Pr. 174. KbonnfmrntS'Bedlnqnnaeii: Älonncmcntä• PreiZ prünumerando> BiettelinttL 330 SKt., monatl. 1.10 Ml, IvöchenUich 28 Bfg. fiel Inf Haut. Einzelne Nummer B Pfg. Eonnlagt- nunimer mit Muirrieriei Sonntag»« Beilage»Die Neue Wein 10 Bla Poll» «bonnemenl: 1,10 Mark»ro Monat, Eingetragen In die Post. Zeitung«. Preitlisle. Unter«reuzband str Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, fttr da« übrige Uutlan» 8 Marl pro Monat. Poswbonnement» nehmen an: Belgien. Dänemark Holland, Italien, Luxemburg. Portugal Rumänien, Schwede» und dt» Schwei«, SS. Jahrs« enchil», OaM i 1 Boatm. Vevlinev VolKsbl�kk. Zentralorgan der rozialdcmohratifcben partei Deutfcblands. Bie fuhfflonj'SfW®» beträgt fit die fechsgespaltene«alonel- »eile oder deren Raum 80 Pfg. für politische und gewerkschaftliche Verein». und Lersammlungt-Anzeigen 80 Pfg. „Kleine Bnzcigcn", da» erste gett« gedruckte) Wort 20 Pfg, jede« weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf» ftellen-ilnz eigen da« erste Wort 10 Pfg, jede« weitere»ort 5 Pfg. Worte»der «Buchstaben zählen für zwei»orte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition »bgrgeben werden. Die Erpedition ijf vi« 7 Uhr abend« geöffnet, Xelegnumn* bldreffe: „SozUMtMkrat Benin''. Redaktion: 8 Cd. 68, Llndcnstraasc 69. Bernsprecher: Amt IT. Nr. 1983. Dienstag, den 28. Juli 1808. Expedition: EM. 68, Lindenstrasae 69. Bernsprecher: Amt IT. Nr. 1984. ZunKer-vipIomatie. Die preußische Junkerlaste besetzt nicht nur die höheren Aemter der preußischen Verwaltung und der Reichsverwaltung, sondern auch die Posten des diplomatischen Dienstes, und aus beiden Gebieten hat sie die gleichen glänzenden Leistungen aufzuweisen. Längst ist die Geschicklichkeit der preußisch- deutschen Diplomatie zum Gespött der ausländischen Politiker geworden. Der deutsche Diplomat gilt als ein Fossil der französisch- diplomatischen Schule des 18. Jahrhunderts, als ein höfischer Routinier, der im kleinlichen Intrigenspiel und in der äußerlichen Repräsentation nach feudalem Zu- schnitt seine Hauptaufgabe sieht, um dessen geistige Qualitäten es aber meist sehr mißlich bestellt ist. Diese offene Miß- achtung der preußischen Diplomatenkunst durch das Ausland tritt so deutlich hervor, daß selbst die konservative Presse. obgleich sich die preußischen Diplomaten zumeist aus dein ostelbischen Adel rekrutieren, von der Leistungsfähigkeit unseres hochbezahlten Diplomatenkorps mit einer gewissen Ver- achtung spricht. Sogar die SpezialVertreterin des preußischen adeligen Krautjunkertums, die„Deutsche Tageszeitung", sieht sich in einem von ihrem Chefredakteur geschriebenen Artikel zu dem Zugeständnis genötigt, daß„zu berechtigter Kritik unserer Diplomatie mancher Anlaß" vorliegt. Doch mit jener naiv-bornierten Selbstzufriedenheit, die auch den Hauptgrund der Unfähigkeit der preußtsch-deutschen Diplo- matte bildet, fügt sie hinzu: „Diplomatie ist immer eine schwere Kunst. Sie ist aber am schwierigsten, wenn man fast überall von Neidern und heimlichen Gegnern umgeben ist und wenn man gleichzeitig vom Jnlande her immerwährenden, zum Teil berechtigten, zum Teil aber auch unberechtigten Angriffen ausgesetzt ist. Das muß man billigerweise im Auge behalten. Die englische Diplomatie mag der unsere» überlege» sein. Diese Ueberlegenheit gründet sich aber vor allen Dingen darauf, daß sie immer, selbst bei rücksichtslosem vorgehen, die Bollsmeinung und die Bolls- stimme hinter sich hat, während bei uns die Angstmeier und die Auslandsanbeter immer in Angst ersterben, daß man irgendwo anecken oder einem guten Vetter und„Auchfreunde" auf die Hühneraugen treten könnte. Aber selbst wenn unsere Diplomatie der des AuslandeB im allgemeinen nicht gewachsen sei» sollte— was wir bei den meisten anderen Staaten bezweifeln möchten—, so kommt es schließlich nicht allein, auch nicht hauptsächlich, auf die Diplomatie an. Das deutsche Voll wird schon dafür sorgen. daß es nicht ins Hintertreffen kommt." Selbst ein junkerlich präpariertes Gemüt vermag also die Unfähigkeit„unserer" Diplomatie nicht mehr zu leugnen. Seit der als feinstes Exemplar der preußischen Diplomaten- zunft geltende Weltmann Bernhard V. Bülow das Reichskanzleramt leitet, hat er zwar die sonst so trockenen stenographischen Berichte des Reichstages mit feuilletonistischen Scherzen und Zitaten aus Büchmann bereichert und den Liberalismus korrumpiert— vom feudalen Standpunkt vielleicht eine ganz nützliche Leistung—. aber auf dem Gebiet der Auslandspolitik hat fem diplomatisches Genie völlig versagt. Die Jahre seiner Reichskanzlerschast sind nichts als eine lange Reihe von Mißerfolgen, so daß heute Deutschland als Flötenbläser im internationalen Konzert nur eine jämmerliche Solopartie spielt. Einen Schlag nach dem anderen hat die englische der deutschen Diplomatie auf dem diplomatischen Schachbrett versetzt. England hat Frankreich zur„ententv cordialo" bewogen, den Gegensatz zwischen Frankreich und Deutschland durch die Marokko-Affäre ver- schärft, sich der Sympathien Italiens versichert und dessen Verhältnis zum Dreibund gelockert, Spanien durch den Mittelmeervcrtrag gebunden, mit Rußland eine Entente an- gesponnen und ein gleichmäßiges Vorgehen Rußlands und Englands aus der Balkanhalbinsel eingeleitet. Welche Erfolge hat demgegenüber die deutsche Diplomatenkunst aufzuweisen? Keine!— falls man nicht vielleicht gar in der völligen politischen Isolierung Deutschlands einen Erfolg sehen will. Rahe hätte es gelegen. die zwischen England und der nordamcrikanischen Union vorhandenen Rivalitäten, be- sonders seit dem Bündnis Englands mit Japan, zum Vorteil Deutschlands auszunutzen; aber statt durch bestimmte reale Zugeständnisse suchte man die Gunst der Amerikaner durch die Hinübersendung von Bildsäulen, durch das Arrangement von Prinzenreisen, durch Professorcnaustausche und allerlei Berufungen aus die einstige Freundschaft alter Hohenzollernfürsten für den nordamerikanischen Freistaat zu gewinnen. Alles Dinge, die drüben, wo man materieller denkt und für kaiserliche oder königliche Ptetätsgefühle und für in Marmor ausgehaucnen dynastischen Ahnenkultus kein Verständnis besitzt, nur Befremden und kaum verhaltenen Spott erregten, zumal die preußische Berufung auf oas Wohlwollen einstiger Hohenzollern. speziell des alten Fritz, mit amerikanischer Geschichtsschreibung.schlecht übereinstimmt. Mag, da die Höflichkeit es verlangt und es nichts kostet, Roosevelt immerhin in seiner Antwort auf das Bildsäulengeschenk anerkennen, der alte Fritz habe stets mit freundlichem Interesse auf die junge amerikanische Republik geschaut, so wissen doch die Amerikaner aus ihren Geschichtsbüchern recht wohl, daß es mit diesem Interesse nicht weit her war. Hat doch Friedrich II. den von Lee, dem Gesandten der amerikanischen Kolonien in Berlin, beantragten Freund- schafts- und Handelsvertrag durch den Minister Schulenburg kurzweg abgelehnt, und als der englische Gesandte für Lee bestimmte Depeschen stehlen ließ, dem amerikanischen Ge- sandten keine Genugtuung zu verschaffen gewußt. So ist die deutsch-amerikanische Freundschaft über einen oberflächlichen Flirt nie hinausgekommen, und seit der merkwürdigen Hill- Affäre ist drüben bei manchen eine arge Verschnupfung ein- getreten. Deutschland befindet sich also in schönster Isolierung. Aber die Junkerpresse weiß einen Ausweg: den Appell an das deutsche Schwert. Das Blut des Volkes so ll Wied er gut ma ch en, was die Unfähigkeit der Junkerdiplomatie verschuldet hat. Ueber- mütig renommiert die„Deutsche Tageszeitung": Und wenn schließlich die Entscheidung aus den Händen der Diplomatie in andere Hände gelegt wird, dann wissen wir, daß diese Hände nach wie vor hart, kräftig und stahlbewehrt sind. In der Diplomatie mögen unS manche über sein; wir wollen uns anstrengen, daß diese Ueberlegenheit beseitigt wird. I« der Führung dessen aber, was nach dem alten Worte die Fehler der Diplomatie gut machen muß, ist uns niemand über; und diesen Vorsprung wollen wir behalten. Immer dieselbe Unverschämtheit, derselbe bornierte selbst- gefällige Dünkel! Wie die Junkersippe, obgleich sie nur noch durch die Zölle, Liebesgaben und die ihr vorbehaltenen Staatsposten existiert, dem Volke seine politischen Rechte versagt, wie sie„patriotisch" alle von der Regierung geforderten Heer» und Marineausgaben bewilligt, die Aufbringung der Steuern aber großmütig der breiten Masse überläßt, so beansprucht sie in ihrer Bescheidenheit auch nur, die Diplomaten zu stellen, die von diesen gemachten Fehler soll das Volk auf dem Schlachtfeld mit seinem Blute tilgen! Und wenn es gegen diese ihm zugemutete Aufgabe protestiert— dann ist es vaterlaudöloS! Das Junkerregiment in der inneren Verwaltung und das völlige Versagen der preußisch-deutschen Diplomatie hängen eng zusammen. Soll die Stellung Deutschlands im Kreise der Mächte eine bessere werden, dann muß das Macht Verhältnis, das zurzeit zwischen den verschiedenen Klassen der Nation besteht, geändert, dann muß die Junker- Herrschaft beseitigt werden. Dafür aber fehlen. seitdem der Freisinn im Putzen der konservativen Reitstiefel seinen eigentlichen liberalen Beruf entdeckt hat. die Aussichten — und so geht eS weiter hinein in den Sumpf! Da; Zentrum für die Aushungerung der Arbeiter. Die anfängliche Opposition der katholischen Arbeiter gegen den Zolltarif hat da» Zentrum damit zu brechen gewußt, daß es be- hauptete, die Landwirte seien gern bereit, bei höheren Getreidezöllen auch höhere Löhne zu bezahlen. ES würde damit, so wurde immer wieder gesagt und geschrieben, auch den Industriearbeitern gedient. Könne der Landwirt mehr, zahlen, so blieben die ländlichen Arbeiter der Landwirtschast erhalten; sie würden nicht in die Industrie- gebiete abwandern, könnten somit auch nicht als industrielle Lohndrücker gebraucht werden. Wir haben diese Ausführungen stets als Schwindel gebrand- markt, und die Geschichte der verflossenen Jahre hat uns mehr wie recht gegeben. Wo sind die hohen Löhne der Landarbeiter, die doch nun längst Wirklichkeit geworden sein müßten? Sie sind aus- gebliebenl Aber mehr noch: Dasselbe Zentrum, das mit solchen Redens- arten die christlichen Arbeiter, auch die ländlichen, köderte. erwies sich bald als der schäbigste Gegner der Landarbeiter. WaS eS durch die Anwendung des gemeinen Rechts nicht erreichen konnte, suchte eS durch einen besonderen Antrag zu verwirklichen. Nicht nur keine höheren Löhne wollte eS, eS forderte, daß Tausende und Abertausende deutsche Arbeiter überhaupt nicht beschäftigt, statt dessen aber Aus- länder. auf niedrigerer Kulturstufe stehende Galizier, Polen, Kroaten, Italiener und sonstige wohlfeile Arbeitskräfte hereingeholt werden sollten. Die deutschen Arbeiter, die eigenen Volksgenossen, teilweise selbst die eigenen Anhänger des Zentrums sollten ge- zwungen werden, den Agrariern mn jeden Preis untertänig zu bleiben. Und diesen empörenden Volksverrat im wahrsten Sinne des Wortes drückte die offizielle Zentrumsparteileitung in ihrer Wahlbroschüre für die Landtagswahl„Das Zentrum und die preußischen LandtagSwahlen 1908" Seite 32 mit folgenden Worten auS: „Die ländliche Leutenot betraf ein Antrag, der bezweckte, die StaatSregierung zu veranlassen. daß bei staatlichen Bauten, besonders bei außerordentlichen Eisen- bahn- und Wasserbauten, einheimische Arbeiter nicht verwendet werden sollen. Der Antrag wurde vom Zentrum lebhaft unterstützt." Merlt eS Euch, christliche Arbeiter, Bauarbeiter, Zimmerer, Schlosser, Klempner, Grundarbeiter! Bei staatlichen Bauten sollt Ihr nach dem Willen de? Zentrums nicht beschäftigt werden. AuS- länder, Lohndrücker. Rechtlose sollen nach dem Willen des Zentrums die Stellen einnehmen. Der deutsche Arbeiter darf sich auch als Pteebekuecht verdinge«, wo er sein SoalltiouSrecht mit der Gesindeordnuug vertauscht; der Ausländer dagegen darf die Staatsbauten aufführen. Dann haben die Unternehmer ebenso recht- lose Heloten wie die Junker! Denn, stellt der ausländische Arbeiter Lohnforderungen, dann jagt ihn die preußische Polizei über die Grenze, und fühlt der aufs Land vertriebene Einheimische Freiheits- gefühle, so weiß der Junker ihn schon mit der Gesindeordnimg kleinzukriegen l In der Eifel, der unbestrittensten Zentrumsdomäne, sind zurzeit einige Bahnbauten in Ausführung begriffen, andere werden dem« nächst in Angriff genommen. Die Einwohner der betreffenden Ge« biete sind froh, daß sich ihnen wenigstens für einige Zeit Arbeit und Verdienst bietet. Ginge es nach dem Willen des Zentrums, nach seinem glücklicherweise nicht Gesetz gewordenen, lebhaft unter st ützten Antrage, so könnten die Eifelbewohner sich den Finger in den Mund stecken, indessen Kroaten, Söhne der Wallachei und andere Ausländer Arbeit hätten. Der preußische Eisen« bahnminister hat sich freilich dazu erniedrigt, den arbeiter- feindlichen konservativen Zentrumswünschen Rechnung zu tragen. Er hat ja den Unternehmern erklärt, daß bereits 25 000 ausländische Arbeiter bei Bahn- und Wasserbauten beschäftigt werden. Die Zahl soll sich in den nächsten Jahren noch erhöhen. Dabei sind un« gezählte deutsche Arbeiter arbeitslos, ohne Einlommen dem Elend überliefert. Deutsche Arbeiter bevölkern zu Tausenden die Landstraße, sind heimatlos im eigenen Lande, die deutschen Gewerkschaften müssen Hunderttausende an Arbeits« losen-. Reise- und Notfallunterstützung bezahlen und der preußische Staat, gestützt auf die Junker und Pfaffen, verurteilt seine eigenen Staatsangehörigen zu Not und Entbehrung! Soll dies auch m der Eifel Tatsache werden? Wo sind dir christlichen Arbeiter- und Gewerkschaftsführer, die Arbeiterabgeordneten und Arbeiterstabträte des Zentrums, die sich gegen diese Aussperrung der deutschen Arbeiter durch die Zentrums- fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses wehren? Wo ist ihre nationale Gesinnung gegenüber diesem antiyationglen ZeytrüBS« streiche?___ Die Honftitutlonelle türke). _ Tie„Neue Freie Presse" veröffentlicht einen Artikel von Ali Haydar Midhat, dem Sohne des Großveziers Midhat Pascha, der die Verfassung von 1876 verfaßt und ein- geführt hat. Es wird darin dargelegt, daß die revolutionäre Tätigkeit durckxms nicht allein auf die europäische Türkei beschränkt war. Das Stück, das heute in Maze- donien und Konstantinopel gespielt werde, sei durch eine jähre- lange anstrengende Propaganda in Kleinasien vorbereitet worden, von deren Vorhandensein man in Europa nichts ge- ahnt habe. Dann fährt der Verfasser fort: „Und doch ist die türkische Revolution im wesentlichen in Asien gemacht worden. Seit zwei Jahren hat eine Reihe von wirklichen Aufständen in Kastamuni,. Trapczunt, Bitlis, Van, Diarbetir, Dersim, Erzerum stattgefunden. Nament- lich letztere Stadt ist als Sammelpunkt einer zahlreichen tür- tischen Bevölkerung gewissermaßen Zentrum und Herd der revo. lutionären Bewegung geworden. Die Akte, in welchen sich die Revolution bollzog, bestanden hauptsächlich in der V e r j a g u n g mißliebiger, unfähiger, auSsaugerischer Gou- verneure, in der Ermordung grausamer Funktionäre und solcher Offiziere, die ihren Kameraden als Spione vom Uildiz-Kiosk verdächtig waren. Solche Spione, die durch Aus- spitzelung und Verrat ihrer Kameraden sich selbst zu gutem Avanccinent verhelfen, bilden bekanntlich einen Krebsschaden des türkischen Offizierskorps. Die gerechte Entrüstung ihrer Käme- raden merzt diese Schädlinge aus dem Heere aus. In Erzerum wurde der Befehlshaber der Garnison von seinen Offizieren auS solchen Gründen ermordet." Es sei nur die unerträgliche Lage in Mazedonien gewesen, die die Bewegung hier vorzeitig zum Ausbruch brachte und zur Erringung der Konstitution führte. Damit seien aber die Jungtürken noch nicht zufrieden. Sie müßten auch die Entfernung der unehrlichen und feilen Vertreter des bisherigen Regimes verlangen. Diese Forderung müsse der neue Großvezier Said Pascha schon deshalb erfüllen, damit em neuer Staatsstreich unmöglich sei. Doch sei heute diese Gefahr vielgeringer als 1876. Denn heute stünde nicht nur eine schwache intellektuelle Elite hinter der Konstitution, sondern der größte Teil des türkischen Volkes. Auch Dr. Ach- medRiza,der Leiter des Pariser jungtürkischen Agitations- komitees„Einheit und Fortschritt", der an der Organisation der revolutionären Bewegung den wichtigsten Anteil gehabt hat, äußert sich in einem Interview, das die„L'Humauitö" veröffentlicht, sehr optimistisch: Die Revolution ist heute nicht mehr zu besiegen, auch wenn Abdul Hamid Hunderte von Offizieren einkerkern sollte. Die Bewegung ist ein Ausbruch elementarer Kräfte und sie ist sogar 4 Monate früher hervorgekrochen, als ihre Organisatoren geplant hatten. Darauf ist zum Teil die passive Haltung von Konstan- tinopel zurückzuführen, die freilich auch mit der glänzenden Polizeiorganisation— der„einzigen ernsthaften Organisation der Türkei überhaupt"— zusammenhängt, die in der Hauptstadt allein ü b e r 30 000 Spitzel in ihren Dienst hat. Ueber die wiederhergestellte Nerfassung Midshat Paschas teilte Achmed Riza folgendes mit: Das Wahlrecht für die Abgeordnetenkammer ist allgemein, je» doch indirekt. Die Mitglieder dcS Senats werden vom Sultan ernannt, doch ist sein Ernennungsrecht beschränkt, da er nur ehemalige hohe Beamte taufen darf und die Patriarchen der drei christlichen Kirchen taufen m u ß. Diese Verfassung ist sicher nicht vollkommen, aber man wird ihre Ver- befferung anstreben. Eine intransigente Haltung würde ma» in der Türkei nicht verstehen. Darum find die Lungtürkey auch berett. di« Zugeständnisse deS Sultans anzunehmen, sofern dieser Bürgschaften für seine Aufrichtigkeit, vor allem die all- gemeine politische Amnestie für die Rcichsange- hörigen aller Nationen, volle Preßfreiheit und die Sicher- heit freier und reiner Wahlen gibt. Der Sozia» lismus und die volle Demokratie, meint der jung- türkische Politiker, seien in der Türkei noch lange nicht durch- führbar. Aber eine wichtige Etappe auf der Bahn deS Fortschritts sei zurückgelegt. Von den Verfassungsbestimmungen bat natürlich die über das W a b l r ech t die größte Bedeutung. Die endgültige Wahlordnung wird erst das türkische Parlament, das a m tt. November zusammentreten soll, festzusetzen haben. Unterdessen gelten folgende Bestimmungen: Das aktive Wahlrecht für das Abgeordneten» Haus besitzt jeder türkische Untertan, der das 21. Lebens- jähr erreicht hat und eine Abgabe, sei sie auch noch so gering, leistet. Auf je 50 000 Einwohnern in festen Ansiedelungen ent» fällt ein Deputierter. Vom aktiven und passiven Wahlrecht aus- ges chlossen sind alle Nomadenvöiker, zum Beispiel die Beduinen, weil sie weder Steuern zahlen noch Soldaten stellen. Das Abgeordnetenhaus wird aus ungefähr 500 Mit- gliedern bestehen; unter ihnen werden alle Volksstämme, so auch Bulgaren, Libanesen, Armenier. Griechen und Juden vertreten sein. Die Wahl ist geheim, aber indirekt. Die türkische Bevölkerung feiert die ueue Aera mi aroßen Kundgebungen. In Konstantinope fanden Sonntags große Straßendemonstrationen Voll. Darüber melden die Depeschen: Aus allen Stadtteilen kamen während des ganzen Nach- Wittags größere und kleinere Gruppen zu Wagen, zu Pferde, auf Fahrrädern oder zu Fuß. Die meisten Teilnehmer ge- hörten den mittleren oder unteren Volksklassen an. Man sah viele JmamS, Offiziere und Mannschaften, sogar Schulkinder, hauptsächlich Mohammedaner, ober auch Christen. Die Gesamtzahl kann auf viele Tausende geschätzt werden. An der Spitze der meisten Gruppen fuhren oder gingen Geist- l i ch e. fortwährend betend und die Bevölkerung anredend. Viele Demonstranten trugen Fahnen oder Tafeln mit den Inschriften: „Padischahim A schock Sascha"(der Sultan lebe viele Jahre), Hoch die Freiheit, Hoch die Konstitution! usw. In der Menge befanden sich auch viele türkische Frauen. Im Jildis angelangt, zogen die Demonstranten bis vor das große Tor, wo es zu neuerlichen Huldigungen für den Sultan kam. Generale überbrachten sodann den Demonstranten den Ausdruck der Befriedigung des Sultan und forderten die Menge auf, in Gruppen abzumarschieren, um den anderen Demonstranten Platz zu machen, welcher Aufforderung ohne Widerrede Folge geleistet wurde. Die Kundgebungen dauerten die ganze Nacht hindurch fort. Unbehindert von der Polizei wurden auf öffentlichen Plätzen Reden gehalten. Amtlich wird angekündigt, daß die Wahlen überall so» fort und rasch vorgenommen werden. Die Bevölkerung wird gebeten, die seit drei Tagen dauernden Kund» gedungen einzustellen. Bereits ist auch die Instand- fetzung und Ausstattung der Parlaments» räumlichkeiten auf Kosten des Sultans an» geordnet worden. Der Großvezier gab den Vertretzern der Mächte die Versicherung, daß die Verfassung vollständig zur Durchführung gelange. Ebenso wie die Zensur für Zeitungen ist auch die für Telegramme aufgehoben. Dadurch nimmt die türkische Presse einen großen Aufschwung. Die Auflagen der Preßorgane sind riesig gestiegen. DaS türkische Publikum reißt sich um die Nummern und zahlt sie mit dem Vierfachen des Preises. Die Wochenblätter Ser- vetifunun und Mekteb wurden in Tageszeitungen umge- wandelt. Mehrere neue Tagesblätter werden angekündigt. —„Sabah" veröffentlicht einen Leitartikel, in dem erklärt wird, man dürfe jetzt nicht seine Nachsucht zu befriedigen suchen, sondern alle möchten arbeiten, um die Zukunft des Landes zu sichern.„Jkdam" veröffentlicht einen Artikel über das Verhältnis des Islam zur Verfassung. Die türkische Presse begrüßt mit Begeisterung die Aushebung der Zensur und der Geheimpolizei. In der„Humanits" erzählt Jean Longet, der Enkel von Marx, eine interessante Erinnerung. Es sind jetzt mehr als 30 Jahre her, daß sichMidhatPascha, vom Sultan vertrieben und verfolgt, nach London flüchtete. Karl Marx, der weder mit Garibaldi noch mit Kosfuth trotz aller Sympathien für ihre Bestrebungen ein Zusammentreffen ge- sucht hatte? hatte die Absicht, mit dem sdharfsinnigen türkischen Reformator eine Unterredung herbeizuführen. Marx, der mit seinem durchdringenden Auge die EntWickelung der internationalen Politik verfolgte, wußte, welch großes Jnter- esse die Regeneration der Türkei für die Sache des Fortschritts und der Freiheit in der ganzen Welt und damit auch für die Sache des internatiooalev Proletariats haben würde. englische und deutsche Rüftnugspolitlk. während die deutschen offiziellen Kreise sich nie genug tun kämen in der Verherrlichung de« kulturfeindlichen Militarismus und dem deutschen Volle mit allen Mitteln die Ansicht aufzwingen wollen, daß der Deutsche nur Existenzberechtigung habe, wenn er seine Militärpflicht leiste, die Steuern für Heer und Flotte reichlich zahle, voll Bewunderung vor dem herrlichen Offizierkorps»sich jeder Kritik enthalte und seine ganze Liebe der herrlichen Institution weih«, die auf Befehl auch auf Vater und Mutter schießen soll, find die zurückgebliebenen. Engländer zum Teil anderer Ansicht. Campbell- Bannerman trieb sein Unverständnis sogar so weit, den Vorschlag auf Einstellung weiterer Rüstungen der Haager Konferenz zu unterbreiten, wofür allerdings die deutschen Regierungsvertreter nur«in Lächeln der Verachtung hatten. Aber auch feine Nachfolger find nicht viel bester. In London tagt jetzt ein Friedenskongreß. Wir haben über diese Versammlungen, aus denen meist d i e Leute«ine große Nolle spielen, die in ihrem Lande den Kampf der Sozialdemokratie für den Frieden und gegen den Militarismus nicht nur nicht unter« Pützen, sondern mit allen Mitteln zu hindern trachten, schon oft unsere Meinung gesagt. ES ist eine Utopie— und gerade die Haager Friedenskonferenzen haben dafür den schlüssigsten Beweis geliefert— die großen Jntereflengegenfätz«, die der Kapitalismus in den nationalen Bourgeoisien fortdauernd erzeugt, die eigentlichen Ursachen moderner Kriege, durch Kongresie au» der Welt schaffen zu wollen und die Beseitigung deS Krieges von Appellen an die bürgerlichen Regierungen zu erwarten. Immerhin ist eS bezeichnend, daß die deutsche Regientng selbst diese harmlos- Friedenspropaganda verabscheut, die in England von der Regierung unterstützt und gefördert wird. Der englische Minister» Präsident und der Schatzkanzler werden den Kongreß nicht nur de- grüßen, fondern auch als aktive Mtglieder in die Verhandlungen eingreifen. Wichttger allerdings ist es. daß d tionen, die nicht ausdrücklich im Tarif festgelegt sind. Mündliche Versicherungen bei den Tarifverhandlungen gelten nicht mehr. Bei Stier werden Aufträge vom Hause Hertzog als„Serie II" be handelt, das heißt, sie müssen zu billigen Preisen angefertigt werden. Die Arbeiter bei Stier klagen auch über schlechte Behandlung.— Bei der Firma Elsbach wird dieselbe Klage gegen den Werkmeister erhoben. Dort hat man eine Teilarbeit auf Gruppenakkord zum Schaden der Arbeiter eingerichtet. Die Firma Leinweber ist bestrebt, die Arbeiter vom Verbände fernzuhalten; dort dominieren die Gelben. Julius Linden- bäum, der gern die Arbeiterkundschaft sucht und sich durch große Anzeigen in den Programmen bei Arbeiterfesten eifrig empfiehlt, hat den Tarif durchbrochen und die Betriebswerkstätte aufgelöst. Verhandlungen wegen der Werkstätten sind auch bei ES der s u. Dyckhoff, Luckauerstraße, und bei Peel u. Cloppenburg im Gange. Differenzen bestehen auch noch beiBenderu. Gutt» mann, Cohn». Gerschlowitz.— Den Berufsgenossen wird dringend geraten, den Arbeitsnachweis des Verbandes bei Bedarf stets in Anspruch zu nehmen und nicht nach Belieben Umschau bei den Firmen zu halten. In der Diskussion wurde über die einzelnen Firmen noch manche Klage laut und auf die Mißstünde in der Heimarbeit hin gewiesen. Die Notwendigkeit einer starken Organisation wurde vielfach betont._• Deutlcbeo Reich. Erfolgreicher Kampf. Die Aussperrung der Etuisarbeiter in Pforzheim ist am Sonn- abend, den 25. Juli, beendet worden. Die Ivproz. Lohnreduktion, welche von den Fabrikanten be- absichtigt wurde, ist zurückgeschlagen. Der Streik bei der Firma Dietz wegen Maßregelung von Verbandsmitgliedern begann am 25. April, die darauf verhängte Aussperrung der Fabrikanten am 2. Mai. Die eigentliche Aussperrung hat somit rund 12 Wochen gedauert; beteiligt waren daran insgesamt 268 Arbeiter und 174 Arbeiterinnen. Von den Streikenden fiel trotz der langen Dauer de? Kampfes fast niemand ab und Streikbrecher fanden sich so gut wie gar keine. Die eigenUiche Ursache des langwierigen Kampfes war, wie bereits angedeutet, die im März angekündigte, von der Arbeiterschaft aber abgelehnte Ivproz. Lohnreduktion. Der Sieg der Arbeiterschaft ist um so höher zu bewerten, als der Angriff der Fabrikanten in einer Zeit tiefstehender Konjunktur erfolgte. Hoffentlich werden die Friedensbedingungen von den Fabri- kanten in loyaler Weife gehandhabt, damit der Friede ein dauernder werde. Die Arbeiterschaft ist selbstverständlich nicht gewillt, sich einmal Errungene» entreißen zu lagen. „Im Anschluß an unser Schreiben von heute teilen wl« Ihnen mit, daß unsere heutige Generalversammlung beschlossen hat, mit Ihnen auf der Grundlage von: keine Lohn ver- Minderung— keine Lohnerhöhung und Wiedereinführung der Akkordarbeit, zu den von� uns ai> gebotenen Sätzen wieder in Verhandlungen zu treten." Das ist der a l t e S t a n d p u n k t der Unternehmer, dem von Arbeitnehmerseite gerade entschieden entgegengetreten wurde. Eine Versammlung der Ausgesperrten beschloß mit allen gegen 6 Stimmen, im Kampfe zu verharren, bis die Unternehmer annehm- bare Bedingungen zugestehen._ Eine neue Gewerkschaftsherberge in Dessau haben�sich die dor- eigen Gewerkschaften errichtet. Die Hcrbergsverhältnisse in Dessau waren bisher die denkbar traurigsten. Viele der reisenden Kollegen und Genossen machten einen weiten Bogen um Dessau, um nicht in der dort bestehenden, unsauberen Gewerkschaftsherberge über- nachten zu müssen, oder sie suchten in der„Herberge zur Heimat" eine Zufluchtsstätte. Das Dessauer Gewerkschaftskartell hat nun durch die tatkräftige finanzielle Unterstützung eines Genossen eine Herberge mit neuen Betten im Hause Ballenstedter Straße 1 ein» gerichtet. Während sich in den oberen Stockwerken des HaujeS die Herberge mit Badeeinrichtung und Wascheinrichtung befndet, sind im ersten Stock außer zwei Sitzungszimmern ein freundliches und geräumiges Fremdenzimmer eingerichtet. Im Souterrain sind Restaurationsräume. Reisenden Kollegen und Genossen sei daher die saubere Herberge in Dessau gufs angelegentlichste empfohlen._ Ausland. Passiver Widerstand. Paris, 26. Juli. Als Erwiderung auf einen Beschluß bei Arbeitgeber wurde in einer heute früh abgehaltenen Versamm- lung von 10000 Erdarbeitern beschlossen, jede teilweise Entlassung von Arbeitern mit einer Verminderung der Leistungen zu beantworten.»Es wurde hinzugefügt, daß der gegenwärtige Zwist erst sein Ende erreichen werde, wenn die Arbeiter eine Lohnrevision durchgesetzt haben würden. Zwischenfälle ereigneten sich nicht. Letzte JVachncbtcn und Depcfcbca Pulver und Blei„für Gesetz und Ordnung"! Bombay, 27. Juli.(W. T. B.) Nachdem die Truppen längere Zeit mit Steinen beworfen waren, feuerten sie auf die Menge und verwundeten drei der Aufständigen, darunter zwei schwer. Der Gouverneur hielt eine Ansprache an eine Versammlung von hervorragenden Bürgern Bombays und er- klärte, die Regierung sei ungehalten darüber, daß sie aus) ihrer Mitte keine Unterstützung erhalte, und forderte sie auf,, furchtlos für Gesetz und Ordnung einzutreten. Die erste Hinterlist. Konstantlnopel, 27. Juli.(Meldung des Wiener Tele» graphen- Korrespondenzbureaus.) Die vom Sultan erlassene Amnestie wurde überall nur als für die Jungtürken gültig publiziert und ausgeführt I Wegen der übrigen politischen Gefangenen, Verbannten und Flüchtlinge herrscht Ungewißheit. Aus Saloniki und anderen mazedonischen Städten wird gemeldet, daß die öffentliche Sicherheit zurzeit nicht bedroht ist._ . Die Cholera greift um sich! Petersburg, 26. Juli(W. T.-B.) Die Gouvernements Astrachan, Saratow, die Wolga von Astra- chan bis Samara, Stadt und Kreis Samara, die Stadt Nikolajewsk und der Kreis Sysran(Gou- vernemmts Simbirsk) sind als von der Cholera be, d r o ht erklärt worden._ Der franzSstsche Zeppelin. Nantes, 27. Juli.(W. T. B.) Nach einem erneuten Aufstieg deS lenkbaren Luftschiffs„Republique" sprach sich die Militär, kommission einstimmig für dessen endgültige Uebernahme aus. Feuer im Guanoschuppen! Altona, 27. Juli.(W. T. B.) Im hiesigen Hafen entstand abends um 6 Uhr im Kaiserschuppen E. in welchem mehrere tausend Sack Guano lagern, eine Feuersbrunst. Gegen 9 Uhr war es der Feuerwehr gelungen, den Brand zu lokalisieren. Die Feuerwehr versucht, einen Teil des Guanos zu bergen, was mit großen Schwierigkeiten verknüpft ist. Der Schaden ist beträchtlich. Schwere Gewitter. Frankfurt a. Vi., 27. Juli.(B. H.) Ueber einzelne Gegenden des Taunus ging gestern ein gewaltiges Unwetter nieder, welches vielfach Schaden angerichtet hat. Durch den Blitz wurde mehrfach Feuer gezündet, auch ist der Verlust eines Menschenleben» zu be. klagen, und zwar des 46jährigen Guriwitsch aus Walderbach, der durch den Blitz erschlagen wurde. Verunglückte Bergsteiger. Innsbruck, 27. Juli.(B. H.) Am„Bettelwurm" ist G. Boch aus Dresden beim Edclweißsuchen abgestürzt. Man fand von dem Unglücklichen nur einige Blutspuren und das Pickel. Boch ist zweifellos tödlich verunglückt. Innsbruck, 27. Juli..(B. H.)i Am Tuxerjoch ist der 24jährige Marcus abgestürzt._ Der geladene Revolver in der Hosentasche! Frankfurt a. M., 27. Juli.(B. H.) In Nicca fand gestern um 8 Uhr der 25jährige Friseur HanS Kohl auS Hermsdorf dadurch den Tod. daß sich ein Revolver, den er in der Hosentasche trug. entlud und ihm eine tödliche Verwundung beibrachte, an der Kohl gestorben ist._ Racheakt? Tarnowitz, 27. Juli(B. H.) Das HauS des Steuerempfän» >;ers Gretzki im benachbarten Friedrichswalde wurde durch eine Dynamitpatrone schwer beschädigt. Die Untersuchung ergab, daß Die Aussperrung der Gipser in Straßburg i. E. Der auf beiden Seiten mit großer Hartnäckigkeit geführte Kampf dauert bereits die 14. Woche, und ein Ende scheint auch jetzt wieder in weite Ferne gerückt zu sein.— Um kein Mittel un- versucht zu lassen, die Unternehmer von der friedlichen, jedoch be- stimmten Absicht, einen günstigen Abschluß herbeizuführen, zu unterrichten, richtete die Streikkommission an die Innung ein Schreiben, in welchem vorgeschlagen wird, Unterhandlungen anzu- bahnen. Darauf ging vom„Verband der vereinigten Gipsermcister von Straßburg und Umgegend" folgende Antwort ein: der Sprengkörper von ruchloser Hand in den war. Auf die Ergreifung der Tater hat der lur gelegt worden egierungstzräsident von Oppeln eine Prämie von 500 Mark ausgesetzt, „Wild-Wcst" in Frankreich. Toulon, 27. Juli.(B. H.) Eine Bande griff gestern abend an einer entlegenen Stelle außerhalb ToulonS einen Straßenbahn- wagen an, zu dem Zwecke, dem Führer die Kasse zu entreißen. Es gelang jedoch dem Wagenlenker, der glücklicherweise bewaffnet war. die Täter durch Revolverschüsse in dje FltzK M zagen. te»i?ei mehrere Angreifer verletzt wurden v Mtl Singer& Co., 23(;rImS_W. H iepzuLBoiloge»«.vkterholtuvgLhl. Hr. 174. 25. 1. KrilM im.Imltlf Knlim Jotetlntt. Dienstag. 28. Juli 1908. Die Keifte der GcwcekfcljaftsbeweflUDg in Rußland. ES ist in der Presse bereits häufig darauf hingewiesen Worden, hast die russische Gewerkschaftsbewegung eine schwere Krisis durch- lebt. Jetzt wird diese Tatsache auch von offizieller Seite ei-nge- standen. Die offizielle Handels- und Jndustriezeitung stellt an der Hand statistischen Materials fest, daß die Gesamtzahl der ge- wertschaftlich organisierten Arbeiter in Rutzlcmd sich im Januar tSOS blast auf 130 000 bezifferte, was im Vergleich mit den An- gaben der„Organisationskommisfion für lüe Einberufung des Gewerkschaftskongresses"*), nach welchem im Januar-Februar 1907 insgesamt 652 Gewerkschaften mit 246 272 Mitglteoein gezählt wurden, einen Rückgang von fast 50 Proz. bedeutet. In einigen Rayons, wie Moskau oder Russisch-Polen(die nebenbei bemerkt am meisten unter dem Terror der Behörden zu leide» hatten) ist die Mitgliedcrzahl der Gewerkschaften sogar um 60 bis 80 Proz. zurückgegangen. Allerdings weist das offizielle Blatt darauf hin. dast im Jahre 1907 320 neue Verbände registriert wurden und dast zu Beginn des Jahres 1908 insgesamt 730 Verbände funktio- nierten. Es sieht sich aber trotzdem zum Bekenntnis gezwungen, dast„sehr viele Verbände, wenn nicht die meisten, in letzter Zeit ein ziemlich elendes Dasein fristeten". Das zitierte Blatt vermeidet es in rührender Bescheidenheit, auf die Ursachen dieser Erscheinung einzugehen. Um so offen- herziger sind in dieser Beziehung die getreuen Hofhunde der russi- schen Regierung, die„Nowoje Wremja" und„Rossija", die unum- wunden eingestehen, dast die Regierung inkonsequent handeln würde, wenn sie die Gewerkschaftsbewegung in ihrer jetzigen Gestalt dulden wollte. Dieses Geständnis der journalistischen Klopffechter der Zarenrcgicrung deckt die wichtigste Ursache der bestehenden Krisis der russischen Gewerkschaftsbewegung auf. Die russische Regierung, die sich noch vor kurzem der Hoffnung hingab, die Politische Bewegung der russischen Arbeiterklasse durch Bcgünsti- gung ihres ökonomischen Kampfes zu untergraben, bekämpft nun mit der gleichen Heftigkeit die politische wie die gewerkschaftliche Bewegung der Arbeiterklasse. Die sozialdemokratische Duma- Interpellation wegen der Verfolgung der Gewerkschaften, die das Martyrium der russischen Gewerkschaftsbewegung eingehend schilderte, hinterliest keinen Zweifel mehr, dast die Gewerkschaften. deren Rechte ohnehin dank dem Vereinsgesetz vom 17. März 1906 ungemein eingeschränkt sind, de facto völlig der Willkür der Admi- nistration ausgeliefert sind. Dast die Gewerkschaftsbewegung, die in kurzer Zeit zur ungeahnten Blüte gelangte, unter diesen Ver- Hältnissen zurückgehen mußte, versteht sich von selbst. Es wird häufig— und nicht nur von offizieller Serte� darauf hingewiesen, dast eine der wichtigstem Ursachen der Krisis der russischen Gewerkschaftsbewegung die Äpath,e der russischen Arbeiterschaft sei. Die Tatsache, dast im Jahre 1907 trotz der ärgsten Verfolgungen die Genehmigung für 320 neue Verbände ein- geholt wurde und dast polizeilich aufgelöste Verbände immer und immer wieder unter einem anderen Namen auferstanden, beweist, dast diese Beschuldigung zum größten Teil grundlos ist. Dank dem Terror der Regierung und der Unternehmer hat in den breiten Schichten der Arbeiterschaft allerdings ein tiefes Misttrauen gegen ■Ine Organisation um sich gegriffen. Allein die vorgeschrittenen Elemqnte der Arbeiterschaft kämpfen noch heute hartnäckig um die Existenz ihrer Organisation, und was sie jetzt an mühseliger, unbemerkbarer Kleinarbeit leisten, wird bei der Wiederbelebung der Bewegung hundertfach Früchte tragen. Muq Induftric und Handel. Die Preisbewegung der gewerblichen Rohstoffe. Die Abwärtsbewegung der Preise auf dem Rohstoffmarkt ist im laufenden Jahre durchaus nicht so allgemein wie es sonst in Zeiten eines Konjunkturrückganges der Fall zu sein pflegt. Nicht allein, daß für eine Reihe von weiterverarbeitenden Industriezweigen die Rohmaterialien sich nicht verbilligt haben, einige Rohstoffe weisen sogar noch einen höheren Preisstand auf als in den Vorjahren. Namentlich aber ist der Preis für Brennstoffe, insbesondere für Kohle so teuer geblieben wie zurzeit des Aufschwungs, ja er hat zum Teil noch eine Erhöhung gegenüber dem Borjahre erfahren. In Berlin z. B. ist oberschlesische Kohle, in Breslau sowohl ober- *)' Siehe Bericht zum Stuttgarter Kongreß, Berlin 1907. kleines feuilleton. Berlins Wanderfalken. Das schöne Bild, das der fliegende Wanderfalk(kalco peregrinus) dem Beobachter im Walde nur selten gewährt, das erblickt um so mehr der Berliner mitten über seinem Häusermeer. Wenn der Wanderfalk im allgemeinen ein nicht zu seltener Vogel genannt werden kann, so wird er durch seine unglaubliche Verbreitung, die über Europa, Asien und Nord- omerika, sowie durch seine Wandcrzüge bis nach Afrika und Indien hin, zu einem weltbekannten Vogel, der seinen Namen mit Recht trägt. In ganz Europa ist es Norddcutschland, wo die meisten Wanderfalken vorkommen und auch brüten. Im Winter haben wir die meisten, im Sommer dagegen die wenigsten Wanderfalken speziell als Berlins Gäste zu verzeichnen; die Winter- lichen als Durchzüglcr vom Norden her, die sommerlichen als ständige Bewohner der nächsten königlichen Forsten mit alten Holz- beständen. Manche Individuen, die genügend Nahrung finden, scheinen dauernd ansässig zu sein. Alle Wanderfalken, die bei uns längeren Aufenthalt nehmen, führt ein gemeinschaftliches Ziel und Bestreben her: es sind unsere Flugtaubcn, die für sie die be- vorzugteste Nahrung bilden. Wenngleich Wanderfalken jegliches Vogclwild schlagen, das sie bewältigen können, so scheinen nicht wenige unter ihnen Spezialisten zu sein, denen Taubenflcisch über alles geht. Da in Berlin ungemein viel Flugtauben gehalten werden, findet der regelmäßige tägliche Besuch verschiedener Wanderfalken leichte Erklärung. Wohnen auch Ringel- und Hohl- tauben in genügender Anzahl in allen Wäldern, sie lassen sich dort schwer fangen, Turteltauben gar nicht. Ein Grund mehr, warum wir Wanderfalken in den Städten jagend antreffen. Wie überall, ist auch in Berlin der Wanderfalk ein„unge- betener" Gast. Wenn er erscheint, belebt er das Berliner Straßen- bild von oben her und lenkt die Blicke auf sich. Nicht vom Hinter- halt, wie ein gewöhnlicher Stratzenräuber, jagt er, sondern frei von oben her, wenn auch ohne Freibrief oder bezahlten Jagdschein. Rette sich, wer kann, heißt es da für die Verfolgten! Wie ein Sturmwind jagt der Falk hinter seinem Opfer her; der Schuß des Taubenhcrrn geht dank der Fluggeschwindigkeit des Falken hundert- mal vorbei. Gleichmäßiger leichter Wind, vielleicht auch völlige Windstille hoch oben, sind die besten Vorbedingungen für die Jagd des Wanderfalken auf Tauben; Stürme, Regen- oder Schnccwetter verleiden sie ihm; Kälte oder Hitze berührt ihn nicht. Wie alle Tauben reine Tagesvögel sind, die nur bei Tage wandern oder der Nahrung nachgehen, so auch ihre Feinde, die Wanderfalken. Sie erscheinen jagdlich zur regelmäßigen Zeit, wenn sie gutes Wetter wittern, einzeln oder gepaart, selbst zu dreien, nur höchst selten zu vieren. Umso anziehender wird die Jagd hier dem Beobachter, wenn sich die Interessen mehrerer Jäger berühren. Untereinander ungleich in Geschick und Kraft, vielleicht noch zu als niederschkesische Kohle'teurer als im Vorjahre; in Saarbrücken ist der Kohlenpreis ebenfalls noch gestiegen und ebenso hat sich in Düsseldorf, einem Absatzgebiet des rheinisch-westfälischen Kohleil« syndikatS, der Preis für einzelne Kohlenforten verteuert. Dadurch. daß gerade Kohle noch teurer ist als im Vorjahre, sind für die meisten gewerblichen Betriebe die Gestehungskosten jeden- falls nicht reduziert worden. In vereinzelten Industriezweigen ist aber auch der Preis der zu verarbeitenden Rohmaterialien noch gestiegen. Zu diesen Gewerben gehört zum Beispiel daS Tabak- g e w e r b e. Die Rohtabakpreise stehen für die meisten Sorten noch über denen des Jahres 1907. Trotzdem sie im Laufe des Jahres etwas hinuntergegangen siild, ist der Vorsprung gegen 1907 teil- weise bedeutend. Nur inländischer Tabak ist billiger als 1907; im Vergleich zu 1907 sind aber anch für inländischen Tabak die Preise noch gestiegen. Zu den Gewerben, die mit teurerem Rohstoff als im Vorjahr zu arbeiten gezwungen sind, gehört auch die S p i r i t u s- Verarbeitung. Spiritus hat sich um nicht weniger als zirka 40 Proz. gegenüber dem Vorjahr verteuert. Für die einzelnen Branchen des Tcxfilgewerbes war die EntWickelung der Rohstoff- preise sehr ungleichmäßig. Die Betriebe, die Hanf ver- arbeiten, mußten mit den gleichen Rohstoffpreisen wie 1907 rechnen, da der Preis für Hanf unverändert auf dem vorjährigen Niveau geblieben ist. Für die Baumwoll«, Woll- und Seidenspinnereien sind die Rohmaterialien billiger ge- worden._ Bankkrach in Solingen. Sämtlichen Arbeitern und Angestellten der von der verkrachten Solinger Bank abhängigen Firma Darmann u. Comp, ist gekündigt worden. Wie weiter mitgeteilt wird, hat bei einer anderen Firma die fällige Löhnung nicht ausgezahlt werden können. Das Exportgeschäft Wilh. von zur Gothen in Solingen, das mit der Solinger Bank in Verbindung stand, hat ebenfalls den Konkurs angemeldet. Die Passiven sollen sich auf ungefähr Ii Million belaufen, die zum größten Teil aus die Solinger Bank entfallen. Folgen der„nationalen" Zölle. Die Handelskammer in Halle beschäftigt sich in ihrem Jahres- bericht mit der Einwirkung der neuen Handelsverträge auf die Exportfähigkeit verschiedener Industrien. Danach haben die mit den Handelsverträgen eingetretenen Zollerhöhungen der Maschinen- industrie den Export u. a. nach Spanien, Oesterreich-Ungarn, Ruß- land, Italien, Rumänien erschwert. Neben den genannten Ländern ist der Farbenfabrikation durch die hohen Zölle der Export auch nach Frankreich zur Unmöglichkeit geworden. Auch auf die Papier- Warenindustrie haben die neuen Handelsverttäge einen schädlichen Einfluß ausgeübt; sie ist gezwungen worden, ihr Exportgeschäft auf Holland und England zu beschränken. Das Auslandsgeschäft der Schälmühlen nach Rußland ist infolge des hohen Zolles bis auf ein Minimum zurückgegangen. Mit Bezug auf die Zuckerindustrie wird in dem Bericht gesagt, die Verteuerung der Lebensmittel und besonders das Abflauen in der Industrie werde ohne allen Zweifel auf den Jnlandsverb'-auch ungünsfig einwirken, zumal gerade Zucker immer noch ein Luxusartikel ist und es bei dem großen Publikum besonders ins Gewicht fällt, ob für das Pfund Streuzucker 24 oder aber nur 19, höchstens 20 Pfg. gefordert werden. Ueber die Krisenfolgrn in der rheinisch-westfälischen Klein- cisenindustrie wird berichtet, daß der Beschäftigungsgrad überall unzureichend sei. Die Händler haben noch ausreichende Lager. Vorräte, so daß sie größere neue Aufträge vermeiden, die unmittel- baven Verbraucher beziehen gleichfalls den notwendigsten Bedarf für sofortig« Verwendung. Diese Erscheinung, die sich besonders stark in den für die Baubranche bestimmten Fabrikaten geltend macht, hat die Lager in den Fabriken in einer Weise wachsen lassen, daß man seit einiger Zeit wohl oder übel zu Einschränkungen übergehen muß; dabei wird oft zu Preisen verkaust, an denen ein Gewinn ausgeschlossen erschcmt. Auch das Auslandsgeschäft liegt hier völlig unbefriedigend. In der Solinger Industrie macht sich in erster Linie der enorme Rückgang des amerikanischen Geschäftes fühlbar; bei einzelnen Fabriken beträgt er bis zu 75 Proz. Wirkungen der Krise. Die großen Fahrradfabriken„Brcnnabor* und„Excclsior" in Brandenburg a. H. haben infolge der Krise mit Ende Juni die Arbeitszeit von zehn auf acht Stunden herab- jung oder zu alt, vermögen einzelne die bewährten Hochflicger nicht mehr zu ergreifen, sondern nur zu streifen, so daß sie vergebens stoßen. Durch wiederholtes Jagen werden die Tauben gewitzigt; ja, man sagt, nicht wenige ihrer Besitzer wünschen den Besuch der Falken, damit sie sich im Ucberfliegen der Falken vervollkommnen können. Hat der kreisende Wanderfalk einen Taubenschwarm und in diesem eine weiße Taube erspäht, die ihm am begehrenswertesten erscheint, so sucht er rasch zum Angriff vorzugehen. Gelingt der erste Stoß, zu dem er die meiste Kraft verbraucht, so ist die Jagd beendet, der Fraß wird an einer ihm bekannten Stätte oder am Horste selbst verbraucht. Gelingt der Stoß nicht, auch nicht, wenn er wiederholt wird, so wird der Falk ermüdet und streicht ab. An dem Stoß bewundern wir eine Leistung des Wanderfalken, die von keinem anderen Vogel, abgesehen vom Baumfalken, einer ver- kleincrtcn Ausgabe unseres Wanderfalken, gemacht werden kann. (Der Baumfalke ergreift selbst die Segler, auch Mauer- oder Turmschwalben genannt, im Fluge.) Die Macht des Stoßes ist so groß, daß wir ihn durch die bewegte Luft auf hundert Fuß Entfernung deutlich vernehmen können. Alle Beobachter, die Wanderfalken auf ihren verschiedensten Jagdzügen beobachtet haben, gestehen, daß diese ohne Erregung und schweigend vor sich gehen. Am besetzten Horst wird der Wander- falk laut und aufgeregt sich verhalten, wenn ihm Gefahr droht, sein Flug auch demgemäß ein solcher sein, der zu solcher Lage paßt. Wird die Erregung ihn bemeistcrn, z. B. gelegentlich der Besteigung seines die Jungen bergenden Horstes, so werden seine Kreise enger, seine Stöße und Abstürze nach unten zu schneller und komplizierter, die Flügelschläge verdoppelt und ihr Geräusch wird unten vernommen. Dazu ein Geschrei, das durch Mark und Bein dringt. Ein Beispiel, dast auch Wanderfalken, sonst die ruhigsten Räuber, zu den unruhigsten werden, wenn die Sorge um die Nach- kommenschaft droht oder wenn es ihnen selbst an den Kragen geht. Der Phonograph als Zeuge. MS in einem Wiener Erbschafts- Prozeß der Kläger kürzlich mit Hilfe eines Phonographen, in welcher die Erblasserin hineingesprochen hatte, den Beweis dafür antreten wollte, daß sie ihm günstig gesinnt gewesen sei, daß sie ihm ein so hohes Vermächtnis hinterlassen habe, hörte man die Meinung aus- sprechen, dies sei der erste Fall eines Versuches der forensischen Verwertung des Phonographen. DieS trifft aber durch- aus nicht zu. In Brüssel hatte vor einiger Zeit ein Rechtsanwalt ein neues Bureau gemietet. Bald stellte sich aber heraus, daß ständig ein derartiger Lärm herrschte, daß der Rechtsanwalt unmöglich arbeiten konnte. Der Rechtsanwalt verklagte seinen Hauswirt auf Entbindung vom Konttakt. Um bei den Richtern einen möglichst lebendige» und nawrgetreuen Eindruck hervorzurufen, war der Rechtsanwalt aus den famosen Gedanken gekommen, einen Phonographen einige Zeit in seiner Wohnung auf- zustellen und durch ihn die unangenehmen Geräusche aufnehmen zu lassen. Als der Apparat vor Gericht in Tätigkeit gesetzt wurde, gesetzt; außerdem wurden, besonders bei..Excclsior", starke Ver- Minderungen des Arbeitspersonals vorgenommen. Auch die Branden- burger Goldleistenfabriken arbeiten nur noch die Hälfte der sonst üblichen Arbeitszeit. Dementsprechend ist auch der Verdienst der Arbeiter gesunken. Auch sollen die bisher gültigen Lohnsätze weiter herabgesetzt werden. Ein wirtschaftlicher Sterbefall. Die mechanische Weberei S. u. D. Bachmann in Sonthafen im Allgäu ist in Konkurs geraten. Der Bettieb wird im Auftrage des Gläubigerausschusses in beschränktem Maße aufrecht erhalten. Die Passiven betragen— nach ungefährer Schätzung— weit über eine Million Mark, denen kaum ein Drittel an Aktiven gegenüberstehen. Den Gläubigern stehen schwere Ver- lustc bevor. In Mitleidenschaft gezogen ist auch eine Spargescll- schaft..Auf der Schnitte", die ihre Spargclder in Höhe von 20 000 Mark ebenfalls der falliten Firma anvertraut hatte. Die Mitglieder dieser Spargesellschaft sind fast durchweg arme Arbeiter der in Konkurs geratenen Firma. Die Spareinlagen sind so gut wie verloren, Soziales. Der Pastor als Arbeitsvcrmittler und Schutzpatron ungültiger Verträge. Die Aufgaben der inneren Mission scheinen vielseitig zu sein. Nicht nur zu guten Christen wollen sie die ihnen Erreichbaren erziehen, sondern auch den Unternehmern die Arbeiter erhalten. Dafür folgender Beweis: Ein Mädchen, das früh Waise geworden, kam auf Veranlassung seines Vormundes in die Erziehungsanstalt in BorSdorf b. Leipzig. Dafür wurden an 800 M. gezahlt. Später kam das Mädchen in das Mädchenheim in Lunzenau, da man dem Vormund gesagt hatte, dort werde es gut erzogen und bekomme auch noch außer Kost und Logis Lohn. Dort kam das Mädchen mit den anderen aus dem Heim als Arbeiterin in die Weberei von W. Vogel, Lunzenau. Ueber sie führte eine Schwester des Heims die Aufsicht. Das noch nicht 21 Jahre alte Mädchen unterschrieb einen Vertrag, der sie auf zwei Jahre ver- pflichtete, im Mädchcnheim zu bleiben und auch in der Weberei zu arbeiten. Eines Tages besuchte das Mädchen Bc- kannte in Chemnitz und faßte den Entschluß, nach Lunzenau nicht zurückzukehren. Das Abreden einer Schwester aus Lunzenau von diesem Entschluß blieb nutzlos. Nun setzte die Tätigkeit der „Inneren Mission" ein. Vom Vorsitzenden der I n n er en M i ssio n, Pastor C�rundmann, erhielt das Mädchen folgenden charakteristischen Brief: Evang.- luth. Verein Leipzig...... für Innere Mission. Liebe Else! Es tut mir sehr leid, daß Du uns durch Dein jetziges Ver- halten nicht nur viel Verdruß machst, sondern vor allem so großen Undank zeigst. Das haben wir wahrlich nicht um Dich verdient. Die lieben Schwestern in Lunzenau haben sich alle Mühe gegeben. Dir weiter zu helfen. Du hättest wahrhaftig die Pflicht, auf ordentliche und ehrliche Weise Dein« Stellung zu lösen und nicht so hinterlistig und betrügerisch dabei zu verfahren. Es ist ja geradezu töricht, wenn Du oder jemand anders meint. Du hättest ein Recht zu solchem Schritt und könntest, ohne daß Dir etwas geschähe, so leichtsinnig Deinen Konttalt brechen. Wenn Dir jemand gesagt hat, der Vertrag habe keine Gültigkeit. so versteht der Bctteftende das nicht. Du bist vollberechtigt. Dir selbst eine Stellung zu suchen und einen Vertrag abzuschließen, ohne daß Du dazu eine besondere Genehmigung seitens der Eltern oder deö Vormundes nötig hast. Wieviel Tausende von Dien st mädchen vermieten sich fortwährend. ohne ihre Eltern zu fragen, und sie dürfen doch nicht beliebig den Dienst verlassen. Wenn Eltern oder Vormund den Vertrag nicht billigen, so müssen sie sofort nach. Abschluß Einspruch erheben. Erfolgt dieser Einspruch nicht, so ist der Verttag unter allen Umständen bindend. Von Deinem Vormund ist damals keinerlei Einspruch erfolgt, er ist mit Deiner Ueber- siedelung nach Lunzenau ganz einverstanden gewesen. Wie kann er jetzt mit einem Male geltend machen, der Vertrag bestände nicht mit Recht? Davon ist gar keine Rede. Ich will auf die Sache selbst gar nicht eingehen. Ich will nur folgendes sagen: waren die Richter von dem Lärm derart entsetzt, daß sie den Be- klagten ohne weitere Belveisaufnahme verurteilten. Eine gleich- arttge Verwendung des Phonographen erfolgte kurz darauf vor dem Pariser Zivilgerichte, wo mehrere Mieter eines großen Hauses im MorciSviertel die Exmission eines KiipferschlägerS verlangten. dessen Gewerbe einen unerträglichen Lärn, mache. Um nun einer Verschleppung der Angelegenheit durch einen Lokal- termin vorziibeiigen, hatten die Kläger einen Phonographen mit- gebracht, welcher die lauten Hammerschläge gewissenhaft wiedergab und in wenigen Sekunden die Richter von der Berechtigung der Klage vollauf überzeugte. In Paris wird der Phonograph neuer- dingS sogar auch benutzt, um sich vor Einbrechern zn sichern. Ein findiger Ingenieur brachte an seiner HauStüre einen Phonographen an, welcher, wenn nachts unbcfitgterweise die Tür geöffnet wird, durch eine Ziehvorrichtung in Tätigkeit gesetzt wird und nun laut ruft:.Zu Hilfe l Diebe I Mörder l" Humor und Satire. — Die Engländer in Teheran. Der englische Ge« sandte zu den persischen Vertretern:„Ich nehme Ihre Entschuld i- gung an. Aber das sage ich Ihnen, wenn Sie wieder Radau machen ivollen, dann tun Sie'S vor der deutschen Gesandtschaft." — Der lenkbare B ü l o w. Von gut informierter Seite wird uns mitgeteilt, daß das neue Zeppeliusche Luftschiff wegen seiner guten Lenkbarkeit den Namen„Vülow" erhält. — Am Starnberger See. Zwischen dem kabnbenutzenden Preußen und dem bayerischen Ruderer entwickelt sich folgendes Ge- spräch:„Fahren Sie mal rascher I"— An Dreck, Du Hanswurst, Du damischer!"—«Na, erlooben Se mal, Sie Lümmel I"—„Ja. so! I Hab' gmoant, Oes(Ihr) versteht's ins(uns) net ohne Dolmetscher."_(.SimplicissimuS".) Notizen. — Aus der Kunst Welt. Die Beerdigung L e i st i k o w» findet Mittwoch, 3'/3 Uhr nachmittags, vom Heim der Sezession am Kurfürstendamm aus statt. Die Ausstellung bleibt am Dienstag und Mittwoch wegen der Beisetzungsfeierlichkeitcn geschlossen. -�Sven HedinS große Entdeckung, die in einem Brief an die Firnia Brockhaus angedeutet wurde, besteht, wie die „Voss. Ztg." einem in Schweden veröffentlichten Briefe HedinS eitt- nimmt, in einer gewaltigen, vorher fast ganz unbekannten GebirgS- kette, die dreihundert Meilen lang ist. Sie liegt im westlichen un» erforschten Tibet und erstreckt sich in nord-sudlichcr Richtung mit Verzlveigungen nach den Seiten zu. Die Mittelpaßhöhe ist etwa« höher wie die des Himalayas. Mehrere Partien sind mit ewigem Schnee bedeckt, doch enthält die Gebirgskette keine so hohen Gipfel wie der Himalaya. Da diese ungeheuer ausgedehnte, 19 000 Fuß hohe GebirgSmasie bei den Eingeborenen leinen Namen hat, wurde sie von Dr. Hedin Vach den höchsten Teilen Nin-tschen-tasg-ila benannt. Ich rufe Dir hierdurch aufs ernstlichste, sofort nach Lunzenau zurückzukehren und Deinen Posten wieder einzunehmen. Willst Du die Zeit nicht abwarten, so mußt Du sehen, auf gütlichem Wege frei zu werden. Dabei will ich Dich gern unterstützen, wie ich daS schon mancher anderen getan habe. Auf keinen Fall aber darf dieses leichtsinnige und hinter- listige Brechen des Vertrages geduldet werden. Was gibst Du damit auch für«in schlechtes Beispiel für andere! Du mußt doch selbst sagen, alle Ordnung würde auf- hören, wenn wir das dulden wollten. Wenn Du nicht späte st enS Sonntag zurückkehrst und Aiontag wieder antritt st, so muß ich Herrn Geheimrat Vogel und Herrn Amtshauptmann bitten, daß sie wegen Vertragsbruchs Anzeige er st alten Natürlich weiß ich, es wird Dir der Kopf nicht heruntergerissen, aber ich weiß auch ganz bestimmt, daß Du der- urteilt werden wir st. Das ist auch in anderen Fällen geschehen. Wenn Dir jemand anders sagt, der rät nicht zum Guten, sondern zum Schlechten. Du brauchst nur einen Arbeiter zu fragen, ob das erlaubt ist, so willkürlich aus der Arbeit zu laufen, jeder wird Dir sagen, das iv i r d gesetzlich bestraft. Uebcrlcge Dir also die Sache. Du hast bei Alma Pester denselben Fall gesehen, sie hat wieder zurückgemußt. Wir wollen die Fälle nicht sich wiederbolen lassen. Ich werde in diesem Falle darauf dringen, daß Strastantrag gestellt wird, wenn Du nicht in ordentlicher Weise Deine Verbindlichkeiten lösest. Die Folgen hast Du Dir selbst zuzuschreiben. Ich bin ganz erstaunt, woher Du auf einem Male solchen verkehrten Sinn bekommen hast. Du bist doch sonst verständig gewesen und hast Dich unserem Einflüsse nicht entzogen. Wir haben Dir doch wahrlich nichts getan, daß Du uns so undankbar behandelst. Gerade Du hast Ursache genug nicht zu vergessen, wieviel Gutes Du von uns erfahren hast. Tue Deine Pflicht, das erspart Dir weitere Unannehmlichkeiten. Ich habe st renge Anweisung gegeben, daß kein Stück von Deinen Sachen Dir nachgeschickt wird. Für uns liegt keinerlei Verpflichtung vor. Hole Deine Sachen selbst ab! Wir lassen auch niemand Fremdes an sie heran, weil uns sonst der Vorwurf treffen könnte, es fehlt etwa?. Du hast Dich selbst, wenn Dir etwas an den Sachen liegt, einzustellen, sie zurecht zu machen und zu verpacken. Die Schwestern rühren kein Glied an. So machst Du Dir lauter Unannehmlichkeiten und uns viel Aerger. Das ist sehr häßlich von Dir. Mit Gruß! Dein G. Grundmann. Eine eigenartige, schiefe Auffassung von den Rechten der Eltern, der„Heiligkeit der Familie" und von dem für Minderjährige erforderlichen Schutz sowie ein« tiefe Gesetzesunkenntnis verrät dieser Brief. Ein Vertrag, den ein> Minderjähriger ohne Ein- willigung und Genehmigung seiner Eltern oder seines Vormundes schließt, ist ungültig. DaS schreibt das Gesetz im Interesse des Minderjährigen vor. Selbst wenn der Vormund die Ein- willigung zu dem Vertrag erteilt, bedarf der Vertrag zu seiner Gültigkeit der Genehmigung des Vormundschafts g e r i ch t s, wenn der Mündel auf länger als ein Jahr verpflichtet sein soll. Diese in§ 1822 B. G. B. ausdrücklich aufgenommene Vorschrift ist zum Besten und Schutz des Mündels gegeben. Und da kommt ein Pastor, erzählt dem Mündel, der unter gröblichster Mißachtung der gegen Ausbeutung der Minderjährigen geschlossene ungültige Bertrag sei gültig, ja die Arbeiterin mache sich strafbar, wenn sie den Vertrag nicht halte! Würde der Pastor als Vormund solchen Brief geschrieben haben, so müßte er wegen grober Pflicht- Verletzung abgesetzt werden. Der Pastor spricht von guten Werken. die er oder die Mission dem Kinde angetan haben und für die das Kind dankbar sein soll. Welches sind die guten Werke? Etwa die Berechnung einer für die Verhältnisse einer Arbeiterin enorm hohen Pension oder ihre Verwendung als billige Arbeits- kraft? Der/ Inhalt deS Briefes mag durch die engen Beziehungen erklärlich erscheinen, in denen die Jnneve Mission zu dem Unter- nehmer steht. Schrieb dieser doch an daS Arbeitersekretariat, das sich der Sache des Mädchens angenommen hatte, folgenden Brief: Wilhelm Vogel, Weberei. Lunzenau(Mulde) i. Sa., d. 23. März 1908. � Arbeitersekretariat Chemnitz, Chemnitz-Kappel, Zwickauer Straße 152, l. Auf die Mitteilung vom 25, d. M., die Arbeiterin.... betr., erwidere ich, daß mir das Mädchen vom Landesverein für innere Mission durch das hiesige Mädchenheim a l s Arbeiterin zugewiesen worden ist, und nur mit dieser Stelle habe ich eS in solchen Fällen zu tun. Ich habe denn auch bereits die betr. Papiere an das hiesige Mädchenheim abgegeben und ist der..... anzuraten, sich dahin zu wenden. Hochachtend! (folgt Unterschrift). Der Arbeitersekretär Mßte nach Lunzenau, um die Sachen und Papiere des Mädchens aus dem Mädchenheim zu holen. Die Herausgabe der Papiere verweigerte die Oberschwester: Sie könne nicht anders handeln, als die Vorgesetzten bestimmt haben. Erst der Hinweis auf die sträflichen Folgen veranlaßte sie. die Jnvalidenkarte herauszugeben. Das Arbeitsbuch und das Guthaben des Mädchens wurde vom Mädchenheim an daS-- Polizeiamt in Chemnitz gesandt. Ter Arbeitsnachweis— eine Goldquelle fü» Agrarier. Die Landwirtschaftskammer der Provinz �.unover hat seiner- zeit einen Arbeitsnachv/is eingerichtet, der im letzten Jahre u. a 911 Dienstboten und 3003 Wanderarbeiter vermittelte, welche bei- nahe sämtlich in kleineren und mittleren Betrieben Arbeit erhalten haben. Trotzdem nun die Verwaltungskosten des Arbeitsnachweises ganz enorme waren, 22 127,55 M.. konnte an die Land- wirtschastskammer ein Ueberschutz in Höhe von 7555,41 M. abgeführt werden. Die agrarische Geschäftstätigkeit versteht eS, aus jeder Blüte Honig zu saugen.— Der Konsumverein»u Kassel im eigenen Heim. Am Montag fand in Kassel die feierliche Einweihung der eigenen Verwaltungs- und BetriebSgcbäude, sowie der Tampfbäckerei des Konsum- und SparvereinH für Kassel und Umgegend staU. Die Stadtverwaltung ließ sich bei dem Akte durch einen Stadtrat vertreten. Außerdem war eine stattliche Anzahl sozialdemokratischer und bürgerlicher Stadtverordneter zugegen, ebenso zwei Vertreter der Gewerbeinspektion. Die auf dös modernste eingerichteten, in allen Teilen den Anforderungen der Hygiene entsprechenden Anlagen repräsentieren einen Gesamtwert von rund einer halben Million Mark. Die Hälft« dieser für ein Arbeiterunter- nehmen erheblichen Summe konnte die Genossenschaft aus eigenen Mitteln aufbringen, trotzdem sie erst im achten Geschäftsjahr steht. Gewiß ein Beweis für die sichere Fundierung de? Konsumvereins, der im Jahre 1901 von 27 Genossen gegründet wurde, heute aber mehr als 5000 Mitglieder zählt, der 1901 einen Umsatz von nur 17 000 M. aufwies, 1907 aber einen solchen von mehr glS einer Million Mark._ Hua der frauenbewegirng. Eine Konferenz der sozialdemokratischen Frauen des 7. schlcS- wlg-holsteinifchen ReichStagswahlkreiseS, welche am 20. Juli in Kiel tagte, beschloß den Uebertritt zur Parteiorganisation. Als Beitrag wurde ein MonatSbeitrag von 10 Pfg. festgesetzt. Die «Gleichheit" foll in bisheriger Weife weiter Vertriebes werden. Die endgültige Entscheidung hat die am 10. August stattfindende Generalversammlung des Zentralvereins für diesen Wahlkreis zu treffen. Der Parteitag und die Frauenkonferenz in Nürnberg sollen durch eine Delegiertin beschickt werden. Nach dem Bericht der Vertrauenspcrson wird die„Gleichheit" im Kieler Wahlkreise in 1383 Exemplaren abonniert. Als Vertrauenspcrson wurde die Genossin Niendorf wiedergewählt. Ein Verein der.Herrschaften". Ein Verein, der zweifellos endlich mal gegründet werden mußte, ist jetzt inS Leben gerufen worden. ES handelt sich, wie man in der Bonner.Deutschen Reichszeitung" lesen kann, um die.Vereinigung sämtlicher Herr- schaften des Rheinlands" zum Zweck der.Stellungnahme zur Dienstbotenfrage". Wie man das zu verstehen hat, wird nicht ver« raten. Man wird also abzuwarten haben, ob die neue Bereinigung durch Propaganda für bessere Bezahlung und menschenwürdige Be- Handlung des Hauspersonals die Dienstbotcnfrage losen, oder ob man in der alten Art weilerwursteln will. „The Socialist Woman", das Organ der Genossinnen in den Vereinigten Staaten, macht Fortschritte. Mit dem kommenden Monar wird die Seitenzahl von 12 auf 10 vermehrt und gleichzeitig ivird das Format der Zeitung vergrößert.„The Socialist Woman" („Die sozialistische Frau") erscheint feil 14 Monaten und erfreut sich einer steigenden Verbreitung und Anerkennung. Sie vertritt die Stelle der.Gleichheit", die übrigens unter deutsch-amerikanischen Genossinnen in den Vereinigten Staaten ebenfalls weit verbreitet ist. Gegen das Franenstimmrccht. In London hat sich aus den Danien der„Gesellschaft" eine Anti-Frauenstimmrechtsliga etabliert. Eine Gräsin Jersey präsi- vierte. In einer Sitzung des exklusiven Klubs verurteilte die Schriftstellerin Frau Humphrh Ward die Agitation der Frauen- recktlerinnen. Die Einführung des Frauenstimmrechts würde ein — nationales Unglück sein. Die Damen dürfen bei den preußischen Junkern und den Jndustriefeudalen unbeschränkten Lobes sicher sein. Versammlungen— Veranstaltungen. Köpenick. Mittwoch, den 29. Juli, SVa Uhr, bei Joch, Grünauer Straße 8: Vortrag der Genossin Berta Lungwitz:„Das Reichsvereinsgesetz und die Frauen". Versammlungen. Die Putzer, im Zentralverband der Maurer organisiert, hatten am letzten Mittwoch in den Arminhallen eine Versammlung ver- anstaltet, in der einige Fragen zur Entscheidung kamen, die m den BezirkSsitzungen schon Gegenstand eifriger Beratungen waren. Es bandelte sich um die Verschmelzung der Lokalkassen im Gesamtzweigverein mit der Zweigvereinskasse und ferner um die Verlegung des Verbandsbureaus nach dem Gewerkschastshause. Im Interesse eines einheitlichen Zu- sammenarbcitens im Verband trat die SektionSleitung für diese Veränderungen ein. Es machte sich aber viel Opposition geltend und beide Vorschläge wurden abgelehnt; der erste gegen sechs Stimmen, die für eine Verschmelzung eintraten, der letzte mit einer großen Majorität, die nichts von einer Verlegung des Bureaus wissen wollte. Die Versammlung nahm die Abrechnung vom 2. Quartal 1908 entgegen. Die Hauptkasse bilanziert mit der Summe von 11 951,17 M. Unter den Ausgaben stehen 3408,20 M. für Kranken- Unterstützung verzeichnet. Die Lokglkasse zeigt eine Einnahme von 83 837,23 M.(darunter den Bestand vom letzten Quartal in Höhe von 79 444,85 M.). Die Ausgaben betragen 3891,95 M. Mithin bleibt ein Bestand von 79 945,28 M. Aus der Lokalkasse wurden noch 749,50 M. Zuschlag für die Krankenunterstützung gezahlt. Dem Kassierer Lehnig wurde Decharge erteilt.— Die Mitgliederzahl beträgt etwa 2000. F. L e m m e und P. SchimanSki erhielten Mandate als Delegierte zum Verbandstag.— Der Vorstand macht auf die heute, am 23. Juli, stattfindende Bautenkontrolle aufmerksam, die der Unterstützung durch die Berufsgenossen bedarf. wenn sie wirkungsvoll durchgeführt werden soll. Verband der Fabrik-, Land« und Hilfsarbeiter. In der am Sonntag abgehaltenen Generalversammlung der Verwaltung Berlin erstattete der Bevollmächtigte Bruns den Vorstandsbericht über das zweite. Quartal. Der Redner berichtet« über eine Anzahl von Lohnbewegungen in einzelnen Betrieben, die größtenteils ein befriedigendes Ergebnis hatten. Weiter erwähnte der Redner eine Konferenz mit dem Transportarbeiterverband hinsichtlich der Grenzstcitigkeiten, die aber nicht den gewünschten Erfolg hatte. Ueber die Frage, ob die Generalversammlungen künftig durch Dcle- tierte zu beschicken sind, hat eine Urabstimmung stattgefunden, iieselbe hat sich mit 1818 gegen 1133 Stimmen für die Ein- führung des Delegiertenshstems entschieden.— Die vorliegende Quartalsabrechnung zeigt für die Hauptlasse in Einnahm« und Ausgabe die Summe von 27 411,95 M., für die Lokalkasse 31027,82 Mark. An Unterstützungen wurden ausgegeben: An Reisende 154 M., an Arbeitslose 2855 M., an Kranke 4888 M., an Gemäß- regelte 1118 M., an Streikende 9000 M., für Rechtsschutz 83 M., Umzugsgeld 257 M., Sterbegeld 443 M. Außer diesen auf die Hauptkasse fallenden Beträge hat die Lokalkasse noch 1089 M. für Streikunterstützung verwandt.— Die Zahl der Mitglieder betrug am Schluß des ersten Quartals 0321, am Schluß deS zweiten Quartals 0007, darunter 283 weibliche. Nach Schluß der Diskussion über den Vorstandsbericht wurde ein Antrag zur Debatte gestellt, welcher die versuchsweise An- stellung von zwei Hauskassierern fordert. Der Antrag wurde gegen wenige Stimmen angenommen. Für die Bewerbung zu den beiden Hauskasssiererstellen soll eine Ausschreibung vorgenommen werden. Der letzte Punkt der Tagesordnung: Bericht über den Gewerk- schaftskongreß, wurde wegen der vorgerückten Zeit abgesetzt. Kaufmiiniiische Kranken- und Tterbekasse von 1885(T. H. 71.) Heute abend 9 Uhr bei Landre. Stralauerstr. 36/37. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Direktton über den Großhandel in den Zcntral-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zusuhr stark, Geichäst schleppend, Preis« sür Rind- und Schweineflelsch nach. gebend, sür Hammelfleisch anziehend. Wild: Zusuhr genügend, Geschäst ziemlich lebhast, Preise gut. Geflügel: Zusuhr genügend, Geschäst etwas lebhaster, Preise wenig verändert. Fische: Zufuhr mäßig. Geschäst ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Ob st und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäst schleppend, Preise gedrückt. Lriefkaften der Redaktton. ite siiristtl»« Sprechstunde flnbet Liodenftratze Nr. 3, zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppen, OV Fahrstuhl"VC wochentäglich adend» von?>/, dt»»>/, Ilhr statt. Geöstnet 7 Uhr Sonnabends deginn« die Svrechftnnde um 3 Uhr. Jede» glnfrag- ist«in Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beiznfügeu. vrieiliche Antwort Wird nicht erteilt. Eilige Fragen»rage man in der Sprechstunde vor. L. B. Der Antrag aus Zurückgabe der svrtgenommenen Sachen ist an die SlaatSanwaltschast zu richten.— M. 77. Die Frau muß bei Leistung deS OssenbarungseidcS alles angeben, was ihr Eigentum ist.— R. H. 7. Wiederholen Sie die Aniragen.— 105. Grundsätzlich lehnen wir es ab, bestimmte Firmen namhast zu machen. Sie finden die Adressen derselben im zweiten Teil des Adreßkalender».— F. K. 1879. Gegen die Herab. setzung oder Aushebung der Rente müssen Sie Berufung beim Schieds- gericht sür Arbeiterverstcherung einlegen. Wenden Sie sich an daS Arbestersekrelariat, Engel-User 15, mit«wem Gesuch um Beistand.— B. 20. Ihre Rutter soll bei dem Magistrat. Abteilung für Invaliden- Versicherung(Köllwscher Park), de» Antrag aus Zahlung der Invalidenrente stellen.— K. G. 222. Beantragen Sie unter Darlegung der VerwandtschastSverhälwiffe de« Vormunde» mit dem Vater de» Kinde» einen anderen Vormund zu bestellen und serner den Vormund zur Ein- llagung und Beitreibung der Alimentensorderung anzuhasten.— V. 1. Ja. — G. K. 21. Wenn mwdestens 200 Marlen geklebt waren, so hat die Mutter und haben die eheMen Sind« unter fuuszehn Jahren einen An- spruch aus Zahlung der Hälfte der geklebten Marken, falls dem Verstorbene» eine Rente noch nicht bewilligt war.— M. K. 08. Die Irrtümer müssen Sie durch einen nachträglichen Schristsatz berichtigen.— K. S., Rixdorf. Die Eltern sind nur dann zum Schadensersatz verpflichtet, wenn an- genommen wird, der Schaden wäre bei gehöriger Ausübung der Aussicht»« Pflicht nicht entstanden.- R. St. 90. 1. Ja. 2. Die Altmentensordernng geht vor.— Th. 50. Sie können aus Rückzahlung der 3 M. beim Amtsgericht klagen.— K. 99. Nein; sordern Sie den Wirt auf, mnerhalb einer angemessenen, von Ihnen zu setzenden Frist den Mißstand zu beiettigen, drohen ihm an, nach Ablauf der Frist würden Sie ans seine Kosten die Reparatur vornehmen lassen, sühren Sie die Drohung dann aus und klagen die Kosten ein.— H. 49. Nach dem Vertrage würden Sic tausend Mark und den Betrag sür die Waren zu zahlen haben.— Z. 1. Keineswegs.— A. K. 57. 1. An Stelle der Kosten tritt keineswegs Frethettsstrase und dergleichen. 2. Lädung zum OssenbarungSeid. 3. Die Annoncen« kosten gehören zu den Ihnen auserlegten Kosten.— M. K. Nein. ESitternngSiiberstcht vom 27. Juli 1908. morgenS 8 tthr. Stationen — � £ s O Ö x,§ Ii Haparanda 1 770 Still Petersburg 770 ONO Scillh!767 IW Aberdee» j 765 SSW Part» 1767 N — wölken! 1 heiler 3 wolkig I halb bd. Lwotkenl ! «ill wS> 21 20 18 14 17 Wetterprognose für Tienstag, de» 28. Juli 1908. Vorwiegend heiter, trocken und warm bei schwache» nordöstlichen Wwden. Berliner Wetterbureau. Wasserstandö-Nachrichtc« der Landesatiftalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.— Unlerpegel. Die Weichsel hat gestern bei Chwalowice den höchsten dort belannten Wasserstand(551 Zentimeter) erreicht, wobei sie anscheinend noch im Steigen war. An der preußischen Weichsel werden die meisten Außendeichländereien über- schwemmt. Die LandcSanstall erwartet das Eintreten deS höchsten Wasserstandes bei Thorn von rund 4 Meter vorläufig am 30. Jult.— Die Oder hatte bei Ratibor gestern ihren höchsten Stand: 600 Zentimeter zwischen 4 Uhr nacht» und 9 Uhr vormittag». Bis heute srüh war sie aus 523 Zentimcler gcsallen und s ä l l t noch weiter. ZlmäMeiiioMclier Wablverein kür den 6. Berl. Reichstags-Mira. Todea-Anzcige. Am 22. Juli verstarb unser Mt- glied, der Dachdecker -Jolisim Kohrin Birkenftraße 23. Ehre feinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 29. Juli, nachmittag» 6 Uhr, von der Leichenhalle de» neuen Johannes-Kirchhoses au» statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Ter Vorstand. von der Reise zurückgekehrt. Dr. med. Böhm, Spezialarzt für Vasserheilversahren, KW.. Charlottcnstr. 14.[146,2 t Deutscher Holzarbeiter-Verband Todea-Ancelgc. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Lodert preuker am 25. Juli verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigimg findet am I Dienstag, den 28. Jult, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle I de» Urbankrankenhause» au» statt.| Die Ortsverwaltung. Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie den Mitarbeitern der Gießerei der Firma Karl Hau« schild sagen wir unseren tiesgesühlten Dank sür die vielen Kranzspenden und rege Beteiligung bei dem Begräbnis meiner lieben Frau und guten Mutter. 731b �UKlISt Stiller nebst Sohn. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unserer lieben Mutter, Witwe Itni-ollnv Vogt sagen wir allen unseren herz- lichsten Dank. 775b Tie trauernde» Hinterbliebenen. SpeziaI'Ai?t für Haut- und Harnleiden. Priuzenslr. 41, 10—2, 5—7. Sonntags 10—12. 2— 4. Kluiiltn- und tuanMiidkM nun Roberl Meyer,. nnt Mlimmieil-Straße 2. ygienische Bedarfsartikel, Gummiwaren, 1000s AnerV. V. Prof. u. Aerzt. empf., bill. Apoth. S. Schweitzers Fab. hyg. Präp., Berlin 0., Holz- maiktetr. 69-70, Preist. gratis. GS empfiehlt sich bei cwtretcndem Trauersall möglichst sofort l¥eatml»i»i»G Craucrmagazin Hauptgeschäst: Berlin W., MohrenstraSe 37a, an den Kolonnade». 2. Haus von derJerüsalemerstraße, und N0., Gr. Frankfurterstr. 115, 2. Hau» von der Andreasslraße, zwecks Auswahl d. Passenden Trauergarderobe auszusuch. Um dem Publikum einen ho- aonderen Vorteil zu bieten, gewähre ich auf diese Auzeige hin bei Kauf* 10•/„ Itabatt in bor I Eine Arbeiter-Produktiv- Genossenschaft sucht eine Hyputhek null 6000 Mark auf ein neuerbautcs Grundstück an zweiter Stelle, weit unter der Braudkasse. Die Hypothek ist mündclsichcr. 668b» Geneigte Offerten unter O. 1 an die Expedition des.Vorwärts" erbeten. Aeltestes Teilzahl.-Gefchüft m Brennabor-Räder! Kein Laden! Günstigste Bedingungen. Berlin ISO., Louis Barth, BriickeDstr.lüa,pl DaS Todesurteil verhängt über jede Wanze Helcbers verstärktes Wanzcnfluid. Mioherstes Spezial mittel der Welt. Vernichtet die Brut total und schützt dauernd gegen jede Wiederlehr. Fl. 5« Pf.. 1.-,, 3,—, Literfl. 5,—. Sprüh apparate v. 50 Ps. an. Echt u. garantiert wirksam nur in Orlgl- nulil. m. Marie Tod n. Teufel in den Drogerien u. bei Otto Iteichel, Berlin SO., Eiienbabn- Nraße 4. F.-A. I V, 4751, 4752,4753. tf-Pfau, letzt: DlrcksenstraOe 20 zwischen Bahnhof Alcxandcrplatz und Polizeipräsidium.— Amt VII, 13799. Für Garnen weibliche Bedienung.» Liescrant sür alle Krankenkassen. Gänse, Enten gar. leb. Ank., 6 Man. alt, vollkommen ausgewachsen, vollsedrig, fleischig, schlachtreif. 10 St. ca. 8 Psd. schwere GSnse 30'Ml.; 18 schwere Enten 27 M. Streisand, Oziedilz, Schluiu 45. Für den Inhalt der Inserate kdernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. UKeater. Dienstag, den 28. Juli. Keues kgl. Operntheater. Tann> Häuser.(Ansang 7 Uhr.) Anfang 8 Uhr. Deutsches. Die Breillgräfi». vieues. Der Zerrissene. Neues Schauspielhaus. Die Dollarprinzessin. Kleines. 2X2-5. kinstipielhaus. Die blaue Maus. Westen. Ein Walzertraum. Sehl Ii er O.«A, alliier- Theater.) Der Troubadour. Friedrich> Wilhclmktüdt. Schau spielhaus. Die Diebin. Dhalia. Der Mann mü dem Mo nocle. Bernhard Rose. DaS Geheimnis von New Bork. Mcrropol. Das mutz man seh'n. Apollo. London Suburbia. Epe- ztalitälen. Passage. Berlin in Stimmung. Spezialitäten. Berliner Prater. Die Welt ein Paradies. Ansang 7 Uhr. Carl Havcrland. Spezialitäten. Reichsballen. Wintcr-Thymtau. Walhalla,«pezialiläten. ttrunia. T»»i>e»iir»tze 4H'i9. Abends 8 Uhr: Die Glescher der Hochgebirge und die EiZzeit unserer Heimat. Sternmarte. Jiivalidcnitr. 67/82. Schiller-Tkaier 0. sWallner-Theater.) Morwih-Oper. Dienstag, abends 8 Uhri Gastspiel Hvlni-icti ItOtcl. t>er Tronbadour. Große Oper in 4 Alten v. G. Verdi. Mittwoch, abends 8 Uhr: Zum 10. Male: Kiinl� für einen Tag. (Si j'stais roi.) Donnerstag, oben dS8Uhr: l>le Atrikancrln. Klemes Theater. Dienstag, den 28. Juli ct., Ansang 8 Uhr: 2 mal 2= 5, Mittwoch: 3 mal 3= 5. Donnerstag; 3 mal 3= 6. Freitag: 3 mal 3= 6._ Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Ein Walzcrtranm. Operette von Oslar Strauß. fsieitsicti-WilllölnistzlltislZtigs «Uhr. ScIttUSpiLlte. ö Uhr. Sommerspielzeit. Leitung v. G. Piltz. Dienstag, den 38. Juli: vis viebin. a»»ti Kletchna.) Scnsationsschauspiel in 4 Alten von C. M. S. Mc. Lcllan. Mittwoch: Die Diebin._ Lustspieihaus. Abends 8 Uhr: Die blaue Maus. Metropol-Theater Zum 313. Male: Revue in 12 BUdern m. Ges. und Tanz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. - Letzte Woche! Abends 8 Ehr: Das pße ittraktions-PrajpH lO Ehr: £ondon Suburbia. Große englische BurleSl-Pantomime aue geführt von Bert Bcrnards Kompagnie. Nusterdem: vi««iiLen Eirisotton. Ab T'/i Uhr: Garten-Konzert. sWWMMM iflr. Frankfurter Str. 132. Das Geheimnis*. New York Ans. 8 Uhr. Sommerpreise. Aus der Gartenbühne: TdoatamrsieMung. Spezialitäten. Ansang i'l, Uhr._ Am KSnigstor— Am Friedrichshain. [dglich: Theater-Vorstellung, Spezialitäten und Ball. Reu: PiccardS komische Pantomime: vis Binbreeher von lievr Vorh. �»u?r� berliner!.eden. Singspiel in 1 Akt. Polksbewstigungeu. LinematograpH. WMwoch: SUUiäusheaUU Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraßo 48/49. Abends 8 Uhr: Die Gletscher der Hochgebirge and die Eiszeit unserer Heimat Z'"lOCIS HER GARTEN Cfj THgllch: 1 Eintritt 1 M. von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren -- die Hälfte.-- Passage-Tliealor. Der größte Saisonerfolg Gastspiel WiUi Agoston in der tollen Borleske Das Tollste vom Tollen und die Denen JiiIi-SpemlllätetL Ohne Extra-Enfrce. Der Riese aller Riesen Plsjakoff Eintritt 50 Pf. Kinder, Soldaten 35 Pf. Brunnen-Theater Badstratze 68. Direkt.: Willi Voigt. Otr Täglich: TOQ Der deutsche Michel. Elstklnsstge ZptMlitiittn. The 6 Violettes Trio Busson Kurt Ellys The 4 Berlinos im- Hndolf nulzer.-P1Z Erüssnung 2 Uhr. Ansang 4'/, Uhr. Vorverkauf von 10 Uhr ab. DienSlag, den 4. August: Gr.Benelizvorsieiluag für Karl Friedau Weinbergsweg 19/20, Rasenth.Tor.| Spezialitätenvorst, im Garten. Bei schlecht. Witterung i. Theater. Grohcs Programm. Ans. der Vorstcllg. 8 Uhr. Ans. des Gartentonz. 7 Uhr. Kleine preise. Bonnad., 1. Aug.; Galasommerfest „EinsKrikrinscht auf d. Weinbergs we�'..Näh, die An'" aWagsäulen� Nolksgarten-Tlieater — am Bahnhof Gesundbrunnen.— Täglich: Konzert, Iheater und 8pozlzl!!ätoo-Vos8lollung. „Goldene Herzen" Volksposse mit Gesang in 3 Akten. Aene» Hle«en- VP im~ Programin. VU Neue Veit HasenHetde 108-111 TUgllch; Doppel- Konzert und Spezialitäten-Vorstellung. Abends 10 Uhr: t. Gadbiu IL (oUkiiliner Kopfsprung aus der O. Etage. Anf. 6 Uhr. wwwwwwwww Entres 2II�Pk� � e—— Oche— e Hiez* Spezialitäten-Tbeaterf Eandsbergcr Allee 70/79, direkt Ringbahn-Station.• Bequemste Fahrgelegenheit nach allen Stadtrichtungen. Ob schön! Täglich i-H» Ob Regen!» Das neue und bette Programm ßerlins.• Die gröSte und beste Haiibltergruppe der Gegenwart Gebr. DDgler.§ 10 RiesenaLöwen u. 8 Riesen»Bären. 8 Ansang 3 Uhr. Entree Wochentags 3V, Sonntags 30 Ps. � OOGGGGGOG Täglich: Bolksbelustigungru aller Slrt.chHVPHG99 �.Z�oAekZ?bester Dtrettion: Rod. Dill. Brunneiistr. 16 Lebte Woche: v.io D. ßeiebtumürbEiteps Vorher: Spezialitäten. Ans.« Uhr. Kasteetüche 3-0 Uhr. Donnerst, z. l. M.; Das Forslhaus. Sonnabend Premiere: Knllcke In Wannseo. Fröis ilerlei-ieater. Schönhauser Allee 148. Täglich: Kerliiitt Herzen. sßoliäftüd in 2 Alten. Dazu erstkiassige Kpetiltlitäten. »«»«»»»«««»««»«»»»«» Serlmer Prsler-Ideuler Kastanisn-AUss 7— 9. DtSF* Täglich VUI Die Welt ein Paradies große Ausstattungs-Revuo und erstklassige Spezialitäten. Anf. Sonnt. 4 Uhr, Wochent. 4'/, Uhr. Im Saale; THgllch gr. Bali. Reiebsballen- Theater. Gastspiel Vinter- Tymian mit feiner berühmte» Herren- Gesellschaft. Ansang wochent. 8, Sonnt. 7 Uhr. Jim~ Tonnabeud, den I. Aug.: Wiederbeginn der Soireen der dlrcttlncr GNnger. Ssnssouoi, sträbe' A Direktion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag, Donnerstag: Erstklassige Künstler und Tanzkränzchen. Sonntag« Beginn 5, wochent. 8 Uhr. Der grosse Theatersaal ist noch für einige Mittwoche frei. Max Kliems Ivil Bommer-Cheatcr. — Hasenheide 13— IS.— Artistische Leitung: Bernhard Lange CnMoDzerUbeater- DDd SpeziaMleD-lforstellimg. Mittwoch: Kinderfest. Donnerstag: Glite-Tag. ßstbabn�park Am Küstrinerplatz, RQdersdorferstr. 71 Hermann Imbs. Täglich: QroflGS Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstelluwg. Von der AMer-Gesnnielts- ü! Bibliothek;;; ist soeben das 17. Heft erschienen. Es behandelt: 243/20« Klüt und i'r lir üslätigbfit des ittenfijjlidjftt Körpers. Versaster: Dr. Chrltttelicr. DaS Hest ist illustriert. Die übrigen Hefte dieser Bibliothek enthalten: Heft 1: Die erste Hilfe bei Un- glücksfällen von Dr. Ehristellcr. Hest 2: Das erste Lebensjahr von Dr. Silberstein. Hest 3: Gesundheitspflege des Nervensystems von Dr. Hirschlaft. Hest 4: Der Achtstundentag von Dr. Zadel. Hest 5: Alkoholfrage und Ar- beiterklasse von Dr. Fröhlich. Hest 6: Das Schulkind von Dr. Siwerstein. Hest 7; Geschlechtsverkehr und Geschlechtskrankheiten von Dr. Gebert. Hest 8: Nahrung und Ernährung von Dr. EhajeS. Heft 9: Wie sollen wir«uS kleiden? von Dr. P. Bernstein. t 10: Der Arlieiterschuy von r. M. Epstein. Hest tl: fsrauenleiden und deren Verhütung von Dr. I. Zadel. Hest 12: Pom medizinischen Aber- glauben von Dr. E. Thcsing. Hest 13: DaS Wasserheitverfahren in der Gesundheitspflege deS Arbeiters von Dr. S. Munter. Hest 14: Perhütnng und Heilung des Stotterns vo» Louis Jordan, Leipzig. 1 15: Geschlechtliche Erzieh« U der Arbeiterfamilie von Dr. Julian Mariuse. Hest 10: Zähne und Zahnpfleg« von Gertrud Rewald. Zahnkrank heiten mit besonderer Berück- sichtigung der gewerblichen Er> krankungen. 11 Illustrationen. JcdcS Heft kostet 20 Pfennig. Diese Abhandlungen sind für jedermann verständlich geschrieben u»d sollten in keiner Familie sehlen. 8xpedit'tMdez..Verivärl5" BERLIN SW. 63, lilndenstraße 60, Laden. Hest Dr für grossxes w|i¥i.iuijjwwtzi«nuG Bettfeilem Erste Bstlkedernfab. in. elekL Betriebs Gustav Lustig BERLIN S. 390■Prlnzsnstr. 48 urtienbet geg. Nachnahme garantiert neue und gut entstäubte, gut tüllende Bettfedern p. Psd. M. V.SS-l.OO-l.tt! primaHalbdaunen M. 1.15; Wänfe» rupfsedern SR. 8.00; prima weiße Gansehalbdaunen M 2.50-3.00 3.50 echt chines. Monopoldannen M. 2.85. echt ruistsch. Mata» dor-Gäns«dau»«n M. z.50i»<» Von den Daunen genügen 3—4 Psd. ,um groß. Lberbett.— Gänsefedern <>.IRc>ben>M.0.S0 per Viund; Gänse- schlachtfedern, wie ste von der Bant fallen, mit allen Daunen M. 1.5». Proben und Preisliste gratis. Um- tausch oder Rücksendung gestattet. Verpackung kosteusrei. irtztsähriger Umsatz über 2088 Zentner Bettfedern, von keinem zweiten Betten- u. Bett» federngeschüft erreicht» -i-G�ieniMkellai'szMel-I- Neuest. illustr. PreisL ü. viele Srztl. emvs. Spezialitäten gr. u. fr. 780b Diemens Biehle Nach!., Gora-ReuB. Tanzunterricht Albert Fricke. Wiederbeginn der ünterriohtakurso; Sonntag, den 2. August, nachmittags llß Uhr, und Mittwoch, den 5. August, abends 8'/, Uhr, in den nenerbanten„Armlnhallen'S Kommandantom- strafie 58/50(neben dem Herrnfeld-Theator). Prospekte gratis. Privatunterricht täglich.~PDQ Gefl. Anmeldungen erbeten im Institut oder in wohnung; UrbanatraBe Ol. .-..-•.'jjA• f.- i fh' j'*'-j.'- v'"#-• >.Hr..» 4, Ja..... II a B a El iaa der Privat- 8768L* Engelhardt-Malzbier Preis 10 Pf* pro Flasche. das beliebteste, überall käuM 2490L* Größte Malzbier-Brauerei Deutschlands. Sozialdetnohratiseher Vahbtrem für den 3. Bert. peletistags-Wahlkreis. DieuStag, de» 28. Juli, abends S'/a Uhr, im Märkischen Hof, Admiralstr. 18c: 213/8* Mitglieder- Urrsammlnng. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genoffcn, Arbeitersekretär G. Bauer über t Die 6e< drohte Selbstverwaltung. 2. Diskussion. »M- Gaste habe» Zutritt."vM Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein August Pohl, N a u n y n st r. 30. ■■■■■cganBaBaBBaaBuanggaBBBBgaBBaflizBaaaDB « IUII1 Filiale Berlin I. iitüüü Mitglieder sämtlicher Branchen. Am Mittwoch, den 30. Juli, abend» 8'/, Uhr, findet im große» Saale der Aruiiiihallen, Kommandantcnstr. S8— 59, eine Aiißernriiciitl. Mltslitdernelsliiitililiiiig statt. Tages-Ordnung: 1. Neuwahl der gesamten Ortsverwaltung. 2. Forlseßung der Beratung der Anträge zum �Verbandstage. 3. Antrag der Tarisüberwachungs» lommission. 4. Bericht vom Gewerkschaftskongreß. Mitgliedsbuch legitimiert: ohne dasselbe, oder mit mehr a!S dreizehn rcstierenden Wochcnbeiträgen, kein Zutritt. 163/16 Die Ortsversvaltnng-. Zentral'VerbdDd der Glasarbeiter und'arbeiterinnen Deutlcbiands. Ortsvcrwaltnng Berlin. Mittwoch, den 39. Juli, abends 8 Uhr: Mitglieder-Nersammlung sämtlicher Branchen in Boelrer» Fe«t»lllen, Wcbcrstrafte 17. Tages-Ordnung: t. Abrechnung vom zweiten Quartal 1908. 2. Bericht deS Gewerkschasts» delegierten und Dislussion. 3. Neuwahl eineS SchristjührerS. 4. Verbands- angclegenheiten. 73/7 Zahlreiches Erscheinen erwartet_ Die OrtSverwaltung. Zentral-Krankenkasse der Maurer „Grundstein zur Einigkeit". Verwaltungsstelle Charloltcnbarg. Mittwoch, den SO. Jall 1008, abends 8 Uhr, im„Volks- haus", Nofinenstraße 3: 149/11 Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal. 2. Kasteuangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert._ Die Örtliche Verwaltung. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptburcau: Hos L Amt 3, 1239. CharitestraBe 8. Hos III. Amt 8, 1987. Domlkrsttig, dcu 80. Juli 1908, abends SV»|(ljr, Branehen- Versammlung der Elektromonteure und Hefifer Berlins und Umgegend in Meyers Festsälen, Sebastianstraße 39. TageS-Ordnung: 120/1 1. Bortrag des Genossen W. Paetzel über:„Zur Geschichte der preußischen Volksschule/ 2. Diskussion. S. BerbandSangelegen» heiten und Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht IMv Orts verwoitang. Die Bezirksversammlung für Steglitz fällt am Mittwoch, den 20. Juli, aus.__ Mobw unsere Husflüge? Nach dem Idyll deS Südostens: 3ö32L» I�SUcKkaNFS�erder! Zum„Waldhaus''. Bequeme Ituhnverblndang bis Kcnthen. Täglich, außer Sonnabend u. Sonntag. Nornnfon Pvfpgfzsipfan vormittags 10'/z u. nachmittags 2'/, Uhr: Ullltllilv! Llatl lllllUl ll!u ab Jannowitzbrücke und Schlesische» Tor(Stern- Gcsellschast). Pd«»rd Kkntk««'shl. KiüknersuKenknittel von Dr. IT. Pnger.— Gegen 30 Pfennig aus 10 Ps. Anweisung sreL Ohne Zweifel die bequemste u. wirksamste Hülfe. Der Schmerz islin5 Mi». sorL Das Hühnerauge selbst m 3 Tagen.(Enthält Salichlsäure u. mdischeu Hanscxtrakt.) vr. tt. ill WÜT�dllPA. In Berlin(20 Ps.): Salomon-Apotheke, Eharlottcnstraße. Greif- Apotheke, Barnimstraße 33.— München: SchQtzen-Apothoko.— gart: Hirsch-Apotheke.— Creelou; Victoria-Apotheke._ 110/1* Manoli 3 t;' 3p/,8 Uhr, im Lokale Berbsvslri, Andreaöstr. 2K: Versammlung samt!, in Rahmenvergoldemkn beschästigteu Ksilegen. TageS-Ordnung: 1. Die ArbeitSIofigkeit in der Branche und was gedenken wir dagegen zu unternehmen. 2. Verschiedenes. Pünktliches Erscheinen notwendig. 87/12 Die Kollegen von der Vereinigung der Kunstsreunde sind besonders eingeladen._ Der Branchenleiter. UerlosnngsMkl 2C. zuFandpartien, wr Nemue nur Neuheiten, Gznmnlsns, Stnolilatemen, Faebeln, Girlanden, Blitzen, Buslb- und Bndausachcn ipottbillig im Engros- Geschäft LH HriHflSIf Alte JakobstraBe OS, • 11* Viuaanill, a« der Scydelftraste. ——— Vereinen extra hoher Rabatt.- 36772* JFV n rtl 5« e r» Be''lin L, Kottbnscr Stamm 2| 11. IIHne ins. Zahnersatz ohne Gaumen, nicht- • sichtbare Plomben, Zahnziehen = Praxis seit 1881.------ schmerzlos. Teilzahlnng.[3764L* Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Ptg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Plg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahme� stellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition. Llndenstrasse HS, bis 5 Uhr angenommen, Verkäufe. 100 Ausflüge um Berlin mit 12 Illustrationen und 20 Karten, 1.50 Marl und 2,— Marl, Expedition, Lindenstrafte 69, Laden._ Brouzegaskronen, Riesenauswahl. Gelegenheiten. Alte Jalohstr. 125.* Steppdecken spottbillig, Kabrif Groffe Franksurterstrafte 60. 2993K* Federbetten. Stand 11,00, grofte 16,00, Schlasdcden 1,15. Psandleih- hauS, Küstrinerplatz 7._ 91 Oft* Pfandleihhaus Schönhauser Allee 110. Spottbilliger Verlaus verfallener Pfänder, Hcrrengarderobe, Gardinen, Aussteuerwäsche, Schmuck- lachen, Betten, Teppiche, Uhren.* Teppiche!(siblerpaste) in allen Gröftcn sür die tzäljle deS WerleS im Teppiiülager Brünn, Hackelcher Mar» 4. Badiihol«ürle. 264,11* Installateure und Händler lausen Bronzegasfronen, Zugampeln, GaS- beleuchtungS-Gegenstände lomplettcr Anlagen, Hängegasbrenner allcrbilligst bei Baumann, Alte Jakobstrafte 125, Grofthandwng. GeschästSleulen En- grosrabatt._ 1004K* Leihhaus Prtnzenstrafte 28, 1. Ecke Ritterstrafte: versallene Pfänder, Brillanten, Goldsachen, Uhren, Ketten spottbillig zujeder Gelegenheit. s620K* Anzüge, Paletots nach Maft. Aus la Stoff testen, Monats- und nicht abgeholte Sachen staunend billig. Maftschneiderei Votz, Brunnenstratze 3, eine Treppe, am Roscnihalertor.* Pfandlethhaus! Hermannplatz 6. Extrabilliger Psänderverkausl Hochelegante staunendbillige Jackettanzüge I GehrockanzügelHerrcnhoscnlSonimer- Paletots! RiesenauSwahl l Bettender- kauf! Wäscheverkaus I Tcppichoerlaus I Uhrenverfausl Kcttenverlaus I Ringe- verlaus I Goldene Uhren! Braut- geschente I Nähmaschinen> Gardinen- periaus I Sonntags ebenfalls geöffnet. Die Grundbegriffe der Wirt« schastslehre. Eine populäre Einfüh- rung von Justan Borchardt. Preis 40 Ps. Expedition Vorwärts, Linden- strafte 69._ Tambourtermaschtnen, Original Holemeyer zur Mützen- und Hut- sabrikation billigst und bei Abzahlung günstigste Bedingungen. Alleiniger Fabrikant Bellmann, Gollnow- strafte 26, nahe der Landsbergerstrafte. Kind erwägen. Sportwagen. Kinder- beltstelle. Gröftere Raten Kassapreis, zurückgesetzte, gebrauchte spottbillig Andreasstrafte 53._ 326K* Tüllbettdecken, volle Bettgröfte, 2,50. in Erbstüll 6,35, TüllstoreS l, 85. Erbstüllstores 4,35. Teppichhaus Emil Lesevre, Oranienstrafte 158. 917K* Schlafdecken(Dcckbeltersatz), Normal(buntsarbig) 1,85— 3 Mark, Wolle(einfarbig) 2,85—4 Mark. SpezialbauS Emil Lesevre, Oranien- strafte l58._ 918K* Uhren, Goldwaren billigst Werner, Pappclallee 3._ 859K* Verbrechen und Prostitution als soziale Kranthettserscheinungen von Paul Hirsch. Preis 2— Marl. geb. 2,50 Marl. Expedition Vorwärts, Lindenstrafte 60._ Steppdecken, reichgestickte Portieren, Tuch, Plüsch, Gardinen, spottbillig. Mauerhoss, Grofte Franksurterstrafte 9. parterre._ 7736* Teppiche mit Farbensehlern, Fabrik- Niederlage Grofte Franksurterstrafte 9, parterre, Mauerhoss. VorwärtSlesern 6 Prozent Rabatt._ 7746* Rlihmaschinen. Vergüte bis 20,00 wer Teilzahlung kauft oder nachweist. Sämtliche Systeme. Postkarte. Brauset, Franfsurter Allee 101, Nähmaschinen- geschäst.-f139* GesctaSftsverkaufe. Zigarrengeschäft preiswert zu oerfausen.«chöne Wohnung. Rix- dors. Weserstrafte 164._-s-llO* Restauration verläuflich Seller- strafte 3, Dobat._ 663S* Plätterei, gutgehend, im Westen. Auslunst Seidler, Bayreutherstr. 19. Seisengeschäst._ tl26 Restauration, Osten, verläuslich. Offerten„O. H." Postamt 34. tl43 �Parteilokal mit Zahlstellen zu verkaufen, wegen Zurruhesetzung. Erfragen Braun, Zigarrcnsabrif, Ruppinerstrafte 14._ f77 �Kartoffeln-, HeringsAeschäst, gutgehendes, billig verläuslich Lychener- strafte 116.__'s 140 Restauration, Fabrifverkehr. ist ans Gesundheitsrücksicht der Frau sofort billig verfäuslich. Auskunft Brohm, Usedomstrafte 29._ ft141 Eck-Zigarrengeschäst, tadellos ein- gerichtet, unter günstigen Bedingungen verlaust Nieder-Schöneweide, Berliner- strafte 118,__ 7765 Öbst- und Gemüseschäst, gutgehend, wegen JnnehabcnS zweier Geschäfte preiswert zu verkansen. Zu erfragen Rixdors, Fuldastrafte 8 bei Lehmann, Rcstaurantt___ fUl "Milchgeschäft zn oerfausen. Um- satz wöchentlich 800 Liter. Näheres Eharlotlenburg, WilmerSdorser- strafte 48 bei Kühnke._ tl26 Nie wiederfehrende Gelegenheit sür Milchgcschäst(Zentrum), engros, detail, Fuhrtverl, groften Jnoentarien. Für PachwngSfaution und Preis 3000. Näheres Zigarrengeschäft Blümenstraftc 69. 197/10 . INSdel. Möbeltischlerei liefert gediegene Wohnungseinrichtungen äufterst billig Bunte Küchen. Auch Ratenzahlung. Kein Laden. Harnack, Tischlermeister, DreSdenerstrafte 124, nahe Kottbuser Tor. Genossen erhallen 3 Prozent.* Möbel sowie ganze WohnungS- Einrichttingen aus Teilzahlung bei geringer Anzahlung erhalten solide Leute in der Mobelsabril August Krause, schützenstrafte 73/74. 92-iR* Billige Möbel auS Verstclgerimgen Auslösungen, Schränke, Vertikos 20,—, Taschcnsosas 45,—, Salongarnituren 85,—, Büjctte, Schreibtische 35,—, Bücherschränke 58,—, Vierzug. tische 68,-, Lederstühle. Klubsessel, Ledcrsosas, Trumeaus 30,—, Bett- stellen. Tische, bunte Küchen 45,—, Kronen, Oelgemälde, enorm grofte Auswahl kompletter Wirtschaften jeder Slilart, billiger als überall. Lennerts Möbelspeicher, Lothringerstratze 55.* Auf Teilzahlung. Möbeleinrichlung, Siube und Küche, Anzahlung 15 Marl an. Einzelne Möbelstücke 3 Mark an. Verliehen gewesene Möbel spottbillig. „Berolina", Kastanicnallee 49. 1009ft+ Kinderdrahtbett, neu, Grüner Weg 50/51, Hos 1 rechts. s139 PsIirrSder. Fahrräder. Grammophone, Teilzahlungen, ohne Auffchlag, Loth- ringersiratze 40._ 674a* Herrcnsabrrad, Damcinubrrad wie neu, 45,00. Holz, Blumen. strafte 36b._ 977K* Fahrräder, Teilzahlungen. Jnva- ttdenslrafte 20 Sfalitzerstrafte 40. 320K* Geschäftsdreirad, äufterst stabil, 50,00. Holz, Blumenstrafte 36b.» VerLLdieäenes. Kunftftopferri von Frau KoloSkh, Schlachtensee, Kurstrafte 8, DI. Patentanwalt Wessel, Gillchiner- strafte 94»._ 2555K» Lernt die Muttersprache beherrschen! Erjoigreichen, leicht saftlichen Unterricht in Wort und Schrift der deutschen Sprache erteilt Damen und Herren (separat) auch abends ein tüchtiger und gewissenhafter Privatlehrer. Die Stunde tostet eine Mari. Eine Unter. ricktSst'.mde wöchcittlich genügt Gc- fällige Angebole sind unter G. 4 an Expedition des.Vorwärts* zu richten. Teilnehmer an einem englische» Zirkel(monatlich 4 Mark) werden gc- sucht. Privatsttmde» sür Ansänget und Fortgeschrittene werden erteilt. G. Swicnty, Schöneberg, Sedan- strafte 57, ID._ lQ03ft* Plattna, alte Zahngebisse, aller. höchste Preise, Linienstrafte 199 II. Die wider den Kutscher Max Müller, Putbuserstrafte 19, gesagte Aeuftcrung nehme ich hiermit zurück und erkläre denselben sür einen Ehren- mann. Frau Schiller, Putbuser- strafte 19. 779b Nehme die Beleidigung gegen Frau Zcrban zurück. Karl Wingcr, Steglitzerstraftc 12. s-I2l Malerarbeiten. Küchenmöbel streicht Eis, Grofte Franlsurtcr- strafte l20._+139 Platinabfälle, Gold, Silber. Ge- bisse, Kehrgold sowie sämtliche gold- und filberhaltigen Rückstände laust Goldschmelzc Köpenickerstraftc 29. Telephon IV, 6958._ 197/10* Grauer Papagei weggeflogen. Kennzeichen: kurze Krallen. Wegen Belohnung abzugeben: Pöhla, Ujedom- strafte 35. I.+77 Vermietungen. Wobnungen. Prächtige Zweizimmcrballon- Wohnungen sofort Soldinerstratze 32 bis 34. 988K* Zimmer. Atöbliertes Borderzimmer, ein, auch zwei Herren, Urbanstrafte 65, rechter Ausgang II._ 2744b "Sofort möbliertes Zimmer an 1—2 Herren a 15 influstoe vermietet Meyer, Nostizstrafte 52._ 5066 Kleines möbliertes Zinnner sür einen Herrn, separat. Witwe Müller, Annenstrafte 2, Ouergebäude IV. Möbliertes Zimmer, 14 Mark, Planuser 92, TallowSki. 777b Lekilatstellen. Anständige Schlasstelle sofort oder später, Herrn. Klahm, Eothenius- strafte 9._+143 Möblierte Schlasstelle 2 Herren WilSnackerstrafte 20, Hos parterre, Schreiber. 2674b Möblierte Schlasstelle sür zwei Herren, separat, Witwe Müller, Annenstrafte 2, Ouergebäude IV. Möblierte Schlasstelle(Herren) Stralsunderstrafte 10, III, Herper. Saubere möblierte Schlasstelle vermiclet sofort an zwei Herren Witwe Mietzker, KönigZbergerstr. 17, Ouergebäude III._+139 Zwei.öevren können billig wohnen. Frau Labcdzfi, Wrangelstrafte 14. 2. Ouergebäude IV.+137 �.rbeitsmarkt.- Stellengesuche. Blinder Stuhiflechter bittet um Arbeil. Stühle werden abgeholt und znrückgeliesert. A. Gläser, Mulack- strafte 27. 1468b Stellenangehole. Uutcrrock-Arbcitertn Im Hause. Ulbricht, Rixdors, Saalestrafte 1l, Ringbahnhos.+111 Im Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten SO Pf. die Zeile. Xchtunx, Bodenleger! Wegen Streik wird vor Zuzug nach Breslau gewarnt. Die Ortsverwaltuug. LltlMUvsMch» BebÄIlUUU&tm Tovlpjph», tätilin, Liir dMJolergtevteil herantm: Tf, GIn-,e,R-xs�� Druck.. Verlag- Vorwärts«u�druckerei.»»LeclaÄaMIt MU Singer&. Qüu BllUiv sau Ar. 174. 25. Iilyrgavz. 2. KkilM des Joruärts" Kerlim Jolliüllntt. Aiellstag. 28. Iiiß 1908. Partei- Hncfelegenbeiten* Dritier Wahlkreis. Heute(Dienstag) abend 8 Uhr findet im »Märlischen Hof", Admiralstr. 18o, eine Versammlung des Wahl» Vereins statt. Genosse Arbeitcrsekretär Gustav Bauer spricht über: .Die bedrohte Selbstverwaltung". Am Sonntag, den 2. August, findet ein Ausflug mit Familie nach Johannisthal statt. Tresspunkt nachmittags 2 Uhr im Lokal .Lindenhof", Friedrichstr. öl, Inhaber Alb. Trautmann. Sechster Wahlkreis. Heute abend finden im Kreise elf Mit- gliederversammlungen statt. Neben der Wahl der Delegierten wird in jeder Versammlung ein Vortrag gehalten.(Nähere Bekannt- machung siehe Inserat.) Die Parteigenossen werden um rege Be- teiligung ersucht. Der Vorstand. Schöneberg. Die Generalversammlung des Wahlvereins findet heute, Dienstag, abends 8 Uhr, in den„Neuen Rathaussälen", Mei- ninger Straße 3, statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Vorstands- bericht. 2. Kassenbericht. 3. Anträge und Wahl der Delegierten zur Kreis-Generalversammlung, Generalversammlung Groß-Bcrlin, Provinzialkonferenz und zum Parteitag. 4. Verschiedenes. Die Wahlen der Delegierten finden mittels Stimmzettel statt. Mit- gliedsbuch legitimiert. Nieder-Schönhausrtr. Heute Dienstag, den 28. Juli, findet in .Neu-Karlshof" die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Ersatzwahlen zum Vorstand. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes.— Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Pankow. Heute, Dienstag, pünktlich 8�j' Uhr abends, Generaldersammlung im„Feldschlößchen" des Herrn Großkurt, Berliner Straße 27. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Oertliche Angelegenheiten. 3. Stellungnahme zur Kreis-Generalversamm- Iwng und zum Parteitag. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Der Vorstand. Biesdorf. Heute. DienStag, Zahlabend. Genossen, seid alle pünktlich zur Stelle. Rummelsburg. Heute, Dienstag, abends 8%" Uhr, findet im Saale der Witwe Weigel, Türrschmidtstr. 41, die Halbjahrs- Generalversammlung des hiesigen Wahlvereins mit folgender Tagesordnung statt: 1. Vorstands, und Kassenbericht. 2. Beschluß- fassung über die Ausschlußanträge wegen Nichtbeteiligung an den Landtagswahlen. 3. Beschlußfassung betreffs Ucbertritt der Frauenorganisation. 4. Stellungnahme zur Krcis-Generalver- sammlung. 5. Vereinsangelegenheiten. Die Mitglieder deS Frauen-Bildungs Vereins wie des Allgemeinen Frauen-Wahlvereins jigd hiexmit eingeladen. Mitgliedsbuch legitimiert. �■ Berliner J�acbricbten# Die Liste der stimmfähigen Bürger Berlins hat in dem Zeitraum vom 1. April 1907 bis zum 31. März 1908, über den das Wahlbureau des Magistrats jetzt den üblichen Jahresbericht erstattet, ganz außerordent- lich wenig zugenommen. Das Plus betrug für 1997/08 nur 9696 Personen, während es für 1906/07 noch 16374 und für 1902/06 sogar noch 23 228 Personen betragen hatte. Die Minderung des Zuwachses, die schon im borletzten Jahr begonnen hatte und im letzten Jahr noch schärfer hex vorgetreten ist, muß hauptsächlich aus der Mehrung der Wegzüge von Berlin und der gleichzeitigen Minde- rung der Zuzüge erklärt werden. Aus dem Bericht des Wahlbureaus ersehen wir, daß im Geschäftsjahr 1907/03 für die nach Berlin zugezogenen Wahlfähigen sowie für die im Laufe des Jahres wahlfähig gewordenen Berliner 105 639 neue Karten gefertigt und andererseits für die aus Berlin weggezogenen Wahlfähigen sowie für die hier der storbenen Wahlfähigen 95 943 Karten weggelegt worden sind. Dagegen waren im Geschäftsjahr 1906/07 noch 108 845 neue Karten gefertigt und nur 92471 Karten weggelegt worden. Leider gibt der Bericht des Wahlbureaus nach altem, schleckztein Brauch nur diese Summen an, so daß man nicht zahlenmäßig feststellen kann, wieweit im einzelnen an der Minderung des Zuwachses stimmfähiger Bürger beteiligt sind die Mehrung der Wegzüge, die Minderung der Zn züge und die übrigen Momente. Es wäre gewiß sehr lehr reich, genaueres auch hierüber zu erfahren. Aber die Berichte des Wahlbureaus wollen ja nicht Belehrung bieten, sondern wollen nur melden, wieviel Schreibarbeit in jedem Jahre geleistet werden mußte. Deshalb wird darin z. B. auch niemals angegeben, wie hoch sich denn nun am Schluß des Geschäftsjahres die Gesamt- zahl der st immfähigen Bürger Berlins be lief. Man rechnet uns aus den Zahlen der neu gefertigten und weggelegten Karten den Zuwachs des Jahres vor— und hält es für ausreichend, uns diesen mitzuteilen. Was diese Berichte des Wahlbureaus sonst noch bringen, ist größtenteils sehr gleichgültig. Von Interesse sind nur noch die Angaben über die Zahl derjenigen Personen, deren Wahlrecht vorübergehend wegen Unterstützung aus öffent lichen Mitteln oder wegen Aberkennung der Ehrenrechte, wegen Konkurs usw. ruhen mußte. Ucber Unterstützte sind dem Wahlbureau im letzten Jahr nicht, weniger als 55 981 Meldungen zugegangen. Im vorletzten Jahr waren in dieser Rubrik nur 45 944 Meldungen gezählt worden, mithin beträgt hier die Zunahme volle 10 000. So haben Arbeitslosigkeit und Notstand gewirkt, von denen der Nathausfreisinn angeblich„wenig bemerkt" hat. Herabgesetzte Kokspreise in städtischen Gasanstalten? Vor drei Wochen hatten die Gaswerke angezeigt, daß Koks jetzt infolge der auf allen Gasanstalten vorhandenen Vorräte zu billigen Preisen abgegeben werde. Mit dieser Billigkeit stimmt es aber keineswegs, denn wie uns mitgeteilt wird, mußte der Hektoliter gebrochenen KpkeS in diesem Sommer mit 1,kö M. bezahlt werden, also mit dem Winter preise, während im vorigen Jahre nur 1,4» M. zu bezahlen waren.(Ungebrochener Koks ist um 20 Pf. billiger.) Trotz dieser offenbaren Verteuerung von 20 Pf. gegen das Vorjahr in einem öffentlichen Säulenanschlag von billigen Preisen zu reden, das erscheint denn doch als ein ganz gewöhnlicher Geschäftstrick, die Kundschaft anzulocken. Zu einem solchen Mittel brauchten die städtischen Gaswerke wirklich nicht zu greifen.— Weiter aber wird in uns zugegangenen Beschwerden über die Qualität des Koks geklagt, der das liafür bezahlte Geld nicht wert sei. In der Anstalt in der Danziger iescm Ansturm nicht im entferntesten gewachsen. Radrennen zu Treptow, 2ö. Juli. Die vom besten Wetter be- öüostigtell.Ae»vM wiesen einen sehr guten Besuch auf. Die beiden Dauerrennen Lver 25 vezw. SO Kilometer, die von den dekannten Fahrern Haberer, Fr. Hoffmann und Schadebrodt be- stritten wurden, verliefen, obwohl in jedem derselben nur zwei Fahrer zum eigentlichen� Kampf kamen, sehr spannend, denn in beiden gingen die betreffenden Fahrer nur mit geringen Abständen durch das Ziel. Das Rennen über 25 Kilometer(160, 100, 75 M.j gewann Haberer in 22 Minuten 4� Sekunden bor Schadebrodt, 160 Meter, und Hoffmann 2520 Meter zurück. Hoff mann hatte bis 5 Kilometer die Spitze und blieb dann, nachdem er den Anschluß an seinen Motor verloren hatte, aussichtslos zurück. Im zweiten Rennen über 30 Kilometer(200, 150, 100 M.) zeigte sich Hoffmann dagegen den anderen überlegen, er legte die Strecke. in 25 Minuten 27� Sekunden zurück; Haberer endete nur 20 Meter, Schadebrodt 1395 Meter hinter ihm. Der Schluß gestaltete sich sehr spannend, da Haberer, der bis etwa 250 Meter zurückgeblieben war, in den letzten 20 Stunden erfolgreich aufgeholt hatte. In dem Hauptfahren über 1200 Meter (40, 30, 20 M.) belegte Hoffmann ebenfalls den ersten Platz vor Pancke und Müller; 31 Fahrer waren in den Vor- und Zwilchen- läusen auSg-fchieden.— In dem Vorgabefahren über öOOO Meter(30, 20, 10, 5, 5 M.) ging der Außenseiter O. Theiß mit 280 Meter Vorgabe mit etwa 50 Meter Vorsprung durch das Ziel vi/r Pawke(Mal), Vieri(40 Meter Vorgabe), Süßmilch(10) und Krüger(160). 28 Fahrer bestritten in zwei Vorläufen das Nennen. Wer sind die Toten? Am 22. Juli, vormittag? gegen 10 Uhr, wurde ein zirka 40jähriaer unbekannter Mann vor Waßmannstr. 37 in bewußtlosem Zustande, aufgefunden und nach der Kgl. Charitö geschafft, woselbst er verstorben ist. Derselbe ist 1,60 bis 1,65 Meter groß, hat blonden Schnurrbart, dunkles etwas grau meliertes volles Haar und gute Zähne. Bekleidet war derselbe mit grauem Jackett (Pfeffer und Salz), Manchesterhose, dimkler Weste, gestreiftem wollenen Hemd, grauen baumwollenen Socken, schwarzen Gummizug- stiefeln. Personen, welche über den Unbekannten nähere Angaben machen können, werden gebeten, dieselben an irgend ein Polizeirevier oder an die Kriminalpolizei Zimmer 824 zu J.-Nr. 4148 IV/öO. 08 gelangen zu lassen. Am 22. Juli 1903 gegen 7 Uhr 50 Minuten nachmittags sprang aus dem vierten Stockwerk des HauseS Grenadier- straße 19 ein etwa 23 jähriger unbekannter Mann. Derselbe war 1,68 Meter groß, schlank, hatte volles blondes Haar und kleinen, rötlich blonden Schnurrbart. Bekleidet war er mit hellbraun karierter Ballonmütze, grau und schwarz kariertem Jackettanzug, schwarzen Strümpfen und Schnürschuhen. Allem Anscheine nach war der Ver- storbene taubstumm. Personen, welche über den Unbekannten nähere Angaben machen können, werden gebeten, dieselben an irgendein Polizeirevier oder an die Kriminalpolizei, Zimmer 324, zu J. W. 4140 IV, 59 08 gelangen zu lassen. Einen erheblichen Serlust hat der Tischler Karl Rüden, Grüner Weg 41. erlitten. Er verlor am Sonntag in der.Felsenterrasse' oder auf dem Wege nach dem Gewerkschaftshause sein Portemonnaie mit 83 M. Inhalt. Rüden hatte das Geld zu sich gesteckt, da eS seine einzigen Ersparnisse waren. Ihn trifft der Verlust doppelt. weil er dieser Tage nach einer Heilanstalt kommen soll. Er glaubt auf diesem Wege vielleicht in den Besitz seiner letzten Barschaft wieder zu gelangen. Der ehrliche Finder wird ersucht, den Fund in der Spedition, Rüdersdorfer Straße 3, oder in semer Wohnung, Grüner Weg 41, abzugeben. Das gleiche traurige Los mit dem Obengenannten teilt ein Arbeiter Paul Sabeonski, Warschauer Str. 49, Ouergeb. II. S. verlor am Sonnabend, den 25. Juli, abends gegen 8 Uhr ein Portemonnaie mit 87 M. Inhalt auf dem Wege von der Dresdenerstraße bis zur Jannowitzbrücke. Auch er hat noch die Hoffnung, daß ein ehrlicher Mensch den Betrag gefunden hat und wieder zurückerstattet. Gesperrt werden folgende Straße: Die Mohren-Straße von der Kanonier-Straße bis zur Friedrich-Straße.— Die Georgen-Straße vom Grundstücke Nr. 23(Asphaltgrenze) bis zur Mitte des Grund- stückeS Nr. 25—27 auSschlietzung der dieser Mitte gegenüber liegenden Zufahrt zum Hauptportal des Bahnhofes Friedrich-Straße.— Die Mohren-Straße von der Friedrich-Straße vis zur Charlotten-Stratze (ausschließlich der Kreuzdämme) behufs Asphaltierung vom 27. d. MtS. — Die Kieler Straße behufs Ausführung von Wiederherstellungs- arbeiten vom 27. d. Mts. Vorort- fflaclmckten. Köpenick. Der Aerztestreik in Köpenick beigelegt. Gestern vormittag fand unter dem Vorsitz des Köpenicker Bürgermeisters Dr. LangerhcmS eine zweite Besprechung der streikenden Aerzte mit den Vorstands. Mitgliedern der Köpenicker Allgemeinen Ortskrankenkasse statt. Nach stundenlangen Verhandlungen wurde eine Einigung erzielt, indem beide Parteien die Vermittelungsvorschläge des Vorsitzenden annahmen. Das Honorar, das die Krankenkasse bisher zahlte, bc- trug 3,50 M. pro Kopf und Jahr, die Forderung der Aerzte 4,50 M. In dem gestern auf fünf Jahre geschlossenen Kontrakt wurde das Honorar auf 4 M.. zährlich um 10 Pf. steigend, festgesetzt. Die Fahrgeldentschädigung, die bisher 1 M. pro Kilometer ausmachte, wurde auf 1,20 M. erhöht. Für Nachtbesuche sollen für die Zu- kunft 5 M. anstatt 4 M. gezahlt werden, und für geburtshilfliche Leistung 15 M. anstatt 10 M. Vor Ablauf des Vertrages, spätestens aber in der zweiten Hälfte des Jahres 1912, sollen erneut Ver- Handlungen über Beibehaltung oder Aenderung des jetzigen Ver- träges gepflogen werden. Die Liste der Wahlberechtigten liegt nur noch bis Donnerstag, den 30. Juli, täglich von 7 bis l Uhr und nachmittags von 21/a bis 472 Uhr zur Einsichtnahme aus. Wer noch nicht nachgesehen hat, ob er in der Liste verzeichnet steht, hole dies sofort nach. Auch die- jenigen, welche ihr Bürgerrechtsgeld erst jetzt bezahlt haben, müssen nachsehen, ob sie in die Liste eingetragen sind. Friedrichsfelde. Mit zweierlei Maß werden auch verschiedene Kreise der Be- völkerung gemessen. Zum Beweise hierfür folgende Tatsachen: Wie überall, so hat sich auch hier vor IVa Jahren eine„Freie Turnerschaft" gegründet. Dieser Verein hat sich nun zum Aerger aller Patrioten des Torfes recht gut entwickelt, so daß unsere Mitgliederzahl auf zirka 70 gestiegen ist, während der teutsche Verein an Mitgliederschmund leidet. Da die„Freie Turnerschaft" auch auf die Schulturnhalle glaubte Anrecht zu haben, so wurde um die Genehmigung nachgesucht, und wir gaben uns der frohen Hoffnung hin, bald in einem auch von unseren Stcuergroschcn erbauten Haufe den Körper stählen zu können. Die Antwort war aber eine ablehnende, weil angeblich in der Halle kein Platz vor- Händen sein sollte. An drei Abenden turne der teutsche Verein „Eiche", zwei Abende brauchten die Herren Lehrer zu ihrer Fort- bildung und ein Abend werde zum Lüften und Reinigen benötigt. Damit gaben sich die freien Turner nicht zufrieden. In einer zweiten Eingabe vom 15. März er. suchten sie diese Einwände zu entkräften, mit dem Hinweis, daß die Lehrerschaft abends über- Haupt noch nicht geturnt hat, baten Parität zu wahren, und den freien Turnern zwei Abende zu überlassen, da die Halle tat- fächlich frei sei. Gleichfalls wurde gebeten um Ueberlassung der Halle an einem Sonntag zum Schauturnen, denn Sonntags sei doch wohl frei. Die Antwort hat etwas lange gedauert, aber sie ist auch danach. Sie lautet: Gcmeinde-Vorstand. Friedrichsfelde-Berlin Ö., 16. Juli 1908. Auf Ihre Eingaben vom 15. März 1908 bezüglich Ueber- laffung unserer Turnhalle an Ihren Verein zu Turnzwecken bezw. zum Schauturnen, teilen wir mit, daß der königliche Herr Landrat auf unseren Bericht vom 3. d. M. mit Datum vom 9. Juli 1908 eine Verfügung erlassen hat, welche wir auszugs- Weste hierunter Ihnen mitteilen: „Die Ueberlassung der Turnhalle an die„Freie Turner- fchaft" darf unter k e i n em Umständen stattfinden. Dem Verein ist dementsprechend Mitteilung zu machen." " Ihre Eingaben. Wie oben angeführt, sehen wir somit als er- ledigt an. I. V.: Castebaum. An Herrn Gronwald, Hierselbst. Aus dieser Antwort ist wieder einmal klipp und klar aus- gesprochen worden, daß für die freien Turner die Turnhallen nicht hergegeben werden. Ganz offen wird hier mit zweierlei Maß gemessen und Gesinnungsriechcrei getrieben. Nur die Turner, die feste Hurra schreien und: Deutschland, Deutschland über alles singen, bekommen die aus den Miittcln aller Steuerzahler erbauten Turnhallen zu ihren Körperübungen. Man sieht, wie ernst es den Behörden ist mit der Förderung des Lcibeslvorts, der sonst in allen Tonarten gepriesen wird. Friedenau. Tie WahlvereinS-Mitglieberversammlung am 21. d. M. hörte zunächst ein Referat des Gen. Kurt Heinig über:„Die Landtags- Wahlen". Neuaufgenommen wurden vier Genossen. Genosse Langosch gab den Kassenbericht. Die Einnahmen betrugen für das verflossene Quartal 106,50 M., die Ausgaben 130,83 M. Als Delegierte zur Kreis-Generalversammlung wurden die Genossen Marowskh und Hagen und als Stellvertreter der Genosse Klemann gewählt; für die Generalversammlung von Grotz-Berlin die Ge- nassen Marowsky und Meyer, als Stellvertrter Genosse Silcmann. Spandau. Zu dem letzten Stadtverorbnetenbericht ersucht uns Genosse Piek- Spandau, mitzuteilen, daß er seine Unterschrift zu dem Antrag betreffs die Nationalspende für Zeppelin gegeben habe, weil er sich auf dem Standpunkt des Genossen Singer in der Reichstagssitzung, in welcher es sich um den Ankauf des Zeppelin- Ballons durch das Reich handelte, gestellt habe. Bei dieser Ge- legenheit habe Genosse Singer die Zeppelinsche Erfindung als ein Kulturwerk ersten Ranges bezeichnet und erklärt, mit Freuden seine Zustimmung zu dem Anlauf des Ballons durch das Reich zu geben. Genosse Piek teilt weiter mit, daß er allein in der Sitzung anwesend war; wären aber die übrigen drei Genossen zugegen ge- Wesen, so würden auch diese, wie sie erklärt haben, gleichfalls den Antrag unterschrieben haben. Die Bezugnahme des Genossen Piek auf die Darlegungen des Genossen Singer scheint uns verfehlt zu sein. Das Reich hat Zeppelin unter bestimmten Bedingungen zwei Millionen Mark bewilligt, und man kann, ganz gleich, wie man sich zu Zeppelin und seiner Erfindung auch stellen möge, wirklich meinen, daß diese Summe zunächst genüge. Wenn gewisse Enthusiasten, angeregt durch die nicht ungeschickte Reklame von Zeppelin sehr nahestehender Seite, den Wunsch haben, etwas Großes zu leisten unter Erhebung einer Zeppelmsteucr, so sollten Sozialdemokraten diese Leute unter sich lassen. Ein Anlaß, dg mitzumachen, liegt, unserer Meinung nach, nicht vp.r. Sericdts- Leitung. Wer haftet für widerrechtliche Aufführung von Werken der Tonkunst? ' Als Aufführender im Sinne des UrheberrechisgesetzeS kann nach diesem Gesetz und nach den Entscheidungen des Reichsgerichts vom 8., 18. und 29. Mai nicht nur der Kapellmeister, sondern auch der ihn engagierende gewerbliche Unternehmer, z. B. der Gastwirt, betrachtet werden. Die Rechtslage ist danach folgende: Zur Aufführung eines geschützten Werkes der Tonkunst(Kon zerte, Ball- und Tanzmusik, Variete- und Zirkusvorstellungen usw.) ist die vorherige Einholung einer besonderen Genehmigung des Tonsetzers oder seines Rechtsnachfolgers erforderlich. „Aufführender" im Sinne des Urheberrechtsgesetzes, d. h. Haft- bar für die ohne Genehmigung des Berechtigten erfolgende Auf- führrnig eines Werkes der Tonkunst, ist nicht nur der Kapellmeister der die einzelnen Stücke besonders auswählt und die einzelne Aufführung leitet, oder das Orchester oder der Solist, sondern auch derjenige, der die Aufführung allgemein anordnet, also der gewerbliche Veranstalter(Gastwirt, Etablissementbesitzer, Inhaber eines Barietö oder Zirkus, Leiter einer Kur- oder Badeverwaltunl usw.), der eine Kapelle(ein Ensemble, Solisten usw.) mit der Ver anstaltung solcher Auffuhrungen beauftragt, zu denen auch die Aufführung de? in Frage stehenden Werkes gehört. Von dieser Haftung kann sich ein gewerblicher Unternehmer nicht dadurch befreien, daß er die Verantwortung auf seinen Kapellmeister oder andere ausführende Kräfte abzuwälzen sucht oder erklärt, die Auswahl der Stücke vollständig seinen Hilfskräften zu überlassen. Ebenso bleibt der gewerbliche Unternehmer auch dann verantwortlich, wenn er seinen Hilfskräften die Aufführung geschützter Werke verbietet, ohne für die Durchführung dieses Ver botes wirksam Sorge zu tragen. Strafrechtlich haftbar ist der Inhaber oder Geschäftsführer (Direktor) für die in seinem Etablissement oder Betriebe veran- stalteten Aufführungen namentlich auch dann, wenn er durch eine Warnüng darauf aufmerksam gemacht ist, daß in seinem Etablisse» ment oder Betriebe widerrechtliche Aufführungen erfolgen, gleich- viel, ob er die widerrechtlichen Aufführungen selbst angeordnet oder nur geduldet hat, oder ob er schließlich sogar ausdrücklich Verzicht darauf geleistet hat, die Auswahl der aufzuführenden Werke zu beeinflussen. In dieser Beziehung führt das Reichsgericht in der Entscheidung vom 29. Mai wörtlich aus: „Handelt es sich aber gar um unbefugte Aufführungen, so würde selbst ein Verzicht des Wirts auf jeglichen Widerspruch be- deutungSlos sein, denn selbstverständlich gebührt ihm, der für die Ordnung im Hause einzustehen hat und Herr der Lage ist, das Recht wie die Pflicht, jede strafbare Handlung, mihin auch jede unbefugte Aufführung in seinen Räumen zu verbieten und eventuell zu»verhindern." Vorsätzlich handelt aber nach der gleichen Entscheidung des Reichsgerichts nicht nur derjenige Unternehmer, der im einzelnen Falle weiß, daß ein bestimmtes Werk widerrechtlich aufgeführt wird, sondern auch derjenige, der— ohne bestimmtes Wissen— bei seinem Verhalten die Möglichkeit einer widerrechtlichen Auf» führung mit in Kauf nimmt. Es genügt, wie das Reichsgericht wörtlich ausfübrt„der eventuelle Vorsatz: die Vorstellung von der Möglichkeit eintretender Rechtsverletzung und das Einverständnis mit der Verwirklichung dieser Möglichkeit und ein vorsätzliches Verhalten, das die Verwirklichung herbeiführt." Beschränkung der Wahlagitation durch Polizeiverordnung und Richterspruch. Das ist echt preußisch: Ein Wahlrecht, welches die grosse Masse der Bevölkerung von der parlamentarischen Vertretung fast völlig ausschließt, eine Polizeiverordnung, welche noch obendrein die Wahlagitation der Entrechteten beschränkt und ein Richterspruch, der die Eingriffe der Polizei in daS kümpierliche Recht der Staats- bürger sanktioniert. Es war die 142. Abteilung des Schöffengerichts Berlin-Mitte, welche am Montag ein derartiges Urteil fällte. Am Tage der Landtagswahl verteilte der Arbeiter Hiemle in der Brunnenstraße, nahe dem Rosenthaler Tor und dem Wahllokal Zettel, welche der sozialdemokratischen Wahlagitation dienten. Ein Schutzmann untersagte ihm das. Hiemke berief sich dar- auf, daß er die polizeiliche Erlaubnis zum Verteilen von Druckschriften habe. Eine Erlaubnis brauchte er übrigens nicht, denn bekanntlich bestimmt§ 43 der Gewerbeordnung ausdrücklich» daß nach Ausschreibung einer Wahl jedermann das Recht hat, auch ohne polizeiliche Erlaubnis Druckschriften, welche sich auf die Wahl beziehen, öffentlich zu verteilen. Hiemke, im Vertrauen auf sein gutes Recht, folgte der Anordnung des Schutzmannes nicht. Er wurde sistiert und erhielt dann einen Strafbefehl, weil er— „der wiederholten Aufforderung eines Polizeibeamten, in dem an- gegebenen Straßenteil keine Zettel zu verteilen, nicht Folge leistete"�_______ Vor Gericht erfuhr man, daß sich die Polizei dem Angeklagken gegenüber nicht nur auf die bekannte Straßenpolizeiverordnung stützte, welche denjenigen mid Strafe bedroht, der den Anord- nungcn nicht folgt, die ein Polizeibeamter im Interesse der öffent- lichen Ruhe. Ordnung und Sicherheit erläßt, sondern es wird auch noch die zur Regelung des Straßenhandels erlassene Polizciverord- nung vom 19. November 1904 herangezogen. Diese Verordnung untersagt den Straßenhandel, sowie das Verteilen von Geschäfts- empfehlungen, Reklamezetteln und Druckschriften in bestimmten Straßenteilen, zu denen auch der zwischen Veteranenstraße und Rosenthaler Tor belegene Teil der Brunnenstraße gehört.— Ein als Zeuge vernommener Schutzmann sagte, der Reviervorstand habe die Beamten angewiesen, streng darauf zu achten, daß in dem bezeichneten Teil der Brunnenstraße keinerlei Zettel berteilt werden. Nur für diesen Stratzenteil sei dem Angeklagten das Ver- teilen der Zettel untersagt worden. Wenn der Angeklagte in eine Nebenstraße gegangen wäre, hätte er die Zettelverteilung unbe- helligt fortsetzen können. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Theodor Liebknecht, verwies auf die oben erwähnte Bestimmung der Gewerbeordnung, die bei sinngemäßer Anwendung doch nicht anders verstanden werden kann, als daß die Wahlagitation durch Druckschriften durch keine polizeilichen Matznahmen beschränkt werden darf, und daß die zur Regelung des Strahenhandels erlassene Polizeiverordnung auf die Verbreitung von Wahldrucksachen nicht angewandt werden darf. DaS Gericht teilte aber diese Rechtsauffassung nicht. Es stellte sich vielmehr auf den Standpunkt der Polizei und verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 8 M. mit der Begründung: Wenn die Polizeiverordnung vom 19. November 1904 die Ver. teilung von Wahldruckschriften von dem Verbot der Drucksachen- Verteilung in bestimmten Stratzenteilen ausnehmen wollte, dann wäre das in der Verordnung, die ja doch jünger sei wie die Ge- Werbeordnung, ausdrücklich bemerkt worden. Da dies nicht ge- schehen ist, so müsse angenomen werden, eS sei die Absicht der Ver- ordnung, auch die Verteilung von Wahldruckschriften während der Wahlzeit in bestimmten Straßenteilen zu verbieten. Diese Ver- ordnung habe der Angeklagte übertreten, er müsse deshalb ver- urteilt werden. Gegen das Urteil wird selbstverständlich Berufung eingelegt werden. Eine Polizeiverordnung kann kein Reichsgesetz ändern, auch wenn die Absicht bei Erlaß derselben dahin gegangen wäre. Uebrigens wäre die Unerstellung einer solchen Absicht beleidigend, denn sie enthält die Annahme, die Polizei habe die Reichsverfassung verletzen wollen und verletzt,__ Oeffentlicher Aushang des Ergebnisses der öffentlichen Wahl ist grober Unfug. So hat eine Abteilung des Schöffengerichts Berlin-Mllte am Montag entschieden. Es handelte sich um folgenden Fall: Am Tage der Urwahlen zum preußischen Abgeordnetenhause hing der Schankwirt Pasche, Äliencr Straße 56, im Fenster seines Lokals eine Abschrift der Wählerliste zweiter Abteilung aus. Auf dieser Liste waren die Namen derjenigen Wähler, die ihre Stimme abgegeben hatten, durchstrichen und zwar teils mit roten, teils mit blauen Strichen. Außerdem hatte Pasche einen Zettel angebracht, auf dem die Namen einiger Wähler der ersten Abteilung an- geführt waren, dazu die Bemerkung, daß diese Wähler„blau" ge- wählt habcm Einer der Wähler erster Abteilung ging vorüber, sah den Aushang, lief zur Polizei und gab an, er fühle sich durch denselben belästigt. Die Polizei entfernte und konfiszierte die bei Pasche aushängende Liste, und dieser erhielt eine Anzeige wegen— groben UnfugS.— Obwohl eine Belästigung des Publikums oder eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Ordnung nicht nach- gewiesen war, verurteilte das Gericht den Angeklagten zu einer Haftstrafe von 59 M.» da er durch Aushang der Liste die Wähler, welche nicht sozialdemokratisch gestimmt haben, boykottieren wollte und dadurch groben Unfug verübt habe. Das Urteil ist unhaltbar. Eine MietStalerschwinblrrin und Gelegenheitsdiebin mußte sich gestern in der Person der Näherin Angelika Kaufmann vor der 1. Ferienstraskammer de? Landgerichts I verantworten. Die Angeklagte ist schon mehrfach wegen ähnlicher Betrügereien vorbestraft. Kaum aus der Strafanstalt entlassen, meldete sich die Angeklagte unter falschem Namen in einem StellenvermittelungS- burcau im Potsdamer Viertel. Ende Mai erlangte die«K. bei der Pensionsinhaberin S. in der Lützowstraße einen Dienst. Das „neue Mädchen" führte sich sehr gut, war anstellig und fleißig, so daß ihre Herrschaft schon von der„Perle eines Dienstmädchens" sprach. Drei Tage später war die„Perle" aber schon spurlos ver- schwunden und zwar unter Mitnahme eines Portemonnaies mit 10 M. Inhalt und eines Brillantringes im Werte von 70 M. Einen ähnlichen Diebstahl verübte die Angeklagte bei dem Hotelbesitzer M., wo sie auch noch den Korb eines anderen Dienstmädchens erbrach und deren geringe Habseligkeiten entwendete. Schließlich gelang es, die Angeklagte, nachdem öffentlich vor ihrem gemein- gefährlichen Treiben gewarnt worden war, festzunehmen.— Vor Gericht war die Angeklagte nur in einem Falle geständig und be- hauptete, das Opfer einer Personenverwechselung in den übrigen Fällen zu sein. Das Gericht verurteilte die Angeklagte wegen Betruges, Urkundenfälschung und schweren Diebstahls dem Antrage des Staatsanwalts gemäß zu 1 Jahr und 5 Monaten Gefängnis. Ei» jugendlicher PostauShelfer mußte sich gestern unter der Anklage der Unterschlagung im Amte vor dem Strafrichter verantworten. Der Ibjährige frühere De- peschenausträger Franz Behlaan war durch Handschlag als Post- aushclfer vereidigt und bei dem Postamt 1 in Charlottenburg angestellt worden. Eines abends erhielt er noch fünf Depeschen zur Beförderung, die aber nicht in die Hände der Adressaten ge- langten. Es wurde eine Untersuchung eingeleitet, die ergab, daß der jugendliche Postbote die Telegramme auS Bequemlichkeit einfach weggeworfen hatte. Außerdem hatte B. noch aus einer Druck- sachensendung eine» Kalender mit entwendet. Die Strafkammer hielt einen gröblichen Vertrauensbruch für vorliegend und erkannte trotz der Jugendlichkeit des Angeschuldigten aus eineu Monat Ge- fängnis. Dia Strafe dünkt uns außerordentlich hoch. Weniger der An- geklagte als die sind an den Delikten schuld, die das Kind auf solchen verantwortungsvollen Posten stellten, statt eine erwachsene Kraft anzustellen. Singegsngene Qruckfckrltten. Die Einheit der Architektur von H. MuthefiuS. 1,50 M. Verlag, K. CurtluZ, Berlin W. 35. Wirtschaftsgeographie mit eingehender Berücksichtigung Deutsch. landS, Von Dr, Ch, Gruber, geb. 2,40 M.— B,<3. Teubner In Leipzig. Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschcnwelt. Von Fürst Peter K ropotkin. 2 M. Th. ThomaS w Leipzig. Schule und Brot. Von Helene Simon. 1,20 M. Verlag L. Boß ix Hamburg, Hobe Bleichen 34. Straubes Spezialkarte vom Ober- und Untersvreewald. 75 vs. Verlag Jul. Straube. Berlin 81V. 13. Jahresbericht des Sozialdemolratische» Vereins Krei««ssen. Selbst- Verlag. „Rene Generation', Juiihest, HerauSgederw Dr. phti. Helene Stöcke».. Verlag Oesterheld u. Co., Berlin. Der klerikale Sturm in Oesterreich, Fall Wahrmund und die Los von Rom- Bewegung von P. Bräunlich. Lehmanns Verlag, München. 60 Pf. DaS Blaubuch. Wochenschrift. Herausgegeben von H. JIgenstew u. H. Kienzl. Konkordia, Deutsche Verlagsanstalt. Berlin. S. Geschäftsbericht des ArbettersekletariatS Ltronach. 31 Selten. Selbstverlag. 3. Bericht des BildungSauSschusseS in Bremen. 15 Seite». VerlagS- anstalt Schmaiseld u. Co. in Bremen, Die gläserne Wand. Legende» und kleine Geschichten von G. Ruseler, 2 M. Buchverlag der Hilfe, Schöneberg-Berlin. Jahresbericht des Vereins deutscher Kaufleute. ISO?. 55 Seiten. Selbstverlag. Berlin, Dresdener Str. 80. Verantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn» Berlin. Für den Jnjeratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer dt Co., Berlin SW,