Mr. 186. Bbonntmtnts-Bfdlngunaen: WonnemeiüS- Preis trünumetanJ u> PierleljShrl. 3�0 TOf.. monall 1,10 2Rf, wöchentlich 23 Pfg. frei WS HauS. Einjelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter SotintagS- Vellage.Die Neue Well" 10 Pia. Polt- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat, Eingetragen w die Post. Zeitung»- PretSlisie. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für daS übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnement» nebmen an: Belgien. Dänemark Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schwei«. vlchtll» QaQA uBtr Qootui 25- Jahrs Verlinev Volksblatt. Zentratorgan der rozialdcmokrat» fcben Partei Deutfcbtands. Die!nfertlons«6eI)ai)r lefrSgt für die fechSgespaltene Kolonel« gelle oder deren Raum KO Piß., für politische und gcwcrlschaslliche LercinS- und VersammIungS-Anzeigen 30 Big. «Uleine Snreigin", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Psg., jcdeS weitere kort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen daS erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort b Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis SllhrnachmiltagS indcr Expedition �gegeben werden. Die Expedition ist viS 7 Uhr abends giöffiict, Zelegramm-Adresse: ,,ZoÄZliitli>oIir« lUrilll". Redaktion: SM. 68, Lindenatrassc 69» Ftrusprccher: Amt rv. Nr. U)83. Dienstag, den II. August 1908. Expedition: SM. 68, landenatraase 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1384. Mlehming gegen die Partei' disziplin. Die„Leipz. Volkszeitung" bittet in ihrer Nummer vom 3. August um Antwort auf eine wichtige Parteianfrage. Sie teilt mit, daß sie von verschiedenen Seiten, das erste Mal schon vor Wochen, erfahren habe, daß die süddeutschen sozialdemokratischen Landtagsabgcordneten auf einer Konferenz in Stuttgart beschlossen hätten, in Zukunft für das Budget der Einzellandtage zu stimmen. Unser Leipziger Vruderorgan Ersucht um schleunige Beantwortung der Frage, was an dieser ihr gewordenen Mitteilung Wahres sei. Wir wollen an unserem Teil, soweit unS das möglich ist, die Frage der„Leipziger Volkszeitung" beantlvorten. Auch uns sind, allerdings erst kürzlich, über eine solche Konferenz der sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten der süddeutschen Staaten Nachrichten zugegangen. Danach fand diese Koir fcrcnz zu Pfingsten in Stuttgart statt. Auch soll tatsäch. lich über die Frage der Budgctbewilligung verhandelt worden, jedoch ein Beschluß, künftig für das Budget zu stimmen, nicht gefaßt worden sein. Doch soll der Vorsitzende in seinem Schlußwort das Ergebnis dieser Ver- Handlungen dahin zusammengefaßt haben, daß von den sozial- deniokratischen Fraktionen Süddeutschlands eine Beseitigung des Beschlusses des Lübecker Parteitages an- zustreben sei, der, mit Ausnahme„ausnahmsweise zwingender", „in besonderen Verhältnissen liegender Umstünde", die Ab- lehnung des Budgets zur Pflicht machte. Zu dieser Konferenz in Stuttgart waren Vertreter der Pärteiorganisationen nicht hinzu» gezogen, auch sind die Verhandlungen durch die Presse der Ocffentlichkeit nicht mitgeteilt worden! Mir halten diese Heimlichkeit für absolut unangebracht. So lange sich Besprechungen von Parteifunktionären nur auf sozusagen technische, die Partei selbst nicht interessierende Fragen beschränken, ist gegen ihre gewissermaßen private Ver- anstaltung nichts einzuwenden. Sobald jedoch, wie bei der Stuttgarter Konferenz, wichtige Parteifragen erörtert werden, hat die Partei das Recht, ja die Pflicht. die Verhandlungen zu kontrollieren! Nur w e i t e st- gehende Oeffentlichkeit in der Erörterung und der Beschlußfassung von Fragen von allgemeinem Parteiintcresse schließt Kliquenwirtschast und den davon nicht zu trennenden Parteihader aus! Leider ist damit die Angelegenheit noch nicht zu Ende. Der Parteivorstand erfuhr vor einigen Tagen, daß die badische Landtagsfraktion— Wohl unter dem Einfluß der Verhandlungen der Stuttgarter Konferenz— be- schlössen, und zwar mit keineswegs großer Stimmenmehrheit be- schlössen habe, bei der bevorstehenden Abstinunung über den Etat für das Gesamtbudgct zu stimmen. Unterm 4. August richtete deshalb der Parteivorstand an den Landesvorstand der badischen Sozialdemo- k r a t i e die Bitte, ihm möglichst bald eine bestimmte Nach- richt darüber zukommen zu lassen, was an diesen Dingen Wahres sei. Unglaublicherweise erhielt darauf der Partei- vorstand von dem Landesvorstand eine lakonische Mit- tcilung vom 7. August, daß der Landesvorstand am 6. August mit der Landtagsfraktion eine gemein- same Sitzung abgehalten habe, über deren Ergebnis— „vorläufig Schweigegebot erlassen" worden sei. Der Landesvorstand sei deshalb nicht in der Lage, der Auf- fordcrung des Parteivorstandes zu entsprechen! Der Parteivorstand telegraphierte darauf sofort nach Mannheim zurück, daß es für ih n keineS ch w ei g e- geböte gäbe. Er bitte solche Kindereien gefälligst zu unterlassen und nunmehr umgehend Bericht zu erstatten. Darauf ist der Parteivorstand bis jetzt, Montag abend, ohne weitere Antwort geblieben! Wir ziehen aus diesem in der Geschichte der Partei wahrscheinlich einzigartigen Vorgang vorläufig nur zwei Schlüsse. Erstens: daß die Meldung über die Absicht der badischcn Landtagsfraktion offenbar den Tatsachen ent- spricht I Zweitens: daß sich in gewissen Kreisen unserer süddeutschen Genossen eine Lust an Geheimniskrämerei heraus- gebildet hat, die nicht einmal dem Parteivorstand die Karten ausdecken will, geschweige denn der Masse der Genossen, die doch aber in einer d e m 0 k r a» tischen Partei gerade die oberste, d. h. möglichst gut zu informierende Instanz bilden! Auf die Frage der Budgetbewilligung selbst wollen wir heute nicht deL näheren eingehen. Nur das sei betont, daß bis auf weiteres der B e s ch l u ß des Lübecker Parteitages b e• steht! Und das weitere, daß eine Budgetbewilligung gerade heute, angesichts der Reichsfinanzreform und des Wahlrechtskampfes, wo auch die Vertreter der süd deutschen Staaten im Bundesrat die preußische Reaktion skrupellos unterstützen, hellste Entrüstung auslösen müßte! Mit allem Nachdruck aber möchten wir hier Protest erheben gegen ein System der Geheimniskrämerei und Sonder bündclei, das jede Demokratie und Einheit der Partei zunichte macht. Und wir sind überzeugt, daß die Mehrheit unserer süddeutschen Genossen selbst ein solches System am schärfsten verurteilen wird! Unfälle und Crkrankungen im IRuhrbergbau. Wenn bei Besprechung der ständig steigenden Krankem und Unfallzisscrn im Ruhrbergbau die Arbeiterpresse schwere Anklagen gegen das Grubenkapital erhob, so fiel die kapr talistische Preßmeute mit dem„Material" der Berichtigung� fabrik des Bergbaulichen Vereins über die„Hetzer" her, um die Nichtberechtigung dieser Angriffe zu beweisen. Einer kürz lich erschienenen Arbeit gegenüber wird Wohl wieder dieses Manöver versucht werden, doch dürfte die Entkräftung des beigebrachten Materials trotz des Schweißes der Gelehrten des Bergbaulichen Vereins nicht gelingen.„Unfälle und Erkrankungen im Ruhrbergbau" betitelt sich die Arbeit, die den Vorsitzenden des Steigervcrbandcs G. Werner Essen(Ruhr) zum Verfasser hat.") Die Ursachen der anormalen Höhe der Krankheits- und Unfallzissern im Ruhrgebict untersucht Werner an Hand umfangreichen Materials. In der Statistik des Allgemeinen Knappschaftsvereins zu Bochum wird nicht versucht, den Ursachen dieser Anormalität auf den Grund zu gehen, nur auf die hohe Erkrankungsziffer der aus den Ostprovinzen stammenden Deiltschen und der Ausländer wird hingewiesen. Nun ist nach der Statistik tatsächlich die Erkrankungsziffer dieser Revierfremden höher als die der Einheimischen. Dem- gegenüber sagt Werner: „Die deutschen Arbeiter mit deutscher Muttersprache können lesen und schreiben und werden etwas mehr als die anderen zu Verrichtungen gebraucht, die Intelligenz er- fordern und weniger der Gesundheit schaden. Die Bureau-, TageS- und technischen Beamten verringern ebenfalls den Anteil der Deutschen.(Die Beamten blieben 1)306 mit 2021 Erkrankungen hinter den Erkrankungen der einheimischen Arbeiter mit 2680 oder 60 Proz. hinter dem Durchschnitt der Erkrankungen im Ober- bcrgamtSbezirk zurück.) Außerdem, und das ist die Hauptsache, arbeiten die Polen und Ausländer auf den gefährlicheren und tieferen Zechen und auf den neuen, auf denen die Erkrankungen besonders hoch sind." Werner kommt zu dem Schluß, daß relativ die Er- krankungsziffer der Fremden nicht höher, ja vielleicht noch niedriger sei als die der Einheimischen. Doch wenn auch die Ausnahmestellung der Fremden un- erschüttert bestehen bliebe, sie änderte nichts an der Tatsache, daß im allgemeinen die Erkrankungsziffer eine durchaus anormale ist und woran das liegt, sucht Werner in seiner Broschüre nachzuweisen. Er führt aus, daß neben der Aus- länderfrage als besonders wichtig zur Beurteilung der Ge- sundheitsverhältnisse in Betracht kommen die Betriebs- Verhältnisse und das gegenseitige Ver- hältnis von Beamten und Arbeitern. Bei seiner Untersuchung bestätigt Werner durchweg alles, was jemals von den Bergarbeitern zur Kritik der Gcsundheitsvcrhältnisse im Bergbau gesagt worden ist. Lager uugs- und Gebirgsverhältnissc. sagt Werner, sind Faktoren, deren krankheitsfördernden Einfluß zu paralysieren die Verwaltung nicht in der Lage ist. Die Art des Abbaues(Pseilerbau, Strebbau, �irstenbau, Abbau mit oder ohne Bergeversatz usw.), die Länge der Förderungen aber kann die Zeche bestimmen und hier wird viel gesündigt. Werner fordert ein Verbot der langen Förderstrecken beim Bergeversatzbau(Berge- versatz-Vcrpacken des mit der Kohle losgelösten Gesteins in die ausgeraubten Hohlräume) und erkennt ausdrücklich an, was die Bergarbeiter seit Jahren behaupten, daß der Bergversatz- bau ruinierend auf die Gesundheit der Arbeiter einwirkt,„daß schwächere und ältere Leute beim Schleppen der Steinwagcn, Ilmwerfen der Berge im Streb oder Stoß sich überanstrengen und viel leichter von Krankheiten heimgesucht werden.— In diesen Strecken ruiniert sich mancher Bursche, dessen Knochen noch nicht die nötige Festigkeit besitzen.—„Mitleid ist ja im Grubenbetriebe für den Beamten eine Eigenschaft, die ihn in Widerspruch bringt mit den Anforderungen, welche an ihn als Vertreter der Besitzer gestellt werden." Die Schädigungen durch„falsches", quellendes und drücken- des Gebirge haben durch die Untersuchungen der Kommission für Stein- und Kohlensall manche Beleuchtung erfahren, Wege zur Abhilfe sind gezeigt, aber noch immer ist der ") Die Broschüre(60 Pf.) ist zu beziehen durch den Verfasser. Buchhandlungen erhalten sie durch O. Maier, Gl. m. b. H., Leipzig. 1 Ausbau zum großen Teile so, daß Werner konstatieren kann, „ein Teil dieser Unfälle würde vermieden werden, wenn nicht s o sehr au Reparaturen gespart würde". Aus der Reihe von Tatsachen, mit denen Werner seine Behauptungen stützt, zitieren wir eine hierher gehörige von Zeche„Prosper I": „Der Steiger R. brauchte, um sein Revier halbwegs in Orb- nung zu halten, zirka 20 Reparaturhauer. Mit dieser Zahl gelang es ihm, sich recht und schlecht über Wasser zu halten. Da jedoch notwendig Kohlen gebraucht wurden, schrieb ihm Betriebs- führer O. ins Fahrbuch:„Sie legen sofort 6 bis 8 Reparatur- hjuier vor die Kohle." Der Steiger schrieb darunter:„Wenn ich 8 Reparaturhauer vor die Kohle lege, kann ich die Ver- antwortung fürs Revier nicht mehr übernehmen." Der Betriebsführer schrieb darunter:„Sie legen sofort die 8 Mann vor die Kohle. Wenn Sie glauben, die Verantwortung nicht übernehmen zu können, geben Sie eS mir schriftlich mif besonderem Bogen, damit ich das weitere veranlassen kann. Wenn Sie eS nicht können, dann kann es ein anderer." Um sein Revier und seine Stellung zu behalten, befolgte der Steiger den Befehl und das Revier ging in sicherheitspolizeilicher Hinsicht den Krebs- gang. Nach zwei Monaten war der Zustand des Reviers fo schlecht, daß der Einfahrer Protokolle machte und nun war der Steiger derjenige, dem die Bergbehörde die Schuld gab. Der Be- triebsführer kam der Bergbehörde in ihrem Bestreben, Wer- befferungen zu schaffen, selbstverständlich gern entgegen. Er stellte den Steiger als unfähig hin, ein Revier zu führen, entzog ihm das Revier und übertrug es einem anderen. Dann veranlaßte er die Direktion, dem Beamten wegen schlechter Instandhaltung der Grubenbaue zu kündigen. Der neue Rcviersteiger erhielt 30 Reparaturhauer. Der Direktion wurde gesagt, der Vorgänger habe alles verkomnien lassen und dadurch erhielt der Betriebsführer Sanltion für die Mindersörderung. Die Bergbehörde erkannte seinen scheinbaren guten Willen, mit fester Hand Mißstände zu beseitigen, an. Der Betriebsführer wurde«n Ansehen gc- hoben und der Steiger ist glücklich um seinen guten Namen gc- bracht." „Die Bergbehörde stört sich an eine solche Handlungs- weise nicht. Sie sieht ja den schlechten Zustand des Reviers als unwiderlegbaren Beweis der Gefährlichkeit an, so daß Un- fälle und Erkrankungen genügend entschuldigt sind— und ge- nau so gehts im ganzen Ruhrgebict zu." Drastisch wird so die hohe Ziffer in der statistischen Rubrik: Unfälle infolge der Gefährlichkeit des Betriebes illustriert und alle, auch die schlimmsten Vorwürfe den Bergarbeiterschaft werden von einem Kenner bestätigt. Ein anderes von Werner angeführtes Beispiel, die Wetterführung betreffend, ist noch drastischer. „Auf Zeche Neumühl waren in dem östlichen Revier einige hundert Dieter Wetterstrecken, Wetterabhauen und Wetterbcrge. Der Steiger hatte für diese Strecken sechs Reparaturhauer beantragt. Der Fahrsteigcr bewilligte aber nur vier Mann. Das allerschönste war jedoch, daß jede Woche zweimal Befehl vom Betriebsführer ausgegeben wurde, sämtliche Reparaturhauer müßten vor die Kohle gelegt werden. Dadurch kam eS, daß die Prosperität in den Strecken viel zu wünschen übrig ließ. Da das nach Ansicht des Betriebsführers an der mangelnden Aufsicht lag, mußten die Steiger Listen anlegen, in die sie jeden Tag eintrugen, welche Wetterstrecken sie befahren hatten. Bestellte der Steiger nun, diese und jene Leute machen die Reparaturen, so bestellte der Betriebsführer und Fahrsteiger abends bei der Anfahrt, die Arbeit hätte noch einen Tag Zeit, und die Leute mußten Kohlen hauen. So ging eö Tag für Tag und kam eine Befahrung von feiten des Inspektors, Direktors oder BergratS, so erklärten BetriedSführer und Fahrstciger im Tone höchster sittlicher Entrüstung unter Vorlage des Buches, sie hätten Befehl gegeben, eine strengere Kontrolle auszuüben und dem Steiger schon vor einigen Tagen befohlen, die Sache ab- zuändcrn. Natürlich mußte der Steiger dies auf Befragen zu- geben, und der Inspektor äußerte dann wegwerfend:„Streichen Sie doch dem Schwein die Prämie". Und wehe demjenigen, der gegen den Stachel löckte. Dem sagte der Inspektor:„Ich soll schon Sorge tragen, daß Sie keine andere Stellung be« kommen". Aus dem Mangel an Rcparaturhauern erklärt sich so mancher Mißstand in der Grube, manche Differenz mit den Leuten und so mancher Unfall und viele Erkrankungen. Das ungenügende Schmieren der Wagen führt zu unerhörten Quälereien für Arbeiter und Zugpferde. Und der Steiger? „Was macht er, wenn er die Jungen und den Förderaufscher die Pferde mit Drahtpeitschen oder dicken Knüppeln mißhandeln sieht? Entweder er geht auf die Seite und will nichts sehen, oder aber er schlägt mit drauf. Bekommt er keinen Posten zum Schacht, dann verdient er keine Prämien, oder er muß Strafdienst machen. Er ist also gezwungen, Bestialitäten zu dulden, von ' deren Scheußlichkeit sich schwer ein Begriff machen läßt." Der H o l z m a n g e l ist ein Kapitel, daS schon oft be- sprochcn wurde. Werner führt Beispiele an, welche die Ge- fährlichkeit dieses Mangels schlagend beweisen. So sollte ein Steiger keine dreifüßigen Stempel mehr bekommen, er sollte sie sich aus altem, in seinem Revier lagernden Abfallholz schneiden.„Derartige Stempel verwendet aber kein Hauer, er verpackt sie eher im Bergeversatz". So blieb dem Steiger nichts übrig, als gute sechsfüßige Stempel, die 64 Pf. kosteten (dreifüßige kosteten 5 Pf.), zerschneiden zu lassen und so wegen der Unvernunft der Betriebsleitung die Zeche tägliche um 30 M. zu schädigen.(Ein gewissenloserer Steiger hätte viel- leicht die Verwendung des schlechten Materials erzwungen. ohne Rücksicht auf die dadurch erhöhte Betriebsgefahr. D. V.) Eine weitere wichtige Gruppe>der Krankheitsursachen unter- sucht Werner in einem Kapitel, das er dem Hand in Hand arbeiten im Bergbau widmet. Hier bemüht sich Werner, die Anschauungen der Arbeiter zu verstehen und unter ihrer Berücksichtigung Mittel und Wege zur Besserung zu finden.„Der Arbeiter handelt heute immer mehr nach dem Grundsatz, ich verkaufe dem Besitzer(und mit diesem idcntifi- ziert er den Stetger) meine Arbeitskraft. Er bemüht sich, seine Arbeitskraft nur bei der Tätigkeit zu verwerten, dw ihm zugewiesen ist und der KreiS, den er um sich zieht, wird bei schlechter Behandlung immer enger. Der Grubenbetrieb er- fordert jedoch vor allen Dingen eine gewisse Betriebssolidarität, um unnötige Gefahren zir vernieiden." Die Behandlung der Arbeiter habe sich durch die ständige Kritik der Arbeiterzeitungen gebessert, was aber nicht mit der Zeit fortgeschritten sei, das sei die Technik des Gedingewesens. Dem Steiger wird das Recht genommen, den Arbeiter für seine Fähigkeit, die doch der Steiger am besten abschätzen kann, gerecht zu entlohnen.„Dafür wird er von den Leuten als ihr Lohn- verrechncr persönlich angegriffen, während in Wirklichkeit das System die Schuld trtigt."(Dieser Vorwurf hat etwas Be- rechtigtes, er verliert es aber mehr und mehr, je stärker die Organisationen und deren Einfluß auf die Arbeiter wächst. D.V.) Für notwendig hält es Werner, daß der Vertretung der Arbeiter(Arbeiteransschuß oder Organisation?) Einfluß auf die Höhe des Durchschnittslohnes eingeräumt wird. Der Ein- führung von Tarifen im Bergbau steht Wemer skeptisch gegenüber, er denkt sich die Regelung des Durchschnittslohnes so, daß derselbe den Kohlenpreisen und demjDurchschnittseffckt folgt. Den B e l e g s ch a f t s w e ch s e l, den die Grubenbarone mit schwarzen Listen eindämmen wollen, sieht Wemer als eine notwendige Begleiterscheinung des heutigen Zustandes an. Je größer dieser Wechsel, um so höher die Gefahr der Unfälle und Erkrankungen, auf keinen Fall sind diese Wechselbeziehungen zwischen Arbeiterwcchsel und Erkrankung zu leugnen. An interessantem Material weist Werner nach, wie dort, wo gute Behandlung der Arbeiter und Beamten vorherrscht, der Wechsel und damit Krankheit und Unfall geringer sind. Ein inter- essantcs Beispiel bringt er aus dem Dortmunder Revier. Er schreibt: „Im Vergrevier Dortmund l hat Zeche Kaiser Friedrich die niedrigste llnfall- und Krankcnziffer. Die Steiger werden auf dieser Anlage anständig behandelt. Den Leuten gegenüber ist jeder Reviersteiger Betriebsfiihrer in seinem Revier. Zeche Freiberg hat ungefähr 2'/« mal so viel Erkrankungen. Diese Zeche ist im Herbst 1905 vom Mülheimer BergwerlSverein (Stinnes) aufgekauft worden. Die Durchschnittsleistung pro Mann und Schicht betrug auf dieser Anlage Ende der Wer Jahre un- gcfähr 0,7 Tonnen. Die GesundheitZverhältnisse der Arbeiter waren gut. Im Jahre 1902 ging die Leistung auf O.ÜS Tonnen zurück. In den nächsten Jahren begann man auf die Steiger zu drücken, und seit Herbst 1W5 ist Betriebsinspektor Ruhland der- jenige, der den Steigern das Leben zur Hölle macht. Genau so wie er im Bergrevier Süd-Essen die Unfall» und Kranken- Ziffern auf ein« anormale Höhe getrieben hat, wird er eS auch auf Zeche Freiberg tun. Folgende Zusammenstellung gibt ein Bild Die Leistung pro Mamt und Schicht ist gestiegen und betrug im Jahre 1906 0,S2 Tonnen. Trotzdem scheint noch mehr heraus- zuholen zu fein.' Wie groß die Unterschiede auf denfnebenoinanderlicgenden Schächten einer Gewerkschaft sind, zeigt„Deutscher Kaiser". Von Schacht II sagt Werner, daß dort Inspektor und Be- triebsführer es verstanden hätten, mit ihren Steigern Hand in Hand zu arbeiten. Und das Resultat? Während Schacht H 73 Proz. Erkrankungen aufwies, hatten die anderen drei Schächte 90, 98 und 103 Proz. I Werners Kritik endet mit Besserungsvorschlägcn, unter denen Beseitigung des Prämie nsystems, Sicherung eines anständigen Durchschnittslohnes für die Arbeiter, Schaffung stabiler Arbeitervcrhältnisse durch gute Behandlung usw. an der Spitze stehen. Leider ist den Kohlenjunkern nicht so viel Vernunft zuzutrauen, daß sie die Notwendigkeit solcher Acndernngen einsehen, Und so wird'S wohl dahin kommen, daß, wie Werner sagt, in den nächsten Jahren ein heftiger Kampf um die Lohn- regeln ng entbrennt. Daß auch dies Menetekel auf unsere Grubenprotzen keinen Eindruck machen wird, glauben wir gem. Jedenfalls verdient aber die Wernersche Arbeit den Dank der Arbeiter- schaft und man kann nur wünschen, daß noch oft zu solchen Fragen von der Organisation der Stetger Stellung ge- nommen wird._ ein Kampf ums Koaflfloosrecht. Die brutale Aussperrung Zehntaliseuder von Werftarbeitern und Metallarbeitern anderer Brauchen aus Anlaß des Nieterstreiks auf dem„Vulkan", veranlaßt die kapitalistische Presse, sich an den Scharfmachern mit einer Mohrenwäsche zu versuchen. Die Unter- nehmer werden keck in die Angegriffenen umgelogen, die sich den Arbeitern und ihren Organisationen gegenüber in der Notwehr befinden. So läßt sich die„Kölnische Zeitung� aus Berlin tele- graphieren: „Das Unwahrscheinliche ist zur Wirklichkeit geworden: trotz nachdrücklicher Einwirkung der Gewerlschaften sind die Nieter des Vulkans aus ihrem alten Standpunkte stehen geblieben und haben dadurch über 60 000 ihrer Kameraden zur Aussperrung und Brotlosigkeit verurteilt. Von welchen Gründen hierbei die Nieter ausgegangen find,, st ohne genaue Kenntnis der Lage schwer zu sagen, und man wird wohl annehmen müffen. daß sich uuter ihnen einzelne besonders fmiatische Leute befinden müffen. denen es gelungen'It, auf die anderen maßgebenden Einfluß zu erreichen. Wenn man diesen Fall von fern betrachtet, so erscheint es als eine Ungeheuerlichkeit. daß SV 000 Arbeiter auf den verschiedensten deutschen Werften wegen der Hartnäckigkeit von 400 Bulkaunietern ausgesperrt werden sollen. Tatsächlich gibt eS aber für die Arbeitgeber kein anderes Mittel als auch solchen kleinen Teilstreiks mit ihrer ganzen Macht cnt- gegenzutreten. Die früher mit Erfolg betriebene sozialdemokratische Taktik ging dahin, die einzelnen Wersten durch kleine Teilstreiks nicht zur Ruhe kommen zu lassen und durch diese Streiks fort« während die Unzufriedenheit aufzurühren. Auf diesen Buschklepper- krieg konnte man sich um so ruhiger einlassen, als die die Arbeit fort- fetzenden, in der Ungeheuern Mehrheit befindlichen Leute ohne große Schwierigkeit der kleinen Minderheit der Streikenden ausreichende Unterstützungen gewähren konnten, so daß für diese der Streik gar kein großes Opfer, sondern sogar eine Art von AuS- fpaiinung wurde. Der Hauptzweck war. die Arbeitgeber nicht zur Ruhe kommen zu lassen und ununterbrochen eine Kampf- stimmung auf den Werften zu erhalten. Da haben denn schließlich die Arbeitgeber von den Arbeitern gelernt, und wie diese sich zusammenschlössen, um Teilstreiks zu ermöglichen, so haben sich auch die Arbeitgeber zusammen- geschloffen, um dem Teilstrcik durch MaffenauSsperrungen ent« gcgenzutreten. Der Solidarität der Arbeiter, die sich gegen- seitig unterstützten, ist die Solidarität der Arbeitgeber gefolgt. Die Sozialdemokraten, die das KoalitionSrecht deS Arbeiters so hoch- halten, möchten es am liebsten für sich monopolisieren und den Arbeitgebern absprechen. Das geht mm freilich nicht, und die Waffen, die sie zuerst selbst gebraucht haben, wenden sich jetzt gegen die Arbeiter. Das mag hart sein, namentlich in Anbetracht des Umstandes, daß hier, wie anerkannt werden muß, die Gewerkschaften vom Streik abrieten; aber diese und mit ihnen die gesantte Sozialdemokratie können sich am allerwenigsten beklagen, wenn man sie jetzt mit ihren eigenen Waffen bekämpft." Die Gewerkschaften haben allen Anlaß, die Behauptung von sich zu weisen, als hätten sie je mit so brutalen Mitteln gekämpft, wie hier daS koalierte Unternehmertum. Noch nie ist über völlig unbeteiligte Arbeitgeber ein Streik oder eine Sperre verhängt worden, weil irgendein anderer Arbeitgeber an irgendeiner anderen Stelle einen Konflikt mit seinen Arbeitern hatte. Die Scharfmacher- blätter. die diese Taktik der Unternehmer als etwas völlig Berechtigtes hinzustellen belieben, würden geter und Mordio schreien, wenn in der Arbeiterbewegung solche Mittel beliebt würden und die Arbeiterschaft etwa in Zeiten der Hochkonjunktur einmal eines Einzelfalles wegen unter Konttaktbruch eine ganze Industrie lahm- legen wollte, wie dies hier unter dem Vorwand geschieht, man wolle den Nieterstreik zurückweisen. Von einer„Notwehr" de» Unternehmertums kann in diesem Falle um so weniger die Rede sein, als die Nieter zu einer Abwehr gegen das rnörderische Uebcr- stlmdenwesen geradezu gezwungen und dann auf die Straße geworfen wurden. Nachdem aber auch die Organisationen der Nieter zur Rückkehr in ihr Arbeitsverhältnis aufgefordert haben, fehlt jeder Vorwand zur Aussperrung. Einen Einfluß auf die Stimmung der verbitterten Nieter hat doch dieselbe ganz offenbar nicht. Wenn die Aussperrung trotzdem vorgenommen wird, so ist eS, weil man in Scharfmacher- kreisen in dieser Zeit der Krise eine NIcderknüppelung der Organi- sationen erhofft. Diese Hoffnung wird freilich zu Wasser werden, selbst wenn die Nieter den Unternehmern nicht noch im letzten Augen- blick den Vorwand zur Aussperrung nehmen. Die Arbeiterschaft be- trachtet das KoalitionSrecht keineswegs als ihr Monopol; sie wird eS sich aber auch nicht nehmen lassen! poUtifcbe dcbcrHcbt. Berlin, den 10. August 1908. Teilung des Reichsamtes des Innern. AIS nach der Entlassung deS Grafen v. PosadolvSky Herr v. Bethmann-Hollweg das ReichSamt deS Innern übernahm, hieß eS, daß die sozialpolitischen Arbeiten von dessen Ressort losgelöst und ein besonderes ReichSamt für sie gebildet werden soll, da Herr v. Bethmann- Hollweg die ganze Arbeitslast, die bisher Graf PosadowSky getragen hatte, nicht auf die Dauer zu übernehmen vermöge. Die Meldung wurde damals von offiziösen Blättern dementiert— vielleicht weil der neue Chef deS ReichSamtcS sich durch den Zweifel an seine Arbeitskraft gekränkt fühlte. Daß aber trotz der offiziösen Bestreitungen die Nachricht richtig war, beweist folgende Notiz der agrarischen„Deutschen Tageszeitung:" «Die Frage, ob das ReichSamt deS Innern, zu dessen Ressort so viele und verschiedene Dinge gehören, zu teilen sei, wird von Zeit zu Zeit immer wieder erörtert. Man teilt unS mit, daß sie neuerdings im ReichSamte deS Innern einer eingehenden Erörtern ng unterzogen worden sei, weil der Chef deS ReichSamtcS, StaatSminister Dr. von Bethmann-Hollweg, überzeugt sei, daß die Teilung sich nicht umgehen lasse. Zu einem bestimmten Plane und Bor- schlage soll man allerdings noch nicht gekommen sein. Die Frage ist ungemein schwierig. An sich würde ja die Teilung zweckmäßig erscheinen müssen, da die Unterabteilungen deS ReichSamteS des Innern teilweise so grundverschieden von einander sind, daß eine einheitliche Zusammenfassung der sachlichen inneren Be- gründuug entbehrt. Es fragt sich nur, welche Zweige loSzutreunen und zu einem neuen ReichSamte zu vereinigen feien. Man hat vorgeschlagen, daß die rein technischen Dinge, also das Patentamt, das ReichsgesuiidheitSamt, die phystkalisch-technischen Aemter usw. losgelöst werden und ein besonderes ReichSamt bilden sollen. Da- durch würde Wohl eine ziemlich erhebliche Entlastung deS Reichs- amtS des Innern herbeigeführt werden; das neue ReichSamt würde aber kaum so bedeutungsvoll werden, daß es ,nit Fug und Recht den übrigen Reichsämtern gleichgestellt werden könnte. Bon anderer Seite ist vorgeschlagen worden, alles, was mit der Sozialpolitik zusammenhängt, abzutrennen und ein geordnetes ReichSamt für Sozialpolitik zu errichten.. Dann würde wiederum das, was dem Reichsamte des Innern verbliebe, verhältnismäßig gering sein; und außerdem würde die Grenze zwischen der Sozialpolitik und der sonstigen Wirtschaftspolitik nicht leicht ge- zogen werden können. �Will man eine Trennung vornehmen, die Praktisch ist, so wird sie mehr oder weniger mechanisch sein müssen. Und das wäre wiederum aus inneren, naheliegenden Gründen zu bedauern. Bielleicht könnte den offenbaren Miß- ständen dadurch wenigstens einigermaßen abgeholfen werden, daß ein neues UnterstaatSsettetariat geschaffen wird, dem ein besonderes, innerlich zusammengehöriges Neffort überwiesen werden müßte." DaS badische Steuergesetz kommt diesmal mit großen Schivierigkeiten zustande. In der Sonn« abendsitzung der Zweiten Kammer erklärte StaatSminister v. Dusch, daß die Regierung sich entschloffen habe, daS B e a m t e n g e s e tz zurückzuziehen, wenn der Landtag nicht die Deckung deS er- höhten Staatsbcdarfs nach den Vorschlägen der Regierung genehmigt. Die Vorschläge der Regierung sind in diesem Falle sehr vernünftig, sie will den Steuersatz bei der Vermögenssteuer erhöben. Außerdem will die Regierung— falls ihre Vorschläge genehmigt werden— die besondere badische Fleischsteuer, die noch besteht. aufheben entsprechend einem Antrage, den die sozialdemokratische Fraktion schon oft gestellt hat. Selbstverständlich stimmte die sozialdemokratische Fraktion diesen Vorschlägen zu und sie stellte in der Budgetkommission entsprechende Anträge. DaS Zentrum und die Nationallibcralcn lehnten dagegen die Erhöhung der Vermögenssteuer ab; obwohl das Vermögenssteuergesetz einen sehr kräftigen agrarischen Einschlag hat, und die Landwirtschaft deshalb sehr glimpflich wegkommt, möchten die bürgerlichen Parteien — sie liegen hieriu alle in edlem Wettstreite miteinander— au» Rücksicht ans die Wahlen deS nächsten Jahres der Landbevölkerung am liebsten alle Steuerlasten abnehmen. Die Budgetkommission beschloß denn auch nach Ablehnung der sozialdemokratischen Vorschläge gegen zwei Zentrumsstimmeii, der Kammer die Erhöhung der E i n k o m m e n st e u e r um 8% Proz. vorzuschlagen, und bei der Aufhebung der Fleischsteuer zu beharren. Hiergegen opponierte die Regierung, und der StaatSminister er- klärte der Kammer, daß er fest entschloffen ist, unter diesen Umständen daS Beamtengesetz nicht zur Ausführung zu bringen. Jetzt beginnen die Kompromißverhandlungen zwischen den beiden Kammern und der Regierung. Am Dienstag soll da» Finanzgesetz erledigt werden, damit am Donnerstag der Landtag geschloffen werden kann. Für unsere Partei kann eS in dieser Frage natürlich kein Kompromiß geben, der einzig» Weg ist, kräftige Erhöhung der Vermögenssteuer und Aufhebung der Fleischsteuer. Erhöhung der Einkommensteuer bedeutet eine Mitbelastung auch der Aermsten, während die großen Vermögen, die zur Einkommensteuer sehr wenig beitragen, die gesamte Landwirtschaft— in Baden z. B. nur 11 Proz — geschont würden.— Der Segen der Lebensmittelzölle« Unter den Referaten, die auf dem Internationalen Freihandels- kongreß in London gehalten worden sind, ist besonders das des Dr. Horringa interessant, da dieser die Preise in dem im wescut- lichen freihändkerischen Holland mit denen des schutzzöllnerischcn Deutschland verglich: Die Preise von Nahrungsmitteln betragen z. B. im Jahre 1908 in Enschede(Holland) und Gronau(Deutschland)(die Entfernung zwischen den beiden Orten ist etwa fünf Meilen): in Enschede in Gronau Cents Cent» Roggenbrot(Vj Kilo)...... ixl9 6'/» Weizenbrot('/j Kilo)...... 7 9 Hafermehl.......... 7 10 Weizenmehl(Vs Kilo) 8 0*/l0 Reis(Va Kilo)........ 8 9% Kaffee("/. Kilo)........ 50 54 Butter(Va Kilo)......., 65 81 Käse(«/« Kilo)......... 40 48 Rindslei'ch(Va Kilo)...... 45 48 Schweinefleisch(Va Kilo)...... 42Va 48 Schinken('/a Kilo)....... 60 60 Dicke Würste(V» Kilo)...... 42'/, 45 Speck('/a Kilo........ 82 Va 42 Petroleum(Liter)........ 9 108/,,, Rüböl(Liter)......... 86 45s/1a Milch(Liter)......... 7 0 Eine aus 0 Personen bestehende Familie kann für 21 M. in Gclderlaiid(einer der östlichen Provinzen Hollands) ebenso viel kaufen wie im Ruhrdistrikte Deutschlands fitr 28 M. Die Löhne sind etwas höher in Deutschland; ein Spinner verdient z. B. in Enschede 15 bis 16, in Gronau 16 bis 17 Gulden wöchentlich: ein Tagelöhner 7,3 gegen 9 in Gronau; ein Weber 10 gegen 11 in Gronau. Aber infolge der höheren Kosten des Lebensunterhaltes geht der deutsche Arbeiter aller Lotteile seines höheren Lohnes verlustig.—_ Zur Nachwahl in Speyer-Ludwigöhafen. Ludwigöhafen a. Rh., 9. August. In einer heute hier abgehaltenen sozialdemokratischen Partei- konfercnz deS ReichStagSwahlkretse» Ludwigvhafen-Yrankeu- thal-Speher wurde Genosse Jakob Binder mit 91 von 92 abgegebenen Stimmen zun, Kandidaten für die am 15. September stattfindende Reichstagswahl aufgestellt. Binder ist ein alter Parttigeuosse, der neben E h r h a r t seit zwei Jahrzehnten hervor- ragend in der Pfalz, namentlich in Ludwigshafen, gewirkt hat. Er betrieb Hierselbst früher eine Bäckerei, die er aber aufgegeben hat, als er IWZ. zum besoldeten Adjunkten(Beigeordneter oder MagistratSrat sagt man in Preußen) von LudwigZhafcu gewählt wurde. In dieser seiner Stellung hat er ein auch von den Gegnern anerkanntes bedeutendes VcrwaltungStalent bewiesen. Hier herrscht in Parteikreiscn eine vorzügliche, siegessichere Stimuiung und man hofft mit diesem allgemein als tüchtig anerkannten und be- liebten Kandidaten den Sieg gleich im ersten Wählgange glatt au unsere Fahnen zu heften.—_ Die Volksschule im Dienste des Klerikalismus. Gelegentlich der Generalversammlung des Verbandes katholischer kaufmännischer Vereinigungen in Trier kamen auch die Vertreter der Lehrling sabteilungen der genannten Vereine zusammen. Im allgemeinen wurde der günstige Verlauf der Jugendbewegung innerhalb des Verbandes anerkannt. Namentlich der Vertreter von Düsseldorf rühmte die Erfolge, die im dortigen Jugcndvercin erzielt worden seien:„Wir lassen uns zu Ostern von den Rektoren die Namen derjenigen entlassenen Knaben geben, die sich dein Kaufmannsstande widmen wollen. Sofort beginnt bei diesen die Agitation, denn wer zuerst da ist. hat gewonnenes Spiel". Die katholischen kaufmäinffschen Vereine sind ultramontanc Unternehmungen, von denen das Zentrum wohl weist, weshalb es sie btgönnert. Die sozialisttsche Jugendbewegung soll nnt allen Mitteln unterdrückt iverden, dagegen hat der Staat nichts dagegen, wenn sich seine Beamten in den Dienst der Jugendverciniglmgen auf bürgerlicher Seite stellen.„Gleiches Recht für alle I"—__ Heilige Einfalt J Die„Staatsbittger-Ztg." ärgert sich über unsere Charattcri- sierung der von Herrn Mumm veranstalteten Protestkomödie der christlichnationalen Arbeiter über die Bevorzugung ausländischer Arbeiter bei staatlichen Ticfbauarbeiten. und in diesem«erger leistet sie sich folgenden Vergleich zwischen ihrer vaterländischen Vertrauens- seligkeit und der Nörgelsucht deS„Vorwärts" „Der.Vorwärts" hat Interesse nur am Schimpfe» und.am «gitteren; der Ausschuß für Arbcitervertreterwahlen und soziale Angelegenheiten dagegen, dem die gesamte christlichnattonale Arbeiter, und Gehilfenschaft Berlins angeschloffen ist. hat Jnteresie an sachlichen Ergebnissen. Er will prakliich dem Arbeiter notzen; der „Vorwärts" will nur Hetzen. Wenn nun Ministerialdirektor Wchrmaim und die beiden Referenten der Eisenbahnbauabteilung und der allgemeinen Bauverivaltuna ettlären— mit der Ermächtigung cm den Referentm. dies öffentlich weiterzugeben— tue Bestimmung. die aus den allgemeinen Verttaasbestiimnuugen entfernt wurde, solle überall, wo das Bedürfnis auftrete, in die besonderen Ver- LiegierungSerklärung."... Wir glaubten schon, daß die„Staatsbürger- Ztg..zu allen Regierungserklärungen ohne weiteres Vertrauen hat.®a2 zeugt zwar von gutem Herzen, aber noch mehr von Einfalt und pollti>chcr Kindlichkeit. Meist sind nur die Esel blind verttaucnsselig. Wie wenig gerade gegenüber den von ihr so hoch bewerteten Erklärungen der Mmisttttaldttektorcn usw. die BerttauenSseligkeit angebracht ist. zeigt folgende von der«Deutschen TageSztg.' in auffallendem Druck veröffentlichte Notiz: Keine Entziehung von LandwirtschastSarbeitern. Berlin. S. August. Wie uns versichert wird, denkt man an den zu- ständigen Stellen nicht daran, an den Bestimmungen über die Be- schästigung von Ardeitern bei staatlichen oder vom Staate ver- gebenen Tiefbauten Aenderungen vorzunehmen, durch die der LandwirtschaftArbeiterentzogen werden. Was sagt nun die.Staatsbürger-Ztg." Z Hat sie NW auch noch vertrauen? Siichfische Justiz. Vom Amtsgericht Leipzig waren der Redakteur der«Leipz. Vollsztg." Genosse Keimling und der Vorsitzende des sozialdemolr. OriS- vereinS für T h e t l a, Genosse P o e tz s ch. mit Strafbefehlen über 80 bezw. 75 M. bedacht worden, weil sie gegen eine Boljlottverordnuug der Leipziger Amtshanptmannschaft vom Juli 1304 verstoßen haben sollten. Diese Boykottverordnungen sind eine spezifisch-sächsische Erfindung zur Schikanierung der Arbeiterbewegung und möglichsten Unschädlichmachung des reichsgesetzlich gewährleisteten Koalitions- rechts; sie sind vor allem im letzten Jahre wieder öfter auS der Rüstkammer der polizeilichen NadelstichprariS hervorgesucht worden und ihre Anwendung hat in allen Fällen den Segen der höchsten sächsischen Instanz, des Oberlandesgerichts, erhalten. Gegen die Strafbefehle erhoben die beiden Genossen Einspruch und zwar Genosse Poetzsch, weil die ihm zur Last gelegte Straftat — Verlesen und Duldung der Besprechung einer von VetsammlungS- teilnehmern eingebrachten Resolution, die den Boykott über einen Gasthof verhängte— in einer Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen OrtSvereinS geschehen, die Strafbarkeit also ausgeschlossen war, da die erwähnte Verordnung als erstes Er- fordernis die Oeffentlichkeit der VerrufScrklärung voraussetzt. Der Strafbefehl gegen Poetzsch stützte sich gleichzeitig auf das alte sächsische Vereinsgesetz. Genosse Keimling beantragte richterliche Entscheidung. weil er die eine der beiden unter Anklage gestellten ZeitungSMimmern gar nicht verantwortlich gezeichnet hatte. Das Urteil lautete gegen Poetzsch auf Freisprechung, gegen Keimling wieder auf 50 M. Geldstrafe mit der Begründung, das Gericht fei lediglich deshalb nicht auf eine Haststrafe gelommen, weil schon der Strafbefehl auf Geldstrafe gelautet habe. ES sei eine ganz belannte Tatsache, daß die Geldstrafe von dem Angeklagten nicht getragen würde. DaS Gericht hätte es deshalb für angebrachter ge- halten, wenn von vornherein auf Haft erkannt worden wäre! Merkwürdigerweise hatte die Amtshauptmannschaft, von der das 'Verfahren ausging, fast genau mit denselben Worten für eine Haft- strafe plädiert.— Kommuiialwahl-Kuriosum. Bei den Iserlohner Stadtverordnetenwahlen vor zwei Jahren wurden zur großen Enttäuschung unserer Gegner in der dritten Ab- teilung die drei sozialdemokratischen Kandidaten gewählt. Das gab der Behörde Veranlassung, vor den diesjährigen Wahlen eine gründliche Säuberung der Wählerlisten vorzunehmen. Eine Unmasse Wühler wurde» gestrichen, die seit ewiger Zeit am Orte resp. in Preußen wohnen, und von denen die meisten erst jetzt gewahr . lverdeu, daß sie leine Preußen sind. Sie konnten davon umsoweniger KemitniS haben, als sie bisher stets unbeanstandet wählen konnten. Das Kuriose ist nun, daß sich unter den entdeckten Ausländern auch der sozialdemokratische Stadtverordnete Pirner befindet, der-fitf IWC die Würde des Stadtvaters bekleidet. Ihm ist vom Bürgermeister nahegelegt worden, sein Mandat niederzulegen, wozu derselbe indes kaum Lust haben dürfte. Sine Handhabe, ihm das Mandat abzu- nehmen, ivird ebenfalls nicht vorhanden fein, da die Wahl in aller Form gültig ist.—_ Hiebe für die christlichen Gewerkschaften. In dem Fuldaer Pa st orale vom Jahre 1300 haben sich bekanntlich die deutschen Bischöfe gegen die interkonfessionellen christlichen Gewerkschaften ausgesprochen, indem sie die k a t h o l i« s ch e n Arbeitervereine als die für die Vertretung der wirtschaftlichen Interessen der katholischen Arbeiter geeignete Organisation erklärten. Auf Zureden einflußreicher Zentrumsleute, die sich für die christlichen Gewerkschaften eifrig ins Zeug gelegt hatten und in ihnen ein Mittel zur Bekämpfung der Sozialdemokratie schätzten, haben sich dann einige Bischöse, darunter Kardinal Erzbischof Fischer von Köln, veranlaßt gesehen,� die Verurteilung der christlichen Gewerkschaften einigermaßen abzuschwächen und ihnen nachträglich einige süßsaure Worte der Anerkennung zu widmen. Daß aber die geist- lichen Oberhirten nach wie vor die konfessionellen Organisationen als die allein richtigen betrachten, zeigt ihr Verhalten gegenüber der Generalversammlung des Verbandes katholischer kaufmännischer Vereine, die jüngst in Trier tagte. Kardinal Fischer(Köln) hatte der Versaminlung seinen Segen gesandt und seine Freude darüber ausgesprochen, daß der Verband unbeirrt durch Zeitströmung und mannigfache An- seindung. seinen katholischen Charakter zu wahren und die Verbindung mit den berufenen Lehrern und Führern des katho- lifchen Volkes, den Bischöfen, auch ferner rege und lebendig zu er- halten gesonnen ist." Kardinal Kopp(Breslau) bezeugt seine auf- richtigste Teilnahme einem Verein,.der die Verfolgung seiner Stande�interesscn vor allem auf den Grundsätzen und Lehren seiner heiligen Kirche aufbauen will." Und Bischof Dominikus von Limburg wünscht, daß der Verband, .wie bisher, so auch ferner, unbeirrt durch gegenteilige Strömungen und selbst Anfeindung, seiner Devise und seinen bewährten Grund- sätzcn treu bleiben und auf streng religiöser Grundlage und in engem Anschlüsse an die Kirche und den Episkopat weiter arbeiten möge." Die auffällige Belobung des Verbandes katholischer Kaufmanns- vereine bedeutet eine versteckte, aber sehr merkbare Abkanzelung der christlichen Gewerkschaften, dte sich durch ihre Jnterkonfessionalität von der.streng religiösen Grundlage" losgesagt und die.Ver- bindung mit den berufenen Lehrern und Führern de» katholischen Volkes" aufgegeben haben.—_ Eine Riesendemonstration gegen die Kriegshetzer veranstaltete am Sonntag die Breslauer Arbeiterschaft. In einem außerhalb der Stadt, dicht an der Stadtgrenze gelegenen Garten« lokale fand um 11 Uhr vormittag? eine Versammlung unter freiem Himmel statt, in der Bernstein über„die auswärtige Lagx und das Proletariat" sprach. Schon um 3 Uhr langten die ersten Genossen aus der Stadt und dem Landkreis Breslau am Ort der Verjamm- lung an und nach 10 Uhr kamen die Besucher aus allen Stadtteilen in großen Zügen herbei. Insgesamt haben 6000 bis 8000 Personen an der Vcrsamnilung teilgenommen. Eingeleitet wurde die Kund- gebung durch einen Massenchor von 250 Arbeitersängern. Die Aus- Führungen des Referenten wurden mit stürmischem Beifall ans- genommen. Zum Schluß gelangte eine Resolution zur Annahme, durch die die Versammelten gegen da» Treiben der Kriegshetzer protestierten.— franferdd*. Sozialistische Protestversammluugen. Paris, 3. August.(Eig.©er.) Die gestrigen Protestversamm- lungen gegen die radikale Reaktion und die Politik des Arbeiter- mords waren glänzend besucht und verliefen überaus zufrieden- stellend. Sie haben zweierlei gezeigt: ersteus, daß in der organt- jierten Arbeiterschaft eine Kampfstimmung und Entschlossenheit über- Hand nimmt, die der Regierung nahelegen sollte, mit der Politik der Provokationen einzuhalten und. an die Verbindungsfreiheit der Ge- werlschaften nicht zu rühren; zweitens daß die geeinigte Partei, selbst in dem von alterSher von konfusem Sekten- treiben erfüllten Paris, das Ohr der Massen besitzt, wenn sie will. Die gestrigen Redner haben mit ihrer Meinung über die ge- fährliche Torheit der Revolvertaklik, die in Draveil- Billenenve eine so verhängnisvolle Rolle gespielt hat. nicht hinter dein Berge gehalten. Ihre Warnungen vor dieser das Geschäft der Reaktion fördernden Kampfweise; ihre Aufforderungen zur gewerkschaftlichen und poli- tischen Organisation, zu einem Appell an die öffentliche Meinung gegen die Klassenjustiz, der die Leiter der Konföderation verfallen sollen, fanden stürmischen Beifall. Wenn die sozialistische Erziehungsarbeit, die bisher in den revolutionär geweckten Massen oft vermißt werde» mußte, eine konsequente und vor Schwierigkeiten nicht zurückschreckende Fortsetzung findet, wemr die sozialistische Partei das arbeitende Volk, insbesondere nicht nur bei Wahlen und zu Demonstrationen in Fragen der internationalen Politik zusammenruft, wird ihre Schätzung als Klasjcnpartei im Pariser Proletariat sicher gewinnen und das Verständnis für die natürliche Arbeitsteilung zwischen Partei und Gewerkschaft wachsen. Im Anschluß mag, um des unmittelbaren Zusammenhangs mit der Agitation für die GewcrkschaftSfreiheit willen. die gestrige, von 2000 Buchdruckern besuchte GewerkschaftS- Versammlung erwähnt werden, die den Konflikt zwischen dem Zentralvorstaud der Fddöration du Livre und der Pariser Sektion behandelte. Bekanntlich hatte der S e k t i o n s v o r st a n d für den letzten Montag die Parole zum General st reik ausgegeben. der Zentralvorst and aber, d. h. der Ultra- possibilist Keufer, der in der französischen Arbeiterbewegung das Rudiment des Comteschen PosttiviSmus repräsentiert, eine Gegenorder erteilt. die arge Verwirrung anrichtete. Der Zcutralvorstand will sich jetzt durch ein Referendum über den Generalstreik, daS aucki eine Frage über die neuliche Haltung des Vorstandes enthält, decken. Die gestrige Versammlung nahm indeS KeuferS Rechtfertigung sehr schlecht auf und sprach dem Zentralvorstand ihr Mißtrauen auS. Sie beschloß ferner mit un- geheurer Mehrheit sich am Referendum, in dem freilich die Provinz sicher den Ausschlag zugunsten des Zentralvorstandes geben wird, nicht zu beteiligen. Jedenfalls ist der Konflikt i» der besten frauzösischen Gelverkschaft sehr bedauerlich.— Belgien. Kongostaatliche Presistipendiate». Brüssel, 10. August.(B. H.) Der„Patriot" enthüllt heute, daß der Kongostaat in Deutschland ein Preßzentralbureau zu Agitationszwecken unterhielt. Mitglieder des Bureaus ivaren die belgischen Konsuln in Köln, München und Frankfurt. ES wird ein vom Generalsekretär des Kongo- staates, Liebrechts, an den M ii n ch e n e r belgischen Generalkonsul Steub gerichteter Brief veröffentlicht, aus dem hervorgebt, daß der Kongostaat in München für Gehälter etwa 11 000 Frank aus- zahlte und außerdem 7000 Frank jährlich zu AgitationSzwecken zur Verfügung stellte, die jedoch je nach Bedürfnis um weitere 10000 Frank erhöht wurden. Cnglanck. Meuternde Marinemannschaft. London, �<5 Ungust.(SBrU:. B> Der Marinekorrespondent der „Pall Mall Gazette" berichtet, baß die Mannschaft eines TorpedobootSzerstörerS während der Flottenmanöver bei Grantou am Firth of Porth aus Un, Zufriedenheit darüber, daß sie einen Monat lang knappe Schiffsrationen erhalten hatte, die Geschützvisiere und Signalbücher über Bord warf. Die meuternden Matrosen seien verhaftet worden und und würden dem Vernehmen nach vor ein Kriegs- g e r i ch t gestellt werden. Rußland. Der Zarismus als Hüter der Verfassung in der— Türkei! Das Ministerium deS Aeußern teilt den Wortlaut der russischen Zirkulär depcsche an die Mächte bezüglich Mazedoniens mit, deren wesentlicher Inhalt bekannt ist. Die Stellring Rußlands zu den jungtiirkischen Reformen ist auS folgendem PasiuS ersichtlich: Gegenwärtig stehen wir einem spontanen Akte deS Sultans gegenüber, der der Türkei eine Verfassung oktroyierte, deren Grundlagen und edle Prinzipien sind: Gleichheit vor dem Gesetz für alle Untertanen, gesetzmäßige Organisation der staatlichen Gewalt und gute, unbestechliche Vcrwaltnna. Zweifellos würde die voll- ständige Anwendung dieser Grundsätze dnS Schicksal der mazedonischen Bevölkerung sicherstellen im Sinne der von den Mächten beabsichtigte» Reform. In Anerkennung dessen zögert die kaiserliche Regierung nicht, für den Augenblick weitere Schritte einzustellen. Die Note fährt fort: Selbstverständlich kann die Zurückhaltung Rußlands und anderer Mächte iveder absolut noch bedingungslos fei». Vertragsmäßig erworbene Rechte sowie die der mazedonischen Be- völkerung vertragsmäßig zugesicherten Begünstigungen bleibe» unberührt. Der Minister erklärt schließlich, Rußland könne nicht auf die Möglichkeit verzichten, zu begutachten, ob die Reformen deS Sultans das gewüiischte Ziel zu e r r e i ch e u. und, falls die europäischen Provinzen der Türkei in prekärer Lage verblekben sollten, werde Rußland verpflichtet sein, die unterbrochene Sieformaktion in entschiedenster Weise fortzusetzen. Die Rote schließt mit der Ans» forderung deS Minister« an die auswärtigen Votschafter, ihm die Ansichten des betreffenden Kabinetts über die russische Note nlit- zuteilen._ Zentralverband von Ortskranbenltaflen im Deutlchen Kelch. Braunschweig, 9, August. Unter außergewöhnlich zahlreicher Beteiligung trat heute abend �8 Uhr hier die 15. Jahresversammlung des genannten Verbandes zusammen. Fräßdorf-Dresden, der Vorsitzende der geschäfts. führenden Ortskrankenkasse, eröffnet dieselbe mit begrüßenden Worten. In längerer Rede weift er auf die Bedeutung der Kranken- Versicherung hin. In das Bureau des Kongresses werden die Herren Fräßdorf- Dresden, Meyer-Brauirschwcig und Witti-München gewählt, als Vor- sitzende mit gleichen Rechten, außerdem als Schriftführer Preuß- Hamburg, Magnan-Berlin und Eichstädt-Weimar. Sodann wird die Tagesordnung für die Haupt- Versammlung festgesetzt. Sie ist sehr umfangreich. U. a. wird be- schlössen, die Besprechung der Durchführung der Tarifgemein. schaftmitden Kassenbeamten an eine der ersten Stellen zu setzen. Abgelehnt wird eine nochmalige prinzipielle Stellung- »ahme zur Frage der freien Arztwahl und des A p o t h e k e n w e s c n S, dagegen beschlossen eine Aussprache über die Polikliniken. In der morgen beginnenden Häuptversammlung bildet den ersten Punkt der Tagesordnung der Geschäftsbericht der ge- schäfts führenden Kasse. Derselbe liegt gedruckt vor. Auf den 200 Druckseffsn des Berichts befinden sich eins Menge höchst wichtige sozialpolitische Mitteilungen und Abhandlungen. Zunächst wird die Tätigkeit der Provinzialverbände der Krankenkassen ge- schildert. Sodann werden alle Fortschritte auf dem Gebiete der Wohnungsfürsorge, der Altoholbekämpfung, des AZ��erholungs- und Lungcnheilstättcnwescns, des Mutterschutzes und der Säugling?- fürsorge. usw. dargestellt. Den größten Raum deS Berichts nimmt ein Rundfrage ein, welche der Zcntralverband über die Arzt- frage vorgenommen hat. Von den 207 Ortskrankenkassen, welche ausführliche Antworten einsandten(worunter sich natürlich die größten Kassen des Deutschen Reiches befinden), hatten(Gruppe /c.) II festangestellte Kassenärzte, 31(Gruppe B.) beschränkt freie Arztwahl, d. h. den Mitgliedern die Wahl unter den zugelassenen Acrzten freigestellt, und 75(Gruppe L.) unbeschränkt freie Arzt- wähl. Im Durchschnitt erhoben die Kassen der Gruppe A. 3,35 Proz., B. 3,41 Proz. und C. 3,76 Proz. vom Lohn der Versicherten als Beikrag. Das Krankengeld beträgt durchschnittlich bei den Kassen der Gruppe A. 55,85 Proz., Gruppe B. 53,75 Proz. und' Gruppe C, 52,36 Proz. vom Lohn. Eine längere als die gesetzmäßige 26- wöchige Unterstützung hatten 13,5 Proz. der Kassen in Gruppe A., 16,5 Proz. in Gruppe B. und 12,0 Proz. in Gruppe L. Von je 10 000 Mitgliedern erkrankten mit Erlverbsunfähigkeit 4033 bei den Kassen der Gruppe A., 4137 der Gruppe B. und 5037 der Gruppe C. In den letzten Jahren mußten die Kassenbeiträge erhöhen 36 Proz. der Kassen der Gruppe A., 43 Proz. der Gruppe B. und 58 Proz. der Gruppe C. Im allgemeinen erbringt der Bericht mit einer Fülle statistischen Materials den Nachweis, daß die freie Arztwahl mit den Interessen der Kranken. tasscn unvereinbar ist.— Der Zcntralverbaud hat Pcti- tionen an das RcichSamt des Innern gesandt um Gestattung der Entnahme von Krankcnkassenmitteln zur Beschickung von Kranken- lassen- und sonstigen hygienischen Kongressen; um eine die Jnter- essen der Krankenkassen wahrende Neuregelung des Apothekcnwcscns; um Ermäßigung der gesetzlichen Zuführungen zum Reservefonds vo» 10 auf 5 Proz. der Beiträge; um Ausdehnung der' Invaliden- Versicherungspflicht auf die Hausgewerbetreibenden des Schneiderei- gcwerbeS und um Abänderung des§ 25 des Gewerbcunfall- versicherungsgesetzcs(betr. Erstattung von Vorlägen für Unfall- verletzte an die Krankenkassen). Schließlich ist dem Bericht noch ein Verzeichnis der Kassen beigegeben, welche den mit der Organi» sation der Kassenbeamtcn abgeschlossenen Tarifvertrag ein- geführt haben. ES sind nur 84. Ein weiterer Teil der Kassen hat indes Teile des Vertrags, insbesondere dis vorgesehenen Gehälter, eingeführt. Em der Partei. Zum Parteitag. Mit dem Beschluß des Gewerkschaftskongresses bezüglich der Jugendorganisation beschäftigte sich eine Partei- und Gewerkschaftsversammlung in Delmenhorst, die schließlich eine längere Resolution einstimmig annahm, in der cS heißt: „Der Beschluß ist ein Schlag gegen die selbständigen proletarischen Jugendorganisationen. Er widerspricht den Beschlüssen der Partei- tage von Jena und Mannheim und der Internationalen Kongresse von Paris 1900 und Stuttgart 1307. Die Jugendorganisation kmin sich diesem Beschluß nicht fügen, da die eigene Initiative und die Regelung der eigenen Angelegenheiten ein wichtiges Mittel der Erziehung sind und weil die Selbständigkeit der Organisation ihr für die jungen Arbeiter die größte Kraft gibt." Die Partei in den Bereinigten Staaten ist international ge- mischt, und nach Ansicht des Deutschamerikaners überwiegt das fremde Element in der Partei des Sozialismus. Er bezeichnet diesen gern als„fremdes GewächS" auf amerikanischem Boden. Da ist eine Statistik interessant, die der Parteisekretär über die Nationalität der Delegierten zu dem jüng sie»Parteitag in Chicago aufgestellt hat. Danach waren von den Delegierten 151 Amerikaner, 16 Deutsche. 7 Russen. 4 Jrländer. 3 Engländer, 8 Kanadier, 5 Finnen, und 9 Delegierte waren Angehörige nenn anderer ver- schiedeuer Nationen... Dem Berufe nach waren die Delegierten: 73 gelernte Hand- werker, 3 ungelernte Arbeiter, 3 Grubenarbeiter, 14 Farmer, 7 Stenographen, 4 Eisenarbeiter, 21 Handlungsgehilfen, 12 Anwälte. 16 Redakteure und Zeitungsangestellte, 4 Zahnärzte, 10 Hausfrauen, 20 Agitatoren und Vortragende, 8 Geistliche und 4 Aerzte. Auch das Mter der Delegierten wurde einer besonderen Fest- stellung unterzogen, weil ja doch die Gegner oft genug behaupten, daß die Sozialisten entweder„alte Narren" oder.dumme Jungen" seien. Danach waren zwischen 20 und 30 Jahren alt 22 Delc- gierte, zwischen 30 und 40 Jahren 77 Delegierte, zwischen 40 und 50 Jahren öö Delegierte, zwischen 50 und 00 Jahren 47 Delegierte. Em Industrie und Kandel. Der Handel deutscher Kolonien. Der Handel Dcutsch-OstafrikaS hat im Jahre 1307 nicht die ge- ringsten Fortschritte gemacht. Die Einfuhr hat mit einem Werte von 23,8 Millionen Mark gegen die vorjährige im Werte von 26,2 Millionen Mark einen Rückgang um mehr als 5 Proz. erfahren, wovon fast gleichmäßig der Handel der Küstengrenze und der der Binncngrenze betroffen wurden. Die Ausfuhr dagegen ist von 11 Millionen Mark auf 12,5 Millionen Mark, also um 13,6 Proz. gestiegen, besonders die über die Küstengrenze, während der Ans- fuhrhandel der Binirengrenze nur um wenig über 10 Proz. zunahm. Im Gesamthandel ergibt sich noch ein geringes Aufsteigen von 36,15 Millionen Mark\m Jahre 1906 auf 86,31 Millionen Marl im letzten Jahre. Besser hat Togo abgeschnitten. Sein Außenhandel hat im Jahre 1907 12 615 293 M. gegen 10 682 148 M. im Vorjahr- be- tragen, so daß eine Steigerung von 1 333 145 M.— 18,6 Proz. festgestellt werden kann. Auf die Einfuhr entfallen hiervon 6 633 634 M. gegenüber 6 432 312 M. im Vorjahre. Auf die Ausfuhr entfallen 5 315 609 M. gegenüber 4 139 336 M. im Vorjahre. Da die Ein- und Ausfuhr des Schutz- gebietes an gemünztem Gelbe, dessen Wert die obigen Ziffern initenthalten, nicht unbedeutend ist, gibt die Darstellung der crgcnt- lichen Handelswerte nach Abzug der Wcrtziffern dieses Geldes ein noch treffenderes Bild vom Umfange des Außenhandels des Schutz- gebietes. Nach Abzug der Ein- und Ausfuhr von gemünztem Gelbe hat der Handel dcö Schutzgebietes 10 310338 M. im Jahre 1307 gegen 3 504 456 M. im Jahre 1306 betragen. Hiervon entfallen auf die Einfuhr 5 735 361 M. im Jahre 1307 gegen 5 54« 810 M. im Vorjahre, auf die Ausfuhr 4 514437 M. im Jahre 1907 gegen 2 3ö7 646 M. im Borjahre._ Die KrisiS. Auf den N o m b a ch e r H ü t t e» w e r k e n haben die Arbeiter im vorigen Monat je acht Schichten feiern müssen. Viele Arbeiter stehen freiwillig ab. Die Löhne sind gegenüber dem Vorjahre»m 20— 40 Proz. niedriger.— In Rödingen ist nur noch ein Hoch- ofen im Betrieb, einer wurde im vorigen Monat ausgeblasen, und ein nencrbauter wird vorläufig»»cht in Betrieb ge» nommen. Soziales. Sturmlauf gegen die Bäckcrciverordnung. Tie Bäckermeister halten die Zeit gekommen, kurz vor Inkrafttreten gegen das bißchen Schutz, das der Bundesrat gegen Schtveinereicn und hygienische Schädigungen angeordnet hat, noch- mals energisch Sturm zu laufen. Mit welch fadenscheinigen Argumenten die zum Himmel schreienden Mißstände beschönigt werden und gegen VaS Interesse des Publikums und der Bäcker- gesellen vorgegangen wftd, zeigt die Diskussion auf dem in Haimover tagenden lv. deutschen Bäckertage. Wie uns telegraphisch berichtet wird, ließ sich Obermeister Simon(Leipzig) über »Die neue Bäckereiverordnung und ihre Schäden"- wie folgt auS: Jedesmal, wenn wir zusammenlommen, haben wir zu der- zeichnen, daß die Regierung uns wieder mit einer neuen Ver- Ordnung beglückt hat, so auch diesmal wieder mit der Verordnung über die Bäckcreianlagen. Die Regierung ist davon ausgc- gangen, daß diejenigen Stellen, wo das tägliche Brot hergestellt wird hygienisch sichergestellt sein müssen. Das ist ein an sich gewiß sehr lobenswertes Bestreben. Wer die Art der Ausführung ist geeignet, das Bäckergewerbe aufs schwerste zu schädigen. In Leipzig gibt es nicht eine Bäckerei, die nicht, wenn die Bestimmungen strikte ausgeführt werden sollten, u m- gebaut werden müßte. Die Acrzte machen dabei das beste Geschäft, denn jede Untersuchung kostet mindestens 6 M., die Gelder fliegen nur so. Viele Bäckermeister sind gar nicht im- stände, die hohen Beträge für den Umbau, die manchesmal bis zu 20 000 M. sich belaufen, aufzubringen. Sie werden einfach an den Bettelstab gebracht.(Lebhafter Beifall.) Wir müssen uns einstimmig dahin aussprechen, daß es so nicht weiter gehen kann, daß das Bäckergcwerbe am Ende seiner Kraft ist.(Stür- Mischer Beifall.) Es ist ja jetzt schon soweit gekommen, daß die Backstuben gar nicht ausreichen, um alle Verordnungen an die Wände anschlagen zu können. Als die Schlachtungseinrichtungcn geschaffen wurden, hat man den Fleischermeistern Entschädi- gungen gezahlt. Weshalb nicht auch uns? Wir verlangen gleiches Recht für alle.(Lebhafter Beifall.) Wir verlangen nichts Unrechtes. Wir sind leider immer das Versuchskarnickel fewesen.(Sehr richtig!) Was soll man zu einer Bestimmung agcn, die verlangt, daß die Backstuben sich nicht in den Keller- räumen befinden sollen? Sind nicht im Sommer gerade die unter der Erde liegenden Räume die besten und kühlsten Räume? Gestern war ich in Hannover im Ratskeller. Niemand findet diese Raunte gc- sundheitsschädlich. ES kann doch nicht darauf ankommen, daß ein Raum 3 Meter Höhe hat, wenn er nur die nötige Aus- dchnung besitzt. Die Regierung könnte die beste Auskunft über den Gesundheitszustand im Bäckereigcwerbe bkommen, wenn sie die Zahlen der Jnnungskrankenkassen sich ansieht. Warum hat man nicht die Vorstandsmitglieder des GermaniaverbandcS be- fragt? Die Verordnung wäre dann eine andere geworden. Aber wie man lediglich vom grünen Tisch aus gearbeitet hat zeigt z. B. die Bestimmung, daß die Backräume jeden Tag naß auf- gewischt werden sollen. Jeder Fachmann weiß, daß das un- möglich ist und daß das eine fürchterliche Drcckerei werden würde. (Lebhafte Zustimmung.) Redner empfiehlt zum Schluß fol» gende Resolution zur Annahme: „Der gcschäftsführende Vorstand wird beauftragt, unver- züglich an maßgebender Stelle zu beantragen: t. Die rückwirkende Kraft der neuen Bäckereiverordnung für die bestehenden Betriebe ist aufzuheben. 2. Bei den Revisionen von Bäckereien sind die laut Hand- wcrkergesetz gewählten Jnnungsbeauftragten heranzuziehen. 3. Die zu erteilenden Dispense sind nicht für die Betriebs- inhaber, sondern für die Betriebe bis zum Neubau bezw. größeren Umbauten zu erteilen. 4. In allen Fällen, in denen die Verwaltungsbehörde bereits die Anordnung der Verlegung der Backräume, von größeren Reparaturen getroffen'hat oder noch treffen wird, hat eine Eni- schädigung seitens der Regierungen an die Geschädigten zu er- folgen."(Stürmischer Beifall.) In der Debatte trat für Beibehaltung deS Schlendrians ins. besondere der RcichstagLabgeordnete Rieseberg ein. Er drohte mit Boykottieru-tg, also mit Bohkottierung des„nationalen" Patriotismus! Er sprach sein Befremden auS, daß das ReichSamt des Innern eS nicht für nötig befunden habe, einen Vertreter zu entsenden. Et' bestreitet, daß in den Bäckereien überhaupt große Unsauberkeiten vorkämen. Die Bäcker stehen unter der Kontrolle des Publikums; cS sei daher unmöglich, daß irgendwelche Schlveinereien passieren könnten. Die Bäcker müßten von ihren Abgeordneten verlangen, daß diese die schönen Versprechungen, die sie bei den Wahlen abgegeben haben, auch in die Tat umsetzen. Die Regierungen und Parteien sollten sich einmal vergegenwärtigen, wie der nach st e Reichstag aussehen würde, wenn wir„Gewehr bei Fuß!" kommandieren würden.(Stürmischer Beifall.) Wenn wir immer nur Vertreter in den Reichstag ent- senden, die unser Interesse nicht wahrnehmen und uns keinen Vorteil bringen, brauchen wir überhaupt keine Abgeordneten im Reichstage.(Erneuter stürmischer Beifall.) Na durch ein Kommando der Bäckermeister„Gewehr bei Fuß!" würde sicherlich weder die Reinlichkeit noch die Gesundheit deS Publikums und der Arbeiter Schaden leiden. Der zweite Referent, Kampmann- Köln, ergänzt die Ausführungen des Vorredners. In jedem Berufe gäbe es Aus- wüchse und unwürdige Elemente, aber nirgends mache man den gesamten Beruf verantwortlich für solche Vorkommnisse. Em der frauenbewegung» Genosflnnen von Groß-Berlin! Der Anschluß der Fraucnorganisationen an die Wahl- vereine von Groß-Berlin ist nun geregelt. Am nächsten Zahl- abend werden genügend Anfnahmescheinc vorhanden sein, so daß der Uebcrtritt erfolgen kann. Diejenigen Genossinnen, die bereits organisiert waren, bezahlen kein Einschreibegcld. Für Neucintretende ist ein Eintrittsgeld von 20 Pf. festgesetzt. Der Beitrag beträgt pro Monat 20 Pf. Genossinnen I Nur diejenigen Frauen werden als vollberechtigte Mitglieder der sozialdemokratischen Partei an- gesehen, die den! Wahlverein ihres Ortes angehören. Politische Sondcrorganisationen sind nicht gestattet. Frauenbildungs- vereine sind keine sozialdemokratischen Organisationen. Die Frauen, die solchen Vereinen angehören, sind, falls sie als Genossinnen betrachtet werden tvollcn, nicht von der Ver- pflichtnng entbunden, sich politisch zu organisieren. Wir er- warten daher, daß am nächsten Zahlabend die Frauen ihre Mitgliedschaft zum Wahlverein ihres Kreises oder Ortes erwirken. Die Genossinnen haben nun auch das Recht, die am 13. August stattfindenden Generalversammlungen der Kreise zn besuchen. Als Legitimation dient das Mitgliedsbuch oder die Quittung des Aufnahmescheines für den Wahlverein. Genossinnen! Tut Eure Pflicht! Hinein in die Wahlvereine I Werbt unablässig für neue Mitglieder. Das Recht, sich politisch organisieren zu dürfen, gebiert die Pflicht, es auch zu tun l Die Vertrauenspersonen von Groß-Berlin. Versammlungen— Veranstaltungen. Steglitz. An, Donnerstag, den 13. d. D?., abends S'/a Uhr, Versammlung bei Wahrendorf, Schloßstr. 117. Mitgliedsbücher find mitzubringen._ Äerantw. Redakt.: Georg Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw.:' GewerKfcKaMicbey. ßerlln und Umgegend. Die Tarifbewegung der Rohrleger. Der Deutsche Metallarbcitervcrband hatte zum Sonntag eine allgemeine Versammlung der Rohrleger und Helfer nach dem Gewerkschaftshause einberufen. Handle referierte über das Thema:„Unsere Stellungnahme zu der Tarifvorlage der Arbeit. geber und unsere Forderungen". Den Versammelten lag der Ent- wurs der Unternehmer zum neuen Tarif wie auch der Entwurf. der von den Vertretern der Kupferschmiede, Schmiede und des Deutschen Metallarbeiterverbandes ausgearbeitet worden war, ge- druckt vor. Am unteren Eingang wurde jedem Besucher der Ver- sammlung ein Flugblatt deö sogenannten„Allgemeinen Verbandes" überreicht, in welchem die Briefaffäre von Sandle nochmals zur Erörterung gelangte und die Beamten„in der Charitestraße 3" als„Verräter" bezeichnet wurden. Handle nahm am Anfang seines Vortrages Veranlassung, die Beschuldigungen gegen ihn als unwahre zu brandmarken. Ein Brief mit dem vom„All- gemeinen Verband" behaupteten Inhalt existiert nicht, wie in der letzten Konferenz mit den Unternehmern am 24. Juli von der Ar- beitgeberseite ausdrücklich anerkannt worden ist.— Diese Konferenz vom 24. Juli wurde in einem Schreiben vom Vorstand der Arbeit- geber im Rohrlcgergcwcrbe, das am 22. Juli dem Deutschen Mctallarbciterverband zuging, anberaumt. Die Arbeitgeber unter. breiteten daselbst ihre Tarifvorlage, die dann in einer Ver- trauensmännerversammlung zur Beratung stand, die den Mit- gliedern die Annahme nicht empfehlen konnte. Nach kurzer Dis- kussion lehnten die Versammelten die Vorlage der Unternehmer ab; sie schritten dann zur Beratung des eigenen Entwurfes zu einem neuen Tarif. Handle erläuterte die einzelnen Be- stimmungcn, auf Grund deren die Schlichtungskommission ver- handeln soll. Die Vertrauensleute der dabei zuständigen Organi- sationen, Kupferschmiede, Schmiede und Deutscher Metallarbeiter- verband, empfahlen die Annahme der Vorlage und die Ver- sammelten gaben nach Vornahme einiger geringfügiger Aende- rungcn ihre Zustimmung. In bezug auf Arbeitszeit und Lohn wird folgendes verlangt: Die Arbeitszeit beträgt für Werkstatt und Bau 9 Stunden, beginnt frühestens 7 Uhr morgens und endet spätestens B!£ Uhr abends. Diese Arbeitszeit ist durch Pausen von mindestens l�h Stunden zu unterbrechen. Der Stundenlohn muß betragen: ») Für Rohrleger nicht unter 72%. Pfennig; b) für Junggesellen, welche noch nicht das 21. Lebensjahr er- reicht haben, kann der Stundenlohn ein geringerer sein, jedoch nicht unter 65 Pfennig; c) für Helfer nicht unter 55 Pfennig; ck) Rohrleger und Helfer, welche diesen oder höheren Stunden- lohn haben, erhalten eine der Erhöhung des Mindestlohnes entsprechende Zulage. Akkordarbeit ist möglichst zu vermeiden, eventuell muß der festgesetzte Lohn gesichert werden. Pauschalverträge sind gänzlich unzulässig. Ucberstunden dürfen nur im äußersten Notfall ge- macht werden. Alle Ucberstuichen in der Zeit von Feierabend bis 8 Uhr abends, welche pro Tag über 9 Stunden gearbeitet werden, sind mit 25 Proz. Aufschlag zu zahlen. Von 8 Uhr abends bis 7 Uhr morgens gilt als Nachtarbeit und muß wie SonntagSarbcit mit 50 Proz. Aufschlag bezahlt werden. Die Pausen werden mitbezahlt. Für Uebcrstunden auf Bauten, welche ohne Anweisung des Arbeitgebers gemacht werden, wird weder Lohn noch Aufschlag bezahlt. Achtung, Metallarbeiter! Die Differenz in der Wortington Block-Pumpenfabrik dauert unverändert fort. Der Betrieb ist gesperrt. Für Schlosser ist die Firma Großmann gesperrt. Deutscher Mctallarbciterverband. Ortsverwaltung Berlin. Die Urban-KrankenhauS-Angrstellten. In einer zahlreich besuchten Versammlung der Angestellten des Krankenhauses Am Urban refe- rierte Dittmcr über„Solidarität". Derselbe gab in anschaulicher Weise ein Bild von der Lage der KrankenhauS-Angestellten, in deren Reihen eS leider nur zu oft an der notwendigen Solidarität mangele. Dabei sei der vielfach noch fehlende kollegiale Zusamincnschluß gerade für das Anstaltsleben nötiger. denn anderswo. Besonders begegne man bei den weiblichen Angestellten vielfach noch einer Gleichgültigkeit gegenüber not- wendiger Organisationszugehörigkeit, die sicher nicht zum Segen der Beteiligten ausfalle. Sollten einmal die vielen Beschränkungen bezüglich Urlaub, langer Arbeitszeit usw. aufhören, sollte insbesondere das jetzige Kost- und LogiSwesen— diese mittelalterliche Einrichtung— einmal abgeschafft werden, so bedürfe eö dazu der vereinten Kräfte aller Angestellten, ob weiblich oder männlich. Alle Diskussionsredner stimmten diesen Ausführungen zu. Da- bei wurde festgestellt, daß im K r a n k e n h a u S U r b a n die seit dem 1. April d. I. festgesetzte Lohnskala seitens deS Direktors Diesencr durchbrochen wird. Hausdiener und Wärter werden anstatt mit einem An- fangSlohn von 35 M. mit nur 30 M. eingestellt. Eine An- zahl Kolleger, die in dieser Weise geschädigt sind, meldeten sich in der Versammlung. Der Unwille darüber kam in einer ein- stimmig angenommenen Resolution zum Ausdruck. DaS Bureau wurde beauftragt, in dieser Angelegenheit bei der Direktioir v o r st e l l i g zu werden und auf A b h i l f e zu dringen. Veutfcbes Reith. Eine mißglückte Aktion der Lokalisten i» Leipzig. Die in Leipzig in verschiedenen Gewerkschaften der Bauberufe bestehende Mißstimmung über abgeschlossene oder abzuschließende Tarifverträge, wie auch die Unzufriedenheit damit, wie die Vorstände der Zentralverbände die Verhandlungen geführt haben, versuchen die Lokalisten in ihrer Weise und in ihrem Sinne kräftig auszunützen. Sie hatten am Sonnabendabend nach dem„Pantheon" eine öffentliche Ver- sammlung für alle im Banberuf beschäftigten Arbeiter einberufen mit der Tagesordnung? Die Tarifbewegung im Baugewerbe und führt dieselbe zur Verbesserung der Lage der Arbeiter; Referent: Weisel- Berlin. Erschienen waren etwa 300 Personen. Schon zu Vcginn der Versammlung kam eS zu einer hitzigen Ge- schaftSordunngSdebatte. Die Versammlung forderte Bureau- wähl; der Einberufer. Metallarbeiter Kirmse, bewies wenig Neigung dafür, mußte aber schließlich nachgeben. Bei der Wahl kam da? Bureau in die Hände der zentralorganisierten Maurer. In seinem Referat kritisierte Weisel heftig den Vertrag. de» der Zentralvorstand der Maurer mit den Bauunternehmern eingegangen ist. Der Zentralvorstand der Maurer habe den Ver- trag unterzeichnet, ohne vorher die Mitglieder zu fragen. In der Diskussion wurden gegen die Führer des MaurerverbandeS die heftigsten Vorwürfe erhoben, dem traten die Zentralverbündler Hunold und Koch entgegen. Man brauche nicht mit allem ein- verstanden zn sein, was in der Organisation geschehe, man solle aber dann innerhalb der Organisation und nicht in Sonderverbändchen bessernd zu wirken suchen. In seinem Schlußwort wurde Weisel noch aggressiver als in seinem Referat. Als er den Zeutralverbänden schließlich Streikbrecherlieserung vorwarf, mußte er teine Rede wegen andauernden Tumults abbrechen. Ueber die Hälfte der Versammlungs- besucher hatten schon vorher das Lokal verlassen und da weder ein Antrag gestellt, noch eine Resolution vorgelegt worden war, ging die Versammlung schließlich ohne Resultat auseinander, wie bisher fast alle von den Lokalisten in Leipzig einberufenen Versammlungen� :h. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Ausland. Nach dem Elcktrikerstreik. Paris. 7. August.(Eig. Der.) Welche? waren die Ursachen des gestrigen Streiks? Im ersten Augenblick glaubte alle Welt an eine Protestkundgebung gegen die Ausweisung des GewerschaflSvcrbandeS aus der Arbeits- börse. Diese Auffasiung gab sich auch in den heutigen Morgen- blättern, darunter die„Humanitö", kund. Aber hinterher wurde die Aufforderung des Streikkomitees an die Elektriker bekannt und diese enthält nur d i e n st l i ch e Beschlverdcn. Der Sekretär der ElektrizitätZarbeiter P a t o u d hält mit augenscheinlichem Behagen mit der völligen Lösung des Rätsels zurück, antwortet Interviewern mit humoristischen Redensarten. aus denen man heraus« lesen kann, was man will, kurz er hält still» vergnügt alle Welt zum besten. Einen sensationellen Augen« blickserfolg hat er mit dem originellen Zweistundenstreik sicher erzielt und die seit dem Montag zweifelhaft gewordene gewerkschaft- liche Disziplin der Eleltrikcr wohl rehabilitiert. Ob auf die Dauer bei Eulenspiegeleien dieser Art der Ernst des gewerlschaftlichcn KmnpfeS nicht zu kurz kommt, könnte man immerhin bezweifeln. Vorläufig ist allerdings die Regierung ziemlich blamiert. Cle- menceau hat sich persönlich eine Abfuhr bei den Elektri- zitätSgescllschaften geholt, die seine uniformierten Streikbrecher zurückwiesen. Charakteristisch ist die Er- klärnng, die der Direktor eines der elektrischen Sektoren heute einem Redakteur deS„TempS" gegeben hat: Die Einstellung der Geniesoldaten wäre zu gefährlich gewesen. Nicht nur wegen der möglichen Sabotage, sondern weil die un- geübten Soldaten die Maschinen hätten ruinieren können. Unter diesen Uniständen sei es besser gewesen, keine strengen Maßregeln zu ergreifen, da sonst die Unternehmungen keine Bürgschaft flir die Versorgung der Stadt mit elektrischem Licht hätten geben können. DaS Verlaffen der Arbeit sei wohl b e- d a u e r l i ch, aber, um der Wahrheit die Ehre zu geben, müsse man zugestehen, daß daS Personal erstrangig sei und nicht ohne weiteres ersetzt werden könne. Elemcnceau scheint mit dieser opportunistischen Auffasiung nicht zufrieden gewesen zu sein. In der offiziösen Note läßt er melden, er habe den Direktoren gesagt, er habe seine Pflicht erfüllt, er erwarte das gleiche von ihnen. Offenbar wäre eS ihm lieber ge- Wesen, die Armee zuin Streikbruch zu kommandieren. Jedenfalls bleiben die Verseillcr Geniesvldaten von mm an in Paris. Letzte j�aebriebten und Depefeben. Ein serbisches Parlameuts-Jdlill. Belgrad, 10. August.(W. T. B.) In der heutigen Sitz. ung der Skupschtina kam es während der Beratung des Hau- delsvertrages mit Oesterreich-Ungarn zu stürmischen Auf- tritten. Der Altradikale Dragowitsch brauchte mit Bezug auf den Nationalisten Giorgjewitsch, in der Meinung, dieser habe ihm ein Schimpfwort zugerufen, eine beleidigende Ncdewcn» dung, welche tosenden Lärm entfesselte, sodaß die Sitzung unterbrochen werden mußte. Während der Unterbrechung stürzte sich Giorgjewitsch auf Dragowitsch und versetzte ihm Schläge ins Gesicht. Die übrigen Nationalisten ergriffen die Sessel, um den zum Schutze Dragotvitschs herbeieilenden Altradikalen entgegenzutreten. Dragowitsch wollte nun nach dem Messer greisen, wurde aber von seinen Parteigenossen umringt und verließ, über die Bänke steigend, den Saal. In der Mitte des Saales kam es nun zu einer großen Balgerei; durch das Eingreifen der Minister und der besonnenen Ab- geordneten wurde jedoch ernstlichen Tätlichkeiten vorgebeugt. Nach Wiederaufnahme der Sitzung erklärte Agatanowitsch, daß er und nicht Giorgjewitsch das Schimpfwort gebraucht hätte und es zurücknehme. Darauf entschuldigte sich Drago- witsch. Somit ist der Zwischenfall erledigt. Arbciter-Risiko. Hamburg, 10. August.(B. H.) Im Hafen wurden zwei in einem beladenen Eisenbahnwagen beschäftigte Arbeiter durch Ben- zoldämpfe getötet. Marburg, 10. August.(B. H.) Gestern abend wurde bei Sarnau ein hiesiges Fuhrwerk von einem Eisenbahnzugc über- fahren. Der Fuhrmann wurde auf der Stelle getötet, das Pferd blieb unverletzt. Ein Witzbold. Siosol(Ungarn). 10. August.(V. H.) Gestern ist hier an die Badedirektion ein auö Potsdam datiertes Telegramm eingelaufen, in welchem für die Zeit der großen Manöver für Kaiser Wilhelm ein ganzes Hotel und eine Villa verlangt wurde. Da die großen Hcrbftmanöver in der hiesigen Gegend stattfinden, hat das Tele- gramm Glauben gefunden. An amtlicher Stelle ist indessen nichts bekannt, und man glaubt dort, daß sich jemand einen schlechten Scherz geleistet hat._ Pest und Cholera in Mußland. Petersburg, 10. August.(W. T. B.) In der Kirgifensteppe deö Gouvernements Astrachan ist am 23. Juli ein Todesfall infolge Bubonenpcft vorgekommen. Von den Kirgisen, die den Ort des Pcftfalles verließen, erkrankten in der Zeit vom 29. Juli bis 6. August acht Personen an der Pest, drei starben. Die verseuchten Orte wurden darauf abgesperrt, die Kranken isoliert und die Hütten, in denen Pcstfälle vorgekommen waren, verbrannt. Die Bewohner des verseuchten Bezirks werden ärztlich streng überwacht. Im Gouvernement Astrachan erkrankten am 8. und 9. d. M. an Cholera 77, es starben 22 Personen, davon in der Stadt Astrachan 46 bezw. 8. Im Gouvernement Saratow fanden am 7. August 13 Erkrankungen und 14 Todesfälle an Cholera statt. In der Stadt Saratow starben zwei Personen. In Zarizin er- krankten am gleichen Tage 14 und starben 10. In Rostow am Don erfolgten am 8. und 9. d. M. 21 Erkrankungen und 8 Todesfälle. Die auS Kasan gemeldete Erkrankung war. wie nunmehr festgestellt worden ist, nicht Cholera. An choleravcrdächtigen Erkrankungen wurden beobachtet in Wjatka eine, in Sysraw und SimbirSk je zwei. Eine ungarische Ortschaft eingeäschert. Ordenburg, 19. August.(B. H.) Die Ortschaft Pichelsdorf ist niedergebrannt. Zwei Kinder sind in den Flammen umgekommen. Ein GreiS abgestürzt! Straßburg, 19. August.(B. H.) Auf dem Hoheneck, einem 1396 Meter hohen Gipfel den Hochvogefcn, ist der 75jährige Rentner Nico aus JsenHeim in Oberelsaß abgestürzt. Cr wurde mit zerschmettertem Schädel tot aufgefunden. Zwei Leben endet ein Schlag! Passau, 10. August.(B. H.) Bei einem Gewitter wurde in Kuschwerda ein Gutsbesitzer und sein 24jährigcr Sohn vom Blitz erschlagen._ Süßer Schmuggel. Passau, 10. August.(B. H.) Die Grenzwache verhaftete zwei Saccharinschmugglcr. welche ein großes Quantum Saccharin über die Grenze schmuggeln wollten. Ein dritter Schmuggler entkam. Paul Singer�chCo�Berlin SW, Hierzu 2 Beilagen u.«nterhaltungSbl. ir. 186. 25. t Keiluze des Jomiitte" Krim Sollislilntt. m Die Generalverfatninlung des Kreis. wal)lvereins niederbarnim fand am Sonntag in Pankow statt. Bei der Eröffnung f�je der provisorische Vorsitzende Kubig, die Generalversammlung, die sonst immer in Rummelsburg, dem Mittelpunkt des Kreit tzs ab- gehalten wurde, ist diesmal nach Pankow verlegt worden, damit die Mitglieder des Bezirks Pankow Gelegenheit haben, zu hören, daß in dem Konflikt ihres Vorstandes mit dem Kreisvorstan de der letztere durchaus sachlich und rechtmäßig vorgegangen sei. Kubig erstattete dann den Borstandsbericht für das letzte halbe Jahr. Er sagte, zunächst sei es noiw endig, eine Erklärung dafür abzugeben, weshalb er hier als proVisa rischer v t* rt** n /Ii* i+rtn* s*?(r� l- TT-a V � v. � � Oft � n �_ V-___' WW Eigenschaft WWWWWWWW treter bestechen lassen. Der Gemeindevorsteher von Pankow x nachte Freiwaldt den Vorschlag, falls der Vorwurf unbegründet sei rnd nicht zurückgenommen werde, mit einer Klage gegen Scheda rz vorzugehen. Freiwaldt überließ es der Fraktion, zu ent- scheiden, ob er klagen solle oder nicht. Der Inhalt des..zegen Freiwaldt erhobenen Vorwurfes ist folgender: Vor vier Jahren hat Schwarz an Freiwaldt S0 M. gegeben mi t der Bemerkung, man könne doch nicht verlangen, daß er seine A Lühe- waltungen als Gemeindevertreter unentgeltlich leiste. F r c i- wal dt hat die S0 M. an Schwarz zurückgeschickt, sie sint> ihm aber später am Biertisch ohne sein Wissen in die Tasche prakt iziert worden und dann von Freiwaldt der Armenkasse überv nesen «worden. Nach dieser Sachlage hielt es die Fraktion nicht füi. notwendig, daß Freiwaldt gegen Schwarz klage. Na chdem dann die Gemeindevertretersitzung sich für die Erhebung der Klage ausgesprochen hatte, erklärte sich auch die Fraktion damit ei! nver- standen. Freiwaldt stellte Strafantrag. Der Staatsanwalt erhob Anklage gegen Schwarz und in der Gerichtsverhaw zlung schien es zunächst, als ob die Sache zugunsten F r e i w a l d t s entschieden werde. Dann aber wurde Freiwaldt, dei: als Nebenkläger zugelassen war, auf Antrag seines eigenen An walts �als Zeuge vernommen, damit er Gelegenheit bekäme, sich von jedem Verdacht zu reinigen. Ihm wurde die Frage vorgelegt,. ob er niemals Provision von Geschäftsleuten erhalten habe, welche Liefe- rungen oder Arbeiten für die Gemeinde hatten. F r e i w a l d t hat diese Frage zunächst unbestimmt und schließlich mit„nein" beantwortet. Hiernach erklärte Schwarz, Freiwaldt habe einen Meineid geleistet. Das Gericht beschloß nun, die Bei chand- lung zu vertagen und die in Frage kommenden Geschäftsn»haber darüber zu vernehmen, ob sie an Freiwaldt Provisic m ge- zahlt haben. Ehe es zur erneuten Gerichtsverhandlung k» m, zog Freiwaldt den Strafantrag zurück. Darauf hat die F raktion am 18. Mai Freiwaldt aufgefordert, sein Gemeindebei rtrcter- amt niederzulegen. Dem kam er erst später nach. Das A mt als Kreisvorsitzendcr hatte er sofort abgeben müssen. Dem P orstand des Kreiswahlvereins sei der Vorwurf gemacht worden, er sei nicht schnell genug in dieser Angelegenheit vorgegangen. D er Vor- stand begründet sein Verhalten damit, daß er die Angel egenheit nicht während der Landtagswahl an die Oeffentlichkeit bringen wollte, weil das für die Partei nachteilig gewesen wäre,«uch habe man zu jener Zeit noch nicht die ganze Tragweite des Fall-s über- sehen können. Nachdem die Wahlen vorüber waren, stri ja die Angelegenheit öffentlich bekannt gegeben worden. Es l'iwge keine Veramassung vor, sich mit Freiwaldt noch weiter zu. beschäf- tigen; er sei abgetan. Der Vorstand beantragt, Fre.i-waldt aus der Partei auszuschließen. Hierauf gab der Redner eine Ucbersicht über die G e WS ä fts- t ä t i g k e i t des Vorstandes. Er gedachte der SLÄslrechts- dcmonstration und des Landtagswahlkampfes und konstcüie rte, daß unsere Partei bei der Wahl einen erfreulichen Fortschritt zu ver- zeichnen habe. Das Material über die Wahlbeteiligun g soll sta- tistisch verarbeitet werden. Die Diskussion erstreckte sich zunächst auf den Fall Freiwaldt. Räber- Pankow machte der Fraktion den Vorwi irf, sie sei nicht mit der nötigen Entschiedenheit gegen F r e i w a l d t vorge- gangen und habe sich durch dessen Auftreten zu stark beeinflussen lassen. Der Redner nimmt für sich das Verdienst ii> Anfpruch, Fkleines fcuUlcton. Aus Briefen über die ersten Ballonauffahrten. In d er»Vittorio Emanuele" in Rom befinden sich einige interessante. italienische Briefe, die aus der Zeit stammen, da vor nunmehr 12 S Jahren in Paris die ersten Luftballons aufstiegen, und die einen k«zeichnenden Einblick geben in die Vorstellungen und die Erwartun gen, die die damalige Laienwelt mit den neuen„Maschinen" verk nüpfte. Die „Revue hebdomadaire" veröffentlicht einen Passus aus einem dieser Briefe, der unmittelbar nach dem ersten Versuch in Par is, den, Auf- stieg des ersten Ballons auf dem Marsfelde, im Augr. st 1783, ge- schrieben wurde.„Man hält", so heißt es in dem interessanten Schreiben,«diese Erfindung für sehr bedeutend. Sl« wird den Physikern zu zahlreichen Betrachtungen Anlaß geben, lvta n glaubt auch daß die Erfindung dazu dienen wird, Kuriere ük>erS Meer zn senden und Nachrichten mit hoch st er Geschwin!>igkeit zu befördern. Der Erfinder glaubt, daß der Ballon mit einem Steuerruder versehen werden kann, um die L!uft zu durch- schneiden und so an den Ort zu gelangen, zu dem man ihn zu lenken wünscht." So verknüpft sich die Hoffnung auf die Lenkbarl eit bereits mit dem allerersten praktischen Versuch mit einem Luft! ballon. Der Ballon, der später in der Luft zerplatzte, fiel etwa bim: Meilen von Paris zur Erde nieder. Die erschreckten Bauern hi< lten ihn für ein gräßliches Fabeltier und auch der Pfarrer, der düe Ballonreste prüfte, stimmre ihnen bei und erNärte, es handele sich\»ewiß um die Haut eines giftigen Tieres. In Paris heftete sich der A berglaube an das Unerklärliche und allerlei wunderliche Gedanken taucht, in auf, die das Geheimnis des aufgeblähten Ballons zu lösen su, hten.„Man glaubt", so schreibt der Italiener,„daß daS Gas aus■ einem animalischen Stoffe gewonnen wird, wie aus den Eing eweiden.von Ochsen, Hammeln und anderen verwandten Tieren/' MS dann Montgolfier in Versailles seinen ersten großen Aufstieg vollbringt, knüpft die öffentliche Meinung an daS Geschehnis di« abenteuer- lichsten Vorstellungen.„Man glaubt, daß die Maschi ne deS Herrn Montgolfier die Wolken vertreiben kann, die den Hagel und den Regen bringen." Aber zugleich tauchen auch schon Bedenken politi- scher Natur auf.„Man sagt, daß diese Maschine von der Regienmg verboten werden könne, weil sie zur Nachtzeit an den Grenzen des Staates dazu mißbraucht werden könnte, Waren iiirs Land zu schmuggeln." Theater. Deutsches Theater.„DeS Meeres und de r Liebe Wellen", Trauerspiel in fünf Aufzügen von Grill- p a r z e r. Es gab nicht Ueberraschnngen besonderer' lrt, noch laute Demonstrationen, wie sonst oft bei de» Aufführungen deS Deutschen Theaters; mit stiller Freude überließ n,an sich dem reinen Zauber der Dichtung, die in den Darstellern beredte Int erpretcn ihres Geistes fand. Fräulein Eibenschütz, die das- irme, zärtliche Kind in Wedekinds„Frühlingserwachen" so unvergeßl ich spielte, hat gewisse Schranken- welche ihr eine gleichebenmäßige Vollendung rm den Fall Freiwaldt zur Entscheidung gebracht zu haben, denn erst auf sein energisches Verlangen habe die Fraktion von Frei- w a l d t die Stellung des Strafantrages gefordert. Der Redner meint, er habe schon lange den Verdacht gehabt, daß Freiwaldt Bestechungsgelder genommen habe, denn Freiwaldt habe schon seit Jahren einen sehr engen Verkehr mit Leuten aus bürgerlichen Kreisen gehabt. Jetzt habe sich ja der Verdacht bestätigt. Der Vorstand sei zu spät gegen Freiwaldt vorgegangen. Zu ver- urteilen sei, daß Freiwaldt sein volles Gehalt als Spediteur bis Oktober erhalten habe, und daß ihm nicht einmal 100 M., die bei seiner Abrechnung fehlten, sowie der Wert für fehlende Bons abgezogen worden sei. Weiter sagte der Redner, in Pankow zirkuliere ein Gerücht, welches von einem Briefwechsel zwischen Freiwaldt und Stadthagen spricht. Es heißt, Frei- w a l d t habe Stadthagen ersucht, ihn zu verteidigen. Darauf habe Stadt Hägen Freiwaldt den Rat gegeben, sich zu er- schießen und hierauf habe Freiwaldt gedroht, wenn ihm Stadt Hagen nicht beistehe, werde er die ganze Schweinerei der letzten 10 Jahre aufdecken. O h l i g- Wcißensee meinte, durch die Darstellung Räbers habe der Fall Freiwaldt ein anderes Ansehen bekommen als das, welches der Vorstand gewonnen habe, dem die Pankower Ge- Nossen ihr Material verweigerten. Schumann- Oranienburg bemerkte, wenn die Pankower Genossen schon seit längerer Zeit von Freiwald ts Treiben Kenntnis hatten, dann sei eS doch unrecht, daß sie nicht eher damit herausrückten. Stadt Hagen führte unter anderem aus, der Fall Frei- waldt sei damit erledigt, daß sein Ausschluß beantragt ist, über den wohl alle einig seien. Schlimmer als der eventuelle lvteincid Freiwaldts sei, daß er jahrelang Provision genommen und alle Welt, auch die Genossen, getäuscht habe. So- bald sich herausstellte, daß die Schuld Freiwaldts nicht mehr zweifelhaft war, sei er veranlaßt worden, alle seine Aemter niederzulegen. Aus diesem Grunde sei er auch aus der Liste der Landtagswahlkandidaten gestrichen worden. Im Interesse der Partei habe natürlich vermieden werden müssen, die Sache gerade während der Wahlbewegung an die Oeffentlichkeit zu bringen.— Zu den Angaben R öbers über die angebliche Drohung Freiwaldts mit der Aufdeckung von„Schweinereien" sagte der Redner: Es ist nicht wahr, daß eine derartige Drohung er- folgt ist. Es liegt auch nichts vor, was Freiwaldt hätte„auf- decken" können. Alles, was in dieser Hinsicht gesagt wird, ist haltloser Klatsch, elende Verleumdung.— Richtig ist, daß ich auf Freiwaldts Frage, was er denn in seiner Lage tun solle, erwidert habe, ich würde es für das einzig Richtige halten, sich eine Kugel durch den Kopf zu schießen. Aus dem Ausland hohe ich später einen Brief Freiwaldts erhalten, in dem dieser um Ver- teidigung und Rat und um Antwort zu Händen seiner Frau bat. Dies habe ich in einem Briefe an Freiwaldts Frau abgelehnt und dabei die Ansicht wiederholt, daß ich es für das beste hielte, er hätte sich eine Kugel durch den Hopf geschossen. Daß Freiwaldt hierauf mit der bezeichneten Drohung geantwortet habe, ist un- wahr. Einen zweiten Brief habe ich überhaupt nicht erhalten. Das sind die Tatsachen, aus denen das von Röder angeführte Gerücht mit seinen Entstellungen und Verdächtigungen entstanden sein mag. Es muß doch nun möglich sein, den Urheber dieser Gerüchte ausfindig zu machen.— Weiter führte Redner aus: Wenn es wahr ist. daß Räber schon lange begründeten Verdacht gegen Freiwaldt hatte, dann sei es nicht zu verstehen, daß auch Räber seither für die Wahl Freiwaldts zum Kreis- Vorsitzenden gestimmt und daß er die zuständigen Parteiinstanzen nicht informiert habe. Die Bemängelung der Gehaltsauszahlung an Freiwaldt sei kleinlich. Die Hauptsache sei gewesen, daß wir zur Zeit der Wahlbewegung den Mann möglichst ohne Auf- sehen los wurden. Zu verurteilen sei es, daß diese Angelegenheit jetzt zu haltlosen Verdächtigungen gegen den einen oder anderen Parteigenossen benutzt werde. Nachdem noch einige Redner zu dieser Sache gesprochen hatten, wurde ein Schlußantrag angenommen. In seinem Schlußwort führte Kubig den Angaben Räbers gegenüber aus, es sei nicht wahr, daß diesem das Vorgehen gegen Freiwaldt zu danken sei. Die Fraktion habe ja Freiwaldt zur Niederlegung des Mandats veranlaßt, sobald seine Schuld klar war. Von Anfang an habe kein Mensch voraussehen können, daß der Fall so ernst liege. Der Antrag au fAusschluß Freiwaldts wurde einstimmig angenommen. klassischen Drama erschlvercn. DaS zeigte sich bei ihrer Julia. Der Stimme, die in den leisen und den Mitteltönen eine so eigenartige, seelenvolle Ausdrucksfähigkeit besitzt, fehlt es in den Momenten des stürmisch vorbrechenden Affektes öfters an physischer Kraft. Das Organ erhält dann leicht etwas Forciertes. Auch sie wird auf der Hut sein müssen, daß die mädchenhafte Weichheit, tvorin sie Meisterin, den Gestalten, die sie verkörpert, nicht einen Zug zu naher Familien- gemeinschaft aufprägt und durch Wiederholung einen Beigeschmack des Süßlichen gewinnt. Ihr Spiel im ersten Akte zeigte Anflüge von Maninertheit; aber dann erwuchs sie zu einer Hero von der lieblichsten Natürlichkeit, verschmolz im Besten ihrer individuellen Eigenart mit Grillparzers Figur. Vortrefflich wirkte sie in der Be- gegnung mit den beiden Jünglingen, im Uebergang verlebten Jungfrauenstolzes zu freundlichem Entgegenkommen und Mitgefühl, hinter demnach halb verborgendie Neigung als ein tiefes Glücksempfinden aufsteigt. Den Höhepunkt erreichte die Leistung im dritten Akte. dem dramatisch bewegtesten des Stückes, das wesentlich nur durch die farbige Lyrik seiner Seelenschilderung spannt. Im Gespräche mit dem priesterlichen Oheim, der die zum Dienst der Götter Ge- weihte in ihr einsames am Meer gelegenes Turmgcmach geleitet und sie an das Erhabene ihres freiwillig übernommenen Amtes nrahnt, erschloß sich, kurz bevor der Sturm der Leidenschaft erbraust, in Tönen lauterster Wahrhaftigkeit daS Innere dieser Hero, ihre unberührte Seelenreinheit. Sie will getreulich halten, was sie gelobt hat, wenn sie, von neuem vor die Wahl gestellt. es auch nimmermehr geloben würde. Und mit derselben eindringlich zwingenden Gewalt malte sich in Wort und Mienen das Auf und Ab der wechselnden Gefühle, als sie Leander, den tollkühnen Schwimmer, am Fenster erblickt, ihm Einlaß gewährt und, umgcschaffen vom Hauche seiner heißen Sehnsucht, alles rings vergessend, sich ihm ergibt. Eine Verwandelte tritt sie. eben noch so kindlich und offen, am nächsten Tage dem Oheim entgegen. Sie kämpft um ihre Liebe mit allen Mitteln der List und der Verstellung, nicht ahnend, daß sie dadurch den Verdacht erst recht erregt und um so gewisser das Verderben aus ihr Haupt herabzieht. Ein frischer, jugendlicher Leander stand Herr Henrich ihr zur Seite. Am besten kam die visionäre Verzücktheit der Liebenden, für welche kein Bewußtsein der Gefahr mehr existiert, in seinem Spiel zum Ausdruck. Herr W e g e n e r stattete Leanders Freund, den derben spottlustigen Naukleroö mit einer Fülle an- schaulich naturalistischer Züge auö. die sich dem Stil der Dichtung nicht recht einfügten, die man aber um ihrer schlagkräftigen Lebendig- keit willen doch durchaus nicht hätte missen mögen. Der Oheim Heros fand in Herrn Diegelman» einen feinsinnigen Repräsentanten, der ein warmes menschliches Empfinden durch die gemessene priesterliche Würde vorschimmcrn ließ. ät. Charlottenburger Schiller- Theater. Menander- Aufführung. Aus Anlaß des Internationalen historischen Kongresses brachten Hallenser Studenten am Sonnabendnachmittag ein paar, neuerdings in Aegypten aufgefundene, Lustspielftagmente des berühmten griechischen Komödiendichters zur Darstellung. Das. � Hierauf gab Sonnenburg den Bericht der MailbatSPrilfuugskoiiimission. Anwesend sind 69 Delegierte. Es fehlen aus Herzfelde ein, aus Oranienburg ein Delegierter und aus Rummelsburg zwei Delegierte. Ferner sind anwesend der Abgeordnete des Kreises, 6 Mitglieder des Kreisvorstandes, 3 Revisoren, 29 Mitglieder der Bezirksvorstände. Von den letzteren fehlen drei, und zwar je einer aus Hcrzselde, Neucnhagen und Rummelsburg. Die Frauen sind durch 3 Genossinnen vertreten.— Sämtliche Mandate wuchen anerkannt. Nun folgte die Diskussion über die Geschäftstätigkeit des Vorstandes. Dieselbe erstreckt sich in der Hauptsache auf örtliche Vorkomm- nisse. Außerdem wiA'be der Wunsch nach Erweiterung des Vor- standes ausgesprochen. Hierauf erstattete Becker den Bericht der Neunerkommission, welche vom Kreisvorstand eingesetzt worden ist, um aus Bcschtöerde von Kubig und Eichler die der Aufforderung zur Mandatsnieder- lcgung zugrunde liegenden Behauptungen zu untersuchen. Wie aus dem Bericht hervorgeht, handelt es sich um folgendes: Der Pankower Wahlverein hat beschlossen, daß die Genossen E i ch l e r und Kubig ihre Mandate als Gcmcindevertreter niederlegen sollen. Eichler und Kubig sind dem Beschluß nicht nach- gekommen. Sie haben sich an den Kreisvorstand gewandt. Dieser hat sie zur Beibehaltung ihrer Mandate aufgefordert� und die Kommission zur Untersuchung der Angelegenheit eingesetzt.- Die Kommission hat den Pankower Borstand aufgefordert, sein' Bcweismaterial gegen Eichler und K-ubig vorzulegen. Das hat der Pankower Vorstand verweigert; er hat sich auf den Standpunkt gestellt, wenn der Bezirkswahlverein die Gemeinde- Vertreter zur Mandatsniederlegung auffordert, dann habe der Kreis sich in diese örtliche Angelegenheit nicht einzumischen. Da- gegen steht der Kreisvorstand auf dem Standpunkt, daß der Bc- zirkswahlverein Pankow, da er nur ein Teil des Kreiswahlvereins ist, nicht selbständig die Mandatsniederlcgung bon Funktionären, welche nicht örtliche, sondern allgemeine Partciintercssen zu ver- treten haben, verfügen darf, und daß vor allem nachgewiesen werden muß, wessen sich die Genossen, die ihre Mandate nieder- legen sollen, schuldig gemacht haben. Der Kreisvorstand be- trachtet das Verhalten des engeren Pankower Vorstandes als Bruch der Parteidisziplin und beantragt deshalb, gegen die Mitglieder des engeren Pankower Vor- standes das Verfahren auf Ausschluß aus der Partei einzuleiten. Der erste Diskussionsredner, D ü w e l l- Lichtenberg, sagte, daS Motiv des Ausschlußantrages sei, durch' das Schiedsgericht, welches über den Ausschluß zu verhandeln hat. Klarheit zu schaffen über die Gründe, welche die Pankower Genossen zu ihrem Vor- gehen gegen Eich l er und Kubig vcranlaßten, da auf andere Weise nicht Klarheit über diese Angelegenheit geschossen werden könne. Stadt Hagen führte aus, das sei anfangs auch seine An- ficht gewesen. Er habe im Vorstand gegen den Ausschlutzantrag gestimmt, weil er andere Mittel für möglich hielt, um zur Klar- heit und zum Frieden zu kommen. Jetzt aber halte er es für notwendig, daß ein durchaus ernst gemeinter Ausschluß- antrag angenommen werden müsse. Denn es sei notwendig, fest- zustellen, wer hinter den Unwahrheiten steckt, die seit einiger Zeit in Pankow verbreitet werden. Der Redner verlas eine lange Denkschrift, welche der Pankower Vorstand über die Vorgänge während des Freiwald-Konfliktes sowie während deS jetzigen Konfliktes auf Beschluß einer Pankower Generalversammlung ver- faßt und im Abzug an die Redaktionen der sozialdemokratischen Presse mit der Bitte um Veröffentlichung, dem Parteivorstand und den Vorständen der sieben großen Berliner Wahlbercine übersandt hat. In dieser Denkschrift wird u. a. erklärt, mit der vom Kreis- vorstand eingesetzten Untersuchungskommission sei jede VerHand- lung auch deshalb abgelehnt, weil sie aus der Erfahrung bei dem Konflikt Röber-Freiwald heraus mit Bestimmtheit annehmen, beim Kreis Niederbarnim nie zu ihrem Rechte zu kommen. Die Organisation Groß- Berlins wollten und könnten sie aus wohlerwogenen Gründen nicht anrufen. Die Versammlung, in der die auf Abfassung der Denkschrift bezügliche Resolution in Pankow angenommen wurde, sei zu Beginn von 212, nach stündiger Sitzung von 129 Genossen besucht gewesen, Experiment, das zum erstenmal vor einigen Wochen bei einem Lauchstädter Fest erprobt war, wurde auch diesmal mit großen, Beifall aufgenommen, der ja vom Standpunkte des antiquarischen Interesses sehr berechtigt sein mag, aber unmöglich darüber hinweg- täuschen kann, daß die Szenen, die man nun sogar für die öffentliche Bühne bearbeiten will, im Grunde recht wenig bieten. Von der dramatischenKrast, der..meisterhaftenKompositionsweise".der„überaus seinen Zeichnung und Durchführung der Charaktere" oder gar der„vor- nehmen Weltanschauung des Dichters", wofür nach den Versiche- rungen des BühnenhesteS die Szenen Zeugnis ablegen, läßt sich ohne philologische Mikroskope beim besten Willen nichts bemerken. Im Gegenteil, bedenkt man. daß Menander etwa ein Jahrhundert später als AristophaneS für das Theater der Athener schrieb, daß er im Altertum als der vollkon, menste Vertreter des späteren auf die komische Schilderung des gewöhnlichen Lebens und seiner Charakter- typen gerichteten Komvdiengenres galt, dann erregt die hier zutage tretende Primitivität dramatischer Gestaltung, wie der grobe vulgäre Zynismus der Auffassung direkt Befremdet,. Soll Menanders Namen den früheren Glanz bewahren, so wird man statt auf den Fund als eine Bestätigung seines Rufes zu pochen, umgekehrt an- nehmen müssen, daß ein unfreundlicher Zufall von den hundert Dramen. die der Dichter hinterließ, gerade einige der flüchtigsten und unbedeutendsten der Nachwelt in die Hand gespielt hat. Der Aufführung war die Uebersetzung des Hallenser Archäologen Robert zugrunde gelegt. Die in der Handschrift fehlenden oder nur fragmentarisch erhaltenen Teile wurden, wohl der beste Not- behelf, durch eine eingeschobene, von munterer Musik begleitete Pantomimik in Kürze angedeutet. In beiden Stücken, dem«Schieds- spruch" wie der„Samierin" spielt KindeSaussetz, mg und Kindes- Unterschiebung eine große Rolle. Hier bat ein junger Mann, dem seine Braut ein Töchterchen geboren, daS Kleine der Maitrcsse seines Vaters übergeben, die sich„un selbst als Mutter aufspielt; er wird verdächtigt, in daS dein würdigen Erzeuger reservierte Gehege eingebrochen zu sein und heiratet, nachdem die Sache sich aufgeklärt, freilich ein bißchen wider Willen, die von ihn. Verführte. Dort ist ein frisch gebackener Gatte, der nach fünfmonatlicher Ge- schäftsreise zurückkehrt, dahinter gekommen, daß seine Ehefrau inzwischen eines KnäbleinS genesen ist und das Würmchen ausgesetzt hat. Er nimmt sich zur Besänftigung seiner Seelenschmerzen eine Geliebte und lebt mit ihr in Saus und Braus, bis daS Kindchen entdeckt und durch Zeugen festgestellt wird, daß es trotz der ftinj Monate den legitimen Ehemann zum Vater hat. Es dankt sein Leben einer Nacht des Dionysosfestes, in deren Dunkel sich die beiden späteren Gatten, ein jeder unerkannt vom anderen, trafen. Die Entdeckung löst alles auf in Harmonie. Von irgend einer Verve in der Erfindung oder Charakteristik ist nicht die Rede. Nur die ein- gestreuten parodistischen Ausfälle wider die Juristerei. Philosophie und alten Göttersagen zeigt Spuren einer munteren, geistreich behenderen Laune. Die Darsteller, in ihren Masken und in, Pantomimischen sich ganz dem Stile griechischen Komödienspiels an- passend, zeigten ein gut geschultes Ensemble, in einigen Leistunge» sprach sich entschiedene Begabung aus. du fön denen 103 für solche Denkschrift stimmten. In der General- Versammlung würden die Panrower Delegierten selbst für ihren Ausschluß aus der Partei stimmen, um die Zustände im Kreise vor einem Parteischiedsgerichte respektive vor der Gesamtpartei klarlegen zu können. Diese Denk- Schrift, die in ihr aufgestellten Behauptungen sowie die gesamten Schiedsgerichtssachen Röber Wider Freiwald und Räber Wider ihn beantrage er nunmehr, dem anzurufenden Schiedsgericht als Material zu überweisen. Wie der Redner des Iveiteren aus- führte, enthalte die Denkschrift verschiedene unwahre Angaben, Entstellungen und Verdächtigungen auch in bezug auf seine, des Redners, Parteitätigkcit im Kreise. Ein ernst gemeintes Aus- schlus; verfahren sei notwendig, denn es müsse Klarheit geschaffen werden sowohl über Anwürfe gegen E i ch l e r und K u b i g, so- wie über die Verdächtigungen anderer Personen. Der Redner sagte, er sei überzeugt, daß hinter Röber oder hinter anderen in Pankow Leute stehen, die jeder Parteigenosse verachtet. Diejenigen, die hier zu schieben glauben, werden geschoben. Nach diesen Worten Stadthagens erschallten Pfuirufe aus den Reihen der Pankower Delegierten und Zuhörer. Es entstand groster Lärm. Als Stadthagen seine Rede beendet hatte, wurde ein Antrag auf Schluß der Debatte gestellt. Röber bekämpfte den Antrag mit dem Hinweis, daß nach den Ausführungen Stadt- Hägens auch die von demselben angegriffene Seite gehört werden müsse. Der Schlußantrag wurde mit SO gegen 32 Stimmen angenommen. Der Antrag auf Ausschluß des engeren Pankower Vorstandes fand mit dem Zusatzantrag Stadthagen gegen wenige Stimmen Annahme. Nach Annahme des Antrages verließen die Pankower Delegierten und der größte Teil der zahlreichen Zuhörer unter großer Unruhe den Saal. Nun folgte die Wahl deS ersten Vorsitzenden. Der Kreisvorstand schlug, den Genossen Kubia vor. Dagegen machten einige Redner geltend, es wäre im Interesse der Beilegung des gegenwärtigen Konfliktes besser, wenn K u b i g bis zur Er- ledigung desselben nicht den Vorsitz führe.— Es wurde dann Genosse D e n tz e r- Waidmannslust zum Vorsitzenden gewählt. Den Kassenbericht erstattete S e i k e l. Der übernommene Bestand beträgt 4222,40 Mark, eingenommen wurden an Beiträgen 8014,10 M., sonstige Einnahmen 1207,80 M., die gesamte Einnahme des Halbjahres 13444,41 M., die Ausgaben betrugen 10235,78 M., bleibt ein Be stand von 3208,63 M. Weiter führte der Redner aus, daß die Geschäftslage gegen das vorige Halbjahr sich verschlechtert und der Markenabsatz sich wesentlich vermindert habe. Nach einer kurzen Diskussion über den Kassenbericht wählte die Versammlung als Teilnehmer am Schiedsgericht in Sachen deS Ausschlusses deS Pankower Vorstandes die Genossen Becker- Karlshorst, Grunow- Oberschöneweide, B r ü h l- Lichtenberg. Hierauf folgte die Berichterstattung der Kommissionen. Liesegang gab einen Ucberblick über die wesentlichsten Veratungen und Beschlüsse der P r e tz k o m m i s s i o n. Es handelt sich in allen vorgetragenen Einzelfällen um Angelegenheiten ge- schäftlicher und formaler Natur ohne grundsätzliche Bedeutung. Auf der Tagesordnung standen noch die übrigen Kommissions- berichte, die Stellungnahme zur Generalversammlung von Groß- Berlin, zur Provinzialkonfercnz und zum Parteitag. Die Be- Handlung dieser Punkte wurde, da nach sechsstündiger Dauer der Versammlung der Saal geräumt werden muhte, vertagt. Die Fortsetzung findet am nächsten Sonnabend in Rummelsburg statt._ 9. Dttbandstllg der Fabrik- usw. Arbeiter. München, 6. Anglist. Am 6. VcrhandlungStag wird die Debatte über das Streik- reglement fortgesetzt. Der Vorstandsantrag, wonach Angriff- und Abwehrstreiks nur mit Zustimmung deS Ausschusses erfolgen können, wird mit folgendem Zusatz angenommen: Bei Abwehrstrciks hat der Vorstand so schnell wie möglich seine Zustimmung zu gebeu. Ein weiterer Antrag des Vorstandes, daß bei Bewegungen betreffend Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit mindestens drei Monate vorher dem Vorstaude gemeldet sein müssen, wurde nach lebhafter Debatte angenommen, nachdem die Frist auf zwei Monate herab- gesetzt wurde. Desgleichen wurde ein Antrag angenommen, daß bei Ki'zndigung der Tarifberträgs rechtzeitig die Zustimmung ftS VorstanideS eingeholt werden müsse. Nulr begründet Thiemig- Dresden die in der Verschmelzung?- ftage vsn der Kommission gefaßte Resolution: Zalstiitellen im Umkreise von 15 Kilometer sowie alle, welche in einem gemeinschaftlichen WirtschaftS- und Lohngebiet liegen, haben sich zu einer Verwaltungs- stelle, irater Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse, zu ver- schmelztwi. Der Hauptvorstand ist verpflichtet, die VerHand- lnngen zwischen den zu verschmelzenden Zahlstellen einzuleiten, zu führen und die endgültige Entscheidung zu treffen. Von den größere n Zahlstellen wird ertoartet, daß sie in loyaler Weise den be- rechtigte« Ansprüchen der zn verschmelzenden Zahlstelle Rechnung tragen. Zahlstellen, die sich der Entscheidung des Vorstandes nicht fügen, Sann das Material entzogen werden und ist die zuständige Zahlstelle mit der Ausführung der Vorstandsgeschäfte zu be- auftrag.tv.'. Dik! Resolution deS Leipziger Verbandstages ist damit aufgehoben. In der Diskussion befürchten mehrere Redner, daß durch An- nähme dieser Resolution den kleinen Zahlstellen der Todesstoß ver- setzt wüicde, anderen wieder geht die Resolution nicht weit genug und wctllen das Wort„kann" das Material entzogen, durch das Wort»'».ruß" ersetzt wissen. Der Antrag der Kommission wurde gegen cuht Stimmen angenommen. Dia Preßkommission wurde aufgehoben und wurden dem Vorsts.nd alle Beschwerden über die Redaktion, sowie alle die Zeitung betreffenden geschäftlichen Angelegenheiten zur Behandlung überwies en. Dha Bestimmungen des neuen Statuts treten am 1. Oftober in Kraft. D e.'.' seitherige Vorstand wie die seitherige Redaktion wurden per Ak!I amation einstimmig wiedergewählt. AlS Vorsitzender des Ausschusses ging auS der Wahl Kollege rum S- Hamburg hervor. D>»r näcbfte Verbandstag findet 1910 in Halle a. S. statt. St, mit find die Arbeiten des 9. VerbandstageS erledigt. Dcz: Vorsitzende Brey gab hierauf ein kurzes Resümee über die gefaßte»: Beschlüsse und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß diese zum Vorteile der Mitglieder ausfallen und die Delegierten energisch für die Dm chführnng der Beschlüsse tätig sein werden. Mit einem be- geistert aufgenommenen Hoch auf die Organisation wurden die Ver- handlur» gen geschlossen. Die Delegierten singen stehend die ersten Strophpi n der Arbeitermarscillaise. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. �beater. Dienstag, den 11. August, Anfang Tl, Uhr. Neues tgl. Opcrntheatcr. Die Walkür«.(Anfang 6'/, Uhr.) Deutsches. Die Räuber. Kammerspiele. Lysistrata. (Anfang 8 Uhr.) Anfang 8 Uhr. Neues. Der Zerrissene. Neues Schauspielhaus. Die Dollarprinzeffin. Kleines. 2X2-5. tinitipielhaus. Die blaue Maus. Weste». Ein Walzertraum. Schiller«.«Wallner-Theater.) Der Troubadour. Friedrich- WilhelmftSdt. Schan- spiclhans. An Rabenvater. Hebbel. Frau Marrens Gewerbe. Luisen. Suse. Bernhard Rose. DaZ Geheimnis von New Aork. Meeropol. Das muß man seh'n. Apollo. Vera Violetta. Spe- zialitäten. Gebrüder Herrufeld. Das kommt davon. Vorher: ES lebe das Nachtleben. Baiinge. Spezialitäten. Berliner Pratcr. Die Welt ein Paradies. Ansang 7 Uhr. Carl Haverland. Spezialitäten. Retchshallen. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialiläten. llrnnia. Tnnvriiiirnste 48/4S. Die Kruppschen Werke. Sternwarte, Jnvaltdrnftr. 67/02. Hebbel=Theater Königgrätzer Str. 57/58. Ans. 8 Uhr. Krau Warrens Gewerbe. Mittwoch; Cyvrienne. Donnerstag: Frau Marrens Gewerbe. Geistes Theater. DienLtag, den 11. August er., Ansang 8 Uhr: Ä mal 2= 5* Mittwoch- S mal S— S. Donnerstag: S mal S=- 5. Freitag: 8 mal g= 5._ Tbeater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Ein Walucrtraam. Operette von Oskar Elrauh. Residenz-Tlieater. Sonnabend, den 15. August 1908: Eröffnungs- Norstellnng zum Besten d-S ZeppelinsondS zur Erbauung eines neuen LliftschisseS. Zum Sl. Male: Der Floh tut Ohr. Näheres dte DageSzettcl. Ansang S Uhr. Ende 10 Uhr. jAvMKIvr- (Wallner-Thcater.) Morwltz-Oper. DtenStag, abends 8 Uhr: Gastspiel Mtalni-lcli UOtel: Der Tronbadonr. Große Oper in 4 Alten v. G. Verdi. Mittwoch, abends 8 Uhr: Vildluv. DounerS tag, abendS8Uhr: O»rn»vn. Theater. Schiller> Theater lZdarlottsnburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Eröffnung der Schauspiel- Saison. Ein EuIU«gcinvnt, Schauspiel in 5 Aufzügen von Björnstjerne Bjornson. Donner Stag,abcndS8Uhr: Ptaillgtor. Hieraus: Die Lore. Freitag, o b e n d S 8 Uhr: Dnsi Ictxte mittel. LustspieBhaus. Abends 8 Uhr: Die blaue Maus. Luisen-Theater. DienStag, den 11. August 1908, abcndS 8 Uhr: Suse. Täglich: Suse. Sonnlag, den 18. August, nach- mittags 3 Uhr, zum erstenmal: Das Schloff am Meer. 3 Passase-Tlieater. Abends 8 Uhr; BELLINI Der Kömg aller Gedankenleser! mitseinen noch nie gesehenen, ans Unglaubliche grenzenden ::: Gedankenübertragungen::: Das groOartige August-Programm! k Grete Gallus, FriU Steldl usw. usw. J Ohne Exira-Entree. Der Riese aller Riesen Pisjakoff Eintritt SO Pf. Kinder, Soldaten 85 Pf. Ab 8 Uhr! Die bedeutenden Spezialitäten- Novitäten. »Vs«'/- Vera Violetta. Baudeville-Operelte von Cd. Ehslcr. In Szene gesetzt vom Dir. R. Schier. ?'/, Uhr- Garten-Kol�ert der Dheater- Kapelle. �rvhl'ÄÄGr Herrnfeld- "m? Thealer. flÄ 57 Kommandantenstr. 57 Täglich die Novität: Das kommt daYon! mit dem Vorspiel: .H Ick das Ullckn!" Komödie in 3 Akten von �.ntoiA und Donat Ilerrnfeltl. Promenaden-Konzert im herrlichen Sommergaricn und aus der Pergola. Vielen Kranke«! ein großer Segen! Ig. K., not. cand, in Stuttgart s gjrciBt: So lange ich denken kann, war ich nur ein ha Iber Mensch. Ich bin slctS müde und abgespannt gewesc t>, hatte, obgleich ich blutarm war, immer Nasenbluten i tnd sah aus wie der Tod. Ich nahm alle mögllchcn blul bildenden Mittel ein, aber von elyer Besserung war keine tläpur. Mit der Zeit wurde ich melancholisch. Ein Freuntr von mir bestellte für mich 30 Flaschen Lamscheider Sl ahlbrunnm: schon nach der 5. Flasche bemerkte ich ci| e wesentliche Besserung. Ich wurde frischer, lebhastcr. Nachdem ich alle Flaschen verbraucht hatte, war ich« in anderer Mensch. Wenn ich mich abends um 10 Uhr zu; Bette legte, war ich nicht so müde als früher, wenn ich morgens auf- wachte. Fr. D. in KlauSthal: Mit grofeitr Freude teile ich Ihnen mit, daß mich Ihr Lamscheider-Slahlbrunnen von meinem mich seit langen Jahren quäl Huden Nervenletde» besrcit hat. Alle« ging ohne Beriisjst�nong; meine Gesundheit hat sich nicht nur gebessert,(aaftern ich bin jetzt vollständig hergestellt. Geheimrat Prof. Dr. med. L.: Deutschland besitzt in dieser Eisenquelle einen Heilschatz ersten RangeS, der eS verdient, der leidenden Menschheit, dauernd zugängig gemacht zu werden. Warm enipsohlen bei Blutarmut, BleichsfuHt, versch. Arten von Frauenkrankheiten, Magen- und D>nrn«cidcn, Nerven- krankhelten, blutarmen Zuständen, bei denen ei.ne Vermehrung der Blutmcnge und Verbesserung der Bllltb«Ichasfenhe>t not- wendig ist, z. B. nach großen Blutverlusten infolge schwerer Operationen, Wochenbetten usw., nach Sbcrstandenen er- schöpsciiden JnsektionSkrankheiten, wie Juiluenza usw.— Broschüren kostenlos durch: Lainscheider Sitahlbrunnen in Düsseldors W. 164. Delropol-Theater Zum 327. Male: r «WMlIM DT Mr. FrilNksurter Str. 132. Das Gahelmnit v. New York Ans. 8 Uhr. Sommerpreise — J Aus der Gartcnbühne: Theatervorstellung. Spezialitäten. Ansang i'l, Uhr. sgarteu-Tlfeater Sahnhof Gesundbrunnen.— tStag, den 11. August: iert, Theater und lalitätan-Vorsfeilong. Biesen- Programm. verk mit ihren dress. Bären. ieeküche ist täglich geöffnet. Revue in 12 Bildern m. Ges. und Tanz. Anfang 3 Uhr. Rauchen gestattet. fsiöllrilili-Wi'ItikInistSlltisntiks 8 uhr. Scliguspieliiglis.« uv. Sommerspielzeit. Letjung v. G. Piltz. Dienstag, den 11. August t90S: Ein Bavenwate r. Schwank In 3 Akten V.Jarno u. Fischer. Mittwoch: Ein Rabenvater. Donnerstag: Ein Rabenvater. II lelle-AIIIaiieö-Gai'ten. Fortsetzung der GroSen internationalen um dte Meisterschaft von Deutsch. land unter Leitimg des bekannten Meisterr-ingers Fcrb. Dtcikmnnn. ALS VarlStS I Bange«. EÜB Ansang-Konzert G>/„ AariStü 8, 9586* Ringkampfe 9';a Uhr. Reidisliallen-Ilieater Täglich: Sletüner |\ Anf� Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr Neichshallen-Garte»„„d Restaurant: Militär-Konzert. ÜOiez' Spezialitäten- Theater I 1 1 Eandsborgcr Allee 70/79, direkt Ringbahn-Station. I Bequemste Fahrgelegenheit nach allen Sladtrichtungcn. |' Ob schön! zm- Täglich:"TS Ob Regen! I l| Dao neue und beste Programm Berlmo. I [ Die größte u. beste Raubtiergruppe d. Gegenwart. Gebr. Bflgler.| lOpiucu Wd 8 Karen.! v Anfang 3 Uhr. Entrce Wochentags SV. Sonntags 30 Ys. Täglich: Volksbelustigungen aller Art.OGGGAD»G öerlmer praler-Idealer Kastanisn-�Uos 7— 9. TägUch Die Welt ein Paradies große Ausetattungs-Revue und erstklassige Spezialitäten. Anf. Sonnt. 4 Uhr, Wochent. ♦V, Uhr. 1"" B Sanssouci, IXX'e. Direktion Wilhelm Reimer. . Sonntag, Montag, Donnerstag: / uE Stet« neues Programm. /Mm firlle-ÄB Einakter usw. Tanzkränzchen. /« Sonntags Beginn 5, wochent. 8 Uhr. Schweizer Garten. Arn stänigstor— Arn Friedrichshain. Täglich: Theater- Vorstellung, Spezialitäten und Ball. Berliner Leben. Volksstück mit Gesang in 8 Bildern. Mmwoch- Kiiiderfteudtuftst. Vollsbelusligungcn. KInematograph. Entrce 30 Pf. An Woohentagon Ist Saal u. Garton an Vereine zu Festlichkeiten zu vergeben._ Brunm Dn-Iheater Badstratze 58. Direkt.: Willi Voigt. Täglich: Unsere brauen Juntjens. Ersthlasßlte Sprplitötfn. Bollini Truppe Kurt Ellys The 5 Violette I Powe) and Pawel LMK- Adol f Uartlcy.-PW Eröffnung 2 U|t. Ansang 41/. Uhr'. Vorverkau f von 10 Uhr ab. Freitag, den 14. Aug.: Gr. Benefiz» Vorstellung für Bitte Bacls. M ax Rliems 8on tmer-Cheater. — Rasenheide 13—15.— Artistische Lcitußig: Bernhard hange rülllich: GrofiüsKciizertJheater- qoiI Spezial�ten-llorstsiliiDg. Mittwoch:«i» derfest. Donnerstag: 4 rlite-Taq. Urania» WissenschaftlicheB Theater. Tanhonstraßo 48/49. Abends 8 Uhr: Die Kruppschen Werke. Walhalla TT Van'cie Theafer ■ Woinfaergsweg 19/20, Roscnth.Tor. j Spezialitätenvorst. Im Garten.| I Bciungünst. Witterung i. Theater. Dressierte Elefanten. fNmsWM' Uasenherdo 103—114. NItl«vcb, Hoimers lag, Freilag: IdCtzte Taae: Mr. [Gaiin IL toluimer Roplsprung ans der|> O. Etage.| fistbalm-yarh Am KDstrinerpIa't, RBdersdorferstr.Tt Hermann Imbs. D fig l i ch; Großes Konzert, Theater- anii Spezialitäten- _ Vorst ellung, W.Koacks Theater »tiefttüii; Roh. Dill,«rmmeustr. 16 Letzte Woche: KoIIcke im Familienbai! Wannsee. Keno Spenialltaton. 8ln|. 0 Uhr. ätajfceUVHc 3 0 Uhr. Sonnabend z. erstenmal- Angeklagt. kfödel! Schönhauser Aileo 148. Täglich: Kcrliiitt Ktyk«. LolkSstück In 2 Akten. Dazu ktstlilnsflge ZpeMlitätkii. Serlmery Hc-Irio. Felix Scheuer I Strslnnäsrilr.l. I>a« täglich© ZI©1 vieler 10 B© Mchaalastiger bildet die Hsgenissesif-Sciia Berlin, Königs, Ecke IMeue Friedrichstraße. Tftgllch abend, 8 Vh,: GroBo Vorstcllnng. Joden Sonntag, Mittwoch u.�Sonnabond 2 grolle Vorstcllungon, nachm. 4 u. abends 8 Uhr. 213j8* Sonntag von 11 Uhr»arm. bis 12'/, I»ir Besichtigung u. Fütterung der Raubtiere. heniag ab 10 Uhr»arm. bis I Uhr mittr zzz hoohintercssanto Knubtiordrcnour-Proben. Besichtig, u. Fütterung d. liaubtiere geg.- ein.'■introe v. 5© Pf- k- Krwaolis. u. PX. f. Kinder. laden Jeden WoehenU! VI. Wahlkreis I.. II., III. Abt.: Schönhauser Vorstadt. Sonnabend, den 15. August 1908: ■ Sommcrfcft■ irt den Gesamträumen des Berl. Prater-Theaters, Kastanien-Allee 7—9. X X Konaert, Theater nnd Spczlallttttcn. XX £££" Kinder-Fackelzug."SW Jedes Kind erhält eine Stocklatome gratis. __ X Die Kaffeeküche ist von 8 Uhr an geöffnet. X I Eröffnung 2 Uhr. Anfang i'l, Uhr. Entree im Vorverkauf SS Pf., an der Kasse 30 Pf. t„ o„„i„. rvtn-nrr Herren, welche daran teilnehmen, Im Saale: i aUZ. kahlen 50 Pf. nach. _______ ,r::r Halt! Halt! Wo gehen wir Sonntag hin? KöveiliseligMes! ngeli Mm i. M. Am Tonntag, den Ik. August, auf dem Gemelnde-Neslplah Grolles Gewcrkscliaftsfcst sämtlicher freien Gcwerkschafien Veltens. Von nachmillnnS 4 Uhr ab Ball In den Pariser Tanzzeiten. Graste Kinderfrstspicle, Fadelzng, Aufstieg von Riefenluftballons. Ausknobeln von Gänse», Enten usw. Bequeme Fahrvcrbindung ab Stetlincr Bahnhos und Gesundbrunnen nachmillagS 12,35, 1,46, 2,38 oder Tegel 12,58, 2,12, 3,01. 290/1» * EZ ladet freundlichst ein Die Gewerkschaftskommtsslon Velten i. M K S&T" Extrafnhrt. ♦s�l Achtung, Von der ÄeillellüAMmei' örlieke Prinz-LouIZ'Fcrdinand-Jlraste, an der Frtedrichstrabe. Am Donnerstag, den 13. August IstvS: Nach». d. Havel. Abfahrt l'l, Uhr morgenS. Fahrpreis hin und zurück 2 M., einlach 1,50 M Reederei I,. Kaimt, SIralau.Bcrlin. Tel.: Amt VII. 580, 13459. MoKin unsere Husfldge? Nach dem Idyll des Südostens! 3592L» I�aucllkanxs�verlter! Zum„Waldhaus". Ilcqnemc Rahnverhindnng bis Zeuthen. Täglich, ausjcr sonnabcnd u. Lonntag, flsmnfeo.pvfi'efelinfiin vormittags 10>/z u. nachmittags 2'/, Uhr: tllUlljilCl LAU dl Hill ICH ab Jannowihbrücke und SchlestschcS Tor(«tern- Gesellschaft). Kdnard Rntkowski. Geschäfts- Erillfnnng. , Meinen Kollegen, Freunden und den Genossen teile crgebenst mit.dab ich Markusstrake 4 (nahe der Holzmarkt- und Langestraste) ein Zlgarrengeschiift von der „Tabakarbeiter> Genossenschaft .Hamburg« übernommen habe und bitte um freundliche Unterstützung. Albert Mamniat, Gteindruckertnvalide. � Hygienische Bedtnsarükel. Neuest. Katalog Empfehl.riel Aerzte u.Prof. grat. uÄ B. ünger, GonuiiiwtroAf&brlk Qerlin HVV.. i�riedrichctrasse 91/92 Leihhaus GclenonheltskSufe verfall. Gold- und Silbersachen, Brillanten etc. IckouiuersuPrinzEDStriS1 Tod � Teufel allen: Ungeziefer! Giebels 8pLiisI-MeI «vtQi» Ttnlohlbar Wmm, Schwaben und jede Brat. VerstSrktos„Wanzenfluld" Fl, 50 Pf., 1,-, 8,-, Ltr. 5,— Spoilal- Schwabenpulver..Poudre Martial" 50 Pf., 1,—, 2,—, Pfd. 4,-. Sprtlhnppnrntc SO Pf. Anerkennungen aus aller Well. Man nehme in den Drogerien nur die echten Originalpackungen mit Marke «Tod u. Teufel", die einzige Garantie für Erfolg I Odo Reichel, ES.ä'l: Uelerul Iii: Imte raä Mut KB Amt IV 4751, 47B2, 4753. W> med Karl Relnhardt's spezlal ärztliche Institute für Unat-, Harnleiden, Potsdamer • Str. 117(l/|l2— 2,'/,8-9 abdS.) Neanderslr. 12('/.lO— 11 u.'/«5— V.S). Verlangen Sic im eig. Interesse vor Beginn einer Kur auSsührl. Broschüre über d. Wert sämtl. übl. Heilmethoden in verschlossenem Kuvert gralls und poftsre! oder im Institut. 228/18» »?. ivnisvks ednrfsartikel, Ournmiwaren, 1000s Ansrk. V. Prof. a. Aerzt. ompf., bill. Apoth. S. Schweitzers Fab. hyg. Präp,, Berlin 0., Holz- marktstr. 69-70. Preiel. gratis. fflen's iDcht, roer durch Hautjucken jut Beriweiffuuz qe» brucht wird, arbrauche Ziicker'S Patent» Medlzlnal-Seife, D. R. P, Sr,tlich rmv- ledlen und Inulendfnch tewäbri.PriieooPlz. tlleine Puckung. ISftiS)»nd TOM jofuroft» HJockuna, 35% ig, den stärkster BittunaX Wunderbore Erfolge, bei HeutalleNionen aller Art, Hautjucken. luckrnd-n HautauelchlSain, Haularichwüren, gurckkstt», Pickrln, Miirisrrn, Wimmerln, Pusteln. Gestchisröten, Tommersdroste» ic� zumal bei gleichzriiiger Anwendung von fWIßSsy Crtme, dem derrlichstm und riuiizarvgsteu aller HauIrrSmeS. Prei» Ml. 1-. Vroittui, 75 Pig.. sowie der nach dem gleichen Pate»! hergestellien, wunderbar uiild wirtende» ZuUMh-eeif., Drei« 50 Pia.(klein» chedranchevackung) und Ml.>> lstroste Tescheutpackung), werden saMtcicf) berichlrt. Jeder, der di«hcr der- gcdlich b-w», wach« eine» Versuch, ksstr»i« zarte Hanl der Kinder verwendet die den- sende TOniier«ttumoor-KInd-r.Geifi, r. St. 5S, Preis 50 Plg.«Nd Äitnmoor» Kinder-Erimc. Prei, 40 Psg., f ovdel- dose 70 Psg.. das Veste, Sdelu« und m-insii, für die Nndliche Haut, lleberall»» Huben. Wo nicht, diretter iSerland durch it Zucker » Eo., Berlin. Potidamerstr. 73. In Berlin echt bei Max Schwarz. lose, Königstr, 59 und Potsdamer Strohe 7 a, ftzranz Schwarzlofe» Leipziger Slrasje 56, Schwarzlose, vorm. Adolph Heister. Friedrich. st raste 183, I. F. Schwarzlose Marlgrasenstraste 29, Paul Rade«. Tlirmstraste 48. Frist Krast. Rei» nickendorsrr S!r, 119, Reichsadler- Apotheke. Gr. Franksurter Str. 134. Horm. Gornirk, RathcnowcrStr. 48, Gnst. Reumann Wwe.. Neue Rost- straste 14, Otto Schulst, Chaussee- straste 87, Otto Reichel, Eisenbahit- straste 4, und austerdem in sast allen Apotheken, Drogerien, Parftimr- nen der Welt. Herbsloli-Raucber! Von einer Seite wird die falsche Nachricht verbreitet, daß unsere Arbeiter streiken. Wir erklären, daß dies eine Lüge ist und daß Differenzen mit unseren Arbeltern überhaupt nicht bestehen. oieb* Zigarettenfabrik Herbstoli. Deutscher Transportarbeiter- Verband. — Verwaltangsstello I.——- Verein Berliner Hausdiener. Am Donnerstag, den IS. August, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshause(Saal 4). Eiigel-Ufer IS: MF*(neneral• Veiisammlniig;."VK Tages-Ordnung: 70/10 1. Verwaltungs- und Kassenbericht. 2. Anträge. 3. Geschäftliches. Mitgliedsbuch ist mitzubringen nnd am Eingang der Bersammlung vorzuzeigen. Wer mit seine» Bettrügen über 10 Wochen im Rückstände ist, hat keinen Zutritt. IH« Ortsvcrwaltung 1. I, A.: Fritz Wappler. OrtsvernaUang Berlin. Bureau: Berlin N. 54, Vrunnenstr. 188, Restaurant Wille. Amt lila, 4835. - Achtung!" 50'4* Wir empfehlen bei Veranstallmig von Vergnügen usw. den geehrten Borftänden, Komitees und Saalinhabern unseren kostenlosen Arbeitsnachweis, Brnnnettstrasze 188. Geschäftszeit täglich von 10'/,-I Uhr mittags. Kapellen vom größten bis kleinsten Orchester stehen jederzeit zur Vcrsügung. Der Vorstand. NP, Unsere Mitglieder sind im Besitz einer Kontrollkarte. Dieselbe ist für da» 3. Ouartal braun und mutz mit dem Verbandsstempel versehen sein. Alle andere Legitimation ist ungültig und ist sofort anzuhalten. DnnlcNngnnR. Für die vielen Beweife inniger Teilnahme und die zahllosen sowie kostbaren Kranzspenden bei der Beerdigung unserer unveraestlichen, leider so früh dahingeschiedenen Tochter, Schwester und Freundin l,ni«e sagen wir allen Verivandten. Freunde» und Bekannten, ins- besondere der Firma Mix it Genest, allen ihre» Kollegen und Kolleginnen, dem Deutschen Metallarbeltrrverband, dem Gesangverein Nixdorfer Männer- chor unseren licsgcsühlicn Dank. Paulino Schellin nebst Kindern. Margarete Grabow alö Freundin, Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hos I. Amt 3. 1239, CharllOstraBe 3. Hos III, Amt 3. 1987 Achtung! KlillansllMger. Achtung! Aonntrstag, den 13. Hupst 1908, abends S1/» Uhr: Versammlung im„Englischen Garten", Alexanderstr. 27g. Tagesordnung: 120/13 1. Nochmalige Aussprache und Abstimmung über die von selten der AgitationSlommission zur.Regelung der SlrbeitSnachweiSsrage» gc- stellten Anträge. 2. Verbands» und Branchenangelegenhciten. 3. Vcr. IchiedeneS. Kollege« l ES ist für alle notwendig, in dieser Versammlung pünktlich zu erscheinen. Die Neuerungen sollen bereit« am 1. September er. ein- treten, die Abstimmung findet daher bestimmt statt, BC Mitgliedsbuch legitimiert!"Whb Die Ortaverwaltnng. #»7% Der Grund unseres grossen, stets wschsendeo Erfolgen ist, dass wir jedem Käufer die grösste Sorgfalt widmen. Einheitspreis 12» Forder» Sla Musterbuch V• SllWNbtR, SCHUH. GES. nukH. CENTRALE; W. FH«Heh*r. 182 C* Königstr. 47 SW« Fricdridutr. 221 o ld i s an scHmuck bester Brests tar ftobten Qoldaohmack, well lOJfthrlgo nrkanailohe Osrantie für Haltbarkelt n. gutes Tragen, eonet TerbOrgter Umtaneolt. Elegante Original-Etuie. Billige Preise.— Brhdluiolt in OoHwarenhandlnngen, Bestbewährht gesunde und. J magen� darmKrante Kinder- k.nahruna Kufst�e -Kanteitasf' Nahrung filr» sowie ► schwächliche� In der Entwicklung ZurückgebiiEbEiis Kinder. »»»»«»««»«»««»»«««»«»«««»«»«»«««««»»«««« Achtung, Vereine! Für Sommer-«»d Kinderfeste-mpfohlr«! gung. ewciie herzlicher che« Kranz Danksa Für die vielen i Tcilnahnie und spenden bei der Decrdlgüng meines lieben Manne«, unsere« guten Vaters und Schwiegervaters S51b Wiiiivlitt Kenn« sagen wir allen Verwandten und Be kannten, insbesondere den Genossen des 4, Kreise«, dem Genossen Herrn Büchner für seine schlichten Worte und dem Vogischen Gcsangsquarictt unseren herzlichsten Danl. Martha Henze, Karl Wollcr u. Frau, geb. Henze. Für Danksag» n jg. die liebevolle Beteiligung der Beerdigung meines lieben ManneS Ifrann Gans spreche ich allen Teilnehmern, de» sonders auch seinen Kollegen der Sauorwoin& Miiller'jchen Werlstätie meinen herzlichen Danl aus. 3949L Witwe F. Gans. Danksagung. Für die herzliche Anteilnahme an dem herben Verlust, der mich durch daS Ableben meines ManneS, unseres inniggtliebten Vaters, getroffen, sage Ich allen Freunden und Belannicii, meinen herzlichen Dank. 395011 Hohenschönhausen, 6. August 1908. Frau Witwe Mathilde Poremda _ geb. Unzner._ Von der Reise zurück 963b» Dp. Leopold Idllcnthal Arzt(Ur Haut- und Harnleiden. (Licht- und Röntgen- Behandlung.) Graste Frankfurter Straste 107. Klnmn' and Kratizliitidem von Robert Meyer,. nur iUlMlunikn-Sttllße 2. Dr. Schlinemann Spezial-Arzt für 36482» Uunt- und Ilm»leiden, Fraaonkranhheltcn. Frledrfchstr. 203, Ecke Schützenstr. 10-2, 5—7, Sonnt. 10—12 Übt. Dp. Simmel Spezial-Arzt fßr Haut- und Harnleiden. Prinzenstr.4I,MdÄ™z, 10-2. 5-7. Sonntage 10-12. 2-4. ■wi.rnni-„ Stocklaternen, Fackeln, Schärpen, » Kopstedeckungen, Jlluminat.-Laterncn > Dekorationsgirlandcn, Berlosungsartikel, Harken, Sensen, Keglerpreise, Jux- u. Scher, artikel, Feuerwerk, Festabzeich. Grolle Auswahl, billige Preise, knlanto Ucdlennng Pohl& Weber Hachf., Am Spittelmnrkt 4/5 I Aloxnnderstr. 51/5» Jnh.! Otto Oeoep. gnh.! Ernst Herbst. Kataloge gratis und franko sowie Versand nach aufterhalb. t ltpsteh! 28 empfiehlt sich bet eintretenden: Trauerfall mdgltchft sofort HVvstsnannn rrsllermsgzzill Hauptgeschöst: Berlin W., MohrenslraBo 87a, an den Kolonnaden, 2. HauS von derJcrusalcmcrstlaste.und HB., Gr. Erankturtorstr. 115, 2. HauS von der AndreaSstraste, zwecks Auswahl d. passenden Draucrgardcrobc ausznsuch. Um dem Publikum einen de- eonderan Vorteil zu bieten, ge- währe ich auf diese Anzeige hin bet Kauf» I« o/o Rabatt In bar! Die Tätowierung Am Sonnabend, nachts, ver-I l schied nach schwerem Leiden meine I ! liebe Frau, unsere gute Mutter j j und Schwiegennutter Rsroüue Voll Ä. Dies zeigt lief betrübt im K Namen der Hinterbliebenen an Gnstav Wolf, Nilolassee, Cimbernstr. 3. Die Beerdigung findet am Mittwochnachmittag 4 Uhr auf dem Friedhofe in Nikolassee, an der Nehwiese, vom Traucrhause au« statt, 957b SozialileDiokrat. Hvereio von Zelilemiorf. Den Mitgliedern zur Nachricht, s Idast in der Sonnabendnacht die' 1 Genossin Raroline Wolf Nikolassee, Cimbernstr. 8 j verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am I Mittwoch, den 12, August, nach- mittags 4 Uhr, aus dem Fried- hos in Nikolassee an der Reh- wiese, vom Traucrhause aus statt, I Um rege Beteiligung ersucht >203/7 Der Borstand. München, Blumenstr. 53. V63b» UM-MM der Maurer! BeutselilauiSs. Zwelgvcrein Berlin. � Sektion der Putzer. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Hudolf Wetzel an, 8. August plötzlich am Herz- schlag verstorben ist. 134/13 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 11. August, nach. miitags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Luisen-KirchhoseS in Westend, Fürstenbruttner Weg, aus statt, Der Vorstand. Denlseber Holzarbeiter-Yerbarnl Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Drechsler JUherK Mohr am 9. August gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Dienstag, den It. August, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des NummelSburger Ge- mewde-FriehoseS aus statt. 83/12 Die Ortsverwaltnng. DöMIw Transportarbeiter- Verband. (Bezirk Groft-Berlin.) Todes- Anzeige. Am 6. August verstarb auf dem Wege zum Krankenhause Moabit unser Kollege, der Packer Hermann Kunde Im Alter von 43 Jahren. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittag« 5 Uhr, von der Leichenhalle de« Stralauer Friedhojes aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 70/U Die Orteverwallung I. Todes- Anzeige. Sonntag entschlief lanst nach langem, schwerem Leiden unser lieber Bruder und Bräutigam Franz Feinbube tiesbetrauert von Geschwistern und Braut. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 12. August, nachmittags 3>/, Uhr, von der Leichenhalle dcS St, Nikolai-Klrchhoscs, Prenz. lauer Allee 7, aus statt. 362b Irntrnl- Kranken» nnd SttrbtknsstberZinlmerer. (E. H. Nr. 2 Hamburg.) Pilisle Friedrichsberg. Am Sonnabend, den 8, August, verschied nach läugerer Krankheit unser Mttglteo Hermann Ehrlich. Ehre feinem Audeukent Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 12, August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Lichtenberger Fried- hoscS, Bornitzslraste. au« statt, 3glb Der Torstand. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung meine« lieben ManneS, des Schanlwirt« Max Griesep sage hiermit allen Freunden, Bc- lanntcn und den Gcncsscn des 6, Berliner ReichStagswahIkreise«, Be- zlrk 508, meinen herzlichen Dank. Die trauernde Witwe Berta Grieter. �Besle BetlenMnng� sind ble vorzüglich füllenden, seh» elastischen» echt chinefilchei» HompallisilliLii (gesetzk. geschützt, lpfund Mk. S.SS. 5— t Plund genügen z. gr. Oderbett. Sets. geg. ZIachnahme. lvervackung frei. Qustav Lustig Berlin Sa390 Prinzenstr. 46 . Größte» Settfetzeen-Speztal- j L.«elchöft Deutschland«. � Pnlöfiinpiirtiltpr zu Fandpartjen, für Vereine-c nur Zieuhelten, Lampions, Stocklaternen, Fackeln, Girlanden, nützen, Hnsik- and Badansacben spottbillig im Engros- Geschäft Lu d*14-4-1*1 1 9 Alte Jakobstrnße 03, • Ha UOltniII, an der Seydelstrasze. mmmm—mmmmm-, SBcrcinen cgtcn hoher Rabatt.——— 36772* ffit&RlMertlEÄI: Fabrik-Lager sämtlicher gangbarer Kautabake. « WS Nordhänser Kautabak � stets Irisch zu billigsten Engros-Freisen. 3726b j•js.-jl dänische Schleifen»Ä. I Allerfeinste Qualität! � Unübertroffener Geschmack! Aelteftes Teilzahl.-Geschäft m Breimabor- Räder! Kein Laden! Günstigste Bedingungen. Berlin SO., Louis Barth, Briiekenstr. 10a, pt. Möbel Sehnlz Reichenberger Str. 5. Gediegene Arbeit. AenBcrst billige Preise. Auch 39012» Ratenzahlnng. Peek& Cloppenburg Spezialhaus für Herren- und Knaben-Kleidung Gertraudtenstraße 25, 26, 27 und Roßstraße 1. Fertig und nach MaS.— Verkauf nur gegen bar zu niedrigen Preisen. Zum Sehnl-Anlang Knaben- und Schüler-Kleidung Jünglings-Anzüge und Paletots aus modernen Stoffen und vorzügliche Verarbeitung in allen Größen fertig am Lager. 38651'* Hohe Leistungsfähigkeit durch eigene Herstellung unserer Waren, Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Ptg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen S Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Lindenstrasse 09, bis S Uhr angenommen. Schlafdecken,—........... ormal(buntsarbig) 1,85—3 Marl, Jcäc(einfitvßisi) 2,85—4 Marl. ipczialhauS Cm« Lessvre, Oranien- cab- 158. S18K* OeschSktsverkSute. Klempnerei zu verkaufen Char- Ivttenburg, Mommsenstrabe 3.« Milchgeschäft, sichere Existenz, wegen 2 Geschäften verkäuflich. Gute Geschäftslage. RIxdors, Fricdel- strajje 26. 9176» Goldgrube. Grünkramgeschäst, Obst, Gemüse und Milch, sofort ver- käuslich. Näheres R. Poppe, Eylauer» strotze 12. t<)45K Reftauration, 15 Jahre bestehend, krankheitshalber sosort zu verlausen Charlottenburg, Wielandstratze 4. Gutgehendes Obst- und Vorkost- aeschäst sofort billig verläuslich. lähereS Dessauerftrahe 36, Restaurant. Zigarrengeschäft, ohneKonkurrcnz, mit schöner Wohnung, sosort billig zu verlausen. Zu erfragen Char< lottenburg, Fritschestratze 44, Milch- laden._ fllO Wegen Todesfalls meines Mannes verlause mein RcstaurationSIokal mit elektrischem Pianino, Zahlstelle, Ver- eine. Daselbst tadelloses Breal. Rix- dorf, Kirchholslratze 5._ flOO Eckdestillation, 30 Jahre bestehend, 1500,00, mit Wohnung billig MarkuSstratze S._ j89 Restaurant mutz bis zum ersten September für jeden annehmbaren Preis verlaust sein. Näheres Gabeis- bergerstratze 5, Grünkramladen. t41 Zigarrengeschäft wegen Abreise äutzerst preiswert. Günstige Gelegenheit für Parteigenossen. Reingewinn Monat 250 Mark. Kleine Miete. Erfragen HanleS Bäckerei, Acker- ftratze 35. gg4b Model. Möbeltischlerei liesert gediegene Wohnungseinrichtungen äutzerst billig Bunte Küchen. Auch Ratenzahlung. Kein 2aden. Harnack. Tiichlermeister, DreSdenerstrage 124, nahe Kottbuser Tor. Genossen erhalten 3 Prozent.» Billige Möbel aus Vcrsteigerimgen Auslösungen, Schränke. Verlilos 20,—, TaschcnsosaS 45,—, Salongarniturcn 85.—. Büselle, Schreibtische 35.-. Bücherschränke 68,—, Vierzug- tische 68,—, Lederstühle. Klubsessel, LedcrsosaS. Trumeaus 30,—. Bei!- stellen. Tische, bunte Küchen 45.—. Kronen, Oclgcmäldc, enorm grotze Auswahl kompletter Wirtschasten jeder Stilart, billiger als überall. LeniicrtS Möbelspeicher, Lothringerstratze 55." Auf Teilzahlung. Möbelcinrichtung, Stube und Küche, Anzahlung 15 Mark an. Einzelne Möbelstücke 3 Mark an. Verliehen gewesene Möbel spottbillig. .Berolina', Kastanienallee 49. 1009K» Wlöbel sowie ganze WohnungZ- Einrichlungen aus Teilzahlung bei geringer Anzahlung erhalten solide teilte in der 9J2ofipTfnhrif SMnniift leute in der Möbelfabrik August Krause, schützenstratze 73/74. 924K» Wegen Uebersüllung unseres Speichers soll bis 15. August ein grotzer Posten Möbel, auch verliehen gewesene und zurück- gesetzte Möbel zum Teil bis 40 Prozent unterm Wert verkaust werden. Darunter Kleiderspind 24,—, Vertiko 27,—, Tische t0,—, Säulen- trumeau, geschliffen, 28,—, Bett- stelle mit Matratze 19.—. SosaS 35,—, Waschtoilctte 20,—; Büsetts staunend billig, Herrenlchreibtisch28,—, Ankleideschränke, Paneelsosa 55 Mark, Plüschgarnituren enorm billig, Moderne Küchen von 40,— an. Lage- rung, Transport frei. StargardtS Möbelfabrik und Speichereien, Dre§- denerstratze 107/103. Sonntags ge- öffnet.__ 199/6 Einrichtung. Stube. Küche, fast neu, verkaust Blankenburg, Wörther- ftratze 47. Hos IV. f70 Schleunigst_ verkäuflich Garnitur, Trumeau, Plüschsofa, Kleiderspind, Vertiko, Sptegclspindchen. Fischer, KönigSbergerstratze II, vorn I.+89 Vertiko, nutztzaum, Sosa, gut er- halten, verlaust- Höser, Admiral- ftratze 25.' 954b PadirSdei'. rräder, Grammophone, Teilzahlungen, ohne Ausschlag, Loth- ringerstratze 40. 674K» Herretitahrrad, Dameniahrrad wie neu. 45,00. Holz. Blumen- ftratze 36 d. g?7K» Fahrräder, Teilzahlungen. Jnva- lidenstratze 20 Slalitzerstratze 40. Z20K» Geschäftsdreirad» äutzerst stabil, 50,00. Holz, Blumenftratze 3Sb.» Herrenfahrrad, Damenfahrrad, neu, fpotlbillig verlaust Döle, Grotze Franlfurlcrstratze 140._ I038K* Breiinadorrad. fast neu, 45,00, Bcusscistratze 21. Verwalter.+l47 Herrenfahrrad, Friese, Lands- berger Allee 50, vorn IV.+26» Verschiedenes. Knnstftopferei von Frmi KokoSkh, Schlachtensce, Kurstratze 8, III. Patentanwalt Wessel, Gillchmer- stratze 94a. 2555K» Lernt die Muttersprache beherrichenl Ersolareichen, leicht satzlichcn Unterricht in Wort und Schrift der deuffchcn Sprache erteilt Damen und Herren (separat) auch abends ein tüchtiger und gewiffenhaster Privatlebrer. Die Stunde lostet eine Marl. Eine Unter- richlSstunde wöchentlich genügt Ge» fällige Angebote find unter G. 4 an Expeditton des.Vorwärts» zu richten. Kunstgeigenbauer E. Toussaint, Berlin G., Joachimstrabe 11c, Reparaturen, wert. Tonverbessuungen preis 871b» Ankpolfterung. Betlmatratze 4,00, Sofa 5,00, auch autzerm Hause. Hoffmann, Neue Königstratze 30. Kucheninövcl streicht RönspicS, Friedenilratze 97. S65b 16 Karuffell(als einziges) lann am .i. und 17. August zum GewerkschastS- fest in Velten r M. ausbauen. Zu- ..... an Rod. tzeimicht, Velten, _ 290/2 |CH III. schrisien Mittclsti Ittclstratze. Gemahregeltcr Schneider fertigt Herrengarderobe, Reparaturen, Aende- rung. Schitzlat, Charlottenburg, Pestalozzistratze 73.+110 Vermietungen. Wohnungen. Kleine Wohnungen in sauberem ause billig zu vermieten Görlitzer ser 5._ 913b» Stube und Küche, vorn 1, an einzelne Leute, 1 und 2 Zimmer- Hoiwohnungcn von 21 Mark an «schönleinsUatze 6 zu vermieten.+79 Prächtige Balkonwohnungen iosorl Soldinerslratze 32—34. 1044K» Lehlakstellen. Möblierte Schlafstelle für Herrn, Gohlke, Holzmarktslratze 33 III(c Schlesischen Lahnhos). (am 967b freundliche Schlafstelle, zwei Herren, Mädchen zu vermieten. Bin um 7 Uhr abends zu Hause. Döring, Rixdors, Reuterstratze 73.+112 �rheitsmarld. Stellengesuche. Lagerhalter, gelernter Malerialist, 29 Jahre, sucht zum 1. Oktober Stellung. Kautionsfähig. Ia Zeugnisse. Offerten unter 51. S. 117, Postamt 112._+41 Biiiiver Snidlstechler bittet um Arbeil. Stühle werden abgeholl und »urückgeliejert.~ ftratze 27. A. Gläser, Mulack« 1468b Stellenangebote. Tüchtige Marmorschleiser aus Bau- arbeit verlangt H. Knorr. S5gb Lehrlinge, welche Lust haben, die Musik zu erlernen, stellt unter günstigen Bedingungen em Ferd. Voigt, Stadl» kapellmeister, Luckenwalde. 953b1 Im Arbcttsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten 50 Pf. die Zeile. bei Landwirten und Vichbcsitzern gut eingeführte m Reisende W zum Verkauf von Futterkalk und 50 verschiedenen Tierpflcge-Präparatcn. Hochlohncnder Verdienst! Gate Existenz! Offerten an 873b» K. Wurm& CL£+ llUnchcn, Linprunstr. 5. Wegen Streiks uiiti Ditterenzeg sind gesperrt; für Korbmacher Firma Kanlg;a in Fricdrichsseide und Itclckcrt in Marzahn. Tentscher Holzarbeiterverband OrtSverwaltung Berlin. Verantwortlicher Redakteur: Georg Dgvidsvhn, Berlin, Für den Lnsergtenteil vcrantw.: Th, Glocke, Berlin. Druck lj, Beklag; Vorwärts Lnchdruckerei n. Verlogsanftalt Paul Singer St§oH Berlin SW, St. 186. 25. 2. KilM des Jorniitlü" Kerlim pIMIolt ,11. tmttwod) Zahlabeml in Groß-Berlin. Die Genossinnen bitten wir, an diesem Zahlabend anwesend zu sein und sich in die Organisationen der Wahlvereine aufnehmen zu lassen. Der Zentralvorstaud. Partei- Angelegenheiten. Friedcuan. Der Zahlabend findet am Miitlvoch für alle Be- akke zusammen im„Rheinschlosz", Nheinstr. 6V, statt. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Vortrag des Genossen Groger über den bevorstehenden Parteitag. Schmargendorf. Morgen, Mittwoch, abends SVa Uhr, findet der Zahlabend des WahlvcrcinS trotz Wechsel des LokalinhaberS im „Wirtshaus Schmargendorf", Inhaber Kübler sfrüher Bartels), statt und mögen dies die Genossen auch in Zukunft beachten. Der Vorstand. KöiiigSivustcrhauscn» Wildau, Deutsch-Wusterhausen. Mittwoch findet in allen Bezirken Zahlabeud statt. Die Genossinnen wollen nicht versäumen ihre Mitgliedsbücher mitzubringen. Die Bezirks- lokale sind für K ö n i g s w u st e r h a u s e n rechts des NottekanalS bei Pingcl, SiegeSkranz; links des Kanals bei Paul Grund, früher Ww. Lange; für Wildau, Hoherlehme beim Genossen Schumann; für D e u t s ch- W u st e r h a u s e n beim Gastwirt Grobmann. Trcptow-Baumschulenwcg. Die Genossinucn des früheren Bildung?- bcrcin-Z werden gebeten, ihre Mitgliedsbücher zum nächsten Zahl- abend mitzubringen. Dieselben sollen den Bezirksführern bei der Neuausstellung der Bücher als Ausweis gelten. Auch können die noch nicht organisierten Genossinnen zwecks Beitritts den Zahlabeud besuchen. Der Vorstand. Zeuthen, MicrSdorf. Die Genossen werden darauf aufmerksam gemacht, daß der Zahlabeud umständehalber auf Mittwoch, den IS. d. Mts., verlegt ist. f�ür E i ch w a l d e findet der Zahlabend am Mittwoch, den 12. d. Mts., statt. Frauen find dazu eingeladen. Der Borstand. Alt-Glieui�e. Zahlabend am Mittwoch abend von 8 Uhr an im Lokal von Gustav Joch, Köpenicker Straße 54. Karlshorst. Mittwoch: Zahlabeud bei SabrowSki. FricdrichShagcn. Zahlabend Mittwoch, den 12. d. M., abends K'/z Uhr für den 1. Bezirk iin Neftaurant Nciuhold Schmidt, Wil- helmstr. 53: für de» 2. Bezirk im Restaurant Zachow, Seestr. 13; für den 3. Bezirk im Restaurant Ferd. Miething. Kastanien-Allee 16; für den 4. Bezirk im Restaurant August Singuhr, Seestr. 36. Die Parteigeuofien iverdcn ferner darauf aufmerksam gemacht, daß in den vorgeuaniitcn Lokalen sowie im Versammlungslokal Lerckes Bürgersäle, Friedrichstraße, Listen auSlicgen, in denen die Parteigenossen, welche»VorwärtS"-Lcser sind, sich umgehend ein- zeichnen möchten. Hohr»- Ncucndorf und Stolpe a. d. Nordbahn. Am Mittwoch. den 12. d. M., abends 8V2 Uhr pünktlich, findet im Lokale der Witwe Bergemaun in Stolpe, Dorfstr. 6, der Zahlabend statt. TageS- ordnung: 1. Berichterstattung von der KleiSgeneralverfammlung. 2. Wülufjion. 3. Verschiedenes. berliner I�acdricbten. Schulferien Ade! Die Schule hat wieder �begonnen nach fünf Wochen köstlicher Freiheit. Von den großen Sommerferien, die auch den Kindern der Aernisten, denen es sonst an allem mangelt, oftmalcn vielleicht sogar, wenn Vater unfreiwillige Ferien hatte, am rechten Sattesten, stets in goldenem Glänze vorschweben, ist ihnen allen nur die Erinnerung au so manche frohe Stunde geblieben. Sei cZ. daß sie das Glück hatten, elend genug auszuschauen, um in die Ferienkolonien mit- genommen zu werden, oder daß ihre Eltern„nicht arin genug" waren, um ihren erholungsbedürftigen Lieblingen diesen Genuß zu teil werden zu lasten— schön war's doch. Denn auch wenn man nun schon einmal nicht mit hinausdurste in da? heil- snme Revier der FichtennadelwSlder oder an das Seegestade, auch für die Dahcimgcbliebcncn hatten die Ferien ihre Reize. Auf dem von hohen Mauern eingefaßten Hofe crichien wohl täglich der immer mit Begeisterung begrüßte Lcierlastcnmann. Hei, wie die Zöpfe und die Röcke flogen, ivie die blassen Gcsichtchcn sich röteten, wenn der HofballmusikuS der Proletarierlinder seinem Instrument die aller- schönsten Tanzweisen entlockte, wie sie lauschten, wenn er ein lustiges Couplet oder gar mit schwermutverschlcierter Stimme ein„getragenes" Lied zum besten gab. Und wenn dieser gefeierte Mann dann, zum Danke für manches Sechserstück den Hut lüftend, mit seinem vierrädrigen Orchester den Hof verließ, dann folgte ihm wohl die ganze Teilnchmerschar des iniprovifierten Volksfestes zum Nachbarhoie, wie dereinst Hamelns Kinder dem Rattenfänger in den Hörselbcrg. Derweilen unternahmen die Herren Jungen wohl botanische resp. zoologische Studienreifen oder Seefahrten auf der grünen Spree. Alle ober— JungenS wie MädelS— machten ain letzten Fericntagc pflichtschuldigcrmaßcn die befohlenen Schularbeiten. (Oder sollten einige sie schon früher erledigt haben?) Und heute pilgert das kleine Volk wieder ehrbarlich mit dem Schulranzen und dcii Stullenpaketen dein ernsten Hanse zu. allwo sie gar manche? Gute fürs Leben lernen und— lernen könnten, wenn man zu den praktischen auch noch wirklich praktische Unterrichts- gegenstände in den Plan der Volks- Schule endlich aufnehmen wollte: Gesetzeskunde, Bürgerkunde, Belehrung usw., vor allem wäre aber erforderlich, daß als Ziel und Zweck der Schule nicht Autoritätsduselei und Unterwürfigkeit, sondern Entivickclung der körperlichen und geistigen Fähigkeiteil der Kinder gesetzt würde. Graf Zeppelin unter Kontrolle der Großindustriellen? Der LuftflottcnpatriotiSmus beginnt sich schon jetzt für den Grafen Zeppelin als ein zweischneidiges Schwert zu entpuppen. Am Sonnabend wußte der„Berliner Lokal-Anzeiger" von einem etwas auffälligen Zusammentreffen des eben von Stockholm zurück- gekehrten Deutschen Kaisers mit dem Generaldirektor Rathenau vM der Allgemeinen Elcktrizitätsgesellschaft zu berichten. Der Herr Gehcimrat fnblte just zur selben Zeit, als der Deutsche Kaiser nach seiner Gewohnheit im Tiergarten spazieren ritt, das Bedürfnis, dem Monarchen in die Quere zu reiten. Der„Lokal- Anzeiger"„erfuhr" nicht bloß allcrschlcunigst von diesem an sich unbedeutenden Zusammentreffen, sondern er entsandte auch einen Ausfragcr zu Geheim rat Rathenau, um brühwarm berichten zu können, was der Kaiser wohl Weltbewegendes gesagt habe. Hiernach führte Herr Rathenau das große Wort, und da er an den Monarchen mit bestimmten Vorschlägen in der Angelegenheit dcS Grafen Zeppelin herangetreten ist, so hat es in der Tat ganz den Anschein, als ob die Ilntcrrcdung keine ganz zufällige war. Nach dem Vorschlage RathcnauS soll ein Kurawrium einge- setzt werden, das den Grafen in Zukunft gleichsam als Beirat zu dienen habe. Dir deutschen Städte sollen aufgerufen werden, je einen ihrer hervorragenden Mitbürger für dieses Kurawrium zu ernennen. Dieses große Komitee soll befugt sein, sei es aus seiner Mitte oder von außen her, einen Ausschuß für die eigentliche Arbeit zu bilden. In diesen Ausschuß gehören dann allerdings nur Männer, die der Sache nützen können, also Konstrukteure, Ingenieure, Meteorologen usw. Das Kuratorium würde also gleichsam die Vertretung der Nation in dieser Frage darzustellen haben. Wie der Bericht weiter sagt, schien die Rathenausche An- rcgung den Kaiser zu interessieren. Nun, Graf Zeppelin wird diese großindustriclle Einmischung in seine Angelegenheit mit sehr fragwürdigen Gefühlen gelesen haben. Denn der Rathenausche Vorschlag sieht doch ganz so aus, als ob die Großindustriellen dafür, daß sie„aus Patriotismus"(?) in die Tasche greifen, auch ein gewichtiges Wort mitreden wollen. Haben sie aber das Recht dazu, so komme das einer gewissen Be- schränkung des Grafen gleich. Viele Köche haben bekanntlich noch immer den Brei verdorben. Solche Beschränkung wäre für den gedeihlichen Fortgang der kulturellen Bedeutung der Sachr sehr zu bedauern. Sie ist das Hemmendste, was einem Erfinder von der Genialität des Grafen Zeppelin passieren kann. Inzwischen hat sich der Graf selbst in sehr richtigem Gefühl dahin ausge- sprachen, daß er die gesammelten großen Geldsummen nicht als ihm persönlich gewidmet betrachtet und deshalb eine Kontrolle über die Verwendung derselben wünscht. Das würde auch vollständig genügen, wenn es überhaupt notwendig ist, da wohl niemand im Deutschen Reiche irgendwelche Zweifel in die Lauterkeit dieses großen und starken Charakters setzt. Es ist also überflüssig, Herrn Geheimrat Rathenau als„hervorragenden Mitbürger" in das von ihm vorgeschlagene Kuratorium der Großindustriellen zu wählen. Ein neuer Schmuckplatz wird in der Wallstraße an der Grün- straßenbiücke angelegt werden und zwar an der Stelle, wo die ver- längerte Uiitergruudbahustrecke vorläufig ihr Ende erreicht. Hier be- fand sich früher ein Grundstück der Firma Ravenö, das sich westlich von der Brücke unmittelbar an der Spree hinzog. Infolgedessen bat der Bürgcrsteig hier eine bedeutende Breite, so daß ein Teil mit Schmuckanlagcn versehen werden wird. DaS städtische Grundstück auf der anderen Seite der Brücke will der Magistrat aus drei Jahre vermieten, und zwar sollen hier niedrige VerkaufShallcn errichtet werden, wie dies bereits an der Roßstraßenbrücke und am Mühlen- dämm der Fall ist. Auf diesem große» Grundstück befaitd sich früher der königliche Salzhof! bis vor einigen Jahren erhob sich hier das Tettenbornsche VereinShauS. Der dankbare Kapellmeister, über dessen in einem großen Berliner Vorort aufgeführte Sonntagskonzerte wir in Nr. 163 berichteten, hat den zarten Wink mit dem Taktstock begriffen. Wir stellen gern fest, daß er jetzt über die Veisallskundgebungen de§ dortigen stets guten und offenbar musikverstäudigen Publikums mit einer ungemein vornehmen Verbeugung quittiert— wennS ihm auch schwer fällt. Der Zoll Kopfueiguiig nach vorn, bis auf den Millimeter abgemessen, ist zivar keineswegs oas. was man bei anderen dankbaren Kapell- meistern sieht, aber eS ist doch immer eine Verbeugung. Einen tragischen Abschluß fand ein ehelicher Streit, der sich in der Nacht zum Sonntag in. der Wohnung des Steinmetzen Wilhelm Stokdt, Seestr. 68m, abgespielt hat. Die Frau, Mutter von neun Kindern, wurde von ihrem Mann durch mehrere Messer st i che lebensgefähr- lich verletzt und mußte nach dem Virchow-Krankcnhause gc- bracht werden. Der Mann wurde verhaftet. Die Stoldtschcn Eheleute wohnen im Hause Seestr. 68m mit ihren zahlreichen, zum Teil erwachsenen Kindern im Parterrcgcschoß dcS OuergebäudcS. Der etwa 52 Jahre alte St. wird als ein friedliebender, ruhiger Mensch geschildert. Als er Sonnabend abend gegen 11 Uhr die Wohnung in angetrunkenem Zustande betrat, begann er mit seiner Frau wegen des Abendessens Streit. Im weiteren Verlauf zog er sein Taschenmesser und st ach blindlings auf die Frau e i n, der er zwei tiefgehende Stiche in den Rücken und zwei Stiche in die rechte Hand beibrachte. Blutüberströmt brach die Frau zusammen. Nun warfen sich die anwesenden Söhne, ein zufällig in der Wohnung anwesender Hausgenosse und der Schwiegersohn deS St. auf diesen und entwaffneten ihn. Hierbei erlitt St. selbst erhebliche Verletzungen. Die inzwischen herbei- gerufenen Polizeibeamten sorgten für die Ucbcrführung der Ver- letzten in das Virchow-KrankenhauS und verhafteten den Messer- stechcr. Gröblicher Unfug. In einer Laubenkolonie an der Lands- bcrgcr Allee wurde am Sonntag das übliche Erntefest gefeiert. Während der Umzüge und Ansprachen wurden Freudcnschüsse ab- gegeben, zu denen nicht bloß Völler, sondern auch Revolver und Tcschings benutzt wurden. Dabei war ein junger Mann nicht vorsichtig genug und traf ein in der Schußrichtung stehendes junges Mädchen in die Stirn. Die Verletzung stellte sich als nicht lebcnsgefäh>-lich heraus, doch mußte immerhin ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. DaS Erntefest erlitt durch diesen Vorfall eine recht unliebsame Unterbrechung. Ein Mann im AdamSkostüm ist am Sonntag in dem Walde zwischen Hirschgartcn und Friedrichshagen festgenommen. Bei den dortigen Ortsbehörden waren wiederholt Klagen darüber ein- gelaufen, daß Frauen, die jenen Weg im Walde passierte», ein Mann im Adamskostüm plötzlich gegenübertrat und sie mit schamlosen Redensarten belästigte. Als gestern Berliner Ausflügler den Wald zwischen den genannten Ortschaften passierten und inchrere junge Mädchen, Blumen pflückend, vorausgingen, sprang der Unhold Plötz- lich auS dem Gebüsch heraus und versuchte eines der Mädchen zu umarmen. Auf das Hilfegeschrei der Entsetzten eilten mehrere Herren hinzu und verfolgten den Fliehenden, der in der Gladenbeck- schen Bronzegießerei verschwand. ES stellte sich heraus, daß eS sich um einen dort beschäftigten Former D. handelre, der schon seit Jahren in dem betreffenden Teil deS Waldes sein Unwesen getrieben haben soll. Der anscheinend geisteskranke Mann wurde in Haft gc- nommen. Fernsprechverkehr. Der Fernsprechverkehr Berlins ist seit gestern auf die Orte Bergland, Broistedt, Cummerow im Kreis Randow, die Försterei Triebsch, die Försterei Zollhaus, Metzdorf und die Ober- försterci Grünhaus ausgedehnt worden. Sie liegen sämtlich im Reichs-Telegraphengebiet. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gc- ipräch bis zur Dauer von 3 Minuten beträgt im Verkehr mit Cummerow und Metzdorf je 50 Pf., mit der Försterei Triebsch 25 Pf., mit den übrigen Orten je 1 M. Nächste Post nach Südwest. Eine Post nach Deutsch-Südlvcst- afrika geht von Deutschland wieder am 14. August ab. Sie benutzt den am folgenden Tage von Southampton in See achenden Dampfer der Union-Castle-Linie bis Kapstadt. Von dort befördert sie ein Küstendampfcr der Woermann-Linie nach Norden. Die Post trifft so am 4. September in Lüderitzbucht ein. Für Swakopmund kommt diese Verbindung nicht in Betracht, da dieser Ort auf anderem Wege später noch zur selben Zeit erreicht wird. Befördert werden ausschließlich Bricssendungen, da die Post fremde Schisse und fremde Bahnen benutzt. Mit dieser Gelegenheit werden auch Drucksachen, GeschäftSpapicre und Warenproben nach RantanSdrift. Warmbad. Kalkfontcin und UkamaS befördert. Briefe, Postkarten und Lesungen gehen von Kapstadt auf dem Landwege über Steinkopf. Vom Schillcrhain. Von den eingegangenen und ausgestellten Entwürfen für die Anlagen des Schillerparks auf den Rehbcrgen sind bekanntlich drei Entiviirfe mit Preisen ausgezeichnet worden. Welcher Entwurf zur Ausführung gelangt, steht noch nicht fest. Bindende Beschlüsse sind von den Gemeindebehörden noch nicht gefaßt worden. Mit der AnSführimg der Entwürfe konnte noch nicht begonnen werden, weil noch Verhandlungen über Grenzregulierungcn mit den beteiligten Grundbesitzern und mit der Gemeinde Reinickendorf wegen der Weiterführung der dort neu anzulegenden Straßen schweben. Sobald diese Verhandlungen zum Abschluß gekommen siitd, soll Beschlutz über die Ausführung des einen oder anderen der Entwürfe gefaßt werden. Mit den Vorarbeiten: Anfahren von Schlick, Humus usw., Befestigen des DüneitsandeS kann dann sofort begonnen werden. Bei einem entsetzlichen llnzlückSfall ist der Kutscher Piepeuburg aus der Dnppelstraße lebcusgefährlich verletzt worden. P. war mit seinem Fuhriverk durch die Düntherstraße in Steglitz gefahren, als die Pferde plötzlich durchgingen. Er wurde vom Bock herunter« geschleudert und blieb unglücklicherweise am Vorderrad hängen. Der Unglückliche ivurde nun eine ganze Strecke bis zur Florastraße mit- geschleift. Hier wurden die wilden Pferde durch Passanten auf« gehalten. P. war schrecklich zugerichtet worden. In recht bedenk- lichem Zustand wurde er in das Krankenhaus eingeliefert. Straßenbahnunfälle. Gegen Uhr nachmittags wurde gestern in der Jiidenstraße, Eck: der Parochialstraße, der sieben Jahre alte Erich Rehbcrg, wohnhaft Parochialstraße 5. von einem Wagen der Straßenbahn der Linie 66(Lichtenberg) überfahren, er geriet unter die vordere Plattform. Der Kleine wurde etwa l'/z Meter weit ge- schleift und erlitt außer einer Kopfverletzung leichte Haut« abschürfungcn im Gesicht. In der Nacht zum Sonntag schritt der 20 Jahre alte Arbeiter Alfred Freese, Katzlerstraße 20 wohnhaft, quer über den Kurfürsten- dämm. Als er vom Reitweg auf die Straßenbahngleise ttat. wurde er vom Motorwagen der Linie 70 zur Seite geschleudert. BesiiimmgS- los taumelte der Verunglückte zu Boden. Er wurde nach der Unfall- station am Zoologischen Garten gebracht, wo der Arzt einen schweren Schädelbruch und innere Verletzungen bei ihm feststellte. In hoffnungslosem Zustand fand F. in: Krankenhaus Westend Aufnahme. Eine LiebcSafsnrc fand in der SonntagSnacht in Charlotten- bürg in der Schillerstr. 40 ihren traurigen Abschluß. Der 21 Jahre alte Porträt- und Landschaftsmaler Otto Natkc versuchte dort ßie gleichaltrige Verkäuferin Marquart aus der Kirchstr. 30 zu erschießen und tötete sich dann selbst. Natke, angeblich ein Russe von Geburt, war vor acht Tagen zugezogen und hatte seiner Wirtin die Miete für acht Tage im voraus bezahlt. Heute wollte er den Nest der Monatsmiete zahlen. In der Nacht gegen 1 Uhr hörten die Wirtslcute aus seinem Zimmer drei Schüsse. AlL sie gewaltsam die Türen erbrochen hatten, sahen sie vor dem Sofa Natkc und seine Geliebte liegen. Natke war bereits tot, er hatte'sich durch einen Schutz in das Herz getötet. Ueber ihn hingestreckt lag mit einem Schuß in der Herzgegend noch röchelnd ein junge» Mädchen. Wie aus Postkarten, die bei der Dame gefunden wurden, hervorgeht, handelt es sich, nv, eine Verkäuferin Marquart aus der Kirchstr. 30. Die Schwerverwundcte wurde nach dem Krankenhaus Westend gebracht, Natke wurde dem Schauhause überliefert. Unterbrechung einer Straßenbahnlinie. Die Straßenbahn ist wegen Regulierung dcS StraßendamineS an der Kreuzung der Chanffeestraße, der' Kirchstraße und de« Ternpelhofer Weges in Britz genötigt, den Ringbetrieb der Linie! Südring zu unterbrechen. Die Unterbrechung hat bereits begonnen und dauert etwa 14 Tage. Der Verkehr wird in beiden Richtungen durch Umsteigen an der Bau- stelle aufrecht erhalten. Feucrwehrbericht. Am Sonntagnachmittag wurde der 10. Zug wegen eines Dachstuhlbrandcs nach der Wilhelmstr. 107, Ecke der Anhaltstraße, gerufen. Da§ Feuer hatte am alten Hausrat reich« Nahrung gesunden. Trotzdem gelang eS, die Flammen auf den Dachstuhl des alten Hauses zu beschränken. Die Entstehung konnte nicht ermittelt werden. Gleichzeitig wurde die Wehr nach der Jslandstr. 11 alarmiert. Dort war ein Gastivirt mit seinen Sachen gerückt. Zwischen dem Hauswirt und der Rückkompagiue war e» dann noch zu Streitigkeiten gekommen, bei denen schließlich auch noch der Revolver eine Rolle spielte, so daß die Polizei einschreiten mußte. Als man dann das geräumte Lokal betreten wollte, ge- wahrten die Leute eine Flasche über der Tür hängend mit einein Zettel recht verfängliche» Inhalts. Die Vermutung, daß dem Hauswirt noch ein besonderer Schabernack gespielt werden sollte und die Flasche Explosionsstoffe enthalte, schien der Zettel zu be« stätigcn. Die Feuerwehr entfernte die Flasche, bei deren Ocffnung sich dann aber herausstellte, daß der Inhalt recht harmloser Natur war. Durch die Explosion einer Petrolcum-Stallampe kam in einem Pferdestall Feuer aus, das Stroh ergriff, aber bald gelöscht werden konnte. Heute früh geriet in der Destillation von Barth, Brunnenstr. 43, beim Herstellen von Schnaps Spiritus in Brand. Hierbei erlitt Frau Charlotte Reis schwere Brandwunden am Halse, Armen und den Beinen. Die Schwerverletzte wurde von der Feuerwehr nach dem LazaruSkrankcnhause gebracht und dort behalten. Ferner hatte die Feuerwehr in der Rittcrstr. 101, Lindcnstr. 67, am Plauufcr 33 und in der Waldstr. 25 zu tun, wo Kleider, HauSrat, Gardinen, Möbel u. a. brannten. Preßkohlen- brände beschäftigten die Feuerwehr in der Lausitzer Straße 7, BraunSbcrger Straße 26 und auf verschiedenen anderen Bahn« Höfen. In der Rügcner Straße 3 brannte rohes Fleisch unter ent- setzlichcm Geruch. Die Schöncbcrger Feuerwehr wur�e am Montagabend wegen eines großen DachstuhlbrandeS ,'.«ch der Apostcl-PauluS-Straße 24, an der Mcrseburger Straße, alarmiert. Dort stand bei Ankunft der Wehr bereit» das Vorderhaus mit dem angrenzenden rechten Seitenflügel in großer Ausdehnung in Flammen. Diese hatten reiche Nahrung gefunden, so daß die Wehr gleich mit mehreren Schlauchleitungen über zwei mechanische Leitern und die Treppen vorgehen mußte. Es bedurfte tüchtiger Arbeit und kräftigen WassergcbcnS, um eine weitere Ausdehnung des FeucrS zu verhüten. Bei der Ablöschung wurden mehrere Brandherde festgestellt, die wohl auf Brandstiftung schließen lassen, doch konnte diese nicht mehr festgestellt werden, weil die AuS- dehnung des BrandcS zu groß war. Ein gelbes Notizbuch mit 42 Billetts zum Sommerfcst der Wagenbauer. Krankenkasse ist am Frcitagmittag auf dem Wege von Gasanstalt II Charlottcnburg. Sickingcnstraße, Hnttenstraße bis zur Loewesche» Fabrik verloren gegangen. Der Finder wird um Abgabe bei Johannes Gulow, Zwinglistraße 22, Hof Ouergebände 1 Treppe, gebeten. Radrennen z» Treptow, 0. Angnst. Dem Geschmack des Publikums Rechnung tragend, wies das Programm außer einem Fliegerrennen zwei Bewerbe für Dauerfahrer auf. DaS 75 Kilo» mctcr-Rcniicn(800. 500, 300 M.) wurde in drei Läufen über 20, 25 und 30 Kilometer ausgefahren und von den bekannten Fahrern Herrn. Przyrembel, John Stol und Fritz Hoffmann bestritten. Den ersten Laus gewann Stol, die beiden anderen Przyrembel, die Ent» fernung zwischen beiden Fahren» betrug jedesmal etwa 1 Roter. Hoffmann war seinen Gegnern nichjt gewachsen; im ersten Lauf gab er auf, nachdem er gegen 2000 Meter eingebüßt hatte, in den anderen endete er 2700 bezw. 2870 Meter zurück. Die Gesamtwertung stellte sich folgendermaßen: I�Przyrembel 1. Std. 2 Min. 37 Sek.; 2. Stol 1 Sld. 2 Min 41 Vs Sek.; 3. Hoffmann.— In dem 50 K i l o- tu eter-Rennen(350, 250, 150, 125) maßen vier Anfänger ihre Kräfte. Erster wurde Hugo P r z y r e m b e l in 44 Min. 49'/� Sek. Vor Steffen(510 Meter), Wolf(1020 Meter) und Lamla(6550 Meter zurück). Lamla war bei dem 33. Kilonieter zu Fall gekommen, doch kam er glücklicherweise mit Hautabischürfungen davon und setzte nach zehn Runden, wenn auch aussichtslos, das Rennen fort.— Das Hauptfahren über 1200 Meter(30, 15, 10, 5 M.) gewann v. St a tz m er in 2 Min. 30% Sek. vor Petrulat c Stellbrink und Birkholz waren kurz vor dem Ziel gestürzt. Stellbrink führte sein Rad durch das Ziel und rettete so das dritte Geld. In nenn Vor- laufen waren 22 Fahrer ausgeschieden. Der Besuch war bei dem günstigen Wetter ein guter. Vorort- Mckricbten. Köpettick. Die Errichtung der Ortskrnnkcnkasse Köpenick und Müggelheim ist nunmehr erfolgt. Nachdem am 30. Juli die Delegiertenwahlen vollzogen, fand am 7. August die konstituierende Generalversamm- lang statt. Von feiten der Arbeitgeber wurden die Herren Essig- fabrikant H. Lawatscheck und Wäschereibesitzer E. Kühne in den Vor- stand gewählt. Die Arbeiwehmer-Delegierten sandten als Vertreter Otto Nickel, Wilhelm Albrecht, Wilhelm Stein und Frau Tinius. Der Vorstand konstituierte sich an demselben Abend ebenfalls und wählte zum 1. Vorsitzenden Herrn Otto Nickel, Wilhelmstraße 8/g, zunr Stellvertreter Herrn H. Lawatscheck und zum Schriftführer Herrn E. Kühne. Die Tätigkeit des Vorstandes hat bereits be- gönnen. Zllt-Glienicke. I» der Siüiiitg der Gemeindevertretung teilte der Gemeinde- Vorsteher mit, daß der Bauplan der Straßenbahn Alt-Glienicke— Udlershof zurzeit öffentlich ausgelegt ist, und wies auf eine Bekannt- machung des LlmtsvorsteherS vom 2. Juli hin, in der zur Vertilgung der Blutlaus die Obstbaumbesitzer aufgefordert werden. Bei der letzten Etatsberatung wurde von der Vertretung die Forderung gestellt, der Rendant Schlossereck solle seinen Wohnsitz nach Alt-Glienicke ver- legen. Der Herr hat es aber vorgezogen, zu kündigen. Dem neuanzu- stellenden Beamten soll seine auswärtige Dienstzeit möglichst angerechnet werden. Er hat eine Kaution in Höhe von 1000 M. zu hinterlegen. Von unseren Genossen wurde die Bedingung gestellt, daß er in unserem Orte Wohnung zu nehmen hat. Die vakante Stelle wird öffentlich ausgeschrieben. Sodann beschäftigte sich die Vertretung mit der Genehmigung des Entwurfs zum for st fiskalischen' Bebau- ungsplan. Es handelt sich um das Gelände, das von der Görlitzer Bahn, dem Teltowkanal, dem Gelände der Terraingesell- schaft Alt-Glienicke und der Grünau— Bohnsdorfer Chaussee begrenzt wird. Es soll bei dem Minister der Landwirtschaft, Domänen und Forsten um die Genehmigung dieses Planes eine Audienz nach- gesucht werden. Die Freilassung einer Anzahl landwirtschaftlicher Gehöfte vom Anschlüsse an die Kanalisation brachte eine längere Debatte hervor. Unsere Genossen traten für die Ver- pslichtuug zum Anschluß auS hygienischen Gründen ein. Unser Ort sei überwiegend von Industriearbeitern bewohnt, die den ganzen Tag in stinkender und stickiger Luft arbeiten müssen. Wenn sie des Abends nach Hause kommen, hätten sie zur Erholung diesen Duft der Gehöfte. Es könne nur mit Freude begrüßt werden, daß wir Kanalisation haben und daß endlich mal die Jauche von bei, Straßen entfernt wird. Der Antrag unserer Genossen, die Ver pflichtung zum Anschluß allsznsprechen, wurde angenommen. Wannsee. In der letzten Gemeindevertreterfitzung wurde beschlossen, die Otto-Ehrich-Straße bis zur Königstraße weiter zu bauen. Die Verhaiidluiigen mit einzelnen Besitzern in der Frieden- und Schäfer straße über Abtretung der Vorgärten sind noch nicht beendet. Der Gemeindevorsteher wurde auf seinen Wunsch mit Fortführung der Verhandlungen beauftragt. Die Blitzableituiigsendungen sollen einem Vorschlag des Gemeindevorstehers entsprechend verbessert und auf dem Schulhof ein Sammelbecken zur Aufnahme des Regen» wasserS hergestellt werden. Obcr-Schöneweide. In der Angelegenheit des von feinen Aemtern enthobenen Amts- und Gemeindevorstehers Eckardt haben zurzeit umfangreiche Vernehmungen von Gemeindevertvetcrn und Beamten vor dem Dis- ziplinarrichter stattgefunden. Die Staatsanwaltschaft hat bisher ein Einschreiten wegen der behaupteten Verfehlungen abgelehnt. Es wäre nicht ganz übel, wenn Herr Eckardt, der wegen eines gleichen Falles vor zwei Jahren schon einmal diszipliniert war, eines Tages die Ge- schäfto> wieder übernähme. Der Gemeinde erwachsen durch solche Extravaganzen ihres ersten Beamten recht bedeutende Kosten, indem außer den Mitteln für die notwendige Vertretung auch Herrn Eckardt die Hälfte seines Gehaltes für die Dauer des Disziplinarverfahrens fortgezahlt Iverden muß. Auch die Verwaltungsgeschäfte erleiden eine bedeutende Verzögerung. So ist hierdurch die Errichtung des Kaufmanns- und Gewerbegerichts ivesentlich hinausgeschoben, weil der besoldete Schöffe, welchem die Vorarbeiten obliegen, mit der Vertretung vollauf beschäftigt ist, zumal bedeutende Gemeindevauten augenblicklich vorbereitet werden. Nach den Ferien der Gemeindevertretung sollen auf Betreiben unserer Genossen die Arbeiten zur Errichtung des Ge- werbegerichts unverzüglich in Angriff genommen werden. Gcvichtd- Zeitung. Wege» Verbreitung Piicklcrscher Flugblätter mußte» sich gestern der Schneider Robert Richter und der Privatier Richard Giese vor der 1. Ferienstrafkammer des Landgerichts I verantworten. Beide wurden beschuldigt, in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klassen der Bevölkerung zur Begehung von Gewalttätigkeiten angereizt zu haben. Bald nach Erlaß des Redeverbots gegen den Grafen Piickler wurden Flugblätter verbreitet, welche die bekannten Hetzreden des Dresch- grasen in noch gröberem Stile erhielten. Zwei dieser Flug- blätter mit der Ueberschrift«Kauft nicht bei Juden" und «die verfaulte Gesellschaft" tauchten ün November v. I. in Berlin auf. Der Inhalt beider Flugblätter, der sich als eine Aufforderung zum Vergehen gegen den Z 130 Str.-G.-B. herausstellt, veranlaßt? die Staatsanwaltschaft die Beschlagnahme anzuordnen. Die Kriminalpolizei ermittelte, daß die beiden Angeklagten die Ver- breiter dieser Flugblätter waren. Beide wurden auf der Straße festgenommen und hatten, wie eine Durchsuchung ergab, eine größere Anzahl der Flugblätter unter das Jackett geknöpft bei sich.— In der gestrigen Verhandlung wurde während der Verlesung wegen Gefährdung der Staatssicherheit die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Der Staatsanwalt beantragte gegen Richter drei Monate Ge- fängniö, gegen Giese 150 M. Geldstrafe. Das Gericht erkannte wegen Beihilfe auf je 50 Mark Geldstrafe event. 10 Tage Gefängnis. Für ein so niedriges Strafmaß wurde geltend gemacht, daß die Angeklagten den Inhalt der antisemitischen Hetzereien kaum gekannt hätten. Bedauerlich ist, daß die Oeffentlichkeit ausgeschlossen war. Schlimm muß cö um Preußen stehen, wenn feine Staats- sicherheit durch ein paar antisemitische Stinkbomben gefährdet ist. Ein Heiratsschwindler, der unter der MaSke eines Feuerwehrfeldwebels von der Heydt verschiedene heiratslustige Mädchen empfindlich geschädigt hatte, mußte sich gestern in der Person des V e r g o I d e r S und Händlers Hugo DrewS vor der 2. Fericnstrafkammcr des Landgerichts III verantworten. Die Straftaten, welche dem An- geklagten zur Last gelegt wurden, liegen schon einige Zeit zurück. Anfang 1905 lernte der Angeklagte ein Fräulein B. kennen, der er sich als„Fenerwehrfeldwebel von der Heydt" vorstellte. Da er wiederholt auch in der Feuerwehruniform erschien, hielt die B. die Angaben des Angeschuldigten für richtig, und war deshalb nicht ab- geneigt, ihm die Hand zum ehelichen Bunde zu reiche». Es kam ein Verlöbnis zustande, welches jedoch nur wenige Tage bestand. Fräulein B. hatte ihrem Verlobten ihr Sparkassenbuch übergeben, um mit dem Gelde Möbel zu kaufen. Hierauf hatte Drews mir gewartet, er hob das Geld ab und verduftete nach Amerika. Von dort wurde er auf eine eigentümliche Weise wieder nach Deutschland zurückbefördert. Es tvac hier gegen ihn der Verdacht auf- getaucht, den Mord an der Luise Günther in der Hasenheide begangen zu haben und Drews wurde auf Requisition der Staatsanwalt- schaft nach Deutschland ausgeliefert. Das gegen ihn eingeleitete Verfahren wurde jedoch wieder eingestellt. Der Angeklagte legte sich nun auf den Heiratsschwindel im großen und bekam es fertig, mit sechs heiratslustigen Mädchen zu gleicher Zeit verlobt zu sein, denen er Beträge bis zu 500 M. abschwindelte. Das Schöffengericht vcrurtcilie den Angeschuldigten zu einer Gefängnis st rafe von sechs Monaten. Die hiergegen eingelegte Berufung wurde von der Strafkammer verworfen, da der Angeklagte die Mädchen ganz systematisch ausgenutzt habe und sein Treiben deshalb ein überans gemeingefährliches sei. Ein überaus trauriges Sittenbild entrollte eine Verhandlung, welche gestern bor der 1. Ferienstraf- kammer des Landgerichts I stattfand. Wegen Verbrechens gegen die §S 176,3 und 173 Str.-G.-B. war der frühere Arbeiter Wilhelm ThieS angeklagt.— Anfangs des Jahres 1906 wurde T. von der Strafkammer zu einer zweijährigen Zuchthausstrafe ver- urteilt, weil er zu seiner damals erst 15jährigen Tochter in sträf- liche Beziehungen getreten war. Nach seiner Entlassung aus dem Zuchthause kehrte der Angeklagte als anscheinend reuiger Sünder wieder zu seiner Familie zurück. Schon einige Wochen darauf fiel es der Frau T. auf, daß ihre dreizehnjährige Tochter Emilie ein überaus verschüchtertes Wesen zur Schau trug, häufig weinte und sehr bleich aussah. Die bedauernswerte Mutter faßte sofort einen furchtbaren Verdacht. Das Mädchen stellte anfänglich jedoch alles in Abrede, erst nach vieler Mühe gelang es der Mutter, die traurige Wahr- heit zu erfahren, daß sich der Vater auch an diesem Mädchen zu wieder- holten Malen in der schändlichsten Weise vergangen hatte. Der Vater wurde sofort verhaftet. Mit Rücksicht auf die beispiellose sitt- liche und moralische Verworfenheit des Angeklagten hielt das Gericht eine exemplarische Strafe für angebracht. Das Urteil lautete deshalb auf fünf Jahre Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverl u st._ Die Feuerwehr als Mädchen für alles? Wegen groben Unfuges und Sachbeschädigung war der Arbeiter Wilhelm Plümle vor dem Schöffengericht Berlin-Schöneberg angeklagt, weil er an das Märchen geglaubt hat, die Feuerwehr sei daS Mädchen für alles In der Nacht zum 22. April d. I. beobachtete der Nacht- Wächter Wedder den Angeschuldigten, wie dieser die Scheibe des an der Ecke der Schützen- und Lindenstraße in Steglitz stehenden Feumnelders einschlug und das Werk in Tätigkeit setzte. Da er den Ausbruch irgend eines großen Brandes vermutete, lief er schnell zu dem Angeklagten hinüber und fragte, Ivo es denn brenne. Zu seiner grenzenlosen Ueberraschung erhielt er von P. die Auskunft, in der Schützenstraße liege ein betrunkener Mann im Rinnstein und dieser würde sich erkälten, wenn er nicht fortgeschafft werde. Er habe deshalb als einziges Mittel, den Betrunkenen hierfür zu schützen, die Feuerwehr alarmiert. Ehe sich der Nachtwächter von seinem Erstaunen erholt hatte, brauste auch schon ein Löschzug der Steglitzer Feuerwehr heran. Dicht hinterher folgte der Automobillöschzug der Schöneberger Wehr. Als die aus der Nachtruhe aufgescheuchten Feuerwehrleute hörten, um was es sich handelte, regnete es auf den Attentäter eine förmliche Flut von.Liebkosungen" hernieder, die wohl in keinem Komplimentierbuch zu finden sind. Tatsächlich wurde dann auch von dem Nachtwächter ein Mann aufgefunden, der in einem Mordsrausch den Rinnstein für sein Bett angesehen hatte und der noch sehr aufgebracht darüber war, daß man ihn aus seiner Nacht- ruhe aufscheuchte.— Für den„menschenfreundlichen" Angeklagten hatte dieser Streich sehr üble Folgen._ Das Schöffengericht nahm zwar mit Rücksicht auf die bisherige Unbescholtenheit des P. von einer Freiheitsstrafe Abstand, erkannte aber auf eine Geld- strafe von 50 Mark. Gewissenlose AnSknuftSiurcaus. Wegen Beleidigung, begangen durch eine falsche Auskunft, mußte sich der Kaufmann Paul Graefe auS Trebbin gestern vor der zweiten Ferienstrafkammer des Land- gerichts II verantworten. DaS Schöffengericht in Trebbin hatte den Augeklagten auf Grund folgenden Sachverhalts zu einer Geldstrafe von 200 Mark verurteilt: Der Angeklagte ist Mitglied einer Vereinigung von Geschäftsleuten, die sich„Geschäfts- rat" nennt. Diese hat in erster Linie den Zweck, sich gegenseitig über Personen und Vermögensverhältnisse Auskunft zu erteilen. Ende deS Jahres 1006 bestellte der ebenfalls in Trebbin wohnhafte Kauf- mann Otto Hermann bei der Futterkalk- und Nährinittelfabrik in Dresden einen größeren Posten Waren, den er in der bisher ge- handhabten ZahlungSniethode zu regulieren gedachte. Zu seinem Er- staunen lehnte die Fabrik jede weitere Lieferung auf Kredit ab und drohte gleichzeitig, Herrn H. wegen eines kleinen Restes von 100 M. bei der Staatsanwaltschaft wegen Betruges anzuzeigen, wenn er nicht umgehend bezahle. Herr H. war über dieses sonder- bare Verhalten der Firma, von der er für viele Tausend Mark Ware bezogen und promp bezahlt hatte, höchst erstaunt. Er verlangte eine Aufklärung und erhielt den Bescheid, daß eine jetzt erst über ihn eingezogene Auskunft in der denkbar un- günstigsten Weise gelautet habe. Da er in den besten Vermögens- Verhältnissen lebt und sich allgemeiner Achtung erfreut, ersuchte H. die Firma, ihm die Auskunft zu übersenden. Nach längeren Ver- Handlungen erklärte sich die Firma hierzu auch bereit. Als H. die Auskunft erhielt, war er nicht wenig erstaunt. Denn in dieser hieß e S. daß er ein nur kleines Vermögen besitze, schon den Offen- barungSeid geleistet habe, daß sein Grundstück seiner Ehefrau gehöre, daß er ein ganz gerissener Geschäftsmann sei und am Platze nicht den geringsten Kredit erhalte. Diese in allen Punkten unrichtige Auskunft rührte von dem Angeklagten Graefe her. Herrmann erstattete sofort Anzeige wegen Be- leidigung. da er durch die Auskunft in der schlimmsten Weise geschädigt und in Mißkredit gebracht worden war. DaS Schöffengericht hielt eine Beleidigung für vorliegend und ver- urteilte den Angeklagten zu der obenerwähnten Strafe von 200 Mark. Hiergegen legte sowohl Graefe, wie auch der Neben- klüger zugelassene Herrmann Berufung ein. Der Angeklagte machte geltend, daß er seine Informationen in derselben Weise wie jedes Auskunftsbureau eingezogen und er sich nach jeder Richtung hin in gutem Glauben befunden habe. Das Gericht erkannte unter Aufhebung des ersten Urteils auf 500 Vi. G e l d st r a f e, außerdem wurde dem Beleidigten mit Rücksicht auf die schweren ge- schäftlichen Schädigungen, die er erlitten hatte, eine Buße von 1000 M. zugesprochen. Wie der Vorsitzende ausführte, müsse gegen derartige Leute, die nach Art gewisser Auskunfsbureaus_ einen Geschäftsmann von hinten herum die Ehre und den Kredit abschneiden und dadurch daS größte Unheil anrichten, mit aller Schärfe vorgegangen werden. Die Strafe dürfte noch recht gering fein, zumal die meisten Verfehlungen dieser Art, die für Geschäftsleute oft vernichtend find, verschwiegen bleiben und, aus Gewinnsucht begangen, verleumderische Beleidigungen find. Der Fahneujuilker vor dem Militärgerich?. Wegen einer Reibe von Wachtvergchen hatte sich gestern der Fahnenjunker Gero v. R. vom Augusta-Rcgiment, der Sohn des Generalleutnants von R., vor dem Kriegsgericht der 1. Gardedivision zu verantworten. Der Angeklagte, der vier Monate beim Militär steht, hat sich die Ver- gehen als Wachthabender zuschulden kommen lassen. Im Anschluß an die Wachtvergehen ließ er sich auch noch zur Erstattung einer falschen Meldung verleiten. Das Urteil lautete auf 14 Tage Mittelarrcst.._- Vermilebtes. Schweres Eiscnbahiumgliiik. Ein Extrazug, der am Sonntagabend den FlenSburger Männer» turnverein von Satrup abholen solire, stieß mit dem fahrplanmäßig nach Flensburg fahrendeu Zuge auf der Kleinbahnstrecke Flens- bürg— Rundhof gegen 10% Uhr zusammen. Bon den Wagen des Personenzuges wurde einer auf den anderen geschoben. JnSgesanrtflnd bei dem Zusammenstoß neun Personen getötet und eine große Anzahl verletzt worden, davon neun schwer. Die Namen der getöteten Personen sind: Schuhmachermeister Klische, Heuerageut Svcndsen und Frau, Frau Katharina Lorenzen. Frau Asninsien, Uhrmacher Augustin, Fräulein Herzfeld. Frau Petersen, Frau Michelsen. vermutlich aus Gelting, während alle übrigen aus Flensburg sind. Die Schwerverletzten wurden in der Diakonissenanstalt untergebracht. Der Lokomotivführer und ein Angestellter sollen sich schuldig bekannt haben. Sie hatten Order, die Biegung in Großtarup passieren zu lassen. Die Staats- anwoltschaft nahm von ihrer Verhaftung Abstand. Die Strecke ist wieder betriebsfähig._ Pulverfabrik in die Luft geflogen. Madrid, 10. August. Die Pulverfabrik in Schollan ist in die Luft geflogen. 5 Männer und 4 Frauen wurden getötet, viele Personen verletzt. Kaufmännische Kranken- und Stervekafle von I88S.(E. H 71) Heute abend 0 Uhr bei Landrö, Swalauer Str. 3S/Z7. CiNAegangene DruchFchiiftcn- Der„Süddeutsche Postillon" Nr. 17 widmet seine zweite Seite dem wackeren Sohn der heiteren Pfalz Franz Joses Ehrhart mit Bild und Nachrus. Die vier Farbcnbilder zerrupfen die Helden der Tagespolitik, das erste die neue heilige Allianz, das zwciie 1908 im Zeichen des Meineids, sertier: Der Metzger im preußischen Landtag, als letztes Bild: DaS Hinter- iiirche». Gesunder Humor und beißende Satire beleben den Text. Vom persiden Awion.— Umschtorz in d'r Därkei.(Ged.)— Wenn Esel zu Amt und Würde kommen.— Dct stoße Pferd.(G-d.)— Die Zieise aus Portugal.(Ged.)— Ergänzung, Ged. von L. R. Dutzende von llcincn Artikeln, Splittern füllen die empsehlenSwerle Nummer, die bekanntlich 10 Ps. kostet. Die Frau und ihre Zeit. Heft 7. Von A. Brehmer. 50 Ps. Ver- lag Buntdruck, Berlin SVJ. 68. Tiroler Pfaffenspiegel. Heft 1. 20 Heller. Tiroler Volksschichten- Verlag in Innsbruck. Bericht des BerbandeS der Ortskrankenkassen in Elsaß-Lothringen. 58 Seiten. Straßburgcr Volksdruckerci, Straßburg. Jahresbericht des ArbeitcrsekretariatS sür das Sauer- und Sieger- land 1907. 87 Seiten. Selbstverlag in Lüdenscheid. ßmfbaften der Redaktion. Sie surifttsche Sprechstunde findet Linden st raste Nr. 3, zweiter Hof» dritter Eilig ang, vier Treppe«, ffi®"" F a h r st n l, l wochentäglich abends von?>/, bis»>/, Udr statt. tgcoisiiet? Mir Soniiabcnd» beginnt die Sprechstunde nn, 0 Uhr. Jeder Slnfrag- ist ein Buchstabe und«ine Bahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Lltttwort wird nicht erteilt. Bis zur Bcantwortmig im Briefkasten können 14 Tage vergehe». Eilige Frage»«rage mau in der Sdrechsrundc vor. E. 800. 1. Leider nein. 2. Köln.— F. M. 500. Wenden Sie sich an den Handels- und TranSportarbeiter-Verbandes, Engel-lljer 15.— I. K. 101.'Uns nicht bekannt.— I. O. 34. Nein.— P. H. 1. Wahr- (cheinlich würde der Staatsanwalt das Vorliegen eines öffentlichen Interesses vcnicinen.— M. T. 10. Ein solches Gesetz gibt es nicht. Schildern Sie den Fall, über den Sie AuSlunit haben wollen, und knüpfen Sie an diese«Schilderung Ihre Frage.— Bö. 04. Sie brauchen nicht zu zahlen. Organisiert. Sie könnten es mit einer Klage bei Gericht versuchen: ganz aussichtslos wäre sie nicht. Die Klage ist schrijtlich einzureichen oder aus der Anmeldestube, Gruuerstraßc, zu Protokoll zu erklären. Ein Eingesandt wäre zwecklos.— Erich S. 1. Die Summe ist in voller Höhe beitreibbar. 2. Der nach Zahlung des Arbeitslohnes eiiigclausene Ueberweisungsbeschluß ist zwecklos.— S. P.»1. Nein.— X. Ja. — E. 31. 36. Wenden Sie sich an irgend einen Anwalt, zu dem Sie Vertrauen haben. Bestimmte Personen zu empschlcn, lehnen wir grmid- sätzlich ab.— O. 65. 38. Wenden Sie sich zwecks Untersuchung an die Polizeibehörde.— 3l. 5. 1. Wie Sie wolle:». 2. Nein.— S. n, F. B. 04, Mach, Ja.— 31. K. 45. Beides müßten Sie zu crsorschc» suchen.— G. 11. 1. Ehebruch ist strafbar, wenn wegen desselben die Ehe geschieden ist und der beleidigte Gatte Sstasanstag stellt. Antra ft werden beide. 2. Nein.— E. W. 73. 1. Die Hundesteuer beträgt in Berlin 29 M. jährlich. 2. Nein.— P. N. 34. In Schloß Weißensee.— Amtlicher Marktbericht der städlifchen Marlthalleu.Dirckiion übet den Großhandel in den Zeiiwal-Markthallen.'Marktlage: Fleisch: Zusnhr stark, Preise sür Hammelfleisch nachgebend, sonst unverändert. Wild: Zufuhr sehr reichlich, Geschäft schleppend, Preise sinkend. G c- slügel: Zufuhren in Gänsen genügend, sonst knapp, Geschäst ziemlich rege, Preise gut. Fische: Zufuhr mäßig, jedoch ausreichend. Geschäft malt, Preise niedriger. Butter und Käse: Geschäft lebhast, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südjrüchte: Zujuhren reich» lich, Geschäft reger, Preise wenig verändert. Witterungöubersicht vom 10. 3l«gust 1008, morgens 8 Uhr. VK »!i k? .3 13 13 13 12 Wetterprognose für DienStag, den 11. ülugust 1008. Zunächst vielfach heiter und wann bei mäßigen südöstlichen Winden: später wieder zunehmende Bewölkung und Gewitterneigung. Berliner Wetterb»reau. der LandeSanstaN Waflerstandö-Nachrichten Berliner Wetterbureau. Wafserstand M-mel, Tilsit Pregel, Jnftcrburg Weichsel, Thon» Oder, Natibor , Kroffen . Franksurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmcritz , Dresden , Barby . Magdeburg am 9. 8. cm 104 —18 194 212 188 205 142 80 —20 -57 52 ür Gewässerkunde, mitgeteilt vom seit 8. 8. ein') -i-4 +1 —14 —37 —16 —22 —24 +4 -6 +4 —4 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Spremberg') . Bccskow Weser, Münden , Minden Rhein, Maximiiiansan , Kaub , Köln Neckar, Heilbrom» Main, Werthekin Mosel, Trier _._,_._ Q+ bedeutet Wuchs,— Fall,—*) Unterpegel._ Verantwortlicher Redakteur: Georg Tavidsohn, Berlin. Für den Inseratenteil veravtw-.: Th, Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdrucker« u.VerlagSanstalt Paul Singer Li Co.. Berlin SW,