Nr. 175. Hbcnnemf n tS'Bedlngu ngen: HSsnntmeiUS- Preis pränumerando? Pierteljährl. 3,30 Mk,, monolL T,10 Ml» wöchentlich 28 Pfg, frei inS Haus, Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Seilage.Die Neue Welt� 10 Pfg. Post. tlbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen w die Post. ZeitungS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 3 Mark, für daS übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark. Holland. Möllen, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schwei». 3Z. Jahrg. Crffttist lZgll» laCcr lllsolim. Berliner VolksblnK. Sie lnsettisnz-Sedühr beträgt sür die sechSgespaltene Kolonel» »eile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerlschastliche BerciiiZ- und BcrsammlungS.Anzcigen 30 Psg. „Aieine Anreizen", da» erste lsitt» gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere vort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf« stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg» jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer Müllen diS 5 Uhr nachmittags in der Expedition »bgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adresse: „SoxUIlitmoKt,! Rerlin". Zentralorgan der rozialdemokratirchen parte! Deutfchlands. Redaktion: SM. 68, Ltndcnatraase 69. Fernsprecher: Amt IT, Rr. 1983. Mittwoch, den SS. Juli 1SS8. Expedition: SM. 68» I.indenstrasse 69* Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1984. freisinnige Oppofitionstöne. Das Verfahren gegen Schücking hat die frei- sinnige Presse doch einigermaßen in Bewegung gebracht. Freilich, es hat einige Zeit gedauert, und es wäre zu schön gewesen, wenn man den Fall Schücking ebenso mit Totschweigen hätte erledigen können, wie es die Berliner freisinnige Fraktions- presse mit den Lehrermaßregelungen der letzten Zeit getan hat. In der Tat könnte sich Herr v. M 0 l t k e sehr wohl darauf berufen, daß er nur d a s s e l b e in seinem Rtlssort tut, was Herr Holle getan hat, ohne von der„Freisinnigen Zeitung" dafür zur Verantwortung gezogen worden zu sein. Ja, das Verhalten der Freisinnspresse gegenüber den Maß- regelungen der Lehrer, die üi ihren Aeußerungen noch weit- aus zurückhaltender, harmloser und patriotischer waren, als Herr Schücking. muß geradezu als eine Verleitung des Herrn v. Moltke zu demselben Terrorismus betrachtet werden, den Herr Holle verübt hat. Aber diesmal konnte der Freisinn nicht schweigen. Lehrermaßregelungen sind in Preußen schon etwas ziemlich Alltägliches und die betroffenen Lehrer sind unbekannte Leute. Die Maßregelung eines Bürgermeisters erregt selbst in Preußen noch eine gewisse Sensation. Der Freisinn hätte seine letzte Position, seine Stellung in den Kommunen einfach kampslos aufgeben müssen, wenn er auch den neuesten Fuß- tritt mit Dank quittiert hätte. Nachdem die„Franks. Zeitung" und das nichtparteioffiziöse„Berliner Tageblatt" voran- gegangen, eiltschlossen sich endlich auch„Freis. Ztg." und„Voss. Zeitung" zur Nachfolge. Aber hier wurde der Protest sogleich mit einer Abschwächung versehen. Man versuchte es so darzustellen, als ob das Versahren von„untergeordneter Seite" eröffnet worden sei. was schon nach der Rechtslage gänzlich ausgeschlossen war. um nur die Regierung enffchuldigen zu können. Jedoch dieser Versuch ist vollständig gescheitert. Die„Franks. Ztg." bestätigt heute ausdrücklich. daß der Minister v. Moltke persönlich für das Anklageverfahren gegen Dr. Schücking verantwortlich ist und während der letzten Landtags- Kampagne ihn dienstlich zur Erklärung auf- fordern ließ, wie er es wagen könne, als Bürger- meister für die Freisinnige Volkspartei zu kandidieren. Es ist nun gerade dieser Umstand, der es dem Freisinn unmöglich macht, zu dem Fall Schücking zu schweigen. Denn ein. ärgerer Schimpf ist wohl nie einer .Partei, die sozusagen eine Regierungspartei ist, zugefügt worden. Dieselbe Regierung, der sie so demütig dient, de- straft die Zugehörigkeit eines Beamten zu dieser Partei mit Amtsentlassung! So wenig hoch wir auch die Gefolgschaft des Freisinns einschätzen, so können die Führer es doch nicht wagen, auch noch diese Schmach ruhig auf sich zu nehmen. Und so hört man wieder einige oppositionelle Töne, Die Frankfurter Zeitung" schreibt: „Daß aber der Liberalismus eine Reaktion in der preußi- schen Verwaltung, wie sie dem Herrn v. Moltke beliebt, sich nicht gefallen lassen wird, und wenn der ganze Block zum Kuckuck geht, das hoffen wir allerdings. terr v. Moltke ist gewissermaßen als Konzession für den iberalismus zum Minister des Innern ernannt worden. Run hat diese Konzession die Gestalt angenommen, daß man einem Bürgermeister verbieten wollte, sür die Freisinnige Volkspartci zu kandidieren, und ihm dann einen Prozeß anhängte, weil er sich in freisinniger Weise äußerte! Ja, glaubt man denn, der Liberalismus werde sich verhöhnen lassen? Auch der Reichskanzler und preußische Ministerpräsident wird von diesem Hohne betroffen. Er hat die Blockpolitik bc» gönnen und zu diesem Zwecke dem Liberalismus die Hand ge- boten; er hat mit den Führern der liberalen Parteien wiederholt über die Fortführung dieser Politik verhandelt. Nun kommt Herr v. Moltke und vertritt den Standpunkt, daß es eines Bürgermeisters unwürdig sei, als Liberaler aufzutreten! In den Augen dieses Herrn hat sich also wohl auch der preußische Mini st erPräsident etwas vergeben, als er den Liberalismus einlud, an der Regierungspolitik teilzunehmen. Wie Fürst Bülow das empfinden mag, ist seine Sache. Wie wir es empfinden, das wollen wir klipp und klar sagen. Wir sehen nur eine Alternative: entweder Fürst Bülow desavouiert seinen Minister, schlägt das Verfahren gegen Dr. Schücking nieder und gibt Garantien gegen die Anmaßungen konservativen Be- amtentums, oder eS g i b t keine Möglichkeit in e h r. d i e Blockpolitik fortzusetzen. Wir wollen damit natürlich den Beschlüsien der Parteien nicht vorgreifen. Aber wir wollen auch keinen Augenblick zögern es auszusprechen, daß für uns der Fall Schücking eine Lebensfrage der gegen» wältigen politischen Situation i st." Das klingt nun sehr energisch und die„Freis. Ztg." und die..Vossische Ztg." sind weit entfernt, solche Alter- nativen zu stellen. Sie bringen nur kurze und spärliche Nachrichten über die Proteste anderer. Doch möchten wir auch die Opposition der„Franks. Ztg." nicht überschätzen. Einmal ist es jetzt Sommer und bis im Herbst das Parläment zusammentritt, ist noch lange Zeit. Dann aber ist es auch ganz gut mögljch, daß Fürst Bülow die Suppe, die ihm Herr V. Moltke eingebrockt hat, nicht sehr schmackhaft findet. Soweit reicht die Autorität des Reichskanzlers und preußischen Ministerpräsidenten wirklich nicht, daß ihn die Junker im preußischen Ministerium um Erlaubnis fragen, wenn sie seine Blockpolitik völlig lächerlich machen. Preußen wird— und dies wieder einmal populär aufgezeigt zu haben, ist ja das eigentliche Verbrechen Schückings von seinen Landräten regiert. Und das preußische Ministerium ist nichts anderes, als deren Exekutive. Ihrer Macht muß sich auch Bülow beugen, will er nicht das Schicksal Caprivis teilen. Dazu kommt noch, daß Bülow von der inneren Verwaltung nichts versteht und sich darum nicht kümmert. Wie er sich in der p r e u ß i s ch e n W a h l r e ch t s- frage die höhnend abweisende Erklärung von Herrn Moltke, dem zum Minister avancierten Landrat hat diktieren lassen, so hat er auch in allen anderen Fragen der inneren preußi- schen Politik keine Meinung und keinen Einfluß. Und so erklärt sich wohl auch die große Energie der „Franks. Ztg.". Sie ist ein verzweifelter Versuch, Bülow gegen Moltke scharf zu machen. Den Ausgang kann man mit Gelassenheit abwarten. Gelingt's, dann wird die Verhütung des Disziplinarverfahrens uns als eine liberale Konzession angepriesen werden, die den kommenden Verrat des Freisinns bei der Reichs finanz- resorm wird entschuldigen müssen. Gelingt's nicht, dann wird die Zersetzung des Freisinns noch etwas beschleunigt werden. Unterdessen bereitet sich das Zentrum auf jedm Fall vor, als lachender Erbe in die Regierungsniajorität ein- zuziehen, sehnsüchtig erwartet von seinen konservativen Freunden. Stellenjsger. In der„Konsumgenossenschaftlichen Rundschau" vom 18, Aug. löst? findet sich eine Artikel, worin es heißt:< .. und was das Schlimmste ist. zu den AufsichtSratS- Posten drängen sich Streber, denen es nicht darum zu tun ist, der Genossenschaft uneigennützig zu dienen, sondern den Auf- sichtsratsposten als Sprungbrett benutzen, um in irgendeine Stelle hineinzuspringen. Wenn dieses nicht so recht bald ge- lingt, gebärden sich die Leute als die ruppigsten genossenschaft- lichen Stachelschweine. Erreichen diese Streber aber die An- stellung, so stehen ihre Leistungen häufig im umgekehrten Ver- hältniö zu dem Eifer, mit dem sie für ihre Anstellung tätig waren." Trotzdem in dem Artikel mit keinem Worte davon die Rede ist, daß es sich um Sozialdemokraten handelt, die sich hier als Streber hervortun, benutzt die Zentrumspresse die obige Notiz zu einem Anwurf wider die Sozialdemokratie. Sie veröffentlicht den Passus unter dem Titel„Sozialdemokratische Stellenjäger" und fügt die Bemerkung hinzu: „Es wirft ein bezeichnendes Licht auf die Zusammensetzung der Sozialdemokratie, wenn man zugeben muß, daß daS ganze Ideal gewisser Genossen darin gipfelt, die soziale Frage durch die Ergatterung einer gut bezahlten Parteistellung für ihre eigene Person zu lösen." Die Gemeinheit dieses Vorgehens richtet sich von selber, und Wir könnten uns jedes weitere Wort sparen. Um aber der ultra- montanen Presse zu. zeigen, wo in Wirklichkeit die Stellenjäger sitzen, wollen wir sie hinweisen auf einen Artikel, der an einer für daS Zentrum gewiß unverdächtigen Stelle, nämlich im„Deut- schen Metallarbeiter" zu finden war. Das genannte christliche Gewerkschaftsblatt brachte im Mai 1997 einen Artikel, überschrieben„M ehr Jdealismu s". Darin wurde hinge- wiesen auf die ideale Gesinnung der Arbeiterbewegung, aber auch auf gewisse bedenkliche Erscheinungen, die diesen Idealismus ge- fährden könnten. Tann heißt es mit Bezug auf die christliche Ar- beiterbewegung: „Wir denken hier an die unangebrachte Streberei nach Anstellung als GeWerk schaftsbea in ter oder Arbeiter sekretär. Hier und da wird die Erfahrung ge- macht, daß örtliche Führer und Vertrauensmänner nur des- halb für die Organisation arbeiteten, weil sie hofften, angestellt zu werden, und daß sie sich sofort zurückzogen, wenn ihre Hoffnungen sich nicht erfüllten. Das ist das gerade Gegenteil von dem vorher geschilderten Jdearismus, es ist k r a s s e st e r Egoismus." Der Artikel weist sodann auf die auffällige Erscheinung hin, daß in den letzten Jahren der Andrang zu den Volkswirt- schäftlichen Kurs e n in M.-Gladbach so stark gewesen sei': „Manchem soll der Kursus nur der Steigbügel sein skr einen läng st ersehnten Beamtenposten und da drängen sich oft Leute vor, denen jede Befähigung für eine der- artige Stellung fehlt... Entweder man erstrebt eine angesehenere Stellung oder ein besseres Ein- kommen oder man will gerne eine Rolle im äffen t- lichen Leben spiel cn. Arbeiter, die in der Arbeiter- bewcgung noch gar keine Opfer gebracht haben, verstehen es, hier und da in konfessionellen Vereinen durch absolute W i l l f ä h r ig k e i t beim Klerus sich in ein gutes Licht zu setzen, um sich auf diese Weise für eine Anstellung als Arbeitersekretär usw. zu empfehle n." Da sich zu den M.-Gladbacher Kursen doch wohl nur stramme Zentrumsleute drängen, so dürfen wir wohl die Frage stellen: Wo sitzen die Stelleniäger? Im sozialdemokratischen oder im ultra- montanen Lager?_ Sie jungtüMche Bewegung und die mazedonische präge. In dem vom„Vorwärts" bereits zitierten Artikel deS Jungtürken Ali Haydar Midhat wird behauptet, daß die„türkische Revolution im wesentlichen in Asien gemacht worden sei"» wo seit zwei Jahren unaufhörlich„Aufstände" stattgefunden hätten.„Die Akte, in welche sich die Re» volution(in der asiatischen Türkei) vollzog, bestanden hauptsächlich in der Verjagung mißliebiger, unfähiger, aus- saugerischcr Gouverneure, in der Ermordung solcher Offiziere, die ihren Kameraden als Spione verdächtig waren", sagt der Verfasser. Ob solche„Akte" als wirkliche Aufstände zu betrachten seien, scheint uns sehr zweifelhaft. Uns scheinen sie bloß eine symptomatische Bedeutung zu haben, ein Beweis der unerträglichen Lage zu sein, in der sich auch die Masse der türkischen Bevölkerung befindet. Andererseits aber scheinen sie auch zu beweisen, daß es der jungtürkischen Partei bisher nicht gelungen ist, die Blassen trotz derer un- erträglichen Lage der revolutionären Bewegung direkt an- zuschließen. Der Grund dafür ist, daß das Programm der jungtürkischen Partei keine Forderungen wirtschaftlichen Charakters enthält. Besonders ist zu bedauern, daß dieses Programm so wenig Rücksicht nimmt auf die wirklich un- erträgliche Lage der ländlichen Bevölkerung, namentlich der Pächter, die fast im Frondienste stehen. Jedenfalls steht eins fest: den Charakter einer Volks- bewcgung hat die türkische Revolution bis jetzt nur in Mazedonien. Und nicht aus Zufall kam es hier zum Ausbruch. Wenn man überhaupt von einer Revolution in Permanenz sprechen kann, so gilt dies vor allem von der mazedonischen revolutionären Bewcgung. Man könnte eher be- hauptcn, daß der Ausbruch der jungtürkischen Bewegung zu- fälligerweise mit eineni der unzähligen Ausbrüche der mazedo- nischen Revolution zusammenfiel und daß dieser Zufall den Jungtürken den Sieg gesichert habe. Ob ein weiteres Zusammen- gehen der Mazedonier und Jungtürken möglich sein wird, wird hauptsächlich von den Jungtürken abhängig sein. Die mazedonische Bewegung, die anfänglich einen vor- wiegend nationalistischen Charakter hatte, nimmt in den letzten Jahren immer mehr den Charakter einer ausgesprochenen sozialwirtschaftlichen Bewegung an. Die Mazedonier stellen zwar die rein politische For- derung einer Autonomie auf, aber diese Autonomie soll bloß als Garantie zur Verwirklichung der sozialen und wirtschaftlichen Mcformen dienen."'In dem Aufrufe des maze- donischen Komitees von 1963 wirdaiff Grund der von sämt- lichen Organisationen angenommenenResolntioncn folgendes proklamiert: „Wir erheben die Waffe gegen die Tyrannei und Un- Menschlichkeit;»vir kämpfen im Namen der Freiheit und Humanität.... Wir betrachten als Brüder alle, die im finsteren Reiche des Sultans leiden und verderben, alle ohne Unterschied der Nasse und Nationalität: die Wallachen, Griechen und Türken sind denselben Leiden, die wir Bulgaren ertragen, ausgesetzt. Wenn wir auch in unseren Reihen bis jetzt keine Griechen und Türken sehen, so geschieht das ausschließlich deshalb, weil diese sich ihrer eigenen Interessen nicht bewußt sind. Wir halten sie aber nicht für Feinde, nennen sie auch nicht Feinde. Unsere Feinde sind die türkische Negier ung und jeder, der gegen uns mit bewaffneter Hand vorgeht."*) In anderen Aufrufen, die in der Zeitung der mazedonischen Revolutionäre„Houvomeiit rnaesdonien" veröffentlicht wurden, wird die wirtschaftliche Lage der mazedonischen Bevölkerung genau behandelt und der Krieg nicht nur der politischen Tyrannei, sondern auch der wirtschaftlichen Ausbeutung erklärt. Dies sind die Tendenzen der„Inneren Organi- sation" der mazedonischen Revolutionäre. Die„Aeußere Organisation", die das vollständige Losreißen Mazedoniens von der Türkei und die Angliederung dieser Provinz an Bulgarien erstrebt, existiert zwar auch jetzt, aber sie hat keine große Bedeutung und keinen Einfluß auf die Bevölkerung. Die„Innere Organisation" dagegen steht in engster Verbindung mit den großen Bauernmassen und darf als wahre Führerin der ganzen Volksbewegung während der letzten Jahre betrachtet werden. Aber auch die„Innere Organisation" verlangt, wie ge- sagt, wenn nicht vollständige Losreißung von der Türkei, so doch politische Selbständigkeit, eine Autonomie für Mazedonien.— Wird die jungtürkische Partei diesen Be- strebungen der Mazedonier entgegenkommen? Bisher sind die„Jungtürken" als entschiedene N a t i 0 n a» l i st e n. als Anhänger nicht nur der politischen Einheit, sondern auch der politischm Zentralisation und als eifrige Propagandisten des P a n i s l a m i s m u s bekannt. Als solche traten sie schon nach ihrem ersten Siege, im Jahre 1876 auf der„Konferenz" in Konstantinopcl vor. Als besonders entschiedener Feind der mazedonischen Autonomie zeigte sich damals der unglückliche Verfasser der türkischen Konstitution, M i t h a d- P a s ch a. der den Vertretern der Großmächte ausdrücklich erklärte:„Sie können die Türkei vernichten, aber nie werden Sie im- stände sein, die Türkei zu einem Selb st- m 0 r d(durch Gewährung der mazedonffchen Autonomie) z u zwingen." Ob sich die Ansichten der Jungtürken über die maze- donische Frage geändert haben, Ist unbekannt. Zwar berichten die Zeitungen in den letzten Tagen über Verhandlungen der jungtürkischen Führer mit den mazedonischen. Allein die Ver- Handlimgen scheinen bis jetzt resultatlos geblieben zu sein. Für den Fortbestand der Verfassung wird es jedenfalls von *> Wir zitieren nach der vortrefflichen in russischer Sprache veröffentlichten Abhandlung von Jusckroff:„Die Türkei und Maze- donien".»Wjestnik Ewrvpij", 1903, Rr. 3 und 4. entscheidender Wichtigkeit sein, daß die Verwirklichung der Konstitution zugleich die Erfüllung der w i r t s ch a ftli'ch e n, nationalen und religiösen Bedürfnisse aller Bewohner der Türkei bedeutet, die nur durch eine weit* gehende Selbstverwaltung zu erreichen ist. Ueber die türkische Frage hat der englische Minister des Auswärtigen im Unterhause Ausführungen gemacht, die des- halb von Bedeutung sind, weil sie zeigen, daß England die verfassungsmäßige EntWickelung nicht zu stören gedenkt und von den kleinen Balkanstaaten das gleiche verlangt. Grey führte aus: Der Ursprung der ganzen Lage in Mazedonien ist eine schlechte und schwache Regierung gewesen. Sie ist eine Versuchung für die benachbarten Staaten und für die in Mazedonien ansässigen der Nationalität dieser benachbarten Staaten angehörenden Bewohner gewesen, auf die Stärkung ihrer eigenen Nationalität auf Kosten der anderen be- dacht zu fein. Die Regierung, die sich selbst unfähig fühlte, die Ordnung zu bewahren, hat die eine gegen die andere ausgespielt, anstatt kraftvolle unparteiische Mastregeln zur Aufrechterhaltung der Ordnung zu ergreifen. Gegen diese Situation und gegen diese Methoden der Regierung haben wir in Gemeinschaft mit anderen europäischen Mächten zeitweilig Ein- spruch erhoben. Nun ist plötzlich, und so weit wir in Betracht kommen, unerwartet ein Protest von der türkischen Armee und der muselmanischcn Bevölkerung selbst gekommen. Das Außergewöhnliche ist, daß diese Ereignisse, an- statt zunehmende Unordnung zur Folge zu haben, für einige Zeit und in gewissem Maße Sicherheit und Ruhe geschaffen haben und die Banden verschwinden. Wenn dieser Stand der Dinge fortdauert und die Banden sich wirklich zerstreuen, so lvird die Bildung einer Streitmacht zu ihrer Veririchtung nicht notwendig sein. Wir begrüßen für den Augenblick die neu geschaffene Lage.(Beifall.) Ich glaube, daß sie andauern wird und daß die Balkanstaaten Bulgarien, Serbien und auch Griechenland die äußersten Anstrengungen machen werden, dafür zu sorgen, daß sie andauert. Ich glaube auch, daß niemand Nutzen davon haben lvird, sich in Mazedonien festzusetzen und daß die Negierungen der der Türkei benachbarten Staaten, soweit ihr Einfluß reicht, alles was in ihrer Macht steht aufbieten werden, um zu verhindern, daß die Banden auf ihren Gebieten geduldet oder gebildet werden, ebenso wie ich hoffe, daß alle Mächte Europas daS äußerste tun werden, um den günstigen Ein- f l u ß der gegenwärtigen Lage weiter zu entwickeln. Wir sind in der mazedonischen Frage nur aktiv geworden, weil wir sehr wohl wissen, daß nicht nur die christliche Be- völkerung unter der schlechten Regierung leidet, sondern auch die mohammedanische Landbevölkerung. Demnach ist unser einziger Wunsch gewesen, eine gute Regierung an der Spitze zu sehen, und wenn die Türken jetzt daran gehen, die ganze Verwaltung ihres Landes zu verbessern, wenn sie die Bürgschaft übernehmen, daß Mohammedaner und Christen in gleicher Weise von dieser Verbesserung Nutzen ziehen sollen, dann würde die mazedonische Frage auf diese Weise beigelegt sein, indem die Türken getan hätten, was zu tun wir seit Jahren dringend von ihnen forderten. Es wäre besser, wenn die Angelegenheit auf diesem Wege ge- löst würde, als daß man von einer widerstrebenden und un- willigen Behörde Teilreformen erpressen müßte. Wir müssen_ die Ereignisse abwarten. Im gegenwärtigen Augenblick kann ich sagen, daß unsere Sympathien auf Seite derer sein müssen, die mehr Freiheit, mehr Festig- keit und mehr Unparteilichkeit in dre Regierung ihres Landes einzuführen suchen, und ich würde der letzte sein zu prophezeien, daß sie dabei Mißerfolg haben werden. Das letzte, was wir wünschen könnten, wäre, bei Beginn ihres Werke? ihren Enthusiasmus� zu dämpfen.(Beifall.) Wir begrüßen die Nachricht, daß der Sultan seinem Lande eine Verfassung gegeben hat, wir begrüßen die Stärke der Erregung, welche die Prokla- mation der Verfassung zuwege gebracht hat und während wir in unserer Wachsainkeit nicht nachlassen, noch auch in unserem Be- streben lau werden, alles in unserer Macht stehende zu tun, um die Weiterentwickelung Mazedoniens zu fördern, müssen wir gegen- wärtig eine sympathische, aber abwartende Hal- tung beobachten.(Beifall.) ». Die neuen Nachrichten aus der Türkei lassen erkennen. daß der Enthusiasmus des Volkes noch zunimmt. Aus Konstantinopel wird vom 23. Juli telegraphiert: Gestern veranstalteten Schüler verschiedener Gesellschafts- klaffen, von ihren Angehörigen begleitet,»nchrere Umzüge durch die Stadt. Auf öffentlichen Plätzen und in Gärten wurden patriotische Reden gehalten und die Zivilbevölkerung ver- brüderte sich mit den Offizieren, die sich an den Kundgebungen massenhaft beteiligten. In den Straße« herrscht lebhaftes Treiben. Hunderte von Händlern bieten Zeitungen zum Kaufe ans, andere verkaufen rote Bänder mit der Inschrift„Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit." Die Bänder werden von der Bevölkerung am Bermel oder am Fez getragen. Nachmittags wurde von der hiesigen Sektion des ottomanischen Koinitees für Einheit und Fortschritt ein Aufruf verbreitet, in welchem die Bevölkerung aufgefordert wird, nun- »nehr ihren Geschäften wieder nachzugehen. Doch hindert der Enthusiasmus nicht, daß man achtsam die Ausführung der Versprechungen überwacht. Momentan steht die Gewährung der Amnestie im Vordergrunde. Darüber liegen folgende Meldungen vor: Konstantinoprl, 23. Juli. Gestern abend fand vor der Pforte eine große Kundgebung statt. Eine an den Großivcsir entsandte Abordnung verlangte die Generala,nnestie. Gleichzeitig legten die bei dem Großwesir erschienenen Heraus- geber der türkischen Blätter die Notwendigkeit einer Amnestie dar, um die Bevölkerung zu beruhigen. Der Großwesir gab hierauf das Erscheinen eines Jrades'bekannt, durch das allen polltischen Verurteilten, Verhafteten und Verbannten Generalamnestie gewährt wird. DaS Jrade wurde durch Extraausgaben der Bevölkerung bekanntgegeben. Eine zahllose Menschenmenge wartet die Freigabe aller Gefangenen ab. Auch eine gewisse Reaktion beginnt sich geltend zu machen. Die Bildung von politischen Parteien beginnt. Unter den Sofias tind anderen Volksklassen haben sich patriotische antiliberale Gruppen gegen die jungtürki- schen Chauvinisten gebildet. Der Systemwechsel zieht natürlich auch einen Personen- Wechsel mit sich. Trotz des Widerstrebens des Sultans be- stehen die jungtürkischen Führer auf der Entfernung der bis- herigen Ratgeber und der Beseitigung der Aildizkamarilla. Einige der markantesten Ratgeber und Spione sind auch be- reits entfernt worden._ eine Friedensrede. ,. Sir E d to a r d Grey hat gestern im englischen Parlament über das Verhältnis zu Deutschland gesprochen und ist dabei mit dankenswerter Entschiedenheit der chauvinistischen Hetze in beiden Ländern entgegengetreten. Grey wird die Beratung des auswärtigen Etats um so lieber zu seiner Darlegung benutzt haben, als ja ein Besuch des englischen Königs in Deutschland bevorsteht und es daher beiden Regierungen erwünscht sein muß. den.Chauvinismus etjpjjst Einzudämmen. Grey führte im wesentlichen folgendes aus? „Es ist unzweifelhaft durchaus nicht wünschenswert, daß einige Kreise des Landes es so darstellen, als ob es das Ziel der englischen Politik sei, Deutschland zu isolieren. Ebenso ist es unerwünscht, daß irgendein Teil der öffentlichen Meinung in Deutschland glauben sollte, daß dies der Fall ist.(Beifall.) Tie Gefühle zweier großer Völker inögen ihrem Grade nach von Jahr zu Jahr wechseln, aber ich bin befugt, zu sagen, daß jeder, der die Geschichte der letzten 23 Jahre unpar- teiisch überblickt, wird zugeben müssen, daß die Haltung Großbritanniens nicht diejenige einer Macht war, die der Erreichung guter Beziehungen widerstrebte. Wenn Sie Ihre Gedanken zu den Ereignissen zurückschweifen lassen,, die sich in der ersten Hälfte dieser 20 Jahre abspielten, werden Sie finden, daß es Zeitpunkte gab, wo eine bestand ige Reibung zwischen England und Frankreich oder zwischen England und Rußland vorhanden war. In den letzten Jahre»» haben wir Uebereinkünfte mit diesen beiden Mächten erreicht, durch welche diese zwischen uns bestchonde Rei- bung sowohl wie die für den Frieden bestehende Gefahr, die zwischen England und Frankreich einerseits, zwischen England und Rußland andererseits vorhanden war, beseitigt wurde. Das ist ein sehr merklicher Unterschied. Hat vielleicht eine Macht in Europa der Meinung Ausdruck gegeben, daß das günstige Gleichgewicht der Mächte von ihrem Standpunkt aus von unseren schlechten Beziehungen zu Frankreich und Rußland abhänge? Keine Macht hat so etwas gesagt Auch Deutschland hat e s ni ch t g e s a g t. Es ist noch nicht so lange her, daß geäußert wurde, die deutsche Politik hänge nicht davon ab, daß Feindschaft zwischen anderen Mächten hervor- gerufen werde. Ich möchte hinzufügen, daß, soweit wir be- teiligt sind, es keineswegs unsere Politik ist, unserer Freundschaft eine feindselige Spitze gegen eine andere Macht zu geben. Aber wir müycn frei sein, diese Freundschaften einzugehen. Nach- dem wir sie abgeschlossen haben, bin ich willens, die weiteste Garantie zu bieten, daß wir sie zu unserem eigenen Vorteil und dem des anderen Landes benutzen, aber wir wollen ihren Vorteil nicht dazu verwenden, um Feindschaft zwischen unserem Freund und einem anderen Lande zu säen, noch ist es unser Ziel, irgendeine andere Macht zu isolieren. Seitdem man von Isolierung gesprochen hat, ist es nur angemessen, daran zu erinnern, daß Deutschland zwei Verbündete hat und daß wir weder dieses Bündnis mit scheelen Blicken betrachtet, noch gemeint haben, daß es gegen uns gerichtet sei; ferner, daß wir ungeachtet dessen Abkommen mit Frankreich und Rußland getroffen haben, welche der ganzen Welt bekannt geworden sind, obwohl die Bestimmungen der Tripelallianz bisher nicht veröffentlicht worden find. Es existiert also nicht der geringste Grund, anzu- nehmen, daß das Ziel und die Ursache dieser Abkommemn die Isolierung Deutschlands gegenüber irgend- einer anderen Macht wäre.(Beifall.)" Englands auswärtige Politik, das hat gerade wieder der Bund mit dem Zaren gezeigt, ist gewiß frei von Sentimentalität. Aber andererseits ist sie ebenso frei von allen Plötzlichkeiten und Ueber- raschungen. England ist heute im wesentlichen saturiert. Eben deswegen wäre es für Deutschland sehr leicht mög lich, mit England zu einer V e r stä n di g u n g zu gelangen, wenn nicht die verderbliche Flottenschwärmerei, die unklare Weltpolitik, die Beute- gier unserer herrschenden Klassen und das Dominieren der mili- tärischen Einflüsse, der deutschen Regierung eine vernünftige aus- wärtige Politik unmöglich machten. politilcbe CUberficbt. Verlin. den 28. Juli 1908. Der Sozialismus ist der Friede. In eiem Artikel über den Londoner Friedenskongreß machen die„Daily News" einige Bemerkungen, die. an sich interessant, den Unterschied des lebendigen englischen Liberalismus von dem verwesenden deutschen Freisinn klar erkennen lassen. Das Blatt sagt:„So lange als diejenigen Klassen die Politik bcherr- schon, welche von den stehenden Armeen, von den großen Flotten, von den imperialistischen Abenteuern und der Ausbeutung schwächerer Rassen ihren Profit ziehen, so lange wird auch die Furcht vor dem Kriege bestehen bleiben. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen den europäischen Staaten. Frankreich ist vielleicht am friedlichsten, weil es am demokratischsten ist. Deutschland ist am meisten militaristisch, weil es auch am meisten unter der Herrschaft der Landaristokratie steht. England steht in der Mitte. Aber überall ist das Wachstum der Ar- bette r. und sozialistischen Parteien die sicherste Gewähr für den Frieden, teils deshalb, weil sie für die Idee der internationalen Solidarität der Ar- b e i t e r eintreten, teils deshalb, weil sie unaufhörlich die Mittel, welche die herrschenden Klassen lieber für Rüstungen ausgeben, für die Sozialreform verwendet wissen wollen. Jede Aenderung, die das Parlament mächtiger macht, die Geheimnisse der Diplo- matie enthüllt, und die Vertretung der Meinung der Besitzlosen fördert, ist eine Aenderung zugunsten des Friedens. Der Feind ist niemals diese Macht oder jene, sonder« d i e- jenigen Klassen in jedem Lande, welche zu Hause oder in der Oeffentlichkcit Stimmung machen für stehende Armeen, für kostspielige Rüstungen und für koloniale Expansion. Der be- deutendste Fortschritt, den die Demokratie zum Frieden hin gemacht hat, war der Beschluß des internationalen Sozia- listenkongrcsses in Stuttgart, dem Krieg Widerstand zu leisten, nicht allein durch Worte oder Abstimmungen, sondern durch alle Mittel, welche die organisierte Arbeit anwenden kann." Preußische Landräte gegen Arbeiterturnvereiue. Jeder preußische Landrat ist ein Universalgenie: er kann alles und macht alles. Die Landräte der um Berlin gelegenen beiden Kreise haben, wie die„Deutsche Tageszeitung" mit Be- friedigung feststellt, Verfügungen erlassen, nach welchen die Ge- meindevorstände den sozialdemokratischen Turnvereinen unter keinen Umständen mehr die Turnhallen zur Benutzung über- weisen dürfen.-- In dieser Verfügung, die auf eine besondere An- frage auch dem Friedrichsfelder Gemeindevorstand zuging, weil sich dort ein Verein beschwert hatte, heißt es:„Die Ueberlassung der Turnhalle an die»Freie Turnerschaft" darf unter keinen Umständen erfolgen." Trotz dieser Vorliebe der preußischen Regierung für die Arbeiter- turnvcreine haben sich viele Arbeiterturner an dem jüngsten Hurra- turnfest in Frankfurt a. M. beteiligt. Die„patriotischen" Ratio», alliberalen. Die nationalliberale„Magdeburger Zeitung" hatte den schüchternen Vorschlag gemacht, das Fell des Volkes bei der Reichsfinanzreform wenigstens nicht ohne jede Gegenleistung der Konservativen zu opfern, sondern für die Stcuergroschen der nichtbesitzenden Klasse wenigstens so viel Wahlrecht zu erschachern, als sich mit den Interessen der Junker und Schlctbayone vertrage. Die konservative Presse jedoch, die am liebsten das Dreiklassenwahlrecht in seiner ganzen gegenwärtigen Schönheit erhalten wissen will, hatte sich im Verein mit dem Zentrum— das seine Dienste ohne Gegenleistung anbot!— über diese liberale»Erpressertaktik" weidlich entrüstet. Aber auch die„Kölnische Zeitung", eins, der führenden nationalliberalen Organe, erklärt jetzt, daß sie nicht daran denke, Volksrechte„erpressen" zu wollen. Sic schreibt: „Die Reichsfinanzreform ist aber eine Frage, die alle Parteien mit demselben Ernst anspricht, deren Erledigung von Tag zu Tag mehr nationale Pflicht wird, für die jede Partei Opfer bringen mutz, ohne Dank zu verlangen. So verständlich die Erbitterung der Liberalen ist, so ver- bängnisvoll wäre es, sich in dieser Stimmung zu Taten hinreißen zu lasten, die dem nationalen Liberalismus gefährlich werden»nützten.„Etwas anderes ist's, versucht zu sein. Angelo, etwas anderes, zu fallen." Die„Kreuz-Ztg." bemerkt dazu mit unverkennbarem Hohn:„Auf den Versuch, die preußische Wahlreform ebenfalls für eine nationale Arffgabe des Reichstages zu erklären und sie damit der Kompetenz des Blocks zu unterstellen, geht die„Köln. Ztg." bezeichnender- weise gar nicht erst ein." In der Tat: Für die Herren Nationalliberalen ist es eine„nationale" Aufgabe, das Volk durch neue indirekte Steuern nach allen Regeln der Kunst auszuplündern, um die Besitzenden und'Leistungsfähigen vor dem Be- zahlen direkter Steuern möglich st zu schützenl DaS ist die nationale Aufgabe des Blocks! Eine E r w c i t e- rung der Volksrechte könnte ja diese nationale Block- Politik auch nur erschweren.— Keine Reaktivierung Kuno v. Moltkes. Der„Köln. Volksztg." wird telegraphisch aus Berlin gemeldet� daß Graf Kuno weder in seine Stellung zurückkehren noch einen Ersatzposten erhalten wird. Nach der zweiten Verhandlung des Harden-Prozesses glaubte man in„wohlinformierten" Kreisen, daß Graf Kuno v. Moltke einer Reaktivierung entgegengehe. In diesen Kreisen galt eS(sogar als sicher, daß die neue Stellung Moltkes sich in unmittelbarer Nähe des Kaisers befinden würde'. Die Reaktivic- rung mußte jedoch hinausgeschoben werden, als gegen das Urteil des Prozesses beim Reichsgericht Berufung eingelegt worden war. Kiino v. Moltke ging ins Ausland. Nachdem das Reichsgericht der Revision stattgegeben hatte, war eine Wiedereinstellung in den Dienst schon aus dem Grunde nicht möglich, weil der Kaiser erst volle Klarheit haben wollte. Als jedoch die Anklagen gegen Eulenburg sich verstärkten, wurde es von der Reaktivierung immer stiller, und jetzt gilt es als besthnmt, daß Graf Kuno v. Molke nicht mehr in seine Stellung zurückkehren noch sonstwie reaktiviert wird. Es steht ferner zu erwarten, daß die Affäre Eulenburg noch einen Wechsel in einigen maßgebenden Stel- lungen zeitigen wird, der spätestens aus Anlaß der Kaisermanöver stattfinden wird. Sollte Herr v. Einem reif sein für den gnadenvollcn Abschied?-_ Südwestafrikanische Wünsche. Zur Begrüßung des jetzt in Südwest angelangten Herrn Dern- bürg veröffentlicht die„Deutsch-Südwe st afrikanische Zeitung" einen Programmartikel, der sehr charakteristisch für die Auffaffungcn unserer füdwestafrikanischen Kolonssten ist. Da wird zunächst bedauert, daß die Schutztruppe noch weiterhin vermindert und durch Polizeitruppen ersetzt werden soll. Natürlich: wovon sollen die Besitzer der unzähligen Hotels. Bars, Kneipen und die anderen zahlreichen Spekulanten leben, wenn man ihnen durch Herabsetzung der Schutztruppcn die Kundschaft, die Bereicherungsobjekte entzieht I Deshalb auch das eifrige Bemühen, womöglich mit den O v a m b o s Konflikte zu entfesseln. Ein neuer Krieg wäre ein gefundenes Flesten für die Tausende von Schmarotzern, die der Krieg ins Land gelockt hat, und die jetzt großenteils erwerbslos geworden sind l Weiterhin protestiert das Blatt gegen jede etwaige Absicht, das Los der im traurig st en Hörigkeitsverhältnis befind- lichen Eingeborenen zu verbessern. Die VerorSnungen seien eine „strammeJacke, aber eine g u t e I a ck e". Die Eingeborenen fingen an, sich an diese„stramme Jacke" zu gewöhnen. Wolle man ihnen da eine neue anpaffen, die sie vielleicht„schmucker und hehag- licher kleide", so möchten sie— so fürchtet man— am Ende der Zwangsjacke der brutalen Arbeitssklaverei zu entschlüpfen suchen l Das ist Kolonialpolitik I Hunderttausend Eingeborene mußten enteignet, mußten zn zwei Dritteln ausgerottet und zum letzten Drittel versklavt werden, damit einige Hundert Kolopialbarone auf ihre Kosten ein feudales Leben führen köimenl Denn eine dichtere Besiedelung des Landes durch K l e i n k o l o n i st e n erklärt das Blatt ja für a u S« geschlossen! Es schreibt: „Nach wie vor steht für uns im Vordergrund des Interesses die Verwertung des Farmgeländes. Eine nennenswerte Erhöhung der Bodcnpreise loiirde den Grundsätzen einer rationellen Besiedelungspolitik zuwiderlaufen. Je billiger das Land verkauft wird, um so schneller und intensiver wird die Besiedelung des Landes vor sich gehen. Der VersuS, durch Kleinsiedelungen eine dichte Besiedelung zu fördern, gilt allen Kennern des Landes für fehl-" geschlagci»...." In einem Punkte freilich ist Demburg der Mann dieser Kolonial- agrarier: er soll ihnen recht viele neue Eisenbahnlinien bauen! Und im großen und ganzen wird das ja auch der ganze Effekt dieser neuen Asrikareise des Kolonialsekretärs sein!—' Gegen das Rcichstagöwahlrecht. Die Konservativen rüsten zum Angriff auf das geltende Reichs- tagswahlrecht. Die„Amtlichen Mitteilungen des konservativen Vereins für die Provinz Brandenburg" schreiben: „Sobald im Herbst die Wahlrechtsanträge der Genossen im Landtage kommen werden, würde es sich empfehlen, der Regierung als Richtschnur für ihr Vorgehen die Anregung mit auf den Weg zugeben, die Lösung der preußischen Wahlrechts- frage in einem Zusammenhang mit einer Reform des Gemeindewahlrechts und nicht minder des Reichstagswahlrechts zu bringen. Gründe der Gerechtigkett und Billigkeit sprechen dafür, und diesen kann und darf sich eine einsichtsvolle Regierung niemals ver- schließen. Jedenfalls kann, ja muß erwartet werden, daß nicht früher an dem preußischen Wahlrecht herumgedoktert wird, bis eine Einigung über die gleichlaufende Reform deZ Gemeinde- Wahlrechts gesimden ist." Konservative Unverfrorenheit! Fürst Bülow erklärte anläßlich der sozialdemokratischen Wahlrechtsinterpellation im Reichstage, die Reform des Landtagswahlrechts sei eine Sache, die den Reichstag nichts angehe. Der Reichstag hätte kein Recht, sich mit dem preußischen Klaflcnwahlrecht zu befassen. Umgekehrt»näßt sich aber das preußische Junkertum das Recht an, im preußischen Dreiklassen- Parlament die Verschlechterung des ReichstagSwahlrechts zu fordern.— Gegen die Lichtsteuer. Protestaktion hat den Beweis erbracht, daß die Massen der Unfälle, welche 2111 erwachsene Arbeiter männlichen und 26 weib Da die badische Regierung fich weigert, die Juterpellation der französischen Arbeiter wie die der ganzen Welt nur mit Haßlichen Geschlechts, 175 jugendliche Arbeiter männlichen und 7 weib Sozialdemokraten über die Gas- und Elektrizitätssteuer zu be- und Verachtung des Zaren gedenten und ein Bündnis mit lichen Geschlechts betrafen. Von diesen Unfällen ereigneten sich an antworten, hat die fozialdemokratische Fraktion nach Rücksprache mit dem Despoten als unerträgliche Schmach empfinden. Dampskessel usw. 7, durch feuergefährliche Stoffe usw. 113, durch Motoren und Arbeitsmaschinen 732, an Hebemaschinen 184, an den anderen Fraktionen einen Antrag eingebracht, in welchem die Im übrigen erweckt die jetzige Revaler Zusammenkunft kein Busammenbruch, Einsturz 295, durch Fall von Leitern, Treppen 200, Kammer die Regierung auffordert, im Bundesrate gegen so großes politisches Interesse als die vorangegangene mit beim Transport 47, durch Handwertszeuge usw. 383. Sonstige Urjebe Besteuerung von Gas und Elektrizität zu dem englischen König, die der Ausdruck einer neuen politischen sachen 55 Fälle. stimmen. Situation, der Annäherung Englands an Rußland war. Die Als Folgen der Unfälle wird angegeben: 124 Todesfälle, in Trinksprüche, die gestern zwischen Fallières und Nikolaus ge- 24 Fällen böllige, in 1862 teilweise und in 309 Fällen vorübergehende Grwerbsunfähigkeit. Der Bericht bemüht sich auch, die Schuldfrage wechselt wurden, halten sich in den gewöhnlichen Grenzen. zu lösen. Dieser Versuch ist aber wertlos, weil er, wie alle Berufsgenossenschaftsberichte, auf einseitigster Beurteilung des Unternehmertums beruht und eine große Reihe Unfallfaktoren ganz un berücksichtigt läßt. Keine Inferatensteuer? Marokko. Unser Schuhgenosse. Tanger, 28. Juli. Von den an der rechtswidrigen Ver= Die, Münch. Neuest. Nachr." behaupten, daß sich unter den den Bundesregierungen vorliegenden Steuerprojekten der Reichsfinanzreform tatsächlich auch eine Steuer auf Inserate und Reklamen befinde. Die Deutsche Tages= Beitung" bestreitet das; der Gedanke einer Inseratensteuer fei zwar wieder einmal erwogen, aber aufgegeben worden, da haftung eines deutschen Schuhgenossen beteiligten man mit Sicherheit vorausgesehen habe, daß eine solche Steuer im marokkanischen Soldaten ist auf Betreiben des deutschen Gesandten Reichstag doch keine Annahme finden werde. Auch die" Freis. der Hauptschuldige gefangen gesezt worden. Er bleibt im Ge3tg." meint, daß es sich bei dem Projekt der Inseratensteuer nur fängnis während einer von dem deutschen Gesandten zu beum ein, totgeborenes Kind" handeln könne, sollte wirklich stimmenden Zeit. die Meldung des Münchener Blattes zutreffen. Die Inseratensteuer wäre von neuen indirekten Steuern noch nicht die schlechteste und zum mindesten einer Branntwein, TabakEine Niederlage Abdul Asis. oder Lichtsteuer entschieden vorzuziehen. Nur diejenigen Parteien vom 27. Juli gemeldet, daß sich die Nachricht von einer NiederKöln, 28. Juli. Der Kölnischen Zeitung" wird aus Tanger hätten ein Recht, sie zu verwerfen, die überhaupt ie de neue Iage Abdul Afis und feiner Umzingelung zwischen Gair Gi indirekte Steuer ablehnen und das Reichsdefizit durch progreſſive Alda und Medakra bestätigt und daß ein von Saffi aufgebrochenes Reichseinkommens-, Vermögens- und Erbschaftssteuern, kurz durch asisisches Heer in Abda zum Rüdzug gezwungen wurde. direkte Steuern gedeckt wissen wollen. Aber die Inseratensteuer würde das Einkommen der Zeitungskapitalisten schmälern und möglicherweise die Konkurrenz der Bourgeois- und Sensationspresse gegenüber der proletarischen Presse schwächendeshalb ist sie von vornherein ein„ totgeborenes Kind" 1Kultusminister v. Wehner amtsmüde? " Die Stellung des bayerischen Kultusministers v. Wehner soll erschüttert sein. Der Minister ist am Sonntag plöglich unwohl" geworden und hat sich im Landtag, wo zurzeit sein Etat in der Abgeordnetenkammer verhandelt wird, entschuldigen lassen. Kolonialpolitiker als Kolonialinteressenten. Der Reichstagsabgeordnete Dr. Semler soll als Nachfolger des verstorbenen Dr. Scharlach in den Aufsichtsrat der Südtamerungesellschaft eintreten. In Kolonialkreisen wird damit gerechnet, daß er infolgedessen sein Amt als Referent der Budgetfommission über den Kolonialetat niederlegt.- Der Kolonialeifer des Herrn Semler war immer verdächtig. neue Posten ist nur eine Veränderung in der Form, nicht im Wesen der Semlerschen Beziehungen zum Kolonialkapitalismus. Gemeindeproporz in Bayern. Der Gegen 5 Stimmen nahmen die bayerischen Abgeordneten endgültig die Vorlage für den Gemeindeproporz an, wodurch der Gesamtbeschluß des Landtags über die Einführung der Proporzwahl in Bayern erzielt ist. Wieder ein Terrorismusschwindel. Soziales. Unfälle im Tiefbau. In der lezten Nummer des„ Tiefbau" veröffentlicht der Vorstand der Tiefbau- Berufsgenossenschaft eine Uebersicht der in den Jahren 1906, 1907 und bis Ende Juni 1908 zur Anmeldung gekommenen Unfälle. Trotzdem nun die Zahl der im Tiefbau beschäftigten Personen seit dem 1. Januar 1908 um etwa 12 000 zurüdgegangen ist, hat die Unfallziffer eine erhebliche Steigerung erfahren: Unfälle wurden gemeldet: 1907 1906 1908 Ueber darunter Ueber- darunter Ueber- darunter Haupt tot haupt tot Haupt tot 1072 19 1021 1301 18 1174 11 222 Januar 27 Februar 1062 11 815 10 März 1049 15 962 21 1268 April 904 6 998 19 1236 27 Mai 1121 13 1107 20 1344 18 Juni 1103 13 1251 23 1376 30 Juli 1163 8 1201 21 Auguſt 1115 21 1212 20 September 1031 20 1188 18 Oktober 1070 19 1172 28 1011 15 1279 25 1259 20 November Dezember. 1100 16 Auf Verschulden der Arbeitgeber wurden nur 27 Unfälle zurückgeführt, während die Verletzten selbst an 1071 Unfällen die Schuld tragen sollen. Auf Gefährlichkeit des Betriebes und sonstigen Ursachen, Zufälligkeiten usw. sollen 1221 Unfälle zurückzuführen sein.. unter den 1071 von Arbeitern selbstverschuldeten Fällen sind allein 817 Fälle auf„ Ungeschicklichkeit und Unachtsamkeit" zurückgeführt worden, in 168 Fällen sollen die Verletzten gegen die Unfallverhütungsvorschriften verstoßen haben. Sie wurden durch die Ver30 Arbeiter von der Berufsgenossenschaft verwarnt worden seien, stümmelung eben schwer bestraft. Der Bericht führt an, daß gegen 4 Mitarbeiter wurden wegen Verschuldens an Unfällen Gefängnisstrafen von 2 Wochen bis zu 4 Jahren verhängt. Und die Arbeitgeber? Nur eine Arbeitgeberin wurde von der Polizei mit einer Geldstrafe belegt. Für die Fürsorge innerhalb der ersten 13 Wochen des Unfalls hat die Berufsgenossenschaft nur 4126. verausgabt. Die Aufsichtsbeamten berichten wohl, daß sie im Berichtsjahre 25 Proz. der Betriebe besichtigt und 332 Rentenempfänger fontrolliert haben, über das Resultat dieser Revisionen erfährt man aber nichts. Aus Induftrie und Dandel. Ueberraschungen in der Elektrizitätsindustrie. Für die nächste Generalversammlung der Bergmann Elektrizitätss A.-G. bereiten sich anscheinend Ueberraschungen vor, deren Schlußeffekt das Aufgehen der Gesellschaft in die Allgemeine ElektrizitätsGesellschaft sein dürfte. In Börsenkreisen hat man eine ganz in der Stille betriebene Uebernahme von Aftien der Bergmann A.-G. beobachtet. Die Spuren des Interesses für dieses Papier führen nach der Allgemeinen Elektrizitäts- Gesellschaft und soll die dirigierende Hand tatsächlich schon über eine Majorität verfügen, indem sie es verstanden hat, zirka 55 Prozent der Aktien an sich zu nehmen. In einzelnen Fällen sind ganz enorme Abstandspreise gezahlt worden. Schon daraus kann man entnehmen, daß die A. E.-G. mit der Aktion schwerwiegende Interessen verfolgt. Dies dürfte mit dem Umstand in Verbindung zu bringen sein, daß die Bergmann A.-G. noch die einzige be deutende Konkurrentin der A. E.-G. auf dem Fabrikationss gebiete ist. Die Generalversammlung der Bergmann A.-G. wird jedenfalls schon einige Aufklärung über die Pläne der Allgem. E.-G. bringen. V Firma Fried. Krupp. Die Freif. 8tg." weiß einen neuen, besonders schweren Fall Die enorme Steigerung der Unfälle wird durch das Entgegenvon sozialdemokratischem Terrorismus zu berichten. Der Konfum- kommen der Regierung auf Wünsche der Unternehmer, insbesondere verein in Brandenburg betreibt ein Konfektionsgeschäft. Für diesen durch die Begünstigung ausländischer Arbeitskräfte erklärlich. Aber Konsumberein liefert eine Frau N. seit 14 Jahren Weißnäharbeiten, was schiert die nationalen" Parteien die Zunahme der Gefäh ohne daß ihre Arbeit jemals beanstandet wurde. Anfang dieses dung von Menschenleben und Menschengesundheit, wenn der UnterDer Bericht der Essener Handelskammer enthält interessante Jahres trat nun, wie das Blatt erzählt, der Ehemann dieser Frau nehmerprofit dabei wächst. Wir konstatierten neulich, daß die Angaben über den Umfang des größten tontinentalen Werkes Bir dem Gewerkverein der Tischler bei, und siehe, von diesem Moment Staatsbürger- Zeitung" Zeichen von Gewissensbissen über die dem entnehmen dem Bericht folgendes: Die Fried. Krupp Aftiengesellan konnte sie der Geschäftsleitung nichts mehr recht machen, und als Recht der Arbeiterklasse ins Gesicht schlagende Begünstigung ausschaft umfaßt zurzeit folgende Werke: 1. Die Gußstahlfabrit in sie darüber ihr Erstaunen äußerte, erhielt sie vom Geschäftsleiter ländischer und Zurücksetzung einheimischer Arbeiter berriet. Die Effen( Ruhr) mit den Schießplägen in Meppen und Tangerhütte und bie Mitteilung:" Ihr Mann ist bei den Hirschen( fozialdemokra Staatsbürger- Zeitung", die früher so redlich sich um Heranziehung einem Schießstand in Effen, den Kohlenzechen: Vereinigte Sälzer tratischer Spottname für die Angehörigen der Hirsch- Dunckerschen rechtlofer ausländischer Arbeitskräfte bemüht hatte, behauptete, und Neusad in Essen, Hannover und Hördel bei Bochum, Gewerkvereine) eingetreten; ich kann Ihnen von jetzt ab keine Arbeit sie erhoffe einen nationalen Sturm" gegen den„ antinationalen Hannibal in Hordel Eickel bei Bochum, zahlreichen Eisensteinmehr geben." Erlaz" des Ministers. Wir hatten darauf verwiesen, daß das Das ist Schwindel! Dem Vorstand des Konsumvereins war ministerielle Entgegenkommen auf die Wünsche der Tiefbauunter- gruben in Deutschland mit zirka 50 Betrieben, darunter 18 größere Tiefbauanlagen mit vollständiger maschineller Einrichtung von dem ganzen Vorfall nichts bekannt; es ist demnach er- nehmer lediglich eine Konsequenz des von den gesamten national" außerdem Beteiligung an Gifensteingruben bei Bilbao in NordLogen, daß der Geschäftsleiter die ihm in den Mund sich nennenden Parteien gebilligten, freilich gegen die deutsche Ar- Spanien-, den mittelrheinischen Hüttenwerken: Mühlenhofenerhütte gelegte Aeußerung getan hat. Der Hergang ist folgender: Wegen beiterklasse gerichteten Erlasses vom 18. März 1906 ist. Nachdem bei Engers( Hochofenanlage mit 4 Hochöfen), Hermannshütte bei Mangel an Arbeit mußte die betreffende Frau, die feineswegs die Deutsche Tageszeitung", die" Staatsbürger- Zeitung" und das Neuwied( Hochofenanlage mit 3 Hochöfen), Eisengießerei und entlassen ist, eine Zeitlang ausfegen. Der Zuschneiderin" Reich" darauf hingewiesen hatten, daß die Ausländer im Inter- Maschinenfabrik in Sahn, einer Reederei in Rotterdam mit Seegegenüber fagte fie, ob das Aussetzen etwa damit zusammenhänge, eſſe der Landwirtschaft nach Deutschland gebracht werden müßten, dampfern. 2. Das Hütten-, Stahl- und Walzwerk Friedrich- Alfreddaß ihr Mann dem Gewerkverein angehöre. Völlig eigenmächtig schweigt sich der flammende Protest" und der" nationale Sturm" Hütte in Rheinhausen- Friemersheim. 3. Das Stahlwerk Annen in antwortete die Zuschneiderin, daß es die Angestellten nicht gern des Reich" und der Staatsbürger- Zeitung" in allen Tönen aus. Annen, Westfalen( früher F. Asthöwer u. Co.). 4. Das Grusonwerk sähen, wenn Mitarbeiter dem Gewerkverein angehörten. Mit dem Die deutsche Arbeiterklasse aber mag dessen eingedenk sein, daß Aussehen hat das absolut nichts zu tun. Die Verwaltung des Konjumvereins legt Wert darauf, festzustellen, daß sie es völlig ihren Angestellten überläßt, welcher gewerkschaftlichen Organisation sie sich anschließen wollen. Ungarn. Die Grundherren, die Landarbeiter und das Wahlrecht. Die Ernte in Ungarn ist vorüber, ohne daß es zu einem Streit der Landarbeiter gekommen wäre, wie das in den letzten Jahren der Fall war. Die Junker triumphieren, sie glauben, die widerspenstigen Landarbeiter für immer gefügig gemacht zu haben. Aber sie täuschen sich. Es ist die Ruhe des Kirchhofs, die auf den " gemeldet: 4 in Magdeburg- Buckau. 5. Die Germaniawerft in Kiel. Die Haupta gerade die Kriegsheber diese Verdrängung der deutschen Arbeiter fächlichsten Erzeugnisse der Gußstahlfabrik in Essen sind Geschüße, durch Ausländer billigen und fordern und dem deutschen Arbeiter Geschosse mit Bündern und Zündungen, Gewehrläufe, Panzer in sein Vaterland zu nehmen trachten. Die Anwerbung von Aus- Form von gewalzten Blechen und Platten für alle geschüßten Teile ländern im Ausland für industrielle Unternehmungen, jo ins- ber Striegsschiffe sowie für Fortifikationszwede, Eisenbahnmaterial, besondere für das Ruhrrevier, und für die Landwirtschaft wird Schiffbaumaterial, Maschinenteile jeder Art, Stahl- und Eisenbleche, feitens der Zalmipatrioten rüstig fortgesetzt. So wird aus Böhmen Walzen, Werkzeugstahl, Spezialstahle für die verschiedensten Teile " In Bruch und Umgegend fündigen die tschechischen Berg- Auf der Gußstahlfabrik waren im Jahre 1906 in den etwa 60 Bedes Kraftwagenbaues, Hartstahl, Stahltnüppel und anderes. arbeiter in großer Bahl, um sich in das westfälische Sohlengebiet trieben in Tätigkeit: etwa 6500 Werkzeug- und Arbeitsmaschinen, zu begeben. Im ganzen nordwest- böhmischen Braunkohlenrevier find Agenten tätig, welche die Arbeiter veranlassen, nach dem 21 Walzenstraßen, 155 Dampfhämmer von 100 bis 50 000 Stilowestfälischen Kohlengebiete überzusiedeln, wo sie angeblich höhere gramm Fallgewicht mit zusammen 253 274 Kilogramm Fallgewicht, 21 Transmissionshämmer von 12 bis 400 Kilogramm FallgewichtJe mehr deutschen Arbeitern die Arbeitsgelegenheit durch 4780 Stilogramm Gesamtfallgewicht, 74 hydraulische Pressen, darunter hierher gelockte rechtlose Ausländer geraubt wird, und je größer die Zahl der Verwundeten und Toten auf dem Schlachtfeld industrieller und landwirtschaftlicher Arbeit, desto größer der Profit, also ist es nach der Logik der bürgerlichen Parteien patriotische, nationale Pflicht: die ausländischen Arbeiter vor den deutschen in Industrie und Landwirtschaft zu bevorzugen. Wie lange noch deutschen Arbeitertlaffe provozieren zu dürfen? Löhne erhalten sollen." 2 Biegepreſſen zu je 7000 Tons, 1 Schmiedepreſſe zu 5000 Tons und 1 au 2000 Tons Drudfraft, 382 Dampfteffel, 589 Dampf und zu 2000 Tons Druckraft, 382 Dampfteffel, 539 Dampfmaschinen von 2 bis 3500 Pferdestärke mit zuſammen 59 059 Pferde stärke, 1861 Elektromotoren von zusammen 20 226 Pferdestärte, 725 Strane von 400 bis 150 000 Kilogramm Tragfähigkeit mit zusammen Strane von 400 bis 150 000 Kilogramm Tragfähigkeit mit zusammen 7 034 850 Kilogramm Tragfähigkeit. gleiche Wahlrecht. Der Herbst wird die Entscheidung bringen. glaubt die herrschende Klasse, in dieser Weise die Geduld der der auf den Kruppschen Werken beschäftigten Personen einschließlich niedergeknüppelten, durch schwere Strafen und die Verfolgung ihrer Führer mürbe gemachten Landproletariern lastet. Unter der Asche aber glimmt es weiter, bis die Empörung wieder in Hellen Flammen auflodern wird. Es ist die Ruhe vor dem Gewitter; das ungarische Proletariat bereitet sich vor auf den Sturm gegen das Privilegienparlament, für das allgemeine Die Regierung bereitet einen Boltsbetrug im großen vor, an Stelle des längst versprochenen allgemeinen und gleichen Wahlrechts will das Koalitionsministerium wieder ein Wahlrecht geben, das den herrschenden Klassen auch weiter das Privileg der Unterdrüdung und Ausbeutung der arbeitenden Klassen sichert. Die fozialdemofratische Partei macht die äußersten Anstrengungen, um diesen Plänen der Regierung mit aller Kraft entgegentreten zu können, und die ungarische Arbeiterschaft ist entschlossen, in diesem Kampf auch die letzten Konsequenzen zu ziehen. Niederlande. Der Konflikt mit Venezuela. pl Nach der Aufnahme vom 1. Januar 1908 betrug die Gesamtzahl 6198 Beamten 63 084( 1. April 1907: 64 397 einschließlich 5809 Beamten). Von diesen entfallen auf die Gußstahlfabrik Essen mit Von der Maschinenbau- und Kleineisenindustrie. den Schießplägen 32 952( im Vorjahre 35 538), die Friedrich- Alfredschaft ist die Zahl der versicherten Betriebe von 7443 im Jahre 1906 Budau 4836( im Vorjahre 4582), die Germaniawerft in Stiel 3580 Nach dem soeben erschienenen Bericht obiger Berufsgenossen- Hütte in Rheinhausen 5372( im Vorjahre 4718), das Grusonipert in auf 7735 im Jahre 1907 gestiegen. Die Zahl der versicherten Ar-( im Vorjahre 3552), die Stohlenzechen 9447( im Vorjahre 9273), die beiter stieg von 211 327 auf 227 091, also um rund 15 700 oder mittelrheinischen Hüttentverfe 1108( im Vorjahre 1139), Stahlwerk 7 Proz. Der Bericht bemerkt hierzu:" Diese Zunahme, welche im Annen 1002( im Borjahre 870) und die Eisensteingruben 5171( im Vorjahre rund 17 300 oder 9 Proz. betrug, ist also im Jahre 1907 Borjahre 4730). fleiner geworden. Die geringere Steigerung zeigt, daß der Aufschwung, den unsere Industrie in den letzten Jahren zu verzeichnen hatte, jich allmählich dem diesmaligen Höchstpunkte genähert hat." Damit wird, wenn auch sehr umschrieben, die hereinbrechende Strise in der Metallindustrie bestätigt. Demnach war auf dem Essener Werk die Zahl der Arbeiter und Beamten im Jahre 1907 gegen das Vorjahr um 2586 gefunten; auf dem Magdeburger Wert hatte die Belegschaft sich um 246 vermindert; auf der Friedr. Alfred- Hütte stellte sich der Rückgang auf 659 Mann. Bemerkenswert ist, daß die Gesamtzahl der auf allen Werten beschäftigten Arbeiter sich um 1313 verminderte, die Zahl der Beamten dagegen um 389 stieg. Haag, 28. Juli. Nach halbamtlicher Mitteilung bat der Erfreulich ist dagegen, daß es die Metallarbeiter berstanden Minister des Auswärtigen den niederländischen Vertreter in haben, in den letzten Jahren ihre Arbeitslöhne etwas zu steigern, Caracas telegraphisch, unverzüglich nach Holland zu kommen, wenngleich die Steigerung bei weitem die Teuerung nicht wetfmacht. um sich wegen seines Artikels in der Amsterdamre" Revue" zu Laut Bericht ist der Durchschnittslohn für erwachsene Arbeiter von rechtfertigen, der die Veranlassung zu dem bekannten Verhalten 1404 auf 1448 M. pro Jahr gestiegen. Im Jahre 1902 betrug Auf dem Wege zum internationalen Schiffahrtstrust. Caftros gegen de Reus bot. Das läßt darauf schließen, daß es dieser Durchschnittslohn 1253 M. Man darf aber nicht vergessen, Hamburg, 28. Juli. Die Hamburg- Amerika- Linie teilt in der Absicht der niederländischen Regierung liegt, vorläufig von daß bei dieser Berechnung nicht alle versicherten Arbeiter diesen mit: Seit einigen Tagen findet im Hotel Esplanade" eine jedem Vorgehen gegen die venezuelanische Regierung ab- Lohn verdient haben. Der Bericht führt selbst an, daß 188 793 Sonferenz der großen am Passagierverkehr nach Südamerika zusehen, bis die Informationen, welche de Reus persönlich Arbeiter diesen Durchschnittslohn verdienten, während noch 36 669 beteiligten Schiffahrtsgesellschaften statt, welche die Bildung gibt, so vollständig sind, um die Regierung der Niederlande die Arbeiter, Lehrlinge weniger als den ortsüblichen Tagelohn erder Art, einer Interessengemeinschaft nach wie sie Situation in den westindischen Gewässern richtig beurteilen zu hielten. Dieser Durchschnittsverdienst betrug aber nur 422 M. pro lassen. den Nordatlantik besteht, Jahr. Man sieht auch hieraus, wie unsere Industrie doch massen- schon für den Dienst über haft jugendliche Arbeiter, Lehrlinge usw. zu niedrigem Lohn be- zum Zwecke hat. Die Verhandlungen, in denen Generalfchäftigen. Auf 1000 erwachsene Arbeiter entfallen 194 jugendliche direktor Ballin den Vorsitz führt, nehmen einen aussichtsArbeiter usw. mit dem geringen Lohn. Die höchste Biffer weist vollen Verlauf, wenn es sich auch zunächst nur um einen die Sektion I( Dortmund) mit 267 jugendlichen Arbeitern auf 1000 Versuch, also um einen für kurze Zeit zu schließenden Vertrag Versicherte auf. Ihr folgt die Sektion III( Altena) mit 213. handeln kann. Erschienen sind etwa 24 Delegierte, welche die Im Berichtsjahre wurden der Berufsgenossenschaft insgesamt wichtigsten deutschen, englischen, französischen, holländischen 16 828 Unfälle angezeigt. Auf 1000 versicherte Personen entfielen somit durchschnittlich und spanischen Linien vertreten. An die Versammlung wird 74,09 Unfälle. Weit über diesen Durchschnitt steht die Sektion IV sich mit gleichen Zwecken eine Zusammenkunft der Schiffahrts ( Düsseldorf) mit 134,55 Unfällen auf 1000 Versicherte, während gesellschaften schließen, die an dem Verkehr mit Kuba und B. Settion II nur 34 zählt. Entschädigt wurden aber nur 2319 Meriko beteiligt sind. Rußland. Die Revaler Zusammenkunft. Der Präsident der französischer Republik ist auf seiner Auslandsreise in Reval angekommen, nachdem er vorher die Könige von Dänemark und Schweden besucht hatte. Den anhaltenden und energischen Protesten unserer französischen Genossen ist es nicht gelungen, die Zusammenkunft des Oberhauptes der Bourgeoisrepublit mit dem blutigen Zaren, dem Würger der russischen Freiheit, zu verhindern. Aber die große Beschäftigung tot- Abruf dringend. Die Stimmungsberichte aus der Industrie gleichen manchen Wetterberichten. Es mag kommen was will, der Bericht hat's getroffen, jeder findet darin was er wünscht. So berichtete W. B." unterm 25. Juli folgendes: Die in der heutigen Bersammlung der Hagener Vereinigung der Feinblechwalzwerke veranstaltete Rundfrage ergab, daß die Beschäftigung mit Rücksicht auf die jezige Jahreszeit tot ist. Ferner wurde festgestellt, daß die in einigen Eisenmarkt berichten angegebenen niedrigen Grundpreiserlöse fich nur auf einzelne Geschäfte haben beziehen können, die anläßlich der Jahresinbentur von einigen Werken in einzelnen nicht markt gängigen Lagerforten gemacht worden sind. Tatsächlich ist eine größere Belebung des Marktes in letzter Zeit festgestellt, besonders der Abruf ist stets dringend. Beschäftigung tot- der Abruf stets dringend. Gewerkschaftliches. Wirtschaftskrise und Arbeitslosen statistik. - im Gewerbe, die erfolgten Lohnfürzungen, Arbeiterentlassungen, I richtigen, daß 1. die Lohnbelegung nur für den Teil der Betriebe Betriebseinstellungen usw. einrichten. Besonders wirksam find als erledigt betrachtet werden kann, soweit dieselben dem Arbeit Stichproben und Momentbilder aus den von der Strise vorzüglich geber- Schugverband für das deutsche Holzgewerbe angeschlossen find. heimgesuchten Industrien und Landesteilen nebst Vergleichen des in diesen Betrieben wird aber kaum die Hälfte der Bau- und Einkommens mit der Haushaltungsrechnung. Es kann nicht ge- Möbeltischler beschäftigt. Für den anderen Teil beginnt die Lohnbewegung erst. leugnet werden: die Unternehmerverbände halten durch ihre Ge2. Zugestanden wurde ein Minimallohn von nicht 46 Pf.. schäftsführer in einer so systematischen Weise die Presse über die und zwar im arbeiterschädigen- fondern von 40 Pf., wie er zuletzt von den Arbeitern auch nur noch Vorgänge in dem betr. Gewerbe den Sinne auf dem laufenden, daß die Arbeiterorganisationen gefordert wurde. 3. Die Arbeitszeit ist nicht von 56 auf 55 Wochenstunden er dadurch vielfach in einem berzerrten Bilde erscheinen müssen, ihre Forderungen und Beschwerden von vornherein als übertrieben", mäßigt worden, sondern für Tischler, Drechsler, Polierer und Beizer von 54 auf 58 Stunden. Die Arbeitszeit für Maschinenarbeiter foll jeder Grundlage entbehrend" u. a. verdächtigt werden. Eine bessere und fortlaufende publizistische Verwertung der von 60 auf 57 Stunden verkürzt werden. Wunsch der Maschinengewerkschaftlichen Arbeitslosenzählungen würde der Arbeiterverarbeiter ist der, daß ihre Arbeitszeit nicht mehr als drei Stunden tretung im Parlament auch das wertvollste Material für die Be- die Woche länger dauert, als die der Tischler, also auf 56 Stunden gründung der von den Gewerkschaften geforderten Geseze, betr. ermäßigt werden möchte. Arbeitszeitverkürzung, Heimarbeit, Kinder und Frauenschutz usw. bieten. Noch aktueller erscheint die Beherzigung unserer AnStuffateure, aufgepaßt! Die Nürnberg- Fürther Studmeister regungen mit Rücksicht auf die in der Mache befindliche Reichs- inserieren in ganz Deutschland Gesuche nach Stuffateuren. Die finanzreform"! Ohne Zweifel soll es wieder mit indirekten Organisation der Arbeiter am Plake warnt vor Zuzug nach ges Steuern und Verbrauchsabgaben dem wirtschaftlich schwächsten nannten Städten, da gegenwärtig dort Tarifverhandlungen Volksteil an den schmalen Geldbeutel gehen. Man wird wieder stattfinden. Im übrigen gibt es dort felbst Arbeiter genug. Die von dem gestiegenen Volkswohlstand", den höheren Löhnen" und Studmeisteu suchen nur billigere Arbeitskräfte. dergl. reden und damit„ beweisen", wie herrlich weit die deut- Die Flensburger Glasmacher streifen. Sie fordern keine Lohns Selbst in dem Hochkonjunkturjahr 1906 haben die freien Geschen Arbeiter es gebracht haben. Dieser Schönfärberei müssen die erhöhung, sondern vor allen Dingen Beseitigung der vielen. Mißwerkschaften Deutschlands 2 653 296 M. an arbeitslose Mitglieder aschgrauen Wirklichkeitsbilder aus dem Arbeitslosenelend und der erhöhung, sondern vor allen Dingen Beseitigung der vielen. Mißstände und Regelung des Nullsystems. Dieses Nullsystem, das nur ausgezahlt; 1907 stand die zweite Jahreshälfte schon fast voll systematischen Lohndrückerei entgegengesetzt werden, um die auf der Flensburger Glashütte geübt wird, besteht darin, daß der ständig unter dem Einfluß der internationalen Wirtschaftskrise, nationale" Wirtschafts- und Steuerpolitit der Herrschenden vor Flaschenmacher für die ausrangierten, sogenannten Ausschuß. die Arbeitslosenziffer stieg erheblich. Ueber die Höhe der gezahlten dent Volte zu brandmarken. Je mehr wuchtiges Material die ge- flaschen keinen Arbeitslohn erhält. Die Streifenden verlangen Arbeitslosenunterstüßung liegen für 1907 noch feine abgeschlossenen werkschaftlichen Vertrauensleute für die Volksvertreter zusammen- Abschaffung dieses Nullsystems, weil die genullten und unbezahlten Zahlen vor, fie dürfte aber zirka 50 Proz. höher sein als 1906. tragen, um so besser für die Gewerkschaften und für das Volk in Flaschen keineswegs unbrauchbar sind. Das Jahr 1908 aber ist erst recht ein Krisenjahr ersten Ranges. seiner Gesamtheit. Das ist schon ersichtlich aus der internationalen Eisen- und Stahlproduktionsstatistik. Die deutsche Roheisenproduktion betrug seit 1902 jeweils in den ersten Halbjahren 4 013 776 To., 4 934 532 o., Die Freunde der Gelben. 4 999 413 20., 5 098 588 To., 6063 128 To., sächſtscher Induſtrieller zur Entschädigung beißrbeitseinstellungen" Letzte Nachrichten und Depefchen. 6 355 953 To. und 6 049 721 To. Berlin und Umgegend. Achtung, Former und Gießereiarbeiter! Die Differenzen bei der Firma Gebauer sind durch Verhandlungen beigelegt. Die Sperre ist hiermit aufgehoben. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin. Deutfches Reich. 9 Eine Inspektionsreise ins Reichsland. Der Bannstrahl. Mes, 28. Juli.( W. T. B.) Pfarrer Mansuh in Ars an der Mosel, der wegen seiner am Sonntag, den 26. Januar d. J., in der Pfarrkirche zu Ars gehaltenen Predigt von der Straffammer des Landgerichts Mek zu zwei Wochen Festungshaft verurteilt worden war, ist vom Bischof Benzler mit Wirkung vom 6. August vom Dienst enthoben worden. Aufgeschoben oder aufgehoben? Friedrichshafen, 28. Juli.( B. H.) Der Aufstieg des Zeppeline schen Luftschiffes erfolgt nicht, pie gemeldet, Ende dieser Woche, sondern am 6. Auguft. Auslieferung. Helsingfors, 28. Juli. Der Generalgouverneur hat dem Gerichtsdepartement des Senats vorgeschlagen, Maßregeln au ergreifen zum Zweck der Auslieferung von 11 Herstellern von Bomben aus Kuokala an die russischen Behörden. Die betreffenden Personen waren vom Wyborger Hofgericht wegen Verfertigung Das Gerichts von Bomben zu Zuchthaus verurteilt worden. departement hat dementsprechende Anordnungen getroffen. Eine Generalversammlung der Gesellschaft des Verbandes tagte in Dresden unter zahlreicher Teilnahme der Industriellen aus Auch 1903/1904 befand sich die deutsche Eisen- und Stahl- allen Teilen Sachsens. Aus dem Jahresbericht ist zu entnehmen, industrie in einer Depressionsperiode; dennoch stieg damals die daß die Gesellschaft jetzt 1100 Mitglieder mit einer LohnRoheisenherstellung. Im ersten Semester 1908 ist dagegen die summe von 98 Millionen Mart zählt, während bei Gründung der Produktionsziffer sogar hinter der von 1906 zurüdgeblieben, Gesellschaft die Zahl der Mitglieder 468 mit einer Lohnsumme von Straßburg i. Elf., 28. Juli.( B. S.) Politisch interwährend gleichzeitig die Leistungsfähigkeit der Werte derart ge- 32 Millionen Mark betrug. Im Berichtsjahre wurden 58 Streits effant ist die Meldung, daß der. Kaiser Ende August, auch steigert wurde, daß in manchen Hochofenbezirken jetzt nur faum mit 63 800 m. entschädigt, während die Gesellschaft vom Beginn voraussichtlich der Reichskanzler von Bülow, nach hier 50 Proz. der Erzeugungsmöglichkeit ausgenutzt wird! Die Unter der Gründung an bis zum 31. Dezember 1907 an Entschädigungen kommen wird. Im Zusammenhang damit kann der Korrenehmer selbst flagen, es habe seit vielen Jahren, vielleicht seit bei Arbeitseinstellungen an ihre Mitglieder insgesamt 110 000 m. spondent der„ Frankfurter Zeitung" die Erwartung ausJahrzehnten nicht so schlecht mit den Aufträgen gestanden wie zahlte. Während des Bestehens der Gesellschaft wurden zwei Streiks sprechen, daß die Gerüchte über die Wechsel in hohen reichsdieses Jahr. mit je 10 000 M. entschädigt, einer mit 7000 m., einer mit 6000 m., Demgegenüber muß doch auffallen, daß die breite Oeffentlich einer mit 5000 m., 13 mit je 2000 m. und 53 mit je 1000 M. Im ländischen Beamtenstellen starke Formen annehmen. Vorfeit weniger als in früheren Krifenjahren von der Zahl der voll- laufenden Geschäftsjahre 1908 find 5 Streits entschädigt worden. läufig ist öffentlich nur eins als sicher zu betrachten, daß ständig oder teilweise Arbeitslosen erfährt. Zweifellos ist auch Direktor Grüßner empfahl zur Verhütung von Arbeitseinstellungen Staatssekretär Stöller nach seinen Versicherungen am 1. Jader Grad der Arbeitslosigkeit in der Metall- und Maschinen- und um einen erfolgreichen Kampf gegen die muar die Geschäfte abgeben und am 1. April definitiv von industrie, dem Textil, Holz- und Baugewerbe zurzeit außerordents sozialdemokratischen" Gewerkschaften durch- feinem Amt zurücktreten wird. lich start, und was am schlimmsten ist, die Aussichten auf baldige führen au fönnen, eine lebhafte Agitation in durchgreifende Besserung lassen sich nicht erkennen. Die Berichte allen Orten zur Gründung von gelben Arbeitervereinen. aus der belgischen, französischen, englischen und amerikanischen Reichstagsabgeordneter Syndifus Dr. Stresemann pflichtete diesen Eisen- und Stahlindustrie zeigen gleichfalls sehr stark reduzierte Ausführungen bei und erklärte weiter, der Verband der sächsischen Produktionsziffern' dementsprechend auch verringerte Beschäftigung Industriellen werde die Gesellschaft dabei tatkräftig unterstüßen. der Arbeiter. Das Juliheft des monatlichen Organs des briti In Werdau, Crimmitschau und auch in der Laufib sollen bereits schen Maschinenbauergewertvereins bringt eine geradezu er- die besten Resultate" erzielt worden sein. schreckende Arbeitslosenstatistik dieser Arbeiterorganisation. Während 1907 im Januar von den Mitgliedern 3½ Proz. erwerbslos waren, im Mai nur 2½ Bros., bewegte sich die Arbeitslosenziffer 1908 bon 4/10. Proz. im Februar in rapide steigender Linie bis auf 12 Broz. im Mail Bon 110 918 Mitgliedern waren 12 728 im Mai ohne Beschäftigung! Bieht man in Betracht, daß in der Regel die gelernten organisierten Maschinenbauer dauerndere Be schäftigung haben als die ungelernten Arbeiter", so tann man sich vorstellen, wie enorm im allgemeinen die Zahl der Arbeitslofen in Großbritannien sein wird. So lange die britischen Die Aussperrung in Stettin. Trade Unionisten sich mehr oder weniger paffib gegenüber der parlamentarischen Altion verhielten, erschien das Problem der Der Arbeiterausschuß und die Kommission der Nieter haben, Arbeitslofenfürsorge hauptsächlich als eine interne Gewerkschafts- dem Anfuchen der Bultan"-Werftdirektion entsprechend, die Forde angelegenheit. Nun aber die stattliche Arbeiterfrattion im Unter- rungen die Mieter formuliert und der Direktion unterbreitet. Ihre hause wiederholt und nachdrücklichst die Arbeitslosen, in Ber- Forderungen gehen dahin, daß von den einzelnen Leuten pro Woche bindung mit der Invalidenversicherungsfrage zur Erörterung ge bracht hat, tommt es auch dem indifferenten Publikum zum Be- nicht mehr als dreimal 1½ Ueberstunden verlangt werden dürfen. wußtsein, daß die Arbeitslosenfrage nicht so sehr eine gewerk. Daraufhin hat die Direktion wie folgt geantwortet: fchaftliche, als eine Angelegenheit der sozialen Gesezgebung über. haupt ist. Was die Trade Unions bisher in dieser Beziehung leisteten, bedeutete eine enorme Entlastung des Staates und bewirfte eine tatsächliche Einschläferung des öffentlichen Gewissens. Aehnliches vollzieht sich auch in Deutschland. Von 1891 bis inklusive 1906 haben hier die freien Gewerkschaften für Arbeitslofe am Ort" und auf der Reise schon über 20 Millionen Mart Unterstüßungen verausgabt! So weit die vorliegenden Sonderberichte einen Rückschluß zulassen, werden 1907/1908 die Gewerkschaften allein mindestens 8 Millionen Mark an Arbeitslosenunterstützungen( inklusive. Reisegelder) zu leisten haben. Eine ungeheure Summe! Aus etlichen Situationsberichten entnehmen wir, daß die betr. Ortsvereine vornehmlich durch die Arbeitslosenund Krantenunterstützungen derart belastet sind, daß schon für mehrere Zahlperioden Zuschüsse aus den Zentralfassen erforderlich wurden. Die eigenen Ortseinnahmen reichen also dort schon nicht mehr aus. Es ist ferner zu beachten, daß auch die Krantens unterstübung in Krisenzeiten vielfach den Charakter einer Arbeitslosenunterstüßung gewinnt, insofern Erwerbslose leichter geneigt sind, einige Tage länger zu feieren, da sie so wenigstens ein, wenn auch dürftiges, Einkommen haben, öfter auch die Direktion der Stettiner Maschinenbau- Attiengesellschaft Bultan". Arbeitslosigkeit benutzen, um längst vorhandene Krankheiten au In der am Montag abgehaltenen Besprechung erklärte sich die turieren. Unseres Erachtens wäre es ein faum wieder gutzumachender Direktion bereit, die Ueberstundenarbeit in der Weise zu regeln, Fehler, wenn die Gewerkschaftszentralen es unterließen, ihre Er- daß alle Nieter bis Ende Oktober fahrungen und Beobachtungen über den Grad und die sozialen Abenden in der Woche je 1½ Stunden nach Schluß der Wirkungen der Arbeitslosigkeit in den betr. Gewerben der brei- Normal- Arbeitszeit arbeiten sollen. Die Montage und Donnerstage testen Oeffentlichkeit in der möglichst auffälligsten Weise zu unter- jeder Woche sollen überstundenfrei bleiben. Der Nieterausschuß breiten. Es genügt durchaus nicht, die in manchen Berufen zurzeit hat sich hiermit einverstanden erklärt und will die Annahme dieses außerordentlich hohen Ziffern der Erwerbslosen in der ſpeziellen Vorschlages befürworten. Es kamen sodann die in beiden Schreiben Fachpresse statistisch zu verwerten. Diese Presse tommt kaum über bereits erwähnten besonderen Wünsche der einzelnen Branchen zur den Kreis der Berufsgenossen hinaus und wird sicherlich von der Besprechung. Es sind diefe: großen Tagespresse bürgerlicher Richtung sehr wenig beachtet. 1. Die Arbeiter, speziell Nieter, sprechen den Wunsch aus, daß Auch die an sich noch sehr unvollständige Arbeitslosenstatistik im 2. Die Reichsarbeitsblatt ist völlig ungeeignet für die Information der bei Affordarbeiten der Stundenlohn garantiert wird. breiten Deffentlichkeit. Nicht alle Verbände berichten, nicht alle Nieterkommission ersucht um eine Aufbesserung ihrer Lohnsäke zahlen Arbeitslosenunterstüßung, manche nur zeitweilig, manche um 1 beztv. 1½ Pf. pro Stunde. 3. Es wird gewünscht, daß die registrieren nur die„ bezugsberechtigten" Arbeitslosen. Auch dar- Löhnungsperiode wieder auf zwei Wochen abgerundet und jeden aus erklärt sich der merkwürdige Kontrast zwischen den auch unter- aweiten Sonnabend abgelehni wird, anstatt halbmonatlich, wie nehmerseits zugegebenen sehr trüben Erwerbsverhältnissen und der jekt. 4. Die Affordzettel sollen so frühzeitig wie möglich ausge: mangelhaften Information der Deffentlichkeit über den tatsäch- händigt und so spezialisiert werden, daß der Arbeiter auch bei lichen Umfang der völligen oder teilweisen Verdienstlosigkeit. Ueber größeren Afforden in der Lage ist, zu ersehen, welcher Preis ihm die enormen Betriebseinschränkungen z. B. in der Fertil industrie, wie viel Feierschichten dort eingelegt sind, wie hoch für die einzelnen Stüde gezahlt wird. Die Direktion erklärte sich in bezug auf Buntt 1 und 2 nicht der Lohnentgang ist, darüber ist auch die Arbeiterpresse leider nur sehr mangelhaft auf dem laufenden. Zweifellos herrscht jetzt in der Lage, den gestellten Wünschen nachzukommen. Bezüglich in einer Anzahl textilindustrieller Distrikte Deutschlands ein viel- Buntt 3 sehe fie feinen zwingenden Grund für die geforderte Ableicht seit Jahrzehnten nicht erlebtes Arbeiterelend, desgleichen änderung. Dagegen soll dem letzten Wunsche möglichst weitgehend in erheblichen Zweigen der Holz industrie. Die gezahlte gewerk- entsprochen werden. Zum Schluß sprach die Direktion die Erschaftliche Arbeitslosenunterstübung mildert gewiß manche bitterste wartung aus, daß die Arbeiter bezw. Nieter bereit sind, unter den Not, darf schon deshalb nicht abfällig beurteilt werden. Aber wir aufgeführten Bedingungen die Arbeit wieder aufzunehmen und Kanton meldet, ist der Passagierdampfer Dingting" gestern ge müssen doch die Tatsache fonstatieren, daß nach Lage der Sache fortzusetzen. Sobald bindende Zusagen nach dieser Richtung ge- funten. Zwölf Berfonen find gerettet, etwa 300 werben ber. die Arbeitslosenunterstützung indirett, natürlich wider die Absicht der Unterstützungszahler, dem Unternehmertum mithilft, den vollen macht sind, soll der Betrieb sofort wieder geöffnet werden. Umfang der tapitalistischen Mißwirtschaft vor der Deffentlichkeit Wir erhalten soeben Ihr vom 26. Juli datiertes Schreiben, in dem sie uns bekanntgeben, welche Gesichtspunkte die Nieter unserer Werft bei Ansehung der noch für mehrere Wochen notwendigen Ueberstunden gern berücksichtigt haben möchten. Wir sind bereit, hierüber Montag um 3½ Uhr im Kranten tassen- Sizungszimmer mit Ihnen in eine Aussprache einzutreten, um festzustellen, inwieweit sich die Wünsche der Nieter mit den Erfordernissen der Interessen des Wertes und der übrigen Arbeiterschaft in Einklang bringen lassen. Im Schlußsaße Ihres Echreibens heißt es: Besondere Wünsche ein. zelner Branchen werden der Direktion von deren Vertretern resp. Sommissionen unterbreitet werden." Wir wissen nicht, ob sich dies auch auf die Nieter oder auf andere Gewerke beziehen soll. Um jedes Mißverständnis auszuschließen, ersuchen wir den Arbeiterausschuß, dafür zu sorgen, daß, wenn noch weitere Wünsche borliegen follten, dieselben uns schleunigst schriftlich eingereicht werden, damit der Wiedereröffnung des Betriebes sich nicht er neute Schwierigkeiten entgegenstellen und durch ungerechtfertigte Verzögerungen Unbeteiligte schwer in Mitleidenschaft ge= zogen werden. Sochachtungsvoll an bier Die Cholera! Petersburg, 28. Juli.( W. T. B.) In der Stadt Astrachan sind vom 24. Juli bis zum 27. Juli elf. Er. frankungen an Cholera vorgekommen, von denen bier tödlich verliefen. Die Stadt Barizyn wurde für choleragefährlich, das Gebiet des donischen Kosakenheeres für cholerabe. droht erklärt. Wieber zwei Opfer der Edelweißfucherei. Jnnsbrud, 28. Juli.( B. H.) Der Malergehilfe Johann Hoffmann aus Odrau ist in Bieltale beim Edelweißsuchen abgestürzt und tot geblieben. Innsbrud, 28. Juli.( B. S.) Der Tourist Falger ist im Bennatale beim Edelweißsuchen abgestürzt und tot geblieben. Offizier a. D. und Mörder. beamten v. Fodransperg, einen ehemaligen Offizier. Derselbe ist Triest, 28. Juli.( B. H.) Die Polizei verhaftete den Priyat bringend verdächtig, die Chansonettensängerin Lucie Fabry in seiner Wohnung ermordet, den Leichnam zerstückelt und einzelne Teile, darunter den Kopf, ins Meer geworfen zu haben. Der Kopf wurde bereits von Fischern gefunden. Fodransperg leugnet zwar, ist aber des Mordes bereits überführt. Der Herr von Stobel als Knabenschänder. Mainz, 28. Juli.( B. H.) Der 21jährige Versicherungsinspektor Heinrich von Stobel aus Frankfurt wurde am Freitag am Finder. berg vom Publikum, das der großen militärischen Uebung zusah, dabei ertappt, als er an einem 12jährigen Knaben ein scheußliches Verbrechen beging. Nach einer Tracht Prügel wurde er der Polizei zugeführt. Dort spielte er den Irrfinnigen, worauf er zur Be obachtung seines Geisteszustandes einem Hospital zugeführt wurde. Ein chinesischer Dampfer gesunken. Hongkong, 28. Juli.( W. T. B.) Wie ein Te.cytamm aus mißt, zu vertuschen. Lohnbewegung der Holzarbeiter in Breslau. Die Ortsverwaltung Dem fann aber leicht entgegengewirkt werden, wenn die Ge- Breslau des Holzarbeiter- Verbandes schreibt: wertschaftsleiter einen umfassenden und regelmäßigen Der in Nr. 172 des Vorwärts" enthaltene Bericht über die Nachrichtendienst für die Tagespresse über die Arbeitslosen| Lohnbewegung der Breslauer Holzarbeiter ist dahingehend zu bes Berantw. Redakt.: Geora Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th.Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsb |i.175. 25. Iahrgavg. � Partei-?Zngei6gendeiten. Sur 2oarrrtf\. In Schildow i d. M.(N.-B.) steht uns das ?o?al„Zur hi st arischen Mönchsmühle", Jnh. Knappe, zu den bekannten Bedingungen wieder zur Verfügung. In Drewitz(T.-B.) hat Herr Aug. Puhlmann seine Unter- schrist zurückgezogen. In Hermsdorf b. Münchehofe(T.-B.) ist es unseren Genossen trotz aller Bemühungen leider noch nicht gelungen, ein Lokal zur Abhaltung politischer Versammlungen zu bekommen. Bisher war es den Maurern und Arbeiterradfahrern noch möglich, ihre Zu- sammenkünfte im Lokal der Ww. Zech abzuhalten, auch dies ist jetzt nicht mehr möglich, da der Lokalinhaberin selbst die Zusammen- künfte der Radfahrer zu„gefährlich" erscheinen. Wir er- suchen daher, dem Lokal der Ww. Zech nach dieser Richtung hin ganz besondere Aufmerksamkeit schenken zu wollen. Speziell er- suchen wir die dort ansässigen und in Berlin beschäftigten Arbeiter. mit allen Kräften dahin zu wirken, daß wir dort recht bald ein Lokal für unsere Versammlungen bekommen. Die Lokalkommission. Bezirk Waibmannslnst. Diejenigen Genossen, welche noch Bücher aus der Vereinsbibliothek in Händen haben, werden ersucht, dieselben bis Sonntag, den 2. August, abzuliefern. Diese Auf- forderung bezieht sich hauptsächlich auf diejenigen Leser, welche schon wochenlang Bücher in den Händen haben. Fredersdorf- PetcrShagen. Am Donnerstag, den 30. d. Mts., abends 8 Uhr, findet im Lokal von Max Girke ein Extra-Zahl- abend statt._ Berliner JSacbrichten* Seht die Gemeinbewählerliste nach! Für Berlin liegt die dies- jährige Liste der stimmfähigen Bürger, d. h. der Gemeindewählcr, nur noch bis einschließlich 3 0. Juli(Donnerstag) zur Einsichtnahme aus. In den Stunden von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 3 Uhr kann im Wahlbureau des Magistrats(Post- stratze 16) jeder Wahlberechtigte die Liste auf ihre Richtigkeit prüfen und eventuelle Berichtigung beantragen. Berichtigungsanträge, die nach dem 39. Juli eingehen, werden nicht mehr berücksichtigt. Be- züglich des Wohnsitzes der wahlberechtigten Personen werden die polizeilichen An- und Abmeldungen als maßgebend angeschen. Wir haben in diesem Jahre keine allgemeinen Kommunal- wählen, aber das sollte für niemand ein Grund sein, sich diesmal die Prüfung der Wählerliste zu ersparen. Es ist oft genug in solchen Jahren vorgekommen, daß Mandate durch Nicderlcgung oder durch Tod plötzlich frei wurden und eine unerwartete Er- s a tz w a h l nötig wurde. Da hat es sich jedesmal sehr unangenehm fühlbar gemacht, daß nur zu viele es nicht für nötig gehalten hatten. die Wählerliste zu prüfen. Man weiß ja, wie reich an Fehlern aller Art die Wählerlisten zu sein pflegen. Schon mancher, der sich darauf verließ, daß die Kontrolle überflüssig sei, hat dann am Tage der Wahl eine recht verdrießliche Ueberraschung erlebt. Für den neuen Militärübungsplatz, welcher, wie wir berich- tcten, bei Egsdorf angelegt werden soll, haben sich insofern Schwierigkeiten ergeben, als die beabsichtigte Ausdehnung des Platzes nördlich von Zehrensdorf, insbesondere zur Gemarkung Schönciche und Callinchen unterbleiben muß. Die dortigen Bauern hoben derartig hohe Forderungen an die Militärbehörde gestellt, daß diese von dem Erwerb der Gelände endgültig Abstand ge- nommen hat und den neuen Militärübungsplatz nun von Zehrens- dorf aus in südlicher Richtung erweitern will, und zwar nach den Dörfern Zech. Radeland und Dornswalde hin. Der neue Ucbungs- platz kommt dadurch allerdings in zwei Kreise zu liegen, Teltow und Jüterbog-Luckentvalde, zu welchem die neuen in Aussicht ge- nommcnen Gelände gehören. Die Mitglieder des Wiener Arbeiter-Bildungsvcreins werden nach Abschluß ihrer Berliner Bcsichtigungstour zunächst Hamburg und dann Kopenhagen besuchen. Die gesamte Reise ist auf zwölf Tage berechnet. Bcrkehrsnachrichten. Am Freitag, den 31. d. Mts., wird der Wedding eine neue Verkehrsverbindung mit der Friedrichstadt erhalten. Die Allgemeine Berliner Omnibus-Aktien-Gcsellschaft eröffnet an diesem Tage eine Krastomnibuslinie..Wedding(Nettel- bcckplatz)— Hallesches Tor". Diese Linie stellt eine Verlängerung kleines feuületon. Aus dem alten türkischen Parlament. Wie die Umstände und politischen Verhältnisse, unter denen vor nunmehr 32 Jahren das erste türkische Parlament einberufen wurde, so manche Aehnlich- kcit zeigen mit der heutigen Situation des osmanischen Reiches, so fehlt es auch nicht an Pessimisten, die der Befürchtung Ausdruck geben, auch dem neuen Parlament möge es vorherbestimmt sein, das Schicksal des alten zu teilen und nach kurzem Scheinleben lviedcr zurückzusinken in Vergessenheit. Als damals, im Jahre 1876, Midhat Pascha Großvezier geworden war und nach langen Kämpfen Abdul Hamid die Gewährung seiner Verfassung abrang, sollte er bald erfahren, daß das Parlament niehr als ein taktisches Hilfsmittel betrachtet wurde, um aus der schwierigen internatio- nalen Situation herauszufinden und die Unruhe der unterdrückten Völkcrstämme zu beschwichtigen. Der Beweis blieb nicht lange aus. Als er dem Sultan den ausgearbeiteten Entwurf der Thronrede übersendet, erhält er das Manuskript bald zurück: Alle Hinweise auf liberale Reformen und alle freiheitlichen Versprechungen waren kurzweg gestrichen worden. Midhat Pascha fand damals den Mut, dem Sultan einen von stolzem Freimut erfüllten Brief zu schreiben, dessen Form und Inhalt eine außerordentliche Kühnheit bedeutete. Er erklärte unumwunden, daß die Krone das gegebene Wort bräche und daß bei der gegenwärtigen Lage des Reiches solches Handeln den Ruin bedeute. Die Antwort läßt nicht lange auf sich warten: drei Tage später, wenige Wochen vor dem Zusammentritt des Parlamentes, das er geschaffen, ist Midhat Pascha entlassen und verbannt. Das unter solchen Auspizien zusammentretende Parla- ment sollte bald das Opfer der Umstände werden. Schon bei der feierlichen Eröffnung ließ Abdul Hamid keinen Zweifel darüber, daß die freiheitlichen Reformen bei ihm nur wenig Sympathie ge- nossen.' Kaum war die Thronrede, die Said Pascha verlas, zu — alle erwarteten, daß nun der Sultan die Abgeordneten begrüßen würde—, so verließ Abdul Hamid den Saal, ohne die Deputierten auch nur zu grüßen. Im Grunde bestand das damalige Parlament nur aus dem Abgeordnetenhaus, denn um den gleich- zeitig geschaffenen Senat bekümmerte sich eigentlich niemand. ES tam nur zu zwei Sessionsperioden: IIS Abgeordnete, darunter 69 Mohammedaner und 46 Nicht-Mohammcdaner, nahmen an ihnen teil. Von Pressefreiheit war kaum die Rede und die Nachrichten über die Verhandlungen des Parlaments erschienen mit tunlichster Verspätung, oft erst einen Monat nach den Beschlüssen. Sie waren abgefaßt in einer Weise, die sie jedem Menschen einfach unver- ständlich machten. Dabei zeigte sich der Präsident Ahmed Wcfü, den nian vorher als einen Liberalen anzusehen pflegte— er hatte Moliere und Shakespeare ins Türkische übertragen—, als ein fügsames Instrument des Sultans. Die Redefreiheit behandelte er mit größter Willtür, und mehr als einmal brachte er unbequeme Abgeordnete dusjöh die Androhung der Ausweisung zu unfreiwilligem „Umflkte" Ktllim der bisherigen Linie 4„Hallesches Tor— Chaussecstraße(Ecke Liefen- straße)" dar, verläuft in ganz derselben Weise und geht von de: Chausseestraße durch die Reinickendorfer Straße am Wcddingplatz und Bahnhof Wedding vorbei nach dem Nettclbcckplatz. Die Linie erhält die Nr. 4 A. Der erste Wagen verläßt den Ncttelbeckplatz morgens 6 Uhr 8 Minuten, der letzte nachts 12 Uhr 46 Minuten. Vom Halleschcn Tor ab fährt der erste Wagen maorgens S Uhr 41, der letzte nachts 1 Uhr 19 Minuten. Neue Fahrpläne für drei Strafienbahnlinien. Drei Linien der Straßenbahn erhalten am 1. August neue Fahrpläne. Bei einer der drei Linien wird gleichzeitig die Strecke, bei den beiden anderen die Dauer des Betriebes zum Teil verlängert. Die Linie 24 ging bisher von der Ecke der Potsdamer und Großgörschcnstraße über das Brandenburger Tor bis zum Nettclbcckplatz. Diese Linie wird jetzt von der Fennstraße durch die Müllerstratze bis zur Ofener Straße verlängert, nachdem die notwendige Kurve von der Fenn- in die Müllerstratze eingebaut ist. Die verlängerte Linie 24 ergänzt sich stiit der Linie 23, Schöncberg— Gesundbrunnen, zwischen der Groß- görschenstraße und dem Wedding zu einer Wagenfolge von 7s-! Mi- nutem Die Linie 24 wird ferner bei Bedarf im Anschlußbetr:eb der Südlichen Berliner Vorortbahn auf dem Wege der Linie 23 bis zur Gotenstraße durchgeführt. Endlich wird den lebhaften Wünschen der Bewohner der sogenannten Insel in Schöncberg da- durch entsprochen, daß nicht nur die Linie 23, sondern auch die Linie III, Swinemünder Straße— Bezirkskommando, über den fahr- planmäßigen Betrieb gefahren wird. Die ersten Wagen gehen künftig bei Linie 23 vom Gesundbrunnen 6,99, von der Gotcnstraße 6,53, bei 24 ab Ofener Straße 6,33, ab Großgörschenstraße 5,39, bei III ab Swinemüudcr Straße 5,56, ab Bezirkskommando 7,19. Die letzten Wagen gehen bei 23 vom Gesundbrunnen 11,45, von der Gotenstraße 12,33, bei III ab Swinemünder Straße 11,56 bis Militärbahnhof, ab Militärbahnhof 12,59. Noch einmal der Arbeitsnachweis des Verbandes der Bau- grschäfte. Nachdem wir in Nr. 179 vom 23. Juli die jammervollen Zustände des NachweiSlokalS in der Beuthstr. 1 für Bauarbeiter nach eigener Inaugenscheinnahme geschildert haben, glaubten wir auch dem anderen Lokal für Maurer und Zimmerer in der Dircksen straße, Stadtbahubogen 92, unsere Aufmerksamkeit zu- wenden zu sollen. Wir haben dort fast dasselbe Elend angetroffen. Auch hier hat die ganze Anlage eine große Aehnlichkeit mit gewissen Einrichtungen auf dem Viehhof. Ein Stadtbahnbogen ist durch rohe ungestrichene Bretterwände in drei Teile gegliedert: links vom Eingang ist den Zimmerern, rechts den Maurern zum Aufenthalt eine Bucht. möchte man sagen, angewiesen: der Boden schlecht zementiert, nicht eine einzige Bank ist vorhanden. Die Leute können am Boden kauern. Ein Tisch mit einem Gefäß für Trinkwasser, ein Becher oder ein Glas oder ein Spuckimpf sind unbekannte Dinge, auch haben wir hier weder Klosett noch Pissoir vorgefunden. Im Hintergrunde dcS MittelraumeS befindet sich der Schalter, von dem aus die Arbeit vermittelt wird. Er ist noch durch besondere Barrieren aus rohen Balken abgetrennt, und mehrfache schwarze Aufschriften au den Holzwänden verbieten hier den Aufenthalt. Wir müssen gestehen, eine Strafanstaltszelle bietet mehr Komfort, als hier von den reichen Baugeschäftcn den Arbeitslosen zu- gemutet wird. Die Arbeitsvermittelung selbst geschieht ähnlich wie in der Beuthstraße, nur haben wir das Plakat, wonach dem Geschäftsführer die Auswahl der Arbeitskräfte überlasten bleibt, nicht vorgestmden. Wie uns aber versichert wurde, verfahre man hier ebenso unter dem Vorgeben, die Auftraggeber stellten gewisse Bedingungen und dem komme man durch Aussuchen eben nach. Daß auch„hintenherum", also etwa nach Schluß der Geschäftszeit(die von 3—11 und 3—5 Uhr währt, Arbeit vermittelt worden ist, will man beobachtet haben, wie an uns gelangte Zuschriften behaupten. Daß vor diesem Nachweis, der übrigens in unmittelbarer Nähe de? Polizeipräsidiums liegt, ständig Schutzleute patrouillieren, wollen wir nur nebenbei bemerken; notwendiger wäre aber auch hier gleich wie in der Beuthstraße eine dauernde innere Kontrolle. Man stelle sich nur vor, ivas bei der jetzigen Hitze die vielen dort stundenlang weilenden Arbeiter aushalten müssen bei dein Mangel jedweder Ventilation in den kaum für Vieh geeigneten Räumen. Einen besseren Seuchenherd kann sich die Polizei gar nicht wünschen. Die Polizeibehörde hat doch sonst genug baupolizeiliche Borschriften erlassen über die Bewohnbarkeit von Wohnungen; warum ist sie hier so rücksichtsvoll? Schweigen. Der Abgeordnete von Jerusalem z. B., Zia Beh, war bei dem Präsidenten besonders schlecht angeschrieben, da er energisch auf eine größere Disziplin in der Geschäftsordnung drang und immer wieder darauf bestand, daß in die Kommission nur solche Abgeordneten gewählt würden, die tatsächlich die nötigen Fähig- leiten zur Beherrschung der Materie mitbrächten. Nicht selten kam es zu recht stürmischen Sitzungen. Das türkische Element, in unbestrittener Mehrheit, suchte immer wieder die anderen Ab- geordneten beiseitezusctzen. Weitere Schwierigkeiten erwuchsen durch die Sprachenfrage. Die Verfassung bestimmte die türkische Sprache zur Verhandlungssprache, und viele christliche und arabische Ab- geordnete waren so zur Passivität verdammt, weil nur wenige van ihnen das Türkische beherrschten. Das Präsidium und die türkische Mehrheit setzte selbst den geringfügigsten Zugeständnissen eine uu- willige Buchstabentrcue entgegen. Als bei einem wichtigen Gesetz- entwurf ein Abgeordneter den Antrag stellte, das Präsidium möge den Entwurf übersetzen lassen und auch in grjechischer und zwei anderen Sprachen zur Verteilung bringen, damit auch nichttürkische Abgeordnete ihn studieren könnten, erteilte der Präsident die klassische Antwort:„Gut, ich werde ihn übersetzen und verteilen lassen, sofort nachdem die Kammer ihn angenommen hat." Und diesem eigenartigen parlamentarischen Geschäftsgang entsprach natürlich auch die Form, unter der die Wahl zustande kam. Die englische Regierung hat in einem Blaubuch einen interessanten Beweis dafür erbracht. Es handelt sich um einen Erlaß eines Re- gierungsvertreters an die Beamten seines Distriktes, der dem Volke mitgeteilt werden mutzte.„Einwohner von Mesampo", hieß es darin, gewiß erinnert Ihr Euch, daß ich Euch kürzlich einen kaiser- lichen Fcrman zu lesen gab, der befiehlt, daß jedes Land eine ehr- same Person nach Konstantinopel als Vertreter schicken solle. In- folgedessen werdet Ihr sofort nach Empfang dieses meines Befehls ohne Verzögerung den Herrn Giorgio Margariti von Mesampo erwählen und Ihr werdet ihm eine Vollmacht geben, die Ihr unter- ichrieben habt. Morgen werdet Ihr mir diese Bollmacht und den Herrn Margariti zusenden. Zugleich kündige ich Euch an, daß ich keine Einwände gelten lasse; gehorcht Ihr nicht, so werde ich mit Eurem Dorfe verfahren wie mit den übrigen." Trotzdem fehlte es im Parlament nicht an Abgeordneten, die ihre Aufgabe ernst nahmen. Während der zweiten Legislaturperiode vereinigten sie sich, opponierten dem Präsidenten, nahmen Mißtrauenskund- gedungen gegen das Ministerium an, die in ihrer Form auch den Sultan trafen. Abdul Hamid zog die Konsequenz und entledigte sich kurz entschlossen dieses lästigen Parlaments, er schickte es einfach Nach Hause. Die deutschen Arbeiter und die klassische deutsche Literatur. Im Bücherschranke des gebildeten Bürgers führen die zu dekorativen Zwecken angeschafften Klassiker ein trostlos-uutzloseS Dasein. Die Zwangszöglmge der höheren Bildungsanstalten schöpfen schon lange nicht mehr aus der Fülle unserer klassischen Literatur, die ihnen zudem bornierte Schulmeisterei verekelt. Das Bürgertum und seine $Mk\\.»w«, 2». M 1908. Wir können nur wiederholen, daß diese Art Arbeits- Nachweis eine Schmach ist und unter allen Um- st ä n d e n beseitigt werden mutz. Die Arbeiter haben ein Anrecht auf Mitverwaltung und dieses Recht werden sie sich erkämpfen müssen. Die Titelsucht treibt mitunter recht sonderbare Blüten. Wie weit dies geht, ist aus der Wählerliste des achten Berliner Land- tagswahlkreiscs ersichtlich. Neben einem„königlichen Schloßpoliercr" findet man da einen„königlichen Bratenspickcr". Die Bezeichnung „Koch" war dem Edlen natürlich viel zu gering. Nächstens werden wir einen„königlichen Kartoffelschäler" oder einen„königlichen Gänserupfer" noch im Verzeichnis finden. Die Berliner Kriininnlvolizei hat sich in der Perlenaffäre der Gräfin Wartenslcben nicht gerade mit Ruhm bedeckt. Privatdetektivs ist es vorbehalten geblieben, die Perlen zu ermitteln, also eine Aufgabe zu lösen, die unserer Kriminalpolizei eigentlich obliegen sollte. Zwar waren die Mittel, die die Detektivs in der Sache anwandten, nicht gerade saubere. Ein weiblicher Sherlock Holmes mußte sich in der nächsten Nähe der verdächtigen Kammerfrau einmieten und nach und nach das Vertrauen der Steger erwerben. Dann traten Detektivs in der Nolle des Liebeswcrbers auf, um so an die St. heranzukommen. Sic haben ihre Rollen so gespielt. daß die Sieger tatsächlich die schönen Worte für echt nahm und schließlich ihr Geheimnis verriet, nachdem ihr vom Rechtsanwalt Dr. Markus« 19 999 M. versprochen worden waren. Nachdem sq alles fertig war, griff die Berliner Kriminalpolizei ein. Geborgene Leichen. Gestern sind bei Jörsfelde die Leichen des Restaurateurs Kraft und des Malers Willi Kleist an- geschwemmt. Die beiden Männer hatten bekanntlich eine Kahn- Partie auf dem Tegeler See gemacht und stürzten beim unvor- sichtigen Platzwechsel mit dem Boot um und ertranken. Die Hitze. Gestern sind in vielen Fällen Menschen und Tiere vom Hitzschlage getroffen worden. Vor dem Hause Reichenbcrger Straße 63 stürzte eine Frau. Die Bewußtlose wurde von der Feuerwehr nach der Unfallstation am Görlitzer Bahnhof gebracht. Auch am Stettincr Bahnhof und am Halleschen Tor wurden zwei Personen bewußtlos und miltels Droschke Aerzten zugeführt. Pferde sind mehr als ein Dutzend gefallen und mußte» fortgeschafft werde». Der Militärlenkballon über der Hcerstraste. Ein charakteristisches Bild des modernen Verkehrs bot sich gestern vormittag den Passanten der Döberitzcr Heerstraße. Das kleine Motorluftschiff des Luft- schifferbotaillonS war gestern seit 5 Uhr bis 11 Uhr ständig„auf den Beinen". Es manövrierte über Tegel und flog schließlich nach dem Grunewald davon. Gegen 19 Uhr fuhr es von Westend her, in der Sonne hell leuchtend, schnurgerade über der Heerstraße. Unten suchten mehrere Automobile mit dem Luftschiff gleichen Schritt zu halten. Da die Heerstraße zum Teil auch die Unter- grundbahn unter ihrer Asphaltdecke birgt, sind zu gleicher Zeit unter, auf und über der Straße Menschen gefahren. Ein Freibaddieb erwischt. Das Freibad Grünau hatte seit längerer Zeit unter einen Dieb zu leiden, der sich unter die Bade- gäste mischte und jede Gelegenheit wahrnahm, um Kleidungsstücke der Badenden zu stehlen oder die Taschen nach Uhren, Porte- monnaies und Ringe zu durchsuchen. Gestern gelang nun die Verhaftung des Burschen, als er gerade eine Uhr gestohlen hatte. Es ist der Maschinenbauer Fiedler aus Charlottenburg. Zu einem Hungerstreik haben dieser Tage Patienten in der Heilstätte des Rothen Kreuzes in Grabowsce gegriffen. Schon seit längerer Zeit wurden von den Patienten nach den verschiedensten Richtungen hin Klagen erhoben, von denen die über die Bc- schaffenheit des Essens die wesentlichste' war. Wiederholt sind im Essen Maden gefunden worden. Beschwerden beim Chefarzt blieben erfolglos. Und so kam es schließlich dahin, daß eines Tages 113 Patienten das Essen stehen ließen und nicht anrührten. Die Verwaltung der Anstalt sollte sich doch berechtigten Beschwerden, der Patienten nicht verschließen und Abhilfe schaffen, wo solch« notwendig ist. Dazu gehört doch wirklich nicht viel. Mit etwas gutem Willen und Entgegenkommen sollte sich dach leicht abhelfen lassen. Bei einer Revolverschiesierci in den Rehbcrgen ist der 14 jährige Schulknabe Oskar Böhm aus der Koloniestraße 67 schwer zu Schaden gekommen. B. hatte mit anderen Schulkameraden auf den Sandhügcln gespielt. Während die Knaben herumtollten, krachten plötzlich kurz hintereinander zwei Schüsse und getroffen Sprößlinge haben längst keine innere Fühlung mehr mit den Geistes- werken der„heroischen Zeit" ihrer Klasse. Die Erbschaft der klassischen deutschen Literatur hat die Arbeiterschaft angetreten. Mit welcher Begeisterung, mit welchem Eifer und Verständnis sie dabei ist, soweit Verhältniffe... Mittel es ihr gestatten, den lebendigen und fortwirkenden Gehalt der klassischen bürgerliche» Literatur in sich aufzunehmen, davon zeugen ihre mannigfachen Bildungsbestrebungen. Unparteiische Lehrer und Beobachter haben denn auch immer wieder darauf hingewiesen. Heute liegt ein Zeugnis vor über Erfahrungen, die in dem„Karlsruher Arbeiter- Diskussionsklub" gemacht wurden. In diesem Verein wurden Vor- träge über Lessing und sein Drama„Nathan" gehalten. Dr. Karl Wolff, der sie veranstaltete, berichtet darüber in der„Franks. Ztg.": „DaS Gefühl tiefster Befriedigung, ja ich möchte sagen, der Dankbarkeit treibt mich an, von diesen Stunden öffentlich zu reden. Nur wer Gelegenheit hat, oft und vor wechselndem Publikum über bedeutsame Probleme zu sprechen, wer die müde.»achlässige und zerstreute Art kennt, mit der weite Kreise unserer Gebildeten die Worte halb aufzufassen, halb zu überhören pflegen— nur der vermag ganz nachzufühlen, wie die ursprüngliche Kraft und Frische dieser Männer und Frauen aus den» Volke auch den Redner anfeuert und erquickt. Unvergeßlich diese leuchtenden Augen, diese bebenden Lippen, diese demütige Sehnsucht, diese innerliche Erregung. Was unS Menschen der „höheren" Kreise schon auf der Schule alltäglich und zum Uebcrdruß wird, das wird hier umworben und umklammert als ein unver- gleichlich kostbares Gut. Man wird jung mit diesen Jünglingen, von denen manche weiße Haare haben. Man fühlt zugleich unmittelbar, auf welches Erdreich ein jeder säen muß, der für die Zukunft unseres Volkes fruchtbare Ernte erhofft." Notizen. — Theaterchronik. Sarah Bernhardt will Berlin in der Zeit vom 21. bis 25. Oktober im Hebbeltheater beglücken. Sogar als Autorin dürfen oder müssen wir sie kennen lernen. — B ü h n e n ch r o n i k. Jose F e r e n c z h, der in Berlin jahrelang das Ccntral-Theater leitete und die letzten Schlager der Operette lancierte, ist in Buenos Aires, wo er ein Opcrettcngastspicl gab, gestorben. — Sven Hedin. Der schwedische Gesandte in London erhielt vom Maharadscha(König) von Nepal, dem Tibet zunächst gelegenen nordindischen Reiche, die Nachricht, man habe bor drei oder vier Monaten in einem Orte an der Nordgrenze Nepals erfahren, daß Sven Hedin kurze Zeit vorher bei Diaqotsch— möglicherweise Schigatse— gewesen sei. Er hätte die Absicht gehabt, über Gjmigtse Indien zu erreichen, sei aber von den tibetanischen Behörde» ge- zwungen worden, ans dem gleichen Wege, den er geloinmeu, wieder zurückzukehren. Der Maharadscha versprach, sich wegen weiterer Räch« richten über Sven Hedin zu bemühen. brach B. zusammen. Eine der Kugeln war ihm durch den rechten| Grsuchen, um 7 Uhr im Lokal anwesend zu sein und für die von bersuchte der Angeschuldigte Glauben zu machen, daß er tatsächlich Oberschenkel gegangen. Das Geschoß, eine 8- Millimeterfugel, war dem Gewerkschaftskartell aufgestellte Liste zu stimmen. Die Liste das Portemonnaie gefunden habe. Dem Antrage des Staatsborn eingedrungen und an der hinteren Seite wieder heraus- beginnt mit den Namen Nickel, Noad, Frau Kroll und endigt mit anwalts gemäß lautete das Urteil auf drei Jahre Zuchthaus, getreten. Das zweite Geschoß war dem Knaben dicht am Kopf Albrecht, Jonas, Schüler. Aufmerksam gemacht wird, daß auch die fünf Jahre Ehrverlust und Stellung unter vorübergesaust. Es hätte den Bedrohten auf der Stelle töten freiwilligen Mitglieder wahlberechtigt sind. Polizeiaufsicht. fönnen. Die Kameraden brachten den Verwundeten nach der Unfallstation, wo er die ersten Notverbände erhielt. Von dem Täter hat man nichts ermitteln können. Selbstmord eines Liebespaares. Als Leichen aus dem Ließenfee gelandet wurden gestern der 20 jährige Mechaniker Willi Leipold und die 17 Jahre alte' Klara Golz. Leipold ist der Sohn eines Schuhmachers und Hauswarts, der in der Wilmersdorfer Straße 57 in Charlottenburg wohnt. Klara Golz, deren Eltern in der Weimarer Straße 31 wohnen, war bei einer Herrschaft im Hause Holzendorffstraße 19 bedienstet. Beide unterhielten seit einiger Beit ein Liebesverhältnis. Nachdem die jungen Leute am Sonntag abend ein Restaurant besucht hatten, begaben sie fich nach dem Ließensee, um dort gemeinsam durch Ertrinken den Tod zu suchen. Das Motiv zu der unseligen Tat ist noch nicht aufgeklärt. Mariendorf. Vermischtes. Eine Art Nachspiel zum Eulenburg- Prozeß Aus der Gemeindevertreterfihung. Die Verweisung der beschäftigt: gestern die 10. Fettenftraffanimer des Landgerichts 1. Händler industrieller Artikel vom hiesigen Wochenmarkt, die feiner Wegen Vergehens gegen den§ 184, des Strafgesetzbuchs( Verbreizeit am Orte allgemeine Mißbilligung fand, fam in der lezten tung unzüchtiger Schriften) war der verantwortliche Redakteur Sigung im Anschluß an ein Gesuch um Aufhebung des Verkaufe der Zeitschrift Die große Glode", Frib Wolf, angeklagt. Es berbots erneut zur Sprache. Nachdem die Händler schon mehrere handelte sich um einen während des Eulenburg- Prozesses erschicWochen hindurch ihre Waren zum Verkauf ausgestellt hatten, er- nenen Artikel, der gewisse als unzüchtig ausgelegte Stellen entfolgte bekanntlich ihre Verweisung vom Markt. Zur Rechtfertigung halten soll. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Deffentdieser Maßnahme mußte eine Polizeiverordnung von 1900 her lichkeit statt. Das Urteil lautete auf 100 Mart Geldstrafe. halten, die bei Einführung des Marktes für Südende erlassen wurde und nach der nur land- und forstwirtschaftliche Produfte zugelassen werden. Der Markt wurde wegen mangelhafter Beteiligung bald eingestellt und erst jetzt auf Antrag unserer Genossen für Mariendorf wieder eingeführt. Nun hätte wohl auch Ein Gerüsteinsturz ist gestern vormittag gegen 10 Uhr auf dem die Polizeiverordnung wieder in Erinnerung gebracht werden Fabrikbrand infolge Explosion. Aus Hamburg Gidel. Grundstü& Blumenstr. 10 erfolgt. Dort hatten die Buyer ihre können. Das geschah aber nicht. Den Händlern wurde einfach stedt wird telegraphiert: Die Fabrik der aktiengesellschaft für Arbeiten beendet und deshalb an verschiedenen Stellen Bretter ent- mitgeteilt, sie hätten sich vom Markt fernzuhalten. Sie können Asphaltierung und Dachbedeckung, vormals Jeserich- Berlin, steht in fernt. Dennoch wollte der Maurerpolier mit einem Stuffateurmeister nun sehen, wie sie ihre Warenbestände loswerden. Diese Rücksichts- ber Retorten infolge von Entwickelung von Gafen. Da die freis Flammen. Das Feuer entstand im Destillierhause durch Explosion Die Rüstung benutzen. Der Polier wurde von Erdarbeitern auf die losigkeit wurde von unseren Genossen Reichardt und Weber gewillige Feuerwehr des Brandes nicht Herr werden kann, ging die Gefahr aufmerksam gemacht, die bei Benußung des Gerüstes drohe, bührend gebrandmarkt. Der Gemeindevorsteher aber meinte, die da unschwer zu erkennen war, daß das Gerüst nicht mehr bestiegen Polizeiverordnung sei damals erlassen, und wem sie nicht bekannt Altonaer Feuerwehr zur Hilfeleistung ab. werden konnte. Trotz dieser Warnung wollten sich der Polier und war, der hätte sich eben erkundigen sollen, ob er seine Waren auf Eisenbahnunglück. Amtlich wird aus Düsseldorf unter der Stuffateurmeister hinaufbegeben. Sie tamen aber nicht weit, den Markt bringen darf. Für seinen Antrag, von einem Gesuch dem 28. Juli gemeldet: Heute morgen 64 Uhr bei Einfahrt des denn es erfolgte kurz darauf der Einsturz. Die beiden erlitten an den Bezirksausschuß auf Zulassung qu. Geschäftsleute Abstand von Duisburg fommenden Personenzuges in bas Kopfgleis 12 Oft mehrere, wenn auch nicht allzu schwere Verlegungen, während die zu nehmen, fand er denn auch unter den Bürgerlichen genügend in Düsseldorf überfuhr die Spike des Buges mit der Zugmaschine beiden Erdarbeiter, die unter den Gerüft zu tun hatten, schnell zur Gefolgschaft. Auch glaubte der Gemeindevorsteher unseren Ge- die am Ende des Bahnsteigs liegende Drehscheibe. Die Maschine Seite sprangen und nur einige Hautabschürfungen davontrugen. noffen noch vorwerfen zu müssen, daß sie Politik in die Debatte brang sodann in das dort stehende Abortgebäude und zerstörte es Gleichfalls abgestürzt ist auf dem Grundstück Lindowerstr. 10/11 hineingebracht hätten. Reichardt erwiderte, daß ein solcher Vor- fast vollständig. Menschen sind nicht verlebt, der Betrieb ist nicht der Maler Richard Koort aus der Nimrodstr. 85 in Waidmannslust. wurf lediglich auf die bürgerlichen Vertreter zurückfalle, die doch gestört. Infolge eines Fehltrittes fiel er rücklings von einem Stehgerüst auf nur von politischen Gesichtspunkten die Wahl von Sozialdemo den Bürgersteig hinab und erlitt einen komplizierten Schädelbruch, fraten in die Schuldeputation, in den Amtsausschuß oder als durch den auch anscheinend das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen Schöffen bekämpften. worden war. Der Verunglückte erhielt auf der in demselben Hause befindlichen Unfallstation die erste Hilfe und wurde dann in hoffe nungslosem Zustande nach dem Rudolf Virchow Krankenhause überführt. S Briefkaften der Redaktion. R. R. 18. Sie sind nicht zur Entfernung des Brettes verpflichtet. Es fand sich denn noch eine günstige Gelegenheit, bei Beratung eines Gesuches der Großen Berliner, betr. Anlegung einer Straßen bahnschleife in der Dorfaue, die miserablen Verkehrsverhältnisse zu erörtern. Die Straßenbahnwagen nach Berlin verkehren in AbUnbekannt verstorben. Am 17. Mai cr. wurde auf Veranlassung ständen von 7 Minuten. Die Große Berliner hält es nach ihren des städtischen Obdachs ein zirka 40-50 Jahre alter unbekannter Erhebungen" nicht für nötig, durch öfteren Wagenverkehr beffere Mann, der nicht vernehmungsfähig war, nach der Jrrenanstalt Herz- Berhältnisse zu schaffen. Es gibt wohl keinen Mariendorfer, der berge überführt, woselbst er am 1. Juli verstarb, bevor seine nicht schon über diese Mißstände zu klagen gehabt hätte, zumal die, Persönlichkeit festgestellt werden konnte. Der Unbekannte war mittel- die täglich in Berlin ihrer Beschäftigung nachgehen müssen. Daß groß, hatte dunkelblondes Haar, eingefallene Augen, start gerunzelte man z. B. von Berlin aus oftmals Wagen auf Wagen an sich vor Stirn und Struppigen Vollbart. Belleidet war er mit einem dunkel- beifahren lassen muß und schließlich das Mitkommen in einem schon braunen Winterüberzieher, grauem Jackett, dunkelgrauer Weste, überfüllten Wagen nur einem menschenfreundlichen Schaffner zu dunkler Hose, rotem wollenen Hemd, Schnürschuhen und schwarzem verdanken hat, das fümmert die Große Berliner nichts. Mit Aus. weichen Filahut. Personen, die über die Persönlichkeit des Un- nahme des Gemeindevorstehers zeigten jedenfalls sämtliche Gebekannten Auskunft geben tönnen, werden gebeten, ihre Angaben meindevertreter dieser Gesellschaft kein Entgegenkommen. Schließlich brachte Gen. Reichardt noch Mißstände bei den der Kriminalpolizei oder einem Polizeirevier mündlich oder schriftlich zu den Akten 3848 IV 59.08 mitzuteilen. Kanalisationsarbeiten, die von der Firma Mast( G. m. b. S.) ausgeführt werden, zur Sprache. Diese Firma beschäftigt auch. B. 100. Auf der Fahrt von Beusselstr. nach Spandau hat am Sonnabend Frauen bei den Erdarbeiten und hätte Arbeit suchende Männer der Arbeiter Gustab Böttcher in Staaten. Neue Straße 3, feinen zurückgewiesen. Die von der Firma Abgewiesenen, ganzen Wochenlohn im Betrage von 33 M. nebst Unfallnummer, sowie auch die Parteigenossen, denen solche beWochenkarte und Schlüssel und 5 Parteimarken, in einem tannt sind, wollen sich geft. mit Gen. Reichardt, schwarzen Portemonnaie verloren. Gr bittet einen ehrlichen Surfürstenstr. 34, in Verbindung feßen. Finder, ihm seinen Verlust zustellen zu wollen. Beim Sommerfest des 6. Wahlkreises sind folgende Gegen stände als gefunden dem Komitee übermittelt worden: Ein Portes monnaie mit Inhalt, je ein Regenschirm und Stock, ein Damenjackett, ein Bund Schlüssel und ein Kinderschuh. Die Gegenstände fönnen von den Eigentümern im Bureau des Kreises, Ravenéstraße 6, in Empfang genommen werden. Der Verein Berliner Hausdiener bittet uns um Aufnahme folgender Zeilen: Bei unserem Sommerfest bei Mente, am 26. Juli, find ein paar Manschetten mit goldenen Knöpfen gefunden worden. Dieselben sind in unserem Bureau, Adlerstraße 5, in Empfang zu nehmen. Nieder- Schöneweide. weide veriibt worden. Katastrophe führen konnte, ist in der Brückenstraße in Nieder- Schöne Ein frevelhaftes Bubenstück, das leicht zu einer unabsehbaren Die dort angebrachte Weiche der Straßenbahn, die schon seit vielen Wochen nicht benutzt worden war, wurde von fremder Hand umgestellt. Als furz darauf zwei Straßenbahnwagen von beiden Seiten herannahten, ahnten die Führer nicht, daß es im nächsten Augenblick zu einem Zusammenstoß kommen sollte. Dhne daß sie etwas von der falschen Weichenstellung merkten, fuhren sie darauf los. Erst nachdem der eine Wagen die Weiche passieren wollte, wurde man aufmerksam und mit aller Kraft wurden die Bremsen in Tätigkeit gesetzt. Nur diesem Umstande ist es zu danken, daß der Zusammenstoß, der mit großer Heftigkeit erfolgte, ohne schwerere Folgen verlief. Spandau. Gerichts- Zeitung. -Die juristische Sprechstunde ftudet Lindenstraße Nr. 8, swettez sof, britter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl wochentäglich abends von 7 bis 9% the ftatt. Geöffnet 7 1hr Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Svrechstunde vor. chiefter 69. Wenn die Statuten einen dabingehenden Baſſus nicht etwa enthalten: nein. A. W. 61. Unseres Erachtens ja. Sie können den Fall unentgeltlich durch den Magistrat, Abteilung für Invalidenversicherung ( stölnischer Bart) entscheiden lassen. G. R. 100. Warten Sie die eventuelle lage rubig ab, gegen einen ungerechtfertigten Berdacht kann man an sich nichts machen. Alter Abonent 1000. Lediglich die Statuten find entscheidend. Ohne Einsicht in diefelben läßt sich nicht sagen, wann der Austritt erklärt werden fann und welche Rechte dem Austretenden zustehen. C. H. 25. Ueber die Höhe der Steller lassen sich die Baupolizeiverordnungen aus, die an den einzelnen Orten sehr verschiedenartig sind und die wir nicht sämtlich kennen lönnen. 2. A. 100. Nein. eventuell also die Schlüffel abgeben. Sachen brauchen Sie nicht in der Sie müßten die Räume( zur Besichtigung freistellen, Wohnung zu lassen. Saffe. Wenn der außercheliche Erzeuger zu gerichtlichem oder notariellem Protokoll seine Baterschaft anerkannt hat, fann er fich nachträglich nicht darauf berufen, daß innerhalb der Empfängniszeit ein anderer Berkehr stattgefunden hat. Irmgard 25. Das geratenfte ist, Sie machen ein wechselseitiges Testament, Jonst würde wegen des Nachlaffes es so stehen, daß die Hälfte, abgesehen vou den Haushaltungsgegenständen und den Hochzeitsgeschenken, welche der überlebende als voraus erhält, den Eltern oder Geschwistern zufiele. 3. 37. Die Mutter könnte das sind jederzeit besuchen, auch zurüdholen und eventuell im Wege der lage ihre Forderung durchsetzen. 2. 20. 1. Gine Ginziehung der Invalidenvente ist möglich. G8 fommt 5. M. 61. auf den betreffenden Fall an. Die Karten find abzugeben. ber verbrannten Sachen zu verlangen, weil es zu den Pflichten der Firma Nach zutreffender aber bestrittener Ansicht sind die Arbeiter berechtigt, Grfez gehörte, eine Versicherung gegen Feuersgefahr vorzunehmen. D. 2. 81. Der Betreffende hat nicht das Recht, die Herausgabe des Kindes zu verlangen. R. 13. Leider sind die Ansprüche verjährt, dieselben tönnen erst wieder aufleben, wenn mindestens 200 Marken von neuem geklebt sind. G. S. 1. und 2. Ja. Nach herrschender Ansicht haftet der Mann für Feuerwehrbericht. In der letzten Nacht tamen 2 Branddie Stirchensteuer der Frau, indes liegt ein oberstrichterliches Erkenntnis über die Frage nicht vor. Charlottenburg 100. 1. Rein. 2. Ja. stiftungen vor. Um 11 Uhr nachts wurde die 1. Kompagnie nach P. J. 72. 1. Nachteiliges ist uns von der Gesellschaft nicht bekannt. der Barnimstraße 26, Gde Neue Königstraße, alarmiert, wo in 2. Uns nicht bekannt. W. R. 100. Auch ein Dissident hat vor Gericht einer Wohnung an verschiedenen Stellen Möbel, der Fußboden Bei Erwerbung der preußischen Staatsangehörigkeit ist Genosse gereimtheit ist im Reichstage wiederholt hingewiesen. den Eib in der vom Gesetz normierten Weise zu leisten. Auf diese Un u. a. in Flammen standen. Wegen der großen Berqualmung der Köppen, Jagowstraße 9, zu unentgeltlicher Auskunft und Hilfe bereit. wechselseitiges Testament, wie überhaupt ein Testament, kann ohne Beihilfe O. 48. Gir Treppen drang die Feuerwehr über eine am Hause errichtete Beiter eines Rechtsanwalts oder des Gerichts verfaßt werden. Notwendig ist, daß in die Wohnung ein. Nach der Ablöschung des Brandes stellte das Teftament eigenhändig ge- und unterschrieben sowie datiert ist. An sich heraus, daß das Feuer vorsätzlich angelegt war. Von dem leitung und Beispiele für solche eigenhändigen Testamente finden Sie au, Brandstifter fehlt noch jede Spur. Gestern früh um 4 Uhr den lezten Seiten des dem Arbeiterrecht" beigefügten Führers. Das Buc brannten in der Gartenstraße 46 die Dachverschalung und der liegt in den öffentlichen Bibliotheken aus. M. 65. 1. Ja. 2. Sie Fußboden. Auch in diesem Falle muß Brandstiftung angenommen Ein ausgewiesener" Dieb bei der Arbeit. tönnen die Klage schriftlich oder mündlich im Bureau des Gewerbegerichte werden, da die Brandherde getrennt lagen und eine andere Ur- Wegen Diebstahls im strafschärfenden Rückfalle verhandelte einreichen. Bu empfehlen wäre es, die Hilfe des Arbeitersekretariats O.. 99. 1. Nein. 2. Ja Engelufer 15, in Anspruch zu nehmen. sache nicht festgestellt werden konnte. Ferner brannten Boden- die 10. Straffammer des Landgerichts I gegen den angeblichen A. B. 43. Der Schußmann handelte nach seiner Vorschrift. verschläge mit Inhalt in der Andreasstraße 13. Ein blinder Alarm aufmann Oskar Kurb. Der aus Galizien gebürtige Anm. m. 4000. Ohne Bereinbarung mit der Gesellschaft oder ohne Klage erfolgte nach dem Zoologischen Garten. In der Reichenberger geklagte ist der Kriminalpolizei seit längerer Beit als Taschendieb würde die Sperre fich nicht durchführen laffen. Fritz 64. Die so. Straße 7 war durch eine Petroleumlampe der Bauzaun in Brand bekannt. Im Jahre 1906 wurde St. bei einem Taschendiebstahl ab- genannte Unteroffiziersprämie ist unpfändbar. 2. N. 6. 1. Wenn eit so würde Zwangsvollstreckung vorgenommen werden können. bahnhof, sowie in der Forsterstraße 8 gelöscht werden. Der 8. 3ug fängnis verurteilt. Bugleich wurde er damals als lästiger 2. Bugleich wurde er damals als lästiger 2. Sa. 3. falls nicht Güterausschluß und Ausschluß der Verwaltungswurde nach der Reichenberger Straße 122 gerufen, wo ein Reiter ausländer ausgewiesen. Da der Ausgewiesene gemeinschaft $. G. 100. Rein. Er wurde nach der Unfall- kein ehrlicher Mensch war, der Arbeit in Deutschland erhalten wiederholt werden, wollen Sie mit weiteren Schritten vorgehen, so ver mit seinem Pferde gestürzt war. Fr. N. Die erteilten Antworten können lediglich station geschafft, wo man einen Beinbruch feststellte. Außerdem hatte, oder der gegen einen kontrattbrüchigen Junter sein Recht suchen Sie es, wir halten es für aussichtslos. G. 2. 118. Nein. Bel hatte die Wehr noch an verschiedenen anderen Stellen zu tun. suchte, so wurde der Ausgewiesene nicht über die Dbjeften unter 100 m. ist eine Berufung gegen gewerbegerichtliche Urteile Gestern hatte die Feuerwehr auch auf dem Gesundbrunnen zu Grenze gebracht, brauchte auch nicht die erwerbsschädigenden nicht zulässig. tun. Dort war in dem Konfektionsgeschäft von Löwenstein, Bad- Folgen einer Polizeiaufsicht zu befürchten. Er blieb trob straße 60, Feuer ausgekommen. Im Laden brannten Blusen, Kleider, der Ausweisung in Berlin, und zwar völlig un Türen und Fenster. Gleichzeitig mußte Hussitenstraße 65 ein behelligt. Wäre er ehrlicher Arbeit als Ausländer nachgegangen, Gardinenbrand und Gerichtsstraße 19 ein Wohnungsbrand gelöscht flugs hätte die Polizei sich darum gefümmert, ob er auf Grund des allein gegen ehrliche Ausländer wirkenden ungültigen Ministerialerlasses betreffs Legitimationstarten sich eine Karte verschafft und an die Feldarbeiterzentrale 1 bis 2 M. geblecht hatte. Dann wäre er bielleicht, weil er in ehrlicher Arbeit stand, über die Grenze gebracht. Anders, da er dicbete: da konnte ohne Be- Swinembe. 766 N lästigung durch die Polizei und ohne Legitimationstarte der Aus- Hamburg 767 DND Razzia auf dem Rummelplay. Auf der Suche nach Taschen- gewiesene reichlich stehlen. Das ist die natürliche Folge der von Berlin Franff.a. M. 765D dieben und Messerstechern befand sich in der gestrigen Nacht die den Junkern diftierten preußischen offiziellen Moral. Polizei in Bankow. In der legten Zeit waren bei der Behörde Im April d. J. gingen bei der Striminalpolizei eine Unünden 766 GD Wien fortgesetzt Meldungen eingelaufen, wonach harmlose Bassanten auf menge anzeigen ein, daß in der Garderobe des Neuen Ope der Berlinerstraße und auf dem dort liegenden Nummelplatz be- leute beobachteten beshalb mehrere Tage die dort verkehrenden rettentheaters Taschendiebstähle verübt würden, Kriminalschutzstohlen, mißhandelt und auch mit dem Messer gestochen worden waren. Da man den Uebeltätern nicht beikommen konnte, so ent- Personen und trafen zu ihrem Erstaunen den Angeklagten Kurb, Binden und etwas Neigung zu Gewittern. schloß man sich, eine allgemeine Razzia abzuhalten. Es wurden den sie längst in seiner galizischen Heimat wähnten. Er wurde babei mehr als fünfzig Personen fiftiert und zur Sache gebracht. festgenommen und wegen Bannbruchs au vier Tagen Unter den Festgenommenen befinden sich die Urheber eines blutigen wiederum Anzeigen ein, daß nunmehr in den Garderoben Haft verurteilt. Bald nach Verbüßung dieser Strafe liefen leberfalles, bei dem ein junger Mann durch Messerstiche Lebens- räumen des töniglichen ein Opernhauses Nach ihrer Bernehmung tourden die Taschendieb sein Univefen treibe. Die Beamten ermittelten, gefährlich verlegt wurde. Sistierten zum größten Teil wieder entlassen. daß Kurtz in der Elsasser Straße 68 unangemeldet wohnte, und von hier aus nahmen sie vom frühen Morgen an die Verfolgung Bon einer empfindlichen Wassersnot, die 24 Stunden andauerte, des Taschendiebes auf. Am Abend lenkte Kurtz seine Schritte bem An den Opernhause zu, wo er in der Garderobe für das Partett Auf ist die Einwohnerschaft Köpenicks heimgesucht worden. Wasserwerken war ein neuer großer Waffermeffer angebracht worden. ftellung nahm und die Theaterbesucher scharf musterte. Die Be Als das Wasser, das für einen furzen Augenblick abgesperrt war, amten beobachteten, wie fich St. an verschiedene Damen heranwieder angelassen wurde, strömten die Massen mit solcher Gewalt brängte und mit einer Hand, die er unter seinem Baletot ber. durch die Leitung, daß das Hauptrohr plagte. In der Marienstraße borgen hielt, in den Pompadour einer Dame hineinlangte. Is wurde in furzer Zeit eine vollständige Ueberschwemmung des Fahr- der Angeklagte den Garderobenraum berlassen wollte, wurde er ammes und auch des Bürgersteiges herbeigeführt, so daß der liche untersuchung war anfänglich ohne jeden Erfolg, zufällig von den Beamten in Empfang genommen. von den Beamten in Empfang genommen. Gine törper Straßenbahnbetrieb unterbrochen werden mußte. Die Beseitigung des Schadens nahm volle 24 Stunden in Anspruch. Während dieser entdeckte man dann aber an dem Aermel des Taschendiebes eine fleine Grhöhung, die sich bei näherem Zusehen als ein in dem Zeit waren die Einwohner Köpenicks aufs Trockene gelegt". Aermel berstedtes Damenportemonnaie entpuppte, in dem sich Delegiertenwahl zur Ortstrankenkasse. Morgen Donnerstag, etwa 9 M. befanden. Dieses Portemonnaie, welches einer Frau abends 7 Uhr, findet im Kaiserhof( tleiner Saal) die Wahl von auf unerklärliche Weise abhanden gekommen war, behauptete der 55 Arbeitnehmerdelegierten zur Generalversammlung der neuen Angeklagte gefunden zu haben. In seinem Besize wurde außer Ortskrankenkasse statt. An die Kassenmitglieder ergeht das dringende dem noch eine geladene Browningpistole gefunden. Vor Gericht geraten. Breßfohlenbrände mußten auf dem Anhalter, dem Nord- gefaßt und von der Straftammer später zu 1½ Jahren Gesa. 3. all inbart ist, haften die Sachen der Frau dem Birt werden. Pankow. Köpenick. Vorort- Nachrichten. Witterungsübersicht vom 28. Juli 1908, morgens 8 Uhr. Stationen Barometer stand mm Wind richtung Windstärke 766 Still Better 5° C. 4° R. Stationen Barometer Wind richtung Windstärke Better Temp. n. C. 5° C.= 4° N. 770 NNW 766 S2 766 RD wolten! 18 3 halb bd. 16 1 wolfen! 16 2 heiter 18 1 wollen! 23 Haparanda 769 SSW 2'wolfen! 19 1 molten! 22 Petersburg 771 Still wolfen! 23 Scilly 2 heiter 20 Aberdeen 2 polfen! 19 Baris 766 N 1 halb bd. 20 Wetterprognose für Mittwoch, den 29. Juli 1908. Borwiegend heiter und sehr warm bei meist schwachen östlichen Berliner Betterbureau Dber, Ratibor Stroffen Frankfurt Wasserstands- Nachrichten am feit 27.7. 26.7. cm cm³) 27. 7. 26. 7. Saale, Grochlit Havel, Spandau) 126-8 52 0 Nathenow³) 68-4 Spree, Spremberg) 70+2 Beeslow Beser, Münden Minden Rhein, Maximiliansau 506 Raub ber Landesanstalt für Gewässertunde, mitgeteilt bom Berliner Wetterbureau. am feit Wasserstand Basserstand cm Memel, Tilfit Bregel, Insterburg Beichiel, Thorn 104+1 -24 192 523+77 110+36 88 90 10 -12 -60 10 -162-4 Köln Nedar, Heilbronn 320 3343) -17 94-10 Main, Bertheim 100 0 Mofel, Trier 58 2 133 42 -19 Fall, ) Unterpegel. Höchster Wasser. arthe, Schrimm 1be, Leitmeris ehe, Borbamm Landsberg Dresden Barby Magdeburg + bedeutet Buchs, stand: 852 em am 26. vormittags. 88 -96 -10 667 Nach telegraphischer Meldung war die Dder bei Ratibor heute früh auf 358 cm gefallen. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, den 29. Juli. Neues kgl. Operntheater. Carmen. ( Anfang 7 Uhr.) Anfang 8 Uhr. Deutsches. Die Brettlgrāfin. Neues. Der Zerrissene. Neues Schauspielhaus. Dollarprinzessin. Kleines. 2X2= 5. Die Lustspielhaus. Die blaue Maus. Westen. Ein Walzeitraum. Schiller ( Wallner Theater.) König für einen Tag. Friedrich Wilhelmstädt. Schauspielhaus. Die Diebin. Thalia. Der Mann mit dem Monocle. Bernhard Rose. Das Geheimnis bon New York. Metropol. Das muß man seh'n. Apollo. London Suburbia. Spe zialitäten. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. 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Für die reichen Stranzspenden und liebevolle Teilnahme bei der BeZentralverband der Dachdecker.erbigung meines lieben Mannes sage Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, baß unser Sollege Johann Kohrin verstorben ist. Ehre seinem Andenken! ich dem sozialdemokratischen Wahlberein Rigdorf, sowie allen Bekannten und Verwandten meinen innigsten Dant. 37732 Minna Stülke nebst Kindern. Gine Arbeiter Produttiv: Genossenschaft sucht eine Die Beerdigung findet Mittwoch, Hypothek von 6000 Mark den 29. d. M., nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Johannis- Kirchhofes in Blögensee, hinter dem Schützenhaus, aus Bahlreiche Beteiligung erwartet 54/14 Volksgarten- Theater tatt Berliner Leben. Walhalla- lagarten Theater Singspiel in 1 Aft. Sternwarte, Invalidenftr. 57/62. Boltsbelustigungen. Kinematograph. Schiller- Theater O. ( Wallner- Theater.) Morwit- Oper. Mittwoch, abends 8 Uhr: 8um 10. Male: König für einen Tag. ( Si j'étais roi.) 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Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. sr. K5. 25. 2. Miige des„Nttlüliltg" Kttlim UslksdlM. MW». � � � Deutsche Rechtspflege. B. tLcgen fortgesetzter brutaler Mißhaudlunz ihrer 76jährigcn Tante durch Prügel und ungenügendes Essen hatte das Schöffen- gericht V e r l i n den Rentier Wilhelm Ganzkow und dessen Frau Elise verurteilt, und zwar die Frau zu 6 Monaten Gefängnis, den Mann zu 600 M. Geldstrafe. Auf ihre Berufung setzt das Land- gericht die Strafen auf ZOO M. und 60 M. herab. 0. Vor dem Schöffengericht zu M ö r Z am Medcrrhein ist der Feuerwehrmann Daser no angeklagt, weil er auf der Zeche „Rhcinpreusteu" den Bergarbeiter M a t a s ch e k, Vater von vier Kinder», mit einem Gnmmischlauch derart mißhandelt hat, dag der Geschlagene 0 Woche» lang trank war und die Sehkraft auf einem Auge zum Teil eingebiigt hat. Die Verhandlung ergab, dag die Feuerwehr auf der Zeche mit Gummischläuchcn ausgerüstet ist, um sie bei„ungebührlichen" oder„widerspenstigen" Benehmen gegen die Arbeiter zu verwenden! Ter Bergniann M. wollte feilte Arbeitsschicht antreten, wurde aber von dem Feuerwehrmann Pom Zcchcnplatz fortgeioiescn und wollte nicht gehen. Deshalb die Mig- Handlung. Selbst der AmtSauwalt war der Meinung, dag Daserno den M. ohne allen Grund mißhandelt und ihn g e-> Iv a l t s ä m an der Ausübung seines Berufes g e- hindert hat. Jedoch beantragte er für die„überaus rohe Tat" nur 60 M. Geldstrafe. Da-s war aber dem Gericht noch zu viel. Es verurteilte den Daserno nur zu— 25 M. Geldstrafe, gleichzeitig aber de» mißhandelten Mataschel zu 10 M. wegen„Hausfriedensbruchs". weil' er auf die Aufforderung deS D. den Platz nicht ver- lassen hatte. 10. Bei einer Verhandlung vor dem Kriegsgericht zu H a l I e wird bekannt, dag das Obergericht zu W i n d h u k(Südwestafrika) den Farmer und Reserveo ffizier Viehage, auf dessen Farm ein Sack mit Knochen und Schädeln von Hcrerosrane» beschlagnahmt worden ist, und dem nachgewiesen wurde, daß er eine Hererofrau erstochen und zwei andere zu Tode gequält hat, wegen Totschlags zu neun Jahren Gefängnis verurteilt hat. Abgesehen davon, daß ein„Zutodequälen" doch nicht ohne Ueberlegung denkbar ist, in welchem Falle nicht Totschlag, sondern Mord vorliegen würde, steht auf Totschlag Zuchthaus nicht unter fünf Jahren. Nur wenn der Totschläger ohne eigene Schuld durch eine ihm oder einem Angehörigen zugefügte Mißhandlung oder schwere Beleidigung von dem Getöteten zum Zorne ge- reizt und hierdurch auf der Stelle zur Tat hingerissen wurde, oder wenn andere mildernde llmstände vorhanden sind, tritt Ge« sänguiS nicht unter fxchs Monaten ein. 1l. Bei einer Verhandlung gegen zwei Kaufleute vor dem Schöffengericht zu R i x d o r f äußerte der Amtsrichter Laibenguth: wenn die Rixdorfer Arbeiter sich so be- tragen, wundert man sich nicht, die sind ungebildet, quatschen Sie jetzt nicht mehr. In der Begründung des Urteils kommt der Satz vor: die Rirdorfer Arbeiter machten der Rixdorfer Polizei gerade genug zu schaffen. Es hätten die �utzleute mit den Arbeitern einen sehr schweren Stand. 13. Dem Genoffcn Marckwald aus Königsberg, der wegen des SchandsäulenartikekS von Herrn Schubert zu 1 /* Jahr Gefängnis verurteilt worden ist, wird im Gefängnis zu Allenftein die Selbstbeschäftigung verweigert. Er muß Netze stricken. — Erst infolge der Veröffentlichung ordnet der Justizminister an. daß die Strafe gesetzmäßig, das heißt mit Selbstbeschäftigung vollstreckt wird. 23. Weil am 6. September 1907 zu Hamborn am Bahnhof Neumühl mehrere hundert Bergleute von einem gewiffenlosen Agenten, der sie ohne Auftrag nach OscherSleben angeworben hatte, genarrt wurden und die Polizei schließlich mit Säbelhieben auf die Leute losging, wird der„VorwärtS'redakteur Genosse Weber zu Berlin zn einem Monat Gefängnis verurteilt. Er soll Bürgermeister und Polizei von Hamborn beleidigt haben. 23. Dem Abgeordneten Liebknecht wird die Unter- brechung seiner Festungshaft, um an den Landtagssitzungen teilzu- nehmen, abgeschlagen, weil dazu— nach Meiimng des Ober- reichSanwalts Zweigert—„kein ausreichender Grund" vorliege. Auch der R e i ch s k a n z l e r, in Vertretung Nieberding, ändert hieran nichts.— Bekanntlich hat man dem Dreschgrafen Pttckler zahlreiche Unterbrechungen der Festungshaft gewährt, die er zum Teil zum Halte» von Brandreden in Berlin benutzte. 27. Der„Vorwärts" teilt mit, daß dem Wiesbadener Hof- schau spieler Leffler sogar eine Unterbrechung der Festungshaft bewilligt worden ist, um im Wiesbadener Hof- theater zu spielen. 29. Vor dem Schwurgericht zu Berlin beginnt der Prozeß gegen den Fürsten Eulenburg wegen Meineids und Ber- leitung zum Meineid. Die Oeffentlichkeit wird ausgeschlossen. Soziales. 6. Die„VolkSzeitung" teilt mit, daß. wie in Stettin, Frankfurt und Potsdam, so auch in Erfurt die Lehrer und Lehre- rinnen immer noch vergeblich nnf die Teuerungszulagen warten. Aber auch den Beamten imReichSamtdeSJnnern und im R e i ch s v e r s i ch e r u n g s a m t ist das zum 1. Juni versprochene Geld noch nicht ausbezahlt worden. 5. Der„Breslauer Generalanzeiger" hatte im Juni vorigen JahreS berichtet, daß auf der Wolfaanggrube bei Rüde in Oberschlesien lebensgefährliche Zustände herrschen. An einem Arbeitsplatz fei eine Fahrstrecke nicht vorhanden; infolgedessen mußten die Berg- leute stets die stark ansteigende und nur 1,30 breite Förderstrecke be- nutzen, wo sie in ständi'gerGefahr seien, einem heran- sausenden Kohlenwagen zu begegnen, ohne ihm aus- weichen zu können. Bor dem Besuch deS EinfahrerS oder des Berg- revierbeamten fei jene Arbeitsstelle ziemlich geschützt, denn der Zn- gang sei ein sehr beschwerlicher. Ja, eS fei sogar möglich, daß daS Bergrevieramt von diesem Arbeitspunkte überhaupt nichts wisse. Der Verwalter der Grube klagte wegen Beleidigung. Vor Gericht wurde aber der Beweis der Wahrheit voll« kommen erbracht und der angeflagte Redakteur freigesprochen. Der staatliche Bergbeamte, der die Kontrolle ausübte, gab als Sach- verständiger folgendes Gutachten ab: Auf der betreffenden Strecke feien nur vier Schlepper und zwei Häuer beschäftigt gewesen, und wegen so wenig Leuten wäre eine Aenderung in der Betriebsweise nicht lohnend!!! 20. Auf dem Gute Grünblum bei D a r k e h m e n in Ostpreußen geriet am 3. Juni nach der Landtagswahl— wobei er konservativ gewählt hatte— der 30 Jahre alte Schweizer Arbeit mit dem Besitzer Lohreuz in einen Wortwechsel, weil ihm der Besitzer so spät kein Mittagessen mehr geben wollte. Hierbei veiAiitwortlichM für Unfälle. Das Reichsgericht hat in der letzten Zeit mehrere Urteile gefällt, in denen es an feiner strengen Auslegung der Haftpflicht für ge- fährdende Aulagen mit Recht festhält. Aus den lehrreichen Entscheidungen seien drei wiedergegeben, von denen eine einen G a st- Wirt, die zweite einen Fabrikbesitzer, die dritte eine Stadt betrifft. I. Zu der Wirtschaft des Gastwirt« Thiele in Dudcrstadt führen vom Trottoir aus einige Stufe»?. Auf Hgltations- Kalender. Juni. wurde der Arbeiter von dem Besitzer erschossen. Der Besitzer be- hauptet natürlich, er habe sich in Notwehr befunden. Verhaftet wurde er nicht. Dem Vater deS Erschossenen, der in der Nähe von Königsberg wohnt, machte der Besitzer erst nach der Beerdigung Mitteilung von dem Vorfall. Aus Äeer und Flotte. 2. Ter Unteroffizier Berthold vom sächsischen Schützeuregiment Nr. 108 hat am 13. April, einem warmen Tag, 12 Soldaten, Iveil sie schlecht geschossen hatten, in sinnloser Weise 600—700 Meter im Laufschritt hin und her renneu lassen und dadurch de» Tod eines Soldaten verschuldet. Das Kriegsgericht hatte ihn zu einem Jahr einer Woche Gefängnis verurteilt, aber zugleich be- kaunt gegeben, daß es beschlossen habe, für den Angeklagten ein Gnadengesuch(!) e i n z u r c i ch e n. Gegen dieses Urteil hatte der Verteidiger Berufung eingelegt. Vor dem Oberkriegsgericht konnte er sich auf ein ärztliches Gutachten stützen, welches besagt: Die Sektion der Leiche habe eine Verwachsung der Lunge mit dem Rippenfell und eine Vergrößerung des HcrzenS ergeben. Nach diesem Befund sei der Verstorbene eigentlich dienst- unbrauchbar gewesen. ES sei als ein Zufall aufzufassen, daß er gerade an diesem Tage gestorben sei. Das Oberkriegsgericht bestätigte die Strafe und fügte noch Degradation hinzu. 4. Wegen 600 Fällen von Soldatenmißhaudlungen ist inBerlin ein Unteroffizier Thamm und sieben andere Sergeanten, Unter- offiziere und Kanoniere von der Artillerie angeklagt. Einer von den mißhandelten Soldaten hat sich daS Leben geuoiumen. Thamm wird zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis und Degradation verurteilt, die übrigen Angeklagten kommen mit milderen Strafen davon. 11. Wegen 200—300 Fällen von Soldatenmißhandlungen sind in Berlin augeklagt: ein Sergeant, drei Vizefeldwebel, ein Feldwebel, ein Leutnant vom 4. Garderegiment zu Fuß. Die Beweisaufnahme enthüllt haarsträubende Bestialitäten. Verurteilt werden: der Sergeant zu 1 Jahr 3 Monaten 1 Tag Gefängnis und Degradation, ein Vize- feldwcbel zu 1 Jahr Gefängnis und Degradation, ein Vizefeldwcbel zu 11 Monaten drei Woche» Gefängnis, ein Vizefeldwebel zu vier Wochen Arrest. Der Feldwebel und der Leutnant, die nur wegen mangelhafter Aufsicht angeklagt waren, werden frei- gesprochen! 30. Die„Westdeutsche Arbeiter-Zeitung"(M.-GIadbach) teilt mit. daß der Vorsitzende einer Zahlstelle des christlichen B a u- Handwerker-Verbandes im Münsterlande Aussicht zu haben glaubte, zum Unteroffizier befördert zu werden. Aber am letzten UebungStage eröffnet ihm fein Hauptmann, daß er ihn nicht befördern könne, weil er„patriotisch unzuverlässig und den Behörden nicht wohlgesinnt sei". Dem Manne kann nichts anderes zur Last gelegt werden, als daß er christlich orga- n i s i e r t ist. Gegnerische Parteien. 2. Im Dezember vorigen JahreS hatte die„Post" die Mit» teilung verbreitet, unser Genosse Reichstagsabgeordneter Richard Fischer habe seine Stellung als Geschäftsführer der Vorwärts- Druckerei dazu mißbraucht, sich durch Annahme sogenannter Schmier- gelder persönliche Vorteile zu verschaffen. Andere bürgerliche Blätter übernahmen den Schwindel. Fischer verklagte deshalb 7 Redakteure. Vor Gericht wurde zunächst derPolizeirat Dr. Henninger, Dezernent der pölitifchen Abteilung des Berliner Polizeipräsidiums, vernommen. Indes, Herr Henninger übergab dem Gericht ein Schreiben des Polizeipräsidenten, durch das ihm die Genehmi- gung zur Aussage versagt worden war. Als Rechts- anwalt Heine ankündigte, er wolle den Zeugen fragen, ob etwa er selber Informationen an die„Post" geliefert habe, erklärte der Polizeirat. auch hierauf werde er nicht antworten. Als weiterer Zeuge bekundet Genosse Hermann Werner, Rex- häusers„Korrespondent" sei eS gewesen, der einmal mit Bezug auf den„Vorwärts" behauptet habe, da werde schlechtes Papier geliefert und X D bekomme 1000 M. für guten Papierabschluß. Dieser An- griff habe nur auf den Geschäftsführer Fischer bezogen werden können. Der Vorstand des Wahlvereins habe Stellung hierzu nehmen müssen, in einer Versammlung habe dann Fischer erklärt, niemals Provision erhalten zu haben, und niemand aus der Ver- sammlung habe diese Erklärung angezweifelt. Eine Klage gegen die Notiz des„Korrespondent" sei wegen ihrer raffiniert geschickten Fassung aussichtslos gewesen. Der„Korrespondent" habe«ie versucht, jene Verdächtigungen zu beweisen. Die Vernehmung der weiteren Zeugen fiel derart aus, daß die verklagten Redakteure ihre Beschuldigung als unrichtig zurücknahmen. Genosse Fischer zog darauf gegen sechs von ihnen den Strafantrag zurück, nur gegen den Redakteur der„P o st" geht die Klage weiter. 6. Ans Wut über den Ausfall der Wahl in Berlin verübt die„Freisinnige Zeitung" eine schmutzige Denunziation gegen die Beamten, indem sie schreibt: „Zu den Wahlen in Verlin wird von einem in solchen Dingen sonst gut unterrichteten Berichterstatter gemeldet, daß daS Gros der Beamtenschaft in Berlin nicht gewählt habe. Weder die Schutzmannschaft noch die Postbeamten hätten sich zahl- reich beteiligt. Von denen, die gewählt haben, stehe bereits fest, daß ein Teil den sozialdc in akratischen Wahlmännern ihre Stimme gegeben habe. Auch einige Lehrer und städtische Beamte hätten sozialdemokratisch gewählt.— Man muß erwarten, daß der Berichterstatter in der Lage ist, diese Be- hauptung zu erweisen, denn wir würden eS für eine schwere Be- lcidigung der Beamten halten, wenn man ihnen unbegründet den Vorwurf machte, einem Sozialdemokraten die Stimme gegeben zu haben. Daß die Postbeamten in Berlin nur zum Teil gewählt haben, wird uns auch von anderer Seite mitgeteilt, und ebenso berichtet man uns. daß die Hof- beamten nur spärlich ihr Wahlrecht ausgeübt haben.« WaS speziell die Postbeamten betrifft, so wird ans einem Urwahl- b ezirk im Süden der Stadt Berlin gemeldet, daß von etwa 20 Postbeamten nur ein einziger an der Wahl sich beteiligt hat. Die Eisenbahnbeamten haben dagegen in Berlin sich sehr zahlreich an den Wahlen beteiligt." 9. Der Bund evangelischer Arbeitervereine Bayerns hat, wie man auf dem zu Nürnberg abgehaltenen Bundes- tage erfährt, gegenwärtig 74 Vereine nnt 13 903 Mitgliedern. Von diesen sind 3724 Arbeiter. 3164 Handwerksmeister, 1186 Beamte, Geistliche, Lehrer, 1313 Bedienstete, 874 selbständige Kauf- leute, 668 Handlungsgehilfen und Privatbeamte, 330 Landwirte, diesen Stufen kam am 10. Oktober 1903 vormittags der Acker- mann S. aus Hilkerode beim Verlassen der Gastwirtschaft zu Fall. Er zog sich hierbei einen Knöchelbrnch des linken Fußes zu und klagte deshalb gegen den Gastwirt T. mit der Behauptung, daß der Unfall durch die gefährliche Beschaffenheit der Treppenstufen verursacht worden sei. Kläger verlangte als Entschädigung 1040 M. Kurkosten und 1000 M. Schmerzensgeld, sowie eine jährliche Rente von 600 M. Das Landgericht Göttingen erklärte den Anspruch deS Klägers dem Grunde nach für gerechtfertigt. Vom Ober- landeLgericht Celle wurde das landgerichtliche Urteil b c- {tätigt. Das Oberlandesgericht stellt fest, daß die Breite(Tiefe) 469 Industrielle, 348 Werkmeister. Auf 100 Mitglieder kommen 26,4 Arbeiter! 16. Aus dem Jahresbericht des Flotten Vereins: ,. S ch ü l e r f a h r t e n wurden auch im letzten Jahre nach der Wasserkante veranstaltet. Nach Hamburg und Kiel gingen 1700 Schüler." Die Stimmung derselben scheint eine etwa? sehr feuchtfröhliche gewesen zu sein, denn der Bericht bemerkt: „Nach der der Präsidialgeschäftsstelle von der Garnisonverwaltung in Kiel übersandten Abrechnung sind bei Beuutzuug des Kaserne- ments in Wik unverhältnismäßig viel Beschädigungen des Inventars vorgekommen. Unter anderen Kleinigkeiten haben nicht weniger als 2 Stehlampen, 4 Hängelampen, 3 Kopspolster, 163 Handtücher, 51 Wasserkrüge, 50 Waschbecken, 58 Wasserflaschen, 97 Trinkgläser, für 64,15 M. Fensterscheiben und ein Klosettbecken im Werte von 66,80 M. ersetzt werden müssen." 18. Wie nunmehr bekannt wird, hat der F r e i s i n n bei der preußischen LandtagSwnhl daS Mandat in FlenSburg-Apen- r a d e der Hilfe deS Bundes der Landwirte verdankt, die er erkauft hat durch das Versprechen, bei der nächsten ReichSfagswahl dem Bundeskandidaten behilflich zu sein. 23. DaS Z e ii t r u m als Mehrheitspartei in der Stadt- verordiietenversanimiung zu Aachen hat den Antrag des sozial- demokratischen Vereins, den Zensus für die Gemeinde- Wahl von 6 auf 4 M. herabzusetzen, abgelehnt. In einer Zusammenlunst der Vertrauensleute und Vorstände der ch r i st l i ch- s o z i a l c n Arbeitervereine wird deshalb erklärt: es sei traurig, daß man sich von der eigenen Partei Ohrfeigen versetzen kassen muß. Nach der Aussprache eines Geistlichen müsse man sich heute schämen, Mitglied der Zentrumspartci in Aachen zu sein. Terrorismus. 3. Der Verband bayerischer Metallindustriellen schickt an seine Mitglieder ein geheimes Rundschreiben, worin er sie auffordert, die Mitglieder des Bundes technisch-industrieller Beamten soivi: die von vier namentlich genannten HandlungSgehülfenVerbänden nicht zn be- schäftigen oder, falls solche bei ihnen angestellt sind, sie zu entlassen. 12. Der„Volksbote", unser Stettin er Parteiorgan, teilt mit, daß die Leitung deS Eisenwerkes„Kraft" in Kratzwieck den Arbeitern bei Strafe der Entlassung daS Fernbleiben von der Arbeit am Wahltage untersagt hat.„Da dies eine gewaltsame Behinderung in der Ausübung der staatsbürgerlichen Rechte der Arbeiter darstellt," schreibt der„Volks- böte" im Anschluß daran.„erwarten wir von der Staats- a n w a I t s ch a f t die Erhebung der Anklage gemäß dem 8 107 deS Strafgesetzbuches. Bis Monatsschlnß war noch keine Anklage erhoben. 27. Im„Moabiter Bezirks anzeiger" veröffentlicht der durch- gefallene Fr ei sinn skandidat Hernian Schöler eine ausführliche Svykottlistr aller derjenigen Wahlmänner, die nicht so gestimmt haben, wie der Freisinn das gewünscht hätte. Zunächst zählt er acht freisinnige Wahlmänner namentlich, unter genauer Mitteilung ihrer Adresse, auf, die am 23. Juni ihre Stimme nicht abgegeben haben. Dann werden 31 konservative und nationalliberale Wahlmänner namentlich in Fettdruck nnker genauer Angäbe ihrer Wohnung aufgeführt, die am 23. resp. 16. Juni nicht abgestimmt haben. Und endlich fährt Herr Schöler fort:„Doch muß ich eines Wahlmannes noch besonders Erwähnung tun. Der Schuhmacher Kampe, Kruppstr. 8. der am 16. Juni feiner Pflicht als kou- fervativer Wahlmann genügt hat, hat eS fertig gebracht, am 23. Juni sozialdemokratisch zu wählen! Aus der Partei. 3. Die preußische Landtagswahl findet statt, wobei zum ersten Male Sozialdemokraten ins preußische Abgeordnetenhaus gewählt werden. 23. Bei der Stichwahl in Moabit(Berlin) wird noch ein siebenter Sozialdemokrat ins Abgeordnetenhans gewählt. Von unserer Polizei. 3. Im April d. I. hatte der Polizeiwachtmeister Wagner in Kulm a. d. W. den Vortragenden in einer Versammlung mitten in der Rede unterbrochen und dessen Namen und Wohnung wissen wollen. Zur Ruhe ermahnt, löste er einfach die Versammlung auf. Die Beschwerde gegen den Polizeibeamten wurde erst nach einer Mahnung von dem Bürgermeister dahin beantwortet, daß die Auf- lösung der Versammlung im VcreinSgesetz keine Stütze findet und daß dem Wachtmeister hiervon Kenntnis gegeben sei. Zu einer Rektifizierung deS Beamten liege leine Ver- a n l a s s u n g vor. 23. Entgegen dem ausdrücklichen Versprechen, daS Staatssekretär v. B e t h m a n n- H o l l w e g im Reichstage abgab, hat der Regierungspräsident von Arnsberg angeordnet, daß in öffentlichen Gewerkschaftsversammlungen nur deutsch, nicht polnisch gesprochen werden darf!— Und einige Tage später hat der Regierungspräsident von M ü n st e r einer polnischen Berufsvereinigung ohne Angabe von Gründen denselben Bescheid erteilt I 24. Die Breslauer Polizei hat eine Mitglieder- Ver- sammlung des Sozialdemokratischen Vereins deshalb aufgelöst, weil der Vorsitzende sich die ungesetzliche polizeiliche lleberwachung verbat und die Polizisten aus dem Lokale verwies. Auf die Be- schwerde erwidert der bekannte BreSlaner Polizeipräsident: die Versammlungen des Vereins würden als öffentliche an- gesehen, weil der Verein so viel Mitglieder habe und auch Frauen an den Versammlungen teilnähmen I Zugleich kündigt er ein Strafmandat an. weil die Versammlung nicht an» g e m e l d e t war. 23. Obgleich der Minister im Reichstag erklärt hat, daß ein B e- amter, der einer politischen Partei ein Lokal abtreibe, gegen das Strafgesetz verstößt, hat der A m t S v o r st e h e r G u r a d z e zu O S w i tz bei Breslau einem Gastwirt die Tanzerlaubnis genommen und die Polizeistunde gekürzt, weil er sein Lokal zu sozialdeniokra- tischen Versammlungen hergab. Beschwerde beim Landrat und beim Regierungspräsidenten half nicht». Strafanzeige beimStaatsanwaht undOberstaatS- a n iv a l t ebensowenig. Der Gastwirt verweigerte wieder den Saal, sofort erhielt er auch wieder Tanzerlaubnis und verlängerte Polizeistunde. Einem anderen Gastwirt, der nunmehr das Lok.ck hergeben wollte, drohte der Amtsvorsteher mit de» gleichen Maß- regeln. Die Folge war, daß auch dieser Saal wieder der Partei entzogen wurde. Nunmehr ist der ganze Sachverhalt d e m M i n i st e r des Innern unterbreitet worden. der drei Treppenstufen bor der Haustür des Beklagten nur 24 bis 23 Zentimeter und damit 3—6 Zentimeter weniger, als die Bau- technik vorschreibt, betragen habe. Weiterhin stellt eS fest, daß die Stufen an einzelnen Stellen„sehr" abgetreten, die angebrachten Rillen durch Abnutzung weggeschliffen und die Swfen deshalb namentlich infolge des am Unfallstage herrschenden RegtnS sehr glatt waren. Auch hat die Beschaffenheit der Treppe nach der Feststellung des Berufungsgerichts schon wieder- holt vor dem Unfälle des Klägers daS Ausgleiten und Hinstürzen von Besuchern der Wirtschaft verursacht. Für den gefahrbringenden Zustand der Treppenstufen macht das OberlandqSgericht den Be- klagten verantwortlich, da er als Gastwirt wie auch als HauSelgentümer berpfltchtet gewesen ses, für Ke Verkehrs- sichere Beschaffenheit der Treppe zu sorgen. Der Beklagte hatte sich noch darauf berufen, daß der Unfall des Klägers durch ein Fettbröckelchen verursacht worden sei, waS von einem geschlachteten Stück Rindvieh, das im Haus- gange aufgehängt und von dem mehrfach abgeschnitten worden sei. herabgefallen sei. Hierfür wäre er aber nicht verantwortlich, Iveil das Wfallen von Fettbrocken sein Sohn zu vertreten habe, der in demselben Hause eine Schlächterei betreibe. Das Be- rufungSgericht lehnte eine Beweiswürdigung hierüber ab. Es nimmt an, daß das Vorhandensein eines Fleischabfalles auf der Treppe gleichfalls von dem Beklagten zu ver- treten wäre und daß übrigens das etwa vorhandene Fett- sillckchen keinesfalls die alleinige Ursache des Unfalles gewesen sei, sondern dieser durch die Beschaffenheit der Stufen zum mindesten mit verursacht sei, und daß dieser Umstand durch Fahr- lässigkeit vom Beklagten verschuldet sei. Gegen dieses Urteil hatte der Beklagte Revision beim Reichs- gericht eingelegt. Der VI. Zivilsenat erkannte jedoch auf Zurück- Weisung der Revision, indem er noch dazu erwähnt, daß dein Beklagten kein Konstruktionsfehler der Kreppe zur Last gelegt werden solle, sondern werde der Beklagte hauptsächlich— und zwar nicht mit Unrecht— deshalb verantwortlich gemacht, weil er als G a st w i r t seiner Verpflichtung zur Fürsorge für die Sicherheit dieses besonderen von ihm eröffneten Verkehrs nicht genügt habe. II. Auf dem Fabrikgrund st ück der Papierfabrik Weltende in Hirschberg-Weltcnde spielten am Sonntag, den 10. September 1903, mehrere Knaben, indem sie auf einer 10 Zentner schweren Lore, die sie aus der unvcr- schlossenen Schälerei auf dem Schienengleise vorgezogen hatten, die abschüssige Bahn hinabführen. Nachdem dies einigemal gut gegangen war, entgleiste die Lore infolge eines auf den Schienen liegenden Holzstückes und fuhr gegen da? Kesselhaus. Durch den Anprall wurde dem 12 jährigen Rudolf Feller, der vorn auf dem Wagen saß, das rechte Bein zerquetscht, sodaß ihm der Fuß ober- halb deS Knöchels abgenommen werden mußte. F. klagte daraufhin auf Ersatz des ihm durch den Unfall entstandenen Schadens gegen die beklagte Papierfabrik, weil der Fabrikleiter den Unfall da durch verschuldet habe, daß er die Wogen frei und unverschlossen stehen gelassen hatte. Das Landgericht Hirschberg wies die Klage ab Auf die Berufung des Klägers wurde sein Anspruch dem Grunde nach zur Hälfte für gerechtfertigt erklärt. Das Oberlandesgericht Breslau erachtete die Beklagte nach den Z§ 823, 842, ff., 31 des Bürgerlichen Gesetzbuches zum Schaden ersatz für verpflichtet, weil ihr Geschäftsführer den Unfall des Klägers durch Außcrachtlaffung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt ver- ursacht habe. Der geschäftsführcnde Direktor G. habe gewußt, daß seine eigenen sowie die Kinder anderer Angestellter der Fabrik mit den �Loren zu spielen pflegten. Jedenfalls habe er damit rechnen müssen, daß die Kinder auf dieses Spiel, das einen besonderen Reiz auf sie ausüben mußte, verfallen könnten. Bloße Verbote und Zurechtweisungen seien aber bei Knaben von 12—15 Jahren in Ansehung derartiger Belust�ungen nicht aus reichend gewesen. Die Beklagte, deren Beamten die Gefährlichkeit dieses Spiels erkannten und notwendig erkennen mußten, sei daher verpflichtet gewesen, das Spiel zu verhindern. Sie hätte dies in einfacher Weise tun können, indem sie an den Tagen, an denen der Fabrikbetrieb stille stand, die den Zugang zu dem Wagenstand vermittelnden Schiebetore des Lagerraums verschloß. Die Unterbringung der Wagen in der Schälerei und die Anstellung eines Wächters hätten, wie die Beklagte sich sagen mußte, die mißbräuchliche Benutzung der Wagen nicht hindern können. Der Wächter habe zu einem Rundgang durch die ganze Fabrik annähernd dreiviertel Stunde gebraucht. Andererseits nimmt aber das Berufungsgericht an, daß auch das eigene Ver- schulden des Klägers den Unfall mit herbeigeführt habe, da der Kläger sich der Gefährlichkeit des Spielens mit dem Loren voll bewußt gewesen sei und die zur Erkenntnis der Verantwortlichkeit seines Tuns erforderliche Einsicht besessen habe. Und kam es des- halb zu der Verurteilung des Schadens zur Hälfte. Das Reichs gericht bestätigte dies Urteil. Hl. Auf dem Wasserwerk derStadtgemeinde Koblenz stand an der dem Maschinenmeister K. unterstellten Schmiede eine Bohrmaschine, deren Räderwerk unverwahrt war. Verschiedene Kinder, die an dem Orte, wo die Maschine stand, spielten. machten sich mit dem Räderwerk zu schaffen und ist bei diesem Spiel dem minderjährigen N. in Koblenz die linke Hand erheblich verletzt worden. N. beanspruchte infolgedessen von der Stadtgemeinde Koblenz Schadenersatz, weil der verfassungsmäßig berufene Vertreter der beklagten Stadtgemeinde, der Direktor des Wasserwerkes, fahr lässig die Verwahrung der den Kindern gefährlichen Maschine unter' lassen habe. Das Landgericht Koblenz sprach dem Kläger ein Schmerzensgeld von 300 M. zu und stellte fest, daß die beklagte Stadtgemeinde Koblenz verpflichtet ist, dem Kläger allen weiteren Schaden, der ihm ans diesem Unfall erwachsen ist, zu ersetzen. Auf die Berufung der Beklagten wurde der Kläger vor dem Ober- landesgericht Köln abgewiesen. Auf die Revision des Klägers hob das Reichsgericht das Urteil auf. In den Gründen heißt es:»Beide Vor instanzen gehen erkennbar und mit Recht von der Auf' fassung aus, daß, wer eine dem Leben oder der Gesundheit anderer Gefahr drohende Maschine an einem Orte aufstellt, der anderen zugänglich ist. für die Abwendung solcher Gefahr Vorsorge zu treffen hat. Die Bohrmaschine mit ihrem freiliegenden Räder werk brachte an einem Orte, der spielenden Kindern zugänglich war, diese in die Gefahr, daß sie sich beim Spiel mit den Rädern ver- letzten. Darum war die Beklagte, der die Maschine gehörte und auf deren Wasserwerk sie stand, verpflichtet, der Gefahr für die spielenden Kinder vorzubeugen. Die vom Berufungsgericht erwähnten Vorschriften der Berufsgenossenschast zur Verhütung von Unfällen sind freilich nur zum Schutz der versicherten Arbeiter bestimmt und hier nicht anwendbar. Aber schon die allgemeinen Rechtsgrundsätze ergeben die erwähnte Ver- Pflicht ung der Beklagten. Entscheidend ist, ob der Direktor B. die Maschine auf dem Platze, wo sie sich jahrelang befunden hat, wahrgenommen hat oder ob er sie wenigstens bei Anwendung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt hätte wahr- nehmen müssen. Daß er sie nicht gesehen hat, ist vom Berufungs- gericht auf Grund der Zeugenaussage des B. festgestellt, und diese Beweiswürdigung ist in der Revisionsinstanz nicht nachzuprüfen. Es verneint auch die zweite Frage, diese aber aus Gründen, die rechtlich bedenklich find. Der Kläger hat behauptet und unter Beweis gestellt, V. sei täglich an der Maschine vorbeigegangen. Wenn nun «uch trotzdem angenommen werden durfte, V. habe sie nicht bemerkt, ,o wird doch damit nicht die Frage beantwortet, ob er sie nicht habe bemerken müssen."__ Die Iiigencklichen zur frage der lugend- Organisation. Die Berliner Jugendorganisation nahm am Sonntag in der in den„Arminhallcn" abgehaltenen Generalvcr- sammlung Stellung zu den Verhandlungen des Hamburger Ge- wcrkschaftskongreffes über Jugendorganisation. Die Versammlung >var überaus gut besucht, auch die weiblichen Mitglieder waren zahlreich erschienen. Das Referat hatte Maschke übernommen. Redner gab ein Bild über die Entstehung der Jugendorganisation und ihre Tätigkeit, sowie über die Schwierigkeiten, die sie zu über- winden hatte, und führte dann weiter aus: Man kann es ja be- greifen, daß Behörden, Pastoren und andere mehr die Bestrebungen der arbeitenden Jugend bekämpfen, daß aber aus den eigenen Reihen der Bewegung Steine in den Weg gerollt würden, das hat man sich nicht träumen lassen. Anzuerkennen ist, daß die Arbeiter- presse der Jugend vollauf ihren Schutz hat angedcihcn lassen, aber von feiten der Gewerkschaft hat die Jugendorganisation eine heftige Opposition erfahren. Dabei hat der Mannheimer Parteitag es allen Genossen zur Pflicht gemacht, die Jugendbestrebungen nach Kräften zu fördern. Die Bildungsbestrebungen in der Arbeiter- jugcnd sind schon alt, aber über mißglückte Versuche ist man früher nicht hinausgekommen. Bei näherer Prüfung der Umstände und Ursachen ist das auch zu begreifen. Aber trotz aller Hindernisse hat man nun aus eigener Kraft eine blühende Jugendorganisation geschaffen, deren Hauptaufgabe der Jugcndschutz ist und bleibt. Die Notwendigkeit der geistigen Weiterbildung sehen anfangs nur die ivenigstcn Jugendlichen ein, aber um so schneller begreifen sie, daß der übermäßigen Ausnützung ihrer Kräfte ein Riegel vorgeschoben werden muß. Der Verlauf der süddeutschen Jugendbewegung, die erst auf rein sozialistischer Grundlage arbeitete, nachher aber not- gedrungen sich mit Jugendschutz beschäftigen mußt«, ist der sprechendste Beweis für meine Behauptung. Nicht nur gesetzliche fondern auch wirtschaftliche Bedingungen haben den Weg der nord- deutschen Jugcnd bestimmt. Trotzdem ist es falsch, daß die Süd- deutschen, und zwar auf Veranlassung der Gewerkschaften und der Partei, sich aufgelöst haben, jetzt müßten sie sich den Norddeutschen an- schließen. Das neue Vereinsgesctz ist den Gewerkschaftsführern gerade gelegen gekommen.>— Redner leitet diese Ansicht aus Aeußerungen Lcgiens ab. der der Jugend die„Jugendzeit" erhalten wissen will. Pastoren und Meister sagen genau dasselbe, es sind das nur leere Redensarten. Gerade in dieser Zeit ist die Jugend am ehesten aufklärungsfähig, später hält es schwer, Helligkeit in die Köpfe zu bringen. Sport allein versimpelt. Wenn Robert Schmidt keine selbständigen Organisationen will, und nicht wünscht, daß die Jugend sich mit Sozialpolitik und Arbeiterschutz befaßt, lveil das der Jugend nicht anstelle, so ist das eine bürgerliche Auf- fassung. Daß die Jugend sich nur zu fügen und„Wohltaten" zu empfangen hat und keine eigene Meinung haben soll, ist eine ver- altcte Ansicht.— Redner verliest Stellen aus einer Broschüre von H. Schulz, die diesem Gedankengang entsprechen.— Robert Schmidt hat die Tätigkeit der Jugendorganisation mit Hohn und Spott übergössen, ohne jemals einer ihrer Versammlungen beigewohnt zu haben, ohne sie in ihrer praktischen Arbeit zu kennen.— Redner verlieft einige besonders abfällige Aeußerungen des Genossen Robert Schmidt.— So malt sich die Jugendarbeit im Kopfe eines Ge- Werkschaftsführers, ein Reaktionär hätte es nicht besser machen können. Die norddeutsche Jugendbewegung hatte schon bisher nicht die Möglichkeit, antimilitaristische Propaganda zu treiben oder sich Einbrüche in die politische Domäne zu erlauben. Trotzdem aber kann ihr niemand nachsagen, daß sie nicht ein anerkennenswertes Betätigungsfeld gefunden hat und nicht die Unsinnigkeiten zu ver- antworten hat, die Uebelwollcnde ihr andichten. In Hamburg ist niemand hinzugezogen worden, der die Jugendorganisation hätte verteidigen können.' Die Jugcnd will keine Wohltätigkeit, am Sclbstgeschaffencn ist rechte Freude. Die Jugendabteilungen ein- zelner Gewerkschaften können die Jugendorganisation nicht über- flüssig machen. Schmidts Wort von„lieber Wurst kaufen" ist be- zeichnend für>dcn Geist der da herrscht. Nein, zum Opfermut soll die Jugend erzogen werden! Eine pädagogisch gebildete Genossin, wie Frau Zetkin, hat in der„Gleichheit" in trefflicher Weise diese Frage behandelt. Redner verliest die Stelle.(Lebhafter Beifall.) Wir wollen zeigen, daß wir unsere Angelegenheit selbst ordnen können, durch Selbstbestimmuirg zur Demokratie. Das schließt nicht aus, daß die Jugendlichen für Rat und Tat von feiten der älteren Genossen recht dankbar sind, aber die Selbständigkeit muß gewahrt bleiben.(Starker Weifall.) Nachdem noch der Vorsitzende das Referat nach manchen Seiten ergänzt hatte, trat Genosse Lüpnitz für die Aufrechterhaltung der Jugendorganisation in ihrer jetzigen Form ein. Neu mann vom Lithographcnverbqnd: Ueber die gewerk, schaftlichcn Jugcndabteilungen könne man nach so kurzer Zeit noch kein Urteil abgeben. Tatsache aber sei. daß die Eltern ihre Söhne der Jugendabteilung des Verbandes nur der Kranken- und son- stigcn Unterstützungen wegen zugeführt haben. Das Organ für diese Sektion behandle nur Fachangelegenheiten und könnte ebenso gut vom Unternehmertum herausgegeben werden. Die �Abteilung sei nur gegründet worden, um den gelben Lchrlingsverbänden den Wind aus den Segeln zu nehmen. Cirlinski vom Transportarbeiterverband: Auch in seiner Gewerkschaft hätten die Führer kein Verständnis von der Jugend- Organisation und ihrer Arbeit, wohl aber Spott und Hohn dafür. Der Jugendabteilung des Transportarbeiterverbandes gehöre er nicht an, nur in der Jugendorganisation könne der Idealismus gepflegt werden. Schröder, Mitglied der Jugendabteilung deS Transport- arbeitervcrbandes, tritt dem Vorredner entgegen. Einstimmige Annahme fand folgende Resolution: „Die Versammlung erhebt gegen den Versuch der GeWerk- schaftsführer. die selbständigen Jugendorganisationen zu vernichten. energischen Ginspruch. Unter Berücksichtigung der Tatsache, daß die bisherigen Erfolge der Jugendorganisationen aus eigener Kraft der Jugend unter dem Druck des Unternehmertums, der Innungen, der preußischen Polizei und Justiz errungen werden mußten, sind die Erfolge durchaus gute zu nennen. Sie wären bedeutendere, wenn die Gewerkschaften den Bildungsbcstrcbungen der arbeitenden Jugend mehr Interesse entgegengebracht hätte, wie geschehen. Die Arbeit der Erzieher an der Jugend muß eine anregende und beratende sein. Tie selbständigen Regungen der Jugend dürfen nicht unterdrückt werden, sondern sind in richtige Bahnen zu lenken. Durch selbständige Mitarbeit in der Organisation wird das Solidaritätsgefühl geweckt, das Verantwortlichkeitsgefühl ge- stärkt. Die praktische Organisationsarbeit, verbunden mit der Aneignung des für den Aufstieg der Arbeiterklasse notwendigen Wissens, ermöglicht die Selbsterziehung zu praktischen Funktio- nären in der Arbeiterbewegung. Abgesehen von pädagogischen Gründen, gibt allein schon die Stellung der arbeitenden Jugend im Produktionsprozeß der Jugend das Recht auf Selbständigkeit ihrer Organisation. Eine Organisation der Jugend muß— soll sie die Masse der Jugend anziehen und dauernd fesseln— möglichst alle Interessen der arbeitenden Jugend wahrnehmen. Darum muß die Pflege des Jugendschutzes eine Hauptaufgabe der Jugendorganisation sein. ohne die Tätigkeit der Gewerksckmften ersetzen zu wollen. Die Ver- tretung der wirtschaftlichen Interessen ist aber auch ein Stück Aus- klärungsarbeit: Die proletarische Jugend erkennt ihre Lage und die Ausammenhänge der Gesellschaft und somit den Weg zur Be- 'reiung der Arbeiterklasse. So wird die Jugend zum gemeinsamen Kamps der Arbeiterschaft erzogen. Desgleichen erhält die geistige Fortbildung der Jugend durch die eigene wirtschaftliche Interessen- Vertretung die rechte Grundlage. Die Jugendorganisationen müssen— sollen sie der Arbeiter- bewcgung einen tüchtigen Nachwuchs erziehen— ferner einheitlich beide Geschlechter umfassende Organisationen der arbeitenden Jugcnd sein. Die Jugcndabteilungen der Gewerkschaften mit ihren ausgebauten Unterstützungs- und Versichcrungseinrichtungen — die wohl für die erwachsene Arbeiterschaft notwendig sind— ökziehölt die Jügelid zu Krämerseelen. Und durch die Sonderling nach Berufen wird der Kastengeist schon in der Jugend großgezogen. In der Jugend der modernen Arbeiterschaft muß der Idealismus und die Opferfreudigkeit geweckt und gefördert werden; nicht aber das persönliche materielle Interesse, wie es das Untcrjiützungswcsen hervorruft. Durch die alle Berufe umfassende Organisation wird in der Jugcnd das Solidaritätsgefühl gekräftigt. Die gemeinsame Organisierung der Geschlechter erhöht das sittliche Niveau der proletarischen Jugend. Daß die Jugendorganisationen kein„verfehltes Unternehmen" sind, beweist nichts besser, als die scharfe Bekämpfung dieser seitens christlicher und ähnlicher Jünglingsvereinc, Unternehmer, In nungen, Polizei und Justiz. Was eine selbständige, einheitliche Jugendorganisation für die Arbeiterschaft zu leisten vermag, wenn sie von dieser unterstützt wird, lehrt besonders die selbständige Jugendorganisation in Oester- reich. Die österreichischen Gewertschastszeitungen mißbilligen auch den Beschluß des deutschen Gewerkschaftskongrepes und treten- aus Grund ihrer 14jährigen Erscchrungen aus dem Gebiete der Jugend- organisation für Selbständigkeit einer solchen ein. Die proletarische Jugend erwartet von der Arbeiterschaft Deutschlands, daß sie ihre unter vielen Mühen und schweren Opfern geschaffenen und zu ansehnlicher Stärke gebrachten selb- ständigen Jugendorganisationen, nicht zertrümmert, sondern daß die Arbeiterschaft durch Rat und Tat die bestehenden Jugendorgani- sationen unterstützt und sich somit einen tüchtigen Nachwuchs sichert." Peters schloß die Versammlung mit einem begeisterten Hoch auf die selbständige Jugendorganisation. Em der Frauenbewegung. Das allgemeine Frauenstimmrecht in der Schweiz. Der Internationale Sozialistenkongreß in Stuttgart hat be» kanntlich bezüglich des Frauenstimmrechts einen Beschluß angenonnnen, in dem eS heißt, daß„die Parteien derjenigen Länder, in welchen das allgemnine, gleiche und direkte Stimmrecht der Männer schon eingeführt ist, jetzt dafür zu sorgen haben, daß es aus alle Staats- angehörige ohne Unterschied des Geschlechts ausgedehnt werde". Um diesem Beschluß nachzukommen, hat der Schweizerische Arbeite- rinnenverband sofort die Agitation eingeleitet. In den meisten Arbeiterinnenvereinen und in vielen Gewerkschaften, und ferner in einer großen Anzahl von öffentlichen Versammlungen wurde dies Thema behandelt und entsprechende Resolutionen fanden Annahme. Der kommende schweizerische Parteitag wird sich ebenfalls mit dieser Frage zu befassen haben. Neben den pro- letarischen Frauen haben sich aber auch bürgerliche Frauen- vereine mit dieser Frage beschäftigt. Viele der bürgerlich organisierten Frauen wollen das allgemeine Stimmrecht fiir die Frauen nicht, aber ein Damenstimmrccht, eS ist aber trotzdem nicht ausgeschlossen, daß diese sich schließlich mit der Konzession begnügen werden, daß das Stimmrecht lediglich den Frauen mit eigenem Ver- mögen oder mit akademischer Bildung gewährt wird. Deshalb, so setzt die Genossin und Arbeitersekretärm Margarete Faas in der Schweizer Parteipresse auseinander, ist es notwendig, daß sich die Partei darüber klar wird, ob die proletarischen Frauen mit den bürgerlichen zusammen oder ob sie selbständig vorzugehen haben. Diese Fragen wird der Parteitag zur Entscheidung zu bringen haben. Aus der amerikanischen Frauenbewegung. In Kalifornien wurde kürzlich ein Organ sozialistischer Frauen begründet. Der Zweck desselben ist, in allen Städten des Staates Frauenklubs ins Leben zu rufen, die sich das Studium des Sozia- lismus zur Aufgabe machen sollen. "Die Genossinnen in UonkerS, die feit zwei Jahren einen Frauen- klub haben, hielten in den letzten Wochen eine Reihe Versammlungen auf offener Straße direkt vor den Fabriltoren ab. Die von der Arbeit kommenden Frauen und Mädchen strömten in Massen den Versammlungen zu._. Der Verband der Schneider und Schneiderinnen hatte die Ar» beiterinnen der Damenkonfektion zu einer Versammlung eingeladen. die am Montag im„Reichenbcrger Hof" stattfand. F. Kunze referierte über das Thema:„Die Lohndrückereien der Zwischen- meiper in der Berliner Damenkonfektion unter besonderer Berück- des Herrn Pokorski." Der Redner zeigte, wie die Lohn- fichtigung.__________ WWW drückerei im Zusamnienhang mit dem wirtschaftlichen Niedergang um sich gegriffen hat und wie gerade in der Dainenkonfcktion dw Arbeiterinnen schamlos von den Zwischcnmeistern ausgebeutet werden. Im Südosten der Stadt hat der Meister PolorSki, Pückler- straße 26, die dort beschäftigten Näherinnen derart erbittert, daß sie die Arbeit niederlegten. Pokorski machte nicht nur Lohn- abzüge. sondern schlug auch einen unpassenden Ton den Arbeiterinnen gegenüber an. Als der Verband die Sperre über den Betrieb verhängte, sandte Pokorski seinen Zuschneider nach dem Verbandsbureau und wollte erklären lassen, warum er„die Bande rausgeschmissen" habe. Der Abgesandte erhielt die gebührende Antwort von der Verbandsleitung; die Sperre bleibt bestehen.— Die Praktiken vieler Zwischermeister wurden scharf beleuchtet. Manche lassen sich sogenannte„Probearbeiten" machen, für die sie nichts bezahlen. Zuweilen haben die Arbeiterinnen allerlei Schwierigkeiten zu überwinden, um überhaupt ihren kargen Lohn zu erhalten. Den Frauen von streikenden Arbeitern wurden schon Lohn- abzüge gemacht, im Vertrauen darauf, daß diese Frauen in ihrer Notlage nicht wagen würden, dagegen zu opponieren. Da die Zwischenmeister merken, daß die Arbeiterinnen beginnen, durch ihre Organisation einen Schutz zu gewinnen, haben sie gedroht. schwarze Listen herauszugeben. Um so eifriger sollte es sich jede Arbeiterin angelegen sein lassen, dem Verbände der Schneider und Schneiderinnen anzugehören. Die Diskussion wurde besonders angeregt durch das Auf- treten eines Zwischenmeisters, der diese Bezeichnung als recht kränkend empfand und durchaus als„der Herr Schneidermeister" angesprochen sein wollte. Dieser Herr Schneidermeister konnte gar nicht glauben, daß seine Kollegen solche Ausbeuter sind, wie sie der Referent geschildert hat. Verschiedene Teilnehmer der Versammlung sührten dafür Tatsachen an. Die Arbeiterinnen wurden schließlich noch gewarnt, sie möchten sich nicht von den Zwischenmeistern täuschen lasse». ES komme nicht darauf an, ob eS anständige Meister gebe. das System zu bekämpfen, gelte es. Der Verband bekämpft das Zwischenmeistersystem und tritt dafür ein, daß die großen Unter- nehmer Betriebswerlstätten einrichten. Versammlungen— Veranstaltungen. Berlin-Wedding. Donnerstag, den 30. Juli, 8 Uhr: Zahlabcnd der Frauen in Funkes Gesellschaftshaus, Triststraße 63. Vortrag. Gesiiiidbruiuicn. Donnerstag, den 30. Juli, 8Vz Uhr: Leseabend bei Beyer, Soldiner Straße 76/ Freitag, den 31. Juli, S'/a Uhr, bei Franke. Badstraße 19. Rosenthalcr Vorstadt. Donnerstag, den 30. Juli. S1� Uhr, bei Zimmer, Lortzingstraße 32. Weißensce. Donnerstag, den 30. Juli, bei Ullrich, Wilhelmstraße 6, Ecke Streustraße. Mitgliederversammlung. Vortrag. Gen. Radeit:«Einfluß der Arbeitszeit auf das Familienleben der Arbeiter."_ Lese« und Diökutierklub„Heinrich Heine". Heute abend '/iO Uhr bei Bolze, Rodenberg-Straße 7. Diskutier««»»Freies Wort". Heute'/,S Uhr. bei Schulz, Schreinerstr. 18._ Eingegangene Druchrchnften. Zeitschrift für Sexualwissenschaft. Nr. 7. Von Dr. M. Hirschscld. 1 M. Verlag G. H. Wigand in Leipzig. JonaS Lte. Aus Irrwegen. Roman. Verlag A. Langen in München. Die Geschaftönielhodeil der Standard Oll Co. von Dr. C. Mencke, 5 M. Verlag sür Fachllleratur. Berlin IV. 15. Verantwortlicher Redakteur: Georg Davidsyhn» Berlin, Für denJnscratenteil verantw,.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag Vorwärts Buchdruckerei«. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.