Ur. 173. UDonnements-Btaingungen: WonnementS- PreiZ pränumerando» Liertcljährl. 330 ÜRf, monatl. 140 Mk, wöchentlich 28 Pfg. frei WZ Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. EormtagS- nummer mit illustrierter SonntagS- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 140 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung S- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnemems nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Kmnämen. Schweden und die Schweiz. 25. Jahrg. Crfödul Uaii* außcf aioDtu». Verlinev VolKsblcttk. Zentralorgan der rozialdcmohratifchcn Partei Deutfchlands. Die Intcrfions-Gebüftr Behägt für die sechsgespaltene Kolonel- � geile oder deren Raum BO Pfg., für; politische und gewerlschastliche Vereins» und Versammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hmeigen", daS erste(fettgedruckte) Wort 20 Pfg... jedeS weiter. wort 10 Pfg. 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Ztg." hat neulich einen langen Schimpf- erguß über die Sozialdemokratie veröffentlicht, der etwa da- mit schloß, daß die Sozialdemokratie noch schlimmer sei als selbst der Radauantisemitismus, eine Bemerkung, die sicher- lich da, zu bestimmt war, tiefen Eindruck aus die Gesinnungs- genossen des Herrn M u g d a n zu machen, besonders auf die- jenigen, welche zwar mit ihm ihre früheren Grundsätze, aber doch nicht ihr früheres Glaubensbekenntnis ausgegeben haben. Die„Franks. Ztg." hat sich beeilt, diese Ausführungen mit einigen unwesentlichen Einschränkungen der Oeffentlich- k.üt zu übergeben, um einen neuen Vorwand dafür zu haben, ihren Verrat an den Grundsätzen, die sie einst gemeinsam mit Barth verfochten und die sie für die Informationen aus der Wilhelmstraße längst preisgegeben hat, wieder einmal zu ver- schlciern. Deshalb wollen wir heute das Urteil eines L i b e- r a l e n hersetzen, der zugleich bei den letzten Landtagswahlen Kandidat der freisinnigen Volkspartei war und dessen Welt' anschauung gerade jetzt und, wie wir hinzufügen, mit vollem Recht von der liberalen Presse als eine wirklich liberale an- erkannt wird. In seinem Buche:„Die Reaktion in der inneren Verwaltung Preußens" schreibt Dr. Lothar Schücking, der Bürgermeister von Husum, unter dem Titel:„Das rote Gespenst": Wir würden liberaler sein können, wenn wir keine Sozial. demokratie hätten. Das ist ein vor allem bei den Wahlen aufgestelltes Axiom, an das die große Masse unbedingt zu glauben scheint. Diese große Masse wird von der Sozialdemokratie oft als reaktionärer Haufen verschrien, und doch ist nur das eine richtig, daß diese Masse von einer ganz unsinnigen Furcht vor der Sozial- demokratie beherrscht ist und lediglich aus dieser Furcht heraus alles Internationale, alles Menschliche und Kulturelle Verhältnis- mäßig gering einschätzt. Für alle Fragen den Gesichtspunkt des Kulturfortschritts aufzustellen, wird immer mehr Domäne der sozialdemokratischen Partei. Die bürgerlichen Parteien kennen allmählich nur noch„nationale Fragen". Das erbittert ja aber auch gerade so diese Parteien, daß der Idealismus in der Regel nicht auf ihrer Seite ist. Um so stärker werden die Schwächen des Sozialismus in den bürgerlichen Kreisen betont, der Terra- rismus, der Zukunftsstaat und alles das. worüber sich der bürgerlich Gesinnte oft die wunderbarsten Vorstellungen macht. Die Werke von Marx, Lassalle. Bernstein und Kautsky sind selbst in den Grundzügen dem größten Teil der wissenschaftlich Gebildeten der bürgerlichen Parteien unbekannt. Wer kennt das Kommunistische Manifest? EombartS Buch über den Sozialismus wurde geradezu zur Entdeckung und erlebt immerzu wieder neue Auflagen, ein Zeichen, daß das, was es bietet, den Gebildeten unseres Volkes vollständig neu ist. Man kann in Norddeutschland alt und höherer Beamter werden, ohne den Namen Karl Marx je gehört zu haben. Da- gegen gehört es zum guten Ton in Preußen, Lassalle zu kennen, aber nur wegen seiner Duellgeschichte und seiner Lieb- schaft mit einer hochgestellten Dame. Die Ziele. Richtungen, Ideale und Rechtfertigungen des Sozialismus sind in weiten Kreisen der Gebildeten unbekannt. Man weiß ein paar Schlagworte: „alles teilen",„freie Liebe".„Religion Privatsache",.�Verelendung der Massen",„Eigentum ist Diebstahl",„großes Zuchthaus".„Re- publik". Das sind im ganzen die Vorstellungen, die mancher Richter und fast jeder höhere Verwaltungsbeamte von dem Sozialismus hat. Manche derselben reden noch vom großen Kladderadatsch und von der„großen Expropriation". Sie haben dabei die unklare Vorstellung, eines Tages könnten sie nicht allein ihre Stellung verlieren, sondern sie müßten auch ihr mühsam Erspartes einigen ehemaligen Sträflingen, wahrscheinlich jüdischer Abkunft, ausliefern, um sich dafür von diesen unsympathischen Per- sönlichkciten zu einer unentgeltlichen Sträflingsarbeit bei Volks- küchcnernährung anhalten zu lassen. Das ist die Vor- stellung des preußischen höheren Beamten vom Sozialismus. Daß der letztere nur eine Vergesellschaftung der Produktionsmittel will, wird geflissentlich totgeschwiegen. Diese Unbekanntschaft mit dem Sozialismus, die die Furcht»rregt, wird aber künstlich gezüchtet. Es wird staatlicherseits geschickt dafür gesorgt, daß die Wissenschaft und ihre berufenen Vertreter nicht zuviel Kenntnis in die Kreise der Gebildeten tragen. Schon wer über den Sozialismus schreibt, macht sich verdächtig! Immerhin muß die Regierung eine gewisse Kenntnis des So- zialismuö auf der Universität zulassen, allerdings sorgt sie dafür, daß die volkswirtschaftlichen Katheder der Universitäten nur durch politisch mehr oder weniger zuverlässig denkende Gelehrte besetzt sind, und was diese an Kenntnis des Sozialismus vermitteln, dürfte sehr in usum ctelpkini sein. Im übrigen kommt die Ab- neigung der gebildeten Kreise gegen Politik der Regierung bei der Bekämpfung des Sozialismus erfolgreich zu Hilfe. Die Reichsgesetzgebung hat seinerzeit den Sozialismus für etwas Gemeingefährliches erklärt, und seitdem schaudert jeder loyal denkende Preuße vor genauer Bekanntschast mit derartigen gesetzlich geächteten Theorien zurück, die zudem von Juden oder Halbjuden aufgestellt sind, die nicht einmal Universitätsdozenten waren. Das nur hat der Philister gehört, daß die Vorstufe des Sozialismus der Liberalismus sei, und deshalb ist der Liberalismus verdächtig. deshalb bietet nur der Konservatismus, allenfalls noch der Na- tionalliberalismus, pupillarische Sicherheit vor jeder sozialistischen Anwandlung. Ein anderer Grund der Furcht vor dem roten Gespenst ist die Jnternationalijät des Sozialismus, Daß Religion� Kunst. I Wissenschaft eigentlich auch international sind, ist in unserer chau- Ipinistischen Zeit ein jedenfalls vor der Jugend streng gehütetes I Geheimnis. Sachen, die nicht von vornherein auf nationaler > Grundlage betrachtet werden können, sind uns verdächtig. Die irctionale Phrase war nie so stark wie in unserer Zeit, und da der Sozialismus seinem Wesen nach antinational-) ist, haben unsere Nationalisten, und daß sind die meisten der Gebildeten, solchen Abscheu vor ihm.. Wir dürfen uns schließlich auch nicht verhehlen, wieviel Ideale der vorigen Generation durch die Gründung des Deutschen Reiches erfüllt sind, und wie unfähig das Gehirn der Menschen im Alter wird, neue Ideale, neue Ziele in sich aufzunehmen, zumal, wenn diese Ziele ethischer Natur sind und die früher verfolgten teilweise einen materiellen Beigeschmack hatten. Der älteren Generation unserer besitzenden Klasse sind die ethischen Ziele des Sozialismus nicht nur unbekannt, sondern auch unverständlich. Das Erfolgs- Menschentum, auf das der Bismarckianismus seine Leute dressiert hat, sieht ethische Ziele direkt als ungesund und unvernünftig an. Die Folge von alledem ist nun, daß der Sozialismus, trotzdem für ihn in Deutschland über 3 Millionen Wähler stimmen, der großen Anzahl unserer Gebildeten als etwas so Verbrecherisches erscheint, daß sie sich politisch bei dieser Seuche bis zum Konser- vatismus zurückretten. Aber der Artikel hat auch noch ein anderes Interesse. Wie das„Berliner Tageblatt" mitteilt, be- schuldigt man Herrn Dr. Schücking gegenwärtig von Amts wegen, daß er Sozialdemokrat sei, und er- bringt so damit amtlich den Beweis, daß man wirklich keine Ahnung hat, was ein Sozialdemokrat ist. Die Herren wissen eben nur. daß Schücking auf jeden Fall aus dem Amte gejagt werden soll, weil ein preußischer Beamter überhaupt keine selbständige Meinung haben darf, ihm jede Art politischer Opposition verboten ist. Seit der Blockära wird dieses Prinzip noch viel strenger angewandt als früher, da die Regierung erwartet, daß der Blocksreisinn einfach alles von ihr hinnehmen wird. Trotz alledem ist die Art und Weise, wie man gegen Schückina losgegangen ist, einfach u n- gc h e u e r I ich. Erzählt dock) heute das„Berl. Tagebl." folgendes: „Während der Wahlkampagne erhielt Herr Dr. Schücking den Besuch eines Regierungsrats, der ihn— ersichtlich im direkten Auftrage des Ministers v. Moltke— fragte, wie er als Bürgermeister es wagen könne, für die frei» sinnige Partei zu kandidieren. Der M i n i st e r des Innern, Herr v. Moltke, habe einen Bericht dar- über eingefordert. Herr Dr. Schücking lehnte, wenn wir nicht irren, nähere Erklärungen ab und bezeichnete die Annahme einer freisinnigen Kandidatur als sein gutes Recht." Fast hätte aber zur Vollständigkeit des Bildes, das Herr Schücking von der preußischen Reaktion entworfen hat, noch ein Zug gefehlt, aber dies wurde noch rechtzeitig vermieden. Wo die aintliche Disziplinarjustiz so forsch drauf losgeht, kann ja die M i I i t ä r j u st i z nicht zurückbleiben. Das genannte Blatt erzählt: „Am 13. Juni erschien im„Berliner Tageblatt" der Artikel des Herrn Bürgermeisters Schücking:„Der amtliche Apparat bei der Landtagswahl". In diesem Artikel schilderte Herr Dr. Schücking die Tätigkeit der Landräte bei den Wahlen und schlug ironisck als einzig richtige Konsequenz die„Ernennung der preußischen Abgeordneten durch die Landräte" vor. Bald darauf erhielt Herr Dr. Schücking ein Schreiben deS Bezirks. kommandos. worin er als Reserve- oder Land- wehroffizier aufgefordert wurde, sofort in ehrcngericht- licher Angelegenheit zu erklären, ob er wirklich diesen Artikel geschrieben habe. Herr Dr. Schücking erwiderte, daß er tatsächlich der Verfasser sei, und er- bot sich auch, wenn wir recht unterrichtet sind, dem Bezirks- kommando in einer besonderen Denkschrift die Wahrheit aller im Artikel enthaltenen Angaben zu beweisen. Das Bezirkskommando hat sich bisher zu dieser Angelegenheit nicht wieder geäußert." Fragt man sich aber nach dem Sinn des ganzen Ver- fahrens, so ist dieser leicht zu erraten. Irgendein Schalk hat dieses ganze Verfahren ausgeheckt, um einen voll- kommenen, lückenlosen Wahrheitsbeweis für alle Behauptungen und Angriffe zu er- bringen, die Dr. Schücking je gegen die herrschende Reaktion, gegen die Konservativen und gegen die ganze Korpsstudenten- und Reserveoffizierssippschaft vorgebracht hat. Und in der Tat: der Beweis ist aufs g l ä n z e n d st e geführt. Leider ist die preußische Gerechtigkeit aber nicht die der übrigen Welt. Und weil der Wahrheitsbeweis so trefflich gelungen, so wird Herr Dr. Schücking sicher verurteilt werden. steffln» und Reichsfinanzreforrn. Der Blockfreisinn hat inzwischen eine neue Formel ge- funden. um seine Anhänger über das Schrecknis der Reichs- finanzreform und der dabei unausbleiblichen ungeheuerlichen Neubelastung mit indirekten Steuern hinwegzutäuschen. Er erklärt—- nicht etwa, indirekte Steuern nicht b e- willigen zu wollen, er müht sich auch nicht im Geringsten um den Nachweis, wie die erforderliche Steuerfumme durch direkte Steuern aufgebracht werden könne. Nein: er läßt die Dinge seelenruhig an sich herankommen. Wohl aber sucht er das Volk durch die Phrase einzulullen und ") Daß dies mit unserer Auffassung nicht übereinstimmt, brauchen wir nicht besonders zu betonen. zu täuschen, daß er— wie das in der Sonnabendnummel der„Freis. Z t g." geschieht— pathetisch versichert: „Ehe wir uns aber für irgend welche Reichs- finanzreform engagieren, müssen wir vom Staats- sekretär des Reichsschatzamts fordern, daß er den Bedarf nach- weist.. Das klingt furchtbar krisisch, ist aber nichts als ein Be- tölpelungsversuch gegenüber den Steuerzahlern. Denn nichts wird dem Reichsschatzsckretär leichter fallen, als den Bedarf nachzuweisen. Wenn schon vor Jahr und Tag die Aus- gaben für Militarismus und Marinismus inklusive Kolonialpolitik, Militärpensionen und Schuldenverzinsung höher waren, als alle Nettoeinnahmen des Reichs zusammengenommen, so ist ja wohl— nach Bewilligung der neuen Marinevorlage, der kolonialen Eisen- bahnen und angesichts der für das Reich mehr als 100 Millionen erfordernden Beamtenbesoldungsreform usw. usw. der Nachweis nicht allzuschwer, daß mindestens eine halbe Milliarde neuer Steuereinkünfte geschaffen werden müsse, um den Etat in Einnahmen und Ausgaben auch nur einigermaßen ins Gleichgewicht zu bringen! Das weiß natürlich auch der Freisinn, aber da er gegen eine energische Heranziehung der Neichen zu direkten Steuerleistungen ist und andererseits seine Scheinopposition gegen die indirekten Steuerattentate auf die nicht- besitzende Klasse noch nicht völlig aufgeben darf, so mimt er einstweilen den Skeptiker, der noch gar nicht daran glaubt, daß 500 Millionen neuer Steuern überhaupt notwendig seien. Auch Herr P a y e r von der süddeutschen Volks» Partei macht diese Komödie mit. Er bereichert sie noch um die Nüance eines Schmierenkomödianten, indem er schreibt: „Es wird aber auch die Frage der Ersparnisse den Reichstag sehr ernstlich beschäftigen müssen. Wir haben über > unsere Mittel gelebt und werden uns der sonst allgemein üblichen Einsicht, daß man sich in einem solchen Falle einzuschränken habe, nicht entziehen können. Ersparnisse auf dem Gebiete des Militäretats sind vom Reichskanzler bereits vor anderthalb Jahren offiziell in Aussicht ge st ellt worden. Sie werden wesentlich sein müssen und die Sparsamkeit wird sich auch noch auf andere Gebiete auszudehnen haben, wenn nicht wieder eine Chance der Reform verloren gehen soll." Wäre die Sache nicht so tiefernst, mau könnte darüber lachen. Preußen-Deutschland und Ersparnisse beim Militär- b u d g c t, nachdem heute bereits feststeht, daß das Jahr 1910, spätestens 1911, dem deutschen Volke eine neue Militärvorlage bringen wird! Aber Fürst Bülow hat Sparsamkeit ver- sprachen! Gewiß hat er das. Man kann die Sparsam- keit auch so meinen, daß man 100 Millionen Mark mehr verlangt, mit dem Hiniveis darauf, daß man eigentlich 120 Millionen hätte verlangen müssen, man habe aber Sparsamkeit üben wollen I Wir haben die Zu- sicherung der Sparsamkeit, die Fürst Bülow gab, von Anfang an als das eingeschätzt, was sie ist, als eine Phrase. Und die braven Freisinnigen haben Bülows Versicherung un- möglich anders einschätzen können. Uin aber jetzt den Steuervcrlegenheiten wenigstens fürs erste zu entgehen, stellen sich alte freisinnige Parlamentarier unwissender, als es den unerfahrensten politischen Novizen gestattet werden könnte! kulisscher Imperialismus. Die gegenwärtige äußere Politik Nußlands ist ein Spiegelbild, der inneren: sie ist gewaltig und feig, blutgierig und jeder be- stimmten Richtung bar. Und sie kann jetzt auch keine Richtung. haben. Bis Mitte achtziger Jahre herrschte das offizielle Slawo- philentum; aber die niederträchtige provokatorische Balkanpolitik des Zaren— in einer Hand Dynamit für slawische Revolutionäre, irr der anderen Waffen für Battenbergs Staatsstreich— endete mit vollkommenem Bankerott. Alexander III. begibt sich vom nahen Osten nach dem fernen. Er sucht Errungenschaften und Kompen- sationen in Ostasien. Man kam hier so weit, ein..Gxlbrußland" zu schaffen. Doch diese neue Phase der äußeren Politik fand in der Schmach des russisch-japanischen Krieges ihr natürliches Ende. In den nächsten zwei Jahren nach dem Friedensschluß existierte der Zarismus überhaupt nicht mehr für die Weltpolitik; er erschien in Europa— mit dem Hut in der Hand— nur um Anleihen auf- zunehmen. Jetzt hat eS den Anschein, daß die zarische Regierung wieder festen Fuß in ihrem Lande gefaßt hat. Die Presse des Börsenliberalismus der ganzen Welt(die„Ftankf. Ztg.". die „Neue Freie Presse",„Temps",„TimeS" usw.) hegt diese Ueber- zcugung. Und das ermutigte Ungeheuer kriecht aus seinem Hinter- halt heraus, fletscht die Zähne und schnuppert in der Luft nach Beute. Die Lage in Europa stellt sich für den Zarismus sehr günstig dar. Die internationalen Beziehungen sind höchst gespannt. Die immer weiter um sich greifende Krise erweckt das Streben, auf einem großen Schkachtfclde den fehlenden Absatzmarkt zu suchen. Die Aufgabe für die Petersburger Diplomatie besteht darin, diese Schwierigkeiten und Kriegsgefahren auszubeuten. Dazu braucht man zuerst— Geld. Die Zeitungen wissen auch von einer kolossalen Anleihe zu berichten, die im Herbst auf den englischen und französischen Märkten kommen wird. Und daS ist schon deshalb möglich, weil die hoch verzinslichen russischen Staats» Papiere zur Zeit der ungünstigen ökonomischen Konjunktur die ver» lockendste Form der Verwertung der freigcwordcncn Kapitalien dar- stellen. Ter Drang nach dem Londoner Geldmarkt war entscheidcntr für die jüngste Annäherung Rußlands an den uralten Feind, M sondern eine abwartende Haltung einzunehmen. Wenn Jezt aber wendet sich das Blatt. Seit dem Februar die Regierung uns täuscht, wird die Agitation wieder beginnen. 1906 nahm Schmidt in seinem Lokal die herbergslosen Dhlauer Die Jungtürken fordern vom Sultan eine allgemeine Amnestie für alle politisch Berurteilten, ein Gefeß, welches die Arbeiter, Gewerkschaften und SozialdemoBreß- und Versammlungfreiheit garantiert, sowie die genaue traten, auf und damit erfolgt in feinem Lebenslauf ein Feststellung des Datums der Parlamentswahlen. Die revo- plötzlicher, aber gründlicher Umschlag. lutionäre Bewegung ist durch die Notwendigkeit beschleunigt Er wird klassisch gekennzeichnet durch folgende Strafworden, rechtzeitig eine Spionageaktion zu unterdrücken, welche mandate: gewiffe Militärs und Jungtürken bedrohte. Wegen Ueberschreitung der Polizeistunde: ist aber höchst charakteristisch für die gegenwärtige russische Politik Aber gerade dieser rasche Sieg macht die Jungtürken p Das war der gastwirtschaftliche Lebenslauf des Dhlauer der freien Hände, daß die regierenden Kreise sich entschieden wehren, borsichtig. Einer der Leiter der Bewegung und Mitglied des Bürgers Felix Schmidt, der nunmehr rechtsfräftig zur das Uebereinkommen mit England als ein allgemein politisches Pariser jungtürkischen Komitees äußerte sich folgendermaßen: Unfähigkeit der Ausübung seines Gewerbes und nicht nur ein persisches und mazedonisches zu betrachten. Wir haben den jungtürkischen Komitees in Mazedonien die verurteilt worden ist, in den ersten zehn Jahren Demgegenüber offenbaren die Kadetten einen flammenden Enthusias- Anweisung gegeben, die Waffen nicht niederzulegen, feiner Berufstätigkeit. mus für England. In ihrer politischen Hilflosigkeit hoffen sie, die Londoner Börse in eine Versicherungsanstalt der russischen Kon= stitution zu verwandeln. Ihre weise Taktik erlaubt ihnen aber nicht, diesen liberalen Grund hervortreten zu lassen und veranlaßt fie, die nationalistische Fahne zu hissen: sie plädieren für Eng= land, indem sie gegen Deutschland hehen. Diese tonfuse Stimmungsmache gegen das Deutsche Reich steht auf demselben Niveau des politischen Kretinismus, wie die Hoffnung, den Anker der russischen Freiheit in Lombardstreet festzumachen. Aber mit ihrer Deutschenfresserei wie auch mit dem Slawo- und Anglophilentum stehen die Kadetten so gut wie allein. Demgegenüber predigen die Oktrobristen die Politik des möglichst gleichmäßigen Wohlwollens jedem mächtigen Lande gegenüber, sei es nun Deutschland oder Japan, Frankreich oder England. Das Blatt des Fürsten Uchtomsky fordert sogar auf, den Bund mit Frankreich aufzugeben, freundlich, doch ein für allemal die Verbindung mit den österreichischen und Balkanslawen zu zerreißen und gute Beziehungen mit den im Geschäft wie in der Politik ehrlichen Deutschen zu halten". Die echt russischen Blätter preisen ihrerseits Deutschland als den Kreml der christlichen Welt". Schon aus diesen Aeußerungen ihre Zahl fönnte man nach Belieben vermehren sieht man, wie blödsinnig der Klatsch von dem nationalen russischen Haß gegen alles Deutsche" ist, wenn überhaupt ein chauvinistischer Blödsinn dieser Art noch der Widerlegung bedarf. " Am 16. Februar 1906 mit 3 M. oder 1 Tag Haft. Am 15. Mai 1906 mit 6 M. oder 2 Tagen Haft. Am 24. September 1906 mit 9 M. oder 3 Tagen Haft. Am 25. September 1906 mit 10 m. oder 5 Tagen Haft. Am 5. März 1907 mit 6 M. oder 2 Tagen Haft. Am 24. März 1907 mit 12 M. oder 8 Tagen Haft. Wegen Veranstaltung von öffentlichen Tanzlustbarkeiten ohne die vorgeschriebene polizeiliche Genehmigung: Am 24. Oktober 1905 mit 6 M. oder 3 Tagen Haft. Wegen Zulassung jugendlicher Personen unter 17 Jahren Tanzluſtbarkeiten: zu Am 27. August 1906 mit 9 m. oder 3 Tagen Haft. Am 9. August 1906 mit 12 M. oder 4 Tagen Haft. Am 21. Dezember 1906 mit 15 M. oder 5 Tagen Haft. Am 25. September 1907 mit 21 M. oder 7 Tagen Haft. Am 28. September 1907 mit 30 M. oder 10 Tagen Haft. Wegen Uebertretung der Oberpräsidialverordnung vom Mai 1891 betr. die polizeiliche Beaufsichtigung der öffentAm 14. Mai 1906 mit 6 M. oder zwei Tagen Haft. 3. weil er ein Maß besaß, das mehr faßte, als es die polizeiliche Vorschrift zuließ. Es scheint aber, daß der Sultan auch diese Forderungen erfüllen wird, und man erwartet für heute ein Amnestiedekret für alle Zivil- und Militärpersonen, die an der jungtürkischen Bewegung beteiligt waren. In der Tat ist es ja auch im Interesse des Sultans, wenn anders die Türkei noch Bestand haben soll, die Kräfte des Volkes selbst zu entbinden und an Stelle der von außen erzwungenen par= tiellen Reformen, die über kurz oder lang zur Loslösung weiter Gebiete von der Türkei führen müssen, die allge= meine Reformbewegung gewähren zu lassen, die den auswärtigen Mächten den Vorwand zu einer Intervention nimmt. Und man darf auch die Hoffnung hegen, daß der rasche Sieg der jungtürkischen Bewegung jede aus. wärtige Intervention, von der in den letzten Tagen bereits gesprochen wurde, unmöglich machen wird. Ist doch in der Türkei die Nuhe in den letzten Wochen nicht Was die regierende Bande und die sie unterstützenden Pare nur nicht gestört worden, sondern die jungtürkische Beteien wollen, ist, freie Hände für alle Möglichkeiten und Ueber- pegung hat in kürzester Zeit das Bandenunwesen in einem 19. raschungen der europäischen und asiatischen Politik. Keine ver- biel größeren Umfange eingedämmt, als es die jahrelangen lichen Tanzluftbarkeiten: pflichtende Beziehungen! Steine bestimmte, sei es flawen- oder Bemühungen der Mächte und des Sultans vermocht haben. asiatenfreundliche Richtung! Das ist eine Art Rauboppor. Und so sieht auch England, das gegenwärtig am eifrigsten Aus unserer privaten Kenntnis heraus wissen wir noch, tunismus. Man tönnte fagen, Rußland will jest aktiv die die Reformbewegung betrieben hat, ein, daß man vorläufig daß damit die Vergehen des Herrn Schmidt sogar nicht verschärften Reibungen und Gegenfäße im europäischen Konzert" erst das türkische Parlament selbst zur Arbeit gelangen laffen einmal erschöpft sind. Der Mann ist merkwürdigerweise ausnüßen, wie die Türkei diese seit langem paffib ausnüßt. müsse. Wie uns ein Privattelegramm aus 2ondon in derselben Beit auch noch in Strafe genommen worden, Daß diese an Prinzipien" nicht reiche Politik Energie aufweisen meldet, ist die englische Presse dem Umschwung in der Türkei 1. weil er seinen und ohne Maulforb auf die Straße und Erfolge ernten kann, haben die Greignisse in Persien sehr günstig gestimmt. Die Times" erklären in ihrem Leitlaufen ließ; bewiesen. Der blutige Staatsstreich wurde unter russischem Kom- artikel:„ Jeder Versuch des Auslandes, die komplizierte 2. weil seine Enten sich der gleichen verbotenen Handlung mando, mit russischen Waffen und mit dem Gelde der russischen Lage auszunügen und neuen Zwist in den türkischen Proschuldig machten und Bank vollbracht. Jezt haben die Spißbuben den persischen 3aren vinzen hervorzurufen, müßte von Europa nachdrücklichst in den Händen und bereits wird berichtet, daß dieser mit dem auri dgewiesen werden. Mit Recht darf die Türkei russischen Schah einen neuen Vertrag zu schließen beabsichtigt. verlangen, daß ihr gestattet wird, ungestört durch Doch der Bürgermeister begnügte sich nicht mit den vielKein Hahn in ganz Europa hat danach gekräht. Die Petersburger Intrigen und Einmischungen an ihrer Erneuerung zu fachen Geldstrafen, die er über seinen mit Steuern ohnehin Baschibazuks treten ein zur Freiheit erwachtes Volk nieder, und die arbeiten."" Daily News" weisen auf die england- gesegneten Mitbürger verhängte, sondern, nachdem obige Zahl liberalen und demokratischen" Minister Europas geben darüber freundlichen" Gesinnungen des neuen Großwesirs und des boll war, gründete er auf sie den Antrag auf Konzessionsberuhigende Erklärungen ab. Alles ist in Ordnung. Auch die neuen Ministers Kiamil Bascha hin.„ Sie beide verdanken entziehung gegen den sozialdemokratischen Vereinswirt, der Duma verstand es, sich schweigend mit dem Siege in Teheran ab- ihr Leben dem Schube der englischen Flagge.( Wann hat auch von allen Instanzen, Streisausschuß, Bezirksausschuß und Liatoffs im Widerspruch zum neuen Kursus" der ruffischen Leben der Reformfreunde oder der Revolutionäre in irgendzufinden. Die Kadettenzeitungen murmelten zwar, daß die Rolle ie Deutschland von sich sagen können, daß seine Flagge das Oberverwaltungsgericht, seine Bestätigung erfuhr! Politik stehe, als ob dieser neue Kursus nicht nur das Gespenst einem Lande gerettet hat? Sind doch erst kürzlich in Persien ihrer eigenen Einbildung wäre. Ihre Klagen fanden jedoch keine die flüchtenden Verteidiger der Verfassung von der Schwelle Zustimmung bei den Oftobriften und den Rechten. Die Partei des der deutschen Gesandtschaft zurückgewiesen worden!) Wohl- Vereins statt. 3wei Kommissare erschienen zur Ueberwachung. Da Am 12. Juni fand im Breslauer Gewerkschaftshause eine Mitgliederversammlung des Sozialdemokratischen Moskauer Kaufmanns Gutschkom sieht im russischen Maschinen wollende Neutralität muß die Politik Englands gegen die Polizei in Mitgliederversammlungen nichts zu suchen hat, forgewehr einen nüßlichen Vorboten des Moskauer Kattuns; und die über der neuen Lage in der Türkei sein. Es sei notwendig, derte der Vorsitzende, Parteisekretär Neukirch, die Beamten zum braben Bogromleute erklären offenherzig:" Wir haben schon längst den englisch- russischen Reformplan für Mazedonien zu ver- Verlassen des Rotfals auf. Sie gingen aber nicht, sondern löften einen Ziatoff für die innere Politit nötig." Die russische Revolution hat die asiatische Welt in Bewegung ichieben und es den Ottomanen zu überlassen, ihre die Versammlung auf und blieben, bis alle anderen gegangen gebracht. Und der Zarismus strebt nach Beute, indem er die eigenen Angelegenheiten felbständig zu waren. Wegen dieser Auflösung, die vom Polizeipräsidenten gebilligt wurde, schwebt noch ein Verwaltungsstreitverfahren. Jetzt asiatische Despotie gegen ihr Volk unterstützt. England wird in der regeln." Vertretung der liberalen" Prinzipien in Asien, desto bescheidener, Es wird die gegenseitige Eifersucht der Mächte sein, die hat Neukirch einen gerichtlichen Strafbefehl über 60 Mart oder 20 Tage Haft erhalten. Er soll das neue Vereinsbielleicht zur Rettung der türkischen Verfassung werden wird, gesek dadurch übertreten haben, daß er die Versammlung purch Rußlands und Englands so verhängnisvoll geworden. Von Sozialdemokratischen Vereins einberief, während er nach der im Gegensage zur persischen, für die das Einverständnis Sie Beitung wahrheitsgemäß als eine Mitgliederversammlung des der Energie und Tatkraft der Führer der jungtürkischen Meinung von Polizei, Amisanwalt und Amtsrichter die MitgliederBewegung wird es auch abhängen, ob es ihnen gelingen wird, versammlung als öffentliche politische Versammlung" hätte bedie Verfaffung gegen jeden Angriff bon oben oder von fanntmachen sollen. Einspruch ist erhoben und der Prozeß wird außen dadurch zu schüßen, daß sie die politische Freiheit durch ergeben, ob ein Vereinsvorsitzender verpflichtet ist, auf Grund des gründliche soziale Reformen den breiten Volksmaffen als neuen Vereinsgefetes öffentlich in der Zeitung falsche Angaben zu wertvolles Besitztum erscheinen lassen. Die Türkei: ein Verfassungsstaat- das ist ein Ereignis, das, wenn es dauernd wird, noch große Folgen haben muß. Der Sultan in Konstantinopel ist das Haupt der islamitischen Welt. Und der Sieg der Reformbewegung in der Türkei muß befruchtend und anfeuernd wirken auf die in dumpfer Gärung befindliche Welt des Morgenlandes. 23 je mehr der indische Aufruhr gefährlicher wird. Mit Englands Genehmigung ist der Schah gerettet und zugleich für Rußland ge. wonnen; jetzt kommt der Sultan an die Reihe. Die jung- türkische Bewegung kann die zarische Regierung veranlassen, den Weg zum Bosporus nicht im Kampfe mit dem Sultan und seinen Beschüßern zu suchen, sondern in der Niederschießung des türkischen Volkes zugunsten des Badifchah. Diese Möglichkeit ist auch ein Grund für die Erhaltung der guten Beziehungen mit Deutschland.... So hofft die Petersburger Diplomatie jest, in den Konflikten der europäischen Mächte um die Kolonien, wie in den Kämpfen der asiatischen Völker um die Freiheit den lachenden Dritten zu spielen. Mit gutem Grund findet sie, daß ihre Ziatoffs erfolgreicher als ihre Kuropatkins sind. Durch ihr Geld, durch ihre schrankenlose Profitgier, durch den chauvinistischen Herenfabbat ihrer folonialen Politik ermöglicht die Bourgeoisie Europas die politische Auferstehung des Barismus. Desto schlimmer für fie: der Tod der Petersburger Despotie wird auch den Anfang ihrer Agonie bedeuten. Die türkische Reformbewegung. " Politische Ueberficht. Berlin, den 25. Juli 1908. Rüftungsfieber. machen. Breslau unter dem neuen Vereinsgeseh. Kein Lehrermangel! Aus einer statistischen Arbeit des Deutschen Turnlehrer vereins, die demnächst publiziert werden wird, veröffentlicht die Pädagogische 8tg." folgende Tatsachen: Von den 30 000 preußischen Volksschulen, die Berichte eingesandt haben, sind 400 noch ganz ohne Turnunterricht; nicht als der einzige, aber als ein Grund für diese Erscheinung wird ausdrücklich der Lehrermangel genannt. Die, Allgemeinen Bestimmungen" von Jahre 1872 berlangen für die Woche zwei Stunden Turnunterricht; die Statistik ergibt, daß unter den 30 000 Schulen nur 1800, also nur 6 bom hundert, diesen Bestimmungen gerecht werden, während 28 200 Schulen oder 94 vom Hundert hinter der geforderten Unterrichtszeit zurückbleiben. Die 1800 Schulen find fast fämtlich Stadtschulen; allein 300 davon finden wir in Berlin. Besonders aber die Stärke der Zurnabteilungen singt ein garftiges Lied vom Lehrermangel. Da finden wir zum Beispiel Orte wie Naugard, wo 65 bis 130 Schüler, oder Demmin, wo gar 100 bis 150 Schüler je eine Zurnabteilung bilden. Ferner worden! Am 1. Oktober d. J. findet, wie die N. Pol. Korresp." Das neue türkische Parlament beruht, wie schon erwähnt, schreibt, innerhalb des deutschen Heeres, das bisher zwölf auf der Verfassung vom Jahre 1876, die nie abgeschafft Maschinengewehrkompagnien probeweise eingeführt hat, eine worden ist. Deshalb konnte auch die Ausschreibung zu den Vermehrung dieser Waffe statt, und zwar werden in erster Neuwahlen so erfolgen, als würde das Parlament erst Linie die Grenzforps bedacht werden. So kommen z. B. nach Statibor mit vier Abteilungen zu 105, 138, 145 b gestern aufgelöst worden sein. Die türkische Verfassung, ob- den Provinzen Posen und Schlesien Maschinengewehrkom turnen. Und gar Ibing, das mit Abteilungen von 202, 235 221(!) Schülern, die unter einem Lehrer und einer Turnhilfe" wohl bereits zweiunddreißig Jahre alt, ist ganz dem Muster pagnien nach Ostrowo, Glogau, Breslau, Brieg und Gleiwig. und 240 Schülern( 1) an der Spike marschiert. Von der Tatsache, der westeuropäischen Verfassung nachgeahmt. Die Haupt Es ist beabsichtigt, jedem Infanterie- Regiment eine Maschinen- daß die Mädchen gleich den Knaben auf die Ausbildung aller grundzüge find folgende: Das ottomanische Reich ist un- gewehrkompagnie zu sechs Geschützen zuzuteilen. Wann der Kräfte ein Anrecht haben, weiß der heutige Turnunterricht fast gar feilbar. Der Sultan, der unverantwortlich unb unverletzlich Beitpunkt eintreten wird, an dem diese Absicht zur Tat ge- nichts; nur 400 Schulen( wohl ausnahmslos Stadtschulen) tenien ist, hat im wesentlichen die Stellung eines rein tonftitutio- worden ist, läßt sich naturgentäß noch nicht feststellen. einen Turnunterricht für Mädchen. nellen Herrschers. Allen Bürgern wird persönliche Freiheit, Ganz vorzügliche Aussichten, jetzt in der Zeit der FriedensDer Statistik liegen allerdings die Verhältnisse vom Jahre 1904 Gleichheit aller vor dem Gesetz und freie Ausübung aller versicherungen! zugrunde. Erheblich besser ist's aber seitdem bekanntlich nicht geGlaubensbekenntnisse gewährleistet. Die Verfassung garantiert freies Versammlungs- und Petitionsrecht. Die Das Schicksal eines Gastwirtes. Minister sind dem Parlament verantwortlich. Dieses besteht Die Bresl. Volts wacht" berichtet über das Polizeistreich gegen unsere Breslauer Jugend. aus dem Senat und der Deputiertenkammer, welche am Schicksal eines Wirtes, der in seinem Lotal einem sozialorganisation. 1. November jedes Jahres zusammentreten und deren bemokratischen Verein Unterkunft gewährte, folgende in Breslau jind dieser Tage mit Strafmandaten bedacht worden. Sämtliche Vorstandsmitglieder der freien Jugendorganisation Session vier Monate dauert, Auf hunderttausend Einwohner interessante Tatsachen: Es handelt sich um den Gastwirt Felix Schmidt in jie jugendlichen Personen unter 18 Jahren Aufnahme gewährten, Sie sollen das neue Vereinsgeseh dadurch übertreten haben, daß entfällt ein Deputierter. Die Wahl ist geheim. Die allgemeinen Deputiertenwahlen finden alle vier Jahre statt. dem Breslau benachbarten Städtchen Dhlau. Vater und während nach polizeilicher Meinung der Verein ein politischer Ebenso sollen auch die Provinzial- und Gemeindeverwal- Großvater des Schmidt haben schon seit Jahr sei. Gegen die Strafmandate ist Einspruch erhoben worden. tungen durch gewählte Vertretungen besorgt werden. Schließ- zehnten auf dem umfangreichen, ihnen gehörigen Grundlich bestimmt die Verfassung noch die cbligatorische Ein- stück Ddervorstadt 162 bas Gasthaus zur Stadt führung des Volksunterrichts. Dels" betrieben, das vor reichlich zwölf Jahren in Lehrer brauchen keine Gehaltserhöhung. Man sieht, die Verfassung des türkischen Sultans be- den Besitz seines jetzigen Eigentümers, des oben erwähnten der Gehälter der Volksschullehrer von Velbert Die Regierung hat im vergangenen Jahre die Erhöhung friedigt die fonstitutionellen Forderungen in einem viel Herrn Felix Schmidt, überging. Wie sehr dieser Mann geneigt weitgehenderen Maße als die Verfassung, die in war, seine Stonzession zur Förderung von Völlerei und Un- im Rheinland( 1500 M. Grundgehalt und 200 M. Altersdem Lande des„ Sultans el Bruz", des Sultans fittlichkeit zu mißbrauchen, geht schon aus dem Umstande her zulagen) nicht genehmigt. Infolge einer Anregung des Oberpon Preußen, herrscht. vor, daß er in den ersten zehn Jahren seines Betriebes, regierungsrats Weyersberg war die Stadtverwaltung jetzt Die Verkündigung der Verfassung ist in der ganzen als er seine Wirtschaft den Sozialdemokraten nicht zu Ver- nochmals bei der Regierung vorstellig geworden. Das Gesuch Türkei mit großer Begeisterung begrüßt worden, nicht nur fügung stellte und daher auch von allen Seiten in Ruhe ge- ist aber wiederum abschlägig beschieden worden. von den Mohammedanern, sondern auch von den Christen, in lassen wurde, so gut wie gar keine Ordnungsder Hauptstadt ebenso wie in der Provinz. Die Truppen strafen erhielt. Am 9. Februar 1899 war er einmal Wahlrechtsdemonstration und das neue Vereinsgefet. wurden überall mit Jubel begrüßt. Die türkische Presse mit 15 Mark wegen Duldens von Glücksspielen in seinem Düsseldorf große Versammlungen und baran anschließend Am Wahlrechtsfonntag( 12. Januar) fanden auch feiert die Neugestaltung der Verhältnisse mit großer Freude. Lokal belegt worden, und das hatte sich vier Jahre später, am Straßendemonstrationen statt. Wegen Teilnahme an der StraßenDer Sultan hat seine Stellung durch die rechtzeitige Nach- 12. Februar 1903, wiederholt; die Strafe lautete in diesem demonstration,„ einem polizeilich nicht erlaubten Aufzuge", erhielten giebigkeit unzweifelhaft gestärkt und die Presse drückt ihre zweiten Falle auf 30 M. Dazu kamen ebenfalls im Jahre die Genossen Milow, West tamp und Billes Strafmandate Freude darüber aus, daß die Entwickelung ohne Opfer er- 1899 ganze 3 M. Geldstrafe wegen Abhaltung eines Lanz in Höhe von je 30 M. Auf erhobenen Einspruch hin sprach das folgt ist. Ivergnügens ohne vorherige Genehmigung. Schöffengericht die Genossen frei. Dagegen legte der Amtsanwalt " in Berufung ein. und die Strafkammer hob das erstinstanzliche Urteil auf, verwarf aber auch die Berufung des Amtsanwalts, weil es sich nicht um Uebertretung von Polizcivorschriften, sondern um Vergehen gegen das preuhische Vereinsgesetz von 1851 handele. Daraufhin erhielten die Genossen Milow und Zilles, als„Veranstalter" eines polizeilich nicht erlaubten öffent- lichen Aufzuges einen richterlichen Strafbefehl von je 21 M.. der Genosse Westkamp, als„Teilnehmer", einen solchen von 6 M. Gegen diese Strafbefehle erhoben sämtliche Genossen Einspruch. Die gestrige Verhandlung vor dem Schöffengericht endete mit der Freisprechung der drei Genossen, trotzdem drei Kriminalkom- missare bezeugten, daß die Jnkulpaten an dem„öffentlichen Auf- zuge teilgenommen haben und wahrscheinlich als die Veranstalter zu betrachten seien". Der Staatsanwalt beantragte Bestrafung aufGrund desaltenpreußi scheu Vereins gesetzes. Das Gericht begründete seinen Freispruch damit, daß nicht nach- gewiesen sei, daß die drei Genossen den öffentlichen Aufzug veranstaltet haben, die Teilnahme an einem solchen sei nach dem neuen Reichsvereins- gesetz aber nicht strafbar. Ter kommunale Proporz im Baden. ? Bei der am Freitagabend erfolgten Schlußabstimmung tvurden sämtliche Materien nach den Anträgen der Kommission für Justiz unl> Verwaltung erledigt. E i n st i m m i g beschloß die Zweite Kammer, in dem von der Negierung für die nächste Session in Aussicht gestellten Gesetzentwurf soll bestimmt werden: Die Wahlen der Gemeinderäte und Bürger- ausschüsss nach dem Proportionalwahlsystem vorzunehmen(ebenso bei den Städten der Städteordnung (Klassenwahls für die Stadtverordnetenwahlen); die Wahl der Stadträte durch die Stadtverordneten(allein, ohne die Stadträte) soll ebenfalls nach dem Proporz vor genommen werden. Die Befugnisse der Stadtverordneten �(ge- maß dem nationalliberalen Antrage) zu erweitern. Die Erweiterung der Initiative des Bürger» ausschusses(sozialdemokratischer Antrag) zuzulassen. Mit einer Mehrheit gegen den liberalen Block wurde die direkte Wahl der Bürgermeister und Ge meinderäte, soweit sie noch nicht besteht, beschlossen. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten wurde die Klassenwahl beibehalten, jedoch sei die S e ch s t e l u n g Xstatt der Neuntel- und Zwölftelung) einzuführen. Die prinzipiellen Anträge der Sozialdemokraten(Herabsetzung des Wahlalters auf das 21. Jahr, Frauenwahlrecht, größere Selbst- ständigkeit der Gemeinden usw.) wurden gegen unsere Stimmen abgelehnt; die gemeinsamen Punkte sonstiger sozialdemokratischer, liberaler und Zentrumsanträge der Regierung als Material über- wiesen, Italien. Ein sozialistischer Sieg. RoHf, 22. Juli.(Gig. Ber.)j Einen Wahlsieg von großer prinzipieller Bedeutung haben die Genossen von Alexandria am 19. Juli erfochten. Bei den allgemeinen städtischen Wahlen haben sie, im Wahlbündnis mit den Repnbli- kanern und Radikalen, 17 Sitze erobert, 3 die Republikaner, 3 die Radikalen und 7 die Klcrikal-Konservativen. Die Stadtverwaltung von Alexandria war vor K Monaten aufgelöst worden, auf Bc- treiben der Klerikalen, die durch die Gemeindepolitik unserer Ge- 'nosscn sich schwer geschädigt fühlten. Die sozialistische Stadtver- lvaltung hatte, unter dem Genossen Sacco als Bürgermeister. Laienpersonal in allen Wohltätigkeitsanstalten angestellt und die Nonnen verdrängt, Schulkantinen eingerichtet, dafür die Kruzifixe aus den Schulen entsernt, den Sanitätsdienst reformiert usw,— Snglanci. Randal Cremer gestörvc«. S ö n b B n, 23. Juli. Gestern starb hier der liberale Arbeiter- dbgeordnete Sir William Randal Cremer, der an allen großen poli- tischen Bewegungen unserer Zeit teilgenommen, aber doch nur in der Friedensbewegung mit großem Eifer gewirkt hat. Es war «in merkwürdiges Arbeiterleben, das gestern seinen Abschluß fand. Cremcr hat die Ehre gehabt, unmittelbar nach der Gründung der �Internationalen Arbeiter-Association" ihr Sekretär zu sein. Aber er hat die Bedeutung dieser Vereint- gung nie begriffen. Cremers Grundgedanke war, daß militärische Rüstungen und Krieg die größten Ucbel seien; solange sie an- dauerten, könnte es keinen Fortschritt der Menschheit geben. Die ».Internationale" erschien ihm Nicht als eine Organisation znr Er- ziehung der Proletarier aller Länder zur politischen Selbständigkeit, sondern als ein Mittel zur Verbrüderung der Arbeiter zum Zwecke der Hervorbringung des Weltfriedens. Cremer war Pazifist und Antimilitarist, für alles andere hatte er kein Verständnis. Cremer wurde im Jahre 1838 in Südengland geboren. Seine Eltern waren arm und konnten ihm keine genügende Schulbildung geben. Er wurde zu einem Tischler in die Lehre geschickt und ar- bettete lange Jahre in seiner Profession, teils in Brighton. teils in London, wo er sich der Arbeiterbewegung anschloß und Mit- begründer seiner Gewerkschaft wurde. Als eines der ersten Mit- gliedcr der„Internationale" wurde er ihr Ehrensekretär und be- kleidete diese Stelle bis zum Jahre 1866. Er war auf der Genfer Friedenskonferenz, deren Vorsitz von Garibaldi geführt wurde, und seitdem gehörte er ganz dem Friedcnsgedankcn an. Von der Er- richtung eines internationalen Schiedsgerichts erwartete er alles Heil. Im Jahre 1385 wurde er in Happerston(Ost-London) von den linkslibcralen Arbeitern ins Parlament gewählt, dem er bis zu seinem Tode angehörte. Im Jahre 1837 entwarf er einen Schiedsvertrag zwischen England und den Vereinigten Staaten und reiste zu diesem Zwecke nach Washington. Er ging dann nach Paris, wo er mit der französischen Regierung wegen eines ahn- lichen Schiedsvertrags unterhandelte. Im Jahre 1883 gründete er die Interparlamentarische Konferenz, an der sich damals nur englische und französische Abgeordnete beteiligten. Nach und nach schlössen sich ihr auch Abgeordnete anderer Länder an. Im Jahre 1892 wurde er von der französischen Regierung zum Ritter der Ehrenlegion gemacht und 15 Jahre später wurde er von der eng- lischen Regierung geadelt: er erhielt den Titel„Sir". Im Jahre 1903 fiel ihm der Nobcl-Friedensprcis von 150 000 M. zu, die er dem„Veroin für internationale Schiedsgerichte" überwachte. Im Parlament sprach er selten; eine seiner letzten Reden war gegen das Frauenstimmrecht gerichtet, von dem-r großes Unheil für sein Vaterland befürchtete. Er hat mehrere der berühmtesten Männer seiner Zeit' persön- lich gekannt: Marx. Mill, Garibaldi. Gladstone. Victor Hugo, auf deren Bekanntschaft er stolz war. Von Marx sprach er immer mit großer Verehrung._ Irische Universitäten. London, 2p. Juli. Das Unterhaus nahm heute die dritte. .Lesung des Gesetzentwurfes betreffend die Gründung zweier neuen irischen Universitäten mit- 207 gegen 19 Stimmen an. Dänemark. » v Stütz des Prügelministers Albertk. �_ Wir brachten gestern bereits die telegrapische Mitteilung, Laß der Justizminifter Alberti und der Landwirtschaftsminister Ole Hansen demisfiomert haben. In„Dannebrog", dem Blatt Albertis, las man bereits am Mittwoch, daß der Justizminister sich Noch immer nicht von seinem Jnfluenzaanfall erholt habe. Deshalb habe er um seine Amtscntlassung nachgesucht. Ueberraschend kam die Nachricht nicht. Man wußte es, daß er über kurz oder lang zurücktreten mußte, allerdings nicht wegen angegriffener Gesund- heit, sondern wegen der allzuscharfen Angriffe, denen seine Amts- tätigkcit ausgesetzt war. Wenn es die Regierungspartei auch seinerzeit fertigbrachte, den von unserem Genossen Borgbjerg am 23. Mai d. I. im Folkething gestellten Antrag auf Einsetzung einer Kommission zur Untersuchung der Amtstätigkeit Albertis ab- zulehnen, so war doch das Beweismaterial für die justizministerielle Korruption so stark, daß auch bürgerliche Abgeordnete seine Amts- führung für«inen Schandfleck erklärten. Alberti- war seit dem„Systemwechsel" vom 24. Juli 1901 im Amt. Von seinen politischen„Taten" als Minister ist vor allem die Wiedereinführung der Prügelstrafe zu nennen. Seine Lauf- bahn als politischer Glücksritter begann er im Jahre 1892, und bei seinem ersten Auftreten sagte er in einer Art Wahlprogrammrede: „Es ist durchaus notwendig, dem Vorwärtsdrängen des Sozialismus einen Riegel vorzuschieben." Das ist ihm freilich nicht geglückt. Aber die Sozialdemokratie hat es schließlich, und zwar mit Erfolg, für durchaus notwendig erklärt, daß Alberti sein Amt als Justizminister niederlegt und seine politische Tätigkeit überhaupt oysgiht.'* Rußland Die Frauen im Landtag Finnlands. Bei den Neuwahlen zum finnländischen Landtag find 23 Frauen gewählt worden, und zwar 3 Schwedinnen, 1 Jungfinnin, 12 Sozialdemokratinnen und 1 Agrarierin. OrKei. Ein jungtürkisches Manifest. London, 22. Juli.(Eig. Bcr.) In einem kürzlich erschienenen Buche:„.An Observer in the Near East", dessen anonymer Verfasser in persönlichen Beziehungen zur englischen, südslawischen und türkischen Diplomatie steht, wird auch ein Flugblatt des ..Ottomanischen Komitees für Einigkeit und Fortschritt" mitgeteilt, das im vorigen Jahre in Konstantinopel verbreitet und gelesen wurde. Das Flugblatt bespricht zuerst den herannahenden Tod Abdul Hamids und faßt dann die Resultate seiner Regierung folgendermaßen zusammen: «Während der dreißig Jahre seiner Regierung brachte Abdul Hamid unser Land an den Rand des Ruins; eine Hälfte unseres ErbeS lieferte er dem Feinde aus; er vernichtete unsere Flotte, .desorganisierte unsere Armee, stürzte das Volt ins Elend und ver- nichtete unser Regicrungssystem. Er vereinigte die ganze Re- gierung in seine Hand, entließ alle ehrlichen und erfahrenen Bc- rater und überlieferte alle Acmter an Streber und Schmeichler. Sein Tod wird das Signal eines allgemeinen Aufstandes fein. Es ist deshalb für alle Ottomanen— christliche und mohammeda- nische— von großer Wichtigkeit, wachsam zu sein und folgende Tatsachen zu erwägen: 1. Abdul Hamid und seine Mitschuldigen wollen den Thron und das Kalifat seinem vierten Sohne, dem Jüngling Burhan-cd-Din, ausliefern, entgegen den weltlichen und religiösen Gesetzen des Reiches. Ein Erfolg dieses Planes würde der Vernichtung der Bestrebungen der Nation gleichkommen. 2. Um den Feinden unseres Landes keine Gelegenheit zum Ein- schreiten zu geben, ist cS nötig, unseren christlichen Mitbürgern Garantien für ihr Wohlergehen zu geben und, wenn nötig, schxift. liche Äaranticn an die Botschafter. 3. DaS Wohlergehen und die Zukunft unseres Landes hängen ab von der Beseitigung der despotischen Regierung und von der Wiederherstellung der Verfassung vom Jahre 1876. Unsere christ- lichen und mohammedanischen Mitbürger müssen deshalb mit vereinten Kräften bemüht sein, die Verfassung anzuwenden, die die Lebenskraft unsere» Reiches wecken und unsere Freiheiten sichern wird. Vereinigt im Herzen und im Geiste müssen die Ulema(Priesterschaft) und die leitenden Männer der Hauptstadt und der Provinzen durch Vcrmittelung des GroßwesirS und der Wali(Generalgouverneure) vom neuen Sultan die sofortige Wiederherstellung der Verfassung verlangen. Jeder Ottomane hat die Pflicht, bei der Wahl der Delegierten, die zur Feier der Thron- bcstcigung nach Konstantinopel geschickt werden, vorsichtig zu sein und nur solche Männer zu schicken, die für die Verfassung sind und die den Mut haben, dem neuen Sultan gegenüber die Sou- veränität des Volkes, zu wahren,,'~ � perfien. Fortdauernde Kämpfe.;'■ i London, 25. Juli. Daily Telegraph meldet'aus Teheran. die Kämpfe in Täbris zwischen den Revolutionären und den Anhängern des Schahs dauerten fort. Die Verluste auf beiden Seiten seien sehr, bedeutend, man spricht von über 290 Toten. �" Indien. Der politische Streik.' Bombay, 24. Juli. Die Ausschreitungen vus Anlaß des Streiks richten sich besonders gegen Beamte und Poli- z i st e n. welche vom„Pöbel" mit Steinen beworfen wurden. In- folgedesscn gaben die Freiwilligen eine Salve ab. durch welche, soweit bis jetzt bekannt ist, fün f Personen getötet und 43 verwundet wurden. Augenblicklich ist die Lage etwas weniger ernst, obgleich die Haltung der Streikende« noch immer zu Besorgnissen Anlaß gibt. Bombay, 25. Juli. Heute vormittag kam es wieder zu einem Zusammen st oß zwischen ausständigen Arbeitern und Militär. Letzteres gab F e u e r, D r e i der Ruhestörer wurden getötet, mehrere verwundet. Mrokko. Abd'ut Asis auf dem Matsche. Casablanca, 25. Juli. Abdul A s i s ist am Donnerstag in Sochra-Djadja, das etwa auf der Hälfte des Weges von Casablanca nach dcm Um er Rebia liegt, angekommen. Er er- wartet hier Zuzug von den Scheraghna- und Tadlastämmen. Venezuela. Castros Willkür. Haag, 24. Julk. Die Ausweisung des niedörländischen Ge- sandten wird mit einem im Mai in einer niederländischen Revue erschienenen, vom Gesandten verfaßten Artikel begründet. Der ausgewiesene Gesandte hat in dcm betreffenden Artikel das System Castros als diktatorisch gekennzeichnet und. seinen Landsleuten davon abgeraten, den Versuch zu machen, sich in' Vene- zuela eine Stellung zu schaffen. Ein solcher Versuch habe im übrigen Süd- oder Mittel-Amerika mehr Aussicht auf Erfolg. Hus der Partei- �Tozialbemokratischer Preßsünber. Wegen Beleidigung dreier Landgerichtsräte durch die Kritik eines am 4. Mai d. I. gegen die„Mülhauser Volkszeitung" er- gangencn Strafkammerurteils wurde heute der frühere Redakteur der„Mülhauser Volkszeitung" und jetzige Arbcitersekretär, Ge- nosse August Wicky, von der Strafkammer beim Landgericht Mülhausen i. E. zu 150 M. Geldstrafe verurteilt. Der in- kriminierte Artikel hatte die Tatsache scharf glossiert, daß jene Ve- rufungskammer nach längerer Beweisaufnahme, in welcher eine Reihe von Zeugen teilweise widerspruchsvoll gegeneinander aus- gesagt hatten, nur knapp eine Minute im Beratung L- zimmer verweilte, um darauf mit einem einzigen kurzen Satze die Berufung des Genossen Martin von der„Mülhauser Volkszeitung" gegen ein aus sechs Wochen Gefängnis wegen Preßbeleidigung lautendes Schöffengerichtsurteil kosten- fällig abzuweisen..._ Der schweizerische Grütlivcrci» hielt am 13. Juli und die folgenden Tage seine ordentliche Generalversammlung in Zürich ab, verbunden mit dem 70 jährigen Jubiläum seines Bestehens. Der Grütliverein wurde im Jahre 1838 zur Zeit der erbittersten Kämpfe zwischen dem modernen Bürgertum und der Aristokratie, unter deren Herrschaft die Demokratie verloren gegmigen war, gegründet. Die Ausländer waren vom Gcütljvereiir ausgeschlossen; es war an- fänglich ein kleinbürgerlich-demokratischer Verein, dem vor allen: die Pflege patriotischer Gesinnung(natürlich nicht in hurra- patriotischem Sinne) oblag. Als„auswärtige Frucht" konnte der Sozialismus also nicht hineingetragen werden, und doch entwickelten sich die ersten sozialistischen Gedanken in der Schweiz innerhalb des Grütlivereins, weshalb er auch im Jahre 1851 von der Berner Regierung verboten wurde. Heute ist der Grütliverein durchaus sozialistisch und der sozialdemokratischen Partei angeschlossen. Kleine Differenzen zwischen dem Grütliverein und der Partei hat es allerdings vielfach gegeben. Im bürgerlichen Lager hatte man-auch diesmal wieder auf eine Trennung gehofft. Von der Sektion Bern war der Antrag gestellt, ein besonderes Exekutivkomitee für den Grütliverein zu wählen, damit dieser mehr Selbständigkeit erlange. Diesem Antrage traten die Genossen Fähndrich, Seidel u. a. entgegen; und er wurde schließlich mit 101 gegen 12 Stimmen abgelehnt. Bor 40 Jahren, als das Zentralfest des Grütlivereins zum letzten Male in Zürich abgehalten wurde. zählte, der Verband 1360 Mitglieder. Ends 1907 wurden in 274 Sektionen 8407 Mit- glieder gezählt, eine Zunahme von nur 289 gegenüber dem Jahre 1906. Auf der Generalversammlung waren 153 Sektionen durch 202 Delegierte vertreten. Das Reinvermögen beträgt 207 305 Frank: außerdem verfügt die Sterbe- und Krankenkasse über 273 586 Frank. Diese Kasseneinrichtungen fesseln vor allem die Mitglieder heute noch an den Berein, dessen Aufgaben heute im übrigen von der Partei vollkommen ausgefüllt werden könnten. Der Verein besitzt eine eigene Druckerei, in der- im ver- flossenen Jahre für 150 257 Fr. Druckarbeiten hergestellt wurden, wobei ein Reingewinn von 24 632 Fr. erzielt wurde. Der Antrag der Zentralkommission, die Herausgabe des „Grütlianers" definitiv zu beschließen, wurde angenommen.. Damit bestehen im Kanton Zürich nunmehr drei sozialistische Tageszeitungen, unserer Meinung nach kein glücklicher Zustand. Von allgemeinem Interesse ist sodann noch eine Resolution der Genossen Seidel und Pflüger zugunsten eines staatlichen Getreidemonopols, die folgenden Wortlaut hat: „Die Delegicrtenversammlung des Schweizer Grütlivereins erklärt sich grnudsätzlich für hie Einführung eines eidgenössischen Getreide- und Mühlemnonopols mit dem ausschließlichen Zwecke, dcm Volke genügendes gutes und billiges Brot zu beschaffen. Sie protestiert unter den gegenwärtigen. Verhältnissen energisch gegen eine allfällige Erhöhung des-Einfuhrzolles auf Mehl, weil der Bundesverfassung lpidersprccheich mnd die Lebenshaltung des Volkes verschlechternd." Sodann gelang noch ein energischer Protest gegen die AUZ- liefernng Wassilieffs zur Annahme. Hus Induftnc und Ftande!* Krise und AbzahlnugSgeschiift. Bei der Abteilung 59 des Amtsgerichts zu K ö l n standen an einem einzigen Tage neunzig Prozesse an, die sämtlich von Abschlagszahlungsgeschäften gegen säumige Kunden an- gestrengt waren. Davon waren 46 Klagen von einer einzigen Firma, 27 von einer zweiten und 13 von einer dritten angestrengt. Konkurs der Solinger Bank. Nachdem alle Versuche zur Ver- schnielzung der in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Solinger Bank mit irgendeiner Großbank gescheitert sind, ist heute mittag der Konkurs der Bank beim dortigen Amtsgericht angemeldet worden. Der internationale Schienenmarkt. Nach dem Aufschwungs, den der Schicnenvcrbrauch in den letzten Jahren erfahren hatte, macht sich jetzt ein stärkerer Rückgang geltend. Infolge der Er? Weiterung des Absatzgebietes war eben die Schienenhcrstellung sehr ausgedehnt worden, und besonders die Vereinigten Staaten und Belgien hatten ihre Produktion stark gesteigert. Deutschland ist von der Abschwächung deshalb nicht so sehr in Mitleidenschaft ge- zogen worden, weil die Schienenherstellung in den letzten Jahren nicht in dem Matze wie anderwärts erweitert wurde. Uebrigcns ist auch auf dcm deutschen Markte der Absatz von Schienen nicht so zurückgegangen wie in der Mehrzahl der Absatzgebiete. Am wenigsten ist bis jetzt von dem Verbrauchsrückgang England be- troffen worden. Den englischen Werken gelang es sogar, ihren Export gegenüber dem Vorjahr noch zu steigern. Selbst nach Süd- amerika wußten sie mehr als im Jahre 1907 auszuführen, obgleich gerade hier der Bedarf stark nachgelassen hat. Amerika und Deutschland mußten dagegen ihren Schienencxport dahin erheblich einschränken. Allerdings datiert die Erhöhung der englischen Schicncnausfuhr erst seit April; aber da trat sie so kräftig ein, daß der Ausfall des ersten Quartals ausgeglichen wurde. Die Ausfuhr von Bodencrzcugnisscn aus den Vereinigten Staaten von Amerika zeigt im Fiskaljahre 1907/08, eine Abnahme gegenüber 1906/07. Bis Februar waren die Ausfuhrziffern noch um 43 Mill. Dollar höher als im Vorjahr, von da ab trat dann erst die Ab- schwächung ein. Der Wert der zur Ausfuhr gelangten Boden- erzcugnisse einschließlich Vieh, Flerschwaren und Petroleum stellte sich für das Jahr 1907/08 auf 940,29 Millionen Dollar gegen 943,27 Millionen im Jahre zuvor. Die Abnahme von 1907 auf 1903 ist-im Verhältnis zu früheren Rückgängen sehr gering, und nächst dem Jahre 1907 stellt die Ziffer des Jahres 1908 noch immer den höchsten Ausfuhrwert dar. Die Ausfuhr der ausgeführten Stapelwaren ergibt für die beide» letzten Jahre folgendes Bild: 1907 1903 in 1000 Dollar Mais« 4 i:: t-. 43 767,40 33 433,91 Weizen.. i..** 58 727,12 09 595,53 Mehl....... 61841,60 63 930,42 Andere Brotstoffe... 9 911,67_ 8 300,96 Gesamte Brotstoffe.. 174 247,79 205 350,82 Während insgesamt die Ausfuhr der Brotstoffe erheblich ge- stiegen ist, ging die Ausfuhr von Mais merklich zurück, ivährend die von Weizen ganz erheblich zunahm. Die Ausfuhr der übrigen hier- her gehörigen Stapelwaren betrug in 1000 Dollar: 1007 1008 Fleisch und Mollcreiwarcn. 180 342,34 170 408,63 Schlachtvieh �. 84 236,80 29193,33 Baumwolle 480362,32 417524,11 Erdöl-. W-* V%• V 79079,72 97 723,87 Mit Ausnahme von Erdöl ist Sei den zuletzt genannten Waren durchweg ein Rückgang der Ausfuhr zu verzeichnen. Besonders be- achtenswert ist die starke Abnahme des Exports von Baumwolle. Aus der nachfolgenden Zusammenstellung gehen» endlich noch die Mengen der wichtigsten Ausfuhrwaren im verflossenen Fiskaljahr hervor: 1907 1908 82 390 332 61715 110 74 819 049 100 212 161 13 491 177 13 875 357 8 692 829 7 430 234 1 140850901 1317 502 801 MaiS, Busheis., Weizen, Bushels. Mehl, Fässer.. Baumwolle, Ballen Erdöl. Gallonen. Die Ausfuhr von Baumwolle ist um 1,2 Millionen Ballen zurückgegangen, die von Mais um annähernd 31 Millionen Bushels und die von Mehl um 1,62 Millionen Fässer. Weizen und Erdöl sind quantitativ dagegen sehr viel stärker exportiert worden. Auf der Flucht. Aus Bukarest wird vom 24. Juli gemeldet: Großes Aufsehen erregt die Flucht des Direktors Zauareanu von der Rumänischen Handelsgesellschaft. Zauareanu hat zahlreiche Wechsel gefälscht. Mehrere der größten Bankhäuser, viele Kaufleute und Privatleute erleiden bedeutenden Schaden. Soziales. Zur Rechtlosigkeit der ländlichen Arbeiter. Wie berechtigt die Mahnung zur größten Vorsicht bei Vertrags- abschlüssen mit zum Vertragsbruch neigenden Großgrundbesitzern ist, zeigt folgender Fall aus ocm Kreise Ragnit. Dem Industriearbeiter August B. wurde unter sehr ver- lockenden Versprechungen im Herbst vorigen Jahres eine sogenannte Vertrauensstellung als Vorarbeiter auf dem Gute Eszerningken im Kreise Ragnit bei freier Reise dortbin angeboten. Er ver- mietete sich nach längcrem Ucberlegen schließlich auf ein Jahr als Vorarbeiter. Aus dem zwischen- ihm und der Gutsherrschaft erst an Ort und Stelle geschlossenen Kontrakt geben wir wörtlich die bemerkenswertesten Stellen wieder: s 2. Der Dienstbote unterwirft sich ausdrücklich allen Bestim- mungen der von seiner Majestät dem Könige 1810 vollzogenen Gesinde-Ordmmg, gelobt seinem Brotherrn noch besonders: 1. sich nicht dem Trünke zu ergeben, sondern einen nüchternen Lebenswandel zu führen. 2. seinem Brotherrn treu, fleißig und ehrlich zu sein, dessen Bestes bei allen Gelegenheiten wahrzunehmen, das ihm anvertraute Vieh besonders zu pflegen und zu schonen, auch in Fällen der Not nach allen Kräften beizustehen. 3. ohne Wissen und Erlaubnis des Brotherrn oder dessen Stell- Vertreters darf er seinen Wohnort nicht verlassen, insbesondere in der Nacht. 4. mit seinem Nebcngesinde in Ruhe und Frieden zu leben. 5. alle ihm aufgetragenen Arbeiten, sie mögen Namen haben wie sie wollen, getreu und willig zu verrichten. Ungehorsam und Widersetzlichkeit gegen den Brotherrn oder dessen Stellvertreter haben die gesetzliche Strafe ev. Dienstentlassung zur Folge. 6. an jedem Sonn- und Festtage muß das Vieh ebenso ab- gewartet werden wie an den Wochentagen. 7. für jeden Schaden, der durch Mutwilligkeit oder Nachlässig. keit des Dienstboten herbeigeführt wird, haftet derselbe mit seinem Lohne. 8. Der Dienstbote verpflichtet sich gegen 40 resp. 50 Pfennige Tagelohn seine Frau oder einen Stellvertreter, sobald wie es gc° fordert wird, zur Arbeit zu stellen» widrigenfalls ihm eine Mark pro Tag Strafe angerechnet resp. vom Lohn abgezogen wird. 9. Für Fedcrreißen wird keine Bezahlung gegeben. 8 3. Der Brotherr verspricht seinem Dienstboten dagegen, ihn nicht mit unnötiger Strenge zu behandeln, ihm ein wohnliches Obdach zu geben und in Krankheitsfällen für denselben auch«angemessen zu sorgen. 8 4. Falls der Dienstbote von dem zu erhaltenden Brennmaterial etwas erübrigt, darf er dasselbe nicht an Freunde, sondern nur an seinen Brotherrn verkaufen. Beim Fortziehen nach einem Jahre darf nur so viel an Brennmaterial mitgenommen werden, wie hoch der Wert eines Raummeters Knüppelholz ist." Die Tragweite dieses Vertrages, der den Vorarbeiter zum Gesinde stempelt und ihm noch weit über die Gesindepflichten hinaus Pflichten auferlegt, erkannte der Vorarbeiter zu spät. Er kam seinen Pflichten nach, nicht aber der Gutsbesitzer. Ins- besondere verletzte dieser die ihm rücksichtlich des»wohnlichen Ob- dachs" obliegenden Pflichten. Im Jnsthause und dessen Umgebung war kein Wasser vor- Händen. In der Wohnung selbst waren die Balken durchbrochen und mutzten sofort gestützt werden. Die Verschalung der Decke der Wohnstube war dermaßen faul und brüchig, daß die Lehm- füllnng den Einwohnern auf den Kopf fiel. Auch sonst befand sich die Wohnung in einem gefährlichen, unbewohnbaren Zustande. Bitten und Vorstellungen an den Besitzer, die Wohnung seinem Versprechen gemäß bewohnbar zu machen, hatten nicht den geringsten Erfolg. Der Gendarm, der zu einer Besichtigung dieses Obdachs veranlaßt wurde, meinte: Der mit der Wohnung unzu- friedene Arbeiter sei wohl einer aus dem Zukunftsstaate. Er' warnte die-anderen Leute vor diesem Menschen, der wohl ein Sozialdemokrat sei, mit dem man sich nicht einlassen dürfe. Auf eine Beschwerde an den L'andrat erhielt der Arbeiter den Bescheid, daß die Sache wohl übertrieben sei. Der auf diese Art hineingefallene Arbeiter glaubte nun wenigstens ein Recht zu haben, seinen Dienst zu kündigen. Da kam er aber schön an. Er erhielt vom Tage der Kündigung ab keinen Pfennig Lohn und kein Deputat. Der zur Vermittclung angerufene Amtsvorsteher riet dem Mann, da er doch mit seiner Familie nicht verhungern könne, anderwärts auf Tagelohn in Arbeit zu gehen. Darauf erhielt der Arbeiter nun zwar am 11. Februar d. I. seine Entlassung, der Gutsbesitzer verlangte aber sofortiges Verlaffen der Wohnung und behielt sämtliche Sachen der Familie als Schadenersatz für die angeblich 50 Mark betragenden Agentenkosten ein. Erst auf eine gerichtliche Klage hin erhielt der Vorarbeiter seine Wirtschaft heraus. Zu seiner Klage auf rückständigen Lohn und Deputat erhielt er zwar das Armenrecht, aber keinen Rechtsanwalt. Seine Klage wurde abgewiesen, weil oer Gutsherr durch seinen Rechts. anwalt eine Gegenrechnung als Schadenersatz für Verlassen des Dienstes vor Ablauf der Dienstzeit zur Aufrechnung eingereicht hatte. Vielleicht entscheidet die Berufungsinstanz richtiger. Aber wenn auch in solchem Einzelfalle der Arbeiter sein Recht erhalten sollte, verschlägt das wenig, solange die Ursachen der rechtlosen Lage der Landarbeiter aufrechterhalten bleiben. Kündigung„zu" oder„an" einem bestimmten Termin? Um die Auslegung der Worte„Ich kündige.zum" bezw.„am Ersten" handelte es sich in einem gestern vor. dar 5. Kammer des Kaufmannsgerichts ausgefochtenen Rechtsstreit. Der bei der Shannon-Gesellschaft, Zeiß u. Ko., aushilfsweise beschäftigte Ex- pedient Artur P. hatte von seinem Ch�f, Kommerzienrat Zeitz, am 10. März, wegen eines Hehlers Vorwurfe erhalten. Letzterer for- derte ihn auf. den aus dem Irrtum entstandenen Verlust von 7 M. zu ersetzen, sonst koste es ihn seine Stellung. P. erwiderte:„Nun gut, dann kündige ich am nächsten Ersten." Noch an demselben Tage ließ Kommerzienrat Z. von Zeugen dieser Aeußerung schrift- lich festlegen, daß P. erklärt habe, am 1. April aus dem Geschäft austreten zu wollen. Am 31. März wurde dem Kläger das Schrift- stück vorgelegt, er erklärte sich aber mit dem sofortigen Austritt nicht einverstanden und wollte seine Aeußerung dahin ausgelegt wissen, daß er am 1. April erst die Kündigung einzureichen bcab- sichtigte.— Die Firma wurde zur Zahlung des Restgehalts ver- urteilt. Kommerzienrat Z. hätte sich zum wenigsten durch die Frage:„Am 1. April wollen Sie also austreten?" Gewißheit verschaffen müssen; da dies nicht geschehen ist, gilt die vereinbarte Kündigungsfrist._ Nürnberg noch immer ohne Krankenkasse. Seit vielen Jahren verweigert der freisinnige Stadtmagistrat in Nürnberg den Arbeitern die Errichtung einer allgemeinen Ortskrankenkasse an Stelle der im Jahre 1882 lediglich als vorüber- gehendes Surrogat einer Krankenversicherung zugelassenen Ge- meindekrankenversicherung. Ein neuerliches Gesuch wurde wiederum abgelehnt, und zwar mit dem sehr merkwürdigen Hinweis, daß die i» Aussicht stehende Aenderung des Krankenkassengesetzes sowieso eine erhebliche Umwandlung der inneren Organisation der Orts- krankenkassen bringen werde. Offenbar hofft der Nürnberger Freisinn, daß die Krankenversicherung durch Vernichtung der Selbstverwaltung durchweg auf das tiefe Niveau einer Gemeinde- krankenverficherung gebracht werden wird. Wie niedrig ein bayerisches Forstamt Arbeiterleben einschätzt. Das königl. baverische Forstamt in Geroldsgrün(Oberfranken) stellte gegen 5 Waldarbeiter Strafantrag, weil sie an mehreren Tagen die Arbeit verweigert hatten. Die Arbeiter sollten an einem sehr steilen Berghang Bäume fällen, taten dies aber nicht, weil zu jener Zeit Glatteis herrschte. Ist das Baumfällen an steilen Hängen ohnedies sehr gefährlich, so ist es aber geradezu Wahnwitz, diese Arbeit bei Glatteis zu verrichten. Das Schöffen- gericht sprach die Arbeiter frei. Das Forstamt erhob Berufung. Das Landgericht in Bamberg aber konnte sich von einer Schuld der Arbeiter ebenfalls nicht überzeugen und bestätigte den Frei- spruch mit der Begründung, niemand, auch das königl. Forstamt nicht, könne einem Arbeiter zumuten, an einer Stelle zu arbeiten, wo er seinen sicheren Tod vor Augen sehe. Das Verlangen des königl. Forstamtes verstoße gegen die Denkgesetze. Zu bedauern ist, daß der Vertreter der bayerischen Forstver- waltung ebensowenig wie andere Unternehmer zur Anklage ge- langte, die ihrer Geringschätzung des Lebens der von ihnen be- schäftigten Arbeiter durch ähnliche Ansinnen Ausdruck geben. am Amtsenthebung der Vorstandsmitglieder der Chemnitzer Ortskrankcnkasse. Zur' Rekursverhandlung in Sachen der vom Stadtrate 5. Februar verfügten Amtsenthebung der Vorstandsmitglieder H a u s ch i l d und Landgraf hatte sich das Oberverwaltungs- gericht für sachlich unzuständig erklärt. Darauf fand jetzt vor dem VcrwaltungSgericht der Chemnitzer Kreishauptmannschaft, das sich zunächst auch nicht für zuständig erachtet hatte, die Verhandlung statt. Die Entscheidung lautete auf Zurückweisung des Rekurses. Die Begründung der Entscheidung soll den Beteiligten schriftlich zugestellt werden. Kurz wurde nur bemerkt, daß das Gericht die drei Begründungspunkte habe fallen lassen, nach denen sich die Rekurenten bereichert hätten, sonst aber sei die Begründung der Amtsenthebung beachtlich erschienen. In der Verhandlung wurde festgestellt, daß die strafrechtlichen Ermittelungen keinen Anlaß zum Einschreiten auf Grund des Strafgesetzes geboten haben. Auf die Urteilsgründe darf man gespannt sein. Gcwcrkfcbaftlicbc*. Generalversammlung der rheinisch-westfälischen Bauunternehmer. Aus einer soeben stattgefundenen Generalversammlung der r hei n isch-w est sä tischen Bauunternehmer, die unter vollständigem Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfand, werden die wesentlichsten Punkte bekannt. Die Versammlung tagte auf einem großen Rheinschiff während der Fahrt zwischen Königswinter und Köln. Der Geschäftsführer SchmiedehauS-Essen erstattete den Jahresbericht. Den Abschluß des Tarifvertrages mit den Arbeiterorganisationen, dessen Veranlasser der deutsche Unternehmerbund war, erklärte der Berichterstatter als einen Sieg der Unternehmer über die unberechtigten Forde- rungen der Arbeiter. Als besonders große Tat bezeichnete er den Vertragsabschluß mit dem Zementsyndikat, der bekanntlich ein brutaler Boykott jener Bauunternehmer ist, die sich nicht den Beschlüssen des Bundes fügen. Dieses Zementsyndikat hat sich verpflichtet, solchen Bauunternehmern die Lieferung von Zement zu sperren. Die Zahl der Verbände ist von 69 auf 82 ge- stiegen, wodurch sich die Mitgliederzahl um 420 erhöhte. Einige der zugetretenen Verbände sind durch Schwierigkeiten mit den Arbeiterorganisationen zum Anschluß veranlaßt worden, während die größere Zahl durch die Agitationstätigkeit der Geschäftsstelle gewonnen wurde. Die Kassenverhältnisse hätten sich im Berichts- jähre besonders günstig gestaltet, es konnten 100000 M. der Rück- läge zugeführt werden._ Dcutfcbeo Reick». Berechtigter Streik! Der„Arbeitgeber» Schutzverband für das deutsche Holz- gewerbe"(Sitz Berlin) gibt offiziell folgende Erklärung ab: „Da sich die Firma Grove zu Jena fortgesetzt weigert, den Beschlüssen der dortigen Schlichtungskommisston sowie den vertraglichen Bedingungen nachzukommen, wird dieselbe hiermit auf Antrag des Bezirksverbandes Jena aus dem Arbeitgeber-Schutzverband ausgeschlossen. Der inzwischen ausgebrochene Streik wird als be- rechtigt erklärt; unsere Mitglieder haben demnach das Recht, die streikenden Arbeiter der Firma Grove einzustellen." Anerkennung der Organisation. Die Gesellschaft„Holbutko", eine LebenSmittelbetriebSgesellschast, die in ganz Rheinland und Westfalen Filialen besitzt, schloß soeben mit dem Bäckerverband einen für die Arbeiter günstigen Tarifvertrag ab. Außer der Zuerkennung recht vorteilhafter Arbeitsbedingungen wird die Organisation als solche anerkannt und nur Mitglieder derselben werden bei der Firma beschäftigt. * Streikabbruch. Nach neunwöchiger Dauer ist der Streik der Maler und Lackierer in Hamm-Minden beendet worden, ohne den er- hofften Erfolg zu bringen. Das Angebot von Arbeitswilligen war so groß, daß von den Streikenden die bedingungslose Wiederauf« nähme der Arbeit beschlossen wurde. Trotzdem Arbeit genug vor- handen ist, wurden aber nur zwei Streikende wieder eingestellt. Die Streikenden erblicken darin einen Racheakt der Unternehmer und bitten den Zuzug nach wie vor fernzuhalten. Die Wäschtnäherinnr» in Nürnberg stehen mit den Prinzipalen in Differenz-n._ Aufhebung der Sperre. Die beiderseitigen Organisationsvertreter des Stukkateurgewerbes in Bochum beschlossen die Aufhebung der Aussperrung. Die Arbeit wird am Montag wieder aufgenommen werden._ Ausland* Löhne in Amerika. Genaue Angaben über die Höhe der amerikanischen Arbeits- löhne, bekanntlich die besten der Welt, werden in einer Statistik ver- öffentlicht, die jüngst das Z e n s u s a m t der Vereinigten Staaten in Washington herausgegeben hat. Die Statistik wurde im Jahre 1904 aufgenommen, also zur Zeit der vielgerühmtcu„Prosperität", des Wohlstandes. Berichte aus 123 703 industriellen Werken, die 3297819 Arbeiter beschäftigten, liegen den aufgestellten Berechnungen zu« gründe. Diese Aibeiterzahl schließt ein rund 2 620 000 Männer, 588 000 Frauen und 90 000 Kinder unter sechzehn Jahren. Die Gesamtzahl aller Lohnarbeiter in den Vereinigten Staaten wurde zur Zeil der Statistik auf 5 470 000 berechnet. Die Statistik ergab, daß die größere Hälfte der 3 298000 Ar- bester einen wöchentlichen Verdienst von 57,50 M. und darüber erhielt. Der Durchschnittswocheulohn für daS ganze Land wurde auf 42 M. festgestellt. Der Wochenlohn eines männlichen Arbeiters betrug durchschnittlich 46,50 M., eines weiblichen Arbeiters 26,75 M. und eines Kindes 14,50 M. Hinter diesen Löhnen steht der Durchschnittsverdienst des deutschen Arbeiters weit zurück und dabei muß man bedenken, daß der ameri- kanische Arbeiter sein Fleisch, sein Brot und seine Butter nicht teurer, sondern oft noch billiger einkailft als der deutsche. Und doch klagen deutsche Unternehmer soviel über die Begehrlichkeit ihrer Arbeiter und die Kompottschüssel des deutschen Arbeiters soll wohlgefüllt sein I An den folgenden Zahlen kann jeder Arbeiter selbst Vergleiche anstellen zwischen seinem Verdienst und dem seines amerikanischen Kollegen. Das ist um so leichter, als bei dem Durchschnittseinkommen der genannten Statistik die Zeit der Arbeitslosigkeit nicht in Be- tracht gezogen worden ist. Rechnet man diese Zeit binzu, so wird der Lohn hüben wie drüben natürlich noch um ein gut Teil geringer. Es handelt sich, wie schon bemerkt, um Löhne, die zur Zeit einer guten Konjunktur gezahlt werden. Den höchsten Lohn erhalten die Steinschneider mit durch- schnittlich 90 M. Wochenlohn, dann folgen männliche Korsett- macher mit 70 M., dann die Chemigraphen, Litho- g r a p h e n und Arbeiter ähnlicher Berufe mit nahezu 70 M. Männliche Uhrmacher erhalten 67 M., weibliche Uhrmacher 37 M. Dieser Gruppe der bestbezahlten Lohnarbeiter steht die Gruppe der am schlechtesten bezahlten, der Arbeiter in Terpentin« und Harz- Fabriken mit 22 M. und der Arbeiter in Anlagen für Baumwöllsamenprodukte mit 28 M. Wochenlohn gegen- über. Im Mittel bewegen sich die Löhne in den Industrien mit der zahlreichsten Arbeiterschaft. Da sind die männlichen Schuhmacher mit 49,50 M., die weiblichen mit 30,50 M. In der Kleider- i n d u st r i e verdienen die Männer 50,75 M., die Frauen 25 M. Durchschnittslohn pro Woche. Die Arbeiter, die bei der Fabrikation elektrischer Maschinen und Apparate beschäftigt find, erhalten 45,50 M., die Arbeiter in Gießereien und beim Maschinenbau 49,50 M. In der M ö b e l i n d u st r i e werden Männer mit 42,25 und Frauen mit 23 M. bezahlt. Glasarbeiter erhalten 58,50 M., Strumpfwarenarbeiter 36,50 M., Arbeiterinnen 25 M., Eisen- und Stahlarbeiter 52 M., Bauholzarbeiter(Türen, Fenster usw,) 46 M., Arbeiter im Druckereigewerbe 54,23 M., im Zcitungsgeschäft 55 M., Zigarren- und Tabakarbeiter 46 M., Arbeiterinnen aber nur 24,75 M., Bäcker 48,50 M., die Arbeiter der Wagen» industrie 42,75 M., die Hutmacher 55 M., Bvauerei« arbeiter 59,50 M. Durchschnittslohn pro Woche. In der Textilindustrie besteht ein großer Unterschied zwischen den Löhnen im Norden der Union und in den Südstaaten, wo überhaupt sehr schlechte Löhne gezahlt werden. Während in den Neu-England-Staaten der Durchschnittslohn der männlichen Arbeiter für eine bestimmte Ware 36 M. pro Woche beträgt, werden im Süden nur 21 M. dafür bezahlt. Die Südstaaten sind besonders verrufen wegen der schlechten Entlohnung der Arbetter und Arbeiterinnen; auch die Ausbeutung der Kinderarbeit ist dort am schlimmsten. Letzte JVacbricbtcn und Dcpcfcben. Die Umwälzung in der Türkei. Konstantinopel, 25. Just, szoceloung des" Wiener k. k. Telegr.-Korr.-Bureaus.) Der Sultan hat ein Jrade erlassen, durch das die politischen Gefangenen, soweit sie nicht wegen Mordes verurteilt wurden, amnestiert und die Zensur und die Geheimpolizei aufgehoben werden. Konstantinopel, 25. Juli.(Meldung des Wiener k. k. Telegr.-Korr.-Bureaus.) Heute nachmittag fand in Stambul eine imposante Kundgebung statt. Viele tausend Türken zogen mit Musik und Fahnen zur Pforte und überreichten dem Großwesir und den anderen Ministern eine Dankadresse an den Sultan._ Streikbewegung in Australien. Sydney, den 25. Juli.(B. H.) Der Streik der Straßen- bahner hat sich auf Brokenhill und New-Castle ausgedehnt. Die Schauerleute und andere Gewerkvereine haben den Ent- schluß gefaßt, eventuell zu streiken. Der Premierminister lehnte die von dem Zentralgewerkschastsverein verlangte Wiederanstellung ab. Gestern wurden 19 Leute verhaftet, welche Ausschreitungen begangen hatten. Barbaren. Darmstadt, den 25. Juli.(B. H.) Der Gerichtsschreiberaspirant Issel, wohnhaft in Bieber, hat während des Frankfurter Turnfestes seinen Dienst verlassen, um das Fest mit seiner Braut mitzumachen. In seiner Wvhnung ließ er das vierjährige außereheliche Kind zurück. Durch das Wimmern des Kindes wurde die Nachbarschaft aufmerksam gemacht, und man drang mit Gewalt in die Wohnung ein, wo man das Kind halbtot und verhungert auffand. Anscheinend liegt die Absicht vor, das Kind»erhungern zu lassen. Der Aufenthalt des Issel und seiner Braut ist bisher noch nicht bekannt_ Petroleum in die offene Flamme! Frankfurt, 25. Juli.(B. H.) In dem benachbarten Ginnheim goß die l5jShrige Tochter der Familie Dornhüser Petroleum ins Feuer. Plötzlich explodierte die Kanne mit großer Gewalt, und das Mädchen wurde schwer verbrannt. Es ist bald nach der Einlieferung in das Spital gestorben. Eine russische Stadt eingeäschert! Mitau, 25. Juli.(W. T. B.) Die Stadt Telschi steht seit gestern in Flammen. Aus Libau gingen gestern Extrazüge mit Feuerwehr und Militärkommandos dahin; ebensolche Hilfe wurde auch aus anderen Städten gesandt. Nach heute vorliegenden Nach- richten aus Telschi sind bloß einige Häuser übrig ge, blieben. Lerantw. Redakt.: Genra Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw,: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Berlagsanstalt Paul Singer& Ed., Berlin S W. Hierzu 4 Beilagen. lt. 173. 25. t DMt des Jorairts" Kerl« plWIirtt. Somltag, 26. Juli 1908. 600 SolckatevmiShanälungen- Der große Mißhandlungsprozeß, der Anfang vorigen Monats daS Kriegsgericht der 1. Gardedivision beschäftigte, und der all- gemeines Aufsehen hervorrief, gelangte heute vor dem Oberkriegs- gericht des Gardekorps zur nochmaligen Verhandlung. Der„Fall Thamm", der seinerzeit viel Staub aufgewirbelt hat, und der auch noch den Reichstag beschäftigen wird, steht auch diesmal wieder im Vordergrunde der Verhandlungen. Bekanntlich werden ihm von der Anklage nicht weniger als 600 Fälle von Mißhandlungen an Untergebenen und andere militärische Delikte zur Last gelegt. Neben ihm haben noch sieben Angeklagte auf der Anklage- bank Platz genommen, und zwar der Unteroffizier Schultze, die Sergeanten Hahn und Friedrich sowie die Kanoniere Schäfer, Raupach, Flesch und Zopick. Sämtliche Angeklagte stehen bei der 1. reitenden Batterie des t. Garde-Feld-Artillerie-Regiments. Unteroffizier- Schultze wird der fortgesetzten Mißhand- lung Untergebener beschuldigt, während den Sergeanten Hahn und Friedrich schuldhafte Verabsäumung der ihnen ob- liegenden Aufsicht Untergebener und Unterlassung von Meldungen vorgeworfen wird. Den Kanonieren wird einfache und gemein- schaftliche Körperverletzung zur Last gelegt. Wie den Lesern noch in Erinnerung sein wird, ist der tragische Selbstmord des Kanoniers Knappe auf die Mißhandlungen, die er zu erdulden hatte, zurück- zuführen. K. war von allen Kanonieren am meisten den Miß- Handlungen ausgesetzt, und um ihnen zu entgehen, stürzte er sich eines Tages in der Verzweiflung aus dem Kasernenfenster hinaus und starb bald nach der Ein- lieferung im Lazarett an den Folgen der erlittenen Verletzungen. Nun kam die ganze Angelegenheit im Laufe der Untersuchung ans Tageslicht. Da das Gericht die einzelnen Mitzhandlungsfälle bei Thamm nicht mehr festzustellen vermochte, so nahm es rund 600 Fälle an. Wie durch die Beweisaufnahme festgestellt wurde, wurde in der Batterie täglich geschlagen und mißhandelt. Als Opfer des Thamm sind auch die vier angeklagten Kanoniere zu betrachten, denn auf seine Anweisungen hin ließen sie die Mannschaften des jüngeren Jahrganges im Stall„Spießruten laufen". Durch Drohungen versuchte Thamm die Leute von der Er- stattung von Meldungen bei den Vorgesetzten abzuhalten. Auch versuchte er, die Mannschaften in ihren Aussagen zu beeinflussen. Das Urteil gegen den Hauptübeltäter lautete damals auf ein Jahr drei Monate Gefängnis und Degradation, gegen Schultze aus drei Monate und einen Tag Gefängnis, gegen Hahn auf drei Wochen Mittelarrest, gegen Friedrich auf vier Wochen Mitttelarrest, gegen die Kanoniere Schäfer und Raupach auf je zwei Monate und eine Woche Gefängnis und gegen die Kanoniere Flesch und Zopick auf je vierzehn Tage Gefängnis. Gegen dieses Urteil hat nun der Gerichtsherr Berufung beim Ober- kriegsgericht des Gardekorps eingelegt. Die Strafen sind ihm zu niedrig bemessen. Um 9 Uhr eröffnet der Vorsitzende die Sitzung. Die Zeugen aus der ersten Instanz sind auch heute wieder erschienen. Die Angeklagten Flesch und Zopick sind nicht mehr erschienen, da deren Urteil bereits rechtskräftig geworden ist. An Stelle des am Er- scheinen verhinderten Rechtsanwalts Ulrich ist Rechtsanwalt Kaufs- mann anwesend. Vor der Vernehmung des Angeklagten schreitet der Verhandlungsführer zur Berichterstattung über das bisherige Prozeßverfahren. Um den Richtern ein klares Bild zu geben, muß der Verhandlungsleiter eingehend über die bisherigen Feststellungen berichten. Im Laufe der Ausführungen wird zur Kenntnis ge- bracht, daß sich der Hauptangeklagte, Unteroffizier Thamm. bei dem ersten Urteil beruhigt habe. Dagegen habe der G e r i ch t s h e r r Berufung eingelegt, da ihm die Strafe zu niedrig erscheint. Bezüglich der Mißhandlungen und vorschriftswidrigen Behandlungen an Untergebenen fordert der Gerichtsherr, daß bei Thamm nicht eine fortgesetzte Handlung, wie das Kriegsgericht angenommen hat, in Betracht kommen solle, sondern daß die einzelnen Mißhandlungsfälle !gur Aburteilung gelangen sollen. Sollte das Oberkriegsgericht diesem Antrage stattgeben, so dürfte für Thamm eine weit höhere Strafe zu erwarten sein. Auch in dem- bekannten Mißhandlungs- Prozeß gegen den Sergeanten Breitenbach hatte der Gerichts- Herr seinerzeit eine gleiche Berufung eingelegt. B. war daraufhin anstatt zu drei Jahren zu acht Jahren Ge- f ä n g n i s verurteilt worden. Bei dem Unteroffizier Schultze verlangt der Gerichtsherr ebenfalls anstatt einer fortgesetzten Miß- Handlung die einzelnen Fälle abzuurteilen. Schultze hat auch selbst Berufung eingelegt. Ebenso die Sergeanten Hahn und Friedrich, weil sie sich unschuldig fühlen. Die Kanoniere- Flesch und Zopick haben sich bei dem Urteil beruhigt. Der Gerichtsherr hat infolge- dessen in diesen beiden Fällen davon Abstand genommen, Be- rufung einzulegen. Aus der weiteren Berichterstattung sei noch folgendes erwähnt: Zunächst ging der Verhandlungsleiter auf den Selbstmord des Kanoniers Knappe, der ja den Ausgangspunkt des ganzen Prozeß- Verfahrens bildet, ein. Sodann wurden besonders schwere Miß- Handlungen, deren sich Thamm und Schultze schuldig gemacht haben, hervorgehoben. Die Namen der Kanoniere Knappe und Zippert, die am schwersten betroffenen Opfer der Angeklagten, werden dabei fortgesetzt erwähnt. Der Futtcrmeister Hahn bestrafte die älteren Leute, sobald er von deren Mißhandlungen, die t ä g- l i ch im Stall vorkamen, hörte, zumeist selbst in der verschiedensten Weise. Von einer Meldung der Vorfälle nahm er jedoch Abstand. Auch der Sergeant Friedrich ging in gleicher Weise vor. Schäfer und Raupach taten sich bei den Mißhandlungen an den jüngeren Mannschaften am meisten, hervor. Bekanntlich spielte die Fahrer- peitsche bei dem „Spießrutenlaufen" die Hauptrolle. Die Rekruten mutzten die Stallgänge passieren und dann sausten von allen Seiten die Peitschenhiebe auf sie nieder. Auf Grund einer reichsmilitärischen Entscheidung ist das Divisions gericht zu der Annahme gelangt, daß bei den Mißhandlungen eine fortgesetzte Handlung anzunehmen war.— Nach Verlesung der Prozeßakten, die nahezu eine Stunde in Anspruch nimmt, gibt der Verhandlungsleiter die Begründungen der Berufungen be� kannt. Wie bereits erwähnt, fordert der Gerichtsherr für alle An- geklagten strengere Bestrafung und Bestrafung in all den Fällen, in denen Freispruch erfolgt ist. Unteroffizier Thamm gibt bei seiner Ver nehmung die ihm zur La st gelegten Straftaten im großen und ganzen zu. Auf die Frage des VerHand- lungsleiters, was für einen Vorsatz er bei den Mißhandlungen im Auge gehabt habe, erwidert der Angeklagte:„Ich wollte tüchtige, gute Soldaten aus den Leuten machen!" Thamm ist im Oktober 1907 als Rekrutenunteroffizier eingetreten, und im November begannen die Mißhandlungen, die bis zum 21. März 1908, dem Todestage des Kanoniers andauerten. Bis auf die Sonntage hat Thamm jeden Tag geschlagen. Der Verhandlungsleiter wirft dem Angeklagten bor, daß er bei jeder Mißhandlung einen neuen Vorsatz gehabt habe und daß die Mißhandlungen alle anders waren. Der Verteidiger des Unter- offiziers Thamm macht darauf aufmerksam, daß ihm gegenüber Thamm geäußert habe, er habe von vornherein die Absicht darauf gerichtet, seine Leute zu erziehen. Bis auf die Vernehmung einiger Zeugen verzichtet Rechtsanwalt Kauffmann aus die Be- Weisaufnahme in Sachen Thamm. Wenn man die Senntage ab- rechnet, so kommen 121 Mißhandlung«» in Betracht. Der Gerichtshof mutz dies feststellen, SM einiger- maßen einen Begriff über die Anzahl der von Thamm verübten Mißhandlungen zu bekommen. Der als Zeuge vernommene Kanonier Zippert, der infolge der Erziehung des Thamm schließlich schwermütig wurde, soll allgemein über die Mißhandlungen seines ehemaligen Vorgesetzten aussagen. Viel ist aber nicht aus ihm herauszubekommen. Er bekundet, daß er etwa einhundertmal von Thamm mißhandelt worden sei. Hauptsächlich wurde er mit Faustschlägen und Ohrfeigen traktiert. Der Verteidiger Thamms beantragt die Vernchmung des Wachtmeisters Uetzfeld, des Leutnants v. Luch- Kkinee fcuületon* AuS dem Leben einer russischen Studentin. Die Studentin Popora hatte den ganzen Tag im Ministerium des Innern und in der Sektion der politischen Polizei Schritte unternommen, um eher ins Gefängnis zu kommen und dort die gerichtlich zuerkannte Strafe abzubüßen. „Die Kresth(das Zentralgefängnis auf der Wiborger Seite in Petersburg) sind überfüllt", erklärte man der Bittstellerin.„So bald ein Platz frei wird, werden wir Sie sofort einsperren. Be unruhigen Sie sich nicht... Die Reihe wird schon an Sie kommen!' „Ja, aber wann wird sich dort eine Vakanz finden? Begreifen Sie es doch: ich will unbedingt meine Haft bis zum Herbst ab- sitzen... Ich mutz im Herbst mein Abgangsexamen in den Frauen- kursen machen und will unbedingt bis dahin mit meiner Strafe fertig sein.".. „Was ist dabei zu machen! Alles ist besetzt.,, ES ,st kein Platz in den Kresty." Bekümmert durch die Absage saß die Studentin in ihrem Zimmer und dachte unter Tränen darüber nach, wie sie es anstellen sollte, um ihre drei Monate absitzen zu können und auch noch rechtzeitig zum Herbstexamcn frei zu werden.— Da flog der Schimmer eines glücklichen Lächelns über ihr Gesicht. Ich werde, sagte sie sich, zu Großvater gehen. Er hat zwar den Dienst quit- ticrt, besitzt aber noch seine guten Verbindungen mit dem Ministerium. Der alte General erstaunte sehr über ihre Mitteilung, daß sie zu dreimonatiger Gefängnishaft verurteilt sei und lehnte jede Ver- Mittelung schroff ab. „Ich lehne es durchaus ab, für Dich Schritte zu tun. Ich habe Dich stets vor diesen Bekanntschaften mit der heutigen Jugend ge- warnt und niemals dem Besuch der Kur.se zugestimmt. Deine Mutter hat aber nicht auf mich gehört und Du hast aufgehört, mein Haus zu besuchen. Ich denke gar nicht daran, für Deine Frei- lassung etwas zu tun." „Aber lieber Großvater, ich bitte Sie ja um etwas ganz anderes...." „Was willst Du denn?" „Daß man mich möglichst bald ins Gefängnis bringe," rief die Studentin mit erregter Stimme,„Sie haben Verbindungen und können es durchsetzen." „Daß man Dich ins Gefängnis steckt?" „Run ja— mir liegt daran." Als das junge Mädchen nun ausführlich von ihren Be- mühungcn im Ministerium erzählte, brachen die Anwesenden in ein Helles Gelächter aus. So etwas war ihnen noch nicht vorgekommen: Jemand, der es eilig hat. ins Gefängnis zu kommen. Aber dieses Lachen förderte ihre Sache. „Ha, ha. ha!" lachte der alte General,„ich habe lange nicht so gelacht. Nun, ich danke Dir für dieses Amüsement. Na, also Du brauchst eine Fürsprache, um ins Gefängnis zu gelangen." „Ja, ja!" antwortete die Enkelin fröhlich.„Daß man mich eher einsperre und nicht erst auf eine Vakanz warte. Ich muß die Haft bis zum Examen absitzen. Ohne Ihre Fürsprache komme ich nicht jus Gefängnis."., „Sofort werde ich einen Brief schreiben," sagte der Großvater, „und selbst hinfahren, um Dir einen Platz im Gefängnis zu be- sorgen. Nein— ist das eine Geschichte: Früher habe ich Bitt- stellern zu Beamtenposten verholfen und jetzt bemühe ich mich um eine Vakanz im Gefängnis! Also auch hier ist Protektion nötig. Eine kuriose Zeit! Ich hätte nicht gedacht, daß ich das erleben würde.... Ich selbst werde mich darum bemühen, daß Du nur ja ins Gefängnis kommst..." „Lieber Großvater! Jeder Tag ist kostbar! Beeilen Sie sich, damit ich reinkomme!" Die Gefahren des Schnürens. Die Reformbewegung auf dem Gebiete der Frauenkleidung hat auch in den wenigen Ländern, wo sie überhaupt soweit Fuß fassen konnte, daß man ab und zu ein sogenanntes„Reformklcid" bemerkt, erwiesen, daß in der Praxis die Mode der Hygiene überlegen ist. Man mag sagen: leider! Denn wenn auch über die Frage der Schädlichkeit des Korsetts viel gestritten worden ist, dürfte sie doch kaum zu bezweifeln sein. Nach einer Zusammenstellung der neueren Ansichten darüber, die in der „Allgemeinen Wiener Medizinischen Zeitung" erschienen ist, wird vor allein in vielen Fällen die Bleichsucht aus ein frühzeitiges Tragen des Korsetts zurückzuführen sein. Maßgebliche Autoren vertreten diese Ansicht, wenn auch gewiß nicht jeder Fall daraus erklärt werden darf. Daß mindestens sehr häufig durch das Schnüren Chlorose lBlcichsucht) erzeugt wird, erhält dadurch eine Stütze, daß sie bei Männern überhaupt eine seltene Erscheinung ist, ferner daß in Japan, wo trotz aller europäischer Tendenzen das Korsett nicht eingeführt worden ist, die Bleichsucht fast niemals auf- tritt mit Ausnahme der Fälle, wo Japanerinnen vollständige euro- päische Kleidung angenommen haben. Die nächste Wirkung des Korsetts ist eine Behinderung der Zwerchfellbewegungen und damit der Zwcrchfellfunktionen. Die Röntgenuntersuchung hat starke Verschicbungen des Zwerchfells nach oben nachgewiesen. Weit schlimmer ist der anhaltende Druck des Schnürleibs auf die Bauch- organe, der sehr bald eine Verschiebung der Eingeweide aus ihrer natürlichen Lage zur Folge hat. Auch kommt es, wie Dr. Grocdcl beobachtet hat, häufig zur Entstehung einer„chronischen Schnür- furche". Auch am Magen selbst tritt eine solche Schnürfurche, ähn- sich wie an der Leber auf und soll die Entstehung eines runden Magengeschwürs begünstigen. Häufig bewirkt, wie von französi- schen Äerzten betont wird, das starke Schnüren die Entstehung des sogenannten Sanduhrmagens. Guillinet äußert sich darüber: „Diese Zusammcndrückung kann beim Manne durch die Weste oder den Gürtel bewirkt werden, aber sie findet sich ungleich häufiger bei der Frau, wo das Korsett fast immer die Schuld daran trägt." Von besonderem Interesse sind die Mitteilungen von Dcnnig, der in Württemberg über die Lagcveränderung des Magens zahlreiche Untersuchungen angestellt hat, die fast durchweg denselben ursäch- lichen Zusammenhang erkennen ließen. Er sagt darüber:„Es ist in Württemberg nicht selten, daß die Beinkleider mit einem schmalen Riemen zusammengehalten werden, und die Nachfrage bei den von mir Untersuchten ergab, daß von den 406 männlichen Per- sonen, bei denen eine normale Lage des Magens nachgewiesen wurde, nur 16 einen Riemen trugen, während von den 172, die ausgesprochene Magensenkung hatten, 79, also nahezu die Hälfte, die Hosen mit einem um den Körper geschlungenen Riemen oder Strick festhielten." Bon den 1172 untersuchten weMjchezi Per-.- Wald und des Wachtmeisters Pontow darüber, wie das Wesen des Kanoniers 5inobbe gewesen sei. Die nächsten Zeugen werden über die Mißhandlungen des Thamm vernommen. Der Verhandlungs- leiter legt besonderes Gewicht auf die Anzahl der Mißhandlungen. Kanonier Müller gibt näher Einzelheiten über die Art der Miß- Handlungen. Der Zeuge ist täglich mißhandelt worden. Er wurde von Thamm geohrfeigt, mit der Faust geschlagen, mit! den Füßen getreten, mit dem Deckgurt geschlagen, am Ohr gezogen, daß es blutete, zur Erde geworfen und mißhandelt usw. Thamm versuchte auf Müller, wie auch auf andere Untergebene einzuwirken, über ihn nichts SUszu- sagen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß hierin eine Verleitung zum Meineid erblickt wird und daß gegen den Angeklagten auch nach dieser Richtung hin vorgegangen wird. Der Vertreter der Anklage hat eine entsprechende Nachtragsanklage in Aussicht ge- stellt. Zwischen dem Verhandlungsleiter und den Verteidigern kommt es wegen verschiedener Weweisanträge zu Auseinander- setzungen. Der Kanonier Stockfisch, der heute anders aussagt, als vor dem Kriegsgericht, wird von dem Verhandlungsleiter wieder- holt dringend ermahnt, die Wahrheit zu sagen und sich nicht der Gefahr eines Meineides auszusetzen. Leutnant v. Luchwald wird über den Charakter des Knobbe vernommen. Er bekundet, daß K. in den ersten drei Wochen ein außerordentlich auf- merksamer Rekrut war. Dann war er plötzlidj wie umgewandelt und einer der schlechtesten Soldaten. Die Verteidiger sind der Meinung, daß Knobbe nicht dürch die Mißhandlungen, sondern durch andere Motive in den Tod ge- trieben worden ist. Sie stellen entsprechende Anträge, um hier- über bestimmtes festzustellen. Rechtsanwalt Selle führt aus, daß die Sache aufgeklärt werden müsse, und zwar nicht allein im Interesse der Angeklagten, sondern auch im Interesse der Oessent, lichkeit, Ueber das Beschwerberecht der Mannschaften entspinnt sich eine längere Diskussion. Auf Veranlassung eines Verteidigers bekundet der Zeuge Leutnant! v. Luchwald, daß man wohl darum gewußt habe, daß in der Batterie geschlagen worden sei, daß die Mißhandlungen jedoch einen so großen Umfang angenommen hätten, fei nicht bekannt ge- Wesen. Cr, der Zeuge, habe selbst einmal geäußert:„Es geschieht Euch ganz recht, wenn Ihr geschlagen werdet. Die Batterie kann Euch nur helfen, wenn Ihr Euch meldet!" Immerfort wurden die Leute instruiert, sich sofort zu melden, wenn ihnen etwas Unrechtes geschehe. Ueber die Art und Weise, in der die Leute ihr Beschwerderecht ausführen konnten, war kein Zweifel vorhanden. Nur weil die Leute sich nicht meldeten, seien die Mißhandlungen in so großer Ausdehnung vorgekommen. Bekanntlich hatte Thamm Untergebene durch Drohungen veranlaßt, keine Meldung zu erstatten. Da auf den größten Teil der Zeugen verzichtet wird, so ist die Beweisaufnahme bereits in der Mittagsstunde geschlossen. Der Vertreter der Anklage, Kriegsgerichtsrat Schönetverk, be» antragte gegen Thamm eine Gesamtstrafe von zwei Jahre» Gefängnis und Degradation, gegen Schultze vier Monat Gefängnis. In Sachen der Angeklagten Hahn und Friedrich bittet er nm die Verwerfung der beiderseitigen Berufungen. Be? den Kanonieren Schäfer und Raupach beantragt der Vertreter der Anklage auf die Strafe zu erkennen, die in der ersten Instanz beantragt worden ist. Bevor die Verteidiger zu Worte kommen- wird in eine Mittagspause eingetreten. Der Verteidiger des Unteroffiziers Thamm, Rechtsanwalt: Kauffmann, suchte in seinem Plädoyev an Hand verschiedener Reichsmilitärgerichtscntscheidungen nachzuweisenl jdaß auf eine fortgesetzte Handlung zu erkennen sei. Aus ü b e r t r i c, benem Ehrgefühl(!) habe sich der Zlngellagte zu den Miß- Handlungen hinreißen lassen? zu Nutzen der Batterie und zn Ehren seines Hauptmanns habe er gefehlt. Wenn in den Zei- tungen darüber geschrieben worden sei, daß Thamm zu milde bestraft worden fei, so müsse er bemerken, daß auch unter den Pressevertretern mancher sei, der niemals einen bunten Rock ge. tragen habe.— Rechtsanwalt Seile, der Verteidiger des Ser- geanten Friedrich und der Kanoniere Schäfer und Raupach, plä- vierte auf Freispruch bezw. auf mildere Bestrafung. Er gab der sonen bestand bei 834, d. senkung. h. bei 75 v. H., ausgesprochene Magen- Das unsymmetrische Gesicht. Daß die angleichmäßige Aus- bildung der beiden Hälften im menschlichen Gesicht nicht, wie Lom- broso behauptet hat, ein Zeichen der zunehmenden Entartung des Menschengeschlechts, sondern ein durchaus normales, charakte- ristisches Kennzeichen darstellt, hat Dr. R. Liebreich in Paris durch Untersuchungen an Tausenden von Schädeln aller Zeiten und aller Rassen festgestellt. Die Schädel der ägyptischen Mumien, der japa- nische Typus, die afrikanische Rasse, sie alle zeigen, wie einem Be- richt der„Umschau" zu entnehmen' ist, die gleichen Merkmale der Gesichtasymmetrie; selbst an antiken Bildwerken, wie z. B. der Büste des Kaisers Claudius, ist dies beobachtet! Der rechte Backen- knochen nähert sich meist in seinem vorspringenden Teil einem rechten Winkel, während der linke eine offenere Krümmung besitzt und nach hinten gebogen ist; daraus ergibt sich ein Unterschied in der Form und Lage der Ränder beider Augenhöhlen. Ferner ist der obere Kinnbacken nach rechts verschoben, während er links eine Abplattung besitzt. Diese Asymmetrie, die in 97 Proz. der Fälle beobachtet wurde, die aber bei Ltzbenden durch Haut, Fett und Muskeln einigermaßen verdeckt und modifiziert wird, wird von Liebreich durch den Druck erklärt, den das Becken der Mutter wäh- rend des letzten Abschnittes des Embryonallebcns auf die Wange des Fötus ausübt. Ein meteorologisches Faktotum. Der englische Gelehrte William Marriot hat sich auf seiner meteorologischen Station in West-Norwood, wie„English Mechanic'' Meldet, ein äußerst inter- cssantes �" Es""" matisch genauen Zeitpunkt jedes Blitzes, den Beginn und die Dauer'jedes Donnerschlags und Anfang, Verlauf und Heftigkeit der Hagel- fälle. Anläßlich eines vor wenigcp Tagen niedergegangenen Gc- witters registrierte daS Brontomeker 97 Blitze in 27 Minuten, zwischen 6 Uhr 11 und 6 Uhr 38 Minuten. Zwischen 6 Uhr 38 und 6 Uhr 44 Minuten wurde kein Blitz wahrgenommen, da vergesse» worden war, den Tintcnvorrat für den registrierenden Stift- zu er- neucrn, aber späterhin zwischen 6 Uhr 44 und 7 Uhr 20 Minuten wurden neuerdings 63 Blitze festgestellt. Zwischen S Uhr 10 und Uhr Uhr 20 Minuten wurden nicht Weniger als 123 Donner- schlage aufgenommen. In 33 Minuten betrug die Regenmenge 2 Mj Zentimeter.... Notiz«,. — Theaterchrotxjl. Das Berliner Theater wird unter der Direktion Meinhard und Bernauer am 16. September mit Die Journalisten" von G. Freytag eröffnet werden. — Altes Eisen. Das Loy der Panzerschiffe ist, zum alten Eisen geworfen zu werden. Dieser Tage wurden in Ports- mouth alte englische Kriegsschiffe versteigert. Was die Schiffe, die viele Millionen gekostet haben, wert sind, wenn sie nicht mehr als kriegstüchtig erachtet werden, möge ein Beispiel für viele zeigen. Der Panzer„Drcadnought", ein im Jahre 1379 gebauter Vorläufer des riesigen NgmenvetterS, ein Schiff von 10820 Tonnen, brachte�» 460 000 M.1 � Ansicht Ausdruck, ttog ShtoBEc öiellct'cht i n einem Anfall Don Geistesstörung(!) Selbstmord berübt habe. Nachdem Leutnant v. Puttkammer für den Sergeanten Schultze und Rechts- vnwalt Hoffmann für den Sergeanten Hahn gesprochen hatten, zog sich der Gerichtshof zur Beratung zurück. Gegen vier Uhr wurde das Urteil verkündet. Auf die Be- rufung des Gerichtsherrn wurde das Urteil gegen Thomm insofern aufgehoben, als nicht auf fortgesetzte Mißhandlung Unter- gebener, sondern auf Mißhandlung Untergebener in SOO Fällen Und auf vorschriftswidrige Behandlung in IVO Fällen erkannt wurde. Das Strafmaß blieb jedoch bei einem Jahr nnd drei Monaten Gefängnis! Auch die Degradation wurde gegen den Angeklagten ausgesprochen. Schultze wurde wegen bO Mißhandlungen zu vier Monaten und einem Tag Gefängnis verurteilt. Die»Sergeanten Friedrich und Hahn wurden von der Beschuldigung der mangelhaften Beauf- sichtigung Untergebener und des Unterlassens von Meldungen strafbarer Handlungen freigesprochen. Hahn erhielt wegen Miß- Handlung in zwei Fällen neun Tage Mittelarrest. Die Berufung der Kanoniere Schäfer und Raupach wurde verworfen und auch der Berufung des Gcrichtsherrn in diesen beiden Fällen nicht statt gegeben. Aus der Urteilsbegründung sei hervorgehoben, daß die Beweis aufnähme im großen und ganzen dasselbe Bild ergeben habe als in der Vorinstanz. Das Gericht hat es nicht als f e st st e h e n d erachtet, daß der Tod des Kanoniers Knobbe allein durch die M i ß- Handlungen herbeigeführt worden ist. Es möge sein, daß dies dazu beigetragen habe. Berufsgruppen Führer Insassen Dritte Personen Mimgen und Verletzungen durch flutomobile. Das neueste statistische Jahrbuch für das Deutsche Reich zeigt, daß die Zahl der Kraftfahrzeuge und noch mehr die durch sie herbeigeführten Unfälle erheblich zu- genommen haben. Am 1. Januar 1908 war der Bestand an Kraftfahrzeugen in Deutschland 30 022 gegen 27 020 am 1. Ja- nuar 1907. Von diesen Kraftfahrzeugen dienten vorzugsweise zur Lastenbeförderung: 1778(gegen 1211 am 1. Januar 1907). 34 24 4(gegen 25 815 am 1. Januar 1907) Kraftfahrzeuge dienten vorzugsweise zur Personen Beförderung. Von diesen 34 244 der Personenbeförderung dienenden Fahrzeugen standen im Dienst öffentlicher Behörden(Post, Marine, Militär, Kommunalverwal- iungen usw.) 302(219*), im öffentlichen Fuhrverkehr(Droschken, Omnibusse usw.) fanden 1734(1197*) Gefährte Verwendung. Für die Zwecke des Handelsgewerbes und sonstiger Gewerbebetriebe mit Ausnahme des öffentlichen Fuhrverkehrs waren 14 040(10 099*) Automobile tätig. In der Landwirtschaft fanden 303(270*), für Aerzte, Feldmesser und für andere Berufszwecke 4028(3143*) Wagen Verwendung. Nicht weniger als 13 771(10287*) Auto- mobile dienten Vcrgnügungs- und Sportzwecke». Die Zahl der durch Automobile in der Zeit vom I. Oktober 1900 bis 30. September 1907 verletzten oder getöteten Per» s o n e n ist außerordentlich hoch. Sie beträgt 2504. Der außerdem Sachen zugefügte Schaden wird auf 880 751 M. geschätzt. Und twar sind verletzt: 2419 Personen, nämlich: Führer Insassen P�nen Insgesamt männlich». �. 198 259 1437 weiblich.* ►.— 100 398 unermittelt, welchen Geschlechts... 1_ 8_ 18 1894 498 27 Summa 199 867 1853 2419 Verletzte Getötet durch Automovtle wurden 146 Personen, nämlich: Führ« Insassen P�si-nen Insgesamt männlich.»«, 13 15 80 103 weiblich 2 83 85 unermkttelt, welchen Gefchlechts...—- 2_ 2_ Summa 13 17 115 145 Getötete IV. Getötete weibliche Personen. Industrie.......... Häusliche Dienste, Lohnarbeit wech- selnder Art........ Ereie Berufsarten....... hne Beruf und Berufsangabe.. Weibliche Familienangehörige.. 2 1 2 26 Hl. Getötete männliche Personen, Landwirtschaft, Gärtnerei usw.» Industrie und Bauwesen Handel und Verkehr...... Häusliche Dienste, Lohnarbeit wech- selnder Art........ Militär-, Hof-, bürgerlicher u. kirch- licher Dienst, auch sogenannte fteie Berufsartcn........ Ohne Beruf und Berufsangabe.. Männliche Familienangehörige.. Männliche Personen überhaupt 13 8 6 15 12 10 17 I 5 23 80 •)' Die in Klammern beigesetzketi Zahlest gebest die Zahlen .für den 1, Januar 1907.an. Weibliche Personen überhaupt— 2 33 Ferner: Ohne Angabe des Geschlechts und des Beruf»........ Auffällig ist die erheblich geringere Beteiligung des weiblichen Geschlechts an den Unglückszahlen, die dritte Personen betreffen. Uebcr 40 Proz. der der Personenbeförderung unter Gerassel, Staub und Gestank dienenden Automobile dienen also lediglich Vergnügungs- und Sportzwecken. Und diesem Sport ist in einem Jahr das Leben oder die Gesundheit von über 2000 weder als Führer noch als Insassen beteiligten Personen zum Opfer gefallen! Da ist es endlich Zeit, daß volle Haftpflicht der Automobilb.esitzer eingeführt und eine Zwangsberufsgenosscnschaft der Automobil- besitz« reichsgesetzlich eingeführt wird. Ein vom Reichsjustizamt vor einigen Wochen veröffentlichter Entwurf ist völlig ungenügend. Die ungeheure Leben und Gesundheit der Mitmenschen ge- fährdcnde Natur des heutigen Automobilbetriebs zeigt auch«in Vergleich mit den Eisenbahnunfällen. Es sind im Jahre 1900 ins- gesamt bei Betrieb aller vpll- und schmalspurigen Eisenbahnen in Deutschland 1195 Personen getötet, 2543 ver- letzt. Von den Getöteten waren 120 Reisende, 709 Bahn arbeiter oder Bahnbeamte, 30 0 andere Personen; von den Ver� letzten waren 002 Reisende, 1543 Bahnarbeiter oder Bahn beamte, 3 98 andere Personen. Beim Eisenbahnbetrieb(der 23 305 Lokomotiven, 48 255 Personen- und 49 030 Gepäckwagen umfaßt) werden, wie wir leider so häufig haben tadeln müssen, bei weitem noch nicht alle Rücksichten auf die Betriebssicherheit genommen: die Länge derArbeitszeit und dieschlechteEntlohnung der Arbeiter und unteren Beamten sind beispielsweise Unglücks faktoren, die zu vermeiden in menschlicher Macht liegt. Aber den noch, wie gering ist die Gefahr der Eisenbahnen für dritte, bei der Fahrt unbeteiligte Personen im Verhältnis zu der Gefähr- dung durch Automobile! Dort insgesamt 704, im Autobetriebe 2 00 3 völlig unbeteiligte Personen verletzt oder getötet. Hier helfen Nur durchgreifende Maßregeln: Haftung der Automobil- besitzer für jeden Unfall, der nicht durch Absicht der Verletzten herbeigeführt ist, und Zwangsberufsgenossenschaften, damit auch den Verletzten ein zahlungsfähiger Schuldner gegenüberstehe. Dann, aber auch erst dann, wird die Zahl der Unfälle etwas ab' nehmen. Hua der frauenbewegutig« Die Lage der Arbeiterinnen. Während die Löhne der männlichen Arbeiter unter dem Druck der Kampforganisationen im letzten Jahrzehnt immerhin um einiges zugenommen haben, kann man andererseits mit Bestimmt heit konstatieren, daß die Gesamtlage der Arbeiterinnen sich in keiner Weise nennenswert verbessert hat und die Entlohnung so ziemlich die gleiche geblieben ist. Nur bei einzelnen Kategorien, wo es sich um besonders qualifizierte Arbeit handelt oder wo die Organisationen stark genug waren, den Widerstand des Unter- nchmertums gegen höhere Löhne, der ja hinsichtlich der Frauen entlohnung besonders kraß zum Ausdruck kommt, zu brechen und bei den Abschlüssen der Tarifverträge die weiblichen Arbeitskräfte mit einzuziehen, kann man eine, wenn auch nicht erhebliche Stet- gerung des Verdienstes bemerken. Nehmen doch die Kapitalisten die Taufende von jungen, halbentwickelten Mädchen, die alljährlich die Schule verlassen und in Scharen, von der Peitsche der Not ge trieben, der Fabrik zuströmen, nur darum auf, um billige Aus beutungSobjekte zu erhalten. Die Gesamtlage der Arbeiterinnen ist jämmerlich, trostlos, miserabel. Ein Blick in ihre Verhältnisse, in ihr Leben enthüllt dem Beobachter ein erschreckendes Bild der Armut und Not dieser Acrmsten. In engen, überfüllten und un gesunden Räumlichkeiten hausend, überall von dem grinsenden Gespenst der Sorge verfolgt, ohne Lichtstrahl und Freudenschimmer in dem trübseligen Dasein, von der harten, gleichförmigen Arbeit zermürbt und aufgerieben, vegetieren diese bedauernswerten Ge schöpfe dahin. Fast durchweg an Unterernährung leidend, zeigen sich die Folgen bei den jugendlichen Gestalten frühzeitig genug und zerrütten den Organismus gerade in der Zeit der besten Ent» Wickelung. Von ihrem geringen Einkommen, das oft noch durch Perioden der Arbeitslosigkeit und Krankheit unterbrochen wird, den ganzen Lebensunterhalt zu bestreiten, dazu muß man fast ein Finanzgenie sein. Wie erbärmlich die Frauenlöhne in Berlin noch sind, ergibt sich aus der Feststellung der Berliner Gewerbe aufsichtsbeamten, nach der die Berliner Arbeiterin im Durchschnitt 11 M. verdient. Dieselben Beamten haben aber auch ausgerechnet, daß eine alleinstehende Arbeiterin, wenn sie nur notdürftig leben will und ihre Bedürfnisse aufs äußerste einschränkt, also auf dem tiefsten Niveau der Lebenshaltung steht, eine regelmäßige wöchent- liche Einnahme von 11,05 M. zum Unterhalt braucht. Die Folgen dieser Zustände kann man sich ausmalen. So klagte erst kürzlich der«Verein zur Errichtung von Arbeiterinnenheimen", daß die Vermehrung der Mädchenheime an dem Umstände scheitere, daß die Mehrzahl der Mädchen Löhne beziehe, die es ihnen nicht einmal möglich mache, die Miete in der Höhe von 12, 10, 9 M. zu er- schwingen. In der Freitagsnummer de?«Berliner Tageblatts* wird in einem Artikel über diese Heime in köstlicher Naivität die Forderung gestellt,„die Großindustrie müsse für diese ergiebige Opfer* bringen. Die Großindustrie hat anderes zu tun, als sich um das Wohl ihrer Lohnsklaven zu kümmern. Nur eine kraftvolle Arbeiterbewegung kann helfen, und zwar durch einen durch- greifenden Arbeiterschutz und durch eine gesunde, umfassende Sozialpolitik. „Mehr selbstbewußte Kraft!" So ruft„Die Arbeiterin", das Organ des Verbandes süd- deutscher katholischer Arbeiterinnenvcreine, den arbeitenden Frauen und Mädchen zu. Die Frau solle Gerechtigkeit suchen, denn sie «spielt ohnehin schon viel zu sehr die Demütige und Schüch- terne, sie will sich der Kraft, die auch in ihr lebt, nicht bewußt werden, sie will fast ungern ihre Kraft zusammenlegen mit anderen gleich dem Bündel der Stäbe, das nicht zu brechen ist. Viel törichtes Zurückziehen, viel unangebrachte Schüchternheit... viel Feigheit und Indifferenz hat man im Laufe der Zeit der weiblichen Natur durch zu einseitige Erziehung und verkehrte ge- sellschaftliche Behandlung, sowie wirtschaftliche, rechtliche und polltische Entmündigung aufgezwungen. Heute treten diese Eigenschaften an unseren Arbeiterinnen als häßliche Untugenden, wie Lohndruck, Unauftichtigkeit, Oeffentlichkeitsscheu, Knechts-' seligkeit, Stumpfsinn usw. entgegen, und man hat oft heiß zu kämpfen, wenn Frauen organisiert werden sollen." In demselben Artikel(der Nummer 30) heißt es weiter: „Ein bittendes, bettelndes Volk kann sich heute nimmer den Platz sichern im Kampfgefilde der Zeiten, ein in Hiebe gereichtes Almosen hält nicht üb das sausende Schwungrad und den wuch- tigen Hammer, ihre milden Züge machen keinen Eindruck auf die eisigen, trockenen Bilanzziffcrn des rechnenden Spekulanten. Di? Ziffer über der Jahresbilanz geht dem Fabrikanten selbst über das größte und erste Gebot, das der Menschheit gegeben— es wird nur mehr gezählt und danach gezahlt. Arbeitslohn, Arbeitszeit, sie sind nicht diktiert von Liebe, sondern von Macht.* Und dann zum Schluß: „Wir fassen zusammen: Die Arbeiterinnen gehören zu den sozial Schwachen, Hilfsbedürftigen, aber weniger zu den Pfleg- lingen der Charitas als vielmehr zu den Schützlingen der Ge- werkschaft. Nicht Jammer und Wehklagen, nicht Almosen er- betteln— Gerechtigkeit und Rechtsschutz zu verlangen tun sie sich zusammen im Bewußtsein ihrer eigenen Kräfte. Im Verein und Gewerkschaft sollen sie diese zusammenklingen lassen und ihr sonst so ödes Leben mit Taten füllen, die sie selber zur Persön- lichkcit erheben und den männlichen Kollegen der Arbeit wie auch den kommenden Generationen den Platz an der Sonne sichern auf dem Felde des modernen Arbeitskampfes." Man könnte wahrlich glauben, das habe ein sozialdemo- kratischer Hetzer und Aufwiegler geschrieben, der es wirklich so meint. Und hier liegt der Unterschied zwischen uns und den schwarzen Volksfreunden! Die guten Freunde vom Zentrum tragen Sorge, daß nicht etwa jemand ihre scharfe Kapuzinerpredigt ernst nehmen könnte. Im Beiblatt derselben Nummer der„Arbeiterin" wird fürsorglich vor den Hetzern gewarnt und man entrüstet sich über die„falschen Propheten", die bösen Sozis. Die vorher Auf- geklärten werden schleunigst wieder an das klerikale Leitseil ge- nommen. Die„Arbeiterin" läßt also sich vernehmen: „Eine andere Sorte vsn falschen Propheten wendet sich mehr an das gewöhnliche Volk, um es unzufrieden mit den bestehenden Verhältnissen zu machen. Sie schimpfen mächtig auf die Geld- säcke, auf die Kapitalisten, diese Ausbeuter, und verlangen, daß endlich einmal redlich geteilt werde auf der Welt, die Arbeit und das Geld. Dann haben wir das Paradies aus der Erde und brauchen keins mehr im Jenseits. Man wisse ja überhaupt nicht sicher, ob dies nicht bloß ein Betrug der schlauen Pfaffen"sei, die mit den Kapitalisten verbündet sind. Drum predigen sie Freiheit von der Arbeit, Freiheit von der Obrigkeit, Freiheit auch von Gott. Und wer möchte nicht gerne frei sein! Wer möchte nicht gerne das verlorene Paradies erobern, um dort so eine Art Schlaraffenleben zu führen! Drum finden diese Propheten so vielen Anklang. Manch einer wird freilich stutzig, wenn er die Wolfszähne der Revolution und der Gottlosigkeit bemerkt. Aber dann ziehen sie schnell das blühwciße Schasssell der Harmlosigkeit über den roten Wolfspelz und heucheln!" Das ist ein Musterbeispiel von der Heuchelei der Schwarzen, die sich zuerst stellen, als wollten sie die Welt der Ungerechtigkeit zerschlagen, und dann mit dem„roten Wolfspelz" die Schäfchen in den klerikalen Geduldsstall treiben. Die sozialdemokratische Frauenorganisation Schwedens. Die Konferenz, die unsere schwedischen Genossinnen im Januar 1907 abhielten, wählte zur Leitung und Förderung der Agitation und Organisation einen„Arbeitsausschuß", wodurch zu- gleich ein, wenn auch loses Band zwischen den sozialdemo- kratischen Frauenklubs geschaffen wurde. Dieser Arbeitsausschuß hat nun einen sozialdemokratischen Frauenkongreß einberufen, der vom 2. bis 0. August in Stockholm stattfinden soll. Es ist der e r st e große Kongreß, den unsere schwedischen Genossinnen ab- halten. Zu dem Kongreß sind bereits 54 Anträge gestellt,- von denen mehrere die Gründung eines das ganze Land umfassenden sozialdemokratischen Frauenverbandes zum Ziele haben. Einen solchen Antrag hat auch der Arbeitsausschuß gestellt, jedoch mit der Bedingung, daß die Frauenklubs, die Aufnahme in den Verband finden wollen, zunächst den Arbciterkommunen, den Orts- organisationcn der Arbeiterpartei, angeschlossen sein müssen, damit von vornherein der sozialdemokratische Charakter des Frauen» Verbandes gesichert wird. Der bereits veröffentlichte Tätigkeitsbericht des Arbeits- ausschusses zeugt von sehr guten Erfolgen. Es wurden nicht weniger als 90 neue Frauenklubs gegründet. Der Ausschuß bc- merkt unter anderem: „Wenn die Agitatoren heimkommen von ihren Reisen draußen im Lande, so berichten sie, wie wißbegierig die Frauen den Vor. trägen lauschten, über wie vieles sie fragen und Auskunft wünschen und daß sie kein höheres Verlangen haben, als teilzunehmen an dem großen Befreiungskampf und darin ihre Aufgabe zu erfüllen. die wahrhaftig nicht die unwichtigste�in der EntWickelung der Arbeiterbewegung ist. Sehen wir zurück auf die seit der Konferenz von 1907 ver» flossene Zeit, so haben wir allen Grund, uns des Erfolges zu freuen, denn ein bedeutender Fortschritt in der Organisation unter den Frauen wurden erreicht. Wir wollen uns nicht überheben und glauben, daß es lediglich die Agitationsarbeit sei. die das hervor. gebracht hat; die Zeit hat gewiß auch ihr Teil getan. Die Forde. rung nach Wahlrecht, die nun unter den Frauen aller Länder erschallt, hat auch unter den Frauen der Arbeiterklasse Schwedens Widerhall gefunden, und wo sollten sie besser wirken können für ihr politisches Bürgerrecht, als innerhalb ihrer eigenen Partei, ihrer eigenen Klasse, in der wir alle das große Ganze erblicken, in der Männer wie Frauen die gleichen gemeinsamen Interessen haben! Wir wollen keine einseitige Frauenrechtsbcwegung, sondern wir wollen die Frauen der Arbeiterklasse zu Sozialdemo. kraten machen, die es verstehen, sowohl für die Gegenwarts- interessen wie für das Zukunftsziel zu wirken und zu kämpfen.* Versammlungen— Veranstaltungen. Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 27. Juli, Ausflug mit Kindern nach Treptow bei Ludwig. Köpenicker Landstraße. Die Teilnehmerinnen der Leseabende sind eingeladen. Fricdrichshagen. Dienstag, den 28. Juli, Ausflug nach Sadowa. Treffpunkt: nachmittags 1% Uhr am Bahnhofscingang. Tegel-Borsigwalde. Mittwoch, den 29. Juli, 8)� Uhr: General- ( Versammlung bei Fröhlich(früher Falk), Brunow- und Tresckowstraße. Beschlußfassung über Auflösung des Vereins. Gericbtd-Zeltimg* Die feindliche» Schwestern. Ein niederträchtiger Racheakt gegen die eigene Schwester lag einer umfangreichen Strafsache zugrunde, mit der sich vorgestern die erste Fericnstraftammer des Landgerichts III bis in die späten Abendstunden hinein zu beschäftigen hatte. Wegen Sach- beschädigung war die verwitwete Malermeister jetzige Rentiere Auguste Bnttermann angeklagt.— Die Angeschuldigte hat eine jüngere Schwester, eine Frau Stein, die in Charlottenburg, Knobelsdorfs- und Nehringstraße ein großes Eckhaus besitzt. Während die Schwestern früher im besten Einvernehmen lebten, entstanden im Jahre 1900 zwischen ihnen Differenzen, die zu einem heftigen Streit führten. Seit dieser Zeit lebten beide in grimmiger Feindschaft, die sich noch verschärfte, als eine Schwester die andere des Diebstahls beschuldigte. Eines TageS im Herbst v. I. wurde der Frau Stein von Mietern ihres Hauses mitgeteilt, daß Treppcnwände und Läufer von böswilliger Hand mit einer penetrant riechenden Flüssigkeit übergössen worden seien. Es ergab sich, daß von un- bekannter Seite die wertvollen Treppenläufer und die erst kurz vorher neugcstrichencn Wände mit einer Mischung von Karbolineum und Schwefelsäure bespritzt und dadurch vollständig ruiniert worden waren. Der angerichtete Schaden belauft sich auf mehrere Hundert Mark. Die Ermittelungen der �lriminalpolizei blieben ohne jeden Erfolg. Bald nachdem Frau St. Wände und Läufer hatte renovieren lassen, erfuhr sie eines Tages zu ihrem Schrecken, bak wiederum alles mit arbolineum, aber in noch größerem Um-| Frau, welche von den beiden Zeugen sofort als diejenige bezeichnet| zum Austrag gebracht. Jekt ist eine ähnliche Frage, wie die„ Voff. fange, bespritzt worden sei. Einige Tage darauf wiederholte der wurde, die sie in dem Straßenbahnwagen gesehen hatten. Es Btg." mitteilt, in Eisenach in allen Instanzen durchgeführt worden. Täter kurz nach 6 Uhr morgens nochmals seine niederträchtige und war dies die Frau Buttermann. Diese stellte mit aller Ent- Es handelte sich um die Entscheidung, ob die Schläge einer Turms böswillige Handlungsweise. Frau Stein nahm schließlich die Hilfe schiedenheit in Abrede, mit jener Frau identisch zu sein. Eine uhr bei Nacht als ruhestörender Lärm zu betrachten und diese demeines Detektivbureaus in Anspruch und setzte gleichzeitig in einer Haussuchung förderte außerdem noch einen Pinsel zutage, welcher gemäß während der Nachtstunden einzustellen seien. Die Entschei Charlottenburger und einer Berliner Zeitung eine Belohnung von den sehr charakteristischen Karbolineumgeruch aufwies. Die An- dung ist durch reichsgerichtliches Urteil in bejahendem Sinne aus 300 Mart auf die Ermittelung des Täters aus. Am Tage darauf geklagte erklärte dies damit, daß der Pinsel zum Streichen von gefallen. Die Sache ist furz folgende: Zwischen dem Besizer des erschien ein Kaufmann Schulfe bei der Frau Stein und erzählte Brettern benutzt worden sei. Vor dem Schöffengericht Charlotten- Hotels Rautenkranz am Markt und der evangelischen Kirchenihr folgendes: Er sei durch die Anzeige in der Zeitung an einen burg beantragte der Amtsanwalt gegen die Angeklagte 1 Jahr gemeinde war ein Prozeß entstanden, da ersterer verlangte, daß die Vorfall erinnert worden, den er einige Tage zuvor erlebt habe. Gefängnis, das Gericht erkannte aber nur auf 500 Mark Geld- Uhr der dem Hotel gegenüberliegenden St. Georgenkirche nach Er sei eines Morgens kurz nach 7 Uhr mit der Straßenbahn strafe. Hiergegen legte die Staatsanwaltschaft und auch die An- 10 Uhr nicht mehr schlage. Begründet wurde das Verlangen vom Bahnhof Zoologischer Garten nach dem Halleschen Tor ge- geflagte Berufung ein. Nach einer mehrstündigen Beweisaufnahme damit, daß zahlreiche Gäste des Hotels in ihrer Nachtruhe gestört fahren. In Charlottenburg habe eine ältere Frau den Wagen hielt Staatsanwalt Baumgarten die Angeklagte trotz ihres hart- wurden und bei Fortdauer des Schlagens der Glocke der Hotelbestiegen, die einen so intensiven Starbolineumgeruch verbreitete, nädigen Leugnens für völlig überführt und beantragte mit Rüd- befizer Oppermann eine geschäftliche Schädigung erleiden müßte. daß er sich bei dem Schaffner beschwerte. Er habe dabei gesehen, sicht auf die überaus niederträchtige und gemeine Handlungsweise Er hatte sich erboten, der Kirchengemeinde jährlich 400 M. zu zahlen, wie die Frau an den Händen und auf dem Kleide Karbolineum- der Angeklagten 6 Monate Gefängnis. Das Urteil des Gerichts damit diese den Mann, der mit dem jeweiligen Ab- und Anstellen flecke hatte. Die Frau sei dann an der Vorkstraße ausgestiegen. lautete auf 3 Monate Gefängnis. der Glocke beauftragt werden mußte, entschädigen konnte. Der Als Schulfe eine Personalbeschreibung der Frau gab, fiel es der Kirchengemeindevorstand ging auf diesen Vorschlag nicht ein. Der Frau Stein wie Schuppen von den Augen: Die Beschreibung paßte Hotelbejizer mußte den Weg des Prozesses beſchreiten, der nun, genau auf ihre eigene Schwester. Der Straßenbahnfahrer Stephan nachdem er alle Instanzen passiert hat, zuungunsten der Kirchenwurde ebenfalls ermittelt und beide begaben sich in Begleitung Die gerichtliche Entscheidung darüber, ob Glockengeläute als gemeinde entschieden worden ist. eines Kriminalbeamten nach der in der Gneisenaustraße gelegenen ruheftörender Lärm betrachtet werden kann, wurde seinerzeit in Wohnung der Angeklagten. Auf der Treppe begegnete ihnen eine dem meiningenschen Glasfabrikort Lauscha im Thüringer Wald Die ruheftörende Turmuhr. 00000000 Danksagung. Allen Freunden und Parteigenossen, sowie sämtlichen Ber wandten und Bekannten sagen wir für die vielen Gratulationen und Beglückwünschungen zu unserer Silberhochzeit den herzlichsten. Dant. 37602 K. A. Gadegast nebst Frau. Sozialdemokrat. Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis Stralauer Viertel Bezirk 346. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbeiter August Donner Gubener Str. 16/17 gestorben ist. 219/11 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 26. Juli, nachmittags 3/2 Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofes in Ahrensfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 219/16 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. ( Landsberger Viertel.) Bezirk 374, Teil I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Schuhmacher Wilhelm Brachwitz Proskauer Str. 34 gestorben ist. 219/17 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 27. Juli, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Ballschuhmacher Wilhelm Brachwitz am Sonnabend verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag nachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Die Mitglieder der SangesAbteilung werden ersucht, fich 2, Uhr vor der Halle einzufinden. 169/13 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für Britz. Todes Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Glaser Wilhelm Engelmann ( 1. Bezirt) plöglich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, nachmittags 4 Uhr, bon der Leichenhalle des Brizer Gemeinde Friedhofes, Chausseestraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 236/4 Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser guter, braver Sohn Hans, im 15. Lebensjahr stehend, am 20. Juli beim Baden in der Oberspree seinen Tod sand. Um stilles Beileid bittet Familie Herm. Schmidt, Tischler. Die Beerdigung findet Montag, den 27. Juli, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des ZentralFriedhofes in Friedrichsfelde aus statt. 7465 Deutscher Transportarbeiter- Verband. Hiermit diene den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Adolf Bergau am 23. Juli verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 4 Uhr, auf dem Andreas- Kirchhof in Wilhelmsberg statt. Um rege Beteiligung wird erfucht. Nachruf. Am 20. Juli verstarb unser Mitglied Wilh. Obschernikat. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung fand am 23. Juli auf dem Neuen Kirchhof statt. 70/3 Die Ortsverwaltung I. Deutscher Deffentliche politische Bersammlungen Sozialdemokratischer Wahlverein für den 8. Berl. Reichstags- Wahlkreis. Dienstag, den 28. Juli, abends 8 Uhr, im Märkischen Hof, Admiralstr. 18c: 213/ 8* Mitglieder- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Vortrag des Genossen, Arbeitersekretär G. Bauer über: Die bebrohte Selbstverwaltung. 2. Diskussion. Gäste haben Zutritt. Bu recht zahlreichem Besuch ladet ein August Pohl, Naunynstr. 30. Rauchen Sie Phänomen igaretten! Devise: Qualität ist die beste Empfehlung. Frauen brauchen nicht mehr waschen denn Dr. LOHMANN'S Fix Fertig" und wäscht selber fix und fertig ohne Relben, ohne Maschine, ohne Chlor, ohne Einwelchen, nur durch einmaliges Kochen schneeweiß Zu 5 Eimern 60 Pf. Ueberall zu haben! Zu 2 Eimern 25 Pf. Fabrikanten: HOPPENER& Co., G. m. b. H., Schöneberg, Hauptstr. 159. Amt VI, 2118 Bitte darauf zu achten, nur chemische Edelseife FIX u. FERTIG zu verlangen. Die Harnleiden Buchbinder- Verband. Allgemeine Kranken- u. Sterbekasserfahren, Verhütung und Zahlstelle Berlin. Am Donnerstag, den 23. Juli, verstarb nach langer Krankheit bas Mitglied Paul Strauß im 57. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 27. Juli, nachmittags 5%, Uhr, von der Leichen halle des neuen Thomas Kirch hofes, Rigdorf, Hermannstraße, aus statt. Bahlreiche Beteiligung erwartet 24/1 Die Ortsverwaltung. Verband der Lithographen, Steindrucker u. verw. Berufe. ( Deutscher Senefelder- Bund.) Todesanzeige! Den Mitgliedern hierdurch die fraurige Nachricht, daß unser Mitglied, der Steindruder Franz Giese am Mittwoch, den 22. Juli, nach furzem schwerem Krantenlager im 26. Jahre an der Lungenschwind 289/14 sucht gestorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 27. Juli, nach mittags 32 Uhr, auf dem Dfttirchhofe in Ahrensfelde statt. Die Verwaltung der Filiale 1. Danksagung. Für die reichen Kranzspenden und liebevolle Teilnahme bei der Beerdi gung meines lieben Mannes sage ich allen guten Freunden und Ver wandten meinen tiefgefühlteften Dant. 7445 Therese Ludwig. 7705 Danksagung. Allen Berwandten, Freunden und Bekannten, sowie den Chefs und fämtlichen Kollegen der Firma Bogt u. Uerpmann sage ich meinen tiefgefühlten Dank für die Kranzspenden und die rege Beteiligung bei dem Begräbnis meines lieben Mannes. Witwe Anna Springer, geb. Bartsch. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Stranzspenden anläßlich der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Pflegebaters Franz Boche sagen wir allen Freunden und Bekannten, ins besondere dem Gesangverein Eintracht, dem Wahlverein des 1. Streises sowie Herrn Schütte unseren verbindlichsten 7675 Dant. Anna Boche nebst Kindern. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unseres guten Baters sagen wir allen Beteiligten unseren innigsten Dant. Witwe 0. Maetzke geb. Möhring, nebst Kindern. Quartett- Gesang 37632 zu Beerdigungen empfiehlt zu jeder Zeit Gustav Voigt, Chordirig., SO. 33, Görlitzer Str. 56, part. der deutschen Drechsler und deren Berufsgenossen( E. H. 86 Hamburg). Mitglieder- Versammlungen finden statt: Bezirk A am Montag, den 27. Juli, abends 8%, Uhr, im 99 99 Gewerkschaftshaus, Saal 9. B. am Montag, den 27. Juli, abends 8½ Uhr, bei Ehlert, Wienerstr. 25. Cam Montag, den 27. Juli, abends 8½ Uhr, bei Schulz, Alte Jakobstr. 18/19. Tages Ordnung: 1. Geschäftliches, 2. Staffenbericht pro 2. Duartal 1908. Bericht von der Generalversammlung. 4. Verschiedenes. 289/15 Empfehlen den Genossen und Kollegen unser Beerdigungsinstitut " Solidi Die Ortsverwaltungen. Aufruf. Am 12. Juni hat ein Privat Automobil, das die Charlottenstraße, von der Behrenstraße nach der Leipziger Straße zu fuhr, an der Ede Stronenstraße- Charlottenstraße einen Radfahrer überfahren. Zeugen dieses dem Unterzeichneten zu melden. Heucke, Rechtsanwalt, 7015 Chauffeestr. 5. H. Fischer& Kreutzberger, Borfalls werden gebeten, sich bei Rixdorf, Pflügerstraße 70, Ede Friedelstraße. Amt Rirdorf 946 Drehbare GUMMIRBSATZE Verhind. d. Erschütterung d. 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Und so passiert es ihm denn leider allzu oft, sie selbst in ihren Reden, Schriften, Programmen usw. als ihre daß er ganz einfach gegen die einzelnen konservativen Forderungen Grundsätze angeben. Das ist aber nur der Anfang, nur die Grund- polemisiert, und dies nur oberflächlich; denn hätte er gründlich lage, auf der sich nunmehr die wissenschaftliche Behandlung auf- polemisieren wollen, so hätte sich unvermerkt ein Leitartikel an den Eine wissenschaftliche Darlegung ihrer bauen muß. Es wären nunmehr weiter ihre Taten und ihre Worte anderen gefügt und das Buch wäre eine Sammlung von ZeitungsGrundsäße und ihrer geschichtlichen Ent- mit einander zu vergleichen; aus ihrer Uebereinstimmung oder ihrer auffäßen geworden. Das wollte Stillich wahrscheinlich nicht und so widelung. Von Dr. Oskar Stillich, Dozenten Divergenz( fie stimmen bei keiner Partei vollständig mit einander begnügte er sich in seinen Polemiken meist mit Andeutungen, die an der Humboldt- Akademie in Berlin. Leipzig, Klinkhardt überein, was sich daraus erklärt, daß die Programme länger dauern nirgends tiefer begründet und ausgeführt sind, und nur den Wert von 1908. 264 Seiten. als die politischen Situationen; aber gerade solche Divergenzen persönlichen Behauptungen des Verfassers befizen. " Stunden" " In Freien Verlag Buchhandlung Vorwärts, wird bekanntlich herausgegeben, um die minderwertige, Berlin SW. 68gemütvergiftende Schundliteratur aus den Wohnungen der Arbeiter zu berdrängen. Die uns vorliegenden Hefte 30 und 31 enthalten außerdem Nanta 3", eine Novelle von Emile Zola,„ Der graue Papagei", eine Humoreste von W. Jacobs sowie kurze Abhandlungen belehrenden und humoristischen Inhalts. Für neu hinzutretende Abonnenten wird der Anjang des Romans gern nachgeliefert. Jedes Heft kostet 10 Pf. Zu be= ziehen durch alle Parteibuchhandlungen und Stolporteure, welche auch Probenummern liefern. Ein Buch, das mit dem vorstehenden Titel in die Welt tritt, geben die wertvollsten Fingerzeige zur Erkenntnis der hinter ihnen Es fehlt eben die tvissenschaftliche Durcharbeitung ganz und gar. fann ohne weiteres auf großes Interesse rechnen. Denn eine ein- steckenden wirklichen Grundsäße, die sowohl den Taten als den Das Buch ist nur eine Vorarbeit dazu. Aus den ältesten Jahrgängen gehendere Kenntnis der theoretischen Grundanschauungen wie der Worten zugrunde liegen) wäre unter Zuhilfenahme der allgemeinen der Kreuz- Zeitung" bis herab auf unsere Tage, ebenso aus allen Geschichte der bürgerlichen Parteien ist ein dringendes Bedürfnis politischen Geschichte der Zeit zu schließen auf ihre grundlegenden möglichen sonstigen Büchern und Schriften der Konservativen sind auch für den politischen Tageskampf. Sie ist aber heute so gut wie Anschauungen; d. h. also, aus all dem, was sie in den 70 Jahren Zitate angesammelt, die für den Politiker und Agitator recht nicht vorhanden, weil es an einer brauchbaren, dabei nicht zu gesagt und getan haben, müßte der innerste Gedankenkern brauchbar und interessant sind. Aus diesem Grunde würde ich es teuren Darstellung fehlt. Wer sich darüber klar werden will, was herausgeschält werden, der immer wiederkehrt, wiewohl sehr oft den nicht bedauern, wenn das Buch in allen unseren Redaktionen stets die Bezeichnungen konservativ, liberal usw. im Grunde bedeuten, Beteiligten selbst unbewußt. Durch die Illusionen hindurch, die sich bei der Hand wäre. Aber wer eine Aufklärung über Wesen und der muß eingehende, zeitraubende Studien machen, was aber gerade die Konservativen selbst über ihre Grundanschauungen machen, muß Geschichte der konservativen Partei sucht, findet sie in dem Buche nicht der im Tageskampf stehende Politiker nicht kann. Er braucht ein der wissenschaftliche Forscher ihren wahren innersten Gedankengang Julian Borchardt. Buch, das ihm ohne allzu großen Aufwand an Zeit und Kraft alles bloẞlegen. Ist das vollbracht, so muß er versuchen den UrNötige hierüber mitteilt und zugleich hierauf lege ich das Haupt- sprung dieses Gedankenganges zu ermitteln, ebenso auch seine Konsequenzen. gewicht ein möglichst selbständiges Urteil ermöglicht. Wo kommt er her? wie ist er entstanden? Eingegangene Druckfchriften. Natürlich ist es kein Zufall, daß ein solches Buch bisher noch wie hat er sich gerade so und nicht anders geformt? Und auf der Im Berlage der Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68, nicht existiert. Das liegt an den großen Schwierigkeiten einer anderen Seite: wo führt er hin? welche Folgen sind notwendiger- erschien soeben in zweiter Auflage: Führer durch das Krankenversicherungsgesetz. Systematische Darstellung des Gesetzes in Fassung solchen Arbeit. Es gilt, eine 70-80 jährige Literatur zu durch weise von ihm zu erwarten? Zum Schluß wäre dann vielleicht ber Novelle vom 25. Mai 1903. Mit ausführlichem Sachregister. Preis forschen von einer Ausdehnung, wie sie wohl kaum ein anderer noch eine Vergleichung der konservativen Grundanschauungen mit 30 Bi. Historiker durcharbeiten muß. Denn hier handelt es sich nicht um denen der anderen Parteien sehr fruchtbar. Doch geschähe das Archive, amtliche Dokumente und etwa noch ein paar Privatbriefe, besser erst, wenn alle Parteien in der gleichen Weise absondern vor allen Dingen um die Zeitungen. Nun bedenke man, gehandelt sind. was für eine ungeheuere Arbeit allein schon darin liegt, die führenden Prüft man an diesem Maßstab das Stillichsche Buch, so find Beitungen sämtlicher Parteien seit etwa 70 Jahren durchzustudieren! zunächst einmal die Taten der Konservativen viel zu kurz gekommen. Das ist aber erst der Beginn der Arbeit. Dazu kommt dann die Von 8 Abschnitten nur einer, von 256 Druckseiten nur 48 handeln sonstige Parteiliteratur, die Reden und Schriften sämtlicher hervor von der Geschichte der konservativen Partei. Das ist entschieden zu ragenden Parteiführer, die von den Parteien herausgegebenen Hand- wenig, weil eben wissenschaftliche Schlußfolgerungen sich nur aus bücher usw.( Das konservative Staats- und Gesellschafts- Legifon" dem Zusammenhalten von Worten und Taten ziehen lassen. hat allein 26 Bände!) Dann aber kommt es ja nicht nur auf die Die ganzen übrigen 7 Abschnitte( 208 Seiten) handeln von der Worte der Parteien an, sondern vor allen Dingen auf ihre konservativen Theorie. Aber auch sie geben durchaus nicht das, was Taten. Die sind zu finden in den amtlichen Parlamentsberichten man erwartet. Sie sind vielmehr im Grunde nichts anderes als zirka 40 Jahre im Reichstage, zirka 60 Jahre im preußischen eine Materialsammlung. Hierin besteht der eigentliche Wert Landtage, abgesehen von den anderen deutschen Parlamenten des Buches. Mit einem ungeheueren Fleiß hat Stillich die gewaltige sowie in einer Unzahl Bücher. Endlich versteht es sich von selbst, Parteiliteratur der Konservativen von 70 Jahren durchstudiert und daß das Wesen einer politischen Partei nur verständlich ist im engen eine Unmasse von Zitaten angesammelt. Dieser Fleiß verBusammenhang mit der allgemeinen politischen Geschichte ihrer Zeit, dient große Anerkennung und die Zitatensammlung ist sehr wertvoll. die somit ebenfalls eine mehr oder minder eingehende Behandlung Aber besser wäre es doch gewesen, Stillich hätte sie als das herauserfahren muß. gegeben, was sie ist, d. h. eben als eine Bitatensammlung, Dies alles ist denn wohl auch der Grund, weshalb Herrn die noch der wissenschaftlichen Bearbeitung harrt. Da er aber Dr. Stillich die Lösung der Aufgabe, die er sich gestellt hat, vor- durchaus den Ehrgeiz hatte, schon eine wissenschaftliche" Darstellung läufig noch nicht gelungen ist. Sein Buch ist zweifellos eine sehr zu geben, so ist er in einen sehr unangenehmen Fehler verfleißige und in verschiedener Hinsicht deshalb auch sehr nützliche fallen. Die Zitate find nach verschiedenen Kapitelüberschriften Leistung, aber das, was er eigentlich hat geben wollen und im Titel geordnet. Innerhalb der Kapitel stehen meist nur Einzelankündigt, ist es nicht. heiten lose nebeneinander, konservative Forderungen mit dazu ge hörigen Zitaten. Da es nun aber doch durchaus ein„ wissenschaftliches" Wert sein soll, so fühlte sich Stillich offenbar des öfteren gedrängt, zu den einzelnen Punkten irgend etwas zu sagen. Etwas Wissenschaftliches konnte er aber noch nicht sagen, dazu reichte das Material ja bei Holzarbeiter- Berband in Stuttgart. Eine wissenschaftliche Darlegung der Grundsätze und der geschichtlichen Entwickelung der konservativen Partei müßte zunächt fußen auf dem gesamten Tatsachenmaterial. Es müßte einer feits das tatsächliche Verhalten der Konservativen in der praktischen " Von der Kommunalen Praxis" Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68 liegen uns die Hefte 28 und 29 vor. Jede Woche erscheint ein Heft. Preis pro Quartal 3 M. Nosenthal, Dr. A., Rechtsanwalt. Die Novelle wider den unlauteren Wettbewerb". 80 Pf. Mannheim, J. Bensheimer. Geschäfts- und Kaffenbericht des sozialdemokratischen Vereins für den 6. sächsischen Reichstagswahlkreis 1908. 22 Seiten. Kaden u. Co., Dresden, Zwingerstr. 22. Boden und Wohnung. Von Dr. jur. A. Weber. 3 M. Berlag Dunder u. Humblot in Leipzig. Ph. Reclams Universal Bibliothek Nr. 5001. Gabriele Neuter, 5002. 5003. eines Toten Widerkehr und andere Novellen. Arthur Schopenhauer, Aphorismen zur Lebensweisheit. Bon E. Griese.5005. Stephan bach. Geb. 80 Bf.- 5004. 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Abteilung: Braße 9. Referent: Genoffe Wilhelm Dentzer. Brauerei Groterjan, 3. Abteilung: hönhauser Allee 130. Bortrag: Das Vereinsrecht. Referent: Genosse Emil Dittmer. F. 4. Abteilung: Wilkes Festsäle, Brunnenſtr. 188. Vortrag: Der Klassenkampf und die Organi fation der Arbeiter. Referent: Genoffe Robert Fendel. Swinemünder 5. Abteilung: Schaftshaus, GesellSwinemünder Straße 42. Vortrag: Preußen als Kulturstaat. Referent: Genosse Kurt Heinig. Gesellschaftshaus( nh. 6. Abteilung: M. Schölzel), Boyenſtr. 12. Bortrag: Preußens innere u. äußere Politik. Referent: Genoffe Julius Hesse. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Funkes Gesellschafts9. Abteilung: aus, Triftstraße 63. Vortrag: Die Revolutionierung der Gehirne. Referent: Genoffe Albert Stoermer. Blumes Gesellschafts10. Abteilung: haus, Schulstraße 29. Vortrag: Der Prozeß Eulenburg. Referent: Genoffe Max Schütte. 11. Abteilung: Frankes Festsäle, 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Dienstag, den 28. Juli, abends 8%, Uhr: General- Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins in Kellers Festsälen, Roppenstraße 29. Zages Drdnung: 1. Halbjahresbericht des Vorstandes. 2. Beratung von Anträgen zur Verbands- Generalversammlung, und Wahl der Delegierten zu derselben. 3. Vortrag des Landtagsabgeordneten A. Hoffmann über: " Deutschland im Weltenkongreß". 4. Verschiedenes. 219/ 15+ Mitgliedsbuch legitimiert. E Der Vorstand. J. A.: P. Hoffmann, Oppelner Str. 47. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zement- Branche. Montag, den 27. Juli, abends 8½ Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, großer Saal: General- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1908. 2. Endgültige Beschlußfassung über unsere Stellung zur Affordarbeit. 3. Situationsbericht. 4. Verschiedenes. 138/ 18* Der wichtigen Tages- Ordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Kollegen, zu dieser Versammlung zu erscheinen. Der Sektionsvorstand. Eine Arbeiter: Produktiv. Genossenschaft sucht eine Hypothek von 6000 Mark auf ein neuerbautes Grundstück an zweiter Stelle, weit unter der Brandkasse. Die Hypothet ist Badstraße 19. Bortrag: Die Aufgaben der Arbeiter in mündelsicher. der Gegenwart. Referent: Genoffe. Johannes Haß. Mitgliedsbuch legitimiert! 228/9 Der Vorstand. Sozialdemokratifcher Rixdorf. Wahlverein= Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. 6685 Mittwoch, den 29. Juli, abends 8½ Uhr, bei Freyer, Geneigte Offerten unter O. 1 an die Expedition des„ Vorwärts" erbeten J. Baer Ballstr.26, Prinz- Allee J.B Ecke Herren- und KnabenModen, Berufskleidung, El.Paletots u.Havelocks Großes Lager in- und ausländischer Stoffe zur Anfertigung nach Maß. Dienstag, den 28. Juli 1908, abends 8 Uhr, in Hoppes Festsälen, Hermannstr. 49. Allerbilligste, streng feste Preise. Außerordentliche Generalversammlung. Landpartie1. Der Parteitag zu Nürnberg. Zages Drdnung: 236/2 Referent: Genosse Dr. Bruno Borchardt. 2. Diskussion. 3. Bericht von ber verflossenen Landtagswahl. 4. Diskussion. 5. Bereinsangelegenheiten. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Bei der überaus wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Partei Der Vorstand. genoffen zu erscheinen. Schöneberg! Sozialdemokratischer Wahlverein. Dienstag, den 28. Juli 1908, abends 8 Uhr: General- Versammlung in den Neuen Rathausfälen, Meininger Straße 8. Zages Drdnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des Kassierers. 3. Anträge und Wahl der Delegierten zur Generalbersammlung des Kreises, Groß- Berlin. Provinzkonferenz und Parteitag. 4. Verschiedenes. Da die Delegierten mittels Stimmzettel gewählt, werden die Genossen ersucht, am Eingange des Saales fich damit zu versehen. Mitgliedsbuch legitimiert! Der Vorstand. , Vereins, Verlosungs- Gegen: stände, Lampions, Papter: mützen, Nadan Instrumente in hervorragender Auswahl. Außergewöhnlich billig z. B. transparente Stocklaternen, 36132* Dizd. 35 Pf. Bernhard Keilich Größt. Spielwarengesch. Deutschl. Gr. Hamburger Straße 21/23 Ede Dranienburger Straße. 19 Schaufenster. Koppenstr. 29: Vertrauensmänner- Versammlung sämtlicher Bezirke und Branchen. Bürsten- und Pinselmacher. Montag, den 27. Juli, abends 81, Uhr, bei Preuf( Hilsebein- Ausschand), Holzmarttstraße 65: Branchen Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Bortrag des Kollegen A. Wiese. 2. Diskussion. 3. Bericht der Kommission. 3. Branchenangelegenheiten. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Die Branchenkommission. Korbmacher. Montag, den 27. Juli, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause ( Saal 7), Engelufer 15: Branchen- Verfammlung. Zages Drdnung: 1. Bericht der Kommission vom 2. Quartal. 2. Branchenangelegen heiten. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert! Die Kommission. Bilderrahmenmacher. Montag, den 27. Juli, abends 6 Uhr( gleich nach Feierabend), im Gewerkschaftshause( Saal 3), Engelufer 15: Ceilzahlung Branchen- Versammlung. monatlich 10 M. liefere Herren- Garderobe nach Maß( billigste Breise). J. Tomporowski, indente. 110, 2. Etage. Nähe Belleallianceplag. Staffe 10%, billiger. Wegen einer besonders wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller Stollegen bringend notwendig. Die Kommission. 15/17 Kassenbäder jeber at Augusta- Perlmutter-, Horn-, Steinnuß- Knopfarbeiter und Bad, Röpeniderstr. 60 Wahlverein Rummelsburg. Deutscher Metallarheiter- Verband. Dienstag, den 28. Juli, abends 8%, Uhr, Beim Saale der Ww. Weigel, Türrschmidtstr. 45: Halbjahrs- Generalversammlung. Tages Ordnung: 1. Borstandsbericht. 2. Beschlußfassung über die Ausschlußanträge des Borstandes wegen Nichtbeteiligung an der Landtagswahl. 3. BeArbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hof I. Amt 3, 1239. Charitéstraße 3. Hof III. Amt 3, 1987. -Arbeiterinnen. Mittwoch, 29. Juli, pünktlich abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshause ( Saal 5), Engelufer 15: Branchen- Verfammlung. Zages Ordnung: 1. Bortrag des Kollegen Julius Hildebrandt über: Tarifver träge und Zentralfommission. 2. Diskussion. 3. Bericht vom 2. Quartal. Dienstag, den 28. Juli 1908, abends 8 Uhr, 4. Branchenangelegenheiten. 5. Berschiedenes. Versammlung schlußfassung betreffend Uebertritt des Frauenbildungsvereins. 4. Stellung der Fahrstuhlmonteure und Helfer nahme zur Streis generalversammlung. 5. Vereinsangelegenheiten. Die äußerst wichtige Tagesordnung erfordert das Erscheinen Mitgliedsbuch legitimiert. aller Mitglieder. Der Vorstand. Verband der Schneider und Schneiderinnen. Berlins und Umgegend Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Branchenkommission. Bodenleger. im Lokal des Herrn Röwer, Elifabethkirchstr. 14. Mittwoch, den 29. Juli, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause Zages Drdnung: 1. Vortrag. Referent: Kollege W. Eggert. 2. Diskussion. 3. Be richt des Kollegen N. Schatz über Branchenangelegenheiten. 4. Berfchiedenes. 119/20 Kollegen! In dieser Versammlung werden wichtige Fragen Er örterung finden und erwarten wir daher namentlich von den BertrauensDie Ortsverwaltung. Am Montag, den 27. Juli 1908, abends 8, Uhr, findet im Teuten rege Agitation. „ Reichenberger Hof", Reichenberger Straße 147, eine Engel- Ufer 15: Branchen- Verfammlung. Die Kommission. Branche der Musikinstrumentenarbeiter. den 27. Juli, abends 8%, Uhr: Versammlung aller Damenkonfektions- Schneiderinnen Zentralkrankenkasse der Maurer Branchen- Verfammlung ftatt. Zages Ordnung: Die Lohndrückereien der Zwischenmeister in der Berliner Damenkonfektion, unter besonderer Berücksichtigung des Herrn Pokorski; Referent: Sollege Kunze. Angesichts der wichtigen Tagesordnung erwartet zahlreichen Besuch Der Einberufer. 163/14 " Grundstein zur Einigkeit". Verwaltungsstelle Berlin. Mittwoch, den 29. Juli, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15: Verband der Schneider und Schneiderinnen. Mitglieder- Versammlung. Filiale Berlin I. Zages Ordnung: 1. Abrechnung vom II. Quartal. 2. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Achtung! Mitglieder sämtlicher Branchen. Achtung! 149/10 Am Mittwoch, den 29. Juli, abends 82 Uhr, findet im großen Saale der Arminhallen, Kommandantenstr. 58-59, eine Außerordentl. Mitgliederversammlung ftatt. Tages Drdnung: Die örtliche Verwaltung. Hchtung!! Vereine!! Englischer Garten! " im Gewerkschaftshause, Engelufer 15( Saal 1). Tages- Ordnung: 1. Bortrag des Stadtverordneten Dupont über das Thema: Sozialpolitische Heuchelei". 2. Branchen- Angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Branchenleitung. Montag, den 3. August: Gr. Dampferpartie mit Mufik nach Voigts Krampenburg gegenüber Schmöckwitz. Spiele und Belustigungen aller Art im Freien. Während derselben BALL in den geräumigen Sälen. Aufstieg eines lenkbaren Luftballons vom See aus und andere Ueberraschungen. Abfahrt morgens 7 Uhr von der Jannowißbrüde, Anlegestelle der Sterngesellschaft. Rückfahrt abends 8 Uhr. Fahrpreis pro Person hin und zurüc inllusive Tanz und Teilnahme an allen Bekastigungen 75 Pf., Kinder über sechs Jahre 20 Pf. Billetts sind jederzeit im Berkehrslokal bei Bieberstein, Adalbertstr. 59, zu haben. Dieselben sind auch durch alle Werkstatt- Bertrauensleute zu beziehen. Das Vergnügungskomitee. Berantwortlicher Redakteur: Georg Davibsohn, Berlin, Für den Inseratenteil verantwo.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdruderej u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co Berlin SW. 1. Neuwahl der gesamten Ortsverwaltung. 2. Fortsetzung der Beratung der Anträge zum Verbandstage. 3. Antrag der Zarifüberwachungs tommission. 4. Bericht vom Gewerkschaftskongreß. Mitgliedsbuch legitimiert; ohne dasselbe, oder mit mehr als dreizehn restierenden Wochenbeiträgen, tein Zutritt. 163/16 Die Ortsverwaltung. Alexanderstr. 27c. 37592+ Empfehle meine Säle zu Vereinsfestlichkeiten und Versammlungen. Einige Sonnabende und Sonntage noch fret. Hochachtungsvoll Karl Hoffmann. Amt 7, 10628. ür-m. SS. MM, Z. Ailllge des Jonmltls" Kerlilltt Dilldsbllltt. ZK. M.W. i um....................................... Partei- Angelegenkeiten.* Dritter Wahlkreis. Am Dienstag, den 23. Juli, abends 8� Uhr, findet im„Märkischen Hof", Admiralstr. 18c, eine Ver» sammlung des Wahlvereins statt. Genosse Arbeitersekretär Gustav Bauer spricht über„Die bedrohte Selbstverwaltung". Schmargendorf. Dienstag, den 28. Juli, abends Wz Uhr, findet im„Lindenbaum", Spandauer Stratze, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und sämtlicher Funktionäre. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder, auch Frauen. 4. Wahl von zwei Delegierten zur Kreis-Generalversammlung. b. Wahl eines Revisors und eines Lokalkommissionsmitgliedes. 6. Verschiedenes.— Gäste, besonders Frauen, sind hiermit eingeladen. Eichwalde und Umgegend. Am Mittwoch, den 29. d. Mts., abends Uhr, findet bei Witte eine außerordentliche Mitglieder- Versammlung statt. Tagesordnung: Berichte, Neuwahl des Schriftführers und des Kassierers, Vereinsangelegenheiten. Wilmersdorf-Halcnsee. Dienstag, den 28. Juli, abends Uhr. findet im„Luisenpark", Wilhelmsaue 112, die diesmonat- liche Wahlvereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Heinrich Schulz über„Volksbildung und Wirtschaft- liche EntWickelung". 2. Anträge und Wahl der Delegierten zur Kreis-Generalversammlung. 3. Wahl der Delegierten zur General- Versammlung Groß-Berlin. 4. Vercinsangelegenheiten,■— Das Mitgliedsbuch legitimiert zum Eintritt. Johannisthal. Dienstag, den 28. d. Mts., abends 8%, Uhr, findet bei A. Gobin, Roonstraße 2, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Wahl der Delegierten zur Kreis-General- Versammlung und Groß-Berlin. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes.— Zu dieser Versammlung sind auch die Fraueu eingeladen; auch Gäste haben Zutritt. Schöneberg. Am Dienstag, den 28. d. Mts., abends 8 Uhr, findet die Generalversammlung des Wahlvereins in den Neuen Rathaussälen, Meininger Straße 8, statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Vorstandsbcricht. 2. Kassenbericht. 3. Anträge und Wahl der Delegierten zur Generalversammlung deS Kreises. Groß- Berlin, Provinzkonferenz und zum Parteitag. 4. Verschiedenes. Da nach dem Vercinsgesetz die Frauen das Recht haben, sich den Wahlvereinen anzuschließen, wird auch auf die Frauen gerechnet. Tie Genossen werden ersucht, das Mitgliedsbuch vorzuzeigen. Tegel. Heute, Sonntag, den 26. Juli, findet in W. Trapps Festsälen das diesjährige Sommerfest des Wahlvereins statt. Das Komitee hat alles aufgewandt, damit den Besuchern ein paar ge- nuhreiche Stunden bereitet werden. Stralau. DaS Sommerfest des Wahlvereins findet heute nachmittag in der„Alten Taverne" statt. Beginn des Konzerts 4 Uhr, Kassenöffnung 2 Uhr. Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr an ge- öffnet. Billetts a 20 Pf. sind an der Kasse zu haben. Pankow. Am Dienstag, den 23. d. Mts., �9 Uhr abends: Generalversammlung im„Feldschlößchen" des Herrn Großkurt, Berliner Straße 27. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Oertliche Angelegenheiten. 3. Stellungnahme zur KreiS-General- vcrsammlung und zum Parteitag. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Rummelsburg. Die Mitglieder deS Wahlvereins werden darauf hingewiesen, daß am Dienstag, den 28. Juli, abends präzise 81� Uhr, im Saale der Witwe Weigel. Türrschmidtstraße 45. die Halbjahrs-Generalversammlung stattfindet. Die Tagesordnung lautet: 1. Vorstands- und Kassenbericht. 2. Beschlußfassung über die Ausschlußanträge wegen Nichtbeteiligung an den Landtags- wählen. 3. Beschlußfassung betreffend Uebertritt der Frauen- Organisation. 4. Stellungnahme zur Kreis-Generalversammlung. V. Vereinsangelegenheiten, Mitgliedsbuch legitizniert, berliner ISacbricbten. In die Versenkung. Kunderts neuer Berliner Straßentypen sind seit Jahr- zehnten auf die Bühne des großstädtischen Lebens getreten. Schnell haben sie sich überlebt oder sich glücklich noch bis rn die neueste Zeit hinübergerettet. Aber von jenen ältesten Typen, die em gut Stück Leben der damaligen Reichshaupt- stadt verkörperten, ist herzlich wenig übriggeblieben. Gerade im letzten Jcchrzcfmt sind eine ganze Anzahl Berliner Typen aus dem Straßenbilde verschwunden, ohne daß die hastende Weltstadt, die immer neues sehen will, ihnen eine Träne nach- weinte, und manche anderen, die noch kümmerlich vegetieren, haben alle Ursache, an ihr Schwanenlied zu denken... Du lieber, altersgrauer Droschkenkutscher zweiter Güte, du paßt nicht mehr in die heutige Welt. Dir nutzt nichts dein Zetern über das verwunschene spiegelglatte, meilenweite Großstadtpflaster, auf dem du dich kaum noch auskennst. Auch du wirst bald deine letzte Fahrt antreten... in die Versenkung. Dein windschiefer Rumpelkarren hat sich ehrlich ein Ruheplätzchen erarbeitet im Märkischen Museum. Deiner klapvrjgen Rosinante mißgönnt niemand noch ein Jährchen wohlverdienter Pensionierung, bis der Schinder sie holt... Heißa, dann gibt es Schlachtefest und Wurstessen, zwar nicht mehr im Lustgarten bei den weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannten Wurstgrazien. Aber die Fremdlinge aus der Provinz können noch an mancher anderen, oft recht her- vorragenden Stelle für einen Nickel den Geschmack echter Berliner Hottehühwurst mit in die Heimat nehmen. Auch die Wursttanten im Angesichte deS Königsschlosses an der Spree sind einem Machtwort zum Opfer gefallen. Ob darüber ein paar Eristenzen mehr oder weniger zugrunde gingen, war sicher dem, der das. machtgebietende Wort sprach, furchtbar„wurschtig". So etwas ist immer kein gutes Zeichen. Wird erst gebrochen mit alten Ueberlieferungen, die im Leben niemandem weh tun, dann ist es bald gänzlich aus mrt ehrwürdiger Sitte.-. Da drüben humpelt über die Straße eine Harfenjule, in zerschlissenem Gewand mit grün- verhangenem Instrument. Ich greife mir an den Kopf, blicke erstaunt umher und wundere mich, daß ich altberlrner Straßenleben sehe im modernen Berlin. Halt ein, alte Harfenjulei Greif nicht mehr in die wimmernden halbzer- sprungenen Saiten! Du findest im zwanzigsten Jahrhundert an der Spree kein Verständnis mehr für dein Gezirpe„ deinen klagenden Singsang. Du wirst das Los teilen der grün- röckigen Blecktuter und mancher anderen mit dir großgewor- denen Hofmusikanten, von denen eine Weltstadt nichts wissen Will..... Fliejenstöckece...!" Wie lange schon habe ich den echten Schlachtruf nicht mehr gehört. Mit Leimruten schleppt sich kein Dreikäsehoch auf der Straße mehr herum. Das ist hyn Großstädter viel zu armselig, mit dem.Sandtopf viel ( zu umständlich. Alles Ordinäre im Aussehen ist ihm ein Greuel, der simpelste Haushaltungsgegenstand soll sich nobel präsentieren. Und wenn auch die kleinen Straßenhändler mit den fettigen Papierpyramiden noch stramm wie bisher von Haus zu Haus klappern— die alten drolligen Burschen mit den lieblich duftenden Leimruten sind sie längst nicht mehr. Das Leben, der Drang und Zwang nach Geld und Brot, hat auch unsere Kinder ernst gemacht... Und noch eines anderen Straßenschlachtrufes gedenke ich:„Sand, wieten Sand!" Da draußen im hohen Norden, wo die Rehberge ihre gelbsandigen Flächen ausdehnen, hat man ihn mitunter noch mal gehört. Der künstige Schillerpark, in den die öde Sandwüste sich gar bald verwandeln soll, verträgt das nicht. So verschwindet eine Sstaßentype nach der anderen vom Berliner Pflaster. Und wir gewöhnen uns lieblos schnell an andere, die der alten, der „guten alten Zest" doch nicht das Wasser reichen können. Die Fenenspiele der Berliner Gemeindcschüler erfreuen sich, wie uns geschrieben wird, einer regen Teilnahme. Während im ver- gangenen Jahre der Durchschnittsbesuch pro Tag zirka 1900 Kinder betrug, ist er bis jetzt auf nahezu 5000 gestiegen, dabei wächst der Besuch unausgesetzt. Sechzig bis siebzig Prozent der Kinder er- scheinen alle Tage. Diese haben auch den größten Nutzen davon, was man schon an ihren dunkelgebräunten Gesichtern sehen kann. Bei den Knaben überträgt sich dies auch auf den Ober- körper, da sie nur mit der Hose bekleidet auf der Wiese herumtollen. Allerdings geht es dann auch nicht ohne Brandblasen ab, aber das macht nichts, paßt vielmehr den Jungen sehr gut zum Jndianerspiel. Was die Luftveränderung be- wirkt, steht man hier. ES ist fast nicht zu glauben, daß dieselben Kinder, die sich doch tagtäglich auf der heißen Straße aufhalten, in solch kurzer Zeit in frischer Lust wie Neger gebräunt werden. Der Ansturm war den leitenden Lehrer» so stark, daß manches Kind, das seinen Groschen nicht mitbrachte, zurückgewiesen wurde. Dem ist aber abgeholfen, so daß kein Kind um deswillen zurück- gewiesen wird. Da es aber öfter vorkommt, daß einzelne Schlingel, anstatt den Nickel, den sie von Muttern mitbekommen haben, abzuliefern, denselben in Näschereien umsetzen, so wird eine etwas strenge Kontrolle eingehalten, die durchaus gerechtfertigt ist. Auch sonst stellen sich manche Unebenheiten heraus, was bei solcher Massenbeteiligung ganz begreiflich ist. Es muß aber anerkannt werden, daß die leitenden Lehrer immer bestrebt sind, dieselben zu beseitigen. MS ein erfreuliches Zeichen ist eS anzusehen, daß viele Eltern der Sache erhöhtes Interesse entgegen- bringen, indem sie oft selbst mit hinausziehen, um sich durch eigene Beobachtung davon zu überzeugen, wie es da draußen zugeht. Freilich wird dies auch manchmal übertrieben, indem sich die Betreffenden den ganzen Tag draußen aufhalten, waS den Betrieb nicht nur zu erschweren geeignet ist, sondern auch manche andere Mißhelligkeiten mit sich bringt. Bei eintretenden Regenfällen sind die Erwachsenen dann immer die ersten, die das schützende Zeltdach aufsuchen und so den Kindern den Platz weg- nehmen. Auch daß die Lehrer weder Milch noch Kaffee, noch Würstchen verkaufen dürfen, hat zu manchen Auseinandersetzungen geführt. Soweit wir die Sache überblicken können, mangelt es an genügender Aufsicht nicht, so daß die Eltern girvz beruhigt sein können; sind es doch nur städtische Lehrer und Lehrerinnen, die die Aufficht führen und die sich auch bereits bei der Aufsicht solcher Massenspiele gut bewährt haben. Wie ganz natürlich, verursacht der tägliche Transport solcher Massen manche Schwierigkeiten, die aber von unseren Straßenbahnen Große Berliner. Siemens u. Halske, Hohen- Schönhausen glatt und mit großem Entgegenkommen erledigt werden. Ganz anders aber auf der königlichen Eisenbahn. Hier feiert der engherzige Bureaukratismus wahre Triumphe. Man stelle sich bloß vor: nach Buch werden alle Tage bei halbwegs schönem Wetter 900 bis 1200 Kinder befördert. Für jedes Kind mutz eine Fahrkarte gelöst werden, alle Kinder müssen ihre Karte selbst knipsen lassen, die über zehn Jahre alten müssen den Preis für Erwachsene bezahlen, ja, kürzlich waren nicht weniger als drei Kontrolleure tätig, um fest- zustellen, daß ja kein Kind über 10 Jahre auf ein Kinderbillett fährt. Und diese Massen werden alle in den gewöhnlichen fahr« planmäßigen Zug gepfercht. Sonderzug zu stellen, wurde abgelehnt. Transportscheine für sämtliche Kinder zu verwenden, würde eine Ersparnis für die Bahn bedeuten, ist aber anscheinend unzuläsfig, es muß täglich 2000 Mal geknipst werden, sonst geht die ganze heilige Verordnung zum Teufel. Vor zwei Jahren hat der Kriegsminister an seine Kollegen ein Schreiben gerichtet, worin er auf die Gefahren hinwies, die dem Militärstaat durch die Degenerierung der großstädtischen Jugend drohen. Auf den Herrn Minister Breitenbach scheint der Hinweis keinen Ein- druck gemacht zu haben._ Erntefest in den Laubenkolonien. Wen jetzt sein Weg an die Peripherie der Stadt führt, der wird allenthalben die bewußten Plakat« sehen, welche ihm ver- künden, daß da oder dort, in der Laubenkolonie„zum Nordpol", „Ostende",..Pflanzerverein",„Zum nassen Dreieck",„Zum hungrigen Wolf" und wie die Kolonien mit mehr oder weniger wohlklingenden oder phantasievollen Namen alle heißen mögen, am Sonntag„Großes Erntefest" oder„Großes Kinder- fest" stattfinden wird. Die Bezeichnung„Erntefest" entspricht ja nun leider den tat- sächlichen Verhältnissen nicht so recht, denn diese Kolonien kosten dem Einzelpächter weit mehr als sie einbringen. Mit dem Grund und Boden wird auch in diesem Falle förmlicher Wucher getrieben, kostet doch auf einzelnen Stellen, z. B. in der Nähe der Warschauer Brücke, die Ouadratrute Ackerland 1,20 M. halbjährliche Pacht. Treffender und den Verhältnissen mehr entsprechend ist da die Bezeichnung„Kinderfest". Ja, es ist ein echtes, rechtes Kinderfest, so voll Frohsinn und Jubel, voll glückstrahlender Heiterkeit, daß man es„Sommer- Weihnacht" bezeichnen könnte. Wie lebt sie hier auf in der freien Natur unsere arme, in den engen Straßen Berlins fast erdrückte und erstickte Kinderschar; kaum daß wir sie wieder zu erkennen vermögen. Diese warmen, sonnigen Augustsonntage scheinen so recht bestimmt zu sein zur Abhaltung solcher Feste mit all dem bunten Papierflitter, den Mühen, Schärpen und Stocklaternen, den Fest- Plätzen, Würfelbuden und Glücksrädern und, was die Hauptsache ist, dem Tanzplatz auf blumiger Wiese oder kahler Erde. Wer von den Teilnehmern wäre aber auch nicht angezogen von diesem bunten Bilde echter Volksfreudigkeit, denn bunt und freudig ist das Ganze, von den Papierfähnchen mit den Lampions, welche über das ganze Feld verstreut sind und abends beim Kerzenscheine einen geradezu malerischen Anblick gewähren, den Blumenbeeten, welche jetzt im schönsten Schmucke prangen, den um den Festplatz herumliegenden Lauben, der singenden und tanzenden, schnatternocn und lärmenden Kinderschar, die heute ja so frei sind, so frei... bis zu den Veranstaltern, den Pflanzern, für welche der Tag be- deutet, daß es nun genug der Arbeit ist» und die aus dem Gefühl i endlicher Ruhe heraus heute mal bereit sind, ein Gläschen mehr zu trinken, als es ihre sonst so knappe Kasse gestattet. Wenn nun die lustigen Weisen der Musik ertönen und der Jubel und der Trubel schier kein Ende nehmen will, da mischt sich wohl so mandjcr in dies frohe Treiben, der sonst sich für zu gut hielt, und scherzt und lacht und dreht sich im Tanze:„Einmal ist keinmal..." So vergnügt sich Jung und Alt, und auch derjenige vergißt vielleicht heute seine Sorgen, dem die„herrliche" Weltordnung nicht gestattet, seine fleißigen Hände zu regen, um Brot für sich und die Familie zu schaffen, denn seine Nachbarn haben wohl in echter Solidarität für ihn ihr Scherflein zur Kostendeckung bei- getragen. Den Höhepunkt bildet für die Kleinen dann der Fackel- zug, und den aufgeklärten Arbeiter kann es nur erfreuen, zu sehen, wie statt der frommen Sprüche und Kaiserbilder, die er in seiner Jugend auf den Stocklaternen gedruckt nach Hause trug, ihm heute die bekannten Züge der Marx und Engels, Lassalle und Liebknecht entgegenleuchten und die so bekannten Verse, welche dann auch vielfach auf dem Nachhausewege von vielen Kehlen gesungen werden: „Das freie Wahlrecht ist da? Zeichen. In dem wir siegen, nun wohlan«,. Eine vornehme Ausstattung wird der Bahnhof �.Sprite!- markt" der Unterpflasterbahn erhalten. Wie bereits gemeldet, waren zwei Fenster der Tunnelgalerie probeweise das eine mit weißen Kacheln, das andere mit Marmor-Belag auSgesthmückt worden. Aus praktischen Gründen hat sich die Hochbahn-Gesetlschaft, wie wir hören, entschlossen, die 15 Fenster mit Marmor aus» kleiden zu lassen. Der Preisunterschied ist nicht erheblich, dahin- gegen reflektieren die weißen Marmorflächen das hereinfallende Licht bedeutend kräftiger als eine Kachelbekleidung, die übrigens durch das herabrieselnde mit Staub vermischte Wasser in den Fugen leicht unansehnlich werden und der Lichtstrahlung Abbruch tun könnte. Da die seitlichen Gewände der Fenster' tief in den Bahnhof hinabreichen, so gehören zur Bekleidung der abgeschrägten Brüstungen mächtige Marmorplatten, welche unten in ein schmale? Abflußbecken einmünden. Die Zwischenpfeiler erhalten Kachel- bekleidung und an den Kempferlinien architektonischen Zierrat. Die Flucht dieser 15.�Marmorfenster" wird dem ersten Unter- Pflasterbahnhof im Zentrum Alt-BerlinS ein überaus vornehmes Gepräge verleihen. An der Spreeseite sind die mit zierlichen Gittern versehenen Oeffnungen. wie schon berichtet, als doppelte (gekuppelte) Bogenfenster ausgebildet. Bei der Aufstellung der Gemeindewählerliste für Berlin hat die Abgrenzung der drei Wählerabteilungen diesmal wieder eine Verschärfung der Gegensätze ergeben. Im vorigen Jahre gehörte man mit mindestens 4481,40 M. Steuern pro Jahr zur ersten Abteilung, in diesem Jahre dagegen muß man mindestens 5558,80 M. Steuern pro Jahr entrichten, wenn man zu den auserlesenen Mitbürgern erster Abteilung gezählt werden will. Die Ehre, mit diesen „Vornehmsten" wählen zu dürfen, ist in Jahresfrist um rund 25 Proz. im Preise gestiegen. Hinaufgerückt ist auch die Grenze zwischen der zweiten und der dritten Abteilung, und auch hier ist das Plus nicht unerheblich. Im vorigen Jahre gehörte man noch mit 178 M. 70'/,« Pf. Stenern pro Jahr zur zweiten Abteilung, in diesem Jahre sind hierzu 187 M. 86V10 Pf. erforderlich. Die Grenze zwischen der zweiten und der dritten Abteilung wird gefunden durch Ermittelung des durchschnittlichen Steuerbetrages pro Kopf. Im vorigen Jahre hatte die Summe aller für die Abteilungsbildung zu- sammengetragenen Steuern sich auf 65 665 161,71 M. gestellt und der durchschnittliche Steuerbetrag pro Kopf auf 178 M. 70"/, o Pf., mit welchem Betrage hiernach die dritte Abteilung beginnen mußte. In diesem Jahre sind 69 884 586,77 M. Steuern für die Abteilungsbildung zusammengetragen worden, und der durchschnittliche Steuerbetrag pro Kopf stellt sich auf 187 M. 86'/,» Pf., so daß die dritte Abteilung mit diesem Betrage beginnen muß. Diese Erhöhung des Durch- schnittsbetrages ist eine Folge der schärferen Heran- ziehung zahlreicher Arbeiter zur Besteue« rung ihres Einkommens� Ucber den Berkchr mit Essigsiiure ist folgende VerorstniMg erlassen worden: § 1. Rohe und gereinigte Essigsäure(auch Essigessenz), die in 100 Gewichtsteilen mehr als 15 Gcwichtsteile reine Säure enthält, darf in Mengen unter 2 Liter nur in Flaschen nachstehender Art und Bezeichnung gewerbsmäßig feilgehalten oder verkauft werden: 1. Die Flaschen müssen aus weißem oder halbweißem Glase ge- fertigt, länglich rund geformt und an einer Breitseite in der Längs» richtung gerippt sein. 2. Die Flaschen müssen mit einem Sicher- heitsstopfen verschen sein, der bei wagerechter Haltung der gefüllten Flasche innerhalb einer Minute nicht mehr als 50 Kubikzentimeter des Flascheninhalts ausfließen läßt. Der SicherheitSstopfcn muß derart im Flaschenhalse befestigt sein, daß er ohne Zerbrechen der Flasche nicht entfernt werden kann. 3. An der nicht gerippten Seite der Flasche muß eine Aufschrift vorhanden sein, die in deut- lich lesbarer Weise a) die Art deS Inhalts einschließlich seiner Stärk« an reiner Essigsäure angibt, b) die Firma des Fabrikanten des Inhalts bezeichnet, c) in besonderer, für die sonstige Aufscknift nicht verwendeter Farbe die Warnung:„Vorsicht! Unverdünnt lebensgefährlich" getrennt von der sonstigen Aufschrift enthält, d) eine Anweisung für den Gebrauch des Inhalts der Flasche bei der Verwendung zu Speisezwecken erteilt.— Weitere Aufschriften dürfen auf der Flasche nicht vorhanden sein. §2. Die Vorschriften des§ 1 finden keine Anwendung auf das Feilhalten und den Verkauf von Essigsäure in Apotheken, so- weit es zu Heil- oder wissenschaftlichen Zwecken erfolgt. 8 3. Das Feilhalten und der Verkauf von Essigsäure der im 8 1 bezeichneten Art unter der Bezeichnung„Essig" ist verboten. 8 4. Diese Verordnung tritt am 1. Januar 1909 in Kraft.■ Private Verwendung votf Soldaten? Man schreibt unS: Am Donnerstag, den 23. d. M., machte ich mit meiner Familie einen Ausflug nach Tegel, ging über Saatwinkel und wollte nach Plötzensee. Ein großes Plakat im Lokal zum„Deutschen Kronprinzen" kündete in großen Lettern an:„1. Stiftungsfest des Sparvereins der Arbeite- rinnen und Arbeiter der Firma Ludwig Löwe u. Co. am Sonn. abend, den 25. Juli." Gerade als ich vorbeiging, waren zwei Mili- tärs damit beschäftigt, den Garten des Lokals für Besuch in Stand zu setzen. Ich beschloß, hier mit meiner Familie Kaffee zu trinken. Bei der Gelegenheit erfuhr ich, daß die Soldaten— Leute von der Luftschifferabteilung— von ihrem Feldwebel zu dieser Arbeit be- austragt waren. Ter Feldwebel sei der Schwiegersohn des Lokal- Inhabers. Während ich dann wieder zu meinem Kaffeetisch ging, kam ein 3. Militär, der schon früher mit seiner Arbeit fertig geworden und meiner Ansicht nach„Innendienst", also Küchen. oder Kellerarbeiten verrichtet hatte, aus dem Hause, bedankte sich höflichst und lenkte seine Schritte dem heimatlichen Hause, in diesem Falle der Käser,«, zu. Ein peinliches Gefühl bemächtigte sich meiner, als ich daran dachte, wie viel Arbeiter auf dem Pflaster liegen, nicht wissend, wo sie das Notdürftigste hernehmen sollen, um wenigstens ihren Kindern den Hunger stillen zu können; wie sie unter der Last der Steuern mit ansehen müssen, daß von ihnen unterhaltene Menschen im vornehmsten Rock auf Wunsch und Be» fehl entsendet wepdeo. um das Arbeiterbrot zu schmälern." Das Kuratorium der Gebrüder Theodor und Carl Kühner- Stiftung gibt bekannt: äjil jcxuoer Theodor und Karl Kutzner haben für Berlin eine Stiftung errichtet, aus deren Einnahmen kranke und hilfsbedürftige Näherinnen, Hand- und Fabrikarbeite- rinnen und weibliche Dienstboten Unterstützungen erhalten. Mel- düngen zu solchen laufenden Unterstützungen sind beim Berliner Magistrat unter der Adresse„Theodor und Carl Kutzner-Stiftung" einzureichen; sie werden soweit berücksichtigt, als die Mittel der Stiftung reichen. Die zu Unterstützenden sollen das 36. Lebens- jähr überschritten haben, mindestens 10 Jahre in Berlin wohnhaft und unbescholten seini. Den Gesuchen, die das voll- ständige Nationale der Bittstellerin enthalten müssen, ist eine auf die Erwerbsunfähigkeit bc- zügliche ärztliche Bescheinigung beizufügen. Abgestürzt ist gestern früh der Zimmerpolier Heise, in Karls- Horst wohnhaft, von einem Gerüst auf dem Stumpfschen Holzplatz in der Reichenbergerstratze. Er brach sich Arm und Bein und wurde von Arbeitskollegen zunächst nach der Unfallstation und dann nach dem Krankenhaus Bethanien gebracht. Kurz nach sieben Uhr ereignete sich das Unglück und erst nach S Uhr konnte der Aermste in Bethanien untergebracht werden. Der flüchtige Schwindler. Wir haben bereits gestern berichtet, daß Willis E. Skinner alias William E. Scott, der Planchcttenschwindler aus Boston, flüchtig geworden ist. Scott ist, wie seinerzeit berichtet wurde, gegen eine Sicherheit von 160 006 Mark aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Er schien zunächst den Ausgang des Verfahrens ruhig abwarten zu wollen, kehrte auch von einer Geschäftsreise nach England wieder zurück. Die Verhaftung seines Privat- sekretärs D. hat ihn aber anderen Sinnes werden lassen. Mit einem Fluch auf„die deutschen Bluthunde" ist er abgezogen. Mit den nach§ 122 der Strafprozeßordnung verfallenen 100 006 Mark ist ihm ein erheblicher Teil seines Raubes abgejagt worden. Wenn jemand seinen Vatersnamen zu Recht geführt hat, so ist es Skinner-Scott. Skin heißt nämlich das Fell, die Haut, Skinner, der Häutcr, der Fellabzieher.— In Amerika beteiligte sich Skinner an dem Schwindel der Fairfield Floral-Compagnie. Er wurde verhaftet, gegen Kaution entlassen, verduftete und tauchte in England uitter dem Namen Scott auf, wo er Direktor der Shmonds London Stores Ltd. wurde. Der weise, wegen seines Witzes ge- fürchtete Richter Edge bezeichnete das Unternehmen als ein schwindelhaftes und versetzte ihm damit den Todesstoß. Scott ließ sich nun als„Schriftsteller" in Schmargendorf nieder. Seine schriftstellerische Tätigkeit bestand aber lediglich im Entwerfen amerikanischer Schwindelreklame, die die Ausbeutung der törichten und leidenden Menschheit bezweckte. Für erstere hat er die famosen Rakömga-Brillanten und die Planchette, die er schon als Direktor der S-Ymonds London-Stores als Marko-Planchette verkauft hatte und bcren Vertrieb dann der englische Ehrenmann George Holder unter dem Namen eines Professors Maxim, später Tocal, über- nahm. Scott machte die Reklame durch Aufgabe von Inseraten in bürgerlichen Blättern. Weit umfangreicher war aber seine Tätigkeit auf einem anderen Gebiete. Kein Leiden, für das Scott nicht ein Mittel hatte. Für die Schwerhörigen hatte er Prof. Keith-Harvehs patentierte(niemand tveiß wo) Ohrenbatterie, für die Asthmatiker Prof. Danas Räucherpulver, für die Gichtkranken und Rheumatiker Prof. Pollaks Tee. Rührend ist Danas Er- zählung. wie er selbst—„ein aufgegebener Asthmatiker"— nach Afrika reiste, von den wilden Medizinmännern geheilt wird und das diesen mit List entlockte Heilmittel aus reiner Nächstenliebe der leidenden Menschheit zur Verfügung stellt. In Wirklichkeit vereinigt der„feiste Londoner Bankier Edward Marr" alle drei Profesioren in seiner Person. Den Augenschwachen preist Scott das unübertreffliche„Augcnwohl" an, das demnächst in England als Eytin auf den Markt kommen soll. Schwachen Männern empfiehlt er Horatio Carters Amrita oder Dorema, das eine Zeitlang von Mme. Rita Nelson— ein Kind Scottscher Namens- findung— der angeblich persönlichen Ratgeberin für Schönheits- pflege in der englischen Königsfamilie, an nervenschwache Frauen als Akbukola verkauft wurde. In Rußland vertreibt er Dr. Mar- conis Pulver gegen Fettleibigkeit(in der Hauptsache Karlsbader Salz) zum Preise von fünf Rubeln. Demnächst dürfte er die Wünschelrute auf den Markt bringen. In ganz Europa hat Scott Versandgeschäfte eingerichtet, in Berlin den Savoy-Warenversand, in Hamburg die Spedition Francis B. Hall, in St. Ludwig(Elsaß) die Spedition C. Möllinger, die inzwischen natürlich ausgenommen worden sind, in Prag und Glarus B. Johnsons Spedition, in Paris die Pharmacie de Castille, in Petersburg Charles Crays Versand- geschäft und wohl noch andere mehr. Das Publikum kann vor diesen Erzgaunern nicht dringend genug gewarnt werden. Die Geschäftspraktiken der„Deutschen Kranken-Nnterstüßungs- kafse(E. H. zu Kassel)" haben wir kürzlich in unserem Blatte als durchaus unsaubere nachgÄviesen. An der Hand von Briefen der Kasse an Mitglieder, die Unterstützung beanspruchten, haben wir dargelegt, daß bei Unterstützungsansprüchen sich die Kasse von Krankengeldzahlung zu drücken versteht unter dem Vorwande, daß der Unterstützung Beanspruchende bereits früher eme ähnliche Krankheit gehabt, diese aber bei seiner Aufnahme verschwiegen habe. Aus Anlaß unserer Veröffentlichung gehen uns fortgesetzt weitere Klagen zu, aus denen ersichtlich ist, daß ganz allgemein nach diesem Schema verfahren wird und daß es dringend not- wendig erscheint, vor dem Beitritt zu dieser Kasse zu warnen. Klagen werden auch erhoben über die Art und Weise der Be- Handlung, die denjenigen zuteil wird, die auf dem hiesigen Bureau dieser„Kasse", deren Vertreter ein Herr C. Peter— Betriebs- direktor nennt sich der Herr—, Alexanderstr. 14c, zu tun haben. Ein Leser unseres Blattes, der dort zu tun hatte, erzählt darüber:„Nachdem ich gefragt worden, was ich wünsche, und meine Sache vorgetragen hatte, drehte sich der Bureauvorsteher um, setzte sich an das Pult und unterhielt sich nun in dieser Weise weiter mit mir. trotzdem ich ihn aufmerksam gemacht hatte,. daß gewöhnlich, wenn Menschen miteinander verhandeln, sie sich die Vorderseite zudrehen. Ein dort aufgehängtes, mit Blaustift geschriebenes Plakat aber zog meine Aufmerksamkeit besonders an. Dieses Plakat lautete ungefähr: „..Schwindelagenten werden an die Lust gesetzt. Radau- brüder erhalten 100 Knutenhiebe."" Der erste Teil des Plakats störte mich sehr wenig, denn ob ein Institut mit Schwindelagenten zu tun hat oder nicht, ist ganz seine Sache und entzieht sich meiner Kenntnis. Aber der zweite Teil zeigt, auf welchen geistigen Tiefstand der Herr Betriebsdirektor Peter stehen muß, wenn er' schließlich Leute, die dort ihr Recht oder ihr vermeintliches Recht vertreten wollen, für Radau- brüder ansieht und diese dann in echt russischer Weise mit jwuten- hieben bedroht; sich überhaupt herausnimmt, diesen Leuten eine solche Strafe oder überhaupt eine Strafe anzudrohen." Eine recht nette Betriebsdirektion, diese Direktwn der„Deut- schen Kranken-Unterstützungskasse(E. H. zu Kassel)". Steine in den Weg gelegt sollen dieser Tage auf der Chaussee zwischen Ruhlsdorf zwei Männer dem Automobil deS Kriegs. Ministers haben. Der Chauffeur soll aber rechtzeitig die Gefahr erkannt und rechtzeitig gebremst haben. Obgleich er be, der schnellen Fahrt das Auto nicht vollständig zum Stehen bringen konnte, ver- mochte er es doch, den Wagen zwischen den Steinen so hindurch- zusteuern, daß das Automobil nur leicht beschädigt wurde, während di« Insassen, Frau von Einem uird ein Militäroberarzt, mit dem bloßen Schrecken davonkamen. Flucht über die Dächer. Eine wechselvolle Jagd auf einen Einbrecher entspann sich gestern nacht. Der wohnungslose Karl Dombrowski, ein 24 Jahre alter ehemaliger Unteroffizierschüler und Unteroffizier, wollte gestern früh um 3 Uhr in ein Fabrik- gcbäude auf dem Grundstück Annenstr. 8 einsteigen und hatte mit Dietrichen bereits mehrere Schlösser geöffnet, als er sah, daß er beobachtet wurde. Er entfloh auf einer Leiter, die er von der Mauer löste, über die Dächer nä'ch dem Grundstück Neanderstr. 16, um von dort aus seinen Verfolgern zu entschwinden. Als er dort aber an einer Fabrik ein Fenster offen sah, stieg er in die dort befindliche Metallfabrik ein und packte eine Anzahl Platten zusammen. Als er die mit einem Sicherheitsschloß versehene Tür ausbrach, hörte ihn der Kaufmann Galdcrt. Der Einbrecher floh durch das offene Fenster, mit einigen Silberplatten in den Taschen, nach dem Hause Nr. 16. Vom Dach gelangte er in den dritten Stock, wo er sich in einem Klosettraum versteckte, wo ihn endlich Schutz- männer aufstöberten und verhafteten. Pferd und Wagen wurden gestern dem Kutscher der Firma A. Beseler u. Co., Lack- und Lackfarbenfabrik, Teltowerstr. 5, in dem Augenblick gestohlen, als er sich zur Ablieferung von Waren in das Haus Weberstr. 2 begeben hatte. Das Pferd ist ein oft- preußischer Fuchswallach und trägt als Gestütsabzeichen eine Krone. Der unverdeckte Geschäftswagen ist dunkelrot gestrichen. Wieder ein Genisteinsturz in einer Kirche. Nach dem schweren Unfall beim Wiederaufbau der Garnisonkirche hat sich gestern aber- mals ein ähnlicher Unfall bei der Renovierung des Innern der Thomaskirche auf dem Mariannenplatz ereignet. Dort brach gestern vormittag ein Gerüst ein und der darauf befindliche Arbeiter Nier stürzte 28 Meter in die Tiefe. Mit gebrochenem Kreuze wurde, wie ein hiesiges Blatt berichtet, der Verunglückte nach dem Krankenhause gebracht. Ein tödlicher Unglücksfall, der noch der Aufklärung bedarf, er- eignete sich gestern abend gegen 10 Uhr auf der Charlottenburger Allee am Großen Stern. Ter in der Goltzstraße 13 wohnende Kaufmann Krause befand sich, auf der Fahrt nach seiner Wohnung begriffen, auf der Vorderplattform des Straßenbahnwagens 2162 der Linie 63, wurde plötzlich von einem Ohnmachtsanfall ergriffen und stürzte bewußtlos auf das Straßenpflaster hinab. Er wurde in besinnungslosem Zustande nach dem Krankenhaus Moabit ge- bracht, wo er kurz nach seiner Emlieferung verstarb. Ein schwerer Strastenbahnunfall ereignete sich gestern in der Schön- hauser Allee in der Nähe der Stolpischen Straße. Dort versuchte die neunzehnjährige Verkäuferin Emma Volkmann die Hinterplatt- form eines in voller Fahrt befindlichen Straßenbahnwagens der Linie 61 zu besteigen, glitt dabei von dem Trittbrett ab und fiel so unglücklich zu Boden, daß sie mit dem rechten Fuß unter die Schutz- Vorrichtung des nachfolgenden Anhängewagens geriet. Die Räder des letzteren gingen dem Mädchen über den Fuß hinweg, so daß die V. eine Knochenzersplitterung erlitt und nach dem Lazarus-Kranken- hause übergeführt werden mußte. Aus dem Fenster gestürzt hat sich gestern mittag der Tunckcr- straße 16, 2. Quergebäude III, wohnhafte Reinhold Koch. Mit zerbrochenen Gliedern, aber noch lebend, wurde er nach einem Krankenhause gebracht. Eine wahre Leidensgeschichte hat den jungen Mann zur Tat veranlaßt. Er ist jetzt 26 Jahre alt, er litt seit zirka 8— 10 Jahren an Krämpfen und war nicht mehr arbeits- fähig. Seine Krankheit wurde immer schlimmer, und um derselben zu entgehen, mag er wohl zu dem Schritt veranlaßt worden sein. Feuer kam am Sonnabend in der Pappel-Allee 24 zum Aus- bruch. Dort brannten Drechslerwaren, ein Holzverschlag und die Dachkonstruktton. Dem 3. Zuge gelang es, die Flammen auf ihren Herd zu beschränken. Die Berliner Türkenkolonie. Die Nachricht von der Gewährung einer türkischen Verfassung durch den Sultan hat unter den Mit- gliedern der kleinen türkischen Kolonie zu Berlin freudige Auf- regung hervorgerufen. Noch in der Nacht zum Sonnabend suchten die Mitglieder der türkischen Kolonie einander in ihren Wohnungen auf. Heute soll das Ereignis von der vollständig versammelten türkischen Kolonie in einem Ausflugsorte bei Berlin festlich be- gangen werden. Aufruf! Am 12. Juni hat ein Privatautomobil, das di« Char- lottenstraße von der Behrenstraße nach der Leipziger Straße zu fuhr, an der Ecke Kronenstraße-Charlottenstraße einen Radfahrer überfahren. Zeugen dieses Vorfalls werden gebeten, sich bei dem Unterzeichneten zu melden. H e u ck e. Rechtsanwalt, Chausseestr. 6. Feuerwehrbericht. Am Freitag wurde die Feuerwehr nach der Kochstraße 23 gerufen. Dort sollten Personen ohnmächtig geworden sein, was sich aber nicht bestätigte. Nach der Alten Jakobstraße 6, Kesselstratze 7 und Lindower Straße 10 wurde die Feuerwehr alar- miert, um Wohnungsbrände zu löschen. Stroh brannte gestern früh am Kottbuser Ufer 33. Ferner liefen noch Feuermeldungen aus der Waldemarstratze 11 und Grünthaler Straße(ohne Nr.) ein. Arbeiter-Samariter-Kolonne. Morgen, Montag, Uebungs- stunde der 2. Abteilung Brunnenstraße 164. Vortrag über Ver- brennungen, Hitzschlag usw. Nachdem praktische Hebungen. Donnerstag Monatssitzung der diensttuenden Abteilung. Da viele Aufträge vorhanden sind, ist es Pflicht jedes Mitgliedes, zu erscheinen. Das Berliner Aquarium beherbergt jetzt Hochsommergäste eigener Art. In einer kleinen Gesellschaft ist hier eines der duf, tieften Lebewesen, die unsere nordeuropäischen MeereSgebiete bc- wohnen, eingezogen und in einem der rechtsseitigen Seewasser- decken des oberen Grottenganges untergebracht worden. Es ist jene zur Gemeinschaft der Lappenquallen gehörende Schirm- oder Scheibenqualle, die wegen ihres schönen matten Glanzes den Gattungsnamen Aurelia beigelegt erhielt, und die unser Interesse vornehmlich noch durch zwei biologische Eigentümlichkeiten erregt, indem sie periodisch(in der Ostsee im Hochsommer) oft in unge- heuren Schwärmen erscheint und ihre Schirmhöhle zur Sommer- zeit einem kleinen Flohkrebs, dem Medusenkrebs(Höpens) zum Aufenthalt dient. Da die im Aquarium� befindlichen Exemplare der bläulich, blaß-violett, gelblich oder rötlich gekleideten Qualle kleine Stücke sind und gerade solche ganz besonders zart und duftig, und in ihren schwebenden und gleitenden Schwimmbewegungcn anmutig erscheinen, gewährt ihre Beobachtung einen hohen Reiz und Genuß.' i i• Vorort- JVacbricbteih Charlottenburg. Zu einer verhängnisvollen Schlägerei zwischen Militär und Zivilisten, bei welcher zwei derselben mit dem Seitengewehr so schwer verletzt wurden, daß sie nach dem Krankenhause Westend gebracht werden mußten, entwickelte sich, wie nachträglich gemeldet wird, vorgestern abend am Tegeler Weg in Charlottenburg. Von beteiligter Seite gehen uns über den Vorfall folgende Mitteilungen zu: Drei Laubenkolonisten, unter denen sich auch der Maler Hübner befand, wollten sich abends gegen 10 Uhr nach dem Laubengelände am Tegeler Weg begeben. Hinter ihnen gingen fünf Soldaten. Der Maler Hübner stimmte ein Lied an mit dem Refrain:„Hat der Seemann kein Geld".. Dies bezogen wohl die Soldaten, die der Luftschifferabteilung angehörten, auf sich. Einer derfelben trat an die Zivilisten heran und versetzte dem Pächter D. mit den Worten: ..Wir lassen uns nicht beleidigen" einen Faustschlag in das Gesicht. Dann zog er sein Seitengewehr und schlug damit auf die drei ein. Hübner erhielt zwei so wuchtige Hiebe über den Kopf, daß er be- sinnungslos zusammenbrach. In diesem Augenblick trat der Ober- deckoffizier a. D. Schmidt an die Gruppe heran, jedenfalls in der Absicht zu intervenieren. Die Wut des Soldaten richtete sich nun gegen Sch., auf den er blindlings mit dem Seitengewehr einhieb. Glücklicherweise kam jetzt ein Unteroffizier der Luftschifterabteilung mit drei Soldaten hinzu und machte der blutigen Szene ein Ende. Als der Unteroffizier den Schläger nach seinem Namen fragte, soll dieser die Angaben mit einer ungehörigen Bemerkung verweigert chaben. Die Soldaten entfernten sich nun sämtlich, während der Unteroffizier zum Schutze der Zivilisten auf deren Bitten zurück- blieb. Schmidt, der auch ein Laubenkolonist ist, wurde nach seiner Laube gebracht und später von dort durch die Polizei nach dem Krankcnhause Westend übergeführt. Er hat zwei schwere � Kopfverletzungen, zwei Stichwunden im Oberarm und eine zwei Zenti- meter klaffende Fleischwunde am rechten Oberschenkel erlitten und ist bis jetzt noch nicht vernehmungsfähig. Hübner, der auf der Unfallstation einen Notverband erhielt, wurde ebenfalls nach dem Krankenhause Westend gebracht. Der Charlottenburger Polizeibericht meldet über den Vorfall, daß„der Oberdeckoffizier a. D. Schmidt mit schweren Verletzungen in hilflosem Zustande aufgefunden wurde. Es wurden mehrere erhebliche Stichwunden an Armen und Beinen festgestellt, die ihm von Militärpersonen beigebracht sein sollen. Da der Schwer- verletzte noch nicht vernommen werden konnte, ist es bisher nicht gelungen, die Täter zu ermitteln". Waidmannslust. Ter Wahlverein hielt am Sonnabend seine halbjährliche Generalversammlung im Schwcizerhäuschen ab. Genosse Fubel gab den Bericht des Vorstandes. Es wurden 9 öffentliche und 6 Mitgliederversammlungen abgehalten, außerdem fanden 10 Sitzungen und 2 Urwählerversammlungen statt, 11 Flugblätter wurden verteilt und 2200 Fackeln, welche sich speziell auf die Land- tagswahlen bezogen, unter die ländliche Bevölkerung getragen. Der Mitgliederbestand ist als gut zu bezeichnen. Trotzdem der Wahl- verein die Orftchaften Hohcnneucndorf, Stolpe, Schönflicß und Bergfelde an Reinickendorf-West abgetreten hat, welches einem Verlust von zirka 60 Mitgliedern gleichkommt, und sämtliche Restanten gestrichen worden sind, beträgt die Mitgliederzahl 376 (Borsigwalde 171, Wittenau 71, Hermsdorf 67, Waidmannslust 66). Der Ouartalsbericht des Kassierers schließt mit einer Einnahme von 588,96 Mk. und einer Ausgabe von 476,80 Mk. ab. Ein Antrag des Genossen Kienast, welcher die Delegation von drei Bezirken von Jahr zu Jahr vorsieht, wurde gegen 4 Stimmen abgelehnt. Aus den Berichten der Bezirksführer geht hervor, daß in sämtlichen Ort- schaften die Zahlabende sowie die beiden Extrazahlabende gut be- sucht waren. Auch konnte eine rege Beteiligung der Genossen bei den Parteiarbeiten konstatiert werden. Der Zcitungskommissions- bericht, der sich von Januar bis Juli erstreckt, schließt mit einem Abonnentenbestand von 1711 ab, welche sich auf folgende Ort- schasten verteilen: Tegel 778, Reinickendorf-West 398, Borsigwalde 236, Hermsdorf 127, Waidmannslust 93 und Wittenau 80 Abonnenten. Die großen Entfernungen verursachen hohe Un- kosten, so daß wir in jedem Monat mit einem Defizit von zirka 100 M. abschließen. Das muß für die Genossinnen und Genossen ein Ansporn sein, noch reger als bisher für unsere Presse, die Ar- beiterpresse, welche einzig und allein die Interessen der breiten Massen wahrnimmt, zu agitieren. Unsere Devise mutz sein:„Wo kein„Vorwärts" ist im Haus, da sieht es öd' und traurig aus". Der Bericht des Obmanns der Lokalkommission besagt, daß das Lokal von Trampel, Inhaber Heinrich Schulz, in Glienicke für die Arbeiterschaft freigegeben wurde. Zur Kreiskonferenz am 9. August wurden die Genossen Adam, Dentzer und Schulz delegiert. Als Krcisvorsitzender und Delegierter zum Parteitag wurde Genosse Dentzer vorgeschlagen, zur Provinzialkonferenz Genosse Adam. Der Vorsitzende gab die Aufnahme von 27 Mitgliedern bekannt und teilte mit, daß die nächste Mitgliederversammlung in Glienicke stattfindet. Marienfelde. Die Generalversammlung deS sozialdemokratischen Wahlvereins für Marienfelde und Umgegend fand am 21. Juli im Lokal von Herrn Oberschmidt statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete Genosse Greulich dem verstorbenen Genossen Ehr hart in warmen Worten einen Nachruf. Nach dem Vorstandsbericht haben im letzten halben Jahre 15 Vorstandssitzungen, darunter 2 kombinierte, 1 Wahlvereinsversammlung, 6 Volksversammlungen, 2 Agitationstouren und 6 Flugblattverbrcitungcn stattgefunden. Der Kassenbericht für das letzte halbe Jahr ergab eine Einnahme von 208,96 M., eine Ausgabe von 169,86 M., abgeführt an die Zentralkaff« wurden 139,00 M., demnach bleibt ein Bestand von 39,11 M. Genosse Greulich als Lokalkommissionsmitglicd rügte es scharf, daß bestimmte Berliner Genossen, die Sonntags nach Lichtenrade fahren, so wenig die Lokalliste beachten. Dadurch werde es uns unmöglich gemacht, von derartigen Wirten die Lokale zu politischen Versammlungen zu bekommen. In Lichtenrade steht uns das Lokal von Deter dicht am Bahnhofe zur Verfügung. Die Genossen von Lichtenrade stellten den Antrag, daß Marienfelde den „Vorwärts" früh morgens nach Lichtenrade besorgen möchte. Nach längerer Debatte wurde der Anttag einer dreigliedrigen Kom- Mission überwiesen. Als Delegierte zur Kreis-Generalversamm- lung wurden die Genossen Hampel, Wöpke und Gustav Lehmann gewählt. Adlershof. „Was lehren»ns die letzten LandtagSwahlen?" lautete das Thema, über das Genosse Pagels-Rixdorf in der Generalversamm- lung des Wahlvereins referierte. Der funfviertelstündige Vortrag fand allseitig Beifall. Genosse Poppe erstattete den Borstands- bericht vom 2. Quartal. Demnach haben stattgefunden 6 engere, 2 erweiterte Vorstandssitzungen, 1 Generalversammlung, 2 öffent- liche Versammlungen, 1 Bezirksführersitzung und 3 Flugblattver- breitungen. Die„Vorwärts"-Agitation nach der Wahl brachte uns 20 neue Abonnenten. Die Mitgliederzahl stieg von 442 auf 490. Der Kassenbericht ergab eine Einnahme von 366,32 M. und eine Ausgabe von 334,12 M., mithin Bestand von 31,20 M. An den Jen tralvorstand wurden 242,88 M. abgeführt. Nach dem Bericht der Epe- dition war eine Einnahme einschließlich des Restbestandes von 2171,92 M. vorhanden, der eine Ausgabe von 2046,32 M. gegen- übersteht, mithin am 30. Juni 1908 ein Bestand von 125,60 M. vor- Händen war. Zur Kreis-Generalversammlung wurden die Genossen Poppe, Steuer und Horlitz gewählt, zur Generalversammlung Groß- Berlin die Genossen Bartels, Poppe und Friedrich. Einstimmig be- schlössen wurde gegen nachstehende Genossen das Ausschlußverfahren einzuleiten, da dieselben bei der Landtagswahl nicht ihre Wahl» Pflicht ausübten: Karl Lühmann, Wilhelm Schwenzer, Karl Glawe, Rich. Hessel, Karl Schulz, Hugo Rausch, Herm. Drescher, Otto Neu- mann, Rudolf Wobring, Joseph Ferenz und Gustav Werbelow. Aus der Gemeindevertretung. Am Donnerstag, den 23. d. M.� fand eine kurze Feriensitzung der Gemeindevertretung statt, welche in der Hauptsache nur geschäftliche Verwaltungssachen zu be- schließen hatte. Bei der Vergebung der Brennmaterialien zeigte sich auch hier die Schädlichkeit der für Groß-Berlin geltenden Kohlenkonvention. Neben den Kohlenhändlern des OrteS waren mehrere Kohlengrossisten von Berlin und Köpenick zur Offerten- abgahe aufgefordert worden. Sämtliche Grossisten hatten aber zu- gunsten der hiesigen Händler auf die Abgabe ihrer Offerten ver- zichtet und von den hiesigen hatten auch nur 4 Händler Offerten abgegeben. � Unter diesen vieren waren zwei, welche genau die- selben Preise offerierten, während einer nur geringfügige Differenzen und der vierte größere Differenzen im Preise aufwiesen.' Auf Gaskoks, welchen sämtliche hiesigen Kohlenhändler des Ortes im Detailhandel führen, war nur von dem Niedrigsffordcrnden ein Preis, und zwar ein recht hoher, geboten. Aus allem kann man denSchluß ziehen, daß dieOfferten nach gegenseitigerVcrständigung der Händler abgegeben wurden, und es wurde auch die Vermutung ausgesprochen, daß bei der Abgabe der Offerten dieselben Motive vorliegen, die wir des öfteren bei anderen Submissionen nach- weisen konnten, d. h. daß die Kohlenkonventwn dazu benutzt wird, um hohe Preise zu erzielen, und daß an dem Gewinne trotz der Submission sämtliche Händler beteiligt sind. Hieraus geht wiederum klar hervor, daß an einem derartigen Mißbrauch des Kapitalszusammenschlusies auf gesetzlichem Wege entgegengetreten werden mutz, um der Ausnutzung des einzelnen Konsumenten sowie der Kommune und des Staates wirksam vorzubeugen. Für die Mobiliareinrichtung des Feuerwchrdienstzebäudes wurden 900 M. bewilligt. Die Parzellen des Feldweges nördlich der Bismarck. straße zwischen der Scdanstraßc und dem Adlergestell, hinter den Grundstücken der Eigentümer Baarz. Bökert und Ackermann, Spandan. wurden an die Genannten zum Preise 6on 25 ml. pro Quadrat- Schließlich sei noch bemerkt, daß die Mitteilung einer hiesigen gewiesen werden. Lassen Sie es also auf eine selage antomment... rute verkauft. Angebote auf die anderen Parzellen des Feld- Zeitung, wonach die Direktion für den Fall, daß der Boykott nicht Wenn Sie die Beleidigung beweisen können, können Sie selbstverständlich wegen derselben Beleidigungsflage erheben. R. R. 100. 1. Bei ge weges wurden abgelehnt, da teilweise zwischen den in Betracht aufgehoben wird, eine Aussperrung angedroht hat, nicht zutrifft. mischten Ehen zahlt jeder die Hälfte der Kirchensteuer, so lange er nicht aus fommenden Anliegern keine Einigkeit erzielt werden konnte oder Wenigstens ist den Arbeitern bis jetzt nichts davon bekannt. der Kirche ausgetreten ist. 2. Eine Anfrage bei Gericht würde ergeben, ob da einzelne Anlieger ein Entgegenkommen gegen die Gemeinde Anklage erhoben ist oder nicht. Ist Anklage erhoben, so ist es das geratenste, hatten vermissen lassen. In die Armenkommission wurde der zu beantragen, der Sache Fortgang zu geben. Die Verjährungsfrist be Das verborgene Waffenlager. Mit den großen Waffendieb- trägt fünf Jahre, die Frist beginnt aber von jeder richterlichen gegen den Lehrer August und in die Etatskommission unser Genosse HildeN. N. Nein. brandt gewählt. Unter„ Geschäftliches" teilte der Gemeinde- stählen aus den Spandauer Kriegsmagazinen, die nach ihrer Ent- Täter gerichteten Handlung ab von neuem zu laufen. P. R. 13. 1. Nein. 2. Ist teine Kündigungsfrist vereinbart, der vorsteher mit, daß eine Eingabe des Gemeindevorstandes bei der deckung zu dem Posener Prozeß führten, steht ein Aufsehen Bahnverwaltung, schon jezi an der Rudower Chaussee den Billett- erregender Fund im Zusammenhang, der am Freitag auf einem Mietsvertrag nur mündlich geschlossen, so ist Kündigung, wenn der Mietsterkauf stattfinden zu lassen, abgelehnt wurde und derselbe nach der entlegenen Grundstück am Spreeufer in Spandau zutage gefördert zins nach Monaten bemessen ist, für den Schluß des Kalendermonats zu erteilten Antwort erst mit der Inbetriebnahme des dritten und wurde. Auf die Anzeige eines Kutschers, der früher in einem lässig, muß aber spätestens am 15. des Monats ausgesprochen werden. Ist vierten Gleises stattfinden wird. Aus dem Bericht über die sanitäre Speditionsgeschäft gearbeitet hatte, begaben sich Kriminalbeamte der Mietszins nach Bierteljahren oder nach dem Jahr bemessen, so hat die Kündigung spätestens am dritten Werktage des Vierteljahres zum Schluß Kontrolle des Wochenmarktes ging hervor, daß sich die feilgebotenen nach der von ihm bezeichneten Stelle und ließen in der Erde nach des Kalenderjahres zu erfolgen. Generalagent. Die Veranlagung ent Fleischwaren durch die Kontrolle in ihrer Qualität erheblich ge- graben. Dabei stieß man auf ein verborgenes Lager von fertigen spricht dem Gesetz. Seit dem Gesetz vom Juli 1905 wird bei gemischten bessert haben, so daß Beanstandungen in letter Zeit wenige vor- Feuerwaffen, Seitengewehren, Waffenteilen und Gewehrmunition: Ghen von jedem Teil die Hälfte der Kirchensteuer erhoben. Entgehen kann gekommen sind. Dasselbe wird auch von den zum Verkauf ge- alles befand sich in einem stark verrosteten Zustande. Es war eine man dieser Belastung nur durch möglichst baldigen Austritt aus der Landesbrachten Fischen berichtet, doch wurde gleichzeitig hervorgehoben, volle Wagenladung; sämtliche Gegenstände wurden von der Polizei Kirche. Tritt Ihre Frau und treten Sie in diesem Jahre aus der daß beim Landgericht II in Berlin zwei Prozesse wegen Verstoßes beschlagnahmt. Sie rühren von den Diebstählen des Zeugober- Stirche aus, so haben Sie vom Schluß des Jahres 1909 ab weder Cegen das Nahrungsmittelgesetz schweben. Auch verwies der Bericht leutnants Poppe her, der in dem Waffendiebstahlsprozeß die Haupt- katholische, noch evangelische Kirchensteuern zu zahlen.- Ei. Ganz bestimmt. W. O. 3. Vor Ihrer Verheiratung müßte eine Auseinandersetzung darauf, daß eine Erschwerung der Feststellung der Uebertretenden rolle spielte, wegen Geistesumnachtung sich aber noch in einer mit den Kindern erster Che erfolgen. Wenden Sie sich an das Amtsgericht darin besteht, daß die Verkäufer nicht gezwungen find, Firmen- Anstalt befindet. Er hatte die Waffen und Waffenteile einem mit dem Antrage, einen Auseinandersehungsschein zu erteilen und zweds schilder an ihre Berkaufsstände anzubringen. In dieser Hinsicht Spediteur übergeben, der sie in der Zeit, als die Diebstähle ent- der Auseinandersegung einen Pfleger zu bestellen. Sie können zur Bes soll mit der Ortspolizeibehörde betreffs Erlaß einer entsprechenden deckt wurden, auf seine Verantwortung nach dem Fundort schaffen schleunigung selbst einen Pfleger in Borschlag bringen. ließ. Der Vorgang hat möglicherweise noch ein gerichtliches durchaus zweckmäßig, im Interesse des Kindes liegend, dem außerehelichen, Verordnung in Verbindung getreten werden. von einem anderen als dem Mann der Ehefrau vor der Ehe erzeugten Nachspiel. Kinde den Namen des Mannes beizulegen. Erforderlich hierzu ist die Eins Groß- Lichterfelde. willigungserklärung des Vormundes sowie der Mutter und die Erklärung des Ehemanes selbst. Die Erklärungen können bei dem Standesbeamten oder bel einem Notar oder bei einem Amtsgericht abgegeben werden. N. H. 20. Die Sachen müßten Sie aufbewahren. Wenn Sie darüber verfügen, würden Sie schadenersatzpflichtig sein. Arnebog. Schreiben T Vermischtes. Ueber die Katastrophe im Lötschbergtunnel 3. 36. Es ist den Magistrat, Abteilung für Invalidenversicherung, zu richten. Zwed Verbranntes Kind. Ein schweres Brandunglück hat sich in der Dahlemer Straße 75 in Groß- Lichterfelde zugetragen. Der Schuhmacher Labs wollte in Abwesenheit seiner Frau Kaffee kochen und hatte eben in der Maschine Feuer angemacht, als er durch einen Kunden abgerufen wurde. 2. ließ für wenige Augenblicke seine erhält das„ Berliner Tageblatt" folgenden Bericht aus an der Sie an die Hinterlegungsstelle in Berlin das, was Sie uns mitgeteilt steg:„ Die Arbeiter der Nachtschicht im Lötschbergtunnel waren haben, und daß Sie Auszahlung der hinterlegten Summe beantragen. sechsjährige Tochter allein in der Küche. Das Kind muß nun wohl 2600 Meter weit im Tunnel mit Sprengen beschäftigt und hatten Glückauf 1886. Wenn vor der Ehe mindestens 200 Marken geklebt sind, dem Feuer zu nahe gekommen fein, so daß die Flammen seine hartes Gestein zu bewältigen. Um einhalb vier, Uhr, morgens, als so kann die junge Ehefrau innerhalb eines Jahres nach Eheschluß zurüdKleidung ergriffen. Als auf das Geschrei der Kleinen der Vater Die Minen abgefeuert wurden, erfolgte der Aufbruch einer unter- zahlung der Hälfte der Beiträge beantragen. Der Antrag ist in Berlin an hinzukam, glich das Mädchen einer Feuersäule. Das Kind war irdischen Wasserader. Große Wassermassen, Schlamm und Schutt mäßiger ist es aber, den Antrag nicht zu stellen, sondern durch Weiteram ganzen Körper entfeßlich verbrannt und wurde in hoffnungs- füllten den ganzen Stollen. Die ganze Mannschaft, 25 italienische flebung die weiteren Rechte aufrecht zu erhalten. Die Weiterversicherung losem Zustande nach dem Krankenhause übergeführt. Arbeifer, wurde vom Strudel fortgerissen und ertrank. Die Schutt- erfolgt, wenn für je zwei Jahre mindestens 20 Marken, gleich viel welcher F. 1. Wir können Ihnen weder zu noch abraten. mengen versperrten mit dem im Stollen befindlichen Material den Klasse geklebt werden. Hohen- Schönhausen. A. 1. Das Justiz ministerium ist zuständig. 2. Im Gefeß ist hierüber Rollwagen den Weg nach dem Ausgang. Mehrere Ingenieure verIn der letten Gemeindevertretersizung wurden als Wahl- suchten am Vormittag zur Unglücksstätte vorzubringen, gelangten nichts bestimmt, hierfür treffen die Kirchenorgane Bestimmungen. 3. Das männer zur Wahl der Kreistagsabgeordneten 4 bürgerliche Ber- aber nur 1000 Meter weit. Die Unglücksstelle liegt unter dem Buch ist in Deutschland verboten und deshalb im Buchhandel nicht zu haben. 2. S. 81. 1. Eine Abfindungssumme ist gesetzlich unzulässig. treter gewählt. Unsere Genossen gaben weiße Bettel ab, weil man Kanderlauf, einem Nebenfluß der Aare, im Gasterntal. Der Weg 2. Auf Reklamation wird die Steuer aufgehoben. F. R. 777. Eine ihren Vorschlag nicht berücksichtigt hatte. Punkt 2 der Tagesord- zu den von der Mitwelt abgeschnittenen Arbeitern muß durch ge- selage gegen Ihren Stiefvater wäre durchaus erfolgreich. Das Erbteil nung betraf die Abänderung des§ 12 der Friedhofsordnung. Der waltige Schuttmassen gebahnt werden. Einen der verunglückten Ihrer Großmutter hätte er voll auszuzahlen, soweit ersichtlich, aber auch Gemeindevorstand empfahl die Annahme eines Antrages, wonach Arbeiter fand man 800 Meter weit vom Eingangsportal entfernt die Hypothet. Vor der Wiederverheiratung muß eine gerichtliche Ausbei Erbbegräbnissen pro Quadratmeter 20 M. und für die Um- ganz in Sand eingebettet noch lebend an. Die Rettungsmann- einandersetzung stattgefunden haben. Diese lassen Sie sich vom Gericht friedigung durch Gitter pro laufenden Meter ebenfalls 20 M. an fchaften stießen weiter auf menschliche Gliedmaßen, abgerissene geben, um Ihre weiteren Rechte geltend zu machen. Wenden Sie sich an S. R. 13. Nicht zutreffend. Gebühren zu entrichten sind. Dieser Antrag wurde angenommen. Arme und Beine, die zwischen Geröll und Felsblöden eingefeilt einen der von Ihnen genannten Anwälte. W. 6. Welche Hypotheken auf ein Grundstück eingetragen sind, ersehen Mit unseren Genossen stimmten noch 2 bürgerliche Herren dagegen waren. Der Einbruch des Wassers muß mit unerhörter Gewalt Sie durch Einblick im Grundbuch. 2. H. 100. Das Seleben wäre für Genosse Siebenwirth monierte hierbei noch die unregelmäßige Auf- ganz plötzlich erfolgt sein. Der größte Teil der Arbeiter konnte Sie zwedlos, weil Sie selbständig und über 40 Jahre alt find. stellung der Eisengitter als Umfriedigung der Gräber und wünschte, sich im Moment der Gefahr durch schleunige Flucht retten. Die. P. 3. Leider nein. S. W: Ihre Ansicht ist irrig: der Vertrag ist daß bei fernerer. Aufstellung Rücksicht genommen wird auf die Arbeiter hatten sich beim Losfeuern der Mine, wie gewohnt, auf maßgebend. Liegen aber die Verhältnisse so, wie Sie sie schildern, so Passierbarkeit der Wege zwischen den Grabhügeln. Der Gemeinde- 50 Meter Distanz zurückgezogen. Nach dem Abbrennen der Bohr- hätte der Wirt abgewiesen werden müssen. vorsteher wurde beauftragt, die Anweisung für die richtige Auf schüsse brach dann plötzlich eine gewaltige Wassermasse mit Sand fich stellung solcher Umfriedigungen der Gräber zu geben. Des weiteren und Schlamm vermischt ein. Das Unglück bedeutet einen neuen beschäftigte sich die Gemeindevertretung wiederum mit der schweren Schlag für die Berner Alpenbahngesellschaft. Wie erPflasterung der Berliner Straße. Der Gemeindevorstand innerlich, erfolgte im letzten Winter die Lawinenkatastrophe bon empfiehlt nunmehr, den Beitrag von 20 000 M. zu zahlen, da es Goppenstein auf der Südseite des Tunnels im Kanton Wallis, die doch mehr als fraglich erscheint, ob die Gemeinde bei einem etwaigen ebenfalls eine Anzahl Menschenleben kostete und der BahngefellProzeß mit der Grunderwerbs- und Baugesellschaft ein obfiegendes schaft einen Schaden von einer Million Frank verursachte. Urteil erzielt. Auf Antrag des Genossen Thiele wurde beschlossen, Ueber die Ursache der Katastrophe wird berichtet: Die Ein15 000 W. zu zahlen, 5000 m. aber zurückzubehalten für das bruchsstelle ist 180 Meter über dem Tunnel im Gasterntal sichtbar. Eigentumsrecht an den alten Pflastersteinen, welche die betreffende Sie liegt ganz beim Kanderfluß. Jm Kanderbett wird die EinGesellschaft für ihre Privatstraßen verwendet hat. Des weiteren fentung bemerkt, so daß die Annahme zur Gewißheit wird, daß das wurde der Schulhausetat für 1908 mit 8 gegen 6 Stimmen ange- Wasser der Kander den Einbruch verschuldet hat. Im Kanderbett Unter Berschiedenes" fragte der Genosse Thiele an, hat sich eine trichterförmige Einsenkung gebildet. Der Einbruch ist ob der Gemeindevorsteher dem in der vorhergehenden Sizung ge- nicht vertikal erfolgt; denn der Lötschbergstollen ist schon 700 Meter fagten Beschluß inbetreff der Wiedererstattung der von dem jenseits des Kanderbettes gegen die Elsigenwand vorgetrieben, bis früheren Gemeindesekretär Linhard veruntreuten Gelder nach zur Elfigenwand fehlten nur noch 70 Meter. Der Wassereinbruch gekommen ist. Der Gemeindevorsteher erklärte, das hätte er nicht muß daher als eine Folge eigenartiger Gesteinsbildungen annötig. Hierauf wurde eine Kommission gewählt, der auch Genoffe genommen werden, die sich in der Richtung gegen Goppenstein Thiele angehört. Dieselbe wird nunmehr diese Angelegenheit vorfinden. Die Einbruchsstelle ist mehr als eine Stunde vom Hotel weiter berfolgen. " Gemmi" in Kandersteg entfernt. An der Einbruchsstelle im Gasterntal hat sich ein gewaltiger gurgelnder Trichter von 60 Meter Durchmesser gebildet. An der Einbruchsstelle arbeiteten im Moment der Katastrophe 27 Arbeiter. Gestern mittag wurde der erste Tote, die Leiche des 23jährigen ledigen Arbeiters Domencio Vinci, aus dem Schlamm gezogen. Die 24 noch Vermißten sind rettungslos verloren. Wahrscheinlich hat der Luftdruc sie augen blicklich getötet. Die Verunglückten sind alle Italiener, 4 waren verheiratet, 21 ledig." nommen. Wernenchen. Feuer brach gestern abend um 8 Uhr in der Schneidemühle von Büttner u. Co. aus, und zwar ist das Maschinenhaus, in welchem das Feuer entstand, bis auf die Umfassungsmauern niedergebrannt. Besonders großen Schaden verursachte die Vernichtung Der Holzbearbeitungsmaschinen. Das Feuer hatte bereits so großen Umfang angenommen, daß die Wehren der Umgebung nur noch das große Holzlager vor dem Uebergreifen des Feuers schüßen fonnten. Der ganze Kompler mit Maschinen und Stall, aus dem die Pferde gerettet werden konnten, ist vollständig niedergebrannt. Der mächtige Feuerschein am Himmel lockte Hunderte von Menschen an. Man vermutet Brandstiftung. Wildau. Die Arbeiter des Werkes Wildau( Schwarzkopff) waren am Donnerstag in einer von zirka 1100 Personen besuchten Betriebsbersammlung bei Wedhorn in Königswusterhausen zusammengelommen, um erneut Stellung zu nehmen zu dem Boykott über die Kantine des Werkes, den sie in ihrer lebten Betriebsversammlung verhängt hatten. Ein Mitglied der Betriebskommission bemerkte in seinem Bericht: Die Berichtigung der Brauerei Königswusterhausen hätte einen besseren Eindruck gemacht, wenn auch eine Prüfung der Bücher vorgenommen worden wäre. Da das nicht geschehen, wollen auch die Gerüchte nicht verstummen, wonach es mit der im ersten Bericht angegebenen Flaschenzahl doch seine Richtigkeit hat. Auf die Verhältnisse im Werke selbst eingehend, erklärte er, daß die Direktion noch auf ihrem ablehnenden Standpunkt ber. barre. In der darauf folgenden Diskussion wurde das Verhalten des Herrn Oberingenieur Nade einer herben Kritik unterzogen. Viel böses Blut erregte ein Anschlag dieses Herrn, der zwei Tage nach Berhängung des Boykotts an das schwarze Brett geheftet wurde und also lautet: Wir machen darauf aufmerksam, daß jeder Arbeiter nur Getränke für seinen eigenen Bedarf mitbringen darf. Wir beziffern denselben auf höchstens zwei Flaschen Bier. Zuwider handlungen werden mit Entlassung bestraft. 6. Juli 1908. J. A.: Nade." Wochen- Spielplan der Berliner Theater.. Neues königl. Opern Theater. Sonntag: Die Walküre.( Anfang 6 Uhr.) Montag: Troubadour. Dienstag: Tannhäuser.( Anfang 7 Uhr.) Mittwoch: Carmen. Donnerstag: Lohengrin.( Anfang 7 Uhr.) Freitag: La Traviata. Sonnabend: Meistersinger.( Anfang 6 Uhr.) Sonntag: Meistersinger.( Anfang 6 Uhr.) Montag: Cavalleria rusticana. Bajazzi. Deutsches Theater. Täglich: Die Brettlgräfin. Neues Theater. Täglich: Der Berriffene. Neues Schauspielhaus. Täglich: Die Dollarprinzessin. Kleines Theater. Täglich: 2 x 2= 5. Luftspielhaus. Allabendlich: Die blaue Maus. Schiller- Theater O. Abends: 8 Uhr. Der Postillion von Lonjumeau. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Carmen. Montag: Oberon. Dienstag: Der Troubadour. Mittwoch: König für einen Tag. Donnerstag: Die Afrikanerin. Freitag: Martha. Sonnabend: Fidilio. Sonntag abends: Oberon. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Undine. Montag: Postillion von Lonjemeau. Theater des Westens. Täglich: Ein Walzertraum. Friedrich Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Täglich: Die Diebin. S Schiller Theater Charlottenburg. Geschlossen. Thalia Theater. Täglich: Der Mann mit dem Monocle. Bernhard Rose Theater. Täglich: Das Geheimnis von New York. Metropol Theater. Allabendlich: Das muß man seh'n! Apollo Theater. Allabendlich: London Suburbia. Spezialitäten. Walhalla Theater. Spezialitäten. Paffage- Theater Berlin in Stimmung. Spezialitäten. Reichshallen Theater.. Allabendlich: Winter- Tymian. Berliner Prater Theater. Allabendlich 7 Uhr: Die Welt ein Paradies. Urania Theater. Taubenstraße 48/49. Sonnabend, Mittwoch und Sonnabend, den 1. August: Ueber den Brenner nach Benedig. Sonntag: Bon der Zugspiße zum Bazmann. Montag: Die Kruppschen Werke. Dienstag und Freitag: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Donnerstag: Die deutsche Nordseeküste. Sonntag, den 2. August: Die Mosellande und ihr Weinbau. Anfang 8 Uhr. Sternwarte, Invalidenstr. 57-62. Durch diesen Utas glaubte Herr Nade den Boykott unwirksam machen zu können. Die Strafen für Uebertretung dieser Berordnung" hagelten nur so herunter. 1, 2, 3 Mart. Wer etwas einSozialdemokratischer Agitationsverein für den Wahlkreis zuwenden hatte, erhielt 1 Mark Zusatzstrafe. Aber auch schon vor diesem Anschlag wurden derartige Strafen zur Aufrechterhaltung Arnswalde- Friedeberg. Heute nachmittag 4%, Uhr bei Timm, Tilsiter der Ordnung" ausgeworfen. Ausdrüde wie:„ Ich werde die Ar- Straße 79: Ordentliche Generalversammlung. beiter schon zwiebeln"," An den Boykott soll die Arbeiterschaft noch lange denken" beweisen das geringe soziale, Verständnis diefes Herrn. " Brachte Herr Nade es doch sogar fertig, Lehrlinge, die für Gesellen Bier mitbrachten, mit 1 Mark zu bestrafen. Als nun ein Arbeiter vom Feuerschiff, einem Raum, in dem ständig eine Temperatur von zirka+40 Grad herrscht, wegen der Uebertretung dieses Anschlages entlassen wurde, legten 25 Mann die Arbeit nieder, um die Wiedereinstellung des Kollegen zu erlangen, was auch nach zweitägigem Ausstand gelang. Die Diskussionsredner waren alle der Meinung, daß der oben. erwähnte Anschlag unter allen Umständen beseitigt werden müsse, um nicht erneut Konflikte heraufzubeschwören. Einstimmig wurde daraufhin eine/ Resolution angenommen, in der der Anschlag für durchaus ungerechtfertigt erklärt, seine Entfernung verlangt und gegen das Strafsystem protestiert wird. Weiter wird ausgesprochen, daß der Boytott so lange aufrecht erhalten wird, bis die Direktion den gerechten Wünschen der Ar beiter entgegenkommt. Berliner Ingendorganisation. Heute, nachmittags 3 Uhr( pünktlich): Generalversammlung in den„ Arminhallen, Kommandantenftraße 58/59. Tagesordnung: Stellungnahme zu den, Verhandlungen des Hamburger Gewerkschaftskongresses über Jugendorganisation. Allgemeine Familien- Sterbekasse. Heute Zahltag: Aderstr. 123 bei Wiesenthal und Mariannenstr. 48 bei Liebehenschel von 3-6 Uhr. Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter britter Eingang, bier Treppen, Fahrstuhl Sof, Geöffnet 7 hr wochentäglich abends von 7%, bis 9% Uhr statt. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. R. 20. Nur wegen Alimentenkosten, nicht wegen der von Ihnen er wähnten Kosten ist Lohnbeschlagnahme zulässig. R. Th. 13. Nach der zutreffenden, bom hiesigen Stammergericht fast durchweg getätigten Ansicht hat auch bei solchen Verträgen die Filialleiterin nur für das Manto zu haften, welches sie verschuldet hat. Eine Berschuldung müßte ihr nach J. S., Huttenstr. A. M. 8. 1. Nein. 2. Die Der Restaurateur sollte einen Anwalt nehmen und Berufung einlegen. A. H. 76. Klagen Sie Ihre Forderung ein. Der im Vertrage ausgedrückte Berkauf ist nicht rechtsgültig. Klagen Sie auf Zahlung des Darlehns eventuell auf Herausgabe der Einrichtung. Oesterreicher 28. Als Ausländer können Sie nach der herrschenden Rechtsprechung in Breußen nicht aus der Landeskirche austreten. Das müßten Sie in Ihrem Heimatland tun. Wird der Austritt aber vom Gericht angenommen, so erwachsen Ihnen Nachteile hierdurch nicht. M. G. 95. Sie können die Miete lediglich hinterlegen, sind aber nicht berechtigt, falls Ihr Vertrag ein dahins gehendes Verbot wie die meisten Vertragsformulare enthält, aufzurechnen. Haben Sie, bevor die Beschlagnahme erfolgte, die bereits fällige Miete gezahlt oder abgerechnet, so würde das gültig sein. Legen Sie genauer dar, weshalb das Testament nicht anerkannt werden foll, welchen Inhalt es hat und ob ein Kind aus der Ehe vorhanden ist, und wiederholen Sie dann Ihre Anfrage. Schöneberg. Nein. K. 2. 11. Die von Ihnen genannte Staffe tönnen wir nicht empfehlen. Genosse in Linden. Reklamieren Sie gegen die ungerechte Veranlagung zur Kirchensteuer und beantragen Sie bei der Staatsanwaltschaft Bestrafung wegen versuchter Nötigung. allgemeine Krankenversicherungskasse zu Chemnik( E. H.) vermögen wir nicht zu empfehlen. D. R. 18. Wenden Sie sich an die Direktion, Leipziger Straße 14. G. 47. Von der Eisenbahndirektion Berlin erhalten Sie auf Anfrage zutreffende Auskunft. Genoffe 20. 1. Die Stellung müssen Sie einhalten. Teilen Sie dem Bezirkskommando die Sache mit. 2. Das ist möglich. 3. 20 Proz. für die Ehefrau, 15 Proz. für jedes Kind unter fünfzehn Jahren, aber zusammen nicht über 60 Broz. des ortsüblichen Tagelohnes beträgt die FamilienunterA. R. G. 1730. Der Bertrag behält stügung. 4. Uns nicht bekannt. feine Gültigkeit: Sie hätten ihn bis am 3. Januar zum 31. März fündigen E. N. 1000. Nein, laffen Sie es auf eine Stlage ankommen. M. 23. 27. 1. Sie legen das Aufgebot nur vor, legen dabei die Papiere Ihrer Braut mit vor; erforderlich sind die Geburtsurkunden der Braut und des Bräutigams, die Militär papiere des Bräutigams und, falls die Braut noch nicht 21 Jahre alt ist, eine schriftliche beglaubigte Einwilli gung dos Vaters. 2. Bom Polizeipräsidium. C. 100. Die Ber fährungsfrist beträgt in Ihrem Falle zehn Jahre. Mit jeder vom Richter gegen den Täter gerichteten Handlung beginnt die Verjährungsfrist bon neuem zu laufen. tönnen. Amtlicher Marktbericht der städtischen Martthallen Direktion über den Großhandel in den Zentral- Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach, Geschäft rege, Preise unverändert, Wild: Bufuhr mäßig, Geschäft rege, Preise gut. Geflügel: Zufuhr genügend, Geschäft schleppend, Preise gut. Fische: Zufuhr etwas reichlicher, Geschäft ziemlich rege, Preise im allgemeinen befriedigend. Butter und Stäse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Süd. rüchte: Bufuhr ausreichend, Geschäft wenig befriedigend, Preiſe fast unverändert. Witterungsübersicht vom 25. Juli 1908, morgens 8 Ithr. Stationen Barometer stand mm richtung Wind Windstärke 763 NNW Swinembe. 764 ND Hamburg 766 NO Berlin Frants.a.M. 764 NO München 764 NW ten Wetter 3 bebedt Temp. n. T. 5° C. 4° N. Stationen Barometer stand mm Wind richtung Windstärke 19 Haparanda 769 S Better Zemb. n. T. 4wollen! 17 1 wolfen! 17 4'wollig 14 2 bedeckt 15 volten! 19 2 wollen! 19 Betersburg 771 DND 1 bededt 17 Scilly 759 23 3 heiter 18 berbeen 759 SGD 2 wolten! 16 Baris 763 Still 761 2N 5 bebedt 14 Wetterprognose für Sonntag, den 26. Juli 1908. Beitweise heiter, am Tage etwas wärmer, aber noch veränderlich mit leichten Regenfällen und mäßigen östlichen Winden. Berliner Wetterbureau Wafferstands- Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerfunde ,. mitgeteilt bom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Meme I, Tilsit Bregel, Insterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor Krossen Frankfurt Barthe, Schrimm Landsberg Nege, Bordamm Ibe, Leitmerik Dresden Barby Magdeburg am feit 24.7. 23. 7. cm Havel, Spandau³) cm³) 184-62 56-2 Rathenow³) 71 Spree, Spremberg) 70 Beeskow Beser, Münden Minden Rhein, Marimiliansau 600+6 88 -78 -2 am seit 24. 7. 23. 7. Bafferstand cm cm ¹) 133 -+ 26 Saale, Grochlit -21 0 282+162 568 +33 76 -2 87 0 32+8 -2-1 -10-2 40 +10 -166+22 127++ 32 Kaub 321+40 Köln Nedar, Heilbronn 118+22 Fall, Main, Wertheim Mosel, Trier 3) Unterpegel. 274+48 85 -30 144+29 82+66 + bedeutet Wuchs, Nach telegraphischer Meldung ist die Weichsel bei Chwalowice bon gestern bis heute vormittag von 334 auf 403 Zentimeter gefti egem 95 Pt. • 95 Pf. 95 Pf. • • 95 Pf. 95 Pf. 95 Pf. 1 Paar Lasting- Morgenschuhe mit Absatzfleck 95 Pf. 1 Paar Dam.- Tuch- Morgensch. 95 Pf. 2 Paar Damen- Tuch- Pantoffel 95 Pf. 3 Mtr.Hemden- o. Louisianatuch 95 Pf. 2 Mtr. Piqué od. Köperbarchent 95 Pf. 2 Mtr. Schürzenstoff in viel. Dess. 95 Pf. 8 Küchenhandtücher Gerstenkorn 95 Pf. • 95 Pf. 3 Stubenhandtücher 95 Pf. 1 Kaffeedecke 95 Pf. 95 Pf. 95 Pf. 95 Pf. 1 Kinder- Badeanzug 95 Pf. 95 Pf. 2 Mtr. reinseiden. Hutband 12 cm breit • 95 Pf. 1 Dtz. Linon- Taschentüch. ges. 95 Pf. 2 Dtz. Batist- Damen- Taschentücher mit bunter Kante.. 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Köper2.95 Rock mit Volantbesatz 2.95 2.95 2.95 2.95 1.95 2.95 1 Betttuch ca. 160/220 cm mit Hohlsaum oder gebogt 2.95 1 Waschservice 1 Satz Töpfe bunt bunte Kompottschälchen 1 Gewürzschrank mit 6 Tonnen 1 Emaille- Waschservice 3teilig 1 Waschständer mit Schüssel und Seifnapf 6 Viktoriabecher 10 Liter Dtz. bunte Hrn.- Taschentüch. 95 Pf. 95 Pf. 1 Dtz. Stanbtücher 95 Pf. 95 Pf. 1 Damen- Taghemd, Achselschluß mit Trimmingbesatz 1 Paar Wiener Segeltuchschuhe Größe 36-37 1 Paar Damen Leder Haus. schuhe m. Absatzfleck, rot u. schw. 1 Paar Kinder- Knopf- u. Schnürstiefel Größe 18-22 Waschservice 1 Fischservlce 14teilig 1 dekorierter Eimer mit Deckel Waschständer mit Schüssel, Kanne und Seifnapf 1 Mousselinebluse moderne Fasson 1 Alpacca- oder Leinen- Jupon in diversen Ausführungen 95 Pf. 95 Pf. 1 Damen- Beinkleid mit Stickereibesatz, Knie- oder lange Fasson 95 Pf. Damen- Nachtjacke i. Madapolam oder Dimiti u. Trimmingbesatz 95 Pf. 1 eleg. Untertaille mit Spitzen- od. Stickereibes. u. 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Berfchlechterung bes englischen Außenhandels.- ungünstige EntStarkes Nachlassen widelung der deutschen Ein- und Ausfuhr. des Koksverbrauches. Harpener Bergbau- A.- G. Krisenfolgen für die Arbeiter, . 1907 1908 Einfuhr Ausfuhr Einfuhr Ausfuhr in Doppelzentner 452 859 4367 683 4 650 21 231 2 602 705 2949 719 2 021 655 80 764 894 874 7061 097 7684 83 239 Sonntag, 26. Juli 1908. vor, von welcher der jezige Kläger behauptet, daß der Beklagte ohne seine Eltern zu fragen oder auch nur zu benachrichtigen, die gewagte, übrigens fehlgeschlagene Operation unternommen und dadurch oder auch durch einen dabei begangenen Kunstfehler den Kläger dauernd an seiner Gesundheit geschädigt habe. Der Kläger verlangt deshalb eine Kapitalabfindung von 15 000 Mark, event. 5000 Mark und eine Rente von 900 bis 1500 Mark jährlich. Das Landgericht Heidelberg erkannte auf Abweisung des Klägers. Dagegen erklärte das Oberlandesgericht Karlsruhe auf die Berufung des Klägers den Anspruch von 5000 Mark und Zinsen dem Grunde nach für gerechtfertigt. Das Reichsgericht bestätigte diese Entscheidung des Oberlandesgerichts. Das Oberlandesgericht hatte die Klage insoweit für un welcher vorfäßlich für Heilzwede eine Körperverlegung verübe, begründet erklärt, als sie auf die Behauptung gestützt ist, daß der Beklagte gegen die Regeln der ärztlichen Kunst verstoßen habe. Dagegen erklärte das Oberlandesgericht die Klage insoweit teilweise für begründet, als sie darauf gestützt ist, daß der Beklagte gefügt habe. Das Berufungsgericht geht davon aus, daß ein Arzt, ohne sein Recht hierzu aus einem bestehenden Vertragsverhältnis oder einer präfumtiven Zustimmung, dem vermuteten Auftrage hierfür legitimierter Personen herleiten zu können, überhaupt unberechtigt, also rechtswidrig handle. Das Berufungsgerichi erklärt dann weiter, daß die vorgenommene Operation sich zweifellos als eine vorfäßliche Körperverlegung darstelle, die auch rechtswidrig sei. Denn der Vertrag, der durch Verbringung des Klägers in die orthopädische Anstalt des Beklagten geschlossen war, habe letteren zur Vornahme der Operation nicht berechtigt. Eine ausdrückliche Vereinbarung sei überhaupt nicht getroffen worden. Auch hätten infolge der geringen Bedeutung des Gebrechens des Klägers die Umstände keineswegs darauf hingewiesen, daß an einen solchen Eingriff gedacht werde; sodann hätte die Belehrung, die der Be flagte als gewissenhafter Arzt hätte geben müssen, daß nämlich die Operation nicht unbedingt Erfolg verspreche, eher zu einer Versagung der Genehmigung führen können. Betreffs des Schadens nimmt das Oberlandesgericht aber an, daß bei dem läger eine dauernde Schädigung der Funktion des rechten Armes nicht nachgewiesen und deshalb ein Vermögensschaden für den Kläger nicht erwachsen sei. Dagegen sei ein Schaden, der nicht Vermögensschaden ist, entstanden, und hierfür der Beklagte ersatzpflichtig. Eisenerz. 2 569 943 Steinkohlen. 4705 135 Braunkohlen. 2 615 244 125 002 Roheisen.. Bei Eisenerz ist zwar auch die Einfuhr gestiegen, aber nur um 32 762 Doppelzentner, dagegen wuchs die Ausfuhr um 442 015 Doppelzentner gleich 100 Proz. Bei Braunkohlen ging die Einfuhr Wenn man zurückblickend ein Bild von der wirtschaftlichen Ent- um über 2 Million Doppelzentner zurück, die Ausfuhr stieg um widelung in sich aufnehmen will, dann braucht man nur die Ge- rund 3000 Doppelzentner. Markanter tritt die Verschiebung bei staltung des Außenhandels zu betrachten. Wohl ist denkbar, daß Steinkohlen und Roheisen in Erscheinung. In der vorjährigen ein Land in Zeiten ungewöhnlichen Innenmarktbedarfs den Export Vergleichszeit erbrachte der Außenhandel in Steinkohlen noch einen vernachlässigt, aber es muß dann doch in wachsendem Maße die Einfuhrüberschuß von 337 452 Doppelzentner, in diesem erforderlichen Rohmaterialien und auch Lebensmittel einführen, Jahre ergibt sich ein Ausfuhr überschuß von 4011378 wenn, wie z. B. in Deutschland, hunderttausende Arbeiter aus dem Doppelzentner. Die Ausfuhr stieg um 2693 414 Doppelzentner Auslande herangezogen werden. So gibt das Zahlenbild des gleich 62 Proz. Auch bei Roheisen verwandelte der EinfuhrüberAußenhandels immer ein Urteil für die Veränderungen am Wirte schuß sich in einen Ueberschuß der Ausfuhr. Im ersten Drittel dem Kläger durch widerrechtliche Körperverlegung Schaden zuschaftsmarkt. Und da England mit seinem Außenhandel so ziemlich des Juli wurden im Vorjahre rund 100 000 Doppelzentner mehr die ganze Welt umspannt, so muß sich in seiner Ein- und Ausfuhr ein- als ausgeführt, in der Vergleichszeit des laufenden Jahres auch am deutlichsten die Veränderung am Weltwirtschaftsmartt ergibt sich ein Ausfuhrüberschuß von 2475 Doppelzentner. spiegeln. Das Jahr 1907 stand noch ziemlich allgemein im Zeichen Diese Entwickelung zeigt eine erhebliche Verschlechterung des der Hochkonjunktur. Daß im laufenden Jahre die Verhältnisse sich inländischen Marktes an. Der Minderverbrauch ist hier größer als wesentlich geändert haben, zeigt folgende Busammenstellung über in den Außenhandelsziffern in Erscheinung tritt. Uebereinstimmend den englischen Export im ersten Semester der beiden letzten Jahre. wird berichtet, daß die Zechen ganz enorme Mengen BrennEs wurden ausgeführt in Millionen Pfund Sterling: materialien lagern. Obwohl das Kohlensyndikat den Werken eine 40prozentige Einschränkung empfohlen hat, können die produzierten Mengen doch nicht untergebracht werden. Daß die Lagerungen sehr bedeutend sind, geht unter anderem aus dem letzten Geschäftsbericht der Harpener Bergbau- A.- G. hervor. Das Erträgnis des letzten Quartals stellt sich auf 4 486 000 m. gegen 5 373 000 m. im Vor: jahre und 5 003 000 m. im 2. Quartal 1906. Das Mindererträgnis ist zu einem erheblichen Teile eine Folge von Abschreibungen auf gelagerten Koks. Wie hoch die Summe ist, wird leider nicht anDer Export von Fabrikationswaren ging demnach von 111 434 gegeben, daß sie bedeutend ist, darf schon aus der Tatsache geMillionen Pfund Sterling auf 95 006 Millionen Pfund Sterling, schlossen werden, daß bereits für das 1. Quartal aus dem gleichen oder um 14,7 Proz. zurück. In einzelnen Waren war der Rückgang Anlaß 198 000 M. abgeschrieben worden sind. Jezt erkennt man natürlich viel stärker, bei Roheisen z. B. macht er über 50 Broz. aber auch, welch glänzender finanzieller Position die Bergbauaus. Noch stärker wie die Ausfuhr flaute die Einfuhr ab. Während unternehmungen sich erfreuen. Wie hat man nicht geklagt über die für die Ausfuhr im Gesamthandel das Minus 7,9 Proz. ausmacht, stellt Berteuerung der Selbstkosten, speziell über die jeden Preisaufschlag fich die Mindereinfuhr auf 9,1 Proz. Dabei ist noch zu beachten, absorbierenden Lohnerhöhungen! Schon seit einem halben Jahre daß sich die großen Zahlen in der Hauptsache aus der Verschiebung stockt nun der Abfaz, auf Lagerbestände werden bedeutende Abin den letten 3 Monaten ergeben. In der Ausfuhr betrug nämlich schreibungen vorgenommen und trotzdem ergeben sich noch exquisite im März d. J. der Rüdgang nur 5,3 Proz., im Februar gar nur Abschlüsse. Die Harpener Bergbau- A.- G., deren Geschäftsjahr mit 0,4 Proz. und im Januar 1,9 Proz. Im Mai machte der Export- dem 30. Juni schließt, hat in den drei letzten Jahren folgende rüdgang aber 15,9 Proz. aus und im Juni 12,6 Proz. Die pro- Gewinne herausgebracht: zentual stärkste Abschwächung in der Einfuhr weist der April mit 17,1 Proz. auf, der Mai folgt mit 15,9 Proz., im Juni betrug die Mindereinfuhr wieder nur 3,5 Proz. Jm allgemeinen läßt der englische Außenhandel einen starken Rückschlag nicht verkennen. Auch der deutsche Außenhandel reflektiert den wirtschaftlichen Umschwung. Er betrug im ersten Halbjahr: 1. Halb- Baumwoll Wollwaren Sonstige Textil Eisenu. Stahls jahr waren 1907 53 249 16 781 50 619 14 696 waren 8303 6028 waren 23 659 19 261 2 630 -4 398 1908 in 1908 -2085-2275 Einfuhr 1908 Ausfuhr Metall waren 6562 4432 2130 1907 1908 1908 berfch. Waren To. 29 930 255 28 415 856 21 478 775 21 815 295 Pferde usw. St. 78 300 68 859 Fft? Stod Bienen Fahrzeuge. Ufren " . 4695 694 3 834 627 786 119 662 728 Die Einfuhr ging um rund 1½ Millionen Tonnen zurück; nicht unerheblich ist der Rückgang bei Fahrzeugen und Uhren. Die Ausfuhr ist der Menge nach aber nicht nur nicht gesunken, sondern sogar noch um fast ½ Millionen Tonnen gestiegen. Die Steigerung entfällt aber nicht etwa auf Fabrikationswaren, sondern auf Erzeugnissen der Land- und Forstwirtschaft und auf industrielle Rohprodukte. Die lettere Erscheinung bildet nun gerade einen dunklen Bunkt in unserer Volkswirtschaft. Dant unserer Zollschußkartellpolitik halten die Rohstoffverbände die Preise im Inlande hoch, hemmen damit die Konkurrenzfähigkeit der Verarbeitungsindustrie, um so mehr, als auch noch der Auslandsmarkt mit billigem deutschen Rohmaterial versorgt wird. Die Steigerung der Ausfuhr ist eben nur bei erheblichen Preiskonzessionen möglich. Daher gibt auch die vom Kaiserlich Statistischen Amt gegebene Wertberechnung des Außenhandels fein richtiges Bild von der eingetretenen Verände rung, weil der Berechnung vielfach die vorjährigen Werte zugrunde gelegt sind. Daß die in der Steigerung der Ausfuhr zum Ausdruck kommende Verbrauchseinschränkung der Verarbeitungsindustrie immer noch weitere Fortschritte macht, erhellt aus dem Außenhandelsnachweis für die Zeit vom 1. bis 10. Juli. Wir machen daraus diese Zusammenstellung: 1905/06 1906/07 1907/08 17 016 600 M. 18 268 500 M. 20 162 000 M. Vorsichtiger Weise sollen für das verflossene Jahr" nur" 11 Proz. Dividende verteilt werden, so daß erhebliche Summen für Rückstellungen verbleiben und die Aktionäre auch für das neue Jahr feinen Notstand zu befürchten haben. Mittlerweile macht sich unter der Arbeiterschaft die Geißel der Krise in schärferer Weise bemerkbar. Das Unternehmertum feiert Orgien der Arbeiterhak. Schon stehen mehrere tausend Mann, die sich das Mißfallen irgend eines Kapitalproßen zuzogen, auf der Aushungerliste, andere Tausende, unverbemt zwar, aber doch auch die Qualen des Hungers fühlend, wurden abgelegt wegen Mangel an Arbeit. Und während die Zahl der Arbeitslosen noch stetig anwächst, holt das Unternehmertum immer noch Lohnstlaben aus anderen Gegenden heran, um die begonnenen Lohndrückereien bequemer und nachdrücklicher durchführen zu können. Jeht wieder mal wird den Arbeitern durch das Kapital gründlich zu Gemüte geführt, tie notwendig eine starte finanzkräftige Organisation für sie ist, wollen sie nicht in Beiten wirtschaftlichen Abstieges ein willenloser Spielball in den Händen der Unternehmer sein. Gerichts- Zeitung. D, Ist eine Operation eine widerrechtliche Körperverlegung? In einem Rechtsstreit eines Sohnes des Eisenbahntechnikers G. zu Mannheim gegen den Profeffor der Chirurgie Dr. B. in H. hatte das Reichsgericht sich dieser Tage über die Frage der erlaubten und unerlaubten Operation und die durch lettere bedingten Schadenersazansprüche näher auszusprechen. Der Beklagte Dr. V. hatte den damals 6jährigen Kläger, der mit fogenanntem an geborenem Hochstande des rechten Schulterblattes und Verfrümmung der Wirbelsäule behaftet ist, in seiner orthopädischen Anstalt aufgenommen. Er nahm auch schließlich eine Operation Die Revision hatte bestritten, daß eine widerrechtliche Ver. lehung des Körpers bei dem Kläger vorliege. Das Reichsgericht erklärt jedoch dazu, daß dem Berufungsgericht in dieser Richtung beizustimmen sei. Denn ein besonderes Berufsrecht, vermöge dessen ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit des anderen vhne oder selbst mit dessen Willen erlaubt wäre, stehe grundsäßlich auch dem Arzte nicht zur Seite. Darauf, ob die Operation mit vollem Erfolge gelungen ist, komme es hierbei nicht an. Eine vorsätzliche widerrechtliche Körperverlegung liege vor, wenn der Arzt wisse, daß eine gültige Einwilligung fehle und daß er im Widerspruch gegen den Willen des Patienten oder des sonstigen Einwilligungsberechtigten handle. Ein eventueller Vorfah tönne nach Umständen auch dann angenommen werden, wenn sich der Arzt um das Vorhandensein der Zustimmung überhaupt nicht gefümmert habe. Anders sei der Fall nur dann zu beurteilen, wenn der Arzt in dem guten Glauben handelt, eine wirksame Einwilligung zu besiben, während eine solche in Wahrheit fehlt. Auch hier sei die Handlung des Arztes objektiv widerrechtlich. Ist solchenfalls der Irrtum des Arztes ein entschuldbarer, so fehle es an der subjet tiven Widerrechtlichkeit, an einem die Schadenersaßpflicht be. gründenden Verschulden. Bei entschuldbarem Irrtum bleibe da gegen die Handlungsweise immer eine schuldhafte; der Arzt habe alsdann, obwohl er willentlich den Eingriff vorgenommen habe, den er für erlaubt hielt, in der Richtung der Widerrechtlichkeit fahrlässig gehandelt. Eingegangene Druckschriften. Maria Schlumpf: Der Beibermann. Roman von E. Bahn. Breis 3 M. Kurt Aram: Jugendsünden. Roman. Verlag Egon Fleischel u. Co., Berlin W. Breis 3,50 M. " Gewerbe: und Kaufmannsgericht", Monatsschrift des Verbandes Deutscher Gewerbe- und Kaufmannsgerichte. Herausgeber: Dr. J. Jastrow, v. Schulz, Dr. Flesch. Verlag von Georg Reimer in Berlin. Architekturkonkurrenzen. Heft 7. Verlag E. Wasmuth, Berlin, Markgrafenstr. 35. Protokoll über die Verhandlung der 9. Generalversammlung des Verbandes deutscher Textilarbeiter. 229 Seiten. Berlag K. Hübsch, Berlin, Andreasstr. 61. Glauben oder Wissen? Von G. Clemenceau. 50 ẞf. Soziale Moral von Ch. Fulpius. Ueberfekt von E. Bogtherr. 75 1. 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