Hr. 185. divadel schlitilo Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis pranumerando, Bierteljährl. 8,30 ML., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illuftrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Bost- Beitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Danemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblaff. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 80 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., Jedes weitere Wort 5 fg. Morte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1983. Parteigenossen! Laut Beschluß des letzten Parteitages findet der dies. fährige in Nürnberg statt. Auf Grund der Bestimmun▪ jährige in Nürnberg statt. Auf Grund der Bestimmungen der§§ 11, 12, 13, 14 und 15 der Parteiorganisation beruft die Parteileitung den diesjährigen Parteitag auf Sonntag, den 13. September, abends 7 Uhr, nach Nürnberg in die Städtische Festhalle", Luitpold. hain, ein. Die Eröffnung erfolgt präzise. Anschließend erfolgt die Konstituierung des Parteitages, Festsetzung der Geschäftsund Tagesordnung, Wahl der Mandatsprüfungskommission. Montag, den 14. September und die folgenden Lage finden die Verhandlungen des Parteitages in dem Lokal " Herkules- Velodrom", Treustraße 10, statt. Als provisorische Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes. a) Allgemeines. b) Organisation und zwar I. Frauenorganisation; II. Jugendorganisation. Berichterstatter: S. Müller. c) Kaffe und Preffe. Berichterstatter: A. Gerisch. d) Bildungsausschuß. Berichterstatter: H. Schulz. 2. Bericht der Kontrollkommission. Berichterstatter: A. Kaden. 3. Parlamentarischer Bericht. 4. Maifeier. Berichterstatter: E. Eichhorn. Berichterstatter: N. Fischer. 5. Sozialpolitik und der neue Kurs. Berichterstatter: S. Moltenbuhr. Berichterstatter: F. Geyer. 6. Die Reichsfinanzreform. Sonntag, den 9. August 1908. Sie bleiben Stellvertreter Gottes! Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Hmt IV, Nr. 1984. Für die Kriegs- Luftflotte! Das verrät Daß die ganze Sammelei für Zeppelins Erfindung auf nichts Der letzte Massenmißhandlungsprozeß hat wieder einmal anderes hinausläuft, als auf die billige Schaffung einer Kriegsdrastisch bewiesen, warum die Soldatenmißhandlungen bei uftflotte, tritt immer deutlicher zutage. Soldaten in der infamsten Weise beschimpfen, in der un- der sich mit Zustimmung Wilhelms II. als Chrenpräsident uns nicht auszurotten sind. Denn wenn Soldatenschinder, die auch ganz unverblümt ein Aufruf des Kronprinzen, menschlichsten Weise mißhandeln, Soldaten ohrfeigen, daß an die Spitze des zu Sammlungen für Zeppelin auffordernden ihnen das Trommelfell plagt, daß sie ohnmächtig werden, daß Reichskomites, des Luft- Flottenvereins, gestellt hat. Der Aufruf des ihnen das Blut aus Mund und Nase spritzt, die solche Miß- Kronprinzen lautet: handlungen gewohnheitsmäßig berüben und sich sogar zu der perversen Bestialität hinreißen lassen, Untergebene an den Geschlechtsteilen zu reißen, also derartig zu behandeln, wie sich das selbst ein ro her Fleischertnecht Tieren gegenüber nicht gestattet- wenn folche Soldatenschinder nicht einmal degradiert werden, so fann man sich nicht darüber wundern, daß in Unteroffizierstreisen die seltsamsten Ansichten darüber herrschen, wo eine Mißhandlung anfängt und ein freundschaftlicher, erziehlich gemeinter Rippenstoß gegen das Bauchfell oder Fauftschlag in die Zähne aufhört! " Groß war der Jubel, als die Kunde von den erfolg reichen Fahrten des deutschen Luftschiffes unter feinem genialen Erfinder Grafen v. Zeppelin die deutschen Lande burchdrang. Jeßt, da ein großes Unglück das Lebenswert dieses unermüdlichen Vorkämpfers der deutschen Luftschiffahrt zu zerstören droht, ist es Pflicht eines jeden vaterlandsliebenden Mannes, durch rasches Handeln helfend einzutreten. Jeder Deutsche trage zur möglichst schnellen Beschaffung eines deutschen Luftschiffes bei, indem er einen Beitrag an die Sammelstelle des deutschen Reichskomitees in Berlin sende. Wir müssen den einmal gewonnenen Vorsprung im Kampfe um die Beherrschung des Luftmceres unter allen Umständen behaupten. Das Ehrenpräsidium Wilhelm." Hier handelt es sich also ausgesprochenermaßen nicht mehr un die Lösung eines Kultur problems, das die gesamte Mensch. heit, das alle klassen interessiert, sondern um die Wahrung der , nationalen Ehre, um die Sicherstellung des deutschen Borsprungs". Wir haben uns in unserem gestrigen Bericht über die Schiebereien des Balk, Holzapfel und Konsorten gehütet, an dem Bericht, soweit die Entlastungszeugen zu denen schon diejenigen gehörten, die bekundeten, es sei mit der Prügelei nicht ganz schlimm" gewesen zu retouchieren. Wir haben objektiv gemeldet, daß mehrere Zeugen bekundeten, daß sie selbst nicht so häufig ge- Die Wissenschaft, die wahre Kultur fennt feine schlagen worden seien und sich auch nicht entsinnen fönnten, nationalen Grenzpfähle, sie beruht im Gegenteil auf der gegen. ,, daß die Sache so schlimm gewesen" sei. Etwas start" seitigen Anregung, Ergänzung und Befruchtung. Aber hatten diese Zeugen die Entlastungszeugen! die freilich nach dem Wunsche unserer Herrschenden soll Zeppelins Prügelei und Schinderei schon gefunden, aber sie erflärten Erfindung dem deutschen Militarismus einen Borrang erobern! nichtsdestoweniger, daß sie feine Empörung darüber empfunden Dafür werben unsere Zeppelin- Enthusiasten, dafür wirbt der hätten im Gegensatz zu einer Reihe anderer Zeugen! Kronpring! " " Und die Aussagen dieser Ent" laftungszeugen genügten Nun mögen ja alle Batrioten" nach Herzensluft für die bem Oberkriegsgericht, um die Strafen, die die erste Instanz Schaffung einer Kriegs- Luftflotte steuern! Je mehr fie pribatim gefällt hatte, selbst für die am schwersten belasteten " " machen wollen! Soldatenschinder herabzusetzen! Nicht nur, daß bei den aufbringen, desto besser. Denn desto weniger hat das Reich aufärgsten Schindern der Söhne des Volkes" die Freiheits- zubringen. Nur soll man nicht die Kommunen, die Verwalter strafen ermäßigt wurden- das Ungeheuerliche des Urteils des Geldes der Gesamtheit, dem Luftflottenverein tributpflichtig lag darin, daß die von der ersten Instanz verhängte Im übrigen wird gemeldet, daß bereits 1800 000 m. frei Strafe der Degradation aufgehoben, diesen Bestien in williger Spenden für Zeppelin eingelaufen sind, ein Betrag, der sich Menschengestalt, diesen Schändern des doch sonst so ge- wahrscheinlich verdoppeln und verdreifachen wird. Nimmt man dazu, priesenen ,, Ebenbildes Gottes" die Möglichkeit gegeben wurde, daß auch das Reich die ausgesetzten 2 Millionen Mark höchstand ferner Soldaten zu Krüppeln zu schlagen und moralisch wahrscheinlich völlig zur Auszahlung gelangen lassen wird, so ergibt unter's Vich herabzuwürdigen! sich, daß die Fortführung der Zeppelinschen Versuche mehr als geSelbst wenn den famosen Ent" lastungszeugen teine Besichert ist! Schon das Eintreten des Reiches allein würde die lastungszeugen gegenübergestanden hätten, die unerschütterliche Erfindung sichergestellt haben. Tatsachen der scheußlichsten Art befunden konnten. Was hatten Alle darüber hinausgehenden Beträge tommen ihre Aussagen bewiefen? Daß geprügelt, gemiß- nur dem chauvinistischen Luftmilitarismus auhandelt wurde; nur nicht ganz schlimm", nur nicht so schlimm, daß die Gemütsmenschen, die nicht selbst die Und wir sollten meinen, daß schon das ostentative Wettrüsten Opfer regelmäßiger Mißhandlung waren, das als zu Wasser Deutschlands internationale Stellung hinlänglich in empörend empfanden! Was beweist denn aber solches mißkredit gebracht und verschlechtert hat. Parteigenossen! Der Parteivorstand richtet an Euch die teils negatives, teils böllig subjettives Zeugnis Aufforderung, die Vorarbeiten für den Parteitag also die feststehender Tatsachen der grauenhaftesten Art gegenüber?! Wahl von Delegierten wie die Stellung von Anträgen Daß es Menschen gibt, die sich nicht über unerhörtes Unrecht rechtzeitig zu bewirken. 7. Sonstige Anträge. 8. Wahl des Parteivorstandes, der Kontrollkommission und des Ortes, an dem der nächste Parteitag stattfinden soll. Die Anträge müssen spätestens am 17. August im Besize des Vorstandes, Adresse: W. Pfannkuch, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, sein, wenn sie entsprechend den Bestimmungen des§ 14, Absatz 2 der Parteiorganisation im Vorwärts" veröffentlicht und in die gedruckte Vorlage Aufnahme finden sollen. Die Parteigenoffen, die zum Parteitag kommen, werden ersucht, von ihrer Delegation dem Vorstande und dem Lokalfomitee rechtzeitig Mitteilung zu machen, damit ihnen die Vorlagen und eventuell weitere Mitteilungen zugesandt werden können. Die Adresse des Lokalkomitees lautet: " gute! Der Luftmilitarismus fehlt uns gerade noch! Die chriftliche Internationale. zu empören, sofern es nur andre trifft, ist ja leider eine nur allzu bekannte Tatsache! Und daß es Soldaten gibt, die sogar ihnen Vom 3. bis 5. August tagte in Zürich die erste inter. persönlich zu teil gewordene brutalste und schmachvollste Behandlung nicht als etwas Empörendes" empfinden, ja, nationale Konferenz christlicher Gewertschafts. das ist doch ebenfalls militärgerichtsnotorisch! führer, die bestimmt ist, der sozialistischen eine christliche Inter Um menschenunwürdige Behandlung in ihrer vollen Schwere nationale entgegenzusehen wie es in christlichen Gewerkschaftsempfinden zu können, muß man eben ein Gefühl für Menschen- blättern heißt. Am Vorabend der Konferenz war eine Begrüßungswürde besigen! Das aber wird durch unsere Gesellschafts- bersammlung, in der Wieber( Duisburg) einen Vortrag hielt ordnung dem Individuum nicht eingeflößt, sondern häufig über die Erfolge der deutschen Gewerkschaftsbewegung. Er sagte genug direkt und systematisch ausgetrieben! u. a.:„ Von ihren Gegnern als ein totgeborenes Kind bezeichnet, Anträge von einzelnen Parteigenossen bedürfen der Gegenzeichnung der Vertrauensperson oder des Vorstandes Außerdem aber ließ sich durch diese Aussagen minder ist unsere Bewegung, allen Naturgesehen zum Troß die Flegeljahre der örtlichen bezw. Kreisorganisation, falls sie zur Veröffent- empfänglicher oder mit minderer Beobachtungsgabe aus- überspringend, zu einem kräftigen Manne herangewachsen; sie ist lichung und Beratung gelangen sollen. gestatteter Ent" lastungszeugen nicht eine der furchtbaren Tat- eine Macht geworden, daß selbst die so mächtige Sozialdemokratie fachen erschüttern, die durch eine ganze Reihe positiver Beugen- chne uns christliche Gewerkschaften nichts mehr ohne uns schon aussagen festgestellt waren! Daß Balt sich hunderte gar nichts mehr unternimmt." Herr Wieber nimmt hier, vor einem brutaler Mißhandlungen hatte zuschulden kommen lassen, daß unkundigen Publikum, den Mund reichlich voll; bor Leuten, die die er einen Soldaten durch Zertrümmerung des Trommelfells Dinge in Deutschland kennen, würde er sich wohl etwas weniger zum Krüppel machte, daß er den zum Krüppel ge- felbstbewußt aufführen. Was die Flegeljahre betrifft, die die christmachten obendrein zwang, falsche Meldung zu machen lichen Gewerkschaften übersprungen haben sollen, so scheint der gedas stand doch unwiderlegbar fest! dächtnisschwache Herr sich nicht mehr der Vorgänge auf den drei Martin Treu, Nürnberg, Egidienplatz 22. Ebenso, daß die Holzapfel und Biermann ge- ersten Kongressen der Christlichen, nicht mehr der Auseinander. wohnheitsmäßige und bösartigste Soldaten- febungen über die politische und religiöse Neutralität, die Zollfrage, Mandatsformulare sind durch das Parteibureau: schinder waren! Und trotzdem wurden ihre ohnehin nuver- bas Fuldaer Pastorale usw. zu erinnern; auch scheint er nicht zu B. Pfannkuch, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, zu beziehen, hältnismäßig milden Strafen noch weiter gemildert, weil ihnen wissen, daß gegenwärtig noch sich die christlichen Gewerkschaften mit der Versand erfolgt vom 17. August an. ,, eine Lust der Duälerei" nicht nachgewiesen sei?! Nach den Berliner Fachabteilern in einer Weise auseinanderseßen, die Die Genoffen, die Anträge einreichen, werden darauf dieser Jurisdiktion müßte fünftig jeder Mörder den Nach- alles, was man entschuldigend als" Flegeljahre" bezeichnen kann, aufmerksam gemacht, daß etwaige den Anträgen beigegebene weis verlangen können, daß er aus Lust" gemordet habe! weit übertrifft. Erst recht aber jener andere Milderungsgrund des Die eigentlichen Verhandlungen der Konferenz wurden eins Motive weder im Vorwärts", noch in der den Delegierten zugehenden Vorlage Aufnahme finden fönnen. Es steht den Oberkriegsgerichts ist in diesem Falle ungeheuerlich: daß die geleitet mit den Berichten der Delegierten über den Stand dec Genossen das. Recht zu, ihre Anträge selbst oder durch be- Mannschaftsschinder geschunden und gewütet hätten, um hriftlichen Gewerkschaften in den einzelnen än. freundete Genoffen auf dem Parteitag mündlich zu begründen. aus den viehisch Mißhandelten tüchtige Soldaten" zu machen! Dern. Wohin es die Chriftlichen mit ihren ZersplitterungsEin Abdrud der Motive verbietet sich aber aus räumlichen Danach dürfen also sowohl die hier bestraften wie bestrebungen gebracht haben, zeigt das Beispiel Hollands. Dort Gründen und um Wiederholungen zu vermeiden. alle fünftigen Soldatenschinder glauben, daß man durch Bestialisierung, durch Ertötung alles Selbst- und Ehrgefühls ,, tüchtige Soldaten" erziehen kann! Berlin, den 7. Juli 1908. Mit sozialdemokratischem Gruß Der Parteivorstand. Welche Herabsegung des Militarismus durch seine eifrigsten Verteidiger! gibt es( außer den sozialistischen Organisationen) christlich- interkonfessionelle, katholische und evangelische Gewerkschaften, die alle im Namen des wahren„ Christentums" daran mitwirken, die Macht der Arbeiterklasse zu lähmen. Ueber das Wesen und die Aufgaben der christ. lichen Gewerkschaften rebete Giesberts( M.- Gladbach). Ausgehend von dem Sake, daß die Gewerkschaften nur wirtschaft Hefte Aufgab?« zv erfüllen hätke«, forderte er für die christlichen Organisationen, daß sie interkonfessionell und parteipolitisch neutral seien. In dem Augenblick, wo eine Gewerkschaft sich auf konfessio nellen Boden stelle, sei ihr das Rückgrat gebrochen, denn keige tnirchengemeinscktaft könne und werde die Verantwortung für die wirtschaftlichen Jnteressenkämpfe der Arbeiter übernehmen.(Sehr schmeichelhaft für die Kirche, die angeblich ein Anwalt der Armen und Bedrückten ist!) In der Aussprache über den Vortrag von GieSbcrtZ ergab sich, namentlich zwischen den Deutschen und Hob ländern. eine weitgehende Meinungsverschiedenheit über die Rot tvcndigkeit der Jnterkonfessionalität. Schiffer(Düsseldorf) be- stritt den Bischöfen das Recht, den Arbeitern, wie es in Holland geschehen ist. den Eintritt in eine bestimmte Organisation vorzu schreiben oder zu verbieten. Sie hätten das Recht und die Pflicht, in religiösen und kirchlichen Dingen die Wege zu weisen, aber in rein wirtschaftlichen Dingen stehe ihnen kein Machtwort zu. Stegerwald(Köln) meinte:„Solange die Kirchenfürsten den 'Unternehmern nicht verbieten, sich mit Andersgläubigen zu Wirt schaftlichcn Zwecken zusammenzuschließen, solange hat kein Papst und kein Bischof das Recht, den Arbeitern vorzuschreiben, wie sie sich gewerkschaftlich organisieren sollen." Ein Wiener Delegierter riet von einer Beschlußfassung in dieser Frage ab und trat dafür ein, die Frage der Konfessionalität als eine häusliche Angelegenheit der Holländer zu betrachten. Wiedeberg(Berlin) meint da- gegen, es feien verpflichtende Grundsätze aufzustellen; die Holländer müßten sich, nach einer gewissen UebcrgangSzeit, zur Jnterkonfessio nalität bekennen. Zur Frage der Notwendigkeit internationaler Beziehungen und der Einrichtung eines internatio- nalen Sekretariats wird durch eine Resolution 1. den christlichen Gewerkschaftsorganisationen aller Länder empfohlen: 1. a) Die Bildung von leistungsfähigen, möglichst straff zentrali- sicrtc» Industrie- bczw. Fachverbänden auf christlicher(interkon- fessioneller). parteipolitisch neutraler Grundlage; b) Zusammen schluß(lederation) der einzelnen Berufsvcrbände zu Landeszen- tralen mit einheitlicher Leitung(Gewerkschaftskommission. Gcwerb schaftsausschuß usw.) 2. a) Als Zentral, und Geschäftsstelle für die internationale Vereinigung der Landeszentralcn die Gründung eines allgemeinen internationalen Sekretariats für die christlichen Gewerkschaften aller Länder; b) das internationale Sekretariat wird dem Generalsekretär der christlichen Gewerkschaften Deutsch- landS, Herrn Stegerwald-Köln, übertragen; c) die Landeszentrale leistet an das internationale Sekretariat einen Jahresbeitrag von 1 Pf. pro Mitglied; die Kasse darf nur zu geschäftlichen Unkosten in Anspruch genommen werden. 3. Es wird eine leitende intern nationale Gewerkschaftskommission gebildet, in die jede Landes- zentrale auf jedes angefangene 100000 Mitglieder einen Vertreter entsendet; die Kommission tritt nach Bedarf, mindestens jedoch alle zwei Jahre zusammen. 4. Die Landeszentrale verpflichtet sich, an das Sekretariat jede erforderliche Auskunft zu erteilen, vor allem aber alljährlich statistische Angaben über Stand. EntWickelung und Leistungen ihrer einzelnen Organisationen einzusenden. Der letzte Punkt der Tagesordnung betraf die Aufgaben der christlichen Gewerkschaften in den Grenz- gebieten. Der Referent empfahl ein gemeinsames Vorgehen bei allen Aktionen zur Verbesserung der Arbeits- und Lohnbedin gungcn in allen den Grenzbezirlen, die— wie das sehr oft der Fall ist— ein gemeinschaftliches und geschlossenes Wirtschaftsgebiet darstellen; die Ueberwachung und Regelung des Durchzugs und Zn zugs der fremden Arbeiter, vor allem durch Aufklärung der hei- , nischen Arbeiter über die Verhältnisse im benachbarten Grenz- bezirke; Heranziehung der zugewanderten Arbeiter zur Organisa- tion und mit ihrer Unterstützung die Anknüpfung von Beziehungen zu ihren in der Heimat zurückgebliebenen Arbeitskollegen, um diese vor unbesonnener Abwanderung über die Grenze zu warnen.— Ein Beschluß in dieser Frage wurde nicht gefaßt. Auf der Konferenz der„christlichen Internationale" waren 07 Delegierte anwesend. Die Berichte aus den verschiedenen Län- dern lassen deutlich die Schwäche der christlichen Gewerkschaften gegenüber den sozialistischen Organisationen erkennen, und die Ver Handlungen zeigen, wie weit die Christlichen von der Möglichcit ent- fernt sind, an Geschlossenheit und Tatkraft der sozialistischen Be- wegung gleichzukommen, so sehr sie sich auch bemühen, sich deren Erfolge und Erfahrungen zunutze zu machen. Sie lütliiiche Kevolution und die„Großmächte". „Regieren heißt voraussehen." soll einmal Katharina II. geäußert haben. Wenn diese Auffassung richtig ist, so darf man ivohl bei den führenden Staatsmännern in Rußland wie in England keine großen Regierungsfähigkeiten vermuten. Am Vorabend der türkischen Revolution hatten sie keine Ahnung von der ganzen Bewegung der Jungtürken; denn sonst hätten sie sich kaum so viel Mühe ge- geben, einen ausführlichen Plan zur Regelung der„inneren Verhältnisse" in der Türkei auszuarbeiten. Ebenso wenig Ver- ständniZ für die revolutionäre Bewegung in der Türkei zeigten die übrigen Großmächte, die dem englisch-russischen Projekte zustimmten und Unterstützung versprachen. Daß mit der Umwälzung in der Türkei alle diese Pläne und Projekte ihre Bedeutung verloren haben, liegt auf der Hand, und sie werden zurückgezogen werden müssen. Uebrigens werden die Mazedonier und überhaupt die Christen in der Türkei nichts dabei verlieren. Denn auch dies- mal sind die schönen Worte der Diplomatie nicht ernst zu nehmen. Seit 1376 haben die Großmächte nicht weniger als fünfmal Reformprojekte ausgearbeitet, abgesehen von den unzähligen diplomatischen Vorstellungen. Einige dieser Projekte werden von der türkischen Regie- rung angenommen, die Vorstellungen wurden von der türkischen Regierung mit weitgehenden Versprechungen be- antwortet und... alles blieb beim alten. Um die Aus- führung der Versprechungen hat sich die europäische Diplomatie nie gekümmert. Ein Beweis für viele. Der ehemalige französische Minister und jetzige französische Deputierte Pierre Baudin schrieb kürzlich im„Berliner Tageblatt": Es erscheint nötig, zunächst festzustellen, daß die Intervention der Mächte bisher den Völker- schaften Mazedoniens keinen ernsthaften Nutzenae- bracht hat. Ihre Lage ist die gleiche wie vor dem Ver- trage von Mürzsteg und vor der Einführung von Reformen. Sie leben in vollkommener Unsicherheit; ihre Leiden können sogar mit der Zeit nur noch zunehmen". Wie wenig sich die Großmächte in der Tat um die Be- völkcrung Mazedoniens kümmerten, sollen uns folgende Tat- fachen beweisen. Unter den„Beschützern" dieser Völkerschaften werden stets in erster Linie Rußland und England genannt. Nun in bezug auf Rußland ist offiziell*) festgestellt worden, daß auf der internationalen Konferenz von 1883 in Konstantinopel der russische Botschafter N e l i d o f f mehrmals den Vorschlag gestellt habe: man möge der türkischen Regie- rung die Vollmacht geben, Ost-Rumelienmili-l t arisch zu okkupieren. Ost-Rumelien ist eine autonome türkische Provinz mit einer fast ausschließlich christlich slawischen Bevölkerung! Aus derselben offiziellen Quelle erfahren wir, daß die bulgarisch-serbischen Feindseligkeiten und der„kleine" Krieg(1885) zwischen beiden ausschließlich durch die russische Diplomatie provoziert wurde. Dieselbe Vorliebe für die türkischen Christen zeigte die russische Regierung auch während der Armeniernretzeleien von 1896. Als die französische und englische Regierung, unter dem Druck der allgemeinen Empörung, energisch eingreisen wollte, erklärte der russische Minister des Ansivärtigen dem französischen Minister Hanoteaux:„Der Zar ist aufs entschiedenste gegen irgend welche Art einer zwangsweisen Einwirkung auf die Türkei." Der Zar nahm also die türkische Regierung in Schutz, obwohl es allgemein bekannt war, daß die Armenicrmetzeleien von der Regierung organisiert wurden, obwohl die deutschen und französischen Offiziere, die als Instrukteure dienten, sich trotz der Aufforderung des Sultans weigerten, zu bestätigen, daß die Armee sich während der Metzeleien„korrekt" verhalten habe I So„beschützt" die russische Regierung die christlichen Völkerschaften in der Türkei. Um die englische Regierung in dieser Hinsicht zu charakterisiere»l. genügt es nur, an die eine Tatsache zu er innern, daß hauptsächlich dank der englischen Regierung nach dem russisch-türkischen Kriege Rumelien und Mazo donien der Türkei zurückgegeben wurden. Nach dem zwischen Rußland und der Türkei abgeschlossenen Präliminarfrieden von San- Stefano(3. März 1873) waren beide genannte Provinzen dem neugeschaffenen Fürstentum Bulgarien— also einem christlichen Staate— zugedacht. England aber protestierte aufs entschiedenste gegen diesen Präliminarvcrtrag. Lord Beaconsficld ließ sich voin englischen Parlanient einen Kredit bewilligen und gab dem englischen Admiral Homley die Weisung, mit einer Flotte in die Dardanellen einzufahren. Einen Krieg mit England wagte die russische Regierung nicht. So wurde der Vertrag von San° Stefano den Vertretern der Großmächte— dem Berliner Kongreß(13. Juni bis 13. Juli 1878)— vor gelegt. Hier wurden Mazedonien und Ost-Rumelien der Türkei zurückgegeben. Ost-Rumelien als autonome Provinz, Mazedonien unter der Bedingung, Reformen zum Schutze der christlichen Völkerschaften einzuführen. Diese Reformen stehen, wie gesagt, bis jetzt nur auf dem Papiere. Nicht um den„Schutz der christlichen Völkerschaften" handelte es sich auf dem Berliner Kongresse, sondern Haupt sächlich um das„politische Gleichgewicht in Europa". Jede einzelne Großmacht wollte verhindern, daß irgendeine andere Großmacht auf Kosten der besiegten Türkei noch mächtiger werde. Dieses Problem fand seine Lösung dadurch, daß man zur Schwächung Rußlands Bulgarien— allerdings mit der geheimen Absicht Rußlands, zu gelegener Zeit das so vergrößerte Bulgarien sich einzuverleiben— ein kleineres Territorium zuwies und zur Schwächung der Türkei selbst Serbien, Rumänien und Montenegro für un abhängig erklärte. Um das„Gleichgewicht" aufrechtzuhaltcn, mußte man nämlich oie Türkei schützen, man wollte aber nicht, daß sich das ottomanische Reich aufs neue zu einer Groß' macht erhebe. Der Türkei schenkte man das Leben, aber sie sollte nur das clcndö Leben des„kranken Mannes amBosporus" weiterführen, ihre Politik sollte von den Großmächten bestünmt sein. Um die Türkei ihre Abhängigkeit von den Großmächten noch deutlicher fühlen zu lassen, wurden ihre Finanzen teilweise unter Kontrolle gestellt. Auch der Z 23 des Berliner Traktats, der die Reformfrage behandelt, stellt die türkische Regierung unter Aufsicht und Kontrolle der Großmächte, doch hat dieser Paragraph den Christen in der Türkei wenig Nutzen gebracht. Er diente den Großmächten bloß als Vor wand, um intcrnational-politische Ziele zu erreichen, um „energisch vorzugehen" bei jeden: geringsten Versuche der türkischen Regierung, politisch selbständig zu handeln. Der„kranke Mann am Bosporus", die asiatisch-despotische Türkei, mußte sich— wenigstens in allen Fragen der aus- wältigen Politik— dem Willen der Großmächte fügen. Jetzt aber ist allein Anschein nach der„kranke Mann" auf einmal genesen. Die Revolution hat ihn wiederhergestellt. Die Jungtürken. die zweifellos die führende Rolle, wenigstens für die nächste Zeit, übernehmen werden, betonen aus' drücklich, daß die konstitutionelle Türkei sich keine Ein niischungen, weder in ihre äußere, noch in ihre innere Politik werde ge fallen lassen. Sollte es der neuen Türkei wirklich ge lingen, die Nationalitäten- und Konfessionenfrage auf fried lichcm Wege und befriedigend für alle Völkerschaften zu lösen, so ist klar, daß die Großmächte ihren bisherigen politischen Einfluß auf der Balkanhalbinsel einbüßen werden. Ja. sie werden mit einer neuen Großmacht zu tun bekommen, die vielleicht das«politische Gleichgewicht in Europa" ins Schwanken bringt oder wenigstens auf eine neue Basis stellt. Bisher verfolgten die Großmächte in der Türkei vorwiegend p o l i tische Ziele. Das politische Erwachen der Türkei wird neue große wirtschaftliche Fragen und Aufgaben stellen. � � Die türkische Verfassungsbewegung hat den Reform Projekten zunächst»in Ende gemacht, und man darf hoffen für immer. Auch die russische Regierung muß sich fügen, wenigstens vorläufig— und ihr Rcformprojekt zurückziehen Nur wenn die Maßnahmen des Sultans nicht zum Ziele führten, heißt es in der amtlichen Petersburger Depesche, würde die russische Regierung die Mächte auf die Notwendig- keit hinweisen, die unterbrochene gemeinsame Reformtätigkeit wieder aufzunehmen. Und in einer Zirkulardepesche an die russischen Botschafter telegraphiert der Minister des Aeußeren: Das Kabinett in St. Petersburg sei der Ansicht, daß die Mächte im gegenwärtigen Augenblick mit Rücksicht auf die jüngsten Ereignisse in der Türkei jeden Schritt unterlassen müßten, der als ein Ausdruck des Mißtrauens gegenüber dem guten Willen des Sultans und der öttomanifchen Regierung, die beschlossenen Reformen durchzuführen, aufgefaßt werden könnte. Rußland werde mit größter Aufmerksamkeit und Sympathie die Be- strebungen der Türkei, das regelmäßige Arbeiten des neuen Regimes zu sichern, verfolgen und sich jeder Einmischung, die diese Aufgabe erschweren könnte, enthalten. Der Minister schließt mit der Versicherung, daß Rußland treu seinen historischen Traditionen und auf Grund der Rechte, die es aus den Verträgen herleite, feine Rolle als Reformator in Mazedonien ebenso wie die anderen Mächte erst dann als beendigt betrachten werde, wenn das von dem Sultan unternommene Werk eine wirk- liche Verbesserung des Zuftandes in dieser Provinz herbeigeführt hätte. Andernfalls würde die kaiserliche Regierung sich genötigt sehen, den Mächten die Notwendigkeit der Wiederaufnahme der gegenwärtig unterbrochenen gemeinsamcu Reformtätigkeit nahe- zulegen. •) Im diplomatischen Briefwechsel, der 1836 in dem ftanzösischen Gelb« und dem englischen Blaubuch veröffentlicht worden ist. politiscke deberlickr. Berlin, den 8. August 1908. Liberalismus und Rcichsfinanzreform. Die von der liberalen Presse an den Reichskanzler ge- richtete Mahnung, die Steuervorschläge zur Sanierung der Reichsreform so zu halten, daß die Liberalen dafür stimmen können und nicht das Zentrum wieder in seine alte Stellung als Regierungspartei einrückt, da in diesem Fall der Reichs- kanzler das erste Opfer des Zentrums sein werde, be- antivorteil die aus den Miniiterien gespeisten«Berliner „Pol. Nachr." spöttisch mit der an die Liberalen gerichteten Aufforderung, nur hübsch auf die konservativen Wünsche Rück- ficht zu nehmen und sich diesen anzubequemen, dann werde der Block und der Reichskanzler dem Deutschen Reiche er- halten bleiben. Wörtlich heißt es in dem Schweinbnrgschen Blatte: „Wenn die Reichsfinanzreform ohne das Zentrum nicht zu- stände kommen könnte, würde dieses zweifellos die Beseitigung jedes liberalen Einfluffes auf die Politik des Reiches und Preußens zur Bedingung seiner Mitwirkung machen. Die einfache Schluß- folgerung aus dem Vordersatze aber ist, baß. wenn die liberalen Parteien verhüten wollen, daß das Zentrum in die Lage versetzt wird, eine solche Bedingung zu stellen, sie eben dafür sorgen müssen, daß die Reichs- finanzreform auch ohne Unterstützting deS Zentrum? zustande kommt. Kann man nötigenfalls auf deren Mitwirkung verzichte», so ist die Gefahr einer Wiederherstellung der ZentruinSherrfchaft im Reiche beseitigt. Statt den Reichskanzler zu Hilfe zu rufe». sollten die Liberalen, insbesondere die Linksliberalen, vielmehr sich stark machen, die Reichsfi nanzreform mit den Kon- servativen, also von der nationalen Mehrheit deS Reichs- tageS aus, unter Dach zu bringen. Dazu ist natür- lich erforderlich, daß sie auf den anderen Flügel der nationalen Mehrheit gebührend Rück- ficht nehmen und an ihre Mitwirkung nicht Bedingungen knüpfen. die diesem rechten Flügel die Verständigung mit dem Zentrum als das kleinere Hebel erscheinen lassen würden. DaS gilt sowohl von den Mitteln zur Durchführung der Reichsfinanzreform selbst, als auch von den Wünschen in bezug auf das preußische Wahlrecht. Nach beiden Richtungen werden die liberalen Gruppen, wenn sie die von ihnen gefürchtete Verständigung mit dem Zentrum mit Sicherheit ver- hüten wollen, ihre Wünsche in solchen Grenzen halten . müssen, daß auf ein Zusammengehen mit den konservativen Gliedern des Blockes gerechnet werden kann." Der reine Hohn l Doch die Liberalen stecken ihn ruhig ein.--_ Aus Herrn Hollos Reich. Gewöhnlich wähnt man immer, daß. wenn Ausländer nach Preußen kommen, sie meist einen Vorteil davon haben. daß sie in eine höhere Knltursphäre hineingerückt sind. Daß dem aber nicht immer so ist, beweist eine Zuschrift, die ein aus G a l i z i e n zugezogener Ansiedler an die„Posener Neuesten Nachrichten" richtet. Derselbe schreibt: „Ich habe nicht geglaubt, in der Provinz Posen solche schlechten Schulverhältnisse zu finden. Als ich auZ Galizien, wo meine Kinder einen geregelten Unterricht er- hielten, nach Schönhausen, das vier Kilometer von der Haupt- und Residenzstadt Posen entfernt liegt zog. führte ich meine Kinder der Schule in S t e i m e r S d o r f zu. Der Lehrer nahm sie nicht auf, da er schon 150 Kinder in der Klasse hatte und eS für Neuaufnahmen an Raum mangelte. So besuchen nun meine Kinder und die mehrerer Ansiedler keine Schul«! Auch alle Lern- a n f ä n g e r sind Ostern von der Schule solange zurück- gestellt worden, bis die Schule in Schönhausen fertig ist. Leider geht eS damit recht langsam. Die Ansiedler aus Bayern erzählten mir. daß die Redner, die in Bayern Ansiedler werben, mit Borliebe sagen: Für Schhlen ist gesorgt." Somit wären wir also in Punkto Kultur noch hinter Galizien zurück! Trotzdem Hunderte von Millionen für Ansicdelungszwecke verwandt werden, muß also immer noch das Mittel der Bauernfängerei herhalten, um Ansiedler zu bekommen, deren Kinder dann hier verwahrlosen! Aber wozu braucht man auch in O st e l b i e n Schulen?— Was ist ein Ultramontaner? Auf diese Frage gibt der„Arbeiter", das Organ des Vcr- Landes katholischer Arbeitervereine(Sitz Berlin) folgende Antwort: „Ein Ultramontaner ist der w a h r h a f t v e r n ü n f t i g e und in den Augen GotteS vornehm st e Mensch". Begründet wird das wie folgt:„Jeder Katholik, der offen und ohne Scheu sich als ultra- montan, d. h. als wahren, gläubigen Christen deklariert, hat schon deshalb einen wahrhaft vornehmen und wahrhast adligen Charakter, weil er Mut und Festigkeit zeigt... Aber auch von anderer Seite betrachtet ist der Ultramoniane wahrhast vornehmer als ein auf- geklärter GlaSkopf. Wer bis übers Grab hinaus denkt und Rückficht ninimt auf die Ewigkeit, der ist nicht nur verständig, der ist ver- nünftig. Und dies ist eben ein Ultramontaner, er denkt und sieht am weitesten hinaus und richtet sich danach." Bei diesen Anschauungen über den wahren Verstand begreift man es. weshalb die Ultramontanen die Volksschule für überflüssig halte».—_ Byzantinismus überall. Der Spar« und Darlehnskassenverein(Raiffeisen) w Heerdt bei Düsseldorf feiert in diesem Monat sein fünfundzwanzigjährigeZ Jubiläum. DaS für die Feier vorgesehene Programm verheißt unter anderem: Ausstellung einer Gedenktafel zu Ehren Tr. Exzellenz des Herrn Oberpräfidenten Freiherrn von Schor- l e m e r- L i e je r zur Erinnerung an dessen wiederholte Anwesen- heit in Heerdt. Die„Kölnische Volkszeitung" bemerkt hierzu: „Wir haben bisher geglaubt, rheinische Bauern wären nicht dazu sähig. dem Byzantinismus zu huldigen. Was hier die Raisseisen-Leute von Heerdt vorhaben, übertrifft wohl alles, was auf dem Gebiet deS Byzantinismus bisher in Deutschland geleistet wurde. Und das will etwas heißen I" Die Entrüstung deS rheinischen gentrumSblatteS begreift sich. Die Mitglieder des genannten Vereins sind durchweg Zentrums- leute und ihre Huldigung gilt einem Manne, den das Zentrum als einen Abgefallenen und wegen feiner„nationallatholtschen" Bc- trebungcn für einen besonders heftigen Gegner des Zentrum« hält. Wenn die Heerdter Bauern ihre Gedenktafel dem Kölner Srzbischof Äscher stifteten, würde das Blatt nicht über. Byzantinismus ammern I—_ Immer wieder behördliche Verstöste gegen daS Reichs- Vereinsgesetz in Sachsen. Die an die Zeiten des sächsischen Juwels gewöhnten Polizei- bchörden in Sachsen scheinen sich nur sehr schwer an die„liberale Auslegung des ReichSvereinSgesetzeS" gewöhnen zu können, von der der Minister v. Hohenthal in seiner internen Instruktion an die Polizeibehörden gesprochen hat. Ein solcher Fall passierte wieder in Schmiedeberg im Erzgebirge. Dort sollte am Donnerstag eine öffentliche Metallarbeiterversammlung staitfinocn, in ver Genosse Riem-DreSdcn einen Vortrag über das Thema»Die wirtschaftliche Krise und ihr Einfluss auf die Lebenshaltung der Arbeiter" halten sollte. Selbstverständlich wurde diese rein gewerkschaftliche Ver- sammlung nicht angemeldet. Trotzdem fand sich der Gemeindcvor- stand des Ortes im Versammlungslokal ein und beantwortete die jjwige des Einberufers, was er in der Versammlung wolle, er sei beauftragt von der AmtLhauptmannschaft, die Versammlung zu überwachen. Er verlangte sogar, dost pünktlich angefangen würde. Vom Einberufer wie vom Referenten wurde ihm bedeutet, dass eine Ueberwachung dieser Versammlung und auch sein Verlangen betr. des Anfangs der Versammlung unzulässig sei. Er blieb. Später kam sogar noch ein Vertreter Oer bewaffneten Obrigkeit, ein Gen- darm hnizu, der eifrig Notizen macht«. Nach Erledigung des Refe- rat es nahm der Referent Veranlassung, gegen eine solche Nicht- ochtung des Reichsvereinsgesetzes wie der dazu gegebenen mini- stcrjellen Anweisungen und Erklärungen aufs schärfste zu pro- testieren. Die Versammlung beschloß auf seinen Vorschlag, Be- schwerde gegen das Vorgehen der Ämtshauptmannschaft bis in die höchste Instanz ev. zu führen. Was nützen alle ministeriellen Erklärungen und Anordnungen, sich von jeder Schikane oder Nadelstichpolitik fernzuhalten, wenn jede unter« Verwaltungsbehörde sich eine besondere individuelle Aus- legung des Ncichsvercins, und Versammlungsgesetzes leistet!— S ch iffahrtskonferenz in Paris. Die Konferenz der Delegierten der verschiedenen Schiffahris- gesellschasten, die in Paris zusammengetreten war, um die zwischen ihnen bestehenden Mißhelligkeiten zu beseitigen, die eine Herab- setzung von ö0 Proz. des UeberfahrtspreiseS von Italien nach New Uorl herbeigeführt haben, hat kein Ergebnis gehabt. Jeder Dele- gierte hat em oder mehrere Vorschläge unterbreitet, aber es wurde keine Einigung erzielt. Die Versammlung hat sich dahin ent- schieden, alle Vorschläge von neuem zu prüfen und die VerHand- langen in kürzester Zeit wieder aufzunehmen. Zu diesem Zweck soll unverzüglich eine neue Konferenz einberufen werden, wahr- fchcinlich zu Ende August. Die übrigen Fragen betreffend den Ver- kehr auf den nördlichen Linien sind von dem Programm der Kon- ferenz gestrichen worden._ Ungültige Bürgervorsteherwahl. DaS Städtchen Nienburg an der Weser ist durch mancherlei Kapriolen des Magistrats berühmt geworden. Es ist noch nicht lange her, da verordnete der Bürgermeister, daß alle Verhandlungen der städtischen Kollegien vertraulich geführt werden mutzten. Als aber die Presse doch die Beschlüsse und Ver- Handlungen veröffentlichte, wurde die Sperre der Oeffentlichkeit wieder aufgehoben. In diesem welfisch durchsetzten Oertchen trug es sich zum Entsetzen aller Patrioten im Dezember v. I. zu. datz bei den Bürgervorsteherwahlen ein Sozialdemo- k r a t gewählt wurde. Der bisherige Vertreter im Kollegium war früher auch einmal als Sozialdemokrat gewählt worden, er hat es aber verstanden, sich bis zum wütendsten Scharfmacher zu ent- wickeln und genotz das bürgermcisterliche Vertrauen in hohem Matze. Noch ehe die Einspruchsfrist abgelaufen war, erklärte das Vürgervorsteherkollegium die Wahl des Sozialdemokraten. Genossen Gajus, für ungültig. Dagegen wurde Beschwerde erhoben und die Gründe der Beschwerdeschrift brachton dem Bürgcrvorsteher- kollegium die Erleuchtung insofern, als es seinen auf Antrag des Magistrats festgestellten Beschlutz wieder aufhob und die Wahl für gültig erklärte. Der M a g i st r a t aber weigerte sich nun, den Antrag des Kollegiums, den Genossen Gajus in sein Amt einzuführen, zu erfüllen. Deshalb klagte das Kollegium beim Bezirksausschuß, brachte aber die Klage wohlweislich einen Tag zu spät an und wurde deshalb abgewiesen. Außerdem klagte noch ein anderer Bürger, auch früherer Genosse, gegen die Gültig- keit der Wahl. Grund zur Klage war, daß einige Wähler trotz Einspruch nicht in die Wählerliste aufgenommen seien. Der A e z i r k s a u s s ch u tz hat die Wahl für ungültig erklärt. Die von dem Genossen Gajus vorgebrachten Gründe, datz die Wählerliste nach erfolgter Auslegung unanfechtbar fei,- datz es sich nur um Unregelmäßigkeiten bei der Wahlhandlung selbst handeln könne und solche nicht vorlägen, wurden für vollkommen richtig erklärt. Die Wahl wurde trotzdem für ungültig erklärt, weil über die Einsprüche gegen die Wählerliste nicht das Bürger- Vorsteherkollegium, sondern der Magistrat selbstherrlich entschieden hat. Deshalb liegt eine gültige Wählerliste, so entschied der Be- zirksausschutz, überhaupt nicht vor. Sonach hat der Magistrats» a b s o l u t i s m u s die Ungültigkeit der Wahl herbeigeführt. In seinem Eifer, das Bürgervorsteherkollegium sozialistenrem zu halten, hat der Magistrat selbst einen Beweis für die Nichtigkeit der vom Bürgermeister S ch ü ck i n g gekennzeichneten Reaktion in der Verwaltung beigebracht. Nicht nur dies, auch daS hohe Bürgervorstehcrkollcaium der kleinen Weserstadt hat eine glänzende Prob« seiner Gutmütigkeit abgelegt, und da kann man es dem Magistrat nicht verdenken, datz er solche Bürgervorsteher gern behalten möchte. Das gemütvoll einträchtige Zusammen- wirken wird nur durch Sozialdemokraten gestört, und Ruhe ist doch die erste Bürgerpflicht!_ Ein Kind wegen Brandstiftung verurteilt. Vor der Dortmunder Strafkammer hatte sich am Freitag ein vierzehnjähriges Mädchen wegen Brandstiftung zu ver- antwolten. Das Kind, ein ganz armseliges, schwächliches Geschöpf, hatte man in»weiser Vorsicht" in Untersuchungshaft ge- nommen. Das Mädchen war mit Ill'/s Jahren bei einem Bauern in Dienst. Nach den gerichtlichen Feststellungen wurde eS von seinem.Dienstherrn" mit übermäßig schweren Arbeiten betraut. Nach seinen eigenen An- gaben ist das Mädchen wegen mangelhafter Ausführungen der Arbeiten geschlagen worden. Aus Rache hat das Kind dann das HauS de» Bauern in Brand gesteckt. Der Brandschaden war nicht erheblich. In der Verhandlung wurde noch festgestellt, datz das Kind geistig zurückgeblieben ist. Wegen seiner mangelnden Fähigkeiten mutzte die Kleine in der z w e i t u n t e r st e n K l a s s e der Volksschule sechs Jahre bis zu ihrer Ent- lassung bleiben. Die Richter nahmen trotzdem an, datz das Madchen die erforderliche Einsicht der Strafbarkeit ihrer Handlung besessen habe. Zu dieser Ansicht kam da» Gericht deshalb, weil daeKind sowohl verschiedene Gebote als auch den zweiten Artikel des sogenannten Glaubensbekenntnisses wie am Schnürchen auf. sage» konnte. Das Urteil lautete dem Anträge des Staats- anwalts gemätz auf sechs Monate GefängniSl Deutsche Justiz I Statt dem bedauernswerten Geschöpf die ihm sehlende Erziehung zu geben, blüht ihm Gefängnis! So solle» branchbare Menschen erzogen werden.— flranhrdcb. Die Provokationspolitik und ihre Folgen. Paris, 6. August.(Eig. Bcr.) Clemenceau will sich mit dm Scharfmachern ausgleichen. Wenn er schon die Konfö- deration nicht auflösen will, wegen der Zwecklosigkeit dieser Matzregel und darum, weil er dadurch völlig zum Sklaven der Ri b o t und Genossen würde, so will er ihnen durch eine Politik fortgesetzter Schikanen Genugtuung verschaffen. Heute hat der Seinepräfekt dm Gewcrkschaftsverband des Departements aus der Arbeitsbörse ausge- wiesen. Als Grund gibt er die vom Verband angeblich unterhaltene„anarchistische und antipatriotische Agitation" an. Der Verband sei eine wahre Filiale der— schon im Ok- tober 1905 ausgewiesenen— Arbeitskonföderation und verwende die kommunale Subvention für propagandistische Zwecke. Die Verfügung deS Präfekten ist einfach ein Akt arbeiter- feindlicher Mitik und seine„Begründung" nicht weiter ernst zu nehmen. Dgs geht schon daraus hekbor, datz der Sekretär des Verbandes, der jetzt von der Polizei gesuchte A u l a g- nier, ein Mitglied der geeinigten sozialisti- scheu Partei und so weit davon entfernt ist, ein Anarchist zu sein, datz er erst vor kurzem wegen seiner Haltung während des Streiks in Draveil Gegenstand der heftigsten Angriffe von anarchistischer Seite war. Dem Gewerkschaftsverband geschieht durch die Auswei- sung nicht der geringste Schaden. Er ist schon in das„Haus der Föderationen" übergesiedelt, wo die Konföderation ihren Sitz hat. Die Verfügung des Präfekten wird nur die Ueber- zeugung vieler Gewerkschaftler verstärken, datz es für die Organisation am besten sei, ihre völligeUnabhängig- keit zuerlangon und mit Verzicht auf die Subventionen ein eigenes Heim zu errichten._ Ein Aufruf an die Pariser. Paris, 6. August.(Eig. Ber.) Die sozialistische Seine- Föderation hat nun die von vielen Genossen mit Ungeduld erwartete aktive Politik gegen die Regierung der Füstlladen mit vollem Eifer begonnen. In einem„an die öffentliche Meinung" gerichteten Aufruf klärt sie das Publikum über die von der bürgerlichen Presse aller Parteien und— Ge- schäftsfirmen infam entstellten Geschehnisse der letzten Woche aus, über das von der Regierung verschuldete, durch den Angriff auf den friedlichen Zug der Demonstranten herbei- geführte Blutbad von Villeneuve und über die willkürlichen Verhaftungen. Sie fordert das Publi- tum auf, sein irregeführtes Urteil zu überprüfen und den Versarnmlunigen beizuwohnen, die die Partei am 8. August in acht Sälen in Paris und in elf Vororten einberuft. Als Redner werden die sozialistischen Deputierten, Gemeinde- und G e n e r a l r ä t e des Departements und Gewerkschaftler auftreten. Fallidres Geschäftsreise. Paris, 7. Aug. Der Unterstaatssekretär des Inneren Sar- raut teilt im Blatte Depeche de Toulouse" die Ergebnisse der Nordlandsreise Fallieres mit. In Dänemark erreichte Pichon die Begünstigung für die Einfuhr französischer Weine, für welche eine Einfuhrtaxe erhoben werden sollte. In Stockholm erreichte der Minister des Aeutzeren gleichfalls eine Begünstigung französischer Weine; außerdem wird Schweden nach einem miß- lungenen Versuche in London an die Finanzkraft Frankreichs appellieren. In R e v a l endlich hat der Zar dem Präsidenten Fallieres gegenüber seine'' Befriedigung ausgedrückt über das französisch-englische Einvernehmen und das Vorgehen bcr Fran- zosen in Marokko. Der Präsident hat dem Zaren außerdem hinsichtlich der marokkanischen Frage befriedigende Versicherungen gegeben. Hinsichtlich der Ereignisse in der Türkei fand eben- falls ein Meinungsaustausch statt, wobei zutage trat, datz in Rutz- land vielfach die Ansicht herrscht, datz zwischen Deutschland und Oesterreich einerseits und der Türkei andererseits geheime militärische Abmachungen beständen, Ein Pretzprozeß. Paris, 7. August. Das Schwurgericht verurteilte den G e» s ch ä f t s f ü h r e r des„M a t i n", Danglos, wegen verleumde- rischer Artikel gegen den Senator und früheren Minister Chaumie zu bvg Fr. Geldstrafe, 5000 Fr. Schadenersatz und Veröffentlichung des Urteils in 200 Zeitungen und sprach den Verfasser dieser Artikel, Terh, frei. V Italien. Rudini gestorben. Rom, 7. August. Der frühere Ministerpräsident d i Rudini ist heute abend gestorben. Rudini wurde zum ersten Male bekannt, als er im Jahre 1866 einen Aufstand in Palermo, der die LoSreitzung Siziliens zum Ziele hatte, mit äußerster Brutalität unterdrückte. Ministerpräsident war er zweimal. 18S1 und 1806, beide Male als Nachfolger E r i s p i s. Er war konservativ und ohne hervorragende politische Eigenschaften. Portugal. verurteilte Soldaten. London, 7. August. DaS Kriegsgericht verurteilte'fünf Unteroffiziere, die an der revolutionären Be- w e g u n g vom Januar beteiligt waren, zu drei Jahren Festung und im Anschluß daran zu drei Jahren Deportation. Zwei wurden frei- gesprochen. Rußland. Willkürliche Strafverlängerung für die Unterzeichner des Whborgcr Aufrufes. Die»Russ. Korrespondenz" erhält aus Petersburg folgendes Telegramm vom 8. August: Die Verfolgungen der ehemaligen Mitglieder der ersten Reichs- duma, die für den Whborger Aufruf in verschiedenen Gefängnissen ihre dreimonatliche Strafe abbüßen, erreichen jetzt ihren GIpfelpunlt durch die eben bekannt gewordene offizielle Mitteilung, daß jenen Deputierten, die in der Provinz keine Einzelzellen vorgefunden haben, die Haft um einen Monat verlängert wird. ES gibt nämlich ein russisches Gesetz, daS für Einzelhaft eine Kürzung der Strafe um ein Viertel der Zeit zuläßt. Unerhört jedoch und selbst in der russischen Praxis beispiellos ist das um- gekehrte Verfahren einer Strafzeitverlängerung, das eine willkürliche Aushebung eines Gerichtsurteils nach fast vollzogener Strafe.— Die Sozialdemokratie in der Duma. Die sozialdemokratische Dmnafraktion veröffentlichte dieser Tage einen ausführlichen Bericht über ihre Tätigkeit während der verflossenen Session. Ohne auf Einzelheiten einzugehen, geben wir hier bloß das wesentlichste aus demselben wieder. Die Frak- tion war sich der ungemein schwierigen Lage, die der Staats- streich vom 16. Juni 1907 für sie geschaffen, sehr wohl bewußt. sie benutzte aber trotzdem jede sich darbietende Gelegenheit, um die Konjunktur in der Duma auszunutzen. Obwohl gering an Zahl, trat die sozialdemokratische Fraktion in allen wichtigen Verhand» lungen hervor, ihren Standpunkt vor dem aller anderen Parteien streng abgrenzend. Sie war von allen Parteien der Linken die einzige, die das Jnterpcllationsrecht in umfassendem Matze aus- nutzte. Sie brachte eine ganze Reihe von Interpellationen in der Duma ein: über den gesetzwidrigen Verkauf von PossessionS- ländereien im Uralgcbiet, über die Verfolgungen der Gewerk- schaften, über die Greuel in den Ostsccprovinzen, über die Ge- fängnismetzelci in Jekaterinoslaw, über daS provokatorische Vor- gehen der Warschauer Administration in der Angelegenheit Owczarek, über die Katastrophe in den Rykowschcn Gruben und endlich über die Baukatastrophe auf der Schpalernaja in PeterS. bürg. Von allen diesen Interpellationen wurde bloh die letztere in der Duma angenommen und dem Minister übermittelt. Alle anderen wurden entweder in der Duma oder in der Kommission abgelehnt. Es verdient hervorgehoben zu werden, datz die sozial- demokratische Interpellation wegen des Staatsstreichs vom 16. Juni nicht eingebracht werden konnte, weil die hierzu fehlenden Unter- schriften selbst unter den Mitgliedern der Arbeitsgruppe nicht aüf« gebracht werden konnten. Was die Ausarbeitung von Gesetzes- Projekten betrifft, so arbeitete die Fraktion deren bloß zwei aus: über die Streikfreiheit und über die Landverteilung im Ural- gebiet, während sie sich im übrigen damit begnügte, entsprechende Amendements zu einer ganzen Reihe anderer Gesetzesprojette aus. zuarbeiten. Der Bericht schließt mit den Worten, datz die sozial- demokratische Fraktion sich in dieser Duma keinen großen Hoff- nungen hingebe, datz sie es aber trotzdem auch in Zukunft nicht ablehnen werde, den Plan einer parlamentarischen Kampagne auszuarbeiten und ihn nach Möglichkeit zu verwirklichen. Finnland. Landtagspräsidententvahl. Htlsingfors, s. August.(Eig. Ber.) Die Wiederwahl des Jung- sinnen Svinhufondt erregte in der sozialdemolratiichen Fraktion eine heftige Debatte. Im allgemeinen schätzt man S. als einen unparteiischen Präsidenten. Aber er verwarf als Präsident einen Antrag des Genossen S i r o l a betreffend die 20 Millionen für die russische Regierung zur Unterhaltung de« Militärs, demzufolge die Abstimmung als eine Verfassungsfrage mit% Mehrheit hätte beschlossen werde» müssen. Svinhufondt entschied als Präsident für die einfache Majorität! Obwohl dieser Umstand in der Fraktion sehr g e g e n ihn stimmte, beschloß die Majorität, doch für S. zu stimmen, uni nicht den Anschein austommcn zu lassen, als hätte nian S. nicht wiedergewählt, weil er bei der russischen Regierung kein gerngesehener Mann ist. So wurde Svinhufondt mit 106 Stimmen geivählt.— Von einem eigenen Präsidenten sah die Fraktion ab, wohl aber beschlotz sie, einen der V i z e p r ä s i« deuten zu stellen. Man einigte sich auf die Kandidatur des Ge- nnsten Uro Strola, Redakteur des„ThömieS". Er wurde mit 10� Stimmen zum ersten Vizepräsidenten gewählt, während zum zweiten Vizepräsidenten der Altfinne L i st o mit 83 Stimmen gewählt wurde.— Das Zentralorgan der finnischen Sozialdemo- kratie„T y ö m i e s" polemisiert gegen den FraktionSbeschlutz wegen der Wahl SvinbufondtS, indem es ihn als einen Feind der Verfassung darstellt und ferner: weil seine Wahl ein Herzens- wünsch der Jungfinnen war. Serbien. Der Königsmord. «eigrad, 6. August. In der Abendsitzung der S k u p s ch t i n a kam es heute zu st ü r m i s ch e n Szenen. Der Altradikale Misitsch, der in der Nacht zum 11. Juni 1003 die Truppen befehligte. erklärte, er wisse als Teilnehmer an der Bcr- schwörung gegen König Alexander, datz diese von der nationalen Fortschrittspartei eingeleitet worden fei. Insbesondere seien die Führer der nationalen Partei, Velilowitsch und Ribarac, daran beteiligt gewesen. Ribarac erwiderte, daß dies unwahr sei. Misitsch wiederholte seine Behauptung, worauf sich ein ungeheuerer Lärm erhob. Die Nationalisten riefen: „Lügner, Schurke!" Misitsch, der sich auf sie stürzen wollte, wurde von seinen Freunden daran verhindert; die Sitzung wurde unter- brochcn. Nach Wiederaufnahme der Sitzung bezeichnete Velilowitsch die Behauptung Misitsch als eine gemeine Lüge. Misitsch erwiderte, Velilowitsch sei für die Ermordung des Stönigs Alexander und Proklamierung der Republik nach der Tat ge- Wesen. Die Liberalen hätten darauf gerechnet, datz sie zur Macht gelangen würden. Ribarac habe, als Gerüchte auftauchten, datz er an der Verschwörung beteiligt gewesen sei, dies dementieren lassen. Ribarac bezeichnete dies als Lüge.(Großer Lärm.) Als Ribarac weiter erklärte, er wäre niemals fähig gewesen, für Geld zu morden, wurde von der linken Seite des Hauses gerufen: Für 300 000 Dinars.(Protestrufe rechts.) Der Führer der Fort- schrittspartei wies die Behauptungen Misitschs mit der Erklärung zurück, datz diese Partei von 1896 bis 1006 überhaupt nicht be- standen habe. Was einzelne Personen vielleicht auf ihre eigene Rechnung unternommen hätten, könne der Partei nicht zur Last gelegt werden. persien. Aufhebung der Verfassung. Der eidbrüchige Schah hat jetzt die Maske ganz fallen lassen und die Einberufung deS Parlaments, die er versprochen hatte,„verschoben". Daß es nach den Wünschen des Schahs eine Verschiebung auf den St. Nimmerleinstag sein soll, geht daraus hervor, daß der Mensch 35 seiner Leute zu einer Art Staatsrat ernannt hat; diese lächerliche Komödie soll das Parlament ersetzen._ Ununterbrochene Kämpfe. TäbriS, S. August. Gestern und heute wurde wieder g e- schössen, auch mit Geschützen. Die Zahl der Opfer ist noch nicht bekannt. 300 Schachsewan-Reiter trafen hier ein, sie haben ini Garten des SommerpalasteS des Schah Aufstellung genommen. Sattar Khan verstärkte seine Kräfte durch Revolutionäre aus dem Kaukasus._ Anschluß an die Türkei? London, 8. August.„Daily Telegraph" meldet ans Teheran. es verlaute, daß die Einwohnerschaft von TäbriS ihre Stadt für türkisch und sich selbst für Untertanen des Sultan» erklärt hätte. Marokko. Mulah Hafid in Nöten. Tanger, 7. August. Wie aus Marrakesch gemeldet wird. haben dort die Paschas und Noiabeln der Stadt unter Vorsitz deS von Mulay Hafid eingesetzten Gouverneurs am 2. d. M. in mehr- stündiger Sitzung über die gegenwärtige Lage der Stadt beraten. Wenn man sich in der Hauptsache auch dahin einigte, treu zu Mulay Hafid zu stehen, so zeigte die Diskussion doch, daß eS für unmöglich gehalten wurde, ohne Waffen und Muni- tion Abdul A s i s zu widerstehen. Der Sohn El Glauis wurde mit der Verteidigung der Stadt beauftragt, er erklärt aber, daß er nicht glaube, diese erfolgreich durchfichren zu können. Die Stadtbewohner sind mit oen geäußerten Ansichten unzufrieden, die zu weiter nicht? führen dürften, als die Stadt der Plünderung preiszugeben._ Huö der Partei. Der verimtwortliche Redakteur ber„Leipziger BolkSzeitung", Ge- noffe Keimling, wurde gestern wegen angeblicher Verletzung der Boykottverordnungen der Amtshauptmannschaft von Leipzig vom Jahre 1004, in Verbindung mit dem alten, sächsischen BereinSaesetz zu 50 M. Geldstrafe oder 5 Tagen Haft verurteilt. In der„Leip- ziger Volkszeitung" vom 23. November 1907 war die Arbeiterschaft in einer Notiz aufgefordert worden, aus den Besuch deS Gasthofes in Thekla bei Leipzig zu verzichten, da der Besitzer seinen Saal der Arbeiterschaft zu Versammlungen vorenthält. Wegen Beleidigung verurteilte das Schöffengericht zu Baum. holder den Genossen Leimpeter», Redakteur der St. Jo- hanner„VolkSwacht", zu 80 M. Geldstrafe und sprach den mit- angeklagten Genossen Klcinauf als vermutlichen Verfasser des unter Anklage stehenden Artikels frei. Aaumholder, em Land- städtchcn abseits der Heerstraße nicht weit von Oberstem an der Nahe hat in den letzten Jahren eine Steinindustrie erhalten, wo» durch fremde Arbeiter herangezogen wurden, die einen„fremden Geist" in daS«idyllische" Landjtädtchcn brachten; es fand die Ar. beiterbewegung und unser Parteiblatt Eingang. Unter dem Ein» fluß der organisierten Arbeiter wurde im Januar b. 3. ein Ron- wahrnehmen werde. Die Kommission für die Tarifverhandlungen Da die einzelnen Bezirksvereine dem neuen Verband ange fumberein eröffnet, der die Preise für die Waren niedriger fette, wurde gewählt. Folgende Mitglieder gehören ihr an: Stühmer, gliedert find, so zählt die neue Organisation jetzt schon über als die Krämer sie verkauften. Kaum war der Konsumverein jedoch Eue, Pafewaldt, Brandt, Liebenthal, Frau Lukow, Frau Schweiger, 60 000 Mitglieder und verfügt über ein beträchtliches Bermögen. eröffnet, als die Krämer durch Ausrufen mittels der Ortsschelle Frl. Regenberg, Frl. Trodte, Frl. Simoneit. Zum ersten Vorsitzenden wurde Oberpostschaffner Grzyb Berlin die Warenpreise noch unter diejenigen des Zum Vierteljahresbericht gab Eue bekannt, daß die Mitglieder gewählt. Konsumber eins fepten! Nicht weniger als 37 Artikel um 90 Personen( 10 Männer, 80 Frauen) zugenommen haben. Die fielen über Nacht im Preise, darunter das Brot von Hauptkasse bilanzierte mit 3545,35 M. Die Lokaltasse zeigt eine Der Breslauer Tischlerstreit darf als veendet angesehen werden. 85 auf 72 Pf., Wurst von 100 auf 60 Pf., Dörrfleisch von 100 auf Einnahme von 6834,24 M. inkl. Bestand vom vorhergehenden Die freie Vereinigung der Fabrikanten hat nunmehr eingewilligt, 80 Pf., Petroleum von 23 auf 18 Pf. usw. Dieser plötzliche Preis- Quartal. Die Ausgaben betrugen 1814,34 m., fomit bleibt ein dem Tarifentwurfe eine solche Fassung zu geben, daß dadurch die fall rief unter der Bevölkerung Ueberraschung und Erregung her. Bestand am 30. Juni von 5019,90 M. Dem Raffierer wurde De- Lohnerhöhung von 5 Broz. allen bis jegt gezahlten Lohnfäzen bor, da allgemein angenommen wurde, die Krämer hätten bis charge erteilt. zugute kommt. dahin das Publikum im Preise übervorteilt. Dieser Empörung Unter Verbandsangelegenheiten wurde beleuchtet, wie schlecht Ausland. gab denn auch ein Artikel der„ Volkswacht" am 4. Februar Aus- manche Wäschearbeiterin gestellt ist. Eine Vorrichterin bei der Firma brud, und nannte das Verhalten der Lebensmittelhändler scha m3. 28. Hauser hatte innerhalb vier Wochen einen Durchschnitts- Federation of Miners"( Bergarbeiterbund der Weststaaten) hielten Die amerikanischen Bergarbeiter, organisiert in der Western los, die jahrelang in christlicher Nächstenliebe" ihren Mit- verdienst von 8,07 m. pro Woche, das Krankengeld usw. abgezogen, jüngst ihren jährlichen Verbandstag in Denver, im Staate Colos menschen das Geld aus der Tasche genommen hätten. Obwohl nun bleiben 7,80 M. pro Woche. Einmal erhielt sie nur 1,55 W. aus- rado, ab. Dieser Bund ist den Grubenbefizern besonders verhaßt 19 Lebensmittelhändler in Baumholder sind, fühlten sich nur fünf gezahlt und daneben zwei Dugend Kragen, die sie verdorben und er ist vielen Verfolgungen ausgesetzt. Man erinnere sich des Krämer beleidigt, stellten Strafantrag gegen Leimpeters als Re- haben sollte. Es wurde betont, daß dies ungefeßlich war; es zeigt( im Vorwärts" berichteten) Prozesses gegen die Führer des Bun dakteur und Kleinauf als Verfasser des Artikels, dem die Staats- aber, was sich mancher Unternehmer gegenüber den Arbeiterinnen des, Moyer, Haywood und Bettibone, die unter Mordanklage anwaltschaft zu Saarbrücken stattgab, im öffentlichen herausnimmt. Interesse Anlage erhob und die Sache dem Schöffengericht standen, aber freigesprochen wurden. Auf dem Verbandstag wurde Baumholder überwies. In der ersten Verhandlung am 20. Mai Die Berliner Volkszeitung" vom 5. d. M. berichtet, daß der Dollar, also über 800 000 m. gekostet hat. Und dabei hat der berichtet, daß dieser Prozeß dem Bunde die Summe von 200 000 stellte Leimpeters den Antrag, das Gericht zu Baumholder möge fich Boykott der Kantine im Schwarzkopfffchen Werk Wildau aufgehoben Bund nur einen Teil der Prozeßkosten getragen. Andere Gewert. für unzuständig erklären und die Sache an das Landgericht Saar- fei, nachdem die Direktion den Arbeitern einige Zugeständnisse gefchaften und die sozialistische Partei haben große Summen auf. brücken verweisen. Den Antrag begründete er damit, daß laut macht hätte. gebracht. 745 000 Dollar, das sind 3 Millionen Mart, während die Eins § 17 der Strafprozeßordnung für Offizialtlagen der ambulante Die Ausgaben für das lehte Geschäftsjahr betrugen Gerichtsstand unzulässig, daß bei öffentlichen Anklagen gegen nahmen nur etwa 400'000 Dollar, oder 1 750 000 m. betrugen, eine die Presse nur das Gericht am Erscheinungsort zuständig sei. Gegen Folge der wirtschaftlichen Krise. Nominell hat die Zahl der Mit Kleinauf laffe sich die Anklage nicht aufrechterhalten, so daß die glieder des Bundes um etwa 5000 abgenommen, aber die Zahl der Sache nicht in Baumholder, sondern in Saarbrücken verhandelt gutstehenden Mitglieder ist eine ziemlich hohe, nämlich 35 000, werden müsse. Das Gericht schloß sich dem Antrag an, erklärte sich für unzuständig und verwies die Sache nach Saarbrücken. Das während 20 000 als nicht gutstehend in den Listen geführt werden. Landgericht Saabrücken hob die Entscheidung auf und verwies die Auf dem Verbandstage wurde der Anschluß der Western Wie uns eine Depesche aus Stettin meldet, hat gestern Federation" an die zweite große Bergarbeiterorganisation, die Angelegenheit wieder nach Baumholder zurüd. In der Verhand Tung am 5. Auguft gaben die beteiligten rämer die( Sonnabend) abend bei elf dortigen Firmen im Anschluß an" United Mine Workers" in sympathischer Weise beraten, aber ein Richtigkeit aller Angaben in dem Artikel zu, den„ Vulkan"-Konflikt die Aussperrung aller Arbeiter statt- endgültiger Beschluß darüber noch vertagt. behaupteten jedoch, ihre vorherigen höheren Preise seien keine gefunden. Die größten hierbei in Frage kommenden Firmen " schamlose" Uebervorteilung des Publikums gewesen. Den plöplichen Preisfall hätten sie in ihrem eigenen Interesse sind: 1. Die Schiffswerke von Mischke u. Co.; 2. die Stettiner " Auf Grund eingezogener Erkundigungen können wir mitteilen, daß die Nachricht der Voltszeitung" falsch ist, wie auch verschiedene andere Nachrichten der„ Volkszeitung" über die Arbeiter bewegung in legter geit falsch waren. Deutfches Reich, Die Stettiner Aussperrungen. " borgenommen, um den Konjumberein als Kon. Oderwerke; 3. die Nähmaschinen- und Fahrradfabrik Attien Letzte Nachrichten und Depefchen. turrenzgeschäft nicht aufkommen au lassen; gesellschaft Stöber; 4. die Bauanstalt für Eisenkonstruktion von weshalb sie mehrere Warensorten unter Ein Gollmann u. Sohn. taufspreis verkauft hätten! Der als Amtsanwalt fungierende Bürgermeister beantragte gegen Kleinauf Freisprechung, ha ihm die Verfaſſerſchaft nicht nachgewiesen worden sei, gegen Leimpeters 4 Monate Gefängnis! Das Gericht verurteilte 2. zu 80 22. Gelbſtrafe, hielt ihm zugute, daß die Angaben des Artikels der Wahrheit entsprochen und daß durch das Vorgehen der Krämer das Publikum sich wirklich genasführt und betrogen gefühlt habe. Kleinauf mußte freigesprochen werden. M. Gewerkschaftliches. Steine statt Brot. Unter der Ueberschrift„ Ein Mahnwort und eine Bitte Sympathie- und Proteststreiks geplant. Die Ausgesperrten verhalten sich ruhig. Für Anfang Arbeitsgenossenschaftskammern, die dem Verband der SynMarseille, 8. August.( W. T. B.) Die Delegierten der nächster Woche sind Massenversammlungen in Aussicht ge- bitatsvereinigung in der Arbeitsbörse angehören, stimmten nommen. Von der Vereinigung der Eiſenindustriellen war, wie berichtet, beim Gesamtberbande deutscher Metall- nach längerer Diskussion für die Tagesordnung unter gleichzeitigem Protest gegen die Ereignisse und Verhaftungen zu industriellen der Antrag gestellt worden, falls die Stettiner Billeneuve und St. Georges und erklärten sich für den GeAussperrung wirkungslos bleiben sollte, unverzüglich eine neralstreik als Zeichen des Protestes. Einen ähnlichen Be Generalaussperrung aller dem Gesamtverbande, angeschlossenen schluß faßte, wie aus Toulon gemeldet wird, der HafenBetriebe vorzunehmen! Eine Antwort hierauf ist noch nicht arbeiterverband des Departements Var. erfolgt. Es verlautet, daß im Laufe nächster Woche in Berlin eine Vorstandssitung des Gesamtberbandes der deutschen Metallindustriellen Aussperrungsdrohung in Mähren. Bränn, 8. August.( B. H.) Der Verein der Wollan Trier" veröffentlicht die" Landeszeitung" in Trier, nach- stattfindet, die sich mit dem Stettiner Antrag beschäftigen industriellen fordert mittelst Plakat die streifenden Arbeiter dem sie in ihrer Nr. 163 einen ausführlichen Bericht über die wird. Dann soll definitiv über weitere Aussperrungen be- auf, bis Donnerstag, den 13. d. M., die Arbeit wieder aufGeneralversammlung des Verbandes fatholisch kaufmännischer schlossen werden. zunehmen, anderenfalls in sämtlichen Etablissements eine Vereinigungen Deutschlands gegeben hat, eine von be- Sommenden Mittwoch wollen die übrigen deutschen Arbeiteraussperrung erfolgen soll. freundeter Seite eingegangene Buschrift, die verdient, nicht Schiffswerften aussperren, angeblich, unabhängig" von nur von Handlungsgehilfen, sondern von den Angehörigen dem Vorgehen der deutschen Metallindustriellen. aller christlichen" Vereinigungen Vereinigungen beachtet und richtig Der Deutschenhaß in Böhmen. Prag, 8. Auguft.( B. S.) Im hiesigen Stadtrat wurde ein Antrag eingebracht, die großen Lieferungen für die städtischen WasserGruppe, sondern französischen Firmen zu übertragen. werke unter feiner Bedingung einer deutschen Spanien ist nicht Sachsen! wurde heute Nachmittag im hiesigen Gefängnishof hingerichtet. Der Barcelona, 8. August.( W. T. B.) Der Anarchist Juan Rull Zutritt war für das Publikum verboten. gewürdigt zu werden.- Es ist ja nicht unbekannt, Wie der Verband der Etuisfabrikanten Verträge beachtet. бав die christlichen und speziell die katholischen Gewerkschaften und kaufmännischen Vereine ihren Haupt- Etuisarbeiter wurde vor dem Einigungsamt bekanntlich aus Bei der Beendigung der Aussperrung der Pforzheimer zweck darin sehen, religiös auf ihre Mitglieder ein- brücklich vereinbart, daß die Vereinigung der Pforzheimer zuwirken, und dadurch die gerade in kaufmännischen. Etuis fabrikanten die in Umlauf gesetzte schwarze Liste der AusStreifen so nötige praktische und soziale Betätigung, gesperrten zu widerrufen habe. Trotzdem erläßt der welche den Angestellten allein von Nußen sein kann, vernach- Fabrikantenverband nach wie vor folgende Warnung in seinem lässigen. Daß aber die christlichen Verbände die Sorge um Organ, der„ Kartonnagen- Zeitung": das Seelenheil ihrer Mitglieder als ihren Hauptzweck ansehen, beweist der vorerwähnte Artikel. Nachdem der Schreiber des- wendig gewordenen Aussperrung ersuchen wir unsere Herren Infolge der in unserer Branche in Pforzheim notselben ausführt, daß er Gelegenheit hatte, das Elend der Kollegen: Arbeitnehmer, welche von Pforzheim kommen, in jungen Staufleute in einer Großstadt anzusehen, empfiehlt er unserer Branche bis auf weiteres nicht einzustellen. ländfich- Indien) ist ein Aufruhr ausgebrochen. Kriegsschiffe find Der Vorstand." Aus Hollands Kolonien. Haag, 8. August.( B. S.) Auf der Nias- Insel( NiederDie Cholera. Nahrungssorgen. als die einzige Rettung aus diesem Elend den Beitritt in einen fatholischen kaufmännischen Verein und wie er weiter anführt, das Festhalten Der Vorsigende der Pforzheimer Fabrikantenvereinigung, dorthin abgegangen. der religiösen Serr Steller, ist sofort nach Erscheinen der KartonnagenGrundsätze und das Bekennen des Glaubens. Dieses Beitung" vom 1. August auf dieses vertragswidrige Gebahren sowie die Bewahrung bor den Klippen der Gleich seines Zentralvorstandes aufmerksam gemacht worden, hat Petersburg, 8. Auguft.( W. T. B.) In den Gouvernements gültigkeit und des Unglaubens sei die Wirksamkeit und das aber nicht einmal darauf geantwortet und hat Astrachan, Saratow, Samara und Donisch- Gebiet sind in der Zeit Wert der kaufmännischen katholischen Vereine und" ber auch nicht verhindert, daß jene Bekanntmachung in der bom 1. bis 8. August 262 Erkrankungen und 125 Todes. dienstlicher als 100 Stellen zu vermitteln"." Sartonnagen- Zeitung" vom 8. August in unverändertem fälle an Cholera zu verzeichnen. Für cholerabedroht wur Weiter werden dann alle Mitbürger zu reger Teilnahme aufortlaut erschien! Das ist derselbe Herr Keller, der da die Stadt Kasan und fünf Kreise des Gouvernements Rajan, die gefordert und eine Zunahme an Mitgliedern als die ver- glaubte, den Vertretern des Buchbinderverbandes den Vor- Stadt Simbirsk und zwei Kreise des Gouvernements Simbirst, ständnisvollste Würdigung der idealen Verbandsbestrebungen wurf machen zu dürfen, sie belögen ihre Kollegen wissentlich! die Stadt Pensa und drei Kreise des Gouvernements Pensa. hingestellt. Allerdings find, wie man aus der Nichtwürdigung der der Unternehmer aufmerksam gemacht worden und die Arbeiter Das Einigungsamt ist auf dieses vertragswidrige Verhalten für den Handlungsgehilfen an erster Stelle stehenden und werden sich vorbehalten, gegen den Fabrikantenverband auf für den Beitritt zu einem taufmännischen Verbande am Schadenersatz zu flagen. meisten mitbestimmenden Stellenbermittelung ersieht, die Bestrebungen des Verbandes ideal, sogar so ideal, daß sie Die Gründung eines Verbandes der Post- und Telegraphena darüber, wie dieses hier der Fall ist, die realen Interessen 1 Unterbeamten Deutschlands ihrer Mitglieder vernachlässigen. Ob aber einem stellungs- ist soeben in einer Konferenz der Postunterbeamtenvereine des Losen Handlungsgehilfen die Sorge des Vereins um sein Deutschen Reiches vollzogen worden, an der 72 Delegierte als Ber Seelenheil auch von der Stellungslosigkeit und dem damit treter von 61 262 Mitgliedern teilnahmen. Wie sich aus dieser drohenden Elend befreit, bezweifeln wir sehr start. Im Bahl ergibt, ist der neue Verband jetzt schon die stärkste Beamten Interesse des gesamten Raufmannsstandes sowie des einzelnen organisation Deutschlands. Handlungsgehilfen nicht nur, sondern aller Erwerbstätigen vor Jahren vom Reichspostsekretär verboten und bisher ist dieses Der frühere Postunterbeamtenverband wurde bekanntlich schon liegt es, sich nur großen leistungsfähigen Verbänden an Berbot nicht aufgehoben. Die Unterbeamten konnten sich nur in zuschließen und bei der Wahl einer Berufs organisatiou ben einzelnen Oberpostdirektionsbezirken organisieren und diesen alle anderen Fragen, Religion, Rassenunterschiede usw. aus Bezirksvereinen wurde fürzlich zum erstenmal gestattet, in Berlin dem Spiele zu lassen. eine gemeinsame Konferenz abzuhalten. Berlin und Umgegend. Bremen, 8. August.( B. H.) Die Eheleute Eptons begaben sich gestern in einen Neubau und töteten sich beide durch Revolver schüsse. Die Ursache sind Nahrungssorgen. που Automobilunfälle. Schweres Unwetter in Ungarn. Szegedin, 8. August.( W. T. B.) Heute nachmittag ging über der Stadt ein furchtbarer Wolfenbruch nieder und richtete zusammen mit einem Orfan großen Schaden an. Um 2 Uhr auf das Kesselhaus und die Trodenkammer, wo über 100 nachmittags stürzte der mächtige Rauchfang einer Hanffabrik Arbeiter ihr Mittagsmahl verzehrten. Sie wurden unter den Trümmern begraben. Sämtliche Aerzte der Stadt und Militär eilten nach der Unglücksstätte. Bisher sind 4 Tote, Diese Konferenz hat nun auf Einladung des Berliner Bezirks. 14 Schwerberlegte und zahlreiche Leichtver. vereins am Mittwoch, Donnerstag und Freitag in Melcherts Fest- Iette aus den Trümmern hervorgeholt worden. Die Bewegung der Wäschearbeiter. sälen, Bergstraße, stattgefunden. Während ursprünglich nur an Bei der Verlesung der Namensliste fehlten noch 70 Arbeiter, Der Verband der Schneider, Schneiderinnen und Wäschearbeiter eine Bereinheitlichung der Sagungen gedacht war, wurde schließlich doch glaubt man, daß ein großer Teil vor Schreden davon hielt am Donnerstagabend bei Wilfe eine außerordentliche einen Verband der Post- und Telegraphen- Unterbeamten mit dem auf Antrag der Düsseldorfer Delegierten einstimmig beschloffen, gelaufen ist. Mitgliederversammlung ab." Die Forderungen der Siz in Berlin zu gründen. Es wurde dabei der Meinung Ausdruc 28äschefabrikanten für einen neuen Tarifabschluß" standen zuerst zur gegeben, daß jetzt unter dem neuen Vereinsgesetz der Staatssekretär Beratung. Der Referent Eue schilderte die Verhandlungen der bes Reichspostamts seinen Widerstand gegen die Unterbeamten Unterkommission, die am 21. Juli im Gewerbegerichtsgebäude zu organisation aufgeben werde. Man will ihm die Gründung mit fammengetreten war.( Jm Vorwärts" ist darüber berichtet worden.) teilen und daran die Frage knüpfen, ob das alte Verbot noch auf Die Erklärung der Vertreter der Fabrikanten ging dahin, daß ein recht erhalten wird. neuer Vertrag unbedingt auf fünf Jahre abgeschlossen werden Für den Fall, daß der Verband nicht genehmigt wird, würde müßte, daß aber die Löbne überall bestehen bleiben sollten, wo nicht eine einheitliche Reichsorganisation der Postunterbeamten jetzt doch Wenderungen in der Produktion durch maschinelle Hilfskräfte oder vorhanden sein. Es wurden nämlich in der Konferenz für sämtliche durch neue Formen oder Muster stattfinden. Es scheint aber, daß Bezirksvereine einheitliche Sagungen und Beiträge beschlossen. Der die Mehrzahl der 36 Fabrikanten nicht hinter dieser Erklärung steht, Borstand des Berliner Bezirksvereins wurde als Rentralvertretung fondern neben der Verlängerung des Vertrages auf fünf Jahre sämtlicher Bezirksvereine gewählt und an ihn sind auch die Beiträge auch eine Reduktion der Löhne unter allen Umständen herbeiführen der Bezirksvereine abzuführen. So würde also bei Nichtwill. Aenderungen in der Produktion find zahlreich vorgekommen, genehmigung des Verbandes der Reichsorganisation nur der Name 3. B. in der Zuschneiderei, in der Näherei und in der Plätterei. fehlen. Man hat fast überall Löhne zu ändern, die dann tariflich fest- In den Sabungen des neuen Verbandes wird als sein Bwed aulegen sind, wie ebenfalls von den Vertretern der Arbeitgeber angegeben, die allgemeinen sozialen, wirtschaftlichen und geistigen in der Rommiffion zugestanden worden ist.- In der Diskussion Interessen des Post- und Telegraphen- Unterbeamtenstandes zu ber gab sich wenig Neigung fund, einen Vertrag auf fünf Jahre abzu treten. Telegraphenarbeiter sollen ebenfalls als Mitglieder aufschließen, am meisten tar man aber entrüstet, daß noch Lohn- genommen werden. Die Konferenz beschloß, die von Remmers reduktionen vorgenommen werden sollen. Man erwartet von der herausgegebene" Deutsche Post" als Verbandsorgan in eigener Kommission, daß sie die Interessen der Wäschearbeiter energisch Regie herauszugeben. der Chaussee Münster- Hamm ein schwerer Automobilunfall, indem Siltrap, 8. Auguft.( B. H.) Vorgestern abend ereignete sich auf eine Frau, die ein Kind von der Chaufice hinwegreißen wollte, bon dem Automobil erfaßt und schwer verletzt wurde. Bald darauf erlag die Frau ihren Verlegungen. Monats sind hier sechs Automobilunfälle vorgekommen, die den Tod London, 8. August.( B. H.) In den sieben ersten Tagen dieses von elf Bersonen zur Folge hatten. Zürichte Spielerei. Frankfurt a. M., 8. August.( B. H.) Ein junger Friseurgehilfe bem Meffer, in der Meinung, den Messerrüden nach vorn zu wollte gestern im Scherz ein Rasiermesser probieren, indem er mit haben, sich über den Hals fuhr. Er hatte aber die Schärfe nach vorn und brachte sich schwere Berlegungen am Halse bei. Berantw. Rebatt.: Georg Davidsohn, Berlin. Inferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 4 Beilagen. St. 185. 25. Aahtglttlg. 1. Kilm des, Amiirls" Kerlm DsIksIilsT Zs»»>ll� 9. JnpP 1998. Die Bluttat eines Gendarmen, bot natzezu zwei Jahren an einem Arbeiter verübt, soll jetzt endlich vom zuständigen Gericht abgeurteilt werden. Gendarmerie- W a ch t m c i st e r I u d e, der in Stolpe an der Nordbahn den Jimmerer Adolf Herrmann aus Hohen-Neuendorf erschoß, hat sich am kommenden Dienstag wegen dieser Tat vor dem Kriegs- gericht der 1. Gardedivis ion zu verantworten. Die Anklage lautet nur auf Körperverletzung mit tödlichem Ausgang und rechtswidrigen Waffengebrauch. Lange hat es gedauert, manche Schwierigkeiten mutzten überwunden und der ganze Instanzenweg erschöpft werden, ehe es gelang, durch die höchste Militär- gerichtliche Instanz wenigstens ein Einschreiten gegen den Gendarm Jude zu veranlassen. Die Vorgeschichte der nun endlich gegen Jude erhobenen Anklage ist bc- zeichnend für preußische Rechtsverhältnisse. Sie zeigt, wie schwer es ist, einen Beamten, der ohne dienstliche Veranlassung mit einem Bürger in Streit gerät und diesen niederschießt, zur Verantwortung zu ziehen. Auch in dieser Angelegenheit reden die Tatsachen eine eindringliche Sprache. Wir stellen deshalb die wesentlichsten Mo- mente aus der Vorgeschichte der Anklage gegen Jude hier zu- sammen. In der Nacht vom 22. zum 23. September 1906 kehrten mehrere Arbeiter aus einer Versammlung in Stolpe heim. Auf dem Wege, den sie einschlugen, standen vor einem Lokal mehrere Personen, darunter befanden sich, wie später festgestellt worden ist, die Gendarmerie-Wachtmeister Tietz und Jude in Zivilkleidung. Es war stockfinster. So geschah es, daß einer der heimkehrenden Arbeiter den mitten im Wege stehenden Gendarm Jude, den er nicht erkennen konnte, aus Versehen anstieß. , Der Arbeiter entschuldigte sich und ging mit seinen Genossen weiter. Jude schimpfte, es sei eine Flegelei, ihn anzurempeln. Aus den Reihen der Arbeiter soll auf diese Schimpferei geantwortet sein. Gendarm Tietz rannte den Arbeitern, die schon ein Stück weitergegangen waren, nach, Jude folgte ihm. Als die Gendarmen die Arbeiter erreicht hatten, schlugen sie hinterrücks mit Knüppeln auf dieselben ein, wobei einer der Gen- darmen sagte:.Da haben wir ja die Schweinehunde." Natürlich ließen sich die Arbeiter von den ihnen unbekannten Knüppclhelden nicht ruhig verprügeln. Dem Gendarm Jude wurde der Stock entrissen. Er griff nunmehr zum Revolver, schlug damit erst auf die Arbeiter und dann gab er einen wohlgezielten Schuß gegen den Zimmerer Adolf Herrmann ab. der diesen in den Unterleib traf. Nach dieser„Heldentat" ver- schwanden die Gendarmen im Dunkel der Nacht. Adolf Herrmann sank, tödlich verwundet, in die Arme seiner Begleiter. Nach einigen Tagen starh er in der Charite an den Folgen des Revolverschusses, durch den ihn der Gendarm niedergestreckt hatte. Nun nahm die preußische Gerechtigkeit ihren Lauf. Doch der Arm der rächenden Justitia wandte sich nicht gegen die Gen- darmen, die mit Knüppeln und Revolvern über wehrlose Arbeiter hergefallen waren und einen derselben getötet hatten. Nach dem in Preußen bewährten Muster geht die Gerechtigkeit einen anderen Weg. Die nächtlicherweile Überfallenen und mißhandelten Genossen des Getöteten sollten auf die Anklagebank. Die beiden Gendarmen, die an- gaben, sie hätten sich— zu später Nachtstunde in Zivilkleidern aus einer Kneipe kommend!— im Dienst befunden, erstatteten gegen die Arbeiter eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung und Wider. standes gegen die Staatsgewalt. Diese Anzeige war jedoch so grundlos, daß nach dieser Richtung hin überhaupt keine Anklage erhoben wurde. Aber des ruhestörenden Lärms sollten sich die Arbeiter schuldig gemacht haben und deswegen wurde auch gegen sie Anklage erhoben. Doch das Schöffengericht Ora- Nienburg sprach sämtliche Angeklagte frei. Auch die von der Staatsanwaltschaft angerufene Berufungsinstanz, das Landgericht Berlin III, kam zu einem freisprechenden llrteil und legte ferner der Staatskasse auch— ein äußerst seltener Fall— die den Angeklagten erwachsenen Kosten der zweiten Instanz auf, weil die völlige Schuldlosigkeit der Ar» bätet und der oben wiedergegebene Tatbestand erwiesen war. Hiernach ist also klar, daß die Gendarmen ohne Grund die Ar» beiter mit Stöcken gemißhandelt und einen derselben erschossen haben. Wer aber glaubt, daß die zuständige Anklagebehörde nun- mehr gegen die beiden Gendarmen vorgegangen wäre, der kennt die preußischen Rechtsverhältnisse schlecht, Die Gendarmen blieben noch gar lange unbehelligt. kleines Feuilleton. Kirche und Sklaverei im Mittelalter. Hierüber sprach auf dem Internationalen Kongreß der Historiker Prof. P i j p e r aus Leiden In der Wirtschaft des Mittelalters, führte der Redner aus, haben die Sklaverei und die Leibeigenschast eine weit größere Rolle ge spielt, als vielfach angenommen wird. Fragen wir, wie die Kirche den Say Christi:„Ihr seid alle Brüder" im praktischen Leben auf- gefaßt hat, so müssen wir feststellen, daß die Kirchenverfassungen ivohl manche Milderung des Sklavenloses enthalten, daß von manchen Heiligen berichtet wird, sie hätten SNavcn steigelassen oder stei- gekauft, daß die Kirche die Freigelassenen und Freigckauften auch unter ihre Obhut genommen hat. daß aber alles dieses den Be- stand der Sklaverei nicht berührt, die Zahl der Sklaven nicht vermindert hat. Gelegentlich hat sich die Kirche sogar dazu her gegeben, freie Völker in Sklaven umzuwandeln, Synoden haben für solche Sklaven Bestimmungen ausgearbeitet, und die Kirche selbst hat Sklaven besessen und sich mit aller Kraft ihrer Freilassung widersetzt. Zwar heißt es in einem kirchlichen Freilassungsbriefe Gregors des Großen:„Der barmherzige Erlöser, der sich nicht geweigert hat. Fleischesgestalt anzunehmen, um uns verinöge der Gottesgnade von den Sklavenketten zu erlösen, hat dem Menschen die ursprüng liche Freiheit zurückgegeben, in der er geboren war" und ebenso be- ginnt ein anderer Freilassungsbrief mit den Worten:„Im Namen dessen, der seinen Sohn nicht gespart hat, um Sklaven loszukaufen aber diese religiöse Anschauung ist der Masse gegenüber nie zum Ausdruck gebracht worden; gegenüber der großen ökonomischen Be beutung der Sklaverei im Mittelalter war die Kirche ohnmächtig, ja sie hat nicht einmal ernsthafte Bemühungen zur Abschaffung oder auch nur zur Umbildung der Sklaverei gemacht. Vielmehr tröstet sie den Sklaven mit salbungsvollen Worten; so lautet ein Konzil bcschluß:.Verdrieße dich nicht, wenn du ein Sklave bist, denn wenn du treu gedient hast, wirst du ein Freigelassener des Herrn fem Ein anderer Konzilbeschluß von Chalons aus dem Jahre 813 lautet: „Die unabweisliche Wirklichkeit hat eS mit sich gebracht, daß die INeuschen zu verschiedenen Klassen gehören, Adlige und Unadlige, Sklaven, Leibeigene und Pächter. Die Kirche aber wird nie ver- gesscn, daß sie Brüder find." Die Kirche hat sogar erlaubt, daß ein Mann sich in die Sklaverei verkauft, obwohl dadurch das Sakrament der Ehe aufgehoben wird. Den Sklaven- Handel verbietet die Kirche nur, wenn dadurch an Juden oder Heiden christliche Sklaven geliefert werden sollen, unter Christen dagegen ist er erlaubt. Noch unter Gregor dem Großen verkaufen die Schotten ihre Frauen, wenn sie kein Geld habe». Auch die Klöster besaßen in großem Maße Sklaven. Eine Bestimmung für dieselben lautet: Der Kirchensklave, welcher durch Nermittclung eines Freien Eigentum erwirbt, soll gepeitscht werden, bis er seinen Eigentumstitel der Kirche abtritt. Ein Kouzilsbcschluß bestimmt, wenn ein Geistlicher mit einer Konkubine oder Sklavin verkehrt, so soll diese verkauft und der Erlös an die bischöfliche Kasse abgeführt werde».< Ein Bruder des Erschossenen erstattete, nock ehe die Anklage gegen die beteiligten Arbeiter erledigt war, Straf- anzeige gegen die Gendarmen. Ein Ermittclungsverfahren gegen dieselben ist auch eingeleitet, aber die Angeschuldigten wurden außer Verfolgung gesetzt! Die zuständige Militärgericht- liche Instanz der 5. Division hielt folgenden im krassen Widerspruch mit der Wahrheit stehenden Tatbestand für glaubhaft: Die bc- schuldigten Gendarmen hätten in dienstlicher Eigenschaft die Per- sonalicn der lärmenden Arbeiter feststellen wollen, dabei seien sie von den Arbeitern angegriffen und ihrer Stöcke beraubt worden. Jude habe dann, um sich der überlegenen Gegenpartei zu erwehren und den gegen die Staatsgewalt geleisteten Widerstand zu brechen, geschossen! Eine Beschwerde des Antrag st ellers gegen diesen militärgerichtlichen Entscheid wurde mit derselben Begründung zurückgewiesen, wobei gar noch hinzugefügt wurde, daß der An- tragsteller, weil er den Gendarm Tietz am Halse gewürgt habe, ein gut Teil der Schuld dafür trage, daß der Gendarm Jude den Bruder des Antragstellers erschoß.— Wirklich, eine eigenartige Logik, selbst wenn die Tatsachen, welche das Militärgericht wohl auf Grund von Ausreden der Gendarmen anführt, richtig wären. Durch die vor den bürgerlichen Gerichten abgegebenen Zeugenaus- sagen, zum Teil sogar durch die Aussagen der Gendarmen Tietz und Jude selbst, hat sich ja das Gegenteil von dem als richtig herausgestellt, was die angeschuldigten Gendarmen vor der militä- rischen Instanz eingewendet zu haben scheinen. Strafantrag hatte aber auch die Witwe des erschossenen Genossen Herrmann gegen Tietz und Jude gestellt. Zu- nächst bei der Staatsanwaltschaft am bürgerlichen Gericht. Dieses gab die Sache an die zuständige militärische Instanz weiter. Inzwischen war das Jahr 1908 herangekommen und noch lag keine Entscheidung über die beantragte Strafverfolgung der beiden Gen- darmen vor. Da brachte Genosse Stadthagen am 6. Februar d. I. im Reichs- tage die Angelegenheit zur Sprache. Ohne Umschweife bezeichnete er die Erschießung Herrmanns als Mord, nannte den Gendarm Jude einen Mörder, forderte Sühne für die Ermordung eines Mannes und sagte: „Daß die Sache tatsächlich so liegt, meine Herren, daß hier ein Mord vorliegt, daß die Bezeichnung„Mörder" wohl nicht un- gerechtfertigt sein mag, das kann ich auch daraus entnehmen, daß von der Staatsanwaltschaft mir gegenüber, der ich in einer öffentlichen Versammlung— wir pflegen in öffentlichen Ver- sammlungen genau so frei zu reden wie hier— darlegte, daß in diesem Falle ein Mörder frei herumlaufe, zunächst versucht wurde, gegen mich ein Strafverfahren wegen Beamtenbeleidigung und Verleumdung einzuleiten. Bei der Vernehmung erklärte ich: was ich gesagt habe, halte ich aufrecht und ich werde den Beweis der Wahrheit antreten. Darauf bekam ich im März 1997 die Mitteilung, daß das Vorverfahren gegen mich eingestellt worden fei." Später wurde bekannt, daß auch der Anzeige der Frau Herr- mann vom Militärgericht nicht stattgegeben lvorden war, obgleich doch nun schon längst die Feststellungen der bürgerlichen Gerichte vorlagen, wonach die beiden Gendarmen eine schwere Schuld trifft. Frau Herrmann führte gegen die Abweisung ihrer Anzeige Be- schwerde und wandte sich in letzter Instanz an das Reichs- Militärgericht. Dessen erster Senat entschied am 19. Juni 1998, daß das Strafverfahren gegen den Gendarmenwachtmeister Jude einzuleiten ist, weil derselbe hinreichend verdächtig erscheint, während des Dienstes den Zimmerer Adolf Herrmann vorsätzlich und unter rechtswidrigem Gebrauch seiner Schutzwaffe körperlich verletzt und dadurch den Tod desselben verursacht zu haben. Die Strafverfolgung des Gendarmenwachtmeisters Tietz lehnte das Reichsmilitärgericht ab, weil Frau Herrmann zwar in bezug auf Jude, aber nicht in bezug auf Tietz zur Einlegung der Beschwerde beim Reichsmilitärgericht berechtigt sei. Die öffentliche Anklagebehördc wird möglicherweise nunmehr auch gegen Tietz An- klage erheben. )Zus der frauenbewegung. ST Genossinnen!» Als Beauftragte der Genossinnen Deutschlands beruft die Unterzeichnete eine Frauenkonferenz nach Nürnberg ein, wo der nächste Parteitag stattfinden wird. Die Konferenz Wie wenig die Kirche gegen die Sklaverei aufgetreten ist, zeigt der Beschluß des Konzils zu Paderborn, daß in ganz Deutschland für je 129 Einwohner an die Kirche ein Sklave und eine Sklavin zu stellen ist. So hat denn auch die Kirche die Freilassung der Sklaven an die denkbar schwersten Bedingungen geknüpft; der Freizulassende mutz sich vor allen Dingen verpflichten, wenn er einmal etwas hinterläßt, es der Kirche zu hinterlassen. Auch die Bischöfe dürfen einen Sklaven nur freilassen, wenn sie einen dem Werte des Sklaven entsprechenden Betrag an die Kirchenkasse zahlen, weil sonst, wie begründend ausgeführt wurde, das Geld den Armen verloren ginge.(Schallende Heiterkeit.) Es wird danach verständlich, daß der sog. Schutz der Freigelassenen durch die Kirche nur darauf hinauslies, eine hohe Steuer von ihnen zu erhalten. DaS schlimmste ist, daß in Ländern, welche die Sklaverei nicht kannten, die Kirche sie eingeführt hat als Strafe für Majestätsverbrechen, für Gelübde zu falschen Göttern, für Verkehr mit Konkubinen, für Bruch des Land- friedens. Und dieser Verkauf in die Sklaverei geschah nach der Ver- sicherung der Kirche„im Namen der heiligen und göttlichen Dreieinigkeit", was natürlich wie ein reiner Hohn klingt. Aus dett im Vertrage angeführten Tatsachen geht klar hervor, daß kirchliche Gründe, christliche Gedanken irgend eine starke Kraft zur Beseitigung, ja mir zur rücksichtslosen Bekämpfung der Sklaverei nicht aufbringen konnten. Trotzdem schloß der Vortragende in völliger Verkcnnung der wirtschaftlichen Ursachen, die zur Beseitigung der Sklaverei führten, mit einer Huldigung an die spätere„große Zeit" des Christentums und die christlichen Männer, die das Wort: Alle Menschen sind Brüder, zur Wahrheit gemacht hätten. Kommunegeneral Wroblcwski gestorben. In Ouarville im Departement Eure-et-Loire ist am Mittwoch General Wrob- l e w s k i gestorben, der in der letzten Periode der Pariser Kommune eine hervorragende und rühmliche Rolle gespielt hat. Gleich Jaroslav Dombrowski und seinem Bruder Ladislaus hatte Wroblewski an der polnischen Insurrektion von 1868 teilgenommen und dann unter Garibaldi gedient. Stach der Absetzung des un- fähigen Oberkommandanten Bcrgeret ernannte ihn Cluscret zum Kommandanten der Forts auf dem linken Seincufer Jssy, Vanves, Montrvuge, Bicetre und Jvry. Trotz der unzureichenden Streit- kräfte, die ihm zur Verfügung standen— 12 bis 15 990 Mann— hielt er seine Stellungen mit äußerster Hartnäckigkeit. Nach dem Eindringen der Versailler behauptete er die Butte aux Caillcs gegen die weitaus überlegenen, vom General C i s s e y befehligten An- greiser 37 Stunden lang und brachte 1999 Mann und einen Teil seiner Artillerie noch glücklich auf das rechte Ufer hinüber, wo sie dann an den letzten Kämpfen der Revolution teilnahmen. Als �edcr weitere Widerstand unmöglich war, gelang es Wrobletvski, 8» entkommen. Er lebte bis zur Amnestie in England und kehrte )ann zurück. Eine politisch? Rolle hat er weiter nicht gespielt. In- olge der in seiner Jugend empfangenen Wunden verfiel er einer völligen Lähmung und nach einem schmerzlichen Siechtum ist er gestorben. In der Geschichte der proletgrifchen Bovolutjpg bleibt chjil ein chpeWvller Wgtz gesiMtt.— soll Freitag, den 11. September, morgens 9 Uhr, in der „Goldenen Rose", Wcbersplatz, zusammentreten, Als provisorische Tagesordnung schlage ich vor: 1. Bericht der Zcutrnlvcrtranensperson. u) Agitation. b) Presse. 2, Tie Neuorganisation der Genossinnen. Referentin: Genossin Zietz. 3. Die sozialistische Erziehung der Jugend'.. a) Die Erziehung im Hause. Referentin: Genossin D u n ck e r. d) Die Jugendorganisation. Referentin: Genossin Zetkin. In Orten, in denen ein Zusammenarbeiten mit den Genossen stattfindet, ist es selbstverständlich, daß die Ge» nossinnen sich niit diesen baldigst über die Wahl einer Dele» gierten verständigen. Dort. Ivo die Verhältnisse nicht so günstig liegen, haben die Genossinnen laut 8 H Absatz Ii des Organisationsstatuts der sozialdemokratischen Partei Deutschlands das Recht, in öffentlicher Frauenversammlung nicht nur eigene Delegierte für die Fr a u e n- konferenz zu wählen, sondern auch für den Partei» tag. Wünschenswert ist es, daß die Delegierten zur Fraucnkonferenz auch zugleich ein Mandat für den Parteitag erhalten. Seine Verhandlnngsgegenstände sind insgesamt von größter Wichtigkeit für die proletarische Frauenwelt. Es sei nur daran erinnert, daß der Parteitag das letzte Wort in Sachen der F r a u e n o r g a n i s a t i o ir spricht. Angesichts der bevorstehenden Entscheidungen, die von außerordentlich großer Bedeutung für die Entwickclung der proletarischen Frauenbewegung sein werden,, ist es selbst- verständlich, daß zahlreiche Vertreterinnen der Genossinnen niit beraten und mit beschließen sollten. Die Frage der Jugendorganisation ist in hervorragender Weise eine Frage der Aufklärung und Erziehung der proletarischen Mütter, und die Aufgaben, die sie stellt, können ohne weit- gehende, zielklare Mitarbeit der Genossinnen nicht befriedi- gend gelöst werden. Als Arbeiterinnen, Arbeiterfrauen und Arbeitermütter haben die Proletarierinnen das höchste Jnter- esse an der Sozialpolitik des Reiches: als Trägerinnen der direkten und indirekten Steuerlasten wird ihr Leben ein- schneidend von einer Reichsfinanzreform berührt. Der Aufruf des Parteivorstandes wendet sich an die gc- samte Genossenschaft, er gilt für die Genossinnen wie die Genossen. Möchten daher die Genossinnen überall dafür sorgen, daß dem ihnen zustehenden Rechte gemäß auch an dem diesjährigen Parteitag als Delegierte Frauen teil- nehmen, die in treuer Pflichterfüllung alle Arbeiten und Kämpfe der Sozialdemokratie teilen. Anträge zur Frauenkonferenz sind spätestens bis zum 31. August einzusenden. Erfolgte Wahlen von Dele- gierten sind der Unterzeichneten zu melden. Die Adresse des Lokalkomitces ist: Max Treu, Nürnberg, Egidienplatz 22. Die Frauenkonferenz zu Nürnberg muß ein Beweis für die Fortschritte der proletarischen Frauenbewegung werden, ein Ausgangspunkt weiterer Erfolge. Mit Parteigruß Ottilie Baader, Vertrauensperson der Genossinnen Deutschlands. Berlin 6W. 68, Lindenstr. 3, 1. Quergcbäude IV. Rot und Schwarz. V Das Münchcner Organ für die geistige Verkrüppelung der katholischen Schäfchen des Dienstbotcnstandcs rennt wie wahn- sinnig hinter den„roten Hctzerinncn" her. Dieses Blättchen, das sich mit seltenem Eifer der katholischen Dienstboten„annimmt", erscheint nun glücklich im zweiten Jahrgang. Seit 24 Monaten Hnmor und Satire. — Neues von Serenissimus. Der Großherzog von Gerolstein wurde plötzlich von einer unbesiegbaren Reisewut gepackt. Täglich durchquerte er mehrere Male sein Reich. Mit großer Bc- sorgnis verfolgte Kindermann den plötzlichen Tatendrang seines Herrn. Endlich fragte er devotest nach der Ursache der�Tiirch- lauchtigsten Unruhe und erhält die Antwort: „?leh, lieber Mndermann, habe Wanderniere. Mu ß immer mit!" — HoheFinanz imSeebad.„Diese cmtömae Wasser- fläche schläfert das Denken ein." '„Ja; man vergißt ganz, daß daheim die letzte Bilanz nicht gestimmt hat!" — Sachsen.„Sie gehen dies Jahr nicht in die Alpen?" „Nee; bei uns sinn zlvee Hinrichtungen,— das is fchccner." — Preußisches Nachtbild. Herr zu einem Couleur. studenten, der Laternen ausdreht:„Lassen Sie das doch fein!" Student:„Wer sind Sie denn" Herr:„Der Bürgermeister!" Student:„Dann haben Sc Ihre Schnauze zu halten! Di* Bürgermeister dürfen nichts gegen Korpsstudenten sagen!" _»JugenK".{ Notizen. — 265 neue türkische Zeitungen sind, so wird aus Konstantinopel berichtet, in den letzten acht Tagen in der Türkei gegründet worden und bereits im Erscheinen. So scheint die Aufhebung der Zensur dem türfischen Journalismus einen Auf- schwung zu bringen, der alle Erwartungen weit hinter sich läßt. � — Eine Neuerung in der Straßenbeleuchtung hat, nach der„Umschau", die Stadt Frciberg i. Sachsen eingeführt. Sämtliche Gaslaternen werden dortselbst auf einmal von der Gas- anstalt aus angezündet. Die Laternen haben im Innern des Auerstrümpfchcns Mikrobrcnncr, die ständig brennen und äußerst wenig Gas verbrauchen. Bei stärkerem Druck auf die Gasometer in der Fabrik toerden durch eine Hebeleinrichtung die Gaskranen der einzelnen Laternen automatisch geöffnet,' so daß der Auer- brenner sofort aufflammt. DaS Auslöschen der Lichter dagegen wird durch eine plötzliche Verringerung des Gasdruckes herbei» geführt. — Der Rekord im Heringsfang. Schottland hält den Rekord im Heringsfang vor allen anderen Ländern aufrecht. Nach genauen Berechnungen, welche das britische Staatösekretariat für Schottland angeordnet hat, wurden in den schottischen Gc- wässern allein während des Jahres 1997 6 313 247 Tonnen Heringe gefangen, während außerdem schottische Fisch-r noch an der Mste Irlands 2 999 999 Heringe erbeuteten, was die Totalsumme er- hcblich erhöht. Natürlich gehört zu einer so riesigen Ausbeute auch ein großer �Apparat. Um alle diese Heringe zu sangen, wurden vüht weniger als 191 825 882 Quadratmeter Netzwerk aufgewWdet. besteht also für die Männer in der Kutte eine„Dienstbotenfrage'. Dah die Sozialdemolratie mit Erfolg seit langem die Interessen des dienenden Standes vertrat, ließ die Herren„Diözesanpräses' nicht ruhig schlafen in der Sorge um das Seelenheil der lieben Schäfchen, und so wurde flugs aus dem Schöße der allemsclig- machenden Kirche dieses„Organ für Dienstboten" geboren. Wie heiß den hochwürdigcn Gesalbten vor dem Herrn unsere tatkräftige Agitation auf den Nägeln brennt, kann man daraus ersehen, daß in jeder Nummer Betrachtungen über«rot und schwarz" angestellt und die bösen Sozis durchgehechelt werden, weil sie in fluchwür- digem Beginnen die katholischen, mit rührender Sorgfalt behüteten Dienstmädchen aus dem Weihrauchschlummer erwecken. In der letzten Nummer werden Aeußcrungen des hochwürdigen Diözesan- Präses der katholischen Dienstmädchenvereine der Erzdiözese Frei- bürg wiedergegeben:„Der äußere Grund." so orakelt unter anderm der Herr mit dem großen Titel:„besteht darin, daß die Sozial- demokratie anfängt, diesen Stand(Dienstboten) in eine Art Ge- werkschast zu organisieren, und daß sie vielfach mit Material aufwartt, das— wie mir scheint— den tatsächlichen Verhält- Nissen mindestens bei uns in Baden nicht entspricht." Der Artikel fährt fort:„Von einer Reform wollen die Sozialdemokraten nichts wissen, sie wollen Abschaffung der Gcsindeordnung und Unter- stellung der Dienenden unter die Gewerbeordnung. Ferner ver- langen die Sozialdemokraten die Organisation der Dienstboten in Gewerkschaften, welches Kampforganisationen sein sollen." Das stimmt! Wenn der Herr aber weiter sagt:„Mein Standpunkt geht davon aus, daß der Dienstbote in der Familie gewissermaßen als Glied der Familie betrachtet wird," so kennen wir das und erleben es täglich, wie die nackten Tatsachen dieser bis zum Uebcr- druß abgedroschenen Phrase den Garaus machen. In einem weiteren Artikel wird die Verhandlung über die Dienstboten auf dem Hamburger Kongreß besprochen und die AuS« führungen der„in der Hauptsache für die Agitation unter den Dienstboten freigestellten Arbeitersekretärin Grünberg" als radikale Phrasen bezeichnet. Genossin Zietz kommt besser weg:»Frau Zietz hat auch eine kurze Rede mit praktischem Inhalt gehalten, sie durfte ja nur zehn Minuten reden; was sie aber sagte, war mehr wert, als der ganze lange Vortrag der Refe- rentin." Wenn aber das Blättchen von der„Monatsschrift für die Interessen der Hausangestellten" sagt, die katholischen Dienst- mädchen Heidelberg» werden nicht auf den sozialdemokratischen Verein zu warten brauchen, um in diesem Verein einen„Be- schützer" und„Retter" zu haben, so ist da? wirklich ein jesuitischer Kniff, um über die wahren Tatsachen hinwegzutäuschen. Die genannte„rote" Monatsschrift ist genau viermal so alt. wie da» Jefuitenblättchen, und ohne unsere Agitation würden sich die Herren Diözesanpräses noch heute den Teufel um die Lage der Dienstboten scheren. Genau wie in der Gewerkschaftsbewegung haben sie hier ihre Zersplitterungsarbeit getrieben zu Nutz und Frommen der Besitzenden und Herrschenden. Unsere Aufgabe ist es. den Betörten die Augen zu öffnen, ihnen den Weg de; Be- freiung zu zeigen._ «Versammlungen— Veranstaltungen. Weißeasee. Montag, den 10. August findet im Lokal VereinShauL Charlottenburgerstaße 150, ein Kaffeekochen nebst Kinderver- gnügen statt. Abends Tanz. £Ius Induftne und ftandeU Syndikate«ud Prodnktionsregelung. Als gegen Ende des IS. Jahrhundert» die Kartelle und Syndikate mit der deutschen Kohlen-, Eisen- und Stahlindustrie wie Pilze aus der Erde schössen, wußten volkswirtschaftliche Theoretiker, die sich trotz ihrer Weisheit über dos Verhältnis von Nachfrage und An- gebot zueinander noch nicht ganz klar geworden waren, zu verkünden, je mehr die Syndikate erstarkten, desto mehr, würden sie die Regelung der Produktion übernehmen, so daß eigentliche Krisen in Zukunft unmöglich werden würden. Die im Jahre 1900 ausbrechende Krise, die gerade in der gut kartellierten Eisenindustrie am schärfsten wütete, sowie die heute herrschende Krise haben diese Prophetie gründlich widerlegt. An die ProduktionSregelung durch die Syndikate glauben heute die Unternehmer selbst nicht mehr, und nur einige sogenannte Wissenschaftler halten noch an ihrer Ansicht fest. In dem jüngst erschienenen Jahresbericht des Vereins zur Wahrung der wirtschaftlichen Interessen der Eisen- und Stahlindustrie von Elsoh-Lothringen und Luxemburg heißt eS zum Beispiel Syndikate sowohl wie Trust» sind nun einmal nicht in der Lage, Konjunktur- schwank un gen de» Weltmarktes Einhalt gebieten z»» können. ES muß aber das Hauptbestreben jeder Syndikats- leitung sein, diese Konjunkturschwankungen im richtigen Moment in ihren Konsequenzen zn ersassen. um m den gesammten zu treffenden Maßnahmen vorbeugend wirken zu können. Der Versuch jedoch, Bewegungen aufzuhalten, die mächtiger sind als eine einzelne, der- artig elementaren Gewalten gegenüber machtlose Gruppe, wird stetSvergeblichsein."_ Die Ergebnisse der Berufszählung vom 12. Juni 1907 in Elsasz-Lothringen. Nachdem vor kurzem erst die Resultate der Berufszählung in Württemberg die Nichtigkeit der sozialdemokratischen Auffassung über die wirtschaftliche Entwickelung ergaben, ist nunmehr gleiches aus Elsaß-Lothringen zu melden. Die von amtlicher Seite soeben veröffentlichten ersten Resultate der vorjährigen Gewerbezählung stellen ebenfalls eine fortschreitende Industrialisierung des Landes, ein Zurückgehen der landwirtschaftlichen Bevölkerung zugunsten der industriellen unter gleichzeitiger Auflösung zahlreicher kleiner, selbständiger Existenzen fest. Stärker noch als in den Jahren 1882 bis 1895— den Jahren der ersten und zweiten Gcwcrbezählung— hat sich seitdem die landwirtschaftliche Bevölkerung vermindert, stärker noch als in der erwähnten Zeitperiode ist seitdem die industrielle Bevölkerung ge- wachsen, die Zahl der selbständigen Existenzen ist sowohl in der Industrie wie in der Landwirtschaft zurückgegangen. Beredter als alle Worte sprechen die amtlichen Zahlen. Nach der Zählung von 1907 gehörten zu den Berufsabteilungen: Personen Prozente Landwirtschaft. Gärtnerei und Tierzucht, Forstlvirtschaft und Fischerei.... 568 153 81,21 Industrie, einschließlich Bergbau und Bau- gewerbe............ 730 952 40,17 Handel und Verkehr, einschließlich Gast« und Schankwirtschaft....... 221 398 13,16 Häusliche Dienste(nicht bei der Herrschast lebende Personen), auch Lohnarbeit wech- selnder Art........... 17864 0.05 Militär-, Hof«, bürgerlicher und kirchlicher «Dienst, sog. freie Berufsarten.... 169 502 8,76 Ohne Beruf und BerufSangab«.... 122881 6,75 Bruchteil von 40 Proz. hat die Landwirtschaft nur noch 31 Proz. gegenüberzustellen, während Handel und Verkehr 12 Proz. der Ge- samtbevölkerung aufweisen. Gegenüber den früheren Zählungen in den Jahren 1882 und 1895 lassen sich folgende Verschiebungen feststellen: Zu-(-H_ M°(-) 1882 1895 1907 Landwirtschaft. Industrie und Bergbau.. Handel u. Verkehr Lohnarbeit wechselnder Art Oeffentlicher Dienst usiv.. Ohne Beruf und Berufsangabe. nähme 1895-1907 absolut Prozent 645 603 616,074 568 153— 47 916— 7,78 563272 605 000 730952+125 352+20,70 142 627 156 458 221 393+ 64 935+ 41,60 16 606 17 863 17 364— 499— 2,79 104 212 150 899 159 502+ 8 603+ 5,70 67 260 70 185 122 881+ 46 696+ 61,29 Während demnach 1882 die Landwirtschaft noch die stärkste Berufsgruppe darstellt, war ihr im Jahre 1895 die Industrie be» reit» hart auf den Leib gerückt, um sie nun im Jahre 1907 ganz bedeutend zu überflügeln. Verhältnismäßig noch stärker als die Industrie hat die dritte Gruppe: Handel und Verkehr seit dem Jahre 1395 zugenommen. Nahezu 65 000 Menschen zählt sie jetzt mehr, das ist eine Vermehrung von 41.5 Proz., wohingegen die Jndustriebevölkerung sich nur um 20,7 Proz. vermehrt hat. Die veränderte berufliche Zusammensetzung der elsoß.lothrin» gischen Bevölkerung zeigt deutlich die bedeutsamen Verschiebungen in deren Wirtschaftsleben. Von 100 der Gesamtbevölkerung gehörten zur Berufsabtcilung: Landwirtschaft...... Industrie und Bergbau... Handel und Verkehr.... Lohnarbeit wechselnder Art.. Oeffentlicher Dienst usw... Ohne Beruf und Berufsangabe 1832 41,93 36,59 9,26 1,08 6,77 4.87 1895 37,96 37,81 9,64 1.10 9.30 4.69 1907 31,21 40,17 12.16 0,95 8.76 6.75 en, In. ehr als Die Landwirtschaft ist also immer mehr dustrie und Handel dagegen sind stündig fortgeschritten" die Hälfte der elsah-lothringischen Bevölkerung findet heute in letzten beiden ihren Unterhalt. Die fortschreitende Jndustrialisie- rung Elsaß-Lothringens steht demnach unbedingt fest. Noch eine andere charakteristische Erscheinung ist innerhalb der Landwirt- schaft festzustellen. Die berufslosen Angehörigen der Landwirt- schaft haben nämlich um 71 000, die dienenden um 3400 abge- nommen, wohingegen die Erwerbstätigen gleichzeitig um 27 000 zu- genommen haben. Bei gleichzeitiger Abnahme der landwirtschaft- lichen Bevölkerung ist diese Zunahme der Erwerbstätigen ein Be- weis für das stärkere Heranziehen der Familienmitglieder zur landwirtschaftlichen Arbeit. Die so viel gerühmte Intensität der letzteren geht auf Kosten der Frauen und Kinder, auf Kosten der Halberwachsenen, der Invaliden und Greise. Das erhellt auch daraus, daß von den landwirtschaftlich Erwerbstätigen nur die Unselbständigen zugenommen haben. Die s e l b st ä n- d i g e n Landwirte sind um 7 6 62 zurückgegangen. Und bezeich- ncnderwcise sind es gerade die Zwergbetriebe, zwischen Vi und 3 Hektar, welche in der Hauptsache zurückgingen. Sie zeigen eine Abnahme von 3040 Betrieben, während d,e Großbetriebe zwischen 20 und 1000 Hektar um 249 Betriebe abgenommen haben. Zuge- nommen um einige Hundert haben lediglich die mittleren Betriebe zwischen 3 und 20 Hektar. Die Behauptung von der Vermehrung des landwirtschaftlichen Kleinbetriel'es kann also nach den aus Elsaß-Lothringen vorliegenden Resultaten ebensowenig gehalten werden, wie nach den Resultaten der Gewerbezählung in Württem- berg, wo sich ebenfalls das genaue Gegenteil herausgestellt hat. Selbstverständlich wird du für die Industrie kaum noch ernst- lich in Frage gestellte Entwickelung zum Großbetriebe auch durch die elsaß-lothringische Berufszählung aufs neue bestätigt. Trotz der gewaltigen Zunahme der industriellen Bevölkerung von 125 000 Köpfen ist ein Rückgang der selbständig Erwerbstätigen von 62�25 Proz. im Jahre 1695 auf 54 860 im Jahre 1907 zu ver- zeichnen. In diesen zwölf Jahren hat das Großkapital 7400 Klein- betriebe verschlungen, die Zahl der unselbständigen Arbeitskräfte aber um 84 000 vermehrt. Nicht nur Fortschritte macht demnach die Industrie, sie vermehrt auch noch in bedeutend stärkerem Maße das Heer der Proletarier. Nur in den kommerziellen Berufen, die außer Handel und Verkehr auch die Schank- und Gastwirtschaften umfassen, haben die selbständigen Existenzen zugenommen; diese Zunahme beträgt je- doch nur 2285 Personen oder 10,73 Proz. Die Zahl der unselbstän- digcn Erwerbstätigen ist in bedeutend höherem Grade gestiegen, und zwar um 32 000 Personen oder um 87,2 Proz. Selbst bei den Dienstboten ist eine Abnahme von 1500 zu verzeichnen. Da gleich- zeitig die Bevölkerung sich um 12,5 Proz. vermehrte, bedeutet diese Verminderung der Dienstboten zweifellos eine Verschlechterung der Lebenshaltung gerade der mittleren Volksschichten. Zusammen l 820 249 100 Der größte Teil der elsah-lothringischen Bevölkerung wird demnach in der Industrie beschäftigt. Dem auf sie entfallenden Soziales. Die„Not" der HauSckg'rarier stand wieder einmal im Mittelpunkt der Verhandlungen des 3 0. Verbandstages des Zentralverbandes der Haus- und G r un d b e s i tz e rve r ei n e De u t schland s, der in dieser Woche in Königsberg i. Pr. abgehalten wurde. Den Ton, aus den die Litanei gestimmt werden sollte, gab von vorhcrein der V c r b a n d S d i r e k t o r F ä h n d r i ch an, der die Teilnehmer des VerbandstagcS begrüßte. Herr Fähndrich, der im Nebenamt freisinniger Stadtverordneter für Berlin ist, jammerte über die s ch w e r e n Wunden, die den Haus- und Grund» besitzern der Städte durch die Kreditnot, Hypothekenkündigungen und Subhastationen geschlagen worden seien. Davon werde, so pro- phezeite er. der Haus- und Grundbesitz sich lange nicht erholen. Gleichzeitig schalt er über die Verschwendung, die von den Stadtverwaltungen getrieben werde. Dabei schwebte ihm natürlich vor, daß jede Ausgabe der Kommunen, die nicht direkt den Hausagrariern zugute kommt, nur zu einer un- gerechten Mehrbelastung des Grundbesitzes führe. Herr Fähndrich will gütigst gestatten, daß die Städte Einrichtungen zur Besserung der Gcsundhcitsverhältnisse und auch der Verkehrsverhältnisse schaffen, z. B. Krankenhäuser und Straßenbahnen. Er hält es aber für falsch, SozialreformgrotzenStilszutreiben; dadurch werde nur das Budget der Städte über die Maßen belastet und ihre Schuldenlast ins Endlose vermehrt. So eiferte er unter anderem dagegen, daß Kinderspielplätze hergerichtet wurden, Walderholungs statten geschaffen würden usw. Man sieht, der Mann hat daS Berliner Hausaarariertum samt der freisinnigen Mehrheit der Berliner Stadtverordnetenversammlung würdig ver- treten. Die Verhandlungen de» Verbandstages begannen mit einer Erörterung der Bodenreformbestrebungen, über die die Hausagrarier bekanntermaßen seit langem sich ereifern. Loden- reform sei, so wurde da ausgeführt, gar nicht notwendig, wenn man den privaten Hausbesitzern dieselbe Unter» stützung wie den Baugenossenschaften zuteil werden lasse. Die Herrschaften wünschen also, daß man sie direkt aus dem Futterkorb des Staates oder der Gemeinde speise. Diese Forderung paßt zu dem Widerstand, den die Hausagrarier gegen die Ein. führung der Wertzuwachs st euer— in Berlin leider bisher mit Erfolg— geleistet haben. Ihre Furcht bor dieser Steuer kam auch auf dem Verbandstag wieder zum Ausdruck. Es versteht sich von selber, daß auch die Sozialdemokratie wieder ihr Teil abkriegte. Die Bodenreform, so schwatzte man. führe zum„sozial- demokratischen Zukunftsstaat", von bodenrcformerischcn wie von sozialdemokratischen Bestrebungen sei nur ein Kulturrück- schritt zu erwarten. Verehrte Herren HauSagrarier, umgekehrt wird ein Schuh daraus. Nicht Bodenreform füh�i zvttk„sozial- demokratischen IukunftSstaat". sondern erst der„sozialdemokratische ZukunftSstaat" wird auch die Bodenreform mit verwirkliche» können. Und die Sorge um den Fortschritt der Kultur dürfen die HauSagrarice, diese rückschrittlichste Kaste unserer Gesellschaft, getrost demselben„sozialdemokratischen Zukunftsstaat" überlassen. Wie schwer die lieben Hausbesitzer es empfinden, daß sie gegen ihre Mieter nicht nach Belieben und Willkür schalten und walten dürfen, da» ersah man auch aus den Verhandlungen über daS Pfandrecht des Vermieters. Der Verbandstag nahm eine Resolution an. die die Forderung aufstellt, daß für WrtschaftS- einrichtungen, die auf Abzahlung genommen sind, der Eigen» tumsvorbehalt dcS Verkäufers fortan nur unter eingeschränkten Bedingungen zulässig sein soll. Auch von der Steuergesctz» gebung forderte der Verbandstag eine bessere Berücksichtigung der Interessen des Hausbesitzes. Der Bevorzugung des mobilen Kapitals müsse mal ein Ende gemacht werden, andernfalls werde von den Hausbesitzerorganisationen die Einführung einer Steuer für den Mehrertrag des mobilen Kapital» betrieben werden. Angeregt wurde noch, eine eigene Tageszeitung zur noch besseren Förderung der Interessen des Hausbesitzes herauszugeben oder mindestens den Tages- zcitungen eine eigene Zentralkorrespondenz gleichen Zwecke» zu- gehen zu lassen. Wie wenn die bürgerliche Presse dem Hau»- ograricrtum nicht schon Borschub genug leistete! Unterstützung hauSagrarischer Sonoerinteressen erwarten die notleidenden Haus- agrarier schließlich auch von der«Wissenschaft". Sie wollen au» dem Säckel ihre» Verbandes„.mittellose National» ökonomcn" bezahlen, damit sie im Interesse de» Grund- besitzes sich wissenschaftlich betätigen. Solche Betätigung mache sich jetzt sogar schon bei den Schülern Brentano», de».erbittertsten Feindes" der Hausbesitzer, bemerkbar. Für die zu organisierend« „wissenschaftliche" Schutzgarde des HausagrariertumS sollen 2—3000 Mark zur Verfügung gestellt werden, aus denen man«Wissenschast« lichc Arbeiten" bezahlen will. Ja, die HauSagrarier verstehen den Rummel! Internationale Sklavenhändler! Den Menschenhandel„engros" betreibt dich war in Lichtenberg gewesen und als er gegen Mitternacht auf dem Heimweg ahnungslos durch die Pettenkoferstraße schritt, wurde er plötzlich hinterrücks von zwei unbekannten Männern überfallen und niedergestochen. Unter starken Blutverlusten schleppte sich der Schwerverletzte nach der Rettungswache. Von den rohen Tätern fehlt jede Spur. Vogel ist anscheinend das Opfer einer Verwechselung geworden. Ju den Händen einer Kupplerin. Die auch von uns am 7. d. MtS. mitgeteilte Tragödie des jungen Dienstmädchens Lina P., das sich am 5. d. MtS. von der Viltoriabrücke in Steglitz in den Teltowkanal stürzen wollte, hat sich als eine Erfindung des Mädchens selbst herausgestellt. Das Mädchen war mehrerer Diebstähle be- schuldigt und hat auS Furcht vor der strafrcchllichen Verfolgung dann ein Märchen ersonnen, das sich insbesondere, soweit die Witwe H i l l in e r aus der Bellealliancestraße in Betracht kam, als völlig erfunden herausgestellt hat. Diese Witwe war niemals in einer Bar, noch weniger ist es ihr eingefallen, die P. zu der- kuppeln. Die Lina P. selbst hatte seit längerer Zeit mehrere intime Herrenbekannts chaftcn. Verschwundener Werkmeister. Seit einigen Tagen ist der 42 Jahre alte Werkmeister Theodor Walter aus der Boddinstr. 42 spurlos verschwunden. Walter ist geisteskrank. Es wird vermutet, daß er sich ein Leid angetan hat oder daß er hilflos in Berlin umherirrt. Er ist bekleidet mit dunkelblauem Jackcttanzug, schwarzen Schnür» stiefeln und weißem Strohhut. Eilt junger eifriger Genosse ist dieser Tage in der Person deS Schriftsetzers Bruno Löschee zur letzten Ruhe getragen worden. Dieser nur 27 Jahre alt gewordene Genosse hatte sich schon früh» zeitig in den Parteidienst gestellt. Miv vierzehn Jahren, eben der Schule entwachsen, erschien er in dem in der Soldiner Straße be- legencn Bezirkslokal aar Tage einer Flugblattverbreitung und bat, für seinen an der Parteiarbeit verhinderten Vater die Arbeit über- nehmen zu dürfen. Und gewissenhaft verteilte er sein Paket Flug- blätter. Damit führte sich unser junger Freund ein und reine Flugblattverbreitung ging in der Folge vor sich ohne seine Bcteili- gung. War die Zahl der sich zur Arbeit eingefundenen Genossen knapp und erwies eine zweite Tour sich notwendig, war der junge Löschee einer der ersten, die baten, ihm noch ein« Tour zu geben, da er ja junge flinke Beine hätte. So sahen wir zu unserer Freude den vor Eifer für die Partei glühenden Burschen unter unseren Augen heranwachsen und keine Freude war größer, als an dem Tage der Vollendung seines achtzehnten Lebensjahres der Vater seinem Sohne das Wahlvereinsbuch auf den Geburtstagstisch legen konnte. Später machten ihm die Genossen seines draußen auf dem Gesundbrunnen belegenen Bezirk» zum Bezirksfübrcr, welches Parteimnt L. mehrere Jahre treu und eifrig verwaltete. Lcftcr aber stellte sich bei dem so vorwärts Strebenden frühzeitig eine schleichende Krankheit ein. Ter Würgeengel Tuberkulose inachte unseren jungen Genossen arbeitsunfähig und zehrte einige Jahre langsam aber sicher an seinem Körper, bis der Tod ein Ende machte und damit auch dem eifrigen Wirken LZ. für die Partei eil» vo» seitiges Biel feste. Alle bie den Verstorbenen tannten, werdent dem soviel versprechenden Genossen ein ehrendes Gedenken bewahren. Wilhelm Hagenbeds Beltsirkus an der Ede der Neuen Friedrich und Stönigstraße beschränkt sich im wesentlichen auf die Vorführung dressierter Raubtiere. Gs ist nervenanspannend, zuzusehen, wie die Dompteure mit den Bestien umgehen und man hat den sehn lichsten Wunsch, es möchte alles zum guten Ende kommen. Der Dompteur Adolf Busch führt eine hochinteressante Dressur indischer Biergelefanten vor. Diese an sich plumpen Tiere wetteifern in ihrer Kunst mit einem Shetland- Bony, daß es so eine Art hatte und beweisen, daß ein Elefant doch auch recht flink sein kann. Wundervolle Gruppen stellt der Dompteur Möller mit 10 Pracht Löwen zusammen. Ein halbes Hundert Eisbären bringen in ihren Vorführungen auch den Humor zur Geltung, indem fie Schlittenfahren, Eisbärenwippe und ein Trinkgelage markieren. Der Clou des Abends ist zweifellos eine gemischte Raubtiergruppe, bestehend aus at Löwen, fünf Tigern, einem Kragenbär, zwei Doggen und einem russischen Windhund. Der Dompteur Feldmann arbeitet mit diesen Tieren in einer Weise zusammen, die zeigte, daß in der Tat die Hagenbedsche Tierdressur sich mit Recht einen Ruf er worben hat. In das Programm sind einige Variétépiecen eingestreut, von denen der Damentraftakt Ada Bell- Edwards besonders erwähnt sei. Die Dame verfügt über eine staunenswerte Straft des Gebisses. " Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird der Vortrag Aleber den Brenner nach Venedig" in dieser Woche am Sonntag und Donnerstag gehalten werden. Am Montag wird der Vortrag Die deutsche Nordseeküste" wiederholt, am Dienstag und Sonnabend der Vortrag Die Kruppschen Werte", am Mittwoch der Bortrag„ Bon der Zugspite zum Waymann" und am Freitag der Vortrag Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat". " Eine Walderholungsstätte beabsichtigt der Magistrat im nächsten Frühjahr einzurichten. Ueber den Ort ist noch kein definitiver Ent fcheid getroffem. In Betracht kommt der Brauhausberg oder die Wälder zwischen Glienice und Wannsee. Walhalla- Theater. Spezialitäten.( Anfang 8 Uhr.) Fröbels Allerlei Theater. Allabendlich: Berliner Herzen. Reichshallen Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. Urania Theater. Taubenstraße 48/49. Sonntag und Donnerstag: lleber den Brenner nach Benedig. Montag: Die deutsche Nordseeküste. Bu dem heutigen Gewerkschaftsfest versammeln sich die Teil- Dienstag und Sonnabend: Die Kruppschen Werke. Mittwoch und Sonntag, nehmer von 2 bis 3 Uhr bei Ladenthin, Kaiser- Wilhelm- Straße. den 16. August: Bon der Zugspitze zum Waymann.( Anfang 8 Uhr.) Sternwarte, Invalidenstr. 57-62. Buntt 3 Uhr Abmarsch des Zuges mit Musit. Verfammlungen. 120Allgemeine Familien- Sterbekaffe. Heute 8ahltag: Aderstr. 123 bei Wiesenthal von 3-6 Uhr. basice neb Briefkaften der Redaktion. 2. J. 25. Natürlich hat der Beppelinsche Ballon auch Einrichtungen mit Rücksicht auf die von Ihnen erwähnten Bedürfnisse. lehnen wir grundsäglich ab. 3. Ja: jeder hält das von ihm beherrschte System für das beste. 4. Wenden Sie sich an den Parteivorstand. 5. Eine Rohnbeschlagnahme wäre möglich. W. Sch. 100. 1. Bis zur Entscheidung in solchen Dingen vergeht in der Regel ein Monat. 2. 40 Mark. M. 88. 1. 8weds Erblegitimation ja. 2. Amtsgericht Berlin- TempelHermsdorf i. M. Nein. hof. 3. Siehe unter D. 100, 2. 10, 23. 66. M. B. 45. 1. Ihre Ehe ist gültig; leider liegt nach Ihrer Darlegung auch kein Chefcheidungsgrund vor. 2. Sie sind im Fertum: nicht das Papier, sondern die Identität der Person ist entscheidend. selage hat wenig Aussicht auf Erfolg. Zuständig ist das Gewerbegericht. M. K. 200. 1. Den afford. 2. Jederzeitig. Kunde ist im Recht. 9. R. 677. Bis zum Uebertritt zur Landwehr. 23. B. 19. 1. Das hängt von der Größe der Firma und der Art des Geschäfts ab. 2. Die Beantwortung von Fragen, ob bestimmte Länder ausliefern, lehnen wir ab. Schen Sie selbst die AuslieferungsReinickendorf- Weft. 1. und 2. Ja. verträge in einer Bibliothek ein. Quodlibet. 1. Rein. 2. Ja: bestimmte Gesellschaften zu empfehlen, C. 01. Die M. Sch. 300. Der Zentralverband der Fleischer. Eines guten Befuches erfreute sich die Versammlung des Verbandes, in welcher Schriftsteller Herr Die furistische Sprechstunde findet Bindenstraße Nr. 3, weiter Mag Schütte einen Vortrag hielt über: Die Niederwald- sof, Dritter Eingang. vier Treppen, Fahrstuhl Berschwörung". Den Geschäfts- und Kassenbericht vom wochentäglich abends von 7 bis 9% Uhr statt. Geöffnet 7 1hr zweiten Quartal erstattete Blant. Auch im verfloffenen Quartal Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein habe es an Arbeit nicht gefehlt. Besonders habe man sich mit dem Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort berwerflichen Treiben der Brüderschaft" befaßt, und zum Zwede wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten können 14 Tage der öffentlichen Kennzeichnung dieser Gesellschaft seien auch Ver- vergeben. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. sammlungen abgehalten worden. Mut, in diesen Versammlungen zu erscheinen, hatten die Brüderschaftler und auch der Gesellen ausschuß nicht. Dafür schimpfen sie weiblich hinter verschlossenen Türen auf den Zentralverband. Wie sich diese Brüderschaftler schon selbst gekennzeichnet haben, das zeige die Mizachtung, welche sie auch von den Engrosschlächtergesellen ernten, unter denen sie früher noch einen ansehnlichen Anhang hatten. Demgegenüber zeigen die Engrosschlächtergesellen dem Zentralverband jetzt vollste Sympathie und ist bereits eine Sektion derselben gegründet worden. Selbst Brüderschaftler treten jest mehr dem Zentralverband bei. Langsam, aber sicher geht die einstmals große meistertreue„ Brüderschaft" ihrer Selbstvernichtung entgegen. Dem Kassenbericht sich zuwendend, erklärte Blank, daß die Mindereinnahme am Beitragsmarkenumfaß auf die ungeheuer große Arbeitslosigkeit zurückzuführen sei. Die Feststellungen haben ergeben, daß in diesem Quartal bedeutend mehr Sollegen arbeitslos waren, als im gleichen Quartal des vorigen Jahres. Immerhin dürfe O. 100, M. 10, 2. 66. Die Erbschaftssteuer beträgt: man noch zufrieden sein, denn die Einnahmen für die Hauptkasse 1. vier vom Hundert für leibliche Eltern, voll- und halbbürtige Geschwister betrugen 1500,80 M., für die Ortskaffe 529,40 M. An die Haupt- und Abtömmlinge ersten Grades von Geschwistern; 2. fech s vom Hundert taffe find 1086,25 m. in bar abgeliefert worden; 123,75 M. find für für Großeltern und entferntere Berwandten, Schwieger- und Stiefeltern, Rechtsschutz und Krantenunterstübung aufs Konto der Hauptkasse Schwieger- und Stieffinder, für Abkömmlinge zweiten Grades von Ge gezahlt worden. Die Ausgaben der Ortskaffe betragen 850,16 M., schwistern, für uneheliche, von dem Bater anerkannte Kinder und deren der Kassenbestand derselben 616,73 M. In der Diskussion wurde Abtömmlinge, für an indesstatt angenommene Personen und deren acht vom Hundert für Geschwister der Eltern über Wohnungs bezw. Stellenwechsel scharf gerügt. Dadurch und 3. D. 2628. 1. Reklamieren Sie. 2. Aus Lehm. 21. 6. 17. fomme ein Teil der Mitglieder mit den Beiträgen in Rückstand. Behn vom Hundert in den übrigen Fällen. und gehe der Organisation nicht selten verloren. Der Betrieb ist unfallversicherungspflichtig. Beantragen Sie bei der O. 1. Mein. 2. Ja. Berufsgenossenschaft Zahlung der Unfallrente. emisboM 21. S. 1000. 1. Das hängt on dem Snhalt der Statuten ab. 2. Die Eltern. 3. Charité- Klinit. 2. W. 23. Die finderlose Witwe erbt die Hälfte des Nachlasses, erhält aber als Voraus die Haushaltungs gegenstände und die Hochzeitsgeschenke. M. C. 1. Unverständlich ohne nähere Darlegung des Falles. 2. Germania. 3. Wenden Sie sich an die Sparkaffenverwaltung. M. K. Lassen Sie sich von einem Arzt die gesundheitsgefährdende Beschaffenheit der Wohnung begutachten, reichen eine Klage auf Aufhebung des Vertrages und Schadenersaß beim Amtsgericht ein und beantragen unter Ueberweisung des Atteftes Anberaumung Berta 100. Im Stlagefalle würde der Schlaf eines nahen Termines. A. 2. Wenden Sie fich mündlich oder schriftlich an das Einwohnermeldeamt. 2. 25. 1. As Empfängniszeit gilt die Zeit bom 181. bis 802. Tage vor dem Tage der Geburt mit Einschluß des 181. und 302. Tages. 2. und 3. Nein. 4. Ja. M. E. 10. 1. Es 21. W. 1. Die gibt nur eine, und zwar die höhere Rente. 2. Nein. Stonzeffion wird voraussichtlich erteilt werden. H. Sch. 24. Ja. .. Schöffengerichtsurteile inner halb einer Woche nach der Verfündung einzureichen. War man bei der Berkündung nicht zugegen, so rechnet die Frist von der Zustellung ab. 5. 5. 24. Die neue Roßstraßenbrüde ist 1900/1901 völlig umgebaut dem Berkehr übergeben.-. R. 50. 1. Bmedmäßig wäre bas. 2. Der 2. W. 50. 1. Das entbindet nicht Stempel wäre nicht erforderlich. besonders die unpünktliche oder oft gänzlich unterbleibende Meldung Abtömmlinge 3. für Berschwägerte im zweiten Grade der Seitenlinien; Der Zoologische Garten hat unter seinen großen Wiebertauern neuen Nachwuchs erhalten. Neben dem jungen zweihödrigen Samel tummelt sich jest auch ein um einen Monat jüngeres Dromedar an der Seite seiner treu forgenden Mutter. Auch bei den Wisenten, diesem nur noch in spärlichen Resten vorhandenen europäischen Wildrinde, ist ein neuer Stammhalter erschienen, der unter der mütterlichen Pflege prächtig gedeiht und ein besonderes Wertobjekt im Tierbestande des Gartens darstellt. Aus dem Aquarium. Der Besucher des Aquariums trifft in allen Abteilungen des Instituts neue und interessante Erscheinungen an. Eine über mehrere Beden verteilte Gesellschaft Fische aus den südlichen Meeren, aus verschiedenen Arten und Gattungen zusammengefeßt, dürfte so recht geeignet fein, die Uebergänge zwischen den Gruppen der barschförmigen Fische, denn um diese handelt es sich hier, zu erweisen. Aus der Familie der eigentlichen Barschfische, zu der auch unser Flußbarsch gehört, ist der statt lichste der sogenannte Seewolf, ein bis meterlang werdender, oben graugrüner, unten filberweißer und schon bei den alten Römern wegen seines delikaten Fleisches sehr hoch geschätzter Seefisch, während die eingetroffenen Arten aus der mehr als anderthalb Bei dem Brande in der Gesandtschaftsschutzwache in Pefing find hundert Spezies umfassenden Gattung der Sägebarsche, die unseren infolge der Geschoßerplosionen außer den getöteten Vizefeldwebel nördlichen Meeren völlig fehlen, auf die Farbenpracht, die diese Bauer, Gefreiten Petric und dem seinen Verlegungen erlegenen Fische in den warmen Meeren entfalten, einen sicheren Schluß schon Obergefreiten Scheiber verwundet worden: Bizefeldwebel Boschmann gestatten; insbesondere erregen die kleinen und großen, in Blau, ber 1. Kompagnie durch Schuß in Brust und Unterschentel. UnterRotorange und Olivenfarbe prangenden Schriftbarsche die Auf- offizier Siedentopf der 2. Kompagnie und Musketier Bachmann der merksamkeit der Naturfreunde. Ebenso find die anschließenden 1. Kompagnie find durch Geschoßsplitter, Mustetier Schuh ber Familien der Großzahnbarsche und der Meerbrassen mit einigen, 2. Stompagnie durch Fleischschuß im Arm und Musketier Haß der burch herrliche Färbung erfreuenden Arten verschiedener Gattungen 1. Kompagnie durch Brandwunden leicht verlegt. vertreten. Arbeiter- Bildungsfdjule. Am Sonntag, den 16. Auguft, Fa milienausflug nach Sadowa- Rietemal. Abfahrt des Buges: Alexanderplat 8,59, Jannowißbrüde 9,01, Schlesischer Bahnhof 9,04; Treffpunkt für Nachzügler bis 10% Uhr Restaurant zur Waldschänte", am Bahnhof Sadowa gelegen; von 12 Uhr mittags ab " Restaurant Heidekrug"( Jnh. Dräger) in Kiefemal. Bu erreichen vom Bahnhof Köpenid zu Fuß oder mit der städtischen Straßenbahn. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Das Komitee. Arbeiter- Samariter- Kolonne, Montagabend 9 Uhr, 2. Abteilung Brunnenstraße 154: Vortrag über Ertrinken, Erstiden, serschiedene Formen der Bewußtlosigkeit. Daran anschließend praktische Uebungen und Wiederbelebungsversuche. Die Kinderspiele des Berliner Arbeiter- Turnvereins Fichte". Der Turnverein berichtigt seine am Freitag wiebergegebene Mitteilung dahin, daß der Treffpunkt für den Spielplatz Jungfern. heide nicht 8 Uhr morgens, sondern 2½ Uhr mittags Bahnhof Beuffelstraße ist. Das Kaffeekochen findet im Lokal" Waldkater", Tegeler Weg, statt. Vorort- Nachrichten. Charlottenburg. Undo2- doulispe2- nd bou Hauseinsturz. Die gestern erfolgte amtliche Befichtigung der Unfallsstelle am slönigsweg hat das von uns bereits wiedergegebene Resultat be tätigt: schlechtes Material, ungenügende Veranterung und Attordrbeit sind die Gründe des Unfalls. Altordarbeit ist Mordarbeit" hat sich wieder einmal als unheilvolle Wahrheit für den Baubetrieb erwiesen.- 19he Wilmersdorf. Die Freie Turnerschaft Wilmersdorf feiert heute in den Räu men und im Garten des Etablissements" Bur Klause" ihr sweites Stiftungsfest. Treptow- Baumschulenweg. Vermischtes. Bom Brande in Beling. Wieder einer! G Aus Koblenz wird telegraphiert: Aufsehen erregt hier bas Ver fchwinden des fatholischen Divisionspfarrers bei der 15. Division, Franz Overhans. Das Gericht der Division hat jezt hier hinter dem Genannten einen Steckbrief erlaffen und die Untersuchungshaft wegen des Verdachts des Verbrechens gegen§ 176 Abfaz 3 des Strafgesetzbuches( Sittlichkeitsverbrechen gegen Kinder) angeordnet. Die gerettete Sittlichkeit. Die Braunschweiger Polizeidirektion beschlagnahmte wegen ber meintlich gefährdeter Sittlichkeit eine von Böttcher, Köln a. Nth. herausgegebene Postkarte, die auf die Eulenburgerei hinweist. Auf einer Burg fist eine weinende Eule und schaut betrübt zu einem Gefängnis herunter, an deffen Eingange zwei stramme Grenadiere mit den berühmten weißen Hosen, mit großen Buketts in den Händen Einlaß begehren. Der Gefängniswärter öffnet ihnen ehr erbietig weit die Tür. Weiter enthält die Karte eine Hand mit brei erhobenen Schwurfingern, neben denen die Worte stehen:„ Wird es ihm vergönnt sein, nochmal von vorn anzufangen?" Der Weg bom Schloß zum Gefängnis wird bezeichnet: Der Weg von der Lust zum Leid." Als Signum trägt die Karte die Worte: Die Eule auf der Burg." Auf Beschwerde hat das Gericht die sittlich ganz harmlose Karte wieder freigegeben. " Wochen- Spielplan der Berliner Cheater. www www .. 30. Berufung ist in Straffachen gegen 2. Nein. Obers vom Vertrage. 2. In der Regel ja; im Einzelfall tönnen Sie die Ents scheidung durch den Magistrat, Abteilung für Versicherung( Köllnischer Bark), treffen laffen. F. M. 110. Nigdorf. Eilige Fragen, steht täglich am Stopf des Briefkastens, trage man in der Sprechstunde vor. 1. Ein Mal. 2. Ja. 3. Vertretung durch einen Anwalt ist beim Landgericht erforderlich. 4. Dann fann ein Urteil zu Shren Ungunsten ergehen. 5. und 6. Ohne H. Sch. Eine Bekannts Kenntnis der Aften unmöglich zu beantworten. machung muß erfolgen. Annonce im Vorwärts genügt. 23. N. 24. 1. Beides fönnen Sie in der Reklamation versuchen. 2. Jawohl: eventuell hätte eine Stlage Aussicht auf Erfolg, dauert aber etwas lange. Schöneweide 100. 1. Sa: es besteht, wenn nichts vereinbart ist, 14tägige stündigungsfrist. 2. Ja. 3. Nein. 2. 50. 1., 2. und 4. Leider nein. 8. Das Landgericht, in dessen Bezirk der Gutspächter wohnt. E. S. 10. Die Geburtsurtunden, die Militärpapiere und, falls die Braut minderjährig, die polizeilich beglaubigte Einwilligung bes 23. G. 89. 1. und 2. Ja. atera och fobelig. D. N. 50. Wenden Sie sich an die Stiftungsdeputation des Magistrats, Boftstr. 16. B. N. 9. 1. und 3. Ja. 2. Nein. C. B. Ch. 101. In Graudenz. 2. H. Wette 100. Die Strafbarkeit und Uneinflagbarkeit ist zu bejahen. F. St. Charlottenburg. Eine Klage auf Mietszahlung hatte Aussicht auf Erfolg. D. R. 128. Sie sind zur Zahlung berpflichtet. Leistung des Offenbarungseides kann durchgefeßt, auch wegen der Alimente der Lohn gepfändet werden. Alte Abonnentin. Der Doktor hat leider Recht, weil teine Strantenversicherungspflicht borlag. Arneburg. 1. Das ist nicht möglich. 2. Nein. 3. Ministerium des Innern und der Justiz. Möglicherweise handelt es sich um den Boufall einer eventuell Ihnen zukommenden hinterlegten Summe. Die Bekanntmachungen er R. 703. Benden Sie Neues königl. Opern- Theater. Sonntag: Lohengrin.( Anfang folgen durch) Tafel bei der Hinterlegungsstelle. E. S. England. Wenden Sie sich 7 Uhr.) Montag: Cavalleria rusticana. Bajazzi.( Anfang 7 Uhr.) fich an das Vormundschaftsgericht. F. A. 1234. In Dienstag: Die Walküre.( Anfang 6 Uhr.) Mittwoch: Tannhäuser.( Anfang direkt mit einer Anfrage an das Polizeipräsidium. 7 Uhr.) Donnerstag: Figaros Hochzeit.( Anfang 7, Uhr.) Freitag: Die den drei von Ihnen angeführten Fällen muß es mire, nicht mich heißen. Meistersinger.( Anfang 6%, Uhr.) Sonnabend: Cavalleria rusticana. R. R. 700. 1. Die Frage wäre in drei Eremplaren bei Gericht einzureichen. Bajazzi.( Anfang 7 Uhr.) Sonntag: Bohéme.( Anjang 7, Uhr.) 2. Das Ermissionsrecht kann auch schriftlich ausgeübt werden. 3. und 4. Nein. . 40. Montag: Lohengrin.( Anfang 7 Uhr.) P. 100. Verjährung würde erst in 30 Jahren eintreten. Deutsches Theater. Sonntag: Des Meeres und der Liebe Wellen. 1. An Sie oder, falls das Testament bahin geht, an einen Pfleger oder P. G. 4. Sie Montag: Romeo und Julia. Dienstag: Die Räuber. Mittwoch: Des den Testamentsvolftreder. 2. Nein. 3. Ja. 4. Nein. Meeres und der Liebe Wellen. Donnerstag: Bas Ihr wollt. Freitag: tönnen mit Aussicht auf Erfolg quf vollen Schadenersaz tlagen. 5. E. Der Des Meeres und der Liebe Wellen. Sonnabend: Was Jbr wollt. Sonne A. G. 1. Ja. Die Urteile lauten aber verschiedenartig. Betreffende könnte gegen seinen Verein auf ungültigkeit des Ausschlusses flagen. tag: Die Räuber. Montag: Was Ihr wollt.( Anfang 71 hr.) Deutsches Theater( Sammerspiele). Sonntag, Dienstag, B. H. 40. Ja, die Meldung erfolgt auf dem Polizeipräsidium. Donnerstag, Freitag: Lysistrata. Montag, Mittwoch und nächsten Sonntag: D. N. Wegen Firmen usw. müssen wir grundfäßlich auf den AbreßSonnabend und Montag, 17. August: Gyges und falender verweisen.. Bitas 38. Boraussichtlich würde die Firma Frühlings Erwachen. für den Fall einer Klage abgewiesen werden. Britz 101. Wenden Sie sein Ring.( Anfang 8 Uhr.) fich an den Leiter der Handwerkerschule. W. S. 101. Das Gesetz ist Neues Theater. Täglich: Der Berrissene. 2. D. Neues Schauspielhaus. Täglich: Die Dollarprinzeffin. angenommen: lesen Sie die damaligen Verhandlungen nach. A. Sch. 1000. Kleines Theater. Täglich: 2X2= 5. Nächsten Sonntag: Baccarat. 1. Wenden Sie sich an die Staatsanwaltschaft. 2. Ja. Zu erben hätten, da kein Testament vorliegt, nur die Berwandten des Montag: Unbestimmt.( Anfang 8 Uhr.) Nefidenz Theater. Sonntag bis Freitag: Geschlossen. Sonnabend, Mannes. Den Verwandten der Frau steht nur ein Anspruch auf einen Teil des etwa von dieser, abgesehen von Haushaltungsgegenständen und Hoch nächsten Sonntag und Montag: Der Floh im Dhr.( Anfang 8 Uhr.) Hebbel- Theater. Sonntag, Dienstag, Donnerstag, Sonnabend: zeitsgeschenken, hinterlassenen Vermögens ai Frau Warrens Gewerbe. Montag, Mittwoch, Freitag und nächsten Sonntag: Cyprienne. Montag: Unbestimmt.( Anfang 8 Uhr.) Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen- Direktion über Lustspielhaus. Allabendlich: Die blaue Maus. Marktlage: Fleisch: Schiller- Theater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Carmen. Abends den Großhandel in den Bentral- Markthallen. Die lehte gutbesuchte Wahlvereinsversammlung beschäftigte sich 8 Uhr: Martha. Montag: Figaros Hochzeit. Dienstag: Troubadour. Bufuhr schwach, Geschäft flau, Preise unverändert. Bild: Bufuhr reich Donnerstag: Carmen. Freitag: Der Postillion von lich, Geschäft flau, Breife fallend. Geflügel: Zufuhr genügend, Geschäft mit den zur Kreisgeneralversammlung zur Verhandlung fommenden Mittwoch: Undine. Nächsten Sonntagnachmittag rege, Preise gut. Fife: Bufuhr etwas reichlicher, Geschäft ruhig, Preise Punkten: Frauen und Jugendorganisation. Nach einleitendem Lonjumeau. Sonnabend: Der Freischüß. wenig verändert. Butter und äse: Geschäft etwas lebhafter, Preise Referat des Genoffen Staab wurde empfohlen, den Beitrag für die 3 Uhr: Die Zauberflöte. Abends 8 Uhr: Der Prophet. Schiller Theater Charlottenburg. Sonntag bis Dienstag: höher. Gemüse, Obst und Südfrüchte: 8ufuhr genügend, Geschäft weiblichen Mitglieder auf 20 Bf. festzusehen. Zur Jugend- Geschlossen. Mittwoch: Ein Falliffement. Donnerstag: Philifter. Die etwas lebhafter, Preise wenig verändert. organisation wird kein Beschluß gefaßt; es wird den Dele- Lore. Freitag: Das letzte Mittel. Sonnabend: Hans Huckebein. Nächsten gierten die Resolution bes Kreiswahlvereinsvorstandes empfohlen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ein Fallissement. Abends 8 Uhr: Hans HudeEbenfalls wurde zur Tagesordnung des Parteitages Stellung ge- bein. Montag: Bhilifter. Die Lore. nommen. Zur Maifeier soll der Antrag zum Parteitag gestellt werden:" Der Parteivorstand soll beauftragt werden, in Gemein schaft mit der Generalfommiffion eine anderweite Regelung der Maifeier herbeizuführen, da sich die jebige Basis nicht als brauchbar erwiesen hat. Im übrigen sieht die Versammlung nach wie vor in der Arbeitsruhe die würdigste Feier." Bur Partei schule wurbe angeführt, es werde sich eine Aenderung notwendig machen. Da in den meisten Fällen ein Zurückkehren der Schüler zu ihren früheren Beschäftigungen nicht möglich, andererseits aber auch nicht alle Schüler angestellt werden können, würde es sich bielleicht empfehlen, die Kurse nur zur Fortbildung für die bereits in Etellung befindlichen jüngeren Genoffen abzuhalten. Aufgenommen wurden 12 Genossen. Als Delegierte zur Kreisgeneral. bersammlung wurden die Genossen Köbe, Baat und Rosenberg gewählt In der letzten Generalversammlung wurde wegen des schlechten Bersammlungsbesuches von dem Vortrag Abstand genommen. Ge noffe Groger legte im nächsten Punkt der Tagesordnung dar, daß ver Zentralvorstand der Unregung, den Wahlverein in zwei Wahlvereine zu trennen, nicht beigetreten ist, weil nach seiner Ansicht aus oer Trennung der beiden Orte, die dieselbe politische Gemeinde bilden, Unzuträglichkeiten folgen würden, solche Trennung auch dem Drganisationsstatut widerspreche. In der Diskussion wurde aufeitig befürwortet, der Zentralvorstand möge Mittel und Wege finden, um bie leidige Frage der Trennung so schnell wie möglich zum Abschluß zu bringen. Potsdam. Friedrich Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Allabendlich: Ein Rabenvater.( Anfang 8 Uhr.) Trianon Theater. Sonntag bis Freitag: Geschlossen. Sonnabend Montag, den 17. August: Frl. Sofette meine Frau. Theater des Westens. Albendlich: Ein Walzertraum.( Anf. 8 Uhr.) Thalia Theater. Sonntag bis Donnerstag: Geschlossen. Freitag bis staan Witterungsübersicht vom 8. August 1908, morgens 8 Uhr. Stationen Barometerftand mm 761 N Windbis nächsten Montag: Mitternachtsmädchen.( Anfang 8 Uhr.) Stoinembe. 761 N Luifen Theater. Allabendlich: Sufe.( Anfang 8 Uhr.) Hamburg 764 NW Bernhard Rose Theater. Täglich: Das Geheimnis von New York. Berlin Frant.a.M. 763 ND ( Anfang 8 Uhr.) Metropol Theater. Allabendlich: Das muß man seh'n!( Anf. 8 Uhr.) Müngen 760 NW 3 lebe bas Nachtleben.( Anfang 8 Uhr.) Gebr. Herrnfeld- Theater. Täglich: Das kommt davon! Borher: Wien Apollo Theater. Allabendlich: Vera Violetta. Spezialitäten. Paffage- Theater. Allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Diefen und nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. Berliner Prater Theater. Allabendlich 7 Uhr: Die Welt ein Paradies. richtung Windstärke Better 2 tollig Temp. n. G. 5° C. 4° N. Stationen Barometer stand mm Wind. richtung Windstärke Better Temp. n. C. 15° C. 4° 9. halb bb. 18 19 Haparanda 756 SH 3 bedeckt 15 Betersburg 756 N28 1heiter 3 heiter 18 Scilly 770 NNW 766 3 767 NN 16 3 halb bb. 15 1 wolfen! 16 2 bedeckt 15 5 bebeďt 17 berbeen 3 bedeckt 14 Baris 756 NND 17 2 Regen Wetterprognose für Sonntag, den 9. August 1908. Bienlich fühl und vielfach wollig bei frischen westlichen Winden; teine erheblichen Nieberschläge. Berliner Wetterbureau Der grosse Schluss- Verkauf der Bestände des Pfingst'schen Warenhauses infolge Auflösung Bisherige Preise bis zur Hälfte herabgesetzt. dauert nur kurze Zeit. Königstr. 33, am Bahnhof Alexanderplatz Bisherige Preise bis zur Hälfte herabges: tzt. Restbestand in Schulkleidern Restbestand in Kostümröcken| Restbestand in Waschblusen in Mousselin imitiert und praktischen halbwollenen Stoffen, modern verarbeitet und reich garniert, Wert bis M. 14,00 Gr. 50-70 Gr. 75-100 675 Schlusspreis 545 Schul- Strapazier- Stiefel für Mädchen und Knaben. prima engl. Stoffe, moderne Schottenstreifen und extra gute Qualität in glatten u. gemusterten Alpakkas, Wert bis M. 15,00 895 785 595 Schlusspreis Schul- Strapazier- Stiefel 445 6 prima Boxcalf. 550 in Leinen, Batist, Mousselin und Zephir, modern gearbeltet Schlusspreis 395 295 195 68 Pl. Turnschuhe mit Gummisohle 165 125 95 PL. 1 gross. Posten Kinderschürzen 95 1gr. Post. schw. Kinderschürzen 95, 45-70 cm lang, gemustert Cretonne m. eleg. Besatz, Wert bis M. 1.85, jetzt Stück Pf. nur 45 u. 50 cm lang, eleg. Ausführung... 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Sie rüttelt große Massen auf. sie zwingt diese zum entschiedenen Kampf, ohne ihnen die notwendige Zeit für politische Aufklärung zu geben; sie stellt das Heer auf die Probe, indem sie es auf der ganzen Bildfläche des Staates gegen das eigene Volk führt; sie spaltet die Mittelklassen, indem sie manche Schichten mitreiht und andere in das Lager der Reaktion zurück- wirft; sie ruft Bestürzung und Unentschlossenheit in den Reihen der Regierung hervor; sie verwendet politische Eigenschaften und Fähigkeiten des Proletariats, die unter dem entwickeltsten demo- krattschen Regime nie völlig zum Ausdruck kommen, seine Kampf- fähigkeit, Entschlossenheit, Selbstlosigkeit. Je umfangreicher, desto größere Möglichleiten birgt die Revolution in ihrem Schöße. Ihr Endresultat kann von niemandem theoretisch oder statistisch im voraus erraten,— es muß ausgekämpft werden. Frankreich hatte zur Zeit der großen Revolution 2S Millionen Einwohner. Ruß- land hat ihrer tbv Millionen. Der französische Absolutismus erscheint im Vergleich mit dem Zarismus als ein zerbrechliches Spielzeug. Frankreich hatte- am Ende des 48. Jahrhunderts weder Eisenbahnen noch Telegraphen; in den Städten herrschte das kleine Handwerkertum. Das ruffische Proletariat bildet hin- gegen die Hauptmaste der städtischen Einwohner und obgleich ein viel kleinerer Bruchteil der Bevölkerung als in den vorgeschritte- nen kapitalistischen Ländern, ist es bedeutend konzentrier- ter als sogar in Deutschland; die Eisenbahnarmee— etwa 600 000 Mann— gab im Oktoberstreik den Ausschlag. Auch die Rolle Petersburgs in der russischen Revoltution kann keineS- wegS mit derjenigen von Paris in der Revolution des 48. Jahr« hündertS vevglichen werden. Die allgemein-ökonomische Rück- ständigkeit Franreichs und die besondere seiner KommunikationS- mittel einerseits, die administrative Zentralisation andererseits erlaubten eS Paris, die Revolution innerhalb seiner Mauern zu lokalisieren. Ganz anders in Rußland. Die kapitalistische Ent- Wicklung hatte dort so viele selbständige revolutionäre Herde ent- stehen lassen, als sie Zentren der Großindustrie geschaffen hatte. Diese Herde sind selbständig, aber doch eng miteinander vcr- Kunden. Die Eisenbahn und der Telegraph dezentralisierten die Revolution, trotz dcS zentralisierten Charakters deS Staates, zu- gleich aber brachten sie Einheit in alle ihr» lokalen ErscheinungS- formen. Wir können hier, im engen Rahmen eines ZeitungS- artikelS, nicht ausführlich darauf eingehen, welche ganz eigen- artigen Schlußfolgerungen und Möglichketten die Tatsache in sich birgt, daß in der Ockonomie der Produktion wie der Politik Ruß- landS die Arbeiterklasse daS Kleinbürgertum noch vor der bürger- lichen Revolution vollkommen Krdröngt hatte. Eines ist aber klar. Die tief« Differenzierung in dem ruffischen»dritten Stande", die sich auf Grundlage der allgemeinen kapitalistischen Entwickelung noch vor der»nationalen" Revolution vollzogen hatte, hatte zum Resultat, daß das russische Proletariat seine revolutionäre Energie nicht mehr im Fahrwasser deS radikalen Bürgertums, sondern nur unter der Fahne seiner eigenen Interessen in Bewegung setzen konnte. Nicht die fiktive, schon bollkommen unmögliche„Einheit" der Nation gegen ihre Feinde, sondern nur die mächtig« Entwickelung des Klassenkampfes innerhalb der Nation, könnte die Revolution zum Siege führen. Damit wird nicht gesagt, daß man auf jedes Zusammengehen mit dem Bürgertum im voraus verzichten soll. DaS hieße die formelle Strenge eines Dogmas über den natür- lichen Gang des Klassenkampfes stellen. Aber unter dem Vor- wand, daß die Revolution»bürgerlich" ist, die sozialdemokratische Taktik vorwiegend vom Standpunkt ihrer Einwirkung auf das Bürgertum zu schätzen, hieße thore tisch: die reale Bewegung der Revolution in ihren leeren Namen auslösen und politisch: das Proletariat an den Triumphwagen der Bourgeoisie fesseln. Selbst bei der vorsichtigsten und gemäßigtesten Taktik der Sozial- demokratie mußte der scharfe Interessengegensatz die Scheidung der Bourgeoisie vom Proletariat rcsp. von der Revolution auf einer gewissen Etappe hervorrufen. Wenn die Sozialdemokratie nicht auf den Sieg verzichten wollte, mußte sie streben, die breite- sten Massen deS Bauerntums um das Proletariat zu konzentrieren, die Armee für die Revolution zu gewinnen und somit gegen daS Bürgertum die Staatsmacht an sich zu reißen. Man konnte nicht wissen,— wie man es auch jetzt nicht wissen kann.— wie weit sich die Ereignisse entwickeln werden. Es ist aber klar, daß es nur auf diesem Wege möglich war, den Sieg an unsere Fahne zu heften. Schon diese flüchtigen Erwägungen belveisen, Kie töir hoffen, daß. wenn man die russische Revolution schlechthin nach dem klassisch gewordenen Muster der französischen konstruieren will, man nicht die innere Dynamik der Revolution, sondern nur die eigene Oberflächlichkeit aufdecken kann. TscherewaninS Broschüre ist leider dieser Art: sie gibt eine viel beredsamere Vorstellung von der Begrenztheit des Verfassers als von den inneren Zusammenhängen und Gegensätzen der russischen Revolution. Diese soll für die kapitalistische EntWicke- lung freie Bahn schaffen,— es ist also eine bürgerliche Re- volution. DaS soll aber weiter bedeuten, daß das russische Bürger- tum revolutionär sein müsse. Doch, wie die Tatsachen erwiesen, ist das Verhältnis zwischen dem objektiven Charakter der Reva lution und dem politischen Verhalten der bürgerlichen Klassen nicht so einfach. Vom 22. Januar biS zum Oktoberstreik entfaltete sich die proletarische Bewegung unter aktiver Unterstützung der bürger- lichen Intelligenz und der wohlwollenden Neutralität der Kapi- talisten. Aber während der folgenden wichtigsten Periode der November-, Dezember- und Januar-Monate kehrte daS kapitalistische Bürgertum im niederträchtigen Verrat der Revolution den Rücken, bekämpfte die Arbeiterschaft mit Aussperrungen und hielt den Durnowos und DubassowS die Steigbügel, als sie sich auf den konterrevolutionären Kreuzzug begaben. Man kann die Frage objektiv stellen: wo sind die Ursachen dieser Wendung zu suchen? Man kann aber dieselbe Frage auch subjektiv entstellen: wer trägt die Schuld? So verfährt Tscherewantn. Fassen wir seinen Gedankengang zusammen, wird er sich im großen ganzen folgen. dermaßen darstellen: Die Revolution erlitt die Niederlage, weil die Bourgeoisie das Proletariat nicht unterstützt hatte. Was hatte aber jene in ihrem naturnotwendigen revolutionären Vordrängen gestört? Tie exorbitanten ökonomischen Forderungen der Arbeiterschaft und ihre zugespitzte politische UnVersöhnlichkeit. Der Novcmbcrstreik, den die Petersburger Arbeiter auf eigene Faust unternahmen, die„verrückte" Kampagne um die unmittel- bare Durchführung des Achtstundentages auf revolutionärem Wege. die allgemeine politische Haltung des ArbeiterdelegicrtenratS, der die liberale Opposition ignorierte oder sogar schonungslos in ihre Nichtigkeit zurückstieß,— dies sind nach Tscherewanin die Ur- fachen der fatalen Wendung des BürgertumS und die schwere Schuld der politischen Führung der Arbeiterklasse. Wir können hier TscherewaninS Anklageakt gegen die russische Sozialdemokratie nicht Punkt um Punkt verfolgen. Ein paar Beispiele werden jedoch bollständig genügen. Die Revolution erwies sich in ihrem ersten Oktober-Ansturm zu schwach, um die alte Staatsmaschine zu zertrümmern und aus den Elementen ihrer eigenen Organisation eine neue aufzubauen. Die Armee blieb in den früheren Händen. Alle früheren Ver- waltungspersonen, vom Gouverneur bis zum Polizisten herab, auS- erkoren für die Zwecke der Selbstherrschaft, hatten ihre Stellungen behauptet. Unangetastet blieben auch alle alten Gesetze„bis zur Ausgabe neuer". So blieb der Absolutismus als eine mate- riclle Tatsach« ganz und gar bestehen. Freilich war den Be- Hörden befohlen worden, die Gesetze deS Absolutismus»im Geiste" deS Manifestes vom 80. Oktober anzuwenden. Das hieß aber soviel, als wenn man Falstaff befehlen wollte, keusch zu werden. Die Satrapen waren zurzeit aber am Werke, für die dem alten Regime berettete Demütigung durch Pogrome Rache zu nehmen.„ES entstand in der Bevölkerung— schrieb Witte in einem geheimen Memorandum, November 400S— die feste Uebcr- zeugung, daß alle diese Pogrome, die so unerwartet und doch gleichzeitig sich über gang Rußland verbreiteten, von einer und derselben und dabei machtvollen Hand provoziert und geleitet wurden. Leider hatte die Bevölkerung für diese Annahme sehr ernste Anhaltspunkte." Und die offizielle, die„konstitutionelle" Regierung? Schon am 40. November erteilte sie dem Lande eine ebenso deutliche wie vielversprechende Warnung, indem sie kurzweg in Polen den Kriegszustand erklärte: dies war der erste schöne Happen, den das Ministerium des Oktobermanifestes am elften Tage seiner Existenz der Petersburger Kamarilla zuwarf. WaS hatte unter diesen Bedingungen daS Proletariat zu tun? ES sollte, meint Tscherewanin, sich für die ersten Duma- wählen vorbereiten. Ganz schön. Aber die Duma, von der noch niemand etwas Bestimmtes sagen konnte, gehörte dem Reiche der Möglichkeiten an. Und die Wirklichkeit stellte ein politisches ChaoS dar. Um sich nicht selbst in diesem Chaop aufzulösen, mußte daS Proletariat seine Organisation starken. neue Positionen in Angriff nehmen, die Attacken der Konterrevolution abwehre?», da» Bauekntam MV die Arrtiee efus dein Schlummer wecken. Damit gewann es aber daS Uebergewicht über alle andern Klassen, gefährdete immer mehr die Interessen der Bour« geoisie und bewog sie endlich dazu, im Zarismus den Besch-ltzer zu suchen. Und es konnte nicht anders sein. Die besten Hoffnungen, die daS Unternehmertum auf Wittes Polizeigesetz hatte, wurden nicht erfüllt: die Massenbewegung war nach dem Manifest nicht zum Stillstand gekommen, im Gegenteil, sie zeigte mit jedem Tag ihre wachsende Kraft, ihre Selbständigkeit, ihren sozial-revolutionären Charakter. Zu einer Zeit, wo den Baronen der Zuckerindustrie die Wegnahme ihrer Ländereien durch die meuternden Bauern drohte, mußte die ganze kapitalistische Bour- geoisie. Schritt für Schritt vor den Arbeitern zurückweichend, den Arbeitslohn erhöhen und die Arbeitszeit verkürzen. Darin lag eben die Hauptschuld der Sozialdemokratie, in den übermäßigen Forderungen des Proletariats, meint Tscherewanin. Mag schon sein. Aber darin kam nur zum Vorschein das revolutionäre Er- wachen der Klasse. Was Tscherewanin bekämpft, ist die losiale Natur des Proletariats selbst. DaS versteht H. Roland-Holst. In ihrem Vorwort, da» leider, indem es die auffälligsten Fehler der Tscherewaninschen Kritik korrigiert, manche neue Mißverständnisse schafft, sagt Roland-Holst sehr zutreffend:„DaS Proletariat konnte nicht die Begeisterung, die Beharrlichkeit, den revolutionären Elan und die Todesverachtung in dem politischen Kampf bekunden..., ohne mit gleichem Nachdruck die Erringung wichtiger ökonomischer Vorteile und die Verbesserung seiner Existenz zu erstreben. Dies aber, das Verfolgen besonderer Klassenforderungen, muht« eS unvermeid- lich in Konflikt mit der Kapitalistenklasse... bringen."(S. XIV.) WaS Tscherewanin in den Dienst der Revolution stellen möchte, ist die revolutionäre Energie deS Proletariats, aber ihres spezifischen Klassencharakters entkleidet. In der spekulativen Koordinierung zweier gegnerischer Klassen für die revolutionäre Aktion hält Tscherewanin nur daS soziale Wesen deS Bürgertums für ein Naturgesetz; daS Klassenwesen dcS Proletariats in seinen not- wendigen Erscheinungsformen ist für ihn nur taktischer Fehler. ES ist nichts anderes als der bürgerliche„Idealismus", der hier die Form der quast-sozialistischen Selbstkritik annahm. Tscherewantn erinnert sich weiter, daß der Moskauer Semstwo-Kongreß im November 490S eine ziemlich radikale Resolution beschloß—> um sie... dem Grafen Witte zu überreichen. Die Sozialdcmo- kratie hatte allen Grund, meint Tsch, diese Resolution zu unter- stützen(wie? wo? in der Kanzlet des Premiers?).„Aber statt diesen vernünftigen, realistischen Weg zu betreten, war die Sozial- demokratie bestrebt, eine Kluft zwischen dem Proletariat und den Semstwoleuten... zu schaffen."(S. 74.) Das klingt sehr über- zeugend! Leider vergißt Tscherewanin zu erwähnen, daß parallel mit dem Semstwokongreß in Moskau ein großer Bauernkongrcß tagte, der die Notwendigkeit der Enteignung deS privaten Grund- eigentumS beschloß und die Unvermcidlichkeit des Bauernaufstandes proklamierte. Die Sozialdemokratie stand also vor der Wahl: ent- weder mit der adlig-bürgerlichen Opposition oder mit der bäuer- lichen Revolution! Die„Kluft", von d«r Tsch. spricht, wurde nicht von den sozialistischen Journalisten erfunden, sie war nur der not- wendige Ausdruck deS unversöhnlichen Antagonismus zwischen dem Muschik und seinem Barin(Grundbesitzer). Worin bestand in dieser Lage die Aufgabe der Sozialdemokratie, dieser Partei der Revolution par exCellence? Den„vernünftigen, realistischen Weg" zu betreten, der direkt in Wittes Vorzimmer führte,— oder sich ohne Rücksichten und Bedenken für die Sache der Bauern gegen ihre „liberalen" Fronherrn zu erklären? Konnte die Partei auch nur ein« Stunde mit ihrer Entscheidung zögern? Dieses Beispiel ist höchst charakteristisch für TscherewaninS„Vernünftigkeit" und für seinen.Realismus". Der Semstwoliberalismus gehörte bekanntlich schon im Dezember 400S zur Vergangenheit. Witte war schon längst>». um mit Gorkt zu sprechen— ein„gewesener Mensch". Die Bauernfrag« bildet aber noch heute die tiefste Grundlage aller politischen Krisen in Rußland und die sicherste Bürgschaft für die Auferstehung der Revolution. Die Sozialdemokratie hätte schänd- lichen Selbstmord begangen, wenn sie mit dem Liberalismus paktiert und das Bauerntum in Stiche gelassen hätt«. Die nachträgliche Korrektur der Taktik kann manchem ziemlich komisch erscheinen. Man muß aber bedenken, daß es sich dabei nicht um die Vergangenheit, sondern um die Zukunft handelt. Die nächste große politische Flut wird dieselben Fragen wieder auf- tauchen lassen. Und wir hegen die tieffte Ueberzeugung, daß die russische Sozialdemokratie nicht den Weg jener klügelnden Taktik betreten wird, die zwar mit sein konzipierten Plänen, doch leider mit imaginären Größen operiert und die immer von nichts durch nichts zu nichts führt. nt. LssvKKvnswsi'K für die Konf IrBwationS Schwarze Stoffe in Wolle und Seide. MI" üeberrascSiend reiche Auswahl I Sekannto PreiSwiirdigkeii I"MZ 126 Or. Frankfurter Str. 126. S® WßlSSGIlb Wils Eckhaus Koppen• Straße. 88301, Lenkester-Cigaretten New-Yorker Mischung, sind hervorragend in Geschmack und Aroma. CeneralYerlreler für PeiiisclilaDd: S. RUWd, Berlin O.. Marsilius-Str. 23. ao» m 10479. 600000000 9406 Unserem Bezirksführer Julius Lutter nebst Gemahlin vom Juliusturm gu ihrem 25jährigen Ehejubiläum die herzlichste Gratulation. Die Genossen vom Osten Berlins. Sozialdemokrat. Wahlverein für Schöneberg. Bezirk 3. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Restaurateur Hermann Staege am Freitag, den 7. d. Mts., verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 10. August, nachmittags 52 Uhr, von der Leichen halle des Schöneberger Friedhofes, 15/18 Marstraße, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung erDer Vorstand. fucht Verband der freien Gastu.Schankwirte Deutschlands Ortsverwaltung Schöneberg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Stollege Hermann Staege am 7. August nach langer Strantheit verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 10. August, nachmittags 5%, Uhr, von der Leichen halle in der Marstraße aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 75/8 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Ber golder Reinhold Ullrich am 5. August gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 9. August, nachmittags 4 Uhr, vom Krankenhaus Friedrichshain aus nach dem Bartholomäuskirchhof in Fallenberg statt. Um rege Beteiligung ersucht 88/11 Die Ortsverwaltung. Nachruf. Am 5. August starb unser Mitglied, der Ladierer Eugen Werner. Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung. Deutscher Buchbinder- Verband. Zahlstelle Berlin. Am Freitag, den 7. August, berstarb plöglich unser Mitglied, der Albumarbeiter Heinrich Hoffmann im 43. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 10. August, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Luisen- Stirchhofes in Nigdorf, Hermannstraße, aus statt. Bahlreiche Beteiligung erwartet 24/5 Die Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, baß unser treues Mitglied, der Arbeitstutscher Otto Brüske am 6. d. M. im Alter von 33 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet hente Sonntag, den 9. August, nachmittags 4, Uhr, von der Leichenhalle( Strugitege) Lichtenberg, aus ftatt. 70/8 Die Verwaltung II. Zentral- Verein der Bildhauer Deutschlands. ( Verwaltung Berlin.) Den Kollegen zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Holzbildhauer und Modelleur Oskar Krünegel am Donnerstag, den 7. August, im Alter von 34 Jahren berstorben ist. 20/14 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 10. Auguft, nachm. 4 Uhr, von der Halle des Sanft Jakobikirchhofes, Nigdorf, Her mannstraße aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Fabrikarbeiter- Verband Bahlstelle Gr.- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege J. Krause ( Bezirk Bernsdorf) am 6. August verstorben ist. Ehre seinem Audenken. Die Beerdigung findet Sonntag nachmittag 4 Uhr in Bernsdorf statt. 64/2 Am 8. August entschlief sanft meine liebe Frau, unsere gute Mutter 947b Elise Westerhausen, geh. Probst im 57. Jahre. Die Beerdigung findet Dienstag, den 11. Auguft, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral friedhofes Friedrichsfelde, aus statt Dies zeigen tiefbetrübt an als August Westerhausen hemann. Paula Westerhansen, Selma Westerhausen, als Kinder. Am 7. Auguft verstarb nach schwerem in Geduld ertragenen Leiden unser innigft geliebter Schwager, Sohn, Bruder, Dnfel und Großontel, der Restaurateur Gustav. Rau 9465 im 45. Lebensjahre. Im Namen der tiefbetrübten Hinterbliebenen Elise Nau geb. Weichhardt. Groß- Lichterfelde- Ost, Am Kranoldplatz, Restaurant Kaisershof. Die Beerdigung erfolgt am Dienstag, den 11. August, nachmittags 6 Uhr, von der Halle des Alten Luifen- Kirchhofes in Berlin, Bergmannstraße, aus. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie für die zahlreichen Kranzspenden bei dem Begräbnis 39422 meiner lieben Frau Anna spreche ich hierdurch allen Verwandten und Bekannten, meinen herzlichen Dant aus. Franz Sieling. Danksagung. Allen Teilnehmern bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unferes guten Vaters 9416 Hermann Schulz sagen wir hiermit unseren tiefgefühlten Dant. Karoline Schulz nebst Tochter. Danksagung. Für die bei der Beerdigung meines Sohnes und unseres Bruders Reinhold erwiesene Teilnahme sagen wir allen Sollegen, Freunden und Bekannten, insbesondere dem sozialdemokratischen Wahlverein Rirdorf, den Genossen des 18. Bezirks, dem Deutschen Metallarbeiter- Berband, den Kollegen der Firma E. Straas für die reichen Kranzspenden unseren herzlichsten Dant. 39372 Amalie Nerlich nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben Baters und Schwiegervaters Peek& Cloppenburg Spezialhaus für Herren- und Knaben- Kleidung Gertraudtenstraße 25, 26, 27 und Roßstraße 1. Fertig und nach Maß. Verkauf nur gegen bar zu niedrigen Preisen. 8304L* SaisonRäumungsverkauf! Eine Partie imit. Smyrna Zum Schul- Anfang Teppiche Knaben- und Schüler- Kleidung Jünglings- Anzüge und Paletots 8865L aus modernen Stoffen und vorzügliche Verarbeitung in allen Größen fertig am Lager. 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Amt Nirborf 946 Albert Iglisch Vereinslokal. fagen wir allen Berwandten und Betannten, besonders dem Verband der freien Gast und Schankwirte Deutschlands, sowie dem sozialdemokratischen Wahlverein für den Bezirk Lichtenberg unseren herzlichsten Dant. 9276 Albin Richter und Frau. Danksagung. Für die vielen Bewetse inniger Teilnahme und die zahllosen sowie toftbaren Kranzspenden bei der Beerdigung unseres leider so früh dahingeschiedenen lieben Sohnes, Bruders und Schwagers, des Schrift [ eters Bruno Löschée sagen wir allen Berwandten, Freun ben und Bekannten, insbesondere seinen früheren Kollegen der Hof buchdruderei Möser, den Genoffen des 6. Streises und dem Gesangverein Rote Rose unseren herzlichsten Dant. Famille Löschée 9355 und Schwager. Von der Reise zurück Dr. Zadek 3880L Tel. IV 3630. S., Dresdenerstr. 109. Von der Reise zurüd Freischmidt, 39212* prakt. Arzt u. Geburtshelfer, Charlottenburg, Berlinerstr. 98. 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Deutscher Holzarbeiter- Verband. Ortsverwaltung Berlin. Donnerstag, 13. August, abends 8 Uhr, bei Freyer, Koppenstr. 29: General- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Wahl der Beisitzer zum Hauptvorstand, der Revisoren für die Hauptkasse und der Preßkommission. Für die organisierte Arbeiterschaft ist die Frage der Jugendorganisation jetzt in den 2. Kassenbericht, Bericht der Ortsverwaltung und der Arbeitsvermittler. 3. Wahl der Ortsverwaltung. 4. Bericht Vordergrund des Interesses gerückt. Zahlreiches Erscheinen wird daher erwartet. bom Gewerkschaftstongreß in Hamburg. 5. Verbandsangelegenheiten. Achtung! Die Einberufer. J. A.: Fritz Maschke. Putzer. Achtung! Mitgliedsbuch legitimiert. Achtung! Die Ortsverwaltung. Maschinenarbeiter. Achtung! Die alten Mitgliedsbücher bom Verband der Holzbearbeitungsmaschinenarbeiter werden am Montag, den 10. und Dienstag, den 11. August, nachmittags von 5-8 Uhr im Lokal von Weltisch, Freitag, den 14. August 1908, abends 6%, Uhr, in der Koppenstr. 29( Inh. Freher), Markusstr. 47, ausgegeben. Die Kollegen werden ersucht, dieselben dort abzuholen. Die Branchenkommission. großer Saal: 88/10 Oeffentl. Versammlung Zentralverband der Töpfer Deutschlands für alle im Lohngebiet Groß- Berlin befchäftigten Putzer. Zages Drdnung: Die Situation im Baugewerbe. Kollegen! Es ist Pflicht eines jeden Puters, in dieser Versammlung zu erscheinen! ..: Ernst Schulze. 134/ 12* Deutscher Holzarbeiter- Verband. 88/9 Einsetzer. Heute Sonntag, den 9. August 1908, vormittags 9 Uhr: Bezirks- Versammlung In den bekannten Lokalen. Die Zahlung der roten Karte wird geschlossen. Die Kommission besteht aus den Kollegen: R. Lanzky, 1. Dbmann, 2ychener Straße 8. G. Krößner, 2. Obmann, Steinmeßstraße 39. 5. Grichl, 1. Schriftführer, Stargarder Straße 53. A. Wellhausen, 2. Schriftführer, Thorwaldsenstraße 21. R. Pilz, Bezirksleiter, Bezirk 1, Landsberger Allee 45. D. Tischer, Bezirksleiter, Bezirk 2, Stargarder Straße 67. G. Löhn, Bezirksleiter, Bezirk 3, Alt- Moabit 39. D. Schmidt, Bezirksleiter, Bezirk 4, Harzer Straße 86. 20. Kühn, Bezirksleiter, Bezirk 5, Bülowstraße 55. W. Neumann, Bezirksleiter, Bezirk 6, Stralauer Allee 23 b. . Wirth, Bezirksleiter, Bez. 7, Charlottenburg, Schillerstr. 34. F. Schade, Bezirksleiter, Bezirk 8, Schulstraße 38. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hof I. Amt 3, 1239. Charitéstraße 3. Hof III. Amt 3, 1987. Dienstag, den 11. August 1908, abends 8 Uhr: Bezirks- Verfammlung für den Norden G Restaurant ewerkschaftsFiliale Berlin. Freitag, den 14. August 1908, abends 6%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15( Saal IV): General- Versammlung. Zages Ordnung: 192/19 1. Bericht des Vorstandes vom II. Quartal. 2. Verschiedenes. Anfang präzise. Bahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. haus.Verband deutscher Gastwirtsgehilfen. Engelufer 15. Menu 75 Pf. Heute Sonntag: Spargelsuppe. Hecht grün oder Gemischtes Gemüse mit Schnitzel. Gespicktes Rinderfilet oder Möhrbraten. Kompot oder Salat. Bureau: Amt III, 1474. Berlin N. 24, Gr. Hamburger Str. 18/19. Ortsverwaltung I für Kellner, Köche, Köchinnen, Büfettiers usw. Arbeitsnachweis: Amt III, 1813. Ortsverwaltung II Ortsverwaltung III Abteilung für das Hilfspersonal: Bapfer, Hausdiener, Kupferputer usw. Abteilung für Bierabzieher. Die Mitglieder des Verbandes find mit einer Mitgliedskarte zur Legitimation versehen, die jedes X Reichhaltige Abendkarte. XDuartal erneuert wird und die Farbe techfelt. Bochentäglich: Großer bürgerlicher Mittagstisch Couv. 60 2 franz. Billards. 2 Kegelbahnen Neu eingeführt: Weißbier- Ausschank, Kaffee in Kannen. Pt. R. Augustin. Charlottenburg, Volkshaus, rake 3. im großen Snale der Germaniaſäle, Chauffeeftr. 110. Seben Sonntag: Gr. Mittagstisch Tagesordnung: 120/12 a Stuv. 60 Bf., reichhaltige Abendkarte. Vortrag des Genoffen Hoffmann- Bielefeld über:" Ware und Geld". In Anbetracht des äußerst lehrreichen Vortrags ist es Pflicht aller Kollegen und Kolleginnen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. * Jeden Donnerstag: Norddeutsche Sänger. Entree 15 Pf. Ad. Bartsch, Defonom. Achtung! Achtung! Bauhandwerker- Krankenkasse ligte Bäderei für Berlin und Umgegend. ( Eingeschriebene Hilfskaffe Nr. 118.) Dienstag, den 11. August, abends 8, Uhr, bei Wilke, Brunnenstraße 188: Außerordentliche Generalversammlung. Zages Ordnung: 1. Abrechnung des Kassierers vom ersten Halbjahr und Revisionsbericht. 2. Die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe und deren Einwirkung auf die Staffenverhältnisse. 3. Wahl sämtlicher Hilfstaffierer. 4. Innere Raffenangelegenheiten. 38/ 4* Bahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. J. A.: Heinrich Metzke. Mitgliedsbuch legitimiert. + Hygienische Bedarfsartikel+ Zahn- Klinik. billigste Bezugsquelle, Versand nach außerhalb. Frau Wichert, Berlin 18, Grüner Weg 34. 145/ 10* Preise beliebige Teil. zahlung. 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