Nr. 188. Abonnements- Bedingungen: bonnements. Preis pranumerando, Bierteljährl 8,80 M., monatl. 1,10 wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illuftrierter Sonntags Beilage Die Neue Belt 10 Bfg. Bofte Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost- Beitungs Breisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen ant: Belgien, Dänemart, Solland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schwetz . Ericcint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 Big., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. Kleine Anzeigen", das erste( fett gebrudte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf ftellen- Anzeigen das erste Bort 10 Bfg., Jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Egpedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1983. Donnerstag, den 13. August 1908. Sings die bürgerlichen Zersehungsspekulanten gewonnenes Aber noch ist's nicht soweit! Der Parteitag in NürnDie badische Landtagsfraktion und der badische Landes. berg wird dafür sorgen, daß die Hoffnungen der Minierer" borstand hatten zwar dem Parteivorstand die Auskunft darüber zuschanden werden. Der Parteitag tagt zwar in Nürnberg, berweigert, ob sie beschlossen hätten, für das Budget zu stimmen- in Süddeutschland; allein, wenn gewiffe Elemente Hoffen auch bis Mittwoch abend ist dem Parteivorstand trotz seines sollten, daß die geographische Lage Nürnbergs auch auf die Telegramms teine Nachricht zugegangen- allein einer solchen Vertretung der Partei und damit auf die Beschlußfassung des Antwort bedarf es auch nicht mehr: die badische Landtags. Parteitages einen Einfluß ausüben tönnte, so würden -die Genossen aller Landesteile fraktion hat nach einem Telegramm aus Karlsruhe mit dessen sind wir sicher! 9 Stimmen das Finanzgesetz angenommen; zwei Abgeordnete durch entsprechende Beschickung des Parteitages dafür forgen, daß der Parteitag eine wirklich demokratische Verblieben der Abstimmung fern! Das ist die Antwort der badischen Landtagsfraktion bereits in unserem lekten Artikel sagten, ohnehin der festen tretung der Gesamtpartei darstellt! Aber wir sind, wie wir auf die Anfrage der obersten Parteibertretung und Aufsichtsbehörde! Denn daß der Parteivorstand, die Ueberzeugung, daß auch die Mehrheit der süddeutschen oberste Aufsichtsbehörde, die besondere Pflicht hat, über Be- Genossen diese Verstöße gegen die Parteidisziplin und die obachtung von Parteitagsbeschlüssen zu wachen, wird wohl Demokratie am schärfsten verdammen werden! Der Disziplinbruch vollendet! Spiel! nicht ein Parteigenosse zu bestreiten wagen! Es unterliegt also nicht dem geringsten Zweifel, daß der Parteivorstand berechtigt war, von dem badischen Landesausschuß, der seinerseits wieder verantwortlich ist für die Haltung der badischen Abgeordneten, Auskunft zu verlangen. Aber die Auskunft wurde mit der geradezu burlesken daß Ausflucht berweigert, mit der gwar GeLandtagsfraktion eine Sigung abgehalten, aber heimhaltung beschlossen habe: Geheimhaltung gegen. über dem Parteivorstand, dem berufenen Aufsichtsorgan der Partei! : man Ueber die Motive der Abstimmung der badischen Landtagsfraktion wird aus Karlsruhe gemeldet: Mit Rücksicht darauf, daß für die Etatsperiode verhältniss mäßig erhebliche Beträge zur Erhöhung der Beamtengehälter und Arbeiterlöhne gefordert werden, stimmte die sozialdemokratische Fraktion für das Etatsgesetz. セン Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. enthalts der Staatsbürger der bertragschließen den Staaten in deren Länder, erhebe ich bei Euer Exzellenz Beschwerde wider die mir ergangene Beschaffungsaufforderung der Polizeibehörde, mir eine Legitimationskarte der Feldarbeiterzentrale zu erwerben, gegenteiligenfalles ich die Ausweisung zu gewärtigen hätte. Indem ich Ew. Exzellenz ergebenst mitteile, daß ich bereits das vierte Jahr, unter strengster Achtung und Beachtung der Geseze meinem Erwerb in Berlin nachgehe. lehne ich es ab, mich unter die Kontrolle der Feldarbeiterzentrale zu stellen. Ew. Exzellenz, neben den angeführten Gründen muß ich auch die moralischen Bedenken, die mich erfüllen, zur Begründung meiner Beschwerde einwenden. Und die sind, daß ich, stola auf meine Angehörigkeit zur österreichisch- ungarischen Monarchie, es mit meinen vaterländischen Gefühlen nicht vereinbaren kann, mich einer Ausnahmemaßregel zu unterwerfen, die ich meiner Anficht zufolge der Polizeiaufficht gleich betrachte. Es müßte mich mit tiefer Scham erfüllen, als ihr Angehöriger in dem ihr eng berbündeten Deutschen Reiche eine Gastfreundschaft zu genießen, die meinen patriotischen Empfindungen eine Demütigung sein würde. Ich muß Ew. Exzellenz erklären, daß die drakonische Maßregel der Ausweisung mir demgegenüber eine Ehre sein wird, trotzdem es das härteste Verfahren wäre, das mich treffen könnte. Noch erlaube ich mir beizufügen, daß dies die Ansicht aller Staatsbürger der öster reichisch ungarischen Monarchie ist, die bisher Gastfreundschaft in Breußen genossen haben. Indem ich Ew. Exzellenz diese meine Beschtverde unterbreite, bitte ich, derselben stattzugeben und die Annullierung der mir ergangenen Aufforderung zu berfügen. Diese Abstimmung foll tein Vertrauensvotum für die Regierung sein; die Politik des Ministeriums wird vielmehr, wie Herrn Kohn wurde darauf unterm 23. Mai mitgeteilt, bisher, von der Fraktion exergisch belämpft werden, da die Re- daß seine Eingabe vom 12. Mai an den Oberpräsidenten zu gierung wiederholt dem Vorschlage staatsbürgerlicher Gleichheit gegenüber der sozialdemokratischen Bartei und durch die Haltung Potsdam zur weiteren Veranlassung" gesandt worden sei. im Bundesrate, namentlich auch bei Beratung der Reichsfinanzreform, Ein Schreiben des Oberpräsidenten vom 22. Juli benachwichtige Boltsinteressen schädigte. Nachdem die sozialdemokratische richtigte dann Kohn, daß es bei der Verfügung des Berliner Frattion das Zustandekommen der Beamtengeseze erarbeitet hat, Polizeipräsidenten sein Bewenden haben müsse, durch die er hält sie fich für verpflichtet, mitzuwirken bei der Be- aufgefordert wird, sich seine Legitimationstarte zu beschaffen. fchaffung der Mittel, die zur Ausführung dieser Geseze Beschwichtigend fügte man hinzu: eine Polizeiaufficht ihm notwendig sind. Aus diesem Grunde hat die Fraktion es unter gegenüber oder eine Aufsichtsbefugnis der Feldarbeiter- Zentrale laffen, ihr Mißtrauen gegen die Regierung durch Ablehnung des kommt dabei nicht in Frage". Daß der Beschwerdeführer Gesamtetats zum Ausdruck zu bringen. wußte, was dabei in Frage kam, bewies ja sein Schreiben an den Minister des Innern! Den Ausgang der Angelegenheit beleuchten folgende Bolizei Revier. 2. Aug. 08. In einer an S. Exzellenz den Herrn Minister des Innern gerichteten Eingabe lehnte ich es ab, mir eine Legitimations. farte der Feldarbeiter- Zentrale zu ertverben. Schon diese Verweigerung der Auskunft bildete den un. erhörtesten Bruch der Disziplin, eine standalöse Auflehnung gegen das Organisationsstatut, diese Verfassung, die sich die Partei, auf ihren Parteitagen gegeben! Dazu kommt, daß die Fraktion unmittelbar darauf mit 9 von 11 Stimmen für das Budget gestimmt hat! Es wäre ja möglich Diese Begründung erscheint uns absolut nicht stichhaltig. gewesen, daß die Mehrheit der badischen Fraktion der ehr- Sie fällt keineswegs unter die Ausnahmefälle, die die Mehrlichen Ueberzeugung gewesen wäre, daß auch für sie heit des Lübecker Parteitages bei der Fassung ihrer Resolution jene besonderen" zwingenden Umstände vorlagen, von denen im Auge hatte. Sobald die badische Landtagsfraktion näheres die Lübecker Resolution als Ausnahmefällen spricht, und über die Gründe ihrer Beschlußfassung und ihres gesamten die im vorigen Jahre die württembergische Landtagsfrattion Verhaltens bekannt geben wird, werden wir darauf zurückbermeintlich berechtigten, für das Budget zu stimmen. Aber kommen. wenn die badische Landtagsfraktion, wenn der badische Landesborstand diese Auffassungen hatten, so hätte ihnen die Anfrage des Parteivorstandes geradezu willkommen sein müssen, um der obersten Parteibehörde ihre Auffassung der Sachlage Man hat die Behauptung aufgestellt, und sicherlich nicht darzulegen und sie über die Besonderheiten der Situation ohne Recht, daß man den Kulturgrad eines Staates nach den zu informieren! Auch für den Fall, daß der Parteivorstand Rechten und dem Schuge bemessen könne, den die Ausländer die Auffassung der badischen Fraktion nicht geteilt hätte, in einem Staate genießen. Legt man diesen Maßstab an hätten damit die badischen Genossen doch ihrer Pflicht zur Be- Preußen an, fo gehört dieses Land, von dem einst Fürst Bülow schwadronierte:" Preußen in Deutschland voran", zu obachtung der unerläßlichen Parteidisziplin genügt gehabt den allerrüdständigsten Ländern, so steht es noch und ihr gutes Gewissen bewiesen! hinter Rußland und der Türkei zurück! Die Vogelfreiheit der Ausländer. Aber nein: die badischen Instanzen verweigerten trok Reiche Ausländer allerdings, deren staatserhalwiederholter dringlichster Aufforderung disziplin widrig tende Gesinnung von vornherein außer Frage steht, dem Parteivorstande die Auskunft, berkrochen sich hinter genießen nicht nur ebensoviele Rechte in Preußen als der Heimlichkeiten und stempelten dadurch selbst eine etwaige preußische Durchschnittsstaatsbürger, sondern sogar die Rechte Meinungsverschiedenheit zu einem bewußten Disziplinbruch, Arbeit lebenden, für deutsche Unternehmer Mehrwert der preußischen Privilegierten. Die von ehrlicher zu einer beabsichtigten, wohlerwogenen Brüstierung! Ste schaffenden Ausländer dagegen sind durch die bekannte sagten: Wir pfeifen auf den Parteivorstand, wir pfeifen auf Verfügung der preußischen Regierung, wonach die Ausdie Beschlüsse der Gesamtpartei; wir üben zielbewußte länder gezwungen sind, sich Arbeiterlegitimations. Obstruktion, verlegen bewußt und gefliffentlich die Partei- tarten von der Landarbeiterzentrale ausstellen zu lassen, disziplin, verüben beabsichtigtermaßen Verfassungsbruch! zu Hörigen, zu weißen Sklaven des Kapitalismus Attenstüde: Indem ich mich auf die in Staatsberträgen ber. bürgten Rechte und Freiheit meiner Berson als Angehöriger der öst.sung. Monarchie berufe, verharre ich bei meiner Ablehnung. Ich betrachte dies als eine patriotische Pflicht dem Baterlande gegenüber in Erwartung aller Konsequenzen. Ich beehre mich Ihnen dies mitzuteilen und zeichne hochachtungsvoll ( Unterschrift). Der Polizeipräsident. Abteilung V. Berlin C. 25, Alexanderstr. 3/6, den 7. August 1908. Zageb.- Nr. 3140. V. 5a. 08. Sie werden hiermit als lästiger Ausländer bon Landespolizeiwegen aus Preußen aus. gewiesen und demgemäß aufgefordert, das Gebiet des preußischen Staates mit Frist von bier Wochen zu berlaffen. Sollten Sie dieser Anordnung feine Folge leisten, so wird gegen Sie auf Grund des§ 182 Nr. 2 des Gefeßes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1888 eine Geldstrafe bon 100 Mart oder im Unvermögensfalle eine Haftstrafe von 10 Tagen festgesezt und vollstreckt werden. Sollten Sie ohne Erlaubnis in das Gebiet des Preußischen Staates zurückkehren, so haben Sie auf Grund des§ 361 Nr. 2 des Strafgefeßbuchs für das Deutsche Reich eine Haftstrafe, bis a 6 Wochen zu gewärtigen. Im Auftrage ( Unterschrift.) Wir sind freilich der Ueberzeugung, daß die Masse der Ge- und seiner Exekutivorgane gemacht worden. Die Legitimationsfamtpartei einmütig diesen Bruch der die Demotratie tarte wird den ausländischen Arbeitern abgenommen, und festlegenden Parteiberfaffung in der schärfften Form verurteilen ihnen so unmöglich gemacht, eine Arbeitsstelle ohne 8uwird! Würde doch ein solches Verfahren, wie es die badischen Stimmung des Unternehmers au berlassen! Tun sie es dennoch, En fo werden sie ausgewiefen! Durch diese LegitimationsFunktionäre beliebten, nichts geringeres als die Aufhebung tarten sind eben die ausländischen Arbeiter der Billtür des den Maschinenbauer aller Parteidisziplin, die Lockerung allen Parteizufammenhalts, Unternehmertums und der behördlichen Organe wehrlos preis- Serrn Emanuel Kohn die Zerstörung der Demokratie bedeuten! gegeben. Zwar versicherten seinerzeit die Regierungsvertreter, traurige Rest! Hier. Politische Uebersicht. Denn wenn fünftig jede Parteiförperschaft tun tönnte, daß man die Verfügung durchaus loyal und milde Wenn alle Ausländer sobtel Selbstbewußtsein und Rechtswas ihr beliebt, wenn sie sich fünftig jeder Verantwortlichkeit handhaben werde, indes sind Fälle genug bekannt geworden, gefühl befäßen, würde es unserem deutschen Ausbeutertum gegenüber der von der Gesamtpartei geschaffenen Zentral- wo Arbeiter einfach ausgewiesen wurden, sobald sie sich bald derartig an rechtlosem Ausbeutungsmaterial fehlen, daß instanz, diesem Aufsichtsorgan des Partei- nicht nach dem Gutbünten ihres Arbeitgebers die Regierung gezwungen wäre, schleunigst ihre Verfügung zurückzuziehen. willens, zu entziehen vermag, dann gäbe es fürder feine ausbeuten lassen wollten. Uns liegt aftenmäßig ein Fall bor, in dem ein öfterstarte, einige fozialdemokratische Partei mehr, sondern Zerrissenheit, uneinigtett, Sonderbündelet, reichischer Arbeiter fich weigerte, fich zum Hörigen machen zu Partitularismus und Cliquenwesen wären der zentrale gegen sein gutes Geld eine Legitimationstarte ausberaffen. Auf die Aufforderung hin, sich bei der Feldarbeiterstellen zu lassen, sandte er an den preußischen Minister des Schon jauchzt die liberale Preffe über diese Auflösungs- Innern folgendes Schreiben: symptome der stolzen Einheit und Geschlossenheit der sozialBerlin, 17. Mai 1908. demokratischen Partei, Sie sieht darin das zielbewußte Wert St. Exzellenz, dem Herrn fönigl. preußischen Staatsminister der revisionistischen Minierer". Und die bürgerliche Presse des Innern, Berlin. hat von ihrem Standpunkt aus allen Grund zum Jubeln. Denn wäre erst das Gebäude der Demokratie zerrümmert, könnten sich erst alle möglichen separatistischen Bestrebungen unter Miß a chtung der von der Vertretung der Gesamtpartei geschaffenen prinzipiellen Richtlinien und der zur Kontrolle dieser Richtlinien geschaffenen Instanzen ungeniert ausleben", so hätten aller Eure Erzellenz1 As Intertan Sr. tais. und königl. apostolischen Majestät des Kaisers und Königs Franz Josef I. erlaube ich mir, respektvollſt folgendes Schreiben an Eiv. Exzellenz zu adressieren. Mein Name ist Emanuel Kohn, mein Beruf Maschiner bauer. Unter Berufung auf die zwischen dem Deutschen Reiche und der österreichisch- ungarischen Monarchie bestehenden andels. berträge und die darin berbürgten Freiheiten des Auf Berlin, den 12. August 1908. Zur Stuttgarter Geheimkonferenz. Kurz bor Redaktionsschluß erhalten wir folgende telegraphische Meldung aus Stuttgart: 19 " Die Schwäbische Lagwacht" gibt in ihrer heutigen Nummer den größten Teil des gestrigen Leitartikels im Vorwärts" wieder und nimmt in einem W. K. gezeichneten Artikel wie folgt Stellung zu den Auslassungen des„ Borwärts": Man tann im Zweifel sein, ob es richtig war, die Sache gleich mit folcher Behemenz an der Spitze des Vorwärts" zu behandeln. Wenn der Parteivorstand oder der Vorwärts" über die Konferenz Aufschluß haben wollte, so hätte er sie auf eine Anfrage in München, " Stuttgart, Karlsruhe und Darmstadt bereitwilligst bekommen. Der Landesvorstaud der badischen Partei konnte diese Auskunft nicht geben, denn der hat an der Konferenz nicht teilgenommen. Diese Konferenz, die nicht zu Pfingsten, sondern an einem voraus- gegangenen Sonntag in Stuttgart stattgefunden hat, betrachtete sich keineswegs als geheimes Konventikel. Me auf früheren Kon- fercnzen, so wurden auch hier Fragen besprochen, die für die Ab- geordneten aller süddeutschen Staaten von gemeinsamem Interesse sind. In der Presse Bericht über diese Aussprache zu erstatten, lag diesmal ebensowenig Anlaß vor wie bei den früheren Konferenzen. Auch ein Beschluß konnte der Oeffcntlichkeit nicht mitgeteilt werden, da ein solcher nicht gefaßt wurde. Eine Unterlassung, der ich nicht zustimmen kann, ist freilich vorgekommen: es wurden weder Vertreter der Parteiorganisationen noch Ver- treter der Presse zu den Erörterungen zugezogen. In Ueber- einstimmung niit dem„Vorwärts" erblicke ich darin einen Fehler. Auch die Abgeordneten der Partei sollten zu wichtigen Fragen, ckber die in der Partei selbst und unter ihnen lebhaste Meinung»« Verschiedenheiten bestehen, nicht Stellung nehmen ohne Fühlung- nähme mit der organisatorischen Parteivertretung und der Partei« presse. Im übrigen aber liegt zu dem alarmierenden Auftreten des„Vorwärts" kein Grund vor. Ein Beschluß, künftig für die Budgets zu stimmen, ist, wie schon bemerkt, nicht gefaßt worden. Auch ist nicht richtig, daß der Vorsitzende das Ergebnis der Aussprache dahin zusammengefaßt habe, eS sei eine Beseitigung des Lübecker Beschlusses anzustreben. Im Gegenteil, man ging davon aus, daß die Haltung der Fraktionen in den einzelnen Landtagen im Einklang stehen müsse mit jenem ParteitagSbeschluß. Man habe sich ausgesprochen über die Frage, welche politische Wirkung ein stereotyp verneinendes Veto der sozialdemokratischen Abgeordneten habe, und über die Verhältnisse, die unter Anwendung deS zweiten Absatzes der Lübecker Resolution zur Annahme deS CtatS führen können. ES liegt auf der Hand, daß man von Berlin aus diese Verhältnisse nicht so genau übersehen und beurteilen kann, wie in den einzelnen süddeutschen Staaten. Aber eben darum hätten der„Vorwärts" und der Parteivorstand ruhig warten dürfen, ob die Stutt» gartor Aussprache in diesem Jahre wirklich zur Annahme des Etats in Baden oder Bayern durch die Sozialdemokraten führen würbe und welche Gründe dafür geltend gemacht würden. Selbst- verständlich habe die einzelne Fraktion, die für den Etat stimmt, der Partei dafür Rechenschaft abzulegen. Konnte nun aber der Parteivorstand nicht warten bis zum Tage der Etatsabstimmung in Baden, so war eS Sache der badischen Parteigenossen, auf eine ordentliche Anfrage eine ordentliche Antwort zu geben und sich dem Parteivorstand gegenüber nicht hinter ein Schweigegebot zu ver« stecken. Schließlich verdienten die Mitglieder de? Parteivorstandes ebenso viel Vertrauen, wie die Mtglieder de? badischen Landes« Vorstandes. Der Artikel ist, wie gesagt, W. K. unterzeichnet, als« nicht Meinung der Gesamtredaktion.— Aenderung der schlestvig- holsteinischen Städteordnung. Da?„Hamburger FremdenLlatt" will erfahren haben, daß die preußische Regierung beabsichtigt, die schleswig-holsteinische Städte- ordnung abzuändern. ES soll daS Recht der'Bürger, die Magistrats- Mitglieder direkt zu wählen, aufgehoben werden. Wie in den alt- preußischen Provinzen will die Regierung diese Wahl zum Vorrecht der Stadtverordneten werden lassen. DaS liberale Hamburger Blatt be- klagt bei der Veröffentlichung dieser Meldung, daß die„äußerst liberale Städteordnung" des meerumschlungenen Landes derart verschlechtert werden soll. Mit diesem Liberalismus hat eS jedoch sein eigenes Bewenden. Ein ZensuS, der in den meisten Städten auf 1200 Mark und in Altona gar auf ISO» Mark angesetzt ist, macht der Arbeiterschaft eine Beteiligung an den Gemeindewahlen fast unmöglich. So ist eS denn auch in der durch und durch sozialdemo- kratischen Schwesterstadt Hamburg? bisher der Arbeiterschaft noch nicht gelungen, nur einen einzigen Vertreter in? Stadtverordneten- kollegium zu bringen. In Kiel aber, wo früher ein Verhältnis- mäßig niedriger Zensus bestand, hat der Freisinn aus Furcht bor der Sozialdemokratie 18VS den Zensus hinaufgesetzt. ebenso neuerdings in Tönning. Sollte die Meldung des„Hamburger Fremdenblattes" richtig fein, so würde der Freisinn nur an dem Gliede gestraft werden, an dem er selber gesündigt hat. Unser Kieler Parteiblatt, die„SchleSwig-Hol steinische VolkS-Zeitung" berichtigt diese Nachricht dahin, daß eS sich um die Verwirklichung eines Planes handelt, der schon vor zwei Jahren im Pulte deS Regierungspräsidenten lag. Zugleich konstatiert es, daß 1. die meisten Magistrate die Wahl der Magistratsmitglieder durch die Ivahlberechtigten Bürger abschaffen wollen, 2. daß die reaktionären Elemente vieler Städte das Recht auf Zensuserhöhung, das jetzt bei ISVO M. endet, auf einen höheren Satz (etwa 1800 3K.) steigern wollen. 8. die reaktionären Elemente in Kiel und diele Magistrats- Mitglieder in verschiedenen Städten ein Klaffenwahlrecht einführen wollen. Dem gegenüber steht: 1. Die Mehrheit der bürgerlichen Kreise in SchleSwig-Holstein Will an der unveränderten Städteordnung festhalten, 2. das Proletariat SchleSwig-HolsteinS und die abhängigen Beamten verlangen daS allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für die Wahlen der Magistratsmitglieder wie die der Stadtverordneten. Die„Schleswig-Holsteinische Volkszeiwng' resümiert: Soll das Wahlrecht geändert werden, so können die Herren sicher sein, das» die Sozialdemokratie nicht schweigen wird. Allerorts werden wir den Ruf erheben: Her mit dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht! Jndustriefendalismus. In der letzten Neichstagssession prägte Pfarrer Naumann das neue Schlagwort vom„Jndustriebürger", zu dem der Arbeiter, der heute nur„Jndustrieuntertan" sei, werden müsse. Wie sehr Naumann irrt, wenn er dem Wahne lebt, daß Fabrikanten einem FabrikkonftitutionaliSmuS mit gleichen Rechten der Arbeiter und Unternehmer zustimmen könnten, zeigt eine mit Behagen von der scharfmacherischen Presie abgedruckte Auslassung der Oppelner Handelskammer. In ihrem letzten Jahresbericht schreibt dieser Ver- trewngskörper der Unternehmer: „In dem sozialpolitischen Reformeifer ist bedauerlicherweise auch im Jahre 1907 kein Stillstand eingetreten. Eine ganze Reihe neuer sozialpolitischer Gesetze und Verordnungen ist er- gangen oder befindet sich in Vorbereitung. Die Führung in dieser sozialpolitischen R-forinbelvegung liegt fast ausschließlich in den Händen unbeteiligter Theoretiker, die den wirklichen Verhält- nissen in der Industrie und ihren Bedürfniffen zumeist gänzlich verständnislos gegenüberstehen und die vor allem noch immer nicht von dem Wahn gehellt sind, die Sozialdemokratie könne durch unausgesetzte sozialpolitische Reformen bekämpft � werden. Sie haben noch nicht be- griffen, daß einerseits die Begehrlichkeit der Massen durch solches Entgegenkommen mir immer weiter wächst, während andererseits durch die fortgesetzte Beschränkung der Arbeitszeit und durch die unaufhörliche Bebürdmig der Industrie mit neuen Lasten die Arbeitskraft»nd Arbeitslust der deutschen Bevölkerung gelähmt und die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Erwerbslebens auS- ländischer Konkurrenz gegenüber auf das empfindlichste becintrüchtigt wird. Die allgemeine Einführung von Tarif« verträa/en, für die in diesen Kreisen jetzt so leb- hast gekämpft wird und die nicht hoch genug als „soziales FriedenSinstrument" gepriesen werden können, würde den schwersten Schlag darstellen, den man den deutschen WirtschaftS- leben zufügen könnte, von dein Unsinn der sogenannten „konstitutionellen Fabrik" gar nicht zu reden. Es ist aussichtslos, diese Kreise eines besseren zu belehren, im Gegen- teil wird von ihnen jeder, der seine warnende Stimme erhebt. als„sozial rückständiger Mensch" gebrandmarkt. Handel und Industrie freilich und ihre berufenen Vertreter lvcrden sich dadurch in der Verfechtung der wahren Interessen der deutschen Volks- Wirtschaft nicht irre machen lassen und eS wird ihnen hoffentlich in nicht allzuferner Zeit doch gelingen, die maßgebenden Kreise von der Richtiglcit ihrer Anschauungen zu überzeugen." Das nene Vereins-«nd Versammlungsrecht in der Praxis. Folgende drei Aktenstücke, die für sich selbst sprechen, beweisen wieder einmal, wie es mit den gesetzlich gewährleisteten Rechten für die Arbeiterklasse aussieht: Alt-Drewitz, den s. Juli 1908. An die Gemeindevertretung hierselbst. Antrag des Zimmerer» Karl Becker, betreffs VersammlungSplatz. An die Gemeindevertretung stellt Unterzeichneter den Antrag: Hochdieselbe wolle beschließen, den Platz, welcher dem Männer- gesangverein gewährt worden ist, auch den Arbeitern zum 2ö. d. M. zur Verfügung zu stellen. Zur Begründung meines Antrages erlaube ich mir folgendes anzmühren: Da der hiesigen Arbeiterschaft im Orte kein einzige» Versammlungslokal zur Verfügung steht und nach dem neuen Vereinsgesetz das Abhalten von Ver- sammlungen unter freiem Himmel gesetzlich erlaubt ist, so wolle die Vertretung den Arbeitern dasselbe Siecht einräumen, was dem Mäimergcsangvercin gewährt worden ist. Denn was dem einen recht, ist dem andern billig. Einer auf meinen Antrag bezüglichen Antwort entgegensehend zeichne Achtungsvoll I. A.: Karl Becker, Küstrinerstr. 44. » Alt-Drewitz, de» 28. Juli 1903. Gemeindevorstand M-Drewitz. Auf Verfügung des Herrn Landrats muß Ich Ihnen den Antrag vom 6. d. M. mit dem Bemerken zurückreichen, daß Ich eS ablehne, der Gemeindevertretung zur Beschlußfassung vorzulegen. Im übrigen verweigere Ich Ihnen die Ueberlassung der Dorfaue als VersammlungSplatz, ganz ab- gesehen davon, daß öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel der ortspolizeilichen Erlaubnis bedürfen. Der Gemeindevorsteher. gez. Koppen. Der Amtsvorsteher. .T.No. D. 739. Alt-Drewitz, den 6, August 1908. Die von Ihnen durch Antrag vom 30. v. M. nachgesuchte polizeiliche Genehmigung zu der am Sonntag, den 9. August, nachmittags 8 Uhr, auf dem Grundstück deS Eigen- tümers Otto Parlow zu Alt-Drewitz, Forststr. 17, ab« zuhaltenden öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel wird hiermit von mir gemäß Z 7 des VereinSgesetzeS vom 19. April 1903— ReichSgesetz-Blatt Seite 151— versagt und zwar au» folgendem Grunde: Die Spannung zwischen den sozialdemokratisch gesinnten und den national gesinnten Einwohnern hierselbst hat sich in letzter Zeit derart gesteigert, daß mit Sicher- heit(I) anzunehmen ist, daß die angemeldete Versammlung— zumal sie an einem Sonntag abgehalten werden soll— zu Reibungen und AnSschreitunge» unter den einander gegenüber- stehenden Parteien und somit zur Störung der öffentliche» Sicher- heit Gelegenheit geben wird. (Siegel.) gez. Wolfram. An den Zimmerer Herrn Karl Becker in Alt-Drewitz. Gegen Behändigungsschein. Zunächst also verweigert der Gemeindedorsteher„auf Ver» fügung des Herrn Landrats" die Hergabe eines öffent- lichcn Platzes iin Orte ohne Angabe von Gründen. Ja, er weigert sich, den an die Gemeindevertretung gerichteten Antrag der Gemeindevertretung überhaupt vorzulegen! Als es darauf den Genossen gelingt, von einem Eigentümer ein Grundstück zur Ab- Haltung einer öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel zur Ver- fügung gestellt zu erhalten, wird die Versammlung verboten, weil eine„Störung der öffentlichenSicherheit"zu erwarten sei. Dies Argument ist ein nur allzu bekanntes Klischee. Der§ 7 bestiinmt. daß die Versammlung unter freiem Himmel nur dann verboten werden kann, wenn eine Gefahr für die öffentliche Sicher- heit zu befürchten ist. Darüber aber, waS unter einer solchen Ge- fahr zu verstehen ist, ist der Polizeibehörde der grenzen« lose st e Spielraum gegeben. Besagen doch schon frühere Entscheidungen des preußischen Oberverwal- tunaSgerichtS, daß schon dann ein Verbot zulässig sei. wenn die Abhaltung der Versammlnngzur Gefährdung der öffentlichen Sicher- heit führen kann. ES bedürfe nicht der sich auS Tatsachen er- gebenden Wahrscheinlichkeit einer unmittelbaren Gefahr. Damit ist der ausschweifendsten Willkür Tür und Tor geöffnet I So steht eS um die Praxis des VereinSgesetzeS, daS als liberale Errungenschaft von unseren freisinnigen Blockkastraten so sehr ver- herrlicht worden ist! Die bürgerliche Presse und der Stettiner Nieterstreik. Wir berichteten gestern, daß unter den bürgerlichen Blättern sich kein einziges gesunden hat, das gegen den Beschluß der Seeschiffs- werften, wegen des VerharrenS der Stettiner Nieter im Ausstande Zehntausende unbeteiligter Arbeiter der verschiedensten Berufsziveige auszusperren, als einen durch den Machtkitzel der Werftdirektionen diktierten finnlosen und frivolen Streich opponierte. Tat- sächlich hat sich heute doch noch ein bürgerliches Blatt zu einer Kritik des übermütigen Beschlusses der Schiffs« werften aufgeschwungen, wenn auch nur zu einer wohl- temperierten Kritik. Die? Blatt ist die„Franks. Zeitung". Sie schreibt nämlich in ihrem ersten heutigen Morgcnblatt: Andererseits mußten auch die Arbeitgeber einsehen, daß die Arbeiterorganisationen alles versucht haben, den starren Sinn der Nieter zu beugen. Deshalb fehlt der Aussperrung der rechte Sinn. Die Aussperrung hätte, auch vom Stand- Punkt der Arbeitgeber, doch nur dann einen Zweck, wenn durch diese Maßregel die übrigen Arbeiter gezwungen werden sollten, auf die Haltung der Nieter einzuwirken. An einem Mittel, die halsstarrigen Nieter zur Aufgabe ihres Standpunktes zu betvegen, fehlt es aber den Ausgesperrten, und deshalb muß die ihnen ans- gezwungene Beschäftigungslosigkeit, durch die viele Tausende mit ihren Angehörigen, mit ihren Frauen und Kindern, bitter Not leiden müssen, als eine schwere Härte empfunden werden. DaS ist recht wenig, aber andere sogenannt„entschieden liberale' Blätter brachten eS selbst nicht bis zu solchen lauwarmen kritische!, Bemerkungen; und doch befinden sich darunter nicht wenige, die Von sich behaupten, daß sie„auch" die Arbeiterintereffen vertreten. Techniker und Arbeiter. DaS Gewcrkschaftskartell nahm in seiner letzten Sitzung zu dem Vorgehen der bayerischen Metallindnstrtellen gegen die' organisierten Techniker und Handlungsgehilfen folgende Rc- solution an: Das Gewerkschaftskartell in Leipzig als Vertretung von etlva 80 000 gelverlschaftlich organisierten Arbeitern protestiert energisch aegeit das terroristische Vorgehen des Verbandes bayerischer Metall- tndustricller, das auf die Beseitigimg deSKoalittonSrechtS der Schichten de» geistigen Proletariats, der Handlungsgehilfen und technischen An- gestellten hinanSläust. Das Gcwcrkschaflslartell sieht als einziges und bestes Mittel gegen derartigen TerroriSmuS die Organisation auf gewerkschaftlicher Grundlage an. Schulter an Schulter mit der gewerblichen und industriellen Arbeiterschaft sollten die Privat- angestellten gegen kapitalistische Bevormundung und Ausbeutung omämpfen. DaS Kartell versichert die um ihr Koalitionsrecht Kämpfenden seiner Sympathie und Solidarität und bedauert zu- gleich die schmähliche und laue Haltung eines großen Teiles der bürgerlichen Handlungsgehilfen im Kampfe um ihr vornehmstes Recht._ Militärjustiz. In der Sitzung deL Kriegsgerichts Landau, Pfalz, wurden einige aufsehenerregende Urteile gefällt. Der Infanterist Franz Schon vom 17. Jnfanterie-Rcgimcnt in Germersheim kam am 29. Juni d. I. mit einem Kameraden in einer Wirtschaft in Wort- Wechsel. Hierbei rief er einem dazwischentretenden Unteroffizier zu:„Kadett, Du hast mir überhaupt gar nichts zu sagen," woraus der Unteroffizier den total betrunkenen Schön ausforderte, das Lokal zu berlaffen. Anstatt dem nachzukommen, randalierte er in seiner Trunkenheit weiter und soll unter anderem auch mit Tot- stechen gedroht haben. Schön wurde zu einer Gefängnisstrafe von acht Monaten und fünfzehn Tagen verurteilt. Dabei wurde noch als strafmildernd die Trunkenheit deö Angeklagten angenommen. Gegenüber diesem menschlichem Empfinden nach ungeheuer harten Urteil ist da? in der gleichen Sitzung gefällte Urteil gegen zwei Gefreite. Weber und Böhn, als ausnahmsweise milde zu be- zeichnen. Beide hatten sich nachts IL Uhr am 5. April d. I. noch- mals aus der Kaserne entfernt, wo sie dann auf der Straße zwei Dienstmädchen begegneten, von denen Weber beleidigt sein will. Der„Held im Königsrock" packte das eine der Mädchen an der Brust und mißhandelte die völlig Wehrlose schwer. Einem dem Mädchen zu Hilfe eilenden Manne schlug er mit dem Seitengewehr auf den Hinterkopf. Wegen Bedrohung und Körperverletzung erhielt der rohe Patron nur 12 Tage Gefängnis zudiktiert, während sein Kamerad Böhn mit drei Tagen Gefängnis davonkam._ Unfall in der Marine. Ein schwerer Unfall hat sich, wie der„Verl. Lokal.-Anz." be- richtet, gestern bei einer von dem kleinen Kreuzer„Undine" in der Nähe von Sonderburg unternommenen Nevnng ereignet und vier Menschenleben gefordert. DaS Blatt bringt darüber folgende tele- graphische Meldung: „Als gestern abend der kleine Kreuzer„Undine" von einer Ucbung aus See nach Sonderburg zurückkehrte, wurde daS Manöver „Mann über Bord" ausgeführt. Ein Schiffsboot mit einem Maat und 10 Mann wurde ausgesetzt, um den„über Bord Gefallenen" aufzufischen. Durch Versehen deö Postens an der Maschine ging der Kreuzer vorwärts anstatt rückwärts. Hierbei wurde das bemannte Boot zum Kentern gebracht und alle stürzten ins Wasser. Trotz sofortiger und ausreichender RettungSmittel konnten nur sieben gerettet werden. ES ertranken der Matrose Heinrich Klippe(Wittenberg bei Gelsenkirchen). Johann RickmerS(Finkenwerder), Gerhard Weber (Bollingen) und Johann Zöller(Seligenstadt). Die Leichen sind noch nicht geborgen._ Ein Skandalprozest. In Stettin wurde vorgestern gegen den Landrat G. in Stettin und«inen Grenadier K. wegen angeblich gemeinsam begangener unsittlicher Handlungen vor verschlossenen Türen verhandelt. Die Beweisaufnahme wurde mit der Vernehmung dreier Sach- verständiger beendet, die sich über den Angeklagten G. eingehend äußerten. Ten Gutachten, die gleichfalls hinter verschlossenen Türen erstattet wurden, ist zu entnehmen, daß der Angeklagte ein« nicht normale Veranlagung besitzt. Das Urteil in dem Pro- zeffe, der von dem LandgcrichtSdirektor Hörig geleitet wurde. wurde um 4 Uhr nachmittags gesprochen. ES lautete dem Antrage des Verteidigers Rechtsanwalts Steinmetz gemäß auf � Freisprechung, während der Vertreter der Anklage, Staatsanwaltschaft�- rat Ehristiani, gegen G. sechs und gegen Kadow drei Monate Ge- fängnis beantragt hatte. DaS Gericht hat den belastenden Aussetgen Kadows keinen Glauben beigemessen, da Kadow im Laufe der Bor- Untersuchung wiederholt falsche Angaben gemacht habe, Schweiz. Abschaffung der Nachtarbeit in den Bäckereien. Bcllinzona, 10. August.(Eig. Bericht.) Nach jahrelangen Kämpfen im Kanton Tessin um die von den Bäckergehilfen gc- forderte und von der übrigen organisierten Arbeiterschaft unter- stützte Abschaffung der Nachtarbeit in den Bäckereien ist daS Ziel nun doch erreicht und das bezügliche Gesetz vor wenigen Tagen, am 8. August, in Kraft erklärt worden. DaS Gesetz betrachtet als Nachtarbeit die Arbeit von 9 Ubr abends bis 4 Uhr morgens Ivährend dem Winterhalbjahr(Oktober bis März) und von 9 Uhr abends bis 3 Uhr morgens im Sommer- Halbjahr(April bis September). Während der für die Nachtruhe bestimmten Zeit ist da» Ar- betten nicht nur für die Gesellen, sondern auch für den Bäcker- mcister selbst verboten. Einzig in Bäckereien, in. welchen nur ein- einzelne Person arbeitet, kann die Arbeit zwei Stunden früher be- ginnen, als im Gesetze vorgesehen. Die Bäckergesellen haben nun in verschiedenen Teilen des Kan- tons Versammlungen abgehalten, in welchen beschlossen wurde, an der strikten Durchführung oieses Humanitären Gesetzes festzuhalten und unnachsichtlich Mcister oder Gesellen anzuzeigen, wenn Ucbcr- trctungen desselben bekannt werden sollten. Es ist noch lange keine genügende Nachtruhe, die das Gesetz mit dem zulässigsn Arbeitsbeginn um 3 und 4 Uhr morgens bringt, aber es ist ein bescheidener erster Anfang dazu, der ent- wickelungsfähig ist und im Laufe der Zeit zur vollständigen Ab- schaffung der gesamten Nachtarbeit führe» kann.— frankreick. Seideuarbeiterstreik in Besanvon. Der„Matin" meldet aus Bcsaneon, daß gestern dort ernste Kundgebungen stattgeftmden haben. Die streikenden Seidenarbeiter griffen die Truppen an, mehrere Soldaten und Gendarmen wurden verletzt, 10 Verhaftungen wurden vorgenommen. Für heute werden noch ernstere Zusammenstöße befürchtet. Das LrubeiMgliicli auf Dndweller. LluS St. Johann wird uns geschrieben: Am Dienstag morgen durcheilte gleich einem Lauffeuer die Schreckensbotschaft von einer furchtbaren Schlagwetterexplosion auf der fiskalischen Grube„D u d w e i l e r" die Saarstädte. Ein zweites„Reden" oder eine noch schlimmere Katastrophe sollte wie damals den Abschlug einer chauvinistischen Feierlichkeit bilden. Da- mals fand die KatsergeburtStagsfcier durch das gewaltige Massen- unglück ein so tragisches Ende, jetzt ist eS ein chauvinistischer Fest- rummel, den die saarabischen Jungliberalen am Sonntag und Montag in Dudwetler veranstalteten, der durch eine Grubenkata- stroph« besiegelt wird. In nicht lveniger als fünf Sälen wurde jungliberale Politik— getanzt, und zwar die ganze Nacht hindurch. Einen saarabischcn Chauvimsten-Rummel kann sich niemand vor- stellen, der nicht Gelegenheit hatte, diese blöden Hurraschreier in ihrem„Element" zu sehen, wie sie alles um sich vergessen, nur dem „Vaterland" leben, bis zur Besinnungslosigkeit trinken und hurra brüllen, solange die Stimmbänder aushalten. Wenn man dies Unglück auch nicht unmittelbar mit dem Festrummel in Vcrbin- dung bringen kann, so ist es dennoch bezeichnend, daß es gewisser- maßen den Festabschlutz bildet. Die Explosion erfolgte beim Schichtwechsel der Mittag- und Nachtschicht gegen 11 Uhr nachts auf der dritten Sohle in der 17. Abteilung, als die Arbeit ruhte und die Leute nach dem Ouer- schlag zur Ausfahrt gingen. Wie sich die Wetter ansammeln konn- ten und wie sie zum Explodieren gebracht wurden, konnte nicht fest- gestellt werden und wird wahrscheinlich ebensowenig festgestellt werden, wie auf„Reden" trotz der Untersuchung, die dort stattgcfun- den hat. Hätte die Katastrophe sich eine Stunde früher oder später oder gar in der Morgenschicht ereignet, stände man wieder vor einem gewaltigen Massengrabe, während so die Zahl der Toten ,„nur" 14, die der Schwerverletzten 8 beträgt. Dudweiler ist die drittgrößte Grube im Saargcbiet und sind im ganzen 4000 Arbeiter darauf beschäftigt und die Oerter und Strecken ziemlich stark be- legt, so daß es als ein Glück angesehen werden kann, daß die Ex- plosion gerade um jene Zeit erfolgte. Von den Bergleuten wurde behauptet, daß d— 600 Meter Strecke zu Bruch gegangen seien, was die Verwaltung jedoch bestreitet, die vielmehr angibt, daß die Baue nicht beschädigt worden seien. Von den Bergleuten wurde darüber geklagt, daß dieRettungsapparateerstzweiStunden nach der Explosion auf der Grube eingetroffen seien, daß eS an Tragbahren und sonstigem Ret- tungsmaterial gemangelt und fast ganz gefehlt habe;dieVerunglücktenhättenausFörderwagen zum Schacht gefahren werden müssen, den Verletzten hätte nicht die erforderliche Nothilfe geleistet werden können, die Net- tungsarbciten seien nur schwer zu bewältigen gewesen und langsam vonistattcn gegangen, weil das Holz in der Grund st recke — Hauptstrecke— derart morsch gewesen sei, daß es durch einen einfachen Schlag brüchig wurde. Wäh- rend von der Verwaltung behauptet wird, die Bergung habe sich glatt vollzogen, bestreiten die Bergleute das. Erst gegen 4 Uhr morgens habe man die Verunglückten zu Tage schaffen und sie dem Knappschaftslazarett zu Sulzbach zuführen können. Jedenfalls stehen die offiziellen Angaben über daS Unglück mit denjenigen der Arbeiter in Widerspruch, so daß eine strenge Untersuchung gefordert werden mutz. Wie die bergmännische Bevölkerung das furchtbare Unglück auf „Reden" stillschweigend hingenommen hat, wie die Angehörigen stumm und mit trockenen Augen Abschied nahmen von ihren Toten, wie der Grubenwächtcr zwischen den Leichen durchschritt und sich cm Lied pfiff, so nimmt die Bevölkerung auch dieses Unglück voll- ständig teilnahmlos hin? Von den Schmerzensszenen, wie sie sich in Westfalen bei dem kleinsten Unglück am Zcchentor abspielen, sieht man hier keine Spur! Shimm und gleichgültig, bielfach in fröhlicher Stimmung, lachend und scherzend, steht das Volk am Zcchentor, um die Neugierde zu befriedigen. Huö der Partei. Landeskonferenz der sozialdemokratischen Partei Sachsens. Plauen, 11. August. Genosse Gold st ein berichtete über die Tätigkeit des sächsischen Landtages. Er behandelte den Etat und die Vorlagen, die das Dreiklassenparlament beschäftigt haben. Das Ergebnis der ganzen Tätigkeit dieser gesetzgebenden Körperschaft läßt sich in die Worte zusammenfassen: Rücksichtslose Wahrnehmung agrarischer und Großindustrieller Interessen und politische Bedrückung der Arbeiter- lasse. DaS Messen mit zweierlei Maß der Behörden war ein ständiges Kapitel vieler Beschwerden gegen die Amtshmiptleute. Die Regierung war gegen die Autokratie der Amtshauptleute ohnmächtig, denn die eigentliche Regierung Sachsens ist die konservative Partei. Graf H o h e n t h a l habe ja auf Beschwerden de? Genossen G o l d st e i n erklärt, keine Nadelstichpolitik treiben zu wollen. Beim Etat des Ministers des Innern wurde auch die Durchführung der Arbeiterschutzgesetze und des KinderschutzcS besprochen. Trotz der niangelhaften völlig unzureichenden Schutzgesetze und deren laxe Ansführung beschweren sich die Unternehmer noch über Bedrückung durch diese Gesetze. Die Gewerbeaussichtsbeamten kämen sogar unangemeldet in Betriebe. Die Bäckermeister haben sich in einer Interpellation über die Durchführung der Bundesratsverordnung beschwert, weil sie durch die Verordnung zur Reinlichkeit der Backstuben angehalten werden. Die bei den Hottentottenwahlen den Beamten versprochene Gehaltserhöhung ist nur in ganz minimalen: Maße eingetreten. An der Vorlage zur Schulreform übte Genosse Goldstein scharfe Kritik. Nicht die emfachsten Forderungen: Wegfall der Erhebung des Schulgeldes� Lieferung von Schulbüchern usw. Auch daS Unterrichts- Wesen bleibt in seinem reaktionären Zustand erhallen. Auch in der Iostenverteilung zwischen Staat und Gemeinden bleibt es beim alten. Jugendgerichtshöfe sind in Sachsen in der Weise eingeführt, daß einige Richter bei den Amtsgerichten besonders zur Bildung eines Jugendgerichtshofes berufen werden. Ueber den Ausgang der Wahlrechtsreform bemerkt der Redner. daß keine Host'imng bestehe, daß aus der Reform überhaupt etwas werde. Die reaktionäre Aera M e tz s ch werde von Hohenthal fortgesetzt. Die angekündigte Abrechnung der Regierung mit der konservativen Nebenregicrung sei ausgeblieben. An der ganzen politischen Versumpfung des offiziellen Sachsens seien die Nationalliberalen mit ihrer Feigheit schuld. Die schwierige Situation unseres Genossen, als einzigem Ver- treter unserer Partei im Landtage, wurde besonders vom Genossen Geyer unter Zustimmung der Landesversammlung anerkannt. Auch dieser Redner machte die Nationalliberalen für das Scheiten» der Wahlreforni, wie sür die politische Verlotterung des Bürgertums verantwortlich. Ueber die Wahlrechtsbeweginig referierte Genosse I l l g e- Leipzig. Die Wahlrechtsbewegung sei durch den Ausfall der Reichstags- wähl 1903 in Fluß gekommen. Freilich sei sowohl die Regierung wie die bürgerlichen Parteien willens und fähig, daS jetzige Wahl- unrecht zn beseitigen und durch ein fortschrittliches zu ersetzen. DieS zeige der Verlauf der Behandlung in der Kammer und in der Deputation. Der Redner behandelte dann die Wahlrechtsvorschläge der Regierung und der bürgerlichen Parteien im einzelnen und wieS nach, daß das sächsische Volk auf keine Wahlreforni hoffen dürfe, es müsse seine Geschicke in die Hand nehmen und den Kampf um das allgemeine Wahlrecht mit zäher Energie verfechten bis zur Erreichung des Zieles.(Beifall.) In längeren Ausführungen, die sich mit denen deS Referats deckten, legten die Genossen Geyer und G o l d st e i n die Not- weudigkett dar, den Wahlrechtskampf so weiter zu führen, wie bisher. Diese Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die Landesversammlung der Sozialdemokratie Sachsens er- nenert den Protest der letzten Landesversammlung gegen alle Ver- suche und Bestrebungen der herrschenden Klasse, das' Unrecht des DreillassenwahlrechtS durch ein neues Wahlunrecht abzulösen»nd der Arbeiterklasse, auf deren Arbeit der Wohlstand der besitzenden Klasse beruht, die staatsbürgerliche Gleichheit vorzuenthalten und sie politisch rechtlos zu machen. Die Versammlung protestiert insbesondere auf daS entschiedenste gegen den auf einem kombinierten System beruhenden Entwurf der Reglermig, den Graf Hohenthal in seiner Erklärung vom 17. März selbst als einen Versuch charakterisiert hat, das Unrecht des gegen- ivärtigen indirekten KlaffenwahlrcchtS in eine neue verschleierte Form zu bringen. Nicht minder protestiert die Landesversammlung gegen den Kam- Promißvorschlag der Konservativen und Nationalliberalen, das Drei- klassenwahlunrecht durch ein Pluralsystem zu ersetzen, das den An- hängen: der bürgerlichen Parteien nach willkürlichen Merkmalen ein gehobenes Wahlrecht einräumt, durch das die Arbeiterklasse politisch erdrückt wird. Die Sozialdemokratie hält gegenüber diesen Bestrebungen auf dauernde Entrechtung der Arbeiterklasse unverrückt fest an ihrer programmatischen Forderung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für beide Geschlechter vom 20. Lebensjahre ab und wird nicht ruhen und rasten, bis dieses demokratische Grundrecht verwirklicht ist." DaS VcrciuS- und Versammlungsrecht behandelte Genosse L: p i n S k i in einem kurzen Referat nach der Seite hin, wie die sächsische Polizei zu erziehen sei, damit sie sich den neuen Verhältnissen anpasse und nicht den alten reaktionären sächsischen BevorniuiidungSgeist in das neue Gesetz hinein lege. Er führte eine Anzahl Fälle an, wo Gewerkschaftsversammlungen durch Uebcrlvachung zu politische», öffentlichen gestempelt und ebenso politische Vereinsversammlungen zu öffentlichen gestempelt wurden. Genosse Sindermann verlangte, daß alles Material von Uebergriffen der Polizei den: Zentralkomitee geschickt«verde:: sollte. Nach einem Schlußwort Fleißkiers wird die Konferenz um 1 Uhr mittags geschlossen mit einem dreifachen Hoch auf die Sozial- demokratie. Jugendorganisation und Partei. In Darmstadt tagte am Sonn» tag eine Konferenz, beschickt von Partei- und Gewerkschafts- funktionärcn und den Leitern der aufgelösten Jugendorganisationen BessenZ und des Maingcbiets. Nach Referaten der Genossen Schmitt- ffenbach und Dr. Duuker-Stuttgart nahm die von 22 Delegierten der Jugendvereine, 14 der Partei und 13 der GewerlschaftSkarlelle besuchte Konferenz folgende Resolution an:„Die Konferenz hält das Bestehen freier, unpolitischer Jugendorganisationen für wünschenswert und fordert die Genossen auf, nach besten Kräften sür das Entstehen und Gedeihen solcher Organisationen zu wirken." Ueber die Gestaltung und Tätigkeit solcher Jugendorganisationen wurden folgende Leitsätze aufgestellt: 1. Der Jugendbildungsverein bezweckt— unter Ablehnung einer Einwirkung auf politische Angelegenheiten, als da sind: Verfassung, Verwaltung, Gesetzgebung des GegenwartSstaatS und staatsbiirger- liche und internationale Staatsbeziehungen— die Zusanimenfassung der schulentlassenen proletarischen Jugend und die planmäßige Förde- rung ihrer geistigen nud körperlichen Ausbildung. Vornehmlich sollen die Hauptergebnisse der modernen freiforschenden Wissenschaft, soweit sie von der Volksschule unbeachtet gelassen oder gefälscht morden sind— insbesondere auf den: Gebiete der Geschichte, Volks- wirtschaftslchre, Naturwischenschaft— der Arbeiterjugend in systemati- scher, faßlicher Form vermittelt werden. Daneben sollen belehrende Kulturschätze, insbesondere vor allem die Erzeugnisse einer wahrhaft volkstümlichen, geislbefreienden Dichtkunst den Mitgliedern vorgeführt werden. Schließlich soll in gemeinsamen Ausflügen das Verständnis für das Naturschöne geweckt und körperliche Erholung im turnerischen Spiel gepflegt werden. So wird der Aufbau einer Welt- und Lebens- anschauung gesichert, die aus dem jugendlichen Arbeitsbnrschen und Lehrling einen kenntnisreichen, furchtlosen, vorwärtsstrebenden und nur auf organisatorische Selbsthilfe sich verlassenden Arbeiter werden läßt. 2. Mitglieder können alle jugendlichen Arbeiter und Arbeite- rinnen unter 20 Jahren werden. Mitglieder, die daS zwanzigste Lebensjahr überschritten haben, dürfen in dem Verein nur dann verbleiben, wenn sie sich einer gewerkschaftlichen Organisation an« schließen, haben jedoch in den VereinSversammlungen nur beratende Stimme. 3. Besteht am Orte ein Arbeiterbildungsausschuß, der die Jnter- essen und Ziele des JngendbildungsvereinS nach besten Kräften unter- stützt, so tmrd diesen: Ausschuß bis zu zwei Vertretern Sitz und Summe im Vorstande gewährt. Zur' Frage der Jugendorganisation. Genosse Heinrich Schulz bittet uns, eine unverständliche Wendung in unserem gestrigen Bericht über die Stellungnahme der Kreisgeneralver- sammlung des Wahlkreises Erfurt-Schlcusingen-Zicgenrück zur Frage der Jugendorganisation dahin zu korrigieren, daß er nicht als Geschäftsführer des Bildungsausschusses, sondern als Reichs- tagskandidat des betreffenden Wahlkreises an der Generalversamm- lung teilgenommen habe. Die von ihm begründete Resolution ent- spräche lediglich seiner persönlichen Auffassung, der BildnngS- ausschuß habe sich mit der Angelegenheit bisher nicht beschäftigt. Soziales. Die Konkurrenzklausel vor den KaufmannSgerichten. Ueber die Erfahrungen mit der in Handels- und Industriellen- kreisen beliebten vertragsmäßigen Verhinderung der Angestellten am Betrieb eines Konkurrenzgeschäftes oder dem Eintritt in ein solches nach Ablauf ihrer Stellung, sowie den Bedingungen der unablveis- baren Reform der bestehenden gesetzlichen Vorschriften wird die von: 27. bis 29. August d. I. in Jena stattfindende Verbandsversammlung des Verbandes deutscher Gewerbe- und Kaus- mannsgerichte zu beraten haben. Zur Vorbereitung ist in dem Verbandsorgan außer mehreren Gutachten(dabei eines von Genossen Körsten). zahlreichen Entscheidungen von Kauf- mannS- und Berufungsgerichten und einer Ueberstcht über den Stand der Gesetzgebung bei uns und im Ausland auch eine statistische Zn« sammenste'llung der bisher bei den KaufmannSgerichten vorliegenden Tatsachen und' Meinungen veröffentlicht. Unter 243 Gerichten lag von 223 ein brauchbarer Berich: vor. Davon hatten 123 noch keinen Konkurrenzklauselstreit zu entscheiden, 102 dagegen zusammen 463 Fälle(davon Köln 32, Hamburg 30, München 25, Leipzig 25, Frankfurt a. M. 25— von Berlin liegt kein Bericht vor). In den vorgekommenen Streitfällen lourde in 123 der Vertrag als gültig anerkannt, in 76 die vertragsmäßige Strafe herabgesetzt, in 51 der Vertrag für nichtig erklärt. 109 mal wurde ein Ver- gleich geschlossen, der Rest anderweitig geregelt. Auf eingelegte B e- r u f u n g wurden 12 Urteile zugunsten des Prinzipals, 21 zugunsten des Gehilfen abgeändert. 103 KaufmannSgerichte erstatteten Gutachten über diese Frage. Davon sprachen sich 17 für völlige Beseitigung, 9 für unveränderte Beibehaltung der jetzigen Be- stimmungen, 77 sür weitere gesetzliche Beschränkung der Klausel aus. 6 Gewerbegerichte beantragten die Ausdehnung ihrer Zuständigkeit auf solche Streitigkeiten der zu ihrem Rechtsprechung?" gebiet gehörenden Personen. Der durch die Konkurrenzklausel geübte TerroriSnrnS der Lahmlegung oder Beengung der Erwerbömvglichkeit kam: allein durch ein Verbot der Klausel erreicht werden, ivic es seit Jahrzehnten von sozialdemokratischer Seite gefordert ist. Beim Gesetz über den un- lauteren Wetibeiverb wäre dies Verbot angenommen, wenn damals nicht die ans feiten der„nationalen Handlungsgehilfen" stehenden Abgeordneten dem entgegengewirkt hätten. Tie Verbanbsvcrsammlung des Vcrbanbes Deutscher Gewerbe- und KaufmannSgerichte findet in Jena am 27., 28. und 29. August im Saale des„Volkshauses" statt. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: 1. a) Rechnungslegung des Geschäftsführers; b) Geschäfts- bcricht über die Tätigkeit des Verbandes; c) Mitteilungen über die nächste Verbandsversammlung; d) Wahlen. 2. Die Gesetzgebung über den Arbeitsvertrag seit dem letzten Verbandstage.(Referent Gerichtsrat Dr. Prenner- München.) 3. Die Literatur über den Arbeitsvertrag seit dem letzten Ver- bandstage.(Referent: Rechtsanwalt Dr. Baum-Berlin, Archivar des Verbandes.) 4. Die Konkurrenzklausel.(Referent: Dr. Erdel-Mannheim. Zur Uebernahme von Referaten aus Interessentenkreisen haben sich bisher bereit erklärt: a) Ingenieur Berhardt- Werlin; d) Gewerkschafstsekretär Körsten-Berlin; c) Kauf- mann Max Koslowski-Hamburg.) 5. Schutz der Lohnforderungen der Bauarbeiter.(Referenten: a) Magistratssyndikus Dr. Hiller-Frankfurt a. M.; b) Rc- dakteur Fritz Paeplow-Hamburg.) 6. Angliederung der SchlichtungSkommfision an die Einigungs- ämter(Referent: Magistratsrat v. Echulz-Berlin.) 7. Vertretung vor dem Einigungsamt.(Reserent: Magistrats- rat Wölbling-Bcrlin.) 3. Arbeitsgerichte und Arbeitskammern.((Referent: Stadtrat Dr. Flesch-Frankfurt a. M.) 9. Ueberlveisuna von Rechtsstreitigkeiten vom Gewerbegericht an das Kaufmannsgericht und umgekehrt.(Referent: Ma- gistratsassessor Dolle-Königsberg i. Pr.) 10. Die Statuten der Gewerbe- und KaufmannSgerichte..(Re- ferent: Stadtrat Dr. Glücksmann-Rixdorf.) 11. Die Gründe der sofortigen Aufhebung des Arbeitsvertrages (§§ 123, 124 der Gewerbeordnung).(Referent: Stadtrat Dr. Mayer-Danzig.) 12. Das Recht des Arbeitszeugnisscs.(Referenten: a) Rechtsanwalt Galland, stellvertretender Vorsitzender des Gewerbe- gerichts Posen; b) Rechtsanwalt Abel, stellvertretender Vorsitzender des Gewerbegerichts Essen.) 13. Zuständigkeit für städtische Arbeiter. Meferent: Stadtrat Dr. Müllcr�Dcssau.) Für die Tagesordnung vorgeschlagen sind ferner noch folgende Themen, deren Erörterung geeignetenfalls vorbehalten bleibt: Gesetzliche Regelung des Akkordvertrages(Gewerbegericht Braunschweig), Erweiterung der Zuständigkeit für technische Angestellte (Gewcrbegerichte Frankenthal und Rixdorf), Streitfragen bezüglich der Berufungsfähigkeit der Urteile(Gewecbegericht und Kauf- mannsgericht Braunschweig). Die zurückverlangte Gratifikation. Daß freiwillige Zuwendungen der Arbeitgeber sich für die be- schenkten Arbeiter zuweilen als rechte Danaer-Geschenke entpuppen können, lehrte ein Rechtsstreit, den die Putzfederfabrik von Max Ehrlich gegen ihre frührere Arbeiterin Selma A. am Dienstag vor der zweiten Kammer des Gewrrbegerichts zum Austrag brachte. Die Firma zahlt an ihre Arbeiterinnen am Ende des Geschäfts- jährcS sogenannte„Gratifikationen", derer: Höhe nach dem Dienst- alter und dem Jahresabschluß bemessen wird. Die mit der Zu- Wendung Bedachten werden aber verpflichtet, die Gratifikation zurückzuzahlen, sofern sie im laufenden Geschäftsjahr das Arbeits- Verhältnis auS eigenem Antriebe lösen. Die verklagte Arbeiterin, ein sehr schwächlich aussehendes Mädchen von 17 Jahren, war drei Jahre bei der klagenden Firma gegen Akkordlohn beschäftigt und brachte es zuletzt aus einen Monatsverdienst von 30 bis 35 Mark. Ende vorigen Jahres erhielt sie eine Gratifilation von 15 Mark. Im Juni dieses Jahres erkrankte sie nach ihrer Behauptung. Sie litt, wie die als Beistand erschienene ältere Schwester erzählte, an heftigem Husten und starken Seitenstichen, so daß die Mutter sie zu Hause behielt. Einen Arzt konsultierten sie nicht, weil sie das Leiden mit Hausmitteln zu beheben hofften. Die ältere Schwester entschuldigte auch die Beklagte bei der Firma, trotzdem erhielt Selma A. am 16. Juli ihre sofortige Entlassung„wegen unbefug- ten Fernbleibens". Der Entlassung folgte die Klage auf Heraus- zahlung der geschenkten 15 Mark auf dem Fuße. Die Firma hat schon früher die nämUchen Prozesse gegen zwei Arbeiterinnen gc- führt und auch obsiegende Erkenntnisse von derselben Kammer er- langt. Die Fälle unterschieden sich nur insofern von dem bor- liegenden, als beide Arbeiterinnen freiwillig daS Arbeitsverhältnis losten. Wie der Fabrikherr in der vorgestrigen Verhandlung aus- führte, hat die eine Arbeiterin vor der ihr drohenden Pfändung bezahlt, während bei der anderen der Gerichtsvollzieher nichts Pfändbares vorfand. Das Gewerbegericht kam auch in diesem Falle zn emer Brrur» teilung der Arbeiterin, die 15 Mark herauszuzahlen, und zwar war bei der Entscheidung von ausschlaggebender Bedeutung, daß das Mädchen keinen Arzt in Anspruch nahm und sich damit der Möglichkeit begab, den Nachweis der Arbeitsunfähigkeit zu führen. Auf dringendes Anraten des Richterkollegiums entschloß sich der tabrikherr, sich mit einer Summe von 3 Mark zu begnügen. Die n'tscheidung halten wir für falsch. War die sogenannte Grati- fikation Lohn, so wäre die Zurückforderung und das Ausbedingen einer solchen unzulässig. War eS ein Geschenk— und als solches stellt es sich dar, weil eS nicht für Arbeit, sondern für Ausdauer gezahlt sein soll—, so ist das Gewerbegericht nicht zuständig und eine Rückforderung nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch ohne Rechts- effckt._ Klus cler frauenbevegung. Die Bewegung unter den Dienstboten hat in den letzten zwei Jahren recht erfreuliche Fortschritte gemacht. Der Arbeit unserer Genossinnen allein ist es zu danken, daß hier Wandel geschaffen wurde, daß die von der Gesindeordnung nieder- halten«» Dienstboten Rechte erstrebten und Forderunzen geltend machten. In etwa 25 Städten sind seitdem Vereine zur Wahrung der Interessen der Dienstmädchen gebildet worden, oftmals zum Entsetzen der„Herrschaften", die so viel über die angeblich Herr- schende Dienstbotennot jammerten und schlimme Dinge kommen sahen, sobald auch die Dienstmädchen anfangen würden, sich zu organisieren. In den Organisationen wurde aber mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß da von einer Dienstbotennot gar keine Rede sein könne, wo die Herrschaften gute Löhne bezahlen und an» ständige Behandlung garantieren. Wie wenig sie aber dazu ge- neigt sind, zeigt ihre Opposition gegen den sehr maßvollen, von der Berliner Organisation aufgestellten freien Arbeitsver- trag, der die Gesindeordnung ausschalten und den Mädchen bessere Arbeitsbedingungen garantieren würde. Dagegen sträuben sich die Hausfrauen und suchen nach den alten HauSsklavinncn, die recht billig arbeiten, die sich jeder Laune der Herrschaft fügen sollen und die sie immer mit der Fuchtel der Gesindeordnung bedrohen können. Daß an solchen Mädchen Mangel herrscht, ist gerade als gutes Zeichen zu begrüßen. Die stärkste Organisation besteht in Hamburg, dann folgt Berlin, wo die„Monatsschrift für die Interessen der Hausangestcll- ten" herausgegeben föltb. Diese MoNiäSschrift Mrd setzt in fol» genden neun Städten als Vereinsorgan, das den Mitgliedern un- entgeltlich geliefert wird, eingeführt: Berlin, Breslau, Hannover, Heidelberg. Leipzig, Lübeck. Magdeburg, München, Stuttgart.— Die Auflage der Monatsschrift ist gegenwärtig 2000. In den übrigen Städten ist die„Gleichheit" das Vereinsorgan. Die Be- richte aus den verschiedenen Orten beweisen, daß überall recht leb- Haft agitiert wird. Unsere Genossinnen stehen gewöhnlich an der Spitze der Vereine, arrangieren Versammlungen, ziehen Redner herbei, die gute Vorträge halten; sie veranstalten Feste und Aus- flüge, laden die Mädchen dazu ein, um sie als Mitglieder für den Verein zu gewinnen und sind zu Ratschlägen und Unterstützungen in Notfällen bereit. Auf die Einrichtung eines Bureaus und einer Stellenvermittelung wird überall Wert gelegt, und wo die Mittel nicht reichen, helfen hier und da die Gewerkschaften, denen die neuen Organisationen sich angliedern. Zuweilen sind auch grohe Schwierigkeiten zu überwinden und nur langsam geht es vorwärts. Der beste Beweis aber, daß Fortschritte gemacht werden, liegt darin, daß seit Jahresfrist eine Reihe von katholischen und anderen Dienstbotenvereinen, Dienstbotenzeitungen und auch Hausfrauen- Vereinigungen entstanden sind, die olle der neuen Bewegung die größte Aufmerksamkeit widmen und sie zu schwächen versuchen. Man fürchtet, daß die Dienstboten„unbotmäßig" werden, daß sie sich auf ihre Rechte besinnen und der altgewohnten Ausbeutung, der Haussklaverei, sich nicht mehr so willig unterwerfen wie bisher. Und doch sind erst kleine Anfänge überall gemacht worden. Von den 60 000 Dienstmädchen Berlins z. B. gehören nur 000 dem hiesigen Verein an, dessen Mitgliederzahl im Verhältnis zu andern Städten, ausgenommen Hamburg, als eine recht ansehnliche gilt. Auf diesem Gebiete gibt es noch reiche Arbeit für unsere Ge- nossinnen. die aber auch gute Früchte tragen wird, denn es sind zum großen Teil die zukünftigen Mütter der Proletarierkinder. die Gattinnen der Arbeiter, die für den Gedanken der Organisation der Arbeiterklasse gewonnen werden. GewcrkfcbaftUcbcs. Eine„schuftige" Gesellschaft. In T r i e r, an der M e e r k a tz e, fand am letzten Sonn- tag eine öffentliche„christliche" Handels- und Transport- arbeitervcrsammlung statt, zu welcher die Fuhrleute durch Tausende von Flugblättern eingeladen waren, jedoch nicht ein einziger, außer den im freien Handels- und Transport- arbeiterverband organisierten, erschien, dafür um so zahl- reicher die„Christen" aus anderen Gewerkschaften. Der Vor- sitzende des„christlichen" Gewerkschaftskartells, Simon, führte in seiner Eröffnungsrede aus, daß es sich darum handele, in Trier Klarheit zu schaffen, wohin die Arbeiter gehörten: entweder in die freien, sonst aber in die christlichen Gewerkschaften. Man sollte ihr Vorgehen nicht als ein Vor- gehen gegen die freien Gewerkschaften auffassen, mit denen die„Christen" in Trier Schulter an Schylter kämpfen müssen, und genau so verfolgt würden. Die freien Gewerkschaften könnten in Trier aus besonderen Umständen nicht zu einer Stärke gelangen, aber das Verdienst bleibe ihnen unbestritten, auch in Trier den gewerkschaftlichen Gedanken hineingetragen und gemeinsam mit den Christlichen für die Arbeiterschaft Vieles geleistet zu haben. Während die freien nud„christ- lichen" Gewerkschaften in ehrlicher Ucberzegung die Arbeiter- interessen vertreten, habe sich unter Führung der katholischen Gei st lichkeit eine dritte Bewe- gunggebildet, dieBerlinerFachabteilungen, die er als eine schuftige Gesellschaft bezeichnen müsse! Als voriges Jahr die freien und christlichen Bauarbeiter- gewerkschaften gegen die Berliner Streikbrecher eine Lohn- bewegung zu siegreichem Abschluß brachten, den Bauunter- nehmern einen Tarif abnötigten, sei Pastor Stein von St. Mathias zu den Unternehmern gelaufen und habe sie an- gefleht, den Tarif auch für die Berliner Streikbrecher an- zuerkennen und seien dann nachher in der Zentrumsprcsse erlogene Schwindelnotizen erschienen ü b e r d i e„Erfolge" derVerliner inTrierl Die k l e r i k a l e P r es se verfolge die Arbeiterbewegung mit verlogenen Artikeln, wobei auch die„christliche" Bewegung und deren Führer nicht verschont bleiben. Diese Presse segele unter der durchaus falschen Devise: fürWahrheit. Freiheit undRecht, wo sie in Wirklichkeit die Oeffentlichkeit mit Schwindelberichten täusche! Die Geistlichkeit wüte in Trier schlimmer gegen die„Christen" als gegen die freien Gewerkschaften. So sei er(Simon) als katholischer Arbeiter auf Betreiben eines katholischen Geistlichen gcmaßrcgelt worden, obschon er fünf kleine Kinder zu Hause hatte!! Sein Meister— Simon ist Schreiner— habe Kirchenarbeiten zu verrichten gehabt und sei ihm von dem Gei st lichen gedroht worden, falls er den Simon nicht entlasse, würden ihm die Kirchenarbeitcn entzogen werden!! Sein Meister habe ihn unter dem Druck, schließlich die Arbeit und den Verdienst zu verlieren, plötzlich mitten im Winter auf die Straße geworfen, obschon er jahrelang bei ihm geschafft habe und der Meister immer mit ihm zufrieden gewesen sei!— Auch Diskussionsredner der„Christen" gingen scharf gegen die Trierer Geistlichkeit vor: sprach einer sogar von den „satten Pfaffen" und meinte, die Sozialdemokraten hätten recht, wenn sie die hohen Gehälter der Bischöfe kriti- sierten: die Geistlichkeit hätte kein Recht, den Arbeitern Vor- schritten in gewerkschaftlichen Fragen zu machen. Freie und „christliche" Gewerkschaften müssen zusammenhalten gegen das Unternehmertum und gegen die Berliner. Die Versammlung verlief sehr schön, für die„Christen" allerdings gänzlich resultatlos, denn bei einer derartigen Stimmung war es den Vertretern der freien Gewerkschaften nicht schwer, die Not- wendigkeit einer einheitlichen Gewerkschaftsbewegung über- zeugend nachzuweisen. Diese drastischen Ausführungen stockkatholischer Arbeiter gegen die Geistlichkeit, gegen die Zentrumspresse, hauptsächlich die„Trierer Landeszeitung", zeigen uns wiederum die echte unverfälschte klerikale Arbeiterfreundlichkeit, und daß man in den Zentrumshochburgen nichts so sehr haßt, als eine selbständige Arbeiterbewegung, selbst auf christlicher Grundlage! In Trier haben die„Berliner" die Oberhand. weil hinter ihnen die Geistlichkeit und selbst Bischof K o r u m steht, und wie diese„Streikbrecherliga", wie ein Redner sie nannte, den„Christen" zusetze, läßt sich aus den Aeußerungen und der ganzen Stimmung schließen, und sowas will dann noch anderen Menschen Moral und Christenliebe predigen, die sich selbst als„s ch uftige Gesellschaft" betiteln! LerUn und Umgegend. Warum in die Ferne schweife»? Ernst Schmidt. Werzcugmacher, Vorsitzenber beS Bunde? der gelben Metallarbeitervereine in Berlin, hat u. a. sich folgendes zu- schulden kommen lassen: Beim Streik in der Waffen- und Muni- tionsfabrik in Wittenau 42 Mark Streikgelder unterschlagen. Dem mitstreikenden Metallarbeiter Gl. eine Woche Streikunterstützung unterschlagen. Schmidt hat während desselben Streiks den Wirt des Streiklokals unter Vorspiegelung falscher Tatsachen um 30 Mark geprellt. Die Allgemeine Metallarbeiter-Krankenkasse Nr. 29 in Hamburg hat Schmidt um 13,80 Mark betrogen. Den Dreher Böhm in Reinickendorf hat Schmidt um 10 Mark geprellt. Noch einige Fälle ähnlicher Art liegen vor. Der sozialdemokratische Wahlverein im 5. Berliner Wahlkreis gehört auch zu den Leid- tragenden. Wir glauben, uns mit dieser Ergänzung den Dank des „Bund" erworben zu haben. In der Nr. 30 des von den Unternehmern ausgehaltenen Organs der Gelben, der„Bund", ist ein Artikel enthalten, betreffend die Unterschlagungen, die im Laufe einer Reihe von Jahren in den verschiedensten Gewerkschaften vorgekommen sind oder sein sollen. In den Gewerkschaften, die zurzeit fast zwei Millionen Mit- glieder umfasien, ist cs ganz natürlich nicht zu vermeiden, daß ein- mal ein Mensch sich einschleicht, der eigentlicki zu den„Gelben" gehört und Mein und Dein nicht recht zu unterscheiden weiß. Dazu kommt aber, daß häufig Arbeitslosigkeit usw. die Ursache einer Veruntreuung sind. Trotz alledem aber dürfen Veruntreuungen nicht vorkommen und wird ja auch stets gegen die Betreffenden mit Strenge vorgegangen. Da der„Bund" nun in seiner bekannten Sorge um das Wohl der freien Gewerkschaften alle ihm passend erscheinenden Fälle einzeln anführt, wollen wir nicht unterlassen, diese Liste noch weiter zu vervollständigen. Hoffentlich wird die Schriftleitung des„Bund" die Verfeh- lungen des Herrn Schmidt bekannt geben. Oder sollte die Ver- öffentlichung etwa deshalb unterbleiben, weil Herr Schmidt„gelb" geworden ist? Dann sind die in dem Artikel des„Bund" auf- geführten Leute noch nicht die schlechtesten. Denn es darf daraus ge- schlössen werden, daß die Veröffentlichungen im„Bund" nicht des- halb erfolgten, weil Unterschlagungen begangen sind, sondern weil die Leute, die sich vergangen haben, nicht gleich dem Ehrenmann Schmidt„gelb" geworden find. Eine LauSbubengeschichte. Im Hause Klein u. Fränkel, t I. Hofschneider, Wien-Berlin, Charlotten st raße S3(, ist vor nicht allzulanger Zeit ein Zuschneider, welcher hier die Stelle eines „ersten" Zuschneiders bekleidet, nach hier importiert worden. Um den Arbeitern den erheblichen Unterschied, der zwischen einem ersten Zuschneider und dem Tagschneider in einem k. k. Hofschneider- geschäft besteht, sinnenfällig vor Augen zu führen, wendet be- sagtet Herr eine Methode an, die zweifellos geeignet ist, das Ge- wünschte unanfechtbar nachzuweisen. Vor einigen Tagen wurde hier einem Tagschneider eine Arbeit übertragen, ohne daß eine bestimmte Zeit, bis wann dieselbe fertig sein soll, angegeben wurde. Etwa 1ö Minuten vor Beendigung der Mittagspause, die der betreffende Arbeiter, weil er in einem Vorort wohnt, gewöhn- lich in der Werkstätte zubringt, erscheint der Zuschneider und ver- langt das fertige Stück. Es wird ihm in ruhiger Weise dargelegt, daß nicht gesagt wurde, bis wann die Arbeit fertig sein müsse und habe der Arbeiter daher auch nicht annehmen können, daß die Arbeit eilig sei. Im Verlauf des Zwistes meinte der Zu- schneidet, er werde den Ausklopfer holen und nannte den etwa ZSjährigen Arbeiter einen Lausbuben. Einen alten Arbeiter nannte er bei anderer Gelegenheit einen alten Esel. Daß im Hause Klein u. Fränkel, allwo dieser Herr wie ein Gendarm herumschnauzt, der Arberter infolge dieser Vorkommnisse entlassen wurde, versteht sich am Rande. Solchen Vorkommnissen könnte vorgebeugt werden, wenn die Gesamtheit der Arbeiter organisiert wäre und sich geschlossen solche Lausbübereien und Eseleien verbäte. Oeutkd,« Rcfcb, Versuchsweise Wiederöffnung der Stettiner Vulkanwerke. In Hamburg fand gestern mittag eine neue Sitzung der Gruppe deutscher Seeschiffswerften statt, in der nochmals eingehend beraten wurde, ob die von dieser Gruppe bald nach Ausbruch des Stettiner Vulkankonfliktes für gestern(Mittwoch) abend beschlossene Aussperrung der deutschen Werftarbeiter wirklich vorgenommen werden sollte. Wie schon mehrmals angedeutet, würden durch diese Maßnahme weitere 45 000 Arbeiter brot- los geworden sein. Die Aussperrung wird aber vor- läufig, wie uns aus Hamburg gemeldet wird, nicht vollzogen. ES wurde vielmehr in der Sitzung. zu der auch die beiden Direktoren des„Vulkan" er- schienen waren, beschlossen, die BetriebSeinschrqnknngen bis zum Mittwoch, de» 19. August, abends, zu verschieben. Ferner kam man nach längerer Aussprache dahin überein, daß der„V u l k a n" d e n B e t r i e b a m F r e i t a g, den 14. August, also morgen früh mit einem Drittel der Arbeiter- schaft wieder eröffnet. BiS Dienstag, den 18. August, soll sich dann entscheiden, ob der„Vulkan" das ganze Werk öffnet oder wieder vollkommen ruhen läßt. Wir erhalten hierzu auS Stettin auf telegraphischem Wege noch die folgenden MitteUungen: Stettin, 12. August. Die beiden Vulkandirektoren Stahl und F l o h r, die zu der Sitzung der Gruppe deutscher See- schiffswerften nach Hamburg gereist waren, sind noch im Laufe des hcuttgen Nachmittags nach Stettin zurück- gekehrt. Sie werden morgen(Donnerstag) den folgenden Maneranfchlag veröffentlichen: „Der Arbeiterausschuß unseres Werkes hat uns mit- geteilt, daß auf Grund der Abstimmungen in den Nieter- Versammlungen am 1V. und 11. August die Organ isa- tionen der Nieter und des Metallarbeiter- Verbandes den Streik der Nieter für be» endet erklärt haben und daß die zwischen der Direktion und dem Arbeiterausschuß und der Nicterkommisfion in den Sitzungen vom 27. und 29. Juli getroffenen Verein- barungen damit in Kraft treten. Wir haben vorstehendes der Gruppe deutscher Seeschiffs- werften(Sitz Hamburg) am gestrigen Mittwoch unterbreitet und dort folgendes genehmigt erhalten: 1. daß der Betrieb des„Vulkan".am Freitag. den 14.August, versuchsweise mit einemDrittel derArbeiter wieder aufgenommen werden soll: 2. daß die für gestern(Mittwoch) auf sämtlichen beut- scheu Werften und den ihnen angeschlossenen Werken b�- sch l off enen Betriebseinstellungen bis zum Mittwoch, den 19. August, verschoben werden. Falls sich bis Dienstag, den 18. August, herausstellt, daß durch die Nieter der ordnungsmäßige Betrieb der Vulkanwerke nicht mehr behindert wird, so soll über die gänzliche Aufhebung der in Aussicht genommenen Aus- sperrungen Beschluß gefaßt weiden. Unter Bezug auf vorstehendes geben wir hiermit be- kannt, daß morgen, Freitag, den 14. August früh 6 Uhr ein Teil des Betriebes versuchsweise wieder aufgenommen wird. Durch Anschlag soll gleichzeitig bekannt gegeben werden, in welchen Abteilungen der Vulkanwerke der Be- trieb versuchsweise ivieder geöffnet wird." Die streikenden Nieter und die Ausgesperrten hielten gestern(Mittwoch) keine Versammlungen ab. Genosse Herbert- Stettin versuchte zwar eine Nieterversammlung zu veranstalten, doch kam diese nicht zustande. Die GeWerk- schaftsführer Schulz- Hamburg(Metallarbeiter- Verband) und R e i ch e l- Stuttgart geben sich alle Mühe, um den Frieden herbeizuführen. Schon am Dienstag, als sie der Vulkandirektion das ungünstige Abstimmungsresultat der letzten Nieterversammlung übermittelten, sprachen beide den Wunsch aus, die Direktion möge veranlassen, daß die Aussperrungen der Gruppe deutscher Seeschiffswersten noch auf einige Tage verschoben würden, da noch immer Hoffnung vorhanden sei, daß die streikenden Meter den Vorschlägen der Organisations- leitung endlich folgen und die Arbeit wieder aufnehmen würden.— Wann eine neue Nicterversammlung einberufen wird, steht noch nicht fest._ Zur AuSsperrnng der Stukkateure in Westfalen. Die organisierten Stukkateure Dortmunds faßten in einer Versammlung den Beschluß, die Arbeit wieder aufzunehmen, Die Unternehmer haben zugesichert, keine Lohnkürzungen vorzu. nehmen und den alten Lohn weiter zu zahlen. Zunächst sollen die ausgesperrten Gehilfen eingestellt werden. Anfangs glaubten die Unternehmer, bei der schlechten Ge- schästslage den Arbeitern den Lohn beschneiden zu können. An der Einigkeit der organisierten Stukkateure wurde diese Absicht aber zuschanden. Ist das Errungene nun auch keine direkte Verbesse„ rung der Lebenslage, so zeigt es doch, daß eine straffe Organisation etwas vermag. Letzte JVachncfotcn und Dcpefchca Streiks in der Türkei. Konstantinopel, 12. August.(Meldung des Wiener k. t Telegr.-Korresp.-Bureaus.) Die angekündigten Ausstände haben heute früh begonnen. Einige Hundert Hafenauslader haben die Arbeit eingestellt und verlangen eine Verdoppelung ihres Lohnes. Ferner sind 90 Tramwayangestellte in den Ausstand getreten und wollen heute dem Großvesier ihre For- derungen unterbreiten. Morgen soll der Generalstreik aller Tramwayangestellten beginnen. Auch in Fabriken und bei den Bahnen werden Ausstände befürchtet. Zum Streik der dänischen Lithographen und Strindrucker. Kopenhagen, 12. August.(W. T. B.) Der Minister deS Innern, Berg, hat einen Vorschlag. zur Beilegung des Koif fliktes im Typographengewerbe und der übrigen gewerblichen Konflikte ausgearbeitet. � Vertreter der Arbertgeber und der Arbeiter haben dem Vernehmen nach versprochen, den betreffen, den Organisationen den Vorschlag zur Annahme zu empfehlen. Generalstreik. Rom, den 12. August.(B. H.) Die Arbeitsbörse in Adria hat den Generalstreik proklamiert. LergmannStod. D-rtmunb, 12. August.(B. H.) Auf der Zeche„MaunS� wurden drei Bergleute durch einen Sprengschuß getötet. Zabeze. 12. August.(B. H.) Beim Abbau stürzten in einer hiefigea Kohlengrube Kohlenmasseu nieder. Ein Bergmann wurde erschlagen, ei» anderer verletzt. Die Ruhr bei der Kavallerie. Steaßburg, 12. August.(B. H.) Unter den Mannschaften deS hier garni sanierenden IS. Husarenregiments ist laut.Hagenauer Zeitung" die Ruhrkrankheit ausgebrochen. Die vierte Schwadron wurde bereits nach einem Schießplatz versetzt. Ungarische Krankenrevolte. Theresi-pel, 12. August.(B. H.) Auf der Abteilung für Haut. krankheiten des Städtischen Krankenhauses revoltierten die Kranken wegen schlechter Bekö,.igung und vertrieben Aerzte und Pfleger, Eine böhmische Stadt in Flammen. Mauth, 12. August.(W. T. B.) In der Nähe der Kirche brach heute vormittag aus bisher unbekannter Ursache Feuer aus, welches mit großer Schnelligkeit um sich griff. Erst nachmittags gelang eS den fast übermenschlichen Anstrengungen der auch aus weiterer Umgebung herbeigeeilten Feuerwehren und deS zu Hilfe gerufenen Militärs, den Brand einzuengen. 72 Anwesen und Hütten sowie 14 Scheunen fielen dem Feuer zum Opfer. Verluste an Menschen- leben sind nicht zu beklagen._ Sturm in Bade». � Neusatz» 12. August.(B. H.) Ein stundenlang anhaltender orkanarüger Sturm, verbunden mit wolkenbriichartigem Regen. richtete in der Stadt und Umgebung große Verheerungen an. Fern im Süd.... Madrid, 12. August.(B. H.) Seit 48 Stunden herrscht hier eine unerträgliche Hitze. Gestern wurden in der Sonne 50 Grad und im Schatten 41,5 Grad gemessen. In Sevilla wurden 53 Grad im Schatten konstatiert. Geschützexplosion. Toulon, 12. August.(W. T. B.) An Bord des Artillericschul- schiffeS„Couronne", das sich zurzeit in les Salins d'Hyeres be» findet, explodierte eine Kanone. Bier Personen find tot, zwölf»er, wundct, unter ihnen vier schwer. Tie„Kalte Hand". Tübingen, 12. Angnst.(B. H.) Der Tagelöhner Grieße aus Halden, der in Calw mit dem Aufruf des internationalen Geheim- bundeS„Kalte Hand" von einem Wirte Geld zu erpressen suchte, ist von der Tübinger Straskainmer zu 1 Jahr Zuchthaus und 1 Jahr Ehrverlust verurteilt worden. Berantw. Retzakt.: Georo Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke» Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u.UnterhaltungSbl. Nr. 188. 25. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donerstag, 13. Auguf 1908) Positive Vorschläge zur Reorganisation der Jugendorganisation. Man schreibt uns aus Gewerkschaftskreisen: Es sind zum Teil Mitglieder, die mit ihrer Erfahrung den Nach wuchs in die kleineren Führerposten einführen. Ich möchte die Arbeit der Gewerkschaften mit der zu ihnen ge hörigen Bildungsvereine völlig geteilt wissen. Die Gewerkschaften Ein weiterer Fortschritt auf dem Gebiete der modernen Jugend- organisieren ihren Kreis, bieten den Jugendlichen allen Schutz in organisation ist die vor zwei Jahren gegründete Jugendabteilung ihren selbstverwalteten Seftionen( wie z. B. bei den Transportdes Deutschen Transportarbeiterverbandes. Hier wird in ideeller arbeitern). Die Gewerkschaften überweisen ihre Mitglieder dann per wie in wirtschaftlicher Beziehung für die Jugendlichen gesorgt. Karte an die Registratur des Bildungsausschusses. Abgesehen von der nach einem Jahre eintretenden Arbeitslosen- und Es wird so bei richtiger Durchführung der Resolution D. I. das Krantenunterstüßung sowie der zeitweise sehr flotten Arbeits- geschaffen werden, was sie beabsichtigt, nämlich ein Riesenfortschritt. bermittelung steht den Jugendlichen die über 3000 Bände starke Ver- Selbst den fanatischsten Bekämpfern der Resolution, die angeblich alles bandsbibliothek zur Verfügung. Größere Verbandsversammlungen Freie" erwürgen soll, werden folgende Borschläge sicher gefallen. Keine Tagesfrage hat in den letzten Wochen, die feit Schluß der Jugendlichen finden in eigenen Räumen des Verbandes statt, Das Bindeglied zwischen den einzelnen örtlichen Bildungs- Ausdes Gewerkschaftskongresses verflossen sind, so die Gemüter der wo fein Trintawang herrscht. Durch Arrangierung von schüssen müßte ein Zentralorgan( bildenden Inhalts) sein, interessierten Gewerkschafts- und Parteigenossen erhigt wie die: Ausflügen, verbunden mit Spielen, werden die schönen ähnlich der 1902 herausgegebenen Hütte". Die Jllustrationen wie bedeutet der Beschluß des Kongresses einen Fortschritt für die Er- Sommerfonntage ausgefüllt.( Jm Lehrlingsverein ebenfalls.) der Text waren in dieser Zeitschrift der Jugend aus dem Herzen ziehung, Ausbildung unseres jugendlichen Nachwuchses oder nicht. Die Bewegungsfreiheit innerhalb des Verbandes und gesprochen. Selbstverständlich müssen die getverkschaftlichen Organe Vorausschiden möchte ich, daß ich mich feit zirka 15 Jahren für der Sektion ist gleich der der Erwachsenen. Rechte und ihre Spalten auch den Jugendlichen für Fachangelegenheiten öffnen, die Vereinigungen der Jugendlichen, ganz gleich welcher Tendenz- Pflichten bewegen sich auch in demselben Rahmen, wie in dem Lehr- ebenso gewerkschaftliche Sektionsversammlungsberichte bringen. Die vertretung, Schattierung und Konfession, interessiere. Eine ganz lingsverein. Ein Pressen des jugendlichen Vorstandes in gewert Bentralzeitschrift müßte auch gleichzeitig örtliche Publikationen des besondere Aufmerksamkeit würdigte ich dem Organisationssystem fchaftliche Formen findet also nicht statt. Bildungsvereins aufnehmen, um unnötige Ausgaben zu sparen. der größeren christlichen, katholischen Jugendvereine, dem seit einigen Ihre Seftionsleitung, Abteilungsführer und Bezirksführer Die ganze Expedition würde sicher wie bei den TransportJahren bestehenden Vereine der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter wählen sich die jungen Transportarbeiter selbst. Vielleicht ist auch arbeitern von den Jugendlichen selbst erledigt werden. sowie der freien gewerkschaftlichen Jugendorganisation. erwähnenswert, daß die gewerkschaftliche Jugend ihre Versamm- Diese große Reorganisation der jungen Garde" erfordert eine Wenn nicht zwischen den orthodoxen und liberalen christlichen lungen von den 16, 17, 18jährigen leiten läßt, ferner daß die weitere Reorganisation seitens der Gewerkschaften( vielleicht hat auch und katholischen Vereinspräsidenten eine so tiefe luft läge, so jugendlichen Transportarbeiter durch freiwillig arbeitende Be- die Partei daran ein Interesse). Es handelt sich um nichts anderes, befäßen wir in Norddeutschland seit mehreren Jahren große chriftlich- zirksführer sämtliche Einladungen zu den Sektionsversammlungen, als die sehr notwendige 3entralisierung der Gewerkschaftsgemischte Bentraljugendorganisationen. Dann würde selbst die Ausflügen usw. überwiesen erhalten. Einige Bezirksführer aus ent- bibliotheken( besonders für Berlin). Fast alle Gewerkschaften klagen einwandfreieste Kongreßresolution unsererseits nicht die von uns fernt gelegenen Stadtteilen entleihen sogar für ihre Bezirkskollegen über die mangelhafte Lesefreudigkeit der Mitglieder. It's auch ein verschlafenen zwanzig Jahre Jugendorganisationsentwickelung wieder Bücher aus der Bibliothek, um den jungen Kollegen Zeit und Fahr- Wunder? Wieviel Opfer müssen die lefeeifrigen Gewerkschaftswettmachen können. geld zu sparen. mitglieder auch bringen. 20-30 Pf. Fahrgeld und 1-2 Stunden Leicht wird es den christlichen Jünglingsvereinen gemacht, Ziehen wir nun die Bilanz der Ergebnisse der bis jetzt ar Beitverlust tostet manches fleine Werkchen dem Lefer oder der die Jugend in ihren Bannkreis zu ziehen. Die Lehrer an den beitenden, bestehenden deutschen freien Jugendbewegung, wozu wir Leserin. Sicher sind wir alle davon überzeugt, daß das BibliothetsSchulen, besonders die Geistlichen, vereinzelt auch noch die Lehr- die freie wie die gewerkschaftliche Organisation rechnen müssen. Es wesen mit dem Wesen der Jugendorganisation zusammenhängt. herren oder Geschäftsleiter, helfen die Zahl der Schäflein vergrößern. hört sich ja wunderbar schön un, was bis jetzt von dem Lehrlings- So stelle ich die zweite Forderung auf, daß die Gewerkschaften sich Bemerkenswert an dem System der Christlichen ist die Schaffung verein, den gewerkschaftlichen Transportarbeitern, Lithographen usw. bald mit der Einrichtung von Filialbibliotheten be eines eigenen Jugendheims, z. B. in Berlin in der Wilhelm geschaffen ist; aber es ist eben erst der Anfang von dem, was schäftigen. Doppelt gutes könnte in Berlin, Hamburg usw. straße. Um ein jegt gebräuchliches Schlagwort zu gebrauchen: wir zu leisten haben, mit ber Errichtung von Filialbibliotheken erreicht werden. sehr weise hat man mit der Schaffung eines Jugendheimes der Wenn es auch etwas Bedrückendes, Beschämendes für uns hat, Befäßen wir zum Beispiel in Berlin acht Filial- oder StadtteilPsyche" der Jugend Rechnung getragen. Eine große Turnhalle, so muß es doch gesagt werden, wir stehen jetzt am Kreuzweg und bibliotheken, die von allen Gewertschaftsmitgliedern Bibliothet, Lesezimmer, foholfreie Erfrischungsräume stehen den müssen, ob wir wollen oder nicht, ein Stück von dem Wege benutzen, benutzt werden könnten, in sauberen Sälen, im Hintergebäude eines jungen Leuten Sonntag von 5 Uhr an zur Verfügung, mit den unsere Gegner bereits benutzt haben. Ich habe diefelbe Auf großen Grundstückes, so wäre es jedem Interessenten möglich, bei 10 bis 20 Pfenniger in der Tasche können sich die Jünglinge fassung, wie alle diejenigen Genossen, die der Meinung sind, daß einer gut angelegten Benugungszeit ohne Unkosten und Zeitverlust den ganzen Sonntagnachmittag amüsieren. Die Abende werden mit jest teine Beit ist, um Worte zu streiten, sondern Vorschläge zu ein gutes Werk zu erhalten. Aber auch besonders für die Jugend gemeinsamen Gesängen, Worlesungen, Vorträgen ausgefüllt. Natür- machen. Die leitenden Personen der Gewerkschaften wie der Partei wäre etwas Gutes geschaffen. Diese Säle könnten an verschiedenen lich muß hier eingeschaltet werden, daß für die freie geistige Ent- haben möglichst schnell alle technischen und materiellen Hindernisse, Abenden den Jugendsektionen zu kleineren Abwickelung nicht gesorgt word, da die religiösen Abendandachten, die die der Ausführung der Resolution D. I. entgegenstehen, zu beseitigen. teilungsversammlungen zur Verfügung gestellt werden. gewöhnlich 1 Stunde daiern, der Hauptzweck des ganzen Systems Scheinbar wird eine Dezentralisation eintreten, um die Klein- Als schwachen Vergleich könnte man den eigenen Saal der Transportfind. Es ist auch selbstverständlich, daß in allen diesen Vereinen arbeit zu erleichtern. Es werden die deutschen freien Gewerkschaften arbeiter heranziehen, der zirka 200 Personen faßt und speziell den die leitenden Personen ni von den Jugendlichen gewählt werden alle ihnen gehörigen jugendlichen ungelernten Arbeiter und Lehr- Jugendlichen zur Verfügung steht. linge organisieren müssen nach gleichem Muster und mustergültig. Der Sohn des Arbeites, der mit der religiösen Weltanschauung 3. B. den Gewerkschaften von Groß- Berlin wird es gar nicht schwer in das Leben tritt, wird sie von solchen Einrichtungen wie sie der fallen, in furzer Zeit 10 000 Mitglieder unter 18 Jahren zu erVerein christlicher junger Männer z. B. befißt, an werben( 3000 organisierte Jugendliche sind bereits vorhanden). Für gezogen und bald heinisch fühlen. Viele von den Jugend- die geistige Weiterentwickelung müßte ein 8entralbildungslichen find indes nicht recht mit den dort vertretenen Tendenzen ein- ausschuß geschaffen werden, der aus intelligenten Jugendlichen verstanden, es zeigt sich befunders bei den Abendandachten, wo die und pädagogisch geschulten erwachsenen Kräften aus. Partei und GeLeiter oft die schmerzliche Beobachtung machen müssen, wie die werkschaft zusammengesetzt wäre. Der Bildungsausschuß Berlin" Zöglinge sich diesen Veranstaltungen entziehen. würde weiter von Gewerkschaft und Partei einen Geldzuschuß er halten. Rechnen wir bei 10 000 Mitgliedern pro Kopf nur 10 Pf. wöchentlich, so beträgt die wöchentliche Einnahme des Bildungsausschusses 1000 Mart, die jährliche Einnahme somit 52 000 Mart. Das wäre die finanzielle Seite. Ich stehe ganz auf dem Standpunkte der Genossin Jda Altmann. UnBei uns ist vor einigen Jahren durch die Gründung des freien bedingt müssen sämtliche gewerkschaftlich organisierten Lehrlinge fins er erfe Saft in eigener Sache der Jugendlichen und jugendlichen Arbeiter dem Bildungsverein angehören. Da ist getan worden. Berhältnismäßig schnell haben vor zirka 4 Jahren es notwendig, für die Taufende Jugendlicher ein Heim zu schaffen, die Berliner Jugendlichen ihren Verein hochbekommen, wobei ihnen wo sie Sonntags das finden, was ich von dem christlichen Vereinsallerdings die Polizei durch Maßregelungen, Bersammlungs- haus angeführt habe. In Berlin würde ein Heim nicht genügen, auflösungen usw. unbewußt behilflich war. Trotzdem der Mitglieds- da es mindestens an 5-8000 Jugendliche in Berlin gibt, die als beitrag monatlich 25 Pf. beträgt, hat die Begeisterung und die Schlafburschen bei ihnen ganz fremden Leuten wohnen. Die Mitgliederzahl in der letzten Zeit abgenommen. Die Versammlungen Jugendheime fönnten im 28interhalbjahr um 2 Uhr geöffnet werden, Noch einiges möchte ich über das Programm des Bildungsvereins werden in den allgemeinen wie den Abteilungszusammenfünften in wo den Besuchern vor 6-7 Uhr Zeit gelassen wird, zu lesen, zu öffentlichen Lokalen abgehalten. Vorträge bildenden Inhalts füllen spielen oder sich sonstwie zu unterhalten. Von 7-8 oder 29 Uhr die gewöhnliche Tagesordnung aus. Hervorgehoben muß werden, dürften Lichtbilder, kinematographische, musikalische oder wissenschaftdaß die Agitation, zum Teil auch technische Bureauarbeiten liche Vorträge angebracht sein. Scheinbar nebensächliche Gebiete, von den Jugendlichen selbst erledigt werden. Die wie Anstandslehre, Stenographielehrkurse, könnten später ebenfalls führenden Personen stehen im Alter von 18, 20, 21-26 Jahren. betreten werden. können. Betrachten wir nun leidnschaftslos und objektiv das, was wir in unseren Reihen von Jugedorganisationen besigen unter gleichzeitiger Beantwortung der Fage: laffen wir es beim alten, oder versuchen wir so schnell wie möglich der Hamburger Resolution Leben zu verschaffen? Kleines feuilleton. " Alle Vorschläge, sowohl der Hamburger Resolution als der Diskussionsredner auf dem Kongreß, ebenso die Wünsche der Schreiber in der„ Neuen Zeit", im Vorwärts" usw. würden in Erfüllung gehen resp. sinngemäß ausgeführt werden, wenn diese meine Vorschläge als Fundament aufgefaßt würden. Auch ich bin für freie geistige Entwickelung des jugendlichen Menschen". Nicht aber unter Ausschluß des bildenden, pädagogisch führenden erfahrenen älteren Menschen als Reiter. Die Jugendlichen verlieren doch nicht ihr Selbstverwaltungsrecht, wenn sie in einem neuen großen Kreise das, was sie bis jetzt geleistet haben, ohne finanzielle Be schränkung dann viel beffer ausführen können. Der einzelne Jugendliche braucht sich dann nicht etwas darauf einzubilden, daß er Karten ausschreiben und 2-300 M. rebidieren darf. Der strebsame Jugendliche wird sogar höhere Aufgaben erhalten, da der Riesenbetrieb dann arbeitswilliger Intelligenzen direkt bedarf. Die älteren Arbeiter und Gesellen werden wohl ihren jungen Kameraden feine Steine in den Weg werfen oder sie über die Schulter ansehen, wie vielfach befürchtet worden ist. Ich schätze die Erwachsenen höher ein. Hier gerade wird ein Umschwung eintreten. Das große gewaltige Wert, das geschaffen werden muß, wird bald den Rückständigsten unserer Genoffen von seinem Altersbänkel furieren. im Winter- und Sommerhalbjahr sagen. Das Programm dürfte im Winter wohl folgendes bieten können: 1. in den Sälen des Jugendheims Rezitationsabende, Humoristische Vorlesungen, wissenschaftliche belehrende Vorträge, Lichtbildervorträge usw. Dann Theatervorstellungen in irgend einem Musentempel, Museumsbesuche( Abteilungsweise). Große Konzert Der Internationale Historiker- Kongreß wurde am Mittwoch geNotizen. wendigkeit betont, das Verständnis von innen heraus anzubahnen. Freilich ist das Studium der Zeitungen sehr schwierig, weil fast Die Gegner der Aufklärung lassen das freilich nicht gelten; wenn nirgends vollständige Beitungssammlungen vorhanden sind; auch die das lateinische" Ich glaube in einen Gott" übersetzt wird mit Jch fgl. Bibliothet in Berlin besitzt nicht einmal lückenlose Serien einer Die katholische Beurteilung des Zeitalters der Aufklärung. Ueber glaube an einen Gott", so wird dies von ihnen als Verfälschung für die Parteigeschichte so wichtigen Zeitung wie die National diefes interessante Thema, das eine zahlreiche Zuhörerschaft angelockt der wahren Lehre bezeichnet( Schallende Heiterkeit), ein solcher Beitung". Der Redner regte die Gründung eines Reichszeitungshatte, sprach auf dem Internationalen Historiferkongreß der in Katechismus müsse ins Feuer geworfen werden, damit die Jugend museums an und schloß mit einem Appell an die großen Zeitungstheologischen Kreisen als Modernist bekannte Professor Merkle nicht verführt werde.( Heiterkeit.) berleger, die Initiative für eine solche Gründung zu ergreifen. aus Würzburg. Er betonte, daß die katholische Auftlärung feines- Aus demselben Geiste heraus verurteilte man ein Gesangbuch, In der Diskussion wies Prof. Schmoller- Berlin darauf hin, wegs so intenfib gewesen ist als die protestantische, katholische weil es in der äußeren Formes war zweispaltig gedruckt und daß ebenso wichtig wie das Sammeln ganzer Zeitungen das Theologen der Aufklärung haben feineswegs dieselben Konsequenzen enthielt vor jedem Lied eine fettgedruckte Nummer- den lutherischen Sammeln von Beitungsausschnitten nach bestimmten Gesichtspunkten gezogen wie protestantische, sie haben nicht den Supranaturalismus Gesangbüchern ähnlich sah. Daß der Gedanke der Toleranz als fei, wie es bereits von der Handelshochschule in Köln und vom bekämpfen wollen, sondern nur seine unberechtigten Auswüchse, den etwas Schreckliches erschien, ist bei solcher Gesinnung selbstverständ- Bureau für Sozialpolitit geschehe. Aberglauben, die Wundersucht und den Wunderglauben. Trozdem lich; aber auch in der schon erwähnten Kirchengeschichte wird von sind sie von katholischer Seite, welche an der Tradition dem doch echt christlichen Saz: Katholiken und Protestanten sollten nicht rütteln lassen wollte, in Grund und Boden ver- sich mit Liebe umfassen und im Herzen vereinigen, wenn sie auch dammit worden, alles was sie überhaupt gesagt und getan in den Meinungen auseinandergehen" gesagt, ein solches Urteil sei schlossen. haben, ist als fchlecht und gottlos hingestellt worden. nur auf dem niedrigen Niveau des traurigen Indifferentismus Der Parteigeist ist aber nicht geeignet, eine objektive Geschichts- möglich. darstellung zu fördern. Die Epitheta( Beiwörter) schal, feicht, So wird jede Handlung der Männer der Aufklärung verurteilt oberflächlich, frivol, frech, schamlos, blasphemisch, die den Schriften und ihnen jeder mögliche oder unmögliche fittliche Makel angehängt. Der neunte internationale Stenographentongreß der Theologen der Aufklärung gegeben wurden, sind meist von Beispielsweise sollte an einem Seminar in Rottenburg in Tirol tagt gegenwärtig in Darmstadt. solchen Männern angewendet worden, welche in diese Bücher keinen ein Profeffor Kolb seine Zöglinge verführt und zum Besuch schlechter Professor Korn, der Erfinder der neuesten Methode der Blick getan hatten. Unleugbar, so führte der Referent weiter aus, Säufer angehalten und ihnen geraten haben, sich später Kontubinen zu ernphotographie hielt in Kopenhagen einen Vortrag lief die katholische Aufklärung zu Ende des 18. Jahrhunderts Ge- halten. Kritiklos ist diese Schauermär von einem Buch ins andere über die Uebermittelung von Bildern auf telegraphischem Wege. fahr, von den Grundlagen des Christentums abzuweichen, und der übergegangen und gläubig nacherzählt worden. Sie beruht auf einem Die fernphotographische Verbindung Kopenhagen- Berlin sok nächstens Vortragende findet es begreiflich, daß der Parteigeist zur ungerechten gefälschten Briefe; es ist schon um deswillen kein Wort von ihr eröffnet werden. Beurteilung der Männer der Aufklärung führte. Daß man aber wahr, weil weder ein solcher Professor noch ein solches Seminar Das Museum der Advokaten. Aus Paris wird nach hundert Jahren noch dieselben Urteile wiederholt und eristiert hat.( Große Heiterkeit.) Eine wirkliche mit objektiver berichtet: Die Reihe der Museen soll durch ein Museum der Advokaten zur Unterstützung sich auf das Urteil von Zeitgenossen Kritik geschriebene Geschichte der Aufklärung fehlt der katholischen vergrößert werden. Das neue Muſeum, das im Gerichtspalast seine der Aufklärung beruft, beweist doch nur, daß man auch nach hundert Welt noch völlig. Gewiß hat die Aufklärung ihr voll gerütteltes Stätte finden wird, soll vor allem Stiche, historische Porträts, Jahren noch über den engen Parteistandpunkt nicht hinausgekommen Maß von Fehlern, aber eine unbefangene Geschichtsschreibung gerichtliche Dokumente und Manuskripte in sich aufnehmen. In ist. Zum Beispiel wird im Salzburger Hirtenbrief von 1785 den wird erweisen, daß sie doch nicht so schlecht war, als man sie ge- erster Linie erwartet man, daß eine große und interessante. Reihe Geistlichen das fleißige Lefen der Bibel, besonders des Neuen macht hat. von Stichen zusammenkommen wird, haben doch die Advokaten zu Testaments empfohlen, und nicht nur in der Gegenschrift eines allen Zeiten in der Satire einen breiten Raum eingenommen. Auch Jesuiten, sondern noch in einer vor wenigen Jahren erschienenen die mancherlei Erinnerungen an die Zeremonien und Festlichkeiten, Kirchengeschichte wird das für bedenklich erklärt. Profeffor Martin Spahn- Straßburg, der Sohn des be- die im Palais stattgefunden haben, werden das Interesse der BeIn diesem Hirtenbrief war auch gesagt worden, man folle nicht fannten Zentrumsführers Peter Spahn, sprach dann über das fucher erwecken. immer nur von dem rächenden und strafenden Gott sprechen, wo Thema: Die Presse als Quelle der neuesten Geschichte und ihre 2wei Riesenschiffe werden, wie aus London berichtet durch man sich vor den Gegnern der Kirche lächerlich mache, sondern gegenwärtigen Benugungsmöglichkeiten." Einstweilen, führte er aus, wird, noch in diesem Jahre für die White Star Linie bei auch von dem gütigen und liebenden Gott. Das wurde von den müssen wir es uns noch versagen, die Zeitungen als Quelle für die Harland u. Wolff in Belfast auf Stapel gelegt. Die Länge Gegnern der Aufklärung allen Ernstes als Abgötterei be- Erforschung der allgemeinen neuesten Geschichte in starkem Maße in der beiden Schiffe soll 860 Fuß, die Breite 92 Fuß, der Tonnenzeichnet. Es zeigte sich in solchen Urteilen eben jener Geist, Anspruch zu nehmen, vorläufig muß vielmehr die Presse selbst noch gehalt 45-50 000 betragen. Dagegen wird die Geschwindigkeit mit der die Beschäftigung mit dem Gebräischen als gefährlichen Nückfall der Gegenstand der wissenschaftlichen Untersuchung werden, erst durch 19-20 Knoten erheblich gegen die 25 Knoten, die die Lusitania" ins Judentum betrachtete, das Griechische als Härefie( Abfall vom intensive Arbeit an ihr kann sie zu einem brauchbaren Hilfsmittel und Mauretania" erzielen, zurückbleiben. Während diese beiden Glauben) ansah und das Neue Testament als Buch voller Dornen der wissenschaftlichen Arbeit gemacht werden. Um dies zu er- schnellsten Dampfer mit Turbinen ausgerüstet sind, werden die und Gift bezeichnete. Und ein Jahrhundertlang ist das aus folchem reichen, muß fie und ihre Entwickelung im Zusammenhange neuen Schiffe eine Kombination von Turbinen- und Kolbenmaschine Geist geflossene Urteil über die Aufklärung fritiflos nachgesprochen mit der Parteientwickelung in Deutschland studiert werden. Wenn erhalten. worden und dieser Geist selbst auf den Lehrstühlen lebendig geblieben. die Presse und die Parteien sich auch nicht decken, so gehören sie Deshalb ist der Ausspruch des Freiherrn v. Jostett, des Reformators doch zu einander und illustrieren einander. Speziell für die Zeit des bayerischen Unterrichts, verständlich, er möchte sich lieber zur um 1848 und für die sechziger und siebziger Jahre, welche von entniederträchtigsten Sklavenarbeit verurteilt sehen, als dazu, nach den scheidender Bedeutung für die Entwickelung der Presse sowohl als in Würzburg üblichen Kompendien zu lehren. des Parteilebens waren, wird das Studium der Presse, das natürlich mit dem der Parlamentsverhandlungen, der Berichte über die Tagungen der großen sozialen, pädagogischen, religiösen Gesell schaften zu verbinden ist, fruchtbar sein. Die Aufklärung hat außerordentlich viel zur Fruchtbarmachung der Wissenschaft für die Schule beigetragen; namentlich hat sie im Katechismusunterricht das Auswendiglernen beseitigt und die Not- Bilderfälschungen in Italien. Kürzlich hat die italienische Regierung für ein Museum das Bildnis eines Edelmannes von Romanino für die Summe von 14 000 Lire angekauft. Es hat sich nun herausgestellt, daß dieser Nomanino eine einfache Kopie ist, die einige Tage vorher von ihrem Verkäufer für die bes scheidene Summe von nur 4 Lire erivorben war. Auch eine„ Anbetung der Hirten" von Bassano, die die italienische Regierung 10.000 Bire gekostet hat, ist nichts anderes als eine schlechte Stopic. beranstaltimgen, vielleicht verbunden mit Familienabenden; über- Haupt von Zeit zu Zeit Familienzusammenküufte, die nicht zu ver- wechseln sind mit den Theaterabenden der christlichen Vereine. Die Jugendheime rcsp. die Veranstaltungen des BildnngSvereiuS mübten für mindestens 1000— 2000 Personen berechnet sein. Für das Sommerhalbjahr dürsten Ausflüge in der Nähe der Stadt für die Minderbemittelten und SonntagSarbeiter vorzn- schlagen sein; während weitere Ausflüge für die Jugendlichen vor- zuschlagen wären, die den ganzen Sonntag zur Verfügung haben und über ein paar Mark Taschengeld verfügen. Die dringendste Forderimg im Interesse der Jugendlichen ist die Schaffung eines gastlichen gemütlichen Heims mit billiger Restauration. Wer noch nicht für den Vorschlag zu haben ist, der mache einen Spaziergang durch Beriin-Süden, Südosten. Rixdorf, Treptow usw., Berlin-Norden, Brunnenstrahe, Humboldthain, Pankow. Moabit usw. Dieser Spaziergang wird jeden überzeugen, dah unsere grohstädtischc männliche imd weibliche Proletarierjugend dringend einer Hebung der moralischen und sittlichen Beziehung be- darf. Es ist der brennendste Wunsch Tausender von Eltern in allen grohen Städten, die Jugendlichen der Straße und der Kneipe zu entwöhnen. KB. Zum Schluß gestatte ich mir noch darauf aufmerksam zu machen, daß ich hauptsächlich Berlin als Beispiel und Muster heran- gezogen habe, doch gilt selbstverständlich mein Vorschlag für alle Städte Deutschlands, wie ich ja auch immer von einer Zentral- organisation spreche. N. Waclawiak. Zentralverband von Ortskrankenhalfen im Deutschen Reich. Brauns chweig. 11. August Der heutige dritte Vcrhandlungstag beginnt mit einer Be- sprechung eines Antrages der Ortökrankenkasse der Schlosser zu Berlin auf Ergreifung von Mahregeln, um Verluste von Kaffenvcrmögen infolge Verminderung des Kurs- wertes der Wertpapiere zu vermeiden. Man einigt sich dahin, die Frage zurückzustellen, bis der Gesetzentwurf betr. Aenderung des KrankenversichcrungSgesehes vorliegt. Sodann referiert G r ä f- Frankfurt über die Frage, ob es sich empfehlen würde, für die einzelnen Provinzen Einrichtungen zu treffen, die Kassenführung der OrtSkrankenkassen durch Revisoren prüfen zu lassen. In einer längeren Debatte hierüber erklärt sich Fräßdorf- Dresden, A. Kohn-Berlin, Wendlandt-Magdeburg, Eichstädt- Weimar für die Anregung, während Mayer-Braunschlveig, Willi- München dagegen sprechen. Letzterer wendet sich dagegen, daß immer von einer Zentralstelle aus, alles erleuchtet werden soll. Die Versammlung überläßt es schließlich den Provinzialver- bänden, in der gedachten Richtung vorzugehen. Ein anderes Referat G r ä f- Franlfurt behandelt die Frage, ob eS sich nicht allgemein empfehlen würde, daß die Krankenkassen in ihren jährlichen Geschäftsberichten Ht Namen der Arbeitgeber veröffentlichen, an denen die Arbeit- nehmer Beiträge verloren haben. B r a u n- Königsberg empfiehlt die Anregung; Pollender- Leipzig verspricht sich nicht viel davon. Die Versammlung stimmt der Anregung zu. Einstimmig angenonunen wird sodann folgender Antrag der Allgemeinen Ortskrankenkasse zu Ra° t h e n o m: „Die dem Zentralverband angeschlossenen Kassen sind der- pflichtet, Vorsorge zu treffen, daß in ihren Arztvertrügen die Bestimniung enthalten sein bezw. aufgenommen werden soll, wo- Nach die nach§ 67a des Krankenversicherungsgesetzes die einer anderen Kasse überwiesenen Kranken in bezug auf die Berech- nung des Arzthonorars wie die eigenen Mitglieder der betr. Kasse behandelt werden." U h l m a n n« Leipzig referiert über einen Antrag auf Ab- sendung einer Petition an den Reichstag auf Abände- rung dcS Z 8 Ziffer 10 der Postordnung in dem Sinne, daß genau so wie die Berufsgenossenschaften und Versicherungsanstalten auch die Ortskrankenkassen das Recht haben, bei bestimmten Sendungen(Drucksachen, Geschäftspapiere) Vorrechte, die eine Portoermäßigung bedeuten, zu haben. Vom Reichspostamt sind die Wünsche abgelehnt worden. Man beschließt, sich nunmehr im Sinne des Antrages an den Reichstag zu wenden. Ueber Polikliniken und deren Borteile spricht Riemann- Chemnitz. Er schildert besonders die Ein- richtungen der Ortskrankenkasse Chemnitz, die zirka 60 000 Mit- glieder besitzt, und bei der sich die Poliklinik seit achtzehn Jahren aufs beste bewährt hat. Die Kasse hat in, eigenen Geschäftsgebäud« ärztliche Bcratungsanstalten, in denen ständig mehrere Aerzte anwesend sind, Zahnkliniken, Badeeinrichtungen usw. Die Poli- klinik wurde jährlich von zirka 50 000 Mitgliedern besucht. Davon waren zirka 10 000 erwerbsunfähig. Für die erwerbsunfähige» Mitglieder besitzt die Kasse die freie Arztwahl. Redner empfiehlt solche Polikliniken, die sehr vorteichaft seien. Wendlandt- Magdeburg weist darauf hin, daß in Preußen durch Entscheidung des OberverwaltuugSgerichtes es den Kassen untersagt ist, Polikliniken zu errichten.— In der weiteren Debatte wird von einem Vertreter der Optskrankenkassen Köln a. Rh. der Stand des dortigen Aerzte st reiks besprochen. Ein Sieg der dortigen Kassen, sei ein Sieg auch der übrigen Kassen. Er erwarte, daß er erfochten werde und bitte die Kassenvertreter um Unterstützung. Frätzdorf- Dresden, der auf die Arztfrage kurz eingeht, versichert, daß die Kölner Kassen die Sympathie der Anwesenden besitzen. Auch die Kassenverwaltungen erstreben, daß die Aerzte anständige Sonorare erhalten, bei den Forderungen des Aerzteverbandes handele es sich aber für die iwssenvorstände daraum, zu verhindern, daß aus der Krankenversicherung eine Versicherung der A e r z t e w e r d e. Die Debatte schließt mit dem Beschluß, dahin zu streben, daß es dm Kassen im ganzen Reich gestattet wird, Polikliniken zu errichten. Die Präsenzliste ergibt, daß 133 Kassenverbande und einzelne Kassen durch 340 Delegierte vertreten sind. Außerdem sind noch eine Anzahl Vertreter von Kassen, die dem Zentralverband nicht angeschlossen sind, als Gäste anwesend. Die nächstjährige Versammlung soll in Bremen stattfinden. Giebel- Berlin weist noch auf die Pensionskasse des Ver- Sandes der Kassenbeamten hin und bittet die Kassenvorstände, den Beamten einen Teil der Beiträge zu der Unterstützungseinrichtung gu bezahlen. Mit den üblichen Abschiedsworten schließt Fräßdorf die Ver- sammlung. Komme die Vorlage einer Aenderung des Kranken- versicherungSgesetzeS, werde eine besondere Tagung einberufen. 4. der freien Gast- und Schanwirte Deutschlands. Der 4. Verbandstag des Verbandes der freien Gast- und Schank- Wirte Deutschlands fand in der vergangenen Woche im Kölner Volkshause statt. Der Verband hatte am 30. Juni d. I. in 72 Zahl. stellen 4622 Mitglieder. Seine Einnahmen betrugen im Berichts- jähre 57 253 M. 33 Pf. Für Agitation wurden 3758 M. 30 Pf. ver- ausgabt. Der Verband gewährt Stcrbeunterstützung, Rechtsschutz und gibt den wöchentlich erscheinenden„Freien Gastwirt" heraus. Für die preußische Landtagswahl wurden aus der Hauptkasse 1000 Mark, außerdem verschiedene Beträge aus den Lokalkassen gewahrt. Das Vermögen beträgt jetzt 44 852 M. 44 Pf. Die Präsenzliste ergibt die Anwesenheit von 84 Delegierten; Ae? Voritand iit vertreten dnrrb Sülfjji und G ienke, der Ausschuß ostrch Ostfeld-Hamburg, die wrinioren durch Bartsch-Charlotten- burg, die Redaktion durch Schultz. Der Kassenbericht, der gedruckt vorliegt, wird von Max G ic u kc- Berlin ergänzt. Den allgemeinen Bericht gibt L i t fi n. Die Geschäfte des Vorstandes, die bisher nur neben- amtlich geführt wurden, haben sich durch die Entwickeluvg des Ver- bandes außerordentlich vermehrt, so daß es in Zukunft nicht möglich sein wird, alle Aufgaben in zufriedenstellender Weise zu lösen. Litfin geht auf alle Ereignisse ein, die sich im Verbandsleben des letzten Jahres abgespielt haben und bittet, an der Tätigkeit des Vorstandes wohlwollende Kritik zu üben. In der Diskussion wird allgemein anerkannt, daß der Vorstand bemüht war, allen Anforde- rungen in bezug auf Agitation nachzukommen. Man müsse jedoch daran denken, einen besoldeten Geschäftsführer anzustellen. ES wurde gewünscht, daß die Ausgaben für Agitation und die Beiträge, die für die Partei gezahlt wurden, gesondert aufgeführt werden. Mit Genugtuung wurde begrüßt, daß sich ein besseres Verhältnis herausbilde. Wenn es zur Partei in vielen Fällen nicht so gut sei. so läge das an der irrtümlichen Auffassung mancher Parteigenossen, daß die freien Gastwirte nur aus geschäftlichen Gründen die Partei unterstützen wollen. Die Kollegen sollten bemüht sein, auf ein gutes Verhältnis mit der Partei und den Gewerkschaften hinzuarbeiten. Zu diesem Punkt wird die Anstellung eines Geschäftsführers beschlossen. Die Anstellungsbedingungen werden dem Vorstand und dem Aussckmß überlassen. Zum Geschäftsführer wurde der bis- herige Kassierer Max Gienke gewählt. Ferner wird der Hauptvorstand beauftragt, mit der General- kommissicm der Gewerkschaften eine gemeinschaftliche Sitzung ab- zuhalten, um die Anerkennung der Wirteorganisation zu bemerk- stelligen. Der Vorstand wird aufgefordert, dahin zu arbeiten, daß die Gastwirteorganisation der Gencralkommission angeschlossen wird, damit sich die Zahlstellen den örtlichen Kartellen angliedern können. Dies sei deshalb notwendig, damit nicht der Gastwirte- verband als Unternehmerorganisalion betrachtet werde. Ein An- trag auf Herausgabe eines Jahrbuches oder Kalenders wird dem Vorstand uberwiesen. Nachdem Genosse Ostfeld-Hamburg den Bericht des Ausschusses gegeben hat, berichtet Ernst Funke-Berlin über die Presse. Seit dreiviertel Jahren ist Carl Schultz Redakteur des Or- pans,„Der freie Gastwirt". In dem Bericht und später in der Diskussion wird der Tätigkeit des Redakteurs vollste Anerkennung gezollt. Am Schlüsse des ersten Verhandlungstages wird einstimmig folgende Resolution angenommen: „Der 4. Verbandstag des Verbandes der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands ersucht seine Mitglieder, bei Deckung ihres Bedarfs an Zigarren und Tabak diejenigen Fabriken aus- zuschalten, die nicht die vom Tabakarbeiterverband festgesetzten Löhne zahlen und das Koalitionsrecht der Arbeiter nicht an- erkennen. Die einzelnen Verwaltungsstellen werden ersucht, sich mit den Verwaltungen des Tabakarbeiterverbandes am Orte in Verbin- dung zu setzen und vorstehende Resolution zur Durchführung zu bringen." Das Referat über Agitation und Organisation erstattet der Vorsitzende Litfin- Berlin. Er erläutert die vom Vorstande vorgeschlagene Bezirkseinteilung. Die Leitung der Agitation soll dem Bezirksvorstande obliegen, der vom Bezirkstage all- jährlich zu wählen ist. Wir müssen bei der Agitation Hand in Hand mit der Partei gehen und besonders darauf bedacht sein, die politisch organisierten Wirte für uns zu gewinnen. Wir sollen nicht danach streben, unter den politisch Indifferenten zu agitieren. Die bevor- stehende steuerliche Mehrbelastung wird geeignet sein, die Kollegen davon zu überzeugen, daß eine starke Organisation notwendig ist, um gemeinsam mit den Konsumenten dagegen zu kämpfen. Den Gastwirten sind durch die letzte Bicrsteuer, ebenso wie durch den Zolltarif, ungeheure Lasten auferlegt worden. Noch nie war unsere Lage so gefährlich wie jetzt. Wir haben Mittel für die letzte Land- tagswahl gegeben, weil wir gegen die KonzessionSsteuer im Land- tage vorgehen müssen und ihre Gesetzlosigkeit feststellen lassen wollen. Nach der Diskussion über diesen Punkt wurden die Vorschläge deS Vorstandes mit einigen Abänderungen angenommen Hierauf hält Genosse von der Hey den- Köln einen Bor- trag über die Sonntagsruhe im GastwirtSgewerbe. Auf Vorschlag des Redners wird einer Resolution zugestimmt. die sich gegen die völlige Sonntagsruhe für das Gastwirtsgewerbe ausspricht, da diese den Ruin zahlreicher Familien zur Folge haben würde. Der Verband spricht die Erwartung aus, daß die Sonntagsruhe in dem Sinne geregelt wird, wie es der„Fachkongrefz deutscher GastwirtLgehilfen" im Jahre 1900 und wie deren Orga-- nisation es auch jetzt wieder in Form einer Petition an den Deutschen Reichstag verlangt haben. Es folgt ein Vortrag des Genossen O b i g l o. Berlin über die Rechtsprechung und die Gastwirte. Die Wirte befänden sich unter einer ununterbrochenen Aus- aahmegesetzgebung. Die Konzessionssteuer stehe mit den Reichs- gesetzen in Widerspruch. Der Redner führt eine Anzahl Fälle an, um zu beweisen, wie drückend die Lage im Gastwirtsgewerbe sei. Den Behörden und der Polizei sei es in die Hand gegeben, gegen mißliebige, besonders aber gegen sozialdemokratische Wirte rigoros vorzugehen. 5iein Wirt, und wenn er sich noch so ordnungsfreund. lich gebärdet, kann den Maschen des Gesetzes entgehen. Die freien Gastwirte wollen nicht katzbuckeln, wie die Kollegen in den bürger- lichen Bereinen, sie verlangen ihre Rechte als Menschen und Staats- bürger.— Einer Resolution des Redners wird zugestimmt, worin in bezug auf das GastwirtSgewerbe gegen die deutsche Rechtsprechung und gegen die Auslegung der Gesetze d�rch die Polizei und die Verwaltungsbehörden protestiert wird. Die Schankkonzessionssteuer werde als eine schreiende Ungerechtigkeit empfunden. In Sachen der Spielautomaten hätte man erwarten können, daß die Polizei vor Einleitung irgend welcher Strafverfahren die beteiligten Kreise verwarnt hätte. Der Verband richtet an all« denkenden Berufs- genossen die dringende Mahnung, durch Anschluß an die Kampfes- organisation eine nachhaltige Besserung der Dinge herbeizuführen. In einem längeren Vortrag empfiehlt Münzer-Berlin die Gründung einer Verbands-Krankcnkasse. Als Korreferent spricht dagegen G e r st m a h r- Bremerhaven. In namentlicher Abstimmung wird mit 09 gegen 13 Stimmen prin- 'zipiell die Einführung einer Krankenuntcrstützung abgelehnt. Der dritte Verhandlungstag nahm ein großzügiges Referat des Kollegen don der Heyden, die Lage des deutschen Gast- und SchankgewerbeS und die zu erwartenden Lasten entgegen. Der vierte Verhandlungstag wurde zum größten Teile mit der Beratung der Anträge zum Statut ausgefüllt. Der monatliche Beitrag cheträgt jetzt 1,50 M.. ebensoviel das Eintritts- gelv.— Mitgliedern wird ein Sterbegeld von 50 M. gewährt, das je nach der Dauer der Mitgliedschaft bis auf 500 M. steigt.— Alljährlich finden jetzt Bezirkstage statt, die durch den Vorstand ein- berufen werden. Der Verbandstag wird jetzt nur noch alle zwei Jahre abgehalten, der Vorstand ist berechtigt, in Gemeinschaft mit dem Ausschuß außerordentliche Verbandstage einzuberufen. Zur Vornahme der Wahl der Delegierten werden Wahlabteilungen ge« bildet, die der Vorstand festsetzt. Auf 100 Mitglieder fällt immer ein Delegierter.— Hierauf wird das vom Vorstande vorgelegte RcchtSschutzreglement unverändert angenommen. Für den nächsten Deutschen Gastwirte- Kongreß werden Matth es- Berlin, von der Heyden-Köln, Schultz e- Hamburg, Gier mann-Nürnberg, Brandt-Franksurt a. SU., Kretzschmar- Eisenbcrg und Mü ller- Leipzig als Delegierte gewählt.— Folgende R c> o l u t i o n wird darauf einstimmig an- genommen: „Der 4. Verbandstag dcS Verbandes der freien Gast- und Schankwirte erkennt an, daß durch die in unserem Gewerbe be- stehende Schmutzkonkurrenz und Schleuderpolitik sowie durch ähnliche verwerfliche Manipulationen große Mißstände bestehen und verurteilt dies auf das schärfste. Er empfiehlt den Mit- gliedern, in dieser Angelegenheit erzieherisch zu wirken, bei Auf- nahmen und Uebertrittcn die größte Vorsichr in bezug auf das bisherige solidarische Verhalten der um Aufnahme Nachsuchenden walten zu lassen." Die Beschwerdekommission stellt fest, daß sich unter den Dele- gierten kein Mitglied des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie befindet, wie cs behauptet worden ist.— Der Sitz des Vor- stände» bleibt in Berlin, der ocs Ausschusses in Hamburg.— Dem Vorsitzenden Litfin werden 400 M. als Anerkcnnnug für seine Tätigkeit im verflossenen Jahre und als Ersatz für die ihm dadurch entstandenen geschäftlichen Verluste bewilligt.— Zum Vorsitzenden wird L i t f i n- Berlin, zum Vorsitzenden des Ausschusses Ost- selb-Hamburg einstimmig wiedergewählt.— Der nächste Vcr- bandstag findet in Linden bei Hannover statt. Litfin schließt mit einem Hoch auf den Verband und auf die internationale Sozialdemokratie den Verbandstag. KautionsSebwindelei e» gros. Vor der 139. Abteilung dcS Schöffengerichts hatte sich am Montag der Kaufmann Fritz Schmidt wegen ver- fchiedener KautiouSschwiudeleieu zu verautwerteu. Der wegen Zech- Prellerei und Betrug und Unterschlagung vorbestrafte Angeschuldigte betrieb hier in der Romiutener Straße 0 unter dem ljochUrngenbcu Namen; Schmidt u. C o.. Kosmetisches Laboratori» in, ein Versandgeschäst fiir Hautpflegemittel. Die ganze Geschäs!-?- einrichtung bestand ans zwei diirsligen Zimmern. Ein» derselben war durch eine Bretterwand halbiert: die eine Hälfte wurde „Kontor", die andere„Laboratorium" benannt. In diesem„Lnbo- ratorium" wurde in einer Blechwanne das sogenqnnte Haut- Pflegemittel zusammeugerührt. ES bestand lediglich auS Borax. Pottasche und Vcilchenwurzel. Marklschreierische Reklamen in bürgerlichen und sogenannten parteilosin Zeitungen priesen das Zeug an. Es Ivurde in kleinen Papierbeuteli verpackt. Pro Päckchen, das vielleicht einen Wert von wenigen Pfennigen hat, halten die Reisenden an den Augeklagten 18 Pf. ju zahlen und dursten die Ware nicht unter 25 Pf. abgeben. Kapilolvermögen hatte Schmidt nilh. Kapital wurde durch Manipulationen verschafft, die den Angeklagten auf die Anklagebank führten. Bei Gründung des„kosmelifhen Laboratoriums" im April d. I. hatte der Angeklagte insgefimt für— 28 M. Rohmaterialien eingekauft. Bis zu seiner Vehaflung am 17. Juni be- trug die gesamte Geschäflseiunahme— 3t M. Schmidt suchle durch Inserate Kassierer, Hausdiener usw.«in famoser Anstellungs- vertrag enthielt u. a. folgenden Passus, durch den wohl die An- gelockten in den Glauben versetzt werden sollten, bei einer Weltfirma Anstellung gefunden zu haben: ,§ 6. Nach Austritt aus dem Geseäft darf der Beamte: 1. Zehn Jahre innerhalb DutschlandS kein derartiges Geschäft gründen. 2. innerhalb drei Monate fir ein derartiges Geschäft arbeiten, 3. einer dritten Person irgnd welche Anregung geben, ein gleiches oder ähnliches Gesqäft zu errichten und zu be- treiben." Für die Leichtgläubigkeit der d»:ch Inserat Angelockten be- zeichnend ist, daß keinem von den ir Termin Vernommenen auf- fiel, daß die Ziffern 2 und 3(dadurch daß ein Geschäft statt kein Geschäft geschrieven steht) sinnlos fcb;"wni sige'o-ki.ge»-'»! wendete Schmidt an, um die StellungSlustigen sicher zu machen. Während der Unterhandlung über die Anstellung erschien plötzlich im Kontor ein 22 jähriger Herr Lehmann und überraschte seinen Chef mit der Mitteilung über eine angebliche, eben entdeckte Unter- schlagung, die ein Angestellter begangen habe. Im Termin be- hauptete Schmidt, daß in diesem Falle von Unterschlagungen in einem anderen Geschäft die Rede gewcsen wäre. Die Zeugen hatten aber den Eindruck, daß sie dadurch sicherer zur Hergäbe der Kaution veranlaßt werden sollten; Schmidt habe auf diesen Fall direkt verwiesen. Das bestritt im Termin freilich der Angeklagte, die Zeugen blieben aber bei ihren Aussagen. Die Kautionen schwanken zwischen 100 und 1500 Mark. Die Anzeige g e g e u S ch ni i d t ist von einem der zehn Angestellten ausgegangen. Das eigenartige Getriebe, die vielfache Einstellung von Kassierern, die nichts zu kassieren hatten und denen 100 und mehr Mark Monatsgehalt versprochen war, hatten ihn arg- wöhnisch gemacht. In den OuittungSformularen hatte Schmidt auch über»Kaution resp. Geschäftseinlage" quittieren lassen. In anderen Fällen nannte Schmidt diese von allen Zeugen als Kaution aus- gefaßten Unterlagen auch„verfügbare Sicherheit". Als der Gcrichtsvorsitzeude im Tennin das als eine ganz sonderbare, ihm unbekannte Manipulation bezeichnete, meinte Schmidt unter Beistand seines Verteidigers, daß er G e s ch ä f t s e i n l a g e n, die beim Austritt als Kaution zurückgezahlt würden, damit habe be- zeichnen wollen. Während der Haft ist die Kaution in acht Fällen zurückgezahlt. Lehmann führte das Geschäft seit Inhaftierung deS Angeklagten, wie er als Zeuge bekundete, nicht als Teilhaber oder dergleichen, sondern als Angestellter weiter. Nach umfangreicher Beweisaufnahme beantragt« der Staatsanwalt wegen vier Fälle versuchten und vier Fälle vollendeten Betruges(Vorspiegelung falscher Tatsachen durch Versprechen hohen Verdienstes usw.) unter Rücksicht auf die Vorstrasen 13 Wochen Gefängnis. Das Gericht erkannte auf 10 Wochen unter Anrechnung von 5 Wochen Unter« suchungShast und sprach auch die Haftentlaffung auS. Das Gericht sah die einzelnen Vergehen als eine einheitliche fortgesetzte Handlung an, deren Gemeingefährlichkeit trotz der später erfolgten Zurückzahlung mit Freiheitsstrafe geahndet werden müsse. Den vorstehendenFall haben wir ausführlich wiedergegeben, um nochmals Arbeiter und Au- gestellte vor Verträgen zu warnen, in denen Kaution verlangt wird. Der Abgeurteilte ist keineswegs der einzige, der die herrschende Arbeitslosigkeit zu besonderer Ausbeutung miß- braucht. Niemand lasse sich auf Kautionsstellung ein, wenn die Kaution nicht alS solche bei einer sicheren Bank hinterlegt wird. WasserstnndS-Nnchrtchteu der LandeSanstnlt sür Gewässerkunde, mitgeteA vow Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e I. Tilst« B r e g c l, Jniierburg Weichsel, Thorn Oder, Natibor , Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netz«, Vordamm Elbe, Leitmeritz » Dresden , Barby » Magdeburg + bedeutet Wuchs,— Fall,—*) Unterleget Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter Sof, dritter Eingang, bier Treppen, Sabrftuh! wochentäglich abends von 7 bis 9% Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 libr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten können 14 Tage vergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde bor. A. S. 21. In der Regel wird der dreijährige Besuch einer Landwirtschaftsschule gefordert. Die Kosten betragen etwa 4-6000 m. T. 64. 1. Nein. 2. Ja. 3. Wird das Eigentum eines Nichtschuldners gepfändet, so kann dieser Interventionstlage erheben. M. K. 69. In der Regel Nein.§ 616 B. G.-B. wird dahin ausgelegt, daß dem erkrankten Arbeiter zohn nur für eine unter Berücksichtigung aller Umstände angemessene Zeit gebühre. H. 2. 31. Wenn fein Gerichtsbeschluß ergangen ist, können Sie mit der Bollstreckung fortfahren. Zh. Kl. 793. 1. Ja. 2. Nein. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 2. Berliner Reichstagswahlkreis ( Bezirk 143). Am Dienstag früh verschied nach langem Leiden unser alter, treuer Genoffe, der Puzzer Franz Kuhring Rottbuser Damm 31. Ehre seinem Andenken! am Die Beerdigung findet Freitag, den 14. August, nachmittags 3 Uhr, von der LeichenGalle des Zentral- Friedhofs in Friedrichsfelde, aus ſtatt. Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Unseren, sowie den Mitgliedern des Gesangvereins zur Nachricht, daß unser Mitglied Franz Kuhring am 11. b. M. im Alter von 55 Jahren an der Lungenschwindfucht verstorben ist. 134/14 am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 14. August, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. 1 R. 3. 100. Sa: Der Verkauf eines Hauses ändert an den Miets- davon ab, ob der Richter annimmt, bei gehöriger Ausübung der Aufsichtsvertragsverhältnissen nichts, wenn der Verkauf freihändig stattgefunden hat. pflicht wäre der Unfall nicht passiert. 2. Ja. K. 350. Ja, auf einen Anders liegt es, wenn Zwangsversteigerung borlag. In diesem Falle hat an die Steuerdeputation zu richtenden Antrag werden die Steuern aber in der neue Eigentümer( nicht aber der Mieter) das Recht, einen auf längere Ihrem Fall voraussichtlich niedergeschlagen. M. N. Justerburg. 1. und Beit geschlossenen Vertrag bis am 3. Tage des Quartals zu fündigen, das 2. Wenn die Erben einig find, bedarf es keiner Hinterlegung und der auf die Ersteigerung folgt. Hat die Bersteigerung im 3. Duartal statt- gleichen, sonst ist das Testament an das Amtsgericht abzugeben. 3. Der 2. S. 73. Eine Klage auf Herstellung der gefunden, so kann der neue Eigentümer bis am 3. Oktober zum 31. De Berzicht war gültig. zember fündigen. M. 27. 1. Ja. Sie sollte dann aber auch die Wohnung in guten Zustand und auf Schadenersatz für die Zeit bis 2. Nein. M. S. 39. Nein. zur Herstellung hätte Aussicht auf Erfolg. Schulden des Nachlasses angeben. Tegel 7. Sie sind im Recht. D. H. 28. Die Standesämter in Berlin sind ztvecks Aufgebots an C. K., Zehdenick. Beauftragen Sie einen Anwalt schon jetzt mit der Wochentagen von 9-2 Uhr geöffnet. Die Brautleute oder einer von ihnen Weiterführung der Sache. S. N. 13. Die elterliche Einwilligung zur meldet das Aufgebot an, hierbei hat er die Geburtsurkunden beider Braut- Heirat fann nicht gerichtlich erzwungen werden. Die Brautleute müssen leute und, falls die Braut minderjährig ist, die polizeilich beglaubigte Ein- dann warten, bis die Braut volljährig( 21 Jahre alt) geworden ist. willigung des Baters beizubringen. Da das Aufgebot mindestens 14 Tage K. H. 1. Nach unserer Ansicht ja. 2. a. Schreiben Sie an den Vorauszuhängen ist, so empfiehlt es sich, sechs Wochen früher das fizenden der Berufungskommission. 3. Genoffe Meyer, Oranienstr. 103. aufgebot zu beantragen. Die Militärpapiere muß der Bräutigam Frankfurt 90. Die von Ihnen geschilderte Tat tann als strafbarer Be. beibringen. Der Standesbeamte tann davon Abstand nehmen. trug erachtet und mit Gelo- oder Gefängnisstrafe belegt werden. Rigdorf 45. 1. Die Entscheidung ist eine zweifelhafte. Sie hängt JOSETTI JUNO Cigaretten, Cigaretten gerade so gut" Kosten das doppelte und mehr Josetti 9 10 St. für 20 Pfg. Costumrocke auch für ganz starke Damen stets vorrätig neueste Schnitte, elegant garniert, tadelloser Sitz, beste Verarbeitung aus prima Satintuch, 9, 12, 15, 18, 20 M, früher 15-36 M., aus englischen Stoffen, regenfeat, 3, 5, 8 M früher 8-15 M.) aus prima Alpaka, schwarz, blau, braun, grau, gestreift, kariert 8, 10, 15 M, früher 15-30 M., Bordürenröcke 5, 8, 12 M., früher 10-21 M., Voile- Röcke 8, 12, 15 M., früher 15-30 M., Waschsatin, Leinen- und PiqueeRöcke 2, 4, 7, 10 M., früher 7-18 M. Tollblusen von 7.50 M. Batistblusen von 1,50 M. an. Jackett- u. Paletotkleider 10, 15, 20, 30 M. Staub- und Reisemäntel 350, 6, 10, 15 M. 1200 englische Paletots 6, 9, 12, 18 M. Sielmann& Rosenberg, Kommandantenstrasse, Ecke Lindenstr. Zwei Häuser vom Dönhoffplatz. Deutscher Buchbinder- Verband. Zahlstelle Berlin. Am Sonntag, den 9. Auguft 1908 verstarb plöglich das Mitglich der Buchbinder Franz Müller. am Ehre seinem Audenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 13. Auguft, von der Leichenhalle des Gemeindefirchhofes in Briz, Chauffeestraße, aus statt. Bahlreiche Beteiligung erwartet 24/6 Die Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser treues Mitglied, der Geschäftslutscher Paul Rakow am 10. August im Alter von 44 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Audenken! Die Beerdigung findet hente Donnerstag, den 13. August, nach mittags 42 Uhr, von der Leichen halle des alten Zions- Kirchhofes in Weißensee, Gustav AdolfStraße, aus statt. 70/12 Die Verwaltung II. Sozialdemokratifcher Wahlverein 1-0 Rixdorf. Freitag, den 14. August, abends 8 Uhr: Außerordentliche Generalversammlung in Hoppes Festsälen, Hermannstraße 49. Zages Ordnung: 236/6 1. Fortfckung der Diskussion über den Parteitag in Nürnberg und Anträge dazu. 2. Bericht von der Landtagswahl. Referent: Genosse Pagels. 3. Diskussion. 4. Vereinsangelegenheiten. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Rege Beteiligung auch seitens der Genossinnen erwartet Abgerissen u. unmodern an Garderobe brauchen Sie bei unseren Preisen nicht zu gehen. Wir empfehlen getragene Monatsgarderobe in feinsten Werkstätten gearbeitet, von Herrschaften, Doktoren, Kavalieren nur Wochen 3846L* gebrauchte Monats- Anzüge. 7, 10, 14, 18 M. Monats- Paletots 5, 8, 12, 16 M. J.Wand Hauptgeschäft: Große Frankfurter Str. 116 2. Geschäft: Chausseestr. 89 3. Geschäft: Chausseestr. 86 Bekanntestes Spezial- Geschäft für Monatsgarderoben Berlins. Der Vorstand. Wanzen Deutscher Holzarbeiter- Verband. Ortsverwaltung Berlin. Heute Donnerstag, abends 8 Uhr, bei Freyer, Koppenstr. 29: General- Versammlung. Zages Ordnung: Kaffenbericht, Bericht der Ortsverwaltung und der Arbeitsvermittler. Wahl der Beifizer zum HauptRauchklub ,, Frohe Stunde", vorstand, der Revisoren für die Hauptkasse und der Breßlommission. Mitgl. d. Arb.- Raucher- B. B. u. U. Am 11. August verstarb unser langjähriges Mitglied, der Arbeiter Aug. Engelhardt, am Rottbuser Ufer 62. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitagnachmittag 6 Uhr von ber Halle des St. Michael- Kirchhofes in Briz, Gottlieb Dunkelstraße, aus statt. 9835 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Nach langem, schwerem Leiden entschlief am 11. Auguft, 9 Uhr vormittags, fanft unsere innigftgeliebte, einzige Tochter Erfazwahlen zur Ortsverwaltung und der Bureauangestellten. Bericht vom Gewerkschaftstongreẞ in Hamburg. Eintritt nur mit Mitgliedsbuch. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Ortsverwaltung. Achtung! Achtung! Putzer. 88/ 13* Freitag, den 14. August 1908, abends 6½ Uhr, in der Koppenstr. 29( Inh. Freher), großer Saal: Oeffentl. Versammlung für alle im Lohngebiet Groß- Berlin beschäftigten Putzer. Die Situation im Baugewerbe. Frau Martha Büchner Kollegen! Es ist Pflicht eines jeden Puters, in dieser Versammlung zu erscheinen! tiefbetrauert von Familie Adolf Gorn. Die Beerdigung findet morgen Freitag, nachmittags 4 Uhr, bon der Leichenhalle des SentralFriedhofes in Friedrichsfelde aus ftatt. 39702 Möbelfabrik Julius Apelt 6 Adalbert- Straße 6 Hochbahnhof Kottbuser Tor ( früher Stalizer Straße 6). 134/ 12* Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Strangipenden bei dem Begräbnis meiner lieben Frau, unserer guten Mutter Elise 9796 sagen wir hierdurch allen Berwandten und Bekannten, sowie im Besonderen dem Buchbinder- Männerchor und den Kollegen und Kolleginnen der Firma Elsner unseren herzlichsten Dant. August Westerhausen und Kinder. Gasglühlicht- Baumann Baustellen und Landparzellen 3. A.: Ernst Schulze. R. 4 Mark an DOR nahe Bahnh. Fredersdorf Auskunft täglich im Pavillon 34912* am Bahnhof und bei Nieschalke& Nitsche Berlin, Neue Königstr. 16. 1000 HochwaldLandbaustellen am Schützenhaus Hohen- Neuendorfn) R. 12 Mark an! 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( Ohne Gewähr.) 64 147 372 430 52 936 96 1326 86 98 970 93 2110 380 97 509 63 669 83 771 821[ 800] 966 3021 38[ 200] 46 114 242 365 454 643 4059 135 52 96 200 5 370 745 893 5017 00 5 370 745 117 44 210 507 713 63 981 6247 67 301 490 604 844 7068 102 218[ 200] 844 520 666 898 8609 412 652 96 749 807 80 953 9009 470 579 95 660 756 67 909 10400 42 533 817 11162 80 639 69 86 985 12282 96 533 54 13024 347 69 496 675 770[ 400] 14004 280 96 478 754 15114 40 63 203 21 348 521 759 817 16075 365 473[ 200] 596 709 822 17269 332 50 81[ 300] 428 716 60 72 18034 261 87 303 24 565 77 679 939 43 19026 112 579, 809 42 929 20092 128 69 782 847 30[ 200] 21058 196 334 637 78 774 22048 57 177 98 215 368 82 826 31 23066 293 312 [ 200] 99 557 60 752 870[ 200] 958 24016 41 258 629 99 875[ 200] 25045 422 66 550 82 628 26142 337 49 543 623 32 33 780 887 27008 125 67 277 527 44 79 852 28016[ 300] 166 244 387 441 550 757 29049 168 281 650[ 400] 54 879 30003 22 614 702 882 908 31396 417 21 85 663 98 [ 200] 725 826 79 997 32371 632 744 57 841 80 960 93 33049 106 304 20 535 763 994[ 300] 34113[ 200] 223 301 69 619 71 35 231 92 467 582 628 47 744 45 82 36107 62 [ 200] 381[ 200] 750 70 91 802 67 37008 45 223 846 62 78 83 440 64 591[ 200] 755 850 38149 411[ 200] 53 543 78 726[ 200] 53 963 78 39019 283 32 40 559 651[ 200] 806 40293 389 552 645 741 953 87 41001 24 323 550 771 901 12 42016 451 596 643 811 80 43123 310 15 688 737 881 44197[ 200] 323 498 45117 327 99 529 35 40 44 89 91 611 868 76 46170 99 224 30 493 515 879 997 47041 156 92 372 80 540 45 605 741 45 830 947 48036 145 272 588 716 43 54 856 95 49060 97 488 941 62 70 50403 89 528 32 647 838 91 51063 147 353 413 77 540[ 200] 48 52267 620 754 56 53055 93 189 285 43 492 [ 200] 766[ 300] 880 975 54202 549[ 200] 71 682 743 69 90 55128 54 419 38 766 896[ 200] 56179 80 916[ 1000]] 44 57040 69 203 11 581 720 93 910 53 58 58413 528 619 794 889 59200[ 300] 37 95 463[ 200] 900 54 60295 466 538 699 989 61257 387 647 62059 240 476 87 572 99 676 713 63248 85 442 735 809 64060[ 200] 173 293 355 440 42 672 749 70 65238 452 99 508 12 66108 218 980 67549 57 613 18 871 902 68065 341 544 782-876 69208 52 55 61 78 320 440 521 620 712 957 70061[ 300] 137 39 419 600 77 71013 104[ 200] 241 437 575 72009 103 62 80 326 335 652 73007 81 88 115 496 538 42 48 86 800 74011 163 365 432 906 12 76 75015 21 52 104 12 66 342 99 539 87 877[ 200] 76243 864 716 857 997 77397 414 70 836 971 78176 244 307 935 79137 402 540 99 80258 83 670 701 70 814 81126 284 91 302 651 746 82106 80 286 350 526 666 722 83273[ 200] 428 537 600 875 84545 701 85 853 65 946 85069 367 639 47 78 864 86003 22 189 838 601 59[ 200] 716 17 20 87133 309 434 80 680 859 911 25 88094 95 222 37 302 412 51 501 28 767 89004 161 582[ 200] 633 60 95 625 90009 158 253 97 399 558 610 717 872 939 49 64 91128 349 82 496 555 880 93 998 92086 130 241[ 200] 72 345 593 616 79 853 93154 313 521 45 627 724 94161 578 657 77 97 925 45 95170 279 360 66 556 644 765 96033 156 99 226 404 620 970 93 97081 249[ 200] 348 434 541 47 98022 142 617 731 47 872 99297 723 94 100246 354 85 422 859 79 101009 38 428 502 894 [ 400] 917 102016 60 179 351 646 909 57 78 103304 89 [ 400] 76 603 7 36 55 936 104110 238 339 516 84 885 938 105017 33 49 87 687 708 889 928 106121 345 57 87 34 827 942 107097 398 444[ 400] 680 808 970 108036 89 228 412 649 909 65 109161 92 255 434 583 938 110038 D038 41 71 77 255 446 721 44 893 906 23 111039 164 342 43 568 757 112035 200 85 432 113027 57 291 427[ 200] 832 963 114245[ 200] 620 115059 60 62 445 743 55 84 116006 175 423 665 968 86 117001 95 169 208 442 627 767 87 909 60 118047 149 253 683 772 967 119178 350 459 847 919 60 120029 71 76 226 52 769 121030 67 356 720 838 946 122051 153[ 200] 524 610 725 46 840 916 123007 492 553 764 818 124006 149 224 381 589 716 852 947 125130 549 828 126040 76 124 586 810 958 127015 67 591 774 128064 243 307 55 60 755 974 129084 149 90 247 61 577 96 853 130126 34 479 621[ 200] 726 843 131186[ 200] 132155 551 72 621[ 200] 836 93[ 200] 133095 122 842 134041 136 135075 785 813 18 30 937 136012 90 375 579 97 661[ 400] 712 810 998 137114 96 336 648 91 706 76 138199 211 335 404 94 516 696 791 834 59 139174 282 304 600 19 715 804 140132 481 510 48 141216 333 761 889 974 87 142077 150 205 20[ 400] 325 411 25 99 602 798 948 143020 235 398 508 988 144132 320 476[ 300] 576[ 400] 84 646 766 72 853 145220 388 477 697[ 200] 146007 9 Gr. Frankfurterstr. Brunnenstr. Kottbuser Damm bietet diesesmal eine Ginkaufs- Gelegenheit wie sie selten dagewesen. Vereinsbrauerei Rixdorf Hermannstr. 214-219. Hermannstr. 214-219. Allen meinen werten Gönnern, Freunden und Bekannten mache ich hiermit die ergebene Anzeige, daß ich die Oekonomie des oben genannten Etablissements 3860L* am 1. Oktober d. J. übernehme. Es soll mir eine ehrenvolle und angenehme Aufgabe sein, auch an der neuen Stätte meiner Wirksamkeit den Ruf meiner guten Küche zu erhalten. Hierdurch und durch sorgsame Pflege der vorzüglichen Biere der Vereinsbrauerei Rixdorf( Berliner Kindl u. JohanniterBräu) werde ich bestrebt sein, den Kreis meiner verehrten Bekannten zu befestigen und zu erweitern. Für die kommende Wintersaison erbitte ich Bestellungen auf Säle und Vereinszimmer, zur Abhaltung von Hochzeiten sowie jeder anderen Festlichkeit möglichst frühzeitig nach meiner jetzigen Wohnung und zeichne mit vorzüglicher Hochachtung Wohnung: Max Wendt Rixdorf, Hermannstr. 31 I. 98 124[ 200] 68 85 99 805 98 430 875 147054 187 233 514 50 58 634 882 948 70 148070 71 174 213 50 825[ 200] 45 646 773 149319[ 3000] 553 778 833 73 916 150037 396 619[ 200] 89 806 954[ 400] 151304 8 505[ 200] 701 5 870 152072 363 456 546 153188[ 300] 865 66 670 775 154007 67 105 70 74 289 53[ 200] 491 501 23 155138 284 99 333 55 425 512 938 95 156374 522 751[ 200] 68 96 991 157046 159 290 624 873 158082 356 400 736 843 910 159074 248 69 312 52 431 59 748 828 160077 149 376 451 542 77 92 746 857 161011 124 267 574 624 162380 558 99 710 19 89 942 65 163048 114 965 720 90[ 400] 971 165107 61 81 250 82[ 200] 618 713 92 166325[ 200] 37 92 586 613 46 829 920 167000 127 90 301 484 86 562 963 75 168190 271 374 598 638 995 169278 349 550 812 170365 402 840 940 81 171146 87 216 365 71 636 707 66 89 911 172165 287 331 40 630 710 930 68 173145 243 412 18 782 885 994 174145[ 200] 97 223 43 564 828 175086 530 32 813 46 176223 403 16 558 177017 135 449 82 526 690[ 200] 714 50 870 97 962 178158 609 806 945 179333 460 952[ 200] 180334 506 622 23[ 200] 38 734 890[ 200] 94[ 400] 181033 118[ 200] 359 825 959 182208 96 327 425[ 400] 971 183183[ 400] 826 34 69 502 629 32 756 89 184114 50 90 205 432 818 75[ 200] 92 185124 29 222 69 654 SG 746 980 186094 195 870 424 60 591 966 187128 290 325 32 69 535 57 72 850 188122 26 253 576 819 189094 294 316 410 682 875 190344 52 63 86 422 552 986[ 400] 191014 728 985 192318 507 85 939 193128 458 64 514 45 782 802 4 25 46 56 939 86 194283 349 721 850 915 195187 283 330 454 513 196136 228 673 86[ 200] 708 13 197224 361 413 507 621 86 907 24 198006 100 254 894 199040 267 S08 6 100 254 894 71 569 684 812 200069 183 287 849 447 55 80 85 509 665 794[ 400] 810 201012 235 511 46 83[ 300] 679 739 72 804 13 202022 131 200 497[ 200] 529 622 203305 480 981 204010 19 173 97 530 62 839 205174 337 38 697[ 300] 722 966 206059 377 469 541 671 759 839 82 929 207014 21 115 84 221 90 401 527 618 86 760 77 97 880 970 208212 432 516[ 200] 209017 279 536 798 897 957 210146[ 200] 582 666 877 950 211131 217 421 33 71 533 34 763[ 200] 815 47 94 212072 161 84 319 75 452 78 524 38 56 752 821 95 999 213115 281 397 504 603 52 715 947 214092 264 94 357 435 772 82[ 300] 895 904 10 72 215088 242 917 216007 104 254[ 200] 362 543[ 500] 54 824 70 86 901 32 217103 330 582 218007[ 200] 31 477 98 522 33 815 56 80 900 77 219001 186 418 521 608 51 818 99 220001 137 203 49 52 83[ 200] 461 95 713[ 300] 878 221015 426 599 840 222000 129 250 73 778 896 223136 295 340 490 527 676 721 812 224368 467[ 200] 504 50[ 300] 772 987 225099 131 252 437 865 226030 65 299 413[ 200] 632 227172 580[ 1000] 613 17 49 700 60 228003 350 547 622 768 229062 284 601 705 90 812 230149 469 76 749 231203 85 547 53 762 232279 96 531 621 746[ 200] 969 233473 656 75 794 958 234268 412 40[ 200] 529[ 3000] 631 893 902 41 235159 259 471[ 400] 581 900 236145 315 19 91 432 627 876 985 237053 293 358 86 589 783 808 238070 80 186 203 [ 300] 6 328 32[ 200] 570 76 665 862 65 239170 288 516 20 88 771 867 925 59 52. 79 716 240057[ 200] 272 552 79 716 46 94 872 241954. 79 242257 88 578 630 801 946 71 243031 93 470 731 821 917 27 244026 38 250 57 79 333 53 422 245067 71 442 679 709 816 30[ 400] 99 975 96 246002 53 124 27 77 231 320 25 522[ 200] 777 92 247077 195 268 887 701 888 248066 129 244 416 660 814 948 249150 210 305 468 513 644 924[ 200] 50 68 71 90 250101 494 524 747 80 812 79[ 200] 947 251255 431[ 200] 575 696 252089 404 551 614 53 857 253455 939 709 704 787 812 254029 80 158[ 200] 614 255030 66 259 324 432 70 518 21 670 808 256013 79 88 515 257043 97 104 285 851 426 648 778 93 873 952 258151 292 359 456[ 200] 259029 81 185 339 494 596 611 818 60 43 392 260044 132 200 565 742 55 884 261231 [ 400] 568 688 705 262041 88 196 731 74 801 263049 98 224 81 336 714 948 264037[ 200] 758 265024 72 524 56 652 944 266207 325 613 865 267068 110 343 442 98 746 268064 191 424 598 727[ 500] 87 811 977 269087 224 91[ 200] 591 640 48 270278 312 635 91 745 889 271506 18 28 64 651 272050 58 125 42 351 55[ 400] 482 516 607 722 65 804 [ 400] 920[ 300] 70 273108 15 37 247 533 645[ 200] 69 908[ 300] 42 274097 224 37 78 353 481 672[ 200] 737 882 943 68 275300 33 676 811 30 64 84 942 276119 227 290 547 51 561 713 864[ 200] 989 83 277066 69 623 872 943 278052 203 32 479 383 745 831 910 279017 31 209 89 385 549 762 843 958 87 26 280089[ 200] 107 213 313 92 743 849 281308 424 577 779 995 282132 299 326 77 283011 254 55[ 300] 415 17 525 636 917 83 284220 23 50 53 763 78 852 94 285034 351 486 509 665 726 895 960 286053 207 781 826 77 287193 246 80 848 91 435 593 94 881 940[ 400] früher Inhaber der Industrie- Festsäle, Berlin. Beachten Sie die Schaufenster! Von A Neu! Waisenbrücke der jeden Dienstag und Freitag: ( Restaurant Extrafahrten nach dem idyllisch Kummersdorf Mühlenheim) schön gelegenen bei Storkow über Wolziger See. Abfahrt: 8 Uhr morgens. Fahrpreis hin u. zurück 1,50, einf. 1,00, Reederei L. Kahnt, Stralau- Berlin, Tel.- Amt VII. 580 u. 13 459. Hygienische Die Tätowierung Bedarfsartikel. Neuest. Katalog m. Empfehl.viel. Aerzte u.Prof. grat. u.fr H. Unger, Gummiwarenfabrik Berlin NW.. Friedrichstrasse 91/92 ihre Entstehung und Wiederentfernung. Obige Broschüre versendet gegen Einsendung von 80 Pf. Mar Eder, München, Blumenstr. 53. 9636* Jenensia- Räder! Mod L 10 Jahre Garantie! ☐ Adler Räder! 2428L* = I. Teilzahlung! Phänomen= Räder! Groskurths Social- Räder von M. 56.- an! Auswahl in gebrauchten Rädern! Motorzweiräder! Fahrradzubehör spottbillig! R. Groskurth, Berlin C., Münzstraße 23. 1. Ziehung 2. Kl. 219. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 12. August 1908, nachmittags. Nur die Gewinne über 96 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) [ Nachdruck verboten.) 55 566 642 1198 255 725 850 973 2167 290 379 419 531 722 878 3131 58 505 13[ 300] 77 60 624 025 73 4262 684 730 77 908 80 5040 92 185 227 374 650 927 90 6774 828 7082[ 200] 111 317 570 690 852 905 75 8248 78 516 50 648 81 863 78 909 88 9208 11 332 891 10102 233 363 565 699[ 200] 11043 219 363 466 71 603 721 930 43 53[ 300] 92 12060 93 270 371 456 577 919 13123 71 91 241 56 434 97 540[ 200] 75 617 714 854 92 14174 78 558 618 703[ 200] 49 15028 74 254[ 200] 91 467 653 775 891 97 910 16222 58 337 564 753 852 978 17146 224 306[ 300] 33 511 916 18101 34 69 204 450 514 68 603 734 58 815 19080 165[ 300] 209 19 91 97 596 638 747 48 20146 85 200 537 647 869 99 21455 891 933 22138 45 673 776 800 23041 113 455 61 758 959 75 24123 521 684 25518 61 68 809 919 26131 208 50 91 407 87 594 27023 49 109 392 498 519 827 28079[ 200] 161 468 72 652 649 56 767 949 29198 420 880 924 46[ 300] 30029 285 479 96 690 828 42 984 31081 93 220 32 452 580 950 32086 94 168 250 462 715 806 942 45 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709 87 88 816 988 259179 260 345 537 707 945 260014 26 425 549 666 795 820 261087 238 301 89 527 90 785 964 262005 180 237 46 70 403 39 636 263118 418 264325 484 92 597 777 843 97 918 265101 248 426 665 763 982 266184[ 300] 446 928 267048 59 62[ 200] 127 98 204 401 75 535 660 719 842 62 921 85 268077 159 68 360 99[ 200] 544 851 269225 421 514[ 200] 712 99 906 54 270061 94 99 410 695 786 271093 154 432[ 200] 551 85 697 272053 214 71 327 448 612 705 965 273101 4 248 356 62 454 568 78 274206 69 S7 95 767 895 275040 290 91 384 414 525 276013 52 98 330 769 277113 830 278010 157 255[ 200] 349 679 770 279060 200 25 54 453 745 78 97 931 72 10 82 798 821 281398 430 6 280130 270 308 10 627 798 821 281393 450 52 64 628[ 300] 758 820 282133 228 300 83 525 95 626 47 869 914 64 71 283050 100 294 398 685 765 953 284011[ 200] 77 382 442 611 748 923 285001 431 97 536 897 286642 702 287076 157 63 393 96 418 584 641 51 755 67 866 Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Br. 188. 25. Jahrgang 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donnerstag, 13. Auguß 1908. Wer ist schuld am Hauseinsturz in Charlottenburg? Der eingestürzte Neubau in Charlottenburg, Königsweg 53, wurde in diesen Tagen von einer großen Menschenmenge umstanden, in der eifrig die Schuldfrage diskutiert wurde. Da hieß es, das Material ist nicht einwandfrei", der Bau war nicht genügend veranfert",„ der Grund hat nachgelassen", der Staater hat die Staaken zu stramm eingetrieben" usw. Zumeist hörte man den Ruf: Wie konnten nur Maurer solche Murksarbeit herstellen!" Ein gutes hat der Hauseinsturz gehabt: er hat manchem Das ist die Baupolizei. Nach Aussage einiger Maurer, welche auf dem eingestürzten Bau beschäftigt gewesen sind, ist derfelbe nicht ein einziges Mal kontrolliert worden, trotzdem er bis zum Trempel gedichen ist. Gewöhnlich erfolgt die Kontrolle bei der Rohbauabnahme. jezt die Brattifen der Pfuscher nicht kennen. Die Revolveraffäre, " die in der Nacht vom 28. Juli zum 29. Juli an der Ede der Landsberger Allee und der Thorner Straße fich abgespielt hat( vergl. Vorwärts" Nr. 185), ist noch nicht auf, geklärt. Den unbekannten Mann, der den Buchdruckereihülfsarbeiter. Dann wird geprüft, ob die Träger die genügende Höhe haben, Glitsch anschoß und schwer verwundete, hat die Polizei immer noch ob der Hof seine vorgeschriebene Größe hat u. a. m. Das ist auch nicht zu ermitteln vermocht. Inzwischen ist ihr aber der Hut alles sehr gut. Aber bedeutend wichtiger wäre es, wenn während überreicht worden, der vom fliehenden Täter am Tatorte zurückder Ausführung auch die Maurerarbeit unverhofft und wiederholt gelassen und von einem unbekannt gebliebenen Zeugen aufgenommen beobachtet würde. Das ist aber bei dem heutigen Stand der Kon- worden war. trolle nicht möglich. Fachkenner wissen genau, daß die die Kontrolle des Vorwärts" darauf aufmerksam Jener Zeuge ist erst durch den Artikel gemacht et ausführenden Personen nicht selten getäuscht werden, weil sie worden, daß mit Hilfe des Hutes vielleicht der Schießer ermittelt Philister, der sich sonst blutwenig um Häuserbau fümmert, flar geDie organisierte Arbeiterschaft hat wiederholt verlangt, daß aus macht, welche Gefahr diese unter den Augen der ihren Reihen Leute zur Baukontrolle, zur Ueberwachung der Arbeiter Baupolizei stattgefundene Schundarbeit auch schutzbestimmungen mit herangezogen werden sollen. Aber bisher war ihm bringt. Welch Unglück wäre passiert, wenn das Haus schon es ein vergebliches Verlangen und Mahnen. Immer wurde von bezogen gewesen wäre! hörte man wiederholt ausrufen. Manchem den Gegnern behauptet, die Kontrolle genüge. Freilich für den tam zum Bewußtsein, daß auch seine vier Pfähle" vielleicht nicht eingestürzten Bau genügt sie jetzt auch. Da steht von früh bis so sicher stehen, als wie er es sich bisher vorgestellt hatte. abends ein Schutzmann und bewacht die Ruine. Aber vordem hat sich niemand in dieser Weise um den Bau gekümmert. Es scheint erst eine furchtbare Katastrophe die berufenen Körperfchaften zur Einsicht bringen zu können, wie notwendig im Interesse der Allgemeinheit die Erfüllung der Forderung nach Arbeiterfontrolleuren ist. Derartige Befürchtungen find berechtigt. Wir erinnern an ein Vorkommnis vor zwei Jahren in Wilmersdorf. Dort sollte zum 1. April das Haus Berliner Straße 105 bezogen werden, Dies wurde aber wegen drohender Einsturzgefahr untersagt und einige Mieter, die ihre Sachen schon hineingebracht hatten, mußten die Wohnungen wieder räumen, um nicht Gefahr zu Laufen, lebendig begraben zu werden. Der Bau wurde seinerzeit abgesteift und erhielt von Grund auf neue Pfeiler. Nun gibt es in Berlin und Umgegend aber nicht nur diese beiden Häufer, welche teilweise eingestürzt sind respektive einzu stürzen drohen, sondern derer noch eine ganze Anzahl. Eine Kata strophe unterbleibt nur, weil bald wieder gegengebaut wird oder dis Häuser zwischen hineingebaut werden. Das Haus im Königsweg und das in Wilmersdorf war freistehend. Aber zum Beispiel beim Abriß der Gebäude, welche niedergelegt worden sind, um dem Neubau des Warenhaus des Westens" Plaz zu machen, mußte mit dem Abreißen stückweis vorgegangen werden, damit nicht die Giebel der zu Anfang der neunziger Jahre er bauten Nachbarhäuser wegen Pfuscharbeit einstürzten. Eine ganze Reihe von Bauten gibt es, bei denen die Einsturzgefahr größer ist, als die meisten Menschen glauben. Unter Fachleuten besteht darüber tein Geheimnis. " Der blokgelegte Neubau im Königsweg beweist eine bodenlose Leichtsinnigkeit bei der Aufführung des Baues. Hierfür sind der Unternehmer, der Polier, aber leider auch( wenn auch nicht strafrechtlich) die dort beschäftigt gewesenen Akkordmaurer und vor allem der Mangel einer genügenden durch Arbeiter geführten Baukontrolle schuldig. Der Einsturz hätte noch viel schwerere Folgen haben können, wenn er 10 Minuten früher erfolgt wäre. Dann wären nämlich noch sieben Maurer, welche in der vierten Etage die Gleiche herausmauerten, mit in die Tiefe gestürzt. werden könnte. Er hat dann dafür gesorgt, daß die Polizei in den Besitz dieses Beweisstückes gelangte. Auf dem Polizeibureau hatte man dem Vater des angeschossenen Glitsch achselzuckend gesagt: Ja, schaffen Sie uns den Hut ran, sonst können wir nichts machen." Die Polizei hat ihn jezt und man darf nun gespannt darauf sein, was sie machen" wird. Die Leute vom Alexanderplatz werden es als eine Ironie des Schicksals empfinden, daß just der Vorwärts" es war, der ihnen erst die Möglichkeit schaffen mußte, etwas machen zu können". " Schließung der städtischen Flußbadeanstalt im Nordhafen. Die städtische Flußbadeanstalt im Nordhafen sollte bereits im Vorjahre geschlossen werden, da diese für die im Nordhafen löschenden Schiffer mußte aber, da die neue städtische Badeanstalt in der Gerichtstraße zu einem großen Hindernis geworden ist. Die Stadtverwaltung nicht in Betrieb genommen werden konnte, die Flußbadeanstalt in diesem Sommer wieder eröffnen. Mit Schluß dieser Saison wird die Anstalt, die auch den hygienischen Ansprüchen wenig gerecht wird, ihre Pforten für immer schließen. Hoffentlich treten nun doch die in Frage kommenden Körperfchaften, noch bevor weitere Einstürze erfolgen, der Frage betreffend Sinzuziehung von Arbeitern zu Bautenkontrolleuren näher. Brückenbauten. Am Montag ist die neue Brücke über die Gütergleise der Ringbahn im Zuge der Eldenaerstraße vom Berliner Hat auch die Stadtverordnetenversammlung in Magistrat übernommen worden. Die etwa 50 Meter lange Brücke Charlottenburg im Jahre 1906 einen diesbezüglichen Antrag mit 12 Meter Fahrdamm und je 5,2 Meter Bürgersteig ist an der Sozialdemokraten abgelehnt, so wird es Aufgabe dieser sein, Stelle des bisherigen engen Fußweges von der Eisenbahnverwaltung nochmal einen derartigen Antrag einzubringen. Nach der Stimmung hergestellt worden. Damit ist der Engpaß in der Eldenaerstraße der die Unglücksstelle besichtigenden Personen kann man annehmen, verschwunden, unter welchem besonders der Verkehr nach dem Viehdaß fie von ihren Vertretern verlangen, daß sie einen derartigen die Pläne jetzt fertiggestellt. Diese Brüde, welche bekanntlich auch hof lange Jahre gelitten hat. Für die neue Putliz- Brücke sind Antrag unterstügen. über die Ringbahn führt, wird die größte Berlins, denn sie wird eine Länge von 320 Metern haben. An der Promenade der Butligstraße, wo sie beginnt, werden leider die dort Mart. Die Baukosten selbst sind auf 910 000 m. festgesetzt, erhöhen stehenden alten Straßenbäume infolge des Brückenbaues beseitigt verden müssen. Der Brückenbau erfordert rund 2 Millionen sich aber durch Rampenanlagen auf 1 546 000. Hinzu kommt der Landerwerb mit nahezu einer Million.- Die Bauzeit für diese Riesebrücke ist auf drei Jahre festgesetzt. Aber auch die Arbeiter und vor allem die Maurer müssen aus der Katastrophe die nötige Nuganwendung ziehen. Sie müssen ihre gewinnt und jedes Anfinnen der Poliere und Unternehmer wegen Organisation ausbauen, damit sie mehr Einfluß auf den Baustellen Herstellung minderwertiger Arbeit zurückgewiesen werden kann. wohnerschaft, die angewiesen ist, Häuser zu beziehen. Sie nügen dadurch nicht nur sich, sondern der gesamten EinPartei- Angelegenheiten. " 1 250 Jahre alt wird in diesem Monat der Kupfergraben. Die Ursachen für den Einsturz liegen in den Frontpfeilern der Nachdem der Große Kurfürst die alten Stadtteile durch den FriedParterreetage oder im Kellergeschoß. Der eingestürzte Bau hat eine richswerder und die Dorotheenstadt vermehrt, durch Zulassung zahlFront von zirka 18 Metern. Dieselbe steht auf sechs oder sieben Pfeilern Zur Lokallifte. Auf wiederholte Anfragen teilen wir mit, daß reicher Einwanderer die Bevölkerung Berlins vergrößert hatte, faßte der Parterreetage. Daß da jeder Pfeiler eine ungeheuere Last zu tragen das Lokal er den Plan, die erweiterte Stadt zu begrenzen und zu befestigen. Erdmanns Waldschänke", unmittelbar hinter bekommt, ist selbstverständlich. Um die Last nun tragen zu können, dem Volksgarten" von Senftleben in Johannisthal, Im August 1658 begann die Arbeit am Stralauer Tor, gleichzeitig ist notwendig, daß die Fundamente sowie Pfeiler im Keller äußerst nicht zu lekterem gehört und außerdem der Arbeiterschaft nicht 30g man, um dem Wasser Abfluß zu berschaffen, den sogenannten Neuen später Kupfer- Graben" zwischen dem Gießhaus und dem solide hergestellt werden. Und das scheint, nach fachmännischem Urteil, zur Verfügung steht. Wir ersuchen, dies zu beachten. Die Lokalkommission. Lustgarten. Die äußerste Straße im östlichen Teile der Dorotheenhier nicht der Fall gewesen zu sein. stadt hieß Die Kaye am Kupfergraben" und reichte von der über Auch soll es mit der Bementuntermauerung für die Träger- 8 Uhr, findet in Stellers Konzerthaus eine öffentliche Schiffer- Gebäude, das hier auf einem von Friedrich I. dem Geheimen. EtatsSchifferversammlung. Am Sonnabend, den 15. August, abends den Operngraben führenden Brücke bis zur Mehlbrüde. Das erste Janflagen nicht sehr genau genommen worden sein. bersammlung ftatt. Auf der Tagesordmmg steht: Die Berat Ludwig geschenkten Grundstüd entstand, war das Haus Nr. 6. Waren nun aber die Steine minderwertig, dann rufsorganisationen und ihre Entwickelung". Re- Der Kupfergraben wurde nach diesem Besiber eine Beitlang der mußte durch eine gute und folide Verarbeitung derfelben ferent: Genosse Wücke. " Ludwigsgraben" genannt. Den größten Teil dieser Straße und durch eine gute Verankerung der Mangel einigermaßen nahmen fiskalische Bauwerke, die Artillerietaserne und die ihr ausgeglichen werden. Wäre das geschehen, dann brauchten sich die gegenüberliegende königliche Püchsenmacherei ein. Maurer und auch der ausführende Unternehmer refp. der Polier nicht den Vorwurf machen lassen, daß sie durch Herstellung resp. Duldung schlechter Arbeit dazu beigetragen haben, daß der Einsturz erfolgt ist. Die Maurer, die beim Bau beschäftigt waren, waren Attord maurer. Gerade bei diesem Einsturz zeigt sich die furchtbare Gefahr. welche das Affordsystem nach sich ziehen muß. Freilich hat bei dem Bau die Entlohnung in Stundenlohn( 75 Pf. bis 82 Pf. pro Stunde) stattgefunden. Aber die gemeingefährlichen Folgen des Affordarbeitersystems, dem die dort beschäftigten Maurer so lange huldigten, hat sich auch auf diesen Neubau übertragen. Es ist da eine Arbeit hergestellt, die allen Regeln der Kunst zuwiderläuft. Die Handzettelberbreitung hierzu findet am Freitag abend statt. Mögen diejenigen Genossen, welche dieselbe übernommen haben, an den ihnen bekannten Stellen sich zu derselben recht frühzeitig einfinden. Berliner Nachrichten. Behördliche Schuldeneintreibung. Bernan. Zahlabend findet heute, Donnerstag, statt. Die Frauen Mit der Eintreibung alter Schulden nehmen Behörden es in der fönnen in diesem Zahlabend ihren Eintritt in den Wahlverein voll- Regel sehr genau. Selbst allerkleinste Beträge, die aus Verschen nicht ziehen. Der Familienausflug nach dem Schießstand findet am Sonn- bezahlt wurden, werden noch nach Jahren, ja nach Jahrzehnten dem tag statt. Der Vorstand. Schuldner abgefordert. Und wär's ein einziger Groschen, ein Pfennig Lokale von Mar Girte ein Bahlabend statt. Fredersdorf a. Ostbahn. Heute abend um 8 Uhr findet im nur, der zufällig in Rest blieb, so wird doch kein Mittel unversucht gelaffen, nachträgliche Bezahlung zu erreichen. In dieses Kapitel hineingehört ein Verfahren, das kürzlich gegen eine in Berlin lebende Witwe N. eingeleitet wurde. Frau N., die aus einem Dorf der Provinz Brandenburg zugewandert ist, erhielt von dem für das Dorf zuständigen Gericht die folgende Aufforderung:" In Die Bäume Unter den Linden und die" Große". Die Große der Grundbuchsache von.... verschuldet uns Ihr ver Schon bei der Herstellung des Fundaments, das aus Kalfsteinen Berliner Straßenbahn versendet zweds Schmackhaftmachung ihres storbener Ehemann einen Betrag von 50 Pfennigen besteht, fing die Murtierei an. Die ungefähr 3 Meter tiefe Bau- unter- den- Linden- Tunnel- Projekts ein Gutachten des Tiergarten zu obigem Kaffenzeichen. Wir fordern Sie als Erbin nun grube war ziemlich scharf abgestochen. Augenzeugen wollen gesehen direktors Freudemann. Das Gutachten enthält die überraschend auf, diesen Betrag binnen einer Woche unter Angabe obigen Kassenhaben, wie wiederholt Erdreich auf das Fundament bei Herstellung nene Entdeckung, daß wenn der die Bäume umgebende von Gas zeichens einzusenden". Durch diesen Mahnbrief wurde die Witwe desselben gefallen sei. Anstatt nun die Erde recht sorgfältig heraus durchzogene, fauere und schlechte Boden durch Humuserde ersetzt wird, daran erinnert, daß es ihr früher mal etwas weniger schlecht als zunehmen, ist dieselbe glatt gemacht worden, so daß sie zwischen so dürfte ein solches Verfahren entschieden zu einem freudigerem heute ergangen ist. Ein bißchen lange ist das ja allerdings schon her, den Ralfsteinen liegen geblieben ist, und dann ist darauf weiter gewachstum der Bäume beitragen, da die Wurzeln ohne seit dem Tode ihres Mannes find bereits zweiundzwanzig Frage in dem frischen Boden bon neuem antreiben und Jahre verflossen. Drei Jahre nach seinem Tode zog sie aus arbeitet worden. merksamkeit von " 1 " Und Der Polier, der hier zugleich Unternehmer ist, mußte das sich träftiger entwideln weiden". Stimmt auf dem Dorfe weg. Was der Mann ihr hinterlassen hatte, war wissen. Und zumal die Steine sehr schlecht waren, mußte er den fallend. Aber ist zum Ersatz schlechter durch gute Humus- nicht viel mehr als nichts. Die„ Erbin" kam dann nach Berlin, Maurern strenge Anweisung geben, nur recht solide zu arbeiten. erde die Anlage eines Lindentunnels im Sinne der„ Großen" und hier wird sie jest von der Armenverwaltung Er hat es nicht getan. Es sprang ja bei einer der erforderlich? Die Große" fennt aber ihre Pappenheimer. unterstützt. Als Frau N. den Mahnbrief friegte, meinte sie, bei artigen Arbeitsweise ein größerer Profit für Eine große Anzahl Zeitungen druden das Gutachten fritiflos einer Almofenempfängerin werde man doch wohl auf Eintreibung ihn heraus. Er mag sich gesagt haben: auf vielen Bauten ab. Durch die Lindenbäume Fürsorge wird die Auf der Schuld verzichten. Der Gerichtskasse schrieb sie, schon seit wird ja so gearbeitet und die stehen noch. dem Kern der dem Gemeininteresse ab- Jahren sei sie Almosenempfängerin, sie könne nicht zahlen. Warum haben, wird mancher uneingeweihte fragen, aber träglichen Projekte der Großen" abgelenkt und damit ist ihren sie hielt die Sache für erledigt. Etwa acht Tage später überdie Maurer, die diesmal doch in Lohn gearbeitet haben, 8weden gedient. Es sollte uns nicht wundern, wenn die den brachte ihr der Postbote ein Schreiben der Berline Polizei: eine derartige Bfufcharbeit hingestellt? Das liegt im System. Straßenbahnaftien freundlichen Blätter demnächst ihren Lesern Gut- Sie werden hierdurch ersucht sich zu Ihrer Vernehmung Dem Affordmaurer ist die durch das Akkordsystem gezeitigte leicht achten vorfezzen, die sich dahin aussprechen: alte Bäume gedeihen am in eigener Sache am im Kriminalbureau des fertige Arbeitsweise in Fleisch und Blut übergegangen. Die Pfusch- besten durch Aushöhlung, durch Unterminierung und Erschütterung unterzeichneten Polizeireviers einzufinden und diese arbeit ist die natürliche Folge des Affordsystems. Trotzdem die des Bodens, auf dem sie stehen. Vorladung mitzubringen." Frau N. war nicht wenig überrascht; was Alfordmaurer die größten Pfuscharbeiten hinstellen, ermahnt der für eine eigene Sache" war das, über die die Polizei sie vernehmen Verband der Baugeschäfte seine Mitglieder, recht viel wollte? Sie ging zum Bureau und erfuhr, daß es sich um nichts Arbeiten in Afford ausführen zu lassen! anderes als um die 50 Pfennig handelte. Der vernehmende Beamte eröffnete ihr, daß sie sehr wohl zahlen könne und auch un von der Gerichtskasse beantragt werden, daß die Armenfein Kirchenbau! immer hoch, ein Haus wird's doch!" Ist der Gräberfund. Menschliche Gebeine wurden am Montag bei der berwaltung der Stadt Berlin das Almosen fürze Maurer dann nicht willfährig, dann wird er entlassen. Mit den Wiederherstellung der Aniagen am Gendarmenmarkt nach Vollendung und den geschuldeten Betrag an die GerichtsKollegen in der Bude darüber zu reden, heißt dann auf wiegelei, ber Arbeiten für die Untergrundbahn zutage gefördert. Die Fund taffe überweise. Leider hat die Almosenempfängerin es tann auch unter Umständen als Propagierung des Ca- Canny- stelle befindet sich an der Ecke der Mohren- und Markgrafenstraße hierauf nicht ankommen lassen, sondern hat schließlich die 50 Pf. BeSystems ausgelegt werden. Die Folge davon ist, daß der, Heßer" vor dem Café Schiller. Vor etwa 200 Jahren fanden hier vor der zahlt. Unserer Armenverwaltung traut man es danach schon zu, daß Buch und Karte bekommt. Aus diesem Grunde ist es bei 1708 von Simonetti errichteten Neuen Kirche Beerdigungen statt. fie fich bereitwilligst dazu hergegeben hätte, gegenüber einer Almofe der heutigen Lage des Baumarktes zu verstehen. Der Platz hieß ursprünglich der Lindenmarkt, später der Mittelmarkt. empfängerin den Exekutor zu machen. bis er von der 1782 abgebrochenen Gendarmenwache und den wir aber solche gefezwidrige Einziehung halten, zumal es fich Für unmöglich würden wenn auch mancher auf solide Arbeit haltende Maurer mal ein Auge Gendarmställen seinen heutigen Namen bekam. zudrückt und mitmacht, um schließlich nach langer Arbeitslosigkeit wahrscheinlich um eine längst berjährte Forderung Handelt. nicht gleich wieder zum Feiern, zum Hungern verdammt zu werden. Der Ein neuer Asphaltbelag wird in der Zimmerstraße an Stelle Gerichtskosten verjähren bekanntlich in vier Jahren nach Ablauf Ausführende, tröstet er sich, trägt ja die Verantwortung und er macht des bisherigen Steimpflasters von der Prinz- Albrecht bis zur des Jahres, in dem sie entstanden find. Freilich wird die Friedrichstraße versucht. Die Neuerung besteht darin, daß über Bei dieser Sachlage wäre es besondere Pflicht als Barlett gelegt wird. die Zementunterlage das Asphalt nicht als Wasse gegossen, sondern Verjährung durch jeden Eretutionsversuch unterbrochen. Der Asphalt ist zu quadratischen Juftigfistus hätte also mindestens fünfmal Eyefution versuchen der Instanzen einzugreifen, die es in den Platten gepreßt, die auf der gementierten Unterlage aneinander ge- müssen. 50 Pfennig registriert, nach den Erben des Schuldners Händen haben, derartige allgemeinschädliche setzt werden. Die Fugen zwischen den Platten werden mit Bement recherchiert, fünfmal moniert, Gerichts- und Polizeibehörde Auswüchse hintenanzuhalten. ausgefüllt. requiriert, um von einer Almosenempfängerin 50 Pf. au erhalten der Strede von der Stettiner Bahn bis zur Grenze von Lübars Die Judustriebahn von Friedrichsfelde bis Tegel wird heute auf landespolizeilich abgenommen. Zur Teilnahme an der AbnahmeKommt nun ein Maurer, der auf solide Arbeit hält, zwischen fahrt sind die beteiligten Gemeindevertretungen, Grundbefizer und eine durch Afford verliederte Kolonne und weigert sich mitzumachen Industriellen geladen. Die Fahrt beginnt auf dem Bahnhof bedingt zahlen müsse. Wolle sie das nicht, so werde wahrscheinlich dann kommt der Polier mit der üblichen Redensart: es ist doch Blankenburg. mit Widerstreben mit. Der da zweifle man noch, daß SanktuS BuremflratmS der Justiz« veiwaltung nicht zu arbeiten versteht und daß die preußische Staatsverwaltung nicht den Idealismus besitzt, um 50 Pfennig willen eine Armee von Beamten und Ballen Papier anmarschieren zu lassen. Ein Privatmann pflegt wichtigeren und höher stehenden Dingen seine Zeit zu opfern._ Abbruch des Probeschwibbogens. Nachdem jetzt die Frist deS Einspruchs gegen die von der Stadt festgesetzte neue Straßen- fluchtlinie abgelaufen, wird jetzt der im Dezember 1906 errichtete Probeschwibbogen über die Französtschestraße zwischen Mauer- und bkanonierstraße abgerissen. Mit der Herstellung deS endgültigen Schwibbogen?, welcher die beiden Gebäudckomplexe der Deutschen Bank verbindet, wird nunmehr begonnen werden. Die Stadt Berlin ivird durch die Errichtung des aus Sandstein erbauten Schwibb- bogens unbestreitbar eine bedeutende Zierde im Straßenbilde er- halten, da die anderen vorhandenen Schwibbogen keine besonderen Schönheiten aufweisen._ Autounfälle. Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich Montagnachmittag an der Ecke der See- und Markstraße in Reinickendorf. Dort wollte der 16 Jahre alte Malerlehrling Otto Liemann aus der Residenzstraße den Fahrdamm kreuzen und stieß hierbei mit einer Automobildroschke zusammen. Der Radler wurde auf die Straße geschleudert und kam unter den Kraftwagen zu liegen, dessen Hinterräder ihm über beide Unterschenkel hinweg- gingen. Der Schwerverletzte wurde nach dem Virchow-Krankenhause übergeführt.— Schwer verletzt wurde gestern morgen der Direktor Anton Molkentin aus Mciningen. M. hatte mit seinem Sohne an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis- k i r ch e cm der Straßenbahnhaltestelle auf die Straßen- bahn gewartet. Als er dann den Fahrdamm überschritt, um einen Anhänger zu besteigen, wurde er von einem vorüber- eilenden Droschkenautomobil erfaßt und zu Boden geworfen. Der Kraftwagen fuhr über den Verunglückten hinweg. M. verlor das Bewußtsein und er wurde sofort nach der nahen Unfallstation 20 ge- bracht, wo der Arzt schwere innere Quetschungen feststellte. In be- denklichem Zustand wurde M. in das Krankenhaus am Urban eingeliefert._ In das Schaufenster eine? Geschäftsladens in der KopernikuT« straße 19 fuhr gestern vormittag ein Automobil. Einige Häuser vor der Unfallstelle hatten zwei Fahrgäste die Autodroschke bestiegen. Plötzlich machte das Auto eine Schwenkung und fuhr mit voller Wucht in das Schaufenster der dort Kopernikusstr. 19 belegenen Kolonialwarenhandlung. Die Glasscheibe ging dabei in Trümmer, die im Fenster befindlichen Waren wurden vernichtet. Das Auto bliebrm Schaufenster st ehe n. Während die Fahrgäste sich unverletzt entfernen konnten, erlitt der Chauffeur RuschkowSki schwere Schnittwunden am Kopfe und an den Händen. Er wurde nach der Unfallstation Warschauer Sttaße und von dort nach einer Klinik gebracht. Seine Frau aus dem Fenster geworfen. DaZ in der gestrigen Nummer geschilderte Drama aus der Grünthaler Straße 29 hat sich nach dem Bericht von Augenzeugen wesentlich anders abgespielt. Die seit längerer Zeit nervöse Frau hatte sich nach einem Wort- Wechsel mit ihrem Mann eingeschlossen und sich dann, bevor der Ehemann hinzukommen konnte, aus dem Fenster gestürzt. An der Leiche ihre? Kindes erfchoffen. Ein erschütternde? Drama hat sich am Montag in der Neuen Schönholzer Straße 2 in Pankow abgespielt. Der dort wohnhafte Mechaniker Krüger hatte vor einigen Tagen den Besuch seiner Schwägerin, der Ehefrau Luise Neuhardt erhalten. Frau N. hatte ihr neun Monate altes Töchterchen mit- gebracht. Borgestern erkrankte die Kleine plötzlich und gestern starb sie bereits. Die gebeugte Mutter war über den herben Verlust un- tröstlich. Sie faßte den Entschluß, an der Seite ihres Kindes zu sterben. Als sie für einen kurzen Augenblick allein im Schlafzimmer war, holte sie auS dem Spicgelspind den geladenen Revolver her- vor, legte sich neben der Leiche ihres Kindes aufs Bett und jagte sich eine Kugel ins Herz. Als die entsetzte Schwester hinzueilte. war bei der LebenSniüden der Tod bereits eingetreten. Beide Leichen wurden nach der Friedhofshalle übergeführt. Unter„Aufsicht" einer NachbarSfrau haben in der Nacht zum Montag Einbrecher einen schweren Diebstahl in der Boppstraße 6 ausgeführt. Im zweiten Stockwerk des Fabrikgrundstückes liegt die elektrotechnische Fabrik von Kreßmann. Wie nun gestern nacht eine Frau aus dem gegenüberliegenden Hause beobachtete, fuhren mehrere junge Leute mit einem großen Handwagen vor und öffneten ge- waltsam das HauStor. Sie stiegen dann die Treppen nach dem Lagerraum der Kreßmannschen Werke hinauf und kamen schwer be- laden wieder auf der Straße an. Nicht einmal, sondern wiederholt gingen sie die Treppen hinauf und herunter. Mehrere Zentner Schrauben, Kupfer- und Messingblech sowie andere Metallstücke im Gesamtwerte von etwa 2000 M. schleppten die dreisten Diebe nach dem Wagen und fuhren unbehelligt davon. Gestern morgen kam dann die Nachbarin, diS dem Treiben der Einbrecher mit Muße zu- ' geschaut hatte, mit ihrer Kenntnis heraus. Sie konnte nicht ahnen, daß Diebe so dreist vorgehen würden. Borsicht beim Ucberschreiten deS FahrdammeS. So oft auch bor dem unvorsichtigen Ucberschreiten der Fahrdämme gewarnt wird, er- eignen sich leider immer wieder die durch Außerachtlassung des Rates verursachten Unfälle. So unternahm es gestern gegen Abend in der Rosenthaler Straße ein schwere Eisenteile tragender junger Mann, noch ganz knapp vor dem Herannahen eines im bekannten „Fliegertempo" daherkommenden Privatautomobils das jenseitige Trottoir zu erreichen, Zwar wurde er nicht überfahren, glitt aber auf dem durch den Regen glatt gewordenen Asphalt auS und stürzte so unglücklich, daß er mit dem Kopfe hart aufschlug und sich eine heftig blutende Verletzung zuzog, die ihn nötigte, sich mit Hilfe zweier anderer Arbeiter in halb bewußtlosem Zustande zu einem im nächsten Hause wohnenden Arzt zu begeben. Daß die Leute doch durchaus nicht einen Lugenblick warten lernen wollen l Bor den Augen der Frau überfahren und tödlich verletzt. Ein aufregender Vorgang hat sich heute morgen auf dem Gesundbrunnen zugetragen. Der 63 Jahre alte Ziseleur Ferdinand Dreher. Hoch- straße 32, war in Begleitung seiner Ehefrau durch die Badstraße gegangen. Beim Ueberschreiten des FahrdammeS an der Ecke der Uferstraße wurde der alle Mann von den Pferden eines dahin- jagenden Rollwagens zu Boden gerissen und daS schwere Fuhrwerk ging dem Rermsten über den Körper hinweg. In besinnungslosem Zustande wurde D. nach dem Lazarus-Krankenhaus gebracht, wo er hoffnungslos daniederliegt. Der Kutscher, der die Flucht ergreifen wollte, wurde verfolgt und vom Publikum vom Bock heruntergeholt. Man wollte eben ein Lynchgericht an ihm ausüben, als die Polizei auf der Bildfläche erschien und den llebeltäter, der den Unfall ver- schuldet hatte, in Schutz nahm. Ein ElendSbild. In erbarmungswürdigem Zustande auf- gefunden wurde gestern in der Provinzstraße in Reinickendorf die zwanzigjährige Martha Klose, die mit ihrem sechs Monate alten Kinde in völlig entkräftetem Zustande umhergeirrt war. DaS Mädchen war in Stcaßburg tElsaß) in Stellung gewesen und wollte nun nach ihrer Heimat in Pommern fahren. Die K. besaß aber nur soviel Reisegeld, um bis Berlin zu kommen nnd ist dann in der Neichshauptstadt und Umgebung mittellos und hungernd umher» geirrt. Die Polizeibehörde hat sich der unglücklichen Mutter und rhres Kindes angenommen. Selbstmorde. Im Keller erhängt hat sich der Glaser- meister A. aus der Sedan-Straße. A. ivurde seit dem vergangenen Freitag von seinen Angehörigen vermißt. Bei einer Absuchung des Grundstücks machten sie die traurige Entdeckung, daß er sich daS Leben genommen hatte. In einem Anfall von Schwermut hatte er sich iin Keller erhängt.— Mit Lysol vergiftet hat sich die 64 Jahre alte Kammerfrau Agnes F. aus der Grenadierstraße IS. Die Lebensmüde hatte in den letzten Jahren viel durchzumachen ge- habt. Auch diese Tat war in einem Anfall von Schwennut be- gangen. Im Berliner Asylvercin für Obdachlose nächtigten im Monat Juli im Männcrasyl 21661 Personen, wovon 11476 badeten, im Frauenasyl 4662 Personen, wovon 2188 badeten. Der ArbeitSnach- weis des Verein? befindet sich für Männer Wiesenstr. 55/59, für Frauen Kolbergerstr. 30. Feuerwchrbcricht. In der Nacht zum Mittwoch wurde der 13. Zug nach der Paulstr. 37 alarmiert, wo ein Automobil in Flanrnien stand, die erst nach kräftigem Waffergeben gelöscht wurden. Nachts um 2 Uhr kam in einer Gastwirtfchafl in der Hu f f i t e n- straße 72 ein gefährlicher Brand ans, der die Wohnungsinhaber gefährdete. Eine Frau Atarie P ä tz o l d wurde noch vor Eintreffen der Feuerwehr aus den total verqualmten Räumen herausgeholt; die Bewußtlose wurde dann von der Feuerwehr durch Einflößen von Sauerstoff wieder ins Leben zurückgerufen. Die Flammen blieben auf die Restauration beschränkt. Während der Vorstellung geriet gestern abend im Neuen k ö n i g l. O p e r n h a u s e(K r o l l) die Um- hüllung eines Blitzableiters in Brand. Die anwesende Feuerwache beseitigte die Gefahr. DaS Publikum, das von der Gefahr nichts bemerkt hatte, blieb ruhig. In der M e I ch i o r st r. 6 kam in einer Bijouteriefabrik ein Brand auS, der die Balkenlage, den Fußboden und anderes ergriff, aber dann gelöscht wurde. Nachts um 3 Uhr wurden in der P a st e u r st r a ß e 43 Preßkohlen ein Raub der Flammen. Gleichzeitig entstand in einer Remise in der F r u ch t st r a ß e 27 ein Brand. Der 16. Zug wurde nach dem Kohlenbahnhof auf dem Wedding, Fennstraße, gerufen. Dort war der Arbeiter Robert Ziegenfuß auS der Steinmetzstr. 21 in Rixdorf durch nachstürzende Kohlen beiin Entladen zwischen zwei Bretterwände gedrückt worden. Die Feuer- wehr befreite den Mann aus seiner Notlage und brachte ihn nach dem Angusta-Hospital. Ferner hatte die Wehr in der Acker- straße 128 zu tun, wo Balken von der Dachkonstruktiou brannten. Fleisch war in der F o r st e r Str. 61 in Brand geraten. Möbel brannten in der Krcuzbergftr. 33. Die Schöncberger Feuer- wehr rückte gestern früh ans einen Alarm nach der B r e y s i n g e r Straße 15 aus. Dort versuchte eine geisteskranke Wirtschafterin aus einem Fenster ans die Straße zu springen. Die an Verfolgungswahn leidende Person wurde von der Wehr noch rechtzeitig erfaßt und dann auf ärztliche An- ordnung nach einem Krankenhause übergeführt. Die Charlotten- burger Feuerwehr hatte in der K u r f ü r st e n st r a tz e 126 einen Zimmerbrand zu löschen, der durch Unvorsichtigkeit entstanden sein soll. Außerdem wurden noch Brände auS der Dresdener Straße 63 und anderen Stellen gemeldet. Vorort-]Vachnchtem Lichtenberg. Die Urliste der im Stadtbezirk Lichtenberg wohnhaften Personen, die zu dem Amte eines Schöffen oder Geschworenen berufen werden können, liegt bis Sonntag, den 16. August d. I., im Rat- hause, Zimmer 29 und zwar werktäglich während der Dicnststunden zu jedermanns Einsicht aus. Einsprüche können daselbst während der Auslegeftist erhoben werden. Die Wahl der Vertreter der Arbeitgeber und der Versicherten für die Invalidenversicherung für den Stadtbezirk Lichtenberg ist erfolgt und sind für die laufende Wahlperiode, d. h. bis zum 31. Dezember 1909, gewählt worden als: �.Vertreter der Arbeitgeber: 1. Kette. Paul, Bildhauer, Frankfurter Chaussee 77, 2. Pickenhagen. Emil, Restaurateur, Scharnlveberstr. 60, 3. Blum. Johann. Restaurateur, Frankfurter Chaussee ll6, 4. Zuchelt, Willi, Zigarrenfabrikant, Wartenbergstr. 67; L. Vertr«4« r der Verlich erten: 1. Kruinn,, Heinrich, Schlosser, Dorfstr. 26, 2. Linden« blatt, August, Schmied, Mainzer Straße 16, 3. Grupp, Theodor. Schlosser, Kronprinzenstr. 60, 4. Hentschel, Moritz, Maler, Frank- furter Chaussee 90. Wilmersdorf. Das Ergebnis de? Achtuhr-Ladeufchlnsse? in Wilmersdorf liegt jetzt, nachdem die Frist zur Abgabe einer Acußerung abgelaufen ist, bis zum 24. d. M. in den Polizeirevierbureaus zur öffentlichen Einsicht auS. Einsprüche gegeil die Richtigkeit und Vollständigkeit der Liste bezüglich der AbstimmungSeintragungen können während dieser Frist von den beteiligten Geschäftsinhabern schriftlich oder zu Protokoll bei dem Vorsteher des zuständigen Polizeireviers erhoben werden. Charlottenbnrg. Nach dreimaligem Ankauf ist eS der Schlächterinnung gelungen, einen Obermeister sich zu küren. Bei der ersten Wahl im April hatte der bisherige Obermerster Ulrich 42, der bisherige Schriftführer Paschke 40 Stimmen erhalten. Bei der infolge eiiies gegen diese Wahl eingelegten Protestes anberaumten zweiten Wahl im Juni hatten beide Kandidaten die gleiche Stimmenzahl(40) erhalten. Das Los entschied zugunsten Paschkes. Auch gegen diese Wahl war wieder Protest eingelegt, weil ein Jnnungsmitglied sich an dem Wahlakte beteiligt hatte, das zur Zeit in Konkurs war. Bei der jetzt abgehaltenen dritten Wahl wurde Paschke mit 47 Stimmen ge- wählt, für den bisherigen Obermeister Ulrich wurden 34 Stimmen abgegeben. JoHannistHal-Nieder--Tchöneweide. Ein Kampf um» Licht. Zwischen den Vororten Johannisthal und Nieder-Schöneweide ist wegen der Gasversorgung Streit ausgebrochen. Johannisthal hatte von der Gemeinde Nieder-Schöneweide Gas bezogen und die Vertrags- mäßige Zusage einer Verbilligung deS Gases auf 16 bczw. 10 Pf. pro Kubikmeter für die nächste Zeit erhalten. Inzwischen hat Nieder- Schöneweide die Gaslieferung an die Gasanstalt Oberspree ab- getreten, die sich nicht zur Herabsetzung des GaSpreiseS für Johannisthal verstehen will, da in ihrem Vertrage mit Nieder- Schöneweide eine solch« nicht ausbedungen ist. Die Johannisthaler Gemeindevertretung beschloß, im Klagewege gegen Nieder-Schöneweide vorzugehen. Spandau. Sammlungen von Spenden für Zeppelin werden auch in den hiesigen Militärwerkstätten vorgenommen. Den Anfang hat die Gcschützgießcrei und die Geschoßfabrik gemacht. Besonders hervor- getan hat sich der Betrieb, der dem Meister Jäger unterstellt ist. Ursprünglich war beabsichtigt, die Sammlung durch den Arbeiter- ausschuß in die Wege zu leiten. Dieser hatte aber vernünftiger- weise abgelehnt. Nunmehr hatten einige besonders patriotisch ver- anlagte Mitglieder des Ärbeiterausschusses die Sammlung, selbst- verständlich mit Zustimmung der Direktion, vorgenommen. Den Anfang mit den Zeichnungen machten die Meister und die Meister- gehilfeu, dann kamen die Vorarbeiter und schließlich die Arbeiter. Allzuviel Glück scheint man mit diesen Sammlungen in den meisten Betrieben nicht zu haben. Nur der Betrieb des vorbenannten Meisters bildet eine Ausnahme. Man kann sich denken weshalb. Dem Drucke nachgebend, wird leider mancher Arbeiter sein Scherflein beigetragen haben, der zu etwas anderem weit nötiger hätte gebraucht werden können. Und das nennt man hinterher freiwillige Spende. Die Nachricht von einem Mord durchschwirrte am Sonntag- abend unsere Stadt. Im Glacis an der Zitadelle wurde eine jüngere Frau im Blute schwimmend-aufgefunden. Die Sache hat jetzt folgende Aufklärung gefunden: Die noch unbekannte Frau war mit einem jungen Manne, mit dem sie zufällig bekannt ge- worden war, in jener Gegend spazieren gegangen. Sie hat sich dort auf den Boden gesetzt und sich hierbei«in so- genanntes Kartofftlfchälmejjer, welches sie in der Tasche trug, in den Oberschenkel gedrückt. Wahrscheinlich ist eine Hauptader getroffen worden. Der junge Mensch machte der Be« Hörde sofort Anzeige, als man aber der Frau Hilfe leisten wollte, war dieselbe bereits tot; sie hatte sich verblutet. Die Leiche ist nach der Obduktionshalle-geschafft. Die Persönlichkeit der Leiche konnte noch nicht festgestellt werden. Ihrem Begleiter hatte sie den Namen Lange angegeben. Ihre Wäsche ist mit H, L. gezeichnet, Vermischtes. Bier Matrosen ertrunken. Sonderiurg, 12. August.(Depesche.) Als der kleine Kreuzer „ U u d i n c" gestern abend von einer Schießübung hierher zurückkehrte, wurde bei der Einfahrt in die Sonderburger Bucht da? Manöver„Mann über Bord" ausgeführt. Dabei ging der Kreuzer infolge eines Versehens des Postens am Maschinen- telegraphcn vorwärts anstatt rückwärts und überrannte einen mit elf Matrosen besetzten Kutter. Sieben Mann wurden gerettet, vier ertranken. Die Namen der Verunglückten sind: Heinrich Klippe aus Ueckeudorf bei Gelsenkirchcn, Johann RickmerS aus Finkenwärder bei Hamburg, Gerhard Weber aus Bollingen und Johann Zöller aus Seligenstadt. Zum Grubenunglück in Dudweilcr. Sulzbach, 12. August.(Depesche.) Von den acht bei der Gruben» erpkosion in Dudweiler schwerverletzten Bergleuten ist der Bergmann Jakob Müller auS Gonesweiler gestorben. Die Zahl der Toten be- trägt also 14._ Brand einer Fabrik. Weischlitz i. V., 12. August.(Depesche.) In der vergangenen Nacht ist die Appreturanstalt und Färberei Schmidt u. Co. voll- ständig niedergebrannt. Der Schaden ist erheblich; 60 Arbeiter sind brotlos geworden._ Zug-Entgleisung. Der Zug Nr. 127, der um 2 Uhr 67 Minuten von Wismar nach Rostock fährt, ist um 3 Uhr 60 Mimiten bei der unweit Doberan gelegenen Ziegelei Stülow entgleist. Die Lokomotive und die beiden ersten Wagen sind in den Graben gestürzt. Der Heizer ist tot, der Maschincnjührer schwer verletzt. Der Verkehr ist gestört. Schwarze Pocken in Chemnitz. In Chemnitz erkrankte nach einem uns zugegangenen Telegramm ein in einer dortigen Ziegelei be- fchäftigter russischer Arbeiter an schwarzen Pocken. Er wurde ins Krankenhaus gebracht und isoliert. Nuhrcpidemie. Unter den Mannschaften des in Straßburg garnisonierenden 16. Husarcnregiments ist die Ruhrkrankheit aus- gebrochen. Die vierte Schwadron wurde bereits nach einem Schieß- platz versetzt. Luftschiffhafen. Der Dresdener Stadtrat beschloß, von einer Be- teiligung an der Zeppelin- Sammlung so lange abzusehen, bis der Bau von Lnftschiffhäfen in Angriff genommen und in Dresden ein solcher Hafen angelegt ist. Feuer auf PodS Gut. Aus noch unaufgeklärter Ursache sind am Montag in Da Ilm in vier Viehhöfe und zwei Scheunen mit den Erntevorräten abgebrannt. Wöhrend das Vieh bis auf einiges Geflügel gerettet werden konnte, find die Erntevorräte vollständig vernichtet. Auch viele Kleinbesitzer, die ihre Ernte in den Scheunen untergebracht hatten, sind schwer geschädigt. Die Hauptleidtragenden sind der frühere Minister v. Podbielski und der Bauer Puhst. Gegen rohe Sensationslust. In Bochum hatten einige Kinematographenbcsitzer den Prozeß und das Ende der Grete Beier für ihr Geschäft verwandt. In großen Lettern war in der Gcneralanzeigerpreffe die Schau- stellung angekündigt. Auf Veranlassung des.Bochumer VolksblattcS", das dieses Treiben gebührend beleuchtete, hat die Polizei die Auf- führungen untersagt. Die Polizei hat«ach einer kürzlich ergangenen Entscheidung deS Oberverwaltungsgerichts daS Recht(mithin auch die Pflicht), derartig vorzugehen. Die Geschmacklosigkeit und Roheit, die in solchen Veranstaltungen liegt, rechtfertigen das Vorgehen der Polizei zwar nicht. Darüber kann allein daS Publikum richten. Aber, meint das Oberverwaltungsgericht, die Polizei habe daS Recht, solche Schaustellungen zu untersagen, wenn durch sie zu Verbrechen an» gereizt wird. Die sächsische Justizverwaltung wurde bekanntlich um Eintrittskarten zu dem„Schauspiel" der Hinrichtung bestürmt und hat über 200 Billetts verteilt. Ob dies behördliche, durchaus zu verurteilende Vorgehen etwa die Kinematographeninhaber zu ihren ekelhaften Schaustellungen veranlaßt hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Neue Waldbrande. sind westlich von Fernie ausgebrochen und bedrohen die Städte Kimberley, Sullivan und Cranbrook. Ein starker Regen wird allgemein ersehnt, um weiteres Unheil zu verhüten. Ein heftiges Erdbeben wurde am Montag auf der Insel Lcukas verspürt. Das Erdbeben setzte die Bewohner in Schrecken, richtete aber keinen erheblichen Schaden an. Stenerscherz. Folgende wenn nicht wahre, so doch gut er- fundcne Anekdote kursierr in ftanzösischen Blättern: Ein Mitglied der französischen Akademie habe die kürzlich ausgegrabene angebliche Mumie des ägyptischen Königs RamseS II. in das Museum von Kairo überbringen wollen. Die BerzehrungSsteuer-Kommission, die bei der Einfuhr von Lebensmitteln in die Stadt Abgaben erhebt, hielt aber die eigenartig verpackle Sendung auf.„Was ist darin fragte der Steuerbeamte.„Es ist die Mumie RamseS II.", antwortete man ihm. Der Beamte schüttelte ungläubig den Kopf.„Da mutz ich mich selbst überzeugen", erklärte der pflichtgetreue Beamte. öffnete den Sarg, brach sich ein Stück vom Ohrläppchen RamseS II. ab, roch dazu, kostete eS, und dann rief er:„Gesalzener Fisch, wiegen Sie das--"_ Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierklnb„Mehr Licht«' Heule abend 8'/, Uhr bei Knapp, Grünthaler Straße 6, Vortrag.— Lese' und Diskutierklub„Wilhelm Liebknecht«. Heute abend L'/, Uhr bei Buhl, Danziger Straße 93. Amtlicher Marktbericht der Itädlischen Markthallen-Direktion über den Großhandel in den Zcntral-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zusnhr schwach, Gcschäst stau, Preise unverändert. W t l d: Zusuhrcn genügend, Gcschäst leohast, Preise etwaS steigend. Geflügel: Zusuhrcn etwa; reichlicher. Geschalt rege, Preis« gut. Fische: Zufuhr mäßig, Geschäft schleppend, Preise wenig oerändert. Butter und Käse: Gcschäst lebhast, Preis« unverändert. Gemüse, Obst und Süd» j r ü ch t e: Zufuhr genügend, Tomat« über Bedarf am Markt«, Eejchäst etwas still, Preise wenig verändert. Wetterprognose für Tonnerstag. den IS. August 1908. Ziemlich kühl und noch meist veränderlich mit leichten Regmschauera und frischen nordwestlichen Winden. Berliner Detterbureau. Sturmwarnung. Wegen bis aus der südlichen Ostsee gelegenen barometrischen Minimums, welches aus seiner Südivestseite ziemlich starte Wind« verursacht, ist seitens der deutschen Seewarte heute mittag die ganze Küste gewarnt worden. Residenz- Theater. Für den Inhalt der Inferate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Sonnabend, den 15. August 1908: Verantwortung. Theater. 1 Eröffnungs Vorstellung zum Besten des Beppelinfonds zur Erbauung eines neuen Luftschiffes. Bum 81. Male: 1900 Schiller- Theater. ( Wallner- Theater.) Morwit- Oper. Donnerstag, abends 8 Uhr: Bum leptenmal: Carmen. Oper in 4 Aften von Georges Bizet. Freitag, abends 8 Ubr: Gastspiel Heinrich Bötel: Der Postillion von Lonjumeau. Donnerstag, ben 13. August Der Floh im Ohr. Sonnabend, abends 8 Uhr: Anfang 7, Uhr. Neues kgl. Operntheater. Figaros Hochzeit. Deutsches. Was ihr wollt. Kammerspiele ( Anfang 8 hr.) Anfang 8 Uhr. Neues. Der Berriffene. Neues Schauspielhaus. Dollarprinzessin. Kleines. 2X2= 5. Lyfiftrata Die Bustspielhaus. Die blaue Maus. Westen. Ein Balzertraum. Schiller 0.( Wallner Theater.) Carmen. Schiller Charlottenburg. Philister. Die Lore. g Friedrich Wilhelmstädt. Schans spielhaus. Ein Rabenvater. Hebbel. Frau Warrens Gewerbe. Lutsen. Suse. Bernhard Roje. Das Geheimnis bon New Yort. Metropol. Das muß man seh'n. Apollo. Bera Violetta. Spe zialitäten. Gebrüder Herrnfeld. Das kommt davon. Borher: Es lebe das Nachtleben. Vajinge. Spezialitäten. Berliner Prater. Die Welt ein Paradies. Anfang 7 Uhr. Carl Haverland. Spezialitäten. Meichshallen. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Urania. Zaubenstraße 48/49. Ueber den Brenner nach Benedig. Sternwarte, Juvalidenstr. 67/62. Hebbel- Theater Königgräger Str. 57/58. Anf. 8 Uhr. Frau Warrens Gewerbe. Drama in 4 Aften v. Bernard Shaw. Freitag: Cyprienne. Neues Theater. Voranzeige. Sonntag und folgende Tage: Baccarat. Borverkauf täglich au der Tagestaffe. Kleines Theater. Donnerstag, den 13. Auguft cr., Anfang 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Freitag: 2 mal 2= 5. Sonnabend: 2 mal 2= 5. Sonntag: 2 mal 2= 5. Luisen- Theater. Donnerstag, den 18. August 1908, abends 8 Uhr: Suse. Täglich: Sufe. Sonntag, den 16. August, nach mittags 3 Uhr, zum erstenmal: Das Schloß am Meer. Passage- Theater. Abends 8 Uhr: BELLINI Der König aller Gedankenleser mit seinen noch nie gesehenen, ans Unglaubliche grenzenden Gedankenübertragungen Das großartige August- Programm! Grete Gallus, Fritz Steidl usw. usw. Passage- Panoptikum Ohne Extra- Entree. Der Riese aller Riesen Pisjakoff Eintritt 50 Pf. Kinder, Soldaten 25 Pf. Kottbuser Sanssouci, Straße 6. Direttion Wilhelm Reimer. Benite Sanger Heute Donnerstag: Stürmischer Erfolg! Berliner Sänger Durchweg neues Brogramm. Erstklassige Künstler und Tanzkränzchen. Sonntags Beginn 5, wochent. 8 Uhr. Näheres die Tageszettel. Anjang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. Populäre Vorstellung b. halb. Preisen: Der Freischütz. Schiller Theater Charlottenburg. Donnerstag, abenb38br: Philister. Bustspiel in 3 Aften v. Joh. Wiegand. Hierauf: Die Lore. Romödie in 1 Att v. D. E. Hartleben. Freitag, abends 8 Uhr: Das letzte Mittel. Sonnabend, abends 8 Uhr: Hans Huckebein. Lustspielhaus. Urania. Abends 8 Uhr: Die blaue Maus. Wissenschaftliches Theater. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Ein Walzertraum. Operette von Dstar Strauß. Neue Freie Volksbühne. Die Kunst dem Volke! Beitritts Einladung. Die Neue Freie Volksbühne bezweckt laut Statut, ihren Mitgliedern erhebende und befreiende Kunstwerke aller Gattungen, insbesondere Theater- Vorstellungen, Dichtungen und Musikwerke vorzuführen und durch Vorträge und Aufsätze zu erläutern. Mit Beginn der diesjährigen Saison tritt der Verein in sein 19. Spieljahr. Während in den ersten zehn Jahren seines Bestehens der Verein immer nur eine verhältnismässig geringe Mitgliederzahl besass, hatte er in den letzten Jahren einen ungewöhnlich starken Zuwachs zu verzeichnen. Noch im Spieljahr 1900/01 betrug die Mitgliederzahl 900( eine Abteilung), während das Spieljahr 1907/08 mit einer Mitgliederzahl von 19 000( 22 Abteilungen) abgeschlossen hat. Für das Spieljahr 1908/09 sind Vorkehrungen dahin getroffen, dass die Mitgliederzahl auf 25 500, die der Abteilungen auf 30 wachsen kann. Dieses rasche Wachsen des Vereins spricht deutlich dafür, dass sein Programmzweck, der arbeitenden Bevölkerungsklasse den Genuss dramatischer Kunstwerke in möglichst guter Darbietung zu niedrigen Preisen zu ermöglichen, einem immer stärkeren Bedürfnis weiterer Volkskreise nach künstlerischer Unterhaltung und Erhebung entspricht. Das neue Spieljahr beginnt am 6. September. Als Eröffnungs- Vorstellungen gelangen zur Aufführung: Deutsches Theater Schumannstr. 13/14. Kettenglieder. Ein Spiel am häuslichen Herd von H. Heijermans. Berliner Theater Charlottenstr. 90/92. Emilia Galotti. Trauerspiel von Lessing. Hebbel- Theater Königgrätzer Str. 57/58. Cyprienne. Lustspiel von V. Sardou, Neues Operetten- Theater Schiffbauerdamm 25. Blaubart. Operette von Jacques Offenbach. Schiller- Theater Charlottenburg Bismarck- Straße( am Knie). Götz v. Berlichingen. Schauspiel von Goethe. Fried.- Wilhelmst.Schauspielhaus Ceausseestr. 30/31. Die Nibelungen( a I. Teil). Und: Man kann nicht an Alles denken. Der gehörnte Siegfried und Siegfrieds Tod Komödie von Alfr. de Musset. Neues Theater Schiffbauerdamm 4/5. Jahrmarkt in Pulsnitz. Komödie von Walter Harlan. von Fr. Hebbel. Schiller- Theater 0. Wallner- Theater- Str. 35. Stein unter Steinen. Schauspiel von H. Sudermanu Mitgliederanmeldungen zu den neugegründeten Abteilungen werden an allen Zahlstellen entgegengenommen.( Beitrittsbedingungen u. Anmeldeformulare gratis). Extra- Vorstellungen: Sonntag, den 25. August und Sonntag, den 30. August nachm. 2, Uhr im Deutschen Theater Robert u. Bertram oder: ,, Die lustigen Vagabunden!" Posse mit Gesang u. Musik v. Gustav Raeder. Eintrittskarten für Mitglieder a 1,10 M., für Gäste a 1,35 M.( inkl. Zettel und Garderobe) sind an allen Zahlstellen zu haben. Sonntag, den 6. Septbr. und Sonntag, den 13. Septbr. nachm. 2 Uhr, in den Kammerspielen des Deutschen Theaters: Frühlings Erwachen. Eine Kinder- Tragödie von Frank Wedekind. Billetts zu 1,60 M.( einschl. Zettel u. Garderobe) sind nur an den mit*) bezeichneten Zahlstellen zu haben. Die Vereinsschrift Neue Freie Volksbühne", die belehrende und unterhaltende Artikel sowie alle Vereinsbekanntmachungen enthält, wird den Mitgliedern gratis durch die Post zugesandt. Beitrittsbedingungen und Anmeldeformulare sind in nachstehenden Zahlstellen gratis zu haben: Nord: H. Fischer*), Veteranenstr. 6. A. Knapp, Grünthaler Straße 5. C. Schöngalla, Weißenburger Straße 60, W. Beckmann, Putbuser Straße 42. G. Blume, Chausseestraße 30/31. H. Pinz, Gerichtstr. 4. R. Kischkat, Graunstr. 12 II. M. Strehlau, Oudenarder Str. 3 III. Fr. Buhk, Malplaquetstr. 14. Nordost: P. Schrolle*, Landwehrstr. 3. W. Schurig, Linienstraße 8. H. Treumann, Strausberger Straße 36. Fr. Hannemann, Immanuelkirchstr. 20. Nordwest: H. Becker*), Süden: Gotzkowskystraße 9. W. Oeftger, Schiffbauerdamm 6. E. Volkmann, Lehrter Straße 48 a. H. Bobsien), Kommandantenstraße 62. O. Bielefeld, Gräfestr. 35. J. Schindler, Neue Jakobstr. 8. Südost: J. Boehlke, Naunynstr. 83. O. Martienzen, Admiralstr. 30. L. Gleich*), Cuvrystr. 33. U. Stangenberg, Köpenicker Straße 20a. G. Giebel, Engelufer 13. Südwest: H. Landgraf, Bergmannstraße 101. J. Pech, Teltower Str. 37. C. Martienzen*), Belle- Alliancestr. 7. C. Martienzen, Friedrichstraße 204. Ost: R. Tabert, Markusstr. 14. H. Hirsch, Litthauer Str. 22, Hof III. A. Gorn*), Cadiner Straße 1. M. Gräbke, Fruchtstr. 55. O. Elsholz, Friedrich- Karl- Straße 17a. A. Zietz, Warschauer Straße 61. West: M. Kittel, Joachimsthaler Straße 17. C. Martienzen"), Potsdamer Straße 43. Zentrum: C. Martienzen*), Neue Promenade 1. Baumschulenweg: L. Scharf, Baumschulenstr. 73. Friedenau: C. Danz, Kirchstr. 15, Seitenflügel III. Friedrichshagen: W. Stegemann, Seestraße 107. Lichtenberg: C. Müller, Hagenstr. 58. Ober- Schöneweide: W. Schulte, Wilhelminenhofstr. 43. Rixdorf: C. Heinrich*), Münchener Straße 19. Rummelsburg: Fr. Rosen, Schillerstr. 3. Schöneberg: P. Arendt), Kolonnenstraße 43/44 III. B. Spittel, Merseburger Str. 5. Steglitz: Kl. Hilscher, Berlinickestr. 15. Weißensee: H. Karow, König- Chaussee 47c. Wilmersdorf: A. Gieseler, Gasteiner Straße 29 I. 150/10 Die Geschäftsstelle des Vereins befindet sich Berlin NW., Bremer Straße 54/55. Der Vorstand. I. A.: Heinrich Neft. alhalla Friedrich- Wilhelmstädtisches Metropol- Theater DERNHARD ROSE THEATED Berliner Prater- Theater Wal Viete Theater 8 r. Schauspielhaus. 8 115. Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Spezialitätenvorst. im Garten. Bei ungünft. Bitterung i.Theater. Dreffierte Elefanten. Anfang der Borstellung 8 Uhr. 8. Sommerspielzeit. Leitung v. G. Pily. Donnerstag, den 13. August 1908: Ein Rabenvater. Bum 329. Male: Das man seh'n Schwant in 3 Atten v. Sarno u. Fischer. Revue in 12 Bildern m. Gef. und Tanz. Freitag: Ein Rabenbater. Sonnabend: Ein Rabenvater. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Gr. Frankfurter Str. 132. Das Geheimnis v. New York Anf. 8 Uhr. Sommerpreise. Auf der Gartenbühne: Theatervorstellung. Spezialitäten. Anfang 4% Uhr. Täglich Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Z UOLOGISCHER CARTEN Täglich nachm. 5 Uhr: Gr.Militär- Doppel- Konzert Eintritt 1 M. von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren a die Hälfte. pollo Theater 26 8 Uhr: Die bedeutenden Spezialitäten: Novitäten. 9½ 91 Vera Violetta. Vaudeville- Operette von Ed. Cysler. In Szene gefekt vom Dir. R. Schier. Uhr: Garten- Ronzert der Theater Kapelle. 7 # WINTERWEN Eröffnungsvorstellung Montag, 17. August. Der Vorverkauf findet von hente ab statt. Gebrüder HerrnfeldVorverk. Anfang Theater. 11-2 Uhr. 8 Uhr. 57 Kommandantenstr. 57 Das kommt davon! mit dem Vorspiel: Es lebe das Nachtleben. Komödie in 3 Aften von Anton und Donat Herrnfeld. Brunnen- Theater Badstraße 58. Direkt.: Willi Voigt. Täglich: Unsere blauen Jungens. Erstklassige Spezialitäten. Bollini Truppe Kurt Ellys The 5 Violettes Powel and Powel Adolf Hartley. Gröffnung 2 Uhr. Anfang 4%, Uhr. Borverlauf von 10 Uhr ab. Freitag, den 14. Aug.: Gr. Benefiza vorstellung für Käte Bach. Reichshallen- Theater Täglich: Stettiner Sänger. Anf. Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Neichshallen- Garten und Restaurant: Militär- Konzert. W. Noacks Theater Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16 Letzte Woche: Kulicke im Familienbad 10 Wannsee. 10 Nene Spezialitäten. Anf. 6 Uhr. Staffeeküche 3-6 Uhr. Sonnabend z. erstenmal: Angeklagt. Max Kliems Sommer- Cheater. Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Bernhard Lange Die Welt ein Paradies zagtid: Großes Konzert, Theatergroße Ausstattungs- Revue und erstklassige Spezialitäten. Anf. Sonnt. 4 Uhr, Wochent. 4, Uhr. Im Saale: Tüglich gr. Ball. und Spezialitäten- Vorstellung. Mittwoch: Kinderfest. Donnerstag: Elite- Tag. Freie Volksbühne. Eröffnungsvorstellungen des Spieljahrs 1908/09 Sonntag, den 30. August, nachmittags 3 Uhr: Lessing- Theater Friedrich- Karl- Ufer 1. Neues Schauspielhaus Nollendorf- Platz 7/8. Die versunkene Glocke. Die Kinder der Exzellenz. Lustspiel in 4 Aufzügen von Ernst v. Wolzogen u. W. Schumann. 1. Abteilung. Thalia- Theater Dresdener Str. 72/73. Te Deum. Komödie in 5 Aufzügen von Ernst Rosmer. Märchendrama in 3 Aufzügen von Gerhart Hauptmann. 4. Abteilung. 11. Abteilung. Sämtliche Nachmittagsvorstellungen sind geschlossene, zensurfreie Vereinsvorstellungen, zu denen nur Mitglieder Zutritt haben gegen Vorzeigung ihrer Mitgliedskarte. Die Mitgliedskarten müssen aus den Zahlstellen abgeholt werden und müssen je 2 Marken enthalten. Das Einschreibegeld beträgt 90 Pfennig, ebenso der Augustbeitrag der alten Mitglieder. Die Vereinsschrift ,, Freie Volksbühne" erscheint einige Tage vor der ersten Vorstellung und wird in den Zahlstellen unentgeltlich an die Mitglieder ausgegeben. Das Programmheft enthält außer den einführenden Besprechungen der Stücke, Aufsätze, Gedichte, die Protokolle der Generalversammlungen, Vereinsmitteilungen, Inserate und die Theaterzettel mit den Verzeichnissen der mitwirkenden Künstler. 12.( I.) Abend- Abteilung in Neuen Schauspielhause Montag, den 7. September, 8 Uhr pünktlich: Goethe: Faust( 1. Teil). Einschreibegeld 90 Pfennig, Beitrag der Abend- Abteilung 1,10 Mark. ( Für die Abendvorstellungen sind vorläufig mit der Direktion des Neuen Schauspielhauses zur Aufführung vereinbart: Goethe: Faust a. Teil). Hebbel: Judith. Shakespeare: Julius Cäsar. Ordner- Sitzung 241/11 Sonnabend, den 22. August 1908, im Gewerkschaftshause. Tagesordnung: Wahl der Beisitzer und Geschäftliches. Der Vorstand. In Vertr.: G. Winkler. Sozialdemokratischer Wahlverein Schmargendorf. Sonnabend, den 15. August 1908: 17. Stiftungs- Fest im ,, Schützenhaus" zu Schmargendorf, Hundekehle- Straße 20 KONZERT. Auftreten der Volkssängergesellschaft ,, Lewandowsky." Verlosung und Ueberraschungen aller Art. Nach der Vorstellung: Tanz. Anfang 8 Uhr. Um 1 Uhr: Kaffeepause. Eintritt 25 Pf. Die umliegenden Vereine sind hiermit freundlichst Das Komitee. eingeladen. 203/8 Hasenheide 108-114. Arnold Scholz. Neue Welt. Heute: Elite- Tag! Großes Doppelkonzert. Spezialitäten- Vorstellung. Vorletztes Auftreten Ⅲ. Mr. Gadbin II. 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