Kr. 165. SbOWKHUIlU'BedllWIDIM: •Sfiimejnenlf. freit prSnumrrand»» Sjlctieliöt�L 830®tt.. monall. 1,10 SRI, fcSAemli* 28 Big. frei in» Hau». Einzelne Nummer 5 Pfg, SonnlagZ» ninmner rnil illustrierter Sanntag». Beilage»Die Neue Well' 10 Pfg, Posl« »bonnement: 1.10 Marl pro Monat. Ewgerragen in die Post. Zeitung»- Preisliite. Unter Kreuzband wr Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, fät da» übrige vueiand 3 Marl pro Monat. Postabonnement» nehmen an: Belgien. DSnemarl, Holland, Italien. Luxemburg: Portugal, Shun feien. Schweden und die Schweiz. Vlltilbl liglich ,1111, noDtus. 25. Jahrg. Devlinev VolksblÄtt. 2entralorgan äer fosialäemokratifcken Partei veutfcklanäs. II« lnltNIoas-»f «etrügt für die Iech»gesp-ltene Kolon» (eile«ixt deren Raum 60 Psg., für politische und gewerlschaslliche Pereins- und versaminlungs-Anzeigen 80 Psg. „Klein« Kneeisen". da» erste ls-tt- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere «ort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaj- pellen-llnzeigen da» erste Wort 10 Psg.. jede»«eitere Wort 6 Psg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate jür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittag» in der Expedition �gegeben werden. Die Expedition ijt Hi 7 Uhr abend» geösftlet. Zelegramm-Udresse: „StzlalduMkril Birilo". Redahtion: 8CQ. 68, Lindenstraoee 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1983. Freitag, den 17. Juli 1908. Sxpedltion: SM. 68, Ltndcnstrasec 6z. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1984. Legen Sie Kriegshetzer! . Die mehr oder minder versteckten, zuweilen auch mit geradezu aberwitziger Dreistigkeit sich hervorwagenden Hetzereien gegen das Ausland nehmen munter ihren Fortgang. Unsere Prozentpatrioten spielen mit dem Kriege, als handle sichs um eine Bagatelle I Der furchtbare Aderlatz an Gut und Blut, den unsder unselige südwe st afrikanische Krieg gekostet hat — 1300 Menschenleben und 500 Millionen Mark!— hat nicht abschreckend gewirkt, sondern nach neuen Abenteuern lüstern gemacht. Denn während unsere bisherige Kolonial Politik nur einigen Schnapsexporteuren, Bureaukraten und Farmern Vorteile gebracht hatte, hat der kostspielige Krieg Ströme Goldes nicht nur in die Taschen profitgieriger Lieferanten und Reeder geleitet, sondern tausend und abeo tausend Schmarotzern reiche Gewinnste zugeführt. Alle Aben teurer und Beutelschneider hoffen deshalb auf neue Be reicherungschancen! Und da unseren Herrschenden infolge der skrupellosen Finanzwirtschaft des Reiches, der Steuernöte und des kulturellen und politischen Ausstiegs der Arbeiterklasse das Wasser bis zum Hals steht, sind auch sie nur zu geneigt, alles auf eine Karte zu setzen I Das Proletariat, alle ehrlich arbeitenden, alle aufrichtig um die Volkswohlfahrt bemühten Kreise haben deshalb der Kriegstreiberei der Panzerplattenpatrioten und chauvinistischen Narren doppelte Aufmerksamkeit zu widmen! Für die schier tollhäuslerische Kriegstreiberei hier ein neues Beispiel: Der bekannte und berüchtigte Regierungsrat Rudolf Martin hat— wie die„National-Zeitung" mitteilt— dem Vertreter eines englischen Blattes gegenüber ausgeführt, in einem Weltkriege würde Deutschland 200 Millionen Pfund Sterling für Motorlustschiffe und Flugmaschinen ausgeben müssen, um in einer halben Stunde 350000 Mann von Calais nach Dover zu be f ö�r d e r n. Selbst heute sei das Landen einer großen deuffchen Armee lediglich eine Geldfrage. Er sei einem Krieg zwischen Deutschland und England abgeneigt, sollte ein solcher aber ausbrechen, so werde er mindestens zwei Jahre dauern, da Deutschland nicht Frieden schließen würde, bis eine deutsche Armee London besetzt habe. Gegenüber diesen Delirien militaristischen Utopismus', nationallisiischen Größenwahns und kapitalistischer Rauflust instinkte ist es besonders angebracht. sich einmal den Charakter eines großen europäischen Krieges zu vergegenwärtigen! Sehr zur rechten Zeit berichtet da eine Zeitungskorrespondenz: „Inwiefern haben sich die Bedingungen des Erfolges im Kriege feit 1371 verändert." Ueber diese bedeutsame Frage veröffentlicht in den neuesten vom Großen Generalstab herausgegebenen„Bierteljahrsheften für Truppen führ» ng und Heereskunde" der General der Infanterie z. D. V.Blume eine umfassende Untersuchung. In den 37 Jahren ungestörten Friedens, in denen wir nicht Gelegenheit hatten, die Schlagkraft unseres Heeres praktisch zu erproben, hat das Kriegs- Wesen eine u n g e a hsn t e Umwandlung erfahren. Wenn auch die Grundzüge der Strategie dadurch nicht beeinflußt werden konnten, so haben doch, neben der Umgestaltung des taktischen Bildes der Zukunftsschlacht, vor allem die allgemeinen Verhältnisse sich in sehr wesentlichen Momenten geändert gegen die Be- dingungen, unter denen wir unseren letzten.großen Krieg ausfochten. Damals waren es Heere mit minder starken Wehrverfaffungen. mit denen wir die Klinge kreuzten; heute sind alle Festlandsmächte längst zu jener Heeresform übergegangen, die Preußen vor nahezu hundert Jahren als erster Staat durchführte, und in einem Ringen der Zukunft werden wir Heeren gegenüberstehen, die gleich unserem aus dem Kern der ganzen Nation gebildet sind. Zugleich ist die ziffernmäßige StärkederStreitkräfte gegen früher ungeheuer gewachsen, im August 1870 belief sich zwar die Ver- pflegungsstärke der deutschen Gesamtmacht auf 1 183 389 Köpfe, aber an Streitbaren(außer Offizieren) zählte das deutsche Feld- Heer bei Beginn des Krieges doch nur 462 300 Infanteristen und 86 800 Kavalleristen nebst 1584 Geschützen, hinter denen allerdings die zunächst im Lande zurückbleibenden BesatzungS- und Ersatztruppen mit 962 890 streitbaren Mannschaften und 462 bespannten Geschützen standen. Heute würde im Kriegsfalle die auS neunzehn Jahrgängen zusammen- gesetzte Gesamtstreitmacht die Bildung eines KricgshccreS von 4� Millionen militärisch geschulter Mannschaften ermöglichen, und bei anderen Mächten sind die Zahlen in verwandtem Maße gewachsen____ Dazu tritt nun eine Entwickelung auf dem Gebiete der Kriegsmittel, das Fortschreiten der Waffentechnik, die Verstärkung der Zerstörungsmittel, mit denen eine fortschreitende Kultur sich gegen gewaltsame Eingriffe wappnet. Das bringt eine Veränderung der Kampfintensität mit sich.„Mit der Stärke der Machtmittel, die im Kriegssalle aufeinderstoßen, ist unvermeidlich eine Steigerung des gewaltsamen Charakters und der Folgewirlungen des Krieges verbunden. Daran vermag auch der Kulturfortschritt nichts zu ändern.... AuS der sehr bedeutenden Vervollkommnung der Feuerwaffen, die in größerer Schußweite. Treffsicherheit. Rasanz und Lade- geschwindigkeit sowie in gesteigerter Wirkung am Ziel und fast gänzlich geschwundener Rauchentwickelung vor der Mündung be- stehen, ergeben sich vor allem folgende neue Gefechts- e r s ch e i n u n g e n: Die Infanterie ist nach wie vor die Hauptwaffe. Bei Tage führt sie den Kampf nahezu ausschließlich mit der Feuerwaffe, Erfolg und Mißerfolg in ihni sind im wesentlichen das Ergebnis der physischen und moralischen Wirkungen des Feuers, Entscheidungen durch das Bajonett bei Tage seltene Ausnahmen. Der Sturmanlauf heimst fast immer nur die reifen Früchte des Feuergefechtes ein." Es würde zu weit führen, hier im einzelnen wiederzugeben, was General v. Blume weiterhin u. a. über den wachsenden Einfluß der höheren Führer, über die vermehrte An- Wendung der Feldbefestigungskunst, über die häufigere Benutzung der nächtlichen Dunkelheit zu Angriffszwecken, über die gesteigert» Wirkung des Artilleriefeuers, über die größere Selbständigkeit der Kavallerie wie über den allgemeinen Charakter der Zukunftsschlacht ausführt; wir können hier nur noch einige besonders interessante Einzelheiten herausheben. Zunächst erscheint die bisherige Annahme, daß die blutigen Gc> scchtsvcrlustc mit der Vervollkommnung der Waffen nicht zu-, sondern abnehmen, nach den neuesten Nachrichten über die Verluste im ostasiatischen Kriege mindestens in ihrer Allgemeingültigkeit zweifelhaft. Denn eS ergibt sich daraus, daß die durchschnittlichen Verluste an Toten und Ver- wundeten in den vier großen Schlachten dieses Krieges sich bei den Japanern auf 20,4 Proz., bei den Russen auf 16,7 Proz. be liefen, während sie bei den Deutschen in den 13 großen Schlachten des Krieges von 1870/71 nur 7,0 Proz. der Streiter betrugen. Freilich dauerte» die vier Schlachten 1904—05 im ganzen 40 Tage, die 18 des Krieges von 1870/71 nur 27 Tage. Ein Verlust von 90 Prozent, wie ihn die japanische Brigade Nambu in der Schlacht bei Mulden in kurzer Zeit erlitt, steht allerdings in der Geschichte wohl einzig da. Indes verlor beispielsweise auch 1870 daS preußische Jnfanterie-Negiment Nr. 16 in einem kaum halbstündigen Angriff bei MarS la Tour 68 Prozent. Zum Schluß sei eine Schätzung der unmittelbare» Kosten der Kriegführung wiedergegeben, die infolge der Ver- mehrung der Streitkräfte und der Vervollkommnung der Streitmittel eine s o l ch e H ö h e erreichen, daß sie mit denen fr ü herer Kriege kaum noch in Vergleich gestellt werden köunen! Sie beliefen sich in dem zwischen Rußland und Japan 1904/05 geführten Kriege für erstere Macht nach amtlicher Angabe auf 4605 Millionen Mark und werden für Japan auf 2424 Millionen Mark berechnet. Für Deutschland wird man die Jahres« kosten eines mit voller Macht zu führenden Krieges, ungerechnet den Wert der Naturalleistungen, zu denen das Land im Kriegs- falle verpflichtet ist, mit K Milliarden Mark nicht zu hoch ver- anschlagen." Wir glauben diesen milstärisch nüchternen, aber für den Kulturfreund um so furchtbareren Darlegungen nichts hinzu- fügen zu sollen! Gegen solch scheusälige» internationale» Massenmord, gegen solche Verwüstung aller Kulturgüter mit aller Tatkraft sich anzustemmen ist Pflicht des internationalen Proletariats! Und das Proletariat des Auslandes ist sich dieser Pflichten bewußt! So wird jetzt wieder aus England gemeldet: JnternationaleDe mon st rationfür denFrie- den. Am e r st e n August findet in London auf dem T r a- falgar-Square eine Demonstration zugunsten des Völker- friedenS statt. Als Redner find eine Anzahl Ab- geordnete der Arbeiterpartei borgesehen, unter anderem Kair Hardie, Grady, Macdonald. Will Thorne, Bruce Glasier und Ben Tilledt. Am heutigen Freitag protestiert daS Proletariat der deutschen RcichShauptstadt! Möge der Besuch dieser Demonstrationsvcrsammlungen unseren Brüdern im Auslande ein Beweis dafür sein, daß das deutsche Proletariat sich seiner proletarischen und inter- nationalen Pflichten bewußt ist! ver Keginn der flbivehr. Den Herren S h d o w und Rheinbaben und den übrigen verbündeten Finanzministern nützt ihre Heimlichtuerei wenig. Man kennt die Regierung de? Fürsten Bülow, und man weiß, daß sie nichts andere? ist, als die Diktatur der preußischen Junker. Und man kennt die Rücksichts- losigkeit und Unverschämtheit der Junker, wenn eS gilt, die Kosten ihrer Politik auf andere Schultern abzuwälzen. Und so wartet man nicht, wie eS die Herren wohl gern haben möchten, auf die Veröffentlichung ihrer Pläne im einzelnen, sondern rüstet sich schon jetzt gegen den Raub, der im Herbst geplant ist. Wissen wir ja doch, wie die Finanzreform im großen und ganzen aussehen wird. Neben der Steigerung der Verbrauchs- abgaben auf Bier, Tabak und Branntwein sind es Steuern, die den Verkehr und die industrielle Entwickelung hemmen und hindern werden. Unter diesen aber ist die geplante Abgabe auf Elektrizität, sowohl für Licht als auch für Kraft, wohl eine der gefährlichsten, weil sie gerade ein Produktionsmittel in seiner Enifaltung hindert, daS für die Zukunft von größter Bedeutung ist und namentlich den industriell weniger fortgeschrittenen Teilen Deutsch- landS zugute kommen wird. ES war daher natürlich, daß gegen die drohende Gefahr zuerst in Bayern mobil gemacht wurde und es verstand sich von selbst, daß die Führung in diesem Kampfe unsere Genossen übernahmen. In der Budgetdebatte stellte Genosse Müller den Antrag: „Es sei die Staatsregierung zu ersuchen, mit aller Energie den etwa bestehenden Plänen des Reichsschatz. sckretärs Shdow auf Einführung einer Abgabe auf Elektri. zität und Gas entgegenzutreten und die Verwirk. lichung dieser, die Entwjckljing der bayerischen Volkswirtschaft auf das empfindlich st e schädi» g e n d e n Maßnahmen mit aller Kraft zu verhindern." Müller begründete den Antrag in einer ausgezeichneten Rede, in der er nachwies, wie gerade Bayern in seiner Entwickelung durch die Elektrizitätsabgabe gehemmt würde. Mit Recht verwies cc darauf, wie diese Steuer nicht nur die Industrie, sondern auch die Landwirtschaft treffen würde und wie die preußischen Junker nicht davor zurückschrecken, um selbst steuerfrei zu bleiben, die Entwickelung eines anderen Bundesstaates auf das schlimmste zu schädigen. Wieder zeigte es sich deutlich, welche Lüge es ist, wenn sich die preußischen Junker als Vertreter der Landwirtschaft oder gar der Bauern gebcrden, dieselben preußischen Junker, die den bayerischen Landwirten die Elektrizitätskraft verteuern wollen. während sie sich selbst für ihren Spiritus hohe Prämien aus dem Staatssäckel zahlen lassen. Es handelt sich in Bayern, das endlich darangeht, die Kraft der weißen Kohle auszunützen, um die Gewinnung von nicht weniger als einundeinerhalben Million Pferdekräften, von denen 900000 ohne weiteres gewonnen werden können. Die Zukunft Bayerns hängt also an der Frage, ob es den preußischen Junkern gelingen wird, diese Steuer auf Licht und Kraft zur Wirklichkeit zu machen. Die Gefahr ist groß und die chauvinistische Hetze, die getrieben wird, zeigt es, daß die Regierung skrupellos genug ist, um alle Mittel anzuwenden, um die Finanzreform durchzusetzen. Die Blockmajorität ist zu allem fähig, und um so dringender ist es da- her, daß jedes Mittel des Widerstandes so früh als möglich ergriffen wird. Daß aber die bayerischen Sozialdemokraten in dieser Frage tatsächlich die Interessen des ganzen Landes gegen die preußischen Junker vertreten haben, beweist, daß die bayerische K a m m e r den Antrag einstimmigangenommcn hat. Die Minister freilich haben verlegen geschwiegen und gerade durch ihr Schweigen bekundet, daß in der Tat die Elektrizitätssteucr geplant wird. Aber der einmütige Widerstand der Kammer dürfte sie belehrt haben, haß gefällige-SntFsgentommcn des Finanz- Ministers Pff.gJ f. der mit seitieni Kollegen Rheinbaben die Vor- liebe für indirekte Steuern teilt, den einmütigen Widerstand des Landes finden wird. Daß die- Red« Sßüttet» int Schwarz« getroffen hat, beweist der Wutschrei, mit dem die preußische Junlerpresse geantwortet hat. Aber die Beschuldigung, daß Müller als Partikularist auf- getreten sei, sollten gerade preußische Junkerorgane nicht erheben. In der Tat ist in der bayerischen Kammer nicht nur nicht bayerischer Partikularismus vertreten worden, sondern eS ist daS I n t e r e s s e des Reiches vertreten worden gegen den P a r t i k u l a r i s- mus der preußischen Junker. Gerade in der Finanz- reform sind die preußischen Junker und ihre Vertretung, die preußische Regierung, die schlimmsten Partikularistc it. Gerade s i e sind es, welche die Behauptung aufgestellt haben, daß dem Reich nur indirekte Steuern bewilligt werden dürften, gerade sie sind es, die es verhindern wollen, daß die Finanzwirt. schast des Reiches durch Erhebung ausgiebiger direkter Reichs- steuern endlich unabhängig gemacht wird von der Wirtschaft der Matrikularbciträge und so das Reich auch finanziell un- abhängig werde von den Bundesstaaten. Gerade sie sind es, welche die Reichspolitik aufs schwerste kompromittieren, den Reichstag in den Augen der breiten Masse der Bevölkerung herabwürdigen wollen, indem sie ihn zwingen, daS Defizit der halben Milliarde durch neue, unerhörte Belastung der Besitzlosen zu decken. Es ist wirklich eine Unverschämtheit» der nur preußische Junker fähig sind, die immer gegen den Reichs- tag des gleichen Wahlrechts hetzen, die stets ihren Drciklassen» landtag gegen den Reichstag, die preußische Regierung gegen die Reichsinteressen mobil machen, Klage zu führen über den Sozial- demokraten, der in der bayerischen Kammer die Interessen deS deutschen Volkes gegen die partikularistischen Sonderinteresscn der preußischen Junker zu wahren sucht. Aber die Herren werde» niemanden täuschen. Deutsche Sozialdemokraten sind keine Partikularisten und wo immer sie stehen und kämpfen. kämpfen sie nicht für irgend ein Eonderintercsse. sondern für die großen und dauernden Jntcresseg � heK g- heitentzeg VslkeA in Deutschland, �' Sie sie lügen! * Unsere Chaudinisten beklagen sich, daß durch die Ereist» nisse in Marokko der, übrigens ganz unbedeutende, Handel Deutschlands gelitten hätte. Aber ein Exportartikel hat jedenfalls riesig zugenommen. In den marokkanischen Nestern scheinen viele neue Lügenfabrikcn errichtet worden zu sein und ihre Produkte werden massenhaft in Deutschland eingeführt. Namentlich scheint die„Deutsche Kabelgramm-Gesellschaft" in dieser Branche hervorragendes zu leisten. Da ihre Kunden meistens begeisterten Bismarck- kult treiben, so richtet sie sich nach dem Bismarckwortc: ge- logen wie telegraphiert. Und die Korrespondenten einiger Blätter in Tanger suchen das telegraphische Beispiel noch zu übertreffen. Namentlich leistet Tante Voß in der Ver, breitung von Marokkanernachrichten, gegen die die Tataren, Nachrichten längst harmlos geworden sind, vorzügliches. Aber auch andere Zeitungen, wie z. B. die„Kölnisch e". lassen nichts zu wünschgn übrig. Es ist ganz interessant, einige dieser Lügenmeldungen zu verfolgen. Namentlich nach der Besetzung von Azemur wurden besondere Anstrengungen gemacht. So wurde erzählt, daß die französischen Soldaten des General d'Amade einen„deutschen Kurier" auf» gehalten und gröblichst beschimvst hätten. Schon stand Deutschlands.Ehre a'uf dem Spiel, die bei diesen Leuten allerdings sehr leicht auf dem Spiel steht, und mit flammen- der Entrüstung erkundigten sich einige Zeitungen, was Deutschland zu tun gedenke. Was ist aus dem Kurier geworden? Ihr werdet's n i e erfahren. Denn erstens ist der Kurier nicht beleidigt worden, zweitens nicht von fran- zösischen Soldaten aufgehalten worden und drittens hav er überhaicht nicht existiert. Sehr hübsch war auch die Erzählung der„Köln. Ztg.", die das offiziöse Tclcgraphenbureau sofort Weiterbeförderte, daß der schweizerische Oberst Müller, der Chef der Polizei, gegen die Verlegung der Polizei nach Azemur durch den General dÄmade als gegen die Algecirasakte verstoßend, P rote st erhoben habe. Auch an dieser Geschichte war kein wahres Wort. Das sind nur zwei Beispiele, die sich jeden Tag in Dutzende handgreiflichster Lügen, die die deutsche Presse widergibt, vermehren ließen. Aber es nützt wirklich alles nichts. Die Lügen über Marokko lassen die Massen des deutschen Volkes so kalt wie die Wahrheit. W i r wollen kein inarokkanischcs Abenteuer und überhaupt keine Abenteuer. Und wir meinen, daß der Lärm wirklich schon aufhören könnte. jilitiiniliMtischez. Vor der Strafkammer I des Landgerichts Hamburg nahm am 18. Juli ein Prozeß gegen drei anarchistische Antimilitaristen seinen Anfang, dessen Vorgeschichte insofern interessant ist, als die Staats- rniwaltschaft sowohl wie die Beschlußkammcr in den zur Aburteilung stehenden Handlungen eine Vorbereitung zum Hochver- rat erblickten. Weder her Oberreichsanwalt noch später das Reichsgericht, Strafsenat I, vermochten diese Auffassung zu teilen, vielmehr ordnete das Reichsgericht die Eröffnung des Hanptver- fahrens aus den§§ Ilv, III Absatz 2, 112 und 130 des Strafgesetzbuches an und überwies die Angelegenheit vorgenanntem Gericht« zur Aburteilung. f Die Anklage basiert auf folgenden Vorgängen: Im Februar 1908 lag der kleine Kreuzer„Scharnhorst" auf der Werft von Blohm u. Voß in Hamburg, um einer Reparatur unterzogen zu werden. Am 12. Februar teilte das Kommando des Kreuzers der Polizeibehörde mit, daß mehrere Exemplare des„Soldatcnbrcviers" an Mannschaften des„Scharnhorst" von einem unbekannten Zivi- listen verteilt worden seien. Von dem„Soldatenbrcvier" wirv behauptet, es sei eine anarchistische Broschüre aufreizendster und gefährlichster Art. Der Maschinistenmaat Rehbcin vom Schorn- Horst" traf einige Tage nach der Anzeige den Werftarbeiter Her- mann Heinrich Karl Drews im„Hamburger Bierpalast", wo letzte- rer den Unteroffizier fragte, ob er derjenige sei, der das Buch auf der Werft erhalten und an das Schiffskommando abgeliefert hätte.„Das war ein anderer Kamerad," sagte Rehbein, der tat, als ob er die anarchistischen Bestrebungen billige. Er stellte dem Drews eine Falle, indem er ihn zum 19. Februar nach einem Lokal bestellte, nachdem ihm Drews noch die Schriften überreicht hatte: „An die jungen Leute", von Peter Krapotkin, und.lAntimilitaris- mus und Generalstreik", bemerkend, daß diese Broschüren zwar nicht von der Polizei, wohl aber von der Militärbehörde verboten seien. Am 19. Februar trafen sich beide in dem verabredeten Lokal, wo dann Drews zu Rehbein erklärt haben soll, daß er die„Soldaten- breviere" an der Werft verteilt hätte. Nach Verhaftung des Drews wurden bei mehreren Anarchisten Haussuchungen und Beschlag. nahmen von anarchistischen Zeitschriften und Broschüren vorge- nommen, worauf auch noch andere Anarchisten verhaftet wurden. In Untersuchungshaft behalten wurden außer dem 24 jährigen Drews der 20jährige Küper Gustav Paul Schreycr und der 30 jährige Bürstenmacher Michael Schuster, die nunmehr an- geklagt sind, durch Verbreitung von Schriften zum Ungehorsam gegen die Gesetze und zur Begehung strafbarer Handlungen aufge- fordert sowie in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klassen der Bevölkerung zu Gewalttätigkeiten unter- einander aufgereizt zu haben. Endlich wird Drews noch be- schuldigt, eine Person des Soldaten st andes aufgefordert und angereizt zu haben, dem Befehl der Oberen nicht Gehorsam zu leisten. � Die Staatsanwalt beantragte, für die ganze Dauer der Verhandlung wegen Gefährdung der öffentlichen Ordnung die Oeffcntlichkeit auszuschließen. Unter Hinweis auf den Hoch» vcrratsprozeß gegen Liebknecht, der bekanntlich in voller Ocffent- lichkcit verhandelt wurde, bekämpfte der Verteidiger, Rechts- anwalt Herz-Altona, diesen Antrag, da es sich um Broschüren handele, die der Ocffentlichkeit wohl bekannt seien. Das Gericht gab trotzdem dem Autrage des Staatsanwalts statt. Der Angektagte Drews erklärt sich für schuldig, die Mit- angeklagten bestreiten, sich im Sinn« der Anklage schuldig gemacht zu haben. Alle geben zu, Anarchisten zu sein und seit längerer Zeit für deren Ziele gewirkt zu haben. Drews sagt aus, er sei Mitglied des Altonaer Lcseklubs, in Hamburg existiere keine anarchistische Organisation; wieviel Mitglieder der Lcseklub zähle, wisse er nicht. Von einer Kolportage von Schriften durch den Verein sei ihm nichts bekannt. Er selbst habe anarchistische Schris- ten aus eigene Hand vertrieben. Das Agitationsmatcrial habe er von der Redaktion des„Revolutionär" in Berlin bezogen. Auch von dem Mitangeklagten Schleyer habe er Schriften zum Vertrieb erhalten. Der Angeklagte Schleyer bestätigt diese Angaben, aber er bestreitet, das„Soldatenbrcvier" verbreitet zu haben. S ch u st e r führt aus, er habe das„Soldatenbrevier" zunächst für ein harmloses Schriftstück gehalten; die bei ihm vorgefundenen Exemplare habe er wohl verbreiten wollen, aber er hätte damit noch nicht begonnen gehabt. Es wird sodann die Weltanschauung des SInarchismuS erörtert. Die Angeklagten wollen ihre Anschauung nichl aus den Broschüren, die nur einen agitatorischen Charakter trügen, sondern aus thcore- tischen Quellen geschöpft haben. Uebi-r die zur Anklage stehenden Punkte führt Drews aus, er habe an dem in Rede stehenden Tage mehrere Exemplare des „Soldatenbreviers"-mit zur Werft genommen, um sie Kollegen einzuhändigen. Da er diese nicht getroffen hätte, habe er die Druckschriften beim Verlassen der Werft dem Maschinistenmaat Rehbein zur Information gegeben. Die weitere Begegnung mit R. schildert er wie oben dargestellt. Die Druckschrift„Soldatenbrevier" soll nach der Darstellung des Anklagevertreters ein hervorragendes Werk der anarchistischen Propaganda darstellen, das zur Bekämpfung der Heeresorganisation mittels gewaltsamer und gesetzwidriger Mittel auffordert. Es enfr halte die Aufforderung an die Soldaten, den Befehlen ihrer mM- iärischen Vorgesetzten den Gehorsam zu verweigern und mit den Arbeitern, gegen deren Unruhen sie aufgefordert werden, gemein- same Sache zu machen und auch im Kriegsfälle nicht den Befehlen zu gehorchen. Es enthalte ferner die Aufforderung zur Fahnen- flucht, zur Meuterei und zum militärischen Ungehorsam, also zu Verbrechen und Vergehen gegen das Militärstrafgesctzbuch. Es werde auch schlechthin zum Landesverrat durch Zerstörung von Brücken, Eisenbahnen, Telegraphen und Transportmitteln zum Vorteil des Feindes und zur Begehung des gemeingefährlichen Ver- brcchens gegen ß 311 des Strafgesetzbuches aufgefordert. Auch werde das Proletariat zum Kampfe gegen die besitzenden Klassen in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise angereizt. Auch die Druckschrift„Die direkte Aktion", die bei Schleyer beschlagnahmt wurde, soll zur Meuterei, Jstsurrcktion, Dienst. veriocigerung usw. auffordern und eingehende Anleitung zur An- Wendung des sogenannten ökonomischen Terrors geben. Uebcr den A u s g a ng des Prozesses wird uns tele- graphisch mitgeteilt, daß S ch r c y e c und Schuster freigesprochen, Drews dagegen zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt wurde! Auch dies harte Urteil beweist; wie wenig der Militarismus und unsere herrschenden Klassen auf die Vernunft und die Gerechtigkeit ihrer Einrichtungen vertrauen! ein hoch auf ÄS! silgemeine Aahl- recht— grober Miig. Am Sonntag, den 22. März, war der Friedhof der März- gefallenen im Friedrichshain stark besucht. Einer der Friedhofs- besucher, Genosse A b e n d r o t h, soll laut polizeilicher Angabe auf dem Friedhofe ein Hoch auf das allgemeine Wahlrecht ausgebracht und dadurch groben Unfug verübt haben. Ferner soll er dem diensttuenden Polizeileutnant, der ihm das„Halten von Ansprachen" untersagte, geantwortet haben:„Ich bringe das Hoch doch ans, Sie können mir gar nichts", wodurch die Autorität des Aufsichts- beamten gefährdet worden sein soll. Diese Sache hat schon am 23. Mai das Schöffengericht Berlin-Mitte beschäftigt. Damals konnte der als Zeuge ver- nominelle Polizeileutnant Arndt nicht mit Bestimmtheit angeben, ob es tatsächlich der Angeklagte Abendroth war, welcher das verpönte Hoch ausbrachte. Die Verhandlung wurde deshalb vertagt, es sollten noch weitere Ermittelungen über die„Schuld" des Angeklagten an- gestellt werden. In der erneuten Verhandlung, die gestern statt- fand, gab Polizeileutnant Arndt mit voller Bestimnitheit an, der An- geklagte sei dreimal kurz hintereinander auf dem Friedhof gewesen. Zweimal habe er, der Zeuge, selber gehört und gesehen, daß der Angeklagte ein Hoch ansbrachte. Jedesmal habe er dem Angeklagten dies untersagt und beim zweiten Male die Antwort erhalten: Sie haben mir gar nichts zu sagen, ich kann tun, was ich will. Schon bei seinem ersten Besuch des Friedhofes soll der Angeklagte, wie ein Schutzmann dem Leutnant gesagt habe, die Umstehenden zu einem Hoch aufgefordert haben. Das Publikum soll, wie Polizeileutnant Arndt angab, über das Verhalten des Angeklagten ungehalten ge- wesen sei», denn es sei ein besseres Publikum gewesen als das, welches am 18. März den Friedhof besuchte. Abendroth bestritt die Darstellung des Polizeileutnants. Er habe nicht in lautem Ton und nicht in demonstrativer Absicht, sondern nur im Gespräch mit einigen, die ihm zunächst standen, gesagt: Nieder mit der Dreiklassenschmach, hoch das allgemeine Wahlrecht I Der Amtsanwalt meinte, der Angeklagte habe wiederholt versucht, daS Volk aufzuhetzen. Dafür müsse er mit vier Wochen Haft bestrast werden. Dies sei das übliche Maß für derartige Straftaten. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosen- selb, führte demgegenüber aus: Es könne gar keine Rede davon sein, daß der Angeklagte das Volk aufgehetzt habe. Höchstens könne ihm der Vorwurf gemacht werden, daß er ein Hoch auf das allgemeine Wahlrecht ausgebracht habe. Aber auch das sei nicht er- wiesen, denn zwei als Zeugen vernommene Schutzleute gaben nur an, der Angeklagte zog den Hut und wollte ein Hoch ausbringen- Selbst wenn der Angeklagte ein Hoch ausgebracht hat, wie der Polizeileutnant bekundete, so sei doch durch das Hoch keine Gefährdung der öffentlichen Sicher- heit entstanden. Derartige Demonstrationen seien kein grober Unftlg. Bei den Demonstrationen, die in der Nacht nach den Reichstagswahlen vor dem Reichskanzlerpalais und dem KönigSschloß stattfanden, habe doch die Polizei zu erkennen gegeben, daß auch sie solche Demonstrationen nicht als groben Unfug ansieht. Wenn aber diese Demonstrationen kein grober Unfug sind, dann kann auch eine Demonstration, welche aus einer entgegengesetzten politischen Anschauung entspringt, nicht als grober Unfug angesehen werden. Aus diesen Gründen müsse der Angeklagte freigesprochen werden. Sollte aber das Gericht annehmen, daß der Angeklagte groben Unfug begangen habe, so sei eine geringe Geldstrafe eine vollkommen ausreichende Sühne. Der Vorsitzende, AmtsgerichtSrat Wollner, sagte in der Urteilsverkündung: DaS Gericht habe groben Unftlg alS erwiesen erachtet. ES sei kein Zweifel, daß ein Hoch auf das allgemeine Wahlrecht an einen» Orte, der den Verstorbenen geweiht ist, geeignet ist, die öffentliche Orb- nung zu gefährden. Nur weil ein gutmütiges Publikum da war, sei keine Störung erfolgt. An sich sei die Handlung des Angeklagten geeignet, die öffentliche Ordnung zu stören. Ob die Polizei solche Kundgebungen wie die Demonstration in der NeichstagSwahlnacht dulde, sei dem Gericht nicht bekannt, übrigens seien solche Vorgänge auch kein Präjudiz. Es sei auch ein erheblicher Unterschied, ob jemand seinem Patriotismus Ausdruck gibt, oder ob er sich hinstellt und ein HochanfetwasauSbringt, was noch nichtbe steht. Da der Angeklagte noch nicht bestraft und eine Störung der Orb- nung nicht eingetreten ist, so hat das Gericht von einer Freiheits- strafe abgesehen und den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 60 Mark verurteilt. Nach der Auffassung des Gerichts wäre demnach Grundsatz einer gerechten Justiz der von dem Dichter Tcrenz auf eine schlechte Justiz geprägte Satz: wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe. UebrigenS gaben die Radanbrüder der NeichstagSwahlnacht lediglich demselben Gefühl Ausdruck, wie jene Ballonmützen- und Zylinder- inhaberi, welche dem Schnedderengteng und Taradabumdiäh der militärischen Wachtparaden vornnschreitenß. Patriotisch haben, wenn unter Patriotismus das Eintreten für daS Wohl der Gesamt- heit der Einwohner zu verstehen ist, d i e gehandelt, welche für Er- ringung' dcS allgemeinen gleichen geheimen Wahlrechts eintrete»!. politische debersickt. Berlin, den 16. Juli 1903. Freisinndcinokratische Freunde des Koalitionsrechts. Wie in München ist auch in Frankfurt a. M. von freisinndemokratischer Seite im Stadtverordneten- k o l l c g i u m aus Anlaß des Augsburger Kampfes um das Koalitionsrecht der technischen und kaufniännischen Angestellten der Antrag gestellt»Vörden, daß bei st ä d t i s ch e n Ar b e i t e n keilie Unternehmer berücksichtigt lv erden sollen, die das Koalitionsrecht ihrer Ar- beiter und Ange st eilten beeinträchtigen. Bei der Beratung dieses Antrages stimmte am Dienstag der Redner der sozialdemokratischen Fraktion im Frankstirter Stadtparlanient, Genosse Dittmann, dem Antrage voll- inhaltlich zu und beantragte folgende Ergänzung: .„Ferner erwartet die Stadtverordnetenversammlung, daß die Stadtverivaltung lünftig in ihren Regiebetrieben für Fcrnhaltung jeden Eingriftes in das Koalitionsrccht ihrer eigenen Arbeiter und Angestellten— wie sie mehrfach durch untergeordnete Organe vorgekommen sind— sorgt, und ihrerseits jede Gelegen- heit ergreift, die Organisation ihrer Arbeiter und Angestellte» zur Mitberatmig übe»: deren Arbeitsverhältnisse zuzuziehen." Der sozialdemokratische Redner wies zur Begründung darauf hin, daß die Stadt die Grundsätze, deren Befolgung sie von den Unternehmern fordern solle, logischerweise doch auch im eigenen Hause betätigen müsse. Der sozial demokratische Zusatzantrag sei deshalb nur die Konsequenz des freisinndcmokratischen Antrages. Der Magistrat unterstütze leider die koalitionsfeindlichen Bestrebungen in den städtischen Betrieben, u. a. auch durch Protektionicrung einer„gelb eu" Getverkschaft der Straßenbahner, die es im K 1 ihres Statuts für einen ihrer Zwecke erkläre,„die Kollegen von den Zentralverbänden fern- zuhalte u." Statt sich nun für den sozialdemokratischen Ergänzungs- antrag auszusprechen, erklärte der Begründer des freisinn- demokratischen Antrages, Rechtsanwalt Dr. Hertz, er kömie demselben nicht z u st i m m e n, weil in ihm Tatsachen behauptet seien, die erst untersucht werden müßten.— Um dem Herrn uuö seinen Parteifreunden diesen Vorwand zu nehmen, strich Genosse Dittmann in seinem Antrage den Passus—„wie sie mehrfach durch untergeordnete Organe vorgekommen sind— so daß lediglich der rein grundsätzliche Teil des Ergänzungsantrags übrigblieb. Bei der Abstiminung stimmte unsere Frattion geschlossen für den freisinndemokratischen Antrag, für den sozialdemokratischen Er- gänzungsantrag aber stimmte außer unseren Genossen und einen» ZentruMsmann ein einziger Demokrat, die gesamten übrigen Demokraten und Freisinnsmanneu. die Mehrheit der Versaminlung. blieb sitzen! So sehen die freisinndemokratischen Kämpfer für das Koalitionsrecht aus. Wo sie mit ihren platonischen Er- klärungen ernst machen sollen, versagen sie. Mögen die technischen und kaufmännischen Angestellten aus diesem typischen Vorfall ihre Lehren ziehen.— Jnnungstneister gegen die organisierte Jugend. Die Vereinigungen der Jugendlichen in Mecklenburg gehören dem»Berliner Verbände an, bestehen also, weil sie keine Politik treiben, trotz des Jugendparagraphen des Vereinsgesetzes lveiter. Nun»vollen ihnen die Zünftler das Lebenslicht ausblasen. Der Verbandstag der Tischlcrinnungen beider Mecklenburg nahm einen Antrag an, daß Lehrlinge nur mit Zustimmung des Lehrherrn Vereinen angehören und deren Versammlungen besuchen dürfen. Bei Zuwiderhandlungen sollen die Eltern der bewußten Lehrlinge eine Strafe von zehn Mark an die JnnnngSkasse zahlen müssen.— Die Zünftler als Gesetzgeber, daS wäre ganz mecklenburgisch.—_ Ein weisier Rabe. Wie uns ein Privattelegramm aus Chemnitz meldet. hat der Liberale Verein für Chemnitz und Umgebung in seiner Monatsversammlung folgende Resolution einstimmig angenommen: „Der Verein verurteilt aufs schärfste, baß beim letzten Landtagswahlkanrpf in Preußen von einzelnen Organisationen Abkommen mit reaktionären Parteien getroffen worden sind. Insbesondere sieht er in dem Vorgehen in Flensburg und Nieder- Barnim eine Schmach für den deutschen Libera- l i s m u s und eine Gefahr für seine weitere Eni- Wickelung. Er erwartet, daß die Leitung der Freifinnigen Volkspartei die Herren D n u s und Schepp zur Nieder- legung ihrer erschacherten Mandate zwingt. Ein Wahlkampf ist kein Geschäft, er ist Kampf der Gedanken." Wir können uns das Augurenlächeln vorstellen, mit dem Wiemer und Konsorten diese Resolution-- beiseite legen werden.—_ Zwanzig sozialdemokratische Verbrecher. Ms gefundenes Fressen fängt die Ordnungspresse eine Notiz der Korrespondenz des Reichslügenverbandes auf, wonach die gerichtliche Bestrafung sozialdemokratischer Vertrauensmäinicr in der letzten Zeit sich derartig gehäuft habe, daß es nötig werde, zur Warnung der Arbeiterschaft die Oeffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen. Heuchlerisch wird vorausgeschickt, daß eS zwar ver- werflich sei, für das Vergehen des Einzelnen die politische Partei verantwortlich zu machen; doch läge die Sache anders. wenn im wachsenden Maße gerade diejenigen Mitglieder einer Partei mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt kämen, die be- besondere Vertrauensstellungen einnahmen. Dieser Einleitung folgt die Aufzählung von zwanzig Personen, die im Dienste der sozialdemokratischen Partei und wohlgemerkt auch der Gewerkschaftsbewegung tätig waren und wegen Unter- schlagung und Diebstahls in der letzten Zeit verurteilt worden sind. Der Philister wie der unorganisierte Arbeiter soll ob der sozialdemokratischen Korruption natürlich die Hände über dem Kopfe zusammenschlagen, wenn er liest, daß die Zeitung auS dem Handgelenk heraus an einem einzigen Tage nicht weniger als zwanzig Bestrafungen sozialdemokratischer Vertrauensleute melden kann. Das Unglück dabei ist nur, daß die Korrespondenz des Reichsverbandes bei dieser Aufzählung einen Kniff»ibte, der moralisch nicht minder verwerflich ist als der schlimmste der„sozialdemokratischen" VertrauenSbrüche, die geschäftig der Welt verkündet werden. Die Liste der Bestrafungen erstreckt sich nämlich ans mindestens drei Jahre; so ist z. B. der Bergarbeiter Janzelt, der in Wahrheit Janzyk heißt, schon am 19. Oktober 1 9 0 S in Bochum verurteilt worden I DaS wird natürlich wohlweislich verschwiegen, wie ebenfalls die Tatsache unterdrückt wird, daß auf einen Vertrauensbrnch in der Sozialdemokratie mindestens zehn Aburteilungeu von OrdmingShcldcn wegen gemeiner Verbrechen herzuzählen find. Wenn es der staatserhaltenden Presse in dieser Hinsicht um ein Beweisstück zu tun ist. so sind wir jederzeit bereit, ihr mit derartigen Leporellolisten zu dienen I_ Preußische Gefälligkeiten gegen Väterchen! Aus Myslowitz wird der„Germania" unterm 15. Juli berichtet: Eine größere Schmugglerbande, die vom russischen aufs deutsche Gebiet Waren paschen wollte, wurde am Sonnabend von deutschen Genöarmerieposten und russischen Grenzsoldaten gleichzeitig ertappt und zerstreut. Dabei ereignete sich insofern ein tragischer Zwischenfall, als sich unter den Paschern auch ein flüchtiger russischer Staatsangehöriger befand, der bei den letzten Terro- ristenverhaftuugen in Lodz erwischt und zu 5 Jahren Ver- bannung nach Sibirien samt seiner Familie verurteilt worden war. Ihm war es bereits gelungen, auf deutsches Gebiet zu entkommen, als der deutsche Gendarm von einem russischen Grenzsoldaten auf den Flüchtenden auf- merksam gemacht und zur Ergreifung und Auslieferung des Flüchtlings aufgefordert»vurds. Der deutsche G e u- d a r m e r i c m a ch t m e i st e r holte denn auch den Flüchtigen ein und lieferte ihn, da er keinen Paß besaß, trotz seines herzbrechenden Jammer ns und Flehens dem Kapitän der Grenzwache aus.— Der Zar kann mit der preußischen Polizei zufrieden sein! Soldatenmihhandlung. Der Vizefeldwebel Titze vom Infanterieregiment 61 in Breslau war vor dem Kriegsgericht der elften Division wegen Mißhandln ng eines Untergebenen und Miß- brauch der Dien st gewalt zu drei Wochen gelinden Arrest verurteilt worden. Der Anklagevertreter hatte nur vier- zehn Tage beantragt. Der Feldwebel legre Berufung ein ans Oberkriegsgericht, die Straftaten bestreitend und Frei- sprechung beantragend. 16 Zeugen sind geladen. Titze war im Zivil Schreiber, er ist Unterofsizierschüler und in Strehlen geboren. Der Musketier Gulba ging in der Nacht vom 3. zum 4. Mai austreten. Er begegnete dem Feldwebel Titze. der ihn frug,„wo gehen Sie hin?" Er antwortete:„Austreten." Der Felowebel sagte:„So gehen Sie austreten?"(Der Mann war in Latschen, Hose, umgehangenen Mantel) und gab nach eidlicher Aus- sage dem Manne ohne Grund vier Ohrfeige» und Rippenstöße. Dem Gefreiten Masur, der davon wußte, daß der Feldwebel den Mann geschlagen, drohte er, nach der eidlichen Aussage des Gefreiten, bei Jnaus ficht st ellung von Strafe nichts zu sagen. Der Gemißhandelte ging zum Hauptmann sich be- schweren. Der Feldwebel dient im zehnten Jahre. Der Anklage- Vertreter, OberkriegsgerichtSrat Laub, beantragt Verwerfung der Berufung, der Verteidiger, Rechtsanwalt Bick. Frei- sprechung. Das Oberkriegsgericht erkannte auf nur acht Tage gelinden Arrestl— Oeltcrmcfo. Sozialdemokraten im Präsidium. Wien, 16. Juli. Das Abgeordnetenhaus beschloß, die Zahl der Vizepräsidentenstellen von zwei auf fünf zu der- mehren, um den Sozialdemokraten, dem deutsch- nationalen Verband und den Südslawen eine Vertretung im Präsidium zu ermöglichen. Der Geschäftsordnungs- auSschuß wurde beauftragt, dem Hause demnächst einen Entwurf betreffend Abänderung der Geschäftsordnung zu unterbreiten, wodurch ein wirksamer Schutz der Arbeits- f ä h i g k e i t des Hauses ohne Beeinträchtigung der Rede- freiheit erzielt wird. Das Haus begann dann die VerHand- lung über die Staatsdienergesetze. Schweiz. Zur Auslieferung des Russen Waffilieff. L, Aus Bern wird uns geschrieben: �» Zu der Auslieferung Belcnzews und KibatschitzkiS hat das schweizerische Bundesgcricht in Lausanne nun auch die- jcnige des Russen Waffilieff gefügt und damit der Reaktion einen neuen Handlangerdienst geleistet. Hervorragende Juristen des Im und Auslandes haben sich mit dem Fall beschäftigt und sind zu dem Schlüsse gekommen, daß eine politische Tat vorliegt, die die Abweisung des Hlusliefcrungsbcgehrens der russi- scheu Regierung erheischt. Der Fall Waffilieff war überdies durch keinerlei Nebenumstände kompliziert, wie derjenige Belenzews, und man durfte daher mit Sicherheit auf die Freilassung Wassilicffs hoffen. Die Bundesrichtcr haben diese Hoff- nung der freiheitlich denkenden Kreise aller Kulturvölker gc- täuscht, sie liefern dem russischen Henker ohne Gewissensbisse ein neues Opfer aus; sie haben es nicht über sich gebracht, groß zu denken und zu handeln, sondern so entschieden, wie es dem kleinen Geiste der das Bürgertum führenden und beherrschenden elenden Krämcrpreffe entspricht. So wird die innere Politik des Landes geleitet und vom gleichen Geiste ist auch seine auswärtige Politik erfüllt. Man ziehe nun aber auch in der Schweiz die Konsequenzen dieser niederen und aller freiheitlichen Tradition und der alten ruhmreichen Geschichte hohnsprechenden Vernichtung der Freiheit. man verbiete- den„Wilhelm Tcll", und zwar nicht nur in der Schule, sondern für das ganze Land, denn solche Hclfersdienste schänden das Schillersche Hohelied der Freiheit und Revolution Es ist nur die Sozialdemokratie, die die Schweiz zum Lande und Hort der Freiheit machen, ihm eine neue rühm reiche Geschichte schaffen und die schwarzen Blätter derselben, die in den letzten Jahren ein reaktionäres, freihcitsfeindliches Geld- sacksregimcnt ihr einverleibte, in ihrer Wirkung mildern kann. - Die hat auch Gelegenheit, schon am nächsten Sonntag einen wuchtigen Protest gegen das bundesrichtcrliche Handlangertum in Lausanne zu erheben, da in Zürich das Zentralfcst des Schlveize- rischcn Grütlivcreins stattfindet, zu dem lOOOl) Teilnehmer aus allen Teilen des Landes und Schweizer im Auslande, selbst aus Amerika erwartet werden. Da soll die Schmach der herrschenden Bourgeoisie gebrandmarkt, da sollen die Volksmassen aufgerüttelt und tatkräftige Begeisterung für die Freiheit, für die Völker- befrciung geweckt Werden.— Belgien. Schluß der Generaldebatte. Brüssel, 13. Juli. In der Deputiertcnkammcr wurde heute die Gencraldiskussion über die Kongovorlage geschlossen. Italien. Mißbräuche. Rom, 16. Juli. Der Unterrichtsminister R a v a hat auf Grund der Ergebnisse des Untersuchungsausschusses die Absetzung verschiedener Beamten seines Ministeriums wegen Un- regelmäßigkeiten verfügt. Es heißt, daß weitere Maß- regclungen schuldiger Beamten bevorstehen. Andererseits hat der Untersuchungsausschuß ernste Schuldmotive gegen, den früheren Minister Baccelli aufgedeckt. Baccelli hat sich ähnlicher Vergeudungen schuldig gemacht, wie sie dem E x minister N a st zum Vorwurf gemacht worden sind. Der „A v a n t i" verlangt, daß gegen Baccelli dieselbe Prozedur wie gegen Nasi angewendet werden soll. Bnßlanci. Eine beispiellose Provokation. Die sozialdemokratische Dumafraktion brachte in einer der letzten Sitzungen der Duma folgende Interpellation ein: „Ist es dem Herrn Vorsitzenden des Ministerrates bekannt, daß zirderinderWarschauerZiiadelle internierten Sophie Owczarek, die des Attentatsversuches auf den Warschauer Generalgouverncur angeschuldigt war, mit Wissen und Genehmi- gung des Chefs des 10. Pavillons der Warschauer Zitadelle, Stabs- rittmeister Us penSki, einem Agenten der Schutz- abteilung unter der Maske des Rechtsanwalts Patek, an den sich Owczarek um Rechtsbeistand gewendet hatte, der Zutritt ver- schafft wurde; daß ferner der erwähnte Agent sich als künfti- gor Verteidiger der Owczarek ausgab, und ihr das Geständnis der von ihr vollbrachten Taten abnötigte; u.nd endlich daß während der Unterredung der Owczarek mit dem an- geblichen Verteidiger der Stabsrittmeister Uspenski und der Agent der Schutzabteilung Kbimow, hinter einem Schirm versteckt, anwesend Ware n?" „Sind diese Tatfachen, die zum Teil in der vom Gehilfen des Militärprokurators des Warschauer Kreismilitärgerichtes Abdulow zusammengestellten Anklageschrift in Sachen der Owczarek und Ostrowski enthalten sind, richtig und wird der Herr Minister- Präsident Maßregeln ergreife», damit in Zukunft das Pom Gesetz vorgeschriebene Geheimnis der Unterredung des Gefangenen mit f feinem Verteidiger gewahrt werde?. Wird er ferner die Schuldigen! zur Verantwortung ziehen, die die vom Gesetz garantierten Rechte des Angeklagten und Verteidigers aufs gröbste verletzen?" Man steht: Alle Schrecknisse der Jnqnisitwn verblassen vor der teuflischen Niedertracht, die die Henkersknechte des Zaren im Kampfe gegen die Revolutionäre an den Tgg legen, i* Ciirhei. Die jungtürkische Bewegung. Frankfurt a. M., 16. Juli. Wie der„Frankfurter Ztg." aus Saloniki gemeldet wird, hat das jungtürkische Komitee einen Aufruf an die Bevölkerung von Ochri erlassen, in dem diese aufgefordert wird, sich den Anordnungen des Komitees zu unterwerfen und die S t e n e n nicht an den Staat, sondern an das Komitee abzuführen. Offiziöse Zugeständnisse. Konstantinopel, 15. Juli. Die auswärts verbreiteten Nach- richten, daß die Rebifs einberufen seien, und ferner, daß die Telegraphenlinie Monastir— Konstantinopel gestört sei, sind vollkommen unrichtig, Gegenüber der Meldung, daß mehrere Bataillone den Abmarsch verweigert hätten oder zu den Flüchtigen übergegangen seien, sei fest- gestellt, daß nach türkischen Angaben nur in zwei oder drei Bataillonen, von denen einige Offiziere ver- s ch w u n d c n sind, eine gewisse Verwirrung entstand und einzelne Gehorsamsverweigerungen vorkamen. Der Attentäter. Konstantinopel, 15. Juli. Der A l b a n e s e, der den Anschlag auf General Fazil Pascha verübt hat, ist in den Dardanellen vom Schiffskommandanten den dortigen Behörden ausgeliefert worden. Der General, der nur leicht verwundet wurde, ist hier eingetroffen. Mobilisierung. Konstantlnopel, 16. Juli.(Meldung des Wiener Telegr.- Korr.-Bureaus.) Die Mobilisierung von kleinasiatischen Rebifs für Mazedonien umfaßt 28 Bataillone, außerdem tvurde das Marineministerium beauftragt, vier oder fünf Kanonenboote zur Küstenbewachung nach Saloniki zu senden. � Eine Brandstiftung. Konstantinopel, 16. Juli. Der Mann, welcher auf dem französischen Dampfer„Sidon" den F l ü g e l a d j u t a n t e n des Sultans Sadil Pascha verwundet hatte, versuchte bei seiner Festnahme den Dampfer in Brand zu setzen. Das Hinter- teil fing bereits schon Feuer, der Kapitän ließ das ganze Oberdeck unter Wasser setzen, wodurch eine größere Gefahr beseitigt wurde. pei'fien. Die Kämpfe in Täbris.' Ueber die Situation in Täbris berichten did„Times" folgendes: Der Schah hat an Rakhim Khan, den Führer von 466 Karadaghircitern, das Oberkommando über die Rc- gicrungstruppcn in der Stadt und im Distrikt Täbris m i t außergewöhnlichen Vollmachten zur Wiederherstellung der Ordnung übertragen. Er verfügt über 1666 Mann, ein- schließlich 666 seiner eigenen wilden Reiterei; ihm stehen 466 ausgesprochene Revolutionäre gegenüber, die von demjenigen Teil der Bevölkerung unterstützt werden, die sich in der konstitutionellen Bewegung kompromittiert haben. Am Montag besetzte Rakhim Khan alle Ausgänge der Stadt und ver- suchte die Revolutionäre zu unterjochen. Dabei., entstand ein S t ra ß enge f echt, das bis in den Dienstag hinein dauerte. Wie es in einet' CSläSf Sern der Bauart Tfon'TaBtB nikkst"cksssserZ zu erwarten war, blieb der Erfolg dieses von Haus zu Haus gel führten Guerillagefcchts zweifelhaft, aber das Vorgehen der Soldateska Rakhims hat eine sehr ernste Situation für die Einwohner geschaffen. Wie meine eigene Erfahrung lehrt, ist keine große Gefahr für die Europäer vorhanden. Bei meiner Ankunft stieß ich auf biakhims Reiterei, wurde vier Meilen weit von ihr mitgenommen, schließlich aber entlassen und in die Stadt geführt, wo mich die Eskorte des britischen Vizekonsuls Stephens erwartete.—_ Der Schutz Englands. Teheran, 16. Juli.(Meldung der Petersburger Telegraphen� Agentur.) Die F l ü ch t l bn g c, die in der englischen G e � fand tschaft Schutz gesucht hatten, verließen diese gestern, nachdem ihnen Begnadigung zugesagt worden war. Nur einige von ihnen, darunter Dschelal cd Douleh und Ala cd Douleh wurden nach Mesched es Ser gebracht, und der Sirdar Mansur nach Mesched verbannt. Der Schah ließ einen Kosten anschlag für den Wiederaufbau des Gebäudes des Mcdschles an- fertigen, mit dem sofort begonnen werden soll. Amerika. Das Wettrüsten zu Lust. London, 16. Juli. Wie Daily Telegraph meldet, wird der Kriegsminister in feinem_. langen, daß der Kongreß sofort eine Million Dollars für militärische Luftschiffe und für Küstenverteidigung be willige. Als Luftschiffstationen sind Boston. New Uork, Norfolk, Charleston. Mobile und San Diego in Aussicht genommen. Man. glaubt, daß der Kongreß, der 1966 eine Forderung von 266 666 Dollar für dieselben Zwecke ablehnte, mit Rücksicht auf die Erfolge des Grafen Zeppelin sich der Angelegenheit geneigt zeigen wird. fcmacla. Noch immer kciu Handelsvertrag. Ottawa, 15. Juli. Finanzminister Fielding erklärte heute im Dominionparlament auf die Anfrage eines Ab geordneten wegen des Gerüchts, die deutsche und die kanadische Regierung wären mit Arbeiten für ein engeres Handelsabkommen beschäftigt, daß zwar nichtformelle Besprechungen stattgefunden hätten, vorderhand aber keine Schritte beabsichtigt seien. aus New Uork Jahresbericht ver Hus der parte!* ein Ein Koninnmalkongreß der dänischen Sozialdemokratie. Am 26., 27. und 28. Juni tagte in Kopenhagen Kommunalkongreß der dänischen Sozialdemokratie, an dem 234 Ge- meindevertreter der Partei, nämlich 136 aus 42 Stadtgemeinden und 98 aus 68 Landgemeinden, teilnahmen.� Genosse I. Jensen, der Kopenhagener Bürgermeister, hielt einen Vortrag über die dänische Kommunalgesetzgebung. Sodann wurde über das Schulwesen beraten und nach einem Vortrage des Genossen K. M. Klausen sowie gründlicher Debatte eine Resolution angenommen, in der u.a. gefordert werden: Regelung des Schulunterrichts durch den Staat unter Mitwirkung der Kommu'nen, unentgelt- licher Schulunterricht, gemeinfanr für alle; Aus- fchluß des Religionsunterrichts aus dem Schulplan; össentliche Kindererziehungsheime: Verpflegung der Schulkinder; Zulassung der Schüler zum höheren u n)d höchsten Unterricht ohne Rückficht auf ihre äußeren.................... Verhältoisse; Verbesserung des Schutzes gegen erwerbsmäßige l den Arbeitern hervor, um so mehr, als gerade bei dieser Firma Kinderarbeit; ausreichende F ü r s o r g e für das physische Wohl der Kinder durch Schulärzte, Bäder, Landaufenthalt; Forlbildangs- Unterricht für die der allgemeinen Schulpflicht entwachsenen jungen Leute. Dann hielt Genosse Harald Jensen einen Vortrag über die Armenpflege, die als eine Institution, welche den ihr verfallenen Leuten die Bürgerrechte nimmt, in den letzten Jahrzehnten durch humanere Institutionen immer mehr cingeschränlt ist; so durch die Altersversorgung, für die der Staat allein jetzt jährlich über 3 366 666 Kronen ausgibt, die anerkannten Krankenkassen mit 1768 666 Kronen StaatSzuschuß, die Freien Hilfskassen und die Arbeits! ofrnkassen der Gewerkschaften, die Unfallversicherung mit Staatsunterstützung; die Tuberkulosenfürsorge, die dem Staat im letzten Budgetjahre 3 666 666 Kronen kostete, und eine Reihe anderer Gesetze mehr, die viele Notleidende vor der vffent- lichen Armenpflege bewahren.— ES wurde eine Resolution an- genominen, in der gesagt wird, daß die Vertreter der Partei im Reichstage mit aller Kraft nach einer solchen Einschränkung des„öffentlichen ArrnenwesenS" zu streben haben, daß jeder achtbare Mensch vor dieser Institution bewahrt bleibt, und daß die Gemeindevertreter für eine so humane Anwendung der sozialen Gesetze sorgen sollen, baß, soweit wie nur möglich, jede: ehrlich strebende Mensch im Notfalle ausreichende Hilfe erhält. Ferner soll mit allein Eifer die Einführung einer allgemeinen Witwen- Versorgung gefordert werden, was um so wichtiger ist, als die Frauen ja jetzt auch durch die Armenpflege daS Gemeindewahlrecht verlieren können. TerKongreß befaßte sich dann mit dem AlterSversorgungS- g esetz, über das Genosse Mar o tt referierte. Dieses Gesetz bietet den Kommunen eine brauchbare Grundlage für eine verhältnismäßig annehmbare Altersversorgimg, die, da die Ausführung Sache der Kommunen ist, uin so besser wird, je stärker der Einfluß der Arbeiter- Vertreter ist. Der Kongreß stellte hierbei u. a. als Forderimg ans: eine humane Anwendung und Auslegung des Gesetzes, Erhöhung des Staatszuschusses, Errichtung von Altersheimen mit Staats- Zuschuß. Der letzte Punkt der Tagesordnung war die Kranken« pflege, worüber Genosse P. Knudsen den einleitenden Vortrag hielt. Daß es durch Anstellniig von Gemeindeärztcn usw. der Be- völlerung so leicht wie möglich gemacht werde, sich in ärztliche Be- Handlung zu begeben, daß diese Behandlung und Pflege, so viel wie möglich bei der bestehenden Gesetzgebung, unentgeltlich sein soll. daß ärztliche Wachtstationen errichtet werden, für ärztliche Aufsicht der Schnlkinder gesorgt, Epidemie- und Tuberkulosenhospitäler, sowie Entbindungsanstalten in ausreichender Zahl errichtet werden� lmd daß in jeder Hinsicht die Fürsorge für die Kranken, wie der schütz von Leben und Gesundheit durch Kommunen und Staat verbessert werden, waren die wichligsten Forderungen, die hierbei erhoben wurden. An dem Kongreß nahm auch ein schwedischer Genosse, Journalist Erickson aus Stockholm teil, der am Schluß der Verhandlungeu auf die bcvorftehende Geiieralaussperrung der schwedischen Arbeiter hinwies. Ihm wurde selbstverständlich die Versicherung gegeben, daß die dänischen Arbeiter ihre schwedischen Genossen nicht im Stiche lassen werden._ Hus Industrie und Ftenckl Ein— Wnusch von oben. Die geplante Automobilreimbahn im Taniius beschäftigte das StadtverordnetenkollegiNm in Frankfurt a. M. in seiner letzten Sitzung. Nach dem vorgelegten Plane hat das größte finanzielle Risiko nicht etwa die interessierke Automobilindustrie, sondern die Stadt Frankfurt a. M, zu tragen. Sie Zoll sich an depi Unternehmen mit 766 666 M. Anteilscheinen Life.,A. der zu b«- gründenden Gesellschaft m. b. H. beteiligen und die Garantie(!) sür. eiue. von..der Gesellschait— auszugebende.,— mit 4 Prozent verzinsliche und' jährlich mit 3>/z PrMnt mzAglich erspaAcr Zinsen--ciywrttfterbare?? Obiigotwmnrschaid: ujst übernehmen. Der Kommnnalverband Wiesbaden, zu dem' auch Frankfurt zählt, soll 766 666 M. und die Kreise ObertauimS und Usingen 266 666 M. Lit. A. übernehmen. Die Autoinobilindnslrie übernimmt 766 666 M. und der kaiserliche Automobilklub 266 666 M. Anteilscheine Lit. B. Daß die Errichiung der Rennbahn ein Wunsch Wilhelms II. ist, ist ja allerwärts bekannt. Und daß der Frankfurter Magistrat, an dessen Spitze der sehr regierungsfreundliche Herrenhänslcr Adickes steht, dcni Wunsche von oben nachkommt, war zu erwarten. Selbst die ffeffinn-demokratische Mehrheit des Stadtberordneten- Kollegiums wagte eS nicht, daS Projekt kurzerhand abzulehnen. Genosse Dr. O ü a r k hob bervor, daß hier Millionen ausgegeben werden sollen, während man für soziale und kulturelle Auf- gaben, wie Ferienkolonien und Spcisniig von Schulkindern usw., kein Geld habe. Er beantragte Ablehnung der Vorlage. Bei der Abstimmimg votierten 44 Stadtverordnete gegen den sozial- demokratischen Antrag und für Ueberweisung an den Ausschuß. Nach dem Vorspiel ist damit zu rechnen, daß das vorgeschlagene Projekt demnächst eine Mehrheit findet. Folgen der Krise. Aus Görlitz wird gemeldet: In den chemischen Werken der Firma Schuster u. Mlholmy— im nahen Neichenbach— wird bis ans weiteres nur an fünf Wochentagen gc» arbeitet. Gegen 166 Arbeiter sind dadurch in Mitleidenschaft gc- zogen. In der großen Patentmöbelsabrik von Nnschowy u. Schmidt in Langcnöls arbeiten die Tischler nur noch vormittags. Mit ver- kürzter Arbeitszeit wird auch in vielen Textilfabriken des Bezirks gearbeitet. Besonders schwer hat die in Görlitz und Lanban stark vertretene Taschentuchindustrie unter der Krise zu leidem Arbciterentlassunge» im Ruhrgebiet. Auf den Zechen des Nuhrgebietes sind die Lager, die so lange leer waren, wieder gefüllt, der beste Beweis, daß die Hochkonjunklur vorüber ist. Viele Hunderte Koksöfen sind bereits gelöscht, täglich werden Arbeiter und auch Beamte ciitlasse». Für die Bergarbeiter zieht dies Feierschichten und schließlicki Lohnredultioncn nach sich, obschon die Kohlcnpreise ihre seitherige Höhe behaupten. Die Zechen- barone lvollen eben auch ist der Zeit der Krise möglichst hohe Ge- Winne ziehen.__ GewerkfcbaftHcbe*). Der unersättliche Kapitalismus. Was in den Zeiten der Krise die Unternehmer nicht alles den Arbeitern zu bieten wagen, das zeigt ein Anschlag, der dieser Tage in den Fabrikräumcn der Weltsirma Lokomotiv' fabrik H e n s ch e l u. Sohn in Kassel den Arbeitern bekannt gemacht wurde. Der Anschlag lautet: Beka»nti»achu«g. Es geschieht in letzter Zeit immer häufiger, daß Arbeiter in großer Zahl fauleiizend auf dem Fabrithofe und in deu Ecke» umhcrstehe». Wir können dies nicht länger dulden und werden von jetzt ab auf das strengste gegen solche Leute vorgehen. Außerdem haben wir eS jedem Betriebsbeamten und Werk- meister zur Pflicht gemacht, in solchen Fällen einzuschreiten, auch wenn die betreffenden Arbeiter ihnen nicht direkt unterstellt sind. Die Arbeiter haben in solchen Fällen jeden BctriebSbcamte» und Werkmeister unseres Werkes als Vorgesetzten zu betrachten, dessen Weisiliige» sie Folge zu leisten haben. Auf Erfordern ist die Fabriknummer anzugeben. Cassel, den 6. Juli 1968. p. pa. Henschel u. Sohn. Witthöft.! Koch, s Diese Bekanntmachung ruft natürlich große Erregung unter fn vsr retzksn gen Me ArverkSleiflung ganz unerHStt gesteigert worden ist. Tag und Stacht wird angestrengt gearbeitet, elf, zwölf, vierzehn Stunden Arbeit sind die Regel, an Sonn abenden soll zwanzig Stunden durchgearbeitet werden, ja es wurden letzthin zwei Arbeiter ohne Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfrist entlassen, weil sie sich weigerten 30 dreißigl— Stunden hintereinander zu arbeiten. Wie diese Arbeitsmethode wirkt, das kommt denn auch im Betriebs- krankenkassenbericht der Firma von 1907 zum Ausdruck. Bei in: Durchschnitt 4446 beschäftigten Arbeitern waren 3529 gleich 79.37 Proz. Erkrankungsfälle zu verzeichnen. Schlimmer kann die Ausbeutung nicht mehr getrieben werden, gefahrbringender für Leben und Gesundheit kann sie nicht mehr sein. Und trotzdem„faulenzend und in den Ecken umherstehend". Sehr charakteristisch für die Welt- und Wohlfahrtsfirma, die fast nur staatliche Aufträge ausführt. In der bürgerlichen Presse war kürzlich von der Pfingstreise des Henschel-Chores zu lesen und von der Wohlfahrt der Firma, die diese Reise ermöglichte. So werden die Kosten eingebracht I Es ist jedoch noch nicht lange her. als man es anders wußte. Im Handelskammerbericht für 1907 des Bezirks Kassel heißt es auf S. 95 ff.: „... Die deutsche Lokomotioindustrie, darunter wir als das größte und leistungsfähigste Werk, hat im verflossenen Jahre eine gute Probe seiner LeistnngSfähigkeit bestanden.... Außer den laufenden Aufträgen... haben wir umfangreiche Bestellungen von(werden ausländische Bahnen aufgeführt) erhalten und aus- geführt...." Hier erkennt man die Leistungsfähigkeit und den Fleiß der Arbeitsbienen an. Jetzt glaubt man, sie beleidigen zu können. Nur weiter so, die Arbeiterbewegung, die Organisation wird den Vorteil davon haben, neuen Hunderten werden die Augen geöffnet werden und sie werden zu Mitkämpfern für die Befreiung vom Joche des Kapitalismus. Berlin unck Qmgegenck« Die Rabitzputzer und Träger vom Zentralverband der Maurer versammelten sich am Mittwochabend bei Jannaschk in der Insel- stratze, um ebenso wie die beiden anderen Gruppen der Gips- und Lementbranche zur Aktordarbeit Stellung zu nehmen und das Resultat der Bautenkontrolle zu diskutieren. H a e s e berichtete, daß die Kontrolle sich auf 6S8 Nabitzputzer und 424 Träger erstreckte. Von den ersteren waren 484 organisiert und 74 un- organisiert. Bon den Trägern wareir 347 organisiert und 77 un- organisiert. 334 Nabitzputzer arbeiten im Lohn, 48 im Akkord; arbeitslos waren am Tage der Kontrolle 78, krank 12 und in anderen Berufen beschäftigt 26. Von den Trägern arbeiten 288 im Lohn, 8S im Akkord; arbeitslos waren 28 am Tage der Kontrolle, krank 7 und in anderen Berufen beschäftigt 16. Zu einem Stundenlohn von 30 Pf. arbeiten 333 Rabitzputzer, 3ö Pf. er- halten 6 Putzer, zu einem höheren Lohn arbeiten 17. unter dem Tariflohn 26. Bei den Trägern besteht folgendes Lohnverhältnis: 166 erhalten 72]/3 Pf. und 153 arbeiten zu 73 Pf. Zu höherem Lohn arbeiten 14, unter dem Lohn 34 Träger. Es wurde be- merkt, datz die Zahl der Akkordarbeiter sich einer genauen Kontrolle entzieht und wahrscheinlich größer ist als oben angegeben mit 48 Putzern und 83 Trägern, also zusammen 133 unter 1003 Ar- beitern. Die Frage, ob auch die Gruppe der Rabitzputzer und Träger sich den beiden anderen Gruppen anschließen solle in bezug auf Aufhebung eines bestehenden Beschlusses gegen die Akkordarbeiter, führte eine lebhafte Diskussion herbei. .�Verschiedene Rechiu, waten dafür ein.. daß der. Beschluß bestehen bleibe. Die AlsöiKarbest�p Madigen die.Interessen ihrer Mitarbeiter und der Verband sollte rücksichtslos gegen sie vorgehen und ihren Ausschluß verfügen. Die Versammelten schlössen sich den beiden anderen Gruppen in der Beurteilung der Lage nicht an, sie ver- warfen einen Antrag, der Generalversaminlung die Aufhebung des in Frage stehenden Beschlusses zu empfehlen. Sie erklärten sich gegen jede Akkordarbeit, überlassen es aber dem Vorstande, von Fall zu Fall zu entscheiden, wie gegen die Akkordarbeiter vorzugchen sei. Achtung, Glaser! In München befinden sich die Kollegen im Ausstand. Zuzug ist fernzuhalten. Der Vorstand. I. A.: C. Jahn. DeutTcbcs Reich. Achtung, Fliesenleger! In bürgerlichen Berliner Zeitungen werden durch Annoncen Fliesenleger bei hohem Lohn und dauernder Arbeit gesucht, nach Elberfeld-Barmen. Bochum, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Gelsenkirchen und Essen. Wir bemerken hierzu, daß die dortigen Fliesenleger sich schon 6 Wochen in einem Abwehrstreik gegen Verschlechterung der Löhne befinden und diesbezügliche Verhandlungen vor deiy Gewerbe- gcricht in Essen am �10. Juli gescheitert sind. Der Streik dauert fort. Es ist Ehrenpflicht, diese Städte zu meiden und den Zuzug dahin fernzuhalten. H. Waldheim, Vorsitzender der Sektion der Fliesenleger Berlins. Zimmererstreik. In Aschersleben haben sämtliche Zimmerer die Arbeit niedergelegt. Die Ausständigen verlangen den Abschluß eines Lohntarifs, der eine durchschnittliche Erhöhung der Stunden- löhne um 3 Pf. vorsieht. Die Unternehmer verhalten sich ab- lehnend, obwohl die Zimmerer Entgegenkommen zeigten, indem sie ihre ursprüngliche Forderung von 43 Pf. Höchststniidenlohn auf die jetzige Forderung reduzierten. Die Zimmerer in Aschersleben sind bis auf etwa zehn Mann gewerkschaftlich organisiert. Einfuhr russischer arbeitswilliger Glasmacher. Die Glasfabrik von Siemens in Dresden ist von der Organisation der Glasarbeiter mit der Sperre belegt worden, weil alle Versuche, die Differenzen gütlich beizulegen, an dem Widerstande und der Organisationsfeindlichkeit der Direktion scheiterten. Die Firma, die doch jedenfalls auch viel vom Schutz der nationalen Arbeit redet, ist nun bemüht, ausländische, bor allem russische Glasarbeiter nach hier zu ziehen. Ein Agent namens I e n d r i tz k i, der als„Russenhändler" bekannt ist, vermittelt die Zufuhr. Erst kürzlich kam hier wieder ein solcher Trupp an, zerlumpt und elend aussehend. Auf die Vorwürfe, ob sie nicht wüßten, daß hier die Sperre bestehe, ant- worteten sie resigniert:„Wir sind weggeholt worden und hatten Hunger!" Daß die Leute natürlich nicht als Flafchcnmacher ar- fceiten können, ist klar. Der Sohn des Agenten Jendritzki be- Müht sich, den Russen die notwendigsten Handgriffe beizubringen. Alte Leute, die lange Jahre auf ihrem Platz gearbeitet haben, müssen ihre Plätze verlassen und den russischen Arbeitswilligen Platz machen. Wenn sich nach Feierabend die Fabriktore öffnen und die russischen Jammergestalten sich dem vorbeipassierenden Publikum zeigen, bleiben die Vorübergehenden unwillkürlich stehen und schütteln die Köpfe. Die Forderungen der organisierten Glasarbeiter sind so be- scheiden, datz sie mit Leichtigkeit erfüllt werden können, bezahlt die Firma doch an ihre Aktionäre alle Jahre 13— 18 Proz. Dividende. Es ist nur die Feindschaft gegen die Organisation, die die Betriebsleitung zu ihrem Vorgehen veranlaßt. Deshalb be- völkert man die Fabrik lieber mit zerlumpten armseligen ruMchflt Arbeitswilligen usw., die der Hunger und das Elend zur Annahme jedes Angebots treibt, deshalb Vevsendet man schwarze Listen und maßregelt. Die Firma wird am Ende doch sehen müssen, daß ihr das alles nichts nützt. Die Glasarbeiter allerorts werden aufgefordert, die Sperre über die Firma Siemens, die ihr sehr unbequem wird, trotz ihrer russischen Raußreißer streng zu handhaben._ Achtung! Chirurgische Jnstrumcntenmacher! In Tuttlingen in Württemberg find von der Aktiengesell- schaft für Feinmechanik(vorm. Jetter u. Scheerer) Fabrik chirurgischer Instrumente in den letzten Tagen eine ganze Anzahl Arbeiter, darunter die sämtlichen Mitglieder der örtlichen Verwaltung des Verbandes, wegen ihrer Zugehörigkeit zur Organi- sation entlassen worden. Der Zweck dieses Vorgehens der Firma ist die Vernichtung der Organisation im Betriebe. Die Firnia zahlt trotz Erzielung höchster Gewinne die schlechtesten Löhne am Orte. 40 Pf. Stundenlohn ist die Regel für tüchtige Mechaniker und Jnstrumentenmacher in den besten Jahren. Dabei herrschen in Tuttlingen hohe Lebensmittel- und Warenpreise. Wegen des rücksichtslosen Vorgehens der Firma gegen die Arbeiter i st über die Aktiengesellschaft für Fein- Mechanik(vorm. Jetter u. Scheerer) in Tuttlingen die Sperre verhängt worden. Es ist deshalb Ehrenpflicht eines jeden Metallarbeiters, diesen Betrieb zu meiden. Zuzug von chirurgischen Jnstrumentenmachern, Schlossern, Mechanikern, Schleifern und Polierern ist strengstens fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiterverband, Bezirksleitung des 9. Bezirks. Kuslanä. Die Arbeiterpresse über das Bombenattentat in MalmS. Wie das Zentralorgan„Sozialdemokraten", so ver- urteilt selbstverständlich auch die ganze sozialdemokratische Presse Schwedens auf's schärffte jenes Bombenattentat zu Malmö, das, wie„Arbetarebladet" in Gäfle schreibt, nicht nur gegen die Streikbrecher, sondern gegen die ganze Arbeiterbewegung Schwedens begangen wurde.„Rh Tid" in Göteborg bemerkt unter anderem, daß das Attentat„f a st wie auf Bestellung" der Feinde der Arbeiterklasse kam. Hofften doch die organisierten Arbeiter, daß der lange und schwere Kampf durch die zur selben Zeit angeknüpften Verhandlungen glücklich zum Abschluß kommen möchte, während nun durch jene wahnsinnige Bluttat und die Hetze gegen die Arbeiterklasse die sich daran knüpft, die Einigung erschwert wird.„Ar betet' in Malmö schreibt:„Das Bomben» attentat, das einem Lumpenproletarier den Tod, einige andere in's Krankenhaus brachte, widerhallt nun über das ganze Land und wird zu einem mächtigen Signal zum Kampf gegen den Sozialismus. Die Arbeitgeber haben einen Trumpf in die Hände bekommen;"— ein anderes Parteiblatt„O e r e b r o- uriren":„Heute triumphiert die Reaktion; endlich ist ihre ersehnte erste Bombe explodiert. Und keiner braucht daran zu zweifeln, daß dieser„glückliche Umstand" nicht auf alle denbare Art ausgenutzt wird.— In Deutschland konnte Bismarck das Sozialistengesetz durchtrumpfen erst nach ein paar Attentats- versuchen gegen Wilhelm I. In dem Schweden unserer Tage ist der Streikbrecher eine heilig erklärte Person und sein Leben ist gleich viel wert wie das irgend eines Fürsten. Zum Schutz der Streikbrecher haben wir ja schon ein besonderes Gesetz. Man kann also das schlimmste erwarten, man kann darauf gefaßt sein, daß die Reaktion nun mit der Bombe von Malmö als Vöiwgyd weitere Ausnahmegesetze durchzutruzzipfen sucht." Gerichts-Leitung. j,; Feuerwehrmann und Brandstifter. Das Beispiel der Siebenlehner Feuerwehr hat im Schwaben» lande Nachahmung gefunden. Bier Feuerwehrleute von Holz- gerlingen standen vor dem Schwurgericht Stuttgart, der Brand- stiftung angeklagt. Zwei von ihnen hatten sich überdies nach wegen Meineid zu verantworten. Dem Prozeß lagen folgende Tatsachen zugrunde: Das Dorf Holzgerlingen bekommt Bahn- Verbindung und einen neuen Bahnhof. Das Bestreben, eine be- queme Zufahrtsstraße zum Bahnhof herzustellen, wurde dadurch gehindert, datz die in Betracht kommende Straße am Dorfende durch eine große Doppelscheuer mit Wohnhaus abgeschlossen wird. Scheuer und Wohnhaus mußten weg. Davon war das ganze Dorf überzeugt. Daß die Beseitigung auf möglichst praktische Weise erfolgen mußte, darüber war sich auch jedermann klar. Und rich. tig: in einer Märzennacht brannte das Anwesen lichterloh. Einer der Abgebrannten, der unsanft aus dem Schlaf geweckt worden war, begrüßte die„Retter" mit dem ärgerlichen Ausruf:„So, Ihr Herr- gottsakramenter, habt Ihr' jetzt richtig angezündet'?" Das An- Wesen brannte nieder, die Straße konnte durchgeführt werden. Ter Stationskommandant(Gendarmeriewachtmeister) hatte aber Verdacht geschöpft: man hatte in einem Nachbarhaus, das auch noch beseitigt werden sollte und— das auch bereits mitbrannte, in einem Reisighaufen auf dem Boden eine brennende Kerze und in einem Zimmer unterm Bett eine brennende Laterne gefunden. Das schien ihm auf Brandstiftung hinzudeuten. Der Verdacht lenkte sich auf einen Feuerwehrmann, der noch ein ganz persönliches Jnter- esse an dem Brande hatte, denn er hatte an der Straße zwei ziem- lich hoch belastete Anwesen liegen, die an Wert gewinnen konnten, wenn die Turchfahrtsstraße zum Bahnhof an diesen Anwesen vor- beiführte. Er wurde gefänglich eingezogen. Zwei andere Feuer- wehrleute, die in der Voruntersuchung eidlich vernommen wurden, schwuren Stein und Bein, sie hätten keine Ahnung, wie das „Feuerle" ausgekommen sei. Schließlich legte aber der Verhaftete ein Geständnis ab. Demnach hat er in Gemeinschaft mit den beiden Zeugen und noch einem Feuerwehrmann den Brand gelegt. Drei hatten Wache gestanden, der vierte war in die Scheuer ge- schlüpft und hatte eine brennende Kerze ins Stroh gestellt. Dann waren sie ruhig heimgegangen und hatten sich ins Bett gelegt. Als das Feuersignal ertönte, standen sie wieder auf, warfen sich in die Feuerwehruniform und„retteten", daß kaum ein Stein auf dem anderen blieb. Das Nebenhaus, auch ein„Verkehrshindernis", wurde„sicherheitshalber" ausgeräumt. Weil es trotzdem nicht brennen wollte, halfen die Angeklagten ein wenig nach. Der eine steckte die brennende Kerze der Feuerwehrlaterne in den Reisig- Haufen, der andere stellte die brennende Ampel unters Bett. Auch dieses„Feuerle" wär Wohl ausgekommen, wenn es nicht zu früh entdeckt worden wäre. Das Gericht verurteilte die Angeklagten zu Zuchthausstrafen von ein Jahr drei Monaten bis drei Jahr drei Monaten.> Brotpreise-Tafeln in den Bäckergeschäften. 73 der Gewerbeordnung schreibt vor, datz die Bäcker und die Verkäufer von Backwaren durch die Ortspolizeibehörde angehalten werden können, die Preise und das Gewicht ihrer verschiedenen Backwaren für gewisse von derselben zu bestimmende Zeiträume durch einen von außen sichtbaren Anschlag am Verkaufslokale zur Kenntnis des Publikums zu bringen, und datz dieser Anschlag mit dem polizeilichen Stempel zu versehen und täglich während der Verkaufszeit aufzuhängen sei. Auf Grund dieser Gesetzesbestim- mung hat die Polizeiverwaltung zu Tillenburg angeordnet, daß die Bäcker des Ortes auf der von ihnen anzubringenden Tafel den Preis für ein halbes Kilo Brot anzugeben haben. Hierzu hat sich Bäckermeister N. nicht für verpflichtet erachtet; bielmehr setzte er auf seiner Tafel den Preis für ein Brot im Gewicht von 1600 Gramm 1. Sorte auf 35 Pf. und den für 2120 Gramm 2. Sorte auf 65 Pf. fest. Die Abstempelung dieser Tafel wurde von dem Polizeibeamten abgelehnt und N. aufgefordert, sich der polizeilichen Vorschrift zu fügen. Dies geschah nicht, N. begnügte sich, die un- abgestempelte Tafel in seinem Verkaufslokal anzubringen; und dies trug ihm ein Strafverfahren ein. Das Schöffengericht hat den Angeklagten zu einer Geldstrafe verurteilt. Auf die hiergegen eingelegte Berufung gelangte die Strafkammer des Landgerichts zu Wetzlar zu einem freisprecheuben Erkenntnis. Die Polizeibse« Ordnung wurde für rechtungültig erklärt, da sie über§ 73 der Ge- Werbeordnung hinaus den Preis für ein begrenztes Gewicht ver- lange. Für die Nichtabstempelung der Preistafel sei aber der Angeklagte nicht verantwortlich. Die Staatsanwaltschaft beschritt nunmehr die Revisionsinstanz und machte geltend, datz ein Wider- spruch zwischen der Polizeimaßregel und g 73 der Gewerbeordnung nicht anzuerkennen sei, da beide bezwecken, das Publikum sofort über den Preis der feilgehaltenen Backware aufzuklären. Dem» gegenüber sei die Tafel des Angeklagten unübersichtlich und haben die Käufer erst große Berechnungen anzustellen. Diese Auffassung erachtete der Oberstaatsanwalt für zutreffend und beantragte da> her Aufhebung des angefochtenen Urteils und Zurückverweisung der Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung in die Vorinstanz. Ter erste Strafsenat des Kammergerichts gelangte zur Zurückweisung der staatsanwaltschaftlichen Revision. Es wurde anerkannt, daß in der vorliegenden Rechtsfrage sich ent» gegenstehende Entscheidungen ergangen seien; die Vorschrift deZ § 73 der Gewerbeordnung dürfe aber nur in Verbindung mit§ 72. welcher die polizeilichen Taxen beseitigt hat, ausgelegt werden. Daraus folge, daß erstere Bestimmung nur die Angaben von Gr- wicht und den Preisen fordere, nicht aber den Preis für ein be- stimmtes Gewicht. Die polizeiliche Anordnung, die darüber hinaus- gehe, sei daher zu Recht für ungültig erklärt worden- Hus der f rauenbewegung* In Boston jagte Ende Juni ein Kongreß der„Federation of Womens Clubs", des Verbandes aller Frauenvereine in den Ver- einigten Staaten von Amerika. Die Zahl der Delegierten zu dem Kongreß, der alle zwei Jahre zusammentritt, übertraf diesmal alle Erwartungen. 8000 Frauen waren als Vertreterinnen ihrer Vereine aus allen Staaten der Union erschienen. Der Verband umfaßt Frauenvereine für die verschiedenartigsten Bestrebungen. ja teilweise stehen die Organisationen sich'sogar prinzipiell feindlich gegenüber. Es sind bürgerliche Frauen, die eine Vereinigung ge- schaffen haben und vorgeben, daß sie zwecks Beratung der sozialen Wohlfahrt der Nation zusammenkommen. Darunter verstehen sie hauptsächlich„patriotische und christliche" Erziehung, die Be. kämpfung des Alkoholgenusses, Gewährung des notwcnoigen Schutzes für Frauen und Kinder, natürlich nur soweit es die kapitalistische Ordnung der Dinge gestattet. Fragen über Schul- Wesen und Kindererziehung erörtert man. aber vor dem Problem der Kinderarbeit, das eng damit zusammenhängt, macht man rat- lcs Halt. Ueber schöne Resolutionen kommt man nicht hinaus. Zur Frage der Frauenemanzipation nimmt die„Federation" keine bestimmte Stellung ein. � Versammlungen— Veraustaltuugen. Zweiter Kreis, Freitag, den 17. Juli, bei KliemS: Einziehung der Beiträge für den Wahlverein. Berlin. Montag, den 27. Juli(nicht am so.) Kaffeekochen in Treptow bei Ludwig. Köpenicker Landstraße.— Sonntag. den 26. Juli: Wanderausflug mit Jugendabteilung. Treffpunkt: Vormittags bis 10 Uhr Friedrichshagen,.GesellschastshauS", Friedrichstraße. Von dort über die Müggelberge nach der „Krampenburg". Lichtenberg. Montag, den 20. Juli, abends 8Vz Uhr bei Piel, Psarrstraße 74: Generalversammlung. Auflösung des Vereins und Uebertritt in den sozialdemokratischen Wahlverein. Bericht deS Vorstandes._______ Letzte JVacbncbten und Depefcben. Zur Essener Katastrophe. * Essen, 16. Juli.(B. H.) Heute nachmittag um 3 Uhr wurde ein weiteres Opfer der Grubenkatastrophe geborgen, der Bergmann Hermann Kohlmann. Die Zahl der ans Tageslicht Beförderten beträgt jetzt 9. Zwei weitere Leichen liegen noch unter Tag. Die Bergungsarbeiten werden eifrig fortgesetzt._ Kessclexplofion. Oedenburg, 16. Juli(©. H.) In der Smmnifabrik von Wellocz u. Schwitzer erfolgte eine große Kesselexplofion. Mehrere Angestellte wurden getötet. Der Betrieb mußte eingestellt werden. � Teifun! " Manila. 16. Juli.(W. T. D.) Ein Vergnügungsdampfer, der von Manila nach der am Ausgang der Bucht von Manila ge- legenen Corregidor-Jnsel bestimmt war und 75 Paffagiere an Bord hatte, ist in einen Teifun geraten und untergegangen. Fünf- undzwanzig Personen sollen ertrunken fein. Ein Teil der Schiffbrüchigen ist von einem die Unfallstell» passierenden englischen Dampfer aufgenommen worden,, Telefimkeu. Emde», 16. Juli.(B. H.) Die direkte Verbindung der deutschen Reichstelefunkenstation mit der Berliner Zentrale mit umnittelbarem Verkehr ist heute eröffnet worden. Gewitter und Hitze in Amerika. New Dort. 16. Juli.(B. H.) Während des gestrigen Ge» witters sind 8 Personen getötet und 6 schwer verwundet worden. Der Blitz zerstörte in Philadelphia die Villa des Senators Elkins, Vaters der Braut des Herzogs der Abruzzen. Der Schaden be- läuft sich auf 200 000 Dollar. Am vorhergegangenen Tage hat die Hitze in New gor! 40 Todesfälle zur Folge gehabt. Zündhütchen auf dem Zollamt. Boston, 16. Juli.(W. T. B.) Als heute auf dem hiesigen Zollamt ein Zollbeamter eine auf einem Dampfer eingetroffene Kiste mit Zündhütchen zu öffnen versuchte, erfolgte eine Explosion. durch die der Zollbeamte, ein zweiter Zollbeamter und ein Lager. Wärter getötet sowie mehrere andere Zollangestellte verletzt wurden. Eisenbahn-Unfälle. � Wien, 16. Juli.(58. H.) Auf der Staiion Wiener Bruck der niederösterreichisch-steizerischen Eisenbahn stieß ein Personenzug mit einem Güterzug zusammen. 36 Passagiere erlitten schwere, mehrere andere leichtere Verletzungen. Alle Verletzten stammen aus Wien. Serajewo, 16. Juli.(B. H.) Der von Brod kommende Post- zug entgleiste bei Vranduk. Die Lokomotive und 5 Waggons stürzten um, mehrere Personen wurden verletzt. Schiffsbrand. Malaga, 16. Juli.(B. H.) Der Dampfer„Lorenzo Rodriguez", mit einer Alkoholladung an Bord, steht in Flammen. Man beftirchtet eine Katastrophe._ „Um sich einen Umweg zu ersparen". Budapest, 16. Juli.(B. H.) Der Prokurist der HermeS-Banl Mer Ernst sprang aus der Fahrt nach seinem Sommeraufenthalt, um sich einen Umweg zu ersparen, in der Nähe der Station Raks vom Zuge ab, er geriet unter die Räder und wurde sofort getötet. Schierling statt Petersilie. Paris, 16. Juli.(B. H.) In ArraS ist die Familie Theodule, bestehend aus Bater, Mutter und simf Kindern, infolge des Genusses von Schierling statt Petersilie vergiftet worden. Der Zustand der fünf Kinder ist hoffnungslos. versntw» Bebakt. tJSatg Tavidsohp, Berlin. JnsergtSlKL vergnttZlllh�GIrckc,. Beilin. Druck.iuV.culag'.VAKglttNMz.r,uLLrlyg?WstLlt HM KjVW»LcÜagui lUitttcchaltuBaSH Nr. 165. 35. Zahrgaes. I Ktilme ilcs Jotiüirts" fttlinct pIMIntt. ftfifM, 17. In« 1908. eiilenbmg vor den Geicbworenen. Der Prozeft im Krankenzimmer. So hat denn heute die Fortsetzung des Culenburg- Prozesses in dem Konferenzzimmer der Charit« stattgefunden, das nunmehr für den Fürsten Eulenburg zum ständigen Krankenzimmer geworden ist. Der Gerichtshof hat auch endlich eingeseh-en, daß der Ausschluß der Press!e nicht mehr aufrecht erhalten werden kann und den ständigen Gerichtsberichterstatter zu den Verhandlungen zugelassen und damit die von uns vertretene Forderung erfüllt. Schon aus dem heutigen Bericht gewinnt man die Ueberzeugung, daß es im Interesse der Objektivität und der Verhinderung der skrupellosen Stimmungsmache besser gewesen wäre, wenn dieses Verfahren von Anfang an befolgt worden wäre. �» Der Andrang der Neugierigen auf der Straße und in den Fenstern der umliegenden Häuser ist heute stärker als zu- vor. so daß ein Schutzmannsaufgebot alle Mühe hat, größere Menschenansammlungen zu verhindern. Nach>/z1d Uhr öffnet sich die kleine Tür des gegenüberliegenden Gebäudes. Unter Leitung des Oberarztes Dr. Steyrer wird der Fürst unter den erdenk- barsten Borsichtsmaßregeln in de» Saal gebracht. Die gefährlichste Klippe, eine nicht sehr breite Wendeltreppe, ist bald überwunden und »ach kurzer Zeit, schneller als man dachte, ist der so schwierige Transport beendet. Dem Vernehmen nach ist die Temperatur des .Fürsten auf 36,4 Grad zurückgegangen, auch soll sich das Allgemeinbefinden bedeutend gebessert haben. Immerhin sieht der Fürst noch sehr bleich aus. Eine spanische Wand schützt ihn vorläufig noch vor den Blicken Neugieriger. Der Transport soll, wie sich nachträglich ergeben hatte, g a r n i ch t so schwierig gewesen sein, als man erst vermutete; Bedenken sind nur entstanden, ob es angebracht erscheint, den Fürsten im Konferenzsaal auch überwachen zu lassen. Anwesend sind heute sämtlicheZeugen; erschienen ist heute auch wieder die Fürstin Eulenburg tn Begleitung ihres Sohnes. Es ist nunmehr auf besonderen Antrag hin unter Zustimmung aller Prozeßbeteiligten der Journalist Oskar Thiele zugelassen worden. Der Vorsitzende eröffnete die Sitzung um l/zll Uhr mit rem Zeugenaufruf. Justizrat W r o n k e r erhebt sich hierauf und teilt folgendes mit: Er habe einen Brief aus München be- kommen, durch welchen die Glaubwürdigkeit Riedels stark .rschüttert werde. Der Brief rührt von einem Gerbcrmeister Martin .Hücker in München her. Der Absender interessiert sich für die Aussage des Zeugen Riedel deswegen, weil er seinerzeit auf die Anzeige des R. hin wegen Sittlichkeitsvergehens zu einer Haft- firafe von drei Wochen verurteilt worden ist. In zweiter Instanz ist Herr Rückcr freigesprochen worden unter der Begründung, vaß der Zeuge Riedel unglaubwürdig ist. Auch der Gastwirt Lang in München, der von Riedel einmal beschuldigt worden war, nützte geladen werden. Der Verteidiger beantragt die Ladung oer beiden Zeugen.— Oberstaatsanwalt Dr. I s e n b i e l: Haben Sie auch Anträge bezüglich des Ernst?— Justizrat Kranker: Llugenblicklich nicht.— Oberstaatsanwalt: Es ist natürlich von Erheblichkeit, daß die Beweise erhoben werden. Auch ich habe noch »ine Reihe BeweiSanträge zu fteUcn.'fo daß die Verhandlung noch sehr weit hinaus- gehen kann. Auch müssen die Akten herbeigeschafft werden.— Der Gerichtshof beschließt, beide Zeugen zu lade». ES wird sodann der Oberarzt Dr. Steyrer über den Gesundheitszustand des Fürsten vernommen. Er be- kündet: Das Bild hat sichf einerseits zugunsten des Fllrsteus ver- ändert, da das Fieber auf 36,4 zurückgegangen ist, der Puls ist ent- sprechend nach unten gegangen. Die Schwellung des Beines hat sich nicht wesentlich geändert. Es zeigt sich die Spur des Zurückgehens des Oedems. Eine Schmerzhaftigkeit ist noch vor- banden. Die Diagnose einer Thrombose mutz aufrecht erhalten werden. Wir haben keinen Grund anzunehmen, daß es etwas anderes ist. Der Krästezustand ist besser, starker Kopfschmerz ist vor- Händen.— Präs.: Ist der geringste Zweifel dafür vor- Händen, daß der Angeklagte g e i st i g fähig ist, der Verhandlung zu folgen?— Dr. Steyrer: Im psychiatrischen Sinne habe ich bei meiner heutigen Unterredung mit dem Fürsten nichts be- kleines feuilleton. Die phrygische Mühe. Woher stammt die phrygische Mütze, die lach dem Ausbruch der französischen Revolution die charakteristische Kopsbedeckung und das Freiheitssymbol der RevoluttonSmänner wurde? Wie ist die Vorliebe der Jakobiner für diese nicht besonders schöne kegelförmige Zipfelmütze mit der nach vorn geneigten auS- gestopften Kuppe zu erklären? Es herrscht darüber eine„gewisse Ungewißheit". Die Freiheitsmütze, die im Nacken und an den Ohren mit Laschen versehen war und die bei den neapolitanischen Schiffern gebräuchlich ist, soll in Frankreich zum erstenmal in den ersten Monaten des Jahres 1792 aufgetaucht sein. Durch neuere Forschungen ist sedoch festgestellt worden, daß man diese Mütze schon im Juli 1739 auf Medaillen, auf Stichen und in Zeitungen nachgebildet sehen konnte. Fünf Jahre vorher schon sollen irauzösische Offiziere ihre Briefe mit Abbildungen der Freiheitsmütze gesiegelt haben! sie hatten das offenbar von den Amerikanern ge- lernt, die während des Unabhängigkeitskrieges ihre Schriftstücke gleichfalls mit einem Bilde der phrygischen Mütze zu siegeln pflegten. Jene Offiziere waren von alten« Adel: eS wäre— so schreibt ein Mitarbeiter de?„Journal des Döbats"— höchst kurios, wen» die revoluttonäre Mütze von Aristokraten eingeführt sein sollte. Was nun den eigentlichen Ursprung dieser Freiheitsmütze betrifft, so stammt sie sicher aus dem Altertum. Sie war im Altertum die Kopfbedeckung der kieinasiatischen Griechen. Es sei ferner auf folgendes hingewiesen: Im alten Rom gingen die Sklaven stets cntblötzten Hauptes; wenn sie frei wurden, durfte» sie sich als Zeichen der neu gewonnenen Freiheit eine Mütze, den„pilsus" aufs Haupt setzen. Dieser„P�lus" war eine Filzkappe, wie sie damals von Fischern, Schiffern und Handarbeitern getragen wurde; sie hatte mit der durch die französische Revo- lution berühmt gewordenen phrygischen Mütze eine große Aehnlichkeit. Einige Münzen, die nach dem Tode Cäsars geprägt worden sind, weisen eine phrygische Mütze zwischen zwei Dolchen auf. Nach der Ermordung Neros wurde der..pileus" in Rom populär. Die bemalten Vasen, die aus jener Zeit auf uns ge- konrmen sind, zeigen aber, datz die phrygische Mütze damals nicht rot war, sondern weiß, schwarz, gelb oder violett. Rot wurde die Mütze erst zur Zeit der französischen Revolutton. Für die wahren Republikaner war die rote Mütze eine ehrenvolle Auszeichnung; man erschien in dieser Mütze in den politischen Volksversammlungen und Klubs, steckte sie aus die Freiheitsbäume und gebrauchte sie überhaupt als Zeichen revolutionärer Gesinnung. Marschall Kellermann belohnte auf dem Schlachtfelde von Valmy das mutige Vor- gehen seiner tapferen Soldaten durch Verleihung der roten Mütze; ähnliches tat die Stadt Paris, indem sie Bürgern, die sich um das Geineinwesen besonders verdient gemacht hatten, als Zeichen höchster Anerkennung die phrygische Mütze verehrte. Während aber die Freiheits- kokarde selbst für die Frauen obligatorisch war, wurde zum Tragen der rote» Mütze niemand direkt gezwungen. Robespierre. Saint-Just merkt, was in geistiger Beziehung Bedenken erregen könnte. Aber ich muß die Reserve machen, daß bei längerer Verhandlung vielleicht plötzlich eine große Müdigkeit eintreten könnte.— Prä s.: Kann der Angeklagte in absehbarer Zeit nach Moabit transportiert werden? Hier werde» wir die Sache wohl schwer zu Ende führen können. Es ist beispielsweise kein Zimmer vorhanden, wo sich die Herren Geschworenen zur Beratung zurückziehen können.— Dr. Steyrer: Der Herr Generalarzt Scheibe hat sich bereit erklärt, sein Zimmer zur Verfügung zu stellen.— Ober- st a a t s a n w a l t: Ist ein Transport nach Moabit möglich? — Dr. Steyrer: Für mehrere Tage das vorauszusagen ist kaum möglich. Der Fürst hat eine ungeheuere Energie, so datz er vielleicht selbst nicht das Gefühl der Müdigkeit hat. Medizinalrat Dr. Hoffmaim: Ich glaube, daß über 2>/z Stunden nicht verhandelt werden sollte und zwar hintereinander ohne Pause. Präsident: Ich bitte Herrn Hoffmann, genau auf den An- geklagten zu achten, ob er auch im stände ist, den Verhandlungen zu. folgen. Es werden sodann die Schöffen aus dem Staedele-Prozeß in München vernommen. Der Molkereibesitzer Eidenschink aus München war Hilfs- schöffe. Er bekundet: Ich habe von Riedel zuerst wegen seiner Vorstrafen nicht den b e st e n Eindruck gehabt. Erst als er sehr detailliert seine Erlebnisse vortrug, wurde ich in kurzer Zeit anderer Ansicht über ihn. Nach meiner Ansicht hat er sich nicht in Widersprüche verwickelt.— Präs.: Und welchen Eindruck hat Ernst auf Sie gemacht?— Zeuge: Er hat auf mich den Ein- druck gemacht, als ob er mit seiner Aussage nicht recht heraus wollte. Später war aber der Eindruck, daß er sich schämt, mit der Wahrheit herauszukommen, aber ich hatte keinen Zweifel, daß er die Wahrheit gesprochen hat. Ich habe die lieber- zeuguug, daß alles wahr ist, was Ernst hier sagt.— Ein G e- s ch w o r e n e r will wissen, ob Ernst vormittags oder nachmittags vereidigt ist und wann die Zustellung der Ladung an Ernst erfolgt ist. DieS wird festgestellt. Ein anderer Geschworener will wissen, ob Ernst bruchstückweise oder in zusammenhängender Rede seine Aussage ge- niacht hat.— Zeuge: Oberlandesgerichtsrat Meyer hat erst immer nach allem fragen müssen.— Präs.: Hat Ernst auf Sie den Eindruck gemacht, daß er phantastisch etwas ausschmücke?— Zeuge: Nein. � Rechtsanw. ChodzieSner: Der Zeuge Ernst hat also nichts im Zusammenhange erzählt, es ist alles auS ihm herausgefragt worden?— Zeuge: Er hat sukzessive erst alles herausgesagt.— RechtSanw. ChodzieSner: Was hat Ernst zu- nächst von dem Gelde gesagt, welches er von dem Fürsten erhalten habe?— Zeuge: Ernst sagte, er habe vom Fürsten im ganzen etwa 1S00 Mark„erwischt".— Rechtsanw. Chodziesner will wissen, warum das Schöffengericht dazu gekommen war, überhaupt den Zeugen Riedel und Ernst die Frage vorzulegen, ob sie unzüchtige Handlungen mit dem Fürsten vorgenommen haben. Diese Frage habe doch mit der Sache keinen Zusammenhang, da Staedele doch nur angeklagt war, weil er Horden vorgeworfen hatte, dieser habe sich gegen eine Million bestechen lassen.— Der Zeuge erklärt hierzu, datz er nur Hilfs- schöffe gewesen sei und bei der Beratung des Gerichts nicht mit- gewirkt habe. Der zweite Schöffe ist der Oberinspektor Martin Linning e�r aus München, der folgendes bekundet: Die Aussagen der Zeugen Ernst und Riedel habe ich für vollständig glaubwürdig gehalten. Riedel gab seine Aussage ohne weitere Umstände voll- ständig im Zusammenhange ab und widersprach sich in keinem Punke. E r nfft mutzte zu seiner Aussage sehr gepreßt werden, ehe er mit einer Antwort herauskam. Man sah ihm au, datz er init seiner religiösen Pflicht einerseits und mit der Hochachtung vor dem Fürsten andererseits schwer kämpfte. Erst als Oberlandes- gerichtsrat Mayer ihn eindringlich auf die Folgen des Meineides hinwies, wurde er weich und machte dann seine Aussage. Ernst inachte den Eindruck voll st er Glaubwürdigkeit, keines- falls den eines Komödianten, oder den eines bestochenen Menschen. Ein Geschworener: Ist es dem Zeugen bekannt, datz Justiz- rat B e r n st e i n zu Ernst gesagt hat: Ernst, wenn Sie den Saal verlassen, ohne die Wahrheit zu sagen, so bringe ich Sie ins Zucht- haus? Zeuge: Von Zuchthaus ist geredet, Ernst ist aber nicht in seine Aussage hineingezwängt oder gedrängt worden. Präs.: Sie meinen also, nicht eine Drohung des Justizrats mit dem Zuchthaus, son- dern der Appell des Vorsitzenden an die religiöse Pflicht des Ernst hat diesen zur Wahrheit bewogen? Zeuge: So ist es.— Ein G e- schworener: Hat Ernst bestritten, Briefe vom Angeklagten er- und andere sprachen von ihr in sehr spöttischem Tone. Am 27. Oktober 1793 erschienen im Pariser Gemeinderat einige übereifrig« Frauen mit der roten Mütze auf dem Kopfe. Sie wurden jedoch nicht sehr freundlich empfangen.„Unkluge Frauen", sagte der Bürger Chaumette, „warum wollt ihr durchaus den Männern ähnlich werden? Habt ihr von der Natur nicht genug Gaben erhalten? Ihr herrscht über alle unsere Sinne; euer DespottSmuS ist der einzige, dem unsere Kräfte nicht widerstehen können: eS ist der Despotismus der Liebe und folglich der der Natur." Nach dieser Rede legten die Frauen die phrygische Mütze ab. Mit den übrigen revolutionären Sitten verschwand dann die FreiheitSmiitze auch aus dem Leben der Männer. Phonographenkultur. Der Nürnberger Trichter ist zwar immer noch nicht erfunden, und gut' Ding will immer noch gute Weile haben. Aber die Afterkultur hat keine Zeit, sich mit irgend etwas tiefer zu beschäftigen. Sie liebt die Oberflächlichkeit und die Schnelligkeit. Sie ist mit einer Sache bereits fertig. ehe sie damit angefangen hat. Die Technik, die die bürger- liche Kultur so hoch entwickelt hat, datz sie dessen Sklave geworden ist, leiht bequem die Mittel dazu. Man reist nicht nur im Fluge, nian sieht und hört auch iin Fluge. Die Automobil- ungetüme, die den weitgereisten Bildungsmob in einigen Stunden eine Riesenstadt„absolvieren" lätzt, haben eine neue hübsche Einrichtung erhalten, die den Betrieb noch vereinfacht. Wie der„Kölnischen Zeitung" geschrieben wird, beleben in London und Paris augenblicklich, von unter- nehmenden Fremdenführern bettieben, Automobile an verschiedenen Tagen die Straßen. Auf hintereinander emporsteigenden Bänken dicht aufgereihte Fremde werden von Sehenswürdigkeit zu Sehens- Würdigkeit getragen. Ueber dem Haupte des Chauffeurs, die Oeffnung den Fremden zugewandt, erhebt sich riesenhaft das Schallrohr eines Phonographen, das der Chauffeur durch Druck auf eine Feder im geeigneten Moment in Be- wegung setzen kann. Alsobald erhebt sich die gewaltige blecherne Stimme erläuternd und erklärend, je nach der Zusammensetzung des reisenden Publikums bald in dieser, bald in jener Zunge, historische Vergangenheit, Sagen und Tatsachen heraufbeschwörend, mit einem Worte, Stimmung machend bald für diese, bald für jene am Wege liegende Merkwürdigkeit. Die Bartholomäusnacht mit ihren Schrecken hörte ich vor dem Hauptportal des Louvre erörtern, die Namen der Herrscher Frankreichs nennen, die diesen oder jenen Teil des gewaltigen Königs- fchlosfes geschaffen; auf die„�rsiicks Magasins du Louvre" wurde dazwischen hingedeutet und auf das Palais Royal und die Comödie Molieres, bis man an den Tuilerien zu einer Beschreibung der Revolution und der Kommune 187(1 überging. Man denke sich, wie idyllisch das Reisen sich gestalten muß, wenn überall sich die Stiinmc des Phonographen, mächtig alles übertönend, erhebt, bald am Fuße der Loreley von einem Dampfer schallend, bald auf dein Trümmerfelde des Forums oder zwischen den gewaltigen Pyramiden Aegyptens und am Fuße der Sphynx- halten zu habeu?— Zeuge: Ja.— Justizrat W r o n k e r: Warum ist wohl der Fürst Eulenburg iu München nicht nnt den beiden Zeugen konfrontiert worden? Es handelte sich doch um einen an- ständigen unbescholtenen Bürger, der wohl Gelegenheit hätte haben müssen, sich Auge iu Auge zu äußern.— Zeuge: Darüber kann ich nichts sagen.— OberstaatSanw. I s e n b i e I: Wenn nun dem Angeklagten wirklich Gelegenheit gegeben worden wäre. in, Staedele-Prozeß den Zeugen gegenüberzntreten, so frage ich ihn jetzt, würde er da bekundet und beschworen h a b o-n. datz er mit Ernst und Riedel nichts zu tun gehabt habe?— An gel l.: Aber ganz gewiß, ich würde es auch beschworen haben. Oberstaatsantv. I s e n b i e l: Dann mußte der Angeklagte sich doch gegenwärtig halten, daß der Zeuge Ernst sofort hätte verhaftet werden müssen.— A n g e k l.: Das würde mir sehr leid getan haben, weil ich ihn immer sehr schätzte, aber der Wahrheit muß doch ihr Recht werden.— Präs.: Welchen Grund soll aber nun wohl Ernst zu einem Meineid habe? Angekl.: Ich habe mich darüber schon öfter geäußert: Es ist mir ein psychologisches Rätsel. Ich bleibe ganz s e st dabei st c h e n. was ich früher gesagt habe.— Präs.: Es dürfte wohl kein Mensch gefunden werden, der ein so schlechter Kerl ist, daß er einen Meineid leistet, nur um seinen Wohltäter, dem er so viel zu danken hat, zu schaden. Fehler haben alle Menschen, Sie, Herr Angeklagter, habeu nur alle Ihre Vorzüge angegeben, daß Sie zu enthusiastisch in Ihrer Freundschaft und zu geneigt zu Wohltaten seien. Dann würden Sie also so rein wie ein Engel und Ernst so schwarz wie ein Teufel sein. Angekl.: Ich bin wahrhaftig kein Engel, und wenn ich gesagt habe, daß ich diese beiden Vorzüge be- sitze, so habe ich mich damit nicht brüsten wollen. Diese beiden besten Eigenschaften sind in teuflischer Weise verdreht worden, indem man jeden Freund verdächtigt hat, der init mir ver- kehrte, und jeder Wohltat, die ich erwiesen, hat man angehängt den Verdacht, als ob Schmutzercien dahinter stehen. Bei solchen Er- fahrungen müßte mau eigentlich jedem raten, keine Freundschaft zu halten und Egoist zu sein bis in die Knochen hinein. Ich sollte keine Fehler haben? Ich habe natürlich Fehler wie jeder Mensch, gewiß sehr viele Fehler. Meine guten Eigenschaften habe ich nur präzisieren wollen. Ernst habe ich stets für einen guten Kerl gehalten. Wie ich mir seine Aussage psychologisch erklären soll, ist für mich furchtbar schwer. Ich weiß, wie furchtbar man i» den Menschen hin eingedrungen ist, er ist leicht aufgeregt, zitterig, herzkrank und verliert leicht die Fassung. Gott weiß, was in ihni vorgegangen ist; von dem Moment an, wo er nun einmal ausgesagt hat, mochte er vielleicht denken, nun müsse er dabei bleiben.— Präs.: Sie haben doch Ernst Wohltaten in Hülle und Fülle erwiesen und so freundliche Briefe geschrieben, die erst bei der Haussuchung gefunden sind?— Angekk.: Ja, ich habe ihm unverzinsliche Darlehen gewährt.— Oberstaatsanwalt I senb i ei zum Zeugen L i n n i g e r: Wenn Sie in München nun so gehört hätten wie jetzt, würden Sie ihm oder dem Ernst ge- glaubt haben?— Zeuge: Darüber habe ich kein Urteil.— Oberstaatsanwalt I s e n b i e l: Dann will ich die Frage so fassen: Zweifeln Sie nach dem, was Sie jetzt gehört haben, an der Aussage des Ernst?— Zeuge: Auch darüber kann ich keine Auskunft geben. Ich!habe immer noch die Anschauung, datz Ernst die Wahrheit gesagt hat.— Rechtsanw. ChodzieSner: Der Angeklagte hat nicht sagen wollen, datz Ernst Komödie spielt, sondern in einer Art geistiger Notzucht aus- gesagt hat, datz er müde, abgehetzt und unter Be- drohung mit dem Zuchthause zusammengebrochen ist und etwas gesagt haben mag, was nicht wahr ist. Der Präsident hält dem Angeklagten dagegen vor, daß eine geistige Notzucht doch bloß etwas Vorübergehendes. Momentanes sei, Ernst aber nicht nur unter dem angeblichen Zwange des Oberlandesgerichtsrats Mayer und des Justizrats Bernstein ausgesagt hat, sondern auch später dabei geblieben ist und seine Aussage noch vielfach ergänzt habe.— Angekl. meint, daß Ernst wohl das, was er einmal gesagt hat, später noch mehr ausbauen wollte.— Justizrat W r o n k e r: Hat nicht die Drohung mit dem Zuchthaus ganz besonders auf ihn eingewirkt?— Angekl.: Das Wort Zuchthaus und die etwaige Abführung müssen eine furchtbar starke Wirkung machen aus einen Menschen, der Witwer ist, feine Kinder zärtlich liebt und auf dem alles ruht. Mit dem Wort Zuchthaus ist ihm wohl der Gedanke gekommen: Alles, was ich habe. steht auf dem Spiel.— Präs.: Wie erklären Sie aber die Be- merkung in Ihrem Briefe an Ernst„es i st alles verjährt"? — Angekl.: Ja, wenn ich das erklären soll, ist mir das sehr schwierig, weil ich wiederholen muß, was ich schon gesagt habe. Ich bin unter den: Eindruck gewisser Briefe gewesen Humor und Satire. „Sind wir bereit?" Das von uns bereits öfter an dieser Stelle zitierte französische satirische Blatt„L'assiette au beurre" hat ihre ganze letzte Stummer dieser aktuellen Frage gewidmet und sie aus ihre Weise gelöst. Zuerst kommen die Vertreter der kriegö- rasselnden Mächte und erklären einer nach dem anderen:„Ich bin bereit!" Da sieht man de» deutschen Kaiser, der an einem Schleifstein einen furchtbaren Säbel geschliffen hat und jetzt feine Schärfe prüft, ein mit der Inschrift„trockenes Pulver" gekennzeichnetes Fäßchen liefert das Schleifwasser. FallisreS als dicker, über und über beladencr französischer Infanterist und Eduard mit einem kanonenstarrenden Panzerschiff unter dem Arm und der durch ein Meer von Blut watende, als Henker und AuSpeitscher charakterisierte Zar sind natürlich ebenso bereit. Aber die bewaffneten Völker? Die Deutschen und Franzosen stehen sich kampfgerüstet gegenüber, vorwärts getrieben von ihren Führern. bereit, einander zu massakrieren. Wieder erschallt die Frage:„Seid ihr bereit?" Und prompt, aber mitunerwartctem Erfolg, ergeht die Antwort: die Truppen drehen sich um und gehen mit Kolbenschlägeu und Fußtritten gegen die Hetzer und Kriegseinpeitscher vor. Was der Spießbürger denkt, schildern zwei weitere Bilder. Der gute Bürger geht mit seiner Frau spazieren und freut sich über das über ihm schwebende Luftschiff:„Da siehst. Mamachen, wir sind bereit, au die Grenze zu fliegen." Plötzlich schlägt der Wind um, das Luftschiff fliegt zertrümmert ins Meer, und der eben noch himmelhoch jauchzende Patriot gesteht:„Wir sind nicht mehr bereit." Auf dem Schlußbilde kommt das Volk zu Wort. Der deutsche und der französische Arbeiter sitzen am Tische in der Rosenlaube und stoßen miteinander an; zwei dralle Frauen fegen das mili- tärische Spielzeug: Gewehre, Fahnen, Trommeln, mit kräftigem Besen aus; ftöhliche Kinder schaukeln auf dem ausgerissenen Grenz- pfähl und darunter steht:„Bereit sind wir, wenn wir wollen. Aber wir wollen nicht mehr... niemals mehr l" Notizen. — Das letzte Gas verflüssigt? Vor einigen Monaten hieß es bereits, datz es Professor Kamerlingh Onnes in Lehden gelungen sei, das Gas Helium in den festen Aggregatzustand zu überführen. Leider stellte sich nachher heraus, daß eine Täuschung vorlag. Das Helium blieb vorläufig das einzige Element, das nur im gasförmigen Zustande existiert. Es gelang weder, es zu ver- flüssigen noch in den festen Zustand zu überführen. Theoretisch konnte nicht daran gezweifelt werden, daß eS überführbar war. Nur konnte man nicht die dazu erforderlichen tiefen Temperaturen er- zeugen. Inzwischen ist es aber doch Professor Onnes geglückt, das Helium bei— 268 Grad flüssig zu machen. Der theoretisch fest- gelegte tiefste Temperaturpuukt liegt bei—273 Grad, wir sind ihm also durch Onnes, der mit seinen Versuchen alle Vorgänger schlägt, bis.auf 5 Grad nahegerückt. auf die man Bezug nahm und die sich auf die Starnberger Zeit bezogen, serner von Briefen, die die Frau von Elbe haben sollte. Diese Dinge lagen so weit zurück und da hat sich in den schncllgeschriebenen Brief der Passus hin- eingeschlichen. Gott, das ist ja schon alles so lange her. Aber auf eine Verschuldung meinerseits sollte das nicht hindeuten.— Präs.: Wie erklären Sie es, dafe Ernst zu dem Untersuchungsrichter gesagt hat:„Ich Hütt' den Fürsten nit um 100 00V M. verraten I— An- geklagter kann sich darüber nicht äußern.— J.-R. Wronker schlägt vor. jetzt den Zeugen Kistler zu vernehmen. Dr. H o f f m a n n bittet, diese Vernehmung bis auf morgen zu vertagen.— Präsident: Sie haben/ Herr Angeklagter, Herrn Kistler erst 1837 kennen gelernt und haben ihn doch in einem Briefe an den Kaiser sehr warm empfohlen. Kistler war 1387 noch einfacher Soldat und ist dann zur Gesandtschaft in München gekommen. Nun ist bei Kistler ein von Ihnen an Sc, Majestät gerichteter Brief gefunden, in welchem Sie gewissermaßen Ihren letzten Willen aussprachen. Er ist vom 31. August 1888 datiert. Darin sprechen Sie die Bitte aus, daß Majestät Ihrer Familie und Ihren Kindern derselbe gnädige Herr bleiben möge, wie er Ihnen alle Zeit gewesen, und Sie fügen dann als letzte Bitte hinzu: Majestät möge Kistler eine Anstellung geben, die ihn der Sorgen überhebt. Von Ihrer Familie schreiben Sie nur ein paar Zeilen, im übrigen handelt das Schreiben nur von Kistler. Der Angeklagte erklärt darauf, daß Kistler seine gesicherte Stellung aufgab, um in seine Dienste zu treten, und da habe er gedacht, für den armen Kistler sorgen zu müssen, und da ich Sr. Majestät sehr nahe stand, habe ich das hingeschrieben. Wenn ich von meinen Kindern weniger gesprochen habe, so liegt das daran, daß Majestät meine Kinder kannte, nicht aber den Kistler.— Präsident: Sie haben mir Kistler in sehr intimen Beziehungen gestanden und ihn ja wohl auch geduzt?— A n g e k l.: Ich duzte ihn nicht immer, er wurde übrigens von vielen Familienmitgliedern geduzt.— Präs.: Sie haben nie mit Kistler unsittliche Beziehungen unterhalten?— A n g e k l.: Niemals! Ganz und gar nicht!— Rechtsanw. C h o d z i e S n e r: Ist dem Angeklagten bekannt, daß der Sekretär dcS Fürsten Biilow, Herr S ch e e f e r, eine glänzende Karriere vom Subalternbeamten herauf gemacht hat, und daß daraus auch der Reichskanzler ver- d ä ch t i g l worden ist? A n g e k l.: DaS ist mir bekannt, ich kenne Herrn Scheefer, er ist einhöchst gewandter und geschickter Herr, dessen Ernennung zum Geheimen Regierungsrat ich etwas viel gefunden habe, aber ich sagte mir, ein Mann, der so viel leistet, ist dessen vielleicht würdig. Präs.: Ist Ihnen bekannt, daß der Schrift- st e l l e r Brand zur Intrige gegen den Reichskanzler benutzt worden ist? A n g e k l.: Nein, das«st mir nicht bekannt! Der arme Kistler hat für all die furchtbare Schinderei bei Tag und Nacht nur Leid davongetragen und es schmerzt mich, daß ein so tüchtiger Mensch auch daran mußte, als nachher solche Abschculichkeiten kolportiert wurden.— Ans eine Bemerkung des Oberstaatsanwalts, daß Scheefer ein älterer Herr ist und sich diese Dinge gar nicht vergleichen lassen, erklärt der Angeklagte: Herr Schefer hat genau dieselbe Karriere gemacht, wie Herr K i st l e r. Herr Schefer hat auch von der Pike auf gedient und ist die Stufenleiter emporgestiegen, wie Kistler.— Hierauf erbittet sich Justizrat Bernstein daS Wort: Es ist hier gesagt worden, dem Zeugen Ernst sei borgehalten worden, er würde in das ZuchthanS abgeführt werden. Das ist ganz unzutreffend I Ich habe mich damals erhoben und zu Ernst gesagt: Ernst I Hier sitzt der Mann, das ist Herr Haiden und ich bin sein Verteidiger. Sie haben doch gewiß von dem Hardenprozeß gehört und als Anwalt des Herrn Horden muß ich wissen, ob zwischen Ihnen und dem Fürsten etwas vorgekommen ist. Und wenn Sie jetzt herausgehen— Ernst, die Zeugen haben uns erzählt, daß Sie ein achtbarer Mann sind— so würde». Sie mir leid tun, aber ich müßte, wenn ich herausbringe, daß Sie die Unwahrheit sagen, Sie ins Zuchthans bringen.— Zeuge L i n n i g e r bestätigt dies.— Präs.: Ich muß nun den Oberlandesgerichtsrat Meyer ans München telegraphisch hierher berufen, denn es stehen hier sehr hohe Jnter- ejj en und die Interessen ld er Rechtspflege in Frage. — Es soll hierauf noch der dritte Münchener Schöffe, der Chemiker Dr. Hein, vernommen lverden, da aber der Ober- staatsanwalt erklärt, daß diese Vernehmung noch sehr eingehend werden würde und Medizinalrat Hoffmann den Angeklagten körperlich nicht mehr zu einer längeren Verhandlung für fähig erklärt, wird die Sitzung abgebrochen und auf morgen(Freitag) 10'/z Uhr vertagt._ Soziales� Freisinnige Fürsorge für Arme. Der Freisinn des freisinnigen Stadtmagistrats Nürnberg ist alle Augenblicke Gegenstand von Erörterungen in der Presse und im bayerischen Landtage. Selbst die unmöglichsten Dinge werden im Nürnberger Rathanse zur Möglichkeit. Am Sonntag. 10. Mai, vor- mittags 11 Uhr, klopfte es an eine Tür des alten Gefängnisses am Kettensteg, wo die Stadtverwaltung Einwohner, die wegen der großen Wohnungsnot im Freien oder in Scheunen „wohnen" mußten, untergebracht hat. Die Ehefrau des Zimmer- bewohners öffnete, und herein trat der für das Obdachlosenasyl zuständige Armenpflegschastsrat, ein früherer Schlächtermeister, jetzt Privatier. Der Herr Rat: Wer is denn dös do. der da auf'm Bett liegt?— Die Frau: Mein Mann.— Der Herr Rat: Der soll sofort aufstehen, sonst werd' ich ihm kommen.— Die Frau rüttelte nun den angekleidet auf dem Bett schlafenden Ehemann, er solle aufstehen, der Herr Rat sei da. Ter Mann wurde hierauf munter und beantwortete die nochmalige Aufforderung mit den Worten: das sei doch sein Bett, da könne ihm doch niemand Vor- schriften machen.— Der Herr Rat: So, ich komm' in fünf Minuten wieder, und wenn Sie dann nicht aufgestanden sind, laß ich'n Schutzmann holen und laß Sie sofort verhaften. Der Mann blieb liegen. Er„bewohnt" nämlich mit seiner siebenköpfigen Familie ein einziges Zimmer. Außer zwei hölzernen Stühlen hatte er keine Sitzgelegenheit, auch keinen Divan, deshalb hatte er sich zum Lesen auf das Bett gelegt und war, als der Herr Rat kam, eingeschlafen. Also nach 5 Minuten war der Herr Rat wieder da. Wieder forderte er den Mann auf, vom Bett weg zu gehen, sonst werde er eingesperrt. Der Mann aber erklärte, er sei die ganze Woche an schwerer Arbeit und habe am Sonntag deshalb das Bedürfnis nach Ruhe; im übrigen könne er sich da keine Vorschriften machen lassen, denn das sei kein Armenbett, sondern sein eigenes. Nun erhielt der Mann folgendes Schriftstück: „Gesamtbeschluß. Der Jnsaffe des Armenhauses... hat sich am Sonntag, 10. Mai einer Verfehlung nach Z 10 der Hausordnung ... dadurch schuldig gemacht, daß er zur Tageszeit müßig auf seinem Bette lag und trotz Aufforderung durch den zuständigen Hauspfleger das Bett nicht verließ, vielmehr eine zweite Auf- forderung abwartete, welche er dann schimpfend befolgte. Er gibt die Verfehlung zu. Diese ist an sich keine schwere. jedoch kommt in Betracht, daß sich G.... auch bei vor- liegender Gelegenheit, wie bei seiner Vernehmung sehr unbotmäßig und ungehörig benahm und daß er nach seinem ganzen Verhalten als ordnungsfeindlicher und wider- setzlicher Mensch zu bezeichnen ist, bei welchem Mahnungen und gelindere Strafen nichts fruchten. G. wird daher in eine Strafe von drei Tagen Arrest genommen. Armenpflegschastsrat der kgl. bayer. Stadt Nürnberg. § 10 der Hausordnung, die übrigens in dem Armenhause der kgk. bayer. Stadt Nürnberg nicht aushängt, sondern nur beim Ein- tritt durch den Hausmeister rasch vorgelesen wird, lautet: Müßiges Liegen auf den Betten während des TageS ist untersagt. Und nach§ 12 kann wegen Verfehlungen gegen diese HauS- ordnung Arrest strafe bis zu drei Tagen verhängt werden. Der Mann hat durch daS Arbeitersekretariat in Nürnberg gegen die Strafverfügnng Beschwerde an die Kreisregierung von Mittel- franken ergriffen, welche am 13. Mai 1893 diese ZuchthauSordnung für das Armenhaus dcS freisinnigen Magistrats der Stadt Nürnberg genehmigt hat._ DaS KonlitionSrccht in dem Frankfurter Stabtparlameut. In der letzten Stadtverordnetensitzung in Frankfurt a. M. beantragten die Freisinnsdemokraten, daß bei Vergebung von Lieferungen oder von Arbeiten für städtische Rechnung, solche Unternehmer nicht berücksichtigt werden sollen, die das Koalitions- recht ihrer Arbeiter und Zlngestellten beschränken oder beeinträch- tigen. Wenn es auch seltsam ist, daß die freisinn-demokratischc Mehrheit ihr arbeitcrfreundliches Herz just einige Monate vor den Stadtvcrordnetenwahlen entdeckte, so wollen wir ihr doch glauben, wenn sie ihren Redner in der Begründung dcS Antrages sagen ließ, daß die Veranlassung zu dem Antrage der bekannte Gcheimcrlaß der bayerischen Mctallindustriellcn gab. Freilich, früher lehnten die Freisinnsdemokraten ähnlich lautende Anträge der sozialdemokratischen Fraktion ab. Diese wollte den Frei- sinnsdcmokraten noch weitere Gelegenheit geben, ihre Arbeiter- freundlichkeit zu zeigen. Sie beantragte diesen Zusatz zu dem demokratischen Antrag:„Ferner erwartet die Stadtverordneten- Versammlung, daß die Stadtverwaltung künftig in ihren Regie- betrieben für Fernhaltung jedes Eingriffs in das Koalition*» recht ihrer eigenen Arbeiter und Angestellten sorgt und ihrerseits jede Gelegenheit ergreift, die Organisation ihrer Arbeiter und Angestellten zu Mitberatung über deren Arbcitsvcrhältniffe zu- zuziehen." Der sozialdemokratische Redner führte in der Bc- gründung dieses ZusatzantragcS verschiedene Fälle an, in denen das KoalitionSrccht städtischer Arbeiter beschränkt wurde. Ter Magistrat sei koalitionsfeindlich, er protegiere die Gründung gelber Gewerkschaften. Was taten nun die FreisinnSmänner!? Außer den anwesenden sozialdemokratischen Stadtverordneten stimmten nur zwei bürgerliche Stadtverordnete für den Zusatz- antrag, der daher der Ablehnung verfiel. Der freisinn-demo- kratische Antrag fand Annahme. Regelung der Wohnungsfrage in Baden. In einer Novelle zum badischen Polizeistrafgesetzbuch wird der Versuch unternommen, der Wohnungsfrage nahe zu kommen. Wie der Begründung zu entnehmen ist, wurden in einer Verordnung des Ministeriums des Innern vom 1. September 1907 Bestimmungen über die Benutzung der Wohnräume und über die Wohnungsaufsicht getroffen. In letzterer Hinsicht wurden die bc- stehenden Vorschriften über Wohnungsnntersuchungcn weiter aus- gebildet und u. a. vorgeschrieben, daß in Gemeinden über 10 000 Einwohner fortlaufende Wohnungsuntersuchungen stattzufinden haben. Nach den bisher in solchen Gemeinden auf diese Weise ge- machten Erfahrungen sei dadurch eine nicht unerhebliche Besserung der Wohnungsverhältniffe erreicht. Ein völliger Erfolg kann aber nur erzielt werden durch zweckentsprechende Regelung des WohnungSinarkteS. Zu diesem Zweck empfiehlt sich die Einrichtung eines öffentlichen unentgeltlichen WohnungSnachwciscs in den- jenigen Gemeinden, in welchen die Wohnungsverhältnisse eine der- artige Mitwirkung der Gcnieindcverwaltung auf dem Gebiete des Wohnungsmarktes als ein Bedürfnis erscheinen lassen. Der vor- liegende Gesetzentwurf will nun den Gemeinden, in denen die genannte Einrichtung besteht, die Möglichkeit geben, durch orts- polizeiliche Vorschrift eine Anzcigeverpslichtung einzuführen, die sowohl auf leerstehende, zum Vermieten geeignete Wohnungen, als auch auf tatsächlich vermietete Wohnungen bezieht. Auch für die Umgegend großer Städte soll die Anzeigepflicht auf dem Gebiete des Wohnungswesens durch die Bezirkspolizei von Regie- rungs wegen empfohlen werden. Um diese Anzeigepflicht evtl. zu erzwingen, sieht ein neuer, dem Polizeistrafgesetz anzuhängen- der Paragraph eine Geldstrafe bis zu 20 M. vor, die im Falle der Verletzung der Amcjgepslicht durch Polizeiverfügung auSKsprochen werden kann.— Der Versuch einer Wohnungsfragenregelung ist anerkennen?- wert. Nur sollte er obligatorisch für das ganze Land zur Aus sührung gelangen und nicht auf größere Gemeinden beschränkt bleiben. Die Grundlage zu einem gedeihlichen Wohnungsfürsorge- gcsetz sollte ein ReichSgcsetz bilden. Für de» Jntzalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortnng. Zheater. Freitag, den 17. Juli. Neues kgl. Operntheater. Mignon. (Ansang 7 Uhr.) einsang 8 Uhr. Deutsches. Die Brettlgräfin. Kammcrspiele. Gilbstern. Neues. Der Zerrissene. Neues Schauspielhaus. Die Dollarprhizessin. Kleines. LX2— S. LiistsPielhauS. Die blaue MauS. Weste». Ein WalzeUraum. Swiller O.«Walliiir-Tbealer,) Der Postillion von Lonjumeau. Friedrich- Wilhelmftiidt. Schau- spielhaus. Die Diebin. Thalia. Der Mann mit dem Mo- nocle. Bcrnbard Rose, Im Hause der Sünde. Meirovol. Das mutz man seh'n. Wintergarten. Spezialitäten._ «ipollo. London Suburbia. Spe- zialitäten. Pasiage. Berlin in Stimmung, Spezialitäten, Carl Haverland. Spezialitäten. Neichsballeii. Winter-Thymian. Berliner Pratcr. Die Welt ein Paradies, Ansang 7 Uhr. Walhalla. Spezialitäten, llninin. Tn»be»Iir»ste 48/49. Abends 8 Uhr: Durch Dänemark und Südschwedeu. Steruivarte, Jiwalidenstr, 57/62. ScIier-TMer 0. (W allner-T heatcr.) Alortvitz-Oper. Freitag, abends 8 Ubr: Gastspiel MHurlcI» Bötel: Der Postillion von Lonjumeau. Sonnabend, abends«Uhr: ver Sonntag, ii n ch m. 3 Uhr, bei halben Preisen: ver wn Ob Regen! zDiig iieue««d beste sliopniiiiü öcrliiis S Wochentags Ansang 4 Uhr. Entree 20 Pf.{ • Sonntags Ansang 3 Uhr. Entree 30 Pf.• § Großer Ball. Kafserküche. Bolksbelnstigungen aller Art. � öillixe vsmpter- perien-l�akrten. 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Juli 1908 verstarb unser Kollege, der Steindrucker (Zustav vörinx an der Lungenschwindsucht im 31. Lebensjahre. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am Freilag, den 17. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Heilig-Krcuz-Kirchhoses in Marien- dors au« statt, Um recht rege Beteiligung ersucht 289/0 Die Verwaltung Gewerkschaftskartell Stettin und Umgegend. Die Stelle des zweiten Sekretärs ist beseht. Allen Bewerbern besten Dank. 289/9 Q. Zimmermann. an, große Zutunst, in |- Bernau Doppelter Wert. Jrünnhofer, Berlin, Nollendoristr, 3. Herrenkleidung für 1 Mark wbchenIUche rellzahlung, fertig und nach Mag, Uesert daS bekannte Yersandhaus Berliner Herren-Moden, nur Slralaner Str. 28,®,oiCm«m, ohne Pretsaufichtag. Oerorbtttung haltbarer Stoffe unter Garantie für tadel. losen Stg, Besuch mit Mustern jederjett. 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Start '<* Schnitzeljagd Start: Maria jb nach lannen- platz. 4. Slbt. S«. 1 Uhr: Schnitzeljagd nach Hirsch garten. Start: Küstriner Platz. 5. Abt. 4 Uhr: Buckow(Märkische Schweiz). 1 Uhr: Tasdorf(Schlotte), Start: Elysium. 6. Abt.?>/, Uhr: Famllienausflug nach Heiligensee(Waldschlotz). Stark: Oderberger Straße 23. Beteiligung sämiliiber Mitglieder wird erwartet. 7. Slbt. 10 Uhr: Karoltnenhos. Start: Grenzstr. 21. 8. Abt. 4>/z Uhr: Golssen-Baruth. 2 Uhr: Franz.- Buchholz. Start: Waldsiraße 8. 9. Abt. 7 Uhr: Wandlitz. 1'/, Uhr: Franz.- Buchholz. Start: Schilling- straße 15116. 10. Abt. 7 Uhr: Liebenwalde. 1'/, Uhr: Mühlenbeck. Start: Weber- straße 17. Lichtenberg nachm. 1 Uhr: Wer- neuchen. Start: Psarrstraße 74. RummelSburg 6 Uhr: Hessenwinkel. Start: Goethestraße 9. 12/11 Men-OntersizungS' Begräbnisverein der Ban- und gewerblichen Hilfsarbeiter Beriins Sonntag, den 19. Juli 1908, vormittags 101/, Uhr, findet im Lokal Langestraste 65 unsere General- Versammlung statt. 37/4 TaaeS-Ordnung: 1. Abrechnung vom II. Quartal 1908. 2. Abrechnung vom Vergnügen. 3. VereinSangelegenheiten und Ver« schiedenes. KB.: Arbeiter jeden Berufs, welche das 16. Jahr erreicht und das 50. Lebensjahr nicht überschritten haben, und willens sind, dem Verein beizutreten, werden in der Ver, sammlung ausgenommen. Die Mit- glieder werden höflichst ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. D«? Vorstand. Kunstgeigenbauer E. Toussaint BERLIN 0. Joachimstraße HC, liefert Reparaturen, aus Wunsch zugleich mit vorzgl. Tonverbessermig. Spezialität: Erzeugung des alt- italtentschen Timbres für große Säle an alten u und neuen Geigen.:: blsSigcs Honorar.» Billigste Bezugsquelle für Wugienisehe Bedarfs-Artikel Drogerie Karemba, Berlin N., Weinbergsweg I. = Ein Versuch= führt zu dauernder Kundschaft Sozialdemokratischer Wahlverelni für den ß. Bert. Reiehstags-Iahlkreis.| Todos-Anzeige. Am 13. Juli verstarb unser Mit- glied, der Dreher 228/4 •Julius Wiechmann Kcpenhagenerstraße 20. Ehre seinem Anbeuten! Die Beerdigung findet heute, Freitag, den 17. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes der Freireligiösen Ge- meinde, Pappel-Allee auS statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstauv. Die Beerdigung meines lieben Mannes findet von der Leichen- Halle in der Pappel-Slllee 17—19 aus statt. 571b Ww. Hermine Wiechmann. Oeutsoiier Metallarbeiter-Verband Berwaltungsstelle Berlin. Nachruf» Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Fräser Max Knoll gestorben ist Ehre seinem Andenken! 119/8 Die Ortsverwaltung. med. Karl Reinhardts spczial- &rztllchs Institute für Haut-, Harnleiden, Potsdamer • Str. 117 C/jie-a,>/,8-9 abbS.j Neanderstr. 12 C/jlO-ll u.'IJS—'ijS). Verlangen Sie im eig. Interesse vor Beginn einer Kur auSsüHrl. Broschüre über d. Wert sämit übl. Heilmethoden In verschlossenem Kuvert gratis und postsrei oder im Institut. 228/18» Deutscher Metallarbeiter-Verdanä. Arbeltsnachweis: Hof 1. Amt III. 1280. Verwaltungsstelle Berlin. Charit�straße 3. Hanpt-Baroan: Hof III. Amt III. 1087. Sonntag, den 19« Juli 1908, vormittags 10 Uhr: ~ VfersammBung � der Rchlkger litib Ktlfer Kerlins o. Uiilgegend im Gewerkschaftshaufe, Engelufer 15, Saal 4. Tages-Ordnung: i. Unsere LtsUungnadme zu dem Schiedssprueh des Sintgnngsamtes. Referent: Kollege Ilandke. 2. Diskussion. Kollege»! Wie in der letzten Versammlung beschlossen war, hat nnser Vertreter bor dem Einigungsaiiit eine dementsprechende Erklärung abgegeben. Da aber ei» Schiedsspruch trotzdem erfolgt ist, so ist es notwendig, dast wir zu demselben Stellung nehmen. Mit Rücksicht darauf, dost in lenter Zeit sich die Situativ» i» anderer Beziehung geändert hat. so ist es um so mehr er» forderlich, dast ein jeder Einzelne in dieser Versammlung erscheint. Kollegen! Die Zeit, wo der Darif abläuft, rückt immer näher, erscheint darum in Massen. agitiert für einen guten Besuch der Versammlung, damit die Unternehmer erkrnurn, welche Organisationen für sie mastgebend sein müssen. Verband der Kupferschmiede. Filialverwaltung Berlin. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Zenttalverband der Schmiede. Zahlstelle Berlin. Die Mitglieder des Kupferschmiede- und Schmiedeverbandes, welche alS Rohrleger und Helfer arbeite», werden von ihren Vorständen zu dieser Versainpi- Berliner Gewerbegericht IIS/S lung ganz besonders eingeladen Der Vorstand des Slrbeitgeberverbandes und das find z« dieser Versammlung eingeladen. Achtung! Achtung! Freitag, den Inli, == abends 8 Uhr: Kliems Fest Kiile. Hasenheide 13-13, Kellers Fest-Säle iInhuber Freyer), Koppen-Straße 33. Moabiter Gesellschastshaus, Miclef-Ktraße S4. Tages-Ordnung: i„Die Krieqshetzer an der Arbeit." 2. Diskussion.# Referenten die Abgeordneten: vorMvsna, Ad. Hoffmann, Ledebour, Robert Schmidt, Stroebeh Zubeit. MizmD noii Gmsjimm! WM in Mm! Eugen Ernst, Acker-Straße 62. law Im —— Zahlstelle Berlin.—— Die Berwattnngsfitzung findet heute uirsit statt. 87/t Bio Ortsvoranltnnx. W THontfkg, den 80. Jnll, abends 8 Uhr: _ im Gewerkschaftshanae, Engel-User 13(Saal VIII). = NertraueiisiNlllilier-UkrsWlililimg.— TageS-Ordnung: i. Vortrag über die gegenwärtige Krise und ihre Einwirkungen aus die Mufikinftrumenten-Jndustrie. 2. Bericht der Branchentommission. 2. Branchen- angelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert.— Jeder Betrieb muß vertrete» sein. Ble Branchenlcltnng. Zentralverband Dachdecker Tcrwaltnngsatelle Berlin. Sonntag, den 19. Jnll 1008, Tormlttaga 10 Uhr,» Weinstr. 11: Versammlung. TagcS-Ordnung: 1. Kassenbericht vom 2. Quartal 1908. 2. Verbandsangelegenheiten. Die Hilfsarbeiter werde« ebenfalls ersucht, zu dieser Bersamm- lung recht zahlreich z« erscheinen. 54/13 Der Vorstand. VI. Wahlkreis. ({tafcnilistUr Mörstadt.) ms Sonntag, den 19. Juli 1908, bei Wilke, Brunnenfiraße 188: Uaterhaltungsabenb. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Abteilungsführcr. Achtung! Achtung! Bewilligte Bäckereien! Die Differenzen zwischen dem Bäckermeister Herrn Bergmann und dem Verbände der Bäcker und Konditoren sind jetzt geregelt und gilt somit diese Bäckerei wieder alZ bewilligt. J. Bergmann, Bäckermeister, Köpenick. Borgmannftr. O. 5686 Der Bertranenöman« der Bäcker und Konditoren. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Barlin. Hauptblirca»: Hos L Amt 3. 1239. Charitsstraße 3. Hos III. Amt 3. 1987. Freitag, den 17. Inli 1908, adends 6|(ijr: Versammlung aller in der Schraubeuiudustrie beschäftigten Werkzeugmacher im Lokal von H o l l m a ch, Wrangelstr. 136. Tagesordnung: 119/7 1. Unsere Lohn» und Arbeitsbedingungen. 2. Diskussion. Das Erscheinen aller Kollege» ist dringend erforderlich.'VaQ Die Ortsvemaltans. Verband der Lattler = Orfsverwaltung Berlin.= Die nächsten Branchen-Versammlungen finden an nachfolgenden Tagen statl: Geschirrbranche: Mittwoch, den 22. Juli 1908. Treibriemenbranche: Montag, den 20. Juli 1908. Taschen-, Koffer- und Galanteriebranche: Donnerstag, den 23. Juli 1903. Militärbranche: Sonnabend, den 18. Juli 1903. Linoleumleger nnd Teppichnäher: Donnerstag, 23. Juli im Wagenbranche: Donnerstag, den 23. Juli 1908. Eisenmöbel- u. Lcderstuhlpolsterer: Donnerstag, den 23. Juli. Sektion Charlottenburg: Montag, den 20. Juli 1903. Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich in diesen Branchen- Versammlungen, zu erscheinen. Der Vorstand. Sonntag, den 16. August 1S08: Sommer= Fest S in der Brauerei Friedrichshain. Am FriedrichShain 16-SZ. Großes Garten-Konzert, auSgesührt von dem Sinfonieorchester(30 Musiker). Dirigent: Herr M. nwltsr Austreten deZ Jescheck- Ensembles sowie mehrerer Spezialitäten. Ksspu-Tlnater. Klnemalograph. KInder-Fackclzug. Großer Bali 4» Bei ungünstiger Witterung findet die Vorstellung im Saale statt. Eröffnung 3 Uhr. Anfang des Konzerts 4 Uhr. Eintritt im Vorverkauf SS Pf.(Kinder frei). Die KafFeekttclie wird am 3 Ehr geöffnet. Billetts sind im Bureau sowie bei den Werlstatt-VertrauenSleuten erhältlich. Um zahlreichen Besuch btttet 157/10 Das Komitee. Tisdhloi»» VoEoin(e.b.89.) Tonnadend, den 18. In«, abends 8'/- Uhr, Mclchiorstr. 1»: — General- Versammlung, ss Tagesordnung: Bericht vom 2. Quartal 1908. Bericht und Wahl der Bibliothekare. Verschiedenes. Zahlen der Beiträge. Der Vorstand. luckkfprsisv steigen rapid! Wer»ich fflr die Las« de» Zuckermarkte» und für die in Auiilclrt •teheoden grossen Preiseteigerungen— 80 bi> 100 Prozent— Intereialert. bemchte die von Kanfmana Mlcbael Proestler in Würzburg, Herausgeber der Broschüre: Das Wirtschaftsbild der Gegenwart and der Znkanft Tcrfassten Flugblätter, die aa JederaiBaa umiooft und Dortofrel •bgegebca werden. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen•Anzeigen S Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. j Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN r~ für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr. für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Llndenstrasse 09, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Glosse« zu AveS GuhoiS i/aermr' tnnfirp und Sigismund Lacroix'„Die wahre Gc- ftält de? Christentums-, von August Bebel. Preis 75 Pf., billige Ausgabe ' Expedition Lindenstraße 69, 30 Pf. Laden. Nähmaschinen. Vergüte bis 20.00 wer Teilzahlung kauft oder nachweist. Sämtliche Systeme. Brauser, Frank. furter Allee 101, Nähmaschinenladen Federbetten. Stand 11,00, große 16,00, Schlafdecken 1,15. Psandleih- Haus, Küftrinerplatz 7. 910K' Teppich«!(lehlerhaste) in allen Größen für die HSllt« de» verleg im Teppichlager Brünn. Hackeicher Marli i. Bahnhof Börse. 264/11« Pfandleihhaus Schönhauser Allee 110. 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Juli, nach- mittags äVa Uhr, findet bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75, eine öffentliche Schifferverfirmmlung statt, in welcher Genosse Stö rmer über:„Die Nrülage der Binnenschiffahrt" spricht. Die Genossen, welche die Handzettelverbreitung über- nommen haben, finden sich an den bekannten Stellen ein; die der zweiten Abteilung des sechsten Kreises bei Paul Dobrohlaw, Schliemannstratze 39. Die Agttationskommission. Zweiter Wahlkreis. Am Dienstag, den 21. Juli, abends 8'/z Uhr, öffentliche Volksversammlung im grofien Saale der Bock- b r a u e r ei sTempelhofer Berg). Reichstagsabgeordneter W. Heine spricht über das R e i ch s v e r e i n s' g e s e tz. Der Bezirk Süden veranstaltet Sonntag, den 2 6. Juli, einen Familicnausflug nach Grünau. Abfahrt morgens 8"° vom Görlitzer Bahnhof. Die anderen Abteilungen werden ge- beten, sich zahlreich an diesem Ausflug zu beteiligen. Das Vergilüguugskomitee. Zur Lokalliste. Im 6. Kreis steht uns das Lokal„Nestau- r a n t und F e st s ä l e Elsasser Strache 26, früher„Roland- s ä l e" zu den bekannten Bedingungen zmr Verfügung. _ Die Lokalkommisflon. Wahlkreis Niedervar mm. Die Ortsvereine werden dringend ersucht, die Resultate der Stellungnahme zu den Leitsätzen der Frauenorganisationen bis spätestens am Sonntag, den 19. Juli, an den Genossen Kubig- Pankow, Florastr. 9, gelangen zu lassen. Bernau. Am Sonnabend, den 13. d. M., abends 8V2 Uhr, findet im Lokale deS Herrn Kunze, Bürgermeisterstrahe, die General- Versammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Frage der Frauen- und Jugendorganisation. Adlcrshof. Der Treffpunkt der Genossen, dfle am Sonntag, den 19. Juli, am Sommcrfest des Kreises im EtabliMment Hasselwerder teilnehmen wollen, ist das Restaurant Kaul, Bisnrarckstr. 16. Abmarsch zum Frühkonzert um S'/z Uhr, zum'Vachmittagskonzert um 2 Uhr. Nieder-Schönhausen. Am Sonntag, den 19. Juli, findet in „Neu-Karlshof" das Sommerfest des Wahlvereins statt. Für Unter- Haltung für Groß und Klein ist Sorge getrage.n. Anfang des Konzerts um 4 Uhr nachmittags. Entree 2S Pf. Rixdorf. Die Bezirksführcr werden hiermit darruf aufmerksam gemacht, dag Freitagabend im Lokal von Hoppe eine Zusammenkunft aller derjenigen Parteigenossen stattfindet, die als Ordner für das am nächsten Sonntag in Hasselwerder stattfindende Volksfest bestimmt sipd. Jeder Bezirk hat fünf Mann zu stellen. Berliner IVacbricbten. Gegen den Banstellenschwindel erläßt der Landrat des Teltower Kreises, von Achenbach, eine Warnung, in der es heißt:„Bei der ständig fortschreitenden Grundstücksparzellierung in der Umgebung von Berlin erscheint es mir an der Zeit, ein Wort der Mahnung an die Interessanten zu richten. Durch günstige Angebote wird oftmals in den Käufern der Glaube erweckt, als handle es sich bei der zu erwcrkbcnden Parzelle um eine Baustelle. Die Fülle der eingehenden Beschwerden bestätigt dies. Demgegenüber bemerke ich, daß als Baustelle nur dasjenige Grundstück anzusprechen ist, welches an einer im Bebauungsplane vorgesehenen Straße liegt, die den ortsstatutarischen und ortspolizeilichen Bestimmungen ent- sprechend für den öffentlichen Verkehr und den Anbau fertig hergestellt ist. Es ist den Parzellenerwcrbern dringend zu empfehlen, vor Abschluß des Kaufes sich über diese Punkte durch Nachfrage bei der Gemeinde-, Polizei- und Aufsichtsbehörde Gewißheit zu der- schaffen. Tun sie dies nicht, so haben sie die nachfolgenden Ent- täuschungen sich selbst zuzuschreiben." Diese Warnung ist in der Tat zeitgemäß, denn die Zahl der Vaustellenschwindler, die gegen geringe monatliche Abzahlung„Par- zellen" verkaufen, deren Wert in dem Sand, der darauf liegt, be- steht, wird beständig größer._ Gemütvolle Leichcnreklame. Kürzlich ist der neue städtische Zentralfriedhof bei Ahrensfelde zur Benutzung freigegeben worden. Entsprechend einer alten Sitte wurde die erste Leiche, die zufällig diejenige einer armen Frau war. gebührenfrei beerdigt. Aus diesem Anlaß spendete das Berliner Sargmagazin und Beerdigungsinstitut von Juliu? Grieneisen in der Potsdamer Straße, das in Berlin zahlreiche Filialen unterhält, einen Gratissarg, sowie ferner kostenlos die Stellung des Leichenkonduktes. Wenige Tage später wurde aber diese auffallende Art von Wohltätigkeit ins rechte Licht gerückt durch folgende im„Berliner Lokal- Anzeiger" aufgenommene Reklame- Anzeige: „Dem Beerdigungsinstitut Julius Grieneisen, Berlin, Pots- damer Straße 97, gegründet 1839, welches anläßlich der Bei- setzung der ersten Leiche auf dem Ostkirchhofe zu Ahrensfelde einen hübschen Sarg, Leichenwagen und Begleitwagen kostenlos zur Ver- fügung stellte, sprechen hiermit herzlichsten Dank auS Die trauernden Hinterbliebenen." Die Anzeige stand nicht im allgemeinen Inseratenteil, bielmehr unter der Rubrik Familiennachrichten. Damit schwindet wohl jeder Zweifel, daß die scheinbare Wohltäligkcit aus krassestem Eigennutz erfolgt ist. Denn daß die Anzeige etwa auS den Mitteln von An- gehörigen der armen Verstorbenen bezahlt sein sollte, kann doch mir ein ganz Harmloser glauben. Die Firma Julius Grieneisen_ hat sich schon immer in den letzten Jahren durch ihre mindestens sonderbare Geschäftsreklame insofern auffällig bemerkbar gemacht, als dabei fast regelmäßig auf den ähnlich klingenden Namen einer Konkurrenzfirma, die ebenfalls ihren Gcfchäftssitz in der Potsdamer Straße hat, unschön hingewiesen wurde. Diese Konkurrenzfirma ist inzwt'chen in Koniurs geraten. Beim Eisenbahnministerium genießt die Finna Julius Grieneifcn Vorzugsrechte durch Tausende von Reklameplakaten in den Wagenabteilen. Vielleicht wird nächstens eine„Wohltätigkeitslotterie" veranstaltet, bei der jeder Loskäufer schon zu Lebzeiten seinen eigenen Paradesarg gewinnen kann. Einen gräßlichen Fund machten gestern nachmittag Grunc- Waldbesucher in einer Schonung des Jagens 84. Dort lag die voll- ständig bekleidete, aber schon stark in Verwesung übergegangene Leiche eines ungefähr 49 Jahre alten Mannes. Da man bei der Leiche weder einen Revolver noch sonstige Waffen, auch keine Flasche vorfand und Verletzungen wegen der stark fortgeschrittenen Ver- wesung nicht zu bemerken waren, wurde der Amtsvorsteher vom Forsthaus Grunewald benachrichtigt, der mit einer Kommission am Platze erschien. Es wurde festgestellt, daß es sich um den 42jährigen Vollziehungsbeamtcn Wilhelm Kliem aus der Pankstr. 32a handelt, der hier zugleich auch die Hausverwaltung hatte. K. wurde schon seit etwa acht Tagen vermißt. Er hatte sich mit einigen Zwangs- Vollstreckungen aus dem Bureau entfernt, die noch bei der Leiche in einer Mappe borgefunden wurden. Der Leichnam wurde be- schlagnahmt und nach der Leichenhalle des Friedhofes in Schildhorn gebracht. Hier soll erst durch eine Obduzierung genaueres über die Todesursache festgestellt werden. Wie- die Große Berliner Straßenbahn Schadenersatzansprüche behandelt. Zu unserer Notiz hierüber in Nr. 162 vom vorigen Dienstag stellt der beteiligte Wagenführer, Herr Alois Pradel in Rixdorf, die Ursache des Zusammenstoßes zwischen den von ihm geführten Elektrischen und einem Bierwagcn der Firma Krupkat, Alexandrinenstr. 97, wesentlich anders dar. Hiernach liegt die Schuld auf feiten des Bierkutschers. Wir hatten von vornherein bemerkt, daß beide Wagenführer keine Schuld trifft, weil die Bremse des Elektrischen versagt haben soll. Herr Pradel hat also nicht den ge- ringsten Grund, sich beleidigt zu fühlen, wie er uns schreibt. Viel- mehr haben wir es noch gerügt, daß ihm die Tragung des Schadens, also die Schuld an dem Straßenbahnunfall zugeschoben werden soll. Tatsächlich ist die geschädigte Firma mit ihrem Anspruch ausdrücklich an den Straßenbahnführer verwiesen worden. Wenn Herr Pradel behauptet, daß die Bremse funktioniert habe, so nehmen wir davon selbstverständlich gern Kennwis. Wen das Verschulden an dem Unfall trifft, wird ja wohl die eingeleitete Untersuchung ergeben. Nach den unserem Gewährsmann gemachten Mitteilungen hat ein Straßenschutzmann die Anzeige erstattet. Also muß ein solcher entgegen der Angabe des Straßenbahnführers doch wohl auch dabei gewesen, sein. Es wäre ja auch einfach komisch, wenn bei solcher Gelegenheit kein Schutzmann auftauchen sollte. Ein unaufgeklärter Todesfall beschäftigt die Polizeibehörde. Auf dem Brunnenplatz wurde Dienstag der Arbeiter Friedrich Dosse aus der Panlstr. 6ö in besinnungslosem Zustande aufgefunden. Auf dem Transport nach der Unfallstation in der Lindowerstraße starb D. Da der Arzt die genaue Todesursache nicht feststellen konnte, so wurde die Leiche polizeilich beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Auf einem Straßenbahnwagen gestorben. Von einem jähen Tode ereilt wurde Mittwoch abend gegen'/ftl Uhr der sin der Schivcl- beincr Straße 48 wohnende Arbeiter Böhm, der in der Berliner Straße in Rixdorf mit einem Bekannten einen Straßenbahnwagen der Linie 48 bestiegen hatte. Beide Männer blieben auf der Hinter- Plattform stehen und plauderten zusammen. Plötzlich wankte B., stürzte von dem in voller Fahrt befindlichen Wagen hinab und blieb leblos auf dem Straßenpflaster liegen. Der sofort zu Hilfe gerufene in der Nähe der Unfallstelle wohnende Arzt Dr. Bienecke konnte nur den infolge Herzschlags eingetretenen Tod des B. feststellen. Die Leiche wurde nach Berlin übergeführt. Bier Personen ertrunken. Im Nordhafen hat ein unbekannter etwa 49 Jahre alter Mann den Tod gefunden. Er beging die große Unvorsichtigkeit, in erhitztem Zustande ein Bad zu nehmen. Plötzlich wurde er von einem Herzichlag betroffen und ging unter. Die Leiche wurde gestern an der Fennstratze gelandet. Anscheinend handelt es sich um einen Schiffersknecht.— In der Badeanstalt an der Oberspree ertrank der Hausdiener Erich Hiller. H. wurde ebenfalls während des Schwimmens von einem Herzschlag heimgesucht. Bevor man dem Er- krankten zu Hilfe kommen konnte, war er in der Tiefe verschwunden.— Im Stichkanal wurde der Maschinenarbeiter Scherbort vom Tode-ereilt. Er fand in der gleichen Weise wie die beiden erwähnten Personen den Tod im Wasser.— Bei einem Nachtbad im Finowkanal ertrank der Schlächtermeister Karl Eitz, der sich in der Kolonie Kupferhammer aufhielt. Trotz AbratenS seitens seiner Freunde bestand E. darauf, nachts ein Bad im nahen Finowkanal zu nehmen. Heimlich begab er sich nach dem Kanal. Da er gestern nicht heimkehrte, so suchte man das Wasser ab. Bald sollte man auch auf die Leiche des Ver- mißten stoßen. E. hatte beim Baden den Tod gefunden. Ein Eifersuchtsdrama spielte sich gestern früh, 5 Uhr. im Hause Müllerstraße 61a ab. Der Lagerdiener Paul Bahnisch fiel dort mit Messer und Revolver über seine Braut, die 26 Jahre alte Tochter Margarete der Witwe Winter her und versuchte, sie durch mehrere Schüsse und Stiche zu töten. Nachdem er das Mädchen, bei dessen Mutter er in Schlafstelle wohnte, am Halse schwer aber anscheinend nicht lebensgefährlich verletzt hatte, tötete er sich selbst durch einen Revolverschuß in den Mund. In den Tod getrieben. AuS dem TeufclSsee im Grunewald wurde Mittwoch nachmittag die Leiche des 16jährigen Lehrmädchens Käte L. gelandet. Käte L. war eines jener beiden Mädchen, die, wie be- richtet, am Sonntag, den ö. Juli, im Grunewald von zwei rohen Burschen überfallen worden sind. Die Burschen hatten sich an den Mädchen Vergangensund dann das Weite gesucht. Eines der Mädchen, die 18jährige Sch., versuchte sich aus Gram über die ihr angetane Schmach mit Lysol zu vergiften. Käte L. getraute sich, nachdem sie bei der Polizei über den Ueberfall vernommen worden war, nicht mehr in die elterliche Wohnung. Für 15 000 Mark Pelze wurden in der Kürschnerei von Martens, Kurfürstendamm 89 gestohlen. Unter den gestohlenen Pelzsachen befinden sich kostbare Gegenstände im Werte von 19 999 M., die der chinesischen Gesandtschaft gehörten. Ein Automobilimfall rief gestern abend in der zehnten Stunde auf dem Gesundbrunnen großes Aufsehen hervor. Das Dienst- mädchcn deS Kaufmanns Löwenthal, Gleimstraße 57, wollte mit den drei kleinen Kindern des L. an der Ecke der Ramler- und Brunnen- straße den Fahrdamm übersibreiten. Die beiden kleinsten Kinder führte sie an der Hand, während die fünfjährige Erna nebenher ging. In diesem Augenblick kam ein Automobil in eiligem Tempo herangesaust und das Mädchen mußte mit den Kleinen eiligst davon rennen, um nicht überfahren zu werden. Der kleinen Erna gelang es jedoch nicht mehr, den schützenden Bürgersteig zu erreichen. Sie wurde umgerissen und von dem Kraftwagen überfahren. Das Kind erlitt schwere äußere Verletzungen sowie Rippenbrüche. D�x Zustand der Kleinen ist recht bedenklich. Aus dem Polizeibericht. Am 11. d. M-, vormittags gegen �12 Uhr, wurde auf dem Treppenflur des Vorderhauses Konig- grätzcr Straße 39 ein etwa 8—19 Monate altes Kind aufgefunden. Eingewickelt war das Kind in eine weiße Windel ohne Zeichen und eine Gummiunterlage, bekleidet mit weißem Kleide, weiß und blau gestreiftem Unterrock, weißwollenen Strümpfen, weiß- blauen Socken und einer roten Mütze mit schwarzem Band. Hausbewohner haben vorher eine 25« bis 39 jährige ver- Wachsens Frauensperson mit diesem Kinde auf dem Arm im Hause gesehen. Die Frau trug ein blaues Kleid und einen schwarzen Hut und führte eine schwarze Markttasche bei sich. Nachrichten über die Mutter nimmt die Kriminalpolizei und jedes Polizeirevier zu Nummer 3956. 4/59. 93 entgegen.— In der Nacht zum 3. Juni 1993 erschoß sich in der Straße Unter den Linden ein anscheinend den wohlhabenden Ständen angehörender junger Mann, dessen Per- sönlichkeit bisher nicht festgestellt werden konnte. Er hat sich dritten Personen gegenüber als Stud. med. Hans v. d. Schulenburg aus Breslau ausgegeben, doch haben sich diese Angaben als unzutreffend erwiesen. Er ist zirka 18 bis 24 Jahre alt, 1,63 Meter groß, hat volles dunkelblondes Haar, keinen Bart, ovales Gesicht und voll- ständig gesunde Zähne. Bekleidet war er mit weißleinenem Ober- Hemd und Unterbeinkleidern ohne Zeichen, kaffeebraunem sinode- farbencm) Jackettanzug, gelben Schnürstiefeln und modefarbenem Schlips. Mitteilungen werden von der Kriminalpolizei zur Nummer 3496 4. 59. 93 erbeten. Beim Sommerfest des 4. Kreises ist in der„Alten Taverne" in Stralau ein Strohhut gefunden worden. Abzuholen bei Kupfer- schmidt, Goßlerstraße 19/11. Dachstuhlbrand. Gestern nachmittag um 4 Uhr standen die Bodenräume mit dem Dachstuhl des Hanfes Oranienstraße 63 am Oranienplatz neben dem Kaufhanse von R. M. Maaßen in großer Ausdehnung in Flammen. Diese hatten reiche Nahrung gefunden, so daß die Feuerwehr bei ihrem Eintreffen schon einen ausgedehnten Brandherd vorfand. Die 2. Kompagnie war mit mehreren Zügen zur Stelle nnd griff sofort mit drei Schlauchleitungen von Dampf- spritzen über Treppe» und mechanische Leitern wirksam an. Trotz- dem hatte die Wehr längere Zeit zu tun, um eine weitere Aus- dehnung zu verhüten und die angrenzenden Gebäude zu schützen. Der Schaden ist bedeutend. Die Kinderspiele des Turnvereins Fichte fallen am kominenden Sonntag wegen des in Brandenburg stattfindenden Kreisturn- festes auS. Feuerwehrnachrichten. Gestern vormittag um 9 Uhr wurde die erste Kompagnie nach der Palisadenstr. 95 alarmiert. Dort waren der Fabrikant Emil Hoch und sein Gehilfe Artur Großmann in- folge Undichtwerdens eines Dampffasses von ausströmenden heißen Dämpfen stark verbrüht. Sic hatten Brandwunden zweiten Grades erlitten. Die Feuerwehr nahm sich der Verletzten an und schaffte sie nach dem Krankenhause am Friedrichshain. Die Charlottenburger und Berliner Jeuerwehr wurden wegen eines Dachstuhlbrandes nach der Hclmholtzstr. 26, einem erst kürz- lich vollendeten Hause, gerufen. Der Charlottenburger Feuer- wehr unter Leitung des Brandinspektors von Leupold gelang cS durch kräftiges Wassergeben, den Brand auf den Dachstuhl zu be- schränken. Auch hier soll nach Annahme der Beteiligten Brand» stiftung vorliegen. Die Ermittelungen sind sofort eingeleitet, haben aber, wie in den meisten Fällen, bisher kein Ergebnis gehabt. Turnfest in Brandenburg. Der erste Kreis sMark Brandenburgs des Arbeiter-Turnerbundes veranstaltet am 18., 19. und 29. Juli 1993 sein 8. Kreisturnfest in Brandenburg a. H. DaS Programm ist sehr reichhaltig und heben wir aus demselben hervor: Sonnabend: Empfangskommers der teilnehmenden Vereine. Sonntag von morgens 6 Uhr an: Fünfkampf der Turner und Dreikampf der Turnerinnen an volksiümlichen Geräten; Musterriegentnrncn, Wettspiele: F e st z u g und Aufmarsch sämtlicher Turner auf dem Festplatz, M a s s e n f r e i ü b u n g e n der Turner und Turnerinnen; Kinderspiele, geleitet vom Turnverein„Fichte"; Sonder- Vorführung e n, Wettspiele und Kürturnen. Montag findet anschließend eine Dampferfahrt von Salzhof nach Malge-BuhnenhauS statt. Für die turnerischen Vorführungen steht eine vorzüglich an- gelegte Rennbahn zur Verfügung, die auch Zuschauern in aus- reichendem Maße Platz bietet. Vorort- l�admcbten* Wilmersdorf. ( Die zu gestern, den 16. Juli, anberaumte Stadtverordneten- sitzung ist aufgehoben worden. Im Laufe des gestrigen Tages ist den Stadtverordneten vom stellbertrekenden Vorsitzenden, Professor Dr. Leidig, die Mitteilung zugegangen, daß die Sitzung aufgc» hoben worden sei, weil der Magistrat seine Ungültigkeitserklärung des Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung wegen Ge- Währung von Teuerungszulagen an die städtischen Beamten, Lehrer und Arbeiter wieder rückgängig gemacht hat. Charlottenburg. Der städtische Arbeitsnachweis Charlottenburg, Kirchstr. 5(an der Luisenkirche) und Wittenbergplatz 4(Ecke Bayreuther Straße 8), macht darauf aufmerksam, daß selbst in der sogenannten stillen Zeit, wo sich viele Familjen aus Reisen befinden, noch eine große Anzahl von Stellen für Dienstmädchen vorgemerkt sind.— Mädchen für alles. Köchinnen. Haus- und Kindermädchen, welche in die Notwendigkeit versetzt sind, sich im Hochsommer einen neuen Dienst zu suchen, brauchen weder für längere Zeit in Schlafstellen zu gehen, noch ihre Ersparnisse für oft kostspielige und zeitraubende Heimreisen zu verlvenden, sondern können jederzeit eine neue Stelle finden. Köpenick. Die Arbeltnchmerdelegierten der gemeinsamen Ortskrankenkasse Köpenick, Adlershof und Umgegend— soweit sie in Köpenick ihren Wohnsitz haben, werden dringend ersucht, heute Freitag, abends 9 Uhr, im Lokal von Stippekohl, Schönerlinder Straße 6, zu einer wichtigen Sitzung zu erscheinen. Das gleiche Ersuchen ergeht an die Delegierten des Kartells. Zur Verhandlung steht der Acrztestreik bei der obengenannten Kasse. I. A.: Otto Nickel. Rummelsburg. Bon einem Wagen überfahren und tödlich verletzt. Ein schwerer Unglücksfall hat sich auf dem Neubaugrundstiick der Gemcindcschnle in Rummelsburg zugetragen. Der Kutscher Ernst Wichmann ans der Landsberger Allee 34 war mit einem hochbeladencn Fuhrwerl von der Straße nach dem Hofe des Neubaues gefahren. Beffn Herumbiegen um die Ecke stürzte er infolge eines Ruckes plötzlich vom Bock herunter und fiel unglücklicherweise unter den Wagen. Die Pferde zogen weiter und die Räder des schweren Lastfuhrwerkes gingen über W. hinweg. Der Bedauernswerte trug schwere innere und äußere Verletzungen davon. In hoffnungslosem Zustand wurde er nach dem städtischen Kraukcnhause gebracht. Alt-Glienicke. Aus der Gemeindevertretung. Die in voriger Sitzung be- schlossene Entsendung einer Deputation zum Landrat in Angelegen» heit unseres Straßenbahnbaues hatte den Erfolg, daß derselbe den Herrn Regierungsbaumeister Dirksen zu unserer letzten Sitzung schickte, um der Vertretung über den gegenwärtigen Stand der Dinge Bericht zu erstatten. Der Herr legte alle Pläne und Zeich. nungen vor und meinte unter anderem, daß die Vorarbeiten bis auf einige kleine Formalitäten, die noch der Genehmigung harren, geklärt feien. In ungefähr sechs Wochen würde alles erledigt sein und dann könne mit dem Bau begonnen werden. Das Anfahren der Schienen soll Mitte August geschehen. Die Motorwagen sollen 32 und die Anhängewagcn 59 Plätze erhalten, so daß ein Zug über 89 Personen befördern kann. Der Bahnhof war bei der Kolonie Japan vorgesehen; es wurde aber beschlossen, diesen in der Frte» drichstraße an der Stelle zu erbauen, wo das Armenhaus gestanden hat. Der Personenverkehr nach dem Bahnhof wird bis zur Fertig. stellung der Straßenbahn wiederhergestellt, alle halbe Stunde wird ein Wagen verkehren. Die Arbeiten wurden entsprechend einem Antrage unserer Genossen Herrn Gilke übertragen, da mit dem zweiten Bewerber schon zu trübe Erfahrungen in dieser Sache ge- macht worden seien. Die Gemeindcwage wird jetzt Aufstellung finden auf dem Spritzenhausplatz. Die Anlage eines Fußsteiges längs der Adlergcstell-Chaussee nach den« Bahnhof Adlershof rief eine längere Debatte hervor. Von unseren Genössen wurde betont, daß dg unbedingt mit der GemeindeAdlershof in Verbindung getreten Serien müsse, KM» die Zustände in dieser Straße spotten jeder Beschreibung. ES ist bei Regenwetter oder Schnee direkt lebens- gefährlich, diese Straße zu passieren, zumal bei dem starken Ver- kehr, der in dieser Straße herrscht. Es wurde beschlsssen, mit Adlershof zu verhandeln, dgß da Abhilfe geschaffen wird,- Stralau. In der letzten Generalversammlung des WahlvereinZ er statteten der Vorsitzende und der Kassierer den Vorstandsbericht vom 1. Januar bis 1. Juli 1808. Demnach haben stattgefunden eine engere Vorstandssitzung und neun erweiterte Sitzungen, sechs Mitgliederversammlungen und zwei öffentliche Versammlungen. Die Zahl der Wahlvereinsmitglieder beträgt 271, gegen 250 am I. Januar 1808. Die Einnahme vom zweiten Quartal betrug 528,25 M.. die Ausgabe 208.70 M.. bleibt Bestand 319.55 M. Als Delegierte zur Kreisgeneralversammlung wurden gewählt die Genossen Wessel, Otto Lippert. als Ersatzmann Ferdinand Aschendorf. Einem Antrage, der Bibliothek jährlich 100 M. zu überweisen, wurde zugestimmt. Ter Ueberschuß von der Maifeier bekcägt 53,15 M. Das diesjährige Volksfest findet am Sonntag, den 20. Juli, in der»Alten Taverne" statt. Zu dem AuSschlußantrag gegen zwei Buchdrucker im Nixdorser Wahlverein geht uns folgende Zuschrift zu: Der Bericht über die Generalversammlung des Rixdorfer Wahlvereins im heutigen„Vorwärts" erwähnt u. a. den Ausschluß- antrag gegen zwei Buchdrucker,„die als Delegierte auf ihrem Verbandstag in Köln waren, darauf eine Rheinfahrt machten, statt sofort nach Hause zu reisen". Bei diesen zwei Ausschluß- antragen soll es übrigens nicht sein Bewenden haben, da von den 25 Berliner Delegierten zur Kölner Buchdrucker-Generalversammlung noch eine Anzahl in Betracht kommen, die, obwohl sie keine Rheinreise unternahmen, auch nicht rechtzeitig aus Köln zurück- kehrten, das heißt soweit sie Wähler zweiter Klasse waren, nicht morgens Uhr hier eintrafen, da spätere Züge nicht mehr in Be- tracht kommen. Als Teilnehmer an der Kölner Generalversammlung, der seine Wahlpflicht erfüllt hat, kann ich hierüber unbefangen urteilen, und da möchte ich sagen, daß mir das Vorgehen gegen die in Frage kommenden Genossen bei Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse etwas sehr scharf erscheint. Bei aller Anerkennung straffer Disziplin, die ich in bezug auf Erflillung der Wahlpflicht billige und persönlich jederzeit betätigt habe, steht doch die Sache im konkreten Falle so, daß alle die- jenigen wahlberechtigten Kölner Delegierten, die ihr Wahlrecht in Groß-Berlin ausüben wollten, sofort nach Schluß der General- Versammlung am Dienstag abend ihren Koffer packe», die Rechnungen begleichen und dann zur Bahn gehen mußten. um nach zehnstündiger Nachtfahrt rechtzeitig morgens in Berlin einzutreffen. Ich habe mich dieser Strapaze im Verein mit mehreren Kollegen unterzogen und kann begreifen, daß man nicht von jeder- mann unter allen Umständen verlangen kann, nach zehntägigen auf- regenden Debatten unmittelbar darauf die Rückreise während der Nachtzeit zu bewerkstelligen. So wenig ich eine begangene Pflicht- Versäumnis in Schutz nehmen will, muß ich doch bei meiner Kenntnis der Sachlage vor allzu kritischer Beurteilung des Vorfalls warnen. denn allzu scharf macht schartig! UebrigeuS, da ich einmal bei diesem Thema bin, gleich noch eins. Wenn man hier den schärfsten Maßstab der Kritik anlegt und strengste Pflichterfüllung bei Strafe des Ausschlusses aus der Partei fordert: wie steht es denn dann mit denjenigen unzähligen Parteigenossen, die sich zum Teil seit langen Jahren der Wahlpflicht bei den Stadtverordnetenwahlen und jetzt auch bei den Landtags- tvahlen einfach dadurch entziehen. daß sie den Erwerb der preußischen Staatsangehörigkeit, der keine nennenswerten Kosten und Schwierigkeiten verursacht, unterlassen? Mir sind unter dieser an Zahl nicht geringfügigen Kategorie die Namen von Partei- genossen mit gutem Klang bekannt geworden, von Ausschluß« antrügen habe ,ch aber nie etwas gehört. Es widerspricht aber den Geboten der Gerechtigkeit und Konsequenz, den einen Teil so und den anderen wieder anders zu behandeln. Deshalb lasse man in allen den Fällen, wo nicht beabsichtigte Pflichtverletzung borliegt, möglichste Rücksicht walten. 10. 7. 03._ AlbrechtFülle. Vermilektes. Eine Grubeukatastrophe. Im rheinisch-westfälischen Kohlenrevier hat wieder mal eine Grubenkatastrophe furchtbare Aufregung. hervorgerufen. Eine An- zahl Bergarbeiter haben Gesundheit und Leben eingebüßt und viele Familien sind in Trauer versetzt worden. Der B e r g m a u n trägt jeden Tag sein Totenhemd! Auf der Zeche„Carolus Magnus" sind, wie bereits kurz ge- meldet, tief unten im Schacht 475 Kilogramm Dynamit explodiert. Ueber die Folgen der Katastrophe fehlen noch sichere Angaben. Von einer Seite wird die Zahl der Toten auf 11 angegeben, nach anderen Meldungen sollen zirka doppelt so viel Menschen ums Leben gekommen fem. Bisher konnten 8 Tote geborgen werden. Die Verwüstungen, die die Explosion in den Schachtanlagen angerichtet hat. erschweren die Bergungsarbeit außerordentlich. Ueber die Ursache der Katastrophe verlautet noch nichts be- stimmtes, auch läßt sich aus den bisherigen Mitteilungen irgend welche Schlußfolgerung nicht ziehen. Die Dynamitkammer unter- stand der Aufsicht des Steigers Spitznas. Dieser hat kurz nach 3 Uhr seinen Dienst angetreten, um das Sprengungsmaterial aus- zugeben. Ob es hierbei oder ob es später zur Katastrophe gekommen ist, entzieht sich noch der Feststellung. Bisher ist auch die Leiche des Steigers noch nicht aufgefunden worden. Die Getöteten sind teil- weise erstickt, zum Teil durch den Luftdruck gegen die Schachtwände geschleudert und dadurch zu Tode gekommen. Mehrere aus der Grube lebend aber bewußtlos Gerettete haben nach Wiedereintritt des Bewußtseins gar keine Vorstellung von dem Geschehenen. Die Katastrophe ist nicht zu verwechseln mit den öfter vor- kommenden Kohlenstaub- oder Wetterexplosionen; anscheinend ist eine solche neben der Dynamitexplosion nicht eingetreten. Die letzte Dynamitexplosion ereignete sich am 4. Mai 1906 bei Nieder- bringung eines Bohrturmes bei Zappendorf. Als Ursache dieser Explosion wurde das Nahebringen eines Lötkolbens festgestellt. Der Kolben hat eine Temperatur von 500—700 Grad Celsius, die Eni- zündungStemperatur des verwendeten GekatinedynamitS lag bei einer Temperatur von zirka 200 Grad Celsius. Bei der damaligen Kata- strophe sind fünf Mensche» getötet worden. Nach Lage der Sache erscheint es nicht wahrscheinlich, daß die Katastrophe auf Zeche „CaroluS Magnus", die zum Besitzstande der Familie Stinnes gehört, auf ähnliche Ursachen zurückgeführt werden könnte. Einen Erfolg hat der Euleniurg-Prozeß bestimmt bereits gezeitigt: er hat einen Schlosser zu Posen ins Irrenhaus verholfen' Infolge der eifrigen Lektüre der Prozeßberichte hat sich in dem Gehirn des armen Teufels der Wahn befestigt, er werde mit An- trägen ä la Eulenburg verfolgt. Da der Mann in der Abwehr dieser eingebildeten Anträge direkt gemeingefährlich geworden sein soll, hat man ihn der Irrenanstalt übergeben. Großfcuer. In Harburg brach gestern nacht in den Oelwerken Teutonia ein Großfeuer aus, das sich mit sehr großer Schnelligkeit ausbreitete und das ganze Etablissement einäscherte. ES brannten drei große Gebäude und ein Lagerhaus nieder, das Kontor und daS Wohnhaus wurden durch Wasserichäden vernichtet. Eine Lokomotive abgestürzt. Beim Bahnbau Krahenhöhe—Müngsten stürzte die Lokomotive der Barn, er Bergbahn infolge Versagens der Bremse bei der Talfahrt einen steilen Abhang hinab und begrub den Maschinisten und den Heizer unter sich. Elfterer wurde getötet, letzterer schwer verletzt. Die Lokomotive wurde zertrümmert. Deutscher Zlrbeiter-Abstincnten-Bund. Ortsgruppe Berlin Heute abend pünktlich Uhr im Englischen Hof, Neue Roßstr. 3: Fort-' setzung der Generalversammlung. Mitgliedsbuch legitimiert. Singegangene vruckfckrikten. Von der„Renen Zeit«(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 42. tzest des 26. Jahrgangs erschienen. Es hat folgenden Inhalt: Ein Junkerjubiläum.— Verelendung und Zusammenbruch. Von K. Kautsly. — Der bürgerliche Liberalismus m der russischen Revolution. Von Ä. Maletzki.— Zur Frage der Jugendorganisation. Von Pannekock.— Was wird aus unseren Jugendorganisationen? Von Franz Krüger(Königs- berg).— Die zweite deutsche Arbeiiersekretärkonserenz in Hamburg. Von Linus Scheibe(Dortmund).— Zcitschristenschau. Von Oda Lerda. Feuilleton der Neuen Zeit Nr.?: Stendhal. Bon Her- man Wendel. Die Entwickclung des Weltalls. Von Anton Pannekoek.— Bücherschau: Lily Braun, Im Schatten der Titanen. Wilhelm Herzberg, Das Hambachcr Fest. Jakob Brod, Der Bürgerkrieg. Heinrich Michalsli, Der Sieg des Stärkeren. Des FranyoiS Rabelais Panlagruel.— Lose Blätter: Gelehrte Spreu vorm Winde. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Poslanstaltcn und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Ouartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werben. Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Probcnummern stehen jederzeit zur Verfügung. Vom„Wahren Jacob« wird in den nächsten Tagen die 15. Nummer des 25. Jahrgangs erscheinen. Aus ihrem Inhalt erwähnen wir die beiden farbigen Bilder„Nach 20 jähriger Regierung" und„Modernes Christentum" und die weiteren Illustrationen„Die stellvertretende Regierung",„Die Kosaken in Persien",„Im Thronsaal",„Die Hechte im Karpscnteich", „Dreibund und Einbund", Cafe National" und„Der mißglückte Kuhhandel". Der textliche Teck der Nummer bringt die Gedichte„Das verschleierte Bild zu Norderney",„Herr Bumpo",„Wahlrcsorm in Sachsen",„ErsMasfiges Vergnügen",„Am Wege",„Die Tage der Rosen" von Aisred Scholtz, -Ecclesia rniiitans" und zahlreiche größere und lleinerc satirische Beiträge in Prosa. Der Preis der 12 Seiten starken Nummer ist 10 Pf. Sport. Kulturbilder aus dem Simplicisjimus. Bd. 3. 50 Seitm. Per- lag A. Lange», München. Lriefkalten der Redaktfon. Sie juristisch- Sprechstunde findet Linden ftw aste Nr. 9, zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppe», BflF™ Fahrstuhl TKS wochentäglich abends von 7'/, bis»'/, Uhr»alt. Geöffnet 7 Uhr Sonnabends beginnt die Sprechstunde um C Uhr. Jeder Slnfrag- ist ei» Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in»er Sprechstunde vor. W. H. 21.?luf dem Patentamt wird Jjhncn Auskunst erteilt.— Alter Abonnent 1000. Falls kein Testament vorliegt, würde die linder- lose Witwe die Hälfte des Nachlasses erben unt» außerdem als voraus die Hciratsgeschciitc und den Haushalt erhalten. Die andere Hälsle erhallen die Eltern, Verjährung liegt nicht vor. Einigen sich die Erben nicht in Güte, so wäre das Gericht anzurufen.— Gärtner 23. Zu dem Scitvilt an diese Kasse vermögen wir nicht zu raten.— W. F. 33. Ein Rück- zahlungsrecht steht Ihnen nicht zu. Die verschiedenen Gemeinden der ver« schiedencii Religionen erheben verschieden böfc Steuern.— H. W. 1881. Die Schuld würde mit Ausgang des Jahr« 1909 verjähren, wenn kc-n Anerkenntnis seit Beginn des Jahres 1906 acholgt ist. Die Verjährungsjrist für Waren, die zum Weiterverkauj entnon.v.ien sind, beträgt vier Jahre. Die Frist läuft vom Beginn des Kalcndcrjahl.cs ab, welches auf die Fällig- keit der Forderung folgt. Jedes Slnerkeioitnis durch Ratenzahlung usw. unterbricht die Verjährung.— M. W..1000. Am 31. Dezember 1909. — P. T. 3 Sie müßten aus Zahlung-Hegen Rückgabe der Taschen klagen, hätten Ihrerseits aber die Hingabe des Pjändcs zu bcwcijcn.— I. K. S. 1. Für verschuldbare Versehen kann voig Gesinde Schadenersatz verlangt werden. In dem Falle würde voraussichtlich der Richter zuungunsten de? Dienstmädchens urteilen. 2. Ja. 3. Das Amtsgericht ist zuständig, in dessen Bezirk die Herrschast wohnt.— P. K. 18. Der Wirt könnte die Miete bis zum April verlangen und doS Zurückbehaltungsrecht ausüben.— I. St. 12. Strafbar ist Ihre Handlung nicht, von Haitstrafe oder der- gleichen kann keine Rede sein. Nimmtz der Richter an. daß Ihnen ein Ver- sehen zur Last fällt, so würden Sie lediglich zum Schadenersatz verurteilt werden können.— L. 2627. Lassen Sie sich von dem Vormundschasts- gcricht eme vollstreckbare Ausscrtiguug des Anerkenntnisses oder des Erkenntnisses erteilen und betreiben Sie dann die Zwangsvollstreckung. — 2l. B. 4. Wegen Verbreitung eines solchen Plakats könnte strasrech't- liche Verfolgmig eintreten.— E„ W. 30. 1. Sie können das Gehalt nachträglich zahlen. Dann sind See von der weiteren Verpflichtung frei. 2. Aus Ratenzahlung braucht sich h:e Gläubiacrin nicht einzulassen, sie könnte klagen, pfänden lassen und den 1500 M. jährlich übersteigenden Lohn mit Beschlag belegen.— Osten 112. 1. Auskunft erteilt eventuell die Polizei. 2. Nein.— Waschanstalt. Klagen Sie beim Amtsgericht aus Herausgabe der uicht abgclieserten Wäsche ofrw aus Schadenersatz.— G. K. 25. Der Kaufvertrag ist der betreffenden Frau gegenüber lingültig. Wegen Ihrer Forderungen könnte sie Psändang in die verlausten Sachen vornehmen. Für den Fall einer Pfändung würde eine Jnterventionsklage Ersolg haben. — Moritz Reetz. Wenden Sie sich an den Vorsitzenden Emil Gerstmann, Rixdors, Bergstr. 59.— G. TL. 100. Die Kinder erhalten jeder gleichviel. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Direktion über den Großhandel in den.Jrntral-Marlthallen. Marktlage: Fleisch: Zujuhr genügend. Geschäft rege, Preise unverändert. Wild: Zufuhr nicht genügend, Geschäft lcbhast„ Preise anziehend. Geflügel: Zufuhr reich- sich. Geschäst ziemlich lebhaft, Preise nachgebend. Fische: Zufuhr knapp, Geschäft ziemlich Icbhajt, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Ob st und Südfrüchte: gedrückt, j Zufuhr genügend, Geschäft anfangs still, später lebhafter, Preise Waffcrstandö-Nachrichten der Landc/lanstalt für Gewässerkunde, mitgeteA vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e l, Jnftervtlrg Weichsel, Thor« Oder, Ratibor , Strossen . Franksurt Warthe, Sch rimm , Landsberg Netze, Vordainm Elbe, Leitme Ätz , DreSdc«» , Barby , Magdeburg + bedeutet Wuchs,— Fall,—») Unterpegel. Witteremgsuberstcht vom 16. Juli 1008, morgens 8 Uhr. Stationen Zwwemd». erlw ranks.wM. lün« Wien _ 6 iL 8 u «« R® c � öl J, 762 SW 762 SSW 763 W 765 SW !eu 1767 SW 1764 WSW Wetter 2�eiter L balb bd 2 heiter 4 wolkig Jhalbbd. 4 bedeckt w« ckÄ *11 HS Mo Stationen Ii a II if Ig i-e-"" Haparanda 755S Petersburg 761 W Scilly Werdeen Pari- 760 SV 753 S 766 S Wetter 4 bedeckt 1 wolkcnl 4 Regen 1 bedeckt Lbedcckt wÄ C"* fil 13 18 11 12 11 „ Wetterprognose für Are, tag. den 17. Juli 1008. Etwas wärmer, zunächst vielfach heiter bei mäßigen lüdwestlichcn WIndeN i später wieder zunehmende Bewölkung und Regen. _ Berliner Wette rvureau. □ ! Wegen VergröBerungs-Umbau beginnt im Kaufhaus Wilhelm| Joseph Berlin W, Schöneberg, GroßgörschemStraße 1, HauptsStraße 163» am den 21» ein I Tmbau"|?äuimängs=Verkauf und bleibt das(ZesMtt den 20» Ull9 wegen bedeutender Herabsetzung der Preise geschlossen. Beachten Sie mein Dienstags& Inserat! —MB——»MIIW tUli Guro SoIiBi gut dellMsrütillteil viravltldi ThiGjStktBullll, Druck u. Verlag tPWwäM Vizchdruckerei u, VerlagSanftgft Pgul Singer Li To- Berlin SW.