Nr. 177. Abonnements- Bedingungen: Ebonnements Breis pränumerando Vierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost- ZeitungsBreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblaff. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Solonel geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebructe) Wort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition is bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Schülerfelbstmorde. Freitag, den 31. Juli 1908. · Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Die jungtürkische Bewegung. unverwüstlichen Lebensfreudigkeit ausgestattet wäre, so würde rischen Verhältnisse den Wohlfahrtsruhm der Firma Krupp sie nicht einzeln, sondern in Gruppen den Tod suchen. Zu zu retten, fann nur als Beweis des Einflusses der Hundertertragen ist die Schule nur durch den Gedanken, daß sie doch millionenfirma gelten, schafft aber nicht die Tatsache aus der einmal zu Ende gehen muß, durch den Gedanken, daß man Welt, daß die Wohlfahrt nichts anderes ist als Humbug! Ueberzeugender und aufrüttelnder als die ruhige mit Liſt und durch Kriecherei doch zum Ziele kommen werde, Wie wenig die Firma das Beiwort wohltätig" verdient, theoretische Aufklärung wirkt für viele Menschen, besonders durch den Gedanken, daß es auch andere ertragen, und daß geht auch aus ihrer jungfräulichen Reinheit in bezug auf für die große bürgerliche Masse, die gedankenlos in den Tag man sich nach überstandener Pein als Student schadlos halten soziale Einrichtungen hervor, die in manchen anderen Be hineinlebt, ein unmittelbarer Anschauungsunterricht, am meisten tann." trieben zu den Selbstverständlichkeiten gehören. Nicht ein. dann, wenn er unter grausigen Begleiterscheinungen vor sich Als Student! Gurlitt redet auch in dieser Schrift wieder mal der Zehnstundentag ist bei Krupp durchgeführt; geht. So enthält das sozialdemokratische Programm seit Jahr- ausschließlich von den höheren Schulen. Für die Volksschule in den Betrieben mit sogenannter, englischer Arbeitszeit bezehnten die Forderung, die Todesstrafe abzuschaffen, und jeder fehlt ihm das tiefere Verständnis, vielleicht weil ihm die un- trägt der Normalarbeitstag netto immer noch 10% Stunden, intelligente Genosse vermag die Notwendigkeit dieser Forderung mittelbare Auffassung fehlt. Die Schulfrage mit allen ihren Die im Baugewerbe, im Buchdruckereibetrieb, im Schneider hinlänglich zu begründen. Aber bei dem Bürgertum muß erst Einzelerscheinungen fann aber erst befriedigend gelöst werden, gewerbe usw. sonst eingeführten Tarife werden von der Wohldie blutige Faust des Henkers, der den entblößten Hals eines wenn man sie als ein unteilbares Ganzes, das aber wiederum fahrtsfirma vornehm ignoriert! An den Gedanken der jungen Mädchens funstgerecht unter das Fallbeil schnallt, in fausalem Zusammenhang mit der sozialen und politischen Gewährung eines Sommerurlaubs für Arbeiter die elementarsten Argumente gegen den staatlich approbierten Entwickelung steht, erkennt und würdigen gelernt hat. Schüler- wagt sich bei Krupp die ausschweifende Phantasie nicht heran! Menschenmord wachrütteln. und mehr als alle Reden und selbstmorde tommen unter den Volksschülern seltener vor, weil Anscheinend betrachtet die Firma Sommerferien für Arbeiter Schriften gegen die Tortur des heutigen Schulwesens, besonders die Volksschule- bei aller sonstigen Mangelhaftigkeit und bureau- und Unterbeamte als Strafe, die man nicht einführen und, gegen den geiftfeindlichen Drill und die weltfremde Examen- fratischen Verstaubtheit- nicht an dem Berechtigungsschwindel und soweit das unter der früheren Leitung doch schon gemanie der höheren Schule, erweckt der Stnall einer Pistole, an der Examenverstopfung leidet; ferner aber auch, weil das schehen ist, mildern will, gerade so, wie man für die Unterdie das überreizte Gehirn eines Jünglings stillfekt, oder das proletarische Elternhaus wiederum bei aller sonstigen beamten die Neujahrsbonifitationen in wohldumpfe Zusammenklatschen des Waffers, das den Selbstmord erzieherischen Unzulänglichkeit und sozialen Not- eine wollender Fürsorge seit einigen Jahren beschnitten hat! eines anderen Schülers begleitet, den Spießbürger aus seiner zu gesunde Kampfstellung gegen die hurrapatriotisch und Dafür sind die oberen Chargen etwas schwerer„ belastet" trägen Gleichgültigkeit und aus der stumpfen Behaglichkeit religiös aufgeputzte Volksschule des kapitalistischen Klassenstaats worden. Bisher war es bei Strupp üblich, auch den Beamten seiner Stammtischfreuden. einnimmt. Insoweit tönnte man also die Schülerselbstmorde der nichterklusiven Klasse Sommerferien zu gewähren. Die Ein junger hoffnungsvoller Mensch von achtzehn Jahren, als eine Berufstrankheit der oberen Zehntausend ansehen mit Monatsgehalt Angestellten erhielten vierzehn Tage, die einer der Besten seiner Klasse, nahe vor dem Abgang von der und die Sorge dafür den zunächst beteiligten überlassen. Be vierzehntägig entlohnten Beamten drei Tage Feriem. Schule stehend, sucht eine einsame Partie des Grunewalds trachtet man aber die Schulforderungen nicht als heute und Jetzt aber hat die Wohlfahrtsreform eingesett! auf und jagt sich eine Kugel durch den Kopf. Nicht weil er morgen und ohne inneren Zusammenhang einzeln zu reali- n verschiedenen Betrieben sind wegen des flauen Geein Verbrecher ist, auch nicht aus frankhaft zusammen- fierende Teile irgend einer sogenanten Schulreform, sondern schäftsganges?! die Ferien vollständig aufgehoben, oder philosophierter Abneigung gegen das Leben, sondern auf der erkennt man in dem ganzen Schulorganismus das Gesicht der bis auf ſechs resp. drei Tage reduziert worden. Von Flucht vor dem falten, fnöchernen Finger der Schul- Gesellschaftsordnung wieder, so fordert auch jede besonders dieser Erholungsperiode werden aber noch die Kranken- und bureaukratie. In der von der Schule und leider auch frasse und ungesunde Erscheinung im heutigen Schulleben um Urlaubstage in Abzug gebracht, so daß mancher ernstlich Be meistens bom Elternhaus fünstlich gezüchteten und so nachdrücklicher zum Kampf gegen ihre eigentliche und letzte laubter noch ein Defizit bat, das jedenfalls durch it eber. mit großer Sorgfalt aufrechterhaltenen falschen Hochachtung Ursache auf, zum Kampf gegen die heutige schul- und jugend- schichten ausgeglichen werden muß! vor dem Popanz des Schulwissens und vor der moralischen feindliche kapitalistische Wirtschaftsordnung. Es geht doch nichts über Krupp- Wohlfahrt! Bedeutung der Schule überhaupt hält der junge Mann sich Nur neue Männer tönnen uns helfen", so faßt Gurlitt dauernd befleckt durch eine harmlose Affäre, die nur die in seinem bürgerlich befangenen Individualismus seine Hoffbureaukratische Weltfremdheit und der arrogante Dünkel nung auf Abhilfe der Schülerselbstmorde zusammen. Diese neuen irgendeines beiläufigen Schulmonarchen zu einer Haupt- und Männer an sich nühen uns aber gar nichts, sagen wir, sofern Staatsaktion aufzubauschen imstande ist. Hätte der Jüngling nicht das System, aber nicht nur das Schulsystem, sondern vorher die Kraft und die Lebensweisheit gehabt, statt zur Pistole zu das ihm zugrunde liegende gesellschaftliche System Alle Berichte lassen erkennen, daß die jungtürkische Be greifen den Aerger schweigend hinunterzuwürgen, wie vorher beseitigt wird. Die kapitalistische Wirtschaftsordnung mit ihrem wegung noch im Fortschreiten begriffen ist. Die Garso oft, so würde er einige Monate später seine weltschmerz sozialen Ueberbau, mit ihren Kasten, Ständen, Borgesetzten, nison von Smyrna hat den Generalgouverneur sowie den liche Stimmung gar nicht mehr haben begreifen können; er Beamten und Handlangern braucht die Karriereschnaufer, die Platfommandanten abgesetzt. In Aidin ist der Regierungshätte über seine Beiniger aus vollem Halse gelacht, oder sie Streber, die servilen Striecher( nach oben) und die brutalen präsident vom Militär verhaftet worden. Eine große auch unsertwegen recht aus Herzensgrund verachtet. Flegel( nach unten), wie sie die heutige höhere Schule in Anzahl von Jungtürken, die bisher im Auslande in der VerDie Gründe und die näheren Umstände dieses jüngsten reichem Maße produziert. Sie gehören ebenso zum System bannung gelebt hatten, fehren nach Konstantinopel zurück. Sie Schülerselbstmordes unterscheiden sich nur äußerlich von denen wie die Volksschule, die 90 Proz. des Nachwuchses in Deutsch verlangen weitgehende Garantien für die strikte Durchführung anderer Schülerselbstmorde. Sie alle sind auf das Konto des land mit den schimmeligen Resten abgetaner Bildung und der Verfassung und vor allem die Entfernung der Günstlinge heutigen Schulsystems zu sehen, das in den Kindern nicht mit saft- und kraftlosen Wassersuppen abspeist. Das Prole des Sultans. Dem Sultan bleibt nichts anderes übrig, als Kinder und zukünftige freie selbstbewußte Menschen, sondern tariat muß erst die bürgerliche Stlasse mit ihren parvenü- nachzugeben. Nummern und zukünftige Karriereschnaufer sieht. Insoweit artigen Junter- und Offiziersmanieren aus der maßgebenden In Konstantinopel haben die Rundgebungen die ganze stimmen wir mit den Darlegungen zweier soeben erschienenen Stellung im Staate verdrängen und eine wirkliche Volts- Nacht fortgedauert. Aus den Reden, welche öffentlich gehalten Broschüren über Schülerselbstmorde überein. Wer die fünf fultur an Stelle der heutigen kapitalistischen Untultur sehen, werden, find die Hinweise auf Japan 3 großartige Entüblichen Eramina, das Abiturienteneramen, das Referendar- ehe der Wechselbalg der heutigen höheren Schule in ihrer widelung und Erfolge und auf die begonnene Verjüngung examen, das Assessoreramen, das Doktoreramen, das Reserve- bureaukratischen Versteifung und mit ihrer herausfordernden Chinas hervorzuheben. Auch manche andere treffende und offiziersexamen abgelegt hat, ist der Normalmensch, aber er Vergewaltigung der Jugend durch eine Schule ersetzt werden tackend wirkende Bergleiche Anregungen und Schlagwörter fann von Glück sagen, wenn er nach Absolvierung aller dieser tann, in der das körperliche, seelische und geistige Wohl der stnd in den Reden zu finden, die auch viele Phrasen enthalten, vom Staat und von der Gesellschaft vorgeschriebenen Aufgaben gesamten Jugend das oberste Gesetz iſt. Der Gesamteindruck ist, daß eine große Fülle von Intelligenz wirklich noch normal ist... In den letzten Jahrzehnten hat Wissen, Begeisterung und Willen zur Betätigung im türki. ein Byzantinismus das Land verpestet, von dem sich alle vorschen Volke enthalten und bisher nur brachgelegen hat, be nehm empfindenden Menschen mit Etel abwandten. Er wäre ziehungsweise sich unter dem bestehenden Drucke nicht zeigen in diesem Umfang, dieser Intensität unmöglich gewesen, wenn und entwickeln konnte. Auch im Stadtgarten von Bera wur nicht eben der Drill uns von Kindesbeinen an erfaßte, Barnum war zweifellos einer der größten Schausteller, den mehrere Neden gehalten, u. a. von Offizieren gegen modelte, verkrüppelte."( Eduard Gold bed, Henter aber berühmte ist er als Reklamemacher. Dagegen bestand die Günstlinge, die Polizeispione und das Cliquenunwesen. Soldatenselbstmorde). Und die Kunst der Firma Krupp darin, so geschickt für einen Sm Odeontheater tagte gestern abend eine große Versammder bekannte Schulreformer Gurlitt, der gleichfalls Wohlfahrtshumbug die Reklametrommel zu rühren, daß man lung, in der die Schaffung einer patriotischen Liga den jüngsten Schülerselbstmord zum Ausgangspunkte die Absicht nicht merkte und ihren Wohlfahrtsruhm ber- angeregt wurde. 7000 Personen meldeten sofort ihren Beis wie es in seiner Art liegt temperamentvoll, breitete, obwohl die Schaustellung ihm so gar nicht entsprach. tritt an. aber auch ein wenig fraus und ungebunden geschriebenen Es war so weit gekommen, daß man mit der Firma Krupp Broschüre nimmt, flagt ebenso mit scharfen Worten das heutige schlechthin den Begriff eines unerreichten sozialen Wohlfahrts Schul- und Erziehungssystem an:" Die Schuld liegt beim systems verband. Als Krone der Kruppwohlfahrt galt die System! Die Ansprüche an die geistige und moralische Kraft Pensionskasse. Die gerühmte Wohlfahrt der Firma der Jugend sind zu groß, das Lehrverfahren mit seinem ist dabei weiter nichts als Humbug! Bensenzwang und Examensnöten ist zu schematisch, zu starr Bei dem kürzlich vor dem Landgericht in Essen verund gewaltsam und als Folge davon: das Verhältnis handelten Prozeß gegen die Kruppsche Wohlfahrtskasse hat von Lehrern zu Schülern ist falsch. Der Lehrer ist zu sehr der Anwalt der Beklagten dem Gericht eine AufBorgefekter, zu sehr schroffer Kompagniechef, zu wenig Freund, stellung über die Leistungen der Staffe unterbreitet. Aus dieser Berater Bater. Der Kommißton und Kasernengeist hatte Aufstellung geht hervor, daß die seit Beginn der Arbeiter- Der armenische Patriarch Ormanian mußte sich nach den Großtaten des deutschen Heeres auch von der Schule pensionskasse gezahlten Pensionen restlos aus den Lei- infolge heftiger Angriffe aus der heutigen Sigung des gemischten Besitz ergriffen." stungen der Arbeiter aufgebracht worden sind! Und nicht Nationalrates zurüdziehen. Der Rat sprach unverzüglich seine Und zu dem Kommandotone kommen die Taufende das allein! Auch noch ein paar Millionen des vorhandenen Absetzung aus. Erzbischof Turian wurde zu seinem Stellvertreter gewählt. Auf Grund des Beschlusses beider Räte des von Pflichten und Pflichten, deren strenge Befolgung Vermögens stammen aus Arbeiterleistungen. Von den oft ökumenischen Patriarchats wird der Patriarch morgen dem die dienstliche Pedanterie der modernen der modernen Schulbureau- reklamenhaft genannten Beiträgen und„ Schen. Großmefir eine Adresse überreichen, in der die Freude und fraten mit heiligem Eifer bewacht. Es gibt strebsame tungen" der Firma ist nicht ein Pfennig zu Pensions- der Dank der griechischen Kirche und Nation für Oberlehrer, die in Kenntnis der Verfügungen und in Gehorsam zahlungen gebraucht worden! Die Leistung der Firma die Wiederherstellung der Verfassung ausgesprochen wird. gegen diese mit ihrem Direktor wetteifern. Wie überhaupt diente nur dazu, das Reflamevermögen, das zu einem guten Das jungtürkische Komitee leitet nach wie vor die ganze der Uebereifer, um mich recht milde auszudrücken, vieler jungen Teile in den Kruppschen Unternehmen arbeitet und von der Bewegung. Es beschäftigt sich bereits mit den Vorarbeiten Lehrer den Schulen nach meiner Ueberzeugung am meisten Firma nur mit vier Prozent berzinst wird, zu vergrößern. für die Wahlen und glaubt bestimmt, daß die Jungtürken schadet. Wenn diese Herren gar bald Direktor werden wollen, Die weltberühmte Wohlfahrt" der Kruppianer besteht darin, im Parlament die Mehrheit bilden werden. Wie rasch so haben es die Nerven ihrer armen Schüler zu büßen.... sich viele tausende Abeiter tributpflichtig zu machen und aus die Revolution alle Vorurteile überwunden hat, beweist die Man fragt, woher die vielen Schülerselbstmorde kommen? den Beiträgen, die sie den entlassenen und freiwillig ge- Teilnahme der Frauen am politischen Leben. Der Sultan, Mit größerem Rechte könnte man fragen, weshalb so gangenen Arbeitern vom Lohn in Abzug bringt, der bisher wie ein Gefangener in seinem Palaste wohnte, und wenige vorkommen. Denn zu ertragen ist unsere relativ wenigen Personen, die sich die volle Zufriedenheit für niemanden zugänglich war, muß jezt ebenfalls an die Schule doch eigentlich für niemand. Wenn die Jugend nicht der Firma erworben, Pensionen zu zahlen. Daß sich heute Oeffentlichkeit treten. Gestern war er gezwungen, den mit einer guten Portion von Leichtsinn und mit einer schier noch Minister bemüben, tros dieser doch mun gerichtsnotos demonstrierenden Menge für ihre Kundgebungen persönlich Drill, Schülerselbstmorde einer Krupp- Wohlfahrt. " Es ist natürlich, daß, da der Sieg vor allem der Armee zu danken ist, auch ihre speziellen Forderungen befriedigt werden. Ein Erlaß an alle Armeekorps bringt sämtlichen Offizieren, die feit mehr als fünf Jahren nicht befördert worden sind, ein Avancement. Auch die Einberufung der Kammer ist allen Armeekorps mitgeteilt worden. Die Verleihung der Verfassung hat auch unter den Christen jubelnde Zustimmung gefunden. Bezeichnend dafür ist folgende Meldung: ?n danken. Freitag wird er am öffentlichen Gottesdienst in der Sophien-Moschee teilnehmen. Die Verfassung von 1876 wird Wohl einige Modi- fikationen erfahren müssen. Sie war gegeben zu einer Zeit. wo die Ausdehnung der Türkei größer war. Nach dieser Ver- fassung würde z. B. A e g y p t e n, das heute ja ganz unter englischer Herrschaft steht, gewisse Teile Bulgariens usw. Abgeordnete nach Konstantionopel senden müssen. Hier muß den geänderten Verhältnissen Rechnung getragen werden. Die konstitutionelle Bewegung der Türkei beginnt schon gewisse Rückwirkungen auf andere mohammedanische Gebiete zu äußern. Vor allem erfährt die nationalistische Be- wegung in Aegypten, die gegen die englische Fremd- Herrschaft gerichtet ist, eine bedeutende Verstärkung. Und die englische Politik wird auf die Dauer der Forderung der Aegypter nach einer Verfassung ebensowenig widerstehen können wie die österreichische Regierung dem Verlangen der Bevölkerung Bosniens und der Herzegowina nach Selbstverwaltung. Der Sieg der Jungtürken wird sie bald vor ernste Probleme stellen. Es gilt, eine Form zu finden, in der die wirtschaftlichen, nationalen und religiösen Bedürfnisse in all ihrer Vielgestaltigkeit zum Ausdruck und zur Lösung kommen können. Dazu genügt die Konstitution allein nicht. An die Stelle der bisherigen Zentralisation muß eine ausgedehnte Selbstverwaltung treten. In dieser Beziehung sind die Ansichten des Prinzen Sabaheddin, des Sohnes von Damad-Mahmud Pascha, der im Jahre 1899 vor seinem Schwager, dem Sultan, nach Frankreich floh, sehr bcachtens- wert. Seinen Aeußerungen, die das„Berl. Tagebl." wider- gibt, entnehmen wir u. a. folgende Stellen: .Wir wollen eine völlige Erneuerung der Türkei, nicht nur eine Erneuerung durch Einführung konstitutioneller Freiheiten, auch eine Erneuerung durch eine weitgehende Dezentrali» s a t i o n. die auch den entferntesten Provinzen des Reiches Lebens- traft zurückgeben wird... Ein Sultan wie Abdul Hamid kann uns viel Bertrauen nicht einflößen. Er ist mit dem Blute seiner Untergebenen befleckt. Heute verspricht er. aber schon einmal hat er versprochen, die Konstitution zu achten— und mit einem Staats- streich hat er sie vernichtet. Wir brauchen andere Sicherheiten als das Wort dieses Mannes... Deshalb werden wir nicht a b r ü st e n, wir bleiben orga- nisiert, stündlich zum Handeln bereit. Wir wollen erreichen, daß die Türkei in ihrer neuen Gestalt eine demokratische Macht wird, die mitzählt. Für die Europäer, ftlr die Christen bietet unsere Bewegung keine Gefahr. Außerhalb der Grenzen unseres Vaterlandes erscheinen uns die Unterschiede zwischen Religionen und Rassen verächtlich. In unserem Baterlande selbst sind sie mehr als das, smd sie verbrecherisch.� Sabaheddin ist der Führer des radikalen Flügels der Jungtürken. Aber das Programm, das er vertritt, scheint uns eine größere Gewähr für die fortschrittliche Ent- faltung der Kräfte des türkischen Reiches zu bieten als die Ansichten des gemäßigteren, zenttalistisch gesinnten Flügels. politifcbe(leberkicbt. Berlin, den SO. Juli 1908. Weltbrand-Politiker. Der im Flottenveretn abgetakelte General Keim ver- öffentlicht im„Tag" einen Artikel zum zehnjährigen Todes- tag Bismarcks. Der Arttkel hat aber nur die Tendenz, den toten Bismarck als Schwurzeugen für den abgesägten Flotten- Vereins-Keim ins Feld zu führen. Der Flotten-Keim rüffelt das schwächliche Geschlecht unserer„Realpolitiker" ä 1s Bülow in Bismarcks Namen folgendermaßen ab: „Die Wahrhaftigkeit gebietet ferner, festzustellen, daß man schon angefangen hat, den wirklichen Bismarck zu ent- st e l l e n. Ich rechne hierunter nicht die Versuche, seine Verdienste zu schmälern— die fallen schließlich in sich selbst zusammen—, aber den Mißbrauch von Sentenzen und Aussprüchen zu leeren Schlagwörtern der Augenblickspolitik zuliebe. Man spricht von„Realpolitik", wenn die Absicht besteht, nicht« Ernst« liche« tun zu wollen. Bismarck hat in ernsten Fragen niemals den Kampf gescheut, und sein ganzes ge- tvaltigeS Werk hat er in Angriff genommen unter einer beispiel- losen Mißgunst der realen Verhältnisse. ES waren Jahre hindurch so ziemlich alle„Realitäten" gegen ihn. Die große Mehr» hert deS Volkes, das Parlament, die ösfentliche Meinung, ganz abgesehen von höfischer Feindschaft, und s e l b st sein König waren wiederholt nicht auf seiner Seite, so vor Nikolsburg, so in Versailles vor der Kaiserproklamation. Seine Politik erschien längere Zeit geradezu als die Politik des Unmöglichen, während Politck jetzt als„die Kunst des Möglichen" ausgegeben wird. Das ist EpigonenweiS- ?elt Für Bismarck gab es eben keine politischen Unmöglich- eiten... Allerdings liebte er kein unnötiges Experimentieren in der Gesetzgebung, aber nicht selten hat jemand wie er die Welt auf den Kopfsgestellt, wenigstens die europäische. Auch vor einem Weltbrande wäre er schließlich nicht zurückgeschreckt, weun er ihn nötig gehalten hätte für Deutsch- landS Ehre und Größe." Der Flottenverstnsletter a. D. will damit sagen, daß auch er vor einem Weltbraude nicht zurückgeschreckt wäre I Diese Selbstrcklame verdient insofern immerhin eine gewiffe Beachtung, als d i e s e r K e t m lange Jahre hindurch der in höchster G u n st stehende Macher des Flottenvcreins war und in seinen Bestrebungen jede Förderung höchster amtlicher und darüber hinaus sogar noch«aller» höchster" Kreise erfuhr I Und die neuen Macher des Flottenvereins. wie Admiral Köster, versichern ja, daß der KurS deS Flottenvereins der alte bleiben solle!— Der Fall Schücking. DaS„Berliner Tageblatt" veröffentlicht den Wortlaut der Anklage gegen den Bürgermeister, Dieses preußische Kultur- dokument lautet: „In den von Ihnen veröffentlichten ZeiwngSartikeln sowie in dem von Ihnen ebenfalls verfaßten Buche:„Die Reaktion in der inneren Verwaltung Preußens" haben Sie eine Gesinnung bekundet und sich zu Anschauungen bekannt, die mit Ihrer Stellung als Bürgermeister und unmittelbarer Staatsbeamter unvereinbar sind. Sie haben hierdurch nicht nur die Pflichten verletzt, die Ihnen Ihr Amt auferlegt, sondern sich auch der Achtung, des Ansehens und deS Vertrauens, die Ihr Beruf erfordert. un° würdig gezeigt. Es wird daher hiermit gemäß§§ 2, 22, 23 des Disziplinargesetzes vom 21. Juli 18b2 ui Verbindung mit § 20 des ZuständigkeitSgesetzeS vom I. August 1S8Z das Diszipli- narversahren zum Zioecke der Dienstentlassung gegen Sie eingeleitet. Zum UntersuchungSkommiffar habe ich den Landrat Nasse zu Husum ernannt. gez. v. Kozierowski." Der Unterzeichnete ist der Regierungspräsident, der sicher Nichts ohne Vorwissen deS Ministers von Moltke getan hat. Da aber der Fall Schückmg mit Bülows Blockpolitik doch schwer in Einklang zu bringen ist, beginnen die öffiziösen Blätter endlich ihre gewohnten AbschwächungSversuche, Die„Nordd. Allg. Ztg." schreibt: „Die Auffassung, daß die in den Schriften des genannten Bürgermeisters zum Ausdruck gelangte politische Gesin- nung der Zentralinstanz Anlaß gegeben habe, ein disziplina- rtsches Einschreiten anzuordnen, ist nicht zutreffend. Im Mini- sterium ist bisher ausschließlich der im„Berl. Tagebl." er- schienene„Wahlen auf dem Lande" überschriebene Artikel aus dem besonderen Gesichtspunkte zu prüfen gewesen, inwieweit darin ein allgemeiner Vorwurf gegen den Stand der preußischen L a n d r ä t e, die Wahlen in unzulässiger Weise zu beeinflussen, erblickt werden müsse. Ob die Beurteilung der allgemeinen amtlichen und der schriftstellerischen Tätigkeit des Bürgermeisters Dr. Schücking dem Regierungspräsidenten zu Schleswig hinreichenden Anlaß bieten konnte, das förmliche Disziplinarverfahren mit dem Ziele auf Entfernung aus dem Amte einzuleiten, bedarf noch der Prüfung, welche, nachdem der Minister des Innern soeben nach Berlin zurückgekehrt ist und die Akten eingefordert hat, unver- züglich, insbesondere nach der Richtung hin vorgenommen werden wird, ob nach Lage des Gesetzes eine Einstellung des Disziplinarverfahrens zurzeit noch erfolgen kann. Im weiteren Verlaufe der Preßerörterungen ist auch die Behauptung aufgestellt worden, der Minister des Innern habe auf den Bürgermeister Dr. Schücking einen Druck ausgeübt oder ausüben lassen, um ihn zur Niederlegung einer Landtagskandi- datur für die Freisinnige Volkspartei zu veranlassen. Diese Behauptung entbehrt, wie für die Mehrzahl der Leser dieser Preßäußerungen wohl nicht zweifelhaft gewesen sein kann,. jeder tatsächlichen Begründung." Dieses Dementi ist der reine Eiertanz. Und die Ableugnungen, die es enthält, sind rein formeller Natur. Die Akten sind eben nicht von Herrn Mottle unterzeichnet, sondern vom NegierungS- Präsidenten. Das„B. T." veröffentlicht folgenden Brief Schückings: „An einem Nachmittage in den letzten Wochen vor der Landtagswahl erschien bei mir ein in Schleswig wohnender Beamter und teilte mir mit, er habe den Auftrag, mir zu sagen, ich solle möglichst bald meine Kandidatur beim Re- gierungspräsidenten zur Sprache bringen und die un> gewöhnliche Tatsache rechtfertigen, daß ich als Bürger. meister für die freisinnige Volkspartei kandidiere; eL werde mir anheimgegeben, vorzutragen, meine freisinnige Kandidatur sei notwendig, um eine dänische zu verhindern. Ich lehnte eS ab, diese Erklärung abzugeben." Und die„Franks. Ztg." bleibt nach ihr gewordenen zuver. lässigen Informationen dabei, daß im Falle Schücking der Mi- nister v. Moltke seine Hand im Spiele hatte. Die offiziösen Ableugnungen sollen nur verhüten, daß Herr v. Moltke desavouiert wird. Die preußischen Konservativen ge- statten eben Herrn v. Bülow seiner Blockpolitik zuliebe höchstens die Verleugnung der Maßregeln eines Regierungspräsidenten, nicht aber die Schmälerung der Autorität eines preußischen Ministers. In der Scherlpresse wird übrigens gleichfalls offiziös erklärt, daß durch den Artikel Schückings über die Wahlmache der Landräte im Ministerium des Inner», d. h. also bei Herrn v. M o l t k e, Anstoß erregt worden sei. Der Regierungspräsident habe aber aus eigenem Antrieb die ganze schriftstellerische Tätigkeit Schückings zum Gegenstand eines eingehenden Disziplinarverfahrens gemacht. Sodann heißt es: „Im Ministerium sieht man auch jetzt noch dm Fall Schücking nicht als eine große Staatsaktion an und hätte eine mrldere Behandlung für zweckmäßiger gehalten. Wenn eS sich mit den bestehenden Vorschriften vereinigen läßt, wird nach Möglichkeit versucht werden, das Disziplinarverfahren auf- zuheben und dem Bürgermeister, wie e« anfangs beabsichtigt war, eine Rüg« zu erteilen." Nach diesen Auslassungen, die offenbar auö dem Ministerium deS Innern stammen, will man den Fall Schücking durch ein« Art Kompromiß erledigen. Man verzichtet zwar auf die Amtsent- setzung, aber erteilt eine Rüge, was prinzipiell genau so eine unerhörte Einschränkung der politischen Freiheit bedeutet. Man kann auf die Amtsentsetzung ja auch verzichten im Vertrauen darauf, daß die konservativen Landräte und Regierungspräsidenten eS schon verstehen werden, Herrn Dr. Schücking und die Stadt Husum mürbe zu machen. Die Freisinnige Volkspartei wird sich dann längst beruhigt haben, und der Sturm w» Glas« Wasser wird vorüber sein. Freisinnige Krippenjäger. Der Freisinn fühlt sich als Regierungspartei, und er setzt alles daran, um zu verhüten, daß er von der Krippe der Regierung weg. gedrängt wird. Nach einem Ausspruch deS Abgeordneten Dr. Mug- dan hat der Freisinn bereits auf seine früheren Prinzipien ver- zichtet, er hat anläßlich deS Falles Schellenberg-WieSbaden sich mutig geduckt, und nun muß der Fall Schücking dazwischen kommen. Im ersten Augenblick schien cS. als ob man im freisinnigen Lager aufbrausen wollte, das schien aber nur so, denn die kühle Haltung der„Freisinnigen Zeitung" bewies, daß es dem Freisinn auf eine Portion Fußtritte nicht ankommt, sobald er nur an der Krippe bleiben darf. Die„V o s s i s ch e Zeitung" ist nun noch einen Schritt weiter gegangen, sie verlegt sich aufs Bitten. Den ganzen Schmerz des Freisinns faßt dieses Organ in die Worte zusammen: „Die untergeordneten Organe der'Staatsbehörden haben allerdings zum Teil recht wenig Verständnis für diese selbst- verständliche Auffassung des Ministerpräsidenten im letzten Wahlkampf erkennen lassen. Sie sind yegen freisinnige Kandi. baten vorgegangen, als ob die freisinnige Partei zur Opposition �lichter» Windthor st- Grillen- b e r g e r" gehörte und nicht als„Regierungspartei" aus- schlaggebend wäre für die Durchführung der Blockpolitik." Weiter kann die Hundedemut nicht mehr getrieben wer- den. Die Periode, aus der das Wort stammt:„Richter-Windthorst- Grillenberger" ist die Glanzzeit des Freisinn? gewesen, der damals mit der Sozialdemokratie und dem Zentrum gemeinsam den Kampf gegen das Sextennat führte, der dann mit einer Auf. lösung des Reichstages endete. Diese Periode, die den Freisinn einmal mannhaft zeigte, will die„Vossische Zeitung" vergessen machen, deshalb die Gegenüberstellung von damals und heute. Auch ohne die Versicherung der„Vossischen Zeitung" kennt man die Wandlung des Freisinns, der sich heute mit geschwollenem Stolz darauf beruft. Regierungspartei zu sein. Und nur zur Charakte- ristil der polttischen Charakterlosigkeit haben wir die Sache kurz erwähnt.--- Zur Reform deS preusiischen Wahlrechts. Vor kurzer Zeit meldeten Zeitungen aller Parteffchattierungen, die Staatsregierung habe die preußischen Gemeindebehörden er- sucht, eine Aeußerung darüber einzusenden, welche Erfahrungen bei der letzten Wahl mit den Wohlvorschriften gemacht worden sind. Diese Meldung wurd« nicht dementiert. Es beantragte daraufhin, wie Wir schon berichtet haben, die sozialdemokratische Stadtverord- netenfraktion in Frankfurt a. M. bei der Stadtverordneten- Versammlung, �den Magistrat zu ersuchen, die Wünsche der Stadt- verordneten für die der StaatSregicrung zu erteilend« Antwort zu hören. Am Dienstag kam nun der Antrag im Frankfurter Stadtparlament zur Beratung, und da wurde vom Magistrat die überraschende Erklärung abgegeben, daß dem Magistrat von einer Befragung durch die preußische Regierung amtlich nichts bekannt sei.— Nach dieser Erklärung ist wohl an�unohmen, daß die Regierung die Gemeindebehörden zu einer Aeußerung über die Wahl nicht anfgefordert hat. Was kümmert auch die Regierung die Mängel des Dreiklassenwahl- rechts._ Protest gegen die Elektrizitätssteuer. Die Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt a. 91. nahm einstimmig einen Antrag an. der sich gegen die vom Reiche geplante Elektrizitätssteuer wendet. Der Magistrat wurde er- sucht, sich diesbezüglich mit dem Deutschen Städtetag in Verbindung zu setzen. » Die Handelskammer Mannheim als Vorort des Badischen HandelSiagcS richtete eine Protesteingabe gegen die drohende Elektrizitätssteuer an das bayerische Finanzministerium. Die Handelskammer begründet ihren Protest damit, daß eine Steuer die mittleren und kleineren Betriebe schwer schädigt, und dadurch mittelbar auch lähmend auf die Landwirtschaft einwirkt. Süd- deutschland, das wesentlich auf Wasserkräfte angewiesen sei, werde durch diese Steuer besonders hart belastet. Zahlreiche Kommunalbetriebe werden schwer getroffen. Die Benutzung der Elektrizität sei geradezu Lebensbedürfnis der gesamten Vottswrrtschaft. Dieselbe Handelskammer richtete auch eine Eingabe an das Finanzministerium, worin die badische Regierung auf- gefordert wird, beim Reichsamt auf Veröffentlichung des Entwurfs zur Reichsfinanzreform hinzu- wirken. Der Finanzminister Hansell antwortete, daß die Reichs- finanzreform streng vertraulich sei, und daher weder öffcnt- lich noch vertraulich bekanntgegeben werden dürfe. Auf ein Antwort- schreiben der Handelskammer, die diese Geheimnis- krämerei scharf kritisierte- ist bis zur Stunde noct keine Antwort eingegangen. • Karlsruhe, 30. Juli.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Tel sozialdemokratische Antrag gegen die Gas- und Elettrizitätssteucr wurde heute von der Zweiten Kammer mit 24 gegen 19 Stimmen angenommen. Dafür stimmten die Sozialdemokraten und die Volkspartei, sowie eine Zentrumsminorität; dagegen die Nationalliberalen. 2 Konservative und diS' Zentrums Mehrheit übten Enthaltung. Der Finanzminister Honsel! schützte die bundesrätliche Schweigepflicht vor! Genosse Lehmann begründete den Antrag. Kolb polemi- sierte gegen die Nationalliberalen und erwähnte eine zuverlässige Information über den vergeblichen Versuch Bayerns, die badischc und die württembergische Regierung von der ElektrizitätSsteucr abzuhalten, Hansell bestteitet seine Kenntnis davon! „Keine Polizeiwillkür." Vor dem Kieler Schöffengericht hatte sich der verantwortliche Redakteur unseres dortigen Parteiorgans, der„Schleswig- Holsteinischen Volkszeitun g", Genosse Burkhardt, wegen angeblicher Beleidigung der Polizei in Itzehoe zu verant- Worten. Inkriminiert war eine Notiz, die die Ueberschz:ift trug: „Herrscht in Itzehoe Polizeiwillkür?" Darin war ausgeführt, daß sich der Polizeikommissar Rasch in Itzehoe gelegentlich des Vereins- vcrgnügenS des AthletentlubS..unerhörte Uebergriffe" habe zuschulden kommen lassen. Obwohl es sich um die geschlossene Veranstaltung eines Vereins handelte, der sich nicht mit öffent- lichen Angelegenheiten beschäftigte und diese Veranstaltung now dazu angemeldet war, war der Polizeikommissar mit einer Anzahl Polizisten in das Festlokal eingedrungen und hatte die Festlichkeit aufgehoben. ES wurden nicht nur die Teilnehmer auS dem Saal getrieben, sondern sogar die Stammgäste des Wirtes, ja sogar dessen Verwandte aus der Gaststube gejagt und da? ganze Lokal für den Abend gesperrt. Dem Wirt wurde in der Folge für längere Zeit die Tanzerlaubnis entzogen. wodurch er, wie er als Zeuge angab, einen Schaden von 8000 erlitten hat. Der Vorsitzende des Klubs wurde bei der Räumung des Saales vom Kommissar angc- packt und mehrere Male gegen dte Wand g e- warfen! Diese letztere Behauptung wurde von dem Kommissar in Abrede gestellt, jedoch von den als Zeugen erschienenen Festtcil. nehmern und Kellner bestätigt. Die Beschwerden de» Wirts über die ihm zugefügten Repressalien wurden vom Regierungspräsi- deuten, abgewiesen. Der Vorsitzende des Klubs erhielt sogar noch eine Geldstrafe von ISO M. aufgebrummt, weil er den Vorfall später in einer Versammlung befprochen hatte. Der als Zeuge geladene Polizeikommissar versuchte die gewaltsame Auflösung des Vergnügens damit zu rechtfertigen, daß der Klubvorsitzcnde die Einreichung deS Mitglicdervei�eichnissdS abgelehnt hatte und ihm, dem Kommissar, infolgedessen die Kontrolle darüber, ob das Ver- gnügen wirtlich ein geschlossenes Vereinsvergnügen gewesen sei, unmöglich gemacht worden seil In diesem Zusammenhang wurde. ohne daß vom Kommissar widersprochen wurde, die Tatsache fest- gestellt, daß die Jvehoer Polizei Privatpersonen 50 Pf. angeboten hatte, damit sie sich in die von den Arbeitern veranstalteten Fest- lichkciten einschleichen sollten. Weiter gab der Kommissar die wunderbare Auffassung zum besten, jeder derartige Ar- beitervergnügungsverein sei als sozialdemo- k r a t i s ch zu betrachten, da er, wie auch die„Gott sei Dank aufgelöste Jugendorganisation", nur den Zweck habe, Mitglieder für die Partei zu werben. Trotzdem die Beweiserhebung alle wesentlichen Behauptungen deS Artikels bestätigte und der Angeklagte wie sein Verteidiger sich die größte Mich« gaben, die gänzliche Ungesetzlichkeit im Vor- gehen des Kommissars ins rechte Licht zu rücken, verurteilte der Gerichtshof den Angeklagten zu 100 M. Geldstrafe. Der Vertreter der Anklage hatte sogar 500 M. beantragt. Die Polizei.- so hieß eS im Urteil, sei zu ihrem Vorgehen berechtigt gewesen, und eS herrsche keine Polizeiwillkür in Itzehoe. „Von Rechts wegen!"—_ Behördlicher Terror. Ein Drainagearbeiter in LübS(Kreis Anklam) hatte bei der LandtagSwahl die Dreistigkeit besessen, sozialdemokratisch zu wählen. Und daS, obwohl der Herr Major v. Borcke-Neuendorf sich herabgelassen hatte, den Wahlmann der 3. Abteilung zu machen. Natürlich suchte man nach der Wahl den„Roten" in üblicher Weise zu schurigeln. Zum Glück ging daS diesmal nicht, da der Mann unabhängig war. Aber dieser Rote hatte einen Sohn. Und dieser Sohn sollte in der Schule zu Ettlingen zum braven Stell- Vertreter Gottes auf Erden ausgebildet werden. Flugs kalkulierte man: Ist der Vater ein Umstürzler, dann muß es der Sohn auch sein. Da aber solche Leute unserem herrlichen Heere gefährlich werden können, muß der Sohn deS Roten fort. Und so geschah es auch. Der Junge wurde mit der ausdrücklichen M o t i v i c- rung entlassen, daß sein Vater sozialdemokratisch ge- wählt habe! Nun ist also die Unteroffizierschule in Ettlingen und unser Kriegsheer gerettet. Die Ordnungspresse wird sich hoffentlich über diesen TerroriSmuS gebührend entrüsten! Vielleicht auch nicht! Soldatenschinder bei der Marine. Daß auch bei der Marine der Militarismus in seinen scheuß- lichsten Auswüchsen, der systemattschen S-'Idatenquälerei. grassiert. zeigte aufs neue eine Verhandlung, die am Dienstag vor dem Kriegsgericht der 1. Marineinspektion in Kiel stattfand. Angeklagt der fortgesetzten Mißhandlung Untergebener war der Obermaschinisten- maat Beerbaum vom Torpedoboot 8 124. Ihm wurde zur Last gelegt, die ihm unterstellte Mannschaft in zahlreichen Fälle» durch GchlZge»«b Fußtritte mWandelt zu haben. Mit Vorliebe ließ er die Leute während der Effenszeit Dienst tun. Sie mußten das Essen in den Schranl stellen und hungrig und erschöpft stundenlang Griffe üben Das bedauernswerteste Opfer deS Schinders aber war der Torpedoheizer Weg euer, ein von HauZ aus beschränkter und zur Hysterie veranlagter Mensch. Die Anklage führte eine ganze Reihe von Fällen auf, in denen Beerbaum den Wegen« durch Schläge auf den Kopf und Tritte gegen das Schienbein malträtiert hatte, so daß Wegener schließlich über unausgesetzte heftige Kopfschmerzen klagte. Wenn W. in der Jnstruktionsstunde falsche Antworten gab, erteilte sein Peiniger der Mann- schaft den Befehl, den beschränkten Menschen zu v e r- hauen und sah, mit der Zigarre im Munde danebenstehend, kaltlächelnd zu, wie die Leute auf ihren unglücklichen Kameraden einschlugen, während dieser laut jammerte, daß er die Schläge an den Kopf nicht vertragen könne. Häufig warf er mit Metallstücken nach W. oder stieß ihn mit dem Kops gegen das Spind. Einmal hieß er ihn in der Stube auf- und abmarschieren und stellte ihm ein Bein, sodaß W. hinstürzte und besinnungslos liegen blieb! Ein anderes Mal versetzte der Obermaat dem W. einen so heftigen Stoß, daß er gegen die Bunkertür flog, wobei ihm eine Flüssigkeit aus dem Ohre floß. Infolge dieser letzten Mißhandlung stellten sich bei W. Taubhcitserschcinnngen ein, die sich derartig verschlimmerten, daß er schließlich miS der Marine entlassen werden mußte. Heute ist der unglückliche Mensch nahezu vollständig taubstumm! In der Verhandlung konnte sich Wegener nur durch unartiku- lierte Laute verständlich machen und stellte schriftlich den Antrag, möglichst auf seine Vernehmung zu verzichten, da er von den Anstrengungen beim Sprechen schwindelig werde. Die Be- Weisaufnahme bestätigte das scheußliche Bild, das die Anklage von dem Treiben des Soldatenschinders entworfen hatte, in seinem vollen Umfange. Der hinzugezogene Sachverständige stellte fest, daß ( Wegener von Jugend an hysterisch und ohrleidend sei. Die hoffnungS- lose Verschlinimerung seines ZustandeS sei mit Wahrschein- lichkeit auf die au Bord erlittenen Mißhandlungen zurückzuführen! Der Vertreter der Anklage bezeichnete den Angeklagten als einen systematischen Soldatenschinder von niederträch- tiger Gesinnung, der eigentlich inS Zuchthaus gehöre. Mit Rücksicht auf BeerbaumeS bisherige gute Führung(I) beantragte er eine Gefängnisstrafe von S Jahren, 2 Monaten und Degradation. Das Urteil lautete auf 2'/, Jahre Gefängnis und Degradation.— Die schwere Strafe, die hier in einem einzelnen Falle einem Soldatenschinder ereilt hat, ist natürlich nicht die geringste Garantte dafür, daß der Militarismus selber die Mittel zur Ver- hütung auch nur seiner schlimmsten Auswüchse in sich birgt. Der Ver- urteilte konnte monatelang sein Treiben fort- setzen, ohne daß die höheren Vorgesetzten— und das an Bord cineS Torpedobootes!— etwas merkten. Erst als er den totalen Ruin eines Menschenlebens auf dem Konto hatte, wurde er unschädlich gemacht. Nur wenn das System fällt, kann dem über derartige Scheußlichkeiten empörten Gerechtigkeitsgefühl endgüllige Genugtuung werden.—_ Ein Buteaukratenstückchen der Breslauer Fremden« Polizei. In Goldberg i. Schl. verheiratete sich die Tochter eines tSürgers mit einem Konditor aus Jägerndorf in Oesterreich. In Breslau sucht« sich das Paar durch den Betrieb einer kleinen Bäckerei durchzuschlagen. Das Geschäft wollte aber nicht gehen, und es blieb dem Ranne weiter nichts übrig, als von Breslau ab- zureisen, um sich anderwärts ein« geeignete Stellung zu suchen. Derweilen suchte sich die verlassene Frau durch Stickerei ihren Lebensunterhalt zu erwerben. Einer ihrer ersten Kunden, der sich bei ihr blicken ließ, war ein Schutzmann, der ihr klarmachte, daß sie— AuSländererin sei und gemäß der Ministerialverfügung vom 21. Dezember v. I. im Besitz einer JnlarrdSleaitimation für aus- ländische Arbeiter sein müsse. Sie wurde deshalb auf die Polizei bestellt, wo man zunächst feststellte, was ihr Mann an Unter. haltungsgelderii schicke. Später holte ein Schutzmann 2, IS M. Gebühren für die Legitimationskarte und den Heimatschein von ihr ab, doch händigte er ihr die Karte noch nicht aus. Später kam er aber höchst unbefriedigt wieder, denn der Heimatschetn war nämlich von ihrer Heimalstadt Goldberg ausgestellt, während die Polizei einen solchen aus Jägerndorf haben wollte. Von dort wäre aber höchstens ein Heimatschein deS Mannes zu erlangen gewesen, der aber der Polizei auch nicht genügte. Jetzt ist ihr eine Frist von 4 Wochen zur Herbeischaifuug des unmöglichen Dokumentes gestellt worden. Was wird wohl die Polizei tun. wenn auch diese Galgenfrist nutzlos verstrichen sein wird? Der Spargroschen der kleinen Leute. Der Reichsverband gegen die Sozialdemokratie hat es sich bekanntlich in der letzten Zeit zur Spezialaufgabe gemacht, Listen von sozialdemokratischen„Verbrechern" aufzustellen. Die Parteipresse hat prompt mit Gegenlisten gedient und nachgewiesen, daß es pro- zentualiter unter den RcichSverbändlern mehr Schurken gibt als unter den Sozialdemokraten. In Anbetracht der löblichen Reichs- vcrbandLbestrebungen wird man eS unS nicht übel nehmen, wenn wir nach unseren Kräften zur Vervollständigung der Liste der bürgerlichen Gestrauchelten beitragen. Darum sei heute folgender Fall erzählt: In Mülheim a. d. Ruhr erschoß sich vor kurzem der Bankier Franke. Mitinhaber des Bankgeschäfts von Mündt und Franke in Gardelcgen. Dem Selbstmord auf dem Fuße folgte der Zusammenbruch des Bankgeschäfts, und es stellte sich heraus, daß die Bankiers das Vertrauen von Hunderten kleiner Sparer schmählich mißbrauchten. Nach dem Bericht deS Konkursverwalters stellen sich nach bisheriger Uebersicht die Akti- ven auf nahezu 1S1 000 M., die Passiven auf S17 664,55 M., so daß eine Unterbilanz von 366 739,46 M. vorhanden ist. Er kalku- liere einen Ertrag für die Gläubiger aus der Konkursmasse von 28 bis 30 Proz. In Betracht kämen im ganzen etwa 600 Gläubiger. Spareinlagen seien bei der Bankfirma von etwa 500 Sp a r e r n in Höhe von 487 705,93 M. gemacht worden. Es handele sich also, abgesehen von einigen größeren Beträgen, hauptsächlich um klei- ncre Beträge,.um kleine Leute mit ihren mühsam zusammengebrachten Ersparnissen". frlmkmcd. Ein Generalstreik der Bauarveiter. Vorgestern haben wieder einmal Zusammenstöße in D r a v e i l zwischen Streikenden und der bewaffneten Macht stattgefunden, bei denen die Gendarmerie mit der wohlbekannten Schneidigkeit vorging. Dies hat die Föderation der Bauarbeiter veranlaßt. einen vierundzwanzig st ündigen Proteststreik für Donnerstag zu beschließen. Am Nachmittag soll in Dravcil eine große Kundgebung stattfinden, zu der alle Bauarbeiter eingeladen werden. Ob der Streik auch auf andere Berufe übergreifen wird, ob insbesondere die Elektrizitätsarbeiter heute abend die Arbeit anstellen, läßt sich zur Stunde nicht voraussagen. Jedenfalls ist es unleugbar, daß jetzt in Paris eine Streikluft weht, die unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Verhältnissen überraschen mag. Zweifellos hat auch der nun schon über 14 Tage währende Streik bei der Seine-Tampfschiffahrtsgesellschaft zu dieser Stimmung mit beigekragen. Eine friedliche Beilegung dieses AusstandcS ist kaum zu erhoffen, da der Leiter des Unternehmens über die Schädigung wütend ist, die die Einnahmen der Gesellschaft durch den Ausfall in den drei fast überall als Ferialtage gefeierten Tagen vom 12. bis 14. Juli und namentlich am letztgenannten Tage erlitten haben. Er soll nicht weniger als 200000 Frank betragen— die Revue in LongchampS am Tage des Nationalfestes, bedeutet eben die glänzendste Einnahme des JahreS. Die Ankündigung des Proteststreikes hat bei der kapitalistischen Presse einen wahren Wutausbruch hervorgerufen, und der„Temps" fordert wieder einmal Gcwaltmaßregeln gegen die Arbcitskonföde- ration. Man hat bei der jetzigen Regierung gerade keine Abneigung gegen brutale und sinnlose Polizeiaktionen wahrgenommen, aber so tief einschätzen möchte man ihre politische Einsicht doch nicht, daß man ihr Eingehen auf diese Wünsche zumuten sollte. Den Scharfmachern möchte freilich ein Gewaltstreich im jetzigen Augen- blick gut passen. Sie spekulieren darauf, daß die Regierung, unge- niert von dem in die Ferien gegangenen Parlament, sich auf der Bahn der sozialen Reaktion so weit engagiert, daß sie sich dem Zentrum ganz in die Arme werfen muß. Auch rechnet diese edle Gesellschaft wohl damit, daß die bei einer Unterdrückung der Kon- föderation unausbleiblichen Massenkundgebungen zu einer Zeit, wo die Besitzenden an der See und in der Sommerfrische weilen, mit großer Rücksichtslosigkeit niedergeschlagen werden könnten. Aber Clemenceau wird seine Pfiffigkeit doch nicht so ganz verloren haben, daß er den alten Opportunismus selbst wieder zur Schüssel setzen sollte. Auch wird er sich der Einsicht schwerlich verschließen, daß die Stimmungen und Methoden, die heute einen beträchtlichen Teil der Gewerkschaften beherrschen, durch eine Auflösung der Arbeitslonföderation nur an Kraft gewinnen könnten. Der groß- kapitalistischen Presse wäre freilich nichts erwünschter, als eine anarchistische Gewerkschaftstaktik, die alle Gewaltmaßregeln mit dem Bedürfnis der Gesellschaftserrettung legitimieren würde. Und die reaktionäre Welle würde überdies die kümmerlichen Ansätze der Reformpolitik, die Bahnverstaatlichung, wie die Steuerreform und die Altersversicherung hinwcgschwemmen. ♦ Dravnl, 30. Juli.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Der Generalstreik der Bauarbeiter gestaltet sich zu einer im- poscmten Kraftprobe der Organisation. Es feierten zur Kundgebung mindestens 80 Proz. der Arbeiterl Wenigstens 10 000 Mann fanden sich ein, und die meisten legten den fünf- zehn Kilometer langen Weg von Paris bis hierher z u F u tz zurück I— Am späten Nachmittag kam es auf der Pariser Landstraße bei Villeneuve- Saint- Georges zu heftigen ZufammcnstößM mit dem Militär. Es wurden B a r r i- kaden errichtet! Beide Parteien feuerten. Das Militär schoß auf die Häuser und erstürmte ein Ca f 6! Auf Seite der Arbeiter gab es viele Verwundete. Einige von ihnen sollen tödlich verletzt sein. Dragoner gegen die Manifestanten. Bigneux, 30. Juli. Mehrere tausend Manifestanten, die eine rote Fahne mit sich führten, sammelten sich vor dem Schuppen an, in dem sie ihre Streikversammlungen abhalten, und empfingen die Truppen mit Absingen der Internationale und dem Rufe: Nieder mit der Armee! Gegen die Dragoner, die die Menge in kurzem Galopp zurückdrängten, wurden Steine geschleudert und Nevolverfchüsse abgefeuert, durch die aber niemand verletzt wurde. Italien. Der Wahlkreis von Balenza verloren. Rom, den 28. Juli,(ffiig. Bei.) Das Wahlergebnis der Stich- wähl ist unserer Pattei ungünstig gewesen. Genosse M e r l a n i ist mit 3245 Stimmen unterlegen; sein Gegner, der Konservative C e r i a n a, brachte eS auf 4046 Stimmen. Seit dem ersten Wahl- gang hatte Genosse Merlani 157, der Gegner aber, dem die Bendee der ländlichen Sektionen zur Verfügung stand 701 Stimme ge« wonnen. Der Wahlkreis von Valenza war zum ersten Male bei den vorigen allgemeinen Wahlen von der Partei erobert worden. Snglancl. Für die Abrüstung. London, 30. Juli. Dem Premierminister wurde gestern ein von 144 Mitgliodeim der Parlamentsmehrheit, unter ihnen auch von den Mitgliedern der Arbeiterpartei unterzeichnetes Schriftstück überreicht, in welchem es heißt: England unterhalte mit den fremden Mächten Beziehungen, welche die drohendenGefahrenverscheucht haben. Die Aufgaben, welche sich nunmehr der Regierung auf- drängen, nämlich die Einnahmequellen des Landes mit seinen verschiedenen Bedürfnissen in Einklang zu bringen, müßten nunmehr in den Vordergrund treten. Das Wohl des Landes erfordere, daß alle Anstrengungen entsprechend den Tradi- tionen des Landes gemacht würden, um zu verhindern, daß Englands Kraft und Gedeihen noch weiter der Aufrechterhai- tung einer starken Militärmacht und der Unter.« Haltung der Kriegsmarine geopfert würden. KulUanä. Ltwin6 in Freiheit. Frankfurt a. M., 30. Juli. Die Frankfurter.Volks» stimme" erhält auS Minsk ein Telegramm deS italienischen Journalisten Lewine, indem er mitteilt, daß er endlich auS der Untersuchungshaft befreit worden sei. Lewine ist bekanntlich im Januar d. I. in Minsk, wo er Bekannte besuchte, verhaftet und so schwer mißhandelt worden, daß er in Todesgefahr schwebte. Alle Versuche, selbst deS italienischen Botschafters in Petersburg, vermochten nicht, die Haftentlassung zu erreichen Auflösung der Studenteuvertretungen. Petersburg, 30. Juli.(W. T. B.) Die Kuratoren der Lehr» bezirke haben die Weisung erhalten, die gesetzlich nicht erlaubten, aber noch immer fortbestehenden Studentenvertretungen an den höheren Lehranstalten endgültig zu verbieten. Hua der Partei. Internationale Sozialistenzusammenkunft am S. August in Schasshausen. Werte Genossen! Nach der bisherigen Vorarbelk und Agitation unserer Genossen zu urteilen, verspricht die Internationale So- zialistenzusammenkunft am 2. August in Schaffhausen eine imposante Solidaritätskundgebung der organisierten Proletarier der verschiedenen Nationen zu werden. Tie sozialdemokratische Partei Ungarns, die gegen- wartig einen heftigen Wahlrechtskampf zu führen hat. wird an der Internationalen Sozialistmzusammenkunft durch den Genossen E. Buchinger. Parteisekretär. Budapest, ver- treten fem. Das Massenmeeting wird als ernste Kundgebung organisiert, die sowohl uns, als die noch indifferenten Kollegen im schweren, alltäglichen Kampfe stärken und erheben soll. Es ist somit kein gewöhnliches Fest, das in Schaffhausen am 2. August stattfinden wird, und wir erwarten des bestimm- testen, daß unsere Gesinnungsgenossen allerorts auch bei zweifelhaftem Wetter in Massen an der Zusammenkunft teil- nehmen werden. Bei Eröffnung und Schluß des Meetings, werden die sangeskundigen Demonstrationsteilnehmer im Massenchor den Sozialistenmarsch vortragen. Im übrigen lautet das Programm der Zusammenkunft folgendermaßen: Vormittags? Empfang der auswärtigen Gäsie am Bahnhof. Nachmittags: Demonstraiionszug durch die Stadt. Internationales Massenmeeting auf dem Festplatz zum„Schützen- haus". Redner:G. Ledebour, Reichstagsabgeordneter,. Berlin; E. Perner st orfer, Reichsratsabgeordneter, Wien; G. Lerda (italienisch), Parteisekretär, Rom; R. Grimm. Arbeiter- sekretär, Basel; E. Buchinger, Parteisekretär, Budapest. Das Fest wird bei jeder Witterung abgehalten. Genossen! Die Internationale Sozialistenzusammen» kunft in Schaffhausen soll durch Eure Mitwirkung ein Fest sozialistischer Verbrüderung, ein Protest gegen die Versuche nationaler Verhetzung werden. In der festen Zuversicht, daß auch der 2. August die internationale Solidarität der klassen- bewußten Proletarier imposant manifestieren werde, ent- bieten Euch sozialistischen Gruß Der Landesausschuß der deutschen und österr.-ungarl. Sozialdemokraten in der Schweiz. Die Arbeiternnion und der Allgemeine ArbeiterbildlMgS- verein in Schaffhausen. Die Leipziger Partelbewegung im Jahre 1907/1908. Das vielgestaltige organisatorische Parteileben in Leipzig kommt in dem Bericht des AgitattonskomitecS für den AgitationS- bezirk Leipzig für das Jahr 1907/08 zum Ausdruck. Der Agi- tationsbezirk umfaßt den 11., 12., 18. und 14. Reichstagswahlkreis. Gegen die Verschandelung des ReichSvcreinsgesetzes, gegen die Ver- schleppung der sächsisischen Wahlrechtsreform, gegen die beabsichtigte Einführung indirekter Steuern in Leipzig und zum Zwecke der allgemeinen Agitation wurden im Bezirk 23» Volksversammlungen. 893 Vereinsversammlungen und 68 Parteiversammlungen abge- halten; Säle stehen der Partei und den Gewerkschaften 255 zur Verfügung. Im Bezirk haben die Parteiorganisationen 62 Biblio. theken mit 30 231 Bänden. Die Mitgliederzahl der vier Kreis» betrug am 1. Juli 1907: 26 759. am 1.-Juli 1908: 29 707. Di« Abonnentenzahk der beiden Parteiblätter beträgt für die„Leipziger Volkszeitung" 41000, für die„Volks» zeitung für das Muldental" �400, die„Neue Zeit" hat im Bezirk 589 Abonnenten. Die Gcsgmteinnahme der vier Kreis- vereine beträgt 155 481 M., die Ausgabe 135 094 M. An den Parteivorstand sind 27 601 M., an das Bezirksagitationskomitee 18 200 M. abgeliefert worden. Die Einnahme und Ausgabe des Lgitationskomitces balanziert mit 44 269 M. Nächst der allgemeinen öffentlichen Tätigkeit waren eS die neugeschaffenen Institutionen, die einen großen Aufwand an Kraft und Geldmittel erforderten. Die 70 Mitglieder zählende Redner- Vereinigung, die im Frühjahr 1907 gegründet wurde, be- zweckt die weitere Ausbildung der schon rednerisch tättgen Genossen. In den Uebungsabenden werden neben Tagesfragcn Borträge über die sozialistische Theorie gehalten. Den Mitgliedern wird auch das zur Ausbildung und zur Ausarbeitung �o» Referaten nötige Material geliefert. Dem Allgemeinen ArbeiterbildnngSinstitut, das im April 1907 gegründet wurde, liegt zur Erledigung ob das Arrangement von Unterrichtskursen in politischer Oekonomie, Gc- schichte und Sozialpolitik, von Vortragszyklen, das Theater, und Konzertwescn, das Bibliothekwesen und die Leitung und Unter- stützung der Jugendbildungsverein«. An den Untorrichtskursen dürfen nur 40 von der Partei und den �Gewerkschaften vorgeschlagene Genossen teilnehmen. Der Unterricht ist für sie unentgeltlich. Der Zweck dieser Kurse ist gleich dem der Parteischule in Berlin, die systematische Heranbildung tüchtiger agitatorischer Kräfte für die Arbeiterbewegung. Die bisherigen Schüler werden nun einen Kursus für Fortgeschrittene«- durchmachen, für die Anfänger werden neue Kurse eingerichtet. Die Unterrichtszeit dauert vom September bis Juni.. Soziales. Nachwehen vom Leipziger Aerztcstrcik. Der pralt. Arzt Dr. med. Haferland in Leipzig-Connewitz behandelte vor einiger Zeit ein Kind deS Arbeiters Hecht. Da Hecht mit der Behandlung nicht zufrieden war, wollte er die Behandlung einem anderen Arzte und zwar dem Dr. med. Simon übertragen. Da zu dem Aerztewechsel nach den statutarischen Bestimmungen der Leipziger Ortskrankenkasse die Zustimmung des behandelnden Arztes erforderlich ist, teilte Hecht dem Dr. H. das nötige mit und erklärte ihm, daß Dr. S. die Weiterbehandlung übernehmen werde. Darüber erregte sich Dr. H. und soll erklärt haben:„Sie wissen doch als Arbeiter am besten, wie man Leute nennt, die den Streik brechen!" Es spllte damit auf die Tätigkeit des Dr. S. ge. legentlich des Leipziger Aerztestreiks hingewiesen werden. Dr. S. war während des Streiks im Sanitätsverein, der die Behandlung der Ortskassenmitglieder übernommen hatte, tütig gewesen. Wegen dieser Aeußerung erfolgte die Privatbeleldigungsklagr seitens des Dr. S- Das Schöffengericht kam zu einem Freispruch. Das Landgericht als Berufungsinstanz h»b das Urteil auf und erkannte auf 5 M. Geldstrafe oder 1 Tag Gefängnis. Der Beklagte habe durch seinen Ausspruch eine Bernnglimpfung des Klügers bezweckt. Das ObcrlandeSgericht stellte sich auf denselben Standpunkt. ES sei ausdrücklich festgestellt worden, daß der Aus» spruch des Beklagten dem Sinne nach als Streikbrecher aufzu» fassen sei. Der Ausspruch sei getan worden, um den Kläger zu verunglimpfen, eine Bestrafung nach§ 185 gerechtfertigt. Der Schutz deS Z 193 könne dem Beklagten nicht gewährt werden, da er den Ausspruch nicht zur Wahrung berechtigter Interessen sondern zur Verunglimpfung des Klägers getan habe. Eine Erhebung über die Güterpreise» die von der Landwirtschaftskammcr des Herzogtums Altenburg im Vorjahre veranstaltet wurde, ergab für ländliche Verhältnisse unter Ausscheidung von besonderen Umständen, daß sich im Ostkreise der Preis für einen Hektar auf 2000 bis 4000 M., im Westkreise auf 1200 bis 2400 M. einschließlich der Gebäude stellte. Im kmdlichcn Kauf bczw. Erbgange werden die Güter durchweg um 10 bis 20 Proz. niedriger bezahlt. Die Pachtzinsen betragen etwa 3 Proz. des genannten Preises. Die Jagdpacht stellt sich auf 0,80 bis 2 M. für einen Hektar, steigt in einem Bezirk auf 3.50 M. und sinkt in einzelnen Gemeinden auf 25 Pf. Bon der Nahrungsmittelindustrie. Die Nahrungsmittelindustrie-BerufSgenossenschaft, welche allein 60 verschiedene Berufsgruppen umfaßt, zeigt uns. wie schlecht es mit der AuSdelmung des Unfallschutzes und Versicherung der obnediesffo schlecht gestellten Arbeiter in der Nahrungsmittelbranche bestellt ist. Versichert sind laut Bericht jetzt 10 027 Betriebe mit 126 589 Bollarbeitern. Gegen das Vorjahr em Zuwachs von 1221 Betrieben und rund 11 000 Arbeitern. Von den versicherten Bettieben hatten noch 1606 Handbecrieb, 8199 Motorbetricb und 1443 Göpelbetrieb. Versichert sind z. B. nur 5263 Bäckereien in Deutschland. Ist daS ein Unfallschutz der vielen Bäckereiarbeiter? Als Unikum sei erwähnt, dah noch die 82S— Badeanstalten Deutschlands zu der Nahrunqsmittelindustrie-Berufsgenossenschast zählen. Ebenso sind zwei Wäschereibetriebe im Register aufgeführt. Ja, unsere Behörde ist klug und weise. Angemeldet wurden im Berichtsjahre 3475 Unfälle gegen 3228 im Vorjahre, wovon nur 763 entschädigt wurden. Die Unfälle verteilen sich auf Alter und Geschlecht wie folgt: Erwachsene männlichen Geschlechts: 2516 Fälle, weiblichen Gelchlechts: 805, jugendliche Arbeiter unter 16 Jahren, männlichen 167, weiblichen Geschlechts: 47 Unfälle. Es waren somit von 3475 Verletzten allein 852 weiblichen Geschlechts. Diese Unfälle er- eigneten sich an Motoren und Arbeitsmaschinen: 669, an Fahr- stählen usw.: 48, au Dampfkesseln: 24, durch Sprengstoffe: 5, durch feuergefährliche Stoffe usw.: 223, durch Zusammenbruch: 474, durch Fall von Leitern, Treppen usw.: 868, beim Auf- und Abladen: 435, durch Fuhrwerk: 136, im Eisenbahnbetrieb: 26, durch Tiere: 39, durch Handwerkszeuge usw: 328, sonstige Ursachen: 217 Fälle. Die Verletzungen waren: Verletzungen von Kopf und Gesicht sAugen) 262 Fälle, Armen und Händen s Fingern) 1862. Die Schiedsgerichte haben 286 Verletzte mit ihren Be- rufungen abgewiesen und nur in 115 Fällen die Berufsgenossenschaft verurteilt. Die Rekurse der Berufsgenossenschaft waren in 3 Fällen mit Erfolg, in 3 Fällen ohne Erfolg, während die Verletzten nur 9 Erfolge und 39 Mitzerfolge am ReichSversicherungSamt hatten. GcwcrkfcbaftlicbcQ. * Scharfmacher im norddeutschen Baugewerbe. Eine Delegiertenversammlung für das norddeutsche Baugewerbe, in der Baurat Felisch-Berlin anwesend war, fand dieser Tage in Lübeck statt. Aus den Verhandlungen, die mehrere Tage an- dauerten, ist folgendes hervorzuheben: Ueber die Arbeitsnachweis- frage referierte Obermeister Stender-Lübeck. Er führte etwa auö: «Hinsichtlich der Arbeitsnachweise sei dahin zu streben, daß sie in die Hände der Arbeitgeber kämen, denn die paritätischen Nachweise seien nur zum Schaden der Arbeitgeber; ebenso verhalte es sich mit den städtischen Arbeitsnachweisen, die gleichfalls nur geeignet seinen, die Interessen der Arbeitgeber zu schädigen. Die Arbeitsbescheinigungen müßten dahin ergänzt werden, daß sie mit dem Vermerk versehen würden: «Eingestellt beim neuen Arbeitgeber am....." Dadurch werde der Täuschung der Arbeitgeber über die letzte Be- schäftigung ein für allemal ein Ende gemacht." Diese Ausführungen fanden allseitige Zustimmung, nur wurden Zweifel laut, ob es gesetzlich zulässig sei, die Arbeitsbescheinigung mit einem derartigen Zusatz zu versehen. Zur Niederhaltung der Arbeitnehmer sollen auch die Lieferanten ihr Teil beitragen. Ueber derartige Pläne wurde berichtet und empfohlen, alle Baumaterialienhändler in die Arbeitgeberverbände aufzunehmen, um bei Streiks eine vollständig geschlossene Macht hinter sich zu haben. D i e Händler dürften je,doch auf keinen Falls mit dem Verlangen durchdringen, bindende Liefe- rungsverträge zu erhalten. Der Kieler Delegierte erklärte hierzu, daß es in Kiel bereits gelungen sei, alle Händler zu vereinigen, so daß in Zukunft ein Streik allein durch die Händler abgewehrt werden könne.— Einen Beitrag zum TerroriSmuS der Unternehmer lieferte Jnnungsmeister Stender-Lübeck mit einem Bericht über den Fall Comdühr-Oldesloe. Dieser Unternehmer hatte einen Polier an- gestellt, der einen ganzenTrupp in Berlin streikender G e s e l l e n für den Bau eines herrschaftlichen Hauses verpflichtete. Einer Unternehmerkommission, die mit Comdühr deswegen ver- handelte, hatte dieser erklärt, an der Sache unschuldig zu sein und im guten Glauben gehandelt zu haben, da ihm mitgeteilt sei, die Berliner Gesellen seien unorganisiert. Comdühr oabe sich auf Verlangen der Kommission zwar entschuldigt, aber keine bestimmte Zusicherung gegeben, daß er in Zukunft seinen Polieren nicht wieder eine soweit gehende Vollmacht bei der Einstellung von Gesellen geben werde.— Auf Antrag der Kommission wurde nun- mehr der Vorstand beauftragt, erneut das Verlangen an Comdühr zu stellen, eine allseitig befriedigende Erklärung abzugeben. Von dem Ausfall dieser Erklärung soll es abhängen, welche Schritte noch gegen Comdühr unternommen werden sollen.' Wölfe im Schafspelz. Der„Verband der Baugeschäfte von Berlin und den Vororten" hat unter dem 28. Juli folgendes Rundschreiben an seine Mit- glieder versandt: „In letzter Zeit mehren sich wiederum die Fälle, in denen Arbeitnehmer, welche den sozialdemokratischen Organisationen nicht angehören, auf das Schärfste von den in diesen Ver- bänden organisierten Mitarbeitern drangsaliert werden, um sie zum Eintritt in dieselben zu zwingen. Diesen Leuten wird das Leben auf der Baustelle in jeder Beziehung sauer gemacht und die Arbeit so lange verekelt, bis sie entweder des lieben Friedens wegen ihren Beitritt in die Arbeitnehmerorganisation erklären oder den Bau verlassen, um sich eine andere Arbeitsstelle zu suchen, wo sie gewöhnlich nach kurzer Zeit dasselbe Schicksal er- wartet. Der Einzelne findet zumeist nicht den Mut, sich bei seinem Arbeitnehmer zu beschweren, oft auch nicht den genügen- den Schutz bei den Polierern, von denen einige hierbei nicht •jelten eine keineswegs einwandfreie Rolle spielen. So vergeht es besonders den„Leuten", welche während des vorjährigen Streiks gearbeitet haben. Dagegen einzuschreiten, ist dringende Pflicht eines jeden Arbeitgebers. Wir werden niemandem verwehren, sich zu or- ganisieren wie er will, aber wir müssen ganz entschieden da- gegen Stellung nehmen, daß unsere Arbeitsstellen zu dieser Agitation benutzt werden. Nach dem Tarifvertrage ist jegliche Agitation während der Arbeitszeit verboten unh dürfen anders- oder Nichtorganisierte Arbeitnehmer nicht belästigt werden; dies scheint nicht genügend bekannt zu sein. Aus diesem Grunde haben wir die vorge- nannten Bestimmungen des Tarifvertrages auf Plakate drucken lassen, die Ihnen in diesen Tagen durch die Paketfahrt zugehen werden. Wir bitten Sie. diese Plakate umgehend auf den Bauten und Arbeitsplätzen auszuhängen. Sodann bitten wir Sie, diese Bestimmung des Tarifver- träges strengstens zu beachten und irgendwelche Schikanen und Belästigungen anders- oder Nichtorganisierter Arbeitnehmer unter keinen Umständen zu dulden." Das köstliche Bautyrannen-Dokument erinnert uns an die Fabel von dem Wolf, der dem Lamm das Genick umdrehte, weil es ihm das Wasser getrübt haben sollte..., Berlin und Umgegend. Achtung, Kleber! Wegen Tarifbruchs gesperrt ist der Ausbau ieS königlichen Eisenbahnmini st eriumS: Voßstraße. Unternehmer ist der Tapezierer Karl Bax, Mittcnwalder Straße lir. 44. Betreffender Herr zahlt seinen Gehilfen solche Preise, daß :S bei angestrengter Arbeit nicht möglich ist, annehmbaren Lohn zu verdienen._ Die Sektionsleitung. 1 Deutlebes Retch. Die FriedenSanSsichten auf dem„Vulkan". Die Verhandlungen zwischen der Direktion und den aus- gesperrten Arbeitern der„Vulkan"-Werft haben bisher zu einer Verständigung noch nicht geführt. Von dem Arbeiterausschutz und der Nieterkommission war eine nochmalige Besprechung über die besonderen Wünsche der Arbeitnehmer nachgesucht worden. Diese Verhandlung hat am Mittwochnachnnttag stattgefunden. Es wurde hierbei nochmals von der Nieter- kommission darauf hingewiesen, datz die erreichten Akkordlöhne in vielen Fällen hinter den üblichen Lohnsätzen zurückgeblieben sind und deshalb der Wunsch berechtigt sei, den Stundenlohn zu garantieren. Die Direktion äutzerte sich hierauf, datz sie die Akkordsätze nachprüfen werde. Falls bei fleißiger Arbeit und richtiger Angabe der verwendeten Zeit der Stundenlohn nicht erreicht werden könne, solle die Differenz nachgezahlt werden. Im allgemeinen habe die Direktion die Ueber- zeugung, datz die Nicterakkorde durchaus angemessene seien und einen auskömmlichen Verdienst garantierten. Nach einer Lohnstatistik des letzten Quartals 1907 und des Januar 1908 hätten sämtliche Nieter durchschnittlich mehr als 40 Prozent über ihren Stundenlohn hinaus verdient. Eine Zusammenstellung der Nieterakkorde, bei denen Preßluft in Anwendung gebracht wurde, hätte einen Ueberverdienst von 40 bis 50 Prozent ergeben, während bei den Handnietungsakkorden immer noch ein Plus von 25 Prozent erzielt worden sei. Eine Aufbesserung der Lohnsätze müsse daher abgelehnt werden, insbesondere mit dem Hinweis darauf, datz erst im Mai dieses Jahres eine Zulage von 2 bezw. 1 Pf. gewährt worden sei. Nunmehr liegt die Entscheidung wieder bei den Arbeitern. Falls diese mit den Zugeständnissen sich zufrieden erklären, soll die Arbeit sofort wieder aufgenommen werden. Jeden- falls werden die Arbeiter die Direktion aber auch noch um Auskunft ersuchen in bezug auf deren Pläne mit von ihr zu gründenden gelben Verbänden. ... Die Nieter lehnten in der am Mittwoch abgehaltenen Ver- sammlung mit erdrückender Majorität die Vorschläge der Direk- tion und damit die Aufnahme der Arbeit ab. Sie beschlossen, an der Forderung der Lohngarantie bei Akkorden und der Ueberarbeit an nur drei Tagen in der Woche mit je höchstens IVa Stunden festzuhalten. Vier überfüllte Versammlungen der Vulkanarbeiter nahmen die Erklärung der Organisationsver- tretcr, infolge obigen Beschlusses der Nieter so lange im Kampfe auszuharren, bis eine Verständigung mit den Zentralverbänden erfolgt sei, entgegen. � � Kurz vor Redaktionsschluß verbreitet eine Berliner bürgerliche Korrespondenz folgende Meldung: Die Einigungsverhavdlungen ans dem Stettiner„Vulkan" gescheitert. Nachdem es in den letzten Tagen fast den Anschein ge- Wonnen hatte, als ob sich die Situation betreffs der Aus- sperrung klären würde, hat sich alles in letzter Minute auf ungeahnte Weise geändert. Wie uns noch in später Abendstunde aus Stettin telegraphiert wird, ist keine Hoffnung mehr auf friedliche Bei- legung vorhanden. In einer gestern(Donnerstag) abend abgehaltenen Versammlung der ausgesperrten Vulkan- arbeiter, die im Bredower Schützenhause stattfand und sehr zahl- reich besucht war, kam es zu äußerst heftigen Auseinander- setzungen. Der Arbeiterausschutz sowie die Nieterkommission erstatteten den Bericht über die bisher mit der Direttion ge- pflogenen Verhandlungen und empfahlen die Annahme der gemachten Vorschläge. Schon während des Vortrages wurden heftige Widersprüche laut, die in der Diskussion noch weiter zunahmen. Bei der zum Schluß vorgenommenen Abstimmung ergab sich eine erdrückende Majorität für die Ablehnung der Borschläge. Hierdurch hat sich die Situ- ation aufs äußer sie verschärft und es ist zu befürchten, datz auch der Arbeitgeberschutzverband deutscher Werften zu dieser Entscheidung Stellung nehmen wird. Es ist nicht anSgefchlossen, daß die Unternehmer mit einer General- anSsperrnug sämtlicher anf deutschen Werften beschäftigten Ar- beiter antworten werde«.>_ Sin unheimlicher Betrieb ist die Bindfadenfabrik Schretzheim bei Dillingen(Donau). Rings um die Fabrik sieht man fromme Klosterfrauen im Betsaal und im Arbeiterinnenheim walten und hinter den Fabrik- toren wird— wie eine öffentliche Gerichtsverhandlung bewies— ein wahres Schreckensregiment geführt. In der er- wähnten Gerichtsverhandlung wurde ein christlicher Arbeitersckretär wegen Beleidigung des BetriebSingenieurS zu 36 M. Geldstrafe ver« urteilt. Die beeideten Zeugen erzählten über geradezu schaudererregende Zustände in dieser Fabrik. Arbeiter, Männer und Frauen, werden nicht nur im landläufigen Sinne bei langer Arbeitszeit und niedrigem Lohn ausgebeutet, sondern auch direkt geprügelt. Ja, em Arbeiter sah sich sogar gezwungen, sich mrt dem Messer zur Wehr zu setzen, als er in seiner Eigenschaft als FabrikauSschutzmitglied beim Vorbringen einer Be- schwerde vom Direktor niedergeschlagen wurde. Als der Mißhandelte Strafanzeige gegen den Direktor stellen wollte, bewog man ihn unter Versprechungen, wieder in den Betrieb ein- zutreten und die Sache beruhen zu lassen. Der Arbeiter tat's und als die rohe Handlung des Direktors nach dem Strafgesetzbuch verjährt war, warf man den Mann wieder hinaus. Arbeiterinnen werden geohrfeigt und ihr einziger Titel lautet „Sau menscher". Wehe einem solchen.Saumensch', wenn es dazwischen einmal einer liebenswürdigen Einladung in das Privatzimmer des Vorgesetzten nicht Folge leistet. Schwache Versuche der Arbeiter, durch dre gewerkschaftliche Organisation diesem Schreckensregiment ein Ende zu machen, werden mit allen Mitteln zu verhindern versucht. Als sich ausnahmsweise einmal ein Wirt gegen die Saolabtreiberei rückgratfest zeigte und eine Ver- sammlung nicht mehr verhindert werden konnte, telephonierte man von der Fabrik aus an die Polizei, sie solle die Ver- sammlung einfach verbieten, welcher Aufforderung die Polizei allerdings nicht nachkam.— Allmählich kommt die Arbeiter- schaff aber doch zur Besinnung. Gegenwärtig sind ernstliche Diffe- renzen ausgebrochen._ Der Streik der Bauhilfsarbeiter in Colmar im Elsaß ist nach zweiwöchiger Dauer beendet. Statt der geforderten 42 Pf. Stunden« lohn für die Bauhilfsarbeiter und 45 Pf. für die Erdarbeiter wurden bewilligt 37 und 46 Pf. bis zum 1. April 1969 und von da ab 46 und 42 Pf. Die Streikenden erklärten sich damit einverstanden. Jetzt aber wollen die Unternehmer verschiedene am Streik beteiligte Arbeiter nicht mehr einstellen. Ebenso weigert sich die Kon stanz er Tiefbaufirma Dentzler u. Helft, die für eine Spezial- arbeit 42 Pf. Stundenlohn zahlen sollte, den Lohn zu zahlen. AuS diesen Gründen ist Zuzug nach Colmar streng fernzuhalteil. Das Unternehmertum geg�n christlich organisierte Arbeiter. Daß die Unternehmer zwischen sozialdemokratisch und christlich organisierten Arbeitern keinen Unterschied machen, wenn diese ihr- Menschenrechte zu wahren versuchen, wird durch die von der Mech. Bindfadenfabrik Schoetzheim bei Dillingen in Schwaben am Sonn- abend veranlaßte Aussperrung von 266 im christlichen Textilarbeiter- verband organisierten Arbeitern und Arbeiterinnen aufs neue be- wiesen. Die Arbeiterinnen einer bestimmten Sparte verlangten Wiedereinstellung einer zu Unrecht entlassenen Arbeiterin. Die Bitte wurde abschlägig beschieden, hieraus reichten die Arbeiterinnen ihr Kündigung ein. Als Antwort verfügte die Direktion die Aus- sperrung von 266 Arbeitern und Arbeiterinnen. Um die Aus- gesperrten mürbe zu machen, wendete die Direktion noch einen besonderen Kniff an. Die am Sonnabend entlassenen Arbeiter bekamen weder ihre Papiere noch ihr Geld. Die Direktion erklärte einfach, daß es nicht möglich sei, die Auszahlung am Sonnabend fertig zu bringen! Diese erfolge am Dienstag früh in der Haus- meisterei. Bemerkt sei noch, daß kurz nachdem die Arbeiter de-» Betrieb verlassen hatten, schon ein Aufgebot Gendarmen erschien. Und dies, trotzdem die Ausgesperrten christlich organisiert sind. Streik beendet. Der Streik in dem Dampfziegelwerk von itrainer u. Heinrich in Ronneburg ist nach zweitägiger Daner wieder beigelegt worden. Die Arbeiter ließen eine Forderung fallen, die übrigen wurden bewilligt. HusUnd. An die Solidarität deS arbeitenden BolkeS. Bald 26 Wochen dauert nun der gewaltige Kampf in der Hof- bürg der Stickcreiindustrie— in Arbon; noch ergeben sich keine Anhaltspunkte, die auf sein baldiges Ende schließen lassen. Und während all diesen langen und bangen Wochen und Monaten sind unsere Genossinnen und Genossen standfest geblieben. Ein herrliches Zeugnis für die wackeren Kämpfer!— Auch heute denkt keiner daran, sich von einem wortbrüchigen Trustniagnaten in Ketten schmieden zu lassen. An unseren Genossen in Arbon also wird es nicht fehlen, aber, fragen wir uns, wird auch das hohe Interesse, wird vor allem die Solidarität des werktätigen Volkes an- halten? Bange Frage! Von ihr hängt die Zukunft der Aus- gesperrten ab: Sieg oder neue Sklaverei! Hat doch Herr Heine offen gesagt, was er beabsichtigt, nämlich, daß er die Organisation, die hoffnungsvolle Gewerkschaft der Stickereiarbeiter vernichten will, um mit den Arbeitern wieder machen zu können, was ihm beliebt, was ihm im ureigensten Interesse seines Geldsacks geboten erscheint. Genossen aller Industrien und Berufel Noch- mals gelangen wir an Euch mit der tiefernste» Bitte um finanzielle Unterstützung Eurer brutal auf die Straße geworfenen Brüder und Schwestern. Sie führen den Kampf freudig, weil ihnen längst klar geworden, daß ihrer ein unsagbar trauriges Los harrt, würden sie sich den wortbrüchigen Protzen ergeben. Bis heute sind über 35 666 Fr. an Unterstützungen geflossen. Die Ausgesperrten mußten sich einzig und allein mit dem obligatorischen Streikgeld begnügen, Zuschüsse konnten nicht verabfolgt werden. Noch sind 466 Arbeiter aus dem Platze, meistens Familienväter, mit einer in die Hunderte gehenden Kinderzahl. Arbeits- b r ü d e r! Haltet das eine fest: die vielen hundert Arbeiter sind ausgesperrt worden, weil sie sich in dieser teueren Zeit von der Millionenfirma die Löhne nicht reduzieren lassen wollten. Glaubt Ihr, daß eine Firma Heine, die jährlich Millioncngewinne erzielt und die ihre Direktoren mit 166 666 Frank jährlich besoldet, ge- zwangen sei, die Löhne zu reduzieren? Proletarier der Schweiz und des AuSlandeSl Oeffnet nochmals Eure Hand! Hilfe tut dringend not, soll der Kampf weitergeführt werden. Haltet jeden Zuzug von Arbeits- kollegen fern von der Weltfirma Heine. Wir wollen nicht nur, wir müssen siegen l Sonst ist die Stickereiorganisation vernichtet und unser wartet ein unsagbar trauriges Los. Brüder helfet uns! Die Kommission der Ausgesperrten. Krieg in der Zuckerindustrie. Marseille, 36. Juli. Die Verwalter der Zuckerraffinerien haben beschlossen, sich mit den ausständigen Zuckerarbeitern solidarisch zu erklären. Sie haben die Arbeit heute eingestellt. Angesichts dessen haben die Fabrikdirektoren beschlossen, von heute an die Tore der Fabriken überhaupt zu schließen. Man befürchtet infolgedessen neue Zwischenfälle._ Kundgebungen der Bauarbeiter. Pari?, 29. Juli. Die Bauarbeiter hielten im Laufe des heutigen Abends mehrere Versammlungen ab, in denen sie be- schlössen, sich morgen nach dem benachbarten Draveil-Bigneux zu begeben, um dort Kundgebungen zu veranstalten. Letzte JVachnchtcn und Depefchea Ungeheure FeuerSbrunst in Ungarn Tapoleza(Komitat Zala), 36. Juli.(W. T. B.) Heute nach- mittag ist in drei Straßen zu gleicher Zeit Feuer ausgebrochen. Bis jetzt sind in sieben Straßen 126 Häuser samt den Nebengebäuden abgebrannt. Zwei Menschen sind in den Flammen umgekommen._ DaS Examen! Aurich, 36. Juli.(B. H.) Der von hier feit dem 25. Juni verschwundene Schulamtsbewerbcr H. aus Filsum, der die Lehrer- Prüfung nicht bestanden hatte, wurde jetzt als Leiche in einem Roggenfelde aufgefunden._ Bon der Cholera. Petersburg, 36. Juli.(W. T. 93.) In Astrachan sind seit dem 21. Juli 17 Cholerasälle vorgekommen, von denen 13 tödlich verlaufen find! In Zarizyn sind seit Ausbruch der Cholera von 33 Fällen 13 tödlich ausgegangen.— Die Städte Baku, KrasnowodSk und vier Kreise des Gouvernements Tamboff find ebenfalls von der Cholera bedroht. Pest! Port Said, 30. Juli.(B. H.) Hier ist ein weiterer Pestfall vorgekommen._ Pilzvergiftung. Recklinghausen, 36. Juli.(B. H.) Als viertes Opfer der Rakener PilzvergiftungSaffäre ist gestern abend der Bergmann Johann Jambcck gestorben. Die übrigen Vergifteten befinden sich außer Lebensgefahr. Absturz vom Felsen. Hannoversch-Münden, 36. Juli.(B. H.) Heute morgen ist im Reinhardswald ein junges Mädchen namenS Sanowski von einem Felsen abgestürzt und brach daS Genick. Ihr Zustand ist hoffnungslos. Verantw. R edakt.: Georg Dauidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanftalt Paul Singer& Co., Berlin S W. Hierzu 2 Beilage» u.ti nterhaltungsbl. Nr. 177. 25. Iahrgaug. 1. frilMt i>rs Jtnuärts" Kerlim Jolbliliilt. Freitag, 31. IM 1W8. Hushavg der Nchlergebnisse grober Unfug. Solange die öffentliche Abstimmung bei den preußischen Land- tagSwahlen in den Händen von Unternehmern und Behörden als Mittel diente, um den krassesten Terrorismus auszuüben gegen jeden, der, in abhängiger Stellung befindlich, es wagte, anders zu stimmen, als den gebietenden Machthabern gefiel, haben weder Polizei noch Gerichte in dieser Ausnutzung der öffentlichen Stimm- abgäbe etwas Strafbares erblickt. Nachdem aber von sozialdemo- kratischer Seite die öffentliche Abstimmung nicht etwa zum Terro rismus Andersdenkender, sondern nur zur Kontrolle der Partei- stellung der Wähler benutzt worden ist. macht die Polizei Jagd auf solche Bürger, welche ihren Mitbürgern öffentlich bekannt gaben, für welche Partei die einzelnen Wähler ihre Stimme öffentlich abgegeben haben. Zwar ist eine solche Bekanntgabe keines- Wegs strafbar. Aber wann wäre die preußische Polizei je in Ber- legenheit gewesen, wenn sie eine an sich erlaubte, ihr aber nicht genehme Handlung bestraft wissen wollte. Gehts nicht mit der in allen möglichen und unmöglichen Fällen angewandten Straßen- yrdnung, dann erinnert man sich des bekannten Spruches:„Was man nicht definieren kann, sieht man als groben Unfug an." Da der Aushang von Wählerlisten mit Angaben darüber, ob und wie die Wähler gestimmt haben, eine durchaus erlaubte Handlung ist, die Polizei aber diese erlaubte Handlung nicht dulden will, so wird die erlaubte Handlung ohne viel Umstände als grober Unfug und damit als strafbare Handlung erachtet. Und— das ist kennzeichnend für preußische Rechtsverhältnisse— dies Vorgehen der Polizei findet auch bei Richtern volle Billigung. Kürzlich berichteten wir über einen Fall, wo das Schöffen- gericht einen Schankwirt wegen groben Unfugs verurteilte, weil er im Fenster seines Lokals eine Abschrift der Wählerliste ausgc- hängt hatte, in der die Namen der Wähler, welche sozialdemo- kratisch gewählt hatten, rot, die Namen der für andere Parteien Stimmenden blau angestrichen waren. Gestern hat die 143. Abteilung des Schöffengerichts unter dem Vorsitz des Assessors Dr. Bcrwicn über zwei derartige Fälle ent- schieden. Im ersten Fall erschien als Angeklagter der Schankwirt Keßner, Glogauer Straße 29. Er gab zu, daß er am 3. Juni, dem Tage der Uuwahlen zum preußischen Landtage, die Wählerliste der zweiten Abteilung seines Urwahlbezirks ins Fenster gehängt hatte, und daß während des Wahlaktes, sobald die Abstimmungsergebnisse bekannt wurden, die Namen der sozialdemokratischen Wähler rot, die der bürgerlichen Wähler blau angestrichen wurden, jedoch be- stritt er, daß er dadurch, wie ihm zur Last gelegt wurde, groben Unfug begangen haben könne. Der Vorsitzende, Assessor Dr. Ber- wicn, fragte den Angeklagten, ob er denn dadurch, daß er die Namen der Wähler rot und blau anstrich, dieselben nicht habe kennzeichnen wollen. Der Angeklagte bemerkte, das sei nicht seine Absicht gewesen. Durch den Aushang sollte jeder, der sich für den Ausfall der Wahlen interessierte, informiert werden, über die Zahl der Stimmen, die für die Sozialdemokratie und für ihre Gegner abgegeben wurden. Wenn der Vorsitzende an eine Kenn- Zeichnung zum Zwecke des Boykotts denke, so sei diese Annahme schon deshalb hinfällig, weil unter den Angestrichenen gar keine Geschäftsleute waren, die von einem Boykott hätten betroffen werden können. Der einzige Zeuge, ein Kriminalschutzmann, sollte hauptsächlich darüber Auskunft geben, wieso denn durch den Aushang der Liste grober Unfug verübt worden sei. Während es in dem gegen den Angeklagten erlassenen Strafbefehl heißt, er habe durch den Aus- hang einen Auflauf verursacht und eine Belästigung des Publi- kums herbeigeführt, wußte der Zeuge nichts von einem Auflauf. Er hat am Wahltage in etwa 25 bis 39 Schanklokalen des be- treffenden Polizeireviers auf Anordnung seines Vorgesetzten die ausgehängten Listen entfernt, nachdem etwa 15 bis 29 Personen, die in den Listen standen, auf dem Polizeirevier angefragt hatten. ob denn der Aushang zulässig sei. Einen Auflauf hat der Zeuge vor keinem der Lokale gesehen, höchstens fünf Personen standen gleichzeitig vor dem Fenster, ohne daß dadurch irgendeine Störung zu befürchten gewesen wäre. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Theodor Liebknecht, führte aus: Nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts liege nur dann grober Unfug vor, wenn das Publikum in seiner unbestimmten Allgemein- heit belästigt oder der äußere Bestand der öffentlichen Ordnung bedroht ist. Diese Voraussetzungen seien hier nicht gegeben. Wenn kleines fcuillcton. Der Schnclldoktor(doctor prineipis rapidissimus) ist eine neue Errungenschaft der spezifisch preußischen Kultur. Es handelt sich nicht um die immerhin überlebte Methode, die ftüher in kleinen Universitäten Mode war, zwischen zwei fahrplanmäßigen Zügen den Doktorhut zu erwerben. Nein, diese Zeiten sind Gott sei Dank vorbei, da es nur auf die Zahlung der Gebühr ankam, da ein Engländer in Heidelberg erst für sich und dann für seinen Kutscher den Doktortitel erwarb und erst auf unerwartete Hindernisse stieß. als er sein Pferd doktorisieren lassen wollte. Heutzutage steht der deutsche Doktorgrad in hohen Ehren. Wer ihn nicht besitzt, ftihlt sich um so mehr geschmeichelt, wenn der Stammtischkellner ihm nach- träglich— gegen entsprechendes Trinkgeld— dazu verhilft. Und in besseren Gesellschaften ist von voniherein jeder, der nicht zufällig Professor, Rat oder gar Leutnant ist— Doktor. Das ist das Prinzip der Gleichheit, wie es in der guten bürger- lichen Gesellschaft verwirklicht ist: nicht Herr Rotzmichel oder Herr Treppengeländer, sondern Herr Doktor. Kein Wunder, werden die Leute sagen. die überall organische Fort- schritte entdecken, wenn auch ein preußischer Prinz Doktor wird. Und in der Tat, Prinz August Wilhelm, der vierte Kaisersprößling, ist Doktor der Staatswisfenschaften geworden. Er ist der erste preußische Prinz derart. Bisher haben sie zwar mancherlei Hand- werke erlernt, auch wohl das Abitnrium gemacht, aber Doktor wurden sie nur ehrenhalber. Die bürgerliche Gleichheit hat jetzt zweifellos einen großen Fortschritt gemacht: dieser Prinz, der doch durch die Geburt zum Herrscher geschaffen ist, hat und noch dazu in den Regierungswissenschaften, was ja die Staats- Wissenschaften bei uns im Grunde sind, seine Befähigung durch ein Examen beweisen wollen. Die Anhänger der autoritären Monarchie, des GotteSgnadentums schlecht- und ohnehin, müßten dagegen Ein- spruch erheben. Denn solche Zugeständnisse an die Bürger- lichen, müssen sie mit Recht schlußfolgern, führen zur Unter- grabung der Legitimitätsbegriffe. Wie. ein Prinz, der unter Umständen berufen ist, mit 18 Jahren ein Millionenreich zu regieren, von Gottes Gnaden und nicht dank seiner Befähigung oder Examina, ein Prinz, der mit acht oder zehn Jahren ohne weiteres die höchste Ehre, die unser Staat vergibt, des militärischen Ranges für würdig gehalten wird, soll Bänke drücken, sich von Professoren prüfen lassen über Dinge, die er kraft seines Geburtsrechtes viel besser beherrscht, als sie, und auf die Gefahr hin, eventuell durchzufallen! Man hat offenbar diese nur zu berechtigten Ein- wände vorausgeahnt und daher diese neue Art des prinzlichen Doktors eingeführt, die immerhin von der kommunen einigennaßen unterschieden ist. Während der gewöhnliche Sterbliche, um vir dootissimus zu werden, mindestens sechs Semester studieren muß, genügten bei diesem Prinzen mit kultusministerieller Genehmigung schon Vier. Vielleicht läßt sich die Semesterzahl noch weiter herabsetzen. einzelne Personen, die in der Liste standen, sich belästigt fühlten, so sei das keine Belästigung des Publikums in seiner unbestimmten Allgemeinheit. Nichts sei erwiesen, was die Handlung des An- geklagten als groben Unfug kennzeichnen könnte. Deshalb müsse die Freisprechung des Angeklagten erfolgen. Der Vorsitzende verkündete das Urteil: Das Gericht hält den Tatbestand des groben Unfugs für gegeben. Ein Auflauf hat zwar nicht stattgefunden, wohl aber eine Belästigung des Publikums. Das sei schon deshalb anzunehmen, weil— das Verhalten des Angeklagten typisch sei, denn gleichzeitig sei der Aushang der Listen in mehreren Lokalen erfolgt, so daß alle, die davon betroffen waren, sich belästigt ftihlen konnten. Es sei auch kein Zweifel, daß durch die Kennzeichnung die soziale Existenz der Bürger an- gegriffen werden sollte. Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe von 39 M. verurteilt. *•«* Vor demselben Gericht hatte sich wegen derselben Handlung die Schankwirtin Frau Lange, Rcichenbcrgerstr. 83, zu verant- Worten. Rechtsanwalt Theodor Liebknecht bestritt, daß die An- geklagte überhaupt in Beziehung zu dem Aushang stehe, denn ihr Geschäft werde von einem Geschäftsführer verwaltet. Der als Zeuge vernommene Kriminalschutzmann konnte nichts dafür bekunden, daß Frau Lange von dem Aushang etwas wußte. — Der Amtsanwalt hielt trotzdem die Klage aufrecht. Die An- geklagte habe von dem Treiben der Sozialdemokraten in ihrem Lokal gewußt, sie habe auch gewußt, daß einer von der Gesellschaft die Liste anstrich, also— sei sie des groben Unfugs schuldig und müsse mit 39 M. bestraft werden. Rechtsanwalt Theodor Liebknecht: Ob die Angeklagte von dem Aushang gewußt und ihn geduldet habe, das ist nicht erwiesen. Man darf nicht auf Grund einer bloßen Annahme konstruieren, daß sie es gewußt habe. Wenn man nicht ein Tendenzurteil fällen wolle, dann müsse die Angeklagte freigesprochen werden. Bei der Beratung der vorigen Sache ist von autoritativer Seite gesagt worden, das rot und blau Anstreichen der Namen sei verboten. (Anscheinend hat der Verteidiger diese Bemerkung aus dem Be- ratungszimmer herausgehört, wo der Vorsitzende sehr laut sprach. Im Vcrhandlungssaale ist sie nicht gefallen. Der Berichterstatter.! Wenn man einer Handlung so gegenübcrtritt, daß man sagt, ich halte sie füv strafbar, ich will sie bestrafen, dann tut man etwas, was zu einem Tendenzurteil führt. Nicht das Gefühl, welches eine bestimmte Handlung von vornherein für strafbar hält, soll in der Rechtsprechung entscheiden, sondern nur die klaren Rcchtsgrund- sähe. Deshalb weise ich, wie in der vorigen Sache, so auch jetzt wieder auf die Entscheidung des llleichsgcrichts hin, welche die Tat- bestandsmerkmale des groben Unfugs angibt. Wenn wirklich die soziale Existenz einzelner bestimmter Personen gefährdet worden wäre, so ist das keine Belästigung des Publikums in seiner un- bestimmten Allgemeinheit und auch keine unmittelbare Gefährdung des äußeren Bestandes der öffentlichen Ordnung. Schließlich möchte ich noch darauf hinweisen, daß Herr Schölcr hier ganz in der Nähe eine Liste von Wühlern veröffentlicht hat, die tatsächlich eine Vohkottliste ist und keinen anderen Zweck hat, als den, die Wähler, welche nicht für die Partei des Herrn Schöler gestimmt haben, wirtschaftlich zu boykottieren. Gegen Herrn Schöler aber ist die Amtsanwaltschaft noch nicht eingeschritten. Das Gericht hielt auch in diesem Falle den Tatbestand des groben Unfugs für gegeben und verurteilte die Angeklagte zu 39 M. Nachdem der Vorsitzende, Assessor Dr. Borwien, das Urteil mit wenigen Worten begründet hatte, sagte er: Das Gericht verwahrt sich ganz energisch gegen die Unterstellung, als würde von einem preußischen Gericht ein Tendenzurteil gefällt. Rechtsanwalt Theodor Liebknecht: Ich sagte, die von mir be- zeichnete Annahme führt zu Tendenzurteilen. Borsitzender, mit einem Aktcnbündel auf den Tisch schlagend: Einerlei. Das Gericht weist diese Unterstellung mit aller Ent- schiedcnheit zurück. � � Die gefällten Urteile beruhen auf logischen, juristischen und politischen Denkfehlern, stehen aber mit der Gerechtigkeit hart auf dem Kriegsfuße. Schreibt ein Gesetz, wie das preußische Wahlgesetz, Oeffentlichkeit der Wahl vor, so liegt die möglichste Verbreitung dieser Oeffentlichkeit im Sinne des Gesetzes. Ein Gesetzgeber, der vorschreiben würde, daß direkt oder indirekt auf dem Wege des groben Unfugs oder dergleichen zur Be- strafung gezogen wird, wer der vom Gesetz verlangten Oeffentlich- keit die möglichste Verbreitung gibt, handelte widerspruchsvoll. Eine solche Widerspruchstollheit dem Gesetzgeber zuzutrauen, ver- stößt gegen die elementarsten Regeln der Auslegung. Nach der vielleicht auch der Dispens des Kultusministers beseitigen. Aber daß ein preußischer Prinz nicht schon Doktor ist, sondern es erst, wenn auch auf beschleunigte Weise, werden mutz, das ist unerhört, das widerspricht dem Autoritätsprinzip, das ist Revolution. Wir denunzieren hiermit die Urheber dieser Staats- unterminierung allen, die für die Aufrechterhaltung des Bestehenden aufzukommen haben. Heiratslustige Witwer. Nach der Pariser Bevölkerungsstatistik, die in jedem Juli veröffentlicht wird, wurde festgestellt, daß von hundert Witwern nicht weniger als 73 vor Ablauf des ersten Jahres nach dem Tode der Frau bereits wieder verheiratet sind, während 15 wenigstens bis kurz nach dem Ende des Trauerjahres warten. Zehn warten nicht einmal sechs Wochen bis zur Schließung einer neuen Ehe, und nur zwei Witwer scheinen untröstlich zu bleiben und heiraten nicht wieder. Von den Witwen dagegen, denen das Gesetz die Wiedcrverheiratung in den ersten dreiviertel Jahren nach dem Tode des Mannes verbietet, heiraten 25 Proz. im zehnten Monat ihrer Witwenschaft; 59 haben es weniger eilig und warten ein Jahr oder selbst zwei Jahre nach dem Verlust des ersten Mannes, ehe sie einen zweiten nehmen, 8 von 199 warten sogar fünf Jahre. Bei den übrigen, die dem verstorbenen Gatten treu bleiben, gibt meistens— das Alter eine genügende Erklärung. Kaum weniger heiratslustig aber sind die Geschiedenen. Die Frauen sind allerdings etwas vorsichtiger: gegenüber 5 Proz., die sich ohne Verzug wieder verheiraten, warten 69 Proz. bis zu zwanzig Mo- naten, und 36 Proz. verheiraten sich überhaupt nicht wieder. Aber von den Männern heiraten 76 unter 199 sofort von neuem, zwei töten sich vor Verzweiflung, neun bleiben fünf oder sechs Jahre un- verheiratet, und nur elf haben für Lebenszeit von der ersten Er- fahrung genug. Humor und Satire. Ode an den Sultan. Majestät I Nach längerer Unterlassung Schenken Sie Ihrem geehrten Volk eine Verfassung. Erlauben Sie mir untertänigst zu bemerken: Das ist eine frohe Stunde für die Türken. Dieselben errichten bald voller Freude Am Bosporus ein Reichstagsgebäude. Eine Inschrift befindet sich weder hinten noch vorn, Doch ist es eine Zierde für das Goldene Horm Und wenn Sie die Verfassung zu geben geruh'n, So bleibe die Hauptsache: man so dhun l Der bloße Begriff freut jeden Schneider und Schuster; Machen Sie die Verfassung nach deutschem Muster! Dann hat in allen wichtigen Fragen Das Parlament sowieso nichts zu sagen. Die Volksboten schimpfen, das ist klar wie Selter» Doch streichen sie keinem Wesir die Gehälter... vom Gericht beliebten Logik müßten ja auch der Wahlkommissar, der die öffentliche Abstimmung geleitet, der Minister, der sie an- geordnet und der Reichskanzler sowie seine politischen Freunde, die die öffentliche Abstimmung verteidigt haben, die gesamte Presse, insbesondere die amtliche Presse, welche das Ergebnis der Ab- stimmung unter Mitteilung der Namen und Parteistellung der gewählten Wahlmänner veröffentlicht haben, vor den Richter gezogen werden. Das Urteil ist unbewußt die herbste Verurteilung der Oeffentlichkeit der Wahl, denn es verurteilt lediglich deshalb, weil die Angeklagten die gesetzliche Mißhandlung der Wahlfreiheit aufgedeckt, die Kenntnis von diesem Gesetzesfleck verbreitet haben. Die Konstruktion des„groben Unfugs" ist, wie der Ver- tcidiger durchaus in Uebereinstimmung mit den Gesetzen des Reichs und logischen Denkens ausführte, ein juristischer Fehl- sprung tieffter Gattung. Erklärlich ist die Verfolgung und Ver- urteilung durch die politische Befangenheit der Verfolgenden. Lediglich Sozialdemokraten sind auf die Anklagebank gezerrt, wie- wohl dieselbe Tat von den Anhängern anderer politischer Parteien ausgeübt ist. Der Vorsitzende ist, wie seine oben wiedergegebenen Bemerkungen klar erkennen lassen, so befangen, daß ihm die Gründe, welche seine Befangenheit klar erkennen lassen, nicht ein- mal zum Bewußtsein gekommen sind. Ein Gerichtsverfahren, welches nicht lediglich mit Rücksicht auf die Tat der Angeklagten, ohne Rücksicht auf die Person der Angeklagten eingeleitet wird, ist das Gegenteil einer gerechten Justiz. Wenn aber ein Richter, dem die Tatsachen angeführt werden, daß in dieser Weise angeklagt beziehentlich eine Anklage unterlassen ist, sich gegen Tendenzjustiz mit Worten und Aktcnbündcln verwahrt, so beweist er seine Be- fangenheit in krassester Weise. Der Grundsatz und das Kenn- zeichen einer Tendenzjustiz ist ja, wie der alte brave Teronz so nett ausspricht: wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe. Die ergangenen Urteile bleiben klassische Zeugen für die Un- geeignetheit der heutigen Durc&schnittsrichter, in politischen Prozessen gerecht zu urteilen und für das Walten der Klassenjustiz in Prcußen-Deutschland. Das werden sie'auch bleiben, nachdem diese juristischen Auswüchse in der juristischen Klinik einer höheren In- stanz sortgebeizt sein werden. 9. ordentlicher Jerbondstag des Verbandes der Fabrik-, Fand-, Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Am 2. August und den folgenden Tagen findet im GesellschaftS« hause Zur Lacke in München der 9. ordentliche Verbandstag statt. Der 47 Seiten umfassende Geschäftsbericht konstatiert, daß der wirtschaftliche Aufschwung dem Verbände von der zweiten Hälfte des Jahres 1994 bis 1996 einen bedeutenden Zuwachs brachte. Die Organisation erstreckt sich über 11 Gaue, der Mitgliederstand betrug am I.April 1996 98 386, am 31. Dezember 1997 136 885, also eine Zunahme von 38 499. Die Neuaufnahmen betrugen 118 478, es müßt» also unter Einrechnung des Mitgliederstandes vom 1. April 1996 de» Mitgliederstand zurzeit 216 864 betragen. Ein nicht unbeträchtliche» Teil davon ist infolge der Leipziger Beschlüsse, die bezüglich de» Beseitigung der Grenz st reitigkeiten gesaß wurden, zu anderen Organisationen übergetreten. De» Bericht macht noch besonders darauf aufmerksam, bei New aufnahmen streng in den Grenzen des Agitationsgebietes z» bleiben. Die Einnahmen der Organisation halten mit der Mitglieder- zunähme gleichen Schritt. Der Kassenbericht weist eine Gesamt- Einnahme 4 999 375,92 M., eine Ausgabe von 2 995 362,95 M auf. Hiervon beanspruchten die Lokalausgaben 799 985,79 M., di» Erwerbslosenunterstlltzung 777 476,17 M., die Streikunterstützung 962 748,45 M., die Maßregelungsunterstützung 57 336,69 M., Sterbe- geld 26 617,42 M., Umzugsuntcrstützung 25 149.39 M.— Für Agitation wurden ausgegeben 86 547,67 M., die Druckkostcn des„Proletariers" beziffern sich auf 79 415,15 M. An Kassen« bestand verblieben 1 995 992,96 M. In den Jahren 1996 und 1997 hatte der Verband 218 Angriffs- und 94 Abwehrstreiks zu verzeichnen; an den Angriffsstreiks waren 17 695, an den Abwehr- streiks 6575 Personen beteiligt. Ausgesperrt wurden 6398 Personen. Der Ausfall an Lohn betrug bei den Angriffsstreiks 747 816 M.. bei den Abwehrstreiks 499 559 M.. bei der Aussperrung 621 367 M. Durch die Streiks und Lohnbewegungen wurden insgesamt für 14 689 Personen 69 888 Stunden wöchentlich Arbeitszeitverkürzung und für 67 224 Personen 128 583 M. wöchentlich Lohnerhöhung erreicht. Zügeln Sie also bitte Ihren ersten Grimm; Wir können Sie trösten: die Sache ist nicht so schlimm. Sehen Sie auf die deutsche Verfassung, Majestät, Dann kriegen Sie die Ueberzeugung: es geht! es geht! _(Gottlieb im»Tag".) Notizen. — Walter LeistikowS Totenfeier, die am Mittwoch im Sezessionsgebäude stattfand, gestaltete sich zu einer ergreifenden Trauerkundgebung. Liebermann und Hauptmann hielten Reden, die dem Menschen und Künstler galten. Sie sollen morgen ausführlicher wiedergegeben werden. — Die Zensur wachtl Durch Beschluß des Münchener Amtsgerichts I wurde das vor wenigen Tagen in München erschienene Werk:„Die ergötzlichen Nächte deS Straparola' übersetzt von H. Floerke, beschlagnahmt. Die „ergötzlichen Nächte" erschienen in der Sammlung:„Perlen älterer romanischer Prosa", die kulturgeschichtlichen Interessen dienen will. Man sollte die ganze ältere Literatur, die ja in Anschauungs- und Redeweise das heutige Normalempfinden erheblich verletzt, mit einem Schlage verbieten. Das wäre einfacher und man wüßte, wie man dran ist. — Das Phylogenetische Museum, daß Prof. Haeckel der Universität Jena gestiftet hat, wurde dort im Anschluß an die Feier des 359. Universitätsjubilänms eingeweiht. Es enthält HacckelS reiche Sammlungen für die Geschichte der Stammesentwickelung deS Tierreiches. — Zwei Millionen Mark für e�n Gemälde. Den außerordentlichen Preis von zwei Millionen Mark hat soeben, wie der „Gaulois" berichtet, der amerikanische Millionär Widener in Philadelphia für ein Gemälde von Van Dyck bezahlt. Es handelt sich um das berühmte Bild einer Dame, der ein Negerpage die Schleppe trägt. DaS Werk gehörte ehemals zur Sammlung Cattaneo. — Eine stenographierende Schreibmaschine, eine sogenannter Stenotyper, ist nach einer amerikanischen Zeitschrift in den Bereinigten Staaren erfunden worden. Sie ist die Einsach- heit selbst; sie ist viel kleiner als eine gewöhnliche Schreibmaschine und kann bequem auf dem Scboß gehalten werden. Aeußerlich sieht man nur die Rolle, über die das Papier gleitet, ein paar Zahnräder und die Klaviatur, die aus sechs Tasten besteht. Diese werden einzeln oder zu mehreren gleichzeitig angeschlagen und setzen selber die Zeichen der Schrift zusammen. Das Erlernen des Alphabets soll ziemlich leicht sein; nach zwölf Wochen soll man es aus 199 bis 159 Wörter in der Minute bringen können; geübte Schreiber dagegen sollen es auf 299 Wörter in der Minute bringen, wodurch die Stenographie erheblich übertroffen wird. Außerdem soll die Maschine lautlos arbeitet». Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter Sof, dritter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl wochentäglich abends von 7 bis 9½ Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr Bur Agitation unter den Biegeleiarbeitern wurde ent- 122,6 Bro3. fenfte. Beffer als im Vorjahre war die Lage des sprechend den Beschlüssen in Leipzig ein eigener Agitationsleiter Arbeitsmarktes in einigen Zweigen des Bekleidungsgewerbes. aufgestellt und Kollege Berg Offenbach gewählt. Er hatte seine In Belgien erfuhr die Arbeitslosigkeit von Mai auf Juni Tätigkeit am 15. März 1907 aufgenommen. Als der Agitations- eine abermalige Verstärkung und war sehr viel umfangreicher als Leiter seine Tätigkeit begann, machten sich die Vorboten des wirt im Juni 1907. Es waren nach der Arbeitslosenstatistik 4,6 Proz. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Aufrage ist ein schaftlichen Niedergangs bemerkbar. Infolge der verminderten Bau- unbeschäftigt gegen 3,9 im Mai und 1,8 im Juni 1907. Die Ver- Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort tätigkeit und der vorhandenen Lagerbestände wurde der Betrieb in schlechterung am Arbeitsmarkte gegenüber dem Bormonat ist auch wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. zahlreichen Ziegeleien nicht in vollem Umfange aufgenommen. hier hauptsächlich auf die weitere Abflauung in der Eisen- G. N. 100. Besten Dant, wird gelegentlich verwendet. Bergessen In verschiedenen Gegenden stand eine Anzahl Ziegeleien industrie zurückzuführen. Auf den Hochofenwerken hat die Be- Sie nicht zu reklamieren. A. K. 7. Wenn Ihre Tante ohne unters gänzlich still und Lohnreduzierungen, die untrüglichsten Mert- schäftigung noch mehr nachgelassen, da die Verarbeitung weiter ein- stügungsbedürftig zu werden, zwei Jahre lang hier lebt, hat sie eine Abmale des wirtschaftlichen Niederganges stellten sich ein. Die geschränkt wurde und der Roheisenbedarf abermals abnahm. Die schiebung nicht zu befürchten. Ein Berbot des Zuziehens ist in Ihrem Falle eigenartigen Erwerbsverhältnisse in der Biegelindustrie bilden gar Nachfrage ging besonders deshalb zurück, weil die deutsche Kon- nicht zu befürchten. G. 2. 100. Leider gibt es eine solche nicht: nur F. F. 55. mannigfache Hindernisse, die bei der Agitation hemmend in den furrenz der belgischen Eisenindustrie den Absatz im Auslande start die Anstalten in Dalldorf und Buch sind uns bekannt. Wenden Sie sich an die Stiftungsdeputation, Boftstr. 16 II. S. 12. Weg treten. Außer der Abgelegenheit der Betriebe, der Lokalfrage, beeinträchtigte. In den Konstruktionswerkstätten war die Wer Hebamme werden will, muß sich an das Polizeipräsidium wenden. der langen Arbeitszeit, die die Agitation hanptsächlich nur auf die Arbeitsgelegenheit fast ausreichend. In den Eisenbahnmaterial her- Dann wird ein Borexamen bei dem Physikus abgehalten( Lesen, Schreiben, Sonntage beschränkt, der Beschäftigung der ausländischen Arbeiter, stellenden Betrieben und im Schiffbau war fühlbarer Arbeits- Rechnen, Sehen, Hören), hierauf erfolgt die Eintragung in die Bewerberfind es noch die lippefchen Ziegeleiarbeiter, die in ihrer konservativen mangel vorhanden. Im Bergbau wurde die Ansammlung großer liste. Der Reihenfolge der Meldungen nach erfolgt später die Einberufung Anschauung nur einen Hemmschuh für die Fortenwickelung der wirtschaft Vorräte nur durch umfangreiche Fördereinschränkungen vermieden. zum Kursus in der Charité. Der Kursus dauert ein halbes Jahr, die lichen Verhältnisse der Ziegeleiarbeiter bilden. Diese für die moderne Ueberwiegend schlecht war die Lage des Arbeitsmarktes often betragen 300 m. Hierauf erfolgt die Ablegung des Examens und Arbeiterbewegung zu gewinnen, ist wohl eine der schwierigsten, aber in der Glasindustrie; besonders in der Fensterglasindustrie dann die Bestallung zur Hebamme. Da Personen, die über 30 Jahre alt find, zu Hebammen nicht ernannt werden sollen, und der Andrang ein sehr starker Der Geschäftsbericht des Vorstandes fehlte es an Arbeit. Im Textilgewerbe nahm die Beschäftigung ist, so wäre eine Meldung nur für die angebracht, die unter 27 Jahre alt find. auch wichtigsten Aufgaben. schließt wie folgt: Die abgelaufene Berichtsperiode war an Arbeiten, im Juni beträchtlich ab, Baumwollspinn- und Webereien schränkten Kämpfen und Erfahrungen reich. Wenn die Kollegen aus der ab- die Arbeitszeit merklich ein. Das gleiche gilt vom Wollgewerbe. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion über geschlossenen Periode die richtige Nuzanwendung ziehen, dann wird In Deutschland hat sich die Lage nicht verschlechtert, der den Großhandel in den Bentral- Markthallen. Marktlage: Fleisch: fein. Dem weiteren Ausbau der Organisation widmet der Verbands ob indes damit schon eine merkliche Verminderung der Arbeitslosig- Geschäft ziemlich lebhaft, Preise behauptet. auch in Zukunft die Vorwärtsentwickelung des Verbandes günstig Andrang am Arbeitsmarkte ist vielmehr gegen Mai zurückgegangen; Bufuhr start, Geschäft ruhig, Preise unverändert. Bild: Zufuhr genügend, Geschäft still, Breise wenig verändert. Geflügel: Zufuhr genügend, Fische: Zufuhr reichlicher, tag feine Tätigkeit. Möge es ihm gelingen, das Richtige zum Wohle teit Hand in Hand ging, läßt sich noch nicht feststellen. Geschäft sehr schleppend, Preise mehrfach nachgebend. Butter und der Kolleginnen und Kollegen und zum Gedeihen der Organisation In Frankreich hat die Arbeitslosigkeit abgenommen. Bei Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und treffen. 954 Arbeitersynditaten mit 220 404 Arbeitern ist die Beschäftigungs- Südfrüchte: Zufuhr ausreichend, Geschäft in Dbst rege, sonst schleppend, losigkeit von 11,9 Proz. im Mai auf 7,8 Proz. im Juni zurück- Breise wenig verändert. gegangen. Dieser Rüdgang ist so erheblich, daß die Ungunst gegen über dem Vorjahr dadurch wesentlich herabgemindert ist. Die Verschlechterung beträgt nur noch 1,1 Proz., während sie im Mai noch Von der Neuen Zeit"( Stuttgart, Paul Singer) ift loeben das 6,0 Broz. betrug. An der Belebung des Beschäftigungsgrades haben 44. Heft des 26. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes neben dem Wein- und Ackerbau das Baugewerbe und die Seiden- heben wir hervor: Bom Reichsbankrott. Das ländliche GenossenschaftsEine Ehrenrettung von industrie hervorragenden Anteil. Die Bautätigkeit ist vornehmlich wesen. Bon Emile Bandervelde.- Solingen. in der Provinz überaus lebhaft, aber auch in Paris erfuhr sie im Juni Wilh. Dittmann( Frankfurt a. M.). Das Ende der deutschen Jugends eine kräftige Anregung. Infolge der flotten Bautätigkeit wurde organisation? Von Karl Böttcher( Berlin). Das fünfundzwanzigjährige auch in der Zement-, Biegel- und in anderen vom Baugewerbe Jubiläum des Verbandes der Schuhmacher Deutschlands. Bon Dionys alimentierten Industrien rege gearbeitet. Jm Seidengewerbe der deutschen Bauhilfsarbeiter. Bon- m. Binner. Literarische Rundschau: Lebenshaltung und Arbeitsverhältnisse Notizen: Nochmals Diezgen. bestand zwar meist noch eine merkliche Arbeitslosigkeit, doch stellen- Bon E. Dieygen. Beitschriftenschaut. weise erfuhr die Beschäftigung auch schon eine fräftige Belebung. Die Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch Weniger befriedigend sah es in der Baumwollindustrie aus: nur handlungen, Bostanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 m. pro in einzelnen Bezirken war die Tätigkeit befriedigend. Das Be Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Poft mur pro Duartal fleidungsgewerbe befand sich in voller Saison. Die Metallarbeiter abonniert werden. Das einzelne Heft toftet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. litten unter andauerndem Beschäftigungsmangel. Aus Induftrie und Handel. Zum Bankkrach in Solingen. Zwischen dem Zusammenbruch der Solinger Bank und den Produktionsverhältnissen der Solinger Industrie besteht ein tiefer Produktionsverhältnissen der Solinger Industrie besteht ein tiefer innerer Zusammenhang. Die Solinger Stahlwarenindustrie hat aus den alten Zeiten der Zusammengehörigkeit von Stahlwaren produzent und-Händler ganz sonderbare Wirtschaftsgebilde in die neue Zeit hinübergerettet. Den selbständigen Meister- Kaufmann, der früher im beschränkten Rahmen in seiner Werkstätte produzierte und die Erzeugnisse selbst auf den Markt brachte, ersetzte der moderne Kaufmann, der im Verlag" die Stahlwaren produzieren läßt. Diese Verschleißer lassen beispielsweise bei der Messerfabrikation in fremden Betrieben die Klingen und Erlen schlagen, die Hefte schneiden, dann die Klingen schleifen und polieren, das Messer zusammensetzen, reiden und ausmachen und schließlich zum Versand fertig verpacken. Diese KaufTeute bedürfen teines großen Kapitals erreichen aber trogdem fehr große Umfäße. " In den letzten Jahrzehnten haben sich nun aber auch schon große Kombinationsbetriebe herausgebildet. In diesen wird das Produkt vom ersten bis zum letzten Handgriff hergestellt, wodurch fich gegen die reinen Kaufleute ein eminenter Vorteil ergibt. In diesen Großbetrieben herrscht aber noch was zu beachten ist der im„ Verlag" arbeitende Arbeiter vor. Er hat von dem Fabrikanten nur einen bestimmten Arbeitsraum gemietet und ist eigentlich ein Affordarbeiter für den Großunternehmer. In dem lebhaften Konkurrenztampfe, der sich zwischen den Kombinationsbetrieben und den reinen Kaufleuten entwickelt hat, fonnte es nicht ausbleiben, daß, diese gegen die großen Fabrikanten zwar ins Hintertreffen gerieten, aber sie fonnten sich bis heute in fast unverminderter Zahl erhalten. In den Bereinigten Staaten von Amerika nimmt die Beschäftigung in einer Reihe von Gewerben wieder zu. In erster Reihe herrscht im Textil- und Bekleidungsgewerbe wieder regeres Leben. Aus New- England wird berichtet, daß die Betriebseinschränkungen zum großen Teil wieder aufgehoben wurden. Auch im Baugewerbe zeigte sich größere Lebhaftigkeit, so daß die Nachfrage nach Bauholz zunahm. In einzelnen Zweigen des Eisengewerbes war ebenfalls eine Belebung nicht zu verfennen. " Eingegangene Druckfchriften. " Bom Wahren Jacob" wird in den nächsten Tagen die 16. Nummer des 25. Jahrganges erscheinen. Sie bringt die Wiedergabe eines vorzügichen Bildes unseres verstorbenen Franz Josef Ehrhart nebst einem warm empfundenen Nachruf. Des weiteren enthält die Nummer eine längere Abhandlung„ Wilhelm Weitling, der deutsche Gleichheitskommunist. 1808 bis 1871" von Eduard Bernstein, der ein Porträt Weitlings beigegeben ist. Aus dem sonstigen Inhalt erwähnen wir die beiden farbigen Bilder Russische Gastfreundschaft“ und„ Adam und Eva im zwanzigsten Jahrhundert", sowie die weiteren Jlluftrationen Sehr geeignet"," Bom Flottenbereinstrieg"," Aus dunkler Zukunft",„ Die Arbeiter und der Krieg"," Die Frau des Parlamentariers", Verkehrte Welt"," Die Junggesellen Steuer"," Staatsregierung" und" Gestörtes Techtelmechtel". Der tertliche Teil der Nummer bringt noch die Gedichte Der Invalide"," Ritter Freifinn"," Das Luftschiff" von Robert Seidel, Pionier Klinke" von Mar Stempel, wie's gemacht wird" und zahlreiche größere und fleinere fatirische Beiträge in Prosa. Der Preis der 16 Seiten starken Nummer ist 10 f. Witterungsübersicht vom 30. Juli 1908, morgens 8 Uhr. Stationen Barometer stand mm richtung WindWindstärke Reichsfinanzreform und Handelskammern. Die Mannheimer Handelskammer hat als Vorort des badischen Handelstages am 22. Juli an das badische Finanzministerium das Ersuchen gerichtet, beim Reichsschagamt für die Veröffentlichung der bisher festgestellten Entwürfe zur Reichsfinanzreform wirten zu wollen, damit der lebhaften Beunruhigung in den Kreisen von Sollte die Ver Handel und Industrie entgegengewirft werde. öffentlichung nicht erfolgen, so möge man zu den vertraulichen Beratungen, die im badischen Ministerium über die ReichsVertreter der badischen finanzreform stattfinden, einige Sandelstammern hinzuziehen. Beides hat der badische Finanzminister mit Schreiben vom 27. Juli abgelehnt. Am 29. Juli antwortete darauf die Mannheimer Handelskammer, daß dieses Ver- Swotnembe. 768'N fahren der Reichsfinanzreform nicht dienlich sei. Damburg 771 NND Die Qualitätsschleifer sind besonders fonservativ in ihren An- Bugleich teilte sie mit, daß sie von mehreren Handelskammern ber- Berlin schauungen über das Arbeitsverhältnis. Sie wollen felbständig" anlaßt worden sei, gegen die beabsichtigte Elektrizitätssteuer Stellung Frantj.a. M. 769 ND bleiben. Man kann sie nicht in die Fabritbetriebe hineinbekommen. zu nehmen. Die Kammer weist deshalb auf die ernsten Bedenken Sie arbeiten höchstens, wenn sie nicht ſelbſt einen fleinen elektriſchen hin, die dieses Steuerprojeft hervorrufe, ba, wie die Entwidelung Betrieb haben, an gemieteten Schleifsteinen. Dadurch wird der der gesamten Voltswirtschaft handle. Die füddeutschen der Kommunalbetriebe zeige, es sich um ein Lebensbedürfnis Prozeß der Qualitätsverschlechterung und der Verbilligung der Projekte zur Ausnügung der Wasserkräfte würden durch die Steuer Produkte nicht unwesentlich aufgehalten. gehindert werden. Eventuell würde diese Steuer daher eine Sonderbelastung Süddeutschlands bedeuten. Weil die Solinger Industrie eine Qualitäts- Industrie ist, hat sich die Kaufmannschaft den Handel mit Qualitätswaren, wenn auch nicht ganz, so doch zum größten Teile zu monopolifteren gewußt. Die Möglichkeit dazu liegt in den Arbeiterverhältnissen. Münden Wien 3 Better mollig Temp. n. T. 5° C. 4° R. Stationen 21 Haparanda Barometer stand mm Windrichtung Windstärke 2 wollen! 16 Betersburg 767 2 bedeckt 769 NW 4 heiter 20 Scilly 21 berbeen 1 Nebel 17 Baris heiter 20 775 28 766 Still 7719 2Better Temp. n. C. 5°. 4°. 1 molten 20 1 heiter 14 bededt 16 3 bededt 17 768 ND 768 SH Wetterprognose für Freitag, den 31. Juli 1908. Winden; später wieder zunehmende Bewölkung und Gewitterneigung. Etwas wärmer, zunächst meist heiter bet ziemlich lebhaften südwestlichen inden; später wieder zunehmende Bewöltung und Gewitterneigung. Berliner Wetterbureau. Partei- Speditionen: Zentrum I: Fri 38inte, Mauerstr. 89. D Die zweite konservativ wirkende Ursache ist war, muß man heute eigentlich sagen das eigenartige Solinger Geldkreditwesen. Die jetzt berkrachte Solinger Bank sah ihre besondere Aufgabe Zur Frage der Schiffahrtsabgaben erklärt die Handelsbarin, die kleinen Kaufleute zu stügen, die Bant des fleinen Kauf- tammer in Ludwigshafen a. Rh. in ihrem soeben aus mannes zu sein. Diese fleinen Kaufleute waren aber sehr unsichere gegebenen Jahresbericht, daß die Erklärung der preußischen Re- Zentrum II: Albert a b'nisch, Auguftstr. 50, Eingang Joachimstraße. Debitoren. Gerade in dem letzten Jahrzehnt haben die Firmen ihre gierung, wonach die angestrebten Stromtassen lediglich die Dedung 2. Wahlkreis, eften: Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14, Hochparterre. Geschäfte zu vergrößern gesucht; aber sie konnten diese Vergrößerung, die Angelegenheit in ein anderes Licht gerückt habe, daß aber die Süden und Südwesten: Hermann Werner weil es ihnen zumeist an eigenem Gelde mangelte, nur unter Steigerung Kammer dennoch sich nicht über die überwiegenden Nach3. Wahlkreis: St. Friz, Prinzenstr. 31, Hof rechts part. Gneisenauftr. 72, Laden. des Kredits vornehmen. Dann sind anscheinend die Geschäfte nicht so teile hinwegzutäuschen vermöge, zumal feine Gewähr dafür ge- 4. Wahlkreis: Dit en: Robert engels, Rüdersdorferstr. 3, am gegangen, wie erwartet wurde. Die ausländische besonders geben sei, daß nicht die angegebenen Motive hinter fiskalischen und englische Konkurrenz auf dem Weltmarkte wurde schärfer, die agrarischen später zurücktreten. Stahlpreise stiegen, die hemmenden Wirkungen der neuen Handelsberträge kamen dazu, auch die Konkurrenz der großen Firmen wurde empfindlicher. Die alten Handelsgeschäfte büßten erheblich ein. Literarisches. 8war find die ersten großen Berlufte bei der Solinger Bank Gewerkschaftsliteratur. Jm Verlage der Generalfommission der schon bor zirka fünfzehn Jahren eingetreten. Aber das Gewerkschaften Deutschlands, Berlin SO., Engel- Ufer 15 IV, find legte Jahrzehnt erst hat die Höhe der Verluste so start erschienen: Protokoll der Verhandlungen des 6. Gewerkschafts. gesteigert, daß besonders durch Vernachlässigung jeder kongreffes, abgehalten vom 22.- 27. Juni 1908 in Hamburg, sowie Borsichtsmaßregel die Existenz der Bank in Frage gestellt Die deutschen Gewerkschaften. Neue graphische Darstellungen und wurde. Die gegenwärtige Krise hat dann die im Portefeuille der statistische Tabellen" von L. Brunner. Beide Schriften sind durch Bank befindlichen Bapiere noch mehr entwertet. Und die Sache endete beträgt 1 M. pro Exemplar, der der Brunnerschen Schrift 1,50 m. sämtliche Buchhandlungen zu beziehen. Der Preis des Protokolls mit dem Konkurs. Und die Folgen sind noch nicht übersehbar. Die Mitglieder der Gewerkschaften erhalten die Schriften zum Birka 40 Firmen der Stahlwaren- Industrie werden wohl noch un- Selbstkostenpreis, das Protokoll zu 25 f. und die Schrift von mittelbar infolge des Bankkrachs, mittelbar aber als Opfer der Brunner zu 50 Pf. pro Gremplar. Künstlich hochgehaltenen überlebten Kleinbetrieblichen Produktionsund die ebenso überlebten Handelsverhältnisse des Solinger Industrie bezirkes fallen. Internationaler Arbeitsmarkt. Küstrinerplaz. Wilhelm Mann, Petersburgerplaz 4( Laden). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Lausigerplag 14/15 ( Laden). 5. Wahlkreis: Leo 8ucht, Immanuelkirchstr. 12( of). 6. Wahlkreis( Moabit und Hansaviertel): Start Anders, Salzwedelerstr. 8, im Laden. Goethestraße, Laden. Wedding: Karl Weiße, Nazarethkirchstraße 49. Rosenthaler und Oranienburger Vorstadt: Germann Raschte, Aderstr. 36, Eingang Anflamerstraße. Gesundbrunnen: F. Trapp, Stettinerstr. 10. Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Lhchenerstr. 123. Alt- Glienicke: Wilhelm Dürre, Nudowerstr. 83 II. Charlottenburg: Gustav Scharnberg, Sesenheimerstraße 1, Ede Wilmersdorf- Halensee: Zölle, Sigmaringenftr. 5. Lichtenberg, Friedrichsfelde, Wilhelmsberg: Dtto Rummelsburg, Boxhagen: A. Rofentrans, At- Borhagen 56. Seitel, Kronprinzenstraße 50, I. Grünau: Franz lein, Bahnhofstr. 6 III. Bohnsdorf und Falkenberg: G. Pfeifer, Bohnsdorf, GeDas 23 Bogen starke Protokoll ist eine stenographische Aufnahme nossenschaftshaus. der Verhandlungen des Kongresses und gibt Referate und Dis. Rixdorf: M. Heinrich, Neckarstraße 2, im Laden. kussionsreden fast wörtlich wieder. Bei der überaus wichtigen Schmargendorf: Guftab ta minsty, Cunostraße 2 Tagesordnung des Kongresses bietet das Protokoll wertvolles Ma- Schöneberg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Laden terial für alle, die ein Interesse an der Gewerkschaftsbewegung Ober- Schöneweide: Julius Grunow, Edisonstr. 10, I. Tempelhof: M. Miller, Berlinerstr. 41/42. haben. Nieder- Schöneweide: Bonatowsky, Hasselwerderstr. 8. Johannisthal: Bielide, Raiser- Wilhelm- Plaz 4. Adlershof: Grich Steuer, Hadenbergstr. 5, II. Königs- Wusterhausen: Friedrich Baumann, Amtsgarten 3. Köpenick: Friedrich Woid, Stiegerstr. 6, Laden. Friedenau- Steglitz- Südende:. Bernfee, Schloßftr. 119, Hof I, in Steglig. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppelstr. 32, und Fr. Schell hase, Ahornstr. 15 a. Mariendorf: Hermann Reichardt, Chauffeeſtr. 27. Baumschulenweg:. ornig, Marienthalerstr. 13, I. Treptow: Rob. Gramenz, Kiefholzstraße 412, Laden. Neu- Weißensee: Kurt Fuhrmann, Sedanstr. 105, parterre. Reinickendorf Ost, Wilhelmsruh Schönholz: B. Gurich, Grünerweg 46 I. Waidmannslust, Tegel, Borsigwalde, Wittenau Hermsdorf und Reinickendorf- West: Paul Kienast, Borsigwalde, Räuschstraße 10. Pankow- Niederschönhausen: Mühlenstr. 73. Bernau- Röntgental: Heinrich Brose, obesteinstr. 74, part. Eichwalde, Zeuthen, Miersdorf und Hankels Ablage: Erich Zimmermann, Eichwalde, Kaiser- Friedrich- Straße 8. Teltow: Wilhelm Kesler, Hohersteinweg 7. Nowawes: Wilhelm Jappe, Briefterstr. 46. Spandan: öppen, Sagowftr. 9. Die Lage des Arbeitsmarktes hat in den Ländern, in denen die Die von 2. Brunner bearbeitete Schrift gibt einen Ueberblick Landwirtschaft noch einen großen Prozentsaz der Bevölkerung enthält, über die Stärke und die Leistungsfähigkeit der deutschen Gewertwährend des Monats Juli teine weitere Verschlechterung, sondern schaften seit dem Jahre 1890, sowie eine vergleichende Uebersicht vielmehr vereinzelt sogar eine leichte Erholung erfahren, während in der internationalen Gewerkschaftsbewegung in bezug auf die Größe Ländern mit vorwiegend industriellem Charakter die gewerbliche der Bewegung in den einzelnen Ländern. Veranschaulicht wird Depression des Arbeitsmarktes fich noch weiter verschärft hat. diese Darstellung durch zehn graphische Tabellen und einer In Großbritannien z. B. ging die Arbeitslosigkeit von statistischen Aufstellung. Die Arbeit ist eine Fortseßung und Er7,9 Proz. Ende Mai auf 8,2 Proz. Ende Juni hinauf. Ende gänzung der Schrift mit gleichem Titel, die zum ersten Male im Juni 1907 hatte sie erst 3,6 Proz. betragen. Sie ist also mehr als Jahre 1905 herausgegeben wurde. War in der ersten Schrift das doppelt so hoch wie im Vorjahre. Den größten Prozentsaz der Hauptgewicht auf die Darstellung des Verhältnisses der Organis Arbeitslosen stellte das Eisengewerbe und hier wieder die weiter- fierten zur Zahl der Berufsangehörigen gelegt, so ist bei der bor. berarbeitende Industrie. Die Lage des Schiffbaues hat sich aller- liegenden Arbeit Wert darauf gelegt worden, die geographische Verbings insofern etwas gebeffert, als mit dem Ende der Ausbreitung der Gewerkschaften und den Charakter derselben als sperrung in der gesamten Schiffbauindustrie die Kampforganisation und ihre Erfolge zur Anschauung zu bringen. Beschäftigungslosigkeit zurüdging. Waren doch 35 000 Arbeiter vom Beide Schriften verdienen die weiteste Verbreitung. Januar resp. April ab infolge der Aussperrung ohne Arbeit. Immerhin war die Arbeitslofenziffer mit 20,6 Broz. gegen 6,4 Broz, im Juni 1907 noch äußerst hoch. In der Maschinenindustrie nahm die Arbeitsgelegenheit weiter ab. Auf den Eisen- und Stahlwerken war die Beschäftigung, berechnet aus der Zahl der Beschäftigten und der Bahl der Arbeitsschichten um 14,7 Broz. geringer als 1907. Heber wiegend ungünstig war die Lage auch in der Zertilindustrie. Einen hohen Grad erreichten vor allem die Lohnreduktionen in Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Jugendabteilung. der Leinenindustrie, wo das Lohnniveau gegenüber dem Vorjahr um nicht weniger als 19,4 Proz. fant. Noch trauriger sah es iu der Spigenindustrie aus, wo sich das Lohnniveau um Aus der Frauenbewegung. Versammlungen Veranstaltungen. Sonntag, den 9. August, abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshaus, und Mahlsdorf und Kaulsdorf: Hugo Scheibe, Mahlsdorf, Walderfeestr. 14. Sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschaftlichen Werte werden geliefert Engelufer 15. Bortrag, Genoffe Burm,„ Raturgeschichte und Annahme von Inseraten für den„ Vorwärts. Schöpfungsaefdichte." Jugendliche als Gäste willkommen. Bitte ausschneiden. 245/1 Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Nedaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. S Theater. Freitag, den 31. Juli Neues tgl. Operntheater. La Traviata. Anfang 8 Uhr. Dentiches. Die Brettlgräfin. Neues. Der Zerrissene. Neues Schauspielhaus. Dollarprinzessin. Kleines. 2X2= 5. Die Suitspielhaus. Die blaue Maus. Westen. Ein Walzeitraum. Schiller Martha. 0. ( Wallner Theater.) Friedrich Wilhelmstädt. Schau: spielhaus. Die Diebin. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. OOLOGISCHER Z CARTEN Täglich: Gr.Militär- Doppel- Konzert Eintritt 1 M. von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Thalia. Der Mann mit dem Mo- Lustspielhaus. nocle. Bernhard Nofe. Das Geheimnis von New York. Metropol. Das muß man seh'n. Apollo. London Suburbia. Spe zialitäten. Passage. Berlin in Stimmung. Spezialitäten. Berliner Prater. Die Welt ein Paradies. Anfang 7 Uhr. Carl Haverland. Spezialitäten. Reichshallen. Winter- Thymian. Walhalla. Spezialitäten. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Sternwarte, Invalidenftr. 57/62. Schiller- Theater 0. ( Wallner- Theater.) Morwin- Oper. Freitag, abends 8 Ubr: Gastspiel Heinrich Bötel. Martha oder Der Markt zu Richmond Romantische Oper in 4 Aften von 2. v. Flototo. Sonnabend, abends 8 Uhr: Fidelio. Sonntag, nach m. 3 Uhr, bei halben Preisen: Undine. Sonntag, abends 8 Ubr: Oberon, König der Elfen. Abends 8 Uhr: Die blaue Maus. Gebrüder HerrnfeldVorverk. Theater. Vorverk. 11-2 Uhr. 11-2 Uhr. Sonnabend, 1. August: Eröffnungs- Vorstellung und Premiere der Novität Das kommt davon! mit dem Vorspiel: „ Es lebe das Nachtleben!" Komödie in 3 Atten von Anton und Donat Herrnfeld. Billettvorverkauf für die Premiere an der Theaterkaffe, bei Wertheim und im Invalidendant. Arbeiter- Baugenossenschaft„ Paradies Sonntag, den 2. August: Großes Erntefest veranstaltet von den Laubenkolonisten auf ihrem Gelände in Bohnsdorf bei Grünau. Nachmittags 4 Uhr: Großer Ernte- Festzug mit Musik. Am Abend großer Kinder- Fackelzug, Kinderbeluftigungen auf dem Festplatz. Festkarte 10 Pf. Freunde und Gönner der Genossenschaft ladet freundlichst ein Das Komitee. 106/17 Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes Anzeige. Den Kollegen und Kolleginnen zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Metallarbeiterin Minna Jonentz geftorben ist. 120/3 Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Freitag, den 31. Juli, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Dantes- Kirchhofes aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 2. Berliner Reichstagswahlkreis ( Bezirk 139.) Am 27. Juli verstarb unser Mitglied, der Maurer Johann Friedrich Lindner im 56. Lebensjahre. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 31. Juli, nachmittags 4%, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Gemeindefriedhofes Mariendorfer Weg aus statt. 211/9 Der Vorstand. Diez' Spezialitäten- Theater W. Noacks Theater Zentral- Verhand der Maurs Landsberger Allee 76/79, direkt Ringbahn- Station. 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Am 28. Juli entriß der Tod nach jahrelangen schweren Leiden mir den teuren Freund und Genoffen Emil Bolle. Sein biederer, lauterer Charakter veranlaßt mich, ihm diesen Nachruf zu widmen. 8136 Hermann Spalt. Sozialdemokrat. Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis Frankfurter Viertel. Bezirk 389. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Maschinist Emil Bolle Georgenkirchstraße 63 gestorben ist. 219/18 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. Auguft, nach mittags 1/24 Uhr, von der Leichenhalle des Französischen Kirchhofes in Pantom aus statt. Der Vorstand. Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter Zweigverein Berlin. Sektion II. Am Dienstag, den 28. Juli, starb der Kollege, Faßbierfahrer Adolf Weekwerth, am Bockbrauerei, Abteilung I, nach langer, schwerer Krankheit. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung erfolgt Sonnabend, den 1. August, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Heilig- Kreuz- Kirchhofes, Mariendorf, Eisenacher Straße 62. Rege Beteiligung erwartet 43/12 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. baß unser Kollege, der Möbelpolierer Hugo Geitner am 26. Juli verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 31. Juli, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Bentral- Friedhofs in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 87/19 Die Ortsverwaltung. Deutscher Buchbinder- Verband. Zahlstelle Berlin. Am Montag, den 27. Juli 1908 berstarb nach langer Krankheit die Falzerin 24/3 Erna Ritter im 27. Lebensjahre. am Chre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 31. Juli 1908, nachmittags 6 Uhr von der Leichenhalle des Neuen Zwölf- Apostel firchhofes in Schöneberg, Tempel hofer Straße aus statt. Um zahlreiche Beteiligung er fucht Die Ortsverwaltung. Nur Boftfarte erbeten. 36195+ Dr. Simmel Grundstück in Ruhlsdorf bei Teltow, 580 Quadratruten, ganz oder geteilt zu verlaufen. Gas, Wafferleitung: Rute 20 M. 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Verschiedene Kassenangelegenheiten. Mitgliedsbnch legitimiert. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder ersucht 289/ 5* Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. „ Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein" Mitglied des Arbeitere Radfahrer- Bundes .Solidarität“. Touren zum Sonntag, den 2. August. 1. Abt. 4 Uhr: Kloster Chorin. 1 Uhr: Bepernid. Start: Bülowstraße 58. 2. Abt. 7. u. 10 Uhr: Werlsee. Start: Fontane- Bromenade. 3. Abt. 5 Uhr: Kloster Lehnin. 1 Uhr: Wannsee( Fürstenhof). Start: Mariannenplatz. 4. Abt. 5 Uhr: Fürstenwalde ( Henze). 1 Uhr: Friedrichshagen ( Sidow). Start: Rüstriner Play. 5. Abt. 5 Uhr: Steinfurt. 1 Uhr: Gorinsee. Start: Elysium. 6. Abt. 6 Uhr: Biegenhals. 1 Uhr: Start: Dderberger Straße 28. Heute Freitag, abends 812 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15: Gichwalde( Witte). Sitzung der Ortsverwaltung. Tischler- Verein E. H. No. 89. Sonnabend, den 1. August, Melchiorstr. 15: Zahlabend. Die Mitglieder werden auf§ 3 Absatz 1 des Statuts aufmerksam ge28. April macht. Der§ 3 des Statuts und VI. Nachtrag Sat 1 bom-1906 30. Juni ist zu streichen und dafür zu setzen:„ An vierwöchentlichen Beiträgen find 1,10 zu entrichten. Ferner ist beim 5. und 7. Beitrag ein außerordentlicher Beitrag von je 1 Mart zu zahlen." Beschlossen in der Generalversammlung bom 11. April 1908. Genehmigt am 18. Juli 1908 durch den Herrn Polizeipräsidenten. Tritt bei der 8. Beitragszahlung in Straft. 199/2 Der Vorstand. Tanzunterricht Albert Fricke. Wiederbeginn der Unterrichtskurse: Sonntag, den 2. August, nachmittags 3 Uhr, und Mittwoch, den 5. August, abends 82 Uhr, in den neuerbauten ,, Arminhallen", Kommandanten straße 58/59( neben dem Herrnfeld- Theater). I Prospekte gratis. Privatunterricht täglich. Gefl. Anmeldungen erbeten im Institut oder in der Privatwohnung: Urbanstraße 61. 3768L* 7. Abt. 4 Uhr: Teupit. 1 Uhr: Lichtenrade. Start: Grenzstr. 21. 8. Abt. 6 Uhr: Nauen. 2 Uhr: Falkenhagen. Start: Waldstraße 8. 9. Abt. 1 Uhr: Schmödwik. Start: Engelufer 21. 10. Abt. 7 u. 1 Uhr: Schnipel jagd nach Schmödwig( Noad). Start: Weberstraße 17. Sämtliche Mitglieder werden erwartet. 11. Abt. Mittwoch, den 5. August, vorm. 10 Uhr, nach Bernau. Start: Verbandshaus, Große Hamburger Straße 18/19. Heute abend: Fahrwart- Sizung. Rummelsburg. Sonnabend abend 9 Uhr: Nachttour nach dem Schar müteljee. Start: Goethestraße 9. Pantow- Schönhausen 6 Uhr: Eden ( Oranienburg). Start: Mühlenstraße ( Bahnbrücke). Uhr: Lichtenberg 1 Herzfelde ( Stiftungsfeft). Start: Pfarrstr. 74. Gäste willkommen. 12/14 Spezial- Ausschank bon Gabriel& Richter gepflegten Jenensia- Räder! Mod. Iiere ben freien Zängertchien. 10 Jahre Garantie! ☐ Teilzahlung! Große Speisen auswahl Adler Räder! = 2428L* Phänomen= Räder! Groskurths Social- Räder von M. 56.- an! Auswahl in gebrauchten Rädern! Motorzweiräder! Fahrradzubehör spottbillig! zu fleinen Preisen. 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Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. 8065 Wie wird die Staatsangehörigkeit Laden. Bett . für das 106/16 +140 Volkshaus Hagen i. W. 8185 B. 177. 25. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. Partei- Angelegenheiten. Kreiswahlverein Niederbarnim. Am Sonntag, den 9. August, findet die Halbjahrsgeneralbersammlung in Pankow bei Ebersbach, Berlinerstr. 102, mittags 122 Uhr, statt. fizzenden. Tages- Ordnung: 2. Bericht des Kassierers. 3. Bericht der Kommissionen. 4. Stellungnahme zur Generalversammlung von Groß- Berlin. 5. Stellungnahme zur Provinzialkonferenz. Referent Genoffe Jacobsen. Tatendrang" ,, Lieb' und Tatendrang" ,, Lieb' und Tatendrang" Lieb' und Taaa- tendrang!..." Und dann stürzten sich alle auf die umstehenden Tische, wo sie Bier tranfen und Stat spielten. Der Zettelverteiler. Freitag, 31. Juli 1908. Hoffentlich wird der Herr Stadtrat es nicht erst auf einen Bes schluß der Deputation ankommen lassen, sondern sich schleunigst samt seinem Utas hinter die Vorhänge seiner stadträtlichen herrschaftlichen Wohnung zurückziehen." Zweierlei Maß bei der Post. Auf einem großen Bostamt im Berliner Norden wollte ich kürzlich so schreibt man uns Seit etwa einem Jahrzehnt ist der Bettelverteiler im Berliner einen Einschreibebrief aufgeben. Es war nachmittags gegen sechs Straßenbilde eine stehende Figur geworden. Ja, sein Metier hat vier Schaltern ist ständig nur einer geöffnet und dieser eine war Uhr. Von den auf der linken Seite des Amtsraumes belegenen 1. Bericht des provisorischen Vorsitzenden und Neuwahl des Vor- sich für viele, die nur leben, um zu begetieren, immer mehr zu jetzt auch geschlossen. Hinter der Scheibe saß der Beamte bei einem regelrechten Gewerbe herausgebildet. Man nimmt die Sache emfiger Aufrechnungsarbeit; davor standen, als ich anlangte, jayon wohl von der leichten Seite. Wer arbeitslos ist und Hunger hat, acht Personen in Gänseordnung. Als nach weiteren 15 Minuten besorgt sich den erforderlichen Erlaubnisschein der Polizeibehörde, der Beamte sich endlich zu unserer Abfertigung bequemte, waren irgend einer der Tausende von fleinen Geschäftsleuten, die heute wir auf 17 Personen angewachsen. Jest ging es allerdings ziem der Straßenreklame vor der teueren Zeitungsreklame den Vorzug lich rasch, aber auch nur deshalb, weil feiner meiner Vordermänner geben, ist mit einiger Mühe bald gefunden, und nun werden die zeitraubende Anliegen hatte. Jch teilte der Redaktion den Fall Bassanten einer bestimmten Gegend mit kleinen und großen nicht gleich mit, weil ich die„ lleberbürdung" eines einzelnen Beamten nicht verallgemeinern wollte. Jedoch werde ich jetzt daran Betteln in allen Regenbogenfarben förmlich überschwemmt. Was erinnert durch den entgegengesetzten Fall. Auf dem großen Poſtamt da außer tausenderlei Gebrauchsartikel angekündigt wird, verdient an der Ecke der Linden- und Ritterstraße wollte ich Marken heutzutage mehr als bisher Beachtung. Haben sich doch alle jene kaufen. Das Markenfräulein saß gerade nicht in ihrem Glasanrüchigen Erwerbsarten, denen von den meisten Blättern die fäfig. Ich ging zum Bestwertzeichenschalter, wo nur drei Personen Inseratenspalten nicht mehr ohne weiteres geöffnet werden, bei- standen. Nach faum einer halben Minute beugte sich aus dem spielsweise gewisse Masseusen und die zahlreichen Frauen wunder- Nebenschalter, wo sonst keine Wertzeichen verkauft werden, ein bar", längst auf das Feld der Zettelreklame geworfen. Sie ist älterer Beamter weit vor und fragte zuvorkommend: Was wünschen Sie denn, mein Fräulein?" Der Gegensatz in dieser wohl am weitesten verbreitet und beliebt bei den vielen„ Wirtinnen Behandlung des Publikums ist so start, daß ich nun doch einen wundermild", deren blaue und rote Laternen allein nicht mehr Schluß daraus ziehen mußz: cs gibt sehr höfliche und es gibt sehr genügende Lockspeise sind. 6. Stellungnahme zum Barteitag. Referent Genosse Reichstagsabgeordneter Stadthagen. 7. Wahl von Delegierten. 8. Eventuelle Anträge. 9. Verschiedenes. Die Wahl der Delegierten geschieht auf Grund des§ 11 des Kreisstatutes von Niederbarnim. J. A.: W. Kubig. Berliner Nachrichten. Der Gesangverein. " " " ,, überbürdete" Schalterbeamte! " " " " Ein Phonographen- Raum" wird gegenwärtig im Dienstgebäude Charlottenburg. Die Parteigenossen werden nochmals auf die heute, Freitag abend 8½ Uhr, im großen Saale des" Volkshauses", Rosinenstr. 3, stattfindende Generalversammlung des Wahlvereins aufmerksam gemacht. Die Tagesordnung lautet: 1. Der Parteitag Der feste Lohnsatz eines solchen Zettelverteilers beträgt pro Zur Perlenaffäre der Gräsin Wartensleben haben sich öffentlich in Nürnberg. 2. Anträge und Wahl der Delegierten zur Kreis- Stunde für Berlin 30 Pfg.; darunter ist ein tüchtiger Bettel- bereits der Rechtsanwalt Dr. Marcuse und das Polizeipräsidium generalversammlung, Generalversammlung Groß- Berlin, Pro- verteiler nicht zu haben; es werden sogar bis zu 50 Pfg. bezahlt. geäußert und zwar im wesentlichen über die Rollen, die sie bei der vinzialkonferenz und zum Parteitag. 3. Vereinsangelegenheiten. Wahre Lebensfünstler gibt es in diesem Gewerbe. Mit den Gewohn- ngelegenheit gespielt haben. Herr Marcuse hat sich dagegen ges Mitgliedsbuch legitimiert. heiten der Passanten der betreffenden Gegend und überhaupt mit wehrt, als sei er derjenige gewesen, auf dessen Veranlassung bei Alt- Glienicke. Am Sonnabend, den 1. August, findet im Lokale dem Großstadtleben in engerer Beziehung werden sie so vertraut, Ermittelung der Perlen unfaire Mittel angewendet worden wären; des Genossen Jul. Knochen, Rudower Straße, eine Mitgliederver- daß sie ihren Leuten an der Nasenspitze ansehen, ob diese für die er habe nur mit dem Detektiv bureau zu tun gehabt. Der betreffende Detektiv, der die Rolle des angehenden der Funktionäre. 2. Wahl der Delegierten zur Kreisgeneralver- Bettelreklame reif sind oder nicht. Denn der echte Zettelverteiler| Bräutigams der Steger spielte, um dieser ihr Geheimnis abzulisten, sammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und sammlung und zum Verbandstage von Groß- Berlin. Gleichzeitig verschleudert seine Ware nicht. Ob Großstadtmensch oder Provinz wendet sich jetzt in einer Erklärung gegen verschiedene Behauptungen Wahl eines Kassenrevisors des örtlichen Vereins. 3. Aufnahme onkel, ob Papierkragen oder schiefe Abfäße, ob Straßenbummel des Herrn Dr. Marcuse. Schließlich erläßt nun auch der Gatte der neuer Mitglieder. 4. Frauenorganisation. 5. Verschiedenes. oder Geschwindmarsch, das alles spielt neben vielen anderen Kleinig- bestohlenen Gräfin v. Wartensleben eine Erklärung, die sich in feiten eine wichtige Rolle bei der Beobachtung von Straßenpassanten, legter Linie mit der wenig rühmlichen Rolle beschäftigt, die die das heißt bei der Beurteilung ihrer Zahlungskraft. Ein guter Sriminalpolizei in der Affäre gespielt hat. Menschenfenner ist also auf diesem Gebiete für den Geschäftsmann ,, Gut unterrichtet!" Unter dieser Ueberschrift teilt das frommsehr wertvoll und einträglich. Daher haben wir in Berlin Bettel katholische Blatt Märkische Voltszeitung" mit, daß eine verteiler, die schon jahrelang für ein und dasselbe Geschäft tätig Rigdorfer Familie im„ Lokal- Anzeiger" folgende Danksagung" versind, sich eine wahre Virtuosität in der Passantenvigilanz erworben öffentlicht habe:" Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, Als der Dampfer schon mitten auf der Oberspree haben. Doch fehlen auch nicht die unsicheren Kantonisten, die welche uns beim Dahinscheiden meines lieben Mannes und unseres schwamm, da konnte man den Gesangverein schon hören. kontrolliert werden müssen, wenn sie nicht die Zettel beiseite bringen guten Vaters, des Fabrikanten N. N. in so überreicher Weise zuteil Und als der Dampfer den Gesangverein jezt auf der Lan- und ihren Lohn während der Arbeitszeit in der nächsten Destille geworden sind, sprechen wir allen, insbesondere dem Herrn Pfarrer der Prinz Handjery- Gemeinde unseren dungsbrücke zu dem Gartenlofal abgesetzt hatte, da konnte bertrinken sollen. Immerhin sind das Ausnahmen. Auch unter tiefgefühltesten Dank aus." Der Herr Pfarrer", dem dieser man ihn auch sehen. Es war ein braver, deutscher, bürger- den Berliner Zettelberteilern befinden sich nicht wenige, denen an tiefgefühlteste Dank" dargebracht wird, wohnt in Nigdorf in der in ihr befindet sich auch die licher Gesangverein, so aus Berlin O. Gestalten Provinz, der Wiege von einem besseren Werdegang gesungen wurde. Um Prinz Handjerystraße, und an der er amtiert. Daraus entstand dann die Gesichter Provinz, Anzüge Provinz, Alle eine gewisse hier solche Unglückskinder zu finden, die einst gut dastanden, biel- Kirche, Die Märkische VolksAehnlichkeit und Einförmigkeit zeigend; denn es war ein leicht die hohe Schule besucht oder gar ein Staatsexamen bestanden Folgerung Prinz Handjery- Gemeinde". Wochentag und es hatten fast nur die selbständigen Mit- haben und sich langsam, aber ehrlich und anständig wieder empor- zeitung" fnüpft an ihre Mitteilung den Stoßfeufzer: Daß es glieder an dem Ausfluge teilnehmen können. Alle hatten arbeiten wollen, wenn sie dazu förperlich und geistig überhaupt Katholiken gibt, die so wenig von dem eigenen Gotteses also gewissermaßen zu Etwas gebracht", und dieses noch fähig sind danach braucht man auf der Großstadtstraße hause wissen, ist erstaunlich!" Ach nein, erstaunlich ist das gar nicht, Erstaunlich ist es auch nicht, daß bei den Evangelischen ,, Etwas" zeigte sich äußerlich in einem größeren Bauch mit geschärftem Blid leider nicht allzulange zu suchen. die Bekanntschaft mit dem Gotteshause ebenso mangelhaft ist. umfang als Brustumfang. Kernige Gestalten" würde ein Die Heiratslust ist in Berlin wieder einmal im Abnehmen. Erstaunlich könnte man nur das finden, daß solche„ Gläubigen" es Idealist gesagt haben Bierbäuche" ein Realist. Schon im Jahre 1907 hatte die rückläufige Bewegung, die hier sich nicht nehmen lassen wollen, wenigstens bei Beerdi Und als der Gesangverein jetzt den Landungssteg wieder eintreten sollte, deutlich genug sich angekündigt. Während gungen den Herrn Bastor au bemühen und daß die entlang in das Lokal marschierte, da konnte man ihn hören in den fünf Jahren 1902-1906 in Berlin 19 138, 20 141, 21 220, Serren Pastoren, katholische wie evangelische, sich dazu bergeben, solchen Gläubigen" bei Beerdigungen als Dekoration zu und sehen. Denn auf dem Steg hatten sie noch ein neues Lied 22 276, 23 245 Ghen geschlossen wurden, so daß für die vier Jahre dienen. Judes, uns foll's recht sein. Wir gönnen den„ Gläubigen" frisch angesteckt nein: frisch angeſtoch. nein( pardon 1903-1906 das Mehr gegenüber dem Vorjahr 1003, 1079, 1056, - aber die Leute sehen alle so ganz nach frischem Anstrich" 969 Eheschließungen betrug, stieg in 1907 die Zahl der Ehe- ihre Pastoren und den Pastoren ihre Gläubigen". aus!), also sie hatten ein neues Lied frisch angestimmt und schließungen nur noch auf 23 312, was gegenüber dem Vorjahr da sie zugleich in der Mitte des ersten Verses und des ein Mehr von nur noch 68 ergab. Ein Mehr von nur noch 68 he- des königl. Polizeipräsidiums eingerichtet. Wie der„ Kinematoschließungen, daß war gleichbedeutend mit einem Stillstand der graphen- Naum" soll er der Vorführung derjenigen Stücke dienen, Gartens ankamen, so sangen sie gleich 42 Strophen dort Eheschließungsmehrung. Angesichts der Vermehrung der Bevölke- deren polizeiliche Genehmigung von Schaustellern usw. beantragt im Garten, im Kreise um ihren Dirigenten gruppiert; aber rung, die ja in 1907 immer noch ganz leidlich gewesen war, fonnte worden ist. Die Phonographen- Benfur erfordert neuerdings immer in vorsichtiger Entfernung von ihm; denn der Brave haute man bei solchen Eheschließungsziffern sogar schon von einem Rüd- mehr Arbeit, da derartige musikalische und deflamatorische Vorträge mit dem zum Taftstock erhobenen Spazierstock um sich wie gang der Heiratslust sprechen. sich einer wachsenden Beliebtheit beim Publikum erfreuen. Diesem ein von Feinden umstellter rasender Krieger in der männer- Das Jahr 1908 hat nun in seiner ersten Hälfte mit einem noch Verlangen, besonders nach gesanglichen Uebertragungen, tragen bornehme ungünstigeren Ergebnis abgeschlossen. In den sechs Monaten selbst Etablissements, wie zum Beispiel Kroll, mordenden Schlacht und er trieb auch selbst die frechsten Januar bis Juni wurden diesmal in Berlin nur 10 594 Chen ge- Rechnung, so daß man hier unsere berühmtesten BühnenHühner und Spaßen in die Flucht." Wohl wichen sie seinen schlossen, während in denselben Monaten des vorigen Jahres hier fünstler in absentia hören kann. Natürlich werden auch viele Hieben nur der Gesangverein war geblieben." Die noch 11 040 Ghen geschlossen worden waren. Die erste Hälfte des zweifelhafte Platten, Reproduktionen von Komikern, Vorträgen usw. Hauerei hatte ja gerade den Zweck, ihn zusammenzuhalten" Jahres 1908 hat also sogar eine absolute Verminderung der Ghe- fabriziert, deren behördliche Ueberwachung im Interesse der öffentbeim Absingen des braven deutschen Gesangvereinsliedes. schließungen gebracht, die gar nicht so unbeträchtlich ist. Ueber lichen Moral dringend geboten erscheint. Diesem Zweck soll der Das Lied stroßte und triefte nämlich nur so von Not und diese Erscheinung wird niemand sich wundern, der den zu neue Polizei- Phonograph" dienen, der im vierten Stockwerke des Mann sammenhang zwischen Heiratslust und Wirt- Präsidialgebäudes eingerichtet wird. Er befindet sich dort in dem Tod" Saft und Kraft"" Gut und Blut" fchaftslage fennt. Die Minderung der Erwerbsgelegenheit nach der Alexanderstraße hinaus belegenen Zimmer 435, in dem und Mut" usw. usw. nötigt zahlreiche junge Leute aus der Arbeiterbevölkerung, die be- auch der Kinematograph sein Domizil aufgeschlagen hat. absichtigte Gründung eines eigenen Hausstandes auf bessere Beiten zu vertagen. Stillstand oder gar Rüdgang der Eheschließungs- auf dem Abrißgrundstück Dessauer Straße 30 der 32 Jahre alte Durch einen herabstürzenden Balken getötet wurde gestern abend siffer, wie wir ihn jetzt wieder beobachten, war Begleiterscheinung Bauarbeiter Wilhelm König aus der Siebertstr. 10. In der Höhe auch der früheren Perioden eines zunehmenden Beschäftigungs- der zweiten Etage wurde das Balkenlager entfernt und die aus dem Ja einige Nörgler( es gibt deren sogar in Sommer- mangels und verschärften Notstandes. Gemäuer befreiten Holzteile wurden an Tauen befestigt in die lokalen) behaupteten, der Dirigent brauche car nicht so wie Die Eisenbahnbrücke über der Spree zwischen Stralan und Tiefe gelassen. Ein Balfen hatte sich jedoch vorher gelockert, Leute Händen der und stürzte nach dem ein Rasender mit dem Taktspazierſtocke um sich zu hauen, Treptow genügt dem Fußgängerverkehr nicht mehr und soll deshalb entglitt den um die herabda seine Zöglinge sich gar nicht um seine wütenden Be- verbreitert werden. Da der Fiskus daran beteiligt ist, so wird es Hof hinunter, woselbst. bereit stand, Der Balken fiel wegungen fümmerten. Diese boshafte und ungünstige Be- wohl erst zu langdauernden Verhandlungen über die Rosten tommen. gelassenen Gegenstände aus dem Tau zu lösen. Es wäre erfreulich, wenn es endlich dahin käme, hier Abhilfe ihm auf den Kopf, sodaß der Arbeiter einen komplizierten Schädelmerkung wurde jedoch gleich darauf Lügen gestraft, denn als bei den Worten:„ Alles was gen Himmel strebt" es zu schaffen. Klagen über die Unzulänglichkeit dieses sehr viel be- bruch erlitt, der seinen augenblicklichen Too herbeiführte. Mehrere handelte sich natürlich um den Deutschen, der alles verehrten Berkehrsweges werden fortgeseßt laut, und es ist sogar die andere Arbeiter, die, von der schweren Laft gestreift, niedergeriffen worden waren, hatten, wie die von den Unfallstationen am Tempelund befolgt, was gen Himmel strebt, als da also der höchste Zeit, daß eine Besserung eintritt. Der fürsorgliche Stadtrat. Zu der unter vorstehender Spig- hofer Ufer und Kronenstraße hinzugerufenen Aerzte feststellten, Dirigent begeistert und begeisternd, hinweisend und belehrend marke in der gestrigen Nummer unseres Blattes veröffentlichten Bu- feinerlei Verlegungen. erlitten. Die Leiche des König wurde den Blick nach oben hob und mit dem Taktspazierstock zu schrift über eine Maßnahme des am Friedrichshain wohnenden polizeilich beschlagnahmt. den Wipfeln der Bäume wies, die da gen Himmel strebten, Stadtrats Mielenz äußert sich heute der Magistratsoffiziofus nach da brach der ganze Gesangverein mit einem jähen Rud einer recht burschifosen Einleitung folgendermaßen: mitten im Gesange ab und starrte mit den schon geöffneten Die Benuzung des Weges ist nicht verboten worden, wohl und vor Erwartung sich noch weiter öffnenden Mäulern aber ist infolge von berechtigten Beschwerden über die Lästerallee" das Siten auf den eisernen Gittern, das Aufstellen von stumm zu den Wipfeln empor, mit den Blicken irgend etwas Kinderwagen usw. auf den Zugangswegen nicht mehr gestattet. dort oben suchend, und man geriet erst wieder in das Gleise. „ Stark und Die heftigen" Szenen zwischen dem dort weilenden Publikum bon Gut und Blut" Hell und klar"„ Stark und und den Passanten haben der Verwaltung Veranlassung gewahr"„ Schön und edel", als der eiligst wieder zwischen sie geben, darauf zu achten, daß die Zugangswege ohne Ausnahme Die Kinderspiele des Berliner Arbeiter- Turnvereins fahrende Taktspazierstock ihnen den Weg in dies gelobte nicht blockiert werden. Der Hain bietet Raum genug." werden fortgesetzt am Sonntag, den 2. August. Gespielt wird in den Land wies.( Das also gelobte Land war übrigens Deutsch- Da in der vorstehenden Aeußerung von einer Maßnahme der Vormittagsstunden unter Leitung von Turnern und Turnerinnen land also nicht etwa grausige Mißverständnisse!) Verwaltung die Rede ist und keine andere Verwaltung als die an fünf folgenden Stellen: 1. auf dem Spielplatz im FriedrichsNur der eine erste Tenor, eine riesige, rotgesichtige Barkverwaltung in Frage fommen kann, so dürfte folgende Aus- hain, 2. auf dem Spielplatz im Treptower Part, 3. auf dem TempelBudifererscheinung von zirka 250 Pfund Gewicht, konnte sich lajfung eines Mitgliedes der Park- und Gartenverwaltung nicht hofer Feld, 4. auf dem Sportplak Behmstraße, 5. in der Jungfern. Heide. Kinder, die teilnehmen wollen, können sich vorher vers nicht so schnell wieder in die Situation finden, und durch ohne Interesse sein. Das betreffende Mitglied schreibt uns: Herr Stadtrat Mielenz ist Mitglied der Parkdeputation und sammeln an folgenden Sammelpunkten: 1. für Friedrichshain: den wiedereinsetzenden Gesang konnte man seine zugleich gleichzeitig Dezernent des Friedrichshains; aber weder als Mitglied a) am Kriegerdenkmal vor dem Landsberger Tor, b) in der Petersfette und trähende Stimme im Lone milden Vorwurfs ber Deputation noch als Dezernent hat der Herr Stadtrat das Recht, burger Straße am Baltenplatz; 2. für Treptower Park: an der bernehmen! über die Köpfe der Deputation hinweg selbständig Wegesperrungen Oberfreiarchenbrüde; 3. für Tempelhofer Feld: a) auf dem Cha Ik dachte, es wäre ein Eichhörnchen!" borzunehmen, noch die Parkwächter mit Instruktionen zu versehen. missoplak, b) in der Hagelbergerstraße, Ede Yorkstraße, c) auf der des Herrn Herrn Stadtrat Mielenz Fontanepromenade am Kaiser- Friedrich- Plaß; 4. für Sportplat Aber schon ging es glatt und sicher weiter mit der legten Ein diesbezüglicher Antrag der Deputation nicht vorgelegen, würde auch keine Behmstraße: a) auf dem Vineta- Plaz an der Normaluhr, b) ani Strophe des Liedes, welche das Ganze herrlich resümierte: hat Als Mitglied Bahnhof Gesundbrunnen, c) auf dem Nettelbeckplay, d) in der Deutsch und wahr" ,, Hell und klar" Gut und Blut" Annahme durch die Deputation gefunden haben. der Deputation ist dem Herrn Stadtrat bekannt, daß die Deputation Reinickendorfer Straße, Ecke Schulstraße, e) in der Schönhauser -Saft und Kraft" Schön und edel"- Freiheit, bestrebt ist, dem Publikum in den städtischen Parks Wege nicht zu Allee, Ede Schivelbeiner Straße; 5. für Jungfernheide: am BahnLiebe, Tatendrang"„ Edel, schön, gut"" Freiheit, Kraft sperren, sondern zu erschließen. Es scheint eine Pflicht des Publikums hof Beusselstraße. Abmarsch von allen Sammelstellen morgens -" Lieb und zu sein, gegen ein derartiges selbstherrliches Vorgehen eines Stadt- 8% Uhr( nur von Beusselstraße 8 Uhr). Willkommen ist jedes Kind. „ Lieb' und Irates mit Entschiedenheit Front zu machen. Und alle diese mannigfachen, inhaltschweren, kleinen großen Worte brachten diese einfachen Leute so glatt und so ficher heraus wie der Dampfer sein eintöniges, inhaltloses Muckebice muckebice mudebice". " 1 und Lieb'" Tatendrang" " " Tatendrang und Trieb"" Tatendrang und Lieb'" = " " Ein Wüstling ist auf dem Brunnenplatz festgenommen worden. Der Kaufmann Emil Stein aus der Blumenstraße hatte sich auf dem Rasen des Plates niedergelassen und er schenkte zwei Knaben einen Groschen, um dann mit ihnen hier nicht wiederzugebende Erzesse vorzunehmen. Dies geschah nachmittags in der vierten Stunde. Durch Passanten wurde dem schamlosen Treiben des Menschen schließlich ein Ende bereitet und St. der Polizei übergeben. Fichte" Der Arbeiter-SSngerbnnd BcrNnS und Umgegend hielt am Sonntag in der Brauerei Fricdrichshain seine Ausschutzsitzung ab. Aufgenommen in den Bund wurde der Verein»Frisch Voran". Röntgenthal. Wie alljährlich, so ist auch in diesem Jahre über die Be- teiligung der Vereine an der Maifeier eine Statistik geführt worden. Im vergangenen Jahre beteiligten sich von 101 Vereinen mit 2916 Mitgliedern 1899 Sänger, gleich 64,16 Proz. In diesem Jahre, soweit die Berichte aus den einzelnen Fcstlokalen vorlagen von 116 Vereinen mit 3662 Mitgliedern 2323 Sänger, gleich 69,07 Prozent. Die stärkere Beteiligung in diesem Jahre ist hauptsächlich dem Bestreben der Verschmelzung der kleinen Vereine zu grötzcren Chören zuzuschreiben. Da sich im vergangenen Jahre die im Schlotz Weitzensee be- findlichen Festräumlichkciten als zu klein erwiesen haben, ist in diesem Jahre der angrenzende Trianonpark, welcher gut 3000 Personen mehr beherbergen kann, dem Arbeiter-Sängerbund zur Abhaltung seines am 2. August stattfindenden Sängerfestes� mit zur Verfügung gestellt worden. Die Generalprobe findet am Freitag, den 31. Juli, abends, in der Brauerei Friedrichshain statt. Sängerfest des Arbeiter-SüngerbunbeS Berlins und Umgegend. Wie aus dem heutigen Inserat ersichtlich, ladet der Arbeiter- Sängerbund zu seinem diesjährigen Sängerfeste in Weitzensee am 2. August die Arbeiterschaft Berlins und Umgegend, insbesondere die Freunde des Gesanges und des Bundes ein. Nach uns gewordenen Mitteilungen sind alle Vor- kehrungcn getroffen, um auch dem grötztcn Andrang mit Ruhe ent- gcgensehen zu können. Andererseits weist das Programm Gesänge von Massenchören und Einzelchörcn, Jnstrumentalkonzert mehrerer Musikkapellen, Festzug usw. auf, und da die Fahrtverbindungen nach Weitzensee die denkbar günstigsten sind, so sind alle Be. dingungen gegeben, alle Teilnehmer des Festes auf ihre Rechnung kommen zu lassen und ein gutes Gelingen des Festes vorauszu- sagen. Auf der Sonne ist die Fleikcntätigkeit in der Abnahme be» griffen. Jedoch wird noch in den nächsten Tagen der durch die Rotation der Sonne immer weiter an den westlichen Rand rückende Sonnenflcck mit dem großen Fernrohr am Tage auf der Treptow- Sternwarte gezeigt. Nach Sonnenuntergang ist der Mond während der ganzen Woche in den frühen Abendstunden günstig zu be- obachten. Sonntag, den 2. August, nachmittags 5 Uhr, spricht Dr. F. S. Archenhold über:„Das Entstehen und Vergehen der Welten", und behandelt abends 7 Uhr die Frage:„Gibt es ein Leben auf dem Monde?" In dem Montagsvortrag abends 9 Uhr werden„Die jüngsten Erdbeben und vulkanischen Erscheinungen" in zahlreichen Lichtbildern vorgeführt. TaS Polizei-Prnsibium teilt mit: Am 27. d. M. ist im Ver- bindungökanal bei Plötzenfce die Leiche eines 12- bis lljährigcn Mädchen» gefunden worden. Dieselbe hat blondes Haar, grau- blaue Augen und gute Zähne und ist bekleidet mit rotbraunem Rock, einer blauen Hängeschürze mit bunter Borde, einem weißen Unterrock, einem weitzen Hemd und trägt in den Haaren eine rote Schleife, die Schuhe und Strümpfe fehlen. Das Mädchen dürfte beim Baden ertrunken sein. Ueber dessen Persönlichkeit hat sich bisher noch nichts feststellen lassen. Rekognoszenten wollen sich daher beim Gutsvorsteher in Plötzcnsce melden. Die Kriminal- Polizei sowie die Polizeireviere nehmen ebenfalls Meldungen zwecks Feststellung entgegen. Die BrcSlmicr Straße von der AndreaSstrahe bis zur Koppen- stratze seinschlietzlich Kreuzdamm) wird behufs Asphaltienmg sofort bis aus weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Vorort- JNfodmebteih Charlottenburg. Das neue Sparkaffenstatut. Der Z 26 deS Statuts der Spar lasse der Stadt Charlottenburg erhält folgende Fassung: Eine Zins Vergütung für Einlagen, die innerhalb 14 Tagen nach der Ein zahlung ganz oder teilweise wieder abgehoben werden, findet nicht statt. Die Zinsen werden von dem auf die Einzahlung folgenden Werktage ab bis zu dem der Rückzahlung vorhergehenden Werktage berechnet, wobei das Jahr zu 360 Tagen angenommen wird. Bei der Zinsberechnung sich ergebende Pfennigbruchteile werden für eine ganze Einheit berechnet, wenn sie einen halben Pfennig oder mehr betragen. Pfennigbruchteile unter einem halben Pfennig bleiben autzer Ansatz. Unterbleibt die Abhebung gekündigter Einlagen, so werden keine Zinsen über die abgelaufene Kündigungsfrist hinaus vergütet, solche vielmehr erst wieder nach Rücknahme der Kündigung gewährt. Rixdorf. Aus dem Untersuchungsgefängnis entflohen ist gestern der Einbrecher Richard Klomp. K. hatte einer Einbrecherbande an gehört, die besonders in den südlichen Stadtteilen ihr Unwesen trieb und die jetzt hinter Schlotz und Riegel sitzt. Mit seinen Komplizen war K. in dem Gerichtsgefängnis in Rixdorf unter» gebracht. Vor dort aus gelang eö ihm gestern, in einem un- bewachten Moment zu entfliehen. Ein„Mordversuch" gegen einen Polizisten. Die Stadt Rixdorf hat eine Polizei, die durch ihre Schneidigkeit kaum weniger berühmt ist als die der Haupt- und Residenzstadt Berlin. Aufsehen erregt in Rixdorf eine neueste Polizeileistung, die wohl alles bisher Dagewesene überbietet. Die Angelegenheit ist leider erst verspätet zu unserer Kenntnis gelangt. Am vorletzten Sonntag, 19. Juli, wurde im Hause Hermann- stratze 42 der Schankwirt Desselmann in seinem Lokal festgenommen unter der Beschuldigung, einen„Mordversuch" gegen einen Polizisten verübt zu haben. Ein halbes Dutzend Beamte, darunter zwei Polizeileutnants und eist Kriminalkommissar, waren aufgeboten worden, um sich Desselmanns zu bemächtigen. Was batte dieser Mensch, der offenbar ein„höchst gefährlicher Verbrecher" war, begangen? In der vorhergehenden Nacht hatte er an der Tür seines Lokals die Jalousie heruntergelassen, und hierbei wäre ein in der Tür stehender Polizist bei- nahe von der Jalousie getroffen worden. Beinahe! Besagter Polizist hatte in der Nacht zusammen mit mehreren ande- rcn Beamten sich Zutritt zu dem Lokal zu verschaffen gesucht, weil drinnen noch ein Verein sich größerer Lustigkeit hingab, als den Herren da draußen recht war. Herr Desselmann bemerkte die drautzenstehenden Beamten, die an der verschlossenen Tür klinkten. Da er befürchtete, daß die durchaus überflüssige und daher un- berechtigte Visite, die die Polizei dem Lokal abstatten wollte, unter semen Gästen große Erregung hervorrufen und zu unliebsamen Auftritten führen würde, so ließ er in raschem Entschluß die Ja- lousie herunter. Die Polizei sah in dieser Handlung, durch die sie einen ihrer Beamten gefährdet glaubte, einen—„M o r d v e r- such". Einen„Mordversuch", nicht mehr und nicht weniger! Und so gingen am anderen Tage in der Mittagstunde sechs Polizisten in das Lokal des..Mordversuchers" und griffen ihn aus der Mitte seiner Gäste heraus. Noch im Lokal wurde ihm sowie seiner Frau von einem der Beamten gesagt, der Grund der Festnahme sei die Jalousieaffäre. Diese werde als„Mordversuch" betrachtet; es sei D.'S Absicht gewesen, den m der Tür stehenden Beamten zu er- schlagen. Man sieht, welcher tollen Kombination ein Polizeihirn fähig ist. Mindestens ein„Mordversuch" mutz es gewesen sein, billiger tuts d,e Polizei nicht. D. wurde nun sofort auf das Polizeipräsidium gebracht und dort eingesteckt. Am Nachmittag des nächsten TageS— nach 26 Stunden, in denen er kein Mittagessen bekommen hatte, sondern nur zum Abend und zum Morgen mit je einer Schmalzstulle nebst Kaffee gespeist worden war— wurde D. demUntersuchungs- richtcr zugeführt. Der lachte nicht etwa über die Geschichte, sondern behandelte sie mit demselben Ernst, wie die Polizei es ge- tan hatte. Im Verhör erklärte D.. er habe die Jalousie herunter. gelassen, um einest Zusammenstoß zwischen der Polizei und seinen Gästen zu verhüten. Aber das half ihm nichts. Sein Antrag, ihn aus der Untersuchungshaft zu entlassen, wurde abgelehnt. Erst als der Rechtsanwalt, den Frau D. schleunigst als Verteidiger bestellt hatte, den Entlassungsantrag wiederholte, wurde am daraufsolgen- den Tage die Entlassung bewilligt. Fünf Tage hatte D. in Polizei- und Gerichtshaft zubringen müssen. Hinterher hat dann noch das edle„Rixdorfer Tage- b l a t t" genieint, der Polizei Ripdorfs einen Dienst zu erweisen, indem es die polizeiliche Darstellung und Auffassung dieses Vor- falles veröffentlichte. Das Blättchen erzählt, D. sei„wegen ver- suchten Totschlages"— das ist die einzige Abschwächung gegenüber der anfänglichen Auffassung der sogar einen„Mordversuch" wittern- den Polizei— in Untersuchungshaft genommen worden. Die Polizei habe in jener Nacht bei ihm„wegen anhaltenden wüsten Lärms" angeklopft, D. habe durch die„Klappe der Tür" geguckt. habe sie dann„schleunigst wieder zugeworfen", nunmehr habe die Polizei..energisch Einlaß begehrt". Schon hier stimmt einiges nicht; beispielsweise hat D. überhaupt keine„Klappe" an der Tür seines Lokals. Das„Rixd. Tagebl." fährt fort:„Boshafterweise Uetz jetzt der Wirt die schwere eiserne Rolljalousie herabsausen. Glücklicherweise wurde der unter der Jalousie stehende Polizei- beamte von einem zweiten Beamten, der das Manöver des Wirts durchschaut hatte, noch so rechtzeitig zurückgerissen, daß er unvcr- letzt blieb. Anderenfalls dürfte der Beamte wohl kaum mit dem Leben davongekommen sein, da ihm die schwere eiserne Jalousie den Schädel zertrümmert hätte." Schrecklich! Die guten Freunde. die die Polizei beim„Rixd. Tagebl." hat, Wissens ganz genau, was der„boshafte Wirt" mit seinem„Manöver" beabsichtigt hatte. Den Lesern des Blättchens wird die Haut geschaudert haben, als ihnen der Bericht über den grausigen„Moritatsversuch" vorgesetzt wurde. Nebenbei bemerkt: D. hat an der Tür seines Lokals eine Jalousie gewöhnlicher Art. eine schmale, hölzerne, leichte Jalousie. Dem Ende der ganzen Affäre sehen wir mit einiger Spannung entgegen. Wird der Untersuchungsrichter nicht doch noch dieses Produkt polizeilicher Ueberreiztheit schlietzlich lächelnd zu den Akten legen? Oder soll es erst noch einer Anklage- erhebung bedürfen, damit vor Gericht das Gespenst des„MoritatS- Versuches" in sein klägliches Nichts zerfließen kann? Treptow-Baumschulenweg. Die TrennungSfrage deS Wahlvereins Trcptow-Baumschulen- weg beschäftigte die letzte Mitgliederversammlung in Gegenwart zweier Mitglieder des Zentralvorstandes. Gründe und Gegen- gründe wurden lebhaft erörtert. Es soll versucht werden, den Zentralvorstand durch Vortragen der Gründe, die für Trennung sprechen, zu einer anderen Ansicht zu bringen. Schöneberg. Der Arbeitertnrnverein veranstaltet auch kommenden Sonntag wieder Kinderspiele auf dem städtischen Platz hinter dem Friedhof in der Maxstratze von 9—11 Uhr. Gleichzeitig wird auf die neugegründete Schülerabteilung hingewiesen. Der monatliche Beitrag beträgt 10 Pf. Die Turnübungen finden vorläufig jeden Mittwoch und Sonn- abend auf genanntem Platz statt. Zossen. Am Sonntag» den 2. August, feiert der hiesige Arbeiterturn- verein(M. d. A.-T.-B.) im Lokale des Herrn Kurzner sein 3. Stiftungsfest, verbunden mit Schauturnen und sonstigen Vorführungen. Die Zossener Arbeiterschaft wird gebeten, dieses Fest durch Besuch zu unterstützen, da sich doch der Turnverein der Arbeiterschaft zu ihren Festen stets zur Verfügung gestellt hat. Gericdts- Leitung. Ein Wahlrechtsdemonstrant» der'S der Polizei recht machen will» ist doch nicht sicher davor, gerade hierdurch sich auf die Anklage- bank zu bringen. Einem Sattler Schräder ist es so er- gangen. Am 9. I a n u a r hatte er an der WahlrechtSversamm- lung in der„Drachen bürg"(bei der Schlesischen Brücke) sich beteiligt, war dann nach Schlutz der Versammlung auf dem Heim» Wege am Schlesischen Tor in einen Zug von VersammlungS- teilnehmern hineingeraten und fand bald in der Köpenicker Stratze hinter der Zeughofstratze den Weg durch Polizei ge- sperrt. Es blieb der Menge nur übrig, in die links abgehende Zeughofstratze einzuschwenken, und das tat sie denn auch ohne weiteres, um einem Zusammenstoß mit der Polizei vorzubeugen. Einzelne Personen im Zuge riefen laut: „Links rum!", um zu verhüten, daß irgendjemand doch noch den Weg durch die Köpenicker Stratze fortzusetzen versuche. Auch Schräder beteiligte sich an diesen Rufen und zwar aus demselben Grunde. Da wurde er plötzlich von einem Schutzmann Lehnert gepackt und mit der spöttischen Bemerkung:„Vorläufig gehen wir erst mal rechts rum!" zur nächsten Polizeiwache gebracht. Selbst. verständlich kriegte Sch. hinterher sein Strafmandat; denn ohne Grund darf doch niemand sistiert werden. Er sollte— eine Woche Haft hinnehmen, weil er ruhestörenden Lärm und groben Unfug verübt habe, indem er laut geschrieen und der ruhegebietenden Polizei nicht Folge geleistet habe. Vor dem Schöffengericht, dem die Sache von Schräder zur Ent- scheidung unterbreitet wurde, konnte der„B e l a st u n g s z e u g e" Schutzmann Lehnert nur aussagen, daß Sch.„Links rum!" gerufen habe. Ob er Sch. überhaupt aufgefordert hatte, ruhig zu sein, das wußte Lehnert selber nicht. Daraufhin mutzte sogar der Amtsanwalt die Freisprechung beantragen, die denn auch vom Gericht beschlossen wurde. Zu Schräders grötzter Verwunderung wurde gegen dieses Urteil hinterher von der Amtsanwaltschaft Berufung eingelegt. Gestern stand Termin vor der 9. Strafkammer Landgerichts l Berlin, die als Berufungsinstanz zu entscheiden hatte. In der Verhandlung wurde kein einziges neues Moment vorgebracht, der Angeklagte gab für sein Verhalten dieselbe Erklärung wie in der ersten Instanz, dieselben Bekundungen wie in der ersten Instanz wurden von dem Schutzmann gemacht. Trotzdem beantragt- der Anklagevertreter Schuldigsprechung und Ver- urteilung zu 20 Mk. Geldstrafe, weil Sch. immerhin d i e öffentliche Ordnung dadurch gestört habe, daß« die Menge in eine bestimmte Straße hineinzu- dirigieren versucht habe. Der Verteidiger, Rechts- anwalt Roth, hob hervor, hierfür sei die Polizei dem Angeklagten sogar zur Dank verpflichtet gewesen, und gerade im Hinblick auf diese Absicht des Angeklagten habe in der ersten Instanz der Anklagevertreter selber die Freisprechung beantragt. Die Berufung sei zu verwerfen, auch seien dem Angeklagten die Kosten der Ver- teidigung in zweiter Instanz zu ersetzen. DaS Gericht kam zu dem Urteil, die Berufung sei zu verwerfen, eS bleibe also bei der Freisprechung. Man dürfe dem Angeklagten glauben, daß er nur einen Zusammen st otz mit der Polizei verhüten wollte. Doch seien ihm die Kosten der Verteidigung nicht zu ersetzen. Man sieht, wie es einem WahlrechtSdemonstranten ergehen kann, wenn er'S der Polizei recht machen und mit dazu beitragen will, datz die öffentliche Ordnung nicht gestört wird. Richtcrsäuglinge vor Gericht. Eine Duellaffäre beschäftigte gestern die 2. Ferienstraftammer des Landgerichts III. Wegen Herausforderung zum Zweikampf waren die Studenten der Rechte Paul Schellack und Bruno S e n k p i e l angeklagt, während sich der Studiosus Johann Hahn wegen Kartelltragens verantworten mutzte.— Dre Anklage liegt folgendes zugrunde: Ter Angeklagte Schellack steht in verwandtschaftlichen Beziehungen zu der Familie eines Fabrikanten, dessen Tochter mit dem Assistenten Raabe aus dem Königlichen Meteorologischen Institut verlobt ist. Dieser hatte sich als Assistent des Professors Siering ausgegeben und sich unter dem Doktortitel in die Familie eingeführt. Anfangs September vorigen Jahres tauchten dem Angeschuldigten Schellack Bedenken auf, ob die Angaben des Raabe völlig der Wahrheit entsprechen. Er ging zu dem Professor Siering und erfuhr, datz R. wohl als Assistent angestellt sei, nicht aber den Doktortitel besitze. Schellack richtete deshalb an Raabe ein Schreiben, in welchem er um eine Erklärung seines eigenartigen Verhaltens ersuchte. Am 21. Oktober erhielt S. von Raabe einen in ironischem Tone gehaltenen Brief, welcher die Anrede:„Meine lieben Herren" enthielt. In diesem Schreiben gab R. dem Angeklagten den guten Rat, er solle sich an ein Detektiv- burcau wenden, welches iür 20 M. jede Auskunft über ihn gebe. Der Ton des ganzen Briefes veranlatzte S., sich in Begleitung des Mitangeklagten Senkpiel zu Raabe zu begeben und ihn aufzu» fordern, die in dem Briefe enthaltenen Beleidigungen zurückzu- nehmen. Als Raabe sich weigerte, wurde er von Schellack g c- ohrfeigt. Am nächsten Tage überbrachte der Angeklagte Hahn eine Forderung des S. auf Säbel und eine zweite Forderung auf Pistolen bei 15 Schritten Distanz und zweimaligem Kugel- Wechsel. Raabe erklärte sich bereit, die Forderung anzunehmen, verlangte aber eine schriftliche Fixierung, da dies von seiner Ver- binduug verlangt werde. Vor Gericht erklärte der Zeuge Raabe, er habe mit„Verbindung" seine Verbindung mit seinem Schwiegervater gemeint. Zu einem Zweikampf�kam es nicht, da schon vorher von einer Seite Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet worden war.— Das Gericht erkannte gegen Schellack auf 2 Wochen Festungshaft, gegen Senkpiel auf 1 W o ch e und gegen Hahn auf einen Tag Festungshaft. Der Staatsanwalt hatte gegen Schellack 2 Monate, gegen Senkpiel 1 Monat und gegen Hahn 3 Tage Festungshaft beantragt. Ein nächtlicher Kampf zwischen einem Kriminalbeamten und Ransboldcn lag einer Anklagesache zugrunde, welche gestern die 2. Ferienstraf» kammer des Landgerichls l beschäftigte. Wegen gemeinschaftlicker gefährlicher Körperverletzung waren angeklagt: der Gelegenheits- arbeiter Karl Lange, der Möbelpolierer Rochus V i n c z e n s und der Sckilächtergeselle Max Seidel. In der Nacht zum 19. Januar dieses Jahres ereignete sich in der Landsberger Allee eine wüste Szene. Der 31jährige Kriminalschutzmann Otto Steife kam gegen 11 Uhr nachts aus dem Dienst und verließ an der Ecke der Lands- berger Allee und der Petersburger Stratze die Slratzenbahn. Vor dem in der Nähe seiner Wohnung gelegenen BergnügungS« lokal„Elysium" traf er mehrere halbionchsige Burschen in einer wüsten Scklägerci, bei welcher Sckilagring und Messer eine grotze Rolle spielten. Einer der Beteiligten, ein gewisser Pätzcl, war von seinen Widersachern zu Boden geworfen und wurde mit Stiefelabsätzen und Schlagringen bearbeitet. Steife wollte dem Bedrohten Hilfe bringen und befreite ihn aus seiner gefährlichen Lage. Im Nu wandte sich die ganze Gesellschaft gegen ihn. Mehrere der Rowdys schlugen mit Gummi- schlauchen und Schlagringen auf ihn ein. Als Steife schlietzlich zu Boden geworfen wurde und die Burschen ihn mit Fußtritten traktierten, konnte er sich nicht mehr anders helfen, als seine Browningpistole zu zieben. Auch dies schreckte die Strolche noch nicht zurück. Als schlietzlich die Lage des Stelse immer gefähr- licher wurde, gab er auf seine Angreifer mehrere Schüsse ab. Erst jetzt konnte sich der aus zahlreichen Wunden blutende Beamte auftichten. Drei seiner Angreifer waren schwer verletzt worden, der 25jährige wohnungslose Gelegenheitsarbeiter Wilhelm U t t e ch t, einer der schlimmsten RowdtiS, hatte einen Schutz durch den Unterleib erhalten und wurde sofort nach dem Krankcnhause am Friedrichshain geschafft, wo er am nächsten Tage verstarb. Der Kriminalschutzmann Steife hatte ebenfalls schwere Verletzungen erlitten; es stellte sich, da er Fußtritte gegen die Brust erhalten hatte. Blutspeien heraus, so datz St. mehrere Wochen auf dem Krankenlager zubringen mutzte.— Als die Hauptattentäter wurden die beiden Angeklagten Lange und Vinczens ermittelt. Gegen Seidel wurde die Verhandlung vertagt. Gegen Vinczens lautete das Urteil auf ein Jahr und drei Monate. gegen Lange auf neun Monate Gefängnis. Wieder ein Lehrer als„Kinderfreund". Die Hirschberger Strafkammer hat den 3b Jahre alten lcdigen, sehr frommen Lehrer Alfted Engel aus Krobsdorf, Kreis Löwen- bcrg, zu drei Jahren Gefängnis und gleich langem Ehrverlust ver- urteilt, weil er im Amte sich in über 100 Fällen an den ihm an» vertrauten Schulmädchen unsittlich vergangen hatte. Als straf- mildernd wurde erachtet, datz Engel nach ärztlichem Gutachten stark sinnlich veranlagt ist._ Vermischtes. Unwetter. Mittwoch abend richtete ein Wolkenbruch im Unterinntal bei Innsbruck grotzen Schaden an. Die Gemeinden Voldens und Wattens sind überschwemmt, Bad Mehrn bei Brizlegg wurde vom Alpbach zerstört. Im Zillertal wurden in der Gemeinde Hart zwei Häuser demoliert, ein Hau« wurde weggerissen. Man spricht von 16 Toten. Der Betrieb der Zillertalbahn ist unterbrochen. Im Hintertaunus hat das am Mittwochabend niedergegangene Gewitter in der Richtung nach Schmitten und Weilwau grotzen Schaden angerichtet. Durch den heftigen Sturm wurde das Obst von den Bäumen geschleudert. Die Hagelkörner, welche in Größe von Haselnutzkörnern niedergingen, zerschlugen die Kartoffeln, Gemüse usw. vollständig. Auch die Wetterau wurde von dem Un- Wetter schwer heimgesucht. Auch im Mittelharz gingen in den letzten Tagen schwere Ge» Witter nieder..Der Blitz zündete an verschiedenen Stellen. Ein Gebäude der Stolzenberger Försterei, der„Sophienhof", verbrannte mit 500 Zentnern Heu durch Blitzzündung. Acht Personen wurden vom Blitz getroffen._ Aus LiebeSgram hat sich in Hoya(an der Weser) ein Schlosser« geselle, der von seiner Braut eine Absage erhalten hatte, erschossen Wasserstandö-Nachrtchteu der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Weticrburean. vasserstand M« m e l, Tilsit V r e g e l, Jnstcrburg ZSeichsel. Thorn Oder, Ratibor , Krossen , Franks urt Warthe. Schrimm , Landsberg Netze, Vordainm Elbe, Leiiineritz , Dresdeu a Bardo . Magdeburg Vasserstand Saal«, Grochlitz Havel, Spandaus , Rathenow') Spree, Spremberg') Beeskow Weser, Münden Minden Rhein, MaximilianSa» , Kaub . Köln Neckar. Heilbronu Main. Wcriheim Mosel. Trier ') ff- bedeutet Wuchs.— Fall.—*) UnterSegei. Die Weichsel ist bei Thorn heute bis aus 4l2 om gestiegen und wird. wie nach den aus dem Auslände eingettossencn Meldungen zu schlichen ist, wahrscheinlich noch weiter steigen.■ ___ Die O d« r ist bei Ratibor heute bis aus 236 cm gesallen._ Verantwortlicher Redakteur; Georg Tavidsohn, Berlin. Für denJnseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW,