Jlf» 195» übonnements-Bedln�onfltB! � lntctrt]0"s*v.Gnbü r',- BJonnement?• SgrciS fcrdnumeranbo, W W � V/ WfTX W■(■l Bteitcliasil 8,30 m. monatl. UO SRI, Efl Wio I«W Wg NW ff B B B B mu( I-Ifftaf geütober deren RauiiiM Pfg, für wöchentlich 28 Pfg, frei ins Hau!, W», �WF B B B IS. B B B B B f/ H H �m�Fy/»oliHfche und gewerlsch-stliche Bcreu-.z. einzelne Swouner 5 Pfg. SonntagZ. I Vr' ÜBX I Hw B BD WJ Hm HB DM W» I L WH I-- y/ und Versammlung;. Anzeigen 30 Pfg. nummei mit illustricricr Sonntags. AKwB«GM I Rj KH KW MD WH DM BR DM«i Wj MD WW S/„Kleine Anzeigen", da; erste ffetl- Beilage»Die Reue Wein lO Pfg, Post, MWMD I MW I WW MM MD HB flu DM HR WH MJ v— KS KBIAL� gedruckte) Wort 20 Pfg, jedes weitere in«on°g�n,no-t I MW I MD MD BEL�äLBÄ JH MD MI 69 Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf. Preisliste. Unter Kreuzband?ör"mBH I. B[ stellen-«», eigen da; erste Wort 10 Pfg, Deutschland und Oesterreich. Ungarn MM �UI �mlT'■W� HMIi KBl // DZ jedes weitere Wort o Pfg, Worte über 2 Marl, fSr das übrige«uSland MÄL BM\ Zj V''*/ Me-MtV. // HB lb Buchstaben zählen für zwei Worte. 3 Marl pro Monat. PostabonnementS M�Wg �BB�> // Bjfll Inserate für die nächste Ruiinncr niüssen nehmen-n: Belgien Dänemarl, � rQ/f f � W/ bis S Nhr nachmitiagS in der Expedition lÄtÄÄ'S» ��Kenfs'flg'0"� Devlinev VolltsblttK. ä=.ä&. Zentralorgan der fozialdemohrati feben Partei Deutfdilanda. Rcdabtion: SM. 68, Ltndenstraaac 69. Serusprechcr: Amt I¥, Nr. 1983. Die ßudgctbcwilligung. n.(Schluß.) Wir sagten neulich, daß es belanglos sei, ob durch das bayerische Finanzgesetz der bayerische Militäretat bewilligt werde. Denn das Fehlen des Militäretats spielt für den Charakter der süddeutschen Staaten nicht die g e- r i n g st e R 0 l l e. Es ist gänzlich gleichgültig, ob die süd- deutschen Bundesstaaten direkt für den Militarismus eintreten, oder ob die bürgerlichen Reichstagsabgeordneten diese Fordeningen bewilligen und die Vertreter der süddeutschen Regierungen im Bundesrat ihren Segen dazu geben. Es sind die süddeutsche Bour- g e 0 i s i e und die süddeutschen Regierungen, die für das Anwachsen unseres Militarismus einschließ- lich der Flotten- und Kolonialausgaben genau dasselbe Maß der Verantwortlichkeit tragen wie die preußische Bourgeoisie und die preußische Regierung! Und die Ausplünderung des Volkes durch das Wachstum des Militarismus in Gestalt der indirekten Besteuerung ist in Bayern, Baden, Württemberg und Hessen nicht g e r i n g e r als in Nord- deutschland. Wenn man sich also mit einer süddeutschen Regierung auf guten Fuß zu stellen sucht, so kann man sich nicht damit herausreden, daß diese Regierungen in ihrem Wesen etwas ganz anderes seien als die sächsische oder preußische Regierung, daß sie minder reaktionär seien als die Regierungen dieser Länder. Auf die parlamentarischen Umgangsformen kommt's nicht an. Und es ist ja auch ganz selbstverständlich, daß süddeutsche Minister, die nicht so scharfe Angriffe von sozialdemokratischer Seite auszustehen haben wie etwa ein Bülow oder Einem, auch in ihren Umgangs- formen verbindlicher sind. Es wäre doch aber auch ein wirklich sehr fortgeschrittenes Stadium des parlamentarischen Kretinismus, wenn man die parlamentarischen Umgangsformen zum Gradmesser des Klassengegensatzes machen wollte! Die süddeutschen Staaten sind genau dieselben kapitalistischen Gebilde wie die norddeutschen Staaten! Für die Politik des Bürgertums, als dessen Ausschuß die Regierungen zu betrachten sind, sind genau dieselben Forderungen maßgebend wie jenseits des Mains. Wenn das in den Landtagen selbst nicht immer mit derselben Schärfe zutage tritt wie in Preußen und im Reich, so liegt das im wesentlichen daran, daß durch die Verfassung, die sich seinerzeit die Bundesstaaten gegeben, die Frage des Militarismus und der Aufbringung der Mittel auf das Reich übertragen worden ist. Da sich nun im Laufe seiner EntWickelung der kapitalisttsche Staat seinem Wesen entsprechend immer mehr zum Militärstaat und zum weltpolitischen Raubftaat entwickelt hat. ist gerade diese der Kompetenz des Reiches überwiesene Frage immer mehr zu einer solchen von ganz überwiegender Bedeutung geworden! Das drückt sich schon in den Zahlen aus. Betragen doch die Reichsausgabcn für Militarismus, Marinismus und Kolonialpolitik einschließlich der Schuldenzinsen usw. schon annähernd 160v Millionen Mark. Das ist weit mehr, als Preußen insgesamt an Netto-Einnahmen aufweist, und zirka siebenmal soviel als die Netto- Einnahme Bayerns, des größten Bundesstaates nach Preußen I Und diese Ausgaben für den Militarismus und die Welt- Politik wachsen ins riesenhafte! Während zum Bei- spiel nach der Veranschlagung des Flottengcsetzes von 1900— der berüchtigten Fünfmilliardenvorlage— im Jahre 1911 die Flottenausgaben mit 269 Millionen den Höchstbetrag erreichen .sollten, werden sie nach den neuesten amtlichen Berechnungen im Reichsetat für 1908 im Jahre 1911 bereits die Höhe von mehr als 469 Millionen erreicht haben! Es wird also nicht mehr lange dauern, bis die Ausgaben für den Militarismus und die Weltpolitik runde 2 Milliarden betragen. Und diese Summen müssen nicht nur von Preußen aufgebracht werden, sondern auch von Süddeutschland. Und sie werden aufgebracht durch indirekte Steuern, durch Zölle und Verbrauchsabgaben, die überwiegend vom Proletariat aufgebracht werden müssen I Und das Proletariat hat nicht nur diese Zölle und Verbrauchs- abgaben aufzubringen, sondern auch den ungleich höheren Tribut an die Agrarier, den die Zollpolitik dem Volke auf- erlegt! Dergestalt belastet der Militarismus allein die süddeutschen Staaten mit weit höheren Abgaben, als sie in den Budgets dieser Einzelstaaten insgesamt in Erscheinung treten I Und für diese Auswucherungspolitik des Volkes sind die bürgerlichen Parteien und Regierungen der süddeutschen Staaten in vollstem Maße mitverantwortlich! Genau so, wie sie vollste Mitverantwortlichkeit dafür trifft, wenn die neue R ei ch s f i n a n z r e f 0 r m die das Reich bildenden Bundesstaaten abermals mit indirekte» Steuern in Höhe von mehreren Hundert Millionen Mark belasten wird I Aber es ist nicht allein diese skandalöse- Volks- ausplünderungspolitik, für die die süddeutschen Staaten die schwerste Mitverantwortlichkeit trifft. Auch fiir unsere sinn- und skrupellose Wcltpolitik, diesen Urquell des internationalen Marinewettrüstens, der ganzen europäischen Eifersüchteleien, entfällt auf die süddeutsche Bourgeoisie und die süddeutschen Regierungen ein genau so gerütteltes Mast der Verantwortlichkeit, wie auf die preußischen Freitag, den Ä1. August 1908. Junker, Zentrümler, Nationalliberalen, Freisinnigen und auf die preußische Negierung I Wie können also die süddeutschen Genossen bei der- n ü n f t i g e r Erwägung überhaupt auf die Idee kommen, daß für Süddeutschland besondere Verhältnisse vor- liegen, daß man sich dort mit den Regierungen auf einen vertraulicheren Fuß stellen, ihnen größeres Entgegenkonnnen zeigen könne, als in den übrigen Teilen des Reiches? Weil man dort Wahlreformen durchgeführt hat? Das geschah doch nicht der Sozialdemokratie zuliebe, nicht zur Förderung des proletarischen Klassenkampfes, sondern zugunsten bürgerlicher Mehrheits- g r u p P e n und zur Beschwichtigung des proletarischen Emanzipationskampfcs! Und wenn auf sozialpolitischem Gebiete mancherlei durchgesetzt wurde, so entsprach man damit nur den dringenden Bedürfnissen der Zeit und>vohl auch der schlauen Absicht, dem proletarischen Klassenkampfe die prinzipielle Spitze abzubrechen, die Sozialdemokratie in eine harmlose Arbeiter- reformpartei umzuivandeln! Und für dies„Entgegenkommen", das im urcigeuftcn Jutcrcsse der Herrschenden selbst lag, das aus den Tendenzen bürgerlicher Harmoniebestrcbungen geboren wurde, wollen sich die süddeutschen Genossen damit noch be- sonders bedanken, daß sie für das Budget eines Klassen st aates stimmen, daß sie einer klassenstaatlichen Interessenvertretung— denn auch in Baden und Bayern ist die Regierung doch nichts anderes I— ein Entgegenkommen beweisen, durch das, ob gewollt oder ungewollt, die Schärfe des KlaffenkampfcS mit Naturnotwendigkeit abgestumpft werden muß? Denn es ist ein Unding, einem Klassenstaat das Budget, also die Mittel zu seiner Fortexistcnz, zu bewilligen, und gleichzeitig den Klassenkampf mit der ge- botenen prinzipiellen Schärfe zu führen I Wie bei dem Liberalismus die ganz ähnlich geartete Blockpolitik zu völliger Knochenerweichung geführt hat, so würde auch bei der S o z i a l d e m o k r a t i e die Politik des E n t- g e g e n k o m m e n s. des P a r l a m e n t e l n s und des klügelnden Diplomatisierens bald zum völligen Rückgratschwnnd führen müssen! Dem Drange nach positiver Arbeit ist durch die Ablehnung des Budgets doch wahrhaftig auch nicht die geringste Schranke gesetzt. Die süddeutschen Fraktionen haben im Gegenteil nach wie vor die Pflicht, jede Möglichkeit auszunutzen, um durch Mitarbeit an der Gesetzgebung das Interesse des arbeitenden Volkes zu vertreten und für die ausgebeuteten Schichten möglich st viel Reformen herauszuschlagen! Nur der Bücklinge, des Dankes an die Vertreter des Klassenstaates und der Vertrauensvoten, die jede Budgetbewilligung trotz allerhand Vorbehalte in sich schließt) hat sie sich zu enthalten! Der Illusion allerdings müssen sich die süddeutschen Ge- nossen restlos cntschlagcn, als ob sie in der Lage wären, durch Entgegenkommen und Liebeswerben bei ihren Regierungen in die preußisch-deutsche Reaktion irgendwie Bresche schlagen und womöglich ihren preußischen Brüdern für den prole- tarischen Emanzipationskampf Pionierdienste leisten zu können. Daß die Verbesserung der Lebensverhältnisse staat- lichcr Arbeiter in Süddeutschland, daß eine liberalere Vcrwaltungspraxis auf die Dauer auch auf Norddeutschland nicht ohne Einfluß bleiben kann, ist s e l b st v e r- ständlich. Aber diese Reformen sind auch, und erst recht, zu erreichen durch rücksichtslosen Älasscnkampf in Süddeutsch- land und in Preußen! Und die preußischen Genossen werden es nicht an kräftigster Unterstützung der im Sinne des Klassen- kampfes positiven Arbeit fehlen lassen! Was nicht die Klassen- organisation desProletariats durchsetzen kann, werden frcundschaft- liche Vorstellungen, werden Liebesdienste nach dem bösartigen Vorbild des Blockfreisinns erst recht nicht durchsetzen! Oder bildet man sich vielleicht ein, durch eine liebenswürdige Miene die Machthaber des Klassenstaates über das Wesen und die Absichten des proletarischen Klassenkampfes hinwegtäuschen und sie später um so wirksamer über- rumpeln zu können? Ach, das wäre ja nichts anderes, als die famose Taktik des famosen Herrn Naumann, der erst durch die fügsamste Blockpolitik den Junkern bei der Regierung möglichst viel Wind aus den Segeln zu nehmen hofft, um sie dann durch plötzliich veränderte Frontstellung mit Hilfe der Sozialdemokratie wuchtig aufs Haupt schlagen zu können! Daß dabei der Liberalismus des Liberalismus viel früher zum Teufel gegangen sein wird, als der politische Einfluß des Junkertums, ist für alle sozialistischen Kritiker ein Axiom. Aber ebenso ist es ein politisches Axiom, eine Selbstverständlich- keit, daß bei ähnlicher Politik auch der Klasienkampf- standpunkt der reformerisch gewordenen Soziald cmokratie längst zum Teufel gegangen seht und das Proletariat schließlich den kotzjämmerlich blamierten Europäer abgeben würde. Nicht die kluge und klügelnde, spitzfindig kalkulierende Politik unserer Parlamentarier vermag den Sieg des Proletariats zu sichern, sondern nur der klare, ehrliche, unverwischte Klassenkampf des im prin- zipiellen Sinne tausendfältig geschulten, unermüdlich an- gefeuerten Proletariats selbst. Diese wichtig st e positive Arbeit aber verkennen und verleugnen diejenigen, die das Schivergcwicht des proletarischen Enianzipationskampfes von der Agitation und Organisation unter den Massen auf das schlüpfrige Parkett der Parlamente selbst verlegen wollen) Expedition: SM. 68» Oindenstmisse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. Vom iistholikentsg. Düsseldorf, 19. August.(Eig. Ber.) Heute morgen unternahmen die Frauen deS Katholikentages eine W a l l f a h r t nach Kaiserswerth, wo in der dortigen Suitbertus- kirche eine Pontifikalmesse mit Predigt stattfand. Der Beginn der heutigen geschlossencnVersammlung verschob sich deshalb um eine Stunde und der Präsident sah sich genöngt, um die ver- lorene Zeit wiederzugewinnen, die Redezeit der Diskussionsredner auf drei(1) Minuten zu beschränken— ein Verhalten, das deshalb bemerkenswert ist, weil es sich heute um die Behandlung der An- träge zur sozialen Frage handelte. Die Mahnung des Präsi- beuten winde prompt befolgt. Eine Diskussion fand überhaupt nicht statt: mir einige Vertreter der katholischen kaufmännischen Vereine, die Grund zur Klage über die Zurücksetzung ihrer Bestrebungen zu haben glaubten, redeten einige Worte. Sonst verlief die Ver« Handlung im Automobiltempo nach folgendem Schema: Der Vor- sitzende deS sozialen Ausschusses gab eine kurze Erläuterung zu jedem Antrage. Darauf der gräfliche Präsident:„Ich eröffne die Diskussion und schließe sie, da sich niemand zum Wort gemeldet hat. Der Antrag ist also angenommen." So findet sich der Katholiken- tag, dessen sozialen Ernst und Erfolg die ultramontane Presse nicht genug rühmen kann, mit der sozialen Frage ab! Von den hjcrhcr gehörigen Anträgen feien einige genannt. Ge« fordert wird die Einführung eines Fortbild u 11 gS unter» r i ch t S für gewerbliche Arbeiterinnen, der natürlich die religiös-sittliche Erziehung der Arbeiterinnen in den Vordergrund zu rücken hat; den Hausfrauen werden jene D i e n st b 0 t e n 0 r g a n i f a t i 0 n e n enipfohlen, die neben der Pflege ihres religiös-sittlichen Lebens auch der Pflege ihrer StandcSinteressen obliegen 1 die Katho- liken werden ermahnt, sich der k 0 m ni u n a l e n W i r t s ch a f t S« und Sozialpolitik und der Erziehung zur Mitarbeit an der sozialen Fürsorge in den Gemeinden zu widmen. Weiter erkennt der Katholikentag die Erhaltung und Kräftigung deS gewerblichen Mittelstandes als eine unabweisbare Not- wendigkeit an; er erklärt die Förderung deS WohnungS- Wesens der mittleren und unteren Volksschichten für eine der dringendsten Kulturaufgaben. In seinem Antrage, der die katholischen Standesvereine betrifft, heißt es:„Vor allem sind die Vereine für die fchulentlaffene männliche und weibliche Jugend, die ja die Vorschule für die Vereine der erwerbstätigen Männer und Frauen bilden, in Stadt und Land einzuführen; ihre VercinStätigkeit muß systematisch ausgebaut werden. Schule, Elternhaus, Lehrherrn müssen unausgesetzt bemüht sein, die schulentlassene Jugend diesen Vereinen zuzusühren." Ueber die soziale Tätigkeit der Katholiken läßt sich ein Antrag ausführlich aus, worin erklärt wird, daß die Katho- liken„auch in Zukunft, treu den Mahnungen von Papst und Bischöfen, unermüdlich sich betätigen werden, sei es in der AuZ- breitung und dem kräftigen inneren Ausbau des katholischen sozialen Vereinswesens zur Pflege sozialen Verständnisses und Pflichtbewußt- seins, sei eS in der eifrigen Mitarbeit an dem Ausbau der sozialen Gesetzgebung, der genossenschaftlichen Selbsthilfe und der WohlfahrtZ- pflege." Im einzelnen wird gefordert die tatkräftige Weiter- führung der sozialen Gesetzgebung zugunsten aller Stände auf dem Boden der ausgleichenden sozialen Gerechtigkeit; begrüßt wird die wachsende Aus- breitung und innere Erstarkung der auf dem Boden deS christlichen Sittengesetzes stehenden Berufs- Vereinigungen und WirtschaftSgenosscnschaftcn; erwartet wird, daß alle Katholiken bei der Durchführung der sozialen Einrichtungen tatkräftig mitwirken und sich beteiligen an jener praktisch-sozialcn Betätigung,.die unter dem Namen soziale Wohlfahrtspflege zusammengefaßt, auf die Besserung der Lebenshaltung und eine dem christlichen Sittcngesetz entsprechende maßvolle Steigerung des Lebensgenusses, insbesondere aber auf die Ausbildung deS inneren Menschen nach Geist und Gemüt abzielt." ' In der heutigen öffcntlichenGeneralversammlung redet zunächst, den meisten wegen der Unzulänglichkeit feiner Stimm- mittel unverständlich, Landgerichtsrat Laar mann- Essen über die katholischen Ideale bei der studierenden Jugend; für den mangelnden Beifall aus der Versammlung entschädigte den Redner das ebenso häufig wie exakt ausgeübte ZustimmungS- getrampel von der Studententribüne, wo man sich geschmeichelt fühlte durch das Tugendbild, das der Herr �Landgerichtsrat vom braven katholischen Studenten entwarf. Professor Jahn- Straßbnrg, ein Geistlicher, behandelte da» Thema: Frauenbildnng und Frauen betätigung. Der Redner erkennt an, daß die Stellung der Frau im wirtschaftlichen und öffentlichen Leben sich geändert hat und neue Aufgaben stellt; �er fordert die erweiterte Möglichkeit zur speziellen Ausbildung durch weibliche Fachschulen oder Fachabteilungcn, besonders aber die ver- mehrte Fürsorge für die hauswirtschaftliche Vor- und Fortbildung. Das Wirken der Frau im öffentlichen Leben will er auf sozial- charitative Ausgaben beschränkt wissen; er möchte nicht in der Freigabe des Versammlungsrechts an die Frauen den Wink sehen, daß die Frauen„im Laufschritt gegen die Wahlurne an- stürmen", daß sie.im Wirrwar der staubigen und schwülen politischen Arena die in der Fraucnfrage errungenen Erfolge wieder in Frage stellen und sich Erschütterungen aussetzen, die auch für Familie und Volk unheilvoll werden könnten." sLebhaftcr Beifall.) Der Redner erklärt das Bestreben, für die Frau alle Männerberufe. alle Männerrechte und alle Männerpflichten geltend zu machen, als ein Attentat gegen Gottes Ordnung, gegen Familie und MlkergMck und bor allen Dingen gegen daZ Frauengliick l Der lebhafte Beifall, den der Redner bei solchen Sätzen und namentlich »ach Schlich seiner Rede erntete, liefert den Beweis für die Rück- ständigkcit des KlerilaliSnius. Das politische Gebiet betrat mit seiner Rede der Oberlandes- ger�tsrat Marx lDüsseldorf), der die Lage der Katholiken Deutschlands in der Gegenwart behandelte. Man braucht in seiner Rede statt Katholiken nur Zentrum zu setzen und man Weib, wohin er zielte. Der Redner versuchte die An- schauung zu zerstreuen, als ob die Katholiken in Deutschland auf dem Standpunkte der Parität und Gleichberechtigung angelangt seien, und er kommt zu dem Ergebnis: So wie es bisher ging, kann es nicht mehr weiter gehen. Das Wohl des Vaterlandes, des Staates und der Gesellschaft verlangt ein einmütiges Zusammenarbeiten aller Konfessionen. Ein Volksteil von solcher Bedeutung wie das katholische Volk, von solch hohen kulturellen, idealen Gütern, von solchen Verdiensten um den Be st and der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung dürfe und könne nicht auf die Dauer mit Ungerechtigkeit, mit Hab, mit Unverständnis und Lieblosigkeit behandelt werden, wenn nicht das Wohl des Ganzen dafür den allergrößten Nachteil erleiden soll. Und wenn alle die staatliche Autorität mißachten und zu vernichten suchten, würden die Katholiken in un- verbrüchlicher Treue für den Bestand des an- gestammten Herrscherhauses eintreten und ihre Brust allen Angriffen auf di.e staatliche Wohl- fahrt entgegensetzen. Ein solcher Volksteil dürfe aber nicht länger zurückgesetzt und unbillig behandelt werden, sowohl die Gesetzgebung als die Verwaltung muß ihm die gebührende Gleichberechtigung zuteil werden lassen. Der Redner hatte den richtigen Ton getroffen; die katholische Volksseele zischte vor Hohn, kochte vor Wut und tobte in Be- geisterung. Der Klerikalismus weiß, was er zu bedeuten hat, und er wird in kurzer Zeit seine Bedingungen der Regierung diktieren. Dafür bürgt die Unfähigkeit und Feigheit des Liberalismus I Sie lsnäkstliche föureaiikratle. Der Fall Schücking wird immer interessanter und charakteristischer für den Wirrwarr der inneren Verwaltung des Kulturstaates Preußen. Vor ungefähr 14 Tagen schien es, als wenn die konservative Presse in der Affäre des Bürgermeisters von Husum einen Rückzug anträte. Nacheinander gestanden mehrere der leitenden konservativen Blätter, daß ihnen die Einleitung des Disziplinarverfahrens gegen den Herrn Schücking unangebracht dünke und am besten die ganze Sache im Sande verrinne. Aber diese Rücksichtnahme auf die Bequemlichkeit des Reichskanzlers in Norderney hat nicht lange angehalten. Die landrätliche Bureaukratie ist mit solcher Erledigung der Angelegenheit nicht zufrieden. Sie verlangt, daß dem Bürger- meister Dr. Schücking der Prozeß gemacht und er aus seinem Amte so oder so hinausbefördert werde; und die konservative Presse ist bereit, dieses ihrem eigenen Empfinden entsprechende Verlangen zu respektieren. Großschnauzig fordert sie seit ungefähr 8 Tagen wieder, daß, unbekümmert um alle Lamentationen der liberalen Blätter, daS Disziplinarverfahren gegen den Husumer Bürgermeister mit aller Strenge durchgeführt wird, und höhnt über die freisinnigen Blätter, die Rücksichtnahme auf die Blockgemeinschaft fordern. So schreibt zum Beispiel die parteioffiziose.Konservative Korrespondenz": „Wenn die Blockpolitik auf so schwachen Füßen stände, daß sie bei jedem noch so geringen Anlaß als gefährdet zu erachten wäre, so könnte man nur wünschen, es werde mit ihr ein Ende gemacht. Sicherheit und Zu- verlässigkeit in nationalen Fragen sollte die konservativ- liberale Mehrheit gewährleisten, nicht aber dem Liberalismus dazu dienen, immer wieder die parteipolitische Macht aus- zuspiele». Den liberalen Parteien soll die Gleichberechtigung wahrlich nicht bestritten oder verkürzt werden; aber das geht doch nicht an, daß jedem, der sich zu einer liberalen Gruppe bekennt, auch ohne Abgeordneter zu sein, Immunität zugebilligt wird. Wenn die Linke aus solchen Anlässen mit dem Blockkrache droht, dann eriueist sie sich eben den Aufgaben, die jedem Teile der konservativ-liberalen ReichStagsmehrheit gestellt sind, nicht als gewachsen, und danir kann der Bestand des Blocks als dauerhaft überhaupt nicht angesehen werde n." Zugleich leitet die konservative Bureaukratie gegen den ber- antwortlichen Redakteur der.Frankfurter Zeitung" das Zeugnis- zlvangSverfahreir ein, um den Verfasser des ersten Artikels .des genannten Blattes über den Fall Schücking vom 21. Juli d. I. zu eruieren. Der Verfasser soll sich eines Disziplinarvergehens schuldig gemacht haben. Die Frage des vernehmenden Amtsrichters ging nämlich dahin, ob Bürgermeister Schücking oder dessen Bruder der Verfasser sei. Als die Antwort hierauf abgelehnt wurde, wurde der Redakteur unter Hinweis auf die weiteren Folgen der Zeugnis- Verweigerung zu einer Geldstrafe von öv M. verurteilt. Doch das ist noch nicht alles. Sofort, nachdem die.Frankfurter Zeitung" die'Meldung Von der Verurteilung ihres Redakteurs gebracht hat, veröffentlicht die„Nordd. Mgem. Ztg." an der Spitze ihrer Nummer folgendes Dementi: Zu den Artikeln im heutigen Morgenblatt der.Franks. Ztg." über den Fall Schücking ist festzustellen, daß von der Vernehmung eines Redakteurs der Zeitung und von einem Zeugnis- zwangsverfahren gegen ihn in der Disziplinarsache gegen Schücking dem Minister des Innern in der Tat nlchts bekannt ist. und daß dieses B-rgehen ohne fem Wissen und Wollen eingeleitet worden ist. Das Verfahren führt, worauf wiederholt hinzuweisen ist, die Regierungsinstanz selbständig. Es kann sich daher nur um ein Ersuchen des Untcrsuchungskommissars an das Amtsgericht Frankfurt a. M. handeln. Und zugleich läßt der Minister durch das offiziöse Wolffsche Depeschenbureau folgendes Telegramm in alle Welt hinausflattern: Berlin, 20. A u g u st. Die ZeitungSmeldungen ü b e r A m t s- diSpensation des Bürgermeisters Schücking in seiner DiSzi- plinarsache, und über Bemühungen der Regierung um einen Nach- folger für ihn, sind, wie uns vonmaßgebenderStelle bestättgt wird, tendenziöse Erfindungen. Ein recht sonderbares Spiel. Danach zu urteilen, finden in den höheren Regionen, in denen Preußen regiert wird, mal wieder sonderbare Quertreibereien statt. Bülow und Mottle möchten auS Rücksicht auf den Block einlenken, aber die mächtigere Landrats- Bureaukratie will nicht. Sie hat den Freisinnsplebs satt.— politilcbc CTcbcrficbt. Berlin, den 20. August 1908. Das Ergebnis der Fahrkartensteuer. Die Fahrkartensteuer hat ein schmähliches Fiasko erlitten. Als sie im Reichstage beraten wurde, schätzten ihre Befürworter den durch sie dem Reichssäckel zugeführten jährlichen Betrag auf 4t) bis 45 Millionen. Milder rechnete das Reichsschatzamt, denn im Etat für das Jahr 1807/08 wurde der Ertrag nur mit 30 Millionen Mark eingestellt. Doch selbst diese Summe ist lange nicht erreicht worden. Der ganze Ertrag für das vom 1. April 1907 bis 31. März 1903 laufende Rechnungsjahr stellt sich nämlich nur auf 17 Millionen Mark. Vereinnahmt wurden; April 1907 bis Juni 1907: 4 800 000 M., vom Juli 1907 bis September 1907: 5 500000 M., vom Ottober 1907 bis Dezember 1907: 3 500 000 M. uud vom Jamiar 1903 bis Ende März 1903: 3 250 000 M. Die Fahrkarten- steuer hat also im Etatsjahr 1907/08 rund 17 Millionen eingebracht. Im Voranschlage des verflossenen Etatsjahres war die Steuer mit 30 Millionen Mark eingestellt. In seiner Rede vom 28. November 1907 führte der frühere Schatzsekretär v. Stengel aus, daß daS voraussichtliche Ergebnis der Steuer zwei Drittel des Vor- anschlageS betragen würde. Auch diese Annahme hat sich als uu- richtig erwiesen, denn tatsächlich fohlen zu den erhofften zlvei Dritteln des Voranschlages noch 3 Millionen. Für das Etatsjahr 1908/09 würde die Fahrkartensteuer mit 24 Millionen eingestellt. Die Einnahmen im ersten Vierteljahr(vom 1. April bis Ende Juni) betragen rund 4 Millionen Mark; sie bleiben also annähernd um 800 000 M. hinter der gleichen Zeit des Vorjahres zurück. Der Gruud dieses starken Zurückbleibens der Einnahmen gegenüber dem Voranschlage auch in diesem Jahre liegt wie bisher in dem Abströmen der Reisenden aus der ersten und zweiten Klasse. Auch die ungünstige Lage unserer Industrie und der dadurch hervoegerufene wirtschaftliche Niedergang wirkt auf das reisende Publikum dahin, niedrigere Klassenabteilungen vorzuziehen. In diesem Jahre war auch eine große Verringerung des Fremdenverkehrs zu verzeichnen. Besonders die Krise in den Vereinigten Staaten hat einen großen Ausfall der sonst reiselustigen Amerikaner mit sich gebracht. Trotz dieses ungünstigen Ergebnisses der Fahrkartensteuer hat die Regierung vorläufig nicht die Absicht, darauf zu verzichten._ Ei» Rückfall. In der„Freisinnigen Ztg." ist zu lesen: „Die sozialdemokratischen Z i g a r r e n h ä n d le r sind bei der Abstimmung über den Acht uhr- Ladenschluß in eine richtige Zwickmühle geraten. Mit Rücksicht auf ihre Arbeiterkundschast mußten sie m Einklang mit der sozialdemokratischen Forderung für den Achtuhr-Ladenschluß ohne Ausnahme eintreten, während das eigene Interesse sie darauf verwies, gemeinsam mit allen ihren Berufskollegen Ausnahmebestimmungen für Zigarren- lüden zu verlangen." Hier behauptet also das führende Blatt der freisinnigen Parteien: das eigene Interesse der Zigarrenhändler— und folglich das der Kleinhändler überhaupt— erfordere eine längere, eine mög- lichst lange Verlaufszeit. Das ist genau dieselbe Behauptung, die im Anfang der 90cr Jahre von der freisinnigen Presse ganz allgemein aufgestellt wurde und womit sie damals gegen jede Ein- schräukung der Arbeitszeit im Handel agitierte. Daß die Behauptung falsch ist, braucht man vor einem polittsch gebildeten Publikum heute nicht mehr zu beweisen. Die einfachste Ueberleguug zeigt, daß im großen und ganzen wegen verkürzter Ladenzeit nicht weniger, fondern nur zu anderen Tagesstunden gekauft wird. Die Zigarren- und sonstigen Kleinhändler haben also in diesem Falle genau denselben Vorteil wie die Angestellten selbst: nämlich verkürzte Arbeitszeit. Und was die theoretische Ueberlegung vorher zeigte, daS hat inzwischen eine rund 15jährige praktische Erfahrung bestätigt. Nun hat der Freisinn bekanntlich seine damalige Haltung revidiert. Er tatS der Not gehorchend, nicht dem eignen Triebe. Denn wie seine hervorragenden Leuchten wiederholt versicherten, hat er seine Stellung gegenüber den sozialen Reformen nur deshalb geändert, weil er sich durch die strikte Ablehnung bei denWählern ge- schadet habe oder zu schaden fürchte. Also nicht innere Ueberzeugung trieb ihn, wie ja m der Tat jeder Eingriff in das „freie Spiel der Kräfte" der inneren liberalen Ueberzeugung wider- sprechen muß. Und daß er in seinem ttefften Innern an der alten Gesinnung festhält, das zeigen solche gelegentlichen Ausbrüche wie der vorliegende. Aus Furcht vor de» Wählern wagt der Freisinn als Partei heute nicht mehr, gegen die Verbesserung der Arbeits- bedingungen aufzutreten, wie er es vor 15 Jahren tat. Aber im Herzen ist er in d i e s e r Frage der alte geblieben: er haßt die Fortschritte und den Aufstieg der Arbeiterklasse noch gerade so wie vor einem halben Menschenalter und glaubt an seine längst wider- legten falschen Argumente noch gerade so wie damals. Unternehmer als Krankenkafsenbetrüger. Die Hetze gegen den„sozialdemokratischen Mißbrauch der Krankenkassen" setzt von neuem ein. Einer der hauptsächlichsten Scharfmacher, der Freiherr Oktavio v. Zedlitz, vcröffent- lichte schon im„Tag" vom 15. Juli 1903 einen Artikel, der darin gipfelt, daß das„ausgebeutete System von Pfründen, das die Sozialdemokratie für ihre Agitawrcn und Veteranen sich in den von ihr beherrschten Krankenkassen zu schaffen gewußt hat", durch eine arbeiterfeindliche Gesetzgebung beseitigt werden müsse. Und die„Korrespondenz des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie" schreibt in Nr. 28 vom 29. Juli 1908 ebenfalls, daß die„Ausbeutung der Krankenversicherung für die staatsseind- lichen Zwecke der Sozialdemokratie so schnell als möglich durch eine Aenderung des ß 38 des Krankenversicherungsgesetzes aus- gerottet werden müßte". Das Gesetz soll nach dem Mllen des Zcntralverbandcs deutscher Industrieller bekanntlich dadurch zu- Ungunsten der Arbeiter verschlechtert worden, daß den Unternehmern im Kassenvorstand statt des bisherigen Drittels die Hälfte der Sitze im Vorstand eingeräumt werde, während der Vorsitz einem Beamten zu überantworten sei. Daß das Gerede vom„sozialdemokratischen Mißbrauch der Krankenkassen" nichts als infamer Schwindel ist, ist un- widcrlcglich durch die Enquettc bewiesen worden, welche der Zcntralverband der Ortskrankenkassen im Jahrb 1908 bei den Unternehmern veranstaltet hat. Ist durch die Ergebnisse dieser Umfrage den Verleumdungen gegen die Sozialdemokratie ein für allemal die Spitze abge- brachen worden, so bleibt die Tatsache allerdings doch be- stehen, daß manche Unternehmer für eine Aenderung des tj 38 des Krankengesetzes gewichtige Gründe anzuführen haben. Man beachte folgendes: Am 10. und 11. August 1908 hielt der Z e n t r a l v e r b a n d der O r tskrankenkassen Deutschlands in Braun- schweig seine Generalversammlung ab. Hier wurden die Ergebnisse einer Umfrage verlesen, welche die Zentral- kommission der Krankenkassen im Mai 1908 über die von Unter- nehmern an dm Kasse» verübten Betrügereien veranstaltet hatte. Die Umfrage war an 1200 Kassen gerichtet worden, von denen leider nur 213 den Fragebogen zurückgelicsert hatten. Trotzdem ergab die Umfrage, daß in 9907 Fällen Unternehmer den Arbeitern die Summe von 164 923.48 M. vom Lohn abgezogen hatten, ohne das Geld an die Krankenkassen abzuliefern. Rechnet man hierzu noch das Drittel von 82 461,62 M., das die Unternehmer als eigenen Beitrag zu leisten hatten, ohne ihn abzuliefern, so ergibt sich die Summe von 247 384.86 M., die unterschlagen worden ist. Damit diesen Betrügereien einer gewissen, leider nicht allzu dünn gesäten Unternehmersippe ein kleiner Riegel vorgeschoben werde, hat der Kongreß der Ortskrankcnkassen in Braunschwcig beschlossen, daß die wegen derartiger Unterschlagung belangten Arbeitgeber mkv Nennung ihres Namens fortan öffentlich gebrandmarkt werden sollen. Alle diese braven Leute, unter denen gewiß nicht wenige find, die über den„sozialdemokratischen Mißbrauch des Krankenversickic- rungsgesctzcs" Schimpfrcden halten, werden aufatmen, wenn die Wünsche der Reichsvcrbändler und anderer Scharfmacher erfüllt sind und die A r b e i t n e b m e r m e h r h c i t in den Kassenvor- ständen beseitigt ist. Es ist menschlich begreiflich, daß diese betrügerischen Zierden des Unternehmertums die Hoffnung hegen, daß ein nach dem Willen der Scharfmacher zusammengesetzte- Kassenvorstand, in dem die Arbeiter die Minderbeit bilden. die öffentliche Brand mariung ihrer 9k amen vcr- hindern werde._ Tie agrarische Volksseele kocht. Soviel steht heute bereits fest, die Ausdehnung der Erbschafts- steuer wird im Reichstag auf den schärfsten Widerstand der Agrarier stoßen, die anscheinend schon jetzt entschlossen sind, daran die ganze Finanzrcform scheitern zu lassen. Wenigstens erklärt die„Deutsche Tageszeitung" mit der ganzen Unverfrorenheit, die nun einmal die charakteristische Eigenschaft der Junker ist: Dessen können die verbündeten Regierungen sicher sein, daß die geplante Ausdehnung der Reichscrbschaftssteuer aus �Kinder und Ehegatten in landwirtschaftlichen Kreisen aufs schärfste bekämpft werden wird. Wir haben in diesen Tagen eine ganze Menge von Zuschriften erhalten, die sich mit seltener Eni- schiedenhcit gegen die Ausdehnung aussprachen. In der einen Zuschrift, die von einem durchaus ruhigen und besonnenen Land- Wirte, und zwar keinem oftclbischen, herrührt, wird gesagt: „Sollte sich im Parlamente eine Mehrheit für den Vorschlag finden, so werden die W o g c n d e r E n t r ü st u n g unter den Bauern noch höher schlagen, als damals gegen die„Acra Caprivi"." Damals haben die Agrarier gedroht, daß sie ihre monarchistische Gesinnung einer Revision unterziehen wollten, einer der Gründer des Bundes der Landwirte, Rupprecht-Ramsau. hat sogar den Uebertritt zur Sozialdemokratie in Aussicht gestellt. Eine ähnliche Melodie soll vermutlich auch jetzt wieder aufgespielt werden.— Ist das Wort„Reichslügenverband" eine Beleidigung? Der Braimschweiger„Volksfteund" beschäftigte sich in seiner Nr. 50 vom 28. Februar in einem Artikel mit dein stammen, Braun- schweiger Vollsblatt", das in seiner Beilage die bekannten gehässigen Verleumdungen des Vorstandes des Hannoverschen GewerkschasiS- karte llS, der Genossen Leinert, Schmidt und Brey, den„Hannoverschen Tagesnachrichten" nachgedruckt hatte, obgleich bereits Be- richtigungcn erfolgt und von den beleidigten Genossen Klagen gegen die„Tagesnachrichten" erhoben worden waren. Der Artikel des.Volksfreund" war überschrieben:„Das hiesige Pastorenblatt auf Reichslügenvcrbandspfaden". enthielt den Borwurf, daß das fromme Pastorcnblatt den Kampf gegen die Sozialdemo- kratie mit denselben unsauberen Mitteln betreibe, wie die„direlte ReichSlügenverbandspresse" und erklärte, daß der Artikel des frommen Blattes von„reichslügenverbändlerischer Seite" stamme. Der Artikel des„Volksstcund" richtete sich ausschließlich gegen das„Braimschweiger Volksblatt". Trotz- dem fühlte sich der Rechtsanwalt Kleinrath- Hannover, der in dem Artikel mit keiner Silbe er- wähnt worden ist— beleidigt und strengte Privat- klage gegen den Redakteur des„Volksfreund", den Genosien Wesemeier an. Das Schöffengericht Hannover wies zunächst den Klageantrag Kleiuraths kostenpflichtig ab, weil, wie es in der Begründung heißt,„der Artikel sich ganz offenbar und direlt nur gegen das sogenannte Pastorenblatt„Br. Volksbl." und die Vcr- unglimpfungen Angehöriger der sozialdemokrattschen Partei richtet, also mit ganz speziellen Vorgängen, mit denen dcrPrivatkläger, wenn sie auch auf den Reichsverband zur Bekämpfung der Sozial- demokratie zurückgeführt werden, doch als Mitglied dieses Verbandes persönlich nichts zu tun hat. Der Privatkläger konnte und sollte durch den in. kriminierten Artikel nicht getroffen werden. weder persönlich noch als Mitglied des Reichsverbandes. Er ist also auch nicht dadurch beleidigt." Auf Entscheid des von Klcinrath angerufenen Landgerichts nahm daS Schöffengericht Hannover dann die Klage an und Dienstag wurde dieselbe verhandelt. Als beleidigend für— sich betrachtete Kleinrath, der Vorsitzender der Reichsverbandsfiliale in Hannover ist, die Worte„ReichSlügenverbandSpfaden",„ReichSlügenverbandspresse" und„reichslügenverbändlerischer Seite". Gleichzeitig hatte Kleinrath den Genossen Friedrich vom„Volks- freund" verklagt, der in einer Notiz im politischen Teil des Blattes Herrn Kleinrath„Vorsitzenden der Hannoverschen Sektion d.'s Neichslügenverbaudes" genannt hatte. Auch der Redakteur Hupfcr von den„Hannoverschen Tagcsnachrichten", der die schmählichen Artikel gegen unsere Genossen veröffentlicht hatte I!), fühlte sich durch dieselbe Notiz des.Volksfreund" beleidigt, die sich mit der Abweisung seiner Klage gegen das„Hamburger Echo" beschäftigte. In der Verhandlung am Dienstag beantragten die Genosscu Wesemeier und Friedrich, die sich selbst verteidigten, die Unzuständigkeit des Gerichts auszusprechen, weil der„Volkssteund" in Hannover nur in zwei Exemplaren, in einem bei unserem Parteiblatt und in einem von dem Reichsverbandssestetär gehalten wird. DaS Gericht sah darin jedoch eine„Verbreitung" deS Blattes und erklär!: sich für zuständig. Auch die Aktivlegitimation des Herrn Kleinraih wurde bestritten mit dem Hinweise, daß kein Reichsverbandsschrift-. steller und Redner unbestraft bleiben werde, wenn man Herrn Klein- rath daS Klagerecht gewähre, da sie alle die sozialdemokratische Partei oft aufs gröblichste beleidigen. Zur sozialdemokratischen Partei gehöre nur der, der sich der sozialdemokrattschen Organisation anschließe. Auch hier sei also, wie beim ReichSverbande, ein fest- geschlossener Kreis von Personen vorhanden. Such wurde der Noch- weis angeboten, daß der Reichsverband in fast allen seinen Flugblättern die Unwahrheit erzähle, öfter auch in seinen Schriften gelogen habe. Das Gericht erkannte jedoch alle die Einwände nicht an.„Reichslügenverband" sei ein Wort. durch welches sich jedes Mitglied des Reichsverbandes beleidigt fühle. i könnte, weil es dem Reichsverbande ja nicht nachzuweisen sei, daß er wissentlich die Unwahrheit gesagt habe. Das Wort„Reichs- lügenverband" wurde daher mit je80M. Geldstrafe für jeden unserer beiden Genossen geahndet. Genosse Friedrich wurde außerdem wegen Beleidigung deS Hupfer zu 30 M. Geldstrafe verurteilt. Sozialmoralisinus. „Die„Post" hat dieses neue Wort geprägt. Sie entröstet sich darüber, daß die sozialmoralisttsche Presse darüber„heul- meiert", wenn ein Unternehmer einen Arbeiter wegen seine: Zugehörigkeit zu einer Organisation aufs Pflaster wirft. Da.' Blatt stellt den Grundsatz auf:.,. ..Es ist ein absoluter Unsinn, zu behaupten, daß der Unter- nehmer ruhig zusehen müsse, wenn sich Handarbeiter von ihm zu beliebigen Hetzverbänden zusammenschließen. Rur«m schlapper Arbeitgeber ohne zedes Ehrgefühl wird das dulden. Verbieten kann er es ihnen allerdings nicht, aber er kann von seiner K ü n d i g u n gs f r e ih e i t Gebrauch machen: und dagegen ist alles sozialmoraltsche Geschwafel machtlos." Was würde wohl die ehrettwerh„Post" dazu sagen, wenn die Arbeiter einmal einem Unternehmer den Streik androhen wollten, falls er nicht aus seinem Unternehmcrverband austrete.—, Militärjustiz. Wegen MißbrauchS der Dienstgewalt, Unterschlagungen usw. der- urteilte das Kriegsgericht in Ingolstadt die Unteroffiziere Ritteler und Lehmer zu je S Monaten Gefängnis und Degradation. Der Soldat Neichling vom Trainbataillon in Germersheim meldete den Unteroffizier Forst wegen Beleidigung(.Sie sind ein LauSbub 1"). Der Anzeige wurde nicht stattgegeben, dagegen gegen den Soldaten Anklage erhoben, weil er damals, als er von dem Unteroffizier mit„Lausbub" angeredet worden war, nicht mit den Händen an der Hosennaht dagestanden hatte. Das Kriegsgericht in Würzburg verurteilte den Soldaten wegen Achtungsverletzung zu 28 Tagen strengem Arrest.—_ Das Ende der Aktion. Nach den letzten Reichstagswahlen ist gegen acht agitatorisch tätig gewesene Genossen in Gotha ein Verfahren wegen Beleidi- gung des Hauptmanns Dominik und des Stationsleiters Geo Schmidt eingeleitet worden. Dieses Verfahren wurde dann auch auf drei Parteiblätter ausgedehnt. Das Verfahren gegen die Gothaer Genossen ist längst eingestellt und nun sind auch die an- geklagten Parjeiredaktcure ausser Verfolgung gesetzt worden.— Ocftcrmch. Ein rektifizierter Staatsretter. Unser Wiener Bruderblatt, die„Arbeiterzeitung", hat am Dienstag nach längerer Pause wieder einmal eine Konfiskation er- lebt. Sie hatte bei der Besprechung der zum Geburtstag des Kaisers erlassenen Amnestie darauf hingewiesen, dass der Straf- nachlah nur Unbescholtenen zuteil wird, und dazu bemerkt: Diese Einschränkung gestaltet die Amnestie ohne rechten Grund sehr engherzig. Diesen Satz hat der Erste Staatsanwalt konfisziert, weil darin das Verbrechen der Majestätsbeleidigung enthalten sei. Die famose Konfiskation ist indes schon am Nachmittag des- selben Tages vom Landgericht Wien wieder aufgehoben worden. Das Gericht erklärte in der Begründung, dass nach dem Zusammenhang, in dem die von der Staatsanwaltschaft be- anstandete Stelle sich befinde, nicht angenommen werden könne, dass sich die in dem angeführten Passus enthaltene Kritik gegen die Person des Kaisers richte. Der übereifrige Erste Staatsanwalt ist also schnell rektifiziert worden— die„Arbeiterzeitung" aber hat den Schaden von der Massnghme des Herrn weg.—_ Belgien. Die Kongoanncxion a» der Klippe. Die Kammer hat am Donnerstag einen Beschluß gefaßt, der die Kongoanncxwn plötzlich wieder in Frage stellt. Die Regierung forderte in einer Vorlage die Garantierung der Schulden des Kongo st aats durch Belgien. Die Kammer hat diese Vor- läge mit 75 gegen 54 Stimmen bei zehn Stimmenthaltungen ab- gelehnt. Die Niederlage der Negierung muß eine Minister- k r i s e zur Folge haben, wenn Leopold II. nicht vorziehen sollte, die Kongovorlage ganz zurückzuziehen. Man meint Grund zu der An- nähme zu haben, daß er das tun wird— er habe die Garantie der Kongoschuld nur gefordert, um daran die Kongoannexion fchei, kern zu lassen, die er nicht wünscht.— JVIarokfco. Abdul Asis Herr von Marrakesch. Wie aus Marrakesch vom 15. d. M. gemeldet wird, Vernich- tetc die Mahalla des Sultans Abdul Asis die Truppen El Glauis bei Sidi Guellal und eine zweite hafidische Mahalla bei Sidi Rahal. Zu derselben Zeit zog der Kaid Mtugi in Marra- kesch ein.—_ Hiid der parteL Eine eigenartige Entdeckung. Der Genosse E. N., Redakteur der„Dresdener Volkszeitung" polemisiert gegen die Ausführungen des Genossen H. F. in demselben Blatte dadurch, daß er den Nachweis zu führen versucht, dass in Sachsen das Budget traditionell nicht abgelehnt, sondern bewilligt worden sei! Seit 1878 sei von unserer Fraktion das Budget nur zweimal ab- gelehnt, in zehn Fällen ober bewilligt worden. Diese Praxis sei nicht nur unter der Führung Liebknechts, sondern auch unter der Führung des Genossen Bebel geübt worden. So habe 1890 Bebel mit der übrigen Fraktion für das Gesamtbudget gestimmt. Auch später, als Bebel ausgeschieden sei, hätten die übrigen Genossen(Geyer, Goldstern, Horn, Kaden, Stolle usw.) das Budget bewilligt. Selbst 1898 und 1999 hätten die säch- fischen Fraktionsmitglieder noch für das sächsische Budget gestimmt. Der Genosse E. N. stellt diese Behauptungen auf Grund des amtlichen Stenogramms des sächsischen Landtages auf. Wir bemerken demgegenüber einstweilen, daß weder im Jahre 1894 noch im Jahre 1991 auf den Par- teitagen in Lübeck und Frankfurt von den süd- deutschen Genossen auf diese angebliche Be° willig ung des Budgets durch die sächsischen Genossen hingewiesen worden ist, wohl aber er- klärte der Genosse Geyer im Jahre 1991, daß eine Budget- bewilligung in Sachsen nur ein einziges Mal vorgekommen sei! Ferner erklärte der Genosse Gold stein bor noch nicht langer Zeit, daß er ni cht für das Budget gestimmt habe!- Trotz der Ungeheuerlichkeit dieser Enthüllungen, die mit unseren iparteitagsprotokollen in schärfstem Widerspruch stehen. druckt sie bereits die„Fränkische Tagespost" munter nach. Wir erwarten, daß die in Frage kommenden Genossen schleunigst eine Berichtigung und damit auch eine gründliche Zurück- toeisung dieser neue st en Rechtfertigungs- versuche dgr süddeutschen Sondcrbündclcicn unternehmen werden!— Zum Parteitag. Genosse I. S t. regt in der„Schwäbischen Tagwacht' an, auf dem Parteitag die Bildung einer Kommission zu betreiben, die sich mit der Herausgabe eines Lehrbuchs der Weltgeschichte befaßt, das den Stoff in gedrängter Kürze bietet und das Tatsachenmaterial mit der ökonomisch-materialistischen Idee durch- leuchtet. Die Konunission mützte eine Reihe befähigter Autoren gewinnen, die sich in die Arbeit teilen und nach einem gemeinsamen Plan, auf Grund des historischen Materialismus, doch ohne in Einzelheiten die subzektive Auffassung der Autoren zu beschränken, das Werk herzustellen. Die Kreiskonferenz für den Wahlkreis Ruppln-Templin delegierte die Genossen Ritter und P o l z i n e r, die Jahresversammlung des Wahlkreises Brandenburg- W e st h a v e l l a n d den Genossen S i d o w. In einer Zuschrift aus Dresden wird uns von einem be- kannten Genossen die iir Nr. 193 gebrachte Notiz über die Bersamm- lung der Genossen von Dresden-Altstadt als irreführend. bezeichnet. Die darin abgedruckte und als angenommen bezeichnete Resolution sei gegenstandslos geworden durch die gegen nur vier Stimmen erfolgte Annahme der Leipziger 3t e s o l u t i o n zur Jugendorganisationsfrage.— Der Bericht der„Dresdener Volks- zcitung" behauptet die Annahme der von uns wiedergegebenen Resolution._ Aus den Organisationen. Die Organisation im Reichstagswahlkreise Brandenburg- West Havelland hat, wie auf der am Sonntag in Brandenburg tagenden Jahresversammlung berichtet wurde, jetzt 3531 Mitglieder. In den beiden Industriestädten des Kreises Rathenow und Branden- bürg sind mehr als 43 Proz. der sozialdemokratischen Reichstags- Wähler im Wahlverein organisiert. Ilm in den kleinen Städten und auf dem Lande, Ivo die Organisation ungünstiger steht und teilweise Slückschritte zu verzeichnen sind, die Partei mehr zu fördern, wurde die Anstellung eines Partei- s e k r e t ä r s gewünscht. Die Anregung wurde dem Vorstand zur Erwägung überwiesen. Bei den Stadtverordnetenwahlen hat die Partei glänzende Siege erfochten und bei den Landtagswahlen entscheidende Fortschritte gemacht. Zur Prodi nzialkonferenz in Berlin stellt die Kreisversammlung den Antrag, in dem ge- planten Einheitsstatut für die Provinz den Pflichtbeitrag der Kreisvereine auf 3 Pf.. pro 39 Pf.- Beitragsmarke festzusetzen und den Monatsbeitrag der weiblichen Mitglieder auf 15 Pf. zu bemessen.— Der Stand des Parteiorgans, der„Branden- b u r g e r Zeitung" ist günstig. Trotz Betriebserweiterungen und Ausgestaltung des Blattes ist ein Ueberichuss von rund 19 999 M. erzielt worden. Der Abonnentenstand ist unter den Einwirkungen der Krise etwas gesunken, war aber im Jahresdurchschnitt immer noch höher als im Vorjahr, seine mittlere Höhe war über 12 999. Im Wahlkreis Solingen, der am 9. August seine von 64 Delegierten, darunter 19 Frauen beschickte Kreiskonferenz abhielt, ist im letzten Jahre die Organisation, wohl infolge der grim- migen wirtschaftlichen Krise, nur um 168 Mitglieder gewachsen. An Beiträgen wurden 19 267 M. gegen 7886 M. im Vorjahre auf« gebracht. Die Gesamteinnahmen sind von rund 14999 M. im Vorjahre aus über 13 999 M. gestiegen. Die Kosten der Landtagswahl beliefen sich auf 2519,79 M., ein Zuschuß von 914,86 M. zu dem durch Sammellisten aufgebrachten Betrag von 1694,93 M. war erforderlich.— Die Parteipresse steht verhältnismäßig günstig; die Einnahmen haben sich bedeutend gehoben, allerdings auch die Ausgaben. Ein Antrag, das Parteiblatt in Parteiregie zu übernehmen(jetzt ist eine Genossenschaft Eigentümerin) wurde auf später vertagt. A b- gelehnt wurde ein Antrag, nach welchem der Beitrag der Frauen ISPs, pro Monat nicht übersteigen und die„Gleichheit" nicht obligatorisch eingeführt werden sollte. Im Wahlkreise Ruppin-Templin, dessen Kreiskonferenz am 9. August in Zehdenick tagte, ist infolge der wirtschaftlichen Krise die Mitgliederzahl von 942 auf 873 zurückgegangen. Gewerk- schaftlich organisiert sind 1928 Genossen. Die Einnahmen beliefen sich während des ersten Halbjahrs 1993 auf 976,39 M., die Ausgaben auf 913,58 M. Die Abonnenten der Parteipresse haben sich gleichfalls vermindert. Es werden 333 Exemplare der„Brandenburger Zeitung" und 21 Exemplare des„Vorwärts" gelesen.— Bei den Gemeinde- vertreterwahlcn haben Kurtschlag. Zehdenick und Lychen sehr gut ab- geschnitten. Leider mußte konstatierr werden, daß in Lychen der ge- wählte Parteigenosse der Partei den Rücken kehrte. Genosse Mittag in Zehdenick sti mm te für Errichtung einer katholischen Schule. während bürgerliche Vertreter dagegen stimmten. Darüber von der WahlvereinSversamm- lung zur Rede gestellt, gab derselbe eine ausweichende Antwort. Die Zehdenicker Genossen forderten nunmehr die Mandats niederlegung des inzwischen aus dem Wahlverein geschiedenen Genossen Mittag. Diesem Verlangen ist er bis heute nicht nachgekommen. Bei der Landtagswahl hat er nicht ge- wählt. Die Konferenz nahm dazu folgende Resolution an: „Die heutige Kreisgeneralversammlung erklärt nach Kenntnisnahme der Handlungen des von der Partei aufgestellten und gewählten Stadtverordneten Mittag in Zehdenick, denselben nicht mehr für würdig, der sozialdemokratischen Partei anzugehören und fordert denselben auf, unverzüglich sein Mandat in die Hände seiner Mandatgeber zurückzugeben. Die Versammlung erklärt sich durchaus einverstanden mit den in dieser Angelegenheit von dem Ortsverein Zehdenick gefaßten Beschlüssen.— Der Zentralvorstand wurde von Neu-Ruppin nach Zehdenick verlegt. Zum Zentralvorsitzenden wurde Genosse Polziner-Zehdenick und zum Kassierer Genosse Ehlicke-Zehdenick gewählt. Der Organisationsplan sowie das Normalstatut für die Wahlvereine der Provinz Brandenburg mit dein Einheitsbeitrag von 39 Pf. wurde angenommen. Zur Provinzialkonferenz wurden die Genossen Klammer, NeSpithal-Zehdenick und Neumann-Neu-Ruppin delegiert. Ein neues Parteisekretariat. Die Parteikonferenz für den Wahl- kreis Hanau-Gelnhausen-Orb beschloß die Anstellung eines Sekretärs. Gewählt wurde Genosse Robert Dißmann, bisher Lokalbeamter des Metallarbeiterverbandes in Frankfurt a. M. Bor Zuzug nach Brüssel wird gewarnt! Wir werden um die Veröffentlichung der folgenden Warnung gebeten: „In letzter Zeit haben wir, wohl infolge der herrschenden Krise, einen sehr starken Zuzug von deutschen Arbeitern nach Brüssel. Wir möchten hierdurch dringend vor Zuzug warnen und Haupt« sächlich die deutschen Handwerker darauf aufmerksam machen, sich nicht zu viel von der im Jahre 1910 stattfindenden Weltausstellung zu vor- sprechen. Belgien ist daS Land, wo, abgesehen von ganz vereinzelten Ausnahmen, die schlechtesten Löhne bezahlt werden und die längste Arbeitszeit herrscht. Ferner machen wir noch darauf aufmerksam, daß gewisse Hand- werker. wie Holzarbeiter, ohne eigenes Handwerkszeug keine Be- schäftigung finden können. Zureisenden empfehlen wir, sich sofort an den deutschen Arbeiterverein Maison du Peuple(Joseph Stevens), zu wenden, der sie mit Rat und Tat unterstützen wird. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Deutscher Arbeiterverein Brüssel. Soziales. Der Handlungsgehilfe als Schauspieler. Es werden zwar manchmal einem Handlungsgehilfen Arbeiten aufgetragen, die nicht zu den kaufmännischen Obliegenheiten ge- hören. Daß aber ein Handlungsangestellter regelrecht Komödie spielen mutz, dürfte auch nicht oft vorkommen. Ein derartiger sei- teuer Fall beschäftigte die erste Kammer des KaufmannsgerichtS. Der Stadtreisende Franz G. klagte gegen die Schreibmaschinen- Vertriebsgesellschaft von P. Derrich auf Zahlung von 199 M. Rest- gehalt. Als Entlassungsgrund führte der beklagte Chef an, der Kläger habe die im Geschäft stattfindenden„Vorstellungen" durch Lachen gestört und habe auch zu sehr dem Alkohol zugesprochen. Mit diesen„Vorstellungen" hatte es folgende Bewandtnis: Zu be- stimmten Zeiten mußten sich sämtliche Reisende in einem zum „Demonstrationssaal" bestimmten Räume des Geschäftslokals ein- finden. Die Stollen wurden dann dergestalt verteilt, daß ein Rei- sendet den Akquisiteur abgab, während ein zweiter den Kunden zu spielen hatte. Das übrige Personal bildete die Zuschauer. Nach den Angaben des Chef-Regisseurs hatte nun die Hauptaufgabe der beiden Spieler darin zu bestehen, daß der den Kunden Spielende alles mögliche an der ihm vorgeführten Maschine aussehen mußte, während der Interpret des Reisenden die Zweifel an der Güte des Objekts durch sachgemäße Demonstrationen zu beheben hatte. Der Kläger soll nun die Rolle des„Akquisiteurs" so ungeschickt gespielt. haben, daß das Auditorium in ein nnbiinbigeS Gelächter ausbrach. Demgegenüber behauptete der Kläger, daß bei den Vorstellungen immer gelacht wurde. Es läge das auch in der Natur der Sache, daß bei einer derartigen Vorführung mit verteilten Rollen im Rahmen des Geschäftsbetriebes der Ernst nicht so leicht gewahrt werden könne. Das Kaufmannsgericht lehnte die von der Beklagten angebotene Beweisaufnahme ab und verurteilte die Firma dem Klageantrag gemäß. Die Verfehlungen berechtigten nicht zur sofortigen Eni- lassung, auch bezüglich der behaupteten Trunkenheit des Klägers hätte Vermahnung vorangehen müssen. Eine für Rollkutscher wichtige Entscheidung' fällte die Kammer 7 des Berliner Gewerbegerichts in ihrer letzten Sitzung unter dem Vorsitz des Magistratsrats Dr. G e r t h. Der Rollkutscher S. verlangte von der Speditionsfirma Jakob und Vallentin Herauszahlung von 99 M. Kaution, die ihm als Ersah für ein von seinem Wagen gestohlenes Kolli einbchalten waren. In Betracht kam eine Vertragsbcstimmung, in der unter anderem ge- sagt ist: Für Verluste oder Beschädigungen, die die ihm über- gebenen Güter erfahren, haftet der Kutscher, falls er nicht nach- weist, daß sie auf einen unabwendbaren Zufall zurückzuführen ist, als welcher jedoch Diebstahl nicht anzusehen ist.— Der Kläger beruft sich daraus, daß er keinen Mitfahrer(Rolljungen usw.) zur Verfügung gehabt habe, als der Diebstahl passierte. Er habe Güter von der Bahn abgeholt, habe ohne Mitfahrer hinfahren müssen und nach dem Bahnhof keinen Mitfahrer nachgesandt be- kommen.— Der Firmenvertreter und der als Zeuge erschienene Inspektor gkoland führten aus: Es komme vor, daß die Kutscher, namentlich an Fortbildungsschultagen, ohne Nolljungen zur Bahn fahren müßten. Für solche Fälle seien sie aber angewiesen, auf dem Bahnhof bis zum Eintreffen eines Begleiters zu warten, bevor sie Güter an Kunden abfahren, und wenn kein Begleiter komme, mit allen Gütern direkt nach dem Speditionshof zu kommen. Dem habe Kläger zuwidergehandelt, indem er doch, obwohl kein Begleiter kam, Güter abrollte.— Ter Vertreter des Klägers als Fachmann stellte fest, daß sehr viele Diebstähle schon auf dem Bahnhof vor- kämen, wenn nur eine Person die Uebernahme der Güter besorge. Diese könne doch nicht zugleich vorn und hinten den Wagen beobachten. Im übrigen aber habe nach Mitteilungen anderer Kutscher die vom Inspektor behauptete Order nur darin bestanden, daß nach Vorkommen von Diebstählen gesagt worden sei: Warum fahrt Ihr nicht nach Hause? In anderen Fällen wären Kutscher angeschnauzt worden, wenn sie wegen Fehlens eines Mitfahrers gleich nach Hause gekommen seien.— Der Inspektor bestritt dies und blieb bei feiner Aussage. Das Gewerbegericht verurteilte die Firma zur Herauszahlung der 99 M. und führte aus: Da der Kläger ohne Jungen habe fahren müssen, so treffe ihn hier keine Verantwortung, weil gar nicht nach- wcisbar sei, wann und wo die Waren gestohlen seien, ob das nicht vielleicht schon auf dem Bahnhof geschah. Den Schaden müsse die Gesellschaft selber tragen Es sei überhaupt eine Misere geworden, diese ewigen Diebstähle von Stückgütern. Weshalb bleibe man bei den altgewohnten Wagen, die nach allen Seiten offen seien? Warum schaffe man nicht derartig geschlossene Wagen an, wie sie in London und Paris benutzt würden? Das Urteil des Gewerbegerichts ist durchaus zutreffend. Es frägt sich nur, ob nicht der Klage bereits ohne Beweisaufnahme stattzugeben gewesen wäre, weil die vertragliche Vereinbarung, die dem Arbeiter das Nisiko des Verlustes auch dann auferlegt, wenn ihn keine Schuld trifft, gegen die guten Sitten verstößt, und un- gültig ist._ Der Handel mit polnischen und russischen Arbeitskräften muß ein sehr einträglicher und blühender Geschäftszweig sein. Jetzt dehnen die Sklavenhändler ihre Tätigkeit auch nach Süddeutschland aus. In Nürnberg hält sich zurzeit ein solcher, namens M. Oel- bäum aus Kolbuszotoa in Galizien, vorübergehend auf, um Auf- träge auf die Lieferung von Lohndrückern entgegenzunehmen. Er versendet an die Unternehmer ein gedrucktes Zirkular, in dem es heißt: ..... Ich bin stets in der Lage, galizische, masurische, russische Arbeiter für jedwede Arbeit, insbesondere für landwirtschaftliche Betriebe, Ziegeleien, Chamottewerke, Erdarbeiten zur Verfügung zu stellen. ... Sie brauchen Leute, die gesund, tüchtig, fleißig, genügsam und anständig sind. Durch meine Beziehungen bin ich in der Lage, Ihnen solche Leute zu verschaffen. Zu jeder Partie wird du Aufseher gestellt, der der fremden und der deutschen Sprache mächtig ist. Dabei erleichtere ich Ihnen die Beschaffung und Haltung der Arbeiter in jeder Weise. Je nach Wunsch und Bcrcinbarung übernehme ich die Verköstigung, Verpflegung und Auszahlung der Arbeiter oder beschaffe dieselben gegen einmalige Provision.... Sie werden gewiß, wie die zahlreichen Personen und Firmen, mit welchen ich bereits in dauernder Verbindung stehe, vollständig zu- friedengcstellt werden. ES können jederzeit die besten Referenzen aufgegeben werden. Gegenwärtig ist die richtige Zeit zum Abschluß von Verträgen für das Jahr 1999. Entschließen Sie sich nicht zu spät, da sonst bielleicht die für Sie erforderlichen Arbeitskräste nicht mehr zu beschaffen sind." So kommen die galizischen Händler mit Menschenfleisch den Unternehmern zu Hilfe. Feiertagsruhe im Fleischergewerbe. Die vereinigten Fleischer- Innungen Nürnbergs beantragten beim Stadtmagistrat, für die zweiten Feiertage völlige Arbeitsruhe und Geschlossenhalten der Vcrlaufslokale vorzuschreiben. Blus der Frauenbewegung. Dienstboten und Herrschaften. Ein heißumstrittenes Problem ist in Berlin die Dienstboten- frage. Während in allen anderen weiblichen Berufen ein be- ängstigender Andrang herrscht, wollen die Klagen der interessierten Kreise über die geringe Zahl der Zuziehenden im Dienstverhältnis nicht verstummen. Statt aber die Sachen dieser Erscheinung ehrlich und objektiv zu erforschen und die Schäden bei der Wurzel anzupacken, versucht nian es mit allerhand HilfSmittelchen, die nicht kalt und nicht warm sind oder man verdreht die wahren Tatsachen, weil sie unbequem sind und schimpft weidlich über das unbotmäßige, anspruchsvolle„Gesinde"! Neunmalweise behaupten sogar, es gebe gar keine Not der Dienst- boten, sondern nur eine Not mit den Dienstboten. Da man indes mit solch tiefsinnigen Aussprüchen die Frage nicht löst, zum tat- kräftigen Angriff auf das Grundübel aber der Wille und Mut fehlt. so bleibt die Karre natürlich aus demselben Fleck stehen und die Konfusion wird nur um so heilloser. Nun erscheint aber ein RegierungS- rat. ein wirklicher Regierungsrat. Herr Dr. Leo, auf dem Plan, um mit der ganzen Wucht seiner Persönlichkeit sein Urteil in dieser Frage abzugeben. In der„Sozialen Praxis" hat der Herr in einem Artikel seine Ansichten niedergelegt, wovon wir einige Sätze herausgreifen wollen: Die Macht liegt nicht mehr auf feiten der Hausfrauen, sondern bei den Dienstboten. In keinem Berufe haben sich die Arbeitsbedingungen so gehoben, sind die Leistungen so herunter« gegangen wie im Dienstbotenstande. Die Dienstboten unter die Ge- werbeordnung zu stellen, weist der Artikelschreiber entschieden zurück. denn„Gewerbeordnung heißt Gewerbeaufsicht, Kontrolle sämtlicher in Deutschland bestehenden Haushaltungen durch die Gewerbe- insvektion".(.?>u i n» n notwendige Gegengewicht zu den Dienstvotenorganisationen müßten— HauSfrauenorganisationen bilden.— In einem anderen Matt wurde kürzlich vorgeschlagen,„zwang- lose Zusammenkünfte zu veranstalten, wo Hausfrauen und Dienst- boten zusammenkommen sollen und wo dann die Dienstboten Ge- legenhcit hätten, den Herrschaften ihr bedrängtes Herz auszuschütten. Damit wäre der Boden zur Einigung geschaffen und die Herr- schaften würden sicherlich den„berechtigten" Wünschen der Dienenden entgegenkommen.— Als ob es auf das mehr oder mindere Wohl- wollen einzelner„Herrschaften" ankäme I So malt sich aber in den Köpfen dieser guten Leute die Welt. Keine Beseitigung der vor- weltlichen Gesindeordnung, keine Unterstellung des Hauspersonals unter die Gewerbeordnung. Beileibe nicht, das würde das „idyllische, patriarchalische, familiäre" BerhältniS zwischen„Dienst- böte und Herrschaft" zerstören. Das Schönebergcr Statistische Amt hat übrigens festgestellt, daß die Zahl der Dienstboten in den Haushaltungen zurückgeht, und zwar aus folgenden Gründen: durch den immer mehr steigenden Komfort in den Wohnungen(Zentralheizung, Warmwasserversorgung, elektrische Beleuchtung usw.) werden die Dienstleistungen eingeschränkt und die Dienstboten entbehrlicher. Sodann bleibt da? Angebot der Dienstboten hinter der Nachfrage zurück, und zuletzt sind die Kosten der Dienstbotenhaltung in höherem Maße gestiegen als das Einkommen der Haushaltungen, die als Arbeitgeber von Dienstboten in Betracht kommen. Denn das Steigen der Dienstbotenlöhne sowie der Lebensmittel- preise, die der wichtigste Faktor in den Kosten der Dienstboten- Haltung sind, wirken am stärksten auf den Rückgang der Dienstboten ein. Der letzte Umstand ist nur zu begrüßen. Wer selbst nichts zu nagen und zu beißen hat. der braucht auch kein„Gesinde" zu halten. Schließlich ist es die beste Lösung für jene»Herrschaften", die den HauSgehilfen absolut ihre Menschenrechte verweigern, wenn sie ihre Arbeit selbst besorgen; vielleicht merken sie dann auch mal, wie's schmeckt I SewerKscKaftUcKes. Schwarze Listen. Der Zufall spielt uns folgendes Zirkular in die Hände: Verein der Kupferschmiedereicn Deutschlands. Hannover, den 6. August 1303. An die Herren Mitglieder des Vereins I Nach einer Mitteilung des Bezirksvereins Brandenburg sind nachstehend aufgeführte 13 Kupferschmiedegehilfen in Senften- b e r g i. d. Niederlausitz wegen unerfüllbarer Lohnforderungen in den Ausstand getreten: lFolgen die Namen alphabetisch geordnet Nr. 1—13 mit Ge- burtsdatum und Geburtsort.) Dieselben find daher gemäß§ 13 der Satzungen so lange von der Einstellung auszuschließen, bis von uns die Liste widerrufen wird. Der Vorstand. � � Richard HenneS. Der Sknipellosigkeit des Treibens dieser kleinmeisterlichen Scharfmacher wird die Krone aufgesetzt dadurch, daß unter Nr. 1 ein Arbeiter aufgeführt ist, der bereits am 29. Juli wegen Mangel an Arbeit zu Hause bleiben mußte(!), während der Ausstand am L. August begann. Aber es kommt noch besser I Unter 5 und 13 sind 2 Arbeitswillige auf- geführt. Offenbar wollte der betreffende Meister ganz sicher gehen und wollte verhindern, daß ihm diese Rausreißer von den beiden anderenMeistern weggeschnappt werden, deshalb kamen sie Wohl gleich mit auf die Liste. Auch nicht Übels Uebrigens sind die Streikenden bester Hoffnung und glauben an ihren Erfolg. Man halte Zuzug fern! Berlin unck llmzegenck. Tarifbewegung der Gold- und Silberarbeiter. Der Deutsche Metallarbeiter-Verband hatte am Mittwoch eine Versammlung aller in der Gold- und Silberwarenindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen veranstaltet, die im Ge- Werkschaftshause stattfand. Handle referierte über das Thema: „Die Kündigung des Tarifvertrags durch die Arbeitgeber und unsere � Stellungnahme". Die Unternehmer in der Edelmetall- industrie werben eifrig für ihren Verein, den„Arbeitgeberverband für Berlin und Umgegend". Sie fordern in Schreiben, die als „streng vertraulich" bezeichnet werden, zum Anschluß auf und rüsten gegen die Arbeiter, denen sie zum 1. Oktober den im Jahre 1306 vereinbarten Tarifvertrag gekündigt haben. Handle be- leuchtete scharf die Ziele und Zwecke des neuen Arbeitgeber- Verbandes an der Hand des Vereinsstatuts, das eine Reihe von Bestimmungen enthält, die sich in schrofffter Weise gegen die Ar- bciter richten. Vertrauliche Anftagen sind ergangen, wie sich der Minimallohn bewährt habe und wieviel Gehilfen zu dem Minimal- lohn beschäftigt seien. Es gilt anscheinend, diesen Minimallohn noch tiefer herabzudrücken, wogegen die Arbeiter sich aber energisch wehren werden. Man hat von feiten der Arbeitnehmer nichts versäumst, einem Konflikt zu begegnen. Durch die Schlichtungskommission wurde zeitig genug versucht, Verhandlungen in bezug auf den Tarif einzuleiten. Am 13. Juli richtete man ein Schreiben an die Innung, mit der der Tarif abgeschlossen worden war. Am 23. Juli kam die Antwort, daß man zu Verhandlungen bereit sei, und eine Einladung zu einer gemeinsamen Sitzung wurde erwartet. Am 6. August kam statt dieser Einladung die Niitteilung, daß der Tarif gekündigt werde. Die Innung wies die Arbeitnehmer zur Eröffnung von Verhandlungen an den neuen Arbeitgeberverband. Man folgte auch dieser Weisung und schrieb am 8. August an diesen Verband. Am 10. August kam die Antwort, in der ein sonder- barer Ton angeschlagen wurde; es hieß darin, daß man geneigt sei, die„Wünsche" der Arbeitnehmer entgegenzunehmen. Das- selbe könnten die letzteren mit größerem Rechte von den Arbeit- gebern sagen, die doch Wünsche haben müssen, da sie doch selbst den Tarif gekündigt haben. Am 13. August kam dann ein Schreiben von dem Verband, in dem ein Termin, der 21. August, nicht etwa zu einer Beratung, sondern wieder zur Entgegennahme von Wünschen anberaumt wurde. Man wird auch dieser Einladung nachkommen. Die„Wünsche" der Arbeiter liegen klar zutage, man will zuerst wissen, warum die Unternehmer den Tarif kündigten und welche Wünsche s i e nun haben. Man hat freilich den starken Verdacht, daß sie keine Verbesserung des gekündigten Tarifcs wünschen. Andererseits sind die Arbeitnehmer nicht ge- willt, sich eine Verschlechterung gefallen zu lassen. Sie denken daran, daß sie im Jahre 1306 durch einmütiges Zusammen- stehen gegen die Unternehmer sich den Tarif erkämpft haben. Frei- lich haben sie seitdem viel versäumt, ihre Organisation zu stärken, und das haben die Unternehmer wohl bemerkt. Diese rechnen jetzt mit der Schwäche der Arbeiter, und darum treten sie nun auch sehr selbstbewußt auf. Handle mahnte dringend, die Zeit vor Ablauf des Tarifvertrages noch zu tüchtiger Organisationsarbeit auszunützen. � m r Die folgende Resolution wurde von der Versammlung an- genommen: :„Die am 13. August tagende Versammlung fit in der Gold- und Silberwarenindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeite- rinnen nimmt von der Kündigung des Tarifs von feiten der Arbeitgeber Kenntnis. Da nach der Haltung des Arbeitgeber- Verbandes der Edelmetallindustrie es nicht ausgeschlossen ist, daß auch von einzelnen hiesigen Arbeitgebern versucht werden wird, die bestehenden Lohn- und Arbeitsbedingungen zu ver- schlechtern, so protestiert die Versammlung ganz entschieden da- gegen und beauftragt die Ortsvcrwaltung des Deutschen Metall- arbeiter-Verbandes, geeignete Maßnahmen zu treffen, damit derartige Absichten der Arbeitgeber nicht zur Ausführung kommen. Die Versammlung beauftragt ferner ihre Schlich- tungskommisswnsmitglieder, mit den Arbeitgebern zu ver- handeln, und behält sich ihre Stellungnahme bis auf weiteres vor. Die Versammlung verpflichtet sich, für die Ausbreitung des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes Sorge zu tragen, um ge- rüstet zu sein, etwaige reaktionäre Handlungen der Arbeitgeber erfolgreich zurückweisen zu können." Der gute Besuch der Versammlung, die wegen zu starken An- dranges nach dem großen Saale verlegt werden muhte, zeigte deutlich, daß die Arbeiter, aufgerüttelt durch die Kündigung des Tarifs, die gegenwärtige Situation wohl verstehen. In der Dis- kussion kam ebenfalls zum Ausdruck, daß die Arbeiter nicht ge- sonnen sind, eine Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen ge- duldig hinzunehmen. Handle gab ihnen- die Versicherung, daß der Deutsche Metallarbeiter-Verband bereit sei, ihnen zu helfen, sobald sie zeigen, daß sie geschlossen zum Widerstände gegen die Ilebergriffe der Unternehmer auftreten wollen, veutkckes Reich. Im BreSlaner Tischlergewerbe ist der Frieden immer noch nicht gesichert. Während nämlich die Tischlerinnung im allgemeinen dem zwischen dem Holzarbeitervcrbande und der Freien Vereinigung der Arbeftgeber zustande gekommenen Tarif sich angeschlossen hat, wollen die Meister der Erlen- und geschweiften Branche wegen der angeblich ausnehmend schlechten Konjunktur die bprozentige Lohn- crhöhung in keinem Falle mehr in diesem Jahre, sondern erst vom 1. Januar 1303 ab zugestehen. Die in jenen Branchen beschäftigten Gesellen haben nun beschlossen— trotz allem Abraten der Organi- sations- und Gauleitung—, zu fordern, daß die Erhöhung bereits am 1. Okwber in Kraft tritt, obgleich bei der Abgeneigtheit der Unternehmer unter Umständen damit der Streikfall gegeben ist Es sollen nun noch einmal Verhandlungen mit der Innung ge- pflogen werden. Die Arbeitslosigkeit wächst in Nürnberg beständig in beängstt gcndem Maße. Fortgesetzt finden Arbeiterentlassungen statt. Zur� zeit dürften über 3000 Arbeiter beschäftigungslos sein, mindestens ebensoviel arbeiten mit verkürzter Arbeitszeit. Am meisten von der Krise betroffen sind die Spielwarenindustrie, die Metall- und Maschinenindustrio, die elektrische Industrie, empfindliche Stockungen treten ferner in der Möbel-, Bürsten- und Pinset industrie und� in den graphischen Gewerben auf. Auch im Bau gewcrbe herrscht ungenügende Beschäftigung. Da alle Anzeichen auf eine weitere Verschärfung der Krise hindeuten, hat das Ge- Werkschaftssekretariat im Auftrage der vereinigten Gewerkschaften an den Stadtmagistrat eine Eingabe gerichtet mit der Forderung, für den kommenden Winter Notstandsarbciten vorzubereiten und baldmöglichst in Angriff zu nehmen. In der Eingabe wird auch die Beschäftigung ausländischer Arbeiter und Arbeiterinnen an Staats- und Kömmunalbauten gerügt, ebenso die Beschäftigung von Arbeiterinnen an gemeindlichen Bauten, die schon aus hygienischen und sittlichen Gründen einzuschränken sei. Es wird verlangt, daß den mit der Ausführung städtischer Bauten beauf- tragten Unternehmern zur Pflicht gemacht werde, solange ein- heimische Arbeiter vorhanden sind, nur solche zu beschäftigen, und erst dann, wenn solche nicht mehr zu haben, ausländische Arbeiter einzustellen. Huslanck. Ausnahmcrccht für streikende Arbeiter. Die Meißener AmtShauptmaunschaft erließ im„Meißener Amts blast" folgende Bekanntmachung: �„Zur Sicherung der Ordnung und Verhütung schlimmerer Ausschreitungen, insbesondere aber zum Schutz von Leben und Eigentum, findet sich deshalb die unicrzeichnete Königliche Amts- hauptmannschaft veranlaßt, für das die Fluren Brockwitz und Schörnewitz, sowie den westlich der Dresden-Riesaer Eisenbahn gelegenen Teil der Flur Weinböhla umfassende Streikgebiet bis auf weiteres folgende außerordentliche Maßnahmen anzuordnen. 1. Für die Zeit von abends 6 bis morgens 7 Uhr wird das sogenannte Streikpostenstehen, d. h. die Aufstellung einzelner Per- sonen zwecks Abhaltung bezw. Beobachtung der zur Fabrik gehenden oder von da kommenden Arbeitswilligen verboten. 2. Menschenansammlungen auf den Straßen im Streftgebiete, insbesondere vor der Brockwitzer Glasfabrik und an der Halte- stelle Neusörnewitz sind unbedingt verboten; die Polizeibeamten sind angewiesen, jeder beginnenden Menschenansammlung durch die Aufforderung, auseinanderzugehen, Feststellung ungehorsamer und Festnahme widersetzlicher Personen entgegenzutreten. 3. Von Einbruch der Dunkelheit an bis morgens 6 Uhr ist jedes zwecklose Stehenbleiben und Umhertreiben auf der Fabrik- ftraße in Brockwitz und an der Haltestelle Neusörnewitz untersagt. 4. Finden im Streikgebiete Ansammlungen oder Ruhestörungen statt, so haben die Anwohner sofort die Fenster zuschließen, keines- falls aber durch Rufe und Winke die Aufregung zu steigern bezw zu Gesetzwidrigkeiten zu reizen. b. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften sowie gegen die zur Ausführung derselben ergehenden Anordnungen der Polizei- beamtcn werden mit Geldstrafe bis zu ISO M. oder Hast bis zu 14 Tagen geahndet. Außerdem sind die Polizeibeamten angewiesen, Ruhestörer, von welchen nach ihrem Verhalten trotz polizeiliihen Einschreitens weitere Ungehörigkeiten oder gar Gewalttätigkeiten zu erwarten sind, zur Verhütung solcher Vorkommnisse zu verhaften. 6. Außerdem wird für den Meißnerschen Gasthof„Zur Krone" in Neusörnewitz und das Büttnersche Restaurant„Zur Haltestelle Neusörnewitz" in Flur Weinböhla eine Polizeistunde auf 11 Uhr nachts eingeführt. Wer in diesen Schankstätten über diese Stunde hinaus oder vor 6 Uhr morgens verweilt, ungeachtet der Wirt, sein Vertreter oder ein Polizeibcamter ihn zum Fortgehen aufgefordert hat, wird mit Geldstrafe bis zu IS M. bestraft. Der Wirt, welcher das Ver- weilen seiner Gäste über die Polizeistunde(11 Uhr nachts) hinaus duldet oder die Schankstätte vor 6 Uhr morgens eröffnet, wird mit Geldstrafe bis zu 60 M. oder mit Haft bis zu vier- zehn Tagen bestraft. 7. Diese Bestimmungen treten mit ihrer Bekanntmachung durch das Amtsblatt und Anschlag an den Gemeindebrettern und sonstigen öffentlichen Orten in Brockwitz. Sörnewitz und Wein- böhla, spätestens aber mit dem 18. August früh 8 Uhr in Kraft." Wie sagte doch einnial Professor Brentano?„Die deutschen Arbeiter haben das Koalitiousrecht, aber wenn sie d�oon Gebrauch machen, werden sie bestraft." Die Meißener Amtshauptmannschaft greift hier nach berühmten sächsischen Mustern(f. Krimmitschau) in den Kampf zwischen den organisierten Glasarbeitern und den scharfmacherischen Unternehmern zugunsten der Unternehmer ein; denn das Verbot des Streikpostenstehens— und darauf geht diese Aufforderung hinaus— macht das Koalitionsrecht nahezu wertlos. Das Verbot, zu gegebenen Zeiten das Fenster offen halten zu dürfen, dürfte immerhin selbst in Sachsen den Reiz der Neuheit für sich haben, obleich wir im Lande der vollendetsten Nechtsgarantien schon ähnliche schöne Sachen erlebt haben. Nach der„Meißener Volkszeitung" liegt zu diesen unerhörten Maß- nahmen weiter kein Anlaß vor, als daß wechselseitige Schimpfereien stattgefunden haben. Gewalttaten sind vorgekommen von Arbeits- willigen gegen Streikende. Die ersteren laufen ja mit Beilen und Revolvern und scheinen des Glaubens zu leben: Wir Arbeits« willige können einen totschlagen. Man könnte beinahe glauben, daß sich die Bekanntmachung der Amtshauptmannschaft gegen die Arbeitswilligen richtet, wenn man nicht wüßte, daß so etwas in Sachsen-Deutschland nicht möglich ist. Man sieht, auch unter dem„liberalen" Ministerium Hohenthal kommen wieder der- artige Dinge vor, die Sachsen in den Ruf deS Probierlandes der Reaktion gebracht haben. Letzte JVachncbten und Dcpclchen« Das„freiheitliche" Vereinsgesetz. Magdeburg. 29. August.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Polizei erzwang sich heute mit Gewalt den Eintritt in eine Mitgliederversammlung des Sozialdemokratischen Ver- eins Mageburg mit der Begründung, daß die Versammlung eine öffentliche sei. Die Versammlung wurde aufgelöst, als eine Ansprache in polnischer Sprache gehalten wurde. Gegen das Vorgehen der Polizei wird der Klagelveg beschritten. Der Reichs-Dalles Frankfurt. 20. August.(B. H.) Wie die„Franks. Ztg." bön gut unterrichteter Seite erfährt, hat das Reichsschatzamt zur Re» form der Dranntweinbelastung zwei Eventualvorlagen aus- gearbeitet: Einmal ein Branntweinmonopol, das allerdings in- folge des Einspruchs Bayerns eine Gestalt erhalten hat, die in einigen Punkten von der von Stengel abweicht, und sodann eine Reform der Branntweinsteuer mit einer einzigen erhöhten Ver- brauchsabgabe, wobei verschiedene Uebergangsmaßregeln vorgesehen sind. Die Regierung scheint vorläufig mehr der zweiten Vorlage geneigt zu sein, weil sie diese als parlamentarisch für leichter durch- setzbar hält als das Branntweinmonopol. Eine weitere vom Schatz- amt ausgearbeitete Eventualvorlage ist die Reichsvermögenssteuer, die für den Fall in Reserve gehalten wird, daß die vom Reichstag bewilligten Steuern den Geldbedarf noch nicht decken sollten. Die Uebemahme des Kongostaates. Brüssel, 20. August.(W. T. 23.) Die Kammer hat die Zusatzalte zum Kongo- SlnglicderungSvertrag und hierauf de» Gesetzentwurf betreffend die Ueberuahme deS Kongostaates durch Belgien mit 83 gegen 55 Stimmen bei 9 Stimmcnthaltuiigc» angenommcit. Hierauf wurde das gesamte Kolonialgesetz mit 90 gegen 43 Stimmen bei 7 Stimmenthaltungen in zweiter Lesung angenommen. Schluß der schwarzen Parade. Düsseldorf, 20. August. In der Generalversammlung der Katholiken Deutschlands gelangte heute in geschlossener und auch in öffentlicher Verhandlung ein Antrag zur Annahme, in dem eS heißt: Die Generalversammlung muß den Anspruch aufrecht- erhalten, daß der Papst volle und wirkliche Unabhängigkeit und Freiheit, die unerläßliche Vorbedingungen für die Freiheit und die Unabhängigkeit der katholischen Kirche, genießt. Eine Be- dingung für die Unabhängigkeit ist auch die volle finanzielle Selb- ständigkeit der päpstlichen Verwaltung, die durch regelmäßige und reichliche Unterstützung der Snmmlunge» zum Peters» Pfennig gesichert werden muß. Die Gencralvcrsamm- lung fordert die Katholiken Teutschlands auf, dieses Jahr des goldenen PriestcrjubiläumS des Papstes zu benutzen, unZ durch besonders reichliche Spenden den Beweis innigster Verehrung für den Papst nnd ihrer treuen Liebe zur Kirche zu geben. Präsi- dent Graf Praschma betonte in seiner«Schlußrede, daß die Kathö- liken in der Treue zu Kaiser und Reich sowie in Vaterlandsliebe niemandem nachstehen; sie seien bestrebt, die Elitetruppen für die Verteidigung nationaler Interessen und der nationalen Ehre zu bilden; die Parole laute:„Katholiken in Deutschland voran, deutsche Katholiken in der katholischen Welt voran!" Kardinal Erz- bischof Fischer segnete alsdann die Versammlung und brachte auf das Präsidium ein dreifaches Hoch aus. Hierauf wurde die General- Versammlung mit dem Gesang deS„Tedcum laudamus" geschlossen. Opfer der Arbeit. Karlsruhe, 20. August.(B. H.) Am Buhlschen Neubau in Zllbtal unweit Ettlingen stürzte heute früh ein Giebel ein. Acht Arbeiter wurden in die Tiefe gerissen und schwer verletzt. Einer ist bereits gestorben. Essen a. Ruhr, 20. August. Auf der Zeche„Engelsburg" bei Eppendorf geriet der Bergmann N e i l m a n n unter herabfallende Gestcinmasscu und blieb tot. Er hinterläßt eine Frau und drei Kinder._ Krieg im Frieden. Dortmund» 20. August.(B. H.) Der Kommandant deS Truppenübungsplatzes Senne teilt der„Dortm. Ztg." auf An- frage mit, daß bei den letzten Kavallerieübungen 2 Mann durch Sturz getötet worden sind. Neun Pferde stürzten und mußten ge- tötet werden._ Verbrannt. Rottenburg, 20. August.(58. H.) Bei einem Großfeuer, welches das Anwesen des Bauern Kraiß vernichtete, kam der gjährige Sohn in den Flammen um, während zwei andere Kinve- schwere Brandwunden erlitten. Eine ganze Familie vergiftet. Rheydt, 20. August. Hier ist eine aus 5 Köpfen bestehend« Familie, darunter ein zu 58esuch weilendes Kind, an Vergiftungs- rrscheinungcn erkrankt; das Kind ist gestern gestorben. Di« übrigen Personen schweben in Lebensgefahr. Die Ursache der Vergiftung ist nicht bekannt._ Wegen Müdigkeit 10 Jahre Gefängnis beantragt. Straßburg i. E., 20. August.(B. H.) Vor dem Kriegsgericht der 30. Division stand heute der Militärinvalide Wilke aus Magde- bürg. Er ist Offizier der Landwehr und hat sieben Jahre der Schutztruppe in Süowestafrika angehört und ist dann mit 75 Proz. Erwerbsunfähigkeit entlassen worden. Er stand unter der Anklage der Achtungsverlctzung sowie des Wachtvergehens vor dem Feind. Die Brust des Angeklagten schmückte neben dem Verdienstkreuz dritter Klasse acht Gefechtsauszeichnungen. Anläßlich der Kämpfe mit den Hottentotten soll Wilke nach der Rückkehr von Posten bei Slsur, anstatt Dienst zu tun, sich«um Schlafen niedergelegt habe», wodurch eine Gefährdung der Truppe entstand,©er Vertreter der Anklage beantragte 10 Jahre 1 Woche Gefängnis. Das Kriegs- gericht verurteilte ihn zu 4 Wochen Mittelarrest wegen AchtungS- Verletzung._ Verhafteter Raubmörder. Genf, 20. August.(W. T. B.) Die Polizei verhastete heute hier den Schneider Alfted v. I a n s o n, der den Kurgast Ens- heimer aus Köln am Glaswaldsee bei Griesbach im Schwarzwald ermordet hat. Man fand bei dem Mörder eine Lupe» die Brieftasche sowie die Uhr des ermordeten Fabrikanten. genommen:__ Iviuigen gcgc» xue crnereii tuuir»]a mit iqeuk» uuu;owue tue uqr ocs ciiuututuu gfimmmmii._ Perantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsgnssalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u.Nnterhaltungsbl. it. 195. 25. Jahrgang. 1 KÜU des Jotnits" letlinet öoliisliliilf. Freitag, 21. Angnst 1908. Hnträge zum Parteitag in Nürnberg, Cagesordnung des Parteitages: Kassel: Bei Punkt 3 der Tagesordnung(Parlamentarischer Bericht) die Frage der Budgetbelvilligung in den bundesstaatlichen Landtagen erneut zu erörtern. Berlin I V und D r i e s e n: Der Parteitag wolle den Punkt: „Geuossenschaftsbewegung und Sozialdemokratie" auf die TageS- ordimug setzen. Genosse Ritter-Berlin III: Auf die Tagesordnung zu setzen: ,.Das Genossenschaftswesen und seine Bedeutung für die Arbeiter- klaffe". Der Vorstand des sozialdemokratischen Vereins Magdeburg beantragt, auf die Tagesordnung des Nürnberger Parteitags als besonderen Punkt zu setzen:.Die auswärtige Politik und die Sozialdemokratie". Berlin IV. Auf die Tagesordnung des Parteitages zu setzen: Die gegenwärtige Kriegshetze in Deutschland. parte» und(SewerKfthaften. Parteivorstand und Kontrollkommission: Der Parteitag begrüßt den infolge der Einigungsverhandlungen erfolgten Ilebertrilt der lokalistischen Bereine in die Zentralverbände. Die Vereine, die trotz der geführten Verhandlungen bei der Freien Vereinigung der Gewerkschaften geblieben sind, haben durch ihr Verhalten bekundet, daß sie entgegen den Beschlüssen des Partei- tages und des Internationalen Sozialistenkongresses in Stuttgart, die dringend gebotene einheitliche Organisation des wirtschaftlichen Kampfes nicht wollen. Die Freie Vereinigung deutscher GeWerk- schasten hat sich auch in offenen Gegensatz zur Partei gestellt, indem sie unter Anlehnung an die anarcho-sozialistischen Bestrebungen die Sozialdemokratie geflissentlich bekämpft und schmäht. Nachdem Weiler die Einigungsverhandlungen mit dem All- gemeinen Deutschen Metallarbeiterverband, dessen im Gegensatz zur Lübecker Resolution erfolgte Gründung schon vom Mannheimer Parteitag als schwere Schädigung der Arbeiterbeloegung bezeichnet worden ist. zu keinem Ergebnis geführt haben. erklärt der Parteitag: Jede Mitarbeit von Parteigenoffen in den mit der Freien Bereinigung deutscher Gewerkschaften verbundenen Vereinen sowie in dcnr Allgemeinen Deutschen Mctallarbeiterverband ist un- Grundsätzen und Interessen der Sozial- vereinbar mit demokratie. den Agitation. Weimar HI: Der Parteitag möge beschließen, den Partei borstand zu beauftragen, alsbald die Herausgabe von kurze» Leit- faden der Geschichte der einzelnen bürgerlichen Parteien heraus- zugeben. Diese Leitfäden sollen jede Partei getrennt behandeln. deren Programme enthalten, sowie deren Stellung zu den wichtigsten Gesetzesvorlagen kurz präzisieren. Fürth: Der Parteivorstand möge ein zur Agitation unter den Frauen geeignetes Flugblatt herausgeben, welches in ganz Deutschland zur Verteilung gelangen soll. Organisation. Eine Anzahl Anträge, die die Anfertigung einheitlicher Mitglieds- bücher beantragen, sind nicht mit abgedruckt, weil der Antrag bereits vom Parteitage in Essen angenommen und solche Mitgliedsbücher angefertigt sind. Die Einführung dieser Mitgliedsbücher ist aber Angelegenheit der verschiedenen Organisasionen. Lübeck: In Zukunft sind vor sehr wichtigen Aktionen und Vereinbarungen, die von der Haupt- Parteileitung getroffen werden sollen, die Vorstände resp. Vorsitzenden der Landesorganisationen oder Agitationskomitees zu einer Konferenz zusammenzuberufen: mindestens muß jedoch ihre Ansicht eingeholt werden. Siebenter sächsischer Wahlkreis(Meißen): Der Parteivorstand erhält den Auftrag, alljährlich ein Adressenverzeichnis der Vorsitzenden der 5ireisorganisationen oder Ltreisverttauensleute herauszugeben. Diese Verzeichnisse sind den Leitern der Kreisorganisationen in ge- wünschter Anzahl zur Verfügung zu stellen. Lechhausen: ZU Absatz 1 des Organisationsstatuts dahin abzuändern: kleines feuilleton. Türkische Karikaturen. Seitdem der Freiheitssturm den stag liierenden Sumpf des türkischen Großstadtlebens von Grund aus aufgewühlt hat, ist die Haupt- und Residenzstadt Konstansinopel eine ganz andere geworden. Eine der charakteristischsten Erscheinungen der neuen Zeiten ist da? Uebifrhandnehmen der Streiks; nicht minder charakteristisch ist das geradezu wunderbare Aufblühen der Presse und das Erscheinen von Witzblättern. Bisher hatte man Witzblätter in der Türkei überhaupt nicht gekannt, jetzt aber tauchen sie gleich dutzendweise auf. Die Karikaturenverkäufer und die Zeitungsjungen, die über Nacht aus dem Boden gewachsen zu sein scheinen und eine lebhafte und ganz ungewohnte Note in das Kaleidoskop des Konstantinopler Straßenlcbens bringen, machen glänzende Geschäfte. Es handelt sich— so schreibt ein Berichterstatter der.Agentur Reuter"— um Karikaturen, die in ziemlich plumper und primitiver Form die Beamten und Würdenträger des so jäh gestürzten„emeisn regime" darstellen. Eine dieser Karikaturen zeigt Jzzet Pascha, den bekannten Sekretär des Sultans, der in den Provinzen„der wahre Sultan" genannt wurde, weil seifte Macht und sein Einfluß schier grenzenlos waren. Die Karikatur stellt ihn in westeuropäischer Kleidung dar: er ist glatt rasiert wie ein Engländer und eilt beflügelten Schrittes zu dem kleinen englischen Dampfer, auf dem er aus Konstantinopel geflohen ist. Eine andere Karikatur zeigt denselben Jzzet Pascha als Ratte mit einem Menschenkopf; er trägt eine Kiste, auf der 4 000 000 geschrieben steht: da« soll natürlich heißen, daß er die vier Millionen gestohlen hat. Neben ihm steht Selim Melhameh Pascha mit einem Eselskopf; er liest dem Freunde und Mitgauner einen Brief vor, wahrscheinlich den Bericht eines Spions. Auf einem dritten Bilde sieht man Zeki Pascha, den Exgroßmeister der Artillerie; er ist dargestellt als ein riesiges Untier, das in seinen Klauen die medizinische Akademie, die poly- technische Hochschule, die Ingenieurschule, die Armenier, die türkischen Literaten, die Studenten der Theologie und außerdem noch einen Sack mit der Aufschrift ,7 500 000" hält; der Exminister soll sich nämlich auf Kosten der Steuerzahler fast 8 Millionen„gespart" haben. Am ineisten belacht aber wurde eine Karikatur, die einen Straßenkehrer zeigt, wie er mit einem langen Lumpensammler- haken Spitzclleichen einsammelt und sie in seine Butte wirft. Ein Jubiläum des transatlantischen Kabels. Vor einigen Tagen hätte man die Fünfzigjahrfeier des transatlantischen Kabels begehen können. Zwischen Irland und der Trinitybay.in Neu- fundland gelegt, brachte es am 5. August 1858 zum ersten Male die alte und die neue Welt in telegraphische Verbindung. Das erste Kabcltelegramm wurde von Amerika nach Europa geschickt. Die amerikanischen Ingenieure— so berichtet das„Journal des Debats— teilten ihren englischen Kollegen mit, daß sie durch starke elektrische Schläge belästigt und beunruhigt würden. Auf diese Be- schwerde antwortete' das puritanische England:„Ruhm und Preis Gott in Himmelshöhen und Friede den Menschen auf Erdenl" Die 1. Die Dclegiertenwahlen zu den Parteitagen sind nach Reichs- tagswahlkreisen, nicht wie bisher nach Ortsvereinen vorzunehmen. 2. Auf 1000 Mitglieder soll ein Delegierter kommen, mit der Einschränkung, daß kein Wahlkreis mehr als drei Delegierte ent- senden kann. 2. Hat ein Wahlkreis weniger als 1000 Mitglieder, ist selbem der nächstgelegene Wahlkreis anzufügen. 3. Die Kandidaten werden in einer Wahlkreiskonferenz auf- gestellt und sind, wenn in einem Wahlkreise drei Delegierte zu wählen sind, sechs Kandidaten aufzustellen usw. 4. Die DclcgationSkostcn trägt der oder die betreffenden Wahlkreise. 5. Die Tagesdiäten sind von dem Parteitage festzusetzen; Reisediäten bestimmt der betreffende Wahlkreis. Agitationskomitee für den 11., 12., 13. und 14. sächsischen Wahlkreis: Dem Parteivorstand wird empfohlen, bei wichtigen, die Gesamtpartci betreffenden Fragen die Vorsitzenden der Landes- bezw. Bezirkskomitees vorher gutachtlich zu hören oder sie zu einer Besprechung zusammenzuberufen. Solingen: Einheitliche Beiträge für ganz Deutschland ein- zuführen. Teltow-BeeSkotv- Storkow- Charlottenburg, Berlin IV: Im Organisationsstatut der Gesamtpartei ist im§ 11 Absatz 1 der zweite Satz zu streichen. Frankfurt a. M. Nach dem Vorbild des Bremer Parteitages wählt der Parteitag eine Organisationskommission, die aus Vertretern der einzelnen Landesteile zusaimnengesetzt ist und den Auftrag erhält, eine Revision des Organisationsstatuts der Partei vorzunehmen und rechtzeitig vor dem nächstjährigen Parteitag den Entwurf eines neuen Organisationsstatuts zu veröffentlichen. Bei der Revision ist u. a. zu berücksichtigen: die endgülsige Regelung der Fronen- und der Jugendorganisation, die Aenderung des Schiedsgerichtsverfahrens, der Wahlmodus zu den Parteitagen eventuell die Einführung des Proportionalwahlverfahrens, die Fest- setzung eines einheitlichen Geschäftsjahres für alle Orts-Wahlkreis- und Bezirksorganisationen und die Anpassung des Geschäftsjahres der Gesamtpartei an dasselbe. Berlin VI: Dem ß 11 des Statuts folgende Fassung zu geben: 8 11. Der Parteitag usw.: 1. Die Delegierten der Partei aus den einzelnen Reichstags- Wahlkreisen mit der Maßgabe, daß Kreise, welche bis zu 5000 Mit- glieder haben, durch drei, auf je weitere 5000 Mitglieder noch je einen Delegierten mehr vertreten sind. 2. Mitglieder der Fraktion. 3. Mitglieder des Parteivorstandes und der Kontrollkommission. Die Mitglieder uslv. frauenorganifation. Teltow-BceSkow: Die Zahl der Mitglieder des Partei- Vorstandes ist um eine weibliche Sekretärin zu vermehren. Hamburg II und III: Die Institution der weiblichen Ver- tranensperson ist aufzuheben, dafür ist der Parteivorstand um eine resp. zwei Personen zu verstärken. Unter den Mitgliedern des Parteivorstandcs muß ein weibliches Mitglied sein, die die Agitasion unter den weiblichen Arbeiterinnen zu betreiben hat. Hanau-Gelnhausen: Den Beitrag für die weiblichen Mitglieder auf die Hälfte der allgemeinen Mitgliedsbeiträge fest zusetzen, ferner die„Gleichheit" an die weiblichen Mitglieder grasis abzugeben. Von dem verbleibenden Teil dieser Beiträge ist nichts an die Zentralkassen abzuführen, sondern eS soll der ganze Beitrag möglichst für die Agitation unter den Frauen verwandt werden. Jugendorganisation. Parteivorstand und Kontrollkommission: Der Parteitag der deutschen Sozialdemokratie protestiert gegen die von der Vlockmehrheit des Reichstages beantragte und beschlossene politische Entrechtung der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen, die den reaktionären ReichSvcreiusgesetzentwurf de» Bundesrats noch reaktionärer gestaltet hat. Der Parteitag hält daran fest, daß die Förderung der Bildungs bestrcbungen der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen, ins- besondere Einführung in die p o l i t i s ch e und gewerkschaft- l i ch e Tätigkeit eine wichtige Aufgabe im Emanzipationskampfe der Arbeiterklasse ist. Zur Lösung dieser Aufgabe verpflichtet der Parteitag die Orga nisationen Vorsorge zu treffen, damit die Arbeiterjugend im Sinne elektrischen Schläge ließen sich aber auch durch diese Segensformcl nicht aus der Welt schaffen; man verzichtete deshalb auf weitere fromme Sprüche und begann sofort mit dem Austausch offizieller Botschaften. Zuerst drückte in etwa fünfzig Worten die Königin Viktoria die Hoffnung aus, daß das transatlantische Kabel ein neues Band zwischen den befreundeten Nationen bilden würde. Darauf sagte der Präsident der Vereinigten Staaten dasselbe noch einmal, aber viel weitschweifiger; man brauchte 30 Stunden, uni die 150 Worte seiner Antwort zu telgraphieren; man kann daraus ersehen, daß die unterseeische Tclcgraphie in einem halben Jahr- hundert große Fortschritte gemacht hat. Wie kam es nun, daß die amerikanischen Ingenieure so sehr unter elektrischen Schlägen zu leiden hatten? Die Erklärung ist sehr einfach: pessimistische Ge- lehrten hatten vorausgesagt, daß die Elektrizität nicht imstande sein werde durch das Meer zu gehen oder daß sie doch mindestens' so schwach sein werde, daß man von irgend einer Wirkung nicht werde reden können. Da man nun fürchtete, daß die Schwarzseher recht behalten könnten, wandte man einen ungewöhnlich starken Strom an: er war so stark, daß an vielen Stellen die Kabelhülle schmolz und die Gummilagen zu brennen anfingen. Nachdem das Kabel drei Monate im Dienst gewesen war und 732 Depeschen übermittelt hatte, stellte es plötzlich den Betrieb ein; es war eine merkwürdige Ironie, daß das letzte Wort, das telegraphiert werden konnte, „korwarck"(vorwärts) lautete. Schon ein Jahr vorher war ein Kabel, während es gelegt wurde, entzwcigcriffen und im Meere spurlos verschwunden; nun war auch das im August 1858 eröffnete Kabel verlöten und man begann sofort mit der Legung eines dritten Kabels, das erst am 21. Juli 1800 die acht Jahr vorher unterbrochene Verbindung mit Amerika wiederherstellte. Wieviel Briefmarken gibt es auf der Erde? Die Zahl aller verschiedenen Arten von Postwertzeichen, die auf der Erde aus- gegeben worden sind, hat ein französischer Sammler Rene Adam berechnet. Sie ergibt die Summe von 20 010 verschiedenen Brief- marken und Ganzsachen, die von allen Staaten der Erde von 1840 bis Ende 1907 ausgegeben worden sind. Der Brieftnarkensammler kennt noch weit mehr. Er zählt bekanntlich auch die Abarten in der Zähnung, im Papier, im Wasserzeichen und durch Ausdruck als besondere Marken. Dazu kommen noch die Probedrucke, die er Essais nennt, und die Fehldrucke. An der Ausgabe waren 310 Staaten beteiligt, von denen aber 07 keine Marken mehr ausgeben, meist, weil sie sich zu größeren Gruppen vereinigt haben, so besonders in Deutschland und Italien. Die Zahl der Marken ausgebenden Staaten beträgt noch 243. Die Briefmarke wurde bekanntlich zuerst in England von Sir Rowland Hill eingeführt. Die Schlvciz und Brasilien folgten 1843, Braunschwcig1844, Finnland 1845, Mauritius 1847, Bayern, Belgien und Frankreich 1849. Zu diesen 9 Marken- urstaaten traten in den Jahren 1850— 1859 04 neue Staaten, in den folgenden Jahrzehnten 1800— 1899 je 55, 47, 45 und 59 Staaten, in den Jahren 1900—1907 noch 31 Staaten. An der ganzen Er- zeugung ist England mit seinen Kolonien allein mit etwa 42 Proz. beteiligt, Frankreich mit 12 Proz. und Deutschland mit 9 Proz. In den letztem 10 Jghren, von 1693 bis 1907, gab Großbritannien unserer sozialistischen Weltanschauung für den lassenkam pf erzogen wird. Ilm dieses. Ziel zu erreichen sind Vorträge zu veranstalten, die der Erkenntnis der Jugend angepaßt sind und vor allem die Gebiete der Naturwissenschaft, Gesundheitspflege, Literatur, Kunst, Technik, Rechtswissenschaft, Volkswirtschaft, Geschichte, Politik und geWerk- schaftlichcn Tätigkeit umfassen. Daneben ist durch Veranstaltungen ernsten und heiteren Inhalts Unterhaltung und Geselligkeit zu pflegen und durch Sport und Spiel der Jugend Gelegenheit zur Sammlung zu geben. Damit diese Zwecke auch ohne besondere Jugend- o r g a n i s a t i o n erreicht werden können, sind in den einzelnen Orten„Koinmissionen für die Jugendagitation" zu bilden. Die Kommissionen für die Jugendagitation werden aus Ver- trctcrn der öffentlichen Parteiorganisationen und der Gewerkschafts- kartcllc nuter Hinzuziehung von Vertretern der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen gebildet. Zur Förderung der Agitation unter den jugendlichen Arbeiterinnen soll unter den Vertretern der Partei- organisation mindestens eine Genossin sein. Die Teilnahme an den Vorträgen und soweit es möglich ist, auch an den anderen Veranstaltungen, soll de» jugendlichen Arbeitern und Arbeiterinnen unentgeltlich gewährt werden. Die Kommissionen für die Jugendagitation haben dahin zu wirken, daß die Gewerkschastskartelle Lehrlingsschutzkommissiouen bilden. Der Parteitag beauftragt den Parteivorstand mit der Heraus- gäbe eines besondere» Organs zur Aufklärung der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen. Die wirtschaftliche Interessenvertretung und die Entscheidung über politische Partcifragen bleibt nach wie vor lediglich Aufgabe der gewerkschaftlichen bezw. politischen Organisationen. Weimar III: Die Regelung der Jugendorganisation erfolgt in der Weise, daß die Selbständigkeit der Jugendvereinigungen ge- wahrt bleibt. Die zum Schutze der Jugend und zur Ausbildung derselben zu schaffenden Ausschüsse sollen mit der Jugendorganisation zusammerarbeiten, soweit dieses unter dem neuen Vereinsgesetz möglich ist. Solingen: Nachdem durch das neue NeichSvereiirSgesetz eiue einheitliche Norm für die Jugendorganisationen geschaffen worden ist. empfiehlt der Parteitag den Genossen allerorts, dieselben mehr wie bisher zu unterstützen. In der Form ist die feste Organisation der losen vorzuziehen. Die Leitung der Organisation und die Ver- waltung der Geschäfte sollen die Jugendlichen selbst besorgen, jedoch soll denselben ein Beirat von erfahrenen Genossen zur Seite gestellt werden. In diesem Sinne möge man die Fonn der norddeutschen Jugendorganisation auf ganz Deutschland übertragen. 13. sächsischer ReichstagswahlkreiS: Zum Zwecke der Erziehung der Jugend zur sozialistischen Weltanschauung find allerorts Jugendbildungsvercine ohne Trennung nach Berufen zu gründen.— Die Jugend ist im weitesten Maße zur Mitarbeit an der Verwaltung und" zum Ausbau der Vereine heranzuziehen.— Die politischen Organisationen sind verpflichtet, im Einverständnis mit den Gewerkschaften die Bestrebungen der Jugendvereine durch finanzielle Unterstützung und tätige Mithilfe zu fordern. Zu diesem Zwecke sind die Jugendorganisationen an besondere, von erfahrenen Gewerkschafts- und Parteigenossen gebildete Kommissionen, Bil- dungsausschüsse usw. anzugliedern, in denen sie durch Delegierte zu vertreten sind. Der ZentralbildungSauSschuß der Partei hat die Jugendbildungsbestrebungen durch geeignet« Maßregeln zu fördern. Die Herausgabe einer Jugendzeitung für alle Jugendvcreinigungen unter Wegfall der bisher erscheinenden Jugendzeitungen ist vom Parteivorstand in die Wege zu leiten. Potsdam-Spandau: Resolution. „Die L e i st u n g e n der bisherigen Jugendorganisationen find bei den heftigen Verfolgungen, denen sie begegneten, und bei der Sieringen Unterstützung, die sie bisher vielfach gefunden haben, be- riedigend; sie sind bei allseitiger freudiger Förderung, auch durch die Gewerkschaften, die anzustreben ist, im hohen Maße steigerungs« fähig. Die Frage der Form und der Aufgaben der Jugend- organifationen war für die Partei bisher erledigt; und zwar im Sinne der S e l b st ä n d i g k e i t— die mit Zersplitterung nichts zu tun hat— und, wo angängig, des politischen Charakters. Durch Erlaß des Vereinsgesetzes ist diese Frage wieder auf- gerollt; aber nur die Frage: welche Aenderungen sind durch die veränderte Rechtslage nötig ge- mit öcn Kolonien 1887 neue Marken heraus, Frankreich 1222, das kleine Portugal 840, Spanien 424. Erst an fünfter Stelle kommt Deutschland mit 322. Die Vereinigten Staaten haben inzwischen 108, die Niederlande 120, Rußland 48 Marken herausgebracht. Jiw letzten Jahre 1907 sind in Deutschland überhaupt keine neuen Mar- kcn erschienen, dagegen in Frankreich 281, in England 105, int Spanien 68, in den Niederlanden� 31, in Portugal 13 und in den Vereinigten Staaten 11. Die meisten Marken in einem Jahr hat Teutschland 1900 mit 222 erzeugt. Von den Weltteilen hat in den letzten 10 Jahren— Afrika die meisten Marken, 2330, erhalten, dann Amerika mit 2259. Asien mit 1452 und dann? erst Europa mit: 1220, endlich Australien 735. Notizen. — Höchster Realismus in der Schauspielkunst. AuL London wird berichtet: Nicht oft wird ein Schauspieler in der Lage sein, seine Studien zu einer Rolle an dem wirklichen Original, das den Dichter angeregt hat, zu machen. Diese Möglichkeit Hätz Hall C a i n e den Hauptdarstellern seines neuen Dramas ver- schafft, das am 29. August am Lyccum-Thcater seine Erstauffüh-, rung erleben wird. Das Stück ist eine neue Dramatisierung seines bekannten Romans„The Manxman", die er unter dem Titel „Pete" mtt Louis Parker zusammen geschrieben hat; sie unter- scheidet sich von einer früheren dramatischen Bearbeitung, die über viele Bühnen gegangen ist, so völlig, daß man durchaus von einem neuen Stücke sprechen kann. Um nun den Schauspielern, die die Hauptfiguren darzustellen haben, die Charaktere und das Milieu des Stückes möglichst anschaulich zu machen, lud Hall Caine sie zu einer Reise nach der Insel Man, seiner Heimat, ein und zeigte ihnen die noch lebenden Originale, die er in seinem Roman ge- schildert hat, und die Stätten, an denen die einzelnen Szenen fpielen. Nur„Pete", der Held des neuen Stückes, ist inzwischen gestorben: die übrigen Figuren konnten die Schauspieler aus nächster Nähe beobachten und in ihrer Art zu sprechen und sich zu bewegen, genau studieren. — Rückert und die Luftschiffahrt. Die künstliche Atmung, die bei Höhenfahrten den Luftschiffcrn unerläßlich ist, scheint, wie die„Deutsche Zeitschrift für Luftschiffahrt" bemerkt, von Rückert schon in seiner Weisheit des.Brahmanen vorausgeahnt worden zu sein. Es heißt dort: „Der Mensch ist nicht gemacht, zum Himmel aufzufliegen; Die Flügel fehlen ihm, sich vogclgleich zu wiegen, Und hätt' er Flügel auch, und fehlt' ihm nichts am Schwünge, Kein Vogel würd' er doch mit seiner Menschcnlungc. Auf hohen Bergen schon geht ihm der Atem aus. Behaglich ist er nur auf mittlerer Höhe zu Haus. Und füllt er seinen Ball mit Lüften oder Feuern, Und lernt durchs Meer der Luft als wie durchs andere steuern Was hilft's ihm, ivenn er auch nicht füllen zum Verbrauch � Der Luftfahrt kann mit Luft zum Atmen einen Schlauch?'— worden, insbesondere: sind selhstSndige Jugendorganisationen hinfort noch möglich, nicht aber die Frage, ob sie, wenn möglich, noch nötig sind, was bereits auS wohlerwogenen Gründen, von den Beschlüssen der internationalen Kongresse ISOO und 1907 abgesehen, durch Beschluß deS Mannheimer Parteitages 1906 bejahend entschieden ist. Da nun für Norddentschland(besonders Preußen und Sachsen) keine hier wesentliche Aenderrmg im gesetzlichen Zustande eingetreten ist, so ergibt sich die Konsequenz, daß kein Anlaß vorliegt, die nord- deutschen Organisationen zu zerstören oder die Haltung der Partei zu ihnen zu revidieren. Es ist die Ausdehnung der norddeutschen Organisationsform auf ganz Deutschland zu empfehlen. Diese Organisationsform hindert weder die gewerkschaftliche Organisation der Jugend noch die Einsetzung von besonderen Komitees für die politische Propaganda unter der Jugend, sondern öffnet ihr den Raum. Die Arbeitsteilung ergibt sich bei allseitigem guten Willen von selbst. Die selbständigen Jugendorganisationen werden einer gewissen Kontrolle und Oberaufsicht durch erfahrene ältere Personen wie schon bisher auch künftig nicht entraten können noch wollen; doch muß diese Kontrolle und Oberleitung mit Talt geführt werden. Unbedingt festzuhalten ist: 1. die fernere Zulassung der im angegebenen Sinne selb- ständigen Organisationen; 2. gütliche Lerstandigung mit den bestehenden, von der Partei geduldeten und geförderten Organisationen über die etlvaigen Aenderungen; keine Vergewaltigungen. Eine Beratung der Jugendorganisationsfrage auf dem Partei- tage ist aus taktischen Gründen zu vermeiden. Mit der Beratung der nach obigem geeigneten Matznahmen und der Herbeiführung einer Verständigung zwischen den Beteiligten auch über die Zeitungsfrage wird der Parteivorstand in Gemein- schaft mit der Generalkommission und dem BildungSausschuß beauftragt.' D e l m e n h o r st: Der Parteitag erkennt an, daß die Erziehung der arbeitenden Jugend zum Sozialismus nur das Werk besonderer Jugendorganisationen sein kann. Der Parteitag beschließt, den be- stehenden Jugendorganisationen die weitgehendste Unterstützung an- gedeihen zu lassen. Köln-Stadt und Köln- Land: Der Parteitag erhebt Protest gegen die von der Blockmehrheit des Reichstages be- schlossene politische Entrechtung der proletarischen Jugend. Das Bestreben der Gegner, die heranwachsende Jugend vom Anschluß an die sozialistische Arbeiterbewegung abzuhallen, verpflichtet die Partei, in einem stärkeren Maße als bisher die proletarische Jugend im Süme der sozialistischen Weltanschauung zu erziehen. Als ein geeignetes Mittel zur Aufklärung und Er- ziehuna der Jugend erachtet' der Parteitag vornehnilich die Jugend- organisationen. denen die Partei in Mannheim(19V6) ihre Sympathie erklärt hat. Zur Gründung und Förderung dieser Jugendorgani- sationen können an jedem Orte Komitees errichtet werden, die sich zu gleichen Teilen aus Vertretern der Partei, der Gewerkschaft, des BildungsansschusseS und der Jugend zusanimensetzen. Um die Arbeit der Komitees einheitlich zu gestalten, ist ein Zentralkomitee über ganz Deutschland zn errichten, das sich zu gleichen Teilen aus Vertretern des Partcivorstandcs, der Generalkommission, des BildungS- auSschusscS und Praktikern der Jugendbclvegung zusammensetzt. Stettin: Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins Stettin empfiehlt dem Parteitag in Nürnberg, der Resolution des Hamburger Gewerkschaftskongresses beizutreten. Teltow- Beesckow: Der Parteitag erhebt flammenden Protest gegen die von dir Blockmehrheit des Reichstags beschlossene politische Entrechtung Vir proletarischen Jugend, Bei Beratung des RetchSvereinsgesetzes hat sich die Verkommenheit deS Freisinns abermals gezeigt, der mithalf, das Gesetz reaktionärer zu gestalten. als die Regierung vorgefihlagen hatte und der mitwirkte, die Kritik der Sozialdemokratie an dem Gesetzentwurf gewaltsam einzuschränken. Das Bestreben der Gegner, die heranwachsende Jugend der sozial- demokratischen Aufklärung zu entziehen, verpflichtet die Partei, in einem stärkeren Maße als bisher die proletarische Jugend im Sinne der sozialisttschen Weltanschauung zu erziehen. AlS ein geeignetes lvkittel zur Aufklärung und Erziehung der Jugend erachtet der Parteitag vornehnilich die Jugendorganisationen, denen die Partei in Mannheim(1906) ihre Sympathie erklärt hat. Unter Beobachtung des Gesetzes sind überall Jugendorganisationen zu bilden und tatkräftiger als bisher zu unterstützen, jedoch muß die Selbständigkeit dieser Organisationen gewahrt bleiben. Die zu schaffenden Ausschüsse für Jugendschutz und Bildung sollen mit den Jugendorganisationen Hand in Hand arbeiten, soweit das Vereins gesetz dies gestattet. Um die speziell politische Kufklärung der Jugend zu betreiben, können in jedem Orte Komitees errichtet werden, die sich zu gleichen Teilen aus Vertretern der Gewerk- schaften, der Parteiorganisationen, des BildnngsanSschusses und der Jugend zusammensetzen. B e r l i n II, III: 1. Der Parteitag erhebt Protest gegen die von der Blockmehrheit deS Reichstages beschlossene politische Ent« rechtnng der proletarischen Jugend. DaS Bestreben der Gegner, die heranwachsende Jugend der sozialdemokratischen Aufklärung zu entziehen, verpflichtet die Parter im stärkeren Maße als bisher die proletarische Jugend im Sinne der sozialistischen Weltanschauung zu erziehen. Der Parteitag sieht in der Betätigung der schulentlassenen Jugend in selbständigen unpolitischen Organisasionen ein erfreuliches Zeichen deS bei der heranwachsenden Generation erwachenden Tätig- keitSdrangeS, sowie ihres Freiheits- und Solidaritätsgefühls. Die Wahrnehmung wirtschaftlicher Interessen in Verbindung mit der Aufklärungsarbeit durch eigene Organisation der Jugend sind ge- eignete Mittel zur Heranbildung von tüchtigen Kämpfern für die moderne Arbeiterbewegung. m,,. Unter Aufrechterhaltung der Beschlüsse von Mannheim und Effen verpflichtet der Parteitag die Genossen in allen Orten, die Jugendbewegung nach Kräften zu unterstützen. Die Selbständigkeit der Jugendorganisationen bleibt gewahrt. jedoch ist es ratsam, daß örtliche Komitees, die sich zu gleichen Teilen auS Vertretern der Partei und Gewerkschaften zusammen- setzen, den Jugendlichen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Zur Förderung der Bildungsbestrcbungen unter der proletarischen Jugend wird ein Zentralkomitee für Deutschland eingesetzt, dag sich zu gleichen Teilen aus Vertretern des. Partervorstandes. der Generalkommission, des BildungSausschusseS und Prakttkeru der Jugendorganisation zusammensetzt. An Orten wo selbständige Jugendorganisationen mcht bestehen, werden Komitees für die Ägitation unter der. Jugend gebildet. Dem Zentralkomitee wird die Herausgabe einer Jugendschrift übertragen.,. mv. 2. Die Frage der Jugendorganisationen ist..in emer aus Mit- gliedern des ParteivorstandeS, der Generalkommission, des BildungS- ausschusscS und aus Vertretern bestehender Jugendorganisationen gebildeten Kommisston zu regeln. AlS prinzipielle einheitliche Grundlage neuzugründender Jugend- organisationen haben Jugend-ArSeiterbildniigsvereine zu gelten, die unter Oberaufsicht älterer Personen unter weitgehender Selbstver- waltung durch die Jugendlichen geleitet werden. Von den bestehenden Jugendorganisationen wird erwartet, daß sie eine Umwandlung ihrer Grundlage in diesem Sinne vor- nehmen. Halle a. S. Der Parteitag wolle Mittel und Wege suchen, die proletarische Jugend zu organisieren resp. dieselbe für den prole- tarischen Klassenkampf vorzubereiten. Königsberg i. Pr. Gemäß dem Mannheimer Parteitag«- beschluß werden die Parteigenoslen aufgefordert. Gründung und Ausbau von unpolitischen Jugendorganisationen zu fördern, welche Weiterbildung. Pflege geselliger Unterhaltung und die im Einverständnis mit den zuständigen Gewerkschaften zu bewirkende wirtschaftliche Interessenvertretung der Arbeiterjugend zur Slukaabs haben sollen. In Parteiortcn. wo solche Organisationen nicht bestehen können, soll ein in öffentlicher Versammlung gewählter Vertrauensmann der Arbeiterjugend im Ein« Verständnis mit dem örtlichen BildungSausschuß und Gewerkschafts- kartell die Jugendbelvegung leiten. Die Verpflichtung der über 18 Jahre alten Arbeiter sich politisch und der jugendlichen Arbeiter, sich nach Möglichkeit gewerkschaftlich zu organisieren, bleibt un- verändert bestehen. 7. schleswig-holsteinischer ReichStagSwahl- kreis: Die am 16, August in Preetz tagende Generalversammlung des 7. schleswig-holsteinischen Wahlkreises hält die Betätigung der schulentlassenen Jugend in den freien Jugendorganisationen für eine Notwendigkeit. Sie bedauert deshalb den Beschluß des GelvcrlschaftSkongresseS, durch den die Zukimst der freien Jugend- organisationen in Frage gestellt ist, Sie erwartet vom Nürn- berger Parteitag, daß er der Auffassung des Gewerkschaftskongresses nicht beitritt, sondern unter Aufrechtcrhaltuiig der Beschlüsse des Mannheimer und Effener Parteitages den freien Jugendorganisationen volle Bewegungsfreiheit läßt. Die Versamnilung erwartet ferner, daß die Partei für die plan- mäßige Erziehung der proletarischen Jugend zum Klassenbewußtsein und zur sozialistiichen Weltanschauung nach Kräften bemüht ist. S t r a l s u n d- F r a n z b u r g- R ü g e n. Die Jugendorgani- sation möge in der Weise geregelt werden, daß die Unabhängigkeit der Jugendvereinigungen erhalten bleibt. Die zu schaffenden Organe für Jugendschutz m,d Bildungspflege sollen mit den Jugend« orgauisationeu Hand in Hand arbeiten, soweit das Vereinsgesetz dies gestattet, Der Vorstand des sozialdemokratischen Vereins M a g d e- bürg: Der Parteitag niöge seine Meinung dahin aussprechen, daß er zum Zwecke der Jugendbildung zwar die Gründung von Jugendorganisationen nicht für unbedingt erforderlich hält, daß jt doch das Hand-in-Hand-Arbeiten der durch die Hamburger Reso� lution vorgesehenen Ausschüsse mit den bestehenden oder noch zu gründenden unpolitischen Jugendvereinen wünschenswert sei. Des weiteren wird die Herausgabe einer Jugendzeitschrift für notwendig erachtet. Berlin IV: Der Parteitag spricht den selbständigen prole� tarischen Jugendorganisationen seine volle Synipalhie aus und der pflichtet die Parteigenossen allerorts, unter strenger Beachtung deö Vereinsgesetzes freie Jugendorganisationen nach norddeutschem Muster zu bilden und ihre Entwickelung tatkräftigst zu fördern. Parteischule. i. b a d i s ch e r Reichstags Wahlkreis: Der Parteitag tritt dafür ein, daß bei Anmeldungen an die Parteischule in Berlin Schüler aus Slldwcstdeutschland(Ober-Elsaß, Oberbaden) in an- betracht des großen zu bearbeitenden Gebietes mehr als bisher be- rücksichtigt werden sollen, da dort ein großes Gebiet zu be- arbeiten ist. KUcluiigsausscKui!. Genosse SB. Weißheimer und der 4. badische Reichs- tagöwahlkreis: Behufs engerer Verbindung zwischen Partei und Kunst: 1. Wahl eines Partei-KunstausschusseS, bestehend auS drei literarischen und drei musikalischen Sachverständigen. Die selben haben dichterische und musikalische Erzeugnisse aus Genossen kreisen zn prüfen und zur Veröffentlichung auszuwählen, desgleichen für würdig befundene dramatische Bühnenwerke mit oder ohne Musik denjenigen Bühnenleitern, welche unserer Partei nicht feindlich gegen- überstehen, zur Aufführung zu empfehlen. 2. Dieser sechsgliedrige Knnstauöschnß der Partei wird mit der Prüfungskommission des Deutschen Arbeiter-Sänger- b u n d e s vereinigt. 3. Regelung de« musikalischen Teile? bei Eröffnung rinserer Parteitage durch den Kunstausschuß: Vortrag von Massenchören, deren einheitliche Ein- Übung durch einen hervorragenden Dirigenten des Arbeiter Sängerbundes zu geschehen hat. KalTc. Westliches Westfalen: Für alle Parteiorganisattonen der einzelnen Wahlkreise, sowohl der Bezirksverbände als auch der Gesamtpartei ist das Geschäftsjahr das Kalenderjahr, also die Zeit vom 1. Januar bis ultimo Dezember. prctre. In Ausführung wiederholt gefaßter ParteitagSbcschlüffe ist ent sprechend der zun, Referate„VollSerzichung und Sozialdemokratte' auf dem Mannheimer Parteitage angenommenen Resolution vom BildungSausschuß baldigst ein Jugendorgan herauszugeben. 1ö. sächsischer ReichStagSwahlkreis: Der Parteitag wolle beschließen, daß in Zukunft die Ausstattung der Maifest Zeitung in bildlicher Beziehung eine bessere und der Maifeier würdigere werde. Frankfurt a. M.: Der Parteitag wolle eine Kommission einsetzen, welche zu prüfen hat, inwieweit unsere Parteigeschäfte aller Art eine richtige geschäftliche Organisation haben, und hat_ diese Kommission dem Parteivorstande eventuelle Abänderungsvorschläge zu machen. Augsburg: Der Parteitag wolle die Vorbedingungen schaffen. wonach die.Gleichheit" an die politisch orgamsierten Frauen der sozialdemokratischen Vereine obligatorisch verabreicht werden kann, und zwar unentgeltlich oder doch zu einem ganz geringen Be- zugSpreise. P i n n e b e r g und Bant: Der Parteivorstand möge dahin wirken, daß die.Neue Zeit" verbilligt wird, damit dieselbe in weitere Kreise wie bisher Eingang findet. Freiburg i. Br.: 1. Verhandlungen anzubahnen, die e» er- möglichen, die.Neue Zeit" und die.Sozialistischen Monatshefte" in eine'Verschmelzung eintreten zu lassen. Der Titel.Neue Zeit" und ihre wöchentliche Erscheinungsperiode kann beibehalten werden, aber einer volkstümlicheren Sprache und billigerem Preise entsprechend als bisher. 2. Den Parteitag zu ersuchen, den.Vorwärts' zu einem billigeren Preise auszugeben als bisher und die in einer Zeitung ge« läufigsten Fremdworte abwechselnd unter besonderer Rubrik in Ver- deurichung wiederzugeben. Die Saarstädte: Den Parteibuchhandlungen und Kolporteuren wird es untersagt, Porträts lebender Parteigenossen. sei eS als Bild oder als Ansichtspostkarte, im öffentlichen Handel zu verkaufen. Halle a. S. Der Parteitag wolle den Parteivorstand be- auftragen, mehr Aufmerksamkeit aus die Inserate der Parteipresse zu verwenden, da die Aufnahme aller Schwindel- und fragwürdigen Inserate einem sozialdemokratischen Blatt« zur Unehre gereicht. 6. hannoverscher Reichstags Iv ahlkreis: Der Parteitag wolle beschließen, daß eine Verbilligimg der Parteischrijten Lübeck: Der Parteitag möge beschließen, daß in Zukunft die Protokolle über die Verbandlungen der Parteitage an die Partei- Mitglieder zum Selbstkostenpreise abgegeben werden. 6. württemberai scher ReichStagSwahlkreis: 1. Der Parteivorstand wird beauftragt, daß künftig Broschüren und GesetzeSausgaben(z. B. das Vercinsgesetz), welche den in der Agi- tation tätigen Genossen unentbehrlich sind, diesen möglichst unent- geltlich überlassen werden. 2. Die Parteiliteranir, insbesondere die zur Agitation bestimmten Broschüren sollen verbilligt werden. parlamentarifcdes. Hamburg HI. Distrikt Eilbcck. Der Parteitag erklärt sich in Uebereinsiimmung mit dem Be- schlusse des Parteitages zu München 1002— für die staatliche Alters-, Invaliden-, Witwen- und Waisenversicherung aller Schichten der lohnarbeitenden Bevölteruiig. Er unterstützt daher auch die dies- bezüglichen Bestrebungen der Privatangestellten aufs nachdrücklichste. Der Parteitag betrachtet c» als eine unerläßliche Forderung der Gerechtigkeit, daß die staatliche Versicherung in einer Weise organisiert wird, die nicht eine Benachteiligmtg bestimmter Gruppen der Lohn- arbeiterschaft in sich schließt. Der Parteitag protestiert daher gegen den in der Denkschrift, betreffend die Pensions- und Hinterbliebenenversicherung der Privat- angestellten, vom ReichSamt des Innern geäußerten Plan, die Arbeiter- schaft von einer angemessenen Verbesserung der staatlichen Versiche- rung auszuschließen und sie lediglich den Privatangestellten zu gute kommen zu lassen. Die Leistungen des heutigen Jiivalidcnversiche- rungsgesetzeS sind so unzureichend, daß davon der Arbeiter ebenso- wenig existieren kann als der Privatangcstellte. Eine Sonderversicherung der Privatangestellten— wie sie vom Reichsamt des Innern vorgeschlagen wird— würde nicht nur die Slrbeiter ausschließen,.sondern, da der Begriff„Privatangestellter" keineswegs feststeht, auch weite Kreise der Angestellten in die Gefahr bringen, nicht in die Sondcrversicherung ausgenommen zu werden. Daher und aus anderen für die Slngestclllen sehr wichtigen Gründen verwirst auch ein großer Teil der Privatangeslellten das System der Sondcrversicherung. Sie fordern eine ausreichende Alters-, In- validen-, Witwen- und Waisenversicherung im Rahmen des Invaliden- versichernngsgesetzes durch höhere Leistungen in den jetzt bestehenden Lohnklassen und Errichtung höherer Lohn- und Beitragsklassen. In Uebereinstimmung hiermit richtet der Parteitag— unbeschadet seines grundsätzlichen Standpunktes, � daß zur Aufbringung der erforderlichen Mittel alle Klassen der Bevölkerung durch direkte Steuern heranzuziehen sind— an die Gesetzgebung das dringende Ersuchen, diese Wünsche schleunigst durch den Ausbau des Invaliden- Versicherungsgesetzes und zwar so zu erfüllen, daß die Berufsart an sich nicht zinii Anlaß genommen werden darf, irgendeine Kategorie der Versicherten zu benachteiligen. Hinsichtlich der Festlegung deS JnvaliditätSbcgriffes jedoch ist die bisherige Tätigkeit des Ver- sicherten, ebenso wie seine Ausbildung, Kräfte und Fähigkeiten voll zu berücksichtigen. Den Versicherten ist das Recht der Selbst- Verwaltung zu gewähren. Frankfurt a. M. Die ReichstagSfraksion wird beauftragt, bei der Beratung der Novellen zum GerichtSverfasiungSgesetz und zur Zivilprozeßordnung zu beantragen, daß auch für die Zivil- abteilmigen und-Kammern der Aints- und Landgerichte Laien zur Rechtsprechung hinzugezogen werden. Berlin II. Die ReichSlagSfraktion zu ersuchen, sin Reichstag erneut einen Antrag zu stellen gegen die de» Zivilmusikern gefährliche Konkurrenz der Militär- kapelle», weil durch das Spielen derselben die Zivilmusiker in ihrem Erwerb beeinträchtigt werden. Rothenburg a. T.: Die ReichstagSfraksion wird beauftragt, baldigst einen Antrag einzubringe», nach welchem die entsprechenden Paragraphen des KrankenversicherungsgesetzcS betreffend den orlS- üblichen Tagelohn, dahin abgeändert werden, daß bei Festsetzung desselben nicht nur der Verdienst der gewöhnlichen Tngarbeiter, sondern auch der durchschnittliche Verdienst der gewerblichen(ge- lernten) Arbeiter berücksichtigt werden soll. Elbing: Die RcichstagSfraklion möge einen Gesetzentwurf einbringen, wodurch die Krankenversicherung der Landarbeiter herbei- geführt wird. Teltow-BeeSkow und Berlin V: Die heutige Gr- neralversaminlung erblickt in dem Verhalten der badischen und bayerischen LandlagSfraklion einen Disziplinbruch und erwartet von dem Nürnberger Parteitag, daß derselbe in ganz entschiedener Weise dazu Stellung nimmt. Frankfurt a. M.: Der Parteitag erklärt, daß er die Zn- stimmnna der badischen und bayerischen LandtagSfraklion zum Budget nicht billigt nnd für einen Verstoß gegen den Beschluß des Lübecker Parteitages ansieht. Sorau-Forst: Die Generalversammlung des Wahlkreises Sorau-Forst verurteilt die Zustimmung unserer süddeutschen Landtags- abgeordneten zum Gesamlbudget des bayerischen und badischen Staates. Die Generalversammlung spricht die Erwartung aus, daß die Resolution des Lübecker Parteitages strikte Beachtung erfährt. Um allen parlamentarischen Entgleisungen die Spitze abzubrechen, ersucht die Versammlung den Nürnberger Parteitag aus der Lübecker Resolution den Passus zu streichen, der von einer.Budgetbewillignng aus zwingenden Gründen" handelt. Berlin III: Die Versammlung des HI. Berliner Wahlkreises verurteilt die langerhand vorbereitete Budgetbewilligung der bayerischen und badischen Landtagsfraktion als einen schweren Ver- stoß gegen die Grundsätze und Beschlüsse der Gesamtpartei. Sie erklärt die Berufung auf den 3. Absatz der Lübecker Resolution als durchaus versehlt, Zwingende Gründe hat keine der Fraktionen für ihre Zustimmung anzuführen vermocht. Die Versammlung verurteilt ebenso die Weigerung, dem Parteivorstand als der von der Gesamt- Partei bestellten Parteileitung Auskunft über die Beschlüffe der Fraktionen zu erteilen, als einen groben Verstoß gegen den Sinn des OrganisationSstatutS und die Einheit der Partei. Ebenso knmi das Verhalten derjenigen Parteipressc, die dem Vorgehen jener Fraktionen zugestimmt hat, nicht gebilligt werden. Die Versamm- lung fordert eine Regelung in dem Sinne, daß der 3. Absatz der Lübecker Resolution gestrichen loird. Berlin IV: In der Stellungnahme der süddeutschen sozial- demokratischen Landtagsabgeordneten zur BudgerbcwiUignnz der Einzcllandtage erblickt die heute, am 18. August, tagende General- Versammlung des Wahlvercins für den vierten Berliner Rcichtstags- Wahlkreis einen grobe» Verstoß gegen den Lübecker ParteitagSbeschlnß und somit einen völligen Bruch der unbedingt erforderlichen und hochzuhaltenden Parteidisziplin. Dieser Vorgang bedeutet einen kräftigen Vorstoß der rcvi- sionistischen Arbeit, einen Schritt nach rechts, eine Annäherung au die Bürgerlichen, zur Reformparlei. Die Generalversammlung er- wartet deshalb, daß der in Nürnberg stattfindende Parteitag mit aller Deutlichkeit erklärt, daß die Beschlüsse der Parteirage auch für die süddeutschen Landtagsabgeordneten bindend sind. Die Stellung- »ahme des ParteivorstandeS als oberste Instanz der Partei und die Haltung des.Vorwärts" als Zentralorgan in dieser Angelegenheit ist deshalb nur zn billigen. Berlin V: In Erwägung: daß die Arbeiterklasse in den Einzelstaaten weder die volle Gleichberechsigung noch die gleiche Be- Handlung mit den herrschenden Klassen genießt; daß die Eiiuclsiaatcit vielmehr nach ihrem Wesen und ihrer Organisation den Charakter de» Klassenstaates haben, d. h. die vornehmste Stütze der kapitalistischen WirtschastSordnung sind und demgemäß weder die Art der Staatseinnahmen noch der StaatSauSgaben den Forde» rungen der Sozialdemokratie an eine Staatsverwaltung entsprechen; daß die Regierungen dieser Einzelstaaten durch ihre Zustimmung z» den Maßnahmen des Bundesrats(Umsturz- und Zuchthansvorlage. indirekte Steuern auf den Massenverbrauch, LcdenSmittelzölle und LicbeSgabeitpolisik, Militarismus, Marinismu» usw.) die Arbeiter- klaffe auf» ungerechteste ,md schwerste schädigen; die Bewilligung des Budgets aber als ein AertranenSvotum fiir eine Regierung und als Billigung ihrer wesentlichsten polirischen Maßnahmen augesehen wird, erwartet der Parteitag, daß die sozialdemokratischen Vertreter in den Landtagen künftig gegen das Budget stimmen werden. Die Mitglieder sozisldcmolratischer Fraktionen haben sich der Teilnahme an höfischen Deputationen und Veranstaltungen zu ent- halten. IVlaifclei'. Teltow»Beeskoiv- Storkow- Eharlottenburg: Der Parteitag sieht in der Feier des 1. Mai die kraftvollste Be- tälignng deS KlaffenkampseS und verurteilt auf das entschiedenste die Brems- und AblviegelungSversuche auS GcwerllchaftS« und Partei» kreisen. Um diesen unliebsamen, das Ansehen der Maiseier schädigenden Vorkommnissen vorzubeugen, erwartet der Parteitag, daß derartiges unterbleibt und mehr der auf jedem Parteitag beschloffenen Propa« gierung der Arbeitsruhe am 1. Mai Siechnung getragen wird. Hamburg III, Distrikt Hamm, Rothenburgsort, Billwcrder, Finken werder, Cuxhaven: Die Mai- fcier nach den Beschlüssen de« international*» Kongresses, sowie des letzten Parteitages vmter Fortfall der UnterstützungSfrage abzu» halten. Königsberg i. P r.: Für die Regelung der Unter« stützung der Maifcier-Gemaßregelten sollen m er» neuten Verhandlungen des ParteitwrstandeS mit der General- kommission folgende Richtlinien maßgebend sein: 1. Heber die Arbeitsruhe wird nach zu vereinbarenden all- gemeinen Grundsätzen, für die bei einigen Gewcrlschaften bereits be- stehende als Vorbild dienen, entschieden. 2. Den Gemaßregelten wird die Unterstützung vom dritten Werktage ab gezahlt und zwar a) für sechs Tage aus lokalen Mitteln, die durch obligatorische Beiträge der am 1. Mai arbeitenden Organisierten, Sammlungen usw. aufgebracht werden: reichen die Mittel dieses Maifonds nicht aus, so sind die noch erforderlichen Summen am Orte auf die Parteiorganisation und die Gewerk- schafteu, denen die Ausgesperrten angehören, angemessen zu ver- teilen; b) weiterhin aus den zentralen Hauptkassen der Partei und der Gewerkschaften in angemessener Verteilung. Als angemessene Verteilung gilt die Zahlung der Unterstützung für die allein politisch Organisierten aus Parteimitteln, für die allein gewerkschaftlich Organisierten aus Gewerkschaftsmittcln, und sür die beide» Organi- sationen Angehörigen von beiden Seiten zu gleiche,» Teilen. 3. Die Gewerkschaften werden ersucht, von Erhebung besonderer Maibeiträge für andere Gewerkschaftszwccke in Zukunft Abstand zu nehmen. Königsberg i. Pr.: Die für die Unterstützung nötigen Mittel find für die allein politisch organisierten Gemaßregelten aus der Zentralkasse der Partei, für die allein gewerkschaftlich Organi- sierten aus der Zentralkajse der Gewerkschaften, und sür die beiden Organisationen Angehörigen aus beiden genannten Kassen zu gleichen Teilen zu zahlen.... Frankfurt a. M.: Die Beamten, Arbeiter und Mitglieder der Partei, welche Mint k�«rn. und keinen Lohnausfall er- leiden, sind verpfsithM,'MWeÄ�i«'«nd�tvsrkjichaftSlasse einen Tagesverdienst abz Genosse Specht in kaTftjtiflig? Olingen): Der Parteitag möge wegeit der Vereinbärüsi�'bt�'vorstandes mit der Generalkommission betreffs der Aufbringung der Mittel für event. Maßregelungen wegen der Maifeier eine endgültige Eni- fcheidung treffen, wonach die Kostenfrage dahin zu regeln»st, daß uicht die einzelnen Orte damit belastet werden, weil dieses generell zu unerträglichen Zuständen führt, besonders für kleine Orte, die nicht allein die Prinzipien dieser Demonstration zur Unausführbarkeit bringt, ja sogar jeden Gedanken dafür ertöten kann. Die Hauptverlvaltungen der Organisationen der modernen Arbeiterbewegung, die nach wie bor den Beschlüssen betreffs der Maifeier Rechnung zu tragen haben, sollen gemeinsam die Kosten tragen. 7. schleswig-holsteinischer ReichStagS-Wahl- kreiS: Die Generalversammlung des Sozialdemokratischen Zenrrab Vereins für den 7. schleswig-holsteinischen ReichStagswahlkreiS erklärt in Uebereinstimmling mit dem in einer gemeinsamen Sitzung der Gewerkschafts- und Parteifunktionäre Kiels und der Umgegend ge faßten Beschluß die Arbeitsruhe»ach wie vor als einzig lvirksaine Demonstratio», da jede andere Feier zur Verflachung und Be deutungslosigkeit der Maifeier führen muß. Sie spricht sich gegen die von der Generalkommission und dem Parteivorstande empfohlene örtliche Regelung der UntcrstützungSfrage aus, da auf diesem Wege einer Beseitigung der Arbcitsruhe zugesteuert wird. Kiel: Die am 13. August tagende Versammlung deS Soziab demokratischen Vereins Kiel beschließt, nachstehende Resolution dem deutscheu Parteilag zu unterbreiten: Tie heutige Versammlung betrachtet nach wie vor die Arbeits ruhe als einzig wirksame Demonstration, da jede andere Feier zur Verflachung und Bedeutungslosigkeit der Maifeier führen muß. Sie spricht sich gegen die von der Generalkommission und dem Partei vorstand empfohlene örtliche Regelung der Unterstützungsfrage aus, da auf diesem Wege einer Beseitigung der Arbeitsruhe zw gesteuert wird. Trebbin: Der Parteitag möge beschließen, den Partes vorstand zu beauftragen, erneut mit der Generalkommission der Gewerkschafken Deutschlands in Unterhandlung zu treten; die strikte Arbcitsruhe am 1. Mai ist das Ziel der klassenbewußten Arbeiter- schaft; die Mittel zur Erringung dieses Zieles müssen gemeinsam voit den Zenftalinstanzen der Partei und Gewerkschaften getragen werden. Weimar lll: Die heutige Generalversammlung sieht nach wie vor i» der Feier deS 1. Mai eine Betätigung auf dem Boden des Klassenkampfes, die, jemehr sie propagiert, an Kraft und Umfang gewinnt. Die Versammlung verurteilt aufs entschiedenste die Brems- erlasse und AbichwächnngSversucke, mögen sie aus Partei- oder Gemerkschaftskreisen kommen. Um aber in Zukunft diesen un- gerechtfertigten, daS Ansehen der Maifeier schädigenden Vorkomm- nisscn vorzubeugen, erwartet die Versammlung vom � deutschen Parteitag in Nürnberg, daß er mit allem Nachdruck dafür eintritt, daß dort, Ivo die wirtschaftlichen Verhältnisse eS erlauben, der 1. Mai durch Arbeitsrnhe gefeiert wird. In diesem Sinne hat der Paricivorstand und auch die Generalkommission zu wirken. N c n h a l d e n s l e b e n. W o l m i r st e d t: Die Parteigenossen deS Wahlkreises Wolmirstedt-Nenhaldei, sieben bedanern, daß die Generalkommission und der Parteivorstand die Maifeier vollständig in den Hintergrund stellen und erwarten, daß� der Parteitag die Generalkommiifion und den Parteivorstand ersucht, im nächsten Jahre ihr Möglichstes zu tun. damit der 1. Mai durch völlige Arbeitsrnhe gefeiert wird. Nürnberg: Der Parteitag fordert im Sinne der Beschlüsse der internationalen Kongresse die deutschen Arbeiter auf, die Mai- feier durch Arbcitsruhe zu begehen und in gemeinsamer Aktion von Partei und Gewerkschaft mit allem Nachdruck für die Erweiterung und Steigerung deS internationalen Feiertages deS Proletariats zu kämpfen. Hanau-Orb: Der Paiteitag möge beschließen, für die Frage der Maifeier eine neue Regelung herbeizuführen, indem die getroffenen Vereinbarungen zwischen Parteivorstand und General- koimnission eine absolut ungenügende»st und nur Verwirrungen unter den Parteigenoff'cn sowohl als auch unter den GeiverkschaftS- Mitgliedern hervorruit und die ganze Maifeier in der Zukunft un- möglich machen wird. Ellerbeck bei Kiel: Die Beschlüsse zwischen Parteivorstand imd Generalkommission betreffs Maifeier sind aufzuheben und be- schließt der Parteilag: Die würdigste Feier des I.Mai ist die Arbeits- ruhe; jedoch bezahlt die Partei keinerlei Unterstützung an Gemäß- regelte. B e r l i n IV: Die Feier des 1. Mai unter allen Umständen durch ArbeitSruhe zu begehen und zu diesem Zwecke durch die Presse, durch Broschüren und Versammlungen geeignete Agitation daftir zu entfalten. Sonstige Anträge. Halle a. S.: Durch eine umfassende Agitation ist zur all- gemeinen Kenntnis zu bringen, daß durch private Vereinbarungen die Bestimmungen der Gefindeordming außer Straft gesetzt und andere Vereinbarungen über die Kündigungsfrist, Lohnzahlung usw. getroffen werden können. Ztaumbilrg-WeitzenfelS-Zeitz: Eine über daS ganze Reich sich erstreckende Agitation durch die Parteipresse und Flug- blätier soll darauf aufmerksam machen, daß durch private Verein- barung vor Eingehe» eines ländlicken Dienstverhältnisses die von der Gcsindeordnung fcstgesctzte Kündigungözeit aufgehoben werden kann. kl II g S v u r g: In Anbetracht der Forderung, welche wir zum Schutz der Koalitionsfreihett bei Vergebung von staatlichen und kommunalen Aufträgen an Staat und Gemeinde stellen, stellt der Sozialdemokratische Verein Augsburg den Antrag, daß Partei- vorstand. Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands und GroßeinkaufSgesellschaft der Konsunivereine in Verbindung treten zwecks Regelung des Bezuges von Papier für unsere Partei- und AewerkschaftSdruckereie», um in den Papierfabriken die volle Koalitionsfreiheit zur Geltung zu bringen. Sollte sich mit den Papierfabriken eine solche Regelung nicht ermöglichen lassen, so möge die Frage der Eigenproduktion besprochen und entsprechende Maßnahmen dazu getroffen werden. Höchst: Zur Erlverbung der Staatsangehörigkeit in den ein- zelneit Bundesstaaten ist von feiten des Parteivorftande» ein Merk- blait herauszugeben, welches den Mitgliedsbüchern der Partei und der Gewerkschaften beigelegt resp. in dieselben eingeklebt wird. Nürnberg: Der Parteitag möge eine ständige Arbeits- kommission wählen, die für den nächsten' Parteitag eine Erörterung der Agrarfrage vorbereitet und möglich macht. Brandenburg- We st Havelland: Einsetzung einer Kommission, welcher die Aufgabe zu teil wird, die Agrarfrage zu studieren und dem folgenden Parteitag Vorschläge zu unterbreiten, die geeignet sind, uns der Landarbeiterschaft näher zu bringen. Cagesordrumg des tiäcbfteii Parteitages. Teltow- Beeskotv- Storks w- Charlotten bürg, Stralsund, Rügen und Berlin HI: Ans die Tagesordnung des nächsten Parteitages zu setzen: die Landarbeiterfrage und die Organisation der Landarbeiter. Bayreuth: Auf die Tagesordnung des nächsten Parteitags die Agrarfrage zu setzen. Teltow-Beeskow: In Anbetracht der lauen Beteiligung der Parteigenossen an der Genossenschaftsbewegung, möge sich der Parteitag eingehend mit derselben beschäftigen eventuell ist die Genossenschaftsfrage auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages zu setzen. Der Parteitag möge sich klar für die Genossenschafts- bewegung aussprechen und die Genossen auffordern, dieselbe mehr wie bisher zu unterstützen. Ort des Parteitages. Eisenach: Den nächsten Parteitag in Eisenach abhalten zu wollen._ 10. NttbaMag der Schneider und Schneideriuueu Deutschlands. Frankfurt a. M., 19. August. DritterVerhanolungstag. Zu Beginn der heutigen Sitzung wirb zunächst nach Annahme einiger Anträge, die Buch- und Kassenführung d r Hauptkasse be- treffend, dem Vorstand und Redakteur Decharge erl.nlt. Dann wird die Generaldebatte über die zum Statut gestellten Anträge eröffnet. Pfeiffer- Nürnberg befürwortet den Antrag, das Ein- trittsgeld Lehrlingen und sonstigen Kollegen, die nach beendeter Lehrzeit gleich dem Verband beitreten, zu erlassen. Die Frage, wie können wir am besten die Jugend organisieren, müßte eingehend beraten werden; die Gewerkschaftsbewegung müsse sich der Jugend mehr annehmen wie bisher. Für die jugendlichen Kollegen sollten aber niedrige Beiträge festgesetzt werden. Die An- träge zur Erweiterung des Unterstützungswesens bittet Redner ab- zulehnen, der Verband muffe vor allen Dingen einen Kampffonds schaffen. Pfeiffer- St. Johann plädierte für die Einführung von Staffelbeiträgen. Den Mitgliedern solle es freigestellt sein, für welche Klasse sie Beiträge bezahlen wollen, man müsse aber den finanziell schlechter gestellten Kollegen Rechnung tragen. Für die Militärschneider solle ein Reichstarif eingeführt werden. Bosch» Frankfurt a. M. ist dafür, daß mehr Agitation unter den Konfektionsschneidern und-Schneiderinnen getrieben werde. Der Forderung von Einheitstarisen in dieser Branche müßte nähergetreten werden. Schnorr- München meint, den jugendlichen Kollegen müßte man mehr entgegenkommen, die Reiseunterstützung solle ihnen früher gewährt werden. Schädlich- Hamburg begründet einen Antrag von Ham- bürg, wonach das Eintrittsgeld erhöht werden soll. Die Aufnahme- bedingungen müßten geändert werden, weil durch wiederholte Auf- nahmen einzelner Mitglieder Unfug getrieben werde. Der Antrag Elberfeld: Die Angestellten der Filialen sind auf die Hauptkasse zu übernehmen, sei zu begrüßen. Wenn diesem Antrag entsprochen würde, dann kämen so viele lokale Differenzen, die bei der Er- höhung der Gehälter von Lokalbeamten entstehen, in Wegfall. S t üh m e r- Berlin ist wohl für die einheitliche Regelung der Gehälter der Lokalbeamten; bei einer Uebernahme dieser Beamten auf die Hauptkasse müßte aber vor allen Dingen die Frage geregelt werden, was die Lokalkassen zur Bezahlung beitragen. Der Ver- bandStag müsse in dieser Sache etwas tun. Uebcr die Notwendig- keit der Erhöhung der Beiträge brauche man nicht viel Worte zu verlieren. Der Verband stehe einem geschlossenen Unternehmertum gegenüber und zur Führung von großen Lohnkämpfen müßten reich- liche Mittel vorhanden sein. Bei dem vorjährigen Kampfe habe der Arbeitgebcrvcrband sich gesagt, die Arbeiter können den Kamps nur 14 Tage führen, sie haben kein Geld. Hätte der Verband reiche Mittel gehabt, dann würden die Unternehmer den Kampf mit uns nicht aufgenommen haben. Der Verband müsse aus eigener Kraft die Mittel zu Lohnkämpfen aufbringen. Auf die Unterstützung der übrigen Gewerkschaften dürfe man nicht rechnen. Die Vorstände der übrigen Gewerkschaften sagen, wenn wir bei ihnen um Unter- stützung nachsuchen:„Ihr müßt eure Mitglieder zu höheren Bei- trägen heranziehen." Die Schwierigkeit der Staffelbeiträge liege in ihrer Durchführung. Sie könne nur bei Sclbsteinschätzung durchgeführt werden und da würden die Mitglieder zu den nie- drigsten Beiträgen greifen.(Widerspruch.) Wenn gesagt werde, man tue zu wenig für die Militärschneider, so müsse er demgegcn- über betonen, daß die Militärschneidcr sich zu wenig um die Orga- nisatwn bekümmern. Es sei schwer, nur mit dieser Branche in einen Streik zu treten. Der Einführung von Einheitstarifen für die Militärschncider ständen große Schwierigkeiten entgegen. Damit sind die heutigen Verhandlungen beendigt.— Die Dele- gierten machen nachmittags einen Ausslug nach Wiesbaden. Eue Induftne und FtendcL Der Saatcnstand tu Preußen stellte sich um die Mitte August, wenn 2 gut, 3 mittel, 4 gering de- deutet, ivie folgt: Winterweizen 2,5(im Juli d. I. 2,4), Sommer- Weizen 2,7(2.7), Winterspelz 2,4(2,2), Wintcrroggen 2,5(2,5), Sommerroggen 2,g(2,g), Sommergerste 2.8<2.8), Hafer 2,8<2,v), Erbsen 2,0(2.7), Ackerbohnen 2.8(2.7), Wicken 2,8(2,7), Kartoffeln 2,3(2.8). Zuckerrüben 2.3(2.8). Flachs 2.8(2.7). Klee 2,8(2.3), Luzerne 2,3(2,3), Riesclwiesen 2,5(2,4), andere Wiesen 3,0(2,8). In den Bemerkungen der Statistischen Korrespondenz heißt es: Die Getreideernte ist in vollem Gange. Erschwert wird sie durch das Lagern der Frucht und durch viele den Arbeiten sehr hinderliche Regenschauer. Im großen ganzen ist man aber mit dem Erntelvetter zuftieden. Vom Wintcrgetreide ist der Roggen ziemlich unter Dach, im allgemeinen gesund und trocken. Die Angaben über den Erdrusch gehen sehr auseinander. doch ist eine recht gute Mittclernte zu erwarten. Auch vom Winter- wetzen ist schon viel geschnitten und eingefahren. Im all- gemeinen ist man mit der Güte des KornS zu- frieden. Die großen Hoffnungen, die auf den Weizen in den beiden Vormonaten gesetzt wurden, erfüllt er nicht ganz, eröffnet aber immer noch gute ErnteauSsichten. Auch vom Sommergetreide ist schon viel eingebracht. In den östlichen Gegenden ist infolge Einwirkung von Hitze und Dürre die Sommerung fast gleichzeitig mit der Winterung schnittreif geworden, so daß, da die Arbeiten nicht schnell genug zu bewältige« sind, Verlust durch Ausfallen befürchtet wird. Auch erschwert umfangreiches Lagern daS Schneiden und beeinträchtigt die Aus- bildung der Körner. Die Gertt- hat hin und wieder hierdurch ihre. Verwendbarkeit als Braugerste eingebüßt. lich im Hafer, wird viel geklagt. Ueber Unkraut, nament- Der Außenhandel in den Schutzgebieten. Das„Deutsche Kolonialvlatt" veröffentlicht eine vorläufige Zu- sammenstellung der Ergebnisse des Außenhandels der aftikaiuschen Schutzgebiete für 1807, welche folgende Entwickelung zeigt: Matt Matt 8«' oder Abnahme Deutsch-Ostafrika Kamerun... Togo.... Südwestafrika � zusammen A, Einfuhr 23 803 389 25 152 851 17 206 547 13 805 514 5 699 684 6 432 812 32 895 918 68 825 530 — 1346 482 4- 3 991 033 4- 266 872 —86 229 612 6.3 0/0 80„ 4,1„ 52,3„ Deutsch-Ostafrika Kamerun... Togo.... Süoivestafrika zusammen 80 198 518 B. 12 500 179 15 867 021 5 915 609 1 615 661 113 516 707 Ausfuhr 10 994 712 9 945 903 4 199 336 083 035 —83 318 180--- 20,3 + 1 505 467 — 5021 118 .. 1716 273 -- 1232 620 Deutsch-Ostafrika Kamerun... Togo.... Südlvestafrika zusammen 35 808 470 0. Ge 30 806 548 33 168 568 12 015 293 34 011579 25 522 968 s a m t h a n d 36 147 568 23 251 417 10 632 148 69 008 563 -- 13,6 0/0 = 60,5„ ° 40,8„ =321,8„ --10 375 484 el -U 158 085 -- 9912 151 • 1 983 145 84 996 986 40,6 o/o 0,4% 42,0„ 4,1„ 50,7„ 116 096 988 189 039 603—22 242 705= 16,5 Die großen Unterschiede in den Einfnhrziffern für Südwestafrika erklären sich ans der Verminderung der Trnppenzahl. ES hat sich bei der Einfuhr überwiegend um Lebensmittel gehandelt, sür die natürlich daS Bedürfnis' mit jeder Zurückziehung von Truppen ge- ringer geworden ist. Die AuSfuhrvermehrung des Schutzgebietes er- gab sich von selbst von dem Augenblick an, Ivo wieder eine geregelte Farmlvirtschaft betrieben werden konnte. Seriedts- Leitung. Benutzung schadhafter Pferde unzulässig. Mit äußeren Schäden behaftete Pferde dürfen nach der Berliner Siraßenordnung nicht als Zugtiere benutzt werden. Gegen diese Vorschrift sollten sich die Fuhrleute Rentner und Zorke vergangen haben. D-S Landgericht, dem ein tierärztliches Zeugnis über den Znstand des verwendeten blessierten Pferdes vor- lag, sprach di». Angeklagten frei. DaS K a m in c r g e r i ch t hobdieserTag- daS Urteil auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung an das Land- gericht zurück. Eiiu Polizeivorschrrft, wie die erwähnte, würde ungültig sein, wenn sie nur das ästhetische Empfinden schützen sollte. Die Bestimmung hier sei aber erlassen im Interesse der Erhaltung der Leichtigkeit, Ordnung und Sicherheit des Verkehrs und sei darum rechtsgültig. Wenn ein Zugtier mit be sonderen äußeren Schäden behaftet Verkehr insofern einwirken, als das und sein Mißfallen bezeuge. Dadurch Verkehrs beeinträchtigt. Ob das im sei, wäre nicht entscheidend für die sondern es genüge, daß der äußere S> sei, zu einer Störung der Leichtigkeit,_ zu führen. Das müsse daS Landgericht sei, werde Publikum > die eS auf den «tsaminenlanfe Leichtigkeit deS geschehen Verordnung, e e i an et Verkehrs 'Uh Der betrügerische BllrgermcWt. n® Die Strafkammer in Küstrin verhandelte gegen Bürgermeister von Zehden Ed. Me Ich er, der Gründer der Zehdener Sparkasse verschiedener Betrügereien sch machte. Der Staatsanwalt beantragte geyen den Angeklagten zwei Jahre Gefängnis. Das Gericht erkannte auf ein Jahr und drei Monate Gefängnis unter An- rechnung der Untersuchungshaft. Die Schädigungen betragen gegen 30 000 Mark. Auf Verlust der bürgerlichen Ehren- rechte wurde nicht erlannt. Die Regierung hat gegen den Exbürgermeister ein Disziplinar- verfahren eingeleitet. Die Stadtverlretung von Zehden wird also in einiger Zeit wieder eine Lürgermeisterwahl vornehmeu müssen. Eine Ducllfordcrung au den Schwiegervater hatte gestern vor dem Strafrichter ein Nachspiel. Wegen Heraus- forderung zum Zweikampf war der Architekt Max B a a r s aus Aachen angeklagt. Mit ihm mußte sich der Kandidat der Zahnheilkunde Paul Schulze wegen Kartelltragens ver- antworten. Die beiden Angeschuldigten waren in dem Termin nicht erschienen. BaarS war wegen der großen Entfernung seines Wohn- ortes vom Gerichtssitze vom Erscheinen entbunden worden, Schulze hatte ein ärztliches Attest eingesandt, sodaß die Verhaiidlnng gegen ihn abgetrennt wurde.— Der Anklage lag folgendes zugrunde: Der Angeschuldigte war mit der Tochter des Kunstmalers St. ver- lobt gewesen. Die Verlobung ging jedoch ans verschiedenen Gründen znrück. Einige Zeit darauf verlobte sich die ftinge Dame zum zweitenmal. ES fand deshalb in einem Lokale in der Kleinen Augnststraße ein VerlobungsschinauS statt. Als sich die Gesellschaft schon in sehr gehobener Stimmung befand, trat plötzlich ein sehr unangenehmer Zwischenfall ein. Der frühere Verlobte des Fräulein St.. der. jetzige Angeklagte, erschien, nach seiner Angabe ganz zufällig in dem Lokal und ließ sich in der Nähe � der Verlobnngsgesellschaft nieder. Aus irgend- einem geringfügigen Anlasse kam eS zwischen dem"ehemaligen Schwiegervater des Angellagten und diesem zu einem Wortwechsel. Hierbei soll St. eine beleidigende Aenßemng gebraucht haben. Am nächsten Tage erschien der Mitangeklagte Schulze in der Wohnung des St. und überbrachte ihm in aller Form eine P i st o l e n f o r d e r u n g des BaarS. Der schon 54 Jahre alte Herr lehnte die Forderimg ab. Zufällig hatte die Tochter des St. diese Unterredung belauscht; sie erstattete noch an demselben Tage Anzeige bei der Polizei. Die dritte F e r i e n st r a f k a m m e r des Landgerichts I verurteilte dem Antrage des Staatsanwalts gemäß Baars wegen der kindischen Herausforderung zum Ziveikanipf zu zehn Tagen Festungshaft. Hub der frauenbewegung» Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse(Jugendabteiluug) Sonntag, den 23. August: Führung durch den Botanischen Garten. Treffpunkt 3 Uhr nachmittag vor dem Eingang zum Botanischen Garten, Königin-Luise-Straße, Dahleni. Berlin. Dimstag. den 23. August, abend« St/, Uhr. im„Neuen KlubhauS", Kommandantenstr. 72: Versammlung der sozial- demokratischen Frauen. Vortrag:„Die diesjährige Frauen- konferenz und der Parteitag in Nürnberg". Wahl von Dele- tinnen. Erwiderung. Nach dem Bericht des„Vorwärts" über die Versammlung des 5. Wahlkreises hat dort der Genosse L i c p m a n n in liebens- würdigen Ausdrücken, die ich wohl nicht zu wiederholen brauche, gesagt, ich hätte in den„Sozialistischen Monatsheften" die„Be. Smsführer und die Leitung" Groß-Berlins wegen der Art, wie fte den Landtagswahlkampf geführt, getadelt, zum min- desten aber ihre Mühe und Arbeit„verkleinert". Genosse Liep- mann hat offenbar meine Ausführungen nicht selber gelesen und sich darüber ganz falsch informieren lassen. Ich habe nämlich an der erwähnten Stelle ganz im Gegenteil ausdrücklich gesagt: „Der Erfolg ist zum überwiegenden Teil dem Eifer und der Tatkraft der Parteigenossen, und namentlich der Berliner, zu danken, die eine einmal ihnen übertragene Aufgabe mit Zähigkeit und Opferwilligkeit durch- zuführen wissen." Genosse Liepmann glaubt mich darüber belehren zu sollen. ,üvie der Kampf organisiert wurde"; er hätte sich diese freundliche Mühe sparen können: wenn mir all das nicht so gut bekannt gc- Wesen wäre, hätte ich mich nicht in so rühmenden Worten darüber geäussert. Meine Bemerkung über die„Strategie des General- stabs" bezog sich selbstverständlich nicht auf die Organisation der Wahl, die in jeder Hinsicht nmstergültig war, sondern auf die Erfüllung respektive Vernachlässigung der rein politischen Aufgabe der Konzentration aller Wahlrechtsreformfreunde. Dass dies e Angelegenheit nicht zur Kompetenz der Bezirksführer und Wahlleiter Gross-Äerlins gehörte, wird Genosse Liepmann, der ja eine Autorität in Organisationsfragen ist, ebenso �wissen wie ich. Es konnte mir also nichts ferner liegen, als die Berliner Wahlleitung irgendwie herabsetzen zu wollen— im selben Atem- zug. in dem ich gerade den Effekt ihrer Tätigkeit mit besonderer Anerkennung hervorhob. Berlin, 20. August 1903.' I. Bloch. Vermischtes. Straudung eines Schiffes. Hamburg, 20. August.(W. T. B.) Das der Firma F. Laeisz gehörende Vollschiff„Palmyra" i st, von Antwerpen nach Valparaiso bestimmt, laut Telegramm aus P u n t a Arenas am 2. Juli auf Wellington Island gestrandet. Es ist völlig ver- loren. Fünf Mann von der Besatzung ertranken, sechzehn verließen die Strandungsstelle in Booten und werden seitdem vermißt. Dar Kapitän und der erste Offizier erreichten die Evangelisteninseln und wurden dort auf- gefunden und am 19. August nach Punta Arenas gebracht. Zu dem Grubenunglück in Lancashire. London, 20. August. Wie aus Wigan gemeldet wird,, sind jetzt 54 Leichen geborgen worden. Jede Hoffnung, die noch,.f»hlenden Arbeiter lebend aufzufinden, muss aufgegeben werden. Ein königl. preußischer EisenbahnstationSassistent als Einbrecher. Vor mehreren Wochen wurde die Gepäckkasse der niederrheinischen Eisenbahnstation M ö r s a. Rh. geplündert, ohne dass es gelang, des Diebes Habhaft zu werden. Wohl geriet durch die begleitenden Um- stände der Stativ nSassi st entRosenzweig in starken Ver- dacht, doch konnte ihm nichts nachgewiesen werden. Jetzt ist nun im Stationsgebäude zu Mörs abermals ein Einbruch verübt. Diesmal hatte es der Bruder Langfinger auf die Kasse abgesehen. Eingang hatte sich accn einer Fensterscheibe zu ver- .sollte ihm zum Verhängnis werden. nutzte sich der Einbrecher beim Zer- Hand verletzt haben. Das traf nun Jen zu, gegen den der Verdacht sofort ivieder aufgcsti Man nahm daraus eine Haussuchung vor, die denn'> eweise von der Schuld des Genannten zu- StationSbcamte die Nestaurationskasse der Vahuhofsrestauration der Dieb durch schaffen gewußt. Wie die Blutspuren� lriimmern der f bei dem Hei; ivstder aufg or, die denn tage förderte. so° leer gcstmden hatte, so'war er so unvorsichtig gewesen, sich als ltz für daS fehlende Bargeld die Taschen gehörig mit allerhand ökereien, wie Schokoladen, Pralinees und sonstige Süssigkeiten, Igarren und Zigaretten zu füllen, und diese Sachen in seiner Wohnung aufzubewahren. Es scheint, als ob der Mann mr Schnök. »WgarN sich in seiner Bcamteneigenschaft vollständig sicher gefühlt hat, sonst hätte er unmöglich die gestibitzten Sachen in seiner Wohnung aufbewahren können. Natürlich hat der Herr Stations- assistcnt nun in einer anderen stilleren Klause auf Kosten des Staates Wohnung angewiesen belommen. 233 000 Mark unterschlagen. Der Kassierer der Dresdner Bank, Hermann Eckert, von dessen Unterschlagungen wir auf Grund tele- graphischer Mitteilungen berichteten, hat seinem Leben durch Er- schiessen(nach einer anderen Version durch Erhängen) ein Ende bereitet. Seine Leiche wurde am Dienstagnachmittag in Schandau aufgefuudeu. Von der Abficht, sich das Leben zu nehmen, hatte er an dcinselben Tage die Direltiou durch einen Brief in Kenntnis gesetzt, in dem er seine Verfehlungen darlegte. Furchtbare Untat. Ein Telegramm aus Brüssel besagt: Das Blatt„Etoile Beige" meldet aus Longwh an der sranzösisch-luxemburgischen Grenze über eine furchtbare Mordtat, welche gestern"dort entdeckt wurde. Ein deutscher Zollbeamter, welcher in Begleitung seiner jungen Frau einen Spaziergang im Walde in der Nähe von Longivy unternahm, wurde von drei Italienern angefallen. Einer der Italiener schlug die Frau, welche sich in gesegneten Umständen befand, mit einem Faustschlag nieder. Die beiden anderen Italiener bemächtigten sich des Ehegatten, den sie an einen Baumstamm banden. Hieraus erfolgte eine furcht- bare Szene. Die drei Italiener vergewaltigten die Frau, alsdann schnitt einer der Frau den Leib auf, riss das Kind aus dem Mutter- leibe und warf eS dem Vater bor die Füsse. Dieser wurde an- gesichts der grausigen Tat wahnsinnig; in diesen, Zustande ent- deckten Vorübergehende den Unglücklichen, ebenso die Leichen der Frau und des Kindes. Die drei Italiener sind noch im Laufe des Abends in der Nähe von Brich verhaftet worden. Der- Mord hat in der ganzen Umgegend die größte Aufregung' hervorgerufen. Kindcrschändung. Im Anschluß an das 25jährige Stiftungsfest des Michendorfer Kriegervereins vergriff sich das Bereinsmitglied Arbeiter R. an einem schwachsinnigen Mädchen. Der Krieger wurde dem Potsdamer Amtsgericht überliefert. Pest in Afrika. Membasa, 20. August._(Meldung des Renterfchen Bureaus.) Wegen Auftretens der Pest in Portflorence wurde die Ugandabahn g- nötigt, ihren Güterverkehr zum See zu unterbrechen, da cS in den Häfen an Arbeitern für die Beförderung von Gütern von den Zügen zu den Dampfern fehlt._ AuS einer höheren Schule. Im Erfurter Gymnasium stellte Professor Brandis als Aufsatz- thema für die Schüler der Sekunda: Vergleichung zwischen dem „Nibelungenlied und der katholischen Hauptkirche der Stadt". Was die armen Schüler zusammengeschrieben, meint der Gewährsmann des„Erfurter Allgemeinen Anzeigers", entzieht sich meiner Kenntnis, wohl aber dürfte es viel passendere und näher liegende Themata geben, als heterogene Dinge mit einander in Zusammenhang zn bringen. Wie wäre es mit einer Vergleichung z. B. zwischen dem Erfurter Bahnhof und Goethes Faust? oder zwischen der Erfurter Straßenbahn und dem Erlkönig? Sozialdemokratischcr Wahlverein Landsberg- Ioldin.(Orts- verein Berlin.) Heute abend 8'/, Uhr, im Gewerlschastshause, Engel- user 15, Saal 2: Monatsversammlung. Gäste willkommen. Eingegangene Druckrclrnften. Von der„Nene« Zeit*(Stuttgart. Paul Singer) ist soeben das 47. Hejt des 26. Jahrgangs erschienen. ES hat solgenden Inhalt: Ein Mann.— Der gcwcrlschastlichc Doktrinarismus und die Unternehmer- verbände. Von ParouS.— Polensrage und Sozialdemokratie. Von Julius BruhnS. II.(Schluß.)— Die Jugendorganisation in Oesterreich. Von Leopold Winarsky(Wien).— Der sünste Konsumgenosscnschaststag. Von Hcrm. Fleißner.— Zeitschriftenschau. Die„Neue Zeit* erscheint wöchenilich eilimal und ist durchfalle Buch« Handlungen, Postaiistallcn und Kolportcure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Probcnummcrn stehen jederzeit zur Verfügung. Von der„Gleichheit", Zeitschrist für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 17 des 18. Jahr- ganges zugegangen. Sie hat solgenden Inhalt: Aufruf zur Frauenlon- serenz.— Die österreichische Jugendbewegung. Von Robert Danneberg.— Schulspeisung. Von Luiic Kautsky. VI.— Das Ende des Wirlerkampses. Bon II..1.— FraucnbiidungSvereine.— Die Entstehung des geltenden bürgerlichen Rechts. Von Simon Katzenstcin.— Agitation unter den Dienstboten. Von Luise Zieh.— Harzbitder. I. Von W. D.— Aus der Bewegung: Von der Agitation.— Von den Organisationen.— Jahresteil: Dienstbotensrage.— Proletarische Elendsbilder.— Weibliche Fabrik- inspcktoren.— Fürsorge für Mutter und Kind.— Frauenstimmrccht.— Frauenbewegung.— Sozialistische Frauenbewegung im Ausland.— Feuilleton: Des Morgens. Von Friedrich Hölderlin.(Gedicht.)— Reise- sicbcr. Von Melanie Funke.— Weltgeist. Von Percy Bisshe Shelley. (Gedicht.) Beilage: Bericht der Vertrauensperson der Genossinnen Deutsch» lands für die Zeit vom August 1S07 bis Ende Juli 1303. Für unsere Mütter und H a u s s r a u e n: Jetzt rede du l Von C. F. Dteyer.(Gedicht.)— Die Behandlung nervöser Kinder. I. Von 0. R.— Wandlung. Von Ernst Prcczang.(Gedicht.)— Etwas vom Leben. Von Hannah Dorsch, Zürich. II. Die Zelle als Träger des Lebens. (Schluß.)— Hygienische Betrachtung über Petroleumlampen. Von Dr. Otto Gotlhilf.— Die Mutter als Erzieherin.— Für die Hausjrau.— Erkenntnis. Von Gottfried Keller.(Gedicht.)....:.v Die J[liinrnil iiiifniiil nilsi U iTillllllfliUrtii Pi i in der Nummer 10 Ps., durch» ohne Bestcllgi 2,60 M. Die Wa E. Aigner. Protokoll reis vierteljährlich l Jahresabonnement ..'Äu�derssailuug von LourdcS. Von Dr. .______ JnmfjHTOt Verlag. Franksnrt a. M. er 13. Gcncralvcrsammlniig des Verbandes der Lederarbeiter Deutschlands. 1 M. Für Mitglieder 10 Ps. Verlag E. Mahler, Berlin, Adalbcrtstr. 56.• Tie schwarze Marie von Ferleilen. Von Baronin M. Pereira. 186 Seiten.— Der Primas von Deutschland. Roman von tz. Kirchsteiger. — Freie wissenschaftliche und kirchlich gebundene Weltanschauung und LebenSaussaffung. Von Pros. Th. G. Masaryk. 37 Seiten. Verlag: H. Koncgen. Wien. Das Auklagcmatcrial der königlichen Regierung gegen den Burger- meister Dr. Lothar Schücking. Herausgegeben von Dr. Wallher Schücking. Preis 25 Pf. Buchverlag der„Hilsc". Unfälle und Ertraukniigc» im Ruhr-Bergbau. Von G. Werner. 30 Ps. Verlag: Trcdebcul u. Koencn, Essen a. d. Ruhr. Bericht des Sekretariats des Jnieriiationalc» sozialistischen Bureaus nach dem Stuttgarter Kongreß. 35 Seiten._..... 1h Cluss Conilict in Amerika groving and is it incvitablo. By John R. Oommons. Ropnnted Irom the American Journal oi Sociology, Chicago. Die Grundlagen des revolutionären Pacisismus v. A. H. Fried. 1 M. Verlag: I. G. B. Mohr in Tübingen. Prof. Förster. Trauerspiel von N. Weiter. 31 Seiten.— Lene Frank. Lehrerinnendrama von Li. Weiter. 76 Seiten. Verlag: Austrul. Wien und Berlin. Das Blaubuch, Wochenschrift. Hcrausgcgcbcii von H. JIgenstcin und H. Kienzl. Konkordia, Dculschc Verlagsaiistall v. H. Ehbocl in Berlin W. 30. 0,30 M. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthalleti-Direktioli über den Großhandel in den Zciilrai-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zusuhr stark, Geschäft schleppend. Preise sür Hammel- und Schweinefleisch nachgebend, sonst lllivcrüiidert. Wild: Zusuhr nicht ausreichend, Gcschäjt still, Preise wenig verändert. Geflügel: Zusuhr den Bedarf nicht deckend, Geschäft flott, Preise gut. Fische: Zusuhr genügend, Geschäst sehr schleppend. Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschält lebhast, Preise unverälldert. Gemüse, Obst und Südjrüchte: Zusuhren reichlich, Geschäst rege, Preise wenig verändert. Wetterprognose für Freitag, den ZI. August 1008. Zunächst ziemlich heiter und mäßige Erwärmung bei schwachen Winden aus wechselnder Richtung; später zunehmende Bewölkung und Gewitter- iieigimg. Berliner Wette rburcau. reste r reise Wegen baulicher Aenderung auf"V CSTfU-�Ull� ClClT 011.61*13 OllS 01 Großer Ausverkauf « •a B B CD *, o Deutsche u. Perser Teppiche, Portieren, Tüllbettdecken, Gardinen, Steppdecken, Stores, Diwandecken, Läuferstoffe, Tischdecken; Felle; Kissen, Vorlagen, chinesische Parawants und Matten; Similiehe Maren sind fast bis zur§fäI|tS dfiS Pr6lS6S herabgeselzt. Die Ausverkaufs- Preise sind neben den früheren deutlich vermerkt. £) o ca CS s Q. B. Hurwitz Vorortpnrzclle, 290 M. an, Brunnhoscr. Berlin, Nollendorsstr. 3.* Grotzdestillation modern eingerichtet, mehrere Vereine und Zahlstellen. Lausgegend, sichere Eriitenz, sür 8000 M. sosort zu ver- tapsen. Offerten„J. 7", Postamt 24. Dr. Spezial-Arzt (ür Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, mo», 10—2. 5—7. Sonntags 10—12, 2—4. Verantwortlicher Redakteur ZZem Parterre und(• Etage Die beste mediz. 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Vorstands-, Kassen- und Revisionsbcricht. 2. Diskussion. 3. Anträge, Beratung und Beschlußfassung. 4. Die politische Bedeutung der Budgetbewilligung. Referent: Reichstagsabg. Genosse Molkenbuhr. 6. Partei- und Verbandsangelegenheiten. Die Delegiertenkarten sind den Kreisen und den sonst be- rechtigten Teilnehmern bereits zugegangen. Der Zentralvorstand. Anträge. Zweiter Kreis. „Bei wichtigen Anlässen(18. März usw.) sollen vorher die Zahl- abende beraten, welche Stellungnahme hierzu einzunehmen ist." Es sollen die Genossen nicht wieder vor fertige Tatsachen gestellt werden, wenn sie den Anforderungen nicht voll und ganz nachkommen können. Dritter Kreis. „Parteigenossen, welche zwei Jahre politisch und gewerkschaft- lich organisiert sind, wird nach zwei Monaten Arbeitslosigkeit oder Krankheit der„Vorwärts" gratis geliefert; der Antragsteller muß aber seit mindestens zwei Jahren Abonnent des„Vorwärts" sein." Vierter Kreis. 1.„Die Generalversammlung des Verbandes der sozial- demokratischen Wahlvereins Groß-Berlins wolle beschließen: In derselben Weise wie im Jahre 1906 eine Statistik über die(gelverkschaflliche und politische) Organisationszugehörig'eit der Parteigenossen Groß-Berlins aufgenommen wurde, ist jetzt (in der stillen Zeit nach der Wahl) eine Statistik über die Zu- geHörigkeit der Berliner Parteimitglieder zur offiziellen Landes- kirche aufzustellen und die Ergebnisse(wie viel Kirchenmitglieder und wieviel Dissidenten der Partei in Berlin angehören) im „Vorwärts" oder im„Mitteilungsblatt" bekannt zu geben." 2.„Parteigenossen, welche zwei Jahre politisch und geWerk- schaftlich organisiert sind, wird nach zweimonatlicher Arbeitslosigkeit oder Krankheit auf Antrag der„Vorwärts" gratis geliefert. Der Antragsteller muß aber mindestens seit zwei Jahren Abonnent de*„Vorwärts" sein." 3.„Die icwährung von Diäten zu Parteitagen und Kongressen ist einheitlich zu regeln." 4. Der Beitrag für weibliche Mitglieder wird auf 19 Pf. pro Monat festgesetzt. Teltow-BeeSkow. 1.„In den neu zu druckenden Aufnahmescheinen ist eine Rubrik einzufügen, in welcher die Staatsangehörigkeit des neuen Mitgliedes eingetragen werden kann." 2.„Bei DemonstrationS- und Protcstvcrsammlungen ist für die Referate keine Entschädigung zu gewähren." 3.„DaS„Mitteilungsblatt" ist so auszugestalten, daß eS den Bezirksführcrn mehr zur Belehrung dient, als eS jetzt der Fall ist. An Stelle der Annoncen und Mitteilungen sind kurze Artikel, bor- nehmlich über Parteiprogramm und Sozialismus zu bringen. Der in der vorjährigen Generalversammlung dem Borstande überwiesene Antrag möge nunmehr zur Ausführung gebracht werden." 4.„Die Generalversammlung erhebt energisch Protest gegen den Beschluß des Zentralvorstandes Groß-Berlins betreffend die Festsetzung des Beitrages für die weiblichen Mitglieder und beantragt, den Beitrag so niedrig wie irgend möglich zu bemessen." S.„Den Aufnahmeschcinen ist eine Rubrik hinzuzufügen, in welcher die gewerkschaftliche Organisation deS Mitgliedes eingetragen werden kann."_ Zur Lokalliste. Am Sonntag, den 23. d. M., findet in Bohns- dors(Teltow-Beeskolv) ein Erntefest statt. Wir machen darauf aufmerksam, daß uns dortselbst nur daS Lokal„ F a l k e n r u h", Villa Kahl, zur Verfügung steht, alle anderen Lokale sind zu meiden. An» Sonntag, den 30. d. M., veranstalten folgende Vereine in der„Philharmonie" ein Vokal- und Instrumental- Konzert:„ C o n st a n t i a",„Einigkeit 1378",„Her- mann",„Kornblume 1873",„O st- L o n g o b a r d i a", „Waldesschattcn",„Weiße Schleife" und„Sänger- kreis der Musikin st rumenten-Arbeiter". Da man versucht, hierzu in Arbcitcrkreisen einen lebhaften Billettumsatz zu erzielen, so erinnern lvir an den seinerzeit gefaßten Beschluß, wonach der Besuch der„Philharmonie" bei derartigen Veranstaltnngen den event. Ausschluß aus der politischen Organisation zur Folge haben kann. Die Lokalkomniission. WaidmannSlust. Die Mitgliederversammlung de? Wahlvereins findet Sonnabend, den 22. d. M., abends 8V3 Uhr, in Glienicke bei HermSdorf im Lokale von Schulze statt. Schcnkendorf bei Königs- Wusterhausen. Die Mitglieder- Versammlung des WahlvereinS findet Sonnabend, den 22. August, abends 8 Uhr, im Lokale von Otto Paetsch statt. Zahl- reiches und pünktliches Erscheinen der Genossen und Genossinnen erwartet Der Vorstand. Schmargendorf. Am Sonntag früh �3 Uhr findet vom„Wirts- hanS Schmargendorf" aus eine Flugblattverbreitung statt, zu der sich alle Genossen pünktlich einfinden mögen. Zahl- reiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Bernau. Morgen. Sonnabend, findet.e Versammlung des Wahlvcrcins bei Kunze, Bürgermeisterstraße, natt. Auf der Tages- ordnnng steht: 1. Welches Interesse haben die Frauen am öffentlichen Leben? Reserentin: Genossin Elise Neu- mann. 2. Diskussion. 3. Bericht von der Kreisgeneralversammlung. 4. Fortsetzung des Kursus in Nationalökonomie. 5. Vereinsangelegenheiten. Zahlreiches Erscheinen, namentlich auch der Frauen, erwartet _ Der Vorstand. Berliner jNacbricbten. Das Auftreten des„Hauptmanns von Köpenick" verboten. Gestern nachmittag wurde vom Berliner Polizeipräsidenten das weitere Auftreten des Schuhmachers Wilhelm Voigt im Passage- Panoptikum verboten. Bis zum Eintrefsen des Verbots hatten den „Hauptmann", der eifrig Postkarten zugunsten der Abgebrannten in Donaueschingen verkaufte. 19 099 Menschen besucht. Mag auch die gebotene Schaustellung des viel Genannten nicht gerade bc- sonders geschmackvoll erscheinen, so lag doch unseres Dafürhaltens kein Grund zu einem polizeilichen Eingriff gegen die etwaige Ver- sündigung gegen den guten Geschmack durch Besucher bor. Das Publikum braucht keinen Polizeivormund und sicherlich verstößt so mancher Polizeitransport weit mehr gegen das Empfinden eines normal denkenden Menschen, als der Verkauf von Postkarten zu- gunsten Abgebrannter durch ein typisches Opfer der heutigen Ge° sellschaftsordnung. Die Polizei hat ein Recht zu einem Verbot von Darbietungen, die ohne gegen Strafgesetze zu verstoßen, anstößig erscheinen, nicht. Wem solche Schaustellungen nicht behagen, zwingt ja niemand zur Aufsuchung derselben. Auch das nach Ansicht des Oberverwaltungsgerichts für Preußen noch bestehende Zensur- recht der Polizei rechtfertigt das polizeiliche Einschreiten nicht. Die Polizei scheint ihr Verbot auch weder auf ihre allgemeinen Befugnisse noch auf ihr Zensorrecht zu stützen. Das dürfte daraus zu ent- nehmen sein, daß das mündlich erlassene Polizeiverbot auch die Mit- teilung enthielt, daß dem Schuhmacher Wilhelm Voigt die Annahme einer Stellung, welche ihn mit der Oeffentlichkeit in Berührung bringt, in Berlin überhaupt nicht gestattet würde. Demnach scheint ein Ausfluß der über Voigt verhängten Polizeiaufsicht vorzuliegen. Voigt ist bekanntlich vom Landgericht zu Gnesen mit der ungeheuer- lichen Strafe von IS Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Zulässigkeit von Polizeiaufsicht bestraft. Das Urteil erging ohne Abhörung der vom Angeklagten über wesentliche Punkte benannten Zeugen, es wurde ohne Eingriff des Reichsgerichts rechts- kräftig, weil der Gerichtsschreiber erst nach Ablauf der Re- v i s i 0 n s f r i st das rechtzeitig gemeldete Revisionsbcgehr auf- nahm. Die Zuchthausstrafe war am 1. Februar 1906 verbüßt. Durch ein auf Zulässigkeit von Polizeiaufsicht lautendes Erkenntnis erhält die Polizeibehörde die Befugnis, den Verurteilten auf die Zeit von höchstens fünf Jahren(gerechnet vom Tage der verbüßten Freiheits- strafe ab), unter Polizeiaufsicht zu stellen. Die Polizeiaufsicht hat nach§ 39 Reichs-StrafgesetzbucheS folgende Wirkungen: 1. dem Verurteilten kann der Aufenthalt an einzelnen bestimmten Orten von der höheren Landespolizeibehörde untersagt werden; 2. die höhere Landespolizeibehörde ist befugt, den Ausländer aus dem Bundesstaat zu verweisen>— diese Ziffer 2 ist für den Fall des Tilsiter Schuhmachers und Köpenicker„Haupt- manns" belanglos—; 3. Haussuchungen unterliegen keiner Be- schränkung hinsichtlich der Zeit, zu welcher sie stattfinden dürfen. Daneben hat in Preußen nach der herrschenden Rechtsanschauung auf Grund des Gesetzes vom 31. Dezember 1842 die Polizei das Recht, auch nicht unter Polizeiaufsicht gestellte Bestrafte aus- zuweisen, falls sie an einen Ort neu anziehen und für gefährlich erachtet werden. Der Köpenicker Zug war bekannt. lich die Folge dieser eben wiedergegebenen Vor- s ch r i f t e n. Sollte in der Tat gegen den im Jahre 1906 aus ehr- licher Arbeit staatlich gehetzten Mann abermals auf Grund der ge- dachten Vorschriften vorgegangen werden, so ist das ein neuer Beweis für die Dringlichkeit der endlichen Beseitigung der Polizei- aufsicht. Auch die Polizeiaufsicht, die gegen den„Hauptmann" noch bis zum 1. Februar 1911 zulässig ist, rechtfertigt aber das ge- troffene polizeiliche Verbot nicht. Eine Aufklärung über die Gründe des polizeilichen Vorgehens wäre am Platze. Uebrigens soll der„Hauptmann" demnächst kinematographisch vorgeführt werden. Zu diesem Zweck hat er zwei Stunden lang einem hiesigen Institut„gesessen". Die Vorführungen der Person des„Haupt- manns" in dieser oder jener Form sind leider geeignet, die Aufmerksamkeit von der sozialen Tragödie und von den politischen Schlaglichtern abzulenken, die der Leidensweg des Wilhelm Voigt in so anschaulicher Weiser aufweist. Die Schwalben find in diesem Jahre außergewöhnlich früh fort- gezogen. Gleich nach Eintritt der Hundekälte in den Hundstagen machten die besonders in Berlin heimischen„Segler" sich auf die Reise und sind nicht wiedergekehrt. Die übrigen Schwalben folgten dann, nur die auf dem Lande in Stallungen nistenden Haus- schwalben sind zum Teil zurückgeblieben und rüsten sich jetzt zum Aufbruch. Die hier und da vereinzelt an Gewässern horstenden schwarzen Störche sind ebenfalls schon nach dem Süden ge- zogen. Die weißen Hausstörche versammeln sich jetzt in großen Scharen an bestimmten Stellen, um die Reise nach wärmeren Gegenden anzutreten und können auch in der nächsten Umgegend von Berlin, zum Beispiel bei Mahlow, beobachtet werden. Ein Millionär, der Geld braucht. Die katholische Presse be° hauptet so gern, daß die Heirat ohne Liebe ein Verbrechen sei. Sie will es wahr wissen, daß in katholischen Familien nicht nach Geld geheiratet wird. Im schönsten Gegensatz hierzu steht eine Hand- große, vorsichtigerweise schwarz umränderte Heiratsannonce, die wir schon seit mehreren Tagen in der„Germania" finden. Ein katholischer Großkaufmann mit über 125 090 Mark Jahreseinkommen sucht eine gleich gute und reiche, natürlich waschfarben katholische Partie. Ist das etwa keine Geldheirat? Nun, die Heiratsvermittler im schwarzen Rock werdcn'S schon zusammenleimen, damit das schöne katholische Geld nicht in einer Mischehe zum Himmel stinkt. Wie man in Geldsachen ein Ding dreht, das haben sie ja von jeher prächtig heraus. Galgenhumor. Ein Einbruch in das Automaten-Variete an der Grunerstraße wird an der Schaufensterscheibe durch folgendes humorvolle Plakat angekündigt:„Den Herren Einbrechern zur Nach- richt, welche heute Nacht sämtliche Automaten erbrochen und be- raubt haben, daß fortan über Nacht nicht ein Pfennig in den Auto- maten verbleibt. Die Schafsköpfe hätten 100 Mark mehr ergattern können, wenn sie genauer nachgesehen hätten." Und so was muß im Angesichte des Polizeipalastes passieren. Lauft keinem Pastor nach! Wie stände es um die„Kryft" der Kirche, wenn alle, die ihren Verheißungen nicht mehr glauben, den Mut hätten, sich auch osfen von ihr loszusagen? Wo bliebe ihre„Herrlichkeit", wenn nicht die Macht der Gewohnheit dafür sorgte, daß auch solche, die längst innerlich der Kirche entfremdet sind, bei„passender" Gelegen- hcit doch immer wieder dem Pastor nachlaufen? Leute, die sonst den Teufel was nach einem Pastor fragen, meinen plötzlich, ihn nicht entbehren zu können, wenn sie miteinander den Bund fürs Leben schließen wollen oder wenn sie einen Angehörigen zu Grabe tragen müssen. Das befestigt bei der Kirche immer wieder den süßen Wahn, daß sie doch noch den alten Einfluß früherer Zeiten in ziemlich unverminderter Stärke besitze. Und daher erlebt man's denn auch immer wieder, daß solches Machtgefühl Pastoren ver- leitet, gelegentlich sich aufzuwerfen zu„strafenden Richtern" über diejenigen, die ihnen nachliefen und sie um ihren„Segen" oder„Trost" baten. Ein neuer Fall der Ausübung pastoraler„Strafgewalt" wird uns aus Staaken(bei Spandau) gemeldet. Ein Schlosser Sch., der dort ansässig ist, wollte sich verheiraten. Das Brautpaar ent- schloß sich, die standesamtliche Eheschließung noch durch den„Segen" der Kirche bekräftigen zu lassen. Uns ist nicht bekannt, ob Braut oder Bräutigam gläubig sind oder ob auch ihnen der Pastor nur als Dekoration dienen sollte. Einige Tage vor der Eheschließung begab sich die Braut zu dem Pastor, um— wie es in Staaken üblich ist— selber den Spruch auszuwählen, über den er predigen sollte. Sie wählte mit seiner Zustimmung:„Trachtet am erstxn nach dem Reich Gottes", und harrte nun der Predigt, die der Pastor darüber halten würde. Die Vorfreude wurde ihr dadurch getrübt, daß noch vor dein für die Feier in Aussicht genommenen Tage der Pastor auf Grund eines ihm bekannt gewordenen Gerüchtes erklärte, die Braut dürfe nicht Kranz und Schleier tragen. Der Vater des Bräutigams suchte den Pastor zur Zurücknahme dieser Anord- nung zu bewegen, zu der kein Grund vorliege. Doch der Herr Pastor behauptete, es besser zu wissen, und blieb fest. So ent- schloß man sich, in seine Forderung zu willigen, um in der Kirche nicht einen Skandal zu erleben. Es wurde dann auf dem Standes- amt die Eheschließung vollzogen, und das junge Paar rüstete sich zu der kirchlichen Feier, die noch folgen sollte. Zur festgesetzten Stunde begab die Hochzeitsgesellschaft sich zur Kirche, im Vorraum legte die Braut Kranz und Schleier ab, und ohne diesen Schmuck betrat sie die Kirche. Von einigen Hochzeits- gästcn wurde der Vorgang mit Aeußerungen des Unwillens bc« gleitet, die für den Pastor nicht gerade schmeichelhaft waren. Die Feier begann, ein einleitendes Lied wurde gesungen, dann ergriff der Pastor das Wort. Als er den Spruch nannte, der das Thema seiner Predigt bilden sollte, erstaunten das Ehepaar und die Angc- hörigen nicht wenig. Der Herr Pastor hatte den Spruch, der von der Braut ausgewählt worden war, als nicht passend verworfen und hatte ihn ersetzt durch einen seiner Meinung nach passenderen Spruch, der etwa so lautete:„Was ihr mitein- ander gesprochen habt, weiß auch der Herr." Das mußte wirken wie eine Anspielung auf den vermeintlichen Anlaß der Entziehung von Kranz und Schleier, die soeben von dem Pastor verfügt worden war. Dem Vater der Frau war das denn doch zu arg. Kurz entschlossen erklärte er, das Brautpaar habe einen anderen Spruch ausgewählt. Der Herr Pastor machte ein verdutztes Gesicht, dann faßte er sich rasch, klappte seine Bibel zu und brach die Feier ab. Ehepaar und Gäste verließen die Kirche in Aufregung. Draußen aber bc- ruhigten sie sich schneller, als dem Pastor lieb gewesen sein wird. Wie Schuppen fiel es den jungen Eheleuten von den Augen, und sie begriffen mit einem Male, daß man zur Eheschließung wirklich nicht den Pastor nötig hat. Ohne seinen „Segen" begaben sie mit den Gästen sich zu dem Gasthof, um hier die Hochzeit zu feiern. Was werden die jungen Eheleute tun, nachdem der Verkünder des Gotteswortes sie in dieser Weise zu„segnen" versucht hat? Werden sie nicht nach solchen Erfahrungen jetztausderKirchc ausscheiden? Warum übrigens duldeten sie den Schimpf, den der Pastor ihnen in aller Oeffentlichkeit antun zu dürfen glaubte? Warum wendeten sie ihm nicht schon in dem Augenblick sofort den Rücken, wo die Frau gezwungen wurde. Kranz und Schleier abzulegen? Besser wäre es gewesen, wenn sie ihm gar nicht er st Gelegenheit dazu gegeben hätten, seine Strafgewalt auszuüben. Niemand hat nötig, einem Pastor nachzulaufen und ihn fü? einen Ehebund um seinen„Segen" zu bitten. Ehen werden rechtsgültig geschlossen vor dem Standesamt. Wer da einem Pastor die Genugtuung be- reitet, auch noch ihn zu bemühen, der darf sich eigentlich kaum wundern, wenn der Pastor seine„Macht" ihn fühlen läßt. •i„.t>, Einen gehörigen Denkzettel erhalten hat emer zcner widerlichen Burschen, die sich unter der Maske von Kriminalbeamten an Liebespaare heranmachen, um Erpressungen zu begehen. Eiriem Brautpaar, das in später Abendstunde im Walde bei Spindlers- feld spazieren ging, trat so ein falscher, unberufener Sittenwächter entgegen und beschuldigte es wahrheitswidrig, durch unsittliche Handlungen Aergernis erregt zu haben. Er erklärte das Mädchen für verhastet, während er dessen Bräutigam fortschicken wollte. Dies wie das ganze Gebaren des angeblichen Beamten kam dem jungen Mann— einen Schlosser Seiffert— recht verdächtig vor. Er verlangte von dem Störenfried, daß er sich legitimiere, und als dieser es unter allerhand Ausflüchten ablehnte, nahm er ihn beim Kragen und prügelte ihn windelweich durch. Vergeblich wehrte sich der Gauner gegen den kräftigen, mit aller Wucht zuschlagenden Mann und war froh, als er für einen Augenblick freigelassen, in den Wald flüchten konnte. Zwei Privatdetektivs verhaftet. In einem„Privatlogis" der Neuen Königstraße waren einem Reisenden verschiedene Wertsachen ans seinem Zimmer abhanden gekommen, ohne daß eine bestimmte Person in Verdacht kam. Später sah man sich die 22 Jahre alte bisherige Detektivin Lucie Fenske näher an und kam zu der Ansicht, daß sie wahrscheinlich die Täterin sei. Sie war bei mehreren Privatdetektiven tätig gewesen. hatte diesem Beruf aber kürzlich entsagt und war als Verkäuferin und Ver- treterin des Inhabers in einem Konfektionsgeschäft dcr Frankfurter Straße untergekommen. Hier wurde ihr das größte Vertrauen geschenkt. Lucie F. ist aber trotz ihrer jungen Jahre schon ein volles Dutzend mal mit den Strafbehörden in Berührung gekommen und har auch noch eine Strafe zu verbüßen. Ihre Straf- taten sind meistens schwerer Natur, wie Einbruch, Betrug, Diebstahl bei zärtlichem Zusammensein u. dergl. m. Zum Erstaunen deS Prinzipals wurde sie am Mittwoch aus dem Geschäft heraus in Untersuchungshast genommen, obgleich sie die ihr zur Last gelegte Tat bestreitet.— An demselben Tage wurde der 19 Jahre alte Detektiv Karl Metzner aus Charlottenburg festgenommen. In seiner über jedesLob erhabenen Tätigkeit ermittelte er zwar sehr schlimme Dinge, konnte sie aber nicht unter Beweis stellen. So wollte er auch in Erfahrung gebracht haben. daß ein Arzt aus Charlotteübnrg sich Verbrechen gegen das keimende Leben habe zuschulden kommen lassen. Er wollte nun zwar den Arzt nicht unglücklich machen, aber doch für sich einen Vorteil aus seiner Tätigkeit ziehen. Er schrieb an den Arzt, zog die Paragraphen deS Slrafgesetzbuchcs an, wies auf die harten Strafen hin und— verlangte mehrere tausend Mark. Der Arzt ging scheinbar auf die Sache ein, verständigte aber die Kriminal» Polizei. Gestern erschien nun an der Stelle, wo das Geld nieder- gelegt werden sollte, eine vorgeschobene Person, die einen mit Papier gefüllten Briefumschlag erhielt. Man folgte ihr und nahm Mctzner fest, als er im Tiergarten das Schweigegeld in Empfang nehmen wollte. Im Betriebe getötet. Ein entsetzlicher Unglücksfall mit töd- lichem Ausgang hat sich auf dem Rummelsburger Güterbahnhof zu- getragen. Der Eisenbahnbeamte Hermann Unger aus Boxhagen war bei dem Rangieren zweier Güterwagen be. schäftigt gewesen. Durch ein verhängnisvolles Versehen geriet der Bedauernswerte mit dem Kopf so unglücklich zwischen die Puffer der beiden Waggons, daß er ihm vollständig zermalmt wurde. U. stürzte zu Boden und die Beine kamen jetzt auf die Gleise zu liegen. Beide Unterschenkel wurden dem Unglücklichen abgefahren. Der Verunglückte war auf der Stelle tot. Ueberfallen und beraubt wurde am Mittwoch der hiesige Reisende Max Uckrcw. U. war in Köpenick gewesen. Als er in später Abendstunde in der Kolonie Wcndenschloß die sogenannten schwarzen Wege passierte, wurde er plötzlich hinterrücks von drei unbekannten Tätern überfallen und niedergeschlagen. Die Taschen» uhr wurde ihm geraubt. Mit Schlagringen bearbeiteten die Räuber den Ucberfallenen. U. setzte sich kräftig zur Wehr. Als Personen nahten, zogen eS die Wegelagerer vor. die Flucht zu ergreisea. Der erwischte Kanonier. Endlich erivischt ist jeMr Garde-Feld- Artillerist, der in den letzten beiden Wochen in den Vororten Berlins zahlreiche Schwindeleien verübt hat und vor dessen Treiben wir gewarnt hatten. Der Kanonier Scharner, der von seinem Truppenteil fahnenflüchtig wurde, verstand es, unter der Angabe. er habe eine Erbschaft von 125 VW) Mark gemacht, eine ganze Reihe von Personen um Geldsummen zu prellen und Gastwirte um erheb- Uche Zechen zu betrügen. Nachdem er vierzehn Tage hindurch in «-aus und Braus gelebt hat. ist er jetzt in einem Restaurant auf dem Gesundbrunnen von seinem Schicksal ereilt und nach der Arrestanstalt gebracht worden.„ Ein Wcchselfallenschwinbler, der mit außerordentlicher Geschick- lichkcit„arbeitet", tritt gegenwärtig auf. So erschien er am Mitt- woch bei dem Buchhändler B. in der Gottschalkstrahe und kaufte eine Kleinigkeit. Als Zahlung legte er ein Zwanzigmarkstück auf den Ladentisch. Geschickt verstand er es dann, mit dem Wechsel- geld auch das Zwanzigmarkstück einzustreichen. Erst später beim Nachrechnen bemerkte B. den Verlust. Vor dem Gauner sei dringend getvarnt..*„. Diebischer BersichcrinigZagent. Vor einem ziemlich gutgekleidete» Manne von etwa 40 Jahren, korpulent, mittelgroß, mit rötlich blondem, kurz und spitzgeschnittenem Barte, sei gewarnt, welcher unter dem Vorgeben, Agent einer außerordentliche Borteile bietenden Kinder- Versicherungsgesellschaft zu sein, eine Tageszeit für seine „Geschäftsgänge" zu wählen scheint, in welcher die Männer nicht daheim sind. Bei einer Beamtenwitwe in der Kessel- straße erschien der Bezeichnete gestern kurz nach 3 Uhr nachmittags. Die alte Frau war allein zu Hause. Der „Agent" trat„recht nett" auf und wurde dann auch in das Wohnzimmer genötigt. In der Absicht der alten Dame lag es, ihm die Adresse ihrer Tochter, welche drei Kinder besitzt, und eine Empfehlung an dieselbe mitzugeben. Bald nachdem der Ver- sichcrungSmann sie unter vielem Dank für den erhaltenen guten Auf- trag verlassen, vermißt die vertrauensselige Dame ihre Taschenuhr, welche auf der Kommode gelegen, sowie ein Pappkästchen, in welchem sich einige Briefmarken befunden hatten.— Also Vorsicht! Dem„findigen" Herrn dürfte mit dem einen„guten Geschäft" kaum gedient sein. Selbstmord. Der Selbstmord eines Mannes rief in der Nacht zuni Donnerstag an der Weidendammer Brücke großes Aufsehen hervor. Ter erst zugereiste Kutscher Emil John stürzte sich über das Brückengeländer hinweg ins Wasser und ging sofort unter. Er wurde daun in einem Rettungskahn aus der Spree herausgeholt, doch hatten die Wiederbelebungsversuche, die bei dem Selbstmörder angestellt wurden, keinen Erfolg mehr. Ei» heftiger Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen und einem Autoomnibus, der eine größere Verkehrsstörung zur Folge hatte, ereignete sich am Mittwochabend gegen 7 Ilhr in der Gertraudtenstraße. Zur genannten Zeit stieß dort vor dem Hause Nr. 15 der Autobus der Allgemeinen Berliner Omnibus-Aktien- gcsellschaft gegen die Seitenwand des Anhängewagens Nr. 945 eines aus entgegengesetzter Richtung kommenden Straßenbahnzuges der Linie 58. Der Zusammenprall erfolgte mit solcher Wucht, daß die Scitenwand des Bahnwagens durchstoßen und an dem Kraftwagen die Vorderachse zerbrochen wurde. Der Betrieb in der Gertraudten- straße war auf die Dauer von fünfzehn Minuten gestört und mußten während dieser Zeit die diese Strecke be fahrenden dreizehn Linien abgelenkt werden. Personen wurden nicht verletzt. Automobilfiihrcr-Lähmung ist eine neue Krankheit, die mit der wachsenden Verbreitung des modernen Verkehrsmittels immer häufiger auftritt. Sie besteht in der Lähmung einzelner Glieder und einer Erschütterung der Nerven. Der Kranke befindet sich in einem Zustande höchster nervöser Erregung, dabei empfindet er starke Schmerzen im rechten Bein und in der rechten Hüfte.— Kein Wunder bei der Beschäftigung der Chauffeure, speziell unserer großen Straßen-Automobilomnibusse. Wer wollte den Leuten die „Annehmlichkeiten" ihres Berufes neiden! Die fortwährende An- > spannung der Muskeln, die gespannte Aufmerksamkeit, die große Verantwortuug müssen ja an> Ende eine Zerrüttung des Nerven- systems herbeiführen. Viele der heutigen Automobilführer waren ehedem wohl biedere Rosselenker. Ihr neuer Beruf fällt ihnen viel schwerer. Sie seien, hört man sie sich äußern, früher nie so er« schöpft gewesen, und die Zeit der Dienstfreiheit reiche zur Erholung nicht aus. Für vergessenes Handgepäck haftet die Eisenbahnverwaltung in der Regel nicht. Das Gericht hat sich aber— der„Zeitung der Ver. D. Eisenb.-Verw." zufolge— für die Ersatzpflicht der Eisenbahn in folgendem Falle ausgesprochen: Ein Reisender hatte eine lederne Handtasche im Werte von 80 Kr. im Mteil liegen gelassen, dies aber dem Stationsvorsteher gemeldet, der durch tele- phonische Anweisung den inzwischen weiter gefahrenen Zug durch- suchen ließ. Die Tasche wurde aufgefunden und unterwegs ab- gegeben, verschwand dann aber aus dem Dienstraum auf uuerklär- liche Weise. Da» Gericht entschied nun, daß die Verwaltung Ersatz zu leisten habe? denn auch der, der freiwillig eine Verwahrung übernehme, müsse die Pflichten des Verwahrers erfüllen. Der Winter-Fahrplan der Eisenbahndirektion Verlin ist soeben im ersten Entwürfe erschienen. Er enthält die mit Rücksicht auf den Geschäfts- und Arbciterverkchr im Winter regelmäßig ein- tretenden Veränderungen und Zugverschiebungen, wonach auch dies- mal auf einigen Strecken die ersten Frühzüge in Fortfall kommen rcsp, etwas später gelegt werden. Dafür sind auch einige neue Züge hinzugetreten, so auf der Wannscebahn-Strccke Berlin— Sie gilt tz. in den Vormittags- und Abendstunden. Vom 1. Dezember ab sollen wieder die Nachtzüge auf den westlichen Vorortbahnen gefahren werden, welck)C hauptsächlich den Besuch der Theater. Konzerte und anderer Wintervergnügungen in der Residenz zu er- leichtern bestimmt sind. So werden zum Beispiel auf der Strecke Berlin— Groß-Lichterfelde-Ost die letzten Züge um 1.02, 1.22 und 1.42 nachts und auf der Potsdamer(Hauptbahn-) Strecke um 1.05 und 1.45 nachts verkehren. Der Zug 1.05 ab Verlin, Potsdamer Fernbahnhof, fährt während der ganzen Winter- Fahrplanperiode bis Wildpark, während der Zug 1.45 ab Berlin, Potsdamer Fernbahnhof, nur in der Zeit vom 1. Dezember dieses Jahre» bis 1. April kommenden Jahres, und zwar bis Pots- dam verkehren wird. In umgekehrter Richtung wird mit Rücksicht auf etwaige Hoffestlichkciten ein Zug um 2.30 nachts vom Potsdam abgelassen, der ebenfalls nur vom 1. Dezember bis 1. April ver- kehrt. Endlich erscheint im Winter-Fahrplan die neue Fernbahn- strecke Beelitz(Stadt)—Wildpark, weil diese Strecke vor- auSsichtlich mit dem 1. Oktober dieses Jahres in Betrieb genommen werden wird. Die ganze Strecke heißt daher jetzt:„Beelitz (Stadt)—Wilbpark— Näu>°m": die Züge fahren von Beelitz bis Caputh— Geltow 20 Minuten und von da bis W i l d p a rk 8 Minuten, zusammen also 28 Minuten. Die Fahr- Planänderungen, welch« sich auf der Strecke Berlin— Spandau— D e l l g o w— D ö b e r i tz in der Zeit vom 11. Oktober dieses Jahres bis Anfang April kommenden Jahres(während welcher der Truppen-Uebungsplatz in Döberitz nicht belegt ist) er- geben, haben wir bereit» mitgeteilt. DaS bekannte AuSkunftsbuch„Die Wohlfahrtsein- r i ch t u n g e n B e r l i n s und seiner Vororte", welches zu- letzt 1S04 erschienen, inzwischen aber völlig vergriffen ist, soll dem- nächst in vierter Auflage herausgegeben werden. Die HerauSgeberin dieser, wie der früheren Auflage ist die Zentrale für private Fürsorge. W. 64, Unter den Linden 16, vormals A« S k u n 1 1« st e II e der Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur. Allen Wohlfahrtsinstitutioneii muß daran liegen, in dein Buch mit durchaus richtigen und aus- g i c b i g e n A n g a b e ii angeführt zu sein. Bezügliche Zuschriften nimmt die„ A b t e» l u n g B i b l i o t h e l" der oben genaniiteii „'Zentrale* gern entgegen. Bei der Herausgabe deS Werls handelt es sich bekanntlich um kein geschäftliches sondern um ein lediglich dem Allgemeinwohl dienendes Unternehmen. Ein gesuchter Gewinner. Bei der Verlosung in der„Neuen Welt" am Mittwoch fiel der Gewinn auf Nr, 430, Ter Gewinner hat sich noch nicht gemeldet..~„, Das Luisenufer von der Gitschiner Straße bis zur Bärwald- brücke(Prinzenstraße) ist behufs Umpflasterung bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter auf polizeiliche Anordnung gesperrt. Feuerwchrbericht. In großer Lebensgefahr schwebten am Mitt- woch drei Kinder, die ohne Aufsicht in einer Wohnung in der St r elitzer Straße 34 zurückgelassen worden worden. An- gcblich durch Unvorsichtigkeit gerieten in der Wohnung Kleider und ein Spind in Brand. Zum Glück bemerkten Hausbewohner die Gefahr und holten entschlossen die Kleinen noch' vor Ankunft der Feuerwehr aus der total verqualmten Wohnung heraus. Tie Flammen konnten dann schnell gelöscht werden.— Wegen eines größeren Kellerbrandcs wurde die Feuerwehr nach der Chaussee- straße 20 alarmiert. Papier, Lumpen und anderes brannten dort, so daß tüchtig Wasser gegeben werden mußte.>— Der neunte Zug hatte in der K ö t h c n e r Straße 34 nachts um 12 Uhr zu tun. Dort brannten Balken, Fußböden und anderes.— Der siebente Zug hatte in der BoxhagenerStraße4 einen Brand zu löschen, der durch Fahrlässigkeit entstanden war. In der C a l vi n st r a ß e 30 war auf einem Balkon eine Markise in Brand geraten und inderLibauerStraße ll Gardinen, Steppdecken, Nähtische und anderes.— Ferner mußte ein Brand gelöscht werden, der in der K o p e r n i k u s st r a ß e 20 auf einem Klosett ausgc- kommen war. Der Fußboden, die Balkenlage und anderes standen bei'Ankunft der Feuerwehr schon in Flammen. Auf der Trcptow-Sternwarte spricht Direktor Dr. Archenhold am Sonntag, den 23. August, nachmittags 5 Uhr, über„Die Lebens- geschichte der Sterne"! um 7 Uhr über„Werden und Vergehen im Weltall", und am Montag, abends 9 Uhr, über„Die Vielheit der Welten". Alle drei Vorträge, die mit zahlreichen Licht- und Drehbildern ausgestattet und gemeinverständlich sind, findcil statt im Hörsaal, Restaurant Knape, vormals Zenner. Treptower Chanssee 22, gegenüber der Sternwarte. Mit dem großen Fernrohr ivird jetzt am Tage die junge Sichel der Venns und die Sonne mit(ihren Flecken, abends Doppelsterne und Satunr gezeigt. Vorort- l�ackrickten. Das Hebewerk für den Grostschiffahrtöweg Berlin-Stettin wird nicht zur Ausführung kommen. Es war ursprünglich geplant, den Höhenunterschied des Kanals bei Liepe um zirka 30 Meter durch ein Hebewerk auszugleichen. Die wenigen bisher existierenden der- artigen Bauten haben sich jedoch nicht in dem Maße bewährt, daß dieses für eine schnellere Abfertigung der durchzuschleusenden Schiffe wichtige Bauwerk zur Anwendung kommen kann. Gegen- wärtig bietet ein solcher Bau noch derartige technische Mängel, daß so viel Reparaturen zu befürchten wären, daß dies für die Schiff- fahrt mehr Störungen verursachen würde als die Anlegung eines Schleusenwerkes. Aus diesem Grunde wird eine Treppenschleuse angelegt, und zwar nach dem Muster der Machnower Schleuse am Teltowkanal. Es werden Doppelkammern eingebaut, die das gleichzeitige Passieren tal- und bergwärtö fahrender Schiffe durch eine Schlcuscnstufe ermöglichen. Hierdurch wird auch die Anlegung von Sparschleusen denkbar, so daß Schwierigkeiten durch den Wasserstand nicht entstehen können. Da sämtliche SchleUsenstufcn gleichzeitig in Benutzung genommen werden können, wird durch das mehrfache Durchschleusen der Fahrzeuge kein übermäßiger Aufenthalt herbeigeführt und Stauungen vor der Treppenschleuse kaum zu erwarten sein. Die Zahl der anzulegenden Schleusen- stufen ist noch nicht bestimmt. Dem Ministerium liegen mehrere Pläne vor, doch dürste in nächster Zeit bereits eine Entscheidung fallen, welcher von ihnen zur Ausführung gelangen soll. Eine Verkehrsstatistik über die Straßeiibahnverbindnng der kleineren Vororte mit Berlin ist vom Schmargendorfer Grundbesitzer- verein herausgegeben worden. Danach koinmt in Britz auf 1400 Einwohner, in Friedenau auf 4000 Seelen je eine elektrische Straßen- bahn. In der Gemeinde Grunewald kommen auf 000, in Nieder-Schön Hausen auf 2000. in Süd ende auf 1600, in T e m p e l h o f auf 3500, in Treptow auf 3000. in Schmargendorf aber erst auf 6300 Einwohner eine elektrische Straßenbahn. Nixdorf. Unter einslllrzenden Erdmassen verschüttet wurden am Mitt- woch an der Mainzer Straße zwei Knaben. Auf den Lchmbergen, zwischen der Reuter- und Mainzer Straße, hatten eine Reihe von Kindern gespielt. Plötzlich kam einer der Hügel ins Rutschen und stürzte zusammen. Während es den übrigen Kindern gelang, sich in Sicherheit zu bringen, wurden die beiden acht und vier Jahre alten Brüder Albrccht aus der Reuterstraße uiit- gerissen und unter den Erdmassen begraben. Sofort machten sich in der Nähe weilende Bauarbeiter an die Rettung der Verschütteten. Der ältere Bruder hatte bei dem Unfall schwere Verletzungen er- litten, so daß er nach dem Kinderhospital gebracht werden mußte. Der jüngere hatte nur äußere Verletzungen davongetragen. Er wurde nach der elterlichen Wohnung geschafft. Wilmersdorf. Dachstuhl-Brandstiftung. Gestern morgen wurde der Dachstuhl des Hauses Uhlandstr. 114/15 durch Feuer völlig zerstört. Der Brand hatte sich, als die Wilmersdorfer Feuerwehr kurz nach >/z6 Uhr an der Brandstelle erschien, bereits auf beide Seitenflügel des Hauses ausgedehnt. Der gesamte Dachstuhl des Vorderhauses stand in hellen Flammen. Die Wehr konnte noch deutlich mehrere völlig getrennt liegende Brandherde f e st st e l l e n. Brandinspektor Dannehl, der die Leitung übernahm, ließ sofort alle verfügbaren Rohre vornehmen und von einer mechanischen Leiter aus das Dach einschlagen, um dem Rauch Abzug zu verschaffen, der sich auf den Treppen sehr unangenehm fühlbar machte. Ueber die Dächer der angrenzendeu Gebäude und die Treppen gaben dann fünf von einer Dampffpritze gespeiste Rohre Wasser. Der Dachstuhl deS Vorderhauses wurde gänzlich zerstört. Die Flammen hatten nach Durchbrnch der'Decke ihren Weg auch zur vierten Etage gefunden und hier großen Schaden angerichtet. Köpenick. Bei der durch Wahl deS Dr. Herrmann zum Stadtrat crfor- derlich gewordenen Stadtverordneten-Ersatzwahl der ersten Ab- teilung wurde Dr. Karl Lehmann mit 42 gegen 17 Stimmen, die aus den Schlächtermeister Paul Hausknecht fielen, gewählt. Ueber„Konsumvereins- und Genossenschaftswesen und deren Bedeutung für das Proletariat" referierte Genosse Borchardt in der letzten Wahlvereinsversammlung im„WilhclmSgarten". In der Diskussion über den mit Beifall aufgenommenen Vortrag kritisierte Genosse Hilliges die Teilnahmslosigkeit der hiesigen Arbeiterschaft gegenüber dem Konsumverein„Constantia" und forderte die An- wescnden auf, das Versäumte nachzuholen. Zur Gcncralvcrsamm- lung Groß-Berlins wurden die Gcnosscn Reichert, W i ß l c r, H a r t i g, Sallan, Heinze und H e i d b c ck delegiert. Bc- treffs Uebertritts der Frauen teilte� der 1. Vorsitzende, Genosse W o i k, mit, daß der Frauen- und MädchenbildungSverein in seiner am 29. Juli stattgehabten Sitzung beschlossen hat, den. selben aufzulösen und geschlossen dem sozialdemokratischen Wahl» verein beizutreten. Diese Mitteilung fand allseitigen Beifall. DaS Stiftungsfest des Wahlbereins findet am Sonnabend, den 29. August, im„Stadttheatcr"(Inhaber Otto) statt. Britz-Bnckotv. > In der WahlvereiiiSversammlung vom 18. August hielt Ge- nosse Stürmer einen überaus fesselnden Vortrag über:„Revo- lution in der christlichen Religion". Der lebhafte Beifall der auch von Frauen stark besuchten Versammlung am Schluß feincS Referats zeigte, daß die Anwesenden seinen Ausführungen mit lebhaftem Interesse gefolgt waren. Die Genossen Raatz und Vcuthmann berichteten über die Kreisgeneral. Versammlung vom 16. d. M. Zur G e n e ra l v c r sa m m. lung von Groß-Berlin wurden die Genossen P r c n z l o w und T i ep ke delegiert. Die Abrechnung des Kassierers, Genossen Duinkc, von der Landtagswahl ergab eine Einnahme von 64,45 M. und eine Ausgabe von 68,75 M. Genosse Dumke rügte die Lässigkeit der Genossen, insbesondere der des 2. Bezirks, und forderte zu inten- siverer Beteiligung bei Sammlungen und auch anderen Arbeiten für die Partei auf. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrten die Versammcli:n das Andenken des beim Baden vom Herzschlag getroffenen Ge- nossen E n g e l m a n n n in der üblichen Weise. Treptow-Baumschulenweg. Am Dienstag fand eine außerordentliche Generalversammlung statt, die sich fast ausschließlich mit der Berichterstattung von der Kreisgeneralversamniluna und der dainit im Jusammeiihang fteheiideii Tremilliigsfrage beschäftigte. Der Kreisvorstand sowie die Kreis- generalversamiiilnng hat es bekanntlich fast einstimmig abgelehnt, der Trennung des Wahlvereins in zwei selbständige Vereine zu- zustimmen. In der Diskussion über den von den Delegierten erstatteten KreiSgeneralversammlungs-Bericht wurde die ablehueiide Haltung der in Frage kommenden In- stanzen in der vom örtlichen Berein als notwendig erachteten Trennung lebhaft bedauert. Das Ergebnis der ausgedehnten»iid lebhaften Diskussion war die Wahl einer Kommission,� die Mittel und Wege ausfindig machen soll, wie in Zukmift erfolg- reicher unter den seitherigen Verhältnissen weiter gearbeitet werden kann. Martendorf. In der gut gesuchten Mitglieberversaiillttluitg deS Wahl- vereinS, in der auch Frauen zugegen waren, hielt Genosse Den her einen sehr instruktiven Vortrag über das neue ,,V e r- e i n s g e s« tz". Dem Vortragenden wurde für seine so trefflichen Ausführungen reicher Beifall gezollt. In der hierauf folgeuden Diskussion fand man es recht sonderbar, daß trotz des neuen Ver- einsgesetzeS die Mitgliederversammlung, zu der auch Gäste Zutritt hatten, von 2 Gciidanncn überwacht wurde. Den Bericht über die Generalversammlung des Kreises gab Genosse Sengcr. Betont wurde, daß erfreulicherweise der Wahlvcrein bei der Ab- rcchnung zur Landtagswahl mit einem Ueberschuß von 93 M. an dritter Stelle im Kreise steht. Alsdann wird 7 Genossen das Wahl- Vereins, weil dieselben bei der Landtagswahl ihr Wahlrecht nicht ausübten, eine Rüge erteilt: 4 hiervon sind Nichtpreuhen. Auf- genommen wurden 28 männliche und 15 weibliche Mitglieder. Genosse Bösel gibt die Abrechnung vom Stiftungsfest und der Maifeier. Das Stiftungsfest hatte eine Ausgabe von 184,39 M. und eine Einnahme von 176,29 M., die Maifeier eine Ausgabe von 88,10 M., eine Einnahme von 101,80 M. Genosse Reichs r d t führte als Gcmeindcvcrtreter an, datz Genosse Weber und er den Beschluß durchgesetzt haben, daß bei den K a n a l i s a t i o n s- arbeiten in der Ringchaussce mindestens% Arbeiter vom Orte zu beschäftigen sind. Arbeiter, welche etwa dort abgewiesen tverdeu, sollen dies dem Genossen Reichardt baldigst mitteilen. Nowawes. Das Fällen der Bäume in der Lindenstralie zu Nowawes anläßlich der Schienenlcguna für die Elektrische führte am Mittwoch vor dem Potsdamer Schöffengericht zu einem Nachspiel für den Zimmerer Timpe auS B o x h a g e n. T. war bei den Arbeiten als Vorarbeiter angestellt und beaufsichtigte die Arbeiter, denen er auch die Löhne auszubezahlen hatte. Da die Arbeiter ungleiche Lohnbcträae erhielten, wurde man mißtrauisch, und nach cingehender Untersuchung kam man dahinter, daß T. 40 M. von den Arbeiterlöhnen unterschlagen habe. Er entschuldigte sekiie lin- redlichkcit mit seiner damalige» Notlage und erklärte sich zur Schadensdeckung bereit. Da aber schon Anzeige erstattet war, kam die Sache zur Berhaiidlung. T. wurde wegen Unterschlagung zu 15 M. Geldstrafe verurteilt. DaS Gericht schenkte seiner Bc- hauptung, er habe als Vorarbeiter im Akkord gearbeitet und An- spruch auf das unterschlagene Geld gehabt, keinen Glauben. Briefhaften der Rcdahtion. Tie|iitlf(ifilie evr-chfi»»«,« find«, Liud-nstr-st- Str.», zMeiicr Hof, dritter/, bis v>/, llbr itait. iOciiifutl 7 IMr Sonnabends beginn» die Spreitistiiiide um 0»I>r. Jeder Zlutrag- ist ein Äuchilabe Ii»d eine 3ahl als Merkzeichen beizuiiige». briefliche Annvort wird nicht erteilt. Vis zur Veantwortung im Vricfkaftcn könuc» 14 Tage vergehen,»ilige Fragen»rage ma» in der Sprechfiiinde vor. I.<6.. B. 1. Nach einem Beschluß de» Kammcrgerichi» vom De- zunber 1S05 ist der Vater berechiigt, den Kicchcnaustritt sür seine minder- jährigen Kinder zu erklären. L. Die Kirche rechnet solche Kinder zu sich gehörig. 3. Ja. 4. Der Austritt mühte bei der Geburt vollzogen werden. — F. T. Die Livree ist nicht Ihr Eigentum geworden; Sic müssen die- selbe vielmehr zurückgeben. Die Firma ist nicht berechtigt, etwaige An- iprüche gegen das Gehalt aufzurechnen.— M. A. 77. 1. Jede grogjährige Person kann zum Vormund ernannt werden. 2. Da» Amtsgericht (Vorniundschastsgericht) kann aus Antrag ein noch nicht Lljähriges. aber älter als löjährigeS Kind sür großjährig erklären, ö. Nein.— M. K. 1666. 1. Nach Aiisichl der Kirchenbehörde ja, nach unserer nein. 2. KeineSweg».— 46. K.««. Ja.— Z. S3. 1.-3. Nein.— Rix- dors 12. Ein solcher Verlrag ist sofort gültig, hat aber keinerlei Wirkmiz den schon vorhandenen Gläubigern gegennber.—I. 4». Ja.— M. 26. Ja. — H. 61. 1. und 2. DaS ist möglich. Der MetSstempcl wird sür die Zeit von Januar bi» Januar gezahlt. Wird ciiic Wohnung von Oktober zu Okiober vermietet, so kann daher doppelt Mictsstcmpel gezahlt werde» müssen.— Sl.«. 66. Eine Mitteilung an die Kirche und den Psarrer genügt.— G. R. 6. Nein.— Vertrag 1V07. Für den Fall einer Klage würden Sie zur Zahlung verurteilt werden.— 21. H. 53, Nein, Sie besinden sich im Jrrium.— B. 14. Der Knabe müßte solange in der schule bleiben, bis er da» Entlassuiigszcugnis vom Nekior erhält.- R. K. 21. 17'/. Millionen.— Z. Nein. — M. Z. 91. 1. Die Sparkasse ist sicher. Weiiden Sie sich an eine städtische Sparkasse. 2. und 3. Ja. 4. Zur Adoption ist ein gerichtlicher oder notarieller Vertrag und Zustimmimg des Amtsgerichts erforderlich. Adoptieren kann nur, wer selbst keine ehelichen Kinder hak. Der Adoptierende soll mindestens 50 Jahre alt sein, doch kann von diesem Ersorderuis Di»pcnS erteilt werden.— U. 1. Wenn Ihre Frau nicht auch ausscheidet, muß sie Kirchensteuern weiterzahlen.— Tieckow. 1. Die Frau muß den Termin ivahrnchmen. 2. Nach Fruchtlosigkeit des SüHneierirnnS ist die Bescheinigung hierüber, sowie die ArwenrechlSbescheinigung dem Landgericht zu überreichen, darzulegen, aus welchem Grunde Ehescheidung nach- gesucht wird, die Beweismittel anzuführen und der Antrag aus Bc- willigung de» Armcnrcchts beim Landgericht zu stellen.— 21. Z. 6». Ja. — 9k..K. 26. Wenden Sie sich an die WaiicndircMon. Der vo» Ihnen betonte Umstand ist ohne jeden Einfluß.— K. T. 26, Ja.— Fl. 2V. Direktion der Straßenbahnen. Leipziger Platz.— L. L. 23. Sie könnte» unter Darlegung de» Sachverhalt» noch einmal sich an die Staatsanwalt- schcht wenden oder Beschwerde bei der Oberstaatsanwalkschast beim Kammer- gcricht einlegen. Viel Aussicht aus Erfolg hätte das enieulc Borgchen aber nicht.— H.»6. 1. Gewiß. 2. Keineswegs zahlt die Versicherungsanstalt statt der Rciitc ein Kapital. Dazu ist sie»ach dem Gesetz nicht berechtigt. — 21. K. 8. Für den Fall der Hilssbcdürltigkcit ja. Bevor die Mutter sich an den Annenvorsteher wendet, sollte sie einen Versuch mit einem Anirag an die Stiswngsdeputation, Poststr. 16 II, machen. — E. B. II. 1. Ihre Militärpapiere, Ihre Geburtsurkunde, die Sterbe- Urkunde Ihrer ersten Frau sowie ein SluScinandersctzungsschcin ist ersorder- iich. Der Anirag ans Auseinandersetzung mit den minderjährigen Kinder» ist an das Amtsgericht zu richten. 2. Wenden Sie sich an Genossen Simanowski, Engeluser 15. 3. Soweit uns bekannt, new. Aber trete» Sie mit Genossen Hoffmann. Blumenstr. 14, in Verbindung.— M. M. 46. Leider ja. Das Gesetz bezeichnet nicht bestimmte Gegen- stände al« unpsändbar. sondern sagt, daß die unentbehrlichen Gegenstände mipsändbar find. Welche hierzu gehöre», ist von Fall zu Fall cvent. aus Beschwerde zu entscheiden.— V. B. 676. 1. DaS ist nicht ralsam. 2. Ja. — Z. 87, 1. 16,24 Mark und vom Tage der Geburt des KindcS ab pro Tag außerdem öS Pf. 2. Leider nein.— H. G. 166. Sie hasten keines- ivcgs für die von Ihnen dargelegten Schulden Ihrer Frau. Ihre Frau kann sich von einer persönlichen Hastung sür die Schulden de! Nachlasses dadurch besreien, daß sie dem Nachlaßgericht ihre Absicht mitteilt, und um Ausgebot der Gläubiger und Inventar ersucht.-» M. N. 1. und 2. Ja. Für den Inhalt der Inserate Ibcrnimint die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. m €bcatcr. Freitag, den 21. August. Zlnsang VI, Uhr. ftonigl. Opernhans. Mignon. Königl. Schauspielhaus. Die Rabmsteinerin. Neues königl. Operntheater. Lohengriii. 3t, Ifang 7 Uhr. Tentsches. Was ihr wollt. K a m m e r s p i e l e. Gyges und Ring. Llnsang 8 Uhr. Ansang S Uhr. Lesstug. Die versunkene Glocke. SieueS. Baccarat. Neues Schauspielhaus. Die Dollarprinzesstn. Kleines. LX'2— ö. Komische Oper. Der Zerrissene. Residenz. Der Floh im Ohr. Hebbel. Frau Warrens Gewerbe. r-»!tspiell)»»s. Die blaue Maus. Trianon. Fräulein Josette— meine Frau. Westen. Ein Walze, träum. Swiller O.(Wallner-Tbeater.) Der Postillion von Lonjumcau. Schiller Charlottendnrg. Ein Fallissement. Friedrich- Wilhelmstädt. Schau- spielhaus. Ein Rabenvater. Luisen. Suse. Thalia. Mitiernachtsmädchen. Vernhard Rose. DaS Geheimnis von New Jork. Nterropol. DaS muh man seh'n. Slpollo. Vera Violctla. Epe- zialitäien. Gebrüder Herrnfeld. DaS kommt davon. Vorher: ES lebe das Nachtleben. Vassagc. Spezialitäten. Berliner Prater. Die Welt ein Paradies. Ansang 7 Uhr. /, Uhr: Konzert im Theatengart. Eröffnungs- Programm. The Zancig«— Joseph Joseph), Sänget — Ephraim Thomneon, dressierte Elephanten— Okabe, Japaner- Truppe— Die 5 Mowatte. Keulen- Jongleure— Die 12 Tiller Girls, Engl. Gesangs- u. Tauetruppo— Cornalla und Eddie. Amerikanisohe Exoentrics— Der Zukunflspreie, Wettrennen m. lobenden Pferden Karl Hertz, Zauberkünstler._ Boyer de Latory, französ. Sängerin Der Biograph._ Metropol-Theater Zum 337. Maie: Revue in 12 Bildern m. Ges. und Tanz. Ansang 8 Uhr. Rmtchen gestattet. NMMMMD B Ar. Frankinrter Str. 182 Oes Geheimnis v. tiew Vorst Ans. 8 Uhr. Soinmerpreise. Aus der GarienbüHne: Thesterrorstellung. Gpezialilltsn Ansang i'l, Uhr._ llioT9 SPwialitäten- UVuL_ Theater- Landsberger Allee 76/79, direkt Ringbahu- Station. Bequemste Fahrgelegenheit nach allen Stadtrichtnngcn. Ob schön! Ob Regen! ÜBT Täglich:-gey Das neue und beste Programm Berlins. Ans. S Uhr, Entree Wochent. 80, SonnlagS 30 Pj. Täglich: volkSbelustigunge» aller Art. Bnumeu-Tdeater Badstraße 58. Direkt.: Willi Voigt. Täglich: Der jüngste Leutnant. Erstltlitsßge Bpfiinlitfltrn. The Heros Kurt Eilye Paul Coradlnl, Mr.King andMiBCooke BUglcrs 8 wilde KönigSIöwen. Eröffnung 2 Uhr. Ansang 4'/, Uhr. Vorverkaus von 10 Uhr ab. Mittwoch, 20. August: 40jähriges Bühnenjubiläum von Karl Möller. KvMHvi'-'irbeutv»'. (Wallner-Theater.) Morwiff-Oper. Freitag, abends SUbr: Gastspiel Heinrich Blitci: Der Postillion von Lonjumeaa. Komische Oper in 3 Akten V. A. Adam, S onnabend, abends3Uhr: Populäre Vorstellung b. halb. Preisen: Bin Jüdin. Sonntag, nachm. 3 Uhr: bei halben Preisen: Die Afrikanerin. Sonntag, abends 8 Ubr: Gastspiel Heinrich Bütel: Der Troabodonr. Schiller- Theater CharloUenburg. Freitag. aBeil bä 8 Uhr: Ein Falllaaemcnt. Schauspiel in 5 Auszügen von Björnstjerne Björnson. -onnabend, abends 3Uhr: M- Zum erstenmal: Dn» Stiftungsfest. Sonntag, nachm. 3 Uhr, Stein unter Steinen. Sonntag, abends 8 Uhr: Das Stiftungsfest. Ohne Extra-Eatree. Der Riese aller Riesen Pisjakoff Eintritt 60 Pf. Kinder, Soldaten 85 Pf. Passage-Theater. Abends 8 Uhr: BELLINI der König alier mit seinen noch nie gesehenen, i ans Unglaubliche grenzenden{ ::: Gedankenübertragungen| Das groBartige August-Programm!? Grete Gallus, Fritz Steldl usw. usw. g Parodie-Theater Dresdener Straffe 97. Heut«: Cavnllerin.- Hnstlknna und die urkomische Burleske „Berlin steht Kopp". Ansang Sonnt. 8, Wochent. ö'l, Uhr. Reiohsliallen-Theater Täglich: Stettiner Ans. Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Neichshalleu-Garten und Restaurant: Mititär-Konzrrt. Schmelzer Garte». Am Könlgstcr— Am Frlodrichshaln. Täglich: Theater-Vorsteilung, Spozialitäten und Bali. Berliner Leben. Volts stück mit Gesang in 3 Bildern. Mütwoch: Kinderftrudtiiftst. Volksbelustigungen. Kinematograph. Enlree 30 Ps. An Wochentagen Ist Saat u. Garten an Vereine zu Festlichkeiten zu vergeben. äs Ji iWto B«MVMM V. m 1«M ■Theafer ! V/einbergsweg 19/20, Rosenth.Tor, I Spezialitätcnvorst. im Garten. Bei uugünst. Witterung i.THcater.! GroSes Progr. Ans. d. Vorst. 8 Uhr.' I Ans, d. Gartenkonz. 7 Uhr. SU. Pr.| W.Koaeks Theater Dtrettion: Hob. Dill. Bruiiiienstr. 10. Angeklagt! Schauspiel in 7 Bildern. Ans. 0 Uhr. Kaffecküche 3-6 Uhr. Sonnabend: Extra- Vorstcllnug: Der Wilderer. O®«®»®»©®«»»«•»«©©»• ils ierM-Mr. SchSnhauser Allee 148. Täglich: it oollkii Jegcl». Lebensbild in 3 Men. Dazu ersthlasfige SpkMlMtu. Gustav Behrens- Theater. Wiedereröffnung Sonnabend, den kiÄ.Augnst: Xeu t Keul Nen! Die Guldenprinzessin. Operette. Wlederaustrcten von Gustav Gohrens u»d 10 erstklassige Spezialitäten. DuSkcS Kinematograph. Ansang 3 Uhr. Sonntags 0 Uhr. Bttto mMiscImeldtm! VorzugsbiHett! Vitaseope-Theater, 110 Juvalidenstraffe 110 zirka 700 Personen fassend, gültig sür 1—4 Personen aar- statt 75 Ps. nur 50 Ps. IkNüB 0 50 m» 30# NS". 30.. SO. Sonnabend, Sonntag ungültig. ax Kliems Sommci'-Cbcater. — Hasenheide 13— IS.— Artistische Leitung: Gcmliard Lange M Täglich: und SpeziaMteii-Hlliiiii. Miitwoch: Kinderfest. Donnerstag: Elite-Tag. Große Extra- Mondschelnfalirt ZI_ 1118b Sonnabend, den 88. August ..Kyffhttniier«} ab Sclilllisigsbrücke Daselbst; JMS- Sonuncrnachlsball."MI Abfahrt 0, v /, u. 10 Ehr. Hin und zurück 50 Fl. Große Dampfer- Ferienfahrten IriwHrffiffSB» n-ch Wernsdorfer Schleuse Gosener Berge. Jeden Sonntag, Montag, Mittwoch u. l, C�hillinrrchriVr Ir a Donnerstag früh 91/, Uhr. nachm.> �»ZUllllllllgsilf UUlkV. 8 Uhr. hin u. zurück 50 Pf. 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Deutscher Transportarbeiler- Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Müllkutscher Wilhelm Kaiisch am 18. d. Mts. im Alter von j 40 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andruke«! Die Beerdigung findet heute I Freitag, den 21. d. A!tZ.. nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- ! Halle des' Rir.dorfer Gemeinde- Friedhoses, Mariendorjer Weg, aus statt. I 70/15 Die Verwaltung II. Deutseher iHolzarbeiMeiijaiid Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Einsetzer Sieks» Mubowski am 19. August gestorben ist. Ehre seinem Andenken; Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 22. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Sebastian- Kirchhofes in Reinickendorf(Huniboldtstraße) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 89/4 Die Orteverwaltung. ««■■HanHannaMnBMaBnHaniH | Zentral-Kranken- ulSterlie- kasse der Tisehler (®. H. 8.) Zahlstelle Lichtenberg. T o d e s- A n k o i g e. Slm 18, August verstarb unser Mitglied, der Bergoider ttugo Thomas. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 21. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle in Lichtenberg, Bornitzstraße, aus statt. 184/7 Die Ortsvertvaltung. Danksagung. Allen Verwandten und Bekannten sür die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines WanneS und Vaters, insbesondere seinen beiden LeidenSgenossen vom 1. März 1890 vom Blumberger Krawall, sowie sür die Kranzspende vom Verbände der Maurer berzlichen Dank.' Witwe Xepp nebst Tochter, 11206 Eberswatder Str. 16. Sanssoucij Kottbusor Straße 6. Direltion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Holkmaiins und Tanzkränzchen Beg. Sonnt. 5, wochent. 8 11. Nolksgarten-Theater — am Bahnhos Gesuiidbrmlnen.— Freitag, den 21. August 1908: Konzert, Idealer und Spezialitäten-Vorstellung. yenea Rlonen»Proyramm, Neue Welt Ilaacnhelde 108—114. Kr. Bayerisches Kellerjest i Heute; der größten Dame. 3 Preise: M. 60.—, M.40.—, M. 20,— Prämiierung 10 Uhr auf der BOhne. Anmeldungen bis O'/jUhr an der Kasse. fistbahn-yark Am KDstrinerplatz, Rüdersdorf erstr. 7) Hermann Imbs. Taglich, strogss Konzert, Mer- und Spezialitäten- Vorstellung. ISozialflemokratiscIierWalilmiDl für den |4. Berliner Reiehstais-Wahikreis. (Görlit?cr Viertel.) Bezirk 225. Teil I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Schlosser Karl Xüesss Reichcnberger Str. 81 gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 21. August, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- halle des Emmaus-Kirchhoses in Britz aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 220/3 Der Vorslaud. Deutscher iMetallarbeiter-Verbandl Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß| j unser Mitglied, der Schlosser Karl Hesse I am 17. d. Mts. an Lungen- | entzündung gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindct heute I Freitag, den 21. August, nach- mittags 41/, Uhr, von der Leichen- halle des EmmauS-Kirchhojcs in «ixders aus statt. biege Beteiligung wird erwartet, Den Kollegen zur Nachricht, daß! unser Mitglied, der Anschläger �uxust Kurth am 18. d. Mts. an Nierenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 23. August, nachmittags 3 Uhr, von der Leiche»- Halle deS Gethsemane-Kiichhoses in Nieder- Schönhauscn- Nordend auS statt. Rege Beteiligung erwartet 121/1 Die Ortsverwaltung. !iÄM!i!WMM.M?si'ei!!j ttir den jh.SMfWslMMl'ckj Todcs-Anzclgc. Am 19. August verstarb unser I s Mitglied, der Tischler Xuxust Kurth Stargarder Slraße 61. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigimg findet am Sonnabend, den 22. August, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Gethsemane- Friedhoses in Niedcr-Schonhausen(Nordend) ans statt. lim rege Beteiligung ersucht 228/20 Der Verstand. Allen Freunden, Bekannten und Kollegen die traurige Nachricht, daß mein lieber Sohn, unser guter Bruder, Schwager und Onlel, der Korrektor ?ÄUl ttoktMÄllll aui 19. d. Mts.. nachm. S'l, Uhr, nach langem, schiverein Leiden ge. storvcn ist. 40392 Die Bcerdiamig findet Sonntag. den 23. d. Mts., nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle deS Aus« erstchungs-KirchhoseS am Weißen- seer Weg auS stalt. Die trauerndenHinterbliebenrn. Am Dienstag, den 18. d, M., verstarb nach schwerem Leidcir meine inniggelicbte Frau NLaria. Berger geb. Schirrbock im Alter von 36 Jahren. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. d. M., nach. niittagS 2 Uhr, vom Kranken- hause Moabit auS nach Ncinicken- dors, Berliner Str. 26, statt. Der tiestctriibtr Gatte 1119b Franz Borger, Karlstraße 14. Danksagung. Sage allen Verwandten, Freunden und Bekannten, den Angestellte» so» wie den Mitgliedern des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes und dem Sozialdemokratischen Wahlvcrein Ber» lin Hl für die rege Beteiligung bei der Beerdigung memeS lieben MamicS sowie sür die reichen Kranzspenden meinen besten Dank. 1125b Derthn Bude. Danksagung. Allen Kollegen und Kolleginnen der A. E.-G., Schlegelstraße, Abteilung Wihauitsabrik, sowie dem Deutschen Metallarbeiter-V erband, sage ich im Namen aller trauernden Hinter- bliebenen sür die innige Teilnahme bei der Beerdigung meiner verlobten Braut kmma>Velslty meinen herzlichsten Dank. 11236 Alfred Klingel»«!,. Mitglied des Deutschen Buchbinder» Verbandes. Mischer lictallarbeiter-Verband. Arbeitsnachweis; Hof I. Amt III. 1239. Verwaltungsstelle Verlin. Charltestraßo 3. Hanpt-Dnreaa: Hof III. Amt III. 1987. Sonntag, den Ä3. August 19V8, vormittags 10 Uhr: Hilgemeine ymammlung Rohrleger und Keller Kerlius und Umgegend im Gewerkschaftshans, Engelnfer 15, Saal 4. TageS-Ordnung: i JZr gegenwärtige Stand unserer Tarifbewegung. Referent: Kollege Handle. 2. Diskussion. 121/1 Kollegen l Der Tag, an dem der gegenwärtige Tarif abläuft, rückt immer näher; darum soll in dieser Versammlung die Entscheidung getroffen werden, wie wir unser ferneres Verhalten einrichten. Es ist aber notwendig, daß ein jeder Kollege über die Antivort der Ardeitgeber unterrichtet ist. Deshalb ist es Pflicht eines jeden von Euch, in dieser Versamm- lung zu erscheinen. In Eurem eigenen Interesse agitiert für einen guten Versammlungs- besuch! Keiner darf fehlen! Ein jeder muß zur Stelle sein! Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Mit kollegialem Gruß Deutscher MetaIIarbeiter=Verband, Ortsverwaltung Berlin. Verband der Kupferschmiede« Filiale Berlin. Verband der Schmiede« Zahlstelle Berlin. Die Vertrauensmänner der Rohrleger und Helfer von den drei Organisationen werden ersucht» am Sonntag, vormittags S'/a Uhr, Saal? des Gewerkschafts- Hauses zu sein. Sonntag, den 23. August 1908, vormittags 9 Uhr: Zw" Mitglieders Versammlung 1« für die Branche der Sisen-, Sftetall- und Kevolverdreher in den MusikersFestsälen« Kaisers WilhelmsStraße 18 m. TageS-Ordnung: 1. Branchenangelegenheiten(die gegenwärtige Lage unser Branche). 2. Diskussion. 3. Bericht der Unterstützungsrommission für ausgesteuerte Kollegen. 4. Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung erwarten wir vollzähliges Erscheinen. ———— Mitgliedsbuch legitimiert.——— Die Ortsvcrwaltnng. Achftung! Achtung! Sangesfreunde! Sonntag, den 23. August 1SV8, findet eine Morgensprache � in Ludwigs Viktoriagarten, Köpenicker Landstraße 66/8* statt, veranstaltet von den GsLanNverejne» des Arbeiter- Sängerbundes. 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Start: Wald- straffe 8. 9. Abt. 1 Uhr: Hirschgarten. Start: Schillingstraffe 15/15.— Die Versammlungen finden von jetzt ab jeden ersten und dritten Donnerstag bei Frcher, Koppenstr. 29, statt. 10. Abt. 6'/, Uhr: Beelitz. 1 Uhr: Wannsee. Start: Weberftraffe 17. 11. Abt. Mittwoch, den 26. August, vormittags L Uhr: KönigS-Wuiler- Hausen(Altes Schützenhaus). Start: Große Hamburger Straffe 13/19. Gäste willlommcn. Achtung Sonnabend, den 5, September: Stiftungsfestinder Brauerei Friedrichshain,_ Soeben erschien in zweiter verbesserter Auflage Gu8to? idolf Ein Fürsteuspiegel zu Lehr uud Nutz der deutscheu Arbeiter von ssrani Mobring mit einem neuen Vorwort Preis 1.— M. 217/1» v i I l i g e Ausgabe 40 Pf. gxpedition des»Vorwärts4 Liudeustr. 69, Laden. ÄSH«! w« Billigste Bezugsquelle für %fgglemsche J» Bedarfs-Ürtike! HroKerio Zarcmba, Berlin N., Weinbergsweg 1. = Ein Versuch= (Ohrt zu dauernder Kundschaft. f Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(lettgedrockt) 20 Ptg. 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