Nr. 16». IftonntfflentS'Bedinaunaen: BBonnemcnlS• Preis pränumerando t Pierteljährl. 3,30 Mk, monatl. 1,10 MI, wöchentlich 28 Pfg. frei tnS HauS, Einzelne Nummer K Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Poft- Adonneincnt: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dinemart, -lland. Italien, Luxemburg, Portugal, taten, Schweden und dir Schwei». ÄZ. Jahrg. CriAdM täglich auScr dODtagt. Vevlinev Volksblsll. 01t TnleftlonS'Gebflbf detrligt für die sechsgespaltene KoloMl- »eile oder deren Raum 30 Pfg., für politische und gewertschastliche L-rcins- und VersammlungS. Anzeigen 30 Pfg. ,.A>« in« Rnreigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jede? weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- ftellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg,. jedes weitere Wort 3 Pfg. Worte über 13 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächst- Nummer müssen bis li Uhrnachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die ExpedititM ist bis 7 Uhr abends geöffnet. relcgramm-Adresis: »Sezlaldenoknt BcHId". Zentralorgan der rozialdemokratt fehen partei Deutfchlands. Redaktion: SM. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IT- Nr. 1083. Parteigenossen! Laut Beschluß des letzten Parteitages findet der dies� lährige in Nürnberg statt. Auf Grund der Bestimmun gen der§Z 11, 12, 13, 14 und 15 der Parteiorganisation be> ruft die Parteileitung den diesjährigen Parteitag auf Sonntag, den 1Z. September, abends 7 Ahr, nach Nürnberg in die„Städtische Festhalle". Luitpold' Hain, ein. Die Eröffnung erfolgt präzise. Anschließend erfolgt die Konstituierung des Parteitages, Festsetzung der Geschäfts' und Tagesordnung, Wahl der Mandatsprüfungskommission. Montag, den 14. September und die folgenden Tage! finden die Verhandlungen des Parteitages in dem Lokal „Herkules-Velodrom", Treustraße 10, statt. Als provisorische Tagesordnung ist festgesetzt: ü. Geschäftsbericht des Vorstandes. s) Allgemeines. b) Organisation und zwar I. Frauenorganisation: II. Jugendorganisation.- Berichterstatter: H. Müller. e) Kasse und Presse. Berichterstatter: A. Gerisch. kl) Bildungsausschuß. Berichterstatter: H. Schulz. 2. Bericht der Kontrollkommission. Berichterstatter: A. Kaden. 3. Parlamentarischer Bericht. Berichterstatter: E. Eichhorn. 4. Maifeier. Berichterstatter: R. Fischer. 5. Sozialpolitik und der neue Kurs. Berichterstatter: Q. Molkenbuhr. 6. Die Reichsfinanzreform. Berichterstatter: F. Geyer. 7. Sonstige Anträge. 3. Wahl des Parteivorstandcs, der Kontrollkommission und des Ortes, an dem der nächste Parteitag statt finden soll. Parteigenossen! Der Parteivorstand richtet an Euch die Aufforderung, die Vorarbeiten für den Parteitag— also die Wahl von Delegierten wie die Stellung von Anträgen � rechtzeitig zu bewirken. Die Anträge müssen spätestens am 17. August im Besitze des Vorstandes, Adresse: W. Pfannkuch, Berlin SW. 08, Lwvtznstr. 69, sein, wenn sie entsprechend den Bestimmungen des§ 14, Absatz 2 der Parteiorganisation im„Vorwärts" veröffentlicht und in die gedruckte Vorlage Aufnahme finden sollen. Anträge von einzelnen Parteigenossen bedürfen der Gegenzeichnung der Vertrauensperson oder des Vorstandes der örtlichen bczw. Kreisorganisation, falls sie zur Veröffent- lichung und Beratung gelangen sollen. Tie Parteigenossen, die zum Parteitag kommen, werden ersucht, von ihrer Delegation dem Vorstande und dem Lokal- loinitee rechtzeitig Mitteilung zu machen, damit ihnen die Vorlagen und eventuell weitere Mitteilungen zugesandt werden können. Die Adresse des Lokalkomitees lautet: Martin Treu, Nürnberg, Egidienplatz 22. Mandatsformulare sind durch das Parteibureau: W. Pfannkuch, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, zu beziehen. der Versand erfolgt vom 17. August an. Die Genossen, die Anträge einreichen, werden darauf aufmerksam gemacht, daß etwaige den Anträgen beigegebene Motive weder im„Vorwärts", noch in der den Delegierten zugehenden Vorlage Aufnahme finden können. Es steht den Genossen das Recht zu, ihre Anträge selbst oder durch be- freundete Genossen auf dem Parteitag mündlich zu begründen. Ein Abdruck der Motive verbietet sich aber aus räumlichen Gründen und um Wiederholungen zu vermeiden. B e r I i n, den 7. Juli 1963. Mit sozialdemokratischem Gruß Der Parteivorstand. Li» Zahr allgemeines Wahlrecht. 1 Aus Wien wird uns vom 29. Juli geschrieben: Die erste Session des Parlaments des allgemeinen und gleichen Wahlrechts ist zu Ende, und man kann nun ab- schätzen, was Staat und Volk durch die demokratische Reorganisation des Abgeordnetenhauses gewonnen haben. Vor allem haben sie, und das ist angesichts der zehnjährigen Krankheit des Kurienparlaments das wichtigste, ein trag- fähiges und arbeitsfähiges Haus gewonnen. Der öfter- reichische Reichsrat, eine so künstliche Schöpfung wie dieser Staat selbst, unterscheidet sich von den Parlamenten national- einheitlicher Staaten dadurch, daß er immer in Frage steht: daß über ihm immer die Gefahr der Obstruktion schwebt, daß sein Leben ohne Unterlaß bedroht ist, daß der obstruktionelle Angriff irgendeiner Partei oder Nation es jeden Tag still- zusetzen vermag. Das war, mit spärlichen Intervallen nur, durch zehn�ahre der Fall, und darin hat die Wahlreform von Grund aus Wandel geschaffen. Während das Kurien- Parlament in der Schätzung der Menschen so tief gesunken war, daß der Anschlag auf seine Existenz, und wäre es der böswilligste und in der Form anwidernste gewesen, nie Widerspruch erregt, oft sogar allgemeine Zustimmung aus- gelöst hat, ist das Parlament des allgemeinen und gleichen Rechtes, in dem jeder Bürger des Staates, jede Partei und Nation auch den eigenen Willen verkörpert sieht, ein Gut, ein wertvoller Besitz, daran frivolerweise niemand zu tasten wagt und das unter den Schutz der Völker selbst gestellt ist. Auch das demokratische Parlament hat seine Schwierigkeiten und der Krisen gab es in dem ersten Jahr nicht wenige. Aber es ist gesund im Mark, und seine Lebenskraft macht es ihm möglich, sich immer aufzuraffen und im Geleise zu bleiben. Die Hoffnungen, die in die Wahlreform gesetzt worden sind und aus denen sie von den staatlichen Faktoren gefördert ward, hat das erste Parlamentsjahr vollauf be kräftigt. Auch daß sich das verbessert hat, was man die Qualität einer gesetzgebenden Körperschaft nennen kann, unterliegt keinem Zweifel. Natürlich ist auch das-öfter' reichische Abgeordnetenhaus, trotz allgemeinen und gleichen Wahlrechts, ein bürgerliches Parlament; und sein Klassen' charakter ist ebenso in seinen Beratungen wie in seinen Be' schlüssen sichtbar. Aber jene spezifische Feilheit und Feig' heit, die dem privilegierten Bürgertum eignet, ist ihm durch die Wahlreform ausgetrieben worden, und der demokratische Charakter des Wahlrechts hat auch den Charakter des Parlaments wesentlich zu beeinflussen vermocht. Nicht zum wenigsten sind deshalb die Versuche, die von ge wissen Drahtziehern anfänglich eifrig betrieben worden waren, die Sozialdemokraten im Parlament mit einer Art unsichtbaren Boykotts zu belegen, sie zu isolieren und von der parlamentarischen Macht abzuschneiden, vollständig ergebnis- los geblieben. Die Sozialdemokratie ist im österreichischen Abgeordnetenhause eine Partei unter gleichen. In den Angelegenheiten des parlamentarischen Betriebes ist sie, obwohl sie in einer keinen Augenblick aussetzenden oder ver- sagenden Opposition steht, mit allen, also auch den Parteien des Regierungsblocks, vollständig gleichberechtigt. So ist sie beispielsweise in allen Ausschüssen nach ihrer Zahl vertreten, und gemäß ihrer Stärke stehen ihr in den Ausschüssen auch die Präsidialstellen zu. Im österreichischen Abgeordneten' Hause wäre ein Vorgehen, welches die Vertreter des Prole tariats als Abgeordnete minderen Rechtes disqualifiziert, schlechthin undenkbar. Aus dieser Gleichberechtigung aller Parteien, in der es keinen Vorrang und kein Zurückstehen gibt, entspringt es auch, daß der Sozialdemokratie nun auch ein Sitz im Präsidium eingeräumt wird. Durch eine in der vorletzten Sitzung beschlossene Abänderung der Ge- schäftsordnung wurde die Zahl der Vizepräsidcntenstellen vermehrt(von zwei auf fünf) und der eigentliche Beweggrund dieser Vermehrung ist kein anderer als das Bedürfnis, im Präsidium alle Parteien und vornehmlich die Sozialdemo- kratie vertreten zu sehen. Und aus diesem Gefühle der Gleichberechtigung hat die Partei auch keinen Augenblick ge- schwankt, die Stelle eines Vizepräsidenten in Anspruch zu nehmen und zu besetzen, ohne Obligo für die Regierungs- geschäfte natürlich, um es kaufmännisch auszudrücken, son- dern als ihr Recht, auf das sie, wie immer es werden mag, nicht verzichten darf. Daß diese durchgreifende Gleich- bercchtigung der Sozialdemokratie ihre Ursachen auch in der durch die nationale Verschiedenheit bedingten Partei- Zerrissenheit hat, ist zweifellos richtig; und mitwirken mag dabei auch die kluge Taktik im Parlament selbst, die leere Provokationen ebenso meidet, als sie sich von irgendwem einschüchtern ließe. Aber der eigentliche Grund liegt doch darin, daß diesem Oesterreich und diesem Parlament durch die Wahlreform eine demokratische Auffassung eingeimpft worden ist, die Standesvorurteile auch im Par- lamente ausschließt. Das Parlament des allgemeinen und gleichen Wahlrechts� mag den ästhetischen und harmonischen Eindruck oft schuldig bleiben, aber es ist dem Volke ent- stammt und bleibt dem Volke verbunden. Es ist nicht bloß der Form, es ist auch der Materie nach demokratisiert worden. So hat das Parlament im ersten Jahre, trotz aller Widriakeiten und Hindernisse, auch große und bedeutende 6xpcdttion: SM. 68, Lindenstrassc 69* Fernsprecher:«mt IT, Nr. 1084. Aufgaben bezwungen. Es hat den Ausgleich mit Ungarn, der im Kurienparlament so oft gescheitert ist, in Sicherheit gebracht, den Staatsvoranschlag, der Jahre hindurch nur in Gestalt eines Provisoriums erschien, verhandelt und be- schlössen; es hat dem Hof eine Rekrutenvermehrung gebracht, aus die er in dem angeblich so patriotischen Privilegien» Parlament nie hätte hoffen können; es hat aber nebstdem eine Reihe von nützlichen und volkstümlichen Gesetzen zu beschließen die Kraft gehabt. So ist in den letzten Parlä- mentswochen ein Gesetz beschlossen worden, das den Ange- hörigen der zur Waffenübung eingerückten Reservisten einen Unterhaltungsbeitrag sichert, wobei als Extragewinn die Abschaffung der zwei letzten Waffenübungen erzielt wurde; einen eminenten sozialpolitischen Fortschritt stellt das Gesetz zur Regelung der Verhältnisse der Handlungs- geht Ifen dar; wichtig ist auch das beschlossene Gesetz über die Haftpflicht der Automobile; und als erster Schritt zu der großen Eisenbahnverstaatlichung, die im Herbste erfolgen wird(es werden die Nordwestbahn und die Staatseisenbahn- gesellschaft, die Hauptlinien des industriellen Verkehrs, zur Verstaatlichung gelangen), hat die Verstaatlichung der Böhmischen Nordbahn ihren besonderen Wert. Dazu kommt eine Vorlage, die für die Verbesserung der Bezüge der Staats» diener niederer Kategorien(namentlich Post- und Eisenbahn» bedienstete) 18 Millionen Kronen bewilligt; die Zusammen» fassung der sozialpolitischen Agenden in eine eigene Sektion; das zu erwartende Verbot der Verwendung des weißen Phosphors: auch in alledem drückt sich die volkstümliche Um- Wandlung des Hauses aus. An diesem ersten Jahr eines Parlaments, dessen Umgestaltung bis in die Tiefen hinab- reicht, könnten verantwortliche und. gewissenhafte Leute den gewaltigen Wert der Demokratie auch für den Staat selb st und seine Erfordernisse er» kennen. Was von einer Wahlreform erwartet werden kann. hat die des österreichischen Abgeordnetenhauses voll erfüllt. Buk Pflaster! Einen Gewaltakt, wie er in der Geschichte der Arbeiter- bewegung seinesgleichen sucht, hat die Werftdirektion des „Vulkan" in Stettin verübt l Weil ein paar Hundert Arbeiter, an der Grenze der physischen Leistungsfähigkeit angelangt, die schon wochenlang andauernde tägliche Ueberzeitarbeit an zwei Tagen der- weigerten, wurden 78vv Mann kurzerhand aufs Pflaster geworfen! Diese Tatsache muß man festhalten, um das Vorgehen der Direktion richtig zu würdigen l Diese hat in der bürgerlichen Presse eine Erklärung ver- öffentlicht, durch welche die Vorwürfe gegen die Direktion gestützt werden und die schlimmsten Vermutungen nur eine Stärkung erfahren! Die Direktion hat seit längerer Zeit eine tägliche Ueber- zeitarbeit von l'/z Stunden verlangt; zwischendurch mußten auch noch 24-St«ndenschichte» absolviert werden. Das steht unwidersprochen fest. Weil die Arbeiter sich diesen Anforderungen nicht mehr gewachsen fühlten, beauftragten sie den Arbeiterausschuß, bei der Direktion eine Mäßigung bei der Anordnung von Ueber» stunden nachzusuchen. Auf diese Aeußerung hin antwortete die Direktion mit der kategorischen Erklärung, sie verlange un» bedingte Beachtung ihrer Anordnungen und Ab- s 0 l v i e r u n g der von ihr verlangten Ueberzeitarbeit l Da die Leute sahen, daß auf gütlichem Wege nichts zu erreichen war, sie anderseits sich aber nicht mehr im stände fühlten, das geforderte Maß von Ueberarbeit weiter zu leisten, verließen— nach einer Erklärung der Direktion— am nächsten Tage 271 Nieter nach Schluß der normalen Schicht die Arbeits- stelle; am folgenden Tage war die Zahl derjenigen, die über die normale Zeit hinaus sich nicht arbeitsfähig fühlten und darum nach Hause gingen, auf 481 Mann gesttegen. Das genügte der Direktion, um nun die sofortige AnS- sperrung von zirka 8000 Arbeitern anzuordnen und ins Werk zu setzen! .Daß die Werftdirektion mit diesen Maßnahmen einen unter keinen Umständen zu rechtfertigenden Gewaltakt voll- führt hat. darüber kann ein Zweifel nicht obwalten. Welches sind aber die G r ü n d e, die die Direktion zu der Aussperrung bewogen haben? Warum züchtigte sie zirka 8000 Mann, obwohl doch nur ein paar Hundert das Uebermaß von Mehrarbeit nicht leisten zu können erklärten? Wollte sie die Massen aufreizen gegen die paar Hundert Mann? Das wäre eine so ungeheuerliche Brutalität, wie sie ihresgleichen im Wirtschaftskampfe kaum je erlebt hat. Oder suchte die Direktion einen Vorwand, um ihr Mütche« an der Arbeiterorganisation zu kühlen? Warf sie 8609 Mutt« auf's Pflaster, nur um die Organisation zu schaden? In diesem Falle wäre das Vorgehen nicht minder un- gcheuerlich, nicht minder brutal, nicht minder skandalös, nicht minder einzigartig gehässig, als im erstcren Falle. Die schon erwähnte Erklärung der Direktion in der bürgerlichen Presse gibt auf diese Fragen keine Antwort l AIS dritter ersichtlicher Grund käme der nicht nurvon den "rbeitern ausgesprochene, sondern auch schon am Sonn- abend im„Berliner Tageblatt" zum Ausdruck ge» brachte Verdacht in Betracht, die Direktion Habs durch die Aeußerunc; eine sogenannte„höhere Einwirkung" herbeiführen wollen, die sie von den eingegangenen Lieferungsverpflichtungen befreien sollte! Unwidersprochen steht fest, daß die Werft nicht in der Lage war, das in Arbeit befindliche Schiff„Ersatz Württemberg" rechtzeitig fertigzustellen. Selbst bei aus gedehntester Ueberzeitarbeit wäre es nicht möglich gewesen, die Arbeit bis zum Liefertermin zu bewältigen. Daher wurde der Verdacht laut, die Werftdircktion suche nach einem Vor wand, um einen Anspruch auf Verlängerung der Lieferzeit zu haben und Nachlaß der der wirkten Konventionalstrafe zu erhalten! Und diesen Anspruch wolle sie mit der Arbeits unter- b rechung begründen, die sie selbst vorgenomuie» hat und die sie durch alles Maß übersteigende Ansprüche an die Arbeitskraft provoziert habe I Merkwürdigerweise geht die Direktion auf diesen, wie schon bemerkt, auch im„B. T." ausgesprochenen Verdacht bei ihrer in diesem Blatte gegebenen„Rechtfertigung" mit keinem Worte ein! Sachlich bestätigt sie in ihrer Erklärung, daß sie die Aussperrung der 7800 Mann vorgenommen hat, weil an einem Tage 271 und an einem anderen Tage 517 Nieter keine Ueberstunden geleistet haben. Dabei behauptet sie� lediglich, die Arbeit sei gerade dort nicht ge leistet worden, wo sie besonders dringend ge Wesen sei. Das mag vielleicht stimmen und fände darin seine Erklärung, daß gerade an diesen Stellen die bereits geleistete Ueberzeit die Grenze der Leistungs fähigkeit überschritten hatte! Wo aber ist da die Begründung für das moralische Recht der Vrotlosmachung von zirka 8000 Arbeitern? Die Oeffentlichkeit hat nunmehr das Urteil über de» mr geheuerlichen Terrorismus, über den beispiellosen Gewaltakt der Werftgewaltigea zu fällen! Sie„Gefährdung der Staatsiichcrljeit" durch die arlftokratKche Korruption. Die„Deutsche Tageszeitung" hat einen feinen Riecher für die Gefahren, die den Privilegien des Junkertums drohen. Sie hat ebensowohl wie die sozialdemokratische Presse deutlich erkannt, daß die Kette der Sensations- und Kor- ruptionsprozesse, die unsere Gerichte in Sachen der Harden, Moltke, Eulenburg und Konsorten beschäftigt haben, die Sicherheit unseres heutigen Junkertums gefährden. Das Oertelblatt hat er- kannt, daß die Wiederholung solcher Prozesse oder besser gesagt, daß die Oeffentlichkeit ähnlicher Skandalprozesse die Junker- Autorität und-Privilegien derart gcstlltrden würde, daß die Junkerherrschaft tatsächlich bedroht werfc« würde. Die„Deutsche Tageszeitung" veröffentlicht deshalb einen ihr von„juristischer Seite" zugegangenen Artikel, in dem bitterliche Klage darüber erhoben wird, daß über die Skandalosa des Eulen burgprozesses trotz des Ausschlusses der Oeffentlichkeit wegen an- geblicher„Gefährdung der Sittlichkeit" in der Presse berichtet worden sei. Wir haben schon mehrfach bemerkt, daß die „Deutsche Tageszeitung" selbst sich durch den Ausschluß der Oeffentlichkeit nicht hat abhalten lassen, über die Prozeß- Verhandlungen zu berichten. Aber nicht dieser heitere Widerspruch zwischen der Theorie und der Praxis des AgrarierorganS,� sonder» die Begründung seiner Forderung des absoluten Ausschlusses der Oeffentlichkeit darf hier das Interesse bean- spruchen.-.........!' Die„juristische Seite" des Oertel-Blattes erklärt, daß die Tatsache, daß über den Prozeß trotz des wegen angeblicher Ge- sährdung der Sittlichkeit erfolgten Ausschlusses der Oeffentlichkeit in der Presse Berichte erschienen seien, eine„zweifellose Lücke des Gesetzes" aufzeige. Der Gesetzgeber sei auf halbem Wege stehen geblieben. Man habe durch das Gerichtsverfassungsgesetz zwar für die Verhandlung die Oeffentlichkeit ausgeschlossen, nicht aber die Möglichkeit einer Berichterstattung für die Presse unterbunden. Da könne nur eins helfen. Der Artikel 1, Z 175, Absatz 2 der Novelle vom 5. April 1888, der bestimme, daß, wenn die Oeffentlichkeit wegen Gefährdung der Staatssicherheit ausgeschlossen worden sei, das Gericht den anwesenden Personen, also sämtlichen Prozeßbeteiligten, einschließlich der Zeugen und Sachverständigen, die Geheimhaltung der Ver- Handlung zur Pflicht machen könne, und der überdies Berichte über die Verhandlungen durch die Presse mit Strafe bedrohe, müsse auch auf diejenigen Verhandlungen ausgedehnt werden, bei welchen Ausschluß der Oeffentlichkeit nicht wegen Gefährdung der Staatssicherheit, sondern nur wegen Gefährdung der Sitt- l i ch k e i t erfolge!»u Die Sozialdemokratie ist, was kaum erwähnt zu werden braucht, auch Gegnerin des Artikels 1,§ 175, Absatz 2, wonach wegen„Gefährdung der Staatssicherheit" die Oeffentlich- keit ausgeschlossen werden kann. Läßt sich doch diese Bestimmung, die anscheinend nur einen Schutz diplomatischer oder militärischer Geheimnisse gegenüber dem Auslande darstellt, jederzeit kautschukartig derart ausdehnen, daß alle mög- lichen sogenannten Hochverratsprozesse der Kritik der Oeffentlichkeit entzogen werden können! Hatte doch auch der Reichsanwalt im Falle des Genossen Dr. Karl Liebknecht den Ausschluß der Oeffentlichkeit beantragt!— Es hieße akrer der sich hinter die sogenannte Staatsräson— in Wirklichkeit den Klasseninteressen der Herrschenden—> verschanzenden Willkür Tür und Tor öffnen, wenn der wegen der Gefährdung der Staatssicherheit mögliche Ausschluß der Oeffentlichkeit inklusive des Schweigcgebots aller in dem Prozeß Beteiligten auch auf andere Prozesse ausgedehnt werden könnte, bei denen es sich angeblich nur um Gefährdung der Sittlich- keit handelt I Bei den Gerichken über die Eulenburgiana ist auch nicht das Geringste mitgeteilt worden, was die Sittlichkeit zu gefährden geeignet gewesen wäre! Wohl aber enthalten diese Berichte mancherlei, was Beweis dafür ablegt, daß in den obersten und maßgebend st en Kreisen der sogenannten Staats- erhaltenden die Sittlichkeit nicht nur den ärgsten Gesähr- düngen ausgesetzt ist, sondern vielfach tatsächlich vergewaltigt wird! Das ist es auch gerade, was die Besorgnis der Junker und ihrer juristischen Handlanger erregt hat! Man weiß ganz genau, daß nicht die Berichte über die Eulenburgprozesse die Sittlichkeit gefährden, sondern die aristokratischen Lumpereien, die den Gegenstand derartiger Prozesse bilden. Man befürchtet eben, daß durch das Bekanntwerden der diesen Prozessen zugrunde liegen- den Tatsachen die„Staatssicherheit gefährdet" wird, das heißt die Sicherheit des preußischen� Junkerstaates, dessen vornehmste Träger durch derartige Prozesse alS bis ins Mark zer- morschte Stützen der sogenannten heutigen Ordnung entlarvt werden!........ V .. Das und nichts anderes ist der Zweck der juristischen Stilübung 10 dem führenden Organ der preußischen Junker. Es versteht, sich Von selbst, daß. diesem Besttcbeü, eine angebliche Lücke des Ge-] setzes auszufüllen, von allen Verfechtern einer ehrlichen öffentlichen j Moral der schärfste Widerstand entgegengesetzt werden muß!. Harmonie Zwischen Arbeitgebern und flngesteiiten. •* Der Gewaltstreich des Verbandes Bayerischer In- dustriellerhat eigentlich von keiner Seite Zustimmung erfahren; im bayerischen Landtage, im Münchener Gemeindekollegium und auf den verschiedensten politischen Tagungen fand das Nürnberger Heldenstücklein seine entschiedene Ablehnung. Auch in der Presse hat man mehr oder minder temperamentvoll der dortigen Unter- nehmerclique den Text darüber gelesen, daß sie mit ihrem Vorgehen nichts erreicht, sondern nur agitatorisch für die Sozialdemokratie sich bemüht.- Nur einige wenige Zeitungen erlaubten sich, eine feindliche Haltung den Angestellten gegenüber einzunehmen, und zwar die „Arbeitgeber-Zeitung",„Die Post", die„Schlesische Zeitung" und nicht zuletzt die„Deutsche volkswirtschaftliche Korrespondenz", Wenn man sich die Mühe gibt, diese Hetzartikel nach Form und Inhalt näher zu untersuchen, und sie vergleicht mit der famosen„Begründung", die dem bekannten Nürnberger Ukas vom 3. Juni beigefügt wurde, dann liegt der Gedanke nahe, daß es sich hier wohl um die gleiche Verfasserschaft handelt. Als der Ex- Staatsanwalt Dr. Emil Guggenheimer, der aus ge- wissen Gründen den Staub Münchens von den Füßen schütteln mußte, und der Rechtsanwalt König, der sich seine Sporen als jungliberaler Parteiführer verdient hatte, von„höherer" Seite den Auftrag erhielten, der Gewerkschaftsbewegung der Angestellten nun einmal mit einem Radikalmittel beizukommen, da hatten beide Ehrenmänner wohl das Bestreben und den Ehrgeiz, gleich ganze Arbeit zu machen und ihre Ergüsse bei der ihnen befreundeten Presse abzuladen. In fast sämtlichen Artikeln dieser Art wird zunächst der Ver- such gemacht, den Bund der technisch-industriellen Beamten als eine sozialdemokratische Gewerkschaft hinzustellen; die Absicht ist klar ersichtlich, man appelliert an den Rotkoller gewisser Kreise, um den Angriff auf einen Punkt zu lenken. Wir haben nun keinen Zweifel darüber gelassen, daß wir selbst die Angestelltenorganisation, um die es sich hier besonders handelt, trotz aller radikalen Anwandlungen im Grunde genommen doch für eine gut bürgerliche Bewegung halten. Im Gegenteil könnten von unserer Seite zu manchem Programmsatz sehr ein- gehende kritische Randbemerkungen gemacht werden. Wenn wir z. B. das konstitutionelle Fabriksystem und die Gewinnbeteiligung der Arbeit loben hören, dann denken wir an die Diskussionen, die wir im Laufe der letzten Jahrzehnte darüber mit manchem „Sozialreformer" geführt haben. Wir würden beim Thema Be- amtenausschüsse auf die Erfahrungen hinweisen, die auf diesem Gebiet der Arbeiter mit ihren Arbeiterausschüssen gemacht haben, und zu der Frage der Arbeitskammern gehen unsere Ansichten von denen des Herrn Sohluhs doch in einigen wesentlichen Punkten auseinander. Aber wir haben keine Veranlassung, uns in eine Polemik einzulassen. Die gemachten Reformvorschläge werden bei ihrer Realisierung durch die Praxis ohnehin revidiert werden müssen. Das Unternehmertum glaubt ja auch selbst nicht an die „MqlffjsisHx T.cchnikergewer.kfchaft"; man will mit diesem Scheixi-. Manöver nur die Aufmerksamkeit von sich ablenken und den wahren Sachverhalt verschleiern. Den Höhepunkt von Unverschämt- heit erreicht auch darin ein Artikel, der in der„Deutschen volkswirtschaftlichen Korrespondenz" erschienen ist. Der Verfasser hat darin die Dreistigkeit, die Mitglieder des Bundes der technisch-industriellen Beamten zu beschimpfen, indem sie als „meistens sehr junge, oft höchst unreife Jünglinge" hinstellt. Wer denkt 5abei nicht an gewisse Vorgänge, die sich seinerzeit in der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft zugetragen haben I Als die Ingenieure sich anläßlich des damaligen Elektro-Streiks als Streik- brecher gebrauchen ließen, erhielten sie von dem Allgewaltigen, dem Generaldirektor R a t h e n a u, ein huldvoll gehaltenes Belobt- gungsschreiben zugesandt; als sie einige Monate später die Un- Verschämtheit hatten, eine Petition an die Direktion zu richten, wurden sie als„Ochsen und Esel" bezeichnet. Der Angestellte hat sich eben als Gnadenkind des Unternehmers zu betrachten und sich dieser Gunst würdig zu zeigen. Wie sich der Arbeitgeber das Verhältnis zwischen Unternehmer und Angestellte wünscht und erhalten möchte, das geht� aus einer Litanei der„Arbeitgeber-Zeitung" hervor, die wir in einigen Stellen doch hier wiedergeben wollen:- «Man verkehrt die Naturordnung in ihr Gegenteil. Nicht mehr die Geleiteten sollen für die Leiter, sondern die Leiter für die Geleiteten vorhanden sein, nicht mehr die Herde soll dem Hirt, sondern der Hirte der Herde folgen. Staat, Gemeinde, Fabrik, Geschäftsunternehmen, alle sind nur auf der Welt, um dem Arbeitnehmer«in bequemes und sorgloses Dasein zu garantieren. Vom Minister bis zum kleinsten Bureauchef, vom Generaldirektor bis zum Werksührer hat jeder Vorgesetzte die verfluchte Pflicht und Schuldigkeit, alle Maßnahmen nur unter dem Gesichtswinkel zu treffen, wie derart das Behagen und die Bequemlichkeit der Angestellten gefördert werden kann. Wo aber solche Rücksichten die Herrschaft gewinnen, ist es zu Ende mit der Arbeitstreue des Unternehmers, mit der Autorität des Arbeitgebers. Dieses Aufbäumen der Untergebenen gegen die Vorgesetzten, der Geleiteten gegen ihre Leiter ist ein charakteristisches Symptom der gegenwärtigen Geistesrichtung, einer gefährlichen destruktiven Geistesrichtung, die darauf ausgeht, jede Ordnung zu unter- graben und jede Disziplin unmöglich zu machen. Die Masse der Geleiteten, befangen in sozialistischen, gleichmacherischen Hirn- gespinsten, will nichts mehr über sich dulden, sie will der Autorität, der Auswahl der Tüchtigsten ein Ende bereiten. Vergessen ist das schöne Wort, daß, wer selber kein Ganzes ist, sich dienend an ein anderes Ganze anlehnen soll. Verspottet wird die Treue, die Hingabe des Untergebenen an seinen Vorgesetzten, als Knecht wird gescholten, wer sich seines Dienstes rühmt und seinen Stolz darin sucht, ein treuer Diener seines Herrn zu sein." Aber auf diesen Erguß in der letzten Nummer hat schon die �Jugend" geantwortet, die folgende Poetische Klage ertönen läßt: Wo ist die patriarchalische Zeit, Sie streben ftevelnd nachKoalition, Die schöne, die herrliche, gute, Denn jede Scham ist geschwunden, Da der Herr als oberste Obrigkeit Sie wollen— das Pack!— einen Noch den Knecht dressiert mit der Mindestlohn Knute? Und Neglung der Arbeitsstunden! Ach Gott, wie so manches Ideal Ist auch das Faustrecht ent» schwundenl Es bat in Gewerkschaften— o Skandal I—- Das Arbeitsbolk sich verbunden. Und jetzt„erniedrigen" sich sogar ur Einigkeit, welche Mi,ere I Der Handlungsgehilfen schändliche Schar, Die Techniker. Ingeieu«. Sie haben sich auf einmal erfrecht, Zu trachten nach besserem Leben Und ihrem gesetzlich verbürgten Recht Auch praktischen Ausdruck zu geben! Ja. ja, eS ist eine schreckliche Zeit, Und daS Herz der Edelsten blutet! Wo bist du. du schöne Ver- gangenheit, Wo der Herr den Knecht noch geknutet? t politifcbe CUbcrlicbr. Berlin. Ben 21. Juli 1908. Württemberg und die Elekttizitätssteuer. ' Es ist leider nicht mehr daran zu zweifeln, daß neben Baden auch Württemberg das Projekt einer Reichs-Elektri- zitätssteuer unterstützt, im Gegensatz zu Bayern! Zur Ehre der württembergischen Regierung muß angenommen werden, daß übermächtige Einflüsse die Regierung zur Nachgiebigkeit den Berliner Wünschen gegenüber gezwungen haben. Daß die Elektrizitätssteuer die Interessen des Landes schwer schädigt, darüber dürften sich auch die württemberger Staatsmänner klar sein. Das Land fördert keine Kohlen. Schiffbare Wasserwege sind nicht vorhanden. Jeder Brocken Kohle muß per Achse ins Land ge- bracht werden, wie das Eisen auch. Die württembergische In» dustrie hat demgemäß einen schweren Stand gegenüber der Kon- kurrenz. Die Neckar-Kanalisation, ein Projekt, das endlich greis- bare Gestalt anzunehmen beginnt, soll die Konkurrenzkraft der Industrie steigern durch Schaffung eines billigen Wasserweges, weiter durch die Gewinnung starker Wasserkräfte zu Elektrizitätszwecken. Ueberdies sollen die natür- lichen Wasserkräfte der Erzeugung elektrischer Kraft dienstbar gemacht werden. Großindustrie und Handwerk, Staat und Ge- meinde sind gleichermaßen daran interessiert, daß die„weiße Kohle" nicht versteuert werde. Die Landwirtschaft desgleichen. Ländliche Gemeinden haben sich zu„E l e k t r i z i t ä t s- G e n o s s e n- schaften" zusammengeschlossen, um billiges Licht und billige Kraft für den landwirtschaftlichen Betrieb zu erhalten. Tie Elektrizitätssteuer wird diese Entwickelung hindern. Es gibt kaum eine Steuer, die so sehr geeignet ist, Württemberg mit seinen eigenartigen Verhältnissen in der Entwickelung zurück- zuwerfen, als gerade die Elektrizitätssteuer. Der Trost, daß die Steuer nur gering sein werde, ist wenig stich- haltig. Ist sie einmal eingeführt� so wird sich ihr Wachstum nicht aufhalten lassen. Die württembergische Regierung wird im Landtag einen schweren Stand haben bei der Verteidigung ihrer Stellung. Eine erdrückende Mehrheit, von der Sozialdemolratie bis zum Bauern- bund, dürfte sich gegen die Steuer aussprechen. Sozial- demokratie und Volkspartei sind ohne weiteres Gegner der kulturwidrigen Steuer. Die nationalliberale Partei muß Rücksicht nehmen auf Großindustrie und Großgrundbesitz. Der Bauernbund will den ländlichen Gemeinden die elektrische Kraft nicht verteuern lassen. Das Zentrum weiß, daß nur die Ausbeute der Wasserkräfte die Entwicklung des armen, wirtschaftlich zurückgebliebenen Oberlandes kräftig fördern kann. Es dürfte sich also eine erdrückende Mehrheit dem Projett einer Reichselektrizitäts- steu.er widersetzen«_ Preußischer Polizei-Absolutismus. " In dem schleswig-holsteinischen Städtchen Uetersen lebt seit Jahren der dortig« Bürgermeister und Polizeiverwalter Muus mit der Arbeiterschaft im offenen Kriege. Wiederholt ist der Herr mit seinen Klagen und Strafmandaten vor Gericht abgeblitzt, das hindert ihn aber nicht, immer wieder die politische und gewerkschast- liche Arbeiterbewegung am Ort mit den Liebenswürdigkeiten vor- märzlichen echt-preußischen Polizeigeistes zu verfolgen. Nun hatte Herr Muus vor einiger Zeit zur größten Verblüffung der Ueterscner Ar- beiterschaft den zum G e w e r k s ch a f t S f e st e geplanten o f f e n t- lichen Umzug erlaubt. Aber ehe noch die Arbeiter sich von ihrem Erstaunen über die plötzliche Sinnesänderung ihres Wider- sachers erholt hatten, kam der verblüffende Gegenschlag: das G e» werkschaftsfest selbst wurde nämlich verböte �n. Zur Stütze des Verbots wurden wieder die alten Ladenhüter preußischer Polizcistubcn herbeigeschleppt, die gefährdete Ordnung und öffentliche Sicherheit, also Argumente, die die für den preußi- scheu Polizcigeist unschätzbare Nebenwirkung haben, daß sie in seinen Opfern außer dem Gefühl der Vergewaltigung, das blutiger Ver- höhnung wachrufen müssen. Neu an dem Verbot des Herrn Muus war nur der Umstand, daß er die Gefährdung der öffentlichen Ord- nung usw. aus der Ankündigung des Festes selber herleitete. Auf den Plakaten des Gewerkschaftskartells hieß es nämlich, daß n u r Mitglieder der Gewerkschaften und von diesen eingeführte Gäste Zutritt hätten. Mit polizeilicher Logik deduzierte Herr Muus aus dieser Bemerkung, daß das Fest ein öffentliches sein sollte! Im Anschluß an dieses Verbot wurde nun auch die Genehmigungdes Umzugeszurück- gezogen. Das geschah mit folgender origineller Begründung: „.... Auf Grund dieser Entwickelung der Sachlage(des Verbotes des Festes) ist mit Recht für den Fall, daß der beab- sichtigte Festzug... abgehalten wird, eine Störung der öffcnt- lichen Sicherheit zu befürchten." Es Wird also unverblümt zugegeben, daß nicht durch den Fest- zug, sondern allein durch das Verbot der Polizeiverwaltung die Sicherheit gefährdet wird. Und dies stimmt denn auch ganz genau! Bis jetzt haben alljährlich in Uetersen Gewerkschaftsfestc stattgefunden, und kein einzige? Mal ist der geringste Verstoß wider die öffentliche Ordnung passiert. Was helfen also in Preußen alle „freiheitlichen" Vereins- und Versammlungsgesetze, wenn die Exekutive im Land einfach über sie zur Tagesordnung ub er- geht und weiterwirtschaftet, wie sie vor dem Erlaß des neuen Gesetzes, und schon bor hundert Jahren, gew>rt,chastet hat?! Antisemitische Wahlrechtöseinde. Zu den Gründern der. Deutschsozialcn Partei gehört neben Liebermann von Sonncnbcrg ein gewisser Theodor F r i t s ch, der in Leipzig eine Zeitschrift herausgibt, die den kcrn-teutschen Titel: „Hammer" führt. Antisemit Fritsch hämmert mit Vorliebe auf dem Reichstagswahlrccht herum. Im Juniheft seines Organs führt er aus: „Hat die Gesellschaft sich doch bis zu dem Wahnsinn des allgemeinen gleichen Wahlrechts verstiegen, um ja in jedem Blödling den Größenwahn zu erwecken, daß er den Höchsten des Menschengeschlechts gleich stehe— natürlich auch in seinen Ansprüchen... Ter Volkswille ist krank, und es kann heute nichts gefährlicheres geben, als diesem kranken Volke allen Willen zu tun, ihm das Sclbstbcstimmungsrccht zu lassen. Es müßte schon jemand mit väterlich milder Strenge dieses Volk unter seine Obhut nehmen, UM es gegen seinen Willen wieder gesund zu machen." Dieselben Antiscmiteriche schwören bei Wahlen Stein und Bein, daß sie die zuverlässigsten Hüter des Reichstags- Wahlrechte« seien. Allerdings nimmt diese Gesellschaft kein den- lender Mensch mehr ernst._ Das Recht auf die Straße. Die Probinzialvcrsammlung des rheinischen Haupivereins des Evangelischen Bundes hat sich gegen das U e b e r h a n d n e h m c n der katholischen Prozessionen gewendet, die heut- zutage insbesondere in Großstädten und belebten Orten zu un- erträglichen Verkehrshindernissen geworden seien. Hierzu bemerkt die ultramontane„Trierische Landcszcttung": „Jede Gauklerbande darf ihren öffentlichen � Aufzug und Umzug halten, jeder Radfahrcrllub mit beliebig vielen Bruder. vereinen einen Korso veranstalten, die internationalen Automobil» Klubs dürfen im Zeitalter des Verkehrs ihre Wettrennen ver- anstalten, jede Karnevalsgesellschaft darsi an den drei Karne- balstagen ihre Wagenfahrtcn durch große und kleine Städte und Dörfer halten, das alles stört den Verkehr auf den Straßen nicht, nur die Fronleichnamsprozessionen sind„unerträgliche Vcr- kehrshindernisse", sogar dann, wenn sie sich, wie in Saarbrücken, nur um die Mauern der katholischen Kirche bewegen l" : Wir erinnern uns nicht, daß das Zenkrum, das hier für Sie Kirche das Recht auf � die Straße prollamiert, mit gleicher Entschiedenheit dieses Recht auch für diepolitischenPar- teien gefordert hätte! Im Gegenteil war das Zentrum an der Spitze der Schreier, die den Sozialdemo� traten das Recht wehrten, für das Wahlrecht der Straße zu demonstrieren,—'x Sozialdemokratische und reichsverbäudlerische Uebeltäter. Wir gedachten dieser Tage eines Betrugs, den der Reichslügen- herband an der ihm ergebenen Presse verübt hat. Denn anders als Betrug kann man es nicht nennen, wenn der Reichsverband den Ordnungsblättern eine Liste von 24 sozialdemokratischen und frei- gewerkschaftlichen Uebeltätern unter dem ausdrücklichen Vorgeben aufschwatzt, daß die gerichtliche Bestrafung sozialdemokratischer Verbrecher sich in der letzten Zeit außerordentlich häufe, und hierbei die ihm wohlbekannte Tatsache verschweigt, daß die Straf- taten, um die es sich hier in der Liste handelt, zum Teil jahrelang zurückliegen. Denn die Reichsverbandskorrespondenz kann sich nicht damit herausreißen, daß ihr die Daten der in ihrer Liste auf- gezählten Bestrafungen nicht bekannt gewesen sind, da sie z. B. des Falles I a n z o l t- Janzhk, den wir herausgriffen, in ihrer Nr. 32 vom Mai 1907 erwähnt hat, und zwar unter ausdrück- lichem Hinweis darauf, daß von der„Rheinisch-Westfälischcn Zeitung" am 19. Oktober 1905 die Verurteilung mitgeteilt worden sei. Wir drehten bekanntlich den Spieß um, indem wir allein aus dem letzten halben Jahr fünf betrügerische Reichsver- bändler namhaft machten und an dieser Aufstellung nachwiesen, daß zwar überall Lumpen in der Welt herumlaufen, aber an der eigenen Praxis des Reichsverbandes gemessen, in dieser ehren- werten Gesellschaft elf- bis zwölfmal so stark vertreten sein müssen als in der Sozialdemokratie und den freien Gewerkschaften. Aber letzt stellt sich heraus, daß wir falsch gerechnet haben, und daß man den politischen Gegner, wenn es sich um den Reichsverband handelt, in moralischer Hinsicht immer noch zu hoch einschätzt. Heute wird uns mitgeteilt,'daß der erwähnte Fall Janzhk durch- aus noch nicht am weitesten zurückliegt. Der ebenfalls in der Liste des Reichsverbands angeführte Schuhmacher Christian Müller ist in Mühlheim a. Rh.— schon gut anderthalb Jahre vor Janzhk — nämlich im Februar 1994 wegen Unterschlagung von Zeitungs- geldern zu 7 Tagen Gefängnis verurteilt worden. Setzt man diesen Fall Müller als den am weitesten zurückliegenden und stellt hiernach den Prinzipien des Reichsverbandes gemäß eine Rechnung auf. dann ergibt sich, daß unter den Reichsverbändlern die Ver- trauensbrüche nicht elf- oder zwölfmal, sondern achtzehnmal stärker sind als unter den sozialdemokratischen und freigewerk- schaftlichen Arbeitern. Hierbei ist noch des weiteren in Betracht zu ziehen, daß die Arbeiter in derartigen Dingen keinen Spaß verstehen, sondern streng für öffentliche Aufde.ckung von Verfehlungen sorgen. Ob dies unter den Ord'nungs- brüdern allemal der Fall ist. wollen wir, wo der Reichsverband sich mit seiner sozialdemokratischen Verbrecherliste so arg hinein- gelegt hat, des christlichen Mitleids voll, für diesmal dahingestellt sein lassen.—_ Schweiz. Die Auslieferung Wassiliesfs. Aus Zürich wird uns geschrieben: Die„Neue Züricher Zeitung" veröffentlicht einen längeren Bericht über die Verhandlung deS Bundesgerichtes gegen Wassilieff. Man erfährt da, daß- die russische Re- gierung den Fall Wassilieff erst als politisches Delikt durch administrative Verfügung dem Militärgericht zur Aburteilung übertragen hatte. Nun änderte sie ihr Verfahren und verlangte von der Schweiz., die AuslieferurtK Wassili es ss weßen eines- iti fccnr Polizeimeister in Pens» begangenen„gemeinen Mordes" und gab die Zusicherung, daß er nicht wegen eines politischen Delikts verfolgt und nur durch die ordentlichen Gerichte abgeurteilt werden solle. Es ist also in Rußland vorteilhafter, ein gemeiner, statt ein sogenannter„politischer" Verbrecher zu sein. Wassilieff und sein Verteidiger Dr. Willemin in Genf be- Haupteten demgegenüber den politischen Charakter der Tat und sie wurden darin unterstützt von Gutachten der angesehenen Advokaten Lachenal, früher Bundesrat, und Borel, beide in Genf, ferner zweier Rechtsgelehrter in Brüssel sowie der französischen„Ligue des Droits de l'Homme in Paris". In der Rechtsschrift des Ver- teidigers ward ferner ausgeführt, daß der Polizeimeister von Pensa sich durch besondere Brutalität gegen das Volk hervorgetan habe, weshalb er denn auch nebst zwei anderen Beamten auf Befehl des revolutionären Komitees hingerichtet worden sei. Vor dem Vundesgericht entspann sich nun über die Frage, ob die Handlung Wassiliesfs als ein p o l i t i s ch e s oder als ein gemeines Delikt zu betrachten sei, eine sehr lebhafte und interessante Diskussion. In einem Falle, wo ein und dieselbe Handlung zugleich Merkmale des politischen und des gemeinen Verbrechens an sich trägt, es sich also um ein komplexes politisches Delikt handelt, hat das Bundesgericht gemäß Art. 19 des Aus- lieferungsgesetzes nach freiem Ermessen zu prüfen, ob die einen oder die anderen dieser Merkmale überwiegen. Das Bundes- gericht schied sich in eine Mehrheit und Minderheit. Die letztere war der Ansicht, daß die Ermordung des Polizeimeisters von Pensa als ein politisches Verbrechen zu betrachten sei. In subjektiver Beziehung müsse darauf verwiesen werden, daß Wassilieff der revolutionären Partei angehörte und in deren Auf- trag den Polizeimeister, gegen den er keinerlei persönliche Gründe zu Haß und Rache gehabt habe, ermordete. Dies geschah zu dem Zwecke, um unter den unmenschlichen russischen Beamten Schrecken zu verbreiten, sie zu einer gerechteren und humaneren BeHand. lung des Volkes zu zwingen und so in letzter Linie die Organi- sation des Staates zu bessern. In objektiver Beziehung sei zu sagen, daß das von Wassilieff gewählte Mittel keineswegs un- geeignet sei, um den erhofften Zweck zu erreichen; denn die Er- mordung des Polizeimeisters von Pensa sei nicht für sich allein, sondern im Zusammenhang mit anderen ähnlichen Handlungen zu betrachten, und es sei kaum zu bezweifeln, daß verschiedene der in Rußland bereits durchgeführten Reformen, so die Schaffung des Parlaments, auf den in dieser Weise kundgetanen Widerstand des Volkes gegen die Willkür zurückzuführen seien. Die Mehrheit des Gerichtes war ebenfalls der Meinung, daß Wassilieff unzweifelhaft des Glaubens gewesen sei und die Absicht gehabt habe, ein politisches Verbrechen zu begehen; allein in objektiver Beziehung fehle es an dem unbedingt nötigen Zusammenhang zwischen seiner Tat und der Möglichkeit einer Um- änderung der bestehenden Staatsform. Denn die Ermordung eines in ziemlich untergeordneter Stellung befindlichen Polizeibeamten sei ohne allgemeine Bedeutung für das gewaltige russische Reich. dessen Organisation und Verwaltung; der Fall liege somit durch- aus analog wie derjenige Kilatschitskys, der den Direktor der Weichselbahn auS ähnlichen Gründen ermordet hatte, wie Wassi- lieff den Polizeimeister, bei dem aber ebenfalls die Annahme des politischen Verbrechens abgelehnt worden sei. Vielmehr sei die Tat einerseits als ein R a ch e a k t für die vom Polizeimeister an den Tag gelegte Härte zu betrachten, und ihr Zweck sei einzig der, Furcht und Schrecken zu verbreiten. Nun sei aber schon bei Erlaß des Auslieferungsgesetzes die Absicht des Gesetzgebers ausdrücklich dahin gegangen, die Terroristen von der Wohlfahrt des Art. 19 auszuschließen und auch das Bundesgericht KAhe von ieber diese Aüss�Fung geteilt..Es sei schließlich guch noch darauf zu verweisen, daß bei einem noch so unreifen, kaum dem i Knabenalter entwachsenen Menschen wie Wassilieff kaum eine ge- festigte politische Uebcrzeugung angenommen werden dürfe. Immer- hin rechtfertige es sich, die russische Regierung bei ihrem Zugeständ- nis, daß Wassilieff wegen keines politischen Deliktes verfolgt und vor kein Ausnahmegericht gestellt werden solle, ausdrücklich zu behasten. Demnach besteht am schweizerischen Bundesgericht eine Mehr- heit für die grundsätzliche Auslieferung von„Terroristen" an Ruß- land, wobei sie selbst den Begriff willkürlich konstruiert. Das, was die Mehrheit zur Begründung ihres Standpunktes vorgebracht hat, ist kleinlich und unsäglich spießbürgerlich engherzig. Es ist eine Gesellschaft von Spießbürgern, die unter mißbräuchlicher Aus- Nutzung ihrer Machtstellung das schweizerische Asylrecht vollends erdrosseln und die so mit seinen letzten Resten aufräumen. Der Korrespondent der„N. Z. Ztg." ist damit sehr ein- verstanden, indem er dazu bemerkt:„Hätte das Urteil im um- gekehrten Sinne gelautet, so würden wohl noch verschiedene Ge- sinnungSgenossen Wassiliesfs sich unser Land als Zufluchtsstätte ausersehen haben." Das durfte nicht sein und so erniedrigte man die demokratische Republik zum verächtlichen Büttel der in Rußland herrschenden Verbrecherbande in demselben Augenblicke, da der achtzigjährige Tolstoi sie vor der ganzen Kulturwelt auf die Anklagebank schleppt! Die 15000 Proletarier, die am Sonntag nachmittag in Außer- sihl die Brandmarkung des bundesgerichtlichen Schergendienstes durch unseren Genossen Greulich mit einem zustimmenden, die Luft erschütterndem„Pfui!" begleiteten� haben auch ihr Urteil über die Schergen in Lausanne gefällt. England.* Kriegsrüstuna statt Sozialpolitik. London, 20. Juli. Oberhaus. Bei den Verhand- lungen über das Alterspensionsgesetz übte Lord C r o m e r, der frühere Vizekönig von Aegypten, Kritik an der Vorlage vom finanziellen Standpunkt aus und erklärte, es würde eine Zuschlagsbesteue- r u n g direkt oder indirekt eingeführt werden müssen, um den Aufwand zu decken, den das Gesetz er- fordern würde. In den gegenwärtigen Zeitläuften sei es die vornehmste Pflicht der Regierung, mit ihren H i l f s- quellen hauszuhalten und sich auf jede mögliche Weise auf einen europäischen Konflikt vor- zubereiten, der hereinbrechen könnte, bevor viele Jahre vergangen seien.„Wir leben in einer Zeit, wo der Einfluß des Individuums begrenzt ist. Wenn die nationalen Jnter- essen auf dem Spiele stehen und die Leidenschaften entflammt sind, ist die Gefahr vorhanden, daß ein Z u s a m m e n st o ß sich ereignet, so friedlich auch die Absichten der Regierenden sein mögen." Nach seiner Meinung würde, wenn das Gesetz angenommen werde, die Sache des Freihandels ge- fährdet sein, und dies würde die wirtschaftliche Kluft zwischen England und den auswärtigen Nationen erweitern und die Möglichkeit eines Zusammenstoßes erhöhen. Lord Rose- bery und mehrere konservative Redner kritisierten das Gesetz gleichfalls. Lord Lansdowne schloß sich den Kritiken der Maß- regel und ihrer möglichen Folgen für die finanziellen Hilfs- quellen des Landes an, erklärte aber, �er. würde nicht gegen 1>a�Gefetz skimmen, für das die Regierung die ausschließliche Verantwortung zu übernehmen habe.� Lord C r e w e a»- klärte, weder dieser noch irgendein anderer Aufwand von feiten der Regierung würde für den Augenblick erlaubt sein, da er möglicherweise die eigene Verteidigung des Reiches störend beeinflussen könnte. Das Gesetz wurde hierauf mit i23 gegen 16 Stimmen in zweiter Lesung ange- nommen.__• Das Rüsten zu Lust. Lonbqn, 2t. Juli. Unterhaus. Gretton(konservativ) fragte, ob die Aufgaben der Luftschiffahrt von dem Komitee der nationalen Verteidigung in Betracht gezogen, ob Seeoffiziere um Rat gefragt wurden und ob beabsichtigt sei, alle Versuche im Einvernehmen mit der militärischen Behörde zu unternehmen. Schatzkanzler A s q u i t h antwortet, diese An- gelegenheit siehe jetzt in hervorragendem Grade im Gesichtskreis sowohl der Flotten- wie auch der Heeresverwaltung. Es könne aber augenblicklich nicht erwünscht sein, mehr zu sagen, als daß die Frage sowohl die Aufmerksamkeit der Militär- wie der Flottenbehörden in Anspruch nehmen und daß beide bei den Beratungen Hand in Hand gehen werden.— Rußland. Verurteilung eines sozialdemokratischen Abgeordneten. Der sozialdemokratische Dumaabgeordnete K o s s o r o t o w, der am 31. Mai von der Dumamajorität der Regierung aus- geliefert wurde, ist vor einigen Tagen von der Delegation des Kasaner Appellhofes zu elf Monaten Gefängnis per- urteilt worden. Genosse KossoroioW war bekanntlich angeklagt, auf dem Wege nach Petersburg auf der Station Jursan eine«auf- rühererische" Rede vor den versammelten Arbeitern gehalten zu haben. Die Anklage stützte sich hauptsächlich auf folgende Aeuße- rung, die er angeblich während seiner Rede getan haben soll:„Ihr sollt der Obrigkeit nicht Folge leisten, und auf die Männer in den grauen Soldatenmänteln muß geschossen werden." Alle Zeugen bekundeten, daß der Angeklagte diese Worte nicht gebraucht hatte, und der Angeklagte selbst berief sich unter Hinweis auf seinen Parteistandpunkt darauf, daß er als Sozialdemokrat diese Aeuße- rung nicht getan haben konnte, weil er ein Gegner terra- ristischer Aktionen gegen die Regierung, insbesondere gegen Soldaten sei. Als einziger Belastungszeuge trat der tatarische Landpolizist Obdulgafarow auf, der der russischen Sprache so wenig mächtig war, daß er die inkriminierte Aeußerung selbst vor Gericht nicht wiederholen konnte. Und trotzdem fällte das Gericht das ungeheuerliche Urteil. Eine charakteristische Einzelheit: Der Staatsanwalt begann seine Rede mit den Worten:„Meine Herren Richterl Sie brauchen sich mit der Frage über die Schuld Kossorotows nicht lange zu beschäftigen, denn er ist bereits von der Reichsduma schuldig befunden worden." Genau so argumentierte die Dumamajorität, die auf die Einzelheiten der Anklage nicht näher einging, sondern die letztere selbst als genügend bezeichnete, um den Angeklagten auszuliefern. Man sieht: die Logik der Herrenduma und der Staatsanwälte ergänzt sich gegenseitig.— Verewigung des Ausnahmezustandes. Petersburg, 21. Juli. In der Stadt und in dem Gouvernement Petersburg ist der außerordentliche Schutz um sechs Monate verlängert, in der Stadt und in dem Gouvernement Charkow ist der Kriegszustand durH den verstärkten Schutz er- setzt worden.»»' Ein Dementi. Nauheim, 21. Juli. Die Meldung vom T o d e dcI A d m i r a l s Roschdjeltwens.ky bestätigt sich nicht.-* y ZürM. Tie iungtürkischc Bewegung. Aus Saloniki erfährt die„Frankfurter Zeitung": Nß Bey von R e s n a, gegenwärtig in Starona, ersuch.. Hilmi Pascha drahtlich um Vermittlung beim Sultan für Erreichung einer Konstitution. Wie er mitteilt, geht er jetzt nach Epirus, um dort die Bevölkerung für die Revolution vorzubereiten. Neue Attentate. London, 21. Juli. Nach Meldungen hiesiger Abend- blätter aus Saloniki griffen vier junge türkische Offiziere, die zur Besatzung von S e r e s gehören, ihren O b e r st an und töteten ihn nach einein hartnäckigen Kampfe, in dessen Verlauf auch die Angreifer schwer ver- wundet wurden. Der Oberst wurde später mit 32 Wunden aufgefunden. Die Mörder sind entkommen. Sie gehören sämtlich der j u n g t ü r ki s ch e n Partei an, und der politische Charakter des Verbrechens ist zweifellos. Konstantinopel, 21. Juli. Die jungtürkischen Drohakte und Attentate im Bereiche des dritten Korps in Saloniki dauern fort. In den letzten Tagen ist der Oberstleutnant Mazim in Saloniki verwundet, ein Kavallerie-Oberstleutnant in Serres und der Mntessarif von Dibre sind ermordet worden. Keine Amnesti. Saloniki, 21. Juli. Das jungtürkische Komitee hat das Amnestiedekret des Sultans mit dem Bemerken zurückgewiesen, dasselbe bezwecke, sich auf bequeme Art der jungtürkischen Offiziere zu bemächtigen. Indien. Die Streikenden. Bombay, 20. Juli. Nach den bisherigen Feststellungen ist bei dem heutigen Zusam in en stoße zwischen den ausständigen Spinnereiarbeitern und dei Polizei ein Eingeborener getötet worden, während sieben andere Verletzungen davongetragen haben. Marokko. Abdul Asis. Paris, 21. Juli. Wie General D'Amade unter gestrigem Datum aus Casablanca telegraphiert, lagerte die M a h a I l a des Sultans Abdul Asis am 19. d. Mts. am Oued Derda. Die Notabeln des Mdakra-Stammes sollen Fes.verlassen haben, UM sich Abdul Asis zu unterwerfen.— Hub der Partei. Tagesordnung des Parteitages. Genosse Singer, der sich bekanntlich einer Augenoperation unterziehen mußte, ist soweit wieder hergestellt, daß er im konunenden Winter seine parlamentarische Tätigkeit wieder voll aufnehmen kann. Für die nächsten Wochen soll Genosse Singer auf Wunsch des Arztes seine Augen noch schonen. Der Parteivorstand hat deshalb dem Genossen Geher des Parteitagsreferat über die Reichsfinanzreform übertragen._ Der Svzidkdemottatische Verein für den 13. sSchfischen'UAßWM?� Wahlkreis(Leipzig-Land) hielt heute feine Jahresgencralverfaminluua im Bolkshause gedrucktei-GeschäftSbericht ist zu entnSWrttw* daß diese große politische Organisation auch im verflossenen Jahre wiederum große Fortschritte gemacht hat und daß eine große Tälig- keit auf allen Gebieten entfaltet wurde. Die Mitgliederzahl betrug am t. Juli 1907 20 710, davon waren 2434 weibliche Mitglieder, am 1. Juli 1908 23 702, davon 2940 weibliche Mitglieder, eine Mitgliederzunahme von 2940 gleich 14 Prozent. Die Abonnentenzahl der„VolkSzeitung" für den Kreis betragt 3S 085. Die Gesamteinnahme der 92 Ortsvereine, aus denen sich die Kreis- organisation zusammensetzt, beträgt im Geschäftsjahr 1908 127 911,33 M„ die Ausgabe 113 144,13 M., an die Kreishauptkasse wurden 99 923,80 M. abgeliefert. Die Ortsvereine hielten im ver- flossenen Jahre 779 Vereinsversammlungen ab, wozu noch 197 öffent» liche Versammlungen kommen, die vom Agitationskomitee mit dem Vereinsvorstand einberufen worden waren. Zur Betreibung dcr Agitation wurden etwa 7—300 000 Flugblätttr und Handzettel ver- breitet, ebenso eine große, nach Zehntausenden von Exemplaren zählende Zahl Broschüren und Kalender. Zur Ausbildung der tüchtigen und fähigen Genossen ist für den Agitationsbezirk ein Bildungsinstitut geschaffen Ivorden, von dem Kurse über politische Oekonomie, Geschichte und Sozialpolitik ab- gehalten werden, die Genossen de? 13. Kreises nehmen an den Kursen lebhaft teil. In den verschiedenen Stadtteilen sind Rede- Übungsabende eingerichtet worden, die einen starken Besuch anfzu- weisen haben. Der 13. Kreis ist nicht nur an den Stadt- verordnetenwahlen in Leipzig, sondern auch an den Wahlen zu den Gemeindevertretungen in einer Anzahl kleinerer Städte und in Ortschaften beteiligt; in 93 Ortschaften sind 139 sozialdemokratische Gemembevertreter vorhanden. In sechs Stadtteilen von Leipzig und zwei großen Ortschaften sind Jugend- organisationen mit 973 Mitgliedern vorhanden. Die allgemeine politische Tätigkeit wie die VereinStäiigkeit war im Kreise ungemein rege, woran das Kreissekretariat sein gut Teil beiträgt, wie der Bericht des Vorstandes ausdrücklich anerkennt. Die Generalversammlung hat die Tätigkeit deS Vorstandes wie die des Sekretariats anerkannt, indem sie ihnen einstimmig Entlastung er» teilte und den alten Vorstand wiederwählte. Die KreiSkonsereuz für de» Wahlkreis Essen fand am Sonntag, den 19. d. M., in Werden-Ruhr statt. Anwesend waren außer den berechtigten Funktionären 84 Delegierte aus 22 Orten. Dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen: Die Mitgliederzahl stieg im letzten Jnhre von 2912 auf 3340, die Ein- nahmen betrugen 19 284,85 M. igegen 15 468,86 M. im Vorjahre), der Kassenbestand 8403,97 M.(2974,15 M.) Neben 39 Mitglieder- Versammlungen fanden 80 öffentliche Versammlmigeii statt. Zur Agitation wurden im Berichtsjahre verbreitet 33 300 Exemplare ver- fchiedener Broschüren, 40 000 AgitationSkalender, 28 250„Morgenrot", 459 000 Flugblätter, 300000 Agitationsnummern der für den Kreis neu eingeführten„Arbeiterzeitung". Die ParteitagSabrechnung schließt in Einnahme und Ausgabe mit 15 751,39 M. Die Landtagswahlbewegung, die 2899 M. kostete, brachte ein Stimmcnresultat von 10350 gegen 378 im Jahre 1903. Bei den letztjährigen G e m e i n d e r a t s w a h I e n brachte die Partei im Kreise 4933 Stimmen auf gegen 2399 im Jahre 1903/04. Erobert sind erst drei Sitze in dcr Gemeinde Schonnebeck. In zwölf teilweise bedeutenden Orten des Kreises(in mehr als der Hälfte aller Ortschaften I) stehen der Partei keine Ver- sammlungslokale zur Verfügung, meist infolge des Terrorismus der Schwarzen. Die Frauenorganisation, die im Jahre 1904 einsetzte, zählte 1000„Gleichheits'-Abonnentinncn gegen 900 im Vorjahre. Der Anschluß der Frauen an die Kreisorganisation wurde beschlossen, die Genossinnen zahlen 30 Pf. Monatsbeitrag und erhalten die„Gleich- heit" gratis, Genossinnen, denen von ihrer Gewertschnftsorganisation die„Gleichheit" geliefert wird, zahlen mir 15 Ps. Beitrag. Die lose Jugendorganisation hat es im ersten Jahre ihres Ve- stehens auf 350 Mitgliever gebracht, der Kreisvorstaiid wurde bc- auftragt, die Jugendbewegung energisch zu unterstützen und' neb- der Wahrung der wirtschaftlichen Interessen und Fvrdermig der All- tmeinBilbimg besonderen Wert auf die s o z i a l i st i s ch e Durch- i l d u n g der Jugendlichen zu legen. Nach 2>/zst>indiger Debatte, in der K ö n i g- Dortmund und Runge-Bochum den Standpunkt der dortigen Genossen vertraten, wurde die Kritik der„A r b e i t e r- Z e i t u n g" an der Landtags- Wahltaktik im Ruhrgebiet einstimmig gutgeheißen. Ein Antrag, daß der Kreis Essen vom niederrheinischcn Agi- tationskomitee zu dem für das westliche Westfalen übergehen solle, wurde begründet mit den wirtschaftlich und politisch gleichartigen Verhältnissen des Ruhrgebietes, er wurde aber zur weiteren Spezial- Beratung dem Kreisvorstand überwiesen. Den deutschen Parteitag beschloß die Konferenz mit 2 und den niederrheinischen Parteitag mit S Delegierten zu beschicken. Gcwcvkrcbaftlicbes. Streikbruchorgamsation. Nicht müde werden die„gelben Verbände", den Unter- nehmern ihre Bereitwilligkeit und Dienstfertigkeit als Streik- brecherorganisation zu erweisen. Als Hauptarrangeur fungiert augenscheinlich ein Herr Ludwig Schaper. Dieser Herr hat kürzlich folgendes Rundschreiben aufflattern lassen: Berlin SW. 11, Hafenplatz 10. Die fortgesetzten und ungerecht scharfen Angriffe auf alle Arbeiterorganisationen, die in Ausständen eine zweischneidige Waffe sehen und von der ausrichtigen Absicht beseelt sind, den wirt- schaftlichen Frieden nach Kräften zu fördern, lassen eine Besprechung unter diesen Organisationen als wünschenswert erscheinen. Indem ich von feiten des„Bundes vaterländischer Arbeiter- vereine" diese Anregung gebe, versichere ich gleichzeitig, daß uns bei dem Vorschlage jede werbende und pekuniäre Absicht fernliegt. Die Gegenstände der Besprechung werden sich aus dem schriftlichen Meinungsaustausch ergeben. Zunächst möchte ich in Vorschlag bringen eine Verhandlung über die Frage:„Wie können sich Arbeitervereine von oben bezeichneter Tendenz in Angelegen- heit von Lohn- und Arbeitsbeweguugen näher treten und gegen den Terrorismus unterstützen?' Da eine Besprechung der sorgfältigsten Vorbereitung bedarf, so wäre eine möglichst schnelle Erledigung dieser Anregung sehr erwünscht. Die Geschäftsstelle würden Sie durch Uebersendung Ihrer Satzungen für die Bücherei des Bundes sehr verpflichten. Mit aller Hochachtung Ludwig Schaper. � Die Wendung von dem Fernliegen jeder„pekuniären Absicht" wird erst verständlich, wenn wir mitteilen, daß obiges Schrifstück den Unternehmern zugegangen ist. Und man merkt die Absicht. Die Wohltäter der Gelben sollen ihre Organisation zur Beschickung der Konferenz, die den Streikbruch auf breiterer Grundlage organisieren soll, kommandieren. Es ist doch ein gar zu trauriges Spiel, das diese gelben Verbände treiben. Berlin tinck Omgegenck. Der Geburtstag des Chefs. Herr Sudikalis, Inhaber einer Schraubeafabrik in der Box- Hagener Straße, feierte kürzlich seinen 60. Geburtstag. Das würde uns natürlich nichts kümmern, wenn nicht der Betriebsleiter Meyer seine Autorität eingesetzt hätte, um die Arbeiter der Schrauben- fabrik für den Geburtstag des Chefs zu interessieren. Der Betriebs- leiter berief nämlich den Arbeiterausschuß zu sich und ersuchte, ihn, dafür Sorge zu tragen, daß sich die Arbeiter recht rege an einer Geldsammlung beteiligen möchten, welche der Betriebsleiter ver- anstalten werde, um aus dem Ertrage der Sammlung dem Chef eine Geburtstagsspende der Arbeiter zu überreichen. Ein Mitglied des Ausschuffes wandte ein, der sehr wohlhabende Herr Sudiratis werde doch wohl auf ein Geschenk der Arbeiter, die sich ja jetzt in keiner günstigen Lage befinden, verzichten können, aucb gehöre diese Angelegenheit nicht zur Kompetenz des Ausschusses, sie könne vidl- mehr nur durch eine Versammlung der Arbeiter erledigt werden. Dieser Einwand blieb jedoch unbeachtet. Die Abteilungsmeister setzten die Sammellisten in Umlauf, aber es zeichnete kein Arbeiter darauf. Das war eine deutliche Antwort auf die Veranstaltung des Betriebsleiters. Hätten die Meister das erforderliche Taktgefühl besessen, dann würden sie die unbeschriebenen Sammellisten zusam- mengepackt und auf eine Bcschenkung des Chefs durch die Arbeiter verzichtet haben. Das war jedoch nicht der Fall. Die Listen wurden erneut in Umlauf gesetzt und diesmal in Gestalt ernster Mah- nungen und Hinweise auf den arbeiterfreundlichen Chef ein sanfter Druck auf die Arbeiter ausgeübt. Unter solchen Umständen konnte der„Erfolg" Natürlich nicht ausbleiben. Er bezifferte sich auf 53 Mk., aus Arbeitergroschen„gesammelt", wofür dem reichen Fabrikbesitzer eine Blumenspende gekauft und feierlichst überreicht wurde. Herr Sudikatis revanchierte sich für die„freiwillige" Spende, indem er den Arbeitern 150 M. zu einem Festessen überwies. Die Mehrzahl der Arbeiter zeigte sich nun hinsichtlich der Annahme von Geschenken taktvoller wie ihre Vorgesetzten. Eine Betriebsversamm- lung beschloß, die 150 M. nicht anzunehmen. Eine Kommission war bereits auf dem Wege, um Herrn Sudikatis das Geld zurück- zugeben. Da erklärte derjenige, welcher das Geld in der Tasche hatte und zu den Nichtorganisierten Arbeitern gehörte: Er gebe das Geld nicht heraus, das Festessen sei bereits bestellt und werde auch gegessen werden. Somit konnte der Mehrheitsbeschluß der Arbeiter nicht ausgeführt werden. Am folgenden Tage wurden die Teilnehmer aü der GeburtS- tagssammlung durch Anschlag in der Fabrik zum Festessen geladen. Alle, die auf den Listen gezeichnet hatten, erhielten noch brieflich den persönlichen Dank des Herrn Sudikatis, der wohl keine Ahnung davon haben mochte, wie die Sammlung zustande gekommen war. Wie man sich denken kann, waren die Veranstalter der Samm- lung sehr erbost darüber, daß ihr Plan, dem Chef eine Ovation auf Kosten der Arbeiter zu bereiten, nur sehr mangelhaft gelungen war. Man fahndete jetzt nach denen, welche das Mißlingen der Ergeben- heitskundgebung verschuldet haben sollten. In zwei Funktionären des Metallarbeiterverbandcs glaubte man die Uebeltäter entdeckt zu haben. Sie wurden entlassen. Mehrere Jahre hatten diese Beiden zur vollen Zufriedenheit in der Fabrik von Sudikatis ge- arbeitet. Jetzt, nachdem die Geliurtstagssammlung mißglückt war, !and man plötzlich heraus, daß diese beiden Arbeiter zuviel umher- tanden. Das war dann der angebliche Grund der Entlassung. Glauben die Betriebsleiter, welche diese Entlassungen ver- fügten, vielleicht, sie könnten die 53 M.-Blumcnspende dadurch wert- voller machen, daß sie ihr noch das Opfer zweier Existenzen hinzu- fügen? Nach alledem hat die devote Gesinnung der Fabrikvorgesetz- ten den Chef in eine nicht gerade angenehnie Situation gebracht, während die Mehrheit der Arbeiter mit gutem Takt und vollem Verständnis für die Situation das Nichtige getroffen hat. Vananschlüger, Achtung! Di: Firma Krummhauer, Sands- bergerstr. 70(Inhaber Gottschewskh), ist für sämtliche BauanschlKger wegen Nichtbezahlung der Tarifpreise gesperrt. Die Bauarbeiter seien darauf aufmerksam gemacht. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Deutfches Reich. Rebellen im Stehkragen. Die deutschnationalcn Angestelltenverbände, nicht tveniger als sechs an der Zahl, hielten in Halle eine Protestversammlung Lerantw. Redakt.: Georg DavidjoHn, Berlin. Inseratenteil verantw.: ab, in der sie gegen das Vorgehen des Verbandes baherischcr Metallindustrieller Stellung zu nehmen versuchten. Ein Ingenieur aus Berlin, den sie sich als Redner verschrieben hatten, donnerte gegen den Geheimcrlaß der Augsburger Maschinenfabrik los, wetterte gegen die Verkümmerung des Koalitionsrechts, die den Angestellten zum Sklaven des Arbeitgebers mache, und kündigte den Kampf gegen die offene und geheime Konkurrenz- klauscl an. Dann bemerkte der gute Mann aber salvierend, selbst- verständlich liege der Bewegung jede sozialdemokratische Färbung völlig fern. Die Deutschnationalen, besonders die Handlungsgehilfen, die bei der letzten Neichstagswahl so nett das Vaterland gerettet hatten, schrien tüchtig Bravo und nahmen „Entrüstungsresolutionen" gegen die Vergewaltigung des Koali- tionsrecht usw. an.— Die papiernen Proteste lesen sich ganz gut.— Die deutschnationalen Handlungsgehilfen aber als Netter des Koalitionsrechts— das ist typisch und zum Schreien. Fabrik und Vctsaal sind in der Vindfadenfabrik Schretzheim(Schwaben) eng ver- bunden. Wenn die Arbeiter im Fabrikbetricb den täglichen Unter- nchmerprofit aus ihren Knochen geschunden, werden sie im Wohl- tätigkeits betrieb des Werkes von Klosterfrauen in Empfang genommen. Die christliche Gesinnung des Unternehmers hinderte diesen aber nicht, ein Ehepaar zu entlassen, das schon 18 Jahre für den Unternehmer schuftete, und zwar deswegen, weil die Tochter des Ehepaares auf Anordnung des Arztes wegen Gefährdung ihrer Ge- sundheit die Arbeit in dem christlichen Betrieb aufgeben mußte. Die übrige Arbeiterschaft, zum Teil ch r i st l i ch organisiert, erklärte sich mit den Entlassenen solidarisch und reichte nach ergebnislosen Unter- Handlungen die Kündigung ein. Taristintreiie Untcrnchmer. Der Deutsche Holzarbeiter-Verband hotte mit der Glanzrohr Möbelfabrik Adolf Schmidt in Brandenburg a. H. einen Tarifvertrag erneuert, den jetzt der Unternehmer plötzlich durch einen neuen Tarif durchbrechen will. Der Unternehmertarif verlängert die bisherige neunstündige Arbeitszeit wieder auf zehn Stunden und reduziert die A k k o r d p r e i f e um 8—10 Prozent. Da die Holzarbeiter sich weigerten, zu diesen verschlechterten Bedingungen weiter zu arbeiten. wurden sie sämtlich am Sonnabend entlassen. Der Betrieb ist als gesperrt zu betrachten. Untcrnchiilcrterrorismus. Das Granit- und Syenitwerk Ge- brüder Vates in Neumühle(Oberfranken) will seine Arbeiter unter Anwendung von Gewalt zwingen, aus der Organ i- s a t i o n auszutreten. Es kam zum Ausstand. Die Firma sucht auswärts Steinarbeitcr. Achtung, Zimmerer! Sämtliche Zimmerer der Firma Ferdinand Scheffel in Wcrdau i. S. legten wegen Nichtbewilligung der ge- forderten zehnstündigen Arbeitszeit und 41 Pf. Stundenlohn die Arbeit nieder. Zuzug ist fernzuhalten. ZZuslanck. Die Lohiikäoipfe der Buchbinder und der Friedensschluß in Schweden. Die schwedischen Unternehmer haben ihre Absicht, mit der Generalaussperrungsdrohung den gegenwärtigen Kämpfen in allen Bernsen ein Ende zu machen, nicht erreicht. Bei den allgemeinen Friedensverhandlungen wurden unter anderen die Lohnlämpfe der Buchbinder Stockholms und Eskilstunas ans- geschaltet. In beiden Städten ist also die Aussperrung im Buch- bindergewerbe nicht aufgehoben; die Arbeit ruht vollständig, da auch die übrigens geringe Zahl der Unorganisierten die Arbeit ein- gestellt hat. ES ist nicht ausgeschlossen, daß die Unternehmer diese Aussperrung noch auf eine Reihe anderer Städte ausdehnen. Der große. Friedensvertrag vom Sonntag ist, wie das ja unter den herrschenden Verhältnissen nicht anders(ein konnte, ein Kompromiß zwischen den Forderungen und Wünschen beider Parteien. Berücksichtigt man die allgemein ungünstige Wirtschafts- läge, sowie die Hartnäckigkeit, mit der das ja auch stark organisierte Unternehmertum gegen die Arbeiterschaft zu Felde zog, so haben die Arbeiter keineswegs schlecht abgeschnitten in ihren Kämpfen. Die Arbeitgeber waren auch schließlich diejenigen, die am schwersten für die Vorschläge der Schlichtungskommission zu haben waren. Wir werden über den Inhalt der abgeschlossenen Verträge noch näher berichten._ Die Straßenbahner in London verlangen den Achtstundentag, ferner machen sie Forderungen auf Feiertage und eine gerechtere Einteilung der Sonntagsarbeit geltend. Der jetzige Arbeitstag be- trägt zehn Stunden, ungerechnet die Arbeit in den Schuppen bor der Ausfahrt und nach der Einfahrt. Die Bahngesellschaft hat immer größere Anforderungen an die Leute gestellt, ohne die Arbeits- bedingungen zu verbessern. Die neuen Wagen enthalten Raum für 78 Fahrgäste, während in den alten nur 40 Personen fahren konnten. Falls die Gesellschaft die Forderungen ablehnt, wird mit der Mög- lichkeit eines Streiks gerechnet. Die Bäcker in London haben ebenfalls eine energische Agitation für den Achlsiundentag begonnen: sie verlangen die Einführung eines Minimallohns und Abschaffung der Nachtarbeit. Kürzlich brach ein Mann in einer Bäckerei tot zusammen, und es wurde festgestellt, daß dieser Mann schon 21 Stunden lang bei der Arbeit war. Agitationsversammlungen werden abgehalten. Klus der frauenbewegung* Bersammluugsfreihcit der Frauen in Amerika. Ein vorzügliches Agitationsmittel sehen unsere amerikanischen Parteigenossen darin, Straßenredner auszusenden, die auf öffcnt- lichen Straßen und Plätzen Versammlungen abhalten. Dabei kommt es aber fast regelmäßig zu Reibungen mit der Polizei, die mit Vorliebe in derartigen Veranstaltungen„Verkehrsstörungen" erblickt. So ist gegenwärtig in Los Angeles, im Süden von Kalifornien, ein Kampf zwischen der Polizei und unseren Parteigenossen entbrannt, weil diese sich ihr Versammlungsrecht nicht verkümmern lassen wollen. 35 Männer und 4 sozialistische Frauen befinden sich im Gefängnis, weil sie sich weigerten, die Geldstrafen zu bezahlen, zu denen sie verurteilt worden waren wegen der Störungen. die durch die öffentlichen Versammlungen verursacht sein sollten. Die Frauen sprangen in die Bresche, nachdem fast jedes rednerisch fähige männliche Mitglied der lokalen Parteiorganisation verhaftet worden war. Die Genossinnen arrangierten eine Ver- sammlung aus der Straße, fest entschlossen, den Kampf um die Volksrechte auf freie Versammlung und freie Rede fortzuführen. Nacheinander wurden vier Nednerinnen verhaftet sobald sie die Tribüne erstiegen und ihre Rdden begonnen hatten. Polizisten brachten sie nach der Hauptwache, wo sie 100 Dollar Bürgschaft hinterlegen sollten. Das taten sie nicht, ebensowenig werden sie eine Geldstrafe bezahlen, und nun harrt ihrer ein Monat Freiheits- strafe. Die Sache hat in der Stadt viel Aufsehen erregt und wirkt auf jeden Fall agitatorisch. Unter den gefangenen Frauen sind Gattinnen von Rechtsanwälten und Schriftstellern, die die„Schande" auf sich nehmen, für ihre Ueberzeugnng ins Gefängnis zu gehen. Eine sonderbare Majestätsbeleidigung. Wie wir kürzlich mitteilten, hat die Vorsteherin eines Magda- lenenheims in Kopenhagen, Fräulein Esche, gegen die königliche Leibgarde auf Amalienborg-Schloß schivere Vorwürfe erhoben. Sie sagte, daß die Gardisten ein schreckliches Leben führten, daß sie 20 junge Mädchen, unter diesen nur 2, die schon 16 Jahre alt Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlaa:VorwärtsBuchdr.u.VerIagsanstalt waren, gründlich verführt und verdorben hätten, und daß mich homosexuelle Unzucht und Prostitution unter den Soldaten herrsche. Dieser Aeußerungen wegen hat es nun der dänische Justizminister für gut befunden, eine Untersuchung nicht etwa über die be- haup'teten Dinge, sondern wegen Majestätsbeleidigung gegen die alte Dame einzuleiten, und zwar auf Grund des Z 90 des dänischen Strafgesetzbuches, der lautet: „Wer durch Drohungen, Scheltworte, Verhöhnung oder durch anderes beleidigendes Verhalten die dem König schuldige Ehr- crbictung kränkt, wird mit Gefängnis, doch nicht unter drei Monat, oder mit Verbessernngshansarbeit bestraft." Der Justizminister Alberti, der übrigens demnächst abtreten soll, wird es kaum dahin bringen, daß das Gericht aus jenen Aeußerungen ein Majeftätsverbrechen konstruiert. Die„Christliche Vereinigung junger Männer", die ja von Fräulein Esche auch gewissermaßen der Verführung blutjunger Mädchen be- schuldigt wurde, hat die Polizei zur Untersuchung der Angelegenheit ausgefordert, was auch kein besonders wirksames Mittel ist. Klarheit darüber zu schaffen._ Versammlungen. Mißstände in der Mühleuindnstrie. In dem Bericht über die Versammlung der Mühlenarbeiter in Nr. 164 des„Vorwärts" wurde erwähnt, daß der eingeladene Gewerbeinspektor nicht erschienen war und auch ans das Einladungs- schreiben nicht geantwortet hatte. Eine Antwort ist jedoch am Tage nach der Versammlung eingetroffen. Es wird darin bedauert, daß der Gewerbeinspeltor, Herr Dr. Welzel, nicht erscheinen konnte, da er seinen Urlaub angetreten hatte. Im übrigen ist zu dem Bericht noch nachzutragen, daß besonders der Obermüller Grube von der Bertheimicken Mühle in der Michaelkirchstraße als einer derjenigen Obermüller genannt wurde, die sich durch schlechte Behandlung der Arbeiter bemerkbar machen. Er soll in dieser Hinsicht ganz Hervorragendes leisten. In der Ver- sammlung wurde von mehreren Rednern unter allgemeinem Beifall behauptet, dieser Obermüller zeige seine„technische" Ueberlegenheit vor allem in dem Kasernenhofton, den er jedem Arbeiter gegenüber anwendet, der sich's gefallen läßt oder mit Rücksicht auf die traurige Lage im Beruf gefallen lassen muß. Der Morgengruß, den Herr Grube den Arbeitern bietet, soll in einem„tierähnlichen Grunzen" bestehen, sein ganzes Ver- halten von seiner mehr oder minder schlechten Laune abhängen. Die Mühlenarbeiterschaft Berlins ist um so mehr über das Betragen des Mannes empört, als gerade in der Vertheimschen Mühle ein besonders guier Stamm nüchterner und zuverlässiger Arbeiter tätig ist, so daß um so weniger Grund zu schimpflicher Behandlung vorhanden ist. Tritt in dieser Hinsicht keine Besserung ein, so wird man eine neue öffentliche Versammlung einberufen. um sich ganz besonders mit Herrn Grube zu befassen. Schließlich ist zum Versammlungsbericht noch mitzuteilen, daß in der S ch ü t t s ch e n Mühle zu Moabit die beiden Herren Hein und V o tz nicht Obermüller, sondern Arbeiter,„Anchkollegen" sind, die das dort herrschende Spionagesystem nach Kräften unterstützen und fördern._ Letzte JVacbncbten und Depefebea Beendeter Streik. Mannheim, 2t. Juli.(B. H.) Der Ausstand bei der Firma Brown, Boveri u. Co. ist nach sechswöchiger Dauer beendet._ Die tlidische Streikwelle. Bombay, 2t. Juli.(W. T. B.) Heute früh sind tausend Dockarbeiter in den Ausstand Getreten. Es fanden keine Ruhestörungen statt, außer daß einige Getreidewaggons umge- »vorfen wurden. Die Polizei trieb die Menge auseinander. Liebliche Zustände. Wiesbaden. 21. Juli.(B. H.) Das Kriegsgericht der 21. Di- Vision verurteilte nach viertägiger Verhandlung den Felbtvebcl Busse und seinen Schwager, den Sergeanten Treu, von der 6. Kom- pagnie des Jnfanterie-Regiments Nr. 80, wegen vielfacher Unter- schlagungen:'elfteren zu einem Jahr Gefängnis und Degradation, letzteren, gegen den schon in einer früheren Verhandlung auf Degradation erkannt worden war, jetzt zu sieben Wochen Gefängnis. Der Feldwebel diente im 12. Jahre und war verheiratet. Er hat in den Jahren 1906/07 die zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten beurlaubten Mannschaften nur annähernd zur Hälfte als be- urlaubt in die Kompagniebücher eingetragen und die Löhnung in die eigene Tasche gesteckt I Sein Schwager, der Fourierunter- ofsizier war, hat das an die nicht beurlaubten Mannschaften zu liefernde Brot veräußert. Eine verwegene Flucht. Essen» 21. Juli.(B. H.) Eine aufregende Szene spielte sich heute im Schwurgerichtssaale ab, wo ein Vertreter des Kriegs- gerichts der ersten Matrosendivision in Kiel in der Strafsache gegen den Marinesoldaten Jorgeleit, dem verschiedene Einbruchsdiebstähle sowie Fahnenflucht zur Last gelegt sihid, eine Vernehmung abhielt. Trotzdem der Angeklagte durch einen llntcrofsizier und einen Maat scharf bewacht wurde, sprang er auf die Anklagebank, stürmte durch den Saal und gelangte durch die Hintertreppe auf den Hof, von dort auf die Straße. Unteroffizier und Maat nahmen die Ver- folgung auf, der Unteroffizier feuerte 5 scharfe Schüsse auf den Flüchtling, ohne zu treffen. Der Flüchtige lief in ein Haus, dann durch mehrere Garten und entkam ins Freie. Bisher hat man noch keime Spur von ihm. Arbeiter-Risiko. Frankfurt a. M.. 21. Juli.(B. H.) In Bockenheim stürzte heute früh der Heizer Günther von der Maschine eines nach Gießen fahrenden Güterzuges und erlitt mehrere Verletzungen. Frankfurt a. M.. 21. Juli.(B. H.) In einer Toreinfahrt wurde der Arbeiter Ehrhardt aus Rotenbach von einem mit 100 Zentner Kohlen beladenen Wagen überfahren und sofort getötet. Köln, 21. Juli.(W T. B.) Der„Kölnischen Zeitung" wird ans Trier telegraphiert: Bei dem Bahnbau Wittlich-Daun ging im Tunnelbau bei dem Dorfe Plein ein Sprenggeschoß zu früh los und verletzte vier Arbeiter schwer. Zum Dynamitattcntat von MalmS. Malmö, 21. Juli.(W. T. V.) Der unter dem Verdacht, das Dynamitattentat auf das Logisschiff„Almathea" verübt zu haben, zuerst verhaftete Tischler Nilson hat jetzt, ebenso wie die beiden anderen Verhafteten, Stern und Rösberg, die Tat eingestanden. Nilson will, weil er unverheiratet gewesen, das Attentat auszu- führen übernommen haben; der Plan zu dem Dynamitdiebstahl sowohl als auch zu dem Anschlag stamme jedoch von Rösberg. Bankrott! Köln, 21. Juli.(W. T. B.) Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Solingen: Der Aufsichtsrat der Solinger Bank beschloß, den Konkurs anzumelden._ Paul Singer& Co., Berlin S W. Hierzu 2 Beilagen u-UnterhaltungSbl. Nr. 169. 25. Jahrgang. 1. KtilM i>eg„■ W>««q. 32. IM l« Soziales. Heranziehung von Ausländern au Stelle einheimischer Arbeiter. Der Verband der deutschen Tiefbauunternehmer hatte an den Minister der öffentlichen Arbeiten eine Eingabe gerichtet, in welcher verlangt wird, daß auch den Tiefbauunternehmern keine Schwierigkeiten beim Import ausländischer Kulis gemacht werden; sie wollten dieselben Vergünstigungen haben als die Agrarier. Der Bescheid des Ministers ist nun vor einigen Tagen dem Verband zugegangen und wird in der letzten Nummer des Verbandsorgans—„Deutsche Tiefbau- Zeitung"— den Verbandsmitgliedern zur Kenntnis gebracht. Derselbe lautet: »Dem Bedürfnis der Tiefbauunternehmer nach Gewinnung geeigneter Arbeitskräfte wird im Bereiche der mir unterstellten Verwaltung bereits nach Möglichkeit Rechnung getragen. So ist die frühere Bestimmung der allgemeinen Vertragsbedingungen für die Ausführung von Erd-, Fels-, Nodungs- und Böschungs- arbeiten, wonach bei der Annahme von Arbeitern die ein- heimischen, besonders aber die in der Ge- gend der Arbeits st elle wohnenden geeigneten Arbeitsucher vorweg von dem Unternehmer zu berücksichtigen waren, aufgehoben, und eS ist den Unternehmern ausdrücklich anheimgestellt worden, ihren Bedarf an Arbeitern durch Heranziehung ausländischer Arbeiter zu decken. In wie ausgedehntem Matze hiervon Gebrauch gemacht worden ist, beweist die Tat- fache, datz beispielsweise allein von den Unternehmern staatlicher Eisenbahnbauten um die Mitte des vorigen Jahres über 23 000 ausländische Arbeiter be- schäftigt wurden. Zu derselben Zeit wurden von den bei der Ausführung staatlicher Hoch- und Wasserbauten tätigen Unter- nehmern unter 18 500 Arbeitern 1320, also 10 Proz. Ausländer beschäftigt. Bei den nach dem Wasser st ratzen-Gesetz vom 1. April 190ö auszuführenden grotzen Wasserbauten wird die Heranziehung ausländischer Arbeiter noch besonder? erleichtert werden. Die in der Eingabe vom 11. v. M. erwähnte Unterstützung der deutschen Feldarbeiter- Zentrale soll dabei auch den Tiefbau-Unternehmern zuteil werden. Die Baubehörden haben den Auftrag erhalten, der genannten Zentrale die Namen der in ihrem Bezirk tätigen Unter- nehmcr bekanntzugeben, damit sie sich von vornherein an diese mit ihrem Arbeiterangebot wenden kann, und die Unternehmer werden in der Lage sein, sich mit der Zentrale unmittelbar in Verbindung zu setzen. Auch bei der Heranziehung polnischer Arbeiter sind den Ticfbauunternchinern keinerlei Schwierigkeiten bereitet worden. Alle im Jahre 1907 von Tiefbauunternehmern gestellten Anträge aus Zu- lassung polnischer Arbeiter sind unter meiner Zustimmung vom Herrn Minister des Innern genehmigt worden. In gleich entgegenkommender Weise ist auch im laufenden Jahre verfahren worden, und bei den erwähnten grotzen Wasserbauten toerden nach einer mit dem Herrn Minister des Innern getroffenen Verein- barung die von den Unternehmern ausgehenden Anträge, soweit möglich, Berücksichtigung finden." Während die Arbeitslosigkeit sich immer noch verschärft— fast täglich muß über Bctriebscinschränkungen und Arbeiter- entlassungen berichtet werden—, wird nicht nur den Tiefbau- Unternehmern der Import von ausländischen Kulis gestattet: der Minister weist sogar die ihm unterstellten Baubehörden an, eine Arbeiterverinittlertätigkcit zu entfalten. Dabei ist auch im Tiefbaugewerbe die Arbeitslosigkeit eine sehr große; das Angebot von Arbeitskräften übersteigt bei weitem die Nachfrage. Wir haben jetzt die Hochsaison im Tiefbau, dabei werden jetzt weniger Arbeiter beschäftigt als im Januar. Stach einer Ver- öffentlichung des Vorstandes der Tiefbauberufsgenossenschaft waren gemeldet: Am 1. Januar 1903 12 774 Betriebe mit 267 554 Arbeitern , I. Juli 1903 12 527„„ 256 043 Jetzt weniger 247 Betriebe und 11 511 Arbeiter. Und angesichts dieser Tatsachen, deren Kenntnis man bei den: Arbeitsniinister voraussetzen sollte, Ivird der Im- Port von lohndriickcnde n Ausländern besonders gc- fördert und die Bevorzugung von ausländischen Arbeits- kräften vor den einheimischen bei den Arbeiten, die aus Liemes feuiUeton. Die großen Reichtümer in den Bereinigten Staaten. Carnegie, der amerikanische Stahlkönig a. D., schildert in amüsanten ökono- mischen Traktätchen, wie man eS machen mutz, um im gelobten Lande der Kapitalskonzentration Milliardär zu werden. Es ist eigentlich nicht schwer. Die meisten Menschen,_ das heitzt alle, die nüchtern, sparsam, aufmerksam sind und sonst noch einige der von Carnegie gepriesenen Tugenden Pflegen, mützten von Rechtswegen es alle ungefähr so weit bringen wie dieser ehe- malige Laufbursche. Datz die Rechnung nicht ganz stimmt, braucht in einem sozialistischen Blatt nicht erst auseinandergesetzt zu werden. Eine Uebersicht über die grötzten Vermögen in den Vereinigten Staaten, die der Londoner„Social-Democrat" veröffentlicht, zeigt zu allem Ueberflutz, datz mit den Rezepten Carnegies nicht viel anznfangen ist. Unter all den Millionen tüchtiger und fleitziger Leute hat nur einer mehr„Geld ge- macht" als Carnegie, der auf 350 Millionen Dollar sl Dollar gleich 4 Mark) geschätzt wird: der Beherrscher des Oelirustes I. D. Rockefeller. Er soll 600 Millionen Dollar kommandieren. Als drittreichster gilt W. Waldorf Astor, der über 300 Millionen Dollar herrscht. 100 Millionen Dollar haben eine Reihe Leute„erspart": I. I. Astor, W. Clarke. E. H. Harriman, Wm. Rockefeller, H. Rogers, W. K.Vanderbilt. Morgan vom Stahltrnst ist alsVilderkäufer und Vater einer in philanthropischem Sport dilettierenden Tochter— unsere führenden Blätter bringen schon ihr Bild— in der guten euro- päischen Gesellschaft bekannt geworden. Er wird eigentlich bei uns überschätzt. Was sind schlietzlich 150 Mill. Dollar! Manche Familien bilden förmliche Dynastien, die den Familienbesitz unter sich aufgeteilt haben. Auf den einzelnen kommen dann 75 oder 50 oder 30 Mill. Dollar, für die ganze Familie aber kommt ein Klumpen von 100, 200 Millionen Dollar zusammen. Zu dieser Sorte Familienmillionären zählen die Fields, Flagler, Gould, Havemeyer. Vanderbilt. Der billigste Mann in der Liste des„Social« Democrat" hat immer noch 15 Millionen Dollar. Alle 51, die darin aufgeführt sind, besitzen zusammen schätzungsweise 3610 Millionen Dollar. Diese ungeheure Summe haben sie durch rücksichtsloseste Manöver, die vielfach an die Zeiten des beginnenden Kapitalismus gemahnen, aus dem amerikanischen Volke heraus- gesogen. Die Carnegieschen Tugenden haben mit den Erfolgen dieser gesellschaftlich anerkannten Räubereien und Plünderungen nicht das geringste zu tun. Wie alt ist die Herstellung des künstlichen EiseS? In der heißen Sommerzeit, in der das künstliche Eis so vielen Erquickung und Kühlung spendet, ist es interessant, dem Alter dieser Er- findung nachzuspüren, die gewiß allgemein für eine Errungenschaft der neuesten Zeit gehalten wird. Professor Kluge teilt indessen Staatsmitteln geleistet werden, nochmals als Grundsatz der preußischen Verwaltung betont. Das nennt dann Regie- rung und Unternehmertum— Patriotismus. Es wäre verwunderlich, wenn bei diesem Gebaren nicht endlich auch dem rückständigsten deutschen Arbeiter Aufklärung über die wahre Natur der Talmipatrioten wird. Wird die Arbeitsgelegenheit gar noch staatlich verkümmert, so drängt sich jedem Arbeiter mit Notwendigkeit die Frage auf: was wird Dir heute im Vaterland anderes als Lasten geboten? Wird Dir nicht gerade von denen, die die Phrasen von Vaterlandsliebe im Munde führen, das Vaterland'ge- raubt? Soll das Vaterland das Glück seiner Einwohner durch gemeinsames Handeln erhöhen, so steht es in Deutschland umgekehrt: in immer greifbarerer Weise wird es von der heute herrschenden Klasse zu einem Land gemacht, in dem allein die Interessen der Unternehmer gehegt und gepflegt, die Rechte, selbst die Existenzrechte der Arbeiter getreten und zerdrückt werden. Die Verdrängung der einheimischen Arbeiter durch ausländische billigere und rechtlose Arbeitskräfte ist ein zum Himmel schreiendes Unrecht. Ihm gegenüber gibt es nur das Mittel der Aufklärung und der gewerkschaftlichen und politischen Organisation. Die herrschende Klasse spielt mit dem Feuer, wenn sie in solcher Weise durch ihre Taten eindringlich lehrt: Deutschland soll nur das Vater- land der Reichen sein, der Arbeiter soll in Deutschland kein Vaterland haben, es gibt nur ein Vaterland der Unterdrückten und eins der Ausbeuter, ohne Unterschied der Landcsgrcnzen. Es gibt keine bessere Untergrabung der„nationalen Wehr- kraft" als die staatlich geförderte Verdrängung der einheimischen Arbeiter durch ausländische Arbeitskräfte. Diese künstliche und staatliche Steigerung der Arbeitslosigkeit der Deutschen nennen bürgerliche Parteien: Sozialreform. Arveiterheilstättc im Schwarzwald. Die badische Versicherungsanstalt kaufte die bekannte, etwa 40 Morgen große Lungenheilanstalt Nordrach des Dr. Walther für den billigen Preis von 300 000 M. an, um die Anstalt als Arbeiter- Heilstätte in Benutzung zu nehmen. Feuergefährliche Lacke und Oele. Datz unsere Staatsbehörden sich oft sehr Zeit nehmen, wenn es sich um einen Eingriff in industrielle Verhältnisse, der zum Schutz von Leben und Gesundheit erforderlich ist, handelt, zeigt auch die Behandlung eines Verbots feuergefährlicher Lacke und Oele. Wiederholt ist in den letzten Jahren sowohl von einigen Gewerbeaufsichtsbeamten wie in der Presse auf die Feuer- gefährlichkeit gewisser rasch trocknender Anstrich- mittel und Lacke hingewiesen worden, die unter Verwendung von benzolhaltigem Petroleumdenzin oder anderer leicht entzünd- licher Stoffe hergestellt werden. Besonders beim Innen anstrich enger Behälter, wie Dampfkessel und Kesselwagen, aber auch bei Außenanstrichen sind durch Einatmen der dabei sich ent- wickelnden Benzoldämpfe, besonders aber bei durch Entzündung er- folgter Explosion dieser sehr feuergefährlichen Dämpfe eine Reihe schwerer, ja tödlicher Unfälle vorgekommen. Fast jeder Jahrgang der Berichte der Gewerbcaufsichtsbeaniten in den letzten zehn Jahren berichtet über solche Unfälle. Auch in der Presse ist wiederholt auf die Gefährlichkeit solcher Anstrichmittel hingewiesen worden. Diese Warnungen verhinderten jedoch nicht weitere Unfälle, da der Verlauf der so hergestellten Anstrichmittel unbehindert weiter erfolgte. End- lich hatte die tödliche Verbrennung eines Dien st- Mädchens beim Hantieren einer mit sogenanntem Futzbodenöl gefüllten Flasche, deren Inhalt etwa zur Hälfte aus benzolhaltigem Petroleumbenzin bestand, das preußische Handels- Ministerium zu Erwägungen veranlaßt, wie einer Wiederholung solcher Unglücksfälle entgegen- getreten werden könne. Es wurden Interessentenkreise, wie der Deutsche Drogisten- verband, die Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie, die Lagereiberufsgenossenschaft u. a. darüber gehört, die sich m e i st für ein völliges Verbot der Herstellung von Lacken und Anstrichnritteln mit Mineralölen der Klaffe l, d. h. solcher, deren Entflammungspunkt unter 21 Grad Celsius liegt, aussprachen. Selbst eine große Anzahl Lackfabrikanten erklärten sich für den Ausschluß dieser Oele bei Herstellung von Lacken und Anstrichmitteln und nur einzelne hielten es schon für genügend, wenn diese Anstrichmittel nur in geschlossenen Gefätzen in einem Aufsatz seines soeben erschienenen Buches„Bunte Blätter"(J. Bielefeld, Freiburg i. B.) eine Stelle aus einem Werke König Alfreds des Grotzen mit, die beweist, datz die Her- stcllung des künstlichen Eises schon vor mehr als 1000 Jahren be- kannt war. Dem König hatte nämlich ein weit umhergekommener Mann aus Schleswig berichtet:„Bei den Esten gibt es einen Clan, der kann Kälte fabrizieren; sie können deswegen die Toten lange liegen lassen, ohne datz sie verwesen, weil man künstliche Kälte über sie bringt. Setzt man zwei Eimer voll Wasser oder Bier hin, so bringen diese Leute es fertig, datz der eine friert, einerlei ob es Sommer oder Winter ist." Der angelsächsische König nahm diese Mitteilung in seine Ucbersetzung der Weltgeschichte des Orosius auf, die er gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts vollendete. Doch blieb diese Kunstfertigkeit der fernen Esten lange Zeit den Völkern Europas noch ein verschlossenes Geheimnis, und erst aus dem Morgenlande her ist die Fabrikation künstlichen Eises seit dem 16. Jahrhundert bekannter geworden. Reisende vermelden aus der Türkei, datz der Sultan und seine Paschas grotzc Eisgruben angelegt haben, aus denen sie jährlich bedeutende Gewinnste bis zu 80 000 Gulden ziehen.„Diese Ware," erzählt Salomon Schweiggcr in seinem Reisebericht von 1587,„kaufen die Obsthändler im Sommer so groß als ein Viertel Laib Brots, damit kühlen sie ihr Trank, wenn einer ein Matz Scherbct oder Hutzel- Wasser kauft, so kauft er zumal auch ein Knollen Eis, den wirft er drein, oder er geht auf der Gassen daher, hat ein Knollen im Mund und sauget daran; es hat mein Herr täglich für einen halben Taler, oder wenn er Gastung gehalten, fast zlvcen Taler um Eis geben müssen.... Dieser Eisgrubcn hat es viel um die Stadt her, gegen Galata, im freien Felde, da hat es werte, tiefe Gruben, darüber ein hölzern Hütten gemacht ist; da sind besondere Personen dazu bestellt, Schnceschaufler, die den Schnee zur Winter- zeit aufschütten in die Gruben; darin wird es alsdann zu Eis, dasselbige säget man zu grotzen Stücken, datz ein Rotz an zweien zu tragen hat... Solche Kunde galt für ein Wunder des Orients, das wohl auch ein Großer des Abendlandes bisweilen nach- ahmen mochte. Die Herstellung künstlichen Eises im großen ist bei uns freilich erst nach Erfindung dazu geeigneter Maschinen vor nicht allzu langer Zeit begonnen worden. Woher stammen unsere Gemüse? Auf diese Frage antwortet die „Revue scientifigue": Die Artischocken sind eine veredelte Form der wilden Artischocke, die auf Madeira, den Kanarischen Inseln, in Marokko, dem südlichen Frankreich, in Spanien, Italien und auf den Mittelmeerinseln heimisch ist. Der Spargel stammt aus Europa und aus dem gemäßigten östlichen Asien. Der Ursprung der Bohnen ist unbekannt, ebenso wie der der Linsen, der grünen Erbsen, der Kicher-Erbsen. Die Mohrrüben sind in ganz Europa, Klein-Asien, Sibirien, in Nord-China, Abessinien und im nördlichen Afrika wie auch auf Madeira und den Kanarischen Inseln heinlisch. Nahezu den feil gehalteil iverden dürfen, die mit einer deutlichen Aufschrist „Feuergefährlich" versehen sind. Auch die königlich technische Depu- tation für Gewerbe„hält die Herstellung von Lacken ohne Ver- Wendung der genannten, sehr feuergefährlichen Mineralöle technisch wohl für möglich, vermag aber nicht zu übersehen, ob nicht durch ein Verbot der Verwendung dieser Oele für Lacke usw. wirtschaftlich ein zu starker Eingriff in die EntWickelung unserer Industrie bewirkt wird". Deshalb glaubt die technische Deputation für Gewerbe, datz man nicht ohne weiteres die Verwendung aller Mineralöle, deren Eniflamnulngöpuukt unter 21 Grad Celsius liegt, verbieten könne, sondern erst feststellen müsse, wie sich Mischungen von verschieden hohem Prozentgehalt solcher Mineralöle zu Anstrichmitteln in betreff der Feuergefährlichkeit verhielten. Diese Auskunft der technischen Deputation für Gewerbe ver- anlatzte den Handelsmini st er. in einen, Erlaß vom lt. Juni 1903 erst noch alle Regierungspräsidenten und den Polizeipräsidenten von Berlin zu ersuchen,„die Ansicht beteiligter industrieller Kreise über. diese Frage ermitteln zu lassen, hierbei nach Ermessen auch die Mitwirkung der Gewerbeaufsichtsbcamten heran- zuziehen. Komme man auf Grund dieser Ermittelungen zu der Ueberzeugung, datz einem völlige» Verbot des Feilhaltens von Lacken usw., die mit einem Zusätze von Mineralölen hergestellt sind, deren Entflammungspunkt unter 21 Grad Celsius liegt, wesentliche Bedenken entgegenstehen, so sollen die Prüfungen noch darauf er- streckt werden, welcher niedrigste Entflammungspunkt zweck- mätzig für das Feilhalten der mit solchen Mineralölen her- gestellten Mischungen vorzuschreiben sein würde, ferner bis zu welchem höchsten Entflammungspunkte beim Feilhalten und bei Aufbewahrung solcher Oel- und Lackmischungen eingeschlossene Ge- säße nüt der Aufschrift„Feuergefährlich" bei Händlern bestinunte Höchstmengen vorzuschreiben sein würden, und tvie dabei zu unterscheiden sei zwischen denjenigen Mengen solcher Lacke und Oele, die in geschlossenen Gefätzen für den Verkauf bereitgehalten werden, und denjenigen, die in größeren Behältern oder Tanks in besonderen Lagerräumen aufbewahrt iverden, aus denen die Verkaufs- und Ver- sandgefätze gefüllt werden, und endlich welche Vorschriften eventuell für diese Behälter und die sie aufnehmenden Räume für nötig erachtet iverden. Diese Berichte werden bis zum 1. Oktober cr. erwartet." Durch diese Umfrage wird der Erlaß einer ja allseitig für nötig erachteten Verordnung um wenigstens sechs Monate weiter hiilaus- gezogen, die den Vertrieb solcher mit Mineralöl versetzten feucr- gefährlichen Lacke usw. verhindern oder wenigstens regeln soll. So können vorläufig noch weiter dadurch Unfälle verursacht werden. Wäre eS nicht da besser, endlich gleich Schutzmatzregeln zu treffen? Der Drogistenverband, also die Lackverkäufcr und die Berufs- genossenschasten der chemischen Industrie und der Lagerei haben sich größtenteils für ein vollkommenes Verbot der Her- stellung von Lacken mit Mineralölen der Klasse I ausgesprochen, ebenso ein großer Teil der Lackfabrikanten selbst. Die Gefährlichkeit dieser Lacke gibt auch die technische Deputation für Gewerbe zu, ebenso gibt sie die Möglichkeit der Herstellung von Lacken usw. ohne solche Mineralöle zu. Nur vernrögen die hoch- gelehrten 8 GeHein, räte und Professoren, aus denen diese Deputation besteht,„nicht zu übersehen, ob nicht durch ein Verbot der Verwendung dieser Oele für Lacke usw. Wirtschaft- lich ein zu starker Eingriff in die Entwickelung unserer Industrie b e lo i r k t wird." Aber es ist jedenfalls weit schwieriger, zu kontrollieren und zu konstatieren, ob in einem Lacke ein festgesetzter Prozentgehalt an solchen feuergefährlichen Mineralölen überschritten ist oder nicht, als nur festzustellen, ob der Lack überhaupt solche Mineralöle enthält. Aus diesem Grunde hat man wohl auch in England, nachdein auch dort Unfälle durch die Verwendung solcher Lackmischungen deren Feuergefahrlichkeit bewiesen hatten, ihren Vertrieb ganz untersagt, ob- ivohl auch die englischen Aufsichtsbehörden Eingriffe in die Eni- Wickelung der Industrie möglichst vermeiden. Die ganze Wirkung eines solchen Eingriffes in die wirtschaftlichen Verhältnisse würde auch bei uns in diesem Falle höchstens darin bestehen, datz der Ring der Lackfabrikanten seine Preise vielleicht um einige Prozente erhöht. Diese Eveiltualität aber rechtfertigt die Verzögerung einer dringend notwendigen Matzregel nicht. Eue Induftnc und ftandd* Zollpolitik und Industrie. Ein an Deutlichkeit nichts zn wünschen übrig lassendes Urteil über die Wirkungen der glorreichen deutschen Zollpolitik fällte die Handelskammer zu Magdeburg. In ihrem Jahresbericht für 1907 sind folgende Sätze enthalten: gleichen Umfang hat das Reich des Sellerie. Der Kerbel entstammt dem östlichen Asien der gemäßigten Zone, die Petersilie aus dem südlichen Europa und aus Algier, der Sauerampfer aus Europa, dem nördlichen Asien, den Bergen Indiens und Nordamerikas, und von dem Spinate nimmt man an. datz das nördliche Asien sein Heimatland ist. Die Tomaten schlietzlich sind zuerst aus Peru ge- kommen, die Gurken aus Indien und der Kürbis aus Guinea. Humor und Satire. — Dem Liebknecht wird hierdurch eröffnet, datz er dem Arbeiter, der Bezahlung dafür nicht erhält. Die Arbeiter büßen durch diese Schreiberei wöchentlich den Lohn ein für 4 bis 7 Arbeitsstunden, während die Firma allerdings mehrere Buchhalter spart. Ferner wird darüber geklagt, daß die Arbeiter sich trotz der elenden Akkordpreis- auch noch Werkzeug selbst her- stellen müssen, oder daß sie mit einer Feile arbeiten müssen, bis sie gänzlich blank ist, ehe eine neue zu haben ist. Dann fehlt es auch an den nötigen Wafcheinrichtungen. Wohl hat die Direktton zu- gestanden, daß die Arbeiter sich 5 Minuten vor Schluß der Arbeits- zeit waschen dürfen, aber andererseits wird jeder mit 50 Pf. Strafe bedacht, der nicht 15 Minuten nach Feierabend den Betrieb verlassen hat.— Diese verschiedenen Mißstände sind nur einige von den vielen, die auf dem Arbeiterpcrsonal der Firma lasten.— Die Versammlung nabm einstimmig folgende Resolutton an: „Die Versammlung der Arbeiter der Firma Julius Pintsch beschließt: 1. der Direktion schriftlich den Wunsch zu unterbreiten, daß, bevor weitere Entlassungen von Arbeitern stattfinden, eine all- gemeine Verkürzung der Arbeitszeit bis auf 8 Standen herbei- geführt wird; ...... L.-ck>aß bei-weiteren Arbriterentlassungcn eine zu wählende Kommission hinzugezogen wird, um auch den Anschein von Maß- regclungen zu vermeiden; 3. daß ein Arbeiterausschuß mit möglichst wettgehenden Rechten geschaffen werde. Im übrigen erklären die Versammelten einmütig, daß sie nur in dem Anschluß an eine große moderne Arbeiterorganisation das Mittel erblicken, die größten Schädigungen, die die Arbeiter durch die kapitalistische Gesellschaftsordnung erleiden, zu besei- ttgcu, da solche Organisationen allein es sind, welche durch weit- gehende Unterstützung der Arbeitslosen und im ständigen Kampf gegen weitere Verschlechterungen der Lebenslage der Arbeiter die Aufgaben erfüllen, in denen Staat und Gesellschaft versagt."— Wie aus den oben mitgeteilten„Wünschen" hervorgeht, fehlt es bei Pintsch sogar/, Uhr.) Ansang 8 Uhr. Deutsches. Die Brettlgräfin. Kammerspiele. Gelbstem. Rcueö. Der Zerrissene. Neues Schauspielhaus. Die Dollarprinzessin. Kleines. 2X2—5. LnstspielhauS. DI« blau« Mau». Westen. Em Walzertraum. Schiller O.(Wallner»Theater.) Martha. Friedrich- Wilhelmstadt. Schau- spiel haus. Die Diebin. Shatta.� Der Mann mit de» Mo- Bernhard Rose. DaS Geheimnis von New Jork. Merrovoi. DaS muß man seh'n. Wintergarten. Spezialitäten. klpollo. London zialitäten. Passage. Berlin Spezialitäten. Earl Haverland. Reichsballen. Winter-Thymia». Walhalla. Spezialitäten. Urania. Tnubcustrafte 48/43. Abends 8 Uhr: Die Kruppschen Werke. Sternwarte, Fnvalidenflr. 57/52. 'Urbia. Spe- in Stimmung. ezialiläten. fsiölisieli-WilliölmstgiltisetiöL s uhr. Sciiauspieltiaus.« mr. Sommerspielzeit. Leitung v. G. Piltz. Mittwoch, den SS. Juli: Die Diebin*(Laad Kleschna.) Sensationsschauspicl in 4 Akten von ®. M. S. Mc. Lellan. Donnerstag: Die Diebw. Freitag: Dt« Diebin. Schiller-Theater 0. (Wallner-Thcater.) Morwih-Oper. Mittwoch, abends 8 Uhr: Gastspiel llolnrlvli VVtvl: Martha oder Der Markt zu Ricbwond Donnerstag, abends3Uhr: Oberen, KUnig der Elfen. r e i t a g, abends 8 Uhr: >iel Heinrich Bötet: >le welUe Oanie. iast�ie Z0010CISCHER GARTEN Tdelich: Eintritt 1 M. ton abends 6 Uhr ab 50 Pf, Kinder unter 10 Jahren —— die Hälfte.——_ Kleines Theater. Mittwoch, dm 22. Juli er., Ansang 8 Uhr: 2 mal SS= 5, Donnerstag: S mal 8= 5. Freitag: 8 mal 8= 6. Sonnabend: 8 mal 8= 6. Lustspielhaus» ASenbä 8 Uhr: Die blaue Maus. Hetropol-Theater Zum 304. Male: Revue in 12 Bilden» m. Ges. und Tanz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Ein Walzertranin. Operette von Oslar Strauß. ERWDROttTHHT Ar. Frniikliirter Str. 132. Das Geheimnis y. New York Ans. 8 Uhr. Sonnnerpresse. Aus der Gartcnbühne: Ansang 4'/, Uhr. Thealervorstellung. Spezialitäten. Uolksgarten-Theater — am Bahnhof Gesundbrunnen.— Täglich: Konzerf, Theater und Spezialitäten-Vorstellung, üfenes Riesen-'yg l'rogramm."9� Urania. Wissenschaftliches Theatex. TauhenstraCe 48/49. Abends 8 Uhr: Die Kruppschon Werke. Berliner Prater-Theater Kastanien-AUee 7— 9. Rat Täglich' TW Die Welt ein Paradies große Ansstattnngs-Revue und erstklassige Spezialitäten. Ans. Sonnt. 4 Uhr, Wochent. 4 st, Uhr. Im Saale; Täglich gr. Ball. Berliner Ulk-Trio. Felix Scheuer u Stnlnalinti.l. 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Dazu etflklnsßgt SptMlitaten. Lsnssvuve, Direktion Wilhelm Reimer. Montag, Donnerstag und Sonntag: Hotrninnn» und Tanzkränzchen Einakter, Ensemble-Szenen Aktuelle Vorträge in Wort und Lied tc. Seg. Sonnt. 5, wachen t. 8 U. Der gr. Theatersoal ist für nächste Saison noch frei. l.änllösaussiöllijngspot'k Neu erbaut: Feete&la Gartenrestaurant Konditorei und Cafd Taglich Konaert : von 4 Uhr ab: Oejeunera von 2.60 an bit 2 Uhr nachm. Diners u. Soupers v. 4.00 an vfrmrrm Variete-Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth.Tor. Spezialitätenvorst, im Oarten. Bei schlecht. Willerung i. Theater. Neues Vroaramm. Ans. der Vorstellg. 8 Uhr. Ans. des l Gartenkonz. 7 Uhr. Kleine preise. Brunnen-Theater Badstraße 58. Direkt.: Willi Voigt. IW TUglich:-MZ Der deutsche Michel. Erstklassige SpeMlitiitev. The 6 Violette» Trio Bussen Kurt Ellys The 4 Beriings Kndolf Tliilzer"90 der urkomische Grotesk-Komiker. Eröffnung 2 Uhr. Ansang 41/j! Uhr. Vorverlaus von 10 Uhr ab. >V.Z�oseks7beaisr Direktion: Reh. Dill. 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Bachmann am 20. d. M., früh 2 Uhr, nach langer, schwerer Krankheit sanft entschlafen ist. 3703L Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 23. d. M., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen« halle des Georgen- Kirchhofes, Landsberger Allee, aus statt. D. Wunderlich, Koppenstr. 8. Danksagnng. 654D Für die herzliche Teilnahme und die große Kranzspende bei der Beerdigung meiner so früh v unserer Seite gerissenen lief und unvergeßlichen Frau und guten Mutter Anna Kaphammol sagen hiermit allen Verwandten, Bekannten, Freunden und Genossen, insbesondere der Stadibez. I80b und c des 367. Bez. Schneider- und Wäscheverband Ber- Im III, den Kolleginnen der Firma E. Grünbaum, den Wirt und den Mietern des Hauses unseren herzlichen Dank aus. P. Kaphammel nebst Sohn Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Genossen, die meiner lieben Frau die letzte Ehre erwiesen haben, ins- besondere dem 338. Wahlbezirk, der Frau Markuse und Herrn Wilhelm Hinz sür die tröstenden Warte am Sarge, meinen...... 6536 e, meinen herzlichsten Dank. h. Wunderlich, Putzer, Am Oslbahnhos 12. Für die rege Teilnahme der zahl- reich erschienenen Vereine beim Hin- scheiden meines lieben Maimes, des Restaurateurs e45b Amanda« Zills sage ich meinen tiesempsundenen Dank. Ww. Anna Xöla, _ Köpenickcrstr. 137._ Danksagung. Hiermii sage ich allen Parteigenossen und Freunden, wsbesondere dem Rauchklub„Tadellos" meinen herz- lichsten Dank für die vielen Gratu- lalionen und Beglückwünschungen zu unserer Stlberhochzeitseier. 644b Aag. SprockholT und Frau, Ehorloltenburg, Usenaustraße 1. UN Für die liebevolle Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der veerdi- gung unseres unvergeßlichen Barl Perle sage ich allen Freunden und ve« kannten, den Arbeltskollegen der Firma Flohr, den Genossen deS Be- zirks 723 a und 723 c und dem Deutschen Metallarbeiter-Bcrband im Austrage der Leidtragenden herzlich- sten Dank. 3735L Jnlias KUnig. t apfieh Es empfiehlt fich bei eintretendem Trauersall möglichst sofort Westmanns trauermagazin Haupigeschäst: Berlin W., MohrenstraBe 87a, an den Kolonnade». 2. Haus von derJerusalemerstraße.und ND., Gr. Frankfurterstr. 115, 2. HauS von der Andreasstraße, zwecks Auswahl d. passenden Trauergarderobe auszusuch. Um dem Publikum einen besonderen Vorteil zu bieten, ge- währe ich auf diese Ruzcige hin bei Kauf* W»/« Rabatt In bar! Soziälileinokrätiscbef Wahlvefein für den i (Frankfurter B irrtet.) Bezirk 317. Den Mitgliedern zur Nachricht daß unser Genosse, der Leder> arbeiter Eimsl: Ast, Grüner Weg 31. gestorben ist. 219/14 Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 22. Juli, nachm 6 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes, Rixdors, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Bcr vorstand. Meiler- Mahrer Mitgl. des Arb.-Radfahrerbundes „Solidarität". Den Bundesgenossen zur Nach- richt, daß unser langjähriges Mitglied, der Lederarbeiter Lrnsfi: Ast (3, Abt.) am Sonntag früh'/,! Uhr gestorben ist. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 22. Juli, nachinittaas 6 Uhr. von der Leichenhalle de« EmmauS« Kirchhofes in Britz aus statt. 12/12 Der Borstand. Vorband der Portefeuiiler. Zahlstelle Berlin. Am Sonntag, den 19. Juli, verstarb nach langem Kranken- lager unser langjähriges Mitglied, der Porteseuiller Lrnst Ast« Ehre seinem Andenke« k Die Beerdigung findet am Mittwochnachmittag 6 Uhr von der Leichenhalle des Smmatts- Kirchhofes, Hermannstraße, auS statt. Zahlreiche Betelligung erwartet Die Ortiverwatiung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todcs-Anzclge. Den Kollegen zur Nachricht, baß unser Mitglied, der Mechaniker Bertiioid Wittenberg gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, den 22. Juli, nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- halle des Neuen Zwöls-Apostel- Kirchhofes In Schönebera, Ebers- straße aus statt. 119/15 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaitung. Todes» Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Anschläger Psul Pietsch am 18. Juli 1908 am Blinddarm- leiden gestorben ist. 119/16 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, den 22. Juli, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Stäbttschen Kirchhofes in FriedrichSsclde auS statt. Rege Beteiligung erwartet Die Drlsverwaltung. Verband der Blieb- und Sleindruckerei- Hilfsarbeiter u. Arbeiterinnen Deutseblands.. Ortsverwaitung Berlin. Zahlstelle II,(Hilfearbeiter.) Am 20. Juli verstarb nach langen, schweren Leiden an der Prolclarierkranlheit unser Mitglied, der Falzer, 27/10 Max Hahnel im noch nichtvollendeten 22ä/ebens- jähre. Ein ehrendes Andenken wird ihm stets bewahren Die Zahlstelle II. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den Juli, nach- miliags 5 Uhr, aus ocm Thomas- Kirchhos w Rudorf statt. I-Iaben Sie Stoff? rfawwi Anzugs od. Ptletoi nach Mass, schick, dauerh. Zutaten, von 20 Mark an. Moritz Labanä, Nene PromenadtSJI.(Stdtö. Börse). a""g1 ns .. Rauchen Sic rmiriMdii u-' fUMim 9 uuium nvisivi IL Deutschlands(Zahlstelle Benign). Bureau: Linienstrage 215. Geöffnet von 9—1 und von 4—8 Uhr. Telephon Amt HI, Nr. 933. Zountllg, de» 36. Juli, vormittags'AM Kljr, im Lokale„Mnfikersält" Kaiser-Wilhelm-Strafte 18 u»: N General-Versammlung. � Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes: o) des Vorsitzenden, b) des Kassierers. 2. Anträge. 3. Bericht vom Gewerlschaststongreh(Hamburg). 64/1» MT- Buch legitimiert.'ME Unter Berücksichtigung der reichhaltigen Tagesordnung wird die Versamnilung pünktlich eröffnet.— Zablreichen Besuch erwartet__ Die Soeben erschienen: Proletarierkrankheit und kranke Proletarier. Ein Beitrag zur Hebung der Bolksgesundheit von D. Thomas. 2. Auslage. Die Partcipresse nennt die Schrift eine Kulturtat. Ein lungenkranker Arbeiter schildert darin Entstehung, Heilung und Vcr- hütung der Tuberkiilose; seine lehr- reiche Darstellung ist eine Waffe im Kampf gegen die Schwindsucht und zugleich ein vorzüglicher Agitations- sloff. 246/18» Preis 20 Ps. EFpedition des Uormärts. Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, Laden. Wir verkaufen jet/t noch billigst □ � 4 Mark an in Petershagcn, Ostbahn, CDk 8 Mark an Seegefeld, am Bahnhos, □ � Wd Mark an Kaulsdorf, am Bahnhof,, □ R lO Mark Bahnhof Sadowa, Biesdorf- KaulSdorf-Süd, �HR AD Mark°n Biesdorf, Stadtbahn, a. Bahnhos. Vcrkaussstcll. a. d. 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Kassenäffnung 21/. Uhr. �Beginn des Konzerts 4 Uhr. E n t p e e 25 Pfennig. Die KalTeehUche wird um _ 3 Uhr gettffnet._ Wir haben infolge der guten Fruchtemte unsere Preise für Fpuchtsiifte wie folgt herabgesetzt: Himbeersaft I. Qnalitiit, Xatnrsaft mit feinster Kirschsaft Johannisbecrsaft Erdbeersaft Zitronensaft KafQnadc eingekocht: k, Literflasche II. Qualität mit Nachpresse; ä Literflasche 1, a Champagnerflasche...... . 1,20 M. ROllSäfie frisch von der Presse Himbeersaft....... k Fl. 1,20 M. Kirschsaft........ ä Fl. 1,20„ Erdbeersaft....... ä Fl. 1,20 n Brombeersaft...... ä Fl. 1.20 n PreiBelbeersaft..... 4, Fl. 1.20 Johannisbeersaft Heidelbeersaft. 4, FI. 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Den Parteigenossen samt- licher Bezirke zur Kenntnis, daß heute Mittwoch, abends TVa Uhr, im Lokal von Schumann in Wildau die Wahlvereinsversammlung stattfindet. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Robert Fendel: Das Erziehungsshstem des Staates in bezug auf die Kinder des Proletariats und was haben wir dagegen zu tun? 2. Partei» angelegenheiten. Unter Parteiangelegenheiten kommen wichtige An- gelegenheiten zur Sprache. berliner JVTacbricbten, Solidarität. Wenn Karl Ieidler nicht gewußt hätte, daß in der Fabrik ein Streik ausgebrochen war, dann hätte er es an der Laune seines Chefs merken können. Viel früher als sonst, gleich kurz nach sieben, als Karl noch beim Umkleiden war, war er auch schon im Kontor erschienen. Und als Karl ihm verblüfft und verdutzt ob der frühen Anwesenheit„Guten Morgen" wünschte, hatte er nur ärgerlich und gereizt geantwortet:„Beeilen Sc sich, beeilen Se sich, daß Sie hier mit dem Aufräumen fertig werden l Sie haben heut noch sehr viel zu tun." Dann war er an seinen Schreibtisch getreten und hatte stehend nervös und hastig in den Papieren herumgekramt, bis Karl mit dem Besen zu hantieren begann. Dann stürmte er zur Tür hinaus und lief die Treppe hinauf in die Arbeitsräume. Und grade als Karl mit den entleerten Papierkörben und der Müllschippe vom Hofe zurückkam, war er auch schon wieder unten und regte sich darüber auf, daß die Kontoristin noch nicht zur Steve sei. Das sei eine grenzenlose Bummelei. Als er ein Weilchen vorm Schreibtisch ge« sessen, fragte er plötzlich:„Können Sie maschinenschreiben, Karl?" „Nee, Herr Fritsch, det kann ick nich. Ick bin doch man'n Loofbursche." „Ach was,'ne olle TransIlse sind Se. Sie können gar nichts. Wenn Sie hier mit Ihrer Arbeit fertig sind, dann gehen Se nach oben und helfen da tüchtig. Der Meister soll Ihnen das Kernmachen zeigen." Karl Zeidler brummte etwas bor sich hin. Nun sollte er hier wohl gar noch den Streikbrecher spielen?— Und beim Staubwischen kamen ihm allerlei Gedanken, wie ungerecht eS doch eigentlich sei, daß er mit seinen fünfzehn Jahren noch nicht in den Verband eintreten durfte, und daß er deshalb auch nicht mitstreiken konnte. Und dann dachte er wieder, daß das Mitstreiken für ihn eigentlich gar keinen Zweck habe. Wenn er höheren Lohn haben wollte, dann würde ihn der Alte einfach entlassen. Mehr als zwölf Mark die Woche gabP nicht.— Bis nach der Frühstückspause drückte sich Karl noch unten herum, dann erst ging er nach oben. In der Gießerei arbeitete der Meister mit den beiden Lehrlingen an den Formkasten. Sie wollten wenigstens die notwendigsten Aufträge fertigstellen. Bald tauchte Luch de� Alte auf. Sie würden wohl.heizte- Ueberstundeu machen müssen, meinte er; diesmal dürste es schon nicht darauf ankommen. Natürlich würden sie dafür extra bezahlt bekommen. Und dann wand'.e er sich an Karl; er solle sich in einer halben Stunde bereit« halten, es leien verschiedene Gänge zu besorgen. „Gott sei Dank, det ick von die Schusterei bald wieder weg kotvnne", dachte Karl bei sich, und pünktlich verschwand er, um sich umzuziehen.—— „Nun passen Sie mal auf, Karl", sagte der Chef.„Sie nehmen die Briefe, die Fräulein geschrieben hat und tragen sie aus. Die Adressen kennen Sie ja alle, es sind unsere Kunden. Und wenn Sie gestagt werden, wieviel Leute bei uns arbeiten, dann sagen Sie: mindestens zwanzig Mann und heut nachmittag oder morgen früh fangen noch zehn Mann an. Es sei also keine große Berzögerung zu befürchten.— Haben Sie verstanden?— Na ja, hier haben Sie zwei Mark und nun machen Sie Ihre Sache recht gutl" Karl machte große Augen, als er das Zweimarkstück einsteckte. Der Alte war doch sonst nicht so freigebig. Der mußte ja mächtig im Schwindel sein. Und wie er nun durch die Straßen wanderte, machte er froh und vergnügt Pläne, wie er das Zweimarkstück am besten verwenden würde. Zu Hause würde er ja nichts davon erzählen; auf keinen Fall. Denn dann würde Mutter es ihm doch abnehmen. Nee, erst wollte er nun mal seinen Lieblings- wünsch erfüllen,'ne blaue Kapitänsmiitze, mit blankem Schirm und Sturmriemen und mit'nem recht schonen Sportsnbzeichen vorne dran wollte er sich kaufen. Es gab ja schon Kapitänsmützen für !)S Pf.; aber wenn nun noch das Gelb für die Ueberstunden dazu küme, dann würde er wohl eine für'ne Mark fünfundzwanzig kaufen können. Und dann noch eine Mundhannonika. Die brauchte'* vorläufig nicht so gut und teuer zu sein. Später würde er sich � doch'ne große mit'nem Glockenspiel anschaffen. Und ein paar Dutzend Zigaretten mußten doch auch noch dabei herausspringen. Da würden aber seine Freunde nächsten Sonntag staunen. Und tvenn er dann gar noch der hübschen Olly Hesse'nen Groschen für die hohe Luftschaükel spendieren konnte, dann würden sie Wahlschein� lich vor Neid platzen. O ja, um'ne feine KapitänSinütze,'ne Mundharmonika und ein paar Dutzend„Jofetti" lohnte sich das bißchen Schwindeln schon. Beim Schwindeln sollte man ja übrigens immer mehr verdienen als beim ehrlichen Arbeiten. Karl Zeidler hatte seine Sache gut gemacht. Dem Alten be< richtet« er wenigstens so, als er gegen drei Uhr wieder im Kontor eintraf. Und dieser Bericht schien eine sehr beruhigende Wirkung auf die Nerven de? Herrn Chef auszuüben. Er lehnte sich gemäch- lich in seinen Schreibsessel zurück und zündete sich einen mtt einer „Leibbinde" geschmückten Glimmstengel an. „Haben Sie auch die beiden Streikposten hier unten auf der Straße gesehen, Karl?" „Nee, Herr Fritsch, ick Hab' kernen gesehen." „Sie haben keinen gesehen? Ich meine den Schulz und den Freitag. Standen die nicht mehr da?" „Ach so. Ja, die Hab ick gesehen I" „Sv! Sie standen beide noch da? Hm.— Nun es ist jetzt gleich vier Uhr, bald kommt der Arbeitsmarkt heraus." „Fräulein, schreiben Sie doch schnell einige Zeilen an das Polizeirevier. Die Kerls ständen noch dort. Und sie würden jeden- falls die Arbeitswilligen belästigen.— Karl kann dann schnell hin- überspringen auf die Woche." Das Fräulein schrieb. Der Herr Chef setzte seinen Namenszng darunter und Karl ging mit dem Briefe los. Ehe er auf die Straße hinaustrat, sah er sich erst noch mal lange und scharf um. Aber die Fabrik lag im Ouergebäude und von dort konnte ihn keiner beob- achten. Dann ging er auf Freitag zu. „Na, Karl, wat willst Du denn?" «Herr Freitag, wissen Se wat? Ick soll jetzt uff de Wache gehn. Der Leitnant soll Schutzmänner herschiaen. Es steht'ne Annonce im Arbeitsmarkt und da werden gleich de Streikbrecher an- icijiuicit.* »Pfffft" machte Freitag und legte den Zeigefinger an die Nasen- spitze.„Ahaa I— Na, Junge, Du wirst doch nicht so dämlich sind un den Wisch wirklich uff de Wache tragen?"- „Nee nee, det fällt mir nich im Schlafe ein! Die Fische in der Spree werd ick damit füttern," lachte Karl. Dann nef er laut: „Hoch lebe die Solidarität!" und rannte davon.... Der Chef der Firma„F. Fritsch, Eisen- und Metallgießerei" zerbrach sich den Kopf darüber, wie es wohl möglich sei, daß sich kein einziger Arbeitswilliger meldete. Er stand auf, nahm seinen Panamahut und ging hinunter auf die Straße. Doch bald kam er eiligst mit finsterer Miene zurück. „Karl!" schrie er ins Kontor,„haben Sie denn den Brief auf der Wache abgegeben? Was hat denn der Wachtmeister gesagt?" „'s ist gut, hat er gesagt I" „So wirklich I Nun, wir werden das ja gleich sehen!" Dann ging er sehr eilig davon. Als er wiederkam war Karl Zeidler ver- duftet... Am nächsten Morgen kam er, um sein Arbeitsbuch abzuholen, und mit einem pfiffigen, bedeutsamen Lächeln strich er die vier Mark ein, welche er noch heraus bekam. Als er auf dem Heimwege über die Brücke kam, zog wieder dieses Lächeln über sein Gesicht. Er blickte über das Geländer. Dort unten hatten gestern die Papierschnitzel geschwommen. Und mit denen waren auch Kapitänsmütze, Mundharmonika und Zigaretten fortgeschwommen._ Zur Abstimmung über den Achtuhrladenschluß erläßt der Polizeipräsident folgende Bekanntmachung: Nach- dem die Frist zur Abgabe einer Aeußerung in Sachen der Einführung des Achtuhrladenschlusses(mit Ausnahme der Sonnabende) in Berlin, Charlottenburg, Schöneberg und Nixdorf mit dem 30. Juni cr. abgelaufen ist, liegt die Liste der beteiligten Geschäftsinhaber, tn welche mit roter Tinte die Abstimmungsäußerungen eingetragen sind, während der Zeit vom 29. Juli bis einschließlich 11. August in den Revier bureaus der einzelnen Polizeireviere zur-öffentlichen Einsicht aus. Einsprüche gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit der Liste bezüglich oer Abstimmungseintragungcn können innerhalb der gedachten Auslegungsfrist von den beteiligten Geschäftsinhabern schriftlich oder zu Protokoll bei dem Vorsteher des zuständigen Polizeireviers bezw. seinem Stellvertreter erhoben werden. Nach Ablauf der Frist eingehende sowie solche Ein spräche, die die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Liste nach anderer als der bezeichneten Richtung hin betreffen, bleiben unberücksichtigt._ Ein tolles PolizcistLckchen wird uns bon einem Kutscher vorgetragen. Derselbe, mit Namen R.. Berlin, Mehnerstr. 11 wohnhaft, hatte bon der Polizeidireltion in Rixdorf ein Strafmandat auf drei Mark lautend erhalten, weil er anstatt in, neben einer Bedürfnisanstalt uriniert hatte. Da R krank und erwerbslos war, beantragte er Stundung der Zahlung, überlegte es sich aber später und machte eS mögliM die drei Mark Polizeistrafe zu zahlen. Das geschah am 16. Juli. Am 16. Juli erschien vom 18. Polizeirevier in der Neuen Kvnigstraße ein Kriminal beamter in der Wohnung deS R., dem die Quittung über die erfolgte Zahlung der drei Mark vorgelegt wurde. Der Beamte meinte bei dieser Gelegenheit, es sei ganz gut, daß bezahlt sei, dann hätte R. doch keine Schererei mehr. Wie erstaunte aber der Kutscher, als am Sonntag, den 19. Juli, früh gegen 4 Uhr Schutzleute an seiner Wohnung klopften und ihn aufforderten, zur Wache zu kommen. R. zeigte auch diesen Beamten die Quittung, worauf sich die Leute entfernten, um aber nach einer halben Stunde wiederzukommen und R. mit zur Wache zu nehmen. Auf der Wache wies R. wieder darauf hin, daß er ja bezahlt habe. es nützte ihm nichts, er. der kranke Mann, wurde in eine Zelle gesperrt, in der er vier Stunden verbleiben mußte. Erst dann sah sich wohl der Wachtmeister die Quittung deutlich an und entließ ihn mit dem Bemerken, R. hätte noch extra auf die Quittung hinweisen sollen Der Kutscher mußte, nach Hause gekommen, die Wahrnehmung machen, daß er in der Zelle Ungeziefer aufgelesen hatte. Wenn diese Darstellung richtig ist— und wir haben keinen Anlaß, daran zu zweifeln, Strafverfllgung mit Quittung hat uns übrigens vorgelegen— so verdient das Verhalten der Polizei ernstlich gerügt zu werden. Die vierstündige grundlose Einsperrung in die Zelle qualifiziert sich im vorliegenden Falle einfach als FreiheitS beraubung. Und dann noch etwas anderes: Angenommen, R. hätte die drei Mark wirklich nicht bezahlt gehabt, was ist das für eine Art, einen Berliner Bürger wegen drei Mark Sonntag« früh um vier Uhr aus dem Bette zu holen. Und noch dazu einen Mann, der sich als Kranker durch feinen Krankenschein legitimiert; R. geht an einem Stocke, weil er sich eine Beinverletzung zugezogen hat. Es wäre dringend notwendig, wenn der Polizeipräsident den Sachverhalt genau fessstellen und die Schuldigen zur Rechenschaft zöge. Der Tegeler See gefährdet. _ Als sich vor etwa Jahresfrist eine Granate v'om Tegeler Schießplatz verirrte und in ein HauS bei Saatwinkel einschlug, wurden die Artillcrie-Schietzübungen von dort nach Döberitz verlegt, um den Tegeler Sc« nicht zu gefährden. Nun erregt es leb- haften Unwillen in> Tegel und den Kolonien am Tegeler See, wo gegenwärtig Hunderte von Berlinern zur Er- holung weilen, die sich bei günstigem Wetter des Vormittags durch Bootsfahrten auf dem See ergehen, daß die Militärbehörde vorgestern bekannt gab:„Der Tegeler See sst am Freitag von 6— 12 Uhr gefährdet." Am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag schießen dort oas Alexander- und Augustaregiment, ohne den See zu gefährden: für Freitag aber, wo das Eiscnbahnrcgiment Nr. 3 schießt, wird der See als gefährdet bezeichnet. Das Publikum schließt daraus mit Recht, daß an diesem Tage wieder Schießstände benutzt werden, die besonders ungünstig nach dem See zu liegen. Uever eine rohe Tat eines Sergeanten wird berichtet: I» der Nacht vom Sonntag zum Montag nach 1 Uhr standen zwei Frauen im Gespräch an der Kork- und Belleallianccstraße, als ein Sergeant des Gorde-Dragoncr-RegimentS mit einer Dame vorüberging. Im Vorbeigehen ließ er eine abfällige Bemerkung fallen, welche von der einen Frau entsprechend beantwortet wurde. Darauf wandte sich der Sergeant um, packte die Frau beim Arm und schlug ihr mit dem Säbel dermaßen ins Gesicht, daß sie blutüberströmt in die Arme ihrer Freundin sank. Der mutige Sergeant machte sich darauf unter dem Schutze einer Patrouille auö dem Staube nach der in der Belle- alliancestraße belegenen Dragonerkaserne, während das Publikum vergeblich laut und entrüstet die Sistierung des schlagfertigen Sol- baten gefordert hatte. Ein Schutzmann, der nachttäglich auf der Bildfläche erschienen war, nahm sich endlich der vor Schmerzen ohnmächtig Gewordenen an und brachte sie nach der Unfallstation am Tempelhofer Ufer. Recht nette Zustände in Berlin. Die Gefahren des BarfuhlanfenS. Bsn ärztlicher Seite wird uns geschrieben:„Wie alljährlich tritt auch in diesem Jahre die Tassache in die Erscheinung, daß in den Außenbezirken der Stadt die Kinder�chve�.SMHbekleidung.währeudeker Ferien unterlaufen. Es bleibt nicht aus, daß die Kinder durch Eintreten in Glas und Scherben die söhtvcrsten Verletzungen an den Füßen davonttagen, die durch Hinzutreten von Starrkrampf sogar den Tod der Kinder herbeiführen können. Möchten die Eltern doch endlich sich dieser Gefahr bewußt werden und das Barfußlaufen verhindere."/ Unter eigentümlichen Umständen tot aufgefunden wurde der 26 Jahre alte Kaufmann Julius Engel im Hause Genthiner Sttaße 26 in seinem neben dem Laden belegenen Schlaf- zimmer. Engel, der noch am Abend zuvor zwischen 11—12 Uhr von Hausbewohnern von einem Ausgange heimkehrend froh und munter gesehen wurde, lag gestern morgen 7 Uhr tot im Bett. Der Hausdiener fand ihn dort auf und benachrichtigte sofort die Kriminal- Polizei, die auch sofort erschien. Das Zimmer Engels, das neben dem Laden liegt und nach dem Hofe führt, enthält außer einem Bett einen Wäscheschrank, ein Kleiderspind, einen Tisch, Stühle, einen Waschtisch mit Spiegel, ein Schlaf- sofa, neben dem Kleiderspind einen Ständer mit Blumen und einen Teppich. Engel lag tot im Bett, nur mit einem Nachthemd bekleidet, Uni den Hals war eine Rouleauschnur, die vom Fenster abgerissen war, gelegt. Am Halse waren mehrfach deutliche Strangulationsmarken zu sehen. Im ersten Augenblick konnten die ärztlichen Sach- verständigen nicht unterscheiden, ob Mord oder Selb st mord vorliegt. Für einen Selbstmord sprachen folgende Momente: Die Rouleauschnur war nicht unmittelbar um den Hals ge- fchlungen, sondern über den hochgezogenen Kragen des Nacht- Hemdes gelegt worden. Für Selbstmord könnte auch die Geld- Verlegenheit des Toten sprechen. Gestern war noch ein Wechsel, den Engel ausgestellt hatte, unter Protest zurückgegangen, und heute wollte die Butterfirma C. Melchert einen größeren Betrag bei ihm kassieren. Die Miete war Engel seit zwei Monaten schuldig geblieben. Im Mai hatte Engel vergebens versucht, beim Hauswirt ein Darlehen von dreitausend Mark aufzunehmen. Für einen Raubmord spricht dagegen der Umstand, daß- die beiden jungen Leute, die Engel in seiner Butterhandlung beschäftigte, überein- stimmend aussagten, daß die gestrige ansehnliche Tageseinnahme über zweihundert Marl betragen habe. Die Tageseimiahme pflegte Engel stets am Abend in sein Schlafzimmer zu nehmen. Dies war auch gestern der Fall. Trotz eifrigsten Suchens konnte aber die Summe nicht gefunden werden. Engel hatte über dem Kopf- ende des Bettes in der Wand ein Geheimfach, in dem er das Geld aufzubewahren pflegte. Dieses Fach war gestern morgen leer. Da ein Bild das Fach verdeckte, so muß der Täter den Geheim- schrank gekannt haben. Hierzu kommt, daß die Türen, die vom Schlafzimmer zur Küche und von dieser zum Hofe führen, heute morgen offen standen, was sonst nie der Fall war. Engel pflegte sonst stets die beiden Türen während der Nacht zu verschließen oder zu verriegeln. Außer den Strangulationsmarlen zeigten sich am Kehlkopfe zwei und an der linken Halsseite eine kleine Kratzwund». Die Augen waren offen, sonst machte der Tote den Eindruck eines Schlafenden. Die Todesursache wird mit Bestimmtheit erst durch die Obduktton festgestellt werden können. Einstweilen blieb die Leiche, die von Beamten des Erkennungsdienstes mit ihrer ganzen Umgebung photographiert wurde, noch in der Stube.— Die Kriminalpolizei rechnet aber auch mit einem Mord aus ge- schlechtlichen Motiven. Julius Engel ist der Polizei seit längerer Zeit als homosexuell bekannt; bei ihm verkehrten am Tage und auch deS Nachts wiederholt junge Leute, die elegant gekleidet waren. Besonders häufig verkehrten bei dem Toten der etwa 26jährige Reisende Julius Adam und der Reisende Otto Wetzel; dieser verkaufte für eine amerikanische Firma patentierte Ansichtspostkarten aus Seidenstoff. Der Polizei ist es im Interesse der Sache sehr erwünscht, wenn sich diese beiden und auch ein bis jetzt noch unbekannter Einjähriger bei der Kriminalpolizei melden würden, um zweck- dienliche Angaben zu machen. Der Polizeipräsident erließ sofort eine Bekanntmachung, die gestern nachmittag an alle Anschlagsäulen Berlins geheftet wurde. In dieser Bekanntmachung wird der Todesfall als sehr rätselhast bezeichnet; falls ein Verbrechen vor- liegen sollte, werden denjenigen, der Angaben zur Entdeckung dss Täters macht, tausend Mark Belohnung ausgesetzt. Gegen Mittag erschien in einem Automobil eine Gerichts- kommission, die ein ausführliches Protokoll ausnahm und von dem Toten und den Räumlichkeiten mehrere photographische Aufnahmen machte. Die Leiche wird heute nachmittag zur Obduktion nach dem Leichenschauhause gebracht. Die Sachverständigen Dr. Hoffmann tvie Dr. Strauch neigen der Ansicht zu, daß ein Selbstmord vor- liegt. Für einen Selbstmord spricht außer der schon erwähnten Geldnot Engels auch die Tatsache, daß in der Wohnung keine An- ordnung herrschte._____ Doppclmord und Selbstmordversuch. Ein zweites Drama hat sich gestern nacht in Charlottenburg abgespielt. Die 36 Jahre alte Witwe L. Stiller aus dem Hause Pestalozzistraße 4 vergiftete ihre beiden Söhne Hans und Walter im Aller von sechs und acht Jahren mit Oleum und versuchte sich dann selbst das Leben zu nehmen. lieber die Verzweiflungstat wird folgende Meldung verbreitet: Frau Stiller hat die Tat aus verschmähter Liebe verübt. Die Witwe wohnte seit zwei Jahren in der Pestalozzistraße 4, ernährte sich mühsam durch Blusennähen und erhielt eine monatliche Armenunterstützung von 16 Mark. Seit einiger Zeit wohnte ein junger Buchhalter bei ihr, den Frau Stiller als ihren Schwager ausgab. Die Witwe hoffte, daß der Buchhalter sie heiraten würde, bis sie gestern erfuhr, daß der junge Mann ein Liebesverhällnis»nit ihrer Schwägerin unterhielt. Als Frau Stiller darauf dem Buch- Halter Vorwürfe machte, kündigte ihr dieser. Die Trennung glaubte Frau Stiller nicht überleben zu können. In der vergangenem Nacht gegen 12 Uhr gab sie ihren beide» Söhnen Oleum zu trinken, dessen Wirkungen die Kinder bald erlagen. Darauf ttank die Mutter selber das Gift. Sie wurde schwer verletzt nach dem Krankenhaus Westend gebracht.( Im Bernhard Rose-Theatcr in der Gr. Frankfurter Straße ist schon wieder ein-e Detektivkomödie in den Spielplan aufgenommen worden. Diesmal betitelt sich das Schauerstück:„Das Geheim- n-is von New U o r k" von H. R. Mcmz. Ueber den Inhalt ist wenig zu sagen; es ist nach dem alten Schema aearbeitct, in welchem ein Detektiv semeSpürkünste nach raffinierten Verbrechern betätigt; nur mit dem kleinen Unterschied, daß diesmal auch der Spiritis- mus eine Rolle spiell und nebenbei als vollendeter Humbug nachgewiesen wird, das einzige Vernünftige an dem Stück. In die Rolle eines Detektivs scheint sich Herr Bernhard Rose immer mehr hineinleben wollen, während Heinrich Bach den Schuft Lord Pembroke mtt aller Gerissenheit spielte. Beide wurden lebhaft unterstützt durch Fräulein Emmi BehrendS-Carlsen in der Eigen- schaft der bettogencn Lady Pembroke und Fräulein Frida Bnvsch, dem unfreiwilligen Werkzeug des Verbrechers Lord Pembroke. Man kann immer mehr bcioauern, daß der Direktor des Theaters, Herr Bernhard Rose, zu derartigen Schauerstücken greift und seinem ursprünglichen Programm, Klassiker u»d gute Vobks. »stücke zu bringen, iurmer mehr..utttreu wird. Selbst Herr Rase, der doch schon gegeigt hat, daß er AnnechmbKos bieten kcM, sollte wissen, daß er mit Aufführung derartigen Schundes sich um seinen Ruf bringt und nicht einmal das erreicht, was er vielleicht glaubt erreichen zu können, nämlich voll« Kassen. Radrennen zu Spandau. Die am Sonntag hes Regens kvcgen abgebrochenen Rennen konnten am Montag abcwd bei gutem Be- such und ohne Störung zum Austrag gebracht werden. Die Ver- Nüstungen, die am Sonntag von der skandaliercnden Menge auf der Bahn verübt waren, erwiesen sich nicht als so schwere, so daß am Abend alle Spuren der Ausschreitungen beseitigt ivarcn. Der Große Preis von Deutschland, eiw Tauerrenncn über 200 Kilometer, von dem noch 80 Kilometer zu erledigen waren, erwies sich als ein Triumph des Berliners Artur Stell- brink, der das Rennen in überlegener Weise gewann. Anfangs marschierte Demkc an zweiter Stelle, doch blieb er infolge eines Motordefcktes zurück und mutzte Theile vorüberziehen lassen. Tie drei Berliner endeten denn auch auf den ersten Plätzen vor Ryser und dem Italiener Bruni, der sich infolge einer Handvcrletzung nicht zur Geltung bringen konnte. Stellbrink beendete die 100 Kilometer des Rennens in der sehr guten Zeit von 1 Stunde 8 Minuten 25 Sekunden; Theile 2500 Meter, Dcmke 3800 Meter, Ryser 6400 Meter und Bruni 12 500 Meter zurück. Die Flieger- rennen boten gleichfalls sehr guten Sport; die Leistungen der Fahrer wurden von den Anwesenden durch Beifallskundgebungen ausgezeichnet. Im Prämienfahren über 3000 Meter siegte Carapezzi vor Sützmilch und W. Müller. Das Vorgabe- fahren über 2000 Meter gewann Rudel(10 Meter Vorgabe� vor Saldow(30) und Sützmilch ,(30). Interessant gestaltete sich das Tandemrennen über 3000 Meter.. Carapezzi- Peter belegten den ersten Platz vor Sützmilch-W. Müller und Techmer-A. Müller. Ein schweres Gewitter ging erst nach Schluß des Rennens hernieder. Zeug«« gesucht. Am Sonnabend, den 11. Juli, zwischen 6 uns 7 Uhr abends, ist der Töpfer Albert Nowak, Weinbergsweg 11, Hof rechts II., wohnhaft, am Schlesischen Bahnhof von der Bahnhofs- treppe nach dem Ausgange der Fruchtstratze zu abgestürzt und zwar so unglücklich, datz im Krankenhause Friedrichshain, wohin N. gebracht wurde, sein Tod erfolgte. Die Witwe bittet dringend, datz sich Zeugen des Borganges, der eine große Menschenansammlung verursachte, doch recht bald bei ihr melden möchten. Verschwunden ist seit zirka vier Wochen der 14 Jahre alte Paul Bartz, Piicklerstr. 50. Bekleidet war er mit einem schwarzen Jackett, braunen Manchesterhosen, grauen Strümpfen, Schnürstiefeln und schwarzen weicheil Hut. Nähere Angaben über denselben sind an die Eltern Bartz, Pücklerstr. 60, zu machen. Bei dem Volksfest des Kreises Teltow-Beeskow sind zwei Damen- Regenschirme und eine silberne Damenuhr verloren gegangen; ge- funden wurde ein Spazierstock. Meldungen im Kreisbureau, Char- lottenburg, Rosinenstr. 3, erbeten. Feuerwehrbencht. Gestern früh um 5 Uhr kam in der Jüden- straße 54 auf dem Hofe in der abgeschlossenen Niederlage der Drogenhandlung von E. A. Lindner Nachfolger Feuer aus. Als die Feuerwehr erschien, brannte es in drei Stockwerken, obgleich die Flammen noch nicht so weit vorgeschritten waren, datz sie auf natür- lichem Wege von einem Stockwerk zum anderen vorgedrungen sein konnten. Fässer mit Drogen, der Fußboden u. a. mußten abgelöscht werden. Die Entstehung des Feuers ist unaufgeklärt. Der 20. Zug hatte in der Jnselstr. 12 zu hm, wo in einer Pförtnershibe Feuer ausgekommen war und die Wohnungsinhaberin, Frau I e s k e, Brand- wunden am Kopfe und an der rechten Hand erlitten hatte, die ihr von Samaritern der Feuerwehr verbunden wurden. Wegen einer Gas- Vergiftung wurde die Feuerwehr nach der Friedrichstr. 235 alarmiert. Durch Anwendung von Sauerstoff gelang es, mit Erfolg die Gefahr bei der schon bewußtlosen Person abzuwenden. Ferner hatte die Feuerwehr in der Schwartzkopffstr. IS zu tun, wo in einem Keller Kohlen u. a. brannten. Ein WohnungSbrand mußte in der Wrangel- straße 66 gelöscht werden. Gardinen u. a. bramiten in der Metzer- straße 33, Papier u. a. in der Langestr. 88/89. Außerdem wurden noch Brände aus der Chausseestr. 44, Dunckerstr. 85 und anderen Stellen gemeldet. Vorort- jVadmchtein Wilmersdorf. Ein Wohnungsproblem in Wilmersdorf. Mitten unter den mit Fahrstühlen, Warmwasserheizung und anderen Schikanen der Neuzeit versehenen Mietspalästen am süd- lichen Ende der Uhlandstratze liegen der Gasteiner Straße gegen- über diverse Uebcrbleibsel aus der Zeit, wo Wilmersdorf noch ein wirkliches Dorf war. Seitdem hat der Grundstückswucher die arm- seligen Büdner und Kossäten von ehedem zu protzigen Millionären gemacht; die paar ehrwürdigen Scheunen und Schweineställe jedoch, die von damals noch übrig geblieben sind, nehmen sich mit ihrem rustikalen Mistgeruch unter der modernen Pracht aus, wie die Sau im Judenhause. Alldieweil nun die Nachbarschaft � solcher ländlichen Hütten das Einkommen der Hausbesitzer beeinträchtigt und nebenher auch für den Gesundheitszustand der Gegend nicht gerade förderlich ist, hat die Stadtverordnetenversammlung von Wilmersdorf den Magistrat ermächtigt, mit dem Berliner Bau- meister Kurt Berndt einen Vertrag abzuschließen, wonach ein von der Stadt erworbenes Gelände von 857 Quadratmeter Größe dem Baumeister aufgelassen werden soll. Dieser hätte dann durch die von ihm zu erwerbenden Grundstücke eine neue 19 Meter breite Fahr- straße anzulegen und dann an die Gemeinde 903 Quadratmeter Terrain abzutreten. Der Abbruch des Wilmersdorfer Scheunen- Viertels sollte dann spätestens am 1. April beginnen; die Entschädigung, die Herrn Berndt von der Stadt gewährt werden müßte, wurde auf 109 000 M. bemessen. Aus diesem Plan scheint jedoch nichts werden zu sollen, denn Herr Berndt verlangt jetzt fast, die doppelte Summe, nämlich 200 000 M.; und diese Entschädi- gung wird von der Stadt für viel zu hoch gehalten. Somit ist der Abbruch des Scheunenvicrtels wieder in weite Ferne gerückt. Dies Wohnungsproblem berührt nun auch die Arbeiterschaft Von Wilmersdorf. Denn die alten Baracken dienen zum Teil nicht nur dem lieben Vieh, sondern auch Menschen zum Aufenthalt. So elend nun die Armen auch hausen, so sind sie bei der Moderni- sierung von Wilmersdorf doch der leidende Teil. Denn die Miets- preise in den neuen Palästen, die an Stelle der alten Buden er» stehen, sind für kleine Leute durchweg unerschwinglich. Man baut in Wilmersdorf für den„besseren" Mittelstand und für reiche Leute Wohnungen bis zum Ueberflutz. Arbeiter als Mieter sind den Hausbesitzern zumeist aber unerwünscht; die Vertriebenen müssen sehen, wie sie in Nachbarorten ein Unterkommen finden. Hätte Wilmersdorf eine Stadtverwaltung mit sozialem Empfinden, so würde maw von Gemeinde wegen das Nötige tun und auf Rech» nung d/r Stadt gesunde und möglichst billige Arbeiter- Wohnungen zu errichten suchen. Das ist aber bei der gegen- wältigen reaktionären Zusammensetzung der Stadtverordneten- Versammlung nicht zu erwarten; es wird erst dafür gesorgt werden müssen, datz Sozialdemokraten ins Stadtparlament kommen, die die dort maßgebende» Herren an ihre sozialen Pflichten mahnen müssen und sie ständig vorwärts treiben, Bernau. In der Generalversammlung des Wahlvereins erstattete Ge- nosse Knöschke zunächst den Bericht für das verflossene Halbjahr. Es haben stattgefunden: 14 Vorstandssitzungen, 6 Versammlungen und zur Landtagswahl eine ganze Anzahl Wähler- und Bezirks- Zusammenkünfte. Zur Landagitation waren 7 Agitationstouren notwendig; die Beteiligung hieran hätte besser sein können. Einer Einnahme von 720,45 M. steht eine Ausgabe von 624,82 M. gegen- über, so datz ein Bestand von 95,63 M. verbleibt. Der Mitglieder- bestand beträgt 221.„Vorwärts"-Abonnenten sind 300 am Orte.— Der Kursus in Nationalökonomie wird am 3. September vom Ge. nossen Julian Vorchärdt fortgesetzt. Nach Anhöriillg eifteZ Por- träges über„Das Reichsvereinsgesetz" wurde die Frage der Fraucnorganisation diskutiert und die vom Partcivorstand der Fraucnkonferenz vorgeschlagenen Leitsätze ohne wesentliche Aus- sctzungen angenommen. Unter Verschiedenem wurde beschlossen, am. Sonntag, den 2. August, einen Familicnausflug nach dem Schießstand zu veranstalten. Das Kreisturnfest des ArbeiterturnerbundeS in Brandenburg a. H. In zwei Sonderzügen waren die freien Turner und Turne- rinnen Berlins und seiner Vororte am Sonnabend in der alten Hauptstadt der Mark eingetroffen, wo ihnen ein gastlicher Empfang bereitet wurde. Gleichzeitig und noch am Sonntag kamen aus allen Teilen der Provinz Abordnungen an.— Ein Gewitterregen, der Sonntag früh losbrach, als eben die Kampfspiele im Sportpark begonnen hatten, nötigte zu einer Unterbrechung des Vormittags- Programms. Auch das Musterriegenturnen konnte nur teilweise durchgeführt werden. Bei prachtvollem Sonnenschein erfolgte nach- mittags der Festzug durch die Stadt unter imposanter Beteiligung der proletarischen Bevölkerung Brandenburgs. Auf dem ge- räumigcn grünen Festplatz im Sportpark fanden sodann, nachdem Krcisvertretcr Gentz und ein Vertreter des Bundesvorstandes zün- dende Ansprachen an die freien Turner gerichtet, vorzüglich ge- lungene Freiübungen statt, an denen sich gegen 1000 Turner und über 300 Turnerinnen beteiligten. Leider wurde die Fortführung des Programms, dos unter anderem noch Kinoerspiele unter Leitung des Berliner Turnvereins„Fichte" sowie Massenpyramiden und Wettkämpfe bringen sollte/ durch ein Unwetter verhindert, das mit verheerender Gewalt urplötzlich heraufzog und in kurzer Zeit den Festplatz völlig aufweichte, so daß alles fliehen mußte. Die Turner und Turnerinnen behielten trotzdem ihren Humor und ent- schädigten sich am Abend durch rege Beteiligung an den arran- gierten Festbällen. Montag fand das Fest mit einem Tnmpfcr- ausflug auf der Unterhavel seinen Abschluß. Diese Dampferfahrt war von gutem Wetter begünstigt und befriedigte die zahlreichen Teilnehmer, zu deren Beförderung acht Schiffe nötig waren, in hohem Maße,__ ' Vermilcktes. Arbeitersoldaten als Meuterer. Aus Magdeburg wird berichtet: Am Dtontag nachmittag war eine Abteilung Arbeiter- soldaten unter Aufsicht eines Sergeanten und eines Gefreiten mit dem Aufhacken des Reitweges in der Nähe von Magdeburg be- schäftigt. Als Arbeitersoldat Worch über Kreuzschmerzen klagte, ließ ihn der Sergeant austreten und hieß ihn, hin- und herzugehen. Der Soldat bestand aber darauf, sich niedersetzen zu können; es entspann sich eine Auseinandersetzung, in deren Verlauf der Sol bat den Sergeanten plötzlich anpackte und zu Boden warf, was den Gefreiten veranlatzte, sein Seitengewehr zu ziehen und hinzu- zuspringen, um den Sergeanten zu befreien. In diesem Augenblicke sprangen zwei andere Arbeitcrsoldaten hinzu, und schlugen mit ihren Hacken und Spaten auf den Gefreiten ein, so daß dieser blutüberströmt zusammenbrach. Dann fielen die drei über den Sergeanten her, und brachten ihm erhebliche Verletzungen am Kops und am rechten Bein bei. Die drei Soldaten ergriffen dann die Flucht, wurden aber später von einer nachgesandten Patrouille verhaftet. WasMie Arbeitersoldatcn zu ihrer Tat, die sie wahr- schcinlich recht bitter zu büßen haben werden, veranlatzte, entzieht sich der Kenntnis der Oeffentlichkeit. Der Haupttäter ist wegen der verschiedensten Verbrechen mehrfach vorbestraft. Die Begnadigung der zum Tode verurteilten Bürgermeisters tochter Grete Beier ist vom König von Sachsen abgelehnt worden, obwohl selbst die Geschworenen die Begnadigung befürwortet hatten. Die Hinrichtung der Beier soll heute früh 6 Uhr erfolgen. Infolge eines Wolkenbruchs wurden gestern abend beide Gleise der Strecke Ansbach— Würzburg zwischen den Stationen Oberdachi stetten und Burgbernheim überschwemmt und von Erbmassen über schüttet. Die Strecke war dadurch ein und eine halbe Stunde gesperrt. Die v-Züge 87 und 94 erlitten größere Verspätungen, ebenso mehrere Personenzüge. Ueber die Typhusepidemie in Greiz liegt folgende Meldung vor: Die Zahl der Erkrankungen an Typhus in Greiz ist auch in der letzten Woche und besonders in den letzten Tagen erheblich zurütt gegangen. Es sind in der Zeit vom 12. bis einschließlich 19. dieses Monats 13 Typhuserkrankungen gemeldet worden, in den letzten Tagen, am 18. und 19. ist überhaupt kein neuer Typhusfall zur Anzeige gekommen. Gestorben sind in der gedachten Zeit an Typhus 2 bezw. 3 Personen, im ganzen also während der Epidemie 10 bezw. 11 Personen. Ueber eine Wahnsinnstat wird aus Chemnitz berichtet: Gestern nachmittag sollte der geisteskranke, bei seinem Vater in Lichten- stein-Callnberg wohnende, aus der Landesanstalt Zschadratz ent- lassene 27 Jahre alte Weber Ocscr von dem Arzt Dr. Wagner in der Wohnung seines Vaters verbunden werden. Der Wahn- sinnige ergriff einen Revolver und versuchte den Arzt zu erschießen. Als sein 70jährigcr Vater dazwischen sprang, traf die Kugel diesen oberhalb des Herzens und verletzte ihn tödlich. Darauf entfloh der Wahnsinnige in den Wald, stürzte auf dem Rückwege in das Stu- dierzimmer des Diakonus v. Pienbusch und schoß diesen nieder. Der Geistliche ist einige Stunden nachher verstorben. Der Wahn- sinnige hat sich selbst der Polizei gestellt. Rettung Schiffbrüchiger. Bremen, 21. Juli. Die Rettungs- station Neuharlingersiel der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphiert: Am 21. Juli von dem bei Spiekeroog gestrandeten englischen Dampfer Grenadier(Kapitän Howe) mit Stückgut von Newcastle nach Hamburg bestimmt, durch das Rettungs- boot Frauenlob der Station ebenfalls 12 Personen aerettet. Sturm ans Nord, Boot 5 Stunden unterwegs. ßrUfhaftcn der Redaktion. Die juristische evrichstund, stndet Liudenftraste Nr. 9,»weiter Hof. dritter Eingang,»irr Treppen, MG Fahrstuhl"GM wochentägltch abend? von?>/, bi?»>/, Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr Sonnabend? beginnt die Sprechstunde um 0 Uhr. Jeder Slnfragr ist«in Buchstabe und eine Zahl al? Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht»rtetlt. Eilige Fragen trage man tu der Sprechstunde vor. W. W. 000. 1. Die Einkommen werden zusammengerechnet.?. Die Beiträg« sind nicht abzugssähig.— Genossin. Das hängt davon ab, ob aus der Art der Straftat aus Unzuverlässigkeit geschlossen werden kann.— O. G. Friedrichsfelde. 1. Nein. 2. Derjenige, der den Vertrag ge- schlössen hat.—(je. T. 84, Wenn der junge Mann nicht volljährig er- klärt ist, so mutzte anch die Bewilligung des Vormundes erfolgen. Beide Erklärungen müssen notariell oder gettchtlich beglaubigt sein.— 004. 1. Nur wenn Erwerbsfähigkeit besteht. 2. DaS ist gleich. 3. bis S. Aus Antrag werden Sie vom JnvalidcnmarkenNeben besreit. Der Antrag ist an den Magistrat zu richten. 6. Gastfreund. 7. StaatSwissenschasten.— R.®. 40. Die kinderlose Witwe oder der kinderlose Witwer erbt, wenn kein Testament vorliegt, die Hälfte des Nachlasses und als voraus die Haushaltungsgegenstände und die Hochzeitsgeschcnlc. — H..30. 1. Das Achtet sich nach der Höhe des Einkommens. 2. Ja. 3. Voraussichtlich wird Ihre Frau zum Vormund bestellt werden. Sie mutz einen hieraus gerichteten Antrag an das Bormundsschaftsgcricht senden. Zweckmätzig ist es, daß Sie dem Kinde Ihren Namen beilegen. Ersorder- lich ist eine Erklärung der Mutter, des Vormundes und Ihrer Perfon vor dem Standesbeamten, in welcher die beiden ersten Personen die Ein- willigung in die Namensbeilegung erklären und Sie dem Kinde den Namen beilegen. In den Pflichten des autzerchelichen Erzeugers wird durch diese Namensbeilegung nichts geändert. 4. Einen dahingehenden Antrag mutzten Sie an da? Brzirkskommando Achten. S. Die Versicherungsanstal! lätzt in der Regel nochmals eine Untersuchung vornehmen. S. Die Höhe der Invalidenrente hängt von der Art und der Anzahl der gesiebten Marken ab. — Eh. W. 88. Ein ostpreutzischer Gutsbesitzer.— C. P. 84. Niemand, weil niemand ein Verschulden trifft.— O. H. 8. Die Untcrschrist wäre nur für Ihre Frau, nicht aber sür Sie verbindlich. Teilen Sie der Gesellschast mit, datz Sie die Unterschttst der Frau nicht genehmigen.— U. 80. Wegen Gcrichtskosten beziehentlich wegen Nichtbettchligung der« stlben kann keine Freiheitsstrafe eintreten. ES würde nur der Versuch der Psändung und der Erwirkung eincS Offenbarungseides eintreten föiincn. Die Eltern hasten sür die Kosten nicht.— K. L» Probstzella. 1. Nein. 2. Ja. sie kann sich dann an dem Hundebesitzer schadlos halten. Auch gegen den Hundebesitzer kann der Geschädigte mit seinem vollen Schaden« ersatzanspruch vorgehen.— B. W. 909. Ihr Vorhaben ist aussichtslos. — B. M. 10. Sie können gegen die Veranlagmig reklamieren, so lange Sie der katholischen Kirche angehören, müssen Sie auch dort �steuern zahlen. Treten Sie zur evangelischen Gemeinde über, so haben sie dort die Steuern zu entrichten. Der Uebcrtritt erfolgt durch Erklärung den beiden Kirchengemeinden gegenüber. Däs� Ratsamste ist, aus der Kirche überhaupt auszutreten. Wenn Sie in diesem Jahre austreten, haben sie vom schlutz des Jahres 1309 ab Kirchensteuem nicht mehr zu zahlen. Der Austritt erfolgt durch Erklärung dem Amtsgericht gegenüber, in dessen Ve- zirk Sie wohnen. Sie schreiben an das Amtsgericht: Ich beabsichtige, aus der(evangelischen oder katholischen) Kirchengemeinde auszutreten, zeige meinen Austritt hiermit an und beantrage, denselben zu gerichtlichem Protokoll zu nehmen. Dann müssen Sic innerhalb des 29. und 42. Tages nach An» kunst des Schreibens bei Gericht, auch wenn Sie Ladung nicht erhalten, er» scheinen und dort Ihren Austritt zu gerichtlichem Protokoll erklären. — K. 100. Ein Astermieter kann selbstverständlich Besuche in seincr Stube empsangen.— P. 1070. Ja: Die Witwe, und salls eine solche nicht vorhanden ist, die hinterlassenen ehelichen Kinder� unter 15 Jahren haben einen Anspruch aus Zahlung der Hülste der sür die Invaliden- Versicherung geleisteten Beitrage. Dies Recht steht der Witwe und den Kindern jedoch nur zu, wenn mindestens 200 Wochenbeiträge entrichtet waren und dem Verstorbenen eine Invaliden- oder Altersrente noch Nicht bewilligt war. Die Rückerstattung der Beiträge erfolgt insoweit Nicht, als den Hinterbliebenen aus Anlatz des Todes des Vcrstwcrten eine linsall- rente aus Grund des Unsallversicheryngsgesetzes gewährt ist— 8. M. 832. 1. und 2. Ja. 3. Amtsgericht Berlin- Mitte.— Z. 60. Rem. Berliner Marktpreise. Aus dem amtsichen Bericht der flädsilchen Markthallen-Direktion.(Grotzhandet) Ochsenfleilch la 68—73 pr. 100 Psd., Oa 66-69, ITla 56-58, Bullensieisch la 63-69, Na 52—57, Kühe, fett 49—59, do. mager 39—49, Fresser 50—60, Bullen, dänische 44—58. Kalbfleisch, Doppcllcnder 100—110, Mastkälbcr la 80—90, IIa 67—80, Kälber ger. gen. 50—67, do. Holl. 52—57. Hammelfleisch, Jbkast- lämmer 79— 82, Hammel la 73—76, IIa 65—71, Ungar. 0,00, Schafe 58—64. Schweinefleisch 55—62. Rehböcke la per Psd. 0,60— 0,75, IIa 0,40 bis 0,55. Rotwild m. Absch. per Psd. 0.40—0,55, Damwild 0,00. Wildschweine, per Psd. 0,25—0,35. Frischlinge per Psd. 0.40. Kaninchen Stück 0,20—0,40. Wildenten Stück 0,80—1,25. Krickenten Strick 0,40-0,65. Hübner. la per Stück 1,40-1,60, dito Na Stück 0,80-1,30, dito junge, Stück 0,40—0,90. Hamburger Küken, Stück 0,00, Poulets 0,00. Kapaunen, deutsche, per Stück 0,00. Tauben, junge, per Stück 0,25—0,45, dito alte 0,00. dito italien. 0,00. Enten, per Psund 0,00, dito per Stück 1,40—1,80, dito Hamburger, per Stück 2,50—2,90. Gänse per Psd. junge 0,50—0,55. dito per Stück 2,00—3,00, dito Haniburger, junge, per Psd. 0.00. Hechte per 100 Psd. 0,00, dito matt 0,00, dito grotz 0,00, do. grotz-mittel 0,00. Zander 0,00, do. klein 0,00. Schleie 120—135, do. Holl. IIa 0,00. do. groß 102-106, dito mittel 113—120. Plötzen 0,00, do. klein 0,00. Aale, groß- mittel 115— 121, dito mittel 113— 122, dito groß 114 bis 122, dito klein-mittel 96—101, do. unsortieet 0,00, dito klein 66, dito dänisch, grotz- mittel 0,00, dito klein 52, dito klein- mittel 99. Aland 60—74. Bleie 45—58, dito klein 39. Karauschen 72—101. Bunte Fische 60—66, dito Nein 0,00, do. matt 0,00. Barse 0,00, do. Nein 50. Roddow 60, Winter- Rheinlachs, pr. 100 Psund 0,00, Amettkan. Lachs U, p. 100 Psund 0,00, do. IIa 0,00. Seelachs, p. 100 Psund 10—20., Flundern, Kieler, Stiege la 2—6, do. halbe Kiste 0,00, do. Hamb. Stiege 3—5, halbe Kiste 2—3, pomm. Schock 1,00—7,00. Bücklinge, dänische, per Wall 4—5, Kieler 0,00, Bornholmer 0,50— 0,75, Stralsunder 5,00—6,50. Sprotten, Danzigcr, Kiste 0,00, do. Rägenwalder, 0,00. Aale, grotz per Psd. 1,10-1.50, do, vlitteigrotz 0.90-1,10, Nein 0,60—0,90. Heringe ver Schock 0,00. Schellsische, Kiste 3,00—4,00. dito Kiste 2,00—2,50. Sardellen. 1902 er per Anker 0,00, 1904er 102, 1905er 102, 1906er 100. Schottische Vollheringe 1905 0,00, larfr» 40—44, füll. 33—40, med. 36—42, deutsche 30-40. Heringe, neue Matjes, per'/, To, 0,00. Sardinen, russ., Fatz 1.50-1,60. Bratheringe Fatz 1,20-1.40, do. Büchse(4 Liter) 1,40-1,70. Neunaugen, Schocksatz 8, do. kleine 4—5, do. Niesen- 10. Krebse per Schock grotz 0,00, dito grotz- mittel 0,00, dito mittelgroß 0,00, dito Nein- mittel 13,50, dito kleine 0,00, dito unsortiert 6,50, Galizier, grotz- mlttel 0,00, mittel 0,00, llew-mittel 0,00, große 0,00. Eier, Land-, uns. Schock 3,25—3.50. do. große 3,75—4,50. Butter, per 100 Psd. la 117—120, Na 112—116, lila 104—110, abfallende 100-104. Saure Gurken, per Schock 4,00—4,50, do. neue 4—6. Vscffergurke», Schock 4.00—4,50. Kartoffeln, per 100 Psund, Rosen 2,75—3,25, weiße 3,25—3,50, Magdeburger, neue blaue 4,00— 4,50, do. Dabersche 0,00, do. weiße runde 0,00, do. mag. von. 0,00, do. Zerbster, neue 3,55—4,00, Porree, per Schock 0,75—1,25. Meerrettich, per Schock 8—14. Spinat per 100 Psund 12—15. Sellerie, grün, p. Schockbund 0,30—1,50. Zwiebeln, p. 100 Psd. 5,00—5,50. Petersilie, grün, per Schockbund 1,00—2,00. Petersilienwurzeln, per Schockbund 6,00—7.00. Schnittlauch, Schockbund 0,50—0,80. Rettich, junger, per 100 Stück 4— 5. Mohrrüben, Schock 1,50— 2,25, do. holländ., per 100 Bund 0,00. Radieschen, per Schock 1,00—1,50. Tomaten, ital. per 100 Psund 8—14. Salat, Schock 1,25—2,50, do. Gubener 0,00. Kohlrabi, Schock 0,30—1,00 Spargel 0,00. Karotten, Schock 3—4. Schoten. 100 Psd. 10—20. Wüsinglohl, Schock 5—6. Weißkohl, per Schock 5—10. Rotkohl, per Schock 6—18. Champignons, per 100 Psund 80-rl00. Steinpilze 0,00. Psefferlinge, per 100 Psd. 25,00—30,00. Blumenkohl, Zittauer, per 100 Stück 0,00, do. Hamburger 0,00. Bohnen, grüne, per 100 Psd, 6—8, do. Puff- 4—5. Wachsbohncn 10—20. Gurken, Zerbster, Schock 1,30—1,50, do. hiesige 2,00—3,50. Kohlrüben, Schock 5—6.'Aepsel in Kisten per 100 Pfd., Koch- 0,00. Tiroler 0,00. Australier 0,00. Italiener, per 100 Psd. 15—25, do. in Körben per 100 Psd. 0,00, do. in Kisten 0,00, Ungar., per 100 Psd. 15—26. Birne», ital., per 100 Psd. 15—33, do. Muskateller 20—21. Pflaumen, ital. gelbe, per 100 Pfd. 10—22, do. runde 100 Psd. 15—25, do. blaue lange 100 Pfd. 13—28. Kirschen schwarze, lOOPsundO.OO, do. Gubener 10— 17, do. Wrrdersche 10— 17, do. Schlesische 4—12, do. Natten, ung. 20—30, do.ital, 30—35, do. Thüringer 6—14, do. Glas 10—16, do. saure 10—13. Erdbeeren, per 100 Psd. 0,00, holländische 0,00, Hiesige per 100 Psd. 10—20, Beelitzer 0,00, Wald«, hiesige 50—80. Vierländer 18—30. Stachelbeeren, holländische, 100 Psund 0,00, do. hiesige 100 Psd. 7—10. Blaubeeren, 100 Psd, 10—13. Himbeeren, 100 Psd. 24—28. Johannisbeeren, Heidelberger, 100 Psd. 8—10, do, hiesige 100 Pfd. 1—12. ZIprikosen, ital., 100 Psd, 30—40, do. ung, 20— 25, do. sranzös. 35— 38. Pfirsiche, sranz. 0.12 St. 2,50-3, do. 1. 12 Stück 2-2,50, do, 2, 12 Stück 1,30 bis 2,20, Ital. per 100 Psd, 50—62. Ananas I, p. Psd. 0,90— IM, do. II 0,40 bis 0,50, Bananen, kanar., per 100 Psd, 10—15, Jamaica 24—26. Feigen, in Kisten 100 Psd, 0,00, Zitronen, Messina, 300 Stück 7.00 bis do. 360 Stück 6,00-9,00._ 13,00, Witterungsübersicht vom 81. Juli 1998. morgen? 8 Uhr. Stationen Zwtnembe. Hamburg Berlin Frants.a.M. München Wien LZ gj ii if 754 NNW 760 NNW 756 WNW 763 NO 760 N 756 W Wetter bbedeckt 5 wolkig 3 Regen 3 halb bd. 6 Regen 5 halb bd. «K eil Di-i Mio Stationen !aparanda!752SSW lefersburg; 759 S Scilly Aberdee» Pari? 769 NNO 768 Still 768 N Wetter vix c■" O» i* mS, 2bedeckt 15 Ichalb bd. 22 3 halb bd.! 14 halb bd. 14 2 wolkig{ 14 Wetterprognose für Mittwoch, den 88. Jnli 1998. Nachts kühler, am Tage wieder etwas wärmer, vielfach heiter bei ziemlich frischen nordwestlichen Winden, keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wettervureau. WasierstandS-Nachrichtcn der LlMdesanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburcan. Wasserstand e m e l, Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Rattbor » Krosfen . Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg e tz e, Vordamm Elbe, Leitmetttz , Dresden , Barby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') . Rathenow') Spree» Spremberg') , Becskow Weser, Münden , Minden Rhein, Maximiliansau » Kaub. . Köln Neckar, Heilbronn Main, Wertheim Mosel, Trier am 20.7. cm 113 58 78 62 92 —77 —2 448 205 194 56 102 23 seit 19.7. cm1) +21 +6 0 +1 +2 0 +20 +1 0 +16 +3 +1 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall,—«) Unterpegel.__ Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Verantwortlicher Redakteur: Georo Davidlobn. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts