Nr. IN. B6onn«nentS'Bc ZeitungS. Preisliste. Unter Krcugband stir Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, fiir das übrige Ausland S Marl pro Monat. PastabonnementS nehmen an: Belgien. DSnewarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Siumini««, Schweden und die Schwei» 25* Jahrg. Crfchdat täflili ultr Bntaak Berliner Volksblnkk. Zentralorgan der rozialdemohratifcben Partei Deutfchlanda. Die InlerHonS'Grtffljr »etrSgt für die sechSgespaltene KolonÄ- geile oder deren Raum M Pfg., slir politische und gewerlschastliche LeremS» und VeisammlungS. Anzeigen M Psg. «Aieine Snretgen", das erste(sett- gedruckte) Wort 20 Psg, jedeS weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf» ftellen-Anz eigen das erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 1B Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittag; in der Expedition ■(gegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöffnet, relegramm- Adresse: «SttlaldtinoliKt BtrlliT. Redaktion: SA. 68, Lindenetraeac 69. Fernsprecher: Amt IT, Sir. 1983. Sxpeditiom SA. 68, Lindenetraaee 69. Fernsprecher:»mt IT. Nr. 1984. / Zaurö; über sie Gcncralltreik taWik. Paris, 4. August.(Eig. Ber.) In der„Humanitö" veröffentlicht heute Genosse Jaurss Betrachtungen über den gestrigen Generalstreikversuch, die bo sonders jenen Parteigenossen, denen die besonderen stanzöst schen Verhältnisse, namentlich die Situation der sozialistischen Partei innerhalb der Arbeiterbewegung Frankreichs, nicht be tannt ist, in mancher Beziehung interessant erscheinen werden. Nachdem er ausgeführt hat. daß es der Regierung unmöglich ist, die Verbindung der Gewerkschaften, wie sie sich in der Konföderation darstellt, zu vernichten, fährt er fort: „Ebenso wenig wie man das Proletariat in seiner all gemeinen Organisation treffen kann, wird man den r e v 0. lutionären Syndikalismus treffen und in seinem Kern zerstören können, das heißt das Streben nach dem Endziel(revendication integrale, freier etwa mit „Endziel" zu übersetzen), das von nun an die ge> lverkschaftliche Bewegung beseelt. Was den revolutionären Syndikalismus eigentlich charakterisiert, ist nicht die An Wendung dieser oder jener Mittel: es ist die dem Proletariat vermittelte Idee, daß jeder Versuch einer teilweisen Befreiung seinen Wert von der vollständigen, vollendenden Tat empfängt; es ist der Entschluß, die bürgerliche Gesellschaft endlich zu zwingen, vor der Macht der stufenweise entwickelten Lohnarbeiterschast zu kapitulieren; es ist die Ueberzeugung, daß endlich der Tag kommen wird, wo die Macht der kollektiven Arbeitsverweigerung dazu beitragen wird. dckvch die kombinierte Wirkung der gewerkschaftlichen und politischen Aktion jenen letzten entscheidenden Augenblick einer langen Arbeit herbeizuführen, wo sich die Evolution in der Revolution vollendet. Es ist die Ehre dieser so viel verleumdeten und verfolgten Arbeits konföderation, diesen Geist verbreitet, diese Denkweise bis in die gewerkschaftliche Aktion getragen zu haben. Frivol sind diejenigen, die, getäuscht durch vorübergehende und unvermeid liche taktische Irrtümer, durch vorübergehende Schlappen und unvermeidliche Unsicherheiten, nicht die allgemeine Größe dieses Werkes sehen, seine Fruchtbarkeit nicht begreifen." Im weiteren führt Jaures aus, daß eine solche Aktion eine mächtige, feste Organisation voraussetze, die die Konföde ration davor behüte, sich auf Unternehmungen einzulassen, denen ihre Kräfte noch nicht gewachsen seien und die mit Enttäuschungen oder kindischen Gewalttätigkeiten enden.„< war die Schuld einer unzureichenden Organisation, daß das Proletariat der Revolteverfuche einiger durch die voran gegangenen Morde und durch die Brutalitäten der Stunde aufgeregten Gruppen nicht Herr werden konnte. Die Tage des Schmerzes und in mancher Hinsicht auch der Eni' täuschung, die hinter unsckiegen, sind nicht unfruchtbar gewesen. Sie haben, trotz alledem, die Machthaber gewarnt, daß sie sich nicht ohne Gefahr noch einmal auf den Weg des BluV vergießens begeben können. Sie haben bei den Korporationen, die bis jetzt die abgeschlossensten und engherzigsten schienen, wie bei den Buchdruckern, einen Geist der proletarischen Ge meinschaft und des gemeinsamen Kampfes enthüllt, der die Herrschenden zum Nachdenken bringen wird. Sie haben aber zugleich auch dem Proletariat die Grenzen seiner jetzigen Macht, die Unzulänglichkeit seinex Organisation fühlbar gemacht. Nicht Fanfaronaden werden uns retten, sondern die männlich an- erkannte, bittere Wahrheit." Auf die perfiden Angriffe der Bourgeoisblätter, daß er selbst nicht in Draveil gewesen sei, antwortet Jaurös, daß die sozialistischen Abgeordneten sich nur dann in ein Streik- gebiet begeben, wenn sie das Proletariat selbst dahin rufe. Die Konföderation aber scheide die Politiker systematisch von ihren Bewegungen aus. Möge sie recht oder unrecht haben, es sei nicht Sache der Abgeordneten, den Gewerkschaftern eine Hilfe aufzudrängen, die sie nicht begehren. Aber Recht und Pflicht der Sozialisten sei es, vor der denkenden Arbeiterklasse und vor ihrem Gewissen die Frage auf- zuwerfen, die das Ergebnis dieser bewegten Tage sei: „Wie kann das französische Proletariat die gewerkschaftliche Macht erringen, die notwendig ist, damit die große Aktion der Konföderation mit der möglichsten Wirksamkeit, ohne un- vorgesehene Einmischung von blinder Gewalt und ohne Schwäche vollbracht werde?" Die Ausführungen Jaurös' sind ein Ausdruck der un- leugbaren Tatsache, daß die geeinigte Partei von einem großen Teil der revolutionären Arbeiterschaft nicht als Organ des proletarischen Klassenwillens angesehen wird. Diese Tat- fache, die dem ausländischen Sozialisten, der die Million sozialistischer Wähler und die 50 sozialistischen Deputierten im Auge hat, verwunderlich erscheinen mag, ist teils das Produkt tief in der Vergangenheit wurzelnder revolutionärer Sekten- traditioncn, teils die Folge der Entftemdung, die zwischen den Arbeitermassen und den sozialistischen Parlamentspolitikern ein- getreten ist.�als ein großer Teil von diesen in der D r e y f u s- krise die Führung der antiklerikalen Demokratie übernahm. Die Frage nach der Berechtigung jener Taktik soll hier nicht aufgerollt, sondern es sollen nur die historischen Uinstände angedeutet werden, unter denen die aufstrebende Gewerkschaftsbewegung den anttparlamentarischen Elementen einen günstigen Boden bot und in einen Gegensatz zur Poll- tischen Partei geriet. Bekanntlich hat der strenge Syndikalis- mus jetzt auch innerhalb der geeinigten Partei einen Anhang, weit größer aber ist die Zahl der Parteigenossen, die mit Jaurös den intellektualistischen Reformismus und den reli- giösen Generalstreikmythus vereinigen und im übrigen auf die Entwickelung vertrauen, die aus der Konföderation die an- archistische Schlacke ausscheiden und eine große, auf gewerkschaftlichem Boden arbeitende Arbeiterpartei bilden werde, etwa so, wie sich, aus anderen Verhältnissen, die englische Arbeiterpartei entwickelt hat. Nur scheint es mit dieser Auffassung der den Sozialisten gegenüber den GeWerk- schaften ü b e r a l l als Pflicht geltenden Nichteinmischung doch nicht recht zu stimmen, daß Genosse Jaurös zum. Schluß den Sozialisten die Aufgabe, stellt, die Mittel zur Stärkung der Konföderation zu erwägetl. Denn dazu würde doch auch die Erörterung gehören, ob die bisherige Tattik der Kon- föderation geeignet war, die noch zögernden Massen des Proletariats heranzuziehen und ob die Parteigenossen, die der Konföderation angehören, zum Beispiel auf den Gewerkschaftskongressen ihren Einfluß zugunsten einer dieser Aufgabe entsprechenden Taktik geltend machen sollen. Wie die Dinge heute liegen, werden viele Konföderierte die von Jaurös für notwendig gehaltene Parteidiskussion ebenso als eine unerbetene Einmischung betrachten wie die Intervention der Politiker bei Streiks. Die Gruppierung gewerkschaftlicher Kräfte zu einer Zeit, wo viele Sozialisten den Sieg ihrer Sache von einer Erleuchtung der Demokratie erhoffen, ist sicher eine geschichtliche Leistung des. Klasseninstinkts, der in den Gründern der Konföderation bei allen sektiererischen Neben- absichten doch wirksam war. Aber wenn es Recht und Pflicht der geeinigten Partei sein soll, für das weitere Wachstum der Gewerkschaften zu wirken, kann dieses Recht und diese Pflicht, sobald Parteigenoffen die kritische Sonde an ihre bis- herige Tattik legen wollen, zur—.Frivolität" werden? Die Qmwetimng des Zentrums. Das Zentrum wird wieder von der konservativen Presse mit verliebten Kokottenblicken umworben. Zwar können die Konservativen über ihre liberalen Blockgefährtinnen nicht klagen, besonders die freisinnige Konkubine zeigte sich bisher nach halbverschämtem Lächeln noch immer zu dem größten Entgegenkommen gegen die konservativen Ansprüche bereit: aber lieber als mit den Liberalen machen die Junker doch mit den seelenverwandten und gleichfühlendcn Vertretern der Partei für„Wahrheit, Freiheit und Recht" Politik. Vor- nehmlich jetzt, wo die Reichsfinanzreform den politischen Horizont umwölkt. Haben die Freisinnigen auch längst darauf verzichtet, direkte Reichssteuern durchzudrücken, so wenden sie sich doch aus Rücksicht auf die kapitalkräftigen Elemente ihrer Wählerschaft allen Steuerplänen widersetzen, die die Börse und Banken, die Brauindustrie und die Dividendenempfänger treffen, und vielleicht auf eine beträcht- liche Erweiterung der Reichserbschaftsteuer drängen. Vom Zentrum ist, da seit der letzten Reichstagswahl in seinen Reihen die ländlichen Grundbesitzer und der hohe Klerus ent- schieden an Einfluß gewonnen haben, solche Sprödigkeit nicht zu befürchten. Und dann wenn im Block die liberalen Parteien auch keine liberalen Gesetze durchzusetzen vermögen, so sind doch die Konservativen daran gehindert, eine rein vom Jnteressenstandpunkt des Großgrundbesitzes diktierte Politik zu treiben: und gar zu gerne möchten sie den mannigfachen Vorteilen, die sie in den Jahren 1903/03 mit Zentrmnshilfe errungen haben, einige weitere Staatsdotationen anreihen. So sucht denn die konservative Presse durch zärtliches Girren das Zentrum wieder zu der bekannten gemeinsamen Arbeit im Dienste des Vaterlandes heranzuziehen, indem sie den Zentrumsführern versichert, daß eine so weise, berechtigte und tief im gesunden Boden des deutschen Volkstums wur- zelnde Partei wie das Zentrum sich nicht dauernd ausschalten lasse, und daß, wenn das Zentrum nicht mitarbeite an den höheren Aufgaben des Reiches, es sich an sich selbst versündige. Den Liberalen, die sich noch Verständnis für das bunte politische Getriebe bewahrt haben, wird schwül bei diesem Liebeswerben. Und da sie in sich selbst nicht die Kraft fühlen, den der Scheidung zustrebenden Blockgefährten im Konku- binatsverhältnis festzuhalten, so wenden sie sich an den Fürsten Bülow um Hilfe, indem sie ihm in ihren Blättern auseinandersetzen, daß, wenn der Block auseinanderfällt, seine Kanzlerschaft mit Sicherheit nachpurzelt, da das Zentrum für den 13. Dezember 1906 blutige Rache nehmen werde. Mit verschränkten Armen steht das Zentrum und sieht sich das Girren der einen und das Angstgestammel der anderen an. Es hat nicht die Absicht, sich dem lockenden Ruf der Konservativen zu entziehen. Der hohe Klerus sähe aus Gründen der katholischen Kirchenpolitik recht gerne, wenn das Zentrum bald wieder in seine frühere Stellung als Re- gierungspartci zurückkehrte und für seine Nachgiebigkeit auf steuerpolitischem Gebiet kirchenpolitische Profite eintauschte. Aber noch kann das Zentrum warten. Kommen mutz ihm schließlich die vom Junkertum beherrschte Regierung doch, und je länger es sich sträubt, desto begehrenswerter wird es. So stellt sich den» die Zentrumspresse, als wenn ibr im Grunde das girrende Liebeswerben der Konservativen ganz gleichgültig wäre. Mit der züchtigen Anmut der Jungfrau von vierzig Lenzen schreibt z. B. die„Germania": „Die sommerlichen Erörterungen über die„Umwcrbung" des Zentrums durch die Konservativen bereiten den Liberalen sichtlich bange Sorgen. Sie werden dadurch wiederum lebhaft daran erinnert, wie schwach es doch um die ganze Blockherrlichkeit und ihre Macht im Block bestellt ist, und wie viel Grund zur Bescheidenheit sie haben. Wir unsererseits stehen den Erörtc- rungen kühl gegenüber, schon deshalb, weil wir wissen, daß durch die Zeitungen nicht darüber Entscheidung getroffen wird, was werden soll. Wir betrachten sie aber auch nicht ohne alle Genug» tuung. Zeigen sie uns doch namentlich auch, tvie die Einsicht, daß es mit der einfachen„Ausschaltung" und„Kaltstellung" des Zentrums nicht getan ist, sich weiter und weiter Bahn bricht.... Daß das Zentrum lediglich den„legitimen" Einfluß fordert, der ihm seiner Stärke nach zukommt, versteht sich von selbst. Die Liberalen fürchten aber, daß, wenn es auch nur wieder als gleich- berechtigt behandelt tverde, seine„Wiedereinschaltung" ihre eigene Ausschaltung und das Ende der Blockpolitik bedeuten werde. Darum reden sie nicht allein wahrheitswidrig davon, daß das Zentrum den entscheidenden Einfluß wolle, sondern sie rufen, wie in allen Nöten, die Negierung, hier den Fürsten Bülow an.„Magdeb. Ztg." und„Haunov. Courier" halten ihm vor, daß seine„Unterwerfung unter das Zentrum", der„Kotau vor dem Zentrum" das Ende seiner Kanzlerschaft bedeute. Auch wir haben früher schon unsere Meinung dahin geäußert. Fürst Bülow könne nicht leicht mehr ?urück. aber schließlich müßte er das ja mit sich elbst ausmachen..... Allein, wie gesagt, wir können das Weitere in Ruhe ab- warten. Deshalb rufen wir auch keineswegs, wie der„Hannov. Courier", die„Nordd. Allg. Ztg." an, daß sie sich zu den„An- näherungs"-Erörterungen äußern, d. h. den Konservativen ein „quos ego" zurufen und dem Zentrum die weiteren Hoffnungen verhageln solle. Wir unsererseits haben es nicht so ängstlich." Das Zentrum wartet. Allzulange kann das Konkubinat zwischen den schönen Seelen das Blocks nicht mehr dauern, und dann ist es bereit, seine Tugend zu opfern-- aber selbst» verständlich nur gegen gute Bezahlung, Zeppelin. Die Katastrophe des Zeppelinschen Luftschiffes hat begreif» licherweise allenthalben Mitgefühl mit dem greisen Erfinder ausgelöst. Diese Sympathie mit dem Erfinder nimmt freilich nachgerade Formen an, die Bedenken erregen müssen. So ist es unangebrachter Uebereifer, wenn jetzt allenthalben zu Sammlungen für Zeppelin aufgefordert wird. Es gibt allein in Preußen diverse tau sende Millionäre, die im Handumdrehen, ohne sich weh zu tun, soviel Geld bewilligen können, daß Zeppelin sich zehn neue Luftschiffe von noch größeren Dimensionen und mit noch leistungsfähigeren Motoren bauen könnte, als sie das vernichtete Luftschiff besaß. Der Firma Krupp z. B. gestattete es leicht ihr 25 Millionen-Jahreseinkommen, Zeppelin ausgiebigst zu subventtonieren. Freilich wird Zeppelin vergebens auf eine den Verhältnissen der Firma Krupp entsprechende Unterstützung warten, ist es doch ausgeschlossen, daß ein Luftschiff jemals mit Panzerstahlplatten ausgerüstet werden könnte! Wenn sich aber die vornehmsten Nutznießer unseres Kapitalismus und Militaris- mus so reserviert verhalten, sollte die nichtbesitzende Klasse erst recht kaltes Blut bewahren und sich fragen: cui bono? Wem nützt die Zeppelinsche Erfind» n g? Was ist es im Grunde, das auch die breiten Massen für Zeppelin so enthusiasmiert? Es ist das ästhetische Wohlbehagen über den neuen Sieg des Menschengeistes über die Materie, den ersten, sei es noch so schüchternen Versuch, das Luftmeer nach Belieben zu beherrschen. Und wer je die Verse Goethes im„Faust" nachempfunden hat: „Doch ist es jedem eingeboren, Daß fein Gefühl gradaus und vorwärts dringt Wenn über uns, im blauen Raum verloren, Ihr schmetternd' Lied die Lerche singt, Wenn über schroffen Fichtenhöhen Der Adler ausgebreitet schwebt, Und über Flächen, über Seen Der Kranich nach der Heimat strebt." der wird den Begeisterungssturm für ZeppelinZ Erflnd'üng nur zu begreiflich finden. Nur wer kein Verständnis für Fausts Wunsch aufzu- bringen vermag: „Ja. wäre nur ein Zaubermantel mein Und trüg' er mich in ferne Länder, Mir sollt' er um die köstlichsten Gewänder, Nicht feil um einen Königsmantel sein I" nur solch phantasiearmer, geisteslahmer Philister wird sich dem Eindruck zu entziehen vermocht haben, den Zeppelins Experimente hervorrufen mußten. Aber dieser faustische, dieser ewig-menschliche Drang zur Beherrschung der Naturkräfte, dies« schweifende Sehnsucht des Meüschengeistes sollte die Vernunft des Menschen gleich» Wohl nicht aus dem Gleichgewicht bringen I Und die Sammel- Wut, die hier von siebzehn Tübinger Professoren. dort von einem städtischen Kollegium, dort von einem Bürger- meister, dort von einem reklamesüchfigen Zeiwngsmenschen entfaltet wird, ist bei nüchterner Betrachtung der Dinge tatsächlich lächerlich! Denn es besteht gar kein Zweifel, dich Zeppelin vom Reiche die Mittel erhalten wird— eine halbe Million ist ihm ja bereits am Mittwoch bewilligt worden—, um seine Versuche fortzusetzen. Die Fahrt Zeppelins vor der Katastrophe hat ja soviel bewiesen, daß ein lenkbarer Ballon des Zeppelinschen Systems bei günstigem Wetter in der Lage ist, eine Fahrt von 1000 Kilometern zurückzulegen.' Das dürste ausreichen, um die Luftschiffe deS Zeppelin- Systems dem Militarismus zu empfehlen und Zeppelin jeder staatlichen Subvention teilhaftig werden zu laffen. Für Zeppelin und sein Luftschiff ist also schon von wegen unseres Militarismus gesorgt. Und es ist ja nur zu bekannt, daß das Deutsche Reich zwar für Kulturaufgaben kein Geld übrig hat, aber für militari st ische Zwecke mit den Mitteln niemals knausert! Was soll da also die kommunale oder auch private„nationale" Sammelet,- für die jetzt so emsig die Werbetrommel gerührt wird? I Denkende Menschen sollten sich überhaupt nicht so sehr durch Stimmungen beherrschen lassen. Jeder Mensch, der seine fünf gesunden Sinne beisammen hat, sollte sich doch wohl klar machen können, daß ein lenkbarer Luftballon niemals als Verkehrs-, geschweige denn als Trans- portmittel in Frage kommen kann, da das riesenhafte Ungetüm des Ballons nur eine winzige Tragkraft besitzt. Das 126 Meter lange Luftschiff Zeppelins vermochte kaum 20 Personen zu tragen I Selbst also, wenn eS. wie zu erwarten, gelingt, die Motoren zu verbessern, bei geringerem Gewicht leistungsfähiger zu machen, wird ein Ballon- Lustschiff niemals als Personen- oder Lastenbefördcrungs- mittel in Frage kommen, es sei denn, daß ein neues GaS erfunden würde, das um das Vielfache leichter wäre, als das bisher zur Füllung verwendete Gas I Unser Militarismus steilich braucht sich um alleL baS nicht zu kümmern. Selbst wenn die ausschweifenden Illusionen, die Zeppelin-Luftschiffe als LuftkriegSschiffe, als verderbenspeiende Entsender zerstörender Lufttorpedos ver- wenden zu können, sich nicht erfüllen sollten, besitzen lenkbare Lustschiffe mit einem so großen Aktionsradius, wie ihn auch die verunglückte neueste Fahrt Zeppelins wieder bewiesen hat, unzweifelhaften strategischen Wert. Für den Aufklärungs- dienst vermögen solche Fahrzeuge sicher mehr zu leisten, als Kavalleriepatrouillen, Automobile, Fesselballons oder lenkbare Ballons mit nur kleinem Aktionsradius. Deshalb wird sich auch der Militarismus der Erfindung Zeppelins sicherlich in höherem Maße bemächtigen, als dem Reichsetat und den Steuerzahlern zuträglich sein dürste! Wozu also noch kommunale und private Gelder für Zeppelin aufbringen I Es beweist auch eine völlige Unkenntnis der Dinge, wenn man mit tönenden Worten die Erfindung Zeppelins mit der Erfindung SteffensonS auf eine Stufe setzt. Die erste Lokomotive ermöglichte die Verzehn-, die VerHundert- fachuna des Verkehrs. Wie aber durch Lustballons Lasten oder Menschenmassen transportiert werden könnten, auch wenn nicht nur die Steuerungsapparate. sondern auch die Motoren tadellos funktionierten, das ist das Geheimnis der Luftschiff n a r r e n, über die sich Zeppelin s e l b st noch unmittelbar vor seiner Fahrt lustig gemacht hat, als er daS Schreckgespenst einer deutschen militärischen Invasion in England als albemen Mumpitz verhöhnte I DaS deutsche Proletariat hat also alle Ursache, den luftigen Veitstanz gewisser Elemente nicht mitzumachen! Das Proletariat hat wahrhaftig Grund genug, sich um seine Interessen, seine Rechte zu kümmern; der Lustmilitarismus wird schon dafür sorgen, daß Zeppelins Erfindung nicht verloren geht l • Die Ursache der Katastrophe. Der Regierungsrat a. D. Rudolf Martin meldet aus Stuttgart vom 6. August, 2 Uhr 15 Minuten nachmittags: Ich war soeben auf der Unfallstelle bei Echterdingen und bin in der Lage, den Hergang der Katastrophe wahrheitsgemäß auf Grund der Unterhaltung mit den kompetente st en Augenzeugen darzustellen. Der Berlagsbuchhändler C. Hirsch aus Konstanz war mit seinem Automobil gestern abend hierhergekommen und brachte mich heute früh 7 Uhr zur Unfall- stelle. Auf der Rückfahrt nahmen wir die Ingenieure Kober und Stahl des Grafen Zeppelin mit nach Stuttgart. An der Unfallstelle sprach ich überdies ausführlich den Leutnant von Speth vom Stuttgarter Grenadier-Regiment, der bei dem Unglück bis zum letzten Augenblick das Seil mitgehalten hat. Die Ursache der Explosion ist bis jetzt nicht festgestellt. Denkbar ist nur Selbstentzündung deS GaseS bei dem starken Aufprall deS Luftschiffes am Boden und gegen, die Bäume. Das Benzin ist nicht explodiert und noch vorhanden, nur das GaS ist explodiert. 80 Grenadiere hielten das Luftschiff, als um 3 Uhr nachmUtagS Plötzlich ein starker Wirbelwind von unten, seitwärts und rückwärts das an der Spitze fest» verankerte Luftschiff ergriff und den Anker loSriß. Zahlreiche Soldaten wurden 1— 3 Meter in die Höhe gerissen. Die Kräfte der 80 Grenadiere versagten. bOO Mann aber hätten das Riesenluftschiff halten können. Zwei Monteure und der eine Grenadier wurden mit dem Luftschiff 1201) Meter weit getragen. Die Monteure in der Gondel, der Soldat am Tau, außerhalb der Gondel. DaS Luftschiff brannte während dieser unfteiwilligen Luftfahrt nach dem Zeugnis der anwesenden Offiziere nicht. Die Explosion erfolgte erst, als der vordere Teil des Luftschiffes 1200 Meter weit gegen die Bäume rannte und am Boden auf- schlug. Wahrscheinlich hat sich die Baumwollhülle eines GaS- ballonS durch die Schnelle der starken Reibung am Erdboden oder an den Bäumen selbst entzündet. Die Motore waren kalt und in der letzten halben Stunde nicht in Bewegung. Es ist gar nicht möglich nach der Ansicht des Ingenieurs Stahl, der die ganze Dauerfahrt Zeppelins mitgemacht hat, daß der Aufprall einen der Motore in Bewegung gesetzt hat. Alle ZeitungSmeldungen über die Benzinexplosion gehören in daS Reich der Fabel. Ingenieur Stahl erklärte sich mir gegenüber bereit, sofort beide Motore in Bewegung zu setzen. Die beiden Gondeln samt Motoren und Benzinvorräten sind unversehrt und können aufs neue verwendet werden. Die Explosion war eine zweifache. Zuerst erfolgte ein Knall wie ein Kanonenschuß. nach Aussage des Leutnants von Speth, der mit den Grenadieren im schnellsten Laufe dem Luftschiffe nachjagte und sich bei der Explosion etwa dvo Meter hinter dem Luftschiff befand. Zuerst brannte der vordere Teil, der zuerst auf die Bäume und den Boden aufgeschlagen war. Darauf folgte eine viel geringere zweite Explosion, wie wenn man Pulver verbrennt, und starke Detonation. Seit sechs Uhr ftüh wird heute das Aluminiumgerippe von Zeppelins und Daimlers Arbeitern zersägt. Das Aluminium wird bei Wilhberg in Lüdenscheid«ingeschmolzen. Von den baumwollenen Hüllen der 15 GaSballoaS find mt noch einige wenige Fetzen zu sehen. AlleS übrige dieser Baumwollhüllen ist verbrannt. Während der Dauerfahrt von fast 24 Stunden über 750 Kilometern ist der Motor in der hinteren Gondel stets nach dem Zeugnis des Ingenieur Stahl, der sich in der hinteren Gondel befand, tadel. los gelaufen, nur der Motor der vorderen Gondel versagte zuerst vorgestern bei Worms und gestern bei Mannheim. Weitere Unterstützung des Reichs. Das Heroldsche Depeschenbureau meldet: Friedrichshafen, 6. August. In der Konferenz, die Graf Zeppelin heute mit dem Vertreter des Reichsamts des Innern hatte, wurde ausgemacht, daß der Graf auf Kosten des Reiches wciterbaüen soll und zwar in möglichst schnellem Tempo. Graf Zeppelin sandte darauf an den Kaiser folgende Dankesdepesche:.Ew. Majestät allergnädigster Trost- spruch verwandelt Trauer in Freude. Alleruntertänigft bewegten Dank dafür. Mit Begeisterung werde ich mich Ew. Majestät und des deutschen Volkes Austrag zum Weiterbauey unterziehen. gez. Graf Zeppelin." D Eine Reihe ßon Stadtverwaltungen, wie Stuttgart, Essen, Dortmund usw., beabsichtigen dem Grafen Zeppelin Unterstützungen zu bewilligen. Wir brauchen nicht zu wiederholen, daß wir diese Auswendungen für absolut überflüssig halten! Zeppelins Erfmdung ist auch ohnehin mehr alssichergestellt!» Sollten die Kommunen— die doch sonst für soziale Zwecke so wenig Mittel aufzubringen geneigt sind— wirklich das Kultur Problem der Luftschiffahrt unterstützen wollen, so müßten sie allgemein Preise und Subventionen kür d.ie verschiedensten Systeme der Luftschiffahrt bewilligen! MIMerwechke! I»«ler türhel. Die eigentliche Regierung der Türkei bilden jetzt die jungtürkischen Offizierskomitees. Ihnen gehorchen die Armee wie die Marine, sie verfügen über die Zivilverwaltung und ihrer Leitung muß der Sultan, bisher der selbst- herrlichste der Autokraten, bedingungslos sich fügen. Und diese organisierten Offiziere haben einen prächtigen Beweis ge- liefert,' wie der trostlose Zustand, der finanzielle und moralische Verfall des Landes nicht eine Folge der„Unreife" der Bevölkerung war, sondern allein das Verbrechen der Autokratie. Der Absolutismus unterbietet überall in Ruß- land ebenso wie in der Türkei alle Kräfte deS Volkes, ver- dirbt das Land, verrät die Landestnteressen um seines eigenen Bestandes willen. Die siegreiche Revolution hat die Kräfte des Volkes entfesselt, mit einem Schlage der Mißwirtschaft ein Ende gesetzt, die Korruption getilgt, den Frieden im Innern hergestellt und in heißen Wochen ein Werk geleistet, das anderswo die langsame Reformtätigkeit nicht in Jahrzehnten zustande bringt. Und die Aenderung ist nicht nur eine äußere, sie hat auch die Psychologie des Volkes gewandelt. Das beweisen nicht nur die stürmischen Kundgebungen des besteiten Volkes, nicht nur die Teilnahme der türkischen Frauen an den politischen Demonstrationen. Die„Voss. Zeitung" bringt heute die für die Umwandlung des Denkens so charakteristische Tat- fache, daß die Albaner stamme Mazedoniens in der ge- heiligten Form eines VolkSetdes beschlossen haben, die Blut- räche fortan nicht mehr auszuüben. Die Blutrache vertrat bei den Albanern die Justiz: sie war eine der Hauptursachen für die ewigen Fehden der Stämme und ein Hindernis für den Zusammenschluß zu einer Nation. Gelingt es wirklich dem Einfluß der Revolution, die uralte Sitte zu brechen, so be- deutete das die Neuschaffung eines Volkes. Die Jungtürken verfolgen stetig und ausdauernd ihren Plan, die Exekutivgewalt in die eigenen Hände zu nehmen. S a i d P a f ch a. der alle und vorsichtige Großwesir. konnte ihnen kein Vertrauen einflößen. Er muß weichen und ist durch den fortschrittlicheren K a m i l Pascha, der schon bis- her. obwohl ohne Portefeuille, der Schrittmacher der Jung- türken im Kabinett war, ersetzt worden. Er wird ein neues, den Jungtürken genehmes Kabinett bilden. Dagegen wurde Dschemal-Eddin, der Scheich ül Islam, der demissioniert hatte, weil er Bedenken gegen die hinterhältige Durchführung der Verfassung durch den Sultan hatte, wieder in sein Amt eingesetzt. Aber mit der Demission der anrüchigen Mnister und Günstlinge gibt sich daS Volk nicht mehr zufrieden. Sie werden verhaftet und für ihre Erpressungen und Schwindeleien zur Rechenschaft gezogen. Türkischen Extrablättern zufolge ist der frühere Martneminister Ramt Pascha in dem Augenblick, als er sich auf das Danipfschiff begeben wollte, von der Polizei und der Volksmenge sc st genommen worden. Bei seiner Verhaftung wurden 170000 Pfund vor- gefunden. Ebenso sind auch der frühere Mini st er des Inneren, Mehmed Memduh Pascha und der frühere Stadtpräfekt Reschid Bei verhaftet worden. Ihre Wohnungen wurden durchsucht und ein Unter- suchungsverhör eingeleitet. Ein charakteristisches Detail ist es, daß der Oberstallmeister deS Sultans Falk Pascha im DUdiz aufklärende Vorlesungen über die Verfassung für Beamte und Diener des Palastes hält. In Mazedonien haben sich die Banden völlig auf- gelöst. Einer der gefürchtetsten und verwegensten der bul- garischen Bandenführer Sandowski hat folgenden Ausruf veröffentlicht: Die Macedo-Bulgaren sollen sich nicht irreführen lasien von einer verbrecherischen Agitation, die vielleicht von offiziellen Be- Hörden in Bulgarien gegen den gemeinsamen Kampf an der Seite deS türkischen Volkes und seiner zur Freiheit streben- den Intelligenz beginnen werde. Znsaminen mrt dem Absolutismus müsse auch der mörderische Bruderkampf der Rationa» litäten unter einander begraben werden. Dir Macedo-Bul- garen sollen sich keinerlei Agitationen seiten» des Fürstentums Bulgarien gefügig zeigen, Werl diese gegen die Verbrüderung der Macedo-Bulgaren mit den Türken und gegen deren Freiheits- bestrebungen gerichtet seien. Ebenso haben sich die serbischen und griechischen Banden aufgelöst. ES wäre also wirklich an der Zeit, wenn auch die ausländische Reformgendarmerie zurückgezogen würde. poUtifcbe Qcbcrlicbt. Berlin, den 6, August 1908, Eine Auslieferung. Ein hiesiges Montagsblatt brachte vor kurzem folgende Meldung: Zu welchen Handlangerdiensten sich die preußische Polizei hergibt, geht wieder einmal in krassester Weise aus einem Falle hervor, von dem unS durch Vorlegung unanzweiseldarer Dokrtmente berichtet wird. Der Bügler Abraham Katz kam in den letzten Tagen des Juni nach Berlin, wo es ihm nach langem Bemühen gelang, Arbeit und Logis in der Dieffenbachstraße zn finden. Gelegentlich seiner Anmeldung auf dem Polizeirevier wurde ihm hier sein Paß mit dem Bemerken zurückbehalten, daß er ihn in 14 Tagen wiederbekommen würde. AuS unbekannten Gründen wurde Katz jedoch am 3. Juli nachts um 12 Uhr in seiner Wohnung verhaftet und in daS Polizeigefängnis am Alexanderplatz abgeführt, wo ihm am 24. Juli von einem Kriminalbeamten der siebenten Abteilung ein Telegramm des russischenMinisters desAeußern vorgelesen wurde, das seine Auslieferung an die russische Behörde»an- ordnete". Der Protest des Verhafteten wurde seitens der Beamten mit Gelächter quitti.e�ct.. Am 26. �wurd«-der Mann, dessen Verbrechen darin besteht, ein Untertan deS Zaren zu sein, gefesselt und in Begleitung einiger Kriminalbeamten nach den: Bahnhof Alexanderplatz geleitet, von wo aus er unter dem Schutz und Geleit zweier Beamten nach Wirballen in Rußland transportiert wurde. Alle Gesuche, ihm wenigstens einen Rechtsanwalt zu stellen, wurden zurückgewiesen. In Wirballen wurde der Gefangene in Ketten geschmiedet und in das Gefängnis in Kowno übergeführt, von wo es ihm gelang, an einige Berliner Freunde einen Brief zu richten, w dem er sich bitter über die ihm zu Unrecht widerfahrene Gewalt be- klagt und sie bittet, zu seinen Gunsteu für ihn zu wirken. Von Kowno soll er nach der Zitadelle in Warschau gebracht werden. Wir zögerten mit der Wiedergabe, weil selbst nach unseren Erfahrungen der Fall unglaublich schien. Nähere Erkundigungen haben ergeben, daß in der Tat Katz in dieser Weise den Henkern des Zaren überliefert worden zu sein behauptet. Irgendein D e m e n t i ist bisher nicht erfolgt. Trotzdem können wir uns schwer entschließen, an eine Tat zu glauben, die beweisen würde, daß die Berliner Polizei nicht nur dem preußischen, sondern auch dem russischen Ministerium unter- stellt ist. Aber wir denken, daß es an der Zeit wäre. schleunigst eine amtliche Aufklärung dieses Falles zu geben._ Der internationale Freihandclskongrest der in dieser Woche in London stattfindet, bildet eine Art von Heer- schau über die Anhängerschaft deS Freihandels in den verschiedenen Ländern, auch in denen, wo allem Anschein nach der Protektionismus noch auf lange Zeit hinaus die Herrschaft behaupten wird. Aus Deutschland sind u. a. anwesend Dr. Theodor Barth, Professor Brentano, Professor Lotz-München, Professor Lrndt-Frankfurt a. M., Großhändler Leube-Hamburg, Witt-Wannsee, Dr. Brcitscheid-Verlim Hervorragende Freihändler der verschiedenen Nationen haben dem Kongreß Darstellungen der wirtschaftlichen Lage, der Aussichten deS Freihandels, der Wirkungen der Tarifpölitik. der Erfolge der Handelsverträge usw. in ihrem Vaterlande unterbreitet. Die ein- gehendste und umfangreichste Untersuchung hat der deutsche Reichs- tagsabgeordnete G o t h e i n geliefert. Er sieht die Aussichten der Freihandrlsbewegung in Deutschland nicht für sonderlich günstig an, hält sie aber für unberechenbar, da immerhin ein plötzlicher Um- schwang in den Auffassungen der Mehrheit nicht unmöglich sei. Zwei Momente, führte er auS, drängten geradezu zur Abkehr vom Protektionismus: einmal die ungünstige Gestaltung der Reichs- ftnanzen und ferner die Notwendigkeit etsier intensiven Steigerung des Exportes.»Eiplinfolge seines starken Bevölkerungszuwachses auf die industrielle EntWickelung und ans die Ausfuhr industrieller Erzeugnisse so angewiesenes Land kann sie auf die Dauer nicht ohne die schwerste Schädigung seiner VollSkraft durch Schutzzölle hemmen. In Jahren glänzender Weltkonjunktur macht sie sich wohl weniger bemerllich, obwohl sie auch dann die Zunahme des Reich- tums erschwert. Aber in den Jahren wirtschaftlichen Daniederliegens wird die Notwendigkeit, mit der Verteuerungspolitik zu brechen, immer zwingender. Die Not der Zeiten wird auch die deutschen Schutzzölle über den Haufen werfen." Besondere Aufmerksamkeit verdient ferner der Bericht des eng- tischen Freihändlers Russell R e a deshalb, weil immerhin in England mit der Möglichkeit gerechnet werden mutz, daß die nächsten Wahlen dem Schutzzöllnertmn eine Mehrheit verschaffen. Russell Nea ist freilich Optimist. Er hält wohl einen vorübergehenden Sieg der Protektionisten für- möglich, ist aber überzeugt, daß auch diejenigen englischen Industriellen, die heute einen solchen Schutz fordern, ver- stummen würden, sobald ihnen der für diesen Schutz zu zahlende Preis genannt würde.> Außerdem vertraut er auf dm Einfluß der Konsumentenmasse: »In England mehr als in einem anderen Lande der Well ist die öffentliche Meinung eine Macht. Sie steht über der Regierung, ja sie beherrscht, kontrolliert sie... Hat sie einmal die wahre Be- deutung eines SchuyzollprojekteZ erfaßt, so verweigert sie ihm ihre Unterstützung, eine schutzzöllnerisch« Majorität und Regierung wird, kaum gebildet, auch wieder verschwinden." Die Sachkenntnis des Herrn Prof. Schiemann. In einem Arttkel des Herrn Prof. Schiemann in der»Kreuzztg." über die Vorgänge in der Türkei hieß es: »Wir finden also zwei Gruppen am Werk: die revoluttonäre anttdynastische, deren Wortführer zum Teil Armenier und Juden sind, und die eigentlichen Jungtürlen, die. wie sich nachträglich herausstellt, in der türkischen Armee unter den Offizieren überaus zahlreiche Anhänger halten." Darüber schreibt nun Herr Dr. Paul Nathan in einer hiesigen Korrespondenz folgendes: »Man wird den guten Glauben deS Herrn Prof. Schiemann hinsichtlich der Behauptung, daß orientalische Juden als Führer der.antidynastischen" Bewegung in der Türkei in Betracht kommen, unter einer Voraussetzung nicht in Zweifel ziehen dürfen. Man braucht nur anzunehmen, daß Herr Prof. Schiemann von den Zuständen und den Verhältnissen in der Türkei nicht die geringste sichere Keniitnis hat. und eS scheint mir, daß aus diese mildernden Umstände zn plädieren ist. Denn auch nicht Armenier oder Jungtürken sind die vor- nehmsten Träger der Bewegung. Armenier und Jungtürken haben sich im letzten Augenblick angeschlossen, während die Führung bisher bei dem gebildeten liveralen. aber keineswegs radikal gesinnten OsfizierkorpS geblieben ist. das ganz wesentlich seine modernen Anschauungen guter deutscher Nuterweisung verdankt. DaS alte Regime in der Türkei ist zusammengebrochen, weil der Sultan zur Verteidigung seines Reiches freilich gebildete Offiziere haben wollte. Aber er übersah dabei, daß gebildete Offiziere, die im modernen Sinne kriegStllchtig sind, nicht zugleich willenlose Werkzeuge einer bedenklichen Palastregierung bleiben können. Was die Juden in der Türkei anbelangt, so glaube ich, daß nicht ein einziger in irgendeiner Beziehung die neuesten orienta- tischen Vorgang« beeinflußt hat. Das muß der Wahrheit gemäß festgestellt werden, obgleich eS ja rühmlich wäre, Ameil an einer Beivegung zu haben, die auf die Regeneration des eigenen Vaterlandes abzielt und die im Interesse der Kultur miternommen worden ist... Die orientalischen Juden, die streng religiös find, stehen politischem Radikalismus bisher völlig fern, und ich zweifle nicht, daß sie Anlehnung suchen werden an jene mohammedanischen Kreis«, die de» Staat modernisieren wollen, ohne die bestehenden gwflSnbe mnzustürzen. md Me vor allem an die Person des Kalifen nicht rühren werden." Soweit Dr. Nathan. Wir führen dieses Beispiel nur an, um wieder einmal zu zeigen, wie eS mit der Gewissenhaftigkeit dieses deutschen Chauvinisten bestellt ist. Ein Freiheitsmann? Genosse Rudolf Krasft schreibt uns: »Was man doch alles erlebt im Laufe der Zeit! Jetzt ist ein gewisser preußischer Leutnant a. D. Eduard Goldbeck auch unter die Opposition gegangen. Ja er hat sogar vor kurzem eine Broschüre unter den, Titel„Der Henker Drill" veröffentlicht. Dieser nämliche Herr Goldbeck, der jetzt links schreibt, hat einmal sehr stark rechts geschrieben. Als ich im Jahre 1835 in meiner Broschüre„Glänzendes Elend" die Berhältnisse des deutschen Offtzierkorps der Wahrheit entsprechend kritisiert hatte, schrieb Herr Goldbeck schnell eine Gegenbroschüre mit dem geistreichen Titel„Glänzendes Elend?" Er fügte also dem von mir gewählten Titel nur ein Fragezeichen hinzu, ein Manöver, das allerdings den wahrscheinlich beabsichtigten Erfolg nicht hatte. Nach dem Erscheinen meiner Schrift„Kasernenelend", die sich mit dem Lose der Unteroffiziere und Mannschaften befaßte, rückte Goldbeck flugs mit einer Gegenbroschüre„Kasernen- z u ch t" heraus, in der er die deutsche Kaserne über den Eichel- wenzel lobte. Herr Goldbeck, der jetzt den> Drill als Henker anficht, schrieb damals z. B..... und ebenso gilt es für die Armee, daß Knopfputz, Parademarsch und der Fall von Paris in innerem Zusammenhange stehen. Ich bin für Drill und Er- ziehung und habe damit den alten Kaiser Wilhelm auf meiner Seite." Nunmehr gesteht Herr Goldveck in seiner neuen Broschüre offen ein, daß er als aktiver Offizier selbst die brutalsten Soldatenmißhandlungen mitangesehen hat. Trotzdem brachte er es als verabschiedeter Offizier fertig, für die deutsche Kaserne eine Lanze einzulegen und die Kasernenzucht als etwaS Vorzügliches zu preisen! Als ich ferner im Jahre 1837 eine Broschüre„Fürnehmer Geist" gegen die Offiziersehrengerichte veröffentlicht hatte, ließ Herr Gold- beck natürlich wieder eine Gegenbroschüre loS, die ich übrigens nicht gelesen habe. Welcher Art sie war, kann man daraus ersehen, daß Goldbeck sie an die Geheimkanzlei des bayerischen Prinzregenten einschickte und dafür das übliche An- erkennungsschreiben erhielt. Warum fühlte Herr Gold- beck das �Bedürfnis feine Weisheit just dem bayerischen Regenten zu unterbreiten? Weil ich mich in meiner Broschüre auch mit dem Zweitältesten Sohne desRegenten, dem jetzigen Generalin spelteur Prinzen Leopold, beschäftigt hatte. Und wenn man weiter bedenkt, daß Herr Goldbeck zur nämlichen Zeit, wo er dem Prinzregenten von Bayern seine Broschüre übersandte, wo er sich in seiner Schrift„Kasernen- zucht" als„ko nfer v a tiv b is auf d i e Kn o ch en" empfahl, am umstürzlerischen„SimplicissimuS" mitarbeitete, so wird man nur recht geben, wenn ich sage, baß die Opposition deS Herrn Goldbeck mit großer Vorsicht aufzunehmen ist." Das Sündenregister des Reichsverbandes. In ihrer Nr. 27 brachte die Korrespondenz deS Reichslügen- Verbandes ein Sozialdemokratisches Sündenregister Nr. 2. Dieses „Sündenregister" soll den unangenehmen Eindruck verwischen, den die Spitzbübereien, die wir einer Anzahl Reichsverbändler nach- gewiesen hatten, gemacht haben. Auch die neuen Falle von Unter- schlagungen usw., die der Reichsverband zusammenstellt, liegen zum guten Teil längere Zeit zurück. Auch enthält sein„sozialdemokra- tisches" Sündenregister abermals Straftaten, die in Gewerk- fchaften. Krankenlassen, Konsumvereinen und ähnlichen Organisationen begangen worden sind, für die daher kein billig- Denkender die sozialdemokratische Parteiorganisation moralisch haftbar machen kann. Selbst offenbare Unrichtigkeiten grober Art sind in dieser neuen Liste enthalten. Für heute greifen wir zwei solcher Fälle heraus: Die Reichsverbandskorrespondenz zählt in ihrem Verzeichnis nach dem.Forster Tgbl." vom- 23. Mai 1908 einen Kolporteur Grimm als Leiter des sozialdemokratischen Wareneinkaufsvereins zu Gotha auf. MS„sozialdemokratischer Vertrauensmann" sei dieser Grimm geflüchtet. Hierzu wird aus Gotha mitgeteilt, daß es wieder die alte Geschichte ist: Ein Kömlein Wahrheit, alles andere Lüge. Grimm, der von Beruf Müller ist, kam 190S nach Gotha, gab sich als Parteigenosse auS, wurde, nachdem er arbeitslos geworden war, Kolporteur und bewarb sich dann um die Stelle eines Lagerhalters im Konsum- verein, die er auch erhielt. Es stellte sich jedoch heraus, daß er diesem Posten nicht gewachsen war. Bei einer Revision wurde ein Manko entdeckt, was seine Entlassung zur Folge hatte. Einen Verlust hat der Konsumverein nicht erlitten, da er durch eine Kauiion gedeckt war. Nach dieser Affäre arbeitete Grimm noch zwei Monate beim Elektrizitätswerk in Gotha und ging dann nach auswärts. Grimm war also nicht Leiter des Konsumvereins, sondern nur Angestellter; desgleichen kann keine Red« davon sein, daß er, wie der Reichsverband berichtet, geflüchtet ist. ganz zu schweigen von dem Avancement zum„sozialdemo- kratischen Vertrauensmann", mit dem ihm der Reichsverband um des höheren Zweckes der Sozialistcnverleumdung willen beehrt. Noch größer ist die Gewissenlosigkeit deS Reichsverbandes in einem anderen Falle. Seine Korrespondenz bezichtigt nämlich femer, indem sie sich auf einen Gericht der landbündlerischen „Deutschen Tageszeitung" vom 11. Dezember 1908 zu stützen vor- gibt, den Buchdrucker Stich eines Verbrechens. Stich sei sozial- demokratischer Vertrauensmann gewesen und habe als Kassierer der VcrbandSbeiträge zu Rendsburg Unterschlagungen be. gangen, worauf er flüchtig geworden sei. Zu dieser schweren Be- schuldigung des Reichsverbandes gibt uns der Gauvorsitzende folgende Erklärung: Stich war nicht Kassierer des Verbandes, son- dern Unterkassierer einer Druckerei, also kein Verbandsangestellter. Er reiste von Rendsburg ab, ohne sofort etwa 8 von ihm einkassierte Wochenbeiträge einzelner Mitglieder sowie seine eigenen Beiträg« abgeliefert zu haben. Er regelte dann von Kiel aus feine ver- bindlichkeiten. Die Handlung, die der Reichsverband diesem Buch- drucker zur Last legt, trägt so wenig den Charakter einer Straftat, daß Stich heute noch wie ehedem Mitglied des Verbandes ist. Darmstadt, 6. August. Der Reichsverbändler Dr. Zimmer wurde heute von der hiesigen Strafkammer wegen Betruges zu neun Monaten Gefängnis verurteilt Wozu dem Zentrum die Schule dient. Wie die„Kölnische Zeitung" mitteilt, hat der katholische Volks- schullehrer in Scheiderhöhe bei Donrath(Siegkreis) die älteren Jahrgänge seiner Schuljungen vorige Woche mit ganzen Packen von Flugblättern des katholischen VolkSvereina be- laden mit dem Auftrag, sie an Verwandte und Bekannte zu verteilen. Die Titel der Flugblätter lauten: Was hat das Zentrum im preußischen Landtage für die Landwirtschaft getan?— WaS hat das Zentrum im preußischen Landtage für die Arbeiter getan?— Landwirtschaft und Zentrum im preußischen Landtage. Wenn es nicht der Titel der Flugblätter verriete, müßte es die satt- sam bekannte Natur deS katholischen VollSvercins dartun, daß es sich hier um eine politische Aktion zugunsten des Zentrums handelt. Der Volksverein ist ein politisches Unternehmen des Zentrums, das der Verherrlichung der ultramontancn Politik und der Bekämpfung ihrer Gegner dient. Das Zentrum scheint also der Meinung zu sein, daß sich auch die katholische Lehrerschaft und die Volksschule in den Dienst der ultramontanen Politik zu stellen habe._ Aus dem modernen Kulturleben. Die Strafkammer in Düsseldorf verurteilte einen 7gj ährigen erwerbslosen Mann zu zwei Jahren Zuchthaus. Er hatte aus dem Flur eines Hauses einen Herrenrock entwendet. Wie in der Verhandlung festgestellt wurde, war der Mann fast die Hälfte seines Lebens in Arbeitsanstalten, Gefängnissen und Zucht- Häusern gewesen. Wir ftagen: Glaubt man den Mann, der in Strafanstalten zum Greise geworden ist, durch die zwei Jahre Zuchthaus, die man ihm jetzt zuerteilt, noch zu bessern? Und hat ein Reich, das 1200 Millionen Mark für Militärzwecke ausgibt, nicht so viel, um einen Mann, der mit einem Bein im Grabe steht, vor der Not und damit vor dem Tode uu Zuchthause zu bewahren? frankreick. Nach dem Proteststreik. Paris, 6. August. Die„HumanitS" veröffentlicht einen von der Seineföderation und der Föderation des De- partements Seine et Oise unterzeichneten leidenschaftlichen Appell an die öffentliche Meinung, in dem der Negierung die Verantwortung für die Ereignisse in Villeneuve und St. Georges am vergangenen Donnerstag zugeschoben wird. Die Föderationen bereiten für den 8. August zahlreiche Versammlungen in Paris und Umgebung vor. Die Bergarbeiter im Allgemeinen Verband. In dem Moment, wo der allgemeine Arbeiterverband der Gegenstand der heftigsten Angriffe ist, die ganze Ordnungs- meute seine Auflösung fordert, scheint- sich das Proletariat enger um ihn scharen zu wollen. Wie die„ H u m a n i t ä" mitteilt, hat sich die große Gewerkschaft der französischen Bergarbeiter deni Arbeiterverband nunmehr ange- schlössen. Die Gewerkschaft umfaßt zirka 80 Ovo Mit- g l i e d e r; sie hat sich stets von anarchistischen Dummheiten ferngehalten, und ihr Anschluß bedeutet nicht nur eine außer- ordentliche Stärkung des Arbeiterverbandes in quantitativer Hinsicht, sondern auch eine wettere, sehr erfreuliche Kräftigung jener Tendenzen, die sich bemühen, die anarchistischen und anarchosozialistischen Einflüsse aus der französischen Gewerk- schaftöbewegung auszuschalten.— Ausschluß aus der Arbeitsbörse. ParlS, 6. August. Durch Erlaß des Präfekten des Seine- departements ist die Vereinigung der Syndikate des Seinedepartements von der Pariser Arbeitsbörse aus- geschlossen worden._ Ein Bäckerstreik? Paris, 8. August. 1200 Bäckergesellen hielten heute in der Arbeitsbörse eine Versammlung ab und beschlossen, am nächsten Montag ein Referendum über einen eventuellen Ausstand zu veranstalten._ Belgien. Die Kongovorlage. Brüssel, b. August. Deputiertenkammer. In der Weiteren Beratung der Kolonialverfassung wurden auch die Artikel v und 8 angenommen. Artikel 6 besagt, daß der König die gesetz- gebende Gewalt durch Dekrete ausübt, außer für diejenigen Anne- legenheiten, welche bereits durch Gesetz geregelt sind oder gesetzltch geregelt werden sollen. Die Dekrete werden nach den Vorschlägen des Kolonialmintsters erlassen und erhalten gesetzliche Kraft erst nach ihrer Publikation. Artikel 6 setzt die Grenzen der Exekutiv- gewalt des Königs und der richterlichen Gewalt fest. Brüssel, 6. August. Die Kaminer nahm Artikel 7 der Kolonial- Verfassung an, welcher die Gegenzeichnung der Akte des Zdönigs durch die Minister vorsieht. Ein Antrag auf Vertagung wurde mit 88 gegen 47 Stimmen abgelehnt. Artikel 8, welcher sich auf die Einführung von Erbschafts- und sonstigen Steuern bezieht, wurde angenommen. foilHand. _ Die Schreckensherrschaft in den Ostsecprovinzen. Während des ersten Halbjahrs 1903 wurden in den Ostsee- Provinzen verurteilt: zum Tode durch den Strang 128 und zur Zwangsarbeit 244 Personen. Im Jahre 1907 wurden in den Oftfeeprovinzen zum Tode verurteilt 850 und zur Zwangsarbeit mehr als 400 Personen. Der Galgen arbeitet also jetzt mit ungeminderter Schnelligkeit, obwohl selbst von offizieller Seite eingestanden wird, daß in den Ostseeprovinzen gegenwärtig vollständige„Ruhe" herrscht. Der Blocksenat in Finnland. Helftngfor», 81. Juli 1908.(Eig. Wer.) Die Hoffnungen der Altfinnen wurden wahrend der LandtagSwahlen derart zerstört, daß sie den Gedanken, die Landesregierung in ihre Hände zu nehmen, wehmütig zu Grabe tragen mußten. Anstatt der erwarteten Kräftigung erlitten fie eine fühlbare Schwächung. ES war also notwendig, sich wegen der Zusammensetzung des Se. nateS, in dessen Händen in Finnland die«xekütive Gewalt ruht, mit den anderen bürgerlichen Parteien zu verständigen. Die ersten Einigungsversuche zerschlugen sich, denn die Ikon- stitutionalisten verlangten die Mehrheit für sich und wiesen alle Kandidaten zurück, die auS dem Bobrikowschen Senat stammten. Die Altfinnen zogen sich zurück und gaben dem Generalgouverneur den Rat, die Ergänzung des Senats bis zum Zusammentritt deS Landtages aufzuschieben. Darauf ging dieser aber picht ein und verlangte die Kandidatenliste sofort. Weitere Beratungen führten denn auch zu einer Einigung. AIS Vizepräsident des ökonomischen Departements(dessen Stellung der eines Ministerpräsidenten entspricht) wurde Senator Edvard H j e l t bestimmt. Hjelt kann als der geschmeidige Vertreter aller bürgerlichen Parteien angesehen werden. Er wird also der Erbe Leo Mechelins. Neue Senatoren sind: von der Schwedischen Partei: Aug. N y b e r g und Werner L i n d d e r g; von den Jung- sinnen: Kaarlo C a st r 6 n. Onni S ch i l d t und Otto S t e n r o t i und von den Altfinnen: Juho Lusti Paasikiri, Aug. Hjelt, U. K. Drjö-KoSkinen und Danielson-Kalmari. Gleichzeitig sind noch zwei von den früheren Senatoren„krankheits- halber' zurückgetreten. ES werden also in kürzester Zeit noch zwei Neuwahlen erfolgen müssen., Soweit man die Sachlage fetzt beurteilen kann, bedeutet vie Zusammensetzung deS neuen„Koalitionssenates" einen weiteren Schritt zurAnnäherungandierusstscheRegierung. Pm den Altfinnen braucht das gar nicht erst gesagt zu darben. Allein tffich Sott den sogenannten Konstitutionalisten sind geradi diejenigen ausgewählt worden, auf die am wenigsten Verlaß ist. Formell werden freilich die Konstitutionalisten immer noch die Majorität im Senat haben. Aber sie werden ihre Majorität nicht anders benutzen, wie der Mechelinsche Senat, oder nach dem Rezept der Altfinnen, mit fliegenden Fahnen Stolypin entgegen- eilen. perften. Der Schutz der Gesandtschaften. London, 6. August. Wie einem hiesigen Blatt auS Teheran gemeldet wird, hat die Regierung Schritte getan, um dem An- ivachsen der Zahl der in die ftemden Gesandtschaften geflüchteten Personen zu begegnen. Das Blatt erfährt serner, daß die Real- tionäre in den �-chah dringen, den Belagerungszustand aufrechtzuerhalten. Die englische Gesandtschaft wird den lüchtlingen auftragen, die Gesandtschaft zu verlassen, wenn ihr eben nicht mehr in Gefahr sein wird. Marokko. Raisuli. Tanger, 5. August. Bou Aouda griff gestern abend im Dorf Ain Haloufa dam Garb Anhänger RaisuliS an, zerstörte das Dorf und steckte es in Brand. Infolgedessen begab sich heute R a i s u l t mit 50 bewaffneten Reitern zur englischen Gesandtschast in Tanger und forderte Wiedererstattung seines Hab und Gut, widrigenfalls er auf den englischen Schutz verzichten und sein früheres Leben wieder beginnen würde. Tanger, 8. August. Die englische Gesandtschast hat Raisuli eingeladen, tn Tanger zu residieren. Die Stämme der Augheros und Ouleddron haben, auf Grund einer Konserenz mit dem Pascha von Tanger, an A b d u l A s i s Delegierte geschickt mit der Mssion, ihm darzulegen, daß sich die Machtlosigkeit von Mulay Hafid m Zukunft erweisen werbe. Die Abreise Mulay Hafids von Fez, die sich verzögert Hätz war hiS zum 2. August nicht erfolgt. Soziales* Verkehrte Benutzung de» S-mmerurlauvS. Daß dem Angestellten Nachteile daraus erwachsen können, wenn er den ihm freiwillig gelvährten Urlaub nicht zu Erholungs» zwecken benutzt, lehrte eine Verhandlung, die am Mittwoch vor der 4. Kammer des KaufmannsgerichtS stattfand. Der bei der Papier- Engrosfirma Rosenheim u. Kaufmann angestellten Lageristin Anna C. wurde am 1. Juli wegen ihres schlechten Aussehens von ihrem Chef aus freien Stücken ein Urlaub von drei Wochen ge- währt. Als am 20. Juli der Urlaub der Lageristin abgelaufen war. traf statt ihrer im Geschäft ein Brief der Mutter ein, in welchem letztere mitteilte, ihre Tochter habe sie pflegen müssen und sei darum gesundheitlich so heruntergekommen, daß sie zetzt mindestens 14 Tage ausspannen müsse. Die Firma war damit nicht einver- standen und da Frl. C. darauf bestand, wurde die sofortige Eni- lassung ausgesprochen. In der Verhandlung erklärte die aus Rest- gel)alt klagende Angestellte, sie könne durch Attest und Gutachten des Arztes den Beweis erbringen daß sie seit Beendigung des Urlaubs an starker Nervosität leidet und momentan noch arveits- unfähig sei. Die Beklagte bestreitet auch das Vorhandensein des leidenden ZustandeS nicht, behauptet aber, daß er darauf zurück- zuführen sei. daß Klägerin den Urlaub nicht vernunftgemäß benutzt habe. Wenn eine Firma den Angestellten Sommerurlaub erteile, so tue sie das in der selbstverständlichen Voraussetzung, daß der Urlaub auch zu Erholungszwecken benutzt werde. Die Klägerin habe aber nicht nur keinen Erholungsort aufgesucht, son- dern durch Pflege ihrer kranken Mutter ihr« Nerven erst recht ruiniert. Für«ine daraus entstehende Krankheit könne man den Chef nicht verantwortlich machen. Das Kaufmannsgericht schloß sich den Ausführungen des Be- klagten an, indem es die Klägerin abwies. Sie habe den Urlaub nicht zur Erholung benutzt, sich im Gegenteil eine besondere An- spannung der Nerven auferlegt. Eine daraus resultierende Er- krankung sei als selbstverschuldet anzusehen. Die jammervolle Entlehnung der jugendlichen Arbeiterinnen in manchen Branchen fand eine krasse Beleuchtung in einem jetzt vor der 2. Kammer des Gewerbegerichts zum Äustrag gekommenen Rechtsstreit. Di« 18jährige Erna W.. vertreten� durch ihre Mutter, erhob gegen die Strauhfedernfabrik von Wilh. Freystadt Klage aus Zahlung von 41 M. Restlohn. Sie war als„Lehr- mädchen" mit 20 M. monatlichem Anfangsgehalt engagiert worden, bei Abschluß des Engagements, der im Beisein der Mutter statt- fand, behauptet letztere, habe der Personalchef Schulz mündlich das Versprechen algegeben, daß nach 3 Monaten 5 M. und nach weiteren 3 Monaten wiederum 5 M. Zulage erfolge. Dies Ver» sprechen sei aber nicht gehalten worden. In Wirklichkeit erhielt die Klägerin erst nach sicbenmonatiger Tätigkeit drei Mark Zulage. Als die Mutter der Klägerin die Firma an die seitens des Per- sonlalchefs gegebene Zusage schriftlich erinnerte, äußerte der letztere:„Solche Schreiben wandern bei uns m den Papierkorb." Vor Gericht bestritt gestern der als Zeuge vernommene Personal» chef, eine feste Zusage gemacht zu haben, er will nur der Mutter erklärt haben:„Wenn Ihre Tochter fleißig ist. erhält sie nach einigen Monaten ein paar Mark Zulage." Er behauptet, daß er gar nicht anders gesagt haben könne, denn er gebrauche diese Redensart ganz mechanisch, da er schon über 400 junge Mädchen auf diese Weise engagiert habe. Auf Befragen der Beisitzer er» klärt er weiter, daß die Firma gegenwärtig zirka 40 solcher„Sehr- mädchen" beschäftige. Frau W. bleibt aber bei ihrer Behauptung und hat eine Zeugin mit zur Stelle gebracht, der von S. ganz die« selben Versprechen gemacht wurden, und die dann auch ihre Tochter wegen Nichteinhaltens aus dem Geschäft nahm. Das Gericht nahm indessen leider von der Vernehmung dieser Zeugin Abstand, beschloß dagegen, den Personalchef auf seine Aussage hin zu vereidigen. Diofes leistete den Eid, Darms wurde die Klägerin abgewiesen,_ Da» Opse» seines Srrnsv. Dem Arbeiter D. fiel auf seiner Arbeitsstelle am 14. Septem» Ver 1907 auS der Höbe der vierten Etage ein Mauerstein mit der» artiger Gewalt auf oen Kopf, daß er bewußtlos zusammenbrach; er wurde arbeitsunfähig infolge eines sich entwickelnden Nerven- leidenS. Die Nordöstliche Baugewcrks-Berufsgenossenschaft be» willigte dem Verletzten vom Beginn der 14. Woche eine Rente von 20 Proz. und zwar auf Grund folgenden„Gutachtens" ihres Ver- trauenSarzteS: ,/Zs hat sich um«in« leichte Gehirnerschütterung gehandelt. Ich empfehle, ihm wegen deS zuweilen auftretenden Schwindelgefühls«ine zeitige Ren« von 30 Pröz. zu gewahren als NebergangSrente." Auf vom Arbeiter-Sekretariat Berlin ein- gelegte Berufung beim Schiedsgericht ließ dasselbe den Verun- glückten durch Prof. W. untersuchen. Dieser Arzt kam zu dem Resultat, daß D. eine sichtliche Blödheit und DemenS zeige. Es wurden mm die früheren Mitarbeiter d«S D. vernommen, ob sie bei D. vor dem Unfall Zeichen von Blödheit bemerkt hätten. Fest- gestellt'wurde, daß D. vor dem Unfall ein tüchtiger, flrißiger und besonnener Arbeiter gewesen war. DaS Schiedsgericht überwies nunmehr ten Verletzten der Klinik des MedizinalmtS Dr. L. zur Beobachtung. In seinem' Gutachten kommt Dr. L. zu dem Schluß, daß D. außer der auf. fälligen und dauernden Steifhaltuug des Kopfe» noch an nervösen Reizerscheinungen leidet, daneben aber ein krankhafter und ungc- künstelt reizbarer Mensch ist. Seelische Störungen lassen D. als geistig erkrankt erscheinen. Dr. L. hält den Verletzten daher im Gegensatz zu dem Vertrauensarzt der Genoffenschaft für voll- ftäribia erwerbsunfäbia. Demgemäß entschied da»«HUdSgnW uflß bewilligte die«vll, mtfc■.;* nxfaO eines LlMSarvekterS. Der minderjährige Landarbeiter Pl. erlitt m» 12. Februar ISO? auf einem Bauernhof beim Zerkleinern von Holz für den Wirtschaftsbetrieb dadurch einen Unfall, datz ihm ein Stück Holz gegen das Knie flog. Es traten Schmerzen ein, die. ihm die Fort- setzung der Arbeit usmöglich machten; P. mu�te sich in ärztliche Behandlung begeben. Die Pommersche land- und forstwirtschaftliche Berufsgenossen- schuft lehnte den Anspruch auf Uebernahm« des Heilverfahrens und Rentengewährung ab:„weil das Borliegen eines landwirt- fchaftlichen Betriebsunfalles nicht erwiesen." Durch das Berliner Arbeitersekretariat wurde Berufung beim Schiedsgericht für Arbeiterversicherung zu Stettin erhoben und dabei geltend gemacht, das; das zerkleinerte Holz auf dem Gut zu Betriebszwecken verbraucht würde, die Arbeit also den Interessen des Betriebes förderlich war. Das Schiedsgericht erkannte den Anspruch als berechtigt an. ES verurteilte die Berufsgcaoffenschaft zur Tragung der Kurkoftcn, sowie zur Zahlung der Bollrente vom Beginn der 14. Woche. In den Gründen heißt eS:„Daß der in der Unfallanzeige geschilderte Vorgang tatsächlich stattgefunden hat. muß aus den Untersuchungs- Verhandlungen gefolgert werden. Er charakteristert sich als ein Unfall beim Landwirtschaftsbetriebe". Der Kläger kam nunmehr nach IM- Jahren in Besitz der Rente. Hätte die Berufsgenossen- schaft nicht sofort das Recht des Arbeiters anerkennen können? Dringend erforderlich ist es, datz verunglückte Arbeiter möglichst bald die Hilfe eines Arbeitersekretariats in Anspruch nehmen. Eine Submissionsblüte. Die Malerarbeiten für den Anstrich der Elbebrücke bei Hämcrten und der Havelbrücke bei Rathenow wurden gemeinsam ausgeschrieben. Ein Flächenraum von zusammen 15 850 Quadrat- meter müßte mit einem Anstrich versehen werden. Bei Eröffnung der Gebote ergab sich zwischen dem Meistfordernden und dem billigsten Maler, der 11 887,50 M. forderte, eine Differenz von 9827 M._ Gegen die Vergebung staatlicher und städtischer Arbeiten an sogenannte Generalunternehmer machen die selbständigen Handiverksmeister, besonders in dem in erster Linie dabei in Betracht kommenden Baugewerbe, mobil. So will der Bund deutscher Zimmermeister eine Eingabe an die Pro- vinzial-Eisenbahnbau- und die städtischen Baubehörden richten, mit dein Etsuchen, ihre Aufträg« nicht Generalunternehmern zuzu- weisen, da dadurch die kleineren, nicht so kapitalskräftigen Hand- wcrksmeister ausgeschaltet und unnötig die Arbeit verteuernde Zwischeninstanzen geschaffen werden.-- 6ewerhrcbaftlichc9. Berlin und Qmgegend. Achtung, Metallarbeiter! Nach den letzten Nachrichten aus Stettin müssen wir auch in Berlin eventuell mit einer Aussperrung rechnen. Wir ersuchen die Vertrauensleute, die Mitgliedsbücher einer genauen Kontrolle zu unterziehen, damit sie den statu- tarischen Anforderungen genügen. Sollte sich die Angelegenheit weiter entwickeln, dann er» halten die Vertrauensleute rechtzeitig weitere Anweisungen. Deutscher Metallarbeiter-Verbarck». Ortsverwaltung Berlin. Der Zentralverband der Zimmerer feiert am Sonnabend sein 25jähriges Stiftungsfest. AuS diesem Anlaß hat die Zahlstelle Berlin an den Verband der Baugeschäfte ein Schreiben gesandt, in dem es heißt: „Im A u g u st d. I. findet das stbjährige StiftungS- fest des Zcntralvcrbandes der Zimmerer Deutschlands statt. Aus diesem Anlaß ist für Sonn- abend, den 8. August, eine Jubiläumsfeier in Berlin arrangiert. In Rücksicht darauf haben eine Anzahl unserer Mitglieder den Wunsch ausgesprochen, an diesem Tage die Arbeit etwas früher, als es die festgesetzte Arbeits- zeit vorschreibt, zu beendigen. Wir möchten deshalb diesen Wunsch dem Verbände der Bau- geschäfte mit dem Ersuchen übermitteln, bei seinen Mitgliedern dahin zu wirken, daß dort, wo seitens unserer Mitglieder darum nachgesucht wird, dies zu gestatten ist." Der Verband der Baugeschäfte gibt daher seinen Mitgliedern dieses Anschreiben bekannt und stellt anHeim, nach Möglichkeit dem Wunsche des Zentralverbandes der Zimmerer Folge zu geben._ Achtung, Fliesenleger I Alle arbeitslosen Fliesenleger und auch solche Kollegen, welche Entlassung zu erwarte» haben, bitte ich, sich sofort in meiner Wohnung zu melden, da»ach einer Stelle hier und auch nach außerhalb sBayern) Kollegen verlangt werden. Kiel ist für Fliesenleger wegen Differenzen gesperrt. Der Vorsitzende der Sektion: H. Waldheim, Schöneberg, Meininger Str. 8. Deotrcbcs Reich. Die Bewegung der„Vulkau"-Ardtiter. An die ausgesperrten Arbeiter der„Vulkan"-Werft wurde heute ein Flugblatt verbreitet, das eine Darstellung des Kon- flikts gibt und die Arbeiterschaft vor unüberlegten Schritten warnt. In dem Flugblatt heißt es: Die Aussperrung der ganzen Arbeiterschaft des„Vulkan" ge- schah, weil die Nieter in begreiflicher Erregung über die Art und Weise der Verhandlung mit der Direktion die Uebe�stunden einen Tag verweigerten. Die Plötzlichkeit der Aussperrung machte eS den Organisationsvertretern unmöglich, einzugreifen, und hatten daher die Nieter die Sympathie der Oeffentlrchkeit und bis jetzt auch die Unterstützung der Organisationen. Während der Ver- Handlungen stellten die Nieter Forderungen auf, die über da? hinaus gingen, waS die Ursache der Aussperrung war. Es wurde vor der Aussperrung von den Nietern nur die Regelung der Ueber- stunden verlangt. Dieses Verlange» erfüllte dre Direktion des „Vulkan" und sicherte auch Regelung der schlecht bezahlten Akkorde zu. Damit war die Ursache der Aussperrung beseitigt. Seitens der Organisationsvertreter wurde in einer ganzen Reihe von Sitzmigen und Versammlungen erklärt, und find auch dementsprechende Beschlüsse gefaßt, daß alles, was über die Regelung des Uebersiundenwesens hinausgeht, als Wunsch der Direktion unterbreitet, aber in keinem Fall eine Erweiterung deS Kampfes durch Nichtbcwilligung nach sich ziehen darf. Die Nieter haben es abgelehnt, ihre Forderungen zurück- zuziehen, obwohl auch eine Konferenz der Vertrauensleute aller freien Gewerkschaften mit SS gegen Stimmen sie dazu auf- forderte. Sie haben die Organisationsvertreter sogar durch ständige Unterbrechungen und Tumult gehindert, ihre Meinung zum klaren Ausdruck zu bringen. Damit haben die Nieter auS der Aussperrung einen Angriffs« streik gemacht. Dieser Angriffsstreik konnte von den Vorständen der steten Gewerkschaften unter keinen Umständen genehmigt werden, weil die Forderungen der Nieter gegen die Abmachungen mit der Gruppe Deutscher SeeschiffSwerften vom 4. Mai 1907 verstoßen. ES muß den Mitgliedern der in Betracht kommenden Organi- sationen auch bekannt sein, daß sie auf Unterstützung verzichten, wenn sie in einen nicht genehmigten Streik eintreten. Zu diesen Dingen kam aber noch der Umstand, datz die Gruppe Deutscher Seeschiffswcrften und der Verband der Pommersche» Eisenindustriellen sich mit dem„Vulkan" solidarisch erklärten, und die sämtlichen Werften an, 12. August, alle Betriebe der Metallindustrie von Stettin bereits am kommenden Sonnabend 60 Proz. ihrer Arbeiterschaft aussperren wollen. Es würden nach oberflächlicher Schätzung zu den zirka 7000 schon ausgesperrten Arbeitern noch 42 000—45 000 dazu konunen. Ein solcher Kampf kann nur geführt werden, wenn er Aus- ficht auf Erfolg hat. An einen Erfolg aber ist im vorliegenden Fall nicht zu denken, darüber sind fich außer den Nietern wohl die ganzen Stettiner Arbeiter klar. Wenn die Nieter trotz alledem auf ihrem Standpunkt ver- harren, so mögen fie die Verantwortung tragen. Die unter- zeichneten Organisationsvertreter müssen es ablehnen, wegen eines vollkommen aussichtslose» Kampfes«eitere 45 000 Menschen brot- los zu machen. Das Flugblatt ist unterschrieben von den örtlichen Leitungen des Metallarbeiter-Verbandes, des Fabrikarbeiter-Verbandes, des Schmiede- Verbandes, des Holzarbeiter-Verbandes, des Verbandes der Zimmerer, der Kupferschmiede und der Schiffszimmerer. Der Tischlerstreik in BreSla» ist nun Tatsache geworden. Noch am Montag hatte die Tischler- innung beschlossen, datz eine aus ihrer Mitte gewählte Kommission mit der Freien Vereinigung der Fabrikanten in Verbindung treten solle, um eine friedliche Auseinandersetzung mit den Gesellen herbei- zuführen. Indessen scheint— wie wir bereits berichteten— unter den Fabrikanten die Neigung, die gegenwärtige faule Konjunktur zu einer Machtprobe auszunutzen, eine sehr große zu sein. Mit der Innung waren sie in Sachen der Lohnbewegung gar nicht erst in Verbindung getreten, da sie ja ursprünglich sich geweigert hatten, überhaupt den Gesellen nach Kündigung des alten Tarifs etwas zu- zugestehen. Schließlich bequemten sich die Fabrikanten aber doch einige Verbesserungen anzuerkennen, und die Gesellen beschlossen trotz großem Widerstreben— da ihnen bei der geringfügigen Lohn- erhöhung von 5 und später 7'/z Proz. die lange Bindung bis Februar 1911 wenig vorteilhaft erschien— um des Friedens willen mit großer Majorität jene Zugeständnisse anzunehmen. Nun waren aber bezüglich der endgültigen Fassung des Ver- träges zwischen den Fabrikanten und den Gesellen Differenzen entstanden, weil die Fabrikanten eine Fassung haben wollten, die durch- aus nicht dem Sinne und der Tendenz der in Gegenwart der beiderseitigen Zentralvorstände getroffenen prinzipiellen Abmachungen entsprechen. Insbesondere sträubten sich die Fabrikanten dagegen, daß durch die Fassung des Vertrages die fünfprozentige Lohnerhöhung sämtlichen Löhnen zukommen sollte, sie wollten nur eine Fassung, nach der die Erhöhung des Durchschnittslohnes von 42�z aus dem Vertrage von 1904 auf 45 Pf. sich ergeben hätte. Immer wieder suchte der Holz- arbeiterverband eine friedliche Vereinbarung zn ftnden, alle Ver- suche scheiterten an der Hartnäckigkeit der Fabrikanlenvereinigung. Deshalb beschlossen die Gesellen am Dienstag mit 508 gegen 81 Stimmen in den Streik zu treten. Ein Bergarbeiterstreik steht auf der Schwefelkiesgrube„Morgen- sternwerk" bei Rohna»(Kreis Landeshut i. Schles.) bevor. Schon bisher wurden dort die niedrigsten Löhne im ganzen niederschlesischen Bergrevier gezahlt, bei 12 stündiger Arbeitszeit für Hauer 2,85 M., Lohnhauer 2,75 M. und für Schlepper 2,40—2,60 M. pro Schicht. Trotzdem wurde jetzt noch eine Lohnreduktion vorgenommen. Da gütliche Lösung des Konflikts vom Direktor abgelehnt wird, haben die Arbeiter die Kündigung eingereicht. Die Direktion bemüht sich, Streikbrecher von außerhalb her nach Rohna» zu locken. Ein Landarbriterstreik in Deutschland. Aus Bromberg wird berichtet: Am vergangenen Dienstag streikten sämtliche russisch-polnische Arbeiter des bei Culm gelegenen Gutes Schönborn und verlangten Lohnerhöhung. Als ihnen diese nicht sofort gewährt wurde, nahmen sie eine so drohende Haltung an, daß Militär requierirt werden mußte. Als das Militär heranrückte, griffen einige der Leute zum Messer und versuchten tätlich vorzugehen, wurden jedoch entwaffnet und verhaftet. Die übrigen kehrten freiwillig zur Arbeit zurück. Was muß da vorangegangen sein, wenn die gefügigsten aller Menschen rebellierten!_ Der Streik der Plattenleger in Rheinland-Westfalen ist beendet. Nach zehnwöchentlichem Kampfe, der auf beide» Seiten mit größter Hartnäckigkeit geführt wurde, hat endlich dieser Ausstand fein Ende gefunden. Die siebentägigen Verhandlungen fanden in Köln unter dem Vorsitz eines Vertreters des Kölner Oberbürgermeisters, des Beigeordneten Rehorst statt. Der Anstoß zu einer Vereinbarung ging von dem Kölner Stadtbauamt aus, da die Stadt Köln größere Plattenarbeiten auszuführen hat und die Fertigstellung der Arbeiten an verschiedenen öffentlichen Bauten drängt. Als Grundlage der Verhandlungen sollte der Gesichts- Punkt maßgebend sein, datz den Arbeitnehmern im allgemeinen keine Verschlechterungen erwachsen sollten. Weiter sollte durch Ermittelung des Durchschnittspreises aus den Kölner, Düsseldorfer, Essener, Dortmunder und E l b e r- feld-Barmer Tarifen geprüft werden, bei eventuell welchen Positionen prozentuale Zuschläge zugestanden werden könnten. Im allgemeinen haben die Akkordpreise eine Erhöhung er- fahren. In einzelnen Orten, besonders dort, wo die Akkordsätze am niedrigsten waren, tritt ein« ziemlich bedeutende Erhöhung ein. Dagegen haben die höchsten Akkordsätze eine Ermäßigung erfahren. Der Tarifvertrag erstreckt sich über ganz Rheinland-Westfalen. Die Arbeit ist überall wieder aufgenommen worden, , HusUncL Der Streik in Parma. Differenzen zwischen Syndikalisten, Partei und Gewerkschaften. In Parma hat am 29. Juli eine Konferenz getagt, bestehend aus Vertretern des Parteivorstandes, der parlamentarischen Gruppe, der gewerkschaftlichen.Zentralverbände(Confederazione del lavoro), der Landarbeiter-Federation und einer Anzahl von Arbeiter- kammcrn. um den Bericht der von denselben Verbänden eingesetzten Untersuchungskommisfton entgegenzunehmen. Es handelte sich um den Streik in Parma. Bei Beginn des Streiks hatten der Zentralverband der Land- arbeiter und die Arbeiterkammer von Parma gemeinsam zusammen- gearbeitet. Es war beschlossen worden, den Streik nicht auf andere Gebiet« übergreifen zu lassen. Diese Abmachung hat die syndika- listische Kammer nicht gehalten; sie suchte die Bewegung weiter auszudehnen, z. B. auf Borgo S. Donnino. Wegen dieser und anderer Dinge kam es zwischen den beiden Körperschaften bald zum Bruch. Die oben genannten Korporationen sahen sich schließlich veranlaßt, am 10. Juli ein Untersuchungskomitee einzusetzen und ferner, den Beschlutz zu fassen, die Verteilung der einlaufenden Unterstützungsgelder selbst in die Hand zu nehmen. Durch den Bericht der Kommission wird nun folgendes festgestellt: Die Zahl der Streikenden ist von den syndikalistischen Führern desselben matzlos übertrieben; mehr als 15 000 haben am Streik niemals teilgenommen, also weniger als die Hälfte, wie man nach den Mitteilungen der Führer glauben machen wollte. Trotz gegenteiliger Behauptungen ist jetzt der Streik zu Ende. Die Gelber, welche durch die Solidarität der Arbeiterklasse, namentlich durch die Aufrufe in der sozialistischen Presse, zusammengebracht wurden, sind zum Teil planlos vergeudet worden. Die Arbeits- kammer habe Fehler auf Fehler gehäuft. Die Kommission stellte in 35 Orten, die an dem Streik beteiligt waren, Erhebungen an und ermittelte in diesen 11 243 Streikende, einbegriffen die Frauen. Jetzt sind noch 8966 Personen vorhanden, die nach der Zählmethode der Syndikalisten noch als Streikende betrachtet werden könnten. Die meisten davon aber arbeiten bei den kleinen Pächtern, oder sind bei öffentlichen Arbeiten beschäftigt, während 1339 ausgewandert sind. An Arbeitslosen sind 2810 vorhanden, anderseits wurden im ganzen Gebiete etwa 4000 Streikbrecher festgestellt. Von einem Generalstreik konnte in Wirklichkeit zu keiner Zeit der Bewegung die Rede sein. Soweit die Feststellungen der Kommission, die auf eingehenden Ermittelungen beruhen. Die Konserenz beschloß, die Geldsamm- lungen durch das italienische Proletariat von nun an einzustellen. Die noch vorhandene Summe von zirka 24 000 Frank soll das Unter- stützungskomitee nur noch für die Opfer des Streiks verwenden (für Rechtsschutz, die Familien der Verurteilten usw.). Diese bedauerlichen Vorkommnisse sind nicht eine zufällige Er- scheinung, sie beruhen nicht auf Fehlern einzelner Personen, sondern auf den gegensätzlichen, prinzipiellen Anschauungen innerhalb der italienischen Arbeiterbewegung. Die syndikalistische Richtung sucht die Gewerkschaften immer mehr in das anarchistische Lager zu drängen, wo der Generalstreik als das einzige und wahre Mittel zur Befreiung der Arbeiterklasse gepriesen wird. Als der Kampf in Parma keine Apssicht auf vollen Erfolg mehr bot, fanden die Führer nicht den richtigen Weg zu einem würdigen Rückzüge. Grade von dort ab wendeten sie ihre, für die kämpfende Arbeiter- schaft so verderbliche Methode an, die darin besteht, den Kampf des Kampfes wegen zu führen. Die Syndikalisten finden ihren Rückhalt namentlich in den lokalen Arbeitskammern. Ihnen gegenüber stehen die zentralen Berufsvcrbände. Diese(dazu gehört auch der Zentralverband der Landarbeiter) und die Partei, die namentlich die Gelder für die Streikenden beschafft haben, fühlten sich deswegen mit Recht verpflichtet, einzugreifen, um Klarheit zu schaffen. Das oben wiedergegebene Resultat der Untersuchungs- kommission rechtfertigt durchaus das Vorgehen-der genannten Kor- porationen, Letzte JVacbricbtcn und Depefcben. Ein christlich-nationaler Protest. Die nationalen Arbeiter Groß-BerlinS nahmen gestern abend in einer äußerst zahlreich besuchten Versammlung in dem großen Saale des Germania-Jnnungshauses, Chauffeestraß?,- gegen die Be» günstigung ausländischer Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten, beson. ders bei den devorstehenden großen Kanalbauten, Stellung. Wie der Referent, Lizentiat Mumm, ausführte, habe gestern, nach. mittags 3 Uhr, eine Konferenz auf dem Ministerium der öffent» lichen Arbeiten mit dem Wirklichen Geheimen Regierungsrat Wöhr- mann unter Teilnahme der betreffenden Dezernenten und einer Vertretung der nationalen Arbeiter stattgefunden. Hierin wuüde seitens des Geheimen Regierungsrats Wöhrmann im Auftrage des Ministers der öffentlichen Arbeiten die Erklärung abgegeben. daß das Ministerium trotz der Aenderungen früher erlassener Be- stimmungen die Beschäftigung ausländischer Arbeiter bei Kanal- und Eisenbahnbauten den Tiefbauunternehmern nur dann gestat- ten werde, wenn eine einwandfreie Beschaffung einheimischer Ar» beitskräfte nicht möglich ist, daß insbesondere kein sich meldender geeigneter deutscher Arbeiter unbeschäftigt bleiben soll. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, in der von dem Bescheid des Ministeriums Kenntnis genommen wird. Weiter heißt es:„An- gesichts der großen Ausdehnung, welche die Beschäftignng ausländischer Arbeiter in Deutschland genommen hat, halten die Versammelten es für erforderlich, in breitester Oeffentlichkeit zu betonen, daß aus Gründen christlicher Nächsten- liebe wie aus Gründen nationaler Pflicht in einer Zeit wachsen- der Arbeitslosigkeit deutsche Arbeit in erster Line deutschen Arbei- tern zugewendet und die Beschäftigung von Ausländern bei öffent- lichen Arbeiten sowohl wie auch in der Industrie und im Bergbau auf das Maß des unumgänglich Notwendigen eingeschränkt werden muß. Die Versammelten beauftragen daher den Vorstand des Aus- schusses, ein Ersuchen in diesem Sinne a» die zuständigen Stellen weiterzugeben."'_ Generalstreik der Pariser Elektrizitätsarbeiter. Paris, 6. August.(W. T. B.) Die Elektrizitätsarbeiter finS heute abend in de« Generalausstand getreten, jbdab ei» Teil des Stadt»hne Licht ist._ Schiffsuntergang. Euxhaven, 6. August.(W. T. B.): Zu dem Untergang de? englischen Dampfers„Kirkwall" wird gemeldet: Der Dampfer war von Hu« loa mit Kupfererz nach Hamburg bestimmt. Um 11 Uhr nachts wurde der Dampfer von einer unbekannten Bark auf der Steuerbordseite im Maschinenraum angerannt und sank innerhalb einer Viertelstunde. Der Steuermann Thomas JaneS und der Bootsmann John ScellakiS hatten sich mit dorn zweiten Ingenieur und drei Heizer» auf Planken gerettet, doch mußten die vier letztere« nach einiger Jett wogen großer Er« schöpfung loslassen und ertranken. Jane» und ScellakiS wur- den heute morgen um 7 Uhr von dem Hamburger Schlepper „Simson" aufgefischt und nach Cuxhaven gebracht, wo sie mS Krankenhaus gebracht wurden. Es wird angenommen, daß den Kapitän des Schiffes, Matthews, und die übrige Besatzung er» trunken ist. Da man von der Bark keinerlei Spur gefunden hoch vermutet man, daß auch diese mit der gesamte» Besatzung unter- gegangen ist._ Von der Cholera. Petersburg, fl. August.(W. T. B.) Nach Meldungen auS Astrachan find dort heute 22 Erkrankungen au Cholera zu»er») zeichnen, von denen vier tödlich verlauf«, sind. Sect dem Ausbruch der Epidemie im Gouvernement Astrachan sind 105 Erkrankungen und 40 Todes- fälle verzeichnet. In Zarhzyn erkrankten bis zum 8. d. M. 113 Personen und starben 66, in Sarai ow erkrankten bis zu« 4. d. M. IL und starben 4 Personen. Schwerer Unfall. Stargard, 6. August.(B. H.) Hier kippte auf dem Rittergut Schellin eine von heimkehrenden Erntearbeitern dicht besetzte Lowry bei dem Nehmen einer Kurve um und begrub die Arbeiter unter sich. Schwerverletzt wurden 5 Arbeiter, 7 wurden leichter verletzt. Starke Gewitter in der Pfalz. Ludwigshafen, 6. August.(B. H.) Gestern sind in der Vorder- Pfalz mehrere Gewitter mit furchtbarem Hagelschlag nieder- gegangen. Der angerichtete Schaden in den Weinbergen ist un- geheuer, soweit er sich bisher übersehen läßt— Pockenherd. Victoria, 6. August.(B. H.) Man befürchtet den Ausbruch einer Epidemie unter den aus Fernie und Michel Geflüchteten. 2000 Frauen und Kinder sind ohne hygienische Vorsichtsmaßregeln zusammengepfercht. Es sind bereits 2 Pockenfälle festgestellt. Die augenblicklich herrschende große Hitze verschlimmert noch die Lage. üfergat«. Redakt.: Qftm Davtd�hll. Salin. Inseratenteil verqntw.: Ttz. Glocke, Berlin. D-�ck u. Verlag: Bopstärts Buchdr. u. VsrlqgSanstall Paul Sinaer äcöo.. täulinSW. Hierzu LMstssro Ifattatetolteattttl» St. 183. 2S.?chrgws. 1 Sfilnjt des Joraitte" Sttlintt IsllisM. kreitag, 7. Angust 1908. Nevvttr Nerbandstag des Verbandes der Fabrik-, Fand- Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen Veuifchlands. München, ö. August. � Die GcneraldiSkusfion über den Punkt Ausbau der Organisation nahm den ganzen dritten Verhandlungstag in Anspruch. Insbesondere nahm die Frage der Anstellung von Agitationsleitern und die Einteilung der Agita- iivKvhrzsrkS-Liuen breiten Raum der Debatte ein. Die Delc- gisrtetr von.(Schlrettifurf, t�üifh und istrecheiZddrf wünschen, daß santlllche ungelernte Arbeiter in einem Verbände vereinigt werden. Eine Reihe von Rednern wenden sich gegen diesen Ä-rschigg und werfen die Frage auf. was in diesem Falle mit den u n g e't r r I> I,« l r«» l> c! t-- n g!?schehon solle. Der Delegierte von Stuttgart wünscht für Süddeutschland die An- stellung eines der italienischen Sprache mächtigen Kollegen, der die Agitation unter den italienischen Ziegelarbeitern zu betreiben hätte. Der Delegierte von Harburg verlangt für die an der Unterelbe(Kchdingen) beschäftigten Ziegeleiarbeiter die An- stellung eines Agitationsleiters. In diesem Gebiete seien 4— 5000 Ziegelarbeiter beschäftigt.— Ein anderer Redner verlangt für das Ruhrgebiet die Anstellung eines Agitationsleiters. In diesem Gebiete seien noch zirka 130 000 Arbeiter in 122 Orten organisa- tionsfähig. Ein eigener Agitationsleiter für dieses Gebiet wäre schon deshalb notwendig, weil dort die christliche Hochburg sei, die Agitation schwierig und der Fabrikarbeiterverband von anderen Gewerkschaften dort nur wenig oder fast gar keine Unterstützung habe. Der Vertreter der Gcncralkommission.Genosse Sabbath empfiehlt die Anträge, sämtliche ungelernte Arbeiter in eine Organisation zusammenzuschließen, abzulehnen, weil sonst der Verband aus den Grenzstreitigkeiten nicht mehr herauskäme. Andere Organisationen würden dann immer mehr dazu übergehen, die in ihrer Branche beschäftigten Arbeiter ihrer Organisation zuzuführen, da in vielen Fällen die Grenze zwischen gelernten und ungelernten Arbeitern schwer gezogen werden könne. Be- züglich der Agitatton unter den fremdländischen Arbeitern habe die Generalkommission getan, was sie tun konnte. Der Wunsch, unter diesen Arbeitern mehr Agitation zu treiben, sei berechtigt, doch sei die Agitation mit großen Schwierigkeiten verknüpft, weil es an deutschen Kollegen mangelt, die die italienische Sprache ge- läufig beherrschen. Ein italienischer Kollege würde, könnte er für die Agitation gewonnen werden, sicher der Ausweisung verfallen. Da sei eS zu empfehlen, dies« Agitation in kleinen Zirkeln zu betreiben. Die Generalkommission würde diesbezügliche Wünsche, soweit möglich, gerne erfüllen und geeignete Kräfte zur Verfügung pellen. Ei« Antrag auf Schluß der Debatte wurde angenommen. Am Donnerstag steht das Referat des Kollegen Schneider- Hannover über die Lnndarbeiterfrage auf der Tagesordnung. Korreferent ist Kollege S e w e k o w» Berlin. Der Referent schlägt folgende Resolution zur Annahme vor: .Der 9. VerbandStag des Verbandes der Fabrik-, Land-, Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen erklärt sich mit dem Beschluß der Konferenz der Zcntralvorstände vom Dezember 1S07: Gründung einer selbständigen Organisation für Land» und Waldarbeiter, unter der Voraus- setzung einverstanden, daß diese Organisation nicht auf die der Gewerbeordnung unterstehenden landwirtschaftlichen Neben- betriebe ausgedehnt wird.' Die Resolution des Korreferente« lautet wie folgt: »Ausgehend von dem Gedanken, daß die Bestrebungen der organisierten Arbeiterschaft daraus gerichtet sind, sich immer mehr zu großen, leistungsfähigen Verbänden zusammen zu schließen, erachtet es der 9. Verbandstag der Fabrik-, Land», Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen für notwendig, die Landarbeiter auch fernerhin in unserer Organisation, und zwar als besondere Sektion zu belassen.' > München,«. August.(Privatdepesche des.vorwärts'.) Der Fabrikarbeiterverbandstag beschloß die Gründung eines eigenen Land- und Waldarbeiterverbandes mit 7S gegen S1 Stimmen. kleines feuilleton. Das neue Leben in der Türkei. In einem Briefe aus Kon- stantinopcl gibt Jean Rodes, der Korrespondent des„Temps", ein lebendiges Bild von dem neuen Leben und Treiben der Bosporus- stadt und von den Umwälzungen, die seit der Einführung der Ver- fassung mit einem Schlage der ganzen Stadt ein neues Gepräge gegeben haben. Nur das Auge konnte vordem an der Farbenpracht der orientalischen Welt sich erfreuen. Still und mit einer gc- wissen Bedrücktheit wickelte früher der Verkehr in den Straßen Konstantinopels sich ab, ein jeder fühlte sich umstrickt von den mißtrauisch beobachtenden Blicken der heimlichen Spione, und scheu barg der Bürger die Zeitungsnummer im Gewände, die ein Freund ihm vielleicht verschafft hatte. Der Fremde, der das alte Konstantinopel kannte, steht vor dem neuen wie vor einem Wunder. Schon die erste Berührung mit den Beamten zeigt den völlig ver- änderten Charakter dieses neuen Lebens. Wenn man ehedem mit der Aussicht auf unangenehme Scherereien und endlose Umständlich- leiten der Zollrevision entgegenging, erfüllt man hiermit heute eine Formalität, die kurz und schnell sich abspielt, wie in jedem westlichen Staate. Der Hotelbediente, dem man die altgewohnte Besorgnis ausdrückt, beruhigt einem mit einem überzeugten Lächeln.„O nein, jetzt, da wir die Freiheit haben, geht das alles viel schneller." Und in der Tat, die Zollbeamten, die sonst mit mißtrauischem Blicke die Koffer und Taschen bis in die letzten Winkel durchstöberten und das kleinste Buch mit Beschlag belegten und jeden photographischen Apparat mit der peinlichsten Genauig- keit untersuchten, sie werfen jetzt nur einen halb zerstreuten Blick auf das erste Gepäckstück, das man ihnen öffnet, und lassen den Rest ohne weiteres passieren. Gerade diese ruhige Gelassenheit illustriert den vollkommenen Shstemwechsel vielleicht mit größerer Eindringlichkeit, als der ungewöhnliche, laute, frohe Jubel, der heute aus den sonst so schweigsamen Straßen einem frisch und frei entgegentönt. Kaum ist man auf der Straße, so sieht man sich im Herzen einer fröhlichen heiteren Volksmenge. Straßauf, straßab ziehen Züge von feiernden Menschen, überall tauchen Redner auf, ihre kurzen Ansprachen werden von jubelnden Zurufen unter- brachen, alle Augen leuchten, auf allen Lippen liegt ein Lächeln und oft hört man ein frohes, befreites Lachen, das bei den sonst so ernsten Türken doppelt auffällt. Wo vor 14 Tagen noch der Besitz einer Zeitung usw. konipromittiercndcs Belastungsstück war, tönen jetzt weit hinschallcnd die Rufe der Zeitungsjungen durch die Straßen, und überall leuchten die Farben von Fahnen und Bannern, von Schleifen und Kokarden. Als die Presse zuerst die Nachricht von dem Erlaß der Konstitution brachte, wollte niemand eS glauben. Mit der altgcwobnten, hastigen und ängstlichen Geste verbargen die Bürger das bedruckte Papier mit der überraschenden Freudenbotschaft, und in aller Mienen spiegelte sich sekundenschnell der Gedanke:„Wenn nur kein Spion mich mit der Zeitung ge- sehen hat." Aber bald drang der Jubel durch und bei einem Volke, das so lange schweigen und bangen mußte, entlud sich die Freude in um so frischerer und fröhlicherer Weise. Jetzt, da jeder aus- sprechen darf, was er denkt,. mutz auch jeder diese Freiheit erproben, und überall tauchen die Redner auf, um für wenige Sätze sich durch den tosenden Beifall der Menge belohnt zu feheu. Drunten aa 1 Hus Induftrie und f)andeL Tätigkeit der Syndikate. Das K o h l e n shndikat vergrößert seine Lagerplätze in den Rheinhäfen Duisburg-Ruhrört und innerhalb des Jndustrievezlrks; auch im Auslande unterhält es große Lagerplätze für Kohlen, Koks und Briketts. In der Preisbildung trifft das Kohlensyndikat nun- mehr eine Aenderung, indem die Preise nicht mehr im Herbst für das ganze Jahr festgesetzt werden sollen, sondern nach dem Muster des Stahlwcrkverbandcs semester- oder guartalweise, wodurch man„Mißgriffe' wie im Jahre 1907 vermeiden will. Mit Rücksicht aus die schlechte Lage des Koksmarktes wurde für Juli und August eine 40prozentige Einschränkung festgesetzt. Sebr lebhaft sind die Organistüi-mSb� rebungen ig drt Textil- brauche. So ist zwischen der Einkaufsvereinigung westdeutscher Manufakturisten in Rheydt und der Einkaufsgenossenschaft für Kurz-, Weiß- und Wollwaren in Erfurt eine Interessengemeinschaft ab- geschlossen worden. Die Mitglieder beziehen gegenseitig den Bedarf voneinander, beteiligt sind 250 Geschäfte. Die unerfreuliche Lage der deutschen Seidenindustrie veranlaßt die Fabrikanten. eine Minde- rung der Produktion zu erwägen. Der Verband der Juteindustriellen hat für alle Garnsorten und andere Produkte die Preise herabgesetzt. Zwischen den belgischen, österreichischen und deutschen Flachsspinne- reien ist ein Abkommen über eine gemeinschaftliche Betriebs- einschränkung erzielt worden. In der S p i e g e l g l a S i n d u st r i e hat sich die Lage des Marktes derart verschlechtert, daß schon im Juni eine fernere SOprozentige Einschränkung vom internationalen Verbände an- geordnet wurde. Die Mehrzahl der deutschen Fabriken führt dies derart durch, daß sie nur an 15 Tagen im Monat arbeiten lassen. Inzwischen ist das internationale Kartell erneuert worden. Das Inkrafttreten des Vertrages wurde jedoch von dem Zustandekommen einer Verständigung mit den Werken Pilkington abhängig gemacht. Das Syndikat der deutschen Tafelglashütten hob die jüngste Preis- ermäßigung wieder auf, da die Firma Hirsch und Bedrich in Rade- berg ihren Beitritt erklärt hat. Die sächsischen und rheinischen Hütten sind nunmehr sämtlich im Syndikat. Ueber die Bildung einer Einkaufsvereinigung von Schuh- Händlern ist eine prinzipielle Verständigung zustande gekommen. Bisher haben 100 Schuhhändler ihren Beitritt erklärt. Ende Juni fand die sechste ordentliche Mitgliederversammlung des Verbandes elektrotechnischer JnstallationS- firmen statt, zu welcher auch befreundete Verbände Oesterreichs und der Schweiz Vertreter entsendet hatten. DaS Hauptziel des Verbandes geht dahin, die Leistungsfähigkeit dieser Branche zu heben. Der Vereinigung gehören 380 Starkstromfirmen an. Die innerhalb des Verbandes bestehende Einkaufsgenossenschaft erzielte einen Jahresumsatz von rund 1 Million Mark, hinzu kommen KommissionS- gefchäfte in gleichem Umfange. Behufs Durchführung einer um- fassenden Organisation des Verbandes, wurde eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge beschlossen. Zollprügel für die Arbeiterschaft. Bei den Veratungen im Reichstage vor dem Inkrafttreten der neuen Handelsverträge am 1. März 1907 war von den linksstehen- den Parteien immer wieder darauf hingewiesen worden, daß die Zollerhöhungen teils infolge der Verteuerung der Rohstoffe, teils wegen der zu erwartenden Regvessivmaßnahmen der anderen Staaten, die Industrie zu schweren Krisen führen müßten, deren Folgen in erster Linie die Arbeiter zu tragen hätten; trotzdem war die Annahme erfolgt. Jetzt zeigen sich die vorausgesetzten Folgen in dem Rückgang der Konjunktur zW allen Jndustrieen und in der geradezu bedenklich wachsenden Arbeitslosigkeit. Welche Zunahme diese aufweist, lassen am besten die Auswendungen der Gewerkschaften für Arbeitslosenunterstützung erkennen. Im Jahre 1900 waren hierzu 2lh Mill. Mk., im Jahre 1907 nicht weniger als 8 Mill. Mk. erforderlich, und nach vorläufigen Schätzungen wird das Jahr 1908 noch wenigstens die Hälfte mehr in Anspruch nehme«. Der unmittelbare Zusammenhang zwischen der Arbeits- losigkeit und den Handelsverträgen läßt sich für einzelne Jndu strien ganz überzeugend nachweisen. So ist die chemische Industrie, die bisher mit bestimmten Produkten i>n Oesterreich und Rußland den Markt beherrschte, infolge der Zollerhöhungen auf ihre Roh- stoffe gezwungen worden, im Auslande zahlreiche Filialen zu ev richten, um weiter konkurrieren zu können. Dementsprechend wurde der Betrieb im Jnlande eingeschränkt, Hunderte von Arbei- tern mutzten entlassen werden, während nicht nur ausländische Arbeiter in neu errichteten Filialen Arbeit fanden, sondern hier gleichzeitig zur Konkurrenz gegen den inländischen Arbeiter er- zogen wurden, indem sie Tätigkeiten erlerntem, die ihnen bisher fremd gewesen waren. Ganz ähnliche Erscheinungen zeigen sich in der Papierverarbeitungsindustrie, die ganz hervorragend als Export- induftrie anzusprechen ist. Hier sind durch die Handelsverträge die Rohstoffe so verteuert worden, daß die Produktion ganz erhebliche Einschränkungen erfahren hat, und der Export nach den Handels« Vertragsländern, insbesondere Oesterreich-Ulrgarn und per Schweiz, ganz erheblich zurückgegangen ist. In der Eisenindustrie ganz Stee selben Klagen: ganz erheblich geringerer Absatz wie im Vorjahre, daher geringere Beschäftigung und größere Arbeitslosigkeit! Ueber daß Daniederliegen der Bautätigkeit hat die �Sozialpolitische Rundschau" vcreliS" berichtet, durch dn h«»schrnd« Deprefsto» werden wieder andere Industrien in Mitleidenschaft gezogen. Die Zinkindustrie erwartet eine Besserung ihrer Lage von einer Wieder- belebung der Gautätigkeit. Seit dem Inkrafttreten der neuen Verträge ist wenig mehr als ein Jahr verflossen und schon zeigen sich diese nachteiligen Wirkungen. Dabei ist der Höhepusnkt noch nicht erreicht. Die Abwanderung der Beschäftigung nach dem Aus- lande hat erst begonnen sie wird noch größeren Umfang annehmen, wenn die Filialerrichtungen im Auslände erst alle durchgeführt sind. Der Arbeiter aber ist es. der die Folgen einer kurzsichtige Wirt- schaftspolitik an seinem Leibe spüren muß. Deutschlands Eisenverbrauch. Nach dem soeben veröffentlichte« Jahresbericht des»Vereins zur Wahrung der wirtschaftlichen Interessen der Eisen- und Stahl- induftrie von Elsaß-Lothringen und Luxeinburg' für das Jahr 1907 Kai von Therapia ist es jetzt leer. Bis bor kurzem konnte man dort täglich eine lange Reihe von Fischern sitzen sehen, die an- scheinend ihrem Berufe oblagen. Aber man kannte sie z« genau: es waren die geheimen Spione, die hier darüber wachten, wer etwa hinaufschritte zu den fremden Botschafterhotels, und wehe dem Türken, der auf diesem Gange getroffen wurde. An dem Tage, da die Geheimpolizei aufgehoben wurde, lag der Kai verödet, und nicht einen einzigen Fischer sah man mehr am Ufer hocken. Alle diese kleinen Einzelheiten mutzten immer neue Wogen der Be geisterung entfachen. Anthropologis ch es. In seinem bekannten Gedicht:.Wallfahrt' schildert Heine, wie die abergläubische Bevölkerung zu Kevelaar in der Kirche Wachsopfer darbringt: und wer eine Wachshand opfert, dem heilt an der Hand die Wund' und wer einen Wachsfuß opfert, dem wird der Fuß gesund... W eh r h a h n- Frankfurt a. M., ein Spezialist für Votivforschungen, berichtete in der vierten Sitzung des Anthropologcn-Kongresses, daß diese Darbringung von Wachsopfern auch heute noch in Deutschland viel verbreiteter ist, als man glauben sollte, besonders in der Rheinebene. Aller- dings„genieren" sich die meisten Opferer, so offen ihren Aber- glauben darzutun, es gibt aber zahlreiche„Spezialgeschäfte" für Füße, Hände, Arme und ganze Körper aus Wachs, die Verkäufer werden mit der Aufgabe betraut, den für gutes Geld angekauften Gegenstand(Wehrhahn fand besonders in Sayn hervorragend schöne, handgeformte wie gegossene Muster) in die Sakristei der betreffenden Wallfahrtskirche zu bringen, an den sogenannten Opfertagen werden die gespendeten Wachsfiguren dort ein- geschmolzen und von dem Kirchenvcrwalter wieder verkauft. In Koblenz a. Rh. wird das Geschäft noch ganz offen betrieben, dort halten an den Opfertagcn Hökerfrauen Wachsaugen für Augcnkranke, Wachsfinger für Nagelkranke usw. auf öffentlichem Markte feil, und die Altäre der Kirchen Bauernhöfen und Maria- hilf a. Rh. sah der Referent dicht besteckt mit solchen Wachs- Produkten. Ucbrigens findet sich der Glaube, daß man durch Opfer- spenden böse Geister und Krankheiten abwenden könne, auch in protestantischen Gegenden Deutschlands, wofür der Referent Bei- spiele anführte, allerdings wird dort meist Geld gespendet» und zwar muß das nach dem Volksglauben von jungen Müttern z. B. während der Absingung des letzten Kirchenliedes geschehen. Auch in des Referenten Heimat Lippe herrscht der Brauch noch und wird selbst von sonst sich recht„freisinnig" Gebarenden geübt. Mit großer Spannung wurde von der Versammlung ein Verickü von Dr. Elbert aus Essen a. Rh. entgegengenommen über prähistorische Funde auf Java. Ungefähr 45 Kilometer von der Stelle entfernt, wo vor etwa 15 Jahren der holländische Arzt Eugen Dubois die Reste eines fossilen Affenmenschen fand, entdeckte Dr. Elbert in einer sechs Meter dicken Sandschicht einen primitiven Tonherd und an zwei anderen, geologisch gleich- artig gelagerten Stellen auf Ostjava zwei noch primitivere ans zusammengestellten Steinen bestehende Feuerstellen, eine davon mit angebrannten und zum Teil gespaltenen Knochen. Dem geologischen Alter dieser Kulturschichten nach müßten also unsere affenahnlichen Urväter in der Zeit zwischen Pliocän und Diluvium schon den Gebrauch des Feuers gekannt haben. Erhalten wurden Saatenstand i» Deutschland Mitte Juli 1903. Für den Saatenstand in Deutschland Mitte Juli sind nach der Zusainmenstellung des kaiserlichen Statistischen Amts, die für die einzelnen Staaten und Landesteile im.Reichsanzeiger' veröffentlicht wird, die Noten folgende(Nr. 1 bedeutet sehr gut, 2 gut, S mittel; die Zwischenstufen sind durch Dezimalen bezeichnet): 1903 1907 Juli Juni Mai April Juli Winterweizen....... 2,3 2,1 2,3 2,6 2,8 Sommerweizen....... 2,6 2,5 2,6•— 2,4 Winterspelz(auch mit Beimischung von Roggen oder Weizen).. 2,1 2,1 2,1 2,3 2.3 Winterroggen....... 2,4 2,3 2,6 2,6 2,6 Sommerroggen....... 2,5 2,3 2,3— 2,3 Sommergerste....... 2,6 2,4 2,3— 2,2 Hafer.......... 2,8 2,4 2,5— 2,3 Kartoffeln........ 2,7 2,7—— 2,4 Klee(auch mit Beimischung von Gräsern)........ 2,6 2,0 2,3 2,6 8,0 Luzerne......... 2,5 2,1 2,2 2,5 2,6 Bewässerungswiesen..... 2,2 1,8 2,0 2,3 2,2 Andere Wiesen....... 2,7 2,1 2,4 2,8 2,7 Der Stand des Getreides hat sich also seit Mai etwas gebessert; nur Sommerroggen, Sommergerste und Hafer stehen etwas schlechter. Im ganzen ist demnach auf eine mindestens gleichwerttge Getreide« ernte wie im vorigen Jahre zu rechnen. Die Kartoffelernte wird allerdings voraussichtlich etwas schlechter ausfallen. diese merkwürdigen Fundstellen nur durch den Umstand, daß sich eine zirka 23 Meter starke Lehmschicht über die betreffenden Kultur» stellen schob, jedenfalls die Ablagerung eines mächtigen Schlamm« fluffes. Die Schlammschicht fand Elbert stark durchsetzt mit Pflanzenresten aus der Hochgebirgsflora; die mehrfach aufgestellte Behauptung, daß der Litbecantbropus crectus(der aufrechtgchende Affenmensch) in ziemlich rauhem Klima gelebt haben müsse, findet dadurch Wohl eine neue Bekräftigung. Nach einer Reihe weiterer Borträge wurde der Kongreß ge- schlössen. Der nächste findet 1909 in Posen statt. Notizen. — Der internationale Historl!er!oogreß wurdv in der Berliner Philharmonie eröffnet. � Der Leiter der dänischen Grönlandexpedition, MyliuS E r i ch f e n, und zwei seiner Gefährten sind einer tele- graphischen Meldung zufolge auf dem Grönlandeise gestorben. Die Erfolge der Expedition werden als vorzügliche bezeichnet. Ueber ganz Grönland wurden Karten entworfen. — Maßregeln gegen Tolstoi. Ueber die Folgen, die die Veröffentlichung des Artikels„Ich kann nicht schweigen' für Tolstoi gehabt hat, wird dem Londoner.Globe' aus Petersburg gemeldet: Die russischen Zeitungen, die den Artikel abgedruckt haben, wurden sämtlich bestraft und zum Teil für unbestimmte Zeit unterdrückt. Ferner wurde allen Stadtverwaltungen, die um die Erlaubnis einkamen, das Jubiläum des großen Dichter« Philosophen zu feiern, augenscheinlich aus Veranlassung der Zentral- regierung diese Erlaubnis verweigert. Die Universität Kasan hatte beschlossen, Tolstoi zum Ehrenmitglied zu ernennen; darauf sandte der Unterrichtsminister an alle Universitäten ein Rundschreiben, in dem der Beschlutz dcS Universitütsrates von Kasan heftig getadelt und eine Untersuchung angeordnet wird, ob die Dozenten jener Universität regierungsfeindliche Ideen hegten. In Saratow hatte der Gemeinderat beschlossen, für den 10. September,- dem GcburtS- tage Tolstois, den Unterricht in allen Schulen ausfallen und öffent- liche Vorträge über das Werk des großen Dichters halten zu lassen; aber der Gouverneur verbot diese Veranstaltung, obwohl die Schul- angelegenheiten ausdrücklich Sache der Stadtverwaltung sind. — Lex Heinze in Brooklyn. Auch in Amerika wird die Moral fortwährend gerettet, und speziell in New-Dork gibt es Leme, die mit einem wahren Zelotismus den Feldzug gegen alles Nackte unter- nehmen und selbst in den unschuldigsten Dingen eine Gefährdung der Moral erblicken. Großes Aufsehen erregt nun in Brooklyn der Fall der vierzig kleinen Gipskinder. Es handelt sich um die kleinen Gipsstatuen in den Nischen der neuen Musikakademie. Die Statuetten stellen kleine Kinder in ihrer natürlichen Gewandung dar. Selbst diese unschuldigen Kleinen in Gips erweckten durch ihr paradiesisches Kostüm den Ingrimm der Sittlichkeitsapostel. Hunderte Proteste wurden von ihnen gegen die völlige Nacktheit der Gipsfigurcn ge- richtet, manche enthielten sogar die Drohung, man werde die schlüpfrigen' Figuren zerstören. Da sich unter den SittlichkeitS- aposteln auch mehrere sehr einflußreiche Persönlichkeiten befanden. mußte man ihrem Begehren Folge leisten, und die vierzig kleinen Kinder in GipS erhielten paradiesische Bekleidung, so daß sie sich nunmehr mit de» üblich» Feigenblätter« präfentteren. 6ericbt9- Zeitung» Lokalboykott grober Unfug? Wiederholt haben wir Gerichtsentscheidungen mitteilen müssen, KoIporlcure zum Preise von 3,23 M. pro Ouartal zu beziehen i jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Probcnummern stehen jederzeit zur Verfügung. Von der„Gleichheit". Zeitschrist sür die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 16 des l8. Jahr- ganges zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Franz Joses Ehrhart f— Di« weiblichen Beamten im neuen badischen Beanitengcsetz. Von ag.— Der Internationale Fraucnstimmrcchtskongreß zu Amsterdam.— Agitation unter den Dienstboten. Von Helene Grünberg. (Schluß.)— Agitation in Braunschweig. Von Luise Zieh.— Aus der Bc- wegung: Von der Agitation.— Von den Organisationen.— Die Lese- nbcndc der Berliner Genossinnen.— Politische Rundschau. Von H. B.— Gelverkschastliche Rundschau.— Genossenschastliche Rundschau. Von H. Fl. — Notizenteil: Dienstbotensrage.— Frauenstimmrecht.— Sozialistische Erauenbcwegung im Ausland.— Feuilleton: Vollssest. Von Alexander iellnnd. Für unser« Kinder: Reiterlied. Aus Schiller?„Wallenfteins Lager'.(Gedicht.)— Der Sklavenausstand in Sizilien. Von K. D.— Mecrsahrt. Von Ferdinand Freiligrath.(Gedicht.)— Wie Simplizlus beim Psasfen den Speck holte. Von A. Fendrich.— Jüngst sah ich den Wind. Von Arno Holz.(Gedicht.)— Von denen, die rückwärts marschieren. Von Brand,— DaS Kntschpserd. Von Chr. F. Gellert.(Gedicht.)— Kaschtanka. Eine Hundegcschichte von A. Tschechow. Aus dem Rusfischcn von A. Lampert.— Die steche Gesellschaft. Von R. Rcinick.(Gedicht.) Die.Gleichheit' erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 16 Ps., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld öS Pj., unter Kreuzband 85 Ps. JahreSabvlmement 2,60 W._ BrUfkartcn der Redaktion. Die siirlftts», Evrechstunde finde» Ltndenftraße Skr. 8, zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppen, W Fahrstuhl Wsg, wochentiigltch abends von?'/, bt« Sy, Uhr statt.«teöfioet? Uhr eonnabend» beginnt die eprechftlillde NU, a Uhr. Jede» Anfrage ist ein Buchstabe und ein« Zahl als Merl, eichen beizusiigeu."Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Evrechstunde vor. H. E. 100. 1. Zwestmddreißtg. 2. vier.— P. R. 10. Wenden Sie sich an das hiestge Bczirkskomniando.— O. 89. 100. Ja, es müßte ein notarieller oder gerichtlicher Vertrag geschlossen werden. Wahrscheinlich — Ihre Darlegungen lassen daS nicht sicher erkennen— leben Sie entgegen Ihrer Annahme schon jetzt außer Gütergemeinschaft.— M. H. 78. 1. New. 2. Ja. 3. Das würde abgelehnt werden.— 8, 48. New.— E. S. 41. Ja, die einzelnen Kirchengemewden haben sür die Heran- ziehung zur Steuer verschiedene Grundsätze.— O. R. 100. New. — Edgar 9. Die Klage bat leider sehr wenig Aussicht aus Ersolg. Der Vater würde nur dann sür schadensersatzpflichtig erachtet werden, wenn an- genommen wird, der Unglückssall wäre nicht eingetreten, wenn der Vater seiner ellerlichen AussichtSpslicht genügt hätte.— A. K. Wenn vereinbart war, der Vertrag solle erst durch die Unterschrift Gültigkeit erlangen, so läge w Ihrem Falle Ungülilgkctt vor. Ist keine solche Abrede getroffen, so ist der Vertrag bindend.— R. H. 83. 1. Ja, aus Zahlung der Mete. 2. New.— Erfinder. Wenden Sie sich direkt an das Patentamt.— 8. P. 75. Die Ehesrau ist keineswegs verpflichtet, Schulden(einschließlich Eß- und Trinkschulden) ihres Mannes zu bezahlen. Anders liegt es in den Fällen, in denen ehellche Gütergemewschast vertraglich vereinbart ist.— R. R.1010. Eine Klage Ihrer Tochter hätte Aussicht aus Erfolg.— S. F. New. kmim cipieltoffert: Schollen"12 22= QoMba»eh20«>»*S0 (Ersatz für Zander) PI. ille anderen SeeHsebe tilgst. dentsebe Santplfiseherei-üesellsebaft„Kordsee" aahÄTrse. Größte HocIiSEelisclierei Deutschlanits Zen,;a,;F1?.rnIS™!her 60 eigene Flnchda.npfer.... A"j f"" Eig KUhlwaggonsz. Seefischtransport. Seefisch-Kochbuchap gratit. Um TcrwechselnngoB mit ähnlich lautender Firma zu vermeiden, achten Sie genau auf unsere volle Firma. gitr den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem kpndliknm gegenüber keinerlei Berantwortnng. Zhcater. Freitag, de» 7. August. Rene»»gl. Opernthcater. Ge- schloffen. Ansang 8 Uhr. Ren eS. Der Zerrissene. Neues Schauspielhaus. Die Dollarprwzessin. «keines. 2X2—6. 8«stspielhnus. Die blaue Maus. Westen. Ein Walzertraum. Gchtiter O.(Wallner- Theater.) Stradella. Friedrich< Wilhelmstädt. Schau- spielhaus. Ew Rabenvater. Bernhard Rose. DaS Geheimnis von New Aork. WIetropot. Das muß man seh'». SlpoNo. Vera Bioletta. Spe> zialitäten. Gebrüder Herrnfeld. Da» kommt davon. Vorher: ES lebe daS Nachtleben. Passage. Berlin w Stimmung. Spezialitäten. Berliner P rater. Die Well ew Paradies. Ansang 7 Uhr. Carl Haverland. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Urania. Dnudenitraße 48/49. Die deutsche Nordseeküste. Sternwarte. Jiwalidenstr. 67192. Schiller-Theater 0. (Wallner-Theater) Mortvitz-Oper. Freitag, abend» 8 Uhr: Gastspiel Ilelurlch BOtel: Alennandro Stradella. Romantische Oper in 3 Akten von Fr. v. Flotow. Sonnabend, abends SUhr! Oberon, KUnlg der Elfen. Sonntag, nachm. 8 Uhr, bei halben Preisen! Oarmen. Sonntag, abends 8 n b et Gastspiel Heinrich BOtel. Martba oder Oer Markt zu Rlcbmond Kleines Tbeater. Freitag, den 7. August er.. Ansang S Uhr: 2 mal 2= 5* Sonnabend: S mal S-- S. Sonntag: Ä mal 2— 5. Montag: 2 mal 2— 5. Tbeater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Ein Walzcrtraum. Operette von OSka» Strauß. fsisilsieMköUntislides s uhr. Scfiauspielhaus.« uhr. Sommerspielzeit. Leitung v. G. Piltz. Freitag, den 7. August: Ein Babenvater. Schwank W3 Akten v.Jarno u. Fischer. Sonnabend: Ein Rabenvater. Sonntag: Ew Rabenvater. n.ll»tSploßKSKIS. Abends 8 Uhr: Die blaue Maus. �.Zft)scks7keatsr vtrektion: Roh. Olli. Bruniienstr. l« Kulicke im Familienbad Wannsee.'/.'° Vorher: Die erstklaff. Spezialitäten. Max u. Moritz, musikal. Ballspiele. Ans. S Uhr. Kaffeeküche 3-6 Uhr. Sonnab.: Ein treues Menschenherz. T.i'cBttr I Weinbergsweg 19/20, Rosenth.Tor. I Spezialitätenvorst, im garten| Bei ungünst. Witterung i.Sheater. Dressierte Elefanten. �nsan�de�orstsllun���hr� Urania. Wiasenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr; Die deutsche Nordseekoste. ZfiOlOmiHtR CARTEN Beate, ab 5 Ehr nachm. GastspieS der Kapelle d. Leib-Orcn.-Rgts. „König Friedr. Wilhelm III." (1. Brdbg.) No. 8, Dirigent: Kgl. Stabshoboist W. Eebede-Frankl a. O. Brunnen-Theater Badstraße 58. Direkt.; Willi Voigt. Täglich: Unsere blauen Jungens. Crsthlasßge SpeMlitiiteu. ßollinl Truppe The 5 Violettes Kurt Ellys Powel and Powel WE- Adolf Uartlcy."DW Eröffnung 2 Uhr. Ansang 4'/, Uhr. Voroerkaus von 10 Uhr ab. Freitag, den 14. Aug.: Gr. Benefiz- Vorstellung für K&ta Bach. Melropol-Theater Zum 323. Male: Revue in 12 Bildern m. Ges. und Tanz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. slWUllWklM Gr. Franksurter Str. l3S. Das Geheimnis v.New York Ans. 8 Uhr. Sommerpreise. Aus der Kartenbühne: Theatervorstellung. Spezialitäten. Ansang 4'/, Uhr. U. a.: Vweta. Karl Braun. P. Corsdlni Reichshalien-Theator Täglich: SteUmer Sänger. Ans. Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Reichshalleu-Garten und Restnurant: Mititär-Sonzert. 1 Passage-lTeatein Abendif 8 Uhr: BELLINI I Der König aller Gedankenleser l * mit seinen noch nie gesehenen,[ ans Unglaubliche grenzenden j ::: Gedankenübertragungen::: Das groSartlge August-Programm I Grete Gallus, Fritz Steidl usw. usw. � !-Pi Oboe Extra-Entree. Der Riese aller Riesen Pisjakoff Eintritt 50 Pf. Kinder, Soldaten 25 Pf. r-lD C M an, große Zukunft, in I rtl. u lu. Bernau. Doppelter Wert. Brunuholar. Berlw. Nollendorlllr. 3. Oebrüder Herrnfeld- Anfang 7ha9fai> Vorverk. 8 Uhr. UKalCr. n-2Uhr. 67 Kommandantenstr. 67 Täglich die Novität: Bas loimt davon! mit dem Vorspiel: „Es Ick öas HaeMlcko!" Komödie in 3 Akten von Anton und Donat llerrnfcld. Promenaden-Konzert Im herrlichen Sommcrgarten und aus der Pergola. ItovKtSt: Aovitiit: V'/2»'/, Vers Vivletts. Vnudeville-Opcrette v. Cdm. EySler. Ln Sjene gesetzt vom Dir. R. Schier. Vorher 8 Uhr: Die neuen Attraktionev. A » Jkeuv Welt, ß v Loseirtroido 108— 114. I Nur noch wenige Tage!; Mr. Gadbin II. tolMimer Koplspriug ans der! 6. Etage. MchWeizer Garten. Am nnlgttor— Am Friedrichshaln. Täglich: Theater-Vorstellung, Spezialitäten und Ball. SebenAbenb ßer|jner[gtjgn. Volks stück mit Gesang in 3 Bildern. Mtttw°ch: Kiilderfttudenfkst. Volksbelustigungen. Kinematograph. Äitree 30 Ps. An«oehenlsgen ist Lssl u. Karlen an Vereine zu Festlichkeiten zu vergeben._ leH Schönhauser Allee 148. Täglich: Kttliim Stytll. VolkSstück in 2 Akten. Dazu elstklasflge SpeMlitaten. n Kliems — Hasenheide 13—15.— Artistische Leitung: Bernhard Lange Täglich- Großes Konzert, toter- ößil Spezialitäten-forsteiliiDg. Mittwoch: Kinderfest. Donnerstag:4 Uhr, in St. Gallen statt. Später l wird die Urne nach Berlin über- I geführt. 898b | Die Kollegen derHofbuehdruckerei Julius Sittcnfeld. 213/8* Berliner Praler-Thealer Kastanien-Allee 7— 9. Die Welt ein Paradies große Ausstattungs-Revue und erstklassige Spezialitäten. Anf. Sonnt. 4 Uhr, Wochent 41/i Uhr. Im Saale: Täglich gr. Ball. Uolksgarten-Theater — am Bahnhof Gesundbrunnen.— Konzert, Theater und Spezialitäten-Vorstellung. „Ooldcne Herzen" Voltsposse mit Gesang in 3 Akten. Venes Biesen-"ME Programm. Sanssouci, Koitbuser ;*J Strafie 6. Direktion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnersiag: Erstklassige Nummern Tanzkränzeben Beg. Sonnt. 6, wochent. 8U. Der groste Theatersaal ist noch für einige Mitt- Woche zn vergebe». Kztdshn-�srk Arn K0ttrinorplatz,Rilder$dorlerstr.71 Hermann Imbs. Täglich: Großes Konzert, Theater- nnd Spezialitäten- Vorstellung._ Billigste Bezugsquelle(üt Kugienische Bedarfs-Mel Drogerie Kareniba, Berlin N., Weinbergsweg 1. = Ein Versuch= führt zu dauernder Kundschaft. Huhllttz Enten, Tnvdtn, fg. Gänse empfiehlt reell und billigst Wegner. BcrlinSO.,Mariannenltr.34. Der geehrten Kundschaft zur Kennt- nls, dag ich vom heutigen Tage ab ZVorüenmsrksn MchenneM. 591b Borsigwalde. raukenlass« der Vch»imti»»chimg. Dritte Abänderung des Statuts der JnunugStra Versonen.LahnfuhrwerrS.Jnnnna zu Berlin. Die§§ 9, 29, 40, 48, 54, 63 und 06 werden wie folgt abgeändert: 6 9 erhält folgenden Zusatz-„_„ Arbeitgeber, welche der ihnen obliegenden Nnmeldepfllchl vor» sätzlich oder sahrlässigerweise nicht genügen, haben alle Aufwendungen, ' �" Krankenkasse auf Grund dieses Statuts in ewem vor der welche die....._ ADWE. Anmeldung durch die nicht angemeldete Person veranlagten Unter- stlltzunassalle gemacht hat, zu erstatten. § 29 erhält folgende Abänderung: � � t. für erwachsene männliche Kassenmitglieder 1,18 M. Wochenbeitrag L.,. weibliche, 0,48,, 8., männliche Kassenmitgl. unter 18 Jahre 0,48., 4,, weibliche»» 18» 0,33,» § 40 erhält den Zusatz: Der 2. Vorsitzende, Schrlslsührer und Beifitzer erhallen für lebe Vorstandssitzung 1 M. 6 48. Die Generalversammlung besteht je zur Hälflc au» Vertrelern der Kassenmitglieder und JnnungSmitgliedern. weiche in geheimer Wahl auf ein Jahr gewählt werden 54 Abt. 3 Zeile 3 lautet: statt 30 M. 75 M. ;f Seit, ■ 63 aus i 66 au! Die dri te 8 statt.Die Fahrzcitung- . tzt.Vvrwärt»'. uf Seite 8 staU'„JnnungSIchi-dSgericht" setzt..Gewerveaerlcht'. ritte Abänderung des Kassenstatuls, vom Königlichen Polizei' Präsident am 11. Juli 1908 genehmigt, ist von den Kassenmitgliedern vom 20. August an im Kassenlokal, Dirckjenstrasze, Stadtbahnbogen 110, EviPsang zu nehmen. Berlin, den 4. August 1208. Der Borstand. I. H. Prltjch, Versitzend«. I Sonntag, den O. Angnnt 1008: Gr. Gewerksehafts- 7est in Wöllsteins Lustgarten, Bismarckstr. 24. Konzert. X Oesang. X Turnerleche Antführnngen. Reigenfahren der beiden Radfahrer-Vereine zu Adlorshof. Blngaport-Tereln Deutsche Kraft. X Bcrl. Ulb-Trlo. J Nachmittags 3 Uhr: Grober Festzag sfimtl. Gewerkschaften vom Adlershofer Garten(Inh. Kähne) am Bahnhof. Anfang 2 Uhr. Eintritt 20 Pf. Anfang 2 Uhr. �203)6 Das Komitee. rswJ „flora" Spandan, Pichelsdorfer Str. 30. Ansang�Z�hr: Gv1» BsSSs Familien können Kassee kochen I Tel.: Spandau 53. E. Koepnlck. S}iez' Spezialitäten-Theater Landsberger Allee 76/70, direkt Ringbahn-Station. Bequemste Fahrgelegenheit nach allen Stadlrichtungen. Ob schön! gef Täglich--mu Ob Regen! Daa neue und beste Programm ßcrlma. Die griEte«od beste Raoblierppge der Gepvart Gebr. Wer. 10 ßielen'töwen u. 8. Eitlen- Bären. Ansang 3 Uhr. Entree Wochentags 20, Sonntag» 30 Ps.® 0®®®®>®® Täglich: Boltsbelustignngen aller Art.GGGOSSHG Sonnabend, den 8. Angnst, abends Oli, Uhr, ab JannowitzbrOcke(Beivedere) und Schlesisches Tor: Mondscheinrahrt Musik»<* Loreley anf elektrisch illuminierten Salondampfem. An Bord und im Garten: Großes Konzert. Ball. Preis hin and zurück 50 Pf. Bückfahrt 5 Uhr.[3869L Bolero ist nach dem Orteil aller SachTerstündlgeii die feinste f.-Zigarette.� Garantiert Handarbeit! Gr. Exlra-Dampfer- Ferien-Fahrten Tördinh»ach Woltersdorfer Schleuse(Bellevue). IfiyillU Wernsdorfer Schlcnse(Qosener Berge). Abfflc�% ubr) Schillings-Brücke. Am 5. August entschlief saust j | mein lieber Mann, der Tischler IFpsikb Gans im 62. Lebensjahre. 38712 Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 8. d. M., nach- initiagS 5 Uhr, von der. Leichen- Halle de» neuen St. Michaels lirchhoies(Mariendorser aus statt. DieS zeigen tiesbetrllbt an Witwe Frau Gans. F. Feldt als Schwager. Up. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. PriDzenstr.41,"" 10—2, 5—7. Morltzplatz, Sonntags 10— 12, 2— 4. »H med. Karl Reinhardts spezial- IIB* ärztliche Institute fllr Haut-, ll| Harnleiden, Potsdamer Str. 117 ('1,12-2 und>/,8— 9 abends) Neanderstr. 12(nahe Jannowitzbrllcke ('/,10-11 und'i,5->/,8 Uhr). Voll- kommensles kombiniertes Heilverfahren. Aussührliche Broschüre über den Wert sämtl. übl. Heilmethoden in verschlossen. Kuvert gratis u. pvstsrei. »kei'Ickr jli'deller- Mitglied de» Arbeiter- Radsahrer-Bunde» »Solidarität". Tonren zum Sonntag, den v. August. 1. Abt. Sonnabend abend» und Sonntag früh: Spreewaldtour. Nachm. 2 Uhr: bei Obiglo, Schwcdter Straste 23/24. Start: Dülowstr. 58. 2. Abt. Sonnabend abends 8 Uhr: Brandenburg. Sonntag mittags 1 Uhr: Wannsee. Start: Fontane- Promenade 15. 3. Abt. Sonnabend abend»» Uhr unv nachts 1 Uhr: Spreewald (Lübbenau, Schwarzer Adler). Nachm. 1 Uhr: Teusetssee. Start: Mariannen- platz. 4. Ml. Früh 6 Uhr:»riezen a. d. O.(Hagedorn). l Uhr: Peter» Hagen(Girle). Start: Küstriner Platz. ' Sonnabend abend» 9 Uhr: . Früh 5 Uhr: Stewsurt. klein- Schönebeck. Start: Früh 4 Uhr: Bnckow. Start: Oder- PeterShagen. (Waldschlotz). 5. Abt. Wittenberg 1 Uhr-! Elysium. 6. Abt. 1 Uhr: PeterShagen. berger Straße 28. 7. Äbt. 8 Uhr- 1 Uhr: Heiligensee Start: Grcnzstr. 2t. 8. Abt. 6 Uhr: König»- Wüster n. 1 Uhr: Eichwalde. Start: aldstraße 8. 9. Abt. 1 Uhr: Hakenselde. Start: Schilllngstraße 15/16. 10. Abt. 7 Uhr: Flnlenkrug. l'l, Uhr: Hakenselde. Start- Weber- straße 17. 11. Abt. Donnerstag, 13. August, vorm. 9 Uhr: Müggelheim(Troppen»). Start: VcrbandshauS, Große Harn« burger Straße 18/19.— Gäste will- lommen. 12/17 Wir empfehlen unseren Lesern: von dnrt Grottewitz. Herausgegeben von Wilhelm BSIsche. Mit»ahlreichen Abbildungem. Preis broschlerf 2,50 M., gebunden 3.— M. Da» Buch ist von der Presse durchweg günstig besprochen worden.- Von demselben Verfasser ist noch erschienen: Sonntage eines groß- städtischen Arbeiters in der Katnr. Mit ewem Vorwort von Wllb. Bblsche. 2. Aufl. Preis drosch. 60 Pf., geb. 1,— M. Expedition des Vorwärts, lilndenstr. OO, R aden. Speise-Eishändler! Feinste Frucht-Essenzen hacharomatisch zu Speise-Eis so- wie zugehörige Substanzen am billigsten und beeten zu lausen bei Otto Belebet, Berlin 80.. ElsenbahnstraSe 4. Gänse. Gilten gar. leb. Ank. 6 Man. alt, vollkommen ausgewachsen, vollsedrig, fleischig, schlachtreif, 10 St. ca. 8 Pfd. schwere Gänse 30 M.: 18 schwer« Enten 27 M. Strclaaud, Dxleditz, Schlesien F. 45, 213/7 Am Mittwoch, den 5. August verstarb nach schwerem Leiden, an den Folgen«ine» Schlag- ansalles. wem lieber Mann, unser guter Vater und Schwiegervater, s ver Zignrrenhändler 88702> WiMlm Henze | im Alter von 52 Jahren. 1 Die trvueriiden Hlulerblicbenen:\ Martha Henze. Petersburger Straße 34. Niina WoUcr. geb. Hönze. 1 Karl Wolter, M i!le:uvaIderSlr.5. 1 Die Beerdigung findet morgen I ! Sonnabend, den 8. August, nach- 1 mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- 1 halle de? städtischen Krankenhauses d am Friedrichshain aus dem Zentral- 1 Friedhos in Fricdrichsscld« statt, s �mckiliöki'zt. ViMverck tür den i Berliner Reißliüiagswalilkreisl Landsberger Viertel. Bezirk 395, Teil L Den Mitgliedern zur Nachricht, daß uns- Genosie, der Zigarren- Händler Wilkelm Hen?e (Petersburger Straße 34) gestorben ist.' 220/2 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 8. August, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle des KrankenhauseSFriedrichs- Hain auS nach dem Zenlral-Frieb- /os in FricdrichSselde statt. Um rege Beteiligung ersucht Oer Vorstaad. WMMi'Mdiü' ÄMmlii j für den i.nMi!rnMtsg8-VMrLü!.| (Stralauer Viertel.) - Bezlrl 326, Tcll I.------- Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Tischler �rieärick Kittel Caprlvlstr. 16 am 4. August gestorben ist. Ehre seinem Andenken! 219/20 Oer Vorstand. iMiikratolaMYereiii! tür don 6.BerlinerHeie!ista!jswaltreis. Todes- Anzeige. Am 8. August verstarb unser Mitglied, der Siestaurateur /Nax Grieser Rhkestr. 35. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 7. August, nachmittags'/,5 Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen Friedhofes in Friedrichsselde auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 228/14 Oer Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband BerwaltungSstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Rohrleger nehn Rußbild am 4. d. MtS. an Lungenschwwd- sucht gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 7. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Nazareth-Kirchhose» tn Reinickendors-West au» statt. Den Kollegen zur Nachricht, baß unser Mitglied, die Arbeiterin Luise Schellin am 4. d. Mi», an Bauchfell. «ntzündung gestorben ist. Ehre ihrem Andenke» 1 Die Beerdigung findet am Freitag, den 7. August, nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- Halle de» Ri/xdorscr Friedhofes, Mariendorser Weg, au» statt. Rege vetelligung erwartet 120/8 Die Ortsverwaltrmg. Deutscher Bacbbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. Am Mittwoch, den 5.«wgust 1908 verstarb plötzlich unser Mit- glted, der Buchbinder .lokarm Scheribl im 50. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken i Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 8, August 1908, nachmittags 5'/, Uhr, von der Leichenhalle de» Jerusalemer Friedhofe» in Rizdorj, Hermann- straße, aus statt. Zahlreichen Besuch erwartet 24/4 Ole Ortsverwattung. VeaMen Sie «»wr mergiges Jnseraf 4*- w. ;..#-■■■■ �V"::'::>�'''<�:,--�':i ■■'■'• ,'s'?■'•".■• /.': Deutscher Metallarbeiter»Verband. Arbsltanachirel«: Hof L Amt III. ISS». Verwaltungsstelle Berlin. Cbai'It&Bti'aflo 3. Haapt-Bnreau: Hof III. Amt III. 1987. Sonntag, den 9, Augnst 1908, vormittags 10 Uhr: Ungemeine Versammlung Rohrleger und Helfer Sellins und Umgegend im Gewerkschaftshaus, Engelufer IT, Saal 4. TageS.Ordnung! 1. Unsere Stellungnahme z« der Tarifvorlage der Arbeitgeber und unsere Forderungen. Referent: Kollege Handle. 2. Diskussion. Kollegen! In dieser Versammlung sollen die Rohrleger und Helfer nicht nur über die Vorlage der Unternehmer ihre Meinung kundgeben, sondern auch zu der Schaffung eines neuen TarifeS Stellung nehmen. Da es sich hier also um die Interessen eines jeden Kollegen handelt, so ist es doppelte Pflicht für jeden, dafür zu sorgen, dah diese Versammlung so zahlreich besucht wird, damit auch nach keiner Richtung hin ein Zweifel bestehen kann, zu welcher Organisation die Berliner Rohrleger und Helfer vertrauen haben. Kollegen! Erscheint in Massen, keiner darf fehlen, ein jeder von Ihnen muß seine Schuldigkeit tun. 120/10 Deutscher MetallarbeitefVerband, Ortsverwaltung Berlin. Verband der Kupferschmiede, Filiale Berlin. Verband der Schmiede, Zahlstelle Berlin. Montag, dea 10. August, abends 8 Uhr, ill dtll„Armmhallen", � Kommandantenstr. 58/59(großer Saal): Öffentliche Uersammlnng. TageS.Ordnung: 289/17» Jugendorpnisalion und Ärbeiterschaft. Referent: Schriftsteller 81lllOII I£.atZ©HSt©ill. Diskussion. Für die organisierte Arbeiterschaft ist die Frage der Jugendorganisation jetzt in den Lordergrund des Interesses gerückt. Zahlreiches Erscheinen wird daher erivartet. Die Einberufer. I. kl.: Fritz Staschke. Penk& Cloppenburg Spezialhaus für Herren- und Knaben-Kleidung Gertraudtenstraße 25, 26, 27 und Roßstraße 1. Fertig und nieb MaB.— Verkauf nur gegen bar zu niedrigen Preisen. fl Zorn Schul Knaben- und Schüler-Kleidung Jünglings-Anzüge und Paletots 3855L» aus modernen Stoffen und vorzügliche Verarbeitung in allen Größen fertig am Lager. Hohe Leistungsfähigkeit durch eigene Herstellung unserer Waren. VuzeaV u Brut tötet mit unfehlbarer Sicher. beit Relchel's verstHrktes Wanzenflnid. Nicht fleckend, nicht scuergcsährlich. Kein übler Ke. ruch, nachhaltige Wirkung. 3KS3L Fl. SC Pf., f.—, 2.—, 3.—, Literfl 5.—. 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Tischler(Invalide), welcher Hobel- bank hat, zu Hause sich selbständigen Nebenverdienst schaffen will— leichte Arbeit— verlangt Marx, Bevern- slrahe 7,«chlesischestor.+1 Pakeikontrolle» zum sofortigen Eintritt gesucht. Meldungen 1—2 Uhr mittags oder 8—9 Uhr abends. Sl. Jandors u. Co., Belle-Allianee- strahe 1/2. 1032K Tüchtige Schloli» nerstrahe 3. verlangt Tun- 750 Im Arbcitömarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeige» kosten SO Pf. die Zeile. vegeg M\h und DiflereuzeD sind gesperrt: für Korbmacher Firma Huulea in FrieorichSselde und Helclicrt in Marzahn. Deutscher Holzarbeiterverbaud OrtSverwaltung Berlin. Lorantwortlicher Bidolteiu: Georg Dsvidlohu- Geiflul, Lür d» Loleratuiteil heran tm.4 Tb. GUule. Borlill. Druck u. Verlan: Lorwärtt Buchdruckerei U-Berlaasanltall Vau! Elvaer& Co» Berlin SW. Nr. 183. 23. Zahrgaag. 2. KtilHe to Jorairtf Snlim lolblilttt. fttifuj, 7. Jii0itJ 1908. parte!- Hngelegenbeitcn. Zu» Lokalliste. Mit Beginn dieses Monats hat auch wiederum !n den Landorten die Zeit der alljährlich üblichen Erntefeste begonnen. Meistens sind dies jedoch rein geschäftliche Unter- nehmungen der in den betreffenden Orten ansässigen Gastwirte, bezw. Lokalbesitzer und sonstiger Geschäftsleute. Da nun diese Feste auch seitens der Arbeiterschaft sehr gern und mitunter sehr stark besucht werden, richten wir an dieselbe daS dringende Ersuchen, stets an der Hand der L o k a l l i st e genau zu prüfen, ob bezw. welche Lokale unS in dem jeweiligen Orte zur Berftlgung stehen, um dadurch unsere Genoffen in den Land- orten in ihrem harten Lokalkamps wirksam zu unterstützen. Am Sonntag, den 9. und Montag, den 19. d. M. findet in Französisch-Buchholz das diesjährige Erntefest statt. Das einzige freie Lokal dortselbst ist.Kähn�es Gesellschafts- Haus', Berliner Straße 39. Alle übrigen Lokale werden uns seit Jahren hartnäckig verweigert. In Pankow steht uns das Lokal.Pankower Tivoli', ESplanade 1, zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung. Die L o k a l k o nr m i f f i o n. Kreiswahlverein Niederbarnim. Am Sonntag, den 9. August, findet die Halbjahrsgeneral- Versammlung in P a n k o w bei EberSbach, Berlinerstr. 102, mittags 12'/? Uhr, statt. TageS-Ordnung: 1. Bericht des provisorischen Vorsitzenden und Neuwahl des Vor sitzenden. 2. Bericht des Kassierers. 3. Bericht der Kommissionen. 4. Stellungnahme zur Generalversammlung von Groß-Berlin. ö. Stellungnahme zur Provinzialkonfcrenz. Referent Genoffe I a c o b s e n. ö. Stellungnahme zum Parteitag. Referent Genoffe Reichstags abgeordneter Stadthagen. 7. Wahl von Delegierten. 8. Eventuelle Anträge. 9. Verschiedenes. _ I. A.: W. Kubig. Johannisthal. Der Wahlverein Johannisthal weist darauf hin, daß der Arbeitergesangvercin.Liederfreunde' am Sonntag ein Waldfest veranstaltet, für das zahlreicher Besuch erwünscht ist. Die Kreisgeneralvcrsammlnng für den Wahlkreis Ruppin-Templin findet am Sonntag, den 9. August, vormittags 3 Uhr, in Zehdenick statt. Der frühe Anfang wird durch die außer ordentlich reichhaltige Tagesordnung bedingt. Deutschen in Arbeit Polen. Der von den vom„Berliner Tageblatt" Wendung deutscher Arbeiter aufs äußerste empören berliner j�admcdtm Deutsche durch den Minister für Arbeit arbeitslos gemacht. Die Folgen der berüchtigten Erlasse des Ministers der öffentlichen Arbeit, die eine Bevorzugung der aus ländischen Arbeiter vor den inländischen anordnen, sind auch hier in Berlin zu spüren. Uns wird mitgeteilt, daß eine Anzahl Poliere arbeitsuchenden Erd- und Asphaltarbeiter mit der Bemerkung abgewiesen haben,.sie dürfen keine nehmen, sondern nur bürgerlichen Parteien, auch verteidigte Erlaß gegen Ver muß mit Recht die Arbeiter Was bietet ihnen denn ein Vaterland, dessen herrschende Klasse und Regierung selbst die Arbeitsgelegenheit dem deutschen I Arbeiter versperrt, weil er ein Deutscher ist? Mit Fug und Recht wird im Ausland angenommen: Toren wärtm die Arbeiter, die für eine Auf rechtcrhaltung solcher schmachvollen Zustände eintreten. Berlin als Hafenstadt. Mit dem Bau dcS We st Hafens des Groß- SchiffahrtS- wegeskanals Berlin- Stettin ist bei Plötzensee begonnen worden. Dieser Hafen stellt den Endpunkt des Stcttiner Kanals dar und ist für Berlin von der größlen Bedeutung, weil er den Güter verlehr zwischen Berlin und Stettin verniittelt.— Der Berliner Westhafen, dessen Bau 28 Millionen Mark kostet, welche die Stadt zahlt, wird von vornherein so angelegt, daß er selbst dem größten Verkehr auf der Strecke Berlin— Stettin genügen kann. Der Hafen dehnt sich auf ein Gelände von über 159 Morgen aus und erhält zwei große Becken von je 55 Meter Breite. Das nörd liche Becken wird 359, das südliche 499 Meter Längsausdehnung haben. ES werden 2799 Meter Kais, so daß zur gleichen Zeil 77 große Kanalschisfe, die 123 Fiuow-Äähnen entsprechen, im Berliner Westhafen verladen resp. löschen können. Der Unfall ZeppelinS erinnert an ein ähnliches Unglück, daS sich vor nunmehr 11 Jahren in unserer nächsten Nähe, auf dem Tcmpelhofer Felde, abspielte un? dessen Ausgang um vieles tragischer ivar, als sich daS Ende der Zeppelinschen Fahrt bei Stuttgart darstellt. Zu der damaligen Zeit hatte sich ein Dr. Wölfert schon seit Jahren bemüht, ein lenkbares Luftschiff zu konstruieren. Er erlitt immer neue Mißerfolge, die sehr erklärlich waren, insofern als ihm nicht der gewichtige Apparat Zeppelins zur Verfügung stand, außer dem auch die Motorenindustrie noch nicht in der Lage war, gleich leichte und starke Motoren wie heut herzustellen. Ebenso fehlte ihm die reiche materielle Hilfe, die heute dem„General der Lüfte" zu teil wird. Nur mit Mühe gelang eS Dr. Wölfert, die Erlaubnis zu erwirken, seinen Ballon der Luftschiffer-Abteilung vorzuführen. Am 12. Juni 1897 sollte er seine Probe ablegen. Zu diesem Zwecke wurde der Ballon nach dem Tempelhofer Felde hinausgeschafft. Viele Hunderte von Zuschauern hatten sich dort eingefunden. Kurz vor der Auffahrt erklärte Dr. Wölfert einem Bekannten gegenüber:.DaS ist meine letzte Fahrt; entweder sie glückt, oder ich bin eine Leiche." In der Gondel befand sich ein achtpferdiger Benzinmotor. Der Motor, genau wie der Zeppelins ein Daimler-Motor, war nicht nach Art der heuttgen mit elektrischer Zündung versehen, sondern hatte an jedem Zylinder eine sogenannte„Laterne", die einen in den Explosionsraum führenden Zündstift glühend machte, damit durch diesen die Explosion der Gase im Zylinderinnern besorgt werden konnte. Als man den Motor andrehte, schlugen aus den beiden Laternen hohe Flammen heraus. DaS erschien jedoch dem Erfinder und seinem Monteur, dem Mechaniker Knabe, unbedenklich und die Auffahrt erfolgte. Majestätisch stieg der Ballon empor bis zur Höhe von etwa 899 Meter. Der Erfolg, die Lösbarkeit des Problems der Lenkbarkeit des Luftballons schien den Zuschauern gewiß. Herr Dr. W. hatte die Aufgabe, nach Rix- dorf und von da zurück nach der Luflschifferkaserne zu fahreu. Die LlummiumMgel trieben vorzüglich gegen den Nordwestwind. Schoo Chatte das Lustschiff die Tempelhofer Chauffee gekreuzt, als plötzlich, nach fünf Minuten Fahrt, eine gewaltige Flamme aus der Gondel emporschlug, im nächsten Augenblick erfolgte ein donner- ähnlicher Knall und einen Moment später bildete der Ballon ein gewaltiges Flammenmeer. Vom Winde getrieben, flogen die brennenden Ueberreste über die Ringbahn hinweg und fielen dicht an dem Bahndamm auf den Zimmerplatz von Hölze! u. Trenner, Tempelhof, Ringbahnstraße, nieder, während das Ruder unversehrt auf dem Tempelhofer Felde gefunden wurde. Eine gewaltige Rauch- wölke zeigte die Stelle an, an welcher die Opfer der Katastrophe zu suchen waren. Die Leichen waren furchtbar entstellt, der Ober- körper total verbrannt, während ihnen der Leib aufgerissen war. Der Tod der Unglücklichen muß schon während des Fallens er- folgt sein. Der Unfall war um so tragischer durch die begleitenden Um- stände. Die Gattin und die übrigen Familienangehörigen des Er- finders wohnten der Katastrophe bei. Sie waren herbeigeeilt, Zeugen von dem eydlichen Erfolg ihres Ernährers zu sein, sie wurden die entsetzten Zeugen seines schrecklichen Endes. Damals rührte sich keine Hand für die Hinterbliebenen deS Ver- unglückten, keine Nationalspende wurde ihnen dargebracht. Und in Wirklichkeit fehlte Dr. Wölfert zur Brauchbarkeit seiner Erfindung nur der moderne Motor. In allen übrigen Stücken sind ihm die hochgefeierten Konstrukteure von„Lenkbaren" in der Gegenwart nur wenig überlegen. Nur das eine haben sie noch vor ihm voraus: Daß sie in sicherer Ballonhalle auf gutes Wetter warten können, während er seinen Ballon im Freien füllte und nach erfolgter Füllung unweigerlich die Auffahrt vornehmen mußte. Die neue Polizeivcmdnung für den Tiergarten, aus der wir vor einigen Tagen eine Einzelheit mitteilten, lautet in ihrem vollen Wortlaut: I. Dem§ 24 der Straßenordnung vom 31. Dezember 1899 in der Fassung der Polizeiverordnung vom 27. Februar 1998 wird folgende Bestimmung hinzugefügt: Der Große Weg im Tiergarten und dessen Abzweigung nach der Hohenzollernstraße sowie des Tier- gartenufers darf von Kraftwagen aller Art nicht befahren werden. Ausgenommen von diesem Verbote sind die Kraftwagen der Feuer- wehr und der Straßenreinigung. „An die stelle der§§ 72 und 73 der Straßenordnung vom 31. Dezember 1899 treten die nachstehenden Vorschriften:§ 72 lautet: Wer öffentliche Wege und die dazu gehörigen Gegenstünde, Einrichtungen und Anstalten, die bestimmt � sind, die öffentlichen Wege zu schützen, zu bezeichnen, gangbar zu erhalten und zu zieren, oder die sonst zum öffentlichen Nutzen dienen, aus Fahr- lässigkeit zerstört oder beschädigt, ist strafbar. 8 73 erhält folgende Fassung: Das Uebersteigen von Vorrichtungen, die zum Schutze öffentlicher Wege, Denkmäler und Anlagen dienen, das eigenmächtige Verändern der im§ 72 bezeichneten Gegenstände, Einrichtungen und Anstalten, das Beschmutzen und Beschreiben derselben sowie jede Handlung oder Unterlassung durch die der freie Zugang zu denselben versperrt oder deren ordnungsmäßige Benutzung behindert wird, insbesondere die Benutzung der Bänke zum Liegen und Schlafen, ist strafbar. Diese Vorschriften sind am 1. August in Kraft getreten. Von Interesse für weitere Kreise ist ihr zweiter Teil, der die Benutzung der„öffentlichen Wege" und der„dazu gehörigen Gegenstände, Ein- richtungen und Anstalten" betrifft und übrigens wohl für alle Park- anlagen gilt. Im wesentlichen deckt dieser Teil sich mit den bis- herigen§8 72 und 73 der bestehenden Straßenordnung. Neu ist hauptsächlich das Verbot, auf den Bänken z u liegen und zu schlafen. Zwar wurde schon längst von keinem Schutz- mann geduldet, daß mal ein müder Arbeiter im Tiergarten auf einer Bank einnickte oder gar ein Arbeits- und Obdachloser dort eine Bank als regelrechte Schlafstelle benutzte. Es fehlte aber bisher noch an einer Handhabe, die Müden nach Gebühr zu be st rasen. Fortan wird es möglich sein, polizeiliche Strafmandate über alle diejenigen zu verhängen, die sich erdreisten, auf einer Tiergartenbank einzuschlafen. Wehe dem Arbeiter, dem auf dem Heimwege von seiner Arbeitsstätte das passiert l Wehe auch dem im Tiergarten spazierenden Geheimrat, den mal in der Mittagshitze die Müdigkeit übermannt! So denken wir uns wenigstens die Anwendung dieser neuesten Polizeivorschrift. Oder irren wir? Ei» blutiges Eifersuchtsdrama hat sich in der vergangenen Nacht auf dem Gesundbrunnen abgespielt. Der in der Schivelbeiner« straße 4 wohnhafte Steuerbeamte Frankenstein war vor etwa vier- zehn Tagen von seiner Ehefrau verlassen worden. Angeblich ver- lehrte die letztere mit einem anderen Ehemann, einem Kaufmann Sch. aus der Rheinsbergerstraße 9. Aber auch Sch. war kürzlich von seiner Ehefrau verlassen worden. Der eheverlassene Steuer- beamte schrieb nun vor einigen Tagen an Frau Sch., sie solle doch acht geben auf seine Frau. Frau Sch. nahm die Gelegenheit auch tüchtig war, denn sie wollte persönlich ihr Mütchen an der Rivalin kühlen. In der vergangenen Nachr lauerte sie mit einer Freundin zusammen am Humboldthain der F. auf. Als diese dann ahnungslos heran- kam, stürzten die beiden Frauen über sie her und schlugen mit Hausschlüsseln auf sie ein. Nicht eher ließen sie von ihrem Opfer ab, als bis es besinnungslos und blutüberströmt zusammenbrach. Paffantm schafften die Uebcrfallene, die aus zahlreichen Wunden blutete, nach der Rettungswache, wo sie die erste Hilfe erhielt. Der Vorgang, der eine gewaltige Menschenansammlung zur Folge hatte, dürfte noch ein Nachspiel vor dem Richtertisch haben. In den Händen einer Kupplerin. Die Tragödie eines jungen Mädchens rief gestern in Steglitz allgemeine Teilnahme hervor. Das 18 Jahre alte Dienstmädchen Lina P. aus der Belle-Alliance- straße wollte von der Viktoriabrücke in den Teltowkanal springen. Sie wurde jedoch noch rechtzeitig von Passanten gerettet. Das junge Mädchen hatte früher bei einem hiesigen Kaufniann eine Dienststelle gehabt. Vor einiger Zeit geriet sie in die Hände der Zimmervermieterin Witwe H i l l m e r aus der Bclle-Alliancestraße. Die H. ging eines abends mit ihr nach einer Bar in der Friedrich- straße und ließ sie dort die Bekanntschaft mehrerer Herren mache». Das junge ahnungslose Mädchen wurde nun total betrunken, genmcht und dann verschleppt. In einem Privatlogis wachte es am nächsten Morgen auf. Erst nach und nach dämmerte es in der Verführten auf. was mit ihr vorgegangen war. Aus Scham über die ihr zu- gefügte Schande wollte sie ihrem Leben ein Ende bereiten. Der Selbstmord wurde jedoch vereillt. Die H., die das junge Mädchen anfangs nach Mexiko„verschachern" wollte, ist von der Polizei fest- genomnien worden._ Reklameauswuchs. Gestern schilderten wir die geschmacklose Verwendung junger Mädchen zu einer neuen Art dcr Zigarcttenreklame. Noch widerlicher mutete aber die am Mittwochabend im oberen Potsdamer Viertel beobachtete Reklame der H e i l s a r m e e an. Hart an der Hird- schwelle auf dem Fahrdamm marschierte eine HeilsaAnee- Kolonne von 5 Mann in gemessenem Schritt, zunächst ein Fahnenträger mit ein wenig geöffneter Fahne, hihter ihm zwei paar Heilssoldaten mit etwa quadratmeter- zroßcn Iveiße» Transparenten mit der schwarzen Auf- 'chrift„Zur Heilsarmee" und zum Schluß noch ein einzelner Mann in geringem Abstand mit demselben Schilde. Dieser eltsame Zug erregte bei manchem Passanten Kopfschütteln und Heiterkeit. Die so sehr gottesgläubigen Heilsarmeekommandanten jcheinell wenig Zugkraft zu ihrer Lehre zu verspüren, wenn sie zu solchen Reklamcmitteln ihre Zuflucht nehmen. Luch ein« recht häufige Verteilung von Handzetteln auf der Straße zeichnet die Heilsarmee aus. die das Reichsgericht zu emer vom Gesetz geschützten„Religionsgesellschaft" gestempelt hat. Blitzavlciter-Diebe treiben in Charlottenburg fest ewiger Zeit ihr Unwesen und haben außer verschiedenen Privathäusern bereits fünf öffentliche Gebäude ihres Schutzes gegen Blitzgefahr beraubt. Sie gehen bei ihrer gemeinschädlichen Tätigkeit recht raffiniert zu Werke. Einer von ihnen in einer Postbeamtenmlltze gibt sich für einen Telephonarbeiter aus und läßt sich vom Portier den Boden- schlüssel geben, um angeblich die Fernsprechleitung zu revidieren. Aufs Dach gelangt, schraubt er die Spitze des Blitzableiters ab und läßt sie mittels einer Schnur seinen vermeintlichen Gehilfen herunter, die in Wahrheit seine Diebesgenossen sind. Das Nachsehen und Ausbessern der Feriisprechleitungen sollte nur gehörig legitimierten Personen anvertraut und gestattet werden. Aiigust-Progranun dcS Passage-ThcatcrS. Aus dem geschickt zu« sammengestellteu Varibtöprogranim seien der Humorist Fritz S t e i d l mit seinen launigen Darbietungen, die Soubrette Grete Gallus mit den schalkhaften Zündern„Schmidten ist die Frau � durch- gegangen",„Heinrich, laß die Hosen runter", die Exzentriktänzerin Alice Gabrielle, die urwüchsig munteren Holländerinnen, des Wilhelmincn-Sextetts und die durch Kraft, Eleganz und Aus- dauer geradezu frappierenden Akrobateuleisluiigen der Revolton- Truppe hervorgehoben. Eigenartig sind die telepathischen Produk- tionen des Gedankenlesers Ernesto Bellini. Er führt die Handlung aus, die ein anderer ohne irgend eine Vor- abredung mit ihm vorher bestimmt hat. Bekannt ist das seit Mitte der 79er Jahre vorgeführten Gedankenlesen durch Berührung der Person, die an die einzelnen Phasen der Handlung ständig denkt. Alle Menschen führen, wenn sie an einen bestimmten körperlichen Gegenstand denken, unbewußt Muskelbewegungen auS, die von einem fein empfindenden„Gedankenleser" gefühlt werden können. Soll beispielsweise der Gedankenleser eine Ilhr an sich nehmen, so zeigen die Muskeln des„Mediums" die Richtung an. Schließt der Ge- dankenleser die Augen und ergreift das Handgelenk oder legt die Hand gegen die Stirn des„Mediums", das ständig an die Uhr denkt, so verraten die unbewußten Muskelbewegungen dem Gedankenleser den Weg zur Uhr: der„Gedanken"-, richtiger „Muskelleser" findet ohne irgendeine vorherige Verabredung die Uhr, richtiger: wird unbewußt zu ihr geführt. Je feiner und geübter das Wahrnehmungsvermögen des Lesers und das Konzentrationsvermögen des„Mediums" ist, desto kompliziertere, vorher zwischen Dritten vereinbarten Handlungen könne» von dem Gedankenleser ausgeführt werden. Eine ganz erhebliche Stufe hierüber hinaus gehen die Vor- f ü h r u n g e n B e l l i n i s. Er ergreift nur einmal die Hand des Mediums feinen ihm Unbekannten aus dem Publikum), schreitet dann dem in zwei Schritt Entfernung folgenden Medium voran und führt die von diesem fest gedachten Handlungen aus. Die Feinheit des Empfindungsvermögens Bellinis wirkte überaus überraschend. Einige Male mißlang das Experiment, aber in allen diesen Fällen trug eingesiandenernlaßen das Medium die Schuld, das der Auf- gäbe nicht gewachsen war, allein und gespannt nur in die einzelnen Phasen der auszuführenden Handlung zu denken. Treptower Sternwarte. Der Saturn mit seinem bemerkenS- werten Ringsystem wird von jetzt an wieder von abends 19 Uhr ab auf der Treptow-Sternwarte mit dem großen Fernrohr gezeigt. Der Ring, welcher lange Zeit nur als schmale Lsuie zu sehen war, hat sich schon wieder geöffnet. In einem mit zahlreichen Licht- und Drehbildern ausgestatteten Vortrage über„Die Eroberung des Welt- alls" wird Direktor Dr. Archenhold am Sonntag, den 9. August, nachmittags 5 Uhr im Hörsaale der Treptow-Sternwarte(Nestau- rant Zemier, Treptower Chaussee 22) speziell über die inter- essanten Lichtknoten des SaturnringcS sprechen. Ferner um 7 Uhr über„Neues vom Mond"; am Montagabend um 9 Uhr über„Das Geheimnis des Weltenbaues". Die Sonnenfleckengruppen werden noch einige Tage sichtbar bleiben und können schon von 19 Uhr morgens beobachtet lverden. Da auch abends der Mond gezeigt werden kann und die Perseiden-Sternschnuppen in diesen Tagen erwartet werden, so gestaltet sich daS Beobachtungsprogramm jetzt besonders reichhaltig. Der Ruderverein„Collegia" Charlottenbnrg- Tiefwerder ver« anstaltet am Sonntag, den 9. August, nachmittags 2 Uhr, in Tief- werder bei Spandau feine diesjährige Regatta. Die Rennstrecke geht von Gatow bis Weinmeisterhorn(Restaurant). Auf dem Pro- gramm stehen Nennen für Einer ohne Steuermann, Doppel- zweier und Vierer für Senioren und Junioren. Wahrscheinlich werden sich auch die Nudervereine„Vorwärts" und„Freiheit"« Stralau beteiligen. Den Verlauf der Renneu kann man am besten vom Restaurant Weimneistcrhorn beobachten, das mit der Straßen- bahn vom Bahnhof Spandau bequem zu erreichen ist. Die Kinderspiele des Berliner Arbeiter-TurnvcrcinS„Fichte" finden am kommenden Sonntag, 9. August, ihren Abschluß. Ab- weichend von sonst wird an einigen Plätzen, die unten näher be- zeichnet sind, eine Tagesspielpartie veranstaltet. Wo nichts bemerkt, finden die Spiele in gewohnter Weise auf den dazu bestimmten Plätzen statt. 1. Auf dem Spielplatz im Friedrichshain; 2. auf dem Spielplatz im Treptower Park; 3. in der Jungfernheide. Für die Teilnehmer der Kinderspiele auf dem Tempelhofer Felde ist das Ziel des Ausfluges: Schmargendorf; Treffpunkt pünktlich 8 Uhr inorgcns am Steuerhaus(Tcmpelhofer Feld). Ebenso machen die Teilnehmer der Spiele voin Sportplatz Behmstraße einen Ausflug nach Snatwinkel. Treffpunkte: a) auf dem Vinetaplatz an der Normaluhr, b) am Bahnhof Gesundbrunnen, o) auf dein Nettclbeck» platz, ä) in der Reinickendorfer Straße, Ecke Schulslraße, o) in der Schönhauser Allee, Ecke Schivelbeiner Straße, sämtlich um Sl/2 Uhr; gemeinsamer Abmarsch von» Bahnhof Beusselstraße 9>/z Uhr. Treff- punkte für Friedrichshain: a) am Kriegerdenkmal vor dem Lands- berger Tor, b) in der Petersburger Straße am Baltenplatz; Treptower Park: an der Oberfreiarchcnbrücke; Jungfernheide: am Bahnhof Beusselstraße(hier um 3 Uhr). Der Turnverein ladet alle Kinder, deren Eltern und Verwandte» zur Teilnahme herzlich ein.' Zeugen gesucht. Personen, welche am Sonnabend, den 11. Juli 1998, abends gegen 8 Uhr, in der S ch l o ß st r a ß e zu Köpenick, nahe dem Nathause, einen Auflauf und die Sistierung eines jungen Mannes zur Wache gesehen haben, werden gebeten, ihre Adresse an Fritz DrcwS, Berlin 0. 34, Gubener Str. 49, Hof 4 Treppen, mitzuteilen._ Vorort- JVacbncbtem Lichtenberg. Mit dem bevorstehenden Parteitag beschäftigte sich eine am Mittwoch abgehaltene Mitgliedcrvcrsamuilnng dcS Wahlvcreins. Der Referent, Genosse Düwe'll, bezeichnete eS als wünschenswert, daß eine A c n d e r u n g des O r g a n i f a t i o n s st a t n t s der Partei herbeigeführt werde, wodurch ein geregeltes Verfahren erniöglicht werde gegen solche Parteigenossen, welche sich im Parteilcbcn geringer Vergehen, die kein Ausschlnßgrund sind, schuldig gemacht haben.— Der Parteitag werde auch bestimmte Richtlinien für unsere Stichwahl« t a k t i k festlegen müssen. Denn unsere Stellung zum Zentrum und zum Liberalismus sei bei den RcichstagSwahlen eine andere gewesen wie bei den preußischen Landtagswahlen. Natürlich könne diese An- gclegenheit nicht nach einer Schablone geregelt werden, doch müsse ausgesprochen werden, daß wir das Zentrum nicht anders zu be- trachten haben wie die anderen reaktionären Paneien. Mit demo» lrattschen Strömungen im Zentrum könne man nicht ernstlich rechne». Wir müßten dem Zentrum gegenüber entschieden Front machen, denn eS sei die Partei, mit der wir unseren letzten großen Kamt>f werden ausfechten müssen.— Einen Punkt gebe eS in der Tagesordnung des Parteitages, der in jeden, Falle auf der einen oder der anderen Seite Mißsummung hinterlassen werde, wie der Beschluß auch ausfallen möge. Dieser Punkt sei die Maifeier. Die Situation, in die wir hinsichtlich der Maifeier geraten sind, sei durchaus nicht rosig. Schon seit langer Zeit seien verschiedene führende Genossen gegen die Arbeitsruhe eingetrteten, manchmal in einer Weise, die durchaus nicht taktisch klug war. Durch die Vereinbarung, welche die Unterstützung der wegen Beteiligung an der Maifeier Gemaßregelten regelt, werde die Arbeitsruhe tat' sächlich abgewürgt. Die Schaffung eines besonderen örtlichen oder zentralen Unterstützungsfonds sei notwendig. Dadurch werde ein weiteres Zurückgehen der Maifeier vermieden. Es werde an- gebracht sein, daß der Parteilag die Essener Maifeier- Resolution erneut annimmt.— Der wichtigste Punkt, den der Parteitag zu behandeln hat. sei die Frage der Jugendorganisation. Für die Entwickelung der Partei und für die Tendenz, welche inner- halb der Partei herrscht, sei diese Frage von außerordentlicher Bedeutung. Der Gewerkschaftskongreß habe beschlosien, den selbständigen Jugendorganisationen das Rückgrat zu brechen. Dazu sei aber gar kein Anlaß vorhanden. Mögen die Gewerkschaften, soweit sie es für notwendig halten, für die berufliche Ausbildung der jungen Leute sorgen, aber die Sorge für ihre Allgemeinbildung solle man den eigenen Organisationen der Jugendlichen überlassen, und die Einführung der Zungen Leute in die Gedankenwelt des Sozialismus müsse besonderen Kommissionen überlassen bleiben. Ans eigenem Antriebe, einem tatsächlichen Bedürfnis folgend. hätten sich ja die Jugendlichen ihre Organisationen geschaffen und für sich selbst getan, was von anderer Seite bisher nicht getan worden war. Man möge also auch ferner den Jugendlichen eine gewisse Selbständigkeit und Bewegungsfreiheit in un- politischen Organisationen laffen. Auf diese Weise würde man selbständige Charaktere und brauchbare Funktionäre in der Arbeiter- bewegung heranbilden.— Hinsichtlich der Frauenorganisa- t i o n vertrat der Referent den Standpunkt, daß es sachlich berech' tigt sei, wenn den Frauen innerhalb unserer Wahlvereine die Sonder rechte gewährt werden, welche ihnen nach den bekannten Bor schlügen eingeräumt werden sollen. Die bisherige Unterdrückung des weiblichen Geschlechts, sein Ausschluß von der Betätigung im öffentlichen Leben bedinge jetzt noch eine besondere Art der Agitation unter den Frauen und besondere Einrichtungen zu diesem Zweck. In der Aufklärungsarbeit, welche die Genossinnen auf Grund ihrer Sonderstellung im Wahlverein unter Frauen be- treiben wollen, müßten wir sie kräftig unterstützen.— Heine Be- trachtungen über die Tagesordnungspunkte: Reichsftnanz- r e f o r m und Sozialpolitik schloß der Redner mit der Aus« führung, es sei unsere Ausgabe, zu verhindern, daß die Pläne der Reaktionäre und Scharfmacher verwirklicht werden. In der Diskussion traten zwei Redner den Ausführungen des Referenten über die Stellung der Gewerkschaften zur Mai seier und zur Jugendorganisation entgegen. Der erste dieser Redner, Ge- nosie Spiekermann, führte aus, Düwell habe in dieser Hinsicht einen durchaus einseitigen Standpunkt eingenommen. An dem jetzigen Stande der Maifeier trügen nicht nur die Gewerkschaften schuld, sondern auch die Partei. Der Beschluß des Gewerkschaftskongresses zur Frage der Jugendorganisation beruhe auf einer Vereinbarung zwischen Parteivorstand und Generalkommission. Wenn also durch diesen Beschluß den Jugendorganisationen das Rückgrat ge- brachen sei, da habe sich auch der Parteivorstand daran beteiligt, den Jugendorganisationen das Rückgrat zu brechen. Düwell sei ja auch nur für eine gewisse Selbständigkeit und Bewegungsfreiheit der Jugendlichen eingetreten. Aus deni Referat des Genossen Robert Schmidt auf dem Gewerkschaftskongreß ergebe sich, daß dieser ebenfalls eine Selbständigkeit der Jugendlichen in gewisser Hinsicht befürwortet habe. Lehrlings- und Jngendschuy werde durch die Gewerkschaften besser vertreten wie durch besondere Jugendorganisationen. Es könne nicht unsere Aufgabe sein, das zu beseitigen, was der Gewerkschaftskongreß geschaffen hat. sondern in der Aufklärung und Heranbildung der Jugend müssen Partei und Gewerkschaften unter Hinzuziehung von jugendlichen Genossen ge- meinsam vorgehen. In ähnlichem Sinne, aber mit größerer Lebhaftigkeit wie Spiekermann, polemisierte Genosse M i r u s gegen Düwell. Er ver- trat hinsichtlich der Maifeier und der Jugendorganisation den Stand- Punkt des Gewerkschaftskongresses. Düwell, der gegen die Ausführungen dieser beiden Redner das Wort nahm, erklärte sich dagegen, daß man, wie diese es taten, ausdrücklich betone, Partei und Gewerkschaften müßten gemeinsam die Jugendbildungskomitees bilden. Die Gewerkschaftler seien doch auch Parteigenossen. Weshalb wolle man denn bei dieser Gelegenheit einen Gegensatz zwischen Partei und Gewerkschaften konstruieren. Außer den genannten Rednern beteiligten sich an der Dis- kussion die Genossen Nius, der für die Einheit von Partei und Gewerkschaft eintrat, Stahl, der sich gegen eine etwaige Erhöhung der Wahlvereinsbeiträge, besonders gegen die Einführung von Wochenbeiträgen wandte, sowie Karl Schulz und Herold, welche die Ansicht vertraten, daß manches in der Gewerkschaftsbewegung einen den Parteibestrebungen nicht günstigen Einfluß im Parteileben ausübe. Dieser Ansicht widersprach Genosse N i t s ch k e. G u s s a n begründete einen Antrag, welcher die Beibehaltung der Maifeier in der bisherigen Form befürwortet. Dieser Antrag wurde von der Versammlung an- genommen, ebenso eine vom Referenten eingebrachte Resolution an den Parteitag, welche folgenden Wortlaut hat: .Unbeschadet der von den Gewerkschaften für erforderlich er- achteten beruflichen Organisation und Ausbildung der Jugend erklärt der Parteitag: Den Jugendlichen bleibt es unbenommen, sich zu Bildung?' zwecken politisch neutral selbständig zu organisieren. Um die Jugend aber auch mit den Aufgaben und Zielen der modernen Arbeiterbewegung vertraut zu machen, haben die örtlichen Parteileitungen Komitees einzusetzen, die durch entsprechende Ver- anstaltungen in diesem Sinne wirken sollen. Diesen Komitee? sollen auch junge Genossen angehören.* Schmargendorf. In der lebten Generakversammlung des WahlbereinS erstattete Genosse Reck den Vorstandsbericht für das zweite Quartal. Demnach fanden statt zwei Mitgliederversammlungen, drei Zahl- abcnde und zwei Landtagswählerversammlungen. Flugblatt- Verbreitungen wurden zur Landtagswahl drei abgehalten, zu sonstiger Agitation zwei und zwei Handzettelverbreitungen. Die Mitgliederzahl stieg von 60 am Anfang auf 70 am Ende des Quartals. Bei der Landtagswahl wurden mit 152 Urwähler- stimmen von 19 Wahlmännern 5 Sozialdemokraten in der 3. Klasse gewählt. Der Kassenbericht, den Genosse Schuschenk gab. ergab eine Einnahme von 77,50 M., eine Ausgabe von 65,17 M. An Versammlungslokalen gewannen die Genossen eines der schönsten Gartenetablissements, das Schützenhaus, neu hinzu. Vom Obmann der Bezfrksführer wurde Klage geführt über die geringe Beteiligung der Genoffen an den Agitationsarbeiten wie Flugblattvertcilen usw. Nach lebhafter Diskussion über den Ge- schäftsbericht wurde dem Kassierer, Genossen Schuschenk De- ch a r g e erteilt und folgende Genoffen wegen restieren- der Beitrage aus dem Verein ausgeschlossen: anetzke, Jul. Stein, Franz Lehmann, Nägel, ericke und der Vorsttzende der hiesigen Maurerzahl st eile, Genosse Marotzle.—- Als Dele- gierte zur Kreisgeneralversammlung wurden die Ge nassen Hildebrand und S i e l a f f. als Delegierte zur Verbandsversammlung von G roß- B e r l i n die Ge- nassen Reck und Schuschenk gewählt.— Als Revisor wurde Genosse K i p p i n g und in die Lokalkommission Genosse P i n k e r t neugewählt. Die nächste Versammlung findet als öffentliche am 25. August im Cafe Stein im Grunewald statt, mit einem besonders die Frauen interessierenden Vortrag. Zuletzt' köUrve flochmalS auf da? am IV. August hier im„S ch ü tz e n Y a u S* stattfindende 17. Stiftungsfest hingetvicsen. Mahlsdorf a. d. Ostbahn. In der gut besuchten letzten Monatsversammlnng des Wahl- Vereins, die im Lokale von Schliefe abgehalten wurde, geilte Genosse O e r t e l mit, daß vom 1. August der Wahlverein die ispedinon des .Vorwärts* auch auf die Kolonie MahlSdorf-Süd sKiekemal) ausgedehnt habe. Die dortigen Genossen werden ersucht, nunmehr den„Vorwärts* bei der Spedition des Wahlvereins beim Genosien Scheibe zu bestellen. Ferner machte Genosse Oertel bekannt, daß ein Antrag auf Neuwahl für den verstorbenen Genoffen Trappe von der Gemeindevertretung mit 8 gegen 6 Stimmen abgelehnt ist. Genosse W e i r a u ch führte in seinem Vortrage.Rückblick auf die Landtagswahlen*. unter anderem aus, daß die Partei der Niedergerittenen noch sehr fest im Sattel säße, das haben die Land- tagswahlen am besten bewiesen. Redner beleuchtete das schwach- volle Verhalten des Freisinns, dessen Mandatschacher in Nieder- barnim und Flensburg, unterzog das Verhalten des Dreiklaffen- Parlaments im Falle Liebknecht einer scharfen Kritik und forderte alle Genossen auf, auch fernerhin als ehrliche und treue Kämpfer des Sozialismus alles daran zu setzen, immer neue Kämpfer heranzuziehen. Bei der Beleuchtung der Wahstbeteiligung am hiesigen Orte mußte Redner leider konstatieren, daß trotz aller Versammlungen und Aufklärungen es noch eine ganze Anzahl Arbeiter gäbe, welche von ihrem Rechte der Wahlbeteiligung keinen Gebrauch machten.'Durch Zuspätkommen von zwei Wählern zweiter Klasse sind wir bei der Wahlmäunerwahl dieser Klasse unterlegen. Wie überall so haben auch hier in Mahls- dorf die Liberalen ihre Prinzipien zum Teufel gejagt: trotz der von einzelnen ausgegebenen Parole, im Falle einer Stichwahl zwischen Konservativen und Sozialdemokraten für letztere einzutreten resp. zu stimmen, hat ein Teil dieser Helden für die Konservativen gestimmt, und waren es gerade die Herren Lehrer, welche sonst sehr gut wüßten, wo die Arbeiter zu finden sind, wenn es sich um Gehaltserhöhungen der Lehrer handelt. Zum Schluß machte der Vortragende ver« schiedene Wahlvercinsmitglieder namhaft, welche nicht zur Wahl er- schienen waren. An der Diskussion beteiligten sich Gen. Giese und Kämming in ergänzender und zustimmender Weise. Von Be- ratung der vorliegenden Ausschlußanträge wurde vorläufig Abstand genommen, weil die betreffenden Genossen nicht anwesend waren. Den Gen. Schwetzke und Fischer wurde wegen ihres Zu- spätkommens bei der Landtagswahl eine Rüge erteilt. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: .Die Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahlverein? für Niederbarnim wird ersucht, Mittel und Wege zu schaffen, daß denjenigen Bezirkswahlvereinen resp. Orten, welche durch die Ver- Hältnisse gezwungen sind, eigene Speditionen zu unterhalten, jedoch mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln die notwendigen Ausgaben nicht voll bestreiten können, die Zustellung des.Vor- wärls* sowie der übrigen Parteiliteratur im Interesse der Agitation in irgend einer Form zu erleichtern.* Marienfelde. BetricbSunfall. In der Orchideen-Züchteret von Otto veyrodt wurde am Mittwoch nachmittag der 36 jährige Heizer Franz Roppa leblos aufgefunden. Er ist wahrscheinlich durch Einatmung von Kohlenoxydgasen bei der Reinigung außer Betrieb befindlicher Heizungskanäle erfttckt. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt. Der Verunglückte hinter- läßt eine Frau und drei unmündige Kinder. Rummelsburg. Am Sonntag, den 9. August, veranstaltet der hiesige Wahlverein im Waldlokal von Klugmann, Köpenicker Chaussee am Steuerhaus, das Kinderfest. Da die Polizei in diesem Jahre die Er- laubnis zu einem Festzuge mit Musik nach dem Vergnügungs- lokal erteilt hat, so gibt der Wahlverein hiermit bekannt, daß die Festteilnehmer, welche mit dem Fcstzuge nach dem Vergnügungslokal marschieren, sich pünttlich nachmittags um 2'/z Uhr Haupt- sttaße 4 einzufinden haben. Um den Festzug zu einem recht impo« santen zu gestalten, wird um die Teilnahme aller Parteigenossen mit ihren Angehörigen gebeten. Um etwaige unliebsame Störungen beim Einzug in das Festlokal zu vermeiden, ersucht der Wahlverein dringend, daß sämtliche Festtetlnehmer sich vorher mit Ein- trittskarten versehen möchten. Das Entree beträgt 1b Pf., Kinder unter 14 Jahren sind frei. Adlershof. Das Gcwerkschaftskartell für AdlerShof und Umgegend feiert am Sonntag fein Gewerkschastsfest in Wöllstein» Lustgarten, Bismarck' straße 24. Die hiesigen Gewerkschaften versammeln fich zum Um' zuge nachmittags 3 Uhr im Restaurant Kähne, BiSmarckstr. 60, am Bahnhof. flu9 der frauenbewegung. Ueber die einzurichtenden Stivstube» in den Fabriken hat noch nachttäglich der Leiter des Wohlfahrtsamtes Gremler einem Mit- arbeiter eines hiesigen Blattes die Organisierung dieser Räume eingehend geschildert. Diese Stillstuben müssen ausreichend ge räumig und heizbar sein. Der Raum muß so liegen, daß er von den arbeitenden Müttern schnellstens zu erreichen ist. Er kann auch für mehrere Betriebe gemeinsam sein. Die Einrichtung soll in stets remlich gehaltenen Körben, Wägelchen und Bettstellen bestehen. Für Spielsachen, mit denen sich die Kleinen selbst unterhalten können, wird gesorgt werden, desgleichen für Wascheinrichtungen, um die Säuglinge zu waschen, und für Kochmaschinen. Aerzte der Fürsorge' stelle führen die Aufsicht. Eine Wärterin soll die Pflege und Wartung von 5 Säuglingen übernehmen. Es werden nur Kinder aufgenommen, in deren Familien keine ansteckende Krankheit herrscht. Die Mütter geben morgen? ihre Kinder ab und nehmen sie nach beendigter Arbeit wieder mit nach ihrem Heim. Wollene Decken zum Einhüllen der Kinder werden den Müttern im Winter verabfolgt. Auch muß ihnen die Möglichkeit gegeben werden, ihre Säuglinge täglich während der Arbeitszeit dreimal zu stillen. Diese Maßnahmen werden zweifellos geeignet sein, die Lage der arbeitenden Mütter erheblich zu verbessern und den armen Kindern in der ersten Zeit ihres Leben? eine gesunde und bekömm- liche Nahrung zu bieten._ Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Jugendabietlung. Sonntag, den 9. August, abends 6 Uhr, Versammlung im GewerkschastShause, Engelufer 15. Vortrag vom Gen. Wurm über:„Naturgeschichte und Schöpfungsgeschichte*. Nachdem Rezitation von Herrn Dr. Geiger. Jugendliche al? Gäste will- kommen. setzen über dle Brandkatastrophe ausgedrückt mit dem Wunsche, auf dem Laufenden gehalten zu werden. Für Notquartiere stellte Fürst von Fürstenberg seine sämtlichen Gebäude zur Verfügung. Die Stadt nahm die Schulhäuser zur Unterkunst her. Das Fürsten- bcrgsche Schloß mit seiner Umgebung und seinen reichen Sammlungen ist nicht gefährdet.— Ueber die Ursache des Feuers wird mitgeteilt: Es war kein Blitz, der das Feuer verursachte und auch wohl keine Brandstiftung. In einem Schuppen begann das Feuer. in dem Heu lagerte, das sich jedenfalls selbst entzündet hat. Das Feuer hatte gestern einzelne Häuser übersprungen, die nun un- versehrt aus den Trümmern hervorragen. Nur wenige Familien sind versichert. Tonaueschingen, 6. August. Man hat nun auf dem Bürger- meisteramt, das in der Gewerbeschule provisorisch sein Heim auf- geschlagen hat, den Schaden annähernd taxiert. Es sind 125 Wohn- gebäude und 168 Nebengebäude abgebrannt, zusammen also 293 Gebäude im ungefähren Wert von 1 625 000 M. 214 Familien, ungefähr 600 Personen, sind obdachlos. Vor der Hand sind sie in allen möglichen Gebäuden untergebracht. Ein dringender Notstand bestcht nicht, da von der Umgegend ganze Wagenladungen Brot und Wurst herbeigeschafft wurden. Im Amtsgebäude wütet da? Feuer immer noch im Keller; man befürchtet schließlich den Ein- stürz. Militär hat alle gefährlichen Stellen abgesperrt. In der Sparkasse hat man den Kassenschrank mit vieler Mühe gerettet, der die in Blechkassetten geordneten Zettel mit den Listen der Ein» leger enhält. In den zu oberst liegenden Kassetten sind die Zettel stark verkohlt, zum Teil find sie unleserlich geworden Schutz den Kinder»! Vor einigen Tagen entlief da? Schulmädchen Anna W. in Pritzwalk aus dem Elternhause, weil sein Vater es unausgesetzt mit unsittlichen Anträgen belästigte. Verwandte, bei denen das Madchen Unterkunst fand, erstatteten Anzeige gegen den verbrecherischen Vater. Dieser wurde verhastet._ Neue Form und Geltung der Popausweiskarien. Die deutschen PostauSweiskarten erhalten eine neue Form. Ihre Geltung wird gleichzeitig wesentlich ausgedehnt. Das Reichspostamt hat mit der.norwegischen Postverwaltung soeben die Vereinbarung getroffen, daß die in Deutschland ausgestellten PostauSweiskarten von jetzt an auch in Norwegen als vollgültiger Ausweis bei der Aushändigung von Postsendungen jeder Art gelten. Auch die schwedische Postverwaltung hat sich bereit erllärt. die deutschen Post« ausweiskarten anzuerkennen unter der Voraussetzung, daß sie in Antiqua gedruckt und ausgestellt werden. Die Reichspost- Verwaltung führt deshalb eine neue Ausgabe der Ausweis- karten ein. Wie alle Drucksachen der Neichspost sind auch die AuSweiskarten in Fraktur hergestellt. Die neuen Karten werden in Antiqua gedruckt. Sonst entsprechen sie genau den bisherigen. Hinzugekommen ist lediglich die Anweisung an die Postanstallen, daß die Karten von jetzt an auch mit sogenannten lateinischen Schriftzügen auszufüllen sind. Die neuen Formulare für die Aus« weiskarten werden vom 15. August an in Gebrauch genommen. Die älteren Formulare, die sich noch bei den Postanstalten befinden, werden zurückgezogen. Selbstverständlich behalten die einmal aus- gestellten PostauSweiskarten ihre Gültigkeit so lange, wie sie in den Karten selbst vorgesehen ist. Die Karten werden auf die Dauer von einem Jahre ausgestellt. Für Schweden sind natürlich nur die neuen Formulare zu verwenden. Echiffsunglück. In der Nacht zum Mittwoch wurde der englische Dampfer„Kirkwall* von einer bis jetzt unbekannten Bark querab von Ameland derart angerannt, daß er sank. Der Steuermann und ein Bootsmann des„Kirlwall*. die Verletzungen erlitten, wurden von dem Hamburger Schlepper.Simson' gerettet. Ob auch die übrige Besatzung gerettet wurde, ist bisher nicht bekannt geworden. Vermischtes. Eine badische Stadt in Flammen. Dem Brande in Donaueschingen sind etwa 120 Ort?- gel�ude und 168 Nebengebäude zum Opfer gefallen, woWcch 400 Familien obdachlos sind. Viel Mobiliar, Vieh und Bargeld wurde ein Raub der Flammen. Das Feuer ist gestern früh auf seinen Herd beschränkt, was hauptsächlich dem inzwischen eingetretenen Regen zu verdanken ist. V e r l u st e a n M e n s ch e n- leben durch das Feuer sind, wie uns ein gestern abend ein- gegangenes Telegramm meldet, leider auch zu bellagen: eine Frau und iwci Kinder sind bei dem Brande umgekommen. Die letzten Telegramme melden: Tonaueschingen, 6. August. Dem Fürsten Fürstenberg hat der Kaiser, wie er mitteilte, aus Stockholm sein teilnahmsvollstes Eni- Choleraerkrankungen In Rußland. Im Gouvernement Asttachan find bis gestern mittag VI Tholera- erkrankungen und 24 Todesfälle vorgekommen, in der Stadt Zartzhn 96 Erkrankungen, 55 Todesfälle, in der Stadt Saratow 14 Er- krankungen. 2 Todesfälle. Da auch im Gouvernement Saratow, in Rostow am Don und im Gebiet der Donkosaken vereinzelte Cholera- fälle vorgekommen find, sind die Wolga von Samara bis Nishnij- Nowgorod und die Stadthauptmannschaft Rostow am Don für cholerabedroht, die Stadt Saratow für choleragefährlich erklärt worden. In Petersburg ist gestern ein cholcraverdächtiger Fall zur Anzeige gekommen._ Heuschrcckenschwärme in Algier. Algier, 6. August. Ungeheuere Heuschreckenschwärme verheeren neuerdings die algerischen Saaten. In Bisera«st fünf Kilometer weit das ganze Land von Heuschreckenschwärmen übersät. Die Schwärme dringen bis vor die Tore Algiers; eS werden umfassende Maßnahmen gegen die weitere Verbreitung der verheerenden Schwärme gettoffen. Amtlicher Marktbericht der stSdtischen Markthallen-DtteMon über den Großhandel in den Zenttal-MarNballen. Marktlage: Fleisch: Zusuhr stark. Geschäst rege, Preise unverändert. Wild: Zufuhr reichlich, Geschäst Icbhast, Preise zum Teil anziehend. G e s l ü g« l: Zusuhr ge. nügend, Geschäft lebhast, Preise hoch. Fische: Zusuhr mäßig, Geschäft ziemlich rege, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Ob st und Südsrüchte: Zusuhr genügend. Gejchäit sehr still, Preise wentg verändert. «SitterungSüberficht vom«. August 190«,«orgeuS 8 Uhr. Swtnemde 766 ONO Hamburg 759 NO Berlin 758 OSO Kranls.a.M. 7S8NO Münch« 757 NO Wien>75SO Iwolkenl Swoikenl 1 heiter 3 Regen 1 bedeitt 1 Dunst Haparanda Petersburg Scillh ilberdev» Part» 759 Still 751 NNO 764 N 768 NND 756 ONO Wolken! 1 halb bd. 5 wolkig Lhalbbd. 2 bedeckt Wetterprognose für Freitag, de« 7. August 1908. Warm und vtelsach heiter bei meist schwachen östlichen Wüide» etwas Neigung zu Gewittern. Berliner W e t t e r b u r ean. und WasferstandS-Nachrichten der LandeSanftalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel. TUM P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Rrossen , Franksurt Warthe, Schrimm LandSberg Netz«, Vordamm Elbe, Ltiimeritz . Dresden » Barby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Spandaus , Rathenow') Spree, Spremberg') , BecSkow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximllianSau » Kaub , Köln Neckar, Hcilbronu Main, Wcrtheüu Mosel. Trier st 4- bedeutet Wuchs,— Fall,— Unterpegel. "Verantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Borwärt« Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Lc Co. Äerlin