Nr. 45. Erscheint täglich außer Montags. Prets pränumerando: Bierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Pfg. frei in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage ,, Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 8,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. DefterreichUngarn 2 Mr., für das übrige Ausland 3 Mr.pr.Monat. Eingetr. in der Post- Beitungs- Preisliste für 1898 unter Nr. 6708. = Vorwärts 10. Jahrg. Insertions- Gebühr beträgt für' bte fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 fg Inferate für die nächfte Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ift an Wochentagen bis 7 Uhr Abends, an Esonnund Festtagen bis 9 Uhr Bors mittags geöffnet. fernfprech- Anschl Amt I, Nr. 4186. Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Mittwoch, den 22. Februar 1893. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Ein Dokument des Unternehmer- ld bigger man the base pathogen of Politische Mebersicht. " einer = Hochmnthes. " n Berlin, den 21. Februar. Daher kommt es, daß auch im vorliegenden Schriftwieder nach einem Strafparagraphen für Kon traktbruch, nach dem berühmten§ 153 des Regierungs- Entwurfs zur letzten Gewerbenovelle an nicht weniger als drei Aus dem Reichstag. Im Verlaufe der Debatte Eine Stelle, in welcher die Geschichtsschreiber späterer Stellen des kaum zwei Spalten langen Abschnitts rufen. Jahrhunderte den Uebermuth und die Verblendung der Sie gleichen den Schäfern und alten Weibern, die das Ge- brachte heute der Abgeordnete für Lübeck, Schwarz, bei der Position, Ausgaben für das Ober- Seeamt" die Mängel der Seemaßgebenden deutschen Unternehmerkreise des 19. Jahr witter mit gestammelten Sprüchlein beschwören wollen hunderts aktenmäßig genau festgelegt finden werden, ist der arme Tröpfe; es ereilt sie doch! Lassen wir sie sich wiegen mannsordnung und die Leiden der seemännischen Bevölkerung in diesen Beziehungen seit Jahren berüchtigte Bericht der in dem kindlichen Glauben, daß es des Arbeiters zur Sprache und stellte einen diesbezüglichen AbänderungsHandelskammer in Essen, der Krupp'schen Metro- höchstes Ideal sei, fich williger und fleißiger zu brachte dann den, unseren Lesern genügend bekannten, Fall antrag zur Seemannsordnung in Aussicht. Der Abg. Bebel pole. Auch jetzt bietet dieses Schriftstück, das in seiner zeigen, um nicht ihrer Arbeitsgelegenheit verlustig zu Auflage für 1892 vor einigen Tagen erschien, wieder eine gehen", wie der Bericht so schön von den Textilarbeitern Schiff( Elsfleth) vor. Nach beiden Richtungen glaubte der Urkunde progenhaften Unternehmer- Hochmuthes, die eben des Bezirks sagt. Gott sei dank tagt in den Köpfen der Abgeordnete für Flensburg, Jebsen, unseren Redmern entgegennur am Ende einer sinkenden Gesellschaftsordnung fo Proletarier auch in Rheinland- Westfalen das Bewußtsein treten zu müssen. Die Klagen gegen die Seemannsordnung vorkommen kann. Vor dem jezigen Wendepunkt in der davon, daß zur Arbeitsgelegenheit" durchaus nicht die erscheinen diesem Vertreter der Rhederinteressen natürlich fozialen Geschichte verfaffen eben die Handelskammern als faule Drohne gehört, die als Unternehmer über die Pro- für übertrieben, während ihm der Fall Schiff ganz eigenUnternehmer Vertretungen diejenigen herausfordernden buktionsmittel gebietet und den Arbeitsbienen die in Hülle die" Klugheit" abgehalten hat, an einen seiner Kapitäne thümlich klingt". Jebsen ist überzeugt, daß Schiff schon Edifte", deren Urheberschaft vor der großen Revolution und Fülle vorhandene Nahrung schmälert und auch noch einen ihn, Schiff, so bloß stellenden Brief zu schreiben. von 1789 den töniglichen Behörden und Beamten zufiel. Dankbarkeit, Willigkeit und Fleiß" wie zum Hohne von Der neueste Jahresbericht der Effener Handelskammer den Ausgebeuteten fordert. Der Hohn, der in diesen Worten Herr Schiff sei übrigens nach wie vor in Eisfleth als ein ehrenhafter Mann angesehen. Diese Un- genirtheit in beginnt den Abschnitt" Arbeiterverhältnisse" würdig mit liegt, thut schon das Seinige mit zur Beschleunigung der Vertretung des Profits um jeden Preis und mit allen Fälschung! Die Arbeiterverhältnisse auf den Arbeiterbefreiung! Und nicht minder wird gar mächtig Vertretung des Profits um jeden Preis und mit allen Steinkohlen- Zechen des Bezirks waren im Berichtsjahre wirken die Aeußerung der Essener Handelskammer in Witteln, war selbst für die nationalliberalen Gesinnungsgenossen des Jebsen zu viel. Sie schwiegen demonstrativ, durchaus befriedigende" so heißt der gefälschte Eingangs- ihrem neuesten Bericht, daß die Einführung der Ar- und Jebsen, dies fühlend, erklärte in einera Zwischenruf, satz. Gefälscht ist er deshalb, weil in ihm mit Absicht drei beitsordnung auf Kohlengruben nach dem Gutdünken und Jebsen, dies fühlend, erklärte in einera Zwischenruf, Worte weggelassen sind: Für die Unternehmer der Unternehmer sich in aller Ruhe" de 3halb daß er natürlich nur für seine Person gesprochen habe. befriedigende." Daß der Sah nur so und nicht anders ge- vollzog", weil Staatsminister von Bötticher erklärte, daß Schiff, nach dem weil feine Grubenausschüsse bestehen und meint sein kann, verräth der Verfasser des Abschnittes in die vorherige Anhörung in Gemäßheit der gesetzlichen sein Brief bekannt geworden, sein Amt als nicht ständiges Mitglied des Reichs Versicherungsamtes niedergelegt hat. sehr ungeschickter Weise einige Säge weiter, indem er Uebergangsbestimmungen unterblieb. Das Willkürregiment unser Genosse Bebel aber gab den Empfindungen aller ehrschreibt:" Wenn auch... der Verdienst geschmälert wurde, der Unternehmer zum obersten Grundsatz erhoben so mußten die Arbeiter doch dankbar sein, überhaupt lautet auch die Quintessenz dieses offenherzigen Sages, für lichen Leute Ausdruck als er in Charakterisirung des Falles noch Arbeitsgelegenheit zu haben..." Klassischer dessen Festlegung der Effener Handelskammerbericht in Glas das Wort: Massenmörder aussprach. fann die Anschauung der rheinisch westfälischen und Rahmen gefaßt zu werden verdient. Und wie sehr Zur Miltärvorlage. Die offiziöse Militärische Unternehmer, daß die Industrie Be verdient der christlich soziale Staat die Bemerkung dieser und Politische korrespondenz" schreibt:„ Gegenreicherungsverfahren für die Kapitalisten ist, bei dem Prozen, daß der Streit auf den Saarkohlengruben zu ihrem über neuerdings in der Presse mit großer Bestimmtheit „ beschäftigt" zu werden, werden, der Arbeiter noch dank- Bedauern", aber nicht zu ihrer Ueberraschung" die auftauchenden Gerüchten von der angeblichen Bereitwilligbar" sein muß, nicht ausgedrückt werden. Wir sind die Richtigkeit des Fabrikdespoten- Standpunktes bewiesen habe. feit der verbündeten Regierungen, auf bestimmte KomHerren der Produktion; der Proletarier hat sich gehorsam Diese Ruthe hat sich Herr von Berlepsch selbst gebunden, promißvorschläge einzugehen, können wir nur versichern, daß den Arbeitsbedingungen zu fügen, die wir ihm aufzuerlegen als er es den rheinisch- westfälischen Unternehmern durch eine solche Neigung an maßgebender Stelle nicht besteht, für gut finden so lautet der blöde Spruch noch immer. seine Uebergangsbestimmungen zur Berggesetz- Novelle sondern lediglich auf unbegründete Muthmaßungen zurück Die rheinisch- westfälischen Proßen wollen nicht einsehen, möglich machte, ihre Arbeitsordnungen ohne Anhörung zuführen sein dürfte. Der Reichskanzler dürfte vielmehr daß das sozialpolitischer Unsinn ist, seitdem die zentralisirte der Arbeiter noch rasch vor Thoresschluß einzuführen nach wie vor entschlossen sein, bezüglich der Militärvorlage Industrie Massen von Arbeitern zusammengehäuft hat, der Dank für dieses Zugeständniß ist jetzt der schlecht ver- den alten Kurs beizubehalten". Uns soll es recht sein. deren Zustimmung zu den Arbeitsbedingungen immer hehlte Hohn der Effener Handelskammer, deren Patrone Die Neuwahl wird zeigen, daß wir gerüstet waren. wichtiger und unumgänglicher wird, je weiter die technische im niederrheinischen Kohlenrevier rücksichtslos" geschaltet Entwicklung und damit die Organisation der Massen fort- haben, wie sie sagen, und sie müssen es selbst ja am besten Bei der Reichstags- Erfahwahl, die gestern im schreitet. Daß die Organisation der Massen nur eine wissen! Wahlkreise Liegnig- Haynau- Goldberg stattfand, erhielt Folgeerscheinung der technischen Entwicklung ist; daß die Der Abschnitt des Essener Handelskammer- Berichtes einem Herold- Telegramm zufolge Jungfer( freis.) 9726, hunderttausende von abhängigen Existenzen, die früher zu über Arbeiterverhältnisse" ist ein widerliches Gemisch von Hertwig( Antisemit) 5048, Kühn( Goz.) 4814 und sammenhangslos über das ganze Land in kleinen Betrieben Verdrehungen der Thatsachen, ungeheuerlichem Prozenthum Graf Rothkirch( fons.) 1153 Stimmen. Es kommt da= zerstreut waren, jetzt nach ihrer Zusammenhäufung und und sozialer Verblendung, wie sie nur Krisenzeiten nach zur Stichwahl zwischen Jungfer und Hertwig. Bei der Proletarisirung durch die Technik unausweichlich eine Macht vor großen Umwälzungen zeitigen. Wir können deshalb letzten Wahl erhielt der freisinnige Kandidat 10 546, der werden, die über die Produktion mitverfügt- vor dieser der Gewißheit leben, daß diese Sprache in Rheinland- konservative 5588, der sozialdemokratische 4522 Stimmen. Thatsache stehen die Herren in Essen und anderswo noch Westfalen, gedruckt und ungedruckt, nicht allzulange mehr immer so verständnißlos, wie Schulbuben- oder sie stellen geführt werden wird. sich wenigstens so. 1112 ein Feuilleton. Nadbrud verboten.) ( 21 Die Laufbahn eines Nihilisten. Bon S. Stepniat. Autorisirte Uebersehung. " 10 Gregor befanden sich alle unter dem Zauber dieser auf opfernden That, welche selbst in den Annalen ihrer Partei als Ausnahme dastand. Alle waren von den verschiedenen Gefühlen, welche sie hervorrief, übermannt, Kummer um den vorzeitigen Verlust eines solchen Mannes, Bewunderung für die That, Stolz, einer Partei anzugehören, welche solche Männer in ihren Reihen hatte. = Wie die Vossische Zeitung" dagegen in ihrem heutigen Abendblatt meldet, soll der freifinnige Kandidat Jungfer bereits mit knapper Majorität gewählt sein. Wie man ihre ganze moralische Natur erzittern; bei anderen öffnen sich bei der zarten Berührung einer Freundeshand die tiefften Quellen des Gemüths, wie im Schlafe. Aber jeder, der sich irgend einer großen Sache, welche es auch sein mag, auf Leben und Tod geweiht hat, muß solch' einen das künftige Leben bestimmenden Moment durchmachen. Solch eine Krisis tam auch jetzt über Tanija. Es war ein Eindruck, welcher gleich einem Windstoße fam und vorüberging. Als Gregor seine Erzählung schloß, und sie sich dieselbe vollkommen vergegenwärtigte, fühlte fie, wie ihr Herz vor durchdringendem und überwältigendem Mitleid schwoll. Es war, als ob in einem einzigen Augenblicke ihre Aber für Tanja war es mehr. Für sie war es ein Vorfall, welcher, wenn er sich am Scheidewege des Lebens er eignet, über den Pfad entscheidet, den ein Mensch einzu Frei ins Deutsche übertragen von Bertha Braun. schlagen hat. Seitdem Tanja mit Sina und nachher mit Was thaten Sie nun?" fragte Tanja. Gregor bekannt geworden war, sympathisirte sie auf " Was blieb ihnen übrig," antwortete Gregor, als richtig und warm mit ihrer Sache. Aber zwischen mütterlichen Instinkte in ihrer Mädchenbrust zur Reife geihrer Wuth über die Täuschung an dem Luft zu machen, einer Person, die gelegentlich aus Sympathie für die langt wären, und als ob dieser junge Mann, den sie nie ben sie in ihren Krallen hatten? Sie konnten nicht ent- Sache etwas thut und einem thätigen Anhänger, gesehen hatte, ihr Kind gewesen wäre, das grausame decken, wer unter dem Namen Zachary Wolkom lebte, der zu jedem Opfer bereit ist, weil er nicht anders kann, Feinde ihren Armen entrissen hätten. Eine Röthe stieg fonnten aber wohl errathen, daß sie irgend jemanden von besteht eine große Kluft. Diese Kluft war bisher für in ihre Stirn; die innere Bewegung ging in ihr so schnell Bedeutung hatten entschlüpfen lassen. Myrtow wußte, was Tanija nicht überbrückt worden. Bisher befand sie sich auf vor sich, daß sie keine Zeit hatte, sich darüber Rechenschaft er zu erwarten hatte, denn kein Mensch würde sein Leben der anderen Seite, im Lande der Philifter: Sie wäre dort abzulegen; sie fühlte, daß die Ursache ihrer geistigen Umopfern, um eine Null" zu retten." geblieben, wäre sie vor diesem Tage jeder ferneren Be- wandlung weder Haß, noch Rache war, ein Lichtstrahl errührung mit jener Welt, in welcher sie in der letzten Zeit goß sich in ihre Augen, und alles war vorüber. Das große so viel lebte, entzogen worden. Ihre Seele hatte noch nicht Ereigniß war geschehen. einen Moment jene ergreifenden Gemüthsbewegungen ge Hier in diesem abgelegenen Winkel, in diesem ärm" Nein. Nicht besonders. Sie waren nur bekannt. fannt, nach welcher feine Rückkehr in die seichten Bahnen lichen Zimmer, hatte der Widerhall einer edlen Handlung Myrtow, den ich nur oberflächlich kannte, hatte gegen Taras des Philisterthums mit seiner Furchtsamkeit, Schwachherzig- für immer ein neues Herz an dieselbe heilige Sache gesogar persönlich eine Abneigung wegen seines herrischen keit und Seelenlosigkeit mehr möglich ist. feffelt. Auftretens. Sein Akt der Selbstaufopferung ist nicht Ein Ereigniß oder ein Buch, ein lebendes Wort oder Als das Mädchen sprach, that sie weder ein feierliches persönlichen Empfindungen zuzuschreiben. Deshalb gerade ein erschütterndes Beispiel, eine fummervolle Erzählung aus Gelübde, noch gab sie nachdrückliche Erklärungen ab. Sie ist er so erhaben!" schloß Gregor mit vor Bewunderung der Gegenwart, oder ein glänzender Lichtblick in die Bu- hätte nichts dergleichen thun können, selbst wenn sie nicht zitternder Stimme. funft irgend etwas derartiges kann das Werkzeug zu allem unfähig gewesen wäre, was nur einen Schatten Eine feierliche Stille trat ein, welche die tiefe seelische sein, um diese momentane Krisis herbeizuführen. Bei von Prahlerei an sich gehabt hätte. Weder in dieser Bewegung besser als Worte ausdrückt. Andrej, Lena und manchen kommt die Krisis im heftigen Kampfe und läßt Stunde, noch in den langen Jahren heldenhafter AnstrenWaren sie eng befreundet?" fragte Tanja. Wer?" Myrtow und Taras?" tenb deS Jahres 1892(Menstück Nr. 118) zugegangen. Wir theilen einige bemerkenswerthe Angaben desselben mit. Es wurden im Jahre 1892 über die drei deutschen Hafen Hamburg, Bremen, Stettin befördert: 241 K67 Personen gegen 289 363 Personen im Jahre 1891: die Wirkung der Choleraseuche ist offenbar. Von den 241 667 Personen gingen über Bremen. 129 418 Personen, darunter Erwachsene 107648 Samburg. 108 820.„ 86 358 tettin. 3 429„,„ 3 429 Unter den 241 667 Personen waren 90 255 Deutsche. Von diesen gehörten ihrem Berufe nach an: der Laudwirlhschaft...... 10723 oder 11,9 pCt. der Industrie......... 16 304„ 18,3„ dem Handel und Verkehr.... 4318„ 5,0„ dem Ärbeiterstande....... 32 324„ 35,8„ anderen Berufsarten(freienBerufen ec.) 1362„ 1,3„ ohne Beruf oder Berufsangabe.. 24 819„ 27,3„ Zehntausende fleißiger Menschen treibt die Unzufrieden- heit mit den heimischen Zuständen, die Noth, der wirth- schaftliche und politische Druck über das Meer.— Aus dem Nbgeordneteuhause. Es ist ein Antrag eingegangen, die Staatsregierung zu ersuchen, zu veranlassen, daß die gegen den Abgeordneten von Hammer st ein ipegen öffentlicher Beleidigung beim Landgericht I Straf- kammer I schwebenden Strafverfahren, Aktenzeichen J. II F. 268. 92 und J. II F. 412. 91, für die Dauer der laufenden Session eingestellt werden.— Als Beweis gegen den Nothstand führte bekannt- lich im vergangenen Monat Minister v. B ö t t i ch e r an, es habe noch niemand an den preußischen Handelsminister um Arbeit angesprochen. Ein seit sieben Wochen Arbeits- loser glaubte dadurch einen Weg, um Arbeit zu erhalten, gefunden zu haben. Er wendete sich am 28. v. M. unter der Darlegung, daß er seit sieben Wochen arbeitslos, daß seine Habe bereits versetzt und daß er lange auf Staatswerkstätten gearbeitet, sowie daß seine Tüchtigkeit von diesen ihm durchweg bestätigt war, an den t andelsmini st er von Berlepsch. Was war der rfolg? Zunächst wurde der Arbeitslose auf dem Polizei- revier vernommen und dann am 19. Februar vom— Polizei- Präsidenten dahin beschieden, daß das Polizei-Präsidium«nicht in der Lage sei, beim Herrn Handelsminister die Beschaffung einer Beschäftigung oder die Gewährung einer Unterstützung zu beantragen," der Antragsteller möge sich— an die Armen- Direktion wenden,„beziehungswei se wegen Erlangung einer Unterstützung sich selbst bemühen". Jetzt erkennt vielleicht der Herr Minister, warum kein Arbeiter seinen Minister- kollegen um Arbeit ansprach, und ist nächstens in der Rathsertheilung an Arbeitslose etwas vorsichtiger, wenn der Arbeiter nicht annehmen soll, daß er wegen seiner un- verschuldeten Arbeitslosigkeit gar noch gehöhnt werden soll.- Das Lottospiel. In der«Norddeutschen Allgemeinen Zeitung"(Nr. 87 vom 28. Februar) findet sich zu gunsten der geplanten Vermehrung der Loose ein Lobgesang auf das st a a t l i ch e G l ü ck s s p i e l, die preußische Staatslotterie, worin es heißt:„Die Nachfrage nach Loosen der preußischen Staatslotterie hat seither, trotz der im Jahre 1886 vorgenommenen Loosvermehrung und trotz der vor zwei Jahren bewirkten Umwandlung der früheren Vs- in die jetzigen Vio-Loosabschnitte, bei weitem nicht in dem Maße gedeckt werden können, wie es in An- sehung der sittlichen Motive und gemein- n ü tz i g e n Absichten, welche unserer Staatslotterie zu Grunde liegen, wünschenswerth ist." Es genügt, diese schmähliche Verherrlichung der die Kleinen ausbeutelnden Blödsinns st euer niedriger zu hängen. Und wo bleiben unsere„Frommen", die Herren von der Rechten und vom Zentrum, die Zeter und Mordio rufen über das Hazardspiel— in Monaco? Der ganze Artikel ist eine schimpfliche Reklame zu gunsten des Glücksspiels, wie sie die Bauernfänger von Monte Carlo, die Zutreiber und Spießgesellen der Blanc'schen Aktien- Gesellschaft an der Rivicra, auch nicht kecker und grellfarbiger hätten veröffentlichen können. Wenn in dem Hinter- zimmer irgend einer Winkelkneipe etwelche Bäcker- oder Mctzgermeister bei„Meine Tante Deine Tante" ab- gefaßt werden, schäumt die konservative Presse vor Eni« rüstung über; das Wetten und Hazardiren in den«feineren" Klubs, wo die„goldene Jugend" tempelt, am Totalisator, auf der Rennbahn und beim Glücksrad der Staatslotterie ist freilich etwas anderes. Doch die Staatslotterie bietet vielleicht den glücklichen Ausgleich für die Auspowerung der Volksmasse durch die Militärlasten. Während das Heerwesen dem Volke die Taschen leert, steht mit geschäftigem Eifer die staatliche Spielhölle den Ausgebeutelten sperrangelweit offen. Da finden sich u. a.«mittlere Gewinne, die wirklichen Nutzen zu schaffen, eine neue Existenz zu gründen oder eine schwankende Existenz haltbar zu gestalten vermögen". Das ist die borussische Sozialreform.„Nur heran, meine Herr- schaften", lärmt der Marktschreier Pindter,«hier finden Sie Wohlstand und Bürgerglück, greifen Sie zu." Und so möge die Staatslotterie als Wahrspruch das:„Gottes Segen bei Cohn" munter umwandeln in: „GotteS Segen bei Miquel u. Co.!"— Der neue Bund. Muth zeiget auch der Mameluck. die— Vorsicht ist des Junkers Schmuck. Die Tivoli-Posse hat sicher dem hinter der Bühne arbeitenden Ober-Regisseur in Friedrichsruh gar sehr behagt. Aber trotzdem vermieden die ritterlichen, Herren ängstlich jede Kundgebung zu gunsten des Bismarck. Diese Taktik war von Haus an verabredet, es war, wie die„Kölnische Volks- Zeitung" sagt,„eine ab- gekartete Geschichte", um„oben" nicht anzustoßen. Als der Vorsitzende der Tivoli-Versammlung Bismarck er- wähnte, geschah nach dem Bericht der„National-Zeitung" folgendes:„Wir wollen", rief Ploetz,„die bekannten Worte des Fürsten Bismarck:„Schutz der deutschen Industrie, Schutz der deutschen Landwirthschaft" wieder zur Wahrheit machen(Stürmischer Beifall, Hochrufe auf Bismarck). Meine Herren! Lassen Sie das Hoch, Fürst Bis- marck weiß auch ohne Hoch, daß die deutsche Landwirth- schaft wie ein Mann hinter ihm steht(Stürmischer Beifall. Rufe: Adresse senden!). Lassen Sie auch die Adresse sein. Wir wollen hier ruhig und ohne Leidenschaft tagen. Je ruhiger wir sind, je leidenschafts- loser die Debatte geführt wird, desto mehr werden wir erreichen. Die Hauptsache ist, daß wir mit Einstimmigkeit unsere Beschlüsse faffen(Stürmischer Beifall)." Die„todes- muthige"„Kreuz-Zeitung", bemerkt treffend die „Freisinnige Zeitung", unterschlägt ihren Lesern in ihrem spaltenlangen Bericht diese interessante Szene vollständig; sie läßt Herrn von Ploetz dafür mit einem Hoch auf den König enden und mit der Absenkung eines Tele- gramms an denselben. Nur bei der Rede des Abg. Lutz wird späterhin, als derselbe das Andenken an den Fürsten Bismarck erwähnte,„minutenlanger Beifallssturm mit Hut- schwenken" erwähnt. Aber für den„Renommirbauer" Lutz ist das Komitee nicht verantwortlich. Diest-Daber meinte nachher: Ob konservativ, neukonservativ oder blech- konservativ, die Hauptsache ist, daß unsere Vertreter ein Rückgrat haben."Daran fehlt es freilich auch den„Todes- muthigen". Waren doch im Reichstage bei der Abstimmung über den deutsch-österreichischen Handelsvertrag(18. De- zember 1891) für diesen, also auch für die Ermäßigung der Kornzölle von 5 auf 3,50 M. 28 K o.n s e r v a t i v e und Freikonservative gestimmt, 17 sind bei der entscheiden- den Abstimmung au sg e b li e b en, darunter der Wahr- heitsfreund Stöcker, der aus Tivoli den Gläubigen vor- stöckerte, er habe gegen den Handelsvertrag gestimmt, 36 haben dagegen gestimmt.— Im übrigen um- schmeichelt der offiziöse Pindter in der„Nord- deutschen" den„Bund der Landwirthe" mit den er- götzlichsten Kapriolen. Die„Roth" der Rittergutsbesitzer wird amtlich bescheinigt, ihr„gutes Recht" auf„Organi- sation" wohlwollend anerkannt, sintemal die Agrarier ja keine Tagarbeiter oder sonstige widerhaarige Proletarier sind, es wird gewünscht, daß der neue Raub- ritter-Verein„ein einflußreicher Faktor" wer- den möge, doch solle er sich auf„das Mögliche beschränken" und für Aufrechterhaltung von„Disziplin und Ordnung" wirken. Aber die Herren vom Stegreif beschränken sich ja auf das Menschenmögliche, sie nehmen was„möglich" ist, Rock, Hemd und zuguterlctzt auch die Haut; Schinder und Schaber von Geburt und Beruf wirken sie auf dem Hof der Kaserne so gut wie auf dem� Gutshof für Ordnung und Disziplin.— In Sachsen scheint die Regierung dem neuen Verein nicht allzufreund- friht, hat die sozialdemokratische Partei an Stimmenzahl ge- w onuen, während der Freisinn zum mindestenseine Position be- ha uptet hat. Die Antisemiten und vor Allem die Konservativen überraschte dagegen ein recht kläglicher Reinsall. Es er- gic dt sich für die antisemitischen Radaubrüder daraus die Lehre, daß sie mit ihrem Geschrei wohl die indifferenten Ele mente eines vom politischen Leben abseits liegenden Kreuscs überrumpeln können, daß es ihnen aber nicht ge- lingen wird, in einem Wahlkreis festen Fuß zu fassen, dessen Bewohner sich durch Jahrzehnte lange politische Schulung einen klaren Blick für die Vorgänge im öffentlichen Leben erwouben haben. Und an der üblen Erfahrung, die der Antisemitismus im Liegnitzer Wahlkreis machen mußte, dürfte er auch zu Grunde gehen.— Ti-erschleppungspolitik. Dieser Tage verwiesen wir auf ewnen sehr verständigen Artikel der„Vossischen Zeitung", der einflußreichsten und angesehensten Zeitung des Berliner Deuts chfreisinns, worin die Ver- schleppungspolitik in Sachen der Militärvorlage, die bei den Zukunftsstaats- Debatten u. s. w. zu Tage ge- treten ift, nach Gebühr gegeißelt wurde. Darüber berichtet die«Freisinnige Zeitung" mit altbewährter Sachlichkeit wie folgt:„Ueber eine angebliche Verschleppungspolitik in der Militärkummission klagt der„Vorwärts" unter der Adresse des Abg. Richter. Es ist ebenso widersinnig, die freisinnige Partei emer solchen Verschleppungspolitik zu beschuldigen, als wenn man dieselbe den Sozialdemokraten selbst zum Vorwurf machen sollte." Daß ein Organ der deutsch- freisinnige» Partei das Kolleg über die Verschleppungs- Politik lieft,— verschweigt Herr E.Richter seinen Lesern. Inzwischen wird lustig weiter verschleppt. Gestern fiel die Sitzung der Militärkommission aus, weil Herr v. Stumm einen Nieren- oder Darmkatarrh hatte. Heute that die Militärkom mission so gut wie nichts. Und übermorgen hält sie die nächste Sitzung— zu gleichem Zweck. In diesem Tempo kommen wir allmälig in die Osterferien. So frivol ist noch kein Volk genarrt worden.— Das Zentrum und die Militärvorlage. Wie wir jüngst mittheilten, hat die ultramontane„Augsburger P o st- Z e l t n n g" dem Freiherrn v. Fechenbach- Lauden- dach, der für die Militärvorlage die Lärmtrommel rühren wollte, die Thür vor der Nase zugeschlagen. Diese Sprädig- keit war nur ein taktischer Kniff, wie wir nicht ver- säumten, sofort festzustellen. Jetzt erklärt die brave„Post- Zeitung" offan, weshalb sie gegen die Vorlage Stellung nehme. Sie schreibt:„Die Zentrumspreffe hat sich bei ihrer Stellungnahrie gegen die Militärvorlage darauf berufen, daß die Unzufriedenheit in weiten Volkskreisen zur Zeit eine derart große sei, daß jede weitere Vermehrung der Volkslasten eine Verstärkung der Sozialdemokratie zur Folge haben müsse. Herr Baron Fechenbach bestreitet das Vor- handensein dieser gefahrdrohenden Unzufriedenheit selbst nicht, wohl aber glaubt er, daß durch Belehrung dem Volke die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit der Verstärkung der Armee beigebracht werden kann.... Allein, wenn er der Meinung ist, daß eine solche Belehrung dnrch Veröffentlichung seiner Artikel geschehen könne, so ist er im Jrrthum; nicht eine Belehrung würde daraus erflicßen, sondern die Leute würden einem Blatte, das ihnen weitere, nach ihrer Ueberzeugung unerschwingliche Lasten mundgerecht machen will, einfach die Thüre weisen und die Folge, dast sich die Volksmafsen der Sozialdemokratie zuwenden, würde nur noch früher und sofort eintreten." Also nicht aus sachlicher Ueberzeugung, bemerkt dazu die„Münch euer P o st", wird die Militärvorlage von der Zentrumspresse bekänipst, sonder» weil diese Presse andernfalls Abonnenten und Leser verlieuen würde! Und nicht darum, weil die Militärvorlage an sich verderblich für das deutsche Volk ist, verwirft sie die Zentrumssraktion, sondern weil sich dann die Volksinassen„nur noch früher u. s. f." der Sozialdemo- kratie zuwenden würden! Eine schöne Grundsatztrcue das— nicht ivahr? Und was von solchen reinen Nützlichkeits- Politikern zu erwarten ist, sobald sie nur einen Augenblick ihre„theuren" Wähler weniger fürchten zu brauchen glauben, das kann sich jeder selbst an den Fingern ab- zählen.— Das deutsche AuswanderungSwesen im Jahre 189S. Dem Reichstage ist der Bericht über die Thätigkeit des Reichskommissars über das Auswanderungswesen wäh- gung und heroischen Leidens, welche ihr für die Zukunft in Aussicht standen, hätte sie sagen können, daß ihre Bekehrung zu der Sache gerade in diesem Moment stattgefunden hätte. Sie vergegenwärtigte sich selbst nicht, was in ihrem Herzen vorgegangen war, und die tiefe Gemüthsbewegung, welche sie erfüllte, fand einen sehr sonderbaren und unbeholfenen Ausdruck. „Ich sehe nichts besonders Großes in dem, was Myrtow gethan," sagte sie mit leiser zitternder Stimme, über ihre eigene Vcrmessenheit beschämt. Gregor warf ihr einen Blick voll Zweifel und Ver- wunderung zu. „Zwischen einem Manne von großem Wcrthe für die Sache und einem, der seinen eigenen, geringen Werth kennt, ist die Wahl klar," sagte Tanja, ohne die Augen vom Tische zu erheben. „Myrtow hat nur gethan, was richtig war. Das ist alles." Lena nickte zustimmend. Sie war ganz Tanja's Ansicht. Gregor blickte sie verwundert an. Er hatte von Tanja. die er sich einbildete, so gut zu kennen, nie solche Worte erwartet.„Würden Sie in ähnlichen Verhältnissen dasselbe gethan haben?" fragte er mit stockender Stimme. „Wenn ich Geistesgegenwart genug gehabt hätte;— ja", antwortete Tanja ohne Zögern und ihm ins Gesicht blickend. Sie hatte sich eben die Frage selbst bcantworret. Das war ihr erster Eindruck von Myrtow's That. Jetzt sprach sie nur laut aus, was sie vorher gedacht hatte; und sie ver- fiel wieder in Stillschweigen. Das wohlgeformte Köpfchen war auf die Hand gestützt und die Augen blickten träumerisch unter der glänzenden Stirn hervor. Andrej, welcher den Blick nicht von ihr abwenden konnte, sagte sich, daß sie in diesem Moment hinreißend schön sei, und ein Zittern durchrieselte ihn, wie wenn man das Herannahen eines Unglücks fürchtet. Was bedeutete aber das plötzliche, zornige Zusammen- ziehen seines Gesichtes? Es wurde durch den unerrräg- lichcn Gregor verursacht, der seine Liebschaft selbst in einem so unpassenden Moment zur Geltung bringen mußte. „Wenn moralische Kraft irgend einen Werth hat," be- gann Gregor in bewegtem Tone,„so wäre der beste und größte unsrer Männer ein vermessener Narr, wenn er be- wüßt einen solchen Tausch zuließe." Er war sehr bewegt und sprach mit der Seele auf den Lippen. Andrej hatte aber seinem Freunde Unrecht getha n, wenn er seine Worte frivol deutete. In diesem Moment war Gregor unfähig, von dem Mädchen anders als wie über einen treuen Kameraden zu urtheilen. Es war die Enthüllung einer schönen Seele, welche er begrüßte, und seine Rede im wesentlichen auch ganz wahr, nur kleidete er sie seiner Gewohnheit nach in zu starke Worte. Auf Tanja übte diese aufwallende Beredsamkeit eine entgeg enoesetzte Wirkung aus, anstatt sie zu berauschen, kühlte sie sie völlig ab. Gregor's Uebertrcibungen riefen ihren scharfen Witz wach, und ein Scherz über die Unzeitigkeit seiner Beredsamkeit schwebte schon auf ihrer Zunge. Als sie aber in Gregor's Gesicht blickte, tadelte sie sich selbst wegen dieses unedlen Gedankens, und fühlte sich ihm wieder freundlicher gesinnt. Sie streckte ihm die Hand entgegen und schüttelte sie freimüthig.„Sie sind sehr gut, Gregor, aber lassen wir die Sache," sagte sie. „Was ist Ihnen?" fragte Lena in demselben Augen- blick ihren Nachbar.'„Sie sehen so blaß aus." „So?" stammelte Andrej.„Es ist wahrscheinlich der grüne Reflex der Bäume am Fenster." Es war aber nickt der grüne Reflex der Bäume. Dies half ihm nur die geisterhafte Blässe seines Antlitzes zu ver- bergen. Gerade in diesem Moment zog die Qual der Eifer- sucht die Schuppen vor seinen Augen hinweg. Er sah, wie durch einen Blitzstrahl, was vom ersten Moment ihrer Be- kanntschaft die Triebfeder seiner Anhänglichkeit für Tanija gewesen war. Er liebte das reizende Mädchen, er liebte hr Gesicht, ihre Blouse, selbst daS Stückchen Diele, auf der sie stand. Und zugleich durchdrang eine Gewißheit, welche ihn um den Verstand hätte bringen können, gleich einem Messer sein Herz: daß, wenn sie je einen Mann lieben sollte, es dieser glattzüngige Schmeichler sein würde, der ihm in. diesem Augenblick geradezu hassenswerth war. Ein Anfall wilder unbeschreiblicher Eifersucht machte ihn schwindlig. Es bedurste einer verzweifelten Anstrengung, seine Selbst- behcrrschung zu bewahren. Er fürchtete sich zu verrathen, wenn diese Stimmung länger andauerte. „Ich muß gehen!" sagte er mit erstickter Stimme. Es war ihm, als ob ihn das Zimmer erdrückte. „Ist es so spät?" fragte Tanja unschuldig. Sie zog ihre kleine elegante Uhr hervor und sagte, daß sie auch gehen würde. „Wollen Sie mich nach Hause begleiten?" sagte sie, sich sowohl an ihn als an Gregor wendend. Andrej verneigte sich schweigend. Natürlich würde er sie begleiten. Es war ihm Bedürfniß, mit ihr zusammen zu sein und sie mit Gregor sprechen zu hören. Er empfand ein heißes Verlangen nach Selbstqnälerei, eine Wonne, sich die Waffe Zoll für Zoll in die Wunde zu stoßen. Nicht um die Welt hätte er auf dieses eigenartige Vergnügen verzichtet. Er konnte nicht, selbst wenn er wollte. Um seine Unabhängigkeit war es geschehen. Er war nicht mehr er selbst. Ihre schwarzen Augen zogen ihn hinter ihnen her. Er konnte nicht von ihr fortgehen, so lange sie ihm zu bleiben gestattete. Gregor sprach den ganzen Weg mit Tanja, während Andrej kaum den Mund öffnete. Jedes Wort, das Gregor sagte, ärgerte ihn. außer- ordentlich. Nach dem Tadel des Mädchens wagte es Gregor nicht mehr, offen seine Schmeichelei fortzusetzen. Aber im Tone, in den Blicken, den Mienen lag Schmeichelei, was Andrej fast ebenso widerlich war. Sie drückten Tanja an der Thüre die Hand und wandten sich heimwärts. Da es noch nicht spät war, schlug Gregor vor, einen Spaziergang zu machen, um die köstliche Nacht zu genießen. Andrej willigte ein. Es war ihm ganz einerlei. „Hatte ich nicht recht, als ich sagte—" begann Gregor, augenscheinlich auf sein gewähnliches Thema zurückkommend. „Laß es ruhen, bitte", unterbrach ihn Andrej,„ich bin dessen schon müde." (Fortsetzung fofgt.) n$ eefhtnt gtt sein. 0egcs de» Bund bet Landwirthe erklärt sich der LandeSkulturrathfürdaSKönigreich Sachsen. Derselbe fordert die sächsischen landwirthschaft- lachen Vereine auf, für den Anschluß an diesen Bund nicht zu wirken. Es gebe genug Organisationen in Sachsen für Vertretung der Interessen der Landwirthschaft, nur würden sie von den Landwirthen nicht genügend benutzt. Die „Hellen* Reaktions-Sächser sind wohl der Ansicht, daß die bisherigen Organisationen deS Agrarierthums ausreichen. Was wird der v. Frege zu diesem Beschlüsse des Landeskultur- raths sagen? Wird er sich zur Wehr setzen, da doch sein Bundesbruder v. Thüngen-Roßbach auf Tivoli prahlend ge- fabelt hat:„Wir sind lange genug der Ambos gewesen, auf dem Parteien und Regierung herumgehauen haben; wir wollen endlich auch einmal Hammer sein!* Als ob nicht die Junkerschaft seit Jahrhunderten leider der Hammer gewesen wäre?— Die Krapülinski's und Waschlapski's der polnischenReichstags-Frak- t i o n, geführt von dem„edlen" Polen Koscielski-Admiralski, ist regierungssromm und schielt deshalb nur mit banger Sehn- sucht aus den Bund. Sie erläßt folgende Erklärung:„Die Fraktion wird stets die Interessen der Landwirthschaft schützen und sich um die Entwickelung der letzteren und um entsprechenden gesetzgeberischen Schutz bemühen. Da aber die gegenwärtige agrarische Bewegung ohne Zweifel eine politische Tendenz hat, so müsien wir jede Theilnahme unserer Landsleute an derselben als eine ausschließlich private Bethätigung ansehen."— Armer Stöcker! Der„Reichsbote* erzählt unS heute mit Seufzen und Wehklagen, daß von den sozialisten- tödterischen Reden des Trifoliums Bachem, Richter und Stöcker, die der Stöcker als Agitationsbroschüre hat drucken lassen, blas 4000 Exemplare abgesetzt worden sind. Und die Reden der„vernichteten" Sozialdemokraten werden nach Millionen verkauft.„Ein Zeichen der Zeit!" stöhnte Stöcker. Und ein sehr erfreuliches, fügen w x r hinzu.— Bajuvarisches. Eine Ersatzwahl zum bayerischen Landrag ist in Nürnberg erforderlich. Der Land- tags-Abgeordnete W e i g e l(nationalliberal) ist am 10. d.M. gestorben. Da die Mehrheit der Wahlmänner dem national- liberal-deutschfreisinnigen Kartell angehört, ist diesmal die Wahl eines Mischmasch-Liberalen noch gesichert. Bei hen noch in diesem Jahre bevorstehenden Neuwahlen wird die Arbeiterpartei den Kompromißbrüdern die Butter vom Brote und die Mandate aus den Fingern nehmen.— Im schweizer Kanton Tesfin, wo Ultramontane und Radikale sich heftig befehden— vor länger als Jahresfrist kam es noch zu einem Putsch— haben bei den R e g i e- rungswahlen die Radikalen gesiegt. Die neue Regierung besteht aus 3 Radikalen und 2 Konservativen.— Der neueste Sozialistentödter Dr. Julius Wolf"), Profesior der Nationalökonomie an der Universität Zürich, hat sich durch seine Don Quixoterie gegen die Sozial- demokratie die Protektion des in dieser Beziehung sehr ge- nttgsamcn Königs Stumm erworben, dafür aber hat er er- leben müsien, daß sein Universitätskollege Professor Dr. Arnold Dodel vor einigen Monaten sich m einem öffentlichen Vortrage in Zürich vor aller Welt als Sozialist bekannte und daß dieser ienen Vortrag und noch zwei weitere Vorträge soeben bei Tietz in Stutt- gart im Druck erschemen ließ. Freilich läßt sich nicht er- warten, daß der Modeschriftsteller Wolf, der die literarischen Bedürfnisse der besitzenden Klassen so trefflich kennt und dabei nicht schlecht fahren wird— deutsche patriotische Pro- fesioren pflegen vielfach die schweizerischen Universitäten nur als Durchgangsstadien zu kaiserlichen oder königlichen rc. Universitäten in ihrem Heimathlande zu betrachten—, einen anderen Weg betreten wird. Hübsch ist aber doch, wie Pro- fessor Dr. Dooel seinen Vortrag über den„Wissenschafter" resumirt.„Ich habe im dritten Vortrage gezeigt", sagt er, „daß der Wissenschaster keinen Grund hat, für die höchsten und idealsten Güter der Menschheit, für Wissenschaft und Kunst, in der neuen Gesellschaft zu fürchten. Der Wissenschafter wird aushören, im So- zialismus einen Feind der Kultur zu sehen. Der Wissenschafter wird den Standpunkt der Gleichgiltigkeit oder der Abneigung gegen den Sozialismus verlassen. Der Wissenschafter wird em Freund, ein Vertheidiger der öko- nomischen Befreiung unseres Geschlechts sein, denn der Wissenschafter wird einsehen, daß die höchsten Blüthen der Kultur nur dort ihren Glanz werden voll entfalten, wo die Freiheit ihr Zelt und die Wahrheit ihre Hütten auf- geschlagen haben. Der Kapitalismus hat uns fast alle in Fesseln geschlagen, selbst Wissenschaft und Kunst sind zum Theil von diesen Fesseln gehemmt worden. Nun war es wieder die Wissenschaft, die in Gestalt von ökonomischen Lehren aller Unfreiheit den Krieg erklärte. Und es kann und es wird nicht anders sein, als daß die Wissenschaft konsequent der Herold der Freiheit bleiben wird. Bauer, Arbeiter und Wissenschafter werden die drei Eid- genossen aus dem Grütli der Zukunft sein! Während so der naturwissenschaftliche Kollege des Herrn Proffesior Dr. Julius Wolf spricht, dozirt sein Fachkollege Dr. Konrad Schmid zu derselben Zeit und in demselben Universitätsgebäude seinen Zuhörern über Sozialismus— zu derselben Zeit, da Herr Wolf seinen Zuhörern eine Apotheose auf die beste aller Welten, die kapitalistische Gesellschaft vor- macht. Und da sage man noch, es gehe in der Welt nicht lustig zu.— In Portugal wieder Ministerkrise. Der Minister- Präsident Dias-Ferreira— doch wer kennt den Namen?— hat sammt seinen Kollegen abgedankt. Finanznoth, Finanz- skandale und politische Verlegenheiten aller Art sind der Grund. In Portugal, das unter dem monarchischen Re- giment bankrott geworden ist— in jedem Sinne des Worts— bereitet sich, tvie in Spanien, ein Umschwung vor. Die sozialistische Partei wächst mehr und mehr, und die Republikaner, die mit den spanischen in Verbindung stehen, sind zum Losschlagen fertig.— Malon. Auf unsere Anfrage nach Malon's Befinden erhielten wir von dessen Freund und aufopferndem Pfleger Rodolphe Simon nachstehendes Telegramm: *) Die deutsche Wissenschaft— auch die offizielle der Uni- verfitäten(s. z. B. Conrad's„Jahrbücher", Schmoller's„Jahr- buch")— hat diesen Wolf im Gelchrlenpelz längst zu den übrigen Charlatanen geworfen. Red. d. V. Mal«, dankt von Herze». Sorgfältigste Pflege noth- wendig. Besserung langsam fortschreitend. Brief folgt. Gruß. Cannes, 21. Febr., IIVz Uhr Vorm. Rodolphe Simon.— Der Kongreß des Bundes der französischen Ar- beitsbörsen vertrat 23 Arbeitsbörsen und 750 Syndikate, d. h. Gewerkschaftsorganisationen. In Frankreich sind jetzt 40 Arbeitsbörsen. Die Börsen, welche keinen Delegirten schickten, hatten meist den Delegirten einer anderen Börse mit ihrer Vertretung betraut. Der Kongreß hat zur Einigung der französischen Arbeiter und zur Befestigung ihrer Organisation wesentlich beigetragen. Der Aufruf an die ranzöstschen Arbeiter, den er in seiner letzten Sitzung beschloß, ordert auf, alle Streitigkeiten zu vergessen, alle Kräfte zu- ammenzuthun und überall Arbeitsbörsen zu gründen.„Um die verbündeten Arbeitsbörsen geschaart bildet das fran- zösische Proletariat, wenn es seine Organisation vervoll- kommt, eine unwiderstehliche Macht, die all ihre An- strengungen richten wird auf das große Ziel: Befreiung der Arbeit, Befreiung der Menschheit."— Cornelius Herz wird doch noch entschlüpfen. Nach- dem von seilen emes Arztes, der ihn behandelte, die Er- klärung abgegeben worden war, daß die Krankheit simulirt sei, ist jetzt, wie der„Temps" meldet, ein amtliches Attest nach Frankreich gelangt, daß Cornelius Herz weder trans- portabel, noch eines Fluchtversuchs fähig sei. Das heißt, Herr Cornelius Herz wird nächstens verduftet sein— zur großen Freude seiner zahlreichen— Geschäftsfreunde, die französische Regierung mit eingeschlosien.— Belgien. Die reaktionären Blätter hoffen, daß die ahl der Abstimmenden beim Volks-Referendum am nächsten onntag eine vergleichsweise geringe sein werde. Da die Behörden alle möglichen Hindernisse in den Weg legen, und eine geregelte Abstimmung in den kleineren Orten schwer einzurichten ist, so wird die Zahl der Voten für das all- gemeine Wahlrecht natürlich nicht so groß sein, als wenn überall offiziell abgestimmt würde. Allein sie wird immer- hin groß genug sein. Und aus alle Fälle hat die Monarchie eine schwere Niederlage erlitten, weil das Referendum, trotz ihres Einspruchs, doch stattfindet.— Konservative Gesetzlichkeit. Während wir jetzt in Deutschland das Schauspiel einer Rebellion der reaktionären Junker genießen, erfreuen uns die englischen Kon- servativen mit einer ähnlichen Probe von Gesetzesliebe. Ein Theil Irlands, die Grafschaft Ulster, ist bekanntlich pro- testantisch, und als vor Jahressrist die neue Homerule-Bill Gladstone's mit den Neuwahlen in greifbare Nähe zu rücken begann, erklärte das Haupt der konservativen Re- gierung, Lord Salisbury, in sehr nahe an Aufreizung gren- zenden Worten, die Ulsterer würden sich der Homerule mit den Waffen in der Hand widersetzen. Die Worte sind auf fruchtbaren Boden gefallen und jetzt haben die konservativen Vertreter von Ulster im Parlament im Namen ihrer Wähler die formelle Erklärung abgegeben, sie würden sich der Einführung der Homerule-Bill, falls diese die Mehrheit verlangen sollte, mit den Waffen in der Hand widersetzen. Und die Konservativen jubelten dem zu! Nun, zur Probe wird eS sobald nicht kommen, Sollte die Homerule-Bill auch glücklich das Unterhaus passiren— was'mindestens fraglich— fo würde sie am Oberhaus scheitern; und ganz unzweifelhaft müßten Neuwahlen stattfinden, che das Werk wieder von vorn angefangen werden könnte.— Varlrttnenkavisilkxes. Die XI. Kommission, welcher der Entwurf eines Gesetzes gegen den Verrath militärischer Geheimnisse zur Vorberathung überwiesen ist, erledigte in ihrer heutigen Sitzung den ß 1 in erster Lesung. Die Abgg. Dr. v. Bar und Schräder sind Gegner eines Spezialgesetzes und wollen die Materie durch eine Ab- änderung der ß§ 92 und 860 des Strafgesetzbuches erledigen. Ihre hieraus bezüglichen Anträge wurden abgelehnt. Auch wurden von den Regierungsvertretern die Anträge bekämpft. Sie vertraten die Abschreckungstheorie und glaubten, nur durch diese könne der Verrath militärischer Geheimnisse verhindert werden. Der ß 1 wurde dann in folgender Fassung an- genommen: „Wer vorsätzlich Schriften, Zeichnungen oder andere Gegen- stände, deren Geheimhaltung im Interesse der Landesvertheidigung erforderlich ist, oder Nachrichten solcher Art in den Besitz oder zur Kenntnis eines anderen gelangen läßt, wird, wenn er weiß oder den Umständen nach annehmen muß, daß dadurch die Sicherheit des Deutschen Reichs gefährdet wird, mit Zuchthaus nicht unler zwei Jahren bestraft, neben welchem auf Geld- strafe bis zu sünfzchntausend Mark erkannt werden kann. Sind mildernde Umstände vorhanden, so tritt Festungshaft nicht unter sechs Monaten ein, neben welcher aus Geldstrafe bis zu zehn- tausend Marl erkannt werden kann." pavtcinarfmififctt. Protestvetksammlnngen gegen die Militärvorlage sind weiter abgehalten worden in Niederrosla(Ref. L e u t e r t- Apolda), Neuhofen(Ref. E h r h a r t- Ludwigshafen). Gemeindewahlen. In M arkersb or f(Sachsen) brachten die sozialdemokratischen Arbeiter ihre drei Kandidaten trotz aller Anstrengungen der Gegner siegreich durch. Bei der LandtagSwahl in Schlelz ist Genofle Hugo Rödiger in Gera uuterlegen. Gewählt wurde der Bürger- meister Münch. Die Sozialdemokratie betheiligte sich dort zum ersten Mal an der Wahl. Parteifinanzen. Braun schweig: Jahres- Einnahme deS Vertrauensmannes 1297,71 M.. Ausgabe 1116,15 M. K a m e n z(sächs. Lausitz): Jahres-Einnahme des Vertrauens- inanncs 53,80 M., Ausgabe 30,23 M. »* Partei-Organisation. Der Sozialdemokratische Verein für den 3. Hamburger Wahlkreis hatte am Schlüsse des vorigen Jahres 6333 Mitglieder, darunter 82 weibliche: davon waren 3553 verheiralhet, 1845 ledig; von 035 fehlt die Angabe hierüber. In K o ch e n d o r f bei Heilbronn wurde am 12. Februar nach einem Referat des Genossen Kittler eine Mitgliedschaft der Partei gegründet, zu der sofort 20 Personen ihren Beitritt anmeldeten. Es ist dies den Philistern um so unerklärlicher, als auch die Zeitungen jener Gegend in einer Fülle von Artikeln bewiesen hatten, daß Eugen Nicht« die schreckliche Sozial. demokratie mm endlich doch todt geschlagen habe. AuS Marienwerder in der Mark wird unS geschrieben: Die Ausklärung unter den hiesigen Schiffern und Landarbeitern macht gewaltige Fortschritte; desto lebhafter versuchen Gegner der Bewegung Knütte, zwischen die Beine zu werfen. Sehr gut gewirkt hat die Abhaltung einer Versammlung durch den Abgeordneten Stadthagen. Trotzdem der Schnee wohl zwei Fuß hoch laa, strömten von Nah und Fern Zuhör« in das Lokal von Ballensted I-Winse. Der Saal war völlig überfüllt, er faßt etwa 450—500 Personen. Die Anwesenden, unter denen sich viele rauen befanden, folgten gespannt den Ausführungen über das hema:„Die Taschen zu: der Eteuerteufel geht um." Die Dar» legungen des Referenten wurden in folgender auS der Mitte der Versammlung«ingebrachten Resolution zusammengefaßt:„Die heute hier Versammelten erklären fich mit den AuS- führungen des Referenten einverstanden. Sie wissen, daß die bestehenden indirekten Steuern zumeist auf den Schultern der Arbeitenden lasten, aber dem Reichen Vortheile bringen, sie wünschen, daß dem herrschenden Militärsystem kein Pfennig bewilligt werde. Die bestehenden indirekten Zölle, Steuern und Abgaben(Branntweinsteuer, Brotsteuer. Schleusen- gelber, Hafenabgaben, Gewerdesteuer«.) find ein Ausfluß der Gesetzgebung durch eine kleine, aber mächtige Kaste Reicher, die in gesetzlichen Formen die Arbeitskraft der Arbeitenden verlängert, ausnutzt und ausbeutet. Einer Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, dem Wucher in jeder Form, der Ungerechtigkeit und Ungleichheit ist nur dadurch abzuhelfen, daß die Produktions-. mittel, der Grund und Boden, die Bergwerke, die Maschinen in das Eigenthum einer sozialdemokratischen Gesellschaft über- gehen, deren Ziel ist Freiheit und Gleichheit allem, was Menschen- antlitz trägt. Diese heute vernommenen Darlegungen versprechen die Versammelten überall hin zu verbeiten. Den Referenten beauftragen sie, wie seither weiter zn arbeiten zur Erreichung dieses Zieles." Nachdem der Referent einen Krteaervereinler und einen anti- semitisch schillernden Gewerbetreibenden abgeführt hatte, wurde diese Resolution mit allen gegen 5 Stimmen angenommen. Jedoch die Maßregelungen folgten. Zunächst versagte der Land- rath den alten Schiffern, die bei Ballenstedt-Winfe ihr Vergnügen abhalten wollten, die Erlanbniß hierzu, weil zu viele Lustbarkeiten veranstaltet würden. Die darauf nachgesuchte Erlanbniß, bei einem anderen WiriH das Vergnügen zu gestatten, wurde « r l h e i l t: Gleiches Recht für Alle. Amtsvorsteher und Bäckermeister Seeger aus Zerpenschleuse, dem als Gast der Versammlung beizuwohnen nicht verwehrt war, theilte der Wasserbau- Verwaltung mit, daß einige der dort beschäftigten Arbeiter dem Vortrage zugestimmt hatten— sie wurden entlassen. Herr S e e g e r soll auch nach Berlin, Bernau und Umgegend Brot liefern. Trotz Maßregelung— vorwärts, unverdrossen für Freiheit, Wahrheit, Gleichheit und Recht! »» In Oberhausen, Regierungsbezirk Düsseldorf, ist vor einigen Tagen unter den Bergarbeitern ein„anarchistisches" Flug- b l a t t verbreitet worden, das nach dem Bericht der„Nieder- rheinischen Volkstribüne' die Durchschnittsliteratur der Anarchisten an.Schneidigkeit" bedeutend in den Schatten stellt. Natürlich wurden darin auch die Sozialdemokraten in der gemeinsten Weise beschimpft. Die Behörde soll den Verbreitern„auf der Spur sein". Es heißt, sie habe einen Bergmann Namens Glaser als der Verbreitung verdächtig verhaftet und in seiner Wohnung eine Menge anarchistischer Flugblätter sowie 360 M. Geld beschlag- nahmt. Glaser soll sich mit den Worten„Ich bin mir keiner Schuld bewußt", willig den Beamten gefügt haben. Nachdem er sich gereinigt und umgekleidet hätte, habe man ihn geschlossen abgeführt. Wie dem auch sei, soviel steht fest, daß der wirkliche oder angebliche anarchistische Rummel nur den Zechenbesitzern. nicht den Bergleuten nützt. Sind die Bergleute ihrer Mehrheit nach in politischen Dingen mich noch unerfahren, soviel werden sie hoffentlich einsehen, daß wer das arbeitende Volk vom Unrecht erlösen will, nicht selber Verbrechermoral predigen darf, wie das die meisten Anarchisten und alle die verdächtigen Subjekte thun, die im Solde der Kapitalisten stehen und sich für Anarchisten ausgeben. ,« Polizeiliches, Gerichtliches ee. — Der Redakteur des„Saalselder VolkSblatt S*. tcinrich Becker, wurde vom Saalfelder Schöffengericht wegen cleidigung von 5 Aussehern der Sleinacher Schiefergriffel-Brüche sowie eines anderen dort angestellten Beamten zu 120 M. Geld- strafe und wegen Beleidigung der Vorgesetzten des Musketiers Reboullon, der sich im Juli v. I. in Meura erschoß, zu 60 M. Geldstrafe verurlheilt. Wegen Betheiligung an den ersterwähnten Beleidigungen soll der Verleger des„Saalielder Volksblatts, A. H o s in a n n, gleichfalls 120 M. Geldstrafe zahlen. Gegen das'Urtheil wird Berufung eingelegt. — Aus Halle a. S. meldet daS„Volksblatt": In der Strafsache gegen den Zigarrenarbeiter Wilhelm Hofmann und den Reuaurateur Eduard Hosmeister von hier wegen Beleidigung des Staatsanwalts Cornelius hat das Reichsgericht die seitens der Staatsanwaltschaft sowohl wie seitens Hosmann's eingelegte Revision verworfen. Es bleibt demnach bei der Frei- sprechung Hofiiieister's und der Venirlheilung Hofmann'S zu drei Monaten Gefängniß. — Wegen Beleidigung eines Lehrers in Braunfchweig wurde der frühere Redakteur des„Braunschweiger Volksfreunds," August Eisenbeck, vom Schöffengericht zu 60 M. Geld- strafe oder 10 Tagen Gefängniß und den üblichen Nebenstrafen verurlheilt. Der Lehrer war in einem Artikel„Prügelpädagoae" genannt worden. In der Verhandlung wurde als thatsächlich festgestellt, daß der Lehrer einen Schüler so geschlagen hatte, daß aus desjcn Rücken die Striemen noch Tage lang zu sehen waren. — Das S o r a u e r Schöffengericht verurlheitte einen Genossen zu 30 M. Geldstrafe oder 8 Tagen Gesängniß wegen einer merkwürdige» Art von„Beaiiitcndeleidigung". Der ArbeiUrbildungsverein, der sich nicht mit öffenttichcn Angelegen- heilen beschäftigt und infolge dessen den Bestimmungen des Vereinsgesetzes in bezug auf An- und Abmeldung seiner Ver- sammtuiigen, sowie der polizeilichen Ileberwachung nicht unterliegt, hält die Versammlungen in einem gemietheten Privatlokal ab. In eine der Versammlungen kam ei» Beamter. Der Vor- sitzende forderte ihn auf, das Lokal zu oerlassen, und sah ih» vor der Aufforderung von Kops bis zu Fuß an. Hierin wurde im Wesentlichen die Beleidigung gefunden. VrirfkNlken der Mudslikton. Wittenberge. Der Schluß oder vielmehr, die Auflösung geschlossener Gesellschaften und öffentlicher Bcrsaminlungeu zur Polizeistunde widerspricht dem Gesetz. Mit solchen Auflösungen wird jetzt auf Anregung einer höheren Verwaltungsbehörde aber wiederholt vorgegangen. Eine kürzlich erfolgte Auflösung in Weißensee wird im Verwaliungsstreltverfahren jetzt angegriffen: die Polizei beruft sich im Gegensatz zum Kammcrgencht für ihre Pr xis auf eine mißverstandene Entscheidung des Oberverwal- tuilgsgerichts, die im Jahre 1891 ergangen ist. P. St. Es soll ohne Weiteres geregelt werden; besser ist aber eine ausdrückliche schriftliche Mittheilung. G. Wen» der Bruder oder die Schwester verstorben ist. so treten an ihre Stelle deren Kinder. A. S. Aus dem Sachverhalt ist nicht klar, ob ein« straf- bare Unterschlagung, bezüglich Beihilfe dazu vorliegt. A. H., Tegeler Chanssee. Ihre Einsendung ist uns un- verständlich. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum Circus Renz. ( Karlstraße.) Mittwoch, den 22. Februar 1893, Abends 71/4 Uhr: gegenüber keinerlei Verantwortung Gr. Extra- Vorstellung. Theater. Mittwoch, 22. Februar. Opernhaus. Der Wildschüß, ober: Die Stimme der Natur. Schauspielhaus. Vasantasena. Deutsches Theater. Der Talisman. Berliner Theater. Das Käthchen von Heilbronn. Leffing- Theater. Heimath. Wallner- Theater. Der Fall Clemenceau. Domino. Kroll's Theater. Der schwarze Viktoria- Theater. Die Reise um die Welt in achtzig Tagen. Residenz Theater. Gläubiger. Familie Pont- Biquet. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Der Gardehusar. Adolph Ernst- Theater. Modernes Babylon. Thomas- Theater. Einen Jug will er fich machen. Neues Theater. Zosta. National- Theater. Wilhelm Tell. Alexanderplatz- Theater. Die Grille. Apollo Theater. Spezialitäten. Vorstellung. Theater der Reichshallen. Spezialitäten- Vorstellung. Ein Künstlerfeft. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern des Vereins zur Wahrung der Interessen der Gastn hankwirthe Berlin Sonnabeno, und u. Umg. die traurige Nachricht, daß in den 18. d. M., die Frau des Kollegen Lange, Wartenbergstraße 68 Friedrichsberg, verstorben ist. Verein zur Wahrung der Interessen der Gast- und Schankwirthe Berlins u. Umg. Freitag, den 24. Februar, Nachmittag 5 Uhr, beim Kollegen Ehrenberg, Annenstr. 16: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Besprechung über die Polizeiverordnung betr. Bierdruckvorrichtungen, Die Beerdigung findet heute, Nach 2. Besprechung und Vorführung polizeilich genehmigter Reinigung für Biermittags 1/24 Uhr, vom Trauerhause druckleitungen. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Vereinsangelegenheiten aus statt. 162/8 und Verschiedenes. J. A.: Henke, Vorsitzender. Große Ausstattungs- Pantomime vom Hofballetmeister Siems. Auf das Glänzendste in Szene gesetzt v. Direktor Fr. Renz. Ueberraschende Lichtu. Wassereffecte. Ballet v. 100 Damen. Grosser Blumen- Corso. Außerdem: Mr. James Fillis mit dem Schulpferde Markir. Agat, arab. Schimmelhengst, als FeuerAllen Freunden und Bekannten die pferd dressirt und vorgeführt vom traurige Nachricht, daß unser lieber Direttor Fr. Renz. Jeu de la rose, Bruder Franz Buzziger am 1. Febr. Fantaisie équestre, geritten von den im 40. Lebensjahr in New- York verDamen Frl. Clotilde Hager und Frl. ftorben ist. Nächst Frau und Tochter Edith. Quadrille aus der Zeit Friedrich betrauern viel Verwandte sein so frühes des Grossen, geritten von 8 Damen Scheiden. und 8 Herren. Gebr. Trevally, hervorBerlin, den 20./2. 93. O. u. Danksagung. 1451b Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht 162/7 Der Vorstand. Deutscher Tischler- Verband. Tischler- Verband. Bahlstelle Berlin. Versammlungen. . Buhiger Südosten ragendfte Akrobaten der Gegenwart 2c. Morgen, Donnerstag: Ein Künstlerfest. Billet- Vorverkauf an der Zirkuskasse u. beim Invalidendant", Markgrafen meinem Manne bei der Beerdigung die Sage hiermit allen Denen, welche straße 51a. letzte Ehre erwiesen haben, meinen Fr. Renz, Direktor. 1458b tiefgefühltesten Dank. Wittwe Heinrich nebst Kindern. Morig- Etablissement Buggenhagen. Play. Moritz Plat. Gratweil's Bierhallen Täglich: Juftrumental- Konzert. Großer Frühstücks- u. Mittagstifd. Spezial- Ausschant von Pahenhofer Lagerbier, hell und dunkel. Kaufmann's Variété. Spezialitäten- An Sonn- und Festtagen Vorstellung. Gebrüder Richter's Variété. Spes zialitäten- Vorstellung. findet das Konzert in den oberen Sälen statt. Entree Wochent. 10 Pf. Sonnt. 25 Pf. Kommandantenstraße 77-79. Täglich: Germania- Konzert- u. Kouplet- Sänger sowie Auftreten des musikal. Clown Mr. Barna und Damen- Imitator Willy Wilson. Mittwoch, den 22. Februar, Abends 8%, Uhr, in Hoffmann's Festsälen, Oranienstraße 180. Vortrag. Referent: Robert Schmidt. Norden Donnerstag, den 23. Februar, Abends 8%, Uhr bei Hensel, Brunnenstr. 129. Vortrag über die Umwälzungen in der Produktion und in den Eigenthumsverhältnissen. Ref.: Th. Glocke. In beiden Versammlungen nach dem Vortrag, Diskussion, Verbandsangelegenheiten, Verschiedenes. In der Südost- Versammlung noch außerdem Vorschläge zu einem Schriftführer und 4 Werkstatt- Kontrolleuren. Die Ortsverwaltung. Berufsmusiker! 317/ 3* Winter- Garten. Spezialitäten- Vor- Säle für Bersammlungen, Kommerse, Gr. Frühstücks- u. Mittagstisch. Hente Nachmittag 2 Uhr im Lokal Neue Friedrichstr. 44: stellung. Adolph Ernst- Theater. Bum 60. Male: Festlichkeiten 2c. Jeden Mittwoch frische Grützwurst. Modernes Babylon. 14576 C. Laeske, Schlächtermeister, Dranienstr. 2a. 3wei Säle zu Versammlungen und Vergnügungen. sowie 6 Billards und 3 Kegelbahnen, F. Sodtke. Oeffentliche Versammlung. = Zages Drdnung: 1. Bericht und Neuwahl der Agitationskommission. 2. Wahl eines Homöopathische Klinik, Brunnen- Delegirten zur Streif- Kontrolltomission. 3. Verschiedenes. Die Agitationskommission. Gesangsposse in 3 Atten v. Ed. Jacobson Vereinszimmer, Simeonst.23, Flick. str. 40. Spr. 11-12, 4-5. Gonnt. 9-10 367/16 und W. Mannstädt. Couplets theilweise von G. Görss. Musik von G. Steffens. In Szene gesetzt von Adolph Ernst. Anfang 72 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. American- Theater. Novität! Novität! Der Dussel ( Nulpus) Parodistisch- realistischer Vorgang in der Dachkammer, frei nach Ibsen und Tolstoi von Oscar Wagner. • ( Klemm- Ede Martin Bendix.) Alfred Bender in seinem neuesten Originalvortrag Der Volksmund in Berlin. Blank, der beste Bauchredner. Anhaltender Erfolg. Die Trockenwohner. PassagePanopticum. Nen! Das unerklärliche Verschwinden eines frei in der Luft hängend. Mädchens. Castan's Panoptikum. Hagenbeck's gr. zoolog. Wunder: Lili. Lili. fleinst. lebend. Elefant d. Welt, 90 Zentimeter hoch, 110 Bentimeter lang, 78 Kilo schwer. Tai- za- Wunder- IllusionenTheater. Grosses Künstler- Konzert. Sämmtlich ohne Extra Entree. Kaufmann's Variété Am Stadtbahnhof Alexanderplatz. Großartiger Erfolg des neuen Programms. Mr. Hendrik, Huguston, Massias, Clark, Valois, Vanoni, Hurley's, Laurence, Türk u. s. w. Das Theater ist gut geheizt. Anfang Wochentags 8 Uhr. Entree 50 Pf. Genossen zur Nachricht, daß ich mein Geschäft Michaelbrücke 1 eröffnet habe, worin pass. Räume als Zahlstelle vorhanden sind.[ 1456b]. Grimm. Feen- Palast. Heute, Mittwoch, den 22. Februar: Zweiter großer griechisch- römischer Preis- Ringkampf zwischen dem unbesiegten Griechen Mr. Antonio Pierri und dem Athleten und Ringkämpfer Herrn Herrn Karl Daniel aus Berlin. NB. Herr Daniel ist der einzige Ringer in Berlin, welcher den Meister. schafts- Ringer Osthoff aus Schleswig hier im Berliner Hippodrom bestegt hat, ebenso konnte Daniel weder von Carl Abs noch von dessen Schüler Eberle besiegt werden. Vorher: Gr. Spezialitäten- Vorstellung. Anfang 72 Uhr. Achtung! Rixdorf. Atung! Große Volksversammlung am Mittwoch, den 22. Februar er., Abends 8½ Uhr, im Lokale des Herrn Hoffmann, Bergstr. 133. Vortrag des Herrn Stüwe über das Thema: Hamburg und die Cholera, erläutert durch 40 Lichtbilder. Wir machen alle Einwohner Rigdorf's auf den lehrreichen wissenschaft. lichen Vortrag besonders aufmerksam und ersuchen um zahlreichen Besuch. Eintrittspreis 10 Pf. 341/19 Empfehle den Genossen meine Glaserei und Bildereinrahmung. Lager sozial. Sinnsprüche u. Bilder zu soliden Preisen. Carl Scholz, Wrangelstr. 32. Entree 50 Pf. 3678L Passepartouts haben keine Giltigkeit. „ Zum Prophet": Welthaus für Herren- und Knaben- Garderoben. I. I. Etage. Am Dönhoffplatz. Etage Ecke Leipziger und Kommandanten- Straße. Um zu räumen, kommen zum Ausverkauf ohne Rücksicht auf deren bisherige Preise: Ein Boften Winter- Paletots von 8 M. an. Ein Bosten Bauch- Paletots f. starke Herren Ein Bosten Pellerinen- Mäntel 12 " 112 10 • " 21 W U Ein Bosten Hohenzollern- Mäntel Ein Posten hochfeine Paletots in Frisé, Montagnac, Düffel, Velour mit Cloth, Stepp- und Seidenfutter. Ein Posten Kaiser- Mäntel. 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Denjenigen Parteigenossen, die sich über das Verhältniß des Sozialismus zur Religion, speziell zum Christenthum, unterrichten wollen, und die in ihrem Agitationsfeld besonders noch mit den Einflüssen der Kirche auf die Bevölkerung zu kämpfen haben, empfehlen wir zum Studium sowohl, als auch zur Massenverbreitung folgende zwei in unserem Verlage in neuen Auflagen erschienene Broschüren von August Bebel: Christenthum und Sozialismus. Eine religiöse Polemik zwischen Herrn Kaplan Hohoff in Hüffe und dem Verfasser der Schrift: Die parlamentarische Thätigkeit des Deutschen Reichstages und der Landtage und die Sozialdemokratie. Separatabdrud aus dem Voltsstaat" von 1873/74. 16 Seiten 8°. Geheftet 10 Pf. 100 Exemplare 7,- M. Diese Broschüre ist zur Maffenverbreitung namentlich in fatholischen Gegenden sehr geeignet. E Glorren 400/ 11* u Yves Guyot's und Sigismond Lacroix's Die wahre Gestalt des Christenthums" ( Etude sur les doctrines sociales du christianisme). Nebst einem Anhang: Ueber die gegenwärtige und künftige Stellung der Frau. Dritte durchgesehene Auflage. VIII und 48 Seiten. Elegant geheftet Preis 30 Pf. In Inappen, scharfen Umrissen giebt der Berfaffer eine Darlegung, daß alle religiösen Bewegungen im Grunde sozialer Natur sind, er weist dies besonders nach mit Bezug auf Luther's reaktionäre Reformbewegung. Der Anhang ist die Quintessenz der betr. größeren Schrift( Die Frau und der Sozialismus") aus des Verfassers Feder. E Wiederverkäufer erhalten Rabatt.= Alle Buchhandlungen, Kolporteure und Zeitungs- Spediteure nehmen Bestellungen entgegen. Bei Aufträgen von außerhalb ersuchen wir um gleichzeitige Einsendung des Betrages( Porto extra). Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin, SW, Beuthstraße 2. Hierzu zwei Beilagen 1. Beilage zum„, Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 45. Parlamentsberichte. Deutscher Reichstag. 48. Sigung vom 21. Februar 1898. 1 Uhr. Mittwoch, den 22. Februar 1893. " " 10. Jahrg. die Begutachtung von statistischen Erhebungen im Bäckerei-, reichen Bäckereien bestehen die schauderhafteften, ja geradezu Konditorei und Müllereigewerbe. Sie hat das vor- fcheußliche Zustände. So werden aus Offenbach, aus Dresden gelegte Material an Fragebogen genau geprüft, die Fragen ganz unglaubliche Dinge berichtet. Sehr häufig müssen die Ge-* über die Arbeitszeit erweitert und genauer präzisirt. sellen in den Backräumen schlafen, in den Backräumen ihre Die Bäckereistatistik ist bereits so weit ausgearbeitet, daß Mahlzeiten einnehmen; ihnen fehlt jede Möglichkeit, für die Am Bundesrathstische: v. Bötticher, v. Marschall. ein umfangreiches Heft der Kommission vom Statistischen Amt Reinigung ihres Körpers zu sorgen; sie trocknen ihre schweißigen Auf den Beschluß des Reichstags, das Strafverfahren gegen zugegangen ist. Ein Theil der Presse hat darüber sehr abfällig Hände an den Semmeltüchern ab, und noch efelerregendere den Abg. v. Münch für die Dauer der Session zu fistiren, ist geurtheilt und das mitgetheilte für unbrauchbar erklärt. Die Borgänge find an der Tagesordnung. Die Enquete hätte vom Reichskanzler ein Schreiben eingegangen, worin derselbe Kommission aber hat nach eingehender Berathung über die auch auf alle diese Dinge ausgedehnt werden müssen. mittheilt, daß nach einer ihm zugegangenen Erklärung der Württem- Bäckerei- Enquete einstimmig die Erklärung abgegeben, daß diese Die Kommission hat allerdings nachträglich beschlossen, auch bergischen Regierung ein Strafverfahren gegen den Genannten Erhebung als eine vertrauenswürdige Grundlage für die Reichs- in diesem Sinne Untersuchungen anzustellen. Kurz, es muß nicht mehr schwebt, sondern durch dessen rechtskräftig gewordene regierung zu betrachten sei. Befremdlich ist es daher, wenn der durchaus nach neuen Grundlagen für die Aufnahme einer wirkVerurtheilung zu zwei Monaten Gefängniß seine Erledigung ge- Borwärts" vom 17. Februar von neuem in durchaus abfälliger lichen Arbeiterstatistik gesucht werden. funden hat. Weise das Wirken der Kommission beurtheilt. Es heißt da: Abg. Hirsch: Herr Bebel hat heute den Artikel des VorAuf Antrag des Abg. Singer wird das Schreiben des Die Bäcker- Enquete ist in den Händen der Bureaukratie so wärts" preigegeben( Abg. Bebel: Gar nicht! Ja, er hat ihn Reichskanzlers der Geschäftsordnungs- Kommission überwiesen. gründlich mißglückt, wie es gründlicher nicht gedacht als Privatarbeit ohne parteioffiziellen Charakter hingestellt. Ich Bur ersten und eventuell zweiten Berathung steht der am werden kann", sie wird ein reines Berrbild" genannt habe auch nicht aus Parteipolitit dagegen gesprochen, sondern 19. Juli 1892 mit Egypten abgeschlossene Handelsvertrag. u. f. w. Zum Beweise werden aber lediglich einige Mißgriffe ich mußte aus Interesse an der geschichtlichen Wahrheit diesen Abg. Graf Kanik( dk.) empfiehlt die Annahme des Vertrags, angeführt, welche in einigen fleinen Staaten bei der ersten tendenziösen Entstellungen entgegentreten. Wenn ich für die der ein Mustervertrag sei, wie er ihn sich denke, nämlich ein statistischen Aufnahme dieser Art stattgefunden haben. Ich bitte Institution eintrete, die etwas Neues und Fortschrittliches ist, so reiner Meistbegünstigungsvertrag im Gegensatz zu den vorjährigen den Reichskanzler, die Protokolle der Kommission dem Reichstage tann man mich wohl nicht zum freiwilligen RegierungsHandelsverträgen. Für die deutschen Erzeugnisse sei der Vertrag in größerer Zahl zugänglich zu machen; mit Recht macht der kommissar machen, wozu ich auch nicht die geringste Anvortheilhafter als jeder der bestehenden Zoll- und Handelsverträge.„ Vorwärts" darauf aufmerksam, daß hier ein Mangel vorliegt. lage habe. Ich habe mich auch keineswegs auf den StandDeutschland sei allerdings zur Zeit nur in bescheidenen Grenzen Wenn aber schließlich der Vorwärts" behauptet, die Regierung punkt gestellt, den der Abg. Bebel mir hier in den Mund an dem egyptischen Handelsverkehr betheiligt. Diesen Antheil fliehe ängstlich die Berührung mit Vertretern der Arbeiter, so ist gelegt hat. Wenn die Gesellen vollständig von den Meistern bezu erhöhen und die deutschen Verkehrsbeziehungen zu heben, sei das thatsächlich unwahr, da in der Kommission doch früher der herrscht gewesen wären, würden sie auch dieselben Antworten eine sehr dankenswerthe Aufgabe, welcher sich die Regierung unter- sozialdemokratische Abg. Schippel, gegenwärtig der Abg. Molten- gegeben haben wie diese. Das ist aber nach der aufgenommenen zogen habe. buhr sitzt und einträchtig mit den anderen Mitgliedern und den Statistik nicht der Fall. Abg. Dechelhäuser( nl) hält ebenfalls den Vertrag für höchst Vertretern der Regierung zusammenarbeitet. Für die Frage- Abg. Röficke( wild) geht näher auf die Frage der von dem bedeutsam. Seitdem die Engländer die Regelung der ganzen Volfs- bogen und wohl auch für die Befragung von 10 pt. der be- Abg. Siegle in der Kommission angeregten Zohnstatistik und die wirthschaft in Egypten etwa von 1882 an in die Hand genommen, stehenden Bäckereibetriebe hat der sozialdemokratische Vertreter bezügliche Verpflichtung der Berufsgenossenschaften zur Aufstellung entwickele sich dieses Land ganz außerordentlich. Die Ein- und Aus- in der Kommission mitgestimmt. Das verdienstvolle Büchlein von Lohnnachweisungen ein. Diese Lohnnachweisungen hätten fuhrziffern, welche die Vorlage angebe, feien an sich schon beträcht- Bebel's über die Arbeitszeit im Bäckereigewerbe hat ja nach dem Unfallgesetze die Berufsgenossenschaften sämmtlich lich, gäben aber doch kein vollständiges Bild von dem Verkehr auch blos die Verhältnisse in 600 Betrieben zur Grund zu erbringen und hätten es zum Theil schon gethan. Auf die beider Länder, da auf die Zwischenhändler und die Freihafen- lage. Bei der Kommission herrscht durchweg die beste Dauer fönnten diese auch ohne solche speziellen Nachweisungen gebiete auch ein erhebliches Quantum entfalle. Von den deut- Absicht, der Wahrheit auf den Grund zu gehen, und gar nicht durchkommen. Seien die Nachweisungen bei sämmtfchen Fabrikaten gehe ein großer Theil auf englischen Schiffen niemals haben bei ihr Parteirücksichten obgewaltet. Ihre lichen vorhanden, dann werde die Kommission für Arbeiternach Egypten, ebenso ein großer Theil der egyptischen Roh- Arbeiten sind gewiß nichts Vollendetes, aber sie werden sich ver- statistik auch dahin kommen, dieses Material zu sichten und zu baumwolle zunächst nach England, um dann nach Deutschland vollkommnen und zur Erkenntniß der Zustände unserer Arbeiter verwerthen. Redner tritt bei dieser Gelegenheit dem Abg. Grillenweiter befördert zu werden. Der Vertrag binde die egyptischen welt ihr werthvolles Theil beitragen. berger entgegen, der die Höhe des Durchschnittslohnes Zölle, die deutschen aber nicht; er sei auf 20 Jahre abgeschlossen, Staatssekretär v. Böttichee: Ich glaube, wir sind mit der für Brauergehilfen in Berlin von 1504 bezweifelt habe. laufe also wie der deutsch- türkische bis 1912. Redner bittet, den Gründung dieser Kommission auf dem richtigen Wege gewesen; Wenn man das Freibier abziehe, verblieben immerhin noch Antrag einstimmig anzunehmen. ein besonderes Reichsamt für Arbeiterstatistik wird vielleicht später 1382 M., und wenn man blos von Brauergehilfen in engerem Staatssekretär v. Marschall: Ich bin den beiden Vor- sich als nothwendig erweisen. Ich freue mich über die Anerken- Sinne fpreche, stelle sich der Durchschnittslohn sogar auf 1750 M. rednern sehr dankbar für die freundliche Anerkennung, die sie nung der Thätigkeit der Kommission durch den Vorredner und nebst freier Wohnung und Freibier bis zu sechs Litern täglich. diesem Vertrage gezollt haben. Er gewährt mancherlei Bortheile über seine Abwehr der Angriffe, welche von sozialdemokratischer( Hört! hört!) gegenüber dem bisherigen Zustande: insbesondere die Bindung der Seite gegen die Kommission gerichtet sind; er braucht sich aber Abg. Bebel: Den Vorschlag des Herrn Nösicke, die LohnBolltarife so ziemlich für alle Waaren, die Bindung des Oftroi darüber nicht zu ereifern, er legt dem gedruckten Wort des nachweisung der Berufsgenossenschaften zu grunde zu legen, verauf 2 pet.; die Verbesserung des Zollreglements, bei der ins- Vorwärts" zu große Bedeutung bei. Weitere Exemplare über werfe ich, und auch die Kommission hat, wie ich höre, dagegen besondere auch bezüglich der Visitation eine Kontrolle der konsulari- die Bäckerenquete dem Reichstage mitzutheilen, bin ich sehr gern erhebliche Bedenken gehabt. Mit Genugthuung fonstatire ich schen Beamten vorgesehen ist; die Zulassung der Waffeneinfuhr, bereit, desgleichen von den Protokollen; und das soll auch ferner, daß die Kommission auch schon der Hausindustrie näher allerdings nur der Vorderlader; endlich die lange Dauer bis tünftig so gehalten werden. getreten ist. Der Abg. Hirsch weist auf die Differenz zwischen zum Jahre 1912. Da es vorkommt, daß andere Staaten anderen Abg. Möller( nl.): Herr Hirsch hat als Vater der Kom- den Aussagen der Arbeiter und Arbeitgeber hin, die eine BeNationen eine bessere Behandlung ihrer Schiffe gewähren, als mission alle Ursache, ihre Arbeiten in Schuß zu nehmen, und einflussung der Arbeiter durch die Unternehmer nicht erkennen laffe. die einheimischen Schiffe genießen, so war es nothwendig, in dem ist mit Recht empfindlich über die Kritik des Vorwärts". Die Betrachtung trifft nicht die Sache; die Frage ist vielmehr, Vertrage nicht nur zu sagen, daß die deutschen Schiffe dieselbe Wir sind aber derartige Kritiken gewöhnt; ich nehme sie nicht ob nicht die Aussagen der Arbeiter noch viel ungünstiger ausgefallen Behandlung erfahren sollen, wie die einheimischen, sondern auch übel. Ich beschränke mich auf den Ausdruck meiner hohen Be- wären, wenn sie sie frei und unbeeinflußt hätten machen können. hinzuzufügen und die Schiffe der meistbegünstigten Nationen". Der- friedigung über die Leistung und den Fortgang der Arbeiten in Den Artikel des Vorwärts" habe ich keineswegs preisgegeben, felbe Passus findet sich auch im deutsch- türkischen Vertrage. der Kommission; die von dem Abg. Siegle in der Kommission sondern nur erklärt, daß er nicht als partei offiziell zu be beantragte Aufnahme einer Statistit über die Löhne und Arbeits- trachten ist. losigkeit kann ich nur dringend wünschen. Durch eine solche Statistik wird sich höchst werthvolles Material erlangen laffen, um Behauptungen entgegenzutreten, welche hier mehrfach aufgestellt worden sind und bisher nicht sofort widerlegt werden " Nachdem noch Abg. Barth( dfr.) die einstimmige Annahme des Vertrages empfohlen, wird derfelbe sofort in zweiter Lefung unverändert angenommen. " Darauf seht das Haus die zweite Berathung des Etats des Reichsamts des Innern fort bei dem Ausgabekapitel ,, Reichskommissariate" Titel 1, Reichskommissar für das Aus- konnten, auch wenn sie als böswillig erkannt wurden. wanderungswesen." Nachdem noch der Abg. Ofann( nl) im Sinne des Abg. Möller gesprochen, wird die Position bewilligt. " Bei der Ausgabe für das Ober- See Amt bemerkt Abg. Schwark( Soz.): In der seemännischen Bevölkerung macht sich seit längerer Zeit eine Bewegung für eine Abänderung Abg. Bebel( Soz.): Herr Hirsch hat hier heute start in der Seemannsordnung bemerkbar; nicht blos die Matrosen, Abg. Lingens( 3) fragt, wie fich die in Hamburg für die Selbstlob gemacht und tritt gleichzeitig als freiwilliger Regierungs- fondern auch zum großen Theile die Offiziere erkennen das Auswanderer, namentlich für die russisch- jüdischen, anläßlich der kommissar auf, wofür er auch seinen Dank geerntet hat. Ich stehe zu Bedürfniß dafür an. Die geltende Seemannsordnung besteht Choleragefahr errichteten Baracken bewährt haben. Die Mei- den Sachen wesentlich anders. Der Vorwärts" hat den angegriffenen feit 20 Jahren, seitdem find ungeheure Aenderungen im Betriebe nungen über die Zweckmäßigkeit dieses Barackengaues feien sehr Artikel von einem auswärtigen Mitarbeiter übernommen; er ist eingetreten, welche allein schon eine Aenderung begründen. getheilt. eine Meinungsäußerung eines einzelneu Genossen und vertritt nicht Die Zahl der Segelschiffe ist gegen die Dampfer zurückgegangen. Staatssekretär v. Bötticher: Ein Vertreter von Hamburg die Meinung der Partei. Es ist überhaupt ganz falsch, an- Die mittleren Schiffsbaugrößen sind fast ganz verschwunden, ist augenblicklich nicht anwesend, tann also die von dem Herrn zunehmen, daß jeder Artikel partei- offiziell sein muß, wenn es die größeren Schiffstypen sind in der Ueberzahl. Die Boll Borredner gewünschte Auskunft nicht geben. Ich glaube aber, sich um ein offizielles Partei- Organ handelt. Als Mitglied der politik hat den deutschen Handel aus der Ostsee vertrieben. daß der Herr Vorredner auch mit dem, was ich über die Frage, Kommission aus der sozialdemokratischen Partei trat zuerst Die Lage der Ostseeschiffer hat sich infolge dieser Verände die er gestellt hat, zu sagen weiß, wird zufrieden sein können. Schippel ein; diefer sitzt aber schon seit Monaten im Gefängniß, rung verschlechtert. Ihre Zahl ist aber nicht geringer, sondern Cholerafälle sind in den Baracken, die schon vor Beginn der und Molkenbuhr ist erst vor kurzem für ihn eingetreten. Wir größer geworden. Vor einigen Tagen ist das Bremer Schiff Cholera- Epidemie in Hamburg errichtet worden waren zur Auf- müssen vor allem verlangen, daß dem Reichstage nicht blos in Marie Rickmers", ein ganz neuer Schiffstypus mit 5 Masten, nahme der Auswanderer, nicht vorgekommen. Was dann die einigen wenigen Exemplaren, sondern daß jedem Mitgliede die weil es blos 38 Mann Besayung hatte, mit Mann und Maus zweite Frage anlangt, die der Herr Vorredner gestellt Arbeiten und Protokolle der Kommission übermittelt werden. zu Grunde gegangen. Nur das elende Sparsystem, welches der hat, so habe ich darauf zu erwidern, daß die Maßregel Herr Hirsch war heute sehr schlecht auf uns zu sprechen, und er Ronkurrenztampf nothwendig machte, hat dieses schreckliche Under Errichtung von Baracken zur Ueberwachung der Aus- hat auch allen Grund dazu, nachdem gestern bei den Berliner glück herbeigeführt. Mit steigendem Nachdruck fordert man in wanderer während einer bestimmten Zeit und zur Prüfung Gewerbegerichts- Wahlen feine Gewerkvereinler so elend durch den Seemannstreifen die Reform der Seemannsordnung, um ihres Gesundheitszustandes meiner Meinung nach in fünftigen gefallen find. Wenn er sich das Verdienst zuschreibt, dieses neue diesem Konkurrenzkampf seine Auswüchse zu nehmen. Die VorFällen ebenfalls als eine nügliche wird erkannt und zur Durch Organ geschaffen zu haben, so kann ich dem nicht beistimmen. schriften der See- Unfall- Berufsgenossenschaft über die Seetüchtigführung gebracht werden. Woher die Cholera im vergangenen Wenn wir nicht immer und immer fort gebohrt hätten, wäre es feit der Schiffe sind ja ganz bestimmt und zweckentsprechend. Jahre eingeschleppt worden ist, das wissen wir mit voller Sicher- fraglich, ob andere Parteien sich überhaupt zur Stellung von Aber wer kontrollirt fie? Da liegt die Sache im Argen. Das heit nicht; wir nehmen aber an, daß wir sie aus dem Osten be- Anträgen diefer Art entschlossen hätten. Mit der Organisation, beftgebaute Schiff nüßt nichts, wenn nicht die Besatzung zufommen haben, und es lag, da der Strom der Auswanderer, der wie sie die Kommission sich gegeben hat, ist die Frage: wie länglich und tüchtig ist. Das minderwerthige Menschenmaterial, über Hamburg geht, auch vorwiegend aus dem Osten kommt, gearbeitet und was praktisch gethan werden muß, nicht gelöst. welches heute auf den Schiffen verwendet wird, sorgt nicht einmal die Befürchtung nahe, daß unter diesen Auswanderern cholera- Wir haben seiner Beit Arbeitskammern und ein Reichs- Arbeits- für die Ordnung, welche auf dem Schiffe, wie jeder wirkliche infizirte Personen sich befinden könnten. Deshalb ist es eine von Amt verlangt, welches natürlich auch mit einer Abtheilung für Seemann weiß, vorhanden sein muß. Deshalb kommen heute der Hamburger Behörde getroffene, sehr weise Maßregel, daß sie Arbeitsstatistit hätte ausgestattet werden müssen. Ich meine Fälle von Verstößen gegen die Disziplin auf den Schiffen vor, diese Auswanderer zunächst isolirte: einmal zum Schuße gegen noch jetzt, daß wir ohne ein solches Reichs- Arbeitsamt nicht aus wie sie früher unerhört waren. Wenn die Seeleute davon über die Verbreitung des Cholerakeims innerhalb Deutschlands, sodann kommen. Heute sind lediglich die Polizei- Organe vorhanden, zeugt sind, daß Disziplin herrschen muß, tönnen sie aber auch auch, um denjenigen Ländern, in welche die Auswanderer aus- um solche Erhebungen anzustellen. Gerade die Ergebnisse der verlangen, daß sie nicht mißbraucht wird. Betrübend ist es, daß wandern wollten, die Beruhigung zu verschaffen, daß durch die in Ermittelungen aus dem Bäckereigewerbe zeigen, wie noth- jest wieder auf Hamburger Schiffen geschlagen wird, nachdem ihr Territorium geleitete Auswanderung die Gefahr der Ueber- wendig eine andere Form der Erhebung ist. Die Kommission das Prügeln schon längst auf den deutschen Schiffen nicht mehr tragung einer Cholera- Epidemie für sie nicht entstehen werde. Die hat nicht durch Beschluß sich mit den Ergebnissen und der Art Sitte gewesen ist; und noch betrübender ist es, daß das HamErfahrungen, die mit der Einrichtung und Benutzung der der Aufnahme der Bäckereistatistit einverstanden erklärt; sie hat burger Gericht entschieden hat, es darf zwar nicht geprügelt werBaracken gemacht worden sind, sind durchaus günstige; und sie nur als ausreichende Grundlage zur Vornahme weiterer Erden, aber Prügel können als Strafe verhängt werden.( Heiterkeit wenn ich auch glaube, daß durch die Absperrung von dem son- hebungen bezeichnet. Die Art aber, wie die Auswahl der Betriebe links.) Wenn von Unbotmäßigkeit u. f. w. gesprochen wird, so stigen Verkehr der eine oder andere Auswanderer sich unange- getroffen ist, wie die Fragebogen ausgetheilt sind, ist so unzweck darf doch andererseits nicht übersehen werden, daß auch die nehm berührt gefühlt haben mag, so meine ich doch, daß die ihm mäßig wie möglich. Bielfach haben die Polizeidiener und Schiffsführer nicht immer diejenigen sind, die Disziplin zu halten auferlegte Beschränkung zum Nutzen des Gemeinwohls hat ein Polizei- Offizianten die Statistit selbst aufgenommen, sie er- vermögen. In den„ Hamb. Nachr." befindet sich der Jahrestreten müssen. schienen in voller Uniform bei dem Arbeiter, der bei dem Meister bericht über das Seemanns- Krantenhaus für 1892; nach diesem Abg. Hammacher( nl.) fragt, wann das Auswanderungs- wohnt und unter dessen beständiger Aufsicht steht und nun Bericht sind nicht weniger als 8544 m. an Strafgeldern erhoben Gesetz auf die Tagesordnung gesetzt werden wird. unbefangene Aussagen über Arbeitszeit und Arbeitsdauer machen worden! Diese Erscheinung ist geradezu horrend. Mit größter Präsident v. Levegow: Einstweilen ist der Reichstag von foll! Unter den 2800 Fragebogen, welche von Gehilfen ausgestellt Willkür werden diese Strafen verhängt. Den einzelnen Seedringenden Geschäften sehr in Anspruch genommen, auch hat sich find, befinden sich danach noch nicht hundert, welche ohne Auf- mannsämtern, welche als Reichsbehörden zu organisiren wären, auf feiner Seite eine Neigung für die beschleunigte Be- ficht der Meister ausgefüllt wurden. Der Tadel dieses Ver- müßte ein Ober- Seemannsamt als zweite Instanz übergeordnet handlung dieser Vorlage gezeigt. Indeffen wird mit der Zeit fahrens im Vorwärts" ist durchaus berechtigt. Werth haben werden. Auch in zahlreichen anderen Punkten ist die Seemannsauch die Zeit kommen, dieses Gesetz in erste Berathung zu nehmen. nur die Aussagen, welche unabhängig vom Unternehmer abgegeben ordnung reformbedürftig, so in den Punkten des Wachtdienstes, ( Heiterkeit.) wurden. Bei der von mir seiner Zeit veranstalteten Enquete ist wie Redner an der Art des Dienstes auf den die Abg. Barth bittet den Präsidenten, sich in dieser Beziehung dieser Fehler nicht gemacht worden. In den kleinen Land- renden Dampfschiffen ausführlich nachweist. Es haben schon & Ditsee befahnicht zu übereilen. städten ist die Arbeitszeit verhältnißmäßig furz; aber verschiedene Versammlungen der Seeleute stattgefunden, die Für die Kommission für Arbeiter statistit sind 39 000 gar nicht angegeben ist bei diesen Betrieben die schließlich mich beauftragt haben, die Anregung zur Abänderung Mark ausgeworfen. andere Arbeit, welche die Gehilfen dort neben und der Seemannsordnung in die Hand zu nehmen und Vorschläge Abg. Hirsch( dfr.): Zum ersten Male hat der Reichstag nach ihrer Bäckerei- Arbeit vollziehen müssen, nämlich dazu zu machen. Ich werde eine entsprechende Vorlage demnächst Gelegenheit, sich über diese Kommission auszusprechen. Gegenüber die Landarbeit. Daher treten denn diese enormen an das Haus bringen und hoffe, sie wird hier die erforderliche dem Regiment des früheren Reichstanzlers ist die Möglichkeit unterschiede hervor, die in den Ergebnissen der Enquete so Beachtung finden. der Errichtung eines solchen Organs ein großer Fortschritt, troß- frappiren. Die ganze Methode muß eine andere werden, wir Abg. Jebsen( n.): Die Seemannsordnung ist zwar in dem das erlaffene Regulativ sehr mangelhaft und verbesserungs- müffen zur englischen Manier, zum kontradiktorischen Verfahren manchen Punkten nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit, aber bedürftig ist. Wenn die erreichten Resultate dementsprechend übergehen. Manche Fragen des Fragebogens tönnen die Ar- im Ganzen sind wir sehr mit ihr zufrieden. Die Dampfschiffsauch nur bescheiden sind, so sollte man doch nicht darüber ohne beiter gar nicht beantworten; würden sie aber vor einer unab- rhederei hat sich mit den Mängeln auch schon befaßt und einige weiteres den Stab brechen, wie es von gewiffer Seite geschieht. hängigen Kommission verhört, so würde das Verfahren sehr Aenderungen in dem Sinne vorgeschlagen, wie sie der Kollege Die bisherige Thätigkeit der Kommission hat sich erstreckt auf vereinfacht und das Resultat sehr viel zuverlässiger. In zahl- Schwarz vorgeführt hat. Wenn er auf den Untergang des " Bremer Schisses verweist, so ist ja schon möglich, daß das Schiff schwach bemannt gewesen ist; aber im allgemeinen ist dieser Um- stand für eine Schiffskatastrophe nicht verantwortlich zu machen. Wie die Schiffe bemannt werden sollen: nach der Größe, nach dem Quadratmeter Segelfläche, nach dem Tonncngehalt, das ist eine sehr diffizile Frage. Herr Schwarz stellt nun ganz ab- weichend von seinen Genossen den Satz auf: Autorität muß sein! Er will Disziplin auf dem Schiffe haben und meint nun, daß die Seemanns-Ordnung in dieser Beziehung zu weit geht. Ich glaube das nicht. Ausnahmefälle, wo einmal ge- pr igelt wird, wenn einem Schiff-führer. der sich nicht chikaniren lassen will, einmal die Geduld reißt, wer- den immer vorkommen. Die Seemannsämter urtheilen nn- parteiisch, ganz gleich, ob es sich um Matrosen oder Kapitäne handet. Abg. Bebel: Der nautische Verein in Hamburg, ein Unter- Nehmerverein, ist auch bereits mit Vorarbeiten für die Abänderung der Seemannsordnung beschäftigt, die aber natürlich ganz anders ausfallen werden, als das, was Herr Schwarz Ihnen vor- geschlagen hat. Wenn Schwarz Autorität für nöthig hält auf den Schiffen und ich jede Autorität geleugnet habe, so wird Herr Jebsen darin wohl kaum einen wirklichen Widerspruch sehen. Nicht nur eine Abänderung der Secmannsordnung, sondern auch eine Ergänzung des Strafgesetzbuches ist noth- ivendig. Der Untergang der„Marie Rickmers" zeigt, daß jedes Schiff, bevor es in See geht, gründlich fach- männisch untersucht werden muß. Der§ 47 der Secmannsordnung reicht in keiner Weise aus. Die Mannschaft kann solche Untersuchung nicht beantragen, zumal ihr nach ß 94 auch noch die Strafe der leichtfertigen Anzeige droht. In hohem Grade scheint auch in Deutschland der schauderhafte Zustand vorhanden zu sein, welchen schon vor 20 Jahren Herr Plimsoll im englischen Parlament brandmarkte, daß gewissenlose Rheder seeuntüchtige Schiffe ankauften, hoch versicherten, dann hinausschickten und mit Mann und Maus untergehen ließen. Der Vorfall mit dem Rheder Schiff in Elsfleth zeigt, daß bei uns ganz ähnliches vor- geht.„Leider ist die Biannschaft gerettet", schreibt bekanntlich der Mann an seinen Freund; natürlich, der Transport der Leute hat dem Herrn Schiff 9000 Mark gekostet, welche ihm von der Assekuranzsumme verloren gegangen find, welche er sich im übrigen„freut eingeheimst zu haben." Diese Fälle sind keineswegs vereinzelt. Derselbe Schiff in Elsfleth hat kurz darauf ein drittes Schiff in der Südsee verloren, welches mit 6S 000 M. versichert, aber nur 25 000 M. roerth war. Das passirte also einem einzigen Rheder in einem einzigen Jahr, und da entsteht denn doch der dringende Verdacht, daß er die Schiffe absichtlich dem Untergange preis- gegeben habe. Und dieser Mann war bis jetzt außerordentliches Mitglied des Reichsverstchernngsamts für den Vorstand der See- berufsgenossenschaft. Die Berichtigung, welche Herr Schiff an seinem berüchtigten Briefe vornahm, kann niemand ernst nehmen und auch nicht die Ehrenerklärung, welche 70 Honoratioren von Elsfleth ihm angedeihen ließen. Warum hat der Herr nicht den„Vorwärts" verklagt? Der hatte ihn direkt als Mörder bezeichnet; er wäre einer hohen Strafe nicht ent- gangen, wenn die Anklage falsch war. In Jbsen's „Stützen der Gesellschaft" wird ja derselbe Vorgang zum Vorwurf eines Dramas gemacht. Hier muß das Strafgesetz eingreifen. Nach meiner Ueberzengung war der Fall, wie er hier vorlag, kaum geeignet, vom Staatsanwalt zur Untersuchung gezogen zu werden. K 265 ist nicht anwendbar, weil das Sinken nicht von dem Unteriwhmer veranlaßt war. Herr Schiff ver- diente lebenslängliches Zuchthaus, aber Z 323 verlangt dazu auch direkt eine veranlassende Handlung. Es muß also eine Be- stimmung ad hoc neu in das Strafgesetzbuch nufgenonlnien werden. Wichtig wäre mir zu erfahren, warum Herr Schiff jetzt nicht mehr dem Reichs-Versicherungsamt angehört. Staatssekretär v. Bötticher: Herr Schiff ist zur Zeit nicht mehr ständiges Mitglied des Reichs-Versicherungsamts. An- regungen aus Revision der Seemannsordnung sind bis jetzt von keiner Seite an uns gelangt. Abg. Metzger: Aus den verschiedenen Scemannsämtern sind in den letzten Jahren nicht weniger als zehn Fälle von Miß- Handlungen zur Verhandlung gekommen, welche zu Selbstmord geführt haben.� Der Reichskommissar bei dem Seeamt in Bremer- Häven hat erklärt, daß jetzt Fälle von Mißhandlungen mit solchem Ausgange viel häufiger vorkommen, daß es aber ungemein schwer sei, den Zusammenhang zwischen beiden festzustellen, weil die Mannschaften sehr schwer für dre Aussagen zu haben seien. Die Gerichte erkläre» nun wunderbarer Weise eine generelle An- Weisung, Widerspenstige zu prügeln, für nicht strafbar; und weil dies also noch nach der Seemannsordnung zulässig sein muß, darum eben verlangen die Seeleute die Abänderung der See- mannsordnung. Diese niederträchtigen Mißhandlungen von See- leuten auf deutschen Schiffen müssen aufhören. Wir werden nicht aufhören, dafür zu wirken, auch wenn man uns noch so sehr sozialistischer Umtriebe beschuldigt. Abg. Jebsen: Ich kann mir garnicht erklären, daß man, was Herr Schiff geschrieben hat, auf Absicht zurückführt. Ich kann mir ihn nicht so schwarz denken.(Gelächter links.) Wie sollte ein Mann, wie Herr Schiff, dazu kommen, seinem Kapitän einen Brief zu schreiben, mit dem er doch einmal in Kollision kommen konnte? Ich für meine Person glaube daran nicht. Die Bill Plimsoll war vor 20 Jahren vielleicht ganz angebracht; heute sieht es anders aus. Im großen und ganzen können wir uns nur freuen, daß unsere Kaufsahrteimarine noch so beschaffen ist, wie sie ist. Abg. Bebel: Der Vorredner hätte doch wohl klüger ge- than, wenn er diese Rede nicht gehalten hätte; auch seine Partei scheint feine Rede nicht zu billigen.(Abg. Jebsen: Ich habe für mich gesprochen!) Die zu hohe Versicherung der Schiffe ist noch immer im Schwünge. Die Unfallverhütungsvorschriften bestehen zwar- aber ihre Ausführung wird nicht konlrollirt, wenn das Schiff in See geht. Im Jnter- esse des Renommöes der deutschen Schiffsrheder sollte Herr Jebsen selbst die obligatorische Untersuchung aller in See gehenden Schiffe fordern. Daß er diesen Adolf Schiff rechtfertigen oder ent- schuldigen wollte, ist das Stärkste, was ich je erlebt. Herr Schiff meint, er habe blos das Wort„leider" falsch gesetzt; Herr Jebsen aber führt aus, wie habe wohl ein so intelligenter Mann eine solche Dummheit machen können? Der Umstand, daß Herr Schiff nicht zur Klage geschritten ist. daß er unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Brieses sein Ehrenamt niedergelegt hat, be- weist für mich sonnenklar, daß Schiff ein Massenmörder ist. (Bewegung.) Das Kapitel wird bewilligt und darauf um WU Uhr die Fortsetzung der Elatsberathung auf Mittwoch 1 Uhr ver- tagt. Vorher dritte Lesung des Gesetzentwurfs, betreffend die Einheitszeit. Uolrales. Bei de» gestrigen Gewerbegerichts- Wahlen erhielten bei der Wahl der Arbeiterbeisitzer die Sozialdemokraten etwa 24 000 Stimmen, während die von den Max Hirsch'schen Gewerk- vereinen Aufgestellten etwa 1000 auf sich veremigien, trotzdem sie alles aufboten, um die rückständigen Elemente und alle unsicheren Kantonisten auf sich zu vereinen. Ja, die„Volks- Zeitung" forderte sogar die„gemäßigten" Sozialdemokraten auf, den Gewerkvereins- Kandidaten ihre Stimme zu geben. Man sieht, die Arbeiterschaft in Berlin bildet eine geschlossene Körperschaft, von der kaum fünf Prozent noch im Fahrwasser der Bourgeois- Parteien gehen. Auch bei den Wahlen der Arbeitgeber erlangten die sozial- demokratischen Kandidaten in zwei Bezirken den Sieg, in einer Anzahl anderer erzielten sie beträchtliche Minoritäten. In den meisten Bezirken hatte die Sozialdemokratie überhaupt keinen Kandidaten aufgestellt. Im Gewerbegericht werden nunmehr ihren Sitz haben aus der Sozialdemokratie 210 Arbeiter und 9 Arbeitgeber; aus den Gegnern kein Arbeiter und 201 Arbeitgeber. Die Wahlresultate zum Gewerbegcricht wurden gestern in den meisten Bezirken, aber nicht bei allen, gleich nach der Wahl festgestellt. In einem Wahlbezirk erklärte der Wahl- Vorsteher,"er habe keine Zeil, da er zu einem Feste müsse, und, als die anwesenden Wähler sich nicht gleich entfernten, warf er sie einfach hinaus. Wähler per Equipage zur GewerbegerichtSwahl heran- zuziehen, wurde gestern auch von den Max Hirsch'schen versucht. Einen Erfolg hatten sie nur in einem Falle, indem sie einen Arbeiter mit Droschke abholten, der ihnen für diesen Liebesdienst den besten Dank dafür sagte, daß es ihm so bequem gemacht sei, den sozialdemokratischen Kandidaten seine Stimme zu geben. Die Polizei ist angestrengt— nicht, daß die bei der Isx Heinze hervorgehobenen Zustände ihre Kräfte jetzt besonders in Anspruch nehmen, in hohen Kreisen und vornehmen Kon- ventikeln wird nach wie vor geschweinigelt und daS betrieben, was das Gesetz Vornahme unzüchtiger Handlungen nennt— aber ge- haussucht, verhastet, vernommen wird sehr viel, insbesondere im 6. Wahlkreis, bei Arbeitern. Was Staatsgefährliches vorliegen soll, wissen wir nicht. Gesucht wird sehr viel nach Druckschriften und Privatnotizen. Ob wohl viele Arbeiter ihre Prioatnotizen sich lange ausbewahren? Einer„Verschwörung in Reinickendorf" ist die hoch- wohlweise Sicherbeitspolizei auf der Spur, die Thäter sind während einer„geheimen Sitzung" überrascht u. f. w. So und ähnlich hieß es kürzlich in den offiziösen und sonstigen Käse- blattet um und in Berlin, mit welchen Bruder Philister und Bruder Bauer von den an d e r Roth leidenden Großgrundbesitzern überschwemmt werden, daß sie in der 53. Woche des Jahres nicht an sieben Tagen Champagner trinken können, dieweil die 53. Woche in gewöhnlichen Jahren nur einen, in Schaltjahren nur zwei Tage aufzuweisen hat. Die guten Bürger Reinicken- dorfs und Umgegend fingen an, das Gruseln zu"lernen. Nur schade, daß die Aufklärung nicht ewig sich hintanhalten läßt. Nachdem eifrig Vernehmungen, Haussuchungen u. f. w. stattgefunden hatten, hat sich nun klar herausgestellt, daß die furchtbare„Verschwörung" in der Abhaltung einer Sitzung des„Rauchklubs Kernspitze" bestand. Allerdings hat es im Klub manchen Brand gegeben; indeß das Gericht hat denn doch etwas weiteres Ungesetzliches nicht herausgefunden, als daß die Herren Kernspitzraucher ihre Brandsitzungen nicht polizeilich angemeldel haben. Die deshalb mit Strafmandaten Bedachten haben öffent- liche Verhandlung beantragt, weil sie mit Recht annehmen, daß Vereine, deren Aufgabe die Vertilgung nationalen und inter- nationalen Tabaks ist, nicht solche sind, welche„eine Einwirkung aus öffentliche Angelegenheiten bezwecken" und deshalb nach s 2 des Vereinsgefeges anmeldepflichtig sind. Der SelterSwasser- Perkauf durch Apotheken am Sonntage. Zu diesem Kapitel schreibt ein Apotheker der „Pharmac. Zeitung": Im August v. I. wurden bei mir eines Sonntags Vormittags von einem Gastwirthe 25 Flaschen SelterS bestellt, die ich Nachmittags gegen 5 Uhr erst zuschickte. Von einem guten Freunde, seines Zeichens Kaufmann und Setter- wasser-Fabrikant, wurde die Sache bemerkt und angezeigt. Gegen die diesbezügliche Polizeistrafe erhob ich Widerspruch und be- hauplete in der Schöffensihnng, daß wir Apotheker von der Sonntagsruhe ausgeschlossen seien und außerdem Setterswasser zweifellos als Heilmittel zu betrachten sei. Bezüglich dieser Frage wurde das Gutachten des Geheimen Rcgierungs- und Medizinalrathes Dr. Philipp in Liegnitz eingeholt, welches dahin lautete, daß Selterswaffer wohl in jeder Apotheke käuflich, aber nicht zum ordnungsmäßigen Betriebe einer Apo- theke nöthig sei. Im vorliegenden Falle sei der Selterswaffer- Verkauf als Nebcngewerbe zu betrachten. Auf grund dieses Gut- achtens wurde ich vom nächsten Schöffengericht verurtheilt. Auch gegen dieses Urtheil legte ich Berufung"ein und fand die Ver- Handlung vor der Strafkammer in Liegnitz statt. Ich betonte, daß es doch viele Präparate:c. in der Apotheke gebe, die ganz zweifellos Arzneimittel seien, obgleich sie auch nicht in der „Series" stünden. Hierzu gehöre meines Erachlens auch Selters- wasser, und wenn ich schon 1—2 Flaschen gewlffermaßen gesetzlich verkaufen dürfe, wäre dies auch bei jeder größere» Menge der tnll. Daß das Setterswasser für einen Gastwirth wäre, sei eine ache für sich und ginge mich nichts an. Die Strafkammer erkonnte auf Freisprechung mit der Begründung, daß Selters- wasser sehr wohl als Heilmittel Verivendung finden kann. AnS Furcht blind zu werden, hat sich«in junger Berliner Handwerker, der am 7. Dezember lS72 zu Mafien, Kreis Luckau, geborene Färber Bernhard Huth, in der sogenannten Kämmerei- Haide in Köpenick in der Nahe der„tobten Ecke" das Leben ge- nommen. Dort fanden am Sonnabend Nachmittag Spazier- gänger den Tobten, der in der rechten Hand noch den Revolver hielt, mit welchem er sich den tödtlichen Schuß oberhalb des rechten Ohres beigebracht hatte. Unter den Bricsschaften des jugendlichen Selbstmörders befand sich auch eine Visitenkarte, worauf er Abschied nimmt von seinen Eltern, die er der Thal wegen um Verzeihung bittet. Als Grund für den Selbstmord giebt H., der der Sohn eines Gutsbesitzers bei Finsterwalde ist, an, daß er sich durch vieles Lesen die Augen gefchwächt und da ihm ferner vor einigen Wochen bei der Arbeit Schwefelsäure in die Augen gespritzt, so müsse er Erblindung befürchten. Die Leiche des Acrmsten wurde am Montag auf dem Köpenicker Friedhofe beerdigt. Tobt aufgefunden wurde vorgestern Abend um 9 Uhr von ihrem Ehemann die Droschkenkutscherfrau Marie Hirsch in der gemeinschaftlichen Wohnung Sorauerstr. 28. Die Leiche lag auf dem Fußboden mit dem Gesicht nach unten und ließ an der Nase Blut erkennen. Da der Mann nicht zu Hause war während des Vorganges, so glaubte man an«in Verbrechen, zumal da ein Arzt die Todesursache nicht feststellen konnte. Auf unsere Nach» frage wird uns indeß mitgetheilt, daß die Frau an epileptischen Krämpfen gelitten und wahrscheinlich einem solchen Anfalle er- legen ist. Nichtsdestoweniger ist die Leiche durch die Staats- anwaltschaft mit Beschag belegt worden. An de« Folgen einer Hühneraugen-Operation gestorben ist der in weiten Kreisen bekannte Häusermakler Hartmann, Weißenburgerstr. 67 wohnhaft. H." halte sich am vergangenen Mittwoch die Hühneraugen selbst geschnitten und dabei nicht auf eine ganz geringfügige Wunde geachtet, die er durch das Schneiden der Hornhaut selbst verursucht. Da der Kaufmann einen wichtigen Gang vorhatte, so zog er sofort Strumpf und Stiefel an, ohne der bald eintretenden Schmerzen zu achten. An demselben Abend aber mußte der Leidende ärztliche Hilfe m Anspruch nehmen, doch blieb dieselbe ohne Erfolg, am Nachmittag des nächsten Tages sollte bereits vas ganze rechte Bein amputirt werden, doch verstarb H. während der Vorbereitung zur Operation am Herzschlag. Verhaftet wurde gestern Abend zu später Stunde der Sohn des Hauseigentbümers Probst in der Calvinstraße, Namens Albert in dem Wirthshnuse an der Ecke der Werft- und Ger- hardtstraße. Ein Ingenieur Schulz, der bei einer hiesigen Glüh- lichtfirma beschäftigt>var, hatte Inkassos vorgenommen und die Unterschrift des Prinzipals gefälscht. Schulz hat auf solche Weise hohe Summen einkafsirt und Probst als seinen Komplicen angegeben. Dieser wurde daher durch die Kriminalpolizei in dem genannten Lokal abgefaßt und festgenommen. Mit einer schweren Kopfverletzang wurde am 17�d. M der Tischler Karl Reinicke aus Oranienburg nahe der Station Waidmannslust auf dem Bahnkörper aufgefunden und mit dem uge 1922 nach Berlin befördert, wo man ihn dem Lazarus- rankenhause zuführte. R. liegt noch bewußtlos darnieder und hat noch nicht vernommen werden können. Ein frecher Diebstahl ist in der Nacht von Sonntag zu Montag auf dem Begräbnißplatz der St. Jakobigemeinde am Hermannplatz versucht worden. Gegen 3 Uhr früh bemerkte der Revierwächter Kost auf dem Kirchhofe mehrere Personen, die auf das Dach der Leichenhalle geklettert und beschäftigt waren, das Zinkblech des Daches abzulösen. Als der Beamte die Spitzbuben anrief, ergriffen dieselben die Flucht und kletterten über die Um- friedigung des Begräbnißplatzes. Der Nachtwächter zog nun seinen Revolver und feuerte auf einen der Diebe; ob jedoch der Schuß getroffen, ließ sich nicht feststellen, da es den Verbrechern gelang, in der Dunkelheit zu entkommen. Die nächste Schwurgerichtsperiode vom Landgericht l, unter Vorsitz des Landgerichts-Direktors B a a t h, wird am 27. d. M. ihren Anfang nehmen. In der Anklagesache gegen den Kommerzienrath Wolfs wegen betrügerischen Bankrotts ist Termin zur Hauptverhandlung auf den 28. d. M. anberaumt worden. Ob derselbe wird abgehalten werden können, wird von dem körperlichen Befinden des Angeklagten abhängen, welches nicht das beste sein soll.— Am 1. März wird sich der Re- dakteur S a l i n g auf die Anklage wegen Meineides— be- gangen bei Gelegenheit des Prozesses Ahlwardt— zu ver- antworten haben. Auch die Anklage gegen den Steuererheber Kluth wegen wiederholter schwerer Urkundenfälschung:c. wird in der Schwurgerichlsperiode verhandelt werden. Marktpreise in Berlin am 19. Februar, nach Ermitte- langen des Polizeipräsidiums. Weizen per 100 Kg. guter von 15,80—15,20 M., mittlerer von 15,10—14,60 M., geringer von 14,50— 14,00 M. Roggen per 100 Kg. guter von 13,50—13,20 M., mittlerer von 18,10—12,90 M., geringerer von 12,80—12,50 M. Gerste per 100 Kg. gute von 17,50—16,30 M., mittlere von 16,20—15,10 M.. geringe von 15,00—13,80 M. Hafer per 100 Kg. guter von 15,80— 15,20 M., mittlerer von 15,10— 14,60 M, geringer von 14,50—14,00 M. Stroh, Richt- per 100 Kg. von 4,90—4,00 M. Heu per 100 Kilogramm von— M. Erbsen per 100 Kg. von 40,00—25,00 M. Speisebohnen, weiße per 100 Kg. von 50,00—20,00 M. Linsen per 100 Kg. von 80,00 bis 30,00 M. Kartoffeln per 100 Kg. von 7,00— 4.50 M. Rind- fleisch von der Keule per 1 Kg. von 1,60—1,20 M. Bauchfleisch per 1 Kg. von 1.30—0.90 M. Schweinefleisch per 1 Kg. von 1,60—1.20 M. Kalbfleisch per 1 Kg. von 1,60—0,90 M. Hammel- fleisch per 1 Kg. von 1,50—0,90 M. Butter per 1 Kg. von 2,30 bis 1.80 M. Eier per 60 Stück von 3,00—3,60 M. Fische per I Kg.: Karpfen von 2,40—1,20 M. Aale von 3,00—1,00 M. Zander von 2,40—1,00 M. Hechte von 1,80—1,00 M. Barsche von 1,60—0,70 M. Schleie von 2,40—1,00 M. Bleie von 1,60 bis 0,80 M. Krebse per 60 Stück von 10,00—3,00 M. Polizeibericht. Am 20. d. Mts.. Morgens gegen 5 Uhr. wurde gegenüber der Markthalle am Reichstags-Ufer ein Mann in der Spree treibend bemerkt und noch lebend aus dem Waffer gezogen. Er wurde nach der Charitee gebracht.— Vormittags stürzte der Schornsteinfeger Budig vom Dache des HauseS Rosen- thalerstr. 11/12 auf de» Hof der 8. Gemeindeschule, Gipsstr. 23, herab und erlitt außer mehreren Knochenbrüchen anscheinend schwere innere Verletzungen, so daß er nach dem St. Hedwigs- lrankenhause gebracht iverden mußte.— Vor dem Hause Reinicken- dorferstr. 20 wurde Nachmittags ein Bauwächter durch eine» Ge- fchäslswagen überfahren und am Schienbein bedeutend verletzt. Im Lause des Tages fanden 5 Brände statt. Gerickks�BoiUrng. „Kohinor", Petroleum-Eiufuhr-Kommandit-Gesellschaft Lange u. Co. Unter dieser hochtönenden Bezeichnung wurde Anfangs 1891 hierselbst ein kaufmännisches Geschäft gegründet, dessen Inhaber gestern wegen wiederholten Betruges vor der siebenten Strafkammer des Landgerichts I standen. Es waren die Kaufleute Karl Spiegelb erg und Friedrich D e ch e l, Prrsonen, deren Vergangenheit eine schlechte Gewähr für die Solidität ihres Unternehmens leistete, denn beide sind vielfach, zuletzt sogar mit Zuchthaus vorbestraft. Spiegelberg wurde im Dezember 1890 aus dem Zuchthause in Brandenburg entlassen. ES gelang ihm, eine Anzahl Personen zur Hergabe von Mitteln zu be- wegen, womit der„Kohinor" gegründetwurde. Spiegelberg bekleideie den Direktorposten, Dechel die Stellung eines Buchhalters. Es wurden vorläufig einige 20 Verlaufsstellen errichtet, die nach und nach auf 100 erhöht werden sollten und mit einem Fuhrherrn wurde ein Verlrag abgeschlossen, den Transport zu besorgen. Der Kaufmann Lange, welcher ebenfalls eine Summe eingeschossen hatte, wurde Lagerverwalter. Das Geschäft bestaud kaum ein Jvhr. Es kam zum Konkurs und sämmtliche Kommanditisten verloren ihr Geld. Wie Spiegelberg im Termin behauptete, sei das Unternebmen besonders dadurch zu Grunde ge- gangen, weil der Lieferant nicht leistungsfähig war. Es hätten täglich lOO Tonnen Petroleum umgesetzt werden können, wodurch ein Reinertrag von 500 M. täglich hätte erzielt werden können, der Lieferant, ein Rittmeister a. D. von Pressentin, habe aber nur 30 Tonnen läglich geliefert. Die Angeklagten sollen nun versucht haben, sich vor dem Zusammenbruche des Unter- nehmens durch Kautionsschwindelcicn über Wasser zu halten. Sie nahmen einen Lagerverwalter und einen Kassirer gegen Kaution an und die ihnen anverlraulen Gelder sollen sie im eigenen Nutzen verbraucht haben. Es waren dies Beträge von 1400. bezw. 2000 Mark. Der von Spiegelberg angenommene Kasstrer bekundete, daß ihm versichert worden sei. daß das Geld bei der Mitteldeutschen Kreditbank hinterlegt werden solle. Wenn er sich nach einigen Monaten bewähre, so solle ihm das Recht zustehen, seine Kaution gegen 12 pCt. in das Geschäfl einznschießen. Der Zeuge war der Ueberzengung, daß er von Spiegelberg nur angenommen worden sei, weil derselbe sich in den Besitz seiner Kaution setzen wolle, eine ausreichende Beschäftigung für einen zweiten Lagerverwalter war gar nicht vorhanden. Der An- geklagte Dechel spielte besonders bei der Annahme des kaulionsfähigen Kassirers eine Hauptrolle, indem er dem- selben versicherte, daß das Geschäft„großartig" gehe. Nach acht Tagen wurden sämmtliche Verlanfsstellen ge- schloffen, weil keine Waare mehr vorhanden war. Spiegelberg hatte im Jahre 1886 die Petroleum-Gesellschast„Excelsior" ge- gründet. Seine Thätigkeit bei diesem Unternehmen trug ihm die letzte Zuchthausstrafe von 3 Jahren ein. Bei der Vernehmung des Zeugen Lange kam zur Sprache, daß dieser als Gefangeneu- Aufseher in Brandenburg angestellt gewesen war. Er hatte Spiegelberg dort kennen gelernt und war von demselben überredet worden, seine Stellung aufzugeben, um Lagerverwalter der Gesellschaft„Kohinor" zu werden. Der Staatsanwalt be- dauerte, daß gegen Spiegelberg nur auf 10 Jahre Zuchthaus erkannt werden könne, da es für die Gesellschaft ein Gewinn sei, wenn derselbe möglichst lange hinter Schloß und Riegel gehalten werde. Er beantrage gegen Spiegelberg lOJahre Zucht- Haus, 10-jähngen Ehrverlust und 6000 M. Geldstrafe, gegen Dechel wegen Beihilfe zum Betrüge in 2 Fällen fünf Jahre Gesängniß, fünfjährigen Ehrverlust und 3000 M. Geldstrafe. Das Urtheil lautete gegen Spiegelberg auf fünf Jahre Zucht- Haus, fünfjährigen Ehrverlust und 3000 M. Geldstrafe eventuell noch 200 Tage Zuchthaus, gegen Dechel auf drei Jahre Gesängniß und dreijährigen Ehrverlust. Der Letztere, der sich auf freiem Fuß befand, wurde sofort in Haft genommen. Daß gewissen TtellenvermittelungS-vureanS gegenüber eine besondere Vorsicht am Platze ist, lehrt« wiederum eine Ver- Handlung, welche gestern vor der vierten Straflammer des Land- gerichts I stattfand. Die aus der Untersuchungshaft vorgeführte Wittwe Pauline L e i n e r t, welche in der Wilhelmstrabe ein derartiges Geschäft betreibt, ist mehrfach wegen Betruges bestraft worden, weil sie Stellensuchenden Gebühren und Provistonen ab- genommen hat, ohne in der Lage zu sein, eine Stellung ver- schaffen zu können. Jetzt wurde ihr Erpressung zur Last gelegt. Die unverehelichte Krüger, die aus der Provinz nach Berlin ge- kommen war, nahm die Vermittelung der Angeklagten in Anspruch. Sie zahlte die übliche Einschreibegebühr und verpflichtete sich, IS M. zu entrichten, wenn die Angeklagte ihr eine Stellung verschaffte. Das Letztere war nach geraumer Zeit nicht der Jall und die Krüger begab sich zu der Angeklagten um mitzutheilen, daß sie sich selbst eine Stellung verschafft habe. Nun verlangte die Am geklagte trotzdem IS M. Gebühren. Als die Krüger sich weigerte, wurde die Angeklagte dringlich. Sie stellte sich vor die Thür und erklärte der Krüger, daß sie vor der Zahlungsleistung nicht herauskomme. Die Krüger versuchte, sich mit einem Thaler los- zukaufen, als die Angeklagt« dabei aber sah, daß die Krüger außerdem noch ein Zweimarkstück im Portemonnaie hatte, ruhte sie nicht, bis die Bedrängte auch dies Geld hergab. Der Gerichts� hos erkannte auf eine Zusatzstrafe von 6 Monaten, brachte hiev von aber 3 Monate durch die erlittene Untersuchungshaft in Ad- rechnung. Einen alten Schwindel hat der Schlächter Paul Clemens aufgewärmt, welcher gestern der I23.Abtheilung des Schöffengerichts vorgeführt wurde. Der Schlächtergeselle Konrad kam im Sep tember vor. I. aus Pommern nach Berlin, um sich hier eine Stellung zu suchen. In der Herberge drängte der Angeklagte sich an ihn heran und forschte ihn aus. Clemens sagte ihm, daß er im stände sei, ihm eine gute Stelle nachzuweisen, er selbst solle sie am folgenden Tage antreten, sei aber dazu außer stände, da er erst seine Sachen aus der Heimath erwarte. Konrad griff mit beiden Händen zu und war bereit, in einer von Clemens vorgeschlagenen Restauration einige Glas Bier zum Besten zu geben. Dort holte Clemens einen Siegel ring hervor und bat den Provinzialen, ihm 6 Mark darauf zu leihen. Konrad betrachtete den Ring mit miß- trauischen Augen. Er verhielt sich ablehnend. Da trat ein Herr an die beiden heran und fragte, ob der Ring verkauft werden solle. Er betrachtete denselben längere Zeit mit Kennermiene und sagte dann zu Clemens:„Ja, es ist Gold, ich werde Ihnen L M. dafür geben." Clemens erwiderte, daß er den Ring nicht verkaufen, sondern nur verleihen wolle. Der Fremde entfernte sich achselzuckend. Clemens drang nun weiter in Konrad, ihm 3 M. auf den Ring zu leihen, und der Letztere, der nun annahm, daß er einen Schaden dabei nicht er-« leiden könne, ging schließlich darauf ein. Am folgen- den Morgen war Clemens verschwunden. Als Konrad den Ring bei einem Goldarbeiter untersuchen ließ, erfuhr er, daß derselbe für 7d Pf. überall zu kaufen sei, er bestand aus Tom- back, das auf galvanischem Wege schwach vergoldet war. Der Mann in der Restauration hatte augenscheinlich mit dem An- geklagten ein abgekartetes Spiel getrieben. Der Gerichtshof war mit dem Staatsanwälte der Ansicht, dab bei der Gemeingefähr- lichkeit, die in dem Verhalten des Angeklagten liege, aus eine empfindliche Strafe erkannt werden müsse, das Urtheil lautete auf 6 Monate Gesängniß. Ein Unfall auf der Drahtseilbahn führte heute die Schausteller Schürbel und Schmidt aus Berlin unter der Anklage der fahrlässigen Körperverletzung vor die erste Strafkammer am Landgericht ll. Die Angeklagten hatten im Sommer v. I. neben dem Kurfürstenpark in Halensee eine Drahtseilbahn aufgestellt, die stark frequcntirt wurde. Am 31. Juli stürzte dabei der Rangirer Kühn vom Seile ab, schlug sich die Nase blutig und verstauchte sich leicht das Rückgrat. Nachtheilige Folgen hat der Unfall sür den Verletzten nicht gehabt, trotzdem wurde Anklage erhoben. Nach eingehender Beweisaufnahme und Prüfung der Zeichnungen kam der Gerichtshof zu der Ueberzeugung. daß Schmidt den von ihm bedienten Flaschenzug. welcher das Seil straff hält, nicht vorsichtig genug be- festigt hatte, daß der Flaschenzug plötzlich nachließ, das Seil herabfiel und den daran hängenden Kühn zu Falle brachte. Schurbel wurde daher freigesprochen, Schmidt dagegen zu 20 M. Geldstrafe verurtheilt. Allen Warnuugen der Presse zum Trotz gehen unerfahrene Personen noch immer den Winkelkonsulenten in das Garn, welche im Moabiter Kriminalgericht ihr Wesen treiben. Besonders schlimme Erfahrungen hat mit ihrer Vertrauensseligkeit die Frau eines früheren Wärters der städtischen Irrenanstalt in Dalldorf gemacht. Dieselbe wurde vor einiger Zeit vom Landgericht II zu mehreren Wochen Gesängniß verurtheilt, obwohl sie sich völlig unschuldig fühlte. Als sie den Sitzungssaal verließ, schlängelte sich ein Mann an sie heran, der sich Opitz nannte, sich als Rechts- konsulent bezeichnete und seine Hilfe anbot, um beim Reichsgericht die. unzweifelhaft sichere" Freisprechung zu erwirken. Statt zu einem Rechtsanwalt zu gehen, vertraute sich die Frau dem Fremden an, zahlte nach und nach als„Gebühren" und„Gerichts- kosten-Vorschuß 87 M., um eines Tages durch die Aufforderung zum Strafantritt zu erfahren, daß der Schwindler keinen Feder- strich gemacht hat. Jetzt hat die Frau versucht, durch ein Gnaden- gesuch an den Kaiser ihren Fehler theilweis wieder gut zu machen. Wegen Amtsvergehens und wiederholten Betruges stand gestern der Postassistent August Hermann Richard H e n n i g vor der vierten Strafkammer des Landgerichts l. Der im Postamt 42 angestellt gewesene Angeklagte hat einen an den Bankier Mitzlaff avrcssirten Geldbries mit SL2 M. unterschlagen. Er wurde danach flüchtig, kam bis Kopenhagen, kehrte dann aber wieder um und hat auf dem Heimwege nach Berlin noch mehrere Schwindeleien ausgeübt. Sein Versuch, Geiftesgestörtheit ins Feld zu führen, mißlang. Der Gerichtshof veruriheilte ihn zu einem Jahre Gesängniß unter Anrechnung von drei Monaten. Die wärttembergischen Ardeiter und Arbeiterinne« deS Schneidergewerbes halten am 26. Februar im Bayerschen Hof in Stuttgart einen Kongreß ab. Internationaler Schuhmacher-Kongreß. Alle diesen Kongreß betreffenden Briefe sind jetzt an E. Schönbucher, Außersiehl-Zürich, Zwinglistraße 22, zu senden. Anträge sind bis Ende dieses Monats zu stellen. Die Zahl der Delegirten ist so bald wie möglich anzugeben, damit genügend sür Quartier k. gesorgt werden kann. Wie Vortheilhast die von der Sozialdemokratie geforderte Uebernahme des Apothekenwesens im öfsent» lichen Betrieb wäre, ergiebt sich auS den Erfahrungen, die die Kölner Armenverwaltung mit der von ihr betriebenen Apotheke gemacht hat. Diese hatte, wie die„Blätter kür soziale Praxis" berichten, nach dem 1S92er Jahresbericht in den letzten drei Jahren im Durchschnitt jährlich 83—96 060 ärztliche Ver- ordnungen, deren eigene Anfertigung der Kommune Köln gegenüber der Medizinaltaxe folgende Gewinne einbrachtet im Jahre 1896: 6S 6S6 M., im Jahre 1391: 74 887 M. und im Jahre 1892 73ö91 M. Die Ersparniß beträgt gegenüber den Preisen der privaten Apotheken 62—36 Prozent. Die rosigen Ansichten, die der Staatssekretär v. Boetticher über den Geschäftsgang im sächsischen Textilgewerbe zum besten gab, werden sogar von dem nationalliberal- konservativen „Chemnitzer Tageblatt" zurückgewiesen und zwar durch den Abdruck folgender Notiz:„Der Vorstand der Chemnitzer Aktien- spinnerei spricht sich in seinem soeben zur Ausgabe gelangten Geschäftsbericht aus das Jahr 1892 wie folgt aus:„Die Lage der deutschen Baumwollspinnerei war während des größten Theiles des Geschäftsjahres 1892 eine höchst traurige, die Aussichten für die Zukunft so trübe wie selten vorher." Weitere? vom Nothstand. Spiegelfabrikant Schienercr in Fürth hatte die Stelle eines Hausknechts ausgeschrieben. Nach der„Fränk. Tagespost" meldeten sich nicht weniger als hundert Personen. Der Posten ist keineswegs ein fetler und die Arbeit keine leichte. Schienerer zahlte dem früheren Hausknecht 9 M., dem jetzigen nur 7 M. pro Woche. Deutsche Hungerlöhne. Wegen zu geringer Bezahlung haben im Marmorwerk zu Saalburg in Thüringen die Bayern und Italiener die Arbeit niedergelegt, während die einheimischen Arbeiter weiter arbeiten müssen, wenn sie nicht verhungern wollen. Nach der„Neust. Tribüne" find in diesem Winter Wochenlöhne von 2,S6, 3,50 und 5—6 M. gezahlt worden. Ein Arbeiter von dort schrieb dem genannten Blatte:„Ich habe für eine Familie mit 9 Köpfen zu sorgen und verdiene bei siebenstündiger Arbeit 84 Pf., also pro Stunde 12 Pfennig. Auf den Kopf der Familie bade ich für Nahrung, Kleidung und Wohnung:c. täglich 9t/g Pf. zu verbrauchen. Wie davon leben? Infolge dieser schlechten Lohnverhältnisse habe ich oft tagelang kein Brot im Haus. Ter Bäcker borgt nicht mehr, denn er iveiß, daß ich ihn jetzt nicht bezahlen kann. Oft schreien meine Kinder nach Brot, ohne daß ich ihnen etwas geben kann. Ich muß mich oft des Abends hungrig aus mein hartes Lager werfen und Morgens mit leerem Magen zur Arbeit gehen, blos um das Bischen, was vorhanden, meinen Kindern zu lassen. Wie soll das enden?" Die mittlere Matrosenhener betrug im Jahre 1892 auf den vom Bremer See-Amt abgefertigten Schiffen S3.43 M. gegen 56,62 M. im Jahre 1891, und auf den vom Ham- burger See-Amt abgefertigten Schiffen 56,97 M. gegen 59,91 M. im Jahre 1891. Sie ist also zurückgegangen. TaS Unpraktische der Einrichtung, das die Eisenbahn benutzende Publikum in mehrere Klassen einzutheilen, ist der Ver- waltung der Bahn Wesselburen-Büsum in Dithmarschen bemerk- lich geworden. Aus der Station Reinsbüttel wurde am 31. Januar zum ersten Mal seit zehn Jahren ein Billet zweiter Klasse gelöst. Die Leute sind dort froh, wenn sie das Fahrgeld dritter Klasse erschwingen können.— Auch bei anderen Bahnen stehen die Kosten der ersten und zweiten Klasse in keinein Ver- hältniß zu den Einnahmen. Aber natürlich,„Standesunterschiede inüssen sind", ohne solche geht's nicht. Wer wird einem schneidigen Garde-Lieutenant zumuthen, neben einem gewöhnlichen Arbeiter zu sitzen, oder einem Kommerzienraths-Töchterlein, in der Gesellschaft einer Scheuerfrau zu fahren? Eine interessante Statistik über den Rückgang deS Kleinhandwerks gab in einer Versammlung der Maurer Leipzigs der Genosse Lorenz aus Hamburg. Die Statistik bezieht sich auf Halle a. S. Dort gab es auf je 16666 Einwohnerselb- ständige Meister in den Jahren Sozial» Ueberlichl. In der Kistenfabrik von Mannheim, Wasserthorstr. 9. haben 8 Mann mit Ausnahme des Werkführers Herrn Viesenak am Dienstag früh wegen Maßregelung eines Kollegen die Arbeit uiedergelegt. Vor Zuzug wird gewarnt. Die Hutmacher werden vom„Correspondenten"«- sucht, bis auf weiteres den Z u z u g nach München fern- zuhalten. Der Streik in der Reißzeugfabrik von Carl Eckert Sohn u. Co. in Nürnberg ist zu Gunsten der Gehilsen be- endet; ihre Forderungen wurden bewilligt. Die Generalkommission macht bekannt: Die von dem SeilerwaarenfabrikantenStudemanninGreves- Mühlen angedrohte Entlassung sämmtlicher Arbeiter wegen deren Zugehörigkeit zum Verband ist zurückgenommen worden, nachdem die Arbeiter deutlich gezeigt hatten, daß sie lieber die Arbeit einstellen, als sich das Vereinigungsrecht rauben lassen wollten.— In Pinneberg stehen die S ch n e i d e r mit den Arbeitgebern bezüglich der Lohn- und Arbeitsbedingungen in Unterhandlung. Die Arbeitgeber wollen die gestellten Forderungen nicht anerkennen. Es wird um strenges Fernhalten des Zuzuges gebeten. Adreffe: H. Preu ß, Pinneberg, Lindenstraße. Bäcker.... leischer... Schneider.. Schuhmacher. Glaser... Tischler... Drechsler.. Klempner... Die k. k. österreichischen Hofbeamten haben mit ihrer Lohnbewegung dieselben Erfahrungen gemacht, wie andere Arbeiter, die sich dem Kapitalisten gegenüber vereinigten. Die Wiener„Arbeiter-Zeitung" hatte das Zirkular veröffentlicht, worin die Gesammtheit der schlechtbezahlten Hofbeamten unter allen möglichen Loyalitätsversicherungen zu einer Versammlung eingeladen war und das auszugsweise auch im„Vorwärts" mit- gelheilt worden ist. Wie unser Wiener Bruderorgan nun be richtet, hat das Vorgehen der k. k. Hofbeamten oben gewaltig verschnupft. Das Oberst-Hofmeisteramt sucht jetzt den Verfasser des Zirkulars und erklärt die Forderungen der Hofbeamten für Meuterei und Auflehnung, da ein Grund zur Gehaltserhöhung nicht vorhanden sei. Ein Abtheilungschef, der für die Gehalts- erhöhung eingetreten ivar, würde in Disziplinar-Untersuchung gezogen. Weiter wurde strenge Ueberwachung der Hosbeamten angeordnet, um zu erfahren, wer zu der projektrrlen Versammlung 'ehe. Die Wiener„Arbeiter-Zeitung" meint, ein Kommentar ierzu sei überflüssig. Sie hat recht. Das arbeitende Volk weiß o schon, daß der Kapitalismus überall derselbe ist, gleichviel welchen Namen er trägt. Der RegiernngSrath von Basel-Stadt hat das Departe- ment des Innern beauftragt, baldigst über die Errichtung einer Versicherung slkasse für Arbeitslose eine Vorlage auszuarbeiten. Der Antrag war von sozioldemokratlscher Seile gestellt worden. Weiter hat der Regierungsrath für die Arbeits- losen einen Kredit von 16666 Franken bewilligt. Obligatorische Bernfsgenofseuschaften in der Schweiz Die in Zürich versammelt gewesenen Abgeordneten des Vereins schweizerischer Buchdruckereibesitzer und der Gehilfenorganisation Schweizerischer Typographenbund beschlossen, es sei als drin- gendes Bedüriniß des Gewerbewesens zu erklären, daß ein schwei- zerisches Gewerbegesetz die Bildung obligatorischer Syndikate »ach folgenden Grundsätzen ermögliche: 1. Die Mehrheit der Ge- »offen eines Gewerbes kann die Bildung eines obligatorischen Syndikates beschließen. 2. Kein Gewerbe kann durch das Gesetz zur Bilvung eines obligatorischen Syndikates verhallen werde». g. Jedes Gewerbe giebt sich selbst die bezügliche Gewerbeverfassung, vorbehältlich ihrer Genehmigung durch die Bundesbehörde». 4. Die Verordnungen der obligatorischen Syndikate habe» Gesetzes- kraft. 5. Obligaiorischen Beruisgenossenschasten liegt die Sorge sür den Unterhalt der arbeitslosen Berufsgenossen ob. Zur Ver- wirkltchung dieser Forderungen haben sich die Borstände der beiden Vereine mit einer Eingabe an die Bundesversammlung zu ivenden. Ueber den Streik der BanmwoNfPinner Laneashire» theilt die Londoner„Allg. Corresp." mit. daß am Sonnabend in Manchester eine Delegirlen Versammlung der Arbeiter stattfand, in der der Vorsttzende Ashton erklärte, daß nach den mit den Vertretungen der Fabrikanten gepflogenen Verhandlungen der gegenwärtige Streit zu einem Ende kommen könnte, wenn die Arbeitt.' einen Kompromiß anböten. Der Vorsitzende erklärte als die von vielen Uuparteiischen und Fabrikanten gebilligten Vergleichspunkte die folgenden: 1. 2l/2 pCt. Lohnermäßigung; 2. Aushebung der Lohnkürzung nach Aolauf von drei Monaten, wenn die Handelslage es gestattet, wobei für„befriedigende Handelslage" in gemeinschaftlicher Berathung eine Entscheidung festzustellen ist; 3. bei ungenügender Handelslage nach drei Mo- nalen Fortdauer der 2l/s pCt. Lohnkürzung Aufhören jeder ver- einbarten Lohnherabfetzung, sobald sie die Lage des Handels gestattet.— Diese Vorschläge wurden von der Delegirtenversamm- lung mit großer Majorität angenommen. Auch wurde die Er- höhung der Streikgebühr um 1 Sh. beschlossen, falls dies sür nöthig erachtet werden sollte. Ouittnng über bei der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands in der Zeit vom 3. bis 16. Februar 1893 eingegangene Gelder. Oberstinzel, L. Schäffer 1,—. Quartalsbeitrag(1., 2. und 3. Quart. 92) des Vereins deutscher Zigarrensorlirer 75,56. Quar- talsbeitrag(3. und 4. Quart. 92) des Vereins der Heizer und Trimmer Altonas 44,76. Quartalsbeitrag(1. Quart. 93) des Zentralvereins der Plätterinnen 5,—. Quartalsbeitrag(4. Quart. 92) des Zentralvereins der Frauen und Mädchen Deutschlands 16,56. Quartalsbeilrag(4. Quart. 92) des Zentral- Vereins deutscher Former 76,—. Quartalsbeitrag(8. Quart. 92) des Verbandes der Posamenten-Arbeiter 26,55. Zur Deckung des Defizits sind eingegangen: Zentralverein deutscher Former 166,—. Zentralverband der Brauer 46,—. Verband deutscher Zimmerer 837,86. A. D a m m a n n, Kasstrer, Haniburg, Zollvereinsniederlage, Wilhelmstr. 13, 1. Et. VevsemunUmgen: Eine öffentliche Brauer-Bersammlnug, die am Sonntag tagte, beschäftigte sich mit einer an den Bundesrath zu sendenden Petition, welche sich gegen das namentlich in diesem Geroerbe derrschcnde Hebel der Sonntagsarbeit wendet. Diese Petition, welche die einstimmige Billigung der gntbesuchten Versammlung fand, hat folgenden Wortlaut: „Die am 19. Februar in den Arminhallen tagende öffentliche Versammlung der Brauer und Mälzer(Arbeitnehmer) von Perlin und Umgebung sieht sich veranlaßt, in anbelrachl der Ausführungs- bestimmungen laut§ 105a, 105g und 146ü der Gewerbe-Ordnung für das Deutsche Reich, betreffend die Sonnragsruhe auch in den Brauereigeiverben, einem hoben Bundesrath folgende Details über den inneren Brauereibetrieb zur gefälligen Kenntnißnahme zu unterbreiten. Der Gesammtbetrieb einer Brauerei zerfällt 1. in den Mälzereibetrieb, 2. in den Sudhausbetrieb, 3. in den Gäickeller- betrieb, 4. in den Lagerkellerbelrieb. 1. Die Arbeit in den Mälzereibetrieben(Malzfabrikation) wird zum größten Theil von den Interessenten(Arbeitgebern) derartig hingestellt, daß eine Unterbrechung auch Sonntags nicht stattfinden könne, weil der Mälzereibetrieb nur bei kalter Jahres- zeit möglich, und um den ununterbrochenen Betrieb ausrecht zu er- halten, es absolut nothwendig sei, daß das Weichen des Getreides, das Miedern(Wenden) des Malzhanfens, sowie das Darren des ausgewachsenen Getreides des Sonntags in demselben Umfange vorgenommen werden müsse, wie des Wochenlage?. Den Gegen- beweis hierfür liefert die Bergschloßvrauerei Hasenhaide, in welcher des Sonntags in den Mälzereibetrieben nur die Arbeit des Haufen-Wieder» vorgenommen wird, zu welcher Arbeit nur wenige der werktäglich beschäftigten Arbeiter und auch diese nur einige Stunden nöthig sind, hingegen das Darren des aus- gewachsenen Malzes und das Einweichen des Getreides Sonntags ganz fortfällt. 2. Im SudhatiSbetrieb ist jede Brauerei in der Lage, durch die vorzüglich technischen Einrichtungen in den Wochentagen so viel Bier zu brauen, daß schon Sonnabend Nachmittags der Be- trieb eingestellt werden kann. Den Beweis hierfür liefert die Vikloriabrauerei, Lützowstraße, und die Gräflich Reischach'sche Brauerei Stralau-Rummelsburg, in welchen am Sonnabend Nach- mittag 6 Uhr bis Montag früh 6 Uhr der Sudhausbetrieb voll- ständig still steht. Es läßt sich somit in jeder Brauerei einrichten, daß Sonntags in diesem Betriebe überhaupt nicht gearbeitet werden braucht. 3. Auch der Betrieb im Gärkeller ist durch die vollständige Arbeitseinstellung des Sudhausbetriebes an Sonntagen der- artig zu regeln, daß die Arbeit bis auf das Beobachten der Temperatur der in Gärung befindlichen Biere ein- geschränkt werden kann, was höchstens die Arbeitskraft eines Mannes aus iVj bis 2 Stunden in Anspruch nehme» dürste. Den Beweis hierfür liefert die Böhmische Brauerei, Landsberger- straße. 4. Die Arbeit im Betriebe des Lagerkellers würde so wie so vollständig fortfallen, wenn das Aussahren deS Bieres an Sonn- lagen als unter die Bestimmungen betreffend die Sonntagsruhe im Handelsgewcrbe fallend, vollständig verboten würde, indem jedem Gastwirth die Möglichkeit geboten ist, schon Sonnabends seinen Bierbedars für den Sonntag zu decken. Den Beweis hier- für liefert das Bürgerliche BrauhauS, Inhaber Otto Müller, Neue Königstraße, wo Sonntags überhaupt kein Bier ansgefahren wird, und darum wede� im Lagerkeller-Betrieb noch in anderen Betrieben der Brauerei Sonntags gearbeitet wird. Aus obigen Ausführungen ist zu ersehen, daß es sehr leicht möglich ist, die Sonntagsarbeit in den Betrieben der Brauereien zum Theil ganz abzuschaffen, und bis aus ein Minimum zu be- schränken. Da die angeführten Brauereien fast nur zu den mittleren und kleineren Berlins gehören, ist es den größeren Brauereibetrieben auf Grund ihrer besseren technischen Ein- richtungen noch weit leichter, die Sonntagsruhe vollständig in ihren Betrieben einzuführen. Es ist Thatsacke, daß in früheren Jahren, wo in den Brauereibetrieben noch incht die vorzüglichen technischen Einrichtungen waren, wo dieselben noch zu den Klein- betrieben zählten, bereits die vollständige Einstellung der Arbeit an Sonn- und Festtagen elngeführt war, erst seit die Brauerei- betriebe in kapitalistische Unternehmungen umgewandelt sind, hat die Ausbeutung der Arbeitskräfte sich auch auf die Sonntage ausgedehnt, so wird z. B. in mehreren größeren Brauereien Süddeutschlands noch 12 bis 14 Stunden gearbeitet. Ein hoher Bundesrath wolle nun in Erwägung des vorn angeführten Beweismaterials den Arbeitern in den Brauerei- verrieben Deutschlands den Schutz des§ 105b der Gewerbe- Ordnung für das Deutsche Reich in vollem Umfange zu Theil werden lassen, und die Eingabe der Brauereien auf Verlängerung der Sonnlagsarbeit ablehnen." Einstimmige Annahme fand ferner folgende Resolution:„Die heutige öffentliche Brauerversammlung erklärt sich in Betreff der Boykoltsrage mit dem Borgehen der Streik- Kontrollkommission einverstanden." Nach Erledigung einer auf die Krankenkasse be- »ugiichen Angelegenheit wurde darauf die Versammlung ge- Verein shemaliger Sad- Schmiedeberger und Umgegend. Mittwoch, den 22. Februar, Abends 8% Uhr, tm Restanrant Karl Boigt, Raiserstr. 11, Hof 1 Tr.: Versammlung. Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner u Berlin. Mittwoch. ben 22. Februar, Abends 8% Uhr, große Versammlung mit Damen in den Arminhallen, Kommandantenstr. 120. Tagesordnung: Vortrag des Landsmanns Böteführ über:" Glas- Industrie". Allgemeiner Arbeiterinnenverein Berlins und Umgegend, Heute, Mittwoch, den 22. Februar cr., Abends 8% Uhr, bet Säger, Grüner Weg 22: Große Generalversammlung. Tagesordnung: Wie stellen sich die Mitglieder aur Auflösung des Vereins? - Otto Klub der Wanderfreunde. Jeden Mittwoch Versammlung der Mitglieder des Touristenvereins klub der Wanderfreunde" im Rosenthaler Klubhaus, Rosenthalerstr. 11/12. Arbeiter- Bildungsschule. Mittwoch, Abends 8%-10% Uhr: Süd= Schule, Hagelsbergerstr. 43: Unterricht in Geschichte( alte); Süd- Ost, schule, Reichenbergerstr. 133: Unterricht in Deutsch( oberes, Logit), Rechnen ( unteres). Nord- Schule, Müllerstr. 179 a: Unterricht in Deutsch( mittl. und unt.), Mathematit und mathematische Geographie. In allen unter: richtsfächern, mit Ausnahme Mathematit und Buchführung, tönnen noch Schüler und Schülerinnen, auch jezt im Laufe des Semesters, eintreten. Lese- und Diskutirklubs. Mittwoch. Vereinte raft, Abend 8% Uhr, bet Klein, Schönleinstraße 6. Johann Jacoby, bei Frig Slegte, Schwebterstr. 33. Seine, jeden Mittwoch vor dem 1. und 15 jed. Monats, Ab. 8% Uhr, tm teftaur. Grube, Mariendorferstr. 10. Gesund brunnen, Abends 8½ Uhr, bet Saferland, Bellermannstr. 87. Gleich hett, Abends 8% Uhr bei Stramm, Ritterstraße 123. Seine, Nixdorf Abends 8% uhr, bei Schmidt, früher Albrecht, nesebecstr. 82. Seimer jeden Mittwoch bei M. Brosch, Wilhelmshavnerstraße 23. Arbeiter- Sängerbund Berlins und Amggegend. Alle Aenderungen tm Bereinstalender sind zu richten an Friedrich Kortum, Manteuffelstr. 70. Arbeiter- Sänger- Bund Berlins und Umgegend. Mittwoch. Uebungss stunde Abends 9 Uhr, Aufnahme von Mitgliedern. Liedesfreiheit 1, Andreasftr. 26, bet Schiamacher. Freya,( Gem. Chor), Alte Schönhauser Straße 22-23, Böhow's Braueret. Silaritas, Hochstraße 32 a, bet Wilte.- Deutsche Eiche, Blumenftr. 46, bet Went. Echo 1 Bankow, Schulzeftr. 27.- Gefango. der Steinmegen, Johannisstr. 20, bei Müller. 2yra 1, Raupachstr. 6, bei Stachel.- Euphonia, bei Elhaus, Brückenstraße 2. Hand in Hand 1, Reichenbergerstraße 16 bei Pagoldt. Schneeglöd chen 2, Potsdam, Brandenburger Rommunitation 16, bei Glaser. unverbroffen, abends 8% Uhr, bei Sachs, Lindowerstr. 26. Flöter'scher Gesangverein, Koppenstraße 43c, bei Lorenz. Rütli, Friedenau im Kurhaus. Borwärts 5, Friedrichshagen, Rundtheil, bei Lerche. Freundest reue( Gemischter Chor), Landsbergerstr. 31, bei Sechausen. 2 orbeertranz, Lichtenbergerstr. 21 bet Heise. Südost, 1. Röpniderftr. 191, Restaurant. Hoffnung 1, Friedrichsberg, Friedrich Karlstraße 34, bei Schulze. Rothe Nette, Schöneberg, Golzftraße 43, bet Siegeler. Gefangverein der Kupferschmiede, Weinftraße 11 bei Feind. Bergißmeinnicht, Schulstraße 29, im Wedding= Kasino. Concordia", Dieffenbachstraße 53 bei Holz.„ Deutscher Männerfang", Belforterstraße Nr. 15, bei Schneider. Gefangverein oto sblume, Alte Jakobfir. 96-97, bet Fial: fowsty. Gesangverein Freiheitstlänge, Alte Jatobstraße 68. Männer- Gesangverein ibertee 1, Cuvryftraße 24, bei Ttelsch, unverzagt Langeftr. 65 bet Tempel. Gefangverein 2 orbeertranz 2. Dranienstraße 190 bet Katsch. · Gesangverein Liebeslust in Fürstenwalde bet Haupt, Müncheberger Chauffee.- Sängerchor der Maler, Stall" bei Weidner. Gesang Verein Zitania", Cuvrystraße 48 bei Seidler. Gefangverein Gangesblüthen Blumenftr. 88 bei Hente. Gefangverein Moabit, Wilhelmshavenerstr. 23 bei Kuba. Männer Gefangverein iederlust, Fichteftr. 29 bet R. Krösche. Gesangverein Gesangverein Gleichheit", Bappel Allee 3-4 bet A. Meinhardt. " Byra 3", Brig, Werderstraße 15.- Gefangverein Freiheitstiänge 2" Eberswalderstraße 5. Seeger'scher Gesangverein, Krautstr. 6 bei Rudolf. Arbeitergesangverein von Bris in Briß, Werderstraße, Restaurant Bermärts( Nixdorf), Hermann- und Wanzlidftraßen- de bei Rober. Ding Don der Welt, daß daß die Angeklagte gestohlen Rauchflub Gtferne fetfe, Eriftftr. 1 bet Hoffmann.- Sumoristischer haben könne." Der Prediger von Sprockhövel meinte sogar: Rauchflub, Görligerftr. 42 bei Bicht. Geselliger Verein Brüderlich teit, Georgentirchstr. 14 bet Preuster, Abends 8 Uhr. Alle anständigen Leute halten die wohlhabende Dame teines Gesang-, Turn- und gefellige Vereine. Mittwoch. Gefangverein Diebstahls fähig, nur der Pleb 3 hält so etwas für denkbar." Knospe, Abends 9 Uhr, im Restaurant Wahlstatt, Belle- Allianceſtraße. Musikverein Vorwärts, Abends 8 bis 10% Uhr, Rangestraße 108 Nach Angabe der Angeklagten soll die Schürze an den„ Sicherbei Nebelt n. Männer- Gesangverein Waldtapelle 2, Abends 9 Uhr, heitsnadeln" des Mantels hängen geblieben sein. Allein durch Restaurant Kanser, Staligerstr. 22. die Belastungszeugen wurde mit aller Bestimmtheit erklärt, daß Turnverein Hoffnung, Abends 9 Uhr, im Restaurant Schröder, Man: die Schürze vollständig unter dem Mantel verschwunden und teuffelstr. 9.— Kraftturnverein Jugendfraft, jeden Mittwoch und Sonnabend 9-11 Uhr Abends bei Lade, Beughofstr. 8. Turnverein Gesund- im zerknitterten Zustande wieder zum Vorschein gekommen war. brunnen. Die 2. Männer- Abtheilung furnt heute von 8%-10% Uhr Abends Die Staatsanwaltschaft hielt deshalb die Schuld der Angeklagten in der Turnhalle, Freienwalderstraße 39.- Kraftturnverein Berolina, als außer Zweifel stehend und beantragte Verwerfung ihrer Abends 9 Uhr Uebungsstunde bei Faustmann, Reichenbergerstraße 73a. Der Vertheidiger meinte dagegen, es sei Athletenverein Atlas, Abends 9 Uhr, Uebungsstunde, Universum, Berufung. Brunnenstr. 119. oft ganz wunderbar, wie sich so ein Ding( die Theater- und Vergnügungs- Verein Humanitas Abends 9% Uhr bei Das Gericht sprach die Angeklagte Reed, Lothringerftr. 94. – Theaterverein„ Bultania 2", Abends 9% uhr, Schürze) verhaken könne." Bergstr. 12, Restaurant Rehliz.- Bühnenverband Othello, Abends 9 Uhr, frei, indem es zwar anerkannte, daß die thatsächlichen Fest= Restaurant Lothringerstr. 101. Geselliger Bergnügungsverein Regia, Abends 9 Uhr, im Restaurant stellungen über die Vorgänge im Laden wohl gegen die AnSommer, Grünstraße 21. Kreuzfibel, bet Gumlich, Reichenberger- geklagte feien, daß aber bei ihr feine Neigung zu strafbaren ftraße 149.- Fidele Brüder, bei H. Mrose, Lachmannstr. 5.- Touristen- Handlungen orauszusehen sei, auch in ihren guten Ververein Frei Weg", Abend 9 Uhr bei Siedlutad, Manteuffelstr. 86. mögensverhältnissen tein Motiv für einen Diebstahl vorliege." Bergnügungsverein uftig- Froh, Mittwoch 9 Uhr, Märkischer Hof, Ganz richtig charakterisirt die Elberfelder Freie Presse" Admiralstr. 18c. Gigung. Wenn dieses richterliche Urtheil, indem sie ausführt: Rauchflub Roochloch, Abends 9 Uhr, bei Kierstein, Admiralstr. 33. Rauchtlub assalle, Abends, bei Lock, Friedrichsbergerstr. 11.- Rauchtlub ohne diese Voraussetzungen teine Unredlichkeit möglich ist, Rothe NeIfe, bei Steuer, Weinstr. 22.- Humoristischer Rauch= dann sind auch gewiß die reichen angesehenen Leute im Panamatlub, Abends 9 Uhr, bei A. Niemann, Görligerstr. 42. Rauch flub Sans: fouci, Boechstraße 51.- Rauchtlub Ohne 3wang, Abends 9 Uhr bei Prozeß zu Paris alle unschuldig und nur der Plebs" tann beSpäth, Weinstr. 28.- Rauchtiub Grüne Quaste, abends 9 uhr, bet haupten, daß auch reiche Leute stehlen können." Schlüter, Kleine Markusstr. 10. Rauchklub Vultan, Abends 9 Uhr bei Bittler, Mariannenstr. 48.- Rauchtlub Goldene Quaste", Abends 9 Uhr bei Muß, Josiystr. 8. Rauchtlub gutgesinnter Freunde, Abends 8 Uhr bei Neumann, Höchstestr. 28. Rauchklub Schmotes- Werke, Rauchtlub Röpentckerstraße 121a bei Schöbel. Vorwärts GD." Waldemarstraße 74 bei George. Humoristische Pfeifenbrüder Abends 9 Uhr, Klosterstraße 83, beim Genoffen W. Salzwedel. Rauchklub Deutsche Eich e, Abends 9 Uhr bet John, Waldemarstr. 52. Stattlub Treff, Abends 8% Uhr, bei Otto 3abel, Frankfurter Allee 90. 1 " Vermischtes: Ein Deichbruch hat die Gegend von Ohla u in Schlesien heimgesucht. Die Dhle und die Oderniederung stehen unter Wasser; oberhalb Briegs hat eine folossale Eisversehung stattgefunden. Briefkaffen der Redaktion. W. B. Schillgallen gehört zum Wahlkreis Tilfit- Niederung. Im übrigen erkundigen Sie sich beim Parteivorstand. Briefkaffen der Expedition. Für die Bergarbeiter gingen ferner ein: Ueberschuß der Tellersammlung der Graveure und Biseleure 1,45. Lokalverband der Zimmerer von Weißensee, Ueberschuß vom Stiftungsfest 6,50. Durch die Streit Kontrollkommission: 1. Rate der Böttcher Berlins durch Gumpel Liste 251-, 85. Liste 252 3,35. Liste 256 1,50. Liste 257 1,80. Liste 258 4,30. Liste 254 1,50. Lifte 260 2,50. Liſte 261 2,-. Liſte 262 1,65. Liste 263 1,20. Lifte 264 3, Liste 265 1,70. Liste 266 2,-. Liste 267 5,25. Lifte 268 16,10. Liste 269 1,75. Lifte 270 2,25. Liste 272 6,-. Lifte 273 3,-. Liste 274 2,95. Liste 275 3,80. Liste 271 1,50. Liste 277 3,90. Liste 278-75. Lifte 279 1,50. iste 280 3,50. Liste 281 1,65. Liste 283 2,50. Liste 285 12,50. Liste 383 2,10. Ziste 384 3,-. Liste 385 1,25. Liste 386-, 50. Liste 387 4,50. Siste 388 1,50. Lifte 390 2,50. Liste 391 1,50. Liste 392 3,75. Liste 393 6,30. Liste 394 2,50. Liste 395 4,50. Liste 396 3,50. Liste 10 5,80. Summa 147,40 m. Bereits quittirt 11 449,35 Mark; in Grubenunglück. In der Kohlengrube zu Stalis ist, wie schreiberstraße 29 zum eichenen Stab. Freiheits- Gruß, Schönhauser aus Graz gemeldet wird, am Montag eine Explosion schlagender Allee 46 bei Buffe. Gefangverein" offnung 3", Brandenburg a. Wetter erfolgt. Bisher find 87 Todte aufgefunden worden. Sieben Arbeiter sind schwer, sieben leicht verletzt. Weitere sieben Arbeiter werden noch vermißt. Klemmomanie oder Kleptomanie? Die wohlhabende Frau Ferdinand Schmidt in Sprockhövel hatte beim Einkauf eines jeidenen Tüchelchens eine seidene Schürze unter ihren Mantel verschwinden lassen. Das Schöffengericht zu Barmen verurtheilte sie deshalb wegen Diebstahls zu 14 Tagen Gefängniß. Gine reiche" Dame" wegen Diebstahls verurtheilt! Das war Mittwoch: Rauchtlub Frisch auf, Fürstenwalderstr. 12 bet Schulz. Pollack Klub Lustige Brüder, Manteuffelstr. 46 bei Liewald. Feuer im Dach bei den anständigen Familien" in Sprockhövel. Theaterverein Proletariat, Naunynstr. 83 bei Röhn. Geselliger Es wurde daher Berufung eingelegt und eine große Menge Summa 11 596,75 m. Berein Fridolin, Brunnenstr. 35 bei Wolff. Privat- Theater- Verein Schutzzeugen, darunter alle reichen Basen der VerwandtDurch Nacht zum Licht, Dresdenerstr. 116 bei Gründel. Touristen= Flub Nachtfalter, Frankfurter Allee 66 bei Burmann. Tambourverein schaft, rückten heran, um zu erklären, es sei das unmöglichste Schöneberg. Bund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend.( Bu schriften find zu richten an B. Sentel Bergmannstraße 21 of Verlag des ,, Vorwärts" Berliner Volksblatt Berlin SW., Beuthstraße 2. Soeben erschien: Heft 37 der Reden und Schriften Ferd. Lassalle's ( Vollständig in ca. 50 Heften à 20 Pf.) Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen, Zeitungsspediteure und Kolporteure entgegen. Dr. Thompson's Seifenpulver ist das beste und im Gebrauch billigste und bequemste Waschmittel der Welt. Nicht zu verwechseln mit geringwerthigen Nachahmungen, die in neuerer Zeit unter den Namen ,, Seifen- Extract" 2c. angeboten werden. Gefärbt wird 3510L Mechanische Weberei für 2,50 bis 3,00 Mark Telephon 108. 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Antrag: Zahlung der Feiertage, welche auf einen Wochentag fallen. Um 11 Uhr: Versammlung sämmtlicher Vertreter. Tagesordnung: 1. Vorlage und Abnahme der Jahresrechnung 1892. 2. Bericht über das Statut und Erhöhung der Beiträge von 45 Pf. auf 48 Pf. wöchentlich. 3. Vorlage über die Krankenaufsicht und Mahngebühren. 1449b Der Vorstand. Allen Genossen empfehle mein Blumengeschäft nebst Kranzbinderei. A. Krause, Wienerstraße Nr. 11. Resterhandlung. 66. Achtung! Kein Laden. Billig Reste zu Knaben- Anzügen von Nur eigene Fabritation, 25 Zigarren 1 M. Große Anzüge von 7 M. an 1 Mart. Garantie rein amerikanische Görligerstr. 43, Reinickendorferstr. Sa. Potsdam: Nanenerstr. 18. T. M. Retzlaff, Brückenstr. 6( Jannowitzbrücke). 66. 37082* Betten-, Bettfedern- und bis zum feinsten Kammgarn, auch paff. Tabake. Rippentabak 2 Pfd. 60 Pig. Daunen- Handlung En gros. En detail. Spezialität: Mikado- Federn und Daunen. Theilzahlung gestattet! Bettenreinigung mit Dampfbetrieb. zu Einsegnungs- Anzügen. 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