Regierung, Abteilung für Kirchen- lind Schulwesen. Journ.-Nr. 11. 3. 4749. Wsch. Nachdem wir von dem Ihrerseits unterm 3. d. MtS. an den Königlichen Kreisschulinspektor Bruhy, dortsekbst, gerichteten Schreiben Kenntnis erhalten haben, ziehen wir die Ihnen durch unsere Verfügung vom 25. Januar 1905 Nro. 11. 3. 830. Kr. widerruflich erteilte Genehmiguug, an der dortigen höheren Privat-Knaben schule zu unterrichten, hiermit zurück und veranlassen Sie, Ihre vorbezeichnete Tätig- keit mit dem 30. Juni ds. IS. einzustellen. Steinrllck. An den Herrn Vikar Aeltermann Hochehrwllrden in Tuchel. Und das zetert über den Terror der Sozialdemokratie l— Oeftemieb. Eisenbahnverstaatlichnng. Wien, 15, Juli. Der Eisenbahitausschuß nahm die Regierungs- Vorlage betreffend die Verstaatlichung der B ö h m i s ch e n Nordbahn mit einem Znsatzartikel Pergelt an, wonach die Staats- eisenbahnverwaltung bis zur anderweitigen gesetzlichen Regelung dieses Punktes bei der Besetzung von Dienstposten in de» von der Böhmischen Nordbahn berührten Orten auf Angehörige beider Nationalitäten Bedacht zu nehmen hat. Wien, 14. Juli. Die seit längerer Zeit zwischen der Regierung und dem Präsidenten Ritter v, Taussig geführten Verhandluitgen über die Erwerbung der Linien der S t a a t S e i s e n b a h n- gesellschaft, der Nordwest bahn und der Süd-Nord» deutschen Verbindungsbahn haben zu einer vollständigen Einigung geführt. Die Bahnen gehen mit rückwirkender Kraft vom 1. Januar 1908 an in den Besitz des Staates über. Rußland. Eine Verschwörung gegen den Zaren? SoSnovice, 14. Juli.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Hier finden seit dem 1. d. Mts. Massenverhaftungen und Ausweisungen von Personen, die den extremen Parteien angehören, statt. Heute sind 13V, seit dem 1. Juli 35V Personen ausgewiesen worden. Diesem Vorgehen liegt aber nicht, wie von anderer Seite gemeldet wurde, eine Verschwörung gegen das Leben des russischen Kaisers zugrunde. Petersburg, 15. Juli. Infolge der in Russisch-Polen entdeckten Verschwörung gegen die Familie des taren sind in Moskau, Petersburg und zahlreichen anderen tädten Rußlands viele Verhaftungen vorgenommen worden. Cürkd. Die Jungtiirken. Kölu, den 15. Juli. Der„Kölnischen Zeitung" geht aus Saloniki die Drahtnachricht zu, daß Divis ionsgencral Hadi Pascha mit einem Oberstleutnant und einem Major aus Uesküb zu den aufständischen Jungtürk cn in Resna übergegangen ist. Perfien. Der Kampf in TäbriS. TäbriS, 14. Juli.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Seit 4 Uhr nachmittags werden das Gebäude des Endschumens und das Stadtviertel Umrachis b e- schössen. Die V e r l u st e werden auf beiden Seiten v c r- h e i m l i ch t. Täbris, 15. Juli.(Meldung der Petersburger Tele- graphcn-Agentur.) Seit vormittag 11 Uhr belagert Rakhim Khan mit Reiterei den Stadtbezirk Umu:akhis. in dem die Revolutionäre befestig t e Stellungen innehaben. Der Bezirk wird von Artillerie stark be- schössen. Die Frauen und Kinder konnten im Stadt- bezirke Daratschi untergebracht werdem In Teheran. Petersburg, 15. Juli. Die Meldungen aus Teheran lauten wieder für die Reaktion ungünstig. Die Zahl der Gegner des Schahs ist im Wachsen begriffen. In Teheran werden sämtliche Zeitungen andauernd unter- drückt. Marokko. Zurückgekehrt. Paris, 13. Juli. Aus M o g a d o r wird vom 11. Juli gemeldet: Die nach Marrakesch bestimmte a z i s i s ch e Mahalla, die abmarschiert war, unr zu dem Kaid Khoban und den AnfluS-Truppen zu stoßen, ist zurückgekehrt, nachdem Anflns seinen persönlichen Feind Khoban getötet hatte._ Französischc Verstärkungen. PariS, 15. Juli. Aus Biserta wird gemeldet, daß ein Bataillon deS 4. Schützenregiments zur Verstärlung der Truppen an der algerisch- marokkanischen Grenze nach Lalla Marnia entsendet worden ist. Huö der parteis AuS de« Organisationen. Der dritte Jahresbericht det Agitationskommission für den Bezirk Görlitz, er- stattet vom Parteisekretär Genossen Herm. Stolpe liegt vor. Wir entnehmen ihm, daß die Zahl der Organisationsmitglieder in den sieben Wahlkreisen Görlitz, Rothenburg-Hoyerswerda, Builzlau- Lüben, Glogau, Sagan-Sprottau, Grünberg-Freystadt und Löwen- berg ain 1. April 1908 4693 gegen 4000 am 1. April 1907 betrug: 8000 Abonnenten der Parteizeitungen waren vorhanden und 14294 Gewerkschaftler. Der Kassenbericht ergibt eine Einnahme von L0S2,40 M., wovon 1967,52 M. aus den Wahlkreisen und 300 vorn Parteivorstand stammen. Der monatliche Beitrag im Bezirk ist noch ein sehr ungleicher. Drei Kreise erheben 20 Pf., ein Kreis(Bunzlau) 25 Pf., drei Kreise(Löwenberg. Sagau, Görlitz) 30 Pf. Die diesjährige Jahresversammlung fand am Sonntag, den 12. Juli, in Martinroda statt. Aus dem Jahresbericht geht hervor, daß sowohl eine Zunahme der politisch organisierten Mit- gliedcr, als auch der Abonnenten unserer Parteiprcsse zu verzeichnen ist.— Als Kandidat für die nächste Reichstagstvahl wurde Genosse Laudert-Weimar wieder aufgestellt.— Bezüglich der Frauen organisation wurde den Vorschlägen der Zentral- lcitungcn zugestimmt und beschlossen, daß in die Kreisleitung ein weibliches Mitglied mit zu wählen ist. In einer Resolution wurde zum Ausdruck gebracht, daß zur besseren Aufklärung der Frauen für diese besondere Versammlungen zu veranstalten sind, in deucn Fragen erörtert wenden, die auf die wirtschaftliche, soziale und politische Stellung der Frau Bezug nehmen, damit die Frapcn nicht nur über die Rechte und Pflichten als Arbeiterin und Staats- bürgerin aufgeklärt, sondern zu Klassenkämpferinnen erzogen wer- den.— Bezüglich der Maifeier erklärte sich die Jahresversamm- lung mit den Beschlüssen des Gewerkschaftskongresses in Hornburg einverstanden. Bezüglich der Jugendlichen wurde einer Re» solukioit zugestimmt, in der gefordert wird, daß durch besondere Aktionskomitees eine Agitation entfaltet wird, um die über 18 Jahre alten Arbeiter zum Eintritt in die Partei noch vor ihren Militärjahren zu gewinnen.— Als Delegierter zum Parteitag in Nürnberg wurde Genosse B ändert gewählt. — Die Kreisleitung verbleibt in Weimar, als Vorsitzender wurde Genosse Beck gewählt. Soziales. Juristentag. Ter 29. deutsche Juristentag findet vom S. bis 13. September in Karlsruhe statt. Von den Gegenständen zur Tagesordnung stehen zum Arbcitsvcrtragsrecht in Beziehung: 1. Empfiehlt sich die gesetzliche Regelung des gewerblichen Arbeitsvertrages(ins- besondere des Tarifvertrages) zwischen Arbeitgebern oder Arbcitgcberverbändcn einerseits und Arbcitcrverbänden anderer- seits? 2. Welche zibilrochtlichen Folgen knüpfen sich an die im modernen Lohnkampf üblichen Verrufserklärungen, ins- besondere an das Verbot des Einkaufs und Verkaufs, des Arbeit- gebcns und des Arbeitnehmens? 3. Empfiehlt es sich, das Reichs- gcsetz zur Bekämpfung des unlauterenWettbewerbS in Ansehung des Ausverkaufswesens zu ergänzen? 4. Welche Aenderungcn des bestehenden Rechts empfehlen sich, um denjenigen Personen, welche in einem Vertrags- oder An- stcllungsverhältnis tätig sind, den gebührenden An- teil an Nutzen und Ehre aus ihren Erfindungen und sonstigen geistigen Schöpfungen sicher zu stellen? Aus den strafrechtlichen Thematen heben wir hervor: 1. Bedarf das L e g a l i t ä t s p r i n z i p im Strafverfahren einer Einschränkung, bejahenden Falles in welcher Richtung? 2. Welches Straf mittelsystem empfiehlt sich für das künftige deutsche Strafgesetzbuch? 3. Empfiehlt es sich, iu das künftige deutsche Strafgesetzbuch Bvrschrifietr über StrafzulNessung anfzu» nehmen? 4. Ist die V o r unper s u ch g im Sinne der gqMftg wärtigen Strafprozeßordnung beizubehalten und wie würde sie. falls diese Frage bejaht wird, zu gestalten sein?--- Von allgemeinem Interesse ist noch von den 13 Gegenständen der vorläufigen Tages- ordnung das Thema, ob das amtsgerichtliche Verfahren einer Reform und nach welcher Richtung hin bedarf. Zur Säuglingsernährung. Im November vorigen Jahres hatten die Zentralstelle für Volks. Wohlfahrt und der Deutsche Verein für ländliche Wohlfahrt und Hcimatpflcge eine Eingabe an die Staatsregierunge» sämtlicher Bundesstaaten gerichtet, in der auf die veränderten Ernährungs- Verhältnisse auf dem Lande, den starken Verbrauch von Kolonial- waren und vielen wertlosen Surrogaten und andererseits auf die EntWickelung der Abfuhr von Naturprodukten auf dem Lande, namentlich der Molkereiprodukte, und aus die mit diesen Vor- gängen im Zusammenhange stehenden Erscheinungen aufmerksam gemacht wurde. Die Eingabe richtete an die Staatsregierungen die Bitte, durch Erhebungen in den einzelnen Bundesstaaten, namentlich über den Wandel der Ernährung, der Mutterschutz- und Säuglingsfürsorgc Klarheit zu schaffen, damit auf Grund erschöpfender Belege die er- forderlichen Maßnahmen getroffen werden könnten. Diesem An- suchen sind bereits verschiedene Bundesstaaten nachgekommen. In Bayern und Württemberg haben die angeregten Fragen schon in den vergangenen Jahren den Gegenstand eingehender Erwägungen auch in den Landtagen gebildet. Mit einem Erlasse des Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenhciten Pom 10. Juni dieses Jahres hat auch die preußische Regierung die ein- zelnen Regierungspräsidenten aufgefordert, den von der Zeutrak- stelle für Volkswohlfahrt angeregten Fragen besondere Beachtung zu schenken und durch die Kreisärzte im Benehmen mit cinzelnon Gemeindevorstehern, Geistlichen, Aerzten, Lehrern, Hebammen, Gemeindeschwestern und Landpflcgerinncn die Frage der Säuglings- crnährung im allgemeinen, der Stillhäufigkeit, der Ursachen des Nichtstillens, der Ernährungsweise der Kinder durch Ticrmilch und bei Milchmangel durch Ersatzstoffe im besondereil festzustellen und über die Mängel der Ernährung auf dem platten Lande auch djc Aerztekammern und die provinzialc» Medizinalkollegien zu hören. Die Herren Oberpräsidentcn sollen die Berichte der R�gjerungs- Präsidenten bis zum Februar 1909 dem Herrn Kultusministcr vor- legen.____ Prämien für Uebcrtretung von Arbeitcrschutzvorschristcn., Der Besitzer eines Sägewerks in Parleithen(Oberpfalz) und sein Verwalter hatten durch Außerachtlassung der Schutzvor- s ch r i f t e n für Maschinen verschuldet, daß ein Arbeiter u m seine linke Hand kam. Das Regensburgcr Landgericht sühnte dieses Verbrechen mit— 1 5 0 M. und 5 0 M- G e l d st r a f e. Kurz zuvor mußte das gleiche Gericht einen armen Teufel, der etwas im Werte von ein paar Pfennigen gestohlen hatte, zu drei Monaten Gefängnis verurteilen, der niedrigsten Strafe für Diebstahl im Rückfalle. Gcmrkrchaftlichcd* Berlin und Umgegend. Achtung, Rohrleger und Helfer! Zu der im gestrigen„Vorwärts" veröffentlichten Erklärung betreffend die Verhandlung vor dem EinigungSamt ist noch nach» zutragen: „Unser Obmann, der Arbeitnehmer in der Schlichtungskom- Mission, begab sich am 15. früh nach dem Getvcrbegcricht, uui dem etwa doch zusammentretenden Einigungsamt eine mündliche Er- läuterung unserer schriftlichen Erklärung zu geben, falls eben das Einigungsamt eine solche Erläuterung wünschte. Bei Eröffnung der Sitzung verlas der Vorsitzende Herr v. Schulz unsere auch dem Gewcrbcacricht übermittelte Erklärung, und im Anschluß daran machte unser Obmann, der Kollege Händke, das EinigungZamt mit dem Zweck seiner Anwesenheit bekannt. Der Vorsitzende bemerkte dazu, daß wir ja daS Recht gehabt bätten, auch einen Vertrauensmann für das Einigungsamt zu be- stimmen und einen solchen Vertrauensmann hätten mitbringen können. Auch wäre das ja am 10. d. M. dem Vertreter des Metall- arbeiterverbandes gesagt worden. Der Kollege Handle bemerkte darauf, das sei ja richtig. Aber trotzdem bleibe bestehen, daß das Einigungsamt einseitig zusammengesetzt sei, wie überhaupt die ganze Einberufung des Einigungsamtes unter Umständen erfolgt sei, die ein Mittun des Metallarbeiterverbandes unmöglich machten. Die weitere Frage des Kollegen Handle, ob nunmehr das Eini- gungsamt doch tagen würde, lehnte der Vorsitzende ab zu bcant- Worten. Daraufhin hat der Kollege Handle den Sitzungssaal verlassen. Das Resultat der ganzen Aktion, die mit so großem Tamtam in die Wege geleitet wurde, ist nach obigem nicht so, daß der Be- schluß unserer letzten Rohrlcgerversammlung außer Kraft gesetzt zu werden braucht. Selbst das unter so eigenartigen Begleitum- ständen zusammengetretene Einigungsamt hat aber dem Verlangen des„Allgemeinen" nicht entsprochen. Merkwürdig und Unverstände lich bleibt trotz alledem die Haltung des Gewerbegerichts. Wenn ein Schnitzer gemacht ist, soll man ihn korrigieren. Nicht aber zu dem ersten Fehler neue Fehler hinzufügen." Deutscher Metallarbeitervcrband, Ortsvcrwaltung Berlin. % Mißstände im Betriebe der Firma Zwietusch u. Co., Telephon apparatefabrik in Charlottcnburg, wurden am Dienstag in einer Versammlung von Arbeitern und Arbeiterinnen dieser Firma be- sprachen. Es wurde ausgeführt, wenn die Kommission der Ar- beiter wegen der Abzüge, die jetzt oft vorgenommen werden, mit der Betriebsleitung verhandelt, dann hebt diese immer ihre Wohl- fahrtseinrichtungen hervor und renommiert besonders damit, daß ja den Arbeitern jährlich acht Tage Ferien unter Fortzahlung des Lohnes gewährt werden. Diese Vergünstigung ist aber keineswegs derart, daß die Arbeiter davon eine große Freude haben könnten, denn erstens bekommt nur derjenige die Ferien, der, vom 1. April an gerechnet, ein volles Jahr'im Betriebe beschäftigt war, so daß also jemand, der kurz nach dem 1. April angefangen hat. erst nach zwei Jahren die Ferien bekommt. Ferner ist zu bedenken, daß im Jahre mindestens doppelt so viele Ueberstunden gemacht werden als die Ferienzeit beträgt, so daß also die jährliche Arbeitszeit durch die Ferien keineswegs verringert wird. Eines der größten Mißstände im Betriebe ist das ausgedehnte Spitzelsystem. Fortgesetzt werden die Arbeiter und Arbeiterinnen beobachtet und kontrolliert, nicht nur von den Meistern und sonstigen Vorgesetzten. Die Betriebs- leitung hat einen Mann angestellt, der nichts weiter zu tun hat als aufzupassen und der deshalb von den Arbeitern der„Schutz- mann" genannt wird. Dieser..Schutzmann" paßt auf, ob jemand sich vielleicht einmal auf einen Augenblick von seinem Arbeitsplatz entfernt, ob er ein Wort mit seinem Nachbar wechselt, ob jemand u oft nach dem Klosett geht oder dasselbe zu lange benutzt usw ja, es soll vorgekommen sein, daß der„Schutzmann" die Klosett- räume selber nachschnüffelt und Arbeiterinnen, welche seiner Meinung nach dort zu lange verweilen, hinaustreibt aus den ver schwiegenen Räumen. Wie ein richtiger Schutzmann, so bringt auch der Fabrikschutzmann der Firma Zwietusch alle von ihm auf- gestöberten„Verstöße" zur Anzeige bei der Betriebsleitung. Die Denunzierten haben dadurch natürlich mancherlei Unannehmlichkeit. oft auch ihre Entlassung zu gewärtigen. Außer dem angestellten Aufpasser soll es noch viele freiwillige Spitzel in der Fabrik geben, welche sich durch Denunziation ihrer Mitarbeiter lieb Kind bei der Betriebsleitung zu machen suchen. Kein Wunder, daß diese fort- währende Bespitzelung von den Arbeitern als ein drückender, im höchsten Grade unwürdiger Zustand empfunden und die Fabrik mit einem Zuchthause verglichen wird.— Die Aufpasserei und Spioniererei dehnt sich aber auch auf den Arbeitsprozeß selbst aus. Aufpasser, mit Kontrolluhren versehen, erscheinen Plötzlich neben dem Arbeiter, um ganz genau festzustellen, in welcher Zeit eine be- stimmte Arbeit fertiggestellt werden kann. Nach der auf diese Weise ermittelten geringsten Arbeitszeit werden dann die Akkord- preise festgesetzt. Durch dies Verfahren sind die Akkordpreise in manchen Fällen so weit herabgedrückt worden, daß Arbeiterinnen, die einen Stundenlohn von 28 Pf. haben, im Akkord nur 19 Pf. verdienten. Leider gibt es unter den etwa 909 Arbeitern und Ar- beiterinnen, welche bei Zwietusch beschäftigt sind, noch viele, welche sich die unwürdigen Zustände nicht nur gefallen lassen, sondern die- selben durch ihr unsolidarisches Verhalten noch verschlimmern helfen. So ist beispielsweise eine Mechanikerwertstatt in der Fabrik, wo alle Arbeiten zu erheblich niedrigeren Akkordlöhnen angefertigt werden als anderswo. Die in dieser Werkstatt beschäftigten Mccha- niker begnügen sich mit Stundenlöhnen von 49 bis 45 Pf. und stehen den Bestrebungen der Gewerkschaft teilnahmslos gegenüber. Die Arbeiter, welche die unwürdigen Firma Zwietusch als unerträglichen Drui..._____. einen Appell an die Oeffentlichkeit die Firma»ur Abstellung der Mißstände veranlassen zu können. ustände im Betriebe der empfinden, glauben durch Langsame Barbiere. Die„Friseurgehilfen-Zeitung", das Organ der der General- kommission angeschlossenen Organisation im Barbiergewerbe, teilt mit, der�lokalistische Berliner„Verband deutscher Barbiere, Friseure und Perückenmachergehilfen" habe auf mehrfache Anfragen mitgeteilt, „daß die Kollegen vorläufig noch nicht daran denken an eine Verschmelzung refp. Anschluß und sich erst dann mit dieser An- gelegenheit beschäftigen werden, sobald der Parteitag ein be- stimmtes Urteil über die Lokalistenfrage gefällt hat." Gerade im Barbiergewerbe haben sich durch die Existenz mehre- rer Organisationen ungeheure Schwierigkeiten ergeben. Wie die Dinge liegen, sind die Friseurgchilfen bei ihren Bewegungen immer noch m erheblichem Maße auf die Solidarität der Gesamtarbeiter- schaft angewiesen, welche durch Boykott da eingreift, wo die gc- werkschaftliche Kraft der Barbiere nicht ausreicht. Die Existenz mehrerer Organisationen, die einander widersprechende Publi- kationen über ihre Bewegung in die Welt setzen, verwirrt nur die Arbeiterschaft und macht ihre solidarische Betätigung einfach un- möglich.. Bei dem Andauern solcher Zustände sind die Barbiere selbst die Eingeseiften. Zur Kündigung des TSpfertarifs. In Velten tagte eine zahlreich besuchte Versammlung der organisierten Töpfer, um zur Tarifkündigung seitens der Unter- nehmer Stellung zu nehmen. Der Vorsitzende Hille, der das Referat hielt, behandelte das Tarifverhältnis, welches daselbit zwischen Unternehmer- und Arbeitnehmerorganisation besteht und beleuchtete sodann die gegenwärtige wirtschaftliche Lage. Die zur- zeit ungünstige Konjunktur schienen die Unternehmer benutzen zu wollen, um Tarifändexungen herbeizuführen, das heiße auf gut Deutsch:„Um Abzüge zu machen". Da jedoch die Absichten der Unternehmer noch nicht genau bekannt sind, könne noch keine präzise Stellung dazu genommen werden. Das müsse aber schon heute ausgesprochen werden. Lohnabzüge zu machen in e i n e r Z e i t, in welcher die große Mehrzahl der Arbeiter infolge der ungünstigen Arbeitsgelegenheit kaum 18 bis 29 M. die Woche verdienten, dazu der hohe Stand der Lebensmittelpreise, wodurch die Lebenshaltung der Arbeiterschaft sowieso schon herabgedrückt werde, würde ein geradezu frevelhaftes Beginnen be- deuten. Der Lohnabzug werde auch den Unternehmern keine Vor- teile bringen; die Verkaufspreise würden sofort herabgedrückt werden und die Velten er Unternehmer hätten nur den zweifelhaften Ruhm, die gesamte wirtschaftliche Lage Veltens herabgcdrückt zu haben. Doch die Veltener Arbeiterschaft werde über den bestehenden Tarif wachen und ibrerseits ihre Wünsche äußern, die bei Abschluß des neuen Tarifs Beruckjichtigung finden sollen. In der Diskussion erklärten sich d,« Redner mit den Ausführungen des Referenten einverstanden Oeutfches Reich. Eine Generalaussperrung in Westfalen? * Eine Vertretersitzung des„Vereins selbständiger B i I d h a u e und Stukkateure Dortmunds", zu welcher Delegierte aus Bochum, Essen, Gelsenkirchen, Herne, Unna Kamen, Wanne und Dortmund entsandt waren, faßte nach mehrstündiger Beratung folgenden Beschluß: „Wenn die Stukkateur- und Putzergehilfen beider GeWerk- schaften bis zum Mittwoch, den 15. Juli 1993 nicht in Ver Handlungen eingetreten sind, die die Beilegung der„von ihnen verursachten" Lohnbewegung in Dortmund in Aussicht stellen so werden beide Arbeitgeberverbände am 18. Juli 1998 d i Aussperrung sämtlicher organisierten Ge Hilfen in den vorbenannten Orten vornehmen". Huetond, Nach dem Vombenattentat in MalmS. Ein Mitarbeiter von Kopenhagens„Socialdemokraten" reiste am Montag hinüber nach Malmö, um sich dort über die Zustände nach dem Bombenanschlag zu unterrichten. Er sah, wie immerfort Mrnschenmasscn nach der Hafengegend kamen, um sich das Streik- brechcrschiff anzusehen. Aber die Straßen waren dort überall mit dicken Tauen abgesperrt, an denen dichte Ketten von Polizeileuten Wacht hielten. Nur mit Mühe gelang es dem dänischen Journa listen. Erlaubnis zum Betreten der„Almathea" zu erhalten. Ein Polizeimann begleitete ihn. Das Schiff ist ein altes, halb ab getakeltes Fahrzeug. Verwahrlost und wurmzerfresscn lehnt es über das Bollwerk hinaus. Lumpige Reste von Tauwerk und ein zusammengeflicktes Segeltuch, das als Sonnensegel dienen sofr flattern im Winde. Das Deck und der ganze Schiffskörper sind ungeheuer verschmutzt. In all dem Schmutz sieht man einige Männer in Kochtöpfen warmes Essen zubereitpn, das einen zweifel- haften Geruch verbreitet. Ein Teil der Streikbrecher ist bereits an Bord. Der Schmutz, der ihnen anhaftet, scheint ihrer Haut gleich- sam von der Sonne eingebrannt zu sein. Sie werfen scheue, un sichere Blicke nach dem Fremden, Wohl aus Gewohnheit infolge der mißbilligenden, verachtendenBlicke, die sie selbst überall in Mabnö treffen. Der Verfasser beschreibt dann, wie der„Master" der Streik brecher, Seloy Köllingwood, mit unter Deck geht zur Be- sichtigung der Stelle, wo die Bombe explodierte. Das Loch in der Schiffswand ist so groß, daß zwei bis drei Mann zugleich hindurch- kriechen könnten. Am Mast gegenüber kleben noch Blut, Reste der Matratze, auf der der Getötete gelegen hat, sowie Fetzen seiner Kleidung. Im ganzen Raum liegen an jeder Schiffsseite reihen- weis Matratzen, unbeschreiblich schmutzig, verbeult und verrissen— die Schlafstätten der Streikbrecher. Man kann sich nach dieser Schilderung einen Begriff davon machen, welche Sorte von Menschen eS ist, die sich solche Zustände gefallen lassen. Die Explosion hat die Streikbrecher in größten Schrecken der- setzt. Sie verlangen energisch, heimgeschickt zu werden. Man bietet alles auf, sie zu beruhigen. Sogar Gelder werden für sie gesammelt, die natürlich in Wfrklichkqit den wohlhabenden Reedern zugute kommen müssen. Der schwedische König soll bei Gelegenheit seines Besuchs der Verwundeten sein Mißfallen darüber geäußert haben, daß die Reeder fremde Arbeiter importieren und damit große Unruhe im Lande hervorrufen. Ob es wahr ist, daß Gustav so vernünftig ge- redet hat, steht jedoch nicht fest. Die Stimmung der Bevölkerung ist sehr erhitzt. „Es ist klar," schreibt der Verfasser,„daß neben der schärfsten Verurteilung der Bluttat die allgemeine Erbitterung' gegen die Machthaber und Behörden gerichtet ist. Keinem, der mit Ver- nunft die Unruhen, die infolge des Hafenarbeiterstreiks in Schweden vorgekommen sind, beobachtet hat, fehlt das Vcrständ- nis dafür, daß das brutale Vorgehen der Behörden gegen die friedlichen Demonstrationen der Streikenden die Saat ist, die die blutige Frucht getragen hat. Das schwedische Arbeiterblut, das vor wenigen Wochen unter den Säbeln der Polizei in Göteborg geflossen ist, mutzte früher oder später die unvermeidliche Rache nach sich ziehen. Rohe Mördereien der Polizei haben noch nie- mals verfehlt, geistig blinde Fanatiker zu Gewalttaten aufzu- jhetzen. Hiergegen gibt es kein Mittel, als den Säbel in die Scheide zu stecken." Die schwedische Regierung scheint solchen vernünftigen Er- wägungen nicht recht zugänglich zu sein. Sie hat am Montag. abend die Bezirksregierungen angewiesen, wo es notwendig ist, mit Gewalt für effektiven Schutz der Arbeitswilligen in wie außerhalb der Arbeit zu sorgen.— Von einem besonderen Schutz der schwe dischen Arbeiter gegen Messerstiche und Revolverkugeln der eng lischen Streikbrecher ist in dem Erlaß nicht die Rede. Der Streik der Angestellten der Seine-Dampfer dauert fort. Die Streikenden haben der Direktion folgende Forde- rungen unterbreitet: Herabsetzung der Arbeitszeit auf zehn Stunden; Sonntagsruhe abwechselnd; Einführung einer Alters- Pension. Außerdem wird die Entlassung mehrerer Aufsichtsbeamten gefordert. Die Direktion hat alle Wünsche der Arbeiter abge- lehnt. Eine Verkürzung der Arbeitszeit könne nur erfolgen, wenn gleichzeitig eine entsprechende Lohnherabsetzung eintrete. Bezüglich der Sonntagsruhe verweist die Direktion auf die Gesetzgebung, die hier eingreifen müsse. Ein Versuch des Ministers für öffent liche Arbeiten, eine Verständigung herbeizuführen, ist gescheitert. Die Gesellschaft hat im vergangenen Jahr 15 Proz. Dividende verteilt. Der Ministerrat wird sich mit dem Konflikt beschäftigen. Der Ausstand der Schiffsmannschaft der Ungarisch-Kroatischen Schiffsgesellschaft ist beendet. Die Arbeit wird morgen wieder auf- genommen. Die Wünsche der Arbeiter werden in einer gemein- samen Kommission geprufh_ Versammlungen. Mißstände in der Mühlenindustrie. Eine öffentliche Versammlung für alle in den Mühlen be- schäftigten Personen hatte die hiesige Zahlstelle des Mühlenarbeiter« Verbandes am Sonntagnachmittag nach dem„Gewerkschaftshaus" einberufen. Sie hatte den Zweck, den Mühlenarbeitcrn die Ur- fachen und Wirkungen der kapitalistischen Produktionsweise in der Mühlenindustrie und die Notwendigkeit einer starken Organisation der Arbeiter vor Augen zu führen. Das Referat hielt Arbeiter. sekretär Th. Bartels aus Köln, der selbst ein Viertcljahrhundert in der Mühlenindustrie beschäftigt war und somit über gründliche Kenntnis der Verhältnisse verfügt. Leben und Wirken und Wandern des Müllers ist bekanntlich von Alters her mit Poesie umwoben. Aber wenn dieser Beruf etwas besonders Poetisches an sich gehabt haben sollte, so sind- die Zeiten jedenfalls lange vorüber. Die kapitalistische EntWickelung hat aus dem Müllerberuf eine Großindustrie gemacht, die sich von anderen Jndustrieunternehmungen dadurch unterscheidet, daß sie noch viel weniger von menschlicher Arbeitskraft bedarf. Sieht man einen großen Müllereibetrieb von außen an, so könnte man meinen, daß sich in dem mächtigen Gebäude tausend fleißige Hände regen müßten. Aber es ist ein ungeheures Räder- und Maschinenwcrk, was die Arbeit leistet, und meist sind nur 59, 89 Mann, die die Maschinen bedienen, für Transport und Verpackung des Roh- Materials und der fertigen Ware sorgen. Der Großbetrieb ver- nichtet den Kleinbetrieb. Die Zahl der Müllercibetriebe nimmt beständig ab und in noch stärkerem Maße die Zahl der Müllerei arbciter, die in ihrem Beruf Beschäftigung finden konnett. Tausende werden mitleidslos auf die Straße geworfen, und keine Rede kann davon sein, daß etwa„das Wandern des Müllers Lust" wäre. Die kapitalistischen Großbetriebe rentieren sich um so besser, je mehr die starke Manneskraft des Müllers überflüssig wird. Ter Redner erwähnte die Ludwigshafencr Walzmühle, die im Jahre 1997 nach Abschreibungen von 399 999 M. noch 698 999 M., gleich 39 Proz. Reingewinn an ihre Aktionäre verteilen konnte. In diesem Betriebe erhielten die Arbeiter, als sie ein wenig Lohn- crhöhung verlangten, die Antwort:„Sind denn 38 Pf. Stunden- lohn noch nicht genug!" Der Redner schilderte dann die Zustände in einigen Müllereibetrieben Berlins. So erwähnt er den Betrieb der Firma S ch ü t t in Moabit, wo jeder Arbeiter bei der Ein- stellung gefragt wird, ob er Mitglied des Mühlenarbeitervervandcs ist, und wenn er die Frage bejaht, nicht würdig erachtet wird, die 49 bis 59 Pf. Stundenlohn, die es dort gibt, zu verdienen. Durch ein schändliches Spionagesystem, bei dem sich die Obermüller Hein und Boß besonders auszeichnen sollen, sucht man die Organisation aus dem Betrieb fernzuhalten, was jedoch nur teilweise gelingt. Ucber schlechte Behandlung durch die Obermüller wird auch in einigen anderen Betrieben geklagt. Daneben ist es eine oft die gesetzlichen Grenzen übersteigende Ucberzeit- und Sonntagsarbeit. die, zumal bei der großen Arbeitslosigkeit, die andererseits herrscht, um so verwerflicher erscheint. Besonders eingehend schilderte der Redner die Unfallgcfahren, die teils mit der Ucberarbeit, teils mit dem Mangel an Schutzvorrichtungen zusammenhängen. Durch solchen Mangel soll sich der Großbetrieb von Solomon u. Co. in der Mühlenstraße ganz besonders auszeichnen. Daß einem Schutzmann, der den Betrieb besichtigte, durch einen Treibriemen der Helm vom Kopfe ge- schleudert wurde, hat ebensalvenig zur Anbringung der not- wendigen Schutzvorrichtungen geführt, wie der Umstand, daß mön die Gewerbcinspektion auf die gesetzwidrigen Zustände aufmerksam machte. Vor drei Jahren verunglückte dort ein Arbeiter, nachdem er vergeblich um Anbringung einer Schutzvorrichtung ersucht hatte, so schwer, daß er nach langem Krankenlager seine gewohnte Arbeit nicht mehr verrichten konnte.))ie Firma versprach ihm, wie er selbst berichtet, dauernde Beschäftigung, wenn er auf Meldung des Unfalls verzichte. Er war töricht genug, darauf einzugehen. Nun ist dieser Mann, Familienvater von fünf Kindern, dennoch eiit. lassen worden, mitleidslos ohne Entschädigung für die schwere Einbuße an Gesundheit und Arbeitskraft.— In der Salomonschen Mühle soll es auch an dem nötigen frischen Trinkwasser fehlen, und vor allem an Badeeinrichtungen, die doch für die Erhaltung der Gesundheit der Mühlcnarbeiter als unentbehrlich gelten müssen. Der Redner schilderte, wie musterhaft diese Einrichtungen in der Genosscnschaftsmühle zu Lübeck, dem großen Arbeiterunter» nehmen, durchgeführt sind und den Arbeitern, ohne daß sie Ein- büße an ihrer freien Zeit erleiden, zur Verfügung stehen. In diesem Betrieb kommt man auch ganz gut ohne Sonntags- und Ueberzeitarbeit aus, die sonst in der Mühlenindustrie, auch von den Aufsichtsbehörden, für notwendig erachtet werden. Die Ausführungen des Referenten über die traurigen Zu- stände und Arbeitsverhältnisse in. der Mühlcnindustrie im allgc- meinen wurden in der Diskussion durchaus bestätigt und noch in manchen Punkten ergänzt. Ter Gewerbeinspektor, den man brieflich zu der Versammlung eingeladen hatte, war nicht er- schienen, hatte auch nicht einmal geantwortet. Von den ebenso eingeladenen Mühlenbcsitzern war auch keiner gekommen. Es wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung nimmt Kenntnis von den Mißständen in den hiesigen Mühlen. Besonders verurteilt sie scharf das Ucberstundenunwescn, die mangelhaften sanitären Einrichtungen in einigen Mühlen sowie auch die zum Teil recht schlechte Br- Handlung durch einige Obermüller. Die Versammlung beauf- tragt ihr Bureau, bei der Gcwerbeinspektion, sowie auch durch die Hauptverwaltung des Mühlenarbciterverbandes die zur Be- seitigung jener Mißstände nötigen Schritte zu unternehmen. Die Versammelten erklären einmütig, für die Ausbreitung der Organisation Sorge zu tragen, um so vozn Unternehmer bessere Arbeitsverhältnisse zu erlangen." Letzte JVacbrichten und Depefcben, Zur Kölner Brückenkatastrophe. Köln, 16. Juli.(2B. T. B.) Der„Kölnischen Zeitung' zufolge ist heute abend das letzte achte Opfer an der Katastrophe der Süd- brücke geborgen worden. Die Beerdigung erfolgt morgen nachmittag. Katastrophe auf einem Unterseeboot. London, 15. Juli.(W. T. B.) Ein schwerer Unfall hat sich an Bord des englischen Unterseebootes A 9 zugetragen. Während der Fahrt von Portland nach Dover ist die gesamt e SchisfS- Mannschaft infolge AusströmenS von Gasolin von schweren Erstickungserscheinungen befallen worden. Die Offiziere im Kommandoturm bemerkten ein fehler- Haftes Manövrieren des Schiffes, begaben sich nach unten und bilden die gesamte Besatzung bewußtlos. Ein Leutnant brachte mit großer Lebensgefahr die Maschine zum Stillstand und ver» hinderte dadurch ein weiteres Entweichen des Gases. Danach wurde er ohnmächtig. Als von dem begleitenden Kreuzer aus das Zurückbleiben des Unterseebootes bemerkt wurde, sandte man Boote aus, von denen die bewußtlose Schiffsmannschaft an Bord des Krgpzers geschafft wurde. Für vier Mann besteh� ernste Lebensgefahr._ Explosion in der Grube. Pottsville(Pennsylvanien), 15. Juli.(W. T. B.) In einer von der Susquehanna-Kohlengesellschaft betriebenen Kohlengrube zu Williamstown sind durch eine Gasexplosion zwölf Menschen getötet und acht zum Teil lebensgefährlich verbrannt worden._ Julischnee. Innsbruck, 16. Juli.(88. T. B.) In Nordtirol ist ein heftiger Wettersturz eingetreten. Auf den Bergen liegt bis zu zweitausend Meter herab dichter Neuschnee._ Mädchenhändler. Budapest, 16. Juli.(0. H.) Die Polizei verhaftete den be- rüchtigten Mädchenhändler Moritz Neumann, indem sie ihn auf rischer Tat ertappte. Er wurde zu zwei Monat Gefängnis und 609 Kronen Geldstrafe verurteilt. Erdirveil. Madrid, 16. Juli.(B. H.) Das Blatt„Jmparcial' berichtet aus Manila, daß gestern abend um 7 Uhr ein starker Erdstoß von uns Sekunden Dauer verspürt worden ist. Um 7 Uhr 26 Minuten wurde ein zweiter Stoß verspürt. Unfälle sind bei beiden Erdstößen keine gemeldet worden. Rom, 16. Juli. lB. H.) Die Erdstöße in der Provinz Udine haben ernstere Folgen gezeitigt, als zuerst vermutet worden. Mehrere Kirchen sind eingestürzt. In der Ortschaft Tomolo wurden v i e r Zersonen getötet. Ein Kind wurde durch einen herab- türzenden FelSblock erschlagen. Die Einwohner, unter denen große Panik herrscht, weigern sich, in ihre Häuser zurückzukehren.- Hagel. Augsburg, 16. Juli.(B. H.) Vorgestern hat ein Hagelwetter im weiten Umkreise die Kornernte vernichtet und andere Feld. rüchte schwer beschädigt. Der Schaden berechnet sich auf viele Hunderttausende. Berantw. Redakt.: Georg Davidfohn, Berlin. Inseratenteil verantw,: Th, Glocke, Berlin, Dlstck u.P.erlag: Vorwärts Buchdr, u,VerlagsanstAlt Paul Singer& Eo� HierzuZ Beilage» u. Unter halt» ngSvl. ir. 164. 25. Jahrgang. 1. KtilM dks Jotniätts" Kerlim lolbM. Zsilnttsta� 16. 1«li 1908. Crklärung. Die Erlassung deS neuen Reichsvereinsgesetzes hat in Deutsch- land die Erörterung der Frage der Jugendorganisation in Partei- und Gewerkschaftstreisen aktuell gemacht. Auf dem Hamburger Ecwerksckastskongretz wurde„die Organisation zur Erziehung der Jugend" besprochen und eine Resolution angenommen, welche„die Förderung der Bildungsbestrebunigen der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen fiir eine wichtige Aufgabe im Emanzipations- kämpfe der Arbeiterklasse" erklärt, jedoch zur Erreichung dieses Zweckes„die Bildung einer besonderen Jugendorganisation nicht für erforderlich" hält. In der Beratung der Frage sind Aeutzc- rungen über die Aufgaben und die Tätigkeit der Jugendorgani- sation im allaemeinen und über die internationale Verbindung der sozialistischen Jugendorganisationen im besonderen getan worden, die auf einem großen Mißverständnis beruhen und darum im Interesse der internationalen Jugendbewegung nicht unwidcr- sprachen bleiben dürfen. Das starke numerische Anwachsen der sozialistischen Bewegung, mit dem eine Vertiefung nicht gleichen Schritt halten konnte, hat in allen Ländern das Bedürfnis nach vermehrter erzieherischer Tätigkeit der Sozialdemokratie erweckt, die sich naturgemäß auf dem" Gebiete der Jugend erziehung am erfolgreichsten zu ge- stalten vermag. Da gleichzeitig die wirtschaftliche EntWickelung die Jugendlichen in immer stärkerem Matze in die Werkstätten und Fabriken geführt hat, wurde es auch für die Gewerkschaften stets wichtiger, sich um die früher vernachlässigte Jugend zu kümmern. Ehe jedoch in den meisten Ländern Partei und Gewerkschaft daran gingcu, aus diesen Bedürfnissen heraus Jugendorganisationen zu schaffen, ist charakteristischerweisc auf Anregung der Jugend- , lichen selbst eine sozialistische Jugendbewegung entstanden, die je nach den politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Landes und den Parteiverhältnissen verschiedenen Eharakter angenommen Hai, aber nicht überall von der Sozialdemokratie in gleicher Weise gefördert worden ist. Wie verschiedenartig auch der Charakter dieser Organisationen sein mag, so lassen sich drei Ziele bei allen erkennen: s o zi a- listische Erziehung, Kampf gegen die Wirt- schaftliche Ausbeutung der jugendlichen Ar- bciter und anti militari st is che Propaganda. Manche Jugendorganisation verfolgt nur eines dieser drei Ziele, andere wieder alle drei zugleich. Daß sich die Jugendorganisationen in den einzelnen Ländern unabhängig voneinander in gleichem oder ähnlichem Sinne entwickelt haben, ist ein klarer Beweis dafür, daß die Verfolgung dieser Ziele sich mit zwingender Notwendigkeit als Zweck der Jugendorganisation ergeben hat. Daß damit die Jugendorganisation in die Kompetenz der Partei und Gewerkschaften eingreift, ist ganz unrichtig. Für die Betätigung auf dem Gebiete der Erziehung braucht das nicht erst bewiesen zu werden. Was die B e k ä m p f u n g der Wirt- schaftlichen Ausbeutung der jugendlichen Arbeiter air- langt, so ist es in den Ländern, in denen das untergehende Haird- werk den verzweifelten Kampf um seine Existenz auf Kosten der Lehrlinge auskämpft, dringend� nötig, den Kampf für die Ein- Haltung etwa bestehender Schutzgesetze und Verbesserung derselben zu führen. Daß der erstere Kampf, der die Mängel der staatlichen Gewerbeinspektion paralhsieren soll, von den Jugend- lichen durch Einsetzung von Lehrlingsschutzkommissionen trefflich geführt werden kann, bezeugen Beispiele genug. Daß diese Tätig- teit jedoch nur dann den nötigen Umfang erlangen kann, wenn die Gewerkschaften in der geeigneten Weise mithelfen, ist selbst- verständlich. Daß sie sich jetzt dazu entschlossen haben, ist ein Vcr- dienst, das die Jugendorganisation für sich in Anspruch nehmen darf. Wenn jedoch die Gewerkschaften, wie in Hamburg gesagt wurde, den Lehrlingsschutz allein betreiben, wird der nötige Elan in der Tätigkeit vielfach verloren gehen, weil niemand, auch der erwachsene Arbeiter nicht, am Jugendschutz ein so eminentes Interesse hat wie die proletarische Jugend selbst und das Verhältnis von erwachsenen und jugendlichen Arbeitern— das ist ebenfalls in Hamburg betont worden— durchaus noch nicht so ist, wie es sein sollte. Daß die Jugendorganisation den Kampf um die V c r b c s s c- r u n g der gesetzlichen Schutzbestimmungen nur im Einverständnis mit Partei und Gewerkschaft zu führen vermag, lehrt die Er- kleines feuiUeton. Hacckel und die Wunder von LourdeS. In Rosenheim, der gut katholischen Stadt in Bayern, wohnt Adam Rambacher. Er bekleidet das Amt eines bayerischen Bahnmeistei#. Daneben beschäftigt er sich mit dem Studium der Heilungswunder von Lourdes. Seit 15 Jahren verfolgt er alles, was dort passiert und was über die inysteriösen Heilungen geschrieben wird, lind nicht der geringste Zweifel kam ihm. Er schrieb sogar ein Buch fiir Lourdes. Der Ruhm, den die fromme Presse ihm spendete, ließ ihn nicht schlummern und so machte er sich daran,„den Gottesleugner" Ernst Haeckel, wie er ihn nannte, zu überwinden.„Als Dr. Haeckel im Jahre 1305"— so beginnt Rambachers Bericht—«mehrere öffentliche Vorträge in Berlin gehalten und dabei die Unsterblichkeit der Menschenseele geleugnet hatte, machte ich ihm, gestützt auf meine Erfahrungen in Sachen der Religion und besonders der Ereignisse in Lourdes, hierüber schriftlich Vorhalt, wie er denn angesichts so vieler Tatsachen, die fiir eine unsterbliche Seele im Menschen sprechen. solche Behaupmngen aufstellen könne— und nannte ihn einen Ver- brccher am Menschenglnck." Hierauf antwortete Haeckel ihm mit einem Hinweis auf seine beiden Bücher„Die Wclträtsel" und„Die Lebenswunder". Adam Rambacher studierte die Bücher und fand, daß Haeckel„ein ganz einseitig gebildeter Mann" sei. lim Haeckels Irrtum gänzlich ans Licht zu bringen, sandte er ihm daraus sein Buch und bot ihm eine Wette an. Hacckel ignorierte die letztere, guittierte die Sendung aber mit höflichen Worten. Trotz- dem schrieb Adam noch einmal. Darauf erhielt er von Haeckel die Antwort:«Leider ist ein Ausgleich unserer Ansichten nicht möglich. Sie suchen die Wahrheit in den Dichtungen des Glaubens, ich in der Erkenntnis der Natur!" Aber der Bahnmeister war nicht zum Schweigen zu bringen. Er sendet hierauf eine französische Ver- teidigungSschrist der Heilquellen, in der besonders ein Fall genau beschrieben lvurde, in dem einem Fräulein Aurelie Nuprelle unter dem Einfluß des Wassers ganz neue Lungen wuchsen. Hierauf antwortet der Jenaer Zoologe:«Ihre interessante Lektüre hat mich aufS neue von der kolossalen Macht des Aberglaubens(als frommer Glaube verherrlicht), der naiven Leichtgläubigkeit und der ansteckenden Massensuggestion überzeugt, sowie von der Schlauheit des Klerus, der sie zu seinein Gewinn ausbeutet. Ungefähr ein Drittel der angeblichen Wuuderheilungen beruht auf falscher Deutung von Suggestionen, ein Drittel auf poetischer Erfindung und phantastischer Kombination, ein Drittel auf direkter Täuschung(naivem Irrtum) und schlauem Betrug. Die Aerzte, die angeblich für die Wunder und die übernatürlichen Erscheinungen Zeugnis ablegen, sind teils migebildete und kritiklose Kurpfuscher, teils bewußte Betrüger, die mit den herrschsüchtigen Priestern unter einer Decke spielen. Die wichtigste Darstellung des großartigen Schwindels hat Zola in seinem bekannten Roman gegeben". Aber auch das ge- niigte Adam Rambacher noch nicht. Er griff nun zu dein letzten Mittel. Selber wollte er Haeckel gegenüberstehen und in öffentlicher Versammlung zu Jena ihn niederstrecken. Leider hinderte aber der Gesundheitszustand den LourdeSvorkämpfer, diesen köstlichen Plan auszuführen. ! fahrung. Denn die Forderungen können ja in den gesetzgebenden I Körperschaften nur durch sozialdemokratische Abgeordnete vertreten werden, weshalb sie zuvor deren I u st i m m u n g finden müssen. Das wird nur daun der Fall sein, wenn die Forderungen sich im Rahmen des Arbeiterschutzprogramms der Gewerkschaften halten. Die Forderungen der Jugendlichen sind nichts als ein sie betreffender Teil der Forderungen der gesamten Arbeiterschaft. Wenn die Jugendorganisation dafür eine besondere Propaganda entfaltet, ist das also ebensowenig ein Eingriff in irgend eine Kompetenz, wie wenn die Frauenorganisation zur gelegenen Zeit aus den Forderungen nach Arbeiterschutz eine für sie besonders wichtige herausgreift und das Interesse der Oeffeutlichkcit dafür zu wecken versucht. Das dritte Kampfziel der Jugendorganisation, der Kampf gegen den Militarismus, hat ebenfalls die Mißbilligung des Ham- burger Kongresses gefunden, wo gesagt wurde, die internationale Jugcndkonfercnz in Stuttgart habe„mit außerordentlichem Tamtam über die wichtigsten politischen Fragen abgestimmt". In Wahrheit nahm die Konferenz eine Resolution an, welche einfach auf die vom internationalen Kongreß angenommene Resolution gegen den Militarismus verweist und„die Pflicht der inter- nationalen Jugendbewegung feststellt, in dem durch jene Kongreßresolution beschriebenen Sinne den Militarismus zu bekämpfen". Daß im Kampf der Arbeiterklasse gegen den Militarismus die Jugend eine wichtige Rolle spielt, ist selbstverständlich, weshalb auch die Kongretzrcsolution die sozia- listischen Parteien verpflichtet,„dahin zu wirken, daß die Jugend der Arbeiterklasse im Geiste der Völkerverbrüderung und des Sozialismus erzogen und mit Klassenbewußtsein erfüllt wird". „Wenn die Jugend"— so führte Viktor Adler zur Be- gründung der Resolution aus—„mit diesem Geiste erfüllt wird, und in fast allen Ländern sind dafür in den verschiedensten Formen Ansätze vorhanden, wenn die sozialistische Erziehung so mit der Jugend das ganze Volk umfaßt, dann wird auch die Zeit kommen, wo dem kämpfenden Proletariat nicht möhr werden entgegengestellt werden können Proletarier, die selbst die Bajonette gegen ihre eigenen Brüder tragen". Wenn also eine Jugendorganisation antimilitaristische Propaganda in diesem Sinne betreibt, so führt sie nur aus, was der internationale Sozialistenkongreß beschlossen hat. Sie greift in niemandes Kompetenz ein, wenn sie nach Kräften dafür Sorge trägt, daß die jungen Arbeiter schon mit Klassenbewußtsein er- füllt sind, wenn sie in die Kasernen gerufen werden, und auch speziell über die Institution des Militarismus orientiert sind. Die antimilitaristischc Propaganda in diesem Sinne ist nur ein spezialisierter Teil der allgemeinen sozialistischen Erziehungs- arbeit. Jede Jugendorganisation muß— natürlich unter Berück- sichtigung der speziellen Verhältnisse ihres Landes— die drei gekennzeichneten Aufgaben zu erfüllen trachten. Und eine dahin gehende Tendenz macht sich seit einem Jahr in der Tat bemerkbar. Daß das Können mit dem Wollen oft nicht gleichen Schritt zu halten vermochte und die Jugendorganisationen namentlich ihre erzieherische Aufgabe nicht so erfüllt haben, wie sie sollten, ist leider richtig. Das sollte aber für niemanden, am allerwenigsten für Sozialdemokraten, der Anlaß sein, über die proletarische Jugendbewegung zu spotten. Denn daran trägt in erster Linie der Mangel an Unterstützung durch Partei uckd Gewerkschaft schuld, ohne deren materielle und moralische Hilfe die Jugendbewegung nirgends werden kann, was sie im Interesse des Proletariats werden muß. Ebenso wenig Anlaß liegt vor, über die internationale Verbindung zu spotten, die sich die sozialistischen Jugend- organisationen geschaffen haben. Sie hat keinen anderen Zweck als den, die eine Stelle zu bilden, die alle Daten über die Jugendorganisationen aller Länder sammelt und jeder einzelnen mitteilt, toas ihre Bruderorganisationen leisten. So vcrniag sie langsam größere Einheitlichkeit in die Jugendbewegung zu bringen und in starkem Maße zu der von Viktor Adle r auf dem Stutt- garter Kongreß geforderten„Erziehung der Jugend zur Emp- findung der Solidarität aller Völker" beizutragen. Daß ihr Be- ginnen nützlich ist, wurde vom Internationalen Sozialistischen Bureau durch moralische und materielle Unterstützung anerkannt. Daß außerhalb Deutschlands dieselbe Meinung auch bei den ein- zclnen sozialistischen Parteien vorhanden ist, beweist die Tatsache, Das Grabdenkmal als Reklame- und Pumpmittel. Die Direktoren des Thalia-Theaters Schultz und Jentz wollten ihrem verstorbenen Komiker Emil Thomas ein Grabdenkmal stiften. Was ja in Anbetracht der vollen Häuser, die der beliebte Komiker ihnen besorgt hatte, verständlich und vielleicht auch für das Geschäft nicht ganz unrentabel war. Aber das Denkmalstifteii fiel diesmal viel schwieriger aus, als es in Deutschland sonst üblich ist(abgesehen von Heinedenkmälern). Der gediegene Totenstein wurde bestellt und ausgeführt, ein anderes Theater verzichtete generös auf das von ihm ebenfalls projektierte Denkmal— aber als man nun ent- hüllen wollte, war der Platz bereits für ein anderes Denkmal reserviert. Der Dilettanten-Theatcrverein„Ensil Thomas" hatte sich von der Witwe Thomas die Erlaubnis zun» Denkmalstiften erwirkt. Doch lassen wir die Hereingefallenen nach der„Volksztg." selber erzählen: „Dieser Verein schaffte nun nachträglich. trotzdem ihm bekannt war, daß das von uns bestellte Grabdenkmal nahezu vollendet— einen einfachen Grabstein an und stellte diesen am Grabe auf. Dieser Stein enthält in auffallender Weise die In- schrift, daß er vom Theaterverein«Emil Thomas" gestiftet sei. Als wir davon erfuhren, setzten wir uns mit diesem Verein in Verbindung und machten uns erbötig, dem Verein seine Gesamt- auSlagen zu ersetzen, wenn er einwilligte, daß unser Grabdenkmal, das den achtfachen Wert repräsentiert, aufgestellt würde. Wir er- klärten uns auch damit einverstanden, daß die auf dem einfachen Steine angebrachte Inschrift„Gewidmet von dem Theaterverein Emil Thomas" mit dem Zusätze„und den Herren Fritz Jentz und Richard Schultz" auf unser Grabdenkmal übertragen werde, trotzdem uns diese Art von Reklame nicht sympathisch war." Zu welchen Opfern doch solche Gemütsmenschen von Theater- direktorcn bereit sind, selbst wenn etwas Reklame dabei für sie ab- fällt. Der Theaterverein hätte wohl auch mit sich reden lassen. Aber Frau Thomas wollte ihr einmal gegebenes Wort nicht brechen, unter keinen Umständen. Briefe und Telegramme bestürmten sie. Endlich war sie zu einem KompromiS bereit, wenn ihr— ein Darlehen von 8000 M. gewährt würde. Mein Gott, ein Geschäft ist schließlich das andere wert. Frau Thomas kennt sich offenbar einigermaßen am Theater auS. Indessen 8000 M. war den Direk- toren doch eine zu hohe Belastung ihrer Pietät. Der Kalkül siegte und so gaben sie nunmehr zu Protokoll: „Nach dieser merkwürdige» Erklärung verzichteten wir natürlich auf alle weiteren Schritte, bezahlten das Denkmal und ließen es lagern— mit der Absicht, es später irgendeiner kleinen Stadt als Kriegerdenkmal zu widmen." Emil Thomas ist durch seinen Tod leider um einen der lustigsten Possenstoffe gekommen. Das Kriegerdenkmal in spe mag uns darüber trösten. Wer will es haben? Voltaire als Finanzmaun. Der Historischen Gesellschaft der französischen Schweiz hat Frederic Rossel soeben neue Mitteilungen vorgelegt, die bisher unbekannte Daten über die Geldgeschäfte bringen, die Voltaire mit dem Herzog Karl Eugen von Württemberg vcr- banden. Danach hat Voltaire dem Herzog nicht weniger als 620000 Livres vorgestreckt: 25 Jahre brauchte der Fürst, um die Schuld vollständig abzuzahlen, und in dieser Zeit empfing Voltaire daß manche von ihnen aus der Parteikasse den internatumalen Beitrag für die Jugendorganisation bezahlen. Daß die Gründung einer internationalen Verbindung der Jugendorganisationen eine Notwendigkeit war, geht daraus hervor, daß es ihr gelungen rft, nach kaum anderthalbjährigem Bestände ein festeres Gefüge zu bekommen, als es mancher andere internationale Verband nach viel längerer Dauer nicht erreicht hat, und allmonatlich in drer Sprachen über den Stand der Bewegung zu berichten. Wenn aber die Jugendbewegung leisten soll, was ihr zu» kommt, dann ist eine der wichtigsten Vorbedingungen dazu: die Selbständigkeit der Organisation. Wer diese antastet, greift der Jugendbewegung ans Leben. Sie muß gefordert werden, gerade aus erzieherischen Gründen, die bei der Beurteilung der Jugend- frage auch nach der Ansicht des Hamburger Gcwerkschaftskon- grcsscs in erster Linie maßgebend sind. Handelt es sich doch bei der sozialdemokratische» Erziehung der Jugend nicht nur um die Vermittelung von Kenntnissen auf verschiedenen Wissensgebieten, sondern auch um Bildung des Charakters. Der junge Proletarier. der oft eitern- und heimatlos ins Erwerbsleben hinausgezogen wird und der elendesten Bedrückung preisgegeben ist, muß zur Selbstachtung und Selbständigkeit erzogen werden. Ein vortreffliches Mittel dazu ist die Jugendorganisation, die von den Jugendlichen selbst verwaltet wird. Sie lehrt so eindringlich wie nur möglich, was Pflichterfüllung und Verant- wortlichkeit bedeutet und schult so ihre Mitglieder fürs Leben. Dabei ist dieses Selbstbestimmungsrecht die stärkste An- ziehungskraft der Jugendorganisation; wird es ihr genommen, dann sinkt sie zu einer Wöhltätigkeitsveranstaltung herab, die zur sittlichen Erziehung im sozialistischen Sinne nicht geeignet ist und auch den Reiz für die Jugendlichen verliert. Ob die Jugend in freien, von Komitees gelciteien Gruppen oder in eigenen Vereinen zusammengefaßt werden soll, ist erst in zweiter Linie zu erwägen, wenn die Selbständigkeit der Bewegung garantiert ist. Das hängt von dem Programm der Bewegung, von den vereinsrechtlichen Bestimmungen und der Verwaltung?- Praxis der Behörden ab. Wo die Bedingungen dazu vorhanden sind, ist jedenfalls eine festgefügte Organisation auf gesetzlicher Grundlage vorzuziehen, da sie den Jugendlichen mehr Gelegenheit zur Betätigung gewährt. Sicher ist: Wenn die Jugendbewegung ihren Zweck erfüllen soll, dann muß sie, ob in dieser oder jener Form, selbständig sein. Selbständigkeit heißt freilich nicht Fernhalten des Einflusses von Partei und Gewerkschaft. Im Gegenteil! Die Jugend- organisation braucht vielfach ihren Rat und ihre Hilfe, kann ohne sie nicht weit vorwärts kommen. Aber Partei und GeWerk- schaft sollen dadurch die Erziehung zur Selbständigkeit fördern, was in mehreren Ländern tatsächlich geschieht, nicht aber als diktatorische Vormünder auftreten und die Selbständigkeit zcr- treten. Wie notwendig sie ist, sehen heute auch die Gegner der Spzial- dcmokratie— wie zum Beispiel die österreichischen Klerikalen— die ihre Jugendvcreine gerade jetzt zu selbständigen Organisationen ausgestalten, um ihnen wieder Zugkraft gegenüber der sozialdemo- kratischen Jugendorganisation zu verleihen. Der Entschluß be» sagt umso mehr, als der Geist der Bevormundung in der katho- lischen Kirche seit jeher geherrscht hat und geradezu ein Prinzip ist. Und die Sozialdemokratie sollte in einer Zeit, in der die anderen mit dem System der Bevormundung brechen, die selb- ständige Jugendbewegung verhindern? Von diesen Gesichtspunkten aus halten wir den Beschluß des Hamburger Gewerkschaftskongresses, die Jugenderziehung ohne be- sondere Organisation durchzuführen, für unzweckmäßig und schädlich. Möge die Diskussion, die jetzt in Teutschland über die Frage der Jugendorganisation begonnen bat, zur Klärung beitragen und der Nürnberger Parteitag einen Beschlutz fassen, der kein verfehltes Unternehmen schaffen will, sondern eine große, selbständige Or- ganisation, die mit Hilfe von Partei und Gewerkschaft die Massen der deutschen arbeitenden Jugend eint und zu tüchiigen Streitern für die proletarische Sache erzieht! Das Internationale Bureau der sozialistischen Jugend- organisationen: Robert Danncberg, Sekretär Henriette Roland Holst(Amsterdam), Gustav Möller(Malmö), Emanuel Skalula(Prag), Leopold Winarsky(Wien). von ihm insgesamt 1 360 000 Fr. an Leibrenten, eine Summe, die dem Geschäftssinn des Schriftstellers alle Ehre macht. Ucber den Ursprung und den Anlaß des Darlehns fehlt es nicht an interessanten Einzelheiten. Der Gedanke kam Voltaire während seines Aufenthalts in Potsdam, als er merkte, daß sein Freundschaftsverhältnis zu Friedrich II. sich abkühlte. In den„Memoire" von 1759 findet sich die Stelle:„Lamettrie er- zählte dem Könige alles, was ihm in den Kopf kam, und er sagte ihm auch. daß man auf meine Auszeichnung und mein Vermögen sehr eifersüchtig wäre. Lassen Sie ihn nur gehen, sagte der König, man preßt die Apfelsine aus und man wirft sie fort, wenn man ihren Saft geschlürft hat. Lamettrie verfehlte nicht. mir diesen schönen Ausspruch zu übermitteln, der eines Dionysius von Syrakus würdig wäre. Seitdem beschloß ich, die Schalen der Apfelsinen in Sicherheit zu bringen. da ich etwa 300 000 Livres anzulegen hatte. Ich legte sie sehr vorteilhaft an auf den Besitz des Herzogs von Württemberg in Frankreich." Und von Potsdam aus schrieb Voltaire an seine Nichte Madame Denis „Diese Anlage meines Vermögens ist um so besser, da für die Zahlungen die Domänen des Herzogs von Württemberg in Frank- reich haften... Das Geschäft ist sicher, die Worte sind gegeben; allerdings Fiirstenworte; aber sie halten sie bei den kleinen Gelegen- heiten. Und zudem werden wir einen guten, schönen Kontrakt haben. Die Fürsten haben Ehre; sie täuschen nur die Souveräne. wenn es sich ums Volk handelt oder um eine jeuer achtenswerten und heroischen Spitzbübereien des Ehrgeizes, vor denen die Ehra nur ein Ammenmärchen ist." Aber dieser Optimismns kostcie Voltaire doch manchen Verdruß. Denn Karl Eugen liebte die Willkür und brauchte für schöne Frauen und schöne Prachtbauten viel Geld. Seine Schlösser in Stuttgart und in Hohenheim sollten ein neues Versailles werden, die Oper und das Ballet kosteten ihm im Jahr 150 000 Floris, seine Armee bestand au» 15 000 prachtvoll gekleideten Soldaten und in seinen Ställen standen 800 Pferde. Karl Eugen war bald so weit, sein Land mit 28 Millionen Schulden belastet zu haben. Die Auszahlung der Leibrente geschah unregelmäßig und stets nur auf wiederholtes sehr energisches Mahnen. Voltaire ließ im Elsaß und in der Frmichc- Comto Güter mit Beschlag belegen und wandte sich an seinen alten intimen Feind um Hilfe, an Friedrich.„Ich lociß nicht mehr, Sire. wo ich sterben soll. Der regierende Herzog von Württemberg schuldet mir Geld, das dazu dienen sollte, mir ein ehrliches Begräbnis zu sichern; aber er bezahlt mich nicht. Ehrlich gesprochen, ich bin ein kleiner zusammengeschrumpfter Hiob auf meinem Schwöszer Dünger- Haufen." Der kleine arme Hiob besaß 177 000 Livres Rente; der König wußte es, aber er wandte sich doch an den Herzog, seinen einstigen Schüler, für den er den Fiirstcnspiegel geschrieben hatte. Aber Karl Eugen schob die Sache hinaus und Friedrich schrieb an Voltaire über den Herzog, daß„dieser Fürst zum Erhabenen strebt und die Großmächte imitieren wolle", gleich ihnen sein Land ver- schuldet sehe» wolle und daß außerdem„dieser sogenannte Schüler niemals ans meine Meinung und meinen Rat gehört." Wer Voltaire bekam schließlich sein Geld, nachdem Friedrich ihm ironisch geraten. die Ruhe seines Lebens sich nicht durch diese Mis-rcö trüben zu lassen und von dem Schlosse der Weisen die Schwäche der Mensch:» geruhsam zu betrachten. €ulenburg vor den beschworenen. Die gestern vertagte Verhandlung sollte heute im Konferenz- »immer der Charit'ö wieder aufgenommen werden. Nichter, Ge- schworen?, der Oberstaatsanwalt, die Verteidiger, der Gerichts- fchreiber und die zu heute vorgeladenen Zeugen waren piinkllich zur Stelle. Vor dem Eingange zum Kraulenhause hatte sich eiue zahlreiche Menschenmenge angesammelt. In dem Korridor des Verwaltungsgebäudes sind heute mehrere Bänle aufgestellt, au denen die Zeugen Platz nehmen können. In dem„Gerichtssaal" sind umfassendste Vorkehrungen getroffen, um eine größere Bequem- lichkeit herbeizuführen. Auf dem Korridor kommt es zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen dem königlichen Hofschauspieler Wilhelm Arndt und dem Zeugen Ernst. Letzterer behauptet ganz entrüstet, er habe mit Arndt überhaupt nicht die von diesem bekundete Zwiesprache auf dem Korridor gehabt. Zeuge Arndt tritt an ihn heran und fragt ihn, ob er be- baupten wolle, lutz er ihn nicht kenne. Ernst erwidert, er kenne ihn nicht Und habe nie mit ihm gesprochen. Zeuge Riedel ist sehr aus- geregt, er läuft auf und ab und hält Monologe, aus denen die Worte herauöklingen:„Alles Schwindel! Nix Hab' ich gesagt." Er wird dann vom Zeugen Arndt gefragt, ob er sich erinnere, mit ihm gesprochen zu haben. Zeuge Riedel stellt dies ganz aufgeregt in Abrede. Zeuge Arndt behauptet energisch, auch mit Riedel ge- sprachen zu haben, während letzterer ebenso energisch erklärt:»Sie kenn' i gar net l" Es wird dann die Vermutung ausgesprochen, daß Arndt mit ganz anderen oberbayerischen Zeugen gesprochen habe und vielleicht eine Persouenverlvechselung vorliegen könne. Dieser An- gelegenheit wird wahrscheinlich noch weiter nachgegangen werden. Gegen'/41 Uhr erhält Medizinalrat Dr. H 0 ff m a n 11 von dem Vorsitzenden Landgerichtsdirektor K a n z 0 w den Auftrag, den Fürsten E u l e n b u r g zu untersuchen. Medizinalrat Dr. Hoffmann erscheint nach einiger Zeit wieder in Begleitung des Oberarztes Dr. Steyrer, der ein photographisches Bild mitbringt. ES ist dieS die photographische Aufnahme der Beine deS Fürsten, die dem Gericht vorgelegt werden soll, um zu zeige», welche enorme Ausdehnung die Anschwellung erreicht hat. Heute ist auch der Geheime Medizinalrat Professor Dr. Kraus erschienen, der sich sofort in das GttzungS- zimmer begibt. Gegen ll'/� Uhr öffnen sich wieder die Türen und es heißt, der Fürst könne nicht erscheinen. Ucber die Gutachten, die die drei Sachverständigen abgaben, hören wir folgendes: Medizinalrat Dr. H 0 f f m a n n, der den Auftrag erhalten hatte, festzustellen, ob der Angeklagte verhandlungsfähig ist. wie die fernere Aussicht ist und ob er in den Sitzungssaal transportiert werden könne, bekundete: Eine Messung habe ergeben, daß der Angeklagte zurzeit weniger Fieber habe, die Temperatur aber immer noch auf„mittel" stehe. Die Schwellung des Beines, insbesondere des Oberschenkels, sei noch e r- heblich größer geworden, so daß der Unterschied zwischen dem Umfang des kranken und des gesunden Beines neun Zentiineter betrage. ES liege trotzdem die Aussicht vor. daß morgen ganz kurz verhandelt werden könne. Der Fürst selbst dränge mit aller Macht auf Ver- Handlung und habe wiederum geäußert, er wolle seine letzte Kraft aufwenden, um den Prozeß zu Ende zu führen, da seine Kraft kaum mehr ausreichen würde, nn Falle einer Vertagung den ganzen Prozeß nochmals von Anfang an durchzumachen. Der Sachverständige würde für eine VerHandlungsfähigkeit sich aussprechen. Ivenn sich das Fieber gelegt und die Schwel- lung etwas nachgelassen habe. Oberarzt Dr. Steyrer soll bekundet haben: Eine Abnahme der Fiebertemperatur sei aller» dings zu konstatieren, man dürfe aber bestimmte Schlüsse hieraus nicht ziehen, weil der Fürst Autifiebermittel in großen Dosen er- halten habe, so daß es möglich sei, daß die Temperaturvermindcrung auf diese Mittel zurückzuführen ist. Im übrigen hoffe er. daß der Angeklagte morgen verhau dlungSfähig sein dürfte, es würde sich dann aber empfehlen, um jeden Trausport zu vermeiden, den Fürsten in seinem Krankenzimmer selbst ganz kurz zu vernehmen. DaS sei aber sehr schwierig, denn daS jetzige Krankenzimmer deS Fürsten sei nicht viel größer als eine Gefängnis« zelle. Es könnten sich dort höchstens sechs bis acht Personen auf- halten. AuS diesem Grunde soll daS Konfereuzzinlmer zu einem Krankenzimmer eingerichtet werden. Der Fürst soll, sobald es nur irgendwie angeht, vielleicht noch heute im Laufe des Nachmittags oder morgen früh, unter den größten Vorsichtsmaßregeln in daS Konferenzzimmer geschafft werden und soll ständig dort bleiben, vorausgesetzt, daß die Behörde die Genehmigung hierzu erteilt. Vorläufig aber müsse der Fürst als verhau dl ungs- und transportunfähig bezeichnet werden.— Geb. Medizinalrat Professor KrauS betonte, daß in erster Linie auf das Alter deS Fürsten Rücksicht genommen werden müsse. Gerade in diesem Alter weise jede Krankheit ein ernste« Gesicht ans und auf einen in diesem Alter stehenden Kranken müsse in ganz anderer Weise Rücksicht genommen werden, als auf einen in jüngeren Jahren stehenden Kranken. Der Sachverständige legte dem Gericht die photographijche Platte nnd einen Abzug der Aufnahme vor, die gestern nachmittag in dem Zimmer des Angeklagten gemacht worden war. Auf dieser zeige sich die enorme Anschwellung deS rechten Beines. Der Sachverständige glaubt, daß der Angeklagte vielleicht morgen, wenn keine Zwischenfälle eintreten, verhanolungS- fähig werden könne. Vorläufig sei bei einem Transport aber noch eine direkte Lebensgefahr vorhanden. Er halte es für dringend wünschenswert, daß der Angeklagte in daS Konferenzzimmer übergeführt werde und dort verbleibe, da ein wiederholter Transport ein ärztlicher Kunstfehler sein würde.— Der Gerichtshof beschloß hieraus, die Verhandlung auf morgen. Donnerstag, 10'/, Uhr zu vertagen. IPolizeikampf gegen ßoyhotfyoften. Ueber das Lokal des Schankwirts Böttner in der Hohen« friedbergstraße zu Schöneberg hatte die Militär« behörde den Boykott verhängt, weil der sozialdemo« kratische Wahlverein in dem Lokal einen Zahlabend abhielt. Darauf hat Böttner dem Wahlverein sein Lokal entzogen, sich um die Auf- Hebung deS MilitärboykottS bemüht und dieselbe auch erreicht. Nun glaubte der Schankwirt wohl, die Sozialdemokraten würden ihm gegenüber dasselbe Mittel anwenden wie die Militärbehörde. In dieser Annahme befangen, sah er in jedem Sozial- demokraten, der zufällig vor seinem Lokal stand, einen Boykottposten, obgleich die Parteigenossen beschlossen hatten. mit Rücksicht auf die Verhältnisse nicht den Boykott über das Lokal zu verhängen. Am Sonntag, den 132. Im Hause der Sünde Ans. 8 Uhr. S { Änf. 8Uhr. Sommerpreise. Aus der Gactenbühnc.: Ansang 4 Uhr. Iboatorvoretoiluag. SperlalltSton. U. a.: 8. Mälzer— Der grüne Teufel. Em Bomben-Lacherfolg. 10 Uhr; Lonäon Suburbia. Große englische Bmlesk.Pantomime in 2 Bildern, ausgejährt von Bert Bernards Original-Kompagnie. Außerdem ab 8 Uhr: Das große AttraktionS-Programm u.»Die «üben Grisrtten«. Urania, Wissenschaftliches Theater. TaubenstraCe 48/19. Abends 8 Uhr: Die deutsche Ostseeküste. Eintritt 1 M. von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren —— die HSlfte.-- Metropol-Theater Zum 298, Male: Revue in 12 Bilden, m. Ges. und Tanz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Passage-Theater.- Der größte Saisonerfolg g , Gastspiel Willi Ägoston in der i tollen Bimeska Das Tollste vom Tollen und die oeueii Juli-Spezialitäten. Ohne Extra-Entree. Der Riese aller Riesen Pisjakoff Eintritt 50 Pf. Kinder, tüoldnten 25 Pf. Brunnen-Theater Badstraße 68. Direit.: Willi Voigt. BW Täglich--Tpü Der deutsche Michel. Erstklasfige Spqialitätfii. Karl Braun, Verwandlungs-Künstler. 6 Schenk innrveily's, _ Trio BnsHon. Mff» Paul Eorudini."WB Eröffnung 2 Uhr. Ansang 41/. Uhr. Aorvcrlaus von 10 Uhr ab. fTEffiEHFl iL Variete T�eafep Weinbergsweg 19/20, Rosenth.Tor.| Spezialilätenvorst. Im Qarten. Bei schlecht. Witterung i. Theater. NeueS Programm. Ans. der Vorstcllg. 8 Uhr. Ans. des I Gartentonz. 7 Uhr. Kleine Preise. I Schweizer � Garten. Am KSnigstor— Am Frledriohshain. Täglich; Theater-Vorstellung, Spezialitäten und Ball. Neu: PiccardS iomische Pantomime: Iiis iiedneii» n» hm toü. »ftSf Das Lieserl. Singspiel in 1 Akt. Volksbelustigungen. Kinematograph. Jeden Mittwoch: Kinderfrendenfest. —„So— o— o. dann können Sie das bedeutsame Ereignis noch nicht wissen. Datz ich's Ihnen sage, Miss Mvrgan, die des berühmten amerikanischen Millionärs Morgan, also Mi» Morgan ist mit ihrer intimsten Freundin im„Adlon" abgestiegen! —„Hm!"—„Sie hat 136 Koffer und 75 Hutschachteln mitgebracht. Sie wechselt jede Stunde ihr Kostüm. Sie besitzt märchenhafte Schätze an Kleidern und Schmucksachen. Sie ist der Liebling ihres Vaters, sie beherrscht ihn, wickelt ihn um den Finger, ihn,„vor dessen Stirnrunzeln Tausende von Untergebenen und Arbeitern er- zittern". Sie ist überhaupt ein prächtiges Mädel. Denken Sie sich nur, sie hat die aufreibende Reise auf sich genommen aus rein ideellen, aus sozialen Beweggründen."—„Sich?"—„Ja, gewiss, sie will die Zeit ihres Ausenthalts dem eingehenden Studium europäischer WohlfahrtSeinrichtungen. besonders auf dem Gebiete der Arbeiterfürsorgs, widmen. Hat doch diese wackere Dame schon in Amerika einschlägige Studien darin gemacht, und nun kommt sie noch bis zu uns, da man ihr gesagt hat, daß sie in diesem Punkte gerade von Deutschland sehr viel lernen könnte!"—„Ach!" —„Gewiss, und das Ergebnis ihrer Beobachtungen wird sie später in einem Bericht niederlegen, ist das nicht nett?"—«Sehr nett, sehr nett!"—„Sie müssen nämlich wissen, seit einiger Zeit zeigt sich bei den reichen amerikanischen Damen der„Zug zum Sozialen. Erst kürzlich haben die bekanntesten Millionärsfrauen den edel- mütigen Entschluss gefasst, bei den Arbeiterfrauen zu essen und zu— schlafen, um das Arbeiterleben kennen zu lernen. Ist das nicht viel?"—„Sehr viel!"—„Damit Sie aber auch wissen, Miss Morgans Wohltätigkeit entspringt nicht lediglich einer neuerwachten sozialen Einsicht, sondern ihrer stark entwickelten Frömmigkeit. Sie ist nämlich sehr fromm. Auf ihren bestimmten Wunsch musste ihr Vater einmal die Aufführung von Richard Strauh'„Salome" inhibieren. Zwei Tage hat sie ihren Wohlfahrtsstudien hier ge« widmet, heute abend ist sie nach Karlsbad abgereist."„Was wtll sie denn dort studieren?"—„Na, hören Sie mal, die Dame muß sich doch von der aufreibenden Tätigkeit erst wieder erholen. Denken Sie sich nur, Miss Morgan erhält mal 256— 300 Millionen Mit« «ist. Ist das nicht kolossal?"—„Sehr kolossal, so daß Miss Morgan einen guten Teil abgeben könnte."„A— a— bgeben?" —„Natürlich, sie ist doch, wie Sie sagen, sehr fromm, und Jesus sprach zu jenem Jüngling, der ihn fragte, was er tun solle, um die ewige Seligkeit zu erlangen:„Verkaufe alles was Du hast und folge mir nach!"—„Ach, gehen Sie, das steht wohl in der Bibel. aber das macht man in Wirklichkeit nicht. UebrigcnS ist es doch schon in hohem Masse lobenswert, wenn eine so reiche und vor- nehme Dame sich um die Lage der Arbeiter kümmert, dafür müßten diese dankbar fein!"—„Ganz recht, die Väter saugen dem Arbeiter das Mark aus den Knochen, zerstören ihm fein Familienleben, beuten Frauen und Kinder aufs sthändlichste aus, knütteln die Gewerkschaften in brutaler Weise nieder, hemmen jeglichen kul- turellen Aufstieg der Arbeiter, damit die jungen Misses in Wohl, tätigkeit machen und als Reklamefiguren in der Welt herumreisen können, um sich von der kapitalistischen Presse in der Gloriole der Wohltätigkeit bis zum Ekel behudeln zu lassen!" Cmgegangene Druckschriften. Deutscher Turnfest-Tpiegel. Von Coburg bis Frankfurt. 20 Vf. Von Jncibus. Verlag:..Bolksstimme», Franlsurt a. M.. Gr. Hirschgraben. Paii.Arisch. Borschlag zur AuSarbeiiung einer Internationale» Hilss, ...»> ß,.""" schule» Von G, Bägel in Altona. zu unseren Hoch- Handlung, Wien. Europas Fürsten im Sittenspiegel der Karikatur. Lteserung 1—3. I. Kahn. Verlag H. Schmidt, Stuttgart. freieVMMHne Die alten ftUfgltedskavten müssen behufs Erneuerung zum Umtausch in den Zahlstellen abgegeben werden. Desgleichen sind im Monat Juli alle Umschreibungen in andere Zahlstellen zu bewirken. 241/9» a c-ta 9c Panoptikum 9 ü. II 8 165 FiicdricUstr. 165 Die M- heiligen Dsungusen Wl aus dorn Kelche der Kitte. Jenensla>Räder2wT!T 10 Jahre Garantie! □ Tellaahlnng! Adler= Räder!==== 2428L* Phänomen- Räder! laGroskurths Social-Räder von AI. 56.— an! AiiMwahl in gchranchten Rädern! Kotorzwelrädcr I Pahrradeabehfir apottbilllg! R. Groskurth, Berlin 0., MünzsMe 23. jkhtung, Vereine! Für Sommer-«»» M Kinderfeste empföhle» � Stock! atenicii, Fackel», Schärpen, Kopfoedcckungcn, Jlluiuiuat.-Latcrncil, Dekoratiousgirlandeu» Berlosungsartikel, Harken, Sensen, ! Keglerpreise, Jux- u. Scherzartikcl, Feuerwerk, Fcstabzcich. Große Auswahl, billige Prclwe. Uulnnte Bedienung P&M dz ütfeber Siachf.9 Berlin. Am 8))ittelniarkt 4/5 I Alcxandcratr. 51/5S Sich.: Otto Oeser. Jnh.: Ernst Herbst. Kataloge gratis und franko sowie Bcrsand nach außerhalb. Singer Nähmaschinen. Einfache Handhab, ing l 31982* Große Halibarkcit I Hohe ArbeitSlcisiiiug I Weltausstellung Hrnnrl DfJv Wellausstellung Paris«900:""U rTIX st. Louis 1904. ttneutgeltlicher Unterricht, auch in moderner Kunststickerei. Elcktromotore für Nähmaschinenbcirieb. 8inAei' Lo. hTäbmascbmen 73ct. 0C9. Berlin W., Leipzigerstr. 92, Filialen In allen Siadtleilen. Abgerissen n. unmodern an Garderobe brauchen Sie bei unseren Preisen nicht zu gehen. Wir empfehlen getragene Monatsgarderob© in feinsten Werkstätten gearbeitet, von Horr- aebaften, Doktoren, Kavalieren nur Wochen gebrauchte« Monats-Anzüge. 7, 10, 14, 18 M. Monats-Paletots 5, 8, 12, 16 M. JWcartrl Hauptgeschäft; • VV dllv! Große Frankfurter Str. 116 2. Geschäft: Cbausseestr. 89 8. Geschäft: Cbausseestr. 86 Bekanntestes Spcxlal- Gcachtlft Gl* --------- Jlonatsgurderobcn Berlins.-------- rB>: Mdw. jfene Weit. Heute, Donnerntag: Elite-Tag I CTroßes Boppelfeonzert. Sgsezialgtäten-Vorstellung. Mr. CradMn 11. � tollkühner Kopfsprung aus der 6. Etage_ K| Monster Feuerwerk s K des Pvrotechmkera Aä»» Book. �.Z�sssksTkestsr viretttoii: üod. 0!». Bruiineiistr. i« Vollständig»eneS Programm 1 w-M Reiehdini des Artieilers. Berl. Voltsstlick m. Gesang in 2 Akten. Vorher die durchweg neue» Spezialitäten! Ans.«Uhr. Kass-etäch- S-k Uhr. Somiab.: Marianne, e. Weib a ü. Volke. NoUtsgarten-TlMter — am Bahnhof Gesundbrunnen.— Heute: iZr. vTjltevt-reuei'verlc mit Sohlnohtinnslk. Konzert, Iheater und 8pöz!gIilä!ön-V()lSlglIung. IM- Neues Programm."MU. Lsrliiik!' Prater-Theater Kastanien-Allee 7— 9. Die Welt ein Paradies große Auastattungs-Revue und erstklassige Spezialitäten. An». Sonnt. 4 Uhr, Wochent. 4'/, Uhr. Im Saale; Täglich gr. Ball. M ai Somyi er Theater. — Hnsenheide I3-— IS.— Oirlistische Leitung: Bernharil Lange Täglich. Großes Konzert, Theater- Ulli Spezialitöten-lfopstelliisij. Heute, DoimerStag: Etite-Tag. Mittwoch: Kinderfest._ Schönhauser Allee 143. Täglich: VoltSstück in 2 Akten. Dazu elstktllsjlge SpeMlitiittn. SooSHGIvKHGHGvSSSSS» JHlysiuiiii Landsberger Allee 40/11. Heute sowie täglich: VDrsteUimK. Im Riesensaal: Ball.— Familien-Kasfeekochen. Anlang 7 Uhr. Entree Irel. Avis. An Wochentagen ist Saal und Garten mit Sängergefeilschaft an Pereine gratis zu vergeben. Huri Eisermaan. Amt VII, 2817.[35762» Sanssouci, Koltbuser StraSa 6. Direttion Wilhelm Reimer. Ä Heute Donnerstag: Großer Lachersolg t Durchweg neue» Programm. Erstklassige Kimstier. Tanzkränzche«. Beginn Sonntags 5, wochent. 8 Uhr. Reiclishallen-Theatei*. Heute« f Erstes Gastspiel Winler- 1 mit seiner berühmten Herren- Gesellschaft. | einsang 8 Uhr. Tymian fistbahn-yarh Am KUstrinerplatz, Rlidorsttorforstr.fJ Hermann Imbs. Xäglich: Qrofles Konzert, Theater- uml Spezialitäten- Vorstellung. 4" Wanzen nG» Schwaben, Russen, Flöhe, Fliegen, Blattläuse jc. werden durch meine unsehlbar wirkenden Spezial- Nüttel nebst Brut vollständig vertilgt. In Flaschen resp. Schachteln a 39 Ps., 59 Ps., 1.99 bis 3.75 Vi. Zabireiche lobende Anerkennungen. i£F" 1000 M. Belohnung"«! demj., der mir ein. Nichtersolg»achweist. iiugo Barth, Drogerie. Brunnenstr. 14. Gras-Kuhbutter versende srko. garantiert ---------- 19 Psd.-Kolli M. z.Pr.'/.Butter, -/, Honig M. 5,59. Ton! Andermann, Buczacz No. III via Breslau. 212/17 lO�z' Spezialitäten-Tbeitler p Landsberger Allee 70(70, direkt Ringbahn-Statien. Bequemste Fahrgelegenheit nach allen Stadlrichtungen. Ob schön! MP- Täglich>-WS Ob Regen! Ms lieilk«od beste TtojU'ii«»» gttliiio Wochentags Ansang 4 Uhr. Entree 20 Vi. Sonntags Ansang 3 Uhr.-Entree 30 Vf. Großer Ball. Kasseeküche. Volksbelustig,i»gen aller Art. für den 4. Berliner ReiebstagswabM Köpenicker Viertel. (Bezirl 210 Teil II) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbeiter Otto Riebe (Oppelner Str. 11) gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am f rcitag, den 17. Juli, nachmittags Uhr. von der LeiHenhalle des Emnlaus-Kirchhoses m Britz aus slgtt. 213/3 Um rege Beteiligung ersucht Vvrntwiick. kiaMeinokratischerWalilyerEiii für den 6. Berl. Reiebstags-ffablte. Todes-Anzeige. Am 11. Juli verstarb unser Mit- glied, der Schuhmacher l�omsa Kstscds, , Tieckstraß« IS. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. Juli, vormittags g>/, Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes in FriedrichSselde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 228/3 Der Borstand. Allen Verwandten und Be» kannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater und Schwiegervater, der Dreher Julius Wiechmann im Alter von 53 Jahren sanft entschlafen ist. S6Sb Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme an ! Witwe Heruiine Wiechmann nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Freitag nachmittags 5 Uhr vom Moabiter Krankenhause nach der Pappel-Allee statt._ Ordnersehafl der Freien ¥oIksbQbne. Am 13. Juli starb unser langjähriger Kollege Wiedimaiin, 5. Abteilung. Sein Andenken in Ehren. Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Freireligiösen FriedhoseS, Pappel- Allee aus statt. SvSb Rege Beteiligung erwartet Die Ordner-Kommissio». Men Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß unsere liebe Mutter, Schwester, Schwägerin, Schwiegermutter und Großmutter Dorothea Kraft geb. Pageis nach langem schweren Leiden am Montag, den 13. Juli, sanst enl- schlafen ist. Die Beerdigung findet Donners- tag, den 16. Juli, nachm. 5'/, Uhr, von der Halle des Philippus- Apostel- Kirchhofs(Müllerstraße) aus statt. 3636L vis trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die vielen Beweise von Liebe und Teilnahme während der Krank- heit und bei der Beerdigung meines liebe» Mannes, des Schriftsetzers Karl Mühl sage ich allen lieben Verwandten und Bekannten, besonders der werten Geschästsleitung des„Vorwärts-, den Sängern, allen Kollegen und Mit- arbeitern, den Genossen des dritten Wahlkreises, sowie den Freunden auS der Laubenkolonie meinen herzlichsten Dank. Aaguste 91ühl. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Be- erdigung meines lieben Mannes sage ich allen Beteiligten, insbesondere dem Zcntralverband der Maurer Deutschlands, Sektion der Gips- und Zementbranche, meinen ttefgefühlten Dank. Witwe Harle Hahn. Orts- Krankenkasse »er Maler u. verwandt. Gewerbe zu Berlin. Montag, 20. Juli, abends 8>/,Uhr, i. d. Arminhallen, Kommandanten- straße 58/53 Außerordentliche"95 General-Versammlung der Delegierten. TageS-Ordnung: Beschlußfassung über die vom Oberpräsidenten unterm 1. Juni 1308 angeordnete Abänderung deS§ 28 des KassenstatutS betreffendfErhöhung>der Betträge. 562b He» Vorstand. �Hygienische BcdansarQUei. Meuaat Katalog Empfehl. viel. Aerzto u.Prof. grat. uJs H. Dnger. Gummiwarenlabrik Üerlin NW.. Fnediidutraflae 91/93 ISOSi' Gänse! Enten! lies. srko. garant. leb. Ankunst 10 ganz ausgewachsene Gänse 33 M., 13 ganz ausgew. Eliten 13 M., 18 gr. Schlacht- Hahnen 18 M. 212/13 Lcbneier, Myslowltz No. 2, Schief. Freitag, Juli. abends C'/a Uhr, im Saal i: Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15, W General-Versammlung."WZ TageS-Ordnung 1. Qnartalsberlcht des Torstandes.' Zahlreichen Besuch erwartet Pillale Berlin. Bureau: Melchiorstr. 28. Fernsprecher: Ami IV, 4787. Freitag, den 17. Juli, abends 8'/. Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel-User 15: JVIltgllcdcr-VcrfaYiiiiiluiigo TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom II. Quartal 1808. 2. Fortsetzung der Statuten- berawng. 3. Wahl der Abgeordneten zur Generalversammlung(Stich- wähl). 4. Verschiedenes. 132/17 Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Hie O: 'rtsverwaltnng. Andreasstr. 26. Andreas-Garten. Andreasstr. 26. Restauration. Empfehle meine neu renovierten Räume zu Ver- sammwngen u. Festlichkeiten. Fremdenlogis, Kegelbahn. Garten, ff. Biere, gute Speisen u. Getränke, MittagStisch von 60 Ps. an mit Bier. 3271L* Jede» ffi A TW" or bei freiem Sonntag � Entrec ES ladet freundlichst ein Der Wirt F. Berkosvski. Zuckerpreise steigen rapid! Wer«ich(flr die Las* de« Zackermarkte« und(Ir die in Au««lcht «tehenden gro«*«» PrelMtelgeniag«*— 80 bi« 100 Pr*x*at— Intereulert. beachte die von Ktnfmann Michael Preestler in WUribwff, Bcraosgeber der Broschdre: Das Wirtaehaftahild der Gegenwart nnd der Znkanft ▼erfatsten plugblitter, die an Jcdermana aaseost und(«rtofrcl abgegeben»erden, Terschiedenes. __ Der vorstand. Bekanntmachung der Gemeinsamen Orts-Kraukenkasse für Mariendorf und Umgegend. Zu den Vorschriften über die Krank- Meldungen, daS Verhalten derKranken und die Krankenaujsicht sind zum Be- schluß der Generalversammlung vom 15. Juni d. I. die folgenden Zusätze unter dem 6. Juli d. I. durch die AussichtSbehörde genehmigt worden, die mit dem heutigen Tage in Kraft treten. Zu§ l. Ein etwaiger Wohnungs- Wechsel während der Krankheit sowie die Gesundschreibung durch den Arzt bezw. die Wiederaufnahme der Arbeit sind dem Kassenvorstaude iunerhalb 24 Stunden anzuzeigen. 275/10 Zu§ 5. Erkrankte Mitglieder haben sich auf die Aufforderung des Kassenvorstandes innerhalb 48 Stunden einer Nachuntersuchung durch den hierzu von der Kasse bestimmten Vertrauensarzt zu unterziehen. Mariendorf, den 13. Juli 1303. Für de» Vorstand: gez. P. Sa edler. Fr. Fischer, Schristsührer. Vorsitzender. Clk-DejHIU! Alles Geschäft! _ Miete 2200 M. Lortzingstr. 7, Ecke Putbuserftraße, zum Oktober zu vermieten! Gute Lage. Wir haben infolge der guten Frachtemte unsere Preise für Frachtsäfte wie folgt herabgesetzt: Himbeersaft Kirschsaft Johannisbeersatt Erdbeersaft Zitronensaft I. Qualität, Katarsalt mit feinster Bafflnade eingekocht: k Literflasche............ 1,80 M. II. Qualität mit Nachpresse: ä Literflasche 1,—, ä Champagnerflascho......... 0,85, RObSäfte frisch von der Presse Himbeersaft....... ä Fl. 1,80 M. Kirschsaft........ a Fl. 1,00, Erdbeersaft....... ä Fl. 1,80„ Brombeersaft...... ä Fl. 1,80, PreiSelbeersaft..... ä Fl. 1,80, Johannisbeersaft...•. ä Fl. 0,90, Heidelbeersaft...... ä Fl. 0,60, Seilers, grofle..... 30 Fl. 1,50 M. filtriert Sprudel, grofle..... 30 Fl. 1,80, filtriert und destilliert Sauerstoffwasser..... 30 Fl. 3,—, filtriert und destilliert Fruchtquell....... 30 Fl. 8,—, bestes alkoholfreies Getränk. 369 IL* Jede Flasche wird mit 10 Pfennigen berechnet und zurückgezahlt. Hermaiin Meyer& Co. Aktiengesellschaft, wÄc"*& 'Eitrapreise! SBEBiBBHBBHKSiaHZB Emil Lefft/re Berlin Süd. Seit 1882 nur Oranienstr. 158 Ersatz für Deckbett in den Farben rot, blau, oliv pp Schlafdeto P P? Witten s 3" P Räumungs-Extraliste enorm billiger Angebote gratis nnd franko. E» 01! Baustellen und Landparzcllen LUK....4 Mark nahe ösdn!l.7reäerLSo?j Auskunst täglich im Pavillon am Bahnhos und bei 3431L' Riesedklite& Nitsclie Berlin, Neue Königstr. 10 Es empfiehlt sich bei eintretendem Trauersall möglichst sofort �Vestmnnns Crauermagazin Hauptgeschäft: Berlin W., Mohrenstraße 37a, an den Kolonnaden. 2. Haus von derJerusalemerstlaße.und HO., llr. Franhturterslr. 115, 2. Haus v on der AndrcaSstraßc, zwecks Auswahl d. paffenden Xrauergarderobe aufzuluch. Ilm dem Publikum einen besonderen Vorteil zu bieten, ge- währe ich auf diese Anzeige hin bei Kauf» 16% Rabatt In bar! Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlatslellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (lettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen f ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Llndenstrasse 69, bis S Uhr angenommen. Verkäufe. Spezialkarte von Buckow, 75 Ps. Expedition, Lindenstraße 63, Laden. �Spezialkarte von Eberswalde, 75 Pf. Expedition, Lindenftraße 69, Laden. Teppiche mit Farbensehlern, Fabrik- Niederlage Große Franksurterstraße 3, parterre, Mauerhoff. BorwärtSlesern "'alt. 6 Prozent Rabat! 5376» Federbetten. Stand 11,00, große 16,00, Schlafdecken 1,15. Psandleih- hauS, Küstrincrplatz 7._ 91051» Teppiche!(sehierbasle) in allen Größe» jüc die Halste des Wertes tm Teppidilager Brünn, Hackeicher Markt 4, Babnhos Börse. 264/11» Pfandleihhaus Schönhauser Allee 110. Spottbilliger Verlaus ver- sallener Pfänder, Herrengarderobe, Gardinen, Llusstcuerwüschc, Schmuck- lachen, Betten, Teppiche, Uhren. Steppdecken sponbillig. Fabrik Große Frantjurterilraße 60. 2333K» Haarfärbemittel, unübertroffen, Probeflasche 0,40. Winterseldt, Steg- litzerstraße 25. 228/13» PfandleihhauS! Hermannplatz 6. Allerbilligste Jackettanzüge! Äehrock- anzüge! SommerpalctotS l Herren- hoscnl Ries enauS wähl I Betlenver- iaujl Wäscheverlauf i Teppichvertaus l Uhrenverkausl Kettenvcrtauj! Ringe- verlaus I Psändervcrtausl Näh- Maschinen! Gardiiienverkaus I Sonn- tags ebenfalls geöffnet._ 1-109» Steppdecken, reichgestickte Portiere», Tuch, Plüsch. Gardinen, spottbillig. Mauerhoff, Große Franksurterstraße 3, parterre.___ 5386» 1060 neue Nähmaschinen. Lang. schiff, hocharmig, prima� Oualitüt, ....... Äollnowstratze... v-... Landsbergerstraße. Alte Maschinen nehme in Zahlung. 733K» llhren, Goldware» billigst Werner, Pappelallce 3. 853K» Der Kleingarten, seine Anlage, Einteilung und Bewirtschaftung, von Max HeSdörffer. Preis 60 Ps. Ex- pedition Lindcnsttaße 63, Laden. Anzüge, Paletots nach Maß. Aus la Stoffresten, Monats- und nicht abgeholte Sachen staunend billig. Maßschneiderei Boß, Brunnenftraße 3, eine Treppe, am Nosenthalertor. Kinderwagen, Sportwagen, Kinder- bettstelle. Größere Raten Kassapreis, zurückgesetzte. gebrauchte spottbillig Andreasstraße 53.»_ 33651* Steppdecken, volle Größe, Cre- tonne 3,00, Trikot 4,25, Stmiliseide 4,25, WollatlaS 5,50, Normalschlaf- decken 1,85, Sonderangebot. Teppich- Haus Emil Lese vre, Oranienstraße 158. Bücher des deutschen� Hauses. Eine Sammlung guter Erzählungen, Geschichten, Novellen usw. Gut aus- gestattet, zirta 300 Seiten umsassend, zum Teil illustriert und gebunden. 75 Pfennige pro Band. Expedifton, Lindenstraße 63, Laden. Taschenbuch sür Gartensreunde. Ein Ratgeber für die Pflege und sachgemäße Bewirtschaftung des häus« lichen Zier-, Gemüse- und Obst- gartens von Max Hesdörser. Mt 103 Textabbildungen. Preis 2,30 M. Expedition Vorwärts, Lindenstr. 69. Verbrechen und Prostitution als soziale Krankheitserscheinungen von Paul Hirsch. Preis 2,— Mark, geb. 2,50 Mark. Expedition Vorwärts, Lindenftraße 63._ Sozialreform oder Revolution von Rosa Luxemburg. Zweite durch- gesehene und ergänzte Auflage. Preis 50 Pf. Expedition Vorwärts, Linden- straße 69. Die Grundbegriffe der Wirt- schastslehre. Eine populäre Einsüh- rung von Julian Borchardt. Preis 40 Ps. Expedition Vorwärts, Linden- straße 69.___ Singermaschine, 7,00, Oranien- straße 19, Konopka. 196/11 GeschHftsverkäafe. Parteilokal mit Saal und mehreren Vereinszimmern sofort zu verkaufen, billige Miete. Zu erfragen Stadt-Braucrci, Bclsorterstraßc 4. �ieränderungshälber verlause mein Parteilokal mit zwei Zahlstellen, Neubau ist mit zu übernchmcn. Metallarbeiter bevorzugt. Osten, Mainzerstraßeü_ f87 Restaurant, gutgehend, Vereine, Zahlstelle, schöne Wohnung. Miete 1800. Große Zukunft. Noch vier Jahre Kontrakt. Zu erfragen.Vor- ivärts», Rixdors, Neckarstraße 2. Restauration. 18 Jahre bestehend, verkaust billig Bahl, Chorinerstt. 26. SllteS Parteilokal ist wegen Verzug nach außerhalb zu verkaufen. Näheres VorwärtS-Speditton, Nazarethkirch- straße 49._ 185 Zigarrengeschäft(Nebenverdienst) billig oertäuflich ESmarchflraße 3. Parteilokal, Nähe Moritzplatz, billig zu verkaufen. Zweizimmerigc Wohnung anschließend. Austunst Cronau, Biersahrer, Wissmannstr. 44. Möbel. Teilzahlung. Möbeleinrichtung Stube und Küche, Anzablung 15 Marl an. Einzelne Möbelslücke 3 Mark an. Verlieben gewesene Möbel spottbillig. „Berolina", Kasianieiiallee 49. 462b'-- Möbelhalle„Norden". Thiele, Ackerstraße 130(Gartenplatz). Filiale: Juvalidenstraße 118(Stettinerbahn), Speicher.— Riesenauswahl bürgerlicher Wohnungs-Einrichtungen von 300 bis 3000 Mark.— Gelegeuheits- käuse gebrauchter wie neuer Möbel, spottbillig. Ausbewahrung und Liese- rung, frei._ 214K Möbel sowie ganze WohnnngS- Einrichtungen aus Teilzahlimg bei geringer Anzahlung erhalten solide Leute in der Möbelfabrik August Krause, Schützensttaße 73/74. 924K» Brautleuten, Pensionaten bietet fich eine Gelegenheit, gediegene neue, gebrauchte Einrichtungen sür wenig Geld zu erstehen. Tausende Gegen- stände, Lagerung kostenlos. Aultions- annähme: Rasch, Grüner Weg 3. ♦ Billige MöbelauS Versteigerungen, Auslösungen, Schränke, Vertikos 30,—, TaschensosaS 45,—, Salongarnituren 85,—, Büfette, Schreibtische 35,—, Bücherschränke 58,—, Vierzugtische 68,—, Lederftühlc, Klubsessel, Ledcrsosas, Truineaus 30,—, Bettstellen, Tische, bunte Küche» 45,—, Kronen. Oclgeinälde, enorm große Auswahl kompletter Wirtschaften jedcr «tilart. billiger als überall. LennertS Möbeljpeichcr, Lotbringerstraßc 55�» Verantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: TH.Glocke, Nr. 164. 25. Jahrgang. riliu»es„ etlinct UoIdsdIM Ionnerstgg. lö.IvlilM. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste. In Neu-Zittau T.-B. steht uns daS Lokal »Restaurant Friedrichsgarten". Jnh. Gustav Frenk (Kolonie B u r i g), zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung. Die Lokalkommission. Sechster Wahlkreis. Die ordentliche Generalversammlung des Wahlvereins findet am 18. August in den Germania-Sälen, Chaussee- straße 110, statt. Die Mitglieder werden darauf aufmerksam ge- macht, daß Anträge zu derselben vier Wochen vorher dem Vorstande eingereicht sein müssen. Das Bureau des Kreises befindet sich Ravenestr. 6, Fernsprecher Amt HI, Nr. 2137. Der Vorstand. Wahlkreis Nicderdarnim. Die OrtSbereine werden dringend ersucht, die Resultate der Stellungnahme zu den Leitsätzen der Frauenorganisation bis spätestens am Sonntag, den 19. Juli, an den Genossen K u b i g- Pankow ge- langen zu lassen. Die Vorsitzenden, deren Ortsvereine noch keine Stellung zu diesen Leitsätzen genommen, müssen eine solche sofort veranlassen und darüber berichten. Ficdrichshagen. Sonnabend, den 18. Juli, abends 8'/, Uhr, im Restaurant der Witwe Lerche, Friedrichstr. 112(Rundteil): Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Max Schütte über:„Arbeiterklasse, Religion und Schule." 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheitcn. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Die Bibliothek ist am Sonntag, den 19. Juli, vormittags von ' 10—11 Uhr, im Restaurant Wilhelmsbad geöffnet. Trebbin. Am Sonnabend, den 18. Juli, 8 Uhr, im Lokal von Wolf: Wahlvereins- Versammlung. Tagesordnung: 1. Kasse und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Abrechnung vom zweiten Quartal. 3. Parteiangelegenheiten. 4. Frauenorganisation. 6. Verschiedenes. Die Genossen werden gebeten, ihre Frauen und Angehörigen ganz besonders auf diese Tagesordnung aufmerksam zu machen. Bezirk WaidmannSlust. Am Sonnabend, den 18. Juli, abends 8 Uhr, findet im„Schweizerhaus" zu Waidmannslust die General- Versammlung des Wahlvereins statt. Diejenigen Genossen, welche noch Listen von der Landtagswahl in Händen haben oder Billetts Vom Frühkonzert, werden ersucht nunmehr schleunigst abzurechnen. berliner Nachrichten. Im Bürgerpark. Für einen Nickel sind wir mit der Siemeusbahn hinausgefahren nach diesem an Naturschönheiten so reichen Fleckchen Erde des nörd- lichen Vororts Pankow. Zuvor hatten wir den Humboldthain durchquert und uns des Sammeleifer? an Pflanzen erfreut, wie er hier auf engem Raum zutage tritt. Wir bewundern den Fleiß der Botaniker, die, von Alexander v. Humboldt, dem größten Botaniker seiner Zeit, beeinflußt und ihm nacheifernd, hier alles zusammen- getragen haben, was aus der Erde Rund für unser Klima und unseren Boden irgend anbaufähig schien. Man muß den Humboldt- Hain mit heißem Bemühen studieren, muß sich die tausende er- klärendenbotanischcn Benennungen aufden kleinen grünen Täfelchen ein- prägen. Was ist da nicht alles vertreten! Alle Weltteile, Amerika, Indien, das Morgenland, China. Japan haben ihre Vertreter der Pflanzenwelt ausgestellt. Gewissermaßen als eine wertvolle Er- gänzung kann die Flora des Pankow er Bürgerparkes be- zeichnet werden. Man tut am besten, ihn des Morgens aufzusuchen. Er wimmelt von Vögeln aller Art, deren liebliches Gezwitscher auf jeden Naturfreund einen anziehenden Reiz ausübt. � Und dann die Flora, die uns hier in ihrer größeren Mannigfaltigkeit fast noch mehr anzieht, wie die des Humboldthain. In Pankow finden wir entschieden intimere, anziehendere Naturschönheiten. Man schaue sich nur die wunder- baren Alleen näher an und Auge und Herz werden gefesselt. Die nahe P a n k e, allerdings weniger anziehend, wenn sie träge dahin- schlängelt und unschöne Düfte entsendet, gehört mit in das Gesamt- bild dieses Stück Naturansschnitts hinein i sie ist hier meistens „reißend" und an ihr ist'S doch schön zu lustwandeln. Dieser ehe- malS Killisch von Hornsche Park, aus den die Gemeinde Pankow ihre Hand gelegt und ihn so der Spekulation wenigstens vorläufig «ntzogen bat, bietet noch viele andere Sehenswürdigkeiten, er hat„Ge- birge",„Täler",„Brücken" und„Seen", hat eine ganze Menge Alter- tümer, u. a. eine niedliche Ritterburg, die der schönste Anziehungs- Punkt der spiellustigen Jugend ist. Daß auch Spielplätze mit den üblichen Sandhaufen da sind, auch eine schöne Wiese, Blumen, Kletterpflanzen, Rasenteppiche usw. sei ebenfalls erwähnt, lind wer sich„restaurieren" will, findet Gelegenheit, dies Mt und ohne be- sonderes Eintrittsgeld zu tun; zwei Restaurationen, die feinere mit hänfigeren Konzerten gegen Entree. die billigere, aber um so mehr besuchte, sorgen für des Leibes Nahrung, und wer sein Eintrittsgeld sparen will, hat hier dieselben Genüsse hinter dem Zaun, als die Bemittelten vor ihm. Es lohnt sich wirklich, diesem jedermann zu- gänglichen Pankowcr Bürgerpark, der sich in seinem ehrwürdigen Alter und seiner großenMannigfaltigkeit würdig allen anderen Parks, wie z. B. dem Charloitcnburger Schloßpark, dem Friedrichshain usw. anreiht, einen Besuch abzustatten. Wir haben auch wahrlich keinen Uebcrfluß an öffentlichen Parks und gerade im heißen Sommer findet man Hier in unmittelbarer Nähe der Schönholzer Forst, die ja leider von Tag zu Tag immer mehr schwindet, Kühle und Erfrischung nach des Werktags Last und Mühen. ES ist herrlich, im tiefen Schalten dieser Jahrhunderte alten Buchen, Tannen, Nüstern und Ahornbäume einherzuwandcrn und reine, ozonhaltige Luft zu atmen. Der Fcrien-Vorortsverkchr weist in diesem Jahre einen außer gewöhnlich starken Umfang auf und dürfte gegen das Vorjahr eine Zunahme von zirka 40 Prozent zeigen. Zu den Hauptverkehrszeiten sind sämtliche Züge voll besetzt, obwohl die Zugdichtigkeit auch an den Wochentagen größer ist als in den früheren Jahren. Die Ur- lache dieser aüffäliigen Erscheinung ist darin zu suchen, daß eine ungewöhnlich große Anzahl von Berlinern die Ferienzeit in den Bororten verbringen.. Die Nachfrage nach Sommerwohnungen war so groß, daß in einzelnen Ortschaften kaum die Hälfte der Wohnung suchenden Unterkunft finden konnten. Selbst in entfernteren Vor orten, wie in Nauen, Grünhaide, Lehnitz, wo sich sonst Verhältnis- mäßig wenig Sommerfrischler aufhalten, sind gegenwärtig keine Wohnungen mehr zu haben, ja das Angebot an solchen blieb dort weit hinter der Nachfrage zurück. Die Zahl der Berliner, welche während der Sommerzeit ihre Behausungen nach den Vororten ver- legt haben, dürfte in diesem Jahre weit über 200000 betragen. Die Gewitter, die am Dienstag heraufzogen, haben in der weiteren Umgebung Berlins erhebliche Blitzschäden verursacht und leider auch Menschenleben gefordert. Die Gräninger Windmühle bei Döberitz wurde von einem Blitzstrahl getroffen, das Dach derselben beschädigt und die Flügel zertrümmert. Bei Görtzke(West- Havelland) wurde der Schnitter Piekaska, der vor dem Unwetter unter einem Baum Schutz suchte, vom Blitz erschlagen. Ein zweiter Schnitter, der im Begriff war, ebenfalls sich unter den Baum zu begeben, wurde betäubt, erholte sich jedoch bald wieder. Einen merkwürdigen Weg nahm ein elektrischer Funke, der ein Bauernhaus auf der Berliner Chaussee bei Freienwalde traf. Der Strahl drang durch den Schornstein in das Haus, fuhr durch die Küche in das Wohn- zimmer, zuckte an allen vier Wänden entlang und nahm dann seinen I Weg durch das offene Fenster am Hausgiebel entlaug. Vier Familien- �Mitglieder des Besitzers, die sich in dem Wohnzimmer befanden, wurden betäubt. Das Haus hat nur wenige Beschädigungen er- litten. Bei Rathenow traf ein Blitzstrahl die elektrische Fernleitung für die Straßcnbeleuchtnng und setzte mit einem Schlage die an diese angeschlossenen Straßenlaternen in Brand, indem der Haupthahn durch die Kraftwirkung umgeschaltet wurde. Louis Castan, der Begründer von Castans Panoptikum, ist gestern im Alter von 80 Jahren im Schöneberger Krankenhause ge- starben. Castan war in den letzten Jahren bettelarm geworden und war auf Almosen angewiesen. Gekentert. Ein Boot mit vier Personen kenterte Dienstag abend auf dem Schäfersee in Reinickendorf. In dem Restaurant„Kaiser Friedrich-Garten", das an dem der Stadt Berlin gehörigen See be- legen ist, fand ein Feuerwerk statt, und eine Gesellschaft von zwei Damen und zwei Herren beabsichtigte, das pyrotechnische Schauspiel von einem Kahne aus zu beobachten. Sie mieteten ein Ruderboot und die vier Personen fuhren nach der Mitte des Sees hinaus. Jedenfalls infolge Unvorsichtigkeit der Insassen kenterte das Fahr- zeug und die Lage der des Schwimmens unkundigen Personen wurde um so gefährlicher, als bei der herrschenden Dunkelheit die Unfallstelle vom Ufer aus nicht gesehen werden konnte. Dennoch wurde auf das Hilfegeschrei der mit den Wellen Kämpfenden eine Anzahl Boote flott gemacht und das Wasser abgesucht und es gelang schließlich auch, alle vier Personen zu retten. Während sich die Damen rasch erholten, konnten die beiden Männer, die bereits die Besinnung verloren hatten, erst nach längeren Bemühungen wieder in das Leben zurückgerufen werden. „Kindcrfrcunde." Zwei gefährliche Sittlichkeitsattentäter find gestern durch die Polizei festgenommen worden. In der Weserstraße hatte der„Gelegenheitsarbeiter" Scholz kleine Mädchen, die auf dem Bürgersteig spielten, an sich gelockt und sich an ihnen sittlich ver- gangen. Seinen Opfern gab er jedesmal fünf Pfennig, damit sie schweigen sollten. Der Vater eines der Mädchen hatte den Vorgang beobachtet und er ließ den Unhold durch einen Schutzmann fest- nehmen. Sch. wurde in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Gleichfalls verhaftet wurde der 20jährige Straßenreiniger Hermann Bretag aus Wilmersdorf. Der junge Mensch hatte sich in einer ganzen Reihe von Fällen an kleinen Mädchen vergangen. Er lockte seine Opfer nach dem unbebauten Gelände- an der Mecklenburgischen Straße. Gestern tvurde er auf frischer Tat überrascht und fest- genommen. Fiskalische Waldschlächterei. Wie mehrere Zeitungen berichten, hat der Fiskus in der Umgegend von Berlin wieder ein größeres Stück Wald an der Nordbahn zwischen Hermsdors und Tegel an ein Bankkonsortium veräußert. DaS Gebiet soll der Bebauung durch Villen erschlossen werden. Der Schloßpark Nieder-Schönhansen bleibt geöffnet. Die Kaiserin besichtigte vor einiger Zeit das Schloß Nieder-Schönhailscn, das für den Prinzen August Wilhelm zum vorübergehenden Aufenthalt be- stimmt ward. Vom 1. August an sollte deshalb eine teilweise Ab- sperrung deS Schloßparks erfolgen. Jetzt ist aber, wie die„Morgen- post" erfährt, die Absicht, das Schloß wieder zu benutzen, auf- gegeben worden. Es hat sich herausgestellt, daß eine Ausbesserung des alten Gebäudes kaum noch möglich ist. Um es für den Prinzen bewohnbar zu machen, wäre zum mindesten ein teilweiser Abbruch unverineidlich. Prinz August Wilhelm kommt nicht nach Nieder- Schönhausen, und der herrliche Schloßpark bleibt dem Publikum uneingeschränkt erhalten. Ein bedauerlicher Unfall, bei dem drei polnische Arbeiter verletzt wurden, ereignete sich gestern in der Nähe des Bahnhofes Weißen sc e durch Loslösen von Erdmassen in der Baugrube�für den NotauSlaß des XI. Radialsystems. Die Erdmassen kamen in einer Höhe von V/g Metern ins Rutschen und trafen die Arbeiter, die die Gefahr nicht beachtet hatten. Einer erlitt Quetschungen am Unterleibe, ein anderer einen Unterschenkelbruch und de» dritte den Bruch eines Knöchelgclenks. Alle drei wurden an Ort und Stelle von einem Arzt verbunden und dann nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht. Lebensgefahr besteht für keinen. Ein größerer Dachstuhlbrand kam gestern abend gegen 9 Uhr in dem Eckhause Gneisenaustr. 10 und Nostizstraße aus. Da die Feuer- wehr von mehreren Seiten alarmiert wurde, rückte sofort die ge- samte dritte und fünfte Kompagnie aus. Bei Ankunft der Löschziige drangen dichte Rauchwolken sowohl aus dem Dach des Borderhauses als auch aus dem einen Seitenflügel. Es stellte sich aber heraus, daß der Brandherd nur auf dem rechten Seitenflügel lag. Nach halbstündigem Wassergeben konnte die Wehr wieder abrücken. Ucber die Entstehungsursache ist noch nichts Bestimmtes ermittelt. Gesperrt werden folgende Straßen: Die Wallstraße vom Spittel- markt bis zur Neuen Grünstraße und die Neue Grünstraße von der Seydelstraße bis zur Grünstraßen-Brücke(einschließlich).— Die Friedrichstraße von der Karlstraße bis zum Schiffbauerdamm.— Die Stargarder Straße von derjPrenzlauer Allee bis zur Duncker- straße. Vermißt. Herr Fr. Schreiber. Heildelbergerstr. 76 I, bittet uns um Aufnahme folgender Nottz: Unser Sohn, Hans Schreiber, ge- boren am 17. April 1893 zu Berlin, wohnhaft 80.36, Heidelberger- straße 76 I, ist seit Montag, den 13. d. Mts., verschwunden. Anzug: blaues Jackett und Weste, grau- und schwarzgestreifte Zwirnhose, schwarze Schnürstiefel, flacher Strohhut, blasse Gesichtsfarbe. Er verließ am Montagnachmittag 3 Uhr die Bureauräume der Viktoria, Lindenstr. 20/21. Zu einem anderen Angestellten hatte er vor einigen Tagen geäußert, er geht in die Welt und wolle nach Magdeburg. Wer über den Verbleib des Knaben etwas weiß, bitte an obige Adreffe um Mitteilung. Fcucrwehrbericht. In der letzten Nacht, um 3 Uhr, kam in der Schliemannstraße 6 Feuer aus, das ein Orchestrion, Schaldecken usw. ergriff. Der 3. Zug mußte kräftig Wasser geben, um die Flammen zu löschen. Zweimal, erst um 1 Uhr nachts und dann um 6 Uhr früh, mußten Preßkohlenbrände auf dem Moabiter Güterbahnhof gelöscht werden. Der 7. Zug hatte in der Tilfiter Straße 76 zu tun. Dort brannte auf dem Dache Teer unter großer Qualm- entwickelung. Durch Anfwcrfen von Sand wurde die Gefahr be- seitigt. Fast gleichzeitig wurde die Wehr nach der Blumenstraße 37a, und Schönhauser Allee 33 alarmiert, wo Zimmerbrände gelöscht werden mußten. Ferner liefen noch Alarme aus der Gr. Hamburger Straße 17, Wiclefslraße 62, Marienburger Straße 77 u. a. Stellen ein. Die Schönebcrger Feuerwehr halte gestern srüh in der Monzel- straße 14/16 zu tun, wo in einer Badestube Feuer ausgekommen war, dem Kleider usw. zum Opfer fielen. Außerdem mußten die Schöneberger einen Zimmerbrand in der Wartburgstraße 16 löschen, der durch Unvorsichtigkeit entstanden sein soll. Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Am Sonntag, 19. Juli. Ausflug nach Buch-Schönlvalde. Abfahrt Zuges Steltiner Vorortbahnhof 8,S9. Gesundbrunnen 9,05.... Treffpunkt für Nachzügler bis 10 Uhr„Salemanns Restaurant. Bahnhof Buch' gelegen, von 12 Uhr mittags ab Restaurant den des Uhr. am Bahnhof Buch gelegen, von 12 Uhr mittags ab Restariram SporthauS am Gorinsee", Inhaber H. Borowski in Schönwalde. Außerdem bitten wir nochmals, zu beachten, daß auch während der Ferien die Bibliothek jeden Donnerstag zwischen 8—9 Uhr geöffnet ist. Daselbst können auch Mitgliedsbeiträge gezahlt werden. Vorort- ffocbricbtem Nixdorf. Der Sozialdemokratische Wahlverein für Nixbllrf hielt SM Dienstag in Hoppes Festsälen seine Generalversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde das Andenken der im ver- flossenen Vierteljahr verstorbenen 16 Genossen geehrt. Den Vor- standsbericht gab der Vorsitzende Zirkel. Der Vorstand hat im zweiten Vierteljahr 9 Sitzungen, sowie 6 Sitzungen mit den Funktionären abgehalten, abgesehen von den vielen Beratungen, die infolge des Wahlkampfes erforderlich waren. Wegen der Wahl- bewcgung mit ihren öffentlichen Versammlungen wurde auf die regelmäßigen Mitgliederversammlungen verzichtet. Infolge de? neuen Vereinsgesetzes beschloß der Vorstand im Einverständnis mit den Funktionären, daß die Genossinnen nun sofort im Wahlverein Aufnahme finden sollten, und zwar vorläufig zu den im Statut festgelegten Bedingungen, also bei 30 Pf. Monatsbeitrag, bis diese Angelegenheit durch die Generalversammlung von Groß-Berlin gc- regelt ist. Die Organisation der Frauen in Rixdorf hat sich daraufhin aufgelöst, und ein Teil der Genossinnen ist auch bereits übergetreten. Der Redner spricht die Erwartung aus, daß, wenn Groß-Berlin zu der Frage Stellung nimmt, der Uebertritt in vollem Umfang vollzogen sein wird. Im übrigen sind die im Herbst stattfindenden Stadtverordneten- Wahlen die wichtigste Angelegenheit, mit der sich der Vorstand be- schäftigt. Die Neuwahlen erstrecken sich auf sieben Bezirke. Wie schon durch die Presse bekannt geworden ist, soll jedoch die Zahl der Stadtverordnetcnmandate um. 12 vermehrt werden. Geschieht das, so hat man auch mit einer neuen Einteilung der Bezirke zu rechnen. Ilm so mehr ist es Pflicht der Parteigenossen, sich mit allem Eifer an den Vorbereitungen zur Wahl zu beteiligen. Ter Vorstand hat bereits dafür gesorgt, daß die Kleinarbeit so schnell lvie möglich begonnen wird. Es ist darauf hinzuweisen, daß die Genossen, die noch nicht Preußen sind, unmittelbar ihre Aufnahme in den preußischen Staat beantragen sollen. Wann die Wähler» listen aufliegen werden, ist noch nicht bekannt; jedenfalls wird, so» bald es geschieht, der Vorstand dafür sorgen, daß in ausgiebiger Weise zur Einsichtnahme in die Listen aufgefordert wird. Die Mitgliederzahl des Wahlvercins ist in der Zeit vom 30. März bis zum 30. Juni von 7951 auf 8240 gestiegen. Die nach der Land- tagSwahl enfaltete Agitation für den Wahlverein und für den „Vorwärts" hat ungefähr 209 Aufnahmen und an 200 neue Abonnenten ergeben. Gleichwohl ist in Rixdorf die Abonnenten- zahl des„Vorwärts" von 11 340 auf 11 210 gesunken, jedoch in den ersten Wochen des laufenden Vierteljahres wieder gestiegen auf 11 320. Eine kleine Abnahme der Abonnentcnzahl pflegt ja rcgel- mäßig in den Sommermonaten einzutreten, dazu kommt diesmal die Krise mit ihrer furchtbaren Arbeitslosigkeit, die manchen Ar- beiter veranlaßte, den„Vorwärts" abzubestellen oder mit einem anderen Genossen gemeinsam zu abonnieren. Ter Verein wurde im verflossenen Vierteljahr von der Polizei reichlich mit Straf. Mandaten bedacht, die meist bei gerichtlicher Entscheidung zu Frei- sprechung führten. Ueber eine Geldstrafe von 20 M. steht die Enl» scheidung noch aus. Es handelt sich hierbei um die Einschlcichung eines Polizeibeauftragten in eine vom Verein arrangierte Ver- anstaltung im Lokale des Genossen Hoppe, dem die Tanzcrlaubnis entzogen war, wodurch der geschlossene Charakter der Veranstaltung gestört werden sollte. Jedenfalls würde auch in dieser Sache Frei- sprechung erfolgen.- Der Kassenbericht, den Genosse Stiele r gab, schloß, den alten Bestand von 763,18 M. eingerechnet, mit einer Ein- nahmensumme von 6624,87 M. Die Vcreinsausgaben waren 1680,07 M., an die Kreiskajse wurden 4416,58 M. abgeliefert/ so daß ein Bestand von 528,22 M. übrigblieb. Den Bibliotheksbericht gab Genosse W a l l m a n n. Die Zahl der Büchcrauslcihungen war 1897, gegenüber 999 im zweiten Vierteljahr 1907, ist also fast auf das Doppelte gestiegen. Die ausgeliehenen Bücher sind bis auf zwei sämtlich wieder ab- geliefert worden. Neuangeschafft wurden 25 Bände, wonach' die Bibliothek jetzt 1191 Bände zählt. Sie ist nun nach der Revi- dierung wieder eröffnet worden. An die Berichte schloß sich eine verhältnismäßig kurze Dis- kussion. Genosse Franke bedauert, daß durch den Wahlverein im verflossenen Vierteljahr nur 492 ParteivonS abgesetzt wurden, und wünscht, daß die SNitgliedcr sich etwas eifriger an dem Vertrieb der Bons beteiligen. Genosse Hofmeister ist persönlich der Auffassung, daß, da die Bons doch meist nur von den organisierten Genossen gekauft werden, man sie überhaupt abschaffen und dafür lieber höhere Beiträge einführen sollte. Genosse Schuhmann hält es für richtiger, wenn der Vorstand beim Uebertritt der Gc- nossinnen gleich dafür gesorgt hätte, daß für sie ein niedrigerer Beitrag festgesetzt worden wäre. Genosse S i ch h o l z wünscht Auf- klärung oarüber, wie die rcstiercnden Beiträge der übergetretenen Genossinnen zu berechnen sind. Genosse Heller erklärt im Namen der Revisoren, daß Kasse. Bücher und Belege des Kassierers in bester Ordnung befunden wurden, und beantragt, demselben Dccharge zu erteilen. Ter Redner bemerkt weiter, daß die Bibliothek musterhaft eingerichtet ist, und stellt im Namen der Revisoren den Antrag, zur Neu- anschaffung von Büchern 300 M. zu bewilligen. Genosse Zirkel macht in seinem Schlußwort darauf auf- mcrksam, daß der Umsatz der Parteibons notwendig in demselben Maße zurückgeht, wie die Zahl der organffierten Parteigenossen zu- nimmt und die Arbeiterschaft sich daran gewöhnt, regelmäßige Partcibeiträge zu zahlen. Wenn, wie in der Diskussion hervor- gehoben wurde, Genossen auL anderen Wahlkreisen mit dem BonS- vertrieb nach Rixdorf kommen und hier gleichsam das Feld ab- grasen, sollen wir nicht eifersüchtig darauf sein, da ja doch alles in eine Kasse fließt. Bei dem Vereinsbeitrag der Frauen handelt es sich ja nur um eine kurze Uebergangszeit. Der Vorstand ist selbst dafür, daß für sie der Beitrag niedriger gesetzt wird, zumal ihre Beiträge ja meist aus demselben Haushalt wie die der Männer fließen. Die Beitragsreste aus dem Bildungsverein der Frauen sind beim Uebertritt so zu verrechnen, daß für zwei Monatsbeiträge eine Beitragsmarke des Wahlvercins zu kleben ist, wogegen für die Zeit nach dem Uebertritt die Genossinnen vorläufig denselben Beitrag wie die Genossen zu zahlen haben. Die Versammlung erteilte dem Kassierer einstimmig Dccharge. Der Antrag, der Bibliothek 300 M. zu überweisen, wird ebenfalls angenommen. Hierauf gab Genosse Scholz die Namen von 37 Mitgliedern bekannt, gegen die der Vorstand nach reiflicher Erwägung die Ein» leitung des Ausschlußverfahrens empfiehlt. Bei zweien handelt es sich um Denunziation, in allen übrigen Fällen ist Nichtbeteiligung an der Landtagswahl oder gar Stimmabgabe für den Gegner Grund des Ausschlußantrags. Zu einem großen Teil sind es Gc- schäftslcute. die diesen Verstoß gegen die Partcigrundsätze begangen haben. Der Redner ersuchte die Genossen, bei der Werbung von Mitgliedern für den Wahlverein unter Geschäftsleuten vorsichtig zu sein, da manche dieser Leute glauben, sie könnten ein großes Geschäft machen, wenn sie in der Arbeiterstadt Rixdorf dem Wahl- verein beiträten, aber, wenn es gilt, öffentlich Farbe zu bekennen, doch zeigen, daß sie keine' Parteigenossen sind. An solchen Mit- gliedern könne dem Wahlverein nichts gelegen sein. Eine längere Diskussion entspann sich über den Ausschluß- antrag gegen zwei Buchdrucker, die als Delegierte auf ihrem Ver- bandstag in Köln waren, darauf eine Rheinfahrt machten, statt sofort nach Hause zu reisen. Genosse. H a n n a ck(Buchdrucker) meinte, daß es seinen Heiden Kollegen, nachdem der Verbandstag erst um 5 Uhr geschlossen wurde, kaum möglich gewesen wäre, anderen Tags als Wähler zweiter Klasse noch rechtzeitig nach Berlin zu kommen. Man solle deshalb in diesen beiden Fällen Wilde walten lassen. Mit den Ausschlußanträgen gegen die Geschäftsleute ist der Redner einverstanden. Genosse Beiersdorf, ebenfalls Buch- drucker. ist der Ansicht, daß jene beiden Buchdrucker sehr wohl recht- zeitig zur Wahl kommen konnten, wie andere Delegierte vom Ver- bandstag. Weil sie organisierte Parteigenossen sind, hatten sie die Pflicht, ihr Wahlrecht auszuüben. Dieselbe Ausfassung äußerten die folgenden Diskussionsredner. Der Ausschlußantrag gegen die zwei Buchdrucker wird gegen 6 Stimmen gutgeheißen. Ucber einen Ausschlußantrag gegen einen Zahntechniker, der bei der Wahl, weil seine Kundschaft zu vier Fünfteln aus bürgerlichen Kreisen stammt, einer Boykottdrohung der Konservativen nachgab, wird ebenfalls gesondert abgestimmt. Dieser Antrag wird gegen eine starke Minderheit gutgeheißen. Alle anderen Anträge auf Einleitung des Ausschlußverfahrens werden einstimmig gutgeheißen. Der dritte Punkt der Tagesordnung: Bericht von der Landtagswahl, wird auf die nächste außerordentliche General- Versammlung vertagt. Es folgte die Wahl der Delegierten zur Kreisgeneralversamm- lung. Zu der von den Funktionaren empfohlenen Kandidatenliste, die 10 Delegierte aus den Bezirken und S aus dem Vorstand ent hält, beantragt Genosse Hofmeister die Wahl einer Genossin als Vertreterin der übergetretenen Frauen. Genosse Zirkel er- klärt, daß dafür eines der zu delegierenden Vorstandsmitglieder auf die Wahl verzichten werde. Als Delegierte der Genossinnen wird Frau I e e tz e gewählt. Unter der Voraussetzung, daß danach ein männlicher Delegierter auf die Wahl verzichtet, wird die Vorschlags liste einstimmig gutgeheißen. Hieran schloß sich die Wahl von 30 Delegierten zur Verbandsgeneralversammlung von Groß-Berlin, die ebenfalls mit einstimmiger Gutheissung der vorgeschlagenen Kandidaten endete. Wilmersdorf. Der Konflikt zwischen dem Magistrat und der Stadtverordneten- Versammlung, der aus Anlaß eines von den Stadtverordneten ge- faßten Beschlusses betreffend die Gewährung von Teuerungszulagen an die städtischen Beamten, Lehrer und Arbeiter ausgebrochen war, scheint beigelegt zu sein. Wie die„Wilmersdorfer Zeitung" aus bester Quelle erfahren haben will, hat der Magistrat in einer Mit woch vormittag stattgefundenen Sitzung seinen Einspruch gegen jenen Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung fallen gelassen. Daraus dürfte folgen, daß die für den nächsten Donnerstag ein- berufene zweite außerordentliche Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung überflüssig geworden ist. Köpenick. Die Liste der stimmfähigen Bürger für das Jahr 1308 liegt vom IS. bis 30. Juli im Rathans 2 Treppen. Zimmer 28, täglich von 7 bis 1 Uhr und nachmittags von X!S bis Vs5 Uhr, an den Sonn- tagen von vormittags 9 bis 12 Uhr zu jedermanns Einsicht aus. Da in diesem Jahre allgemeine Stadtverordnctenwahlen stattfinden, ist eS Pflicht eines jeden Genossen, nachzuprüfen, ob er auch in der Liste verzeichnet steht. Eingetragen muß jeder sein, der sein Bürger- rechtsgeld bezahlt hat. Für diejenigen Genossen, welche verhindert sein sollten, die Liste selbst einzusehen, haben sich folgende Genossen bereit erklärt, es zu tun: Fritz Woick, Kietzer Str. ö. Gustav Müller, Alter Markt. Aug. Gensch, Kietz 31. Aug. Tauchert, Müggelheimer Straße 4. Wilhelm Zeidler, Müggelheimer Str. 29. Peter Göhra, Dorotheen- stroße 20. Bernhard Lietsche, Grünauer Str. 1. Hermann Merkert, Grünauer Str. 50. Albert Stippekohl, Schvnerlinder Str. 5. Her- mann Israel, Berliner Str. 27. Franz Weber. Bahnhofstr. 15. Josef Jauernik, Kaiserin-Auguste-Viktoria-Str. 22. Rudolf Finger, Parisiusstr. 9, Weiheilsee. Bon einer Bulldogge zerfleischt. Ein schrecklicher Vorfall hat sich auf dem Hofe des Grundstücks Friedrichstraße 7 abgespielt. Als der Tischlermeister Grosch, Lehderstraße wohnhast, den Hof überschritt, wurde er plötzlich von dem Hund des Schlächtermeisters Franke, einer mächtigen Bulldogge, angefallen. G. setzte sich zur Wehr und dadurch reizte er das wütende Tier immer mehr. An den Armen wurde er von der Bestie förmlich zerfleischt. Ein Arzt �aus der Nach- barschaft legte dem Verwundeten die ersten Notverbände an. Pankow. Eine Bedürfnisanstalt wird Pankow endlich bekommen. Die- selbe soll in das Torgebäude zum Bürgerpark eingebaut tvcrdeu. Ein Einspruch des ehemaligen Besitzers des Bürgerparks Küllisch v. Horn ist von der Gemeindevertretung abgewiesen worden. Das neue Sparkassenstatut bringt einige Verbesserungen. Es werden die eingezahlten Beträge vom darauffolgenden Tage und bei Abhebungen bis zum vorhergehenden Tage verzinst. Stieder-Schönhansen. Zu der Niederlegung des Mandats des sozialdemokratischen Gemeiiidevcrtrrtcrs Pätzold bemerkt das Lokalblatt für Nieder- Schönhausen— und Berliner Blätter drucken das nach— daß Pätzold sich in der von ihm verwalteten Parteikasse habe Unregcl- Mäßigkeiten zuschulden kommen lassen und aus dein Wahlverein ausgeschlossen worden sei. Hierzu möchten wir feststellen, daß Pätzold keinerlei materielle Verpflichtungen gegenüber der von ihm verwalteten Kasse hat und daß er auch nicht aus dem Wahlverein ausgeschlossen worden ist. Groh-Lichterfelde. Todessturz nuS dem Feuster. In einem Anfalle geistiger Um- nachtniig hat sich die Witwe Anna Poppe ans der Moltkestraße in Groß-Lichterfclde ums Leben gebracht. Die Unglückliche stürzte sich aus dem Fenster ihrer im dritten Stockwerk belegenen Wohnung auf die Straße hinab und war auf der Stelle tot. Tegel. Durch Hunger in den Tod getriekcn. Ueber ein trauriges Vor- kommniS wird berichtet. Im Schulzendorfer Forst wurde vorgestern ein Spaziergänger von einem unbekannten Manne um etwas Nahrung gebeten. Der Fremde hatte durchgelaufene Stiefel und wunde Füße. Er hatte sich auf der Wanderschaft befunden und große Not dabei gelitten. Der Acrmste klagte über großen Hunger und hatte keine Eeldmittek. Er erkundigte sich bei dein Ausflügler nach dein nächsten Weg nach Berlin und erhielt auch die gewünschte Auskunft. Der lluglückliche sollte den Boden Berlins jedoch„»cht mehr betreten. Gestern wurde er in dem Forst erhängt aufgefunden. Der Lebens- müde dürfte etwa 45 Jahre alt gewesen sein. Treptow-Banmschulenweg. Ein Automobil verbrannt. Großes Aufsehen rief in der Kies- Holzstraße der Brand eines Automobils hervor. Bei dem Kraft- wage» des Fabrilanten Grätz aus der Elsenstraßch platzte während der Fahrt plötzlich der Benziubehältcr und im nächsten Augenblick schlugen mächtige Flammen empor. Die Insassen, der Chauffeur und ein Techniker konnten sich durch einen geschickten Sprung von dem brennenden Wagen retten. Ms die alarmierte Feuerwehr eintraf. war das Automobil, das einen Wert von 20000 Marl hatte, durch das Feiier bereits vollständig vernichtet. Sericbts- Leitung. Opfer der Sportwetten. Vor der ersten Ferienstraskammer des Landgerichts III waren gestern angeklagt: Der frühere Postbote, jetzige Schneider Otto Are seier, der frühere Postbote, jetzige Wächter Wilhelm Meppen, der frühere Postbote Karl Wolf und der frühere Ober- postschasstier Karl Scheel, sämtlich zu Charlottenburg. Die An- klage lautete auf wiederholten versuchten und vollendeten Betrug und Beihilfe dazu, sowie schwere Urkundenfälschung. Die vier Angeschuldigten, die sämtlich un- beschälten sind, waren auf dem Postamt 4 in Charlottenburg an- gestellt und führten sich zur vollsten Zufriedenheit ihrer Vorgesetzten. Vor etwa zwei Jahren machte Gieseler die Bekanntschaft eine- Mannes, der sich viel mit dem Pferderennsport befaßte und sein Glück ans dem grünen Rasen versuchte. Gieseler ließ sich ver- leiten und setzte ebenfalls versuchsweise einen kleinen Betrag. Als er gewann, teilte er dies seinem Kollegen Meppen mit, wodurch dieser sich wiederum veranlaßt fühlte, ebenfalls sein Glück auf dem Turf zu Versuchers Beide wendeten ihr Interesse immer mehr dem Neun sport zu und traten schließlich im Sommer v. I. mit dem holländischen Wettbureau von Thiel u. Co. in Arnheim am Rhein und der Turf agentur„Sport Avance" in Uhingen in Verbindung, denen sie briefliche Wettaufträge für ausländische, zumeist französische Rennen, übermittelten. An diesem Wettsystem beteiligten sich außerdem»och der Leiter einer Zigarrenfiliale Karl Baader und der Fahrradhändler Plüß und schließlich auch noch der Angeklagte Wolf. Baader und Pküß bezogen von einem sog. Sportrechercheur in Frankreich telo phonisch gute„Tips", wodurch eine rechtzeitige Aufgabe von Wett auftragen an die beiden genannten Vermittelungsbureaus ermöglicht wurde. Bedingung für die Gültigkeit dieser schriftlichen Wetiausträge war, daß die betreffenden Briefe vor Beginn der betreffenden Rennen zur Post gegeben sein, also den Aufgabestempel„1—2" oder „2—3 Nachm." tragen mußten. Im Herbst vorigen Jahres erhielten nun die beiden Sportbureaus wiederholt Briefe, auf denen die Marken zwei Stempelaufdrucke trugen, während andere ordnungs- mäßig mit„1—2 Nachm." abgestempelt waren. Diese Briefe enthielten regelmäßig Wetten auf Pferde, die aus dein Nennen als Sieger hervorgegangen waren. Diese auf- fällige Tatsache veranlaßte das Bureau„Sport Avance" sich an das Postamt 4 in Charlottenburg zu wenden. Noch ehe eine postamtliche Untersuchung eingeleitet war, erhielt das ge- nannte Bureau von dem Angeklagten Meppen einen Brief, in welchem er mitteilte, daß bei den Wettausträgen Betrügereien vorkämen. Bor der Postbehörde gab Meppen später zu. daß er diesen Brief aus Rache geschrieben habe, weil ihn seine Genossen bei der Gewinn beteiligung benachteiligt hätten. Es wurde eine umfangreiche Unter- suchung eingeleitet, die in erster Linie zur Folge hatte, daß nicht nur die vier Angeklagten, sondern auch noch die Postboten Böttcher und Saar aus dem Dienst entlassen wurden. Es stellte sich heraus, daß die Augeklagten in der Weise vorgegangen waren, daß sie, nachdem ihnen die Namen der Sieger telephonisch mitgeteilt worden waren, diese als Wettaufträge in Briefen absandten, die sie, obwohl es viel später war, mit dem Aufgabestempel„1—2 Nachm." versahen.— Vor Gericht waren die Angeklagten teilweise geständig. Das Gericht billigte den Angeklagten mildernde Umstände zu, da sie sonst dem Zuchthause verfallen wären. Das Urteil lautete gegen Gieseler auf acht Monate, gegen Meppen auf neun Monate, gegen Wolf auf vier Monate zwei Wochen und gegen Scheel wegen Beihiilfe auf einen Monat Gefängnis. 8 175. Die Strafkammer in Könitz verurteilte gestern den Ober- inspektor Josef Schubert aus Lesno und fünf junge Gutsarbeiter wegen Vergehens gegen den§ 175 des Straf- gesetzbuches. Schubert wurde zu einem Jahre Gefängnis, zwei Arbeiter zu einem Verweise, die übrigen drei zu je einem Tage Ge- fängnis verurteilt._ ___ Fahrlässige Tötung durch Holzkohlengase. Die Notwendigkeit, insbesondere mit Rücksicht auf die Kinder die größte Vorsicht bei Kohlenfcuer zu beachten, illustriert folgender am Montag vor dem Reichsgericht verhandelter Fall. Vom Landgericht Hildesheim ist am 27. März der Tischlermeister Karl Bierschwale wegen fahrlässiger Tötung zu einer Woche Gefängnis verurteilt worden. Eines Abends im Januar um 8 Uhr setzte er einen Holzkohlenofen in die Kinderkammer, um diese zu erwärmen. Es glühten nur noch einige Kohlen und er legte deshalb noch mehrere hinzu. Gegen 0 Uhr ging er noch- mals in die Kammer, fand, daß die drei Kinder schliefen, und ging mit seiner Frau fort. Als beide gegen 11� Uhr zurückkamen, lagen die Kinder regungslos in den Betten. Der herbeigeholte Arzt konnte nach einer Stunde die Martha B. ins Leben zurück- rufen, der achtjährige Karl B. und die neunjährige Pflegetochter Marie Hoppe blieben jedoch tot: sie waren infolge der Einatmung von Kohlenoxydgas gestorben. Der Angeklagte ist für den Tod der Kinder verantwortlich gemacht worden. Er will nicht gewußt haben, daß Holzkohlen derartige Gase ausströmen. Dies ist ihm nicht widerlegt worden. Zeugen bekunden, daß in der dortigen Gegend die Schädlichkeit der Holzkohlen allgemein unbekannt ist. Allein, so heißt es im Urteile, der Angeklagte ist ein intelligenter Mensch und konnte den eingetretenen Erfolg voraussehen. Er wußte, daß brennende Steinkohlen das giftige Kohlenoxydgas aus- strömen, und er konnte sich sagen, daß andere Kohlensorten beim Brennen ebenfalls giftige Eigenschaften entwickeln können. Er mußte deshalb von der Verivendung der Holzköhlen im vorliegenden Falle Abstand nehmen, weil er, wie festgestellt, die Eigenschaft der Holzkohle nicht kannte und er sich hätte sagen müssen, daß, da die Steinkohlen gefährlich sind, auch die Holzkohlen gefährlich sein können.— Die Revision des Angeklagten gegen das vorliegende Urteil wurde vom ReichSanwalte für begründet erachtet. Das Reichsgericht erkannte aber auf Verwerfung des Rechtsmittels, indem es unter Billigung der oben angeführten Darlegungen des Landgerichts die Fahrlässigkeit für ausreichend begründet er- achtete._ h Vsrmilcktes. Schon wieder eine Grubeulatastrophe! Auf der Zeche„Carolus Magnus" in Borbeck bei Essen ereignete sich gestern nachmittag gegen 4 Uhr eine Gruben- explosiv n. Vis 5�/« Uhr waren zehn Tote geborgen. Die Explosion fand in der Dynamitkammer der siebenten Sohle statt. Zu den RettungSarbciten sind die Rettungs- kolonnen von Essen und Vorbeck eingetroffen. Da die Arbeiten durch die auf der Unglücksstelle liegenden Trümmer sehr er- schwort sind, soll sich der ganze Umfang der Katastrophe noch nicht erkennen lassen. Wie verlautet, hat die Grubenverwaltung auf nähere Erkundigung hin mitgeteilt, daß die Zahl der Toten„nur" 6 (nicht 10) betrage. Es laufen aber dessenungeachtet Gerüchte von 20 Toten, und auch die Zahl der schlverer sowie der leichter Verlvundeten soll bedeutend sein! Mißgeschick ZePPclinS. Am Dienstag mußte Graf Zeppelin seine Fahrt abbrechen, weil ein Kühlventilator gebrochen war. Der Ventilator, dessen Be- schädignng den Grafen Zeppelin zur Umkehr veranlaßt hat, ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Kühlers am Motor. In den Ex- plosionSmotoren entsteht eine Temperatur von etwa 2000 Grad. Man legt deshalb um den Zylinder der Motoren einen besonderen Mantel herum, den sogenannten„Kühlmantel", in dem ständig Wasser zirkuliert, das die Zylindcrwände kühlt. Das Wasser wird durch eine besondere Pumpe in unuiiterbrochener Be- wegung erhalten. Bei der Hitze, die eS vom Zylindermantel ab- leitet und selbst aufnimmt, müßte man eigentlich ständig große Mengen frischen WasserS für Kühlzwecke niit sich führen. Da diese natürlich einen ungeheueren, für längere Fahrten weder bei Automobilen noch bei den Luftschiffen zu beivättigenden Ballast darstellen. Hilst man sich in der Weise, daß man eine kleine Menge Wassers mitnimmt, die man dann selbst wieder ständig kühlt. Zu diesem Zweck läßt man sie, wenn sie sich im Kühlmantel erwärmt hat, in einzelne dünne Strahlen ver- teilt, durch zahlreiche feine Röhrchen an? Blech laufen, an denen die Luft mittels eines besonderen Ventilators in kräftigem Strome vorbeibewegt wird, die die Wärme aus dem Wasser aufnimmt und fortführt, so daß dieses, lvieder gekühlt, von neuem in den Kühl- mantel des Zylinders gepumpt werden kann. An diesem Ventilator ist nun ein Flügel gebrochen. Es ist klar, daß ein Motor nur so lange gut arbeiten kann, als der Kühlapparat in vollkommenster Ordniliig ist. Dieser Unfall wurde baldigst behoben und der neue Aufstieg auf Mittwoch festgesetzt. Noch gestern morgen 9 Uhr 40 Min. ließ das Bureau des Grafen Zeppelin die Mitteilung verbreiten, daß be- stimmt der Aufftteg erfolgen tviirde. Es ist aber nichts daraus ge- worden, wie»achfolgende Depesche besagt: Als um 11 Uhr das Luftschiff aus der Halle gezogen wurde. wurde es von einem heftigen Windstoß an die Wand gedrückt, so daß das Höhcnstcuer schwer beschädigt wurde. Ein Aufstieg ist vor. läufig unmöglich. lieber die Art sowie über die Ursachen der Beschädigung gibt das folgende Telegramm noch näheren Aufschluß: Friedrichshafen, 15. Juli.(W. T. B.) Der vordere Teil des Zeppelinschen Luftschiffes schwebte um 11 Uhr beim Heraus- bringen aus der Halle bereits in der Luft, als plötzlich ein Tau riß. Dadurch wurde, wie das„Seeblatt" meldet, der Ballon mit seinem vorderen Teil gegen die Halle geschleudert. Auf der linken Seite wurde ein Schraubenflügel, das Höhensteucr und das Gerüst, an welchem die vordere Gondel befestigt ist, schwer beschädigt. Auch die Umhüllung hat erheblichen Schaden gelitten. Das Dampfboot „Königin Charlotte" wurde requiriert, um die Ballonhalle weiter in den See hinauszuziehen und so die Bergung des Luftschiffes zu erleichtern. Um 12 Uhr war das Luftschiff wieder in der Halle geborgen._ Verband der Friseurgehulfe» Deutfchlauds. Zweigverein Berlin. Heute abend'/z10 Uhr: Rosenthaler Sttasse 11/12:„Der Ge- werkschastskongreß." Verband deutscher Barbiere. Friseure und Perückenmacher- Gehilfen. Heute abend 19 Uhr Steinstr. 2. Verein der Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins und Umgegend. Abteilung XII. Heute abend 8 Uhr bei Schmidt, Jasmundcrstr. 4. Lese- und DiskutierNub„Wilhelm Liebknecht«. Heut« abend 8'/, Uhr bei Buhl, Danzigerstr. SS. Briefkasten der Redaktion. Die jiiristisch- Sprechstnnde Nndct Lindenstrahe Nr. zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppen, F a h r st n h l"tRB wochcntäglich abends von?>/, bis»>/, Ubr statt. Geöffnet 7 Uhr Sonnabends beginnt die Tprechstilndc NM a Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Autwort wird nicht erteilt. Eilige Jrageu trage man in der Sprechstunde vor. A. H. 14. 1. Der Verkauf wäre strafbar. 2. Die Kleiderspindcn würde» voraussichtlich als psändbar erachtet werden. Das Gesetz bezeichnet nicht bestimmte Gegenstände als unpsändbar, sondern erklärt die unenlbchr- lichen Gegenstände als impsändb'ar: waS unentbehrlich ist, ist von Fall zu Fall eventuell vom Gericht zu entscheiden.— J»J2. 19. Das Verlangen des Vormundes ist nicht gcrechtjertigt. Weisen Sie ihn an das Vormund- schastsgcricht.— Anna 1». Verjährung liegt nicht vor. Gehen Sie aber unlcr keinen Umständen aus das Verlangen ein.—K x-S- s" Leo Hfa Stationen II S-e Setier öS eS- 5» s? HTr, taparllnda!756O etcrSburg 758 SN® Scillh Werdeen Pari- 763 WNW 759 SN® 764 SW chwolkig 1 bedeckt 3 halb bd. 2 wolkig Lbedcckt 13 17 14 II 14 Wetterprognose für Donnerstag, den 16. Juli 1908. Ziemlich kühl, vielsach heiter, jedoch sehr unbeständig mit Regenschauern und frischen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wasserstands-Nachrichteu der LanbeZanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l, Tilsit Pregel, Jnsterburg Weichsel. Thoru Oder, Natibor » Krassen . Frankfurt Warthe, Schrimm Landsbcrg Netze, Vordannn Elbe, Leitmeritz , Dresden , Bnrbh . Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenolv') Spree, Spremberg') , Bccskow Weser, Münden , Minden Rhein, Maximiliansan , Kaub . Köln Neckar, Heilbronn Main, Wetthcim Mosel, Trier am 14.7. cm 94 59 79 98 —76 4 418 294 197 38 195 b seit 13. 7: cm1) +8 +1 +2 +1 +5, —6/ -4 —4 +5 -3 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall,—') Unterpegel. Verantwortlicher Redakteur.: Georg DsividMn, Berlik Für denJnserateriteil vexantw�: Th. Glocke. Berlin, Druck n, Verlag sVorwä eis Buchdruckerej u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin S.W,