Nr. 179. Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis pranumerando Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. numumer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Big. Bost. bonnement: 1,10 Mart pro Monat, Eingetragen in die Post- Beitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblaff. 25. Jahrg. Die Infertions Gebühr Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile. oder deren Raum 50 Pfg., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Big. Stellengesuche und Schlaf Stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pig., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den 2. August 1908. Die Schlacht von Villeneuve. feſtgeſtelli werden, Paris, 31. Juli.( Eig. Ber.) " " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. . Ordnungskanaille. 9 „ Es gibt ein wütendes Handgemenge. Die Dragoner schlagen. mit den Kolben drein. Die Offiziere haben ihren Revolver in der Faust. Von den Fenstern aus ermutigt man die Soldaten. Man ruft ihnen zu:" Verfehlt fie nicht! Vorwärts! Mut! Nur ordentlich los!" Vor einem Verwundeten, den man vorüberträgt und dem das Blut vom Kopf rieselt, flatschen Frauen in die Hände. Ein Zuschauer will ihnen Ruhe gebieten:" Etwas Mitleid für einen Verivundeten." Sie aber erwidern: Ach was, die Kanaillen. Sie haben sich's verdient!" Theorie gefallen sind, die auch den Lebenden weiteren Paris, 1. August.( Privatdepesche des Vorwärts".) Schaden bringt. Um der geschichtlichen Wahrheit willen Bisher wurden arretiert die Sekretäre der Konföderation muß daß der Eintagsstreit bon Pouget, Griffuelhes, Yvetot, ferner vier Gewerkgestern nur dem Namen nach ein Proteststreit" und mit der schafter, darunter der Sekretär der Nahrungsgewerbe, ersten, schon zwei Monate zurückliegenden Füsillade von Bousquet, sowie Dret, der Sekretär der Lederarbeiter, Draveil nur in einem äußerlichen Zusammenhange stand. der, vorgestern verwundet, im Spital liegt. Die KonfödeDer Demonstrationsstreit der Bauarbeiter hat zu einem In Wirklichkeit war er wie der Konföderationsekretär ration fonstituierte ein provisorisches Bureau. Stark ist die schrecklichen Zusammenstoß zwischen dem Proletariat und der Griffuel hes gestern im„ Matin" selbst erklärt hat ein Agitation für den Generalstreit am Montag. Die Buchdrucker Staatsmacht. Im Gebiet von Draveil sind die aus Paris erster Versuch der berühmten revolutionären Gym- fordern zum Sympathiestreit am Tage der Beerdigung zu einer Rundgebung zusammengeströmten Arbeiter mit nastik" der Syndikalisten, die in immer weiter der erschossenen Arbeiter auf. von der Regierung aufgebotenen Militärmassen in ausgreifenden Streikunternehmungen auf den die Exeinen Kampf geraten, der in seinem Umfang und in propriation der Kapitalistenkasse verwirklichenden GeneralFortdauer des Streifs. seinen taktischen Formen an einen Krieg zwischen zwei streit aller Berufe lossteuern will. Syndikalistische Paris, 1. August. Auf der Arbeiterbörse waren heute Feldarmeen heranreicht, während die unbarmherzige Theoretiker haben entdeckt, daß dieser Generalstreik, wenn er 150 Syndikatssekretäre versammelt; es wurde ein Grausamkeit, die wahnsinnige Leidenschaft, womit er geführt vielleicht auch in der geschichtlichen Wirklichkeit nie eintreten neues Bureau eingesetzt und erklärt, es feien alle Maßwurde, die charakteristischen Merkmale des Bürgerkriegs werde, als ein„ Mythus" wirke, der allein im Proletariat die nahmen getroffen, um sämtliche Korporationen am Montag zeigen. Im Dorf Villeneuve- Saint- Georges hat dee des Klassenkampfes lebendig erhalten und dieses von morgen in den Generalaus stand eintreten zu lassen. die Straßenschlacht mit unüberbietbarer Wut getobt. Hinter dem Verfaulen in demokratisch- reformistischer Parlamentlerei Das Generalfyndikat der Zeitungsseger entschied sich primitiven Barrikaden hielten die Arbeiter dem Salvenfeuer retten könnte, wie denn auch die Taktik der Gewalt unwiderruflich für Niederlegung der Arbeit in der der Armee, der sie an Feuerwaffen nur armselige Revolver notwendig sei, um in der Arbeiterklasse eine heroische Nacht vom Sonntag auf den Montag, die Vereinigung des entgegenzusehen hatten, mit außerordentlicher Zähigkeit Gesinnung auszulösen. Als ob der zwischen den Personals der städtischen Gasarbeiter von Paris beschloß, der stand, ungeachtet der Toten und der zahllosen Ver- Klassen fließende Blutstrom, der sich täglich aus Bergwerken Regierung ihre Miß billigung auszudrücken; die Familien wundeten, die sie in ihren Reihen zusammenfinken und Werkstätten sammelt, eines Zuflusses von Schlachtfeldern der Opfer des Ausstandes sollen von ihr unterstügt werden. jahen. Die Berufsmilitärs, die ihnen gegenüberstanden, bedürfte, auf denen sich schier wehrlose Arbeiter zum wahnDie, Auflösung unmöglich. Lonnten bei ihnen die spezifischen Tugenden des wißigen Stampf gegen die Soldatesta stellen! Herrliche französischen Soldaten wahrnehmen: den stürmischen Elan und Theorien der Studierstube, die ohne Verständnis für das Ministerkonferenz auch die Frage der Auflösung des AllParis, 1. August. Wie verlautet, wurde in der gestrigen die verbissene Hartnäckigkeit, sobald erst einmal der Augenblick reicherfüllte Leben des sozialistischen Arbeiters, der in täglichen gemeinen Arbeiterverbandes erörtert. Wehrere Minister der Panit überwunden war. Aber auf der anderen Seite Mühen am Organisationswert seiner Klasse schafft, einen wieſen darauf hin, daß der Verband eine den gesetzlichen Formen dürfte gestern der Glaube an die Wirksamkeit der bisherigen Verzicht auf das große Handeln zu sehen glauben, weil das entsprechende Vereinigung sei, wenn auch seine Tätigkeit eine durch antimilitärischen Propaganda beträchtlich erschüttert worden auf das Welttheater übertragene Bedürfnis nach dramatischer aus gefezwidrige sei. Man würde nicht verhindern fönnen, daß sich fein. Das Militär und nicht nur die Offiziere, Spannung zu furz kommt! auf Grund derselben Satzungen ein neuer Verband bilde. sondern auch die Mannschaft hat eine schonungs- Die Frage, ob die syndikalistischen Methoden der OffenNach einer Mitteilung des Kriegsministers sind bei dem gestrigen Loſe Wildheit an den Tag gelegt, für die einem der fivkraft des Proletariats besser als die von der jozia- Zusammenstoß in Villeneuve 69 Offiziere und Soldaten verwundet Name fehlt. Es soll sicher nicht geleugnet werden, listischen Internationale anerkannten dienen, dürfte freilich worden. daß es ihnen an manchen Orten außerordentlich schwer ge- im Augenblick hinter der anderen zurücktreten, wie die Armacht wurde, ihre Staltblütigkeit zu bewahren, und man berbeiterklasse am besten ihre defensiven Kräfte sammelt. in der Bourgeoisie der tüdisch- feige Haß gegen das ProleDie blutigen Ereignisse in Villeneuve haben gezeigt, daß steht es, daß die Soldaten, als erst die Steine, die Ziegel, Denn alles deutet darauf hin, daß das französische Proletariat, der 1848 in der Junischlacht und 1871 nach der Niederdie Bretter und die Revolverfugeln von den Barrikaden, den tariat einen konzentrierten Angriff aller Baugerüsten, aus den Fenstern und von den Dächern auf sie bürgerlichen Parteien auszuhalten haben wird. werfung der Stommune ſeine Orgien gefeiert hat, noch unniederprasselten, die Besinnung verloren und nach allen Seiten Noch weiß man nicht, gegen wen sich die angekündigte straf- geschwächt fortlebt. Man lese nur, was der großkapitalistische schossen. Empörend aber ist es, daß diese But sich auch nicht gerichtliche Verfolgung, die Anwendung des Aufruhrpara-- Schilderung des gestrigen Barrikadenkampfes berichtet: " Temps", also sicher der unverdächtigste Zeuge, in seiner legte, als der Widerstand der Arbeiter schon ermattet war; graphen auf die Anstifter" der gestrigen Kundgebungen daß Fliehende niedergeknallt und niedergefäbelt richten wird. Aber die Haltung der ganzen bürgerlichen wurden, daß Verwundete, die am Boden lagen, Fuß- Bresse der fortgeschrittensten radikalen mit inbegriffen, tritte in den Stopf betamen, daß in Keller gezeigt, daß die Arbeiterschaft vollständig isoliert ist und daß schossen wurde, wo sich die fliehenden Arbeiter mit den Gewaltstreiche gegen ihre gewerkschaftlichen Organisationen geängsteten Ortsbewohnern zusammendrängten. Die ,, Humanité" nur bei ihr selbst Widerstand finden würden. Den Opfern bezeichnet heute einige Offiziere, die ihren Leuten, statt sie zu der Ordnungsfurie wird zwischen frechen Verleumdungen beruhigen, das übelste Beispiel gegeben haben, mit Namen kaum ein heuchlerisches Wort des Mitleids gezollt, das Militär und sicher hat gestern die Sucht nach blutigen Striegstaten, aber wird mit Lobpreisungen und Schmeicheleien überhäuft wie der brutale Klassengeist mancher Offiziere eine Rolle ge- wie einst nach der Abschlachtung der Kommunarden. Die spielt. Aber wichtiger als die Frage nach der Verantwort heutige Verhandlung gegen einige Demonstranten, denen für schlecht ebenbürtige Bekenner humaner Bürgermoral gefunden. Die edle Damenwelt hat aber auch im anderen Gelichkeit für die Episoden des Kampfes ist diejenige, die nach Beleidigung von Gendarmen Gefängnis bis zu 4 Monaten Der Berichterstatter der Humanité" hat einen Bourgeois den Schuldtragenden des Bluttages überhaupt ausblickt. Als unmittelbar Schuldige fallen da zunächst der nicht minder wie das infame Verhalten der Bourgeoisweiber Tauernd, in den Haufen der Arbeiter hineinzudiktiert wurde, offenbarte die Wut der regierenden Klasse wahrgenommen, der, hinter den Rolläden seines Hauses Präfekt und der tommandierende General ins von Villeneuve, das der großkapitalistische Temps" schildert. cho B. Auge, die beide ihren Aufgaben nicht gewachsen waren. Der Dem Proletariat stehen auch schwere wirtschaftliche Kämpfe daß s Der Mann hatte also nicht genug daran, Präfeft Autrand hat zweifellos persönlichen Mut gezeigt, bebor, vor allem die Aussperrung der Erdarbeiter. Ist es Heil der bürgerlichen Ordnung auf ihre Klassengenossen die zum Militär eingezogenen Proletarier zum aber er verlor in dem aufregenden Wirrwar bald den Kopf gerug gerüstet, um dem Sturm siegreich standzuhalten und Salvenfeuer abgaben, er wollte noch sein verstecktes, privates und wenn Genosse Renaudel, der in seiner Nähe stand, den noch nicht weit vorgerückten Bau seiner Organisationen Jagdvergnügen haben. Schließlich kommt das Schießen auf nicht in einem fritischen Augenblick einen energischen Appell zu schützen? Man spricht vom General streif. Die Em- Arbeiter ja auch billiger, als wenn man einem Klub für an ihn gerichtet hätte, wäre das Gemehel schon früher an- pörung über die gestrige Schlächterei wird vielleicht manche Taubenschießen beitritt. Doch wer kennt die Psychologie des gegangen und hätte noch mehr Opfer gefordert. General Birvaire aber behandelte seine Aufgabe wie ein militärisches solchen Ereignissen ist auch sicherlich ein Generalstreik am daß die Einkommensteuer der Kommunismus sei, und der nun der großen gewerkschaftlichen Verbände dazu treiben. Nach Helden? Vielleicht war's nur ein Rentier, der gelesen hatte, Schulthema, ohne Rücksicht auf die Psychologie der Massen, Blak, nicht als ein revolutionäres Manöver", sondern als um seine Steuerfreiheit kämpfte.... die ihm gegenüberstanden, mit einer falten Routine, ohne eine, aus feiner Theorie, sondern aus der Gesinnung geGeschicklichkeit und namentlich auch ohne menschliche Rücksicht. Doch waren sie beide nur ausführende Bert borene, warnende Kundgebung des solidarischen Protestes der Doch waren sie beide nur ausführende Werk Arbeiterklasse. Kommt er nicht zustande, so hätte man darin zeuge eines höheren Willens. Die gestrigen Ereignisse nur den Beweis zu sehen, daß die syndikalistische Propaganda waren sicher nicht leicht aufzuhalten, Zusammenstöße mit den Kampfgeist des französischen Proletariats eben doch nicht den zum großen Teil durch einen dreistündigen Marsch in der über den der verachteten, auf wirtschaftliche Macht bedachten Den Kriegshehern, die jetzt im Deutschen Reiche so eifrig an Mittagsglut überreizten Arbeitern wohl nicht so einfach zu Gewerkschaften anderer Länder erhoben hat. Daß ein über der Arbeit sind, hat vor kurzem schon der preußische General der vermeiden, aber daß sie einen so furchtbaren Charakter an eine Demonstration hinausgehender Generalstreit derzeit auf Infanterie 3. D. von Blume in den„ Vierteljahresheften für genommen haben, ist ganz offenbar auf die Absicht ein Gelingen nicht zu rechnen hat, darüber werden sich wohl Truppenführung und Heereskunde" einen vom Vorwärts" teilweise Clemenceaus zurückzuführen, den Arbeitern den auch die syndikalistischen Generalstreiftheoretiker nicht wiedergegebenen Dämpfer aufgesetzt.*) Dabei hat Herr v. Blume „ Herrn zu zeigen", der Staatsautorität einen täuschen. Er würde nicht einmal die Lebensgewohnheiten die Sache insofern sehr gelinde gemacht, als er die Jahrestosten eflatanten Sieg zu verschaffen. Hätte man für die von der Kapitalisten stören, da diese mit ihren Familien längst eines vom Deutschen Reiche mit voller Macht geführten Krieges der Bauarbeiterschaft vorbereitete Stuntdgebung eine ge die Hauptstadt verlassen haben und durch die Schädigung im ganzen nur mit 7200 Millionen Mark annahm, obwohl er ein wisse Freiheit gelassen, hätte man nicht die Arbeiter auf des Fremdenverkehrs die sozialreaktionär verbohrten Klein Aufgebot von 4 750 000 Mann voraussette. Da erfahrungsgemäß ihrem Marsch von verschiedenen Seiten angegriffen, so bürger noch wütender machen. In der von der Gesellschaft" in einem europäischen Krieg, der in kultivierten Gebieten zum Aushätten auch die Hitzköpfe und die anarchistischen Radaubrüder, verlassenen Stadt und in den Parlamentsferien, wo feine trage fommt, auf den Kopf der mobilisierten Wehrmacht durchdie sich unter den Demonstranten befanden, die Besonneneren sozialistische Opposition Rechenschaft fordern kann, hätte die schnittlich pro Tag 6 M. Kosten treffen, so würde Deutschland nicht nicht so leicht mit fortreißen können. Clemenceau ist flug Regierung überdies bei den gewalttätigen Maßregeln gegen nur 7, sondern nahezu 10½ Milliarden in einem Jahre brauchen. genug, um das zu wissen. Er hat also einen entscheidenden die Arbeiter freie Hand. Hoffentlich wird das Pariser Prole- Wir wollen nun dem Dämpfer des Herrn v. Blume einen Schlag führen wollen. Waren die Leute, die die Arbeitskonföderation führen, gut finden, die Pläne seiner Feinde zuschanden zu machen und aus des ersten Teiles der" Strategischen Briefe" des Generals der tariat in diesen Tagen der Trauer und des Zornes die Kraft weiteren hinzufügen, indem wir ein paar Stellen aus dem Schlusse beraten, als sie ihm dazu die Gelegenheit boten? Es wird dem Abscheu vor dem Blutregiment der Bourgeoisie leiden- Infanterie Prinz Kraft zu Hohenlohe Ingel. einem nicht leicht, in einem Augenblick, wo die Arbeiterklasse schaftliche Entschlossenheit zum beharrlichen Kampf für die fingen, der im Jahre 1870 die Artillerie des preußischen Gardeüber die vom Klassenstaat hingestreckten Opfer flagt, diese Befreiung zu gewinnen. peinliche Frage aufzuwerfen. Aber das Proletariat hat ein Recht darauf, auch in tragischen Situationen die Stimme der sozialistischen Kritik neben der des Gefühls zu bernehmen und es wird wohl schon durch die nächsten Ereignisse zum Nach denken darüber geführt werden, ob die Gefallenen bon gestern losgelassen. Die Regierung scheint entschlossen, den glorreichen notwendige Opfer im Stampf zwischen Sapital und Arbeit Sieg ihrer Armee gründlich ausnüßen zu wollen und einen waren, ob ihr Tod der Sache des Proletariats nügt schweren Schlag gegen die Drganisationen zu planen. Die oder ob sie nicht am Ende als Opfer einer falschen Telegramme melden: Der weiße Schrecken. In Paris sind alle Furien bürgerlichen Arbeiterhaffes Tochmals gegen die Kriegshetze. " forps fommandierte, zitieren. Da ist zu lesen: Wenn ich mir so recht klar mache, wie sch onderstrate= gische Aufmarsch den Keim zum Siege oder zur Niederlage in sich trägt, so erscheint mir ber Anteil des Einzelnen am Siege verschwindend gering. War er doch während des strategischen Aufmarsches michts als ein Frachtgut auf der Eisenbahn oder doch ein Atour der willenlosen, großen Maschine. *) Siehe Nr. 165 des„ Bortvärts". Nichts kill mit SSfln lächerlicher Bötlotnmeft, als die stolze Äeberhebung, mit der sich wohl einzelne brüsten und der voll führten Heldentaten rühmen. Was berechtigt sie denn zu der Annahme, daß der Gegner in gleicher Lage nicht noch mehr ge- leistet haben würde, wenn doch der Erfolg in der Haupt- fache von der ober st en Heeresleitung abhing. Bei aller Bewunderung der unvergleichlichen Bravour, mit der unsere Infanterie den Roten Berg bei Spichcren erklomm und festhielt, mit der die Infanterie bei Vionville-Mars la Tour immer und immer wieder zum Angriff schritt, mit der die Garden bei St. Privat den kahlen, L000 Schritt weiten Hang zum Dorfe durchstürmtcn, und aller anderen Taten unserer braven Ig- fanterie, kann ich doch nicht unterlassen, auch der zähen Ausdauer der französischen Infanterie gerecht zu werden, ihrer Bravour im Angriffe, ihrem Ertragen der Leiden bei der Einschlietzung von Metz. Jener französische Oberst, den ich in der Schlacht von St. Privat dreimal mit eingestemmtem Arm langsamen Schrittes auf seinem Grauschimmel die Front der Tirailleure entlang- reiten sah und der zuletzt verwundet in unsere Hände fiel, hat an llnerschrockenheit und kaltem Blute hinter keinem unserer trefflichen Stabsoffiziere zurückgestanden. Wer will sich unterfangen und sich Keffer dünken als die un glücklichen, aber braven Infanteristen der alten kaiserlichen Armee 1870, weil sie die Waffen in Metz strecken und vor ihm als Gefangene vorbeimarschieren mufften.... Ich bin weit entfernt, den deutschen Kanonieren die Tüchtig- keit und Hingebung in der Schlacht zu bestreiten. Ich bin zu oft Zeuge von ihrer Ausdauer und gezwungen gewesen, diejenigen zu loben, die unter meinen Befehlen gestanden haben. Aber ich bin auch genötigt gewesen, die Entschlossenheit und Hingebung der französischen Artillerie anzuerkennen, die, nachdem sie vor unse- rem überlegenen Feuer das ihrige hat einstellen müssen, dennoch sofort wieder erschien und von neuem kämpfte, sobald unsere Infanterie bei St. Privat zum Angriff antrat." Soweit Prinz Hohenlohe. Wer garantiert denn den Kriegs- Hetzern, daß die deutsche Armee in einem künftigen Kriege zwischen dem Deutschen Reiche und Frankreich wieder den besseren strate- gischen Aufmarsch haben wird? Ob der Stratege, der ein Millionen- Heer richtiger zu verwenden versteht, in Berlin oder in Paris ist, weiff niemand. Darüber kann Wohl kein Zweifel sein, daß die Führung der modernen Massenheere der Strategie neue Aufgaben stellen wird, die zu lösen ebensogut einem französischen General vor- behalten sein kann, wie einem deutschen. Freilich sind die momen- tanen militärischen Verhältnisse im Deutschen Reiche nicht be- sonders günstig für die Züchtung hervorragender Generäle. Die fortwährenden Absägereien sorgen dafür, daß den deutschen Offi- zieren« die Unternehmungslust, die Selbständigkeit, das Durch- fechten der eigenen Meinung nur zu leicht abhanden kommt. Wer die moralischen Ingredienzen zu einem bedeutenden militärischen Führer in sich hat, z. B. Am große Portion Eigenwilligkeit, einen gewissen Trotz, Gleichgültigkeit gegen Paradedrill und sonstigen Formelkram, Selbstbewußtsein, hat in der deutschen Armee keine besonders guten Aussichten. Abgesehen davon würden bei der obersten Führung der deutschen Armee im Kriegsfalle gewisse satt- sam bekannte Verhältnisse, die auch nicht günstig genannt werden können, eine große Rolle spielen. Was würde dem Deutschen Reiche ein Generalstabschef von den Qualitäten eines Napoleons helfen, wenn er nicht nach seinen eigenen Plänen arbeiten könnte? Aber mag den größeren Feldherrn besitzen wer will; auf jeden Fall kann Deutschland nicht hoffen, daß die französische Armee in der Zukunft wieder eine so erbärmliche Mobilmachung und einen nicht minder erbärmlichen strategischen Aufmarsch vollsiihren wird wie 1870. Auch ist diesesmal kein französischer Imperator da, der den Feldherrn mimt, obwohl er von der Kriegführung vcr- flucht wenig versteht. Ferner hätten die französischen Sperrforts beim Einmarsch der Deutschen in Frankreich ein gewichtiges Wort mitzureden. So pomadig wie 1870 kämen die deutschen Armeen nicht mehr über die französische Grenze. 'Auch die im Jahre 1870 am Anfange deS Krieges auf deutscher Seite vorhandene große Uebermacht wäre in einem Zukunftskricg nicht mehr zu erwarten. Im Jahre 1870 begann Deutschland den Krieg mit einer nahezu doppelten Uebermacht. Daran wäre im Hinblick auf die russisch-französische Allianz nicht mehr zu denken. Selbst wenn Rußland nicht selbst die Waffen ergreifen würde, so müßte das Deutsche Reich, um für alle Fälle gerüstet zu sein, an der Ostgvenze große Truppenmassen zurücklassen. End- lich muß man noch bedenken, daß die Franzosen im letzten deutsch- französischen Krieg vom Unglück verfolgt waren, während die Deutschen ein seltenes Glück hatten. Die verehrlichen Kriegshetzer mögen bedenken, daß ein bc- wäffneter Konflikt mit Frankreich vielleicht anders verlaufen würde wie der letzte. Darüber sind sich alle e r n st e n militärischen Fachmänner einig. Es würde ein furchtbares Ringen werden, an dessen Ende Deutschland, wenn überhaupt Sieger, keine solche Zeche machen könnte wie 1871! Sie csge der Bauern in der Cürltel. „Ungeheure Strecken des fruchtbarsten Landes— sagt Elisse R 6 c l u s in seiner«Geographie Universelle"— liegen in der Türkei unbebaut; man weiß nicht einmal, wem sie ge- hören. Wehe aber dem, der es wagt, ein Stückchen dieses unnütz liegenden Landes in Bau zu nehmen: sogleich er- scheint auf der Oberfläche irgend ein Pascha, der das neu- bebaute Land für sein Eigentum erklärt". Von Widerstand gegen diese Ansprüche kann natürlich keine Rede sein, da der angebliche„Eigentümer" entweder über die örtliche Polizei oder über eine zahlreiche, in der Regel bewaffnete Diener- schaft, verfügt. Oft erhebt auch die Kirche Ansprüche auf neubÄautes Land. Derjenige also, der ein neues Stück Land zu bebauen wagt, weiß im voraus, daß er am Ende zum einfachen Pächter eines Privatbesitzers oder der Kirche werden würde, also in dieselbe Lage kommen würde, in der sich fast die ganze Bauernschaft befindet. Wahrhaftig keine beneidenswerte Lage! In der Regel darf der türkisHe Bauer nur seine Wohnung und höchstens noch den kleinen Hausgarten fein Eigentum nennen. Auf dem Ackerlande ist er nur erblicher Pächter, der durch verschiedene Abgaben und Steuern so be- lastet ist, daß er kaum sich und seine Familie zu ernähren imstande ist. Dem Grundbesitzer muß der Bauer ein Drittel der Ernte oder eine entsprechende Summe in barem Gelds abgeben. Dann koinmen die famosen türkischen Staatssteuern: das so- genannte„Zehntel", der seit den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts 13� Proz. des dem Bauern zu- kommenden Teils der Produkte beträgt; der„Charadj" (Landwehrsteuer), den alle Erwachsenen zu zahlen ver- pflichtet sind*); die Chaussee- und sonstige Steuern. Im *) Diese Steuer sind dem Gesetze nach alle Männer im Alter Von 20— 60 Jahre zu zahlen verpflichtet. Die türkischen Beamten bringen es aber fertig, auch neugeborene Kinder und Verstorbene, jahrzehntelang nach dem Tode, mit der„Charadj- steuer" zu belegen und dieselbe von dar Bauerngemeinden zu erbeben. ganzen betragen alle diese Steuern und Abgaben zwei Drittel des Gesamteinkonimens des Bauern. Die Lage verschlimmert sich noch dadurch, daß die Regierung die Staatssteuern nicht selber erhebt, sondern durch Steuer- Pächter, die schon längst zur Plage und Qual der Bauernschaft geworden sind, deren schonungsloses, geradezu unmenschliches Vorgehen alle Beobachter des türkischen Lebens brandmarken. Auch bei Räclus lesen wir:„Um die„Interessen des Fiskus zu sichern" und„Schwindeleien" zu verhindern, werden alle Bauern verpflichtet, ihre sämtliche Ernte auf dem Felde zu lassen, bis die Regierungsagenten von jeder Garbe den zehnten Teil abgenommen hatten. Da aber die Re- gierungsagenten sich mit der Ausführung ihrer Funktion nicht zu beeilen pflegen, so kommt es oft vor, daß alle diese Massen von Mais, Reis, Korn— wochenlang dem Regen und Winde preisgegeben, von Schmarotzerinsekten und Feld- tieren verdorben werden usw." Unter solchen Umständen ist es ja begreiflich, daß die türkischen Bauern nicht nur keine Lust haben, neue Ländereien zu bebauen, sondern auch nicht selten die schon bebauten ver- lassen. Viele übertragen freiwillig ihr Eigentumsrecht auf Grund und Boden der Kirche. Obwohl sie nachher auch von der letzteren als einfache Pächter behandelt werden, so er- zielen sie wenigstens damit die Befreiung von den Staats- steuern, da das gesamte Eigentum der Kirche steuerfrei ist. Das zweite, was sie daniit erreichen, ist die Gewißheit, daß ihr Erbrecht auf die gepachteten Grundstücke tatsächlich unverletzt bleibt, während private Großgrundbesitzer dieses Recht nicht immer anerkennen. Viel schlimmer noch hat es die Bauernschaft in Maze- d o n i e n. Namentlich die christlichen Bauern, die fast vier Fünftel der Bevölkerung bilden. Der s e ch st e Teil der bebauten Fläche gehört hier der m u s e l m ä n n i s ch e n Kirche: fast das ganze übrige Land gehört türkischen Groß- grundbesitzern, deren Zahl nian auf 25— 30 000 schätzt. Nur kleinere Landesstreifen im Norden Mazedoniens, im üskü- bischen Villayet, gehören christlichen Kleingrundbcsitzern. Wie leicht es in Mazedonien ist, Großgrundbesitzer zu Iverden, weiß der französische Reisende d'Espagna zu schildern: es genügt, über eine gut bewaffnete Bande zu verfügen, um ein beliebiges Stück Land oder gar ein beliebiges Dorf, das noch keinen„Herrn" hat, als Eigentum zu erklären und in Besitz zu nehmen. Auf diese Weise nahm der Djeved-Bey das Dorf Sfaray im Kreise Strumitz in Besitz, der Halil- Bep das Dorf Lubowo, Hamdi-Bey das Dorf Narische(alle in der Nähe von Saloniki) usw. Allein im Kreise Solun sind durch solchen Raub 337 große private Landgüter entstanden. Daß die christlichen Bauern noch unmenschlicher behandelt und ausgebeutet werden, als die muselmännischen, versteht sich von selbst. So sind die christlichen Bauern in Mazedonien nebst allen Abgaben und Steuern noch mit Frondiensten so- wohl auf den kirchlichen, als auf den prwaten Gütern belastet. Tie jungtürkische Bewegung. Die Revolution hat dem Sultan gute Manieren bei- gebracht. Er der blusige Verfolger der Besten seines Volkes fließt jetzt über in feierlichen Versprechungen und der Despot wird auf seine alten Tage sogar sentimental. Welch ein Unterschied zwischen der siegreichen Revolution und der siegreichen Konterrevolution I Das endlich befreite türkische Volk läßt Gnade für Recht ergehen und verzeiht dem Sultan für die einzige Tat seines Lebens, die nicht Verfolgung und Unterdrückung war und die nur unter dem eisernen Zwang der Revolution getan, all seine Schand- taten. Wie es aber gewesen wäre, wenn der Sultan Sieger geblieben, welch fürchterliche Rache dann der legitime Herrscher an dem Volke genommen hätte, das einmal sein Menschenrecht geltend zu machen gewagt, das zeigen uns die Berichte über das Walten des blusigen Zaren und seiner Henker. Hoffent- lich wird auch in Zukunft der Sultan nicht aus die Probe gestellt werden, wie ernst ihm seine Eide sind. Gegenwärtig freilich ist er mit seinem Volke höchst zufrieden. Der Telegraph meldet: KonNantinopel, 1. August. Wie die türkischen Blätter amt- lich mitteilen, sprach der Sultan dm diplomatischen Korps, das ihn in der gestrigen Kollektivaudienz zur Einführung der Berfassung bcglütflvünschte, seine Befriedigung aus und erklärte, sein einziger Wunsch gehe dahin, die Wohlfahrt seines Landes zu sichern. Die Durchführung der Verfassung habe be- reits begonnen; in Zukunft werde sie nie auch nur im ge- irjn Esten verletzt werden. Konstantinopel, 1. August. Wie türkische Blätter berichten, hat der Sultan gestern nach dem Selamik, von der ihm bei dieser Gelegenheit bekundeten Liebe des Volkes tief bewegt, einigen in seiner Nälie befindlichen Personen folgendes erklärt: „Ich liebe mein Volk, und Verräter haben mich ge- täuscht. Von nun an wird das Volk mit mir leben und ich mit ihm. Ich bim seiner Treue sicher." In Konstantinopel haben die Demonstrationen aufgehört. Auch die Anfänge der Parteibildung regen sich. Es hat sich einalttürkifchesKomitee gebildet, das den gestürzten reaktionären Großwesir Ferid Pascha kandidieren wird. Aber auch der radikalere Fliigel der Jungtürken ist nicht zufrieden- gestellt. Darüber meldet die„Fr. Zeit." aus Paris: „Das ottomanische Aktions- und Fortschrittskomitee in Paris, welches Haupturheber der jungtürkischen Bewegung war, ist unzuftieden mit der Wendung, welche die Ereignisse genommen haben, insbesondere mit der Aufrechterhaltung Abdul Hamids auf dew Dhron. Die hiesigen Jungtürten befürchten, daß Abdul Hamid ernste innere und äußere Verwickelungen hervorrufen könne. Ihre Absicht war, ihn abzusetzen und den Thron dem Prinzen Reschad(dem am b. Februar 1844 geborenen Bruder Abdul Hamids, der boraussichtliche Thronfolger unter dem Namen Mohammed V.) zu geben. Die gexjcnwärtige Lage in Konstantinopcl verursacht den Jungtürken eine Enttäuschung. Einer der Führer, Ahmed Riza, und der Neffe des SultanS, Prinz Sabaheddin, ein einflußreiches Mitglied des Pariser Komitee», sind nach Genf gereist, wo«in Kongreß zahlreicher Jungtürken stattfinden soll, um über ihre Haltung gegenüber dem Sultan zu beraten." Doch sind vorläufig die Gegensätze noch nicht so stark, als daß sie nicht auf dem Boden der Verfassung ausgekämpft werden könnten._ politische Qcbcrfkbt. Berlin, den 1. August 1908. Die Solidariiätsres oluti on der Natioualexckntive der englischen Arbeiterpartei. Wir berichteten gestern, daß die englische Arbeiterpartei beschlossen hat, zwanzig Vertreter nach Deutschland zu senden, um der von bestimmten Jnteressencliquen betriebenen Kriegs- hetze entgegenzutreten� und daß sie gleichzeitig eine Resolution gefaßt hat. die sich scharf gegen den JingoismuS wendet. Vom Genossen Macdonald wird uns diese Resölusion mit der Bitte zugesandt, daß alle Arbeiterblätter Deutschlands sie ab- drucken möchten. Sie hat in deutscher Uebersetzung folgenden Wortlaut: „Die Nationalexekutive der Arbeiterpartei(I-abour Party), die über eine Million organisierter Arbeiter vertritt, bedauert die zur- zeit durch kleine Jnteressentengruppen in Großbritannien und Deutschland unternommenen unverantwortlichen und schädlichen Versuche, die Bevölkerung beider Länder zu überreden, daß ein Krieg zwischen ihnen unvermeidlich sei. Zugleich verdammt sie die provozierende Flottenbaupolitik, welche die Regierungen beider Länder betreiben; denn anstatt den Frieden zu fördern, schwächt diese, indem sie allgemeine Vorurteile stärkt und den Mann der Lärmmacher als begründet erscheinen läßt, im Volksgemüt die Entschlossenheit, dem Kriegstreiben Widerstand zu leisten. Die Exekutive der Arbeiterpartei gibt deshalb der Arbeiter- schaft Deutschlands die Versicherung, daß sie niemals sich daran beteiligt hat, Mißtrauen auszustreuen, und daß sie davon über- zeugt ist, ein Krieg zwischen beiden Völkern würde ein entsetzliches Verbrechen sein, das nur durch die Tätigkeit weniger Personen möglich erscheint, die die Presse gekauft haben zu dem Zweck, die Nachrichten zu fälschen, um ihre polisischen Leidenschaften und ihre wirtschaftlichen Interessen zu befriedigen. Die Exekutive ladet deshalb die deutschen Arbeiter ein, mit uns zusammenzuwirken, um die Kriegshetze niederzuschlagen und zwischen beiden Nationen ein gutes Einvernehmen herzustellen. London, den 23. Juli 1308." ..» London, 1. August.(Privatdcpesche des„Vorwärts".) Die englischen Arbeiter haben heute eine mächsige Demon- stration für den Frieden veranstaltet. In einem langen Zuge begaben sich mehrere Tausend Arbeiter zu dem alten Londoner Demonstrationsplatz, dem Trafalgar Square. Fünfzig Gr- Werkschaftsfahnen wurden im Zuge getragen. Auf dem Platze sprachen die Arbeiterabgeordneten Thorne, Macdonald und Ward sowie die Genossin D e s p a r d. Die Resolution betonte die Verbrüderung der Arbeiter aller Länder. Zwischen dem englischen und dem deutschen Proletariat gebe es keine Kricgsursache._ Ordenssegen. Prinz August Wilhelm, der vierte Kaisersprößling, ist Nach einem Studium von vier Semestern zum Doktor befördert worden, während gewöhnliche, nicht durch hohe erbliche Anlagen begünstigte Sterbliche mindestens sechs Semester studieren'müssen, um solcher Würde teilhaftig zu werden. Dafür, daß die Straßburger Pro- fcssoren diese besonderen Anlagen sofort erkannt und den Prinzen in so kurzer Zeit ein immenses Wissen beigebracht haben, verdienen sie natürlich Anerkennung, und diese ist ihnen denn auch berciis in ansehnlichem Maße zuteil geworden. Der offiziöse Telegraph berichtet nämlich aus Straßburg: „Aus Anlaß der Promotion des Prinzen August Wilhelm, dessSn Exmatrikel gestern überreicht worden ist, wurde dem Prof. Dr. Laband, Mitglied des Staatsrats, der Charakter als Wirkl. Geh. Rat mit dem Prädikat Exzellenz verliehe». Außerdem hat der Kaiser eine Reihe anderer Herren ausgezeichnet: der Rektor der Universität, Prof. Dr. Fehling, erhielt den Roten Adler- orden 3. Klasse mit der Schleife, Prorektor Prof. Dr. Knapp den Roten Adlcrorden 2. Klasse mit Eichenlaub, Prof. Dr. von Duhr, Dekan der juristischen Fakultät, den Roten Adlerordcn 4. Klasse, Prof. iDr. v. Calker, der vorige Dekan, den königlichen Kronenorden 3. Klasse, Professor Dr. Sartorius, Freiherr von Waltershausen, den königlichen Kronenorden 3. Klasse, Professor Dr. Rehm den Roten Adlerorden 4. Klasse, Professor Dr. Schulze den Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub, Professor Dr. Dchio den königlichen Kronenorden 3, Klasse." Ter Pedell wurde nicht dekoriert. Beamtengehälter»nd Arbeiterlöhue. Unseren Nachweis der gesteigerten Preise des Lebensunterhaltes beantworten unsere Gegner immer mit dem Hinweis auf die ge- stiegeuen Löhne, die.es angeblich sehr wohl ermöglichen, die teuren Lebensmittel in gewohnter Menge zu kaufen. Gegenwärtig läuft ein„Waschzettel" durch die bürgerliche Presse, der die Sache der Abwechselung halber einmal von einer anderen Seite beleuchtet. Wir haben nie bestritten, daß der Rominallohn der Arbeiter in den letzten dreißig Jahren gestiegen ist, wir behmipten bloß und haben oft zahlenmäßig nachgewiesen, daß die Lohnsteigernng nicht gleichen Schritt gehalten hat mit der Steigerung der Kosten des Lebens- Unterhaltes.„Der Waschzettel" zieht nun eine Parallele zwischen den Arbeiterlöhnen und den Beamtengehältern und stellt da fest: An Gehalt erhielten die preußischen Overpräsidenten 1388: 21000 M., 1908 ebensoviel, die Reg ierungspräsidenten 11400 und 12 000 M., die Oberregierungsräte 4200— 6000 und 4200— 7200 M. die Hauptkassenrendanten 4800 und 4800—5400 M., die Sekretäre und Buchhalter 2100—3600 M.. und 1800—4200 M. Bei den Richtern belief sich das Gehalt der Oberlandesgerichtspräsidenten 1838 auf 14 000 M., 1903 auf ebensoviel, der Senatspräsidentcn auf 7500—9900 und 7500—11 000 M., der OberlandeSgerichtSrätc auf 4800—6600 und 6000—7200 M.. der Landrichter und Amts- richter auf 2400-6000 rmd 3000—7200 M. Das sind unserer Auffassung nach noch immer Gehälter, mit denen sich leben läßt. Es ist aber dabei verschwiegen worden, daß diese Beamten auch noch Wohnungsgeld oft in beträchtlicher Höhe beziehen, daß sie Teuerungszulagen und Stellenzulagen bekommen, daß sie teilweise keine StaalSsteuer bezahlen brauchen, für ihre Kinder auf den Schulen mancherlei Vergünstigungen haben usw.— Wie steht es nun aber mit den Arbeitern? Aus den Lohnnach- Weisungen der VernsSgeiiossenschafteir ergibt sich, daß der Durch- schniltslohn für einen Vollarbeiter betragen hat: Jahr Lohnsumme in Marl 1904......... 954 1905........... 989 1906........... 1045 1907............ 1049 Während die Löhne von 1904 auf 1905 um 35 M., 1905 auf 1906 um 56 M. gestiegen sind, betrug diese Steigerung von 1906 auf 1907 nur noch 4 M. Und jetzt haben wir die Krists, die von deu Unternehmern benutzt wird,' die Löhne zu drücken. DaS Gehalt des Beamten ist diesen Schwankungen nicht unter- worfen, der kommende Winter bringt den Beamten im Gegenteil Gehaltsanfbesserungen mit Rückwirkung auf den 1. April 1908. Bei der Berechnung deS Durchschnittslohnes kommt ein Kreis von 3 700 000 Bc- schäftigten in Betracht. Diesen Durchschnittslohn erreichen aber nicht alle Arbeiter, die Mehrzahl bleibt unter diesem Durchschnitt. Und nun vergleiche man einen Jahreslohn von etwa 800 Mark mit dem Gehalt eines LandgerichtsratS und die ganze Widersinnigkeit der in dem„Waschzettel" vorgenommenen Gegenüber- stellung springt so recht finnenfällig in die Augen. Unsere Gegner mögen sich drehen und wenden, wie sie wollen, über die Tatsache kommen sie nicht hinweg, daß die Kosten des Lebensunterhaltes rascher gestiegen sind als die Löhne der Arbeiter, und das bedeutet eben eine Verschlechterung der Lage der breiten Massen.-_ Der„rechte Sinn für Autorität". » Das„Deutsche Adelsblatt" hadert mit deM Zetttium, ivcil es sich als Gegner des Dreiklassenwahlrechts bekennt. Das Blatt sieht in dem Bekenntnis zum allgemeinen und gleichen Wahl- recht einen Verstoß wider den Autoritätsbegriff, ein Hinabgleiten in das uferlose Fahrwasser autoritätswidriger Selbstherrlichkeit. Eine unterschiedslose soziale und politische Gleichberechtigung sei absolut sinnlos.„Wer sich dem Staat und der Gesellschaft gegen- iiber leistungsfähiger erweist, wer geistig erleuchteter, wer arbeit- samer, wer opferwilliger ist, wer ein größeres Maß von Pflichten auf sich nimmt, dem äst folgerichtig auch ein entsprechend größerer Einfluß und ein Maß von Rechten einzuräumen, das im Verhält- nis zu den von ihm übernommenen Pflichten steht." Gegen das„Deutsche Adelsblatt" wendet sich die„Kölnische Volkszeitung". Sie nimmt zunächst das Zentrum als christ- lich und monarchisch gesinnte Partei gegen den Verdacht autoritäts- widriger Selbstherrlichkeit in Schutz und meint dann:„Was der Verfasser darüber sagt, datz die Leute, die sich dem Staat und der Gesellschaft gegenüber leistungsfähiger erwiesen, auch mehr Rechte haben müßten, ist nur cum grano salis wahr. Im übrigen haben die Leute, welche angesehener, klüger und reicher sind, schon jetzt entsprechend mehr Einfluß, viel mehr Einfluß.... Vor'einer Reichstagswahl sagte mir ein Rittergutsbesitzer lächelnd:„Ich habe hundert Stimmen." Das neben dem Schlosse liegende Dorf zählte nämlich 119 Reichstagswähler; der Rittergutsbesitzer schätzte, daß vielleicht 19 Personen am Wahltage verhindert sein mochten und daß er die übrigen 199 Stimmen zur Verfügung habe. So kam es denn auch. Sämtliche Wähler, 194 an der Zahl, wählten den vom Herrn Rittergutsbesitzer bestimmten Kandidaten. Wer diese Er- wägungen auf sich wirken läßt, dem kann die indirekte Unterstellung des„Deutschen Adelsblattes", als ob es dem Zentrum an dem rechten Ginn für Autorität fehle, nur als eine schlechte Ausrede erscheinen." Interessant ist zunächst, daß das Zentrumsblatt die politische Bevorzugung des Geldsacks nicht schlechthin verwirft, sondern cum xrano salis, mit einem Körnchen Salz verstanden wissen will, d. h. ihr eine gewisse Berechtigung zuerkennt. Dann aber, und das ist das wichtigste, erklärt sich das Zentrumsblatt mit dem Umstände, daß ein Rittergutsbesitzer hundert Wähler„zur Verfügung hat", d. h.. zur Wahlurne kommandieren kann, einverstanden, zum Be- weise, daß es dem Zentrum nicht„an dem rechten Sinne für Autorität fehle". Freilich, man begreift, daß das Zentrum gegen diese Art„Autorität" nichts einwenden wird, denn die Rolle des konservativen Rittergutsbesitzers übernimmt in katholischen Ge- filden der Herr Pfarrer� der„seine" Wähler nicht minder sicher „zur Verfügung" hat._ Der Kampf um Ehrharts Erbe. Während in der Pfalz selbst von der Wahlbewegung wenig bc- merkbar ist, präsentieren die außerpfälzischen Blätter liberaler Couleur mit jedem Tage einen anderen Kandidaten. Das eine Mal ist es der Durchfallskandidat der letzten Reichstagstvahl: Buhl, der trotz seines liberalen Glaubensbekenntnisses ein Stück vom Bund der Landwirte verkörpert, und dem 1997 von den Liberalen nachgerühmt wurde, daß er„ein treuer Sohn der katholischen Kirche" sei. Dann wird als Kandidat der jungliberale Postadjunkt Göllwitzer genannt. Als neuester liberaler Anwärter auf den Ludwigs hafener Reichstagssitz wird jedoch nach einer Münchener Nachricht der katholische Pfarrer Tremmel aus Volksbach genannt. Mit diesem zweiten Grandinger glauben einige liberale Heiß- sporne, den Ludwigshafener Kreis im ersten Ansturm der Sozial- dcmokratie entreißen zu können. Ernstlich in Frage kommen wird höchstens der millionenreiche Buhl. Selbswerständlich wird.auch schon der sozialdemokratische Kan- didat genannt. Einmol taucht in den Blättern der Name. des Land- tagsabgeordneten Genossen Klement, dann wieder der des Genossen Ackermann, Rechtsanwalt in Frankenthal, oder auch der des früheren Landtagsabgeordneten Keidel in Pirmasens auf. Die Fühlhörnerausstrecker werden ihre Neugierde noch ein wenig be- zähmen müssen, bis die Wahlkreiskonferenz ihr Wort gesprochen hat. Akademisches. Herr Professor Paul Natorp hat nicht nur uns eine Be- richtigung gesandt, sondern auch in der„Franks. Ztg." eine Er- klärung veröffentlicht, der wir einige interessante Stellen entnehmen wollen. Natorp erzählt: „Richtig und in akademischen Kreisen bekannt ist, daß ich innerhalb zweier Jahre zweimal in Halle für ein Ordinariat an erster oder mit an er st er St eile vor- geschlagen war, die Regierung aber mich nicht berufen hat. Das ist ihr formelles Recht, und wenn sie den in diesem Fall allzu nahe liegenden Verdacht eines politischenMotivs auf sich nehmen wollte, so war das ihre Sache. Ich wahre mir zwar das Recht, als Staatsbürger und als Gelehrter die Hand- langen der Regierung zu beurteilen, aber es ist nicht mein Geschmack, dies in eigener Sache zu tun." Man sieht, Herr Prof. Natorp möchte zwar in der bürgerlichen Gesellschaft weiter mitarbeiten, aber man sorgt dafür, daß sein Wirkungskreis möglichst eng bleibt. Natorp ist heute vielleicht der bedeutendste Vertreter der Pädagogik unter den Professoren, aber er wird sorgfältig in Quarantäne gehalten. Ueberhaupt scheint Marburg so eine Art Peststation der preußischen Regierung für politisch nicht ganz Immune zu sein. Neben Natorp sind und bleiben in Marburg Hermann Cohen und Walter S ch ü ck i n g, ?er Bruder des Bürgermeisters. Prof. Natorp bestreitet auch in der„Franks. Ztg." den Wort- laut der von uns mitgeteilten Aeußerung. Dazu wird uns von einem anderen Teilnehmer jener Versammlung geschrieben: Die Versammlung, auf die im>, Vorwärts" hingedeutet wurde, fand nicht„vor zwei Jahren" statt, sondern am 18. Februar 1997. Professor Natorps Berichtigung mutz in ihrem zweiten Teil als ein wenig gewunden bezeichnet werden.„Eine Aeußerung in einer sozialdemokratischen Versammlung, wie die in dem Artikel angegebene, ist von mir nicht getan worden." Nein, es war allerdings keine„sozialdmokratische Versammlung", sondern eine„öffentlich« Disputation über das Thema: Sozialismus, Nationalismus und Studentenschaft", in der zwei unserer Genossen und ein Alldeutscher referierten. In die Diskussion griff Natorp ein. Er hat da allerdings nicht„die in dem Artikel angegebene" Aeußerung getan, aber er geht doch zu weit, wenn er sogar bestreitet,„eine Aeußerung..... wie die in dem Artikel angegebene" getan zu haben. Tatsächlich hat er, dem Sinne nach, erklärt, es könne vielleicht einmal eine Zeit kommen — und es sähe oft genug bedenklich genug danach aus—, in der auch er darauf verzichten müsse, innerhalb der bestehenden Zu- stände weiterzuwirken.(Die andere„akademische Seite" vom 25. gab in der Tat eine Variation in ganz unprofessoralcr Dur- Tonart.) Die Ausführungen Natorps bei jener Gelegenheit sind in der Frankfurter„V o l ks st i m m e" vom 22. Februar 1997 folgendermaßen festgelegt:„So brachte es dieser Professor, der rmmer noch unter den deutschen Professoren einer der politisch weitsichtigsten und ehrlichsten ist, fertig, zur Widerlegung der Klassenkampftheorie die Existenz von Volksschulen, Universitäten, Wahlrecht usw., sowie die Tatsache anzuführen, daß man ihn bisher noch nicht von der Unibersität r e m o v i e r t hätte." Nun, Prof. Natorp ist nicht remobiert worden, aber er selbst fühlt sich mit Recht zurückgesetzt. Im übrigen sagt ja Natorp in der„Franks. Ztg." selbjti.' „Was ich in ähnlicher Richtung oft und unverhohlen aus- gesprochen habe, ist die Warnung an die bürgerliche Dcmokratie: zu verhüten, daß durch ihre Politik mehr noch, als schon jetzt, echt demokratisch denkende Männer in die Reihen der Sozialdemokratie gedrängt werden. Will man mein politisches Glaubensbekenntnis? Es ist einfach: Ich bin Sozialist und Demokrat; eben darum halte ich am Staat, solange noch die Spur seiner Idee an ihm zu erkennen ist. Den Begriff einer„bürgerlichen Gesellschaft", die irgendeine Volksklasse ausschlösse, kenne ich nicht. So bc- wahre ich, als„aufrechter Ideologe", wie der„Vorwärts" mich nennt, mir volle Unabhängigkeit jeder Parteischablone gegen- über." Das ist das alte Laster auch der besten deutschen Intellektuellen, das sie von ihren Kollegen in Frankreich und England scheidet, sie um den gebührenden Einfluß auf das öffentliche Leben bringt und zum Spielball der reaktionären Launen jedes Dutzendministers macht: sie können noch immer nicht die Notwendigkeit der politischen Partei begreifen. So kommen auch die Fortgeschrittensten höchstens dazu, die Welt sozialistisch anzuschauen und überlassen es den Arbeitern und ihrer Partei die Welt sozialistisch zu machen._ Sozialdemokratische Zeitungen in den Bahnhofs- buchhandlungcn. Mit dem 1. August sind in den Bahnhofsbuchhandlungen Heidelberg und Mannheim die Mannheimer„Volks- stimme" und der„Vorwärts", und in Karlsruhe, Pforzheim und Freiburg der Karlsruher„Volks- freund" und der„Vorwärts" zu kaufen. Bei Beratung des Eisenbahnbudgets in der Zweiten Kammer wurde von sozialdemokratischer Seite darauf hingewiesen, daß in den Bahnhofsbuchhandlungen keine sozialdemokratischen Zeitungen zu haben seien, und die Vermutung daran geknüpft, daß die Generaldircktion den Buchhändlern den Verkauf nicht gestatte. Der Minister v. Marschall erklärte jedoch, daß ein Verbot nicht ergangen sei. Daraufhin wandten sich einzelne Bahnhofsbuchhändler an den Generalpächter�in Heidelberg, der nun seine Zustimmung zum Ver- trieb der oben genannten sozialdemokratischen Zeitungen an seine Abpächter erteilt hat. Es ist kennzeichnend für die Rückständigkeit der politischen Zustände in Deutschland, daß man eine Tatsache, die selbstverständlich sein sollte, besoirders hervorheben muß. Das badische Beispiel dürfte übrigens im preußischen Eisen- bahnmisterium die Perücken mancher höheren, sogenannten Ver- Khrsbeamten zum Wackeln bringen. Rheinischer Handtverkertag. Der Delegiertentag des rheinischen Handwerker- b und es, der Ende Juli in Boppard versammelt war, hat wieder einmal bewiesen, daß das Zünftlertum an;cqialpolitisch-rcak- tionärer Gesinnung dem grotzindustriellen Scharfmachertum nichts nachgibt. In Sachen der Sonntagsruhe erhoben die Dele- gierten„entschieden Protest dagegen, daß durch den vom Reichsamt des Innern ausgearbeiteten Entwurf über eine Aendcrung des Sonntagsruhegesetzes Sozialpolitik getrieben werden soll auf Kosten einer teilweisen Existenz weiter Kreise des Handwerkes und des Kleingewerbes, namentlich in den kleineren und mittleren Städten, welche überhaupt kein fremdes Ladenpcrsonal beschästigen." Weiter sprach sich der Desegiertentag gegen eine Erhöhung des pfandfreien Einkommens für Beamte und Ar- beiter aus, und ebensowenig lvill er etwas wissen von den A r b e i t s k a m m e r n für das Handwerk. Es genüge, daß die „Aufgaben des Gesellcnstandes im Zusammenhange mit den bc- stehenden Gesellenausschüssen bei Innungen und Handwerks- kammern in zeitgemäßer Weise erweitert werden." Den Schluß der Verhandlungen bildete die Aussprache über die Stellungnahme des Bundes bei den letzten Landtags- wählen. Der rheinische Handwerkerbund war an die Zentrums- Partei herangetreten mit Llor schlügen geeigneter Kandidaten,„leider nur mit geringem Erfolge". Doch nnirde allgemein anerkannt, daß für die Interessen der rheinischen Handwerker nur das Zentrum in Betracht komme. Ein Delegierter aus Mülheim(Ruhr) be- kannte sich als entschiedener Anhänger der liberalen Partei, doch müsse er zugeben,. tvenn der rheinische Handwerkerbund in bezug auf Wahl von Handwerkern in Reichs- und Landtag etwas erreichen wolle, so führe im Rheinlande kein anderer Weg zum Ziele, als der, an die Zentrumspartei heranzutreten, Scharfmacher und Angestellte. In Arbeitgeberkreisen herrscht nun heillose Wut darüber, daß der Nürnberg-Augsburger Gewaltstrcich sich zu einer moralischen Niederlage der Scharfmacher entwickelt hat. Einen Beweis der Stimmung, die in den leitenden Kreisen der Jndustriemagnaten herrscht, gibt folgende Brieftastennotiz, die- in der letzten„Arbeit- geberzeitung" gebracht wird: G. Z. in Bunzlau und andere. Der in unserer Nummer 2b erschienene Leitartikel über die�„Gewerkschaft der Angestellten" hat mehreren begeisterten Anhängern dieser Gewerkschaft die Feder in die Hagd gedrückt, so daß wir mit einigen liebens- würdigen Zuschriften beglückt worden sind, mit Zuschriften, deren Form und Inhalt allerdings erkennen läßt, daß diese Herren eine Besserung ihrer Verhältnisse nicht von der eigenen Tüchtig- keit, sondern nur vom Zusammenschluß und von dem hierdurch ernröglichten Tcrrorismus gegen die Chefs erwarten. Nicht ein- mal so viel Verstand besitzen diese„geistigen Mitarbeiter", daß sie einsehen, wie ihre heftigen und grundlosen Anschauungen gegen alles, was sich Arbeitgeber nennt, gerade den Beweis für die Richtigkeit unserer Behauptungen erbringen. Es sind Proletarier, die eigentlich ganz recht darin tun, wenn sie sich proletarischer Waffen bedienen.— Der gute Ton des Arbeitgebers seinen Arbeitnehmern gegen- über wird, wie die Epistel zeigt, so lange angewendet, wie der An- gestellte sich als gehorsamer Kuli fühlt und sich willig allen Launen seines„Dienstherren" unterwirft. Oeftcmicb. LandtagSwahl. Wien, 1. August. Der niederösterreichische Landtag wurde gestem aufgelöst. Die für den 23. Oktober festgesetzten Neu- wählen sollen nach der Vorschrift des neuen Wahlgesetzes stattfinden, welckies für Wien das allgemeine gleiche Stimmrecht vorschreibt.—_ Englanä. Das blamierte Oberhaus. London, 31. Juli. Unterhaus. Mehrere vom Ober- hause eingebrachte Zusahanträge zum Alterspensions- g e s e tz wurden abgelehnt. In einigen Fällen wurde die Ablehnung damit begründet, daß der Antrag eine Ver- letzung der finanziellen Privilegien des Unterhauses in sich schließe. Nachdem der Gesetzentwurf zum Oberhause zurückgelangt war, protestierte Lansdowne gegen die Art, in der die Privilegien des Unterhauses ausgelegt worden waren, und regte, ohne auf der Annahme der Zusatzanträge zu bestehen, eine P r o t e st- resolution an. Diese Resolution wurde mit 37 gegen 23 Stimmen angenommen. Das Oberhaus stimmte sodann der Ablehnung seiner Zusatzanträge zu. Damit ist das Gesetz endgültig zur Annahme gelangt. Beide Häuser vertagen sich von morgen ab bis zum 12. Oktober.— Eine Rede des Miliisterpräsidcnten. London, 31. Juli. Asquith drückte in seiner Rede bei Bc- grüßung des Friedenskongresses den Delegierten die Sym- p a t h i e der Regierung aus, meinte aber, daß auf eine all- gemeine Entwaffnung nicht zu rechnen sei, da die nationale Sicherheit für alle Länder an erster Stelle stehen müsse. Immerhin gebe es aber zur Erledigung streitiger Fragen andere Mittel als den Krieg, zum Beispiel schiedsgerichtliche Eni- s ch e i d u n g und internationale Verträge. Es ist nicht zu verkennen, daß die Rede Asquiths, der den imperialistischen Flügel des Kabinetts führt, sich weniger scharf gegen die Rüstungspolitik wendet, als die des Schatzkanzlers Lloyd Georges, der die Anschauungen des radikalen Flügels der eng- lischen Liberalen vertritt. Aber auch in dieser Rede tritt die Bc- rcitivilligkeit der englischen Regierung, mit Deutschland zu einer Verständigung zu gelangen, deutlich hervor. Eine parlamentarische Nachwahl. London, 29. Juli. Infolge des Ablebens des liberalen Arbeiter- abgeordneten Sir William Randal Cremer ist in Haggerston(Ost- London) eine parlamentarische Nachwahl erforderlich. Bei den Hauptwahlen im Jahre 1999 kandidierten dort Cremer(liberal). R. Guinncß(konservativ). Cremer erhielt 2772 Stimmen, Guinneß 2371, so daß der Liberale mit einer Mehrheit von 491 Stimmen gewählt wurde. Jetzt wurden dort drei Kandidaten aufgestellt. Für die Liberalen kandidiert Warren, für die Konservativen und Schutzzöllner Guinneß, für die Sozialdemokraten Genosse Herbert Burrows. Die Mehrheit der Wähler Haggerstons besteht wohl aus Arbeitern, aber viele von ihnen sind wohl noch nicht so weit, um für einen ausgesprochenen Sozialdemokraten zu stimmen. Die Wahl wurde auf den 1. August festgesetzt. Rußland. Russische Greuel. Der Kommandierende der Truppen des Kasanec Militär- bczirks, Generalleutnant Ssandetzki, erließ vor einiger Zeit einen Armeebefehl, den wir wegen seines außergewöhnlichen Interesses hier wiedergeben: „Der Kommandant des Wachtpostens der Stadt P e n s a bc- richtete im Rapport dem Kommandanten der Stadt Pensa, daß der Gemeine der 3. Rotte des 213. Jnfanterie-Reserve-Orowaiski- Regiments, Alexander Kokonow, am 39. November, 4 Uhr morgens, an der südlichen Gefängniswand, auf dem Posten Nr. 2 Wache stehend, einen dunklen Gegenstand auf der Mauer bc- merkte, aber infolge der Dunkelheit nicht unterscheiden konnte, ob das ein Menschen köpf oder eine Katze war. Auf seinen Anruf sprangen, einer nach dem anderen, drei Gefangene in den Gefängnishof zurück, worauf Kokonow mittels der Alarm- glocke die Wache alarmierte. Des weiteren wird in demselben Rapport berichtet, daß 12 politische und gemeine Verbrecher zuni Zweck eines Fluchtversuches einen Gefängniswärter gefesselt hatten und die Wand hinaufgeklettert waren, wo sie den geeigneten Moment zur Flucht abwarten wollten, allein dank der Wachsam- keit KokonowS an ihrem Vorhaben gehindert wurden. Bei der offenkundigen Absicht der Gefangenen, zu entfliehen, war Kokonow aber verpflichtet, ohne vorherigen Anruf zu feuern, was er indessen nicht getan hat; außerdem mußte er vor dem An- ruf sich schietzbereit machen, dann hätte er auf'den zweiten oder dritten Gefangenen feuern können. Für dieses unschlüssige und unverständige Vorgehen des Wacht- Postens Kokonow ordne ich hierdurch an, ihn einer sieben» tägigen strengen Haft zu unterwerfen. Dem Komma». dierenden der 3. Rotte des 213. Jnfanterie-Reserve-Orowaiski- Regiments, Kapitän Lebedjanski, erteile ich für Michtunterweisung der- Untermilitärs feiner Rotte in den Pflichten' des Wach t&i Wistes einen Verweis."- perklen. Die Lage in Teheran. Frankfurt a. M., 1. August. Aus Teheran, von heute vor- mittag 11 Uhr. wird der„Frankfurter Zeitung* gemeldet, die Lage verschärfe sich, über 299 Personen seien in die türkische Votschaft geflüchtet; eine MinisterkrisiS gelte als bevor- stehend. Hmcrllta. Amerikanische Wahlagitation« Der Parteivorstand der sozialistischen Partei in den Vereinig- ten Staaten hat beschlossen, zur Wahlagitation den Präsidcntschafts- kandidaten Eugen Debs eine große Rundtour durch das ganze Land machen zu lassen. Ein Extrazug, aus drei Wagen be- stehend, der etwa 29 999 Dollar(82S99 M.) kostet, wird ausgerüstet werden; cm etwa 999 Orten soll er halten und 99 Tage unterwegs fein. Wo der Zug hält, werden die Parteigenossen große Vor. bereitungen zum Empfang und zu Versammlungen treffen, in denen der Kandidat der Sozialisten sprechen wird. Ein Musik- korps wird im Zuge sein, so daß sein Kommen überall Aufsehen erregt. Große Massen von Literatur zur Aufklärung über sozia- listische Ziele und Zwecke werden mitgefühlt, um verkauft und ver- teilt zu werden. Etwa 29 Genossen werden Debs-begleiten und nach Kräften überall agitieren. Am 31. August soll der Zug Chicago verlassen, durch den Nordwesten bis Seattle und Tacoma am Stillen Ozean gehen und von dort längs der- Küste bis nach Los Angeles in Süd-Kalifornicn, dann weiter über DeuveS in Kolorado und St. Louis in Missouri zurück nach Chicago. Die zweite Tour geht von dort über den nördlichen Teil der Mittel- staaten, durch Neu-England, New Aork, Pcnnsylvanien bis Mary- land, dann zurück über Cincinnati und Louisville nach Chicagy. Die Südstaaten bleiben unberührt. 11999 englische Meilen wird der Zug zurücklegen. Ein Teil der Kosten wird durch die Reise selbst gedeckt werden, denn bei jeder Versammlung werden kleine Einnahmen erzielt, und man hofft, viele Broschüren zu verkaufen. Der Zug selbst hat eine Vorrichtung, um eine Rednertribüne her- zustellen, Musik, Fahnen und Banner sind ebenfalls vorhanden, so daß unter freiem Himmel sofort eine Versammlung abgehalten tverden kann, wenn die Genossen am Orte die öffentliche Aufmcrk- samkeit auf den kommenden Zug lenken. Sammlungen zu einem Fonds, um 15 999 Dollar für das Unternehmen sicherzustellen, sind ay vielen Orten eingeleitet worden. Hus der Partei. Parteitag in Nürnberg. Verschiedene Zuschriften, die in den letzten Tagen eingegangen sind, veranlassen uns, au alle Delegierte» das Ersuchen zu richten, bei der Anmeldung bestimmt anzugeben, ob und in welcher Preis- läge Wohnung durch das Lokalkomitee besorgt werden soll. Nllrn- berg wird sehr stark von Fremden besucht, und ist die Lösung der Wohnungsfrage mit verschiedenen Schwierigkeiten verknüpft. Aus diesem Grunde wollen auch die Anmeldungen so rechtzeitig betätigt werden, daß dieselben spätestens bis zum ö. September in unseren Händen sind. Mit Parteigruß: Das Lokalkomitee. I.A.: Martin Treu. Nürnberg, Egidienplatz 22. Die Parteipresse wird um Abdruck gebeten. Der zehnte Parteitag der italienischen Sozialisten. Rom, den 23. Juli. Es hat den Anschein, als ob auf dem zehnten Parteitage, der ovin 19. bis 22. September in Florenz tagen wird, die Reformisten einen Versuch machen werden, die Parteileitung und den „ A v a n t i" ihrer Richtung zu gewinnen. Sie hoffen darauf, dah der auf dem vorigen Parteitage siegreiche intcgralistische Block sich spalten solle und seine linke Hälfte sich mit den Syndikalisten und Revolutionären vereinige, während die Rechts mit den Reformisten gemeinsame Sache mache. Die Reformisten würden ihren Sieg— soweit ans ihren„offiziösen" Mitteilungen in bürgerlichen Blättern, wie dem„ M e s s a g g e r o" und der„ T r i b u n a", zu entnehmen ist— dahin ausnutzen, dah sie einen großen Wahlblock, der einen Teil der Liberalen einschließt, zustande brächten; dann würden sie ihren alten Plan, die Partei der Gewerkschaftsbewegung unterzuordnen zu verwirklichen suchen. Als Chefredakteur des„Avanti" haben sie den Abg. Treves, jetzt Chefredakteur des„Tempo" in Mailand, aus- ersehen oder den Genossen B o n o m i, für den Fall, daß sich jemand daran stoßen sollte, daß TrcveS, als Mitglied der Mailänder autonomen Zirkel, nicht Parteigenosse ist. Tie Reformisten haben sogar schon durch den Mund eines ihrer Leader bekanntmachen lassen, daß sie ihre finanzielle Unterstützung des stets geldbedürftigen „Avanti" danach bemessen würden, ob das Blatt ihre Tendenz ver- träte oder nicht. Sie wissen sehr wohl, daß sie die kapitalkräftigen Elemente der Partei auf ihrer Seite haben.— Nun ist aber durchaus nicht gesagt, daß das von den Reformisten gestellte Horoskop richtig sei. Die Reformisten sind durchaus nicht jene einige und geschlossene Masse, die sie zu sein vorgeben. Es ist eine große Kluft zwischen den Mailänder Reformisten der Fraktion Turati, die mit Andricelli, Cabrini, TreveS eine Regierungspartei der Arbeiter anstreben und nur noch wenige Schritte zu machen haben, um auch in der Theorie den Klassenkampf aufzugeben, und den Reformisten von N e g g i o Emilia, die erbittert und konsequent einen Klassenkampf durchführen, wie er— als bewußte Aktion des Prole- tariats— in wenigen Gegenden der Erde gekämpft wird. Daß die Sozialisten von Reggio Emilia sich Reformisten nennen, hat mehr geschichtliche und persönliche als logische Gründe. Sie sind nur in» sofern Reformisten, als sie die Möglichkeit von Wahlbündnissen wie die des Eintritts eines Sozialisten in ein Kabinett gelten lassen. Praktisch fehlt ihnen jede Möglichkeit zu Wahlbündnissen, da ihre Aktion einen Abgrund gegraben hat zwischen Sozialisten und jeder bürgerlichen Fraktion. Ihre echt sozialistische Politik hat ihnen jeden Bundesgenossen entfremdet. Sie haben die ganze Provinz mit einem Netz von Gewerkschaften und Genossenschaften umspannt. haben die stärkste Parteiorganisation Italiens, treiben sozialistische Politik in den Gemeinden, haben die größten und leistungsfähigsten Kollektivpachtungen und sogar eine eigene Bank. Von der Be- wegung in der Provinz Reggio Emilie kann man wirklich sagen, daß die sozialistische Praxis dort die reformistische Theorie gegen- standslos gemacht hat. Können nun die Genossen von Reggio den Mailänder Reformisten in ihrer EntWickelung nach rechts folgen? Haben sie nicht eine viel größere Gemeinschaft mit den Jntegralisten, die doch denselben proletarischen Charakter der Bewegung anstreben, der in Reggio verwirklicht ist? UnS scheint eine Spaltung der reformistischen Masse mindestens ebensosehr im Bereich der Möglichkeit zu liegen wie die Spaltung des Jntegralismus. Vielleicht könnte der Entscheidungskampf auch noch einmal, wie in Bologna, zwischen- zwei Konzentrationen des Zentrums fallen, dem rechten und dem linken Zentrum, die beide von den extremen Flügeln, die einen von den Mailänder Reformisten, die anderen von den � Reypststwiiäreu, Luzug erhalten würden. In diesem Falle würden aber die Gnmdmaffen der beiden Flügel, die Reformisten von Reggio links, die Jntegralisten rechts, einander viel näher stehen als ihren respektivcn Bundesgenossen, was die Parteilage nicht eben klären würde. Für alle wichtigen Punkte sind Redner der verschiedenen Tendenzen ernannt. So werden über die Frage des Generalstreiks und des Verhältnisses zu den Gewerkschaften die Genossen Rigola sReformist) und Longobardi(Revolutionär) referieren. Ueber die Taktik bei den nächsten Wahlen und über die Wahlplatsorm sind Referenten: M o r g a r i(Jntegralist), Modigliani(Reformist, Turatianer) und Lazzari(Revolutionär). In diesen beiden Punkten liegt das Hauptinteresse des Kongresses. Sobald die Referate im Druck vorliegen, werden wir sie auszugsweise wieder- geben._ Der neue Weltkalendcr für das Jahr 1909 ist soeben im Ver- läge von Auer u. Ko. in Hamburg erschienen. Der Inhalt ist reich- haltiger als sonst, die Zahl der kurz und knapp gehaltenen Artikel eine größere. Der Unterhaltung und der Belehrung ist nach den verschiedensten Richtungen hin Rechnung getragen; auch Artikel von agitatorischem Wert fehlen nicht. Gelegentlich des Todes des Ge- Nossen F. I. Ehrhart druckten wir bereits die„Pariser Erinne- rungen", die der Verstorbene im vorliegenden„Neuen Wcltkalender" niedergelegt, im Auszug ab. Von anderen Aufsätzen nennen wir: H. Linde,„Landarbeiter und Sozialdemokratie", Henriette Fürth,„Grundfragen der Erziehung", M. H. B a e g e,„Die Ab- stammungSlehre und ihre Bedeutung für den Arbeiter". Der unter- haltende Teil bietet eine lustige Geschichte aus dem Nachlasse Emil R o s e n o w s,'.Der größte Umstürzler", sowie die künstlerisch hoch- stehende Satire„Heldentot" von P a st ö r e n, die uns die Nach- Wirkungen des russisch-japanischen Krieges vor Augen führt. Der im Kalenderjahre verstorbenen Parteigenossen wird in einem langen Artikel gedacht, dem Porträts der Dahingegangenen beigegeben sind. Die Auswahl der Bilder ist eine sorgsame und gute. Die vier Hauptbilder und das farbige Bild sind Reproduktionen nach Werken erster Meister. Meunier, Menzel, Baluschek sind vertreten. Aus die einheitliche Gesamtwirkung dieser Bilder, die die Arbeit künstlerisch verherrlichen, hat die Redaktion ihr Hauptaugenmerk gerichtet. In einem eigenen kleinen Artikel— einer Art Bildbcsprcchung— werden dem Leser Wert und Bedeutung der Bilder näher gebracht. Der Preis des Kalenders, der durch die Parteibuchhandlungen und Parteispeditionen zu beziehen ist, beträgt 40 Pfg. Die Kreiskonferenz des Reichstagöwahlkrcises Miihlhausen-Langen- salza-Wcißcnsee fand Sonntag, 29. d. M., in Langensalza im Gewerk- schaftslokal„Zum Schloßkeller" statt. Außer den Delegierten des Kreises war der frühere Reichstagskandidat Max Grunwald-Berlin und für den Bezirksvorstand P. Reißhaus-Erfurt erschienen. AuS den Ver- Handlungen ergab sich: Die Einnahme beträgt 1ä73,27 M.. die Aus- gäbe 1416,51 M. Die Parteiorganisation zählt S19 Mitglieder; gegen das Vorjahr ist ein kleiner Zuwachs zu verzeichnen, doch sind auch viele Genossen der Krisis wegen abgereist. Da der frühere ReichStagSkaudidat Genosse Grunwald die Kandidatur bekanntlich schon im Vorjahr wegen der zu großen Entfernung seines jetzigen Wohnortes vom Kreise nieder- gelegt hatte, wurde Genosse Stadtverordneter Otto Schäfer- Mühlhausen als Reichstagskandidat aufgestellt. Als Delegierte für den Nürnberger Parteitag wurden Genosse Grunwald und Genosse Schäfer, der gegenwärtige Reichstagskandidat, gewählt. Der Partcibeitrag wurde einheitlich für den ganzen Kreis auf monatlich 30 Pf. festgesetzt, wovon 60 Proz. an die Kreislasse ab- zuführen sind._ Gewerk FebaftUebeg« Nochmals die Scharfmacher im norddeutschen Baugewerbe. Die Delegiertenversammlung norddeutscher Baugewerkvereine, die mehrere Tage in Lübeck tagte, hat ihren Abschluß gefunden. Ueber den Gesetzentwurf„Errichtung von Arbeits- kammern" referierte Struckmann- Bremen. Hierzu gelangte folgende Resolution zur einstimmigen Annahme: „Die Versammelten können in dem Gesetzentwurf zur Er- richtung von Arbeitskammern einen geeigneten Weg zur Förderung eines besseren Einvernehmens zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht erblicken, da das gesamte Handwerk, obgleich es einen wesentlichen Bestandteil der Berussgenossenschasten, welche als Träger der Organisation gedacht sind, bildet, wohl die Kosten mittragen soll, jedoch von der Verwaltung fällig ausgeschlossen ist und' da 2. die geplante Zusammensetzung der Arbeits kammern, nach den Erfahrungen, welche die Innungen mit den Gesellcnausschüffen gemacht haben, eine Gewähr für eine ersprießliche Tätigkeit im Hinblick auf die zu erfiillenden Aufgaben der Kammern nicht bieten. Aus diesen prinzipiellen Gründen lehnen die Ver sammelten die Vorlage ab." Ueber die„ R e f o r m der Arbeiterwohlfahrts- g e s e tz e" referierte Lehmaun-Altona. Hierzu wurde diese Resolution angenomen: „Die Versammelten erheben Einspruch gegen die durch die Reform der Versicherungsgesetze geplante Entrechtung der Berufs- genossenschasten, da hierdurch die segensreiche Wirkung derselben und die ersprießliche Mitarbeit der chrenamtlisien Organe unter- bunden wird. Die Versammelten ersuchen daher den JnnuiigS- verband deutscher Baugewerksmeister, die geplante Gesetzes- Veränderung auf die Tagesordnung des in Essen stattfindenden Verbandstages zu bringen und dort einen dementsprechenden Beschluß zu fassen." Schließlich wurde von der Innung Bauhütte Neumünster Be- schwerde darüber geführt, daß der Kontrollbeamte der Unfall-Bc- rufsgenossenschaft unnötige Schutzmaßrcgeln(l) verlange und daß ungerechtfertigte Strafen im Zuwiderhandlungsfalle(I) verhängt worden seien. Hierbei handelt es sich in der Hauptsache um den Gerüstbau. Einig waren sich die Versannnclten darin, daß man den kleinen Unternehmern, den sogenannten Scharwerkern, das Handwerk legen müsse, denn diese Leute erdreisteten sich. Streikende einzustellen, sie handelten überhaupt nicht nach den Vorschriften des Arbeit- geberverbandes. Diesen Auswüchsen müsse und solle mit aller Schärfe entgegengetreten werden. Bei den Vorstandswahlen wurden Stender-Lübeck und Ströhl- Kiel wiedergewählt._ Berlin und Qmgegend« Herr Bundzius maßregelt. Vor nahezu 6 Wochen brach bei der Firma Bergemann, Elcktri- zitätswerke. Hennigsdorfer Straße. Abteilung Wettermann(Rohr- zieherei), ein Streik der zirka 40 Mann betragenden Arbeiterschaft aus. Ursache? Horrende Abzüge auf Akkordlöhne. In dieser Ab- teilung besteht das Kolonnenakkordsystem und wurden im Durch- schnitt nur 30 M. pro Woche verdient. Trotzdem verfügte der Be- tricbsleiter Bundzius auf einzelne Positionen Abzüge von 20 bis 25 Proz. Tagclange Verhandlungen mit der Kommission der Ar- beiter hatten das Resultat, daß die Abzüge auf die Hälfte ermäßigt werden sollten. Aber auch dabei war es nicht möglich, annehmbare Löhne zu erzielen, betrug doch der Abzug immer noch für den ein- zelnen Arbeiter 5 bis 6 M. pro Woche. Man griff zum äußersten, dem Streik. Durch die Arbeitsnicoerlegung fühlte sich Herr Bund- zius gemüßigt, etwas schneller mit der Arbeiterschaft zu verhandeln. Nach l�htägigem Streik wurden die gesamten Abzüge aufgehoben und der Streik war beendet. Herr Bundzius hatte sich schon an den gelben Arbeitsnachweis gewandt, um willfähigere Elemente zu be- kommen. Solche erschienen auch in einer Stärke von 40 Mann. Diese mußten aber unverrichteter Sache wieder abziehen. Jetzt, nach 6 Wochen, scheint Herr Bundzius zu entdecken, daß die alten Leute nicht mehr taugen. Der Wortführer der Kommission hatte das„Glück", zu einer 14 tägigen militärischen Hebung eingezogen zu werden. Nach seiner Rückkehr wurde ihm von Herrn BundziuS erklärt, für ihn sei keine Arbeit vorhanden. Der Mann war acht Jahre bei der Firma Bergemann beschäftigt gewesen. Herr Bundzius hätte wohl Ursache, die Streikangelegenheit ruhen zu lassen. Erst durch Eingreifen der Organisationsleitung war es möglich, genau festzustellen, wie verteilt wird. Innerhalb des Kolonnenakkordsystems ist es dem einzelnen Arbeiter nicht möglich, festzustellen, wieviel er pro Tag verdient hat, dem Vorarbeiter der Kolonne bleibt es überlassen, die Zahl der gelieferten Jsolierrohre anzuschreiben. Wenn hier Unregelmäßigkeiten vorkommen, die zum Schaden der Firma ausschlagen, so liegt das im ganzen System. Schon damals verlangte die Kommission, beim Generaldirektor vorstellig werden zu können. Wäre das geschehen, hätte Herr Bundzius sicher kein Lob erhalten. Das System wird auch nicht besser, wenn er alte Leute hinauswirst. Oeutfches Reich. Der Kampf in Stettin. Wie berichtet wird, haben die Arbeitervcrtreter ein Schreiben an die Werftdirektion gerichtet, in dem sie mitteilen, daß ihrerseits noch Versuche gemacht werden sollen, den be- stehenden Konflikt friedlich zu lösen. Nach einer Meldung aus Hamburg wird der Arbeitgeberverband nicht sofort zur Frage der Gcneralaussperrung Stellung nehmen, sondern es soll zu- nächst versucht werden, die Sache vor ein Schiedsgericht" zu bringen. Wenn das nicht gelingt, oder der Versuch, die Beilegung des Kampfes auf schiedsgerichtlichem Wege herbeizuführen, als mißlungen betrachtet werden müsse, will nian mit der ultimo ratio der Generalaussperrung vorgehen. Daß der Unternehmer- verband, an dessen Robnstheit zu zweifeln man keinen Anlaß hat, Bedenken trägt, die Verantwortung für eine Gcncralaus- sperrung zu übernehmen, ist nur zu erklärlich. Das Vorgehen der„Vulkan"-Werftdirektion fordert doch allzusehr die Kritik heraus. Und ihr AuLspcrrungs„grund" niuß in allen Stadien des Kampfes scharf betont werden. Sie hat 8000 Mann ausgesperrt, weil 500 Mann erklären mußten, das geforderte Maß von Uebcrzeitarbeit übersteige ihr physisches Können. Darum eine Generalaussperrung sämtlicher Werftarbeiter in Deutschland vornehmen zu— sollen, das kann nicht schrecken!_ Der Kistenmacherstreik in Bünde(Wests.) bei der Firma Alt- Hage u. Herbrechtsmeyer wird nach nunmehr 19wöchentlicher Dauer durch das Verhalten der Fabrikanten auf weitere fünf Betriebe ausgedehnt. Dank Vermittelung einiger unparteiischer Personen schien es. als ob eine Verständigung herbeigeführt werden sollte. Die Arbeiter hatten bereits zugestimmt, aber die Fabrikanten wollen Auslese halten, wollen einzelne Arbeiter von der Beschäfti- gung ausschließen. Die Arbeiter der genannten Firma hatten sich erlaubt, Erhöhung der Stundenlöhne um 2 Pf. und der Akkord- löhne um 5 Proz. zw fordern. Laut Lohnbuch soll der Durchschnitts» lohn(inkl. Ueberstunden) 2,77 M. pro Tag betragen haben. Dieser Lohn wird als sehr günstig und angemessen bezeichnet. Unter günstigen Versprechungen werden Leute, die„dem Verband nicht angehören", in hiesigen und auswärtigen Zeitungen gesucht. 140 Kollegen sind seit 19 Wochen ausständig, 100 weitere Kollegen sind am 1. August auf Anordnung der Fabrikanten entlassen worden. Letzteres ist geschehen, nachdem die Streikenden einem hinter ihrer E orderung zurückbleibenden Angebot zugestimmt hatten und die inigung bereits gesichert schien. Zuzug ist fernzuhalten. Deutscher Holzarbeiterverband, Zahlstelle Bünde i. Wests. Em der Frauenbewegung. Das Stimmrecht der Frauen und die Parteien in den Vereinigten Staaten. Die Prohibitionistenpartei in den Vereinigten Staaten hat sich auf ihrer jüngst abgehaltenen Nationalkonvention in Columbus, im Staate Ohio, für das Frauen st im m recht erklärt, alle Bürger und Bürgerinnen von 21 Jahren, die in der englischen Sprache lesen und schreiben können, sollen das Stimmrecht er» halten. Die Partei hat ihre Anhänger in allen Staaten der Union und bekämpft als Wurzel alles Uebels in der Welt den Alkohol. Für diesen Kampf rechnet man besonders auf die Mithilfe der Frauen. Aber obwohl die Partei schon sehr alt ist, hat man sich erst jetzt entschlossen, der Frau das Stimmrecht zuzuerkennen. In den- letzten Jahren hat die Partei an Ausbreitung gewonnen. In vielen Orten haben die Prohibitionisten die Lokalgewalt in Händen und beherrschen die Kommunen. Als die republikanische Partei ihr Programm für die Novemberwahlcn aufstellte, forderten die bürgerlichen Frauen- rechtlerinnen von der Nationalkonvcntion in Chicago ein Zu» geständnis im Sinne ihrer Bestrebungen, aber— man ignorierte die Frauen; ihre Petition wurde nicht einmal in Erwägung ge- zogen. In dieser Petition um Gewährung des Stimmrechts hieß es: „Indem wir im Namen der Gerechtigkeit diese Forderung stellen, mackien wir Sie darauf aufmerksam, daß in den Ver- einigten Staaten über 500 000 Frauen in der Industrie be- schäftigt sind, die durch ihre politische Rechtlosigkeit absolut macht- los sind, ihre Arbeitslöhne, die Stunden ihrer Arbeitszeit, sowie die ihre Arbeit umgebenden Verhältnisse zu beeinflussen. Wir machen Sie darauf ausinerksam, daß, infolge des von den Ge- schäftsinteresscn beeinflußten Charakters unserer Legislaturen, die Kinder unserer Nation einem wahren Jaggernaut, der sich billige Arbeitskraft nennt, geopfert werden, und daß dieselben Geschäftsinteressen den Wasser-, Wald- und Mincralreichtum unseres Landes verwüsten, und damit das rechtmäßige' Erbe kommender Generationen bedrohen." Auf der Nationalkonvention der demokratischen Partei, die in Denver stattfand, erging es den Frauen ebestso, man legte ihre Petition achtlos beiseite. Die sozialistische Partei dagegen erklärte sich rückhaltlos für das Stimmrecht der Frauen, aber auf ihrer Konvention war keine Vertreterin der bürgerlichen Frauenrechtle- rinnen erschienen. Das offizielle Organ der Frauenrechtlerinnen, das„Womans Journal", das in Boston erscheint, hat von der Konvention dcrUSozialistcn und ihren Beschlüssen überhaupt nichts erwähnt. Es hat einen von einer Sozialistin eingesandten Artikel, in welchem die Stellungnahme der Sozialisten gegenüber der Frauenfrage geschildert wurde, abgelehnt. Auf der sozialistischen Konvention waren 19 Frauen vertreten, aber davon brachte das „Womans Journal" kein Wort, dagegen feierte es die Tatsache, daß bei den Republikanern ein einziger Delegierter weiblichen Ge- schlechts an der Konvention teilnehmen durfte, und daß bei den Demokraten einzelne Frauen unter den Delegierten zu sehen waren. Die„New Uorker Volkszeitung" erklärt das durchaus ab- lehnende und feindselige Verhalten der bürgerlichen Frauen mit ihrer Furcht vor dem Sozialismus, mit ihrem ausgeprägten Klassenbewußtsein, welches sie an die bürgerlichen Parteien fesselt. wenn sie auch noch so schlecht dort behandelt werden. Di« bürgerlichen Damen, hier wie dort, wollen eben nicht, die Gleichstellung der Frau und allgemeine politische Freiheit, sie wollen für sich nur die Klassenvorrechte der bürgerlichen Männer erwerben._ »Versammlungen— Veranstaltungen. Mariendorf. Montag, Ausflug mit Kindern nach Lichtenrade, bei Deeter am Bahnhof. Abfahrt 2?1 Uhr vom Bahnhof Marien- dorf. Wilmersdorf. Mittwoch, den 5. August, Ausflug. Trcffpun st 2 Uhr, Brandenburgische Straße bei Selke. Nachzügl, Schmargendorf,„Schützenhaus". Tcgel-Vorsigwalde. Mittwoch, den 5. August, in Waidmannslus im Lokal„Schweizerhäuschcn": Kaffcekochen. Versammlungen. Berichtigung. Von der Firma K. Solomon geht uns folgende Berichtigung zu:„Es ist unwahr, daß vor drei Jahren bei der Firma WeizenmüHle Karl Salomon u. Co. ein Arbeiter, nachdem er vergeblich um Anbringung einer Schutzvorrichtung ersucht hatte, so schwer verunglückte, daß er nach lqngcm Krankenlager seine ge- wohnte Arbeit nicht mehr verrichten konnte, wahr ist vielmehr, daß der betreffende Arbeiter in meinem Betriebe keinerlei Unfall er- litten und gemeldet hat. Es ist unwahr, daß die Firma dem be- treffenden Arbeiter dauernde Beschäftigung versprach, wenn er auf Meldung des Unfalles verzichte, wahr ist vielmehr, daß vor- kommende Unfälle stets bei der Müllereiberufsgenossenschaft, bei der alle Mühlenarbeiter der Firma versichert sind, angemeldet werden. Hochachtend Karl Salomon, in Firma: Weizenmühle Karl Salomon u. Co. Letzte JVacbrlcbten und Depefcben« Der französische„Zeppelin". Paris, 1. August.'(B. H.) Das MUitärluftschiff„Repu. blique" unternahm heute von dem Lustschifferpark Chalet-Meudon aus eine längere Fahrt. Der Ballon schwebte längere Zeit über Paris und dem Bois de Boulogn«, nahm verschiedene Manöver vor und kehrte hierauf ohne die geringste Schwierigkeit wieder an seinen Auffticgsort zurück._ Typhus. Plauen, 1. August.(93. H.) Wie die„Neue Vogtländische Zeitung" von zuständiger Seite erfährt, ist bei zwei in dem städti- schen Krankenhause eingelieferten Personen aus dem benachbarten Dorfe Unterlosa Typhus festgestellt worden. Pestratten. Hamburg,- 1. August.(B. H.) An Bord des von Buenos Aires eingetroffenen Dampfers„Granada" wurden fünf verdächtige Ratten gefunden. Menschen sind.nicht erkrankt. Vorsichtsmaß- regeln wurden getroffen._ Automobilungliick in der Garage. Dresden, I. August.(B. H.) Ein schwerer Automobilunfall, bei dem ein Menschenleben vernichtet wurde, ereignete sich heute(Sonn- abend) nachmittag gegen 5 Uhr in einer Automobilhalle des Grundstücks Restdcnzstr. 6 in der Vorstadt Strehlen. Es explo- dierte unter donnerartiger Detonation der Benzinbehälter eines Automobils. Letzterer sowohl als auch der Chauffeur Förster, wohnhaft in Dresden, Am See. standen sogleich in vollen Flammen. Der Chauffeurwurdespäter a l s v e r k o h l t e Le i ch e geborgen. Das Automobil verbrannte bis auf die Eisenteile. Pero?tl». Redakt.: Georg Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstqlt Paul Singer&. Co., Berlin S W. Hierzu 3 Beilagen. Nr. 179. 25. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Aus Induftrie und Handel. Begehrlichkeit der Arbeiter. Judustrielle Konzentration. Sonntag, 2. August 1908. Die Erwerbslosigkeit in der Lederhandschuhindustric Für den soeben erschienenen zweiten Teil des Jahresberichtes hat dem Verband der Handschuhmachergehilfen in der Zeit vom der Handelskammer für den Kreis Essen hat die Stinnessche Ver- 1. Januar 1907 bis Ende Juni 1908, also innerhalb anderthalb waltung wiederum einige Angaben gemacht über die Höhe der Jahren zirka 155 000 M., die zur Unterstüßung der arbeitslosen Förderung, der Kotserzeugung und der Gewinnung von Neben- Mitglieder am Orte und auf der Reise aufgewendet werden mußten, erzeugnissen bei den ihr unterstehenden fünf Zechen. Stellen wir gekostet. Der Handschuh, mehr Luxusgegenstand als notwendiges diese Ziffern( in Tonnen) denen des Vorjahres gegenüber, so erhalten Kleidungsstück, wird zuerst entbehrlich und kann am längsten entwir folgendes Bild: behrt werden, so daß in der Regel in der Handschuhindustrie die Geschäftsstockung länger anzuhalten pflegt, als dies in manchen anderen Industrien der Fall ist. Kohlenförderung Kots Teer Ammoniakwasser Ammoniat Leichtöl Benzol Toluol 1906 in Tonnen 2415 033 428 039 14 167 2 635 2702 1 242 1907 3 032 915 538 260 16 924 5 262 2318 1794 ΕΠ Pech Teeröl Roh- Anthrazen Roh- Naphthalin Schmierfette Ziegelsteine( in Stüd) 745 106 9 929 5.990 438 1208 52 1 404 259 9573 6 103 443 1 618 27 30 254 349 30 478 950 Verschärft wird die gegenwärtige Krise im Handschuhgewerbe noch durch die Mode des furzen Aermels an den Damenkleidern. Diese bedingen den langen Handschuh, der, falls er von Glace oder Dänischleder hergestellt ist, ziemlich teuer zu stehen kommt, weshalb die billigeren Zwirn- und Seidenhandschuhe vorgezogen verden. Unter den Folgen des Konsumrüdganges an Lederhandschuhen haben natürlich die Arbeiter und Arbeiterinnen sehr schwer zu leiden. Wie jetzt, hatte auch 1901/02 die Handschuhindustrie, eine heftige und langanhaltende Krise zu überstehen, aber während damals ( bom 1. Januar 1901 bis 31. Juni 1902) für 91 824 Arbeitslosentage Unterstüßung aus Verbandsmitteln gewährt wurde, entfallen diesmal auf denselben Zeitraum 117 983 Arbeitslosentage. Mit dieser Zahl kommt der volle Umfang der Arbeitslosigkeit nicht zum Ausdruck. Obwohl der Handschuhmacherverband für sechzehn Wochen Dort- Unterstüßung gewährt, ist die Zahl der bereits ausgesteuerten Mitglieder erheblich angewachsen. In den Monaten April, Mai und Juni des laufenden Jahres waren von 2747 männlichen Verbands= mitgliedern 932, und von 490 weiblichen Mitgliedern 84 arbeitslos. also von 3237 Mitgliedern überhaupt hatten 1016 oder 31,3 Proz. im zweiten Quartal 1908 feinen Erwerb. Die Firma Friedr. Krupp hat ihrem Wohlfahrtskranze ein neues Lorbeerblatt eingefügt. Sie hat den rheinisch- westfälischen Großindustriellen zu Gemüte geführt, daß es notwendig sei, gegen die Begehrlichkeit der Arbeiter Maßnahmen zu treffen. Krupp- Wohlfahrt! Seitdem das Haus Krupp feudal geworden ist, wird der auf der Fabrik im letzten Jahrzehnt überhandnehmende Assessorismus durch die noch weniger angenehmen Junkermanieren und-Grundsäße in der Arbeiterpolitit ersetzt. Diesmal war ein Dr. Schmidt das Mundstück, durch welches die Firma Krupp von sich reden macht. In der Generalversammlung der Bergbaugesellschaft Konkordia war's. Natürlich ist die Firma Krupp Aktionärin einer ganzen Reihe anderer industrieller Unternehmen. Solche Pragis fördert die Geschäftsverbindungen untereinander nicht zuungunsten des Aktionärs, der Aufträge hereinholen will. Oft auch ist der Ankauf von Aktien eines anderen Unternehmens der Beginn einer Fusion oder einer noch engeren Verbindung. In der Generalversammlung Konkordia, in der Dr. Schmidt als Vertreter der Firma Krupp auftrat, stand auf der Tagesordnung der Punkt: Erhöhung des Im Jahre 1860 wurden im ganzen Oberbergamtsbezirk Aktienkapitals um nominell 14 Million Mark. Ein Bankenk onsortium mund nur 4 Millionen Tonnen Kohlen gewonnen. follte den ganzen Posten zum Kurse von 240 Prozent übernehmen und 1 Million den alten Aktionären zu dem genannten Kurse an- Der Beschäftigungsgrad in der sächsischen Textilindustrie ist außer bieten. Der Gesellschaft werden auf diese Art 3 000 000 Mark zu- ordentlich unbefriedigend. Anders lautende Meldungen find unfließen, wovon 134 Millionen Mark gesetzmäßig dem Reservefonds zutreffend. Die Arbeiterorganisation hat im Monat Mai durch eine Durch die lange Erwerbslosigkeit gezwungen, suchten viele Handzugeführt werden müssen. Der Vertreter der Wohlfahrtsfirma Umfrage versucht, den Umfang der Betriebseinschränkung annähernd schuhmacher in anderen Berufen Unterkunft. Ein Teil dieser Bewollte von dem Vorschlage des Vorstandes nichts wissen; er schlug wie er seit Jahrzehnten nicht zu verzeichnen war. Im ganzen vogt- andere traten über zu anderen Organisationen. Infolgedessen festzustellen. Das Resultat zeigte einen Mangel an Beschäftigung rufsangehörigen blieb trotzdem beim Handschuhmacherverband, vor, 3 Millionen Mark neuer Aktien, und zwar zum Kurse von ländischen Stickereigebiet war die Produktion außerordentlich ein- ging die Zahl der männlichen Mitglieder von 3199 im ersten 103 Prozent, event. zum Parifurse, an die alten Aktionäre auszu- geschränkt worden. Die Sticker mußten wochenlang feiern. Die Quartal 1907 auf 2747 im zweiten Quartal 1908 zurüd. Bei den geben. Durch solche Kapitalverwässerung werde die Dividende Stücklöhne der Sticker find fast durchgängig um mindestens 25 Pro 3. weiblichen Mitgliedern ist der Rüdgang( 835 zu 490) weit erheb tünstlich reduziert, was ihm notwendig erscheine, einmal in Rücksicht gekürzt worden. Die Lohnreduktionen waren für die Unter- licher. Im Verlauf der gegenwärtigen Krise sind einzelne Unterauf die drohende Dividendensteuer, besonders aber als Vor beuge nehmer leicht durchführbar, da die Sticker nur mangelhaft organisiert nehmer direkt vertragsbrüchig geworden, bei anderen blieb es beim gegen die Begehrlichkeit der Arbeiter und die wachsende Industrie- sind. Mit den Stickern feierten selbstverständlich die Zehntausende Versuch. Augenblicklich macht sich in der Handschuhindustrie ein leises feindschaft in Regierungs- und Reichstagskreisen! Die hier entblößten Arbeiterinnen, die als Fädlerinnen usw. tätig sind und die in Motive, auf die es lediglich ankommt, sind von Dr. Schmidt in der gleich großer Zahl in der Heimarbeit beschäftigten Bäckle- Anzeichen von Besserung bemerkbar. Die Besserung macht sich Versammlung wiederholt betont worden. Schon das schließt wohl einen innen. Insgesamt kommen in den drei Städten Plauen, Falken- hauptsächlich dadurch merkbar, daß die in Arbeit verbliebenen stein und Pausa, mit Ausschluß der Heimarbeiterinnen, Handschuhmacher weniger feiern müssen. falschen Zungenschlag aus. Die Versammlung wurde am 29. Juli abge- zirka 16 000 Arbeiter und Arbeiterinnen bei der Produktionshalten, die Firma Krupp hat aber auch ihren Vertreter nicht desavouirt. Sie einschränkung in Frage. Ebenso lagen die Dinge in der Wirkerei würde das sofort getan haben, wenn ihres Vertreters Auslassung, des Erzgebirges, und zwar sowohl in der Strumpf, der Handschuhabgesehen vielleicht von der Form, nicht sinnge mäß ihren und der Trifotagenbranche. Die Krisis hat hier später eingesetzt Intentionen entspräche. Die Firma Krupp, die so gern ihre wie in der Stickerei. In Thalheim, Hohenstein- Ernstthal, Taura, StollArbeiterfreundlichkeit als Reklamefchild auf dem offenen Markt zur berg, Gelenau, Hartmannsdorf, Burgstädt, Jahnsdorf, Mühlau, KleinSchau stellt, als Scharfmacherin gegen die Begehrlichkeit der Arbeiter, olbersdorf, Neukirchen, Limbach und Chemnitz waren etwa 6000 Bergegen Regierung und Reichstag, das ist wirklich ein pilantes Moment fonen mit vertürzter Arbeitszeit beschäftigt. In der Wirkerbranche, ist wieder einmal durch ein Urteil bestätigt, welches die 141. Abganz besonders der Handschuh- und Trikotagenbranche, wurden die teilung des Schöffengerichts Berlin- Mitte gestern fällte. Angeklagt für die im Herbst im Reichstag in Aussicht stehende Fortsetzung der Stücklöhne reduziert. In der Strumpfbranche führten die Lohn war der Dreher Diehl, weil er am 6. Mai vor dem Hause Weins Debatte über die Kruppsche Wohlfahrts Plage! reduktionen zu dem großen, jezt nach 31 Wochen beendeten Kampf. bersweg 27 stand und der Aufforderung eines Schußmanns, sich In Chemnitz wurden nur 950 mit verkürzter Arbeitszeit zu entfernen, nicht Folge leistete. Diehl ist seiner Angabe nach angegeben. Die großen Chemnizer lediglich deshalb unter den Balkon des angegebenen Hauses geKonkurs der Solinger Bant. Die Konkursbilanz schließt, wie beschäftigte Personen die„ Kölnische Zeitung" meldet, mit zwei Millionen Fehlbetrag ab. Crimmitschaus und Werdaus arbeiten 7000 Personen in 82 Betrieben wollte. An tausend anderen Stellen hätte sich Diehl zweifellos, ob Spinnereien arbeiteten noch voll. In den Bigognespinnereien treten, weil es regnete und er sich vor dem Naßwerden schühen Lage trostlos, das ist das Resultat, das man aus dem letzten nur 5 Tage pro Woche. In der Stoffbranche Glauchaus, Meeranes, es nun regnete oder nicht, unbehelligt aufhalten können. Daß er Bericht des Stahlverbandes gewinnt. Es wurde da berichtet: Reichenbachs, Mylaus usw. müssen die Weber aussehen, oder sie es aber gerade an jener Stelle tat, das sollte ihm zum Verhängnis In Halbzeug hat die inländische Kundschaft ihren Bedarf für wurden nur auf einem Stuhl beschäftigt. Die Arbeitszeit zu ver- werden. Denn schräg gegenüber seinem Standpunkt, auf der das 3. Quartal durchweg gedeckt, und zwar ungefähr in der Höhe( 1) fürzen, lehnten die Unternehmer in einer Versammlung ab. In anderen Seite der Straße befindet sich eine Schuhfabrik, deren Arder Bezüge für das 2. Quartal. Im Auslandsgeschäft herrscht wie Zwickau und Leipzig wurden für 11 000 Arbeiter die Arbeits- beiter zu jener Zeit streitten, wovon Diehl allerdings keine Ahnung feither Ruhe. Im schweren Eisenbahnmaterial sind nunmehr von zeit eingeschränkt. Auch die fleineren in Sachsen ber- hatte. Der vor der Fabrik postierte Schuhmann forderte Diehl auf, sämtlichen deutschen Eisenbahnverwaltungen die Jahresbedarfs- tretenen Branchen, wie Teppichweberei, Posamentenfabrikation feinen Platz zu verlassen. Diehl weigerte sich, er wurde sistiert und mengen aufgegeben, die durchweg und zum Teil erheblich hinter arbeiten fast durchgängig mit beschränkter Produktion. In den erhielt einen auf 30 2 lautenden Strafbefehl. Vor Gericht berief dem vorjährigen Bedarf zurückbleiben. Vom Auslande wurden verflossenen zwei Monaten hat sich die Lage noch sehr ver- sich der Angeklagte darauf, daß er von dem Streik gar nichts gemehrere Aufträge auf Oberbaumaterial hereingenommen. Die schimmert. So sind jetzt alle Städte der Laufig von der Krise sehr wußt habe, daß er als Dreher auch gar nicht das geringste InterSpezifikationen für die Deutsch- Dstafrikabahn Morohoro- Tabora find hart heimgesucht, Neugersdorf, Reichenau, Ebersbach, Seifhennersdorf, effe an dem Streit der Schuhmacher hätte. Das wurde dem Andemnächst zu erwarten. In Rillen- und Grubenschienen herrscht Cunewalde, Leutersdorf, Hirschfelde arbeiten nur 5 oder 4 Tage pro geflagten zivar geglaubt, konnte ihm aber nichts helfen. Denn er immer noch Zurückhaltung und die vorliegenden Auslandsgeschäfte Woche. In Neugersdorf ruhen die Betriebe jest volle acht Tage, war ja wegen Hebertretung der Straßenpolizeiverordnung ange werden von den fremden Werken scharf umstritten. Formeisen. Nach weil die Schüßengesellschaft großes" Bogelschießen hat. Wer in flagt, welche in der ihr gegebenen Deutung jeden Schuhmann das Verlängerung der Trägerhändlervereinigung wurde die Abschluß- Neugersdorf mehr als 5 Mart pro Woche verdient, muß häufig Recht gibt, jeden beliebigen Straßenpassanten im Interesse der tätigkeit etwas besser, doch herrscht im großen und ganzen im noch einige Tage auf Rette warten. Viele Arbeiter öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit" den Aufenthalt auf Trägergeschäft Ruhe, da die erhoffte Belebung des Baugeschäftes gehen in das benachbarte Desterreich, weil dort der Geschäftsgang der Straße zu untersagen. Dafür, daß der Angeklagte die Ruhe, nicht eingetreten ist. In der Lage des Auslandsmarktes ist eine etwas besser ist. In einigen Bezirken, so im Vogtland für Ordnung und Sicherheit auch nur im mindesten gefährdet hatte, wesentliche Aenderung seit dem letzten Bericht nicht eingetreten. Die Stickerei, ist jetzt eine kleine Belebung zu verspüren, doch ist es konnte selbst der als Zeuge auftretende Schuhmann Otto nicht das Die Kundschaft hält nach wie vor in Betätigung neuer Abschlüsse noch sehr fraglich, ob das den Beginn dauernder Besserung Geringste anführen. Dieser bestätigte vielmehr, daß Diehl weder zurüd. mit Streifenden noch mit Arbeitswilligen in Berührung gekommen der Kleines feuilleton. Was tut aber Kaiser Ein bedeutet. Gerichts- Zeitung. Die Majestät des Schuhmanns. Ausweg. Bei Euch gibt es wohl keinen Erholungsurlaub?" " Nein, da muß man erst aus Gesundheitsrüdsichten frant werden!" ( Fliegende Blätter."). Fortschritte." Was macht Ihr Sohn für Fortschritte auf der Universität?", sehr gute, er kann jetzt schon ſaufen, auch wenn er keinen Durst hat." Notizen. so heißt es in dem Bericht, wie am Start, auf dem Turm, angetan mit einem sehr langen, breiten Gewande; dasselbe war weiß und gebogene Weidenstäbe spannten den Stoff bäuchig aus. Die Absicht Gäfar als Kavallerist. In Swinemünde wird heute ein des Sarazenen ging nun dahin, mit diesem Gewande, wie ein mal enthüllt. Kaiser Wilhelm, von seiner Nordlandsreise zurüd- Schiff mit ſeinem Segel, zu fliegen, indem der Wind fich in den gekehrt, ist auch gerade in Swinemünde. Also wird er wohl an des Schauspiels freuend und die Zuschauer riefen oft:" Fliege, Wölbungen fängt. Aller Augen richteten sich nun auf ihn, sich Tohalen und patrotischen Bürger von Swinemünde und es waren fliege!" und" Wie lange, Sarazene, willst Du uns hinhalten und der Gräfin Schollenbruch, die den Bürgerlichen heiraten will, schon Aus dem feudalen Berlin.„ hat denn die Familie schon großartige Ovationen vorgekehrt. den Wind vom Turme abschäßen?". Der Kaiser aber schickte zu Der Sultan, der Maßregeln ergriffen." ihm, und ihn von dem Wageſtück abzuhalten. „ Ja. Man hat einen Gesundbeter Wilhelm? Er bleibt der Enthüllungsfeier fern, und zwar aus sich unter den Zuschauern befand, schwankte zwischen Furcht und kommen lassen." ganz prinzipiellen Gründen. Das zu enthüllende Denkmal ist Soffnung hinsichtlich des ungewissen Ausganges, und war um Kleines Gespräch. Hat denn das Ministerium das nämlich tein Reiterstandbild, sondern zeigt den Kaiser Friedrich seinen Landsmann besorgt. Dieser jedoch prüfte häufig den Wind Recht, den Lehrer Behl zu bestrafen?"" Natürlich! Er hat das in ganz degradierender, man möchte sagen: nivellierender Weise und hielt die Zuschauer hin, indem er vielmals die Arme erhob bayerische Zentrum bekämpft, und das ist Widerstand gegen die zu Fuß. Kaiser Wilhelm, aber steht auf dem Standpunkt, daß und sie, wie Flügel gebrauchend, zur Flugbewegung herabzog, um Staatsgewalt!" jeine erlauchten Vorgänger nur zu Pferde, mit der bewußten ge- den Wind aufzufangen. Als dieser ihn nun zum Tragen günstig bieterischen Feldherrngebärde abgebildet werden dürfen. Der Preuße. Et is jarnich schivierig, en vanünftiges Standbild ohne Gaul, das mag für die Handlanger" angemessen erschien, ſchwang er sich wie ein Vogel hin und her und schien in Wahlrecht zu kriegen: id brauche bloß nach der Türkei zu fahren der Luft zu fliegen. Aber er war ein bedauernswerterer Luft- un mir dort naturalisieren zu lassen!" sein für einen Bismard, Moltke oder Roon. Ein deutscher fahrer als Jtaros: Als schwerer Körper zu Boden geworfen, nicht ( Jugend.") Kaiser aber darf sich dem Beschauer nicht so plebejisch, allgemein wie ein leichter fliegend, schlug er schließlich unten auf und menschlich präsentieren, es muß sich vielmehr in den Monumenten gab seinen Geist auf, da ihm Arme und Beine und alle Knochen cindrucksvoll befunden, daß die Hohenzollern von der Kavallerie im Leibe gebrochen waren. Freilich fügt der alte Historiker dieser sind und nicht von der Infanterie wie irgendein Moltke, oder gar Schilderung hinzu, daß man den Sarazener anfänglich für einen am Ende vom Zivil wie diese hergelaufenen Goethe, Schiller und Gautler gehalten habe, daß er aber doch wohl, wie sich später was da sonst noch für Krethi und Plethi in deutschen Landen auf erwies, ein höchst unseliger Mensch und offbarer Selbstmörder geden Granitfodeln herumlungert. Kaiser Wilhelm hat die Teil- wesen wäre. - Gin hervorragender Alpinist. Jm 71. Lebensnahme an dieser Enthüllungsfeier rundweg und ausdrücklich abjahre ist in Wien am Mittwoch der Vorkämpfer des Alpinismus gelehnt, obgleich die Bürger von Swinemünde entschlossen waren, und Erschließer der Dolomiten Paul Grohmann gestorben. Wein auf Zeit. Die fübitalienischen Weinbauern Grohmann war einer der Begründer des Deutschen und Desterdurch ihren Bürgermeister flehentlich um die hohe Ghre zu bitten. Die Folge dieses Verhaltens wird zweifellos die sein, daß in den sind noch immer von der Kriſe des Ueberflusses geplagt. Noch sind reichischen Alpenvereins und ein begeisterter Freund des Tiroler Ileineren deutschen Städten das bisher so lebhafte Bedürfnis nach die Fässer voll von dem überreichlichen Ertrag des vorigen Jahres Hochgebirges, dessen Erforschung und Erschließung er zu ſeiner. Hohenzollernmonumenten ein wenig abflaut. Denn mit den und schon droht" eine neue gute Ernte. Um den Absatz zu fördern, Lebensaufgabe machte. Seine Erstbesteigungen in den Dolomiten Reiterstandbildern ist es' ne eigene heitle Sache. Sie sind nämlich ist ein Weinproduzent in Catania darauf berfallen, den Wein auf in den 60er und 70er Jahren waren für die damalige Zeit hervor cin bißchen zu fostspielig für den provinziellen Patriotismus, und Beit zu verkaufen. Während der Preis pro Liter im Hausverkauf ragende touristische Leistungen, besonders die Bezwingung des die Kavallerie ist ja auch für die bildende Kunst eine teure Waffe. auf 10 und sogar auf 5 Centesimi( 8 und 4 Pf.) geſunten ist, gibt Sorapis, des Monte Pelmo, des Langkofel und der großen Zinne. Der Gaul kostet mehr als der Mann und es könnte passieren, daß der angeführte Wirt Wein nach Belieben für 15 Centesimi pro Grohmann hat schon zu Lebzeiten ein herliches Monument ereine Stadt wie Swinemünde sich an einem solchen Kaisermonument Stunde. Ein Konkurrent in Alicatena nimmt gar nur 10 Centefimi halten, denn ein gewaltiger und sehr schwer zu ersteigender Gipfel finanziell verblutet. Deshalb wird sich wahrscheinlich in Zukunft für eine Stunde und ermäßigt für zweistündigen Konsum die Tage in der Langkofelgruppe, die Grohmannspitze, führt seinen Namen. der Ehrgeiz der Kleinstädte, ihre Pläge mit Monumenten zu auf 151 Die Behörden warten natürlich ab, bis sich diese neuen Die Marseillaise" in Rußland. Bier Revaler schmücken, wieder plebejischeren Vorwürfen zuwenden, und manche Schantmethoden in stärkerer Verbrecherfrequenz und Krankheit um- Sängerchöre erhielten die Erlaubnis, in Anwesenheit der hohen Bürgerschaft wird, weil sie sich einen Kaiser Friedrich zu Pferde gesezt haben. Und doch kann hier nur die Regierung eingreifen Gäste ihre Kunst zu zeigen. Unter andereni war beabsichtigt nicht leisten tann, mit einem schäbigen Goethe zu Fuß vorlieb durch Erleichterung der Destillation und durch Schaffung günstiger Transportbedingungen für die frischen Trauben der neuen Ernte. Unter den heutigen Umständen wird der Segen der guten Ernte zum Fluch für die Volksgesundheit. nehmen. Humor und Satire. Von einem Flugversuch in Byganz erzählt, wie Dr. H. Krüger in der Deutschen Zeitschrift für Luftschiffahrt" mitteilt, der Historifer Niketas Afominatos. Der Versuch, den Niketas selbst mit angesehen hat, wurde von einem Sarazenen unternommen, als der Seldschuten- Sultan Kilidisch- Arslan II. von Jfonien dem Kaiser Vornehm. Kindermädchen( zur Gnädigen, die im Garten Manuel Komenos in Stonstantinopel einen Huldigungsbesuch ab- Besucht hat):„ Soll ich die Mädchen holen? Sie sind im Kinderstattete. Der Mann fletterte auf den Turm des Hippodroms und zimmer!" Parvenusgattin: endlich einmal!" " gestern vormittag das Denkmal des berühmten Chemikers Georg In Heidelberg wurde unter großen Feierlichkeiten Bunsen enthüllt. Die Festrede hielt Bunsens Nachfolger, Professor Curtius. worden, die russische Symne„ Gott fchüße den 3aren" und die Marseillaise" in estnischer Sprache vorzutragen. Der Text und die Noten der offiziellen französischen Boltshymne sollten also ab= Bedruckt und unter die Sänger verteilt werden. Der Zensor berbot jedoch, die Marseillaise", als illegales Lied", zu druden; dann kam auch der Gouverneur und verwehrte das Singen der „ Marseillaise". Dem Dirigenten des vereinigten Chores blieb schließlich nichts übrig, als unter den Klängen der Marseillaise" gewöhnliche estnische Lieder vorzutragen. Die republitanijchen zu erklärte, daß er die Rennbahn durchfliegen wollte. Er ſtand nun, Sie sich das endig ugatti:„ Pitte: Jugendsalon!... Merken Alliierten glaubten aber sicher, daß ihre Nationalhymne ihnen su Ehren in estnischer Sprache zum Vortrag gelange... fet. Auch daß der Angeklagte den Verkehr gestört habe, konnte der Verbindung brachte, so ist das wieder ein Beweis dafür, daß auch| feit far. Der Kriminalfommissar Nasse I stellte fest, daß Lehmann Zeuge nicht behaupten. Es lag also für den Schußmann fein ein Richter, den wir in anderen Fällen als recht objektiv fennen Ende November den Besuch eines etwa 25 jährigen Menschen erGrund vor, dem Angeklagten den Aufenthalt auf der Straße au gelernt haben, sich von den Vorurteilen, die in seiner Gesellschafts- halten hatte, ber, wie Nachbarn gehört hatten, mit 2. in Streit geverbieten. Aber, wie der Schußmann sagte, ist Diehl in dem flasse herrschen, beim besten Willen nicht freimachen kann. Auf die raten war, Lehmann war dann in Hemdsärmeln und Pantoffeln Schanklokal gewesen, wo auch die Streifenden zu verkehren Benutzung der Straßen hat ein jeder ein Recht. Die vom Kammer in ein in der Thomasiusstraße gelegenes gofal gelaufen und hatte pflegten. Der Schußmann nahm also wohl an, daß Diehl zu den gericht aufgestellte Theorie, der Richter habe nicht nachzuprüfen, den Wirt um Schub gebeten. Als dieser Streifenden gehörte oder mit ihnen in Verbindung stand. Nur so ob ein Fortweisen im Interesse der Ruhe, Ordnung oder Sicher- an die Polizei wenden, war der Ermordete sehr ängstlich geworden ist es zu erklären, daß des Angeklagten Anwesenheit, der zu einer heit gelegen habe, stellt den Richter tiefer, den Schußmann höher, und sagte, er wolle mit der Polizei nichts zu tun haben. Der anderen Zeit jedenfalls unbehelligt an der betreffenden Stelle als er ja im absolutesten Polizeistaat gestanden hat, wird aber Kommissar folgerte hieraus, daß jener unbekannte junge Mann ein hätte verweilen fönnen, in den Augen des Schußmanns zu einer gar das Ausüben eines Rechts des Arbeiters- Streifpostenstehen Erpresser war, der sich die Neigungen des 2. zunuze gemacht hatte. Gefahr für die öffentliche Ruhe und Ordnung wurde. Während als Anlaß au einer polizeilichen Fortweisung oder gar vom Der Berdacht lenkte fich schließlich auf ben jezigen Angeklagten fich der Angeklagte darauf berief, daß er ja nur unter den Balkon Gericht als Straferschwerungsgrund betrachtet, so deklarieren das Liefeld, welcher sich nicht nur als Erpresser, sondern auch als Zutrat, um sich vor dem Regen zu schüßen, behauptete der Schußmann durch die Behörden; in Preußen- Deutschland ist der Arbeiter rechts hälter betätigte, Bei feiner Verhaftung stellte Diefeld erst in Otto als Zeuge, es sei ja heller Sonnenschein gewesen. Diese An los, weil er Arbeiter ist und eine Besserung seiner Lage anstrebt. Abrebe, ben Ermordeten überhaupt zu kennen. Als man ihm dies gabe des Schuhmanns schien dem Vorsitzenden. Amtsgerichtsrat als unrichtig nachtvies, behauptete er, den 2. zwar zu kennen, wolfie Wollmer, so über jeden Zweifel erhaben, daß er lebhaft wider Ein Streif jugendlicher Mitfahrer ihn aber mehrere Monate nicht gefehen haben, Gine Gegenübersprach, als der Angeklagte beantragte, einen von ihm zur Stelle hatte, wie wir der Thieleschen Gerichtsforrespondenz entnehmen, zu stellung des Angeklagten mit einigen Hausbewohnern ergab, daß gebrachten Zeugen zu hören, der bekunden fönne, daß es doch ge- einem Vorfall Anlaß gegeben, mit welchem sich gestern die vierte biefer ber Mann war, vor dem Lehmann die Flucht ergriffen hatte. regnet habe. Erst nach einigen Sins und Herreden ließ sich das Ferienstraftammer des Landgerichts I zu beschäftigen hatte. Wegen Schließlich wurden auch noch Briefe vorgefunden, in denen der Gericht zur Bernehmung dieses Zeugen bewegen. Der Beuge be- Bergehens gegen den§ 153 der Reichsgewerbeordnung, gefährlicher Angeklagte Erpressungsversuche gemacht hatte. Während das Ver kundete zunächſt, es habe zur Zeit, als der Angeklagte unter dem Körperverlegung und Nötigung waren die Mitfahrer Kreowski, fahren wegen Ermordung des 2. noch nicht abgeschloffen ist, erhob Balton stand, geregnet. Der Vorsitzende verstand es, den Widerspruch Jachwitz, Rose und Haase angeklagt. Außerdem. mußten sich noch die Staatsanwaltschaft die vorliegende Anklage wegen Erpreffung, zwischen den Aussagen der beiden Zeugen in einer eigenartigen vier andere zum Teil noch jugendliche Arbeitsburschen wegen der Die Verhandlung fand teilweise unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Der Staatsanwalt Gyfae beantragte mit Rücksicht auf das Weise zu lösen. Die Annahme, daß auch ein Schuhmann sich irren gleichen Vergehen verantworten. Im März d. J. brach unter den könne. kam dem Vorsitzenden augenscheinlich nicht. Dagegen machte von dem Berliner Transportkontor der Vereinigten Spediteure an- überaus gemeingefährliche Treiben eine Gefängnisstrafe von zwei er den anderen Zeugen, einem an jenem Streit beteiligt geweſenen gestellten jugendlichen Mitfahrern ein Streit aus. Am Morgen Jahren. Das Gericht erkannte auf zwei Jahre Gefängnis und fünf Schuhmacher, eindringlich auf die Folgen eines Meineibes aufmert. bes 29. März hatten sich vor dem in der Haidestraße gelegenen Jahre Cheverluſt. sam, und sagte, er werde die Aussagen des Zeugen protokollieren Bufahrtstor etwa 30 streifende Mitfahrer angesammelt, um einen laffen und die Aften weitergeben. Angesichts der ziemlich sicheren Arbeitswilligen" abzufangen. Es war dies der Bodenarbeiter in Berlin tagt jeben ersten Montag im Monat im Restaurant Stegmann, Silfskaffe der Graveure, Ziseleure und verwandten Berufsgenossen Aussicht auf einen Meineidsprozeß, schränkte der Zeuge seine Aussage Stempel, der als Nichtorganisierter" weiterarbeitete. Kaum hatte Lutsenuser 1, abends 8-10 hr. nach und nach dahin ein, daß er nicht bestimmt fagen fönne, ob es ber Wagen die Straße erreicht, als Rufe ertönten: aut den Uhr. Haut gerade zur fraglichen Zeit geregnet habe, obwohl es an dem be- Streitbrecher runter vom Wagen." Einer der Streifenden fletterte treffenden Tage wiederholt regnete. Vielleicht wäre auch der hinten auf den Wagen hinauf und schlug auf Stempel ein. In Schußmann von seiner bestimmten Aussage, daß aur fraglichen dem nun folgenden Handgemenge stürzten beide auf die Straße Wochen- Spielplan der Berliner Cheater, Beit Sonnenschein herrschte, zurückgekommen, wenn der Vorsitzende herab. Die mit Latten bewaffneten Streifbrecher sollen nunmehr Neues königl. Opern- Theater. Sonntag: Meistersinger.( Anfang auf ihn ebenso eingewirkt hätte, wie auf den anderen Beugen. auf Stempel eingeschlagen haben, bis dieser am Boden liegen blieb. 6 Uhr.) Montag: Cavalleria rusticana. Bajazzi.( Anfang 7% 11hr.) Hatte doch der Schußmann, ohne jede Einwirkung des Vorfißenden, Der ganz unbeteiligte Bruber des St., der zu Silfe eilte, wurbe Dienstag: Lohengrin.( Anfang 7 Uhr.) Mittwoch: La Traviata.( uns 6 Angeklagten zur Wache ging, schien die Sonne. Hiernach blieb Schuld in Abrede. Der Staatsanwalt beantragte Gefängnisstrafen Gefchloffen. Sonnabend: Figaros hochzeit,( njang 7 Uhr.) Sonntag also immerhin zweifelhaft, ob es nicht doch kurz vor der Siftierung von 5 bezw. 3 Tagen. Das Gericht ging jedoch noch über diesen Lohengrin.( Anjang 7 Uhr.) Montag: Die lustigen Beiber von Windsor. geregnet habe. Aber wenn ein Schußmann einmal mit der den Antrag hinaus und erkannte gegen Kreowski und Rose auf je einen( Anfang 7 Uhr.) Neues Theater. Täglich: Der Berrissene. Beamten eigenen Bestimmtheit eine Aussage gemacht hat, dann Monat, gegen Jachwig und Haase auf je zwei Wochen Gefängnis, Neues Schauspielhaus. Täglich: Die Dollarprinzeffin. haben nicht beamtete Zeugen in der Regel einen schweren Stand Kleines Theater. Täglich: 2 × 2 = 5. bor Gericht. Eine Erpressungsaffäre, die mit der Ermordung des Kaufmanns Lustspielhaus. Allabendlich: Die blaue Maus. In der Sache selbst hielt das Gericht nicht für erwiesen, daß Mag Lehmann Schiller Theater O. Abenbs 8 Uhr: Oberon. Sonntag nachmittag der Angeklagte zur Beobachtung des Streits an dem betreffenden in engem Busammenhange steht, beschäftigte gestern die zweite 3 Uhr: Undine. Montag: Der Postillion von Lonjemeau. Dienstag: Donnerstag: Fidelio. Blaze stand, aber auch nicht des Regens wegen habe er bort ge- Ferienstraffammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Land- Die Zauberflöte, Mittwoch: Die weiße Dame. standen. Weshalb er dort stand, könne gleichgültig sein. Er habe gerichtsdirektors Westermann. Aus der Untersuchungshaft Freitag: Stradella. Sonnabend: Oberon. Sonntag abends 8 Uhr: Martha. der Aufforderung des Schutzmanns Folge leisten müssen. Da er wurde der 26 jährige Tischler Willi Liefeld vorgeführt, welcher sich Sonntag nachmittag 3 Uhr: Carmen. Friedrich Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag bis es nicht tat, habe er die Straßenpolizeiverordnung übertreten. wegen versuchter und vollendeter Erpressung verantworten mußte. Freitag: Ein Rabenvater. Sonnabend, Sonntag und Montag: Suse. Weil das schwerwiegnde Moment der Beteiligung des Angeklagten Jm Quergebäude des Hauses Alt- Moabit 114 wohnte längere Zeit Theater des Westens. Täglich: Ein Walzertraum. nicht erwiesen ist, deshalb hielt das Gericht eine Strafe von der 36 jährige Kaufmann May Lehmann, der sich von den Zinsen Thalia Theater. Sonntag: Der Mann mit dem Monocle. Bon 10 M. für angemessen. eines fleinen Stapitals und burch Verleihung von Spielautomaten Montag ab gefchloffen. an Gastwirte feinen Lebensunterhalt verschaffte. Am Morgen des Bernhard Rofe Theater. Täglich: Das Geheimnis von New York. 8. Dezember b. J. erschien der Besitzer des Hauses in dem zus Metropol Theater. Allabendlich: Das muß man seh'n! Hiernach ist also anzunehmen, daß das Gericht, welches die ständigen Polizeirevier in der Flemmingstraße und machte davon Gebr. Herrnfeld Theater. Täglich: Das tommt davon: Es lebe das Nachtleben. Nichtbeteiligung am Streit als Milderungsgrund gelten ließ, den Mitteilung, daß Lehmann seit dem 1. Dezember spurlos verAngeklagten härter bestraft haben würde, wenn er als Streit schwunden sei und seine Zeitungen unberührt auf der Türschwelle posten an jener Stelle gestanden hätte. Eine Auffassung, welche lägen. Der Polizeihauptmann Gola begab sich sofort nach der im vorliegenden Falle die Beteiligung am Streit als Straf- Wohnung, die er durch einen Schloffer öffnen ließ. Den Ein. Reichshallen Theater. Allabendlich: Winter- Tymian. schärfungsgrund ansehen würde, entspringt der in bürgerlichen tretenden bot sich ein grauenerregender Anblick dar. Nicht weit von Berliner Prater Theater. Allabendlich 7 Uhr: Die Welt ein Paradies. Kreisen herrschenden Boreingenommenheit gegen den Streit an sich. der Eingangstür lag auf dem Fußboden mitten in einer großen Sie steht aber nicht in Ginklang mit dem Gesetz, welches weder den Bache eingetrockneten Blutes der Körper des Lehmann. Es ergab Sonntag, den 9. August: Ueber den Brenner nach Benedig. Sonntag und Urania Theater. Taubenstraße 48/49. Sonnabend, Montag und Streit noch das Streikpostenstehen verbietet. Im vorliegenden sich sofort, daß 2. einem Verbrechen zum Opfer gefallen war. Die Mittwoch: Die Mosellande und ihr Weinbau. Dienstag: Bon der Zugspiße Falle war nun die Frage zu entscheiden, ob der Angeklagte die linke Hälfte der Schädeldecke war mit einem stumpfen Gegenstand zum Bazmann. Donnerstag und Sonnabend, den 8. August: Die Gletscher Straßenordnung übertreten hat oder nicht. Die Beteiligung oder zertrümmert worden. Außerdem wies die Leiche mehrere Schnitt- der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Freitag: Die deutsche Richtbeteiligung am Streit hatte mit der Beurteilung dieser und Stichwunden auf. Die Kriminalpolizei ermittelte, daß der Nordseeküste. Anfang 8 Uhr. Frage gar nichts zu tun. Wenn sie das Gericht dennoch damit in Ermordete eine in homosexuellen Kreisen sehr bekannte Persönlich- Sternwarte, Invalidenstr. 57-62. feine Aussage schon berbessert, daß er angab, während er mit dem ebenfalls mißhandelt, Bor Gericht stellten die Angeklagten jebe fang 7 hennabend: Figaros Hochzeit.( Anfang 7 Uhr.) Sonntag: # Apollo Theater. Allabendlich: Bera Bioletta. Spezialitäten. Walhalla Theater. Spezialitäten. Passage- Theater. Täglich abends 8 Uhr: Berlin in Stimmung. Spezialitäten. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Warenhaus Hermann Tietz Frankfurter Allee 109-111. 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Wo trotzdem noch der alto Schinten in Burgunder. Name verzeichnet steht, da ist durchaus Vorsicht geboten. Anfragen werden bereitwilligst beantwortet! Allensteinerstr. 15, Cielich. Kleine Andreasstr. 7, Hierse. Antlamerstr. 24, Hante, 48, baase. 57, Kompot oder Salat. X Reichhaltige Abendkarte. X Wochentäglich: Großzer bürgerlicher Mittagstisch Couv. 60 Pf. Babit. 37a, diemeted. 2 franz. Billards. 2 Kegelbahnen Neu eingeführt: Weißbier- Ausschank, Kaffee in Kannen. R. Augustin. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands, Charlottenburg, Achtung! Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Putzer! Jeden Sonntag: Gr. Mittagstisch a Stuv. 60 Bf., reichhaltige Abendkarte. Jeden Donnerstag: 19 Barnimstr. 85, Beuthin, Beuffelitr. 56, Herholz. Birkenstr. 32. Frante. Brüsselerstr. 8, Filiale. Bossestr. 8, Mayke. Buchstr. 1, Völker. Carmen- Sylvastr. 163, Strauß. Cuvrystr. 42, G. v. Lienen. Dolzigerstr. 48, Peter. Erasmusstr. 12, Henning. Fehrbellinerstr. 78, Hösselbarth. Fransediste. 45, Thiel. Freienwalderstr. 28, P. Hanke. Genterstr. 4, Steinkopf. Glogauerstr. 26, Lache. Gozlowskystr. 6, Müller. Gräfestr. 4, Matthias. build. 10, Bente. Grünthalerstr. 12, Schulz. Gubenerstr. 42, Smejkal. Norddeutsche Sänger. Sennigebdorferstr. 13, Jof. Paulifa. Achtung! * Baudeputierten- Sihung für Groß- Berlin findet am Mittwoch, den 5. August, abends 6 Uhr, in der Rosenthaler Straße 57( Restaurant 2. Hahn) statt. Zu dieser Sizung sind Außenputzer sowie Innenpuzer verpflichtet, je einen Vertreter zu entfenden. Die Mitgliederversammlung am 5. August fällt aus; näheres wird in der Baudeputiertensizung bekanntgegeben. 134/11 J..: Ernst Schulze.. Verband der Maler, Lackierer, Auftreicher 2c. Wirtshaus Moritz Uhle Mittwoch, den 5. August 1908, abends pünktlich 8½ Uhr: Sektionsversammlung der Lackierer in Dräsels Festfälen, Neue Friedrichstraße 35. Zages Drdnung: 1. Erledigung der Tagesordnung der letzten Versammlung. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Beisitzers. 4. Verschiedenes. Die Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. 107/3 Die Sektionsleitung. Mitgliedsbuch legitimiert. Verband der Sattler. Unseren Mitgliedern zur Kenntnis, daß die nächste 157/11 Allgemeine Mitglieder- Versammlung ausfällt. ( Donnerstag, den 6. August) Die Ortsverwaltung. Sonntag, den 16. August 1908: Sommer- Fest in der Brauerei Friedrichshain, am Friedrichshain 16-23. Großes Garten- Konzert ausgeführt vom Sinfonie- Orchester( 30 Musiker), Dirigent: Herr M. Fischer. Auftreten des Jescheck- Ensembles fowie mehrerer Spezialitäten. Kasper Theater, Kinematograph, Kinder- Fackelzug. ( Stoďlaternen gratis.) 157/12 Großer Ball Serren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Bei ungünstiger Witterung findet die Vorstellung im Saale statt. Eröffnung 3 Uhr. Anfang des Konzerts 4 Uhr. Eintritt in Vorverkauf 25 Pf.( Kinder frei). Die Kaffeeküche wird um 3 Uhr geöffnet. Billetts sind im Bureau sowie bei den Werkstatt- Vertrauensleuten erhältlich. Um zahlreichen Besuch bittet Das Komitee. Kreuzbergstr. 3. Sonntag frischen Gänsebraten, Entree 15 Bf. Ad. Bartsch, Defonom. Rixdorf. Zentral- Kranken- u.Sterbekasse der Zimmerer. Dienstag, d. 4. August, abends 8 Uhr: Mitgliederversammlung bei Gellert, Steinmetstr. 93. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 1. u. 2. Duartal. 2. Kaffenangelegenheiten. Der Vorstand. 259/7 Hussitenstr. 28, Neigenfind. Staftanien- Allee 46, Böhme. Kleine Markusstr. 12/13, Sierfe. Storförerstr. 2, Müller. Lippehnerstr. 2, Cieluch. itauerstr. 14, Swodoba. Lorgingstr. 6, Rösner. Malmöerstr. 6, Griebel. Marienburgerstr. 22, Reichert. Memelerstr. 12, Helfer. 77, Stachowskh. Muladstr. 10, Grundmann. Mustauerstr. 6, Dzinian. 13, Lattemann. Oppelnerstr. 24, Müller. Pantstr. 14b, Eberhardt. Blanufer 94e, Blume. Ravenéftr. 1, Mau. Reinidendorferstr. 121, Eberhardt. a Bortion 75 Pf., Aal grin und Ortskrankenkasse des Korbmacher- Romintenerſtr. 20, Barwolff. Gurkensalat; großer Mittagstisch, fleine Breise, vorzüglichen Staffee in Rammen, a Portion 50 Pf., Kaffee fuchen, Biere auf Eis. Gewerbes zu Berlin. 41, Bremer. Rostockerstr. 40, Tschöfe. 38052 Die in der Generalversammlung Rubeplatstraße, Gärtner. Parteilokal, Gasthof zanzjaai dritte Abänderung des Statuts, bemit:::: Dom 11. November v. 3. beschlossene Rydestr. 32, Reichert. Berkehrslokal verschiedener Verbände treffend die§§ 13, 14, 20a, 20b, 30, Scheererstr. 1, Gärtner. und Bereine in Stadt Anhalts, jou 41 und 64, ist am 2. Juni vom Bezirksunt, günft. Beding. verkauft werden. ausschuß genehmigt und tritt mit dem Umfaß 850 hl u. viel and. Getränke. heutigen Tage in Kraft.[ 275/19 Pr. 70 000, Anz. gering. Offert. unt. S. N. 56 poftlag. Bernburg a. S. Die Harnleiden Ibre Gefahren, Verhütung und Beseitigung von Dr. med. Schaper, BERLIN- Preis 1 Mark. Stes Tausend Verlag Max Richter Srankfurt( Oder) Buschmühl.- Chausse Von der Reise zurüd 147/8 Dr. P. Schwerin Arzt für Harnfrankheiten, Dranienstr. 140. Bon der Reise zurückgekehrt Dr. H. Weyl, N., Lothringer Straße 67. Bon der Reise zurüc Dr. Wallbach, SO., Mustauer Straße 16. Von der Neise zurück 147/4 Dr. Flatow Große Frankfurter Straße 101. Der Vorstand. 3..: Karl Schwedler, Borsigender. Orts- Krankenkasse der Bildhauer, Stukkateure und verwandten Gewerbe zu Berlin. Die in der Generalversammlung vom 13. April b. 3. befchloffene fiebente Statutenabänderung hat am 28. Juni die Genehmigung erhalten und tritt am Montag, den 3. Auguft d. J., in Kraft. Samoaftr. 22, Hundsdörfer. Schönfließerſtr. 3/4, Stopic. Schreinerstr. 19, Beter. Schulstr. 28, Naumann. Schwedterstr. 240, Feustel. Stargarderstr. 57, A. Peter. Stettinerftr. 54, Beschmann. Streligerstr. 15, v. Grabowsky. 54,. Beter. Swinemünderstr. 54, Sibod. 90, Aichendorf. 93, Schubert. Tegelerstr. 23, Dahlte. Tiedstr. 16, Kleine. Wichertstr. 155, Aug. Peter. Wienerftr. 8, Jahn, Wilhelmshavenerstr. 23, George. Wisbyerstr. 3, Schulz. 74, Aug. Beter. Bollinerstr. 44, Schütte. 50, Nhemus. Bionsfirchstr. 2, Gloger. Adlershof. Arndtstr. 7a, Staushold. Charlottenburg. Horstweg 31, Stoletko. Baumschulenweg. Stiefholzstr. 179, Rettau. Boxhagen- Rummelsburg. Krossenerstr. 2, E. Kroll. Neue Prinz- Albertstr. 12, Beter. 30, Maschmann Neue Bahnhofstr. 34, Slepka. Scharnweberstr. 10, Peter. Schillerstr. 8, Böhme. 16, Peter. Türrschmidtstr. 38, Peter. " Köpenick. Borgmannstr. 6. Bergmann. Kaiser- Wilhelmstr. 100, Mieland. Lichtenberg. Jungstr. 8, Beter. Wartenbergstr. 58, Peter. Weserstr. 22, Mittelstedt. Nieder- Schönhausen. Beuthstr. 11, Strügerte. Körnerstr. 8, Fischer. Ober- Schönewelde. Wattstr. 12, 8ahl. Pankow. Berlinerstr. 79, Dunder. Rixdorf. Bodeftr. 16, Baher. Elbestr. 6, März. Laubestr. 13, Bernhardint Innstr. 30, Bischoff. Nanfenstr. 33, Pipien. Reuterstr. 94, Röhrdanz. Nogatstr. 25, Kleemann. Brinz- Handjergstr. 70, Lehmann. Siegfriedstr. 44, Brüdner. Teupizerstr. 109, 2tebe. Treptowerstr. 13, Strauſe. Weserstr. 179, Marquardt. Schöneberg. Eisenacherstr. 63, Mahler. Erdmannstr. 5, Friedrich. Styffhäuserstr. 27, Ed. Hanke. Wilmersdorf. Ringbahnstr. 246, Ed. Hante. Den Tarif haben durchbrochen und gelten daher als zurückgezogen: Boechstraße, Auft( Hartmanns Nachf.). Brandenburgstr. 21, Beder. Brüsselerstr. 5, de Bruyn. Dieffenbachstr. 27, Steinbach. Frankfurterstr. 176, Aug. Hanke. Fransedistr. 45, Thiel. Friedrichsfelderstr. 13, Aug. Hanke. 26, Huida Nachf. 39, Quandt. Gemäß§ 29 werden von diesem Tage ab folgende Beiträge erhoben: 1. Stlaise 84 Pf., 2. Selasse 72 Pf., 3. Klaffe 42 P., 4. Klasse 21 Pf., und erhalten gemäß§ 14 Abf. III, Angehörige von Mitgliedern, statt bis: her die Hälfte, das volle Krantengeld. Gemäß§ 40 erhalten Vorstandsmitglieder als Entschädigung Graunstr. 22, Dohrmann. für entgangenen Arbeitsverdienst Stolontests. 71, Selopsch Nachfolger. 1 M. pro Stunde, bis zum Höchst- Libauerstr. 17, Ded. betrage von 8 M. pro Tag. 275/20 Berlin, den 3. August 1908. Der Vorstand. 3..: Fritz Waldeyer, Borfigender. 22, Aug. Hanke. Liebenwalderstr. 10, Biedermann. Manteuffelstr. 87, Jurke. Münchebergerstr. 15, Leue. Oberbergerstr. 38, Busch. Orts- Krankenkasse Banfte. 46, Günther. Bauhandwerker- Krankenkasse Dr. Schünemann Ober- Schöneweide. für Berlin und Umgegend. ( Eingeschriebene Hilfskaffe Nr. 118.) Dienstag, den 11. Auguft, abends 8%, Uhr, bei Wilke, Brunnenstraße 188: Spezial- Arzt für 36462 Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schüßenstr. 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Uhr. Dr. Simmel Spezial- Arzt Außerordentliche Generalversammlung. r Haut und Harnleiden Tages Ordnung: für 1. Abrechnung des Staffierers vom ersten Halbjahr und Rebifionsbericht. Prinzenstr. 41. dicht am Moritzplatz, 2. Die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe und deren Einwirkung auf die 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Staffenverhältniffe. 3. Wahl fämtlicher Hilfsfassierer. 4. Innere Kaffenangelegenheiten. 38/ 4* Bahlreichen Befuch erwartet Der Vorstand. J. A.: Heinrich Metzke. Mitgliedsbuch legitimiert. Wanzen, Schwaben, Motten nebst Brut bertilgen ficher, unter Garantie M. Schweikarts Spestalmittel. a Dofis 50 ẞf., 1 uskünfte milienverhältn., Mitüber Vermögen, Fagift, Vorleb., Ruf, Einkom. usw. Ermittel. i. all. Vertr.- Angel. s. diskr. Max Krause& Co., Auskunftei, Berlin- Sch.26, Hauptst. 10. Heinrich Franck Billiger St. Felix hochfein, 125 Pf. vers. Berlin, Brunnenstr. 185 leicht Geschäftsschluß 7 Uhr. Schwedterstr. 49, Löchel. Stolpischestr. 32, Donat. Straßmannstr. 2, Fr. Hanke 24, Zander. Boxhagen. Grünebergerstr. 10, Aug. Hante. Köpenick. Grünftr. 8, Ulrich Nachfl. Lichtenberg. Hubertusstr. 53, Aug. Hante. Scharnweberstr. 24, Aug. Hanke. Ober- Schöneweide. 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Allerdings passiert es dabei auch, daß der Arbeiter seiner Arbeitsstelle verIustig geht, aber manchesmal ist dieses der kleinere Schaden. Ein Friseurgehilfe, bei dem Barbier D. in der Dammstraße beschäftigt, Hatte zur Schlafstätte eine dunkle Kammer, zu der wohl zwei Türen, jedoch kein Fenster führte, so daß also an eine frische Lüftung nicht zu denken war. Der Gehilfe erkrankte und fam ins Krankenhaus. Nach seiner Gesundung wollte er seine alte Stelle wiederum antreten, wenn ihm ein anderes Zimmer angewiesen würde. Der Arbeitgeber konnte sich dazu nicht entschließen und das Arbeitsverhältnis wurde gelöst. Der Meister bekam einen neuen, vom Militär entlassenen Gehilfen, welcher die Wohnung als " großartig" bezeichnete. Der entlassene Gehilfe erinnerte sich jedoch des Aufrufes der obengenannten Kommission und ließ durch den Vorsitzenden des Zweigvereins des Verbandes der Barbiere bei der dortigen Polizeibehörde Anzeige erstatten. Darauf erhielt der Organisationsvertreter folgenden Bescheid: Städtische Polizeibehörde. J.-Nr. Ia 2995. Kiel, den 2. Juni 1908. Zur Anzeige vom 7. Mai 1908. Dem Eigentümer des Hauses Dammstr. 46 ist die Räumung der im Parterre feines Hauses belegenen dunklen Kammer bis zum 1. Juli 1908 aufgegeben worden. Lorey, Geheimer Regierungsrat. Wenn auch nicht in jedem Falle so schnell und erfolgreich gearbeitet wird, rechtfertigt sich doch die Bitte der Zentralfommission, auf diesem Wege weiter zu fahren. Der Kampf gegen den Kostund Logiszwang wird hierdurch nicht unwesentlich unterstützt Verwaltungsbericht der Nordöstlichen Eisen- und StahlBerufsgenossenschaft. Sektion IV und II. Das ist um so bedauerlicher, als die Teuerung selbst die erreichten Lohnerhöhungen übersteigt. Als Folgen der entschädigten Fälle bezeichnet der Bericht: Tod in 51 Fällen, völlige Erwerbsunfähigkeit in Fällen, teilweise Erwerbsunfähigkeit in 771 und vorübergehende in 678 Fällen. Die Mehrzahl der Getöteten waren Familienväter, denn 33 Witwen mit 50 Kindern waren zu versorgen. Verfammlungen. Erschreckend groß ist wieder die 3 ahl der Unfälle, so daß auf 1000 Versicherte durchschnittlich 98,70 Unfälle kommen. Sektion I mit 117 und Sektion III mit 127 Unfällen pro 1000 Versicherte, Regelung der Arbeitsvermittelung in der Holzindustrie. Mit während die Sektionen II und IV nur 54 und 62 Unfälle pro 1000 dieser Angelegenheit beschäftigte sich am Mittwoch eine VertrauensVersicherte zählten. Entschädigt wurden nur 1505 Verlegte und männerversammlung des Holzarbeiterverbandes. Der Referent, war 1431 Erwachsene männlichen und 17 weiblichen Ge- Arbeitsvermittler Güth, verwies auf den schon oft besprochenen schlechts, ferner 57 jugendliche Arbeiter unter sechzehn Jahren Uebelstand, daß der Arbeitsnachweis sowohl von einem Teil der Sektionen I und III die schwersten Unfälle haben, denn in diesen beitsvermittelung durch Umschauen sowie durch Zeitungsinserate Geschlechts. Auch hier zeigt sich, daß die Arbeitgeber als auch der Arbeiter nicht benutzt wird. Die ArSektionen wurden 13,84 und 12,44 Unfälle auf 1000 Versicherte spielt immer noch eine verhältnismäßig große Rolle in verschiedenen entschädigt, während diese Zahl in den Sektionen II und IV durch- Branchen des Verbandes. Die Folge davon ist die, daß manche schnittlich nur 8,53 und 8,38 beträgt. Arbeiter unter Umgehung des Nachweises bald Arbeit finden, während andere, die nur den Arbeitsnachweis benutzen, oft lange Beit arbeitslos find. Zur obligatorischen Benußung des paritätischen Arbeitsnachweises waren die Berliner Arbeitgeber nicht zu bewegen. Es müßte nun das Bestreben der Arbeiter sein, ausschließlich durch den Nachweis Arbeit zu suchen. Eine Regelung der Arbeitsvermittelung in diesem Sinne wird jedoch jetzt, während Der Bericht erwähnt, daß jetzt die Frage der er der schlechten Konjunktur, sehr schwierig sein. Immerhin muß sicherungspflicht der Volontäre" wieder in Fluß alles versucht werden, um nach Kräften dahin zu wirken, daß möggekommen sei. Bekanntlich beschäftigen eine Anzahl Betriebe mit lichst alle offenen Stellen durch den Arbeitsnachweis besetzt werden. Vorliebe" Volontäre", die ohne Lohn arbeiten und Lohnarbeitern Die Ortsverwaltung des Verbandes hat sich fürzlich mit dieser das Brot wegnehmen. Bis jetzt wurden diese Leute stets von der Angelegenheit befaßt und eine Resolution angenommen, die der Versicherungspflicht ausgeschlossen, weil sie keinen Lohn beziehen, Referent der Versammlung vorlegte. Nach längerer Diskussion nur freiwillig sich versichern konnten. Das Reichs- Versicherungsamt beschloß die Versammlung, daß die Resolution zunächst in den habe aber am 8. Februar 1908 in der Unfallsache des Volontärs Werkstätten besprochen und dann in der nächsten VertrauensG. Sch. die Berufsgenossenschaft zur Entschädigung verurteilt und in der männerversammlung zur Abstimmung gebracht wird. Die ReBegründung des Urteils erflärt, daß es für die Versicherungspflicht solution lautet: einer Person keinen Unterschied mache, ob diese einen Lohn beziehe oder nicht. Demgemäß habe auch das Reichs- Versicherungsamt er fragen um Arbeit, sogenanntes Umschauen, die Löhne herabgedrückt " Die heutige Versammlung erkennt an, daß durch das Ans fannt, daß Volontäre, welche in technischen Be- fragen um Arbeit, sogenanntes Umschauen, die Löhne herabgedrückt trieben tätig sind, sämtlich der Versicherungs- daß ferner dadurch viele Kollegen materiell start geschädigt werden pflicht unterliegen, während die kaufmännischen Volontäre, und eine lange Arbeitslosigkeit durchmachen müssen. Deshalb muß welche den Betrieb nicht oder selten betreten, der Versicherungspflicht es Aufgabe der Organisation sein, das Umschauen abzuschaffen nicht unterlegen. und eine geregelte Arbeitsvermittelung durch den Arbeitsnachweis anzustreben. " Der angefügte Bericht der technischen Aufsichtsbeamten führt aus, daß im Berichtsjahre nur 982 Betriebe besichtigt wurden. Leider beschäftigen sich im Bericht die Beamten meist nur mit der Bustammenstellung der von den Unternehmern selbst angeführten Ursachen der einzelnen Unfälle und kommen zu folgendem Schluß: „ daß die meisten Unfälle sich bei Arbeiten ereignet haben, bei welchen Nach dem soeben erschienenen Bericht der Eisen- und Stahl- Schutzvorrichtungen überhaupt nicht in Frage kämen. Die übrig Berufsgenossenschaft ist die Zahl der versicherten Be bleibenden 686 Unfälle oder 45 Prozent ereigneten sich bei den triebe gegen das Vorjahr um 437 auf 5721 gestiegen. Diese Be- verschiedensten Arbeiten und sind zurückzuführen auf Nichtbenutzung triebe beschäftigten im Jahre 1907 insgesamt 127 411 Arbeiter, also vorhandener Schutzmittel, z. B. von Schußbrillen, feitens der Ver8432 Arbeiter mehr als im Jahre 1906. Die stärkste Sektion ist legten, auf Unachtsamkeit und Ungeschicklichkeit sowohl dieser, als und bleibt die Settion I Berlin mit allein 3374 Beauch der Mitarbeiter, sowie auf Gefahren des Betriebes an sich oder trieben und 66 566 Versicherten. Trotzdem hat diese auf Zufälligkeiten." Sektion die kleinsten Betriebe, denn der Bericht erwähnt, daß die Durchschnittszahl der Arbeiter pro Betrieb in Sektion I: 19,73, in Das ist sicher eine sehr bequeme Lösung" dieser Frage und Sektion II: 23,02, in Sektion III: 28,92, in Sektion IV: flärt auch ein Beamter die große Anzahl der mit den Rentenwerden die Unternehmer diesen Erguß gerne lesen. Sehr leicht erDie Lohnfummen sind auch um mehr als 18 mil. Mart ansprüchen abgewiesenen Unfälle. Es fällt auch die große Zahl der gegen 1906 gestiegen, und beträgt der durchschnittliche Jahres- mit ihren Ansprüchen abgewiesenen Personen auf. Weitaus der verdienst eines Arbeiters größte Teil der Ablehnungen ist darauf zurückzuführen, daß von völlig Geheilten, bei denen auch nicht der geringste Schaden für ihre Arbeitsfähigkeit zurückgeblieben ist, Rentenansprüche erhoben werden". Auch das ist sehr bequem, entschuldigt aber nicht die Haltung der Berufsgenossenschaften. Die Beamten vergessen vor lauter Entschuldigungen der Unternehmer und ihrer Berufsgenossenschaft uns Den Bemühungen der Arbeiter ist es also gelungen, die Löhne die Zahl der bei den Revisionen vorgefundenen Verstöße gegen die durchschnittlich zu steigern. Weit zurüd sind aber noch die Löhne in Unfallverhütungsvorschriften anzugeben. Warum? Darum? 27,25 fei. in Seftion I 1299 M., gegen 1254 M. in 1906 II 1015 " " " III 1088 11 " " 03 IV 965 986 1006 931 W "" " " " " " Da jedoch eine sofortige Durchführung solcher Maßnahmen zurzeit noch nicht möglich ist, so macht es die Versammlung den Mitgliedern zur Pflicht, daß sie nach jeder Richtung bemüht sind, eine bessere Benutzung des Arbeitsnachweises durch die Arbeiter wie Unternehmer herbeizuführen. starkt, so sollen die Kollegen der Branche gehalten sein, unter Bus Ist in den einzelnen Branchen die Organisation genügend erstimmung der Ortsverwaltung das Umschauen zu verbieten und die regelmäßige Einstellung durch den Arbeitsnachweis zu be schließen. Wo es noch nicht möglich ist, die regelmäßige Einstellung durch den Nachweis durchzusehen, dort gelten bis auf weiteres folgende Regeln: aufmerksam zu machen, daß er die Arbeiter vom Nachweis bezicht. 1. Beim Bedarf von Arbeitskräften ist der Arbeitgeber darauf 2. Weigert sich der Arbeitgeber, den Nachweis zu benutzen, so sollen die Kollegen die zu befeßenden Stellen selbst melden. 3. Unzulässig ist es, daß von Kollegen selbst Arbeitskräfte unter Umgehung des Nachweises nach den Betrieben bestellt werden. 4. Jn Branchen, in denen das Umschauen durch Beschluß verboten ist, dürfen auch die Angehörigen anderer Branchen nicht durch Umschauen in Arbeit treten. 5. Jeder anfangende Kollege soll sich durch die Arbeitsnach weiskarte beim Werkstattvertrauensmann legitimieren. 6. Die Nachweise anderer Vereine sind gesperrt." J.B Wollen Sie etwas Feines rauchen? ,, Salem Aleikum" gesetzlich geschützt Wort und Bild sind Zu haben in den Cigarren- Geschäften " Dann empfehlen wir Ihnen Salem Aleikum" Garantiert naturell- aromatische, rein türkische Cigarette. Diese Cigarette wird in No. 3 nur lose, in den Nummern 4 bis 10 auch in einfachen Kartons à 20 Stück Inhalt, ohne Kork, ohne Goldmundstück verkauft. 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Volksgarten- Theater) am Bahnhof Gesundbrunnen. Konzert, Theater and Spezialitäten- Vorstellung. ,, Goldene Herzen" Boltsposse mit Gesang in 3 Atten. Neues RiesenProgramm. O O Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sonnabend, d. 8. August, in den Gesamträumen der Brauerei Friedrichshain: Schweizer 17. Stiftungsfest des Zweigvereins Garten. Am Königstor Am Friedrichshain. Täglich: Theater- Vorstellung, Spezialitäten und Ball. Jeden Abend Berliner Leben. 10 Uhr: Boltsstüd mit Gesang in 3 Bildern. Seben Kinderfrendenfeft. Mittwoch: Boltsbelustigungen. Kinematograph. Entree 30 Pf. An Wochentagen ist Saal u. Garten an Vereine zu Festlichkeiten zu vergeben. Ostbahn- Park Am Küstrinerplatz, Rüdersdorferstr. 71 Hermann Imbs. Täglich: Großes Konzert, Theater- und SpezialitätenVorstellung. Karlsgarten Rixdorf. Karlsgarten- Straße 10-11. Sommer- Spielplan. Montag: Apollo- Sänger. Mittwoch, Sonnabend, Sonntag: Spezialitäten und Theater. Borher: Garten- Konzert. Markgrafen- Säle Markgrafendamm 34. Amt VII 4277 Inh. Hermann Scholtz. Heute: Gr. Ball. Säle von 100-1000 Personen zu Festlichkeiten und Versammlungen. 2 Kegelbahnen. * Alhambra Wallner- Theaterstraße 15. Jeden Sonntag: Großer Ball Broßes Drchefter. Anfang Sonntags Uhr. A. Zameitat. Moerners Blumengarten Ober- Schöneweide a. d. Dberspree. Jnh.: Alb. Moerner. ( Neues Konzerthaus.) Heute: Extra- Reunion. ( Leitung: Tanzlehrer Sachs.) Für Vereine und Gewerk. schaften im Sommer noch Sonnabende zu bergeben. Bedingungen in bekannter fulanter Weise. Empfehle den Gewerkschaften usw. bestehend aus Konzert, Spezialitäten, Tanz usw. Auftreten des Berliner Ulktrio sowie erstklassiger Spezialitäten. Reigenfahren der 8. Abteilung des Berliner Arbeiter- Radfahrervereins ,, Solidarität“. Auftreten des Gesangvereins Berliner Maurer, Dirig. Herr Ostermeyer. Kinematograph. Kinderbelustigungen: jedes Kind erhält eine Stocklaterne gratis. Ueberraschungen. Die Kaffeeküche steht den geehrten Damen von 8 Uhr ab zur Verfügung. Anfang des Konzerts 4 Uhr. Hierzu ladet freundlichst ein Das Komitee. NB. Das Bureau des Zweigvereins, Engel- Ufer 15, Zimmer 53, ist am Nachmittag des 8. August, also am Tage des Stiftungsfestes, geschlossen. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Berlin. 139/1 Sonnabend, 8. August, in Kellers Festsälen( Inh.: Freyer), Koppenstr. 29: Großes Vokal- und Instrumental- Konzert. Großer Ball ( Zwei Orchester.) Von 9 Uhr ab Frei- Tanz. im oberen Saal: Mitwirkende: Gesangverein Norddeutsche Schleife( Mitglied des A.-S.-B.). Berliner Sinfonie- Orchester( Direktion: Kapellmeister Maximilian Fischer). Nach dem Konzert: Vor und während des Konzerts: Rauchen nicht gestattet. X Anfang präz. 8, Uhr. Billetts a 50 Pf. sind bei den Zahlstellen- Kassierern, im Bureau Engel- Ufer 14, part., sowie im Lokal von Lorenz, Koppenstr. 28, neben Keller, und Merkowski, Andreasstr. 26, erhältlich. Das Komitee. 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August 1908: Sommer- Fest im Konzert- Etablissement Brauerei Friedrichshain ( früher Lipps), Am Friedrichshain 16-23. Künstler- Konzert ( Dirigent: Maximilian Fischer). Auftreten des Berliner Ulk- Trio etc. Kasseneröffnung 22 Uhr. Entree 25 Pf. Beginn des Konzerts 4 Uhr Die Kaffeeküche ist von 3-7 Uhr geöffnet. Im großen Saale: Tanz. Bei ungünstiger Witterung findet die Veranstaltung im großen, über 8000 Personen fassenden Saale statt. 289/16 Das Vergnügungskomitee. O 29 29 E 3 Voranzeige. 12/ 15* Arbeiter- Radfahrer- Bund „ Freiheit" Sonntag, den 16. August: Großes Kreis- fest des I. Kreises( Provinz Brandenburg) im Etablissement Hasselwerder( an der Oberspree) Konzert, Theater, sportliche Aufführungen. Im Saale: Großer Ball. Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Um 8 Uhr: Korsofahrt. 5 Uhr: Theater- Vorstellung. Um 7 u. 9 Uhr: Sportliche Aufführungen der Bundesvereine. Die Kaffeeküche steht den geehrten Damen von 2 Uhr an zur Verfügung. Anfang des Konzerts 4 Uhr. Entree 20 Pf. Programm an der Kasse gratis. Für sichere Aufbewahrung der Räder ist gesorgt. Das Festlokal ist zu erreichen mit der Stadt- und Ringbahn, sowie Görlitzer Bahn bis Nieder- Schöneweide- Johannisthal. Dampferverbindung ab WaisenBrücke und Jannowitz- Brücke bis zum Festlokal. Gardinenhaus Bernhard Schwark. Wallstr. 29 ( Flur Eing.) Gros& Detail. 29 必 Sommer- Preise!! bon 10 Zentnern an ab Play: 29 Ferdinand Salon a 3tr. 92 Pf. Anna Fielik Gasglühlicht- Baumann Anhalt. Kohlenw. 1,00. Alte Jakobstraße 125. Großhandlung. Halbsteine 52/70 Ilfe Anthracit Welt. größte Kinderwagenfabrik Sachfens arbeitet u. umsonst buntfarbigen Prachts fatalog Jhnen fendet, ist a. einzige deutſche, welche direkt m. Samit Julius tretbar, Grimma 134, Ueber 100 Morgen neu aufgeschlossenes Gelände Bahnhof Kaulsdorf, Stadtbahn- und Vorortverkehr, 20 Pfennig: Tour, Güterbahnhof, achtjährige Ansiedelung, billige Wohnungen, befter, lehmiger Gartenboden, Gas- u. 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Verantwortlicher Redakteur: Georg Davidsehn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glede, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruckerci u. Berlagsanstalt Paul Ginger& Co., Berlin SW. Nr. 179. 25. Jahrgang. 3. Keilaze des Joimätls" Kerl« WsdlM Sonntag. 2. Aagust IM. Partei- Angelegenheiten. Die Generalversammlung deS Verbandes der sozialdemo- kratischeu Wahlvereiue Berlins und Umgegend findet am Sonntag, den 23. August 1908. mittags 12 Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29, statt. Anträge zu derselben sind spätestens bis Donnerstag, den 6. August, an das Verbandsbureau, Lindenstr. 69, einzusenden. Steglitz. Mittwoch, den b. August, Versammlung des Wahl- Vereins. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Abrechnung. 3. Wahl von Delegierten für die Kreis- und Verbandsgeneralversamm- lung. 4. Beschlutzfassung über die Verlegung des Vcrsammlungs- tages. 5. Verschiedenes. KarlShorst. Dienstag, den 4. August, Wahlvcreinsversamm- lung. Tagesordnung: 1. Der Parteitag und seine Aufgaben. 2. Bei- tritt der Frauen zum Wahlverein eventuell Wahl einer Frau in den Vorstand. 3. Mitteilungen, Parteiangelegenheiten. Der Vorstand. Lichtenberg. Dienstag, den 4. August, abends Slh Uhr, findet im Lolal des Herrn Puhl, Pfarrstr. 74, die erste Fraucnversamm- lung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag: Das neue Vereinsgesetz und die Frauen. Referent: Genosse Mirus. 2. Bericht der Vertraucnsperson. Wir bitten die Genossen und Gc- uossinnen, ihre weiblichen Familienanaehörigen der Versammlung zuzuführen. Lichtenberg. Mittwoch, den 5. August, abends 8% Uhr, im ..Kronprinzengarten", Jnh. Gürsch, Frankfurter Chaussee 128, Mit- gliedcrversammlung. Tagesordnung: 1. Der Parteitag in Nürn- berg. Referent: Genosse W. Düwell. 2. Anträge. 3. Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Waidmannslust. Zur Beerdigung unseres verstorbenen Genossen, des MalerS Hermann Kootz, findet der Abmarsch der Ge- Nossen heute nachmittag 4 Uhr IS Minuten vom„Schweizerhaus", Waidmannslust, nach der Leichenhalle deS Lübarser Kirchhofes statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Nuppin-Templin. Die Generalversammlung des sozialdemo- kratischen Zcntralwahlvereins für den Wahlkreis Ruppin-Tcmplin findet am Sonntag, den 9. August, vormittags 8 Uhr, in Zehdcnick im Saale des Herrn Buchholz statt. berliner JVacbricbtcn* Nachtpartie. Durch die Vorstadtstratze schreiten im Marschtempo vier jugendkräftige, elastische Gestalten, das schmale Ranzel auf dem Nucken, den Wanderstab in der Hand. Der letzte Wochen- tag ist es. Die Straßen sind noch ungemein belebt trotz der späten Stunde. In der Weltstadt hat das altverbrauchte Wort, daß die Nacht keines Menschen Freund sei, nicht mehr Geltung. Und wie zum lustigen Hohn auf längstvergangene Spießerzeiten schallt es aus vier frischen Arbeiterkehlen: „Wenn des Nachts vom Turm die Glocke laut die zehnte Stunde schlägt, sich der streng solide Bürger hin zum sanften Schlummer legt... was nützt das Geld, wenn mans behält, man lebt nur einmal in der Welt." Die Leute, die in der herrlichen Abendluft noch plaudernd vor den Haus- türen stehen, lachen und winken dem munteren vierblättrigen Kleeblatt fröhlich zu. Ein halbes Dutzend Gassenbuben, die der köstliche Sonnabend noch nicht ins Bett getrieben hat, zieht hinterher und singt den Refrain nach. Alles sieht mit Stolz und Freude aus die wackeren Gesellen, die in schäu- mendcr Wanderlust die freie Nacht zum Tage machen wollen. Nur der Schutzmann, mißmutig und finster wie immer, schaut mit scheelen Augen auf die harmlose Freude des Volkes.„Meine Herren, nicht so laut, es ist bald nacht- schlafende Zeit!" Jawohl,„meine Herren" hat er gesagt in seltener Anwandlung. Das Kleeblatt hält sofort inne, denn dem Auge des Gesetzes muß gehorcht werden. Wie auf Kom- mando machen die Vier dem Manne des nächtlichen Schutzes eine ironische Verbeugung. Aber hinter der nächsten Straßen- ecke schallt als anzügliches Echo zurück:„Ich bin ein freier Mann, sing' mich in keine Fürstengruft, und alles, was ich mir erringe, ist freie Himmelslust. Die Freiheit will ich nicht verkaufen, und wie ich die Paläste mied, laß ich getrost den Schutzmann laufen... mein ganzer Reichtum ist mein Lied." Bald ist die Weichbildgrenze erreicht. Stiller und stiller sind da draußen die Straßen geworden. Langsam erlöschen die Blitzlichter der Weltstadt. Nur ein heller, scharf um- grenzter Blutkreis am Firmament zeigt noch an, wo das steinerne Häusermcer liegt. Die Wege werden dunkler und holperiger, die Laternen, die Wagen und� die Menschen seltener. Rüstig, mit Sang und Klang wird das nächste Großstadtdorf passiert— nächtlicher Talmiabglanz der nahen Weltstadt. Hier und da ist noch Tanzmusik. Heute lockt sie unsere Wanderer nicht. Sie wollen ihr Geld behalten und sich doch einen herrlichen Genuß schaffen, den einer Nacht- Partie. In schnurgerader Linie liegt jetzt vor ihnen die Dorfstraße. Fast alles ist längst zur Ruhe gegangen. Nur im Kruge leuchtet noch spärliches Licht. Und als das Klee- blatt hinter den letzten Häusern jubelnd anstimmt:„In der Sommernacht, in der Sommernacht, gar geheimnisvolle Lüfte Wehn, dieser Zaubcrnacht, dieser Zaubernacht, kann ein fühlend' Herz nicht widerstehn", bekommen alle Dorfköter in der Runde Frühlingsgefühle und heulen im Chorus mit... Die Landstraße wird freier. An üppigen Feldern und Wiesen gehts vorbei. Dicht am Rain zirpt eine verspätete Grille ihr Schlummerlied, in der Ferne krächzt ein Käuzchen. Und über alles strahlt unübersehbar wunderbare Sternenpracht. Weit hinten zieht ein Eisenbahnzug seine blitzenden ehernen Schlangenlinien. Auch die glühenden Augen eines unver- mcidlichen Automobils kreuzen sekundenlang, mit lautem Hallo begrüßt, den Weg der einsamen Wanderer. � Sonst unterbricht kein Laut den Nachtfriedcn. Längst hat die Feld- saat sich gewandelt in Waldesgrün. Stumm und starr ragen riesige Fichten und mächtige Eichen zu beiden Wegseiten auf. Gespenstisch leuchten weiße Birkenstämme in bizarren Formen durch das Dunkel. Wie das Herz sich weitet in der vollen Brust! Wie der eingezwängte, aufstrebende Geist sich los- löst vom harten Joch der Knechtschaft! Uebermächtig drängt sich das bezwingende Gefühl köstlicher Freiheit hervor, und jauchzend schallt es über des Waldes Wipfel:„... Orden unh Sterne begehre ich nicht. Wie auch des Lebens Barke mich mag treiben... ein Sohn des Volkes will ich bleiben." Ist es nicht wert, sich um solche eigenartige Nacht- Symphonie den Schlaf um die Ohren zu schlagen? So etwas sitzt fest und vergißt sich nicht. Das wirkt wochenlang im Gemüt nach und setzt hinweg über die alltägliche Bürde des Proletendaseins. In einer mondübergossenen Waldlichtung wird Halt gemacht. Auch der Leib verlangt neben dem Herzen sein Recht. Es ist ein regelrechtes, frugales Nachtmahl im Walde, das die vier Wanderer unterm Sternenzelt abhaltew Hier stört kein Schutzmann und kein Gendarm. Hier wird man wieder frei wie der Vogel in der Luft, schwelgt in des langen Lebens magerer Poesie und baut Lustschlösser für die dunstschwangere Zukunft... Mählich weichen die Schleier der Nacht. Halb schlaftrunken noch beginnen die Vöglein ihr Jubellied. Im nahen Dorfe kräht der erste Hahn. Es ist Zeit, an die Heimkehr zu denken. Kraftvoll recken unsere Wanderer die steifgewordenen Glieder, schreiten wacker aus im taufrischen Morgen, begrüßen mit stillem Sehnen die auf- gehende Sonne, nehmen fröhlichen Abschied von des Waldes Herrlichkeit. Und als mit den ersten Umrissen des großen Steinbarikastens an der Spree auch der erste Schutzmanns- Helm auftaucht, hallt es launig aus vier hellen Kehlen:„Mrt den ersten Spargelstangen, kommt der schöne Lenz gegangen ... o, wie wird das Herz so weit, naht die schöne Spargel- zeit... auch dem Schutzmann rollt das Blut, wenn der Spargel wachsen tut..."_ Krankenhaus-Zwcckverbänbe. Die Verhandlungen zwischen den östlichen Vorortgemeinden und dem Elisabeth-Kinderkrankenhaus so- wie zwischen den nördlichen Vororten und dem Kreise Niederbarnim wegen der Bildung von Krankenhauszwcckverbänden und des Baues zweier Krankenhäuser in Reinickendorf und der Wuhlhcide sind jetzt abgeschlossen und haben die Genehmigung der Aussichis- bchörde gefunden. Mit dem Bau der beiden Krankenanstalten soll noch im Laufe des August begonnen werden. Beide Krankem Häuser werden in Pavillonart errichtet, das der östlichen Vororte für 89, jenes der nördlichen Vorortgemetnden für die Aufnahme von 199 Betten. An dem Krankenhaus der östlichen Vororte sind Ober-Schönewcide, Friedrichshagen und Friedrichsfeldc-Karlshorst� an dem der nördlichen Gemeinden Tegel, Wittenau, Reinickendorf, Roscnthal und Wilhelmsruh-Nordend beteiligt.— Die Herstellung der beiden ersten gemeinsamen Krankenhäuser der Vororte er- fordert inklusive der Bauplätze etwa VA Millionen Mark. Der Kreis Niederbarnim ist durch die Hergabe unverzinslicher und unkündbarer Darlehn von je 359999 Mk. an den Bauten beteiligt. Das städtische Waisenhaus in der Alten Jakobstraße ist jetzt vollendet. Es soll nunmehr bedeutend vergrößert werden. Es sind bereits die angrenzenden 5 Grundstücke in der Alten Jakobstr. 36/42 angekauft. Diese Grundstücke, die zum Teil an den Waldeck-Park und an das alte Grundstück des Waisenhauses grenzen, sollen sämt- lich abgebrochen werden, um die Alte Jakobstratze verbreitern und einen Neubau aufführen zu können. Die Alte Jakobstratze, früher mit ihren gleich Eisblöcken hervorspringenden uralten Häusern eine recht unansehnliche und wenig belebte Straße, entwickelt sich seit einigen Jahren zu einer ansehnlichen Straße. Durch die geplante Verlängerung der Alten Jakobstratze nach dem Waterloo-User mittels einer Brücke würde der Verkehr gewinnen. Die neuen stäbtischen Straßenbahnen vom Balten-Platz bezw. Landsberger Allee nach dem Stettiner Bahn- Hof und der Selker st ratze auf dem Wedding wurden vor vier Wochen eröffnet und haben sich in dieser kurzen Zeit aus- gezeichnet entwickelt. Besonders Sonntags ist der Verkehr über alle Erwartungen groß. Im verflossenen Monat wurden rund 599 999 Personen befördert und 44 885 M. vereinnahmt, darunter rund 399 M. Einnahmen auf Zeitkarten. Am ersten Tage wur- den 19 419 Personen, am zweiten bereits 14 698 und am ersten Sonntage schon 22 441 Personen befördert. Die größte Frequenz brachte der letzte Sonntag(26. Juli) mit rund 22 699 Personen. Den Einnahmen in Höhe von 44 885 M. stehen Ausgaben in Höhe von rund 13 999 M. gegenüber, darunter 7315 M. für Löhne, so daß für die Verzinsung und Amortisation rund 32 999 M. verbleiben. Dieser Abschluß im ersten Monat läßt erwarten, daß mit der Vollendung der Bahn nach dem Rudolf-Virchow-Krankenhause und nach der Warschauer Brücke eine weitere Steigerung der Ein- nahmen verbunden ist. Bemerkenswert ist noch, daß an den Wochentagen der größte Verkehr stets Sonnabends und Montags und der geringste regelmäßig an Freitagen herrscht. Zum Thema„Die Ordnung(!) in den Berliner Steuerlisten" wird uns ein neuer Beitrag geliefert: Der Maler Vonberg, ein verheirateter Mann, der feit dem I. Oktober 19(16 im Hause Hohen- lohestratze 18 eine eigene Wohnung inne hat. zahlte zur üblichen Zeit, Mitte Mai, seine Steuern für das zweite Quartal 1998.(Die Steuerquittung ist ausgestellt für den Stadtbezirk 167B und trägt die Nr. 46/1839.) Am 25. Juli nun wurde der Frau V. in Ab- Wesenheit des Mannes ein zweiter Steuerzettel für April-Mai-Juni 1993 präsentiert. Vor» und Zuname, Beruf und auch der ein- geforderte Betrag— alles stimmt mit den Angaben auf dem Zettel Nr. 1 überein, nur daß die Quittung Nr. 2 für den Stadtbezirk 189L. ausgestellt ist. die Nummern 29/1232 und neben der Adresse„Landsberger Allee 17, eine Treppe"(wo B. nie gewohnt hat!) den Vernierk trägt: Zu erheben Hohenlohestr. 18, also in der richtigen Wohnung des B., in der allerdings die betreffende Steuer bereits vor zwei Monaten bezahlt worden ist I Da Frau V. allerdings von der ersten Zahlung nichts wutzte, so zahlte sie ein zweites Mal. Man ersieht au? diesem kuriosen Falle, baß man in Berlin vor dem Steuererheber nie sicher ist: weder nach Entrichtung der Steuer in einer Wohnung, in der man der Steuerbehörde bereits zwei Jahre„bekannt" ist, noch in einer Wohnung, in der man über- Haupt niemals gehaust hat! Straßenbahnverlängerung. Die Linie 31, welche am Schlesischen Bahnhof endet, soll durch Rummelsburg weitergeführt werden, und zwar in der Weise, daß sie über das Endziel der Linie 76 hinaus, durch die Wilhelmstratze nach Lichtenberg, Frankfurter Allee, geht, und sich so mit der Linie 68, die in Lichtenberg endet, aber durch Rummelsburg geführt werden soll, zu einem Schleifen- betrieb verbindet.— Ebenso ist geplant, die Linie 79 zu einem Schleifenbctricbe innerhalb Rummclsburgs umzugestalten.— Ferner soll die Gegend vor dem Schlesischen Tor mit der Frankfurter Allee durch Erweiterungen der Linien 82, 93 und 98 verbunden und dadurch eine Verbindung zwischen dem Osten und Westen gc- schaffen werden. Ein neuer Sonntagözug wird von heute ab auf der Strecke Buch-Berlin, Stcttiner Vorortbahnhof, berkehren. Er fährt von Buch 7 Uhr 4 Minuten abends ab und trifft auf Station Gesund- brunnen 7 Uhr 28 Minuten und auf dem Stettiner Bahnhof 7 Uhr 34 Minuten abends ein. Der Vorortzug, der auch an den folgen- den Sonntagen verkehrt, hält auf den Zwischcnstationcn je eine halbe Minute. Die Perlen der Gräsin Wartensleben. Die aus der Unter- .uchungshaft entlassene Kammerfrau Martha Steger ist am Freitag- nachmittag auf Anordnung des Untersuchungsrichters wieder in Untersuchungshaft genommen.und gestern vom Untersuchungsrichter vernommen worden. Der Fall ist ein recht eigenartiger. Hat die Kammerfrau der Gräfin nur einen Schabernack spielen, die Perlen selbst nur verstecken wollen, aber nicht die Absicht gehabt, dieselben sich rechtswidrig zuzueignen, so liegt kein Diebstahl vor. freilich ist das eine juristische Doktorfrage, die in einem etwas ähnlich liegenden Fall vor etwa 49 Jahren, als eine Hofdame den Schmuck einer anderen Hofdame in deren Garten vergrub, viel Staub auf- gewirbelt hat. Damals nahm das Gericht an, in dem betreffenden Falle habe die Hofdame freilich nicht die Absicht gehabt, den Schmuck dauernd sich zuzueignen,"aber sie habe doch den Schmuck, um ihn der Eigentümerin durch das Versteck entziehen zu können, vor- übergehend, nämlich bis zur Vergrabung, sichzugceignet und habe, zumal sie einen Versteck wählte, den die Eigentümerin voraussichtlich ni« entdecken konnte, eine Wegnahme in diebischer Absicht vorgenommen. Die Hofdame wurde bestraft. Bei der Kammerzofe hat offenbar der Richter, welcher die Entlassung der» fügte, angenommen, eine Zueignung habe nicht vorgelegen, ebensowenig eine Wegnahme, da das Versteck der Eigentümerin leicht zugänglich war. Der Fall Steger wird durch die keineswegs zu billigenden Schritte, die ein Privatdetektivbureau bornahm, etwas verzwickter. Hatte die Kanimerfrau lediglich einen Schaber» nack und keinen Diebstahl begangen, als sie die Perlen dem Ver» steck anvertraute, so beging sie möglicherweise einen Diebstahl in dem Augenblick, ivo sie die Perlen aus dem Ver- steck entfernte. Zu diesem Diebstahl ist sie aber durch den Detektiv und das Versprechen, zehntausend Mark zu erhalten, a n- g e st i f t e t. Es mutz danach wundernehmen, daß, wie man hört, die Anstifter nicht mitangeklagt, sondern als Zeugen ver- nommen sind. Freilich kann der Detektiv einwenden, daß er ja die Entwendung des Perlenbandes auf Veranlassung der Eigentümerin selbst oder ihres Ehemannes veranlaßt habe. Dann kann bei ihm von einer rechtswidrigen Zueignung nicht die Rede sein. Aber auch die Kammerfrau hat ja dann diese Fortnahme der Perlen aus dem Versteck im Einverständnis mit der Eigentümerin vorgenommen. Es erklärt sich bei dieser Eigenart des Falles die erste Entlassung aus der Untersuchungshaft. Wenn jetzt in einer Reihe von Korrespondenzen allerlei Mitteilungen über angebliche Aussagen der Kammerfrau, der Eigentümerin der Perlen sowie der von ihr und ihrem Manne bezahlten Detektivleute gemacht werden, so glauben wir, daß ein allgemeines Interesse an der Wiedergabe dieser angeblichen Aussagen nicht vorliegt. Die Auf. klärung wird ja in öffentlicher Sitzung erfolgen. Vom Polizeikampf gegen die Jugendorganisationen. Die freie Jugendorganisation in Velten wurde durch Verfügung des Landrats vom 9. April d. I. geschlossen. Gegen den Vorstand wurde dann ein Verfahren wegen Ueber- tretung des Veremsgesetzes eingeleitet. Das Gericht hat, wie wir erfahren, jedoch die Erhebung der Anklage durch Beschluß vom 18. Juli abgelehnt. In der Begründung heißt es u. a., daß keinerlei Beweis dafür erbracht ist, daß die Angeklagten das Vereinsgesetz übertreten haben. Die Schließung des Vereins wurde aufgehoben. Die Polizeifaust gegen eine schwangere Frav. Wenn ein Polizist einen PolizeiverordnungS» oder Gesetzes- Übertreter zur Wache bringen zu sollen glaubt, kommt es mitunter zu recht lebhaften Auftritten. Schon mancher, der von der Polizei- faust gepackt wurde und den Weg zur Wache antreten mutzte, sah hinterher merklich anders aus, als er vorher ausgesehen hatte. Eine Sistierung, bei der es ganz besonders stürmisch zugegangen zu sein scheint, wurde amMontag, 27.Juli, früh etwa um 6 Uhr, in der Nähe des Rosenthaler ToreS vorgenommen. Sie verdient Beachtung wegen des UmstandeS, daß hier die Polizeifaust sich gegen eine schwangere Frau richtete. Ein junges Ehepaar K.. das in der Morgenfrühe von einem bei Verwandten gemachten Besuch heimkehrte, war am Weinbergs- weg in Streit geraten mit einem Bäckerlehrling, der im Vorbeigehen sich eine ungehörige Bemerkung über die Ehefrau erlaubt hatte. Das Ende vom Liede war, daß Herr K., der seine Frau nicht hatte belästigen lassen wollen, von zwei Schutzleuten zu der Wache des 6 2. Polizeireviers(im Haufe Weinbergsweg 12) geführt wurde. Frau K. wollte an seiner Seite bleiben und ihn zur Polizeiwache begleiten, aber einer der neben dem Mann gehen- den Schutzleute suchte sie daran zu hindern. Die Bemühungen des Schutzmanns. Frau K. aus der Nähe ihres Mannes zu entfernen, endeten damit, daß sie der Länge nach auf das Straßen- pflaster hinflog. Frau K. befindet sich bereits i m s i e b e n- ten Monat der Schwangerschaft, und es gehört nicht übermäßig viel Beobachtungsgabe dazu, ihr das sofort anzusehen. Sie geht auch lahm, da sie lange an einer Hüftgelenkentzündung gelitten hat. Als Frau K. sich wieder aufrichtete, sah sie, daß der Schutzmann seinen Säbel gezogen hatte. Fürchtete er. daß ihn. den reichlich ausgewachsenen und kräftigen Mann, die kleine und schmächtig« Frau„bedrohen" könnte? Die Schutzleute hielten eS jetzt plötzlich für ratsam, auch Frau K. als Arrestantin zu betrachten und sie mit zur Wache zu nehmen. Gleichzeitig wurde Herr K. geknebelt, aus welchem Grund«, ist nicht ersichtlich. Als der Transport auf dem Hof des Hauses WeinbergSweg 12 an- langte, erhob K. ein lautes Hilfegeschrei. Er meinte, seiner Frau beistehen zu müssen, aber er selber war ja geknebelt. Bei dem Transport die Treppe hinauf zum Polizeibureau, der von Augen- zeugen beobachtet wurde, machte Frau K. den Eindruck einer f a st B e w u tz t l o s e n. Hinter Herrn K. und seiner Frau schloß sich dann die Tür des Bureaus. Als nach längerer Zeit beide wieder entlassen wurden, sahen sie sich genötigt, in einer Droschke heimzufahren. Der Zustand, in welchem Frau K. zu Hause eintraf und sich ihrer entsetzten Mutter präsentierte, ist schwer zu beschreiben. Die Garderobe war ruiniert, ein neuer Mantel war von oben bis unten zerrissen, selbst ein Stiefel zeigte auf dem Oberleder über die ganze Breite hinweg einen klaffenden Riß. Schlimmer noch war der körperliche Zu- stand. Im Gesicht wurden Verletzungen bemerkt, sie klagte über Schmerzen im Leibe. Man brachte sie nach der Klinik der Charit«. Der Professor, der sie dort untersuchte, schüttelte den Kopf und wunderte sich, daß nicht sofort eine Frühgeburt eingetreten sei. Zu den Mitteilungen, die ihm über die Einzelheiten der Sistierung gemacht wurden, äußerte er. Frau K. werde die Sache doch wohl weiter verfolgen, zweifellos werde man dann die Schutzleute zur Verantwortung ziehen. Der Herr Pro- fessor hat da von Dingen geredet, die er nicht versteht. Einer ganz anderen Meinung ist der P o l i ze i l e u t n a n t vom 6 2. Re- v i e r. der als Fachmann in der Tat ein zutreffenderes Urteil haben dürfte. Als zu ihm die Mutter der Frau K. kam und Klage führte, trug der Herr Leutnant ihr die Darstellung vor. die die Schutz- leute ihm gegeben haben. Unter anderem erzählte er, die Garderobe der Frau K. sei zerstört worden durch Herrn K., der bei seiner Sistierung seine Frau festgehalten habe, damit sie bei ihm bleibe. Der Herr Leutnant stellte in' Aussicht, daß das Vorkommnis ja vor Gericht Aufklärung finden werde. Und gleichzeitig zählte er eine beträchtlich lange Reihe von Uebertretungen und Vergehen her. deren Herr K. und seine Frau sich schuldig gemacht hätten. Man sieht: nicht die S ch utzleute sind's, die zur Ver» antwortung gezogen werden sollen. Zu Herrn K. und seiner Frau, denen dieses Schicksal angekündigt worden ist, gesellt sich auch noch ein Bruder der Frau K., der in der Begleitung des Ehepaares gewesen war. Bei der Sistierung hatten die Schutz- leute iM heMeUt siH zu entfernen, als aber Frau K. hinstürzte, sprang er herbes, um ihr aufzuhelfen. Hinlerhe?, Sls das Ehe- paar bereits abgeführt worden war, wurde auch er noch nachträglich auf der Straße angehalten und mit zur Polizeiwache genommen. Soll der pflichtbewußte Helfer, der seiner Schwester, der schwangeren Frau, beigestanden hat, ein Strafmandat kriegen, weil er„den zur Aufrechterhaltung der Ordnung, der Sicherheit usw. ergangenen Anordnungen eines Schutzmannes nicht unbedingt Folge geleistet'' hat? Wer möchte eine Wette darauf eingehen, daß cr's nicht kriegt? Eine Frage übrigens noch an diejenigen unserer Leser, die etwa Augenzeugen der Sistierung gewesen sind: Wer hat vor allem die Vorgänge auf der Straße mit angeschen? Ein nichtswürdiger Bubenstreich, der die Verletzung von zirka dreißig Personen zur Folge gehabt hat, ist in dem Freibad am Dämeritzsee bei Erkner, Restaurant„Neu- See- l an d", verübt worden. Dort sind Glasscherben, Nägel und andere scharfkantige Gegenstände derartig zerstreut in das Wasser ge- worfen worden, daß sie von den Badenden nicht sofort bemerkt werden konnten, wodurch die Leute sich Verletzungen zuzogen. Nicht weniger als dreißig Personen erlitten Schnittwunden an den Füßen, die zum Teil so erheblicher Natur waren, daß die Ver- Mundeten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußten. Auf die Ermittelung des Urhebers dieses nichtswürdigen Unfuges ist eine Belohnung in Höhe von 100 Mark ausgesetzt worden.— Ein weiterer Unfug ist auf einem Grundstück in der Schützenstraße in Erkner verübt. Dort ist ein großer Teil des Obstbaumbestandes teils eingeschnitten, teilweise die Stämme direkt abgebrochen. Auch hier ist auf die Ermittelung des Täters eine Belohnung, und zwar in Höhe von SV Mark, ausgesetzt worden. Lokomotivführer für Südwcstafrika sucht der Staatssekretär des Rcichs-Kolonialamts. Aus den Annahmebedingungen ist zu er- sehen, daß die Lokomotivführer nicht verheiratet sein dürfen; sie erhalten neben freier Wohnung und freier ärztlicher Behandlung im Schutzgebiet eine Jahresremuneration von 4200 M., die bis auf 4700 M. erhöht werden kann. Zu Zwecken der Ausrüstung werde» gewährt 600 M. und für die Ausreise eine Entschädigung von 700 M. Die Lokomotivführer müssen sich auf drei Jahre verpflichten. iDer Zentralverband der Handlungsgehilfen und-Gehilfinneu Teutschlands veranstaltet ani heutigen Sonntag im Konzert-Eta- blissement Brauerei Fricdrichshain(früher Lipps), Am Friedrichs- Hain 16— 23, sein diesjähriges Sommerfest. Bei ungünstiger Witte- rung findet die Veranstaltung im großen Saale statt, der über 3000 Personen faßt. Näheres siehe Inserat izi der heutigen Nummer des„Vorwärts". Arbeiter-Samariterkolonne. Montag, abends 0 Uhr: 1. Abteilung, Dresdener Straße 45, Vortrag über Ertrinken, Ersticken, verschiedene Formen der Bewußtlosigkeit� Daran anschließend praktische Hebungen und Wiederbelebungsversuche. Am Donnerstag: Uebungsstunde der 3., 4. und 5. Abteilung._ Im Zoologischen Garten ist kürzlich direkt aus ihrer nord- afrikanischen Heimat eine Schrauben- oder Mendes-Antilope cinge- troffen, eine Tierform, die wegen der imnicr stärkeren Besiedelung ihres Wohngebietes mehr und mehr dem Aussterben nahe ist. Sic gehört zu den mittelgroßen Antilopen, ist von weißgclblicher Körper- förbung und trägt in dem dunklen Gesicht eine eigenartige weiße Ouerzcichnung. Diese nur selten lebend bei uns eingeführte Art lebt in den trockenste» und dürrsten Gegenden, wo sia oft lange Zeit auf Wasser verzichten mutz. Ihre verhältnismäßig breiten Hufe deuten darauf hin, daß das Tier sich viel auf weichem Sandboden bewegt. DaS Stück, ein jüngerer Bock, ist neben den Säbelanti- lopen untergebracht.— An diesem ersten Augustsonntage kostet der Eintritt nur 2 5 P f. pro Person und während des ganzes Tages. Im Aquarium bleibt das Auge des Besuchers bei genauer Musterung der Scewasserbccken auf eine eigenartige Erscheinung haften, die er sonst nicht gewahrte. Merkwürdige Gebilde heben sich unter anderem von der schwarz-braunen Hülle eines der Hand- großen rechteckigen Eier des Rochens ab, die in einem Behälter neben der Haifischzucht hängen. Diese violett-bläuliche» oder asch» farbigen Gebilde in Rinden- oder Lirustenform sind nun aber nicht, wie man annehmen möchte, pflanzlicher Natur, sondern tierischen Ursprungs, und zwar Kolonien oder Stöcke von Tieren, die vermöge Knospung von einem Einzeltier entstanden und nun, durch gemein- schaftliche Mantelhüllen verbunden, in flachstern- oder kreisförmiger Anordnung zu etwa sechs bis zwanzig sun um gemeinsame Aus- Wurföffnungen gruppieren. Im Gegensatz zu den in anderen Becken als zapsenähnliche weiße und rote Lebewesen sich prüfen- tierenden„einfachen" Manteltieren oder Ascidien nennt man jene „Trauben-AScidien" oder zusammengesetzte Seescheiden. Die letz- teren entwickeln sich hier vor unseren Augen, die farbenschönen, ein- fachen Mantelticre hat in mehreren Gattungen und Arten die Adria geliefert. Ein Automobil verbrannt. Durch Feuer zerstört wurde Frei- tag nachmittag ein Privatautomobil. Der Chauffeur war mit dem Kraftwagen die Zehlendorfer Chaussee entlang gefahren, als in der Nähe von Mochows Restaurant plötzlich der Benzinbchälter explo- dicrte. Eine mächtige Stichflamme schoß hervor und traf den Chauffeur am Arm und im Gesicht. Bald hatte das Feuer den Wagen in seinem ganzen Umfange erfaßt. Da Hilfe nicht zur Stelle war, so wurde der Kraftwagen vollständig zerstört. Der ver- letzte Chauffeur erhielt in dem Großlichterfelder KreiskrankcnhauS die ersten Verbände. Mord und Selbstmord. In der Nacht zum Sonnabend erschoß der 34 jährige Bäckergeselle Emil Heim die 24 jährige Arbeiterfrau Lina M u s ch a k und dann sich selbst. Die Erschossene lebte von ihrem Ehemanne getrennt im Quergebäude Rosenthaler Straße 13. Dort wurde sie oft von dein Bäckergesellen Heim, den sie in einem Tanzlokal kennen gelernt hatte, besucht. Weil die Verstorbene noch mit anderen Männern ein Verhältnis unterhielt, wurde Heim eifersüchtig. Totgeschlagen. Am Freitagabend ergriff der 24 Fahre alte Arbeiter Friedet gelegentlich eines Wortwechsels mit seinem scch- zehnjährigen Vetter Röhrborn einen Stallbesen und schlug damit' so unvorsichtig gegen den Kopf seines Vetters, daß dieser bewußt». los zusammenbrach und gegen 12 Uhr nachts verstarb, ohne die Besinnung wiedererlangt zu haben. Friede! stellte sich selbst der Polizei. Ein Regenschirm ist, wie uns die Ortsverwaltung DcS Deut- sehen Metallarbeitervcrbandes mitzuteilen ersucht, bei der Dampferpartie der Werkzeugmacher gefunden und bei Paul Zippel, Neue Königstraße 3, in der Zeit von 6 bis 9 Uhr abends, abzuholen.__ Zeugen gesncht. An der Kreuzung der Straße Unter den Linden mit der Oberwallstraße fand am Freitag morgen gegen 7 Uhr ein Zu- sammenstoß eines Autos mit einem Radfahrer statt. Der Rad- fahrer Gustav Thurm, Bugenhagener Straße 4, bittet Zeugen des Borsalls in« ihre Adresse. Vorort- JVaebriebten* WklmerSdorf. In der Wahlvercinsverfammlung hielt am Dienstag Genosse Heinrich Schulz einen Vortrag über:„Volksbildung und Wirtschaft- lichc EntWickelung." Im Anschluß.an den Vortrag wies der Vor- sitzende auf die im Winterhalbjahr auch für die Ivcstlichen Vororte stattfindenden Kurse der A rb e i t c r b i Id ung s schu l e hin «id forderte zu zahlreicher Beteiligung auf. Zur K r e i s g e n e> rälbersammlüng wurde nach kurzer Debatte folgender An- -frag angenommen:„In Erwägung/' daß auf dem flachen Lande sowohl in der näheren industriellen Umgebung Groß-Berlins, des Kreises Teltow-Beeskow, durch die beiden Kreisblätter und der so- genannten unparteiischen, aber weitverbreiteten Presse geflissentlich nur ein Zerrbild von den so bedeutungsvollen Reichstagsvcrhand- lungen gegeben wird, stellen wir den Antrag, eine Zeitung mit den Parlamentsberichten sowie kurzen scharfen Widerlegungen aller der nach Reichsverbandsnianicr mehr und mehr überhandnehmen- den Verleumdungen herzustellen. Diese Zeitung ist allwöchentlich auf das flache Land hillauszuschicken und zwar als Drucksache. Die in Betracht kommenden Adressen können bei der nächsten persön- lichen Agitation leicht festgestellt werben. In der parlamenta- rischen Pause kann die Zeitung dazu benutzt werden, um populäre Erläuterungen der sozialdemokratischen Grundsätze zu geben." Als Delegierte zur Kreisgeneralversammlung werden die Ge- nossen Oskar Riedel, Goddäus und Henkel, zur General- Versammlung von Groß-Bcrlin die Genossen Kempfer, Beyer, Kühn und W a s ch u l e w s k i gewählt. Ferner soll der General- Versammlung des Kreises der Genosse O. R i e d e l als Delegierter zum Parteitag in Vorschlag gebracht werden. Auf Antrag des Vorstandes wurde beschlossen, gegen die Genossen Mehlhase und Jachmann das Ausschlußverfahren in die Wege zu leiten, weil dieselben ihr Stimmrecht bei der Landtagswahl nicht ausgeübt haben, crsterer auch gegen Entgelt gegnerische Stimmzettel verteilt hat. Die Wählerlisten zur Stadt- verordnetenwahl liegen für Wilmersdorf erst vom 1, bis 15. September aus. Boxhagen- Nummelsburg. Die HalbjahrS-Gciicralversammlung des Wahlbareins fand am Dienstag im Lokale der Ww. Weigel statt. Genosse John gab den Bericht des Vorstandes. Es haben stattgefunden 0 Mit- glieder- resp. öffentliche Versammlungen. Zur Bewältigung der laufenden Geschäfte waren 20 Vorstandssitzungcn notwendig. Wegen der Landtagswahlen wurden außerdem 4 Urwählerversammlungen sowie 2 Sitzungen mit den Wahlleitern resp. Wahlmännern ab- gehalten. Für die Gemeinde- sowie Landtagswahl fanden mehrere Flugblattverbreitungcn statt. Die Mitgliederzahl beträgt zurzeit 1600 gegen 1200 im Januar. Bei der im März stattgefundencn Gemeindewahl haben wir gute Resultate erhielt, während der Prozentsatz der abgegebenen Stimmen vor zwei Jahren 13 Proz. betrug, haben wir in diesem Jahre 33 Proz. au verzeichnen. Bei der Landtagswahl betrug die Wahlbeteiligung im Durch- schnitt 50 Proz., von 110 Wahlmännern brachten wir 83 durch. Dne Kassenbericht für die Monate Mai und Juni gab Gen. Lenzner. Einer Einnahme von 1533,43 M. steht eine Ausgabe von 1040,63 M. gegenüber, der Bestand beträgt demnach 483,75 M. Wegen Nicht- beteiligung an der Landtagswahl wurde nach längerer Diskussion beschlossen, folgende Mitglieder auszuschließen: Damm, Röhl, Haupt, Barkowski, Zarnowski, Garn, Reppich, Ellrich, Mathiske, Klinner und Lehmann. Die Zigarrenhändlcr Mohrmann und Kämpfer hatten während des Ausschutzverfahrens ihren Austritt erklärt; die Generalversammlung beschließt: Hätten dieselben ihren Austritt nicht schon erklärt, würde sie auib diese ausgeschlossen haben. Die Mitgliedschaft der Frauen betreffend empfahl der Vorstand den Genossen die Annahme der vorgeschlagenen Leitsätze.— Ein Antrag der Frauen: für Rummelsburg 30 Pfg. Beitrag von den Frauen zu erheben, wurde fast einstimmig abgelehnt. Sodann wurden die Leitsätze einstimmig angenommen.— Der vorgerückten Zeit wegen wurde ein Vertagungsantrag angenommen und be- schlössen, am D i e n s t a g, den 4. A u g u st, die nicht erledigten Punkte, wie Stellungnahme zur Kreisgeneral- Versammlung usw., zu beraten. Weistensee. Einen BiSmarckrnmmel hatte auch unser Ort zu durchkosten gehabt. Seit Monaten wurde die Werbetrommel gerührt zur Feier eines Volksfestes aus Anlaß des 10jährigen Todestages des ur- tcutschcn ManneS. Die in Patriotismus machenden Vereine liefen sich den Rang ab, um„erster" zu sein. Der Kricgerverein mußte, um an der Spitze de? Zuges zu marschieren, eine Militärkapelle zu Hilfe nehmen, sonst hätte der Kampfgenossenvercin. als junger Acrein, für sich das Recht in Anspruch genommen. Nach allem Tamtam mußte man beinahe erwarten, daß halb Weißensee auf die Beine käme. Tatsächlich ist jedoch der Festzug kläglich ge- scheitert. Vier Musikkapellen und zwei Tambourkorps waren auf- gefordert, zirka 300 bis 400 Beteiligte und den üblichen Janhagel, der bei jeder Gelegenheit, wo„was loS ist", zu finden ist, zur direkt aus dem Sachscnwaldc importierten Bismarckciche hinaus. zuspielen. Dort hielt ein Geistlicher im Frack die Weihrede. Im Arbeiterdorf Weißensee stoßen dergleichen Volksfeste auf keine Gegenliebe, die paar hundert Festgenossen bestanden zum großen Teil aus Mitgliedern von Vereinen aus der Umgegend. Trebbin(Kreis Teltow). In der Stadtvcrordnctensitzung am Freitag wurde Genosse i e b s ch in die Annen-, Markt« und Wasserwerks-, Genosse argen rot in die Straßenbau-, Kassen- und Markt-, Genosse S ch ö n s e e in die Bau-, Forst- und Straßenbau-Kommission ge- wählt. Am Donnerstagvormittag geriet der Lehrling Pusch beim hiesigen Elektrizitätswerk, der bei einem Mast in der Parkstraße eine Kurzschlutzreparatur ausführen wollte, an einen stromführen- den Leitungsdraht. Der Bedauernswerte trug aefä&rliche Brandwunden an der linken Hand davon. Königs-Wusterhausen. Im Gasthause vom Blitz getroffen wurden in der Nähe von Jänickcndorf bei Künigs-Wusterhausen zwei Personen. Bei einem kurzen, aber heftigen Gewitter, das am Freitagnachmittag zum Ausbruch kam, traf ein Blitzstrahl das Dach der— von der Arbeiterschaft nicht besuchten— Gastwirtschaft von Jädicke, zerriß die Dachsparren und drang durch die Decke in die Gaststube. Hier befand sich der Wirt und ein bei ihm wohnender Sommergast, der im Begriff war, eine Ansichtskarte zu kaufen. Beide Personen wurden vom Blitz getroffen. I. wurde an der rechten Körperseite gelähmt, während der Gast, der besinnungslos zusammengebrochen war, Brandwunden erlitt. Er erholte sich jedoch bald wieder und ist außer Gefahr. Dagegen ist es den ärztlichen Bemühungen nicht gelungen, die LähmungSerscheinungen bei dem Gastwirt zu bc- seitigcn. Die Decke der Gaststube zeigte an der Stelle, wo der Blitz durchgegangen war, nicht weniger als dreißig Löcher. An den Wänden war der Stuck teilweise heruntergerissen. Weiteren Schaden hatte der elektrische Funke an dem Hause nicht verursacht. Vermischtes. Badennglück in Westerland. Am Freitag ertrank der Pro- kurist und Geschäftsführer des Bankhauses Hardy u. Co., Daniel aus Berlin, beim Baden. Er war bei Ebbe zu weit hinausge- schwömmen. Ein Ingenieur Kohnberger aus Prag sprang dem in Gefahr Befindlichen in voller Kleidung nach. Der Ertrunkene starb aber sofort nach der Landung am Herzschlag. Aus Anlaß des Vorfalles sollen zureichendere Rettungseinrichtungen getroffen werden. Indes ist bei offener See die Vermeidung jeder Gefahr für Schwimmer dann unmöglich, wenn diese, insbesondere in der Nähe von Buhnen, bei Ebbe zu weit hinausschwimmen. Außerordentliche Straßcurcinigmig. Der Stadt ManSfeld widerfuhr große Freude und Ehre. Die leibhaftige Exzellenz der Herr Oberpräsident der Provinz Sachsen wollte am 1. August in ManSfeld anwesend sein. Darauf richtete im amtlichen Kreisblatr der Magistrat daS Ersuchen an die braven Mansfelder Bürger, ihre Häuser zu beflaggen, und der Bürgermeister ordnete als Polizeiverwaltung gar— eine außerordentliche Reinigung der Straßen für den 31. Juli an. Donnerwetter, mutz da eine Schmutzwirtschaft geherrscht haben I Brand einer Tuchfabrik. Brünn, 1. August. In der Tuch- fabrik Novotny in Battelau, Bezirk Jglau, ist gestern ein Brand ausgebrochen, welcher die Fabrik samt den Maschinen und eine? Teil der Waren einäscherte. Erdbeben. Seit dem 10. Juli werden in Moggio Udinese Erd- flöße verspürt. Heute wurde die Bevölkerung durch ein heftigeres Erdbeben erschreckt, so daß alles die Häuser verlassen hat. Militär ist nach dem Schauplatz, wohin sich auch die Behörden begeben haben, abgegangen. Verluste an Menschenleben werden nicht ge- meldet. Aus Australien. Kürzlich veröffentlichten wir an dieser Stelle einen Auszug eines Briefes eines nach Australien ausgewanderten Berliner Metallarbeiters. Die gemachten Mitteilungen haben so stark inter- essiert, daß wir förmlich mit Anfragen über australische Verhält« nisse überschüttet wurden. Es wird deshalb die Veröffentlichung eines uns vor kurzem zugegangenen Schreibens nicht unwillkommen sein, das folgenden Wortlaut hat: Melbourne, im Juni 1003. An die deutschen Parteigenossen! Veranlaßt durch die wirtschaftliche Krise in Europa und Amerika, wendet sich wieder eine etwas stärkere Einwanderung Australien zu. In deutschen Arbeiterkreisen aber scheint man wenig über Australien unterrichtet zu sein. Hier ankommende deutsche Genossen erklärten, daß es ihnen zu Hause unmöglich war, Näheres über australische Verhältnisse zu erfahren. Wir sehen uns dieserhalb veranlaßt, einige Erklärungen der deutschen Partei. presse zu übersenden. Der australische Staatenbund besteht aus den früheren Kolonien, jetzt Staaten Neu Süd-Wales, Bicwria, Süd- Australien Queensland, West- Australien und der Insel Tasmanien. Neu-Secland bildet seit September vorigen Jahres einen selbständigen Staat und nennt sich ein Dominium. Trotz der Föderation herrscht doch nur kleinliche Eifersucht zwischen den verschiedenen Staaten. Jeder Staat hat sein Ober- und Unter- Haus, sein verantwortliches Ministerium, sowie den von England ernannten Gouverneur. Das Bundcsparlament besteht aus dem Repräsentantenhaus und dein Senat; die Bundesverwaltung aus dem BundcSministerium. Ueber allen aber thront der gleichfalls von England ernannte Gencralgouverneur. Also Australien bc- sitzt 12 Staaten und zwei Bundesparlamente mit insgesamt bei» nahe 700 Abgeordneten, 6 Gouverneure und einen General- gouvcrneur, 7 Ministerien und ein zahlreiches Heer von Staats- beamten. Der ganze Apparat kostet der Bevölkerung riesige Summen. Die Föderation hat die Lasten nicht vermindert, son» dem nur vermehrt. Außer Victoria besitzen auch die Frauen in allen Staaten, sowie auch in Neu-Seeland das Wahlrecht.— Ob hier geboren oder naturalisiert, wer über 21 Jahre, Zucht- und Irrenhäusler ausgenommen, ist wahlberechtigt und wählbar. Schutzzöllner, Freihändler und Arbeiterpartei sind im Rcpräsen- tantenhaus fast in gleicher Stärke vertreten, von 76 Abgeordneten 26 Arbeitervertreter, der größere Teil davon sind Schutzzöllner. Ter Senat besteht aus 36 Abgeordneten, davon stellen die Arbeiter 17 Vertreter. Durch das Referendum kann der hiesige Arbeiter, wenn er seine Macht erkennt, einen großen Einfluß aus die wirt- schaftliche EntWickelung ausüben. Parlamentarisch sind die Al> beiter noch in der Minderheit. Die Fortschritte in der Gesetzgebung im Vergleich zu anderen Ländern, konnten nur erzielt werden durch die Unterstützung und Energie weitschcnder, wirklicher Demokraten. Der Australier selbst nimmt das Leben mehr von der heiteren Seite, er ist ein leidenschaftlicher Anhänger von allen nur mög- lichen Sports, entweder als Teilnehmer oder Zuschauer. Wer ein paar flinke Beine oder derbe Fäuste besitzt, ist ein großer Hxld. Sonntags sind alle Schankwirtschaften geschlossen, und werden Nach* dem neuen Gesetz nicht nur der Wirt bedeutend, sondern auch die im Schanklokale angetroffenen Gäste, Sonntags oder nach der Polizeistunde, abends llVs Uhr, mit 2 Pfund Sterling= 40 M. bestraft, im Wiederholungsfalle verliert der Wirt die Schank- konzession. Trotzdem wird weiter getrunken. Der Profit und der Durst finden Mittel und Wege, und so wird schließlich das eigene Heim verpestet; was früher in Gläsern genossen, kommt in Fässern ins Hans. Die Kneipbrüder steuern einfach zusammen. Die Arbeiterbewegung war früher rein gewerkschaftlich, kommt aber langsam in das sozialistische Fahrwasser. Das Wort Sozialismus wird wohl nirgends mehr gebraucht und gcmißbraucht als gerade in Australien. Bei den Gegnern ist jede Forderung oder Errungen- schaft der Arbeiter Sozialismus. Sei eS Verkürzung der Arbeits- zeit, höhere Löhne, Fabrikgesetzgebung, Frauenwahlrccht, alles ist Sozialismus. Der Arbeiterschaft fehlt noch die politische Schulung. Doch eS regt sich außerhalb der Unions, es bilden sich sozialistische Gruppen, hier in Victoria besteht seit 6 Jahren eine Lolitical Labour League(politische Arbeiterliga), also ein Verein, welcher sich mit Politik befaßt. Genosse Tom Mann wurde als Organi- sator engagiert, trat aber vor zwei Jahren zurück und gründete eine sozialistische Partei. Die verschiedenen Strömungen bekämpfen sich zurzeit. Aber eine Einigung muß früher oder später dcch er- folgen. Bis jetzt ist der Begriff des Sozialismus ein der- schwommcner, es fehlt noch das ernste Studium. Hier soll es bc. schämend eingestanden werden: Eingewanderte Deutsche, welche zu Hause in der Bewegung waren, geben der großen Mehrzahl ein schlechtes Beispiel, ob dieselben herauf oder herunter kommen, sie sind für die Sache verloren. Am Anfang große Worte, verlieren sich dieselben bald in die Vergnügungsvereine und versimpeln. Waren es zu Hause wirklich überzeugte Genossen? Oder hat mau auch in Deutschland noch ein großes Heer von Mitläufern? Die allgemeine Geschäftslage hat sich seit der schweren Krise Anfang der Wer Jahre nur langsam gehoben, bis vor zwei Jahren der Höhepunkt erreicht wurde. Die Arbeitsnachfrage blieb jedoch stets größer als das Angebot. Im Baufach ist gegenwärtig eine Stockung eingetreten und gibt es Tausende von Arbeitslosen. Die Arbeitslöhne haben sich die letzten Jahre durch die Fabritgesetz- gcbung und die Wages-Boards(Arbeitskammcrn) gehoben. Der Ausbeutung weiblicher und jugendlicher Arbeiter ist durch be- stimmte Lohnsätze ein gewisses Ziel gesetzt. Andererseits aber sind Lebensmittel, Miete usw., kurz alles was zum Leben nötig. bedeutend im Preise gestiegen. Der australische Markt war mit billigen überseeischen Waren(besonders auch deutschen) über- schwemmt. Jetzt ist auf eingeführte Waren, welche hier fabriziert werden können, hoher Einfuhrzoll gelegt. Aber auch Genußmittel als Tee und Kaffee, sowie Rohprodukte, deren Einführung nötig ist, werden verzollt. Australien ist bei günstigem Regenfall ungemein fruchtbar; alle nur möglichen Früchte gedeihen aus das prächtigste. Aber nur zu oft kommen Jahre großer Dürre. Die Viehherden verschmachten zu Hunderttansenden. Die Viehzucht wird meist im großen bc- trieben und besteht aus Millionen von Pferden, Rindern und Schafen. Die Schafscherer haben eine starke Union und sind be» sonders in Queensland das Rückgrat der Arbeiterpartei. In Nord-Qucensland wird auch der Anbau von Zuckerrohr intensiv betrieben, bis jetzt fast ausschließlich durch Arbeiter von den Süd- sceinseln. Doch müssen dieselben durch BundcSbeschluß durch weiße Arbeiter ersetzt werden. Gutes Land für Eingewanderte ist schwer erhältlich. Große Strecken des besten Landes sind im Besitz Weniger. In Victoria kauft jetzt die Regierung vom Großgrund- besitz Land zu teurem Preis zurück, teilt es in kleine Parzellen und verkauft es an Ansiedler, man will zufriedene Leute schaffen. Tie Rechnung ist aber falsch, die Kleinen können gegen die Großen nicht konkurrieren. Handel und Industrie ist die Haupternährungsquelle in den Städten. In Deutschland streitet man sich noch über den Sonntags- und Achtuhrladcnschluß. Nun wir haben hier den ScchSuhrladcnschluß Witterungsübersicht vom 1. August 1908, morgens 8 Uhr. und Sonntags find alle Verkaufsgeschäfte geschlossen. Die Verkaufs- Der Direktor der Handwerkerschule würde Ihnen den sachverständigsten Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen- Direktion über läden müssen jede Woche einen halben Tag schließen. Ein Teil wählt Rat erteilen. 9. W. 19. 1. bis 4. Ja. 5. Nein. 2. Ja. den Großhandel in den Zentral- Markthallen. Marktlage: Fleisch: Mittwoch, der andere Sonnabend nachmittag. Wer Sonnabends Diffident. 1. Ja, aber der Religionsunterricht müßte froßdem er- Bufuhr schwach, Geschäft lebhaft, Preise unverändert. Wild: Zufuhr offenhält, hat die Erlaubnis bis abends 10 Uhr. Arbeiter und An- folgen. Wegen des Unterrichts wenden Sie sich an Hoffmann, Blumen- etwas reichlicher, Geschäft lebhaft, Breise gut. Geflügel: Bufuhr ſehr gestellte haben Sonnabend nachmittag frei. Es gibt aber auch Schattenseiten. Die unregelmäßige Beschäftigung der Arbeiter während der langen Krise brachte bittere Not in manche Familie und hielt andere ab, ein eigenes Heim zu gründen. Obwohl der Geschäftsgang die letzten Jahre ein besserer, gibt es doch der Armen genug. Die Altersrente ist noch den einzelnen Staaten überlassen, doch fordern die Arbeiter, dieselbe durch die Föderation einheitlich zu regeln. Kein Arbeiter braucht in seinen träftigen Jahren zur Steuer beizutragen: Klebemarken gibt es nicht, die Staatstasse be= zahlt. In Victoria ist die Unterstützung wöchentlich 10 Schilling. Altersgrenze 65 Jahre. Das Klima ist ein gesundes, im schwach bevölkerten Norden wärmer, im Süden mehr gemäßigt. Im Sommer treten auch hier tropische Hizewellen auf. Doch ist die Hibe eine trockene, deshalb erträglich. Der Winter ist mild, gleicht mehr dem deutschen Herbst. Buscharbeiter, Scherer, Goldsucher wohnen vielfach das ganze Jahr in Belten. Scherer und Goldsucher führen meist ein Nomadenleben, und so mancher findet statt erhofften Glücks ein einsames Ende im australischen Busch oder verschmachtet in der australischen Wüste. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck der Einsendung ersucht. Mit foz. Gruß C. Mitscherlich, Schriftführer des Vereins Vorwärts. Adresse des Vereins Vorwärts: Exhibition Hotel Exhibition Street Melbourne( Australia), Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter Sof, dritter Eingang, bier Treppen, ahrstuhl wochentäglich abends von 7 bis 9% 1hr statt. Geöffnet Uhr Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Bahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. 23. G. 100. Wenn der Wortlaut des uns nicht bekannten Vertrages dem nicht entgegen steht, find Sie zur Einbehaltung berechtigt. Sonit verlangen Sie unter Friftfegung die Beseitigung der Mißstünde, drohen an, daß Sie nach fruchtlosem Ablauf der Frist die Mängel auf Stoften des Birtes beseitigen lassen würden und führen die Drohung aus. B. R. 28. 1. Die Betreffende kann auf Bahlung lagen, auch bei der Staatsanwaltschaft Strafantrag wegen Bechprellerei stellen. 2. Leider nein. B. 010. 1. Rein. 2. und 3. Wenden Sie sich an Adolf Hoffmann, Blumenftr. 14. Parzelle- Feuer. Von der Versicherung bei der Gefen schaft würden wir abraten, weil bei einer Versicherung auf Gegenseitigkeit unter Umständen sehr viel nachgezahlt werden müßte. 5. N. 50. Todes- Anzeige. Um 31. Juli starb mein lieber Mann, unjer guter Vater, der Tischler Robert Vogel im Alter von 57 Jahren. Dies zeigt tiefbetrübt an 8406 Dora Vogel nebft Kindern Annenstr. 10. Die Beerdigung findet am Montag, den 3. Auguft, von der Halle des neuen Luisenkirchhofes, Rirdorf, Hermannstraße, aus statt. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 8. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Todes- Anzeige. Am 30. Juli verschied unser langjähriges Mitglied, der Tischler Robert Vogel ( 260. Bezirt) im Alter von 57 Jahren. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 3. August, nachmittags 5 Uhr, von der Leichen halle des neuen Luisen- Kirchhofes aus statt. Um rege Beteiligung der Genoffen ersucht Der Vorstand. Todes- Anzeige. Allen Stollegen und Freunden zur Nachricht, daß unser langjähriger Kollege, der Stlavierarbeiter Robert Vogel berftorben ist. 6585 Die Beerdigung findet am Montag, den 3. August, nach. mittags 5 Uhr, von der Leichen halle des neuen Luisen- Kirchhofs, Nigdorf, Hermannstraße, aus statt. Die Kollegen der Pianofabrit W. Hoffmann. Tobes- Anzeige. Allen Bekannten die traurige Nachricht, daß unsere liebe Tochter Elsa Matull im Alter bon 11 Jahren Freitag, den 31. Juli, im Strantenhause Friedrichshain gestorben ist. Die Beerdigung findet Montag nachmittag 3 Uhr von der Leichen halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. 38162 Die betrübten Eltern August Matull nebst Frau. Sozialdemokratisch. Wahlverein für Waidmannslust u. Umgegend. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Maler Hermann Kootz, Waidmannslust, durch Unfall plöglich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. August, nachmittags 5 Uhr, von der Leichen halle des Lübarser Kirchhofes aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 238/9 Der Vorstand. Am Mittwoch, den 29. Juli, starb unser treuer Sollege Franz Laozik aus der Aluminium- Gießerei in der Firma A. E.-G., OberSchöneweide. 8336 Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 31, Uhr vom Trauerhause Adlershof, Genossenschaftsftraße 12, aus statt. Die Kollegen der Firma der A. E.-G. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Franz Laozik am 29. Juli an Herzschlag gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 2. August, nachmittags 3, Uhr, bom Trauer hause in Adlershof, Genossenschafts straße 12, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. 120/4 Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Arbeiter Richard Weiske am 30. d. Mts. an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 2. August, nachmittags 4 Uhr, von der BeichenHalle des Heilig- Kreuz- Kirchhofes in Mariendorf aus statt. Rege Beteiligung erwartet 120/5 Die Ortsverwaltung. 9 Deutscher Transportarbeiter- Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Hausdiener Hermann Schulz am 31. Juli im Alter von 41 Jahren verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 3. 5. Mts., nach mittags 2%, Uhr, von der Leichen halle des 8entral Friedhofes, Friedrichsfelde, aus statt. 0 Um zahlreiche Beteiligung er ficht 70/5 Die Verwaltung II. Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Zeilnahme beim Hinscheiden meines lieben Mannes, unseres guten Baters und Onkels, des Buchbinders Paul Strauß fagen wir allen Berwandten, Freunden und Bekannten sowie dem BuchbinderMännerchor und allen Stollegen unferen herzlichsten Dank. Witwe Klara Strauß 8395 nebit Sohn und Nichte. Stationen Barometerstand mm richtung Mind Windstärke 764 23 Frantj.a.M. 768 S München Wien Better Temp. n. 6. 5° C. 4° N. Il Stationen Barometerstand mm Wind richtung Windstärke 3 wolfig 4 halb bb. 15 Haparanda 7526 14 Petersburg 755 GGD 15 Scilly 772 NND 1 halb bb. 14 Aberdeen 3 bedeckt 3 wolfig 12 Baris 15 769 WNW 770 N Wetter Temp. n. C. No 15 25ebedt 2halb бd. 21 2 heiter 16 3 Schnee 12 1 wollen! 13 768 NA 765 N. Wetterprognose für Sonntag, den 2. August 1908. Biemlich fühl, vielfach beiter, aber noch veränderlich mit leichten Regen schauern und frischen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Rettor richten. straße 14. 2. Sie tönnen sofort einen dahingehenden Antrag an den reichlich, Geschäft außerordentlich lebhaft, Breise steigend. Fische: Bu M. 13. Auf keinen Fall wäre die Binsforderung be- fuhr reichlich, Geschäft anfangs matt, später lebhaft, Preise wenig ver rechtigt. Auch im übrigen würde höchstens ein Teil des Ihnen bereits ändert, Krebspreise steigend, minderwertige Seefische fast unverläuflich. Bugewendeten angerechnet werden können. Nach dem Bürgerlichen Gesez- Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse buch find Zuschüsse, die zu dem Zwed gegeben worden sind, als Einfünfte Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend, in Gurken über Bedarf, verwendet zu werden, sowie Aufwendungen für die Vorbildung zu einem Geschäft rege, Preise befriedigend. Beruf nur insoweit bei der Erbteilung zur Ausgleichung zu bringen, als fie das den Vermögensverhältnissen des Erblassers entsprechende Maß überSchulgeld in Betracht kommen. Reinickendorf- West. 1. und 2. Nein. stiegen haben. Es würde also in Ihrem Falle eventuell nur das 3. 101. Ohne Einsicht in die beiden Verträge ist Ihre Frage nicht zu beantworten. Sie scheinen das Recht zu haben, von dem breijährigen Bertrage zurüdzutreten, aber ohne Kenntnis des Wortlautes ist eine sichere Auskunft nicht zu erteilen. R. V. 17. Wenden Sie sich an das hiesige Auswärtige mit. M. S. 28. 1. Ja. 2. bis 4. Die von Ihnen angegebenen Umstände könnten den Einwand, daß auch mit einem anderen zu dem Sie Vertrauen haben. Bestimmte Anwälte zu empfehlen, lehnen Hamburg 764 S4 Regen Berkehr gepflogen ist, unterstützen. 5. Wenden Sie sich an einen Anwalt, Swinembe. 76228 wir grundsäßlich ab. 6. 15 bis 25 M. monatlich werden als angemessene Berlin Alimentationsgelder für ein außereheliches Kind erachtet. 7. Wenn die Vaterschaft zu gerichtlichem oder notariellem Protokoll anerkannt ist, so ist der Einwand, daß auch mit anderen Umgang gepflogen ist, unerheblich. D.&. Genossenschaft. Anteilscheine ließen sich nur in der Weise verbreiten, daß die Nehmer Mitglieder der Genossenschaft werden oder der Genossenschaft ein Darlehen geben. 23. 2. Sie tönnen schreiben: unbefcholten. A. 4. Ja. R. H. 2. Der Zon liegt bei dem Worte Romeo auf der zweiten Silbe. G. 5. 100. 1. Nein. 2. bis 4. Ja. A. H. 08. Es müßte spätestens am 15. August gekündigt werden, eine frühere Kündigung ist aber zulässig. Invalide 4. Den Antrag fönnen Sie mündlich oder schriftlich an den Magiftrat, Abteilung für Versicherung( Köllnischer Bart) stellen. R. O. 100. 1. Nein. 2. Ja .. 100. 6 m. bis 20 m. werden für angemessen erachtet. 5. 36. Eine Tage für Hebammen besteht in Preußen nicht; sie soll vom 1. Oktober ab eingeführt werden. Es ist eine angemessene Bergütung zu zahlen. Für Berlin und die Vororte richten sich die Richter in der Regel nach der vom Bafferstand Hebammenverein aufgestellten Tage. Danach ist für eine Entbindung 10-30 M., für einen Besuch vor oder nach der Entbindung 1-2 M., für einen Memel, Tilfit solchen während der Nacht 2 M. und für eine Nachtwache 5-8 M. zu zahlen. Bregel, Insterburg A. B. 1. Im Falle einer Klage würden Sie voraussichtlich zur Weichsel, Thorn Zahlung verurteilt werden. R.. 14. Sie fönnen anf Stückgabe Dder, Ratibor Thres Eigentums und eventuell Schadensersatz flagen. J. St. 75. Stroffen Stirbt der Mieter, so wird nicht ohne weiteres der Vertrag aufgehoben. Frankfurt Vielmehr haben nur die Erben das Recht, länger währende Verträge vor- Barthe, Schrimm zeitig zu fündigen. Sie können bis am dritten Tag des auf das Todesquartal folgenden Monats den Vertrag zum Schluß des Quartals fündigen. Ist der Tod in der Zeit vom 1. April bis 30. Juni erfolgt, so fann also bis am 3. Juli zum 30. September gekündigt werden. 2. R. 96 Zuständig ist das Polizeipräsidium. Sch. W. 51. 1. und 2. Sft kein Testament gemacht, so erbt der finderlofe Witwer oder die kinderlofe Witwe die Hälfte des Nachlasses, außerdem erhält er als voraus die Haus haltungsgegenstände und die Hochzeitsgeschenke. 3. Ja. M. M. Nein. Danksagung. Für die überaus große Teilnahme bei der Beerdigung der Gebrüder Kleist sowie des Restaurateurs Kraft fagen wir dem Gefangverein LiederJust II", dem Segelflub Gut Holz", den Lotterievereinen Ins Blaue", " Immer Glüd“ und„ Glücaus", sowie Bekannten allen Freunden und unseren herzlichsten Dant. 38152 Die traneruden Hinterbliebenen. Es empfiehlt sich bei eintretendem Trauerfall möglichst sofort Westmanns Trauermagazin Hauptgeschäft: Berlin W., Mohrenstraße 37a, an den Kolonnaden, 2. Haus von der Jerufalemerstraße, und NO., Gr. Frankfurterstr. 115, 2. Haus von der Andreasstraße, zweds Auswahl d. passenden Trauergarderobe aufzusuch. Um dem Publikum einen besonderen Vorteil zu bieten, ge währe ich auf diese Auzeige hin bei Stauf 10% Rabatt in bar! Empfehlen den Genossen und Sollegen unser Beerdigungsinstitut , Solidi“ 55 H. Fischer& Kreutzberger, Rixdorf, Pflügerstraße 70, Ede Friedelstraße. Amt Rigdorf 946 Portieren, Ohne Anzahlung! 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